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Das Thema Genderidentität ist aktueller denn je. Immer mehr Menschen lehnen die traditionellen Geschlechterrollen ab und die Sprachen entwickeln sich entlang neuer Formen des Selbstausdrucks. Diese sprachlichen Veränderungen helfen auch dabei, mit einigen hartnäckigen Gendervorurteilen aufzuräumen. Welche Rolle spielen eigentlich gendergerechte Übersetzungen in diesem Prozess?
Meine Pronomen …
Personalpronomen gehören zu den wichtigsten Hilfsmitteln, mit denen wir unsere Identität zum Ausdruck bringen. Das jeweils gewählte Pronomen bestimmt die Art und Weise, wie wir als Person angesprochen und wahrgenommen werden. Gendergerechte Übersetzungen berücksichtigen diese essenzielle Information. Die UN-Richtlinien für gendergerechte Sprache im Englischen unterscheiden zwischen dem grammatischen Geschlecht, dem sozialem Konstrukt Geschlecht (gesellschaftlich mit Frauen bzw. Männern assoziierte Verhaltensweisen) und dem biologischen Geschlecht. Personalpronomen sind je nach Sprache unterschiedlich ausgeprägt.
Ausschlaggebend dabei ist, ob es sich um eine genderspezifische oder eine genderneutrale Sprache handelt. Erstere haben verschiedene Pronomen für Maskulinum, Femininum und Neutrum, wie zum Beispiel «er», «sie» und «es» im Deutschen. Genderneutrale Sprachen hingegen benutzen dasselbe Pronomen für alle Geschlechter: Im Armenischen wird «նա» (na) sowohl für «er» als auch für «sie» verwendet. Mandarin hat einen hybriden Ansatz: Das Pronomen für die dritte Person Singular wird «tā» ausgesprochen, jedoch je nach Subjekt anders geschrieben; (他) für Frauen, (她) für Männer,(牠) für Tiere oder gar (祂) für Gottheiten. Die genderneutralen Alternativen sind X也 oder 无也.
Der historisch gewachsene Ansatz im Englischen hierzu ist das Pronomen «they» für den Singular, das sonst üblicherweise für die 3. Person Plural («sie») steht. Ein Beispiel dazu: A guest left their bag behind after the concert (Ein Gast hat seine Tasche nach dem Konzert vergessen). Neugebildete Pronomen wie zum Beispiel das französische «iel» (aus «il» und «elle») geben der Genderdebatte eine ganz neue Dimension. Ob solche Pronomen zu Ihrer Übersetzung passen oder nicht, hängt ganz vom Stil und vom Ton Ihres Textes ab, denn sie haben den offiziellen Weg in die Wörterbücher noch nicht gefunden.
Endung gut, alles gut?
Wenn die Adjektive in Ihrer Sprache sich in der Endung dem zugehörigen Substantiv anpassen, ist eine gendergerechte Lösung gefragt. Dieses Thema sorgt zum Beispiel im Italienischen und im Spanischen für Diskussionen. So gibt es für Menschen aus Lateinamerika, traditionell Latinos und Latinas genannt, seit 2004 die Alternative «Latinx». Grammatikpuristen sträubten sich gegen diesen Begriff und schlugen stattdessen «Latine» vor. Im Italienischen gilt für die Endungen von Adjektiven Folgendes:
|Maskulin Singular
|Maskulin Plural
|Feminin Singular
|Feminin Plural
|-o Un viaggio lungo (Eine lange Reise)
|-i Alcuni gatti (Einige Katzen)
|-a Una buona scuola (Eine gute Schule)
|-e Le case nuove (Die neuen Häuser)
Das bedeutet, der einzige noch verfügbare Vokal wäre somit «u». Dieser wird jedoch bereits in den Dialekten im Süden des Landes im Maskulin Singular verwendet. Die Linguistin Vera Gheno schlug als Alternativen das Schwa (ǝ) bzw. das lange Schwa (з) vor.
Selber Beruf, andere Bezeichnung
Gendergerechte Sprache beschränkt sich nicht nur auf Pronomen. Viele Berufsbezeichnungen sind traditionell geschlechtsspezifisch, so zum Beispiel Feuerwehrmann, Kaufmann, Anwalt etc. Für die meisten Berufe haben sich mittlerweile weibliche Formen etabliert, so zum Beispiel Kauffrau und Anwältin, aber auch die Feuerwehrfrau ist heute eine gängige Bezeichnung. Eine alternative – und oft einfachere – Lösung ist ein genderneutraler Begriff wie zum Beispiel Lehrkraft, Pflegefachperson oder Bürokaufleute.
Der französische Begriff «auteur» (Autor) gab ebenfalls Anlass zu Diskussionen, nämlich als es darum ging, einen Ausdruck zu finden, der sich nicht auf die männliche Form beschränkt. Das am häufigsten verwendete weibliche Pendant ist «auteure»; dabei handelt es sich jedoch um eine unregelmässige Form, denn Wörter mit der Endung «-teur» bilden die weibliche Form mit «-teuse» oder «-trice». Zwar sieht man zuweilen «autrice», aber eher selten. Die Académie Française empfiehlt, die weibliche Form bei «auteur» zu belassen, und zwar aufgrund der einzigartigen und sehr abstrakten Auffassung davon, was es heisst, ein Autor – oder eine Autorin – zu sein. Zum Glück gibt es auch hier eine genderneutrale Alternative, zumindest gemäss den Genderregeln der ETH Lausanne: «écrivain∙e» (Schriftsteller*in). Die deutsche Sprache hat ihre eigenen Varianten, um zu gendern. Einige verwenden einen Asterisk anstelle der Doppelform: «Schweizer und Schweizerinnen» wird somit zu «Schweizer*innen». Andere wiederum verwenden das Binnen-I wie zum Beispiel bei «BürgerInnen». Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die weibliche Form der männlichen voranzustellen: «Teilnehmerinnen und Teilnehmer».
Was bedeutet das für Übersetzungen?
Wenn es darum geht, den richtigen Stil und Ton für einen Text zu finden, reicht inklusive Sprache nicht aus. Es ist elementar, dass das Übersetzungsbüro mit dem Kunden vor der Auftragsausführung bespricht, wie der jeweilige Text wirken und klingen soll. Dies gewährleistet, dass die Übersetzung zum Kunden und seiner Marke passt. Dabei hat eine gendergerechte Übersetzung möglicherweise nicht erste Priorität. SwissGlobal etwa benutzt auf ihrer Website aus Gründen der Lesbarkeit das generische Maskulinum.
Bei Übersetzungen kann Gendern seine ganz eigenen Herausforderungen mit sich bringen. Bei einer Übersetzung aus einer genderneutralen in eine genderspezifische Sprache erschliesst sich aus dem Ausgangstext möglicherweise nicht, ob das Subjekt männlich, weiblich oder weder noch ist. Zudem kann es manchmal schwierig sein, den entsprechenden Satz in der Zielsprache gendergerecht zu formulieren. Auch beim Texten kann der Fokus auf gendergerechte Sprache Verwirrung stiften: Wenn ein englischer Text mit «they» (siehe weiter oben) beginnt, klärt sich erst beim Weiterlesen, ob das Subjekt im Singular oder im Plural steht.
Die Kunst, alle anzusprechen
Wenn Sie Ihre Texte veröffentlichen, möchten Sie, dass alle Lesenden sich persönlich angesprochen fühlen. Gendergerechte Übersetzungen können Ihnen dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen. SwissGlobal verfügt über ein Team von Fachübersetzenden, die bestens mit den Feinheiten inklusiver Sprache vertraut sind und die sicherstellen können, dass sich alle eingeschlossen und von Ihren Texten respektvoll angesprochen fühlen. Übrigens: Wir erstellen für Sie auch gerne Stilrichtlinien und sorgen für eine konsistente Verwendung Ihrer Terminologie – damit alle Ihre Texte den richtigen Ton treffen.