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Wenn sich der Vater suizidiert
Bewältigungsstrategien von Jungen
Bewältigungsstrategien von jungen Männern, die ihren Vater durch Suizid verloren haben, sind der Gegenstand der vorliegenden empirischen Arbeit. Obwohl die Soziale Arbeit durchaus Theorien oder Konzepte zu Bewältigungsstrategien kennt, findet über Hinterbliebene von Suizid und über potenzielle Aufgaben der Sozialen Arbeit bei deren Unterstützung kaum ein wissenschaftlicher Diskurs statt. Das Thema wird fast ausschliesslich der Seelsorge überlassen. Diese Arbeit soll diesem Desiderat mit einer theoretisch fundierten und empirisch gestützten Auseinandersetzung entgegenwirken und einen Beitrag zu weiteren Diskussionen über Bedürfnisse und Strategien von Jugendlichen nach einem Vatersuizid leisten. Die theoretische Grundlegung konzentriert sich auf die Herleitung und Einordnung zentraler Begriffe aus der Perspektive der Soziale Arbeit, die für die Erhebung und Analyse von Bewältigungsstrategien potenziell von Interesse sind. Mittels retrospektiv angelegter problemzentrierter Interviews wurden darauf aufbauend sechs Männer, die in ihrer Jugend den Vater durch Suizid verloren haben, zum Umgang mit dem Vatertod befragt. Die induktiv vorgenommenen Analysen der transkribierten Gespräche zeigen, dass sich die befragten jungen Männer während der Adoleszenz in erster Linie in Peergruppen und in der Familie mit dem Suizid des Vaters auseinandersetzten, während institutionalisierte Unterstützung vorerst als sekundär eingestuft, zu einem späteren Zeitpunkt dann aber (meist in Form einer Psychotherapie) angenommen wurde. Es kristallisierte sich heraus, dass Jungen vor allem unter der Situation der trauernden Mutter litten, was in ihrem Bewältigungsprozess eine grosse Rolle spielte und zuweilen erhebliche Konsequenzen nach sich zog; die Jugendlichen wurden teilweise gar in ihrer Bewältigungsleistung behindert. Die Soziale Arbeit verfügt über unterschiedliche Handlungskompetenzen, die im Zusammenhang mit der Bewältigungsleistung eines Jugendlichen unterstützend wirken könnten. Dennoch spielte die Profession keine Rolle im Bewältigungsprozess der befragten Jungen. Die vorliegende Arbeit dient dazu, Professionelle der Sozialen Arbeit für die Situation von hinterbliebenen Jungen zu sensibilisieren und darüber aufzuklären, wo in deren Bewältigungsprozess Anknüpfungspunkte für unterstützendes Eingreifen liegen. Aufgrund dieses Wissens können Professionelle der Sozialen Arbeit offen auf betroffene Jungen zugehen und diese in ihrem Bewältigungsprozess kompetent begleiten.