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Sie sind seit ungefähr 30 Jahren käuflich zu erwerben und erfreuen sich immer noch wachsender Beliebtheit bei Uhrenfans weltweit: die Funkuhren. Warum aber empfehlen so viele Uhrmacher die Funkuhren? Und welche Modelle sind für die Damenwelt besonders begehrenswert?
Die Funktionsweise der Funkuhren
Funkuhren sind Quarzuhren, die durch einen Schwingquarz in Takt gehalten werden. Sie sind deshalb als besonders präzise bekannt, weil man sie nicht von Hand auf die richtige Zeit einstellen muss. Stattdessen wird in der Funkuhr eine von einem Zeitzeichensender gesendetes Signal empfangen. Auf der Basis dieser Uhrzeit wird dann die Quarzuhr genau eingestellt. Das bedeutet natürlich, dass die Funkuhr einen Empfänger braucht: den Geradeausempfänger. Der Zeitsignalsender ist ein Langwellensender. Solche Sender gibt es u. a. in Mainflingen bei Frankfurt am Main, im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Japan, den USA und früher auch in der Schweiz.
Die Geschichte der Funkuhren
Der Erfinder der digital codierten Übertragung von Zeitsignalen war Wolfgang Hilberg, der zur Zeit seiner Erfindung im Jahr 1967 für die deutsche Firma Telefunken arbeitete. Später bekleidete Hilberg eine Professur für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Darmstadt. Als Professor entwickelte er die wichtigsten Bauteile der Funkuhren und auch ihre ersten Prototypen selbst. Ab 1973 strahlte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig Zeitsignale einer Cäsiumuhr aus. Damit konnten Grossuhren mit entsprechender Technik besonders präzise funktionieren. Der Sender DCF77 ist heute noch in Betrieb. In den 1970er Jahren wurden Funkuhren nur in sehr kleiner Stückzahl gebaut und dienten meist professionellen Zwecken. Privatkunden konnten sich seit den frühen 1980er Jahren an ihrem eigenen Exemplar erfreuen. Die Erfindung der ersten Integrierten Schaltung U2775B bei der Firma Telefunken machte es möglich, preiswerte Funkuhren in Massenproduktion herzustellen.
Warum viele Länder die Sommerzeit kennen
Die Sommerzeit ist in vielen Ländern eine Uhrzeit, die im Verhältnis zur gewöhnlichen Zonenzeit um eine Stunde vorgestellt ist. Diese Uhrzeit gilt während des Sommerhalbjahres als gesetzliche Zeit. Sinnvoll ist eine solche Regelung meist nur in Ländern, die zu den gemässigten Klimazonen gehören. Die Sommerzeit Mitteleuropas fängt am letzten Sonntag im März um 2:00 Uhr in der Nacht an. Dann wird die Zeit um eine Stunde vorgestellt. Der Zeitraum der Sommerzeit endet am letzten Sonntag im Oktober um 3:00 Uhr in der Nacht. Dann wird die Uhrzeit wieder eine Stunde zurückgestellt. Das heisst, dass die Winterzeit die eigentlich „normale“ Zonenzeit ist.
Die schweizerische Geschichte zur Sommerzeit ist kurvenreich. Schon in den Jahren 1941 und 1942 galt in der Schweiz von Anfang Mai bis Anfang Oktober die Sommerzeit. Diese Regelung wurde gleichzeitig mit den Nachbarländern eingeführt. Vor allem die schweizerischen Bauern waren dagegen. Daher sammelten viele Sommerzeit-Gegner Unterschriften für ein Referendum, welches schliesslich zur Volksabstimmung am 28. Mai 1978 führte. Dabei wurde die Sommerzeit deutlich abgelehnt. Damit wurde die Schweiz während der Sommerzeit anderer Nachbarländer zu einer Zeit-Enklave. Am 21. März 1980 erliess die Regierung das sogenannte Zeitgesetz, welches die Sommerzeit in der Schweiz wieder einführte. Wieder strengten Gegner eine Unterschriftensammlung an. Die erforderliche Mindestanzahl von 50.000 Unterschriften wurde aber nicht mehr erreicht. So konnte das Gesetz am 01. Januar 1981 umgesetzt werden. Das befürchtete Chaos, welches durch die Neuregelung einsetzen sollte, blieb aus.
Nachtrag
Der Erfinder der Funkuhr
Zum fünften Todestag Wolfgang Hilbergs am 23.02.2020
Er war unbestreitbar eines der grössten Genies in der jüngeren, technisierten Entwicklung der Uhr: Wolfgang Hilberg. Als er am 23. Februar 2015 in Gross-Bieberau starb, hinterliess er stolze 45 Patente. Sein wichtigstes Patent war die Funkuhr.
Der deutsche Ingenieur wurde am 7. Februar in Giessen geboren und bekleidete bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 einen Lehrstuhl für Elektrotechnik an der Technischen Universität Darmstadt.
Hilbergs Werdegang und seine grosse Erfindung
⬈ Wolfgang Hilberg beendete sein Studium der Elektrotechnik in Darmstadt mit Diplom im Jahr 1958. Kurz danach wurde er Ingenieur am Forschungsinstitut der Telefunken AG. Als externer Doktorand wurde er hier fünf Jahre später promoviert. Sein Doktorvater war Karl Küpfmüller, der sich vor allem in der Nachrichtentechnik einen Namen gemacht hatte.
Schon 1967 entwickelte Wolfgang Hilberg – immer noch Mitarbeiter der Telefunken AG – die digitale Übertragung für Zeitsignale und damit den wichtigsten Baustein für Funkuhren. Noch im selben Jahr liess Hilberg sein Patent eintragen. Fünf Jahre später berief die TU Darmstadt ihn als Professor für Digitale Schaltungen und Speicher. Diese Professur war im Fachbereich Elektrotechnik angesiedelt. Hier erfand Hilberg die ersten Prototypen von Funkuhren und ihrer wichtigsten Bausteine. Hilberg versuchte, verschiedene deutsche Uhrenhersteller dazu zu motivieren, eine Massenproduktion der Funkuhr in Gang zu setzen. Tatsächlich begann diese aber erst ab dem Jahr 1986 – also nachdem das Patent abgelaufen war.
Hilberg blieb der TU Darmstadt bis zu seinem 68. Lebensjahr treu. Im Jahr 2011 wurde ihm der Eduard-Rhein-Technologiepreis verliehen.
Wann erschien die erste Funk-Armbanduhr?
Die erste Armbanduhr, die mit Funksignalen funktionierte, kam 1990 in die Geschäfte. Funkuhren sind Quarzuhren, die also mit einem Quarzkristall ausgestattet sind. Dieser verändert unter Einfluss von Strom seine Grösse. Durch diese Technik, die 1929 in den USA entwickelt wurde, wurden das Pendel oder die Feder überflüssig. Die Funkuhr besitzt einen Funkempfänger, mit dessen Hilfe sie regelmässig die Uhrzeit mit einer Atomuhr abgleicht. Während andere Quarzuhren meist keine hundertprozentige Ganggenauigkeit haben, vermeidet die Funkuhr dieses Problem: Sie passt sich mindestens einmal am Tag an die Präzision der Atomuhr an. Auch Sommerzeit und Winterzeit werden so automatisch eingestellt.
Bild von https://www.pexels.com/photo/brown-tower-beside-sea-570068/