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von Dr. med. Christian Spaemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
(Referat, gehalten an der Medienkonferenz des Abstimmungskomitees «Nein zur Ehe für alle» am 30. August 2021 in Bern. Es gilt das gesprochene Wort.)
Rechtsverhältnisse gibt es nur beim Menschen. Sie reflektieren meist in irgendeiner Weise seine leibliche, seelische und geistige Natur. Recht bezieht sich somit selbstverständlich auch auf Unterschiede zwischen den Menschen, wie Jung und Alt, Arm und Reich, Mann und Frau, einheimisch ausländisch usw. Das Rechtsinstitut der Ehe reflektiert die Polarität der Geschlechter auf deren Fruchtbarkeit und Familienbildung das ganze Menschengeschlecht beruht. Den modernen Staat hat die Sexualität des Menschen an sich nicht zu interessieren, sie ist Privatsache.
Hiervon gibt es zwei Ausnahmen: die Erzeugung und Aufzucht von Nachkommen unter möglichst optimalen Bedingungen, sowie der Schutz vor sexuellem Missbrauch. Beide sind von öffentlichem Interesse. Nachdem gleichgeschlechtliche Verbindungen keine Nachkommen zeugen und damit keine natürliche Familie bilden können, stellt eine Erweiterung des Instituts der Ehe auf gleichgeschlechtliche Verbindungen eine Art konstruktivistischen, offensichtlich ideologisch motivierten Willkürakt dar.
Der Versuch, gleichgeschlechtliche Verbindungen durch ein Adoptionsrecht der natürlichen Familie anzunähern und damit gesellschaftliche Bedeutung zu erlangen, steht gegen Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention, nach der bei „allen Massnahmen, die Kinder betreffen, […] das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt [ist], der vorrangig zu berücksichtigen ist“. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ein Kind bei Vater und Mutter groß wird oder bei zwei Frauen oder zwei Männern.
Die Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und die Studienlage über das „outcome“ von Kindern aus unterschiedlichen Familienstrukturen unterstreichen dies. Zudem besteht der Rechtsgrundsatz, dass Gleiches gleichbehandelt werden muss und Verschiedenes verschieden behandelt werden darf. Insofern stellt eine unterschiedliche Behandlung zwischen gegengeschlechtlichen und gleichgeschlechtlichen Paaren bei der Adoption von Kindern keine Diskriminierung dar. Dies gilt natürlich auch für Alleinerziehende. Singles sollten auch kein Anspruch auf Adoption haben. Die dauerhafte Verbindung von Mann und Frau, wie sie in der Ehe zum Ausdruck kommt, ist von singulärer Bedeutung für die Gesellschaft und ihre Zukunft. Andere Lebensformen haben die Möglichkeit, für sich privatrechtliche Regelungen zu treffen. Eine Öffnung des Rechtsinstituts der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare erscheint somit widersinnig und schwächt die Ehe zwischen Mann und Frau als eine, im Interesse des Allgemeinwohls, speziell zu fördernde Lebensform und als Leitbild für die Jugend.
Dr. med. Christian Spaemann