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Die aktuelle Ausstellung in den Vitrinen von Foyer und Debattierzimmer befasst sich mit Exilliteratur der 1930er-Jahre. Damals bot die Museumsgesellschaft vielen verfolgten Schriftsteller:innen Zuflucht, und die Bibliothek birgt einen bemerkenswerten Bestand an Exilliteratur.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 riskierten Schriftsteller:innen in Deutschland Verfolgung und Berufsverbote; ihre Namen standen auf schwarzen Listen, ihre Bücher wurden verbrannt. Suchten sie zunächst Zuflucht in Nachbarländern, flohen viele von ihnen nach der Annexion Österreichs 1938 und der Besetzung der Tschechoslowakei und Frankreichs 1939 und 1940 weiter nach England oder Übersee. Die Jahre im Exil bedeuteten oft einen Bruch in Biografie und Werk, von dem viele sich nie erholten und ihr Leben lang Geflüchtete blieben.
In einigen Ländern entstanden deutschsprachige Verlage, die die Bücher exilierter Autor:innen verlegten und mit ihrer Arbeit den politischen Widerstand gegen die Nazis unterstützten. Die Schweiz war zwar ein frühes Zufluchtsland; sie wollte aber keine neue Heimat bieten, sondern bloss Transitland sein, und bewilligte nur befristete Aufenthalte. Zusammen mit einem Arbeits- und Publikationsverbot bedeutete das in den meisten Fällen finanzielle Not, sodass die Exilierten auf Flüchtlingsorganisationen und private Hilfe angewiesen waren und oft nicht lange bleiben konnten.
Als wichtige Plattformen antinazistischer Exilliteratur etablierten sich die Verlage Emil Oprechts in Zürich; er wurde dafür 1937 vom Bundesrat abgemahnt («ausländische Tendenz- und politische Kampfliteratur»). Buchhandlung, Verlagsräume und Wohnung des Ehepaars Oprecht waren wichtige Treffpunkte für Exilierte; das Ehepaar versteckte die Flüchtlinge bei Bedarf und besorgte lebenswichtige Reisepapiere.
Ein interessanter Titel aus dem Verlagsprogramm von Oprecht ist der Roman «Zu spät?» von Hans Habe. Der österreichische Autor war 1938 ausgebürgert worden und geflohen. Oprecht veröffentlichte das Buch 1939 in seinem Europa Verlag unter dem Titel «Tödlicher Friede». Es befasst sich mit den Verhandlungen beim Völkerbund in Genf im Vorfeld des Münchner Abkommens von 1938, einer Zeit, in der sich das Schicksal der Tschechoslowakei entschied und die freie Welt vor Hitler kapitulierte. Der Gesandte des Deutschen Reichs protestierte beim Bundesrat gegen die Veröffentlichung. Dieser sah sich bemüssigt, Oprecht aufzufordern, das Buch aus dem Verkehr zu ziehen, da es die Neutralität gefährde.
Oprecht, «ein tapferer Mann […] entschloss sich zu einem Täuschungsmanöver», schreibt Habe im Vorwort der Ausgabe von 1976. Er liess einen neuen Umschlag mit dem Titel «Zu spät?» drucken, der Inhalt blieb unverändert. Die Ortsangabe «New York» war fingiert. 1941 flog diese Tarnung auf, und Habes Bücher wurden verboten. Doch obwohl der Chef der Eidgenössischen Fremdenpolizei, Heinrich Rothmund, erklärte, die Schweiz werde sich «Herrn Habes halber in keinen Krieg einlassen», ging der Verkauf des Buchs in der Schweiz weiter, und in der Presse wurde es in seitenweisen Rezensionen gewürdigt. Unter abermals geänderten Titeln wurde es in 14 Sprachen übersetzt, und die «Herald Tribune» nannte es «den Liebesroman, vor dem Goebbels zittert».
Habe, Hans: Zu spät? Ein Liebesroman mit politischem Hintergrund, New York: Europa Verlag, 1940. Signatur K 7177.
Habe, Hans: Staub im September, Olten: Walter Verlag, 1976. Signatur H 708.