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Von Weitem sieht die Limmat aus wie eine spiegelnde, leicht gekräuselte Fläche aus Meerschaumtürkis, doch als ich nähertrete, wird das Wasser durchsichtig und ich sehe hindurch und hinab in die Wasserwelt. Wasserpflanzen bewegen sich leicht in der Strömung wie das grüne Fell eines schlafenden Seeungeheuers. Fische gleiten zwischen ihnen hindurch und mich ergreift die Sehnsucht, mit ihnen zu schwimmen. Ich lasse meinen Rucksack beim Geländer stehen und steige die Stufen hinab. Das Wasser umfängt meine Schuhe, durchnässt meine Hosen, steigt mir bis zur Brust. Die Kälte raubt meinen Atem, als ich abtauche. Auf einen Schlag verstummen die Geräusche der hektischen Stadt und ich bin schwerelos. Langsam bewege ich die Glieder, während die Strömung mich sanft vorwärtszieht. Ich sehe Fische mit glitzernden Schuppen, ein mit Algen überwuchertes Fahrrad, mit Muscheln verkrustete Steine. Die Wasserpflanzen streichen sanft über meine Hände und Beine, während ich an ihnen vorbeitreibe.
Mein Fuss bleibt an etwas hängen. Ich will ihn befreien, meine Bewegungen werden hektisch, doch je mehr ich um mich trete, desto mehr verheddere ich mich in den Pflanzen, deren Ranken nach mir zu greifen scheinen. Ist das Seeungeheuer erwacht, um eine ahnungslose Schwimmerin zu sich hinabzuziehen? Panisch schlage ich nach den Ranken, während meine Lungen nach Luft schreien. Mein Kopf durchbricht die Wasseroberfläche und ich ziehe mich ans Ufer. Zitternd und nass liege ich auf dem Gehsteig und starre zum Fluss, in der Erwartung, dass ein aufgerissener Ungeheuerrachen hervorbricht und mir nachsetzt, doch die Oberfläche ist so ruhig wie zuvor. Nur eine abgerissene Ranke, die um meinen Knöchel liegt, ist von dem Spuk zurückgeblieben.