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Renault 4 "Bye bye" – die letzten 1000 Stück
60 Jahre Renault 4 in Kurzform und Fotos des offiziell allerletzten Renault 4. Die letzten 1000 Fahrzeuge wurden 1992 nach 31 Jahren Bauzeit als Sondermodell "Bye bye" mit entsprechenden Plaketten ausgerüstet. Allerdings wurden in ausländischen Werken noch bis 1994 einige R4 gefertigt.
Hier die R4-Geschichte nochmals in Kurzform:
1956
Renault-Generaldirektor Pierre Dreyfus (Direktor von 1955–1975) diskutiert erstmals mit seinen Vorstandskollegen das Projekt eines kleineren, vielseitigen Wagens, der eine „grosse Hecktür haben soll und dazu einen Laderaum, dessen freier Zugang nicht durch Karosserie- und Mechanikteile behindert wird. Ich stelle mir ein Auto mit gutem Federungskomfort und guter Handlichkeit vor“.
Ende 1958
Nach vielen Vorstudien fällt die Entscheidung zum Bau des R4, der noch die Entwicklungsnummer „350“ trägt: Er soll nicht mehr als 350.000 (alte) französische Francs kosten. Offiziell erhält das neue Modell später die Projektnummer „112“.
Herbst 1959
Endgültige Entscheidung über die Form der Karosserie. Die weltweiten Test- und Erprobungsfahrten laufen an. Die Techniker taufen das neue Fahrzeug liebevoll „Marie-Chantal“.
Juni/Juli 1961
Erste Testfahrten der Fachpresse mit Vorserienmodellen des neuen Renault in der südfranzösischen Camargue. Parallel investieren mehr als 1000 Mitarbeiter und 400 Techniker von mehr als 30 Logistikpartnern in nur drei Wochen über 42'000 Arbeitsstunden, um die Serienproduktion des R4 im Renault-Werk Billancourt auf der Seine-Insel vorzubereiten.
3. August 1961
Beginn der Serienproduktion auf der Seine-Insel Séguin in Paris-Billancourt.
28. August 1961
Ende der Sperrfrist für die ersten Fahrberichte in Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen.
21. September 1961
Der Renault feiert bei der Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt als Nachfolger des erfolgreichen 4CV seine offizielle Weltpremiere. Der Viertürer mit der grossen Heckklappe und dem variablen Innenraum ist der erste Renault mit Frontantrieb. Er kommt zunächst in vier Versionen auf den Markt: als R4, R4 L mit drei Seitenscheiben, als R4 L Super Confort sowie als minimal ausgestatteter Renault 3 mit 0.6-Liter-Motor, der jedoch nicht exportiert wird. Die übrigen Modelle besitzen einen 747 cm³ grossen, wassergekühlten Vierzylindermotor, der 26 PS leistet, sowie ein Dreiganggetriebe mit der typischen Revolverschaltung. Im Export hat der Motor bei gleicher Leistung 845 cm³ Hubraum. Weitere Details: Einzelradaufhängung mit grosszügig dimensionierten Federwegen und Stahl-Rohrrahmensitze mit Segeltuchbespannung.
4. Oktober 1961
Galavorstellung zu Ehren des neuen R4 im Palais de Chaillot in Paris.
6. Oktober 1961
Eröffnung des Pariser Autosalons: Der R4 debütiert in Frankreich. Parallel zur „Limousine“ feiert auch die erste Version eines Tranporters, der „Fourgonnette“ genannt wurde, seine Premiere. Dessen Produktion läuft allerdings erst im Frühjahr 1962 an.
1962
Im Ausland beginnt der Verkauf des neuen R4 sowie – ab Herbst – des R4 Transporters als Kombi und Kastenwagen. In Frankreich wird der Renault 3 wieder eingestellt, während am anderen Ende der Modellpalette der R4 Super die Baureihe ergänzt.
1964
Der unverwüstliche Franzose erhält Allradantrieb: Der R4 „Sinpar 4x4“ – so der Name des Zulieferers – eignet sich auch für schwieriges Gelände.
3. März 1964
Der 500'000. R4 läuft vom Band.
1965
Der „R4“ wird jetzt auch offiziell in „Renault 4“ umgetauft. Die konsequenten Verbesserungen im Detail setzen sich fort: Alle Renault 4-Modelle erhalten neue Hauptbremszylinder, die kürzere Bremswege und eine höhere Standfestigkeit der Bremsen ermöglichen. Die Spurweite der Hinterachse wird um 40 Millimeter vergrößert und das Heizungs- und Lüftungssystem überarbeitet. Ein Bowdenzug betätigt fortan die Drosselklappe. Der Innenspiegel bekommt eine rechteckige Form und der Kofferraum des Renault 4 Export eine Abdeckung.
1966
Ein neuer Ausdehnungsbehälter optimiert die geschlossene Wasserkühlung des Renault 4.
1. Februar 1966
Renault feiert nach nicht einmal fünf Jahren die Produktion des millionsten Renault 4.
1967
Deutlich vergrösserte Bremstrommeln verbessern die Fahrsicherheit des Fronttrieblers weiter. An der Hinterachse halten stufenlos verstellbare Drehstäbe Einzug, jene der Vorderachse werden neu dimensioniert. Eine überarbeitete Kupplungsbetätigung reduziert die Pedalkraft. Das neu gestaltete Design des Armaturenbretts sorgt für eine verbesserte Übersichtlichkeit.
1968
Für alle Modelle kommt erstmals ein vollsynchronisiertes Viergang-Schaltgetriebe zum Einsatz. Die Scheinwerfer werden in den neu geformten Kühlergrill integriert. Gummipuffer zieren die ebenfalls neu gestalteten vorderen und hinteren Stoßstangen. Die Türen erhalten neue Innenverkleidungen. Ein Parallelogramm-Wagenheber ersetzt die alte Schraubenwinde.
Mit 368'566 Exemplaren erreicht die Renault 4-Produktion ihren historischen Höchstwert. Insgesamt liefen bereits mehr als zwei Millionen Renault 4, Kombi, Transporter und Fourgonnette vom Band.
1969
Die verstärkte Vorderachse des Renault 6 wird auch für den Renault 4 übernommen. Die von Sinpar produzierte Karosserieversion „Plein Air“ mit Faltverdeck ohne Türen macht den Renault 4 auch für Frischluftfans interessant.
1970
Die neue Ausgleichvorrichtung der Heckklappe ermöglicht fortan auch die Bedienung mit nur einer Hand – praktisch beim Einladen. Der Durchmesser der Kolbenbolzen vergrössert sich von 14 auf 16 Millimeter. Der Anlasser erhält eine Anlasswiederholsperre. Eine zweite Open-air-Version debütiert: Der Renault 4 „Rodeo“ besitzt eine völlig neu gestaltete Karosserie mit mehrfach variierbarem Faltverdeck im Stil des Konkurrenten Citroën Méhari.
1971
Die elektrische Anlage wird von Sechs- auf Zwölf-Volt-Betrieb umgestellt. Die Produktion der Renault 4-Baureihe durchbricht die Drei-Millionen-Schallmauer.
1972
Der Hubraum jener Renault 4, die für den französischen Markt vorgesehen sind, wächst von 747 auf 782 cm³. Die Motorleistung beträgt weiterhin 26 PS.
1973
Die Export-Versionen des Renault 4 erhalten mit 34 statt 26 PS deutlich mehr Kraft. Die Höchstgeschwindigkeit steigt dadurch von 110 auf 120 km/h.
1974
Das Vierganggetriebe des Renault 6 TL wird auch für den Renault 4 übernommen.
1975
Der neue Kühlergrill besteht fortan aus Kunststoff. Das Tankvolumen steigt von 26 auf 34 Liter. Nach dem Abstellen des Motors schwingen die Scheibenwischer automatisch in ihre Ruheposition zurück. Die Sicherheitsgurte erhalten optimierte Anlenk- und Verankerungspunkte.
1976
Eine Drehstrom-Lichtmaschine fliesst in die Serie ein, eine beheizbare Rückscheibe bereichert die Sonderausstattungsliste. Als neueste Version ergänzt der Renault 4 „Safari“ das Modellprogramm. Seine auffallendste Besonderheit: Eine lustige Inneneinrichtung mit Polsterbezügen, die einer Hängematte nachempfunden wurden.
1977
Der Renault 4 kommt in den Genuss einer besonders umfangreichen Modellpflege und erhält unter anderem eine Zweikreis-Bremsanlage, Halogen-Scheinwerfer, eine heizbare Heckscheibe, Rückfahrscheinwerfer, Automatikgurte, Kopfstützen und eine Verbundglas-Frontscheibe.
September: Als erstes französisches Automobil überhaupt erreicht der Renault 4 den Produktionsrekord von fünf Millionen Fahrzeugen.
1978
Ein Kataphoresebad beugt bereits in der Produktion der Korrosion vor. Scheibenwischer mit zwei Wischgeschwindigkeiten sowie vergrößerte Wischerblätter sorgen auch bei schlechtem Wetter für den Durchblick. Der neue Renault 4 GTL wartet mit einer besonders komfortablen Ausstattung auf.
Pro Tag rollen 1200 Renault 4 vom Band.
1979
Ein neuer Vierzylindermotor mit 1108 cm³ Hubraum und einer Leistung von immer noch 34 PS hält Einzug in den Renault 4 GTL. Mit seinem geringeren Drehzahlniveau reduziert er deutlich die Geräuschentwicklung. Das höhere Drehmoment von 73,5 Nm (bei 2500 U/min) ermöglicht besonders effizienten Umgang mit dem Treibstoff. So verbraucht er laut ECE-Norm bei 90 km/h lediglich 5,4 Liter/100 km und im Stadtverkehr nur 6,3 Liter/100 km. Diesen Motor erhält auch der neue Renault 4 Transporter F6, der jetzt über einen längeren Radstand verfügt.
1980
Neuer Rekord: Die Produktion des Renault 4 durchbricht die Sechs-Millionen-Marke.
1981
Die gesamte Baureihe wird durch einen elektrischen Kühlerventilator mit Thermostat sowie ein zweistufiges Gebläse, neue Polsterstoffe und Außenfarben aufgewertet.
1982
Neue Produktions- und Montageverfahren verbessern insbesondere die Abdichtung der Karosserie. Neben Frankreich wird der Renault 4 auch in Angola, Argentinien, Belgien, Chile, Elfenbeinküste, Ghana, Irland, Jugoslawien, Kolumbien, Madagaskar, Marokko, Portugal, Spanien, Tunesien, Uruguay und Zaire gefertigt.
1983
Das neue Modelljahr bringt umfangreiche Detailverbesserungen mit sich. Optimierte Rostschutzmassnahmen verbessern die Korrosionsresistenz der Karosserie. Darüber hinaus werten neue Rückspiegel, hochwertigere Verkleidungen und neue Sitzbezüge den Evergreen auf. Alle Renault 4-Versionen mit 34 PS starkem 1.1-Liter-Motor werden erstmals mit Scheibenbremsen an den Vorderrädern ausgestattet.
1984
Karosserie und Fahrzeugboden werden vor dem Einbau der Aggregate montiert und in ein Kataphoresebad getaucht, um nochmals den Korrosionsschutz zu verbessern. Neue Getriebeübersetzungen senken sowohl den Durchschnittsverbrauch als auch das Geräuschniveau im Interieur.
1985
Neue Aussenfarben für alle Renault 4-Modelle. Zum Jahresende läuft die Produktion des Kastenwagens Renault 4 F6 aus.
1992
Ende der Produktion nach einer Gesamtstückzahl von 8.135.424 Exemplaren mit dem Sondermodell „Bye-bye“ (Auflage: 1000 Stück) auf Basis des R4 GTL "Clan".
Der (vermutlich nicht ganz) letzte Renault 4
Der Fundus von Renault Classic in Flins bewahrt den allerletzten Renault 4 auf, der in Frankreich gebaut wurde. Die letzte Serie "Bye bye" wurde in grossen Inseraten beworben und die Fans wurden aufgefordert, die allerletzte Möglichkeit, einen neuen R4 zu kaufen zu nutzen.
Der "Bye bye" basierte auf dem Sondermodell "Clan" und wurde mit von 1000 an rückwärts nummerierten Plaketen gekennzeichnet. Beim allerletzten auf der Île Séguin gefertigten Renault 4 prangt daher die Nummer 0001. Somit wurden insgesamt 8'135'424 Fahrzeuge gebaut.
Die Zahl ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen, weil wohl nicht in allen 28 Produktionsstätten, in denen weltweit Renault 4 vom Band liefen, so genau gezählt wurde. Ausserdem produzierten einige Werke noch bis 1994 Bausätze zu Ende oder brauchten die Restteile auf.
Hier der offiziell letzte, aber bestimmt nicht allerletzte R4: