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Chiara Fanetti
22. März 2024
Still dal film «La scomparsa di Bruno Breguet» (2024) © Dschoint Ventschr Filmproduktion AG
Seine ersten Erfahrungen mit Selbstverwaltung machte Olmo Cerri als Kind in Sonvico, einem knapp zehn Kilometer von Lugano entfernten Dorf in den Hügeln. Dort hatte man den Kindern als Treffpunkt einen Stall zur Verfügung gestellt, wo sie Musik machen und kollektive Aktivitäten organisieren konnten. Das Leben in der Gemeinschaft begann für ihn früh; seine Eltern waren stets politisch engagiert: «Für mich war das ein Vorbild. Die ersten Demos für das Kulturzentrum Molino besuchte ich zusammen mit meinem Vater».
Cerri, geboren 1984, war zu jung, um das selbstverwaltete Kulturzentrum Molino noch an seinem ersten Standort in Lugano zu frequentieren, aber als das ehemalige Grotto al Maglio geräumt wurde, das die Autonomen einige Jahre lang besetzt hatten, war er schon achtzehn. Er begann, an Versammlungen teilzunehmen, gestaltete Flyer, half, wo und wie er konnte: «Ich fühlte mich dort nützlich, es gab damals Leute im Molino, die sich aktiv bemühten, Neulinge zu integrieren, aufzunehmen, ihnen zu erklären, was vor sich ging».
Die eigenen Erfahrungen mit Aktivismus und ein spontanes Interesse für Geschichte und Geschichten führten dazu, dass Cerri, unterdessen Sozialarbeiter, zum ersten Mal zur Filmkamera griff. «Wir begannen, kurze Dokumentarfilme über die Geschichten von Drogenabhängigen in der Region Lugano zu drehen. Und da wurde mir klar, dass das Erzählen der Erfahrungen von Menschen etwas ist, was mich interessiert. Es kann ein politischer Akt sein: Jenen eine Stimme geben, die keine haben».
Es ist wichtig, dass dieser Kontext bekannt ist, bevor man über die Dokumentarfilme und das Schaffen von Olmo Cerri spricht. Durch sein Schaffen zieht sich ein roter Faden aus Ethik, Lebensphilosophie, Aktivismus, Gemeinschaft, Raum, Ökologie, Geschichte und Kämpfertum: Von den Aufnahmen während einer Antimilitärdemo in den frühen 2000er Jahren bis zum Dokumentarfilm, den er an den vergangenen Solothurner Filmtagen vorstellte, «La scomparsa di Bruno Breguet». Der Film beleuchtet eine Episode, die fast vollständig aus dem kollektiven Gedächtnis des Tessins verschwunden war (es geht um einen militanten Aktivisten, der 1995 spurlos verschwand), handelt aber auch von den Enttäuschungen der Gegenwart und den Zukunftshoffnungen der Vergangenheit, die immer ungewisser werden. Ein Film, der für Cerri auch Anlass für tiefgründige persönliche Reflexionen über den heutzutage geringen Nutzen von Aktivismus bot, und gleichzeitig auch über die Macht der – individuellen und kollektiven – Proteste zur Veränderung der Welt. Auch der Verein REC, den er zusammen mit anderen Tessiner Regisseuren und Filmkollegen aufbaute, ist ein kollektives Projekt: «Es ist ein bisschen wie ein Zuhause, es fühlt sich gar nicht nach Arbeit an, wenn ich für eines meiner Projekte dort bin». An Projekten fehlt es ihm nie, und sie können viele Formen annehmen: Dokumentarfilme für Fernsehen und Kino, Podcasts, Audiodokus, Comics. Die Themen widerspiegeln, was ihm am Herzen liegt: Kollektive Gärten, solidarische Landwirtschaft, Migrationsgeschichten, die italienische Diaspora, kleine Realitäten – selbsterzählend oder von einfachen oder auch extravaganten Personen wie Nino Zucca erzählt, dem Protagonisten des Films «Swiss Elvis», den Cerri 2018 für die RSI-Sendung «Storie» drehte.
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«Ich habe das Gefühl, nichts zu können. Ich kann weder Ski fahren noch ein Instrument spielen, beherrsche keine Fremdsprachen, habe keinen Uniabschluss. Ich versuche, Dinge zu machen, aber damit sie mir gelingen, muss ich mich sehr anstrengen. Dafür bin ich extrem unabhängig, und das hat mich schon immer fasziniert, es gefällt mir und gibt meinem Leben einen Sinn». Olmo Cerri ist bescheiden und unterschätzt wohl manche Aspekte seines Werdegangs, aber er muss zugeben, dass er, vielleicht auch dank seiner Ausbildung zum Sozialarbeiter (vor dem Studium am CISA), Vertrauen zu schaffen vermag.
Er arbeitet mit einem kleinen Team, will die Leute, die sich ihm mit ihren Geschichten anvertrauen, nicht überrollen und sie unter keinen Umständen zu etwas zu drängen. Stattdessen versucht er, eine nichtausbeuterische Beziehung zu ihnen aufzubauen. Auf die gleiche Weise ging er auch beim Dokumentarfilm «Non ho l'età» (2017) vor, der von den Italienern und Italienerinnen erzählt, die Mitte 1960er Jahre auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz kamen und hier die schwierige Schwarzenbach-Ära mit Rassismus, Ausbeutung, oft auch Trennung von der Familie erlebten. Zählen durften sie dabei auf die Solidarität innerhalb der italienischen Gemeinschaft, die im ganzen Land präsent war.
Ein Film, der auch im Ausland gezeigt wurde: «Wir waren in Ankara, Istanbul, in Polen, auch in Brasilien. Für mich ist der Film auch ein bisschen eine Familiengeschichte, meine Grossmutter kommt aus dem Veneto». In jedem seiner Filme steckt ein wenig Olmo, es ist ein Fluss gegenseitiger Bereicherung, deutlich sichtbar für alle, die seine Karriere mitverfolgen.
Auch in «Quegli stupefacenti anni zero» steckt ein wenig von ihm: Der 2023 produzierte Podcast erzählt von der Zeit, als im Tessin die Hanfproduktion explosionsartig zunahm. Ein einzigartiges Phänomen in einer rechtlichen Grauzone, das Behörden wie Bevölkerung völlig unvorbereitet traf und sich auch auf Menschen wie Olmo auswirkte, der in dieser Zeit ein junger Erwachsener war. «Es handelt sich um eine Erfahrung, die wir als Generation gemacht haben, davon zu erzählen ist interessant». Wieder steht ein grosses «Wir» für ein historisches Thema. Nach dem gleichen Prinzip entstand während der Corona-Pandemie auch «Strani giorni», ein kollektives akustisches Tagebuch, für das zahlreiche Menschen Sprachnachrichten und Aufnahmen schickten, in denen sie von ihrem Alltagsleben in dieser präzedenzlosen Zeit erzählten.
Im Laufe der Jahre vermochte Cerri nicht nur das Vertrauen der Leute zu gewinnen, sondern bewies auch die seltene Fähigkeit, mit seinen audiovisuellen Projekten Brücken zu bauen: zwischen Generationen, zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, durch Momente des Austauschs, das Ganze stets im Einklang mit seiner Persönlichkeit, seiner Ethik und seinem Schaffen.
«Wenn man eine Bezugsgemeinschaft hat, lässt sich jedes Problem bewältigen. Für mich haben jene Erfahrungen einen Sinn, die Menschen zusammenbringen».
Il primo incontro con l’autogestione lo vive durante l’infanzia a Sonvico, il paesino in collina dove è cresciuto, a una decina di chilometri da Lugano. Ai ragazzini del villaggio era stata affidata una stalla, che loro hanno trasformato in una sorta di locale, di ritrovo, dove si poteva suonare e proporre attività collettive. Per Olmo Cerri la vita comunitaria è iniziata presto; i suoi genitori sono sempre stati impegnati politicamente: «mi è sembrato un modello da seguire. Alle prime manifestazioni del Molino sono andato con mio padre».
Nato nel 1984, Olmo Cerri è troppo piccolo per frequentare la prima sede del Centro Sociale Autogestito Il Molino a Lugano ma ha già 18 anni quando avviene lo sgombero del Maglio, dove gli autogestiti occupavano un ex grotto da alcuni anni. Inizia a partecipare alle assemblee, impagina volantini, offre una mano dove e come può: «mi sono sentito utile in quella realtà, era un momento in cui dentro il Molino c’era gente che faceva un lavoro attivo per integrare persone nuove, accoglierle, spiegare cosa stava succedendo». Il contatto diretto con l’attivismo e lo spontaneo interesse per la Storia e le storie portano Olmo Cerri a ricorrere per la prima volta all’audiovisivo nel suo percorso lavorativo come operatore sociale. «Abbiamo iniziato a fare brevi documentari sulle storie delle persone tossicodipendenti nel luganese. In quel momento ho capito che ciò che m’interessava era raccontare le vicende della gente. Poteva essere un modo politico di fare le cose: dare voce a chi non l’aveva».
«A me interessa utilizzare l’audiovisivo per dire delle cose, per fare progetti collettivi, non m’interessa l’estetica fine a sé stessa»
Olmo Cerri
Non si può parlare dei documentari e dei lavori di Olmo Cerri senza prima aver fornito il giusto contesto. Tutto corre su questo unico filo che unisce etica, filosofia di vita, attivismo, dimensione comunitaria, territorio, ecologia, storia, lotta. Dai primi filmati girati durante una manifestazione antimilitarista ad inizio anni 2000 fino al documentario presentato alle ultime Giornate di Soletta, «La scomparsa di Bruno Breguet» (Dschoint Ventschr Filmproduktion, SRF e Associazione REC). Un film che, ripercorrendo una vicenda quasi rimossa dalla memoria collettiva ticinese (quella del militante politico svanito nel nulla nel 1995), parla delle disillusioni del presente e delle speranze del passato, per un futuro che sembra sempre più incerto. Un lavoro che ha rappresentato per Cerri anche una profonda riflessione personale, sulla poca efficacia dell’attivismo al giorno d’oggi ma anche sul potere della contestazione - individuale e collettiva - per cambiare il mondo. Anche l’Associazione REC, che ha costruito con altri registi e professionisti ticinesi, è un progetto collettivo, «è un po’ una casa, non mi sembra di lavorare quando sono lì per i miei progetti». Progetti che sono sempre tanti e si traducono in molti modi: documentari televisivi e cinematografici, podcast, audio doc, libri a fumetti. I temi rispecchiano quelli cari al regista: orti collettivi, agricoltura solidale, storie di emigrazione, la diaspora italiana, piccoli angoli di territorio che si raccontano da soli o attraverso i loro semplici o stravaganti personaggi come Nino Zucca, protagonista di «Swiss Elvis», realizzato per la trasmissione «Storie» della RSI nel 2018.
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«Io ho l’impressione di non essere capace di far niente. Non so sciare, non so suonare nessuno strumento, non conosco le lingue, non sono laureato. Provo a fare le cose ma devo impegnarmi tanto per riuscire. Però questo mi permette anche di essere estremamente indipendente ed è sempre stata una cosa che mi ha appassionato, mi ha divertito, ha dato senso alla mia vita». Olmo Cerri è modesto e sottovaluta molti aspetti del suo percorso forse, non può negare però che, probabilmente anche grazie alla sua formazione di operatore sociale (ottenuta prima di frequentare il CISA), ha la capacità di ispirare fiducia. Lavora con una piccola squadra, non vuole essere ingombrante con chi si affida a lui per raccontare la propria storia, rifiuta qualsiasi forzatura nei confronti dei suoi intervistati e cerca di costruire con loro una relazione che non sia predatoria. Ha lavorato così anche con i protagonisti del documentario «Non ho l’età» (Amka Films, RSI e tempesta srl, 2017), che racconta le vicende di chi, a metà anni ’60, ha raggiunto la Svizzera dall’Italia per trovare un lavoro, vivendo gli anni complicati dell’epoca Schwarzenbach, gli episodi di razzismo e di sfruttamento o ancora le separazioni dai famigliari, affrontate grazie alla solidarietà della comunità italiana presente in tutto il Paese. Un film che ha viaggiato molto, anche all’estero: «siamo stati ad Ankara, Istanbul, in Polonia, è stato proiettato anche in Brasile. È anche un po’ una storia di famiglia, mia nonna era veneta». C’è un po’ di Olmo in ognuno dei suoi progetti, in un flusso di reciproco arricchimento, ben visibile a chi osserva la sua carriera.
C’è un po’ di lui anche in «Quegli stupefacenti anni zero», un podcast prodotto da RSI nel 2023 in cui si racconta l’epoca dell’esplosione dei canapai in Ticino. Un fenomeno unico che ha colto impreparati tutti, dalle autorità alla popolazione, un limbo legale che ha avuto il suo impatto anche su chi, come Olmo, in quel periodo muoveva i primi passi nell’età adulta. «È un’esperienza che abbiamo vissuto come generazione ed è interessante da raccontare». Di nuovo, un grande «noi» che rappresenta la Storia. È nato con questo stesso principio, durante l’epidemia di Covid19, anche «Strani giorni», un diario sonoro collettivo a cui hanno partecipato numerose persone, inviando messaggi vocali e registrazioni, raccontando la loro quotidianità durante un evento senza precedenti. Negli anni Olmo Cerri non solo si è guadagnato la fiducia della gente ma ha anche dimostrato la rara capacità di sapere costruire ponti attraverso i suoi progetti audiovisivi: tra generazioni, tra passato e presente, creando momenti di condivisione, in linea con la sua persona, la sua etica e il suo lavoro. «Se hai una comunità di riferimento puoi sopravvivere a qualsiasi problema. Tutte le esperienze che mi sembra che abbiano un senso sono quelle che mettono insieme persone».
Anche se l’esperienza dell’autogestione è ancora attiva in Ticino, il collettivo Il Molino è senza una sede dal maggio del 2021, quando gli spazi dell’Ex Macello di Lugano sono stati sgomberati e demoliti da un’operazione della polizia cantonale autorizzata dal Municipio cittadino (un’inchiesta è ancora in corso). Olmo Cerri, a margine di questi fatti, ha realizzato un podcast di 12 episodi per raccontare 25 anni di CSOA il Molino. Il titolo, eloquente, è «Macerie». Il regista in questi anni si è fatto portavoce della cronica mancanza in Ticino di spazi per la cultura indipendente anche con l’Associazione Idra, costituita da organizzatori culturali attivi sul territorio da molti anni. Il primo progetto dell’associazione è stata La Straordinaria, un programma interdisciplinare di eventi distribuito su tre mesi (da dicembre 2022 a marzo 2023) che si è svolto nella Tour Vagabonde, struttura itinerante nata a Friburgo 25 anni fa, «atterrata» a Lugano lo scorso inverno. Da quest’esperienza è nato un documento, rivolto alle autorità, per riconoscere la cultura indipendente, sostenendola con spazi, finanziamenti e un quadro legislativo aggiornato. La Carta della Gerra è stata presentata a inizio febbraio 2024. Nel programma de La Straordinaria Olmo Cerri e Antonio Prata (regista e produttore) hanno proposto anche proiezioni di film e documentari. Malgrado il lavoro svolto da alcuni cinema, per Cerri sul territorio mancano degli spazi «off» che possano ospitare quei titoli che restano fuori dalla classica distribuzione. Un modello auspicabile sarebbe quello del ‘miniplex’ proposto ad esempio al Zinéma di Losanna, dove in più stanze di piccole dimensioni vengono mostrati diversi film.
Teresa Vena und Adrien Kuenzy
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