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Wissenschafter der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) haben eine Methode entwickelt, mit der tödliche Krankheiten schneller diagnostiziert werden können.
Die Technik könnte auch die Herstellung von Medikamenten beträchtlich beschleunigen.
Die neue Methode soll ermöglichen, eine tödlich verlaufende Infektionskrankheit in wenigen Minuten zu diagnostizieren, wie die ETH Lausanne (EPFL) am Mittwoch mitteilte. Die deutsche Fachzeitschrift "Angewandte Chemie" würdigt die Entdeckung gar mit einer Titelstory.
Ein Tropfen Blut genügt
Zur Erstellung einer Diagnose genügt ein einziger Blutstropfen, um den Virustyp oder die Bakterie zu erkennen, welche die Krankheit auslöst. Die Methode erlaubt eine äusserst schnelle Analyse der Wechselwirkungen zwischen dem Blutstropfen und den Molekülen, welche die Präsenz von Bakterien und Viren anzeigen.
"Diese Entdeckung könnte in Zukunft bei Diagnosen und der Entwicklung neuer Medikamente eingesetzt werden", sagt Dimitrios Stamou, Doktor am Laboratorium für die physische Chemie von Polymeren und Membranen und einer der Väter der neuen Methode, gegenüber swissinfo.
"Dass eine Infektionskrankheit, die sich in einigen Stunden als tödlich herausstellen kann, in wenigen Minuten diagnostiziert wird, ist eine der künftigen Anwendungen dieser neuen Technik."
Testen in der dritten Dimension
Bisher werden Diagnosen von Bakterien und Viren auf einer Glasscheibe durchgeführt, die so genannte zweidimensionale Analyse. Die neue Methode basiert nun auf winzigen, dreidimensionalen Bläschen, in welchen die Viren chemisch eingeschlossen werden.
Der Vorteil: Darin können nicht nur Verbindungen, sondern auch Reaktionen der Moleküle untereinander beobachtet werden. "Dort sind sie in einem natürlicheren Umfeld und fühlen sich daher 'wohler'", erklärt Stamou den Effekt. Und daher sei die Methode schneller in der Diagnose tödlicher Überträger.
"Wir interessieren uns hauptsächlich dafür, die aktuellen Krankheiten zu erkennen. Die neue Methode erlaubt die schnelle Diagnose von Viren oder Bakterien, indem die Probe des Patienten mit schon bekannten Proben verglichen wird."
Daher kann die Methode ihre Vorteile nur bei schon bekannten Krankheiten ausspielen. "Die Technik wird nicht dazu verwendet, neue Viren zu entdecken, wie beispielsweise SARS", bestätigt Stamou.
Erst in einigen Jahren anwendbar
Jetzt, da die chemischen Aspekte geklärt seien, gehe es daran, die biologischen Anwendungen auszuarbeiten. "Es hängt stark davon ab, wie viele Leute am Projekt arbeiten werden. Zwischen 3 und 5 Jahre dürfte es schon dauern, bis die Technik kommerzialisiert und anwendbar ist", schätzt der Forscher.
Doch auch dann wird es wohl einige Zeit dauern, bis die Tests wirklich angewandt werden. "Es ist etwas, das wir nicht heute oder morgen übernehmen könnten", sagt Christian Griot, Direktor des Instituts für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI) in Mittelhäusern.
"Neue Tests müssen zuerst validiert werden. Ein solcher Validierungs-Prozess dauert im Normalfall ein halbes Jahr."
swissinfo
Fakten
Viren und Bakterien sollen neu in winzigen Blasen analysiert werden
Grösse der Blasen: einige Attoliter
1 Attoliter (al) = 0,000000000000000001 Liter
In Kürze
Wissenschafter der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne haben eine neue Methode zur Diagnose von Viren und Bakterien gefunden.
Mit dem neuen Schnelltest soll ein Virus oder Bakterium innert Minuten analysiert werden können.
Der Test soll Leben von Patienten retten können, die mit einer Krankheit infiziert wurden, deren Verlauf sonst innert kurzer Zeit zum Tod führt.
Die Einführung des Tests dürfte jedoch erst in ungefähr fünf Jahren möglich sein.