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Abstract
Bei der Studie zur Förderung von Kompetenzen bei Eltern und Paaren handelt es sich um eine 1-Jahres-Follow-up Studie mit vier Messzeitpunkten (Prä-Messung 2 Wochen vor dem Training; Post-Messung 2 Wochen nach dem Training; 1. Follow-up nach 6 Monaten und 2. Follow-up nach 12 Monaten) und einen randomisierten 3-Gruppen-Vergleich, in dessen Rahmen die Effektivität zweier theoretisch fundierter und empirisch validierter Präventionsprogramme untersucht wurde, von denen das eine auf die Förderung elterlicher Erziehungskompetenzen abzielt (Positive Parenting Program: Triple P von Prof. Sanders), das andere auf die Verbesserung der Partnerschaftsqualität (Freiburger Stresspräventionstraining für Paare; FSPT; Prof. Bodenmann).
Die Studie verfolgte die Überprüfung von drei Zielen: 1. Ist es möglich, mittels eines Präventionsprogramms von kurzer Dauer (10-15 Stunden) Erziehungs- und Partnerschaftskompetenzen und damit einhergehend das Befinden der Eltern und Kinder zu fördern, 2. kann die Untersuchung konkrete Hinweise bezüglich der spezifischen Indikation des jeweiligen Präventionstrainings geben und 3. können durch das Projekt und seine Resonanz, der Gesundheitsförderung und Prävention im Rahmen der Familie weitere Impulse gegeben werden .
What is special about the project?
Das Projekt stellt eine innovative und international erstmalig durchgeführte Wirksamkeitsuntersuchung dar, in deren Rahmen zwei erprobte und wissenschaftlich fundierte Präventionsprogramme (Triple P und FSPT) bezüglich ihrer Auswirkungen auf elterliche Kompetenzen und familiäres Befinden untersucht wurden. Das Projekt ist international vernetzt (mit Forschenden in Deutschland und Australien). Die Untersuchung bildet zudem eine wichtige Grundlage für eine weitere Verbreitung des Präventionsgedankens im familiären Bereich und hat damit auch familienpolitische Relevanz. Die Befunde der Studie sollen der Präventions- und Familienpolitik in der Schweiz Denkanstösse geben, Standards im Bereich der Qualitätssicherung setzen sowie Eingang in Lehre und Weiterbildung finden. Damit trägt diese Studie zu einer Bereicherung in verschiedenen Gebieten bei.
Status/Results
Die Ergebnisse der 1-Jahres-Follow-up-Untersuchung zu den Effekten der beiden Präventionsprogramme Triple P und FSPT zeigen hypothesenkonform, dass diese in vielen wichtigen Bereichen der Familien eine deutliche Verbesserung in der subjektiven Wahrnehmung der teilnehmenden Eltern gebracht haben. So sind nicht nur die Zufriedenheitseinschätzungen der teilnehmenden Elternpaare durchwegs hoch, sondern auch die in den Trainings gelernten Strategien stossen auf eine bemerkenswert hohe Akzeptanz und werden gemäss den Angaben der Eltern im Alltag häufig bis sehr häufig umgesetzt. Weiter konnte gezeigt werden, dass die Eltern nach dem Training eine Reihe von positiven Veränderungen im Alltag wahrnehmen, wie eine deutliche Reduktion des Problemverhaltens bei ihren Kindern, eine günstigere Paarkommunikation und die Anwendung von günstigeren Erziehungsmethoden. Diese positiven Effekte konnten mehrheitlich bei beiden Präventionsprogrammen nachgewiesen werden, während die Kontrollgruppe keine signifikanten Veränderungen aufwies. Gemäss der Zielsetzung nach differentiellen Effekten konnte gezeigt werden, dass das Triple P effektiv stärker bei den Erziehungskompetenzen ansetzt und hier beispielsweise bei beiden Erziehungsskalen Effekte zeigt, während das FSPT einzig bei der Skala „Überreagieren“ eine positive Veränderung bewirken konnte. Demgegenüber fanden sich positive Veränderungen bezüglich der dyadischen Stressbewältigung nur bei den TeilnehmerInnen des FSPT und nicht bei den Eltern, die das Triple P Training absolvierten, was verdeutlicht, dass differentielle Effekte vorliegen. Diese Befunde replizieren Ergebnisse früherer Untersuchungen, die belegen, dass eine positive Beeinflussung der Erziehung oder der Partnerschaft durch ein Präventionsprogramm günstige Veränderungen bezüglich der Kinder und der Eltern bewirken kann und daher nicht nur spezifische Einwirkungen und Veränderungen (z.B. bezüglich Erziehung oder Partnerschaftsvariablen) bedeutsam sind, sondern generell eine Verbesserung des Familienklimas und des Befindens der Familienmitglieder erreicht werden kann.
Die ermutigenden Ergebnisse dieser Untersuchung machen die Wichtigkeit von Präventions- oder Gesundheitsförderungsprogrammen zur Verbesserung familiärer Bedingungen und des Befindens der Kinder einmal mehr deutlich. Die hier vorgelegte Untersuchung gehört zu den ersten, welche innerhalb derselben Studie nachweisen konnte, dass sowohl ein Ansatzpunkt bei den Erziehungskompetenzen wie bei den Partnerschaftskompetenzen deutliche Verbesserungen in der Familie bewirken kann. Diese Befunde sind für die Familienpolitik ebenso relevant wie für Praktikerinnen und Praktiker, welche mit Familien arbeiten. Es wird eine wichtige künftige Aufgabe der Gesundheitsförderung im Bereich von Familien sein, Erziehungs- und Partnerschaftsressourcen zu stärken und Eltern hier mit wissenschaftlich fundierten Programmen gezielt Hand zu bieten. Die beiden in dieser Studie untersuchten Programme können hierfür empfohlen werden.
Publications
Blattner-Bolliger, D., Cina, A., & Bodenmann, G. (2003). Familien stärken - Kinder fördern. Eine Präventionsstudie zur Förderung elterlicher Kompetenzen. Vortrag an der 8. Münchner Tagung für Familienpsychologie. (München, 18.-19. Juli 2003).
Cina, A., Blattner-Bolliger, D. & Bodenmann, G. (2003). Prävention von kindlichem Problemverhalten: Der Weg über die Förderung von elterlichen Kompetenzen. Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Psychologie. (Bern, 13.-14. Oktober 2003).
Gabriel, B., Cina, A. & Bodenmann, G. (2004). Was bewirkt Prävention bei Eltern? Ergebnisse zu zwei Präventionsprogrammen: Triple P und FSPT. Öffentlicher Vortrag i Rahmen des Forums Eltern Kinder. (Schaan, 21. Oktober) .
Ledermann, T., Cina, A., Meyer, J., Gabriel, B. & Bodenmann, G. (2004). Die Wirksamkeit zweier Präventionsprogramme zur Verbesserung elterlicher Kompetenzen und kindlichen Befindens (Forschungsbericht Nr. 163). Fribourg: Universität Freiburg Schweiz.
Perrez, M. & Cina, A. (2004). New Developments in Parenting Prevention Research. Congress contribution on the 2. ESFR Congress, University of Fribourg Switzerland. (Fribourg, October 2nd, 2004).
Media
Das Echo in den Schweizer Medien der Präventionsstudie zur Förderung der elterlichen Kompetenz ist beachtlich. So konnte neben verschiedenen Beträgen in Tageszeitungen und Zeitschriften auch das eine oder andere Interviews gegeben werden.
Links
Persons involved in the project
Projektleitung: Annette Cina, Institut für Familienforschung und –beratung, Universität Fribourg, Avenue de la Gare 1, 1700 Fribourg, Tel: 026 – 300 73 53, Email: annette.
cina@unifr. ch
Last update to this project presentation 11.07.2013