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Ab Mitte der 1980er-Jahre erfuhr die Debatte um die Kategorie «Geschlecht» neue Impulse. Im Zentrum stand wie bei Simone de Beauvoir die Beschaffenheit des sozialen Geschlechts, das in der feministischen Theoriebildung seit Mitte der 1970er-Jahre als «gender» analytisch vom biologischen Geschlecht («sex») getrennt wurde. Aufbauend auf dieser Prämisse hatte die Historikerin Joan Wallach Scott mit ihrem 1986 veröffentlichten und seither breit rezipierten Aufsatz «Gender: A Useful Category of Historical Analysis» in der Geschichtswissenschaft einen neuen Forschungsansatz initiiert: die Geschlechtergeschichte. Geschlecht («gender»), so Scott, sei ein konstitutives Element sozialer Beziehungen, das auf wahrgenommenen Differenzen zwischen den Geschlechtern («sex») beruhe und über welches zugleich Machtbeziehungen gekennzeichnet und manifestiert werden. Scotts Artikel hatte auch die Geschlechterforschung in der Schweiz stark beeinflusst. Zehn Jahre später, Ende der 1990er-Jahre, plädierte Joan Scott für eine Distanzierung zum Begriff «gender»: Die unkritische Verwendung des Begriffes in Debatten wie ökonomischen oder staatlichen Programmen (Gender-Mainstreaming) während des vergangenen Jahrzehnts habe dazu geführt, die Dualität von Geschlecht (Mann/Frau) zu verfestigen und physische Körper mit der Vorstellung einer unveränderbaren Natur gleichzusetzen ‒ anstatt sie weiterhin als kontingent und historisch konstruiert zu hinterfragen und zu untersuchen. (ans)
Im hier abgebildeten Band ist Scotts Vortrag «Millenial Fantasies: The Future of «Gender in the 21st Century» abgedruckt, den sie 1999, in Bern im Rahmen einer Preisverleihung hielt:
Honegger, Claudia; Arni, Caroline (Hg.): Gender ‒ die Tücken einer Kategorie. Joan W. Scott, Geschichte und Politik. Zürich 2001.