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Niemand konnte überrascht sein von seinem Tod. Erst kürzlich zeigte das Fernsehen Bilder eines schwer aufgedunsenen und übergewichtigen Diego Maradona. Es waren die Aufnahmen eines alt gewordenen Stars, der sich nicht mehr aus eigener Kraft auf den Beinen halten konnte.
Drogen- und Alkoholexzesse hatten Maradonas Gesundheit über die Jahre nachhaltig geschwächt. Zuletzt mussten ihn die Ärzte nach einem Sturz wegen einer Hirnblutung operieren.
«Er war der Grösste»
«Ich bin zutiefst betroffen», sagt eine Frau in Buenos Aires dem Fernsehen. «Diego war der Grösste, er wird eine Legende bleiben.» Maradona ist tot. In ganz Argentinien bezeugen die Menschen ihre Trauer. Zu Tausenden sind sie auf den Strassen und in den Fussballstadien, um Maradona Tribut zu zollen.
Leichnam für Totenwache überführt
Der Sarg mit dem Leichnam der Fussball-Ikone Diego Maradona ist in der Nacht zu Donnerstag im argentinischen Präsidentenpalast eingetroffen. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, standen bereits Hunderte Menschen vor der Casa Rosada Schlange, als der Sarg das Gebäude in einem Krankenwagen unter grossen Sicherheitsvorkehrungen erreichte.
Die Totenwache für die breite Öffentlichkeit sollte am Donnerstagmorgen um 6.00 Uhr (Ortszeit) beginnen, hiess es in einer Erklärung des argentinischen Präsidenten. Maradonas Leichnam soll dann für drei Tage im Präsidentenpalast aufgebahrt werden. Die Regierung hatte zuvor bereits eine dreitägige Staatstrauer angeordnet und erklärt, Maradona werde ein Staatsbegräbnis erhalten.
Bereits kurz vor Mitternacht kamen Maradonas Ex-Frau Claudia Villafane und seine Töchter Dalma und Gianinna in den Präsidentenpalast. Es folgten Claudio Tapia, Präsident des argentinischen Fussballverbandes (AFA) sowie eine Reihe von aktuellen und ehemaligen Spielern, darunter Maradonas Mannschaftskameraden aus dem siegreichen argentinischen Team der WM 1986.
Auch die argentinische Regierung zeigt sich betroffen. Sie hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet; alle Flaggen im Land wehen auf halbmast.
Idole als Ersatztrost
Kaum war die Todesnachricht Maradonas am Mittwoch publik, rückten die Menschen zusammen und riefen sich die Ballkünste Maradonas in Erinnerung.
Die emotional-überdrehte Verehrung von Sportidolen hat in Argentinien Tradition. Die breite Masse vertraut eher sportlichen Grössen als den politischen Vertretern.
Argentinien gilt als Sozialfall
Es ist eine Art Ersatzdroge, mit der sich die Leute über den Abstieg des Landes hinwegzutrösten versuchen und über ihren eigenen: Vor hundert Jahren gehörte Argentinien zu den reichsten Staaten der Welt; heute gilt es als Sozialfall.
Es ist überschuldet und schon bald wieder zahlungsunfähig. Tragisch, dass der Sog nach unten auch Diego Maradona persönlich erfasst hat: Trotz vieler Entziehungskuren wurde er immer wieder rückfällig.