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Es kommt noch mehr Bewegung ins Thema Überschall-Passagierflugzeuge: Virgin Galactic Holdings, eine Tochtergesellschaft der Virgin Group des britischen Multiunternehmers Richard Branson, hat via ihre Flugzeug-Baugesellschaft «The Spaceship Company» angekündigt, dass mit dem Motorenhersteller Rolls-Royce ein «Memorandum of Understanding» für die Produktion von Antriebstechnologie unterzeichnet wurde - mit dem Ziel, ein Passagierflugzeug zu entwickeln, welches künftig Mach 3 erreichen kann.
Mach 3, das wären mindestens 3675 km/h. Damit wäre das neue Flugzeug deutlich schneller als die Concorde - das bisher einzige zertifizierte Überschall-Passagierflugzeug, welches im Jahr 2003 aus dem Verkehr gezogen wurde - und ohnehin schneller als alle aktuellen Passagierflugzeuge, die allesamt in Unterschallgeschwindigkeit unterwegs sind. Dafür bietet es laut aktuellen Plänen auch klar weniger Platz: Für insgesamt 9 bis 19 Passagiere, während es bei der Concorde anfänglich 128 und zuletzt immerhin noch rund 100 waren. Die reguläre Flughöhe wird bei 18'300 Metern liegen, also ähnlich wie bei der Concorde.
Rolls-Royce soll die Motortechnologie entwickeln; Virgin Galactic hat derweil in den USA erfolgreich die «Mission Concept Review» abgeschlossen, im Rahmen derer sich NASA-Mitarbeitende im Rahmen einer Machbarkeitsstudie zum Projekt äusserten und die US-Luftfahrtbehörde FAA auch den Rahmen einer zukünftigen Zertifizierung des Flugzeugs absteckte. Rolls-Royce hat Erfahrung mit Überschallmotoren und war bekanntlich auch Lieferant der Antriebstechnologie der Concorde (welche Mach 2 erreichte). Darüber hinaus kooperiert ROlls-Royce auch bereits mit der Raumfahrtbehörde NASA in Sachen Hochgeschwindigkeits-Antrieb.
Und was ist mit der Kabine? Die bis zu 19 Passagiere werden zwischen Business und First Class auswählen können. Der Rumpf wird Delta-Flüge haben, also vereinfacht gesagt eine Dreiecksform. Ebenfalls bemerkenswert: Der Treibstoff soll möglichst nachhaltig sein.
Zusammenarbeit mit Boom
Virgin Galactic ist allerdings bei Weitem nicht alleine im Rennen um das nächste Überschall-Passagierflugzeug. Gleich drei US-Unternehmen tüfteln schon seit einiger Zeit an eigenen Lösungen herum, wie Travelnews bereits berichtete, nämlich Boom Supersonic, Aerion Supersonic und Spike Aerospace. Vor allem Boom hat bisher Schlagzeilen gemacht mit dem Modell XB-1, welches Mach 2,2 erreichen soll und Platz bis 45 Passagiere bieten will (und den Übernamen «Baby Boom» erhalten hat). Virgin Galactic war dort bereits Zusammenarbeits-Partner beim Projekt. Die ersten Testflüge sollten 2023 stattfinden. Ob dieser Zeithorizont wegen Corona nach hinten verschoben wird, ist aktuell noch unklar.
Doch auch diese zukunftsgerichteten Unternehmen leiden unter der Wirtschaftskrise. Virgin Galactic hat diese Woche die Bilanz für das zweite Quartal 2020 vorgelegt. Ein Umsatz wurde nicht ausgewiesen, der Nettoverlust lag bei 63 Millionen US-Dollar, die Cash-Reserven betrugen 360 Millionen Dollar.