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Wenn die Fasnachtszeit vorbei ist, beginnt die Passionszeit und die Fastenzeit - zumindest für die Leute, die damit noch vertraut sind. Und in der Fastenzeit tauchen Anregungen wie „weniger ist mehr“ und „bewusster Verzicht“ auf.
Zwar verliert das Fasten aus religiösen Gründen an Selbstverständlichkeit, die Erfahrung selbst lebt weiter: Blogs, Podcasts und Youtube-Clips animieren zu vorübergehendem Verzicht in Form von 30-Tage-Challenges oder zur Entdeckung von Minimalismus als lifestyle: „Ich besitze weniger als 100 Dinge.“
Es gibt einen Text, der in vielen Varianten weitergegeben wird und der diese Entwicklung spiegelt - vom Gebet über das Fasten zu einer Meditation über das Verzichten.
Eine ältere Fassung sieht so aus:
Gott,
Ich faste mit den Augen.
Ich lasse die Illustrierte geschlossen und den Fernseher ausgeschaltet,
Ich nehme mir Zeit, etwas Alltägliches genau zu betrachten.
Ich möchte deine Spuren in der Welt entdecken.
Ich faste mit den Ohren.
Ich lasse das Radio schweigen und höre keine Hintergrundmusik.
Ich suche einen Ort der Stille auf, wo nur entfernte Töne in die Ruhe dringen.
So beginne ich zu hören, was du, Gott, mir sagst.
Ich faste mit dem Mund.
Ich verzichte auf Schleckereien, ich verzichte auf Fleisch.
Ich esse eine einfache Speise und trinke Wasser.
Ich bekomme ein Gespür dafür, was Hunger ist. Und wonach ich wirklich Hunger habe.
Ich faste mit den Händen.
Ich lasse die Hände ruhen und verzichte auf rastlose und hektische Tätigkeiten,
um wirklich auszuspannen und zur Ruhe zu kommen.
So kann ich auch die Hände falten und beten.
Eine neuere Fassung sieht so aus:
Ich faste mit den Augen.
Ich gestalte den Abend ohne Bildschirm und handy.
Ich verwende die Zeit, um nach innen zu schauen.
Ich entdecke, wie sehr mein Alltag von den Medien geleitet ist.
Ich faste mit den Ohren.
Ich lasse Spotify schweigen und schalte meine Social Media Notifications stumm.
Ich gönne mir Stille, um auf leise Töne zu hören.
Ich bin still und lausche in mich hinein.
Ich faste mit dem Mund.
Ich verzichte auf Zucker. Ich verzichte auf hochverarbeitete Nahrung.
Ich esse Saison-Gemüse aus der Region.
Ich entwickle ein Gespür für das, was mir und der Umwelt gut tut.
Ich faste mit den Händen.
und verzichte auf den Griff zum Handy.
Ich lege meine Hand in eine andere, und halte sie.
Ich entdecke Ruhe und Zeit für Begegnung.
Die Gestalt des Fastens und die Gestalt der Ablenkungen mögen sich ändern. Die Erfahrungen damit bleiben: Eingeschlichene Muster und Gewohnheiten liebevoll überprüfen und gegebenenfalls über Bord werfen, sich lösen aus kleinen Abhängigkeiten, die Sinne schärfen und an Freiheit, Lebensfreude und Leichtigkeit gewinnen.