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«Schatz, wir haben kein Brot», rief meine Frau Diana aus der Küche. «Kannst du zum Markt gehen, um welches zu kaufen?» Weniger als eine Stunde vor dem Sonnenuntergang im Ramadan war ich nicht der einzige Mann, der in letzter Minute eine Besorgung in dem kleinen Supermarkt gegenüber von unserem Haus machte. Mit einem Stapel Fladenbrote in meinen Händen stand ich Schlange hinter dem Rest der Männer und Jungen, die darauf warteten, die Zutaten für den Iftar ihrer Familie zu bezahlen.
Der Mann vor mir blickte über seine Schulter. «Oh, du bist nicht von hier», sagte er in ausgezeichnetem Englisch. «Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Ali. .... Wussten Sie, dass dies eine hektische Zeit sein würde, um auf den Markt zu kommen, kurz bevor wir das Fasten brechen?»
«Ja, nun, ich lebe seit einiger Zeit in Libyen. Meine Frau macht auch gerade unser Iftar. Und natürlich braucht sie immer noch die eine letzte Sache aus dem Laden.» Wir lachten beide.
Den kenn ich doch
In der Warteschlange ging es schnell voran, während wir freundlich plauderten und bevor wir uns versahen, setzten wir unser Gespräch draussen fort. «Also, bist du von hier in Qarja?» fragte ich ihn. «Ja, ich bin hier aufgewachsen. Aber bis vor kurzem lebte ich in Mudun. Ich kannte sogar einige Ausländer, die auf dem Gelände meiner Familie lebten. Nette Leute!»
Plötzlich wurde mir klar, dass ich Ali sieben Jahre zuvor auf der anderen Seite des Landes getroffen hatte. Und er könnte mein Geheimnis kennen! Im Jahr 2013 war ich wegen meiner Verbindung zu einem Christen aus einem Nachbarland – der Bibeln in Libyen verteilte – verhaftet worden.
Die «netten Ausländer», die früher auf Alis Familiengelände lebten, waren unsere Kollegen Sandy und Stan, die ein weiteres Team auf der anderen Seite der Stadt leiteten. Nach einem Attentat auf die amerikanische Botschaft in Mudun traf sich unsere Familie eines Abends in ihrem Haus, um die Sicherheitsvorkehrungen in dieser Zeit starker anti-westlicher Stimmung zu besprechen. Als fürsorglicher Vermieter, der sich um uns alle kümmern wollte, hatte Ali an diesem Abend an unseren Diskussionen teilgenommen. Da hatten wir uns kennengelernt.
Ausgewiesen
Weniger als sechs Monate später hatte jemand der Polizei mitgeteilt, dass mein Freund Kisten mit arabischen Bibeln in seiner Garage aufbewahrte. Als Ergebnis meiner Freundschaft mit ihm verbrachte ich mehr als zwei Monate im Gefängnis und unsere Familie musste das Land verlassen. Sandy und Stan erwähnten später, dass Ali von den verhafteten Ausländern gehört habe.
Als wir das Land 2013 verlassen mussten, sah ich es mit tränengetrübtem Blick am Horizont verschwinden. «Werde ich jemals wieder hierher zurückkommen können?» fragte ich mich. Nach und nach führte uns Gott zurück, zuerst nach Nordafrika, dann wieder in unser Zielland.
In den vergangenen Jahren habe ich aufrichtig gebetet und Gott gefragt: «Wenn wir zurückkehren, wird meine Vergangenheit mich einholen? Wird meine Vergangenheit mir schaden?» Gott beruhigte mich und sagte: «Nein, ich werde mich um dich kümmern. Keine Sorge.»
Tiefe Freundschaft
Als wir uns im Supermarkt in Qarja trafen, schien Ali sich nicht an mich zu erinnern. Wir tauschten Telefonnummern aus, und er sagte, er würde sich in Verbindung setzen. Tatsächlich rief er mich innerhalb weniger Tage an und wollte sich zum Kaffee treffen. Ich erwähnte ihm gegenüber damals, dass wir uns kurz in Mudun getroffen hätten. Er erinnerte sich an mich und an unser Treffen, aber er verband mich nicht mit den Ausländern, die inhaftiert worden waren.
In den letzten Monaten hat er uns in seinem erweiterten, einflussreichen Clan herzlich willkommen geheissen und uns sogar eingeladen, mit ihnen den ersten Tag von Id il-fitar – das Ende des Ramadan - zu feiern, ein Tag, der normalerweise nur Familienmitgliedern vorbehalten ist.
Ein geplanter Zufall
Ich frage mich, welche Türen Gott durch Ali und seine Familie öffnen wird. Warum sonst hätte er unsere «Zufalls»-Begegnung in einer Stadt geplant, die nur acht Autostunden von dem Ort entfernt ist, an dem wir uns zum ersten Mal trafen? Sandy und Stans Team verbrachten so viel Zeit mit Ali und sie beteten oft für ihren Vermieter. Gott hat auf diese wunderbare Weise geführt, dass sich unsere Wege sieben Jahre später kreuzten. Jetzt beten wir weiter für ihn und sind mit ihm unterwegs. Ich sehe unser überraschendes Supermarkttreffen als einen schönen, gottgeführten Zufall.
Nachdem Ali und ich vor dem Supermarkt Telefonnummern ausgetauscht hatten, staunte ich über die Begegnung und erkannte, dass ich ihn verpasst hätte, wenn ich eine Minute später im Laden angekommen wäre. «Gott, du bist unglaublich! Du hast gerade diese Begegnung inszeniert! Du hast unsere Wege gekreuzt.»
Ich erinnerte mich daran, wie Gott mir gesagt hatte, ich solle mir keine Sorgen um meine Vergangenheit machen. Während ich nach Hause rannte um Diana zu erzählen, was Gott gerade getan hatte, lachte ich den ganzen Weg.
Nordafrika