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„Brennball“ spielte der heute 17-jährige Yuri in der Primarschule, für ihn eine erste Form von Baseball. Heute gehört der japanisch-schweizerische Doppelbürger zur U18 Schweizer Nationalmannschaft.
Eine Sportart, die in der Schweiz kaum jemand spielt, wollte Yuri lernen, „einfach nichts, was schon alle machen“. Baseball sollte es sein. Gepackt hat ihn der Sport, nachdem er vor dem Haus seiner Grossmutter in Japan die Profis trainieren sah. Folglich meldete er sich bei den Cardinals in Bern an, wobei ihn das halbjährige Schnuppertraining so begeisterte, dass er weitermachte.
Sowohl Teamsport als auch Duell
Baseball. Ein Sport, bei dem Yuri gleichzeitig denken und handeln muss. Den Ball fliegen sehen, ihn treffen, richtig schlagen und dann: rennen. Aber dennoch den Überblick über den Standort der anderen Mitspielern nicht verlieren. Yuri muss vorausdenken. Und er muss seine Mannschaft kennen, denn, wie er sagt: „Im Fussball kann ein Star den Match entscheiden, im Baseball nur das ganze Team“.
Yuris Position ist normalerweise immer im Aussenfeld, Posten Nummer sieben, acht oder neun. Doch seit einem Jahr trainiert er für den des Pitchers, einer der wichtigsten im ganzen Spiel. Der Pitcher, auf Deutsch auch Werfer genannt, wirft dem Batter – dem Spieler, der schlägt – den Ball zu. Strategisch kann der Pitcher versuchen, den Ball so zu werfen, dass er für den Batter unberechenbar fliegt. Trifft dieser den Ball nicht oder schlecht, riskiert die Mannschaft ein Out. Nach drei Outs wird gewechselt, die Angreifer werden zu Verteidigern und umgekehrt.
Baseball ist einerseits also ein Mannschaftssport, bei dem zwei Teams gegeneinander antreten, jedoch insofern auch ein Individualsport, als das entscheidende Duell zwischen dem Pitcher und dem Batter niemand beeinflussen kann. Um Pitcher zu werden, muss Yuri seine Reaktion noch um einiges steigern und Reflexe üben. Und seine Bizepsmuskeln müssen stärker werden. „Mein rechter Arm wird doppelt so stark sein wie mein linker“, befürchtet Yuri und lacht.
Im Land des Baseballs
Ein halbes Jahr lang besuchte der Nachwuchssportler in Kalifornien eine Highschool. In Übersee, im Geburtsland des Baseballs hat der amerikanische Schlagball eine um 180 Grad andere Bedeutung als in Europa. Es ist ein Volkssport, die traditionellste Sportart im Land. Logisch, kam Yuri nicht drum herum und spielte auch in den Staaten Baseball. Fünf mal Training die Woche, zweieinhalb Stunden pro Tag. Ein höheres Niveau wird dort verlangt. Auf einem höheren Niveau wird auch gespielt.*
„Klar ging ich in Amerika auch die Profis schauen – die Giants sind spitze!“, meint Yuri auf die Frage, von welchem Team er denn Fan sei. Die San Francisco Giants gewannen Anfang November dieses Jahres zum ersten Mal die World Series, das Finale der US Baseballliga. Aufgrund des hohen Niveaus und der internationalen Stellung der amerikanischen Baseballiga gilt der Sieger der Word Series auch als weltbestes Team.
Zurück in Europa
Kaum zurück in Europa ging es für Yuri weiter: Nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause reiste er auf direktem Weg weiter nach Österreich an die U18 Europameisterschaft. Gegen Rumänien gewann Yuris Team, den Heimspielern unterlagen sie. „Wir hätten besser sein können, sind aber zufrieden“, zieht Yuri Bilanz.
Im Unterschied zum Nationalkader wird bei den Bern Cardinals nicht getrennt in den verschiedenen Altersgruppen trainiert. Jung und alt trainieren gemischt, man geht ins Training, wenn man Zeit hat. Gesprochen werden des Baseballs‘ Originalsprachen: Englisch oder ab und zu ein wenig Spanisch. Klingt chaotisch, ist es aber nicht, denn Trainer John Baum hat alles im Griff.
Training zwischen Fussballlinien
Unter der Hand des 36-jährigen Amerikaners Baum wurde die A-Mannschaft der Cardinals binnen sechs Jahren fünf Mal Schweizermeister. Ein Riesenbeitrag an die Sportstadt Bern. Dennoch läuft im hiesigen Baseball nicht alles rund, erzählt Yuri. Der mehrfache Baseball Schweizermeister Cardinal Bern hat einen ausländischen Spitzencoach, jedoch kein eigenes regelkonformes Trainings- und Turnierfeld. Die Finanzen sind ein schwieriges Thema. Sponsoren sind zwar vorhanden, für ein neues, richtiges Feld reicht es jedoch bei Weitem nicht.
Seit der Gründung des Clubs vor 25 Jahren kämpfen die Mitglieder in Bern für einen neuen Spielplatz – bis heute vergeblich. „Wir haben zwar ein provisorisches Spielfeld, aber das teilen wir unter anderen mit dem YB-Nachwuchs“, sagt Yuri. Was für beide Beteiligten nicht sehr förderlich ist, denn im Fussball- und im Baseballspiel irritieren jeweils die Bodenmarkierungen des anderen. „Es ist ein Teufelskreis“, resümiert Yuri: Baseball werde zu wenig gefördert, weil es zu unbekannt sei, eine Randsportart eben. Aber um einen grösseren Bekanntheitsgrad zu erlangen, müsste wiederum mehr in den Sport investiert werden.
*Aluminium vs. Holz
Nach Vorschrift wird in den Highschools ausschliesslich mit Aluminiumschlägern gespielt, denn Holzschläger gehen schneller kaputt und zudem verleihen Aluminiumschläger dem Ball mehr Schwung. Nichtsdestotrotz sind in der amerikanischen Profiliga nur Holzschläger erlaubt, hauptsächlich um Verletzungen vorzubeugen.
Links
- Für Interessierte: Jeder und jede ist eingeladen, an einem Schnuppertraining teilzunehmen.