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Bei uns im Weinland brüten drei Schwalbenarten. Die bekannteste ist die Rauchschwalbe, die in Ställen von Bauernhöfen ihre Nester baut. An zweiter Stelle folgt die rein schwarz-weisse Mehlschwalbe, die im Siedlungsgebiet brütet. Weniger bekannt ist die bräunlich gefärbte Uferschwalbe, die heute vor allem in Kiesgruben vorkommt. Als reine Insektenfresser, die im Flug kleine Mücken und Fliegen erhaschen, sind alle unsere Schwalbenarten Zugvögel, die den Winter in Afrika verbringen und im April zu uns zurückkehren. Sie gelten als sichere Frühlingsboten, auch wenn ein Sprichwort besagt, dass eine Schwalbe noch keinen Frühling macht. Dies gilt vor allem für Rauchschwalben, die bereits ab Ende März in die Schweiz zurückkehren. Die Mehlschwalben folgen etwas später im April.
Die Mehlschwalben sind aber zunehmend in der Not: Die Koloniebrüter finden bei uns immer weniger geeignete Nistplätze und auch ihr Nistmaterial wird zunehmend knapper. Die Vögel kleben im Winkel zwischen Fassade und Unterdach kleine Lehmklümpchen kunstvoll zu einem geschlossenen Nest zusammen. Moderne Gebäude weisen allerdings kaum mehr geeignete Vordächer auf. Zudem sind immer weniger Menschen bereit, den Schmutz der Vögel zu tolerieren, obwohl Kotbretter dieses Problem lösen würden. Mit zunehmender Versiegelung der Siedlungsflächen geht auch das Angebot an Pfützen und offenen Bodenstellen verloren, wo die Vögel ihr Baumaterial für die Nester finden. Mitunter aus diesen Gründen haben die Bestände der Mehlschwalbe in den letzten Jahrzehnten derart abgenommen, dass die Art als potenziell gefährdet auf die Rote Liste gesetzt werden musste.
Beim Sekundarschulhaus Andelfingen gab es vor einigen Jahren an der Westfassade des nördlichen Trakts Brutversuche. Rund ein Dutzend Mehlschwalben-Paare bauten natürliche Nester aus Lehm, worauf die Bruten jedoch aus unbekannten Gründen scheiterten. Bei einer Sanierung des Gebäudes wurden die Nester später entfernt. Ein Anbringen von künstlichen Nisthilfen am selben Gebäude kommt nicht in Frage, da kein Raum für Kotbretter unter den Nestern vorhanden wäre.
Das Sekundarschulhaus soll für Mehlschwalben nun aber wieder in den Fokus rücken: Anlässlich der Ausschüttung der ZKB-Dividende wurde vom Andelfinger Naturschutzverein ein Projekt von 10‘000 Franken für ein Schwalben-Hotel eingereicht. Dieses wurde vom Gemeinderat genehmigt. Im Rasen nahe dem nördlichen Haupteingang soll nun auf einem 7 Meter hohen Mast ein Haus mit 30 künstlichen Mehlschwalben-Nisthilfen errichtet werden. Für die Schülerinnen und Schüler sowie Passanten wird dadurch die Möglichkeit geboten, diese attraktive Art aus der Nähe und im Alltag zu beobachten; eine Tafel soll über die Vögel informieren.
Zurzeit wird das neue Schwalben-Hotel von der Firma Schaub gefertigt. Ziel ist es, dass das Hotel noch in diesem Frühjahr beim Schulhaus errichtet werden kann. Manchmal braucht es allerdings Jahre, bis die Schwalben einen neuen Brutstandort besiedeln - Geduld ist also gefragt.
Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, der kleinen Einweihungsfeier vom 25. September 2021 beizuwohnen und das neue Bauwerk für die Schwalben zu bestaunen.
Text: Matthias Griesser und Livia May
Bild: Mehlschwalbe am Nest © BirdLife Zürich