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Die Union des Producteurs Suisses, wie Uniterre bis 2001 hiess, wurde 1951 gegründet. In Lausanne schlossen sich bäuerliche Gruppierungen aus der Romandie zusammen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus Protest gegen die staatliche, von den etablierten landwirtschaftlichen Verbänden mitgetragene Agrarpolitik formiert hatten. So schlossen sich in der Waadt Milchproduzenten in der Union Romande des Agriculteurs (URA) zusammen, um mit Streiks gegen die vom Bundesrat verordneten Preissenkungen zu kämpfen. Und im Wallis gründeten Obst- und Weinbauern 1949 die Union des Producteurs Valaisans (UPV). Diese setzte sich insbesondere für einen besseren Grenzschutz der Aprikosen während der kurzen Erntezeit ein. Allen Gruppierungen gemeinsam war, dass sie den etablierten landwirtschaftlichen Verbänden vorwarfen, zu stark mit dem Vollzug der staatlichen Agrarpolitik beschäftigt zu sein, um die Anliegen ihrer Basis wirkungsvoll vertreten zu können.
Nach dem Zusammenschluss der regionalen Gruppierungen zur UPS wurden in allen Kantonen der Romandie und im (damals noch bernischen) Jura Sektionen gegründet. Während fast zwei Jahrzehnten war die UPS trotz ihres Namens ausschliesslich in der Romandie aktiv. Nach Bern fuhr man, um dort gegen agrarpolitische Massnahmen des Bundes zu protestieren. Spektakuläre Protestveranstaltungen, die zuweilen zu Tumulten und Besetzungen von Gebäuden führten, hatten schon die regionalen Vorgängerorganisationen der UPS praktiziert. Schon bald begann der Staatsschutz, deren Tätigkeiten zu überwachen und Fichen über viele ihrer Exponenten anzulegen. 1967/68 begann die UPS, mit Exponenten der Bäuerlichen Aktionskomitees aus der Deutschschweiz zusammenzuarbeiten. Zeitweilig schlossen sich die beiden Gruppierungen sogar in einem „Schweizerischen Komitee zum Schutz bäuerlicher Interessen“ zusammen. Bäuerliche Aktionskomitees waren ab 1963 in den Kantonen Bern und Luzern sowie in der Ostschweiz aus ähnlichen Gründen entstanden wie die UPS Anfang der 1950er Jahre in der Romandie. Allerdings gab es immer auch Unterschiede. Auf der einen Seite taten sich die Deutschschweizer zuweilen schwer mit der kompromisslosen Kritik, mit der die UPS-Aktivisten Behörden und Verbandsvertreter attackierten. Auf der anderen Seite gab es auch inhaltliche Differenzen. In der Romandie bemühte sich die UPS immer wieder aktiv um eine Zusammenarbeit mit den organisierten Konsumentinnen, Gewerkschaftern und linken Oppositionsgruppierungen in den Städten. In den 1970er Jahren erklärten 90 Prozent der UPS-Mitglieder, sie würden die Anliegen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft unterstützen. Dieser Aspekt fehlte bei den Aktionskomitees in der Deutschschweiz fast vollständig. Diese pflegten kaum Beziehungen zu oppositionellen Gruppierungen ausserhalb der bäuerlichen Bevölkerung. Immer auch abhängig war die Zusammenarbeit zwischen UPS und Aktionskomitees davon, ob führende Exponenten sich in der jeweils anderen Sprache verständlich konnten.
Am intensivsten war das Zusammengehen zwischen der UPS und den Aktionskomitees in den 1970er Jahren. 1973/74 organisierte man gemeinsam Demonstrationen, eine davon vor dem Bundeshaus in Bern. Und 1978 ergriffen UPS und Aktionskomitees das Referendum gegen den Milchwirtschaftsbeschluss, der die Kontingentierung der Milchproduktion auf der Ebene jedes einzelnen Betriebes vorsah. Diese Massnahmen empfand man als besonders ungerecht, konnten kleinere und mittlere Betriebe wegen der Preispolitik der Bundesbehörden doch nur überleben, wenn sie ihre Produktion ausdehnten.
Verhältnis zu den Behörden und dem SBV
Die Formulierung von Kritik an den Behörden gehörte gewissermassen zur DNA der UPS. Dem Schweizerischen Bauernverband schloss sich die UPS nie als Mitglied an, weil man den Dachverband primär als den verlängerten Arm des Bundesamtes für Landwirtschaft wahrnahm. Aber auch, weil die UPS ein grundsätzlich anderes Verständnis vom bäuerlichen Betrieb hatte als der SBV. Dieser betrachtete den bäuerlichen Betrieb als Unternehmen und betrachtete die Bauern als Unternehmer, die ihren Hof mit Hilfe ihrer Familie auf eigenes Risiko führten. Ob ein Betrieb erfolgreich war oder nicht hing, aus dieser Perspektive betrachtet, in erster Linie vom Betriebsleiter und seiner Familie ab. Angesichts der seit dem Ersten Weltkrieg umfassende Ausmasse annehmenden Eingriffe des Staates in die Nahrungsmittelproduktion auf der Ebene des Einzelbetriebes betrachteten sich die Mitglieder der UPS als „travailleurs de la terre“, die nur überleben konnten, wenn der Staat eine Agrarpolitik betrieb, die es den Betrieben ermöglichte, ein mit den Einkommen in der übrigen Gesellschaft vergleichbares Einkommen zu erzielen.
"Die UPS ist eine Gewerkschaft der Menschen, die auf dem Land arbeiten, die für den Erhalt einer grossen und anständig bezahlten bäuerlichen Bevölkerung kämpft" heisst es in der Union vom 2. Juni 1982. "Sie setzt sich vorrangig für den Erhalt der kleinen und mittleren Familienbetriebe ein. Sie kämpft gegen die Grossbetriebe, die auf eine übermässige Industrialisierung der Landwirtschaft ausgerichtet sind. Sie fordert die strikte Anwendung der Verfassung und der demokratischen Gesetze unseres Landes, die "postulieren", dass die gesamte Bevölkerung in Frieden und Arbeitszufriedenheit leben können muss. Sie fordert ein angemessenes Einkommen für bäuerliche Familien gemäss dem Landwirtschaftsgesetz von 1951.
Erreicht werden sollten diese Zielsetzungen mit der Festlegung von Preisen, die die Kosten der Produktion deckten, nicht mit Subventionen.
Massiv verschlechtert haben sich die Beziehungen zwischen dem Bauernverband und der UPS 1961 anlässlich der grossen, vom SBV organisierten Demonstration auf dem Bundesplatz in Bern „gegen die Unterbezahlung der bäuerlichen Arbeit“, die auch von der UPS unterstützt wurde. Nachdem es am Rande der Demonstration zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen war, die in der Presse scharf verurteilt wurden, beschuldigte der SBV die UPS durch „ihr extrem linkes Verhalten“ die ganze Bauernschaft in den Dreck gezogen zu haben.
Exponenten
Geprägt worden ist die UPS auch von ihren führenden Exponenten. Von 1951 bis 1958 amtierte der Walliser Léon Broccard als Präsident. Danach übte der Genfer Weinbauer Louis Berguer diese Amt aus. Ihm folgte 1974 der Waadtländer Pierre Tombez, der 1981 von Martin Chatagny aus dem Kanton Freiburg abgelöst wurde. Eine wichtige Figur war zudem Louis Chillier, der von 1951 bis 1967 als Sekretär amtierte. Abgelöst wurde er vom Jurassier Raymond Chapatte, der bis zu seinem Tod 1982 gute Beziehungen zu Vertretern der Bäuerlichen Aktionskomitees wie Ernst Baumgartner unterhielt. In den 1970er Jahren eine wichtige Rolle spielte zudem Ernst Därendinger, ein Deutschschweizer, der in Echichens einen Hof führte (und nebenbei auch noch Bücher schrieb). Därendinger verfasste auch zahlreiche Artikel für die „Union“, das Publikationsorgan der UPS seit 1951. Diese erschien in den 1970er Jahren zeitweilig zweisprachig. Als deutschsprachiger Redaktor wirkte ebenfalls Ernst Därendinger.
Als Pierre Tombez 1981 das Präsidium abgab, übernahm mit Martin Chatagny ein Aktivist der neuen Generation die Führung, der sich auch für entwicklungspolitische Fragen engagierte. Bekannt geworden ist Chatagny auch als Vertreter jener Bauern und Bäuerinnen, die als Protest gegen die Einführung der Milchkontingentierung begannen, ihre Milch „schwarz“, d.h. illegal zu verkäsen und direkt an die KonsumentInnen zu verkaufen.
Diese Aktivitäten lösten nicht nur harsche Reaktionen der Behörden aus, sie wurden auch nicht von allen UPS-Mitgliedern goutiert. Zusammen mit dem durch den Strukturwandel mitverursachten Mitgliederschwund führten die internen Auseinandersetzungen auch zu einer finanziellen Krise. Im Sommer 1984 hiess es: „Etre ou ne pas être“. Das Comité Directeur musste im Juli rigorose Sparmassnahmen beschliessen. Fernand Cuche, der im Jahr zuvor als Sekretär gewählt worden war, trug viel zur Reorganisation und zur Konsolidierung bei. Der gewiefte Rhetoriker und Kommunikator übte dieses Amt während mehr als zwei Jahrzehnten aus und wurde in der Öffentlichkeit als wichtigster Repräsentant der UPS wahrgenommen.
Rückzug in die Romandie und neue Kontakte in die Deutschschweiz
In den 1980er Jahre geriet nicht nur die UPS in der Romandie in eine Krise, sondern auch die Bäuerlichen Aktionskomitees in der Deutschschweiz. Mit der Gründung der Kleinbauernvereinigung (VkmB) und der BioSuisse zu Beginn des Jahrzehnts begannen sich kritische Bauern und Bäuerinnen in neuen Organisationen zu engagieren. Weil sich die VKMB zuerst ganz auf die Forderung nach differenzierten Preisen festlegte und dann auf die vorbehaltlose Unterstützung der von der offiziellen Agrarpolitik forcierten Einführung von Direktzahlung setzte, gab es zwischen der VkmB und der UPS auch substantielle inhaltliche Differenzen, die eine engere Zusammenarbeit verhinderten. Die UPS setzt nach wie vor auf das Postulat gerechter Preise, die sie mit der Schaffung von Marktordnungen zu realisieren versuchte, die die Produzenten stärkten.
Doch die neue, anfangs der 1990er Jahre mehrheitsfähig gewordene Agrarpolitik setzte auf eine ganz andere Strategie: Die Trennung von Produktion und Ökologie.
Sie wollte mit einer liberalen Handelspolitik den internationalen Wettbewerb stärken und mit einer interventionistischen Umweltpolitik die auch durch diesen Wettbewerb ausgelöste ökologische Degradierung verhindern. Eine der wichtigsten Massnahme der unter dem Slogan von „mehr Markt“ und „mehr Ökologie“ propagierten neuen Agrarpolitik waren Direktzahlungen zur Abgeltung von Ökodienstleistungen.
Im Gegensatz zu den Biobauern, der VkmB und auch dem Bauernverband konnte sich die UPS mit dieser Politik nicht anfreunden. Sie geriet in den 1990er Jahren erneut auf Konfrontationskurs mit den Behörden, als sie zusammen mit der Association des Groupements et Organisations Romandes de l'Agriculture (AGORA) den Bund im Zusammenhang mit den BSE-Massnahmen auf Schadenersatz verklagte. Die UPS argumentierte, der Bund habe den Bauern einen grossen Schaden zugefügt, weil er nach Ausbruch der BSE-Krankheit anfänglich auf ein Fütterungsverbot von Tiermehl verzichtet habe. Nachdem die zuständige Rekurskommission, ein vom Finanzdepartement unabhängiges Verwaltungsgericht, die Klage guthiess, lehnte sie das Bundesgericht jedoch ab.
Um die Jahrhundertwende protestierte die UPS vermehrt auch gegen die Preispolitik der Grossverteiler. Als sie im Jahr 2001 Verteilzentren blockierte, reichten Coop und Migros Klagen wegen Nötigung und Hausfriedenbruch gegen mehr als hundert UPS Mitglieder in mehreren Kantonen ein. Dass UPS-Aktivisten für ihre Aktionen vor Gericht gezogen wurden, gehörte seit den späten 1940er Jahren zwar fast zum Alltag der Organisation. Doch diesmal fielen die damit verursachten Anwaltskosten so hoch aus, dass die Organisation erneut in finanzielle Schwierigkeiten geriet.
Nach der Jahrtausendwende nannte sich die UPS nicht nur in Uniterre um, sondern begann erneut, sich auch in der Deutschschweiz organisatorisch auszubreiten. Es entstanden mehrere Sektionen. Und in dem nun ebenfalls in Uniterre umbenannten Publikationsorgan erschienen wie schon in den 1970er Jahren vermehrt auch Artikel auf Deutsch. Mit Köbi Alt wurde 2012 erstmals ein Deutschschweizer zum Ko-Präsidenten gewählt. Allerdings verschob sich dadurch das geografische und politische Zentrum der Organisation nicht. Uniterre blieb eine Gruppierung, die primär in der Romandie tätig war.
Peter Moser, Archiv für Agrargeschichte