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Konrad Hummler gilt als heller Kopf und unbequemer Geist. Diesen Ruf erarbeitete sich der geschäftsführende und unbeschränkt haftende Teilhaber der Privatbank Wegelin vor allem als Schreiber scharfzüngiger Kommentare zu Finanzthemen. Wenn die Märkte nichts mehr hergeben, geisselt er den «Performance-Fetischismus» der Branche. Wenn die Nationalbank für den Euro eine Untergrenze festlegt, erklärt er den Schweizer Franken zum «Quasi-Euro».
Mit bisweilen brachialer Sprache drischt Hummler selbst auf die mächtigsten Gegner ein. Im August 2009 erklärte er im Kommentar mit dem Titel «Abschied von Amerika» die USA zu den «unbestreitbar aggressivsten Nationen» der Welt. Amerika habe in den letzten 60 Jahren mit Abstand am meisten kriegerische Handlungen vom Zaun gebrochen. Der Staat führe einen absurden Krieg gegen Drogen im Ausland und im Inland. «Nach glaubwürdigen Quellen reichen die Tentakel der Drogenmafia bis weit in politische Kreise hinein», schreibt er.
Die Tirade gipfelt in der Aussage, dass die Vereinigten Staaten «in geradezu atemberaubender Doppelmoral Offshore-Oasen riesigen Ausmasses in Florida, Delaware und anderen Teilstaaten» unterhalten. Hummlers Anlagekommentar wird mittlerweile in einer Auflage von über 100 000 Exemplaren verbreitet und in vier Sprachen übersetzt.
Natürlich auch auf Englisch. Nun könnten ebendiese Passagen dem St. Galler Privatbanker in den USA zum Nachteil gereichen. In einem diese Woche publizierten Artikel in der «International Herald Tribune» zitiert genüsslich Starautorin Lynnley Browning, die schon federführend im UBS-Steuerstreit berichtete, aus Hummlers Kritik an den USA und ihrem Angriff auf das Schweizer Bankgeheimnis.
Die Schlinge um Hummlers Privatbank Wegelin, gegründet 1741, wird immer enger. Drei seiner engsten Mitarbeiter wurden in den USA angeklagt, darunter der Leiter der Region Zürich/Zentralschweiz, Christian Hafner. Die Bank soll Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben. Wie der Anklageschrift zu entnehmen ist, unterhielt Wegelin seit 2005 Kontakte zu US-Kunden. Die Bank mietete in der Nähe von Ground Zero ein Appartement für Geschäftsreisen. Die Bank hält die Klage für «überprüfenswert».
Seit 2008 übernahm die Zürcher Filiale von Wegelin reihenweise US-Kunden von der Grossbank UBS. Die US-Kundenvermögen schossen auf 1,2 Milliarden Dollar hoch. Gemessen am gesamten verwalteten Vermögen von 23 Milliarden Franken machte das US-Geschäft gut 5 Prozent aus. Damit ist Wegelin eine der am stärksten mit US-Kunden exponierten Banken in der Schweiz. Bei CS, UBS und Basler Kantonalbank machten die Assets von US-Amerikanern lediglich 1 Prozent oder weniger aus.
Seit dieser Woche ist es ungewohnt still geworden um Hummler. Seine Entourage gibt sich zugeknöpft, Interview-Anfragen werden abgeblockt. Es ist nicht auszuschliessen, dass auch Hummler von den Amerikanern angeklagt werden könnte. Wie aus dem Innern der Bank zu hören ist, wird Hummler vom Aushängeschild nun zunehmend zur Belastung für die Bank.
Und auch zur Belastung für ein zweites Unternehmen mit internationalem Ruf: die «Neue Zürcher Zeitung», deren Verwaltungsrat Hummler präsidiert. Zwar sieht man dort im Moment «keinen Handlungsbedarf», wie der Verwaltungsrat und frühere FDP-Präsident Franz Steinegger gestern sagte.
Aber ein ehemaliger Verwaltungsrat, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt: «Wenn das Fernsehen und ausländische Blätter so prominent über den Fall berichten, färbt das auf das Renommee der NZZ ab.» Sollte sich die Situation in den USA zuspitzen, so der Ex-Verwaltungsrat weiter, «wird es kritisch für die Zeitung». Dann müsse Hummler das VR-Präsidium im Interesse des «Weltblattes» abgeben.
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In Kolumnen schoss Konrad Hummler gegen die USA und benutzte gar den Begriff «Drogenmafia». Das wird von der Gegenseite jetzt, wo die Bank Wegelin in den USA der Steuerhinterziehung verdächtigt wird, genüsslich ausgenützt.
Konrad Hummler gilt als heller Kopf und unbequemer Geist. Diesen Ruf erarbeitete sich der geschäftsführende und unbeschränkt haftende Teilhaber der Privatbank Wegelin vor allem als Schreiber scharfzüngiger Kommentare zu Finanzthemen. Wenn die Märkte nichts mehr hergeben, geisselt er den «Performance-Fetischismus» der Branche. Wenn die Nationalbank für den Euro eine Untergrenze festlegt, erklärt er den Schweizer Franken zum «Quasi-Euro».