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Der Turm von Wiesendangen ist unter den wenigen, die uns geblieben sind, obwohl er im Zentrum einer Ortschaft aufgerichtet wurde und daher mehr als die Anderem dem Risiko, abgerissen und in andere Konstruktionen eingebaut zu werden, ausgesetzt war. Genau auf diese Weise sind zahlreiche ähnliche Verteidigungswerke im Kantons Zürich verschwunden.
Es gibt viele Hypothesen und viel steht geschrieben über diese letzteren. So meinte man früher, dass die direkten Nachkommen des Grafen von Märstetten, die 150 Jahre früher erwähnt wurden und aus dem Hause Nellenburg stammten, zu den Ministralen von Wiesendangen gehörten. Nach anderen Aufzeichnungen wurde der Turm gegen 1120 aufgerichtet, mit dem Ziel, die Eigentümer von Kehlhof, ein Gebiet des angesiedelten Episkopats von Konstanz an der anderen Seite des Flusses, zu irritieren. Alles was man tatsächlich bestätigen kann, ist das des Mitte des 12. Jahrhunderts eine Ministrale kyburgerische Familie von Wiesendangen-Frauenfeld gab.
Es ist also denkbar, dass der Turm zu dieser Zeit gebaut worden ist. Nach einer moderneren Auffassung könnte man ebenfalls meinen, dass er später im Auftrag eines Vertreters der bevorzugten Klassen des Dorfes gebaut wurde. Der Turm von Wiesendangen steht in der Nähe der Kirche am linken Ufer des Baches des Dorfes. Einige Spuren des Grabens weisen darauf hin, dass dieser Bach zu einem gewissen Zeitpunkt umgeleitet worden ist, und dass am Turm vorbeifloss. Dieser ist jedoch nie von Wassergräben umgeben worden. Auch hat man niemals Spuren von einer Stadtmauer oder Palisade wiedergefunden. Man weiss nur, dass der Turm einen erhöhten Eingang hatte.
Auf einem viereckigen Sockel von neun Metern pro Seite und seinen 11 Metern Höhe, erhob sich ein Oberbau aus Holz. Dieser wurde durch ein Walmdach im Laufe des 18. Jahrhunderts ersetzt. Seine Mauern sind aus Grössen- und Bruchsteinsteinen gemacht. Die Art, wie die Ecksteine vierkantig zugeschnitten wurden, zeugt von einer wenig gepflegten Arbeit. Heute gelangt man in den Turm durch einen Anhang aus Holz. Der Keller wird nur einige Tage pro Jahr beleuchtet, und seine Decke liegt auf alten Steinkonsolen. Die ersten und zweiten Stockwerke haben genauso wie ihre Fenster wichtige Renovationen erfahren. Das dritte Stockwerk auf der nördlichen Seite präsentiert eine Nische in einem Holzbogen; diese wird durch ein dreigeteiltes Fenster beleuchtet. Die anderen Seiten haben auch ihre originalen Fensteröffnungen und eine Nische beibehalten. Restaurierungsarbeiten wurden 1956 unternommen, nachdem die Gemeinde den Turm gekauft hatte. Man achtete vor allem darauf, dieses Monument von den Anbauten zu befreien, die es verunstalteten.
Von jeher und bis zu diesem Datum wurde der Turm als ein freies Eigentum angesehen worden. Es ist ebenfalls interessant festzustellen, dass seine Einwohner ihn nie besessen haben weder die Vogtei noch das Majorat von Wiesendangen. Die Barone von Wiesendangen waren so nahe mit jenen von Frauenfeld verwandt, dass es manchmal schwierig ist, sie zu unterscheiden. Schon in 1255 übten Familienmitglieder an Frauenfeld die kyburgerische Vogtrechte aus. Als im 14. Jahrhundert die Herrschaftenen von Frauenfeld ein hohes Ansehen bei den österreichischen Herzögen genossen, kannten ihre Familienmitglieder von Wiesendangen zu dieser Zeit keinen solchen Aufschwung. Manchmal, jedoch, profitierten sie von der Situation der Frauenfelder, so damals als in 1361 die zwei Familien gemeinsam die Rechtsprechung im Dorf und in der Vogtei von Schwarzenbach (SG) besassen. Kurz danach verschwanden die Herrschaften von Wiesendangen aus der Geschichte. In 1408 verkaufte Heinz Schmid den Turm von Wiesendangen an Klaus von Sturtznegg. Zu diesem Zeitpunkt war das angrenzende landwirtschaftliche Gebiet, das den Bauernhof, den Hof, die Wiese und den Gemüsegarten umfasste, wichtiger als der Turm selbst.
Seit die Gemeinde von Wiesendangen dieses Monument erworben hat, versucht sie im Rahmen des Möglichen, ihm sein ursprünglichen Charakter erneut zu geben.
Bibliographie