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die Regenbogenhaut ist starr, da die Ciliarnerven ebenfalls afficirt sind !). Ist Zerreissung vorhan– den, so entsteht Blutextravasation in die Augen– kammern, tiefsitzender Schmerz, ausserordentliche Empfindlichkeit des Auges bei der leisesten Berührung, völlige Blindheit *). Diese Amaurose ist öfter mit solchen Wunden, welche durch stumpfe Werkzeuge gesetzt wurden, als mit reinen Schnittwunden vergesellschaftet. Durch Erschütterung des Gehirnes oder Extravasat könnte dieser Zufall ebenfalls bedingt werden *). Ob durch Quetschung und unvollkommene Zerreissung der grös– seren Verästlungen des Stirnnervens oder durch Zerrung desselben als Folge der difformen Narbenbildung eine Amaurose bedingt werden kann, lässt sich um so weniger mit Sicherheit entschei– den , als die oben erwähnten Einflüsse immer gleichzeitig bestehen *).
4) Es ist unrichtig, zu glauben, die Amaurose müsse sogleich der Verletzung folgen. Wie bei der Erschütterung anderer Nervenprovinzen, bemerkt man auch hier nicht immer gleich nach der Verletzung Lähmung in allen Punkten, sondern nur auf einer einzelnen beschränkten Stelle; das Gesicht besteht dann so lange, bis die Paralyse allmählig über die Retina sich verbreitet hat. Die Pupille ist entweder erweitert oder verengert.
2) Chelius, Handbuch der Chirurgie 1. Thl. S. 234.
3) Delpech (im a. W. 1. B. S. 347) glaubt, dass Verletzungen des Gehirns diesen Zufall bedingen; eben so in den Zusätzen zu Scarpa's Werk 1. B. S. 2o5. 4) Man hat die Blindheit der Verletzung der Stirnnerven und der dadurch erregten Reizung der Muskeln, wodurch Druck des Sehnerven entsteht, zugeschrieben (Plattner, Progr. de vulneribus superciliis illatis, cur caecitatem inferant ad locum Hipp. Lips. 1741 ). Beer (im a. W. 1. B. S. 169) macht auf die Verschiedenheit der Ursachen aufmerksam. Er schreibt jedoch der Zerrung des Stirnnerven durch difforme Narben zu viel zu, danach ihm jede später nach der Verletzung sich einstellende Amaurose hieher gehören müsste, deren Entstehung auf
eine andere und befriedigende Weise oben erklärt wurde.
Bei Behandlung dieses Uebels verhüte man den vermehrten Zufluss der Säfte, und die Entzündung der Retina und des Auges durch kalte Umschläge und antiphlogistisches Verfahren. Die Erblindung verliert sich zuweilen unter dieser Behandlung. Ist die Entzündung nicht mehr zu befürchten, so dürfen flüchtige Mittel angewandt werden !). Beer giebt an, bei jenen Amaurosen, welche einige Zeit nach der Verletzung sich bildeten, und die er einer difformen Narbe und dadurch bedingter Zerrung des Stirnnervens zuschrieb, einige Male durch kühne bis auf den Knochen in der Gegend des obern Augengrubeloches durchgreifende Einschnitte, Heilung herbeigeführt zu haben *). Die Wunden der Augenlieder können in horizontaler oder perpendiculärer Richtung Statt finden, durch ein schneidendes oder mehr stumpfes Werkzeug verursacht seyn. Das Augenlied kann in grösserem oder geringerem Umfange losgetrennt oder abgerissen seyn. Selten wirkt die verletzende Kraft hinlänglich tief, um den Aufhebemuskel des obern Augenliedes zu erreichen. Die Querwunden der Augenlieder können durch Streifen von englischem Pflaster in Vereinigung erhalten werden, wenn sie blos die Haut befassen und eine regelmässige Gestalt haben. Bei tieferem Eindringen und bei unregelmässiger Form der Wunde ist die Anwendung eines blutigen Heftes in der Mitte der Wunde , während die Winkel durch das englische Pflaster vereinigt werden, um so nützlicher, als ohne diese eine widernatürliche Verlängerung oder Verkürzung des Augenliedes, erstere durch Bildung einer breiten Narbe, letz– tere durch einen Aftereiterungsprocess, und den demselben folgenden Substanzverlust, entstehen könnte. Verticale Wunden werden nur dann blutig geheftet, wenn das Augenlied gespalten ist ). Der dem Rande des Augenliedes entsprechende Wundwinkel wird durch ein blutiges Heft, wel– ches jedoch den Knorpel nicht fassen darf, son– dern nur durch die Hautplatte eingezogen wird, vereinigt, während man den übrigen Theil der Wunde trocken heftet. Trennungen der Commissuren, indem sie sonst Ectropium verursachen können, Wunden, welche eine unregelmässige Gestalt haben, oder mit Substanzverlust verbunden sind, erfordern die blutige Nath. Das Auge hält man nach bewirkter Vereinigung durch einen Heftpflasterstreifen geschlossen, und bedeckt es mit kalten Umschlägen. Letztere sind jedoch bei trockener Heftung nicht wohl anwendbar *). Wenn bei Verwundungen eines Augenliedes eines der Thrä– nenkanälchen verletzt wurde, so muss die genaue Vereinigung der Wundränder bewirkt werden "); damit keine Obliteration der Thränenkanälchen erfolge, empfiehlt Delpech *), einen seidenen Faden durch dasselbe einzuziehen. Die Verbrennungen der Augenlieder verlan– gen eine sehr sorgfältige Behandlung, da die Wundränder eine auffallende Neigung haben, unter sich in Verbindung zu treten, wodurch als– dann ein Lagophthalmos oder Ectropium gebildet wird. Nachdem die Wunde mit einem Cerate bedeckt ist, suche man durch Heftpflaster das Augenlied über dem Augapfel ausgestreckt zu erhalten, und die Neigung zur Vereinigung der Wundränder zu bekämpfen. Sind die Ränder der Augenlieder oder die Conjunctiva des Augenliedes oder Augapfels in grösserem oder geringerem Umfange in die Sphäre der Verbrennung gezogen, so könnte ein Anchyoblepharon oder Symblepharon sich bilden. Diesem muss durch das Einstreichen eines milden Sälbchens, durch das öftere Einführen einer Fischbeinsonde und das fleissige Oeffnen des Auges entgegen gearbeitet werden. Das Zellgewebe der Augenlieder ist so locker, und die dasselbe durchströmenden Gefässe so zart, dass bei geringen Contusionen starke Un– terlaufungen sich bilden. Unter dem Gebrauche der kalten Umschläge verliert sich gewöhnlich schnell die Ecchymose. Ist die Empfindlichkeit in dem Theile nicht mehr krankhaft gesteigert, so dienen aromatischgeistige Umschläge zur Beförderung der Resorption des Ergossenen, und zur Hebung des Oedems, welches oft lange zu–
1) Man richte die Behandlung nach den bei der Amaurose angegebenen Grundsätzen ein.
2) Im a. W. 4. B. T. 47 1. Richter (im a. W 2. B. § 224) empfiehlt die geschwinde Vereinigung bei den Wunden der Augenbraunengegend, und räth, alles zu meiden, was eine breite und tiefe Narbe veranlassen könnte. Ist die Wunde vernarbt, so soll man Dämpfe auf die Narbe leiten, Oele nnd Salben, um die Theile zu erweichen, und die Spannung der Nervenästchen zo entfernen, einreiben. Beer (im a. W. B. 1. S. 191) verwirft jedoch diese Mittel. Benedict (Handbuch der pract. Augenheilkunde 1. B. S. 81 ) empfiehlt das bejutsame Zerschneiden der verletzten Supraorbitalner", wenn bei einer Verwundung Quetschung oder Zerre"
sung dieser Theile die Amaurose zu bedingen scheint. - A
1) Delpech (im a. W. 1. B. S. 346) hält selbst in die
sem Falle die Heftpflaster für genügend. Schmidt (über die Krankheiten des Thränenorganes S. 218) verwirft die blutige Nath bei allen Wunden der Augenlicder. Richter (im a. W. 2. B. §. 565) hält die Vereinigung durch Heftpflaster für unzureichend, da diese auf einer unebenen beweglichen Fläche liegen, und durch die Thränen losgeweicht werden.
2) Bei Wunden, welche mit Quetschung vergesellschaftet
sind, darf die Vereinigung nicht unterlassen werden (Boyer, im a. W. 5. B. S. 252 ).
1) Schmidt (im a. W. S. 2 16) führt einen Fall an, wo durch genaue Vereinigung der Wunde das gespaltene Thränenröhrchen heilte, ohne ein Thränenträuseln zurückzulassen.
2) Im a. W. 1. B. S. 347.
rückbleibt. Boyer") räth, dem extravasirten Blute, wenn dasselbe in grosser Quantität angehäuft und nach weniger Zeit nicht resorbirt ist, mittelst mehrerer Einschnitte den Austritt zu verschaffen. Die Verletzungen der Hornhaut durch stechende oder schneidende Werkzeuge, so lange sie auf diese sich beschränken, sind gewöhnlich ohne grossen Nachtheil; die wässerichte Feuchtigkeit fliesst aus, die Iris aber genügt, die Linse und den Glaskörper in der Lage zu erhalten. Die Wundränder treten, vermöge der Gestalt und der Dichtigkeit der Hornhaut schnell unter sich in Berührung, so dass die Heilung durch das Schliessen der Augenliedspalte und den durch das obere Augenlied auf die Wundränder ausgeübten sanf– ten Druck, in 24 bis 48 Stunden gewöhnlich bewirkt ist. Der Vorfall der Iris erfolgt selten; das Vorstürzen der Linse und des Glaskörpers kann nur dann Statt finden, wenn diese Theile vulnerirt wurden. Die kaum bemerkbare Narbe beschränkt selten das Sehvermögen. Hat sich die Verletzung bis zur Kapsel erstreckt, so kann durch Entzündung derselben sehr schnell Cataracte sich bilden. Die Verwundungen der Sclerotica sind ge– fahrvoller, als jene der Hornhaut. Die Verletzung der Sclerotica ist gewöhnlich mit Verwundung der Chorioidea und Retina, des Corpus ciliare etc. verknüpft. Ist die Sclerotica in grösserer Ausbreitung verwundet, so drängt sich die Chorioidea vor, und es stellt sich eine heftige verhee– rende Entzündung ein; sind aber die Chorioidea und Retina gleichzeitig mit der Sclerotica ver– wundet, so wird durch die aufgeregte Contraction der Augenmuskeln der Glaskörper in gros– ser Quantität hervorgetrieben; das Auge entzündet und entleert sich allmählig, bildet einen Klum