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Die Domestikation der Katze
25. Juni 2018 von Paolo Zambianchi
Die heutigen Stubentiger gehen vermutlich zurück auf drei verschiedene Gruppen wilder Raubkatzen. Was über die Entwicklung und die Domestikation der Katze bekannt ist und was noch unklar ist, lesen Sie im Beitrag.
Wie die Katze ins Haus kam
Domestikation bedeutet, dass eine Art durch den Menschen genetisch von der wildlebenden Art isoliert wird. Einige Merkmale werden durch gezielte Zucht hervorgehoben (Aussehen, Zutrauen zum Menschen, erwünschte Triebe, Milch- und Fleischleistung etc.), andere abgeschwächt (z.B. Aggression, Scheue, unerwünschte Triebe, Hörner). Somit distanziert sich diese Art von ihren wildlebenden Vorfahren über Jahrhunderte und Jahrtausenden immer mehr.
Bisher fehlen gesicherte Fakten, wie und wann Katzen domestiziert wurden. Erste Knochenfunde stammen aus Zypern, Jericho und Haçilar (7000 und 5000 v. Chr.). Es gibt jedoch aus dieser Zeit keine Beweise für eine Domestikation. Darum nehmen viele Wissenschaftler an, dass sich die eigentliche Domestikation erst später (ca. 2600 v. Chr.) in Ägypten ereignet hat. Dort wurde in einer Grabstätte eine Abbildung einer Katze mit einem Halsband gefunden. Spätere Funde (ca. 1900 v. Chr.) von 17 Katzen und Milchschalen deuten weiter auf diese Theorie hin.
Lieblingstiere der Ägypter
Gründe für die erfolgreiche Domestikation waren vermutlich das Geschick der Katzen bei der Bekämpfung von Nagetieren und Schlangen. Sie wurden sogar als Gehilfen bei der Jagd auf Wasservögel eingesetzt. Bald galten sie als Lieblingstiere der Ägypter und wurden in zahlreichen Wandmalereien und Grabstätten dargestellt. In Altägypten fand die Katze Einzug in ein Fabel- und Märchenbuch, sie galt als heilig und man gestand ihr eigene Friedhöfe zu.
Über Handelswege in alle Welt
Die Altägypter versuchten die Ausbreitung der Katzen in fremde Gebiete zu verhindern, geschmuggelte Tiere wurden sogar zurückgekauft. Trotzdem konnten sich die Katzen innerhalb von weniger als 2000 Jahren in der ganzen Welt ausbreiten, nicht zuletzt über die regen Handelsbeziehungen, welche die Ägypter unterhielten.
Spätestens 500 v. Chr. gelangten die ersten Katzen nach Griechenland, von dort aus wurden sie weiter nach Italien gebracht. Die damaligen Menschen jedoch besassen Frettchen und Iltisse zur Schädlingsbekämpfung und so wurde die Katze erst einige Jahrhunderte später (400 n. Chr.) populär.
In Asien gab es bereits von 2500 v. Chr. Berichte über domestizierte Katzen. Ob es sich hierbei um eine unabhängige Domestikation handelt, ist nicht sicher geklärt.
Falb-, Wald- und Steppenkatze
Von wem stammen unsere Hauskatzen nun ab? Es gibt drei Hauptgruppen, die offenbar am Domestikationsprozess beteiligt gewesen sein sollen: die Falbkatze (Felis sylvestris lybica), die Waldkatze (Felis sylvestris sylvestris) und die Steppenkatze (Felis sylvestris ornata).
Die Steppenkatze kommt in Vorder- und Mittelasien vor. Sie ist kräftiger gebaut und untersetzter als die Falbkatze. Die Waldkatze lebt in Europa, Kleinasien und Iran. Sie ist kräftig, hat kurze Ohren und einen dicken, buschigen Schwanz. Sie ist ein ausgesprochener Kulturflüchter und kommt als Vorfahre am wenigsten in Frage. Die Falbkatze hat ihren Lebensraum in den Buschlandschaften und Steppen Afrikas und Asiens. Sie besitzt grosse Ohren, ist schlank und hochbeinig und ist von diesen drei Arten die am wenigsten aggressivste. Die Falbkatze gilt als Hauptstammform unserer europäischen Hauskatze. Es lassen sich zwei Abstammungslinien erkennen: die afrikanische, dazu gehören unsere ersten Hauskatzen; daneben die asiatische Linie, zu der die Perser und Siamesen zählen.
Hilfe gegen Nager
Dank den Römern breiteten sich die domestizierten Katzen in ganz Europa aus. Bis zum 11. Jahrhundert waren sie überall in Europa und Asien anzutreffen. Katzen waren und sind sehr zäh und flexibel, so dass sie mit Schiffen auch in die neue Welt gelangten.
Katzen genossen als natürliche Feinde von Nagetieren bis ins Mittelalter hohes Ansehen, halfen sie doch mit, durch Nager verbreitete Krankheiten einzudämmen. In Klöstern waren sie oftmals die einzigen erlaubten Haustiere. Mit der Reformation aber fingen schwere Zeiten für die Katzen an. Galten sie bis anhin als Symbol von Weiblichkeit und Mütterlichkeit, wurde ihnen nun das pure Gegenteil angelastet: bösartige Dämonen oder heimtückische Begleiter von Hexen und Geisterbeschwörern.
Im 18. Jahrhundert kam es in Europa zu Invasionen der aus dem Osten stammenden Wanderratte. Dies verhalf der reinlichen Hauskatze zu erneutem Ansehen, da sie selbst in Bäckereien oder Wirtshäusern problemlos gehalten werden konnte.
Selbst domestiziert?
Eine interessante Theorie besagt, dass die Katze nicht domestiziert wurde, sondern sich selbst dem Menschen angeschlossen hat, sich sozusagen selbst domestiziert hat. In der alten ägyptischen Kultur wurde sehr viel Getreide angebaut und gelagert. Die Getreidespeicher lockten zahlreiche Ratten und Mäusen an. Dies machten sich in der Nähe lebende Wildkatzen zu Nutze und schlossen Häuser, Dörfer und Tempel immer mehr in ihre Streifgebiete ein. Vorerst wurden die Katzen geduldet und später, als die Menschen deren Nutzen erkannten, auch gefördert. Die Menschen sollen eine passive Rolle bei dieser Selbstdomestikation gespielt haben.
Dies wiederum zweifeln die Gegner dieser Theorie an, weil die Ägypter sehr viele Tierarten gefangen und gezähmt haben, sozusagen als Freizeitvergnügen. Vermutlich war es ein Zwischenweg, Die Katzen haben den ersten Schritt getan, die Menschen haben es weiter gefördert. Speziell an der Domestikation der Katze ist, dass sie – im Gegensatz zu anderen Tierarten – ihre Selbständigkeit bis heute beibehalten hat.
Reine Fleischfresser
Auf den Speiseplan der Katzen zählen nebst Mäusen, Ratten und Vögeln auch kleinere Tiere wie Blindschleichen, Fische und Insekten. Im Gegensatz zum Hund sind Katzen reine Fleischfresser (Carnivoren). Gewisse lebenswichtige Bestandteile können sie nur aus tierischer Nahrung aufnehmen - eine vegetarische Ernährung ist nicht möglich.
Wie wir gesehen haben, sind Katzen ursprünglich Steppen- und Wüstentiere. Das bringt mit sich, dass Katzen physiologisch sehr wenig trinken, denn die benötigte Flüssigkeitsmenge beziehen sie grösstenteils aus den Beutetieren. Alleinige Trockenfütterung einer Hauskatze entspricht daher nicht einer artgerechten Ernährung.
Katzen kompensieren den ungenügenden Wassergehalt nur bedingt durch vermehrtes Trinken. So können Krankheiten entstehen, wie beispielsweise Niereninsuffizienz, Nieren- und Blasensteine, welche zumindest teilweise auf eine unphysiologische Ernährung zurückzuführen sind. Aus diesem Grund ist die Fütterung mit qualitativ hochwertiger Feuchtnahrung sehr wichtig. Kausnacks oder gelegentliche Trockenfuttergaben bringen Abwechslung in den Speiseplan und fördern die Zahngesundheit.