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Die renommierte Scannerfirma hat sich zur Entwicklung und zum Serienbau
eines Stationsempfängers entschlossen, das ist überall
in interessierten Kreisen bekannt geworden. Das Gerät
heisst schlicht AR 3030. Im WRTH 94 gab es eine kritische
Kurzvorstellung mit einem wenig aussagenden Bild.
Äusserlichkeiten
Grob gesagt hat er die Maße wie ein Lowe HF 225 bei
fast 4 cm größerer Tiefe, so daß die Außenmaße 250 x
100 x 240 mm betragen. Der Aufstellbügel ist dabei
allerdings eingeklappt. Zum DX-Camp am ersten
Augustwochenende 1994 (siehe auch wwh 9/94) hatten wir u.a.
ein Serienexemplar mit zwei zusätzlichen bogerfunk-Modifikationen
zur allgemeinen Benützung. Bereits zu Pfingsten war für
kurze Zeit von uns ein AR 3030 getestet worden, der
freundlicherweise von der Hamburger Firma Kölsch
ausgeliehen wurde. Nur bezüglich Großsignalfestigkeit
liess er damals noch Wünsche offen.
Die Antwort darauf die eine der von bogerfunk angebotenen
Modifikationen, IP + genannt. Wie bereits bei unserem
Camp - Bericht erwähnt gab es nur mit der 80-m-Loop in
den Abendstunden geringfügige Überladungen, die aber
mit 10 dB Dämpfung oder zugeschaltetem Preselektor
leicht beherrschbar waren.
Nun zu den Bedienelementen. Die Beschreibung ist etwas
ausführlicher, um auch unsere nichtsehenden und
sehbehinderten OMs zu berücksichtigen. Das Gerät
besitzt ein solides Alu-Rahmen-Chassis, bestehend aus
zwei Gehäusehalbschalen. Die Frontplattengliederung
macht einen vernünftigen Eindruck; sie wird durch eine
etwa mittig verlaufende dünne Alu-Leiste in zwei
horizontale Flächen geteilt.
Die obere Hälfte kann wie folgt beschrieben werden (von
links nach rechts betrachtet): Der Ein-/Aus-Schalter,
darunter die 1/4"-Buchse für den Kopfhörer,
daneben das zweifarbig skalierte, beleuchtbare S-Meter.
Die MODE-Umschaltung liegt daneben: zwei Tasten in
waagerechter Anordnung für UP und DOWN, für AM, AMSync,
USB, LSB, CW, FAX und FM. FM ist übrigens auch in der
normale Geräteversion betriebsfähig. Jeder Betriebsart
ist eine farbige LED zugeordnet.
Es folgt eine übersichtliches, gelb-grünlich
hinterleuchtetes Display (gleichfalls abschaltbar). Das
letzte Viertel rechts: neun Tasten für die Auswahl der
beiden VFOs, von Bandbreite, Regelzeit, Dämpfung,
Tonfilter, Speicher- und Scan-Betrieb. Speicherplätze
gibt es übrigens 100.
Nun zur unteren Hälfte der Frontplatte. Zwischen dem
Lautsprechergrill und dem großen Abstimmknopf gibt es
vier kleinen Knöpfe, die etwa die Fläche einer
Streichholzschachtel einnehmen. Die oberen sind etwas
dicker, was in der Gesamtoptik kaum auffällt. Der
wichtigste sitzt links oben: VOLUME. Daneben erfolgt die
CW-BFO-Einstellung, dieser Knopf kann auch zur Bandshift
benutzt werden (dazu aber weiter unten). Unter der Lautstärkeregelung
ist der Squelch und rechts der RF-Gain zu linden, der HF-Handregler.
Nun erst kommt der große Abstimmknopf für drei
verschiedene Geschwindigkeiten. Daneben liegen in drei
Linien übereinander die zehn Zifferntasten, dazu Punkt,
kHz und MHz sowie Meterband und ENTER. Der kleinste
Abstimmschritt ist übrigens 5 Hz. Die Tasten sind
keineswegs gummihaft, sie gehen sauber und haben einen
gut wahrnehmharen Druckpunkt So haben wir letztendlich fünf
Knöpfe und 27 Tasten, die sehr differenziert auf drei
Felder verteilt sind.
Das Gerät ist vorbereitet zur späteren Aufnahme einer
von zwei VHF-Platinen. Auf der Rückseite befinden sich 2
BNC-Antennenbuchsen (eine für VHF)und der Anschluß für
hochohmige Antennen mit Antennenselektor-Schiebeschalter.
Folgende Buchsen stehen weiter zur Verfügung: Steckbarer
12-V-Anschluß (solides Netzteil ist im Lieferumfang),
eine achtpolige AUX-Buchse mit diversen Pegeln, wie z.B.
455 kHz - ZF oder den relaisgeschalteten Squelchausgang.
In der oberen Hälfte der Rückseite wird mit zwei (verlierbaren!)
Rändelschrauben und einem soliden Deckel ein
Batteriefach zur Aufnahme von acht Mignonzellen (R6)
verschlossen. Solcher Batteriebetrieb kann aber leicht zu
einer kostspieligen Sache werden, da die Stromaufnahme
des Gerätes relativ hoch ist (laut Hersteller: 700 mA
...). Oben sitzt noch ein kleiner vertikaler
Beleuchtungsschalter. Soweit das Äußere.
«Die Innereien»
Um ohne Röntgenaugen an das Innere zu kommen müßte
man das bogerfunk-Siegel beschädigen, was
Garantieverlust bedeutet. Nur mit allerhöchster
Genehmigung waren Einblicke zu gewinnen. Sauber und übersichtlich
sind die Platinen In konventioneller Bestückungsweise
mit einer größeren Aussparung am Boden für den 66 mm
großen 3 W-Lautsprecher, der aber auch teils nach vorne
abstrahlt.
Mit dem eingebauten Lautsprecher bekommt man bessere
Ergebnisse mit leicht schräg gestelltem Empfänger (dazu
ist wohl der Bügel da). Dennoch darf man einen externen
Lautsprecher anschließen, um nicht bei halbem Genuß
sitzen zu bleiben. Auf den Bildern erkennt man die
Eingangsendpässe. Das Filter für 540 - 1800 kHz hat
eine feste Pegelabsenkung von 10 dB, wie z.B. auch beim
NRD 515. Der TCXO ist zu erkennen und die ziemlich
reichlich bemessene Filterbank für die zweite ZF von 455
kHz, AM und FM mit den zugehörigen Anpaß-Schaltungen.
Der rote Geräteaufkleber "Collins inside"
weckt hohe Erwartungen, denn fast überall bei den
Mitbewerbern wird bei den ZF-Filtern gespart, so daß bei
vielen Geräten nur die Alternative bleibt, mit besseren
Filtern (die oft nur auf Schleichwegen zur erhalten sind)
nachzurüsten. Mechanische Collinsfilter haben eine lange
Tradition; im AOR AR 3030 zeigt sich wieder die
hervorragende Signalverarbeitung in der 455 kHzLage mit
zwei mechanischen Collins-Rockwell- Filtern. Der kleine
Unterschied: hörbar besser.
Ein freies Feld ist für eine etwaige VHF-Platine
reserviert. Eingesetzt werden kann Converter CON-2 für
140 ... 170 MHz oder Converter CONAIR für 108 ... 140
MHz. An mehreren Stellen wurden die üblichen
Schaltdioden durch Relais ersetzt, so bei den Dämpfungsgliedern
(0/10/20 dB). In der Rauschsperre sitzt eines zur
galvanischen Trennung von nachgeschalteten Geräten.
Zwei VFOs zur Verfügung zu haben ist schon eine
praktische Sache, da nicht nur die Frequenz sondern auch
alle übrigen Einstellungen mitgenommen werden.
Wie weiter vorne angedeutet kann in Stellung SSB der BFO-Regler
als Passbandtuning betrieben werden, wenn man
nacheinander O und mtr drückt - das ist ein wenig Übungssache.
Die Tasten MHz und kHz stehen am Ende der Frequenzeingabe
Darüber hinaus kann man durch Mehrfachtasten von kHz die
variable Eingabe auf ganze 1000, 100 oder 10 Hz begrenzen.
BS/ENT gedrückt bewirkt die Blockierung aller
Einstellungen. Speicher- und Suchlauffunktionen sollen
hier nicht weiter erörtert werden, sind diesem Fall
sinnvoll und praktisch erdacht.
Zum Lieferumfang des 2,2 kg schweren Gerätes gehört ein
Netzgerät, das für 12 V = bei 1000 mA ausgelegt ist, je
eine Beschreibung in Englisch und Deutsch, sowie ein
Konformitätszertifikat der Bundesanstalt für
Zulassungen der TELEKOM.
Fazit
Nun wird immer wieder nach den Empfangsleistungen
gefragt. Ein Gerätevergleich mag manchmal spannend sein,
aber eigentlich ist in diesem Bereich die Luft raus,
Wunder sind selten oder nicht bezahlbar. Wir sind bei
derartigen Empfängern am Rande des physikalisch
Machbaren angekommen. Es gäbe in diesem Zusammenhang
noch viel über Empfängerkonzepte, Anforderungen und Möglichkeiten
zu philosophieren. Ich kann aber getrost sagen, daß es
der Firma AOR gelungen ist, mit dem AR 3030 eine sehr
gute Lösung herauszubringen und mit ihm gleich in die
vorderste Front der semiprofessionellen Empfänger
einzudringen.
Zum Vergleich haben wir folgende Geräte betrieben: JRC NRD 505, Lowe HF 225,
Lowe HF 150 mit PR 150, EKD 514 und Drake SPR-4. Als
Antennen kamen zum Einsatz: 80-mLoop, ara 30,
verschiedene Grahn-Antennen, einige (magnetische)
Eigenbauten.
Technische Daten
Frequenzbereich: 30 kHz - 30 MHz
Abstimmschritte: 1 MHz. 1 kHz, 100 Hz, 10 Hz; kleinster:
5 Hz
Modulationsarten: AM (mit SYNC), SSB, CW, FAX, FM
Speicher: 100
Empfindlichkeit: (SSB, 10 dBS+N/N)
30 kHz - 500 kHz 1 uV
500 kHz - 1,8 MHz 5 uV
1,8 MHz - 30 MHz 0,5 uV
Bandbreiten (-6 dB): 2,4 kHz (Murata Keramik); 6,0 kHz (achtopoliges
mech. Collinsfilter)
Zubehör: 0,5 kHz mech. Collinsfilter für CW
Dynamikbereich: 100 dB bei 25 kHz Abstand und 500-Hz-Filter
Spiegelfrequenzen: - 70 dB
Stromversorgung: 12 - 13,8 V über mitgel. 220-V-Netzteil
oder acht interne Mignonzellen
Abmessungen: 250 x 88 x 240 mm
Gewicht: ca. 2,2 kg (ohne Batterien)
Preis: ca. DM 2000,- / öS 15000,-
Vertrieb: Amateurfunkfachhandel (IP-Mod: bogerfunk)
© J. Semmler, Hamburg, wwh 11 / 94