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Als bedeutender Flussfisch ist die Äsche namensgebend für eine ganze Fischregion - die Äschenregion. Das Vorkommen der Äsche gilt als Zeichen für ökologisch intakte Flüsse. Sie bewohnt klare, kühle, sauerstoffreiche, rasch fliessende und strukturreiche Gewässer mit Kiesbänken. Heute ist die Äsche durch verschiedene Faktoren gefährdet.
Lebensraum und Lebensweise
Die europäische Äsche gehört zu den Salmoniden (Lachsartigen). Die Äsche ist eine bedeutende Fischart von Flüssen; im Rhein zwischen Untersee (Bodensee) und Basel war sie die charakteristisch vorkommende Fischart (Leitart), und nach ihr wird die Äschenregion benannt.
Sie bewohnt ökologisch intakte, rasch fliessende Flüsse mit Kiesbänken und klarem, kühlem (Sommertemperatur des Wassers nicht längere Zeit über 20°C) und sauerstoffreichem Wasser. Sie bevorzugt tieferes Wasser als die Forellen. Ihre Nahrung besteht aus Kleinkrebsen, Insektenlarven und kleinen Fischen.
Die Männchen sind nach 2 bis 3, die Weibchen nach 4 Jahren geschlechtsreif. Die Fortpflanzung erfolgt zwischen März und Juni. Dabei wird in zirka 0.5 Meter tiefem Wasser der Laich in eine kiesige Laichgrube abgegeben und mit Kies leicht überdeckt. Äschen gelten als standorttreu und leben oft in kleinen Gruppen. Sie unternehmen keine Laichwanderung.
Gefährdung und Förderung
Die europäische Äsche war ursprünglich in den Schweizer Mittellandgewässern weit verbreitet. Grosse Äschenbestände, die sich natürlich fortpflanzen können, sind jedoch aktuell schweizweit nur noch wenige vorhanden (Bsp. Werdenberger Binnenkanal, Kanton St. Gallen, Abschnitte am Hochrhein), und die Fischpopulationen sind wegen verschiedenen Faktoren in vielen Flüssen rückläufig.
Die Äsche ist auf eine lockere Kiessohle und auf einen funktionierenden Geschiebehaushalt mit regelmässig antransportiertem Kies angewiesen. Die Geschiebeverhältnisse in vielen Gewässern der Schweiz sind jedoch massiv gestört (u.a. wegen Wasserkraftanlagen). Zudem benötigt die Äsche eine natürliche Gewässerstruktur mit frei fliessenden Flussabschnitten. Wie die Hitzesommer zeigten, werden die Äschenpopulationen auch durch erhöhte Wassertemperaturen bedroht. Wärmeres Wasser macht die Äschen anfälliger auf eine weit verbreitete Nierenkrankheit. Zudem reagieren die Fische empfindlich auf Gewässerverschmutzungen, welche Einfluss auf ihren Hormonhaushalt haben und damit die Fortpflanzungsfähigkeit mindern. Die Äschen werden auch durch Gänsesäger und Kormoran bejagt.
Wiese, Birs und Ergolz waren früher typische Äschengewässer. Die Äsche soll primär durch die natürliche Fortpflanzung und das erfolgreiche Aufwachsen der Jungfische gefördert werden. Dabei stehen eine natürliche, kiesige Flusssohle (= Laichplätze) und Strukturvielfalt im Uferbereich (= Larvenhabitate) im Vordergrund. Eingeleitete Revitalisierungen tragen in diesem Sinne wesentlich dazu bei, den Lebensraum für die Äschen zu verbessern. Da sich die natürlichen Bedingungen für die Äschen in der Vergangenheit kontinuierlich verschlechtert haben, werden ihre Populationen auch durch Besatzmassnahmen künstlich gestärkt.
Situation in den lokalen Fliessgewässern
Aufgrund der Wasserkraftnutzung bestehen zwischen Stein am Rhein und Basel nur noch vier Strecken von wenigen Kilometern Länge, in denen der Rhein ungestaut fliesst und der Fluss eine natürliche Struktur aufweist. Dort leben auch Äschenpopulationen von nationaler Bedeutung. Solche Lebensräume sind in der Schweiz sehr selten geworden.
Die Birs als schnell fliessender Fluss mit kühlem Wasser wird von den Äschen bevorzugt, jedoch sind auch in der Birs die Äschenbestände kontinuierlich zurückgegangen. Es wurde festgestellt, dass es zu keinem genetischen Austausch zwischen den Äschenpopulationen im Mündungsbereich der Birs und den im mittleren und oberen Bereich lebenden Fischen im Laufental kommt. Der Grund liegt wahrscheinlich an unüberwindbaren Barrieren durch Kleinwasserkraftwerke, welche Fischtreppen verfügen, die teilweise nicht funktionsfähig sind. Für die Fische ist diese Abtrennung problematisch, denn eine natürliche Wanderung ist für den Erhalt der genetischen Vielfalt und somit für das langfristige Überleben der Art unbedingt notwendig.
Der Äschenbestand in den Untersuchungsstrecken der Wiese (Untersuchung 2014) ist gesamthaft klein, obwohl die natürliche Fortpflanzung erfolgreich verläuft. Vermutlich sind die hohen Wassertemperaturen im Sommer sowie die Strukturarmut der Gewässerabschnitte Gründe dafür, dass sich kein grösserer Bestand etablieren kann. Im Mühleteich, ein Nebengewässer der Wiese bei Riehen, ist der Äschenbestand und der Fortpflanzungserfolg recht gut, und mit den verdriftenden Larven werden die Tiere auch in die unteren Flussabschnitte verbreitet. Die bestehende Beschattung und somit kühleres Wasser entsprechen dieser anspruchsvollen Fischart.
In der Ergolz wurden im Rahmen der Bestandesaufnahme im Jahre 2003 einzelne Äschen in Liestal und 2004 in Liestal und Augst nachgewiesen. Seit 2006 konnten keine Äschen mehr festgestellt werden. 2011 und 2012 wurden unterhalb Liestal Äschen besetzt. Im Rahmen eines Monitoringprogrammes konnte jedoch keine dieser Äschen wiedergefunden werden. Die Äsche muss im Unterlauf als Leitfischart dieses Gewässerabschnittes weiterhin gefördert werden. Durch die Revitalisierung im Bereich Füllinsdorf konnten die Lebensraumbedingungen für diese Art verbessert werden.
Wissenschaftlicher Name: Europäische Äsche, Thymallus thymallus
Verwandtschaft: Innerhalb Gattung Äschen (Thymallus) 5 Arten in Europa, Asien und Nordamerika. In Europa tritt nur Thymallus thymallus auf.
Gefährdungsstatus (IUCN): Global: LC = nicht gefährdet, Schweiz: VU = verletzlich
Gefährdungsstatus gemäss Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei (VBGF): 3/E = gefährdet, europäisch geschützt nach Berner Konvention
Merkmal: Fahnenartige, grosse Rückenflosse und Fettflosse
Körpergrösse: Länge meist 30 cm, maximal 60 cm
Gewicht: Bis circa 3 kg
Alter: 5 bis 10 Jahre, maximal 14 Jahre
Verbreitung: Die Äsche kommt in England, Skandinavien, Mittel- und Osteuropa vor. In Südeuropa fehlt sie. Die Äsche bewohnt klare, sauerstoffreiche Fliessgewässer.
Tobias Walter, 2022