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Die düstere Zukunft rückt immer näher. Huxleys «Brave New World» von 1932 handelt im Jahr 2540, heutige Dystopien wie Sibylle Bergs «GRM» dagegen spielen fast schon in der Gegenwart. Das trifft auch auf Antoinette Rychners «Après le monde» (Buchet Chastel) zu. Der Roman beginnt im November 2022 mit einem Orkan, der an der Westküste Amerikas 60 000 Todesopfer fordert. Die Schadensumme ruiniert die Versicherungsgesellschaften, was zu einer globalen Finanzkrise und schliesslich zum Zusammenbruch des Kapitalismus führt. Geld wird wertlos, Tauschgeschäfte ersetzen den Markt und bald gibt es weder Benzin noch Strom – und daher auch kein Internet, kein Telefon- und kein Verkehrsnetz mehr. Die Gesellschaft versinkt in Chaos und Gewalt, Epidemien breiten sich aus. Inmitten dieser barbarischen Zustände versuchen Überlebende, sich auf dem Land als Selbstversorger durchzuschlagen. Oft werden sie vertrieben oder von Umweltkatastrophen gezwungen, weiterzuwandern.
Der Roman folgt zwei Frauen, Barbara und Christelle, bis ins Jahr 2049. Die beiden Freundinnen komponieren zusammen ein Epos, das an die Zeit vor der Katastrophe erinnert, die Auswirkungen beschreibt und die Hoffnung auf ein besseres, solidarisches Zusammenleben beschwört. Ihre Gesänge in der «Wir»-Form bedienen sich konsequent des weiblichen Plurals und entwerfen eine poetische Gegenwelt zum globalen Horror. Doch ohne medizinische Versorgung erlebt auch die gewaltlose Gemeinschaft ihre Tragödien: In einer der traurigsten Szenen des Buches stirbt Christelles kleine Tochter an einer Blinddarmentzündung.
Kurz vor ihrem Roman veröffentlichte Antoinette Rychner den berührenden Bericht «Peu importe où nous sommes» (éditions d’autre part) über die Leukämieerkrankung ihres fünfjährigen Sohnes. Sie wendet sich darin an ihr jüngstes Kind, den kleinen Benjamin, der bei Ausbruch der Krankheit seines Bruders drei Monate alt war. Präzis und unsentimental erzählt sie die acht Monate der Behandlung, die jedes Familienmitglied verändert haben.