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Was gibt es außer Anstrengung noch im Leben?
Was gibt das Lernen uns außer der Anstrengung noch für das Leben?
Es war ein Zufall, dass zwei Lehrer in Shui Tang waren und Zeit hatten, mit mir paar Tassen Tee zu trinken. Wie gesagt, wird jeder in Shui Tang gleich behandelt. Ich wusste oft nicht, wer mir gegenüber sitzt. Nach der Runde kam ein Mann zurück und fragte mich nach der Möglichkeit, mit zwei Schulklassen zu Shui Tang zu kommen. Ich dachte, ja, spannend! Tee mit Jugendlichen, warum nicht? Das Geld war keine Frage.
Pünktlich kamen die Schüler, zuerst waren die Jungs. Die Jungs waren cool. Die Mädels waren eher distanziert. Beide Geschlechter zeigten mir zuerst das bekannte Poker-Gesicht, so dass ich bloß nicht traue, näher zu kommen. Natürlich schätzten sie mich falsch ein. Solcher Schutzmechanismus reizte mich nur noch mehr und ich bin bestimmt weder lieb noch nett. Sie gaben mir Kommentare wie, der Tee sei bitter, der Tee sei einfach chinesisch.
„Warum ist der Tee chinesisch?“
„Er schmeckt halt so.“
„Diese Aussage ist so undifferenziert, dass wir nicht weiter miteinander sprechen. Was meinst Du genau mit Chinesisch?“ Ich drückte mich sehr klar aus. Der Schüler musste eine Stellung nehmen.
„Halt, so wie im China-Restaurant.“
„Ich bin immer noch nicht zufrieden mit Deiner Aussage. Du muss Deine Aussage differenziert ausdrücken. Was schmeckst Du genau?“ Ich schaute sie genau in die Augen.
Wenn Du das nicht differenzieren kannst, was Du schmeckst und riechst, entwickelst Du gar kein Bewusstsein für Dein Leben. Wenn Du Deine Gefühle nicht beobachten kannst, weiß Du gar nicht, was Du fühlst! Und Du wirst für immer der Spielball deiner Emotion bleiben und Menschen und Dinge verpassen, die Du einmal liebst.
„Bitter.“
„Was gibt es noch hinter dieser Bitterkeit?“
Schweigen. Ich gab es nicht nach.
„Was schmeckst Du noch außer der Bitterkeit?“ Ich schaute zu anderen.
„Süß.“ Eine leise und unsichere Stimme. Diese Stimme bekam ein Lob.
„Was noch?“
„Grassig.“
„Darf ich Dich kurz korrigieren? Diesen erfrischenden Geschmack bezeichnen wir im Fach als Vegital. Grasig meinen wir etwas anders.“
Er nickte seinen Kopf und traute plötzlich noch mehr zu sagen. Es war ein Junger, hat kein berühmter Gaumen, merkte, dass der Yunan Huang Ya eine ähnliche Ausprägung hat mit dem Yunan Dianhong. Ich war erfreut und begeistert. „Hey, mein Rente hat Zukunft.“ Sein Lehrer lachte.
Ich staunte, wie die Jugendlichen gut schmecken und riechen können – besser als meine erwachsene Kundschaft! Ich munterte die Kinder auf, mit ihren Sinnen zu arbeiten, ihre Intuition zu trauen und die Welt mit anderer Wahrnehmung zu entdecken. Ich sah, wie manche Gesichter weicher werden und wie manche noch sein Poker-Gesicht tragen mussten.
Ein fast erwachsener Junge, der eine Schutzmaske stets trug, schaute zwar immer zu einer anderen Richtung, merkte trotzdem alles, was in Tee steckte. Er war auch der erste, der sofort versuchte, die Tasse schön zu halten. Ich wusste nicht, ihm weiter zu helfen. Es könnte allerdings ein Anfang sein, für ein Poker-Gesicht, das Licht zu sehen, die Freiheit für sich selbst zu entdecken.
Sicher war ich nicht eine angenehme Person für die Schulkinder. Bei Shui Tang gibt es kein Event. Sie sind nicht für einen Event und wegen einem Affen gekommen. Es war für mich ein Bildungsauftrag und ich nahm es sehr ernst.
Auch wenn die Kinder aus verschiedenen Milieu und kulturellen Hintergründe stammen, zeigten sie die gleiche Sehnsucht und Liebe zur Schönheit, zum Einlang sein zwischen ihnen und Außenwelt. Ihre Gesichter waren lichtvoll und harmonisch, als sie allen von sich aus versuchten, eine Balance zwischen der Tasse und ihrem Körper zu finden. Sie lächelten mir an, als sie plötzlich verstand, dass ihr Körper arbeiten muss, um im Einklang mit der Tasse zu werden.
Außer der Bitterkeit gibt es noch Regenbogen im Tee. Aber als erste muss man die Bitterkeit überwinden, bis man den Regenbogen sieht.
Außer der Anstrengung gibt es noch Freude im Leben – ebenfalls wie mit meinem Leben in Shui Tang. Aber als Erstes muss ich auch die Anstrengung im Kauf nehmen, um eine Entwicklung zu ermöglichen…
Das waren meine letzten Sätze an die Schüler.
Es war ein Anfang eines Wegs.