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von Lukas Oldani
Das Buch „Cassidys Lauf“ handelt von Quenton Cassidy, einem jungen amerikanischen Mittelstreckenläufer (*1) der sich auf den Meilenlauf (1.61km) spezialisiert hat und davon träumt, diesen unter vier Minuten zu laufen. Diese 300 Seiten sind etwas vom besten und lustigsten was ich bislang über das Laufen gelesen habe. Schuld daran ist nicht zuletzt Cassidy selbst, der mit seinen Spässen erheitert aber auch immer wieder aneckt. Einer seiner Lieblingsspässe ist die Vergabe von irgendwelchen lächerlichen und selbstgebastelten Pokalen. Einmal vergibt beispielsweise die „Auszeichnung für den Läufer mit den wenigsten Gasemissionen während des Frühstückslaufs“. Diejenigen von euch, die beim Saar-Eifel-Lauf 2011 des LSV Basels dabei waren und hinter einem gewissen „Läufer in Gelb“ durch das enge Butzerbachtal laufen mussten, wissen, dass jener diese zweifelhafte Ehre ganz bestimmt nicht erhalten würde. Die folgenden Tage quälte sich die Gruppe mit Hautausschlägen und brennenden Augen.
Als Cassidy die Unterschriften einer Petition gegen die Leitung seiner Sportuniversität übergibt, fliegt er von der Uni. Nicht genug, sie lassen ihn bei dem für ihn bis dahin wichtigsten Rennen, wo er die Chance gehabt hätte gegen den aktuellen Weltrekordhalter anzutreten, nicht starten. Bruce Denton (ein fiktiver Olympiasieger über 5’000m) ermutigt ihn, sich von ihm trainieren zu lassen und alles auf die Karte Laufen zu setzen. Infolge trennt sich Cassidy von seiner damaligen Freundin, zieht sich in die Einsamkeit zurück und trainiert wie er noch nie zuvor trainiert hat. Er lässt sich Bart und Haare wachsen und meldet sich unter falschem Namen an dem Rennen an, an welchem ihm als Quenton Cassidy der Start verwehrt blieb. Eine Woche vor dem Rennen schenkt ihm sein Trainer Bruce zwei Dinge: erstens ein Nationaldress des finnischen Nationalteams für Cassidy alias „Seppo Kaitainen“, zweitens ein paar gebrauchte Wettkampfschuhe die „noch nie Zweiter geworden sind“. Das Rennen gegen den damals aktuellen Weltrekordhalter ist für jeden Läufer ein Genuss zu lesen und beschreibt Meter für Meter wie Cassidy nach und nach in die Übersäuerung läuft, seine Sicht sich langsam verschleiert, das tobende Publikum in seiner Wahrnehmung langsam verstummt, er aber die im unterhaltungston gesprochenen Worte seines Trainers klar und deutlich hört wenn er an ihm vorbeiläuft.
Anleitungen für das Training sucht man in diesem Buch vergeblich. Ich bin zwar kein Mittelstreckler aber bei gewissen Trainingsformen habe ich sogar meine Zweifel. Aber darum geht es in diesem Buch nicht. Es ist zweifellos eine Motivationsspritze sondergleichen und ein kurzweiliger und lustiger Roman. Etwas worin man vor dem Einschlafen ein Kapitel lesen kann und es nicht bereuen wird.
(1.) Als Mittelstreckenlauf gelten Wettkämpfe der Distanzen zwischen 800m bis und mit dem Meilenlauf (1.61km). Für einen Marathonläufer unvorstellbar, aber die 3’000 Meter sind laut Definition bereits eine Langstrecke.