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Eigentlich müsste Peter Beck (51) der Schweizerischen Post dankbar sein, dass sie seinen Job in der Geschäftsleitung der Briefpost wegrationalisiert hat. Denn als man dem ausgebildeten Organisationspsychologen 2008 einen anderen Job anbot, entschied er sich für die Abgangsentschädigung – und für den Schritt in die Unabhängigkeit als Krimiautor. Nach zehn Jahren Universität und zehn Jahren Staatsunternehmen.
«Damals hatte ich mit dem Manuskript von ‹Söldner des Geldes› angefangen», sagt der Stadtberner, der wöchentlich einen Krimi verschlingt und John le Carré als Vorbild nennt. «Ich wusste beim Weggang nicht, ob meine Selbständigkeit funktionieren würde. Aber ich wollte mich nicht verrückt machen lassen und endlich ein spannendes Buch schreiben. Diesen Wunsch hatte ich, seit ich lesen konnte.»
Schreiben als schweisstreibender Marathon
Plötzlich verfügte das einstige Geschäftsleitungsmitglied über reichlich Zeit. Innert weniger Wochen schrieb Beck 100 Seiten seines Erstlings. Im Wirtschaftsthriller stürzt ein Helikopter mit einem superreichen Scheich im Gebirge ab. Der ist Kunde einer Privatbank, und deren Sicherheitschef, Tom Winter, stösst bei seinen Nachforschungen auf eine Intrige von Finanzhaien.
Beck gab das Manuskript seiner Lebenspartnerin Elizabeth Steele (48) zum Lesen, die Englisch unterrichtet und übersetzt. Die Anglistin meinte, die Geschichte sei Stoff für ein richtiges Buch. «Dann schrieb ich den Thriller fertig. Elizabeth ist meine härteste Kritikerin. Wenn sie sagt, eine Passage funktioniere nicht, wird sie gelöscht.»
Das Bücherschreiben bestehe zu 99 Prozent aus Schweiss und Fleiss und erinnere ihn an einen Marathon, den er 1998 in Manchester gelaufen sei. Mit dem Erstling war er mehrere Jahre lang beschäftigt; er straffte die Handlung, strich ganze Kapitel, feilte an der Sprache. Heute schreibt Beck durchschnittlich drei bis vier Seiten pro Tag, am liebsten morgens ab acht Uhr. «Nach sechs Stunden Schreiben bin ich fast tot. Aber es ist spannend, Welten zu erschaffen.»
Am meisten Zeit investierte er in die Entwicklung seines Helden Tom Winter. Der Schriftsteller wollte eine einzigartige Figur schaffen – keinen Inspektor, keinen Detektiv und keinen gescheiterten Typen, wie man sie aus anderen Büchern kennt. In der Kunstfigur Tom Winter fänden sich keine autobiografischen Bezüge: «Ich war nie bei einer Bank angestellt, habe nichts mit Waffen zu tun, und im Gegensatz zu Winter, der ein harter Mensch ist, bin ich eher introvertiert.» Die einzige Gemeinsamkeit sei, dass sie den schwarzen Gürtel im Judo tragen. Doch Beck musste die japanische Kampfsportart inzwischen aufgeben, «weil mir alles wehtut; beim Schreiben habe ich mir eine Sehnenscheidenentzündung und eine Schultersteife geholt – das ist Berufsrisiko». Sogar das Treppensteigen schmerze.
Inzwischen sind vom Erstling «Söldner des Geldes» rund 6000 Exemplare verkauft worden. Wie oft sein 2017 erschienenes Zweitwerk «Korrosion» über den Ladentisch gegangen ist, weiss Peter Beck nicht. In dem 352-Seiten-Roman stöbert Tom Winter auf den Azoren, in Manchester und Nürnberg die Nachkommen einer Millionenerbin auf.
Pro verkauftes Buch erhält Beck rund 80 Rappen. «Vom Bücherschreiben werde ich nicht reich. Auch für Lesungen werde ich nur mit ein paar hundert Franken entschädigt. Ich lebe zu 90 Prozent davon, dass ich zusammen mit meinen Partnern Firmen helfe, ihre Unternehmenskultur weiterzuentwickeln und Reorganisationen durchzuführen», erklärt der Unternehmensberater.
Die Sexszenen wurden getilgt
Vor einem Meilenstein, wie er sagt, steht er jetzt als Schriftsteller: Sein Erstling wird im Frühling auf Englisch erscheinen, beim Verlag One World. Dies ist bisher nur wenigen Schweizer Krimiautoren gelungen, etwa Martin Suter und Jonas Lüscher. Der Londoner Verlag hat zwei Mal in Folge, 2015 und 2016, den Man-Booker-Literaturpreis erhalten, eine Art Pulitzer. Eine Ehre, die bisher noch keinem Verlag widerfahren ist.
Die englischsprachige Fassung von «Söldner des Geldes» befinde sich derzeit in der vierten Version. «Die Engländer haben mir alle Sexszenen herausgestrichen. Jetzt bin ich am Korrekturlesen der Korrekturen. Der Prozess ist brutal zähflüssig.» Normalerweise brauche er ein halbes Jahr Schreibarbeit für ein Buch und ein weiteres Jahr für den Weg vom Manuskript zum Buch.
An der Frankfurter Buchmesse im Oktober warb Peter Becks Agentin für sein drittes Werk. «Europas Antwort auf John Grisham», wie der Verlag seinen Autor preist, sagt: «Die Buchstabenproduktion des dritten Buchs ist de facto abgeschlossen, aber ich feile noch am Ende herum. Ich peile 450 bis 500 Seiten an. Es ist abermals ein internationaler Thriller, der je zur Hälfte in der Schweiz und im Ausland spielt.» Eins steht jedoch bereits fest: Es gibt ein Wiedersehen mit Tom Winter.