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Oasen – Trockentäler – Salzseen
Oasen
Die grossen eisfreien Gebiete der Antarktis heissen Oasen, aber diese Oasen sind wüstenartige, eisfreie Gegenden mit niedrigen Niederschlagsmengen und tiefen Temperaturen. Es können nur einige Algen und Flechten hier überleben. Die bekannteste ist die Schirmacher Oase
Die Fläche aller antarktischen Oasen ist gering, für die Wissenschaft sind sie aber von grosser Bedeutung.
Trockentäler
Dry Valley im Victorialand. In denTrockentälern der Antarktis sind permanent Forscher von vielen Nationen anzutreffen.
Wenn die Oase ein ganzes Tal umfasst, spricht man von Trockentälern. Diese liegen zwischen dem Hochland von Victorialand und dem viel tiefer gelegenen Ross-Eisschelf.
Die kalten, trockenen Fallwinde (katabatisch)blasen etwaige Schneereste weg und der Boden absorbiert genug Sonnenenergie, um Schneereste zu verdunsten.
Dry Valleys (77°30’S, 162°00’O)
Es gibt in Antarktika eine Reihe eisfreier Gebiete, die als Oasen bezeichnet werden. Das sind wüstenartige Gegenden mit niedrigen Niederschlagsmengen. Heute sind etwa 20 derartiger Stellen bekannt, zu ihnen gehören u. a. die Bunger- und Larsemann-Oase
sowie die Vestfold Hills in Ostantarktika. Die ausgedehntesten Oasen sind die Dry Valleys (Trockentäler) im Victorialand. Sie erstrecken sich über eine Länge von 200 km und eine Breite von etwa 90 km und bestehen im wesentlichen aus drei Tälern, die friiher von Gletschern bedeckt waren: dem Taylortal, dem Wrighttal und dem Victoriatal. Seit sich die Gletscher zurückgezogen haben, hat sich dort kein neues Eis mehr gebildet. Der Boden absorbiert ausreichend Sonnenenergie, um den Schnee des Winter zu verdunsten, und katabatische Winde (kalte, trockene Fallwinde) fegen mögliche Schneereste davon.
Die Annahme amerikanischer Wissenschaftler, dass die Trockentäler der Oberfläche des Mars stark ähneln, haben dazu geführt, dass die NASA vor dem Start der Viking- Marssonde dort umfangreiche Übungsprogramme absolvierte.
Wenn die Trockentäler auf den ersten Blick auch lebensfeindlich erscheinen, so beherbergen sie doch eine Reihe von Organismen. 1978 entdeckten amerikanische Biologen Algen, Bakterien und Pilze. Einige von ihnen sind möglicherweise 200000 Jahre alt.
Bekannt geworden sind die Dry Valleys auch durch vom Wind bizarr geschliffene Felsskulpturen.
Ferner hat man zahlreiche mumifizierte Tiere gefunden: Krabbenfresserrobben, die sich 40 km landeinwärts dorthin verirrt haben, und einen mumifizierten Adeliepinguin in 50 km Entfernung vom Meer. Zu den typischen Erscheinungen der Trockentäler gehören Salzseen: der Vandasee im Wrighttal und der Bonneysee im Taylortal. Diese Seen werden nur kurze Zeit im J ahr vom Schmelzwasser der Gletscher gespeist.
Der Vandasee ist an seiner tiefsten Stelle 75 m tief und die meiste Zeit des Jahres mit einer bis zu 4 m dicken Eisschicht bedeckt. Sich stets neu bildende Eiskristalle an dieser Schicht leiten Sonnenlicht in das unter dem Eis stehende Wasser und erwärmen es. Am Boden des Sees hat man Temperaturen von 25 „C gemessen.
Die Entdeckungsgeschichte der Dry Valleys reicht zurück in das Jahr 1903. Auf dem Rückweg von einer Schlittenreise in Ostantarktika entdeckte Robert Scott das erste dieser drei Täler, das er nach dem Geologen Griffith Taylor benannte.
Salzseen
Die Schirmacher Oase
Am 17.Dezember 1938 verliess das Schiff „Schwabenland“ mit der 3. Deutschen Antarktischen Expedition unter Kapitän Alfred Ritscher den Hamburger Hafen. Am 19. Januar 1939 erreichte die Expedition die Eiskante vor dem Königin-Maud-Land. Es folgte ein 19 Tage dauerndes wissenschaftliches Forschungsprogramm mit biologischen, geophysikalischem, ozeanographischem glaziologischem und meteorologischem Inhalt. Besondere Bedeutung hatten sieben Foto- und zehn Aufklärungsflüge, die von den beiden DORNIER-Wal-Flugbooten „Passat“ (D- ALOX)unter Pilot Rudolf Mayr und „Boreas“ (D-AGAT) unter Flugkapitän Richard Heinrich Schirmacher unternommen wurden. Sie überflogen ein Gebiet von 350 000 km2, welches Neu-Schwabenland genannt wurde, und machten mehr als 11 000 Luftaufnahmen. Flugkapitän Schirmacher entdeckte auf dem letzten Fernflug am 3.Februar 1939 rund 100 Kilometer von der Eiskante entfernt einen schmalen, eisfreien Felsstreifen mit zahlreichen eisfreien Seen. Sein Fotograf Siegfried Sauter (Hansa Luftbild) machte erste Aufnahmen von der Oase. Schirmacher konnte damals nicht landen, weil die Seen für sein 10 Tonnen schweren DORNIER-Wal zu klein waren. Dieses etwa 20 km lange und drei bis vier Kilometer breite Gebiet wurde nach dem Entdecker Schirmacher-Oase genannt.
Die ersten Menschen, die ihren Fuss in dieses Oasengebiet setzten, waren Engländer, die 1947-48 eine Expedition zur Stonington- Insel durchführten. Von der Marguerite Bay gelangten sie mit Flugzeugen zu den eisfreien Seen in der Schirmacher-Oase. Dann war 10 Jahre Ruhe.
Zur 4.Sowjetischen Antarktisexpedition 1958-59 wurde auf dem Lasarew-Schelfeisgletscher am Ufer der Leningradskaja-Bucht die Forschungsstation „Lasarew“ eingerichtet. Von dort aus fanden 1959 erste geologische Forschungen in der Schirmacher-Oase statt. Die ungünstigen meteorologischen Verhältnisse auf dem Lasarew-Schlefeis machten eine Verlegung der sowjetischen Station notwendig, die am 18.Januar 1961 als Station „Nowolasarewskaja“ in der Schirmacher-Oase eröffnet wurde.
Zu den Bedingungen in der Schirmacher-Oase: Dieses Oasengebiet ist eine der interessantesten Landschaften in der Ostantarktis, im Königin-Maud-Land gelegen. Sie erstreckt sich rund 100km südlich von der Schelfeiskante der Prinzessin- Astrid-Küste entfernt in einem Gebiet, welches zwischen 70° 44′ und 70° 46′ südlicher Breite und 11° 20′ und 11° 55′ östlicher Länge liegt. Die Oase hat eine mittlere Höhe zwischen 80 und 120m ,der höchste Berg ist 221 m hoch. 27 Berggipfel erheben sich auf dem Oasenplateau. Dazwischen liegen zahlreiche grössere und kleinere Seen. An der nördlichen Grenze zwischen Oasenufer und Schelfeis liegen sechs Epischelfseen, wovon der Oshidanija-See mit 150 Meter Tiefe der grösste ist. Über sie wird hauptsächlich das Schmelzwasser der Oase entwässert. Dr.W.Richter (Leipzig) konnte in seiner hydrographischen Karte der Oase über 180 Seen unterschiedlicher Grösse und Charakter kartieren. In der Oase kommt es ab Mitte Dezember zu umfangreichen Tauprozessen. Das Eis der Seen schmilzt. Die mittlere Lufttemperatur liegt im. Antarktiswinter (Juli) bei minus 17° C. Die mittlere Windgeschwindigkeit liegt bei 10,1 m/s und die relative Luftfeuchtigkeit schwankt zwischen 45 bis 55 Prozent. In der Schirmacher-Oase herrscht knapp zwei Monate Polarnacht. Im Sommer erreichen kleine Seen eine Wassertemperatur von 10° C, grössere Seen bringen es noch auf 4° C. Dadurch haben sich zahlreiche Vertreter von Phytoplankton und Algen angesiedelt. In der Oase wurden von den DDR-Wissenachaftlern 25 Flechten und Moose kartiert, darunter einige Neu-und Erstfunde. Die Tierwelt besteht aus einigen Vögeln, wobei in der Oase 15 bis 20 Raubmövenpärchen brüten. Von den Skuas haben die beiden Stationsfamilien bei der sowjetischen und DDR-Station die besten Futterplätze, wo sie ihr Revier gegen andere Artgenossen erbarmungslos verteidigen.