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An der Marktgasse 84 – und wie alles begann
Mitten in der Berner Altstadt, an der damals noch lehmigen und steinigen Marktgasse, wurde 1873 das Familienunternehmen v.Fischer gegründet.
Die Familie v.Fischer gehörte zu den Familien, die in der frühen Neuzeit innerhalb weniger Generationen vom Handwerk bis in die Regierungskreise aufstiegen: 1562 erhielt der aus Thun stammende Weissgerber Burkhart Fischer das bernische Burgerrecht. Er wurde kurz darauf in den Grossen Rat und später in weitere, bedeutende Ämter gewählt. 1675 pachtete Beat Fischer das bernische Postregal. Er gilt als Begründer der bernischen Post. Wegen seiner Verdienste als Unternehmer wurde Beat Fischer und seine Nachkommen in den Reichsritterstand erhoben. Die Post blieb bis zur Verstaatlichung im Jahr 1832 ein Familienunternehmen.
1873 erscheint Friedrich v.Fischer im Adresskalender für Stadt und Stadtbezirk Bern mit dem Eintrag «Fischer, Friedr., Obergerichtschreiber» unter «Patentierte Berufsarten». Friedrich v.Fischer startete zu dieser Zeit als praktizierender Fürsprecher. Dies markiert den Beginn der bis heute anhaltenden Kontinuität der Familie v.Fischer als Anwälte – über fünf Generationen hinweg bis hin zu Dr. Marie v.Fischer Lehmann.
Im Wandel der Zeit
Die Konfrontation zwischen modernem Staat und der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert förderte eine politische und rechtliche Wende, die in einer Totalrevision der Bundesverfassung von 1872 und 1874 resultierte. Mitten in dieser Zeit entschied sich Friedrich v.Fischer zum Unternehmertum und damit zur Selbstständigkeit. Viele Jahre hatte er als Sekretär der Polizei- und Anklagekammer sowie als Obergerichtsschreiber gedient. Zehn Jahre bevor das schweizerische Obligationenrecht in Kraft gesetzt wurde, gründete er die bis heute andauernde Unternehmenstradition mit Dienstleistungen im Bereich Recht und später zunehmend auch in der Vermögensverwaltung.
Zwei Familien, eine Geschichte
Ebenfalls 1873 findet man im Adressbuch unter den Fürsprechern «Karl Eugen Stettler, Sohn», mit Büro an der Marktgasse 84, im Haus beim Käfigturm. Nachkomme einer Gerberfamilie aus Stettlen, die 1528 das bernische Burgerrecht erlangte und von 1541 bis 1798 ununterbrochen im Grossen oder Kleinen Rat vertreten war. Obwohl durch Kaiser Karl VI. 1716 ebenfalls in den Reichsritterstand erhoben, machten die Stettler in Bern nie von ihrem Adelsstand Gebrauch. Beide Familien, Stettler und v.Fischer, gehörten im Ancien Régime zu den regierenden Geschlechtern Berns.
So entstand 1875 an der Marktgasse eine Partnerschaft: Im Adresskalender fand man die Sachwalter fortan unter dem Namen «Stettler u. v.Fischer». Ein Name, der beinahe hundert Jahre weiterbestand, und älteren bzw. pensionierten Mitarbeitenden unserer Firmengruppe unter dem Firmenkürzel «Fisteco» immer noch ein Begriff ist.
Was wurde aus den Familien des Ancien Régime?
Das 1831 besiegelte Ende des bernischen Patriziats führte dazu, dass sich die ehemals regierenden Familien strukturell neu orientieren mussten. Weg von der Politik, führte der Weg hauptsächlich zu akademischen Berufen. Die Stettler betätigten sich insbesondere als Architekten, Theologen und Juristen. Die v.Fischer findet man im 19. Jahrhundert unter den Juristen und Unternehmern, als Botaniker, Musiker und Militärs.
Eintrag «Stettler u. v. Fischer» im Marktgasse 84 und Käfigturm in Bern, 1906
Adresskalender von 1879 Bild: Neue Photographische Gesellschaft,
Bild: Dr. Manuel Kehrli Quelle: Wikimedia
Quellen und Literatur
Adresskalender für die Stadt und Stadtbezirk Bern, 1861, 1873, 1875, 1879
Hans Braun e.a.: Beat Fischer (1641–1698). Der Gründer der bernischen Post. Bern 2004
Michael Stettler: Aus unnützen Papieren, in: ders. Sulgenbach, Bern 1992, S. 79–151
Verzeichnis der Burgerschaft der Stadt Bern, 1876, 1889
Historisches Lexikon Schweiz
Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde