Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03320.jsonl.gz/40

Die Schweiz gehört zu denjenigen Ländern, die eine sehr tiefe Maturitätsquote aufweisen. Zudem nehmen jedes Jahr nur gerade 20% der Maturantinnen und Maturanden ein universitäres Studium in Angriff. Der Zufluss der Studierenden an Universitäten ist demnach verhältnismässig gering. Und in Anbetracht der tiefen Maturitätsquote kann davon ausgegangen werden, dass die akademischen Eigenschaften dieser Studierenden im Durchschnitt gut bis sehr gut sind. Dennoch haben in den letzten Jahren über ein Viertel der Studierenden ihr Studium ohne erfolgreichen Abschluss abgebrochen. Die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung SKBF ist der Frage nachgegangen, weshalb die Zahl der Studienabbrüchen in der Schweiz so hoch ist. In ihrer Arbeit "Staffpaper 11" wertet sie die universitären Studienverläufe aller Studierenden aus, die zwischen 1975 und 2008 an einer Schweizer Universität ein Studium aufgenommen hatten.
Vor- und Nachteile der Analyse
Die Berücksichtigung dieses langen Zeitraums von insgesamt 33 Jahren hat die Verzerrungsgefahr minimiert und so das Ermitteln repräsentativer Ergebnisse ermöglicht. Der Nachteil bei der Erhebung solch administrativer Daten lag darin, dass diese nur eine beschränkte Zahl an persönlichen Charakteristiken der Studierenden enthalten und daher viele Fragen ungeklärt bleiben.
Wichtige Erkenntnisse
- Das Abbruchrisiko für Frauen hat sich über die Zeit laufend reduziert.
- Das Abbruchrisiko für Frauen liegt heute signifikant unter dem der männlichen Studierenden.
- Im Einklang mit den internationalen Ergebnissen zeigt sich, dass die individuellen Kompetenzen zu Beginn des Studiums einen wesentlichen Teil des Abbruchrisikos erklären.
- Unterschiede beim Abbruchrisiko auf einzelne Studienfächer bezogen haben sich verringert.
- Studierende aus Kantonen mit vergleichsweise hohen Maturitätsquoten weisen ein höheres Abbruchrisiko auf.
- Studierende, die ihr Studienfach im Laufe des Studiums wechseln oder ihr Studium unterbrechen, sind einem rund doppelt so hohen Abbruchrisiko ausgesetzt.
Die Analyse konnte keine Rückschlüsse liefern zu:
- Weshalb das Abbruchrisiko für Frauen geringer ist als jenes für Männer
- Weshalb das Abbruchrisiko von Fachwechslerinnen und Fachwechseln deutlich höher ausfällt. (Hat es mit einer schlechteren Studierfähigkeit zu tun? Oder mit einer verfehlten Studienwahl, die zunächst in einen Studienwechsel und schliesslich in einen Studienabbruch mündet, da sich womöglich der Misserfolg des ersten Studienfaches auf das zweite Fach übertragen hat? Solche Fragen konnten mittels der Analyse nicht beantwortet werden.)
Fazit
- Studienfachwahl und Studienverhalten der Studierenden sollten besser untersucht werden, um herauszufinden, welche Studienabbrüche sich mit welchen Massnahmen vermeiden liessen.
- Eine bessere Vorbereitung aufs Studium reduziert das Abbruchrisiko
Weitere Informationen: www.skbf-csre.ch
Quelle: Wolter, Stefan C.; Diem, Andrea; Messer, Dolores (2013): SkBF Staff Paper 11. Studienabbrüche an Schweizer Universitäten. Aarau: Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung.