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In Haiti sind durch den Hurrikan «Matthew» mindestens 339 Menschen ums Leben gekommen und damit weit mehr als bislang bekannt. Das teilten die örtlichen Behörden am Donnerstag mit. Vier Tote gab es in der benachbarten Dominikanischen Republik.
In Haiti ist das Department Sud besonders stark vom Sturm betroffen. «Der gesamte Westen der südlichen Halbinsel ist schwer getroffen worden», sagte Holly Frew von der Hilfsorganisation Care im US-Fernsehsender CNN.
Der Wirbelsturm der Kategorie 4 hatte den Karibikstaat am Dienstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde getroffen. Häuser wurden zerstört, Bäume knickten um, und Strassen wurden überschwemmt.
Die besonders stark betroffenen Regionen Sud und Grand'Anse im Südwesten wurde vom Rest des Landes abgeschnitten. Das Ausmass der Katastrophe ist deswegen noch immer schwer abschätzbar. Dutzende Tote gab es nach Aussagen von Helfern allein im Küstenort Les Anglais, den die ersten Helfer erst Tage nach dem Sturm erreichten.
350'000 Menschen benötigen Soforthilfe
Die Hauptstadt der Region Grand'Anse, Jérémie, sei zu weiten Teilen zerstört, sagte der Länderdirektor der Hilfsorganisation Care, Jean-Michel Vigreux. Alle Telefonverbindungen und die Stromversorgung seien zusammengebrochen. «80 Prozent der Häuser liegen in Trümmern. Die einzige Verbindungsstrasse ist unpassierbar, und den Menschen gehen langsam Nahrung und Geld aus.»
Die UNO-Blauhelmmission Minustah veröffentlichte Fotos aus Jérémie, die Strassen voller Schlamm und Schutt sowie eingestürzte Mauern zeigen. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren 1.5 Millionen Menschen in Haiti von dem Hurrikan «Matthew» betroffen, 350'000 benötigten Soforthilfe.
Im völlig verarmten Karibikstaat leben sechs Jahre nach dem verheerenden Erdbeben mit mehr als 200'000 Toten immer noch Zehntausende in Zelten und Notunterkünften.
Millionen in den USA wappnen sich
Der Sturm bewegte sich in der Nacht zum Freitag über den Nordwesten der Bahamas auf den US-Bundesstaat Florida zu. Wie gross die Schäden auf den Bahamas waren, konnte noch nicht abgeschätzt werden.
In den USA brachten sich Millionen Menschen in Sicherheit. Präsident Barack Obama verkündete den Ausnahmezustand für die Bundesstaaten Florida, Georgia und South Carolina, was die unmittelbare Freigabe von Bundesmitteln für Notmassnahmen ermöglichte. Die Strassen in den betroffenen Bundesstaaten waren verstopft, Tankstellen und Supermärkte wurden leergekauft.
Die Behörden in Florida, Georgia und South Carolina ordneten die Evakuierung küstennaher Regionen an. Floridas Gouverneur Rick Scott warnte, wer sich der Anordnung widersetze, riskiere den Tod. «Geht nicht surfen, geht nicht an den Strand. Ihr werdet sterben», sagte Scott. Sein Evakuierungsbefehl galt für 1.5 Millionen Menschen.
Die Regierung in South Carolina ordnete die Evakuierung von mehr als einer Million Bürgern an.
Der Hurrikan schöpfte auf seinem Weg in Richtung USA neue Kraft und wurde wieder auf die Stärke 4 hochgestuft - eine Stufe unter der Höchstkategorie, die er zwischenzeitlich ebenfalls erreicht hatte. Er könnte der verheerendste Hurrikan sein, der Florida seit «Andrew» im Jahr 1992 heimsucht. (sda/dpa/afp)