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Die IAU, die internationale Astronomische Union, diskutiert zurzeit eine neue Planetendefintion. Demnach soll alles, was rund ist und einen Stern umkreist, ein Planet werden. Wozu diese Definition führen würde und wie die Alternativen lauten.
[i]Update: 24. August 2006: Die IAU hat nun abgestimmt. Neuerdings gilt Pluto nicht mehr als Planet – er gehört nun neu zu den sogenannten „Zwergplaneten“. Das entscheidende Kritierium lautet, dass ein Planet nicht nur um einen Stern kreisen und eine Kugelform aufweisen muss, sondern er muss auch seine Bahn weitgehend von anderen Objekten freigeräumt haben, also seine Umgebung gravitativ dominieren. Dies trifft aber nur auf acht Planeten zu: alle bisherigen, ausser Pluto. Zurzeit hält die Diskussion noch etwas an (Petitionen „rettet Pluto!“ wurden gestartet und ähnliche Dinge), aber im Grossen und Ganzen wird man sich – denke ich – damit abfinden. Damit hat sich der Rest des Artikels eigentlich erübrigt – alle runden Objekte, die keine Planeten sind, zählen nun zu einer neu geschaffenen Klasse von „Zwergplaneten“.[/i]
Pluto hat ein Problem. Er ist nicht nur viel kleiner als die anderen Planeten (der nächstgrössere Planet, Merkur, ist mehr als doppelt so gross, ja sogar der Mond der Erde ist grösser), er umkreist die Sonne auch auf einer weiten, langgezogenen Bahn, die zudem stark gegen die Ebene aller anderen Planeten geneigt ist. Zudem ist er ein planetares Leichtgewicht: er hat nur etwa zwei Promille der Erdmasse. 1930 entdeckt, gilt er heute nur noch als „halber“ Planet – die meisten Astronomen und Planetologen möchten ihn – zur Recht – demontieren.
Bereits einmal hatten die Astronomen ein Objekt als „Planeten“ bezeichnet und ihm diese Auszeichnung später wieder abgesprochen. 1801 wurde Ceres entdeckt, ein rund 900 km grosses Objekt, das zwischen Mars und Jupiter kreist. Einige Jahre später jedoch wurden weitere solche „Kleinplaneten“ entdeckt – 1850 waren es so viele, dass die Astronomen beschlossen, eine neue Klasse von Objekten zu schaffen: die „Asteroiden“. Seither bilden die Asteroiden den Asteroidengürtel, und Ceres ist nichts mehr als der grösste der Asteroiden.
Genau gleich könnte man mit Pluto verfahren. Zwar war er viel länger „alleine“ als Ceres. Erst 1992 wurde ein weiteres Objekt im selben Bereich wie Pluto entdeckt, und seither sind tausende solcher Objekte entdeckt worden. Sie bilden, ähnlich wie der Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, einen Trümmergürtel jenseits der Bahn des Neptuns (des äussersten, unumstrittenen Planeten), den man nach dem Astronomen, der ihn vorausgesagt hatte, den „Kuiper-Gürtel“ nennt. Pluto, so schien es bis im letzten Frühling, war einfach das grösste Objekt des Kuipergürtels. Doch dann wurde 2003 UB313 („Xena“) entdeckt, mit 2400 km grösser als Pluto mit 2300 km – Pluto war entthront, und die Diskussion darüber, was denn nun ein Planet sei, ging von neuem los.
Ein Sonderkomitee der IAU schlägt nun folgendes vor: In Zukunft soll alles ein Planet sein, was einen Stern umkreist, selber kein Stern ist und genügend Gravitation besitzt, um von dieser in eine Kugelform gepresst zu werden. Eine schöne, elegante und einfach zu verstehende Definition, würde man meinen. Sie hat nur einen Schönheitfehler: Damit gäbe es auf einen Schlag 53 Planeten im Sonnensystem, und es ist sehr wahrscheinlich, dass in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch hunderte mehr gefunden werden. Dazu würden nicht nur Pluto und 2003 UB313 gehören, sondern auch Ceres wäre wieder mit dabei, und eine ganze Menge anderer Objekte, darunter auch der Plutomond Charon. Die IAU spricht Vorläufig von „nur“ 12 Planeten, da die Kugelform der anderen Objekte noch nicht bestätigt ist – aber nach allem, was wir wissen, sind Objekte ab 400 (einige meinen, erst ab 800) km Durchmesser massiv genug, um die Kugelform auszubilden – und alle 53 Planetenkandidaten sind grösser als 400 km)
Meiner Meinung nach müsste diese Definition um einen weiteren Punkt ergänzt werden – um einen Punkt, der nicht allzu kompliziert ist, der jedoch tatsächlich jene acht Planeten als Planeten stehen lassen würde, die diesen Namen auch verdienen. Dieser Punkt wäre: „Ein Planet vereint den grössten Teil der Masse im Bereich seiner Bahn auf sich“. Das scheint zuerst offensichtlich: Schliesslich umkreist im Bereich der Erdbahn kein anderes Objekt, das so massiv wäre, wie die Erde, die Sonne: natürlich gibt es kleine Objekte wie erdnahe Asteroiden, doch diese haben nur einen winzigen Bruchteil der Erdmasse – selbst, wenn man ihre Masse addieren würde, wären sie gegenüber der Erde vernachlässigbar. Bei Ceres hingegen trifft das nicht zu: Auch wenn er das massivste Mitglied des Asteroidengürtels ist, er vereint nur einen Bruchteil von dessen Mases auf sich. Das gleiche gilt für Pluto, 2003 UB313, und all die anderen Kuipergürtel-Objekte.
Wir werden sehen – am Donnerstag, 24. August, wird abgestimmt. Gut möglich, dass wir am Morgen des 25. August in einem Sonnensystem aufwachen, das von einem Tag auf den anderen 53 Planeten hat…