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Ein Jahr nach der offiziellen Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs in Westafrika hat die Organisation Ärzte ohne Grenzen der internationalen Gemeinschaft rückblickend schwere Versäumnisse beim Umgang mit der Epidemie vorgeworfen. Kritisiert wurde unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Die Hilfsorganisation sprach in einem am Montag veröffentlichten Bericht von einer monatelangen «globalen Koalition der Untätigkeit» von lokalen und internationalen Akteuren. Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans frontières, MSF) habe bereits im März 2014 vor einer breiten Epidemie gewarnt. Die betroffenen Länder hätten den Ausbruch aber zunächst geleugnet, erklärte die Organisation.
In dieser Zeit habe sich das Virus «völlig unkontrolliert» verbreitet. Die Epidemie habe «schonungslos offengelegt, wie ineffizient und langsam die internationalen Gesundheits- und Hilfssysteme auf Notfälle reagieren», erklärte die MSF-Präsidentin Joanne Liu.
Auch Christopher Stokes, Geschäftsführer der Organisation in Belgien, erklärte, dass die Epidemie derart ausser Kontrolle geraten sei, liege am «Versagen zahlreicher Institutionen». Genannt wurde unter anderem die WHO, die das nötige Wissen besitze, «um Ebola unter Kontrolle zu bringen».
Sie habe aber etwa die Hilferufe aus Liberia zu lange ignoriert. Die WHO richtete erst im Juli eine regionale Koordinierungsstelle für die Bekämpfung von Ebola ein.
MSF trug nach eigenen Angaben in den ersten Monaten die Hauptlast beim Kampf gegen die Epidemie. Die Organisation habe sich «angesichts der Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft» gezwungen gesehen, «eine Ebola-Intervention nie gekannten Ausmasses zu realisieren».
Mangels Kapazitäten hätten aber etwa in der liberianischen Hauptstadt Monrovia im August schwerkranke Patienten abgewiesen werden müssen – «in vollem Bewusstsein, dass diese vermutlich nach Hause gehen und andere anstecken würden».
Im Laufe des vergangenen Jahres waren den Angaben zufolge mehr als 1'300 internationale und 4'000 nationale MSF-Mitarbeiter in Westafrika tätig und haben dort fast 5'000 Ebola-Patienten versorgt. Mehr als 2'300 dieser Patienten hätten die Krankheit überlebt, erklärte die Organisation.
Ärzte ohne Grenzen warnte davor, die Epidemie vorschnell für beendet zu erklären. Mit mehr als hundert Fällen pro Woche sei die Zahl der Neuinfektionen «noch immer höher als in jedem Ausbruch zuvor, und sie ist seit Ende Januar nicht mehr gesunken».
Noch immer gebe es Misstrauen und Widerstand gegen die Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen und Hilfsorganisationen. Die Hilfsorganisation forderte eine globale Strategie zur Entwicklung von Impfstoffen, Medikamenten und Diagnostika gegen Ebola.
In den am stärksten betroffenen westafrikanischen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea starben nach WHO-Angaben seit Dezember 2013, als die ersten Fälle aufgetreten waren, insgesamt mehr als 10'000 Menschen am Virus. Fast 25'000 Menschen in neun Ländern hatten sich infiziert. Nachdem es in den vergangenen Monaten Fortschritte beim Kampf gegen die Krankheit gegeben hatte, wurde zuletzt ein Anstieg der Neuansteckungen registriert. (whr/sda/afp)
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