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Pierin Vincenz und sein Kompagnon Beat Stocker versuchten mit Hilfe eines ebenfalls angeklagten Immobilien-Investoren, der Raiffeisen das Stadion des Fussball-Clubs Thun zu verkaufen.
Laut der Zürcher Staatsanwaltschaft hätten sich die drei im 2014 darauf geeinigt, dass ein Teil des Gewinns bei Vincenz landen würde.
Das Geschäft scheiterte. Eine Fussball-Arena im Besitz der Raiffeisen – das war selbst den internen Kontrollgremien der dritten Kraft im Land zu viel.
Vincenz, der als CEO der Bank lange ungebremst schalten und walten konnte, musste Anfang 2015 die Waffen strecken. Kurz darauf gab er überraschend seinen Rücktritt auf Herbst 2015 bekannt.
Mit dem Verkauf der Thuner Fussball-Arena hätten sich die Hauptbeschuldigten „nicht gebührende Vorteile“ verschaffen wollen, so die Strafbehörden von Zürich.
Beim Immobilien-Tycoon, dem bei einer Verurteilung im Sinne der Anklage eine mehrmonatige unbedingte Gefängnisstrafe droht, handelt es sich um Ferdinand Locher.
Für ihn wie für die übrigen Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
Locher steht auch wegen einer anderen Transaktion im ganzen Vincenz-Komplex vor dem Richter, jener um EuroKaution.
Die Firma, welche Mietkautionen finanzierte, wurde von Locher im 2014 an die Aduno verkauft. Dort war Vincenz Präsident, Stocker sass im VR. Im Versteckten partizipierten die beiden am Verkaufserlös.
Für die Thun-Arena forderte Locher im Sommer 2014 in einem E-Mail an Stocker einen Verkaufspreis von 22 Millionen Franken.
Für Locher war das Stadion zum Problem geworden. Der Präsident des FC Thun hatte einseitig die Stadionmiete von 1,3 Millionen im Jahr auf noch 600’000 Franken reduziert.
Sonst ginge der Club Pleite. Locher haute auf die Blick-Pauke. „Ein Witz“, meine der Investor später in der Ringier-Zeitung.
Die Rechnung für Locher und dessen Mitinvestoren war nicht aufgegangen. Der Präsident des FC Thun tanzte nicht nach ihrer Pfeife.
Was tun? Ein Verkauf des ganzen Stadions an die Raiffeisen wäre für Locher der Ausweg aus der Bedrängnis gewesen.
Am 31. Juli 2014 trafen sich Locher, Stocker und Vincenz in Lugano zum Lunch. Thema: Raiffeisen kauft das Stadion von Thun, das heute unter Stockhorn Arena bekannt ist.
In der Raiffeisen-Zentrale in St.Gallen wusste niemand davon. Alles geheim.
Im Anschluss ans Treffen kamen Vincenz und Stocker zum Schluss, dass ein Stadion-Verkauf an die Bank „realistisch“ sei, wie aus der Anklage der Zürcher Strafbehörden hervorgeht.
Laut deren Ermittlungen teilte dies Stocker am 2. August 2014 Thun-Investor Locher per Mail mit.
In den darauf folgenden Tagen machten sich Stocker und Locher an die Arbeit. Sie verfassten ein Dokument.
„Die Raiffeisen-Strategie mit dem Stadion Thun“, so der Titel. Zentrales Element war der anvisierte Verkaufspreis: 22 Millionen.
Das File schickte Stocker Vincenz mit der Bitte, dass dieser das Thema intern bei der Raiffeisen Schweiz „anreissen“ soll.
Dies sollte sich für Pierin Vincenz, den grossen Macher, auszahlen. Laut der Staatsanwaltschaft hätte er bei einem Verkauf des Stadions an die Raiffeisen zu einem Locher passenden Preis selbst kassiert.
Und zwar 2 Millionen, also rund 10 Prozent der Dealsumme. Allenfalls wären neben der Raiffeisen noch weitere Investoren bereit gewesen, die Thun-Arena zu erwerben – so der Plan.
Stocker soll explizit auf einen Gewinnanteil verzichtet haben, schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage.
Vincenz war es ernst mit dem Einstieg ins Stadion-Business. Der CEO der Raiffeisen beauftragte Ende August 2014 einen externen Gutachter. Ob das Thun-Stadion eine „Opportunität“ wäre und was von einem Preis von 22 Millionen zu halten wäre, so die Vorgabe.
Der Gutachter, der seine Instruktionen via Vincenz-Weggefährte Stocker erhielt, fand laut Staatsanwaltschaft in seinem Bericht von Ende September, die 22 Millionen seien „zu hoch“.
Seine Rechnung über total 13’000 Franken ging an Pierin Vincenz als Chef der Raiffeisen, bezahlt wurde sie von der Bank.
In den folgenden Monaten trafen sich Vincenz und Stocker mit Gabriela Burn, der für Kommunikation zuständigen Managerin der Raiffeisen. Dabei schwärmte Vincenz davon, wie das Thun-Stadion für die Bank zur „Begegnungsstätte“ und einer „Eventlokalität“ werden könnte.
Schliesslich ging der Deal den Bach runter. Am 29. Januar 2015 teilte Stocker seinem Counterpart Ferdinand Locher mit, dass die Raiffeisen Schweiz dessen Thun-Arena nicht erwerben würde.
Einen Tag später gab Vincenz seinen Rücktritt als CEO der Raiffeisen Schweiz bekannt.