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FAQ Langfristige Klimastrategie der Schweiz
1. Wo setzt die langfristige Klimastrategie Schwerpunkte?
- Die Klimastrategie knüpft an die Massnahmen des CO2-Gesetzes bei den Gebäuden, in der Industrie und im Verkehr an – und markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu Netto-Null: Mit zehn strategischen Grundsätzen und mit klaren Zielen für die einzelnen Sektoren.
- Netto-Null bis 2050 entspricht zudem der Gletscher-Initiative, die fossile Energien im Grundsatz verbieten will. Der Bundesrat unterstützt in seinem direkten Gegenentwurf dieses Ziel, nicht aber das Instrument des Verbots, um eine Abkehr von den fossilen Energien zu bewirken.
2. Wie positioniert sich die Schweiz im internationalen Vergleich?
- Die Schweiz ist mit ihrem Ziel in guter Gesellschaft. Knapp 30 Länder haben ebenfalls Netto-Null-Ziele gesetzlich festgelegt, beschlossen oder in Aussicht gestellt. Darunter grosse Länder und wichtige Handelspartner der Schweiz wie die EU, China, Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Japan, Südkorea, Südafrika, und Kanada. Dazu kommen diverse Bundesstaaten (z.B. Kalifornien), Städte (z.B. Zürich, New York, London oder Paris) und Unternehmen (z.B. Google oder Microsoft), die ebenfalls Netto-Null anstreben, teilweise schon deutlich vor 2050.
- Die Schweiz reiht sich damit in eine immer grösser werdende Anzahl von Ländern ein, die sich ebenfalls zu einer konsequenten Umsetzung der Ziele des Übereinkommens von Paris bekannt und entsprechende Ziele beschlossen haben. Mit ihrem Netto-Null-Ziel verfolgt die Schweiz also keinen Alleingang, sondern bewegt sich im Einklang mit ihren wichtigsten Handelspartnern.
- Verschiedene weitere Länder, unter anderem Dänemark, Deutschland, Finnland Frankreich, das Vereinigte Königreich, Japan, Kanada, die Niederlande, Norwegen, Schweden, Spanien, Südafrika, Südkorea, Österreich und die USA, haben ebenfalls bereits langfristige Klimastrategien eingereicht. Die meisten Staaten bekräftigen darin das Ziel einer weitgehenden bis vollständigen Abkehr von fossilen Energien wie Öl, Gas, Benzin und Diesel oder von Netto-Null-Emissionen bis spätestens Mitte des Jahrhunderts.
- Der neue US-Präsident Joe Biden hat als eine der ersten Amtshandlungen ein Dekret unterschrieben zwecks Rückkehr zum Pariser Klima-Übereinkommen.
3. Um wieviel Prozent müssen die Emissionen bis 2050 reduziert werden, damit «Netto-Null» realistisch ist? Wie hoch sind die unvermeidbaren Emissionen?
Folgenden Emissionsverminderungen sind technisch möglich:
- Der Verkehr sowie der Gebäudesektor können bis 2050 praktisch vollständig emissionsfrei werden. Die Technologien dafür sind vorhanden.
- Der Industriesektor kann ebenfalls weitgehend auf fossile Brennstoffe verzichten. Um die verbleibenden Emissionen aus industriellen Prozessen zu mindern, können Technologien zum Einsatz kommen, die CO2 direkt dort abfangen, wo es Entsteht, und dieses Speichern oder Wiederverwenden (CCS = carbon capture and storage; CCU = carbon capture and utilization).
- Im Abfallsektor wird die Kehrichtverbrennung auch in Zukunft CO2-Emissionen verursachen. Auch hier bieten sich technische Lösungen an.
- Für Lösungs- oder Kältemittel, die sehr starke synthetische Treibhausgase verursachen, gibt es bereits heute Ersatzstoffe. Emissionen entstehen häufig auch erst bei Lecks oder Havarien. Diese können durch besseres Risikomanagement eingedämmt werden.
- In der Landwirtschaft können die Emissionen bis 2050 mit technischen Massnahmen um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 sinken. Weitere bedeutende Potenziale liegen im Bereich Ernährung. Diese wurden aber in der langfristigen Klimastrategie nicht beleuchtet.
- Fazit: Bis 2050 können die Treibhausgasemissionen um knapp 90 Prozent sinken. Dies schliesst den Einsatz von CCS-Technologien in der Industrie mit ein. Die verbleibenden Emissionen von rund 7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten können mit Negativemissionstechnologien ausgeglichen werden, die der Atmosphäre CO2 entnehmen und dieses dauerhaft speichern.
4. Mit welchen Massnahmen sollen die Ziele in den einzelnen Sektoren erreicht werden?
- Die Ziele sind als erste Richtwerte zu verstehen. Sie zeigen auf, in welcher Grössenordnung die Emissionen in den einzelnen Sektoren sinken sollten, damit ein Erreichen des Netto-Null-Ziels möglich ist.
- Sie beruhen auf den heute absehbaren technischen Potentialen – und stützen sich für die Sektoren Gebäude, Verkehr und Industrie auf die Energieperspektiven 2050+ des BFE ab, bzw. sind daraus abgeleitet. Die Ziele für den Sektor Landwirtschaft beruhen auf Abschätzungen des Bundesamts für Landwirtschaft BLW.
- Der Bundesrat hat darauf verzichtet, in der langfristigen Klimastrategie bereits Instrumente zur Erreichung dieser Ziele vorzuschlagen. Diese sollen mit einer Revision des CO2-Gesetzes festgelegt werden.
Grafiken
Letzte Änderung 28.01.2021