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Auf den Spuren der Touristen in der Antike
Autor: Von FADRINA HOFMANN
«Tourist sein in der Antike» – dieser Vortragstitel hat am Samstagmorgen ein grosses Publikum ins Römermuseum gelockt. In ihrem Vortrag hat die Konservatorin der Sammlungen des Museums, Catherine Meystre Mombellet, die Fragen aufgeworfen: Wer waren die ersten Touristen? Aus welchen Gründen sind sie gereist? Wohin reiste man in der Antike? Ihre Antworten haben die Anwesenden rund eine Stunde lang gefesselt und zum Teil auch überrascht.
Alles begann in Griechenland
Das Reisen hat zwischen dem 8. und 5. Jahrhundert vor Christus in Griechenland angefangen. «Die ersten Touristen waren eigentlich die Pilger», erzählte Catherine Meystre. Vor allem zu besonderen Festen reisten die Menschen an heilige Orte. Zur zweiten Touristengattung gehörten dann die Privilegierten, welche Reisen zu Gunsten ihrer Gesundheit machten. Tempel und Thermen waren also die ersten Touristenattraktionen der Geschichte. Priester fungierten oft als «Reiseleiter» an Ort und Stelle.Erst im 3. Jahrhundert vor Christus hat sich der Tourismus ausgeweitet. «Die Vermögenden der Städte veranstalteten bereits vorher Jagdausflüge oder Exkursionen auf dem Land, dies waren jedoch eher Kurztrips und keine wirklichen Reisen», so die Referentin. Mit dem Kaiser Alexander und dem griechischen Händler und Geografen Pytheas hat sich dies geändert. Ersterer ist für seine Orient-Reisen berühmt geworden, während Pytheas eine Schiffsreise von Marseille über Gibraltar bis nach Irland und zu den Hebriden gewagt hat. «In dieser Zeit gab es auch einen grossen Fortschritt der Kartografie und es entstanden erste Reiseberichte und Reiseführer», erzählte Catherine Meystre.
Wer waren die Touristen?
Im antiken Rom wurde das Reisen schliesslich für breitere Schichten möglich. Dies vor allem dank dem Handel, der Einführung der Post und durch den Ausbau des Strassennetzes. «Mit dem Informations- und Warentransport wurde auch der Menschentransport erleichtert», erklärte die Referentin. Neben den Handelsleuten reisten die Spektakel-Profis weit herum. Es handelte sich um Athleten, Schauspieler, Gladiatoren oder Musiker. Griechische Ärzte und Lehrer genossen einen hervorragenden Ruf und zogen von Ort zu Ort. Auch spezialisierte Handwerker, Missionare und Soldaten gehörten zu den Reisenden. Für die Jugend der römischen Elite war eine Studienreise nach Griechenland gang und gäbe.
Wohin die Reise ging
Sizilien, Griechenland, Türkei, Ägypten und der Orient waren die bevorzugten Destinationen der Touristen der Antike. In die Berge hingegen ging man mangels Ausrüstung und Infrastruktur nicht. Auch den Norden mieden die Römer. Catherine Meystre nannte das Klima und die schlechten Strassenverbindungen als Hauptgründe dafür. «Das Reisen war ohnehin schon kompliziert genug», meinte sie. Angefangen bei der Reisekleidung hin zum restlichen Gepäck bis zum Geld musste alles je nach Reise eingeteilt werden. Die Strassen waren ausserhalb der Städte schlecht und es gab wenige Brücken. «Ausserdem waren Reisen immer eine unsichere Sache, da Banditen den Touristen auflauerten», so Meystre.«Am liebsten übernachteten die Reisenden bei Freunden oder Bekannten, denn Gaststätten hatten einen miserablen Ruf», erzählte Catherine Meystre. Die Wirte wurden angeblich als Diebe und Mörder betrachtet, die die Touristen schamlos ausnahmen. Musste man trotzdem in einer Gaststätte absteigen, so nahm man zumindest das eigene Bett mit – aus Schutz vor Läusen und Krankheiten.Zu Fuss, mit Karren und Lasttieren oder per Schiff waren die Menschen oftmals wochenlang unterwegs.