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Sprachaufenthalt Montreux Erfahrungsbericht von Lia
Erfahrungsbericht
November, 2023 | Mara Duttweiler
Ich sitze im Zug. Ein Fensterplatz. Beim Blick nach draussen sehe ich den Genfersee, oder wie ich mir nun angewöhnen sollte, den «Lac Léman». An den Ufern reiht sich ein Rebberg an den anderen. Die Sicht ist klar. Die Hänge leuchten grün, der See hellblau. In der Ferne sehe ich ein wunderschönes Bergpanorama. Es wirkt magisch. Etwas Vergleichbares habe ich noch nie gesehen. Ich wusste gar nicht, wie schön mein Heimatland sein kann. Die Fahrt nimmt mir meine Nervosität vor meinem bevorstehenden Abenteuer und gibt mir Zuversicht. Drei Wochen Sprachschule in Montreux. Damit ich im 10. Schuljahr meine Noten etwas aufbessern kann und mir die Lehrstellensuche als Kauffrau hoffentlich etwas leichter fällt.
Mir fehlen die Worte
«Prochaine Arrêt Vevey». Ich muss aussteigen. Meine Gastfamilie befindet sich hier. Auch wenn ich mich noch in der Schweiz befinde und der Bahnhof in den gewohnten SBB-Farben beschildert ist, fühle ich mich wie in einem fremden Land. Überall höre und lese ich Französisch.
Meine Gastmutter, Valérie, treffe ich beim Parkplatz. Sie hat mir vorab geschrieben, wo sie wartet und dass sie eine rote Bluse trägt. So sticht sie mir schon früh ins Auge. Sie spricht gerade noch mit jemandem am Telefon, in schnellem Französisch. Ich verstehe kein Wort und werde nervös. Wie werden wir uns verständigen können? Sie legt auf, entschuldigt sich und begrüsst mich herzlich. «Bonjour» verstehe ich problemlos. Mit mir spricht sie extra etwas langsamer, das beruhigt mich. Einzelne Worte verstehe ich und kann mir alles zusammenreimen. Meine Antworten sind einsilbig. Ich versuche es mit einem ganzen Satz. «Je suis…“ Die Worte fallen mir nicht ein. Valérie ist sehr verständnisvoll und gibt mir Zeit.
Nach einem kurzen Fussmarsch kommen wir in der Wohnung an. Sie befindet sich im dritten Stock eines modernen Wohngebäudes, gleich um die Ecke von Migros und zahlreichen Geschäften. Die Wohnung ist hell und übersichtlich, mein Zimmer ebenfalls. Gemütlich eingerichtet, mit Bildern von der Umgebung und den Rebbergen. Auf jeden Fall ein Ort, um sich wohlzufühlen. Valérie gibt mir eine Führung durch die Wohnung und erklärt mir alles. Wenn sie merkt, dass ich etwas nicht verstehe, versucht sie es auf Deutsch. Einzelne Wörter hat sie von vorherigen Sprachschülern gelernt. Ansonsten muss es auf Französisch gehen. Ich merke, wie sich meine Nervosität langsam legt, und ich gar nicht so wenig verstehe. Um mich willkommen zu heissen, hat sie eine Tarte à la Raisinée gebacken. Dies sei eine Waadtländer Spezialität. Ich mag zwar lieber Schokolade, aber diese Früchtewähe ist sehr lecker.
Das Lernen hört hier nie auf
Die ersten Tage sind sprachlich herausfordernd. Zuvor hatte ich wenige Stunden pro Woche Französisch. Hier hört das Lernen nie auf, auch nach dem Unterricht.
An der Alpadia Montreux übe ich mit Gleichgesinnten. Die Atmosphäre ist ganz anders als in meiner Schule in Brugg. Es sind alle freiwillig hier, und das merkt man. Wir sprechen viel im Unterricht. Jeder kommt mal zum Sprechen. Je mehr ich das aber tue, desto einfacher fällt es mir. Vieles hatte ich bereits in der Schule gelernt, ich muss es nur wieder aus meiner Erinnerung holen. Mehr Mühe bereitet mir das Schreiben. Wann kriegt das «E» einen Strich, und in welche Richtung zeigt dieser? Wann steht das Adjektiv vor dem Verb und wann dahinter?
Alyssa, meine Lehrerin, hilft mir hier so gut es geht. Mit meinen Unklarheiten kann ich jederzeit auf sie zugehen. Sie empfiehlt mir, Texte auf Französisch zu lesen, gibt mir Buchempfehlungen und meint, ich könne auf dem Weg zur Schule in der Gratiszeitung 24 heures lesen. So bekomme ich ein Gefühl für die Sprache.
Städtetrips, Berge und Adrenalinkick
Meine Schulfreunde stammen teils aus der Deutschschweiz. Da sind aber auch Rudolfo aus Mexiko und Mei-Ling aus Taiwan. Es ist sehr spannend zu sehen, wie die Beiden die Schweiz wahrnehmen. Während für mich grüne Wiesen und Berge normal sind, ist es für sie das Grösste. Mit einer Zahnradbahn fahren wir auf den Rochers-de-Naye. Bereits auf der Fahrt nach oben, werden zahlreiche Bilder geschossen. Oben angekommen, muss aber auch mein Handy zücken. Die Aussicht ist wunderschön. Auf der einen Seite sieht man die Weiten des Lac Léman, auf der anderen Seite die Walliser- und Berner Berge. Im Bergrestaurant trinken wir natürlich ein Rivella. Während Rudolfo begeistert ist, findet Mei-Ling das Getränk zu bitter.
Gemeinsam besuchen wir auch andere Städte. Ich merke, dass man für Städtetrips nicht immer ins Ausland reisen muss. Lausanne, Genf, Nyon und natürlich Montreux selbst. Schöne Orte mit vielen versteckten Schätzen, wie farbenfrohe Pärke, gemütlichen Cafés und erholsame Seebadis.
Für den Adrenalinkick besuche ich an einem Wochenende den Aqua Park in Le Bouveret. Das ist quasi das Alpamare der Westschweiz. Wir nehmen eine Rutsche nach der anderen, beinahe ohne Pausen. Abends bin ich so kaputt, dass ich kaum mehr Abendessen mag bei Valérie.
Dabei kocht sie immer so lecker. Viel frisches Gemüse, mal mit Reis, mal mit Pasta oder auch mal mit Couscous. Als sie mir an einem Abend gefüllte Zucchini auftischt, muss ich leer schlucken. Das Gemüse mochte ich als Kind nicht und habe es deshalb auch nie gegessen. Ich möchte aber Valérie nicht verletzen und überwinde mich. Zu meinem Erstaunen schmeckt es sogar richtig gut. Als ich später meiner Mutter am Telefon mitteile, dass ich Zucchini nun gerne esse, muss sie laut lachen. Nach dem Essen beichte ich Valérie auch, dass ich Zucchini eigentlich gar nicht mochte. Sie schmunzelt und ist froh, dass es mir dennoch geschmeckt hat. Mittlerweile verstehe ich sie fast problemlos. Ich habe auch keine grossen Hemmungen mehr, Französisch zu sprechen. Ich weiss, dass ich noch zahlreiche Fehler mache, aber verständigen kann ich mich dennoch.
Der Lehrstellensuche steht also nichts mehr im Wege…
Tags: Alpadia Language School Montreux, Französisch, Montreux, Schweiz
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