Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03544.jsonl.gz/879

Der Pelister-Nationalpark im Süden Mazedoniens setzt auf nachhaltigen und sanften Tourismus – auch mit Schweizer Hilfe. Die wilde Berglandschaft ist ein Geheimtipp fern der ausgetretenen Ferienpfade.
Der im Süden der Republik Mazedonien nahe der griechischen Grenze liegender Pelister-Nationalpark ist einer von drei Nationalparks des Landes, mit 17150 Hektaren nicht der grösste, dafür aber der älteste.
Nach dem Zusammenbruch von Jugoslawien und der Erlangung der Unabhängigkeit Mazedoniens erkannte die Parkleitung, dass eine Öffnung und eine damit einhergehende beschränkte Nutzung sowohl für Besucher als auch für die lokale Bevölkerung, aber ebenso für den Nationalpark selber ein Gewinn sein könnte. Die Bevölkerung der angrenzenden Dörfer erhielt Lizenzen zum Sammeln von Beeren und Pilzen. Das zweite Standbein des Parks ist mittlerweile der sanfte Tourismus geworden. Nicht nur im Park kann heutzutage übernachtet werden, sondern auch die traditionellen Dörfer in der Umgebung bieten einfache Unterkünfte an. 2007 ist der Pelister-Nationalpark mit dem Umweltpreis der mazedonischen Regierung ausgezeichnet worden, wobei besonders seine Bemühungen um die Erhaltung der Biodiversität, die Entwicklung eines sanften Tourismus und der Einbezug der lokalen Bevölkerung hervorgehoben wurden.
«Früher», so beklagt sich eine alte Frau, «hat es hier 3000 Menschen und 5000 Schafe gehabt, es gab Handwerker und Händler, für den Wochenmarkt sind die Leute von weither angereist», sagt sie. Heute gingen die Jungen alle in die Stadt und die Schule hätte bereits vor zwanzig Jahren geschlossen werden müssen. Die Bewohner von Maloviste gehören dem Volk der Vlachen an, das eine romanische Sprache spricht, dem Rumänischen verwandt.
In alten Zeiten arbeiteten sie als Hirten und zogen mit ihren riesigen Schafherden sommers über die Bergkuppen, um in der kalten Jahreszeit in den warmen Tälern Thessaliens zu überwintern.
Risto, ein Bewohner von Maloviste, erzählt stolz, dass er und sein Sohn beim Nationalpark als Ranger angestellt seien. Zu ihren Aufgaben gehöre nicht nur die Pﬂege und Bewirtschaftung des Waldes, sondern auch der Unterhalt der gut markierten Wanderwege. Der Aufbau eines alternativen Tourismus ist neben der Erhaltung der Artenvielfalt eines der Hauptziele des Parkmanagements. Das beinhaltet den Aufbau eines Netzes von Wanderwegen, deren Markierung und Unterhalt, aber auch den Ausbau des Angebots an Unterkunftsmöglichkeiten in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung.
Auch in Maloviste hat man mit Tourismusprojekten begonnen. Bis anhin gab es in diesem malerischen Dorf zwar mehrere Kirchen, aber keine Möglichkeit um zu Übernachten. Inspiriert vom Erfolg in Brajcino will man auch hier auf die touristische Karte setzen. In den letzten Jahren sind verschiedene alte Wege wiederhergestellt worden.
Von der Kirche steigt der Weg zwischen einigen schönen Exemplaren der Malovister Profan-Baukunst gegen die umgebenden Buchenwälder hoch und Pferde als Tragtiere für Brennholz verwendet. Auf den Wanderwegen begegne ich keiner Menschenseele – wo früher die Viehwirtschaft für das Einkommen sorgte, soll heute der sanfte Tourismus die Gegend versorgen. Auch mit Schweizer Entwicklungsgeldern ist der Weg bis dahin noch lang. Solange bleibt der Pelister-Nationalpark ein Geheimtipp, der zu entdecken bleibt.
Foto:© FOTOLIA