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Wird
vom
Puschlaverbach oder
Poschiavino durchflossen, der im
Lago Bianco (2230 m) nahe der Berninapasshöhe entspringt. Im n. Abschnitt
des Bezirkes herrscht alpines, im südl. dagegen schon ein sehr mildes insubrisches Klima.
Reiche Flora.
Umfasst einzig die Gemeinde Puschlav.
italienisch
Poschiavo (Kt. Graubünden,
Bez. Bernina,
Kreis Puschlav). 1011 m. Gemeinde und Pfarrdorf, am linken Ufer des
Puschlaverbaches
oder
Poschiavino und am W.-Fuss des
Sassalbo; 394 km ssö. der Station
Samaden der Albulabahn und 16,3 km
nnw. der italienischen Station Tirano der Veltlinerbahn. Postwagen
Samaden-Bernina-Tirano. Postbureau, Telegraph, Telephon.
Puschlav gehört zu den volksreichsten Gemeinden des Kantons und zerfällt in die 6 Unterabteilungen
Aino,
Campiglione,
Cologna,
Poschiavo Borgo,
Prada und
Le Prese mit zusammen 521
Häusern und 3102 Ew., wovon 2510 Kathol. und 591 Reform.,
sowie 2992 Ew. italienischer, 57 deutscher, 38 romanischer und 15 anderer Zunge; Dorf: 191
Häuser, 1232 kathol. und reform.
Ew. Kathol. und reform. Kirchgemeinde.
Puschlav ist ein stattlicher
Flecken mit schönen
Villen und alten Herrenhäusern, die meist noch die Wappen ihrer einstigen
(und teilweise auch noch jetzigen) adeligen Besitzer tragen. Die im gotischen Stil gehaltene katholische
Pfarrkirche zu
San Vittore ist vor kurzem restauriert worden und besitzt prachtvolle Glasmalereien; bemerkenswert sind auch
noch ihr schönes Portal und die Schnitzereien der
Kanzel und der Chorstühle. Nahe der Kirche steht ein Beinhaus.
Gefällige reformierte Pfarrkirche mit einem an Grabdenkmälern sehr reichen Friedhof. In dem mit einem
alten
Turm versehenen Rathaus werden die Akten von über 140 Hexenprozessen aus den Jahren 1670-1690 aufbewahrt. Das von Paul
Beccaria 1629 gestiftete
Frauenkloster leitet jetzt ein rühmlich bekanntes Mädchenpensionnat; seine Ursulinerinnen nahmen 1684 mit
Zustimmung des
Bischofes Karl I. von Como die Regel des h. Augustin an. Die Pfarrkirche wurde im 13. Jahrhundert
durch den Comerbischof Carlo Ciceri
zur Stiftskirche erhoben, die heute einen Propst und 6 Chorherren zählt.
Acker- und Wiesenbau, Alpwirtschaft, Viehzucht; blühende Bienenzucht. Bedeutende Zucht von Nelken, die in Masse ausgeführt
werden (namentlich nach den
Engadiner Kurorten). Die ehemalige Tabakfabrik ist jetzt geschlossen. Beträchtlicher
Handel mit Veltlinerwein und Kolonialwaren (Zucker, Kaffee, Tabak), die oft nach Italien hinüber geschmuggelt werden. Starke
Auswanderung der Männer als Zuckerbäcker und Kaffeewirte nach Spanien und England, sowie als Handels- und Gewerbsleute
nach Italien und anderen Ländern.
Der Bürgermeister von Puschlav trägt noch den altertümlichen Titel Podestà. Hier bestand im 16. Jahrhundert
die erste Buchdruckerei
Graubündens, die die Schriften der Reformatoren in italienischen Uebersetzungen druckte und nach
Oberitalien verbreitete. Heute erscheint in Puschlav ein Wochenblatt. Die katholische Pfarrei Puschlav gehörte bis zur Reformation
zum Bistum
Chur, kam dann an die Diözese Como und 1869 neuerdings anChur zurück. Flachgräber. Vergl.
die Bibliographie zum Artikel Puschlav (Thal).
entspringt an der
Forcola d'Orsè hinten über dem
Val Lagone, dem obersten Abschnitt des Puschlaverthales, wendet sich nach
S., bildet den
Puschlaversee und tritt nach 27 km langem
Lauf auf italienischen Boden über. Er bildet
blos bei
Pisciadello und unterhalb
Meschino, wo er sein stärkstes Gefälle hat,
Schluchten.
Sehr
fischreich, besonders an Lachsforellen. An seinem NW.-Ufer steht das bekannte Heilbad
Le Prese. Liegt fast ausschliesslich
in einer aus Gneis und Glimmerschiefer bestehenden Felswanne.
Die ihn im S. abschliessende und vom
¶
mehr
Puschlaverbach durchbrochene Schwelle soll nach der geologischen Karte der Schweiz (Dufouratlas) aus anstehendem Gneis bestehen,
ist aber nach den Forschungen von Prof. Heim in Wirklichkeit der Rest eines grossen prähistorischen Bergsturzes, dessen Schuttfeld
sich noch weit gegen Brusio hin verfolgen lässt. So erklärt sich auch die grosse Tiefe des Sees, die nicht
auf Rechnung der Glazialerosion gesetzt werden kann.
Der See erstreckte sich einst noch etwa 4 km weiter nach NNW., d. h.
bis zum heutigen FleckenPuschlav hin und ist hier dann durch die Alluvionen des Puschlaverbaches und seiner Nebenadern allmählig
zu der jetzt viele Häusergruppen und Weiler tragenden schönen Puschlaverebene verlandet.