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Rolf Horst Seiler
Rolf Horst Seiler erlitt 1952 im Alter von neun Jahren eine Hirnhautentzündung, die seine Motorik und Konzentration zeitlebens einschränkte. Nach der Schulzeit wurde er als «arbeitsscheu» eingestuft und per Verfügung aus seinem Elternhaus verstossen. Weil er die Verfügung missachtete, kam er zwei Jahre lang in die Arbeitsanstalt für Schwererziehbare in Dielsdorf. Ohne Recht auf Rückkehr in sein Elternhaus, lebte Rolf Horst Seiler danach jahrzehntelang ohne Bleibe und unter lebensbedrohlichen Bedingungen im Wald, hauste in Erdhöhlen, der Kanalisation und kaufte sich Essen mit Pfandgeld von gesammelten Flaschen. Anstatt seine Invalidität anzuerkennen, verurteilten ihn die Gerichte unzählige Male als «uneinsichtigen Vagabund». Rolf Horst Seiler verbrachte etwa 15 Jahre in Anstalten, Gefängnissen und Zuchthäusern. Jahrelang besass er keinen amtlichen Ausweis. Erst im Jahre 1987 wurde die Meningitis und damit die Arbeitsunfähigkeit bei ihm amtlich diagnostiziert. 1979 wurde eine Frau von ihm schwanger. Als ihre Familie von Rolf Horst Seilers Vergangenheit erfuhr, verstiessen sie ihn erneut. Seine Tochter kam 1980 zur Welt. Er hat sie noch nie gesehen. Die Behörden weigern sich bis heute, ihm bei der Suche nach seiner Tochter zu helfen.
Hostettler, Otto; Strebel, Dominique (2011): Verdingkind Rolf Horst Seiler lebte 40 Jahre draussen im Wald (Beobachter vom 12. Oktober 2011).