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Gerade erst hat der Staatsrat klar gemacht, dass er nicht an einer gesetzlichen Regelung der Sprachenfrage, beispielsweise mittels einer finanziellen Unterstützung für zweisprachige Gemeinden, interessiert ist.
Der Staatsrat will kein explizites Sprachengesetz einführen. Wie stehen Sie dazu?
Jean-François Steiert:Ich bin der Meinung, dass im Bereich Sprachen zuerst alles gemacht werden muss, was unter den jetzigen Rahmenbedingungen möglich ist, bevor ein riesiger Streit über ein Gesetz entbrennt. Durch die heutige Verfassung haben wir einen grossen Spielraum, um mehr zu machen. Beispielsweise beim Erwerb der Partnersprache oder bei Austauschmöglichkeiten. Einiges wird in der obligatorischen Schule gemacht, relativ wenig aber für Lehrlinge. Dabei hat ein Lehrling, der auch ohne Perfektion beide Sprachen spricht, auf dem Berufsmarkt viel bessere Chancen.
Jean-Pierre Siggen: Ich teile die Meinung des Staatsrats. Eine gesetzliche Regelung würde die territoriale Zugehörigkeit der Gemeinden infrage stellen. Und dies würde zu Diskussionen führen, die man nicht mehr gesetzlich regeln würde. Es ist wichtiger, die Zweisprachigkeit zu fördern, namentlich in der Schule.
Noch immer herrscht das Französische im Amtsverkehr, bei Treffen mit dem Staatsrat und in der Öffentlichkeit vor. Was würden Sie machen, um der deutschen Sprache auch öffentlich mehr Gewicht zu geben?
Steiert:Ich will als gutes Beispiel vorangehen in einem zweisprachigen Kanton. Sowohl in der Hauptstadt wie auch als Verantwortlicher im Kanton sollte man mindestens beide Sprachen sprechen. Ich würde das systematisieren. Es muss Normalität sein, dass man mit beiden Sprachen umgehen kann. Deutschsprachige müssen im Spital, in der Verwaltung und anderen öffentlichen Orten verstanden werden. Das ist wichtig für die deutschsprachige Minderheit, aber auch im Wettbewerb mit anderen Kantonen.
Siggen: Ich würde die Deutschfreiburger dazu auffordern, sich regelmässig und konsequent in ihrer eigenen Sprache zu äussern, an den Sitzungen oder Veranstaltungen des Kantons, im Grossen Rat oder an den Sitzungen des Staatsrates. Wir müssen vom Grundsatz ausgehen können, dass im öffentlichen Leben jeder die Sprache des jeweils anderen versteht.
Es besteht konkret ein Vorstoss, im Schulgesetz die Förderung der Zweisprachigkeit in Primarschulen zu verankern. Bringt das etwas?
Steiert:Unbedingt, aber man muss die Mittel dazu bereitstellen und erreichbare Ziele setzen. Kinder sind sehr aufnahmefähig und haben auch Freude, mit anderen Sprachen umzugehen. Das Erlernen einer Fremdsprache muss deshalb auch spielerisch geschehen. Interessierten Lehrerinnen und Lehrern muss die Möglichkeit zu entsprechenden Weiterbildungen gegeben werden, um mit Kompetenz und Lust vorangehen zu können.
Siggen:Ich finde jeden Vorschlag gut und wichtig, der in die Richtung der besseren Sprachbeherrschung geht. Ich habe jedoch festgestellt, dass die Autoren dieser Forderung das Schulgesetz zu wenig gut studiert haben. Denn im Gesetz wird ihrem Wunsch entsprochen.
Jean-François Steiert. Bild aw/a