Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03424.jsonl.gz/1079

Nach zuwenigen Stunden schlaf klingelte der Wecker (oder besser gesagt die Weckfunktion des Mobiles) um neun Uhr. In meinem kleinen Bad dusche ich und zieh mich an, trinke gerade noch eine halbe Tasse Instantkaffee, laufe das dreckige Treppenhaus hinunter und ducke mich unter den Ästen der Bäume vor dem Haus auf die Strasse durch. Das erste Auto hält, nachdem ich ein Zeichen gegeben habe und der Fahrer ist mit 250 Tenge einverstanden, die mich zur Kreuzung Jendossova/Pravda bringen sollen, wo sich die schon erwähnte „Kazakh Economic University“ befindet. Die Strasse bin ich runter gelaufen und habe gedacht, das grosse Gebäude vor mir sei die Uni. Ein grosser Militärhelikopter stand als Ausstellungsstück davor und als ich überall Soldaten gesehen habe war ich überzeugt, dass das nicht der richtige Ort war. Ein kurzer Anruf und Birjan kam mir entgegen. Fünf Minuten Weg und wir erreichten die Uni, ein grosses Gebäude, aussen verziert mit schönen Mosaiken aus kommunistischer Zeit, innen dekoriert mit viel Marmor.
In den Konferenzsaal wurden wir begleitet, Günther, welcher Lehrer in der DKU ist hat sich gestern auch noch entschieden mitzukommen. Ein langer Tisch mit Mikrophonen, alles etwas dunkel aber gemütlich. Birjan und die Mitstudenten bereiteten den Beamer und die Powerpoint-Präsentation vor. Die Leitung der Uni kam zu uns und begrüsste uns herzlich auf Englisch und bedankte sich für unser Kommen. Auch der Vizedirektor hat sich mir vorgestellt und nachdem er die Präsentation vorzeitig verlasen musste hat er mir und Günther noch einen kleinen Zettel auf den Tisch gelegt, wo er auf Englisch hingeschrieben hat:“ Dear Rafael – Thank you verry much! I must go… So-sincer. Yours Alexey Schydko“. Inklusive Unterschrift.
Wir mussten noch etwas warten, bis alle Schüler im Konferenzraum eingetroffen waren. Birjan begann mit seinem Vortrag, wobei zu erwähnen ist, dass er diesen zuerst auf Deutsch hielt. Und Birjan lernt erst seit einem Jahr Deutsch und spricht dieses beinahe schon fliessend. Mit einer einfachen PowerPoint-Präsentation zeigte die Route auf, die die Studenten wählten, in Deutschland. Darauf ist Konstanz, Bremen und am Schluss Berlin zu erwähnen. Jeweils ein Foto zeigte er und darauf befand sich meist ein signifikantes Gebäude der jeweiligen Stadt. In der Zeit, als er vorgetragen hat, konnte ich mir etwas Zeit nehmen die anderen Studenten, welche alle am langen Tisch sassen, zu beobachten. Darunter waren wunderschöne kasachstanische Frauen, mit geschminkten Lippen, doch dies war dezent gemacht und sehr professionell. Auch die Kleider zeigten ein hohes Mass an Identität. Wie hierzulande üblich tragen die Frauen, auch schon im jungen Alter Schuhe mit hohen Absätzen und bei der Qualität der Gehsteige hier oder im Winter könnte man das Gehen in Higheels zur Olympischen Disziplin erklären. Oft besprachen sie kurz etwas mit ihrer Tischnachbarin.
Nach dem Vortrag von Birjan war eine dieser schönen Frauen, mit Name Aliya an der Reihe, welche ebenfalls einen Text vorgelesen hat, zu einer PowerPoint-Präsentation. Sie war dann etwas verunsichert, als die Bilder nicht mehr mit ihrem Text übereinstimmten, amüsant war eine Sequenz, als ein Bild zum Oktoberfest in München gezeigt wurde, an welches die Gruppe auch gehen wird. Doch auf dem Foto hiess es auf der Werbung „Baltica Beer“ ; Günter reagierte gleich und sagte, dieses Foto stamme nicht aus Deutschland, denn dort gibt es garantiert kein Baltica Bier.
Der zweite Vortrag wurde von einer anderen Studentin ebenfalls auf Deutsch gehalten. Sie hatte mit der Artikulierung mehr Mühe, wählte auch ein viel schwierigeres Thema. Über den Schriftsteller Heinrich Heine berichtete sie und zum Schluss las sie sogar noch eins seiner Gedichte vor. Das war rührend, denn es fehlte an Wissen um die Art und Weise, wie ein Gedicht vorgetragen werden sollte.
Nach weiteren Vorträgen und dem Ende der Präsentation stellten die Studenten uns verschiedene Praxisnahe Fragen. Wie das Wetter Ende Oktober in Deutschland sei, was ein Brot koste und eben wieviel Taschengeld sie denn mitnehmen müssen. Sie wollten noch Wünsche von unserer Seite für Ihre Reise erhalten. Ich sagte Ihnen übers Mikrophon, mich würde es freuen, wenn sie ihr Erlebtes aufschreiben würden, damit si e später zusammen reflektieren können. Des Weiteren sagte ich, dass das Erwartete und Vorgestellte meist nicht einträfe, sondern jeder etwas ganz Anderes vor sich habe, wenn Er oder Sie in ein anderes Land gehe. Wir haben noch abgesprochen, dass wir nochmals eingeladen werden, nach Rückkehr der Studenten aus Deutschland. Dann können Sie erzählen, was sie erlebt haben.
Hier sehen Sie noch ein Foto vom beschriebenen Anlass – für eine grössere Darstellung klicken Sie bitte auf das Bild.