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Wie funktioniert eine Orgel?
Als Reaktion auf mein erstes Orgelportrait (aus Uesslingen) wurde die Frage nach der Funktionsweise einer Orgel gestellt.
Für die hierzulande in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend gewählte Bauweise mit Schleifwindladen und mechanischen Trakturen lässt sie sich in etwa so beschreiben:
Die Orgelpfeifen stehen auf nach Werken getrennten, rechteckigen, flachen Kästen aus Holz, den sogenannten Windladen. Der Wind wird heute in der Regel durch elektrische Gebläse erzeugt (früher durch manuelles Betätigen von Balganlagen) und gelangt durch Holzkanäle in die Windladen. Auf der oberen Abdeckung der Windlade liegen die Pfeifenstöcke, welche mit Bohrungen versehen sind, auf welchen die Pfeifen stehen und mit Wind versorgt werden. Darunter befinden sich Leisten aus Holz, sogenannte Schleifen, welche ebenfalls Bohrungen enthalten. Diese gelangen durch das Ziehen eines Registers genau unter die Bohrungen der Pfeifenstöcke. Quer dazu befinden sich darunter die sogenannten Tonkanzellen, ein Windbehältnis für jede einzelne Taste der Orgel innerhalb der Windlade.
Durch das Drücken einer Taste wird über ein mechanisches System aus dünnen Holzleisten (Abstrakten) und Wellen für Richtungswechsel ein Draht durch eine Dichtung (Pulpete) an der Unterseite des Windkastens gezogen, welcher das mit einer Feder versehene Tonventil öffnet. Durch dieses Ventil kann der Wind zuerst in die Tonkanzelle und dann durch die offene Registerschleife via Pfeifenstock in die Pfeife fliessen. Das alles geschieht sehr schnell. Dennoch vermittelt eine qualitativ hochstehende und gut regulierte mechanische Orgel ein wahrnehmbares Gefühl für das Öffnen und Schliessen der Ventile.
Emanuel Helg, Kirchenmusikdirektor,