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In unserer Ratgeber-Serie beantworten Experten kfmv-Mitgliedern Fragen rund um das Thema Arbeitsplatz.
Antwort
Vorweg ist festzuhalten, dass der Arbeitnehmer zur Leistung von Überstundenarbeit gesetzlich verpflichtet ist (Art. 312c Abs. 1 OR). Diese Verpflichtung besteht allerdings nur dann, falls die Überstundenarbeit 1. betriebsnotwendig und 2. für den Mitarbeiter zumutbar ist.
Die Notwendigkeit zur Erbringung von Überstunden wird angenommen, wenn der Arbeitgeber einen ausserordentlichen Arbeitsanfall zu bewältigen hat, andere Mitarbeiter vorübergehend (z.B. krankheitsbedingt) ausfallen oder dringliche Arbeiten zu erledigen sind (z.B. Buchhaltungsabschlüsse am Jahresende).
Die Leistung von Überstundenarbeit kann unzumutbar sein, wenn z.B. Familienpflichten mit diesen zeitlich zusammenfallen. Eine Mutter, die nach der Arbeit gewöhnlich ihre Kinder in der Schule abholt, wird nicht in der Lage sein, an diesen Tagen länger zu arbeiten. Ebenfalls als unzumutbar wird Überstundenarbeit taxiert, falls diese durch eine andere Betriebsorganisation vermieden werden könnte. Dieser Gesichtspunkt der Zumutbarkeit spielt im von Ihnen geschilderten Sachverhalt eine entscheidende Rolle: der Arbeitgeber hat zwei Mitarbeiter entlassen, deren Arbeit offenbar inzwischen auf die verbleibenden Mitarbeiter verteilt werden muss, damit sie überhaupt noch erledigt werden kann. Falls diese Lösung für längere Zeit Anwendung finden sollte, wäre die Erbringung der entsprechenden Überstunden zwar notwendig, jedoch nicht zumutbar. Offensichtlich war der Entscheid, die beiden Mitarbeiter zu entlassen, nicht richtig. Der Arbeitgeber muss deshalb die fehlenden Arbeitskräfte ersetzen oder die Arbeit extern erledigen lassen.