Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03443.jsonl.gz/1902

Der Neandertaler, die Kunst und die Fundstelle von la Roche-Cotard
Gebrauchsspurenanalysen an Steinwerkzeugen als Schlüssel zum Verständnis prähistorischer Subsistenz am Beispiel der Höhle von la Roche-Cotard (Frankreich).
Verantwortliche: Dorota Wojtczak
Bei den Gebrauchsspurenanalysen handelt es sich um einen Teil des Projekts ‘Le site de la Roche-Cotard à Langeais (Indre-et-Loire); Enjeux de la connaissance et de la datation d'un site moustérien à productions à caractère symbolique’.
Projektleiter: Jean-Claude Marquet
Die Fundstelle La Roche-Cotard ist ein seltenes Beispiel für vom Neandertaler erschaffene paläolithische Kunst. Die Höhle befindet sich in Frankreich auf der rechten Seite des Loire-Tals, in der Gemeinde Langeais, zirka 20km von Tours entfernt. Die Fundstelle ist ein sehr interessantes Beispiel für die frühe, archaische Kunst des Neandertalers. Bei der Untersuchung der Höhlenwände wurden neben Gravuren mehrere Abdrücke aus rotem Ocker entdeckt (Lorblanchet et al. 2014: 169). Bei den Ausgrabungen 1975 wurde im Eingangsbereich der Höhle in einer Moustérien-Schicht die sogenannte "Masque de la Roche-Cotard" gefunden (Lorblanchet & Marquet 2000: 325).
Das Ziel des Projekts ist, die Entstehung der Kunst und die Rolle, die der Neandertaler dabei spielte, weiter zu erforschen. Offenbar haben Neandertaler diese Höhle genutzt und waren in der Lage, Kunstwerke darin zu erschaffen. Der Fokus der Studie wird auf den Artefakten, die von den Neandertalern angefertigt wurden, liegen. Dabei werden auch die Gravuren und die Verzierungselemente analysiert. Des Weiteren stellen sich die Fragen, mit welchen Hilfsmitteln die Darstellungen eingraviert oder gemalt wurden und welche Tätigkeiten in der Höhle ausgeübt wurden. War der Ort ausschließlich für künstlerische Betätigungen (Gravierungen, Malerei) reserviert oder gab es noch andere Aktivitäten innerhalb der Höhle?
Um diese Fragen zu beantworten, müssen unter anderem mehrere Experimente durchgeführt werden. Dabei werden die Gravierungen von den Wänden in einer anderen Höhle mit ähnlichen Eigenschaften mithilfe unterschiedlicher Werkzeuge nachgestellt. Ein geeigneter Ort in Frankreich wurde bereits gefunden und die Experimente geplant. Die Gravierungen werden mit verschiedenen Geräten aus Stein, Knochen, Geweih und Holz sowie mit den Fingern kopiert. Die so entstandenen Spuren auf den Wänden und den Geräten werden untersucht und mit den Originalen verglichen. Auch dem Einfluss externer Faktoren auf die Gravuren werden wir nachgehen und taphonomische Probleme evaluieren.
Darüber hinaus ist eine experimentelle Studie zusammen mit Gebrauchsspurenanalysen geplant. Das Ziel der Gebrauchsspurenanalysen ist es, ergänzend zu den typologischen und technologischen Untersuchungen, die eigentliche Funktion prähistorischer Werkzeuge zu rekonstruieren. Dabei werden die Art der Manipulation sowie die bearbeiteten Werkstoffe unterschieden. Als Referenz dazu dienen experimentell hergestellte Steinwerkzeuge mit denen unter kontrollierten Bedingungen unterschiedliche Materialien bearbeitet wurden. Für die Analysen kommen Auflichtmikroskope mit 10- bis 80-facher Vergrößerung (Binokulare) sowie hochauflösende (800x) Mikroskope mit digitaler Bilderfassung, wie sie in der Metallurgie verwendet werden, zur Anwendung.
Marquet J.-C. & Lorblanchet M. (2014). Les productions à caractère symbolique du site moustérien de La Roche-Cotard à Langeais (Indre-et-Loire, France) dans leur géologique. PALEO 25: 169-194.
Marquet J.-C. & Lorblanchet M. (2000). Le „masque“ moustérien de La Roche-Cotard, Langeais (Indre-et-Loire). PALEO 12: 325-338.