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Wie wird sich das Klima in Zukunft entwickeln?
Mit dem Klimawandel nimmt die Wahrscheinlichkeit von Extremereignissen – etwa Starkniederschläge oder Sommerdürren – zu. Heute kommt es alle sechs bis sieben Jahre zu einem extrem trockenen Sommer, was einer Wahrscheinlichkeit von rund 15 Prozent entspricht. Bis 2050 könnte diese bis 40 Prozent anwachsen, womit es alle zwei bis drei Jahre ein ausserordentlich trockener Sommer auftritt. Szenarien für das Jahr 2050 gehen von mehr Regen im Winter und von einer deutlichen Abnahme bei den Sommerniederschlägen von bis zu 35 Prozent aus. Im Gegensatz dazu wird der Wasserbedarf der Landwirtschaft stark ansteigen.
Wie gross ist der Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft?
Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Landwirtschaft aus dem Jahr 2006 werden rund 43'000 Hektaren regelmässig und in Trockenjahren zusätzlich 12'000 Hektaren bewässert. In einem durchschnittlichen Trockenjahr werden etwa 144 Mio. Kubikmeter gebraucht, was gemessen am gesamten Jahresabfluss lediglich 0,3 Prozent entspricht. Deshalb ist die Landwirtschaft heute unter durchschnittlichen Klimabedingungen – noch – kein bedeutender Wasserkonsument. Anders sah es im Hitzesommer 2003 aus. Der Wasserbedarf der Landwirtschaft stieg auf rund 636 Mio. Kubikmeter an – was dem Wasserverbrauch aller Haushalte und des Kleingewerbes entsprach. Oder anders ausgedrückt: 2003 brauchte die Landwirtschaft vier Mal mehr Wasser als in einem durchschnittlichen Jahr. Flüsse, deren Abfluss durch Gletscher- und Schneeschmelze bestimmt ist, werden im Sommer genügend Wasser führen, so dass eine Entnahme für künstliche Bewässerung problemlos möglich ist – zumindest vorerst. Denn steigende Temperaturen lassen die Gletscher schmelzen, womit nach 2050 mit einer Abnahme des Schmelzwassers zu rechnen ist. Flüsse, deren Abfluss nur durch Niederschläge bestimmt ist, führen im Sommer bereits heute nicht immer genügend Wasser, um den Bewässerungsbedarf zu decken.
Gibt es regionale Unterschiede bei der Bewässerung?
Mit Abstand am meisten wird im Kanton Wallis bewässert (knapp 30'000 Hektaren), gefolgt von Bern mit rund 5'000 Hektaren. Gross ist der Wasserbedarf auch in den Westschweizer Ackerbaugebieten. Längere Trockenperioden sind zudem auch in der Zentral- und Ostschweiz zu beobachten. Der Bewässerungsbedarf hängt einerseits von der angebauten Pflanzen und andererseits von den Standortbedingungen ab.
Ist der Klimawandel per se negativ für die Landwirtschaft?
Nein. Eine moderate Klimaerwärmung von max. 2 bis 3 Grad Celsius wirkt sich sogar positiv aus. Denn aufgrund einer längeren Vegetationszeit nimmt etwa die potenzielle Jahresproduktion vieler Kulturpflanzen zu – sofern es genügend Wasser und Nährstoffe hat. Auch die Tierproduktion profitiert, von einer längeren Weideperiode und Ertragssteigerungen beim Futterbau. Beträgt die Temperaturzunahme mehr als 2 bis 3 Grad Celsius, nimmt der Wassermangel und damit der Hitzestress zu, was zu Ertragseinbussen führen kann. Mit steigender Temperatur nimmt die Tierleistung ab. So geben Kühe bei Temperaturen von über 25 bis 27 Grad Celsius weniger Milch. Und durch das vermehrte Auftreten von Starkniederschlägen kann es zu Schäden an Kulturen sowie zu Bodenerosion kommen.
Wie wirkt sich der Klimawandel auf Schädlinge und Krankheiten aus?
Der Klimawandel begünstigt Insektenschädlinge. So steht diesen aufgrund der längeren Wärmeperiode mehr Zeit zur Verfügung, um sich fortzupflanzen. Zudem werden die Schädlinge, die bisher etwa nur alle drei Jahre auftraten, nun in kürzeren und regelmässigeren Abständen auftreten. Der Klimawandel fördert aber auch die Verbreitung von Unkräutern. Denkbar ist, dass sich neue bislang fremde Pflanzen wie subtropische Gräser ausbreiten.
Welche Anpassungen sind in der Landwirtschaft nötig, um die Herausforderung von immer wärmeren und trockeneren Sommern zu meistern?
Zum einen muss bei den heutigen Kulturpflanzen angesetzt werden. Denkbar wäre ein Ersatz durch robustere Sorten, die bereits in warm-trockenen Weltgegenden angebaut werden. Bei mehrjährigen Kulturen wie beim Obst- oder Rebbau ist dies allerdings schwieriger. Zudem sollte innerhalb einer Region ein Mix verschiedener Sorten angebaut werden, womit das Risiko von Missernten sinkt. Und schliesslich müssen Nutzpflanzen, deren Anbau mit dem Klimawandel nicht mehr sinnvoll ist zugunsten neuer Kulturen wie etwa Trockenreis, Melonen oder Zitrusfrüchte aufgegeben werden. Anpassungen sind aber auch beim Anbauverfahren nötig. So wäre eine frühere Aussaat sinnvoll. Der Boden sollte lückenlos bedeckt sein und im Sommer müsste auf eine Bodenbearbeitung, bei der der Boden gewendet wird, möglichst verzichtet werden. Damit lässt sich die Austrocknung des Bodens vermindern und die Erosion infolge von Starkniederschlägen unterbinden. Ausserdem muss das Wasser bei der künstlichen Bewässerung noch effizienter eingesetzt werden, beispielsweise mit Tröpfchenbewässerungssystemen. Denkbar ist auch das Anlegen von Tanks und Teichen. Die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon untersucht derzeit im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 61 "Nachhaltige Wassernutzung", wie die Landwirtschaft unabhängiger von der Bewässerung werden kann.
Als Grundlage dienten Berichte des "Beratenden Organs für Fragen der Klimaänderung" (OcCC) und die Tagung "Agrolink" vom 24. Mai, eine von der Syngenta und dem Schweizerischen Bauernverband organisierte Veranstaltung. Der Bauernverband will dem Thema Wasser mehr Beachtung schenken. So wird ein neues Modul für die Messeauftritte konzipiert, bei dem es um sparsamen und effizienten Wasserverbrauch geht.