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Ein Strassendorf im Baselbieter Tafeljura
Der Diegterbach schlängelt sich durch das rund 2 Kilometer lange Dorf, welches aus den fünf Teilen Ober-Diegten, Mühle-Diegten, Mittel-Diegten, Schloss-Diegten mit Kirche und Nieder-Diegten besteht. Heute sind diese fünf Ortsteile zusammengewachsen.
Der grösste Teil der Gemeinde liegt im Tafeljura. Im Süden reicht die Gemeinde in den Kettenjura hinein. Die vorderste Kette mit Ränggen und Hard gehört noch zur Überschiebungszone
des Faltenjuras. Bei Dietisberg, auf über 800 m ü. M., befinden wir uns im eigentlichen Kettenjura. Ein Drittel des Gemeindeareals ist mit Wald bedeckt, der vor allem im bergigen Bereich anzutreffen ist.Mit Chilpen besitzt Diegten ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung.
Einzelhöfe geben der Landschaft ein neues Gesicht
Das Landschaftsbild des Juras ist bis weit hinauf von Einzelhöfen geprägt. Während Jahrhunderten wurde Dreifelderwirtschaft betrieben. Bei diesem Anbausystem gab es praktisch keine Feldwege. Anbaurhythmus und Feldkulturen sowie Überfahrts- und Beweidungsrechte wurden aufgrund von verbindlichen Absprachen, dem Flurzwang, festgelegt.
Ausserhalb des Dorfes gab es deshalb in diesem Zeitraum nur ausnahmsweise Höfe. Nach der Aufhebung des Flurzwangs entstanden zwischen 1790 und 1850 die meisten Einzelhöfe in den eher abgelegenen Randgebieten. Diese Gebiete waren weniger attraktiv und somit günstiger zu erwerben. Mit der Zeit entstanden immer mehr Aussenhöfe. Zur besseren Erschliessung dieser abgelegenen Parzellen baute man viele Feldwege.
Hochstamm-Obstbäume wie Äpfel, Birnen und Kirschen hatten bis Mitte des 20. Jh. eine recht grosse Bedeutung. Ackerbau wurde damals relativ wenig betrieben. Das Landschaftsbild änderte sich in jenem Zeitraum nur unwesentlich. Heute wird das Obst vorwiegend in Niederstamm-Anlagen produziert.
Das Auto erobert die Landschaft
Zwei Ereignisse veränderten das Landschaftsbild entscheidend: Der Bau der Autobahn A2 1966–1972 sowie die Güterzusammenlegung 1963–1983. Für den Bau der Autobahn musste Land erworben werden. Eine regierungsrätliche Verordnung dazu löste eine Güterzusammenlegung aus, in deren Rahmen viele Kilometer neue Strassen und Wege gebaut wurden. Die Landwirtschaft verlagerte sich mehr und mehr aus dem Dorf in die Aussenhöfe. Im Dorf blieben nur wenige Landwirtschaftsbetriebe bestehen. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. ging die Zahl der Bauernbetriebe um etwa zwei Drittel zurück.
Die Autobahn ist Teil der wichtigen und stark befahrenen europäischen Nord-Süd-Achse (Beneluxstaaten/Nord-Deutschland – Gotthard – Italien). Sie dominiert das Tal sowohl optisch als auch akustisch. Sie umfährt das Dorf in einem grossen Nord-Süd-Bogen und zerschneidet so das Tal in Längsrichtung.
Vom Bauerndorf zur Pendlergemeinde
Die Eröffnung des Anschlusses Diegten 1972 löste eine grosse Bautätigkeit aus. Viele Leute zogen nach Diegten und bauten dort ihr Haus. Der Zustrom war so stark, dass sich die Bevölkerung bis heute ungefähr verdoppelte. Infolge dieser Bautätigkeit entstanden in den Baumgärten und auf den Wiesen hinter den alten Häusern neue Quartiere und die fünf Ortsteile wuchsen zusammen.
Die meisten Zugezogenen wohnten in Diegten, arbeiteten jedoch nicht hier, sondern pendelten vor allem mit dem Auto zu ihrem Arbeitsplatz. Vor dem Bau der Autobahn waren nur etwa 30 % der Erwerbstätigen Pendler
, nach der Eröffnung des Anschlusses Diegten stieg deren Zahl bis ins Jahr 2000 auf über 70 %.
Damit hat sich Diegten von einem Bauerndorf zu einer Pendlergemeinde entwickelt. Der starke Autobahnverkehr verursachte andauernd grossen Lärm, welcher an verschiedenen Stellen die Immissionsgrenzwerte überschritt. Aus diesem Grund wurde der bestehende Lärmschutz 2004 saniert. Man verlängerte die Lärmschutzwand und erhöhte sie teilweise bis fast auf Haushöhe. Trotzdem ist im Tal Tag und Nacht ein ständiger Verkehrslärm hörbar.
HPM