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Mit dem Kostümfilm "Brideshead Revisited" ist in Locarno die 61. Auflage des Filmfestivals eröffnet worden. Das Festival ist dieses Jahr europäisch geprägt. Am 12. August werden drei Uraufführungen aus der Schweiz gezeigt.
"Brideshead Revisited" basiert auf dem teilweise autobiographischen Roman von Evelyn Waugh von 1944. Darin beschreibt der Autor aus der Perspektive des Ich-Erzählers Charles Ryder den Zerfall der katholischen Adelsfamilie Marchmain im England der 1920er- und 1930er-Jahre.
Ebenfalls eine Premiere feierte auf der Piazza Grande ein neues Beleuchtungskonzept, das laut den Veranstaltern eine noch "zauberhaftere Stimmung" verbreiten soll.
Die Häuserfassaden rund um die Piazza werden dabei wechselweise in unterschiedlichen Farben angestrahlt. Zudem gibt es in diesem Jahr für die beiden Hauptwettbewerbe elektronische Untertitel.
Im Rennen um den Goldenen Leoparden sind dieses Jahr 18 Filme, darunter sechs Erstlingswerke. Kurzfristig hinzugekommen ist der zweite Spielfilm von François Rotger "StoryOfJen" mit Marina Hands.
Weniger Amerika, mehr Europa
Mehr Beachtung beim breiten Publikum dürften allerdings die Filme erreichen, die auf der Piazza Grande projiziert werden. Darunter die Komödien "Back Soon", gleichzeitig auch Schlusspunkt des Festivals, und "Choke", eine Adaption eines Romans des amerikanischen "Fight Club"-Schriftstellers Chuck Palahniuk mit Anjelica Huston.
Diese wird für ihre Wandelbarkeit und beeindruckende Leinwandpräsenz den Excellence Award 2008 erhalten, den Preis jedoch nicht persönlich entgegennehmen.
Dieses Jahr werden in Locarno deutlich weniger amerikanische Filme gezeigt werden als 2007. Festivaldirektor Frédéric Maire macht gegenüber swissinfo dafür zwei Gründe geltend: "Der erste ist der Streik der Drehbuchautoren in Hollywood. Deshalb hat sich die Fertigstellung verschiedener Filme verzögert und es sind zurzeit nur wenige amerikanische Studio-Filme auf dem Markt."
Zum andern befinde sich das amerikanische Kino in einer Phase der Stagnation. Das habe sich am Sundance Festival, dem Barometer der Branche gezeigt, so Maire.
"Dieses Jahr gab es viele durchschnittliche Filme. Filme, welche nicht auf grosses Interesse stiessen."
Tag des Schweizer Kinos
Gleich drei Filme handeln von Musik: Die australische Produktion des britischen Regisseurs Julien Temple "The Eternity Man", "Berlin Calling" von Hannes Stör und "Lezione 21". Damit gibt Alessandro Baricco, der Autor des Monologs "Novecento: Die Legende vom Ozeanpianisten", sein Regiedebüt.
Mit Spannung erwartet wird die Weltpremiere der deutsch-österreichisch-schweizerischen Produktion "Nordwand" von Philipp Stölzl vom kommenden Samstag. Benno Fürmann spielt im Film, der die tragische Besteigung der Eigernordwand 1936 zum Thema hat, die Hauptrolle.
Am Tag des Schweizer Kinos, am 12. August, stehen drei Schweizer Uraufführungen auf dem Programm: "Marcello, Marcello" von Denis Rabaglia, "Luftbusiness" von Dominique de Rivaz und der Zeichentrick-Kurzfilm "Retouches" von Georges Schwitzgebel.
Moretti-Retrospektive
Besonderes Augenmerk gilt bei der 61. Ausgabe des Filmfestivals den beiden Cineasten Nanni Moretti und Amos Gitai. Der italienische Kultregisseur Moretti wird mit einer umfassenden Retrospektive, einer Publikation und einer Ausstellung geehrt. Amos Gitai aus Israel erhält den Ehrenleoparden.
Unter den Gästen wird in Locarno auch der französische Schriftsteller Michel Houellebecq erwartet. Sein erster langer Film für die Leinwand, die Adaption seines Romans "La possibilité d'une île", wird in der Kategorie "Play Forward" gezeigt.
Am Filmfestival Locarno werden in diesem Jahr insgesamt rund 180 abendfüllende und 190 kurze und mittellange Filme präsentiert.
swissinfo
DAS FESTIVAL
Das 61. Filmfestival Locarno findet vom 6. bis 16. August statt.
Auf der Grossleinwand auf der Piazza Grande werden 20 Filme gezeigt. 18 Filme laufen im internationalen Wettbewerb. Insgesamt sind am Festival 380 Filme zu sehen.
Rund 50 Schweizer Werke werden am Festival gezeigt. Ein Höhepunkt ist "Un autre Homme" von Lionel Baier, der im internationalen Wettbewerb läuft.
Schweizer Filme auf der Piazza Grande: "Marcello Marcello" von Denis Rabaglia, "Nordwand" mit Schweizer Beteiligung von Philipp Stölzl und "Retouches" von Georges Schwizgebel.
Dani Levy, Schweizer Regisseur, der in Deutschland Karriere gemacht hat, sitzt in der Jury. In die Schlagzeilen kam er mit seinem jüngsten Film über Adolf Hitler.
Der Tag des Schweizer Films findet am 12. August statt.