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Steht zu eurem Schweizerdeutsch – auch in der Romandie!
Wenn ein Romand in Zürich oder Bern aussteigt, so wird er von der Bevölkerung im Allgemeinen gut aufgenommen. Sein Akzent gilt als charmant, seine Deutschfehler sind trivial und es ist normal, dass er nicht Schweizerdeutsch spricht. Wenn nötig hilft man ihm auf Französisch.
Szenenwechsel. Wenn ein Deutschschweizer am Genfersee eintrifft, sollte er sich warm anziehen. Sein Akzent gilt als grauenhaft, seine Französischfehler werden als lächerlich bezeichnet und daher ist der Empfang natürlich alles andere als herzlich. Glücklicherweise gibt es Ausnahmen, aber das allgemeine Gefühl besagt seit Jahrzehnten: «Schweizerdeutsch ist keine Sprache, sondern eine Halskrankheit.»
Diese Abneigung hat natürlich viele Ursachen. Der Klang der Sprache ist die eine, aber das ist eher eine Ausrede. Dahinter verbirgt sich eine instinktive Abwehr einer französischsprachigen Minderheit gegenüber einer als bedrohlich betrachteten deutschsprachigen Mehrheit.
«Schweizerdeutsch ist keine Sprache, sondern eine Halskrankheit.»
Warum? Weil die Deutschschweizer an den politischen und wirtschaftlichen Schalthebeln des Landes sitzen. Sie sind daher «von Natur aus» zu arrogant, zu laut, zu stumpf, zu konservativ, zu dies und zu das. Es gilt daher zu verhindern, dass die Barbaren zu viel Platz in der Welschschweiz einnehmen.
Spannungen oder Kritik zwischen Sprachregionen sind nicht ungewöhnlich. Besorgniserregender ist etwas anderes: Dieses Umfeld hat viele Deutschschweizer dazu getrieben, ihre Sprache zu verleugnen, um sich in der Welschschweiz zu integrieren. Vor allem wollen sie sich nichts anmerken lassen und so den «Tolggen im Reinheft» löschen. Die Folge? Es gibt zu wenig zweisprachige «Secondos» in der Westschweiz, die Gegensteuer geben könnten.
Ich bin sehr erstaunt, wie viele meiner Bekannten in Genf kein Schweizerdeutsch sprechen, obschon ein Elternteil Deutschschweizer ist. Die Erklärung besteht oft darin, dass die Mutter mit dem Neugeborenen nicht Schweizerdeutsch spricht, um ihren französischsprachigen Mann nicht zu ärgern, der «dieses Kauderwelsch nicht versteht».
Andere Eltern glauben, zum Wohl des Kindes zu handeln, wenn sie ihm nur eine Sprache beibringen. Der gesellschaftliche Druck gegen die Deutschschweiz tut ein Übriges. Wie lässt es sich sonst erklären, dass man am Genfersee kaum je ein Kind mit italienischen Eltern findet, das kein verräterisches Wort aus der Sprache Dantes spricht?
Aus diesen Bemerkungen darf aber nicht abgeleitet werden, dass die Deutschschweizer in der Romandie auf jeden Fall unerwünscht sind. Die Genfer haben Politiker mit ausgeprägtem Deutschschweizer Akzent wie Jean Ziegler, Ueli Leuenberger oder Maria Roth Bernasconi gewählt. Genfer Schüler erhalten auch Kurse, in denen sie für das Schweizerdeutsch sensibilisiert werden.
Die Situation verbessert sich, aber von einer normalen Beziehung Romandie-Deutschschweiz kann noch immer keine Rede sein. Ein persönliches Beispiel. Als ich im letzten September zum Bundeshauskorrespondenten ernannt wurde und den Wunsch äusserte, nach Bern zu ziehen, haben mir viele Genfer Kollegen nicht gratuliert, ganz im Gegenteil. Einige haben mich mit schmerzverzerrtem Gesicht gefragt, ob ich dazu gezwungen worden sei. Für sie ist Paris ein Aufstieg, Bern ein Abstieg.
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