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Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 10. März 1909, Seite 12. (gotisch) von Elena Klassen.
Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 31. März 1909, Seite 16. (gotisch) von Elena Klassen.
Br. Heinrich Janzen, Nikolaipol, Turkestan, schreibt: „Ich war krank und hatte viel Krankheit in der Familie. Gegenwärtig herrschen epidemische Krankheiten, so daß zwei Schulen vorläufig geschlossen sind. Haben wenig Schnee mit mittelmässigem Frost. Bald folgt mehr für die „Rundschau“. Liest Vetter Heinrich Janzen , Nolan, Michigan, nicht mehr die „Rundschau“? er schreibt ja nicht mehr. Gruß“
Central Asien.
Nikopol (Nikolajpol – E.K.), Turkestan, Aulieata, den 1. Feb. 1909. Verschiedene Gründe bewegen mich heute, die Feder zu ergreifen. Erstens thue ich hiermit allen, die Interesse für unsere Ansiedlung haben und Mitteilungen von hier durch eine Zeitschrift erhalten oder geben wollen, zu wissen, daß der „Zionsbote“ hier nicht mehr gelesen wird, da wir unser eigen Blatt, die „Friedensstimme“ haben, die „Rundschau“ aber in etwa sieben Exemplaren gelesen wird und daß man sich von jetzt ab in und für Amerika nach hierher derselben zuwenden möchte. Dieses diene besonders den von hier nach Amerika ausgewanderten zur Nachricht.
In No. 3 der „Rundschau“ finde ich einen Aufsatz von unserem Vetter C.Kröker, Cordell, Okla., sehr interessant, nur für uns zu kurz. Bitte, wiederhole Dein Berichterstatten. Besonders freute ich mich, daß auch Eure Tochter so früh sich dem Herrn ergeben. Unser ältester Sohn Jakob wurde im vergangenen Sommer auch getauft. Jetzt haben wir noch außerdem fünf Kinder, die wir täglich dem Herrn im Gebet bringen.
Wir sind, nach einem allgemein gewordenen Ausdruck, schon über zwei Monate in Mara. Im November v.J. (voriges Jahres – E.K.) starb unser jüngster Bruder Hermann in der Blüte der Jugend. Er ging selig heim zu seinem Erlöser. Besonders schwer für uns Geschwister war es weil die lieben Eltern an das Grab unseres lieben Bruders Kornelius in Spat, Krim, gefahren und noch nicht zurück gekommen waren. Kornelius war dort hin geheiratet, hatte ein gutes Auskommen, hinterläßt eine Witwe und drei Söhne von drei bis sieben Jahren. Dann erkrankte meine liebe Frau Marie, geb. Töws, fr. Krim, Timirbolot. Kaum konnte sie ihr Bett verlassen als ich mich legen mußte, litt an Gehirnfell-Entzündung, welcher Krankheit Br. Kornelius erlegen ist. Ich war noch bettlägerig als auch unser jüngstes Söhnchen schwer erkrankte, das der Herr denn auch am 28, Dezember heimholte; dann hatte aber auch Tinchen, vier Jahre alt; schon drei Tage das Bett gehütet und die liegt auch heute noch fest zu Bett mit wenig Besserung, doch sind es in den letzten fünf Wochen wenige Nächte gewesen, die wir beide zugleich im Bett zubringen konnten. Doch wir wissen, daß solches alles der Herr thut und er uns läutern und reinigen möchte. „Die Trübsal aber, wenn sie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein.“ Der Herr teilt bisher mit mir. Eine Frau und sieben Kinder holte er schon heim; eine Frau und sechs Kinder ließ er mir noch hier. Aber nicht wir allein sind die Heimgesuchten, denn Franz Pauls mußten drei erwachsene Kinder dem Herrn geben, alle waren bekehrt. Acht neue unserem Friedhof aufgeworfen.
Unsere Ansiedlung ist nicht mehr so weltvergessen, denn im Laufe des vorigen Jahres hatten wir sechs Gastprediger aus England, Molotschna, Wolga Trakt, Samarischen und Orenburgischen; außerdem kamen am 2. Dezember die Br. M.Thilman, Sagradowka und R.Bohn, Deutschland, hier an und bereiten sich für den Missionsdienst unter den hiesigen Mohammedanern vor. Der Herr konnte durch sie schon manche Seele unseres Volkes herumholen und bekehren. In Köppenthal, Romanowka, ist eine starke Erweckung durch sie zustande gekommen. Zion wird gebaut.
Ich schreibe für unsere Ausgewanderten, den an alle besonders zu schreiben geht nicht und so nehme ich die „Rundschau“ dazu, wer hier keine Verwandte und Bekannte und mithin kein Interesse für mein Schreiben hat, wird gefälligst entschuldigen, denn auch ich finde manches im Blatte, das für mich persönlich kein Interesse hat; ich warte bis ich wieder etwas finde und lese weiter. Umso größer wird bei manchem Bekannten die Freude sein, denn ich weiß sie möchten einmal recht viel hören. Schreibt und fragt nur, desto mehr wird man angespornt, die alte Bekanntschaft zu erwärmen, wenn auch nur schriftlich.
Unser Städtchen hat sich schon sehr gehoben, es hat einen sehr bedeutenden Getreidehandel, fast so groß ist derselbe auch wöchentlich in Dimitriwskoja, Akschi, auch Ohrloff, Kljutschewoje und Alexandrowskoje haben je einen Wochenmarkt. Oben auf dem Berge bei Iwanoffs Sawod ist der Plan zur Neustadt, sowie Wartesaal der projektierten Eisenbahn, die die Bahn Taschkent, Samara und Kaspi-Bahn mit der Sibirischen Bahn verbinden soll, abgemessen. Unsere Ansiedlung an Tschu scheint für uns beinahe das werden zu wollen, was die Terek-Ansiedlung für die Molotschna Kolonie ist, außer dem Raubgesindel; die Wirtschaft hat sich sehr gehoben.
Ich suchte seit einiger Zeit vergeblich unter „Michigan“ den Namen H.Janzen. Weshalb so schweigsam? In No.3 der „Rudschau“ lese ich von D.Unger, Hillsboro, daß es ihm fast einerlei ist, von wo die Berichte kommen, er habe fast überall Bekannte und Freunde – ob er solche auch hier haben sollte ?
Gruß an alle Bekannte, Freunde, Verwandte und Geschwister, sowie Eltern, letztere in Carpenter, S.Dak.
Heinr.u. Maria Janzen
Anm. - Danke Dir herzlich, lieber Bruder; bitte oft von dort zu berichten. Gruß – Ed. (Editor – E.K.)