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Der Nadelbergbrunnen

Nadelberg 29
Tramhaltestellen Marktplatzplatz, Universtität / Bushaltestelle Universität
Der erste Brunnen auf öffentlichem Grund am Nadelberg erscheint urkundlich 1345. Er befand sich vor der heutigen Liegenschaft Nr. 23A. Dank dem vor 1500 erschienen Brunnenplan des Brunnmeisters Hans Zschan (gestorben 1525), ist sein Aussehen zum Ende des 15. Jahrhunderts überliefert. Er bestand aus einem Brunnstock aus Holz, und hatte einen rechteckigen hölzernen Trog.
Das Erscheinungsbild hat sich im folgenden Jahrhundert indes geändert, denn auf dem Basler Stadtplan von Matthäus Merian dem Älteren (1593-1650) steht der Brunnen mit einem sechseckigen Trog frei in der Gasse, und hat einen Stock, der von einer stehenden Gestalt gekrönt ist. Eben dieser Stock sei 1675 so marode gewesen, dass man einen Ersatz in Betracht zog.
Aus Anlass der selben Inspektion, wurde auch befunden, dass der Trog des Brunnens gekittet werden müsse. Weder bei Stock noch Trog tat sich indes irgend Etwas, bis sich das Baugegericht 1696 wieder mit dem Nadelbergbrunnen befasste. Dieser hatte nämlich mit seinem Wasser die Gartenmauern naher Häuser beschädigt, was auf Kosten der Stadtkasse repariert werden sollte.
Der Nadelbergbrunnen in seiner 1844 mit der Überdachung entstandenen Nische, wie er sich seit dem Grossbrand von 1956 präsentiert.
Neuer Brunnen mit Frauenskulptur
Nach diesem Befund wurde der Brunnen saniert und bekam einen neuen Stock. Auf dem Stock stand eine sich räkelnde Frauenfigur in lockerer Bekleidung. Die Skulptur erscheint 1727 erstmals mit dem Übernamen "Faule Magd" in einem Verzeichnis des damaligen Basler Brunnmeisters. Die Figur auf dem Brunnstock könnte ein Werk des Bildhauers Balthasar Hüglin aus Binningen sein
Hüglin hatte 1677 bereits die Skulptur auf dem Caritasbrunnen im Waisenhaus geschaffen, die in einigen Details Gemeinsamkeiten mit der Figur auf dem Nadelbergbrunnen aufweist. Im 19. Jahrhundert änderten die die Verhältnisse an der Gasse. Der Brunnen musste von seinem Platz weichen, weil er den Verkehr hemmte, aber er sollte dennoch als Wasserspender erhalten bleiben.
Im Jahr 1839 erwarb die Stadt in der Liegenschaft Nadelberg 29 eine Nische, die als Allmend eingerichtet wurde. Diese sollte 1841 den von der Gasse verbannten Brunnen aufnehmen, der vom Solothurner Steinhauer Urs Bargetzi (1794-1865) geschaffen wurde. Übernommen wurde die Skulptur der "faulen Magd". Vom alten Brunnstock wechselte sie in eine Wandnische über dem Auslauf.
Der Brunnen wird überdacht
Im Jahr 1844 baute der Eigentümer seine Liegenschaft um. Dabei wurde der zuvor in einer offenen Nische stehende Brunnen überdacht. Er stand nunmehr in einer eigenen kleinen Halle, die von zwei Säulen gestützt wurde. Flankiert war der Brunnen von zwei Türen, von denen eine in ein Lagergebäude und die andere in einen Durchgang zum Spalenhof am Spalenberg 12 führte.
Während dieses Umbaus, oder in der Zeit danach, verschwand die Frauenskulptur vom Brunnen, und wurde durch eine Urne ersetzt. Womöglich fanden die unbekannten Verantwortlichen, dass diese sich besser in die klassizistisch angehauchte Brunnennische fügte, als die kräftige Frau. Diese erscheint in den Brunnakten von 1861 am "Faule-Mägde" Brunnen in der St.Johanns-Vorstadt.
Als 1866, nahe dem Gesellschaftshaus zur Mägd in der selben Vorstadt, ein neuer Brunnen entstand, welchselte die Magd auf diesen. 1911 restauriert und bemalt, wurde sie schliesslich im Jahr 1924 durch eine Kopie von Otto Roos (1887-1945) ersetzt. Die originale Magd vom Brunnen am Nadelberg wurde schliesslich in die Obhut des Historischen Museums übergeben.
Links: Die Nische über dem Auslauf, wo früher an Stelle der Urne die Frauenskulptur stand. Rechts: Die auf den Brunnen bei der Mägd versetzte Skulptur (Kopie von 1924)
Grossbrand am Nadelberg
Am 18. Februar 1956 brach im Magazingebäude am Nadelberg 25/29 ein Grossband aus. Bei Temperaturen bis minus 18 Grad kämpften Löschmannschaften mit 32 Schlauchleitungen gegen das Feuer, dessen Ausbreitung in der Altstadt verhindert werden konnte. Nach Abschluss des Feuerwehreinsatzes am 27. Februar, blieben Gebäude und Brunnennische schwer beschädigt zurück.
Die Nische wurde komplett neu erstellt. Dabei kam der zuvor etwas mehr rechts stehende Brunnen neu in der Mitte der Nische zu stehen. So bildete er mit den Säulen die bis heute anzutreffende harmonische Einheit. Seine Magd bekam der Nadelbergbrunnen indes nicht zurück. Die ziert bis heute den Brunnen bei der Mägd im Santihans, wo sie immerhin vom Namen her besser hinpasst.
Zusammenfassung
Der erste Brunnen auf dem Nadelberg ist für 1345 belegt. Um 1696 wurde er durch einen neuen Stockbrunnen mit einer Frauenskulptur ersetzt, die spätestens ab 1727 als "faule Magd" bekannt war. Es ist zu vermuten, dass diese Brunnenfigur von Balthasar Hüglin aus Binningen stammt, der auch die Skultur auf dem Caritasbrunnen im Waisenhaus geschaffen hatte.
Um dem Verkehr Platz zu machen, wurde der Brunnen um 1840 von der Gasse in eine Nische am Nadelberg 29 verschoben. Diese Nische wurde 1844 überbaut, wobei man vermutlich die Brunnenskulptur durch eine Urne ersetzte. Die Figur steht seit 1866 auf dem Brunnen in der St.Johanns-Vorstadt. Nach einem Brand 1956 wurde die beschädigte Brunnennische leicht umgestaltet.
Querverweis zum Thema:
>> Basel und seine Wasserversorgung
Beitrag erstellt 17.03.17
Quellen:
Arthur Burger, Brunnengeschichte der Stadt Basel, herausgegeben vom Verkehrsverein Basel, Basel, 1970, Seiten 21 und 81
Robert Balthasar Christ und Peter Heman, Zauber der Basler Brunnen, Birkhäuser Verlag, Basel, 1967, Beitrag 13
Martin Möhle, Beitrag "Nadelbergbrunnen / Faule-Magd-Brunnen / Nischenbrunnen", publiziert in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 8, (Altstadt Grossbasel II), herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 2016, ISBN 978-3-03797-236-6, ISSN 2235-0632, Seiten 157 bis 159
Bruno Thommen, Die Basler Feuerwehr, Birkhäuser Verlag Basel, Basel, 1982, ISBN 3- 7643-1286-6, Seite 186