Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03622.jsonl.gz/3065

Braves Wetter
Wenn man mit den Wetterkapriolen vom Donnerstag vergleicht, war es gestern und heute meteorologisch wieder beruhigend normal. Ein Tief über der Biskaya führte aus Süden milde und eher feuchte Mittelmeerluft zu den Alpen. Dort war es bewölkt bis stark bewölkt, aber es blieb trocken. In der übrigen Schweiz zeigte sich zeitweise die Sonne. Allerdings verdeckten hohe Wolkenfelder zwischendurch die Sonne.
Urnerland erholt sich langsam von den Wetterkapriolen
Die Gegenstromlage vom Donnerstag brachte insbesondere dem Urnerland sehr grosse Schneemengen. In Erstfeld lagen am Donnerstagabend ca. 50 cm Schnee. Dies ist eine Menge, welche dort im Winter fast nie gemessen wird. Sie kommt immer nur dann zustande, wenn in der Höhe starke Südwinde milde und feuchte Luft über den Alpenkamm nach Norden führen und dort auf die aus Westen oder Norden herangeführte Kaltluft aufgleitet. Die dadurch ausgelösten Niederschläge gehen infolge der Niederschlagsabkühlung rasch bis in den Talboden in Schnee über, wodurch speziell im Herbst und Frühjahr sehr ergiebige Schneefälle möglich sind.
Frühlingssonne und Bodenwärme bringen diesen Schnee recht rasch zum Schmelzen
Trotz der grossen Schneemenge und vor allem dem hohen Wasserwert verschwindet die mächtige Schneedecke meist rasch. Im Durchschnitt kann gesagt werden, dass an einem ziemlich sonnigen Tag die Globalstrahlungssumme rund 15 Millionen Joule pro Tag beträgt. Das Reflexionsvermögen einer Nassschneedecke liegt bei etwa 50 %. Somit erhält die Schneedecke pro Tag und Quadratmeter 7.5 Millionen Joule Energie zum Schmelzen. Lässt man einmal den Bodenwärmefluss, welcher der Schneedecke ebenfalls zusetzt, und den sensiblen Wärmestrom, welcher vor allem tagsüber ebenfalls zur Schmelze beiträgt, da die Lufttemperatur deutlich über 0 Grad liegt, weg, kann man etwa abschätzen, wie lange eine solche Schneedecke Bestand hält. Der Wasserwert der etwa 50 cm mächtigen Schneedecke lag bei etwa 60 mm, dies entspricht 60 Liter Wasser pro Quadratmeter oder besser gesagt 60 kg Schnee pro Quadratmeter. Um 60 kg Schnee zu schmelzen braucht es eine Energiemenge von etwa 20 Millionen Joule. Bei einem täglichen Energieinput von 7.5 Millionen Joule braucht es also 2.7 Tage, bis der Schnee in Erstfeld verschwunden sein sollte, was also morgen Sonntag am Nachmittag etwa der Fall sein sollte. Dass dies in etwa stimmt, beweist die Tatsache, dass bereits gestern Abend die Schneedecke nur noch etwa 25 cm betrug, hier sind allerdings die Setzungsbeträge nicht mitberücksichtigt. Heute Abend ist die Schneedecke gemäss Webcams immer noch vorhanden, wenn auch nur noch wenige Zentimeter mächtig.
Schneedecke wirkt stark abkühlend auf die Umgebung
Durch das Vorhandensein der Schneedecke, welche der Luft infolge des Schmelzens Wärme entzieht, stieg die Lufttemperatur in Altdorf bis um 16 UTC auf nur 9.1 Grad an. Im schneefreien Mittelland wurden dagegen zum Teil über 14 Grads gemessen. Im Churer Rheintal reichte es mit Föhn sogar bis über 16 Grad. Die Kaltlufthaut im Urner Reusstal verhinderte möglicherweise bis am späten Abend sogar ein Vorstossen des Föhns bis in den Talboden des Urner Reusstals, ehe er sich auch dort durchsetzen konnte. Allerdings handelte sich es um einen schwachen Föhn. Ein starker Föhn mit Böenspitzen von über 100 km/h lässt sich von einer Schneedecke nicht beeindrucken. Im Gegenteil - durch die hohe Windgeschwindigkeit und die hohe Lufttemperatur entsteht bei Föhn ein sehr hoher Wärmefluss zur Schneedecke, welche dann gewöhnlich extrem rasch verschwindet. Selbst im Januar kann dann eine Schneedecke von 30 cm innert 24 Stunden vollständig verschwinden, etwas, was die Sonneneinstrahlung im Januar niemals zustande brächte. Man sagt nicht umsonst in Uri: Der Föhn vermag in einem Tag mehr zu leisten als die Sonne in 10 Tagen.
Auf der Alpensüdseite durch Südstau nur wenig Sonne
Durch die südliche Anströmungsrichtung staute sich die Luft auf der Alpensüdseite. Damit war die Bewölkung recht zäh und hüllte die Berghänge ein. Es entstand der Eindruck von einem grauen und trüben Tag. Durch die milde Luftmasse stieg die Temperatur tagsüber dennoch auf 14 bis 16 Grad.
In der übrigen Schweiz meist freundlich
In den übrigen Landesteilen zogen zwar hie und da dichte hohe Wolkenfelder durch, welche die Sonne örtlich auch längere Zeit abdeckten. Trotzdem war es insgesamt freundlich und mit den bereits erwähnten 14 bis 16 Grad recht mild.