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Uneheliche Kinder hatten es manchmal nicht leicht. Und sie haben es zumindest punkto Erbe auch heute nicht leicht, sofern sie es verpassen, gewisse Vorkehrungen zu treffen.
Diese schmerzliche Erfahrung musste auch Paul Zwahlen machen. Wie der 52-jährige Mann aus Kerzers erzählt, ist er davon ausgegangen, dass er mal seinen Zahlvater beerben wird. Genau gleicher Meinung war sein Vater, der eben erst verstorben ist. Zahlväter gab es zu jener Zeit, als es auch uneheliche Kinder gab. Auch heute gibt es uneheliche Kinder. Nur nennt man sie nicht mehr so.
Das Problem ist folgendes: Bei unehelichen Kindern mit Jahrgang 1977 und älter wurde der leibliche Vater häufig nicht im Familienregister eingetragen. Er war somit zum Zahlvater degradiert. Zahlväter zahlten Unterhaltsbeiträge, hatten aber keine weiteren familienrechtlichen Verpflichtungen. Starb dieser, so ging sein Kind beim Erbe leer aus.
Neues Gesetz seit 1978
1978 trat das neue Kinds- und Vormundschaftsgesetz in Kraft. Seither wird beim Erbe nicht mehr zwischen ehelichen und ausserehelichen Kindern unterschieden. Doch Paul Zwahlen hat Jahrgang 1959. Bei seiner Geburt galt noch das alte Recht. Und bei der Gesetzesrevision im Jahr 1978 wurde die Zahlvaterschaft nicht rückwirkend aufgehoben.
Der Vater von Paul Zwahlen hatte es versäumt, seinen Sohn testamentarisch zu begünstigen. Er war der Meinung, das sei nicht nötig. Der einzige Sohn erbe so oder so. Hätte der Vater den Sohn mit Standesfolge anerkannt oder seine blosse Zahlvaterschaft dem neuen Recht unterstellt, hätte sein Sohn Paul sein Erbe sogar ohne Testament antreten können. Der Vater hätte auch aufs Zivilstandsamt gehen und seinen Sohn offiziell anerkennen können. Weil er das versäumt hatte, erbt nicht sein Sohn, dafür seine Geschwister.
Erschienen in der BZ am 8. Februar 2011