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Die Verbandsgeschichte des BKJV 1917 - 1967
Mitten in der Krisenzeit des 1. Weltkrieges, gefördert durch die bedrohliche aussenpolitische Situation, fühlen sich verschiedene Jodlergruppen der Stadt Bern unserem einheimischen Kulturgut besonders stark verpflichtet und treffen sich am 9. Dezember 1917 zur Gründung einer bernischen Jodlervereinigung. Um das Miteinander von Stadt und Land zu dokumentieren, lautet die offizielle Bezeichnung der Körperschaft, die 1918 dann von der eidgenössischen Jodlervereinigung als Unterverband aufgenommen wird, "Bernisch-Kantonale Jodlervereinigung".
Die ersten Jahre sind gekennzeichnet durch die Ausarbeitung von Statuten, Fest- und Konzertreglementen, was durch die häufigen Wechsel in den Vostandschargen nicht gerade erleichtert wird, amtieren doch in den ersten 14 Jahren wahrhaftig fünf Präsidenten! Verschiedene Konzerte der Vereinigung, später Jodlertage genannt, brachten unterschiedlichen Erfolg. Bereits seit 1924 wird den Konkurrenten ein gedruckter "Kampfbericht" abgegeben.
Die Verbandsfahne
Eine entscheidende Wende nimmt das Verbandsschifflein im Jahre 1931 mit der Wahl des späteren Zentralpräsidenten Fritz Stuker zum Kantonalpräsidenten, der sich für eine straffere und gewissenhaftere Zusammenarbeit im Vorstand einsetzt. Die alljährlich stattfindende Delegiertenversammlung wird nun im Wechsel in die Landesteile vergeben, was die Zusammengehörigkeit im ganzen Kanton ebenso fördern soll wie die im folgenden Jahr erfolgte Umbenennung der Vereinigung in "Bernisch-Kantonaler Jodlerverband".
Trotz des 2. Weltkrieges wird am Wochenende vom 2./3. Mai 1942 das 25jährige Bestehen unseres Verbandes mit einer würdigen Jubiläumsfeier im Kursaal Bern begangen. Dazu erscheint auch eine anschauliche Chronik, welche von alt Kantonalpräsident Fritz Fankhauser verfasst wurde. Der Mitgliederbestand ist nun schon auf über 1000 angewachsen. Bis zum Jahre 1948 hat er sich bereits mehr als verdoppelt. Durch die Neugründung unzähliger Jodlergruppen sowie durch die riesige Zunahme der Einzelmitglieder und Alphornbläser - Fahnenenschwinger mit eingeschlossen - erwacht vielfach der Gedanke nach regionalen Jodlertreffen und gemeinsamen Konzerten, um den Zusammenhang und die Kameradschaft einer Region zu erhalten und zu pflegen. Diese Jodlertreffen erfüllen also eine wichtige Aufgabe innerhalb des BKJV, deshalb werden vom Kantonalvorstand auch Bestimmungen zur Durchführung solcher Anlässe erlassen.
Im Jahre 1949 findet das eidg. Jodlerfest in Bern statt, an dem am Samstag auch die feierliche Übergabe der ersten bernischen Kantonalfahne stattfindet, welche dem Bernerverband von einigen Freunden und Gönnern aus der Stadt Bern geschenkt wird. Ein Sturm im Wasserglas erfolgt jedoch im nächsten Jahr, da für die Nachfolge des aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Präsidenten Otto Gilgen vier Kandidaten nominiert sind. Nach einer längeren "Schlammschlacht" erklärt sich der gewählte Fritz Wittwer bereit, das Präsidium für ein Jahr zu übernehmen, um mit dem Verbandsschiff wieder ruhigere Gewässer anzusteuern. So wird dann an der DV 1952 der vorgeschlagene Walter Weyermann diskussionslos zum neuen Präsidenten gewählt. Er muss dieses Amt in einer nicht einfachen Zeit übernehmen, doch gelingt es ihm in seiner achtjährigen Amtszeit, die bernische Jodlerfamilie wieder zu einen!
Anfangs 1960 erreicht und die schmerzliche Nachricht vom Tod unseres Ehrenmitgliedes und Jodlervaters Oskar Friedrich Schmalz, dessen unvergessliche Lieder und Jodel aber in unseren Herzen weiterleben werden. In dieses Jahr fällt auch das 50jährige Jubiläum des EJV. Die eidg. Ehrenmitgliedschaft wird Rudolf Huggler, Interlaken, Franz Walz, Biglen, Fritz Weibel, Thun sowie Dr. Otto Wirz, Bern, verliehen. Die Freimitgliedschaft darf der Komponist Werner Scheller aus Interlaken entgegennehmen.
Bereits seit einigen Jahren äussern dei Fahnenschwinger den Wunsch, dass
sie - wie die Alphornbläser seit 1946 - ihren Obmann in den Kantonalvorstand
schicken können. So wird ab 1961 Godi Blaser mit beratender Stimme zu den
Sitzungen eingeladen. Durch die anwachsende Belastung aller erfolgt 1965 die
Erweiterung von sieben auf neun Mitglieder. In diesem Jahr findet wieder ein
Eidgenössisches Jodlerfest auf Berner Boden statt: In Thun versammelt sich die
ganze Schweizerische Jodlerschar zu einem eindrücklichen Stelldichein.
Mittlerweile hat der Verband die Viertausendergrenze überschritten, und so
geht es nun auf das 50jährige Jubiläum des BKJV zu, das mit einer grossen
Feier in der Festhalle Bern durchgeführt werden soll. Den Auftakt bildet am
Nachmittag des 20 Mai 1967 die Enthüllung des Liederbrunnens, einer
Gedenkstätte zu Ehren des Komponistenehepaares Oskar Friedrich und Hedy
Schmalz in Konolfingen. In der Festhalle Bern wird das grosse und sehr
eindrückliche Festspiel "Emmentaler Sennenleben" aufgeführt, welches vielen
Jodlerinnen und Jodlern, Fahnenschwingen und Alphornbläsern in bester
Erinnerung bleiben wird. Mit einer würdigen Jubiläumsfeier werden die ersten
50 Jahre des BKJV abgeschlossen. Ald bleibende Erinnerung gibt der Verband ein
von Hans Schild vorzüglich verfasstes Jubiläumsbuch heraus, das manchem
Jodlerfreund liebgeworden ist.
So ist der Bernisch-Kantonale Jodlerverband in diesen Jahren zu einer
beachtlichen Grösse angewachsen. Was als zartes Pflänzchen in der Stadt Bern
seine ersten Triebe erhielt, ist nun ein kräftiger Baum, der seine Aeste in
die verschiedensten Richtungen ausstreckt, der Sonne und Regen kennt und damit
umzugehen weiss. Ist man sich auch nicht immer in allem einig, wächst doch
jeder Zweig aus demselben Baumstamm hervor, wird zusammengehalten durch
dieselben Wurzeln, nämlich die Wahrung und Erhaltung unseres Brauchtums, das
Jodeln, Alphornblasen und Fahnenschwingen, worauf die bernische Jodlerfamilie
zu Recht stolz sein darf!
Quelle: BKJV Jubiläumsbuch 1992, Stefan Haldemann