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Meine Schreibfeder blieb wesentlich länger in Quarantäne als ich.
Monsieur Berset und sein Kollegium entliessen meine Geliebte und mich am Mittwoch, 12. Januar handstreichartig aus der Isolation, indem die Quarantänezeit per sofort von 10 auf 5 Tage verkürzt wurde.
Merci, mesdames et messieurs.
In der Silvesternacht stiess auch das Virus mit dem Ehepaar an.
Am Montagnachmittag, 3. Januar, besuchte wie gewohnt ein Stäbchen meine Nase, bevor ich meine Mutter im Altersheim besuchen konnte.
Negativ, tudo bem!
Am gleichen Abend fröstelte ich im Bett. Am Dienstag hatten meine Geliebte und ich Kopfschmerzen, vier Tage später das COVID-Zertifikat in Händen.
Herkules, unser Hauskater, war wahrscheinlich überrascht, dass er plötzlich 24 Stunden am Tag das Haus mit uns teilen musste.
Wir drei teilten unsere Reviere auf, pflegten die Kunst des Ausruhens vor dem ausgiebigen Schlafen und die Freude am Essen.
Mein Stapel von 6 ungelesenen Büchern verringerte sich auf 2, mein Internet-Konsum erhöhte sich markant.
Jetzt weiss ich, dass Njinga, die Königin von Ndongo und Matamba, Gebiete in der heutigen Republik Kongo, 40 Jahre lang erfolgreich den portugiesischen Kolonisatoren Widerstand leistete und die Freuden eines männlichen Harems genoss.
Je fitter Frau und Mann wurden, desto schwächer wurde unser Haustiger.
Es schmerzte uns zu sehen, wie der Tumor und Altersgebrechen ihn immer mehr auslaugten.
18 Jahre Zusammenleben schmiedeten liebevolle Bande, schufen Raum für wunderbare Momente, für die ich dankbar bin, Rituale und Gewohnheiten, welche jetzt nach seinem Ableben, auch von mir sehr vermisst werden.
Ich freue mich über die ersten frechen Schneeglöckchen und die hungrigen Spatzen in unserem Garten, auch über meinen ersten Text im Jahr 2022.
30. Januar 2022