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Wandrelief
Der Bildhauer Albert Schilling aus Arlesheim schuf das wuchtige Steinrelief, das 1950 in die Chorwand der Kirche eingesetzt worden ist. Dargestellt ist eine Szene aus der „Geheimen Offenbarung“ des Apostels Johannes. Dieses biblische Buch wird auch „Apokalypse“ genannt. Es ist voller Zahlensymbolik und auf den ersten Blick schwer verständlich.
Im 1. Kapitel der Geheimen Offenbarung steht geschrieben:
„Gebt Acht! Er kommt aus einer Wolke!“ und später: „Ich sah ein Lamm stehen; es sah aus, als ob es durchbohrt wäre. Es hatte sieben Augen und eine Krone aus sieben Hörnern…“
Um solche Sätze zu verstehen, müssen wir wissen, dass zur Entstehungszeit der Apokalypse um ca. 100 n.Ch. blutige Verfolgungen der Christen an der Tagesordnung waren. Es war auch lebensgefährlich, christliche Schriften zu verbreiten.
Deshalb bediente man sich einer Art „Geheimsprache“, die nur von Eingeweihten verstanden werden konnte. Bilder, Vergleiche und Zahlen wurden verwendet, um das Evangelium zu verkünden, resp. zu „verschlüsseln“. Es war die Zeit einer Hochblüte in Arithmetik. Die Meister der Zahlenakrobatik, der Nummernlehre und der Algebra verblüffen uns noch heute mit ihren genialen Erkenntnissen und Kombinationen.
Im Grunde ist die „Geheime“ Offenbahrung“ alles andere als „geheim“, sondern eine Schrift, um etwas so sichtbar zu machen, dass es nur von “Insidern” verstanden werden konnte. So setzte man sich nicht der Verfolgung aus. Die Apokalypse wollte den bedrängten Gläubigen Mut machen und Courage zusprechen. Dies geschah in verschlüsselter Bildsprache:
Christus (das Lamm) wird über das Böse (den Drachen) siegen und am Schluss wird alles gut werden. Haltet aus und verliert nur den Mut nicht!
Bildbetrachtung
„Aus einer vierfachen Wolke, umrundet von den vier antiken Strömen des Lebens, die das Universum umfassen, hört man eine Stimme, die ruft: ‚Dies ist mein geliebter Sohn; auf Ihn sollt ihr hören!’ Und so trat aus der Wolke das Lamm, dreifach geehrt durch eine Krone aus Palmen, durch sieben Leuchter und ebenso zahlreich schwebende Augen…“
Die Krone bezeichnet unmissverständlich göttliche Autorität. Das siebenfache Szepter auf dem Haupt repräsentiert die Fülle der liebenden Allmacht Gottes, der sich im „Lamm“ verschenkte. Das wache Auge des Lamms schaut aus diesem Wolkenkreis gleich siebenfach und keine Not bleibt ihm verborgen. Uns blicken die sieben Gaben der göttlichen Vorsehung entgegen, die den Menschen leiteten und inspirieren. Wir kennen sie als „Gaben des Heiligen Geistes“:
Weisheit, Einsicht und Rat;
ein Finger Gottes, der uns führt in Erkenntnis, Frömmigkeit und Stärke;
ein Geschenk von Gott her zugedacht, das uns gottesfürchtig macht.
Sieben Fackeln brennen sich durch die Wolke hindurch zur Erde hin, um auch sie und uns zu entflammen. Was in unzugänglichem Lichte verborgen war, wird sichtbar. Die Fackeln durchdringen den Himmel, durchbrechen den Kreis des Göttlichen und werden für uns wahrnehmbar. Es sind die Leuchten, die uns als „Sakramente“ im christlichen Alltag bestärken.
Aus dem Zentrum des Kreises fliessen hundert und sieben gewaltige Tropfen aus Herzblut. Die Seite des Lammes, von der Lanze des römischen Hauptmanns durchbohrt, verströmt Leben spendenden Segen. Wir werden erinnert an das adventliche Lied: „Tauet Himmel den Gerechten, Wolken regnet ihn herab.“
Das Lamm wird umrahmt von den traditionellen Symbolen der vier Evangelisten. Es sind Gesichter, mit offenen Augen, gleich denen des Lammes. Sankt Matthäus als Engel; Sankt Markus wie ein Löwe; als Stier der Heilige Lukas; ein fliegender Adler steht für das Werk des Evangelisten Johannes. Jede Gestalt hat Flügel, die innen und aussen wieder mit den sieben Augen bedeckt sind. Auch sie “sprengen den Rahmen”. Wie brennende Hostien fallen sie aus der Wolke auf die Erde nieder als feurige Zungen, sich selber und siebenfältige Gotteskraft bringend.
Stehend zur Rechten warten die dreimal drei himmlischen Chöre der Engel, um mit all ihren Künsten die Offenbarung des Lammes zu feiern. Die Hierarchie der Engel setzt sich sozusagen mit den neun klassischen Musen in Gang, um heilend und singend, beratend und tanzend, führend und stärkend, lobend und preisend, Gottes Weg zu uns Menschen behütend zu verkünden.