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Jerusalem – Die Augen von Nasim Awadallah strahlen auf, als er beginnt, über die Fussballmannschaft zu erzählen, die er aufgebaut hat und nun in seinem kleinen Dorf Ein Nekuba ausserhalb von Jerusalem trainiert. Mit Begeisterung berichtet er, dass er jeden Morgen im Sportunterricht der örtlichen Grundschule mithilft und später die besten Schüler mit zum Fussballtraining nimmt.
„Als ich jung war, kam jemand ins Dorf und brachte mir das Fussballspielen bei und jetzt will ich es anderen beibringen“, sagt der 19-jährige Volontär und ergänzt: „wenn ich die Kinder jeden Morgen sehe, weiss ich, dass ich ihnen wirklich helfe“.
Awadalla, dessen Freiwilligendienst durch ein von der Regierung gefördertes Zivildienstprogramm organisiert ist, gehört zu der stetig wachsenden Zahl junger arabischer Israelis, die der Gesellschaft etwas zurückgeben möchten, besonders durch diese Initiative. Doch das Programm – weil es mehrheitlich als Alternative zum Militärdienst verstanden wird – bedeutet auch ein komplexes Dilemma für die 1.5 Millionen Araber Israels, die sich oftmals von der Regierung und der israelischen Mehrheitsgesellschaft diskriminiert fühlen.
„Ich verstehe, warum Araber glauben, dass es etwas Schlechtes ist, der Armee beizutreten, aber ich kann nicht verstehen, warum Freiwilligenarbeit in der Gemeinde falsch sein soll“, sagt Awadallah, räumt aber gleichzeitig ein, dass bestimmte Dienste von Arabern als Verbindung zum Spannungsgebiet des israelisch-palästinensischen Konflikts gesehen werden könnten und würde dagegen sein, das in irgendeiner Weise zu unterstützen.
Die Frage, ob arabischer Bürger Israels freiwillig den nationalen Zivildienst leisten sollten, war schon immer Quelle für Debatten unter arabischen Israelis. Die israelische Regierung hat jüngst damit begonnen, die allgemeinen Einberufungsgesetze zu überdenken. Doch während die Regierung weiter an einem politischen Entwurf zu diesem sensiblen Thema arbeitet, hat das Higher Arab Monitoring Committee (Höchstes Arabisches Beobachtungskomitee) – die Vertretung der arabischen politischen Führung in Israel – wiederholt seine Ablehnung einer arabischen Partizipation am nationalen Zivildienst wegen seiner Verbindung zum Militärdienst bestätigt.
Einige Gemeindevorsteher ändern jedoch ihre Sichtweise. Anfang Juni bekundete der Rat der arabischen Bürgermeister, der die meisten arabischen Städte und Dörfer in Israel vertritt, dass die Erarbeitung neuer Richtlinien nach denen junge arabische Bürger durch die örtlichen Behörden die Möglichkeit haben, Freiwilligendienst zu leisten, den Weg für Araber ebnen könnte, freiwillig Zivildienst zu leisten.
Ausserdem besagt eine neuste Studie der Universität Haifa zur Einstellung von Arabern in Israel zum Zivildienst, dass sich die Anzahl junger arabischer Freiwilliger im nationalen Dienstprogramm in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt hat.
Es ist zwar ermutigend, dass heute 2.399 Araber am Zivildienst teilnehmen, doch bleibt die Frage weiterhin im Raum, was notwendig ist, um die negative Sichtweise der Gemeinde auf das Programm zu verbessern.
Durch ihre Arbeit in örtlichen Schulen, Hilfeleistungen für ältere Bewohner und ihren Dienst in Gesundheitszentren der Gemeinden sammeln Volontäre wertvolle Erfahrungen. Als Gegenleistung erhalten sie einen monatlichen Bezug, Fahrtkostenzuschuss und bei Abschluss ihres Dienstes ein zweckgebundene Finanzhilfe für Studiengebühren oder einen Hauskauf.
Dr. As’ad Ghanem, Dozent für Politikwissenschaften an der Universität Haifa sagt, dass die Wichtigkeit der Bürgerbeteiligung betont und dass arabischen Führern mehr Kontrolle in der Verwaltung des Projekts übertragen werden muss, die direkt die arabischen Volontäre betrifft, will man, dass der Zivildienst von Arabern angenommen wird.
Erst kürzlich sprach Ghamen in einem bekannten Radiosender über das Programm und achtete darauf, es Zivil- oder Gemeindedienst zu nennen – im Gegensatz zum Nationaldienst, wie es von jüdischen Israelis genannt wird. Auch müsse der Prozess, der das Programm zum Laufen bringt, überarbeitet werden.
Der Bürgermeister von Nazareth Ramez Jeraysso griff diesen Punkt auf und sagte kürzlich, dass die Bürgermeister der arabischen Städte bereit wären, das bestehende Freiwilligenprogramm in der arabischen Gemeinde auszuweiten, solange eine Zusammenarbeit im vollen Umfang mit den örtlichen Behörden stattfände und die Projekte nicht in Verbindung zum Militär stünden.
Dem stimmt Ghamen zu. Die Chancen, dass die Gemeinden direkt von dem Freiwilligendienst profitieren, stehen weitaus höher, wenn den örtlichen Behörden eine bedeutende Verantwortung für den Freiwilligendienst arabischer Bürger übertragen würde, so Ghamen.
In einem Staat, der ihre Gegenwart nicht immer begrüsst, überrascht es nicht, dass einige arabische Bürger sich vor dem Beitritt zu einem Dienst vorsehen, der als Akt nationaler Treuepflicht gestaltet ist. Die Lösung könnte in einer Unterscheidung zwischen nationaler Treue und Bürgerbeteiligung liegen.
Das Programm umzugestalten, indem man das Augenmerk auf die Bürgerbeteiligung legt, könnte einen Sinn für gemeinsame Bürgerverantwortung aller Bürger Israels fördern, und im Gegenzug das Verhältnis zwischen der jüdischen und arabischen Gemeinde verbessern.
Originalversion: Young Israeli Arabs volunteering for civilian service, despite criticism by Ruth Eglash, Common Ground News Service (CGNews), 26 June 2012. Deutsche Übersetzung © Audiatur-Online.