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Ich möchte vor allem eines: arbeiten. Damit ich für mich und meinen Sohn sorgen kann. Dass dies in der Schweiz so schwierig ist, wenn eine Frau ein Kind hat, hätte ich nie gedacht. 2012 flüchtete ich in die Schweiz. Knapp drei Jahre später erhielt ich einen Asylentscheid. Ich wurde vorläufig aufgenommen. Ich wollte unbedingt Deutsch lernen. Das war damals nicht so einfach, denn die Wartelisten für einen Deutschkurs waren sehr lange. Darum lernte ich Deutsch bei Freiwilligenorganisationen.
Im Dezember 2014 kam Dawit auf die Welt. Als Dawit etwas grösser war, war ich bereit, zu arbeiten. Eine Frau half mir, Praktikumsstellen in der Reinigung oder in der Pflege zu suchen. Ich hätte arbeiten können. Da es keine Betreuung für Dawit gab, konnte ich keine Stelle antreten. Ich war sehr traurig, und ich verstand es nicht. Ich wollte doch unbedingt arbeiten.
Dawit geht nun in den grossen Kindergarten, im August kommt er in die erste Klasse. Vor einigen Wochen erhielt ich wieder die Chance, ein 50%-Praktikum in der Pflege zu machen. Für Dawit gibt es nun eine Lösung. Am Morgen schaut eine Nachbarin, dass Dawit pünktlich in den Kindergarten kommt. Über Mittag und nach dem Kindergarten geht er in die Tagesstrukturen. Jetzt hoffe ich einfach, dass ich nach dem Praktikum Arbeit finde, damit ich für Dawit und mich selber sorgen kann.
Amelewerk, 48, aus Äthiopien, wohnt in Endingen
Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein Netzwerk Asyl Aargau.