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Mike Zito und die Royal Southern Brotherhood
Südstaaten Power
Mike Zito aus St. Louis, Missouri war neulich in Basel und nun liegen seine beiden CDs, das 2009 erschienene Pearl River und das aktuelle Album Greyhound (2011) vor. Die meisten Songs sind Eigenkompositionen und Mike Zito wurde ja auch 2009 schon mit dem «Blues Music Awards» ausgezeichnet. Ein wirklich toller Gitarrist und Sänger, sicher ein grosses Talent, das hier heranwächst. Aktuell mischt Zito auch auf der Scheibe Royal Southern Brotherhood mit, die 2012 erschienen ist, und auf der er gemeinsam mit Cyril Neville und Devon Allman als Frontman anzutreffen ist.Die drei CDs sind natürlich in manchen Dingen unterschiedlich, aber insgesamt bieten alle drei modernen Bluesrock und Southern Rock. Schon deswegen bietet sich ein Vergleich an. Die Musik ist durchgängig süffig und angenehm, der Gesang teilweise überragend, aber gleichwohl gibt es einen gewissen Gewöhnungseffekt beim Anhören. Dies hat insbesondere mit den Gitarrensoli zu tun, die auch bei der hier gebotenen hohen Qualität irgendwann anfangen sich zu wiederholen.
Mike Zitos Stammband umfasst Andy Irvine, Bass, Rob Lee, Schlagzeug und Jimmy Carpenter, Saxophon und Harmonika. Eine andere Rolle nimmt Zito in der Supergroup Royal Southern Brotherhood wahr, gegründet von Devon Allman, Greggs Sohn (Jahrgang 1972), der sich mit Cyril Neville (dem Bruder von Art, Jahrgang 1948) zusammengetan hat. Irgendwie kam noch Zito dazu. Dazu gibt es Charlie Wooton am Bass (u.a. Wood Brothers) und Yonrico Scott am Schlagzeug, der schon mit der Derek Trucks Band, Gregg Allman, und den Allman Brothers Aufnahmen vorzuweisen hat. Hier ist er der Partner mit dem am wenigsten schillernden Namen, vermutlich hat er beim Schreiben der Songs seine Qualitäten zur Verfügung gestellt.
Das erste dieser drei Alben, Pearl River (Link zur Myspace-Seite) zeigt Zito seine musikalischen Wurzeln im Blues und Rock. Das Album mit dem Titel Perlfluss ist im Vergleich zum Folgewerk blueslastiger, vielseitiger. Dirty Blonde ist ein rotziger und schneller Shuffle, an dem SRV seine Freude gehabt hätte. Der Titelsong ist ein Slow Blues, der sanft die Stimmung wieder runterbringt. Der besungene Fluss meint hier offenbar tatsächlich den Perlfluss Zhujiang, der das chinesische Kanton mit Hongkong verbindet. Bedeutungssschwanger fragt Zito nach den Geheimnissen des Perlflusses. Welche Alligatoren sich darin verbergen sollen, bleibt allerdings sein Geheimnis. Es gibt besseres Songwriting als diesen Titel, der tatsächlich eine Aneinanderreihung übler Clicheées ist.
Big Mouth ist dafür ein funky Blues mit tollem Riff. Richtig gut, und irgendwie luftig mit viel Raum gespielt. Mit Change Ways folgt ein weiterer Slow Blues, der Klassiker Eyesight to the Blind kommt toll aufgefrischt daher. Immer schon einer meiner persönlichen Lieblingstitel kommt der Song hier mit Harmonika-Begleitung und tonnenweise Funky Groove daher. One Step at a Time ist ein Folksong-ähnlicher akustischer Song, der Zitos Stimme gut hervorhebt, stilistisch mehr Country als Blues. Der Titel singt wie zu erwarten von einem Gestrauchelten, der seinen Tritt wiederfindet. 39 Days ist schwer und rockig, Shoes Blues ein weiterer Shuffle. Überraschend ist der Song The Dead of Night, ein Titel, der irgendwie sehr nach Tom Waits klingt. Mit wundervoll geschmackvollem Stratsolo. Sugar Sweet ist dem Titel und dem Text nach der Klassiker von Muddy Waters, aber völlig neu interpretiert. Schön, dass sich jemand dieses Titels annimmt. Dieses Album rückt die Songwriter-Qualitäten Mike Zitos in den Vordergrund.
Das Folgealbum Greyhound war 2011 ebenfalls nominiert für den Award als bestes Bluesrock Album. Es ist insgesamt vom Charakter her deutlich rockiger, düster und hart, die Strat stets deutlich verzerrt, und die Band um Zito sucht neu ihre eigenen Riffs. Es ist ein Schritt auf dem Weg von der guten Cover-Band mit gelegentlichen Titeln hin zum vollständigen Künstler. Die selbst geschriebenen Songs handeln oft von Beziehungen. Wirklich klare Bluestitel sind Roll On, der Opener, das wie am Titel zu erwarten düstere Judgement Day und The Hard Way, das sich vom Jüngsten Tag kaum unterscheidet. Motel Blues ist ein akustischer Titel, sehr schön gespielt, hübsch melancholisch. Hello Midnight ist ein Chicago Blues mit toller Rhythmusgruppe und eingängigem Riff. Die anderen Songs sind Rocknummern, sauber und fetzig gespielt, aber irgendwo auch Duzendware, wie man sie anderenorts schon gehört hat. Der letzte Titel Please please please hat nichts mit James Browns Song zu tun, aber auch dies ist eine klagende Bitte an die Frau seines Herzens. Greyhound ist rockiger, auch düsterer als Pearl River und dennoch kein reines Bluesalbum.
Das Trio Royal Southern Brotherhood schliesslich spielt deutlich weniger Blues. Hier sind Südstaatenrock und New Orleans Rhythmen dominant, Zito ist anscheinend stimmlich und als Songwriter präsent. Und musikalisch wagt man sich sogar noch weiter: Fire on the Mointain ist ein Reggae-Stück. Die Bluestitel sind Ways About You, einen Beziehungs-Slow-Blues. Nowhere To Hide ist ein akustisch gespielter Titel, das langsam anfängt, aber dann Rockdrive-aufnimmt. Sweet Jelly Donut kommt als New Orleans-Blues daher und besticht mit tollem Slide-Sound. Brotherhood ist ein instrumentales Gitarren-Shootout, sehr Allman-Brothers-mässig. Um es Radio-tauglich zu halten wird der letzte Titel gegen Schluss ausgeblendet und wieder eingeblendet. Was das eigentlich soll? Insgesamt ist dies ein unterhaltsames Album, schöne moderne Southern-Rock-Titel, für die Fans der Allman Brothers wohl interessanter als für die Neville-Anhänger. Für Blues-Puristen eher die falsche Wahl. Für weitere Infos hier der Link zur Website.
Alle drei Alben haben ihre Tugenden, Bluesliebhaber kommen bei Pearl River wohl am meisten auf ihre Kosten, für Freunde des Southern Rock ist das Gipfeltreffen der Südstaaten-Dynastien eine Bereicherung. Greyhound ist dafür für Freunde der klaren geraden Rockmusik geeignet. Die Nomination in der Kategorie Bluesrock sagt eigentlich schon alles.
Mike Zito Pearl River (2009)
Mike Zito Greyhound (2011)