Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03318.jsonl.gz/104

Zwei Männer treffen sich zufällig in der Provence. Verbindendes ist zunächst nur, dass sie beide aus Bern kommen. Der Eine von Ihnen, der gebürtige Holländer Martijn van Vliet, erzählt - nachdem bei Beiden die ansonsten zwischen Fremden zunächst zu erwartenden Distanz schnell verfliegt - dabei dem Anderen, Adrian Herzog, seine tragische Lebensgeschichte. Herzog hört zu; geduldig, interessiert, teilnehmend, gepackt. Der Bericht erstreckt sich über Tage! Van Vliet kommt ihm dabei immer näher. Herzog nimmt im Buch ausschließlich die Rolle des Erzählers ein. Er erzählt van Vliets Geschichte; er ist nicht der Redner gegenüber van Vliet. Nur hie und da entlässt ihn Pascal Mercier aus dieser Rolle; dann darf er kurz von sich selbst erzählen und der Leser bemerkt, dass auch Herzog eine Biographie, ein Leben vor diesen Gesprächen mit van Vliet hat und dass auch er seine Problemsituationen durchlebt hat und es nicht immer einfach hatte. Aber im Mittelpunkt stehen van Vliet und dessen Verzweiflung über das Schicksal seiner Tochter Lea und das damit so eng verbundene Eigene. Die Tochter, die er nicht wollte, weil er die Verantwortung scheute, die mit dem Vatersein verbunden ist, weil er sich dieser Verantwortung nicht gewachsen fühlte. Lea, deren Mutter früh starb, wird Violinistin, zunächst begeistert, dann besessen; sie erreicht Berühmtheit und dann zerbricht sie, an sich und an ihrer unerfüllten Liebe zu ihrem Lehrer, nach van Vliets Meinung möglicherweise auch an ihm, an ihrem sie so liebenden Vater, der alles für sie tut, der seine Existenz für sie ruiniert. Und doch muss er erkennen, dass er ihr nicht helfen kann. Und Adrian Herzog? Wird er zumindest van Vliet noch helfen können? Das Ende ist zwangsläufig. Und das Buch ist .. brillant erzählt. Für meinen Geschmack: eindeutig fesselnder und damit besser als "Nachtzug nach Lissabon".
Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?