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Der Verteidiger des letzten Swissair-Chefs Mario Corti hat für seinen Mandanten einen Freispruch und eine Entschädigung verlangt. Das Verfahren kritisierte er als "Schauprozess".
Für Corti treffe der Spruch zu "Den Letzten beissen die Hunde". Als einziger Verwaltungsrat habe er den Mut gehabt, hinzustehen und zu versuchen, die Swissair zu retten.
Die Staatsanwaltschaft habe "zu Beleidigungen und Herabsetzungen der Persönlichkeit von Herrn Corti gegriffen", empörte sich Paul Ramer, der Verteidiger des letzten Swissair-Konzernchefs, in seinem Plädoyer vor dem Bezirksgericht Bülach: "Ich frage mich, wo die Grenze zum Rufmord ist."
Lockerer Corti
Mit der Verteidigung von Mario Corti hat am Montag die letzte Verhandlungswoche im Swissair-Prozess begonnen. Nach dem lauen Interesse vergangene Woche verfolgten wieder zahlreiche Medienvertreter und Zuschauer die Verhandlung in der Stadthalle.
Corti, der das Plädoyer neben seinem Verteidiger sitzend verfolgte, präsentierte sich weiter locker. In den Pausen plauderte er mit Schülern und Rentnern. Den Medienvertretern kündigte er für Dienstag die Vorlage eines neuen, brisanten Dokuments an. Darin werde es um den Zustand der Swissair Gruppe in deren letzten Wochen gehen.
Inneres Feuer
"Den Letzten beissen die Hunde"; das sei im Falle Cortis bittere Wahrheit, sagte Verteidiger Ramer. Sein Mandant sei nur kurze Zeit im SAirGroup-Verwaltungsrat gesessen und habe keine der Entscheide der Hunter-Strategie für den Kauf ausländischer Flugbeteiligungen gefasst.
Als einziger Verwaltungsrat habe Corti dann aber "den Mut und das innere Feuer" gehabt, hinzustehen und zu versuchen, das Steuer herumzureissen, sagte Ramer: "Herr Corti war überzeugt, die Swissair retten zu können." Dafür habe er seine "sichere Lebensstelle" als Finanzchef bei Nestlé aufgegeben.
Keine Kenntnisse
Beim Vorwurf, Corti habe die Öffentlichkeit über einen bevorstehenden Milliardenkredit für die SAirGroup getäuscht, zweifelte Ramer die Kenntnisse der Anklage an: "Die Staatsanwaltschaft versteht die Begriffe nicht genau und bringt sie durcheinander."
Der von Corti an der Generalversammlung vom 25. April 2001 bekanntgegebene Kredit war erst am 11. Juli unter Dach. Laut Ramer war aber schon die im April vorliegende Offerte verbindlich. Die restriktiven Bedingungen hätten erfüllt werden können - wären nicht die Terroranschläge vom 11. September dazwischen gekommen.
Keine unwahren Angaben
Ebenfalls keine unwahren Angaben vermochte der Anwalt in Ankündigungen Cortis zum Ausstieg aus den französischen Flugbeteiligungen und für ein Kostensenkungs-Programm zu erkennen. "Die Staatsanwaltschaft will jede positive Anstrengung Cortis zur Sanierung ins Gegenteil verkehren."
Zu den Anklagekomplexen der SAirGroup-Restrukturierung im März 2001 und der Sabena-Zahlung von 150 Mio. Euro im Januar 2001 blieb Ramer auf der Linie der Verteidiger vor ihm: Bei der Restrukturierung seien keine Vermögenswerte verloren gegangen und zur Sabena-Zahlung habe keine Alternative bestanden.
Unbedingte Strafe
Die Staatsanwaltschaft wirft Corti Gläubigerschädigung, ungetreue Geschäftsbesorgung, unwahre Angaben über kaufmännisches Gewerbe, Misswirtschaft und Gläubigerbevorzugung vor.
Laut Strafantrag soll er mit 28 Monaten Freiheitsstrafe, einer Geldstrafe von total 1,08 Mio. Fr. sowie einer Busse von 10'000 Fr. bestraft werden. Sechs Monate der Freiheitsstrafe soll Corti unbedingt absitzen.
swissinfo und Agenturen
Der Prozess
Der Prozess findet vom 16. Januar bis am 9. März vor dem Bezirksgericht Bülach statt.
Die Verhandlungen in der 1500 Personen fassenden Stadthalle Bülach sind öffentlich.
Die Anklageschrift umfasst 100 Seiten. Die Akten füllen 4150 Aktenordner.
Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat in 40'000 Arbeitsstunden mehr als 300 Personen einvernommen und 20 Haus-Durchsuchungen veranlasst.
Eine erste Version der Anklageschrift vom 30. März 2006 hat das Gericht wegen Mängeln zurückgewiesen. Die überarbeitete Anklageschrift liegt seit dem 31. Dezember 2006 vor.