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Band 27 der Cahiers d’archéologie jurassienne ist den mittelalterlichen Siedlungsresten von Chevenez in der Ajoie (Kanton Jura, Schweiz) gewidmet und bildet somit chronologisch den zweiten Teil der Grabungsergebnisse. Funde und Befunde der Bronze- und Eisenzeit sind bereits publiziert (CAJ 26). Die drei Fundstellen Lai Coiratte, Combe Varu und Combe En Vaillard sind Teil einer östlich des heutigen Dorfes gelegenen ländlichen Siedlung, die zwischen 1998 und 2002 im Vorfeld des Baus der Autobahn A16 Transjurane untersucht worden ist.
Nach einer kurzen allgemeinen Einleitung (Kapitel 1) folgt ein Überblick über die unterschiedlichen wissenschaftlichen Untersuchungsgsmethoden der im vorliegenden Band eingehend bearbeiteten und vorgestellten Fundgattungen (Kapitel 2). Die Ergebnisse werden anschliessend, nach Fundstellen geordnet vorgestellt (Kapitel 3 bis 5). Kapitel 6 enthält die anthropologische Auswertung der Körperbestattungen. Die Synthese bildet den letzten Teil der Publikation (Kapitel 7).
Mit der Monographie liegen erste Anzeichen für eine Besiedlung der Umgebung von Chevenez zwischen Merowingerzeit und Hochmittelalter vor. Trotz einer nur mittelmässigen Konservierung des archäologischen Materials sind Aussagen zu einer differenzierten Nutzung der drei Fundstellen möglich. Zwischen dem beginnenden 7. Jahrhundert, welches mit dem Anfang der Belegung des Gräberfeldes in der Combe Varu zusammen fällt, und dem frühen 8. Jahrhundert zeichnen sich zwei Begehungsphasen für Lai Coiratte und Combe En Vaillard ab. Auf dem zuerst handwerklich genutzten Areal von Lai Coiratte folgt eine Dreifachbestattung, während in der Combe En Vaillard auf den Bau der Verbindungsaxe zwischen Courtedoux/Curtis Udulfi und Chevenez/Chaviniacus ein für Wohnzwecke errichtetes Gebäude mit gleichzeitigem Bestattungsplatz folgt. Die Strasse scheint am Ende des Frühmittelalters aufgegeben worden zu sein.
Der Werkplatz von Lai Coiratte scheint ausschliesslich der Eisengewinnung und -verarbeitung gedient zu haben. Erhalten sind Strukturen von einem Rennofen und einer Gruppe von Feuerstellen sowie Schmiedeplätze und Gruben, so dass erstmals in der Ajoie auch die Erzverhüttung fassbar wird. Der gleichzeitige Nachweis von Eisenproduktion und Schmiedetätigkeit macht die räumliche Ausdehnung des Ateliers fassbar und erlaubt eine Übersicht über die gesamte Abfolge der Arbeitsschritte bei der frühmittelalterlichen Eisenverarbeitung. Die dabei gewonnen Erkenntnisse ergänzen die bereits von den beiden im Delsberger Becken gelegenen Fundstellen Boécourt - Les Boulies und Develier-Courtételle bekannten Resultate. Beim Gebäude mit L-förmigem Grundriss in der Combe En Vaillard handelt es sich um ein seltenes Beispiel eines Einzelhofes, der durch einen Schotterweg an die Ost-West verlaufende Strasse angebunden ist. Aus anthropologischer Sicht bilden die Gräber von Combe En Vaillard und Combe Varu sowie die Dreifachbestattung von Lai Coiratte eine interessante Bestattungsgruppe. Die Untersuchung von diskreten Merkmalen und paleopathologischen Spuren ergibt eine mögliche Verwandtschaftsbeziehung innerhalb des hier bestatteten Personenverbandes und liefert wichtige Indizien zum Gesundheitszustand, insbesondere für mehrere Individuen eine überdurchschnittliche Zahnabnutzung, die möglicherweise im Zusammenhang mit einer spezifischen, nicht näher definierbaren handwerklichen Tätigkeit steht.
Mit Ausnahme der Eisenschlacken besteht das archäologische Fundmaterial hauptsächlich aus Keramik und Metallgegenständen. Wenige Gefässe aus Glas und Lavez sowie Gerätschaften aus Stein ergänzen die Fundgruppen. Die Untersuchung der Keramik bestätigt und erweitert die chronologischen und morphologischen Ergebnisse der Grabung Develier-Courtételle, auch lassen sich nach wie vor die regionalen Produktionszentren nicht lokalisieren. Besser erkennbar sind überregionale Tauschund Handelsbeziehungen durch den Vergleich der Importstücke, besonders der Gefässkeramik und der Steinartefakte, die sich grundsätzlich nur gering vom Fundmaterial aus dem Delsberger Becken unterscheiden, dennoch aber eine stärkere Verbindung zum Burgund und Elsass bezeugen. Einige wenige Fragmente von Glas und Lavez deuten auf einen gewissen Wohlstand der Bewohner hin. Die Resultate der Untersuchung der pflanzlichen Makroreste und der Fauna zeigen die zunehmende Bedeutung der Feldwirtschaft und eine Intensivierung der Viehhaltung, was einer hauptsächlich für den Eigenbedarf wirtschaftenden, auf Selbstversorgung ausgerichteten Gemeinschaft entspricht.
Die Auswertung der mittelalterlichen Funde und Befunde von Chevenez liefert einen ersten Beitrag zur ländlichen Siedlungsdynamik sowie zu den Tausch- und Handelsverbindungen in der Ajoie an der Schwelle zum Mittelalter. Die im vorliegenden Band dargestellten Resultate reihen sich in die Ergebnisse von Boécourt-Les Boulies und Develier-Courtételle im Delsberger Becken ein und werden bald durch die noch nicht abgeschlossene Untersuchung von Courtedoux - Creugenat ergänzt. Sie erlauben eine erste Auseinandersetzung mit der für diese Zeit sonst vor allem indirekt durch Bestattungen bekannten Siedlungstätigkeit.
Übersetzung: Monika Kleiner
Band 27 der Cahiers d’archéologie jurassienne ist den mittelalterlichen Siedlungsresten von Chevenez in der Ajoie (Kanton Jura, Schweiz) gewidmet und bildet somit chronologisch den zweiten Teil der Grabungsergebnisse. Funde und Befunde der Bronze- und Eisenzeit sind bereits publiziert (CAJ 26). Die drei Fundstellen Lai Coiratte, Combe Varu und Combe En Vaillard sind Teil einer östlich des heutigen Dorfes gelegenen ländlichen Siedlung, die zwischen 1998 und 2002 im Vorfeld des Baus der Autobahn A16 Transjurane untersucht worden ist.