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Der Schreibsand wurde zuerst durch Apotheker oder Wanderkrämer verkauft. Im 19. Jahrhundert ging der Verkauf auf Buchbinder und später auf Papeteristen über.
Die Streusandbüchse oder auch Streubüchse war ein Utensil, das auf keinem Schreibpult fehlen durfte. Besonders in Schreibstuben, wo schnell und effizient Schriftstücke ausgestellt werden mussten, war eine schnelle Trocknung der Tinte wichtig. Auf das frisch ausgefertigte Schriftstück wurde dazu mit der Streusandbüchse feiner Schreibsand gestreut, der die Tinte aufsaugte und nach einer kurzen Trocknungszeit vom Papier geschüttelt bzw. geblasen werden konnte.
Die Streubüchsen waren normalerweise runde Büchsen aus Holz, Blech oder Keramik, die auf der oberen Seite mit kleinen Löchern versehen waren. Das Befüllen der Büchsen erfolgte in der Regel über diese Löcher.
In der 1840 erschienenen «Encyklopädie» von Dr. Johann Georg Krünitz riet dieser von der Verwendung von Streusand ab, da das Einatmen des Staubes zu Gesundheitsschäden führen könne. Besonders die Lungen seien durch trockenen Husten sowie die Augen durch Rötungen betroffen.
Im 19. Jahrhundert wird der Streusand langsam durch das Löschpapier abgelöst. Bereits im Brockhaus Konversations-Lexikon von 1827 wird es erwähnt. Aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdrängt das Löschpapier den Streusand.
Heute kann Streusand wertvolle historische Hinweise auf die Herkunft von Akten geben. So hat die Burgerbibliothek Bern im Rahmen eines Projektes zur Verpackung von Akten in alterungsbeständige Schachteln darauf geachtet, dass keine Eigenheiten eines Objektes verloren gehen. Bei gebundenen Archivalien, in welchen sich noch Schreibsand von der Trocknung der frischen Tinte vorfand, werden Proben davon in einem kleinen Umschlag gesammelt und dem jeweiligen Objekt beigefügt.