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März / April 2018
Colombo
Viele Sri Lanka-Reisende besuchen Colombo nicht, da sie glauben, dass dies eine weitere Asiatische Stadt mit viel Verkehr, Abgasen und Lärm ist. Natürlich ist das richtig, und doch meine ich, dass Colombo sehr wohl einen Besuch wert ist, wie die folgenden Ausführungen zeigen.
In der Altstadt Colombos, im Pettha Viertel, ist man ins Asien des letzten Jahrhunderts zurück versetzt. Menschen fahren noch mit grossen Handwagen durch die Strässchen. Es wird alles mögliche aus den kleinen Läden verkauft, wie es früher in den China-Towns der asiatischen Städten üblich war. In den engen Gassen herrscht ein geschäftiges Treiben. Zudem gibt es einige Geschäfte mit den geliebten indischen Süssigkeiten. Auch ein paar Anbetungsstätten verschiedener Religionen befinden sich in diesem Gebiet.
Der Hindu-Tempel Old Kathiresan
Die Jami Ul-Alfar Moschee
Unweit dieses historischen Viertels investieren die Chinesen 1.4 Milliarden US Dollars, um ein riesiges Stück Land aufzuschütten, auf dem dereinst die „Colombo Financial City“ entstehen soll. Die Chinesen sehen dieses Investment als Teil der maritimen Seidenstrasse zwischen Ost und West. Sri Lanka erhofft sich aus diesem Projekt gut bezahlte Arbeitsplätze und eine Basis, um weitere ausländische Investitionen anzuziehen. Im Moment wird Sand aus dem Meer auf die Aufschüttungsfläche gepumpt. Kein einziges Haus auf dem Bild steht bereits.
In Colombo finden sich viele grossartige Tempel, für die alleine Colombo einen Besuch wert ist.
Kelani Raja Maha Viharaya Tempel
Buddhisten glauben, dass der Tempel Kelani Raja Maha Viharaya von Buddha persönlich geweiht wurde und seit mindestens 500 v. Chr. existiert.
Gangaramaya Tempel
Der buddhistische Gangaramaya Tempel
Ponnambalawaneswaram Kovil Tempel
Der Hindu-Tempel Ponnambalawaneswaram Kovil ist Shiva gewidmet. Die Leute waren gerne einverstanden, dass ich sie fotografierte.
Viharamahadevi Park
Dieser Buddha meditiert im Viharamahadevi Park
Colombo National Museum
Das Colombo National Museum ist in einem wunderbaren kolonialen Bau untergebracht und ist das grösste Museum Sri Lankas. Die Ausstellung umfasst unzählige Räume und zeigt Kunst, Schnitzereien und Statuen aus Sri Lankas historischer Vergangenheit, aber auch Schwerter, Waffen und andere Utensilien aus der Kolonialzeit. Es gibt Reproduktionen englischer Gemälde aus dem 19. Jahrhundert und eine Sammlung antiker Dämonenmasken.
Die bronzenen Bodhisattva-Sandalen aus dem 9. Jahrhundert sind Teil der Sammlung
Blick auf Colombos Hafen von der Bar des in die Jahre gekommenen Grand Oriental Hotels. Auf dem Balkon der Bar traf ich zwei US Dollar-Rupie Händler der nahe gelegenen Standard Chartered Bank, die hier ihr Feierabend-Bier genossen.
Natürlich kam auch das Kulinarische nicht zu kurz. Hier mache ich Bekanntschaft mit einem Nationalgericht, dem Hopper. Es ist eine Art schalenförmiger Pfannkuchen aus fermentiertem Reismehl und Kokosmilch, die an den Enden knusprig sind und am Boden weich. Hoppers werden mit verschiedenen Nahrungsmittel wie Kokosnuss, Zucker, Ei oder Gemüse belegt.
In der Nähe meines Hotels befand sich ein Restaurant in einem kolonialen Haus. Vor allem Abends gefiel mir die Stimmung im gedämpften Licht des Innenhofes. Hier gab es sogar einen Tamarin-Drink, eines meiner Lieblingsgetränke.
Da es meine erste Reise nach Sri Lanka war, folgte ich der vom Reisehandbuch Lonely Planet vorgeschlagenen Standard-Route.
Bentota
Mit einem schon fast historischen Zug reiste ich der Küste entlang Richtung Süden nach Bentota, eine Stranddestination. Ich schreibe bewusst Strand- statt Badedestination, denn die Wellen waren hier so hoch, dass bloss Surfer auf ihre Kosten kamen.
Der Architekt Geoffrey Bawa besass ein Wochenend-Haus mit grossem Umschwung in der Nähe von Bentota, das nun der Öffentlichkeit zugänglich ist. Es vermittelt einen guten Einblick in das Leben dieses in Sri Lanka berühmten Mannes.
In der Nähe befindet sich der kleinere Brief Garden seines Bruders Bevis Bawa, der als Landschaftsarchitekt bekannt war.
Hikkaduwa
Mit dem Zug reiste ich weiter der Küste entlang zum nächsten Strandort, nach Hikkaduwa. Dieser Ort ist viel touristischer als Bentota, mit vielen Hotels und Gasthäusern, die sich kilometerlang zwischen dem Strand und der Hauptstrasse entlang ziehen. Ich war oft in einer coolen Bar, die gestylte Getränke und kreative frische Gerichte in einer lockeren Atmosphäre anbot.
Galle
Mit dem Zug reiste ich weiter Richtung Süden nach Galle. Diese Stadt ist seit mehreren tausend Jahren ein bedeutender Hafen, von wo Elfenbein, Pfaue und Zimt ausgeführt wurden. Handelspartner waren Araber, Perser, Römer, Malayer, Inder und Chinesen. 1502 besetzten die Portugiesen die Stadt, die 1640 wiederum von der niederländischen Vereinigte Ostindische Kompanie eingenommen wurde. Die Holländer bauten eine riesige Festung, die die ganze historische Stadt Galle umfasste. Diese ist heute ein Weltkulturerbe. Es ist die grösste noch erhaltene Festung Asiens, die von europäischen Besatzern erbaut wurde. Unterdessen spielt der Tourismus eine wichtige Rolle. Einige Paläste sind zu Boutique-Hotels umgebaut worden. Es gibt gute, trendige Restaurants und ganze Strassenzüge bestehen fast nur aus Souvenir-Läden. Trotzdem herrscht in Galle immer noch eine eigene Stimmung, die durch die die Stadt umgebende und begehbare Mauer verstärkt wird.
Ella
Um halb sechs Uhr morgens nahm ich den einzigen direkten Bus ins 200 km entfernte Bergdorf Ella. Der Ort ist bei Touristen beliebt. Deswegen wurden einige neue Hotels gebaut, die dank der grossen Konkurrenz ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis aufweisen. Leider verursacht der Verkehr im Dorf viel Lärm und Abgase. Zum Glück gibt es ein paar Wanderungen auf umliegende Hügel, so dass man das Dorf hinter sich lassen kann. Die Wanderungen führen oft durch Teefelder, die mich durch meine Sri Lanka-Reise immer wieder begleiten werden. Das bergige Landesinnere eignet sich ideal für die Teeproduktion. Sri Lanka ist daher der zweitgrösste Tee-Exporteur der Welt.
Ein Teefeld
Die Briten bauten auch im hügeligen Landesinnern Zuglinien, um die angebauten Landwirtschaftsprodukte kosteneffizient zu den Exporthäfen zu transportieren. Heutzutage sind diese Züge eine Touristenattraktion. Sie werden aber auch von der lokalen Bevölkerung rege benutzt.
An der Strecke sieht man oft grosse Wasserhahnen, die für die Dampflokomotiven benutzt wurden.
Die Signale werden über Drahtkabel gesteuert.
Neun-Bogen-Brücke
Ein Zug über der Neun-Bogen-Brücke (engl. nine arch bridge) in der Nähe von Ella
98 Acre-Resort
Wie alle anderen Reisenden bestieg ich die beiden Hügel Ella Rock und Little Adam’s Peak. Die Aussichten von diesen beiden Erhebungen waren für mich nichts besonderes. Auf einer Wanderung kam ich beim 98 Acre-Resort vorbei, dessen Küche positiv überraschte.
Nuwara Eliya
Mit dem Zug befuhr ich die landschaftlich schönste Strecke von Ella nach Nuwara Eliya, dem Teezentrum Sri Lankas. Ein Besuch in Sri Lanka ist ohne den Besuch einer Teefabrik unvollständig. Ich besichtigte daher die Bluefields Tee-Fabrik, wo den Besuchern die verschiedenen Schritte der Teeproduktion näher gebracht wurden und man die teils historischen Maschinen bestaunen konnte.
In den nächsten zwei Tagen wanderte ich zum Ramboda Wasserfall und besuchte den sehenswerten Hakgala Botanischen Garten und den Hindu-Tempel Aadishakti Seeta Amman.
In Nuwara Eliya wurde mir dieses typische Sri Lankische Curry aufgetischt
Adam’s Peak
Vor meiner Ankunft in Sri Lanka erhielt ich Reisetipps von anderen Reisenden. Ein Tipp war immer dabei: Die Besteigung des 2’243 Meter hohen Adam’s Peak. Dieser Berg hat für Buddhisten, Hindus, Moslems und Christen eine religiöse Bedeutung. Für die Buddhisten ist er eine wichtige Pilgerdestination, soll doch Buddha selbst den Berg besucht haben. Eine Felsformation wird als Fussabdruck Buddhas gedeutet.
Der Berg wird mitten in der Nacht bestiegen. Den Gipfel erreicht man rechtzeitig zum Sonnenaufgang. Mir wurde versichert, dass morgens um 1:30 vom Bahnhof Nuwara Eliya ein Bus nach Dalhousie fährt, von wo der Aufstieg beginnt. Der Busfahrer und der Bahnhofsvorstand bestätigten die Abfahrtszeit ebenfalls.
Um 1:15 Uhr war ich am Abfahrtsort und der Bus war da. Doch der Motor war abgestellt, die Lichter war ausgeschaltet und der Fahrer war nicht beim Bus. Das war ein schlechtes Zeichen, denn üblicherweise startet der Fahrer den Motor des Busses mindestens eine Viertelstunde vor Abfahrt.
Ich fand heraus, dass der Bus die Ankunft eines verspäteten Zuges abwartet. Also wartete ich zusammen mit den anderen Reisenden. Es stellte sich heraus, dass ich der einzige war, der auf den Bus wartete. Alle anderen wollten mit dem verspäteten Zug mitfahren. Allzu lange konnte ich mich nicht mehr gedulden, denn ich wollte vor Sonnenaufgang auf dem Berg sein und man sagte mir, dass der Aufstieg 2.5-3 Stunden dauert und die Fahrt zum Startpunkt des Aufstiegs fast eine Stunde benötigte. Um 2 Uhr musste ich mich um ein alternatives Verkehrsmittel bemühen, damit ich den Gipfel vor Sonnenaufgang erreichen konnte. Zum Glück fand ich einen Tuk-Tuk-Fahrer, der mich in einer Stunde zum Startpunkt Dalhousie brachte. Es war bereits nach drei Uhr, als ich den Aufstieg begann. Ich glaubte, zu spät zu sein und lief zügig ohne Pause den breiten Weg mit tausenden von Stufen hinauf. Immer wieder überholte ich Leute, die das Bergsteigen nicht gewohnt waren. Ich war überrascht, als ich bereits nach 1.5 Stunden die fast 1’000 Meter Höhenmeter überwunden hatte und einiges zu früh den Tempel auf dem Gipfel erreichte.
Im Verlaufe des Aufstiegs trifft man auf verschiedene Pilgerstationen
Der Sonnenaufgang vom Adam’s Peak war ein Erlebnis. Aber noch spezieller war, den kegelförmigen Schatten des Berges mit dem Aufgang der Sonne über die Landschaft ziehen zu sehen.
Das Eingangstor des Pilgerwegs
Der Adam’s Peak nach dem Abstieg bei Tageslicht. Zum Glück sah ich den Berg vor dem Aufstieg nicht. Die Besteigung scheint schwieriger, als sie tatsächlich war.
Kandy
Meine Reise führte mich weiter nach Kandy, dem spirituellen Zentrum Sri Lankas.
Der 630 Meter lange Kandy-See wurde 1807 durch König Sri Wickrama Rajasinghe neben dem Tempel der heiligen Zahnreliquie angelegt.
Tempel der heiligen Zahnreliquie
Der Tempel der heiligen Zahnreliquie (engl. Temple of the Sacred Tooth Relic) bewahrt einen Zahn Buddhas auf und ist damit einer der heiligsten Orte in der buddhistischen Welt. Die Besucher können einen kurzen Blick auf das goldene Aufbewahrungsgefäss werfen. Fotografieren war nicht erlaubt.
Ceylon Tee Museum
Das Ceylon Tee Museum befindet sich in der ehemaligen Hanthana Tee-Fabrik. Es stellt unter anderen die beiden wichtigsten Teepioniere vor, die beiden Schotten James Taylor und der bekanntere Thomas Lipton. Obwohl Tee heute in Sri Lanka allgegenwärtig ist, war Tee in Sri Lanka nicht heimisch. James Taylor brachte 1867 Tee von Indien nach Sri Lanka. Er arbeitete unermüdlich und experimentierte mit verschiedenen Sorten. Er stelle auch selbst die ersten Maschinen zur Verarbeitung der Teeblätter her. Thomas Lipton hatte bereits eine Lebensmittelladen-Kette in ganz Grossbritannien aufgebaut und war ein reicher Mann. 1890 reiste er nach Sri Lanka und traf dort James Taylor. Er kaufte den Tee direkt in Sri Lanka, verschiffte ihn und verkaufte ihn ohne Zwischenhändler in seinen Läden. Damit konnte er den Tee viel billiger anbieten. Zudem verkaufte er den Tee bereits in kleinen Portionen abgepackt. Bisher wurde Tee offen verkauft. Seine Teemarke Lipton war ein voller Erfolg und schon bald lieferte er seinen Tee auch an andere Lebensmittelläden. Die Marke Lipton ist heute noch ein Inbegriff. Sie gehört nun dem Unilever Konzern.
Das Museum hat eine beeindruckende Sammlung alter Teeverarbeitungsmaschinen wie Trockner, Fermentationstische und Sortiermaschinen. Einen Stock höher werden die Eigenheiten der verschiedenen Teegebiete in Sri Lanka erklärt. Mir gefiel vor allem die Tee-Degustation die es erlaubte, Tees verschiedener Qualitäten und Herkunftsgebiete miteinander zu vergleichen. Wie bei jeder Degustation fehlte auch der Spucknapf nicht (auf dem Bild links).
Vom Teemuseum wanderte ich mit der Navigations-App sieben Kilometer zum Königlichen Botanischen Garten. Die Navigation führte mich entlang kleiner Wege, auf denen sonst nie ein Tourist anzutreffen ist. In einem kleinen Haus wurde ich wie ein VIP empfangen. Sofort wurde mir Tee angeboten. Der ältere Herr des Hauses war ganz begeistert und wollte unbedingt, das ich ihn mit seiner Frau fotografierte.
Leider regnete es während meines Besuches des Königlichen Botanischen Gartens stark, so dass ich hier keine Fotos vom Garten zeige. Im Garten sind unzählige kleine und grosse Pflanzen zu sehen, die attraktiv präsentiert werden.
Das buddhistische Kloster Asgiri Maha Viharaya
Ranawana Purana Rajamaha Viharaya Tempel
Mit 24 Meter ist der Buddha im Ranawana Purana Rajamaha Viharaya Tempel der weltweit grösste in laufender Pose.
Heeressagala Ancient Tempel
Vom Tempel des imposanten Buddha machte ich mich zu Fuss auf den Weg zum im Reisebuch erwähnten Tempel Gadaladeniya Vihara. Ich traf diese jungen Mönche beim Heeressagala Ancient Tempel, der in keinem Reisebuch erwähnt ist. Diese Begegnungen sind authentischer und ebenso erlebenswert wie der Besuch eines berühmten Tempels. Ich machte die Erfahrung, dass man in Sri Lanka irgendwohin spazieren kann und immer Interessantes erlebt.
Gadaladeniya Vihara Tempel
Der Buddha im Gadaladeniya Vihara Tempel
Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Bus an die Küste nach Negombo, ein Strandort in der Nähe des Flughafens. Noch in der Nacht brachte mich ein Tuk-Tuk zum Flughafen, von wo ich nach Dubai flog (Link zum Dubai Reisebericht).
In den vier Wochen sah ich einen kleinen Teil Sri Lankas im Süden. Abgesehen von der schlechten Luftqualität in den Städten und Dörfern gefiel es mir sehr gut. Die Leute sind nett und das Land vielfältig. Ich werde wiederkommen und mich dann auf das Zentrum der Insel und den Norden konzentrieren.