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aufrichten und über die
Erde treten. Hieraus darf man schließen, daß in dem Wachstum der oberirdischen Laubsprosse eine
korrelate
Ursache für das Auftreten unterirdischer
Knollen
[* 2] liegt. Ebenso wird eine
Korrelation zwischen
Haupt- und Seitensproß
dadurch deutlich, daß bei
Entfernung des Gipfeltriebes, z. B. an einer Edeltanne, einer der ursprünglich horizontal
gerichteten und bilateral gebauten Seitensprosse sich zuletzt vertikal stellt und radiär wird.
Entlaubt man junge, im
Austreiben begriffene
Zweige des
Faulbaums und entfernt gleichzeitig die Gipfelknospe, so wachsen die
im normalen Zustand erst zur Entfaltung im nächsten Frühjahr bestimmten Achselknospen zu Laubsprossen aus, und die sonst
zu Knospenschuppen reduzieren Blattanlagen werden normale
Blätter. Die gegenseitig
Korrelation der Pflanzenorgane
zeigt sich auch in der Art, wie die
Pflanze ihre gesamten Organisationsverhältnisse nach ihrem Assimilationsapparat, d. h.
nach den
Eigenschaften des
Chlorophylls (s. d.), einrichtet, indem die Gesamtform der höhern
Pflanzen von dem
Prinzip beherrscht
wird, an relativ dünnen
Trägern möglichst zahlreiche, dünne und große Flachenorgane
(Blätter) zu
entwickeln, um eine möglichst günstige Ausnutzung der Lichtstrahlen zu erreichen; die Assimilationsarbeit bedingt dann
in weiterer
Folge behufs Leitung von
Wasser und
Nährstoffen die
Entwickelung von
Holz
[* 3] und von
Wurzeln.
Auf die erblich gegebenen
Eigenschaften der Pflanzenorgane wirken beständig äußere
Kräfte ein, welche ihre Gestaltung beeinflussen.
Bekannte
Beispiele dafür liefert die Wurzelbildung an Epheusprossen an deren Schattenseite, wenn die
Zweige auf ihrer bisher nicht beleuchteten Seite dem
Licht
[* 4] ausgesetzt werden. Die dorsiventral gebauten
Vorkeime der
Farne
[* 5] erzeugen
normal ihre
Wurzelhaare und
Geschlechtsorgane nur auf der Unterseite; wendet man dieselben aber um, so bilden sich die letztern
auf der neuen Schattenseite.
Wachstumsgeschwindigkeit. Die Längenzunahme eines wachsenden Pflanzentriebes erfolgt in der Art, daß jede kurze Querscheibe
desselben zuerst langsam, dann schneller wächst und darauf ein
Maximum der
Geschwindigkeit eintritt, worauf
letztere sich wieder verlangsamt und zu
Null herabsinkt (große Wachstumsperiode). Die am stärksten wachsende
Region einer
Wurzel
[* 8] oder Sproßspitze liegt immer in einem gewissen
Abstand vom
Vegetationspunkt. Derselbe beträgt z. B. an Keimwurzeln
von
ViciaFaba 2-3
mm. Die
Länge der überhaupt im Wachstum begriffenen
Partie ist je nach den verschiedenen
Fällen äußerst ungleich und schwankt zwischen einigen
Millimetern bei
Wurzeln und 50
cm oder mehr an langen Blütenschäften.
Die wachsenden
Wurzel- und Stengelspitzen werden mechanisch von den tiefern, im Wachstum begriffenen Querzonen vorwärts gestoßen.
Wächst ein
Organ auf einer Seite rascher als auf der andern, so entstehen Krümmungsbewegungen
(Nutationen),
welche unter anderm bei der Entfaltung der
Blätter aus den
Knospen
[* 9] sehr
auffallend sind. Welchen Einfluß der
Wechsel von
Tag undNacht auf das Pflanzenwachstum hat, ist keine eigentlich physiologische
Frage, da während dieser
Perioden die physikalischen
Faktoren sich
unregelmäßig verändern.
Durch zahlreiche
Versuche mit besondern Meßapparaten (Auxanometern) wurde ermittelt, daß in den wachsenden
Pflanzenteilen, unabhängig von
Temperatur- und Lichtschwankungen, periodische Änderungen von verschieden langer Dauer stattfinden.
Im allgemeinen bewirkt ferner
Beleuchtung eine verzögernde, Verdunkelung eine beschleunigende
Wirkung auf das Wachstum; die
stark brechbaren
Strahlen des
Spektrums sind, wie auch bei heliotropisch stark reizbaren
Organen (s.
Pflanzenbewegungen), die
wirksamsten.
Wirkungen des Wachstums. Mit zunehmendem Wachstum einer
Pflanzenzelle nimmt zugleich ihr Wassergehalt und
damit auch der
Druck auf die elastische Zellhaut, der sogen. Zellturgor, zu; auch vielzellige
Organe wachsen nur im turgeszenten
Zustand und welken bei Wassermangel.
Wachsen nun verschiedene neben- und übereinander liegende turgeszente
Gewebe
[* 10] in ungleichem
Maße, so entsteht zwischen ihnen ein Spannungsunterschied
(Gewebespannung), welcher dadurch wahrnehmbar
wird, daß sich die betreffenden
Gewebe bei ihrer
Isolierung entweder verkürzen, sofern sie vorher passiv gedehnt waren, oder
verlängern, wenn sie früher an der
Ausdehnung
[* 11] gehindert waren.
Schneidet man aus einem kräftig wachsenden
Sproß durch zwei parallele Längsschnitte eine Mittellamelle heraus, welche
sämtliche
Schichten von der
Epidermis
[* 12] bis zum
Mark enthält, und spaltet diese dann in der
Weise in dünne Gewebestreifen, daß
der erste die
Epidermis, ein andrer das Rindengewebe, ein dritter das junge
Holz etc. enthält, so krümmen sich diese Gewebestreifen
sämtlich nach außen, weil die von außen nach innen aufeinander folgenden
Schichten sämtlich auf der
Außenseite längsgezerrt, auf der Innenseite dagegen an der
Ausdehnung verhindert waren; die
Epidermis ist demnach für alle
innern
Gewebe zu kurz. Ebenso findet im Innern der Pflanzenstengel auch eine
Spannung in der Querrichtung statt. Die
Gewebespannung
bewirkt im
Verein mit der Turgeszenz der
Zellen die Steifheit und aufrechte
Stellung vieler wachsender
Organe.
Wachstumsrichtungen der
Organe. Die Eigentümlichkeit der Pflanzenorgane, unter Einwirkung gleicher äußerer
Kräfte ganz
verschiedene Wachstumsrichtungen anzunehmen, wird als Anisotropie bezeichnet. Man unterscheidet in dieser Beziehung zweierlei
Organe: die orthotropen Pflanzenteile wachsen senkrecht auf- oder abwärts, wie die Hauptsprosse und Hauptwurzeln der meisten
Pflanzen;
zur Begründung von Holzbeständen, hat in neuerer Zeit bei dem forstlichen Kulturbetrieb eine sehr beträchtliche
Ausdehnung erlangt. Die üblichen Pflanzensortimente sind: Kleinpflanzen (unter 0,2 m hoch),
Halbloden (0,2-0,5 m hoch), Loden (0,5-1 m), Starkloden (1-1,5 m), Halbheister (1,5-2
m), Heister (2-2,5 m), Starkheister (über 2,5 m).
Außerdem werden unterschieden: Wildlinge, d. h. durch natürlichen Samenabfall wild erwachsene Pflanzen,
Sämlinge, d. h. in Saatbeeten oder Bestandssaaten erzogene Pflanzen, und verschulte Pflanzen, d. h. durch Pflanzung in Pflanzbeeten
(Pflanzschulen) erzogene Pflanzen.
7) Stutzpflanzung (Stummelpflanzung). Das Pflanzmaterial besteht aus den Wurzeln und dem darüber nach Wegschneiden des Stengels
verbliebenen Stummel, hauptsächlich bei Eichen zur Anlage von Schälwaldungen gebräuchlich.
(Zwetschenbaum, PrunusTourn.), Untergattung der GattungPrunus (Familie der Rosaceen),
Bäume oder Sträucher mit ganzen, breiten, gesägten Blättern, aus besondern Knospen meist vor den Blättern erscheinenden
zu 1-2 stehenden, nicht langgestielte Blüten, meist leicht bereiften Früchten mit oder ohne Längsfurche und zusammengedrücktem
Stein mit scharfen Seitenkanten. Der Zwetschenbaum (Pflaumenbaum domesticaL.), ein 6-8 m hoher Baum mit etwas pyramidenförmiger
Krone, verwildert von sparrigem Wuchs, dornig und dann besonders Ausläufer bildend, mit elliptischen, behaarten, später mehr
oder weniger kahlen, kerbig gesägten Blättern, gepaarten oder zu dreien auf behaarten Stielen stehenden, etwas grünlichweißen
Blüten und länglichen, violettblauen, weichen Früchten, stammt vielleicht aus Turkistan und dem südlichen Altaigebirge;
das klassische Land für denselben ist aber der österreichisch-türkische Grenzbezirk, wo er seit 400 Jahren in großer Menge
gebaut wird und, zumal südlich von der Donau, ganze Wälder bildet, deren Früchte 4-6 Wochen lang die Hauptnahrung der Bevölkerung
[* 20] bilden, getrocknet in großer Masse exportiert, hauptsächlich aber auf Branntwein verarbeitet werden.
Die Einführung des Pflaumenbaums in diese Gegenden fällt vielleicht mit dem Auftreten der Magyaren zusammen. Auch bei uns
tritt der an Waldrändern, in der Nähe von Dörfern verwildert auf. Von dieser Art werden verschiedene Sorten kultiviert;
aber nicht alle länglichen Pflaumen gehören hierher, auch gibt es wohl Blendlinge zwischen Zwetsche
und echter oder Damaszener Pflaume. Das Holz ist ziemlich hart, schön braun, geädert und wird häufig als Atlasholz zu
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Tischlerarbeiten benutzt. Aus dem Stamm fließt Gummi (s. Kirschgummi); aus den stets bittern Samen
[* 22] gewinnt man durch Pressen
ein mildes, fettes Öl; bei Destillation
[* 23] mit Wasser geben sie bittermandelartig riechendes, blausäurehaltiges Wasser. Die syrische
oder Damaszener Pflaume (Damaszene, Pflaumenbaum syriaca Borkh.),
mit weniger festem, oft brüchigem Holz, dicken, aber auch längern, reichbehaarten Trieben, elliptischen,
mehr gekerbten, besonders auf der Unterseite weichhaarigen Blättern, weichhaarigem Blattstiel mit zwei Drüsen am obern Ende
und meist gepaarten, blendend weißen Blüten, macht wenig oder gar keine Ausläufer, verwildert aber sehr leicht und bildet
dann einen sparrigen, auch dornigenStrauch. Sie stammt aus Syrien und bildet dort kleine Wälder.
Die Früchte sind in Form und Farbe ungemein verschieden; es gehören hierher alle Damaszener Pflaumen, aber auch manche damaszenenartige
Zwetschen. Die Krieche (Haferschlehe, Spilling, Pflaumenbaum insititiaL.) wird bisweilen als Stammpflanze der vorigen, mit mehr Recht
als eine verwilderte Form derselben betrachtet. Sie bildet einen hohen, oft dornigenStrauch in Vor- und
Laubwäldern, treibt starke Wurzelausläufer, hat weichhaarige Triebe, breit elliptische, gesägte bis doppelt gesägte, besonders
auf der Unterseite stark behaarte Blätter, auf schlanken, behaarten Stielen meist zu zweien stehende, weiße Blüten und hängende,
runde, schwarzblaue Früchte mit weichem, süßem, am Steine nicht wenig herbem und fest anhängendem Fleisch.
Sie findet sich durch ganz Europa
[* 24] und wird zum Teil als kleine Damaszener oder Johannispflaume kultiviert. In Gärten kommt
sie mit gefüllten Blüten (oft unter dem Namen gefüllte Schlehe) vor. Die Reineclaude (Pflaumenbaum italica Borkh.)
ist ein niedriger Baum mit abgerundete Krone, ziemlich dicken und langen, sehr bald unbehaarten Trieben,
großen, runzeligen, elliptischen, tief, meist doppelt gesägten Blättern, zwei Drüsen am obern Ende des Blattstiels, meistens
zu zweien auf unbehaarten Stielen stehenden, weißen Blüten und rundlicher, gelblicher, grünlicher oder rötlicher bis violettblauer
Frucht mit grünlichweißem, härtlichem Fleisch.
Das Vaterland der Reineclaude ist unbekannt, vielleicht ist sie durch Kreuzung der Zwetsche und Damaszener
Pflaume entstanden. Hierher gehören aber auch viele der zwetschenartigen Damaszener Pflaumen. Die Kirschpflaume (Myrobalane,
türkische Pflaume, Pflaumenbaum cerasiferaEhrh.) ist ein am Stamme meist weit herab verästelter Baum mit eirund-länglicher Krone, ohne
Ausläufer, mit weißem Holz, bei schlechter Kultur dornig, mit unbehaarten Trieben, länglichen, nach der
Basis zu verschmälerten, seltener elliptischen, meist nur längs des Mittelnervs auf der Unterseite behaarten Blättern,
meist einzeln stehenden, weißen Blüten auf ziemlich langen, unbehaarten Stielen und runden, heller oder dunkler braunroten
Früchten mit süßlichem, etwas festem und gelbem Fleisch.
Die kleinern, schließlich gelbrötlichen Früchte heißen speziell Kirschpflaumen, die fast doppelt so
großen, dunklern, braunroten Myrobalanen. Die Kirschpflaume wird zuerst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. genannt;
sie wurde wohl aus dem Orient (sicher nicht aus Amerika)
[* 25] eingeführt, und von ihr stammen auch wahrscheinlich mehrere unsrer
kultivierten Pflaumen ab. Der Schlehendorn (Pflaumenbaum spinosaL.,Schwarzdorn), ein sparrigerStrauch mit zum
Teil in Dornen auswachsenden Zweigen, elliptischen Blättern an schwach behaarten Zweigen, vor den Blättern ungemein zahlreich
erscheinenden einzeln
stehenden, weißen Blüten mit kurzen, unbehaarten Stielen und blauer, rundlicher, fleischiger, aufrecht
stehender Frucht.
Der Schlehendorn findet sich in Europa und Asien,
[* 26] gehört vielleicht mit zu der Stammpflanze der zwetschenartigen Damaszenen,
eignet sich trefflich als Heckenpflanze, wird auch als Zierstrauch in mehreren Varietäten kultiviert,
liefert Dornwerk für die Gradierhäuser, Knotenstöcke und Nutzholz für Drechslerarbeiten. Blüten (flores Acaciae), Rinde
und Früchte waren früher offizinell; auch bereitet man aus letztern wohl ein Mus und einen Fruchtbrei und benutzt die Blätter
als Surrogat des chinesischen Thees. Von einer Abart, Pflaumenbaum fruticans Weihe, in Gärten, werden die Früchte eingemacht
und auf Wein verarbeitet.
Die pomologische Einteilung der Pflaumen bietet besondere Schwierigkeiten dar. Lucas teilt die Pflaumen in zehn Familien:
1) Rundpflaumen, runde Damaszenen. Frucht rund, Längen- u. Breitendurchmesser gleich, als Tafelfrucht brauchbar. Fleisch saftreich,
weich. Haut im Kochen säuerlich, zum Dörren untauglich. Sommertriebe kahl oder behaart.
2) Ovalpflaumen, längliche Damaszenen. Frucht oval, Längendurchmesser größer als der Breitendurchmesser, sonst wie bei
Familie 1. 3) Eierpflaumen, Frucht eiförmig, groß und sehr groß, nach dem Stiel merklich verjüngt; Fleisch pflaumenartig,
weich, nicht zum Dörren gut. Sommertriebe kahl oder behaart.
4) Edelpflaumen (Reineclauden), rund u. rundlich, von sehr edlem, erhabenem Zuckergeschmack, mit etwas
konsistentem Fleisch.
5) Wachspflaumen (Mirabellen), kleine, runde und rundliche Früchte, Fleisch konsistent, sehr süß, zum Dörren sehr brauchbar.
Wuchs sparrig, vielästig.
6) Zwetschen, längliche, nach dem Stiel und Stempelpunkt hin verjüngte Früchte; Fleisch süß, fest, Schale ohne
Säure, Sommertriebe meist kahl, mitunter behaart; zum Dörren sehr gut.
7) Halbzwetschen, Früchte von ovaler Form und zwetschenartigem Fleisch, nach Stiel und Stempelpunkt hin gleichmäßig abgerundet;
Sommertriebe kahl oder behaart; zum Dörren brauchbar.
8) Dattelzwetschen, sehr lange, elliptisch geformte Früchte von mehr pflaumen- als zwetschenartigem Fleisch, Sommertriebe
glatt; zum Dörren nicht brauchbar.
9) Haferpflaumen, runde Pflaumen, die als Tafelobst nicht brauchbar sind.
10) Spillingspflaumen, längliche Pflaumen, als Tafelobst ebenfalls nicht brauchbar. Jede Familie zerfällt in fünf Ordnungen:
blaue, rote, gelbe, grüne, bunte Früchte;
Die Pflaumen finden hauptsächlich Verwendung als Obst, frisch, eingemacht und getrocknet. Getrocknete Pflaumen (Backpflaumen)
bilden einen wichtigen Handelsartikel; von den deutschen sind die Thüringer oder Saalpflaumen bevorzugt,
auch die bayrischen oder fränkischen und die böhmischen. GroßeGeschäfte in Pflaumen machen mehrere Gegenden in Frankreich,
von wo besonders die Prünellen und Katharinenpflaumen kommen. Die größten und besten (Katharinenpflaumen) sind aber die
türkischen Pflaumen aus den Ländern der untern Donau, welche vielfach selbst nach Amerika exportiert werden.
Auch Pflaumenmus wird in großen Quantitäten dargestellt.
Der Entwurf eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuchs (§ 17, 38 f.) spricht von
Pfleger, Pflegschaft im Gegensatz zur Vormundschaft dann, wenn ein Minderjähriger oder ein bevormundeter Volljähriger an und für
sich einer elterlichen oder vormundschaftlichen Fürsorge bedarf, die aber aus einem thatsächlichen oder rechtlichen Grund
nicht eintreten kann; wenn z. B. dem Inhaber der elterlichen Gewalt durch letztwillige Verfügung die Verwaltung
des einem Minderjährigen hinterlassenen Vermögens entzogen ist, oder wenn es sich um das Vermögen eines Abwesenden handelt
(Abwesenheitspfleger).
überhaupt Verbindlichkeit zu einem gewissen Verhalten, in höherm Sinn bei bewußt wollenden Wesen die Verbindlichkeit
zu einem
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vernünftigen Denken, Wollen und Handeln. Alles pflichtmäßige Handeln geschieht daher mit einer sittlichen (moralischen) Notwendigkeit,
welche wir als »Sollen« bezeichnen. Man unterscheidet allgemeine (ursprüngliche, unbedingte) Pflichten, welche für alle
Menschen ohne Ausnahme gegeben und von keiner anderweiten Bedingung abhängig sind, und besondere (abgeleitet, bedingte) Pflichten,
welche durch besondere Lebensverhältnisse bedingt sind; ferner Rechts- oder Zwangspflichten, welche durch
das Rechtsgesetz bestimmt werden, und deren Erfüllung erzwingbar ist, und Tugend- oder Gewissenspflichten, welche vom Tugendgesetz
abhängen, und deren Erfüllung der Gewissenhaftigkeit des Menschen überlassen bleibt; endlich reine Pflichten, sofern dieselben
durch das Vernunftgesetz im allgemeinen bestimmt sind (transcendentale), und angewandte Pflichten, wie
sie in den menschlichen Lebensverhältnissen der Erfahrung nach wirklich vorkommen (empirische).
Das von der praktischen Vernunft ausgehende sittliche Gesetz heißt Pflichtgebot (Pflichtgesetz). Unter Pflichtgefühl versteht
man teils das allgemeine Gefühl der Verbindlichkeit, seine Pflichten zu erfüllen, teils das Gefühl der sittlichen Nötigung
zu einem vernünftigen Handeln. Pflichtenkollision (Pflichtstreit) ist das Zusammentreffen mehrerer Verbindlichkeiten,
von denen nach Lage der Verhältnisse nur eine erfüllt werden kann (vgl. Kollision).
Eine Ausnahme davon ist nur zu gunsten der nächsten Verwandten statuiert, deren Enterbung als ein Akt
der Lieblosigkeit und eben darum als unbillig erscheinen würde. Diese Verwandten sind die Deszendenten oder Verwandte in
absteigender Linie, wie Kinder und Enkel, die Aszendenten oder Verwandte in aufsteigende Linie, wie Eltern und Großeltern, und
die Geschwister, letztere aber nur dann, wenn ihnen eine anrüchige Person (persona turpis) vorgezogen
worden ist.
Neuere Gesetze und so auch der Entwurf eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuchs (§ 1975 ff.) zählen die Geschwister nicht
mehr zu den Pflichtteilsberechtigten, während sie dem überlebenden Ehegatten ein Recht auf den Pflichtteil einräumen. Diese Pflichtteilsberechtigten
können einen gewissen Teil desjenigen Erbteils beanspruchen, welcher ihnen zufallen würde, wenn kein
Testament vorhanden und wenn also die gesetzliche Erbfolge eingetreten wäre. Dieser Teil der sogen. Intestatportion ist eben
der Pflichtteil, und der Erblasser ist also in seiner Testierfreiheit zu gunsten jener sogen. Noterben nur insofern beschränkt, als
er ihnen wenigstens den Pflichtteil hinterlassen muß, wofern
nicht etwa ein gesetzlicher Enterbungsgrund
vorliegen sollte.
Ein Hauptgrund, warum insbesondere Eltern die Kinder enterben können, ist die Lieblosigkeit der letztern, bethätigt durch
Lebensnachstellungen, Thätlichkeiten oder sonstige grobe Injurien. Die Größe des Pflichtteils bestimmt sich nach gemeinem
(römischem) Recht nach der Zahl der im einzelnen Fall vorhandenen Pflichtteilsberechtigten. Sind dies
mehr als vier, so beträgt er ½, sind es weniger Noterben, ⅓ der Intestatportion. Neuere Gesetzgebungen, wie die österreichische
und die italienische, statuieren dagegen für Deszendenten stets ½, für Aszendenten ⅓ der Intestatportion.
Das preußische Landrecht hat den Pflichtteil für 1-2 Noterben auf ⅓, für 3-4 auf ½ und für 5-6 und mehr Berechtigt
auf ⅔ der Intestatportion festgestellt, während nach französischem Rechte dem Erblasser gestattet wird, beim Vorhandensein
eines Kindes über ½, bei zwei Kindern über ⅓ und bei drei oder mehreren Kindern nur über ¼ des Nachlasses frei zu verfügen,
so daß also hiernach der Pflichtteil ½, ⅔, ¾ der Intestatportion oder ½, ⅓, ¼ etc.
des Nachlasses beträgt.
Nach dem Entwurf eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuchs beträgt der Pflichtteil die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Der Pflichtteilsberechtigte
muß sich in seinen Pflichtteil alles dasjenige mit einrechnen lassen, was er aus dem Nachlaß durch den letzten Willen des Erblassers
oder bei dessen Lebzeiten mit der ausdrücklichen oder stillschweigenden Bedingung erhalten hat, es sich dereinst auf seinen
Erbteil anrechnen zu lassen, wie z. B. Mitgift, Berufsausstattung, Studienkosten u. dgl.
Übrigens wird auf die Klage des Pflichtteilsberechtigten hin nicht das ganze Testament hinfällig, sondern es wird eben nur
insoweit aufgehoben, als der Pflichtteil verletzt ist.
Gerät zur Bearbeitung des Bodens zum Zweck der Bestellung desselben mit Kulturgewächsen.
Der Pflug ist wohl so alt wie der Ackerbau; wir besitzen Beschreibungen desselben aus den ältesten Zeiten
von allen Völkern, die sich mit Ackerbau beschäftigten. Die ersten Formen des Pflugs waren freilich sehr rohe; ein hakenförmiger
Baumast, von Sklaven oder Tieren gezogen, bildete das Ackergerät (Hakenpflug, Textfig. 1), wie es noch jetzt in einigen Ländern
angetroffen wird.
Bei den Kulturvölkern des Altertums war der Pflug bereits weit vollkommener. Die Griechen kannten bereits das Vordergestell,
die Römer das Streichbrett, sogar den Häufelpflug mit doppelten Streichbrettern. Bis zur Mitte des 18. Jahrh.
machte die Ausbildung des Pflugs nur geringe Fortschritte; erst von dieser Zeit an bestrebte man sich,
sowohl durch Verwendung des zweckentsprechenden Materials den einzelnen Teilen des Pflugs eine möglichst große Dauerhaftigkeit
zu verleihen, als auch mit Hilfe mathematische Gesetze die passendsten Formen des wichtigsten arbeitenden Teils des Pflugs,
des Streichbretts, zu ermitteln. Seitdem hat die Ausbildung des Pflugs außerordent-
liche Fortschritte gemacht, so daß wir jetzt in demselben ein Bodenbearbeitungsgerät besitzen, welches allen Anforderungen
der Landwirtschaft entspricht.
Der Pflug hat die Ausgabe, den Boden zu lockern, zu wenden und zu mischen. Gleichzeitig soll die Oberfläche eine rauhe werden,
so daß sie den Einwirkungen der Atmosphäre wirksamer ausgesetzt ist als bei glatter Oberfläche. Ferner
dient der Pflug zum Zerstören der Unkräuter sowie zum Unterbringen des Düngers und zuweilen auch der Saat. Die Konstruktion des
Pflugs richtet sich in erster Linie nach der Bodenbeschaffenheit, ferner nach dem Tiefgang und dem speziellen Zweck der Arbeit.
Ein schwerer Thonboden mit vollkommen oder annähernd plastischer Eigenschaft unterliegt bei seiner Bearbeitung
andern Gesetzen als ein lockerer Sandboden, dessen Teilchen sich nach dem Böschungswinkel lagern. Die meisten der Bearbeitung
durch den Pflug unterworfenen Bodenarten, wie der milde Thonboden, der sandige Lehmboden, der Kalkboden, der humose
Boden, der Moorboden, liegen in Hinsicht ihrer Kohäsion zwischen dem plastischen (schweren Thon-) und dem
schüttbaren (Sand-) Boden. Daraus ergibt sich, daß auch der Pflug für diese verschiedenen Bodenarten abweichend konstruiert
werden muß, wenn er seine Aufgabe vollkommen erfüllen soll, und ferner, daß kein Pflug auf Böden von verschiedenen physikalischen
Eigenschaften gleich gut arbeiten kann.
Der Pflug für plastische Böden, deren Typus der in
[* 50]
Fig. 2 der Tafel dargestellte englische Pflug ist, wirkt
in der Weise, daß der durch die weiter unten zu besprechenden Teile, Kolter und Schar, vertikal und horizontal von seinem Zusammenhang
losgetrennte Erdbalken von dem lang gezogenen Streichbrett erfaßt und gewendet wird. Derselbe erhält hierdurch, wie dies
aus der Textfig. 2 ersichtlich wird, zunächst eine Drehung um 90°, alsdann
um eine zweite Drehachse, welche von der ersten um die Furchentiefe in horizontale Richtung entfernt liegt, eine weitere Drehung
um 45°. Das Streichbrett verrichtet gleichsam die Arbeit einer Schraubenmutter, welche an ihrer Drehung behindert ist, demnach
bei ihrer geradlinigen Fortbewegung die Schraube, d. h. im vorliegenden Fall den Erdbalken, welcher sich
in der Längsrichtung nicht verschieben kann, in Drehung versetzt.
Nach diesem Prinzip ist der Pflugkörper des in
[* 50]
Fig. 2 der Tafel dargestellten englischen Pflugs angeordnet, welcher sich für
schwere Thonböden am besten bewährt hat. Übrigens gestattet die Konstruktion der Pflüge dieses Systems
noch einen weiten Spielraum in der Anordnung des Streichbretts. So kann z. B. die Steigung der Schraube, welche die Länge des
Streichbretts bedingt, sehr verschieden gewählt werden. Je schwerer der Boden, desto steiler wird der Steigungswinkel der
Schraube gewählt, desto länger wird mithin das Streichbrett. Je weniger steil der Winkel
[* 51] genommen wird,
desto größer ist die seitliche Pressung des Streichbretts gegen den in der Wendung begriffenen Erdbalken, desto mehr wird
dieser in sich gekrümelt.
Man
unterscheidet danach die Schraubenpflüge in Flachwender und Steilwender, von denen erstere mit sehr lang gezogenem Streichbrett
den Erdbalken glatt umlegen, während die Steilwender mit kürzern Streichbrettern den Bodenin sich zerbrechen,
krümeln. Besteht der Boden dagegen aus lockerm Sand, so kann ein nach dem Schraubenprinzip angeordnetes Streichbrett keine
zweckentsprechende Wirkung ausüben. Dasselbe muß vielmehr eine schräg zur Fortbewegungsrichtung gestellte, allmählich
aufsteigende Fläche besitzen, deren Steigungswinkel am untern Teil, bei der Schar, ein nur schwacher ist,
so daß die lockere Erde von dem Streichbrett aufgenommen wird.
Man unterscheidet die Pflüge ferner in Schwing- und Karrenpflüge, von denen erstere keine Unterstützung am vordern Ende
des Pflugbaums erhalten, während letztere mit einem Karren
[* 54] zur bessern Führung des Pflugs versehen sind.
Einzelne Pflüge, z. B. der Pflug in
[* 50]
Fig. 1 der Tafel, erhalten
nur ein einziges Rad oder selbst eine Stelze zur Unterstützung. In neuerer Zeit werden die Schwingpflüge fast allerwärts
von den Karrenpflügen verdrängt, da die Führung der letztern eine bequemere ist als diejenige der Schwingpflüge,
namentlich seitdem die Pflugkarren zu großer Vollkommenheit ausgebildet worden sind.
Bei dem gewöhnlichen Pflug, der die Aufgabe hat, den Boden zu wenden, lassen sich drei Hauptteile unterscheiden, und zwar 1)
der Pflugkörper, 2) der Pflugbaum oder Grindel mit den Handhaben oder Sterzen, 3) die Anspann- und Zugvorrichtung.
Der Pflugkörper setzt sich zusammen aus dem Kolter (Sech oder Messer),
[* 55] welches ein vertikales Lostrennen des Erdbalkens bewirkt,
ferner der Schar, welche denselben horizontal durchschneidet, und dem Streichbrett (Rüster
[* 56] oder Riester), welches den geschnittene
Erdbalken in bereits dargelegter Weise wendet. Zur Befestigung des Streichbretts und der Schar an dem Pflugbaum
dient die Griessäule, zur geradlinigen Führung des Pflugs die Sohle, als horizontale Fortsetzung der Scharspitze nach hinten,
und die Landseite
[* 50]
^[Abb.: Fig. 2. Erdbewegung bei der Arbeit des Schraubenpflugs.]
¶