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|Im frühen 20. Jahrhundert, verfasste in Italien der Dichter Filippo Tommaso Marinetti, das Manifest Le Futurisme, das am 20. Febr. 1909 in der Pariser Zeitung «Le Figaro» erschien.

Im Mittelpunkt der revolutionär neuen Ästhetik des Futurismus stand, die Verherrlichung der modernen Industrie- Maschinenwelt und der radikale Bruch mit der Tradition.
1910 schloss sich der Musiker Fr. Balilla Pratella der Gruppe der Futuristen an und gewann den Baruzzi-Wettbewerb mit seiner Oper «La Sina` d Vargöun».
Am 11. März 1911 folgte das «Manifesto tecnico della Musica futurista». Es erhob die Forderung nach Enharmonik, d. h. nach kleinsten Unterteilungen des Ganztons wie schon Busoni in seinem «Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst» vorgeschlagen hatte. Das «Manifesto tecnico» schloss mit der bekannten Forderung, in einer zukünftigen Musik solle die «anima musicale» der Massen, der grossen Industriebetriebe, der Züge, der Ozeandampfer, der Panzer, der Automobile und der Flugzeuge wiedergegeben und der sinfonischen Dichtung hinzugefügt werden.
Die Einführung des «ritmo libero» soll als entscheidende Errungenschaft des Futurismus gelten. An die Stelle der «quadratur» träten jetzt die aus freier Intuition gestaltenen «relazioni ritmiche istintive e simpatiche». Daraus folgte die Notwendigkeit, die alten Tempobezeichnungen durch neue Termini zu ersetzten, die dem jeweiligen «stato d`animo» des schaffenden Künstlers entsprächen.
1912 beendete Pratella eine Orchesterkomposition, die Marinetti im Klavierauszug unter dem Titel «Musica futurista» veröffentlichte. Das dreiteilige Werk folgt in seinem Aufbau den drei Phasen des Menschenlebens: «fanciullezza», «giovinezza», «virilità». Das Prinzip der «quadratura simmetrica» glaubt der Komponist hier endgültig Überwunden zu haben. Gleichzeitig reklamierte er für die Harmonik eine Erweiterung, der tonalen Basis in Richtung auf Polytonalität und Polymodalität.
Im Jahre 1913 hatte auch Russolo in die Musikalische Bewegung des Futurismus eingegriffen. Das Erlebnis der römischen UA von Pratellas Musica futurista inspirierte ihn zur Konzeption einer «Geräuschkunst». Angeregt durch die Geräusche der Industrie- und Maschinenwelt, der modernen Großstadt und insbesonders des modernen Krieges, forderte er die futuristischen Musiker dazu auf, die «begrenzte Vielfalt» der traditionellen Orchesterfarben durch die «unbegrenzte Vielfalt» der Geräuschfarben zu ersetzen. Ausgehend von der Überzeugung, daß jedes Geräusch einen «tono predominante» habe, entwarf Russolo mit Hilfe des Malers Ugo Piatti den Plan zur Konstruktion von Instrumenten, die Halbtonoder Vierteltonskalen von Geräuschen darstellen konnten. Am 2. Juni 1913, führte er den ersten dieser Gräuschtöner («intunaromori») im Teatro Storchi in Modena öffentlich vor. Das Instrument mit dem Namen «scoppiatore» erzeugte ein dem damaligen Explosionsmotor ähnliches Geräusch auf einer zwei Oktaven umfassenden Skala. Die Aufführung im Mailänder Teatro dal Verme, ging jedoch im Tumult der Zuhörerproteste unter.
Grösseren Erfolg hatte ein Zyklus von zwölf Konzerten im Londoner Colyseum-Theater ( Juni 1914), wo Russolo auch Stravinskij kennenlernte, der sich bald darauf zusammen mit Djagilev und Prokofjev in Mailand die Intonarumori vorführen ließ (Febr. 1915). Eine geplante Tournée durch viele Städte Europas wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhindert, der zugleich das Ende der futuristischen Bewegung als einer monolithischen Gruppe bedeutete.
Erst nach Kriegsende hatte Russolo Gelegenheit, dem Publikum des Pariser Theatre des Champs Elysees ein wesentlich erweitertes Ensemble von 27 Intonarumori vorzuführen. An drei aufsehenerregenden Abenden im Juni 1921 bot sich den Konzertbesucher eine Mischung aus Gräuschtönern und einer kleinen Gruppe traditioneller Orchesterinstrumente, u.a. Serenata, Corale und ein Trio für Klavier, Violine und Geräuschtöner. Unter den Zuhörern waren Stravinskij, Djagilev, P. Claudel, Milhaud und Ravel, der besonderes Interesse an den neuen Instrumenten bekundet.
In den späteren 1920er Jahren erbaute Russolo ein Instrument, das alle Geräuschfarben in sich vereinigte: das «Russolophon» konnte durch Registerzüge zwölf verschiedene timbri erzeugen, einzeln oder in bestimmten Farbkombinationen. Auch kleinere Intervalle als den Halbton waren darstellbar. Russolo empfahl das Instrument, das alle Geräusche der Natur und des Alltagslebens nachamen konnte, besonders für die Verwendung im Stummfilmkino.
Auch im Jazzensemble begrüsste man die Verwendung zahlreicher geräuschhafter Instrumente.
Nach dem Eintritt Italiens in den zweiten Weltkrieg (1940) und dem Tod Marinettis (1944) war das Ende der futuristischen Bewegung endgültig besiegelt.