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Mit der Einführung des Lehrplans 21 wurde eben erst begonnen und schon zeigt sich, dass gewisse Reformelemente wegen ihrer ideologischen Fundierung den Praxistest nicht bestehen werden. Die ersten Kantone haben bereits begonnen, Korrekturen vorzunehmen: Der Kanton Nidwalden verzichtet auf das „Schreiben nach Gehör“ und kehrt zur Rechtschreibung zurück. Der Kanton Basel-Landschaft führt die Lehrmittelfreiheit wieder ein, nach dem die praxisuntauglichen LP21-kompatiblen Lehrmittel zu einem teuren Eklat geführt haben. Es kann ja nicht sein, dass kein Geld für Schulreisen mehr da ist, weil man überall Lernlandschaften für den Lehrplan 21 errichten muss.
Während uns Hiobsbotschaften vom US-Schuldesaster und landesweiten Lehrerstreiks erreichen wird bei uns der Lehrplan 21 nach amerikanischem Vorbild bedenkenlos weiter eingeführt.
Seit Jahren löst im Bildungswesen eine Reform die andere ab. Während die Öffentlichkeit mit angeblichem „Reformbedarf“, mit dem man auf „gesellschaftliche Veränderungen“ reagieren will, beschwichtigt wird, finden im Hintergrund tiefgreifende Umwälzungen statt.
Alles begann im Jahr 1961: Damals fand in Washington eine Konferenz der neu gegründeten „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) statt, bestehend aus zwanzig vorwiegend westeuropäischen Ländern. Die erste politische Konferenz der OECD galt dem Thema Bildung. Der Gründungspräsident war ein US-Ökonom und hoher Funktionär der US-Regierung. Das Haupttraktandum dieser Konferenz war ein Totalumbau der nationalen Bildungssysteme.
Die Mitgliedstaaten der OECD wurden aufgefordert, ihre Bildungssysteme nach amerikanischem Vorbild umzubauen. Die europäischen Bildungssysteme waren damals in einem ausgezeichneten Zustand, während das amerikanische Bildungswesen derart am Boden lag, dass die Hälfte der US-Bevölkerung kaum lesen und schreiben konnte. Erstaunlicher Weise gelang es dem Gründungspräsidenten trotz anfänglichem Widerstand der Europäer seine Forderung durchzusetzen.
Das war der Anfang der „Schulreformen“ in Europa. Sie begannen mit der Einführung der nicht mehr gegliederten „Gesamtschulen“ (Einheitsschule) nach amerikanischem Vorbild. Später wurde von der OECD das amerikanische „Kompetenz-Konzept“ übernommen, das 1999 im Auftrag der OECD vom deutschen Psychologen Franz E. Weinert für Europa angepasst wurde. In der EU und in Deutschland wurde die „OECD-Kompetenzorientierung“ ab 2005 („Gesamtschulen“ mit „individualisiertem, selbstgesteuertem Lernen“) eingeführt. In der Schweiz, wo in einzelnen Schulgemeinden seit 1990 mit umstrittenen amerikanischen Reformelementen experimentiert wird, sollen diese nun mit dem „Lehrplan 21“ und seiner „OECD-Kompetenzorientierung“ flächendeckend zementiert werden.
Mit dem neu im Eikos Verlag in Baden (Schweiz) http://www.eikos.ch/index.php/kinder-im-netz-globaler-konzerne.html erschienen Buch „Kinder im Netz globaler Konzerne. Der Lehrplan 21 als Manipulationsinstrument" von Judith Barben ist erstmals ein Aufklärungsbuch erschienen, das die Grundlage für eine verantwortungsvolle und ehrliche Diskussion über die Aufgabe unserer Volksschule bilden soll. Das Buch zeigt auch auf, warum alle Länder nach Umstellung auf die OECD-Kompetenzorientierung im Pisa-Ranking abstürzen. Das spannend zu lesende Buch ist nicht nur für Insider ein Leitfaden zum Verständnis der „reformierten“ Schule, sie bietet besonders auch interessierten Eltern, Grosseltern, Lehrern und Arbeitgebern eine Orientierung, wie diese Entwicklungen einzuordnen sind und wie ihnen begegnet werden kann.