Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03640.jsonl.gz/2934

Gleich zu Kriegsbeginn legte Russland die Kommunikationssysteme des ukrainischen Militärs weitgehend lahm. Elon Musks Satelliteninternet Starlink wurde in der Folge rasch zu einer wichtigen Kommunikationsquelle für die ukrainischen Truppen an der Front. Bislang wurden laut Musk über 20'000 Starlink-Satelliteneinheiten an die Ukraine gespendet.
Das habe seinem Weltraumunternehmen SpaceX laufende Kosten von 80 Millionen US-Dollar verursacht und bis Ende Jahr würden es über 100 Millionen sein, schrieb Tech-Milliardär Musk am Freitag auf Twitter.
Doch damit könnte es bald vorbei sein. Dies zeigen vertrauliche Dokumente, die dem US-Sender CNN vorliegen. Demnach warnte SpaceX das Pentagon im September, dass es die Finanzierung des Internet-Dienstes in der Ukraine einstellen könnte, wenn das US-Militär nicht mehrere zehn Millionen Dollar pro Monat beisteuert.
«Wir sind nicht in der Lage, der Ukraine weitere Terminals zu spenden oder die bestehenden Terminals auf unbestimmte Zeit zu finanzieren», schrieb SpaceX dem Pentagon. Laut SpaceX koste der Betrieb des Satelliteninternets in den nächsten zwölf Monaten 400 Millionen US-Dollar.
Musk und SpaceX stellten die gelieferten Starlink-Satelliteneinheiten wiederholt als Spende dar und erhielten dafür viel Lob und Dank. Laut den Zahlen, die SpaceX dem Pentagon mitteilte, wurden aber etwa 85 Prozent der 20'000 gelieferten Terminals ganz oder teilweise von externen Quellen finanziert. Demnach berappte allein Polen 9000 Starlink-Einheiten. An den Kosten beteiligten sich auch die USA, Grossbritannien und NGOs.
Der weitaus teurere Teil ist jedoch die ständige Konnektivität, also der Datenverkehr über die Starlink-Satelliten. Laut CNN zeigen die Dokumente, dass Polen und andere Staaten bislang für etwa 30 Prozent der Internetkonnektivität aufkamen, die laut SpaceX mit 4500 Dollar pro Monat und Terminal zu Buche schlagen.
In einem Brief bat SpaceX das US-Verteidigungsministerium, weitere Starlink-Lieferungen sowie die laufenden Kosten in der Höhe von 124 Millionen Dollar für den Rest des Jahres 2022 zu übernehmen. Neue Lieferungen werden nötig, da im Krieg pro Monat rund 500 Starlink-Terminals zerstört werden.
Die Forderung von SpaceX, dass das US-Militär und somit die Steuerzahler für die weiteren Kosten aufkommen sollen, kommt im Pentagon schlecht an. Ein hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums erklärte gegenüber CNN, dass SpaceX «die Frechheit besitzt, wie ein Held dazustehen», während andere so viel bezahlen und ihnen nun eine Rechnung in zweistelliger Millionenhöhe pro Monat präsentiert wird.
Für die gelieferten Starlink-Geräte und die laufenden Kosten für die Internetverbindung wurden laut den Dokumenten weit höhere Preise veranschlagt als die offiziellen Preise auf der Starlink-Website. Dort kostet der Service in der Ukraine nur 60 Dollar pro Monat. «Das sind gerade einmal 1,3 Prozent des Preises, den das Pentagon laut SpaceX zahlen muss», schreibt CNN.
«Man könnte sagen, dass er versucht, Geld von der Regierung zu bekommen oder einfach zu sagen, dass er nicht mehr beteiligt sein will», zitiert CNN eine anonyme Quelle, die mit Musks Starlink-Lieferungen vertraut ist.
Die neuen Dokumente fallen inmitten der jüngsten Berichte über weitreichende Starlink-Ausfälle, seitdem die ukrainischen Truppen versuchen, das von Russland besetzte Gebiet im Osten und Süden des Landes zurückzuerobern. Musk bestritt die Ausfälle nicht und sagte, dass das, was auf dem Schlachtfeld geschehe, geheim sei.
Vor wenigen Tagen setzte sich Musk mit einem rudimentären Friedensplan in die Nesseln, der die Krim Russland zuschanzen würde und entsprechend für Entsetzen in der Ukraine sorgte. Der Botschafter der Ukraine in Deutschland reagierte mit einem undiplomatischen «Fuck off» in Richtung Musk. Auf den SpaceX-Rückzieher angesprochen antwortet Musk lapidar: «Wir folgen nur seiner Empfehlung 🤷»
(oli)
In Grossbritannien kommt die konservative Regierung von Premierminister Rishi Sunak aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus. Wegen einer Steueraffäre entliess Sunak am Sonntag den Generalsekretär seiner Tory-Partei, Nadhim Zahawi, und warf ihn auch aus dem Kabinett, wie die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf das Entlassungsschreiben meldete. Zuvor hatte der Regierungschef, der noch keine 100 Tage im Amt ist, eine unabhängige Untersuchung zu den Vorwürfen in Auftrag gegeben. Zahawi hatte bislang als Minister ohne besonderen Aufgabenbereich auch einen Platz im Kabinett.