Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03168.jsonl.gz/2367

Heinrich Tuggener wurde am 1. August 1924 in Cambrai (Nordfrankreich) geboren. Seine Familie zog 1925 zurück in die Schweiz. Da sein Vater Zivilangestellter im Militär war und seine Stiefmutter als Primarlehrerin in Zürich arbeitete, lebte er bei seiner Grossmutter. Er besuchte die Realschule Gelbhausgarten in Schaffhausen und leistete anschliessend Militärdienst. Nach dem Schulabschluss trat er in das Evangelische Seminar Zürich Unterstrass ein und erwarb 1945 das Primarlehrerpatent. Seine erste Festanstellung hatte er in der psychiatrischen Beobachtungsstation Brüschhalde in Männedorf. Dort lernte er auch seine Partnerin, Margaretha Dällenbach, kennen; die beiden heirateten 1954.
Von 1950-1954 studierte Tuggener, Pädagogik, Heilpädagogik, Soziologie und Volkskunde an der Universität Zürich. Währenddessen arbeitete er am Oberseminar des Kantons Zürich. 1959 promovierte er bei Prof. Dr. Leo Weber zum Thema «Der Lehrer. Studien über Stand, Beruf und Bildung des Volksschullehrers». 1965 wechselte er an die Schule für Soziale Arbeit Zürich (SSAZ), der heutigen ZHAW, und lehrte in der Abteilung für Heimerziehung und Heimerzieherausbildung mit Interessenschwerpunkt Professionalisierung. Nach einer Begegnung mit seinem ehemaligen Doktorvater, der ihn zum Habilitieren ermutigte, entschied sich Tuggener dazu, eine Professur anzustreben und reichte 1971 seine Habilitationsschrift zu Social Work in Amerika ein. Diese schickte er an Klaus Mollenhauer, was dazu führte, dass seine Habilitationsschrift im Beltz-Verlag veröffentlicht werden konnte.
Am 21. Februar 1972 hielt Tuggener seine Antrittsvorlesung an der Universität Zürich zu «Sozial-Pädagogik – Vergangenheit und Zukunft». Am 1.10.1972 wurde Tuggener zum Extraordinarius ernannt und begann mit dem Aufbau eines eigenen Lehrbereichs: Pädagogik mit besonderer Berücksichtigung der Sozialpädagogik. Er leitete verschiedene Forschungsprojekte, die sich mit der Heimerziehung und der Professionalisierung des Personals in diesem Kontext befassten. In seinen Vorlesungen und Seminaren lehrte Tuggener hauptsächlich zur Geschichte der Sozialpädagogik sowie zur Systematik der Sozialpädagogik und führte die Praxisforschung ein.
Neben seiner Tätigkeit an der Universität Zürich zählten Malen/Zeichnen und Klavier spielen zu Tuggeners Leidenschaften. Am 15.10.1989 wurde der Rücktritt des Pädagogikprofessors bekannt gegeben. Der Lehrstuhl blieb nach ihm zunächst unbesetzt und wurde erst 1991 von Reinhard Fatke besetzt. Heinrich Tuggener verstarb am 25. Januar 2019.