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Rund zwei Jahre nach dem Absturz einer Swissair-MD-11 vor Halifax ist die Rekonstruktion der Flugzeugstruktur auf dem kanadischem Stützpunkt Shearwater in Nova Scotia fast beendet. Dennoch werden die Ergebnisse der Ermittler nicht vor Ende Jahr erwartet.Dieser Inhalt wurde am 30. August 2000 - 13:07 publiziert
Die Identifizierung der zwei Millionen Maschinenteile, geborgen vor der Küste der kanadischen Provinz Nova Scotia, sei auf gutem Weg, teilte am Dienstag (29.08.) ein Sprecher der kanadischen Transportsicherheitsbehörde (TSB) mit. Bei den Bergungsarbeiten bis August 1999 sind insgesamt 127'090 Kilogramm Trümmer gefunden worden, was 98 Prozent des Flugzeuggewichts entspricht.
Die Ermittler versuchen zu bestimmen, wo das Feuer ausgebrochen ist sowie wie und warum. Es handle sich um eine komplexe Aufgabe angesichts der in Millionen von Teilen zersplitterten Maschine. Die Arbeit konzentriert sich in erster Linie auf den neun Meter langen Vorderteil der Maschine, der auch am meisten zerstört wurde.
Keine voreiligen Schlüsse
Die Rekonstruktion sollte die Analyse über die Ausbreitung des Feuers ermöglichen. Die Ermittler stützen sich dabei hauptsächlich auf 20 Kabelstücke, um das Kabel zu bestimmen, das vermutlich das Feuer ausgelöst hat.
Die Untersuchung klärt auch operationelle Fragen sowie menschliche Faktoren ab, wie dem Communiqué der TSB zum zweiten Jahrestag des Absturzes der Swissair-Maschine am 2. September zu entnehmen ist.
Die TSB will aber vor Abschluss der Untersuchung noch keine Schlüsse ziehen. Sicher sei einzig, dass sich ein Feuer an Bord der MD-11 ausgebreitet habe. Als Ursache wird in erster Linie ein Fehler im elektronischen System vermutet. Ob das Feuer für den Absturz verantwortlich ist oder die Konsequenz einer anderen Panne war, ist noch unklar.
Massnahmen und Empfehlungen
Verschiedene Massnahmen wurden bereits nach den ersten Erkenntnissen der TSB nach dem Absturz eingeleitet. Die Untersuchung hat insbesondere gezeigt, dass die Mylar-Isoliermatten zu wenig feuerfest sind und den Brand im Cockpit begünstigt haben.
Die amerikanische Flugaufsichtsbehörde (FAA) hat die Ersetzung des Mylar-Materials auf bestimmten Linienflugzeugen verlangt sowie die Überprüfung eines Cockpit-Schalters sowie aller Verkabelungen und Isoliermatten. Die Swissair stellte ihr Bordunterhaltungssystem Ifen in ihren MD-11 und Boeing 747 ab.
Nachdem Ungereimtheiten bei der Zulassung dieses Systems durch die FAA und das Bundesamt für Zivilluftfahrt aufgetaucht waren, wurde zudem die Betriebsbewilligung für Ifen entzogen.
Die Fluggesellschaft hat ferner die Notfall-Checkliste geändert. Bei Rauch oder Feuer unbekannten Ursprungs an Bord sollen die Piloten mit einem Notfall-Sinkflug möglichst schnell eine allfällige Notlandung vorbereiten. Nach dem Absturz vor Halifax wurde kritisiert, die Piloten hätten zu lange mit dem Sinkflug gewartet.
184 Klagen eingereicht
Zwei Jahre nach dem Swissair-Absturz vor Halifax ist die Mehrheit der Schadenersatzforderungen von Hinterbliebenen noch nicht erledigt. Bis am vergangenen Montag (28.08.) wurden 184 Klagen eingereicht. 73 Fälle konnten aussergerichtlich erledigt werden.
Noch bis am kommenden Samstag (02.09.)können die Angehörigen der 229 Opfer des Fluges SR 111 Klagen gegen die Swissair einreichen. Die Zahl der Schadenersatzforderungen dürfte also in den nächsten Tagen zunehmen, weil die Hinterbliebenen schriftlich auf den Ablauf der Klagefrist aufmerksam gemacht worden seien, wie die Swissair am Mittwoch mitteilte.
Der Absturz der MD-11 bei Halifax
Die MD-11 der Swissair war auf dem Flug von New York nach Genf in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1998 vor der kanadischen Küste abgestürzt. Die 215 Passagiere und 14 Besatzungsmitglieder an Bord kamen dabei ums Leben.
Das Flugzeug war fünf Viertelstunden nach dem Start in den Ozean gestürzt. Fünfzehn Minuten vorher hatten die Piloten Feuer im Cockpit gemeldet.
swissinfo und Agenturen
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