Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/70767

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, jenen Betrieben, die bereits seit mindestens drei Jahren Lehrlinge ausbilden, für jeden zusätzlichen Lehrling, den sie in Ausbildung nehmen, einen Unterstützungsbeitrag von 5000 Franken pro Lehrjahr auszuzahlen. Die Massnahme ist zu befristen bis ins Jahr 2012.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bund setzt sich zusammen mit den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt dafür ein, dass ein genügendes Angebot im Bereich der Berufsbildung vorhanden ist. Gemäss den jüngsten Zahlen des Lehrstellenbarometers des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie waren im April 2006 insgesamt noch rund 3500 zusätzliche Lehrstellen erforderlich, um die Nachfrage auf dem Lehrstellenmarkt zu decken. Erfahrungsgemäss bieten die Betriebe in den Monaten April bis September zusätzliche Lehrstellen an.</p><p>Insgesamt lohnt sich die Berufsbildung für die Betriebe, wie dies die Studie "Kosten und Nutzen der Lehrlingsausbildung aus der Sicht der Schweizer Betriebe" der Universität Bern belegt. Bezogen auf das Erhebungsjahr 2000 standen den Bruttokosten von 4,8 Milliarden Franken produktive Leistungen der Lernenden in der Höhe von 5,2 Milliarden Franken gegenüber. Wenn Betriebe nicht ausbilden, ist dies hauptsächlich auf einen Mangel an betrieblichem Nutzen zurückzuführen: Die Ausbildungskosten können weder durch die produktiven Leistungen der lernenden Person noch durch die Einsparung von Rekrutierungskosten wettgemacht werden. In der Schweiz bilden rund 30 Prozent der infrage kommenden Unternehmungen Lernende aus. Diejenigen, welche keine Lehrstellen anbieten, sind häufig zu klein oder können die Strukturen, welche für eine Berufsausbildung notwendig sind, nicht zur Verfügung stellen.</p><p>Der Bundesrat spricht sich aus folgenden Gründen gegen Kopfprämien für Betriebe aus, welche neu Lernende beschäftigen:</p><p>- Kopfprämien sind ein fragwürdiges Instrument: Der Staat muss keine finanziellen Anreize für die Ausbildung von Jugendlichen setzen, da sich die Berufslehre für die Arbeitgeber lohnt. Werden Kopfprämien ausgerichtet, besteht die Gefahr von Mitnahmeeffekten, welche nicht im öffentlichen Interesse sind. </p><p>- Kopfprämien sind Investitionen am falschen Ort: Das Kopfprämiensystem würde zu einem übermässigen administrativen Aufwand führen, der nach Ansicht des Bundesrates in keinem Verhältnis zu der zu erwartenden Schaffung von Lehrstellen stehen würde. Dies belegen auch erste Erfahrungen aus Österreich. Bundesmittel können effizienter und zielgerichteter eingesetzt werden, wenn sie in umfassende kantonale Lehrstellenförderungsmassnahmen investiert werden. Im Jahr 2005 unterstützte der Bund nach den Artikeln 54-56 des Berufsbildungsgesetzes Massnahmen der Kantone und der Wirtschaft mit mehr als 31 Millionen Franken.</p><p>- Kopfprämien führen zu Ungerechtigkeiten: Betriebe, die seit je ausbilden und aus strukturellen oder konjunkturellen Gründen keine zusätzlichen Lehrstellen anbieten können, würden benachteiligt.</p><p>- Kopfprämien wecken falsche Erwartungen: Lehrstellen können nur dort bewilligt werden, wo die betrieblichen Voraussetzungen erfüllt sind und damit die Ausbildungsqualität sichergestellt ist.</p><p>Lehrstellen lassen sich nicht kaufen. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre bewähren sich für die Schaffung neuer Lehrstellen vor allem drei Massnahmen: Lehrstellenförderinnen und -förderer sprechen direkt bei den Betrieben vor. Sie motivieren diese, Lehrstellen anzubieten, und zeigen auf, was im Einzelfall unternommen werden muss, welche Ausbildungsmodelle sich anbieten und wie konkret vorzugehen ist. Weiter zahlt sich der Aufbau von Lehrbetriebsverbünden aus: Mehrere Betriebe spannen ihre Kräfte zusammen und bilden gemeinsam Lernende aus. Schliesslich erweist sich die individuelle Begleitung (Mentoring) von schulisch oder sozial schwächeren Jugendlichen als eine erfolgreiche Massnahme. Die Jugendlichen erhalten dadurch persönliche Unterstützung beim Übertritt von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung und allenfalls auch während der Ausbildung.</p><p>Die Massnahmen erfolgen zielgerichtet vor Ort durch die Kantone und Organisationen der Arbeitswelt. Diese sind mit den regionalen und lokalen Verhältnissen vertraut und haben Kontakt zu den Unternehmungen. Je nach Situation auf den regionalen Lehrstellenmärkten können sie das Massnahmenspektrum entsprechend ausrichten. Der Bund unterstützt weiterhin finanziell die Massnahmen der Verbundpartner.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.