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Mit dem Match gegen den Topfavoriten Kanada beginnt für die Genfer Curler um Skip Peter De Cruz am Samstagabend um 22 Uhr Schweizer Zeit die Weltmeisterschaft der Männer in Edmonton.
Swiss Curling hat seinen Platz an den Olympischen Spielen 2018 bei den Männern noch längst nicht gesichert. Mit einem Medaillengewinn in Edmonton würden es die zuverlässigen Curler des CC Genf erledigen.
Coach Claudio Pescia hat für die Genfer Formation mit Valentin Tanner, Peter De Cruz, Claudio Pätz und Benoît Schwarz eine klare Zielsetzung herausgegeben. "Ja, wir wollen in die Medaillenränge kommen", sagt der 54-jährige Zürcher. Pescia spielte unter Skip Ralph Stöckli bei St. Galler Bär, das 2003 in Winnipeg als bislang letztes Schweizer Männerteam in einem WM-Final stand. Diesmal soll also - mit Pescia als Coach - ein ähnlicher Erfolg herausschauen.
Mathematisch gesehen, ist in der Olympia-Qualifikation der WM-Nationen noch sehr vieles möglich. Es lässt sich aber abschätzen, dass eine Klassierung der Genfer unter den ersten vier, vielleicht auch unter den ersten fünf dem Schweizer Verband den Quotenplatz für die Winterspiele im Februar 2018 in Pyeongchang einbringen würde.
Dass die Genfer mit dieser erheblichen Zusatzbelastung in die WM in der kanadischen Curling-Hochburg Edmonton steigen, kommt vom unbefriedigenden Abschneiden des Schweizer Teams an der letztjährigen WM in Basel her. Das Team des CC Adelboden belegte nach durchzogenen Leistungen in der St. Jakobshalle nur den 9. Platz. Dieser wirft in der über zwei WM-Turniere führenden Olympia-Qualifikation nur vier Punkte ab, was eine Hypothek bedeutet. Die Genfer müssen es ausbügeln.
Die Medaillensammler
Die junge Genfer Crew ist bislang dreimal an einer grossen Meisterschaft angetreten und jedes Mal mit Medaillen heimgekehrt. An der WM 2014 gewann sie Bronze, an der EM 2015 Silber und an der EM im letzten November in Glasgow wieder Bronze. Mit Blick auf das vorrangige Ziel in Edmonton, den Schweizer Olympia-Quotenplatz, stimmt diese hundertprozentige Ausbeute optimistisch. Um das letzte Schweizer Männerteam zu finden, das an seinen ersten drei internationalen Meisterschaften aufs Podest kam, muss man 36 Jahre zurückschauen, bis zum ehemaligen Weltmeister Jürg Tanner, dem Skip von Lausanne Riviera.
Fragezeichen Norwegen
Erste Anwärter auf den Titel sind - wie immer an Weltmeisterschaften - die Kanadier. Skip Brad Gushue aus Neufundland wurde 2006 in Turin Olympiasieger. Danach musste er sich elf Jahre lang gedulden, bis im März an der kanadischen Meisterschaft seine Stunde schlug. Im Final daheim in St. John's siegte Gushue gegen den letztjährigen Weltmeister Kevin Koe und sicherte sich damit seinen ersten Auftritt an einer WM.
Der Norweger Steffen Walstad ist ebenfalls zum ersten Mal an einem WM-Turnier dabei. Das ist fast schon ein Wunder, denn seit 2006 war Norwegen an allen WM, EM und Olympischen Spielen ausschliesslich mit dem Quartett von Skip Thomas Ulsrud vertreten. Wie stark Ulsruds Bezwinger Walstad einzuschätzen ist, weiss niemand. "Irgendwie wäre es mir lieber gewesen, wenn Ulsrud gekommen wäre", sagt Pescia. "So hätten wir wenigstens gewusst, woran wir sind."
Anders als in Norwegen hat sich in Schweden der hohe Favorit durchgesetzt: Niklas Edin. Der unersättliche Curler aus Karlstad peilt seinen dritten WM-Titel nach 2013 und 2015 an. In allen ungeraden Jahren findet die Männer-WM in Kanada statt. Die unvergleichliche Atmosphäre vor Tausenden von Zuschauern scheint Edin also zu behagen. Nach Papierform müsste man einmal mehr einen Final zwischen Kanada und Schweden erwarten.
Die WM in Basel hat jedoch gezeigt, dass die Medaillen nicht immer nur unter Kanada, Schottland, Schweden, Norwegen und der Schweiz ausgemacht werden müssen. In Basel standen die Dänen um Skip Rasmus Stjerne im Final. Dieses Team hat sich diesmal nicht einmal für die WM qualifiziert. Bronze gewann in Basel die nicht zu unterschätzende US-Crew von John Shuster, die auch in Edmonton ernstgenommen werden will.
Für die Genfer ist Schottland, angeführt vom zweifachen Weltmeister David Murdoch, ein weiterer schwieriger Gegner. Leichte Gegner gibt es in den immer dichter und ausgeglichener werdenden Feldern im Spitzencurling ohnehin kaum noch.
Hintertür bleibt offen
Sollten die Genfer ihren Auftrag "Olympia-Qualifikation" nicht erfüllen, wäre für das Schweizer Männercurling noch nicht alles verloren. Alle Nationen, die seit 2014 mindestens einmal an einer WM teilgenommen haben, aber nicht unter den acht direkt für Olympia Qualifizierten sind, werden Anfang Dezember im tschechischen Pilsen ein zusätzliches Turnier austragen, an dem die letzten zwei Olympia-Quotenplätze vergeben werden.
SDA-ATS