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Der ca. 60-jährige Häuptling Aritana, ist heute der am meisten respektierte Führer des Oberen Xingu. Seit er die Führung der Yawalapiti übernahm, vor zirka 20 Jahren, kämpft er für die Erhaltung der Kultur und der Sitten und Gebräuche der Xingu-Indianer. „Es ist überaus schwer, unserer Jugend die Wichtigkeit der Erhaltung unserer Kultur klarzumachen, aber mit ein bisschen Geduld verstehen und sehen sie, dass es besser ist, das zu bleiben, was wir sind: „Indianer“ – erklärt der Häuptling.
Schon in frühester Jugend auf die Nachfolge seines Vaters „Parú“ hin erzogen, lernte Aritana auch die Brüder „Orlando und Claudio Villas Boas“ kennen – Ende der 50er Jahre (sie waren es, die den 15 Stämmen des Xingu eine eigene Heimat gaben, indem sie das Projekt „Parque Indigena do Xingu“ in Brasília durchsetzten). „Ich habe sehr viel durch sie gelernt über den Wert, die alten Sitten und Gebräuche zu bewahren“, erzählt der Häuptling. Unter diesem Einfluss wurde er der grösste Führer der indianischen Sache innerhalb und ausserhalb des Xingu.
Frage
Seit die Villas-Boas-Brüder dem Park vorstanden, war die Erziehung der Indianer immer ein umstrittenes Problem. Die Brüder vertraten die Meinung, der Indianer sollte so weit als möglich von der Kultur der Weissen ferngehalten werden. Wie sehen Sie das heute?
Aritana
Es ist traurig, aber ich bin der Ansicht, dass einige Erziehungsprojekte die Kultur des Oberen Xingu gefährden. Schon beobachte ich, dass die Jugend nicht mehr besonders daran interessiert ist, ihre eigene Sprache zu lernen. Sie ziehen es vor, Hemd und Hose anzuziehen und interessieren sich mehr für die Sachen der Weissen. Das Problem ist, dass ihre Lehrer ihnen nur von den Werten der weissen Gesellschaft erzählen und so hören die jungen Leute auf, ihre Traditionen zu respektieren. Der „Quarup“, zum Beispiel, er ist ein sehr ernstes und ernstzunehmendes Fest, und sehr wichtig für uns Indianer. Er ist das Fest der Toten. Und beim letzten „Quarup“ habe ich bemerkt, dass ein paar Jugendliche das eher für einen Spass hielten“
Zurzeit von „Orlando“ (Villas Boas), zum Beispiel, war man bemüht, Kultur und Erziehung nach Art der Indianer beizubehalten.
Ich war noch klein und ärgerte mich und fragte, warum Orlando mir keine Turnschuhe und ein Fahrrad geben wollte. Später verstand ich, dass er das tat, damit wir die Kraft in den Füssen behalten sollten. Wenn ein Kind den ganzen Tag in Schuhen rumläuft, verliert es die Kraft auf Bäume zu klettern.
Frage
Es gibt Angebote für die Dörfer am Xingu, Geld mit Tourismus zu verdienen. Wie sehen Sie diese Situation?
Aritana
Man versucht immer, uns irgendwelche Projekte aufzuschwatzen. Unser Dorf hier ist das erste, in dem sie anfragen, aber ich sage stets nein. Das erste Angebot dieser Art, das ich erhielt, war über Luxusyachten und ein Flugzeug, mit denen man Touristen von einer nahen Fazenda zu unserem Dorf bringen wollte. Wir erhalten fast jeden Tag solche Anfragen. Wir lehnen ab, weil wir das Geld der Weissen nicht wollen und nicht brauchen, um hier ein gutes Leben zu führen. Andere Stämme haben schon zugesagt, weil sie Geld wollen. Das Problem hier ist, dass solche Stämme, die Besuche von Touristen akzeptieren wollen, erst einmal die Xingu-Führung versammeln müssten, um das Problem zu diskutieren, aber das geschieht nicht.
Wir hatten ein solches Treffen in Brasília, um dieses Problem zu besprechen – es wurde eine hektische Diskussion – aber wir haben deshalb unsere Meinung gegen den Tourismus nicht aufgegeben. Man muss hart bleiben. Letzten Endes bereut es jeder irgendwann, wenn er sich auf den Tourismus einlässt.
Frage
Glauben Sie, dass der Indianer politisch gut von den offiziellen Organen FUNAI und den ONGs vertreten wird, die am Xingu arbeiten?
Aritana
Wir wollen keine Weissen mehr, um uns zu dirigieren und zu verteidigen. Wir wollen, dass sich die Indianer selbst direkt mit der Regierung ins Benehmen setzen und ihr Dokumente schicken, die von unseren Problemen berichten. Hinsichtlich der Gesundheit kommandiert der Weisse. Dasselbe mit der Erziehung. Aber ich möchte, dass der Indianer den Arzt und den Lehrer unter Vertrag nimmt und dann nach hier schickt. Nur auf diese Weise können wir wirklich gut und wahrhaftig unseren Interessen dienen.
Frage
Und in der Zukunft, wenn die Neuen das Ruder in den Dörfern in der Hand haben werden – was wird dann?
Aritana
Wir lehren die Jungen, dass es gut ist, die Sprache der Weissen zu erlernen, um nicht übervorteilt oder getäuscht zu werden. Was sie ausserdem lernen sollten, ist alles, was der Weisse an Gutem und Nützlichen zu bieten hat – aber nicht um den Preis des Verlusts unserer eigenen Kultur. Heutzutage benutzen wir schon Motorboote für lange Reisen, und wir haben Fernsehen im Dorf, um die Nachrichten zu verfolgen, aber ich lasse die Kinder nicht lange fernsehen.
Die Indianer hier von Oberen Xingu sind konservativer, und die vom Unteren Xingu haben öfter Kontakt mit den Weissen, also fangen sie an, auch von den Sachen der Weissen abhängig zu werden. Die „Caiabis“, zum Beispiel, die kamen aus der Region des „Rio Peixoto“, der von Gummisammlern und Goldsuchern verseucht worden ist. Ihnen gefällt es sehr, hier an unserem Xingu, aber noch brauchen sie vieles von dem, was sie durch die Weissen kennen gelernt haben, wie Kleider, Seife und Salz. Wir haben hier alles, was wir brauchen.