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Von Alpnachstad aus (450m ü.M.) führt die steilste Zahnradbahn der Welt in nur 4,6km auf den Pilatus
(2100m ü.M.) und überwindet dabei gut 1600 Höhenmeter.
Die Strecke gestaltet sich realtiv einfach: Von der Talstation führt die Reise in die Mittelstation Ämsigen,
wo die berg- und talwärts fahrenden Wagen einander kreuzen, schlussendlich endet die Fahrt in der Bergstation
Pilatus Kulm. Dennoch bergen insbesondere die drei Stationen ihre Besonderheiten:
Talstation und Depot Alpnachstad
Der Bahnhof Alpnachstad PB befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Schiffsteg und zum Bahnhof der
Zentralbahn auf der Brünigstrecke. Etwas weiter oben befindet sich der Depot- und Werkstattkomplex.
Folgender Gleisplan bietet eine Übersicht der Situation in Alpnachstad:

|Blick von unten auf die Schiebebühne Alpnachstad;

Rechts befindet sich das Hauptgleis und die Perrontreppe,
links das Abstellgleis
Die Talstation besteht aus dem Stationsgebäude und zwei Gleisen (Hauptgleis und Abstelltgleis). Der
Fahrgastwechsel findet über eine Treppe am Hauptgleis statt. Diese "Perrontreppe" misst zwei Wagenlängen.
Die weiteren Triebwagen warten auf dem Abstellgleis und werden bei Bedarf mit der Schiebebühne Alpnachstad auf
das Hauptgleis verschoben. Während das Abstellgleis mit der Schiebebühne endet, wird das Hauptgleis
noch mit einem kleinen Stummel (halbe Wagenlänge) fortgeführt.

|Blick von oben auf die Schiebebühne Alpnachstad;

das Hauptgleis (links) wird in die "Grube" fortgesetzt
Diese "Grube" dient dazu, ebenerdig Material
oder auch Rollstühle einzuladen: Indem der Triebwagen in die Grube fährt, kann jeweils eines der unteren drei
Abteile auf das Niveau des Stationsbodens gebracht werden.
Haupt- und Abstellgleis verlaufen parallel bis zur Schiebebühne Obsee, wo der Bahnhof Alpnachstad endet.
Während das Hauptgleis über die Schiebebühne auf die offene Strecke fortgeführt wird, enden das Abstellgleis
und das Werkstattgleis hier.
Die Schiebebühne Obsee wird für diverse Ranigermanöver verwendet. Bei Betriebsbeginn werden die Wagen
über diese Bühne auf dem Hauptgleis oder Abstellgleis bereitsgestellt und nach Betriebsschluss über das
Hauptgleis wieder ins Depot verräumt. Im laufenden Betrieb werden leere Triebwagen von der Strecke auf das
Abstellgleis verschoben und umgekehrt. Vormittags fahren oft leere Wagen talwärts, diese welchseln bereits
im Obsee auf das Abstellgleis um die Abfertigung in der Talstation zu beschleunigen. Am Nachmittag hingegen
werden meistens die ersten beiden Wagen, aus denen die Fahrgäste in der Talstation ausgestiegen sind, leer
über das Abstellgleis auf die Strecke nach Pilauts Kulm geschickt.

|Blick in die Depothalle

|Blick aus der entgegengesetzten Richtung; ganz links die

Einfahrt, das Gleis ganz rechts führt in die Werkstatthalle
Das Werkstattgleis führt über den "Putzplatz" in die Depothalle. Dort befindet sich ebenfalls eine Schiebebühne,
mit der die Wagen auf eines der vier Gleise verschoben werden können. In der Nacht sind alle Triebwagen
im Depot abgestellt. Das seeseitige Gleis führt in die Werkstatthalle, in der Reparaturen sowie die Revisionen
vorgenommen werden.
Das Depotareal ist der einzige Bereich der Pilatusbahn ohne Steigung. Auf der Strecke hingegen beträgt die
minimale Steigung immer noch 19%. Das ist auch gut so, denn da die Abteile der Wagen geneigt sind sitzt man
in der Waagrechten nicht sehr bequem. Hingegen wird auch im Depot eine Zahnstange benötigt, da Antrieb und
Bremse ausschliesslich über die Zahnräder laufen. Nur die Werkstatthalle ist Zahnstangenlos, weshalb die
Wagen hier von Hand geschoben werden müssen.
Untere Streckenhälfte

|Aussicht Richtung Alpnach, im Vordergrund die Grossrütistrasse

|Blick vom Wolfort-Viadukt auf den Alpnachersee

Bereits kurz nach der Schiebebühne Obsee folgt der erste Streckenabschnitt mit der maximalen Steigung von
48%. Kurz darauf führt das Trasse mit einer Brücke über eine kleine Bergstrasse (Grossrütistrasse) und
verschwindet anschliessend im Wald.
Weil der untere Streckenteil bewaldet ist, bietet sich den Gästen noch wenig Aussicht. Wer jedoch im rechten Moment
aus dem Fenster schaut, geniesst vom Wolfort-Viadukt aus einen fantastischen Blick auf den Alpnachersee!
In der Regel dauert dieser Blick nur sehr kurz und unvorbereiteten Gästen gelingt es nicht, ein Foto zu schiessen.
Der Grund ist, dass dieser Viadukt direkt in den ersten von sechs Tunnel führt. Dieser Tunnel heisst "Wolfort" und hat
seinen Namen wie das Viadukt von darunter fliessenden, gleichnamigen Bach.
Nach einem weiteren 48er-Abschnitt führt die Fahrt durch zwei kurz aufeinanderfolgende Tunnel, welche "Unterer Spycher"
und "oberer Spycher" heissen. Mit gut 100 Metern Länge ist der obere Spycher der längste Tunnel der Strecke.
Bereits kurz darauf folgt die Mittelstation Ämsigenalp auf 1350m über Meer.
Mittelstation und Ausweichstelle Ämsigenalp
Die Station Ämsigenalp besteht aus zwei Gleisen. Anstelle der Weichen befinden sich am unteren und oberen
Ende wie gewohnt Schiebebühnen. Diese sind jeodch ein wenig anders gestaltet: Auf den Bühnen befinden sich jeweils
zwei Kurvenstücke. Je nach dem, welches der beiden Kurvenstücke sich in der Lücke befindet, führt das Gleis
nach links oder nach rechts. Es wird also nicht der Treibwagen verschoben, wie in Alpnachstad, sondern die
Schiebebühen kann wie eine normale Weiche befahren werden.

|Blick von oben auf die Ausweichstelle; Auf der linken Seite fährt

ein Wagen bergwärts ein, auf dem rechten Gleis warten die
talwärtsfahrenden Fahrzeuge; links steht der Wagenführer des
ersten Triebwagens beim Kommandoposten der unteren Bühne.
Die Station Ämsigen wird benötigt, damit die bergwärts- und die talwärtsfahrenden Wagen einander ausweichen können.
Die Schiebebüne wird jeweils vom Triebwagenführer des vordersten Fahrzeugs bedient. Beim Bedienposten befindet sich
auch ein Streckentelefon, mit dem der Triebwagenführer beim Endbahnhof die Anzahl entgegenkommender Fahrzeuge anfragt.
Seit dem Jahr 2006 ist Ämsigenalp auch eine offizielel Haltestelle. Der Zustieg ist jeodch nur möglich, wenn noch
Platz vorhanden ist.
Obere Streckenhälfte

|Blick über den Vierwaldstättersee mit Bürgenstock und Rigi

|Blick über die Mattalp, im Hintergrund der Titlis

Der zweite Teil der Strecke beginnt etwas flacher, weshalb der vorausliegende Abschnitt von unten her umso steiler aussieht.
Schönes Wetter vorausgesetzt beginnt es nun mit Weitsicht. Der Blick reicht über einen grossen Teil des Vierwaldstättersees,
der Bügenstock kann ebenso bestaunt werden wie die Rigi.
Eine Kurve leitet am Mattstein vorbei den flachsten Abschnitt mit 19% Steigung ein. Während auf der linken Seite nach wie vor
die Innerschweizer Bergwelt rund um den Vierwaldstättersee zu sehen ist, entdecken aufmerksame Besucher bereits den wohl
spektakulärsten Abschnitt der Pilatusbahn: Die Eselwand. Die Streckenführung verläuft quer dieser beinahe senkrechten Felswand
und bietet damit einen gewaltigen Ausblick.

|Die Triebwagen durchfahren im Zugverband die Eselwand

Nach dem letzten Tunnel biegt der Triebwagen in die "Zielgerade" ein. Von unten am Hang sieht man die beiden Hotels, die Bergstation
und die Panaromagalerie auf dem Sattel zwischen Esel und Oberhaupt thronen. Zum letzten Mal überwindet die Strecke eine Steigung
von 48%. Vor der Einfahrt in die Bergstation steht das einzige Hautsignal der Pilatus-Zahnradbahn.
Bergstation Pilatus-Kulm

|Rechts von Pilatus-Kulm thront der Esel; Unterhalb des Rund-

baus des Hotel Bellvue ist die neue Station zu sehen, die Panorama-
galerie verbindet die Station mit dem Hotel Pilatus-Kulm (links)
Die Bergstation Pilatus Kulm ist unterteilt in die "alte Station" mit dem Gleis 1 und der "neuen Station" mit den Gleisen 3 und 4.
Ursprünglich bestand die Bergstation nur aus dem Gleis 1 und es wurde wie in Alpanchstad mit einer Schiebebühnen und zwei Abstellgleisen
gearbeitet. Nach dem das alte Hotel Bellvue abbrannte, wurde im Jahr 1963 der heute bekannte Rundbau eröffnet. Im gleichen Zug wurde
eine neue Station mit zwei Gleisen gebaut. Erstmals kamen dabei "Gleiswender" zum Einsatz.
Die beiden Gleiswender lassen sich mit den Schiebebühnen in Ämsigen vergeleichen. Allerdings befinden sich die Gleiskurven auf den beiden Seiten
einer Platte, welche um 180 Grad gewendet wird. Der erste Gleiswender bildet die Abzweige zwischen der neuen und der alten Station.
Der zweite Gleiswender stellt die Weiche zwischen ben beiden Gleisen in der neuen Station dar.
An allen drei Gleisen befinden sich Perrontreppen zum Ein- und Ausstieg der Fahrgäste. Pro Gleis haben zwei Triebwagen statt, womit
in der Bergstation der Fahrgastwechsel von bis zu sechs Wagen gleichzeitig stattfinden kann. Damit ist die Zugsabfertigung
auf Pilatus Kulm wesentlich weniger zeitintensiv als in der Talstation.

|Währen ein Triebwagen in die Station einfährt, muss das

folgende Fahrzeug vor dem geschlossenen Hauptsignal warten
Allerdings geht es auch in der Bergstation meist nicht ganz ohne Rangierfahrten. In der Regel findet der Zustieg der Fahrgäste nur
in der neuen Station statt. Deshalb fahren die ersten vier Wagen in die neue Station und der letzte (oder die letzten beiden) Wagen
in die alte Bergstation. Die Fahrgäste steigen aus und die ersten beiden Triebwagen auf dem Gleis 3 werden beladen. Wenn man aufrund des
Fahrgastaufkommens alle Wagen für die Talfahrt benötigt, wird der fünfte Triebwagen nach der Abfahrt der ersten beiden Fahrzeuge in die
neue Station rangiert, damit die Fahrgäste zusteigen können.
Eine weitere Besonderheit ist, dass der Güterumschlag (und auch Rollstühle) ausschliesslich in der alten Station abgefertigt werden können,
was wiederum zu Ragnierarbeiten führen kann.
Wenn man die Situation in Alpnachstad vor Augen hat, leuchtet es ein, dass jeweils nur so viele Fahrzeuge wie nötig mit Fahrgästen beladen
werden, um sich aufwändige Manöver in der Talstation zu ersparen.
©2019 Severin Wallimann