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Sie sind allgegenwärtig: Animierte Bildchen sind fast so alt wie das Internet. Nächstes Jahr feiert das GIF seinen 30. Geburtstag.
Mittlerweile hat das nervöse Bildformat schon einige Jahre auf dem Buckel. 2017 wird es dreissig und jeder Internetnutzer hat schon Bekanntschaft mit ihm gemacht. Das GIF, das Graphics Interchange Format, ist eines der ersten elektronischen Bildformate, das online genutzt wurde.
1987 erblickte es das Licht der Röhrenbildschirme und wurde für die Darstellung und Übermittlung von Bildern von einem gewissen Steve Wilhite entwickelt. Compuserve, eines der ersten grossen Onlineportale, führte es in seine Dienste ein und das noch junge Web wandelte sich rasend schnell von einem reinen Text- zu einem Bildmedium.
Und das GIF konnte noch mehr: Transparenz und Animation. Bildpartien konnten auf transparent gestellt werden, um so darunter liegende Hintergründe durchscheinen zu lassen. Die Animation, also das Abspielen mehrerer Bilder hintereinander innerhalb einer Datei, ermöglichte Bewegung. Und es hatte auch schon eine effiziente Datenkompression (LZW) eingebaut, die ihm später allerdings fast das Genick gebrochen hätte. Dieses Verfahren ermöglichte es, Bilder, die eigentlich viel Speicherplatz benötigten, mathematisch zu schrumpfen und so in vernünftiger Zeit übers noch lahme Worldwideweb zu schicken.
Auf einmal werden Gebühren fällig
Als Anfang der Neunzigerjahre bei uns die ersten Websites entstanden, bedienten sich die frischen Webdesigner bei den vielen schon vorhandenen GIFs und schmückten die meist dunklen oder grauen Websites mit gelbrot blinkenden «New»- oder rotierenden «Email»-Buttons oder einer grottenschlecht animierten «under construction»-Meldung. Webvideo war noch kein Thema und so wurden die ersten Kinotrailer als mehrsekündige tonlose GIF-Filmchen gestaltet.
Doch 1994 entdeckte die Softwarefirma Unisys, dass sie ein schon 1983 eingereichtes Softwarepatent auf das im GIF verwendete LZW-Verfahren besass und verlangte von Compuserve massive Lizenzgebühren. Das GIF war zu dieser Zeit schon so weit verbreitet, dass sich die Softwarehersteller den Forderungen von Unisys nicht widersetzen konnten.
Auch ging Unisys rechtlich gegen einzelne Anwender vor, die GIF-Bilder auf ihren Websites einsetzten, die von nicht lizenzierten Programmen erzeugt wurden. Als Reaktion auf diesen rechtlichen Ärger wurden andere, neue «freie» Bildformate entwickelt – die bekanntesten heissen JPG und PNG.
Ein anerkanntes Wort
Das US-Patent lief am 20. Juni 2003 aus und das GIF durfte nun von jedermann und jeder Software erzeugt und verbreitet werden. Qualitativ waren die neuen Formate dem GIF überlegen. Doch der Bekanntheitsgrad und die Möglichkeiten der Animation verhalfen ihm zu neuer Blüte im Web 2.0. Auch auf den Smartphones machten sich die GIFs gut – blinkende Smilies in Chats, Snapchat & Co sind nicht mehr wegzudenken.
Im Jahr 2012 wurde «GIF» offiziell als Substantiv und Verb in der englischen Sprache anerkannt. Der amerikanische Zweig der Oxford University Press kürte es zum Wort des Jahres, da sich GIF «zu einem Werkzeug mit ernsthaften Anwendungen in Journalismus und Forschung entwickelt habe». Facebook hingegen zierte sich noch lange – erst im Mai 2015 begann auch Zuckerbergs Firma das Format zu unterstützen.
Selber machen
Auf Giphy.com kann man wunderbar mit Millionen von GiFs neue Kreationen basteln, immer am Abgrund zu der absoluten Geschmackslosigkeit. Und die groben Pixel wirken wie eine moderne Patina.