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Carlotta, ein 14 Jahre alter weiblicher Beagle, wurde vor drei Jahren in eine AniCura Klinik überwiesen nachdem ein Tierarzt während einer allgemeinen Untersuchung eine Masse in ihrem Bauchbereich getastet hatte. Hier ist der ausführliche Fall und wie wir das Probleme behandelt haben.
Als Carlotta zu uns kam, war sie in einem guten Zustand und alle Vitalzeichen waren normal. Aber als wir ihren Bauch durchtasteten, spürten wir eine große Masse. Zusätzlich war Carlotta seit einem Jahr wegen ihres Cushing Syndroms (eine übermäßige Kortisolproduktion ihrer Nebennieren) in Behandlung.
Um den Ursprung dieser Masse zu finden, eine präzise Diagnose zu stellen und eine Therapie zu planen, schlugen wir einen CT-Scan des ganzen Körpers vor. Dieses bildgebende Verfahren ermöglicht es uns das Innere von Tieren von Kopf bis Schwanz anzuschauen und Metastasen (die sekundäre Ausbreitung eines Tumors auf andere Organe wie Lymphdrüsen, Lunge etc.) auszuschließen.
Der Besitzer wollte Carlotta gerne helfen und willigte daher nach einem ausführlichen Aufklärungsgespräch dem CT ein. Es wurde noch am selben Tag durchgeführt. Die Bilder zeigten einen Tumor in der Wand des Dünndarms (genauer gesagt im Jejunum) ohne Anzeichen eines Darmverschlusses oder, zum Glück, Metastasen. Zusätzlich haben wir eine Probe der Masse für eine Zelluntersuchung entnommen. Diese führte zu zwei Hauptdiagnosen. Ein Leiomyosarkom und ein gastrointestinaler Stromatumor (GIST). Das sind zwei der häufigsten bösartigen Tumore bei Hunden. Sie entstehen aus verschiedenen Darmzellen, haben aber ähnliches Wachstumsverhalten.
Die Tatsache, dass sein Haustier nun ein Krebspatient war, schockte den Besitzer aber er akzeptierte die Umstände und wollte Carlotta eine angemessene Behandlung ermöglichen.
Der nächste Schritt für die Hündin war daher eine Operation um den Tumor zu entfernen. Mit dieser Operation wurde nicht nur die Tumorvergrößerung verhindert, sondern auch die Entwicklung von Metastasen vermieden und eine histologische Diagnose ermöglicht. Eine histologische Untersuchung dient dazu die Eigenschaften von Tumoren, wie ihre Wachstumsrate und ihre Fähigkeit sich auszubreiten, vollständig zu verstehen. Zusätzlich kann es dadurch Auswirkungen in der ergänzenden medizinischen Therapie nach der Operation geben.
Die OP verlief planmäßig und nach einigen Tagen stationären Aufenthaltes konnte Carlotta nach Hause entlassen werden. Glücklicherweise zeigten die histologischen Ergebnisse ein Leiomyosarkom eines niedrigen Grades mit sauberen Rändern, also ein Tumor mit einer niedrigen Wachstumsrate. Dies ist verhältnismäßig eine gute Prognose und der Tumor konnte komplett entfernt werden.
Um das Risiko einer lokalen Rekurrenz (das Nachwachsen von Tumorzellen an der Ursprungsstelle) zu verringern, begannen wir mit einem metronomischen Chemotherapieprotokoll. Metronomisch bedeutet, dass niedrige Dosen von Antikrebsmitteln (normalerweise in Tablettenform) kontinuierlich oder regelmäßig nach einem speziellen Plan für einen langen Zeitraum vom Besitzer Zuhause verabreicht werden. Diese Protokolle werden gut vertragen und es sind nur einige Nachprüfungen für klinische Untersuchungen und Blutbilder nötig. Carlotta zeigte keine Nebenwirkungen.
Die Hündin war in einem sehr guten klinischen Zustand und alle Bauchultraschalls in den folgenden Monaten waren unauffällig. Daher beschlossen wir ein Jahr nach der Operation die Chemotherapie zu beenden. Ein weiteres Jahr später fiel während einer Routineuntersuchung eine generelle Vergrößerung der Lymphknoten und eine beidseitige Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut) auf. Wir entnahmen eine Probe der Lymphknoten für eine zytologische Untersuchung und erhielten die Diagnose eines hochgradigen Lymphoms.
Das Lymphom ist einer der häufigsten Tumore bei Hunden und der häufigste Tumor der Blutzellen. Der zytologische Ausstrich ist charakterisiert durch neoplastische, große, unreife Lymphozyten. In Carlottas Fall waren es B Lymphozyten, die nicht nur die Lymphknoten betreffen, sondern auch die Leber, die Milz und die Augen. Ähnlich wie bei Carlotta werden Lymphome meistens in einem fortgeschrittenen Stadium (Betroffenheit aller Lymphknoten, Organe des Brustkorbs und Bauchraumes und sogar des Nervensystems) diagnostiziert. So stark fortgeschrittene Lymphome sind bei Hunden nicht heilbar. Allerdings ist mit einer Chemotherapie eine Überlebensdauer von über einem Jahr möglich.
Wieder akzeptierte Carlottas Besitzer die neue Behandlung. Er wollte seinem Hund ein längst mögliches Leben ermöglichen, wobei die Lebensqualität immer im Vordergrund stand. In der Veterinäronkologie ist die gute Lebensqualität das Hauptziel der Behandlung und 90 Prozent der Tiere zeigen milde bis gar keine Nebenwirkungen während der Chemotherapie.
Carlotta ging es während der Chemotherapie sehr gut und nach drei Wochen war eine komplette Remission (der klinische Zustand, in dem der Tumor komplett auf die Therapie reagiert) erreicht. Drei Monate der Therapie später kam das Lymphom leider zurück. Der häufigste Grund für das Wiederkehren eines Lymphoms ist die Entwicklung einer Medikamentenresistenz des Tumors.
Da es Carlotta, neben des Wiederkehren der vergrößerten Lymphknoten, wirklich gut ging, wurde das Chemotherapie Protokoll geändert. Allerdings zeigte Carlotta nach einigen Tagen zunehmende Lustlosigkeit, Fressunlust, generalisiert vergrößerte Lymphknoten und Verschlechterung beider Augen. Zusätzlich fanden wir bei der Auswertung des Blutbilds Tumorzellen im Blut und bei einem Ultraschall des Brustkorbes auch eine Beteiligung der Lunge. Trotz stationärem Aufenthalt und Erweiterung der Therapie verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Da die gute Lebensqualität für das Tier unser Hauptaugenmerk ist, entschieden wir uns in Übereinstimmung mit dem Besitzer für die Euthanasie.
Letztendlich hat Carlotta nach der Diagnose noch drei Jahre lang das Leben eines „normalen Hundes“ gelebt - eine Tatsache die uns und ihren Besitzer glücklich und stolz macht.
©Anicura