Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03242.jsonl.gz/2996

Anabolika
Wirkungen
Anabolika wirken "anabol
" und "androgen
". Anabol
bedeutet allgemein aufbauend (z.B. Muskelmasse, Kraft, Verringerung des Körperfettanteils), androgen
bezeichnet eine geschlechtsspezifische, vermännlichende Wirkung.
Nebenwirkungen
Anabolika können je nach Anwendungsart, Dauer und Dosierung unterschiedliche Nebenwirkungen haben. So auf:
- die Leber: Anabolika können Entzündungen der Leber und allenfalls Leberkrebs bewirken;
- den hormonellen Regelkreis: der körpereigene hormonelle Regelkreis wird gestört und teilweise ausgeschaltet; der Körper stellt weniger körpereigene Hormone her;
- die Blutfettwerte: Sie verschlechtern sich, was zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte führt;
- den Herz-Kreislauf: erhöhte Wassereinlagerung in Körper und Muskeln führt zu erhöhtem Blutdruck und zu einer Belastung des Herz-Kreislaufs;
- die Psyche: aggressives Verhalten wird verstärkt;
- das Wachstum: bei Jugendlichen führen Anabolika zum Abbruch des Grössenwachstums;
- Vermännlichung bei Frauen: mit tiefer Stimme, verstärkter Körperbehaarung, Rückbildung der Brüste, Störung der Monatsregel;
- Verweiblichung bei Männern: Schrumpfen der Hoden und Störung der Spermienproduktion, teilweise Brustwachstum (Gynäkomastie);
- Weitere Nebenwirkungen sind Akne, erhöhtes Risiko für Verletzungen an Bändern und Sehnen.
Es gibt nur noch wenige medizinische Anwendungen für anabole Steroide
z.B. bei Krankheiten mit Hormonstörungen, bei allgemeiner körperlicher Schwäche älterer Menschen oder AIDS Patienten, zum Abbruch des Körperwachstums bei Jugendlichen mit sehr hoher Wachstumprognose.
Anabole Steroide
werden seit den 50er Jahren im Kraftsport angewendet. Heute sind sie in allen Sportarten für den Kraftaufbau und zur Regeneration nach hohen Belastungen verbreitet. Sie werden aber auch vermehrt in der Bevölkerung (z.B. Fitnessbereich) verwendet. Verboten sind anabole Steroide
seit 1976.
Besonderes
Die Dopingliste
unterscheidet zwischen "exogenen" (körperfremden) und "endogenen" (körpereigenen) Anabolika. Falls ein körperfremdes Anabolikum bei einer Dopingkontrolle
gefunden wird, so ist das Resultat positiv. Bei einem körpereigenen Anabolikum müssen weitere Abklärungen getroffen werden, um zu zeigen, ob ein Missbrauch vorliegt oder ob die Substanz
natürlich produziert wurde. Dies gilt insbesondere, wenn ein erhöhtes Verhältnis von Testosteron zu Epitestosteron
gefunden wird.
Schlagzeilen
1988: An den Olympischen Spielen in Seoul wird der 100 m Sieger Ben Johnson des Dopings mit Stanozolol überführt.
1999: Bei verschiedenen Tennisspielern u.a. bei Peter Korda
wird Nandrolon nachgewiesen. Abklärungen ergeben, dass dies wahrscheinlich durch verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel
verursacht wurde. Auch in der Leichtathletik führen die Nandrolonfälle von Linford Christie
, Doug Walker
, Julio Rey
und Dieter Baumann
zu Schlagzeilen.
2000: im Fussball wird Nandrolon bei Spielern wie Fernando Couto, Frank de Boer, Edgar Davids, Jaap Stamm oder Josip Guardiola nachgewiesen.
2003: Das erste synthetische "Designersteroid" THG kann analytisch nachgewiesen werden. Mehrere Athletinnen
und Athleten
rund um ein kalifornisches Labor
(BALCO) sind in den grössten Dopingskandal seit Ben Johnson verwickelt. Als erster wird der britische Sprinter und Europameister Dwain Chambers
zu einer zweijährigen Sperre verurteilt.
2004: In Folge der Untersuchungen rund um das BALCO Labor
werden unter anderem Kelli White
, Tim Montgomery
und Marion Jones
des Gebrauchs von Anabolika angeklagt. Dies auf Grund von Unterlagen und Aussagen und nicht auf Grund eines positiven Dopingtests.
2006: Dem amerikanischen Radfahrer und Tour de France Gewinner Floyd Landis
wird mittel neuer Technik (Isotopen-Massenspektroskopie) die Anwendung
körperfremden Testosterons nachgewiesen.
2008: In der Schweiz werden mehrere Bobfahrer positiv auf Anabolika getestet.