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In der Villa Barton, seit 1935 im Besitz der Eidgenossenschaft, befinden sich zwei Räume, die vollständig mit Boiserien (Täfer) und Mobiliar aus dem 18. Jahrhundert ausgestattet sind. Die Innenausstattung wird dem Genfer Holzschnitzer Jean Jaquet (1754-1839) zugeschrieben.
Im Hinblick auf die Gesamtsanierung der Villa stellte sich die Frage, ob die Salons vor der Sanierung ausgebaut oder in situ belassen werden sollten. Diverse Untersuchungen haben zum Entschluss geführt, dass die Boiserien in der Villa Barton bleiben.
Zudem wurden die Salons unter Denkmalschutz gestellt.
Die Boiserien - Eine bewegte Geschichte
Jean Jaquet hat die Innenausstattung der beiden Salons in den 1790er Jahren für die sogenannte maison Roux in Genf hergestellt. Erst um 1905 kam sie in die Villa Barton, wo sie das damalige Esszimmer und den Salon schmückte. Damals war es üblich, kostbare Innenausstattungen aus zweiter Hand zu kaufen. Da die beiden Räume in der Villa Barton andere Masse hatten als diejenigen in der maison Roux, wurden originale Täferelemente mit neuen Holzplatten angestückt. Im Esszimmer befinden sich zudem ein in die Wand gelassener Brunnen und eine Jardiniere aus Keramik. In den 1950er Jahren wurde die Villa umgebaut und erhielt ein neues Erscheinungsbild, die beiden Räume mit Jaquets Boiserien blieben glücklicherweise unberührt.
Die Villa Barton und das internationale Genf
Es waren der britische Konsul Daniel Fitzgerald Pakenham Barton und seine Ehefrau Victoria Alexandrina Barton-Peel, welche damals die beiden Salons in ihre Villa einbauen liessen. Das Philantropen- und Mäzenenpaar machte das Haus zum Dreh- und Angelpunkt der internationalen Elite. Gekrönte Häupter, Politiker und Künstler aus aller Welt wurden zu offiziellen Anlässen und freundschaftlichen Besuchen in den beiden Räumen empfangen. Der Generalsekretär des 1920 in Genf gegründeten Völkerbunds (Vorgängerorganisation der UNO) und die Stadt Genf hofften, die Villa der inzwischen verwitweten Victoria Alexandrina kaufen zu können. Sie hatten die Absicht, die Villa abzubrechen, um auf dem Land ihren neuen Hauptsitz bauen zu können. Doch die sogenannte «Queen of Geneva» entschied anders: Sie schenkte die Villa und den Park 1935 der Eidgenossenschaft.
Seit 1938 wird die Villa vom Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung (französisch: Institut de hautes études internationales et du développement - IHEID) genutzt. Die beiden Räume mit Jaquets Innenausstattung dienen als Direktorenbüro und als Prüfungszimmer zur Erlangung des Diploms (salle de soutenance de thèse). Eine Alumna ist Altbundesrätin Micheline Calmy-Rey, die 1968 das Lizentiat in Politikwissenschaft an diesem Hochschulinstitut erreichte. Wenn Wände sprechen könnten, würden diese Boiserien bestimmt viele interessante Geschichten erzählen.
Die Boiserien bleiben in der Villa Barton
Im Rahmen der aktuellen Gesamtsanierung kam wie eingangs erwähnt die Frage auf, ob die beiden Salons ausgebaut werden sollen oder nicht. Aufgrund diverser Untersuchungsergebnisse (u.a. Gebäudestatik, Farbstratigrafie und Montageart der Boiserien) wurde beschlossen, die Boiserien während des Umbaus in situ zu belassen und bestmöglich zu schützen. Zunächst wurden alle mobilen Innenausstattungsgegenstände wie Möbel, Türen, Konsolen, Heizkörperabdeckungen und Leuchten temporär ausgelagert. Zudem wurden Abgüsse von den Stuckprofilen gemacht, damit man ein Replikat hätte herstellen können, falls die Decke trotz Schutzmassahmen Schaden genommen hätte,. Dann wurden die Boiserien mit einer Holzkonstruktion geschützt. Damit dieses einzigartige Ensemble für künftige Generationen erhalten bleibt, wurde es kürzlich unter Denkmalschutz gestellt. Die Sanierungsarbeiten werden 2023 abgeschlossen.