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Das Wichtigste in Kürze
- Der SC Bern ist einer der erfolgreichsten Schweizer Eishockeyclubs.
- Die Stadtberner wurden bereits 19 Mal Schweizer Meister.
- Der Club erlebte in seiner spannenden Geschichte auch einige Tiefpunkte.
Der Schlittschuhclub wurde eigentlich im November 1930 gegründet, das erste Spiel hat der SC Bern aber erst 1931 bestritten. Allgemein gilt darum das Jahr 1931 als Gründungsjahr, auch in einer beliebten Fan-Hymne: «1931 si mir gebore...».
Bruce Hamilton, Abstieg und erster Titel des SCB
1954 verpflichtete der SC Bern mit dem Kanadier Bruce Hamilton den ersten Ausländer der Clubgeschichte. In den ersten beiden Saison war Hamilton Spielertrainer.
Nach dem Abstieg in die Nationalliga B 1956 konzentrierte er sich auf seine Tätigkeit als Spieler. Mit Erfolg: 1958 kehrte der Club ins Oberhaus zurück und in der Folgesaison feierten die «Mutzen» 1959 den ersten Meistertitel. Trainer war damals Ernst «Aschi» Wenger.
Hamilton war mit 46 Skorerpunkten erfolgreichster Spieler des Meisterteams. Zusammen mit dem anderen Flügel Rolf Diethelm und dem Center Peter Stammbach bildete Hamilton die Paradelinie der Berner.
Bereits zu dieser Zeit war der SC Bern ein Zuschauermagnet. In der ersten Meistersaison lag der Durchschnitt auf der offenen Eisbahn bei über 7'800 Zuschauern. Im Finalspiel um den Titel gegen Davos waren unglaubliche 10'500 Zuschauer auf der Ka-We-De.
Liftmannschaft und ein neues Stadion
In den folgenden Jahren gewann der SC Bern den zweiten Meistertitel (1965). Die Berner stiegen danach 1967 und 1969 aber jeweils in die NLB ab. In der Zwischenzeit wurde das Allmendstadion fertig gebaut und der SCB fand eine neue Heimat.
Der damalige Stadtpräsident Reynold Tschäppät machte sich bei den Fans beliebt. 1969 stellte er in der noch offenen Allmend die legendäre Frage «Weit dir es Dach?» Die Überdachung war eine Voraussetzung, dass Bern zusammen mit Genf 1971 die Eishockey-WM durchführen konnte.
Berner Eishockey-Dominanz in den 70er Jahren
In den späten 70er-Jahren dominierte der SCB mit den beiden Kantonsrivalen Biel und Langnau das Schweizer Eishockey beinahe nach Belieben. Zwischen 1976 und 1979 belegten Biel, Langnau und Bern vier Mal hintereinander zum Saisonende die Plätze eins bis drei. Die Liga war eigentlich eine Berner Meisterschaft.
1975/76:
1. Langnau
2. Biel
3. Bern
1976/77:
1. Bern
2. Langnau
3. Biel
1977/78:
1. Biel
2. Langnau
3. Bern
1978/79:
1. Bern
2. Biel
3. Langnau
Erneuter Abstieg und Aufstieg am grünen Tisch
1982 erwischte es den SCB abermals – der inzwischen sechsfache Meister muss wieder in die NLB absteigen. In einem dramatischen Entscheidungsspiel schickt der EHC Biel die Berner in die Abstiegsrunde. Dort scheiterte neben dem SC Bern übrigens auch der ZSC.
Erst vier Jahre später – 1986 – stieg der SCB wieder auf, und zwar am berühmten «grünen Tisch». Der EHC Arosa zog sich wegen finanzieller Problemen freiwillig aus der Nationalliga A zurück. Der SC Bern scheiterte im Playoff-Final der NLB am EHC Chur. Zwischen den Pfosten bei Chur stand übrigens Renato Tosio, der spätere Goalie und Publikumsliebling in Bern.
Duell zwischen «Grande Lugano» und dem SCB
In den späten 80er-Jahren und den frühen 90er-Jahren wurde das Schweizer Eishockey von der Rivalität zwischen Lugano und Bern geprägt. Zwischen 1986 und 1988 dominierten die Südtessiner die Liga, der SCB holte 1989, 1991 und 1992 den Titel nach Bern.
Die Berner waren in jener Zeit die «Big Bad Bears». Der SCB versuchte mit Einsatz und Kampfgeist die technischen Defizite gegenüber Lugano wett zu machen. Das «Grande Lugano» von Trainer John Slettvoll dagegen war das spielerisch beste und gleichzeitig schnellste und eleganteste Team des Landes.
Der zehnte Meistertitel für den SCB
1997 wird der SC Bern unter Trainer Bryan Lefley zum zehnten Mal Schweizer Meister. Der Italo-Kanadier Gaetano Orlando war das Herz der Mannschaft und wurde Ende Saison zum MVP gewählt. Der für den Final verpflichtete Italiener Bruno Zarillo wurde aber zum Helden der Serie gegen den EV Zug. Meistertrainer Lefley verstarb im selben Jahr bei einem Autounfall in Italien.
Neben den Italienern Orlando und Zarillo bildeten der Finne Ville Sirén und der Kanadier Daniel Marois das Ausländerquartett. Zu den Leistungsträgern in der Abwehr gehörten auch Sven Leuenberger, Martin Rauch und Martin Steinegger. Im Angriff zauberten Patrick Howald, Gil Montandon, Roberto Triulzi oder Lars Leuenberger. Und im Tor stand in jedem Spiel der unverwüstliche Publikumsliebling Renato Tosio.
Zwei Goalies für fast 30 Jahre SCB
Unglaublich aber wahr. In den 29 Jahren zwischen 1987 und 2016 spielten nur zwei Goalies für den SC Bern.
Tosio spielte während 14 Saisons für den SCB und verpasste in dieser Zeit kein einziges Meisterschaftsspiel. Nach jedem Spiel zeigte er den Fans unter tosendem Applaus immer einen Spagat-Sprung. 2001 trat Renato Tosio zurück, er hatte mit Bern insgesamt vier Meistertitel gefeiert.
2001 trat der damals kaum bekannte und erst 21-jährige Marco Bührer in die grossen Fussstapfen von Renato Tosio. Bührer überzeugt von Beginn an brachte die zahlreichen Zweifler und Kritiker rasch zum Schweigen. Bührer spielte gar noch eine Saison länger beim SCB als Renato Tosio und wurde ebenfalls vier Mal Schweizer Meister.
Wer war der bessere SCB-Goalie?
Wirtschaftliche Probleme beim Grossklub
Nach dem zehnten Meistertitel kam für den SCB beinahe das Ende. Der Grossklub schlittertet 1998 knapp an einem Konkurs vorbei – Schulden aus dem Bau der VIP-Tribüne drückten. Bei Spenden- und Sammelaktionen, bei denen auch die Spieler mitmachten, kam ein grösserer Betrag zusammen. Die endgültige Rettung des Clubs war die Übernahme des Aktienkapitals durch die Kiosk-Betreiberin Valora AG.
Der SCB nach der Jahrtausendwende
Die Berner brauchten auch auf dem Eisfeld ein paar Jahre, um sich vom Beinahe-Crash zu erholen. 2004 schaffte es der SCB wieder in den Playoff-Final gegen Lugano. In einem dramatischen entscheidenden Spiel im Tessin siegte Bern in der Verlängerung. «Meisterschütze» war Marc Weber, der später im Nachwuchsbereich des SCB arbeitete.
In diesen Jahren schaffte es Manager Marc Lüthi den Club aus den Schulden in ein wirtschaftlich stabiles Umfeld zu führen. Neben der strikten Finanzpolitik waren zwei Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg massgebend. Der Umbau des Allmendstadions zur PosfinanceArena im Jahr 2008. Und die Erweiterung des Geschäftsfeldes auf die Gastronomie mit der Schwestergesellschaft Sportgastro AG.
Sportlich waren die Berner nach 2004 trotz eines meisterlichen Kaders und dem erfahrenen Trainer John van Boxmeer vom Pech verfolgt. 2007 unterlag der SCB im entscheidenden «Game seven» des Finals in Davos mit 0:1, dem knappsten aller Resultate.
Ein Jahr später scheitert der SCB als Sieger der Qualifikation bereits im Viertelfinal an Fribourg Gottéron. Aussergewöhnlich: Die Berner verloren alle vier Spiele erst in der Verlängerung und lagen jedesmal in Führung.
Wieder nur ein Jahr später scheiterte Bern erneut als Qualisieger. Diesmal bedeutete der EV Zug Endstation für den SC Bern. Einen Tag nach der entscheidenden Niederlage in Zug wurde Trainer Van Boxmeer entlassen.
Die Eishockey-Dynastie SCB
Seit 2010 ist der SCB der erfolgreichste Eishockeyclub des Landes und entschied die Hälfte der Meisterschaften für sich. In den letzten zehn Jahren wurde Bern nicht weniger als fünf Mal Schweizer Meister. 2010, 2013, 2016, 2017 und 2019.
2010 entschieden die Berner eine dramatische Finalserie gegen Servette mit Trainer-Legende Chris McSorley mit 4:3 zu ihren Gunsten. Nach dem Sieg im siebten Spiel durften die Berner erstmals in der Geschichte der Playoffs einen Meistertitel in Bern feiern.
2013 setzte sich Bern gegen Servette im Viertelfinal trotz eines zwischenzeitlichen 1:3-Rückstand in der Serie mit 4:3 durch. Im Final siegte der SCB gegen den Erzrivalen Gottéron mit 4:2.
Die Saison bleibt aber vor allem wegen des Lockouts in Erinnerung. Beim SC Bern spielten John Tavares und Mark Streit von den New York Islanders. Auch der ehemalige SCB-Junior Roman Josi von den Nashville Predators trug wieder das Dress seines Stammvereins.
2016 folgte der wohl verrückteste Meistertitel in der Geschichte des SCB. Kurz vor den Playoffs wurde der kanadische Trainer Guy Boucher entlassen und durch den unerfahrenen Lars Leuenberger ersetzt. Bern schaffte die Playoffs erst dank eines Sieges gegen den direkten Konkurrenten Lausanne in der zweitletzten Runde der Regular Season.
Die Berner wuchsen dann zu einer verschworenen Truppe zusammen. Im Viertelfinal wurde Qualisieger ZSC auseinandergenommen, im Halbfinal der HCD und im Final Lugano. Insgesamt verloren die Berner in den Playoffs auf dem Weg zum Titel nur zwei Spiele.
2017 und 2019 wurde der SCB unter dem finnischen Weltmeister-Trainer Kari Jalonen souverän Schweizer Meister. In beiden Saisons stiegen die Berner als Qualifikations-Sieger auch in der Favoritenrolle in die Playoffs. Der SCB unter Jalonen war die wohl stabilste Mannschaft des Schweizer Eishockeys nach der Jahrtausendwende.
Florence Schelling übernimmt als Sportchefin...
Sportlich verlief die Saison 2019/20 für den SCB ernüchternd. Ende Januar trennten sich die Berner von Erfolgscoach Kari Jalonen. Allerdings führte auch Hans Kossmann den Club im Anschluss nicht aus der Krise – Bern verpasste die Playoffs.
Mitte März folgte dann aber die Hiobsbotschaft: Die Saison wird wegen dem Coronavirus abgebrochen. Es gab keinen Meister und auch keinen Auf- oder Absteiger.
Mitten in der Corona-Krise sorgten die Berner Anfangs April aber dennoch für einen Eishockey-Paukenschlag. Die Crew um CEO Marc Lüthi verpflichtete Florence Schelling (31) als neue Sportchefin.
Sie beerbte Alex Chatelain, der dem Club jedoch in einer anderen Rolle erhalten blieb. Schelling war lange eine der besten Eishockey-Torhüterinnen der Welt. Sowohl 2012 an der WM wie auch 2014 an Olympia gewann sie mit der Schweiz die Bronzemedaille.
... und muss bald wieder gehen
Die Zeit von Schelling als Sportchefin läuft bereist nach einem Jahr wieder ab. In der Krisen-Saison 20/21 ist Bern lange Tabellenletzter. Die Führung reagiert und holt Raeto Raffainer (39) vom HC Davos als neuen «Chief Sport Officer». Der ehemalige Spieler wird damit zum eigentlichen Vorgesetzten der Sportchefin.
Schelling musste sich vor allem bei der Trainerwahl Vorwürfe gefallen lassen. Der unbekannte und wenig erfahrene Kanadier Don Nachbaur und der SCB passten nie zusammen. Er wurde bereits im Dezember 2020 entlassen, der Fehlgriff von Schelling damit amtlich.
SCB-Assistenztrainer Mario Kogler übernimmt das Team. Der Österreicher führt den SCB vom Tabellenende in die Pre-Playoffs und schliesslich in die Playoffs. Dort fordert Bern dem künftigen Meister Zug alles ab und bringt die schwierigste Saison der Geschichte zu einem versöhnlichen Ende.