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Syndic Nicolas Corpataux dankte seinen Gemeindebürgern gleich zu Beginn der Veranstaltung dafür, dass sie in den Voten höflich bleiben würden. Er gab aber selber den Tarif bekannt, indem er sagte: «Jetzt erhalten wir noch die Kirsche auf der Torte.»
Der Syndic meinte damit–nach der Deponie La Pila, dem Lötschberg-Schlamm, der Saidef und dem Standort für Fahrende–die Asylunterkunft in einer Militäranlage auf Gemeindegebiet. Corpataux sagte, der Gemeinderat habe sich bis zum letztmöglichen Moment gegen die Einquartierung von Asylsuchenden gewehrt. Jetzt aber erwarte er Entgegenkommen vom Kanton im Zusammenhang mit der Infrastruktur bei der Zusammenlegung der Forschungsstationen Liebefeld und Posieux.
Staatsrat Erwin Jutzet konnte den Gemeindevertretern versichern, dass gewisse Schritte eingeleitet seien. Man könne aber nicht dieses und jenes fordern, weil nun Asylsuchende in die Gemeinde kämen.
Fahrende betroffen
Rund 70 Einwohner liessen sich über das Vorhaben informieren, das die Armee mit der Standortwahl eingeleitet hat, das aber unter der Regie des Bundesamtes für Migration steht. 70 Personen–das ist etwa die Zahl Asylsuchender, die ab Dezember während eines halben Jahres in der unterirdischen Militäranlage in Châtillonuntergebracht werden sollen.
Während rund 40 Minuten belieferten die Vertreter des Kantons, der Armee und des Bundesamtes für Migration die Bevölkerung mit Argumenten und Informationen, wie der Aufenthalt der Asylsuchenden bewältigt werden soll. Pierre-Alain Ruffieux vom Bundesamt für Migration sagte, dass hauptsächliche junge Männer kommen würden, die kurze vor einem definitiven Asylentscheid stünden. Diese hätten weder gesundheitliche Probleme, noch seien sie kriminell auffällig geworden. Er erwähnte auch die verschiedenen Begleitmassnahmen, welche eine grösstmögliche Sicherheit gewährleisten sollen.Besonders betroffen von der Asylunterkunft zeigten sich Vertreter der Fahrenden, die in unmittelbarer Nachbarschaft in Châtillon ihren Standort haben. «Sind unsere Kinder in Sicherheit?», fragte ein Jenischer. Ein anderes Mitglied der Gemeinschaft beklagte sich, dass ihnen ein Gesuch für einen Kinderspielplatz verwehrt worden sei, die Asylsuchenden nun aber einen Fussballplatz erhielten.
Divisionär Roland Favre sagte, es gebe keinen idealen Standort. Die Nähe zum Standplatz der Fahrenden sei von Beginn weg bekannt gewesen. Er sagte aber auch: «Es gibt nicht zwei Kategorien von Nachbarn. Alle Nachbarn verdienen Respekt.» Ruffieux lud die Skeptiker ein, sich persönlich davon zu überzeugen, dass die Asylsuchenden nicht luxuriös untergebracht würden. Ein Einwohner verlangte darauf einen Tag der offenen Tür. Das Anliegen wurde vom kantonalen Dienstchef für Bevölkerungsschutz Daniel Papaux umgehend aufgenommen.
Anfrage: Solidarität mit Hauterive
Die Ankündigung der Eidgenossenschaft, dass eine Militäranlage in Châtillon für sechs Monate als Unterkunft für Asylbewerber dienen soll, hat zwei Grossräte auf den Plan gerufen. In einer Anfrage wollen Ruedi Schläfli (SVP, Posieux) und Edgar Schorderet (CVP, Marly) vom Staatsrat wissen, in welchem Mass dieser an der Wahl des Standorts Châtillon für die Unterkunft beteiligt war. Die beiden Abgeordneten wollen auch wissen, nach welchem Verteilschlüssel Asylbewerber auf andere Bezirke verteilt würden, und ob der Staat der Gemeinde Hauterive Kompensationen als Folge von «negativen Konsequenzen von problematischen Standorten» zugestehe. Weiter stellen die Grossräte die Frage, ob die Beherbergung der Asylbewerber wirklich nur sechs Monate dauere, und ob der Staatsrat die Sicherheitsmassnahmen als ausreichend erachte. uh