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Geimpfte haben bis zu 251-mal mehr Viren als Ungeimpfte, so behauptet die Website von Corona Transition. Die Meldung wird auch auf Screens verbreitet, wie sie zum Beispiel in einer Winterthurer Bäckerei im Schaufenster stehen.
Das ist klar eine Falschmeldung. Gezielte Desinformation, die Verunsicherung über die Wirksamkeit der Corona-Impfung schüren soll.
Aber da ist doch eine wissenschaftliche Arbeit als Quelle angegeben. Stimmt, trotzdem ist die Meldung falsch. Als Quelle dient ein Artikel auf einer Website namens Defender. Dieser wiederum stützt sich auf eine Publikation der Oxford University, die am 10. August als Pre-Print in der Zeitschrift «The Lancet» erschienen ist. Doch seither wurde dieser Artikel mehrfach widerlegt und die Autoren selbst haben die Publikation zurückgezogen und wehren sich gegen die missbräuchliche Zitierung ihrer Arbeit:
«Die Unterschiede in der Viruslast sind auf die Fähigkeit der Delta-Variante zurückzuführen, eine höhere Viruslast zu verursachen; sie haben nichts mit dem Impfstatus der infizierten Person zu tun. Die Behauptung, dass geimpfte Personen im Vergleich zu ungeimpften Personen die 251-fache Menge an Sars-CoV-2 in ihren Atemwegen tragen, ist daher eine falsche Darstellung der Daten.»
Aber tragen Personen, die gegen Covid geimpft sind, tatsächlich Coronaviren in sich? Und können sie andere Menschen mit dem Virus anstecken? Die Antwort ist zweimal Ja. Geimpfte können sich infizieren und das Virus auch weitergeben.
Viruslast allein bestimmt nicht die Gefahr einer Ansteckung
Aber: Geimpfte sind für andere Menschen trotzdem eine viel geringere Gefahr als Ungeimpfte. Dies hauptsächlich aus drei Gründen:
Bevor wir diese enthüllen, zuerst noch ein kleiner Einschub: Dass die Impfung generell nicht wirke, ist Mumpitz. Um das zu belegen, braucht man nicht mal wissenschaftliche Studien zitieren, sondern kann einfach auf den Intensivstationen nachzählen. Neun von zehn Covid-Patienten, die dort liegen, sind ungeimpft. Und dass der Impfschutz gegen die Delta-Variante nur minim geringer ist als gegen die ursprüngliche Variante, ist zum Beispiel hier belegt.
Aber zurück zur Frage, warum Geimpfte zwar das Virus aufnehmen, aber trotzdem weniger verbreiten.
Erstens: Nach der Infektion, die bei Geimpften genauso wahrscheinlich ist wie bei Ungeimpften, beginnt sich das Virus zu vermehren. Gleichzeitig nimmt das Immunsystem den Kampf gegen den Eindringling auf. Bei den Geimpften geht das schnell, weil das Immunsystem ja vorbereitet ist, bei Ungeimpften dauert es deutlich länger.
Tatsächlich kann kurz nach der Infektion die Viruslast bei Geimpften und bei Ungeimpften etwa gleich hoch sein.
Das zeigen diverse Studien. Was definitiv nicht stimmt, dass Geimpfte mehr Viren in sich tragen als Ungeimpfte.
Zweitens sind von diesen Viren nicht alle infektiös. Bei einer holländischen Studie fand man in knapp 69 Prozent der Proben von Geimpften, die sich infiziert hatten, infektiöse Viren – bei ungeimpften Infizierten waren es deutlich mehr: 85 Prozent. Das deutet darauf hin, dass infizierte Geimpfte seltener infektiöse Viren mit sich tragen als Ungeimpfte. Dies, weil das Immunsystem die Erreger eben effizient bekämpft.
Und drittens: Die hohe Menge an Viren bleibt bei Geimpften nur kurze Zeit bestehen, weil sie eben bekämpft werden. Bei Ungeimpften hält die hohe Viruslast länger an. Das bedeutet, sie können Viren über einen deutlich längeren Zeitraum weiterverbreiten.
Dies – und die Tatsache, dass sie mehr aktive Viren ausscheiden – führt dazu, dass Ungeimpfte mehr Menschen anstecken können als Geimpfte.
Das bestätigt eine erst am 29. September vorveröffentlichte britische Studie, die PCR-Testdaten von tausenden Menschen, die Kontakt zu Infizierten hatten, ausgewertet hat. Resultat: Geimpfte übertragen im Falle einer Infektion – trotz ähnlich hoher Viruslast – das Coronavirus seltener als Ungeimpfte.
Trotz diesen neuen Belegen ist die Fehlinformation auf der Website von Corona Transition weiter abrufbar. Wichtig wäre – wenn man sich schon auf Studien beruft – diese ganz zu lesen, zu reagieren, wenn sie zurückgezogen werden und die weitere Entwicklung zu verfolgen. Das wäre dann Wissenschaft und nicht nur plumpe Propaganda.