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(Auszug aus dem Gutachten zum Kaufvertrag vom 17. November 1890. Quelle: Staatsarchiv des Kantons Luzern)
Die auf stolzen Bergen über dem Dorfe Wykon gelegenen "Burgen zu Wykon" mit dem umliegenden Gute von der Fluh zu Reiden bis auf den Hauenstein gehörten in der ältesten Zeit mit hoher Gerichtsbarkeit den Grafen von Frohburg. Vasallen derselben waren die Ritter von Büttikon, die seit 1173 auch als Vasallen der damals erlöschenen Grafen von Lenzburg erwähnt werden. 1256 - 1257 wurden auf dem Schlosse Wykon durch Graf Hartmann von Kyburg mit Zuzug der Ritter von Büttikon die Streitigkeiten zwischen dem Kloster St. Urban und den Herren von Luternau entschieden.
Die hohe Gerichtsbarkeit mit der Lehnschaft der Burgen zu Wykon ging 1368 nach dem Erlöschen der Grafen von Frohburg an die Grafen von Neuenburg über. Auch Graf Rudolf von Neuenburg, Herr zu Nydau und Frohburg, belehnte 1373 die Herren von Büttikon mit den Burgen zu Wykon, nämlich die Brüder Ulrich und Rudolf mit den 2 hintern Burgen, dem Berg, Baumgarten, Holz, Feld, Zwing, Bann und 1 Hofstatt zu Wykon und dem Forste zu Brittnau, und Hartmann von Büttikon, Sänger, des Chorherrenstiftes zu Schönenwerd, mit der vorderen Burg. 1383 wird mit der vorderen Burg zu Wykon auch die Hochburg zu Wykon durch Walther und Matthys von Büttikon an Walther von Büttikon, Sohn des Heinrich Walthers, verkauft. Zu derselben gehörten der Sodbrunnen und die Vorburg, sowie der vierte Theil des Zwingers zu Wykon.
Die Ritter von Büttikon waren eines jener Geschlechter, aus deren Stamm, wie der Psamlist sagt, die Blätter so zahlreich hervorsprossten wie an einem Weidenbaum.
Darum wurden auch die Besitzer von Wykon zahlreich genug und einzelne Theile, bis 1/4 und 1/8 der Burgen, wurden an einzelne Personen, die zur Sippe der Herren von Büttikon gehörten, verkauft. Der Tag von Sempach räumte zwar gewaltig unter den Herren von Büttikon auf, indem sieben derselben unter Herzog Leopold von Ostereich erschlagen wurden, darunter der Sänger von Schönenwerd, der aber keineswegs ein Geistlicher war, wohl aber mit Frau und Kind das Pfrundeinkommen bezog.
Durch die Heirath der Gräfin Verena von Neuenburg mit Graf Simon von Thierstein ging die hohe Gerichtsbarkeit über Wykon samt den Burglehen von Wykon an‘s Haus Thierstein über. Dann durch Klara Anna von Thierstein, Tochter des Grafen Simnon, an Graf Otto von Thierstein, endlich an Hans Friedrich von Falkenstein, Landgrafen im Buchsgau, Schwiegersohn Graf Otto's.
Hatten die Burgen zu Wykon im Sempacherkriege den Eidgenossen getrotzt, während sonst alle benachbarten Burgen unter den Brandfackeln derselben in Asche fielen, oder durch Kapitulation sich zu retten suchten, wie das benachbarte Castelen, so trat 1415 mit der Aechtung Herzogs Friedrich von Oestreich durch Kaiser Sigmund eine unerwartete Wendung ein. Auf Befehl des Kaisers und des Conzils von Konstanz bemächtigten sich die Eidgenossen, trotz des 21 jährigen Friedens mit dem Hause Oestreich, der Besitzungen des Herzogs. Die Burg Wykon gehörte zwar nicht dem Haus Oestreich, allein die Besitzer der verschiedenen Burgen trugen neben den Lehen von den Herren von Thierstein ünd Falkenstein auch solche von Oestereich. Das war der Grund, warum die Eidgenossen die Burgen von Wykon zu erobern suchten. Allein die Herren von Büttikon und Aarburg waren auf ihrer Hut und retteten die Burgen wieder vor der Zerstörung durch die Kapitulation vom 18. April 1415.
Erst nach der Eroberung des Aargaus, am St. Niklaustag 1415 gelang es den Bernern auf dem Wege des Vertrages das Oeffnungsrecht der Burg zu Hinter "Wykon“ zu erwirken. Anghelis von Aarburg, vormals Gemahlin Rudolfs von Büttikon, räumte der Stadt Bern das Oeffnungsrecht ein.
Bald darnach verehelichte sich die Frau von Aarburg mit Freiherr Hermann von Rüsegg, der 1422 die hintere Burg zu Wykon an Hans von Büttikon um die Summe von 600 Gulden verkaufte.
Bernhard von Büttikon, Sohn des Hans, wurde 1430 von Rudolf Hofmeister, Schultheiss von Bern, als Vormund der beiden Junker Thomas und Hans von Falkenstein, Söhne des Hans Friedrich mit Wykon belehnt.
Als dann Thomas von Falkenstein 1444 die Stadt Brugg überfiel, bemächtigten sich die Eidgenossen der Herrschaft Wykon indem Luzern die drei Burgen mit der hohen Gerichtsbarkeit von Wykon und Roggliswil, Bern diejenigen von Brittnau in Anspruch nahm.
Die Besitzer der Burgen aber empfingen aber auch nachher noch Thomas von Falkenstein die Lehen, so Hermann von Mühlinen, Gemahl der Margarethe von Büttikon 1457.
Bald kamen nun die Städte Bern und Luzern wegen des Besitzes von Wykon in Conflickt. Bern berief sich auf die Capitulations und Oeffnungsurkunden von 1415, Luzern auf den faktischen Besitz seit 1444. Unter Vermittlung der Tagsatzung kam am 12. März 1470 ein Vertrag zustande, laut welchem die Burgen zu Wykon der Stadt Luzern zugesprochen wurden, weil dieselben innerhalb der Marken der Grafschaft Willisau gelegen seien.
Nun kam aber wieder der Freiherr Thomas von Falkenstein und reklamierte bei Bern und Luzern seine Rechte in Wykon. Am 17. Mai 1472 wies die Tagsatzung Falkenstein in seinen Begehren ab mit Hinweis auf die Eroberung im Kriege.
Luzern belehnte 1472 Ritter Hans Thürig von Büttikon mit der vordern und hintern Burg zu Wykon. Für ein Anleihen von 400 Gulden, das Büttikon in Basel kontrahirt hatte, übernahm die Stadt Zofingen Bürgschaft und erhielt dafür eine Verschreibung auf die hintere und vordere Burg Wykon, die Leute daselbst und die Rechte zu Brittnau.
Der Rath von Luzern aber wollte durchaus nicht die Burg aus seinen Händen geben und kaufte deshalb um 700 rheinische Gulden von Hans Thürig von Büttikon das hintere und vordere Schloss mit dem Burestall zu Wykon, Zwing und Bann zu Wykon und Roggliswil und nahm den Verkäufer und dessen Sohn Gregor in Schutz und Schirm und ins Bürgerrecht von Luzern auf.
Das geschah am 2. September 1476. Allein die von Büttikon zogen nicht nach Luzern sondern liessen sich in Zofingen nieder.
Wykon wurde nun zunächst mit der Vogtei Willisau vereinigt, da stellte der Rathsherr Heinrich Tarmann das Gesuch, der Rath möchte ihm die Burg Wykon, die sehr baufällig sei, verkaufen. Der Rath von Luzern aber wies 1485 dieses Gesuch ab und beschloss zur Ehre des Landes soll das Schloss baulich besser eingerichtet werden und zur Wohnung des Landvogtes dienen. Bis zum Jahr 1485 wurden für die baulichen Veränderungen und Neubauten in Wykon 486 Gulden verausgabt.
Der erste auf Wykon residirende Landvogt war der aus den Burgunderkriegen rühmlichst bekannte Rathsherr Hans Schärpf der Held von Yverdon. Der, wie der letzte auf Wykon residierende Herr von Büttikon-auch eine Pilgerfahrt nach Jerusalem unternommen hatte.
1489 wurde auch die Schlosskappelle neu erbaut und von Bischof Daniel von BeIleno, Weihbischof von Konstanz consecrirt. Für weitere Bauten namentlich für Vollendung der Ringmauer wurde ein jährlicher Kredit von 20 bewilligt.
Als die Bauten vollendet waren, wurde die Vogtei Wykon wieder von der Landvogtei Willisau getrennt und einem eigenen' Vogte unterstellt. Als solcher wurde Ludwig Feer gewählt, der in Paris studiert hatte, aber bald darauf die Stadtschreiberei in Luzern übernahm.
Wie das Schloss Wykon als der stolzeste Bau im Gebiet Luzerns dastand, so begann bald ein Werben um die sonst durchaus lukrative Vogtei. Hans von Rootsee anerbot dem Rathe von Luzern, wenn man ihm die Vogtei auf Lebenszeit ,auf 20 oder 12 Jahre übertrage, so wolle er dem Rathe jährlich auf Weihnachten 20 Gulden zahlen, der Kapelle einen vergoldeten Kelch schenken und dem Rathe nach seinem Absterben noch 100 Gulden zukommen lassen. Endlich sollte der Rath das Recht haben, durch einen jährlich vorzunehmenden Untersuch sich zu überzeugen, dass die Gebäude in gutem Zustande befinden. Der Rath nahm das Anerbieten an und so sass Hans von Rootsee bis zu seinem seligen Ende als Vogt auf Wykon. Als er die Augen geschlossen hatte, bewarb sich Hans im Hof um die Vogtei, die ihm 1503 unter gleichen Bedingungen wie dem Hans -von Rootsee auf 12 Jahre übertragen wurde. Dann trat der Wechsel in der Vogtei alle 6 Jahre ein. Der jeweilige Vogt wurde bis 1798 aus der Zahl der Grossräthe gewählt. 64 Vögte sassen auf Wykon.
Als Hochwacht war Wykon für Luzern besonders in den Jahren 1529 und 1531 zur Zeit der beiden Religionskriege, im Bauerkriege von 1653 und in den beiden Villmergerkriegen 1556 und 1712 von hoher Wichtigkeit. Niemals wagten die Berner die Burg anzugreifen, so sehr auch die glaubenseifrigen Pastoren z.Z. 1531 darauf drangen. Von Wykon aus benachrichtigten die Luzerner ihre Bundesgenossen von Solothurn und Freiburg durch geheime Boten ‚welche die einsamen Waldwege kannten, in den Tagen der Gefahr von ihren Plänen usw. Die Wachtfeuer von Wykon und die Lärmkanonen auf dem Schlosse gaben von den Truppenbewegungen in der Nachbarschaft Kunde. Die Verhandlungen der Kriegsräthe von Luzern bis zum Jahr 1798 sind reich an Nachrichten über die Organisation dieses Signaldienstes.
Konflickte zwischen den Vögten von Wykon und den Unterthanen kamen äusserst selten vor. Ernste Klagen wurden erst 1558 laut, als Gabriel Fyrabend Vogt war. Dieser Herr liess sich gar selten in der Kirche zu Reiden sehen, sodass er, „voll oder nüchtern hinter dem Wyn" so schimpfte er über Papst, Kardinäle und Priester; dagegen besuchte er zuweilen die Predigten in Zofingen und Brittnau, wo er sich zuvorderst stellte, als wäre er da zu Hause. War dagegen Kirchweihe in der Schlosskapelle zu Wykon, so fehlte von allen Leuten von Wykon nur der Herr Vogt, der auch nie die Abhaltung der Messen verlangte, die alle 14 Tage stattfinden sollten; denn er sagte immer man sollte deutsche Messen lesen. Gegen Frauen benahm er sich beim Weine so unartig, dass sie 'angefangen zu grynen". Selbst vor dem Teufel hatte Fyrabend nicht Furcht, denn er sagte: " Der Tüfel seye nicht so schwarz, als man ihn male“. Der Schlossvogt suchte seine Rechtgläubigkeit darzuthun; der Kath wollte dermalen noch das bessere .von ihm glauben, liess aber den Vogt durch den Schultheissen "rathlich abwüschen“.
Ganz anderer Natur war der Streit der Gemeinde Wykon mit dem Schlossvogt Kaspar Haas im Jahr 1591. Dieser hatte Güter in Wykon verkauft und hielt sich für befugt, selbst für die Anverwandten seiner Frau im Entlebuch, Schweine auf die Gemeindegüter in einer ihm beliebigen Zahl aufzutreiben. Als die Gemeinde ihm das Reglement verwies, sagte Haas: „Reglement hin Reglement her, hier bin ich Herr und treibe wenn es mir gefällt 100 Schweine auf". Allein der Rath vom Luzern belehrte den Schlossvogt zu Wykon der selbst unter den Korporationsreglement stehe.
Solche Entscheide trugen dazu bei, ein gutes Einvernehmen zwischen der Regierung und den Unterthanen herzustellen. Gerade in jenen Zeiten, wo die ganze Bevölkerung von Luzern in Aufruhr war, zur Zeit der italienischen Kriege, im Bauernkrieg und im Krieg von 1712 herrschte in Wykon die grösste Eintracht zwischen Volk und Obrigkeit; deswegen missglückten auch die Versuche der Bauern 1653, sich des Schlosses Wykon zu bemächtigen. Der letzte Schlossvogt von Wykon war Karl Josef von Hertenstein, der 1798 beim Einzug der Franzosen die Werthschriften der Vogtei und das Schlossarchiv nach Luzern in Sicherheit brachte.
Im Jahre 1798 war die Gemeinde Wykon selbstständig geworden und führte seither auch Pannerbild in Wappen und Siegel.
Das einst so stolze Schlosse, von dem ein Kupferstich des Matthäus Mherian, Heraldbergers Topographie, und das Gemälde auf der Kapellbrücke in Luzern ein Bild geben, war 1798 im allgemeinen Freiheitsdusel zerstört worden. Es stand dachlos da, dem Zerfall entgegen eilend, als der Staionschaffner die nöthigen Gelder zur Herstellung forderte. Da der Geldmangel die chronische Krankheit war, an der Jungfrau Hevetia, seit ihrem intimen Verhältnis zur Schwesterrepublik Frankreich litt, so schien der Verkauf des Schlosses der einzige Ausweg sich dieses Nationalgutes auf anständige Weise zu entledigen.
Die beiden ersten Steigerungen führten zu keinem annehmbaren Preis; erst die dritte Steigerung wurde von den Behörden genehmigt. Am 3. April 1801 ersteigerte die Gemeinde Wykon das seit 1798 als helvetisches Nationalgurt behandelte Schloss Wykon um die Summe von 19'600 Fr. Der Schatzungswerth betrug damals 7‘736 Franken.
Die Gemeinde Wykon verkaufte die anno 1801 von der Regierung erworbenen Schlossliegenschaften in den nächsten darauf folgenden Jahren an verschiedene Einwohner von Wykon. 1859 kaufte die Korporationsgemeinde Wykon die Liegenschaft für 4800 Franken und veräusserte sie 1890 an Herrn Pfarrer Leupi in Oberkirch zum Zwecke der Errichtung eines Töchterinstitutes um die Summe von Fr. 4500.