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Heute, am 11. Oktober feiert Hans-Peter Briegel seinen 65. Geburtstag. Der FC Glarus möchte zu diesem Anlass seinem ehemaligen Spieler und Trainer herzlich gratulieren.
Die Generation, welche den FC Glarus in der Nationalliga B erlebten, mag sich noch gut daran erinnern, als ab der Saison 1989/90 plötzlich ein zweifacher Vize-Weltmeister und Europameister auf dem Platz stand. Es handelte sich dabei um die „Walz von der Pfalz“.
Dabei handelte es sich nicht um einen Ergänzungsspieler der deutschen Nationalmannschaft, welcher auf der Bank zu den Titel-Ehren kam. An der EM 1980 war er Bestandteil der Stamm-Elf und kam selbstverständlich im Finalspiel auch von Beginn weg zum Einsatz, ehe er in der 55. Minute (beim Stand von 1:0 für Deutschland) für Bernhard Cullmann ausgewechselt wurde. Er wurde von der UEFA sogar ins All-Star-Team der Europameisterschaft 1980 gewählt (neben Fussballgrössen wie Dino Zoff im Tor oder Horst Hrubesch im Sturm).
In Glarus beendete der Abwehrspieler seine glorreiche Karriere und begann eine ansehnliche Trainer-Karriere.
Ganz besonders sticht in seinem Lebenslauf sicherlich auch die Tatsache heraus, dass er in zwei Fussball-Weltmeisterschafts Finalspielen (1982 gegen Italien und 1986 gegen Argentinien) jeweils 90 Minuten auf dem Platz stand, was nicht viele Fussballer von sich behaupten können.
Briegel kam aus der Leichtathletik und war deutscher Jugendmeister im Weitsprung und Dreisprung. Er absolvierte auch zwei Zehnkämpfe, was die Presse später dazu veranlasste, ihn als „ehemaligen Zehnkämpfer“ zu bezeichnen. Seine Weit- und Dreisprungbestleistungen erzielte Briegel als A-Jugendlicher des TV Rodenbach in den Jahren 1972 und 1973.
Schnelligkeit, Sprungkraft und ein gewisser Vorwärtsdrang machten es möglich, dass ihm als Außenverteidiger in 247 Bundesligaspielen für den 1. FC Kaiserslautern 47 Tore gelangen. „Nicht nur per Kopf“, wie er betont, „auch aus dem Spiel heraus.“ Vor allem bei Kontern profitierte die „Walz aus der Pfalz“ von seiner Leichtathletik-Vergangenheit. Stutzen runter – und los: dass Briegel stets ohne Schienbeinschoner spielte, hat ihm nicht nur die nötige Beinfreiheit eingebracht, sondern wurde auch zu seinem Markenzeichen.
Briegel begann seine fußballerische Karriere erst mit 17 Jahren und spielte zuerst für den Sportverein Rodenbach 1919 e. V. Nach dem Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern spielte er von 1975 bis 1984 in der deutschen Fussball-Bundesliga. Später war er für Hellas Verona und Sampdoria Genua tätig. Mit Hellas Verona wurde Briegel in der Saison 1984/85 italienischer Meister. Im selben Jahr wurde er als erster im Ausland spielender Fußballer zu Deutschlands Fussballer des Jahres gewählt. Briegel, die „Walz aus der Pfalz“, wie er wegen seiner athletischen Statur und seines ungebändigten Vorwärtsdranges oft genannt wurde, beendete 1988 seine Laufbahn in Italien mit dem Pokalsieg mit Sampdoria Genua kurz vor Einführung der Schienbeinschonerpflicht. Seine letzten Spiele als Verteidiger tätigte er dann ab August 1989 für den FC Glarus.
Von Oktober 1979 bis Juni 1986 machte er 72 Spiele für die deutsche Fussball-Nationalmannschaft. Dabei gelangen ihm vier Tore. Die Höhepunkte seiner Karriere waren der Europameistertitel 1980 und die Vizeweltmeistertitel 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko. Er spielte insgesamt 15 Spiele an Fussball-Weltmeisterschaften und 7 Spiele an Fussball-Europameisterschaften. Bei allen Spielen an den Turnieren (WM und EM) stand er in der Start-Elf. In seinen 72 Länderspielen wurde er nur gerade zwei Mal eingewechselt – in den übrigen 70 Länderspiele war er Teil der Start-Elf.
Von Oktober 1989 bis zum 30. Juni 1992 war Briegel Spielertrainer beim FC Glarus. Seine erste reine Trainerstation war der SV Edenkoben von Juli 1992 bis Juni 1994. Danach trainierte er unter anderem die SG Wattenscheid 09 bis März 1995, Besiktas Istanbul zunächst von Mai 1999 bis September 1999 als Co-Trainer unter Karl-Heinz Feldkamp und von Mitte September 1999 bis Juni 2000 als Cheftrainer und Trabzonspor von November 2001 bis Juni 2002.
Vom 21. Dezember 2002 bis zu seinem Rücktritt am 9. Mai 2006 war Briegel Trainer der albanischen Nationalmannschaft und von Juli 2006 bis zum 20. Januar 2007 Trainer der bahrainischen Nationalmannschaft. Zur Saison 2007/08 wurde er Cheftrainer des türkischen Erstligisten MKE Ankaragüco und wurde nach fünf Monaten wieder entlassen.
In einem Interview mit rp-online.de vom 11. Oktober 2015 (an seinem 60. Geburtstag) sagte er: „Es ärgert mich relativ wenig.“ Selbst zwei verlorene WM-Finals gegen Italien und Argentinien begreift er nicht als vertane Chance: „Das eine war hochverdient verloren und das andere mein vielleicht bestes Spiel überhaupt.“ Und immer sein Bestes zu geben, das sei doch die Hauptsache.
Eines grämt ihn aber doch: 1982 verschmähte Briegel ein Angebot der Königlichen von Real Madrid – ein Fehler, wie er heute meint. „Ich war immer heimatverbunden und habe mich noch nicht so weit gefühlt.“ Der Absprung ins Ausland gelang ihm aber zwei Jahre später doch noch. In Verona wohnte er in einem Haus direkt am Gardasee. Dort habe er auch Risotto und einen guten Espresso kennen und schätzen gelernt. „Das kannte man in Deutschland noch gar nicht so“.