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|Am 4. April 1966 wurde ich zum Militär eingezogen. Vom Bochumer Hauptbahnhof aus wurden die Rekruten mit einem Militärtransport der Bundeswehr in die Lüneburger Heide gebracht. Das Ziel dieser über 4-stündigen Eisenbahnfahrt war Munsterlager, wie es damals noch hiess. Wir wurden mit natoolivgrünen LKWs vom Bahnhof abgeholt und in die alten Baracken der Ausbildungskompanie 413 in der „Freiherr von Boeselager“ -Kaserne verfrachtet, wo wir die nächsten 3 Monate unsere Grundausbildung absolvierten. Nach der Grundausbildung wurde ich dem Versorgungslehrbataillon 96 zugeteilt. Von Juli 1966 bis Ende März 1967 war ich in der 2./Vers.(Lehr) Btl. 96, der Sanitätskompanie. Hier wurde ich zum Sanitäter und LKW Fahrer ausgebildet. Den Rest meiner Dienstzeit verbrachte ich bei den „Spritkutschern“ in der 4./Vers.(Lehr) Btl. 96, der Transportkompanie. Heute heisst die Stadt Munster und ist der grösste Bundeswehr Standort in Deutschland. Das Vers.(Lehr) Btl. 96 „Versorgungslehrbataillon 96“ wurde am 1. Februar 1959 aufgestellt und am 31. März 1971 wieder aufgelöst.

Gegen Ende meiner Bundeswehrzeit, im Frühjahr 1968, beschäftigte ich mich, in der verbleibenden Freizeit, mit der Jobsuche. Ich studierte die Stellenanzeigen in den grossen deutschen Tageszeitungen und schrieb einige Bewerbungen. An 3 Orten konnte ich mich vorstellen. Ich kam so in Kontakt mit der Bergakademie in Clausthal-Zellerfeld, einer verschlafenen Stadt in Niedersachsen. Doch die ganze Atmosphäre, die Nähe der „Zonengrenze“ und die autoritäre Art, wie man mich bei der Vorstellung behandelte, gefielen mir nicht.
Anfangs März 1968 konnte ich ein paar Tage Urlaub nehmen und fuhr mit einem Militär-Eisenbahnbillett nach München. Ich hatte 2 Vorstellungsgespräche abgemacht. Das erste in München bei der Süddeutschen Bremsen AG, am Rand des damaligen Münchener Flugplatzes Oberwiesenfeld, dem heutigen Olympiagelände, das damals eine riesige Baustelle war. Uralte Laboreinrichtungen, irgendwo in einer riesigen Fabrikanlage, dunkel, unfreundlich und meiner Erfahrung nach veraltet. Das war nichts für mich. Man drängte mich auf eine Zusage, doch wollte ich das ganze noch einmal überschlafen. So fuhr ich noch am gleichen Tag weiter, via Lindau, Bregenz und St. Margrethen in die Schweiz, wo ich in Arbon am Bodensee mein zweites Vorstellungsgespräch abgemacht hatte. Ich übernachtete in Rorschach und fuhr erst am nächsten Tag ein paar Stationen weiter zu meinem nächsten Vorstellungsort. Hier gefiel es mir. Die Umgebung war herrlich, die Stadt war übersichtlich und schön. Die Laboreinrichtungen waren auf dem neuesten Stand der Technik, hell und sauber. Ich sagte sofort zu und war mir in diesem Moment gar nicht darüber klar, dass ich aufgrund meines Entscheids nun auswandern würde.
Am 30. April, vor 45 Jahren, bin ich in die Schweiz eingereist. Mit der Deutschen Bundesbahn fuhr ich von Bochum Hbf nach Offenburg und durch den Schwarzwald bis Konstanz. Hier musste ich die Grenze überschreiten. In der Schweizer Grenzstadt Kreuzlingen liess ich die grenzsanitarische Untersuchung über mich ergehen, die für einreisende ausländische Arbeitnehmer obligatorisch war. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich eine 2-jährige Militärdienstzeit hinter mir und wunderte mich auf dem Bahnhof Kreuzlingen über die „alten Schweizer Soldaten“, die hier im Kampfanzug und mit Gewehren bewaffnet auf dem Bahnsteig herumlungerten. Ich war nun soweit, dass ich mit meinen beiden Koffern und einer grossen Reisetasche mit der SBB via Romanshorn an mein Ziel nach Arbon im Kanton Thurgau fahren konnte. Mein künftiger Arbeitsgeber hatte mir, bei einer „Schlummermutter“, ein Zimmer besorgt, wo ich für den Moment auch gut aufgehoben war. Den Anreisetag und den nachfolgenden 1. Mai konnte ich nutzen, die kleine Stadt zu durchstreifen und meinen Arbeitsweg kennenzulernen. Am 2. Mai 1968 trat ich dann meinen Job als Chemielaborant bei der Adolph Saurer AG an.