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Aus den Augen, aus dem Sinn
Die Menge an Elektroschrott nimmt aufgrund unseres Konsumverhaltens rasant zu. Nur ein Bruchteil der ausgedienten Geräte findet den Weg in eine Recyclinganlage, der grösste Teil landet auf Müllhalden oder im Hinterhofrecycling von Entwicklungs- oder Schwellenländern und verursacht dort Gesundheitsschäden und Umweltverschmutzung.
Europa ist mit der zunehmenden Flut von Elektroschrott überfordert – rund 10 Millionen Tonnen pro Jahr. Die nicht mehr benutzten TV- und Bürogeräte, Computer und Telefone lagern auf Deponien oder werden in Entwicklungsländer verschifft. Zwar verbietet die 1992 in Kraft getretene «Basler Konvention» den Export von giftigen Abfällen in Nicht-OECD-Länder, dennoch gelangen Zehntausende Tonnen ausgedienter Geräte nach China, Indien oder Westafrika. Häufig werden die illegalen Abfälle zusammen mit noch funktionierenden Geräten transportiert, um Inspektionen zu täuschen. In Ghana, einem der wichtigsten Zielländer für Second-Hand-Elektronik, war 2009 ein Drittel aller importierten Geräte – Apparate im Gewicht von 40 000 Tonnen – nicht mehr funktionsfähig. Die Menschen in Entwicklungsländern haben Elektronikabfälle als Einkommensquelle entdeckt. Auf den Mülldeponien wird eingesammelt, zerlegt und repariert, was weiterverkauft werden kann. Meist fehlen den Personen, die in diesem informellen Recyclingsektor arbeiten, Wissen und Respekt vor den Gefahren und geeignete Werkstätten für die ungefährliche Wiederaufbereitung. Zunehmend findet aber auch in den Entwicklungsländern eine Professionalisierung des Recyclings statt.
Schwermetalldämpfe und Dioxine
Meist zerlegen Familien oder Kleinunternehmen die alten Geräte mit einfachsten Mitteln. Kabelisolationen werden verbrannt, um das Kupfer freizulegen, Metalle werden in offenen Säurebädern herausgelöst, Leiterplatten werden über dem Feuer erhitzt, um Gold zu gewinnen. Dabei entstehen hochgiftige Dämpfe und gefährliche Schwermetalle, krebserregende Dioxine werden freigesetzt. Die Folgen davon: Reizungen der Augen und Atemwege, Hautkrankheiten, Schädigungen der Organe und des Nervensystems. Die Restmaterialien lagern oft auf Wilddeponien und verseuchen den Boden. Dadurch wird auch die lokale Bevölkerung gefährdet, welche die Schadstoffe über das Wasser und über Nahrungsmittel, die auf den vergifteten Böden angebaut wurden, aufnimmt.
Kinder sind viel anfälliger auf Schadstoffe
Kinder sind von den gesundheitsschädigenden Stoffen besonders betroffen. Laut einer Studie des UN-Umweltprogramms UNEP arbeiten in Westafrika Kinder ab zwölf Jahren beim Sammeln und Trennen von Elektroschrott mit. Bereits Fünfjährige helfen bei leichteren Aufgaben wie der Materialsortierung oder dem Zerlegen kleinerer Teile. Kinder sind viel anfälliger für Umweltschadstoffe. Dazu haben sie ein unterentwickeltes Gefahrenbewusstsein und nehmen Dinge in die Hand und den Mund, von denen Erwachsene die Finger lassen würden. Vergiftungen führen in vielen Fällen zu Hirn- und Nervenschäden und beeinträchtigen die Entwicklung der Kinder unwiderruflich.
Sachgerechte Entsorgung
Im Gegensatz zu vielen EU-Ländern müssen in der Schweiz Elektronikgeräte seit 1998 von Händlern und Importeuren zurückgenommen und fachgerecht entsorgt werden. Finanziert wird die Wiederaufbereitung über eine vorgezogene Recyclinggebühr auf neuen Produkten.