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Warnung: Der nachfolgende Fall enthält Bilder einer Augenerkrankung, welche Unbehagen auslösen könnten.
Seit längerer Zeit haben die Besitzerin beobachtet, dass die Katze Probleme mit dem rechten Auge hat. Es erscheint vorgequollen, und der Besitzerin ist aufgefallen, dass die Hornhautoberfläche verfärbt ist. Ansonsten geht es der Katze gut, sie hat Appetit und ist aktiv.
Das rechte Auge ist grotesk verändert: Der Augapfel ist gewaltig vergrössert und dadurch aus der Augenhöhle hervorgetreten; die Katze ist auf diesem Auge blind. Auf der zentralen Hornhaut hat sich ein grosser Hornhautdefekt gebildet. Eine Messung des Augendrucks mittels eines elektronischen Tonometers bestätigt den Verdacht, dass das Auge einen stark erhöhten Innendruck aufweist: Er ist etwa dreimal so hoch wie normal - die Katze leidet an einem sogenannten Glaukom (grünem Star). Durch den erhöhten Druck ist das Auge erblindet und als Komplikation ist ein Hornhautgeschwür entstanden: Die Katze konnte aufgrund des riesigen Augapfels nicht mehr blinzeln, und die Hornhaut ist infolgedessen ausgetrocknet.
In diesem fortgeschrittenem und komplizierten Stadium eines Glaukoms kommt nur noch eine chirurgische Therapie in Frage: Das Auge muss entfernt werden, um Schmerzfreiheit zu erlangen.
Die Katze wird narkotisiert, eine intravenöse Tropfinfusion zur Stützung des Kreislaufs wird gelegt, und eine uns neu zur Verfügung stehende Schmerztherapie wird eingeleitet: Über eine Spritzenpumpe werden der Katze vor, während und nach der Operation kontinuierlich kleinste Mengen eines morphinähnlichen Schmerz- und Betäubungsmittels zugeführt.
Das Auge wird komplett entfernt und die Wunde verschlossen. Die Operation verläuft komplikationslos, und "Bianca" erholt sich gut vom Eingriff. 10 Tage später werden die Fäden gezogen; die Wunde ist schön verheilt.
Glaukom (oder grüner Star) bezeichnet eine Augenerkrankung, bei der das Auge durch einen erhöhten Innendruck zu Schaden kommt. Normalerweise wird der Druck durch eine balancierte Produktion und Wiederaufnahme von Kammerwasser sehr fein reguliert: Das Kammerwasser wird vom Ziliarkörper (Fachbegriffe: Siehe untenstehende Grafik) in der hinteren Augenkammer gebildet und fliesst durch die Pupille in die vordere Augenkammer, wo sie im Winkel zwischen Iris und Hornhaut wieder aufgenommen und dem Blutkreislauf zugeführt wird. Wird entweder zuviel Kammerwasser produziert oder zuwenig entfernt (beispielsweise weil der Fluss in die vordere Augenkammer durch eine Verklebung der Iris mit der Linse behindert ist), steigt der Augeninnendruck. Als Folge werden die empfindliche Netzhaut und die Hornhaut beschädigt und das Auge kann erblinden. Neben der Erblindung stellt auch die starke Schmerzhaftigkeit eines Glaukoms ein Problem dar.
Wird der erhöhte Augendruck frühzeitig diagnostiziert, kann mittels Augentropfen, oralen und intravenösen Medikamenten eine Therapie eingeleitet werden. Auch chirurgische Verfahren zur Normalisierung des Augeninnendrucks werden angewendet. Ist das Auge infolge einer langanhaltenden Druckerhöhung aber blind und stark beschädigt, kann nur noch eine Entfernung des Auges durchgeführt werden, um zumindest eine Schmerzfreiheit zu erreichen. Obwohl eine einäugige Katze nicht mehr räumlich sieht und so Distanzen nur schlecht einschätzen kann, genügt im Alltag ein einzelnes Auge vollständig um sich zurechtzufinden. Die Besitzer müssen sich allerdings an den ungewohnten Anblick einer mit behaarter Haut bedeckten, eingesunkenen Augenhöhle gewöhnen.