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Indirektes Feuer ist ein wesentliches Element, das die Armee zur Erfüllung ihrer Verteidigungsaufgabe benötigt. Verfügen die eigenen Kampfbataillone nicht über Feuerunterstützung durch Bogenschusswaffen, so werden sie vom Gegner durch dessen Feuer permanent in Deckung gezwungen, können sich somit auf dem Gefechtsfeld nicht mehr bewegen und damit die Kampffähigkeit des Gegners auch nicht einschränken.
Indirektes Feuer wurde in praktisch allen militärischen Konflikten seit 1990 eingesetzt, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich daran in absehbarer Zukunft etwas ändern würde. Mit indirektem Feuer werden die eigenen Kampftruppen unterstützt, indem ein Gegner in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt und damit in seiner Kampftätigkeit behindert wird. Indirektes Feuer mit Bogenschusswaffen wurde und wird nicht nur von militärisch organisierten, staatlichen Streitkräften eingesetzt, sondern auch von nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen, beispielsweise mittels ungelenkten Raketen, Mörsern oder einzelnen Artilleriegeschützen. Indirektes Feuer wird auf unterschiedliche Distanzen eingesetzt: Auf mittlere bis grosse Distanzen gelangen Rohr- und Raketenartillerie, Kampfhelikopter und Kampfflugzeuge zur Anwendung, auf kurze Distanz (bis ca. 10 Kilometer) Mörsersysteme.
Panzerminenwerfer 64/91 (Pz Mw 64/91)
Bis zur Ausserdienststellung 2009 verfügten die Kampfbataillone mit dem Minenwerferpanzer 64/91 über ein Mittel zur indirekten Feuerunterstützung auf kurze Distanz. Der Minenwerferpanzer 64 (Mw Pz 64) war der letzte Fahrzeugtyp, der auf der Basis des M113 für die Schweizer Armee beschafft worden war. Der Pz Mw 64/91 verfügte im Vergleich zum amerikanischen M113 A1 Standard Schützenpanzer über einen geänderten Innenausbau und eine erweiterte Funkanlage. Das Fahrzeug wog 12 Tonnen und konnte auf der Strasse mit maximal 65 km/h verschieben. Die Panzerung betrug zwischen 12 und 44 mm. Die Mannschaftsluke auf dem Fahrzeug war dahingehend abgeändert worden, dass diese zweiteilig auf dem Fahrzeug Dach zur Seite hin zu öffnen war. Darunter war der 12cm Minenwerfer eingebaut welcher bei Bedarf auch im Felde auf einer speziellen Bodenplatte zum Einsatz kommen konnte. Der Minenwerferpanzer weist sowohl im inneren als auch äusserlich zahlreiche Anpassungen auf, welche bedingt durch die Hauptwaffe erfolgen mussten. Die Trimmplatte an der Fahrzeugfront diente der Schwimmfähigkeit des Fahrzeuges und wurde nach Entzug der Erlaubnis zum Schwimmen zugunsten einer Abdeckblache in einem quer montierten Halteblech für die Aufnahme der Effekten der Besatzung entfernt.
Mit der von W+F Bern entwickelten und hergestellten Hauptwaffe konnten 12 cm Wurfgranaten, Rauchbrandgranaten, Beleuchtungsgeschosse und Explosiv-Übungsgranaten verschossen werden. Um das Jahr 2000 kam mit STRIX ein gelenktes, selbstzielsuchendes Mörsergeschoss aus schwedischer Produktion dazu. Es diente zur Bekämpfung von Kampfpanzern und gepanzerten Fahrzeugen. STRIX war bei ihrer Einführung die weltweit erste serienreife präzisionsgelenkte Mörsermunition. Insgesamt konnten 70 Schuss Munition auf dem Fahrzeug mitgeführt werden.
Als Sekundärbewaffnung verfügte der Pz Mw 64/91 über ein 12,7 mm Maschinengewehr 64, das ursprünglich von Browning später von Ramo hergestellt worden ist.
Insgesamt wurden 132 Stück des Pz Mw 64/91 für die Pz Mw Kp der Panzer- und Infanteriebataillone beschafft. Die fünfköpfige Besatzung setzte sich aus dem Fahrzeugkommandanten, dem Fahrer, dem MG Schützen, dem Geschützchef und dem Lader zusammen.
Indirekte Feuerunterstützung der Zukunft
Seit der altersbedingten Ausserdienststellung der 12 cm-Minenwerferpanzer 64/91 im Jahre 2009 verfügen die Kampfverbände der Schweizer Armee (Panzer- und Infanteriebataillone) über kein System mehr zur Sicherstellung der indirekten Feuerunterstützung auf kurze Distanz. Mit dem 12 cm Mörser 16 soll diese Fähigkeit wiedererlangt werden. Der Mörser 16 erlaubt es, auf der unteren taktischen Stufe (Bataillon) rasch Feuerschwergewichte – z. B. auf gegnerische Truppenansammlungen oder Fahrzeuge – zu legen. Mörsergeschosse weisen eine steile Flugbahn auf. Dadurch eignen sie sich besonders gut für den Einsatz im überbauten Gelände. Die vier neuen Mörserbatterien mit je acht Geschützen werden den mit WEA verbleibenden vier Artillerieabteilungen unterstellt. Jede Batterie verfügt über zwei Züge mit je vier 12 cm Mörsern 16 also über total 8 Waffensysteme. Im Einsatz werden die Mörserbatterien entweder den Kampfbataillonen einheits- bzw. zugsweise unterstellt oder verbleiben zentral geführt in den Artillerieabteilungen. Ein Mörser kann auch als Einzelgeschütz eingesetzt werden. Das heisst, dass jedes einzelne Mörsersystem auch über einen Rechner zur Ermittlung der Schiesselemente verfügt. Damit wird die Schweizer Artillerie erstmals über die Fähigkeit zum sogenannten „on-board-computing“ verfügen. Jedes Waffensystem verfügt so über eine eigene Feuerleitstelle.
Vorgesehen ist die Beschaffung von 32 Mörsern mit Einbindung in das Integrierte Artillerie Führungs- und Feuerleitsystem (INTAFF) und in den Führungsverbund der Artillerie, von 12 geschützten Lastwagen (Logistikfahrzeuge) sowie von 36 Containern für den Munitionsnachschub. Die 12 cm Mörser 16 sollen im Zeitraum 2020–2022 ausgeliefert werden. Die erste RS zur Ausbildung der Besatzungen ist für das Jahr 2023 und die Einführung bei der Truppe im WK 2024 geplant.
Fazit
Mit dem Mörser 16 wird die Artillerie der Schweizer Armee nach 15-jährigem Unterbruch die Fähigkeit zur indirekten Feuerunterstützung auf kurze Distanz (bis 10 km) wieder erlangen. Dies ist zweifellos ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in die Zukunft der Artillerie. Bezüglich Feuerunterstützung auf mittlere und lange Distanz, Präzision des Artilleriefeuers, Schutz der Besatzungen und Mobilität bleiben aber grosse Fähigkeitslücken bestehen, welche im Rahmen einer Gesamtbetrachtung der Einsatzspähre „Boden“ zu behandeln sind.