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zwischen aussichtsreichen Moränen der kleine See Egelmoos, dessen Fläche in den Frostperioden des Winters die schönste Eisbahn Berns ist.
Vom Ostende der Nideckbrücke an beginnen sich die Landstrassen des alten Bern unter hohen Ulmen und Linden nach allen Richtungen strahlenförmig zu verzweigen: Muristrasse, Schosshaldenstrasse, Ostermundingenstrasse, Bolligenstrasse und Papiermühlestrasse. Die letztere führt an den weitläufigen Gebäuden der Militäranstalten vorbei, wo Kaserne, Zeughaus und Stallungen einen grossen quadratischen Platz auf 3 Seiten einrahmen.
Von grösserer Bedeutung sind die beiden durch die Hauptbrücken erschlossenen Aussenquartiere Kirchenfeld und Spitalacker. Dort im Süden geniesst der Bewohner den Vorteil einer ruhigen und an Spaziergängen nach der Aare und dem benachbarten Wald Dählhölzli reichen Lage. Das Kirchenfeld ist Villenviertel und nimmt am Geschäftsleben wenig Anteil. Es besitzt die beiden grossen öffentlichen Bauten des historischen Museums und des eidg. Archivs. Das erstere, nach dem Vorbilde eines Schlosses des 16. Jahrhunderts 1890-1894 erstellt, dominiert mit seinen Türmen über das ganze Gebiet. Der Spitalacker empfängt zur Zeit sein Leben und seinen Verkehr noch vorzugsweise von den nahen Militäranstalten. Ueber dem rechtsseitigen Brückenkopf der Kornhausbrücke, die ja das genannte Quartier erst ins Leben rufen konnte, liegt in hohen Bäumen der Garten und das Châlet des Schänzli, dessen Ruf bei allen Besuchern Berns sich fort und fort durch die herrliche Stadt- und Alpenansicht erneuert.
Hinter ihm liegen auf einem in Terrassen westwärts geneigten Boden die beiden Bezirke Breitenrain und Lorraine mit ihren vielen billigen Wohnungen.
Links von der Aare fand das Raumbedürfnis der ihre alten Grenzen und Wälle sprengenden Stadt von den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts an zuerst Befriedigung. Während die schönen Lagen, die nordwärts das Aarethal dominieren, bis heute den Landsitzcharakter bewahrt haben (Enge, Brückfeld), erstand auf dem weiten Felde, durch das seit alters die Länggasse zum Bremgartenwalde führte, das nach dieser Strasse genannte volksreiche Quartier. Der gegen die Stadt gelegene vordere Teil der Länggasse ist reich an öffentlichen Gebäuden. In kurzem wird hier die Universität neu erstehen, für die die alten Klosterräume zu eng geworden sind.
Zwischen den dicht überbauten Donnerbühl und die westliche Ausfahrt des Bahnhofes schiebt sich der ländlich gebliebene Bezirk Stadtbach. Gleich jenseits der Bahnanlagen ist das an grossen Gärten und Landsitzen reiche Viertel der Villette.
Die tiefere, weitere Mulde südlich der Villette hat der Stadtentwicklung den meisten Raum geboten. Hier erheben sich angesichts des nahen Gurten und der Alpen die Bezirke Mattenhof und Sulgenbach. Hier mischt sich der Charakter der Arbeitervorstadt mit dem der bürgerlichen Gartenwohnungen.
Durch das Monbijou, wo der alte Friedhof dem Schulgebäude der städtischen Töchterschule Platz gemacht, erreichen wir die «Zwischen den Thoren» genannte Gegend am oberen Ende der innern Stadt. Hier strahlen wieder die Strassen des linken Aareufers, wie die des rechten bei der Nideckbrücke, in einer Stelle zusammen. Hier steht der Lieblingsheld der Berner, Adrian von Bubenberg, auf hohem Granitsockel, an derselben Stelle, wo einst das äussere Oberthor den nach Bern Wandernden empfieng, bevor er des Hauptthores beim Christoffelthurm ansichtig ward. Hier ist der Bubenbergplatz, dessen Nordseite das stattliche Barockgebäude des Burgerspitals einnimmt. Die früher davorgelegene sog. Rossschwemme, ein von Linden flankiertes Wasserbassin, ist jetzt zugefüllt. Die Strassen sind hier von stattlicher Breite und die Häuser meist von bemerkenswert vornehmer moderner Architektur (Bundes- und Christoffelgasse, Hirschengraben etc.)
Endlich nimmt unter den Stützmauern der Bundeshäuser das Quartier Marziele den dort flachen Thalgrund an der Aare ein. Ein ummauerter Weg führt von ihm aus zur obern Stadt, in die man durch das kleine Münzthor, ein hübsches Rococobauwerk in der Nähe des eidgenössischen Münzgebäudes, eintritt.
Bevölkerung.
Bern ist mit 64064 Einwohnern die vierte Stadt der Schweiz. Ueber die Einwohnerzahl früherer Jahrhunderte ist man nur sehr unvollkommen unterrichtet. Im Mittelalter und bis ins 18. Jahrhundert begnügte sich die Obrigkeit, die Zahl der militärpflichtigen Haushaltungen (Feuerstätten) festzustellen. Wagt man aus diesen mangelhaften Daten einen Rückschluss, so dürfte das mittelalterliche Bern kaum mehr als 5000 Einwohner gehabt haben, eine Zahl, die bis 1653 auf ca. 10000 anstieg. Vollständige Erhebungen datieren seit 1764, und es mögen die folgenden Zahlen das seitherige Anwachsen der Bevölkerung veranschaulichen:
|1764||13681|
|1818||17552|
|1850||27558|
|1860||29016|
|1870||35452|
|1880||43197|
|1888||46009|
|1900||64064|
(Ortsanwesende Bevölkerung 65373.)
Von 65373 Personen waren am 30056 männlichen und 35317 weiblichen Geschlechtes. Es kommen somit 1175 Frauen auf 1000 Männer.
Bern ist nach der Zusammensetzung seiner Bevölkerung bei weitem die nationalste unter den grossen Städten der Schweiz. Es haben die Heimat:
|Personen|
|In der Stadt Bern||3954|
|Im Kanton Bern||41084|
|In einem der übrigen Kantone||14388|
|Im Ausland||5947|
Die Ausländer machen 9,28% der Gesamtbevölkerung aus.
Der grosse Zuwachs der letzten Jahre rekrutierte sich zum weitaus grössten Teil aus dem deutschen Teil des Kantons Bern. Würde nicht die Verwaltung des Bundes alljährlich eine bedeutende Zuwanderung von Beamten aus allen Kantonen mit sich bringen, so wäre Bern noch viel ausgesprochener eine rein bernische Stadt. Indessen ist die Zahl der Altburger, die ihren Wohnsitz in der Stadt behalten haben, eine auffallend geringe (6%).
Obschon die Hinneigung der patrizischen Familien zur französischen Sprache noch immer traditionell fortbesteht, macht sich das romanische Wesen trotz der Nähe der Sprachgrenze (20 km) sehr wenig geltend.
Nach der Muttersprache verteilt sich die Bevölkerung wie folgt:
|Deutsch||60622|
|Französisch||3087|
|Italienisch||902|
|Romanisch u. andere||762|
Nur die zweisprachige Verwaltung des Bundes und des Kantons verleiht heute noch dem romanischen, spez. dem französischen Elemente der Stadt ein ordentliches Gewicht. ¶
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Konfessionell ist die Bevölkerung fast ebenso einheitlich wie sprachlich:
|Reformierte||57946|
|Katholiken||6278|
|Israeliten||668|
|Uebrige||481|
Von den 64064 Bewohnern Berns entfallen 20286 = 31% auf die innere, 43778 = 69% auf die äussere Stadt. Die 43778 Bewohner der äusseren Stadt verteilen sich wie folgt: Rechtes Aareufer (mit Länggasse, Mattenhof, Marzieli) 26669, linkes Aareufer (mit Kirchenfeld, Schosshalde, Altenberg, Spitalacker, Lorraine etc.) 17109.
Man zählte 1900 13947 Haushaltungen zu durchschnittlich 4,7 Personen. Diese verteilen sich auf 4285 bewohnte Häuser, sodass durchschnittlich auf ein Haus 15 Personen oder 3,2 Haushaltungen entfallen. Dabei zeigen sich interessante Unterschiede von Ort zu Ort. Während nämlich in der inneren Stadt auf 1 Haus durchschnittlich 4 Haushaltungen oder 16,8 Personen kommen, sind die entsprechenden Ziffern für die Aussenstadt 3 und 14,2. Die ganze Situation der inneren Stadt bringt es mit sich, dass hier überhaupt die Bewohnerschaft auf den engsten Raum beschränkt ist. Hier kommen auf 1 ha 231,5 Personen, während im gesamten Stadtgebiet die Bevölkerungsdichtigkeit mit 20,54 per 1 ha eine auffallend geringe ist. Einzelne Quartiere neigen zur Ueberfüllung der Häuser, so Matte-Stalden mit 18,7 und Lorraine mit 22,4 Personen per Wohnhaus. Die Villen und Einfamilienhäuser sind am häufigsten in den Bezirken Schosshalde mit 8, Kirchenfeld mit 9,5 und Länggasse mit 13 Bewohnern per Wohnhaus.
Die 1896 angeordnete Wohnungsenquête, deren Kosten die Summe von Fr. 45804 betrugen, hat mannigfache Misstände der Wohnungsverhältnisse ergeben. In der inneren Stadt können 18,9% aller Wohnungen bei Feuerausbruch nicht leicht von den Bewohnern verlassen werden. Hier sind die Treppen entsprechend der allgemeinen traditionellen Bauart häufig schmal und dunkel. Durch die ganze innere Stadt mit der vorherrschend westöstlichen Orientierung ihrer Strassen ist der Gegensatz der Sonnseite und Schattseite der Gassen fühlbar. In den Quartieren Stalden und Matte sind 76% aller Wohnungen ohne Anschluss an die Wasserleitung und besitzen gar 96% derselben mangelhafte Aborte.
Dagegen ist die grosse Mehrzahl der Wohnungen der Aussenquartiere nach modernen Gesichtspunkten eingerichtet.
Bern als Hauptstadt.
Bern ist in erster Linie politisches Centrum. Als Hauptstadt des volksreichsten Kantons, als Bundesstadt und Sitz einer Reihe internationaler Institutionen erhält die Stadt den Charakter einer Beamtenstadt. Das giebt dem Leben den regelmässigen und etwas nüchternen Charakter. In der Gleichartigkeit der Erwerbsverhältnisse eines bedeutenden Teils der Bevölkerung, des Beamtenstandes, liegt der Grund, warum in Bern die sozialen Gegensätze ausgeglichener sind als in Basel, Zürich oder Genf. Der Eigenschaft des Bundessitzes verdankt Bern nicht nur die stattlichen öffentlichen Bauten, sondern auch eine mannigfaltige materielle und geistige Befruchtung.
Zwar vollzieht sich das Leben der obersten Landesbehörde neben der Arbeit in der Stille eines rein bürgerlichen Privatlebens, aber dem Gang der politischen Geschäfte und Ereignisse (Sessionen der Räte, eidgenössische Abstimmungen) folgt man mit besonderer Aufmerksamkeit. Institutionen, wie das eidg. Archiv, die Landesbibliothek, die Centralbibliothek, das topogr. Bureau, die Sammlungen des Generalstabsbureaus etc. bedeuten eine wesentliche Bereicherung der geistigen Kultur der Stadt. 13 Gesandtschaften und mehrere Konsulate fremder Staaten haben in Bern ihren Sitz.
Nachdem 1879 im sogen. Rathaus des äussern Standes die Abordnungen der Mächte die Schaffung eines internationalen Weltpostvereins beschlossen hatten, wurde Bern zum Sitz des Bureaus desselben erkoren. Seither hat sich die Zahl der internationalen Bureaux auf 4 vermehrt und es besteht neben dem erwähnten ein internationales Bureau der Telegraphenverwaltungen, ein solches für gewerbliches, literarisches und künstlerisches Eigentum und das Controlamt für internationalen Eisenbahntransport. Die Wahl der Direktoren und des Personals dieser Bureaux steht dem Bundesrate zu.
Bern ist Waffenplatz der III. Division. In Bern finden in der Regel auch die Kurse erst neu zu organisierender Truppenteile (Radfahrer-, Luftschifferabteilung, Maximkompagnien etc.) statt. Für die Luftschifferabteilung ist auf dem Wankdorffelde in der Nähe des Exerzierplatzes ein Ballonhaus errichtet worden. In Bern finden die Kurse der Generalstabsschule statt.
Handel und Industrie.
Bern besitzt einen sehr ansehnlichen Produktenmarkt. Die wöchentlichen Markttage (Dienstage) und die beiden jährlichen Messen (April und Dezember) sind vom Lande her ausserordentlich gut besucht, und es dürfte keine andere Schweizerstadt im Strassenbild so grosse Veränderungen durch den Markt erfahren, als Bern, wo sich an der Aarbergergasse die «Bernerwägeli» zu einem langen Parke reihen, wo durch beinahe alle Gassen und Plätze der inneren Stadt die «Stände» sich drängen und das Kleinvieh fast genau im Stadtzentrum für seinen Markt den Platz behauptet. Wo der Kleinhandel Berns es versteht, dem ländlichen Käufer entgegenzukommen (in der Konfektion, den landwirtschaftlichen Geräten und häuslichen Bedarfsartikels, in Chemikalien, Colonialwaren und Getränken), da blüht er aufs beste.
Das wichtigste Stapelprodukt für den Grosshandel ist der Käse. Es existiert eine Anzahl namhafter Exportfirmen.
Bern ist der Sitz der bedeutendsten Banken des Kantons. Es giebt 21 Banken und sonstige Geldgeschäfte. Der wichtigste Geschäftszweig ist derjenige der gewerblichen und baulichen Kredite. Ueber die kantonale Hypothekarkasse etc. s. Art. Bern, Kanton, pag. 207 und 210.
Lange hat Bern auf dem Gebiete des Gewerbes und der Industrie keine über das Lokale hinausgehende Bedeutung beansprucht. In der langen Zeit des vorzugsweise politischen Treibens des alten Bern giengen die alten Gewerbe zurück und als die modernen Industrien aufkamen, ¶