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'''Eugen (Anton) Wehrle''' (* [[18. April]] [[1872]] in [[Bruggen]]; † [[1. Februar]] [[1960]] in [[Engelberg]])
'''Eugen (Anton) Wehrle''' (* [[18. April]] [[1872]] in [[Bruggen]]; † [[1. Februar]] [[1960]] in [[Engelberg]])
Aktuelle Version vom 8. März 2022, 15:35 Uhr
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 5. September 1892
Priesterweihe: 27. Mai 1897
Primiz: 29. Juni 1897
Lehrer an der Stiftsschule: 1899–1913
Lehrer der Fratres: 1899–1913
Kustos: 19?–1913
Spiritual in St. Nikolaus von Flüe: 1913–1914
Prior: 1914–1955
Novizenmeister: 1914–1955
Brüderinstruktor: 1914–1932
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Jakob Anton Wehrle, Lehrer, und der Maria Crescentia Zoller.
Lebensbeschreibung[1]
P. Eugen Wehrle wurde am 18. April 1872 als Sohn des Lehrers Jakob Anton Wehrle und der Bauerntochter Maria Crescentia Zoller in Bruggen SG geboren und tags darauf in der dortigen Pfarrkirche auf den Namen Anton getauft. Sein Heimatort war Muolen SG. Als der Knabe fünf Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Andwil, wo Vater Wehrle als Lehrer und Zivilstandsbeamter Vertrauensmann der Gemeinde wurde. In Andwil verlebte Anton zusammen mit zwei Schwestern seine Jugendjahre. Die ältere Schwester Hedwig blieb ledig und besorgte bis zum Ableben von Vater und Mutter den elterlichen Haushalt, während die jüngere bei den Benediktinerinnen zu St. Andreas in Sarnen als Frau M. Scholastika Profess ablegte und dort das Amt der Subpriorin bekleidete.
Die Engelberger Stiftsschule entwickelte sich unter der langjährigen Leitung von P. Leodegar Scherer, dem nachmaligen Abt, zu einem sechsklassigen Gymnasium und zog immer mehr junge Leute aus allen Kantonen an. Schon damals waren neben den Luzernern die St. Galler stark vertreten. So kam auch Anton Wehrle nach Engelberg und trat im Herbst 1885 in die erste Klasse der Stiftsschule ein. Er durchlief die sechs Jahre – ein Lyzeum gab es damals noch nicht – als einer der besten Schüler seiner Klasse. Zusammen mit seinem Mitschüler Urban Lötscher trat er danach ins Kloster Engelberg ein. 1892 legten die beiden Novizen die Profess ab und Anton erhielt den Namen Eugen. Nach den philosophischen Studien im Kloster Einsiedeln und den theologischen im Heimatkloster empfingen sie auch miteinander am 27. Mai 1897 durch Bischof Fidelis Battaglia von Chur die Priesterweihe. Die Primiz feierte P. Eugen am darauffolgenden 29. Juni.
Im darauffolgenden Herbst schickte Abt Anselm den Neupriester zur weiteren theologischen Ausbildung an die Ordensschule nach Rom. Das internationale Benediktinerkolleg liess den jungen Schweizerpater vor allem in Dogmatik und Kirchenrecht nicht nur vorzügliche Examina bestehen, es brachte ihm auch manche Beziehung zu Mitbrüdern aus anderen Klöstern und Kongregationen, denen er zeitlebens verbunden blieb. Er lernte hier auch die neuen monastischen Richtungen, die von Solesmes und Beuron ausgingen, kennen und schätzen, war doch der erste Abtprimas Hildebrand de Hemptinne aus der jungen Kongregation von Beuron gekommen und war das monastische Leben in Sankt Anselm nach den Beuroner Gewohnheiten und Gebräuchen geregelt.
Theologisch und monastisch gut ausgebildet, kehrte P. Eugen nach zwei Jahren ins Kloster zurück und lehrte in der Folge hauptsächlich an der theologischen Hausfakultät, aber auch am Gymnasium verschiedene Fächer. Als Lehrer war P. Eugen streng und er erwartete genaue pünktliche Pflichterfüllung. Im Kloster versah er unter anderem das Amt des Kustos. P. Eugen war zudem engagiert als Tenor im Kirchenchor, doch konnte er ab den 1920er Jahren infolge einer Stimmbandlähmung nicht mehr aktiv im Kirchenchor mitmachen und ab 1930 auch kein feierliches Hochamt mehr singen.
So vergingen dreizehn Jahre im Dienst von Kloster und Schule. Dann nahte der grosse Wendepunkt in seinem Leben. 1913 wurde er als Beichtiger ins Frauenkloster Melchtal geschickt. Als Abt Leodegar 1914 starb und Prior Basil Fellmann zu seinem Nachfolger gewählt wurde, da war es dem neuen Abt sofort klar: P. Eugen war der Vertrauensmann für den Posten des Primats. So schweren Herzens P. Eugen vor Jahresfrist ins Melchtal zog, so freudig kehrte er von dort zurück, doch auch bedrückt durch die grosse Verantwortung, die ihm übertragen wurde.
Engelberg war mit dem Amt des Priors von jeher die Erziehung des gesamten klösterlichen Nachwuchses verbunden. Der Prior war Novizenmeister, Fratres- und Brüderinstruktor. Daneben waren die vielen grossen und kleinen Obliegenheiten zu erledigen, wie sie das tägliche interne Leben mit sich bringt. Der Prior besorgte auch die Zuteilung der pastorellen Aushilfen. Ihm war damals auch das Almosenwesen anvertraut; P. Eugen übte vor allem während und nach den beiden Weltkriegen für auswärtige Klöster und andere Bedürftige eine grosszügige Wohltätigkeit. Er wirkte ausserdem bei der Abfassung der Statuten der Schweizerischen Benediktiner Kongregation, nicht zuletzt als ausgezeichneter Latinist, entscheidend mit.
Durch die zunehmenden Jahre und durch Kränklichkeit genötigt, gab P. Eugen 1932 die Leitung der Laienbrüder an P. Subprior ab. Als Novizenmeister hatte P. Eugen alle Hände voll zu tun, da in diesen Jahren sehr viele Kandidaten ins Kloster eintraten. Zeitweise waren es an die zwanzig und mehr Fratres. In seinen Funktionen als Prior und Novizenmeister galt er als streng und er nahm es mit der Benediktsregel sehr genau. Stets hatte er mit den Äbten ein gutes Einvernehmen und setzte im Gehorsam gegenüber seinen Oberen auch Neuerungen um, von denen er nicht überzeugt war. In seinem Nachruf schrieb ein Mitbruder, der einst Novize bei ihm gewesen war über ihn: "Ich sah P. Prior nie mit übereinandergeschlagenen Beinen dasitzen. Ich sah ihn nie springen. Das ist die 'Tugend' der Unpünktlichen. Wenn er bei seiner geringen körperlichen Konstitution ein so hohes Alter er reichte, so verdankte er dies nicht zuletzt seiner sehr regelmässigen Lebensweise, seinem Masshalten im Essen und Trinken. […] Um es kurz zu sagen: P. Eugen war eine Verkörperung der zwölften Demutsstufe, auf der 'der Mönch die Demut nicht nur in seinem Herzen bewahrt, sondern sie auch stets in seiner Haltung nach aussen offenbart'."
Für die kräftezehrende Arbeit wurde er in den letzten Jahren von P. Sales Hess unterstützt. Bis 1955 blieb er Prior. Dann liess er nach vierzigjähriger Tätigkeit die schwergewordene Bürde einem vierzig Jahre jüngeren Mitbruder übertragen. Abt Leodegar Hunkeler ernannte seinen langjährigen treuen Mitarbeiter zum Ehrenprior. Die physischen und geistigen Reserven des greisen Paters nahmen aber zusehends ab. Er starb in den Abendstunden des 1. Februar 1960. Von seinen gut 88 Lebensjahren hatte er nahezu 70 im Kloster verbracht und mehr als 40 davon als Prior.
Professnummer
- Nr. 675
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 46, 1959/60, S. 25-32, übernommen.
Bibliographie
- De Kegel, Rolf: "Jene Caritas, die den einzelnen Menschen persönlich sucht …" - Das Kloster Engelberg und die Deutschlandhilfe 1947–1951, in: Ein Kloster im Visier, Engelberger Dokumente 39, 2020, S. 84-102.
- Nachruf P. Eugen Wehrle, in: Titlisgrüsse 46, 1959/60, S. 25-32, S. 53-57.