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Büwwmaterial
[Baumaterial]
Spöttisch sagt man manchmal, das Walsergebiet sei eine "steinreiche" Gegend. Wörtlich genommen, trifft dies tatsächlich zu. Der wichtigste Baustoff ist der Stein. Man benutzte ihn für jegliche Form des Bauens: für Stütz- und Strebemauern beim Weg- und Strassenbau, für die Terrassierung der steilen Hänge (Äcker, Wiesen, Reben), für Sakral- und Präsentationsbauten, für die Fundamentierung der unterschiedlichsten Bauten und als Feuerschutz für den Küchenraum. Bauen mit Stein war aber anspruchsvoll und mühsam. Dazu kommt, dass das Wohnklima in reinen Steinhäusern recht unangenehm war, es sei denn, man baute die Räume mit Holztäfer aus. Das konnten sich aber die wenigsten leisten.
Das Fällen, der Transport und die Bearbeitung des Bauholzes waren vor allem eine Winterarbeit. Hier sehen wir Bergbauern beim Hölzfällen (Lötschental, Niederer S. 436)
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Deshalb baute man praktisch alles aus Holz. Für den traditionellen Blockbau verwendete man roh behauene oder gesägte Balken von ca. 16 cm Dicke. Diese Balken wurden an den Ecken verstrickt (Gwätt), so dass der Holzaufbau ein recht solider Kasten wurde. Die Fugen wurden mit Moos abgedichtet, so dass man die Innenwände nicht zusätzlich behandeln oder vertäfern musste. Die ursprüngliche Technik (Satz, Stabilität) liess nur ganz kleine Fenster zu, deshalb reihte man gleich mehrere Fenster nebeneinander. Als Bauholz verwendete man die Lärche. Die unbehandelten rotgelben Balken färbten sich unter der brennenden Sonne mit der Zeit ganz schwarz. Wie sehr das Bauen von den Lebensumständen abhängt, zeigen Vergleiche verschiedener Bauweisen z.B. im Goms, in Ausserberg oder St. Luc (alles CH/VS). Im Goms regnet es deutlich mehr als im übrigen Oberwallis. Deshalb wachsen hier die Lärchen höher und die Häuser werden teilweise ganz aus Holz und behäbig breit gebaut. In Ausserberg oder St. Luc ist es sehr trocken, hier sind die Häuser schmal und hoch. Das Heu muss trocken liegen und es braucht Luft. Deshalb hat man Scheunen sehr oft, um Holz zu sparen, in der Ständerbautechnik erstellt.
Wie sehr das Bauen vom vorhandenen Baumaterial abhängt, lässt sich am einfachsten an der Dachkonstruktion nachweisen. Gab es die leicht spaltbaren Granitplatten, wurden die Dächer mit diesen Steinplatten gedeckt, z.B. in Törbel (CH/VS) oder Vals (CH/GR). Diese Platten überdauerten Jahrhunderte, deshalb sind sie auch noch häufig im Originalzustand anzutreffen. Schlechter hielten sich die Schieferplatten, z.B. im Raum Termen, Ried-Brig (CH/VS). Noch vergänglicher waren die Schindeldächer, z.B. in Eischoll (CH/VS) oder Silbertal (A/Va). Leider sind diese Dachlandschaften in den letzten 50 Jahren weitgehend zerfallen und wurden mit Eternitplatten oder Ziegeln ersetzt. Vereinzelt werden aber heute wieder Gebäude mit Schindeln gedeckt, z.B. Stadel in Bürchen, Kapelle in Silbertal. Eine spezielle Dachkonstruktion treffen wir südlich des Simplons (z.B. Simplon Dorf (CH/VS) oder Val Formazza (I/VOC) an. Hier werden die Dächer mit kleinen, aber dicken Steinplatten richtig gehend gemauert. In Simplon Dorf finden wir noch eine weitere Spezialität. Hier ist das Klima so rau, dass die Holzhäuser nachträglich noch mit einer Steinmauer umgeben wurden. Und so paradox es klingen mag: das älteste Holzhaus der Schweiz ist in Simplon Dorf und es ist - ein Steinhaus.