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Homer und Hesiod glaubten an die traditionellen Götter; Heraklit, Xenophanes und Epikur hatten wenig Verwendung für sie. Parmenides glaubte, dass sich nichts wandelt, Heraklit, dass sich alles wandelt – nun ja, fast alles. Platon verachtete die Sinneserfahrung; Heraklit, die Stoiker und Epikur bejahten sie. Protagoras leugnete die Möglichkeit einer objektiven Erkenntnis, während Platon sie bejahte. Parmenides und Plotin glaubten, dass die Wirklichkeit eine vollkommene Einheit ist; Demokrit und Epikur glaubten, dass die Welt eine nicht reduzierbare Pluralität darstellt. Epikur riet den Menschen, die Politik zu meiden; die Stoiker ermutigten sie dazu. Die Tragiker und Stoiker waren Fatalisten, die Epikureer nicht.
… Aber die Griechen hatten viel gemeinsam. Zunächst einmal glaubte keiner von ihnen an den Gott der Bibel, trotz der bereits erwähnten Offenbarung Gottes an sie.
… Der Unglaube an den biblischen Gott bedeutete auch, dass der menschliche Verstand seine Arbeit ohne die Hilfe eines übergeordneten Geistes verrichten musste.
… Aristoteles glaubte auch an einen höheren Geist, den unbewegten Beweger: ein Wesen, dessen ganze Tätigkeit darin besteht, über seine eigenen Gedanken nachzudenken. Aber dieser Gott hat Aristoteles seine Gedanken nicht offenbart. Er ist vielmehr eine Hypothese von Aristoteles’ eigener Vernunft und damit ein Götze.
Um das Thema weiter zu fassen: Keiner der Griechen glaubte, dass die Welt von einem persönlichen, höchsten (absoluten) Wesen erschaffen und gelenkt wurde.
… Was die griechischen Philosophen von den griechischen Religionen und von anderen antiken Weisheitslehrern unterscheidet, ist ihr Beharren auf der Vorrangstellung der menschlichen Vernunft, die ich als rationale Autonomie bezeichnen werde. … Die Philosophen wollten … nichts auf der Grundlage der Tradition akzeptieren. … Obwohl die Philosophen in vielen Punkten uneins waren, stimmten sie alle darin überein, dass das gute Leben das Leben der Vernunft ist.
John Frame. A History of Western Philosophy and Thought. P & R: Philippsburg, 2015. S. 47-51
P. S. Ich erachte diesen Überblick über die westliche Ideengeschichte aus christlicher Weltsicht als die beste mir bisher bekannte. Hier habe ich sie ausführlich rezensiert.