Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03286.jsonl.gz/1759

Stiftungsrat
- Dr. Thomas Gsponer, Präsident, Visp
- Martin Lötscher, Vizepräsident, Leuk
- Eve-Marie Constantin, Siders
- Bruno Rieder, Naters
- Patrick Amacker, Eischoll
Bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es keine Heime für Pflegebedürftige im Oberwallis. Mit der Gründung der sogenannten «Sozialen Konferenz» wurde eine Gruppe ins Leben gerufen, die sich mit sozialen Fragen auseinandersetzte und im Mai 1910 die Errichtung einer Armen- und Greisenanstalt für das Oberwallis beschloss. Die Gemeinden und Bezirke wurden aufgefordert, sich an der neuen Institution finanziell zu beteiligen. Für CHF 2’000 konnten Bettenrechte erworben werden und die Kosten für die Unterbringung wurden auf 150 bis 250 Franken pro Jahr festgelegt. Pflegebedürftige aus Gemeinden mit Bettenrechten hatten ein Voreintrittsrecht.
Als Standort des ersten Alters- und Pflegeheims im Oberwallis bot sich das Schloss «Werra» im Leuker Grund (Susten) an. Dieses wurde im 15. Jahrhundert erbaut und beherbergte Ende des 19. Jahrhunderts Salettiner Patres, die hier ein Noviziat und eine Knabenschule betrieben. Ab der Jahrhundertwende lebten aus Frankreich vertriebene Kartäusermönche im Schloss.
Mitte 1912 erwarb das Initiativkomitee zur Gründung der Oberwalliser Armen- und Greisenanstalt an einer Versteigerung das Werra-Schloss samt umliegendem Grund und Boden für CHF 85’250. Im November 1912 trafen die Baldegger Schwestern, die für die Leitung der Anstalt gewonnen werden konnten, in Susten ein und im Dezember des gleichen Jahres fand die feierliche Eröffnung des St. Josefheims statt. Das Heim antwortete damit auf einen grossen Bedarf.
Bereits fünf Jahre nach der Eröffnung zählte man 37 Bewohner. Ein Hausgeistlicher, vier Baldegger Schwestern, zwei Knechte und eine Magd kümmerten sich um die Patienten. Da die Platzverhältnisse immer prekärer wurden, wurde Ende der 20er Jahre ein zweigeschossiger Neubau mit 76 Betten realisiert. Insgesamt lebten jetzt 130 pflegebedürftige Personen im Heim. In einer zweiten Vergrösserung wurden Tagesräume, 17 Betten für Frauen mit einer geistigen Behinderung und Betten für invalide Kinder errichtet. Da das Heim weder von der Infrastruktur noch von den Platzverhältnissen für die Pflege von behinderten Kindern geeignet war, drohten die Baldegger Schwestern, das St. Josef zu verlassen. Erst im Jahre 1964 wurde in Visp die heilpädagogische Schule eröffnet und Ende 1966 verliessen die letzten Jugendlichen das Heim. Ende der 50er Jahre erfolgte eine weitere Anpassung der Infrastruktur mit 28 neuen Betten, neuen Aufenthaltsräumen, einem geräumigen Esssaal für männliche Bewohner und einer Krankenabteilung mit 16 Einzelzimmern. Im Jahr 1962 zählte das St. Josef eine Rekordzahl von 229 Bewohnern.
In den 70er und 80er Jahren wurde das Heim in mehreren Etappen saniert, ein zusätzlicher Pavillon für behinderte Heimbewohner wurde gebaut und ein Mehrzwecksaal mit Beschäftigungsstätten für die Bewohner errichtet. Bis 1988 zeichneten die Baldegger Schwestern für die alleinige Führung des Heimes verantwortlich. Mit Theo Pfammatter übernahm Mitte 1988 erstmals ein Direktor die Gesamtführung der Institution. 2009 verliessen die Baldegger Schwestern nach fast 100 Jahren und einem Engagement unter schwierigsten Verhältnissen das St. Josef. Nach fast zehnjähriger Verhandlung mit den kantonalen Instanzen erfolgte in den Jahren 2001 bis 2004 für über 20 Millionen Franken die bisher umfassendste Modernisierung und Sanierung der Heiminfrastruktur.
Heute ist die Stiftung an drei Standorten tätig: Heim St. Josef in Susten, Heim Ringacker in Leuk und Alterswohnung in Leukerbad. Mit 92 Langzeitbetten und 4 Kurzzeitbetten in der Alterspflege und 79 Betten in der Behindertenpflege, 260 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von über 16 Millionen Franken und Personalkosten von 13 Millionen Franken gehört die Stiftung zu den bedeutendsten Sozialunternehmen im Oberwallis und ist, regional betrachtet, der wichtigste Arbeitgeber im Bezirk Leuk.