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Als ich am letzten Freitagnachmittag, wie gewohnt, das Zimmer der Frau S betrat sass sie strahlend in ihrem Rollstuhl. Ich ahnte nichts Gutes, denn Frau S ist sehr erfinderisch. Nach meinem "Wie geht es Ihnen heute", legte Frau S auch schon los. "Ich muss Ihnen etwas zeigen Herr Madou". Sie rollte mit dem Rollstuhl in Richtung Tür. Mir fiel auf, dass sie nicht mit den Händen an den Reifen griff, sondern schön, wie von mir unzählige Male erklärt und vorgeschlagen, am Greifbügel, jener Greifbügel, der dazu dient, dass der Patient sich nicht verletzt an eventuellen Glassplittern und anderem Ungemach, der so leicht an diesen Gummireifen hängen bleibt. Frau S hatte es nicht so mit diesem Bügel und rollte sich immer mit Hilfe der Reifen vor- oder rückwärts, je nach erwünschter Zielrichtung. Und jetzt auf einmal, ohne meine belehrenden Worte, diese Kehrtwende. Ich fühlte mich wie ein Bergsteiger, der gerade zum ersten Mal die Eiger Nordwand bezwungen hat.
Inzwischen rollte Frau S von schräg rechts in Richtung Türöffnung, drehte zu früh ein und stiess natürlich mit der einen Hand gegen den Türpfosten. "Sehen Sie Herr Madou. Das meine ich. Das beweist, dass Ihre Methode nicht gut ist. Mit meiner Methode stosse ich nie an den Türpfosten und verletze meine Hand. Mit ihrer schon." Uns sie beendete ihr Plädoyer mit: "Also". Also bei ihr hiess so viel wie: "Was sagen Sie dazu. Jetzt sind Sie platt, was?" Ich war platt. Es bewies, wie sehr es sie beschäftigt hatte, mir zu beweisen, dass sie Recht hatte, was natürlich nicht stimmte. Aber sie hatte nachgedacht über das Rollstuhlfahren und über meine Instruktion. Dass sie bewusst an den Türpfosten gefahren war, war offensichtlich, denn während die eine Hand sich zwischen Türpfosten und Bügel einklemmte, war neben der anderen Hand jede Menge Platz (Die Türen im AZ sind extra Breit). Es bedurfte jetzt von mir eine klare Reaktion. " Das beweist in der Tat etwas Frau S" sagte ich. "Und was beweist es" war ihre Antwort. "Das man Ihnen vor 15 Jahren zurecht den Führerschein abgenommen hat. Denn lenken ist nicht Ihre grüsste Stärke". "Den habe ich selber abgegeben" sagte sie, denn sie hat gerne das letzte Wort.
Unser Rollstuhlstreit geht wahrscheinlich in die nächste Runde. Mal sehn, was Frau S kommenden Freitag auf Lager hat.