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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXV. (Nr. 43.) An Glorius, Eleusius, die beiden Felix, Grammatikus und alle übrigen, die dies lesen wollen
II. 3.
Wenn ihr euch daran erinnern wollt, so sind bei meinem Aufenthalte in eurer Stadt1, als ich mit euch über die Herstellung der christlichen Einheit einiges verhandelte, von eurer Seite Aktenstücke vorgelegt worden des Inhaltes, daß fast siebzig Bischofe den unserer Kirchengemeinschaft angehörenden früheren Bischof Cäcilian von Karthago mit seinen Amtsgenossen und seinen Ordinatoren2 verurteilt hätten. Auch die Sache des Felix von Aptunga3 wurde damals viel heftiger als die der übrigen in Frage kommenden Personen behandelt. Als dies alles vorgebracht wurde, erwiderte ich, es sei kein Wunder, daß die Leute, die damals das Schisma ins Werk setzten, unter Anfertigung von Aktenstücken diejenigen, gegen die sie von Mitbewerbern und verkommenen Menschen aufgehetzt worden waren„ glaubten verurteilen zu sollen, gerade weil sie es ganz regellos, in Abwesenheit der Angeklagten und ohne Untersuchung der Sache taten; wir aber hätten andere kirchliche Aktenstücke, aus denen erhelle, daß Secundus von Tigisis, der damalige Primas von Numidien, vor der Synode anwesende und geständige Traditoren dem Gerichte Gottes überlassen wollte und ihnen gestattete, die Bischofsstühle, die sie bekleideten, weiter zu behalten, Unter Cäcilians Richtern befänden sich aber auch diese Traditoren. Und derselbe Secundus, der anwesenden und geständigen Traditoren verzieh, habe bei jener Versammlung den Vorsitz geführt, in der Abwesende durch die Stimmen dieser Traditoren als Traditoren verurteilt wurden.
1: Vielleicht Tabursis, dessen Ruinen man kürzlich in der Mitte zwischen Calama (heute Gelma) und Madaura (heute Mdaurusch) entdeckt hat.
2: d. h. denen, die ihn zum Bischof geweiht hatten.
3: Als Bischof Mensurius von Karthago 311 starb, wählte die Majorität seinen Archidiakon Cäcilian zum Nachfolger, und Felix von Aptunga, ein Suffragan von Karthago, weihte ihn. Indessen hatten sich die beiden karthagischen Priester Botrus und Cölestius Hoffnung auf den Episkopat gemacht; als durch die Wahl Cäcilians ihre Hoffnungen vereitelt waren, hetzten sie die numidischen Bischöfe mit ihrem Primas Secundus von Tigisis gegen ihn auf. Diese verurteilten nunmehr Cäcilian 312 auf dem Konzil von Karthago, da Felix, der ihn geweiht habe, ein Traditor sei. Sofort wurde der Lektor Majorinus zum Bischofe erhoben. Nach dessen Tode folgte ihm Donatus d. Gr., der dem Schisma den Namen gab. Bei der hervorragenden Stellung des Stuhles von Karthago breitete sich das Schisma in kurzer Zeit über ganz Afrika aus, so daß es fast überall zwei Bischöfe gab, einen donatistischen und einen katholischen. Im Jahre 330 zählte das Schisma 270 Bischöfe.