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23. Oktober 2008
Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!
Zu einem Punkt habe ich noch eine Frage: Sie empfehlen mir die Schreibweise Key Feature, analog zu Key Account. Ist diese Schreibweise darauf zurückzuführen, dass der Duden Key-Account-Management schreibt oder auf Ihre Aussage, dass die Tendenz zur Integration englischer Fremdwörter im Deutschen rückläufig sei? (In den Wörterlisten [auf www.sok.ch] konnte ich Key Account nirgends finden.) Ich frage mich nämlich, wieso der Duden eigens eine integrierende Schreibweise für Fügungen des Typs Substantiv + Substantiv vorsieht, wo die Tendenz anscheinend auf eine nicht integrierte Schreibweise hinausläuft. Kann man also mit dem Argument „Grad der Integration“ bei Einzelfällen auf die alte „herkömmliche“ Rechtschreibung vor 06 pochen?
N. H.
Sehr geehrte Frau H.,
wir empfehlen die Schreibweise Key Feature, weil dies eine (noch) wenig gebräuchliche Fügung ist (deswegen ist sie ja auch im Duden nicht aufgeführt, auch nicht im Fremdwörterbuch). Neu auftauchende Fügungen schreibt man normalerweise zunächst in der Schreibweise der Ausgangssprache. Erst wenn die Fügung häufig gebraucht wird, kommen vermehrt integrierte Schreibweisen vor. Der Hinweis auf Key Account sollte nur besagen, dass wir beide Fälle gleich behandeln werden. Key Account ist wie Key Feature noch nicht in den publizierten Wörterlisten der SOK enthalten.
Der Duden-Eintrag Key-Account-Management lässt keinen Rückschluss darauf zu, ob Duden sich für Key Account oder Key-Account entscheiden würde; lediglich die Schreibweise Keyaccount kann, was Duden betrifft, damit ausgeschlossen werden.
Die Aussage, die Tendenz zur Integration englischer Fremdwörter im Deutschen sei rückläufig, bezog sich hauptsächlich auf neu auftauchende englische Fügungen. Daneben gibt es natürlich schon länger im Deutschen gebräuchliche Fügungen, bei denen sich die eindeutschende Schreibweise zu festigen beginnt oder sich bereits gefestigt hat. Deshalb ist es durchaus richtig, dass Duden auch (Aircondition usw.) oder in manchen Fällen sogar ausschliesslich (Airbag, Powerplay, Weekend usw.) integrierte Schreibweisen vorsieht.
Ein Indiz für diese Tendenz liefert vielleicht auch der Umstand, dass Duden in zahlreichen Fällen – und im Gegensatz zur ausschliesslich eingedeutschten Schreibweise in der herkömmlichen Rechtschreibung – auch die nichtintegrierte Schreibweise als Variante aufführt, z. B. Desktop-Publishing, Mountain-Bike; Long Drink; Buy-out, Count-down, Feed-back, Knock-out, Play-back usw. Grund dafür könnte aber auch sein, dass Duden eine durchgängige Regel anstrebt. Darauf weisen z. B. die neu aufgenommenen Schreibweisen Come-back und Lay-out hin, die heute in integrierter Schreibweise vermutlich viel häufiger sind. Allerdings hätte man dann beispielsweise auch die Varianten Cash-Flow (statt nur Cashflow) und vor allem das in der Schweiz ohnehin ausschliesslich gebräuchliche Tea-Room (statt nur Tearoom) erwartet.
Um den „Grad der Integration“, den Usus, im Einzelfall festzustellen, wären Proben möglichst grosser Korpora von Qualitätstexten nötig. Wir nehmen zugunsten der herkömmlichen Rechtschreibung vor 1996 an, dass dies ihre Vorgehensweise bei der Festlegung der Schreibweisen war, während die Regelung 06 grössere Regelhaftigkeit ohne Rücksicht auf den Usus anstrebt. Die herkömmliche Rechtschreibung dürfte damit den Usus besser beschreiben als die Regelung 06.
Allerdings verändert sich der Usus, er wird ausserdem seit der Regelung 96 von dieser und ihren Nachfolgerinnen beeinflusst, und er ist, besonders im vorliegenden Bereich, regional und auch je nach Branche unterschiedlich. Ausserdem sind die Schreibweisen sogar in der Ausgangssprache Englisch nicht in allen Fällen gefestigt.
Daraus ergibt sich: Man sollte bei der Korrektur von Schreibweisen in diesem Bereich tolerant handeln. Wir würden beispielsweise weder Key Account noch Key-Account noch Keyaccount als falsch bezeichnen.
Anders ist es natürlich in Haus- oder Branchenorthographien; dort besteht das Bedürfnis, aus Gründen der Einheitlichkeit die Schreibweisen festzulegen. Dies tut die SOK im Falle der von ihr empfohlenen Orthographie für die grafische Branche in der beschriebenen Weise.
Peter Müller, SOK