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Das operative Feuer bezweckt primär das Zerschlagen von gegnerischen Feuerbasen und Bereitstellungen in der Tiefe des Raumes oder auf den Flanken sowie die Abriegelung des Gefechtsfeldes. Für das Schiessen von operativem Feuer kommen Rohr- und Raketenartillerie sowie die Luftwaffe in Frage.
Artillerie und Luftwaffe moderner Armeen schaffen mit operativem Feuer günstige Voraussetzungen für die unmittelbaren Operationen der Bodentruppen. Die Schweizer Armee verfügt für Operationen in die Tiefe über keine geeigneten Mittel. Über die Fähigkeit operatives Feuer über Distanzen von mindestens 50 km zu schiessen, verfügte die Schweizer Artillerie noch nie. Seit der Ausserdienststellung der als Jagdbomber eingesetzten Hunter-Kampfflugzeuge im Jahr 1994 verfügt auch die Schweizer Luftwaffe über keine Fähigkeiten mehr, Bodentruppen auf grosse Distanz mit Feuer zu unterstützen oder den allgemeinen Feuerkampf zu führen.
Braucht die Schweizer Armee operatives Feuer?
Würde man sich bei der Antwort auf die Wahrscheinlichkeit konventionell geführter Kriege in Mitteleuropa, auf den in aktuellen Konflikten vorherrschenden Kampf im überbauten Gelände (KIUG) und mögliche Kooperationen mit Ländern, die über die Fähigkeit zum operativen Feuer verfügen, abstützen, könnte man versucht sein, dies zu verneinen. Wenn wir uns hingegen an den in Europa heute vorhandenen Potentialen und Fähigkeiten zum operativen Feuer orientieren, muss diese Frage mit ja beantwortet werden. In diesem Zusammenhang muss der früher hinlänglich bekannte Begriff der Dissuasion – vor allem bei der nach dem kalten Krieg geborenen Offiziersgeneration – wieder bekannt gemacht werden. Es geht darum, den Gegner durch eine vorhandene Fähigkeit (z.B. die Fähigkeit der eigenen Artillerie und der eigenen Luftwaffe operatives Feuer zu schiessen) von einer geplanten Aktion abzuhalten. Oder, wie es ein deutscher Finanzminister einmal formuliert hat: „Die siebte Kavallerie im Fort Yuma muss nicht unbedingt ausreiten. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt.“
Raketenartillerie
Während bei einem Kanonenschuss die Granate durch die Entzündung der Pulvertreibladung aus dem Geschützrohr in den Luftraum herausgeschleudert und dann von der Anziehungskraft der Erde zunehmend nach unten abgelenkt wird, trägt das Raketengeschoss die zu seiner Fortbewegung notwendige Treibkraft durch die Verbrennung eines Raketentriebsatzes in sich. Beim Kanonenschuss wird die Reichweite somit von der Anfangsgeschwindigkeit und den Einflüssen auf der Flugbahn bestimmt. Beim Raketenschuss hingegen hängt die Reichweite von der Kraftentfaltung und der Brenndauer des Raketentreibsatzes ab.
Aktuelle Raketenartilleriesysteme verfügen über unterschiedliche Reichweiten. Während beispielsweise das Leichte Artillerieraketensystem (LARS) über eine Reichweite von rund 14 km verfügt, beträgt diese beim Multiple Launch Rocket System (MLRS) rund 40 km und das High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) erreicht Ziele auf über 300 km. Die Boden-Boden-Rakete ISKANDER erreicht sogar 500 km entfernte Ziele mit einer Genauigkeit von 7 – 30 Metern, verfügt über ein Abschussintervall von 1 Minute und ist innert 4 – 15 Minuten ab Erreichen des Stellungsraumes feuerbereit. Daher hat ein russischer Militärattaché zu Recht festgehalten, dass „mit der Raketenartillerie Leben gerettet werden“. Gemeint hat er die Leben der eigenen Bodentruppen und der eigenen Zivilbevölkerung. Wir verweisen auf die oben gemachten Ausführungen zur Dissuasion.
Luftwaffe
Im Jahr 2001 hat der damalige Kommandant der Fliegerbrigade 31 mit Verweis auf die Konzeptstudie zur Armee XXI darauf hingewiesen, dass für die Fähigkeit zu operativem Feuer durch die Luftwaffe 10 Kampfflugzeuge für die Aufklärung, 20 Kampfflugzeuge für die offensive Luftverteidigung und 10 Erdkampfflugzeuge zusätzlich zur bestehenden Flotte benötigt würden. Die mögliche Einsatzdistanz hat er mit 1’000 km angegeben, weil der hauptsächliche Gegner immer noch die gegnerische Luftwaffe sei, die selbst in der Lage ist, operatives Feuer zu schiessen.
Erkenntnis
Ohne eigenes operatives Feuer können die eigenen taktischen Bogenschusswaffen (Mörser, Kanonen, Selbstfahrgeschütze) so lange vom Gegner bekämpft werden, dass sie ihre Aufgabe in der unmittelbaren Feuerunterstützung der eigenen Kampfbataillone gar nicht mehr wahrnehmen können. Eine weitere Erkenntnis besteht darin, dass Operationen in die Tiefe nur mit operativem Feuer unterstützt werden können. Der Zielkatalog für operatives Feuer umfasst dabei gegnerische Bereitstellungen, Bereitschafts- und Stellungsräume der gegnerischen Artillerie sowie Führungs- und Logistikeinrichtungen.
Konsequenzen
Schon im Jahr 1945 hat Major Kuenzy in der ASMZ die Einführung der Raketenartillerie in der Schweizer Armee befürwortet und die Fähigkeit zu operativem Feuer gefordert. Im Jahr 2001 hat der damalige USC Operationen im Generalstab operatives Feuer der Luftwaffe und der Artillerie für die Armee XXI mit Reichweiten von mindestens 100 km gefordert. Im selben Jahr hat der damalige Kommandant des Gebirgsarmeekorps 3 folgende Konsequenzen gezogen, die heute nach wie vor gelten:
- Die heutige Lücke beim operativen Feuer und bei den entsprechenden Aufklärungs- und Beobachtungsmittel muss zwingend geschlossen werden, sonst ist ein Aufmarsch der eigenen Truppen in Frage gestellt. Dabei spielt die Herkunft des operativen Feuers keine Rolle: Dieses kann sowohl durch die Artillerie als auch durch die Luftwaffe sichergestellt werden.
- Mittel, welche im Bereich der Operationen in der Tiefe des Raumes eingesetzt werden sollen, müssen über hervorragenden Schutz, Tarnungs- und Täuschungsmöglichkeiten verfügen, da sie stets unter Feuer liegen werden. Wenn immer möglich ist auf Mittel zurückzugreifen, die sich der gegnerischen Aufklärung weitgehend entziehen können.
- Es sind zwingend und in hoher Priorität Mittel zur Aufklärung und Feuermittel der operativen Stufe zu beschaffen.