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Mai 2021
DS Stadt Thun (I) – Thunersee
Der Glattdeckdampfer wurde 1856 für 160’000 Franken von Escher Wyss, Zürich, auf den Thunersee geliefert. Er war 48,5 Meter lang und über den Radkasten 9,5 Meter breit. Für den Antrieb sorgte eine oszillierende Zweizylinder-Niederdruckmaschine mit 200 PSi. Die Tragkraft belief sich auf 300 Personen oder 23 Tonnen bei einem Tiefgang von 1,3 Meter (beladen). Die Besatzung umfasste sieben Mann.
Foto: Schiffstaufe am 28. Brachmonat (Juni) 1856.
Ab dem 16. August 1856 stand die «Stadt Thun» im Kursdienst. Erstmals wurde der Thunersee im gleichen Jahr auch im Winter fahrplanmässig befahren, wenn auch nur mit einem Kurspaar. 1870 wurde die Antriebsanlage von Escher Wyss in eine oszillierende Zweifachexpansions-Dampfmaschine umgebaut. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 21,8 km/h.
Foto: Ca. um 1865 befindet sich die «Stadt Thun» (I) in ihrem Heimathafen.
1874 musste der Bug nach harten Wintereinsätzen repariert werden und am 28. März 1877 erlitt der Dampfer bei Leissigen einen Radwellenbruch. Als Ersatzschiff musste die «Niesen» reaktiviert werden. Im Februar 1883 nahm man die «Stadt Thun» erstmals in der Werft Lachen auf Stapel. Die wenige Tage zuvor schwer beschädigte Maschine und die Holzteile wurden aus dem Schiff gehoben. Die Schale war nach 27 Jahren in Fahrt in gutem Zustand und musste nur gereinigt und wenig ausgebessert werden. Die bisherigen Radkästen aus Holz ersetzte man durch Neubauten aus Eisen. Nach acht Monaten Werftaufenthalt kam der Dampfer im November wieder in Fahrt.
Foto: Der Raddampfer Stadt Thun (I) um 1894 bei der Rückwärtsfahrt auf dem Thunersee. In diesem Bauzustand sind vom fast vierzig Jahre alten Dampfer kaum Fotos bekannt.
1892 verlegte man den Steuerstand zur Schiffsmitte über den Radkasten. Zugleich erhielt das Mitteldeck teilweise ein Dach und vorne eine Verglasung. Damit erhielten die Passagiere mehr Schutz bei Regen und Kälte. Ein Steuerhaus zum Schutz des Schiffsführers wurde erst 1907 erstellt. Zuvor erhielt die «Stadt Thun» 1902 an Stelle des schrägen Schnabelbugs einen senkrechten Vordersteven. Bereits vor Beginn des ersten Weltkrieges bemängelte die Aufsichtsbehörde den Zustand des Raddampfers. Dennoch blieb er in Betrieb, meist in der Vor- und Nachsaison.
Foto: DS Stadt Thun (I) und DS Beatus (I) um 1908 im Stilllager in Interlaken.
Erst im Juni 1924 wurde dem Schiff die Betriebsbewilligung entzogen. Die «Stadt Thun» leistete keine Einsätze mehr, denn eine grosse Sanierung und ein neuer Kessel wären nötig gewesen, um sie wieder fahrtüchtig zu machen. Im Februar 1929 erfolgte der Abbruch des 73 Jahre alten Raddampfers.
Foto: Die «Stadt Thun» (I), um 1901, befindet sich hier in Spiez.
Ein umfassender Artikel über das DS Stadt Thun (I) ist in der DZ 202 erschienen. Diese ist bei der Dampferzeitung erhältlich.