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Mit dem Kopieren von Texten aus dem Internet ist es nicht getan. Die gefundenen Informationen müssen verarbeitet, kritisch beurteilt und verglichen werden. Meistens sind die Informationen nicht passgenau zur eigenen Fragestellung. Die Verarbeitung in die gewünschte mediale Form bedarf zudem einiger Anwendungskompetenzen, um das angeeignete Wissen beispielsweise in einer Präsentation oder einem Lernfilm aufzubereiten.
Luca Botturi, Dozent Medienbildung der SUPSI Locarno, gibt eine kurze Einführung in ein Vorgehen in sechs Schritten (sog. Big6-Modell, siehe «Zur Vertiefung»).
Video: Einführung ins Big6-Modell (Referat von Luca Botturi).
Transkript und Überblicksgrafik
Einführung ins Big6-Modell
Was meinen wir, wenn wir von «Information Literacy» sprechen? Was bedeutet es, Informationen zu suchen und zu nutzen? Wir sind uns alle einig, dass es nicht bedeutet, einfach ein Schlüsselwort in Google einzutippen und auf «Suchen» zu klicken.
Eine zentrale Frage, die wir als Lehrer:in, Bibliothekar:innen oder Erzieher:innen stellen müssen, ist: Wie vermittle ich das Suchen von Informationen? Wir lassen uns von der Arbeit von Eisenberg und Berkowitz helfen, die vor einigen Jahren ein Modell namens «The Big6» entwickelt haben, das sechs Phasen, sechs zentrale Momente für eine Informationsrecherche vorstellt.
Die erste Phase ist die Identifikation dessen, was Sie definieren müssen, also das informatorische Bedürfnis.
Danach muss man entscheiden, wie man Spuren findet, wo man suchen und wie man suchen möchte.
Darauf folgt eine operative Phase, in der man die Informationen lokalisiert und auf sie zugreift.
In der Folge muss man mit den gewonnenen Dokumenten interagieren und sie mit den Personen teilen, mit denen man zusammenarbeitet. Man muss eine Zusammenfassung erstellen, die dem informatorischen Bedarf entspricht.
Schliesslich gibt es eine Phase der Bewertung des Produkts und des Prozesses.
Betrachten wir die sechs Phasen genauer, eine nach der anderen. Diese sechs Phasen stellen einen Zyklus dar, einen Zyklus, der verschiedene iterative Momente hat, in denen man vorwärts und zurück gehen kann.
Und wir werden im zweiten Teil des Kurses diverse Strategien kennenlernen, um die Arbeit in den verschiedenen Phasen zu verbessern.
Die erste Phase betrifft wie gesagt die Definition des Problems oder des informatorischen Bedarfs, indem wir uns gemeinsam Fragen stellen: Was brauche ich? Formulieren wir Hypothesen? Welche Informationen beantworten unser informatorisches Bedürfnis? Ist es eine offene Suche, eine geschlossene Suche oder die Bestätigung oder Nichtbestätigung von etwas, das ich gerade überprüfen möchte? Oder ist es die Erkundung eines Bereichs, den ich nicht kenne? Welche Formate benötige ich? Suche ich nach Texten, einzelnen Daten, Bildern, Nachrichten oder Karten oder etwas anderem? Und wie sensibel oder korrekt sind diese Informationen?
Die Qualität dessen, was ich finde, hängt zum grossen Teil davon ab, wie gut ich Fragen formuliere.
Daher ist es die einfachste und unmittelbarste Strategie, sich zu fragen «wie, wo und warum suche ich?», bevor ich mich ins Web stürze und suche.
Ich kann mich dabei fragen, ob ich primäre Quellen kenne. Wenn ich über die Daten einer Gemeinde oder eines Staates spreche, habe ich normalerweise zugängliche primäre Quellen; aber oft gilt das auch für ein Unternehmen, dessen Website eine primäre Quelle ist. Oder ich kenne Leute, die Experten:innen sind und vielleicht der erste nützliche Schritt ist, sie zu interviewen anstatt Dokumente zu suchen.
Und weiter: Gibt es Datenbanken oder Suchmaschinen, die besonders geeignet sind, das Gesuchte zu finden? Dies ermöglicht uns, vor der Recherche Quellen zu identifizieren, die uns zumindest als Annahme ein bestimmtes Qualitätsniveau bieten.
Schliesslich folgt der operative Teil, also das Auffinden und der Zugriff auf die Dokumente, die ich suche, das Finden und Herunterladen, das Organisieren. Hier gibt es den sehr sensiblen Prozess der Definition von Begriffen, der auch das Feintuning dieser Begriffe während der Suche umfasst. Es gibt auch die Auswahl der Ergebnisse, um das zu identifizieren, was ich wirklich brauche. Wir wissen, wie sensibel und komplex dieser Prozess ist, da er Kenntnisse der Welt und der Quellen voraussetzt. Am Ende dieser Phase habe ich eine Reihe von Dokumenten extrahiert.
Es geht also nicht nur darum, die Dokumente zu finden und zu speichern, sondern sie zu lesen, zu konsultieren oder mit diesen Quellen zu interagieren, die vielleicht auch audiovisuell oder multimedial sind oder interaktiv sind, wie zum Beispiel ein System, das es ermöglicht, Daten dynamisch anzuzeigen.
Es geht also darum, mit den Dokumenten zu interagieren und sie eventuell zu teilen, weil man oft nicht alleine, sondern im Team sucht, um die Informationen zu finden, die benötigt werden.
Die Informationen werden dann in der folgenden (fünften) Phase zusammengefasst, das heisst zusammengeführt, verglichen und integriert, um eine Antwort auf die Recherchefragen respektive den Informationsbedarf zu finden. Es geht darum, zusammenzufassen und zu synthetisieren, zu integrieren, vielleicht auch, um noch fehlende Informationen zu identifizieren.
Aber vor allem gibt es zwei Dinge zu tun: Das erste ist, einige Konflikte oder Diskrepanzen zu identifizieren, die in den gefundenen Informationen vorliegen können. Nicht alle Fragen haben eindeutige Antworten. Nicht alle Informationen sind miteinander übereinstimmend. Und es ist auch die Gelegenheit, neue Fragen zu formulieren, denn eine gute Recherche öffnet mehr Türen, als sie schliesst.
Nachdem wir die Antwort auf das Informationsbedürfnis gefunden haben, könnten wir die Arbeit abschliessen. Aber es gibt noch einen wichtigen Schritt: die Bewertung dessen, was wir getan haben.
Habe ich die Informationen gefunden, die ich brauchte? Habe ich meine Informationsbedürfnisse befriedigt? Aber auch: War mein Prozess effizient oder hat mich die Arbeit zu viel Zeit oder zu viel Energie gekostet? Es ist wichtig, dass wir unsere Arbeit beurteilen, dass wir reflektieren, indem wir uns auch fragen, was ich besser hätte machen können oder auf welche Probleme ich stiess.
Dieses Big6-Modell bietet uns eine Landkarte, welche den Bildungsbedarf abbildet, und auch die Unterstützung von Schüler:innen oder die Erstellung von Lernressourcen.
In einigen dieser Phasen gibt es auch eine vereinfachte Version für jüngere Kinder: zur Planung, der Recherche und der Überprüfung mit einer anschliessenden Bewertung. Dies ermöglicht auch den Kleinsten, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.
Die 6 Schritte (Phasen) in Kürze
1. Aufgabenstellung klären
Eine gezielte Recherche verlangt vorab nach der Klärung des Problems. Worum geht es? Welche Informationen benötige ich? Und was will ich damit tun? Es folgt die Formulierung einer zielführenden Fragestellung.
2. Suchstrategie wählen
Im zweiten Schritt wird eine passende Suchstrategie bestimmt: Wo und wie will ich suchen? – Die Suchstrategie ergibt sich aus der Wahl der adäquaten Quellen (Literatur, Internetrecherche, Interviews) und der Wahl geeigneter digitaler Rechercheinstrumente (z. B. Suchmaschinen).
3. Informationsquellen finden
Mit einer durchdachten Suchstrategie erhält man vertrauenswürdige und potenziell relevante Informationsquellen. Doch welche sind für die Recherchearbeit wirklich relevant und zielführend?
4. Informationen organisieren
Die Rechercheergebnisse können in unterschiedlichen medialen Formen (Text, Audio, Video etc.) vorliegen. Die gefundenen Informationen müssen organisiert und entweder auf dem eigenen Computer oder mit einer geeigneten Software übersichtlich strukturiert und gespeichert werden. Dazu muss der Umgang mit den verschiedenen Dateiformaten beherrscht werden.
5. Informationen nutzen
Die gefundenen Informationen müssen verarbeitet, kritisch beurteilt und verglichen werden. Meistens sind die Informationen nicht passgenau zur eigenen Fragestellung. Die Verarbeitung in die gewünschte mediale Form bedarf zudem einiger Anwendungskompetenzen, um das angeeignete Wissen beispielsweise in einer Präsentation oder einem Lernfilm aufzubereiten.
6. Produkt und Prozess bewerten
Die Reflexion über die Recherchearbeit findet idealerweise laufend statt, aber unbedingt nach Abschluss einer Recherchearbeit. Dabei gilt es das Produkt, also die «Präsentation», aber auch den Rechercheprozess zu beurteilen.
Zur Anwendung des Modells
Nicht alle Rechercheaufträge sind gleich komplex. Je nach Alter der Lernenden und Komplexität des Rechercheauftrags werden die Phasen des Modells unterschiedlich intensiv bearbeitet, einzelne Phasen werden teils übersprungen oder nicht Schritt für Schritt bearbeitet. So erhalten Schüler:innen der Grundstufe beispielsweise den Auftrag: «Erkläre die Körperteile der Biene», derweil Lernende der Sekundarstufe der Frage nachgehen: «Welche Bedeutung haben die Bienen für das Ökosystem?», und ältere Lernende formulieren gar ihre eigene Fragestellung.