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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

3. Buch
4. Varros Meinung über den Vorteil, den es biete, wenn sich Menschen der Wahrheit zuwider für Göttersöhne ausgeben.
Ja glaubst du denn so etwas? hält man mir entgegen. Nein, ich glaube es nicht. Gesteht ja auch Varro, einer ihrer gelehrtesten Männer, wenn auch nicht mit rückhaltloser Entschiedenheit, doch halb und halb die Unrichtigkeit solcher Annahmen zu. Aber er meint, es sei für die Staaten ersprießlich, wenn sich tapfere Männer, ob auch irrigerweise, für Göttersöhne hielten, damit so der menschliche Geist, im Vertrauen auf seine vermeintlich göttliche Abkunft, sich kühner an große Unternehmungen heranwage, sie energischer betreibe und so gerade durch die Zuversichtlichkeit glücklich durchführe. Es ist begreiflich, daß diese Ansicht Varros, die ich so gut wie möglich mit meinen eigenen Worten wiedergegeben habe, der Unwahrheit Tür und Tor öffnet, und leicht verstehen wir, daß sich da, „wo man sogar Lügen über die Götter selbst als vorteilhaft für die Bürger erachtete, ein weites Feld für mythologische Erdichtungen auftat.