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Schmiel, Carl v. Hallwyl, Heinrich Remigius Sauerländer und Friedrich Heldmann; dazu kamen noch Daniel Dolder und Heinrich Fisch) gegründet worden ist. Nach ihr hat man den Aargau den «Kulturstaat» genannt, ein Name, der zur Ehrung wie zur Verspottung gedient hat und dient. Die Gesellschaft gliederte sich in 5 Klassen: die staatswissenschaftliche, die historische, die naturhistorische, die landwirtschaftliche und die Klasse für Gewerbe und Wohlstand. Diese Klassen leben in den entsprechenden Gesellschaften heute noch fort, teils freilich nach längern Unterbrechungen.
Von der «Kulturgesellschaft» gingen eine Menge von wirtschaftlichen und gemeinnützigen Gründungen und Anregungen aus, so die Hülfsgesellschaft in Aarau, die Ersparniskassen, Arbeitsschulen für Mädchen, Anfänge der Mobiliarversicherung, Gründung der Taubstummenanstalten in Aarau, Zofingen und Baden, Versorgung armer Kinder, Schutzaufsicht über entlassene Sträflinge, Handwerkerschule in Aarau und manches andre, das durch die Ungunst der Zeiten am Gedeihen verhindert war. In allen Bezirken entstanden Zweigvereine dieser Gesellschaft, die heute noch in schönster Wirksamkeit stehen.
19. Uebersicht über die Geschichte. Von der vorrömischen Zeit sind im Aargau auffallend wenig Ueberreste bekannt. Pfahlbauten z. B. kennt man hier nicht. Eine Steinzeit-Ansiedlung ist bei Unter Siggenthal gefunden worden; in der Bronzezeit wird eine Ansiedlung in Windisch schon existiert haben, die sich dann auch in Jüngern Perioden erhielt. Aus der ältern Eisenzeit stammt das Gräberfeld bei Unterlunkhofen mit etwa 40 Grabhügeln, wohl das grösste in der Schweiz.
Anders in der Römerzeit (seit 58 v. Chr.). Da waren am Rhein die festen Stützpunkte Tenedo (Zurzach) und Augusta Raurica und zwischen ihnen eine Reihe von Wachttürmen (speculae) errichtet, und weiter im Lande die Militärkolonie Vindonissa und die Bäderstadt Aquae (Baden). Von Vindonissa führten Strassen der Aare und der Limmat nach aufwärts, der Aare nach abwärts, über den Bötzberg und wohl in alle südl. Seitenthäler der Aare. Als die Römer gegen Ende des ersten Jahrhunderts ihre Grenze vom Rhein an die Donau und darüber hinaus vorschoben, blühte hier römisch-helvetische Kultur; Villen zerstreuten sich über die Niederungen.
Das Christentum fand Eingang, in Vindonissa sass ein Bischof. Doch seit dem 3. Jahrh. drängten die Germanen, die Römer zogen ihre Streitkräfte wieder hinter den Rhein zurück; es erstanden neue Befestigungen: castrum Rauracense, castrum Vindonissense, neue speculae längs des Rheines. Mit dem Beginn des 5. Jahrh. geriet die Schweiz nördl. der Alpen ganz in den Besitz der Germanen, das Gebiet des Aargau in den der Alemannen. Ein Jahrhundert später gehört das Land unter die Herrschaft der Franken und geht dann auf in dem grossen Reich Karls des Grossen.
Die fränkische Gauverfassung schuf in der N.- und O.-Schweiz den Aargau und den Thurgau, die aber beide im 9. Jahrh. geteilt wurden; so entstand in jenem noch der Augstgau, zu dem Sissgau und Frickgau gehörten, in diesem der Zürichgau. Ebenso teilte sich der rechts der Aare gelegene eigentliche Aargau in Ober- und Unteraargau; Grenze waren Murg und Rot. Beim Zerfall der Gauverfassung schwangen sich in den verschiedenen Teilen des Landes einzelne Grafengeschlechter oben auf, wie die von Lenzburg, Kiburg, Thierstein, Homberg, Rheinfelden, Habsburg, die schliesslich durch Heirat, Erbschaft und Kauf das ganze Gebiet an sich brachten. 1415 wurde ihnen der grössere Teil durch die Eidgenossen entrissen, und zwar geriet die Grafschaft Baden und das Freiamt an die VI Orte (Uri kam bald auch dazu), der Teil zwischen Aare, unterer Reuss und Lindenberg bis zur Luzernergrenze an Bern, welches 1712 die katholischen Orte aus der Regierung über das untere Freiamt und die Grafschaft Baden hinausdrängte und sie sich, Zürich und Glarus vorbehielt. Im Laufe des 15. und 16. Jahrh. hat Bern weitere Erwerbungen jenseits der Aare bis auf die Höhen des Jura gemacht.
Die Reformationszeit brachte dem Berner Aargau den neuen Glauben, während die andern Teile beim alten verharrten; die Religionskriege (die beiden Villmergerkriege 1656 und 1712) wurden auf Untertanenboden, in den Freiämtern ausgefochten. Der Bauernkrieg brachte auch unsern Gegenden heftige Erschütterungen, indessen das Frickthal durch den Rappenkrieg 1612-14 aufgeregt und während des 30jährigen Krieges durch Schweden, Franzosen und Kaiserliche aufs schrecklichste heimgesucht wurde.
Die helvetische Revolution 1798 riss die Untertanenländer von den Oberherren los; aus den aargauischen Herrschaften wurden die Kantone Aargau und Baden gemacht, und in Aarau tagte ein halbes Jahr lang die helvetische Regierung. Wie die gesamte Schweiz litten auch diese Gegenden unter dem Kriege der zweiten Koalition, umso mehr, als es ja Limmat und untere Aare waren, welche die Gegner während mehrerer Monate trennten. In den helvetischen Behörden zeichneten sich aus die Aargauer Albrecht Rengger (1764-1835) und Phil. Alb. Stapfer (1766-1840), beide von Brugg. Damals, anfangs 1802, wurde auch die Kantonsschule in Aarau eröffnet. Als sich 1802 der Sturz der Helvetik vorbereitete, nahm das aargauische Landvolk lebhaften Anteil, ja die Erhebung begann eigentlich im Siggenthal. Ihren Siegeslauf unterbrach der Konsul Bonaparte, der im Winter 1802/03 die Konsulta in Paris vereinigte. In dieser Zeit wurde nun auch das Frickthal mit der Schweiz vereinigt.
Am wurde in Paris die Mediationsverfassung proklamiert. Sie schuf auch den neuen Kanton Aargau aus dem alten Berner Unteraargau, dem Freiamt, der Grafschaft Baden und dem Frickthal. Das Wappen weist auf die vier Bestandteile hin: Thal der Aare und drei Sterne.
Die Verfassung von 1803 bestellte einen Grossen Rat aus 150 Mitgliedern, die teils durch Los, teils durch Wahl nach einem dreifachen System, bei dem der Zensus eine Rolle spielte, bezeichnet wurden. Der Grosse Rat wählte aus seiner Mitte einen Kleinen Rat auf sechs Jahre, ebenfalls nach Zensusbestimmungen. Dieser Grosse Rat hat eine ganze Reihe wichtiger Gesetze und Verordnungen geschaffen. Der Mann, der sich bei der Organisation des neuen Staatswesens unstreitbar grosse Verdienste erworben hat, war der Präsident des Grossen und des Kleinen Rates, Joh. Rud. Dolder (1753-1807), ursprünglich von Meilen, dann im Kanton Aargau eingebürgert. Damals trat auch Heinrich Zschokke (1771-1848) als Forst- und Bergrat in den Dienst der Oeffentlichkeit, der den Schweizerboten herausgab und 1811 die «Gesellschaft für vaterländische Kultur im Kanton Aargau" gründete. Nachdem durch die Schlacht bei Leipzig Napoleons Machtstellung erschüttert war, sagte sich die Tagsatzung in Zürich von der Mediationsverfassung los und wollte sich ¶