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Er stammt aus einer italienischen Einwandererfamilie. Der Vater war Textilreisender in der Südschweiz, die Mutter kam aus Verona, aufgewachsen ist er im St. Johann-Quartier. Nach der Primarschule durfte er in die Obere Realschule auf dem Münsterplatz. Sie waren fünf Kinder, er der zweitgeborene Sohn. In den katholisch-italienischen Familien war es üblich, dass der Zweitgeborene Priester wurde. Er, Kurt Pauletto, wollte das aber nicht.
Künstlerisch begabt
Er kam in die Allgemeine Gewerbeschule, wo er zum Grafiker ausgebildet wurde. Der Beruf damals hatte ein anderes Berufsbild als heute. Kurt wurde im Aktzeichnen unterrichtet, im Schriften malen, in der Typographie und auch im Dekorationsmalen. Nach der Ausbildung arbeitete er in einer Firma, die Stände für die muba baute. Schon bald erhielt er Stipendien, die es ihm ermöglichten, nach Paris zu ziehen und dort in der «Académie de la Grande Chaumière», einer offenen Kunstschule, seine erste Schritte in der Kunstlandschaft zu gehen. Wichtig war für ihn die Begegnung mit Alberto Giacometti, der ihn sehr förderte. «Ich lernte auch Pablo Picasso kennen oder Marc Chagall, Namen, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte. Ich war damals jung, naiv und erst noch katholisch.» Weitere Stipendien anfangs der 60er-Jahre führten ihn mehrmals nach Rom.
Wanderjahre
Zurück in Basel bewarb er sich als freier Grafiker – und siehe da, es zeigte doch ein gewisser Martin Burckhardt, seines Zeichens Architekt, Interesse an ihm. So wurde Kurt Pauletto bei der Firma Geigy zuständig für die Farbgestaltung. Dieser Job führte ihn auch nach Amerika in die dortige Geigy-Niederlassung. Später kam er nach Hollywood, nicht etwa als James Bond, sondern als Bühnenbildner. «Für James Bond hätte ich besser Englisch reden müssen», meint er mit Schalk in den Augen.
Zurück in Basel
Immer wieder kam Kurt Pauletto mit Persönlichkeiten in Kontakt, die ihn unterstützten und förderten. Heinrich Kuhn beispielsweise von der damaligen «National Zeitung», Bildhauer Alexander Zschokke, der ihm das Porträtmalen schmackhaft machte, oder auch Georg Schmid, der damalige Direktor des Kunstmuseums. Natürlich faszinierte ihn die Basler Fasnacht. Weil unterdessen sein Name ein Begriff war, malte er im Jahre 1958 erstmals die Laterne der Lälli Clique – insgesamt 14-mal. Später gab er der Laterne der Olympia den typischen Pauletto-Stil, dies auch zehn Mal.
Seine Spezialität sind Porträts: «Mich hat der beseelte Mitmensch, das Gegenüber, immer zur Malerei animiert, nicht ihn wiederzugeben, sondern mit ihm Kontakt aufzunehmen, wie wenn man auf eine Safari geht. Jedes Porträt ist ein ureigenes Erleben des Menschen, der mir gegenüber sitzt. Es ist nie ein objektives Erlebnis, sondern mein ganz persönliches Empfinden, meine ganz eigene Vita.» Und da sind unzählige Porträts in seinem Atelier in der ersten Etage zu sehen. Das Atelier erklimmt man über eine Wendeltreppe, die es in sich hat. Nüchtern ist sie einigermassen zu bewältigen, aber wenn man mit dem Künstler angestossen hat, wird es ein abenteuerlicher Abstieg...
Die Rheingasse – sein Wohnort
Kurt Pauletto wohnt in der Rheingasse, Haus Nummer 41, das er in den 60er-Jahren erwerben konnte. «Damals hatte die Rheingasse einen Charme, der mich an Paris erinnerte, es hatte Handwerker, Schreiner, Schlosser, es lebten Prostituierte hier und oft tauschte ich mich mit dem Grafiker Robi Hiltbrand bei einem oder zwei Glas Roten aus. Es war eine familiäre Stimmung, bis die Rheingasse plötzlich zur Trend- und Partymeile wurde. Die typischen Rheingasse-Typen verschwanden, gekommen sind Leute, die keine Ahnung von der Geschichte dieser Gasse haben.»
Kurt Pauletto ist mit dem Kleinbasel eng verbunden. Er ist Gesellschafter in der E. E. Gesellschaft zum Hären, wo ihn der damalige Meister Karl Schweizer förderte. Selbstverständlich beobachtet er mit seinem immer noch hellwachen Geist, was im kleinen Stadtteil geschieht. Ein bleibendes Objekt schuf er im Auftrag von Niggi Schoellkopf, der den «Ueli Brunnen» vor der Kaserne stiftete – Kurt Pauletto durfte den Brunnen entwerfen und gestalten.