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Wettbewerb Pfarrhaus Sirnach
«Doshi 2030»
Der wesentliche Zweck der Architektur, denke ich, ist wie ein Stein, den man in einen See wirft. Die Wellen, die dabei entstehen, ziehen immer weitere Kreise. Die Rolle des Architekten besteht darin, viel breitere Horizonte zu betrachten, viel grössere Kreise [zu ziehen], und sich auf diese Dinge einzulassen.“ – Balkrishna Doshi, Pritzker-Preisträger 2018
Der ins Zentrum geworfene Stein hat seine Wellen weit über den Entwurfsperimeter geworfen. Es gilt, sich auf diese Wellen einzulassen, sie zu einem grösseren Ganzen zusammenzuführen und somit ein harmonisches Zentrum zu gestalten.
Die Analyse der Situation zeigt auf, dass die Gemeinde Sirnach geprägt ist von einer dörflichen Baustruktur. Es sind überwiegend zwei- und dreigeschossige Längsbauten, die ihr Volumen mit einem Satteldach schliessen. Die Kreuzung zwischen Wilerstrasse und Frauenfelderstrasse wird als Zentrum empfunden. Um dieses befinden sich die wichtigsten öffentlichen Bauten, wie katholische Kirche, das Gemeindehaus, der Dreitannensaal sowie diverse Einkaufsmöglichkeiten. An der Wilerstrasse ruht, an erhöhter Lage, das Pfarrhaus. Der Strassenausbau hatte zur Folge, dass dem Pfarrhaus der südliche Zugang, als auch das Trottoir abgeschnitten wurde. Einem Fussgänger ist es nicht möglich, auf der Seite des Pfarrhauses das Trottoir zu benutzen.
Bezugnehmend auf Balkrishna Doshi wird an der Zusammenkunft der Frauenfelder- und Wilerstrasse ein Stein eingeworfen. Dieser tritt als dreigeschossiger Bau in Erscheinung und nimmt selbstverständlich die Position der Ecke ein. Durch diese Setzung wird der zentrale Punkt an der Kreuzung gefasst. Ebenso schafft der Körper eine Verbindung zur Kirche als auch dem Dreitannensaal und schliesst somit den Kreis. Der Städtebau erfährt dadurch eine Gliederung und Aufwertung, ohne die ortstypischen Strukturen zu verlassen.
Mit dem Konzept “Sirnach 2030” kann der Entwurfsperimeter schrittweise entwickelt werden. Um die oben erwähnte Problematik mit der Fussgänger-Erschliessung zu korrigieren und das gesamte Ensemble zu stärken, kann zeitgleich, oder in einer weiteren Etappe, das alte Pfarrhaus mit einem zweigeschossigen Wohnhaus ersetzt werden. Mit der Setzung des neuen Gebäudevolumens wird das Trottoir entlang der Wilerstrasse ergänzt, und ermöglicht eine durchgehende Fussgängerverbindung im Zentrum von Sirnach.