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1998
Schwule Nazi-Opfer
… entschädigt
Pink Cross wollte beim Schweizer Holocaust-Fonds mitmachen, denn es sollten auch bedürftige homosexuelle Nazi-Opfer anerkannt und entschädigt werden. Beat Wagner, als Präsident zurückgetreten, nahm sich nun im Namen von Pink Cross dieser neuen Aufgabe an. Bald fragte der 1997 von der Internationalen Goldkonferenz gegründete Internationale Holocaust-Fonds an, ob Pink Cross auch dort als Interessevertreter schwuler Nazi-Opfer mitwirken könnte. Dieses Mandat wurde Pink Cross als weltweit einziger Schwulenorganisation übertragen.
Auf der Website berichtet Pink Cross sehr knapp über die Tätigkeit:
"Auf Antrag von Pink Cross wird am 21. Januar 1998 erstmals ein schwuler Überlebender des Holocaust durch den Holocaust-Fonds mit 2000 Franken unterstützt und Schwule somit als Opfergruppe anerkannt. Sieben weitere folgen im Verlauf des Jahres. Eine Spendenaktion von Pink Cross bringt über 13'000 Franken ein, welche an die Holocaust-Opfer verteilt werden."1
aK anderschume/Kontiki vom April/Mai 1998 brachte dazu einen Aufruf von René Hornung, "Gesucht: Schwule bedürftige Holocaustopfer, erstmals zahlt der Schweizer Holocaust-Fonds zwei schwulen Opfern Gelder aus":2
"Bescheidene je 2000 Franken aus dem Schweizer Holocaust-Fonds und weitere 500 Franken aus der Pink Cross-Kasse bekommen die ersten zwei schwulen Holocaust-Opfer. Die beiden Berechtigten sind relativ berühmt: Der aus dem Elsass stammende und heute in Toulouse lebende Pierre Seel, sowie ein Überlebender aus Warschau, dessen Biografie in Lutz van Dijks Buch nachgezeichnet wird: 'Ein erfülltes Leben - trotzdem, Erinnerungen Homosexueller 1933-1945', 1992 bei Rororo Mann.
'Die Auszahlungen waren im Fonds keine Sekunde umstritten', schildert Pink Cross Expräsident Beat Wagner die erfreuliche Akzeptanz im international zusammengesetzten Gremium. [...] Die ersten zwei Berechtigten hatte Pink Cross selber gesucht. [...]
Erst ein gutes Dutzend Schwule haben bisher Wiedergutmachung aus Deutschland bekommen. [...] Bei den Kontakten helfen inzwischen die Fachleute des 'Schwulen Museums' in Berlin und die Kölner Beratungsstelle für Opfer der Naziverfolgung. [...] Gemeinsam (mit anderen schwul-lesbischen Organisationen und Historikern der Gedenkausstellung über Schwule im KZ Sachsenhausen bei Berlin) will man sich in einer 'Pink Triangle Coalition' um die Hilfe für schwule Holocaust-Opfer einsetzen.
[...] Nicht nur der Schweizer Holocaust-Fonds, auch der an der Internationalen Goldkonferenz Ende letzten Jahres gegründete Fonds zugunsten der Nazi-Opfer stellt nun Mittel bereit. Daraus ist nicht nur direkte Personenhilfe möglich, sondern auch Projektunterstützung. Pink Cross ist [...] als einzige schwule Organisation angefragt worden, auch in diesem Fonds als Interessenvertreter von einst verfolgten Schwulen mitzumachen.
[...] Neben der Koordination der konkreten Personenhilfe möchte die 'Pink Triangle Coalition' aber auch dafür sorgen, dass die Erinnerung an die damalige systematische Verfolgung wach gehalten wird. Nicht nur das Naziregime, auch andere Staaten verfolgten und verfolgen Schwule - Rumänien bis heute. 'Der Bewusstseinsbildungs-Prozess muss weitergehen', fordert deshalb Beat Wagner, auch in der Schweiz, wo es zwar lange her ist, dass Hexen und Schwule auf dem Scheiterhaufen landeten, wo aber auch heute noch Schwule [...] Opfer von gezielten Angriffen werden."
1996 erschien die Autobiografie "Ich, Pierre Seel, deportiert und vergessen" in deutscher Sprache. Es gelang über Pink Cross, den Autor für eine Tournee von Lesungen in der deutschsprachigen Schweiz zu gewinnen. Das hatte Dialogai schon 1995 in Genf getan.
Pierre Seel las im November 1998 in Zürich, Bern und Basel. Mit dem Überschuss der dabei erhaltenen freiwilligen Beträge eröffnete Pink Cross eine eigene Spendenaktion, die schliesslich eine Summe von 13'000 Franken ergab. Das Geld konnte in den folgenden Jahren an schwule Holocaust-Opfer verteilt werden.
Ernst Ostertag, Mai 2008
Weiterführende Links intern
Quellenverweise
- 1
Pink Cross, Internet-Seite, "Blick in die schwule Geschichte der Schweiz"
- 2
René Hornung, aK anderschume/Kontiki, Nr. 2/1998, Seite 17