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Der Einsiedler, Abt in Tholey und Nothelfer St. Wendelin – Patron der Hirten und Herden, Schäfer und Bauern – war der Überlieferung nach ein schottischer Königssohn, geboren 555 in Schottland (oder Irland), gestorben 617 in Tholey im Saarland. Aus Ärger über seine religiösen Neigungen verlangte sein Vater von ihm, Schafe zu hüten.
Mit sechs Genossen wollte er im Alter von 20 Jahren nach Rom wallfahren, gelangte aber nur bis Trier. Dort stiess die Gruppe auf Laien, die gemeinsam wie in einem Kloster lebten. Wendelin übernahm Hirtendienste bei einem Edelmann und trieb das Vieh bis zu einem sieben Meilen entfernten Berg, wo er gerne betete. Der als «räuberisch» geschilderte Herr kam unerwartet vorbei und war erzürnt, dass Wendelin sich so weit entfernt hatte und ihm das zum Verzehr bestimmte Tier nicht rechtzeitig werde liefern können. Doch als der Erboste in seinen Hof zurückkam, war Wendelin bereits dort. Tief erschrocken bat dieser Wendelin um Vergebung und baute ihm eine Zelle in der Nähe des benachbarten Klosters Tholey, dessen Mönche Wendelin zum Nachfolger ihres verstorbenen Abtes wählten, ohne dass Wendelin je Priester geworden war. Als Wendelin starb, bestatten ihn seine Mönche, von vielen Kerzen umgeben, fanden aber am nächsten Morgen den Leichnam neben dem Grab. Sie nahmen dies als Zeichen, dass er woanders begraben sein wollte und spannten Ochsen vor einen Wagen. Sie fuhren ihn, von selbst den Weg findend, auf den Berg, auf dem er gebetet hatte.
Das Kalendarium von Stablo – dem heutigen Stavelot – kannte im 10. Jahrhundert die Verehrung Wendelins in «Basonis Villare», der aufgrund der immer stärker einsetzenden Verehrung des Ortsheiligen um 1050 nach ihm benannten Stadt Wendel. 1360 wurden die Reliquien in den Chor der neu erbauten Wallfahrtskirche in St. Wendel, der nach ihm benannten Basilika, überführt. Im Spätmittelalter förderten die Bischöfe von Trier die Wallfahrten, aber durch die Reformation nahmen die Pilgerströme ab. Im 18./19. Jahrhundert kam es zu einer erneuten Blüte. «Es gab kaum einen Volksheiligen, der so weit verbreitet verehrt wird», sagte 2010 der St. Wendeler Pastor Anton Franziskus mit Blick auf die zahlreichen Wendelinuspfarreien in vielen Ländern der Welt.
Wendelins-Legenden
Drei Legenden entstanden im 14. und 15. Jahrhundert um St. Wendel. Im Rhein-Moselgebiet, aber auch in Bayern, ist die Wendelins-Verehrung bis heute weit verbreitet. Durch Auswanderer kam sie auch nach Nord- und Südamerika. Bei der heute bedeutendsten Wendelinuswallfahrt führt alljährlich die Prozession mit rund 100 Pferden und 500 Gläubigen von der Pfarrkirche in Nussbach – einem Ortsteil von Oberkirch – durch die Weinberge hoch zur Wendelinuskapelle Bottenau. Der Berg Wendelstein bei Bayrischzell ist nach Wendelin benannt; auf seinem Gipfel steht die kleine hölzerne, Wendelin geweihte Kapelle.
Helgen-Stöckli vom Balzenhof
Vor der Überbauung des Landwirtschafthofes «Balzenhof» in Buchrain stand ein «Helgen Stöckli» mit der Holzfigur des Hl. Wendelin, mit einem Hirtenstab und mit Kuh als Attribut dargestellt, in einer morschen und abbröckelnden Sandsteinstehle eingebunden. Ein umsichtig bedachter Nachbar wollte den Erhalt sichern und machte Meldung an den Gemeindepräsidenten. Ein Brief von dieser Stelle an den Eigentümer hat das Ziel erreicht. Die Holzfigur wurde in einen neuen Stein verpackt und steht seit 2007 etwas südlich versetzt auf dem neu parzellierten Grundstück an der Moosgasse. Kürzlich hat der Nachbar die vom Wetter verblasste Holzfigur neu behandelt. Obwohl es in Buchrain deutlich weniger Landwirtschaftsbetriebe gibt, gibt es damit doch noch ein Zeichen den geehrten St.Wendelin. Ein «Helgen-Stöckli» (Bildstock) ist in der Schweiz ein religiöses Kleindenkmal der gelebten Frömmigkeit im Besitz des jeweiligen Bauern auf seinem Hof.
Walter Doswald, Buchrain
(Anmerkung des Redaktors: Auch Schwarzenberg ist eine «St.-Wendelin-Gemeinde» – und deshalb ist in dieser an Kriens und Malters angrenzenden Luzerner Gemeinde der 20. Oktober ein Feiertag).