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[bild18905w250]Eine Moschee hat verschiedene Funktionen und Einrichtungen. So können Koranschulen, Bibliotheken, Druckereien, Sportanlagen und Ähnliches angegliedert sein. Sie ist somit nicht nur Gebetsstätte, sondern auch ein sozialer Treffpunkt der Muslime.
Auch für Obdachlose
Als Vorbild für Moscheebauten gilt das Wohnhaus des Propheten Muhammad (ca. 570 bis 632 n. Chr.) in Medina. Schon dieser erste Versammlungsort diente nicht nur dem privaten und gemeinschaftlichen Gebet, sondern auch für Versammlungen oder theologische und rechtliche Diskussionen. Auch Obdachlose wurden beherbergt und Kranke gepflegt.
Das Haus des Propheten hatte keinen Minarettturm, von dem zum Gebet gerufen wurde. Um die Gläubigen zu rufen, stieg der erste Muezzin, der Gebetsrufer, auf das Dach des Wohnhauses.
Das erste Minarett wurde vermutlich in Syrien im 7. Jahrhundert gebaut. Aber erst seit dem 14. und 15. Jahrhundert sind Minarette allgemein verbreitet. Neben dem Gebetsruf dient das Minarett als Wahrzeichen und Erkennungszeichen einer Moschee.
Unterschiedliche Baustile
In den verschiedenen Regionen haben sich unterschiedliche Baustile und Formen entwickelt: in Afrika und im spanischen Andalusien eher mit quadratischem Grundriss, weiter östlich meistens rund oder mehreckig. Die osmanischen Minarette gestalten sich schlank und hoch, mit einem spitzen Abschluss, welches an ein Bleistift erinnert.
Freitagsmoscheen, meist grosse, repräsentative Bauten für die Freitagspredigt, haben heute in der Regel ein oder mehrere Minarette.
Gebet
Zur islamischen Glaubenspraxis gehört das täglich fünfmal zu verrichtende Pflichtgebet (salät). Es kann an jedem beliebigen Ort stattfinden. Vor dem Gebet waschen sich die Muslime nach einem vorgegebenen Ablauf. Das rituelle Waschen gilt als Vorbereitung auf das Gebet und als Reinigung von den Sünden.
Der Boden, auf dem die Muslime beten, soll rein und als Gebetsstelle gekennzeichnet sein. Für diese Kennzeichnung wird ein Gebetsteppich zu Hilfe genommen. Wenn kein Teppich zur Verfügung steht, dann reicht auch eine ausgebreitete Zeitung oder ein Tuch.
Neben dem Pflichtgebet, das Männer wie Frauen auferlegt ist, können die Gläubigen jederzeit frei zu Allah (arab. «Gott») beten. Das Pflichtgebet kann alleine gehalten werden, jedoch gilt das gemeinschaftliche Gebet als wertvoller.
Bilderverbot
Für das Gemeinschaftsgebet stellen sich die Gläubigen Schulter an Schulter auf. Sie benötigen keine Bänke oder Stühle, so dass der Gebetsraum relativ leer aussieht. Im Innenraum einer Moschee gibt es zudem keine Bilder oder Plastiken, da ein traditionelles Bilderverbot herrscht und da nichts vom Gebet ablenken soll. Aufgrund dieser Bilder-Vermeidung zieren kunstvoll dargestellte Koranverse, florale und geometrische Muster die Moscheewände und Minarette.
Der dichte Schulterschluss während des Gemeinschaftsgebetes symbolisiert die Gleichheit aller Menschen. Der Imam, der Vorbeter, steht an vorderster Stelle. Er leitet das gemeinschaftliche rituelle Gebet in der Moschee. Dabei dient er den Gläubigen als Vorbild. Die Gläubigen stehen auf, wenn der Imam aufsteht und verneigen sich, wenn er sich verneigt. Der Imam steht in der Gebetsnische (mihräb), welche die Gebetsrichtung zum zentralen islamischen Heiligtum, der Ka’ba in Mekka, anzeigt. Der mihräb soll alle gläubigen Muslime weltweit verbinden und eine soziale Einheit schaffen. Die Frauen beten im hinteren Teil des Gebetsraumes oder in einem separaten Bereich, da es in den meisten Moscheen für Männer und Frauen unterschiedliche Bereiche gibt.
Feiertage – Festtage
Den zahlreichsten Besuch verzeichnen Moscheen am Freitag, an islamischen Feiertagen und im Fastenmonat Ramadan. Der Moscheebesuch am Freitag ist nur für Männer Pflicht – für Frauen ist er freiwillig. Das Freitagsgebet ersetzt das rituelle Mittagsgebet und soll in Gesellschaft verrichtet werden. Es unterscheidet sich von einem gemeinschaftlichen Pflichtgebet durch die Predigt, welche der Imam hält. Der erste Teil der Freitagspredigt besteht traditionell aus der Lobpreisung Allahs und seines letzten Propheten Muhammad, in der zweiten Hälfte folgen Ermahnungen und Bittgebete.
Für die Freitagspredigt besteigt der Imam den minbar, eine treppenförmige Kanzel. Er hält die Predigt von der zweitobersten Stufe aus – die oberste ist traditionellerweise dem Propheten Muhammad vorbehalten. In der Diaspora haben auch kleinere Gebetsräume einen minbar, da sie fast immer auch als Freitagsmoscheen dienen.
In der Schweiz
Die Muslime in der Schweiz kommen ursprünglich vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei. Sie kamen vorwiegend als Gastarbeiter, die ihre Familien nachholten, oder als Flüchtlinge in die Schweiz.
Heute leben etwa 400000 Muslime in der Schweiz. Sie haben sich in der Schweiz eingerichtet und Vereine, die auch Gebetsräume umfassen, gegründet. Neben den etwa 160 sogenannten Hinterhofmoscheen existieren vier sichtbare Moscheen in der Schweiz. In Zürich steht die Mahmud-Moschee der Ahmadiyya-Bewegung und in Genf die Moschee der Fondation Culturelle Islamique. Während diese beiden Bauten von Anfang an als erkennbare Moscheen geplant waren, sind die Moschee des türkischen Kulturvereins in Wangen bei Olten und die Moschee der islamischalbanischen Gemeinschaft in Winterthur Umnutzungen bestehender Gebäude, die nachträglich ein Minarett erhielten. Dieses Sichtbarwerden der muslimischen Minderheiten gilt als eine typische Phase einer Integration.
Westliche Diaspora
In der westlichen Diaspora muss unter dem veränderten Umfeld überprüft werden, welche alten Funktionen beibehalten werden sollen und welche neuen Funktionen eine Moschee im Westen benötigt. Eine westliche Moschee übernimmt somit neue gesellschaftliche und karitative Funktionen. Beispielsweise wird Deutschunterricht für muslimische Migranten oder Nachhilfeunterricht angeboten. Die Moschee ist, wie erwähnt, nicht nur ein Gebetshaus, sondern hat unterschiedliche Funktionen. Dabei ist sie auch ein gesellschaftliches Zentrum, wo sich die Muslime treffen. Das Minarett gilt dabei unter anderem auch als Wegweiser zur Moschee.
Lucia Stöckli