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Auch die italienische Schweiz war reich an stark verwurzelten und verbreiteten Formen der Volkskultur, wie sie in manchen Fällen den europäischen Berg- und Voralpentälern mit ähnlichen klimatischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen eigen sind. Unterschiede lassen sich hingegen zwischen dem bäuerlichen, handwerklichen oder bürgerlichen Brauchtum feststellen, aber auch zwischen den Bergtälern und der Tiefebene. Viele volkstümliche Traditionen entstehen rund um die einzelnen Lebenszyklen (Geburt, Heirat, Tod). Andere folgen den Jahreszeiten, die den Takt der bäuerlichen Arbeiten bestimmen (Alpaufzug, Heuernte, Getreideernte, Weinlese) oder sind auf religiöse Anlässe zurückzuführen (Advent, Weihnachten, Fastenzeit, Ostern, Heiligenfeste). In einigen Fällen sind sie mit geschichtlichen, politischen oder natürlichen Ereignissen verknüpft.
Die Traditionen blieben unter der Bevölkerung der Täler und von den städtischen Zentren abgelegenen Ortschaften länger erhalten als in der Stadt, wo sie in höherem Masse und früher der industriellen Entwicklung zum Opfer fielen. Die Entvölkerung der Täler und die schrittweise Aufgabe der Landwirtschaft hat im 20. Jahrhundert zahlreiche Traditionen und Bräuche zum Verschwinden gebracht. Andere, für die italienische Schweiz verhältnismässig neue Gewohnheiten (Weihnachtsmann, Nikolaus, Guggenmusik am Karneval, Osterhase) wurden aus andern Ländern übernommen und haben sich rasch verbreitet.