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Herr Egli, bisher haben Sie sich zum BVB-Skandal nicht öffentlich geäussert. Nun ist fast ein Jahr verstrichen. Warum sprechen Sie jetzt darüber?
Dominik Egli: Ich habe mich an die definierten Abläufe gehalten. Zuerst sollten Probleme im Verwaltungsrat besprochen werden. Die nächste Instanz ist der Auftraggeber, in meinem Fall die Regierung. Dann kommen die Finanzkontrolle und die Geschäftsprüfungskommission (GPK). Ich habe auf diese Instanzen gesetzt.
Mit der GPK hat sich diese Woche die letzte Instanz geäussert.
Ja, und es sind fast alle personellen Konsequenzen gezogen. Was bleibt, ist die Frage, wie viel Verantwortung Regierungsrat Hans-Peter Wessels trägt und welche Schlüsse daraus gezogen werden müssen. Es gibt nur eine Instanz, die das nun beurteilen kann: Das sind die Wählerinnen und Wähler. Und diese sind aus meiner Sicht nicht vollständig informiert.
Welche Konsequenzen fordern Sie?
Aufgrund dessen, was ich bei den BVB erlebt habe, würde ich Hans-Peter Wessels als Regierungsrat nicht mehr wählen.
Muss er zurücktreten?
Aus meiner Sicht ja. Er hat keinen guten Job gemacht, und er sollte jetzt dafür die Verantwortung übernehmen. Insbesondere war sein Umgang mit der Krise völlig ungenügend.
Wann hatten Sie erstmals den Eindruck, dass es bei den BVB völlig schiefläuft?
Wir, das heisst die Verwaltungsräte ohne den Verwaltungsratspräsidenten, hatten am 31. Juli 2013 die Vorwürfe, die von einem Whistleblower oder einer Whistleblowerin an uns herangetragen worden waren, in der Form von Fragen an BVB-Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath geschickt, mit Kopie an Herrn Wessels. Am gleichen Abend rief ich den Regierungsrat an, da ich von meinen Verwaltungsratskollegen als Sprecher bestimmt worden bin. Ich empfahl Wessels, schnell zu reagieren. Herr Wessels hat sich die Vorwürfe angehört und sie als harmlos abgetan.
Welches war der gravierendste Vorwurf zu dieser Zeit?
Es war die Gesamtheit der Vorwürfe. Sie wiesen auf eine Kultur der Selbstbedienung hin, die sich breitgemacht hatte.
Bestand das Problem nicht darin, dass viele Vorwürfe Soft Skills statt Hard Facts betrafen?
Nein, es handelte sich vollumfänglich um überprüfbare Verfehlungen. Das mit den Soft Skills kam erst nachher, etwa mit den Sex-Bildli des BVB-Direktors Jürg Baumgartner oder seiner Goldhelmtruppe.
Waren die Vorwürfe, mit denen Sie Wessels konfrontierten, für ihn neu oder hatte er bereits Kenntnis davon?
Bei manchen Vorwürfen sagte er, er habe davon gewusst.
Was unternahmen Sie, nachdem Wessels die Vorwürfe nicht ernst genommen hatte?
Aufgrund der aufgekommen Fragen luden wir Herrn Gudenrath zu einem informellen Gespräch ein, damit er uns seine Sicht darlegen könne. Herr Gudenrath machte daraus eine offizielle Verwaltungsratssitzung und lud sowohl Herrn Wessels als auch die Geschäftsleitung dazu ein. An dieser Sitzung entstand schon allein aufgrund der Sitzordnung eine Spaltung.
Wie sah die Sitzordnung aus?
Auf der einen Seite sassen wir, die opponierenden Verwaltungsräte. Auf der anderen Seite sassen jene, die glaubten, wirklich zu arbeiten und sich von uns mit unnötigen Details belästigt sahen. In dieser Reihe sassen Wessels, seine Generalsekretärin Caroline Barthe, Gudenrath, Baumgartner und BVB-Finanzchef Franz Brunner. Das war nicht unsere gewohnte Sitzordnung. Gudenrath hat dies so orchestriert. Damit kam zum Ausdruck, dass ein grosser Bruch durch die Firma ging. Der Eigner, der Verwaltungsratspräsident und die Geschäftsleitung auf der einen Seite und renitente Verwaltungsräte auf der anderen, die man kaltstellen muss.
Wessels argumentiert, er habe gar nicht anders handeln können, weil ihm nur drei Verwaltungsräte unterstellt waren. Sie, Herr Egli, waren von der Regierung gewählt, andere Verwaltungsräte vom Parlament. Spielte dieser Unterschied je eine Rolle?
Aus grundsätzlichen Überlegungen halte ich es für falsch, dass im Verwaltungsrat Regierungs- und Parlamentsvertreter sitzen. Zu meiner Überraschung hat das bei den BVB aber sehr gut funktioniert. Man muss sagen: Dies war ein Verdienst von Martin Gudenrath. Sobald jemand Partikularinteressen einbrachte, intervenierte er.
Haben Sie die Regierung regelmässig über Ihre Arbeit informiert?
In meinem Mandatsvertrag steht, dass ich zweimal pro Jahr für eine Aussprache mit der Regierung zur Verfügung stehe. Diese Aussprachen haben jedoch nicht stattgefunden.
Wer hätte diese organisieren müssen?
Aus meiner Sicht der Auftraggeber. Das war die Gesamtregierung. Wessels konnte zudem die Rolle des Kantons als Eigner und Besteller der BVB nicht auseinanderhalten. Dies führte häufig zu Problemen.
War die unklare Konstellation die Ursache für die Probleme oder sind diese Rahmenbedingungen nicht einfach eine bequeme Entschuldigung?
Die Hauptfehler sind bei uns im Verwaltungsrat passiert. Den Schulterschluss zwischen dem Regierungsrat, dem Verwaltungsratspräsidenten und der Direktion hatte es schon lange zuvor gegeben. Das haben wir nicht gemerkt.
Für welche Fehler übernehmen Sie die Verantwortung?
Als Leiter des Ausschusses Finance and Compliance bin ich zu wenig klar aufgetreten. Ich hätte von der Direktion bestimmter verlangen müssen, dass sie die Regeln einhält. Wir haben die Einführung der neuen Compliance-Regeln immer weiter hinausgeschoben. Ob wir in Treu und Glauben handelten oder einfach naiv und übergutgläubig waren, ist im Nachhinein schwierig zu beurteilen.
Warum sehen Sie nun Wessels in der Verantwortung, wenn auch Sie die Probleme zu spät realisierten?
Ich unterscheide zwei Phasen: vor der Krise und während der Krise. Für die Zeit vor der Krise muss der Verwaltungsrat die Verantwortung übernehmen. Für die Zeit nach Ausbruch der Krise ist Wessels mitverantwortlich, der ein schlechtes Krisenmanagement machte.
Herr Wessels sagt, er habe sich sehr für eine schonungslose Aufklärung eingesetzt und den Bericht der Finanzkommission vorangetrieben. Entspricht das Ihrer Wahrnehmung?
Nein. Das war eine sehr zähe Sache. Das lag nicht an der Finanzkontrolle. Erstaunlich ist doch, dass es einen Monat dauerte, bis Wessels unsere Fragen an die Finanzkontrolle weiterleitete. Dann organisierte der Verwaltungsratspräsident eine Medienorientierung, an der er ein Schuldbekenntnis abgab. Diese Medienorientierung war nicht mit dem Verwaltungsrat abgesprochen, obwohl dies so vorgeschrieben wäre. Ich habe Wessels in einem Mail geschildert, wie ich die Situation einschätze: Das Krisenmanagement des Verwaltungsratspräsidenten sei untauglich, er vertiefe mit seinem Verhalten den Graben, was dazu führe, dass wir Verwaltungsräte kaum mehr Einfluss nehmen konnten; die Firma war unführbar geworden. Ich habe Wessels aufgefordert, Martin Gudenrath sofort das Mandat zu entziehen. Hätte Wessels damals gehandelt, wäre er tatsächlich der starke Mann gewesen. Dass er es nicht tat, zeugt von einem schlechten Verhalten in der Krise.
Wessels trennte sich darauf von Ihnen als Verwaltungsrat. Wie haben Sie davon erfahren?
Aus den Medien.
Die BVB haben nun eine neue Führung. Paul Blumenthal wurde zum Verwaltungsratspräsidenten befördert. Sind Sie zuversichtlich, dass er die Probleme lösen wird?
Ich habe Paul Blumenthal als starken Verwaltungsrat erlebt und bin überzeugt, dass er alles unternehmen wird, damit die gleichen Fehler nicht mehr passieren.
Die GPK hat ebenfalls versucht, die Vorkommnisse umfassend aufzuarbeiten. Wie beurteilen Sie den Bericht?
Die GPK legte das Gewicht vor allem auf die Zeit vor der Krise. Der Zeit nach dem Ausbruch der Krise mass sie weniger Gewicht bei. Ich würde das anders machen. Beides ist gleich wichtig. Nicht erwähnt wird im Bericht, dass Wessels noch lange hoffte, dass die ganze Affäre unter dem Teppich bleibt. Dass er sich nun als den starken Mann darstellen will, wirkt aus meiner Sicht peinlich.
Seit wann ist das Verhältnis zwischen Ihnen und Wessels getrübt? Von 2003 bis 2009 arbeiteten Sie als Generalsekretär des Baudepartements unter Wessels Vorgängerin Barbara Schneider. Kurz nach Wessels Antritt verliessen Sie den Posten.
Ich bin nicht wegen ihm gegangen. Ich hatte die Position während knapp sieben Jahren inne und war in einem Alter, in dem ich mir überlegte, ob ich dies noch weitere fünfzehn Jahre machen wolle, und ich kam zum Schluss, dass es der richtige Zeitpunkt war, noch einmal etwas anderes zu machen. Hans-Peter Wessels und ich könnten von mir aus auch heute noch zusammen ein Bier trinken gehen und über die Welt und ihre Absurditäten lachen. Wir haben unseren Machtkampf in sehr angenehmer Form und aus meiner Sicht fair ausgetragen. Ich habe nichts gegen ihn als Person. Er hat einfach keinen guten Job gemacht.
Sie verreisen morgen in die Sommerferien. Werden Sie abschalten können oder leiden Sie unter einem BVB-Trauma?
Die Sache ist schon belastend. Ich arbeite als Berater viel für das Bau- und Verkehrsdepartement und den Kanton. Der Schritt, den ich mit diesem Interview mache, ist deshalb für meine finanzielle Zukunft riskant. Aber es gibt Sachen, die man einfach machen muss, um weiterhin aufrecht gehen zu können. Ich hoffe, dass der Kanton anständig damit umgeht. Trotzdem bin ich guter Dinge, die Ferien geniessen zu können.
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