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Signatur:
Ar 591
Die gegenwärtige Corona-Epidemie zwingt auch das Schweizerische Sozialarchiv zu einer starken Einschränkung seiner Dienstleistungen:
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Ar 591
1877-2009
2.5 m
Industrialisierung und Landflucht führten im ausgehenden 19. Jahrhundert dazu, dass junge Frauen in Scharen in die Städte strömten. Sie suchten als Dienstmädchen, Gouvernanten, Verkäuferinnen oder Fabrikarbeiterinnen ein Auskommen. Ihre Arbeits- und Lebensverhältnisse waren häufig sehr prekär. Viele von ihnen landeten aus unmittelbarer Not oder in der Hoffnung auf höheren Verdienst und ein leichteres Leben, nicht selten aber auch gezwungen von Mädchenhändlern oder Kneipenwirten, in den Bordellen oder in der Strassenprostitution. Dieses neue gesellschaftliche Phänomen führte dazu, dass in allen grösseren Schweizer Städten Sittlichkeitsvereine wie Pilze aus dem Boden schossen.
Zu den zahlreichen Neugründungen gehört auch der Internationale Verein der Freundinnen junger Mädchen (FjM), der 1877 in Genf gegründet wurde. Die Gründung unmittelbar im Anschluss an den ersten Kongress der Internationalen Abolitionistischen Föderation, der eben in Genf stattgefunden und Fragen der öffentlichen Moral und Sittlichkeit verhandelt hatte. Auf diesem Kongress waren die Teilnehmer mit den Schicksalen „beklagenswerte(r), jammervolle(r) Opfer eines organisierten, raffiniert operierenden, internationalen Handels“ konfrontiert worden, „welcher auf Bahnhöfen, in Eisenbahnzügen, auf Dampfbooten, sowie durch schlimme Stellenvermittlungen, trügerische Inserate usw. seine verhängnisvollen Netze auswirft und für welchen Herr Pfarrer Th. Borel in Genf zum erstenmal das Wort Traite des Blanches, Mädchenhandel, prägte.“ [Schweizerischer Zweig des Internat. Vereins der Freundinnen junger Mädchen. Erster Gesamtbericht 1886-1916, 1916, S. 5]. 1886 wurde der Schweizer Zweig der Freundinnen junger Mädchen gegründet und bis 1916 entstanden 22 Kantonal-Komitees, darunter 1887 die Zürcher Sektion. Ein siebenzackiger Stern im Schild des Heiligen Michael und die Buchstaben A und F für „Amie“ (Freundin) und „Fille“ (Mädchen) wird das Erkennungszeichen der „Freundinnen“.
1999 erfolgte eine Namensänderung in COMPAGNA bzw. COMPAGNA Zürich.
Die Ablieferung der audiovisuellen Medien erfolgte am 29.09.2015. Das Papierarchiv gelangte am 08.02.2016 in Schweizerische Sozialarchiv. Die Übergaben wurden von Jeanne Pestalozzi betreut.
Der Archivbestand dokumentiert die praktische Arbeit im präventiven Schutz vor den Gefahren der Prostitution, beispielsweise die Betreuung junger Frauen bei der Ankunft in der Stadt im Rahmen der sogenannten Bahnhofhilfe, die Unterstützung bei der Stellenvermittlung oder das Angebot preisgünstiger Unterkünfte im Marthahaus an der Zähringerstrasse. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dann die Vermittlung von Aupair-Stellen hinzu und mit der Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wandelte sich auch die traditionelle Bahnhofhilfe, die immer mehr auch fremde, ältere oder allgemein unsicher wirkende Personen unterstützte. Speziell hervorzuheben ist der umfangreiche Bestand an Fotodokumenten und Objekten, der bis in die Anfänge der Zürcher Sektion zurückreicht.
Der Bestand enthält Gremienunterlagen (Protokolle, Jahresberichte), Statuten und Reglemente, Korrespondenzen, Akten zu den Liegenschaften Lutherstrasse, Mainau und Martahaus, zu kantonalzürcherischen Sektionen sowie zur Bahnhofhilfe.
Kassiert wurden Doubletten und Mehrfachexemplare, Jahresberichte der Sektion Zürich (im Sozialarchiv vorhanden unter der Signatur: SOZARCH K414), sowie Unterlagen rein organisatorischen Charakters.
Nachlieferungen werden erwartet.
Für den Archivbestand des Vereins COMPAGNA gelten Benutzungsbeschränkungen: Alle Akten, die jünger als 50 Jahre alt sind, unterliegen einer Schutzfrist. Einsichtnahme zu wissenschaftlichen Zwecken ist möglich, setzt aber die Einwilligung des Vereins COMPAGNA voraus. Die Akten sind im Verzeichnis ohne Bestellsignaturen aufgelistet.
Der Bestand wurde in den Monaten März, April und Mai 2016 von H. Villiger und U. Kälin bearbeitet.