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Unbekannter Maler, 1825 datiert
Gouachemalerei auf Papier
H. 10 cm, B. 8,5 cm
Inv. 1930.134.
Hieronymus Hess (1799–1850), einer der bedeutendsten Schweizer Künstler in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hatte in seiner Heimatstadt Basel zunächst eine Lehre als Flachmaler absolviert, dann Zeichenunterricht genommen und bei dem aus Mainz stammenden Maximilian Neustück (1756–1834) und beim Basler Künstler und Verleger Peter Birmann (1758–1844) gearbeitet.
Kopien nach Hans Holbein schulten und prägten seine malerischen Fähigkeiten und Vorstellungen. Durch Verbindungen und Fürsprache Birmanns, der selbst neun Jahre in Rom gelebt und gearbeitet hatte, ging er 1819 nach Italien, wo er bis zum Ende des Jahres 1820 in Neapel arbeitete. Ein Stipendium der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen und einer Freimaurerloge aus Basel erlaubte ihm einen anschliessenden Aufenthalt in Rom. Er nahm intensiv am geselligen Leben und künstlerischen Austausch der dort aus ganz Europa versammelten Künstler teil und lernte mit dem Dänen Bertel Thorvaldsen und dem Deutschen Joseph Anton Koch die berühmtesten Künstler seiner Zeit gut kennen. Nach vier Jahren kehrte er im September 1823 nach Basel zurück. Doch dort blieb er nicht lange: Ein Basler Gönner, Rudolf Emanuel Wettstein-Iselin (1761– 1835), ermöglichte ihm einen Studienaufenthalt in Nürnberg.
Zuvor hatte er Thorvaldsen um seine Meinung über Hess und das vorgesehene Ziel gebeten. In einem sehr wohlwollenden Empfehlungsschreiben hatte es dieser sehr befürwortet, um Hess’ Fähigkeiten in Nürnberg, «wo die edelsten Meister alter und neuer Zeit vorhanden sind, recht harmonisch und gründlich ausbilden zu können». Der Studienaufenthalt in Nürnberg 1825/26 erfüllte aber Hess’ Erwartungen nicht; das künstlerische Leben dort konnte sich in keiner Weise mit dem intensiven Austausch in Rom vergleichen lassen. Trotz der Enttäuschung «hat mich doch gefreut, dass ich mich einige Zeit an Ort und Stell aufgehalten hab, wo einst der grosse Dürer geathmet hat», schrieb er einige Monate später an einen Freund.
Vermutlich entstand dieses bislang unpublizierte Porträt des Hieronymus Hess während seines Aufenthaltes in Nürnberg. Es zeigt ihn nicht in romantischer Künstlerattitüde, sondern als gepflegte, bürgerliche Erscheinung.
Das war, nach Ausweis anderer Porträts und Zeitzeugen, aber nicht immer der Fall; der Maler Ludwig Richter (1803–1884) aus Dresden berichtet von einem Treffen in Nürnberg, bei dem Hess ihn «im tiefsten Negligé, ohne Rock und Weste, die Hemdärmel aufgestreift, mit ungekämmtem Haare, in dem noch Bettfedern und Strohhalme hängen geblieben waren», besucht hatte. Richter, der in Rom schon Zeichnungen von Hess gesehen hatte und von seiner Begabung für das Humorvolle und Karikierende überzeugt war, freute sich aber sehr, «diesen so oft besprochenen alten Gesellen hier so unverhofft anzutreffen».
Finanziell beengte Verhältnisse prägten sein Leben seit seiner Rückkehr nach Basel und nach seiner Heirat im Jahre 1828. Trotz vielfacher Einladungen kam es nicht dazu, dass er seinen Freund Friedrich Salathé in Paris besuchen konnte; die einzige etwas weitere Reise führte ihn 1844 nach Strassburg.