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Das am Freitag beginnende Turnier findet zu einem interessanten Zeitpunkt statt, denn im Qualifikationsprozess für die Olympischen Spiele 2024 ist ungefähr Halbzeit. Und der Blick aufs Ranking liefert ein überraschendes Ergebnis: Aktuell würden sich neben den Europameisterinnen Nina Brunner und Tanja Hüberli nicht etwa Anouk Vergé-Dépré und Joana Mäder für die Sommerspiele in Paris qualifizieren, sondern Esmée Böbner und Zoé Vergé-Dépré. Pro Land und Geschlecht werden maximal zwei Startplätze vergeben.
Das Zwischenresultat ist aus Sicht der 23-jährigen Luzernerin und der 25-jährigen Bernerin allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Ihren Rang haben sie sich dank der höheren Anzahl gespielter Turniere gesichert. Am Schluss zählen die zwölf besten Resultate aus der Qualifikationsphase. Vergé-Dépré/Mäder bleibt demnach genug Zeit, ihre internen Konkurrentinnen zu überholen.
Allerdings unterstrichen Böbner/Vergé-Dépré mit starken Leistungen an der EM (Viertelfinal-Aus gegen die späteren Siegerinnen Brunner/Hüberli) und dem 2. Platz an der Schweizer Meisterschaft (hinter Brunner/Hüberli) ihre Ambitionen. Auch Leistungssport-Chef Sebastian Beck sprach im Interview mit dem Verband Swiss Volley von einem Kopf-an-Kopf-Rennen und sagte: «Nach dem Saisonstart war man verführt zu denken, dass es eine relativ klare Angelegenheit mit den beiden arrivierten Teams wird.»
Vergé-Dépré/Mäder laufen der Form hinterher
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Olympia-Bronze-Gewinnerinnen von Tokio nach Mäders Verletzungspause noch nicht in Fahrt gekommen sind. Besonders an den Elite16-Turnieren blieben sie nach ansprechendem Saisonstart unter den Erwartungen. In Gstaad scheiterte das Duo - wie auch die anderen heimischen Frauenteams - in der Gruppenphase, in Hamburg sowie vor einer Woche in Paris verpasste es gar den Einzug ins Hauptfeld.
Allerdings gilt es zu relativieren, dass die 31-jährige Bernerin und die ein Jahr ältere Zürcherin beide Male am starken Duo Laura Ludwig und Louise Lippmann scheiterten. Dass solche Teams bereits in der Qualifikation aufeinandertreffen, zeigt das hohe Niveau, das an diesen Turnieren herrscht.
Auch Anfang August an der EM in Wien, die aus Sicht von Vergé-Dépré/Mäder ein Lichtblick bildete, standen ihnen die Deutschen vor der Sonne. Im Spiel um Bronze mussten sich die Schweizerinnen knapp geschlagen geben. Jedoch bewiesen sie mit ihrer Leistung, dass noch immer mit ihnen zu rechnen ist. Die WM in Mexiko ist die nächste Standortbestimmung auf dem langen Weg nach Paris.
Brunner/Hüberli überzeugen mit Konstanz
Auf Kurs befinden sich Nina Brunner und Tanja Hüberli. Nach konstanten Leistungen und dem erneuten EM-Titel führen sie die interne Wertung der durchschnittlich erzielten Punkte deutlich an. Entsprechend ruhen auf der Zugerin, die während des Turniers 28 Jahre alt wird, und der 31-jährigen Schwyzerin auch die grössten Hoffnungen auf den ersten WM-Medaillen-Gewinn eines Schweizer Frauenteams. Das Team, das den Titel holt, ist an den Olympischen Spielen gesetzt.
Sicher keine Medaille gibt es für die Schweizer Männer, bei denen sich zum zweiten Mal in Folge kein Duo für die WM qualifizierte. Beck macht dafür das «harte Wettkampfsystem», Pech mit Verletzungen und mangelndes Selbstvertrauen verantwortlich. Im Hinblick auf Olympia muss in den kommenden Wochen und Monaten noch viel passieren, damit sich das eine oder andere Männer-Duo doch noch Hoffnungen machen darf.