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Schon 1968 malte er einen „Humanoiden“, der eine Kamera statt der Augen und ein Tonbandgerät vor der Brust trug: So nahm er Motive der Cyborg-Fantasien, die in den späten Achtzigerjahren in Literatur und Kunst grassieren sollten, vorweg. Freilich in traumatischer Form: Seine dunklen Kombinationen von Lebendigem und Leblosem sind immer von Angst durchsetzt. „Paradiesische Zustände sind visuell nicht so interessant“, sagte er im „Presse“-Interview: „In Museen habe ich nie die Bilder gefunden, wie ich sie wollte, also hab ich sie selbst gemacht.“
Die Ars Electronica in Linz präsentierte sein Werk, das viele ihrer Künstler beeinflusst hat, erst im Sommer 2013.
Doch auch die gute Debbie Harry von Blondie ließ sich für ihr Album „Koo Koo“ von Giger mit metallischen Werkzeugen, die durch ihr Gesicht dringen, darstellen. Die vielleicht berühmteste Hülle schuf er 1973 für das Klassikrocktrio Emerson,Lake&Palmer: „Brain Salad Surgery“ hieß das Album ganz gigeresk, außen prangte ein Totenschädel zwischen Gittern, wenn man ihn wegklappte, sah man das nicht minder gruslige Gesicht einer Schlafenden.
„Ich steh auf Totenschädel“, sagte Giger. Aus einem (echten) solchen bastelte er eine Ausgeburt des Schreckens, das Alien in Ridley Scotts Film (1979), das aus der Brust des Astronauten bricht, eine zum Werk Gigers passende Horrorvariation über das Motiv Geburt. Dass ihn dieses so faszinierte, erklärte er damit, dass seine eigene Geburt einen ganzen Tage gedauert hatte, das sei wohl auch Grund seiner Klaustrophobie.
Für „Alien“ wurde HR Giger, dessen Vorname eigentlich ganz bieder Hans Rudolf (Hansruedi) war, mit dem Oscar für visuelle Effekte ausgezeichnet. Er gestaltete auch andere filmische Science-Fiction-Wesen, etwa für „Species“ (1995) das aus der Kombination irdischer und außerirdischer DNA entstandene Mädchen Sil.
Ab 1972 malte Giger mit Airbrush, Anfang der Neunziger verlegte er sich auf Plastiken wie den „Zodiacbrunnen“, in dem die zwölf Tierkreiszeichen als Biomechanoide dargestellt sind. Er entwarf Möbel, Computerspiele („Dark Seed“) und zwei Bars. 1997 kaufte er das Schloss St.Germain in Gruyères im Kanton Freiburg und richtete dort sein Museum HR Giger ein, in dem er seine Sammlung zeigte. Sie enthält u.a. Werke von Günter Brus, Gottfried Helnwein, Arnulf Rainer und Ernst Fuchs und natürlich seine eigene Kunst.„Der Tod ist ein interessantes Motiv“, sagte HR Giger einmal, „das spielte bei mir immer eine Rolle.“ Nun ist er in einem Zürcher Krankenhaus an den Verletzungen gestorben, die er sich bei einem Sturz zugezogen hat.