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Do it yourself- ein Feature. Interview mit Martin Büsser
Ein Feature zu Begriff, Konzept und Praxis von Do it yourself.
Der Begriff „Do it yourself“ oder auch D.I.Y. Kann in verschiedenen Bereichen der Punk- und Hardcoreszene immer wieder gehört werden. Alle unterhalten sich darüber, als wäre es den jeweils Diskutierenden bereits von Anfang an klar, was genau damit gemeint ist und darunter verstanden werden kann. Ob dies jenseits eines diffusen „ich mach's halt selber“ und einem an Heimwerkersendungen erinnernden Abfeiern des hand- und selbstgemachten und somit vermeintich besseren tatsächlich der Fall ist, mag einmal dahingestellt sein. Schwierig ist es darüerhinaus, Menschen, die sich nicht in einer der vielen diversen Punk- und Hardcoreszenen bewegen, klar zu machen, was man denn genau mit dem Begriff Do it yourself meint und über die genannten platten Selbstverständlichkeiten hinausgeht. Laut Wikipedia- Eintrag bezieht sich der grundlegende Gedanke von Do it yourself darauf, „Aufgaben selbst zu erledigen im Gegensatz dazu, andere zu haben, die sie erledigen, die erfahrener oder ausgebildet sind. […] Zentral für diesen Gedanken ist die Ermächtigung von Individuen und ihren Zusammenschlüssen und die Ermutigung dazu, alternative Wege auszuprobieren, wenn sie mit bürokratischen oder gesallschaftlichen Hindernissen an der Erreichung ihrer Ziele gehindert werden. Im Gegensatz dazu, Wissen und Expertise kleinzureden oder verächtlich zu machen, spricht DIY sich dafür aus dass sich das Individuum solches Wissen und Expertise selbst aneignet. Im Gegensatz dazu, Dienstleistungen von anderen zu nutzen, die solche Expertise haben, bemüht sich Der DIY Gedanke, dieses Wissen selbst zu erwerben“. Diese Grundsätz teilt der DIY- Punk mit dem Heimwerker von nebenan. Für Punk und Hardcoreszenen verbindet sich dieser Gedanke laut Wikipedia mit einer antikonsumistischen Haltung und der Weigerung, den Zwang anzuerkennen, Dinge zu kaufen oder bereits existierende Systeme oder Prozesse zu nutzen. DIY in der Punk und Hardcoreszene drückt sich darin aus, Musik selbst aufzunehmen, Alben und Merchandiseartikel selbst zu produzieren, die Produkte selbst zu vertreiben und Konzerte selbst zu organisieren, und zwar oft an selbstgefundenen Orten wie Kellern, Proberäumen, Autonomen Zentren in Europa oder auch mal dem eigenen Wohnzimmer. Ausserdem ist die grosse Fanzinekultur, wie sie zum Beispiel in Punk- und Hardcoreszenen sehr ausgeprägt ist, aber auch in ganz anderen Feldern wie der Science Fiction existieren vom Gedanken des Do it yourself geprägt. Laut Wikipedia geschieht dies in erster Linie, um den wirtschaftlichen Einfluss möglichst gering zu halten oder eine künstlerische Freiheit zu erhalten. Soweit die Theorie. Wie aber sieht die Praxis aus? Die Tübinger Konzertgruppe Sendintheclowns, versuchte diesen Gedanken in der Organisation von Konzerten umzusetzen. Auch beschäftigte sie sich intensiv mit verschiedenen theoretischen Zugängen zu diesem Konzept, um auch die eigene Praxis zu reflektieren. Im Rahmen dieser Besprechung traf sich die Gruppe 2006 zu einem Gespräch mit Martin Büsser, als dieser in Reutlingen war. Martin Büsser schrieb bereits Anfang der 80er bei den legendären Hardcorefanzine ZAP mit und arbeitet heute als freier Journalist. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben, z.B. ein Buch über Punk und Hardcore namens „If the kids are united – von Punk zu Hardcore und zurück“ oder ein Buch über Antifolk. Er ist Mitbegründer und Herausgeber der Buchreihe Testcard- Beiträge zur Popgeschichte. Ausserdem spielt er bei der Band Pechsaftha. Martin Büsser ist am 23. September 2010 verstorben. Somit ist dieses Feature seinem Andenken gewidmet. Eine Produktion der Moshtrocity Radioshow: www.moshtrocity.wordpress.com