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Klassenunterschiede im Flugzeug sind offenbar schlecht für die Stimmung. Forscher haben herausgefunden: Mit First Class an Bord drehen Passagiere häufiger durch.
Hin und wieder müssen Passagierflugzeuge ungeplant landen, weil ein oder mehrere Passagiere durchdrehen. Einen besonders gefährlichen Zwischenfall gab es 2008 in einen Charterflieger von Griechenland nach Manchester: Zwei betrunkene Touristinnen hatten versucht, eine Flugzeugtür zu öffnen, als die Maschine auf ihrer Reiseflughöhe von 10'000 Metern war. Der Pilot entschloss sich daraufhin zu einer Notlandung in Frankfurt.
Zwei Forscher haben das Phänomen renitenter Fluggäste nun statistisch untersucht. Katherine DeCelles von der University of Toronto und ihr Kollege Michael Norton von der Harvard Business School wollten herausfinden, welche Umstände womöglich begünstigen, dass Passagiere an Bord die Nerven verlieren.
Die Analyse von mehr als einer Million Flügen einer nicht genannten Airline ergab, dass Zwischenfälle häufiger auftreten, wenn es eine Aufteilung in Economy und First Class gibt. «Wir glauben, dass die Ungleichheit in modernen Flugzeugen unsoziales Verhalten auslösen kann», schreiben die Forscher im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences.
DeCelles und Norton hatten einen umfangreichen Datensatz einer internationalen Fluggesellschaft ausgewertet, der mehrere Jahre und detaillierte Schilderungen von Zwischenfällen an Bord umfasste. Drei Viertel der renitenten Passagiere waren demnach männlich.
Die häufigsten Probleme waren:
Die Statistik zeige, dass bei Flügen mit erster Klasse Zwischenfälle deutlich häufiger auftreten, schreiben die Forscher. Dann komme es in 1,58 von 1000 Flügen zu Problemen. Ohne erste Klasse liege die Quote bei nur 0,14 Zwischenfällen auf 1000 Flüge.
«Wir haben alle Einflussfaktoren untersucht», erklärt DeCelles, darunter auch den Flugzeugtyp, die Grösse der Sitze, das Flugziel, die Fluglänge, Verspätungen. Dabei habe sich gezeigt, dass das Vorhandensein einer First Class eine besonders grosse Bedeutung habe.
Eine Ursache-Wirkung-Beziehung haben die Forscher mit ihrer aufwändigen statistischen Analyse allerdings nicht bewiesen, nur eine Korrelation. Das bedeutet, dass randalierende Fluggäste dann häufiger sind, wenn die Kabine in zwei Klassen aufgeteilt ist. Theoretisch wäre auch denkbar, dass verhaltensauffällige Fluggäste – aus welchen Gründen auch immer – eher Flüge in Jets mit zwei Klassen wählen.
«Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass es nicht noch andere Einflussfaktoren gibt», räumt DeCelles ein. Sie hält es aber für plausibel, dass Klassenunterschiede Aggressionen fördern. Ungleiche Raumkontingente gebe es nicht nur in Flugzeugen, sondern auch in Büros und Sportstadien.
Es waren übrigens nicht ausschliesslich benachteiligte Economy-Kunden, die für Ärger im Flieger sorgten. Immerhin 15 Prozent der aufsässigen Passagiere hatten First Class gebucht.
«Wir haben Unterschiede bei der Art der Renitenz zwischen den beiden Klassen beobachtet», schreiben die Forscher. In der First Class sei aggressives Verhalten häufiger aufgetreten. In der Economy Class habe es mehr emotionale Ausbrüche gegeben.
Doch es gebe eine Massnahme, die das Risiko für Ärger in der Kabine senke, erklärt Katherine DeCelles. Beide Klassen müssten einfach getrennte Flugzeugeingänge benutzen. Dann seien Probleme seltener – in beiden Bereichen des Flugzeugs.
hda