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Basler Verkehrs-Betriebe (BVB)
Be 4/6 603–622, 623–658 DÜWAG (1967–)

1961–62 kamen in Basel mit den Be 4/6 601 und 602 die beiden ersten Gelenk-Motorwagen in Betrieb. Die dreiteiligen Prototypen aus rein schweizerischer Fertigung erwiesen sich als störungsanfällig und waren oft Gäste in der BVB-Hauptwerkstätte Klybeck.
Im Hinblick auf eine vorgesehene Modernisierung der Birseckbahn weilte von Juli bis August 1964 der fabrikneue DÜWAG-Gelenkwagen GT6 435 der Verkehrsbetriebe Mannheim im Birseck. Auf Grund der guten Erfahrungen holten die BVB ein Jahr später denselben Wagen für drei Monate wieder nach Basel und unternahmen umfangreiche Versuchsfahrten. Das Fahrzeug überzeugte auch im Betrieb mit Anhängewagen, was verbunden mit dem günstigen Preis zu einer Bestellung von 20 Be 4/6 603–622 ähnlicher Bauart führte.
Gegenüber den bereits in grösserer Zahl in deutschen Städten verkehrenden DÜWAG-Gelenkmotorwagen wiesen die Basler DÜWAGs einige markante Unterschiede auf: Infolge der engen Kurven waren Front- und Heckbereich stärker eingezogen (diesbezüglich ähnliche Fahrzeuge wurden auch nach Würzburg geliefert). Ausserdem erhielten die Basler Wagen grosse Liniennummern-Brosebandkasten vorne und hinten sowie markante Siemens-Einholmstromabnehmer (Typ Wiener Starkstromwerke). Für den Betrieb mit Anhängewagen kam eine Druckluftbremsanlage mit Führerbremsventil zum Einbau.
Der zweiteilige Wagenkasten bestand aus abgekanteten Stahlprofilen, die mit der Seitenwand- und Dachverblechung zu einem selbsttragenden Aufbau verschweisst wurden. Die beiden Wagenteile waren durch ein torsionssteifes Gelenk Bauart DÜWAG miteinander verbunden. Der Kasten stützte sich auf drei Drehgestelle ab, von denen das mittlere antriebslos war. Die Abstützung erfolgte über Kugeldrehkranz, Federtraverse und Schraubenfedern mit hydraulischen Stossdämpfern auf dem Drehgestellrahmen.
Das Wesentlichste an den Triebdrehgestellen war die Verwendung von nur einem längsliegenden Doppelflanschmotor, der beide Radsätze über Kegelradgetriebe antrieb (Monomotor-Drehgestell). Motor und Getriebe ruhten mittels eingebauten Gummikupplungen voll abgefedert auf den Achsen und bildeten eine starr verbundene Einheit. Zum ruhigen Lauf trugen gummigefederte Radsätze (Typ Bochum) bei. Je ein Radsatz pro Triebdrehgestell sowie beide Radsätze des Laufdrehgestells waren mit einer Scheibenbremse ausgestattet. Die beiden Vollspannungsmotoren wurden in Serie-/Parallelschaltung über Widerstände angefahren. Der Untersitz-Fahrschalter von Siemens wurde direkt mit einer Kurbel betätigt. Die Wagen 606 und 607 wurden als letzte der Serie ausgeliefert und verfügten über eine elektronische Fahr-/Bremssteuerung «Simatic» von Siemens. Mit diesem Paar wurden die ersten Doppeltraktions-Versuchsfahrten unternommen.
Bei der hinteren Plattform befand sich die Billeteurkabine. Vier Doppeltüren waren über die ganze Wagenlänge verteilt. Die Innenbeleuchtung bestand aus Fluoreszenzröhren, die in Serie mit Fahrleitungsspannung betrieben wurden.
Nach den guten Erfahrungen mit der ersten DÜWAG-Serie war es naheliegend, auch bei der nächsten Fahrzeugbeschaffung wieder auf dieses bewährte Produkt zurückzugreifen. Im Spätsommer 1970 bewilligte der Grosse Rat den dazu nötigen Kredit zur Beschaffung von 36 weiteren DÜWAG-Gelenkmotorwagen. Diese zweite Serie (Be 4/6 623–658) wurde mit stärkeren Motoren ausgeliefert, die im Gegensatz zur ersten Serie nicht mehr von Siemens, sondern von BBC stammten. Die übrige elektrische Ausrüstung mitsamt elektronischer Simatic-Fahr-/Bremssteuerung wurde von Siemens zugeliefert. Die vordere Doppeltüre wurde als Einfach- statt Doppeltüre ausgeführt.
Spätere Änderungen (Auswahl):
Die Ablieferung der Fahrzeuge der ersten Serie erfolgte 1967. Die Be 4/6 603–622 kamen in den ersten Betriebsjahren vorwiegend mit Grossraum-Anhängern auf der Linie 6 zum Einsatz. Die Be 4/6 623–658 folgten 1972 und ersetzten auf den Vorortslinien 11 und 14 älteres Rollmaterial. Gefahren wurde ebenfalls mit Grossraum-Anhängern. Später waren die DÜWAGs auf fast allen Linien im Einsatz, auch in Doppeltraktion. Bis 1990 wurde jedoch vermieden, Fahrzeuge der ersten und zweiten Serie gemischt zu fahren.
Mit der Ablieferung der Be 6/8 301-328 COMBINO wurden alle Wagen der ersten Serie aus dem Betrieb genommen. Bis 2016 folgten die Fahrzeuge der zweiten Serie. Einige DÜWAG kamen zur BLT (siehe Be 4/6 123...158), die meisten wurden jedoch nach Belgrad abgegeben. Die Be 4/6 627 und 628 blieben als historische Fahrzeuge in Basel.