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Basil Poldeouris Intrada Special Collection 62:37 Min. / 35 Tracks
Als The Blue Lagoon anfangs der achtziger Jahre in die Kinos kam und die Männerwelt von Brooke Shields, die für ihre Leistung die Goldene Himbeere als schlechteste Schauspielerin einheimste, entzückt war, war Basil Poledouris bereits einige Zeit in der Filmmusik tätig. Doch noch bewegte sich der 1945 geborene Surffan mehrheitlich unter dem Radar, nicht zuletzt der damals noch nicht so zahlreichen Filmmusikfans (auch Big Wednesday (1979) änderte daran zuvor nicht viel, der Film war alles andere als ein Erfolg). Mit Randal Kleisers Verfilmung des Romans von Henry De Vere Staclepool erschien der Name Poledouris das erste Mal auf den Listen der Kinohitparaden. Diese bereits dritte Umsetzung (die 1923 und 1949er Versionen sind heute so gut wie unbekannt) war allerdings durchaus eine Zangengeburt. So ging Kleiser mit dem Stoff von Studio zu Studio und erfuhr nur ablehnende Bescheide. An einen Hit, der dem Studio schliesslich weit mehr als das zehnfache seines Budgets einspielte, glaubte damals lange kaum jemand. Wie es so oft geht, mauserte sich The Blue Lagoon schliesslich zum Sleeperhit, auch wenn nur die Kameraarbeit von Nestor Almenderos und die Musik von Basil Poledouris bei der Kritik für gute Noten sorgte.
Die 1980 erschienene LP deckte knapp 33 Minuten Musik ab, die 1987 erschienene CD nur unwesentlich mehr (mir ist bis heute schleierhaft was da genau verändert wurde). Bis dahin verblieb eine Veröffentlichung des gesamten Scores auf dem Wunschzettel vieler Poldedouris-Fans. 2012 erbarmte sich Twilight Zone und brachte eine bluray mit einer isolierten Musikspur heraus; der geneigte Fan fragte sich alsbald, wieso es denn so lange dauern würde, ehe der Score endlich auch auf CD erschiene. Die Wege der Filmmusik sind oft unergründlich, doch dank Intrada darf man sich den 56 Minuten nun hingeben, die Poledouris einst in Australien eingespielt hat.
The Blue Lagoon ist ein romantischer, melodiöser und thematischer Score. Die CD beginnt zwar mit dem „Love Theme (Emmeline)“, dieses spielte Poledouris aber lediglich für das Album ein. Beginnend mit Klavier übernimmt schliesslich das Orchester, hauptsächlich aus Streichern, Holzbläsern, Harfe, Klavier bestehend; in den Momenten wo die Dramaturgie gesteigert werden soll, kommen auch Blech und Perkussion zu Wort, selbst eine Orgel ist zu vernehmen. Das Liebesthema setzt den Ton für eine durchwegs wunderbar ins Ohr gehende Komposition. Das Sieben-Noten-Haupthema ist in „The Blue Lagoon Main Title“ zu hören, ein an sich simples Motiv mit hohem Wiedererkennungswert, das Poledouris mehr oder minder variieren wird und stets darauf zurückgreift, wenn starke Emotionen beansprucht werden, so zB. in „The Raft“. Die nun folgenden Stücke „Fire“ und „Fog“ heben sich etwas vom restlichen Ton der Musik ab, wobei „Fog“ bereits die neugierige Note versprüht, die in späteren Stücken, in denen die Gestrandeten auf Entdeckungsreise gehen, deutlicher zu Geltung kommt. In „Children Grow“ hören wir ein weiteres Motiv, verspielt und zurückhaltend begleitet es die beiden Kinder wie sie sich an ihr Leben auf der Insel gewöhnen. Variiert schliesslich wird dieses Motiv in „Richard Floates“ und in „Hut Chase“ sowie zärtlich und zerbrechlich in „Baby Swim“. Emmelines Liebesmusik „Emmeline – Theme from The Blue Lagoon (alternate)“ wiederum ist in alternativer Form durchaus passend in das Programm eingebaut. Intimer wird es in „The Skull/Acclimation Montage“, „God Head“, „Paddy’s Swim“, dann wieder nobel („Richard Sees Paddy“), weit greifend und in voller Pracht in „End Credits“. – kennt man lediglich das alte Album, man würde nicht vermuten, The Blue Lagoon decke doch eine beeindruckende Bandbreite ab anstatt klebrig und ermüdend auf einem, zwei Themen rumzureiten.
Abgerundet wird die Disc mit einer kleinen Extrasektion, die beispielsweise das nicht verwendete „Emmeline – Theme from The Blue Lagoon“ erhält (welches ein wenig an Goldsmiths Kompositionen aus Papillon erinnert). Die Dschungeltrommelsequenzen hätten allerdings nicht unbedingt sein müssen.
Diese CD von Intrada ist eines der inzwischen vielen, guten Beispiele, was die Veröffentlichung eines Gesamtwerks anbelangt. Die alte Scheibe war zu kurz, zu „gehighlighted“ und endete ehe sich die Musik entwickeln konnte, etwas was jeder Komposition zustehen sollte. Jetzt können wir der Musik zum Film, mit all ihren Facetten die Filmmusik ausmachen, lauschen. Ein starker, herrlich romantischer Poledouris voller Emotionen.
Bleibt noch die Frage, was sich der Poledeouris-Fan denn nach den langen Starship Troopers, Robocop 3 und den beiden Blue Lagoon Scores noch wünschen würde? Willkommen wäre zweifellos eine richtige Under Siege 2, Harley Davidson and the Marlboro Man, Summer Lovers (ebenfalls von Randal Kleiser) oder doch eines seiner frühen, obskureren Werke wie Extreme Close-Up oder Tintorera. Es gibt viel zu tun, packen wir’s an!
Phil, 6.1.2017