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„New Work“ ist ein Konzept, das eine neue Art des Arbeitens in einer zunehmend digitalisierten, vernetzten und flexiblen Arbeitswelt beschreibt. Im Rahmen von „New Work“ geht es darum, traditionelle Arbeitsstrukturen aufzubrechen und neue Arbeitsweisen zu fördern, die auf Selbstbestimmung, Flexibilität und Sinnorientierung basieren. Dies verlangt von den Menschen, die in diesen Strukturen mitgestaltend tätig sind, ein hohes Mass an Eigenverantwortung, Selbstreflexion und Fähigkeit zur persönlichen Entwicklung. Die Kerneigenschaft, um all dies auf einem hohen Level leisten zu können, ist emotionale Intelligenz.
Ein Artikel von Sigrid Goffin, Fachdozentin an der CLOVER Academy
Der Begriff der „Emotionalen Intelligenz“ geht auf Daniel Goleman zurück, der Emotionale Intelligenz in fünf Hauptkomponenten unterteilte: Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, Motivation, Empathie und soziale Fähigkeiten.
Grundsätzlich bezieht sich emotionale Intelligenz auf die Fähigkeit, die eigenen Emotionen und die anderer zu erkennen, zu verstehen, zu kontrollieren und angemessen darauf zu reagieren. Es umfasst auch die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Emotionen zu unterscheiden und sie in einem bestimmten Kontext zu nutzen.
Wichtig ist, dass emotionale Intelligenz zunächst mal bei mir selbst beginnt. Denn nur wenn ich fähig bin, emotional intelligent mit meinen eigenen Emotionen umzugehen, gelingt mir dies auch mit den Emotionen meines Gegenübers. Ja sogar noch mehr, nur dann ist es mir überhaupt möglich zu unterscheiden, welche Emotionen zu mir gehören und welche in den Verantwortungsbereich meines Gegenübers. Oder zu erkennen und sich bewusst zu machen, dass alle Emotionen, die ich erfahre, vom Gegenüber nur ausgelöst aber nicht verursacht werden.
Die Voraussetzung für all dies ist Bewusstheit, denn nur wenn mir meine eigenen Muster und Emotionen bewusst sind, kann ich beginnen, diese zu steuern und für mich zu nutzen.
Emotionale Intelligenz im Beruf: Vom privaten Ärger zur professionellen Gelassenheit
Angenommen, du bist Führungskraft in einem Unternehmen. Morgens, bevor du zur Arbeit gehst, streitest du dich mit deinem/r Partner/in. Du bist wütend, weil du dich nicht respektiert oder ungerecht behandelt fühlst. Im Betrieb angekommen, begegnest du einem/einer dir unterstellten Mitarbeitenden, der/die eine Kleinigkeit tut oder sagt, die dir nicht gefällt. Du reagierst emotional und wirst vielleicht ausfallend oder überreagierst in Anbetracht der Situation. Hättest Du die entsprechende Bewusstheit und emotionale Intelligenz, könntest Du Dich auf dem Weg zur Arbeit beruhigen, Dich gegebenfalls positiv motivieren und dem/der Mitarbeitenden mit der entsprechenden Professionalität und Gelassenheit begegnen. Dir wäre bewusst, dass dein/e Mitarbeitende/r nichts dafür kann, dass dein Tag im privaten Umfeld nicht gut begonnen hat.
Emotionale Intelligenz und psychologische Sicherheit sind eng miteinander verbundene Konzepte, die beide eine wichtige Rolle im Arbeitskontext spielen. Während emotionale Intelligenz die Fähigkeit einer Person beschreibt, Emotionen zu erkennen, zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren, bezieht sich psychologische Sicherheit auf das Gefühl eines Mitarbeiters, dass er sich frei fühlen kann, sich selbst zu äußern, Risiken einzugehen und Ideen vorzuschlagen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben.
Empathie und Verständnis
Emotionale Intelligenz beinhaltet Empathie, was die Fähigkeit ist, die Emotionen und Perspektiven anderer zu verstehen. Eine Person mit hoher emotionaler Intelligenz ist in der Lage, sich in die Lage anderer zu versetzen und ihre Gefühle zu berücksichtigen. Dies trägt dazu bei, eine Atmosphäre psychologischer Sicherheit zu schaffen, in der die Mitarbeitende sich verstanden, respektiert und in ihrer Befindlichkeit ernst genommen fühlen.
Kommunikation und Konfliktlösung
Emotionale Intelligenz befähigt Menschen, adressatengerecht zu kommunizieren. Eine offene und respektvolle Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil psychologischer Sicherheit, da die Mitarbeitenden ihre Gedanken und Bedenken frei äußern können, ohne Angst vor Kritik oder Ablehnung zu haben.
Darüber hinaus erhöht emotionale Intelligenz die Fähigkeit zur Konfliktlösung, in dem sie Verantortung für den Eigenanteil an Konflikten erkennen und übernehmen und ein lösungsorientiertes und deeskalierendes Konfliktverhalten an den Tag legen.
Selbstbewusstsein und Selbstregulierung
Emotionale Intelligenz beinhaltet vor allem Selbstbewusstheit und Selbstregulierung. Dadurch ist es den Mitarbeitenden möglich, sich auch in emotionalen Situationen so zu verhalten, dass sich alle sicher fühlen, ihre Meinungen zu vertreten und Risiken einzugehen. Wenn Mitarbeitende sich ihrer eigenen Stärken und Schwächen bewusst sind und in der Lage sind, ihre Emotionen zu kontrollieren, sind sie eher bereit, sich aktiv an Diskussionen zu beteiligen und innovative Ideen vorzuschlagen.
Vertrauen und Zusammenarbeit
Eine Atmosphäre psychologischer Sicherheit basiert auf Vertrauen und Zusammenarbeit. Emotionale Intelligenz fördert zwischenmenschliche Beziehungen und hilft dabei, Vertrauen aufzubauen und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaffen. Mitarbeitende, die sich gegenseitig vertrauen und unterstützen, sind eher bereit, ihre Ideen zu teilen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Auch haben sie weniger Scheu, Ängste oder Unsicherheiten mitzuteilen, da sie keine Angst vor negativen Konsequenzen haben müssen. Dadurch wird Demotivation oder sogar individuellen Burn-Out Situationen vorgebeugt.
Insgesamt sind emotionale Intelligenz und psychologische Sicherheit zwei wichtige Aspekte einer gesunden und produktiven Arbeitsumgebung. Indem Organisationen die Entwicklung emotionaler Intelligenz fördern und eine Kultur der psychologischen Sicherheit schaffen, können sie ein Umfeld schaffen, in dem Mitarbeiter ihr volles Potenzial entfalten können und Innovation und Zusammenarbeit gefördert werden.
Ungünstige Umgebung
Ein Umfeld, das von negativen Emotionen, Konflikten oder einem Mangel an Unterstützung geprägt ist, kann die Entwicklung emotionaler Intelligenz behindern. Wenn Menschen in einem Umfeld aufwachsen oder arbeiten, in dem ihre eigenen Emotionen keinen angemessenen Raum finden oder es sanktioniert wird, diese auszudrücken, kann dies ihre Fähigkeit beeinträchtigen, emotionale Signale zu erkennen und zu interpretieren.
Mangelnde Selbstreflexion
Emotionale Intelligenz erfordert Selbstreflexion und Selbstbewusstheit. Menschen, die sich nicht die Zeit nehmen, über ihre eigenen Emotionen nachzudenken und sie zu verstehen, können Schwierigkeiten haben, ihre emotionale Intelligenz zu entwickeln. Sie bleiben möglicherweise in alten Verhaltensmustern stecken und können nicht wachsen, da ihnen diese Muster entweder nicht wirklich bewusst sind oder weil sie nicht glauben bzw. über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen, diese zu ändern.
Glaubenssätze
Glaubenssätze, die einschränkender oder behindernder Natur sind, können ebenfalls die Entwicklung der emotionalen Intelligenz erschweren. Sei es, dass ich glaube, dass die erlernten Verhaltensmuster unveränderbar sind oder dass das zwar theoretisch machbar ist, aber für das Individuum aus verschiedenen Gründen persönlich nicht. Glaubenssätze haben eine sehr große Macht, da sie bereits sich bereits im frühen Lebensalter manifestieren können, häufig eher unbewusst sind und nicht hinterfragt werden.
Geringes Interesse an anderen
Empathie ist ein wichtiger Bestandteil emotionaler Intelligenz, der es Menschen ermöglicht, die Emotionen anderer zu erkennen und zu verstehen. Wenn jemand wenig Interesse an anderen hat oder sich nicht die Zeit nimmt, sich in ihre Perspektiven hineinzuversetzen, kann dies die Entwicklung von Empathie behindern. Empathie wird auch getragen von Respekt und Wertschätzung. Wenn jemand diesen gegenüber Menschen, die anders denken oder empfinden oder aus anderen kulturellen Kontexten stammen, nicht wahrhaft empfindet, wird es schwierig, sich diesen gegenüber empathisch zu verhalten.
Mangelnde emotionale Regulation
Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Emotionen zu regulieren und impulsive Reaktionen zu kontrollieren, können Probleme bei der Entwicklung emotionaler Intelligenz haben. Emotionale Überreaktionen oder ein Mangel an Selbstkontrolle können die zwischenmenschlichen Beziehungen belasten und die Fähigkeit zur Empathie beeinträchtigen. Auch hier ist der Grad der Bewusstheit, der Glaube an alternative Wege und die entsprechenden Fähigkeiten entscheidend.
Kognitive Verzerrungen
Bestimmte Denkmuster und kognitive Verzerrungen, wie beispielsweise Schwarz-Weiß-Denken oder das Überdramatisieren, können die Fähigkeit zur emotionalen Intelligenz beeinträchtigen. Diese Denkmuster können die Wahrnehmung von Emotionen verzerren und es schwierig machen, die Situationen angemessen zu bewerten und in den entsprechenden Kontext zu setzen.
Mangelnde Selbstdisziplin
Emotionale Intelligenz erfordert auch Selbstdisziplin und die Fähigkeit, sich auf Ziele zu konzentrieren, auch wenn es schwierig ist. Die Entwicklung emotionaler Intelligenz ist ein (lebenslanger) Prozess, der neben Bewusstheit Disziplin und Konsequenz erfordert. Auch Resilienz ist wichtig, um mich von Misserfolgen oder Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen, sondern meine persönliche Weiterentwicklung konsequent weiterzuverfolgen.
In einer zunehmend komplexen und vernetzten Arbeitswelt ist emotionale Intelligenz ein Schlüsselfaktor für persönlichen und beruflichen Erfolg. Sowohl für Mitarbeitende als auch für Führungskräfte ist die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen, zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren, entscheidend für eine positive Arbeitsumgebung und eine erfolgreiche Karriere. Unternehmen, die die Bedeutung emotionaler Intelligenz erkennen und fördern, können langfristig von einer verbesserten Mitarbeitendenzufriedenheit, höherer Produktivität und einer stärkeren Wettbewerbsfähigkeit profitieren.
Referenzen
Goleman, Daniel (2011). „Emotionale Intelligenz“. Dt. Taschenbuch-Verlag, 2011
Laloux, Frederic: „Reinventing Organizations: Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit.“ Vahlen, 2015.