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DVD-Review: "I saved Latin. What did you ever do?"
Der 15 jährige Max Fischer (Jason Schwartzman) ist Präsident des Französisch-Clubs, Präsident des Briefmarkensammler-Clubs, der Manager des Lacrosse-Teams, der Gründer der Astronomie-Gruppe, Captain der Fechtmannschaft, schreibt und führt Regie bei Theaterstücken und noch vieles mehr. Man könnte meinen, dass Max ein schlaues Kerlchen ist. Weil er jedoch seine Zeit lieber damit verbringt, Stücke zu schreiben und ständig neue Clubs zu gründen, steht es schlecht um seine Noten an der Eliteschule Rushmore. Als einer der schlechtesten Schüler steht er kurz vor dem Rauswurf und nun folgt erneut Ärger.
Max verliebt sich Hals über Kopf in die Lehrerin Rosemary Cross (Olivia Williams). Um sie zu beeindrucken setzt er sich dafür ein, dass Latein wieder an der Rushmore unterrichtet wird. Als ihm dies gelingt, sucht sich Max für seinen Folgestreich ein waghalsiges Projekt aus: Mit finanzieller Hilfe des Industriellen Herman Blume (Bill Murray) will er ein riesiges Aquarium auf das Baseballfeld der Rushmore bauen. Der in der Mitlife-Crisis steckende Blume sagt zu, verliebt sich aber gleichzeitig auch in Miss Cross. Ein Zweikampf um die Frau entsteht.
Wer Wes Andersons Filme kennt, weiss, dass dieser Mann keine Mainstreamware produziert. Er erzählt mit stillem Humor seine Geschichte witzig, aber gleichzeitig auch mit einer gewissen Prise Ernsthaftigkeit. Seine Filme sind eher langsame Werke mit jeder Menge skurrilen Einfällen. Dies sind die Spezialitäten, die Anderson wie kein zweiter beherrscht. Wer bei seinen Filmen Schenkelklopfhumor erwartet, ist definitiv falsch. Mit seinem zweiten Film, Rushmore, hat der texanische Regisseur neben seinem persönlichsten Werk auch ein kleines Meisterwerk geschaffen, das nicht mal in den Schweizern Kinos lief und deshalb hier folgenden Aufruf erhalten soll: Rushmore ist brillant und es Wert, angeschaut zu werden.
Die Ausgangslage, dass ein Schüler sich hoffnungslos in seine Lehrerin verliebt, ist bereits herrlich absurd. Als dann ein älterer Konkurrent auftaucht, erwartet man eine Gefühlsduselei bis zum Ende. Doch Anderson hat genügend witzige Einfälle parat, um den Zuschauer immer wieder zum Lachen zu bringen.
Das grosse Plus bei Rushmore ist, dass man die ganze Zeit das Gefühl hat, etwas Geniales zu sehen. Die Bilder, die Musik, die Schauspieler, alles greift sauber ineinander, alles harmoniert perfekt. Wie bei allen Anderson Filmen sind weniger die Geschichten von grosser Bedeutung, sondern eher seine Figuren. Das trifft auf die drei Kleinkriminellen in Bottle Rocket zu, wie auch auf die drei Brüder aus The Darjeeling Limited. Mit der Figur des Max Fischer hat Anderson, zusammen mit Co-Writer Owen Wilson, einen seiner besten Charaktere geschaffen. Der von Jason Schwartzman gespielte Max Fischer ist eigentlich der Supernerd und total unsympathisch. Anderson schafft es aber trotzdem, diese Person liebenswürdig darzustellen und den ganzen Film auf ihr aufzubauen - und der Film funktioniert. Der Konkurrent von Schwartzman ist niemand geringeres als Bill Murray. Die beiden liefern sich ein Duell auf Augenhöhe und beide sind auch für die witzigste Szene im Film verantwortlich, in der sie sich mit allen Mitteln bekriegen.
Ein weiteres Plus ist wie oben bereits erwähnt der Soundtrack. Dieser setzt sich zusammen aus Stücken von den Rolling Stones, The Kinks, John Lennon und weiteren Künstlern. Jedes Lied passt perfekt in die bedrückende, aber irgendwie hoffnungsvolle Stimmung der jeweiligen Szene.
Rushmore ist toll. Dass ein Film eine solche Geschichte so skurril erzählen kann, ist eine Seltenheit geworden. Hier sieht man die Qualitäten, für die Wes Anderson in seinem Fankreis so verehrt wird. Leute, die mit den Filmen von Anderson wenig anfangen können, sollten Rushmore besser meiden. Allen andern ist er wärmstens zu empfehlen.
Die DVD hat ein etwas unscharfes Bild zu bieten, was sich vor allem bei Grossaufnahmen bemerkbar macht, aber bei den Nahaufnahmen keine gröberen Fehler zeigt. Tontechnisch bestimmen die verschiedenen Songs die Surroundkulisse. Die Dialoge spielen sich meistens auf dem Center ab. Als Extras wird nichts und noch viel weniger geboten. Eine schwache DVD. Ein witziges Detail ist noch, dass der Film in den USA ein R-Rating bekommen hat, aber die deutsche DVD das FSK-Siegel "ab 6 Jahren" trägt.