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Bis ins 20. Jahrhundert hinein war die Reformierte Kirchgemeinde für ihre Gottesdienste auf den Gemeindesaal im Rathaus angewiesen. Nachdem dieser häufig mit anderen Veranstaltungen belegt war, wurde der Bau einer eigenen Kirche unumgänglich. Eugen Schneider, Architekt von Ennetbaden, erhielt den Auftrag. Trotz der geringen zur Verfügung stehenden Mitteln war es möglich, dass der Architekt bei der Einweihung im Jahre 1910 der Gemeinde einen präsentablen Kirchenbau übergeben konnte. Aus Spenden und Gaben verschiedenster Stiftungen finanziert, wurde die Kirche bereits mit einem Taufstein aus Marmor, einer Glocke, einer Orgel, der Turmuhr sowie einem Schmuckrelief an der Kanzelbrüstung ausgestattet.
Zwölf Jahre später schmückte der Kunstmaler Büchli aus Lenzburg den Chorbogen mit fünf Tafeln, auf denen die vier Evangelisten und der Heilige Geist dargestellt sind.
Vom gleichen Künstler stammte das Bildnis über der Ausgangstür, das er im Jahre 1930 zum Gedenken an Pfarrer Heiz malte. Zur gleichen Zeit wurde das neue Pfarrhaus erstellt. 1933 erhielt die Kirche den in der Lehrwerkstätte Bern handgeschmiedeten sternförmigen Leuchter, für den sich die Kiichenpflege aus vier vorgelegten Entwürfen entschieden hatte.
1948 erfolgte der Einbau neuer Fenster im Kirchenschiff, dem sich in den Jahren 1949/1950 eine umfassende Innen- und Aussenrenovation anschloss. Dabei erhielt die Kirche auch die von Minna Bühler, Utzenstorf, gestalteten Chorfenster mit den klugen und törichten Jungfrauen. Der Chorraum wurde umgestaltet, erhielt ein 4 m hohes Holzkreuz und eine neue Kanzel. Die Sgraffitobilder von Büchli wurden entfernt und durch einen Schriftstreifen um den
Chorbogen ersetzt. Bei der Aussenrenovation wurden der Pilaster entfernt, die Dachvorsprünge mit Aufschieblingen versehen, neue Rinnen und Einlaufbleche angebracht, das Dach neu eingedeckt und die Fassade neu gestrichen.
1957 wurde die neue Orgel von der Orgelbau AG, Genf eingeweiht.
Im Zuge einer weiteren Innen- und Aussenrenovation erfolgte 1974 ein Umbau der Kirche nach Plänen des Architekten Walter Keller, Fislisbach. Dabei wurde die Turmuhr revidiert und bekam ein neues Zifferblatt. Der Holzboden wurde durch Tonplatten und die Bänke durch 201 Stühle ersetzt. Sperrholzplatten an der Rückwand verbesserten die Akustik und die Wand erhielt eine neue Täferung. Ein durch Einbau einer Ganzglastür im Eingangsbereich gebildeter Windfang und eine neue Elektroheizung sorgten für ein wärmeres Raumklima.
Von Johannes Schober nach Aufzeichnungen von Castor Huser, Architekt
Quelle: Städtlichronik 2005 Seiten 60 - 65
Postkarte
Bild-Nr.: 08101
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Johannes Schober, Castor Huser
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Die 1894 gegründete Reformierte Genossenschaft Mellingen und Umgebung wagte sich 1909 an den Bau einer eigenen Kirche in Mellingen. Am 4. September 1910 konnte das vom Ennetbadener Architekten Eugen Schneider projektierte Gotteshaus mit ländlich barockisierenden Formen eingeweiht werden. Wie die die Antoniuskapelle, das Pendant auf der gegenüberliegenden Seite, ist die Reformierte Kirche nach Südwesten gerichtet. Rund um die Kirche wurden 1910 72 Obstbäume, drei Ahorne, vier Haselnusssträucher und 314 Thuyas zur Einfriedung gepflanzt. Die Gesamtkosten für Kirchenbau und Umgebungsarbeiten beliefen sich auf rund 59'000 Fr.Mehr
Das relativ kurze Kirchenschiff wird von einem Tonnengewölbe überdeckt. Das steile zweifach geknickte Dach legt sich wie ein Zelt über den Sakralraum. Der gedrungene 25 m hohe Turm mit kegelförmigem Dach lehnt sich harmonisch ans Kirchenschiff an. Das Geläute besteht aus drei Glocken mit einem Gesamtgewicht von 1.9 Tonnen. Das Kircheninnere wurde im Laufe eines Jahrhunderts mehrmals stark verändert. Hier soll nur darauf eingegangen werden, wie sich die Kirche heute präsentiert. Wer sich für die zahlreichen Umgestaltungen interessiert, sei folgende Broschüre empfohlen: Oswald Merkli. Die Reformierte Kirche Mellingen. Mellingen 2010
(s. auch Bild-Nrn. 08104 und 08105).
Bei der Reformierten Kirche handelt es sich, was die Innengestaltung betrifft, um einen Jugendstilbau. Der Jugendstil, der an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert blühte, zeichnete sich vor allem durch die Verwendung von Ornamenten aus der Pflanzen- und Tierwelt und durch dekorativ geschwungene Linien aus. Bei den Renovationen von 1922 und 1950 wurden diese Jugendstilelemente übermalt und erst wieder bei der Renovation von 2004/05 über dem Chorbogen und einzelnen Fenstern unter den Malschichten hervorgeholt oder rekonstruiert. Noch heute ziert der handgeschmiedete sternenförmige Leuchter, der 1933 in den Lehrwerkstätten der Stadt Bern gefertigt wurde, den vorderen Teil des Kirchenschiffs, heute allerdings mit grösseren Leuchtkörpern ausgestattet. 1949 setzte man im Chor zwei Glasgemälde ein. Sie thematisieren das Gleichnis der „klugen und törichten Jungfrauen“, geschaffen von Minna Bühler von Utzensdorf. Die Nordostfassade hinter der Orgel ziert noch ein Fenster mit Glasmalereien von Georg Röttinger (1862-1913) aus der Zeit des Kirchenbaus. 1957 ersetzte man die Orgel der Firma Goll, Luzern, durch ein neues Instrument der Werkstatt „Orgelbau Genf“ mit vermehrten Registern. Bei der Renovation von 2004/05 erhielt der Chor wieder den ursprünglichen lichten Blauton. Neue Wege schlug man bei der Gestaltung des Chormobiliars ein. Anstelle der massiven Kanzel auf der rechten Seite und dem dominanten Holzkreuz in der Mitte des Chors entstand nach den Vorgaben Architekt Castor Huser, Baden, eine filigrane Ausstattung mit Abendmahlstisch, Lesepult, Beistelltisch, Taufelement und zierlich gestaltetem Metallkreuz. In Zusammenhang mit dieser letzteren Restauration realisierte man hinten an der rechten Seite des Kirchenschiffs eine in Glas gehaltene Erweiterung des Sakralraums, die aber auch separat genutzt werden kann. Über dem Eingang dieses Annexbaus schuf Stefan Link, Lenzburg, eine Darstellung des Abendmahls. Oswald Merkli erklärt: „Das kräftig leuchtende Rot symbolisiert das Feuer des Glaubens, das Abendmahl wird gezeigt mit den mattgoldenen Kreisen auf goldenem Flies.“
Zur 100-Jahrfeier des Gotteshauses 2010 schuf Kurt Meyer, Wohlenschwil, nach dem Logo von Gianna Schneeberger, Tägerig eine Eisenplastik zum Motto „Ein Schiff voller Leben“. Dieses Kunstwerk ziert die Westwand des Anbaus.
Die Reformierte Kirchgemeinde besteht heute aus drei Teilgemeinden: Mellingen (Mellingen, Mägenwil, Tägerig, Wohlenschwil; 1980 Kirchgemeindehaus), Rohrdorf (Niederrohrdorf, Oberrohrdorf, Remetschwil, Stetten: 1964 Kirche, 1992 Kirchgemeindehaus) und Fislisbach (1975 ökumenisches Kirchgemeindehaus, 1995 eigene Kirche mit Kirchgemeindehaus).
Postkarte
Bild-Nr.: 08102
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli / Online-Inventar Aarg. Denkmalpflege
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Von 1894 bis 1929 betreute Pfarrer Jakob Heiz von Othmarsingen aus die Reformierten von Mellingen und Umgebung. Deshalb wurde diesem eifrigen Seelsorger eine holzgeschnitzte Inschrift gewidmet, die sich heute auf dem Dachboden des Pfarrhauses befindet. Unter einem von Maler W. Büchli geschaffenen Bildnis stehen die Worte: "Ihrem Gründer und Pfarrer Dr. theol. Jakob Heiz. Die dankbare Kirchgemeinde. 1894-1929." Bildnis und Inschrift waren früher über der inneren Kirchentür angebracht.
1928/29 wurde nach den Plänen von Architekt Carl Froehlich in Brugg ein eigenes Pfarrhaus gebaut. So konnte man einen eigenen Pfarrer wählen. Es war dies J. Ganz von Zürich. Gleichzeitig wurde die 1894 gegründete "Evangelisch-reformierte Genossenschaft für Mellingen und Umgebung" zu einer eigenen öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchgemeinde erhoben. Ihr gehörten damals Mellingen, Wohlenschwil, Mägenwil, Tägerig, Fislisbach, Nieder- und Oberrohrdorf und Remetschwil an.
Das Pfarrhaus wurde baulich dem Erscheinungsbild der Kirche angepasst mit gleichem zweifach geknicktem Dach. Während die Obergeschosse als Pfarrwohnung dienten, wurden im Erdgeschoss die Gemeinderäumlichkeiten eingerichtet. Diese konnten ins 1980 eingeweihte Kirchenzentrum ausgelagert werden. Heute sind im Parterre die Arbeitsräume der Pfarrpersonen untergebracht.
Über die Kirche: s. Bild-Nr. 08101
Bild-Nr.: 08103.1
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli / Online-Inventar Aarg. Denkmalpflege
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Reformierte Kirche: s. Bild-Nr. 08101
Reformiertes Pfarrhaus: s. Bild-Nr. 08103.1
Bild-Nr.: 07101.2
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Kluge Jungfrauen
1948 erfolgte der Einbau neuer Fenster im Kirchenschiff, dem sich in den Jahren 1949/50 eine umfassende Innen- und Aussenrenovation anschloss. Dabei erhielt die Kirche 1949 auch die von Minna Bühler, Utzenstorf, gestalteten Chorfenster mit den klugen und törichten Jungfrauen.
Text aus dem Matthäusevangelium über dieses Gleichnis: s. Bild-Nr. 08107
Über die Kirche generell: s. Bild-Nr. 08101
Bild-Nr.: 08108
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
In der Mitte dominierte eine mächtige Kanzel aus dunkelgrauem Marmor. 1922 wurden am Chorbogen die ursprünglichen Verzierungen des Jugendstils entfernt und fünf runde Sgraffitobilder angebracht. Vier davon zeigen die Evangelisten, das fünfte in der Mitte die Taube als Symbol des Heiligen Geistes.
Zeichnung von Otto Hunziker, 1954
Neu gestalteter Chor s. Bild-Nr. 08105
Über die Kirche generell: s. Bild-Nr. 08101
Literatur: Leonhard Merkli. Die Reformierte Kirche Mellingen. Mellingen [2010], S. 5-7.
Bild-Nr.: 08104
Bild: Zeichnung von Otto Hunziker
Text: Oswald Merkli / Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Törichte Jungfrauen
1948 erfolgte der Einbau neuer Fenster im Kirchenschiff, dem sich in den Jahren 1949/50 eine umfassende Innen- und Aussenrestauration anschloss. Dabei erhielt die Kirche 1949 auch die von Minna Bühler, Utzenstorf, gestalteten Chorfenster mit den klugen und törichten Jungfrauen.
Kluge und törichte Jungfrauen Matthäus 25, 1-13
(1)Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.
(2)Aber fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug.
(3)Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit.
(4)Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefässen, samt ihren Lampen.
(5)Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.
(6)Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!
(7)Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig.
(8)Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.
(9)Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst.
(10)(a) Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen.
(11)Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf!
(12)Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.
(13)Darum wachet! Denn ihr wißt weder Tag noch Stunde.*
*In der späteren Überlieferung finden sich zusätzlich die Worte: »in der der Menschensohn kommen wird«
Über die Kirche generell: s. Bild-Nr. 08101
Bild-Nr.: 08107
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv Mellingen
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
In den Jahren 1949/59 wurde die Kirche renoviert und der Chorraum umgestaltet. Die Marmorkanzel wird entfernt und rechts durch eine seitlich angebrachte Holzkanzel ersetzt.
Im Chorbogen erscheint an Stelle der Scraffitobilder ein Vers aus der Schrift des Propheten Jesaija, in der Chormitte ein markantes Kreuz und in den Chorfenstern (s. Bild-Nrn. 08107 und 08108) die Darstellung des Gleichnisses von den klugen und törichten Jungfrauen, bemerkenswerte Werke der Glasmalerin Minna Bühler, Utzenstorf.
Zeichnung von Otto Hunziker, 1954
Gestaltung des Chors vor 1950: s. Bild-Nr. 08014
Über die Kirche generell: s. Bild-Nr. 08101
Bild-Nr.: 08105
Bild: Otto Hunziker
Text: Otto Müller / Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Über das Pfarrhaus. s. Bild-Nr. 08103.1
Über die Antoniuskapelle s. Bild-Nr. 07103
Bild-Nr.: 08116
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Über die Kirche generell s. Bild-Nr. 08101Mehr
Bild-Nr.: 08115
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Nordwestfront kurz vor dem umfassenden Umbau und der Restauration der Kirche im Sommer 2004. Analog zum Dach über dem Kirchenschiff ist auch jenes der Eingangspartie geknickt.
Über die Kirche generell Bild-Nr. 08101
Bild-Nr.: 08122
Bild: Viktor Zimmermann
Text: Madlen Zimmermann / Rainer Stöckli
Copyright: Viktor Zimmermann
Die Gesamtrenovation und Erweiterung von Kirchgemeindehaus und Kirche
Erläuterungen von Castor Huser, Architekt:
"Bei der Erweiterung der Ref. Kirche Mellingen stand man vor der anspruchsvollen Aufgabe, sich mit erhaltenden Massnahmen an der historischen Bausubstanz, verbunden mit einer raumschaffenden Erweiterung der Kirche zu befassen. Die gesamte Sanierung umfasste den Um- und Anbau des Kirchgemeindehauses in einer ersten Etappe sowie die Sanierung und den Anbau der Kirche in der zweiten Etappe. Planung, Ausführung und Bauleitung erfolgte durch das Architekturbüro C. Huser, Baden mit dem Bauleiter Herbert Schwitter.
1.Etappe: Renovation und Anbau Kirchgemeindehaus
Das Kirchgemeindehaus wurde um zwei Mehrzweckräume erweitert und der bestehende Jugendraum im Untergeschoss wurde vergrössert und erhielt einen direkten Zugang von Aussen. Das neue würfelförmige Bauvolumen schliesst leicht abgesetzt vom bestehenden Gebäude und der bestehenden Zugangstreppe an das Kirchgemeindehaus an. Der Zwischenraum zwischen Zugangstreppe und Anbau dient dem direkten Zugang ins Untergeschoss. Der Anbau ist absichtlich sehr schlicht gehalten und als Anbau ablesbar gestaltet. Die grossflächige Eckverglasung lässt den Anbau leicht erscheinen und bietet von den beiden Mehrzweckräumen einen schönen Ausblick auf die umgebenden Bäume.
2. Etappe: Renovation und Erweiterung Kirche
Die Bedürfnisse zur Gottesdienstfeier haben sich im Laufe der Jahre geändert. Das sich Treffen vor oder nach der Zeremonie gewinnt immer mehr an Bedeutung. Aus diesen Überlegungen gelangte die Reformierte Kirchgemeinde zum Beschluss, die räumlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen.
Der eingeschossige Anbau ist Eingang, Foyer, Apéro- und Begegnungsraum. Er dient zum ungezwungenen Gespräch vor und nach dem Gottesdienst sowie für verschiedene Möglichkeiten im kirchlichen Vereinsleben.
Zusammen mit dem Restaurator Stefan Link, Lenzburg wurde als Wandschmuck im Begegnungsraum die Rückwand rot gestaltet (Rot als königliche Farbe/Feuer des Glaubens) mit einem goldenen Fries, wobei die mattgoldenen Kreise symbolisch das Abendmahl darstellen.
Der Anbau ist niedrig gestaltet, um ihn gegenüber der Kirche zurücktreten zu lassen. Er ist subtil mit einer Glasschicht seitlich an die bestehende Kirche geschoben, ohne Beeinträchtigung der historischen Bausubstanz. Ein schmales, kirchenfensterhohes Glasband bildet den Übergang zwischen Anbau und Kirche, wobei die Ablesbarkeit der Kirchenfassade weiterhin von Innen wie Aussen möglich ist. Der Eingangsbereich ist von beiden Seiten durch eine raumhohe Glasfront gestaltet. Die beidseitige Frontverglasung verleiht dem Anbau Offenheit und Transparenz gegenüber der Kirche und dem Vorplatz.
Der neue Zugang zum Kirchenschiff erfolgt über zwei Türen, wobei die Türzargen im Bereich der Kirchenfenster durch die Brüstung und den unteren Fensterteil eingeschoben sind. In der Breite sind beide Durchgänge absichtlich schmaler als die lichte Breite der Fenster ausgebildet, damit die ursprünglichen Fenster trotz der neuen Durchgänge ablesbar bleiben. Die massive, geschlossene Nebenraumschicht mit Lift und WC-Anlage definiert den Abschluss gegen den Pfarrhausgarten und unterstützt die Orientierung des Begegnungsraumes zur Kirche.
Bei der Renovation des Kircheninnern wurde der Tonplattenboden entfernt und der gesamte Bodenaufbau mit Isolation, Unterlagsboden und Bodenheizung erneuert. Als Bodenbelag wurde wieder ein Natursteinboden aus Juramarmor verlegt. Die Kirchenfenster sind durch eine neue vorgesetzte Isolierverglasung wärmetechnisch verbessert worden. Die Turmtüre wurde wieder an ihren originalen Standort versetzt und führt heute wieder direkt in das Turmtreppenhaus. Die räumlich unschönen Bauteile im hinteren Bereich, wie der verglaste Windfang, WC-Anlage und Treppenverkleidung wurden entfernt und so eine räumliche Vergrösserung des Kirchenschiffes erreicht. Anhand von freigelegten Farbfragmenten und Ornamenten wurde die ursprüngliche Ornamentmalerei am Chorbogen wieder neu aufgemalt und an den Wänden im Schiff farblich abgestimmt, zurückhaltend ergänzt. Der Chor wurde wieder im ursprünglichen Blauton gefasst, um ihm optisch mehr Tiefe und Bedeutung zu geben (Blau als Farbe des Himmels/Paradies).
Die Aussenrenovation der Kirche beinhaltet die Sanierung von Rissen und die Behebung von Feuchtigkeitsschäden im Sockelbereich. Sämtliche Dächer wurden kontrolliert und partiell geflickt. Erneuert wurden vor allem die noch vorhandenen Spenglerarbeiten aus Eisenblech. Die gesamte Kirche inkl. Turm wurde wieder aufgrund der Farbuntersuchungen in den ursprünglichen Farbtönen neu gestrichen. Die Architekturgliederung wurde grau abgesetzt vom Wandton in hellem Rosa."
Bild-Nr.: 08121
Bild: Viktor Zimmermann
Text: Castor Huser, Städtlichronik 2005
Copyright: Viktor Zimmermann