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zt – 1991 letztmals geschlachtet
Nachdem in den 1970er-Jahren das Zofinger Schlachthaus mit dem Kuttlereigebäude an der Fegergasse (Häuser 18, 20 und 22) für 150000 Franken renoviert und die Einrichtungen erneuert worden waren, wurde es Mitte Dezember 1991 aufgehoben. Die lokalen Metzger hatten entschieden, künftig auf eigene Schlachtungen zu verzichten. 1991 wurden noch 90 Stück Grossvieh (65 Ochsen und Stiere, 11 Kühe, 14 Rinder) und 333 Stück Kleinvieh (129 Kälber, 178 Schweine, 2 Schafe, 1 Gitzi und 23 Wildtiere) geschlachtet. Eingeführt wurden in diesem Jahr 313178 kg Frischfleisch, 232140 kg Fleischwaren, 17499 kg Fische, 26976 kg Geflügel und 14841 kg Dauerwurstwaren.
Mit der Schliessung des Schlachthauses - heute dient es der Stadtmusik, den Stadtmusiktambouren und den Kadettentambouren als Probelokal, während im Kuttlereigebäude, wo früher der Schlachthausverwalter lebte, weiterhin gewohnt wird - ging eine jahrhundertealte Metzgerei-Tradition zu Ende. Wenn aktuell noch zwei Metzgereien in der Altstadt aktiv sind (Lingg in der Unterund Straub in der Oberstadt), so darf daran erinnert werden, dass vor 50 Jahren, 1964, acht Metzgereien sowie je ein Comestibles- und ein Traiteur-Fachgeschäft mithalfen, das regionale Einkaufszentrum zu beleben.
Bis ins 19. Jahrhundert war die Fleischversorgung auf dem Land weitgehend Selbstversorgung: Kundenmetzger (auch Störmetzger genannt) schlachteten gegen Entgelt die Tiere - vor allem Schweine - von Bauern, Handwerkern und Taglöhnern. Sie zerlegten das Fleisch für den Rauchfang und die Salzlake oder verarbeiteten es zu Würsten. Der Verzehr von Frischfleisch war wegen fehlender Kühlmöglichkeiten auf die Schlachtzeit, die Metzgete vorab im November, beschränkt. Während der ländliche Kundenmetzger ohne geregelte Ausbildung, Konzession und Aufsicht arbeitete, waren die Metzger - allerdings nur in den Deutschschweizer Städten - ab dem Spätmittelalter in Zünften organisiert und daher wie andere Vertreter des Handwerks zünftiger Norm unterworfen. In Zofingen erinnert das prachtvolle Metzgernzunfthaus nördlich des Rathauses, erbaut 1602/03 durch Antoni Stab, an die Bedeutung dieses Berufsstandes. Vor dem Neubau ihrer Stube am Niklaus-Thut-Platz hatten sie ihre im «Roten Leuen» am Südausgang des Kirchplatzes (Raum Alter Postplatz, der «Rote Leuen» wurde abgerissen).
Die Stadt-Metzgereien (Fleischschaal, Fleischlaube) mit den Verkaufsstellen (Fleischbänken) und dem Schlachtplatz lagen stets an fliessenden Gewässern zur problemlosen Entsorgung der Abfälle (zur Freude der Fische). Schon unter dem ältesten Zofinger Rathaus, das bis um 1470 an der Stelle der jetzigen Markthalle gestanden hatte, befand sich eine offene Schaal. Das von der Stadt 1726 unter Schultheiss Johann Adam Hürsch neu erstelle Gebäude übernahm die Disposition der offenen Schaal im Parterre, durch das der vom Niklaus-Thut-Platz offen daherkommende Stadtbach floss. Das Obergeschoss nahm die Tuchlaube auf. 1731 wurde hier auch die 1693 gegründete Stadtbibliothek untergebracht.
Das Kochen der Kutteln ...
1871 machte man aus der Schaal eine offene Markthalle und verlegte das Schlachten an die Fegergasse, während der Fleischverkauf künftig in Privathäusern erfolgen konnte. Die Schlachthaus-Schliessung 1991 war nicht nur aufgrund der Ausgangslage bei den Metzgern erfolgt, sondern auch wegen der Immissionen. Vor allem die Zufuhr der Tiere verlief nicht immer problemlos, und das Kochen der Kutteln hinterliess stets heftige Gerüche, die nicht unbedingt appetitanregend waren ...
1871 machte man aus der Schaal eine offene Markthalle und verlegte das Schlachten an die Fegergasse.
Zofinger Tagblatt / 27.02.2014