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04.07.2018 Grenoble
Ich laufe in die Stadt, doch das Touristenbüro ist noch geschlossen. Der Markthalle, die heute von Delikatessengeschäften genutzt wird, statte ich einen kurzen Besuch ab. Unten an der Isere sieht man das Fort de la Bastille und darunter die beiden völlig verkommenen 70er-Jahre-Gebäude des ehemaligen Instituts Dolomieu. Sie wurden 2016 für EUR 779‘000 versteigert, seither hat sich nichts mehr getan. So besuche ich den Jardin des Dauphins und steige die rund 300 Meter Höhendifferenz zum Fort de la Bastille hinauf. Auf dem Weg treffe ich eine Gruppe noch oder schon wieder angetrunkener Jugendlicher, ignoriere sie aber und werde dann auch nicht weiter belästigt. Oben angelangt, besichtige ich die Grottes dites de Mandrin (1844), eigentlich eine Anlage zur Verteidigung eines allfälligen Angriffs von der Flanke her, unterirdisch mit dem Fort verbunden. Ich laufe weiter zum rund zwei Kilometer entfernten Memorial National des Troupes de Montagne, in der ehemaligen militärischen Anlage auf dem Gipfel des Berges. In einer eigenartigen Betonstruktur wird auf die verschiedenen Kriege Frankreichs, in denen die Gebirgsjäger eingesetzt waren, hingewiesen. Auch die Ueberreste einer Bergstation einer Luftseilbahn sind noch vorhanden. Durch die Grottes de Mandrin und den Verbindungstunnel gelange ich zurück ins Fort. Dort besuche ich das sehr gut gemachte Musée des Troupes de Montagne, mit perfekten Audio- und Videodarbietungen, selbstverständlich alles in Deutsch. Zurück in der Stadt esse ich in einem Restaurant auf der Place Notre-Dame. Das Preisniveau ist in dieser Studentenstadt wesentlich tiefer als sonstwo. Nun ist die Touristeninformation offen. So hole ich mir die Karte mit dem historischen Stadtrundgang und beginne: Ueberreste der römischen Stadtmauer in der Rue Lafayette; Rue Jean-Jacques Rousseau, wo Stendhal geboren wurde; Place Grenette; Rue de Bonne (das Stadttor gibt es nicht mehr); Place Victor Hugo; Rue Felix Poulat mit einem der ersten Betongebäude der Stadt (1900); Ancienne Auberge des 3 Dauphins (wo einst Napoleon übernachtete); Jardin de Ville, links Baumgarten und rechts Blumengarten, von den Herzögen von Lesdiguieres angelegt, ein Schild an einem Gebäude gegenüber weist darauf hin, dass hier am 14. Juni 1788 die französische Revolution begann; Téléférique Grenoble-Bastille mit seinen vier kugelförmigen Kabinen, die stets miteinander auf- und abfahren; Place des Gourdes; Collégiale Saint-André (mit dem Grab des Ritters Bayard); Place Saint-André mit dem protzigen Justizpalast, eigenartigerweise ist der rechte Flügel grau und der linke Flügel weiss gestrichen; auf dem Weg zur Place des Herbes fällt mir ein verbranntes Motorrad auf. Eine Frau, die saubermacht, erklärt, dass es das Motorrad ihres Sohnes gewesen sei, das von Unbekannten angezündet wurde. Weiter geht es mit der Place aux Herbes. Die Passerelle Saint-Laurent ist völlig eingerüstet und abgedeckt. In der Rue chenoise sind mittelalterliche Gebäude zu sehen. Schliesslich gelange ich zur Place Notre-Dame, wo der schöne Brunnen jetzt von der Sonne angeleuchtet wird. Die Kathedrale Notre Dame hat einen eigenartigen Grundriss, links vom Hauptschiff nur Kapellen und seitlich angebaut die Eglise Saint-Hugues, welche die älteste Kirche der Stadt sein soll, innen aber im Stil des späten 19. Jahrhunderts dekoriert ist. Rechts hat die Kathedrale zwei Seitenschiffe. Die Dekorationen, alle aus dem späten 19. Jahrhundert, blättern ab. Auf der rechten Seite des Altars ist ein schönes Ziborium (1455) aus rotem Stein aufgebaut, allerdings während der Religionskriege stark beschädigt worden. Ich gelange nun zur Place Sainte-Claire und der Markthalle im Stil des 19. Jahrhunderts „Les Halles Sainte-Claire“. Im ehemaligen Bernhardinerinnenkloster ist heute ein Verlag, die Editions Glénat, einquartiert. Ueber die Rue Voltaire, die Strasse der Antiquare gelange ich zur Place de Verdun, wo sich die Präfektur befindet. Schliesslich laufe ich noch zum Lycée Stendhal. Damit ist meine historische Stadttour beendet. Nachdem es drückend schwül-heiss ist, laufe ich zum Musée Dauphinois (was auch noch einiges Treppensteigen beinhaltet, denn es befindet sich unterhalb des Forts de la Bastille) und besuche es. Erst die Barockkapelle, den Garten, die Ausstellung über den Lokalmatador Francois de Bonne, Duc de Lesdiguieres (1543-1626) und die Ausstellung Gens de l'alpe über die Sennenkultur. Kurz vor Museumsschluss gehe ich und als ich die vielen Treppenstufen bis zur Isere wieder hinter mir habe, fällt mir noch der Löwenbrunnen auf (Victor Sappey, Fontaine du lion et du serpent (1843). Auf dem Rückweg ins Hotel besuche ich noch kurz die Eglise St. Louis. Die fast quadratische, dunkle Kirche hätte die beiden Stummel-Seitenschiffe gar nicht nötig gehabt. Dunkle Wolken ziehen sich über Grenoble zusammen. Ich eile zurück ins Hotel, kriege aber die ersten Regentropfen doch noch ab. Dann entlädt sich ein Gewitter über der Stadt, das ständig wieder kommt und geht.