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(Mogigraphie,
Cheirospasmus),
Krampf der beim Halten der
Feder beteiligten und die schreibende
Hand
[* 9] bewegenden
Muskeln,
[* 10] welcher reflektorisch durch das Ermüdungsgefühl der betreffenden
Muskeln hervorgerufen wird.
Am häufigsten äußert er sich in den
Beugemuskeln durch krampfhaftes Andrücken des die
Feder haltenden
Daumens gegen den
Zeige- und Mittelfinger, welches die Federhaltung stört und endlich so stark wird, daß sich die ganze
Hand beim Schreiben
klauenartig zusammenballt.
Seltener wird die
Feder plötzlich nach der Hohlhand hineingeschnellt. Sind die
Streckmuskeln der
Finger
der Sitz des Schreibkrampfes, so öffnen sich bei dem
Versuch zu schreiben plötzlich die
Finger, oder nur der Zeigefinger
streckt sich aus, und dem Schreibenden entfällt die
Feder. Selten werden die Vorderarmmuskeln zusammengezogen, wobei mitten
im Schreiben die
Hand plötzlich über das
Papier hinweggeschnellt wird.
Endlich ist der
S. eine
Folge des
Zitterns und beginnender
Lähmung der Vorderarmmuskeln, wo dann die krampfartige Anstrengung beim Federhalten
Rückwirkung gegen
den muskelschwachen Zustand des
Arms ist. In allen
Fällen ist der S. äußerst lästig und oft sehr schmerzhaft.
Die
Ursachen können sehr verschieden sein; die häufigste ist wohl eine falsche
Methode des Schreibunterrichts,
der Federhaltung und Körperstützung beim Schreiben, auch wohl der
Gebrauch zu harter
Federn, zu dünner Federhalter, rauhen
Papiers. Diese
Ursachen sind zu beseitigen. Der Schreibende gewöhne sich an eine flüchtige
Handschrift, welche die Hauptthätigkeit
in den aufsteigenden Haarstrich des
Buchstabens legt, somit die
Streckmuskeln der
Finger mehr als ihre
Beugemuskeln
beschäftigt.
Nur bei halb gelähmten und zitternden
Armen ist eine andre
Methode nötig. Ein solcher Kranker klemme die
Federfest in die
Falte zwischen den Mittelhandknochen des
Daumens und Zeigefingers, gegen letztern sie andrückend, und schreibe mehr aus dem
Handgelenk mittels der
Muskeln des
Ober- und Vorderarms. Der
Gebrauch sehr dicker, rauh gearbeiteter Federhalter,
sogar das Einschließen des Federkiels in
einen
Kork
[* 11] oder in ein dickeres
Rohr sind Erleichterungsmittel für die Federhaltung.
Maas'
Atremograph ist der Hohlhand genau nachgebildet und macht jede willkürliche wie auch unwillkürliche, beim Schreiben
unnötige
Bewegung derFinger unmöglich. Jedenfalls muß durch angemessene Beschränkung der Schreibarbeit
dem
Ausbruch des Schreibkrampfes vorgebeugt werden.
In den hartnäckigsten
Fällen ist elektrische Behandlung oder
Massage notwendig.
Vgl.
Nußbaum, Einfache und erfolgreiche Behandlung des Schreibkrampfs
(Münch. 1882).
[* 1] die
Kunst,
Gedanken mittels durch Übereinkunft festgestellter Zeichen
(Buchstaben) sichtbaren und dauernden
Ausdruck zu geben, ist in den
Ländern mit europäischer
Kultur seit Anfang des 16. Jahrh. so allgemein
geworden, daß sie nicht mehr als
Kunst im höhern
Sinn des
Wortes, sondern nur noch als eine Fertigkeit an gesehen wird. Von
dem gewöhnlichen Schreiben, wobei es auf leichte Schreib- und Lesbarkeit der Schriftformen hauptsächlich ankommt,
unterscheidet sich die eigentliche Schönschreibkunst oder
Kalligraphie, welche neben Deutlichkeit vorzugsweise ästhetischen
Effekt hervorzubringen strebt.
Die Schriftzeichen wurden, je nach dem
Material, mit
Hammer
[* 14] und
Meißel
[* 15] eingehauen, mit hartem
Griffel eingeritzt, mit
Formen
eingeprägt oder mit dem
Pinsel, zugeschnittenem Schreibrohr und Federkielen farbig aufgetragen. An die
Stelle der Federkiele sind mit dem zweiten
Viertel unsers
Jahrhunderts die Stahlschreibfedern getreten. Neben der gewöhnlichen
Schreibschrift unterscheidet man noch die
Stenographie (s. d.), die sich sehr kurzer, und die Geheimschreibkunst
(Kryptographie),
die sich besonders verabredeter (geheimer) Zeichen (s.
Chifferschrift) bedient, während die eigentliche Schreib- oder
Kurrentschrift (»laufende
Schrift«) die bekannten 24-26
Buchstaben des
Alphabets (s.
Schrift) in Anwendung bringt, und zwar teils
als Großbuchstaben (zur Hervorhebung von Wörtern und Satzanfängen), teils als Kleinbuchstaben, eine verkürzte Form der
Großbuchstaben. Die Schreibschrift strebt vorzugsweise Geläufigkeit an, verbindet daher die
Buchstaben eines
Wortes miteinander
und zerfällt der Form nach, entsprechend den zwei Hauptklassen der Druckschrift:
Antiqua und
Fraktur (s.
Schriftarten), in die runde lateinische
(Antiqua-) und die spitze sogen.
deutsche Schrift.
¶
mehr
Besondere Arten der erstern sind die spezifisch italienische Schrift, bei welcher die Haarstriche dick und die Grundstriche
dünn sind, und die Rundschrift
[* 17] mit ihren meist runden und außergewöhnlich starken Zügen. Die Grundlage der deutschen Schreib-
wie Druckschrift ist die sogen. Kanzleischrift, eine größere, eckige und stark verschnörkelte deutsche Schrift, welche
sich im Mittelalter aus den lateinischen Buchstaben entwickelte, jetzt aber nur noch als Zierschrift hier und da in Anwendung
kommt.
Die Fertigkeit im Schreiben wird erreicht durch praktische, vom Leichten zum Schwierigen fortschreitende Übung unter gleichzeitiger
theoretischer Belehrung über die Schreibwerkzeuge und die Buchstabenformen. Je mehr eine zweckentsprechende Theorie die
Übungen unterstützt, desto schneller und nachhaltiger ist der Erfolg. Den einfachen, klaren Zügen der Antiquaschrift haben
anscheinend schon in der altrömischen Kunstepoche bestimmte Vorschriften für die Proportionen ihrer Formen zu Grunde gelegen.
England blieb unbeeinflußt, doch wurde hier wie in Frankreich zu Ende des 16. Jahrh. für den Buchdruck schon vielfach die
Antiqua anstatt der Fraktur angewandt. Die zu jener Zeit, gleichwie in Deutschland, so auch in Frankreich und England übliche
spitze Schreibschrift wurde von der runden lateinischen Form der Schreibschrift Italiens
[* 20] in Frankreich
gegen Ende des 16. Jahrh., in England um die Mitte des 17. Jahrh. verdrängt. In Frankreich wurde die landesübliche »escriture
françoise« oder »escriture ronde« (eine der jetzigen Rundschrift ähnliche, in den m-Strichen aber scharfeckige Schrift) rundlicher
gestaltet und für den gewöhnlichen Gebrauch ein Mittelding zwischen dieser und der italienischen (lateinischen)
Schrift, die als Schreibschrift zu steife »escriture italienne bastarde à la française« (jetzt »écriture batârde« genannt),
gebildet. In England entstand an Stelle der altenglischen spitzen Schrift eine von allen überflüssigen italienischen Anhängseln
befreite, reine, vollendet schöne lateinische Schriftform, welche bald auch in Frankreich als die heute noch
so benannte »englische« Schrift allen andern vorgezogen wurde.
Schweden,
[* 21] Norwegen und Dänemark
[* 22] befinden sich noch zum Teil im Übergangsstadium von der spitzen zur runden (lateinischen)
Schrift, jedoch ist die Umwandlung nahezu vollzogen. Auf Deutschland
blieben jene Fortschritte fast ohne Einfluß, weil den
in Schnörkelwesen verfallenen deutschen Schreibmeistern das Verständnis dafür mangelte. Für die Schulen
sind zwar gute Versuche gemacht, aber nicht mit der erforderlichen Energie allgemein durchgeführt worden, so daß die deutschen
Elementarschulen nach fast zahllosen Regelzusammenstellungen die Buchstabenformen lehren.
Der Schreibunterricht wie die Schrift selbst haben deshalb in Deutschland den Zusammenhang mit dem allgemeinen Entwickelungsgang
der Schrift verloren. Diese Isolierung wird unterstützt von denjenigen, welche in falschem Patriotismus
die spitzen Schriftzüge und die sogen. Frakturform der Druckschrift für etwas eigentümlich
Deutsches ausgeben, während beides nur Überbleibsel sind. Eine Ausnahme von der Regel macht nur die Schule der sogen. Germanisten,
welche, von den Anregungen der BrüderGrimm u. a. ausgehend, sich der lateinischen Schrift bedienen.
Die Methodik der S. entbehrt von den ersten deutschen Schreibmethoden des 15. und 16. Jahrh.
an bis zu den Alphabetsammelwerken unsers Jahrhunderts einer den Zweck und das Wesen der Buchstabenformen gehörig berücksichtigenden,
umfassenden und einheitlich umgestaltenden Behandlung. In neuester Zeit hat F. Soennecken die in Deutschland
nur von wenigen benutzt gewesene Rundschrift durch entsprechend konstruierte, breit abgeschnittene Stahlfedern methodisch zu
gestalten gesucht.
Dieselbe war inItalien schon seit dem 15. Jahrh. gebräuchlich und dort im 16. Jahrh.
allgemein angewendet, am meisten ist sie aber in Frankreich verbreitet, wo sie Ende des 15. Jahrh. als écriture financière
aufkam, später écriture ronde und in der nach rechts geneigten Form écriture bâtarde genannt wurde. S. auch Schrift.