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Struth, der ab 1973 an der Kunstakademie Düsseldorf zunächst Malerei bei Gerhard Richter studierte, wechselte 1976 in die Fotografieklasse von Bernd und Hilla Becher. Bekannt wurde er in den 1980er-Jahren mit Schwarz-Weiss-Serien wie Unbewusste Orte (begonnen 1979), die zentralperspektivische Aufnahmen von menschenleeren Strassen und Plätzen in aller Welt zeigt. Die kompositorische Strenge und das Serielle dieser Fotografien standen in deutlichem Widerspruch zu ihrer erzählerischen Offenheit: Ging es hier um die Vermessung der Stadt als Lebensraum, als Relikt einer Apokalypse, als Tatort? Die im Besitz der Mobiliar befindliche Aufnahme der Berner Kramgasse (1989) steht im Kontext dieser Werkgruppe. Zudem verfügt die Mobiliar über acht Aufnahmen aus der Serie Orte der Entscheidung (1998/1999), die Struth für das in Düsseldorf herausgegebene Handelsblatt fotografierte. Zu sehen sind unter anderem eine einsame Berghütte, in der die Daimler-Chrysler-Fusion beschlossen wurde, eine triste Fassade der Wallstreet, hinter welcher der NASDAQ durch die Decke ging, oder ein Pfad bei Forchheim, wo der Ex-Chef von Siemens die Entscheidung zum Ausbau der Medizintechniksparte fällte. Als Auftragsarbeit nimmt die Serie bei Struth eine gesonderte Stellung ein, fügt sich in ihrer Suggestivkraft und mit dem für Struth so typischen Blick für das Unsichtbare, Ungeahnte, Untypische hinter dem Unscheinbaren dennoch nahtlos in sein Werk.
Thomas Struth gehört neben Jeff Wall und Andreas Gursky zu den weltweit einflussreichsten Fotografen der Gegenwart. Seine ab den 1990er-Jahren entstandenen grossformatigen Tableaus hatten entscheidenden Anteil an der Anerkennung der Fotografie als einem Medium der zeitgenössischen Kunst.
Thomas Struth, 1954 in Geldern (DEU) geboren, lebt und arbeitet in Berlin (DEU) und New York (USA)
Tätigkeitsbereich: Fotografie