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beeinflußt, es gelingt also nicht, dem Körper durch Alkalien anorganische Säuren zu entziehen, obwohl man umgekehrt durch Zufuhr von Säuren die Abscheidung von Alkalien befördern kann. Zitronensaures Natron wird im Blut, nicht schon im Darm [* 2] in Carbonat verwandelt, da letzteres viel schlechter resorbiert wird als ersteres. Dyspeptische Erscheinungen, Einwirkung auf den Allgemeinzustand wurden auch nach sehr großen Dosen von zitronensaurem Natron nicht beobachtet.
Bei großen Dosen setzen die Alkalien die Gallensekretion herab, während die Ausscheidungsgröße von Gallenfarbstoff, Gallensäure, Fett nicht geändert wird. Da die Alkalien die Alkaleszenz des Blutes vermehren, so wird unter ihrem Gebrauch auch eine stark alkalische Galle abgesondert, welche Gallenkonkremente löst, Gallensteine verkleinert. Auch beeinflussen die Alkalien katarrhalische Zustände im Darm, in Gallengängen und Gallenblase günstig.
Klempner (Berlin) [* 3] sprach über Fieberbehandlung und Blutalkaleszenz. Die Alkaleszenz des Blutes und damit im Zusammenhang sein Kohlensäuregehalt sind bei allen Einwirkungen giftiger Substanzen auf den Organismus vermindert, und der Grad der Verminderung bildet einen Maßstab [* 4] der Stärke [* 5] der Intoxikation. Im Fieber ist die Alkaleszenz wesentlich vermindert, und weder Antifebrin noch Antipyrin, obwohl sie die Temperatur auf die Norm herabsetzen, vermögen den Kohlensäuregehalt des Blutes zu heben, sie wirken antithermisch, aber nicht antitoxisch.
Große Dosen von doppeltkohlensaurem Natron, welche die Alkaleszenz des Blutes normal machen, steigerten bei Typhus wohl in gewöhnlicher Weise den Eiweißumsatz, minderten aber nicht das Fieber. Kraus (Wien) [* 6] bemerkte hierzu, daß bei gesunden Menschen nach 2-8 g doppeltkohlensaurem Natron schon in wenigen Stunden ausgesprochene Alkaleszenz des Harns eintritt, bei Fiebernden aber erst nach 20-30 g. Dies Verhalten gibt ein wichtiges und sicheres diagnostisches Hilfsmittel für das Vorhandensein einer Säureintoxikation.
Cantani (Neapel) [* 7] empfahl zur Unschädlichmachung der Krankheitserreger im Darme (Darmantisepsis) die von ihm vielfach angewandte Enteroklyse oder hohe Darminfusion. Bei derselben wird jeder mechanische Reiz auf Darm und Magen [* 8] vermieden, der wirksame Stoff kommt mit der Darmwand in direkte Berührung, Bakterien und Ptomaine werden entfernt, und dem Blute wird Wasser zugeführt. Eine Tanninlösung wirkt entwickelunghemmend, selbst tötend auf Bakterien und fällt die Ptomaine der Cholerabacillen. [* 9] Auch beim Unterleibstyphus wirkt sie günstig, und beim Beginn der Krankheit hat sie abortiven Einfluß. - Pfeiffer (Wiesbaden) [* 10] zeigte kieselsauren Harnsand vor, und Eppinger (Graz) [* 11] sprach über eine neue Cladothrix asteroides aus dem Eiter eines Abscesses im Gehirn [* 12] eines Glasschleifers, bei welchem kalkige Knoten und Miliartuberkeln in Lungen und Pleura, Vergrößerung und Versteinerung der Bronchialdrüsen und Verkreidung einer Lymphdrüse gefunden worden war. Die Alge ließ sich kultivieren, und mit derselben geimpfte Meerschweinchen gingen unter Erscheinungen zu Grunde, die echter Impftuberkulose sehr ähnlich waren.
In der Sitzung vom 18. April sprach Sternberg (Wien) über Sehnenreflexe. Diese bestehen aus zwei Phänomenen, einem Knochenreflex und einem reinen Muskelphänomen, welches höchstwahrscheinlich gleichfalls ein Reflex ist. Der Knochenreflex besteht darin, daß ein Stoß auf den Knochen [* 13] die Nerven [* 14] des Periostes und der Gelenkenden erregt und dies eine Kontraktion sämtlicher den Knochen beherrschender Muskeln [* 15] auslöst. Der Muskelreflex besteht darin, daß sich der Muskel kontrahiert, wenn auf ihn ein Stoß in der Längsrichtung übertragen wird. Die Sehne spielt bei dem ganzen Vorgang nur eine mechanische Rolle. Es lassen sich keine Reflexe auffinden, welche von den Nerven der Sehne entstünden. - Leubuscher (Jena) [* 16] hat die Beeinflussung der Darmresorption durch Arzneimittel studiert. Er fand, daß Chinin, Opium, Morphium schon in schwachen Konzentrationen die Resorption herabsetzen.
Alkohol in schwacher Konzentration (0,5-2 Proz.) steigert die Resorption, in stärkerer setzt er dieselbe herab. Glycerin ist im wesentlichen indifferent, schwacher Kochsalzzusatz wirkt günstig. Peiper (Greifswald) [* 17] berichtete über die Ausrottung des Plexus coeliacus und ihre Folgen. Es zeigte sich, daß durch die Exstirpation jener Ganglien erhebliche Störungen in der Verarbeitung der eingeführten Nahrungsmengen hervorgerufen werden können, die aber doch des Ausgleichs fähig sind; ferner daß Harnruhr nicht auf Störungen in diesem Plexus beruht, und daß durch Ausrottung desselben keineswegs Zuckerruhr hervorgerufen wird.
Winternitz (Wien) sprach über eine eigentümliche Gefäßreaktion der Haut. [* 18] Streicht man mit einem Stäbchen über die Haut, so sieht man zuweilen, daß ein anfangs anämischer, dann ödematöser Streifen entsteht, dessen Ränder eine Injektionsröte aufweisen, die sich zungenförmig längs der ganzen Linie verbreitet, ähnlich wie ein Tropfen Wasser auf Filtrierpapier (Autographismus). Winternitz erklärt diese Erscheinung dadurch, daß die in den oberflächlichen Kapillaren stagnierenden Blutkörperchen [* 19] durch die Haut Kohlensäure abgeben und Sauerstoff aufnehmen, daß sie also durch die Haut hindurch atmen. Die Erscheinung weist auf eine beträchtliche Verlangsamung der Zirkulation hin und ist ein deutlicher Beweis für die respiratorische Funktion der Haut.
Dolega (Leipzig) [* 20] sprach über Ätiologie der Malaria. Er fand in einem Fall in den roten Blutkörperchen eigentümliche Gebilde, welche ganz den von Marchiafava und Celli beschriebenen hyalinen Plasmodienformen gleich sahen. Sehr ähnliche Gebilde fanden sich aber auch vereinzelt im Blute Gesunder, spärlich bei Phthisikern, reichlich bei Typhus, Scharlach, anämischen Zuständen, besonders aber bei Skorbut und Krebs, [* 21] und Dolega hält dieselben deshalb nur für Alterations- und Disgregationsprodukte der roten Blutscheiben und nicht für der Malaria eigentümliche Gebilde. - Rothziegel (Wien) berichtete über Versuche, die er einige Jahre mit Strophantin angestellt hat.
Die Indikation für die Anwendung des Strophantin bei Klappenfehlern mit und ohne Affektion des Mycardiums sowie bei organischen Affektionen des Herzmuskels allein wird durch die Insuffizienz der Herzarbeit und die daraus resultierenden Folgeerscheinungen gegeben. Auch bei akuter und chronischer Brightscher Krankheit sowie bei Pleuritis bewirkt Strophantin eine Steigerung der Harnabsonderung nur dann, wenn dieselbe infolge ungenügender Herzarbeit vermindert ist. - Jacob (Cudowa) sprach über Blutdruck und Pulsgröße im lauen, bez. kohlensauren Bade. Im Wasserbad von 37-38° sinkt der Blutdruck, und das Lumen der Arterie [* 22] erweitert sich entsprechend oder auch mehr als das Messungen der Temperatur der Haut und des Körperinnern zeigten, daß hier eine Beschleunigung der Zirkulation vorhanden ist, indem erstere um ebensoviel stieg, wie letztere sank. Im gleichwarmen kohlensauren Bade steigt der Blutdruck ¶
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durchschnittlich unter Erweiterung des Gefäßlumens. Nach beiden Bäderarten ist das Gefäßlumen absolut vergrößert, während die gesteigerte Verdunstungsperiode den Blutdruck unter relativer Verengerung des Lumens erheblich erhöht, später normal, d. h. die Leistung des Herzens nimmt zu. Außerdem erzeugen diese Bäder ein sehr lebhaftes Spiel der Vasomotoren mit Überwiegen der Erweiterung des Lumens. Durch dieselbe wird im kohlensauren Bade die Herzarbeit verringert, das Herz selbst verschont, nach beiden Bäderarten außerdem die Thätigkeit des Herzmuskels reflektorisch gesteigert.