Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03264.jsonl.gz/1872

EnthüllteGeheimnisse
Die Geschichte westafrikanischer„Geheimbund“-Fotografien, 1880-1950
Seit Endedes 19. Jahrhunderts werden mit Fotografien Bilderwelten geschaffen, welche diewestlichen Vorstellungen von Afrika prägen. Dieses Projekt untersucht dieEntstehungsgeschichte der Bilderwelt westafrikanischer „Geheimbünde“. Dadurch sollenneue Einblicke in die Handlungsspielräume von Afrikanerinnen und Afrikanernwährend der Kolonialzeit gewonnen werden.
"Geheimbünde"zählten in der Kolonialzeit neben der „Magie“ und der „Hexerei“ zu jenenInstitutionen, mit Hilfe derer Missionare oder Kolonialmächte die „Rückständigkeit“Afrikas propagierten. Abendteurer, Kolonialbeamte, Missionare und Forscherwaren seit jeher fasziniert von den Frauen- und Männerbünden Westafrikas, welcheeine wichtige Rolle in der Regelung des Zusammenlebens spielten. Fremde hattenzu diesen Bünden keinen Zutritt und ihre Mitglieder waren gegenüberNicht-Initiierten zur Geheimhaltung verpflichtet. Nicht-Initiierten war esverboten, gewisse Masken und Instrumente zu sehen oder sich bestimmten Plätzenzu nähern. Dennoch veröffentlichten Europäer zahlreiche Schriften zu diesen Organisationen, welche sie „Geheimbünde“ nannten. Seit Ende des19. Jahrhunderts brachten sie zudem unzählige Fotografien nach Hause, die Mitglieder, geheime Orteoder Musikinstrumente dieser Bünde zeigen (sollten). Damit wurde eineBilderwelt geschaffen, die auf Postkarten, in Forschungsberichten,Missionars-Zeitschriften, populärwissenschaftlichen Magazinen oder Kinderbüchern einem grossen Publikum zugänglich war und welche die europäische Vorstellungüber Afrika nachhaltig prägte.
Die Untersuchung der Schnittstelle vonFotografie und Geheimhaltung eröffnet eine neue Sichtweise auf die Geschichteder Beziehungen von Europa zu Afrika einerseits und auf das Afrikabild imWesten andererseits. Das Projekt will zu einem differenzierteren Bild über die Handlungsspielräumevon Afrikanerinnen und Afrikanern während der Kolonialzeit beitragen, welcheweit mehr umfassen als Kollaboration oder Widerstand.Des Weiteren wird der Wert vonhistorischen Fotografien als Quellen zur Geschichte der Kolonialzeit untersucht. Fotografien könnten ein Gegenstück bilden zu den of textlastigenArchiven, in denen die Sichtweisen der Afrikanerinnen und Afrikaner zurKolonialzeit oft fehlen.
abzulichten? Diesen Fragen geht dasProjekt anhand zweier Fallstudien nach: die Visualisierung des kwifon-Bundes imGrasland von Kamerun sowie die Visualisierung des poro/sande-Bundes in Liberiaund Sierra Leone. Dabei werden nationale und internationale Archivedurchforstet. Das Projekthat zum Ziel, vor allem die Entstehung, aber auch die Verbreitung und dieAuswirkungen dieser Bilderwelt zu beschreiben und zu analysieren. Zeigen dieseFotografien wirklich Geheimes? Wie reagierten die Afrikanerinnen und Afrikanerauf die Präsenz der Kamera und auf den Wunsch der Fotografen, Geheimes