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Der Brand in der Telefonzentrale Hottingen (vom 22. Februar 1969)
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|Bildtext||Blick in die beiden ausgebrannten und ausgeräumten Gestellreihen des Hauptverteilers kurz nach Löschung des Brandes im Februar 1969.|
|Bildquelle||Generaldirektion PTT, Bern|
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Der Ort des
Geschehens

Im Jahre 1917 wurde an der Hottingerstrasse 10, nahe des Kunsthauses und des Schauspielhauses die erste halbautomatische Telefonzentrale in der Schweiz in Betrieb genommen. Diese Zentrale wurde von der Firma Bell Telephone hergestellt.
Die Vergabe des Auftrages an diese Firma stiess auf eine grosse Nichtakzeptanz, mit der sich schlussendlich sogar der Bundesrat befassen musste. Der Firma Bell Telephone wurde vorgeworfen, sie hätten noch nicht einmal das Werkzeug, geschweige dann die Erfahrung diese neue Anlage (Typenbezeichnung 7-A) herzustellen.
Die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls geplante Telefonzentrale auf der linken Limmatuferseite, an der Füsslistrasse, wurde erst 10 Jahre später fertiggestellt. Diese beiden neuen Quartierzentralen waren als Ersatz für die durch einen Brand (2. April 1898) beschädigte Telefonzentrale an der Bahnhofstrasse geplant gewesen. Diese einstige Telefonzentrale der ehemaligen Zürcher Telefongesellschaft an der Bahnhofstrasse war übrigens die erste Zentrale in Zürich und zugleich in der Schweiz.
Nach und nach hielt auch die Automatisierung Einzug in die Orts- und Quartierzentralen. Im Jahre 1969, im Jahre des Brandausbruches in Hottingen, verfügte diese Zentrale bereits über die neuen Systeme 7-A2 und 7-Az. Hauptsächlich versorgt die Hottinger Telefonzentrale die Abonnenten in den Stadtkreisen 7 und 8, also ganz grob gesagt die Quartiere Fluntern, Hirslanden, Hottingen, Riesbach, Witikon aber auch auch Teile der nahegelegenen Altstadt. Zusätzlich durchlaufen aber auch sehr viele Verbindungsleitungen zu anderen Zentralen dieses Gebäude.
1943 wurden das bisherige Telefongebäude durch einen modernen Neubau erweitert und genügte so wieder den erforderlichen Platzbedürfnissen. Im Jahre des Brandes versorgte die Zentrale ungefähr 26'640 Abonnenten. Alle sechsstelligen Nummern die über diese Zentrale liefen hatten die Anfangszahlen 32 .. .., 34 .. .. oder 47 .. .... Darunter auch sehr viele wichtige Einrichtungen von nationaler oder internationaler Bedeutung und Wichtigkeit.
So zum Beispiel das Grand Hotel Dolder, Schauspielhaus, Kunsthaus, Banken, Zeitungen, Toxikologisches Zentrum, Ärzte, Kinder- und Kantonsspital sowie die Universität und die Eidgenössische Technische Hochschule. Um nur einige Bekannte beim Namen zu nennen. Die Liste liesse sich ins unermessliche weiterführen.
Ein interessanter und aussagekräftiger Vergleich sei hier aufgezeigt, um die Wichtigkeit dieses Standortes aufzuzeigen. Wurden im Dezember 1968 im gesamten Ortsnetz Zürich Gesprächseinnahmen von 7 Millionen Franken verzeichnet, so wurden 1,4 Millionen davon in der Hottinger Zentrale erwirtschaftet.
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|Bildtext||Neue Zentralenkabel werden im Hauptverteiler eingezogen. Die durch den Raum der Decke entlang führenden Kabel sind meist provisorische Notleitungen. 1969.|
|Bildquelle||Generaldirektion PTT, Bern|
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|Bildtext||Zirka 12,2 Tonnen altes und unbrauchbares Kabel musste entfernt werden.|
|Bildquelle||Generaldirektion PTT, Bern|
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Der
Brandausbruch

Um es gleich vorweg zu nehmen es war Brandstiftung und der Täter war bekannt. Es handelte sich dabei um einen Monteur der zugleich Hauswart der Zentrale Hottingen war. Der sonst zuverlässige und als hochanständig und hilfsbereiter Mensch geltende Mitarbeiter hatte den Eindruck von seinen Kollegen als minderwertig betrachtet zu werden.
Der Chefmonteur erwartete von ihm, dass er sich auch stärker mit der Automatik befassen solle um sich bessere Kenntnisse anzueignen. Später wurde dann auch noch einem jüngeren Mitarbeiter die Verantwortung über den Hauptverteiler übertragen. Das war für ihn zuviel.
Am Abend des Freitags 21. Februar des Jahres 1969 verteilt der ehemalige Hauswart der Telefonzentrale Hottingen im Hauptverteilerraum Putzlappen. Total sind es 12 kg Putzlappen die er in den vergangenen Wochen zusammensammelte und nun gleichmässig in die Verteilerkästen legte. Bei einer nahen Tankstelle kaufte er 15 Liter Benzin. Anschliessend geht er auf einen kurzen Jass noch rasch ins Wirtshaus und dann zu Bett.
Kaum hat am drauffolgenden Samstagmorgen seine Frau die Wohnung verlassen geht der Hauswart ins Zentralengebäude um seine tagszuvor begonnene Tat zu vollenden. An diesem Samstag, 22. Februar sucht er letzte Reste von zerrissenen Schachteln, Kisten und Holzwollreste zusammen und schiebt diese ebenfalls in die Verteileranlage. Die so vorbereitete Anlage und Putzlappen tränkt und übergiesst er dann mit dem Benzin.
Um einen möglichst grossen Schaden anzurichten öffnete er die Fenster zum Hof damit das Feuer nicht durch fehlenden Sauerstoff zu ersticken drohe. Ebenso überlistete er die Brandmeldeanlage um eine frühzeitige Alarmierung auszuschliessen.
Später wird im Rapport stehen, dass er um 0948 Uhr das Feuer mit einem entfachten Streichholz gelegt hat. Das sonst allgegenwärtige Ticken und Klicken der Telefonzentrale soll verstummt sein und durch das Knistern und Flackern des Feuers abgelöst worden sein.
In den kommenden Minuten verlieren mehrere Quartiere ihren Lebensnerv. Die Isolationen der Kabel fangen Feuer und durch die Hitze die verbrannten Isolationen entstehen Kurzschlüsse. Dies hat untern anderem zur Folge das Relais abfallen und so über das Telefonnetz angeschlossene Einrichtungen von Geschäften und Notrufsäulen bei der Stadtpolizei hundertfach Alarm auslösen.
Etwa zur selben Zeit ereicht der Sohn des Hauswartes per entliehenem Fahrrad die Kreiswache 7 der Stadtpolizei und meldet den Vorfall, den der Vater zwischenzeitlich seiner Familie gebeichtet hatte.
Eine direkte Benachrichtigung der Feuerwehr war bereits nicht mehr möglich, da auch der Anschluss der Kreiswache nicht mehr funktionstüchtig war. Ein durch Zufall in der Nähe sich befindlicher Funk-Streifenwagen konnte eine Verbindung zur Hauptwache herstellen, und diese wiederum die Feuerwehr alarmieren.
Gegen 1003 Uhr erreicht der erste Löschzug die Telefonzentrale an der Hottingerstrasse und nimmt die Löscharbeiten auf. Um den Schaden möglichst in Grenzen zu halten soll der Brandherd mit Schaum und nicht mit Wasser bekämpft werden. Die Temperaturen waren so hoch, dass der Luftschaum (Wasser-Schaumextrakt) angeblich geschmolzen sei ebenso wurden Salzsäuredämpfe freigesetzt.
An diesem Abend wollte der Vizedirektor der Kreistelefondirektion Zürich, Herr Riniker, noch sein Büro im Selnauquartier aufsuchen. Durch den aufsteigenden Rauch aus dem Zentralenbau alarmiert, stoppte er seine Weiterfahrt und traf ebenfalls am Brandplatz ein.
Nach dem Entfernen der Hauptsicherungen im Keller ermächtigte Herr Vizedirektor Riniker den leitenden Feuerwehrhauptmann Nievergelt Löschwasser einzusetzen. Gemäss Aussagen von Anwesenden habe "..der giftige Rauch die Hottingerstrasse erfüllt, dass man nicht mehr vom Heimplatz zum Steinwiesplatz hinüber sehen konnte."
Nach über einem harten zweistündigen Einsatz konnte gegen 1220 Uhr Brandaus gemeldet werden und eine Übersicht des entstandenen Schadens konnte aufgenommen werden.
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|Bildtext||Unter Oberst Brun bedienten anfänglich Rekruten der Übermittlungs-RS Bülach die notfallmässig eingerichteten Militärzentralen. Februar 1969. Eine interessante und zugleich amüsante Bemerkungen finden wir in einer Aktennotiz vom 16. März 1969. "Seit der Ablösung der Rekruten durch PTT-Telefonistinnen hat der Verkehr enorm¨zugenommen...".|
|Bildquelle||Generaldirektion PTT, Bern|
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Zusätzlich
eingerichtete Notsprechstellen

Diese wurden meistens in Schulhäusern
eingerichtet um der Quartierbevölkerung dennoch eine Möglichkeit zu bieten
ihre Telefongespräche zu erledigen. Diese Sprechstellen waren von Montag bis
Samstag von 0700- 2100 Uhr und am Sonntag von 0800-2100 Uhr geöffnet.
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|Bildtext||Um der Privatbevölkerung das Telefonieren zu ermöglichen wurden, wie hier in dieser Baracke, Notsprechstellen eingerichtet. Februar 1969.|
|Bildquelle||Generaldirektion PTT, Bern|
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Der Wiederaufbau

Kurz nach 1100 Uhr wird die Öffentlichkeit über den Vorfall und die Auswirkungen über Radio und Fernsehen orientiert. Nach und nach machte sich das Ausmass des Schadens bemerkbar. So waren nicht nur die Telefonabonnenten mit den Anfangszahlen 32 .. .., 34 .. .. und 47 .. .. betroffen. Es waren auch sehr viele Telexteilnehmer und Hörer des Telefonrundspruches betroffen.
Aber auch die Telefonabonnenten von Hirslanden, Zollikon und Zollikerberg waren davon tangiert. Diese Teilnehmer mit der Anfangszahl 53 .. .., 63 .. .. und 65 .. .. konnten nur noch untereinander (innerhalb der gleichen Ortszentrale) miteinander sprechen. Die Verbindungen zu anderen Zentralen waren ebenso unterbrochen, da diese Leitungen über die Hottinger Zentrale verliefen.
Die Hilfsbereitschaft unter der Bevölkerung war riesengross. Nicht nur Private wollten mithelfen auch Firmen und Geschäfte stellten ihre Dienste zu Gunsten der Allgemeinheit meist unentgeltlich zu Verfügung. Taxifirmen und andere Unternehmen stellten ihre eigenen Funknetze zu Verfügungen.
Firmen stellten ihre gesamte Produktion um oder verschoben ihre Betriebsferien um einen Lieferengpass zu vermeiden. So auch die STR und die Isola Kabelwerke in Breitenbach. Diese stellten innerhalb weniger Stunden ihren Betrieb um auf die Bedürfnisse der Hottinger Zentrale.
Ebenso tatkräftige Unterstützung wurde von den Übermittlungs-Truppen der Rekrutenschule Bülach sowie des Eidgenössischen Verbandes der Übermittlungstruppen geleistet. Sie stellten die Kommunikation zwischen den Kreiswachen und den wichtigsten Teilnehmern (zB Spitäler, Toxikologisches Zentrum etc.) sicher. Die wichtigsten Teilnehmer wurden so über Militärzentralen vermittelt. Als Vergleich standen für 34 Ärzte 10 Amtsleitungen zu Verfügung.
Im Zeitraum vom 22. Februar 1969 bis 5. März 1969 konnten alle betroffenen 99 Telexanschlüsse und 471 Mietleitungen wieder aufgeschaltet werden. Für die betroffene Privatbevölkerung wurden öffentliche Not-Sprechstionen und Not-Sprechkabinen aufgestellt. Am 11. März 1969 waren deren 66 in Betrieb.
Das erste Nottelefonbuch erscheint am 24. Februar 1969. In diesem Verzeichnis, das in der gesamten Schweiz auch an Kiosken gratis erhältlich war, konnte ersehen werden welche betroffenen Abonnenten über welche provisorische Verbindung erreichbar waren. Oftmals wurde auch die Nummer eines nicht betroffenen Nachbar oder Bekannten angegeben.
Vom 26. bis zum 28. Februar 1969 werden 122 Firmenkunden (seinerzeitiger Fachausdruck: Grosssprecher) mit mehreren eigenen Amtsanschlüssen wieder in Betrieb genommen.
In dieser Zeit wurden auch sehr viele Provisorien erstellt und die nahegelegenen Abonnenten über Luftkabel neu verdrahtet. Um die knappe Kapazität an Amtsanschlüssen besser zu optimieren wurde auch die Gemeinschaftsanschlusstechnik verwendet. Bei dieser Technik wurden zwei Abonnenten über denselben Draht verbunden.
Jeder Abonnent hatte seine eigene Nummer. Es konnte aber nur ein Teilnehmer auf einmal telefonieren. Manchmal war hier die Geduld sehr stark gefragt wenn man eine Quasselstrippe zum Nachbarn hatte und am gleichen Anschluss angeklemmt war.
In der Zeit vom 19. Juni bis 14. September 1969 wird die Einrichtung für den Telefonrundspruch geliefert und fortlaufend montiert.
Ursprünglich war geplant, dass alle Teilnehmer bis spätestens am 3. Mai 1969 wieder über ihren herkömmlichen Anschluss telefonieren konnten. Diese Prognose wurde aber durch die Leistungen der Mitarbeiter der PTT-Betriebe bei weitem übertroffen. Mit einer Leistung von durchschnittlich 1000 Aufschaltungen pro Tag konnte der letzte Abonnent am 16. April 1969 den gewohnten Fernmeldedienst wieder beanspruchen.
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|Bildtext||Das improvisierte Schaltbüro im Parterre der Telefonzentrale. Hier wurden die wieder aufgeschalteten Linien in der Kartei nachgeführt und koordiniert.|
|Bildquelle||Generaldirektion PTT, Bern|
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Die Folgen

Für den Wiederaufbau der Telefonzentrale Hottingen, inklusive Abgeltungen an geschädigte Abonnenten sowie für den Gebührenausfall, wurden ca. 7,7 Millionen Franken bilanziert. Unter anderem wurden für den Wiederaufbau 450'000 m Überführungsdraht und 63'300 m Zentralenkabel verwendet.
Der Brandstifter wurde zu vier Jahren Gefängnis und zur Kostenübernahme der Untersuchungs- und Verfahrenskosten verurteilt. Er wurde aus dem Bundesdienst entlassen.
Aber auch der Bund und mit ihm die PTT-Betriebe erkannten in diesem Zwischenfall die Verletzlichkeit des Fernmeldesystems. Als Folgerung daraus wurde vermehrt auch auf den Ausbau eines zusätzlichen Netzes (drahtgebunden und drahtlos) gesetzt. Die Fernzentrale Herdern wurde erstellt und die Richtfunktechnik stark ausgebaut.
So wurde unter anderem auch in den Jahren 1990 und 1991, nach mehrjährigen juristischen Einsprachen, der Fernmeldeturm Höhronen in Betrieb genommen. Die Planungen dazu begannen übrigens dazu bereits im Jahre 1977. Mittlerweile liess die Swisscom den Turm im Kanton Schwyz wegen Nichtgebrauchs am Montag 8. November 2004 sprengen. Das Glasfaserkabel hat die bisherige Technik abgelöst.

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Thema
|Tagesschaubeitrag vom 22. Februar 1969|
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