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17.11.2021
Der Bundesrat hat beschlossen, die Grundlage für die künftige Ausgabe von grünen Staatsanleihen zu schaffen. Was sind solche «Green Bonds» eigentlich und wie hat sich dieser Markt von grünen Anleihen entwickelt? Eine Einordnung zum Thema.
Der Bund hat aktuell Bruttoschulden von gut 100 Milliarden Franken. Der grösste Teil dieser Schulden machen mit 65 Milliarden Franken die sogenannten Eidgenössischen Anleihen aus. Mit diesen Schuldpapieren mit bis zu 50 Jahren Laufzeit nimmt der Bund Geld am Kapitalmarkt auf.
Was sind Green Bonds?
Ein Emittent kann mit grünen Anleihen wie mit den konventionellen Anleihen am Kapitalmarkt Geld aufnehmen. Green Bonds sind künftig ein spezifischer Teil der Bundesanleihen und diversifizieren die Finanzierungsinstrumente des Bundes. Das mit grünen Anleihen aufgenommene Geld kann nicht frei verwendet werden, sondern darf ausschliesslich für die Finanzierung von Projekten verwendet werden, die positive Auswirkungen auf die Umwelt haben. Dazu gehören beispielsweise die Förderung erneuerbarer Energien, die Steigerung der Energieeffizienz, die Erhaltung der Biodiversität oder der Bau von umweltfreundlichen Gebäuden.
Green Bonds führen nicht automatisch zu mehr Umweltausgaben, da es sich nur um ein Finanzierungsinstrument handelt. Für höhere Umweltausgaben muss das Parlament zusätzliche grüne Ausgaben beschliessen. Mit dem Instrument der grünen Anleihen soll die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz gefördert, die Anwendung internationaler Standards in der Schweiz gestärkt und die Ausgabe grüner Anleihen durch privater Akteure gefördert werden.
Wie hat sich der Green-Bond-Markt entwickelt?
Der Markt für grüne Anleihen ist sowohl in der Schweiz als auch international noch relativ klein, ist in den letzten Jahren aber stark gewachsen. Green Bonds wurden erstmals im Jahr 2007 emittiert, haben sich aber erst in den letzten Jahren etabliert. Bis Ende 2020 wurden weltweit kumuliert über alle Jahre insgesamt grüne Anleihen für gut 1’000 Milliarden US-Dollar herausgegeben. Das klingt nach viel, ist aber im Vergleich zu dem gesamten am Kapitalmarkt ausstehenden Anleihevolumen ein Nischenprodukt. Ein Drittel aller Emissionen von Green Bonds entfallen auf Staaten oder öffentliche Körperschaften. Staaten nehmen bei der Herausgabe von grünen Anleihen also eine wichtige Rolle ein.
Bei den Emissionen von Staaten entfällt bislang jedoch nur ein sehr kleiner Teil auf Green Bonds. In Europa sind nebst weiteren Staaten Frankreich, Deutschland und England besonders aktiv. Die EU-Kommission hat zudem angekündigt, dass rund ein Drittel des 750 Milliarden Euro umfassenden «Next Generation EU»-Programms mittels Green Bonds finanziert werden soll und hat bereits eine erste grüne Anleihe emittiert. Der globale Referenzemittent USA hat bisher keine Absichten zu einer staatlichen Green-Bond-Emission kundgetan.
Auf dem Schweizer Kapitalmarkt haben Schweizer Emittenten Green Bonds im Umfang von insgesamt gut 5 Milliarden Franken ausstehend. Das entspricht 1,2 Prozent des gesamten Schweizer Kapitalmarktes. Die grünen Papiere wurden bisher vor allem von Banken und Versicherungen sowie den Kantonen Basel-Stadt und Genf herausgegeben.
Wann wird die erste grüne Anleihe herausgegeben?
Die Eidgenössische Finanzverwaltung wird nun ein Rahmenwerk für die Emission von Green Bonds erarbeiten, um die Ausgestaltung, die Kriterien und die Prozesse zu konkretisieren. Dabei soll insbesondere definiert werden, für welche grünen Ausgaben die Mittel der Green Bonds eingesetzt werden resp. wie der Prozess für die Projektauswahl definiert wird, wie hoch das Emissionsvolumen sein soll und wie mit einer geeigneten Berichterstattung die Transparenz sichergestellt werden kann. Das Rahmenwerk wird dem Bundesrat bis Ende 2022 unterbreitet.
Letzte Änderung 24.02.2022