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In Hambantota im Süden Sri Lankas begann 2008 der Bau eines neuen Hafens. Für das Projekt – inklusive Flughafen und Autobahn – erhielt das Land insgesamt 1,8 Milliarden Dollar von chinesischen Banken, um den Handel im Indischen Ozean zu befördern und der strukturschwachen Region einen wirtschaftlichen Aufschwung zu bescheren. Daraus wurde nichts. Bis heute legen kaum Schiffe an – die einzigen, die profitierten, war der Machtzirkel um den Rajapaksa-Clan, der sich an Schmiergeldern bereicherte. Als Sri Lanka in Zahlungsschwierigkeiten geriet, «pachtete» China den Hafen kurzerhand für 99 Jahre.
Das Beispiel – eines von vielen, die Philipp Mattheis im Buch «Die dreckige Seidenstrasse» beleuchtet – zeigt exemplarisch die Schattenseiten der Belt-and-Road-Initiative der chinesischen Regierung, eines grossangelegten Programms von Infrastrukturinvestitionen rund um den Globus. Es verspricht Empfängerländern schnelle und (zumindest am Anfang) grosszügige Kredite. Letztlich bleibt aber oft wenig im Land selber hängen, denn die Aufträge erhalten meist chinesische Staatsfirmen. Überdies profitiert Peking von besseren Handelswegen und erhöhtem geopolitischem Einfluss – Sri Lanka stimmte in den Jahren nach Beginn des Hafenprojekts in der UNO-Vollversammlung ausnahmslos mit Peking.
Wer hinter der Initiative indes einen grossangelegten Masterplan vermutet, wird enttäuscht. Mattheis geht davon aus, dass die Initiative nicht nur gegen aussen völlig intransparent ist, sondern dass der Parteistaat selbst keinen Überblick über die Projekte hat. Der Journalist sieht in der Initiative in erster Linie «eine geopolitische Strategie Chinas, um seinen Einfluss über die eigenen Landesgrenzen hinweg auszudehnen».
Eine Schwäche des Buches ist, dass es bei den Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen recht vage bleibt. So empfiehlt Mattheis dem Westen, den Aufstieg Chinas nicht aufzuhalten, sondern «mitzugestalten und faire Strukturen für alle Beteiligten zu schaffen». Dennoch wird hier ein spannender, differenzierter Einblick in Chinas ambitionierte, zuweilen bedrohliche Aussenhandelspolitik geboten, die längst auch Europa erreicht hat. Und die die liberale Demokratie vor neue Herausforderungen stellt.