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Das Poesiefestival von Medellín
«Wir hatten die Wahl – Fliehen oder Handeln!» Ein weiteres kurzes «Schnupperstück» aus unserem neuen Zeitpunkt-Magazin: «machbar! Was Menschen alles können».
Die kolumbianische Anden-Metropole Medellín war in den 90er Jahren ein Synonym für Gewalt. Guerilla und Paramilitär kämpften um die Vorherrschaft in den Stadtteilen und hatten Verwaltung und Polizei unterwandert. Jedes Jahr fanden 7´000 Menschen einen gewaltsamen Tod. Doch dann hatte Fernando Rendón eine Idee.
Der Gründer des Poesiefestivals erinnert sich: «Wir hatten die Wahl – Fliehen oder Handeln!» 1991 lud er mit einigen Dichtern und Literaten zu einer nächtlichen Lesung von Liebesgedichten in einen öffentlichen Park ein. Trotz Ausgangsperre folgten 3´000 Menschen dem Aufruf. Das Wunder geschah: «Die Armee liess uns weiterlesen!»
Zur zweiten Lesung kamen 6'000 Menschen, dann 25'000 – und bei keiner der Lesung kam es zu einem gewalttätigen Zwischenfall. Was als Protestaktion gegen Gewalt begonnen hatte, wurde zum wichtigsten Literaturfestival Lateinamerikas. Alljährlich lauschen 200'000 Besucher den Gedichten und Gesängen. Hans Magnus Enzensberger, der 1999 am Festival teilnahm, sprach vom «Wunder von Medellín». Redón wurde mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet.
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