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Von fremden Tieren
24. September 2019 von Patricia Senn
Online seit
24. September 2019
Printausgabe vom
25. September 2019
Das tierische Pendant zu den im vergangenen Fokus behandelten Neophyten sind Neozoen: Tierarten, die sich in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie nicht heimisch sind.
Obwohl der Begriff «Neozoen» zu Beginn seiner Einführung nicht einheitlich verwendet wurde, hat man sich inzwischen auf eine Definition geeinigt, die sich an diejenige der Neophyten anlehnt: Neozoen sind Tierarten, die nach 1492 unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen eingeführt oder eingeschleppt wurden, respektive eingewandert sind» Schon lange bevor Amerika entdeckt wurde, gab es in der Schweiz Tiere, die ursprünglich aus anderen Gebieten stammten, heute aber als heimisch wahrgenommen werden: So wurden Wildkaninchen von der iberischen Halbinsel eingeführt, Ratten und Mäuse gelangten als blinde Passagiere aus Asien nach Europa und auch Zander und Karpfen schafften – mit menschlicher «Hilfe» – den Weg über verschiedene Flusssysteme in westeuropäische Gewässer.
Manchmal werden die Tiere indirekt eingeführt, zum Beispiel, wenn durch den Bau eines Kanals vorher unüberwindbare Hindernisse von bestimmten Arten bezwungen werden können. «Das für die Arten der Schweiz offensichtlichste natürliche Hindernis sind die zwischen dem Tessin und den übrigen Landesteilen gelegenen Alpen, aber auch die diversen Wasserscheiden zwischen der Nordsee, dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer», ist in der «Übersicht über gebietsfremde Arten und ihre Bedrohung für die biologische Vielfalt und die Wirtschaft in der Schweiz» des Bundesamtes für Umwelt von 2006 festgehalten. Wie bei den Neophyten gilt auch bei den Neozoen: Die meisten sind in ihrer neuen Umgebung nur beschränkt überlebensfähig oder haben sich gut integriert. Einzelne Arten fühlen sich hier sehr wohl, können sich dadurch stark vermehren und für heimische Arten, Menschen oder sogar ganze Ökosysteme schädlich sein. Diese Arten heissen invasive Neozoen.
Vor allem auf Inseln ein Problem
Dem Kompaktlexikon der Biologie ist zu entnehmen, dass sich in den vergangenen 2000 Jahren mindestens 400 Neozoen in Mitteleuropa etabliert haben. Umgekehrt wurden und werden natürlich auch europäische Tierarten weltweit ausgeführt, sei es als Haustiere, Schädlingsvertilger oder zur Produktion von Nahrungsmitteln. Während gebietsfremde Arten in Zentraleuropa oft als geringes Problem eingestuft werden, sind die Auswirkungen auf andere Kontinente und vor allem Inseln dramatischer. Dennoch: Invasive gebietsfremde Problemarten werden heute als eine Hauptbedrohung für die Biodiversität angesehen. Die Biodiversitätskonvention (CBD) verpflichtet die internationale Staatengemeinschaft deshalb, Vorkehrungen gegen diese invasiven Arten zu treffen und diese gegebenenfalls zu bekämpfen. Da zwischen der Ankunft einer Art und ihrer überproportionalen Ausbreitung viel Zeit vergehen kann, sind Prognosen zur Invasivität schwierig zu stellen.
Schädlinge melden
Der Fokus Artikel „Tierische Neuzuzüger“ befasst sich ausführlich mit den verschiedenen Neozoen, die in Höngg anzutreffen sind. «Züri wie neu», der Mängelmelder der Stadt Zürich, wurde kürzlich um die Kategorie «Schädlinge» erweitert, unter welcher Sichtungen von Neozoen gemeldet werden können. Die Schädlingsprävention und -beratung des Umwelt- und Gesundheitsschutzes Zürich verzeichnet jährlich rund 2000 Hinweise zu Schädlingen aus der Bevölkerung. Auf der Plattform können auch einheimische Tiere wie Wespen, Nagetiere oder Tauben gemeldet werden, wenn sie negativ auffallen.
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25. September 2019