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- Sollte das Verfassungsreferendum in Italien am Sonntag abgelehnt werden, könnte Premier Renzi zurücktreten.
- In diesem Fall droht nicht nur eine Regierungs-, sondern auch eine Bankenkrise.
- Denn ohne starke Regierung wären private Investoren kaum bereit, die dringend nötigen Gelder zur Stützung der kriselnden Banken zur Verfügung zu stellen.
SRF News: Laut der «Washington Times» wären nach einem Rücktritt Renzis acht Banken akut gefährdet. Wie ist dies zu verstehen?
Franco Battel: Italiens Banken sitzen auf einem riesigen Berg an faulen Krediten. Er wird auf insgesamt über 300 Milliarden Euro geschätzt. Es ist dies ein grosses, schwelendes Problem, welches das ganze italienische Bankensystem zu destabilisieren droht. Viele italienische Banken brauchen frisches Kapital, das fordern die Europäische Zentralbank und die Bankenaufsicht.
Sollte nun Renzi «sein» Referendum verlieren und zurücktreten, hätten wir in Rom eine Regierungskrise. Und dann wäre es wohl noch schwieriger, diesen Banken neues Kapital zu verschaffen. So braucht allein die Banca Monte dei Paschi eine Finanzspritze von fünf Milliarden Euro.
Dass es der Monte dei Paschi schlecht geht, ist bekannt. Wie realistisch ist es, dass sieben weitere Banken von einer Krise betroffen wären?
Das ist schwierig zu sagen. Klar aber ist, dass viele italienische Banken dringend neues Geld brauchen, um die faulen Kredite abschreiben zu können. Zwar gibt es einen italienischen Rettungsfonds, der unter staatlicher Regie vor allem mit privaten Geldern geäufnet wurde. Jedoch ist der «Atlante»-Fonds sehr schmalbrüstig ausgestattet. Niemand in Italien glaubt daran, dass der Fonds im Falle einer Regierungskrise und damit einhergehenden Turbulenzen an den Finanzmärkten genug Geld hätte, die Banken zu retten.
Viele würden einen Teil ihres Ersparten verlieren.
Welches ist das wahrscheinlichste Szenario für die Monte dei Paschi, falls Premier Renzi tatsächlich zurücktreten sollte?
Bankspezialisten gehen davon aus, dass bei einem Nein zum Referendum und nach einem Rücktritt Renzis kaum genügend private Investoren gewonnen werden könnten, die den Banken rasch das benötigte Geld zur Verfügung stellen würden. Zu gross wäre ihre Befürchtung, dass sich die Wirtschaftskrise in Italien angesichts der Regierungskrise weiter verschlimmern würde. Es bliebe dann wohl nur der Weg, dass sich die Sparer an der Rettung der Bank beteiligen müssten – mit dem so genannten «Bail in». Wer also sein Geld nicht auf einem Konto, sondern in Bankobligationen angelegt hat – sie werfen mehr Zins ab als das Sparbuch –, würde einen Teil seines Vermögens verlieren. Das würde Zehntausende Sparer und Rentner betreffen.
Welche Folgen hätte das für den italienischen Finanzplatz?
Es würde das Vertrauen in die italienischen Banken weiter untergraben. Viele Sparer verlören den Glauben daran, dass ihr Geld bei den Banken sicher sei, vor allem, wenn sie es bei einer der vielen Regionalbanken deponiert haben. Es bräuchte dann eine starke Regierung, die das Vertrauen wieder herstellen könnte. Doch genau die würde nach einem Rücktritt Renzis fehlen.
Das Gespräch führte Ivana Pribaković.
Franco Battel
Franco Battel ist seit Anfang 2015 SRF-Korrespondent in Rom. Davor war er als Auslandredaktor für Italien, Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein verantwortlich. Er berichtete zudem vom UNO-Sitz in Genf.