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Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr zum ersten Mal an eine Muslimin, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzt, an die iranische Anwältin Schirin Ebadi.
Sie äusserte nach der Entscheidung des Nobelkomitees in Oslo am letzten Freitag die Hoffnung, dass der Preis einen positiven Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung in ihrem Land haben werde.
Das Nobelkomitee erklärte in seiner Würdigung, in ihrem Engagement insbesondere für Frauen und Kinder habe sich die 56-jährige Juristin und Autorin auch von Drohungen nicht erpressen lassen.
Schirin Ebadi sei in einer Zeit der Gewalt stets für Gewaltfreiheit eingetreten. Das Nobelkomitee würdige "eine Frau, die Teil der muslimischen Welt ist und auf die diese Welt stolz sein kann - zusammen mit allen, die für die Menschenrechte eintreten, wo immer sie auch leben".
Ebadi wurde von der Nachricht überrascht, als sie sich nach einer Konferenz in Paris gerade auf die Heimreise vorbereitete. "Als Oslo angerufen hat, war es ein Schock", sagte sie.
"Und dann war ich sehr glücklich und froh." Der Friedensnobelpreis gehöre nicht nur ihr, sondern "allen Menschen, die für Menschenrechte in Iran arbeiten".
Vor Journalisten fügte sie hinzu, sie könne keinen Widerspruch zwischen Islam und Menschenrechten erkennen. "Daher sollten auch die Religiösen diesen Preis begrüssen." Mit Blick auf den wachsenden internationalen Druck auf Iran aufgrund des weiter vorangetriebenen Atomprogramms sagte Ebadi: "Als Menschenrechts-Aktivistin bin ich gegen Kriege und Konflikte."
Erste Richterin in Iran
Nach ihrem Jura-Studium in Teheran war Ebadi von 1975 bis 1979 die erste Richterin Irans, wie ihr Mann bestätigte; sie war damals am Stadtgericht Teheran tätig.
Nach der islamischen Revolution von 1979 musste sie aus dem Gericht ausscheiden. Seitdem wirkte sie als Anwältin, Dozentin an der Universität Teheran sowie als Autorin gesellschaftskritischer Bücher.
Im Sommer 2000 war sie in Zusammenhang mit einem kritischen Dokumentarfilm drei Wochen inhaftiert. Eine offizielle Stellungnahme der Regierung auf den Nobelpreis gab es denn auch nicht.
Die fünf Mitglieder des Nobelkomitees, die vom norwegischen Parlament berufen wurden, blieben mit der Wahl Ebadis ihrem Ruf treu, auch den Mut zu überraschenden Entscheidungen zu haben.
swissinfo und Agenturen