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Greenpeace hat heute eine Studie veröffentlicht, die aufzeigen soll, dass die grössten Vermögensverwalter an Generalversammlungen umwelt- und klimaschädlichen Aktivitäten von Unternehmen zustimmen würden. Konkret hat die Organisation in einer Stichprobe das Abstimmungsverhalten der zehn grössten Fondsmanager in der Schweiz analysiert.
Die Untersuchung zeigt, dass beispielsweise das Asset Management der UBS einen Aktionärsantrag nicht unterstützte, der die Royal Bank of Canada dazu verpflichtet hätte, die Finanzierung der Öl- und Gasförderung, insbesondere des Teersandabbaus, einzuschränken. Die Bank bestätigte unter anderem auch die Wiederwahl mehrerer Verwaltungsratspräsidenten, die «für klima- und umweltschädliche Unternehmensstrategien verantwortlich sind», wie Greenpeace schreibt. Darunter der Verwaltungsratspräsident von ExxonMobil.
BlackRock wiederum stimmte gegen eine Aktionärsinitiative, die von Amazon die Offenlegung des gesamten Plastikverbrauchs und der Pläne zur Plastikreduktion verlangte. Ein weiteres Beispiel: Swisscanto stimmte der Klimastrategie von TotalEnergies zu, obwohl diese im Widerspruch zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens steht. Greenpeace untersuchte das Abstimmungsverhalten von UBS, Credit Suisse, Pictet, Vontobel, Swiss Life, Swisscanto, Lombard Odier, BlackRock, AXA und GAM.
Doppelmoral
Greenpeace prangert die Doppelmoral der Branche an. Die Vermögensverwalter würden versprechen, mit Active Ownership die Unternehmen, in die sie investieren, nachhaltiger zu machen. Sie würden sich auch öffentlich dazu bekennen, internationale Abkommen zum Schutz des Klimas und der Biodiversität zu unterstützen. Dieses Engagement spiegele sich jedoch nicht «konsequent» im Abstimmungsverhalten der Asset Manager auf Generalversammlungen wider.
«Die Ergebnisse unserer Analyse sind besorgniserregend», sagt Niki Vischer, Expertin für eine nachhaltige Finanzwirtschaft bei Greenpeace Schweiz und Co-Autorin des Berichts. «Wer Aktien eines Unternehmens besitzt, wird Miteigentümer des Unternehmens und muss sodann Verantwortung für die Folgen der Geschäftstätigkeiten übernehmen. Die Asset-Manager tätigen Investitionen im Namen von Anlegerinnen und Anleger und üben die entsprechenden Aktionärsrechte aus.» Fondmanager müssen ihren Einfluss geltend machen, sagt Peter Haberstich, Experte für nachhaltige Finanzwirtschaft bei Greenpeace Schweiz.
Betrachtet man das Abstimmungsverhalten im Detail, zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede. Während UBS und Blackrock praktisch ausschliesslich im Sinne der Unternehmen abstimmten, votierten Lombard Odier und Pictet meist für die Abwahl von Verwaltungsräten oder für Aktionärsanträge, also insgesamt deutlich «grüner». Dass es Unterschiede gibt, wird in der Studie kaum gewürdigt.
So heisst es darin: «Auch Lombard Odier übernimmt nicht ernsthaft Verantwortung, obwohl sich die Unternehmensgruppe in Sachen Nachhaltigkeit gerne als Vorreiterin sieht.» So nutze Lombard Odier bei Abstimmungen die Strategie des Split-Votings, dadurch verpasse es der Asset-Manager, «sich selbst klar zu positionieren». Die Wirkung des Abstimmungsverhaltens werde «verwässert». Das kann man so sehen. Man kann sich auch auf den Standpunkt stellen, dass die Genfer Bank ihre treuhänderische Pflicht wahrnimmt, indem sie die Kunden entscheiden lässt.