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Das Selve-Areal, welches direkt an der Aare im Herzen von Thun gelegen ist, blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Angefangen hatte diese mit der Gründung des Waffenplatzes Thun und dem Aufbau der Militärbetriebe Mitte des 19. Jahrhunderts sowie der Gründung der Metallwerke Selve & Co, die als bedeutender Arbeitgeber der Region Halbfabrikate an die Eidgenössische Munitionsfabrik lieferten. 1979 wurde das Selve-Fabrikareal von Werner K. Rey gekauft, 1993 der Betrieb der Metallwerke stillgelegt und die gesamte Belegschaft entlassen.
Dieser Entscheid war für die Region Thun ein volkswirtschaftlicher Rückschlag, zählte doch die Selve AG zu den bedeutendsten Arbeitgebern im Berner Oberland.
2000 ein Versteigerungsobjekt
Die Zwischennutzung bis zur Realisierung der heutigen Projekte erfolgte als weitgehend autonome Partymeile mit überregionaler Anziehungskraft. Im Dezember 2000 kam es dann zur Versteigerung der Liegenschaft. Als Käuferin trat erstmals die Selve Park AG auf. Der Kanton Bern und die Stadt Thun als neue Besitzer hatten die Aktiengesellschaft vor der Versteigerung mit dem Ziel gegründet, eine geordnete Übergangsnutzung sicherzustellen und das Grundeigentum an Investoren zur Realisierung zu übertragen.
Dieser Impuls wurde von den beiden Totalunternehmern Frutiger AG, Thun, und HRS Hauser Rutishauser Suter AG, Frauenfeld, aufgenommen, welche eine Baugesellschaft gründeten und den Zuschlag für das Grundstück erhielten.
Der danach ausgeschriebene Architekturwettbewerb ergab zwei Sieger: Althaus Architekten AG, Bern, für das Dienstleistungsobjekt, und Luscher Architectes SA, Lausanne, für das Wohnbauquartier.
Bedürfnisse genau ausgelotet
Aufgrund eines seit Jahren signifikant ansteigenden Individualisierungsgrades der Bevölkerung von Thun und dessen Umgebung wurde und wird Wohnraum für moderne Lebensformen zu einem zunehmenden Bedürfnis. Auf diese Nachfrage antwortet die Projektentwicklung der Frutiger-Gruppe im Projekt «Selve» – historisch gereift – mit Urbanität. Moderne Architektur, städtische Bauweise sowie bewusst konzipierte Aussenflächen ermöglichen ein zeitgemässes Wohngefühl an bevorzugter Lage, direkt an der Aare. Nebst den Freizeitangeboten auf dem Areal oder im nahe gelegenen Stadtkern lädt der geplante Stadtpark zum Verweilen ein.
Das Wohnbauprojekt umfasst sieben Wohngebäude mit rund 200 Miet- und Eigentumswohnungen im mittleren bis oberen Preissegment sowie eine Altersresidenz. Der Eingang ins Wohngebiet wird von beiden Seiten durch ein acht- bzw. ein zwölfstöckiges Gebäude flankiert. Diese beiden Hochhäuser werden mit einer Höhe von über 27 m bzw. fast 40 m die höchsten Wohngebäude im Zentrum von Thun werden. Sie setzen ein klares Zeichen für den Nutzungswandel. Zeitgemässe Architektur und die Umsetzung im Minergiestandard unterstreichen die Qualität und Individualität des neuen Wohnbaugebietes direkt am Wasser. An den Wohnpark angrenzend wird das kantonale Verwaltungsgebäude erstellt, in welchem 220 Beschäftigte ihre neuen, modernen Arbeitsplätze finden werden. Ausgangslage ist die effiziente Organisation der kantonalen Verwaltung, welche im Rahmen der Umsetzung der Verwaltungsreform im Kanton Bern notwendig wurde. Weitgehend verkehrsfrei ermöglichen die vorteilhafte Lage sowie die periphere Erschliessung eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr sowie die Infrastruktur der Stadt.
Die Projektentwicklung eines derartigen Objektes bedarf der sorgfältigen Vorbereitung. Es gilt, Standort- und Marktanalysen durchzuführen, um das Objekt klar zu Positionieren und die Zielgruppen zu bestimmen.
Zwecks Risikoabsicherung wurden Partner zur Realisierung des Objektes gesucht. Ziel war die Neunutzung des Selve-Areals. Die Frutiger AG und die HRS Hauser Rutishauser Suter AG gingen das ambitionierte Ziel gemeinsam an. Auf der Basis der Analyseergebnisse wurde ein Studienwettbewerb durchgeführt. Althaus Architekten und Luscher Architectes SA reichten qualitative städtebauliche und architektonische Konzepte ein. Die Involvierung städtischer und kantonaler Behörden ermöglichte Mitsprache als Vertretung des Volkes und damit die Grundlage der Akzeptanz für ein neues urbanes Stadtquartier.
Die Projektentwickler entschieden sich, ein Gebietsmarketing zu erarbeiten. Dieses, auch Branding genannt, wird im öffentlichen Raum immer wichtiger, weil auch Gebiete und Überbauungen Bilder in den Köpfen der Bevölkerung hinterlassen. Diese Bilder können gezielt erzeugt werden, indem sie über Marken vermittelt und erlebbar gemacht werden. So wurde eine Marke für die Selve geschaffen, welche nicht nur bei der definierten Zielgruppe die gewünschte Wahrnehmung zu erzielen hilft, sondern sich auch gegenüber anderen Projekten im öffentlichen Raum zu differenzieren und den Wandel der Selve als Industriestandort zum qualitativen Arbeits- und Wohnort zu unterstützen weiss. Die neue Marke «Selve» wird daher zum Identifikationsmerkmal und Sympathieträger der künftigen Bewohner und transportiert die Vision in die Realität.
Seit Mai dieses Jahres im Bau
Der Spatenstich für das Verwaltungsgebäude ist Ende Mai dieses Jahres erfolgt. Realisiert wird der Verwaltungsneubau im Minergie-P-Eco-Standard. Investor ist ein Immobilienfonds der Credit Suisse. Aufgrund der kurzen Bauzeit ist ein hohes Mass an Innovation bei der Optimierung der Bauabläufe notwendig, zumal die industrielle Vergangenheit Spuren in Form von Altlasten hinterlassen hat. Diese werden unter der ständigen Aufsicht des Gewässerschutzamtes saniert. Das Projekt verläuft gemäss Zeitprogramm. Ende 2009 kann das Verwaltungsgebäude bezogen werden. Der Bezug der Wohnungen ist ab 2010 geplant. Die Baueingabe für die 1. Etappe der Wohnungen ist Ende Juli 2008 erfolgt.
Das beispielhafte Vorgehen bei der Entwicklung des Überbauungsprojektes «Selve» wurde anlässlich des Wettbewerbes «Entwicklungsschwerpunkt Wohnen» vom Kanton Bern mit einem Preisgeld an die Stadt Thun prämiert. Ein Preis, welcher nicht nur für nachhaltiges Bauen, hohe Architektur- und Wohnqualität gesprochen wurde, sondern auch für die vorbildliche Kooperation zwischen privaten Totalunternehmern, der Frutiger AG und der HRS Hauser Rutishauser Suter AG, der öffentlichen Hand, den Eigentümern und den Investoren.
Vor mehr als 100 Jahren schrieb das Selve-Areal regionale Industriegeschichte. Die Selve war damals Impulsgeber. Sie wird es – wenn auch in anderer Weise – in der Zukunft mit dem Projekt weiter sein. Dies als neues Stadtquartier von Thun, wo schon bald Leben, Arbeiten und Wohnen optimal kombiniert sind.