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Fakt ist: die Reise der Baumwolle vom Anbau bis zur Verarbeitung zum T-Shirt ist extrem lang. Viele Zwischenschritte sind notwendig, um aus der Baumwollfaser ein reissfestes Garn zu gewinnen und daraus gestrickte oder gewebte Meterwaren zu produzieren. Diese Schritte werden Dir in Teil 1 dieser Blogserie vorgestellt.
Teil 2 der Blogserie widmet sich der desaströsen Umstände, unter welchen konventionelle Baumwolle angebaut und verarbeitet wird. Dieser Text muss ohne Bilder auskommen.
Monokulturen
Baumwollpflanzen werden in riesigen Monokulturen meist ohne Fruchtwechsel und Zwischenfrüchte angebaut. Zwischenfrüchte werden in den saisonal bedingten Lücken zwischen den Hauptfrüchten (Baumwolle) angepflanzt. Da die Baumwollpflanze allerdings viel Zeit braucht, um ihre Früchte reifen zu lassen, ist der Anbau von Zwischenfrüchten im konventionellen Anbau nicht möglich. Der Anbau von Zwischenfrüchten hätte jedoch entscheidende Vorteile: Sie würden Unkraut auf natürlich Weise vorbeugen und die Bodenbeschaffenheit verbessern.
Auch auf einen Fruchtwechsel mit alternativen Nutzpflanzen wird verzichtet. Der Anbau von Baumwolle in einem stetigen Fruchtwechsel würde die Bodenfruchtbarkeit sowie Biodiversität schützen. Im konventionellen Anbau ohne Fruchtwechsel erleiden diese jedoch einen enormen Schaden.
Wasserverbrauch
Die Baumwollpflanze reagiert äusserst empfindlich auf Regen. Zu viel Regen lässt die Büschel mit Wasser vollsaugen, wodurch diese verfaulen. Die Baumwollpflanze ist hingegen eine sehr durstige Pflanze und hat einen grossen Wasserbedarf. Um die Baumwollpflanzen vor Fäule zu schützen, werden diese gerne in regenarmen Gebieten angepflanzt und künstlich bewässert. Etwa die Hälfte aller Baumwollfelder weltweit müssen künstlich bewässert werden.
Zur Veranschaulichung: Um 1 Kilogramm Baumwolle zu gewinnen, müssen für die Bewässerung, Reinigung der Baumwolle und Veredlung der Stoffe bis zu 10'000 Liter Wasser eingesetzt werden. Dieses eine Kilogramm Baumwolle reicht im Durchschnitt für die Herstellung von 3 T-Shirts oder einer Jeans.
Als besonders trauriges Mahnmal gilt der Aralsee: Die traditionellen Hauptzuflüsse des Aralsees sind der Amudarja (vom Süden her kommend) und der Syrdarja (vom Osten). Ihnen wurden seit der Ära Stalins riesige Wassermengen für die Bewässerung der Baumwollfelder in Kasachstan und Usbekistan entnommen. Der Wasserspiegel des Aralsees sank kontinuierlich. Das Wasservolumen sank bis 1997 um 90%, der Salzgehalt vervierfachte sich. Es gibt mittlerweile sehr viele Projekte, um die verbleibenden Reste des Aralsees wieder zu beleben und den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft zu reduzieren, welche zum Teil schon Früchte tragen.
Pestizide und Insektizide
Die Monokulturen, das warme Klima und der feuchte Boden fördern die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten. Insbesondere der Baumwollkapselkäfer ist ein gefürchteter Schädling der Baumwollpflanzen. Dies führt dazu, dass beim Anbau von konventioneller Baumwolle in grossem Stil Pestizide eingesetzt werden. Die Insektizide für sich betrachtet (also ohne die Herbizide und Fungizide), werden fast 25% der weltweit verfügbaren Insektizide auf Baumwollplantagen eingesetzt. Baumwollpflanzen sind während der gesamten Wachstumsphase einem fortwährenden Beschuss von Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt. Bis zu 30 Mal pro Saison werden die Pflanzen behandelt, um die Ernte zu sichern.
Pflanzenschutzmittel mögen vielleicht die Ernte und Gewinne erhöhen. Langfristig zerstören sie jedoch unsere Lebensgrundlagen: Die eingesetzten Pestizide werden in umliegende Gewässer transportiert und gelangen in Grund- und Trinkwasser. Sie werden in Flüsse und Meere geschwemmt und verursachen einen grossen Schaden an Pflanzen- und Tierwelt.
Kinderarbeit und ihre gesundheitlichen Folgen
In etlichen produzierenden Ländern arbeiten Millionen (!) von Kindern in fast allen Stufen der Baumwollproduktion mit. Die Kinder, oft unter 12 Jahre alt, bewässern die Felder, pflücken die reifen Büschel von Hand ab oder besprühen die Felder mit Pestiziden. Kinder werden oft für Arbeiten eingesetzt, die nahe am Boden stattfinden oder die besonderes Geschickt verlangen. Die Arbeit ist extrem belastend und die Kinder tragen oft lebenslange physische Schäden davon: die Lebenserwartung bemisst sich auf gerade einmal 40 Jahre.
Frauen und Mädchen sind besonders betroffen. Sie verrichten die schwersten Arbeiten, werden aber als sogenannte Familienmitglieder nicht bezahlt oder arbeiten als Tagelöhnerinnen unter miserablen Bedingungen. Dies ist insbesondere in Afrika und Südasiatischen Ländern der Fall, wo der Baumwollanbau in Männerhand liegt. Frauen haben keinen Zugang zu Betriebsmitteln und können sich nicht in Anbaugemeinschaften organisieren, um sich selbständig zu machen.
Übersicht:
- riesige Monokulturen ohne Fruchtfolge und Zwischenfrüchte zerstören die Bodenbeschaffenheit und Fruchtbarkeit
- enormer Wasserverbrauch durch künstliche Bewässerung beim Anbau regenarmen Regionen
- riesiger Verbrauch von Pesitiziden, insbesondere Insektiziden verseucht die Umwelt
- Kinderarbeit und Ausbeutung von Frauen und Mädchen
Gibt es Alternativen?
Ja, diese gibt es. Im nächsten Blogartikel beschäftigen wir uns mit dem Anbau von Bio-Baumwolle. Zudem stelle Ich Dir Vorreiter im biologischen und fairen Baumwollanbau und -handel vor.
Quellen:
- https://novastan.org/de/usbekistan/der-aralsee-gestern-heute-morgen/
- https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/produkt/baumwolle/
- http://www.umweltinstitut.org/fragen-und-antworten/bekleidung/anbau-von-baumwolle.html
- https://globalestshirt.wordpress.com/2017/04/07/wie-viel-wasser-braucht-ein-t-shirt/
- http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/kleiden-schmuecken/baumwolle/anbau5
- https://de.wikipedia.org/wiki/Baumwolle