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Nachruf zum Tod von Guy Sarasin
Während seiner acht Präsidentenjahre der AC beziehungsweise des SRF wurden wichtige Weichen gestellt. 1973 wurden erstmals Kurse für Pressechefs und Speaker durchgeführt, und 1974 leitete Guy Sarasin beim CSIO Luzern ein Presseseminar mit Bert de Némethy. 1976 wurde von der AC eine Schweizermeisterschaft für R-Lizenz-Reiter eingeführt. 1977 wurden die Handicaps in Springprüfungen abgeschafft und wurde die Abgabe der Richterblätter Dressur nach jeder Prüfung beschlossen. 1977 kam es zur Bildung einer Dopingkommission, und im Jahr darauf wurden neue Richtlinien für die Dopingkontrolle erstellt. 1978 konnte der AC- bzw. SRF-Präsident Guy Sarasin vermelden, dass in der Zehnjahresperiode von 1968 bis 1978 die Zahl der Mitglieder der angeschlossenen Vereine sich von 20 000 auf 60 000 verdreifacht habe. 1978 schloss der SRF mit der AMAG und der Felix Bühler AG erstmals zwei Sponsorenverträge.
Guy Sarasin wurde am 25. Oktober 1924 in Basel geboren. Ein Vorfahre war um 1600 als Hugenotten-Einwanderer aus Frankreich nach Basel gekommen. Bereits 1628 erhielt dessen Sohn Gedeon das Basler Bürgerrecht. Um 1660 begründete Gedeons Sohn die erste Seidenbandfabrik in Basel. Zuvor waren die Sarasins, wie zuvor in Frankreich, als Tuchhändler tätig gewesen. Sie brachten Tücher aus Paris und Seidenstoffe aus Savoyen und verkauften sie nach Deutschland.
Guy Sarasins Grossvater war noch Seidenbandfabrikant. Der Vater, Ernst Alfred Sarasin-Grossmann, war Architekt. Guy Sarasin wurde 1954 von Alfred Sarasin-Iselin, einem Cousin, in das 1900 erworbene Bankhaus Sarasin & Cie. geholt. Ab 1958 war Guy Sarasin Teilhaber und blieb es bis 1992. Heute heisst die Privatbank J. Safra Sarasin.
Guys Vater Ernst Alfred Sarasin hatte eine erfolgreiche Karriere im nationalen wie im internationalen Pferdesport. Von 1950 bis 1952 war er zwei Jahre Präsident der AC, bevor er von 1953 bis 1964 als Präsident des SVP amtete. 1956 wurde Ernst A. Sarasin ins Bureau der FEI gewählt. 1959 wurde er zum FEI-Vizepräsidenten ernannt - er blieb es fünfzehn Jahre lang bis 1974. Bei vier Olympischen Spielen amtierte Ernst A. Sarasin als Dressurrichter beziehungsweise Technischer Delegierter in der Military.
Guy Sarasin war viele Jahre Schweizer Delegierter an den FEI-Generalversammlungen. Damals vertraten die Präsidenten des SVP und der AC die Schweiz. Zu jener Zeit, nach dem Tod von Ernst A. Sarasin, 1974, übergab Guy Sarasin dem Schreibenden die von seinem Vater liebevoll und sorgfältig geführten Fotoalben und sämtliche Jahrgänge des «Schweizer Kavalleristen» von der Gründung 1911 bis Mitte der 1970er-Jahre. Beides befindet sich heute im Archiv der FEI in Lausanne. Diese Dokumente waren eine unabdingbare Hilfe bei der Produktion des Jubiläumsbuchs «120 Jahre Pferdesport Schweiz». Die rund dreissig Fotoalben enthalten nicht nur wunderbare Aufnahmen der pferdesportlichen Aktivitäten Basels und der nationalen Turniere, sondern auch seltene Aufnahmen der grossen internationalen Anlässe, die Guys Vater besucht hatte.
Guy Sarasin war eine feine, feinfühlige, interessierte, einsatzfreudige und hilfsbereite Person. Noch in seinen letzten Lebensjahren, als er mit Altersbeschwerden und mit Hüftproblemen zu kämpfen hatte, interessierte er sich für das Jubiläumsprojekt des SVPS und unterstützte es. Zu erwähnen ist sein Talent, in baseldeutschen Versen Personen zu ehren oder Ereignisse zu skizzieren. Im Jubiläumsbuch ist seine Ode für die Schweizer Dressurmedaillen an den Olympischen Spielen von 1976 abgedruckt.
Guy Sarasin starb am 1. November, eine Woche nach seinem 96. Geburtstag.
Max E. Ammann