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AIDS Care
Schäfer et al.
Sport ist gesund, so lautet der Volksmund. Tatsächlich konnte bei HIV-negativen Personen gezeigt werden, dass eine regelmässige körperliche Aktivität die Sterblichkeit erniedrigt, insbesondere aufgrund eines geringeren Risikos für Herzkreislauferkrankungen. Forscher aus der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie haben nun untersucht, ob sich die körperliche Aktivität in der Freizeit und im Beruf zwischen HIV-positiven Personen und HIV-negativen Personen unterscheidet. Das Ergebnis: HIV-positive Personen bewegen sich weniger im Vergleich zu ihren HIV-negativen Mitmenschen. Zudem haben die Forscher einen Geschlechter-Unterschied und einen ganz besonderen «Röstigraben» festgestellt.
In der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie beantworten die Patientinnen und Patienten alle sechs Monate Fragen zur körperlichen Aktivität in ihrer Freizeit und während der Arbeit. Für die aktuelle Studie haben die Forscher bei 10'540 Teilnehmern die Antworten auf diese Fragen zwischen Dezember 2009 und November 2014 ausgewertet. Diese Daten wurden verglichen mit denjenigen aus einer Umfrage namens «Sports Switzerland» innerhalb der Schweizer Allgemeinbevölkerung aus den Jahren 2009 und 2014.
Bei den HIV-positiven Personen gaben 2009 insgesamt 49% der Befragten an, in ihrer Freizeit keine körperliche Aktivität zu betreiben. Dieser Prozentsatz sank 2014 leicht auf 44% ab. Im Vergleich hierzu gaben 2009 bei den HIV-negativen Personen nur 27% der Befragten an, in ihrer Freizeit auf körperliche Aktivität zu verzichten und dieser Prozentsatz blieb anlässlich der Verlaufsumfrage 2014 stabil bei 26%. Bei der Frage nach einer sitzenden Tätigkeit am Arbeitsplatz fand sich bei den Patienten aus der SHCS ein leichter Anstieg von 23% 2009 auf 26% 2014. Zusätzlich Analysen ergaben, dass Personen mit einer Aids-definierenden Erkrankung und einer tiefen CD4-T-Helferanzahl weniger körperlich aktiv waren im Vergleich zu den Personen, bei denen die HIV-Infektion in einem frühen Stadium entdeckt wurde und welche eine höhere CD4-T-Helferanzahl aufwiesen.
Gemeinsamkeiten im Bewegungsdrang fanden sich zwischen HIV-positiven Personen und der Allgemeinbevölkerung bei der Geschlechterfrage: in beiden Gruppen waren die Männer körperlich mehr aktiv als die Frauen, wobei die körperliche Aktivität ab dem Alter von 25 Jahren kontinuierlich abnahm. Zudem gaben Personen mit einem höheren Bildungsgrad an, sich in ihrer Freizeit mehr zu bewegen als Personen mit einem tieferen Bildungsgrad. Zuletzt konnten die Forscher in ihrer Studie einen besonderen «Röschtigraben» ermitteln: HIV-positive Personen in der Deutschschweiz gaben tendenziell mehr körperliche Aktivität in ihrer Freizeit an im Vergleich zu ihren Mitmenschen aus der Westschweiz und dem Tessin.
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass HIV-positive Personen von einer Beratung hin zu mehr körperlicher Aktivität profitieren könnten. Dies würde den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und insbesondere liesse sich damit das Risiko für Herzkreislauferkrankungen reduzieren.