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Alte Deponie Gamsenried – 100 Jahre Industriegeschichte
Von 1918 bis 1978 lagerte das Unternehmen Lonza seine Produktionsabfälle auf der alten Deponie Gamsenried ab. Gemäss dem Bericht über die historische Untersuchung handelt es sich bei den abgelagerten Abfällen mehrheitlich um Calciumhydroxid («gelöschter Kalk»), ein Nebenprodukt der Acetylenherstellung. Ab 1941 wurden auch quecksilberhaltige Abfälle abgelagert, und ab den 1960er-Jahren fanden während rund 15 Jahren auch Materialien aus einem neuen Produktionszweig (Herstellung von Aminen) ihren Weg auf die Deponie Gamsenried. Die bedeutendsten Schadstoffe sind Quecksilber, Anilin, Benzidin sowie Benzol.
Im Jahr 1992 wurden zwei geordnete Deponien am Standort Gamsenried genehmigt. Eine davon ist nach wie vor in Betrieb, auf ihr werden Schlacke und Asche aus der Kehrichtverbrennungsanlage Oberwallis abgelagert. Die andere Deponie, die für Inertstoffabfälle bestimmt war, wurde inzwischen geschlossen.
Anfang der 1990er-Jahre wurde eine hydraulische Sicherungsbarriere im Abstrom der alten Deponie errichtet. Diese Barriere wurde 2014 verstärkt. Sie erlaubt es, den grössten Teil der Schadstoffe aus dem abfliessenden Grundwasser zu entfernen. Dennoch ist das Grundwasser im Abstrom der Deponie über eine Distanz von rund drei Kilometern belastet (Schadstofffahne).
Im Jahr 2011 beurteilte die Dienststelle für Umwelt des Kantons Wallis die alte Deponie Gamsenried als sanierungsbedürftigen Standort. Seither wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, um die Schadstoffe im Deponiekörper zu lokalisieren und die Gefährdungen für die Umwelt zu identifizieren.
Eine erste Evaluation der Sanierungsvarianten durch die Lonza hat ergeben, dass ein Teil der abgelagerten Abfälle ausgehoben und entsorgt werden muss. In-situ-Massnahmen werden ebenfalls geprüft. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten muss auf jeden Fall sichergestellt sein, dass auch ohne aktive Massnahmen (wie z.B. Pumpen von Grundwasser) vom Standort Gamsenried keinerlei Gefahren für die Umwelt mehr ausgehen.
Parallel dazu werden Massnahmen zur Sicherung des Standorts durchgeführt. Vorgesehen ist weiter eine Behandlung der Schadstofffahne, um die Auswirkungen der alten Deponie auf die Umwelt rasch zu vermindern.
Rolle des BAFU
Beim Standort Gamsenried handelt es sich um einen besonders komplexen Sanierungsfall. Dies ist zum einen auf die ausserordentliche Grösse der alten Deponie, die vorhandenen Schadstoffe und die voraussichtlich mehrere Jahrzehnte dauernde Sanierung zurückzuführen, zum anderen aber auch auf die geografische Lage unmittelbar an der Rhone.
Das BAFU begleitet das Projekt und unterstützt die Dienststelle für Umwelt des Kantons Wallis bei Fragen zum Vollzug des Bundesrechts, sei es im Bereich der Sanierungsmassnahmen oder auf dem Gebiet der Behandlung von Abfällen.
In unmittelbarer Nähe der alten Deponie wurden bzw. werden noch Massnahmen im Zusammenhang mit der Rhonekorrektion durchgeführt. Diese Arbeiten dürften von der Sanierung ebenfalls tangiert werden.