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Im weltgrössten Mangrovenwald in Bangladesh ist ein Öltanker verunglückt. Unzählige Tiere kämpfen gegen das klebrige Öl und den Tod. Das Öl erreichte auch ein Delfin-Schutzgebiet.
Das Gefieder vieler Seevögel und das Fell vieler Otter ist verklebt. Fischern und Forstbeamten zeigt sich im Sundarbans-Nationalpark nach einer Tanker-Havarie ein Bild des Grauens: Überall sind tote Tiere zu sehen; Fische, Schlangen, Garnelen, Krabben, Vögel und Säugetiere. Am Wochenende war ein toter Irawadi-Delfin entdeckt worden – schon vor dem Unglück eine vom Aussterben bedrohte Art. Auch andere seltene Tiere wie der Ganges-Delfin oder der Bengal-Tiger leben dort.
Der Tanker war vor einer Woche mit einem anderen Schiff zusammengestossen und daraufhin gesunken. Es hatte 350’000 Liter Heizöl an Bord. Ein grosser Teil davon breitete sich auf einer Länge von mehr als 60 Kilometern entlang der Küste der Sundarbans aus, die sich zu zwei Dritteln im Südwesten Bangladeshs und zu einem Drittel in Ost-Indien befinden. Ein Delfin-Schutzgebiet ist mitbetroffen. Die Sundarbans sind Lebensgrundlage für über acht Millionen Menschen sowie eine Vielzahl von Tierarten.
Die Behörden haben zur Bekämpfung der Ölpest mehr als 100 Boote mit 200 Personen Besatzung gemietet. Auch Chemikalien zum Abbinden des Öls dürften eingesetzt werden. Doch diese könnten ebenso schädlich sein für das fragile Mangrovenökosystem wie das Öl selbst. Die Gegenmassnahmen werden erschwert, weil die Gezeiten das Öl immer tiefer in das Kanalsystem der Sundarbans und in die beiden Flüsse Shela und Pashur drücken. Auch die Behörden in Indien sind in Alarmbereitschaft. Sie befürchten, dass die Ölpest ihr Land erreichen wird.
Das etwa 10’000 Quadratkilometer grosse Mangrovengebiet breitet sich von den miteinander verbundenen Deltas der Flüsse Ganges, Brahmaputra und Meghna bis an die Küsten des Golfs von Bengalen aus. Die auf sumpfigem Gebiet wachsenden Mangroven schützen mit ihrem Geflecht aus Stelzwurzeln die Ufer und das Hinterland vor Sturmschäden, Überflutungen und Erosion. Sie sind für viele Fischarten eine Art Kinderstube.
Die Ölkatastrophe bedroht dieses einzigartige Ökosystem akut. «Beim Anblick der sterbenden und toten Tiere blutet einem das Herz», sagt Yves Zenger von Greenpeace Schweiz. «Dieses Unglück zeigt auf, dass eine Havarie jederzeit und überall passieren kann, solange nach Öl gebohrt wird oder Öltanker unterwegs sind. Das gilt für Bangladesh ebenso wie für die Arktis.» Für die Sandarbans verlangt die UNO jetzt – leider zu spät – ein Verbot kommerzieller Schifffahrt. Greenpeace fordert ein Verbot von Ölbohrungen in ökologisch wertvollen Gebieten.