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Pottwal
Physeter catodon (=macrocephalus)
© 2002 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Der wissenschaftliche Name des Pottwals, der innerhalb der Ordnung der Waltiere (Cetacea) zur Unterordnung der Zahnwale (Odontoceti) gehört, hat von alters her immer wieder Anlass für Diskussionen gegeben. Die Ursache hierfür ist einer der seltenen Fehler, der dem «Vater» der modernen zoologischen Systematik, dem grossen schwedischen Gelehrten Carl von Linné, im Jahr 1758 unterlief: Er unterschied damals irrtümlicherweise zwei Arten grosser Pottwale und nannte den einen Physeter catodon, den anderen Physeter macrocephalus. Inzwischen wissen wir mit Gewissheit, dass es weltweit nur eine grosse Pottwalart gibt, doch konnten sich die Fachleute bis heute nicht einigen, welcher von Linnés Namen zu verwenden ist. Früher wurde Physeter macrocephalus bevorzugt, heute wird häufiger Physeter catodon verwendet, und zwar mit der Begründung, dass Linné Physeter catodon vor Physeter macrocephalus aufgeführt habe und catodon deshalb «Zeilenpriorität» zukomme...
Umgekehrt heisst es noch in neueren Fachbüchern, darunter in «Grzimeks Tierleben», dass die Familie der Pottwale (Physeteridae) lediglich zwei Arten umfasse: den «eigentlichen» Pottwal und den Zwergpottwal. Es ist heute jedoch erwiesen, dass der 1866 beschriebene Kleinpottwal (Kogia simus)
tatsächlich vom 1838 beschriebenen Zwergpottwal (Kogia breviceps)
verschieden ist und es somit zwei Arten von kleinen Pottwalen gibt. «Klein» ist in diesem Zusammenhang zwar relativ, denn der Kleinpottwal weist eine durchschnittliche Länge von 2,7 Metern und der Zwergpottwal sogar eine solche von 3,4 Metern auf. Im Vergleich zum «eigentlichen» Pottwal, bei dem die Männchen bis über 18 Meter lang und bis 57 Tonnen schwer werden, sind die beiden kleinen Pottwale aber tatsächlich «Knirpse».
In allen Ozeanen heimisch
Der Pottwal kommt in allen Ozeanen rund um den Erdball herum vor, vom Äquator bis zu den polaren Eiskappen. Auch in tiefgründigen Randmeeren wie dem Mittelmeer und der Karibik kann man ihm begegnen. Soweit wir wissen, wagen sich allerdings nur die gross gewachsenen Bullen in die Polargegenden vor, während sich die Kühe und die jugendlichen Tiere hauptsächlich im Bereich zwischen den beiden Wendekreisen aufhalten.
Auf beiden Erdhalbkugeln führen die Pottwalbestände saisonale Wanderungen in nordsüdlicher Richtung durch. So bewegen sich die Pottwale auf der Südhalbkugel jeweils im südlichen Frühling von ihren äquatornahen Winterquartieren weg gegen Süden. Die Männchen stossen dann teils bis zum 65. oder gar 70. Breitengrad vor, während die Weibchen und die Jugendlichen höchstens etwa bis zum 40. Breitengrad wandern. Im Herbst erfolgt jeweils die Rückwanderung in umgekehrter Richtung.
Inwiefern die Pottwalpopulationen des Atlantiks, des Pazifiks und des Indischen Ozeans untereinander in Verbindung stehen, inwieweit die Pottwale also auch westöstliche Verschiebungen zeigen, ist nicht genau bekannt. Nach Einschätzung der Fachleute finden aber auf der Südhalbkugel während der Sommermonate durchaus auch «Seitwärtsbewegungen» statt, insbesondere südlich des Kaps der Guten Hoffnung zwischen dem Atlantischen und dem Indischen Ozean sowie südlich der Insel Tasmanien zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean.
Zu den bevorzugten Aufenthaltsgebieten der weiblichen wie männlichen Pottwale gehören unter anderem auch die subtropischen Bereiche des Südatlantiks. So sind die grossen Zahnwale beispielsweise bei der Insel Sankt Helena, jenem auf dem 16. südlichen Breitengrad liegenden britischen Territorium, welches die vorliegenden Briefmarken verausgabt hat, regelmässig zu beobachten.
Die Bullen tragen Narben
Wie bei so vielen Meereslebewesen ist die Erforschung der Lebensweise des Pottwals eine sehr schwierige und zeitraubende Aufgabe. Immerhin gehört der mächtige Zahnwal nach über drei Jahrzehnten aufwändigen Studiums durch zahlreiche Marinbiologen zu den besterforschten aller Waltiere. So lässt sich heute zumindest in groben Zügen ein Lebensbild dieses interessanten Meeressäugers zeichnen.
Soweit wir wissen, bilden stabile, gewöhnlich zwanzig bis vierzig Individuen umfassende Weibchen-Jungen-Gruppen die Grundeinheit der Pottwalgesellschaft. Die Beziehungen zwischen den Weibchen einer Gruppe halten im Allgemeinen jahrzehntelang, und manche Weibchen verbleiben sogar zeitlebens in ihrer Geburtsgruppe. Die jungen Männchen hingegen - und auch zahlreiche junge Weibchen - verlassen nach der Entwöhnung ihre mütterliche Gruppe und schliessen sich mit ihresgleichen zu kleinen, gewöhnlich sechs bis zehn Individuen umfassenden Jugendgruppen zusammen. Noch vor der Geschlechtsreife verlassen die jungen Weibchen ihre Jugendgruppe wieder und schliessen sich einer Weibchen-Jungen-Gruppe an. Die jungen Männchen hingegen bilden in dieser Lebensphase Junggesellengruppen von zumeist zwölf bis fünfzehn Individuen. Je älter die Männchen werden, desto weniger Gleichgeschlechtliche dulden sie in ihrer Nähe, weshalb die grössten und ältesten Pottwalbullen nur noch zu zweit oder allein umherstreifen.
Die Fortpflanzungszeit der Pottwale fällt naturgemäss in den verschiedenen Bereichen des weltweiten Verbreitungsgebiets in unterschiedliche Kalendermonate. In der Regel finden aber die Paarungen im Frühling und die Geburten im Herbst statt. Während der Paarungszeit werden die Weibchen-Jungen-Gruppen jeweils von ein paar grossen Männchen begleitet. Diese «Freiertrupps» bleiben stets nur kurz mit einer Gruppe zusammen. Sie paaren sich mit den brünstigen Weibchen und ziehen alsbald auf der Suche nach weiteren Weibchen-Jungen-Gruppen weiter.
Welcher Art die Beziehungen innerhalb der «Freiertrupps» während dieser aufregenden Zeit sind, wissen wir nicht. Möglicherweise sind die Bullen miteinander verwandt und verbünden sich zeitweilig, um sich gegen fremde Bullen behaupten zu können. Möglicherweise haben sie untereinander auch eine Rangordnung hergestellt, welche das Vorrecht zur Paarung mit den Weibchen regelt. Auf jeden Fall scheint zwischen den erwachsenen Pottwalmännchen eine erhebliche Rivalität zu bestehen, denn praktisch alle älteren Bullen sind mit zahlreichen Narben - als sichtbarem Zeichen ausgefochtener Kämpfe - übersät.
Die Trächtigkeit der Pottwalkühe dauert zwischen 14 und 17 Monaten. Die Jungtiere kommen fast ausnahmslos als Einzelkinder zur Welt. Sie weisen bei der Geburt eine Länge von etwa vier Metern und ein Gewicht von rund einer Tonne auf. Obschon sie im Alter von ungefähr einem Jahr beginnen, feste Nahrung zu sich zu nehmen, werden sie noch mindestens bis zum Alter von zwei Jahren von ihrer Mutter gesäugt. Die Weibchen sind mit sieben bis neun Jahren geschlechtsreif und bringen in der Folge etwa alle fünf bis sieben Jahre ein Junges zur Welt. Die Männchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren, beginnen aber erst im Alter von 25 bis 27 Jahren, sich während der Fortpflanzungszeit um die brünstigen Weibchen zu bemühen. Weibchen wie Männchen wachsen auch nach der Geschlechtsreife weiter und sind erst im Alter von etwa 30 bis 35 Jahren ausgewachsen. Die Lebenserwartung liegt unter natürlichen Verhältnissen bei etwa 80 Jahren.
Krakenjäger mit «Ölnase»
Wie alle Zahnwale ist der Pottwal ein «Raubtier», das sich von anderen Meerestieren ernährt. Während aber die meisten seiner Vettern im oberflächennahen, lichtdurchfluteten Wasser frei schwimmenden Fischen nachjagen, geht der Pottwal in der Finsternis der Tiefsee auf Beutefang und scheint dort - auf bis zu anderthalb Stunden dauernden Tauchgängen -- vor allem Tintenfischen, gelegentlich aber auch Grundhaien und anderen Bodenfischen nachzustellen. Die meisten seiner Beutetiere sind weniger als einen Meter lang. Manchmal fallen ihm aber auch grössere Tiere zum Opfer. Zu nennen sind insbesondere Riesenkalmare oder «Kraken» (Architeuthis spp.)
, welche - einschliesslich ihrer Fangarme - eine Länge von 15 und mehr Metern aufweisen können.
Wie tief der Pottwal bei der Unterwasserjagd taucht, ist nicht abschliessend geklärt. Es scheint aber, dass er grössere Tiefen erreicht als jedes andere Säugetier. Tote Pottwale, die sich in untermeerischen Telegrafenkabeln verfangen hatten, wurden schon in Tiefen von über 1000 Metern aufgefunden. Und mittels Sonargeräten konnten Pottwale schon verlässlich bis in Tiefen von 2250 Metern verfolgt werden.
Wie der Pottwal seine Beute in solchen Tiefen erjagt und ob seine auffällige, mit bis zu 2000 Litern eines feinflüssigen Öls («Walrat») gefüllte Nase hierbei eine Rolle spielt, ist noch immer ungeklärt. Zwar ist man heute allgemein der Überzeugung, dass der Koloss zunächst fast senkrecht bis auf den Meeresgrund abtaucht und dann in der Finsternis die meiste Zeit bewegungslos auf Beute lauert. Auch zweifelt man kaum daran, dass seine «Ölnase» dabei eine wichtige Rolle spielt. Die Frage ist bloss: welche?
Eine Theorie besagt, dass die «Ölnase» eine ähnliche Funktion hat wie die Schwimmblase bei den Fischen, also dem Pottwal die Regulierung seines spezifischen Gewichts und somit der Stärke des Auftriebs erlaubt. Man stellt sich vor, dass der Wal seine Nasengänge mit kaltem Meerwasser flutet, so dass das Öl abgekühlt wird und sich zu einem spezifisch schwereren Wachs verdichtet, was den Körper nach unten zieht. Und dass er später das Meerwasser wieder ausbläst, so dass das Wachs durch die Körperwärme verflüssigt wird, worauf der Körper wieder nach oben gezogen wird.
Gemäss einer anderen Theorie soll die «Ölnase» - ähnlich wie die «Melone» bei den Delphinen - zur Bündelung und Abstrahlung von Rufen dienen und dem (in der Tat sehr stimmfreudigen) Pottwal die Ortung von Beutetieren nach dem Echolotprinzip erlauben. Es wurde sogar die Vermutung geäussert, dass der Pottwal bei Bedarf «akustische Todesstrahlen» auszusenden vermag, das heisst Töne von solcher Intensität, dass Tintenfische und Fische durch sie bewusstlos gemacht oder gar getötet werden und in der Folge leicht zu erbeuten sind.
Eine weitere Theorie geht von der Überlegung aus, dass Öl sehr viel mehr Stickstoff, den Hauptverursacher der gefürchteten «Taucherkrankheit», binden kann als das Blut. Sie folgert aus diesem Umstand, dass die «Ölnase» des Pottwals möglicherweise Stickstoff aus dem Blutkreislauf des Tiers «herauszufiltern» vermag und so den Rekordtaucher vor Embolien schützt, wie sie der Mensch bei zu raschem Aufstieg infolge des in den gasförmigen Zustand übergehenden Stickstoffs häufig erleidet.
«Walrat» als Verhängnis
Welches genau die Funktion der «Ölnase» des Pottwals ist, entzieht sich weiterhin unserer Kenntnis. Gewiss ist einzig, dass sie eine lebenswichtige Funktion haben muss, denn sonst hätte sie sich im Laufe der Stammesgeschichte der Art bestimmt nicht herausgebildet. Und noch etwas steht ausser Zweifel: Sie wäre dem Pottwal beinahe zum Verhängnis geworden, nachdem der Mensch um die Mitte des 18. Jahrhunderts entdeckt hatte, dass sich das «Walrat» als Lampenöl, als Salbengrundlage und als Lederpflegemittel ausgezeichnet eignet. Die enorme Nachfrage nach «Walrat» führte zu einem unbarmherzigen Abschlachten der Pottwale. Man schätzt, dass schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts rund 5000 Pottwale im Jahr erlegt wurden.
Nachdem sich in den 1930er Jahren neue Verwendungszwecke des «Walrats» - als Gleitmittel für feinmechanische Instrumente, als Zusatz zum Getriebeöl von Automobilen und als Rohstoff für kosmetische Präparate - gefunden hatten, nahm die Verfolgung der Pottwale nochmals massiv zu: Anfangs der 1960er Jahre wurden jährlich gegen 30 000 Pottwale erlegt. Die Pottwale vermochten - wen wundert's? - diese enorme Ausbeutung nicht zu verkraften, und es gab immer deutlichere Hinweise darauf, dass die Bestände weltweit erheblich schrumpften. Die allgemeine Besorgnis um den Fortbestand der Pottwale wie auch der übrigen Grosswale führte schliesslich, 1986, zum internationalen Walfangmoratorium, also zur globalen Einstellung des kommerziellen Walfangs.
Hinsichtlich der heutigen Grösse der Pottwalpopulation gibt es keine allgemein akzeptierten Schätzungen. Die Fachleute gehen aber davon aus, dass sich die Bestände in der Zwischenzeit etwas zu erholen vermocht haben. Vorausgesetzt, das Walfangmoratorium bleibt weiterhin in Kraft und es werden keine neuen Technologien entwickelt, um die Tintenfischbestände der Tiefsee, die Nahrungsgrundlage der Pottwale, im grossen Stil auszubeuten, sind die Überlebenschancen der mächtigen Zahnwale wieder erfreulich gut.
Legenden
Der Pottwal (Physeter catodon)
ist das bei weitem grösste Mitglied der über siebzig Arten umfassenden Sippe der Zahnwale (Odontoceti). Die Männchen werden bis über 18 Meter lang und bis 57 Tonnen schwer, die Weibchen messen bis zu 12,5 Meter und wiegen bis zu 24 Tonnen. Das Bild zeigt einen jugendlichen Pottwal in der Karibik, der von Walsaugern (Remora australis)
begleitet wird. Diese Fische benützen Wale als bequemes Transportmittel, indem sie sich mit ihrer Saugscheibe an deren Haut heften.
Im Gegensatz zu allen anderen Grosswalen befindet sich beim Pottwal das Blasloch nicht auf dem Scheitel, sondern vorn oben auf der mächtigen «Nase». Der bis zu fünf Meter lange Blasstrahl wird im Übrigen beim explosionsartigen Ausatmen nicht nach oben, sondern schräg nach vorne «geschossen».
Stabile, gewöhnlich zwanzig bis vierzig Individuen umfassende Weibchen-Jungen-Gruppen bilden die Grundeinheit der Pottwalgesellschaft. Während der Paarungszeit schliessen sich diesen Gruppen jeweils ein paar grosse Männchen an. Beim auf dem Rücken schwimmenden Tier im Bildvordergrund wie auch beim senkrecht im Wasser stehenden Tier am linken Bildrand ist der überraschend kleine, schmale Mund dieser riesenhaften Meeressäuger gut erkennbar.
Die jungen Pottwale kommen nach einer Tragzeit von 14 bis 17 Monaten als Einzelkinder zur Welt. Sie weisen bei der Geburt eine Länge von etwa vier Metern und ein Gewicht von rund einer Tonne auf. Obschon sie schon im Alter von ungefähr einem Jahr beginnen, feste Nahrung zu sich zu nehmen, werden sie noch mindestens bis zum Alter von zwei Jahren gesäugt. In dieser ganzen Zeit weichen sie kaum je von der Seite ihrer Mutter.
Der Pottwal ernährt sich vor allem von Riesenkalmaren («Kraken») und anderen Tintenfischen, erbeutet aber gelegentlich auch Haie und andere Fische. Bei seinen Jagdzügen taucht er zunächst fast senkrecht - meistens viele hundert Meter weit - bis auf den Meeresgrund ab und geht dann oftmals über eine Stunde lang in der kalten Finsternis dem Beuteerwerb nach. Das Bild wurde in der Nähe der Kerguelen im südlichen Indischen Ozean aufgenommen.
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