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Im 19. Jahrhundert entstand im Zürcher Oberland entlang den Flüssen die ländliche Textilfabrikation. Auf den nahe gelegenen Wiesen und Auen wurden die Tücher zum Bleichen an der Sonne ausgelegt. Das Dorf Wald war schon lange ein Zentrum der Heimindustrie, als die Gebrüder Kaspar und Johannes Honegger Mitte des 19. Jahrhunderts ihre eigene Weberei gründeten.
Nach einem Brand der Fabrik gingen die Brüder ab 1860 getrennte Wege, und so gilt dieses Datum als Beginn der Firma Otto & Johannes Honegger. 1873 baute Johannes Honegger die Fabrik «Bleiche», die lange Zeit grösste Weberei der Schweiz.
Gestützt auf unveröffentlichte Quellen aus Firmen-, Dorf- und Familienarchiven, mit Liebe zum Detail und versehen mit zahlreichen Abbildungen erzählt das Buch vom Wandel der Zeit in einem ländlichen Industriegebiet. So ist ein exemplarisches Stück Wirtschaftsgeschichte der Schweiz entstanden. Denn die Textilindustrie war von Anfang an in die Weltwirtschaft eingebunden, und so spiegelt sich im Dorf die Welt. Es ist aber auch eine Sozialgeschichte, die von Paternalismus und Arbeiterbewegung, von Streiks und Entlassungen handelt.
Die vom «Gründervater» errichteten Gebäude – die wuchtigen Fabriken, die behäbigen Fabrikantenvillen und die turmförmigen Kosthäuser für die Arbeiterfamilien – prägen bis heute das architektonische Bild und die räumliche Aufteilung des Bleicheareals.
«Die Bleiche der Zeit» verfolgt die Entwicklung von den Anfängen der Industrialisierung über Expansionsphasen und Krisenzeiten bis zur Schliessung der Textilfabrikation im Jahr 1988 und der Umnutzung des Areals in ein lebendiges Zentrum mit Lofts, «Bleichibeiz», Hotel und Wellness-Angeboten.
Toby Matthiesen ist es gelungen, die Geschichte dieses Textilzentrums, der Arbeiterschaft und der neuen Kapitalisten der Gründerzeit anschaulich und spannend zu schildern und mit allgemeinen kulturgeschichtlichen Erörterungen zu verknüpfen.