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Plötzlich ist da dieser Juckreiz praktisch am ganzen Körper, vor allem aber im Gesicht, auf den Augenlidern, am Rumpf und an den Armen und Beinen. Auf der Haut bilden sich hellrote, flache Quaddeln, d.h. einige Millimeter bis einige Zentimeter grosse Hautschwellungen der oberen Hautschicht, die in der Mitte etwas blasser erscheinen und an die Hautveränderung nach Kontakt mit einer Brennnessel erinnern. In einigen Fällen wandern die Effloreszenzen über einen längeren Zeitraum über verschiedene Körperstellen: Die einzelne Quaddel besteht kaum länger als einige Stunden, dafür treten an anderer Stelle frische Quaddeln auf. Woher hat Ihr Kind den Ausschlag und ist das vielleicht ansteckend? Was kann man gegen den Juckreiz tun?
Was passiert bei einer Nesselsucht (Urticaria) im Körper?
Immunzellen (Mastzellen) produzieren entzündungsfördernde Botenstoffe, v.a. Histamin. Dadurch werden Immunzellen in der Haut stimuliert und es bildet sich dort eine örtlich begrenzte oder sich grossflächig ausbreitende Entzündung in Form von Juckreiz, Rötung und Quaddeln. Eine allergische Reaktion, etwa auf Pollen oder Nahrungsmittel, kann die Mastzellen aktivieren, aber auch viele andere Faktoren.
Nesselsucht ist nicht ansteckend. Nur wenn sie begleitend oder nach einer ansteckenden Infektion auftaucht, müssen die Kinder isoliert werden.
Die Auslöser für das Nesselfieber
Nesselsucht tritt bei Kindern recht häufig auf, aber seltener als bei Erwachsenen. Durch die Quaddeln, Rötungen und vor allem den quälenden Juckreiz, der durch Kratzen noch verstärkt wird, ist das Wohlbefinden der Kinder stark beeinträchtigt. Die Effloreszenzen sind zwar nicht ansteckend, aber schwierig zu behandeln, denn im Einzelfall ist die Ursache für den juckenden Hautausschlag nicht immer leicht herauszufinden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen allergischen und - häufiger - nichtallergischen Auslösern.
Allergische Auslöser: Kann sich bei schon sensibilisierten Personen entwickeln als Kontaktallergie (z.B. Pflanzen, Metalle), Nahrungsmittelallergie (v.a. Erdbeeren, Fisch, Milchprodukte, Ei), Medikamentenallergie (z.B. Penicillin), Allergie auf Insektenstiche (v.a. Bienen, Wespen)
Nichtallergische oder pseudoallergische Auslöser: Am häufigsten sind bei Kindern Infekte (z.B. mit Streptokokken wie grippale Infekte, Mittelohrentzündungen oder Rachenentzündungen), Kälte- oder Wärmereiz, Licht oder Druck, kaltes Wasser, heisses Bad, scharfes Essen, mechanische Reizung (z.B. zu enge oder kratzige Kleidung), Zusatzstoffe in Lebensmitteln (Konservierungsstoffe, Farbstoffe), Arzneimittel (Antibiotika, Acetylsalicylsäure), Kontakt mit Brennesseln, Parasitenbefall (Würmer).
Um die Ursache herauszufinden, müssen die Eltern möglichst genau wissen, welche Umstände die Nesselsucht ausgelöst haben. Das ist in den meisten Fällen aber gar nicht nachvollziehbar. Erst wenn der juckende Ausschlag häufiger auftritt, bildet sich ein Verdacht heraus. Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn die Nesselsucht häufiger und länger andauernd auftritt. Allergietests helfen nur weiter bei echten Allergien.
Natürlich sollten in Zukunft die bekannten Verursacher der Urtikaria gemieden werden.
Was kann man gegen den Juckreiz tun?
In den meisten Fällen klingt das Nesselfieber innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Chronische Erkrankungsformen spielen erst im späteren Kindesalter zunehmend eine Rolle. Kinder mit atopischer Dermatitis (Neurodermitis) leiden übrigens häufiger an einer chronischen Nesselsucht als andere Kinder.
Sofern Kälte als Ursache auszuschliessen ist und der Juckreiz eher lokal auftritt, helfen kühlende, feuchte Umschläge oder ein Coldpack. Lauwarme Bäder können ebenfalls den Juckreiz lindern. Hautreizungen durch Kratzen, Reibung und Druck sind zu vermeiden. Zusätzliche sanfte Pflege mit einer feuchtigkeitsspendenden Lotion oder Creme tut gut.
Als Medikament kommt ein Antihistaminikum (z.B. Cetirizin), Adrenergikum oder Kortison in Frage, zunächst lokal als Gel oder Creme oder Schüttelmixtur mit Menthol und Polidocanol, evtl. auch systemisch als Tabletten oder Tropfen.
Wann wird es gefährlich?
Solange das Krankheitsbild sich auf die Haut beschränkt, ist das Nesselfieber ungefährlich. Bekommt das Kind Atembeschwerden, Kurzatmigkeit oder sogar Atemnot, Husten und Schwellungen im Gesicht und Hals, ist eine ärztliche Behandlung (Notarzt) notwendig. Dann droht ein allergischer (anaphylaktischer) Schock bzw. ein Quincke-Ödem. Dies ist glücklicherweise sehr selten.