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Nach den gefeierten Neujahrskonzerten mit Beethovens Fünfter Sinfonie und Smetanas „Verkaufter Braut“ stehen die Frühlingskonzerte des Sinfonieorchesters Ausserschwyz am letzten Mai-Wochenende ganz im Zeichen der Streicherkultur: geradezu ein richtiges „Streicher-Festival“!
Auf dem Programm stehen eine frisch-vife, frühklassische Sinfonie des Bach-Sohnes Wilhelm Friedemann und die wunderschön stimmigen spätromantischen „Bilder der Nacht“ des hierzulande fast unbekannten mexikanischen Nationalkomponisten Manuel Ponce. Dazwischen brilliert der SOAS-Konzertmeister Donat Nussbaumer aus Altendorf, im Hauptberuf Zweiter Konzertmeister des Zürcher Kammerorchesters, wieder einmal als Solist, in einem „extra-vaganten“ Violinkonzert des Barockmeisters Antonio Vivaldi. Die Konzerte finden in den katholischen Kirchen von Lachen und Pfäffikon statt.
Favorit des Komponisten
Der „Hallsche“ Bach Wilhelm Friedemann, ältester Sohn von Johann Sebastian, lebte und wirkte in Dresden, Halle und Berlin, teilweise ohne feste Anstellung - als einer der ersten freischaffenden Musiker und Komponisten der Musikgeschichte überhaupt. Von seinen acht nachweisbaren Sinfonien sind nur drei vollständig erhalten. Die andern sind leider vermutlich in der Zeit des II. Weltkriegs verloren gegangen. Häufig bringen sie ein Menuett als letzten (!) Satz. Die F-Dur-Sinfonie ist eine schlichte Streichersinfonie für Violinen, Viola und Bass, letzterer besetzt mit Cello, Violone und Cembalo. Eine Entwicklung thematischen Materials im Sinne der Mozart-Haydnschen Sinfonik findet noch nicht statt - er dreht und wendet, wiederholt die Themen, die jedes für sich sehr attraktiv sind: teilweise eher kapriziös, an Zelenka erinnernd, der langsame Satz etwas melancholisch, von grosser Schönheit und Expressivität, das abschliessende Menuett schlicht, mit einem Ausdruck zärtlicher Wärme, das Trio etwas ernster. Dieser Tanzsatz mit seinem kanonischen Trio war offenbar ein Favoritstück des Komponisten, da es mehrfach auch in anderem Kontext, unter anderem in mehreren Cembalo-Sonaten, überliefert ist.
Jedermann bekannt
Antonio Vivaldi, den venezianischen Barockkomponisten und Schöpfer unter anderem der “Vier Jahreszeiten”, kennt wohl jeder Musikfreund. Der “Prete rosso” war Priester und betreute als musikalischer Leiter das Orchester des Ospedale della Pietà, einem von vier Heimen in Venedig für Waisenmädchen. Das Orchester erlangte bald einen für die damalige Zeit legendären Ruf und lockte zahlreiche Italienreisende an. Für das Ospedale entstand der grösste Teil seiner zahlreichen und sehr virtuosen Violin-, Fagott- und anderen Konzerte und Sonaten. Von den fast 500 Konzerten Vivaldis sind 241 für Violine als Soloinstrument erhalten, darunter unter der Opuszahl 4 im Jahr 1712 gleich 12 „extra-vagante“ – weil neuartige – Violinkonzerte, von denen im Konzert die Nummer 2 erklingt. Neuartig darum, weil Vivaldi das Solokonzert zu einer Hauptform des Hochbarocks machte, und wegen der Dreisätzigkeit: In den schnellen Ecksätzen setzte er systematisch die Ritornell-Form ein, in der das Orchester eine musikalische Passage als Ritornell mehrmals wiederholt, abwechsend mit solistischen Abschnitten, die freier und episodischer sind. Der langsame Mittelsatz erlaubt lange Kantilenen des Soloinstruments.
Traditionen übernommen
Der in Mexico geborene und teilweise in Frankreich ausgebildete Manuel Ponce ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der ersten, der sich mit der eigenen Folklore auseinandersetzte, zahlreiche Abhandlungen verfasste und sich auch in seinen Kompositionen von ihr inspirieren liess. Er beeinflusste mit seinem “Nationalismus“ nicht nur die ihm nachfolgenden Komponisten in Mexiko, sondern wurde zum Vorbild für ganz Lateinamerika. Wer nun aber meint, bei Ponces Musik handle es sich um mit Geigen, Flöten und Pauken gespielte Volksliedchen, täuscht sich. Schon seine frühen „Bilder der Nacht“ (1912) – auch übersetzbar als „Nächtliche Gestalten“ – stehen vor allem in der Tradition der Romantik und des Impressionismus, und ihre musikalische Sprache ist nachdenklich, fast wie ein Aquarell – keine der grell-reisserischen Farben, die man normalerweise mit „mexikanischem Sound“ assoziiert, und mehr die Stadt Mexiko City mit Blick nach Wien als zu indi
Autor
Urs Bamert / Sinfonieorchester Kanton Schwyz / Kammermusik-Vereinigung Accento musicale/Ensemble 4 Clarinets
Kategorie
- Musik
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/cjwBd2