Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03452.jsonl.gz/1677

Zweisimmen
Wie der Name schon sagt, liegt die Gemeinde Zweisimmen am Zusammenfluß der beiden Simmen: der Großen Simme, die am Westfuß des Wildstrubels entspringt und aus dem Lenktal kommt, und der Kleinen Simme, die im Hochmoor der Saanenmöser Ebene entspringt.
Das Obere Simmental, in dem Zweisimmen den Hauptort bildet, wird im Norden von der Stockhorn-Gantrisch-Gastlosen-Kette, im Süden vom vergletscherten Hauptkamm der Berner Alpen begrenzt.
Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Zweisimmen, Blankenburg, Mannried, Grubenwald und den Siedlungen Oeschseite und Reichenstein, sowie weiteren Streusiedlungslagen. Außerdem gehören verschiedene Alpen dazu, die bis ins Gebiet des Jaunpasses nach Norden, bzw. bis an die Grenze des Diemtigtales nach Südosten reichen. Nachbargemeinden sind Boltigen, St. Stephan, Saanenmöser/Saanen.
Politische Verwaltung
Zusammen mit den Gemeinden Boltigen, Gsteig, Lauenen, Lenk, Saanen und St. Stephan gehört Zweisimmen zum Verwaltungskreis Obersimmental-Saanenland in der Verwaltungsregion Oberland des Kantons Bern.
Bevölkerung
Die Zusammensetzung der Bevölkerung der Gemeinde Zweisimmen ist überaus inhomogen:
- Es gibt die alteingesessenen Familien, die meist aus der Landwirtschaft (teilweise mit Alpwirtschaft), dem Handwerk und dem Kleingewerbe entstammen, aber nur noch zu einem kleineren Teil in diesen Bereichen tätig sind.
- Mit der Erschließung des Obersimmentals durch die Montreux-Oberländer-Bahn (MOB) Ende des 19. Jahrhunderts und die Spiez-Erlenbach-Zweisimmen-Bahn (heute: BLS AG) Anfang des 20. Jahrhunderts kamen Familien hinzu, die ihren Broterwerb im Verkehrswesen, dann aber auch im stetig wachsenden Tourismus fanden.
- Schließlich wurden mit dem Militär (Reduit-Flugplatz und Schulungszentrum) und der Ansiedlung eines Rüstungsbetriebes hochspezialisierte Fachkräfte mit ihren Familien, sowie eine größere Gruppen von Militärangehörigen nach Zweisimmen angezogen.
- Seit Ende der Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts nimmt die letztgenannte Gruppe wieder deutlich ab, wiewohl Pensionäre des Rüstungsbetriebes und ehemalige Militärangehörige ihren Lebensabend in Zweisimmen verbringen.
- Da sich in Zweisimmen die medizinischen und sozialen Einrichtungen für die Region konzentrieren, haben auch spezialisierte Fachkräfte sich hier niedergelassen, die mindestens während der aktiven Zeit, manche aber auch über die Ruhestandsgrenze hinaus in Zweisimmen wohnen.
Der wirtschaftlich wichtigste Faktor in Zweisimmen ist heute der Tourismus. Durch die noch immer stark steigenden Preise und Lebenshaltungskosten im benachbarten Saanenland (Gstaad) siedeln sich zunehmend Menschen von dort in der Gemeinde Zweisimmen an, was zu einer enormen Belebung des Bauhandwerks und des Handels geführt hat.
So kommt es, daß es in Zweisimmen eine recht gesunde Mischung der verschiedenen Altersgruppen der Bevölkerung gibt, weder ist die Gemeinde überaltert, noch ist ein „brain draft“, eine Abwanderung der Jüngeren zu beobachten.
Flüchtlinge und Migranten aus Krisengebieten sind in geringer Zahl in Zweisimmen untergebracht.
Kirchgemeinde Zweisimmen
Das obere Simmental wurde offenbar in der karolingischen Zeit vom Thuner See her besiedelt, obwohl die verschiedenen Pässe in der nächsten Umgebung es auch schon früher als Treffpunkt verschiedener alpiner wie transalpiner Verkehrswege und somit als Siedlungsraum wahrscheinlich sein lassen. Von den Zisterziensern aus Thun und Spiez gingen im Hochmittelalter verschiedene zivilisatorische Impulse aus (großflächige Wald-Rodung zur Gewinnung von Weide- und Ackerflächen, in der Folge stärkere Besiedlung des Simmentales), die etwa ihren Niederschlag im Kirchbau fanden; es gibt Hinweise, die Zweisimmen und seine Kirche (vermutlich bereits den Vorgängerbau der jetzigen Kirche) mit dem mittelalterlichen Pilgerwesen in Verbindung bringen. Auf Bernischen Druck hin dürfte ab etwa 1528 auch in Zweisimmen evangelisch gepredigt und das Abendmahl sub utraque – in beiderlei Gestalt (Brot und Wein) ausgeteilt worden sein, wiewohl sich der katholische Glaube noch einige Zeit in Zweisimmen halten konnte (Beinhaus als Kapelle mindestens bis 1530).
Die Kirchgemeinde Zweisimmen zählt heute ca. 2.500 Gemeindeglieder. Neben der reformierten Gemeinde gibt es eine römisch-katholische Gemeinde, eine evangelisch-methodistische Gemeinde, eine Gruppe der charismatisch ausgerichteten „Bewegung Plus“ und eine Gruppe der freien Missionsgemeinde; einzelne Gemeindeglieder mögen sich wohl auch zur benachbarten Gemeinde des evangelischen Gemeinschaftswerkes halten, bleiben aber in der reformierten Gemeinde. Daneben verfügt Zweisimmen über eine neuapostolische Kirche und einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas. Einige anerkannte Flüchtlinge und Asylanten sind muslimischen Glaubens, praktizieren diesen, wenn überhaupt aber sehr diskret. Über jüdische Einwohner ist mir nichts bekannt.
Nach dem kantonalen/landeskirchlichen Stellenschlüssel verfügt die Kirchgemeinde Zweisimmen über 150 Stellenprozente bei den Pfarrstellen. Diese sind seit langen Jahren in eine 100-Prozent-Stelle und eine 50-Prozent-Stelle aufgeteilt.
Haben Sie gewusst…
… dass unser Friedhof erst seit 1850 die heutige Grösse hat? Bis dahin fanden alle Bestattungen rings um die Kirche statt. Die jetzt als Friedhof genutzte Fläche gehörte damals zur Hälfte zur Pfrundmatte, zur Hälfte zur Wydenmatte. Der Obstgarten des Pfarrhauses ging bis zum Friedhofsteil unterhalb des Kirchgemeindehauses.
… dass in früheren Zeiten die Gottesdienste zur Winterszeit im Beinhaus stattfanden? So ist es beispielsweise für die Jahre um 1859 belegt. Grund war wohl das Sparen von Heizkosten.
… dass der „Urwalddoktor“ Albert Schweitzer aus Lambarene einmal in der Zweisimmer Kirche einen Vortrag hielt? Es war am Sonntag, den 16. Oktober 1921 abends, als er auf seinen Geldsammeltourneen auch bei uns Station machte und – wie immer – von seinen Erlebnissen in Afrika berichtete und auf der Orgel „Bach“ spielte.