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6. Hermann I.
Hermann I. (1051-65)94. Bonstetten nennt Hermann einen Grafen von Winterthur95. Er hatte zwei Brüder, Adalbert und Luitfrid, wie uns der Liber Heremi berichtet96. Für den in Böhmen gefallenen Luitfrid schenkte Adalbert dem Kloster Kempten und ein Gut in Rickenbach97. Die Mutter Hermanns, Irmingard, schenkte dem Kloster ebenfalls Güter98. Durch sie war Abt Hermann mit Papst Leo IX. verwandt, wie der Liber Heremi und eine Notiz in Handschrift 116 besagen. Dieser Papst soll darum (nach der gleichen Quelle) dem Abte das Recht der Pontifikalien verliehen haben.
Hermann wurde den 15. Februar 1051 zum Nachfolger Embrichs bestellt99. Der Liber Heremi berichtet nebst den oben erwähnten Schenkungen noch von andern Zuwendungen, die dem Kloster damals gemacht wurden100. König Heinrich IV. verlieh dem Kloster den 23. Februar 1064 für seine Ministerialen die gleichen Rechte wie sie jene des Klosters St. Gallen besaßen101.
Nach Bonstetten wurde Rumold Bischof von Konstanz102. Burkard war der erste Abt von Muri103. Daß die ersten Mönche für Allerheiligen in Schaffhausen aus Einsiedeln kamen steht nicht fest; sicher war Abt Hermann dabei, als Bischof Rumold den 3. November 1064 die dortige Klosterkirche einweihte104.
Abt Hermann starb 1065105. Das Nekrologium gibt seinen Todestag auf den 8. April an106 ; ebenso enthält das St. Galler Nekrologium zum gleichen Tage den Eintrag: «Et est ob. Heremanni abbatis de Cella S. Meginradi»107. Auf diesen Abt haben sich zwei Epitaphien von unbekannter Hand erhalten. Das erste findet sich in Mscr. 319, S. 275, und lautet:
«Multum defletus abbas iacet hic HERIMANNUS.
Si quis vitaret vis necis, hunc fugeret.
Qui ceu flos hominum fuit ac velut instar amenum,
Angelice vite, moribus ac facie.
Sexta dies finis cuius fuit idus Aprilis,
Regiminis sacri post tria lustra sui.»
In deutscher Übersetzung:
«Allhier ruhet, von vielen beweinet, der Abt Herimannus.
Würde des Todes Gewalt einen nur meiden, dann ihn. Einer viellieblichen Blume des Frühlings vergleichbar,
Engelgleich war sein Gesicht u. seiner Tugenden Zier. Nach drei Lustren, da er des heiligen Amtes gewaltet,
War es am achten April, als er sein Leben beschloß.»
Das zweite bewahrt die Handschrift 143, S. 348, auf:
«Cernitur hic finis, quem probat iste cinis.
Qui fuit almus homo per bona more novo. Rector in hac Heremo. Sic modulante Deo
Hic Herimannus erat. Qui sua gesta legat, Hic sapit egregium virginitate virum.»
In deutscher Übersetzung:
«Dessen Tod die allhier ruhende Asche verkündet,
War ein erhabener Mann durch reiner Sitten Verdienst, Abt dieser Einsiedelei durch Gottes gnädige Fügung,
Hiess Herimannus mit Namen. Wer seine Taten durchgeht, Finden wird er einen Mann im Glanze der herrlichsten Tugend.»108
Beide Epitaphien stammen aus dem 11. Jahrhundert109.