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Tom Lüthi und Dominique Aegerter sind zweifellos Weltspitze. Das hat die am Sonntag in Valencia zu Ende gegangene Moto2-Saison bewiesen. Im Duell um die inner-schweizerische Vorherrschaft setzte sich Lüthi am Ende durch, mit 22 Punkten Vorsprung auf Landsmann Aegerter sicherte er sich den vierten Schlussrang im WM-Klassement und war damit der beste aller Suter-Piloten, also gewissermassen «best of the rest».
Sowohl Lüthi wie auch Aegerter standen viermal auf dem Podest, Lüthi zweimal ganz zuoberst (in Japan und Valencia), Aegerter einmal (auf dem Sachsenring). Das sind ansprechende Zahlen, auch wenn am Ende deutliche 80 (Lüthi) respektive 102 Punkte (Aegerter) auf das WM-Podest fehlten.
Lüthi, der Spätzünder
Lüthi rettete mit der starken Saison-Schlussphase ein bis dahin verkorkstes Jahr. Angetreten war der Emmentaler, um endlich wieder um den WM-Titel mitzukämpfen. Lüthi war topfit, die langwierige Schulter-Verletzung aus der Saison 2013 verheilt und die Spitzenresultate aus den Vorsaison-Tests lieferten Grund zum Optimismus.
Doch in der unglaublich ausgeglichenen und umkämpften Moto2-Klasse mit Honda-Einheitsmotoren muss alles perfekt stimmen, damit man ganz vorne mitfahren kann. Und bei Lüthi stimmte es lange Zeit nicht. Wie die meisten Suter-Piloten kam er mit dem Schweizer Chassis nicht wunschgemäss zurecht, dazu entwickelte das Team das Bike in die falsche Richtung, was erst (zu) spät bemerkt wurde. Ein Chassis-Update sorgte dafür, dass Lüthi gegen Ende der Saison wieder Vertrauen fasste und zu später Hochform fand, mit zwei Siegen und einem zweiten Platz in den letzten vier Rennen.
Aegerter, der Verunsicherte
Aegerter war lange einer der Aufsteiger der Saison. Nach WM-Rang 5 im Vorjahr schien die Entwicklung in Richtung Spitze ungebrochen weiterzugehen. In den ersten vier Rennen stand er zweimal auf dem Podest und nach einem kleinen Zwischentief feierte er vor der Sommerpause auf dem Sachsenring den ersten Sieg, welchen er mit Rang 3 in Indianapolis zum Auftakt in die zweite Saisonhälfte bestätigte. Aegerter schien ganz vorne angekommen...
Doch die kommenden Wochen und Monate wurden für den Oberaargauer zur Tortur. Aegerter, der die Probleme des Suter-Chassis mit seinem couragierten, unbekümmerten Fahrstil zu kompensieren vermochte, fing plötzlich zu grübeln an. Die lange unbeantworteten Fragen nach seiner Zukunft (MotoGP? Anderes Moto2-Team?) und einer möglichen Zusammenarbeit mit Lüthi liessen den Draufgänger langsamer werden. Seine Lockerheit war plötzlich weg, zu oft versuchte er es mit der Brechstange. Die Folge waren mässige Resultate und ungewohnte Stürze.
Neues Chassis, neues Glück?
In der nächsten Saison wird nun für die beiden besten Schweizer Töff-Piloten vieles anders. Das gilt ganz speziell für Lüthi. Der Routinier wechselt nach 13 Jahren im Team seines Managers und Förderers Daniel Epp unter das Dach von Aegerter. Zusammen werden sie auf ein Kalex-Bike umsteigen. Nach jahrelanger Treue zum Schweizer Suter-Produkt schien die Zeit reif für eine Veränderung. Lüthi erhofft sich so neue Impulse, um 2015 einen Schritt nach vorne zu machen und bei der Vergabe des WM-Titels ein Wörtchen mitreden zu können.
Aegerter bleibt seinem Team erhalten. Neu sind für ihn der Austausch mit Lüthi und natürlich das Kalex-Bike. Mit dem Chassis-Wechsel gehen Lüthi und Aegerter ein gewisses Risiko ein, was sich bei Betrachtung der Resultate aus dieser Saison allerdings relativiert; denn auf dem WM-Podest stehen ausschliesslich Kalex-Fahrer.
Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 09.11.14, 12:05 Uhr