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Mit Nagasaki verbinden die meisten Menschen wohl den zweiten Atombombenabwurf der US-Amerikaner im Zweiten Weltkrieg. Heute ist Nagasaki eine schöne Hafenstadt mit einer bedeutenden Vergangenheit. Hier entstand mit der Landung der Portugiesen Mitte des 16. Jahrhunderts der erste Kontakt mit Europäern, welche das Christentum in das Land brachten, aber auch die ersten Feuerwaffen und Technologie aus dem Westen. Den Händlern aus China und den Niederlanden wurden von Mauern eingeschlossene Quartiere zur Niederlassung bereitgestellt, welche heute als Sehenswürdigkeiten gelten.
Bei unserem Aufenthalt übernachteten wir im Casa Noda Hostel, welches etwa in 6 Minuten vom Bahnhof zu erreichen ist und ein Bett im gemischten 10er-Schlafsaal 2’600 Yen pro Nacht kostete (ca. CHF 22.-). Es war zu der Zeit nicht viel los, aber das Hostel ist sauber, bietet eine vollausgestattete Küche und die Mitarbeiter sind hilfsbereit.
Bildquelle: booking.com
Hashima
Am nächsten Tag besuchten wir die Insel Hashima, die wegen ihrer Silhouette auch Gunkanjima, also Kriegschiff-Insel genannt wird. Hier wurde Ende 19. bis spätes 20. Jahrhundert Kohleabbau betrieben und über 5’000 Arbeiter und deren Familienangehörige beherbergt. Auf der Tour wurde, wie erwartet, verschwiegen, dass es Zwangsarbeiter aus China und Korea waren, die hier im Zweiten Weltkrieg unter unmenschlichen Bedingungen schuften mussten und dabei hunderte zu Tode kamen. Als im Jahre 1974 die gesamte Anlage stillgelegt wurde, verliessen alle Menschen sie mit grosser Eile und liessen alles zurück, weshalb dieser Ort heute wie eine Geisterstadt wirkt. Seit 2009 ist ein Teil der Insel für Besucher zugänglich. Übrigens war Hashima Schauplatz im Film James Bond 007 – Skyfall, diente aber nicht als Drehort selbst.
Atomic Bomb and Historical Sites
Die klassische Japan-Reise führt meistens über Tokio – Hiroshima – Kyoto – Tokio. Wir konnten deshalb das Kriegsmahnmal und das Atombomben Museum mit wenig Andrang besuchen. Die Ruhe sorgte für eine bedrückende und traurige Stimmung. Obwohl ich die Geschichte des Zweiten Weltkriegs schon mehrmals studiert hatte, war es wieder für mich unfassbar festzustellen, wie mächtig und schrecklich die Atombombe war. Beim Abwurf der „Fat Man“ wurde die Hälfte der Stadt dem Erdboden gleichgemacht, 22’000 Menschen wurden sofort getötet und rund 40’000 innerhalb der folgenden vier Monate. Nochmals genauso viele Unschuldige fielen der Strahlenkrankheit in den Jahren danach zum Opfer. Die meisten Opfer waren Zivilisten und bis heute schätzt man die Gesamtzahl der Todesopfer auf Grund der Atombombe auf ca. 150’000.
Ablauf einer Atombomben Explosion
Der gleisende Lichtblitz führt zur Erblindung. Ein Feuerball von bis zu 500 Metern Durchmesser entsteht. Die Hitze von 1 Million Grad Celcius (die Sonne hat eine Oberflächentemperatur von 5’500 Grad Celsius) im Zentrum der Explosion lässt im Hypozentrum am Boden jede Materie verdampfen und verbrennt alles bis 2 Kilometer Entfernung (35% der freigesetzten Energie). Sekunden später folgt die alles vernichtende Druckwelle, die sich mit fast Schallgeschwindigkeit ausbreitet und Häuser wie Papiermodelle wegfegt (50% der freigesetzten Energie). Die Pilzwolke entsteht, welche nach etwa 30 Minuten radioaktiven Schwarzen Regen niederlässt. Die Überlebenden, die unter grosser Hitze und entsprechend an Austrocknung litten, flohen zum Fluss, um daraus zu trinken und starben qualvoll an den Folgen.
Beim Rundgang sieht man eine Wanduhr, die um genau 11:02 stehengeblieben war. Verformtes Eisen und Stahl, geschmolzenes Glas, durch den gleisenden Lichtblitz eingebrannte Schattenrisse von Personen und ein Modell der Stadt mit der gebirgigen Umgebung, welches den Detonationspunkt der Bombe in etwa 470 Metern Höhe über dem Boden und die verschiedenen Zerstörungsradien zeigt. Am Ende des Rundgangs wird die Entwicklung von Atomwaffen der ganzen Welt chronologisch aufgezeigt. Die Bombe Fat Man in Nagasaki hatte eine Sprengkraft von 20 Kilotonnen und hatte einen Wirkungskreis von bis zu 2 Kilometern Radius und einer 6 Kilometer hohen Pilzwolke. Die stärkste jemals getestete Bombe ist die Wasserstoffbombe Tsar der damaligen UDSSR mit über 50 Megatonnen Sprengkraft (ca. 2’500 x Fat Man).Sie hat einen Feuerballradius von 3.5 km, einen Wirkungsradius von bis zu 35 km und eine Pilzwolke über 50 km Höhe. Die Druckwelle ging zweimal um den Erdball und konnte sogar ein drittes Mal registriert werden. Dabei wurde die Bombe für eine doppelt so grosse Sprengkraft, also bis 100 Megatonnen konstruiert. Einfach nur unvorstellbar schrecklich. Weltweit sind heute noch rund 15’000 Atomsprengköpfe gelagert (Stand Januar 2017). Eine Simulation der Auswirkungen einer Atombombe auf eine Stadt kann man hier betrachten.
Sehenswürdigkeiten
Nach dem bedrückenden Tag mit dem Besuch vom Atombomben Museum, durften wir nun die Stadt bei schönem Wetter geniessen. Wir schlenderten am Hafen entlang, besuchten den Glover Garden im damaligen Quartier der Niederländer, hatten einen kleinen Snack in Chinatown und wanderten gegen Abend auf den Berg Inasa, wo wir eine wundervolle Aussicht auf die Stadt hatten.