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M it 6385 Stimmen oder 8,42 Prozent hat der unabhängige Kandidat Alfons Gratwohl einen Achtungserfolg erreicht. Und dennoch sagt er: «Ich bin enttäuscht. Ich hätte mehr Stimmen erwartet.» Wie viele? «Ich wollte im Minimum Zweiter werden oder besser noch zum Staatsrat gewählt werden.»
Mit seinem Resultat sieht Gratwohl jenes Wahlverhalten bestätigt, dass er mit seiner Kandidatur eigentlich bekämpfen wollte. «Die Leute haben wieder nach dem Links-rechts-Schema gewählt, einfach weil schon der Papi oder der Urgrossvater für Links oder für Rechts gewählt hat. Ich denke, wenn die Linke mit Micky Maus und die Rechte mit Minnie Maus angetreten wären, hätten sie gleichwohl je 40 Prozent erreicht.»
Auch verspürt der Broyebezirkler Kandidat keine Befriedigung, dass seine Kandidatur zu einem zweiten Wahlgang führt: «Das kann negativ angesehen werden, weil es dann heisst, wegen Gratwohl müssen nun der Staat und die Parteien so viel Geld ausgeben.» Eine Empfehlung für den zweiten Wahlgang will er nicht herausgeben, sonst müsse er sich ja zu Links oder Rechts bekennen.
Dennoch bereut Gratwohl seine Kandidatur nicht. Er beklagt sich aber, dass seine Gegenkandidaten Siggen und Steiert in den Medien doppelt so viel Platz wie er erhalten hätten. Auch bezüglich finanzieller Mittel kämpfte er mit ungleichen Spiessen. «Meine Kandidatur hat nicht einmal 1000 Franken gekostet. Rund 700 Franken davon machten Fahrspesen aus.»
Gratwohl war der erste der drei Kandidaten, der sich gestern im Rathaus blicken liess. So hatte er, während die letzten Resultate eintrafen, die gesamte Aufmerksamkeit der Medien. Der Gemeinderat aus Surpierre registrierte, dass er in «seinem» Broyebezirk fast 15 Prozent der Stimmen erreicht hatte; auch im Seebezirk waren es noch über zwölf Prozent. Ein Journalist sprach Gratwohl darauf an, dass er von den Freiburgern im Ausland 14,1 Prozent der Stimmen erhalten hat. Darauf meinte Gratwohl: «Ich habe auch ein paar Jahre im Ausland gelebt. Ich habe also ein gutes Verständnis für diese Wähler.»
Als Jean-François Steiert und Jean-Pierre Siggen im Rathaus erschienen, nahm kaum mehr jemand Notiz von Gratwohl. Er war alleine nach Freiburg gekommen, da seine Tochter in den Ferien weilte und er seine Ex-Frau nicht mitnehmen wollte. Einen Stamm hatte Gratwohl auch nicht organisiert: «In Surpierre gibt es ja keine Beiz.» Dafür hatte er im Falle einer Wahl in den Staatsrat den Gemeindesaal vorsorglich reservieren lassen. uh