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erlosch daher der Zweig Modena-Este des österreichischen Kaiserhauses.
Vgl. Bayard de Volo, Vita di Francesco V, duca di Modena (Modena 1878-86, 4 Bde.).
[Österreich.]
9) Franz Karl, Erzherzog von Österreich, Vater des jetzt regierenden Kaisers, geb. als zweiter Sohn Kaiser Franz' II. und Maria Theresias, Tochter der Königin Karoline von Neapel, [* 2] an Harmlosigkeit, Güte und Wohlthätigkeit seinem ältern Bruder, Kaiser Ferdinand I., verwandt, aber ebensowenig wie dieser den Staatsgeschäften gewachsen. Am vermählte er sich mit Prinzessin Friederike Dorothea Sophie, Tochter des Königs Joseph Maximilian von Bayern, [* 3] einer Frau, die ihn an Geist, Willenskraft und Ehrgeiz weit überragte. Jedenfalls übte sie wie auf die Thronentsagung Kaiser Ferdinands I. (Dezember 1848), so auch auf die ihres Gatten, als nächstberufenen Thronfolgers, zu gunsten ihres Erstgebornen, Franz Joseph, den maßgebenden Einfluß. Franz überlebte seine Gattin (gest. 1872) und blieb bei den Armen sowie bei vielen Vereinen, deren Protektor und Förderer er war (so z. B. des Niederösterreichischen Gewerbevereins, des Vereins für Geschichte und Landeskunde Österreichs ob der Enns, dessen Museum seinen Namen: Francisco-Carolinum führt), in gutem Andenken. Er starb in Wien. [* 4]
10) Franz Joseph I. Karl, Kaiser von Österreich [* 5] geb. ältester Sohn des vorigen und der Prinzessin Sophie von Bayern, wurde unter der Aufsicht seiner Mutter und des ultramontan gesinnten Grafen Heinrich Bombelles erzogen. Diese Erziehung mußte in Franz J. von früh an eine möglichst unbedingte Hingebung an die Interessen der römisch-katholischen Kirche im Sinn der Jesuiten begründen und befestigen. Zwar wurden die nicht geringen Verstandesanlagen, namentlich die Empfänglichkeit für Sprachen, durch vortreffliche Lehrer (Lichtenfels, Hauslab, Rauscher u. a.) gepflegt und entwickelt; aber die Selbständigkeit des Charakters und Urteils blieb zuviel den Erfahrungen und Stürmen des Lebens als kostspieligster Schule überlassen. Im Oktober 1847 erschien er zum erstenmal als Stellvertreter Kaiser Ferdinands in Preßburg [* 6] bei der Installation des Erzherzogs Stephan als Palatin und gefiel den Magyaren in seiner ganzen Erscheinung ausnehmend. Im April 1848 sollte er zum Statthalter in Böhmen [* 7] ernannt werden, doch kam man davon ab, und er machte darauf den Krieg in Italien [* 8] mit.
Die Wendung der politischen Verhältnisse rief ihn unvermuteterweise auf den Thron. [* 9] Um namentlich den Magyaren gegenüber durch frühere Zusagen des regierenden, den schwierigen Verhältnissen nicht gewachsenen Kaisers Ferdinand nicht gebunden zu sein, ward der junge Erzherzog im Hoflager zu Olmütz [* 10] für volljährig erklärt, worauf 2. Dez. Kaiser Ferdinand abdizierte und sein Bruder, Erzherzog Franz Karl, Verzicht auf die Succession leistete, in die nun dessen Sohn als Kaiser und als König von Ungarn [* 11] und Böhmen eintrat.
Die ersten Jahre der Regierung hatten eine Reihe von Erfolgen aufzuweisen. Franz J. begab sich (Mai 1849) selbst nach Ungarn und wirkte persönlich mit bei der Erstürmung von Raab [* 12] (28. Juni). Nachdem durch Besiegung der Ungarn und Sardiniens der Bestand des österreichischen Staats wieder gesichert war, wurde der Bundestag wiederhergestellt und durch die Exekution in Hessen [* 13] und Holstein der Einfluß der unheilvollen österreichischen Politik in Deutschland [* 14] neu begründet, nachdem Franz J. selbst in Bregenz [* 15] (Oktober 1850) mit den Königen von Bayern und Württemberg [* 16] eine Zusammenkunft gehabt hatte, bei welcher eine entschieden antipreußische Politik vereinbart wurde. Durch den Vertrag von Olmütz (November 1850) gewann Österreich einen vollständigen Sieg über die haltlose und schwache preußische Politik. Im Innern ward die Zentralisation der Monarchie als Hauptzweck verfolgt; die alten Landesverfassungen wurden aufgehoben, die Reichsverfassung abgeschafft und (Januar 1852) die absolute Monarchie der Form nach wiederhergestellt.
Franz Josephs selbständiges Wirken begann erst mit dem Tode des Fürsten Felix Schwarzenberg (April 1852). An Stelle Schwarzenbergs wurde der unbedeutende Graf Buol berufen, während für die innern Verhältnisse Bach den größten Einfluß bekam. Um die Verhältnisse des Reichs genauer kennen zu lernen, machte Franz J. in den folgenden Jahren Reisen in die verschiedenen Provinzen des Reichs. Sehr verhängnisvoll für Österreich war aber das 1855 mit dem Papst abgeschlossene Konkordat und die Haltung Österreichs während des Krimkriegs, wodurch der Grund zu einer langjährigen Feindschaft mit dem alten Alliierten, Rußland, gelegt wurde.
Einen Besuch der italienischen Provinzen (1857) bezeichnete der Erlaß einer allgemeinen Amnestie für politische Vergehen. Dieses scheinbar erfolgreiche Regierungssystem, welches in Wahrheit höchst kurzsichtig war und den Forderungen der Zeit nicht entsprach, brach zusammen im J. 1859, in welchem Österreich militärisch und politisch Bankrott machte. Franz J. eilte bei dem unglücklichen Gang des [* 17] italienischen Kriegs persönlich nach Italien, um die Kriegsoperationen zu leiten, versuchte aber umsonst, Einheit und Energie in die Leitung zu bringen, und schloß daher, um Preußen [* 18] nicht die Leitung der deutschen Angelegenheiten zu überlassen, den Frieden von Villafranca ab, der ihn die Lombardei kostete. Im Innern sollten Reformen eine Wiedergeburt Österreichs bewirken.
Buol, Bach und Grünne wurden entlassen und Schmerling berufen. Allein da Franz J. trotz der beginnenden Überzeugung von der Unhaltbarkeit des alten Systems doch mit demselben nicht ganz brechen wollte und für die liberale Richtung keine wirklichen Sympathien hatte, so begann zunächst eine veränderliche, haltlose Politik des Experimentierens. Dabei führte das »Oktoberdiplom« vom welches den einzelnen Ländern besondere Landtage gab, ebensowenig zum Ziel wie die von Schmerling gegebene zentralistische Verfassung.
Auch der zur Befestigung des österreichischen Einflusses in Deutschland in Szene gesetzte Frankfurter Fürstentag (August 1863), bei welchem Franz J. persönlich die Verhandlungen leitete, verlief ohne ein Resultat für die Reform der deutschen Bundesverfassung. Infolge davon wurde Schmerling entlassen und Belcredi berufen, und aufs neue wurde die Politik von einer Reaktion in föderalistischer Richtung beherrscht, welche im Innern die materielle und geistige Entwickelung lähmte, nach außen aber zum Ausbruch eines Konflikts über die deutsche Frage drängte. So führten die schleswig-holsteinischen Verwickelungen, bei welchen Franz J. anfangs mit Preußen zusammenging, zuletzt in Verbindung mit der Bundesreformfrage zu dem Krieg von 1866, durch welchen Österreich seine Machtstellung in Deutschland und Venetien verlor. Dagegen wurde im Innern durch den vom Reichskanzler Beust bewerkstelligten Ausgleich mit Ungarn der Friede leidlich hergestellt, freilich auf Kosten der Reichseinheit; infolge dieses Ausgleichs wurde Franz J. in Ofen feierlich zum König von Ungarn gekrönt. Die Zusammenkünfte Franz Josephs und Napoleons III. zu Salzburg [* 19] ¶
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und zu Paris [* 21] bei der Weltausstellung im Oktober d. J. hatten keine thatsächlichen Folgen. Dagegen geschah nach dem Krieg während der Jahre 1867-70 im Innern manches im Geist liberalen Fortschritts auf dem materiellen und geistigen Gebiet. Die Neigung des Kaisers, den einzelnen Nationalitäten, besonders den Tschechen, weitgehende Konzessionen zu machen, wurde sehr gedämpft durch die Konsequenzen, welche die Politik des Kabinetts Hohenwart 1871 mit sich brachte; ebenso sah sich Franz J. mehr u. mehr veranlaßt, den Übergriffen des Klerus und der Feudalpartei ein Ziel zu setzen: ersteres geschah durch Aufhebung des Konkordats und durch die Kirchengesetze vom April 1874, letzteres durch Berufung des verfassungstreuen Ministeriums Auersperg (November 1871). Nach außen machte die antipreußische Politik, welche noch Beust verfolgt hatte, einer deutschfreundlichen Haltung unter der Leitung des Grafen Andrássy Platz, und die Zusammenkunft Franz Josephs mit den Kaisern von Deutschland und Rußland zu Berlin [* 22] im September 1872 besiegelte die neue Wendung der österreichischen Politik.
Gestützt auf das Deutsche Reich, [* 23] vermied Franz J. 1877 eine Einmischung in den russisch-türkischen Krieg und besetzte 1878 Bosnien. [* 24] Hierauf ward 1879 ein förmliches Bündnis mit Deutschland abgeschlossen. Im Innern befolgte Franz J. seit derselben Zeit wieder eine Versöhnungspolitik, welche zwar den Beifall der Slawen hatte, die Deutschen aber empfindlich traf. Franz J. hat während seiner wechselvollen, von den schwierigsten Krisen erfüllten Regierung das Bestreben bewiesen, nach eignem Urteil und mit möglichster Berücksichtigung der verschiedenartigen Interessen seiner Länder die Regierung zu führen.
Sein Regierungsjubiläum ist 1873 mit allseitigen freudigen Kundgebungen von seiten der Bevölkerung [* 25] begangen werden. Seine Residenz ist, seit Ungarn eine so bedeutende Rolle im Reich spielt, einen Teil des Jahrs in Ofen und im Schloß von Gödöllö, sonst regelmäßig in der kaiserlichen Burg zu Wien und den Schlössern Schönbrunn und Laxenburg bei Wien. Franz J. ist seit mit der Prinzessin Elisabeth, der Tochter des Herzogs Maximilian in Bayern, vermählt. Kinder dieser Ehe sind: Gisela, geb. (seit vermählt mit dem Prinzen Leopold von Bayern, dem Sohn des Prinzen Luitpold);
Kronprinz Rudolf (s. d.), geb.
Valerie, geb.
Vgl. Emmer, Kaiser Franz J. (Teschen 1880).
[Sachsen.]
11) Franz Albert, Prinz von Sachsen-Lauenburg, geb. trat, nachdem er im Heer der Liga unter Tilly, 1625-29 im kaiserlichen Heer Wallensteins gedient, 1630 in schwedische Kriegsdienste und focht 1632 in der Schlacht bei Lützen, [* 26] wo er fälschlich in Verdacht geriet, den König Gustav Adolf, an dessen Seite er sich befand, verräterisch erschossen zu haben. Nachdem er hierauf in sächsische Dienste [* 27] getreten, ward er im Februar 1634 von Wallenstein in geheimen Unterhandlungen an den Herzog Bernhard von Weimar [* 28] nach Regensburg [* 29] gesandt, geriet jedoch auf dem Rückweg in die Hände der Kaiserlichen, die ihn nach Wien brachten, wo er samt seinem Bruder, dem kaiserlichen Obersten Heinrich Julius, längere Zeit in Haft blieb (bis August 1635). 1637-40 war er vorzugsweise in Händel mit dem Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin verwickelt und vermählte sich 1640 mit der Tochter des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg-Güstrow. 1641 trat er an Stelle Arnims an die Spitze des kaiserlichen Korps in der Oberlausitz. 1642 kommandierte er ein Korps unter dem Erzherzog Leopold in Schlesien, [* 30] wo er bei einem Versuch, Schweidnitz [* 31] zu entsetzen, durch Torstensson geschlagen, schwer verwundet und gefangen wurde. Er starb in Schweidnitz an seinen Wunden.
[Sizilien.]
12) Franz I. Januarius Joseph, König beider Sizilien, Sohn Ferdinands I. (IV.) und der Erzherzogin Karoline von Österreich, geb. ward nach dem Tod seines ältern Bruders, Karl Titus, 1778 präsumtiver Thronerbe und vermählte sich 1797 mit Klementine, Tochter Kaiser Leopolds II. (aus welcher Ehe die Herzogin von Berri entsprossen ist), und nach deren Tod 1802 mit Isabella, Tochter des Königs Karl IV. von Spanien, [* 32] die ihm zwölf Kinder (worunter Ferdinand II., König beider Sizilien, [* 33] die Königin Christine von Spanien und die Herzogin von Modena) gebar.
Von den Geschäften hielt ihn die Eifersucht seiner Mutter lange entfernt, was besonders der Grund davon gewesen sein mag, daß er sich, im Gegensatz zu jener, zu den konstitutionellen Ideen bekannte. Nachdem durch englischen Einfluß bewirkt worden war, daß Ferdinand I. Franz zum Reichsverweser von Sizilien ernannte, gab er mit Hilfe des englischen Admirals Bentinck den Sizilianern eine neue Verfassung und setzte ein Parlament ein, das freilich von Ferdinand I. nach Wiederantritt der Regierung wieder aufgelöst wurde.
Als die Unruhen in Sizilien, zum Teil durch die Übersiedelung der Regierung nach Neapel, zum Teil aber auch durch reaktionäre Regierungsmaßregeln veranlaßt, den König zu versöhnlichen Maßregeln zwangen, ernannte er Franz, der kurz vorher den Titel eines Herzogs von Kalabrien erhalten hatte, 1816 zum Gouverneur von Sizilien, in welcher Stellung derselbe durch scheinbaren Liberalismus die Sympathien des Volkes gewann, wie er denn auch nach seiner Abberufung in Neapel als Haupt des übrigens für reaktionäre Zwecke bearbeiteten Pöbels eine Rolle spielte.
Nach Ausbruch der Revolution 1820 übergab ihm der König Ferdinand abermals die Regierung. Franz beschwor die Konstitution der spanischen Cortes von 1812, berief ein Parlament und ein neues Ministerium und stellte die Preßfreiheit her. Jedoch infolge der österreichischen Intervention legte er die Regierung wieder nieder und lebte in Zurückgezogenheit, bis ihn der Tod seines Vaters auf den Thron rief. Die liberalen Ideen, die der Kronprinz vertreten, wurden von dem König gänzlich vergessen, der sich durchaus der reaktionären Politik Österreichs anschloß.
Zwar erklärte er 1828, seine Regierung durch eine vollständige Restauration im Geiste der neuen Zivilisation verewigen zu wollen, doch blieb es bei einigen Vorbereitungen; die innern Zustände wurden immer trauriger, da Franz die Verwaltung den ungebildetsten Menschen überließ und durch ein arglistiges Spionier- und Denunziationssystem jede geistige Bewegung unterdrückte. Nach einer Reise nach Spanien, wohin er seine Tochter Marie Christine zur Vermählung mit Ferdinand VII. brachte, und nach Paris starb Franz Ihm folgte sein Sohn Ferdinand II.
13) Franz II. Maria Leopold, Exkönig von Neapel, geb. der einzige Sohn aus der ersten Ehe des Königs Ferdinand II. mit der Prinzessin Christiane von Savoyen, ward seinen der zweiten Ehe seines Vaters mit der Erzherzogin Therese entsprungenen Halbbrüdern wegen seiner geringen Geistesanlagen vielfach nachgesetzt. Jesuiten zur Erziehung übergeben, vernahm er nur die Lehren [* 34] des Absolutismus und blieb auch herangewachsen und zum Staatsrat ernannt allen Staatsgeschäften fern. ¶