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In den Jahren 1507/08 war das Berner Dominikanerkloster Schauplatz zahlreicher Erscheinungen und Wunder. Es wurden Gespenster und Heilige gesehen, eine Pietà weinte blutige Tränen, der Klosterbruder Hans Jetzer empfing die Stigmata. Die Echtheit der Vorkommnisse wurde allerdings schon bald infrage gestellt. Vier Mönche des Klosters wurden beschuldigt, die Erscheinungen fingiert und Hans Jetzer aufs übelste malträtiert zu haben. Sie wurden als Teufelsbündler, Giftmischer, Ketzer und Betrüger verurteilt und am 31. Mai 1509 vor den Mauern der Stadt Bern öffentlich verbrannt.
Die Ereignisse, die als «Jetzerhandel» in die Geschichte eingingen, erlangten eine beachtliche Aufmerksamkeit. Noch heute zeugt eine Fülle von publizistischen, literarischen und chronikalischen Bearbeitungen und Erwähnungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert von der Bedeutung, welche die Zeitgenossen den Geschehnissen zumassen. Vor allem die reformatorischen Kritiker der katholischen Kirche benutzten den Berner «Jetzerhandel» noch jahrzehntelang als Beispiel für die Verlogenheit des Klerus.
Die vorliegende Edition macht erstmals die beiden bislang unedierten deutschsprachigen Prosafassungen der «Vier Ketzer» zugänglich, welche die Ereignisse um die hauptbeteiligten Dominikanermönche aus je unterschiedlicher Perspektive – als «falsche, erfundene» und als «wahre» Geschichte, wie die zeitgenössischen Titel differenzieren – darstellen.