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Nachdem wir uns im letzten Post das nötige Vokabular angeeignet haben schauen wir uns heute an, wie du im Regelwerk das findest, was du brauchst. Das sind die verschiedenen Kapitel, die für jedes einzelne Level im Rulebook festgelegt sind:
- General Tumbling
- Standing Tumbling
- Running Tumbling
- Stunts
- Spotters
- Stunt levels
- Twisting Stunts and Transitions
- Release Moves
- Inversions
- Pyramids
- Pyramid Release moves
- Pyramid Inversions
- Pyramid Release moves with braced inversions
- Dismounts
- Tosses
Um herauszufinden, welche Regel aus welchem dieser Kapitel auf deinen Stunt zutrifft, stell dir die folgenden Fragen. Wenn die Antwort ja ist, schau die entsprechende Regel an, dann geh zur nächsten Frage.
- Berühren sich 2 oder mehr Flyer? (Ja -> «Pyramids»)
- Ist es ein Basket Toss? (Ja -> «Tosses»)
- Lassen alle den Flyer für einen Moment komplett los, und landet der Flyer danach in einem Cradle (auf dem Rücken) oder direkt auf dem Boden? (Ja -> «Dismount»)
- Lassen alle den Flyer für einen Moment komplett los, aber der Flyer landet danach nicht in einem Cradle oder direkt auf dem Boden? (Ja -> «Release moves»)
- Dreht sich die Hüfte des Flyers nach links oder rechts (egal, ob der Flyer selber dreht oder die Bases laufen)? (Ja -> «Twisting Stunts and Transitions»)
- Ist der Flyer irgendwann mal kopfüber? (Ja -> «Inversions>)
- Bewegt sich der Flyer in Richtung Boden, während er kopfüber ist? Auch wenn es nur ein paar Centimeter sind. (Ja -> Regeln unter «Downward Inversions» innerhalb von «Inversions»)
Wenn du an einer Pyramide arbeitest kannst du dir eigentlich genau die gleichen Fragen stellen und dir zuerst die speziellen Pyramiden-Regeln durchlesen. Wenn da nichts drinsteht über das, was du gerne machen würdest, dann musst du auch noch die regulären Stunt-Regeln zu dem Thema lesen.
Was, wenn ich mehrere Fragen mit «Ja» beantworte?
Wenn es ein Basket Toss oder ein Dismount ist, dann kannst du alle anderen Regeln ignorieren (ausser Spotter natürlich). Bei einem double-down aus dem Elevator zum Beispiel musst du nicht noch zusätzlich die «Twisting Stunts and Transitions» Regeln anschauen, solange du in einem normalen Cradle landest.
Wenn du aber beispielsweise einen Handstand auf den Schultern der Bases machst und den Stunt dann in einen Elevator wirfst, musst du mehrere Kapitel anschauen: Inversions (weil der Flyer kopfüber ist), der Teil zu Downward Inversions (weil du wahrscheinlich einen Dip nach unten machst, bevor der Push kommt), und Release Moves (weil alle den Flyer kurz loslassen, bevor sie den Elevator fangen).
Lies all diese Regeln durch. Wenn sie sich widersprechen, dann gilt die präzisere Regel. Wenn zum Beispiel beim oben genannten Stunt in den Release Move Regeln steht, dass du eine ganze Drehung generell machen darfst, aber in den Inversion Regeln steht, dass Stunts mit einer Inversion überhaupt nicht drehen dürfen, dann wäre eine Drehung während dem Push vom Handstand in den Elevator verboten.
Beispiel 1: Half-up Tic-Tock vom Boden in die Extended Liberty in Level 3
Anschauen müssen wir die Kapitel «Twisting Stunts and Transitions» und «Release Moves». Die Regel auf Seite 35 (Median Stunts C.3) sagt:
«Drehende Transitions in eine Extended Position oder von einer Extended Position aus dürfen ½ Drehung nicht überschreiten.»
Soweit so gut. Aber wir lassen den Flyer ja auch noch los, und die «Release Moves» Regeln auf Seite 36 (Mediam Stunts I.3) sagen:
«Release moves müssen auf Waist Level oder tiefer starten und müssten auf Prep Level oder tiefer gefangen werden.»
Oh nein – wir dürfen überhaupt keine Tic-Tocks in die Extended Liberty machen! Okay, aber was wenn wir den Stunt einfach zu Low-Liberty machen? Regel auf Seite 36 (Median Stunts I.5):
«Release moves dürfen nur einen einzigen Skill/Trick und 0 Drehungen beinhalten.»
Leider wäre also auch das nicht erlaubt. Wie können wir diesen Stunt legal machen? Mit einem einfachen Trick: Der Back könnte das Fussgelenk von Anfang bis Ende festhalten! Dann würden nämlich die Release Move Regeln dafür gar nicht mehr zum Einsatz kommen, weil ja nicht alle loslassen, und wir müssten uns nur noch an die Twisting Stunts and Transitions Regeln halten, und laut denen dürfen wir ½ Drehung machen. Oder, wenn wir wollen dass unser Team an frei fliegenden Tic-Tocks arbeitet, könnten wir einfach einen nicht-drehenden Tic-Tock in den Low-Liberty machen.
Beispiel 2: Onodi
Dieses Tumblingelement sehen wir nicht oft im Cheerleading, aber es kann eine sehr coole Transition sein. Es hat einen eigenen Eintrag im Glossar (nicht vergessen, es gilt der Englische Wortlaut im Regelwerk, nicht meine Übersetzungen):
«Das Element beginnt in einer Flic-Flack Position. Nach dem Absprung macht der Athlet ½ Drehung auf die Hände und endet in einem Vorwärtsüberschlag mit Step out.»
Hier ist ein Video. Gehen wir mal durch die Tumblingregeln; wir fangen bei Median (level 3) General Tumbling an. Ja, wir starten und landen auf dem Boden, wir springen über niemanden rüber, und wir haben keine Props. Soweit so gut, wir folgen den General Tumbling Regeln.
Der Absprung ist rückwärts, der Onodi wie auf dem Video ist also definitiv Standing Tumbling, auch wenn wir noch Rückwärtsschritte davor machen. In den Standing Tumbling Regeln steht, dass «Flips» nicht erlaubt sind, und «Flips» sind so definiert im Glossar:
«Ein Tumblingelement mit einer Hüft-über-Kopf Rotation ohne Kontakt zum Boden in dem Moment, indem der Körper die invertierte Position durchläuft.»
Wir haben beim Onodi die Hände am Boden wenn wir überkopf sind, es ist also kein Flip. Soweit immer noch alles gut. Eine Serie Front/Backhandsprings wäre auch erlaubt, das betrifft uns aber auch nicht, ein Onodi ist kein Front/Backhandspring. Dann gibt’s noch Regel C:
«Keine Drehung während wir «airborne» sind. Ausnahme: Rondats sind erlaubt.»
Das Wort «airborne» heisst prinzipiell «in der Luft», hier ist die Glossardefinition:
«Frei von Kontakt mit anderen Personen oder dem Boden.»
Wenn du das Video nochmal ganz genau anschaust siehst du, dass in dem Moment, in dem die Füsse der Athletin den Boden verlassen die Hüfte erst ¼ gedreht ist. Sie dreht also definitiv noch, während sie in der Luft ist – ein Onodi ist sonst nicht möglich.
Im Running Tumbling gäbe es dazu noch ein paar Ausnahmen zur «airborne» Regel, aber keine davon trifft auf den Onodi zu. Leider kann man nicht sagen «ah, wenn es für einen Aerial so ist, dann sicher auch für einen Onodi». Es muss wirklich spezifisch der Skill drinstehen, wenn es eine Ausnahme ist. Am Ende ist die gültige Regel also immer noch: Keine Drehung, während man in der Luft ist.
Das macht den Onodi illegal für Level 3. Im Level 4 hingegen wird der Onodi spezifisch als Ausnahme genannt und ist im Standing und Running ausdrücklich erlaubt.
Beispiel 3: Toss up Liberty, auf beiden Seiten von je einem Flyer gehalten für Level 3
Da wir einen anderen Flyer berühren handelt es sich hier definitiv um eine Pyramide. Fangen wir also auch da oben an (Seite 35 Median Pyramids): Grundsätzlich müssen wir uns an die Stunt und Dismount Regeln halten. Wenn wir also für etwas keine Ausnahme finden in den Pyramidenregeln, gehen wir zu diesen über.
Die zweite Regel zeigt uns schon die erste Ausnahme, die uns betrifft:»
«Flyer müssen hauptsächlich von einer Base getragen werden. Ausnahme: Siehe Level 3 Pyramid Release Moves.»
In unserem Toss up lassen die Bases den Flyer los, wir müssen uns also diese Ausnahme anschauen und hoffen, dass dort etwas für uns drin steht. Schauen wir mal was bei «Pyramid Release Moves» steht. (Ich nehme an, der Toss wird von 2 Flyern im Elevator gehalten, also können wir Regel C hier ignorieren.)
«Alle Skills, sie in den Level 3 Pyramiden Release Moves erlaubt sind, sind auch erlaubt wenn man sie auf 2 Seiten hält und eine Base den Fuss festhält.»
Das ist nur der erste Satz, hat aber nichts mit dem zu tun, was wir wollen. Lesen wir weiter:
«Immer, wenn ein Flyer von den Bases losgelassen wird während einem Pyramiden-Übergang und sich nicht an die folgenden vier Regeln hält, muss der Flyer danach in einem Cradle oder auf dem Boden landen und die Level 3 Dismount Regeln befolgen.»
Okay, also wenn wir unseren Toss up im Liberty fangen wollen, dann müssen wir die nächsten 4 Regeln befolgen:
«Während einem Pyramiden-Übergang darf ein Flyer sich über 2 Personen hinausbewegen, wenn er immer in direktem physischen Kontakt mit mindestens zwei Personen auf Prep-Level oder tiefer bleibt. Der Kontakt mit demselben «Bracer» muss während dem ganzen Übergang gehalten werden.»
Bracer lässt sich schlecht übersetzen, es ist der assistierende Flyer der den Top-Flyer festhält. Der Ausdruck «über 2 Personen» heisst im Original «pass above 2 persons high», und dieser Zustand wird im Glossar unter dem Schlagwort «Two-high Pyramid» erklärt:
«Eine Pyramide, in der alle Flyer von Bases gehalten werden, die auf dem Boden stehen. Immer wenn ein Flyer von den Bases losgelassen wird in einem «Pyramid Release Move», egal auf welcher Höhe, dann handelt es sich um den Zustand «passing above two persons high» (=sich über 2 Personen hinausbewegen). «Passing above two persons high» hat nichts mit der tatsächlichen Höhe des Flyers zu tun, sondern mit der Verbindung zwischen anderen Stunts und Personen und deren Höhe.»
Ganz schön kompliziert formuliert. Auf gut Deutsch: ein Flyer ist «Passing above two persons high» sobald er von seinen eigenen Bases losgelassen und nur noch von anderen Flyern auf Elevator-Höhe gehalten wird. Das ist immer nur für kurze Zeit, denn die Flyer auf Lifthöhe dürfen nicht das Gewicht des «fliegenden» Flyers tragen, er muss immer in Bewegung sein (sonst wäre es automatisch eine Level 6 Pyramide). Also auch wenn die Bases im Sponge kurz alle den Flyer loslassen.
Was das alles zusammen jetzt für unsere Level 3 Pyramide heisst: Wenn wir 2 andere Flyer im Elevator haben, die unseren Top-Flyer während dem ganzen Release Move festhalten, dann müssen wir uns nicht an die Stunt-Release-Move Regeln halten. ABER: Wenn eine der vier Regeln (E.1-E.4) nicht eingehalten werden kann, dann muss der Top-Flyer in einem Cradle oder auf dem Boden landen und die Dismount Regeln befolgen. Zur ersten Regel gibt es noch zwei klärende Punkte im Regelwerk:
«Klärung 1: Drehende Stunts und Transitions dürfen 1 Drehung beinhalten, solange sie von mindestens 2 Bracers auf Prep-Level oder tiefer mit einer Arm/Arm Verbindung festgehalten werden. Die Verbindung muss hergestellt werden, bevor das Element beginnt, und der Kontakt muss durch das ganze Element gehalten werden.»
Das ist für uns momentan irrelevant, denn wir drehen nicht.
«Klärung 2: Level 3 Pyramid Release Moves dürfen auch mit nur 1 Bracer (anderer Flyer) durchgeführt werden, wenn der Release Move den Kriterien in «Level 3 Stunt Release Moves» oder «Level 3 Dismounts» erfüllt.»
Sprich, wenn man einen Stunt auch ganz alleine machen dürfte, dann reicht es in der Pyramide, wenn nur ein anderer Flyer unseren Top-Flyer festhält. Unser Toss up Liberty ist aber nicht legal als normaler Stunt, also trifft diese Klärung auf uns nicht zu.
Regel Nummer 2 beschreibt, wie genau der «Bracer» den Top-Flyer halten muss. Diesen Regeln können wir mit unserem Stunt einfach folgen – stell sicher, dass die Bracer den Top-Flyer schon vor dem Toss halten und dann bei der Landung immer noch verbunden sind.
Regel Nummer 3 ist die gleiche für Levels 1-5: Man darf nicht zwei Flyer aufeinander stellen. Aber vorsicht: Wenn deine Bracer so stark sind, dass sie den Top-Flyer auch ganz ohne Bases auf Liberty-Höhe halten können, dann würde das heissen, dass sie das Gewicht des Top-Flyers tragen, und das darf man nur im Level 6. Es kommt hier also auf die richtige Ausführung an.
Wir brechen Regel 4 auch nicht, und 5 & 6 können wir ebenfalls einfach folgen.
Phu, das war schwierig! Aber es scheint, als erfüllen wir alle Kriterien und es ist erlaubt, unseren Toss up Liberty mit 2 Bracers zu machen. An diesem Punkt nochmal wichtig: Das ist meine Interpretation dieser Regeln, und ich bin nicht allwissend. Wenn du diesen Stunt in deiner Routine hast und 100% sicher sein willst, dann melde dich beim SCA und kläre es ab. Wie du das richtig machst ist auf Seite 10 des Regelwerks beschrieben.
Nächster Post: Level 3
Wenn du das alles gelesen hast und immer noch da bist: Gratuliere! Mein Kopf raucht noch von diesem Pyramiden-Problem. Der nächste Post ist deutlich einfacher zu lesen, versprochen! Wir schauen uns das Level 3 im Detail an und sehen, was alles erlaubt ist und was nicht.