Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03372.jsonl.gz/136

Die WHO definiert Gesundheit als einen «Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen» (WHO, 1946). Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der körperlichen Gesundheit als ein Aspekt des allgemeinen Gesundheitszustands von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Schweiz. Der allgemeine Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen wird einerseits an der Abwesenheit von gesundheitlichen, eventuell chronischen Einschränkungen und andererseits an einer altersgemässen Entwicklung gemessen.
Beides ist hochkorreliert: Ein guter allgemeiner Gesundheitszustand ist eine wichtige Ressource, um die Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter erfolgreich zu bewältigen, und die Bewältigung dieser Aufgaben erhöht die Chancen, gesund zu bleiben. Entsprechend werden in diesem Kapitel auch Daten zur Entwicklung und zum Wachstum von Kindern und Jugendlichen vorgestellt sowie die Häufigkeit einer Auswahl an akuter Erkrankungen, Infektionskrankheiten und Unfälle im Kindes-, Jugend und jungen Erwachsenenalter in der Abgrenzung zu chronischen Erkrankungen und Behinderung (siehe Kapitel Chronische Krankheiten und Behinderungen) dargestellt. Angaben zur Mortalität finden sich im Kapitel Demographie.
Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wird in der Praxis anhand von Entwicklungsmeilensteinen, Gesundheitsindikatoren und Normdaten beurteilt, die im Rahmen von Vorsorge- oder Screening-Untersuchungen erhoben werden. Neben objektiven Parametern ist auch die subjektive Wahrnehmung der Gesundheit der Kinder ein wichtiger Gesundheitsindikator.
Kinder machen insbesondere in den ersten Lebensjahren eine Vielzahl von Erkrankungen durch. Laut der Swiss Infant Feeding Study (Gross et al., 2014) hatten 83% aller Kinder im ersten Lebensjahr bereits einmal eine akute, das heisst eine vorübergehende Erkrankung erlitten. Die häufigsten Erkrankungen, die genannt wurden, waren Erkältungen (69%), Fieber (50%), Koliken (21%) und Atemwegserkrankungen sowie Magen-Darm-Infekte (je 15%). Mit zunehmendem Alter nehmen Häufigkeit und Anzahl von Infektionskrankheiten ab, obwohl einige der Infektionskrankheiten einen späteren Altersgipfel haben. Die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus tritt in der Regel zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr auf.
Akute Erkrankungen sind nur teilweise zu vermeiden und heilen in aller Regel ohne chronische Folgen aus. Es gibt dennoch Situationen, in denen nur eine rechtzeitige und adäquate Behandlung schwerwiegende Verläufe verhindern kann. Daher ist die Prävention akuter Krankheiten wenn möglich individuell und auf Bevölkerungsebene umzusetzen. So informiert z. B. die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) Eltern mit der «bfu Kinderpost»1 über Vorsichtsmassnahmen, um Unfälle zu vermeiden (siehe Kapitel Gesundheitsförderung und Prävention). Da ein altersgerechtes Spiel- und Bewegungsverhalten sowie zunehmende Selbstständigkeit wichtig sind für eine gesunde Entwicklung, spielt bei der Unfallvermeidung und bei anderen Risiken die Verhältnisprävention eine grosse Rolle, die Eltern nur bedingt beeinflussen können.