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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch X.
6.
In vier Büchern haben wir also alle Lehren der griechischen Weisen, in fünf die der Häretiker zusammengefaßt; in einem Buche wollen wir nach Wiederholung der Lehren aller Genannten die wahre Lehre darstellen. Die griechischen Lehrer nahmen eine Dreiteilung in der Philosophie vor und so widmeten sich die einen der Naturlehre, die anderen der Ethik, die dritten [S. 267] der Dialektik. Diejenigen, die sich auf die Naturlehre verlegten, dozierten folgendermaßen: Die einen sagten, das All sei aus Einem entstanden, die anderen, das All stamme aus einer Mehrzahl von Dingen; von denen, die eine einzige Ursache annehmen, sagen die einen, sie sei eigenschaftslos, die anderen, sie sei von einer bestimmten Beschaffenheit; von letzteren wieder sagen die einen, alles sei aus Feuer, die anderen, alles sei aus Luft, — aus Wasser, — aus Erde; von denjenigen, die für mannigfaltige Ursachen eintreten, sagen die einen, sie seien zählbar, die anderen, sie seien unzählbar; von denen, die für zählbare Ursachen sind, sagen die einen, es gebe zwei, die anderen vier, wieder andere fünf, wieder andere sechs, und von denen, die für das Vorhandensein unzähliger Ursachen sind, meinen die einen, diese Ursachen seien Dinge gleich den existierenden, die anderen meinen, sie seien diesen ganz unähnlich; diese zuletzt genannten Ursachen werden wiederum von den einen für empfindungsunfähig, von den anderen für empfindungsfähig gehalten. Aus einem eigenschaftslosen und dabei einzigen Stoff leiteten die Stoiker die Entstehung des Universums her. Nach ihnen ist der Grund aller Dinge die eigenschaftslose, unbeschränkt verwandlungsfähige Materie; durch ihre Umwandlung entsteht Feuer, Luft, Wasser, Erde. Daß alles aus einem, und zwar bestimmten Stoffe entstanden ist, behaupten die Schüler des Hippasos, des Anaximandros und des Thales aus Milet. Hippasos aus Metapontien und Herakleitos aus Ephesos nahmen den Ursprung aus Feuer an, Anaximandros aus Luft, Thales aus Wasser und Xenophanes aus Erde: „Aus Erde nämlich ist alles, und alles endigt in der Erde“1.
1: Fr. 27 D.