Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03473.jsonl.gz/1271

«Schon lange frage ich mich, was der Flurname Elbschen bedeutet», schrieb Karin Nussbaum aus Burgistein BE. Auf der Siegfriedkarte um 1900 ist ersichtlich, dass der heutige Name Elbschen eigentlich «Unter Elbschen» hiess, das gleich westlich von «Ober Elbschen» zu finden ist. Südlich von Ober und Unter Elbeschen ist auf der Landeskarte aus dem Jahr 1992 der Name «Elbschen» verzeichnet.
Wir sehen also, dass der Name «Elbschen» sich verbreiten konnte und die Namen «Ober Elbschen» und «Unter Elbschen» motiviert hat. So weit so gut. Was bedeutet nun eigentlich Elbschen? Das Wort lässt sich im Schweizerdeutschen Wörterbuch, Idiotikon genannt, finden. «Elbsch» oder «älbsch» ist ein schweizerdeutsches Adjektiv und bedeutet «weissgelb». Es handelt sich in Burgistein also um ein Landstück, mit der weiss-gelblichen Bodenfarbe.
Namensgebende Bodenfarbe
Die Bodenbeschaffenheit wird also beim Zeitpunkt der Namengebung verfärbt gewesen sein – etwa durch Kalkablagerungen. Als Element von Flurnamen charakterisiert der Name Elbsch demnach eine weissgelbe Färbung des Bodens. Es ist sehr häufig so, dass die Bodenfärbung vielen Flurnamen zum Namen verholfen hat. Die Farben Rot und Schwarz scheinen dabei in der Schweiz besonders beliebt zu sein. In Escherz TG gibt es etwa einen Rotacker und in Pfäfers SG und Rheinau ZH den Rotboden sowie in Kienberg SO die Rotbüelhalde. Die Rotackerstrasse, der Rotacker-Ischlag und der Rotacker ziehen sich als roter Faden durch die Gemeinde Walterswil, die bis 1818 sogar offiziell Walterswil-Rothacker hiess. Namenkundlich verweisen rote Flurnamen auf rötlichen oder eisenhaltigen Boden oder auf einen Familiennamen Rot(h).
Wer nun nur noch rotsieht, darf sich in der Gemeinde Rumisberg BE umsehen. Dort gibt es den Weissacker. Weisse Flurnamen verweisen oftmals auf helles Gestein oder auf den häufig vorkommenden Namen Wiss/Wyss. Prominentes Beispiel hierfür ist etwa der Bergname Weissenstein im Kanton Solothurn, der wegen seinen weissen Kalkwänden so heisst. Um sich vor lauter Farben nicht schwarzärgern zu müssen, hilft ein Besuch auf der Blaumatt in Lyss BE oder auf dem Blauseeli in Uttigen BE. Diese Flurnamen weisen auf bläulich gefärbten Kalkstein, schieferige Erde oder auch auf das Vorkommen von bläulich wirkendem Wasser hin.
Schwarze Flurnamen können auf dunkle Erde oder im übertragenen Sinn auf Dinge, die geschmuggelt oder verboten sind, oder aber auf den Familiennamen Schwarz hinweisen. In Hauenstein-Ifenthal SO und Boltigen BE gibt es zum Beispiel eine Schwarzmatt, in St. Stephan B) ist der Name Schwarzbrand überliefert. Sich Schwarz ärgern oder doch lieber Rot sehen? Beides muss in Burgistein beim Namen Elbschen nicht sein.
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin am aktuellen Band "Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu". Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.
Sendet Eure Flurnamen ein
Möchtet Ihr wissen, warum ein Acker, den Ihr bewirtschaftet oder der Weiler, auf dem Euer Haus steht, einen bestimmten Namen trägt? Dann schickt uns Eure Flurnamen (und die jeweilige Ortschaft) ein
Antworten auf Fragen zu Flur- und Ackernamen weiss die Sprachwissenschaftlerin Beatrice Hofmann-Wiggenhauser. Schicken Sie Ihre Frage an <email-pii>, Betreff «Flurnamen». Oder per Post an: Schweizer Bauer, «Flurnamen», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Flur- und Ackernamen werden von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ausgewählt und auf schweizerbauer.ch besprochen.