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Das Restaurationsprojekt der bedeutenden «Breslauer Schriften» nimmt Form an. Stadt und Kanton Zürich unterstützen das Vorhaben des SIG und der ICZ
Die «Breslauer Schriften» sind eine bedeutende Sammlung von Büchern. Es ist ein Kulturerbe von nationaler Bedeutung. Eine Restauration der Sammlung ist notwendig. Kanton und Stadt Zürich unterstützen das Vorhaben.
Die «Breslauer Schriften», eine Sammlung bedeutender Bücher aus dem 1938 zerstörten Rabbinerseminar in Breslau, sollen restauriert und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Bücher gelten als Kulturerbe von nationaler Bedeutung. Sie wurden 1950 dem SIG übergeben und werden seit 2017 in der Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich ICZ aufbewahrt. Im Rahmen eines Vorprojekts wird nun abgeklärt, wie eine finanzielle Unterstützung von Kanton und Stadt Zürich ermöglicht werden kann. Auftraggeberin des Vorprojekts unter der Leitung des SIG ist die Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich (JI). Zudem wird ein Gutachten zur Frage der Provenienz sowie der Geschichte des Schriftguts nach Ende des 2. Weltkriegs erstellt.
Das Rabbinerseminar in Breslau wurde von den Nationalsozialisten zerstört
Das Jüdisch-Theologische Rabbinerseminar in Breslau wurde 1854 gegründet. Es förderte die Werte der Aufklärungsbewegung einer «Wissenschaft des Judentums». Diese Ausrichtung spiegelt sich in der Sammlung der Bibliothek wider. 1937 umfasste sie rund 40’000 zumeist hebräische Bände und beinhaltete sowohl Thora- und Talmud-Literatur, Werke der klassischen Literatur, Philosophie, Philologie, Astronomie und Mathematik sowie christliche Schriften. Die Sammlung ist sowohl ein lebendiger Beweis für die blühende hebräische Kultur, die vor dem Zweiten Weltkrieg im deutschsprachigen Raum existierte, als auch ein Zeugnis der deutsch-jüdischen Assimilation in die allgemeine deutsche Kultur.
1938 wurde das Seminar von den Nationalsozialisten geschlossen und vollständig zerstört. Teile der nach 1945 aufgefundenen Bestände, rund 6000 Bände, kamen 1950 in die Schweiz und wurden dem SIG übergeben; Die Sammlung wurde vorerst auf die drei grössten jüdischen Gemeinden in der Schweiz aufgeteilt: die Israelitische Gemeinde Basel, die Communauté Israélite de Genève und die ICZ. 2017 wurden die Bestände schliesslich in der ICZ-Bibliothek zusammengefasst.
Der SIG und die ICZ kümmern sich um den Erhalt der Schriften
Ein Grossteil der «Breslauer Schriften» hat einen umfangreichen Restaurationsbedarf. Die Restauration ist eine Voraussetzung dafür, dass die öffentliche Zugänglichkeit der «Breslauer Schriften» nicht nur erhalten bleibt, sondern entsprechend der Bedeutung dieses Kulturguts auch erweitert und nachhaltig gesichert werden kann. Im Juni 2022 haben der SIG und die ICZ bei der Vorsteherin der Direktion JI Jacqueline Fehr und der Stadtpräsidentin von Zürich Corine Mauch eine Absichtserklärung eingereicht. Darin haben der SIG und die ICZ den Willen bekundet, die «Breslauer Schriften» als Kulturerbe von nationaler Bedeutung in Zürich in der Bibliothek der ICZ zu erhalten, zu betreuen und deren öffentliche Zugänglichkeit zu erweitern.
Im Vorprojekt werden Finanzierungsabklärungen getroffen und ein Gutachten erstellt
Im Zuge erster Vorarbeiten wurden bereits erste Katalogisierungsarbeiten vorgenommen und grobe Schätzungen zum möglichen Aufwand für eine Restauration der «Breslauer Schriften» eingeholt. Diese Vorarbeiten wurden von der Stadt Zürich finanziert. Das nun initiierte erweiterte Vorprojekt unter der Leitung des SIG soll prüfen, ob zur Realisierung eines solchen Vorhabens ein Finanzierungsgesuch an den Gemeinnützigen Fonds des Kantons Zürich eingereicht werden kann und welche Voraussetzungen dafür erfüllt werden müssen. Das Vorprojekt wird von der Direktion JI als Auftraggeberin finanziert. Für die allfällige Einreichung eines solchen Gesuchs haben der SIG und die ICZ die Interessensgemeinschaft «Breslauer Schriften» gegründet.
Ein zentraler Bestandteil des Vorprojekts ist ein Gutachtensauftrag durch den SIG an die beiden erfahrenen und ausgewiesenen Experten Dr. Andrea F. G. Raschèr und RA Olaf S. Ossmann, mit dem der Status der «Breslauer Schriften» insbesondere aus rechtlicher, historischer und politischer Sicht untersucht werden soll. Das Gutachten soll die Frage der Provenienz sowie die Umstände der Übergabe an den SIG im Jahre 1950 klären. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen bis Herbst 2024 vorliegen.
Die «Breslauer Schriften» haben auch einen hohen symbolischen Wert
Aus der Geschichte und Bedeutung der «Breslauer Schriften» ergibt sich eine Verantwortung für den SIG, die ICZ und die Gesellschaft. Mit der Restauration und breiteren Zugänglichkeit kann auch das Bewusstsein geschärft werden, welche Bedeutung diese aussergewöhnliche Sammlung besitzt. So sind einerseits unter den Büchern rare Einzelstücke enthalten. Andererseits steht die Kollektion als Ganzes für die versuchte Zerstörung des europäischen Judentums wie auch für den erfolgreichen Wiederaufbau der jüdischen Kultur in Europa. War es das Ziel der Nationalsozialisten, über den Genozid an den Juden hinaus eine ganze Kultur auszulöschen, so sind die Relikte der einst grossen Bibliothek des Breslauer Rabbinerseminars auch «Überlebende» der Schoah. Dass der Kanton und die Stadt Zürich das Projekt unterstützen, unterstreicht die Stellung der «Breslauer Schriften» als Kulturgut von nationaler Bedeutung.