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Auf den Spuren des jungen Picasso: Museu Picasso in Barcelona
Barcelona ist eine ausgesprochen sehenswerte Stadt. Da wären Gaudi und die Sagrada Familia, das historische Zentrum mit dem Barri Gótic, prächtige Strassen und Plätze, elegante Geschäfte und Restaurants – doch Barcelona hat auch in Sachen Kunst Herausragendes zu bieten.
Die Fundació Joan Miró, das Museu Nacional d’Art de Catalunya oder das Museu d’Art Contemporani de Barcelona präsentieren einmalige Kunstwerke vom Mittelalter bis zur Moderne. Kein anderes Museum der Stadt erfreut sich aber eines solchen Andrangs wie das Museu Picasso. Das Museum wurde 1963 – also bereits zu Lebzeiten des berühmten Künstlers – eröffnet und widmet sich in besonderer Weise seinen Jugendjahren. Wenn Sie eine Städtereise nach Barcelona unternehmen, sollten Sie einen Besuch unbedingt mit einplanen. Er lohnt sich – insbesondere wenn es Ihnen gelingt, einen Tag zu erwischen, an dem nicht lange Besucher-Schlangen am Eingang in der Carrer de Montcada warten.
Picassos Jugendjahren in Barcelona gewidmet
Picasso ist im Jahre 1881 im südspanischen Malaga geboren, besitzt also im Gegensatz zu seinem Künstlerkollegen Miró keine katalanischen Wurzeln. 1895 zog die Familie aber nach Barcelona, wo der Vater eine Stelle als Professor an der bekannten Kunstakademie „Escola de la Llotja“ annahm. An dieser renommierten Schule begann auch der 14-jährige Picasso sein Studium. In den folgenden Jahren pendelte er immer wieder zwischen Barcelona, Madrid und Paris hin und her, ehe er spätestens ab 1908 seinen Lebensschwerpunkt in der französischen Hauptstadt hatte. Dennoch entstanden auch später noch Werke in Barcelona.
Das Museu Picasso befindet sich im Stadtviertel La Ribera, das neben dem angrenzenden Barri Gótic einer der ältesten Bezirke Barcelonas ist. Zahlreiche enge Gassen mit hohen Häusermauern kennzeichnen das Viertel, dessen Wahrzeichen die eindrucksvolle gotische Basilica de Santa Maria del Mar ist. In einer dieser Gassen befindet sich auch das Museum unweit der belebten Carrer de la Princesa. Es handelt sich um einen Komplex aus insgesamt fünf Bauten aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Im Mittelalter waren es Adelspaläste. Der Baukomplex mit seinen verwinkelten Räumen und Innenhöfen ist ein Kunstwerk für sich. Im Inneren modern umgestaltet, präsentiert er sich äusserlich weitgehend mit seinen mittelalterlichen Mauern.
Nicht nur dem künstlerischen Genie zu verdanken
Picasso selbst schenkte dem Museum 1970 sein gesamtes Frühwerk, insgesamt rund 2200 Arbeiten, die zwischen dem zehnten und vierundzwanzigsten Lebensjahr entstanden sind – nicht nur als herkömmliche Gemälde, sondern auch als Werke auf Kartons, Zigarrenkisten, Schachteln und Ähnlichem. Im Laufe der Jahre wurde die Sammlung auch um einige spätere Werke erweitert, sodass heute insgesamt etwa 3500 Exponate zu sehen sind. Hinzu kommen wechselnde Sonderausstellungen.
Das Frühwerk unterscheidet sich stilistisch elementar von dem späteren Picasso. Es handelt sich zum grossen Teil um klassische Themen und Malweisen, eben Übungswerke, die im Rahmen der Lehrjahre und des Studiums entstanden sind. Trotzdem weisen bereits diese Jugendschöpfungen auf die hohe künstlerische Begabung Picassos hin. In der Ausstellung wird auch deutlich, dass die Kunst des spanischen Malers, Grafikers und Bildhauers nicht nur ein Ergebnis der Inspiration und des Genies darstellt, sondern auch konsequenter Förderung und ständigem Lernen und Üben zu verdanken ist. Der Vater Picassos hatte grossen Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung und ist – wie auch andere Familienmitglieder – selbst Gegenstand mehrerer Porträts, die in dem Museum zu sehen sind. Bereits mit sieben Jahren begann Picasso unter Anleitung seines Vaters zu malen.
Las Meninas – ein Bilderzyklus mit Variationen
Wenn auch das Schwergewicht in der frühen Schaffenszeit liegt, müssen Sie nicht ganz auf spätere Meisterwerke des Künstlers verzichten. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist der 1957 entstandene Bilderzyklus „Las Meninas“, der komplett in dem Museum gezeigt wird. „Las Meninas“ oder „die Hoffräulein“ ist ursprünglich ein berühmtes Gemälde des spanischen Malers Diego Velázquez aus dem 17. Jahrhundert, das heute im Prado in Madrid zu sehen ist. Es zeigt die spanische Infantin Margerita von mehreren Hofdamen umgeben. Das Werk gilt als ein Höhepunkt der spanischen Malerei dieser Epoche und ist eines der meistdiskutierten Gemälde der Kunstgeschichte überhaupt.
Picasso setzte sich in seinem Bilderzyklus sehr intensiv mit dem Werk von Velázquez und seiner Komposition auseinander, indem er den Grundaufbau immer wieder variierte, abwandelte oder einzelne Aspekte besonders hervorhob, andere dagegen wegliess. So entstand ein eindrucksvoller Bilderreigen von insgesamt 58 Gemälden, die im Museu Picasso gezeigt werden. Der Zyklus ist auch insofern einzigartig, weil er als einzige von Picassos Bilderserien zusammenblieb und nicht wie sonst im Zeitablauf auf verschiedene Orte verteilt wurde.
Els Quatre Gats – Künstleratmosphäre schnuppern
Wenn Sie danach erst einmal genug Kunstgenuss haben, können Sie ein wenig im Umfeld des Museums verschnaufen – zum Beispiel in einer der Bars und Cafés an der Plaça Jaume Sabartés, einem kleinen Platz, der an der modern gestalteten Rückseite des Museums liegt. Oder Sie suchen das „Els Quatre Gats“ auf. Das immer noch existierende Kaffeehaus war das Lieblingslokal von Picasso während seines Aufenthalts in Barcelona. Hier hatte der Maler 1900 seine erste Ausstellung und traf sich gerne mit befreundeten Künstlerkollegen. Auch später war das Café „Die vier Katzen“ – so die Übersetzung – ein beliebter Literatentreff. Das „Els Quatre Gats“ liegt mitten im Barri Gótic, der historischen Altstadt von Barcelona und präsentiert sich mit Interieur und Atmosphäre im typischen Jugendstil – ein schönes Ambiente für Künstler und Kunstliebhaber, damals wie heute.
Oberstes Bild: Das Museo Picasso in Barcelona ist dem jugendlichen Schaffen des Meisters gewidmet. (© Maxisport / Shutterstock.com)