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Diane Keaton ist Annie Hall. Und das nicht nur im gleichnamigen Film von 1977, sondern wortwörtlich: Annie ist Keatons Spitzname, Hall ihr eigentlicher Nachname. Woody Allen schrieb ihr die Rolle damals auf den Leib. Und sie gewann einen Oscar dafür.
Stil-Ikone mit Hut, Kravatte und weiter Männerhose
Diane Keaton war zu diesem Zeitpunkt bereits eine respektierte Komödiantin und bekannt aus den ersten beiden «Godfather»-Filmen. Mit Woody Allens Film wurde sie zur Stil-Ikone. Sie trug Hut, Kravatte, Gilet und weite Männerhosen – ein Look, wie er letztmals von Marlene Dietrich und Katherine Hepburn in den 1930ern inszeniert wurde.
Noch im gleichen Jahr erschien auch der düstere, erotische Thriller «Looking For Mister Goodbar». Keaton spielt darin eine junge Lehrerin, die nachts in Bars Männer aufgabelt und sie in zunehmend gewalttätigere Sex-Akte verwickelt, bis sie dieser Leidenschaft schliesslich zum Opfer fällt. Eine gewagte Rolle, am völlig anderen Ende des Spektrums von allem, womit man Diane Keaton heute in Verbindung bringt. Und neben den «Godfather»-Filmen ein weiterer Beweis dafür, dass sie auch in ernsten Rollen überzeugen konnte.
Diane Keaton war jetzt «Annie Hall»
Nur eben: Diane Keaton war jetzt Annie Hall – nicht nur vom Namen her, sondern auch in den Köpfen des Publikums. Ihre exzentrische Art, ihre leicht flötende Stimme, ihre Umständlichkeit beim Ausdrücken von Gefühlen: All das hatte Allen an ihr beobachtet und auf die Leinwand gebannt. Die Leute liebten sie so, und sie wollten mehr von dieser Natürlichkeit.
Doch Diane Keaton verstand sich als Schauspielerin, nicht als Selbstdarstellerin. Sie drehte zwei weitere Filme mit Woody Allen («Interiors» und «Manhattan»), die beide einen ernsteren Grundton hatten als «Annie Hall». Sie spielte in einer historischen Freske mit ihrem damaligen Lebenspartner Warren Beatty («Reds») und verbrachte danach die Mehrheit der 1980er in einer Reihe nüchterner Beziehungsmelodramen, in einem etwas absurden Agentenfilm («The Little Drummer Girl») und einigen leichten Komödien. Diane Keaton war in dieser Zeit bei der Wahl ihrer Rollen offensichtlich darum bemüht, kein Typecasting zuzulassen. Doch nicht immer war sie erfolgreich damit.
Das Altern als Befreiungsschlag
Jahrelang war sie denn auch unzufrieden mit den Rollen, die man ihr anbot. Aus diesem Grund begann sie, Regie zu führen, etwa bei einer Folge von «Twin Peaks». Diane Keaton hat in Interviews wiederholt darauf hingewiesen, dass das Altern auf sie eine befreiende Wirkung gehabt habe: Insbesondere habe es sie von der quälenden Vorstellung gelöst, Männern in jeder Situation gefallen zu müssen.
In ihrer Filmografie findet sich dieser Befreiungsschlag in «The First Wives Club». Darin rächt sich die soeben 50 Jahre alt gewordene Annie (Diane Keaton) an der Seite der gleichaltrigen Freundinnen Elise und Brenda (Bette Midler und Goldie Hawn) an ihrem Ex-Mann – eine plakativ feministische Klamotte, die ihren Darstellerinnen erfrischend viel Raum zur komödiantischen Entfaltung gibt. Auch wenn der Film eine Spur frecher hätte ausfallen dürfen.
Bis zuletzt «Annie Hall»?
Spätestens ab dann widmete sich Keaton fast ausnahmslos leichter Kost. Bis heute sieht man sie in Beziehungskomödien, Familienfilmen und Melodramen von bestenfalls durchschnittlicher Qualität. Neu nun an der Seite von Michael Douglas, der sich in «And So It Goes» mit einer unerwarteten Enkeltochter herumschlägt.
Auch wenn all diese Filme keine hohen Wellen schlagen: Diane Keaton scheint sich darin zu amüsieren. Sie hat ihren eigenen Ton gefunden, und es stört längst niemanden mehr, dass es immer noch derjenige von Annie Hall ist.
Fünf Filme mit Diane Keaton, die Sie gesehen haben müssen:
«Harry and Walter Go to New York» – 1976
Eine turbulente Gaunerkomödie in Kostümen. Diane Keaton beweist an der Seite von James Caan, Elliott Gould und Michael Caine ihr Talent für Grimassen und wilden Slapstick. Ein reiner Gute-Laune-Film, zu Unrecht vergessen.
«Looking for Mr. Goodbar» – 1977
Nur wenige Monate nach «Annie Hall» erscheint dieser erotische Thriller. Diane Keaton spielt eine trinkende, rauchende und sexsüchtige Nachtschwärmerin in einer Bestseller-Verfilmung. Das absolute Gegenteil von dem, was sie normalerweise verkörpert.
«The Little Drummer Girl» – 1984
Nach einem Roman von John Le Carré: Diane Keaton spielt eine antizionistische Schauspielerin, die vom Mossad als Lockvogel eingesetzt und dafür in einem Militärcamp an der Waffe ausgebildet wird. Wohl der einzige Film, in dem Diane Keaton mit einem Sturmgewehr hantiert.
«The First Wives Club» – 1996
Drei geschiedene Frauen rächen sich an ihren Ex-Männern, indem sie deren Karrieren sabotieren. In dieser Komödie erweist sich Diane Keaton als hervorragende Team-Playerin: Sie ist der diskrete Counterpart zu ihren extravaganten Altersgenossinnen Bette Midler und Goldie Hawn.
«Something's Gotta Give» – 2003
Ein schwaches Drehbuch, eine seichte Beziehungskomödie – aber der Film lohnt sich für die zuvor nur selten ausgelotete Chemie zwischen Diane Keaton und Jack Nicholson. Zudem hatte Diane Keaton in diesem Film eine ihrer höchst seltenen Nacktszenen – im Alter von 57 Jahren.