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1883 – 1886 Moritz Ochsenbein
Bericht über das religiöse, kirchliche und sittliche Leben des Kantons Bern in den Jahren 1882 – 1886. Im Auftrag des evangelisch-reformirten Synodalrathes erstattet durch M. Ochsenbein, Pfarrer, 256 Seiten.
Der dritte Vierjahresbericht beinhaltet nur mehr die Berichterstattung aus den Gemeinden auf Grund des Fragebogens des Synodalrates über das religiöse, kirchliche und sittliche Leben. Die Berichte der Synode und des Synodalrates sind nicht mehr mitpubliziert. An ihre Stelle treten ein umfangreicher Anhang über die kirchlichen Behörden sowie der Abdruck von Reglementen und Kreisschreiben.
Dass der Bericht erstmals ein Inhaltsverzeichnis aufweist, macht ihn trotz seines übertriebenen Umfangs dennoch übersichtlich.
Der Einleitung zum religiösen Leben entnimmt man zunächst etwas über die Spannung zwischen Aufklärung und Erweckungsbewegung. Daran anschliessend werden, wie bereits üblich geworden, die einzelnen Landesteile charakterisiert, diesmal in der Reihe: Oberland, Mittelland und Hauptstadt, Emmental, Oberaargau, Seeland, Solothurn und Jura.
Zusammenfassend wird festgestellt: Die religiöse Gleichgültigkeit ist immer noch sehr gross, aber das Interesse für religiöse Dinge hat zugenommen.
Als eigenständige Themen erscheinen, was an atheistischem Einfluss beobachtet wird: Rationalismus, Materialismus, Sozialismus, die Verbreitung des Aberglaubens und was an Gefahren vom kirchlichen und politischen Parteiwesen und den Richtungskämpfen ausgeht.
Der Bericht über das kirchliche Leben ist ähnlich aufgebaut wie die vorhergehenden. Die Themen sind und bleiben die gleichen: Andere Religionsgenossenschaften, das unterschiedliche Interesse an kirchlichen Aufgaben und Angelegenheiten, Gottesdienst, Unterricht und Kasualien, und was alles dazu gehört. Speziell Erwähnung finden das Verhältnis von Kirche und Pfarrerschaft zur Schule und den Lehrern, Kirchenbauten, Geläut, Orgeln, Heizung und Friedhöfe. Ausführlich gewürdigt werden die christlichen Liebeswerke und deren Organisationen: Protestantisch-kirchlicher Hilfsverein, Heidenmission, Hilfsverein für Geisteskranke, Schutzaufsichtsverein, Gotthelf-Stiftung, Ausschuss für kirchliche Liebestätigkeit.
Zur Sittlichkeit werden die Tugenden und die Laster alle beschrieben, die in der Bevölkerung anzutreffen sind, mangelnde Kindererziehung, Armut, und was die Leute lesen an Erbauungsliteratur und Schund.
Im Anhang wiederum sind die Mitglieder der Kirchensynode, des Synodebüros, des Synodalrates sowie der Prüfungskommission aufgeführt, dann einzelne Reglemente im Wortlaut abgedruckt, ebenso sechs Kreisschreiben des Synodalrates. Diese zeigen, zu welchen Fragen und Problemen sich der Synodalrat an die kirchliche und gesellschaftliche Öffentlichkeit gewandt hat: Ernährung und Bekleidung dürftiger Schulkinder, Luther- und Zwinglifeiern, Auswanderer, Zivilstandsurkunden und pfarramtliche Eintragungen.
Der Autor dieses dritten Vierjahresberichtes ist derselbe wie derjenige des zweiten: Moritz Ochsenbein, mittlerweile Pfarrer in Bern, nach wie vor erster Sekretär der Synode und Sekretär/Kassier des Synodalrates, später als Sekretär auch Mitglied des Synodalrates geworden und hernach Synodalratspräsident.