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die Stränge und Fäden, welche im Körper der meisten Tiere von den Zentralorganen des Nervensystems (s. d.) zu den Muskeln,
[* 4] den Sinnesorganen etc. ausstrahlen. Jeder Nerv besteht aus kleinern oder
größern, parallel nebeneinander laufenden Bündeln von Nervenfasern; diese zerfallen wieder in noch feinere Fäserchen,
Fibrillen. Im einfachsten Fall verläuft eine solche Nervenfibrille selbständig und ist dann entweder in eine sogen.
Markscheide, d. h. in ein Rohr aus Fett und Eiweißstoffen, eingeschlossen (markhaltige Fibrille), oder
liegt frei da (marklose Fibrille). In gleicher Weise kann ein Bündel von marklosen Fibrillen, d. h. eine Nervenfaser, marklos
bleiben oder sich mit einer Markscheide umgeben; im letztern Fall nennt man das im Innern der Markscheide gelegene Fibrillenbündel
den Achsencylinder.
Bei den Teilungen und Verzweigungen der Nerven, wie sie bei ihrem Verlauf vielfach vorkommen, teilen sich nur die Fasern, indem
sich ihre Fibrillen nach verschiedenen Richtungen hin wenden, nie die Fibrillen selbst. Jede Faser steht an ihrem
Anfang mit wenigstens einer Ganglienzelle, an ihrem Ende mit einem oder vielen Endapparaten (Sinneszellen, Muskelfaser etc.)
in Verbindung. BeimZitterwels (Malapterurus electricus) z. B. wird das elektrische Organ von einer einzigen Nervenfaser versorgt,
die sich millionenmal teilen muß. Auch Verbindungen (Anastomosen) zweier oder mehrerer Nerven und Verflechtungen zu einem Netz
(Nervengeflecht, Nervenplexus) sind bei höhern Tieren nicht selten. An manchen Stellen können in den Verlauf
der Nerven Haufen von Nerven- oder Ganglienzellen,
[* 5] die sogen. Nervenknoten oder Ganglien (s. d.), eingeschaltet sein.
Wie am Muskel, so unterscheidet man auch am lebenden Nerv dreierlei Zustände:
1) den Ruhezustand, 2) den Zustand des Absterbens, 3) den thätigen Zustand. Differenzen im Stoffwechsel
des Nervs liegen diesen verschiedenen Zuständen zu Grunde, aber von allen Stoffwechseldifferenzen wissen wir kaum mehr, als
daß der Nerv beim Absterben eine saure Reaktion annimmt.
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Die Fähigkeit des Nervs, durch gewisse Einwirkungen, die man als Reize bezeichnet, in den thätigen Zustand übergeführt
zu werden, nennt man seine Erregbarkeit oder Reizbarkeit. Dieselbe ist zunächst abhängig von der normalen chemischen Zusammensetzung
des Nervs. Ferner ist sie gebunden an die Verbindung des Nervs mit einem nervösen Zentralapparat; nach
der Lösung dieser Verbindung nimmt die Reizbarkeit zuerst zu, um dann bis zum völligen Erlöschen abzusinken.
Anhaltende Unthätigkeit eines Nervs verringert seine Erregbarkeit und kann selbst zur Degeneration des Nervs führen. Übermäßige
Thätigkeit bewirkt Ermüdung und Verengerung der Erregbarkeit; Ruhe stellt den normalen Zustand wieder her. Einen eigentümlichen
und sehr eingehend studierter Einfluß auf die Erregbarkeit des Nervs bekundet der konstante elektrische
Strom. Führt man durch eine beliebig lange Strecke eines Nervs einen konstanten Strom, so gerät der ganze Nerv in einen Zustand,
in welchem seine Erregbarkeitsverhältnisse eigentümlich modifiziert erscheinen.
Mechanisch reizend wirken alle mit einer gewissen Schnelligkeit und einer gewissen Stärke
[* 11] erfolgenden mechanischen Erschütterungen
des Nervs. Läßt man eine Anzahl mechanischer Reize mit genügenden Schnelligkeit hintereinander auf den Nerv einwirken, so
gerät der Muskel in tetanische Kontraktion. Thermisch reizend wirken rasche Übergänge sowohl zu höherer
als zu niedrigerer Temperatur. Ein ganz konstanter, den Nerv in seiner Längsrichtung durchfließender Strom stellt keinen Nervenreiz
dar, sondern nur Veränderungen der Stromdichte wirken erregend und zwar umso stärker, je schneller diese Veränderungen
vor sich gehen.
Die Erscheinung, daß ein Reiz, der an irgend einer Stelle den Nerv trifft, eine Veränderung im entsprechenden
Endorgan bewirkt, spricht für eine Fortpflanzung der Erregung durch die Nervenfaser. Man spricht deshalb von einem Leitungsvermögen
der Nerven. Die Nervenfaser ist nur dann im Besitz dieses Vermögens, solange ihr Zusammenhang an keiner Stelle unterbrochen ist.
Ist letzteres aber geschehen, so kann sich der Reiz über die verletzte Stelle hinaus nicht fortpflanzen.
Die Erregung geht auch nie auf eine benachbarte Nervenfaser über; die Leitung jeder Faser ist vielmehr vollkommen isoliert,
und die Erregung pflanzt sich stets nur in der gereizten Faser fort. Erfolgt die Leitung in der Richtung
von der Peripherie nach dem Zentrum, so nennt man sie zentripetal, in umgekehrte Richtung aber zentrifugal: Die Nerven leiten für
gewöhnlich nur
in einer Richtung;
man unterscheidet deshalb zentripetal von zentrifugal leitenden Nervenfasern.
Hieraus darf
man aber nicht schließen, daß ein prinzipieller Unterschied zwischen diesen Fasern bestehe, und daß jede
Faser überhaupt nur in einer einzigen Richtung zu leiten im stande sei. Vielmehr besteht sehr wahrscheinlich ein doppelsinniges
Leitungsvermögen. Die Erregung pflanzt sich mit einer meßbaren Geschwindigkeit im Nerv fort. Die mittlere Geschwindigkeit
im Froschnerv fand Helmholtz = 26,4 m in der Sekunde.
1) zentrifugal leitende, 2) zentripetal leitende und 3) interzentrale Fasern. Je nach der Arbeitsleistung,
welche ihre Erregung in den peripheren Organen hervorruft, bezeichnet man die zentrifugal leitenden Fasern a) als motorische
Fasern, d. h. solche, auf deren Erregung Muskelkontraktion erfolgt. Nerven, welche
an die Muskulatur von Blutgefäßen treten, bezeichnet man als vasomotorische Nerven, und man unterscheidet hier zwischen Vasokonstriktoren
und Vasodilatatoren; auf Reizung der erstern verengern sich, auf solche der letztern erweitern sich die
Blutgefäße; b) als sekretorische Fasern; ihr peripheres Endorgan ist eine Drüsenzelle, und durch die Erregung dieser Fasern
wird der Absonderungsvorgang in der Drüse angeregt.
Die zentripetalen Fasern leiten Erregungen der peripheren Endorgane nach dem Zentrum hin und lösen hierselbst
entweder Empfindungen aus, oder die im Zentrum anlangende Erregung wird auf zentrifugale, d. h. also auf motorische oder sekretorische,
Fasernübertragen. Im erstern Fall spricht man von sensibeln, im letztern von reflektorischen oder excitomotorischen Nervenfasern.
Die sensibeln Nerven lassen sich einteilen 1) in die gewöhnlichen sensibeln Fasern, durch deren Erregung
Gemeingefühle, wie z. B. der Schmerz, ausgelöst werden, und 2) in Sinnesnerven, d. h. solche, deren Erregung
spezifische Empfindungen, wie Sehen,
[* 14] Hören, Riechen etc., bewirkt. Die reflektorischen Fasernübertragen ihre Erregung entweder
auf motorische oder auf sekretorische Fasern; im erstern Fall spricht man von Reflexbewegungen, im letztern von Reflexabsonderungen.
- Interzentrale Fasern sind solche, welche nervöse Zentralapparate in leitende Verbindung setzen.
Hierher gehört die Mehrzahl der Fasern des Gehirns und des Rückenmarks, Fasern des sympathischen Nervs etc. Nicht immer wird
durch die Erregung von Nervenfasern eine Thätigkeit in Gang
[* 15] gesetzt oder unterhalten; es gibt auch Fasern, die eine regulierende
Thätigkeit ausüben, und durch deren Erregung eine Thätigkeit verzögert oder angehalten wird; man
bezeichnet sie als Hemmungsfasern. Über die Erkrankungen der s. Nervenkrankheiten.