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Mäuse erkrankten - Gentechversuch abgebrochen
Zehn Jahre lang haben australische Forscher gentechnisch veränderte Erbsen gezüchtet und dann zu Versuchszwecken Mäuse damit gefüttert. Dieser Versuch musste jetzt abgebrochen werden weil die Mäuse an der Lunge erkrankten. Grund der Erkrankung könnten die genmanipulierten Erbsen sein, vermuten die Forscher. Wissenschaftsredaktor Hans-Stefan Rüfenacht erläutert einen komplexen Sachverhalt.
In diesen Versuchen veränderte man Erbsen gentechisch um sie widerstandsfähig zu machen gegen einen bedeutenden Schädling, den gemeinen Erbsenkäfer. Den Erbsen pflanzte man dafür ein Gen ein, das aus einer Bohne stammt. Dieses Gen ist verantwortlich für ein bestimmtes Eiweiss, das seinerseits den Abbau von Stärke blockiert. Der Erbsenschädling, der Käfer, der nun auf sein Futter, die Erbsen trifft, kommt in Kontakt mit diesem Eiweiss, das eben den Stärkeabbau hemmt, ergo, die Käferlarven können ihre Nahrung, die Stärke, nicht mehr abbauen und verhungern.
So weit, so gut
In weiteren Experimenten stellten die australischen Forscher nun aber eine unerwünschte Nebenwirkung fest. Verfütterte man die gentechnisch veränderten Erbsen an Feldmäuse, dann entwickelten diese Tiere eine Lungenkrankheit in Zusammenhang mit Immunproblemen. Die Mäuse hätten aber keine lebensbedrohliche Reaktion gezeigt, sagen die Forscher weiter.
Interessant war dabei aber, fütterte man die Mäuse mit Bohnen, aus denen das Schädlingsschutzgen ursprünglich stammte, dann zeigten die Mäuse keine Nebenwirkungen. Die Forscher fanden dann heraus, dass die unerwünschten Wirkungen damit zudammenhingen, dass man das Gen aus der Bohne in die Erbse übertragen hatte. Dort, in der Erbse, führte das Gen zu einem Eiweiss, das etwas anders aufgebaut war als in der Bohne. Dem Eiweiss wurde in der Erbse bestimmte Zuckermolekule zusätzlich angehängt, was zu einem Eiweiss führte mit den eben unerwünschten Wirkungen.
Diese Mäuseexperimente bedeuten allerdings noch nicht, dass in anderen Tieren oder sogar in Menschen solche Nebenwirkungen auftreten müssen, wenn etwa ein Mensch derart gentechnisch veränderte Erbsen essen würde. Aber ausgeschlossen ist das auch nicht. Weitere Experimente wären dazu notwendig.
Die Experimente in Mäusen bestätigen aber, wasfrüher selten mal zu beobachten war: Gene, die von einem Spenderorganismus, hier der Bohne, in einen Empfänger, hier die Erbse, übertragen werden, können im neuen Organismus zu Substanzen mit unerwünschter Wirkung führen. Und insofern muss man einen solchen Gentransfer und seine Folgen abklären, vor allem auch dann, wenn der Empfängerorganismus zum Beispiel eine Nutzpflanze ist, de als Lebensmittel dient.
- Hans Stefan Rüfenacht, in Radio DRS1 18.11.2005. (Transkription: Helmut Lubbers)
ecoglobe: Wir denken an die vielen Gentechbefürworter und sogar Wissenschaftler, die völlig naiv behaupten, gentechnisch veränderte Nahrungsmittel seien bedekenlos weil in den USA Millionen von Menschen schon Jahre lang solche Lebensmittel ohne Schaden essen.
Wir meinen, ohne Kontrollpopulation und Doppelblindstudien, unterteilt nach Alter, Geschlecht und Essensgewohnheiten, in kontrollierter Umgebung, ist eine solche Aussage völlig unwissenschaftlich.
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