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Der brasilianische Schienentransport wurde im 19. Jahrhundert eingeführt und sowohl für Güter als auch für Passagiere genutzt. Da der Ausbau der einzelnen Strecken aber zu unterschiedlichen Zeiten und je nach Gutdünken der einzelnen Bundesstaaten vor sich ging, achtete man nicht auf eine Vereinheitlichung der Spurweite – mindestens fünf unterschiedliche Spurweiten waren damals in Gebrauch – was schliesslich zu grossen Problemen führte, als man den Bahnverkehr in ganz Brasilien als ein effektiveres System zusammenzuschliessen gedachte. Immerhin umfasste das gesamte Schienennetz schliesslich rund 30.000 Kilometer – jedoch noch viel zu wenig für das riesige Land, und die einzelnen Strecken in den verschiedenen Bundesstaaten waren auf zahlreiche private Unternehmen verteilt, die oft ihre Besitzer wechselten.
1957 beschloss die brasilianische Regierung rund zwanzig dieser privaten Strecken zu verstaatlichen und fasste sie zusammen in der Eisenbahngesellschaft RFFSA (Rede Ferroviária Federal). Allerdings brachte dieser Ansatz nicht den gewünschten Erfolg, zwischen den 80er und 90er Jahren vollzog sich der allgemeine Rückzug von der Schiene – zunehmend verlagerte man sowohl den Güter- als auch den Personenverkehr auf die Strasse – 1996 wurde die RFFSA privatisiert und 2004 endgültig aufgelöst. Mit der Auflösung fiel dann das Streckennetz wieder zurück in die regionale Nutzung auf privater Basis.
Das brasilianische Schienennetz ist, wie gesagt, im Vergleich zur Grösse des Landes eher klein, viele dieser Strecken sind nur eingleisig und in verwahrlostem Zustand. Der Passagierverkehr ist fast ausgestorben, dagegen verlangt das zunehmende Transportaufkommen im Güterverkehr wieder nach der Schiene, wegen Überlastung der Strassen. Besonders die grossen Minengesellschaften bedienen sich nun der stillgelegten Eisenbahnschienen.
Die historische Periode der brasilianischen Eisenbahn hat ihre Spuren hinterlassen, zum Beispiel in Form von antiken Bahnhofsgebäuden, die einen Ausflug wert sind, wenn man sich gerade in der entsprechenden Gegend aufhält. Wir haben für Sie die interessantesten Bahnhöfe (Estações) Brasiliens zusammengestellt – einige davon sind noch in Funktion.
Estação da Luz, São Paulo, Bundesstaat São Paulo
Gegründet 1901, war dieser zentral gelegene Bahnhof viele Jahre lang das bedeutendste Eingangstor zur Stadt São Paulo. Mit seiner imposanten Architektur ist der Bahnhof immer noch in Betrieb – seine Fassade wurde zum Anlass des 450sten Geburtstags der Metropole restauriert.
wikipedia
Estação Central do Brasil, Rio de Janeiro, Bundesstaat Rio de Janeiro
Durch den weltberühmten Film “Central do Brasil” wurde dieser Bahnhof im Zentrum von Rio de Janeiro unsterblich – gegründet wurde er im Jahr 1858. Heute ist er immer noch Zentralbahnhof für diverse Vorortzüge, die das Stadtzentrum mit den Stadtteilen der Nord- und der Westzone verbinden.
Estação Ferroviária de São João del Rei, São João del Rei, Bundesstaat Minas Gerais
Eröffnet im Jahr 1881, in Gegenwart des Kaisers Dom Pedro II., hat dieser Bahnhof im kolonial-historischen Städtchen São João del Rei die Geschichte der Eisenbahn von Minas Gerais geprägt. Die offizielle Schliessung der Strecke geschah in den 60er Jahren, aber der Bahnhof funktioniert auch heute noch als Ausgangspunkt eines touristischen Ausflugs mir der alten “Maria Fumaça“ (der Rauchenden Maria), so nennt der Volksmund die antike Dampflok, von der ein paar Waggons über eine Strecke von zwölf Kilometern zwischen São João del Rei und dem historischen “Tiradentes“ gezogen werden. Der Bahnhof beherbergt auch ein sehr interessantes Eisenbahn-Museum.
Estação Ferroviária de Matilde, Matilde, Bundesstaat Espirito Santo
Gebaut im Jahr 1910 gehörte dieser Bahnhof zum System der “Ferroviária Leopoldina“, die den Ort “Cachoeira de Itapemirim“ mit der Hauptstadt Vitória verband. Nach vielen Jahren des Verlassen seins hat man dem Bahnhof erst kürzlich eine bedeutende Reform verpasst und ihm damit jenen Charme von Einst zurückgegeben. Heute beherbergt er ein Museum mit Dokumenten aus seiner Hochzeit und verwandelte sich in eine viel besuchte Sehenswürdigkeit der Region.
Estação Ferroviária de Coronel Cardoso, Valença, Bundesstaat Rio de Janeiro
Eröffnet im Jahr 1914, war dieser Bahnhof einer der bedeutendsten Umschlagplätze im “Vale do Café“ (Tal des Kaffeeanbaus). Die Züge mit Personenverkehr zirkulierten durch den antiken Bahnhof des Munizips “Valença“ bis zum Anfang der 70er Jahre. Dann wurde er umgebaut und funktioniert bis heute.
Estação Anhumas, Campinas, Bundesstaat São Paulo
Ausgangsbahnhof der Dampfeisenbahn, die die Universitätsstadt “Campinas” mit dem Ort “Jaguariúna“ verband – gegründet im Jahr 1926. Heute wird er von der “Associação Brasileira de Preservação Ferroviária” gepflegt als schönes Beispiel für die Architektur der 20er Jahre. Der Bahnhof beendete seine Funktion im Dienst des Personen- und Gütertransports 1977, um lediglich eine touristische Strecke beizubehalten.
Estação Ferroviária de Bento Gonçalves, Bento Gonçalves, Bundesstaat Rio Grande do Sul
Eingeweiht im Jahr 1919, hat dieser Bahnhof den Personenverkehr bis ins Jahr 1976 aufrechterhalten. Ab 1993 war der Bahnhof dann Ausgangsstation für einen touristischen Ausflug mit einer traditionellen Dampfeisenbahn. Dieser Ausflug auf einer Strecke von 23 Kilometern quer durch die herrliche Landschaft der “Serra Gaúcha“ wird begleitet von musikalischen Präsentationen, und die Passagiere können unterwegs die Weine der Region probieren.
Estação de Paranapiacaba, Paranapiacaba, Bundesstaat São Paulo
Eröffnet im Jahr 1876, war dieser Bahnhof einer der bekanntesten zu Zeiten der Glorie des Eisenbahntransports in Brasilien. Die Schönheit seiner erhabenen Architektur und die Komplexität seines Schienensystems machten aus ihm eine viel besuchte touristische Attraktion im Interior von São Paulo. Der Bahnhof ist auch Endstation eines Tourismus-Express, der von der “Estação da Luz“, in der Hauptstadt, startet.