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Pfarrpionierin fördert Frauen in der Kirche
Pfarrerinnen sind heute in den reformierten Kirchen selbstverständlich, könnte man meinen. Doch der Anteil von Frauen im Pfarramt beträgt gesamtschweizerisch bloss 35 Prozent. Noch schlechter sieht es in den Kirchenleitungen aus. In der Deutschschweiz gibt es zurzeit gerade einmal vier Kirchenratspräsidentinnen. Und dies nur in den kleinen Kantonen Luzern, Obwalden, Solothurn und Uri. Das möchte Dora Voegelin ändern. Sie stiftet einen Fonds mit einem Startkapital von einer Million Franken, der Stipendien an Frauen aus Baselland, Basel-Stadt und Graubünden vergibt, die Theologie oder Religionswissenschaften studieren. Die Pfarrerin, die heute in Riehen lebt und am 1. Juni 90 Jahre alt wird, übergab die Einrichtung und Verwaltung des Fonds an die Reformierte Kirche Baselland.
Dora Voegelin erhielt als dritte Frau im Kanton Baselland 1968 ein Pfarramt in Gelterkinden-Rickenbach-Tecknau. Erst seit 1965 können Frauen in der Reformierten Kirche Baselland ein volles Pfarramt bekleiden. Bis 1976 blieben Dora Sylvia Voegelin und ihre beiden Kolleginnen Elisabeth Gretler und Hanna Wartenweiler die einzigen Pfarrerinnen im Baselbiet. Dora Voegelin studierte in Basel und Paris Theologie. Von 1958 bis 1960 hielt sie sich an der Schweizerkirche in London auf. Bevor sie nach Gelterkinden kam, arbeitete sie als Gemeindepfarrerin in Silvaplana-Champfèr-Sils im Engadin. Auch dort war sie die erste Frau. Zudem sass sie in der Bündner Synode. Von 1976 bis 1988 war sie Pfarrerin am Bruderholzspital.
«Zölibatsklausel» für Pfarrerinnen
Während die Gattinnen von Pfarrern in den Kirchgemeinden sehr willkommen waren, weil sie als Pfarrfrauen unentgeltlich und selbstverständlich grossen Einsatz leisteten, galt für Pfarrerinnen die «Zölibatsklausel». Bis 1979 durften im Baselbiet nur unverheiratete Frauen ein Pfarramt bekleiden. Damit wollte man verhindern, dass doppelt verdienende Ehepaare in den Pfarrhäusern einziehen. Das Engagement von «Pfarrmännern» erwartete niemand. Und so schrieb der Kirchenbote Baselland, dass die Wahl von Pfarrerin Dora Voegelin «doch ein ganz kleiner Rückschritt» sei, «indem nun nicht mehr zwei Pfarrer und zwei Pfarrfrauen der Gemeinde dienen können, sondern nur noch ein Pfarrer, eine Pfarrfrau und eine Pfarrerin».
Erste Stipendien bald vergeben
Peter Brodbeck, Jurist und seit 15 Jahren Baselbieter Kirchenrat, verfasste die Reglemente über die Organisation und Ausrichtung des Dora-Sylvia-Voegelin-Fonds. Er kennt die Stifterin seit vielen Jahren. «Mit dem Fonds möchte sie etwas zurückgeben von dem, was sie empfangen hat», meint Brodbeck. Dora Voegelin wird den Fonds auch in Zukunft finanziell unterstützen. Zudem möchte sie andere potenzielle Spender dazu motivieren, Theologiestudentinnen in der Schweiz zu fördern. Der Kirchenrat hat sich verpflichtet, erste Stipendien bereits in den nächsten Monaten zu vergeben. Um das zu ermöglichen, stockte Dora Voegelin das Startkapital von einer Million mit einer weiteren Einzahlung von 50 000 Franken auf.
«Die Nachwuchsförderung bei den Frauen liegt uns sehr am Herzen», betont Kirchenratspräsident Martin Stingelin. «Wir freuen uns, dass wir mit diesem Fonds zusätzliche Möglichkeiten erhalten.» Dass Dora Voegelin den Kirchenrat der Reformierten Kirche Baselland mit der Verwaltung des Fonds betraut hat, zeige ihre hohe Verbundenheit mit der Baselbieter Kirche. «Das schätzen wir sehr», sagt Stingelin.
Zum Bild: Pfarrerin Dora Sylvia Voegelin übergibt den Check für den Dora Sylvia Voegelin-Fonds an Pfarrer Martin Stingelin, Kirchenratspräsident der Reformierten Kirche Baselland.
Karin Müller