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Die weltliterarische Stimme Kolumbiens ist verstummt: Im Alter von 87 Jahren erlag der Kolumbianer Gabriel García Márquez, der 1982 den Nobelpreis erhielt, in Mexiko-Stadt einem Krebsleiden. Die spanischsprachige Welt trauert um ihren berühmtesten Literaten.
«Hundert Jahre Einsamkeit» wird zum Publikumserfolg
Mit «Hundert Jahre Einsamkeit» erklomm Gabriel García Márquez den Gipfel. Als der Roman 1967 erschien, hatten schon Kollegen wie Juan Rulfo und Jorge Luis Borges von sich reden gemacht, und das Wort vom lateinamerikanischen «Boom» machte die Runde.
Doch niemand erreichte einen Publikumserfolg wie der 1927 in der Karibik geborene Kolumbianer García Márquez. Die Saga um Krieg, Schicksal und Wunderglauben schildert den Verfall der Familie Buendía in dem sprichwörtlich gewordenen Dorf Macondo, das als Chiffre für einen ganzen Kontinent steht. Bis heute ist «Hundert Jahre Einsamkeit» weltweit ein Bestseller.
Werke wie «Der Herbst des Patriarchen» (1975), «Chronik eines angekündigten Todes» (1981) und «Die Liebe in den Zeiten der Cholera» (1985) festigten García Márquez' Ruf als herausragender Vertreter des magischen Realismus. In seiner Nobelpreisrede, die er im weissen Leinenanzug hielt, kritisierte er das Unverständnis Europas gegenüber Lateinamerika und bestand auf einen eigenen politischen Weg seines Kontinents.
Männerfreundschaft mit Fidel Castro
Dem in Stockholm verlesenen Manifest entsprach seine Treue zum kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro, über den der bekennende Sozialist García Márquez bereits 1958 einen Artikel mit der schwärmerischen Überschrift «Mein Bruder Fidel» geschrieben hatte.
Während andere lateinamerikanische Schriftsteller wie Mario Vargas Llosa sich enttäuscht von Kuba abwandten, verteidigte García Márquez den «máximo líder» als Staatslenker und hochgebildeten Literaturkenner. «Ich gehöre zu denen», hat der Nobelpreisträger im Ton seiner grossen Romane einmal gesagt, «die sich mit ihren Freunden begraben lassen.»
Reportagen und Porträts von Staatsmännern
Auch als Journalist, der Beruf, mit dem seine Karriere begonnen hatte, erntete García Márquez hohe Anerkennung. Neben Reportagen wie «Bericht eines Schiffbrüchigen» und «Nachricht von einer Entführung» verfasste er Porträts von Staatsmännern wie Felipe González und Bill Clinton, die seine Faszination am Phänomen der politischen Macht verraten.
In seinem komplexesten Werk, «Der Herbst des Patriarchen» (1975), drückte sich dieses Interesse ebenso aus wie in dem Roman über Simón Bolívar mit dem Titel «Der General in seinem Labyrinth» (1989).
Der langsame Abschied des Spätwerks
Die späten Jahre des Schriftstellers waren von Krankheit und Konzentrationsschwächen gezeichnet. Seine Autobiographie «Leben, um davon zu erzählen» (2002) konnte es mit dem literarischen Glanz seiner Romane nicht ganz aufnehmen. Auch die Erzählung «Erinnerung an meine traurigen Huren» (2004) erfüllte kaum die hochgesteckten Erwartungen. Andere Werke des Autors gehören jedoch selbst Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen zu den meistverkauften Büchern der spanischsprachigen Welt.
Nach langjährigen Aufenthalten in Paris und Barcelona lebte García Márquez seit Jahrzehnten in Mexiko-Stadt. Nur Projekte an der karibischen Küste führten ihn in seine kolumbianische Heimat zurück. So kaufte er zusammen mit Freunden eine kolumbianische Zeitschrift, mit der er Nachwuchstalenten die Möglichkeit zu kritischem Journalismus geben wollte. In Cartagena de Indias gründete «Gabo» eine Filmschule, die sich der Idee eines unabhängigen lateinamerikanischen Kinos verschrieb.
Mit García Márquez stirbt nicht nur die bedeutendste Stimme des lateinamerikanischen Romans, sondern auch der berühmteste Mensch seines Landes.