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Willkommen in der Zukunft: Schafft es Terrafugia bald, das „fliegende Auto“ auf den Markt zu bringen?
Wer kennt nicht die Science-Fiction-Trilogie „Back to the Future“ (Zurück in die Zukunft) mit Michael J. Fox? Dort war es 1985 ein DeLorean DMC-12, der nach einer Reise in die Zukunft – es war das Jahr 2015, welches bereist wurde – nicht nur als Zeitmaschine mittels „Fluxkompensator“ fungierte, sondern auch fliegen konnte. Ein fliegendes Auto – wäre das nicht die Lösung aller Verkehrsprobleme der Zukunft oder würde es die Probleme von der Strasse nur in die Lüfte verlagern?
Das Unternehmen Terrafugia aus Woburn in den USA arbeitet jedenfalls mit Hochdruck daran, das Projekt „Flugauto“ Realität werden zu lassen. Doch wie weit ist man wirklich mit diesem recht finalen Schritt der Fortbewegung, der eigentlich nur noch durch das „Beamen“ von A nach B getoppt werden kann?
Der Traum vom fliegenden Auto ist älter, als man denkt
Der Traum vom fliegenden Auto, mit dem man Hindernisse auf der Strasse spielend überwinden kann, ist nicht erst durch die Trilogie von Robert Zemeckis entstanden. Es gibt ihn schon lange, lange vor den 80ern. Schon 1903, also 82 Jahre vor der filmischen Umsetzung im Popcorn-Kino und als der Autofahrer noch nicht von Staus geplagt war, wurde in Paris das erste fliegende Auto patentiert. Doch gebaut wurde es nie.
14 Jahre später, also 1917, war es Glenn Curtiss, der ein fliegendes Auto konzipierte, das aber nie in die Luft abhob. Es dauerte 20 Jahre, bevor wirklich ein Fahrzeug „in die Luft ging“ – das fliegende Auto von Waldo Waterman. Knapp 100 km/h am Boden und immerhin 177 in der Luft erreichte das Aerobile durch eine Motorisierung von Studebaker. Wäre da nicht die Fahrzeuglänge von über sechs Metern und die Spannweite von zwölf Metern gewesen, es hätte etwas werden können – doch wo soll ein Pkw mit einer Breite von mehr als zwölf Metern fahren?
Paul Moller aus Kanada wollte bereits Mitte der 60er diese Probleme damit umgehen, dass er eine fahrende und fliegende Untertasse konstruierte. Im Jahr 1989 gelang es ihm sogar, seinen Prototyp M 200 mittels vertikal stehender Düsen eines Jets zu starten, aber mehr als einen Startversuch gab es dann doch nicht zu vermelden. So blieb es bisher nur bei Konzepten und Versuchen, die eigentlich kollektiv kläglich scheiterten – und somit ist das fliegende Auto weiterhin Science-Fiction geblieben.
Terrafugia als Wegbereiter der fliegenden Autos
Man kann und darf das Unternehmen Terrafugia aus Woburn im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts als erstes Unternehmen betrachten, das tatsächlich in der Lage ist, ein fliegendes Auto zu bauen. Sie sind wirklich ernst zu nehmen, zumal sich ihr Modell mit dem Namen Transition bereits erfolgreich in der Luft behauptet hat. Gut, die Flugzeit betrug nicht mehr als neun Minuten, aber sie haben zumindest bewiesen, es geht in die richtige Richtung. 2012 präsentierte das Unternehmen voller Stolz das Modell auf der Auto Show in New York.
Seitdem hat das Unternehmen eine vierstellige Zahl von Interessenten an dem neuartigen Gefährt registrieren können. Das ist bei einem Preis von mehr als 200’000 Franken und der Ungewissheit, ob das Modell jemals weitere Strecken wird fliegen können, ganz enorm. Der Bedarf und das Interesse sind also vorhanden.
Terrafugia war auch in der Lage, das Flügelproblem annehmbar zu lösen. So ist das Gefährt in der Lage, die Flügel einzuklappen, damit sie nicht zum Platzproblem werden. Der Motor von Rotax, der das Vehikel auf der Strasse mit seinen 104 PS auf rund 110 km/h beschleunigt, schafft in der Luft eine Geschwindigkeit von mehr als 190 Kilometer die Stunde. Und doch zeigen sich auch da Probleme: Um überhaupt zu fliegen, braucht man einen „Anlauf“ von mehr als 500 Metern auf freier Strecke. Hat man die nicht, muss man am Boden bleiben.
Diese lange Strecke für einen Start wird auch dafür sorgen, dass ein Transition keine wirkliche Gefahr für die Automobilindustrie darstellt, denn welcher Autobesitzer hat schon eine Landebahn direkt vor der Haustüre? Zudem benötigt man zum normalen Autoführerschein die Fluglizenz, die nicht eben als preisgünstig verschrien ist, und man muss zumindest 20 erfolgreiche Flugstunden auf echten Flugzeugen nachweisen können. All das ist weit von „billig“ entfernt – wie das Gefährt selbst auch.
Löst der TF-X von Terrafugia alle Probleme?
Der neueste Wurf aus Woburn könnte dann allerdings den Durchbruch bedeuten. TF-X nennt sich das Mobil und ist eine Mischung aus Helikopter, Auto und Flugzeug. Für die Startsequenz verwandelt sich das Gefährt in einen Heli, der keinerlei Startbahn benötigt. Ist das Vehikel erst einmal in der Luft, werden die Propeller eingefahren und der weitere Schub findet wie bei einem herkömmlichen Flugzeug statt. Bedient hat man sich dafür der Technik, welche bei den US-Marines verwendet wird: im V-22 Osprey, dem Fischadler. Kipprotoren sorgen für den senkrechten Start und die weitere Fortbewegung in der Waagerechten.
Zwei Plug-in-Hybride sorgen für 1200 PS Power in der Luft und ein Verbrennungsmotor mit 300 PS für den Speed am Boden. Das soll knapp 1000 Kilometer an Reichweite mit einer mittleren Reisegeschwindigkeit von 320 km/h bringen. Im Praxisversuch konnte sich das Modell TF-X noch nicht behaupten, aber wenn es nach Terrafugia geht, soll in fünf bis maximal zehn Jahren die Serienreife bestehen. Vorbestellungen nimmt das Unternehmen jetzt bereits entgegen und es wird zugesichert, die Ausbildungszeit, um den TF-X in der Luft zu steuern, werde nicht mehr als fünf Stunden benötigen, da die Steuerung über die Datennetze funktioniere und man nur im Notfall auf Handsteuerung wechseln müsse.
Kann der TF-X also die zunehmenden Verkehrsprobleme lösen? Ist all das, was bei Terrafugia am Planungsbrett entsteht, umsetzbar, ist mit dem TF-X ein ganz entscheidender Schritt in die mobile Zukunft getan. Immerhin wäre man dann binnen weniger als sechs Stunden von Zürich aus am Bosporus, um in Istanbul einen Tee zu trinken – und das mit dem eigenen „Wagen“, der halt auch fliegen kann.
Oberstes Bild: The Terrafugia Flying Car auf New York Internatioanl Auto Show 2012 (© LotPro Cars, Wikimedia, CC)