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| Hieronymus († 420) - Dialog gegen die Pelagianer (Dialogi contra Pelagianos libri III)

I. Buch
7.
A. Ich schäme mich nicht, nicht zu wissen, was ich nicht weiß. Aber ehe die Erörterung ihren Fortgang nehmen kann, müssen wir beide uns darüber einigen, was für einen Sinn die Frage hat, über welche wir jetzt streiten.
C. Ich behaupte: "Wer an einem Tage sich der Sünde enthalten kann, kann es auch am zweiten; wer es an zwei Tagen vermag, ist dazu auch imstande an dreien; wer es an dreien fertig bringt, kann es auch an dreißig. Dies ist weiter möglich bis zu dreihundert und dreitausend Tagen, ja solange, wie einer überhaupt will".
A. Sage also einfach, der Mensch könne in Ewigkeit ohne Sünde bleiben, wenn er nur wolle! Können wir also alles, was wir wollen?
C. Keineswegs. Denn ich kann nicht alles, was ich will. Nur dies eine behaupte ich, der Mensch kann ohne Sünde sein, wenn er will.
A. Gib mir nun, bitte Antwort: "Hältst du mich für einen Menschen oder für ein Tier?"
C. Wenn es für mich einem Zweifel unterliegen würde, ob du ein Mensch oder ein Tier bist, dann würde ich ja mich selbst ein Tier nennen.
A. Wenn ich nun nach deinem Zugeständnis ein Mensch bin, wie kommt es denn, daß ich sündige, obwohl mein Wille und mein heißes Streben dahin geht, nicht zu sündigen?
C. Weil der Wille unvollkommen ist. Denn wenn du ernstlich wolltest, würdest du in der Tat nicht sündigen.
A. Bist du denn, der du mich beschuldigst, nicht ernsthaft zu wollen, ohne Sünde, weil du ernsthaft willst?
C. Spreche ich denn, der ich mich als Sünder bekenne, von mir, oder nicht vielmehr von wenigen und seltenen, wenn es überhaupt solche gibt, die wirklich nicht sündigen wollen?