Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03522.jsonl.gz/1496

Bei der Schizophrenie handelt es sich um eine in Schüben verlaufende oder seltener um eine permanente Störung des Denkvermögens. Sie ist das Musterbeispiel einer Psychose und wird vielerorts auch heute noch als etwas Unheimliches empfunden – gerade weil die Angehörigen und das Umfeld sich nicht in die Gedankenwelt des Kranken einfühlen können.
Der Begriff Schizophrenie, übersetzt mit „Spaltungsirresein“, wurde 1911 von Eugen Bleuler, Psychiatrieprofessor in Zürich, geprägt. Als typische Kennzeichen der Erkrankung erkannte Bleuler mangelhafte Einheit oder Zersplitterung des Denkens, Fühlens und Wollens und des subjektiven Gefühls der Persönlichkeit.
Schizophrenie ist nicht oder nur teilweise auf eine von aussen einwirkende Ursache oder organische Hirnerkrankung zurückzuführen, weshalb man von einer „endogenen Psychose“ spricht. Die Krankheit beginnt meist im jüngeren Erwachsenenalter, sie betrifft Männer und Frauen gleichermassen.
Die genauen Ursachen sind immer noch unbekannt. Ebenso wenig kennt man die Mechanismen, aufgrund derer sich das schizophrene Denken abspielt. Ein Zusammentreffen verschiedener Faktoren wird vermutet.
Die Schizophrenie zeigt bei mehr als der Hälfte der Erkrankten einen Verlauf in „Schüben“, so dass nach einer akuten Phase ein monate- oder jahrelanges gesundes Intervall folgt. Seltener ist die Krankheit schleichend-progressiv mit unten genannten Symptomen und kontinuierlichem, immer stärkerem Rückzug aus zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie kann dann zur Invalidität, selten auch zu dauerndem Spitalaufenthalt führen.
Bisweilen bleibt es bei einem einmaligen Schub, und die Erkrankten bleiben danach weiter in ihr soziales Umfeld integriert.
Symptome der Schizophrenie zeigen sich nicht nur in der Gedankenwelt des Kranken, sondern auch in Verhaltensmustern. Einzelne Symptome können gegenüber dem als normal empfundenen Verhalten und Denken ein Zuviel an psychischer Aktivität (Verfolgungsideen, Halluzinationen), oder ein Zuwenig (Gefühlsarmut, Starre, Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, Apathie) beinhalten. Je nachdem handelt es sich in der Sprache der Psychiatrie um eine Plus- oder Positivsymptomatik oder um eine Minussymptomatik.
Das Auftreten eines Einzelsymptoms genügt nicht für die Diagnose, denn es gibt keine Krankheitszeichen, die ausschliesslich bei Schizophrenie vorkommen. Wesentliche Merkmale sind nachstehend angeführt, wobei diese jeweils unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
Sie sind wesentliche Merkmale der schizophrenen Symptomatik und umfassen:
Das Denken schwankt zwischen gegensätzlichen Wahrnehmungen, Wünschen und Absichten, so dass kein rationaler Entscheid möglich ist.
Eine Form von Verlust- oder Minussymptomatik. Man versteht darunter den Rückzug in eine private Eigenwelt, in deren Gedankenvorgänge und Empfindungen andere Personen sich weder einfühlen können noch Zugang haben. Der Patient selbst versteht seine Umwelt aber auch nicht und er kann sich nicht adäquat ausdrücken. Für ihn bedeutet dies Kontaktverlust und Isolation gegenüber seiner sozialen Umgebung.
Sie bestehen in nicht nachvollziehbaren Reaktionen auf Vorgänge in der Umgebung, es resultiert ein unangemessenes Verhalten: unpassendes Lachen oder Weinen kindliches, albernes oder aggressives Benehmen. Mitunter kommt es zum Verlust der Gesellschaftsfähigkeit.
Sie werden auch als katatone Symptome bezeichnet und umfassen
Da Betroffene oft nicht realisieren, dass etwas „nicht stimmt“, kommt den Angehörigen eine wichtige Rolle in der Betreuung zu. Diese umfasst auch die Kontrolle der regelmässigen Medikamenteneinnahme, denn das sorgfältige Einhalten des Behandlungsplans ist wichtig, um einem Rückfall vorzubeugen.
Im Rahmen der Therapie werden Angehörige und Patienten geschult, die Anzeichen eines erneuten Krankheitsschubs zu erkennen und den Arzt rechtzeitig beizuziehen („Psychoedukation“).
Die Diagnose ist durch einen Facharzt zu stellen, schon wegen der folgenschweren Konsequenzen für die Betroffenen und ihre Umgebung. Krankheitseinsicht fehlt zumeist, so dass Angehörige sich um den Beizug des Arztes kümmern sollten. Aufgrund von Gesprächen mit dem Patienten und seinen Angehörigen lässt sich die Diagnose stellen, wobei als Voraussetzung gilt, dass die Symptome länger als einen Monat andauern. Psychologische Tests und apparative Untersuchungen dienen überwiegend dem Ausschluss einer anderen, gegebenenfalls einer organisch bedingten, psychischen Erkrankung.
Die Behandlung beruht auf dem psychotherapeutischen Gespräch, ausserdem auf modernen antipsychotisch und antidepressiv wirkenden Medikamenten, die in der Regel langfristig einzunehmen sind. Beschäftigungs-, Arbeits- und andere Therapien sind geeignet, soziale Fähigkeiten zu erhalten.