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Star Wreck: In the Pirkinning (2005)
Star Wreck: In the Pirkinning (2005)
Oder: Alles Parodie oder was?
Als Captain eines Raumschiffs hat man gewisse Verpflichtungen gegenüber der Menschheit. Dies erfuhr Captain James B. Pirk (Samuli Torssonen) an seinem eigenen Leibe, als er in die Vergangenheit reisen musste, um eine Rasse zu stoppen, die den ersten Kontakt der Menschheit mit einer ausserirdischen Rasse verhindern wollte. Dies führte dazu, dass Pirks Raumschiff, die CPP Kickstart, zerstört wurde, er in der Vergangenheit strandete und ihm nichts anderes übrig blieb, als sich unter die primitive Bevölkerung zu mischen. Natürlich dauert es nicht lange, bis er es überdrüssig ist, ohne Respekt behandelt zu werden, und da seine Masche als Captain aus der Zukunft bei Frauen auch nicht gut ankommt, trommelt er seine gestrandete Crew wieder zusammen.
Pirk hat natürlich mit seinem taktischen Offizier Commander Dwarf (Timo Vuorensola) und seinem Androiden Info (Antti Satama) die geschichtliche Entwicklung sehr genau verfolgt. Obwohl Pirk den ersten Kontakt mit einer ausserirdischen Rasse ermöglichte, ist das gelobte Zeitalter noch nicht angebrochen, und technologisch ist die Menschheit noch meilenweit von dem Stand entfernt, welchen sie eigentlich zu jenem Zeitpunkt haben sollte. Deshalb beschliesst Pirk, der Menschheit etwas auf die Sprünge zu helfen und greift aktiv in die Geschichte ein. Auf diesem Weg wird er zum Diktator der Erde. Mit seiner neuen Machtposition baut er zielstrebig seine eigene grosse P-Fleet auf, um so auch die Rasse stoppen zu können, welche dafür gesorgt hat, dass er überhaupt in der Vergangenheit gelandet ist. Auf der Erde herrscht inzwischen Überbevölkerung und bewohnbare Planeten sind rar. Pirk kommt ins Grübeln, denn seine Untertanen fordern mit Nachdruck eine Lösung. Diese ergibt sich, als eines von Pirks Schiffen ein Wurmloch entdeckt, das anscheinend in eine andere Dimension führt. Pirk beschliesst, diese kurzerhand zu erobern, um so mehr Wohnraum für seine Untertanen zu schaffen. Doch in der anderen Dimension trifft Prik auf die Raumstation Babel-13 unter dem Kommando von Captain Joni K. Sherrypie (Atte Joutsen), und der hat nicht vor, kampflos aufzugeben. Ein interdimensionaler Konflikt in gigantischen Proportionen bahnt sich an...
Film-Rating
Durchhaltevermögen ist das, was die fünf Studenten auszeichnet, die sich schon seit 1992 mit dem Star Wreck-Universum beschäftigen, denn da entstand der erste Kurzfilm der Finnen. Nachdem sie sich in insgesamt vier Kurzfilmen nach und nach die Fähigkeiten aneigneten, wie man solche Filme produziert, lösten sie mit dem Kurzfilm Star Wreck V: The Lost Contact - einer Parodie von Star Trek: First Contact - ein enormes Echo aus. Noch nie wurde in Finnland eine Sci-Fi Produktion in dieser Länge und mit solchen Special Effects gratis ins Internet gestellt. Mit dem erarbeiteten Wissen begann die Produktion von Star Wreck: In the Pirkinning, dem ersten Film in Spielfilmlänge, der absolut ohne Studiounterstützung und nur in Heimarbeit produziert wurde. Schliesslich entstand nach sieben Jahren Produktion, viel Arbeit, 300 Statisten und noch mehr Enthusiasmus sowie starker Unterstützung aus der Fanbase das erste finnische Science-Fiction-Abenteuer,
Da sie nur wenig davon wussten, wie man solche Filme produziert, musste alles Wissen von Grund auf erarbeitet werden, weshalb vieles im Verlauf der sieben Jahre dauernden Produktion auch geändert, verbessert und nochmals gedreht wurde. Alle Raumschlachten sowie alle Sets, die nicht real vorhanden waren, entstanden am Computer und wurden von Heim-PCs gerendert, was teilweise für wenige Sekunden Film mehrere Tage benötigte. Inzwischen - drei Jahre nach dem Release - hat sich viel getan bei den Studenten. Samuli Torssonen gilt als einer der besten CGI-Künstler Finnlands, seine Art Filme zu produzieren hat die finnische Filmlandschaft stark verändert und Star Wreck: In the Pirkinning ist mit drei Millionen Downloads der meistgesehenste Film Finnlands geworden. Während sie bereits ihren nächsten Film Iron Sky am Start haben, ist inzwischen die Imperial Edition von Star Wreck: In the Pirkinning als DVD käuflich. In dieser neuen Version wurden alle Referenzen an Star Trek und Babylon 5 aus dem Film entfernt und die Raumschlachten mit völlig neuen Schiffen nochmals erstellt.
Der Film selber ist primär eine Parodie von Star Trek und Babylon 5, bei der zum ersten Mal in der Geschichte die beiden Sci-Fi-Legenden aufeinander treffen. Eigentlich eine grossartige Idee, was dann später auch zu kinoreifen und grossartig inszenierten Weltraumschlachten führt, die locker alles in den Schatten stellen, was in beiden Mythologien jemals zu sehen war. In der ersten Hälfte können sie auch in Sachen Handlung und Story absolut überzeugen, denn hier hat Star Wreck: In the Pirkinning seine besten Momente, als Pirk seine Flotte aufbaut, den Planeten erobert und seine Propagandamaschine auf Hochtouren laufen lässt. Da die Amateurschauspieler ihre überzeichneten Rollen sehr gut meistern, funktioniert das Ganze auch und man wird sehr kurzweilig unterhalten.
Doch wie es meistens bei diesen Parodien der Fall ist, wollen sie immer krampfhaft lustig sein und sich über Bestehendes lustig machen. Galaxy Quest hat dies sehr gut gemacht, während Obergurken wie (T)Raumschiff Surprise: Periode 1 schlichtweg peinlich waren. Star Wreck: In the Pirkinning pendelt sich etwa in der Mitte ein. Die primär blöden Momente häufen sich vor allem in der zweiten Hälfte und sollten wohl die grosse Konfrontation zwischen Pirk und Sherrypie von Babel-13 alias Babylon 5 lustiger gestalten. Diese pseudolustigen, für Parodien typischen Szenen gehen jedoch primär auf die Nerven, und mit der Zeit hat man sich auch an den Kämpfen sattgesehen, da die Story kaum noch überzeugen kann. Daher bleibt man auch, obwohl das Ganze sehr überraschend abgeschlossen wird, ernüchtert zurück und kommt zum Schluss, dass sie sich auch im actionreichen Teil lieber auf eine ordentliche Story konzentriert und die Weltraumschlachten lieber gekürzt hätten.
Fazit: Wenn man die Entstehungsgeschichte von Star Wreck: In the Pirkinning betrachtet und was die fünf Studenten und ihre freiwilligen Helfer erreicht haben, dann muss man ihnen alle Hochachtung aussprechen. Mit ein paar Heimcomputern, viel Kreativität und noch mehr Durchhaltevermögen haben sie einen Film geschaffen, der es optisch ohne Probleme mit den Hollywood-Produktionen aufnehmen kann und auch eine - zu Beginn wenigstens - überzeugende Geschichte erzählt. Da sich aber die eigentliche Konfrontation zwischen der Pirk- und der Babel-13-Flotte zu stark in die Länge zieht und die anfänglich witzigen Szenen immer plumper und blöder werden, bleibt trotz allem wenig Begeisterung zurück. Dennoch, schon nur weil das eine No-Budget-Produktion ist und primär aus der Freude an der Sache entstanden ist, ist sie absolut einen Blick wert, denn dieser Errungenschaft gebührt grösster Respekt.
OutNow.CH:
14.07.2008 / db
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