Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03480.jsonl.gz/967

Lärm
Belastung durch Strassenverkehrslärm
Anteil übermässig lärmbelasteter Bevölkerung in Prozent
* Neue differenzierte Methode (siehe Indikatordefinition)
Indikatordefinition
Anteil der Wohnbevölkerung in der Stadt Zürich, welcher von übermässigem Strassenverkehrslärm betroffen ist. Als übermässig gilt Lärm über den Immissionsgrenzwerten gemäss Lärmschutz-Verordnung des Bundes. Diese wurden so festgelegt, dass «nach dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung unterhalb dieser Werte die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich gestört wird». Alarmwerte weisen aus, dass die Sanierung prioritär erfolgen muss. Die Stadt Zürich zahlt beiträge an den freiwilligen Einbau von Schallschutzfenstern. Der Alarmwert (70 dB am Tag, 65 dB nachts) liegt 5 bis 15 dB über den Immissionsgrenzwerten.
Da erst seit 2009 ein GIS-basierter Lärmkataster zur Verfügung steht, können Zahlen aus früheren Jahren nicht mit späteren verglichen werden. Mit dem elektronischen Lärmkataster wird die tatsächliche Lärmbelastung der einzelnen Gebäude berücksichtigt und die betroffene Wohnbevölkerung differenzierter ermittelt. Aus diesem Grunde hat der Anteil der übermässig lärmbelasteten Bevölkerung ab 2010 leicht abgenommen.
Vor 2010 wurden die Daten für ganze Strassenzüge über eine Modellrechnung aus Strassenverkehrszählungsdaten und Einwohnerzahlen errechnet. Die Anzahl der Personen, die in mit Schallschutzfenstern sanierten Wohnungen leben, konnte 1998 erstmals separat ausgewiesen werden.
Datenquellen
- Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich, Lärmschutz
- Tiefbauamt der Stadt Zürich, Verkehrsplanung
Bezug zur nachhaltigen Entwicklung
Lärm beeinträchtigt die Lebensqualität und macht krank. Ständig gestörter Schlaf führt als Langzeitfolge zu kardiovaskulären (Herz und Gefässe betreffende) Erkrankungen wie beispielsweise chronischer Bluthochdruck, Herzinfarkt etc. Zusätzlich nehmen die kognitiven Fähigkeiten und die Leistungsfähigkeit ab.
Lärm ist auch ein wirtschaftlicher Faktor. Die veränderte Wohnqualität hat direkten Einfluss auf die Bodenpreise und den Wert von betroffenen Liegenschaften. Die Kosten der Strassenlärmsanierung trägt die Allgemeinheit.
An Lagen mit hohen Lärmbelastungen wohnen oft weniger privilegierte Menschen, deren Wahlmöglichkeiten auf dem städtischen Wohnungsmarkt sehr eingeschränkt sind. Lärm ist damit einer der ursächlichen Faktoren für eine unerwünschte soziale Entmischung entlang einzelner Strassen.
Wo steht die Stadt Zürich heute?
In der Stadt Zürich lebten gemäss Modellrechnungen Ende 2014 rund 141 000 Personen bzw. 35 Prozent der Wohnbevölkerung an Strassen mit übermässigem Strassenverkehrslärm. Davon sind für rund 129 000 Personen die Lärmschutzmassnahmen noch ausstehend. Mehr anzeigen
Der grösste Lärmverursacher in der Stadt ist der motorisierte Strassenverkehr. Gemäss der eidgenössischen Lärmschutzverordnung müssen alle Strassen mit Immissionsgrenzwertüberschreitungen saniert werden. Die vom Bund vorgegebene Sanierungsfrist läuft am 31. März 2018 ab. Bis zu diesem Zeitpunkt zahlt der Bund einen Viertel der Kosten für die Lärmsanierungen, danach gehen die gesamten Kosten zulasten der Gemeinden. Die Stadt Zürich ist bestrebt, diese Frist einzuhalten (siehe auch Box IGW-Sanierungen in der rechten Spalte), die Zeit wird aber zusehends knapp.
Das kreisweise Vorgehen der Stadt in der Strassenlärmsanierung hat sich bewährt. Wo keine Massnahmen an der Quelle (z.B. Temporeduktion) oder auf dem Ausbreitungsweg (z.B. Lärmschutzwand) umgesetzt werden können oder die Massnahmen nicht genügen, werden Erleichterungen beantragt. Erst wenn Erleichterungen durch den Stadtrat verfügt wurden, können Schallschutzfenster durch die Stadt eingebaut oder die Eigentümerinnen und Eigentümer mit einem Beitrag an den freiwilligen Einbau unterstützt werden.
Rund drei Prozent der Bevölkerung lebt an Strassen, an denen sogar der Alarmwert überschritten wird. Betroffen sind insbesondere Standorte entlang der Einfallsachsen und Durchgangsstrassen, wie z.B. Rosengartenstrasse oder Wehntalerstrasse. Wohnungen, bei denen die Immissionen über dem Alarmwert liegen, müssen vordringlich mit Schallschutzfenstern ausgerüstet werden. In der Stadt Zürich ist dies inzwischen praktisch überall geschehen. Die betroffenen Personen haben dank Schallschutzfenstern wenigstens bei geschlossenen Fenstern wieder ausreichende Ruhe in ihren Wohnungen.
Lärm in der Stadt hat viele Facetten. Je nach Ort tragen nebst Autos, Lastwagen, Tram und Bus auch der Flugverkehr, die Eisenbahn, Freizeitveranstaltungen und -anlagen oder Restaurants und Bars zur Lärmbelastung bei. Die Fluglärmbelastung hat in der Stadt Zürich aufgrund von Regimeänderungen am Flughafen Kloten zugenommen. Die geografische und zeitliche Umverteilung des Fluglärms mit der Einführung der Südanflüge hat heftige Debatten ausgelöst. Industrie- und Gewerbelärm sind eher von untergeordneter Bedeutung und das Thema der Nachtruhestörungen ist eng begrenzt auf die Ausgangsgebiete der Stadt.
Städtevergleich
Ein internationaler Städtevergleich ist in diesem Bereich nicht machbar, da international unterschiedliche Gesetzgebungen und Sanierungsvorschriften existieren. National gelten zwar dieselben eidgenössischen Vorschriften, die Städte sind aber nicht vergleichbar aufgrund der Unterschiede in der Verkehrsführung und den Siedlungsstrukturen.