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Gute Wintergerstenerträge in den Sortenversuchen
Die Wintergerstensortenversuche 2022 von swiss granum (ÖLN-Anbau) und Agroscope (Extenso-Anbau) weisen gute Resultate auf. Der Ertragsunterschied zwischen den Versuchen im ÖLN- und Extenso-Anbau von etwa 10dt/ha ist ähnlich wie im Jahr 2021, jedoch deutlich tiefer als im Jahr 2020. Dies erklärt sich vermutlich durch die trockenen Witterungseinflüsse im Frühjahr. Die Ergebnisse dienen ausschliesslich zur Beurteilung der Sortenversuche und sind keine Beurteilung der Gerstenernte in der Schweiz.
2022: gute Erträge trotz trockenem Frühling
Der Ertragsdurchschnitt liegt sowohl im ÖLN-Anbau (95.7 dt/ha), als auch im Extenso-Anbau (86.1 dt/ha) etwa 15% höher im Vergleich zu 2021. Die Witterungsbedingungen während der Saison 2021/2022 waren deutlich besser als im Vorjahr mit milden Temperaturen insbesondere im Frühling. Die Frühlingstrockenheit erklärt vermutlich, wieso das Ertragspotential im ÖLN-Anbau trotz höherer Stickstoffversorgung nicht besser ausgenutzt werden konnte. Im Extenso-Anbau waren die Erträge in der Westschweiz deutlich höher im Vergleich zur Deutschschweiz. An zahlreichen Standorten gab es Probleme mit der Standfestigkeit wegen Gewittern. Der Standort im Kanton Jura musste aufgegeben werden wegen Hagel.
Der Krankheitsdruck war stark variierend an den unterschiedlichen Standorten. Stark verbreitet waren aber sowohl Rhynchosporium-Blattflecken als auch Sprenkelnekrosen. Zusätzlich wurden an einigen Westschweizer Standorten Gelbrostinfektionen verzeichnet. Das Gelbverzwergungsvirus war von geringer Bedeutung.
Eine starke Variation zwischen den unterschiedlichen Standorten gab es auch beim Kornproteingehalt und Hektolitergewicht.
Hohes Hektolitergewicht
Die Hektolitergewichte liegen sowohl im ÖLN-Anbau (67.0 kg/hl) als auch im Extenso-Anbau (67.3 kg/hl) deutlich über den Werten im Vorjahr (61.5 kg/hl ÖLN, 60.0 kg/hl Extenso) und auch höher als in 2020 (65.7 kg/hl ÖLN, 64.5 kg/hl Extenso). Die Proteingehalte sind mit 11.7% (ÖLN-Anbau) respektive 10.5% (Extenso-Anbau) eher mittelmässig. 2021 waren die Werte leicht tiefer (11.1% ÖLN, 10.1% Extenso), 2020 jedoch höher (12.4% ÖLN, 10.7% Extenso).
Esprit erneut an der Spitze
Esprit erreicht den höchsten Ertrag mit 102.3 dt/ha im ÖLN-Anbau und 90.5 dt/ha im Extenso-Anbau. Dicht gefolgt an zweiter Stelle im ÖLN-Anbau liegt SY Galileoo mit 101.0 dt/ha. Im Extenso-Anbau ist die Hybridsorte gleichauf mit Esprit. An dritter Stelle im ÖLN-Anbau liegt KWS Higgins mit 99.3 dt/ha.
Im Extenso-Anbau folgt an dritter Stelle Adalina mit 86.5 dt/ha. Darauf folgen KWS Orbit und KWS Higgins mit 86.1 dt/ha.
Bei den zweizeiligen Sorten ist im ÖLN-Anbau nach wie vor SU Celly an der Spitze (91.2 dt/ha) gefolgt von SU Laubella (89.5 dt/ha) und KWS Tardis (88.6 dt/ha). Im Extenso-Anbau steht KWS Tardis an der ersten Stelle, gefolgt von SU Celly (82.7 dt/ha) und SU Laubella (82.2 dt/ha).
Das höchste Hektolitergewicht erzielt Adalina mit 69.0 kg/hl im Extenso-Anbau respektive 68.3 kg/hl im ÖLN-Anbau. Das höchste Hektolitergewicht bei den zweizeiligen Sorten erreicht SU Celly mit 67.2 kg/hl im Extenso-Anbau und 67.0 kg/hl im ÖLN-Anbau und somit beinahe gleichauf mit SY Galileoo (sechszeilig).
SU Celly und Adalina haben die höchsten Proteingehalte sowohl im ÖLN-Anbau (12.5% respektive 12.2%) sowie auch im Extenso-Anbau (beide 11.0%). Darauf folgen KWS Tardis (11.9%) und SY Galileoo (11.7%) im ÖLN-Anbau.
Die Ergebnisse dienen ausschliesslich zur Beurteilung der Sortenversuche und sind keine Beurteilung der Gerstenernte in der Schweiz.
|Beschreibung der Wintergerstenversuchen 2022 von swiss granum |
In Zusammenarbeit mit Agroscope, der Groupe Cultures Romandie, dem Forum Ackerbau und DSP (Delley Samen und Pflanzen AG) testet swiss granum 20 Wintergerstensorten im ÖLN-Verfahren (ökologischer Leistungsnachweis), die ebenfalls im Extenso-Versuchsnetz von Agroscope getestet werden. Das Versuchsnetz umfasst 8 Standorte in der ganzen Schweiz, wo die Versuche auf kleinen Parzellen mit 3 Wiederholungen durchgeführt werden. Dieses Versuchsnetz ermöglicht es, eine statistische Auswertung der Ergebnisse vorzunehmen. Dadurch können die Kenntnisse über das agronomische Verhalten jeder Sorte im ÖLN- und Extenso-Verfahren vertieft werden. Zusätzlich zu den offiziellen Versuchen im Extenso-Verfahren von Agroscope stellen diese Versuche eine wertvolle Grundlage dar, um die Sorten für die Liste der empfohlenen Sorten (LES) auszuwählen.
Um in die LES von swiss granum aufgenommen zu werden, muss eine Wintergerstensorte die zweijährigen Versuche im Extenso-Versuchsnetz von Agroscope und parallel die zweijährigen Versuche im ÖLN-Versuchsnetz von swiss granum erfolgreich bestanden haben. Diese Versuche erfolgen in Zusammenarbeit mit der Groupe Cultures Romandie und dem Forum Ackerbau. Das Saatgut wird von DSP vorbereitet und geliefert. Die Erntebehandlung und die ersten Qualitätsmassnahmen werden von Agroscope Reckenholz vorgenommen. Agroscope Changins koordiniert das Netz und wertet die Ergebnisse aus.
Die durchschnittliche Saatdichte liegt bei 180 Körner/m2 für Hybridsorten, 280 Körner/m2 für die sechszeiligen Sorten und 300 Körner/m2 für die zweizeiligen Sorten. Die Stickstoffdüngung wird aufgrund der Grundlagen für die Düngung im Acker- und Futterbau (GRUD) für jeden Standort spezifisch errechnet. Im Extenso-Anbau wird die Stickstoffzufuhr um rund 30 Einheiten vermindert. Im ÖLN-Netz erfolgen zudem eine bis zwei Fungizidapplikationen sowie ein bis zwei Wachstumsreglerapplikationen.