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Tomas Bächli, Pianist
Einige Songs von Charles Ives enden unvermutet auf der Subdominante, d.h. auf der vierten statt auf der erwarteten ersten Stufe. Meist wird der abschließende Quintfall noch einmal wiederholt. Deshalb landen wir eine Etage zu tief, nämlich auf der Subdominante statt auf der Tonika.
Was sind die Gründe dafür? Als Ives während seines Musikstudiums die erste Sinfonie schrieb, bemängelte sein Lehrer Horatio Parker die vielen Modulationen. Ives musste ihm versprechen, das Stück wenigstens in der Grundtonart d-moll zu beenden.
War das der Grund für Ives’ spätere Unlust, sich an diese Regel zu halten? Im Lied “Religion” wird am Ende das Kirchenlied “Nearer my God to Thee” im Klavier zart angedeutet. Doch nach der ersten zitierten Zeile endet Ives’ Lied – eben auf der Subdominante. Will Ives uns damit sagen, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist?
Der Quintfall ist auch eine Geste des Nachgebens. Wird er verdoppelt, dann gibt die Musik nicht nur nach, sie gibt womöglich auf. Zu hören ist dies beim Subdominanten-Schluss von “Spring Song”, einem Lied mit einer ansonsten konventionellen Harmonik. Der Sänger endet mit den Worten: “I only heard her not and, and wait – and wait -“. Dann eine Zäsur und im Klavier der abschließende Akkord auf der Subdominante, im ppp. Will heißen: Das erhoffte Treffen mit der Geliebten blieb wohl aus.