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|"Die Kindergärtnerin Gabi Fink hat in ihren 20 Berufsjahren festgestellt, dass die Kinder mit immer schlechterem Wortschatz in den Kindergarten kommen."

In: Tages-Anzeiger, 31. Januar 2008, S. 14
"Zum Zeitpunkt vor der Einschulung zeigen ca. 15-20% der Kinder des gleichen Jahrgangs im Sprech- und Sprachverhalten Abweichungen von der Norm; etwa jeweils die Hälfte hiervon sind Kinder mit (leichteren) Aussprachproblemen und Kinder mit (gravierenden) Sprachproblemen. Der Anteil erhöht sich unter Berücksichtigung des Faktors Mehrsprachigkeit und soziale Benachteiligung. Es besteht für die erst jetzt erfassten sprechbeeinträchtigten Kinder Therapiebedarf [.]. Integrationstendenzen, sinkende finanzielle Ressourcen und steigende Zahl von Sprachauffälligkeiten fordern ein Umdenken. Die Informationen und Diskussionen rund um die PISA-Studien seit 2000 haben in der Gesellschaft das Bewusstsein für die Bedeutung des Sprachentwicklungsstands der Kinder geschärft und den Ruf nach früher Sprachförderung verstärkt."
In: Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik 12/2006, S. 35f. (Braun, Wolfgang/Steiner, Jürgen: Virtuelles Kompetenzzentrum Sprachprävention)
"Kinder unter drei Jahren sollten laut Empfehlung der meisten Experten nicht fernsehen. Die Bildabfolgen sind zu schnell, als dass Kleinkinder erfassen könnten, worum es geht. Bilderbücher sind für diese Altersgruppe das Leitmedium. Grundsätzlich gilt: Fernsehgeräte gehören nicht in Kinderzimmer."
In: Der Spiegel, Nr.20/14.5.2007, S. 47
"Früher haben die Buben wenigstens ein bisschen gelesen. Wenn man denen gesagt hat, sie sollten ein Referat halten, dann mussten sie ihre Nase in ein Buch stecken. Heute gehen sie in das Online-Lexikon Wikipedia und betätigen nur die Befehle ,Kopieren' und ,Einfügen' auf der Tastatur ihres Computers. Würden sie ein Buch nutzen, müssten sie den Inhalt ja von Hand eintippen. Das Schlimme aber ist: Sie lesen nicht einmal mehr, sondern halten Referate über Dinge, die sie nicht wirklich begriffen haben. [.] Und wie schadet das Fernsehen dem Gehirn? Wenn ich einen Löffel gegen eine Tasse schlage, dann wackelt die Tasse, und es tönt entsprechend. Nur durch solche Erfahrungen lernen Kinder überhaupt, was ein Löffel ist und welche Eigenschaften Porzellan hat. Beim Fernsehen, und zwar unabhängig von der Qualität des Programms, wackelt eine Tasse am Bildschirm, und von woanders kommt irgendeine Klangsauce. Das Gehirn von ganz kleinen Kindern kann diese Informationen nicht zusammenbringen. [.] damit das Gehirn leistungsfähig wird, muss es sich erst einmal optimal entwickeln, und dafür braucht es den richtigen Input. Im ganz jungen Alter informieren sich die Sinne gegenseitig. Ein Baby erkundet die Welt mit allen Sinnen: Es sieht, hört, schmeckt, tastet gleichzeitig. Und wenn dem nicht so ist, dann werden in den Arealen des Gehirns, die sich zuerst entwickeln, weniger und unscharfe Repräsentationen der Welt abgelagert. Wenn also die Informationen schon in den ersten Arealen unscharf sind, ist die ganze spätere Entwicklung des Gehirns beeinträchtigt. [.] Mit anderen Worten: Fernsehen macht dumm? Fernsehen im frühen Alter. [.] Bei Babys kann bereits eine Stunde pro Tag die Sprachentwicklung verzögern. Je mehr, desto schlimmer."
In: NZZ am Sonntag, 27. Januar 2008, S. 71: "Wir brauchen keine Computer in der Schule", Interview mit Manfred Spitzer von Patrick Imhasly/Theres Lüthi
"Wenn Menschen von klein auf zwei Sprachen lernen, bilden sie in bestimmten Hirnregionen, die für die Sprachgewandtheit zuständig sind, mehr so genannte graue Substanz. Auch bei Menschen, die erst später eine zweite Sprache erlernen, ist diese Tendenz noch erkennbar. [.] Ein Teil der Versuchsteilnehmer hatte die zweite Sprache schon vor ihrem fünften Lebensjahr gelernt, andere erst mit zehn bis fünfzehn Jahren. Dabei zeigte sich: Je früher die zweite Sprache erlernt worden war, desto dichter war die graue Substanz in einem Bereich der Grosshirnrinde, der für das Sprachvermögen von Bedeutung ist."
In: Tages-Anzeiger, 14. Oktober 2004, S. 36
"Babys nehmen laut einer Studie eines französischen Forscherteams bereits im Alter von drei Monaten kurze Sätze auf und speichern sie im Hirn. Auch bei Babys spielt die bekannte Sprachregion des Broca-Zentrums eine zentrale Rolle in der Sprachwahrnehmung. So reagiert das Broca-Zentrum mit erhöhter Blutzufuhr, wenn der gleiche Wortlaut wiederholt wird. Von diesem Zentrum war bisher nur bekannt, dass es beim Erwachsenen für Grammatik und für die Formulierung von Sätzen verantwortlich ist. Die französischen Wissenschaftler schliessen daraus, dass das Hirn eines Babys früher als bis jetzt angenommen für Sprache empfänglich ist. Schon bald nach der Geburt besitzen die Kleinkinder eine hoch ausgebildete Struktur, die Babys ermöglicht, lange vor den ersten eigenen Lauten die Sprache ihrer Eltern zu erwerben. (PNAS Online)"
In: Tages-Anzeiger, 6. September 2006, S. 36
"Ab dem siebten Schwangerschaftsmonat stimmt sich ein Baby auf die eigene Muttersprache ein. Neugeborene hören lieber Sprachlaute als andere Geräusche wie Vogelstimmen. Mit sieben Monaten ist ein Säugling in der Lage, aus einer Kette von Lauten ein Wort herauszufiltern, obwohl es für ihn noch gar keine Bedeutung hat. [.] Was geht in dem kleinen Kopf genau vor? Vieles könne man nur vermuten, sagt der Zürcher Neuropsychologe Martin Meyer. [.] Eine wichtige Rolle spiele beim Spracherwerb das statistische und das assoziative Lernen. Das Gehirn kann aus all den Daten, die auf die Sinne einströmen, Regelmässigkeiten ermitteln. Das hilft ihm, die Informationen zu strukturieren. Je nach dem, wie häufig wir etwas hören und in welcher Kombination, verstärken sich bestimmte Nervenverbindungen und werden neuronale Netzwerke geknüpft. [.] Jüngste Untersuchungen haben etwa gezeigt, dass vier Monate alte Babys anders auf die Sprachmelodie der Muttersprache reagieren als auf die einer anderen Sprache. [.] Und wenn ein Baby in den ersten Lebensmonaten mit mehreren Sprachen konfrontiert ist? Kann es sich gleichzeitig auf derart viele verschiedene Laute spezialisieren? Meyer nennt ein Beispiel: ,Wenn die Mutter Finnin ist, der Vater Grieche, das Kindermädchen Chinesin und das Baby eine schottische Krabbelgruppe besucht, dann funktioniert das.' Das Kind braucht einen engen Bezug zu jeder dieser Sprachen, um gleich alle lernen zu können, und es braucht auch etwas mehr Zeit dazu. Andere Methoden wie zusätzliche Sprachkurse oder regelmässige Berieselung mit fremdsprachiger Musik können da nicht mithalten."
In: NZZ am Sonntag, 16. Dezember 2007, S. 85: Wie Babys sprechen lernen / von Anna Klott