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PROKORE ist ein gesamtschweizerisches Netzwerk, welches die Interessen von Sexarbeitenden in der Schweiz vertritt und sich insbesondere für die Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen einsetzt. PROKORE anerkennt Sexarbeit als gesellschaftliche Realität sowie als professionelle Tätigkeit. PROKORE hat die folgenden Stellugnahmen genommen.
Bern, Februar 2016: Stellungnahme von PROKORE zu Strassensexarbeit
Hier finden sie unsere Stellungnahme in pdf.
Bern‚ November 2015: Ausführliche Stellungnahme von PROKORE zum Bericht des Bundesrates "Prostitution und Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, Bericht des Bundesrates in Erfüllung der Postulate 12.4162 Streiff-Feller, 13.3332 Caroni, 13.4033 Feri und 13.4045 Fehr vom 5. Juni 2015." Hier finden sie unsere Stellungnahme in pdf.
Bern, September 2015: Stelungnahme gegen Initiative 13.423 von Carlo Sommaruga
Prokore freut sich dass die parlamentarischen Initiative 13.423 : „Der finanziellen Ausbeutung von Prostituierten ein Ende setzen“ so mehrheitlich abgelehnt wurde. 123 Stimmen dagegen, 46 dafür, 14 Enthaltungen. Hier finden sie unsere Stellungnahme in pdf.
Bern, Juli 2015: Stellungnahme PROKORE zum Vorentwurf der Verordnung des Bundesrates über Massnahmen zur Verhütung von Straftaten im Zusammenhang mit Prostitution vom 17. Juni 2015 (311.039.x). Hier finden sie unsere Stellungnahme in pdf.
Bern, Juni 2015: Stellungnahme von PROKORE zum Bericht des Bundesrates über Prostitution und Menschenhandel
Das Netzwerk PROKORE begrüsst die Feststellung des Bundesrates, dass auf ein Prostitutionsverbot verzichtet wird. Hingegen haben wir mit Befremden zur Kenntnis genommen, dass die Reduktion der Angebote mittels gesetzlicher Regelungen den Schutz der Sexarbeitenden stärken solle.
Die Reduktion von Arbeitsplätzen mittels gesetzlicher Regelungen führt einerseits zur Mieterhöhung bei den vorhandenen Arbeitsplätzen und andererseits zu einem Rückzug von Sexarbeitenden in Privatwohnungen. Beides widerspricht dem deklarierten Ziel des Bundesrates nach der Stärkung des Schutzes: Die Verknappung der Arbeitsplätze führt zu stärkeren Abhängigkeiten von Vermietenden und zu grösserem finanziellem Druck und das (versteckte) Arbeiten in Privatwohnungen führt dazu, dass die Sexarbeitenden psychisch stärker belastet sind, da sie Angst haben müssen, Wohn- und Arbeitsort zu verlieren, wenn die Vermieter- oder Nachbarschaft von ihrer Tätigkeit erfahren. Zudem arbeiten sie alleine, können also auch nicht auf Unterstützung zählen, wenn sie Gewalt erfahren sollten. Die Folge davon ist eine weitere Prekarisierung der Sexarbeit.
PROKORE bedauert, dass der Bundesrat aufgrund seiner Schlussfolgerung keine Beurteilung der in Kapitel 8.2. aufgeführten Massnahmen vorgenommen hat. Neben sinnvollen (bspw. Schaffung einer nationalen Fachstelle Prostitution, Bekämpfung von Wuchermieten, Vollständiges Gewähren der Opferrechte) und offensichtlich abstrusen Massnahmen (Verbot des Vermietens von Räumlichkeiten) hat es doch auch einige Massnahmen, welche bei Unkenntnis der Materie auf den ersten Blick verführerisch sinnvoll tönen, sich jedoch in der Praxis als schädlich/stigmatisierend für Sexarbeitende oder als nicht umsetzbar zeigen (Erkennungskarte für Sexarbeitende, Zusammenfassung in Eros-Centren, Kondompflicht).
Zudem kritisiert PROKORE den ungenügenden Einbezug der Fachstellen und Sexarbeitenden bei der Erstellung des Berichtes, was zu teilweise einseitigen Darstellungsweisen geführt hat. Hervorgehoben soll hier werden, dass im Bericht eine unselbständige Erwerbsarbeit gar nicht mehr in Betracht gezogen wird auch dies mit der Begründung des besseren Schutzes. PROKORE erscheint es wichtig, dass die Sexarbeitenden wählen können, ob sie selbständig oder unselbständig tätig sein wollen. Es ist auch bei anderen Tätigkeiten möglich, einen Arbeitsvertrag zu erhalten, ohne dass der Arbeitgeber ein absolutes Weisungsrecht hat. So kann bspw. Ein Arbeitgeber von Rettungskräften auch nicht von seinen Angestellten verlangen, dass sie ihre Gesundheit oder ihr Leben gefährden, selbst wenn sie dies in der Praxis regelmässig machen. Bevor weitere Schritte vom Parlament beschlossen werden, erscheint es unerlässlich, die bestehenden kantonalen Gesetze und deren Auswirkungen von einer unabhängigen Stelle evaluieren zu lassen. Für Rückfragen: Christa Ammann 078 646 83 09
Bern, Mai 2015: Stellungnahme von PROKORE zur Kondompflicht
Am 8. März 2015 wurde im Kt. Solothurn das Wirtschaftsgesetz angenommen, welches auch die Sexarbeit regelt. Dieses angenommene Gesetz beinhaltet unter anderem eine Kondompflicht; dies mit dem Argument, es sei zum Schutz der Sexarbeitenden.
PROKORE vertritt folgende Haltung dazu: auf den ersten Blick suggeriert diese Kondompflicht eine Stärkung der Sexarbeitenden zur Durchsetzung des Kondomgebrauchs bei sexuellen Dienstleistungen gegen Entgelt. Damit scheint die Verantwortung für die Entscheidung mit oder ohne Kondom zu arbeiten, vermeintlich nicht mehr ausschliesslich bei den Sexarbeitenden zu liegen.
Dieser erste Blick trügt jedoch. PROKORE spricht sich gegen eine Kondompflicht aus, denn:
• Die Kondompflicht erschwert die nachhaltige Informations- und Präventionsarbeit, da eine gesetzliche Pflicht jedes Gespräch darüber obsolet macht. Es wird zu einem Tabuthema, denn niemand wird über einen Gesetzesverstoss reden wollen.
• Die Kondompflicht kriminalisiert und stigmatisiert Sexarbeitende und deren Kunden, denn diese suggeriert, dass Sexarbeitende und deren Kunden mehr Geschlechtskrankheiten und/oder HIV/Aids hätten als der Rest der Bevölkerung.
• Die Kondompflicht dient den Behörden zu zusätzlichen Kontrollen und fördert die verdeckte Ermittlung als Kontrollinstrument (polizeiliche Lockfreier).
PROKORE setzt sich dafür ein, dass das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht sowohl im privaten wie auch im professionellen Bereich gewährleistet wird. Sexuelle Selbstbestimmung in der Sexarbeit bedeutet, selbst zu entscheiden, wann, auf welche Weise, zu welchen Konditionen und wem sichere sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt angeboten werden.