Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03562.jsonl.gz/324

Bei dem bis zum 18. November angesetzten Treffen wird darüber beraten, wie man das im Pariser Abkommen vereinbarte Ziel erreichen kann, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Jeder der 197 Unterzeichner der UN-Klimakonvention (UNFCCC) verfolgt eigene Interessen, einen Konsens zu finden ist schwierig. Es folgt ein Überblick über die wichtigsten Akteure und Koalitionen:
CHINA
Der weltweit grösste Treibhausgas-Emittent erlebte in diesem Jahr den heissesten Sommer aller Zeiten. Dennoch setzt das Land verstärkt auf Kohle, um die Energieversorgung zu sichern. Präsident Xi Jinping erklärte im Oktober, China werde "die saubere und effiziente Nutzung von Kohle" unterstützen. Nur wenige erwarten, dass China bei COP27 neue Zusagen machen wird.
USA
Der nach China zweitgrösste Treibhausgas-Emittent der Welt will die Menge an sauberer Energie im Stromnetz verdreifachen und die Kohlenstoffemissionen bis zum Ende dieses Jahrzehnts um eine Milliarde Tonnen jährlich reduzieren. Am 8. November, dem zweiten Tag der COP27, wird der US-Kongress neu gewählt. Umweltschützer befürchten bei einem Wechsel zu einer Mehrheit der Republikaner, dass die Umsetzung dieser Pläne untergraben werden könnte. Die USA stehen zudem davor, die Kigali-Ergänzung zum Protokoll von Montreal zu ratifizieren, mit der die Verwendung von Fluorkohlenwasserstoffen (HFC) - einem in Kühlgeräten verwendeten Klimaschadstoff - schrittweise eingestellt werden soll.
EUROPÄISCHE UNION
Die Treibhausgas-Emissionen der EU mit ihren 27 Mitgliedstaaten machen etwa acht Prozent des weltweiten Ausstosses aus und weisen seit Jahren eine rückläufige Tendenz auf. Die EU will die Nettoemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 senken und sie bis 2050 auf null reduzieren, verhandelt aber noch über die Umsetzung dieser Ziele. Bei COP27 verhandelt die EU als eine Gruppe und will andere grosse Emittenten zu ehrgeizigen Klimazielen drängen.
GROSSBRITANNIEN
Der letztjährige Gastgeber der Konferenz sieht sich seit Monaten mit politischer Unruhe und einer Energiekrise konfrontiert, welche die Klimaziele des Landes untergraben. Im Jahr 2019 setzte sich Grossbritannien zum Ziel, bis 2050 die Emissionen netto auf null zu senken. Im vergangenen Jahr verpflichtete sich das Land bis 2035 zu einer 78-prozentigen Emissionsreduktion gegenüber 1990. Im Oktober kündigte die britische Regierung jedoch die Vergabe von neuen Öl- und Gaslizenzen in der Nordsee an. Es ist unklar, wie der neue konservative Premierminister Rishi Sunak die Energiepolitik gestalten wird. Der langjährige Klimabefürworter König Charles III. erklärte, er werde der COP27 in Ägypten fernbleiben.
SCHWELLENLÄNDER
Brasilien, Südafrika, Indien und China bilden den Block bevölkerungsreicher und schnell wachsender Länder mit stark verschmutzenden Industrien. Jedes dieser Länder hat reiche Staaten um mehr Klimafinanzierung gebeten und Gerechtigkeit durch das UNFCCC-Konzept gefordert - demnach tragen reiche Länder, die historisch gesehen die meisten Emissionen in die Atmosphäre abgegeben haben, eine grössere Verantwortung.
Indien hat sich dem Kohleausstieg widersetzt und auf der Klimakonferenz im vergangenen Jahr gemeinsam mit China versucht, stärkere Verpflichtungen zum Ausstieg aus der Kohle zu verhindern.
Brasilien wird voraussichtlich die Verhandlungen über die Regeln des Emissionshandels anführen, da das Land versucht, seine riesigen Wälder zu Geld zu machen.
Südafrika bemüht sich um den Abschluss eines Nebenabkommens, in dessen Rahmen die EU, die USA und andere Länder dem Land 8,5 Milliarden Dollar für den Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien zur Verfügung stellen.
WEITERE BLÖCKE:
G77 + CHINA - Das Bündnis bestehend aus 77 Entwicklungsländern und China hält an dem Konzept fest, dass verschiedene Länder unterschiedliche Verantwortlichkeiten haben. Auf der COP27 wird Pakistan, das in diesem Jahr von katastrophalen Überschwemmungen betroffen war, die Gruppe anführen. Die Mitglieder fordern gemeinsam einen speziellen Fonds für Entschädigungen von den Industrieländern Ländern.
AFRIKA GRUPPE - Die afrikanischen UN-Mitglieder werden auf eine zusätzliche Klimafinanzierung drängen und gleichzeitig argumentieren, dass die expandierenden Volkswirtschaften fossile Brennstoffe benötigen, um ihre Energieversorgung zu erhöhen. Viele afrikanische Länder, darunter auch das Gastgeberland Ägypten, wollen ihre Erdgasreserven als Übergangskraftstoff entwickeln und von der europäischen Nachfrage nach Gas als Ersatz für russische Importe profitieren.
CLIMATE VULNERABLE FORUM - Diese Gruppe vertritt 58 Länder, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht sind, darunter Bangladesch und die Malediven. Das CVF fordert unter dem Stichwort "loss and damage" (Verlust und Schaden) einen Finanzmechanismus, der sie unter anderem auch für wegen des Klimawandels entgangene Möglichkeiten entschädigt. Das Forum fordert ausserdem, dass alle Länder ihre Klimaziele verstärken.
ALLIANCE OF SMALL ISLAND STATES - Die Allianz der kleinen Inselstaaten (AOSIS) vertritt Länder, die durch die Auswirkungen des Klimawandels, vor allem durch den Anstieg des Meeresspiegels und die Küstenerosion, überproportional gefährdet sind.
INDEPENDENT ALLIANCE OF LATIN AMERICA AND THE CARIBBEAN - Der Zusammenschluss der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (AILAC) hat sich mit anderen Entwicklungsländern zusammengeschlossen. Sie fordern von den wohlhabenden Ländern ehrgeizigere Klimaschutzziele und mehr Finanzmittel.
LEAST DEVELOPED COUNTRY GROUP - Diese Gruppe besteht aus 46 Ländern, die durch den Klimawandel gefährdet sind, obwohl sie wenig dazu beitragen. Die WEL fordert, dass die reichen Länder doppelt so viele Mittel für die Anpassung an den Klimawandel bereitstellen und den Zugang zu diesen Mitteln verbessern.
POWERING PAST COAL ALLIANCE - Angeführt von Grossbritannien und Kanada haben sich 41 Länder und Dutzende weiterere lokale Regierungen und Unternehmen zu einem schnelleren Umstieg auf saubere Energie verpflichtet. In diesem Jahr kritisierte die Gruppe Pläne, wegen der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise mehr Kohle zu verbrennen.
HIGH AMBITION COALITION - Unter dem Vorsitz der Marshallinseln und mit Mitgliedern wie Costa Rica, den USA und der EU setzt sich diese Gruppe für fortschrittlichere Emissionsziele und eine darauf angepasste Klimapolitik ein.
(Reuters)