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Nicolas Roeg, 1928 in London geboren, begann seine Filmkarriere als Klappenjunge und Cutter-Assistent und arbeitete später als Kameramann, Chef-Kameramann und Aufnahmeleiter bei filmhistorisch prägenden Werken mit wie «Fahrenheit 451» (François Truffaut), «Far from the Madding Crowd» (John R. Schlesinger) oder als Kameramann der Second Unit bei «Lawrence of Arabia» (David Lean). Sein Regiedebüt «Performance» realisierte er als 40-Jähriger in Co-Regie mit dem schottischen Maler Donald Cammell. Roeg bringt darin eine lebhafte visuelle Vorstellungswelt zum Ausdruck, die auch seine weiteren Regiearbeiten prägen.
In seiner Autobiographie «The World Is Ever Changing» beschreibt Roeg, wie er in den Mittagspausen als Cutter-Assistent mit der Editola-Maschine Filmsequenzen vor- und zurückspulte, Eisenbahnen rückwärts aus Bahnhöfen fahren und Tote wiederauferstehen liess. Darin entdeckte er das Wesen des Filmes fernab des linearen Flusses einer Geschichte. Konsequent interessiert sich Roeg nicht für eine Gliederung in Anfang, Mitte und Ende, sondern für eine verschachtelte Erzählweise mit Parallelmontagen, ständig wechselnden Zeitebenen und virtuoser Schnitttechnik. Eigen ist ihm auch, dass er das komplizierte und chaotische Innenleben seiner Figuren anhand von Assoziationen sichtbar macht und für Vorahnungen, Ängste und Sehnsüchte eine visuelle Sprache findet.
Roegs genreübergreifende Filme spielen mit bewusster und unbewusster, sinnlich erfassbarer und übersinnlicher Realität sowie mit Ausflügen ins Surreale. Passend dazu setzte er in seinen ersten Filmen als Protagonisten Popstars ein, die im weitesten Sinne auch als eine Art Traumfiguren verstanden werden können: Mick Jagger als Gangster in «Performance», Art Garfunkel als Psychoanalytiker in «Bad Timing» oder David Bowie als humanoider Ausserirdischer in «The Man Who Fell to Earth».
Mit seinen ersten fünf Filme, von denen vier im Cameo gezeigt werden, entfachte Roeg Skandale; «Performance» kam sogar erst zwei Jahre nach Veröffentlichung in entschärfter Form in die US-Kinos. Es brauchte jeweils einige Jahre, bis seine Filme von Kritiker*innen und Publikum wertgeschätzt wurden oder gar Kultstatus erlangten. «The motion picture is still such a magical and mysterious combination of reality, art, science and the supernatural – as well as a gateway to the nature of time, and perhaps even the first clues in solving the puzzle of what we're doing her on this world». Roeg, der Ende November 2018 90-jährig gestorben ist, bleibt trotz seines Rangs für viele ein Unbekannter – Zeit für eine Annäherung!