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Brigitta Lehr, Finanzanalystin«Höhere Sozialleistungen verursachen
höhere Steuern.»
Ab dem Ölpreisschock Mitte der 1970er-Jahre stockte der Ausbau der Sozialstaaten. Die Wirtschaft verschob sich strukturell vom Industrie- zum Dienstleistungssektor. Das führte zu geringeren Produktivitätszuwächsen, niedrigerem Wirtschaftswachstum und weniger Staatseinnahmen. Gleichzeitig stiegen die Sozialausgaben: Der technologische Wandel forderte neue Qualifikationen von den Arbeitnehmenden und trug zu struktureller Arbeitslosigkeit bei. Die Globalisierung verschärfte den Wettbewerbs- und Kostendruck, was zur Verlagerung von Arbeitsplätzen führte. Eine zunehmende Umverteilung zeigt zudem einen negativen Effekt: Sowohl für die Sozialleistungsempfänger als auch für die Steuerzahler lohnt sich Mehrarbeit immer weniger.
Um die wachsende Differenz zwischen sinkenden Staatseinnahmen und steigenden Ausgaben zu verringern, sollten Liberalisierung und Deregulierung das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Bei den Sozialausgaben wurde dagegen gespart. Dass diese Massnahmen die sozialen Unterschiede nicht verringerten, liegt auf der Hand.
Eigentümlicherweise werden aber Sozialleistungen umso stärker beansprucht, je eher sie verfügbar sind. So liessen sie auch nach dem «Goldenen Zeitalter» die Staatsausgaben steigen. Die meisten Kosten verursacht dabei die Altersvorsorge: 37% im OECD-Durchschnitt (siehe Abb. 6). Hier stellt der demografische Wandel weitere Herausforderungen: die steigende Lebenserwartung und die gleichzeitig sinkenden Geburtenraten. Um die Altersvorsorge zu entlasten, soll die Erwerbsquote gesteigert, Anreize für mehr Kinder geboten und die Migration gezielt gesteuert werden.
Alle diese Massnahmen können aber einschneidende Reformen der Altersversorgung nicht abwenden.
Die Covid-19-Krise verschärft die Situation weiter: Konjunkturförderprogramme treiben die Ausgaben in die Höhe, während gleichzeitig die Steuereinnahmen einbrechen. Dem Staat bleibt immer weniger Handlungsspielraum. Im besten Fall sind die Ausgaben für Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit nur temporär, strukturelle Veränderungen können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Potenzielle Deglobalisierungstendenzen, um Lieferketten abzusichern, könnten Wettbewerbsdruck abbauen. Das ist aber langfristig nicht nur vorteilhaft, weil darunter Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum leiden, sodass die Staaten weniger Steuern erheben und damit wiederum weniger Sozialleistungen finanzieren können.
Die Altersvorsorge bleibt auch für die Schweiz eine zentrale Herausforderung. Wir werden künftig selbst mehr Verantwortung übernehmen müssen, um unsere persönliche Altersvorsorge zu sichern. Die private Vermögensanlage wird unverzichtbar.
Wir raten Ihnen, Ihre finanzielle Zukunft rechtzeitig zu planen:
Wir freuen uns, Ihre Altersvorsorge mit Ihnen zusammen für die Zukunft fit zu machen.