Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03434.jsonl.gz/2406

Forschern aus den USA ist es das erste Mal gelungen, ein Kind zu heilen, welches bei seiner Geburt mit HIV infiziert wurde. Virologen erklärten bei einem Fachkongress in Atlanta, dass der Aids-Erreger nicht vollständig verschwunden sei, aber nur noch in einer Menge erhalten sei, die vom Immunsystem des Kindes kontrolliert werden könne.
Infiziertes Kind nun desinfiziert
Das von der Mutter infizierte Kind wurde bereits 30 Stunden nach seiner Geburt einer antiretroviralen Therapie unterzogen, bei der drei HIV-Medikamente standartmässig verabreicht werden, teilten Deborah Persaud und ihre Kollegen auf der Konferenz mit. Die Menge der Viren sei daraufhin gesunken, bis sie nach 29 Tagen nicht mehr nachweisbar war. Dennoch sei das kleine Mädchen weiter therapiert worden. Bis die Mutter die Behandlung für 10 Monate abbrach. Die Mediziner erklären die erfreuliche Entwicklung damit, dass durch die sehr frühe Behandlung die Bildung von Virenreservoirs unterbunden wurde. Normalerweise entstehen bei einer HIV-Erkrankung Schäfchenzellen, die das Immunsystem als nicht infiziert erkennt und welche deswegen auch nicht durch die uns bekannten Medikamente behandelt werden können. Dies erklärt auch, warum HIV-Betroffene oft erst spät an Aids erkranken und lebenslänglich Medikamente einnehmen müssen.
Bisher nur eine Heilung von HIV
Zuvor gab es erst einen Fall, bei dem ein Aids-Patient erfolgreich behandelt wurde. Dies gelang bei Timothy Brown, bei dem das komplette Immunsystem zerstört wurde und anschliessend eine Knochenmarktransplantation mit einem Knochenmark stattfand, welches durch eine genetische Veränderung gegen HIV wirkt. Das betroffene Kind erhielt hingegen eine Medikamentenmischung aus HIV-Mitteln, die aus noch nicht vollständigen Gründen zu solch einem Erfolg führten. Persaud sieht so eine Möglichkeit zum Kampf gegen HIV, möchte aber zunächst noch Tests zur Sicherheit durchführen, dass die gewünschte Wirkung bei allen Kindern auftritt.
Erfolg trotz Unterbrechung der Therapie
Nach 10 Monaten liess die Mutter ihr Kind erneut untersuchen und glücklicherweise stellte sich durch die durchgeführten Tests heraus, dass das Mädchen trotz fehlender Medikamente HIV-negativ war. Durch eine zweite Analyse stellte sich heraus, dass es nicht einmal zur Antikörperbildung kam und auch keine HI-Viren in CD4-T-Zellen schlummerten. Allein im Erbgut der Viren ist eine geringe Menge des Aids-Erregers gefunden worden, welche nur knapp über der Nachweisgrenze liegt. Die Mutter erläuterte nicht, warum sie ihr Kind 10 Monate lang nicht zur Behandlung brachte, jedoch warnen die Mediziner vor solch einem Verhalten. So könne man zwar herausfinden, ob der Virus zurückkomme, jedoch erhöhe sich auch die Gefahr der Bildung von medikamentenresistenten Erregern, was eine Behandlung deutlich erschwere. Dennoch untersuche man nun, ob das Aussetzen der Therapie zum Behandlungserfolg beitragen kann. Solch ein Erfolg scheint dringend notwendig zu sein, denn obwohl die Neuinfektionen sinken, sind rund 1,7 Millionen Menschen, die jährlich an Aids und den Folgeerkrankungen sterben, deutlich zu viele.
Bildquelle: spiegel.de