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Thomas Cremer
Eidg. dipl. Drogist, Inhaber der DROPA Drogerie Cremer in Heerbrugg und der DROPA Drogerie in Widnau
Thomas, spüren deine Bienen den Frühling schon?
Ja sicher, Bienen werden schon ab Februar aktiv. Den Winter verbringen sie in einer Art Bienentraube, in der sie sich für die Dauer der Winterruhe einkugeln und gegenseitig wärmen. Bienen ernähren sich im Winter von den eingelagerten Honigvorräten und leeren ihre Kotblase innerhalb der Behausung nicht. Sobald es im Februar etwas wärmer wird, fliegen sie aus, um ihre Kotblase zu reinigen. Daran sieht man, dass sie wieder aktiv werden.
Wie sieht ein Bienenjahr aus?
Der Jahreszyklus der Bienen läuft immer gleich ab, kann sich aber je nach Wetterlage und der Entwicklung des Volkes um mehrere Wochen verschieben. Als Imker richtet man sich also immer nach der Natur. Etwa im Februar beginnt die Königin, Eier zu legen. Im März gehts dann richtig los und das Volk wächst explosionsartig: Die Königin legt bis zu 2'000 Eier pro Tag, drei Wochen später schlüpfen die frischen Bienen. Bis im Juni kann das Volk dann aus bis zu 50'000 Bienen bestehen. Mit dem steigenden Blütenangebot sammeln die Bienen von April bis Juni verstärkt Nektar und Pollen und legen Honigvorräte an. Ende Juni ist die Blütenzeit vorbei und es beginnt die Herbstphase. Ab diesem Zeitpunkt wird das Bienenvolk wieder kleiner und die Königin legt immer weniger Eier. Bis Oktober legen Winterbienen Fett- und Eiweisspolster für den Winter an. Von Oktober bis Februar hält das Volk Winterruhe und der Kreis schliesst sich.
Wann ist für dich die strengste Zeit?
Arbeitsintensiv ist es vor allem von April bis August. Ich passe auf, dass in den Bienenkisten je nach Leistung der Königin genügend Waben drin sind, damit sich das Volk ausdehnen kann und genug Platz für die Honigvorräte hat. Die vollen Honigwaben nehme ich bei der Honigernte heraus. Als Ersatz für den entnommenen Honig füttere ich den Bienen zwischen Juni und September Zuckerwasser. Von April bis Juni ist auch die Schwarmkontrolle eine wichtige Aufgabe: Ziel ist es, dass meine Bienen nicht ausschwärmen. Der Schwarmtrieb ist angeboren und dient dazu, dass sich die Bienenvölker durch Teilung vermehren.
Wie ist ein Bienenvolk organisiert?
Ein Bienenvolk ist wie ein Superorganismus. Es muss immer als Gesamtheit betrachtet werden. Einzeln würden Bienen nicht überleben. Das Volk hat immer als Ziel, sein Überleben und das seiner Nachkommen zu sichern. Um das zu erreichen, ist es hoch organisiert und jede Biene hat eine genaue Aufgabe. Den grössten Teil machen die Arbeiterinnen aus: Es gibt die Putzbiene, die Brutpflegerin, den Waben-Bautrupp, die Wächterin und die Sammlerin. Die männlichen Bienen, die Drohnen, haben als einzige Lebensaufgabe, eine Königin auf ihrem Hochzeitsflug zu befruchten.
Wie bist du zur Bienenhaltung gekommen?
Bienen faszinieren mich seit jeher. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich aber in den Ferien auf Kreta: Auf einem lokalen Markt standen überall Bienenkisten und es gab viele verschiedene Honigprodukte. Da habe ich gedacht: Das möchte ich auch! Nun ist es schon vier Jahre her, dass ich einen Imkerkurs gemacht habe.
Auch für die Hobby-Bienenhaltung benötigt man also eine Grundausbildung. Kannst du uns mehr darüber erzählen?
Die Biene gilt als landwirtschaftliches Nutztier, was bedeutet, dass diverse rechtliche Grundlagen einzuhalten sind. Der Schweizerische Imkerverein bietet intensive Kurse in Bienenhaltung an. Darin erlernen angehende Imker alle wichtigen Grundlagen und durchlaufen zwei komplette Jahreszyklen. Eine weitere Möglichkeit ist, einen Kurs direkt bei einem erfahrenen Imker zu besuchen. Seit 2014 kann man auch eine dreijährige Imker-Ausbildung mit einem eidgenössisch anerkannten Fachausweis absolvieren. Ich würde jedem empfehlen, eine Grundausbildung zu machen.
Was gefällt dir am Imkern besonders?
Bienen sind Wildtiere und den Umgang mit ihnen finde ich sehr spannend. Mir gefällt es, draussen zu sein. Die Bienenhaltung ermöglicht es mir, mit der Natur in Verbindung zu treten. Beim Imkern gehe ich mit Bedacht vor und bin ganz für mich. Meine Bienenkisten stelle ich zum Teil selbst her – ich mag es, mit den Händen zu arbeiten.
Was sollte man mitbringen, um Imker zu werden?
Ich denke, es braucht vor allem Freude und Achtung für die Natur und die Tiere. Imkern erfordert Zeit, Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein. Man muss eine Dokumentation führen und kann in der Hauptzeit nicht einfach Ferien machen und die Bienen alleinlassen. Imkern ist eine langfristige Sache, auf die man sich einlässt. Aber auch eine, die sehr viel Spass macht! Man sollte sich aber bewusst sein, dass die Imkerei einiges an Geld verschlingt. Beim Start sind schnell einmal 5'000 Franken ausgegeben.
Wie viel Zeit nimmt das Imkern in Anspruch?
Aufs Jahr gerechnet sind es bei zehn Völkern 150 bis 200 Stunden, die man investiert. Während der intensiven Zeit bin ich etwa zwei- bis dreimal pro Woche bei den Bienen. Da kommen viele Stunden zusammen. Ich habe das Glück, dass ich meine Partnerin mit dem Bienenfieber angesteckt habe. Sie teilt inzwischen meine Leidenschaft.
Wie viel Honig erntest du – und was machst du damit?
Meine Bienen sammeln Blütenhonig, von dem ich im Schnitt 20 bis 30 Kilogramm pro Bienenvolk ernten kann. Das ist noch nicht allzu viel und bisher habe ich den Honig an Familie, Freunde und Bekannte verschenkt. Inzwischen kann mein Honig aber auch in der DROPA Heerbrugg und in der DROPA Widnau gekauft werden - voraussichtlich wieder ab Juni.
Welche Herausforderungen begegnen dir beim Imkern?
Eine grosse Herausforderung ist die Varroamilbe. Als Parasit befällt sie die Bienenvölker und schädigt deren Brut. Bienen können sich nur schlecht gegen die Milbe wehren und brauchen Unterstützung. Als Imker muss man auf die Bienengesundheit achten und den Befall regelmässig kontrollieren.
Wie wirken sich äussere Einflüsse auf Bienen und die Bienensterblichkeit aus?
Pestizide sind ein grosses Problem, denn die Umweltgifte schwächen das Immunsystem der Bienen. Dadurch können sich Bienenkrankheiten leichter ausbreiten. Die Hinwendung zu landwirtschaftlichen Monokulturen hat ebenfalls einen Einfluss. Zwar haben die Bienen für eine kurze Zeit ein gutes Nahrungsangebot, aber nach der Blütezeit haben sie Mühe, genügend Nektar zu finden. Es fehlt ein vielfältiges Angebot, das dafür sorgt, dass Bienen über längere Zeit genug Nahrungsquellen haben. Dasselbe gilt für heimische Gärten mit monotonen Steinwüsten und Rasenflächen ohne Blütenpflanzen.
Was sind die Folgen des Bienensterbens für unsere Zukunft?
Die Bestäubungsleistung über Insekten ist weitaus höher als über die Luft. Für 90 Prozent der pflanzlichen Nahrung, die wir essen, sind wir auf Insektenbestäubung angewiesen. Ihr Wert bemisst sich in der Schweiz auf rund 350 Millionen Franken und weltweit auf einige Milliarden. Ohne Bienen würde der Ertrag pflanzlicher Nahrungsmittel massiv kleiner ausfallen.
Was kann jeder von uns für die Bienen tun?
Ihnen eine Pflanzenvielfalt zur Verfügung stellen – sei es durch das Anlegen einer Blumenwiese oder durch eine grössere Auswahl an heimischen Gewächsen im eigenen Garten oder auf dem Balkon. Selbst wenn es nur wenige, aber unterschiedliche Pflanzenarten sind, bringt es etwas. Auch der Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden im Garten und die Vermeidung von Monokulturen wirken sich positiv auf den Bienenerhalt aus. Der Kauf von Bio-Produkten ist ebenfalls ein Garant dafür, dass weniger Schadstoffe in die Umwelt gelangen und die Bienen schädigen.
Über Thomas Cremer
Alter: 54 Jahre
Wohnort: Gais AR
Imker seit: vier Jahren
Anzahl Völker: elf
Liebste Honigspeise: frischer Zopf mit Honig