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Man blickt auf einen Wald, der von einer Autobahn zerschnitten wird und aus dem am rechten Bildrand ein grosses, wohnsiloartiges Gebäude im Baustil der Sechzigerjahre aus dem Boden ragt. Wir befinden uns im Berner Aussenquartier Bethlehem. Die doch eher ungewöhnliche Namensgebung stammt aus dem Mittelalter, als ein Deutschritterorden in der Gegend einen Prozessionsweg errichtet hatte.
Im Mittelpunkt des Films steht der FC Bethlehem. So unterschiedlich sich die Fussballerinnen in Hautfarbe, Religion, Herkunftsland und Charakter sind, so ähnlich sind sie in manchen Bereichen: Sie trainieren in derselben Mannschaft, leben in Bethlehem, sind Migrantinnen, stecken inmitten der Berufswahl und essen gerne Pizza. Agime, Alessandra, Daria, Elmaze, Marie, Natasa, Rosa, Tiziana und Yolanda denken laut nach über Themen wie das Leben im Quartier, Fussball, Berufswünsche, über Heimat, Rassismus, die Liebe, den Glauben, Freundschaft und auch mal über "Ärsche" und "Ding Dongs". Trainiert wird die Mannschaft von Gianluca De Febis, selbst ein Secondo, für den der respektvolle Umgang unter den "Modis" im Zentrum steht und dem es bei den Turnierspielen nicht auf das Resultat ankommt, sondern auf den Teamgeist.
Vordergründig stehen der FC Bethlehem mit seinen jungen Spielerinnen, die Freude am Fussball, der Umgang mit Sieg und Niederlage und Teamgeist im Mittelpunkt des Films. Es ist aber viel mehr ein Dokumentarfilm über Integration und Jugendarbeit. Bruno Moll (Idee, Buch und Regie) sagte selber, dass es ihm nicht um den Fussball gegangen sei, aber dass das Milieu des Fussballs geholfen habe, dem Film jene aktuelle Relevanz zu geben, die er sich erhofft hatte.
Der Film erhebt den Anspruch, eine gelungene Integration zu portraitieren. Integration meint ein wechselseitiger Prozess, in dem eine Minderheit gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, ohne die eigene Identität aufgeben zu müssen. Im Quartier Bethlehem sind die Migranten jedoch in der Überzahl, in der Mannschaft trainiert kein Schweizer Mädchen und in der Schule würden sich, so eine Protagonistin, die Schweizer nicht getrauen, sich rassistisch zu äussern, da sie dann die ganze Schule am Hals hätten. Es stellt sich somit die Frage, als wie gelungen der FC Bethlehem als Integrationsarbeit bezeichnet werden kann, wenn sich im Mikrokosmos des Quartiers, in dem sich das Leben der Protagonistinnen abspielt, die Schweizer in der Minderheit befinden.
Die positive Grundhaltung und die gesunde Energie der "Modis" überzeugen dennoch. Sie wirken trotz jugendlicher Naivität und Frische sehr selbstbewusst, reflektiert, können sich gut artikulieren und scheinen zu wissen, wohin ihr Weg sie führen soll und wie sie ihre Ziele erreichen können.
Pizza Bethlehem berührt und begeistert durch die lebendige, erfrischende und herzhafte Art der Protagonistinnen. Ihre Offenheit vor der Kamera, die unspektakulär und doch gelungen ineinander verflochtenen Sequenzen, in denen sich Privates mit Öffentlichem mischt, sind ein Wohlgenuss. Stille Momente sind mit einer dezenten Melodie untermalt und die Kameraarbeit überzeugt mit gelungenen Einstellungen.
Ein liebevoll erzähltes, humorvolles und interessantes Portrait über junge Frauen, Sport und Migration, das sich vor allem Menschen ansehen müssten, welche sowohl alle Migranten als auch alle Jugendlichen als destruktiv, faul und verkommen bezeichnen. Der Film kann sie vom Gegenteil überzeugen.