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2700 – Manakara – Farafangana – Fort Dauphin
Nach dem mehrtägigen Aufenthalt in Manakara und einem Ausflug auf dem Süsswasserkanal Pangalanes reisen wir jetzt auf der langen und berühmten Nationalstrasse RN 12 südwärts Richtung Fort Dauphin.
Unterwegs passieren wir mehrere Städtchen wie Vohipeno, Farafangana, Vangaindrano, Manambondro und Manantenina. Zwischen Manakara und Farafangana ist die Strasse noch asphaltiert und in gutem Zustand. Ab Vangaindrano ist sie dann nur noch eine schlechte Piste. Wir werden eine aussergewöhnliche Reise mit 10 Flussquerungen (Fähren) in den tiefen Südosten Madagaskars erleben. Diese Strecke ist ein Muss für Leute, die das Abenteuer suchen.
Ab Manakara fahren wir etwa 40 km südwärts bis Vohipeno. Es ist das Zentrum und die Hauptstadt der Antaimoro-Ethnie. Die Antaimoro – wörtlich übersetzt “die, die an der Küste leben“ – sind eine der etlichen Ethnien im Südosten Madagaskars. Ihre Vorfahren sind zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert aus einem arabischen Land eingewandert. Sie brachten die Kunst des Lesens und Schreibens (mit arabischen Schriftzeichen) mit. Somit sind sie historisch die ersten Madagassen, die lesen und schreiben konnten.
Manakara – Farafangana – Fort Dauphin
Im Dorf Ivato-Savana rund fünf Kilometer östlich von Vohipeno wohnt der Antaimoro-König in seinem königlichen Palast „Fenovola“ (wörtlich übersetzt “voller Geld“). Ein Besuch beim König der Antaimoro ist wirklich ein Erlebnis, etwas Aussergewöhnliches. Vor dem Besuch muss man aber einigen Rituale befolgen: zuerst bei den Dorfbewohnern und dem Dorfchef fragen, ob ein Besuch möglich ist, denn man muss einen Passierschein bekommen und gleichzeitig eine Gebühr bezahlen. Ausserdem braucht es eine Flasche Rum. Der Besuch beginnt dann mit einem Spaziergang entlang des Flusses Matitanana (wörtlich übersetzt “Fluss ohne Arm“). Der König wohnt in einem grossen Holzhaus mit drei heiligen Säulen. Man muss die Schuhe ausziehen, bevor man das Haus betritt. Hier beim König werden alte Handschriften in “Sorabe“ auf Antaimoro-Papier aufbewahrt. Es sind heilige Schriften, die von Zauberern, Angehörigen der hohen Kasten und Adeligen bis heute gelesen werden. Das Sorabe ist die Sprache ihrer Vorfahren. Viele Leute befragen noch heute den König oder seine Berater, um persönliche Probleme zu lösen. Wer noch die Königsgräber besuchen möchte, muss noch einmal eine Gebühr bezahlen und die Ahnen fragen, ob ein Besuch der Gräber möglich ist.
70% der Dorfbewohner in dieser Region sind traditionellerweise Muslime, so sieht man oft Moscheen in den grösseren Orten. Zudem hat die intensive islamische Missionierung zu einer deutlichen Moslemisierung geführt.
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Die Strasse ab Vohipeno ist immer noch eine gute Asphaltstrasse. Nach 50 km überqueren wir einen Fluss. Etwas flussaufwärts liegt das Flussdorf Tangainony, wo es sich gut ein oder mehrere Tage verweilen lässt. Es ist ein idealer Ort für ausgedehnte Spaziergänge, auf denen wir das Alltagsleben der Einheimischen miterleben können. Wir sehen Zebus auf den Weiden oder kleine Kaffeepflanzungen und natürlich Reisfelder. Bei einem Handwerker besuchen wir die Frauen und beobachten, wie sie mit geübten Händen Hüte und Körbe aus Strohbast flechten. In Tangainony gibt es leider kein Hotel.
Manakara – Farafangana – Fort Dauphin
Wir können aber auch ab Vohipeno in gut einer Stunde durch eine grüne Agrarlandschaft entlang des Pangalanes-Kanals den einst beliebten Badeort Farafangana erreichen. Dieser Ort (übersetzt “am Ende der Welt“) ist eine kleine Stadt, in die kaum Touristen gelangen. Doch Farafangana hat eine grosse regionale Ausstrahlung, denn hier gibt es Verwaltung, Gymnasium, Tankstellen, Banken, Krankenhäuser. Auch der Markt ist reichhaltig mit Kaffee, Gewürznelken, Pfeffer, Reis, Früchten. Und natürlich mit allen Waren des täglichen Bedarfs für die weit verstreute Landbevölkerung der Umgebung.
Ab Farafangana wird die Strasse immer schlechter, da der Asphalt viele Löcher aufweist. 30 km südlich von Farafangana finden wir das grosse Spezial-Reservat von Manombo. Mit rund 5000 ha ist dieses Reservat bekannt für Lemuren wie den Weisskragenmaki oder Eulemur cinereiceps, etliche Vogelarten sowie Frösche und Reptilien.
Rund 75 km südlich von Farafangana, immer auf der Nationalstrasse RN 12, erreichen wir das Städtchen Vangaindrano (übersetzt “wo es Wasser zu kaufen gibt“). Dieser sehr fruchtbare Ort liegt inmitten grüner Plantagen und an einem Fluss. Montags findet der Markt statt: Reis, Maniok, Süsskartoffeln, Tropenfrüchte sowie Exportprodukte wie Vanille, Gewürznelken, Gewürze und Kaffee werden hier angeboten. Wie überall ist hier ebenfalls die Rikscha (das Pousse-pousse) das Hauptverkehrsmittel. Ab Vangaindrano wird die Strasse zur Piste. Etwa 85 km südwestlich von Vangaindrano liegt das Dorf Midongy Atsimo, wo sich ein Nationalpark befindet, der aber wegen seiner sehr schlechten Zufahrt schwer erreichbar ist. In diesem unscheinbaren Landstädtchen wuchs übrigens der beste Fotograf Madagaskars, Pierrot Men, auf.
Wir setzen unsere Reise über mehrere Flüsse fort. Hier gibt es keine Brücken. Die Überquerung der Flüsse ist nur mit Fähren möglich. Die 10 Fähren sind in ziemlich gutem Zustand. Einige Fähren werden noch mit einer Handkurbel betrieben, andere sind motorisiert. Wenn es keinen Treibstoff mehr gibt, wird die Plattform an einem Drahtseil auf die andere Seite gezogen. Bereits 20 km südlich von Vangaindrano ist die erste Fähre über den Lac Masianaka.
Manakara – Farafangana – Fort Dauphin
56 km südlich von Vangaindrano fahren wir in den ersten grösseren Ort Manambondro ein, an dessen Ortseingang sich eine Menge Gräber befinden. Der Ort ist ein typischer Küstenort mit Hütten aus Falafa (Material von der Fächerpalme). Später von Manambondro bis Manantenina benötigt man viel Zeit für die Fahrt, denn zwischen diesen beiden Dörfern gibt es einige schwierige Passagen über Granitfelsen. Später ist die Piste erdig, sie wird aber zu einer schmierigen Seifenpiste, wenn es regnet. Im Ort Sandravinany gibt es einen schönen Strand. Auf der gesamten Strecke begleiten uns im Westen malerische Gebirgsketten.
Zwischen Sandravinany und Manantenina müssen wir drei Fähren benützen: Befasy, Esama und Manambato. Für diese Strecke von rund 50 km muss man mindestens fünf Stunden Zeit einrechnen. In Manantenina gibt es ein einfaches Hotel. Zwischen Manantenina und Fort Dauphin ist die Piste sandig oder steinig, aber relativ gut, wir fahren durch viele wasserführende Bachbette (Furten).
Die Strecke zwischen Manantenina und Fort Dauphin (107 km) zu bewältigen, dauert sicher acht Stunden, mit fünf Fähren. Die Benützung der Fähren ist im Prinzip gratis, aber man gibt den Fährenmännern in der Regel etwas Trinkgeld. Die Strasse führt teilweise über Granitfelsen und es gibt mehrere schwierige Passagen. Über ein ständiges Auf und Ab nähern wir uns der Stadt Fort Dauphin, auf madagassisch Tolagnaro. Fort Dauphin liegt auf einer Halbinsel und ist auf drei Seiten vom Meer umgeben. Ab Fort Dauphin sind mehrere Exkursionen möglich: Bucht von Lokaro, Evatra, Reservat von Nahampoana, Botanischer Garten.
Die rund 1300 km lange Strecke von Manakara bis Fort Dauphin ist wirklich aussergewöhnlich, oft ändert sich die Landschaft und gleichzeitig lernen wir verschiedene Kulturen kennen.
Januar 2021, geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch