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Gibt es ein optimales Adhäsivsystem für Zahnhalsfüllungen?
Zahnfarbene adhäsive Füllungsmaterialien werden mit guten klinischen Ergebnissen in der Zahnmedizin ver- wendet. Dennoch hängt deren Erfolg vom eingesetzten Adhäsivsystem ab, welches den Verbund und damit auch ein konservatives Vorgehen bei der Präparation der Kavitäten ermöglicht. Ziel dieser Übersichtsarbeit war es, die Effektivität der Systeme bei nicht kariösen zervikalen Läsionen (Zahnhalsfüllungen) zu untersuchen. Die Arbeit berücksichtigte folgende Bondingsysteme:
1. Drei-Schritt-Etch-and-Rinse-Systeme,
2. Zwei-Schritt-Etch-and-Rinse-Systeme,
3. selbstkonditionierende Zwei-Schritt-Systeme und 4. selbstkonditionierende Ein-Schritt-Systeme.
Von den Autoren wurden verschiedene elektronische Datenbanken durchsucht: Cochrane Oral Health Group Trials Register, The Cochrane Central Register of Con- trolledTrials (Central), Medline und Embase sowie eine Reihe von zahnmedizinischen Publikationen, die in den entsprechenden Studien referenziert waren. Die Qualität jeder berücksichtigten Studie wurde von zwei unabhängigen Begutachtern bestimmt. Randomisierte kontrollierte Studien, die mindestens zwei verschiedene Adhäsivsysteme bei nicht kariösen zervikalen Läsionen über einen Zeitraum von mindestens 18 Monaten untersucht hatten, wurden ausgewählt. Das primäre Ergebnis war Retentionsverlust und das sekun- däres marginale Adaptation sowie marginale Verfärbung. Es wurden 26 Studien eingeschlossen (13 parallele Gruppenstudien, 11 mit gepaartem Design und zwei mit Quadrantenzuweisungen), die mehrheitlich an zahnme- dizinischen Universitäten durchgeführt worden waren. Nur fünf Studien konnten als gering befangen bezeichnet werden. Die Qualität der verfügbaren Daten erlaubte keine Metaanalyse, was zur Präsentation einer qualitati- ven Zusammenfassung führte. Zwar zeigten die Studien mit einem geringen Risiko einer Verfälschung gute klini- sche Ergebnisse für die Adhäsive aller vier Strategien, aber in den eingeschlossenen Studien wurde eine große Bandbreite zwischen den Adhäsiven derselben Kategorie gefunden.
Schlussfolgerungen: Es gibt nicht genügend Evidenz, ein bestimmtes Adhäsiv oder eine bestimmte Bondingstrategie einer anderen vorzuziehen. Das bedeutet, dass die Nullhypothese (keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Systemen im Hinblick auf den klinischen Erfolg) mit den aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Daten weder bestätigt noch verworfen werden kann. Es sind bessere Standardisierungen und randomisierte kontrollierte Studien zur Untersuchung der Wirkung und des klinischen Erfolgs von Adhäsiven notwendig, um die oft verfälschten Studienergebnisse zu vermeiden.
Chee B, Rickman L, Satterthwaite JD. Adhesives for the restoration of non-carious cervical lesions: a systematic review. J Dent 2012 Feb 18 [Epub ahead of print]. PubMed ID: 22353603.
Welche Versorgungsmethode ist für teil- bezahnte Patienten empfehlenswert?
Die Versorgung von teilbezahnten Patienten gehört nach wie vor zu den zahnärztlichen Routineaufgaben. Ziel dieser Cochrane-Übersicht war es, den Einfluss ver- schiedener prothetischer Versorgungsarten bei der Be- handlung teilbezahnter Dentitionen in Bezug auf die Parameter Langzeiterfolg, Funktion, Morbidität und Patientenzufriedenheit zu untersuchen. Durchsucht wurden die Datenbanken Cochrane Oral Health Group’sTrials Register, Cochrane Central Register of ControlledTrials (Central), Medline und Embase ohne sprachliche oder zeitliche Einschränkung. Die Autoren schlossen randomisierte kontrollierte Studien ein, die verschiedene Methoden (einschließlich des Designs und der verwendeten Materialien) der Behandlung teilbezahnter Patienten mit klinisch relevanten Resultaten verglichen hatten. Studien, die nur stellvertretende Ergebnisse wie Plaqueansammlung oder gingivales Volumen beschrieben, wurden ausgeschlossen.
Zwei Begutachter führten unabhängig voneinander die Bewertung der einzuschließenden Studien, die Bestimmung der Qualität der Studien und die Daten- auswertung durch. Die Resultate wurden als durch- schnittliche Unterschiede für kontinuierliche Daten, Risikoverhältnisse für dichotome Ergebnisse und eine Risikobewertung mit einem 95 %-Konfidenzintervall für die Zeitereignisdaten dargestellt.
21 Studien entsprachen den Einschlusskriterien für diese Übersichtsarbeit. Von ihnen wurden 24 % als potenziell hoch verfälscht und der Rest als Unter- suchungen mit unklarer Verfälschung eingestuft. Die klinische Heterogenität zwischen den berücksichtigten Studien schloss den Versuch einer Metaanalyse von vornherein aus. Es zeigte sich eine ungenügende Evi- denz zur Bestimmung, ob ein Typ einer abnehmbaren prothetischen Versorgung (RDP) besser oder schlechter als ein anderer ist. Bei festsitzenden Versorgungen (FDPs) fand sich weder eine Evidenz, dass hochgold- haltige Legierungen besser oder schlechter als andere Legierungen sind, noch eine Evidenz, dass Gold-legierungen oder Gerüste besser oder schlechter als Titanium sind. Es bestand eine ungenügende Evidenz zur Bestimmung, ob Zirkonoxid besser oder schlechter als andere FDP-Materialien ist, ob keramische Abut- ments besser oder schlechter alsTitan sind und ob ein Zement sich besser als ein anderer zur Retention einer FDP eignet. Ferner bestand eine ungenügende Evidenz zur Bestimmung der relativen Effektivität von FDPs und RDPs bei Patienten mit verkürzten Zahnreihen oder zur Bestimmung der relativen Vorteile implantatgetragener FDPs gegenüber zahn-/implantat- getragenen FDPs.
Schlussfolgerungen: Basierend auf den Studien, welche die Einschlusskriterien dieser Übersichtsarbeit erfüllten, gibt es keine Evidenz, eine besondere Me- thode zum Ersatz fehlender Zähne im teilbezahnten Gebiss zu empfehlen. Die aktuellen Untersuchungen auf diesem Gebiet finden sich in nicht randomisierten Studien, in Studien ohne einen Vergleich verschiedener Versorgungsarten und in Arbeiten, welche nicht den in der Praxis gebräuchlichen Standards entsprechen. Als Konsequenz sollten mehr randomisierte kontrollierte Studien – idealerweise mit genügend langer Beobachtungszeit -durchgeführt werden, um so Daten zu Komfort, Funktion, Erscheinungsbild und Überlebensraten verschiedener Arten von prothetischen Versorgungen bewerten zu können. Außerdem ist es not- wendig, den Einfluss von Verfälschungen durch nicht randomisierte Studiendesigns besser zu verstehen. Da dentale Implantate eine immer beliebtere Behandlungsmethode darstellen, muss festgehalten werden, dass die Forschung die Rolle der Implantate in der Be- handlung von teilbezahnten Dentitionen sehr hoch bewertet, dass es aber dennoch wichtig ist, eine vergleichende Forschung zu konventionellen zahngetragenen Versorgungen durchzuführen und den mög- lichen Nutzen verschiedener Versorgungsarten für bestimmte Patientengruppen zu bewerten.
Abt E, Carr AB, Worthington HV. Interventions for replacing missing teeth: partially absent dentition. Cochrane Database Syst Rev 2012;(2):CD003814. DOI: 10.1002/14651858.CD003814.pub2.