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Buchbesprechung: Neu-Klassierung der Strubel-Ausgaben
Herausgeber: Schweiz. Philatelisten-Verein Basel, 1982.
Jede Arbeit, jeder Versuch, über die Ausgabe der Sitzenden Helvetia ungezähnt mehr Klarheit zu schaffen, muss den Dank und die Anerkennung aller finden, erst recht das Wagnis zur besseren Entflechtung der verschiedenen Ausgabeperioden.
Dass sich der Autor Walter d'Aujourd'hui, wohl wissend welchen Hasen er aufscheucht, dank seinen Kenntnissen daran gewagt hat, etwas zu einer klareren Definition beizutragen, beweist seinen Mut und den echten Sammlertyp unter den Philatelisten.
Das zweisprachige, etwa 70 Seiten umfassende Werk (deutsch und französisch) gründet auf den reichen Erfahrungen einer über fünfzigjährigen Sammeltätigkeit des bekannten Verfassers. In konzentrierter Form finden wir in diesem interessanten Band im ersten Teil geschichtliche Angaben über die Wahl der Papierart mit dem eingelegten Sicherheitsseidenfaden, die ausführende Druckstätte und den Zeitpunkt der Inverkehrsetzung. Weiter geht es mit bekannten und weniger bekannten Informationen aus damaligen Akten und Belegen. Es folgen dann die Kapitel über Papier, Druck, Seidenfäden, Farben, Bildabstände mit Abbildungen, die Neuklassierung, sowie als Abschluss die zur damaligen Zeit gültigen Postverordnungen und die möglichen Entwertungsarten.
Das Studium des Buches führt jeden Leser zwangsläufig zum Kernstück der Neuklassierung und meine Erstbetrachtung gilt derselben.
- Absolut richtig und zwingend ist es, dass bei der ersten Münchner Auflage (Zst.Aa), die beiden Werte 10 Rp blau und 15 Rp rosa ihren festen Platz in den Katalogen erhalten, also nicht mehr in Klammer oder in Kleindruck gesetzt werden. Festzustellen ist ebenso eindeutig, dass wie bei den ändern Münchner Drucken, bei der 10 Rp Aa helle und dunkle Farbvarianten existent sind, ebenso bei der 15 Rp Rosatönung. Eine Festlegung in hellblau und mattrosa ist sicher problematisch. Entweder müsste es hellblau und hellrosa, oder mattblau und mattrosa heissen. Beide Varianten verlangen jedoch eine Ergänzung in den Farbabstufungen. Man müsste sich auch fragen und überlegen, wie weit der Ausdruck matt für eine Farbtönung richtig ist, unterscheidet doch der Farbentechniker mit matt oder glänz eine Eigenschaft der Farbe und nicht eine Tönung.
- Bereits bei der sogenannten 3. Ausgabe, Bernerdruck (nach W. d'Auj.), beginnt der Zwiespalt der Klassierung. Prof. Dr. J. Suter schreibt in seiner Publikation vom April 1953, dass alle ersten Berner Drucke (Zst.B) mit Ausnahme des 20 Rp-Wertes in München gedruckt worden seien. Gewisse Plattenfehler, welche nur bei den heutigen Zst. Aa-, A- und B-Ausgaben vorkommen, weisen ebenfalls in diese Richtung. In dieser Aufstellung ist alles beim alten geblieben. Mir scheint, dass darüber das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.
- Die Einteilung der Gruppe mit verschiedenfarbigen Seidenfäden kann meines Erachtens nicht als endgültig betrachtet werden, zumal verschiedene geschichtliche und wissenschaftliche Gegebenheiten dafür sprechen, dass zum Beispiel die 15 Rp (heute Zst.D) mit Sicherheit bereits im Jahre 1856 im Umlauf war. Laut Angaben im grossen Werk von Mirabaud und de Reuterskiöld ist der 15 Rp-Wert mit blauem Seidenfaden bereits im Jahre 1855 aufgetaucht. Es wäre verfehlt zu glauben, dass ausgerechnet alle 15 RpMarken mit blauem Seidenfaden der Jahre 1855 und 1856 eine Seidenfaden-Farbwandlung durchgemacht hätten. Man könnte ja ebenso gut die 5 Rp-Marken mit dünnem Papier und gelben und schwarzen Seidenfäden einer anderen Ausgabe zusprechen, z.B. als Seidenfadenabart, womit die Problematik der Ausgaben mit verschiedenfarbigen Seidenfäden aufgezeigt ist.
- Nun zu den heutigen F-Ausgaben, wo neu der 10 Rp-Wert hinzugekommen ist. Tatsächlich existiert ein 10 Rp-Wert mit den gleichen Eigenschaften und dem gleichen Seidenfaden wie die Werte 5 Rp, 15 Rp und 20 Rp. Somit kann auch die 10-Rp Marke ohne weiteres hier zugeordnet werden. Ich bin auch im Besitze solcher Stücke.
- Bei der G-Gruppe, letzter Berner Druck, hat sich nichts verändert.
Zusammenfassend sei vermerkt, dass der Verfasser selbst noch nicht den Schlussstrich unter die Klassierung der Strubel-Ausgaben ziehen will oder kann. Er erwähnt ausserdem, dass noch etliche Lücken in der Forschung vorhanden sind, welche bisher noch nicht geschlossen werden konnten. Somit wird sich jeder StrubelSpezialist mit der präsentierten neuesten Klassierung auseinandersetzen müssen, wobei er auch diese nicht als endgültig betrachten kann. Grundsätzlich ist somit das vorliegende Werk ein Versuch einer Neuklassierung, deren Anwendung für den Strubel-Sammler mit Problemen behaftet erscheint.
Trotz all den Vorbehalten in der Beurteilung dieser Klassierung der Strubel-Ausgaben betrachte ich das Buch als wertvoll für den Sammler. Findet er doch in diesem Band den grössten Teil der heute bekannten Daten und Informationen aus längst vergriffenen Publikationen renommierter Strubelspezialisten wie Prof. Dr. J. Suter, H. Erne, G. Kuisel usw. zusammengefasst. Zudem sind Auszüge aus verschiedensten Akten des Bundesarchives enthalten, weiter sind vor allem die reichen Erfahrungen und Kenntnisse des Verfassers eingeflossen, welcher sich seit Jahren um eine bessere Klassierung bemüht hat. Wenn auch diese neue Zusammenstellung nicht überall auf volle Zustimmung stossen dürfte oder zum Teil gar abgelehnt werden sollte, so könnte sie vielleicht den Anstoss geben, doch einmal eine endgültige Form zu finden.
In diesem Sinne gratuliere ich, als kritischer Betrachter, Herrn Walter d'Aujourd'hui für seine philatelistische Tätigkeit im Interesse aller Strubelsammler und wünsche ihm weiterhin "gut Strubel".
Erhard Keller
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