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Ein Auszug von Arlette Yildiz. Sie hat in der Edition Unik ihr Buch geschrieben.
In Finsterhennen im Kanton Bern musste die Polizei mit einem Grosseinsatz ausrücken, weil ein Mann, dessen Haus zwangsversteigert werden sollte, unauffindbar war, als man das Haus zwecks eben dieser Versteigerung betreten wollte. Der Blick schreibt, dass der Mann kürzlich seine Mutter verloren habe, er sei etwa Mitte bis Ende fünfzig und arbeitslos. Der Präsident des Schützenvereins macht sich indessen Sorgen um den Ruf seines Vereins, da dieser Mann ein Mitglied sei.
Mich berührt dieses Schicksal zutiefst. Denn mein Elternhaus wurde auch zwangsversteigert als mein Vater, der nach der Trennung von meiner Mutter darin wohnen blieb, die Hypothekarzinsen nicht mehr bezahlen konnte. Er hatte seine Arbeit als Versicherungsvertreter nach fast dreissig Jahren verloren und diese Versicherung, sein vormaliger Arbeitgeber, bestand nun auf der Bezahlung der Zinsen. Mein Vater hatte damals das Haus wegen des tieferen Zinssatzes über seinen Arbeitgeber finanziert. Aber nun wurde mein Elternhaus zwangsgeräumt. Alles wurde wie Kraut und Rüben durcheinander in Schachteln gepackt und bei meinem damaligen Mann im Keller eines seiner Mehrfamilienhäuser deponiert.
Zufälligerweise fuhr ich an dem Tag an meinem Elternhaus vorbei als diese Räumung vonstatten ging. Mit meinem Vater hatte ich damals keinen Kontakt, denn er verschwand nach der Trennung für eine Weile und nur sporadisch kamen Lebenszeichen. Ich hatte also keine Ahnung was da genau passierte. Wie ich es dann herausfand, weiss ich nicht mehr. Es tat mir jedoch sehr weh nun kein Elternhaus mehr zu haben, auch wenn ich schon lange nicht mehr drin gewesen war.
Mir war völlig unverständlich, warum meine Mutter und meine Schwester an diese Versteigerung gingen. Angeblich um zu sehen, wer das Haus bekommen würde. Ich hätte es nicht ertragen das mitzuerleben. Leider wurde mir dann nicht erspart zu sehen, wie an einem Fasnachtsumzug in Uhwiesen, wo ich aufgewachsen bin, die Versteigerung unseres Hauses als Fasnachtssujet durch das Dorf gezogen wurde! Ich war entsetzt. Zum Glück wohnte ich bereits in Schaffhausen und es war auch meine letzte Fasnacht, an der ich teilgenommen habe.
Alle diese Erinnerungen lösen bei mir Mitgefühl für diesen Mann aus, der nicht nur arbeitslos und soeben vom Tod der Mutter betroffen war, nein, jetzt wurde ihm auch noch sein Heim weggenommen und statt mit einem Grossaufgebot an Hilfe ihm zur Seite zu stehen, rückt die Polizei aus.
(Der zitierte Artikel ist erschienen bei «20 Minuten», und zwar am 7.9.18.)
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