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Lavaux,
deutsch Ryfthal oder Ryffthal. Bezirk des Kantons Waadt, am und über dem Genfersee. Grenzt im N. an den Bezirk Oron, im O. an den Bezirk Oron, den Kanton Freiburg und den Bezirk Vevey, im S. an den Genfersee und im W. an den Bezirk Lausanne. Ist mit seinen 7760 ha Fläche einer der kleinsten Bezirke der Waadt und liegt ganz im südl. Jorat, der hier zwei landschaftlich verschiedene Formen zeigt. Im N. finden wir ein grosses Plateau, dessen Höhe zwischen 600 und 900 m schwankt und das rauh und kalt, mit Feldern, Torfmooren und Wald bestanden ist und ungefähr ⅔ des ganzen Bezirkes umfasst.
Daran schliesst sich nach S. der gegen den
Genfersee zu abfallende Hang, die Landschaft
Lavaux im engeren Sinn, im O.
(le Dézaley)
steil, sonst sanfter geböscht, aber überall voll nach S. exponiert und mit
Reben bepflanzt. Er steigt von 380-800 m an.
Die höchsten Punkte des Bezirkes sind der dem
Mont Pèlerin (von dem nur ein Teil des W.-Hanges dem Bezirk
Lavaux angehört) nach N. vorgelagerte
Mont Cheseaux (985 m), der Mont (oder die
Tour) de
Gourze (930 m) am S.-Rand des Plateaus
und der S.-Rand des Le
Grand
Jorat genannten
Waldes mit 900 m. In hydrographischer Beziehung gehört der
Bezirk zu beinahe gleich grossen Teilen den Einzugsgebieten der
Rhone und des
Rhein an. Das erstere umfasst hier den ganzen
S.-Hang und greift auch noch auf das
Plateau über, wo eine ziemlich grosse Anzahl von kleinen Wasserläufen entspringt.
Die bedeutendsten sind die Paudèze, die aus der Vereinigung des Macheret und des Ruisseau des Hugonnets sich bildende Lutrive, der Châtelard, dann der aus dem Lac de Bret kommende Forestay oder Flon und die Salenche, der die O.-Grenze des Bezirkes folgt. Die dem Rheingebiet tributären Wasser des Plateaus gehen alle zur Broye; wir nennen die Bressonnaz, den Carouge oder Flon, dann besonders den Grenet mit seinen Nebenadern (Nairigue, Mortigue etc.) und endlich im O. den Corbéron, der sich mit der vom Plateau von Attalens kommenden Biordaz vereinigt und eine Strecke weit die Grenze gegen den Kanton Freiburg bildet.
Die in den Torfmooren von Gourze entspringende Nairigue nähert sich dem Genfersee bis auf 1,5 km. Im Verlauf der Arbeiten zur Nutzbarmachung der Wasserkraft des Lac de Bret hat man den Grenet 1875 in diesen See abgeleitet. Der Bezirk grenzt von Paudex bis Saint Saphorin auf eine Länge von 10 km an den Genfersee. Er zerfällt in 3 Kreise und umfasst 12 Gemeinden: Kreis Lutry im W. mit Lutry und Savigny;
Kreis Cully in der Mitte mit Cully, Épesses, Forel, Grandvaux, Riez und Villette;
Kreis Saint Saphorin im O. mit Saint Saphorin, Chexbres, Puidoux und Rivaz.
Hauptort des Bezirkes ist Cully, seine grösste Siedelung dagegen Lutry. Die Mehrzahl der Gemeinden liegt am Hang gegen den Genfersee; blos Savigny und Forel liegen ganz und Puidoux zum grössten Teil auf dem Plateau. Hier sind die Einzelsiedelungen zerstreut und schliessen sich nur selten zu ganzen Ortschaften zusammen, die zudem nur klein bleiben, so Savigny, Les Cornes de Cerf und Puidoux. Das Gleiche trifft auch für den oberen Abschnitt des Gehänges gegen den Genfersee zu, während weiter unten im eigentlichen Weinbaugebiet Dorf an Dorf sich reiht. Einst bildeten die ¶
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jetzigen Kreise des Bezirkes einheitliche grosse Pfarreien, bis sie geteilt wurden, so zuerst Saint Saphorin, dann Lutry 1823 und
Villette (Kreis Cully) 1824. Die früher ebenfalls zur Landschaft
Lavaux gehörige Pfarrei Corsier ist bei der Gründung und
Organisation des Kantons Waadt
1803 davon abgetrennt und dem Bezirk Vevey
als Kreis zugeteilt worden. Vor der Reformation
gehörten diese Pfarreien zum weltlichen Besitz des Bischofes von Lausanne und erfreuten sich einer ziemlich weitgehenden Selbständigkeit,
indem sie ihre Behörden selbst wählten und sich eine verhältnismässig freie Verfassung gaben.
Der Bezirk umfasst 7760 ha Fläche und zählt 10472 Ew., also 135 Ew. auf einen km2. 1870 Häuser und 2407 Haushaltungen. 9429 Ew. sind französischer, 460 deutscher, 571 italienischer und 12 anderer Sprache; 9621 Reformierte und 841 Katholiken. 1860: 10530, 1870: 9916, 1880: 9802, 1888: 9837 Ew. Es hat somit die Bevölkerungsziffer von 1860-1880 abgenommen und seither wieder zugenommen.
Hauptbeschäftigung der Bewohner des Bezirkes
Lavaux ist der Weinbau. Die tiefern Teile des Gehänges
sind bis in 550 oder 600 m Höhe hinauf fast ausschliesslich mit Reben bepflanzt, die hier beinahe 1/10, der Fläche des ganzen
Bezirkes umfassen. Da in der Weinbauzone zugleich die Bevölkerung am dichtesten ist, spielt der Weinbau in diesem Gebiet
eine hervorragende Rolle
u. beschäftigt wahrscheinlich die Mehrzahl der Bewohner des ganzen Bezirkes. Es wird
fast ausschliesslich Weisswein gekeltert, der zu den besten Sorten des Kantons gehört und in der ganzen Schweiz sich eines
guten Rufes erfreut.
Ertrag 1897: 37722 hl Weisswein und 1241 hl Rotwein im Gesamtwert von 1860296 Fr.;
1899: 32179 hl Weisswein und 931 hl Rotwein im Gesamtwert von 1845781 Fr.;
1901: 62145 hl Weisswein und 1840 hl Rotwein im Gesamtwert von 1915870 Fr. Die Pflege der Reben erfordert aber an diesen abschüssigen Halden viel Arbeit und Mühe.
Die Anlage der Weinberge in
Lavaux
reicht bis in ziemlich entlegene Zeiten zurück. Die Urbarmachung der östlichen Hälfte erfolgte im 12. Jahrhundert
auf Anregung des damaligen Bischofes von Lausanne,
Guy de Marien, der jedem der benachbarten Klöster einen Teil des Landes zur Pflanzung
übergab, so dem Kloster Hauterive im Jahr 1137, dem Kloster Haut Crêt im Jahr 1141 und dem Kloster Montherond
im Jahr 4142. (Vergl. den Art. Dézaley).
Die Bodenfläche verteilt sich wie folgt:
|ha|
|Gärten||45|
|Weinberge||746|
|Wiesen und Baumgärten||2311|
|Aecker||2747|
|Wald||1624|
|Weiden||50|
|Gebäulichkeiten||59|
|Strassen etc.||178|
|Total||7760|
Die Viehstatistik ergibt folgende Resultate:
|1886||1896||1901|
|Rindvieh||2925||3213||3139|
|Pferde||308||319||382|
|Schweine||1519||1826||1715|
|Schafe||1197||732||530|
|Ziegen||897||1002||755|
|Bienenstöcke||842||951||877|
Der Boden des Bezirkes besteht aus Molasse, der zahlreiche Bänke von miocäner Nagelfluh eingelagert ist. Diese fallen nach SO. gegen den Genfersee zu ein und schneiden damit das Weinbaugebiet in schräger Richtung.
Industrielle Tätigkeit ist im Bezirk nur wenig vertreten. So finden wir Mühlen in den Gemeinden Lutry, Puidoux, Chexbres und Rivaz; Sägen in den Gemeinden Forel und Puidoux. Torfausbeute in dem grossen Moor von Gourze (auf dem Plateau und auf Boden der Gemeinden Savigny, ¶
forlaufend
Forel, Villette, Grandvaux und Cully). Gasthöfe und Fremdenpensionen in den Gemeinden Puidoux und Chexbres.
Die Landschaft
Lavaux wird von vielen Verkehrswegen durchzogen. Dem See folgt von Lutry an die Strasse Lausanne-Vevey-Saint-Maurice,
und das Plateau wird in der Richtung W.-O. von der Strasse Lausanne-Oron gequert. Diese beiden grossen Züge sind miteinander
durch Querstrassen verbunden: Vevey-Saint Saphorin-Moudon, Cully-Les Cornes de Cerf-Palézieux und Lutry-Savigny. Neueren Datums
sind zwei weitere Strassen: 1. die aussichtsreiche sog. Route des Monts de Lavaux, die von Lausanne aus dem oberen Rand des
Gehänges folgt und in Les Cornes de Cerf mit der von Cully heraufkommenden Strasse zusammentrifft, und 2. die
Strasse Cully-Chexbres, la Corniche du Léman genannt, die den hier steil geböschten Hang quer durchschneidet und ebenfalls
prachtvolle Ausblicke auf den See bietet. Eisenbahnlinien: Lausanne-Saint Maurice-Simplon (längs dem Seeufer) und Bern-Lausanne;
Chexbres-Vevey (1904 eröffnet) und die elektrische Joratbahn Lausanne-Mézières-Moudon, die nahe der N.-Grenze des Bezirkes durchzieht und einen Zweig nach Savigny entsendet.
Dampfschiffstationen der Compagnie de Navigation sur le Léman in Lutry, Cully und Rivaz.