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Im Februar 2012 stieg Erwin Thomas Speckert (50) mit 1,3 Millionen Dollar im Gepäck in Winnipeg, Kanada, in einen Greyhound-Bus ein. Kurz darauf näherten sich ihm Beamte der kanadischen Polizei. Sie hatten ein Ziel: Speckerts Scheine.
Die Polizisten nahmen sich darum Buspassagier Speckert vor und beschlagnahmten die 1,3 Millionen in bar des Verwaltungsratspräsidenten der Everest Asset Management mit Büros in Baar/ZG und offiziellem Domizil im noblen Kreis 2 in Zürich.
Nach dem Vorfall entliessen die Beamten den Schweizer Vermögensverwalter ohne Anklage, ermittelten aber weiter.
Verdacht der Geldwäscherei
Nun, nach einem Jahr Ermittlungen, bei denen verschiedene Polizeibehörden involviert waren, ist die Situation eine andere - die Operation Greyhound war wohl kein Zufall übereifriger Kanadier, die sich auf Rucksacktouristen aus den Vereinigten Staaten spezialisierten.
Jetzt ist Speckert angeklagt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Gelder aus illegaler Quelle besessen und Geldwäscherei begangen zu haben. Die Polizei in Kanada stellte gegen Speckert einen Haftbefehl aus.
Erwin T. Speckert begab sich letzten Freitag ins Hauptquartier der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) in Winnipeg und stellte sich. Daraufhin wurde er temporär entlassen, ohne eine Kaution hinterlegen zu müssen. Speckert wird am 22. April in Winnipeg vor dem Gericht zu erscheinen haben, schreibt der «Peterborough Examiner».
Millionen im Penny-Stock-Geschäft
Laut Dokumenten der British Columbia Securities Commission (das kanadische Pendant zur amerikanischen Börsenaufsicht SEC) handelt Speckert als Mittelsmann für Personen, die im kanadischen Staat British Columbia versteckt Aktien anbieten.
Dabei handelt es sich um Aktien mit Kleinstwerten, so genannte Pennystocks, die über das praktisch nicht regulierte Over-the-Counter-Bulletin-Board (OTCBB) gehandelt werden - eine Quelle dubioser Deals, die seit Jahren in Anlegerschützer-Foren für rote Köpfe sorgt.
Unter anderem zählte auch Colin Robert Hugh McCabe zu Speckerts Kunden. McCabe bewarb mit seinem «Elite Stock Report» auf Betreiben von Speckert massenhaft Pennystock-Aktien für diverse Firmen. Dabei machte McCabe irreführende und falsche Angaben über die Unternehmen - etwa auch über die «Guinness Exploration Inc». Firmen dieser Art stellten dann Speckerts Firma Emma Marketing Services Inc mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln über 8 Millionen US-Dollar für diese Dienste in Rechnung.
Werbung mit Schweizer Firma
Speckert ist in Kanada kein Unbekannter. So wusste die «Vancouver Sun» bereits 2012 mehrfach über den Schweizer zu berichten und brachte ihn mit einem weiteren Pennystock-Unternehmen in Verbindung: der «Quest Water Global Inc».
Speckert agiert global: Auch in Panama ist er aktiv, über seine Resource Project Partners 1 Inc.
Die Quest Water Global behauptete, in Angola für sauberes Trinkwasser zu sorgen und verwendete dazu eine Lösung der Schweizer Trunz Water Systems AG, die sich auf ihrer Webseite mit allerlei Präsenz rund um den Globus auszeichnet - auch Angola ist aufgeführt.
Mit diesem angeblich «hoch profitablen» Geschäftsmodell sollten Anleger zu Investments überredet werden.
Schlechte Performance garantiert
Die Hintermänner der Quest sind in der Pennystock-Szene bekannte Grössen und leben in Kanada. Einer der Frontmänner hält den Rekord, dass er seit 1994 vor allem in etwas Spitze war: Im Verbrennen von Aktienkapital - kein einziges seiner Luftschlösser war jemals gewinnbringend, das zeigen Analysen von handelszeitung.ch. Verluste von 90 Prozent der Investorengelder waren keine Seltenheit.
Auch in Europa kennt man Erwin T. Speckerts Firma: So warnt die Schwedische Finanzaufsichtsbehörde «Finansinspektionen» seit dem 21. Dezember 2010 vor der Everest Asset Management AG - diesen März hagelte es nochmals eine Warnung aus Schweden.
Die Everest ging in Schweden ohne Erlaubnis der Aufsichtsbehörden potentielle Investoren durch Kaltansprache per Telefon an - auch «cold calls» genannt. In englischen Gefilden nennt man diese Art Kundenbetreuung «Boiler Room Scam».
Schweigen bei den Schweizer Aufsehern
Die Everest wird von der Zürcher Polyreg als Finanzintermediär (SRO) beaufsichtigt. Auf Fragen wollte man bei Polyreg telefonisch keine Auskunft erteilen.
Interessant dürfte sein, wann Polyreg die Everest - und die dazugehörigen Firmen - das letzte mal «überprüfte», warum die Warnung der Schweden vor drei Jahren in den Wind geschlagen wurde und wie man sich zum kommenden Verfahren in Kanada stellt.
Weitere Firmen aus diesem Umfeld sind der Finanzmarktaufsicht Finma aufgefallen, Hintermänner dieser Konstrukte wurden von der Finma bereits 2008 auf Eis gelegt. Das aber focht sie nicht an: Flugs wurden 2008 und 2009 wieder neue Vehikel gegründet.
Karibische Inseln mit Bergsicht
Bei Gründung der Everest hatte die Firma den Sitz bei der Legacon Anstalt in Schaan, Liechtenstein. Gegründet wurde die Everest durch eine reine Offshore-Lösung: Die Brantridge Establishment aus Schaan des Verwaltungsrats Alexander Ospelt, die Landolt Holdings auf den Britischen Jungferninseln mit Direktor Erwin Speckert und die Power Consult Incorporated mit Sitz auf St. Vincent und den Grenadinen (Karibik) mit Direktor Alexander Wolfgang Ospelt traten alle als Gründer auf. Sie wurden verteten durch Ivan Brüschweiler aus dem Thurgau.
«Kein typischer Banker, ursprünglich Gentechnik studiert»
Speckert tauchte in der Schweizer Bankenszene schon in den 90er-Jahren auf. Er amtete als Direktor der P.R.P. Performa Research & Portfolio Management AG, die zur Berner Bank von Ernst gehörte (heute EFG International) und die von der Bank von Ernst 1999 aus Liechtenstein zugekauft wurde.
Damals schrieb «Der Bund» über Speckert: «Der Direktor der P.R.P. Performa, Erwin Speckert, ist ebenfalls kein typischer Banker: Er hat ursprünglich Gentechnik studiert.»
Webseite vom Netz genommen
Auf eine erste Nachfrage von handelszeitung.ch bei Everest Asset Management war der Vorfall in Kanada nicht bekannt, man bestätigte aber, dass Speckert zur Zeit in Kanada weile.
Kurz nach dem Telefonat mit der Redaktion nahmen die Verantwortlichen diverse Inhalte des Everest-Webauftritts vom Internet. Für die Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.