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Refugium und Hochwacht auf der Sissacherflue
Oberhalb der nach Süden abfallenden gelblich-braunen Felswand
aus Hauptrogenstein ist ein kleines Plateau auszumachen, das sich als Aussichtspunkt hoch über dem Ergolztal anbietet. Wie Grabungen und Funde belegen, ist dieses kleine Bergplateau seit Jahrtausenden von Menschen besiedelt worden. Die Sissacherflue wurde über Jahrtausende in mehreren Phasen als Siedlungsraum genutzt. Neben einer ersten Nutzung in der Bronzezeit folgte im Frühmittelalter eine intensive Nutzung vermutlich als Fluchtburg, deren Spuren noch heute sichtbar sind.
Im 17. und 18. Jh. bestand auf der Sissacherflue eine Hochwacht, die zum eidgenössischen Warn- und Meldesystem gehörte. Diese Einrichtung diente der Alarmierung der Landmilizen. Dazu wurden weithin sichtbare Punkte gewählt, die mit einem Wachthäuschen und einem aufgeschichteten Holzstoss versehen wurden. Die Alarmierung erfolgte von Basel aus über die Hülftenschanz, die Schauenburgerflue, die Sissacherflue zu den Schlössern und Hochwachten des oberen Baselbietes. Die Signale wurden mittels Böllerschüssen und den angezündeten Holzhaufen übermittelt.
Durchgangsland Ergolztal
Der Blick von der Sissacherflue ist kein Rundumpanorama, sondern eröffnet sich vom Felssporn vorwiegend nach Süden und umfasst nur etwas mehr als einen Halbkreis. Direkt zu Füssen liegt das Ergolztal mit Sissach und dem damit zusammengewachsenen Zunzgen, dahinter liegen die Tafeln des Tafeljuras, die das Diegtertal einrahmen. Den Horizont bildet zumeist der Kettenjura mit einigen markanten Erhebungen wie der Belchenflue und der Hinteri Egg. Und nur bei klarer Luft und guter Sicht sind dahinter noch einige Gipfel der Alpenkette zu erkennen.
Man sieht hier die von Osten nach Westen verlaufenden Gebirgszüge, die als Hindernisse den Transitverkehr
auf der Nord-Süd-Achse behindern. Die Sissacherflue wacht so zu sagen über die wichtigsten Verkehrsströme durch die Region, die zugleich wichtige Transitachsen von europäischer Bedeutung sind. Der Jura als Schranke zwischen der Oberrheinischen Tiefebene und dem schweizerischen Mittelland und Italien lässt das Ergolztal bei Sissach zu einer Verkehrslandschaft werden, wo sich verschiedene Verkehrsrouten schneiden.
Saumpfade, Wege und Strassen
Das Ergolztal, das sich gegen den Rhein öffnet, erfüllte dank der Wegsamkeit und dank der guten Zugänglichkeit seiner Passsättel die Voraussetzungen eines Durchgangslandes. Die Verkehrswege folgten seit der Römerzeit dem Ergolztal, um dann über Waldenburg und den Oberen Hauenstein ins Mittelland zu gelangen. Im späten Mittelalter gewannen aber auch die beiden Juraübergänge Schafmatt und Unterer Hauenstein an Bedeutung. Beide Routen folgten dem Ergolztal unterhalb der Sissacherflue. Es handelte sich um Saumpfade und schlechte Wege, die oftmals im Bett der Bäche verliefen und immer wieder auch Anlass zu Beanstandungen gaben. Beim Unteren Hauenstein durchs Homburgertal kam es dann um 1550 bis 1580, später um 1740 und 1830 zu Korrektionen des Wegverlaufs. Zudem wurden im 19.Jh. Fortschritte im Strassenbau erzielt, indem Steigungen durch bessere Strassenführungen minmiert und die Strassenkörper verbreitert wurden.
Das Jahrhundert der Eisenbahn
Die Mitte des 19. Jh. gehörte der Eisenbahn, die in der Region Einzug hielt. 1855 erreichte die Zentralbahn von Liestal her Sissach. 1858 wurde die Linie durchs Homburgertal und den Hauensteintunnel bei Läufelfingen fertiggestellt. Es war der erste Juradurchstich. Die starke Steigung bis Läufelfingen war der Anlass, 1912 bis 1916 einen Hauenstein-Basistunnel in Angriff zu nehmen, der dann im Eital hinter Tecknau den Jura durchstiess. Die beiden Tunnels charakterisieren zwei Etappen der Tunneltechnik. Während zu Beginn des Tunnelbaus lieber höher gelegene, kurze Tunnels gebaut wurden, konnte man mit fortschreitender Bautechnik längere Basistunnels erstellen, die dank ihrer tiefen Lage dem Eisenbahnverkehr nur geringe Steigungen abverlangten. Mit den beiden bestehenden Tunnels ist die Nord-Süd-Achse heute vor allem im Güterverkehr an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Ein dritter Juradurchstich durch den Wisenberg ist projektiert, dürfte aber aus finanziellen Gründen kaum vor 2040 realisiert werden.
Das Jahrhundert des Autos
Der Aufschwung motorisierter Fahrzeuge brachte dann im 20 Jh. einen enormen Ausbau der Strasseninfrastruktur mit sich. Zwei Drittel aller Landstrassen wurden bis zum Zweiten Weltkrieg asphaltiert oder staubfrei gemacht, wie es damals hiess. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vorerst der Ausbau des Kantonsstrassennetzes vorangetrieben.
In den 1960er-Jahren begann die Zeit des Baus der Nationalstrassen, auch kreuzungsfreie Schnellstrassen, Hochleistungstrassen oder eben Autobahn genannt. Das Gebiet unterhalb der Sissacherflue war davon in doppeltem Masse betroffen. Einerseits durchstach die A2 von Arisdorf her den Brunneberg und überspannte westlich von Sissach das Ergolztal mit zwei je 250 Meter langen Betonbrücken. Danach führt sie beim Ebenrain für 350 Meter durch ein Stück Tafeljura und schlängelt sich dann weiter südwärts durchs Diegtertal. Andererseits folgt die kantonale Autostrasse H22 dem Ergolztal, quert bei Sissach die A2 und setzt sich durch den Chienbergtunnel bis nach Gelterkinden fort. Unmittelbar daneben befindet sich auch der Kreuzungspunkt der A2 und der Bahnlinie Basel – Olten, wo sich Verkehrsströme auf Schiene und Strasse von europäischer Dimension schneiden.
BE