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Von Michael Sennhauser | 9. August 2016 - 16:30
Der traumhafte Weg ist mehr als nur der Titel dieses Films, er ist sein Programm. Kunstkino vom Härtesten, eine Zumutung, fand hier der eine oder die andere.
Dabei ist gleich darauf hinzuweisen: Die Zumutung, so es denn eine wäre, besteht sicher nicht in mangelnder Konsequenz oder Durchdachtheit. Bei diesem Film ist eine rücksichtslose Intelligenz am Werk, eine Verweigerung des standardisierten Erzählens.
Zu Beginn sitzt ein junges Paar in Griechenland am Rande eines Parkplatzes und macht Musik, das heisst, sie klampft etwas hilflos auf der Gitarre, der junge Mann und sie singen gemeinsam und zweistimmig «The Lion Sleeps Tonight».
Dann tauchen weitere junge Leute auf, die für eine Erneuerung Griechenlands demonstrieren; irgendwann wird klar, dass wir uns in den 1980er Jahren befinden. Mit ein paar Münzen aus dem hingelegten Sammelhut geht der junge Mann an einen Fernsprecher, telefoniert und fällt in Ohnmacht. Ein anwesender Polizist kann ihn gerade noch auffangen.
Seine Mutter habe einen Unfall gehabt, erklärt der Polizist den Schock des Jungen.
Später haben sich die Wege der jungen Liebenden offenbar getrennt, die Frau geht zum Studieren nach Berlin und irgendwann sind wir mit dem Film auch im Berlin von heute, wo sich eine andere Frau, ene Schauspielerin, von ihrem Mann trennen will, trotz der gemeinsamen Tochter.
Der Mann, gespielt von Phil Hayes, den wir in der Schweiz vor allem von seinen absurden Auftritten in «Giaccobbo/Müller» kennen, hat einerseits offenbar ein Fotobuch über reisende Anthropologen um die Jahrhundertwende herausgegeben, in dem die Frau einmal blättert.
Andererseits sieht er gegen Ende des Films aus dem neuen möblierten Appartement, das er gemietet hat, den jungen Mann vom Filmanfang, einen Junkie, der mit seinem Hund an einer U-Bahn-Treppe sitzt.
Angela Schanelec ist Professorin für Film an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Und ihr Film wirkt über seine rund 88 Minuten hinweg, als ob er eigentlich mindestens doppelt so lang hätte sein können. Aber dann hat die Regisseurin auf den grössten Teil der Dialoge verzichtet und fast nur noch die vor oder nach den Sätzen stehenden stummen Blicke und nachdenklichen Gesichter übrig gelassen.
Wie das Prinzip funktionieren könnte, erläutert im Film die Maklerin, welche dem von Phil Hayes gespielten Mann die möblierte Wohnung zeigt. Irgendwann lehnt sie mit träumerischem Blick in einem Türrahmen und sagt: «Eigentlich ist alles drin».
Das gilt durchaus auch für diesen Film. Aber sehen muss man es dann schon selber.
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