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Um in der Schweiz den Hochseeschein (früher B-Schein) zu machen, muss man eine eintägige Theorieprüfung bestehen sowie 1000 Seemeilen gesegelt haben (vor dem Bestehen der Theorie-Prüfung können maximal 300 Seemeilen gesammelt werden). Eine praktische Prüfung gibt es nicht. Man muss aber Inhaber eines D-Scheins (Segelboot-Schein für Binnengewässer) sein, der neben der Theorie-Prüfung auch eine praktische Prüfung benötigt.
In der Schweiz gibt es zwei Prüfungsstellen, die die Prüfung durchführen und den Hochseeschein ausstellen dürfen:
Um sich auf die Prüfung vorzubereiten, hat man folgende Möglichkeiten (die auch kombiniert werden können):
- Selbststudium
- Kurs-Besuch bei einem der beiden Prüfungsstellen (CCS oder SYA)
- Kurs-Besuch bei einem anderen Kursanbieter (Segelschulen, private, etc.)
- Online-Kurs BoatDriver Swiss – HOCHSEESKIPPER (Boatdriver)
Ich habe mich entschlossen, den Kurs und die Prüfung beim CCS zu machen. Dies aus folgenden Gründen:
- der Zeitraum für den Kurs war beim CCS für mich ideal
- weil ich den Kurs beim CCS mache, ist es auch sinnvoll, die Prüfung beim CCS zu machen
Vor dem Theorie-Kurs habe ich bereits einen ersten Törn im Mittelmeer gemacht. Dies war nützlich, da wir auf dem Törn schon einige Sachen gemacht haben, die im Theorie-Kurs besprochen wurden und die ich mir entsprechend viel besser vorstellen konnte.
Ich habe den Kurs in Zürich gebucht, der in der Nähe des Zoos stattfindet und gut mit ÖV oder Auto erreichbar ist. Es waren insgesamt 17 Abende zu je 2.5h zwischen Oktober 2016 und Februar 2017. Der Kurs wurde parallel am Montag- und Donnerstag-Abend durchgeführt und so hatte man die Möglichkeit, bei Bedarf den anderen Abend zu besuchen. Am Kurs haben etwa 25 Personen (Montagskurs) teilgenommen, wovon der grösste Anteil Segler waren und nur wenige Motorbootfahrer (Segler und Motorbootfahrer haben die gleiche theoretische Prüfung).
Kursthemen
Einführung, nautische Dokumente, Grundlagen und Seezeichen (2 Abende)
Wir bekamen neben einer guten Einführung, was uns über die 17 Abende erwarten würde, auch bereits grundlegende Informationen, worauf das Schweizer Hochseerecht basiert und wie dies verankert ist. Welche Dokumente mitzuführen sind, wurde kurz im Block „Nautische Dokumente“ behandelt.
Im Bereich Grundlagen der Navigation kamen Themen wie Breiten-/Längenkreise, Länge der Seemeile, Positionsangaben, Mercatorprojektion, Arten von und Information auf Seekarten und deren Anwendungen zur Sprache.
Bei den Seezeichen wurden neben den verschiedenen Betonnungssystemen auch die Befeuerung durch Leuchttürme behandelt, die je nach Einsatzgebiet und Ort unterschiedlich befeuern.
Nautische Instrumente, Kursverwandlung und terrestrische Navigation (6 Abende)
Zuerst wurden verschiedene nautische Instrumente behandelt und worauf beim Gebrauch zu achten ist.
Wir haben uns dann längere Zeit mit Kursverwandlungen beschäftigt (Magnetischer Kompasskurs, Missweisung, Ablenkung, Wind- und Stromabdrift, Kurs über Grund) und Kartenaufgaben dazu gelöst.
Bei der Navigation haben wir uns über mehrere Abende das Koppeln, die verschiedenen Peilungsarten und Navigation mit GPS angesehen.
Dieser Kursblock war entsprechend relativ übungsintensiv, da man sich diesen Block, der in der Prüfung unter Kartenaufgaben kommt, verinnerlichen muss.
Gezeitenströme und Gezeiten (5 Abende)
Dieser Kursblock war ebenfalls intensiv und sehr relevant, um z.B. bei den Kartenaufgaben die Stromabdrift zeichnerisch berechnen zu können. Auch ging es hier darum zu wissen, ob die Wassertiefe genügend ist, um eine Untiefe zu passieren. In diesem Block wurden auch die unterschiedlichen Zeitzonen intensiv verwendet sowie die wichtigen Gezeiten-Tafeln.
Seerecht (1 Abend)
An diesem Abend gingen wir auf die verschiedenen Rechte ein, die einen als Skipper betreffen und was man einhalten muss, um unter Schweizer Flagge segeln zu dürfen. Dazu gehören auch die Ausrüstungsrichtlinien, die primär die Sicherheitsaspekte der Mannschaft betreffen. Auch wurde kurz etwas zu Funkanlagen gesagt.
Sicherheit, Seemannschaft (1 Abend)
Dieser Themenabend behandelte die Verkehrsregeln auf See, die u.a. Aussagen zu Ausweich- und Fahrregeln und Bestimmungen zu Navigationslichtern, Schall-, Flaggen- und Notsignalen machen.
Im Bereich Seemannschaft ging es u.a. ums Ankern, Sicherheit an Bord, Havaristen, Törnplanung und weitere verwandte Themen.
Meteorologie (1 Abend)
Dieser intensive Abend thematisierte die wichtigsten Aspekte der Meteorologie wie Wind, Luftdruck, Seegang, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wettersysteme und -lagen, und Einflüsse darauf. Wir haben auch im Detail Wetterkarten und Wetterwarnungen sowie Taktiken besprochen.
Repetition (1 Abend)
Am letzten Abend haben wir nochmals offene Fragen diskutiert und die häufigsten Fallstricke bei der Prüfung besprochen. Auch haben wir die schwierigsten Aufgabentypen bei den Gezeiten- und Kartenaufgaben durchgespielt.
Medizin
Das Thema Medizin wird im Kurs nicht behandelt, obwohl es Teil der Prüfung ist. Für die Prüfung müssen entsprechend die Fragen und Antworten aus dem Blauen Schreck gelernt werden.
Prüfung
Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, die Prüfung so rasch als möglich nach Abschluss des Theorie-Kurses zu machen. Dann ist alles noch präsent und man muss sich das ganze Material nicht nochmals von Anfang an verinnerlichen.
Für die Vorbereitung der Prüfung dient primär der Blaue Schreck (siehe auch unten bei den Kosten). Die Prüfung ist Multiple Choice, wobei jeweils 4 Auswahl-Antworten stehen, wovon immer nur eine richtig ist. Auch für die Karten- und Gezeiten-Aufgaben bekommt man 4 mögliche Antworten zur Verfügung gestellt. Hier ist es aber notwendig und zwingend, dass man die Lösungsfindung nachvollziehen kann (Berechnungen, Zeichnungen auf den Karten etc.).
Der Blaue Schreck enthält ausser für die Gezeiten- und Kartenaufgaben alle möglichen Fragen mit 4 Antworten, wie diese an der Prüfung kommen (1:1). D.h., kann man den Blauen Schreck auswendig, besteht man zumindest diese Aufgaben problemlos.
Bei den Gezeitenaufgaben hat es 4 Aufgaben-Typen. Die Typen entsprechen wieder genau denjenigen, die im Blauen Schreck enthalten sind. Unterschiede sind eigentlich mehr oder weniger nur in Zeit und Ort. Auch hier gilt: die 4 Aufgaben-Typen gut kennen und üben. Dann ist die Chance sehr gut, diesen Prüfungsteil zu bestehen.
Auch bei den Kartenaufgaben werden die genau gleichen 18 Aufgaben-Typen verwendet, wie diese im Blauen Schreck vorkommen. Die Unterschiede liegen wieder in Zeit und Ort oder bei anderen Faktoren. Auch hier gilt wieder: gut üben, die Aufgaben-Typen kennen und ein paar Mal gemacht haben und dann sollte es gut machbar sein.
Die Prüfung fand in Zürich-Leimbach statt und dauerte einen Tag. Jeder Prüfling (ca. 25) hatte einen grossen Tisch für sich alleine. Mitnehmen durfte man nur:
- Schreibutensilien
- Radiergummi
- Kartenzirkel
- Kursdreiecke
- Breton-Plotter
- Nicht programmierbarer Taschenrechner
Abgegeben werden:
- Prüfungsfragen
- Antwort-Blätter
- Prüfungsseekarte
- Notizpapier (man darf kein eigenes Notizpapier mitnehmen)
- Unterlagen mit Informationen, die für das Lösen der Aufgaben notwendig sind
Die Prüfungsfächer werden folgendermassen geprüft:
- Kartenaufgaben (18 Aufgaben, max. 32 Punkte) – fanden am Morgen statt und man hatte max. 3.5h Zeit
- 1h Mittagspause (muss man selber organisieren)
- Gezeitenaufgaben (4 Aufgaben, max. 4 Punkte) – nach der Mittagspause – war man mit den Gezeitenaufgaben fertig, musste man diese abgeben und man bekam dann die „restlichen Aufgaben“ (Navigation [max. 20 Punkte], Seemannschaft [max. 20 Punkte], Meteorologie [max. 16 Punkte], Rechtsfragen [max. 24 Punkte], Medizin an Bord [max. 12 Punkte]) – für all dies hatte man nochmals max. 3.5h Zeit
Um die Prüfung zu bestehen, muss man alle 7 Fächer bestehen. Ein Fach hat man bestanden, wenn mindestens 75% der maximal möglichen Punkte erreicht wird. Es gibt für die einzelnen Fragen keine Teilpunkte (z.B.: bei einer 3-Punkte Frage bekommt man entweder 3 oder 0 Punkte). Erreicht man die notwendige Punktzahl eines Faches nicht, muss die Fach-Gruppe wiederholt werden. Dies sind 3 Beispiele:
Beispiel 1
- Kartenaufgaben: notwendige Punktzahl erreicht
- Gezeitenaufgaben: notwendige Punktzahl erreicht
- Navigation, Seemannschaft, Meteorologie, Rechtsfragen: notwendige Punktzahl erreicht
- Medizin an Bord: notwendige Punktzahl NICHT erreicht
Man muss nochmals alle Fächer aus den „restlichen Aufgaben“ wiederholen. Es sind dies: Navigation, Seemannschaft, Meteorologie, Rechtsfragen, Medizin an Bord
Beispiel 2
- Kartenaufgaben: notwendige Punktzahl erreicht
- Gezeitenaufgaben: notwendige Punktzahl NICHT erreicht
- Meteorologie, Rechtsfragen, Medizin an Bord: notwendige Punktzahl erreicht
- Navigation, Seemannschaft: notwendige Punktzahl NICHT erreicht
Man muss nochmals die Gezeitenaufgaben und alle Fächer aus den „restlichen Aufgaben“ (Navigation, Seemannschaft, Meteorologie, Rechtsfragen, Medizin an Bord) wiederholen.
Beispiel 3
- Kartenaufgaben: notwendige Punktzahl NICHT erreicht
- Gezeitenaufgaben: notwendige Punktzahl NICHT erreicht
- Navigation, Seemannschaft, Meteorologie, Rechtsfragen, Medizin an Bord: notwendige Punktzahl erreicht
- Meteorologie: notwendige Punktzahl NICHT erreicht
Man muss nochmals die gesamte Prüfung wiederholen.
Ablauf
Nach einer kurzen Einführung mussten wir die 18 Kartenaufgaben lösen und hatten dazu 3.5h Zeit. Dabei bekam jeder eine eigene, neue Karte (gleiche Karte wie die Übungskarte 6966). Je nach Aufgabe konnten 1-3 Punkte erzielt werden. Um diesen Block zu bestehen, mussten 75% der Punkte erreicht werden. Ich hatte dies zu Hause bereits ein paar Mal geübt und war nach 1.5h fertig. Ich habe mir dann nochmals in etwa eine knappe Stunde Zeit genommen und bin nochmals durch alle Aufgaben durch.
Nach dem Mittagessen kamen die 4 Gezeitenaufgaben. Dabei kann man bei jeder Aufgabe 1 Punkt erzielen. Um die Gezeitenaufgaben zu bestehen, müssen entsprechend mindestens 3 Aufgaben richtig sein. Auch diese hatte ich gut geübt und war nach etwa 50min fertig und habe mir dann nochmals etwa 30min Zeit genommen, um durch die 4 Aufgaben durchzugehen.
Nach Abgabe der Gezeitenaufgabe habe ich dann die „restlichen Aufgaben“ erhalten. Die Aufgaben sind nach Fächer gruppiert und jede Aufgabe ergibt 1 Punkt. Da ich mir den Blauen Schreck gut eingeprägt hatte, konnte ich diesen letzten Block nach etwa 20min abschliessen. Nach Abgabe der Aufgaben durfte man seine Siebensachen zusammenpacken und in einem Raum ausserhalb des Prüfungsraums warten. Bei mir kam dann bereits 10min später der Prüfungsexperte raus und teilte mir mein Prüfungsresultat mit: Prüfung bestanden mit Erreichung der maximalen Punktzahl. Gleichzeitig händigte der Experte den Prüfungsnachweis aus:
Soweit ich gesehen habe, haben die meisten die Prüfung bestanden, die am gleichen Kurs wie ich waren.
Kosten (in CHF)
- Kurs: 510 (günstiger für CCS-Mitglieder, Studenten und ASVZ-Mitglieder)
- Starterset Kursmaterial (Kurs-Ordner, Aufgaben-Sammlung [Blauer Schreck -> alle möglichen Prüfungsfragen mit Lösungen], 2 Kursdreiecke, Zirkel): 180
- Zusätzliches Kursmaterial (2 Übungsseekarten 6966 & 7127, Karte 1, Fragen [Hausaufgaben, Zusatzaufgaben, Übungen zu lösen in Unterricht]): 90
- Bretonischer Plotter (muss man nicht zwingend haben, macht aber das Arbeiten auf der Karte viel einfacher, hat am Kurs fast jeder gekauft): ca. 20
- Prüfungsgebühr: 300
TOTAL: 1’100
Beim Material ist aus meiner Sicht alles bis auf die Übungsseekarte 7127 notwendig. Wir haben diese Karte im Kurs nie wirklich verwendet. Beim Kurs-Buchen konnte man das Starterset Kursmaterial direkt mitbestellen. Das zusätzliche Kursmaterial bestellt man dann am ersten Abend. Ich fände es gut, wenn man das Gesamt-Kursmaterial mit der Kurs-Anmeldung mitbestellen könnte.
Der bretonische Plotter habe ich im Internet bestellt. Es gibt hier verschiedene Varianten in Preis und Qualität. Deshalb ist es sinnvoll, dass jeder selber entscheiden kann, welchen bret. Plotter er verwenden möchte.
Muss die Prüfung ganz oder teilweise wiederholt werden, kostet dies CHF 200.
Fazit
Kurs
Den Kurs habe ich als sehr spannend empfunden. Die Instruktoren haben als langjährige Segler selber einen grossen Erfahrungsschatz und konnten uns verschiedenste Beispiele aus ihren Erfahrungen weitergeben. Der Kurs wie auch die Prüfung basiert aus meiner Sicht noch teilweise auf Arten und Weisen, wie man früher navigiert hat. Zwar werden gewisse aktuelle Themen angesprochen, doch meine ich, dass man in diesem Bereich mehr auf die Navigation fokussieren sollte, wie man sie heute macht (GPS Kartenplotter, Tablets, Wetter). Selbstverständlich müssen aber die herkömmlichen Methoden immer noch gelehrt und geprüft werden, da diese bei System-Ausfällen zum Einsatz kommen können. In Gesprächen mit anderen Kursteilnehmern wurde der Punkt der Navigation immer wieder als zu veraltet genannt.
Es ist wichtig, dass man sich genug Zeit für die Übungen nimmt, die man jeweils nach dem Kurs machen sollte. Im Schnitt muss man in etwa 5h pro Kursabend zusätzlich hinzurechnen. Der Besuch des Kurses alleine ohne auch die Übungen zu machen, lässt aus meiner Sicht kaum zu, die Prüfung zu bestehen. Entsprechend soll man sich bewusst sein, dass man genug Zeit neben dem Kurs findet.
Kursunterlagen
Die Kursunterlagen kommen in physischer Form und sind elektronisch nicht verfügbar. Da ich mir gewohnt bin, mit einem Tablet zu arbeiten, habe ich die Unterlagen als PDF eingescannt und dann primär im Kurs direkt Notizen auf dem PDF gemacht. So sind die gesamten Unterlagen mit Notizen auch überall für mich verfügbar und ich muss den dicken Ordner nicht dabeihaben.
Im Kurs benutzen die Instruktoren Powerpoint-Slides, die nicht immer den gleichen Inhalt wie die Unterlagen hatten. Teilweise sind darauf sogar wichtige zusätzliche Informationen enthalten. Ich hätte es begrüsst, wenn die Unterlagen etwas besser aufeinander abgestimmt gewesen wären. Auch würde ich eine Abgabe als PDF begrüssen. Da ich aber im Kurs der Einzige war, der so arbeitete, ist dies derzeit noch kein wichtiges Thema.
Ich habe die HOZ-Unterlagen (aus dem Jahre 2000) gesehen und diese scheinen mir besser gegliedert und kompakter zu sein. Da ich aber damit nicht gelernt habe, kann ich nicht abschätzen, was effektiv besser ist.
Prüfung
Es lohnt sich, einen gewissen Lernaufwand für die Prüfung zu leisten, da insbesondere die Karten- und Gezeiten-Aufgaben eine Herausforderung darstellen können.