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Eine treue kleine
Seele

von Vigdis Wærhaug
Die Katastrophe traf uns in der Nacht vom 17. Oktober 2008, als im Ökonomiegebäude unseres Hofes das Feuer ausbrach und 25 von 33 Pferden umkamen. Wir waren machtlos gegen die Flammen, welche die drei grossen zusammenhängenden Gebäude im Lauf von wenigen Augenblicken verschlangen.
Das Ökonomiegebäude vor dem Brand
Obwohl wir den Brand dank Warnsystem zu einem sehr frühen Zeitpunkt entdeckten, waren die beiden Ställe und die Scheune im Lauf von 4-5 Minuten von den Flammen umspannt. Wir und die Feuerwehr mit 11 Wagen und 40 Mann und 180'000 Liter Löschwasser pro Stunde, waren hilflos gegenüber den enormen Kräften des Feuers.
Bis die Feuerwehr innerhalb weniger Minuten eintraf, gelang es uns, alle Türen und Notausgänge der Ställe, sowie die Boxen der Pferde zu öffnen. Aber Pferde sind schwierig zu evakuieren, sie machten Halt bei den Türen oder weigerten sich, ihre Box zu verlassen, wo sich sie sicher fühlten. Im Grunde sind wir machtlos, wenn der Instinkt über die "Vernunft" siegt.
Ein kleiner Corgi, die elfjährige Bölla (Grey Shadows Bölla Bøh), die ihr ganzes Leben hier verbracht hat und den Stall als ihren und unseren Arbeitsplatz betrachtet, war auch diese Nacht im Dienst. Wie immer folgte sie mir auf den Fersen - doch ich sah sie nicht. Im dichten Rauch und Dunkel folgte sie mir in den Stall und war bei mir, während ich versuchte, 13 Pferde aus dem einen Flügel zu evakuieren. Sie war da in der Dunkelheit und dem Rauch, während ich versuchte, die Pferde dazu zu bringen, den Stall zu verlassen, und gleichzeitig die Flammen mit Hilfe eines losgerissenen Wasserrohrs in Schach zu halten.
Bölla
Ola, mein Mann hatte die Notausgänge geöffnet und trat in der Dunkelheit auf Bölla, während ich immer noch nicht wusste, wo sie war. Ola rannte in den anderen Flügel, wo die Hitze gewaltig war und wo 12 von 15 Pferden dem Feuer zum Opfer fielen.
Die kleine, loyale Bölla lief verzweifelt hin und her versuchte, uns beiden zu folgen. Erst als man uns befahl, die Autos zu entfernen und die Feuerwehr- und Rettungsmannschaft die Verantwortung übernommen hatten, entdeckte ich Bölla. Ich hob sie ins Auto und fuhr ein Stück weg vom Hofplatz. Dort blieb sie eine Weile allein. Später kümmerte sich die Polizei um sie und die beiden anderen Hunde, die sich im Haus befanden, und übergab sie in die Obhut meiner Angestellten.
Wir wurden zur Behandlung ins Krankenhaus geschickt, indem man uns versicherte, dass die Hunde gut aufgehoben waren bei Leuten, die sie kannten.
In den Tagen nach dem Unglück hatte Bölla dauernd Angst, dass sie uns wieder verlieren würde. Darum erhielt sie eine Vorzugsbehandlung, sie durfte bei uns im Schlafzimmer übernachten (was wir sonst nicht erlauben) und uns überall hin begleiten. Jetzt hat sie sich wieder beruhigt und ist, soweit möglich, zu ihrem früheren Leben zurückgekehrt. Aber sie beharrt auf gewisse Vorteile, die sie sich in den ersten Wochen nach dem Brand erarbeitet hatte. Sie hat ja auch ihre Sorgen - ihr Arbeitsplatz ist weg. Alle die Leute, die jeden Tag kamen und ihr Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten schenkten, kommen nicht mehr. Ihr Alltag ist vollständig auf den Kopf gestellt, genau wie unserer. Die junge Devine, die auch mit der Arbeit im Stall begonnen hatte, sucht ebenfalls nach ihrem Arbeitsplatz.
Und sie suchen immer noch ….
Bölla (links) und Devine
Heute, anderthalb Monate nach dem Brand hat Bölla einen flotten blauen "Fäustling" über der einen Pfote und ist wieder für gesund erklärt. Eine Kralle hatte sich losgerissen, als sie im Stall herumlief. Die Verfärbung und Fehlstellung der Kralle zeigte sich erst nach einigen Tagen, aber ohne dass sie hinkte. Die Kralle musste entfernt werden und nach viel Medizin, häufigen Verbandwechseln und Tierarztkontrollen, scheint alles wieder gut zu werden.
Es war eine schwere Zeit, aber wir haben unglaublich viel Unterstützung und Sympathie erhalten, die uns helfen, in einem Alltag weiter zu kommen, der sich von einem Augenblick auf den anderen völlig verändert hat. Aus Nah und Fern erreichen uns Grüsse von bekannten und unbekannten Personen. Immer noch werden Kerzen beim Hof angezündet und Blumen niedergelegt. Eine unfassbar grosse Zahl Menschen hat ihr Mitgefühl gezeigt. Das hat uns sehr geholfen und wir sind sehr dankbar.
Das Dressurpferd Anne B befand sich im "kleinen Stall", der vom Feuer verschont blieb.
Junior Express, ein englisches Vollblutpferd, entkam aus dem brennenden Stall und rannte davon, bis es von einem Feuerwehrmann eingefangen wurde. 15 cm seiner Mähne waren vom Feuer versengt und es hatte etliche Beulen am Kopf. Seine Besitzerin Linda Andersen glaubte zuerst, ihr Pferd sei umgekommen. (Foto: Eivind Griffith Brænde)
Udo, eines der wenigen Pferde, die gerettet werden konnten. Er war schlimm verbrannt, steht nun aber wieder in seinem neuen Stall.
Jetzt blicken wir nach vorne. Die Ställe sollen wieder aufgebaut werden und es liegt viel Arbeit und Planung vor uns. Wir freuen uns darauf, unsere Pensionäre wieder empfangen zu können, einige mit Pferden, die überlebt haben, andere mit ihrem neuen Pferd. Wir hoffen, dass bald wieder Licht aus den Stallfenstern scheint, dass Pferde und Leute, Geräusche und Gerüche, die wir jetzt vermissen, wieder kommen.
Aber noch ist alles unfassbar dunkel und still. Nur drei arbeitslose Corgis, vier verängstigte "obdachlose" Katzen und wir sind noch da. Aber glücklicherweise kriegen wir oft Besuch.
Aus der Weihnachtsnummer der norwegischen Corgipost (4/2008 ) mit freundlicher Genehmigung.
Übersetzung: ANo
Dezember 2009
Es wird noch etwas dauern, bis Bölla ihre Arbeit im Stall wieder aufnehmen kann, denn mit dem Wiederaufbau der Ställe wurde erst Anfang November dieses Jahres begonnen. Inzwischen hat sie ihren 12. Geburtstag gefeiert und ist mit der Erziehung von Siggen's Jozze Fin-Fin, einem 4 Monate alten Welpen beschäftigt.
Dezember 2010
Endlich sind das Ökonomiegebäude und die Ställe wieder aufgebaut und Bölla lebte sichtlich auf, als die Pferde und die ihr bekannten Besitzer im Sommer zurückkehrten.
Die genaue Ursache für den Brand konnte auf Grund der extrem hohen Temperaturen nie festgestellt werden.