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„Italien! sagte Mignon bedeutend.“ Die berühmte Emphase aus Wilhelm Meisters Lehrjahren (1795/97) bringt den mythischen Status, den Italien für Goethe und sein Zeitalter bereits hatte, auf den Punkt. Sie bezeichnet das unerschöpfliche Imaginarium, das „Italien“ seit Ende des 18. Jahrhunderts der deutschen Kultur eröffnete.
Zweihundert Jahre später erlebt ein Liebespaar in Die Ballade von Billie und Joe (1998) des Schweizer Autors Martin R. Dean seine Ankunft in Italien wesentlich prosaischer: „Sie fallen aufs Bett, bleiben gleich liegen und schauen sich italienische Seifenopern im Fernsehen an.“ Das alte Italienideal scheint zur trivialen Medienerscheinung geworden und zum Trip geschrumpft zu sein, der vom Basler Münster nur eine Laune weit weg führt.
Die beiden literarischen Italien-Perspektiven trennen nicht nur zweihundert Jahre, sondern eine Blickdifferenz, die durch die geographische, politische, kulturelle und literarische Situation der Schweiz und ihrer Beziehung zu Italien bedingt ist. Diese spezifischen Sichtweisen auf Italien, die sich seit der Vereinigung Italiens 1861 in der deutschsprachigen Literatur der Schweiz herausgebildet haben, untersucht das hier präsentierte Projekt.