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Eingebettet in das neu gegründete „International Francavilla Project" unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Attema, Institute of Archaeology der Universität Groningen (GIA), beteiligt sich das Archäologische Seminar der Universität Basel seit dem Sommer 2009 an der archäologischen Erforschung des Siedlungsplatzes bei Francavilla Marittima, Kalabrien.
Die antike Siedlung von Francavilla Marittima liegt rund 10 km von der Küste des Ionischen Meeres im Tal des Raganello. Aufgrund seiner besonderen verkehrsgeographischen Lage wurde der von einheimischen Oinotriern besiedelte Ort auf dem Timpone Motta di Francavilla Marittima zu einem wichtigen Kontaktpunkt zwischen der lokalen Bevölkerung und den griechischen Siedlern, die um 720 v. Chr. an der Küste die Stadt Sybaris gründeten. Auf dem Hügelplateau entstand ein Heiligtum von weit reichender Strahlkraft, das sowohl von der einheimischen Bevölkerung als auch von einem internationalen Publikum besucht wurde. Die Besiedlung des Timpone dauerte bis ins späte 6. Jahrhundert v. Chr. fort, mit einer Blüte im späten 8. und 7. Jahrhundert. Von der Bedeutung dieser Periode legen nicht zuletzt die reichen Gräber mit den zahlreichen Importen aus Griechenland und dem Vorderen Orient ein beredtes Zeugnis ab, die im Bereich der sog. „Macchiabate“ auf einer tiefer gelegenen Hangterrasse zum Vorschein gekommen sind. Mit der Zerstörung von Sybaris durch die Nachbarstadt Kroton 510 v. Chr. kommt auch das Leben in der Siedlung von Francavilla Marittima zum Erliegen. Das Heiligtum selber besteht noch bis ins 4. Jahrhundert v.C h. fort.
Im Rahmen des „International Francavilla Projects“ fällt dem Archäologischen Seminar der Universität Basel die Erforschung der Nekropole auf dem Hügelplateau „Macchiabate“ zu. Die archäologischen Untersuchungen in dieser Zone versprechen wesentliche neue Einsichten in die Entwicklungsgeschichte des Gräberareals und vertiefte Aufschlüsse über das Bestattungsbrauchtum der Siedlungsgemeinschaft von Francavilla Marittima. Gemeinsam und in gegenseitiger Ergänzung mit den von Dr. Jan Jacobsen geleiteten Ausgrabungen der Universität Groningen im Heiligtum auf dem Timpone und der Siedlung an dessen Abhängen bietet die Erforschung der „Macchiabate“ die in ganz Süditalien einzigartige Gelegenheit, den Prozess der Akkulturation und des Austausches zwischen der griechischen und der italischen Welt im frühen 1. Jahrtausend v. Chr. aus der Perspektive einer einheimischen Siedlungsgemeinschaft in umfassendem Sinn zu erhellen.
Im Rahmen unserer ersten Grabungskampagne im Sommer 2009 konnte u.a. ein Grab des 8. Jahrhunderts v. Chr. ausgegraben werden. Es enthielt die Bestattung einer Frau in einheimischer Tracht und ein grosses Mischgefäss aus Ton.
Im Rahmen des „International Francavilla Projects“ arbeiten Wissenschaftler und Studierende des GIA, des Archäologischen Seminars Basel, der Universität von Cosenza (CL) sowie von zahlreichen anderen Universitäten zusammen.