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Medienmitteilung Cinémathèque suisse / Silvan Preisig
14. April 2020
1942 in Vevey geboren, absolvierte Francis Reusser ein Studium in Fotografie an der École de photographie in Vevey. Später liess er sich bei der Télévision suisse romande (RTS) zum Kameramann ausbilden, für die er verschiedene Dokumentarsendungen realisierte. Er gehörte mit François Albéra zu den Gründern der Filmabteilung an der Ecole supérieure d’Arts visuel (ESAV) in Genf, der heutigen HEAD.
Seine Laufbahn als Regisseur begann schon 1964 mit «Antoine et Cléopâtre». Zusammen mit Patricia Moraz, mit der er das Drehbuch schrieb, entstand 1976 «Le grand soir», eine desillusionierte Reflexion über die 68er-Unruhen und eine Revolution, die nie wirklich stattfand. Im selben Jahr gewann der Film den Goldenen Leoparden in Locarno. Darauf folgte der Film «Seuls» (1981), der am Zipfel des Genfersees spielt. Wegen den schönsten Farben sei es der Lieblingsfilm von Reusser, so Frédéric Maire in seinem Nachruf (Link siehe unten). In einem Interview mit Lionel Baier würdigte Jean-Luc Godard Francis Reusser und hob hervor, dass dieser seinem Geburtsort immer nahe geblieben sei: «Er hat die Schweiz noch nie verlassen und lebt mit einem Fuss im Wasser, mit dem anderen in den Bergen.»
Mit «Derborence» (1981) adaptierte Reusser ein erstes Mal einen Roman von Charles-Ferdinand Ramuz. Der für den Wettbewerb in Cannes ausgewählte Film erhielt den César für den besten Film in französischer Sprache. 1999 widmete er sich ein zweites Mal Ramuz und adaptierte «La guerre dans le Haut-pays» mit Marion Cotillard und François Marthouret in den Hauptrollen. Der Film spielt in den Jahren 1797/98, als die Truppen Napoleons das Waadtland besetzten. Der Film wurde an der Berlinale im Wettbewerb gezeigt und vertrat die Schweiz bei der Oscar-Verleihung für den besten ausländischen Film.
Im vergangenen Jahr wurde Reusser mit dem mit 50'000 Franken dotierten Grand Prix der Waadtländer Kulturstiftung ausgezeichnet.
Der vollständige Nachruf von Frédéric Maire kann hier nachgelesen werden.
Eine restaurierte Version des Films «Seuls» ist bis am 17. April auf der Website der Cinémathèque suisse kostenlos verfügbar.
Kathrin Halter
16 August 2019