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Titel
Fieber
(Febris), eine krankhafte
Störung des Allgemeinzustandes, bei welcher unter verschiedenen
allgemeinen Erscheinungen die
Eigenwärme des Körpers infolge einer abnormen
Steigerung des
Stoffwechsels höher ist als beim
Gesunden, bei welchem sie 37,5° C. zu keiner Tageszeit überschreitet. Nur die
Erhöhung der
Eigenwärme ist charakteristisch
für das Vorhandensein des
Fieber; wo sie fehlt, darf Fieber nicht angenommen werden, auch
wenn gewisse andere Erscheinungen, die erfahrungsgemäß gewöhnlich die
fieberhaften
Affektionen begleiten, wie Frost, Durst,
Mattigkeit, Pulsbeschleunigung
u. dgl., dei dem
Kranken wahrgenommen werden. Zu diesen allgemeinen, die Temperatursteigerung
begleitenden Erscheinungen gehört eine oft beträchtliche
Beschleunigung der Herzbewegungen und dadurch bedingte
Vermehrung
der Pulsschläge (um 10 bis 40, ja selbst
bis 70
Schläge in der Minute); auch pflegt sehr bald eine erhebliche
Steigerung der Atembewegungen einzutreten, durch welche bei Erwachsenen die Zahl der Atemzüge von 18 auf 20 bis 40,
bei
Kindern von 28 bis 35 auf 60 und mehr Atemzüge in der Minute steigen kann, ohne daß eine krankhafte
Affektion
der Brustorgane vorhanden zu sein braucht.
Weiterhin kommt es durch den störenden Einfluß des
Fieberblutes auf die nervösen
Centralorgane zu mannigfachen nervösen
Erscheinungen: bei geringerm
Fieber klagen die
Kranken nur über ein unbestimmtes Gefühl allgemeinen Unbehagens, über Unlust
zu geistiger Beschäftigung,
Schwere und Eingenommensein des
Kopfes,
Kopfschmerzen, über das Gefühl von
Schwäche und Hinfälligkeit, schlafen unruhig und werden vielfach durch ängstliche
Träume gestört; bei stärkerm
Fieber treten
sehr oft
Unruhe und Aufregung, Schlaflosigkeit, lautes Sprechen und Schreien, anhaltende Delirien mit
Ideenflucht (sog.
Fieberdelirien
oder
Fieberphantasien), oft auch Neigung zu
Ohnmacht und Schwindel oder anhaltende
Bewußtlosigkeit und
Schlafsucht hinzu. Zu
diesen nervösen
Störungen gesellen sich mancherlei
Störungen von seiten des Verdauungsapparats: Appetitlosigkeit,
pappiger
Geschmack,
Verdauungsschwäche,
Stuhlverstopfung und lebhafter Durst;
bei länger bestehendem
Fieber wird die
Ernährung
in erheblichem
Maße beeinträchtigt, und es schwindet nicht nur das Fett, sondern es werden auch die eiweißhaltigen Körperbestandteile
in einem der Höhe der
Fiebertemperatur entsprechenden
Grade verbraucht.
Sehr häufig beginnt das
Fieber (die
Temperatursteigerung) mit einem ausgesprochenen Frostgefühl, das sich selbst bis zum Schüttelfrost steigern kann; während
eines solchen
Fieberfrostes schaudert der
Kranke, wird von Gähnen, Zähneklappern und Zittern befallen und atmet oberflächlich
und rascher, seine
Haut
[* 2] ist kühl und bleich und bietet das charakteristische Aussehen der
Gänsehaut dar.
Ein solcher
Fieberfrost dauert in der Regel nur kurze Zeit, eine Viertel- bis halbe
Stunde und darüber, kann aber auch tagelang
anhalten; gewöhnlich folgt hierauf ein lebhaftes Hitzegefühl (
Fieberhitze), wobei das
Gesicht
[* 3] stark gerötet erscheint,
die
Haut sich warm, selbst brennend heiß anfühlt und sich oft reichlicher Schweiß einstellt. Der gesteigerten
Schweißabsonderung entsprechend pflegt der
Harn spärlicher, konzentrierter und dunkler zu sein. Die
Dauer des Hitzestadiums
ist eine sehr verschiedene, von einigen
Stunden bis zu Wochen, selbst
Monaten schwankend.
Da die gesteigerte
Temperatur das einzige sichere Zeichen ist, aus welchem das Vorhandensein von
Fieber mit größter
Bestimmtheit hervorgeht, so ist die Anwendung des
Thermometers zur Messung der Körperwärme
(Thermometrie) für die Erkennung
und Behandlung der fieberhaften
Krankheiten von der größten Bedeutung. Die Wichtigkeit der
Thermometrie für die ärztliche
Diagnostik ist erst verhältnismäßig spät erkannt worden; denn wenn auch schon im 18. Jahrh, vereinzelte
Ärzte
(Boerhaave,
van
Swieten, de Haen) dem Verhalten der
Eigenwärme im kranken Körper Beachtung geschenkt hatten, so wurde
doch erst seit den fünfziger Jahren des 19. Jahrh, durch die grundlegenden
Beobachtungen und
Arbeiten von
Traube, Bärensprung,
Wunderlich und ihren
Schülern die
Thermometrie zu einer wertvollen wissenschaftlichen Methode
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mehr
erhoben. Zur Messung der Blut- oder Eigenwärme bedient man sich sehr genau gearbeiteter Quecksilberthermometer, deren Skala in Fünftel- oder Zehntelgrade eingeteilt ist und die man am zweckmäßigsten in die vorher von Schweiß gereinigte Achselhöhle einlegt, worauf man die letztere durch festes Anlegen des Arms an die Brustwand schließt. Zuverlässiger ist das Einlegen des Thermometers in den Mastdarm. Das Thermometer [* 5] soll wenigstens 10-15 Minuten in der festgeschlossenen Achselhöhle liegen bleiben und erst dann entfernt werden, wenn innerhalb 5 Minuten keine merkliche Steigung des Quecksilbers mehr erfolgt; man kann die Dauer der Messung dadurch etwas abkürzen, daß man vor dem Einlegen die Quecksilberkugel vorsichtig über einem Lichte anwärmt.
Abgelesen wird natürlich das Thermometer, solange es noch in der geschlossenen Achselhöhle oder im Mastdarm liegt; nur die sog. Maximalthermometer dürfen vor dem Ablesen entfernt werden. Wie oft täglich derartige Temperaturmessungen an dem Kranken vorzunehmen sind, hängt von der Natur der betreffenden fieberhaften Krankheit ab; gewöhnlich sind zwei tägliche Messungen hinreichend, von denen die eine des Morgens zwischen 7 und 9 Uhr [* 6] (zur Zeit der mutmaßlich niedrigsten Temperatur), die andere in den Nachmittagsstunden zwischen 4 und 6 Uhr (Zeit der mutmaßlich höchsten Temperatur) vorzunehmen ist.
Bei schweren Krankheiten kann es von großem Vorteil sein, die Eigenwärme aller 2-4 Stunden durch thermometrische Messung zu bestimmen. Bei länger anhaltenden Krankheiten pflegt man, um ein genaues Bild von dem Gange des Fieber zu erhalten, die sämtlichen Temperaturbeobachtungen aus einem System senkrecht sich schneidender Koordinaten [* 7] mit Punkten zu bezeichnen, die letztern durch Striche zu verbinden und so eine graphische Darstellung des Fieberverlaufs, die sog. Temperatur- oder Fieberkurve, zu geben, durch welche der Arzt oft schon auf den ersten Anblick hin über Art und Verlauf des Fieber und über die Notwendigkeit gewisser therapeutischer Maßregeln sich unterrichten kann.
Nach der Höhe der beobachteten Temperatur unterscheidet man verschiedene Grade des Fieber. Alle Temperaturen über 38° C. sind durchaus fieberverdächtig; 38° bezeichnet man noch als hoch normal, weil diese Temperatur bisweilen bei nicht fieberhaft Erkrankten beobachtet wird; Temperaturen von 38,1 bis 38,5° heißen subfebril (dem Fieber nahe stehend), von 38,6 bis 39° leichtes Fieber, von 39 bis 40° schlechthin Fieber, von 40 bis 41 bis 42° hohes bis sehr hohes Fieber. Steigt die Temperatur über 42° C. hinaus, so ist dies ein Zeichen des herannahenden Todes (sog. prämortale Temperatursteigerung); die höchste, überhaupt bei einem Lebenden kurz vor seinem Tode beobachtete Temperatur betrug 44,7 °C. Die niedrigsten Temperaturgrade dagegen, welche bei Kranken gefunden wurden, betrugen 33° (in einigen wenigen Fällen selbst 25° C.); man bezeichnet ein so auffallendes, mit mancherlei gefahrdrohenden Symptomen verbundenes Sinken der Eigenwärme als Kollaps (s. d.).
Hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs des Fieber oder des Ganges der Eigenwärme während der ganzen fieberhaften Krankheit unterscheidet man drei verschiedene, mehr oder minder deutlich voneinander gesonderte Stadien: das Anfangsstadium, welches sich entweder allmählich, unter stufenweisem Ansteigen der Temperatur entwickelt oder ganz plötzlich mit einem heftigen Frost und darauf folgender rapider Temperatursteigerung beginnt, das Stadium der Fieberhöhe (Akme oder Fastigium), der vollsten Entwicklung des Fieber, welches meist eine längere Dauer, von einigen Tagen bis 3 Wochen und darüber besitzt und sich dadurch auszeichnet, daß die Temperatur, abgesehen von kleinern Schwankungen, sich während der ganzen Zeit auf annähernd gleicher Höhe erhält, und endlich das Stadium der Abnahme oder Entfieberung (Defervescenz), während dessen die erhöhte Temperatur dauernd wieder zur Norm zurückkehrt.
Diese Entfieberung erfolgt entweder plötzlich, in raschem Zuge in Form einer sog. Krisis, wobei binnen wenigen Stunden die gesteigerte Temperatur und Pulsfrequenz zur Norm abfallen, der Kranke sich plötzlich erleichtert fühlt, alle nervösen Symptome verschwinden und ein ruhiger, erquickender Schlaf sich einstellt, oder nach und nach, in langsamerm Zuge in Form einer sog. Lysis oder Lösung, bei welcher die Temperatur stufenweise im Laufe einiger Tage, höchstens einer Woche, bis zur Norm herabsinkt. In vielen Fällen tritt die Krisis ein, wenn der Krankheitsprozeß sein Ende erreicht hat, so bei den sog. akuten Exanthemen (Pocken, Masern, Scharlach), wenn sich der Ausschlag völlig ausgebildet hat, bei der Lungenentzündung nach der Ausbildung des Exsudats in den Lungen u. s. w. An das Stadium der Entfieberung reiht sich schließlich das Stadium der Rekonvalescenz oder Genesung an, welche je nach der Schwere und Intensität der vorausgegangenen Krankheit und je nach der Konstitution des Kranken eine verschieden lange Dauer in Anspruch nimmt. Wenn das Fieber im Stadium der Fieberhöhe schließlich nicht herabsinkt, sondern eine weitere Steigerung auf 42° C. und darüber erfährt, so ist ein tödlicher Ausgang des Fieber zu erwarten, da so hohe Temperaturen das Leben des Kranken auf das höchste gefährden.
Außer den eben besprochenen Stadien, die einer jeden fieberhaften Krankheit zukommen, unterscheidet man noch weiterhin gewisse typische Verlaufsformen des Fieber, sog. Fiebertypen, durch welche die Art und Weise des Fieberverlaufs an mehrern aufeinander folgenden Tagen veranschaulicht wird. Man unterscheidet in dieser Beziehung folgende vier Fiebertypen:
1) Das anhaltende oder kontinuierliche Fieber (Febris coutinua), welches tagsüber nur sehr geringe Schwankungen darbietet, so daß der höchste und tiefste Stand der Temperatur an einem Tage nicht mehr als höchstens 0,5° C. differiert; betragen die täglichen Temperaturschwankungen etwas mehr, etwa 0,5 bis 1°, so pflegt man von einem subkontinuierlichen Fieber zu sprechen.
2) Das nachlassende oder remittierende Fieber (Febris remittens), das dadurch charakterisiert ist, daß die täglichen Temperaturschwankungen mehr als einen Grad oder selbst mehrere Grade betragen, und daß die höchste Temperatur gewöhnlich in die Abendstunden, die niedrigste (die sog. Remission) in die frühen Morgenstunden fällt. Dieser Fiebertypus ist ein sehr häufig vorkommender und günstiger als der vorige.
3) Das aussetzende oder intermittierende Fieber (Febris intermittens), dessen bekanntester Repräsentant das Wechselfieber ist; es besitzt die Eigentümlichkeit, daß bei ihm Fieberanfälle (sog. Paroxysmen) mit völlig fieberfreien Tagen (Apyrexie) in einer meist genau eingehaltenen Reihenfolge abwechseln. Bei einem solchen Fieberanfall, der ¶
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oft mit einem heftigen Schüttelfrost beginnt, steigt die Temperatur gewöhnlich sehr rasch, binnen 1-2 Stunden, auf eine Höhe von 40 bis 41° C., erhält sich auf dieser Höhe einige Stunden und fällt dann während eines Zeitraums von 8 bis 10 Stunden stufenweise zur Normaltemperatur herab. Derartige Fieberanfälle können sich entweder täglich einstellen, sodaß die fieberlose Zeit kaum einen halben Tag dauert (sog. Quoditianfieber), oder aller 2 Tage, mit einem ganzen fieberfreien Tag dazwischen (sog. Tertianfieber), oder aller 3 Tage, mit zwei fieberlosen Tagen dazwischen (sog. Quartanfieber) u. s. w. Im allgemeinen ist die Gefahr eines solchen intermittierenden Fieber geringer als die eines nachlassenden oder gar anhaltenden Fieberverlaufs, da der Körper sich während der fieberlosen Zeit einigermaßen erholen kann.
4) Das wiederkehrende oder rekurrierende Fieber (Febris recurrens), eine seltener vorkommende Fieberform, die sich dadurch auszeichnet, daß auf einen länger (durchschnittlich 5-7 Tage) dauernden Fieberanfall eine ebenso lange dauernde fieberfreie Zeit folgt, worauf plötzlich und unerwartet statt der gehofften Genesung ein erneuter Fieberparoxysmus folgt. Am ausgesprochensten findet sich dieser Fiebertypus beim sog. Rückfalltyphus (s. d.). Eine rudimentäre Fieberform stellt das sog. ephemere Fieber (Febricula) dar, welches sich durch seine außerordentlich kurze Dauer auszeichnet und trotz seiner oft beträchtlichen Höhe (bis 40,5° C. und darüber) meist schon nach wenigen Stunden, spätestens nach einem Tage ohne weitere Zeichen einer Allgemeinstörung und ohne weitere Folgen wieder verschwindet. Ein solches ephemeres Fieber entsteht gewöhnlich bei empfindlichen Personen (Kindern, Frauen, Rekonvalescenten) auf ganz geringfügige Veranlassungen hin, welche bei kräftigern Individuen eine Störung der Konstitution nicht hervorbringen.
Abgesehen von den oben angeführten Fiebertypen hat man von alters her noch drei verschiedene Fieberarten aufgestellt, die durch das Überwiegen gewisser anderer Symptome einen eigenartigen Charakter darbieten:
1) Das entzündliche Fieber oder Reizfieber (Febris erethica), welches bei ausgedehnten schweren Entzündungen (wie der Lungen- und Rippenfellentzündung) und bei sonst kräftigen Personen vorkommt und sich durch hohe Bluttemperatur, durch anhaltenden oder schwach nachlassenden Fiebertypus, harten, vollen Puls, lebhaft gerötetes Gesicht, heftigen Durst, stark sedimentierenden Harn, Unruhe und Delirien des Kranken zu erkennen giebt. Die Aussicht auf Genesung ist im allgemeinen beim entzündlichen Fieber günstig, vorausgesetzt, daß der Kranke hinreichend kräftig ist.
2) Das nervöse Fieber (Febris adynamica), welches sich vorwiegend bei zarten oder durch vorausgegangene Krankheiten geschwächten oder durch das Alter erschöpften Personen vorfindet; es zeichnet sich durch große Hinfälligkeit und Schwäche, außerordentlich frequenten, kleinen Puls, schlaffes, eingefallenes Gesicht, Delirien und Schlaflosigkeit sowie durch starke Schweiße aus; trotz der hohen Temperatur des Rumpfes fühlen sich die Extremitäten kühl an, und häufig besteht große Neigung zum Aufliegen (s. d.). Die Vorhersage ist bei dieser Fieberart in der Mehrzahl der Fälle ungünstig, weil der Kranke zumeist außerordentlich erschöpft und sein Organismus nicht im stande ist, die durch das Fieber gesetzten Störungen zu überwinden.
3) Das Zehrfieber oder hektische Fieber (Febris hectica), das sich bei den verschiedensten Auszehrungskrankheiten, namentlich bei der chronischen Lungenschwindsucht sowie bei innern und äußern Eiterungen und Verschwärungen zeigt; es giebt sich gewöhnlich dadurch zu erkennen, daß der Kranke trotz guten Appetits und reichlicher Nahrungszufuhr auffallend abmagert und sichtlich abzehrt. Gewöhnlich bietet das Zehrfieber einen stark und unregelmäßig nachlassenden Fiebertypus (hohe Abend- und niedrige Morgentemperaturen) dar; der Kranke fröstelt, hat gerötete und heiße Wangen, heiße Hände, matte Augen, wird in den frühen Morgenstunden von starken und quälenden Schweißen mit dem nachfolgenden Gefühl großer Ermattung befallen; auch stellen sich nicht selten reichliche erschöpfende Durchfälle ein. Die Vorhersage ist meist ungünstig, weil das Zehrfieber meist sehr lange andauert und daher auch mit einer beträchtlichen Konsumtion des Körpers verbunden ist.
Die Frage nach den eigentlichen Ursachen und der Entstehung des Fieber hat von jeher das lebhafte Interesse der Ärzte und Pathologen erregt, wurde aber erst in den ersten Decennien des 19. Jahrh. dadurch wesentlich gefördert, daß die Ansicht der ältern Schulen, wonach das Fieber eine eigenartige und selbständige, nicht von anatom. Veränderungen abhängige Störung der Lebenskräfte sei, durch Broussais, Schönlein u. a. wirksam bekämpft und der wichtige Nachweis geführt wurde, daß sich bei jedem Fieber eine örtliche Organerkrankung, ein Krankheitsherd ausfinden läßt, von dem aus sodann durch Vermittelung des Blutes der Gesamtorganismus in der dem Fieber eigentümlichen Weise beeinflußt und verändert wird.
Weitere Untersuchungen haben gelehrt, daß durch den Übertritt von fiebererregenden sog. pyrogenen Stoffen, vor allem durch die Bakterien und ihre chem. Stoffwechselprodukte eine eigentümliche Veränderung des Blutes bedingt wird, welche ihrerseits wiederum eigenartige Wirkungen auf das Nervensystem, insbesondere auf die Gefäßnerven und denjenigen Teil des Nervencentralapparats, welcher der normalen Wärmeregulierung des tierischen Körpers vorsteht, ausübt und dadurch eine ganz beträchtliche Steigerung der Wärmeproduktion zur Folge hat.
Die Einzelheiten dieses Vorgangs sind noch nicht genauer bekannt; nur so viel steht fest, daß durch das Fieberblut die Nerven [* 9] der Gefäßwandungen und das im verlängerten Mark gelegene wärmeregulierende Nervencentrum übermäßig erregt und infolgedessen eine lebhafte, alle Gewebe [* 10] des Körpers mehr oder minder betreffende Steigerung des allgemeinen Stoffwechsels hervorgerufen wird, mit welcher eben eine entsprechende Steigerung der Wärmeproduktion verbunden ist. Da nun aber mit dieser vermehrten Wärmebildung nicht, wie im normalen Zustande, eine vermehrte Wärmeabgabe Hand [* 11] in Hand geht, so muß eine mehr oder weniger beträchtliche Überheizung des Blutes und sämtlicher Organe und damit der ausgesprochene Symptomenkomplex des Fieber die unausbleibliche Folge sein, die so lange andauert, als die pyrogenen (fiebererregenden) Stoffe im Blute cirkulieren.
Hinsichtlich der Bedeutung des Fieber und seiner Folgen für den Gesamtorganismus ist zu betonen, daß jedes an sich gewisse, nicht zu unterschätzende Gefahren für den Körper mit sich bringt, die um so größer und ernstlicher sind, je länger anhaltend und je kontinuierlicher sein Verlauf ist und je höhere ¶