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Das Krankheitsrisiko für den Menschen
Einen 100%igen Schutz gibt es nicht, doch das Risiko kann minimiert werden. Von behördlicher Seite werden diverse Massnahmen zur Eindämmung der Seuche und zum Schutz von Mensch und Tier getroffen. Mit dem individuellen Einkaufs- und Essverhalten kann die persönliche Risikosituation zusätzlich beeinflusst werden.
Behördliche Massnahmen
Zu den wichtigsten Massnahmen gehören:
- Die Einschränkung der Verfütterung von Tiermehl an Wiederkäuer. Diese ist in der Schweiz seit November 2000 mit einem totalen Verbot belegt. In der Schweiz fallen aus der Fleischproduktion pro Jahr im Moment 110'000 t Schlachtnebenprodukte an. Ein Grossteil davon wurde bisher zu Tiermehl verarbeitet und exportiert. Nach dem Importverbot verschiedener Länder muss das Tiermehl nun in der Zementindustrie verbrannt werden. Es hat zwar einen ähnlich hohen Heizwert wie Erdöl, doch entstehen der Fleischindustrie grosse Mehrkosten. In Deutschland darf tierisches Eiweiss seit 1994 nicht mehr an Rinder verfüttert werden.
- Verbot der Verwendung von Gehirn, Augen, Rückenmark, Milz, Därmen und anderen sogenannten Risikomaterialien für die menschliche und tierische Ernährung.
- Einschränkung oder Verbot des Imports von Tieren und Fleischerzeugnissen aus bestimmten Ländern.
- Seuchenpolizeiliche Massnahmen, wie Tötung und anschliessende Verbrennung von Tieren aus Beständen, in denen BSE aufgetreten ist. In einzelnen Ländern wurden oder werden ganze Herden geschlachtet. In der Schweiz gilt die sogenannte Kohortenkeulung, d.h. nur diejenigen Tiere eines Hofes, die ein Jahr vor oder nach der Geburt eines BSE-erkrankten Rindes geboren wurden, werden geschlachtet. In Deutschland wird dieses Modell zur Zeit geprüft.
- Tests von geschlachteten Tieren auf BSE: Zum normalen Massnahmenpaket gehört, dass die geschlachteten Rinder laufend auf BSE getestet werden. Von Seiten der Behörden wird dies stichprobenweise durchgeführt. Aus verschiedenen Kreisen (siehe auch www.rinderwahnsinn.ch) wurde verlangt, dass diese Tests lückenlos und flächendeckend durchgeführt werden. Einige Organisationen führen bei Rindern, die über 20 Monate alt sind, Test durch (in der Schweiz z.B. Migros und Coop ab Februar 2001). Der praktische Nutzen dieser Massnahme wird von Fachleuten - vor allem im Vergleich zu allen anderen Massnahmen - als äusserst gering eingeschätzt.
- Etikettierungsvorschriften: Seit dem 01.09.00 gilt in der EU die Rindfleisch-Etikettierungsvorschrift, mit der über den Ort der Schlachtung und den Ort der Zerlegung von Rindfleisch informiert wird. In der Schweiz gilt die Herkunftsbezeichnung gemäss Lebensmittelverordnung. In allen erwähnten Ländern muss zudem eine Liste der Zutaten und Zusatzstoffe aufgeführt werden.
Die behördliche Massnahmen werden laufend dem Stand der Seuche und den neuesten Erkenntnissen aus Forschung und Praxis angepasst. Systematische Auflistungen dieser Massnahmen und Informationen zum aktuellen Stand der Seuche sind auf den folgenden Web-Sites zu finden:
http://www.bvet.admin.ch/
http://www.bse.ch
http://www.bml.de/verbraucher/bse/fragenantworten.htm
http://www.stmelf.bayern.de/lfe/ernaehr/forschung/wissenschaftl_bse.pdf
Das geographische Risiko (Herkunftsland)
Noch hat sich BSE nicht auf der ganzen Welt verbreitet.
In einer Studie der EU vom 7. Juli 2000 werden die Länder in 4 BSE-Risikostufen eingeteilt (siehe auch hier). Dabei werden nicht nur die absoluten Zahlen der erfassten BSE-Fälle, sondern auch eine ganze Reihe von weiteren Faktoren berücksichtigt. Dazu gehören die Haltungs- und Fütterungsgewohnheiten, die Tierimporte sowie die Art und die Wirksamkeit der getroffenen Abwehrmassnahmen.
- Gemäss dieser Studie gelten die Länder Argentinien, Australien, Chile, Norwegen, Neuseeland und Paraguay mit grosser Wahrscheinlichkeit als BSE-frei.
- Als unwahrscheinlich (aber nicht ausgeschlossen) wird das Vorhandensein von BSE in Ländern wie Kanada, Schweden, Österreich und den USA beurteilt.
- In der höchsten Risikostufe befinden sich noch das Vereinigte Königreich (UK) und Portugal, wobei festgestellt wird, dass sich das Risiko aufgrund der getroffen Massnahmen schnell verringern dürfte. Letzteres gilt auch für die Schweiz, welche in die Stufe 3 eingeteilt ist. Die Wirksamkeit der Überwachung und der hier getroffenen Massnahmen wird positiv hervorgehoben und aufgrund dessen ein rasch sinkendes Risiko erwartet.
- In Stufe 3 befinden sich neben der Schweiz auch Frankreich, Italien, die Niederlande und Deutschland. Deutschland hatte bis zum Zeitpunkt der Erhebung (07.07.2000) nur vereinzelte BSE-Fälle ausgewiesen. Aufgrund der speziellen Situation in Deutschland, wo zwischen 1980 und 1993 in grösserem Masse Rinderimporte aus BSE-Ländern stattgefunden haben, wurde vermutet, dass sich BSE in Zukunft stärker verbreiten könnte. Wie wir nach der Häufung der Fälle im Frühjahr 2001 nun leider wissen, hat sich diese Vorhersage bewahrheitet.
Individuelle Massnahmen - Wie kann ich mein Risiko minimieren?
Ein absolutes Nullrisiko gibt es in keinem Bereich des menschlichen Lebens. Bei jedem Verhalten und jeder Tätigkeit (oder auch Unterlassung von Tätigkeiten) bleibt immer ein gewisses Restrisiko. Natürlich kann man dieses durch geeignete Vorsichtsmassnahmen individuell steuern und in gewissen Grenzen halten.
Die behördlichen Massnahmen wurden (und werden) laufend verschärft und verbessert und zeigen auch Erfolg. Auch wenn diese Massnahmen richtig sind, so sind sie nur so gut, als sie auch konsequent umgesetzt werden. Das grösste Risiko dürfte heute in menschlichen und technischen Fehlleistungen liegen, die nie völlig auszuschliessen sind. Auch ist der noch ungenügende Kenntnisstand hinsichtlich aller Facetten von BSE zu bedenken.
Gemäss dem heutigen Stand der Massnahmen darf das Risiko, mit infektiösem Material überhaupt in Berührung zu kommen, für den Normalbürger als äusserst gering eingestuft werden. Aber auch in diesem unwahrscheinlichen Fall ist eine Ansteckung und ein Ausbruch der Krankheit noch lange nicht gegeben.
Zur persönlichen Risikoeinschätzung sind folgende Punkte interessant:
- Das grösste Infektionsrisiko geht vom Gehirn und Rückenmark des Rindes aus. Weitere Risikomaterialien sind Augen, Mandeln, Milz, Bries und Eingeweide. Diese sind für die Verwendung in Lebensmitteln verboten.
- Im Muskelfleisch und der Milch sind bis heute (noch) keine Anzeichen von infektiösem Material festgestellt worden. Fleisch und Milch gelten daher als sicher. Das gleiche gilt für Wurst und andere Fleischwaren, sofern sie korrekt hergestellt werden. Dies gilt grundsätzlich auch für Speisegelatine, für deren Herstellung keine Risikomaterialien verwendet werden dürfen.
- Die Herkunft des Fleisches muss deklariert werden. Beim Offenverkauf muss das Verkaufspersonal darüber Auskunft geben können. Beim Kaufentscheid kann man sich hier z.B. an der geographischen Risikoeinschätzung (siehe oben) orientieren.
- In manchen Verkaufsstellen wird sogar der Name des Hofs, dem das Fleisch stammt, angegeben. Hier spielt das Vertrauen in die Führung des Hofes sowie an den Verkaufsort eine grosse Rolle.
- Fleischlabels: Ebenfalls um eine Vetrauensfrage handelt es sich bei den diversen Labelprodukten (in der Schweiz z.B. Bio Suisse (Knospe), Natura Beef, Migros Bio, Coop Naturaplan, IP-Suisse, kag freiland oder fidelio). Alle kennen gewisse Fütterungsvorschriften (z.B. seit längerer Zeit das Verbot einer Fleischmehlverwendung) sowie Haltungsrichtlinien, die zusammen mit der verbundenen Kontrolle einen erhöhten Schutz vor BSE ergeben können. Nach unserem Wissen ist denn auch bei unter diesen Labels gehaltenen Tieren bisher noch kein BSE-Fall aufgetreten. Rein statistisch gesehen hat dies jedoch keine Aussagekraft (zu kleine Anzahl der BSE-Fälle). Einen absoluten Schutz können auch diese Labels nicht gewähren. Eine Übersicht über die Schweizer Biolabels findet man hier.
- Andere Fleischarten: Schweinefleisch, Geflügel und Fisch sind problemlose Alternativen zum Rindfleisch. Schafe können allerdings an der BSE-ähnlichen Krankheit Scrapie erkranken. Solange es über die Zusammenhänge mit BSE noch keine Klarheit gibt, besteht auch hier ein Restrisiko.
- Haushaltübliche Kochverfahren oder das Einfrieren vernichten die BSE-Erreger nicht und bieten damit auch keinen Schutz.