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Die Partnerschaft mit der Fondation BNP Paribas Suisse
Die Fondation BNP Paribas Suisse engagiert sie sich seit über 20 Jahren in der Restaurierung von Kunstwerken in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten mit dem Anliegen, aktiv daran mitzuwirken, dass Museumsbestände erhalten bleiben und so an zukünftige Generationen weitergegeben werden können. In der Schweiz hat sie bereits über ein Dutzend Projekte gefördert, die dem Erhalt bedeutender Werke von Max Ernst, Mattia Preti, Auguste Rodin, Bram van Velde und Paolo Veronese galten. Die Fondation Beyeler freut sich, mit der Unterstützung der Fondation BNP Paribas Suisse drei Hauptwerke der Sammlung restaurieren zu können. In einem Zeitraum von drei Jahren wird das Restauratoren-und-Kuratoren-Team sich den folgenden Werken widmen: Fernand Légers Le passage à niveau (1912), Max Ernsts The King Playing with the Queen (1944) und Henri Rousseaus Le lion, ayant faim, se jette sur l’antilope (1898/1905).
Henri Rousseau
Henri Rousseau (1844-1910) zählt zu den eigenwilligsten Künstlern des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Als Autodidakt wurde er vom akademischen Kunstbetrieb, von den Kritikern und dem Publikum zunächst in keiner Weise ernst genommen. Erst im 20. Jahrhundert, insbesondere im Kreis der Avantgarde, fanden seine Bilder Beachtung. Den entscheidenden Durchbruch schaffte er 1905 im prestigeträchtigen Pariser Herbstsalon mit dem grossformatigen Dschungelbild Le lion, ayant faim, se jette sur l‘antilope, das heute zu den absoluten Hauptwerken der Sammlung Beyeler gehört. Dass die Jury dieses Gemälde in den Herbstsalon aufnahm, war eine Sensation: Rousseau, eben noch als Sonntagsmaler verlacht, wurde "salonfähig". Le lion, ayant faim nimmt in Rousseaus Werk eine ganz besondere Stellung ein. Mit grösster Wahrscheinlichkeit wurde es bereits 1898 für den Salon der Unabhängigen gemalt, erhielt aber erst 1905 im Herbstsalon einen Ehrenplatz. Es ist das erste Werk Rousseaus, das in den Kunsthandel gelangte. Vielleicht ist es auch diesem Verkaufserfolg zu verdanken, dass Rousseau in den letzten Jahren seines Lebens über zwanzig Dschungelbilder schuf. Rousseau wurde zum bewunderten Künstler der Avantgardisten und seine Kunst richtungsweisend für die Malerei des 20. Jahrhunderts. Künstler wie Pablo Picasso, Fernand Léger, Wassily Kandinsky, Joan Miró oder Max Ernst zeigten sich tief beeindruckt von seiner Malerei.
Im Gegensatz zu den Impressionisten und Postimpressionisten löste Rousseau den Bildgegenstand nicht in flirrende Farb- und Lichtflecken auf, sondern bannte ihn in ungewohnter Direktheit mit klaren Linien und harten Konturen in die Bildfläche. Charakteristisch für Rousseaus Gemälde, insbesondere für seine exotischen Dschungelbilder, sind die subtilen Farb- und Formklänge sowie die Spannung zwischen Sachlichkeit und geheimnisvoller Phantastik. Seine Werke sind sorgfältig komponiert und durchdrungen von höchster Kraft und Poesie.
Restaurierung
Bereits während der grossen Rousseau Ausstellung in der Fondation Beyeler 2010 konnte man das Gemälde Le lion, ayant faim mit wichtigen Werken aus dem Oeuvre von Henri Rousseau stilkritisch und technisch vergleichen. Experten aus unterschiedlichen Institutionen nutzten die Gelegenheit vor Ort sich mit den Restauratoren und Kuratoren auszutauschen. Im gleichen Jahr, wurden an einem wissenschaftlichen Symposium an der De Menil Collection in Houston/Texas neue Untersuchungen der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Fondation Beyeler leistet hier ebenfalls einen Beitrag. Es zeigte sich, dass immer noch sehr wenige Informationen zur Maltechnik von Henri Rousseau vorliegen und hier noch grosser Handlungsbedarf besteht. Aus diesem Anlass wurde das wichtige Sammlungsgemälde für ein Restaurierungsprojekt ausgewählt. In diesem Rahmen soll eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fragen zur Maltechnik und Entstehung ermöglicht werden. Verschieden Methoden wie Röntgen-, Infrarotaufnahmen, Thermische Schichtprüfung, Pigment- und Bindemittelanalytik werden für die Untersuchungen herangezogen. Parallel dazu soll der Fokus auf die Beurteilung von alten, zum Teil von blossem Auge sichtbaren Übermalungen gelegt werden. Es konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht geklärt werden, ob es sich um Ausbesserungen von Rousseau selbst oder um spätere Restaurierungen handelt.