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Aktualisiert: 12. Okt 2020
Lahmt dein Hund immer mal wieder Vorne und du weisst nicht warum? Dann könnte dieser Blog von Interesse für dich sein. Er erläutert dir, was die Ellenbogendysplasie (ED) beim Hund ist und wie sie sich äussert.
Was ist eine Ellbogendysplasie und wie entsteht sie?
Unter Dysplasie versteht man eine Fehlbildung der Knochenstrukturen beim Ellbogengelenk. Dieses setzt sich aus dem Radius (Speiche), der Ulna (Elle) und dem Humerus (Oberarm) Knochen zusammen.
Gerade während der Wachstumsphase sind diese beteiligten Knochen sehr empfindlich gegenüber Verletzungen an den Wachstumsfugen und bei zu schnellem Wachstum durch falsche Ernährung (Über- oder Unterversorgung bestimmter Nährstoffe). Bei der Umwandlung von Knorpel in Knochen kann es zu Störungen der Ossifikation (Verknöcherung) kommen.
Die Ellbogendysplasie tritt häufig erstmals im Alter von fünf bis zehn Monaten auf.
Zu viele körperliche Aktivitäten in den ersten Lebensmonaten begünstigen eine ED, vor allem bei großen und besonders gefährdeten Hunderassen. Die Vererbung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, da diese Fehlbildungen weitervererbt werden können. Bei ausgewachsenen Hunden kommen Überbelastung, Unfälle und Verletzungen als Ursachen von Ellbogendysplasie dazu. Gleichzeitig fördern Übergewicht, Überlastung und Fehlbelastung die Ausprägung der ED.
Besonders betroffen sind mittel- bis großwüchsige Rassen wie z. B.:
· Labrador
· Golden Retriever
· Neufundländer
· Bernhardiner
· Rottweiler
· Deutscher Schäferhund
· Berner Sennenhund
aber auch kleinere Hunde wie Dackel, Basset und Pekingese etc. können betroffen sein.
Die Ellbogendysplasie ist ein Überbegriff für die verschiedenen Fehlbildungen am Ellbogen. Die häufigsten sind:
Der isolierte Processus anconaeus des Olecranon (IPA)
wird häufig bei schnellwachsenden, schweren Hunden, mittelgroßer und großer Rassen beobachtet. Der Processus anconaeus ist bis zur 11. Lebenswoche rein knorpelig mit dem Ellbogenhöcker verbunden und verknöchert bei gesunden Hunden im Alter von ca. 5 Monaten. Bei der IPA wächst der Processus anconaeus nicht mit der Ulna zusammen oder der Fugenschluss bleibt infolge zu hoher körperlicher Aktivität aus.
Der fragmentierte Processus coronoideus medialis ulnae (FPC), ist eine Loslösung des Knochenfortsatzes (sogenannter Kronenfortsatz) an der Innenseite der Elle. Der FPC entsteht durch eine Wachstumsverzögerung des Radius, denn durch diese Verzögerung wird der Processus coronoideus ulnae mehr belastet, was zu einer Deformierung oder Fragmentierung desselben führt – er löst sich teilweise oder ganz ab.
Die angeborene Ellbogenluxation kommt besonders häufig bei kleinen Hunderassen wie Pekingese, Yorkshire Terrier und Zwergpudel vor. Es handelt sich um eine Missbildung entweder des oberen Teils der Ulna oder des Radiusköpfchens. Die betroffenen Tiere zeigen oft einen typischen, watschelnden Gang.
Distractio cubiti (DC), darunter versteht man ein unterschiedliches Längenwachstum von Elle und Speiche durch Störungen im Bereich der Wachstumsfugen.
Die Folge ist eine Stufenbildung im Gelenk. Diese Stufenbildung behindert den natürlichen Bewegungsablauf des Hundes. Besonders häufig betroffen sind die sogenannten chondrodystrophen Rassen (z. B. Dackel, Basset, Pekingese) - es handelt sich um eine genetische Störung der Knorpel- und Knochenbildung.
Osteochondrosis Dissecans (OCD) / Knorpelablösung entsteht beim heranwachsenden Hund durch eine Schädigung der Knorpelschicht. Im Ellbogengelenk kann die Ablösung eines Knorpelstückes auftreten. Das Knorpelstück kann sich im Gelenk verschieben, was beim Hund Schmerzen und Lahmheit auslöst. Je nach Lage des losen Knorpelstückes kann der Hund schmerzfrei sein oder unter starken Schmerzen leiden. Es gibt bei dieser Erkrankung lahmheitsfreie Phasen im Wechsel mit hochgradiger Lahmheit. Da die lahmfreien Phasen auch länger anhalten, meint der Besitzer oft, es sei wieder alles in Ordnung. Ein Abwarten kann jedoch fatale Folgen haben - es kann zu dauerhaften Schäden, chronischen Entzündungen und Arthrose führen.
Wie erkennst du eine Ellbogendysplasie bei deinem Hund?
Besonders bei Jungtiere im Alter von ca. 5 - 10 Monaten tritt die ED häufig auf. Deshalb ist es wichtig, die ersten Auffälligkeiten genau zu beobachten.
Auf diese äusserlichen Veränderungen solltest du achten:
- an den Vorderläufen leichte bis starke wechselseitige Lahmheiten
- ein warmes und geschwollenes Ellbogengelenk
- Berührungsempfindlichkeiten an dem betroffenen Gelenk
- Bewegungsunlust
- Schmerzen beim Beugen und/oder Strecken bzw. Überstrecken des Ellbogengelenks
- im Stand kann die Pfote nach Aussen und der Ellbogen nach Innen gestellt sein
- beim Laufen kann der Ellbogen nach Aussen rotieren
- ein verändertes Gangbild
Was kannst du als HundehalterIn tun?
Bei obengenannten Symptomen solltest du einen Tierarzt aufsuchen. Je früher eine Diagnose gestellt werden kann, desto besser. Neben einer gründlichen Untersuchung des Bewegungsapparates, insbesondere des Ellbogengelenks, wird der Tierarzt allenfalls weiterführende Untersuchungen veranlassen.
Vorbeugende und unterstützende Massnahmen bei der Ellbogendysplasie:
1. Ernährung anpassen: Vor allem bei Junghunden größerer Rassen solltest du auf ein langsames Knochenwachstum achten und die richtige Menge Proteine/ Kohlenhydrate/Fette/Mineralien/Vitamine füttern. Damit verhinderst du eine Über- oder Unterversorgung mit Mineralstoffen wie Calcium und Phosphor sowie mit bestimmten Vitaminen.
2. Hohe Belastungen (besonders bei Junghunden) vermeiden: zu lange Spaziergänge, Sprünge aus dem Auto (Rampe benützen) joggen, schnelle Stopps, Zerrspiele und Frisbee/Ballspiele. Mit Hundesport sollte erst nach abgeschlossenem Wachstum (ab 8 – 12 Monaten) und langsam mit dem Training begonnen werden.
3. Gewichtskontrolle: Übergewicht unbedingt vermeiden
4. Nahrungsergänzungsmittel (Knorpelschutzpräparate) geben
5. Warmer, weicher Liegeplatz, am besten ein orthopädisches Hundebett
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Der Tierarzt wird nach einer ausführlichen Gelenksuntersuchung Röntgenaufnahmen und gegebenenfalls CT-Untersuchungen und/oder eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung), durchführen.
Die Ellbogendysplasie wird in Schweregrade von 0 bis 3 eingeteilt, um zu erkennen wie weit sie fortgeschritten ist:
Grad 0: normales Gelenk
Grad 1: Zubildungen bzw. Stufenbildung im Gelenk von max. 2 mm Ausmaß, geringgradige ED
Grad 2: Zubildungen in der Größenordnung 2-5 mm, mittelgradige ED
Grad 3: Zubildungen größer als 5 mm bzw. eindeutiger Nachweis von IPA, FPC oder OCD, hochgradige ED.
Je nach Schweregrad der vorliegenden Veränderung und abhängig vom Alter des Hundes kann die Ellbogendysplasie konservativ behandelt oder in vielen Fällen operativ angegangen werden:
Konservativ: Der Besitzer verzichtet auf eine Operation und der Hund bekommt schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, allenfalls zusätzliche Unterstützung durch Ellbogenbandagen oder -orthesen. Regelmässige Massagen und Physiotherapie helfen gegen entstehende Verspannungen und Fehlbelastungen.
Operativ: Wenn operiert werden soll, ist es meist besser, dies so früh wie möglich zu tun, um Folgeschäden am Gelenk möglichst zu verhindern. Sind bereits Arthrosen im Gelenk vorhanden braucht der Hund zur dauerhaften Unterstützung häufig schmerzlindernde Medikamente und eine physiotherapeutische Behandlung. Denn bereits vorhandene Arthrosen sind leider nicht mehr heilbar.
Je nach Form der Dysplasie wird eine unterschiedliche Operationstechnik gewählt – häufig wird die minimalinvasive Arthroskopie eingesetzt, da die Erholungszeit nach der Operation deutlich kürzer ist.
Durch eine Operation können abgelöste Knochen- und Knorpelteile entfernt oder allenfalls wieder fixiert werden. Das ist sehr wichtig, da sie das Gelenk reizen und die Gelenkkapsel irritieren. Frühzeitiges Eingreifen schützt das Gelenk, denn die sogenannten „freien Gelenkkörper“ begünstigen die Entwicklung von Arthrose. Je schneller sie also entfernt werden, desto weniger Schaden richten sie an. An die Operation schließt sich eine strenge Ruhephase von zwei bis vier Wochen an, während dieser Zeit ist der Hund an der kurzen Leine zu führen. Häufig erhält der Hund zusätzlich einen Stützverband.
Sehr wichtig sind die anschliessende Nachbehandlung und das Aufbautraining: Nach ca. 4 Wochen darf sich der Patient meist wieder frei bewegen, er sollte aber immer noch geschont werden (kein Toben, übermässiges Spielen, Hundesport etc.). Ein seriöses Aufbautraining mit Hilfe einer guten Physiotherapeutin, hilft dem Hund, so schnell wie möglich wieder fit und belastbar zu werden. Nach ca. 6 Monaten sollte die volle Belastung des Ellbogengelenks möglich sein.
Physiotherapie
Was ich mit der physiotherapeutischen Behandlung erreiche:
durch gezieltes Muskeltraining wird die Muskulatur gestärkt und aufgebaut (dies hilft die Gelenke zu entlasten)
mit Massagen wird gegen Verspannungsschmerzen (die sich Aufgrund von Fehlbelastungen entwickeln können) vorgegangen
mit Gerätetherapie und Gleichgewichtsübungen wird die Koordination und das Gleichgewicht des Hundes weiter gefestigt (damit er wieder gleichmässig belastet)
weitere Behandlungsmöglichkeiten:
Passives Bewegen der Gelenke
Lymphdrainage
Bindegewebsmassage
Elektrotherapie
Unterwasserlaufband
Stabilisationsübungen
Cavalettitraining
Laufbandtraining
Lass dir von einer Hundephysiotherapeutin Übungen für zu Hause zeigen, damit du täglich etwas für die Beweglichkeit der Gelenke, Koordination und Muskulatur deines Hundes tun kannst. So ist er schneller wieder fit to run and have fun.
Hast du Fragen? Dann kontaktiere mich, gerne unterstütze ich dich auch zu Hause mit Tipps und Pflegehilfen und zeige dir, wie du es für deinen Vierbeiner am besten einrichten kannst und welche Übungen für zu Hause geeignet sind.