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Nein, beunruhigt sei er nicht. Pierluigi Tami, der Direktor der Nationalmannschaften, gab sich nach dem ernüchternden 1:2 zum Auftakt der Nations League in Prag gegen Tschechien gelassen. «Beunruhigt wäre ich, wenn wir an der WM in drei Spielen nur ein Unentschieden geholt hätten.» Der Tessiner weiss: Noch bleiben gut fünf Monate Zeit bis zum Höhepunkt des Jahres und dem Auftaktspiel in die WM gegen Kamerun.
Tami sagte aber auch: «Wir sind nicht so stark wie im letzten Herbst.» Gerade mit der Nationalmannschaft sei es schwierig, eine gewisse Kontinuität hineinzubringen. Diese ist der SFV-Auswahl nach dem Traumjahr 2022 mit dem EM-Viertelfinal und der WM-Qualifikation abhandengekommen. Eine gute erste Halbzeit gegen England ist der dürftige Leistungsausweis in diesem Frühjahr. Die erste Halbzeit gegen Tschechien war die schwächste, seit Yakin das Team im letzten Sommer von Vladimir Petkovic übernommen hat.
Wirbel um Xhaka
Im Fokus am Tag nach der Niederlage stand Granit Xhaka, obwohl er wie alle Spieler der Startaufstellung im Hotel geblieben war. Der Captain hatte zu später Stunde für Wirbel gesorgt, als er in den sozialen Medien auf einen rassistischen Kommentar eines Users, in dem dieser ihn, Xherdan Shaqiri, Djibril Sow und Noah Okafor aufgrund ihrer Herkunft persönlich angegriffen hatte, mit den Worten «Es wird sich nie ändern» reagierte. Der Verband nahm seinen Captain in Schutz. Tami sprach von einem «Idioten». Fabian Frei, der seinen Teamkollegen noch in der Nacht kontaktiert hatte, sagte: «Dazu gibt es keine zwei Meinungen.»
Auch sportlich hatte Xhaka Anlass zu Diskussionen gegeben. Seine Leistung war wie jene der gesamten Mannschaft ungenügend gewesen. Nach dem Spiel machte er keinen Hehl daraus, dass er mit der taktischen Formation und seiner Positionierung auf dem Feld nicht einverstanden gewesen war. «Die Trainer, die mich kennen, wissen, dass diese nicht meine Position ist, sondern ich lieber etwas tiefer spiele.» Xhaka agierte nicht als Sechser, sondern im Vierer-Mittelfeld auf der Höhe von Remo Freuler und Djibril Sow. Erst nach der Pause und einer taktischen Umstellung kam Xhaka besser ins Spiel.
Die WM-Qualifikation im letzten Herbst hatten die Schweizer ohne ihren Captain geschafft, der wegen eines positiven Covid-Tests sowie einer Knieverletzung die entscheidenden Spiele der Qualifikation verpasste. Im neuen Jahr und seit der Rückkehr Xhakas sind die Schweizer in drei Spielen ohne Sieg. Der Zauber des Herbstes ist verflogen. Das mag alles Zufall sein, schliesslich gehört Xhaka seit Jahren - wie auch beim Sieg gegen Frankreich im EM-Achtelfinal vor einem Jahr in Bukarest - zu den Besten. Klar ist aber, dass der Captain unter Yakin seine Rolle noch nicht gefunden hat.
Reaktion gefordert
Die erste Baisse unter Yakin Xhaka anzulasten wäre allerdings falsch. Gegen Tschechien zog vor allem die Innenverteidigung einen rabenschwarzen Tag ein. Die beiden Gegentore waren Slapstick pur. In der Offensive erspielten sich die Schweizer zwar Torchancen, die Effizienz im Abschluss liess aber zu wünschen übrig. «Wenn der gegnerische Torhüter der Mann des Spiels war, haben wir aber nicht alles falsch gemacht», sagte Tami.
Dank dem chargierten Programm bietet sich Xhaka und Co. bereits am Sonntag die Chance zur Wiedergutmachung. Einen ähnlichen Auftritt wie am Donnerstag können sie sich in Lissabon gegen Portugal mit Cristiano Ronaldo allerdings nicht leisten. «Um gegen Top-Teams zu bestehen, brauchen wir eine Top-Leistung, sonst verlieren wir», so Tami. Der Blick in die Vergangenheit macht dem Nationalmannschaftsdirektor allerdings Mut: «Die Mannschaft hat nach einem schlechten Spiel immer gezeigt, dass sie reagieren kann.» So auch in der letzten Nations-League-Kampagne, als der 1:2-Niederlage zum Auftakt gegen die Ukraine eine starke Leistung und ein 1:1 gegen Deutschland folgten.