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Was Gartner, IDC, IBM, Madame Etoile und Bankanalysten versuchen, können wir schon lange: wahrsagen. Hier die exklusive Liste der Top-6-Ereignisse, die 2014 die Schweizer ICT-Szene erschüttern werden.
"Prognosen sind bekanntlich schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen", soll der Physiker Niels Bohr (oder war's doch Karl Twain - oder Mark Valentin?) gesagt haben. Falsch! Prophezeiungen sind einfach. Für die, die wissen.
1. Nie mehr "Insieme": Die eidgenössische Finanzverwaltung bekommt eine neue Software
Der 11-jährige Jonas programmiert in den Sportferien schnell einen Ersatz für die beiden Uralt-Programme STOLIS und MOLIS der eidgenössischen Finanzverwaltung. Grund: Er ist sauer, weil seine Mutter, die bei der ESTV als Buchhalterin arbeitet, schon wieder Überstunden schieben muss und keine Zeit hat, mit ihm Skifahren zu gehen. Jonasens Ersatzprogramm "Dasolo" läuft in der Amazon Cloud, als Clients werden iPods eingesetzt. Als Gimmick schreibt Jonas noch eine Steuerhinterzieher-Entdeckungs-App unter Einbezug von Google Earth und Daten der NSA. Die Finanzverwaltung führt "Dasolo" still und heimlich ein, stoppt das Insieme-Ersatzprogramm "Fiscal-IT" und belohnt Jonas mit einem Skipass für die Lenk.
Daraufhin wird der Bund von einer Prozesswelle überollt. IBM, CSC, HP, Accenture und Tata klagen, weil der Auftrag für "Dasolo" nicht sauber ausgeschrieben worden sei. Microsoft, Google und Oracle, weil Jonas angeblich Patente verletzt habe, der Gewerkschaftsbund, weil der Bund gegen das Verbot der Kinderarbeit verstossen habe und der Kanton Wallis, weil der Skipass für Jonas für die Lenk und nicht die Region Zermatt gilt. Die SVP klagt, weil "Dasolo" den Datenschutz der Steuerhinterzieher verletzte, die Open-Source-Community, weil "Dasolo" nicht Open-Source ist. Daraufhin sagt Nationalrat Ruedi Noser, die Prozesslawine beweise einmal mehr, dass der Bund keine Software machen könne. Jonas und seine Mutter Doris wandern ins Silicon Valley aus, wo Jonas einen Krankenkassenlösung für Obama baut und Milliardär wird.
2. Es gibt gar nicht zu wenig Programmierer
Die Behauptung, es gäbe zu wenig InformatikerInnen-Nachwuchs, löst sich in Luft auf. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der Informationstechnologie stellt eine Softwarefirma in der Schweiz mehr Anwälte als EntwicklerInnen an. Grund: Controller der Firma mit Wurzeln in den USA haben analysiert, dass sie wesentlich mehr Gewinn aus Wartungsverträgen für Software, die nicht funktioniert und deshalb nicht eingesetzt wird, als mit dem Bau von neuer, funktionierender Software erzielt. Alle anderen Multis ziehen nach, die Programmierer-Dürre hat ein Ende. IT-Dreamjobs hängt neue Plakate mit dem Slogan "Früher wollte ich Software machen, jetzt mache ich Kunden weich" vor den Gymnasien auf.
3. Microsoft findet neuen CEO – dank Big Data
Microsoft findet einen Nachfolger für Steve Ballmer: William Krummenacker jr aus Hamburg, Michigan. Microsoft hat als erster Grosskonzern seinen neuen Führer per Big-Data-Analyse gefunden, statt einen der üblichen Verdächtigen zu wählen. Krummenacker ist der ideale Kandidat: Zwar wurden in der Analyse Hunderte von Kriterien berücksichtigt, aber Krummenacker ist einer von nur vier Amerikanern, der die beiden Muss-Kriterien erfüllt: Der Automechaniker, Hobbyjäger und bisherige Chef der Hamburg Mausoleum and Cemeteries findet Windows 8 das beste OS aller Zeiten und kann mit Apple-Produkten nichts anfangen. Die drei anderen Kandidaten waren leider schon über 80. Ausserdem ist der Mann billig, kann "Developers" noch lauter brüllen als Steve Ballmer und sieht nach ein bisschen Fettabsaugen, Zähne richten und anderen Schönheitsoperationen wie ein väterlicher und nur leicht übergewichtiger George Clooney aus.
4. Vorratsdatenspeicherung
Weil Telcos und ISPs anhaltend ohrenbetäubend jammern, die Kosten für die Vorratsdatenspeicherung zur potentiellen Überwachung der BürgerInnen seien nicht tragbar, muss der Bundesrat eine neue Lösung suchen. Ueli findet sie: Warum alles mehrfach speichern, sagt er sich, und beauftragt den Geheimdienst NDB, die Datenspeicherung gleich selbst als kostenlosen Cloud-Service für Schweizer ISPs anzubieten. Letztere geben darauf ihren Widerstand gegen die geplante BÜPF-Änderung sofort auf.
Da der NDB allerdings nicht das Know-how zum Aufbau eines sicheren RZs besitzt, wird die Aufgabe an die NSA ausgelagert. Bundesrätin Doris Leuthard lobt die neue Lösung: "Das ist pragmatisch und auch grün, ein kleiner Beitrag zum Energiesparen. So brauchen wir insgesamt viel weniger Harddisks. Und die Daten sind auch gleich dort, wo sie wirklich angeschaut werden."
5. UBS macht vorwärts mit der Industrialisierung
Die Grossbank UBS kommt mit ihrer Industrialisierungsstrategie voran. Nach dem Einkauf und der Weiterbildung lagert die UBS im Laufe des Jahrs weitere Geschäftsbereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, aus. So das HR (an eine Firma von Claudio Cisullo), die Buchhaltung (an eine Firma von Claudio Cisullo), die Kundenberatung (an eine Firma von Claudio Cisullo), die Geschäftsstellen (an eine Firma von Claudio Cisullo), das Kreditgeschäft (an eine Firma von Claudio Cisullo), das Wertschriftenbusiness (an eine Firma von Claudio Cisullo), das Marketing (an eine Firma von Claudio Cisullo), die Software-Entwicklung (an eine Firma von Stefan Arn), das Investment-Banking (an eine Firma von Claudio Cisullo), die Geschäftsleitung (an eine Firma von Claudio Cisullo) und den Verwaltungsrat (an eine Firma der Singapurer Stadtverwaltung). Zurück bleibt die Abteilung für Public Relations.
6. Die Schweiz, ein Innovationspark
Das Beispiel des Kantons Zürich, der anstelle des Militärflughafens Dübendorf einen Innovationspark aufziehen will, macht Schule. Innovationsparks entstehen nun auch in Bern (Industriegelände Wifag, Forschungsschwerpunkt Software für Finanzverwaltungen), in Sion (Militärflughafen, Forschungsschwerpunkt Wolfsmanagement), Moudon (Waffenplatz, Forschungsschwerpunkt Slow Food), Lyss (Waffenplatz, Forschungsschwerpunkt Vorratsdatenspeicherung und very big data). (Redaktion)
Bild: Die Propheten Mordechai Minetti, Hugendamus, Cassandre du Bourg, Maronibus de Terra Pomorum