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an
Händen und
Füßen gelblichbraun. Der
Pelz ist rötlichgelb, die
Mähne dunkelbraun. Es bewohnt die Waldungen der Ostküste
Brasiliens zwischen dem 22. und 23.° südl.
Br., lebt familienweise, zeigt sich ängstlich, mißtrauisch, leicht erregbar,
wird aber in der Gefangenschaft einigermaßen zahm. Der
Uistiti
(Marmoset,
Saguin, H. JacchusL.), 22-27cm
lang, mit 30-35
cm langem, geringeltem
Schwanz, rostgelb, mit schmalen, schwarzen und weißen Querbinden, unterseits weißlichgrau,
mit dunkelbraunem
Kopf, dunkelfleischfarbenem
Gesicht
[* 2] und weißem Ohrpinsel; er bewohnt die Umgegend von
Bahia
[* 3] und die Waldungen
der Ostküste zwischen dem 14. und 17.° südl.
Br., kommt nicht selten nach
Europa
[* 4] und hat sich hier auch
fortgepflanzt.
20
cm lang, 35
cm breit, rötlichgrau, unterseits heller, am
Kinn und an der
Kehle schwarz, mit schwarzem
Zügel und Augenstreifen,
außen gelb gefleckten, innen weiß gekanteten Handschwingen und schwärzlichen, an der
Spitze gelben Schwanzfedern, bewohnt
als Strichvogel im N.
Europas,
Asiens und
Amerikas Fichtenwälder, wandert, durch Nahrungsmangel gezwungen,
südwärts und weilt bisweilen in größern
Gesellschaften bei uns von
November bis März. Er ist träge, friedfertig, gesellig,
einfältig und dreist, er singt leise und unbedeutend, klettert geschickt, fliegt leicht und schnell, nährt sich von
Beeren
und
Insekten
[* 13] und ist ungemein gefräßig. Er nistet nicht hoch über dem
Boden, aber sehr versteckt auf
Fichten und legt im Juni 5-7 bläuliche, dunkel gefleckte und punktierte
Eier.
[* 14] Man fängt den S. sehr leicht in
Dohnen oder
auf dem
Vogelherd. Er wird in der Gefangenschaft bald zahm, wird aber durch seine Gefräßigkeit lästig. Das
Fleisch ist schmackhaft.
Ehemals galt der S. wegen seines unregelmäßigen Erscheinens als Vorbote von allerlei Landplagen.
Die ausschlüpfende
Raupe ist schwarzbraun, wird aber nach der ersten
Häutung perlgrau, ins Bräunliche
oder Gelbliche neigend. Einige
Rassen sind schwärzlichgrau oder samtschwarz oder am ganzen
Körper dunkel quer gestreift.
Der elfte Körperring besitzt auf der Rückenseite einen Hautzapfen
(Sporn), und vom
Kopf bis zu diesem
Zapfen
[* 18] verläuft ein
bläulichgraues
Band,
[* 19] dem
Rückengefäß oder
Herzen entsprechend. Auf der Rückenseite des dritten und achtenRinges
finden sich zwei halbmondförmige
Flecke, welche aber bei einigen
Rassen fehlen. Die
Spinndrüsen der
Raupe (Textfig. 1) bestehen
aus einem vielfach gewundenen
Schlauch, dessen hinterer Teil die Seidenmaterie absondert, welche durch dünne Ausführungsgänge
zu der im
Kopf gelegenen Spinnwarze und von da aus dem
Körper geleitet wird.
Die
Raupe häutet sich viermal, und 30-35
Tage nach dem Ausschlüpfen ist sie spinnreif (s. Tafel). Indem
sie die an der
Luft sofort zu einem
Faden
[* 20] erhärtende Spinnmaterie austreten läßt und dabei mit dem
KopfeBewegungen ähnlich
einem ∞ macht, legt sie um sich herum Fadenwindung an Fadenwindung, und in kurzer Zeit ist sie von
einem dichten Seidengespinst
(Kokon), bestehend aus einem einzigen langen
Faden, eingeschlossen. Der
Kokon (s. Tafel) ist länglich-oval,
bei den einheimischen
Rassen strohgelb, bei den japanischen
Rassen grünlich, bei den Weißspinnern weiß.
Durch
Kreuzungen erhält man goldgelbe und andre
Nüancen.
AchtTage nach dem Einspinnen verpuppt sich dieRaupe
[* 1]
(Fig. 2 u. 3), und nach weitern acht
Tagen schlüpft der
Schmetterling aus, indem
er denKokon durchbohrt. Sehr bald darauf beginnt
die Paarung, welche 6-8
Stunden dauert, und nach derselben legt das Weibchen in wenigen
Tagenca. 400
Eier, worauf die
Schmetterlinge
[* 21] sterben. Die gelben
Eier werden bald dunkler und schließlich grau, unbefruchtete
Eier bleiben gelb und
trocknen aus. Bei den sogen. Zweispinnern kriechen die Räupchen noch in demselben
Sommer aus u. machen eine zweite
Generation
durch. Man kann solches außerzeitige Ausschlüpfen künstlich
Bei der Seidenraupenzucht werden im Frühjahr wenige Tage vor dem Grünwerden der Maulbeerbäume die Eier (Grains, Samen)
[* 24] zur
Ausbrütung ausgelegt. KleinereQuantitäten trägt man wohl zu dem Zweck am Leib oder legt sie unter die
Bettmatratze; größere werden in Zimmern ausgebreitet, in welchen man die Temperatur von 0°, täglich um ½-1°, auf 18-20°
R. steigert. Man benutzt auch Brutöfen, wie den von Haberlandt-Bolle, welcher aus einem an der einen Seite offenen Kasten
aus Zinkblech, der von einem hölzernen Kasten umgeben ist, besteht.
Der Zwischenraum zwischen beiden Kasten dient zur Zirkulation eines warmen Luftstroms, der aus einer Petroleumlampe aufsteigt
und durch ein Rohr entweicht. Durch ein Glasthürchen schiebt man die Rahmen mit den Eiern, Thermometer
[* 25] und Wassergefäß ein;
die Lufterneuerung im Brütraum geschieht durch besondere Röhren.
[* 26] In 10-15 Tagen schlüpfen die Raupen
aus und werden mittels junger Maulbeerblätter abgehoben und im Aufzuchtslokal auf Hürden gelegt. Dies Lokal und alle Geräte
müssen vorher gut gereinigt und womöglich mit Chlor geräuchert werden.
Zur Aufzucht der Raupen aus 25 g Samen (35-40,000 Eier) bedarf man 70 cbmRaum. In demselben werden eine Temperatur
von 17° und beständiger Luftwechsel unterhalten. Jede zweite oder dritte Stunde, mit Ausnahme der Häutungsperioden, wird
gefüttert. Das Laub nimmt man vom weißen Maulbeerbaum; es muß frisch und nicht von Regen oder Tau naß sein. Zweckmäßig
reicht man bis zur vierten Häutung mit der Laubschneidemaschine zerschnittenes Laub. Man verbraucht auf 25 g
Samen bis zum Einspinnen 780 kg und erhält von 1000 kg Laub 60 kg Kokons.
Sehr bald kriechen dann die Raupen hervor und können leicht auf neue Hürdenübertragen werden. Das alte Lager wird aufgerollt
und hinausgeschafft. Nach 30-35 Tagen hören die Raupen auf, zu fressen, und man stellt nun die Spinnhütten
auf, welche aus losen, zwischen zwei Hürden aufgerichteten Bündeln von trocknem Stroh oder Reisig bestehen. AchtTage, nachdem
die letzte Raupe in die Spinnhütte übertragen wurde, kann man letztere zerlegen und die Kokons sammeln. Bevor man diese zu
Markte bringt oder in eignen Öfen
[* 28] mit Dampf
[* 29] oder heißer Luft tötet, muß man sorgfältig die schwachen
oder fleckigen und die sogen. Doppelkokons auslesen.
kreidig und bedeckt sich mit den Sporen, die durch das Futter in andre Raupen gelangen, so daß sich die Krankheit sehr schnell
verbreitet. Geräte und Räume, die mit dem Pilz verunreinigt worden sind, dürfen im nächsten Jahr nicht wieder benutzt werden,
damit die Sporen ihre Keimkraft verlieren. Die Fett- oder Gelbsucht verursacht selten größern Schaden u.
tritt meist zur Zeit der Spinnreife auf. Die kranke Raupe nimmt an Körperumfang zu, die Haut wird opak, färbt sich und zerreißt
leicht, wobei trübes gelbliches oder milchiges Blut ausfließt. Die charakteristische Trübung rührt von im Blut verteilten
kleinen polyedrischen Körnchen
[* 32]
(Fig. 11) her, welche sich auch in den Geweben vorfinden, über deren
Natur aber nichts Näheres bekannt ist.
Die tote Raupe wird schwarz und breiig. Die Ursache der Krankheit ist unbekannt; in gut ausgeführten Aufzuchten tritt sie sehr
schwach auf. Bei der sehr langsam verlaufenden Schwindsucht verschmähen die Raupen das Futter und unterliegen
einer Art Auszehrung. Sie werden durchscheinend bräunlich, und im Magen
[* 33] findet sich eine helle alkalische Flüssigkeit voll
Mikrokokken. Die tote Raupe trocknet aus. Die Krankheit erscheint meist nach der dritten oder vierten Häutung und kann größere
Zuchten langsam vernichten.
Die Krankheiten der Seidenraupen sind nicht heilbar; man kann nur ihre Wirkung vermindern, ihrem Auftreten
vorbeugen, indem man die Aufzucht rationell betreibt und vor allem guten Samen verwendet. Für die Samengewinnung (Grainierung)
wählt man gesunde Raupen, breitet die daraus erzielten Kokons auf Hürden aus oder spannt sie auf harfenartige Gestelle ein.
Die Eier läßt man auf Leinwand oder Karton ablegen und hebt sie über Winter in luftigen, kühlen Räumen
auf (Industrialgrains).
Sicherer ist die vonPasteur vorgeschlagene Zellengrainierung, bei welcher man jedes einzelne Schmetterlingspaar nach dem
Ausschlüpfen in einem kleinen Tüllsäckchen isoliert. In diesem erfolgen die Begattung und das Ablegen der Eier. Nach dem
Absterben der Schmetterlinge wird jedes Paar mikroskopisch auf Körperchen untersucht, so daß man nun ganz
sicher die gesunden Eier von den infizierten trennen kann. Erstere liefern Aufzuchten, welche der Körperchenkrankheit nicht
unterliegen und gegen andre Krankheiten sich sehr widerstandsfähig erweisen. Die Eier der gesund befundenen Schmetterlinge
(Zellengrains) werden von den Säckchen abgewaschen. Durch diese Methode, welche gegenwärtig allgemein
verbreitet ist, wurde Europa von einem Tribut erlöst, welchen es vorher an Japan für die minder wertvollen Grünspinnerrassen
entrichten mußte.
Außer Bombyx mori liefern noch viele andre SpinnerKokons, deren Faden als Seide benutzbar ist und zum Teil seit langer Zeit
benutzt wird. Man bezeichnet diese Seidenarten als wilde Seide, weil die betreffenden Spinner im Freien
gezüchtet werden, sie sind dauerhafter, stärker im Faden und erleiden beim Färben keinen Verlust, weil sie keinen Seidenleim
enthalten. Mit einigen dieser S. sind in Europa gelungene Zuchtversuche angestellt worden. Zu den wichtigsten gehören der
Tusserspinner Indiens (Antheraea mylitta, A. paphia), der Eichenspinner Nordchinas (A. Pernyi, s.
Tafel,
[* 32]
Fig. 3), dessen Seide fälschlich Tussah genannt wird, der Eichenspinner Japans (A. Yamamai), der Ailanthusspinner Chinas
und Japans (Attacus [Saturnia] Cynthia, s.
Tafel,
[* 32]
Fig. 4), der südamerikanische S. (Attacus
Cecropia, s. Tafel,
[* 32]
Fig. 2) u. a.
Dies gilt jedoch nur für Kernseifen, welche bei der Bereitung durch Kochsalz von der überschüssigen Lauge, dem Wasser und
dem darin gelösten Glycerin geschieden werden. Bei den Leimseifen, welche überschüssige Lauge und Glycerin eingeschlossen
enthalten und durch einfaches Erstarren des Seifenleims entstehen, sowie bei den Schmierseifen, welche dickliche Lösungen
von S. in Lauge darstellen, liegen die Verhältnisse wesentlich anders. Bei der Fabrikation billiger Seifen wird auch Wasserglas
in großer Menge angewandt, und in Nordamerika
[* 45] benutzt man zur Verseifung aus Kryolith erhaltenes Natronaluminat.
Die Verseifung der Fette erfolgt nicht augenblicklich beim Zusammentreffen mit Ätzkali; vielmehr bildet sich zuerst eine emulsionsähnliche
Mischung des Fettes mit der Lauge, es entstehen saure fettsaure Salze, welche die übrige Fettsubstanz suspendiert enthalten,
diese wird dann allmählich auch verseift, und die sauren Salze werden in neutrale, in S., übergeführt.
Die Verseifung führt man in großen, stumpf kegelförmigen, schmiedeeisernen Kesseln aus, welche
durch direktes Feuer geheizt
und mit einem Aufsatz (Sturz) aus Holz
[* 46] oder Mauerwerk versehen werden, um das Übersteigen der schäumenden Masse zu verhindern.
Die Anwendung von Dampf ist nur vorteilhaft, wenn man denselben auf 150-160° überhitzt und direkt in
die zu verseifende Masse leitet. Neuerdings leitet man wohl die Verseifung mit Hilfe des Dampfes ein und kocht die S. auf direktem
Feuer fertig. Zur Darstellung von Talgkernseife kocht man das Fett unter allmählichem Zusatz von starker
Lauge, bis eine Probe des entstandenen Seifenleims auf Glas
[* 47] vollkommen klar erscheint. Dann fügt man 10-12 Proz. Kochsalz zu
und erreicht dadurch bei der Unlöslichkeit der S. in Kochsalzlösung eine vollständige Gerinnung des Seifenleims zu weißlichen
Flocken, zwischen welchen klare Salzlösung steht.
Durch das Klarsieden in dem bedeckten Kessel, bis der Schaum verschwunden ist und nur noch große durchsichtige
Blasen aufsteigen, kernt die S., zieht sich mehr und mehr zu rundlichen Körnern zusammen und erreicht endlich die erforderliche
Beschaffenheit, um in Formen geschöpft werden zu können, in welchen sie erstarrt. Häufig wird die Kernseife geschliffen
und zwar von oben, indem man nach dem Klarsieden ganz schwache Lauge oder Wasser hinzufügt, oder bei sehr
unreinen Materialien von unten, indem man die Unterlauge abzieht und Lauge mit etwas Salz zusetzt.
Bei starkem Kochen wird die S. dann wasserhaltiger. Die nicht geschliffene S. erstarrt zu einer gleichmäßigen weißlichen
oder grauweißen Masse, in der etwas wasserhaltigen aber scheidet sich bei langsamem Erkalten die Stearin-
und Palmitinseife kristallinisch von der Oleinseife, welche alle färbenden Verunreinigungen (Eisenseife, Schwefeleisen) einschließt.
So entsteht die Kern- und Flußbildung der marmorierten S., welche noch verstärkt wird, wenn man Eisenvitriol, Bolus oder Frankfurter Schwarz
bei der Verseifung zusetzt.
Läßt man möglichst dünn geschliffene S. längere Zeit ruhig stehen und schöpft sie dann vom Bodensatz
ab, so erhält man reine weiße Kernseife, welche aber mehr Wasser enthält als die marmorierte. Die Marmorierung bietet also
die beste Garantie, daß der Wassergehalt eine gewisse Grenze nicht überschreitet. Wird nicht geschliffene S. nach dem
Klarsieden in Formen geschöpft, so durchzieht man sie mit einem Rührstab der Breite,
[* 48] dann der Länge nach in geraden Linien.
Man setzt die Ölsäure zu der siedenden Lauge, kocht unter weiterm Zusatz von Lauge, bis die S. fertig
ist, salzt dann aus etc. Diese S. ist weicher und leichter löslich als Talgkernseife, wird
aber härter, wenn man mit der Ölsäure etwas Talg verarbeitet. Die sogen. Wachsseife (Bleichseife) wird aus einem Gemisch
von Talg, Kokosöl und Palmöl dargestellt, ist sehr rein und vollkommen neutral, schäumt besser als Talgseife
und eignet sich auch für Färbereien. Sie wird häufig mit Nitrobenzol parfümiert (Mandelseife). Kernseife wird auch mit
Harz dargestellt, indem man entweder fertige Kernseife mit fertiger Harzseife mischt, oder eine Mischung von Fetten mit Harz
verseift, dann
¶
mehr
die S. aussalzt, klar siedet, in Formen füllt und so stark mit heißem Wasser schleift, daß ein flüssiger Leim entsteht.
Die Leimseifen werden stets mit Kokosöl dargestellt, welches sich zwar sehr leicht, aber nur mit starken Laugen verseifen
läßt und eine S. liefert, die unbeschadet ihrer Härte 50-60, selbst 75 Proz. Wasser, auch schwache Lauge
bindet, niemals marmoriert, sondern stets weiß, alabasterartig durchscheinend ist, sehr stark schäumt und sich nur mit
Hilfe von sehr viel Kochsalz aussalzen läßt. Rührt man Kokosöl bei 80° mit starker Lauge zusammen, so wird es sehr schnell
verseift, und die S. kann alsbald in Formen gefüllt werden.
Meist wird reine Kokosseife und besonders Toilettenseife auf kaltem Weg dargestellt, indem man das geschmolzene Fett in die
Form bringt, die Lauge unter beständigem Rühren zusetzt und, wenn die Masse hinreichend verdickt ist, Farbstoffe und Parfüme
beimischt. Gemische von Kokosöl mit andern Fetten werden wie gewöhnlich gekocht, aber auch diese Seifen
binden sehr viel Wasser und Salzlösung, erscheinen dabei vollkommen hart, schrumpfen aber beim Aufbewahren stark ein und
überziehen sich, wenn sie freies Alkali enthalten, mit feinen weißen Kristallen.
Diese Seifen werden vielfach mit Stärke,
[* 50] Leim, Kreide,
[* 51] Thon etc. verfälscht, auch mit Wasserglas gefällt. Sehr verbreitet sind
die nach ihrem Ursprungsort benannten Eschweger Seifen (künstliche Kernseifen), welche gute Marmorierung
zeigen, fest und trocken sind, aber ziemlich viel Wasser enthalten. Zu ihrer Darstellung verseift man Talg oder Palmöl oder
eine Mischung von beiden mit Sodalauge, salzt aus, schöpft den Kern in eine Kühlbütte und mischt ihn mit einer mit
Kali- und Natronlauge bereiteten Kokosseife und kocht unter Zusatz von Lauge und etwas Salzwasser, um größere Ausbeute zu erzielen.
Die S. wird dann in Formen gefüllt und die Flußbildung durch gutes Zudecken befördert. 100 Teile Fett liefern 200 Teile
S. und mehr.
Harzseifen werden aus Kokosöl, Palmöl, Talg und Harz dargestellt, und zwar nimmt man auf 100 Teile Fett 30-100
Teile Harz und mischt entweder die für sich bereiteten Seifen, oder mischt das Harz mit dem Fett und verseift dies Gemisch
direkt. Diese Seifen pflegen stark mit Salzwasser gefüllt zu sein, enthalten freies Alkali, lösen sich leicht in Wasser und
schäumen sehr gut. Man erhält 300 Proz. Ausbeute und mehr. Aus ungebleichtem Palmöl und wenig Harz erhält man gelbe, bei
sehr hohem Harzgehalt braune Seifen.
Auch wird die Schmierseife mit Harzseife vermischt, indem man das Harz für sich verseift, oder indem man es der Schmierseife
zusetzt und dann mit Lauge bis zur Verseifung kocht. Man unterscheidet im Handel Ölseife (Kronseife, braune,
schwarze, grüne S.), eine dicke, durchscheinende, braune bis schwarze, auch grüne, penetrant riechende Masse mit 50 Proz.
Wassergehalt,
welche aus Hanföl, Leinöl, Rüböl, Thran, Ölsäure dargestellt und mit Indigo
[* 52] grün, mit Galläpfelabkochung
und Eisenvitriol schwarz gefärbt wird, und glatte Elain- oder Silberseife, welche gewöhnlich aus Palmöl
und Ölsäure oder aus Ölen unter Zusatz von Sodalauge dargestellt wird und gelblichweiß mit silberartigem Schein ist. An
manchen Orten wird eine klare Schmierseife mit gröbern, körnig kristallinischen Ausscheidungen von stearin- und palmitinsaurem
Kali dargestellt, indem man das Öl mit Palmöl oder Talg versetzt, eine möglichst sodafreie Lauge anwendet
und die S. bei 9-12° langsam erkalten läßt.
Bisweilen wird das Korn durch Beimischung von Stärke-, Thon- und Kalkkörnchen nachgeahmt. Die Toilettenseifen, wie Mandelseife
etc., werden sorgfältig aus sehr reinen Materialien dargestellt, gefärbt und parfümiert;
transparente S. erhält man durch Auflösen trockner Talgseife in Alkohol und Eingießen der klaren, gefärbten
und parfümierten S. in Blechformen, in welchen sie in einigen Wochen erstarrt; Glycerinseife wird in ähnlicher Weise durch
Lösen von Glycerin in S. bereitet.
Die Bimssteinseife wird durch Einrühren von Bimssteinpulver in geschmolzene S. dargestellt und von Handarbeitern benutzt.
Während die mit Alkalien hergestellten Seifen in Wasser löslich sind, bilden die alkalischen Erden, die
Erden und die Metalloxyde mit den Säuren der Fette unlösliche Verbindungen. Von diesen unlöslichen Seifen entsteht Kalkseife
beim Waschen mit hartem Wasser; daher bildet letzteres mit S. keinen Schaum und eignet sich überhaupt nicht zum Waschen.
Verdünnt man aber die wässerige Lösung sehr stark, so zersetzt sich die S. unter Abscheidung von unlöslichem sauren, stearin-
und palmitinsauren Alkali, während basisches Salz gelöst bleibt. Dies wirkt lösend auf den Schmutz,
welcher der Haut oder den Geweben meist durch Vermittelung von Fett anhaftet, das Fett wird von der alkalischen Lösung aufgenommen,
und so wird der Staub etc. beweglich und haftet an den Flocken des unlöslichen sauren Salzes, welche also für die Reinigung
nicht bedeutungslos sind. Bei der Wirkung der S. kommt auch die große Benetzbarkeit aller Körper durch
¶
mehr
Seifenlösung und die alkalische Beschaffenheit der letztern in Betracht.
Die S. war schon den Alten bekannt; Plinius erwähnt sie als äußerliches Medikament und als Haarverschönerungsmittel; er
rühmt die S. aus Ziegentalg und Holzasche und erzählt, daß die Germanen harte und weiche S. hätten. Auch Galenos spricht
von der deutschen S., welche als Reinigungsmittel benutzt werde; es scheint danach, als ob die S. eine
germanische Erfindung sei, welche die Römer
[* 56] auf ihren Eroberungszügen kennen lernten. Nachdem die Seifensiederei aus einem
Haushaltungsgeschäft in den gewerblichen Betrieb übergegangen war, scheint sie sich jahrhundertelang durch das Mittelalter
hindurch ohne besondere Entwickelung erhalten zu haben. In Frankreich waren um die Mitte des 17. Jahrh.
Marseille,
[* 57] Toulon
[* 58] und Lyon
[* 59] Hauptplätze für die Seifenfabrikation, und Marseille hat sich seitdem zum wichtigsten Fabrikplatz
der Welt erhoben.
Mächtige Förderung erhielt die Seifenindustrie, seitdem Chevreul die Natur der Fette und mithin das Wesen des Verseifungsprozesses
kennen gelehrt, anderseits die Entwickelung der Sodaindustrie einen mächtigen Anstoß gegeben hatte.
Nun entwickelte sich die Seifenindustrie in wahrhaft staunenerregender Weise. Als mächtiger Hebel
[* 60] der Sodafabrikation und auf
das innigste mit fast allen Zweigen chemischer Gewerbthätigkeit verschmolzen, bildet sie eins der wichtigsten Glieder
[* 61] in der
Entwickelungsgeschichte
[* 62] der chemischen Gesamtindustrie.
Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden,
[* 66] Amtshauptmannschaft Freiberg,
[* 67] hat eine evang. Kirche, (1885) 1380 Einw.
und ist Hauptsitz der Holzspielwaren- und Holzwarenfabrikation im Erzgebirge.
Seigerteufe, die senkrechte Tiefe. Im Hüttenwesen nennt
man s. kieselsäurereiche, zähflüssige, langsam erstarrende Schlacken, im Gegensatz zu den dünnflüssigen, basischen, rasch
erstarrenden frischen Schlacken.