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Peru
Innerhalb weniger Jahre ist es Peru gelungen, die Armut zu reduzieren und die Wirtschaftsleistung massgeblich zu steigern. Dennoch herrschen zwischen Stadt und Land immer noch grosse Einkommensunterschiede. Die Folgen der Klimaveränderung bekommen vor allem die Bauern zu spüren. Umweltprobleme, hervorgerufen durch Übernutzung und ungebremsten Rohstoffabbau, gefährden eine nachhaltige Entwicklung. Die Kartoffel als eine der ältesten Ressourcen Perus hat dagegen eine Aufwertung erfahren.
Der Andenstaat Peru mit seinen rund 30 Millionen Einwohnern ist, was Geschichte, Kultur, Landschaft, Vegetation, Klima und Bevölkerung angeht, ein höchst vielfältiges Land und gehört wirtschaftlich zu den aufstrebenden Staaten Lateinamerikas. In den letzten Jahren hat Peru den Schritt vom Entwicklungs- zum Schwellenland vollzogen. Während 2001 noch die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebte, waren es 2011 noch 6 Prozent, die mit weniger als 1.25 US-Dollar pro Tag auskommen müssen.
Perus Geschichte war bis in die 90er Jahre geprägt von politischen Unruhen und häufigen Machtwechseln, unter denen vor allem die Zivilbevölkerung gelitten hat. Seither hat sich Peru politisch stabilisiert, wenn auch der Demokratisierungsprozess bis heute noch wenig gefestigt ist. Dank dem Reichtum an Bodenschätzen konnten zunehmend ausländische Investoren gewonnen werden. Dennoch ist die Armut auf dem Land immer noch gross. In gewissen Regionen sind 80 Prozent der Bevölkerung betroffen. Die marginalisierte indigene Bevölkerung bleibt weitgehend vom wirtschaftlichen und politischen Leben ausgeschlossen. Immer mehr Peruaner wandern deshalb in die Hauptstadt Lima ab, wo unterdessen ein Viertel der Bevölkerung ansässig ist. Die Arbeitsaussichten für Zuwanderer sind jedoch alles andere als günstig.
Peru ist zunehmend mit den Auswirkungen der Klimaveränderung konfrontiert. Gravierende Naturereignisse wie Überschwemmungen, Erdrutsche, Phasen extremer Kälte oder Trockenheit treten regelmässig auf, besonders an der Küste und im Hochland. Die Bauernfamilien sehen sich immer wieder in ihrer Existenz bedroht.
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Peru verfügt über ca. 8 Millionen Hektar landwirtschaftlich nutzbares Land, rund 18 Millionen Hektar stehen der Weidewirtschaft zur Verfügung und gut 49 Millionen Hektar gelten als forstwirtschaftlich nutzbar. Die Landwirtschaft verzeichnet in den letzten Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten und ist nach dem Bergbau der wichtigste Exportsektor. Gemäss alter Tradition exportiert Peru Kaffee, Rohrzucker und Baumwolle, und seit einigen Jahren sind Spargeln das wichtigste nicht-traditionelle Exportgut. Weitere Erzeugnisse für den Export sind auch frisches und getrocknetes Gemüse (Paprika, Artischocken) und Früchte wie Mangos, Trauben und Avocados. Kartoffeln werden vor allem für den Eigenbedarf angebaut.
Der beeindruckende Aufschwung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land mit gravierenden Umweltproblemen konfrontiert ist. Riesige Waldreserven fallen dem Rohstoffabbau zum Opfer oder sind wegen Übernutzung bereits zerstört. Die Kleinbauern sind für ihr Auskommen auf fruchtbare Böden und ausreichend Wasser angewiesen. Helvetas setzt sich für das politische Mitspracherecht der ländlichen Bevölkerung ein und hat das Ziel, die Kompetenzen der lokalen Behörden zu stärken. Damit leistet die Organisation einen wesentlichen Beitrag zum gegenwärtigen Dezentralisierungsprozess in Peru. Auch auf oberster politischer Ebene ist Helvetas tätig: Sie unterstützt die Ministerien für Umwelt und Wirtschaft dabei, den schonenden Umgang mit Boden- und Wasserressourcen in ihre Strategien und Programme einzubeziehen.
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Die Kartoffel gedeiht in fast allen Klimastufen der Welt. Sie kann ohne Maschinen gesetzt werden, liefert gute Erträge, und sie enthält Nährstoffe wie Eiweiss und Vitamin C. Ursprünglich stammt die Kartoffel aus Lateinamerika. Peru ist das Kartoffelland schlechthin, dort deckt sie 60 Prozent des Nahrungsbedarfs.
Die Bauernfamilien in den Anden pflanzen traditionell mehrere Sorten gleichzeitig auf verschiedenen Parzellen an. Je nach Wetter gedeiht die eine oder andere Sorte besser. Seit einiger Zeit bekommen sie aber den Klimawandel zu spüren: Es ist trockener, denn es regnet später und weniger, mal fällt die Temperatur auf minus 30 Grad, mal ist es zu warm, was zu Ertragsverlusten führt. Helvetas unterstützt die Bauernfamilien dabei, ihre Produktionsmethoden an die widrigen Bedingungen anzupassen.
Dazu gehört, dass die Bauernfamilien die Sortenvielfalt gezielt einsetzen. So kann das Risiko trockener oder nasser Sommer, von Frostperioden, Schädlingen und Krankheiten vermindert werden. Forscher untersuchen, welche Sorte in welcher Höhe und bei welchen Temperaturen am besten wächst. Mit einem geografischen Informationssystem prüft das Internationale Kartoffelzentrum CIP in Peru den Einfluss der verschiedenen Klimaszenarien auf den Kartoffelanbau. Traditionelles Wissen wird mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen kombiniert.
Das CIP, das von der schweizerischen Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (DEZA) unterstützt wird, lagert 3000 verschiedene Kartoffelarten. Diese grosse Vielfalt ist der Schlüssel zur Zucht neuer Sorten. Zum Beispiel Kartoffeln mit kurzer Anbauzeit, damit die Bauern den Trocken-, Wärme- oder Kälteperioden besser ausweichen können.
Die Andenbewohner machen die Kartoffel seit über tausend Jahren durch Gefriertrocknung haltbar: „Chuño“ heisst die Chips-ähnliche, konzentrierte Vollnahrung. Die Entwicklungszusammenarbeit fördert die Erschliessung regionaler Verkaufskanäle. In den Städten werden einheimische Kartoffeln als Chips, Suppen, Kartoffelstock und farbige Gourmetkartoffeln konsumiert. Für Bauernfamilien bedeutet das mehr Einkommen, und es macht sie auch stolz.