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Publiziert: 12 Oktober 2014
Eine Ausstellung über den Renaissance-Meister Bramantino, der trotz widrigster Umstände herrliche Kunstwerke schuf.
Kunst braucht Musse und Frieden, um sich zu entfalten – eine plausible Aussage, will uns scheinen. Doch sie ist falsch. So lebten etwa die Künstler der Renaissance in einer Phase chaotischen Umbruchs: Kriege erschütterten Europa, Kolumbus fuhr gen Westen Richtung Indien, weil er der Ansicht war, die Erde sei eine Kugel, und die Scheiterhaufen brannten, denn Martin Luther wollte, dass sich auch die Religion neu erfindet. Das Mittelalter ging in die Neuzeit über, ein langsamer, überaus schmerzhafter Prozess. In diese Welt der Gewalt und Irrungen, aber auch der neuen Möglichkeiten, wurde Ende des 15. Jahrhunderts in Bergamo Bartolomeo Suardi hineingeboren. Er hatte das Glück und die Begabung, dass der berühmte Architekt Donato Bramante im nahen Mailand ihn als Schüler aufnahm. Der junge Suardi zeigte ein solches Talent, dass die Leute ihm den Beinamen “kleiner Bramante” gaben – Bramantino.
Klein blieb er allerdings nicht. Vielmehr gilt er als ein richtungsweisender Spitzenvertreter der Renaissance. Ihm und weiteren Meistern jener Tage ist die Ausstellung “Bramantino und die Kunst in der französischen Lombardei” im Museo Cantonale d’Arte in Lugano gewidmet – “französisch” deshalb, weil die Franzosen das Herzogtum Mailand zu Lebzeiten des Künstlers eroberten. Während Leonardo da Vinci seinem “Abendmahl” den Rücken kehrte und nach Florenz zügelte, während es Bramante nach Rom zog, wo der den Petersdom entwarf und baute, stellte Bramantino seine Talente den Invasoren zur Verfügung. Die neuen Herren der Lombardei machten von seinem Angebot reichlich Gebrauch – wie übrigens auch die zeitweilig verfeindeten Kirchenväter in Rom.
Die Ausstellung in Lugano zeigt, warum sie alle so begeistert waren. Kurator Mauro Natale und sein Team haben einige der besten Werke Bramantinos aus den renommiertesten Pinakotheken der Welt zusammengeführt. In chronologischer Reihenfolge kann der Besucher die Entwicklung des Künstlers verfolgen, von der anfangs noch detailverliebten Pinselführung hin zu einer immer stärker abstrahierenden Kunst, in der die Farbkomposition die Dominanz des Themas immer stärker zurückdrängt. Während die Hintergründe zu Beginn noch mittelalterlich wirken, treten zunehmend architektonische Elemente der Antike hinzu. Erkennbar ist auch der Versuch, die perspektivische Verkürzung zu integrieren, etwa in der “Beweinung des toten Christus”.
Das aussergewöhnlichste Bild für Tessinliebhaber dürfte allerdings die “Flucht nach Ägypten” sein. Die Franziskanerbrüder in Locarno gaben es zwischen 1515 und 1520 in Auftrag, um ihr damals im Bau befindliches Marienheiligtum Madonna del Sasso zu schmücken. Es ist der einzige bekannte “Bramantino” im Kanton. Frisch restauriert, ziert das Gemälde noch bis 11. Januar die Räume des Museums, bevor es in die Höhen seiner Felskirche zurückkehrt.
Preis
Erwachsene CHF 12.-; AHV/IV/Senioren über 65, Gruppen, Studenten 17-25 Jahre CHF 8.-; erster Sonntag im Monat und für Jugendliche bis 16 freier Eintritt
Bis 11. Januar: Mi-So 10.00-18.00 Uhr Di und 1. Jan. 14.00-18.00 Uhr Mo, 24. und 25. Dezember geschlossen