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Als Esoterik bezeichne ich eine "geschlossene, geheime" Lehre. Die Geschlossenheit bezieht sich weder auf die Inhalte der Lehre noch auf die Anhängerschaft der Lehre, sondern auf deren subjektiv zu realisierend Reinheit, also auf ein commitment der Anhänger: Jeder Mensch darf eintreten, aber nur solche, die es wirklich tun.
Beispiele (Selbst- und Fremdreferenz):
die antroposophische Lehre von R. Steiner bezeichnet sich selbst als esoterisch
die Relativitätstheorie (A. Einstein) wird von aussen als esoterisch bezeichnet, weil sie nur nachvollziehbar ist unter der Voraussetzung einer gesetzten maximalen Geschwindigkeit.
Energie hat in der Physik eine objektive, äussere, also exoterische und in der Psychologie eine subjektive, innere, also esoterische Form.
Ein verbreitetes Alltagsverständnis aus dem Esoterik-Lexikon:
Bezeichnung für eine Lehre oder Geheimlehre, die für Aussenstehende nicht bestimmt war und nur einem ausgewählten Kreis von Menschen zugänglich sein sollte. Solche Gemeinschaften zeichnen sich durch mehrere übereinstimmende Merkmale aus.
Tradition: Die Lehren und die in der Gemeinschaft praktizierten Rituale, die gleichsam in einer Kette von Meister zu Meister über Jahrhunderte hinweg überliefert wurden, haben eine mystische Person als Urheber.
Arkandisziplin oder Pflicht zur Geheimhaltung: Das Schweigen über alles Gehörte und Gesehene war ursprünglich ein Wesensmerkmal der Esoterik.
Initiation oder Einweihung: Der Aufnahme in eine esoterische Gruppe geht eine Zeit der Prüfung bzw. Selbstprüfung voraus, in welcher der Neuling unter Leitung eines Meisters oder Gurus und abgeschirmt von seiner bisherigen Umgebung das Wissen der Gemeinschaft und ihr Mysterium gefühlsmässig und persönlich erleben soll. In dieser Probezeit muss sich der Neuling (Neophyt) unter Umständen gewissen Praktiken wie Fasten, Schlafentzug, Trance unterziehen oder sogar Drogen einnehmen, um Visionen zu erleben. Die Initiation kann auch als ein Läuterungsprozess verstanden werden, nach deren Schluss der Neuling sich als ein „Neugeborener“, „Erwachtet“ oder „Sehender“ fühlt.
Instruktion oder Belehrung: Der Initiierte wird nun von seinem Meister mit den letzten Geheimnissen der Lehre vertraut gemacht.
Ritus oder symbolhaftes Handeln: Die Praktiken einer esoterischen Gemeinschaft verbergen hinter ihrer äusseren Form einen inneren Sinn, der nur den Eingeweihten verständlich ist.
Die Hauptquellen der traditionellen Esoterik sind die Weisheitslehren des Ostens (Hinduismus, Buddhismus etc.) und des Westens, die bis zu den Griechen zurückreichen (Gnosis, Kabbala, Mystik). Aber auch Stämme in Ozeanien (Kahuna), Afrika und die Ureinwohner Süd- und Nordamerikas (Indianer) haben ein uraltes geheimes Wissen, das von der modernen Esoterik entdeckt wird.
Die moderne Esoterik, die wenig Wert auf die Geheimhaltung legt, so dass man sie eher als Exoterik bezeichnen sollte, verbindet die östlichen und westlichen Weisheitslehren mit den Erkenntnissen der modernen Psychologie, besonders den Lehren von C.G.Jung. Das erklärte Ziel ist die Selbsterkenntnis bzw. -findung und Selbstverwirklichung, indem den Menschen ihre verborgenen Seelenteile (Schatten) bewusst gemacht werden. Eine solche Bewusstseinsveränderung, die möglichst eine grosse Zahl von Menschen erfasst, soll eine neue Spiritualität und Weltsicht bewirken.