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Schluchten berühmten ungestümen
Wildbach Durnand, der im Bezirk selbst entspringende und auf eine Strecke weit die Grenze
gegen den Bezirk
Saint Maurice bildende
Trient mit der
Eau Noire als beträchtlichstem Nebenfluss und der aus dem
Val d'Isérables
kommende
Wildbach Fara. Von N. gehen der
Rhone zu die die Grenze gegen den Bezirk Conthey
bildende Lozence und
die von den Eisfeldern am
Grand und Petit
Muveran kommende
Salence, die zwischen
Saillon und
Leytron durch eine tiefe
Schlucht
auf die
Ebene austritt. In der Rhoneebene selbst findet sich ein verzweigtes Netz von Entwässerungs- und Bewässerungskanälen
(vergl. den Art.
Martigny, Canaux de). Ehemalige Stücke des einstigen veränderlichen Rhonebettes sind
die
Sarvaz und der
Petit Rhône, die jetzt den Abfluss der beiderseitigen Altwasser vermitteln.
Die nahe beieinander gelegenen zwei Ortschaften
Martigny Ville und
Martigny Bourg haben sich lange Zeit die wirtschaftliche
Vorherrschaft streitig gemacht, die dieser Stelle des
Thales durch ihre geographische Lage von jeher zugekommen
ist. Dieser Kampf hat aber naturgemäss auch dazu beigetragen, den Aufschwung jedes der beiden Orte einigermassen zu hemmen.
Martigny Bourg hat infolge seiner günstigeren Lage zu den benachbarten Thalschaften bis heute den Montags-Wochenmarkt
beibehalten, während
Martigny Ville andererseits durch die Eisenbahn begünstigt erscheint und auch seine Bevölkerungsziffer
fühlbarer anwachsen sieht. An Bedeutung folgen sich im Bezirk
Martigny Landwirtschaft, Handel und Industrie.
Diese wird in erster Linie durch die Fabrikation von Obst- und Gemüsekonserven in
Saxon vertreten.
Martigny Bourg hat eine
Teigwarenfabrik, zwei Gerbereien, mehrere
Sägen etc. Steinplatten- und Schieferbrüche in
Saxon und
Leytron, Marmorbrüche
in
Saillon. Die in den Gemeinden
Bovernier,
Martigny Bourg und
Martigny Ville während der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts lebhaft abgebauten
Brüche auf Protogin sind jetzt beinahe aufgegeben. Verhältnismässig wenig bedeutend
ist die Fremdenindustrie, die noch eines grösseren Aufschwunges fähig wäre, da
Martigny der Sammelpunkt aller Touristen
ist, die die
Thäler von
Entremont,
Bagnes,
Ferret, Chamonix und
Trient besuchen.
Von Fremdenstationen sind zu nennen
Martigny Ville,
Martigny Bourg, die
Bäder von
Saxon, die
Tête Noire und
Trient. Die nicht
mehr auf Boden des Bezirkes liegenden Stationen
Chemin und Le
Len sind doch durch ihre Zufahrtswege auf ihn angewiesen. In,
landwirtschaftlicher Hinsicht nimmt der Bezirk
Martigny durch seine günstigen natürlichen Verhältnisse
und die daraus resultierende Mannigfaltigkeit seiner Produkte im Wallis
den ersten
Rang ein. Die bemerkenswert gut bewässerten grossen
Wiesen um
Martigny Ville und
Martigny Bourg sind die an Obstbäumen reichsten des ganzen Kantons und zeugen für die Pflege,
die die Bewohner und Behörden dem Landbau stetsfort angedeihen lassen. In gutem
Rufe stehen auch die
Weinberge von
Martigny,
Saxon,
Leytron und besonders von
Fully.
Dieser letztere, der an der wärmsten Stelle des Thales liegt, könnte noch weit bedeutender sein, wenn er nicht so stark zerstückelt wäre; da er zum grössten Teil Eigentum von Kleinbauern aus den Thälern von Bagnes und Entremont ist, zerfällt er in eine Menge von ganz kleinen Parzellen, die ausserdem noch zu einer richtigen Bearbeitung und Ausnutzung allzu weit vom Wohnort ihrer Besitzer entfernt liegen. Gute Weinberge haben ferner das am jenseitigen Gehänge des Rhonethales befindliche Charrat und das in einem Winkel des Dransethales geschützt gelegene Bovernier.
Schöne Wiesen in Charrat. Die Konservenfabrik zu Saxon besitzt ausgedehnte Felder. Baumschulen von Bollin. Landwirtschaftliche Schule Écône. Die Alpengemeinde Isérables führt Getreide aus. Es vereinigen sich im Bezirk Martigny und besonders in der Gemeinde Fully auf einer verhältnismässig kleinen Fläche überhaupt die klimatischen Bedingungen des nördlichen Europa und des mediterranen Frankreich, so dass wir hier nebeneinander den an einigen geschützten Stellen noch gut gedeihenden Maulbeerbaum, dann die Rebe und Kastanie, den Nussbaum, ferner Pfirsiche, Aprikosen, Spargeln, Birnen, Aepfel etc. finden, die alle Gegenstand eines beträchtlichen Ausfuhrhandels bilden.
Die Korrektions- und Kanalisationsarbeiten an der Rhone und die mit Verständnis angelegten Entwässerungskanäle, die meist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Angriff genommen worden sind, haben bereits einen grossen Abschnitt der Ebene derart urbar gemacht und gesundheitlich gehoben, dass man allmählig zu vergessen beginnt, wie sehr gerade die Ebene von Martigny seiner Zeit unter den Ueberschwemmungen durch die Hochwasser der Rhone und Dranse und unter den stagnierenden Altwassern mit dem ganzen daraus resultierenden Elend (Fieber, Epidemien, Kretinismus, Armut und Verzweiflung der Bewohner) gelitten hat.
Schon seit langer Zeit hat man die dem Sumpffieber am meisten unterworfenen Siedelungen entweder trocken gelegt und gesund gemacht oder aber verlassen. Die wenigen Dörfer, die heute noch keine Trinkwasserversorgung haben, werden bis in etwa 2 Jahren ebenfalls mit einer solchen versehen sein. Viehzucht und Milchwirtschaft treiben die Gemeinden Fully, Saxon, Leytron, Saillon, Riddes, Isérables, Bovernier, Martigny Combe und Trient. In den Gemeinden der Ebene findet sich noch in ziemlich umfangreichem Massstab Maultier- und Pferdezucht, die im Rhonethal seit 1902 auch vom Bund dadurch gefördert wird, dass er den Gemeinden Aigle, Martigny, Sitten und Turtman Zuchtesel aus dem Poitou zur Verfügung gestellt hat.
Die Viehstatistik ergibt folgende Resultate:
|1886||1896||1901|
|Rindvieh||6375||5660||6123|
|Pferde||477||399||458|
|Maultiere||-||-||247|
|Schweine||1902||3080||2110|
|Ziegen||3728||4412||3192|
|Schafe||4327||2717||2993|
|Bienenstöcke||600||728||863|
Den Bezirk Martigny durchzieht die Simplonbahn mit den Stationen Martigny, Charrat-Fully, Saxon und Riddes. Martigny Ville ist Kopfstation der neuen Eisenbahn Martigny-Vernayaz-Salvan-Finhaut-Châtelard (-Chamonix). Andere wichtige Verkehrszüge sind die der Rhone und der Simplonbahn parallel verlaufende Thalstrasse, die Poststrassen nach Bagnes und über den Grossen St. Bernhard, deren Stück Martigny-Grosser St. Bernhard-Aosta zu einer internationalen Verkehrsader sich zu entwickeln bestimmt ist, ferner die Alpenstrasse von Martigny über La Forclaz, die Tête Noire und den Col des Montets nach Chamonix.
Die beiden Rhoneufer sind durch die Brücken von Branson, Charrat-Fully, Saillon, Leytron und Riddes miteinander verbunden. Die Dörfer in der Ebene rechts der Rhone erinnern mit ihren zerfallenen Bauten und ihren oft von Weinlauben überrankten engen Gassen, die von keinem Fremden begangen werden, vielfach noch an ähnliche Siedelungen in Italien oder Spanien, und auch die sie untereinander verbindende Fahrstrasse führt uns noch einen Ueberrest der ehemaligen bald engen und holperigen, bald breiten und schlammigen Verkehrswege des Landes vor Augen.
Zahlreiche, aber meist nur wenig bekannte Gebirgspässe führen in die benachbarten Bezirke und Gebiete hinüber: neben den nach Chamonix leitenden Uebergängen der Forclaz, Tête Noire und des Col de Balme, der Croix du Cœur von Riddes und Isérables nach der Vallée de Bagnes, dem nach Champex hinaufführenden und in Bälde zu einer Fahrstrasse auszubauenden Chemin des Vallettes und endlich dem Col du Len zwischen Sembrancher und Saxon sind sie alle nur Uebergänge für Kletterer, als deren begangenster hier der Fussweg über die Frête de Sailles zwischen Leytron und dem Thal des Avançon (Bex) angeführt werden mag.
Der Bezirk Martigny besteht als solcher erst seit 1798 und wurde aus der ehemaligen Herrschaft gleichen Namens und einigen weiteren kleinen Herrschaften gebildet, von denen einige nach der Zeit der französischen Oberhoheit 1814-1815 wieder von ihm abgetrennt worden sind.