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Simon James (Jesse Eisenberg) hat es nicht einfach. Seine kranke Mutter (Phyllis Somerville) macht im Altersheim die ganze Zeit Ärger, im Job kommt er nicht vorwärts und zudem ist er auch noch unglücklich in seine Mitarbeiterin Hannah (Mia Wasikowska) verliebt. Als Simons Nachbar ihm eines Abends vom Fenstersims aus zuwinkt und dann in den Tod springt, beunruhigt dies den jungen Mann sehr. Doch Simon muss alleine damit klarkommen und hat bald noch ein viel grösseres Problem am Hals.
Denn am darauffolgenden Morgen taucht mit James Simon (Jesse Eisenberg) ein neuer Mitarbeiter in der Firma auf, der ihm aufs Haar gleicht. James sieht die Möglichkeiten, die sich ihm dadurch bieten und nutzt Simon gnadenlos aus. Simon bleibt passiv und ist auch hilflos, als sich James an Hannah ranmacht. Als sein Doppelgänger dann aufgrund seiner Arbeit befördert wird, will Simon dem Wahnsinn ein Ende bereiten. Nur dumm, dass er nicht ernst genommen wird, denn ausser ihm scheint niemandem seine Ähnlichkeit mit James aufzufallen.
Er schrieb bei einem kleinen Brand im Büro der Feuerwehr ein Mail, wurde von der eigenen Mutter verklagt und versuchte sich zusammen mit seinem Kumpel Roy als Hooligan. Die Rede ist von Moss aus der kultigen Sitcom The IT-Crowd über eine Informatikabteilung eines grossen Unternehmens. Gespielt wurde der schüchterne Moss von Richard Ayoade, der bald auch das Bedürfnis hatte, selbst Filme zu drehen. Das Ergebnis war, für viele überraschend, die feinfühlige, aber auch sehr schräge Coming-of-Age-Story Submarine, welche von allen Seiten Lob erhielt. Dies wird bei seinem Nachfolgewerk The Double definitiv anders sein. Zu sperrig ist seine Psychotragikomödie, welche zwar audiovisuell ganz stark ist, die Zuschauer jedoch nicht über die ganze Zeit bei Laune halten kann.
Von der Ausstattung und vom Feeling her erinnert The Double sehr an Terry Gilliams Brazil. Die Welt, in welcher nie die Sonne scheint und in der einem einfachen Arbeiter übel mitgespielt wird, gab es auch schon beim Sci-Fi-Klassiker von 1985. Die Vorlage zu The Double ist aber deutlich älter, sie stammt von 1846 vom russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewsky. Ayoade bleibt nahe am Originaltext und präsentiert einen sehr verwirrenden Trip, welcher zuerst faszinierend, aber dann leider auch etwas frustrierend ist. Die Geschichte besteht im Grunde genommen aus einer Idee. So geht es ab einem gewissen Punkt nur noch darum, wie der arme Simon geplagt wird und dabei eine Ewigkeit braucht, um mal auf den Tisch zu hauen. Trotz der fast schon albtraumhaften und klaustrophobischen Bilder, welche einen nach Luft schnappen lassen, zieht sich The Double leider irgendwann nur noch in die Länge.
Jesse Eisenberg meistert derweil seine beiden Rollen überzeugend. Dass er die des verschupften Arbeiters hinbekommen würde, war klar. Doch dank eines fiesen Grinsens funktioniert auch sein Antagonist sehr gut. Im Gegensatz dazu kriegt Mia Wasikowska in der Rolle der Hannah kaum was zu tun und bleibt so blass wie ihr Hautton. Weiter hat es fast der ganze Cast aus Submarine (Craig Roberts, Yasmin Paige, Noah Taylor, Sally Hawkins) ebenfalls in den Film geschafft. Das meiste Showstealingpotenzial hat aber wieder Paddy Considine bekommen. Nur hat sein Superheld, welcher immer wieder im TV läuft, überhaupt keinen Einfluss auf die Story und ist nur dafür da, um weitere WTF-Moment zu bieten - von denen der Film einige hat.
Fazit: The Double ist schräg, aber leider auch etwas langweilig. Richard Ayoade hat sich für seinen Zweitling einen komplizierten Roman vorgenommen und diesen originalgetreu auf die Leinwand gebracht. Das Ergebnis ist ermüdend, auch wenn es einige ganz tolle Ideen zu bieten hat. Vor allem die Detailverliebtheit ist bewundernswert und so werden einfache Sachen wie Seifenspender plötzlich interessant. Definitiv für experimentierfreudige Filmfans, welche glauben, alles schon gesehen zu haben. Alle anderen werden leicht frustriert wieder in die reale Welt entlassen. Vom Verwirrtheitsgrad wissen wir beim Abspann jedoch, wie sich in etwa Moss an einem normalen Tag fühlt.
Christoph Schelb [crs]
Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.