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Die Republikaner sind die wirtschaftsfreundlichere Partei als die Demokraten, aber unter demokratischen Präsidenten haben US-Aktien in der Vergangenheit eine bessere Wertentwicklung gezeigt. Seit 1929 hat der S&P 500 in Phasen mit demokratischer Präsidentschaft eine annualisierte Rendite von 14,7% erzielt, mit republikanischer 5,4%. Für die "demokratische Outperformance" verantwortlich war jedoch eher ein vorteilhaftes Timing – sprich ein tiefer Ölpreis, ein hoher Produktivitätszuwachs und günstige Bedingungen der globalen Wirtschaft – als konkrete politische Massnahmen.
Angel Agudo, Portfoliomanager des FF - America Fund, erklärt: "Wir erleben eines der umstrittensten und unsichersten Rennen der jüngeren Vergangenheit, dennoch erwarten die meisten Marktteilnehmer, dass Clinton gewinnt. Weil die Märkte nicht mit einem Sieg Trumps rechnen, würde seine Wahl zum Präsidenten kurzfristig negative Folgen nach sich ziehen." Längerfristig ist der Einfluss einer demokratischen oder einer republikanischen USPräsidentschaft auf die Volkswirtschaft und die Aktienmärkte allerdings begrenzt. Nur auf Sektor- und Unternehmensebene können die Auswirkungen erheblich sein. Für einzelne Wirtschaftssektoren bedeutet das:
Infrastruktur und Baugewerbe: Die Verbesserung der Infrastruktur ist für beide Kandidaten ein Kernanliegen, wobei die Ausgaben unter Trump massiv höher wären. Zur Finanzierung würde Trump das Mittel der Staatsverschuldung wählen, Clinton zöge selektive Steuererhöhungen vor. Vor allem inländische Bauunternehmen dürften von den Infrastrukturprojekten profitieren.
Gesundheitswesen: Ein Hauptanliegen Clintons ist die Bekämpfung von Preisabsprachen im Gesundheitswesen. Eine Preisdeckelung und verschärfte Regulierung wären für Pharmatitel schlecht. Aber ihr Bekenntnis zu Obamacare würde mittelfristig die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen stützen.
Handel und verarbeitende Industrie: Die protektionistische Politik Trumps würde die Erhebung hoher Einfuhrzölle vor allem auf Güter aus China nach sich ziehen. Inländische Industrien wie der Stahlsektor könnten dadurch wettbewerbsfähiger werden. Aber alle Branchen, die auf chinesische Importe angewiesen sind, litten unter den höheren Kosten.
Energiesektor: Trump ist strikt gegen umweltpolitische Auflagen, was Produzenten fossiler Energie inklusive der serbelnden Kohleindustrie freut. Dies geht jedoch zulasten der Solar und der Windindustrie, deren grosszügige Subventionen gekürzt werden dürften. Clinton hingegen ist eine begeisterte Umweltschützerin und Verfechterin sauberer Energie.
Landwirtschaft: Die Landwirtschaft ist auf billige Arbeitskräfte angewiesen. Sie würde unter Trump einen massiven Kostenschock erleiden, da er mit der Deportation von Millionen illegaler Arbeiter droht. In der US-Landwirtschaft haben mindestens ein Viertel aller Beschäftigten keine Arbeitsbewilligung. Clinton hingegen möchte die Legalisierung dieser Arbeitskräfte vorantreiben, was alle Sektoren, die auf Immigranten angewiesen sind, stützen würde.
Ganz allgemein unterstützt die von Trump geplante Steuerreform Corporate America, aber sie führt auch zu einer höheren Staatsverschuldung. Steigen in der Folge die Renditen von US-Regierungsanleihen, nehmen auch die Finanzierungskosten für die Unternehmen zu. Clintons Politik wird kaum Verwerfungen gegenüber dem Status quo verursachen, und kurzfristig würde ihre Wahl eine bessere Performance der Aktienmärkte nach sich ziehen als die mit Unsicherheit einhergehende Wahl Trumps. Insgesamt wird die diesjährige Präsidentschaftswahl in den USA einzelne Sektoren und Unternehmen massiv betreffen. Das unterstreicht einmal mehr die Bedeutung einer aktiven Anlagestrategie und eines differenzierten und sorgfältigen Stockpicking.