Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03484.jsonl.gz/1226

Hergestellt von National Panasonic, Osaka.
In der Mitte der Siebzigerjahre konterte Matsushita - Panasonic auf die Sony- und Grundig-Weltempfänger und lancierte eine Reihe von Weltempfängern, die eher im unteren Preissegment angesiedelt, einen unproblematischen Einstieg in den Kurzwellenempfang erlaubten.
Teils wurde das Innenleben dieser Empfängern wohl auch in No-Name-Geräten aus dem Matsushita-Konzern verbaut, der Sanwa / Miramo 6090 erinnert mit den technischen Eigenschaften, der Ausführung der Schaltelemente verdächtig den Panasonic - Geräten, eine ähnliche Anordnung meine ich auch bei den Pan Crusadern und ähnlichen unter anderen Flaggen segelnden Geräten zu erkennen.
Der DR-22 / RF-2200 ist mit 32 x 19,5 (mit drehbarer Ferritantenne 22,5) x 10 cm (b x h x t) ein hochformatiger Kofferempfänger mit den Bedienlementen an der Frontseite. Der Doppelsuper verfügt über einen Eichmarkengeber und eine horizontale Grob- Filmskala sowie eine runde lineare Kreisskala zur Frequenzablesung.
Mit einem Gewicht von 3,2 kg war der Kofferempfänger zu seiner Zeit vergleichsweise leicht, an der Oberseite konnte ein Trageriemen angebracht werden, daneben findet sich an der Geräteoberseite eine drehbare Ferrit - Mittelwellenantenne, ein grosser Komfortvorteil, imdem das Gerät zum Mittelwellenempfang nicht gedreht werden muss, ähnliches fand sich in den Siebzigern bei anderen Empfängern aus Japan.
Der linke Anteil der Frontplatte wird vom Lautsprechergrill dominiert, zuoberst liegen in einer Reihe der Hauptschalter und die Schalter für die abschaltbare Skalenbeleuchtung und den BFO.
Im rechten Teil der Frontplatte liegen das Anzeigeelemente, links das recht grosszügig Ausschlagende aber als in S-Stufen geeichtes Analoginstrument ausgeführte S-Meter, daneben in der Mitte die vertikal hinter der Linienmarkierung laufende Filmskala mit den Grobskalen für UKW, die Kurzwellenbereich und MW, ein roter Punkt im Sichtfenster markiert je nach Stellung des Bandschalters die entprechende Skala. Unter der Grobskala liegt die umlaufende Kreisskala mit der 0 - 1000 unterteilten Analogskala, welche mit dem Eichmarkengeber geeicht werden kann und so eine Frequenzablesung auf unter 10 kHz erlaubt. Der Abstimknopf ist mit einer Fingermulde ausgestattet, ein Umschalter links darunter schaltet zwischen der schnellen und langsamen Abstimmgeschwindigkeit Panasonic-typisch um.
Links unter dem S-Meter findet sich die Schalterleiste mit Schaltern für das breite und schmale AM-ZF-Filter, im UKW-Betrieb wird die AFC geschaltet, daneben die Schalter für die 125 und 500 kHz Signale des Eichmarkengebers. Daruter finden sich die Drehregler für Lautstärke und die getrennten Höhen- und Bassregler.
Rechts vom Abstimmknopf liegen übereinander der Kurzwellen - Bereichsschalter, die UKW - KW - AM - Umschaltung und der RF-Gain-Regler für die HF-Verstärkung.
An der linken Geräteschmalseite finden sich Klinkenbuchsen zum Ohrhörer- und Cassettenrecorderanschluss, auf der Rückseite der Europaversion DR-22 der zwischen 110 und 220 V umschaltbare Netzspannungsanschluss und zwei Schraubklemmen zum Anschluss von Aussenantenne und Erdleitung. Meines Wissens ist die Ferritantenne nicht abschaltbar, erlaubt aber durch die drehbare Position das Einpeilen auf Mittelwellenstationen resp. das Ausblenden von störenden Stationen, wenn die Ferritantenne in den 90°-Winkel zur Richtung des einfallenden Signals gedreht wird.
Der Suchempfang mit dem DR-22 /RF-2200 ist unproblematisch: das Gerät wird mit ausgezogener Teleskopantenne bei voll aufgedrehtem RF-Gainregler auf ein mittellautes Rauschen eingestellt. Mit dem Bandschalter wird das MW oder UKW-Band gewählt, in Stellung KW markiert eine rote Marke unterhalb der Grob-Filmskala das gewählte Kurzwellenband. Beim Durchdrehen werden die Kurzwellensender kurz hörbar, zum langsamen Suchempfang hat der Panasonic eine schaltbare Untersetzung, die die Abstimmgeschwindigkeit des Hauptabstimmknopfes herabsetzt, ein separater Clarifier zur Feinabstimmung ist nicht vorgesehen.
Etwas komplexer wird das Unterfangen, wenn eine Station mit einer bekannten Frequenz eingestellt werden soll. Hier muss man die Filmskala mit Hilfe eines Eichmarkengebers eichen und dann mit der linearen kHz-Feinskala an die korrekte Frequenz „heranarbeiten“:
Der interne Eichmarkengeber produziert alle 500 kHz ein Quarzsignal. Zunächst wird der nächste unterhalb der gewünschten Empfangsfrequenz liegende 500 kHz-Eichpunkt (also zum Empfang der BBC auf 6195 kHz die Marke 6000 kHz, zum Empfang von 11805 kHz die Marke 11.500 kHz) angesteuert. Mit gedrücktem 500-kHz-Marker Schalter sollte in der Region ein kräftiges Pfeifsignal hörbar werden, mit der Hauptabstimmung wird nun auf „zero beat“ abgestimmt, das heisst langsam gedreht, bis der Pfeifton immmer tiefer wird und dann ganz verschwindet. Der Zeiger des S-Meters muss sich dabei an den linken Anschlag bewegen. Die Feintriebskala bleibt bei diesem Manöver auf 000 stehen.
Nach Abschalten des Eichmarkengebers bewegt sich die Skala wieder und kann auf 195 kHz eingestellt werden - et voilà: die BBC sollte auf 6195 kHz hörbar werden. Mit dem Schalter 125 kHz - Marker können Eichmarken zur Kontrolle der Skalenlinearität alle 125 kHz geschaltet werden, der Empfänger ist dabei stummgeschaltet. Zum Empfang von CW (A1)-Signalen und von SSB-Aussendungen ist ein BFO vorgesehen. Bei Einschalten wird ein Pfeifen hörbar, mit dem Abstimmknopf auf „slow“ kann bei CW-Signalen auf optimale Tonhöhe der Morseaussendung eingestellt werden, bei SSB-Aussendungen muss die Tonhöhe variiert werden, bis die Stimme des Sprechers einigermassen natürlich tönt, ECSS-Empfang (d.h. der Empfang eines Seitenbands einer normalen AM-Rundfunkausstrahlung) ist mit Mühe möglich, bringt bei diesem Empfänger aber in der Regel keine weitere Empfangsverbesserung - der BFO zum Einseitenband- Empfang bleibt eine Notlösung. Bei Nachbarkanalstörungen kann der Bandbreitenschalter auf schmal gestellt werden, wobei beide ZF-Filter nicht - zeitgemäss - zu den schmalsten gehören.
Der Empfänger arbeitet als Doppelsuper, das Signal von Teleskop- oder MW-Ferritantenne wird verstärkt, in einem ersten Mixer auf die erste ZF umgesetzt und nochmals verstärkt. In einem zweiten Mixer erfolgt die Umsetzung auf die zweite ZF, hier werden die Bandbreitenfilter geschaltet, die S-Meterspannung abgegriffen und das Signal an den AM-Demodulator resp. den BFO/SSB-Demodulator weitergegeben. Der Eichmarkengeber arbeitet mit einem 4 MHz-Quarz und 1/4 resp. 1/8-Teilern.
Im FM-Bereich arbeitet der DR-22 / RF-2200 als Einfachsuper.
Empfangsmässig spiegelt das Gerät die Technik in der Mitte der siebziger Jahre wider: der Empfang auf Mittelwelle gut, auf UKW für mitteleuropäische Verhältnisse ungenügende Nachbarkanaltrennung, die US-Amerikaner sind diesbezüglich bei weniger dichtem UKW-Netz grosszügiger in der Bewertung. Auf Kurzwelle erlaubte das Konzept mit dem eingebauten Eichmarkengeber und der eichbaren kHz-Skala eine recht gut Wiederkehrgenauigkeit und somit das Auffinden einer Station, was bei den deutschen Empfängerkonzepten in jenen Jahren (für jedes Kurzwellenband eine Skala auf dem Trommeltuner, ein breiter Skalenzeiger und nur weit auseinanderliegende Grobmarken) meist grosse Schwierigkeiten bedeutete.
Das Gerät ist halbleiterbestückt.