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Sowohl für die Sanierung der Dämme des Hagneck-Kanals (Sicherstellung des Hochwasserschutzes) als auch für die gleichzeitig geplanten ökologischen Aufwertungen des Gewässerraums, brauchte der Kanton Bern Land entlang des Gewässers. 2007 begann der partizipative Prozess, d.h. möglichst rasch wurden alle Betroffenen entlang des Kanals eingeladen, damit sie informiert und orientiert und die verschiedenen Varianten erläutert werden konnten. Danach wussten alle Betroffenen Bescheid darüber, wo, wieviel Land benötigt würde. Die für die Renaturierung benötigten Landwirtschaftsflächen wurden vollumfänglich ersetzt. Keinen Ersatz gab es hingegen für Flächen, welche für den Hochwasserschutz (Dammverbreiterung) vorgesehen waren. Es folgten Einzelverhandlungen mit den Eigentümern, wobei der Ingenieur alle persönlich besuchte und am Ende ein unterzeichnetes Protokoll vorlag (grosse Verhandlungen können heikel sein, weil sich die TN gegenseitig aufschaukeln). Um an die nötigen Ersatz-Flächen zu gelangen, wurde in der regionalen Tageszeitung (BielerTagblatt) ein Aufruf zum Anbieten von publiziert. Im Beitrag wurde erneut die Situation und das Vorhaben erläutert sowie ein breiter Perimeter festgesetzt, innerhalb dessen Land gesucht würde. Aus den ca. 20 Rückmeldungen wurden die grössten und geeignetsten Parzellen ausgewählt. Mit dem Amt für Grundstücke und Gemeinde (AGG) wurden die Bodenpreise festgelegt. Für einige war der Landverkauf an den Kanton praktisch, da er „neutral“ war (Das Land wird weder dem einen noch dem anderen Bauer verkauft; d.h. kein Gerede im Dorf). Andere hatten Ihre Parzelle ohnehin in der Zeitung zum Verkauf ausgeschrieben. Da es sich nicht um eine Landumlegung oder Güterzusammenlegung handelte, wurden die Flächen nicht bonitiert (Festlegung Tauschwert), sondern sozusagen auf dem freien Markt abgetauscht. Bei grossräumigen Abtauschen kann es durchaus vorkommen, dass eine Parzelle über mehrere Zwischenstationen immer weiter getauscht wird, um eine sinnvolle Erschliessung zu erreichen. Die Verhandlungen dauerten z.T. sehr lange (wiederholte Gespräche). Wichtig dabei war, dass die Gespräche rasch stattfanden (vor den „Beizengesprächen“) und von Anfang an klare Spielregeln herrschten, d.h. die Preise sind festgelegt (Erhöhung nur in Ausnahmefällen) und alle Möglichkeiten sind aufgezeigt (z.B. auch Enteignung). Ausserdem wird empfohlen Ausnahmefälle eher am Ende der Landverhandlungsphase durchzuführen. Unmittelbar nach den Einzelverhandlungen folgte wieder eine Information aller Betroffenen (inkl. Landnutzer, Anwohner). Da der Landerwerb bereits vor der Auflage des Projekts geregelt war, blieben Einsprachen aus. Das Projekt konnte zwischen 2011-2015 erfolgreich umgesetzt werden.
Hochwasser 2005, 2007
6.1 ha
Hochwassersicherheit, verbesserter Schutz vor extremen Hochwassern, Aufwertung und Vernetzung der Lebensräume, Erhaltung Naherholungsgebiete
Raum für Wasserbau/Revitalisierung vs. landwirtschaftlich genutztes Kulturland
Kanton (Amt für Wasser und Abfall AWA)
Kanton (TBA, AWA), div. Ingenieur- und Planungsbüros, Gemeinden, Grundeigentümer, Renaturierungsfonds Kanton Bern, Ökofonds BKW
Landerwerb mittels Ausschreibung in Tageszeitung
Mittels frühzeitiger Publikation (Aufruf Landbedarf) in einer Lokalzeitung wurden "freiwillige" Landverkäufer gefunden. (Mit einem Inserat zum Landbedarf kann man Verkaufswillige ohne grossen Aufwand bereits abholen).
Grosszügige Landabtausche (über mehrere Zwischenstationen) eröffnen viele Möglichkeiten.
Frühzeitige Information der Betroffenen (damit keine Beizengespräche u. Gerüchte entstehen können.
Vorbereitung der Verhandlung (Pro- und Contra-Argumente, "Goodies").
Die erste Verhandlung ist am wichtigsten: Landeigentümer kennen lernen, Widerstand abschätzen, Bedürfnisse abholen.
Persönlich geführte Einzelverhandlungen mit Protokoll schaffen Vertrauen und vielleicht neue Möglichkeiten.
Verhandlungserfolg durch Erfahrung, Empathie u. Geduld (Gespräch auf gleicher Augenhöhe, d.h. lokale Probleme kennen).
Verhandlungen werden von einer speziellen Verhandlungsperson (Lokalperson) durchgeführt.
Von Anfang an klare Spielregeln festlegen (gesetzte Preise, alle Möglichkeiten aufzeigen), nicht zu viel versprechen.
Das Bedürfnis nach Hochwasserschutz war zu diesem Zeitpunkt gegeben und bot sich auch als Druckmittel an, da nach den Hochwasser von 2005 und 2007 eine grosse Betroffenheit herrschte.
Lange Verhandlungen, lange Projektlaufzeit.
Frühzeitiger Landkauf ("Auf Vorrat kaufen") wird von den Behördennicht begrüsst.