Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03472.jsonl.gz/406

Verschiedene Organisationsformen
Die verschiedenen Organisationsformen der Pflege sind entstanden durch z.B. verändernde berufspolitische oder ökonomische Strukturen, Mangel an ausgebildetem Personal oder vorherrschende Behandlungskonzepte. Heute wird hauptsächlich unterteilt in Funktions- oder Bereichspflege sowie Primary Nursing (auch Bezugspflege, primäre Pflege oder primäre Prozessverantwortung genannt). Bei der Funktionspflege liegt die Fallverantwortung bei der Stationsleitung, welche den Pflegenden einzelne Tätigkeiten zuweist, die diese dann meist in Runden erledigen. Bei der Bereichspflege wäre eine mögliche weitere Unterteilung in Gruppen- oder Zimmerpflege möglich. Die Fallverantwortung liegt auch hier bei der Stationsleitung, jedoch sind die Pflegenden in ihrer Schicht für eine gewisse Gruppe Patienten zuständig, bei denen sie alle anfallenden pflegerischen Tätigkeiten ausführen. Beim Primary Nursing wird jedem Patienten eine Pflegende zugewiesen, die vom Ein- bis Austritt für ihn zuständig ist und die Verantwortung über den Fall trägt. Heute wird aufgrund nachgesagter positiver Auswirkungen eine patientenorientierte Pflege.
Instrumententwicklung
Im Jahr 2002 machte sich eine Gruppe von Pflegewissenschaftlern, Pflegemanagern und Pflegepraktikern an die Entwicklung eines Instrumentes zur Messung von Pflegesystemen (IzEP®). Das Ziel der Arbeitsgruppe war es, Merkmale von Pflegesystemen zu operationalisieren und ein wissenschaftlich fundiertes, praktisch gut anwendbares Instrument zu erstellen, das vorerst in Österreich, Deutschland und der Schweiz Verwendung finden sollte.
Auf wissenschaftlicher Basis wurden Items in Fragen umformuliert und Antwortkategorien erstellt. Weiter wurde nach mehreren Prätests eine Anleitung formuliert und die Software IzEP®-Soft auf der Basis von Microsoft Excel programmiert.
Inhalt und Anwendung
Im Zentrum des Inhalts stehen die Merkmale des Pflegesystems. Zudem werden Rahmenbedingungen und Ressourcen erfasst, die einen möglichen direkten Einfluss auf das Pflegesystem haben. IzEP® besteht aus neun Fragebögen, deren Befragungsdauer zwischen fünf und 30 Minuten liegt. Befragt werden die Stationsleitung und deren Vorgesetzte, vier ausgebildete Pflegende, sechs Patienten und Angehörige sowie ein bis drei Therapeuten, Ärzte oder externe Kontaktstellen. Zusätzlich werden die Pflegedokumentationen der sechs Patienten und die Dienstpläne analysiert. Im IzEP® Handbuch sind sowohl die Fragen und Antworten als auch die Bedienung der Software beschrieben.
Messergebnisse
Der Gesamtscore zeigt das praktizierte Pflegesystem auf einem Kontinuum von 0 bis 100 Prozent (0=kein erkennbares System, 100=“perfektes“ Primary Nursing). Die Funktionspflege liegt demzufolge bei Werten von 10-40, die Bereichspflege bei 40-75 und das Primary Nursing ab 75 Prozent. Durch die Detailauswertung können spezifische Massnahmen zur Optimierung abgeleitet werden.
Gütekriterien
Der Fragebogen zur Dokumentationsanalyse wurde auf seine Interrater-Reliabilität überprüft und hat sich als reliables Einschätzungsinstrument erwiesen. Bei den Modulen Pflegende und Patientenbefragung wurde jeweils die Test-Retest-Reliabilität errechnet. Auch die Resultate der Kriteriumsvalidität waren wie erhofft.
Weiteres Vorgehen
Bis jetzt wurden in Deutschland, der Schweiz und in Österreich circa 300 Erhebungen durchgeführt, wodurch die praktische Anwendbarkeit des Instruments bestätigt wird. Kritische Rückmeldungen der Anwender zur Optimierung stehen zur Weiterentwicklung des Instruments zur Verfügung. Weitere Testungen der Gütekriterien sind wünschenswert. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, das Instrument weiterzuentwickeln und Einrichtungen bei der Entwicklung von patientenorientierten Pflegesystemen zu unterstützen.
Verwendete Quelle
Dobrin Schippers, A. (2009). Instrument zur Erfassung von Pflegesystemen IzEP. PFLEGE ZEITSCHRIFT, 2010 (63. Jahrgang, Heft 1) S.40-44.