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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

13. Buch
8. Bei den Heiligen ist die Übernahme des ersten Todes für die Wahrheit die Vernichtung des zweiten Todes.
Sehen wir nämlich genauer zu, so zeigt sich, daß der Tod sogar vermieden wird, wenn man für die Wahrheit treu und rühmlich stirbt. Man nimmt da etwas vom Tode auf sich, damit nicht der völlige Tod eintrete und der zweite, der endlose, überdies hinzukomme. Man nimmt auf sich die Trennung der Seele vom Leib, damit nicht nach Trennung Gottes von der Seele doch auch noch die Seele vom Leibe getrennt werde und so der erste Tod den ganzen Menschen erfasse und nach diesem der zweite, ewige eintrete. Darum ist der Tod allerdings, wie gesagt, für niemand gut in dem Augenblick, da man ihn sterbend erduldet und er in den Sterbenden das Sterben bewirkt, sondern er wird etwa rühmlich ertragen zur Festhaltung oder Erreichung eines Gutes; wohl aber bezeichnet man ihn nicht unpassend als schlecht für die Schlechten und als gut für die Guten, wenn man die bereits Verstorbenen ins Auge faßt, die im Zustand des Todes weilen. Denn die Seelen der Frommen befinden sich nach der Trennung vom Leibe in Ruhe, die der Gottlosen dagegen erleiden Strafe, bis die Leiber wieder aufleben, die der einen zum ewigen Leben, die der andern zu dem ewigen Tode, der der zweite heißt.