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Nicht jeder Tennisprofi kann ein Grand-Slam-Turnier gewinnen. Bitter war dies vor allem für diese 15 Spieler, die jahrelang zu den Besten ihres Fachs gehörten und das grosse Ziel nur haarscharf verpassten. Hier gibt's den zweiten Teil.
Als «unvollendet» in die Tennis-Geschichte einzugehen, ist ein dunkler Fleck in der Karriere eines Top-Spielers. Aktuell droht etwa Jo-Wilfried Tsonga, Gaël Monfils, Richard Gasquet oder Grigor Dimitrov ein ähnliches Schicksal. Immerhin haben sie noch Chancen, ihre Biografie umzuschreiben – ganz im Gegensatz zu diesen Legenden (bewertet werden Turniere in der Profi-Ära ab 1990; Punkteverteilung: Final 5, Halbfinal 2, Viertelfinal 1).
14 Punkte
Nikolai Dawidenko
Karriere: 1999 bis 2014
Grand Slams: 4 x Halbfinal (2 French Open, 2 US Open), 6 x Viertelfinal
Höchste Platzierung: 3
Turniersiege: 21
Ausser auf Rasen wurde der Russe von jedem Gegner gefürchtet. Dank seiner Qualitäten konnte er sich über viele Jahre in den Top 10 halten. Dawidenko nahm den Ball so früh wie fast kein anderer Spieler auf der Tour und setzte so seine Gegner stets unter Druck. Doch leider war sein Nervenkostüm nicht ganz so solide, oft gab er ein Match noch aus den Händen.
So verlor er beispielsweise gegen Roger Federer bei den Australian Open 2006 und 2010 sowie bei den French Open 2007 trotz Führung. Seine Matchbilanz gegen den Schweizer am Ende: 2:19. Gleich drei Niederlagen gegen den Schweizer musste er dabei jeweils in einem Major-Halbfinal hinnehmen. Immerhin revanchierte er sich dann 2009 beim ATP-Tourfinal gegen Federer und bezwang ihn im Halbfinal. Anschliessend holte er sich den Titel, was sein grösster Meilenstein blieb.
14 Punkte
Robin Söderling
Karriere: 2001 bis 2015 (aktiv auf der Tour nur bis 2011)
Grand Slams: 2 x Final (French Open), 4 x Viertelfinal
Höchste Platzierung: 4
Turniersiege: 10
Obwohl das Spiel des Schweden mit seinem krachenden Aufschlag und seiner Power – vor allem auf der Vorhand – für schnelle Unterlagen prädestiniert war, erreichte er seine besten Resultate auf Sand beziehungsweise bei den French Open.
2009 überraschte er im Achtelfinal den vierfachen Titelträger Rafael Nadal, der bis dahin kein einziges seiner 31 Spiele in Paris verlor. Im Final stoppte ihn dann Federer. Der Verlierer revanchierte sich ein Jahr später, indem er den Titelhalter im Viertelfinal rauswarf und erneut ins Endspiel vorstiess. Dort rächte sich aber Nadal für die bittere Vorjahresniederlage.
2011 wurde bei Söderling das Pfeifferische Drüsenfieber festgestellt, wovon er sich nie mehr richtig erholen sollte. So ging Söderling mit erst 26 Jahren der Tenniswelt verloren. Das Potenzial für einen Major-Triumph war aber unbestritten vorhanden.
16 Punkte
Tim Henman
Karriere: 1993 bis 2007
Grand Slams: 6 x Halbfinal (4 Wimbledon, 1 US Open, 1 French Open), 4 x Viertelfinal
Höchste Platzierung: 4
Turniersiege: 11
Der englische Aufschlag-Volley-Spezialist trug als Lokalmatador ein Jahrzehnt lang die Hoffnungen der Briten, Wimbledon zu gewinnen. Doch die Erwartungen waren wohl zu hoch, vorwerfen kann sich der einstige Angstgegner von Federer – Henman gewann sechs der sieben ersten Matches gegen ihn – nicht viel: 1998 und 1999 scheiterte er jeweils in vier Sätzen an Pete Sampras, 2001 fehlten ihm gegen Goran Ivanisevic nur zwei Punkte zum Finaleinzug; er verlor schliesslich in fünf Sätzen. 2002 behielt Lleyton Hewitt das bessere Ende für sich.
Ausserdem erreichte er in London noch viermal die Viertelfinals (1996, 1997, 2003, 2004). 2004 zog er zudem bei den French Open (Niederlage gegen Coria) und bei den US Open (Niederlage gegen Federer) in den Halbfinal ein. Als Trostpflaster holte er für sein Land bei Olympia die Silbermedaille, wenn auch nur im Doppel.
Punkte 18
David Nalbandian
Karriere: 2000 bis 2013
Grand Slams: 1 x Final (Wimbledon), 4 x Halbfinal, 5 x Viertelfinal
Höchste Platzierung: 3
Turniersiege: 11
Der argentinische Allrounder wurde einst als Hauptrivale von Federer gehandelt. Kein Wunder, schliesslich konnte der Mann mit der gefürchteten Rückhand den Schweizer von 2002 bis 2003 gleich fünfmal hintereinander schlagen. Doch Verletzungen, mangelnde Konstanz und vor allem seine mentale Schwäche bei den Big Points machten ihm häufig einen Strich durch die Rechnung. So blieb sein Major-Höhepunkt der Finaleinzug in Wimbledon 2002 (Niederlage gegen Lleyton Hewitt). 2005 holte er sich nach einem Zwei-Satz-Rückstand gegen Federer noch den WM-Titel. Immerhin ist er der einzige Spieler, der die «Big 3» allesamt in einem Turnier schlagen konnte (Madrid 2007).
18 Punkte
Cedric Pioline
Karriere: 1989 bis 2002
Grand Slams: 2 x Final (US Open, Wimbledon), 2 x Halbfinal, 4 x Viertelfinal
Höchste Platzierung: 5
Turniersiege: 5
Der Franzose fühlte sich auf allen Plätzen wohl. Seine Spielart erinnert stark an Richard Gasquet, den «Mozart» des Tennis. So verfügte auch Pioline über eine starke einhändige Rückhand und sein Stil wirkte stets elegant. Doch mental schien es bei Pioline zu hapern. So verlor er gleich seine ersten neun Finals und sicherte sich so einen unliebsamen Rekord.
Dummerweise waren auch seine zwei Major-Finals drunter. Sowohl bei den US Open 1993 als auch in Wimbledon 1997 traf er auf Pete Sampras. Beide Male konnte er gegen die Power des Amerikaners nicht standhalten. Immerhin gewann er in seiner Karriere zweimal den Davis Cup (1996 und 2001).
22 Punkte
Todd Martin
Karriere: 1990 bis 2004
Grand Slams: 2 x Final (Australian Open, US Open), 4 x Halbfinal, 4 x Viertelfinal
Höchste Platzierung: 4
Turniersiege: 8
Das amerikanische Männertennis Anfang der 90er-Jahre wurde dominiert von Pete Sampras, Andre Agassi, Jim Courier und Michael Chang. Dahinter reihte sich Martin ein, der sich deswegen selbst scherzhaft als «fünfter Beatle» bezeichnete.
Mit seinen 1,98 Meter Körpergrösse spielte der «Gentle Giant» bevorzugt Serve-and-Volley, war aber auch an der Grundlinie solide. Fast immer standen ihm dabei seine Landsmänner vor der Sonne: 1994 musste er sich im Australian-Open-Final Sampras geschlagen geben. Im gleichen Jahr verlor er im Wimbledon-Halbfinal wieder gegen Sampras, ehe er auch noch den US-Open-Halbfinal gegen Agassi verlor. 1999 verspielte er zudem im US-Open-Final gegen Agassi eine 2:1-Satzführung.
Am einfachsten war wohl seine Ausgangslage im Wimbledon-Halbfinal 1996, als er auf MaliVai Washington traf. Sein Landsmann fügte ihm aber eine bittere Fünfsatzniederlage zu, im Final hätte der tiefer klassierte Richard Kracijek gewartet.
23 Punkte
David Ferrer
Karriere: 2000 bis 2019
Grand Slams: 1 x Final (French Open), 5 x Halbfinal, 8 x Viertelfinal
Höchste Platzierung: 3
Turniersiege: 26
Mit David Ferrer trat Ende 2019 ein unterschätzter Spieler und eine grosse Persönlichkeit von der Tennisbühne ab. Kaum einer litt mehr unter der Konkurrenz der «Big 4» als der Spanier. Roger Federer gewann etwa gegen ihn alle 17 Duelle. Trotzdem sind seine Zahlen eindrücklich: Seit Einführung der ATP Tour im Jahr 1990 ist der 38-Jährige aus Valencia mit 1'111 gespielten Matches die Nummer 3 und mit 734 Siegen die Nummer 4 – ex-aequo mit Pete Sampras und einen Sieg vor Andre Agassi. Dazu holte er dreimal den Davis Cup.
Was aber fehlt, ist ein Exploit auf höchster Ebene. 2013 verlor er den French-Open-Final gegen Nadal, bei den US Open und den Australian Open war je zweimal im Halbfinal Endstation (dreimal gegen Djokovic, einmal gegen Murray) und den Masters-Final 2007 verlor Ferrer gegen Federer.
Mit seinen 1,75 Meter war der kämpferische Spanier wohl einfach zu klein. Zwar war Ferrer immer einer der schnellsten und intelligentesten Spieler auf der Tour, das physische Handicap und die fehlenden Gratispunkte beim Aufschlag konnte er aber bei allem Einsatz nicht wettmachen. Es gibt deshalb auch eine andere Sichtweise: Kaum einer hat aus seinen Möglichkeiten so viel herausgeholt wie der David des Tennis.
26 Punkte
Tomas Berdych
Karriere: 2002 bis 2019
Grand Slams: 1 x Final (Wimbledon), 6 x Halbfinal, 9 x Viertelfinal
Höchste Platzierung: 4
Turniersiege: 13
Der Ende 2019 zurückgetretene 34-Jährige hielt sich von Juli 2010 bis Oktober 2017 ununterbrochen in den Top 10 des Rankings. Sein Aufschlag und seine Power – vor allem auf der Vorhand – machten ihn auf jeder Unterlage gefährlich, insbesondere auf Rasen. Trotz der technischen Stärken seines Spiels war Berdych bekannt dafür, dass ihm in wichtigen Spielen die Nerven einen Streich spielten. Keine guten Aussichten, wenn man gegen die «Big 4» kämpfen muss.
So gelang ihm der grosse Coup in Form eines Grand-Slam-Titels nie. 2010 verlor er im Final von Wimbledon gegen Nadal, nachdem er im Viertelfinal Federer geschlagen hatte. Immerhin erreichte er bei allen Major-Turnieren mindestens einmal den Halbfinal. Zudem gewann er mit Tschechien 2012 und 2013 den Davis Cup.