Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03464.jsonl.gz/910

Hohenzollern
Die Burg in ihrer heutigen Form ist ein Bauwerk des renommierten Berliner Architekten Friedrich August Stüler, der 1842 als Schüler und Nachfolger Karl Friedrich Schinkels zum Architekten des Königs ernannt worden war. Sie gilt als typisches Beispiel der Neugotik im deutschen Sprachraum. Die eindrucksvollen Auffahrtsanlagen entwarf der Ingenieur-Offizier Moritz Kar Ernst von Prittwitz, der damals als der führende preußische Festungsbaumeister galt.
Die bildhauerischen Arbeiten stammen von Gustav Willgohs.
Zum einen ist die Burg Hohenzollern Ausdruck des romantischen Geistes jener Zeit und verkörpert die damalige Idealvorstellung einer mittelalterlichen Ritterburg. Insofern ist der historistische Baugedanke mit dem von Schloss Neuschwanstein in Bayern vergleichbar, jedoch ohne dessen phantastisch-theatralische Übersteigerung. Zum anderen ist die Burg das Ergebnis politischen Repräsentationswillens der Herrscher von Preussen, die die Stammburg ihrer Ahnen in prunkvoller Form wiederaufgebaut sehen wollten.
1850 fand die Grundsteinlegung statt. Finanziert wurde der Bau gemeinsam von der brandenburgisch-preußischen und den fürstlich-schwäbischen Linien der Hohenzollern. Im Streit um die Finanzierung kam es nach einem heftigen Wortgefecht am 22. März 1852 zwischen Otto von Bismarck und Georg von Vincke in der zweiten preußischen Kammer am 25. März 1852 zum Duell Vincke–Bismarck. Am 3. Oktober 1867 wurde der Bau unter König Wilhelm I. von Preußen vollendet und eingeweiht. Bei einem Erdbeben am 3. September 1978 wurde die Burg schwer beschädigt, die Restaurierungsarbeiten zogen sich bis in die 1990er Jahre hin.
Das Hohenzollernlied fand seit ungefähr 1860 Verbreitung. Die Melodie basiert auf der des französischen Liedes Ma Normandie, wobei regional in Melodie und Rhythmus leicht unterschiedliche Versionen bekannt sind. Das Lied wurde 1849 vom damaligen Oberpostpraktikanten Hermann Vitalowitz gedichtet, als Hohenzollern durch Regierungsverzicht der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen an Preussen fiel.
Hohenzollernlied
© Martin Schnetzler