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Bild des Monats August 2010: Medialität in Szene gesetzt. Der Krakauer Marienaltar des Veit Stoss (1477-1489)
Der Ausschnitt aus dem Krakauer Marienaltar (1477-1489) zeigt, wie Maria an der Seite ihres Sohnes in den Himmel fährt. Dass sie ihm als ganzfigurige Braut zur Seite steht, deutet darauf hin, dass ihre Himmelfahrt als eine assumptio animae et corporis (mit Leib und Seele) verstanden wird.
Diese theologisch umstrittene Auffassung der Himmelfahrt Marias wurde in Krakau erstmals nördlich der Alpen dargestellt. Singulär ist zudem die Ausführung der Darstellung als zentrales plastisches Altarbild. Aufgrund ihrer Dreidimensionalität wurde die Skulptur häufig als wirklichkeitsnäher und deshalb wirkungsstärker angesehen. Gerade deshalb zog sie aber im ausgehenden 15. Jahrhundert die Kritik der Bilderfeinde auf sich.
Dass am Altar ein kontrovers diskutiertes Thema umgesetzt wird, wirft einige Fragen nach dem Status des geschnitzten Bildes am Vorabend der Reformation auf. Ausgehend von einer detaillierten Beschreibung der medialen Techniken, die im Krakauer Hochaltarretabel zum Tragen kommen, gilt das Interesse dieses Projekts den theologischen und philosophischen Kontexten seiner Entstehung.
Gefragt wird vor allem, inwiefern die elaborierten medialen Techniken des Krakauer Marienretabels zeitgenössische Diskurse reflektieren und sich innerhalb der philosophisch-theologischen Debatten als künstlerisch formulierte Stellungnahme verorten lassen.