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https://www.klingnau.ch/de/portrait/geschichte/
08.02.2023 21:56:46

Geschichte der Stadt Klingnau
Als Gründungsurkunde der Stadt Klingnau gilt der Tauschvertrag vom 26. Dezember 1239 zwischen dem Kloster St. Blasien und dem Thurgauer Freiherrn Ulrich von Klingen, in dem die Insel Beznau gegen einen Schotterhügel, der sich ein Stück weiter aareabwärts befindet, getauscht wird. Auf diesem Hügel über der Aare erbaute Ulrich von Klingen Stadt und Schloss.

Der Sohn Ulrichs, Walther von Klingen, der nach dem Tod seines Vaters Besitzer der Stadt Klingnau war, frönte dem mittelalterlichen Minnesang und den Turnierkämpfen. Er war aber nicht nur Geniesser, sondern auch ein religiöser Mensch und Diplomat mit weitverzweigten Beziehungen. Walther von Klingen verkaufte die Stadt 1269 an den Bischof von Konstanz.|
Bis 1415 herrschten wirre Verhältnisse bei der Ausübung der staatlichen Macht: König, Bischof, die Habsburger, das Kloster St. Blasien, die Johanniter und das Stift Zurzach - alle hatten irgendetwas zu sagen. Wer Steuern eintreiben, richten oder regieren durfte, war nicht klar geregelt. Im Mittelalter gewann aber der Bischof von Konstanz immer mehr an Bedeutung - das Klingnauer Wappen zeigt die Bischofsmütze (Mitra) - und verdrängte die Johanniter.
Die Jahre von 1415 bis 1798 waren durch die Herrschaft der Alten Eidgenossen gekennzeichnet, denen es 1712 gelang, die gesamte bischöfliche Verwaltungstätigkeit zu überwachen. In diese Zeit fiel auch der Brand von 1586, dem die gesamte Oberstadt zum Opfer fiel. Die Stadt wurde danach bis auf wenige Baulücken wieder aufgebaut. Weil viele Häuser damals aus Holz gebaut waren, traten immer wieder Brände auf. Der letzte grosse Brand zerstörte 1883 die Häuserzeile vom "Rebstock" bis zum "Höfli".
Während der Wirren der französischen Revolution herrschte grosse Armut in Klingnau. Die Zeit war geprägt von Belagerungen und Einquartierungen fremder Truppen. Auch mussten Klingnauer in diesen fremden Truppen Militärdienst leisten. Ein einschneidendes Ereignis, war die Errichtung eines Spitals durch österreichische Truppen. In der ersten Hälfte des Jahres 1814 waren bis zu 2'500 kranke Soldaten in Klingnau untergebracht und dies bei einer Bevölkerungszahl von etwa 1'000 Einwohnern. Täglich starben 30 bis 90 Soldaten an Typhus - insgesamt etwa 3'000, die im kaiserlichen Gottesacker in einem Massengrab beigesetzt wurden. Auch 28 Klingnauer fielen der Seuche zum Opfer.
Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war im Aargau geprägt durch revolutionäre politische Veränderungen. In jener Zeit profilierte sich ein Klingnauer auf kantonaler und nationaler Ebene: Johann Nepomuk Schleuniger. Er gründete 1856 das katholische Kampfblatt "Die Botschaft", das im ganzen Kanton Verbreitung fand. Heute ist "Die Botschaft" die Regionalzeitung für das Zurzibiet.
Die ersten 600 Jahre seines Bestehens fristete Klingnau ein eher armseliges Dasein. Die Stadt war ständig unter fremder Herrschaft und konnte nicht recht aufblühen, da sie nie zum regionalen Marktplatz wurde. Die Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft, dem Rebbau und etwas Handwerk. Erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich Klingnau zu einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgemeinde. Ein Grundstein zu dieser Entwicklung wurde mit der Errichtung der Bahnlinie Turgi-Koblenz 1859 gelegt. Damit begann der wirtschaftliche Aufschwung. Fabriken wurden gebaut: es wurden Schuhe, Furniere, Rohrmöbel, Kinderwagen und Zigarrenkistchen produziert. Zwischen 1900 und 1980 war die Holz- und Möbelindustrie die bedeutendste Branche; Novopan und de Sede sind die beiden bekanntesten Beispiele. In den Krisenjahren 1931 bis 1935 wurde das Kraftwerk Klingnau erbaut. Dem dadurch entstandenen Stausee verdankt Klingnau heute seinen - zumindest unter Ornithologen - europaweiten Bekanntheitsgrad.
Heute zählt unsere Stadt über 40 Klein- und Mittelbetriebe mit über 400 Arbeitsplätzen, bei etwas über 3500 Einwohnern.
Wenn Sie mehr über die Geschichte der Stadt Klingnau erfahren wollen, empfehlen wir Ihnen die beiden folgenden Bücher: