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Selva’s Geschichte
Ein Blick zum Anfang
- Im 12. Jh. erfolgte die erste Einwanderung von Walsern über den Oberalp nach Tschamut/Selva, Mompé Medel und Obersaxen.
- Das Einzugsgebiet (562,4 km2) der sieben politischen Gemeinden von Tavanasa bis zum Oberalppass, das frühere engere Herrschaftsgebiet des Klosters Disentis, ist in historischer und heute noch in politischer und geografischer Hinsicht eine Einheit. Sedrun mit seinen umliegenden Dörfern (inkl. Selva) bildet die Gemeinde Tujetsch.
- Die Wirtschaftsstruktur der Region ist unausgewogen. Es fehlen ganzjährige Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Bevölkerung nimmt stetig ab. Hauptprobleme sind die Erhaltung der Landwirtschaft, die Konsolidierung des Gewerbes, die Entwicklung des Tourismus, die Erhaltung der Umwelt und des traditionellen Kulturgutes.
- Diese Entwicklung trifft besonders auch auf Selva zu. Die Tatsache, dass unser Haus Vacanza einst ein Schulhaus war, weist auf eine kinderreiche Einwohnerschaft hin. Heute (2012) leben in Selva noch drei Personen.
- Die Zeit hat aber auch in anderer Hinsicht ihre Spuren hinterlassen. So brannte 1949 fast das ganze Dorf Selva bei einem Föhnsturm nieder. Dank Spenden aus der ganzen Schweiz konnte Selva wieder aufgebaut werden. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man dabei der Wiederherstellung der Wallfahrtskirche.
- Die fortschreitende Abwanderung der jungen Generation und der Tod des letzten Bauern Mitte der 90-er Jahre hatten zur Folge, dass das Land kaum mehr bewirtschaftet wurde. Die ehemaligen Ställe wurden zu Ferienwohnungen umfunktioniert. Auf der Suche nach einer Umnutzung des Landes entstand die Idee, einen 9-Loch-Golfplatz in die Berglandschaft einzubetten.
- Trotz anfänglichem Widerstand von verschiedenster Seite darf heute behauptet werden, dass damit eine Lösung gefunden wurde, die sich mit der idyllischen Landschaft sehr gut verträgt.
- Auch der Verein Vacanza stand diesem Projekt ursprünglich etwas skeptisch gegenüber. Wir opponierten nicht um der Region zu touristischem Aufschwung und den Einwohnern zu neuen Arbeitsplätzen zu verhelfen. Erfreulich ist die Tatsache, dass heute zwischen den Golfern und unseren Lagerteilnehmern eine gute Akzeptanz besteht und bis jetzt keine Probleme entstanden sind.
Dorfbrand von 1949
1979, 30 Jahre nach dem Dorfbrand von 1949 beschreibt das CH-Magazin das Ereignis wie folgt:
- In Selva – einem Bergdorf mit hübschem Kirchlein ohne Pfarrer und grossem Schulhaus ohne Schüler – leben heute noch acht Erwachsene und vier Kinder.
Dies war nicht immer so. Bis zur Unglücksnacht vor 30 Jahren wohnten 110 Menschen in diesem schmucken Bergdorf am Oberalppass.
- „Dann geschah etwas Furchtbares“, erzählt Landwirt Giger. „Die meisten Dorfbewohner schliefen bereits, als plötzlich der Notschrei „Feuer! Feuer“ in die Nacht hinausdrang. Ich war damals ein 8-jähriger Bub, konnte Kleider und Schuhe an mich reissen und im Pyjama ins Freie rennen. Unser Dorf brannte lichterloh.“
Die meisten Dorfbewohner retteten knapp ihr Leben. Junge Mädchen flohen im Nachthemd, der Posthalter war bloss mit einer Hose bekleidet, der Kaplan hatte Pantoffeln an. Kein Telefon funktionierte mehr.
Feuerwehrkommandant Jakob Hendry erinnert sich: „Die Holzbauten brannten wie Zunder. Wohl standen zwei Hydranten zur Verfügung, aber das Feuer breitete sich in den eng zusammengebauten Häusern so rasch aus, dass nach 1 ½ Stunden das Dorf – 15 Wohnhäuser, 20 Ställe und die Kirche – in Schutt und Asche lagen.“
- „Die Bilanz dieser Nacht war erschütternd“, ergänzt Ignaz Peder. „60 Ziegen und 20 Schweine fanden den Tod. Wir Dorfbewohner hatten alles verloren.“
- In der ganzen Schweiz wurde nun für Selva gesammelt. Aber nicht alles erreichte seinen Bestimmungsort. Spender, die Betten für Obdachlose geschickt hatten, berichteten, sie hätten wenig später in einem Bündner Hotel im eigenen Bett geschlafen…
- Immerhin, das Dorf wurde 1950 neu aufgebaut, denn die Versicherungen ersetzten Häuser und Ställe. Aber nur in Selva selbst, obschon die Leute gerne weggezogen wären.Selva nach dem Wiederaufbau von 1950
Selva heute
- Gezeichnet durch das harte Leben zogen auch mutige Einheimische endgültig fort. So kam es, dass heute von den ehemals 110 Einwohnern nur noch 11 Personen in Selva leben.