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Die “Mocidade Independente de Padre Miguel“ war die erste Schule, die an diesem zweiten Abend ihre Parade in der “Grupo Especial” von Rio de Janeiro präsentierte – um 21:10 brasilianischer Zeit am Montag (03.03.) marschierte sie in die Marquês de Sapucaí ein, in der Hoffnung auf ihren ersten Titel im 21. Jahrhundert. Mit Turbulenzen hinter den Kulissen, die den Präsidenten Paulo Vianna zum Rücktritt zwangen (er wurde beschuldigt, bei Versammlungen der Schule Unterschriften gefälscht zu haben), wollten ihre Mitglieder einfach ihre Probleme beiseite lassen und sich auf ihre diesjährige Parade konzentrieren – mit dem Thema “Pernambucanópolis“.
Mit fünf bereits gewonnenen Titeln – der letzte 1996 – wollte es sich die “Mocidade“ nicht erlauben, den Kampf um einen der vorderen Plätze um ein weiteres Jahr zu verschieben. Und um den zu erreichen, passte die Ehrung eines Karnevalisten-Champions ihnen genau ins Bild. Fernando Pinto, gestorben bei einem Autounfall 1987, war verantwortlich für eine Parade, die er 1985 auf die Avenida brachte, und die Geschichte im Karneval von Rio machte: “Ziriguidum 2001“. Ihre diesjährige Präsentation enthielt verschiedene Referenzen auf jenes Jahr.
In der Parade 2014 kehrte Fernando Pinto auf die Erde zurück, in einem futuristischen allegorischen Wagen, um seinen Bundesstaat Pernambuco zu besuchen. Die Erinnerung an eines der fünf von ihm in seiner Schule entwickelten Themen, “Tupinicópolis“, kommt in Erinnerung in einem der ersten Verse des Sambas, “Parece que estou sonhando“ (Ich scheine zu träumen), gesungen nach derselben Melodie von 1988. Die Parade jenes Jahres jedoch, konnte der verehrte/geehrte Karnevalist gar nicht mehr erleben, denn er starb Monate zuvor.
“Eita saudade danada / Vim das estrelas com meu Ziriguidum / Parece que estou sonhando / Meus olhos reencontrando / Minha gente, meu lugar” (Ach, verdammte Sehnsucht / ich kam von den Sternen mit meinem Ziriguidum / es scheint so als ob ich träume / meine Augen finden sie wieder / meine Leute, meine Heimat).
Pernambuco wurde portraitiert im Folklore-Thema “Boi-bumbá“ des zweiten Wagens und in begleitenden “Alas“, wie der “Flia de Olinda“ und einem anderen berühmten Block aus Recife, dem “Galo da Madrugada“. “É Vitalino ao som do baião / Tem batucada no meu São João / Vixe Maria, me dê proteção / Rodei ciranda com os pés na areia / Toquei viola sob a lua cheia” (Das ist Vitalino zum Klang des Baião / Batucada bei meinem São João / Hilf mir Maria und schütze mich / ich tanz’ Ciranda barfuss im Sand / und spiele Viola unter dem Vollmond).
Mut hatte die “Mocidade”. Die Front-Kommission präsentierte Xuxa und ein Raumschiff, wie man es aus dem Programm der Entertainerin kannte – und Personen aus dem Publikum wurden ausgewählt, um in die fliegende Untertasse einzusteigen.
In einem bestimmten Moment wechselten die Sänger des Themen-Sambas zum Forró-Rhythmus – und steigerten damit die Begeisterung des Publikums, und vor allem aller anwesenden Pernambukaner, bis zum Delirium. Es gab sogar Ziehharmonikas in der Percussion-Gruppe!
Die traditionelle Percussion, von der jene abrupten Pausen im Rhythmus beim Karneval eingeführt wurden (inzwischen von den meisten Schulen übernommen) versprach weitere Innovationen. Und wer den Samba mag, dem lief ein Schauer über die Haut als plötzlich, nach zirka zwanzig Minuten Parade, nur die Tambourins den Refrain der “Mocidade“ begleiteten, während alle andere Instrumente schwiegen.
Kurz vor Beendigung der Parade, an der 35 Alas und 7 allegorische Wagen beteiligt waren, und die unter anderem auch einen Gay-Kuss auf einem ihrer allegorischen Wagen simulierte, und die das Ex-Model Monique Evans erneut auf die Avenida gebracht hatte, legte die Percussion eine längere, bewegende Rhythmuspause ein. Die Zuschauer auf den Tribünen waren mucksmäuschenstill in diesen zirka 30 Sekunden, in denen nur den Chor der Teilnehmer zu vernehmen war, die den Theman-Samba weiter sangen.
Mit all diesen Problemen vor ihrem Karneval belastet – durch die man geglaubt hatte, dass die “Mocidade“ es nicht schaffen würde, in diesem Jahr dabei zu sein – erlebte man hier in der Marquês de Sapucaí eine wahre Show der Überwindung! Und kein Wunder, dass viele der 3.800 Teilnehmer nach ihrer gelungenen Parade den Tränen freien Lauf liessen.