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In Auftrag gegeben wurde es allerdings von einem Vertreter des Adels. Der bayerische Herzog Wilhelm V. stiess heute vor 430 Jahren den Bau des Hofbräuhauses an. Der Grund dafür war ein rein kapitalistischer. Es galt, den Wittelsbacher Hof mit seinen Bediensteten – daher «Hofbräuhaus» – mit Braunbier zu versorgen. Und da dies bisher teuer eingekauft werden musste, rechnete sich der Herzog aus, dass es günstiger komme, wenn er das Bier selber produziere.
Die Braumengen konnten kontinuierlich ausgebaut werden. Das Geschäft brummte. So stammten zumindest zeitweise 30 bis 50% der Staatseinnahmen aus dem Verkauf des Bieres. Und noch heute spült das Hofbräuhaus jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag in die Bayerische Staatskasse.
Diese doch ziemlich kapitalistische Geschichte bekommt erst im Laufe des 19. Jahrhunderts einen proletarischeren Anstrich. So wollte der Bayerische König 1844 den Bierpreis um einen Pfennig erhöhen, was die Münchner Bierrevolution auslöste. Das waren die Menschen nicht bereit hinzunehmen. Daraufhin lenkte der König nicht nur ein, sondern senkte den Preis gar von 6 ½ auf 5 Kreuzer, «um dem Militär und der arbeitenden Klasse einen gesunden und wohlfeilen Trunk zu bieten.» Diese erfolgreiche Bierrevolution wurde später als Vorbote der Märzrevolution von 1848 gesehen. Im Hofbräuhaus wurde 1919 die kommunistische Räterepublik ausgerufen, und 1920 hielt die NSDAP hier ihre Gründungsversammlung ab, bei der Adolf Hitler das 25-Punkte-Programm verkündete.
Die Räumlichkeiten sind also doch von sehr unterschiedlichen Kostgängern genutzt worden. In einem Punkt hat Lenins Frau aber recht: Man muss das Bier einfach trinken und sich der fröhlich machenden Wirkung hingeben. So werden die trennenden Differenzen hinweggespült.