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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1987 von Thomas Bitterli-Waldvogel
Die Ausgrabungen von 1901 bis 1903 und 1939 bis 1941 sowie die archäologischen Sondierungen vom Sommer 1983 erbrachten zahlreiche Detailbeobachtungen, die es ermöglichen, die Baugeschichte der Burg in den Grundzügen zu rekonstruieren1. Wie die meisten Burgen unserer Region ist auch die Burg Wädenswil nicht in einem Zuge in der heute uns vorliegenden Grundrissform entstanden, sondern ist aus kleinem Anfang in mehreren Etappen, die sich über 300 Jahre erstreckten, zur heutigen Grösse gewachsen.
Burghügel Alt-Wädenswil. Situation vor 1200.
Der erste Wohnsitz der Freiherren von Wädenswil
ist uns nicht sicher bekannt. Wohl wird im Jahre 1130 erstmals ein Wädenswiler Freiherr in einer Urkunde erwähnt2, doch zeigen die heute auf dem Burgplatz stehenden Mauerpartien keine Merkmale solch früher Entstehungszeit (Anfang 12. Jahrhundert). Der sogenannte Freiherrenturm ist jünger, wie unten noch genauer ausgeführt wird. Da der felsartige Hügelrücken, der deutlich aus dem flachen Umgelände herausragt, ein gut geeigneter Platz für den Bau einer Burg darstellt, können wir vermuten, dass am Platz des späteren Freiherrenturmes doch bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts eine einfache Burg stand. Aus Ergebnissen von Untersuchungen vergleichbarer Burgen aus jener Zeit müssen wir uns diese erste Burg als einfachen Bau mit Ringmauer aus Stein und hölzernen Wohnbauten im Innern vorstellen3. Leider erbrachten die Sondierungen von 1983 keine konkreten Anhaltspunkte, die diese Hypothese bestätigen würden, sodass wir auch damit spekulieren müssen, dass die ersten Wädenswiler Freiherren im 12. Jahrhundert gar nicht auf diesem Felsrücken wohnten, sondern an einem uns heute noch nicht (oder nicht mehr) bekannten Ort hausten.
Der Freiherrenturm mit Anbauten
Die Freiherren von Wädenswil übten neben anderem das Amt des Truchsessen (Hausverwalter, Küchenmeister) beim Abt von Einsiedeln aus. In dieser Funktion scheinen sie zu Beginn des 13. Jahrhunderts zu solchen Ehren und zu solchem Reichtum gelangt zu sein, dass sie sich den Bau einer massiven Steinburg an diesem Platz leisten konnten. Die Erbauungszeit des Turmes können wir aus der Art der Mauerstruktur erschliessen. In der Zeit um 1200 wurde in der Burgenarchitektur unserer Region ein Mauerwerk verwendet, das aus überaus grossen Steinblöcken besteht; in der Fachsprache nennt man dies ein Megalithmauerwerk4. Und in eben dieser Art sind die Fundamentmauern des Freiherrenturms erbaut. Gut zu erkennen sind die bis zu 2 Meter langen, 1 Meter hohen und vermutlich ebenso tiefen Blöcke an der Ostseite des Turmes (über dem Zwischengraben) und an der Südseite. Im Gegensatz zu Türmen mit vergleichbarem Mauerwerk5, die quadratischen Grundriss aufweisen, wurde hier ein unregelmässiger fünfeckiger Grundriss gewählt, der den kleinen Platz auf dem Felskopf optimal ausnützte. Bei Mauerdicken von 3,2 Meter im Fundamentbereich blieb wohl wenig Platz für Wohnraum. Doch es ist anzunehmen, dass die Mauerstärke in den oberen Bereichen abnahm und mehr Raum zum Wohnen gab. Nach Notizen aus dem 18. Jahrhundert, die damals noch einen zirka 9 Meter hohen Turm erwähnten, können wir schliessen, dass der Turm mindestens drei Stockwerke hoch war, möglicherweise sogar noch höher6.
Beim Betrachten der grossen Steinblöcke im Fundament des Turmes stellt sich unwillkürlich die Frage, wie die damaligen Bauleute diese Steine über den tiefen Graben brachten. Es ist durchaus denkbar, dass zu Baubeginn der Felskopf mit dem östlich dahinter liegenden Gelände noch einen zusammenhängenden Rücken bildete, sodass die Steine bis an den Fuss der Mauer auf ebenem Gelände herangeschleppt wurden und erst dann hochgehoben werden mussten. Nach Vollendung des Turmbaues brachen dann die Bauleute den 11 Meter breiten Quergraben aus dem «nagelfluhartigem» Gestein7; gleichzeitig gewannen sie damit weiteres Baumaterial für den Turm und die nördlichen Vorbauten. Eine genaue Untersuchung des Grabenprofils ergab, dass dieser Zwischengraben ursprünglich nicht ganz so tief war wie heute; ein markanter Absatz zeigt an, dass sich die Grabensohle etwa 4 Meter tiefer als das Turmfundament befand, was als Annäherungshindernis vollkommen genügte.
Burg Alt-Wädenswil. Erster Bauabschnitt 1200 bis 1450.
Burg Alt-Wädenswil. Zweiter Bauabschnitt 1450 bis 1557.
Es ist anzunehmen, dass bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts in diesem Graben der Brunnen eingerichtet wurde, denn eine wasserführende Schicht befand sich nur wenige Meter unter der Sohle. Unklar ist heute noch, wie die damaligen Bewohner das Wasser aus dem Brunnen holten. Mussten sie jedes Mal aus der Burg in den Graben steigen, oder konnten sie mittels einer Schöpfvorrichtung direkt vom Turm aus das Wasser holen? Denkbar wäre eine Art Erker an der Ostwand des Turmes oder eine schmale Brücke, die über dem Brunnen den Graben überspannte.
Heute gelangen wir auf einem schmalen Weg von Norden her in den nordwestlichen Vorbau und von dort über eine in den Fels gehauene Treppe in den Freiherrenturm. Wie die mittelalterlichen Bewohner aber in den Turm gelangten, ist nicht restlos geklärt. Bei den ersten Ausgrabungen 1901 bis 1903 wurde in der Westwand des nordwestlichen Vorbaus ein bogenförmiger Mauerausbruch entdeckt, den man im Zusammenhang mit der Treppe im Fels als ehemaliges Zugangstor interpretierte8. Und daraus wurde abgeleitet, dass der Zugang zum Turm sich hier befand, was aber, wie das Modell der Burg Wädenswil im Ritterhaus Bubikon zeigt9, mit einiger Kletterei verbunden war, stellte man sich doch nur eine einfache Holzleiter als Zugang vor! Die Untersuchungen von 1983 kommen zu einer wesentlich bequemeren Lösung. Denn beim genaueren Betrachten des nordöstlichen Vorbaus stellte sich heraus, dass die schmale Ostseite eine Art Schwelle darstellt. Gleichzeitig stellte man fest, dass auf der anderen Seite des Grabens, auf gleicher Höhe, ein schmaler Weg im Felsen gegen Osten führte. Aus diesen Beobachtungen können wir schliessen, dass entlang dem nördlichen Fuss des Felsabhanges von Osten her ein schmaler, vielleicht etwa 1,5 Meter breiter Weg an den Ostrand des Grabens führte, diesen mittels einer einfachen Holzbrücke überquerte und im nordöstlichen Vorbau endete. Nach den Spuren im Fels zu schliessen, war dieser Vorbau sehr hoch, das heisst, er reichte mindestens bis an die Fundamentkante des Hauptturmes und war auf einfache Art mit dem Felsen verzahnt. Mit einiger Vorsicht können wir deshalb diesen nordöstlichen Vorbau als eine Art Treppenturm bezeichnen, in dessen Innerem eine Holztreppe über mehrere Zwischenböden zum Haupteingang des Turmes führte, der sich demnach wohl in der Nordostecke befand. Dieser Treppenturm stellt kein eigentliches fortifikatorisches Element dar, etwa in der Art eines Zwingers, sondern diente lediglich den Treppenbenützern als Schutz vor der Witterung. Deshalb waren die Mauern auch nur gerade so dick wie es die Konstruktion verlangte, nämlich 1 Meter.
Wohl etwas jünger ist der nordwestliche Anbau, denn seine Mauern stossen mit einer deutlichen Fuge an den Wohnturm an. Der Vorbau bildet im Grundriss ein unregelmässiges Viereck und besteht aus den drei 1,4 bis 1,6 Meter dicken Mauern und der mächtigen Nordwestwand des Wohnturmes. Dieser Bau steht auf einem vom Hauptfelsen abgerutschten kleinen Felskopf. Da der Baugrund offenbar als zu wenig sicher erschien, wurden die Mauern mit Holzbalken armiert. Ein Balkenkanal längs der Ostmauer wurde bei den Sondierungen 1983 entdeckt.
Der Boden des untersten Geschosses enthält einen glattgestrichenen Mörtelgussboden, der allseitig an die Mauern anschliesst. Etwa 2,5 Meter über diesem Mörtelboden, auf gleicher Höhe wie der unterste Tritt der Felstreppe, ist in der Felswand eine Nut zu erkennen, die nur gerade so breit ist wie ein Bodenbrett; hier schloss also ein Bretterboden an die Felswand an.
Welche Funktionen dieser Vorbau hatte, können wir nur indirekt aus Fundstücken und historischen Nachrichten erschliessen. Bei den Grabungen im Jahre 1903 wurden Werkstücke aus Sandstein gefunden, unter anderem ein Schlussstein mit dem Kopf Johannes des Täufers und das Bogenfragment eines Masswerkfensters. Der Kunsthistoriker Rudolf Rahn hat diese Trümmer als gotische Bauteile einer Burgkapelle interpretiert und folgerte daraus, dass in diesem Mauergeviert die Kapelle gestanden haben muss10. Als Entstehungszeit wird die Zeit um 1300 angenommen, also die Zeit, in der die Ordensritter der Johanniter die Burg bewohnten. 1287 verkaufte ja der letzte Wädenswiler Freiherr Rudolf (III.) Burg und Herrschaft Wädenswil an den Johanniterorden, der bis anhin seine Niederlassung in Bubikon hatte11. Vermutlich war im Wohnturm des Ritters keine (oder eine zu kleine) Kapelle vorhanden, sodass die in Art einer Mönchsgemeinschaft zusammengeschlossenen Johanniterritter (schwarzer Mantel mit achtspitzigem weissem Kreuz) sofort eine Kapelle auf ihrer neuerworbenen Burg einrichten mussten. 1316 wird im Zusammenhang mit einer Jahrzeitstiftung auf der Burg die Kapelle erwähnt, welche wahrscheinlich erst kurz zuvor fertiggestellt wurde12.
Da der massive Wohnturm mit seinen bis zu 4 Meter mächtigen Mauern immer noch vor unerwünschtem Zutritt als zu ungenügend geschützt erschien, wurde nach dem Bau der Burg der Felskopf rundum künstlich versteilt, das heisst zu einer fast senkrechten Felswand abgearbeitet. Gegen Osten zu verwehrte der bereits erwähnte Graben den Zugang, die Nord- und Westseite waren auf natürliche Weise durch steile Felswände gesichert. Einzig an der Südseite ging der Felskopf nach wenigen Metern in das flache Vorgelände über. Deshalb wurde an dieser Stelle aus dem lockeren Moränenuntergrund ein mächtiger Graben ausgehoben, von dessen schmaler Sohle aus der Felskopf und die darauf stehende Burg noch unnahbarer erschienen.
In dieser Weise geschützt, diente der Wohnturm mit Treppenturm und Kapellenanbau den Johannitern mehr als 150 Jahre lang als Verwaltungssitz der Kommende Wädenswil.
Ausbau der Burg um 1450
Von 1445 bis 1460 stand der Komturei Wädenswil der Komtur Johannes Lösel vor. Urkundlich wird erwähnt, dass er 1454 den Bau einer Ringmauer und einer Toranlage bei der Burg veranlasste13. Im Weiteren wird in einem Brief aus dem Jahre 1458 berichtet, dass der Komtur mit grossem Aufwand die Burg vergrössert haben soll14. Es ist also anzunehmen, dass um die Zeit von 1450 die alte Burg der ehemaligen Wädenswiler Freiherren modernisiert und zur heute bekannten Grösse ausgebaut wurde.
Wie die Sondierungen von 1983 zeigen, wurde zuerst der ältere Teil der Burg, der Freiherrenturm, umgebaut. Am Fuss des Felskopfes breitet sich eine Schuttschicht aus, die vor allem Ofenkacheln enthält, die in der Zeit von 1350 bis 1450 in Gebrauch waren. Daraus können wir schliessen, dass die vielleicht hundert Jahre alten Kachelöfen herausgerissen und durch neue, schönere ersetzt wurden. Es sind dies jene grünen gotischen Blattkachelöfen, von denen bei allen Grabungen und Sondierungen immer wieder grössere Bruchstücke zum Vorschein gekommen sind15. Gegenwärtig kennen wir von der Burg Wädenswil etwa 60 verschiedene Motive, die diese neuen Öfen von 1450 verzierten.
In der erwähnten Schuttschicht lag auch eine grössere Anzahl von Hohlziegeln, was darauf schliessen lässt, dass der Freiherrenturm vor 1450 mit diesen Ziegeln gedeckt war. Diese wurden beim Umbau durch die neu aufkommenden, flachen Biberschwanzziegel ersetzt, die in grossen Mengen in der jüngeren Abbruchschicht zu finden waren16. Vermutlich gleichzeitig mit der Modernisierung des älteren Wohnturmes wurde auf der östlichen Fortsetzung des Felsrückens das grosse, sogenannte Johanniterhaus erbaut (später auf etwa 1330 korrigiert!); es bildet im Grundriss ein unregelmässiges Viereck mit durchschnittlichen Innenmassen von 27 auf 24 Metern.
Die 1,2 bis 2 Meter dicken Mauern wurden an den Rand des Felskopfes gesetzt, wodurch ein Platz von rund 650 Quadratmetern entstand. Zwei Illustrationen in einer Kopie der Chronik von Gerold Edlibach (entstanden um 1500) zeigen das Johanniterhaus mit mindestens drei Stockwerken und einem grossen Walmdach17. Im Jahre 1550 wurden zwei Hausratsinventare aufgenommen, die eine grössere Anzahl von Räumen in der Burg erwähnen. Leider waren die Lokalitäten aber nicht nach Gebäuden ausgeschieden, sodass wir heute nicht wissen können, welche Räume sich im Johanniterhaus befanden18. Das Steinmaterial für den Neubau gewannen die Bauleute in unmittelbarer Umgebung; östlich vor dem neuen Haus wurde nämlich der Felsrücken abgetragen. Dadurch entstand ein 25 Meter breiter, bis zu 10 Meter tiefer, trogförmiger Graben. Auch südlich des neuen Gebäudes wurde der Felsuntergrund abgetragen. Der bereits bestehende Graben vor dem Freiherrenturm wurde gegen Osten verlängert und mit dem Quergraben verbunden. Dabei entstand südlich vor dem Johanniterhaus ein 6 Meter breiter, 8 Meter tiefer, trogförmiger Graben mit beinahe 5 Meter hohen, senkrechten Seitenwänden.
Burg Alt-Wädenswil. Freier Rekonstruktionsversuch des ersten Bauabschnitts über massstabgetreuem Grundriss.
Burg Alt-Wädenswil. Freier Rekonstruktionsversuch des zweiten Bauabschnitts über massstabgetreuem Grundriss.
Dass die Burggräben nicht um ihrer selbst willen herausgebrochen wurden, sondern die nützliche Folge der Steingewinnung waren, zeigt sich daran, dass der Ostgraben nur teilweise auf ein tieferes Niveau ausgebrochen war. Der etwa 1 Meter hohe Felsriegel mitten im Graben markiert die Stelle, wo die Bauleute mit dem Ausbruch aufhörten, weil sie keine Bausteine mehr benötigten.
Mit dem Bau des Johanniterhauses wurde auch der Zugang zur Burg an die Südseite verlegt und völlig neu gestaltet. Am äusseren Rand des Grabens wurde ein länglicher Vorhof mit Tor gebaut. Von diesem ummauerten Vorgelände gelangte man über eine Zugbrücke, 1489 als «valprugg» bezeichnet, zum Eingangstor in der Südwestecke des Johanniterhauses. Wahrscheinlich wurde der alte Zugang zum Freiherrenturm verschlossen, vielleicht sogar der Treppenturm abgebrochen; zum Freiherrenturm gelangte man jedenfalls seit 1450 über einen hölzernen Laubengang, der Johanniterhaus und Freiherrenturm über dem Zwischengraben miteinander verband19.
Trotz der breiten und tiefen Gräben, die sich südlich und östlich um die Felsköpfe ausbreiteten, glaubten die Johanniter, nicht auf eine geschlossene Ringmauer verzichten zu können. Und da auf der Innenseite der beiden Gräben kein Platz vorhanden war, wurde die Mauer eben an die Aussenseite verlegt. Der Bau der Ringmauer ist erst nach Abschluss der Umbauten auf dem Freiherrenturm erfolgt, da im Bereich des Freiherrenturmes die Mauer auf dem Umbauschutt steht. In unregelmässigem Verlauf umschliesst die mit vier Türmen ausgestattete Mauer die beiden nun isolierten Felsköpfe und die innenliegenden Gräben. Jeder der vier Mauertürme war anders gestaltet: der Turm an der Südostecke, der wohl dazu diente, das äussere Burgtor zu überwachen, hatte quadratischen Grundriss, während der Turm in der Nordostecke, ebenfalls gegen das Vorgelände gerichtet, keilförmig war; in der ohne Graben gesicherten Nordmauer befinden sich ein quadratischer und ein halbrunder, nach innen offener Schalenturm. Der bereits erwähnten Zeichnung in der Edlibach-Chronik ist zu entnehmen, dass die Ringmauer teilweise einen Zinnenkranz trug20. Auch ein Wehrgang muss vorhanden gewesen sein, denn in einem Bericht über einen Belagerungsversuch21 anlässlich des Waldmann-Handels 1489 wurden «werinen» erwähnt, die von den Johannitern besetzt worden seien. Obwohl die Ringmauer diesem Belagerungsversuch widerstand, hatte die Mauer doch nur bedingt fortifikatorischen Charakter, denn bei einem gezielten Angriff mit allen Mitteln konnte die Mauer wohl kaum grossen Widerstand leisten, denn die knapp 1 Meter dicke Mauer war kaum im Boden verankert und wäre mit Leichtigkeit zu untergraben gewesen.
Das Trinkwasser für die Burgbewohner lieferte weiterhin der im Zwischengraben liegende Brunnen, dessen Schacht wohl etwas verkürzt wurde, da nämlich auch das Niveau des Grabens gesenkt wurde. Es ist denkbar, dass zum besseren Schutz bei Belagerungen der Brunnenkranz zu einem Rundturm aufgebaut wurde, der an zwei Stellen seitlich mit dem Fels des Freiherrenturmes verbunden war. Freiherrenturm und Johanniterhaus waren ja durch eine Brücke miteinander verbunden. Vermutlich reichte der Brunnenturm bis zu diesem Übergang, sodass die Bewohner beider Gebäude von hier aus das Wasser bequem aus dem Brunnen schöpfen konnten.
Für diese Modernisierung und den Ausbau der Burg musste die Kommende eine grössere Geldsumme bereitstellen. In einem Brief aus dem Jahre 1458 wird erwähnt, dass der Komtur Lösel für diese Bautätigkeit auf der Burg Wädenswil etwa 2500 Gulden aufgewendet hatte22. Dass dies eine beachtliche Summe war, geht aus folgendem Kostenvergleich hervor: 1467 verpfändete der Habsburger Herzog Sigismund von Österreich die Stadt Winterthur mit allen Rechten und Einkünften an die Stadt Zürich um die Summe von 10‘000 Gulden23. Die Baukosten in Wädenswil betrugen also vergleichsweise rund einen Viertel des Pfändungswertes einer mittleren Stadt!
Das Ende der Burg 1557
In dieser heute noch erhaltenen Grundrissform mit Freiherrenturm, den beiden nördlichen Anbauten, dem Johanniterhaus, dem Brunnenturm, der Ringmauer, den vier Mauertürmen, äusserer Toranlage und Gräben wurde die Burg Wädenswil während knapp weiteren hundert Jahren von den Johannitern bewohnt. Zeitweise befand sich auch ein Spital in der Burg, das die Johanniter betrieben, weil die Krankenpflege zu ihren Ordensaufgaben gehörte.
Im Jahre 1549 erklärte sich der Orden bereit, Burg und Herrschaft Wädenswil an die Stadt Zürich zu verkaufen. In der Folge kam es zu einen politischen Nachspiel24 zwischen Zürich einerseits und Glarus und Schwyz andererseits. Der benachbarte katholische Ort Schwyz wollte so nahe seiner Grenze, (zirka 1 Kilometer) keine solche gut ausgebaute Festung in den Händen der reformierten Zürcher sehen. Nach langen, zähen Tagsatzungsverhandlungen in Baden wurde 1550 beschlossen, dass Zürich die Burg binnen dreier Jahre schleifen müsse. Zweimal wurde die Frist verlängert, bis dann im Frühjahr 1557 die Burg tatsächlich bis auf das unterste Stockwerk abgetragen und die Gräben mit Bauschutt aufgefüllt wurden.
Thomas Bitterli-Waldvogel
Anmerkungen
1 J. ISLER/A. KITT, Die Burg Wädenswil, Wädenswil 19423. Th. BITTERLT, Burg Alt-Wädenswil, Bericht über die Sondierung im Sommer 1983, in: Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins (NSBV) 1984/1.
2 Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich (UBZ), Zürich 1888-1957, Bd. I, Nr. 279.
3 W. MEYER, Frühe Adelsburgen zwischen Alpen und Rhein, in: NSBV 1984/3.
4 A. ANTONOW, Planung und Bau von Burgen im Süddeutschen Raum, Frankfurt 1983, S. 241.
9 Modell von Walter Müller im Ritterhaus Bubikon. Gute Abbildungen in P. ZIEGLER, Burgruine Wädenswil, Wädenswil 1986, S. 17-20.
10 ISLER/KITT, Wädenswil, S. 22/23. 11 UBZ, Bd. V, Nr. 1999. 12 P. ZIEGLER, Burgruine Wädenswil, S. 16. 13 JOHANNES STUMPF, Gemeiner loblicher Eydgenoschaft Stetten,..., Zürich 1548, Buch 6, fol. 145a. 14 Staatsarchiv Zürich, A 150/1 (18.5.1458). 15 P. ZIEGLER, Die Ofenkeramik der Burg Wädenswil, in: Mitteilungen der Antiuarischen Gesellschaft in Zürich, Bd. 43/3 (1968).
16 Ausführliche Beschreibung der Schichtenprofile in: Th. BITTERLI, Burg Alt-Wädenswil (vgl. Anmerkung 1). 17 ZBZ Ms. A 77, S. 141/142; Abb. 14 in P. ZIEGLER, Burgruine Wädenswil, S. 15. 18 P. ZIEGLER, Ofenkeramik, S. 12-21. 19 Deutlich zu sehen in den Illustrationen zur Edlibach-Chronik, Vgl. Anmerkung 17. 20 Vgl. Anmerkung 17. 21 E. GAGLIARDI, Dokumente zur Geschichte des Bürgermeisters Hans Waldmann (Quellen zur Schweizer Geschichte, NF II/2, Basel 1913), Bd. 2 S. 242/243.
22 Vgl. Anmerkung 14. 23 W. GANZ, Die Verpfändung der Stadt Winterthur an Zürich im Jahre 1467, in: Zürcher-Chronik 3/1967, S. 44-58. 24 P. ZIEGLER, Ofenkeramik, S. 5-22.