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Stan Wawrinkas Comeback in Gstaad nach 10 Jahren
Schon bevor Stan Wawrinka (ATP 74) am Dienstag gegen den Spanier Roberto Carballes Baena (ATP 60) auf den Platz geht, schlägt ihm am Swiss Open in Gstaad eine riesige Sympathiewelle entgegen.
Schon bevor Stan Wawrinka (ATP 74) am Dienstag gegen den Spanier Roberto Carballes Baena (ATP 60) auf den Platz geht, schlägt ihm am Swiss Open in Gstaad eine riesige Sympathiewelle entgegen.
Es ist, als wäre er nie weg gewesen - als hätte es die letzten zehn Jahre, in denen er die Gstaader Fans oftmals enttäuschte, nie gegeben. Im Juli 2013 spielte «Stan the Man» letztmals in Gstaad. Im Viertelfinal musste er im dritten Satz wegen einer Rückenblockade gegen Feliciano Lopez aufgeben. Am Tag vorher hatte Roger Federer, der damals erstmals seit neun Jahren ins Saanenland zurückgekehrt war, sein Startspiel verloren. Und noch vorher hatten die Organisatoren wegen der Präsenz von Federer und Wawrinka die Kapazität der Tribünen (auf 5000 Plätze) und die Ticketpreise (um 40 Prozent) erhöht.
Stan Wawrinka war im Juli 2013 noch nicht jener «Stan the Man», den wir heute kennen. Soeben hatte er sich wieder unter die besten zehn Spieler der Welt hochgearbeitet, was ihm nach fünf mageren Jahren nicht mehr alle zugetraut hatten. Erst nach seiner letzten Teilnahme in Gstaad gewann Wawrinka drei Grand-Slam-Titel und turnte vier Jahre lang (von 2014 bis 2017) in der Weltrangliste um Platz 3 herum. «Ja, das stimmt», sagt Wawrinka heute, «es waren intensive Jahre, seit ich zum letzten Mal in Gstaad spielte.»
Vier Absagen
Für die Organisatoren waren es frustrierende Jahre. 2014 (wegen Übermüdung) und 2015 (Schulterverletzung) sagte Wawrinka als Aushängeschild in der Woche vor dem Turnierbeginn ab. Das Verhältnis zwischen der Organisation Swiss Open Gstaad und Stan Wawrinka wurde belastet. «Stan hat zweimal unmittelbar vor dem Turnier abgesagt. Das darf nicht noch ein drittes Mal passieren», sagte Turnierdirektor Jeff Collet damals. Aber es passierte auch 2018 und 2022 wieder, weil Wawrinka den Körper schonen wollte. In den übrigen Jahren verzichtete der Romand zum vornherein auf die Teilnahme.
Es gab diverse Problematiken. Zum Beispiel einen langfristigen Vertrag von 2011 mit dem Tennisverband (Botschafter) und den Turnieren von Gstaad und Basel. Als dieser Vertrag skizziert wurde, garantierte er Wawrinka überdurchschnittliches Startgeld an den Schweizer Events. Als der Romand dann aber ab 2014 Grand-Slam-Turniersieger und die Nummer 3 der Welt war, entsprach der Kontrakt nicht mehr Wawrinkas Interessen.
«Auch für mich schwierig»
«Die letzten zehn Jahre waren mit Bezug auf Gstaad auch für mich schwierig», sagt Wawrinka. «Als Schweizer bekommst du nicht viele Möglichkeiten, vor deinen Fans zu spielen. Andererseits ist es für einen Spieler mit höchsten Ambitionen kompliziert, das Gstaader Turnier zwischen Wimbledon und der amerikanischen Hartplatz-Saison in deinen Plan aufzunehmen. Roger Federer hatte das gleiche Problem. Aber ich wusste immer: Ich werde in Gstaad wieder spielen.»
Jetzt ist diese Zeit gekommen. Als Wawrinka vor 16 Monaten nach einer Knie- und zwei Fussoperationen auf die Tour zurückkehrte, setzte er sich zum Ziel, nochmals ein Turnier gewinnen zu wollen. «Natürlich verfolge ich auch andere Ziele», sagt Stan Wawrinka im Interview mit Keystone-SDA. «Ich möchte auch im nächsten Jahr noch spielen. Die Sommerspiele 2024 in Roland-Garros sind ein Ziel. Im Ranking wäre ich gerne weiter vorne klassiert. Aber ja: ein Turniersieg, nochmals eine Trophäe in die Höhe zu stemmen, das ist eines der erklärten Ziele.»
Unterstützung genial
Am Swiss Open im Berner Oberland bietet sich die nächste Chance. Die Konkurrenz mit bloss einem Top-40-Spieler (Roberto Bautista Agut) erscheint nicht übermächtig. «Aber trotzdem: Es ist immer äusserst kompliziert, ein Turnier zu gewinnen. Die Ausgeglichenheit unter den besten 120 Spielern ist enorm und in den letzten Jahren viel grösser geworden. In den letzten 16 Monaten bin ich nie auch nur in die Nähe eines Turniersieges gekommen. Ich muss mich von Tag zu Tag auf die nächste Hürde konzentrieren.»
Eins ist sicher: Das Publikum wird Stan Wawrinka helfen. Es wird versuchen, ihn so weit wie möglich zu tragen - wie letzten Herbst an den Swiss Indoors in Basel. Wawrinka: «Die Unterstützung der Fans ist genial. Einfach wunderschön, dass ich das erleben darf. Der Support verleiht zusätzliche Kräfte während den Partien. Sie sprechen Basel an - das war unglaublich und etwas vom Schönsten, was ich in meiner Karriere erlebte.»
Auch in Gstaad sind die Fans verrückt nach Stan Wawrinka - eben so, als wäre er nie weg gewesen. Die Leute, und allen voran Turnierdirektor Jeff Collet mit seiner Crew, freuen sich, Stan wieder in Gstaad zu sehen. «Die Leute erkennen, dass die Grossen meiner Generation langsam verschwinden. Und im Moment geniessen sie es, wenn Leute dieser Generation noch da sind.»