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Die DORO Ningyo Sammlung Japanischer Puppen
Puppen haben in Japan eine lange Tradition. Ihre Geschichte kann bis in die späte Jōmon-Zeit (ca. 800 v. Chr.) zurückverfolgt werden. Die damaligen Puppen werden dogū 土偶 genannt. Sie bestanden aus Terrakotta und stellten zum grossen Teil weibliche Personen dar. Bei Ausgrabungen fand man meist mehrere Figuren an der gleichen Stelle. Oftmals fehlt diesen Figuren ein Körperteil (z.B. ein Bein oder ein Arm) und man fand sie bei Ausgrabungen, meist mit anderen Figuren zusammen, an der gleichen Stelle. Die dogū sind häufig mit geometrischen Mustern verziert und einige haben grosse und runde Augen, welche an Schneebrillen der Inuit erinnern. Zu den Funktionen der dogū gibt es in der Forschung noch immer viele verschiedene Theorien. Es ist nicht ganz klar, ob die Figuren als Ersatz für Menschen oder ob sie Fruchtbarkeitsritualen dienten.
In der Kofun-Zeit (ca. 3. bis 6. Jahrhundert) finden sich weitere puppenähnliche Figuren, nämlich die Haniwa 埴輪, welche aus unglasiertem Ton bestehen. Es handelt sich dabei um Grabfiguren, die aber zum grössten Teil ausserhalb der Gräber, nämlich auf den Hügelgräbern, aufgestellt wurden. Sie stellten in der späteren Kofun-Zeit vor allem Menschen und Tiere dar, es gibt aber auch Darstellungen von Gebäuden.
Mit der Ankunft des Buddhismus in Japan und dem Ende der Kofun-Zeit fand eine Veränderung statt. Die Puppen wurden wieder zu simplen Darstellungen von Menschen, ohne grosse Verzierungen. Die katashiro 形代 wurden aus verschiedenen Materialien hergestellt und bei Beerdigungen verwendet. Die Funktion der katashiro änderte sich mit der Zeit vom Menschenersatz hin zu einer Beschützerfunktion. Diese Puppenform entwickelte sich weiter zu den nademono 撫で物, Puppen, welche man an seinem Körper abreibt, um Unreinheiten zu beseitigen. Viele dieser Reinigungsriten wurden von China nach Japan eingeführt, so auch das jōshi上巳, bei welchem ebenfalls Puppen an Personen abgerieben und den Fluss hinuntergeschwemmt wurden. Dieses Ritual entwickelte sich in der Edo-Zeit (1603-1868) zum Hina Matsuri 雛祭り.
Mit der Einfuhr von Uhren aus Europa, gelang in der Edo-Zeit auch das Wissen der Uhrwerksmechanik nach Japan. Dieses wurde im Puppenbau angewendet. So entstanden in dieser Zeit die ersten automatischen Puppen – die karakuri ningyōからくり人形. Diese Puppen werden auch heute noch als die Vorgänger der Roboter bezeichnet. 1662 wurde das erste Puppentheater mit karakuri ningyō in Osaka eröffnet. Diese Theaterform konnte sich jedoch nicht lange halten und wurde schliesslich durch das Bunraku 文楽 bzw. ningyō jōruri人形浄瑠璃abgelöst. Beide dort verwendeten Arten unterscheiden sich wesentlich von den früheren, vereinfachten Formen wie den katashiro oder nademono. Sie sind mit bis zu 150 Zentimeter grösser und sehen einer echten Person sehr ähnlich. Sie können die Augen sowie die Mundpartien bewegen und je nach Puppe sogar in einen Dämon verwandelt werden. Sie werden auch, bis auf wenige Ausnahmen, nicht für rituelle Zwecke benutzt.
Traditionelle japanische Puppen wie die musha ningyō 武者人形, ishō ningyō 衣装人形, hina ningyō 雛人形 und auch die Bunrakupuppen werden am häufigsten aus Holz, meist Zypresse, hergestellt und mit eigens für die Puppen produzierten Kleidern eingekleidet. Einige Puppen sind ganz aus Stoff, viele puppenähnliche Figuren, wie zum Beispiel die Daruma, bestehen aus Pappmachée oder Papier. Es gibt aber auch Figuren, welche aus Ton hergestellt werden, wie z.B. die hakata ningyō 博多人形. Heute noch werden die meisten Puppen nach traditioneller Weise angefertigt.
Die Sammlung DORO NINGYO besteht aus 970 Puppen und puppenähnlichen Objekten und ist eine der grössten Sammlungen japanischer Puppen. Sie kann grob in sieben Gruppen (Kokeshi, Daruma, Shiori-anesama oder Papierpuppen, Musha Ningyō, Ishō Ningyō, Hina Ningyō und Andere) eingeteilt werden. Die kokeshi こけしsind mit 387 Objekten die grösste Gruppe. Die Sammlung besticht nicht nur durch ihre Vielzahl an Objekten, sondern auch durch die verschiedenen Puppenarten und ihre Herstellungstechniken. Sie bietet einen interessanten und vielfältigen Einblick in die Welt der japanischen Puppen.
Literatur:
Als weiterführende Literatur können wir namentlich das Buch "Ningyo. The Art of the Japanese Doll" von Alan Scott Pate, erschienen 2005, Tuttle Publishing, Boston (USA) empfehlen.
Die vorliegende Sammlung ist seperat in Printform detailliert beschrieben und mit einer Vielzahl von Referenzen versehen. Dort finden sich auch alle Uebersetzungen der japanischen Texte auf den Puppen. Gerne senden wir ohne Kostenfolge Interessierten eine PDF-Version des Kataloges "DORO NINGYO", Gianera S, DeSousa C und Krapf R., ersch. Dezember 2016, Liestal, Selbstverlag Krapf, zu.