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Globale Bildungspolitik in nationalen Schulreformen aufdecken: Resultate zweier sozialer Netzwerkanalysen
Der Vortrag thematisiert die politische Verwendung internationaler Best-Practices-Studien, die in andern Ländern publiziert wurden, sowie generell internationale Bezüge nationaler Schulreformen. Der Fokus liegt auf Publikationen und Berichten aus dem Ausland, die Regierungen verwenden, um politische Entscheide zu begründen. Drei für die Forschung zu policy borrowing prototypische Fragen haben die im Referat präsentierten Vergleiche geleitet: a) Wessen Wissen (national, regional oder international) wird verwendet, um Reformen zu legitimieren? Was gilt als „Beweis“ dafür, dass Veränderung notwendig ist? b) Impliziert der Referenzieren internationaler Publikationen spezifische politische Massnahmen – das heisst, können wir von bestimmten „globalen Erziehungspolitiken“ sprechen? c) Welche Art von Autorität wird mit solchen Referenzen geschaffen? Sollen sie den Reformbedarf nachweisen (Agenda Setting) oder stellen sie die für die Reformen notwendigen Lösungen zur Verfügung (Politikformulierung)?
Empirisch stützt sich der Vortrag auf textbasierte soziale Netzwerkanalysen zu zwei Schulreformen – der grundlegenden Schulreform in Dänemark von 2014 und der inkrementellen Schulreform in Norwegen von 2020. Wir haben analysiert, wie Entscheidungsträger und Politikexperten Evidenzen verwenden, um Reformen zu legitimieren, und was sie aus dem Wissen über politische Massnahmen, das in ihrem eigenen Land oder in andern Ländern zur Verfügung gestellt wurde, „lernen“. Für die Fallstudie zu Dänemark wurden die Dokumente untersucht, die im Rahmen von „Hearings“ mit Stakeholdern entstanden sind sowie die bibliographischen Angaben, die in diesen Dokumenten vorkommen. Die Fallstudie zu Norwegen fokussierte das Wissen zu politischen Massnahmen des Royal Ministry of Education and Research sowie der von diesem Ministerium eingesetzten Expertenpanels. In Norwegen wurde die soziale Netzwerkanalyse auf die zwei White Papers des Ministeriums und die zwölf Green Papers der vom Ministerium eingesetzten Expertenpanels sowie auf die in den White und Green Papers zitierten Texte angewendet. In der dänischen Studie wurde ein Korpus an 723 Referenzen analysiert, für die norwegische waren es 3‘438. Die vergleichenden Politikstudien wurden in Zusammenarbeit mit Forschenden und Studierenden der Aarhus Universität in Kopenhagen und der Universität Oslo durchgeführt.