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Der Gegensatz zwischen italienischer und deutscher Musik: alte historiographische Stereotypen, Auswirkungen auf die moderne Musikwissenschaft
29.09.2020, 18:30
Bern, Mittelstrasse 43, Raum 120,
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts genießen die Traditionen der deutschen und italienischen Musik gegenseitige Achtung, so dass Kritik an der zweiten in der deutschsprachigen Literatur selten zu finden ist. Gleichzeitig vermittelt die zeitgenössische Musikliteratur in Italien ein positives Urteil über die Musik aus dem deutschen Raum. Anfangs des 19. Jahrhunderts nehmen erste Argumente einer starken deutschsprachigen Kritik an der italienischen Musik Gestalt an: die Ästhetik, die der Kunst eine rein hedonistische Funktion zuschreibt; die geringe Tiefe der kompositorischen Struktur; die Inkohärenz der Opernmusik und ihrer poetischen und dramatischen Textsubstanz. Damit beginnt ein Prozess, der zur Etablierung des Klischees der Gegenüberstellung zwischen der italienischen und deutschen Musikkultur führen wird. Die Auswirkungen davon sind bis heute erkennbar. Der Vortrag zielt darauf ab, einerseits die Natur, die Wurzeln und die Entwicklung dieses alten historiographischen Stereotyps zu beleuchten, andererseits seine Auswirkungen auf die Geburt der modernen Musikwissenschaft zu identifizieren.