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| Fulgentius von Ruspe (467-533) - Fulgentius von Diakon Ferrandus von Karthago (Vita Fulgentii)

19. Kapitel (43). Gründung eines Klosters in Calaris
Im Anfang seiner ehrenvollen Verbannung konnte er kein Kloster gründen, da er nur wenige Mönche bei sich hatte. Da er aber ohne klösterliche Gemeinschaft nicht leben konnte, überredete er seine Mitbischöfe Illustris und Januarius,1 mit ihm ein gemeinsames Leben zu führen. Ihnen diente er in einzigartiger Liebe und brachte in seiner Weisheit eine Gemeinschaft zustande, die einem großen, aus Mönchen und Klerikern bestehenden Kloster glich. Gemeinsam war ihnen nämlich die Mahlzeit, gemeinsam die Vorratskammer, gemeinsam das Gebet und die Lesung. Keiner erhob sich anmaßend über den Mitbruder, keiner war in besonderer Weise für die eigenen Brüder besorgt, sondern jene Mönche, die unter der Leitung des heiligen Fulgentius standen, beobachteten das Gesetz einer strengeren Enthaltsamkeit, da sie nichts ihr eigen nennen und auch unter den anderen Klerikern nicht nach der Lebensweise der Kleriker leben durften. So weise war die Leitung des heiligen Fulgentius, mit der er durch seine geistlichen Unterweisungen die Herzen seiner Untergebenen von den irdischen Vergnügungen [S. 93] zu den geistigen und himmlischen Freuden erhob, daß die Strenge ihres guten Vorsatzes anhielt und sie sich nicht durch die Schlaffheit schwacher Brüder verleiten ließen, die das Beispiel, welches sie täglich vor Augen sahen, nicht nachahmen wollten.
Wer wäre imstande, nach Gebühr das Lob jenes Klosters zu verkünden! Jenes Haus war damals das Orakel der Stadt Calaris.2 Dorthin wandten sich die Betrübten, um Trost zu finden; dort wurde Frieden und Eintracht zwischen Feinden wiederhergestellt; diejenigen, die ein eifriges Verlangen nach Erkenntnis des Wortes Gottes trugen, erbaute dort der Herr durch eine tiefgründige Auslegung, Für die Vornehmen war es ein Genuß, wenn möglich, den heiligen Fulgentius täglich bei seinen Vorträgen zu sehen; die Armen konnten dort ein leibliches Almosen erbitten, um zugleich damit auch eine geistliche Lehre zu erhalten. Denn häufig veranlaßte der heilige Fulgentius diejenigen, die er durch seine große Freigebigkeit vom leiblichen Hunger befreite, durch seine weisen Ermahnungen dazu, der Welt zu entsagen, und, wenn sie auch nichts ihr eigen nannten, auf den Willen nach Besitz zu verzichten. So leidenschaftlich war er bestrebt, stets neue Brüder für das klösterliche Leben zu gewinnen, daß er, obwohl er wußte, daß er ganz allen gehöre, dennoch wünschte und darauf ausging, alle für die Lebensweise der Mönche zu gewinnen. Die Kunde davon verbreitete sich von Tag zu Tag mehr und erregte noch größere Freude bei den Christen der Kirche von Karthago, denen zuverlässige Zeugen, die aus jener Provinz kamen, das Lob des Fulgentius verkündeten, von dem sie sich durch eigene Anschauung nicht überzeugen konnten. [S. 94]
1: Der Bischof Illustris ist uns sonst nicht bekannt. Januarius ist wahrscheinlich der in der notitia provinciarum vom Jahre 484 an 50. Stelle aufgezählte Januarius Jacterensis. Sein Name findet sich auch am Ende des libellus fidei catholicae, den die katholischen Bischöfe auf dem Religionsgespräch in Karthago verlasen; hier heißt er Januarius Zatterensis. Die numidische Stadt Zattara heißt heute Kefbou Zioun.
2: Calaris, heute Cagliari, liegt am gleichnamigen Vorgebirge auf Sardinien.