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Kriegstraumata, wirtschaftliche Probleme und eine hohe Arbeitslosigkeit manifestieren sich immer häufiger in Form von Gewalt in der Familie als sogenannte sekundäre Kriegsfolgen. Im Therapie-Zentrum der Partnerorganisation Vive Zene in Tuzla werden pro Jahr etwa 450 betroffene Frauen und Kinder stationär oder ambulant behandelt. Ziel der Therapie ist es, dass die Frauen eine Lebensperspektive entwickeln und die Verantwortung für ihre Kinder übernehmen können.
Die Klientinnen sind primär direkte Opfer der Gewalt, gleichzeitig oft aber auch Kinder und Familienmitglieder von Kriegs- oder Folteropfern. Ungelöste Traumata, die mit dem Krieg zusammenhängen, betreffen auch die Jugend, welche erst nach dem Krieg geboren wurde (transgenerationelles Trauma).
Das Therapieangebot steht auch der Bevölkerung und intern Vertriebenen sowie Rückkehrern offen. Im Rahmen der Gemeindearbeit in den Gebieten rund um Srebrenica und dem Brcko Distrikt wird insbesondere an der kollektiven Heilung, am Wiederaufbau von sozialen Netzwerken und der Übernahme von Verantwortung als Mitglieder einer Gemeinschaft gearbeitet. Der Versöhnungsarbeit zwischen Bosniaken, Serben und Kroaten wird eine hohe Priorität eingeräumt. Neben Frauen und Kindern sind hier auch ehemalige Lagerhäftlinge und demobilisierte Soldaten die Zielgruppen.
Nachhaltiger Frieden ist nur möglich, wenn das Schweigen gebrochen wird und die Opfer anerkannt werden. Die Überwindung der Probleme der Vergangenheit ist nicht nur davon abhängig, wie sich politische und wirtschaftliche Strukturen verändern, sondern auch davon, wie sich die Gesellschaft um die verwundbarsten Mitglieder kümmert.