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Auf dem Internationalen Geologen-Kongress 1910 in Stockholm hat Immanuel Friedländer (1871-1948) die Gründung eines Internationalen Vulkan-Instituts in Neapel angeregt. Die positiven Reaktionen liessen ihn im Jahr 1911 einen Aufruf zur Gründung eines solchen Instituts veröffentlichen. Die Hauptaufgabe des Instituts sollte darin bestehen, eine dauernde und systematische Untersuchung der vulkanischen Erscheinungen zu ermöglichen sowie die Erdbeben in der Region um den Vesuv zu registrieren.
Seite 1 (Ausschnitt) des Gründungsaufrufs für ein Internationales Vulkan-Institut in Neapel, Januar 1911; ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 400:60
Dem Gründungsaufruf war eine Zeichnungsliste beigefügt. Den Aufruf zur Gründung unterzeichneten zwar zahlreiche Personen, die tatsächlich zugesagten Beiträge für den Bau und den Betrieb des Instituts fielen allerdings weit geringer aus als Friedländer sich dies erhofft hatte. Zu seiner grossen Enttäuschung stand er mit seinem Engagement allein da. Er schreibt in der ersten Ausgabe der Zeitschrift für Vulkanologie (Publikationsorgan des Vulkan-Instituts) im Jahr 1914:
„Die Absicht, ein internationales Vulkan-Institut zu gründen, habe ich leider aufgeben müssen. […] Trotz all dieser moralischen Unterstützung erreichten die Geldzeichnungen nur einen sehr geringen Betrag.“
Doch durch die geringe finanzielle Unterstützung liess Immanuel Friedländer sich nicht aufhalten. Er beschloss, das Institut letztendlich selbst zu finanzieren, natürlich in einem kleineren Rahmen als ursprünglich von ihm geplant.
Im Jahr 1914 ist das Institut im Bau vollendet und die Ausstattung der Laboratorien wurde begonnen. Eine seismologische Station wurde am Institut zwecks Registrierung von Erdbeben in Zusammenhang mit den Vesuvausbrüchen in Betrieb genommen, eine Bibliothek und eine grosse vulkanologische Gesteinssammlung eingerichtet.
Die Geschichte des Vulkaninstituts war wegen der politischen Verhältnisse in der Zeit seines Bestehens ereignisreich. Doch konnte bis 1934 vulkanologisch gearbeitet werden, wenn auch weiterhin auf mehrheitlich privater Basis. Mitte der dreissiger Jahre führte die politische Lage schliesslich zur Einstellung der Tätigkeit am Institut in Neapel. Die Instrumente des Instituts erhielt das Observatorium des Seminario Arcivescovile in Neapel. Aufgrund eines Schenkungsvertrages wurde 1935 die Bibliothek des Vulkan-Instituts, die Foto- und Grafiksammlung sowie die Sammlung vulkanischer Gesteine an die ETH Zürich überführt. Die Fotografien befinden sich im Bildarchiv der ETH-Bibliothek.
Links:
Zeitschrift für Vulkanologie (1914-1938), Herausgeber Immanuel Friedländer:
Bei Archive und Nachlässe gibt es ein Verzeichnis von rund 8’900 Aufnahmen von Immanuel Friedländer aus den Vulkangebieten der Erde (ca. 1900-1935).
Die Geschichte des Vesuv, Immanuel Friedländer und Giovanni Battista Alfano, 1929