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Glen Campbell war Mitglied der «Wrecking Crew» in Los Angeles, einer losen Gruppe von Msuiker/-innen, die als Session-Musiker mit allen, allen, allen Aufnahmen gemacht haben: «Bobby Darin, Ricky Nelson, Dean Martin, Nat King Cole, The Monkees, Nancy Sinatra, Merle Haggard, Jan and Dean, Elvis Presley, Frank Sinatra and Phil Spector» den Beach Boys und Bobbie Gentry (siehe Wikipedia). Eine wahre Legende. Vor einiger Zeit erhielt er eine Alzheimer-Diagnose. Daraufhin nahm er letztes Jahr seinen Fairwell-Song auf: «I’m not gonna miss you», ein sehr persönlicher Song über sein Leben, seine Liebe und seine Krankheit:
Was man immer wieder hören kann von ihm sind folgende drei Stücke:
Witchita Lineman (nicht übertrieben einer der besten Songs, die je aufgenommen worden sind)
Glen Campbell: «Wichita Lineman». Text und Musik: Jimmy Webb. Nachweis (Single): Capitol 2302 (Single), 1968.
By The Time I get To Phenix
Glen Campbell: «By The Time I Get To Phoenix». Text und Musik: Jimmy Webb. Nachweis (Single): Capitol 2015 (Single), 1967.
Rhinestone Cowboy
Glen Campbell: «Rhinestone Cowboy». Text und Musik: Larry Weiss. Nachweis (Single): Capitol P 4095, 1975.
Der Musikmarkt ist zersplittert wie noch nie und die Verkaufszahlen befinden sich auf einem absoluten Tiefpunkt. Kann eine Hitparade wie die Billboard Hot 100 noch so tun, als gäbe es einen Markt auf dem relevante Songs erfolgreich sind?
Dieser interessante Podcast aus der Reihe von Upward Spiral Deep Dive Podcasts vertieft das Thema der Relevanz von Charts/Hitparaden in unserer Zeit. Anlass für die Diskussion ist, dass ein Mobile-Anbieter eine Million Exemplare von Jay-Zs Album Magna Carta Holy Grail vorgekauft hat, um die Tracks ihren Kunden zu verschenken.
Für die Billboard Charts zählen alle verkauften physischen oder digitalen Alben, aber nur dann, wenn ein Kunde die Kaufentscheidung selbst trifft und das ist bei der Million Jay-Z-Alben nicht der Fall. Der Podcast wirft allerlei interessante und wichtige Fragen im Zusammenhang mit Hitparaden auf: Was soll gemessen werden – ein Kauf, Aufmerksamkeit (seit Februar 2013 werden auch Youtube-Abrufzahlen für die Billboard Hot 100 berücksichtigt), Trends auf Twitter, geklickte Like-Buttons? Für wen sind Charts interessant – für oberflächliche MusikhörerInnen, die dem nachjagen, was sie verpasst haben könnten, oder für das Musikbusiness selbst?
HAIM, der Sister-Act aus Los Angeles, der diesen Sommer verdientermassen in aller Munde ist, wird immer wieder mit Bands verglichen, die am Ende der 70er Jahre sehr erfolgreich waren, mit den Eagles oder Fleetwood Mac. Wer hat damit angefangen?
Diese Woche wurde der neue Track The Wire bei Stereogum wie folgt beschrieben:
Cali sisters HAIM have yet to release an LP, but when they do, the thing is gonna be an absolute destroyer. The band’s singles just get better and bigger with each subsequent release, and “The Wire” — which premiered today on Zane Lowe’s BBC show — is their most robust and confident track to date: It has the lushness of Fleetwood Mac and the swagger of the Pretenders over a drum track borrowed from Gary Glitter or T. Rex, with a studio-enhanced density of sound that stands up next to Ke$ha’s most frenetic and ambitious material. It’s a fucking great, great song. Listen. – Quelle: Stereogum (29. Juli 2013)
Dann kam der Track bei Stereogum in die fünf besten Songs der Woche und wurde wie folgt beschrieben:
It’s hard to talk about “The Wire” without throwing out a bunch of comparisons that make HAIM sound fussily retro-minded: Fleetwood Mac, the Pretenders, and (as was pointed out to me) the Eagles. And yeah, all those comparisons are earned and accurate. But “The Wire” never feels old or overly reverent; instead, it’s one of the freshest, funnest things to be released this summer: all head-bobbing handclaps, lite bass drops, funk guitar wah, string stabs, and vocal mini-runs over an infectious melody. Sisters Danielle, Alaina, and Este Haim trade vox on the verses like tag-team wrestlers, and come together in a rush of harmony on the bridge. It’s pure energy, really, pure joy. – Quelle: Stereogum (Autor: Michael, 2. August 2013)
Nun aber zu meinem Problem: Ich höre weder Fleetwood Mac noch die Egales (höchstens das Schlagzeug aus Heartache Tonight, aber das ist weit her gezogen). Es regt sich mir der Verdacht, dass hier bei einem Act, dem der Erfolg des ersten Albums jetzt schon sicher ist, der Megaerfolg herbeigeredet wird. Fleetwood Mac und die Eagles meinen hier nur «höchste Verkaufszahlen in der Rock-Geschichte» – oder hören Sie den Zusammenhang vom HAIM-Sound und Fleetwood Mac?
Die Eagles-Connection wurde dem Autor offenbar zugeflüstert «(as was pointed out to me)». Der Text vermerkt es: Es handelt sich um Rumours. Bei Fleetwood Mac soll der Zusammenhang in der Üppigkeit des Sounds bestehen («the lushness of Fleetwood Mac»). Sorry, das spricht immer noch nicht zu mir und irritiert weiter. Was wird da herbeigeredet? 40 Millionen verkaufte Tonträger? Was sollen die drei Schwestern da für Wunder bewirken?
Lese ich doch diese Woche auch, dass die Schallplattenverkäufe in den USA ein Rekordtief erreichten: Zum ersten Mal seit 1991 (das ist seit Nielson SoundScan die verkäufe sondiert), d.h. wahrscheinlich seit viel, viel früher, fielen die Verkäufe in fünf aufeinander folgenden Wochen auf unter 5 Millionen Stück (siehe: U.S. Album Sales Hit Record Lows, Hypebot, 2. August 2013).
Konklusion: Den Zusammenhang zwischen der immer noch krankenden Musikindustrie und den Pressetexten über HAIM (falls das die Quelle ist) halte ich für grösser als der Zusammenhang zwischen HAIM- und Fleetwood-Mac-Sound.
Nachbemerkung: Wenn ich eine der HAIM-Schwestern wäre, dann wäre ich beleidigt, dass meine frische Musik so tief in der Musikgeschichte verwurzelt wird. Ich würde drauf bestehen wollen, dass das neu ist, was ich mache. Aber die Zeiten wollen von einem Act, der ein Megaseller wird, dass er Retro oder Revival ist, wie zum Beispiel Adele. Auch wenn die Sache neu klingt, muss sie an der Geschichte angeknüpft und in einem möglichst goldenen Zeitalter verortet werden. Auf Teufel komm raus.
Oder sollten wir das Genre vielleicht Nu-Postrock-Revival nennen?
Vor Jahren noch wurde die Geschichte von Pop- und Rockmusik modern konstruiert, nämlich als zeitliche Abfolge von Genren und Stilen. Ein Stil setzt sich durch und erschöpft sich. Dann war Zeit, dass er von einem jüngeren abgelöst wurde. So entwickelte sich aus Garagerock, Glam und aus Glam, Punk etcetera etcetera. Die Abfolge konnte eine sanfte Weiterentwicklung sein oder wie im Fall von Punk ein Spektakel, eine Revolution. Ein Genre oder Stil hatte so gesehen eine Verfallszeit, wurde irgendwann überwunden, war vorbei. Wer geschmacklich an einem veralteten Genre hing, war genauso vorbei wie die Musik. Gute alte Welt!
Seit die Postmoderne in der Popmusik angekommen ist und sich breit gemacht hat, existieren alle Genres gleichzeitig. Alles ist möglich: Swing, Easylistening, Rockabilly.
Manchmal kommen die Genres auch in Wellen: Postrock-, Garagerock, Disco-Revival. Und wenn man diese Wellen benennen möchte, dann greift man zu Vor- oder Nachsilben: Retro-dies, Retro-das, XY-Revival, Neo-dies, Neo-das, New-dies, New-das.
Für Musikdatenbanken, die Genrebezeichnungen zur Beschreibung der Musik enthalten, stellt sich schon bei der zweiten Revivalwelle das Problem ein, wie man das Revival vom Revival bezeichnen soll. «Postpunk-Revival-Revival» oder «Neo-Postpunk-Revival»? Vielleicht werden wir dann zur Versionsnummer greifen müssen: «Psychedelicrock 3.0». Ich bin echt ratlos und die Not wird grösser, je länger die Postmoderne dauert.
Take Me To The River, Take Me To The Water, To Be Baptized ist ein Gemeinplatz (Topos) der Modernen Musik. Er kommt in vielen bekannten Songs zum Beispiel von Nina Simone, Al Green oder den Talking Heads vor – also nicht nur im Gospel oder Soul.
Dust-To-Digital ist ein Label aus Atlanta, das darauf spezialisiert ist, Aufnahmen aus der frühen Zeit der Schallplatten neu aufzulegen. Solche für die Populäre Musik verhältnismässig alte Musik kam zwischen den Nuller- und den Vierziger-Jahren des 20. Jahrhunderts auf Edison-Zylindern und alten Schellack-Platten heraus; manchmal ist sie auf Tonband aufgenommen worden und blieb so erhalten. Bei der Musik dieser CD handelt es sich um afroamerikanische Musik und Americana. Musik aus diesen Sparten wurde erst ab den Zwanziger-Jahren aufgenommen, die Stücke auf der CD zwischen 1924 und 1940. Take Me To The Water: Immersion Baptism In Vintage Music And Photography 1890-1950 kommt als Buch in etwa doppelter Postkartengrösse daher und enthält eine CD, die im hinteren Buchdeckel eingepackt ist. Das Buch ist ein Fotoband, mit Fotos von Taufszenen aus der Sammlung von Jim Linderman.
Immersion Babtism, Wassertaufe, ist die von verschiedenen christlichen Gemeinschaften bis heute praktizierte Taufe im Fluss, bei der die getaufte Person ins Wasser getaucht wird. Die an der schriftlichen Überlieferung hängenden Theologen unserer Zeit streiten natürlich über die Rechtmässigkeit dieses Rituals (siehe zum beispiel Wikipedia (en)), da die Bibel sich über den genauen Ablauf des Rituals nicht äussert, nicht darüber, ob der Priester dem Täufling das Wasser ins Gesicht spritzt, es ihm über den Kopf leert oder ob er ihm im Wasser stehend wie zum Tanz den Arm um die Lenden legt, worauf sich die zu taufende Person nach hinten ins Wasser fallen lässt bis der letzte Teil des Körpers, das Gesicht, unter der Oberfläche verschwindet.
Nachgestellt wurde eine solche Taufe wie viele für die frühe afroamerikanische Musik wesentlichen Gemeinplätze im Cohen Brothers Film O Brother, Where Art Thou?.
Das betörende Stück Musik kommt von Alison Krauss. Zur Wassertaufe wurde, besonders in den afroamerikanischen Communities wunderschön gesungen. Aus diesen Gesängen entstand Jahre später die Soulmusik, die bis heute ein wesentliches Segment der modernen Musik bildet.
Die Stücke auf Take Me To The Water: Immersion Baptism In Vintage Music And Photography 1890-1950 sind stilistisch bemerkenswert vielfältig: frühe Countrymusik, die ja damals noch viele Elemente aus dem Blues und dem Gospel enthielt (beispielsweise Tracks 11, 17 oder 24), sind genauso enthalten, wie Westernswing-Nummern (15, 20), Folk-Balladen (4, 9) oder Countryblues (22). Der Rest besteht aus Predigten und Gospelgesängen, wobei die Predigten natürlich interaktiv mit der Gemeinde praktiziert sind und jederzeit in Musik übergehen als wäre die Musik ihr eigentliches Element.
Mir kommt zum Thema «Wassertaufe» die Erzählung in den Sinn, die am Anfang des Films Hélas, pour moi von Jean-Luc Godard aus dem Off erzählt wird. Sie geht so: Als der Vater meines Vaters eine schwierige Aufgabe zu erfüllen hatte, ging er an einen bestimmten Ort im Wald, entzündete ein Feuer, und versank in ein inniges Gebet. Was er zu erfüllen hatte, wurde erfüllt. Als dann der Vater meines Vaters vor der selben Aufgabe stand, ging er zur selben Stelle im Wald und sprach: «Wir wissen zwar nicht mehr, wie man ein Feuer entzündet, aber wir kennen das Gebet noch genau» und was er zu erfüllen hatte, wurde erfüllt. Mein Vater ging seinerseits in den Wald und sprach: «Wir wissen nicht mehr, wie man ein Feuer entzündet, wir kennen auch das Geheimnis des Gebets nicht mehr, aber wir kennen noch genau den Ort im Wald, wo es geschah, und das muss genügen». Und es genügte. Als ich schliesslich vor dieser Aufgabe stand, blieb ich zu Hause und sprach: «Wir wissen kein Feuer mehr zu entzünden, wir kennen die Gebete nicht mehr, nicht mal mehr die Stelle im Wald. Aber wir können die Geschichte noch erzählen.» Take Me To The Water: Immersion Baptism In Vintage Music And Photography 1890-1950 trägt Zeugnisse zu einer Taufpraxis zusammen, Tondokumente der sie begleitenden Musik und Musikstücke, in denen die Wassertaufe thematisch im Zentrum steht. (O Brother, Where Art Thou? dagegen ist eine stark ironische Version der selben Geschichte).
Wir leben dank unseren Aufzeichnungs- und Speichermedien in einer fundamental anderen Zeit als die Autoren der Bibel: Mit CDs und Büchern wie diesen können wir den auf uns folgenden Generationen ein vollständigeres Bild der Taufe in afroamerikanischen Kreisen im Anfang des 20. Jahrhunderts geben: Wir haben Filmmaterial, Ton- und Bilddokumente. So bleiben der Nachwelt die gelehrten Dispute über die genaue Art des Rituals vielleicht erspart. (Allerdings bin ich überzeugt, sie werden vortrefflich über andere Dinge streiten können.)
CD und Buch sind ein grosses sinnliches Vergnügen. Diejenigen unter Ihnen, die aufgrund des Alters der Musik am Hörvergnügen zweifeln, seien mit dem Denomination Blues, Pt. 1 von Washington Phillips verlockt:
Das Instrument, das Phillips spielt ist eine Zither. Wunderschön, nicht wahr? Oder um mit den Cohen Brothers zu sprechen: «Come on in Boys, the water is fine!»
Die BBC nutzt die relativ neue Technologie der Web Audio API, um Effektgeräte des BBC Radiophonic Workshops aus den 60er Jahren zu simulieren. Eine nette Spielerei für die einen, Cutting-Edge-Technologie für die andern (weil die Simulationen kein Flash brauchen, sondern mit Ajax/Java Script gebaut sind).
Vier Simulationen sind online verfügbar: ein Schuss Effektgerät (Gunfire Effects Generator), der Wobbulator, eine Tape Loop Simulation und ein Ring Modulator.
Für Musikinteressierte sind die vier Applikationen interessant, weil man mit ihnen nachvollziehen kann, wie der BBC Radiophonic Workshop damals die Effekte für die beliebte und kultige TV-Serie Dr. Who produziert hat: Roboter-Stimmen, Schüsse, Science-Fiction-Musik. Die Musik zur TV-Serie ist auf CD und Digital greifbar:
Diese Soundeffekte sind nicht nur Geschichte, sondern werden auch in der aktuellen Musik prominent eingesetzt, um die Stimmung aus den 60er Jahren wieder wachzurufen. Hauntology heisst dieser Retro-Musikstil. Machen Sie eine Zeitreise und spielen Sie hier mit der Applikation der BBC.
Songs sind in der Regel etwas zum Mitsingen – laut heraus oder still im Innern. Solche Songs rühren die Emotionen an: sie stimmen uns, machen uns fröhlich, heiter, traurig, … Einige dieser Songs geraten aber auch ins Denken. Das beginnt oft mit der Frage: «Was singen die da eigentlich?», «Was heisst diese Zeile, wen man sie ins Deutsche übersetzt?», «Wovon handelt der Song eigentlich?», «Was bedeutet er?» Bei den folgenden Songs haben mich mir solche Fragen gestellt und deshalb singe ich sie nicht nur innerlich mit, sondern dachte und denke über sie nach. Bei einigen dieser «Songs zum Mitdenken» gehen Fragerei und Denkerei weiter und weiter …
Herman’s Hermits: No Milk Today
Ein wunderbarer Baroquepop Song aus der Beat-Zeit. Die Diskussion über seine Bedeutung auf der Songmeanings-Seite ist unterhaltsam: Da wird spekuliert, dass das lyrische Ich ein Verhältnis mit dem Milchmann gehabt haben könnte. Aber die Bedeutung dieses Songs ist ganz einfach: Englands Milchmänner stellten den Belieferten täglich eine volle Milchflaschen vor die Haustüre und nahmen die leere Flasche vom Vortag wieder mit. Wenn man in die Ferien ging oder keine Milch brauchte, stellte man die leere Flasche raus mit einem Zettel, auf dem stand: «No milk today». Es geht in diesem Song also um die Appetitlosigkeit, die der Liebeskummer mit sich bringt. «Lieber Milchmann, ich brauche keine Milch zum Frühstück, weil ich verlasen wurde, Liebeskummer habe, nichts essen und trinken mag.»
Ein interessanter Aspekt an diesem Song ist, dass der Zettel und die leere Flasche vor dem Reihenhaus ein ganz normales, alltägliches Bild hergeben, wo aber hinter der Haustüre eine Welt zusammengebrochen ist. Flasche und Zettel bilden eine Art Scharnier zwischen privater und öffentlicher Welt.
Der Song wurde von Graham Gouldman geschrieben, der, bevor er bei 10cc Bass spielte und komponierte, für Beat-Bands wie die Hollies, Herman’s Hermits oder die Yardbirds Hitsongs verfasste.
Neben der Melodie, die im Ohr hängen bleibt, ist dieser Song bemerkenswert wegen der Art wie er über das Ende einer Beziehung spricht. Es gibt nicht ein Wort über die Befindlichkeit des Erzählers, kein «sie ist weg», «nun bin ich so allein», «so unendlich traurig» und «ach!, hätte ich sie doch besser behandelt», auch kein, «diese Schlampe, soll sie doch gehen, sie wird schon sehen, was sie aufgegeben hat». Indirekt spricht der Song darüber, dass Schmerz und Kränkung keine soziale Konsequenz haben, sondern privat bleiben. Das ist so englisch wie die Milchflasche vor der Haustüre.
Wenn ich ein Buch über Musik schreiben würde, ich finge mit diesem Lied an, um zu zeigen, wie Musik als Zeichen immer zwei Bedeutungs-Richtungen hat: eine intersubjektive nach aussen und eine subjektive nach innen. Die Notiz an der Milchflasche funktioniert in dieser Hinsicht genau wie ein Popsong: Sie hat eine objektive und eine private Bedeutungsdimension. Die private Dimension erlaubt uns alles Mögliche in die Musik hineinzulesen. Ein Stück wird so zu einem Stück unserer Biografie (zum Beispiel: «das ist das Stück, zu dem wir zusammen getanzt haben» oder «das Stück der Ferien in Schottland»). Tonträger zeichnen nicht nur Musik auf, sondern auch unsere Lebensgeschichte.
Peggy Lee: Is That All There Is?
Elf Jahre nach Fever, dem grossen Hit von Peggy Lee, schaffte sie es noch ein Mal in die Hitparaden. Das war 1969 mit Is That All There Is?, das in die Adult Conteporary Charts kam. An diesem Song arbeiteten einige der grössten Künstler/-innen des 20ten Jahrhunderts mit, weshalb das Wort «Jahrhundertsong» ohne Übertreibung angebracht ist:
Geschrieben wurde der Song von Leiber/Stoller, die unter anderem für einige von Elvis‚ grössten frühen Hits verantwortlich waren (Hound Dog, Jailhouse Rock, King Creole). Die Idee für den Song nahmen sie von niemand geringerem als von Thomas Mann, von dessen Erzählung «Enttäuschung». Ein Mann, der von Glücks- und Unglücksfällen in seinem Leben enttäuscht ist und keine Illusionen mehr hat, erzählt Episoden aus seinem Leben und wie sie ihn spätestens im Nachhinein vollkommen leer zurücklassen. Das ist starker Tubak, kein Stoff für Teens und Tweens; das ist kein Rock’n’Roll, sondern Existenzialismus pur. Musik, die sich an die Zielgruppe von Erwachsenen wendet, wird vor allem in Amerika unter Adult-Contemporary oder Adult-Alternative klassiert. Peggy Lee sowie Leiber/Stoller waren von den Beatles und den anderen Rock-Acts schon lange aus den Spitzenrängen der Hitparaden weggefegt. Blieb nur noch das Altern in Würde und das Musikmachen für reifere Leute oder der Rückzug aus dem Geschäft. Is That All There Is? gehört klar zur Kategorie «Altern in Würde». Der Song hat eine historische Tiefe, die bis zu Vaudeville und den Europäischen Chansons der Roaring Twenties zurückreicht. Die Musik arrangierte Randy Newman, der aus einer Filmmusiker-Familie in Hollywood kam und dessen Karriere als Singer-Songwriter gerade begann. Peggy Lee erzählt die Text-Strophen statt sie zu singen. Gesungen ist nur der Refrain:
Is that all there is, is that all there is
If that’s all there is my friends, then let’s keep dancing
Let’s break out the booze and have a ball
If that’s all there is?
Hildegard Knef sang das Lied auf Deutsch und da geht der Text wie folgt:
Wenn das alles ist, wenn das alles ist
wenn das wirklich alles ist
dann lass uns leben wie’s eben so geht
solang es geht
wenn das alles ist
Der Song gipfelt darin, dass auch der Tod eine Enttäuschung sein wird und deshalb eine Selbsttötung nicht in Frage kommt. Damit wird die völlige Ausweglosigkeit, die philosophische «Aporie» der menschlichen Existenz dargestellt. Ein europäisches Thema, das bei den Afroamerikanern im Blues ihren Spiegel hat, freilich aus ganz anderen Motiven und Gründen. Der afroamerikanische Blues steht unter anderem für die Enttäuschung über die soziale Stellung der Schwarzen in Amerika. Die existenzielle Enttäuschung bei den Weissen hat viele Ursachen, über die man Bücher gefüllt hat, Bücher füllt und füllen wird: der Ennui, der Niedergang des Christentums und dessen Werte, die industrialisierte Moderne und ihre als brutal empfundene Lebensweise in Grossstädten.
Emmylou Harris: Pancho And Lefty
Ein Song von Townes Van Zandt, den nur eingefleischte Fans von Singer-Songwritern oder Folk- und Countrymusik kennen. Und lieben! Die Version von Emmylou Harris kommt fünf Jahre nach dem Original von Townes Van Zandt 1977 auf ihrem Album Luxury Liner heraus. Ich habe dieses Album viel zu spät entdeckt, da es 1977 in Europa in der Punkwelle unterging. Pancho And Lefty erzählt die erfundene Geschichte (eine Jessie James Variante) des mexikanischen Bandits Pancho und seinem Mitstreiter Lefty, der ihn für Geld um die Ecke bringt. Der Song erzählt einfühlsam, wie es ist, ein Outlaw zu sein:
Pancho was a bandit, boys
His horse was fast as polished steel
Wore his gun outside his pants
For all the honest world to feel
Well, Pancho met his match you know
On the deserts down in Mexico
And nobody heard his dyin‘ words
Ah but that’s the way it goes
und was es heisst, als Verräter weiterleben zu müssen:
Lefty, he can’t sing the blues
All night long like he used to
The dust that Pancho bit down south
Ended up in Lefty’s mouth
Was für Zeilen!
Gerry And The Pacemakers: You’ll Never Walk Alone
http://www.youtube.com/watch?v=8smO4VS9134
Dieser Song kommt aus dem Broadway Musical Carousel, das Floppte. Aber ein Song daraus, You’ll Never Walk Alone, machte besonders in der Version von Gerry And The Pacemakers Karriere (Duzende haben den Song gecovert). Er wurde zum Schlachtgesang der Fans des 1. FC Liverpool und zur Inspiration für We Are The Champions von Queen. George Martin schrieb das Arrangement des Songs, das ohne die Beat-Band auskam. Nur die Stimme von Gerry Marsden, dem Sänger der Gruppe, war hier (neben etwas Schlagzeug) gefragt.
Offenbar kann man den Song auf zwei recht verschiedene Arten verstehen, wie sein Titel es zum Ausdruck bringt, als Song von sozialem Zusammenhang, als: «Du bist nicht allein». So entfaltete der Song als Schlachtgesang eine Wirkung. Als Barbra Streisand das Lied für die 3000 Opfer des Anschlags auf das World Trade Center sang, machte sie eine andere Bedeutungsdimension geltend: die des Trostlieds, das Mut zuspricht:
When you walk Through a storm
Hold your head, up high And don’t be afraid, of the dark
‚Coz at the end of the storm Is a golden sky
And the sweet silver song of the lark
Walk on, through the wind
Walk on, through the rain
Though your dreams be tossed and blown
Walk on, walk on
With hope, in your heart
And you’ll never walk alone
Au Pairs: Sex Without Stress
Die Au Pairs waren eine Band aus Birmingham, die von einer erklärten Lesbe, Lesley Woods angeführt waren. So darf ich das aber gar nicht schreiben, weil die Band zunächst streng paritätisch und programmatisch aus zwei Männern und zwei Frauen bestand; alle Bandmitglieder waren gleichberechtigt. Und doch die spätere Anwältin aus London war die Spokeswoman der Postpunk-Band, die mit Funk-, Reggae- und Dub-Elementen immer haarscharf am Rand der Dissonanz arbeiteten. Die Themen in den Songs waren vorwiegend Geschlechterpolitik und Feminismus. Sie waren Vorreiter für die viel später aufkommenden Riot Grrl Bands.
Ich liebte diesen kalten, weissen Funk, die Tanzbarkeit von Postpunk-Stücken überhaupt. Diese neue Musik fegte für einige Zeit fast alles weg, was vorher war, keinen Funk hatte und nicht tanzbar war. Die 80er waren da, eine neue Zeit – eine neue Musik!
Love: Alone Again Or
Das Forever Changes Album von Love ist schlicht das schönste Psychedelic-Album. Die Musik ist so farbig wie die Illustration auf seinem Cover. Es besteht aus Folkrock-Nummern voller Flamenco- und Mariaci-Einflüssen. Obwohl das Album ein 45 Jahre altes Zeitzeugnis darstellt, klingt es kein Bisschen verstaubt.
Die Band aus Los Angeles hatte zunächst wenig Erfolg mit dem Album und wenig Erfolg als Band. Erst im Nachhinein wurde sie in Musiker- und Kritikerkreisen zu einer Kultband erhoben und Forever Changes gehört zu den besten Alben aller Zeiten (zum Beispiel Platz 49 bei Acclaimed Music, Stand Oktober 2012). Der Misserfolg ist vielleicht deshalb kein Wunder, da die Band mit jedem Album einen anderen musikalischen Stil pflegte: Garagerock, Psychedelicrock, Psychedelicpop. Auch war sie von ständigen Personalwechseln geplagt, dann von Auseinandersetzungen und Drogen. Alone Again Or hat im Intro diese vom Rhythmus her unergründliche Melodielinie. Das hat wohl etwas mit Flamenco zu tun. Im nächsten Leben werde ich Flamenco-Gitarrist.
Fleetwood Mac: Storms
Ein herzschmerzliches Lied über eine unmögliche Liebe, wahrscheinlich die der Autorin, Stevie Nicks, zum Fleetwood Mac-Drummer Mick Fleetwood oder zum Gitarristen Lindsay Buckingham. Fleetwood Mac waren die beste Rockband am Ende der 70er. Ich habe deren Rumours und Tusk Alben angehört, bis die Rillen leer gekratzt waren.
Ich schreibe in den Tagen über Storms, die wir in New York verbringen, während der Sturm Sandy die Stadt und unsere Bewegungsfreiheit lahm legt. Der Sturm steht in diesem Lied für die seelische Aufgewühltheit einer Person:
But never have I been a blue calm sea
I have always been a storm
Fleetwood Mac waren eine Band, die aus zwei Paaren (plus Drummer) bestand. Sie gingen durch die Prozesse, die in Goethes Wahlverwandtschaften beschrieben sind: Paare, „die sich ‚über Kreuz‘ verlieben. Der Konflikt zwischen Leidenschaft und Vernunft führt ins Chaos und schließlich zu einem tragischen Ende“ (Wikipedia, Oktober 2012). Die Turbulenzen, die seelischen Stürme, die die Bandmitglieder miteinander erlebten, verarbeiteten sie zu wunderbaren Liedern, zum Beispiel eben zu Storms.
Es ist interessant, wie verschieden Musik zu Stande kommt. Die Songwriter von Fleetwood Mac verarbeiten eigene Erlebnisse, Gefühle, Empfindungen zu Songs. Die Lieder sind sozusagen der Ausdruck innerer Wetterlagen. Vor vier Tagen habe ich mir das Buch von David Byrne, How Music Works, gekauft, in dem der vielfältige Singer-Songwriter (ehemals von den Talking Heads) über die Entstehung seiner Songs schreibt. Es sei eben nicht die innere Aufgewühlt-Sein, der kreative Drang, der sich in Songs vergegenständlicht, sondern es sei so, dass Musiker/-innen immer in einem Kontext arbeiten und dass diese teils sehr verschiedenen Kontexte (Räume, Instrumente, Studios, der Raum zwischen den Kopfhörermuscheln usw.) die Musik prägen, weil die Musiker/-innen Musik machen, die in diese Kontexte passen. Byrne nennt das: «Creation In Reverse», die Kontexte arbeiten an den Songs mit, sie sind so etwas wie Mitautoren. Das heisst nicht, dass beim Komponieren kein Feuer im Spiel sein kann. Der Sturm in New York hat die Strassen unpassierbar gemacht und den Subway geflutet. Unsere Nchbarn im Süden haben keinen Strom.
Emerson, Lake And Palmer (Greg Lake): C’est la vie und Hallowed Be Thy Name
http://www.youtube.com/watch?v=ZOJlAcPbmCM
Works ist wahrhaft nicht die grossartigste Platte von Emerson, Lake and Palmer. Mit ihr versuchte die Band 1977 nach dreijähriger Pause an die früheren Erfolge anzuschliessen. Aber schon das Konzept des Doppelalbums zeigt, dass man kaum noch von einer Band sprechen kann: Drei der vier Seiten werden von jeweils einem der drei Musiker im Alleingang produziert. Nur die vierte Seite ist Emerson, Lake and Palmer. Und nur Greg Lakes Seite ist Musik, die mich zu bewegten vermochte. Zusammen mit King Crimson-Kollege Peter Sinfield verfasste Lake fünf aussergewöhnliche Songs, die unter Musikjournalist/-innen kaum je gewürdigt werden.
Das Lied ist die häufigste musikalische Form in der Popmusik und das 20. Jahrhundert als Jahrhundert der Popmusik ein Jahrhundert der Songs. Die Liedform steht wie zum Beispiel die Märchen in der Literatur in zwei völlig verschiedenen Traditionslinien, der des Volkslieds und der des Kunstlieds (bei den Märchen Volksmärchen und Kunstmärchen). Volkslieder kennt man, kann man mitsingen, sie sind populär, wer sie zuerst gesungen hat, weiss man nicht mehr; Kunstlieder sind komponiert, im Wortsinn künstlich, akademisch. Der Song im 20. Jahrhundert führt ein Zwitterdasein zwischen Volks- und Kunstlied. We Are The Champions zum Beispiel hat etwas vom Volkslied: alle können es mitsingen. Aber der Song hat auch etwas vom Kunstlied: Er wurde geschrieben, komponiert, um das zu sein, was er ist, eine Art Schlachtgesang. Vielleicht kann man die Popsongs unserer Zeit als Kunstlieder bezeichnen, die gerne zum Volkslied würden. Aber diese Daumenregel gilt nicht für alle Popsongs, gilt nicht für die fünf Lieder von Greg Lake auf Works. Sie sind Kunstlieder und wollen nichts anderes sein.
Die fünf Songs sind:
Lend Your Love To Me Tonight,
C’est La Vie,
Hallowed Be Thy Name,
Nobody Loves You Like I Do und
Closer To Believing.
Die teils pompöse orchestrale Begleitung dieser Songs muss man mögen, den Schmalz, die hirnverbrannte Konstruiertheit des Textes von Hallowed Be Thy Name. Hier kommen Sätze bzw. Wortklaubereien vor wie:
You needn’t be well to be wealthy
But you’ve got to be whole to be holy
Und diese Wortklaubereien entlang dem Widersinn scheinen in ein Gespräch mit einem Verrückten eingelassen. Die Verrückten sind in der Literatur natürlich die eigentlich Weisen! Und da dieser Song immer wieder das «Gebet des Herrn» zitiert: «Hallowed be thy name», «thy will be done», «Let thy kingdom come» und verdreht: «Lead me into temptation» könnte es sein, dass der Verrückte der Gott selbst ist. Nun ist das aber alles nicht so ganz klar. Eigentlich kann man den Sinn dieser Worte nicht verstehen und das ist es dann vielleicht auch, was Greg Lake und Peter Sinfield uns mitteilen wollten: Gott ist eine verrückte Idee.
C’est La Vie ist bei weitem der bekannteste in diesem kurzen Liedzyklus. Es wurde nur auf dem europäischen Festland als Single herausgegeben und wurde hier oft am Radio gespielt. Die Melodie ist einfach und eingängig, der Song erzählt in poetischen Bildern davon, wie unwahrscheinlich und schwierig die gelungene Liebe ist. Eines der ewigen Themen also. Gekleidet ist C’est La Vie in die Textur eines Chansons aus dem Land der Liebe. Emerson kroch dafür hinter seiner Wand aus Synthesizern und Orgeln hervor und spielte das Akkordeon.
Die Kunstlieder von Greg Lake kamen 1977 zu spät. Die Musik wurde von Punk neu definiert. Emerson, Lake and Palmer hatten in dieser neuen Welt keinen Platz mehr und wirkten lächerlich und von gestern:
c’est la vie, Who knows, who cares for me, c’est la vie
Welches sind die international erfolgreichsten Acts der modernen Musik? Wikipedia hat darauf eine Antwort, genauer mindestens zwei Antworten, denn die englisch- und die deutschsprachigen Seiten gehen hier etwas auseinander. Der Grund liegt in der Quellenlage. Erhoben für den Zweck von Hitparaden werden in der Regel nationale Verkaufszahlen offizieller Releases (das sind Vinyl, CDs, DVDs, Cassetten und in neuerer Zeit die digitalen Downloads).
Zu international gültigen Zahlen aufsummiert werden diese Erhebungen leider nicht. Teilweise geben Labels an, ihre Künstler/-innen hätten weltweit so und so viele Items verkauft. Das ist aber oft Wunschdenken der Marketingmitarbeitenden dieser Unternehmen.
Die Top-Ränge der deutschen und englischen Wikipedia unterscheiden sich aber nur durch geringe Platzunterschiede und durch das Fehlen jeweils eines Acts. Ich folge hier der deutschsprachigen Liste in Wikipedia (Juli 2012) und behandle die sechzehn Acts, die mindestens 200 Millionen Einheiten verkauft haben. Dann füge ich einen Act hinzu, der in dieser Liste fehlt, der aber laut der englischen Wikipedia vielleicht auch 200 Mio. Items verkauft hat. Sodann füge ich die drei Acts an, die diese Verkaufszahlen nicht erreichen, deren Karriere aber erst in den 2000er Jahren begonnen hat und die folglich nicht so lange Zeit hatten wie die Topacts. Den Punkt setze ich mit dem Künstler, von dem ich annehme, dass er die Liste anführen würde, wenn nicht die Verkaufszahlen, sondern der musikalische Einfluss massgebend wäre.
Jeder Act ist hier mit einem Song repräsentiert, zu dem ich jeweils eine kleine Geschichte erzählen möchte.
Der erste Platz: Elvis Presley
American Trilogy ist ein Stück, das aus drei alten Songs aus dem 19. Jahrhundert besteht:
Dixie (ein Blackface Minstrel Song, die unoffizielle Hymne der Konföderation während dem Bürgerkrieg – die Konföderation waren die abtrünnigen Südstaaten: Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana, Texas, Virginia, Tennessee, Arkansas und North Carolina)
The Battle Hymn of the Republic (ein Marsch der Unionsarmee der Nordstaaten während dem Bürgerkrieg)
All My Trials (ursprünglich ein Schlaflied aus den Bahamas, verwandt mit Negro Spirituals)
Die grün eingefärbten Staaten der USA (siehe Bild) bildeten im Bürgerkrieg die Konföderation. Das waren die Staaten, in denen Sklaven gehalten wurden. Die Sklaverei war aus der Sicht der Union (der Nordstaaten) für einen bürgerlich-liberalen Staat nichts anderes als ein Skandal. Der Bürgerkrieg ging zugunsten der Union aus, die Konföderation unterlag schwer getroffen. Es gibt einige Lieder, die wie «American Trilogy» mit Wehmut vom Untergang Dixies, den Südstaaten, handeln (z.B. auch The Night They Drove Old Dixie Down von der Band). Dieses Dixieland ist der Geburtsort der modernen Musik, der Schmelztiegel, in dem sich (das ist die einfache Version der Geschichte:) die schwarzafrikanischen Elemente (synkopischer Rhythmus, Wechselgesang und Bluenotes) mit europäischen Elementen (Harmonik) vermengte. Die Wehmut entsteht nicht so sehr dadurch, dass sich jemand die Sklaverei, um die es im Bürgerkrieg ging, zurückwünscht. Vielmehr überlagert sich das Mitleid mit den Kriegsverlierern (es gab 600000 Tote und unzählige Krüppel) mit dem für immer verlorenen Teil der Musikgeschichte. Leider gibt es ja keine Zeugnisse, die die Entstehung der Musik verlässlich dokumentiert, die im 20. Jahrhundert weltweit wichtig und in der ersten Welt dominant geworden ist.
Allerdings haben wir das interessante Projekt Long Road to Freedom von Harry Bellafonte, der versucht hat, die Musik aus der prä-phonografischen Zeit zu rekonstruieren.
Nun aber zurück zu Elvis! Er ist in den frühen 70ern, ein grossartiger Soul, Country, Rock und Blues-Sänger. Er macht zwar kaum mehr wichtige Studioaufnahmen, hinterlässt aber ein zumeist live gesungenes Songbook des Amerikanischen Südens, ähnlich dem Great American Songbook, das die Schlager der Tin Pan Alley und die Broadway Showtunes versammelt.
Eine Fussnote noch zum Song, den ich von Elvis ausgewählt habe: Das Original dieses Songs stammt von Mickey Newbury, einem in Nashville angestellten Songwriter, der sich am Ende der 60er Jahre, dem Zeitgeist entsprechend, entschliesst, Singer-Songwriter zu werden. Er macht eine handvoll wunderbare Alben, die beiläufig das Outlawcountrygenre (das Genre der Country-Singer-Songwriter wie Willie Nelson) begründen, bevor der Begriff geprägt wurde.
Durch die Wiederauflage der drei wichtigsten Alben in einer 4CD-Box haben das Saint Cecilia Knows und das Drag City Label Newbury aus der Vergessenheit geholt.
Der zweite Platz: The Beatles
http://www.youtube.com/watch?v=57jdgNKwdRs
Der John Lennon Song wurde 1968 für den Zeichentrickfilm Yellow Submarine in 10 Stunden eingespielt. Ein ‚Throwaway‘, ein hingeschmissener Füller, für das Yellow Submarine Album, das nicht durch eine eigene Session entstanden ist. Der Song erweist sich aber im Nachhinein als ausserordentlich robust: Das Riff ist eines der besten der Beatles, die Energie ist unvergleichlich. Am Ende geschieht, was bei den späten Beatles üblich war: In die Coda hinein spricht Lennon improvisierte Nonsense-Reime. Und er bellt. McCartney stimmt mit ein und es entsteht ein Dialog zwischen den beiden. Paul ist der bellende Hund, John schreit ihn an: «quiet, quiet» …
Der dritter Platz: Michael Jackson
Aus dem ersten Post-Motown-Album von Michael Jackson, Off The Wall. Diese frühe Nummer hat alles, was einen Michael-Jackson-Song ausmacht. Zwar war er nie eine Single, entwickelte sich aber zu einem Fixpunkt in Jacksons Live-Shows.
Der vierter Platz: Bing Crosby
Der Song entstammt dem Musical New Americana, das ein Flop wurde. Seine Melodie basiert auf einem russischen Schlaflied. Brother, Can You Spare A Dime? ist einer der wenigen Broadway Songs, die in Moll beginnen und dazu ein hochpolitischer Song, der die Brüderlichkeit und das Mitleid in einer Zeit mit massenhaft Arbeitslosen anrührte. Er wurde ein riesiger Hit, bevor Rossevelt Präsident wurde. Wikipedia schreibt, der Song sei die Hymne der gescheiterten Träume der Ära.
Bing Crosby war ein ganz und gar amerikanisches Produkt: Er war als Sänger allen Massenmedien zugetan: Schallplatten, Radio, Film. Das Mikrophon, das allen diesen Übertragungsmedien zugrunde liegt, und seine Stimme sorgten für eine Musikalische Revolution: Nun hatte die moderne Musik des 20. Jahrhunderts der Belcanto-Stimme aus der klassisch-akademischen Musiktradition etwas entgegen zu setzen: die Crooning-Stimme. Diese ist eine intime Mikrophonstimme, die den Hörer/-innen vorkam, als würde der Sänger ihnen leise ins Ohr singen.
Der fünfte Platz: Abba
http://www.youtube.com/watch?v=sdEYePsPZXM
Das letzte Album von ABBA, The Visitors wurde im April als Deluxe-Ausgabe neu aufgelegt. Es enthält auch das Material für ein Folgealbum, das aber wegen der Trennung der Gruppe nie herauskam. Und so findet man diese zweitletzte Single von ABBA als Bonustrack auf The Visitors. The Day Before You Came ist in musikalischer Hinsicht ein starker Song, ein früher Schritt der Schweden ins Synthpop-Format, das die Popmusik der 80er Jahre prägen wird.
Agnetha singt aus der Perspektive einer durchschnittlichen Frau über den Tag, bevor du kamst – peinlich genau. Eine schier unerträgliche Langeweile. Es heisst im Text: «A matter of routine, I’ve done that since I finished school». Tom Ewing stellt in der Pitchfork Rezensension die Frage nach dem, der da kommt: Der künftige Lover oder vielleicht der Killer? Ja, es hängt etwas Düsteres über den späten ABBA: die Last zweier gescheiterter Beziehungen.
Der sechste Platz: Queen
http://www.youtube.com/watch?v=BAf2S6ij2gk
Queen fingen als Hardrock-Act an. Dieser Song des 3. Albums Sheer Heart Attack hat dieses Vaudeville-Feel. Der Sound kommt zustande, indem Freddy Mercury nicht einen Flügel, sondern ein Klavier spielt. (So etwas hörte man zur Zeit auch in Tracks von Glamrock-Acts wie David Bowie oder Lou Reed). Der Song, der von einer Erstklass-Nutte handelt, so Freddie Mercury, brachte Queen den langersehnten Durchbruch und prägte den künftigen Sound der Band.
Im Text lässt Mercury die Killer-Queen sagen: «Let them eat cake», was ein nicht belegtes Zitat von Mary Antoinette ist. Marie Antoinette soll diese gleichgültigen, blasiert-überheblichen Worte gesagt haben, als man ihr vom Hunger des französischen Volkes berichtete.
Der siebte Platz: Led Zeppelin
Hier wird ein Blues von Memphis Minnie aus dem Jahr 1929 gecovert. Er thematisiert die verherende Missisippi Flut von 1927.
Die Version von Led Zeppelin ist auf dem vierten Album zu finden (auf demjenigen mit Stairway To Heaven). Es handelt sich um ein Wunderwerk der modernen Studioproduktion: Ein damals neu geliefertes Schlagzeug und die Harmonica wurden aufgenommen und verlangsamt, dann mit Rückwärtsecho versehen und komprimiert. Das ergibt eine unheimliche, beängstigende Wirkung. Live konnte dieser Sound nicht reproduziert werden.
Der achte Platz: Madonna
Ich habe die zweite Single von Madonna nach langer Zeit wiedergehört und war verblüfft, wie rockig der Song ist: Die Gitarre steht im Zentrum. Da ist noch wenig von Madonnas künftigem Dancepop Sound; diesen musste sie sie noch erfinden …
Der neunte Platz: Pink Floyd
Diesen Track komponierte Roger Waters schon für das Album The Wall, er wurde aber von den anderen Gruppenmitgliedern als zu persönlicher Song abgelehnt. Es ist nämlich die Geschichte, wie Roger Waters‘ Vater im Krieg in Italien das Leben verlor. Der Track wurde bei Wiederauflagen des Nachfolgealbums The Final Cut als Bonustrack beigegeben und kommt auch im Film vor.
Interessant ist, dass beide Haupt-Songwriter bei Pink Floyd – Roger Waters und Syd Barrett – ihren Vater im zweiten Weltkrieg verloren haben. Ob das ein Grund für die schweren psychischen Probleme Barretts, seinen Zusammenbruch und dem Ausscheiden aus der Band ist? Roger Waters hat seine Bitterkeit über den Vaterverlust kreativ verarbeiten können. Der Krieg war wieder einmal der Vater der Dinge: Er war der Quell einer der besten, wichtigsten und erfolgreichsten britischen Rockgruppen.
Der zehnte Platz: Elton John
Aus dem gleichnamigen Album von 1971. Der Song handelt von einem Besuch in einer Irrenanstalt. Der Erzähler ist der besuchte Insasse. Er ist verrückt und nicht verrückt, wie Verrückte es halt sind.
Dieses Thema war zur Zeit nicht geeignet für eine Single, aber gab den Albumtitel her. Man spekulierte, dass Elton John hier über Richard Nixon und Watergate sang. Nixon wurde gegen Ende seiner Amtszeit regelrecht paranoid. Bernie Taupin, der Lyriker, wies diesen Zusammenhang von sich. Aber die Stimmung der Zeit steckt natürlich mit in einem Song. Und ein Text kann mehr enthalten als die Intention seines Autors.
Der elfte Platz: Bob Marley And The Wailers
Dieser Song war 1971 auf dem von Lee Perry produzierten Album Soul Revolution zu finden, dann 1973 auf African Herbsman und 1978 neu aufgenommen auf Kaya. Hier zum Vergleich die beiden Versionen:
Der zwölfte Platz: Céline Dion
Eric Carmen schrieb diese Powerpopballade 1975.
Alle Popvocal-Acts von Frank Sinatra bis Sheryl Crowe haben ihn aufgenommen. Celine Dions Version gilt als bemerkenswert, weil dieser Song neben dem Titelsong für den Film Titanic zu einem ihrer Markenzeichen geworden ist.
Der dreizehnte Platz: Cher
Erster Megahit, der die Auto-Tune Software ver-wendet statt anwendet. Auto-Tune wird gegen die Absicht des Herstellers angewendet, Stimmen in der Tonlage zu korrigieren, wenn sie den Ton verfehlen. Chers Stimme wird mittels der Software zuerst transponiert, damit sie wie ein Mann klingt, dann roboterhaft gemacht, als käme sie aus einem Vocoder. Bei gleitenden Tonwechseln klingt sie wie ein Keyboard/Synthi.
Es fällt fast nicht auf, dass Believe am Anfang ein Sample verwendet. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus Prolog/Epilogue von ELO aus dem Album Time.
Der vierzehnte Platz: AC/DC
Rock’n’Roll ist nicht einfach Lärm, Rock’n’Roll wird nie sterben. So dieser Song. Bon Scott, der Sänger der Gruppe, hat sich in London gerade totgesoffen. Die Band geht drei Tage nach der Beerdingung ins Studio um Back in Black, ihren grössten Erfolg, aufzunehmen.
Für die einen ist die Stelle schaurig, wo Bon Scotts Nachfolger Brian Johnson höhnisch lacht, während er von der Unsterblichkeit der Musik singt. Wir Gladiatoren des Rock’n’Roll Zirkus sterben zwar, die Sache aber bleibt lebendig. Auf Latein heisst das «ars longa, vita brevis». Ich höre in diesem Lachen (2:07 im Video) aber auch den offen zur Schau gestellten Triumph des Überlebenden, von dem Canetti in Masse und Macht schreibt. Diejenigen, die älter werden als ihre Altersgenossen fühlen einen Hauch der Unsterblichkeit und des Heldentums in sich. Rock’n’Roll Stars waren und sind so etwas wie Gladiatoren. Sie kämpfen mit etwas anderen Waffen als die Gladiatoren des alten Roms. Es ist das Leben in Saus und Braus, der Alkohol, die Drogen, die sie frühzeitig zur Strecke bringen können.
Der fünfzehnte Platz: Rolling Stones
Dies ist die dritte Single der Stones. Es ist erstaunlich, dass keine ihrer ersten drei Singles eine Blues-Nummer war. Sie aber eine Blues-Band. Es zeigt sich früh: Mit einer puristischen Haltung kommt man im Rockgeschäft nicht sehr weit.
Den beiden Songwritern der Gruppe, den Glimmer Twins Jagger und Richards, fiel es anfangs unglaublich schwer, einen Song zu schreiben. Ihr Manager Andrew Loog-Oldham soll die beiden öfter mal in einer Küche eingesperrt haben, damit sie unabgelenkt arbeiten konnten.
Vorbild für die ersten Rolling-Stones-Songs aus der eigenen Schreibe waren vor allem die frühen Motown-Songs von Marvin Gaye.
Der sechzehnte Platz: Mariah Carey
Carey ist seit 1990 eine der bemerkenswertesten Pop-Sängerinnen. Ihre Stimme umfasst nicht weniger als fünf Oktaven. Charakteristisch an ihrem Gesang ist der melismatische Stil, das heisst, dass die Sängerin mehrere Töne pro Silbe singt (eine andere Sängerin, die auch Powerballaden voller Melismen singt, ist Christina Aguilera). Man kennt das aus der arabischen Musik oder aus den barocken Kolloraturen der europäischen klassischen Musik.
Das Original von Without You stammt von der Liverpooler Band Badfinger. Badfinger hatten einen Schallplattenvertrag beim Beatles-Label Apple und waren nach der Trennung der Fab Four Hoffnungsträger, deren Nachfolge im Pophimmel anzutreten.
Der erhoffte Erfolg blieb allerdings aus und beide Komponisten der Band haben sich erhängt, nicht aus Liebeskummer, wie dieser Song es nahe legt, sondern wegen Management- und Geld-Problemen.
Dieser Song hat sie überlebt: Zuerst kam die berühmte Harry Nilsson Version. Diese und das Badfinger Original waren noch ohne die erwähnten Melismen gesungen.
1993 folgte Mariah Careys Version. Paul McCartney bezeichnete Without You als «the killer song of all time». Mariah Careys Interpretation darf getrost als die prototypische Powerpop-Ballade der neueren Zeit gelten.
Addendum 1: Bee Gees
Meine obige Zusammenstellung stützt sich auf die deutsche Wikipedia. Die englische hat eine andere Reihenfolge, aber bis auf eine Ausnahme die selben Musiker/-innen in den Toprängen. Diese Ausnahme sind die Bee Gees.
http://www.youtube.com/watch?v=RRNTQvXSsfA
I Started A Joke ist eine frühe Nummer ab dem dritten Album der Gruppe. Das Video ist ein Livemitschnitt aus einem Konzert und zeigt den im Mai verstorbenen Robin Gibb in intimer Nähe. Er war es, der mit seiner Stimme die Identität die frühen Bee Gees geprägt hat. Nun lebt von den drei Brüdern nur noch Barry Gibb, der mit seiner Falsettstimme den Bee-Gees-Sound der Discojahre geprägt hat.
Addendum 2: Drei Interpreten, deren Karriere nach 2000 begann
Ich behandle jetzt noch drei Interpreten aus den hinteren Toprängen, deren Karriere erst nach dem Milleniumswechsel begann. Alle sind «fast growing Artists», die in wenigen Jahren schon einige der oben behandelten Topartisten überholen könnten.
Da ist Lady Gaga
Im Song geht es um die Zerrissenheit einer Frau, die zwischen einem «Jesus» und einem «Judas» schwankt und sich näher zum zweiten hingezogen fühlt, der ihre Liebe aber verrät. Lady Gaga hat erklärt, dass der Song davon handelt, dass man die eigene innere Dunkelheit respektieren muss, um sich selber ins Licht stellen zu können. Diese Aussage kommt daher wie eine Plastik-Weisheit von einer Künstlerin, an der alles künstlich ist – als Programm natürlich. Ich meine das nicht als Kritik.
Dann Rihanna:
Wenn Rihanna weitermacht wie in den letzten vier Jahren, kommt sie in die vorderen Ränge, bevor sie dreissig Jahre alt ist. Ich halte sie für die begabteste Popsängerin. Ihr Loud-Album ist das Thriller unserer Zeit. Ich meine das nicht als billigen Spruch: Auf diesem Album hat es kaum Füllmaterial, es ist reich an Ohrwürmern und stilistisch vielfältig.
Beachtlich ist auch die Reihe der Pop- und Rap-Acts, die Rihanna als Gastsängerin gehabt haben: Jay-Z, Kanye West, Coldplay, Drake, Niki Minaj, Eminem, David Guetta, um nur die wichtigsten zu nennen.
Man Down ist der Song über die Rache einer vergewaltigten Frau. Sie steht vor dem Richter (weltlich oder moralisch) und bittet um Milderung der Strafe, nachdem sie ihren Vergewaltiger in der New Yorker Central Station vor allen Leuten erschossen hat.
Und schliesslich Linking Park:
Diese Gruppe nahm Nu-Metal sowie Rap-Metal und mutierten diese Stile zu einer sehr poppigen neuen Musik von heute, produziert für den iPod, dicht und digital.
Ich höre in Lost In The Echo eine heute sehr typische Produktionsweise: Statt Dynamik in der Lautstärke hören wir Dynamik in der Dichte der Sounds. Der Song geht voll Brett von der ersten bis zur letzten Sekunde ab.
Gerade vor drei Tagen kam zu Lost In The Echo ein interaktives HTML5-Video heraus, in das man sich mit seinem Facebook Account einloggt und das einem dann Bilder aus dem eignen Profil herausspielt. Ein geschickter Schachzug für eine Band mit 44,821,199 Facebook Followers.
Übrigens ist es auch interessant die Acts aufzulisten, die in Facebook am meisten Followers haben: Da sieht es (Sept. 2012) so aus:
Eminem, 60,867,985
Rihanna, 60,107,467
Shakira, 54,240,337
Lady Gaga, 53,227,662
Michael Jackson, 51,683,138
Justin Bieber, 46,384,099
Katy Perry, 46,108,736
Linkin Park, 44,821,199
AKON, 40,060,809
Lil Wayne, 40,295,865
Addendum 3: Bob Dylan
Bob Dylan hat nicht so viel verkauft, wie er wichtig ist, nur 70 Millionen Einheiten. Der grösste Lyriker/Musiker des 20. Jahrhunderts, noch immer ohne Nobelpreis, den er schon mehrfach mit jedem seiner Karriereschritte verdient hat.
Ballad Of A Thin Man ist ein Stück voller surrealer Poesie. Ein Mr. Jones, 60er-Jahre-Biedermann, durchaus ein Vertreter des Establishments, hat allerlei Erlebnisse, die er nicht mehr mit seinem Weltbild vermitteln kann. «Etwas passiert in der Welt, aber Sie wissen nicht, was, nicht wahr, Mr. Jones?» Das Video stammt aus dem Film I’m Not There, der Dylans Leben in freier Weise und damit sehr angemessen erzählt.
September 2012, Christian Schorno
Dieser Beitrag ist bei der Vorbereitung für den Blind Test 5 in der Zürcher Bar Rossi am 3. September 2012 entstanden.