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Labiliwas?
Hochdruck am Boden und ein Kaltlufttropfen in der Höhe sorgten heute mit labiler Schichtung für Tagesgangwetter mit Quellwolken und gegen Westen hin Schauer und einzelne Gewitter. Was eine labile Schichtung ist, lesen Sie in diesem Blog.
Hohe Nachtminima
Die Nacht zu heute war im Urner Reusstal und im oberen St. Galler Rheintal mit rund 14 Grad ausgesprochen mild. In Altdorf blies seit gestern Mittag bis heute Nachmittag durchgehend Föhn mit Böen von maximal 51.1 km/h. Auch Vaduz befand sich die ganze Nacht über, trotz schwächerem Föhn (Böenspitze 33.8 km/h) in der warmen Föhnluft.
Labilität
In einer labil geschichteten (instabilen) Atmosphäre ist ein aufsteigendes Luftpaket wärmer als die Umgebungsluft und steigt weiter auf. Betrachten wir das für heute Nachmittag anhand der Radiosondierung von Payerne: In blau ist die Temperatur der jeweiligen Höhe angegeben, in rot der Taupunkt (ein Feuchtemass). Die Temperatur wird auf den durchgezogenen grauen Linien (45° zur Achse) abgelesen.
Ein Luftpaket steigt ausgehend vom Boden zuerst trockenadiabatisch (das heisst, dass keine Kondensation oder Verdunstung stattfindet) auf. Dies bedeutet, dass die Temperatur des Luftpakets rund 1 Grad pro 100 Meter (grüne Linie) abnimmt. Ab einer gewissen Höhe (in der Fachsprache „Lifting Condensation Level“ LCL oder Hebungskondensationsniveau genannt) kondensiert der Wasserdampf, da das Luftpaket bei dieser Temperatur gesättigt ist. Im obigen Beispiel ist dies auf rund 800 hPa (ca. 2050 m) der Fall (die vom Boden mitgenommene Feuchtigkeit (violette Hilfslinie) reicht bei dieser Temperatur für die Sättigung des Luftpakets).
Von dieser Höhe an ist eine Wolke sichtbar und das Luftpaket steigt feuchtadiabatisch weiter auf. Die Temperaturabnahme beträgt dann nur noch rund 0.6 Grad pro 100 Meter (orange Linie), da der Kondensationsvorgang das Luftpaket leicht wärmt. Der Pfad des Luftpakets, welches vom Boden her aufsteigt folgt also zuerst der grünen, dann der orangen Linie. Da dieser Pfad rechts des Temperaturprofils der Atmosphäre liegt, ist das Paket stets wärmer als die Umgebung und steigt weiter auf. Die Atmosphäre ist LABIL.
In anderen Worten heisst dies, dass das Temperaturprofil der Atmosphäre mit der Höhe mehr als rund 0.6 Grad pro 100 Meter abnimmt, die blaue Kurve in obiger Darstellung also flacher als die orange Linie ist. Der Kaltlufttropfen in der Höhe (Vorgestern an dieser Stelle beschrieben) hat heute dazu beigetragen.
Schauer und Gewitter
In einer labil geschichteten Atmosphäre können Schauer oder Gewitter entstehen. Mehr zur Entstehung von Gewittern lesen Sie hier, die Instabilität alleine reicht nämlich nicht aus. Heute sind entlang des Juras, sowie entlang der westlichen und zentralen Voralpen einige Schauer und vereinzelt Gewitter (Unterschied zu Schauer: Gewitter haben Blitz und Donner) entstanden, wie die folgende Animation und Blitzkarte zeigen:
Wieso gab es in den anderen Regionen keine Gewitter? Gegen Osten hin hat wohl die Feuchte für Gewitter gefehlt, in den Alpen liegt noch viel Schnee und im Süden war die Einstrahlung durch Staubewölkung (siehe Blog von gestern) etwas gedämpft. Am Nachmittag wurde die Bewölkung im Süden aber auch zu Quellwolken umgewandelt.