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Der in seiner heutigen Ausdehnung verhältnismässig junge Platz, bildete bis zur Niederlegung der Befestigungen den südlichen Abschluss der Stadt innerhalb der inneren Stadtmauer. Er ist aber teilweise erst seit 1410, vollständig seit 1529 als öffentlicher Raum und Marktplatz bezeugt. In seiner heutigen Erscheinung wirkt der Barfüsserplatz sehr heterogen. Seine städtebauliche Qualität liegt vor allem in der topographischen Situation, im ansteigenden Verlauf der Platzfläche, die den östlichen Talhang des Birsigs heute noch sichtbar werden lässt. Dort liegt auch die dominante hochgotische Barfüsserkirche, die grösste Bettelordenskirche der Schweiz. Die der Kirche gegenüberliegende Staffelung der in alter Tradition stehenden Häuser bis hinauf zum burghaften Lohnhof wahrt als einzige Platzfront den Charakter der Altstadt. An der Nord- und Südseite hingegen wird der Platz von Bauten der 1930er- und 1950er-Jahre begrenzt.
Bauliche Entwicklung
Am Steinenberg, auf der Höhe der heutigen Theaterpassage, bog die Burkhard’sche Stadtmauer in nordwestliche Richtung ab und führte hinab zum Steg bei der heutigen Streitgasse. Auf der linken Birsigseite nahm sie vermutlich analog zur rechtsufrigen Seite einen schräg zum Birsig zielenden Verlauf, wodurch die Mauer eine Art Trichter bildeten. Im frühen 13. Jahrhundert ersetzte die am Steinenberg errichtete Innere Stadtmauer den trichterförmigen Einzug der vorherigen Mauer, wordurch die Stadt um das Gebiet des heutigen Barfüsserplatzes erweitert wurde.
1250 liessen sich die Franziskaner in jenem Gebiet nieder und erbauten in der Folge eine erste Kirche mitsamt zu ihrem Gebrauch dienlichen Gebäuden, die zwischen der Kirche und der Stadtmauer lagen. Chronikalischen Quellen ist zu entnehmen, dass das Hochwasser des Birsigs gelegentlich grosse Schäden am Kloster und auf dem Friedhof verursachte, so etwa 1339, als ganze Gräber und deren Inhalte in den Rhein geschwemmt wurden. Der Klosterbereich war mit einer Mauer umgeben, die vom Eselturm bis zur Nordwestecke der Kirche führte; ein Tor bei der Barfüsserbrücke bildete seit dem späten 13. Jahrhundert den Eingang zum Kloster. Bei dieser Brücke, die als Verlängerung der Lampartergasse (Streitgasse) über den Birsig führte, wurde im frühen 15. Jahrhundert die Obere School, eine Fleischhalle, errichtet, die nach ihrer Zerstörung durch ein Hochwasser 1529 nicht wieder aufgebaut wurde. Im gleichen Jahr wurden auch die Klostermauern abgebrochen und der Kirchhof mitsamt Garten umgestaltet, auf dem fortan Holz, später auch Kohle, gehandelt wurde.
Vermutlich ebenfalls 1529 wurde der Birsig auf der ganzen Länge des Platzes überwölbt; damit war jedoch die heutige Ausdehnung des Platzes noch nicht erreicht, denn die Klostergebäude entlang der Stadtmauer, die mit einer spitzen Ecke weit in den Platz hinein ragten, blieben bis 1820 bestehen (s. Bild). Die höchst malerische Häusergruppe diente seit der Reformation dem Almosenamt und dem nahe gelegenen Spital; auch waren die Knabenschule der St. Leonhardsgemeinde und seit 1604 die Mädchenschule von St. Martin in den Gebäuden untergebracht.
Auf dem Barfüsserplatz wurde spätestens seit dem Hochmittelalter auch Weinmarkt abgehalten. Schon früh wies der Platz Bäume auf, die unter anderem zur Schirmung des Weins dienten und als Randbepflanzung vor den Häuser bis ins frühe 19. Jahrhundert bestanden. Auch Schweinehändler schlugen bis 1851 regelmässig ihre Stände und Hurden auf, weshalb der Barfüsserplatz im Volksmund noch heute „Säuplatz“ oder „Seibi“ heisst.
Die Errichtung des Casinos 1821-1826 führte zum Abbruch des westlichen Stadtmauerabschnitts samt anstossenden Klostergebäuden, wodurch der Platz auf seine heutigen Dimensionen erweitert und zur Steinenvorstadt geöffnet wurde. Die nach Plänen von Christoph Riggenbach erbaute Anlage des Neuen Kaufhauses an der Stelle der übrigen Klostergebäude 1844-1846 veränderte das Aussehen des Barfüsserplatzes erneut. Um den Höhenunterschied zwischen den drei grossen Einfahrtstoren und den Ausfahrten am Steinenberg zu verringern, wurde das Niveau des Barfüsserplatzes angehoben und gegen die Streitgasse eine Stützmauer aufgeführt (s. Bilder). In den folgenden Jahrzehnten dominierte reger Frachtverkehr diesen öffentlichen Raum. Das durch das neue eidgenössische Zollgesetz von 1850 seiner eigentlichen Funktion enthobene, 1865 gänzlich aufgelöste Kaufhaus wurde 1874 abgerissen. An seine Stelle trat der Musiksaal von J.J. Stehlin d.J. als Erweiterungsbau des Casinos.
Der Barfüsserplatz übernahm von 1883 bis zum Bezug der Markthalle 1929 auch die Funktion eines Grossmarktplatzes für Obst und Gemüse. Die Barfüsserkirche dient seit dem Umbau von 1890-1894 als Historisches Museum. 1899 wurden die Schienen der seit 1895 durch die Innenstadt führenden Strassenbahnlinie in die Achse der neu erstellten Falknerstrasse verlegt. Die Tramgeleise und das Stationsgebäude bilden seither eine Zäsur zwischen dem der Kirche vorgelagerten Platz und der Fahrbahn entlang der westlichen Häuserzeile. 1936 wurde der Barfüsserplatz abgesenkt, durch eine Stützmauer vom Nibeau der Kirche abgetrennt und fand als Autoparkplatz Verwendung. Mit dem Bau der Barfüsserhofs (Nr. 6) und des neuen Sadtcasinos in den 1930er-Jahren erhielt der Platz eine neue Nord- und Südfront. Bei der Aufhebung des Parkplatzes und der Neugestaltung der Allmend im Jahre 1979 wurde die tiefer liegende Fläche mit dem Areal um die Kirche zu einer gestalterischen Einheit verbunden, wodurch der Barfüsserplatz seine eigentliche Funktion als Markt- und Messeplatz zurückerlangte.