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EM Monte Tamaro
Erster EM-Titel für Nino Schurter
Nino Schurter ist nicht mehr Weltmeister, dafür zum ersten Mal Europameister. Der Bündner reüssierte an den Titelkämpfen am Fusse des Monte Tamaro dank eines Geniestreichs kurz vor dem Ziel vor dem Franzosen Titouan Carod und Landsmann Mathias Flückiger. Im U23-Rennen bescherten Joel Roth und Vital Albin Swiss Cycling den totalen Triumph.
Nino Schurters Premiere an der EM kommt einer Revanche gleich. Der vor einer Woche nach fünf Titeln in Folge entthronte Weltmeister blieb heuer im Weltcup und an der WM sieglos. Ein Sturz im Short Track vor dem ersten Weltcuprennen in Nove Mesto stand am Ursprung einer Aneinanderreihung von unglücklichen Umständen, die in Österreich in seinem schlechtesten WM-Resultat gipfelten (9. Platz). Nun lieferte Schurter mit Gold an der Heim-EM exakt jene Antwort, welche er sich vorgenommen hatte.
Bei prächtigem Herbstwetter drückte Schurter in gewohnter Manier aufs Tempo. Die Entscheidung im Duell mit Titouan Carod provozierte er kurz vor dem Ziel mit einem frechen Manöver in einer technischen Passage. Im richtigen Moment schob er sich vor einem steilen Abhang an seinem hartnäckigen, aber für einen Moment unaufmerksamen Konkurrenten vorbei. Innert wenigen Sekunden tat sich dadurch eine Lücke auf, die Carod nicht mehr schliessen konnte. Thomas Frischknecht, an der EM SRF-Experte und im Alltag Schurters Teamchef bei Scott, verglich die Szene mit einer Situation im Fussball: „Wenn du als Verteidiger im Strafraum anfängst zu dribbeln, schlägt der Stürmer sofort zu.“
«Ich hatte schon das Gefühl, ich hätte das Rennen verloren.»
Der Eindruck, dass die Vorteile im Finish eigentlich nicht beim Schweizer lagen, täuschte nicht. «Als ich in der letzten Runde etwas abgehängt wurde, hatte ich schon das Gefühl, ich hätte das Rennen verloren», gestand Schurter, der erstmals seit 2013 wieder an einer EM angetreten war. Die Stelle, an der er das Ruder noch einmal herumriss, sei die zweitletzte Möglichkeit für einen Angriff gewesen, führte er aus. „Ich wusste, dass ich es, wenn er aussen durchfährt, innen versuchen kann.“
Das Rennglück, das der achtfache Weltmeister nach komplizierten Wochen und Monaten wiederfand, hatte Lokalmatator Filippo Colombo nicht. Der 22-Jährige aus dem nur wenige Kilometer von der EM-Strecke entfernten Bironico mischte wacker an der Spitze mit, bis ihn ein platter Reifen zur Unzeit weit zurückwarf. So war es wiederum Mathias Flückiger, der neben Schurter als Dritter aufs Podest stieg. Für den Berner war es nach zweimal WM-Silber die dritte Medaille an Titelkämpfen in Folge. Flückiger präsentierte sich nicht mehr ganz so stark wie eine Woche zuvor in Leogang. Vermutlich ist dies auf die Folgen der Magenprobleme zurückzuführen, an denen er während den Weltcuprennen in Nove Mesto gelitten hatte.
Frei erneut unter den Besten
Die Schweizer Frauen blieben ohne Medaille. Sina Frei, vor einer Woche Vierte an der WM, belegte Platz 5, Jolanda Neff gab entkräftet auf. Der Sieg ging an die favorisierte Französin Pauline Ferrand-Prévot. Die 28-Jährige setzte sich schon kurz nach dem Start ab und triumphierte überlegen vor der Niederländerin Anne Terpstra und der Ukrainerin Jana Belomoina. Frei hatte lange um Bronze gekämpft, ehe sie Belomoina und die Britin Evie Richards ziehen lassen musste. „Die Stimmung im Zielgelände war super, obwohl es weniger Zuschauer hatte als gewohnt“, liess die erst 23-jährige Zürcherin verlauten. Und: „Ich habe alles gegeben, leider hat es nicht ganz für einen Medaillengewinn gereicht.
Dass Jolanda Neff im Kampf um die Medaillen keine Rolle spielte, überraschte nicht. Zehn Monate nach ihrem Milzriss und Lungenkollaps bei einem Trainingssturz in den USA und zwei Wochen nach dem Kränkeln im Weltcup in Nove Mesto liess sich die St. Gallerin bereits in der ersten von fünf Runden abhängen. Um Rennmitte gab sie auf. „Ich hatte heute schlicht nicht die Energie, die man für so ein Rennen braucht. Ich bin nach der schweren Verletzung halt einfach noch nicht ganz gesund“, liess Neff in einem kurzen Statement verlauten.
Grandioser Auftritt der U23-Auswahl
Joel Roth und Vital Albin sorgten an der Mountainbike-Europameisterschaft im Tessin bei der U23 für einen Schweizer Doppelsieg. „Ich bin super happy, dass ich dieses schwierige Jahr auf eine solch schöne Weise abschliessen konnte, liess Roth verlauten, welcher auch im nächsten Jahr noch in der U23-Kategorie starten wird. Der 21-jährige Aargauer Roth siegte am Monte Ceneri fünf Sekunden vor dem 22-jährigen Bündner Albin und 27 Sekunden vor dem Italiener Juri Zanotti.
Fabio Püntener (4.), Luca Schätti (8.), Fabio Spena (11.) und Nick Burki (15.) bescherten Swiss Cycling und Nationaltrainer Bruno Diethelm in der höchsten Nachwuchskategorie ein aussergewöhnlich gutes Mannschaftsergebnis. Schöner könnten die Perspektiven im Hinblick auf künftige Grossanlässe kaum sein.