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Neuraltherapie
Die Behandlung chronischer Schmerzen und vegetativer Syndrome mit Procaininjektionen
von Orelli Frédéric, Schmerzklinik Kirschgarten, 4010 Basel
Einleitung
Leriche hat 1920 über seine Erfahrungen mit der therapeutischen Injektion von Procain an den Sympathikus z.B. ans Ganglion stellatum bei Lungenembolie, Hirnembolie und bei Kopfschmerzen sowie über die intra-und perivaskulären Injektionen zur Therapie vasomotorischer Erkrankungen berichtet. Unabhängig von diesen Veröffentlichungen beobachtete Ferdinand Huneke 1927 die Kupierung eines Migräneanfalls bei der versehentlich intravenösen Injektion eines procainhaltigen Rheumamittels, eine Wirkung, die sich ohne Procainzusatz durch dasselbe Mittel nicht, durch Procain allein aber sehr wohl wiederholen liess. In der Meinung, dass die Wirkung über Nervenleitung und nicht durch das im Blut transportierte Mittel eintrete, nannten die Brüder Huneke ihre aus ähnlichen Erfahrungen heraus entwickelte Therapiemethode "Neuraltherapie".
Unterdessen ist die Behandlung von chronischen Schmerzen mit Lokalanästhetica gut dokumentiert. Die Sympathikusblockaden sind in der Behandlung von chronischen Schmerzsyndromen mittlerweile klassisch in der Form von Stellatumblockaden für Schulter-Arm-Syndrome, Blockaden des lumbalen Grenzsstranges für die Behandlung von Schmerzen oder Durchblutungsstörungen der unteren Extremitäten u.a.m.
"Neuraltherapie" im Sinne der Brüder Huneke umfasst in den verschiedenen Applikationen nicht nur die lokale oder regionale Behandlung. Ihre Wirkung beruht nämlich nicht allein auf einer pharmakologischen Anästhesiewirkung am Injektionsort sondern auf einer Beeinflussung der verschiedenen Regulationsmechanismen im ganzen Körper. Anders könnten Fernwirkungen wie sie Leriche und die Brüder Huneke beschrieben haben, nicht erklärt werden.
Zum besseren Verständnis der Neuraltherapie als Regulationsmedizin seien im Folgenden die wichtigsten Voraussetzungen und Erkenntnisse etwas näher besprochen, bevor auf den klinischen Alltag eingegangen wird.
Definition der Neuraltherapie
Neuraltherapie ist eine Regulationstherapie. Der Eingriff ändert an der zellulären Substanz primär nichts.
Das Ziel ist, mittels Stich und Lokalanästhetikum die blockierte Regulationsleistung des Organismus anzuregen. Dosis und Wirkungsdauer des Lokalanaesthetikums sind von untergeordneter Bedeutung.
Die Reaktion des Organismus auf den Reiz kann einerseits im langdauernden Verschwinden von Symptomen und andererseits in diagnostisch wertvollen kurzzeitigen Schmerzempfindungen bestehen.
Substrate, auf die sich der Eingriff hauptsächlich auswirkt, sind das vegetative Nervensystem und das Grundsystem.
Grundlagen
Für das Verständnis der Neuraltherapie haben sich vor allem die Forschungen von Pischinger, Bergsmann und Heine mit der Entwicklung der Lehre über das Grundsystem sowie die Erkenntnisse von Ricker und Speransky als grundlegend erwiesen.
Ricker und Speransky konnten den entscheidenden Einfluss des Nervensystems , vor allem des autonomen oder vegetativen Nervensystems auf die Zellfunktionen nachweisen und zeigen wie verschieden starke Sympathikusreize den Aktivitätszustand zwischen Hypertrophie und Atrophie z.B. über die Durchblutung steuern und dass Krankheit selbst eine Reizbeantwortung des Organismus unter dem führenden Einfluss des Nervensystems darstellt. Damit erklärten sie, wie die Ausschaltung übermässiger Reize durch Lokalanästhetika Funktionsstörungen auf zellulärer Ebene beheben kann, soweit die Strukturen nicht irreparabel geschädigt sind. Sie erkannten dass lokale Reize des wenig hierarchisch aber vielmehr netzartig über den ganzen Körper strukturierten Vegetativum nicht nur lokale sondern auch generelle Wirkungen auf den ganzen Organismus haben und dass allgemeine Veränderungen des Reizzustandes wiederum entscheidende lokale Veränderungen an gestörten Strukturen haben können.
Pischinger und Bergsmann erkannten im fein strukturierten Kontinuum, in das alle zellulären Elemente eingebettet sind, ein unter anderem für den Stofftransport und die Informationsspeicherung entscheidend wichtiges Gewebe, das sie Grundsubstanz nannten. Es besteht aus hochpolymeren Zucker-Proteinkomplexen wie Proteoglykane und Glykosaminglykane, Strukturglykoproteinen wie Kollagen und Elastin, Vernetzungsproteinen und Wasser in flüssigkristalliner Form. Mit den zellulären Elementen (Kapillaren, vegetativen Axonen, Mastzellen, Fibrozyten, Abwehrzellen etc.) zusammen ergibt sich das Grundsystem , das mit den übergeordneten nervösen, humoralen und hormonellen Regelsystemen für die Grundregulation entscheidend ist.
Nur stichwortartig können die komplexen Funktionen des Grundsystems angedeutet werden. (Weitergehende Literatur bei Heine, Barop und Fischer)
Stofftransport: Die Grundsubstanz zwischen Kapillare und Organparenchymzelle wirkt durch elektrisch geladene Proteoglykan-"Tunnels" wie ein aktives Sieb, das je nach Porengrösse und elektrischer Ladung Substanzen mehr oder weniger passieren lässt. Potentialveränderungen z.B. durch metabolische pH - Störungen oder Schwermetallbelastungen verändern auch die Porengrösse der Grundsubstanz und damit die Transporteigenschaften des Filters.
Informationsspeicherung und -übermittlung: Bei Körpertemperatur ist etwa 60% des Wassers in flüssigkristalliner, also ähnlich wie ein Flüssigkristall - Display in "beschreibbarer" Form in den negativ geladenen Proteoglykankomplexen gebunden und kann Information verschiedenster Art wie die eines infektiösen Agens oder einer lokalen Gewebsläsion speichern. Fieber kann die Kristallstruktur auflösen oder verändern und so pathologische Information z.B. eines Infektes löschen, was durchaus sinnvoll erscheint.
Kleinste Potentialdifferenzschwankungen der Grundsubstanz verändern das elektromagnetische Schwingungsmuster, was als Information für die Steuerung der spezifische Aktivität an die Zellen weitergegeben wird. Ausserdem lösen bestimmte Schwingungsänderungen kleinster Energiemengen Resonanzfrequenzen hoher Kohärenz aus, die sich schlagartig als Information im ganzen Körper verteilen und die Struktur der Grundsubstanz, z.B.den Ordnungszustand des Wassers, mit weitreichenden funktionellen Folgen verändern können. Umgekehrt bewirken minimale Dauerimpulse z.B. aus einer schmerzhaften Narbe oder einem Zahngranulom auf die Dauer eine Veränderung der Grundsubstanz im pathologischen Sinne (Überproduktion von Proteoglykanen und Kollagen z.B. in Gelosen und Trigger points und Veränderung des elektromagnetischen Grundtonus) mit entsprechenden Funktionsstörungen im Stofftransport und Informationsfluss, Störungen der humoralen und nervösen Regelkreise und Behinderung der Regulationsfähigkeit.
Eine gewisse Menge an Belastungen wie Entzündungen, Traumata, Operationen oder psychischen Stress kann das Grundsystem durch die grosse Anpassungsfähigkeit kompensieren und somit die normale Funktion des Organismus erhalten. Der Mensch "erträgt viel". Irgendwann und von Mensch zu Mensch verschieden schnell ist die Belastungsgrenze jedoch erreicht und eine zusätzliche Läsion, vielleicht ganz banaler Natur wie eine Kontusion, ein Verhebetrauma oder eine kleine Operation, bringt das Fass zum überlaufen. Die Regulation versagt und die Heilungsvorgänge laufen verzögert und gestört ab. Es entwickelt sich eine chronische Krankheit.
Grundsystem (Pischinger,Bergsmann, Heine) und vegetatives Nervensystem (Speransky) sind die Substrate, über welche der neuraltherapeutische Eingriff auf die gestörten Funktionen wirkt.
|Formen der
Neuraltherapie

Lokale Therapie (loco dolenti)
Segmentale Therapie (Ganglien, Gefässe)
Störfeldtherapie (Ausserhalb des erkrankten Segmentes liegende Gewebe)
Therapieformen der Neuraltherapie
1. Lokale Therapie
Die Injektion wird "loco dolenti" d.h. am schmerzenden Ort gesetzt. (Triggerpunkte, Sehnenansätze, Gelenke, Nerven etc) Diese Form wird auch als "Therapeutische Lokalanästhesie" bezeichnet. Ihre Wirkung übersteigt jedoch die pharmakologische Anästhesie bei weitem. Der Schmerz lässt wesentlich länger nach und bei Wiederholung dauert die Wirkung noch länger an, bis zur völligen Beschwerdefreiheit. Das "therapeutische" einer solcherart wirksamen Anästhesie muss über Mechanismen wie den gate-control Mechanismus durch den unspezifischen Reiz und andererseits durch die potentialregulierende Wirkung des Anästhetikums auf das Grundsystem erklärt werden. Bei Beachtung der anatomischen Verhältnisse und der pharmakologischen Kontraindikationen ist die lokale Therapie gefahrfrei anzuwenden.
Beispiele von Indikationen der lokalen Neuraltherapie: Schmerzhafte frische oder alte Narben z.B. nach endoskopischen Operationen, Keloide, Epikondylopathie, PHS, Reizknie, Carpaltunnelsyndrom und die jeweils dazugehörigen Triggerpunkte in der Muskulatur, Herpes Zoster.
2. Segmenttherapie
Mit Segmenten sind hier die durch den Sympathikus mehr oder weniger deutlich segmental abgegrenzten Regionen gemeint. Insbesondere ist die gelegentlich recht unterschiedliche Topographie von Dermatom, Viszerotom und Myotom zu bedenken und zu kennen. Headsche Zonen erlauben einen kutanen "segmentreflektorischen" Zugang zu den Eingeweiden, deren Funktionsstörungen gelegentlich ebenso wie die Triggerpunkte in den darüberliegenden Muskeln der Bauchwand überraschend auf Procainquaddeln in der Haut reagieren. Vgl. Abb.2. Die Behandlung der perivaskulären sympathischen Geflechte an den peripheren Gefässen kann chronische Schmerzen in der Endstrombahn auch Jahre nach dem Trauma schlagartig zum Verschwinden bringen. Neben der Haut und den Gefässen sind Gelenkkapseln, Gelenkhöhlen, Fazettengelenke und Nervenwurzeln sowie vegetative Ganglien bevorzugte Orte für einen segmentalen Einsatz der Neuraltherapie.
Beispiele einiger Indikationen: Cervicobrachialgien und Epikondylopathien (Ggl. stellatum), PAVK und venöse Insuffizienz (A. femoralis und lumbaler Grenzstrang), Algodystrophie oder sympathisch unterhaltene Schmerzsyndrome (zugehöriger arterieller Hauptast und vegetatives Ganglion), Kreuzschmerzen (lumbaler Grenzstrang, Fazettengelenke, Peridualraum), vegetative Dystonie mit intestinaler Manifestation (Ggl. coeliacum) Schwindel, Tinnitus (Ggl. stellatum).
3. Störfeldtherapie
Die Heilung chronischer Beschwerden nach der Procaininjektion an ein Störfeld ist sicher das für Patienten und Therapeuten überraschendste und befriedigendste Erlebnis. Sie kann noch weniger als die Wirkung von segmentaler oder lokaler Neuraltherapie vorausgesagt werden.
Als "Störfeld" bezeichneten die Gebrüder Huneke Orte chronischer Reizung im Körper, die eine Gegenregulation des Grundregulationssystemes auslösen. Der Reizzustand selbst ist meist unterschwellig und für den Patienten nicht oder kaum spürbar, histologisch vielleicht als Granulom oder chronische Entzündung sichtbar, elektrophysiologisch jedoch dauernd als Belastung von Grundsystem und Sympathikus aktiv. Manchmal empfindet der Patient diese Störung als "Lebensknick" mit Energieverlust und "Anfälligkeit" für viele Banalitäten. Kommt nun eine weitere oft geringfügige Läsion wie ein viraler Infekt oder eine Kontusion dazu, dekompensiert das ganze System und die neue Läsion wird chronisch. (s. Speransky) Viele chronische Funktionsstörungen können störfeldbedingt sein. (Arthralgien, Kreuzschmerzen, Migräne, Epikondylitiden, Dyspepsien, chronische als psychogen beurteilte Schmerzzustände u.a.m.) Durch die gelegentlich als ausserordentlich schmerzhaft empfundene Behandlung des gereizten Gebietes mit Procain wird die Information aus dieser Zone verändert und die Regulation kann wieder normal stattfinden, sodass die chronisch gewordene Läsion abheilt. Gelegentlich geschieht dies schlagartig in Form eines "Sekundenphänomens". Die Symptomfreiheit tritt dann sogleich ein, dauert mindestens 20 Std an und kann bei Rezidiv durch dieselbe Injektion wieder und für längere Zeit erreicht werden.
Beispiele für mögliche Störfelder sind: sämtliche Narben inklusive Nabel, Tonsillen, Zahngranulome, verlagerte Weisheitszähne, Ostitiden nach Wurzelbehandlungen, Leber nach Hepatitis, Nieren nach Pyelitis, Blase mit chron. Cystitis etc. Je eingehender die Anamnese, desto eher finden wir die belastenden Narben oder Organe und können die behandeln, die das grösste Störfeldpotential darstellt.
Genau wie somatische Narben können auch pychische Belastungen und "Narben" den Organismus überbelasten und chronische Beschwerden induzieren. Die psychische und die somatische Komponente der funktionellen Störung addieren sich bis zur Dekompensation. Die Behandlung der gleichzeitig vorhandenen somatischen Belastungen, sprich Störfelder, kann den Patienten in solchen Situationen soweit entlasten, dass der psychische Stress wieder ertragen wird und damit eine Kompensation eintritt, die z.B. eine Migräne abheilen lässt.
Bei sehr lang dauernder Dekompensation psychischer oder physischer Art kann allerdings die ursprünglich störfeldinduzierte Chronifizierung autonom werden und z.B. als Fibromyalgie, Migräne oder pcP jeder Störfeldbehandlung trotzen.
Klinische Erfahrungen
Im Folgenden soll mit einigen Zahlenbeispielen gezeigt werden, was in der neu eröffneten internistischen Praxis an der Schmerzklinik Kirschgarten in 12 Monaten für Probleme (n = 522) neuraltherapeutisch behandelt wurden und mit welchem Resultat.
Fallauswahl
In der Evaluation wurden die rein nozizeptiv d.h. durch strukturelle Schäden erklärbaren Schmerzsyndrome ausgeschlossen, da sie nicht primär eine Indikation für Neuraltherapie darstellen. Hingegen wurden z.B. unspezifische Kreuzschmerzen, radikulär ausstrahlende Kreuzschmerzen ohne eindeutige Wurzelkompression, Cervikobrachialgien und Cervikocephalgien mit und ohne degenerative Veränderungen der HWS oder Arthralgien mit arthrotischen Zeichen im Röntgenbild eingeschlossen.
Krankheitsbilder: (Gruppierung willkürlich)
"Ueberlastungssyndrome": Cervicozephalgien, Cervicobrachialgien, PHS, Tennisellbogen, Handgelenksschmerzen, lumbovertebrale und lumboradikuläre Syndrome, Coxalgien, Gonalgien und Fussschmerzen.
"Vegetative" Störungen: Schwindel, Nausea, Globusgefühl, Dyspepsien, Menstruationsschmerzen, Thoraxschmerzen, Dysästhesien der Beine, restless legs Syndrom.
Regionale Schmerzen: Migräne, Spannungskopfschmerzen, Gesichtsschmerzen, Pubalgie, Penisschmerz, Coccygodynie, Pruritus ani und Haemorrhoidalschmerzen, Fibromyalgien.
Methodik
Aus der Praxisdatenbank wurden die Patienten nach Altersgruppe (Abb 1), Anzahl der neuraltherapeutischen Behandlungen (Abb2) sowie Behandlungsresultat (Abb 3) gruppiert. Das Behandlungsresultat wird bei jeder Konsultation aufgrund der Aussagen des Patienten und der klinischen Beurteilung des Arztes in 6 Stufen festgehalten. Dabei ist 6 sehr gut, beschwerdefrei, 5 wesentlich gebessert, 4 wenig besser, 3 gleich, 2 verschlechtert und 1 massiv schlechter.
Resultate
Altersgruppen
Anzahl Behandlungen
Behandlungserfolge

Note 6

=
|beschwerdefrei|

Note 5

=
|gebessert|

Note 4

=
|wenig besser|

Note 3

=
|unverändert|

Note 2

=
|verschlechtert|
Die akuten Störungen wurden vor allem lokal und segmental, die subakuten und chronischen oft auch an Störfeldern behandelt. Patienten ohne jede Besserung (Note 3 oder 4) wurden nach wenigen Behandlungen an entsprechende Spezialisten weitergewiesen, vor allem wenn der Verdacht auf strukturell bedingte Schmerzen aufkam. Andere mussten als regulationsblockiert betrachtet und entweder einer rein pharmakologischen Behandlung unterzogen oder für die Behandlung dieser Blockierung abgegeben werden. Andererseits liessen sich recht viele zum Teil seit langem andauernde Beschwerden mit sehr gutem und gutem Resultat behandeln und dadurch von Pharmaka befreien. Abb. 2 gibt die Anzahl neuraltherapeutischer Konsultationen bis zum Abbruch der Behandlung wieder. Nur ein rel. kleiner Teil der Patienten wird bei wiederholtem befriedigendem Ansprechen und Fehlen besserer Alternativen längere Zeit oder dauernd weiterbehandelt. Ein Altersunterschied oder eine Geschlechtsprädominanz für bessere oder weniger gute Resultate lassen sich an der kleine Patientenzahl nicht feststellen ebensowenig wie besondes gut ansprechende oder ungeeignete Probleme. Bisher fehlen gute klinische Kriterien für regulationsblockierte Zustände. Am ehesten müssen wir schwere Fibromyalgien oder inveterierte Kopfschmerzen hier einreihen, ohne sie schon primär aufgeben zu wollen.
Diskussion
Die Fallsammlung darf ausschliesslich als Abbild einer zufälligen Patientengruppe und einer für die persönliche Qualitätskontrolle angelegten Erfolgsbeurteilung angesehen werden. Sie soll den Alltag eines Neuraltherapeuten mit seinen Erfolgen und Misserfolgen wiederspiegeln und nicht die Kriterien einer Fallkontrollstudie erfüllen geschweige denn die Wirksamkeit der Methode "beweisen".
Aus den dargestellten Daten geht hervor, dass sowohl akute wie chronische Beschwerden gut auf neuraltherapeutische Behandlungen ansprechen können. Eine lange Behandlungsdauer ist die Ausnahme. Bei schlechtem Ansprechen in den ersten Behandlungen ist deshalb die Indikation zu überprüfen. Strukturell nicht fassbare Beschwerden, unter denen Patienten oft jahrelang nicht zuletzt psychisch erheblich leiden, können mit Neuraltherapie gebessert oder sogar zur vollständigen Abheilung gebracht werden. Dabei müssen wir sehr oft anhand einer akribisch detaillierten Anamnese vergleichbar mit einem Psychoanalytiker alte Verletzungen und Narben als Störfelder erkennen und behandeln. Gelegentlich sind mehrere wenig wirksame oder stark schmerzhafte Behandlungen nötig, bis die entscheidenden Störfelder gefunden werden. Eine längere Behandlung ist gerechtfertigt, wenn durch nicht zu behebende Störfelder ( z.B. Metallimplantate) immer wieder Rezidive auftreten, die mit der Neuraltherapie zu Remissionen kommen.
Leistungspflicht der Krankenkassen
Die Leistungspflicht für die lokale und segmentale Neuraltherapie ist seit 1.7.2011 explizit im Anhang 1 KLV erwähnt als unumstrittene, schulmedizinische diagnostische und therapeutische Lokalanästhesie. Dieser Eintrag ist definitiv und ohne zeitliche Limitation
Die Störfeldtherapie nach Hunecke gilt - noch - als Komplementaärmedizin, da dafür die erforderlichen Studienresultate fehlen. Sie wird deshalb wie die anderen ärztlichen komplementaärmedizinischen Methoden bis Ende 2016 einer erneuten Evaluierung unterzogen.
Schlussbetrachtungen
Neuraltherapie ist eine Möglichkeit, die regulative Funktion des Organismus zu stimulieren und wiederherzustellen, sodass funktionell organische Störungen ("Soft-ware-Störungen"), die sich z.B. in Schmerzen, Müdigkeit, Dyspepsie oder anderen Beschwerden äussern, durch körpereigene Heilungskapazität verschwinden. Oft reichen einige wenige Behandlungen. Gelegentlich ist allerdings auch bei guter Indikation eine definitive Heilung nicht möglich und die Behandlung muss periodisch wiederholt oder mit anderen Methoden weitergeführt werden.
|Indikationen
für Neuraltherapie

Generell
chronische und akute Schmerzen und Funktionsstörungen, die auf einer Informationsstörung beruhen könnten, bei denen alle Abklärungen "nichts Organisches" zeigen,
d.h. die nicht oder nicht ausschliesslich durch strukturelle oder biochemische Veränderungen erklärt sind.
Beispiele:
|Kontraindikationen (n. Fischer)

Absolute Kontraindikationen sind
|Relative
Kontraindikationen und Versager der Neuraltherapie d.h.
keine Indikationen

|Komplikationen

Allergische Reaktionen auf das Lokalanästhetikum (gem Hahn - Godeffroy und Becke auch bei Procain sehr selten)
Krämpfe, Bewusstlosigkeit, Herz- und Atemstillstand bei akzidenteller Injektion grösserer Mengen Lokalanästhetikum in hirnwärts ziehende Gefässe oder in den hirnnahen Liquorraum
Diese extrem selten vorkommenden Ereignisse verlangen eine entsprechende Ausrüstung der neuraltherapeutischen Praxis.
Verletzungen von parenchymatösen Organen mit kleine Hämatomen sind bei den dünnen Nadeln (0,3-0,8mm) meist harmlos und schmerzfrei. Gewisse Injektionen in Pleuranähe können zu einem Pneumothorax führen.
Vor allem bei Verwendung länger wirkender Lokalanästhetika sind Paresen infolge der Anästhesie zu beachten und entsprechende Vorkehrungen zutreffen.
Vegetative Reaktionen wie Nausea oder vasovagale Synkopen sind nicht als allergische Reaktionen zu werten, sondern meist unspezifisch auf die Injektion (vegetativer Reiz) und gelegentlich auf das Konservierungsmittel des Lokalanästhetikums bei Verwendung von Stechampullen zurückzuführen. Die Stimulation der vegetativen Systeme kann durchaus zu Reaktionen wie Nausea, plötzliche Müdigkeit, Hunger, Weinkrämpfe und Euphorie führen.
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