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Krauchthal
Kirche Krauchthal
Die Kirchgemeinde Krauchthal ist räumlich identisch mit der politischen Gemeinde Krauchthal und umfasst die Teile Krauchthal, Hettiswil, Hub und Dieterswald. Die heutige Kirche wurde 1793/94 unter der Leitung von Ludwig Emanuel Zehender errichtet und ist ein Kind des Spätbarocks. Das schlichte Gebäude mit zierlichem Frontturm wird von zwei hübschen Holzlauben eingefasst. Der Taufstein, das Wandgestühl und die Orgelempore stammen aus der Bauzeit.
Die älteste Urkunde über die Kirche Krauchthal stammt aus dem Jahr 1270. Eine Sage erzählt, die Krauchthaler hätten ihre Kirche auf dem Längenberg bauen wollen, als sie aber ans Werk gehen wollten, stand das Gotteshaus bereits auf dem heutigen Platz.
Ab 1555 hatte Krauchthal zwei Drittel der Einzugsgelder in einen Kirchenrenovationsfonds zu legen und einen Drittel an den Staat abzuliefern. Somit ist anzunehmen, dass die damalige Kirche einer Erneuerung bedurfte. Ende des 18. Jahrhunderts diskutierte das Chorgericht schliesslich über eine Erweiterung oder einen Neubau der zu diesem Zeitpunkt mindestens 360-jährigen Kirche, da diese nicht nur zu klein, sondern auch nach Ansicht der Berner Regierung baufällig war. Man beschloss, die Kirche neu zur errichten, wobei die Gemeinde für das Schiff und den Turm, die Obrigkeit für den Chor zuständig war.
Ludwig Emanuel Zehender, der obrigkeitliche Werkmeister, war 73-jährig, als er die Leitung des Kirchenbaus übernahm (gleichzeitig war er auch für den Bau der Kirche Grindelwald zuständig). Das Holz für Turm und Schiff schlug man im Finsterbach, dasjenige für den Chor auf der Fluh bei der Kirche. Den Kalkstein rüstete Steinbrecher Niklaus Schnez in Solothurn. Nach dreijähriger Bauzeit konnte die Kirche fertiggestellt werden.
Die 1794 fertiggestellte Kirche ist ein verputzter Saalbau mit einem polygonalen Chorabschluss, einem geknickten Dachstuhl und einer klaren Hausteingliederung. Eine Besonderheit stellt die Hauptfassade im Westen dar: Der zentrale, dreigeschossige Turm wird von zweigeschossigen Holzlauben (1797) flankiert. Lohnenswert ist auch der Blick in die Kirche, die neben den bauzeitlichen Ausstattungsgegenständen Taufstein, Wandgestühl und Orgelempore auch Grisaille-Malereien an den Turmtüren und Chorfenster (1922) von Rudolf Münger besitzt. Die Goll-Orgel mit 14 Registern und zwei Manualen, nach der Disposition von Münsterorganist Hess-Rüetschi, stammt aus dem Jahr 1898. Sie wurde 1998/99 durch die Firma Wälti, Gümligen restauriert.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 531.
- Krauchthal, Thorberg: ein Heimatbuch, 5 Bde., Burgdorf: Haller und Jenzer, 1971-1999, Band 1, S. 121-152.
- Schweinegruber, Max und Ulrich Zwahlen, 200 Jahre Kirche Krauchthal, Krauchthal: M.Schweinegruber, 1994.