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Vermutlich war das Gebiet um Aleppo schon im 5. Jt. v. Chr. besiedelt, aber erwähnt wurde der Name der Stadt erstmals im 19. Jh. v. Chr. in den Archiven der Städte Mari und Alalakh. In akkadischen Quellen heisst Aleppo Halab/Halap, Haleb, Halaba, in hethitischen Chalab. Der Name Halab deutet auf das arabische Verb für „melken“ – nach einer Legende soll der biblische Stammvater Abraham auf dem Hügel, auf welchem heute die Zitadelle von Aleppo steht, seine Herde gemolken und die Milch an die Armen verteilt haben. In den frühen Quellen wird Halab als Hauptstadt eines Königreiches mit Namen Yamkhad bezeichnet. Die Stadt entwickelte sich in dieser Zeit zum Zentrum einer Koalition gegen die Hethiter, allerdings blieben diese im Kampf um die Vorherrschaft Sieger. Um 1530 v. Chr. gelang es dem Hethiterkönig Murschili I. Halab einzunehmen. Das Reich Mitanni versuchte ebenfalls, Halab unter seine Herrschaft zu bringen, aber schliesslich wurde es endgültig Teil des hethitischen Grossreiches, nachdem der Hethiterkönig Schuppililiuma I. in der Mitte des 14. Jh. v. Chr. Mitanni besiegt hatte.
Nach seinem Sieg verlegte Schuppiluliuma I. sein Regierungszentrum nach Karkemisch, setzte aber seinen Sohn als Oberpriester des mesopotamischen Wettergottes Hadad in Halab ein, wodurch der Stadt noch eine gewisse Bedeutung als Kultzentrum zukam, politisch hingegen wurde sie bedeutungslos.
Als um 1200 v. Chr. der Seevölkersturm über die Länder des Mittelmeerraumes hereinbrach, wurde auch das Hethiter-Reich hinweggefegt. In Bezug auf Halab ist aus dieser Zeit wenig bekannt: ein Basaltrelief aus dem 8. Jh v. Chr. belegt, dass der Ort Teil des aramäischen Kleinstaates Bit Agusi war.
In hellenistischer Zeit fand eine Neuorientierung statt. Seleukos I. liess die alte, vor-hellenistische Stadt Halab in Beroia umbenennen und diese grundlegend neu gestalten. Die damalige Grundstruktur – ein regelmässiges Strassenraster – ist noch heute prägend für das Stadtbild.
64 v. Chr. wurde Beroia von den Römern erobert und nach der Teilung des Römischen Reiches gehörte es zu Ostrom bzw. zum Byzantinischen Reich – wieder unter dem ursprünglichen Namen Halab, der im modernen Sprachgebrauch zu Aleppo wurde. Mit dem Aufkommen des Christentums wurden die Araberstämme schnell christianisiert und Aleppo wurde zu einer Art Vorposten von Byzanz. Unter Kaiser Justinian wurde Aleppo im Jahre 536 Bischofssitz. Während der Auseinandersetzungen zwischen Ostrom und den persischen Sassaniden wurde die Stadt zweimal geplündert, 636 wurde sie von den Moslems erobert und spielte fortan politisch nur noch eine bescheidene Rolle.
Dies änderte sich, als Hamdan Ibn Hamdun, Abkömmling des Beduinenstammes der Taghlib und Begründer der Dynastie der Hamdaniden, Statthalter von Aleppo wurde. Sein Nachfolger Sayf ad-Dawla gründete das Kleinreich von Aleppo und unter seiner Herrschaft erreichten Literatur und Philosophie eine grosse Blüte. Aber bereits unter seinem Nachfolger erlosch dieser künstlerische Aufschwung wieder und Aleppo fiel in die Bedeutungslosigkeit zurück. 962 eroberten die Byzantiner Aleppo zurück, ab 1023 bis 1079 kamen die Mirdasiden an die Macht, eine Dynastie, die von Salih Ibn Mirdas aus dem nordarabischen Beduinenstamm der Kilab in Aleppo begründet worden war. Sie wurden wiederum von den Seldschuken unter der Führung von Arp Aslan entmachtet. Dessen Sohn Malik Schah liess den letzten Mirdasiden hinrichten, aber er war es auch, der als erster Aleppo gegen die Kreuzritter verteidigte. Unter den Zengiden, die ihrerseits die Seldschuken vertrieben hatten, wurde Aleppo zu einer wichtigen Bastion gegen die Kreuzritter. Der Zengide Nur ad-Din liess die beschädigte Stadt wieder aufbauen, neue Bauwerke, darunter viele Medresen, wurden errichtet und Aleppo erlebte eine glanzvolle Zeit.
Aber die Stadt wurde immer wieder zum Zankapfel der Mächte. Zweimal fielen die Mongolen in Aleppo ein: 1260 wurde sie vom Mongolen-Khan Hülagü geplündert und verwüstet, um 1400 fielen die Mongolen erneut ein, nun unter der Führung des grausamen Heerführers Timur Lenk. 1348 hatte in Aleppo die Pest gewütet, und die Stadt hatte sich nur langsam von den Folgen der Seuche erholt. Erst nachdem 1516 der osmanische Sultan Selim I. die Region erobert hatte und Aleppo Teil des osmanischen Reiches geworden war, hatten die kriegerischen Auseinandersetzungen ein Ende, und Aleppo entwickelte sich zu einer bedeutenden Handelsstadt. 1548 richtete Venedig ein Konsulat ein, 1562 folgte Frankreich und 1583 England.
Die Verlegung der Handelsrouten über andere Städte und ein schlimmes Erdbeben im Jahre 1822 setzten der Blütezeit ein Ende, der Anschluss an die Bagdadbahn 1912 führte jedoch nochmals zu einem neuen Aufschwung. Als Folge der Aufteilung des Osmanischen Weltreiches nach dem Ersten Weltkrieg und der daraus resultierenden Neuordnung der Gebiete im Nahen Osten stand Aleppo bis zur Gründung der Syrischen Republik unter französischer Kolonialherrschaft. Heute ist Aleppo nach Damaskus die zweitgrösste Stadt in Syrien und erhielt 2006 den Titel „Hauptstadt der Islamischen Kultur“.
Seit 1986 hat die Altstadt von Aleppo den Status Weltkulturerbe UNESCO.
Unter dem Ummayden Kalifen Kalif Walid I. (reg. 705-715) und dessen Nachfolger Suleiman (reg. 715-717) wurde die Erbauung der Grossen Moschee in Auftrag gegeben. Der Bau wurde durch 1169 einen Brand völlig zerstört und die heutige Moschee ist eine Rekonstruktion aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Das auf einem quadratischen Grundriss errichtete Minarett, das vom Brand verschont blieb, gilt als Meisterleistung der mittelalterlichen Architektur in Syrien. Auch in dieser Moschee können Christen und Moslems beten: in einem Schrein liegt das Haupt des Zacharias, des Vaters von Johannes dem Täufer, der von den Gläubigen beider Religionen verehrt wird. Oft verbinden die Bittenden ihr Gebet mit einem Gelübde: sie befestigen ein Schloss am Schrein und geloben, dieses erst dann zu entfernen und für die Moschee etwas zu stiften, wenn ihre Bitte erhört worden ist.
Unter Nur ad-Din wurde das Krankenhaus Bimaristan al-Arghun erbaut, das über eine beachtenswerte Einrichtung verfügte: es gab eine geschlossene Abteilung für Geisteskranke und Einzelzimmer für Patienten, die einer besonderen Behandlung bedurften. Das Zentrum des Gebäudes ist ein Hof mit Brunnen, umgeben von Säulenarkaden. Durch verschiedene Eingänge gelangt man zu kleinen Räumen, vermutlich die einstigen Aufenthaltsräume der Patienten bzw. die Behandlungszimmer.
Der steil abfallende Hügel im Zentrum der Altstadt von Aleppo bot sich geradezu für die Errichtung einer Kultstätte oder eine Befestigungsanlage an. Er eignete sich hervorragend für einen Wehrbau und war wohl bereits seit dem Altertum immer in irgendeiner Form bebaut. Neueste Grabungen lassen vermuten, dass dort, wo heute die Zitadelle steht, schon in späthethitischer Zeit ein Tempel errichtet worden war, der dem mesopotamischen Wettergott Hadad geweiht war. Der Legende nach war der Ort aber auch der Platz, wo Abraham seine Schafe geweidet haben soll. Der Hügel war kontinuierlich befestigt und während der Belagerungen durch die Kreuzfahrer war die Burg von dem Zengiden Nur ad-Din den Anforderungen entsprechend ausgebaut worden. Sie war Wehranlage und Palast zugleich, ausserdem war über dem Stein, auf welchem Abraham gesessen haben soll, während er seine Herde hütete, eine Moschee errichtet worden. Ein Meisterwerk der Steinhauerei ist das Portal des Palastes auf der Zitadelle: die Grenzen des Schriftbandes fallen mit dem Wechsel der Steinlagen zusammen. Trotz der Wehrhaftigkeit des gewaltigen Baus konnten die Mongolen die Zitadelle zweimal einnehmen: 1260 und 1460.
Zeugnis von der Bedeutung des Handels für Aleppo legen die grossen Khans – Karawansereien – ab. Es ist typisch für Aleppo, dass diese Gebäude nicht verfallen oder zu museale Einrichtungen umgerüstet wurden, sondern immer noch genutzt werden. So wird zum Beispiel auch heute noch im Khan as-Sabun aus Olivenöl Seife hergestellt. In einem finsteren Gewölbe kann man den ganzen Prozess von der Herstellung der Seifensubstanz bis zur Fertigung der einzelnen Seifenstücke verfolgen. Zur Formung der Seifenstücke wird die Seifenmasse auf dem Boden eines Iwans ausgestrichen und getrocknet, mit einer Schnur werden über dieser Masse Schnittlinien markiert und halbwüchsige Buben schneiden dann die Masse in Stücke, indem sie mit einer Art „Schlittschuhen“, an deren Sohlen Messer als Kufen befestigt sind, längs der Markierungen über die ausgestrichene Seifenmasse gleiten. Die so geschnittenen Seifenstücke werden dann zum Austrocknen in riesigen Paletten gestapelt.