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RESTAURIERUNGSBEISPIEL:
Es handelt sich um eine Geige von Charles-François Gand, genannt „Gand Père“. Bei einer lange zurückliegenden Restaurierung wurde ein Stimmstockdurchbruch in der Decke versorgt. Jetzt sind viele alte Risse deutlich zu sehen und manche offen. Es lohnt sich eine neue Restaurierung auszuführen, sodass der Zustand dieser schönen Geige sich nicht verschlechtert. Im Folgenden werde ich eine Restaurierungsmöglichkeit der Decke beschreiben (es gibt bestimmt andere Möglichkeiten), die diese Stelle des Stimmstockes betrifft.
Das Instrument wird geöffnet und ein Gipsabdruck von der Decke hergestellt. Der Gipsabdruck wird zum Ausgleich kleiner Unregelmäßigkeiten in der Wölbung korrigiert. Die großen Unregelmäßigkeiten lasse ich, um das Instrument klanglich nicht zu destabilisieren (mit nur einem Stimmfutter würde es sowieso nicht halten).
Dann wird das alte Stimmstockfutter entfernt. An der Stelle, die uns interessiert, befinden sich ein paar Risse und viele kleine originale und nichtoriginale Holzstücke. Sie werden mit heißem Wasser gewaschen. Dabei lösen sich diese kleinen Fichtenstücke von der Decke ab. Erst werden die Risse wieder angepasst und geleimt und dann die noch verwendbaren Fichtenstücke (auf jeden Fall die originalen). Aufgrund von fehlendem Material entsteht ein großes Loch in der Decke.
STIMMSTOCKDURCHBRUCH (DECKE)
Durch das Entfernen des Futters ist die Decke sehr dünn (ein paar Zehntel Millimeter). Ich passe und leime ein dünnes Futter an (von innen natürlich), um das Ganze zu stabilisieren und die Weiterarbeit zu ermöglichen.
Um das Problem des Holzmangels zu lösen, entnehme ich mit einem Hohleisen einen Span von der Deckeninnenseite ein bisschen oberhalb der schadhaften Stelle. Dadurch weist der Span die gleichen Merkmale wie das Holz oben und unten auf (gleiche (sogar selbe) Jahresringe, gleiche Farbe). Er wird auf eine Holzlamelle geleimt, um ihn zu versteifen.
Da, wo ich den Span entnommen habe, fehlt Holz. Daher passe ich einen anderen Fichtenspan von gleicher Art an und leime ihn.
Jetzt schneide ich an der Stelle des Holzmangels durch mein provisorisch angebrachtes Futter. An zwei Seiten folgt der Ausschnitt den Jahresringen, an den zwei anderen ist er rechtwinklig dazu. Die Seiten, die den Jahresringen folgen, sind senkrecht und die zwei anderen Seiten (Stirnholz) im Schwalbenschwanz, sodass ich dann den neuen Span von innen anpassen kann. Nach dem Anpassen wird er geleimt. Anschließend wird die äußere Fläche mit einer Ziehklinge an die Deckenform angeglichen. Schließlich kann ein neues Stimmstockfutter angefertigt werden.
Nachdem der Rest der Holzarbeit der Restaurierung (u.a. andere Risse, Ränder) fertig ist, kann die Decke wieder auf den Zargenkranz aufgeleimt und die Lackretusche durchgeführt werden.