Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03406.jsonl.gz/2105

Es war bereits nach Abpfiff des Spiels zwischen Lyon und Leipzig. Die Partie endete mit einem 2:2-Unentschieden. Lyon hatte sich nach der ersten Halbzeit aus einem 0:2-Rückstand zurückgekämpft. Beide Mannschaften konnten zufrieden sein, schliesslich hatten sich beide für die nächste Runde der Champions League qualifiziert.
Die Spieler von Lyon waren gerade auf dem Weg in die Kabine, als ein Fan aus den eigenen Reihen über die Abschrankung zum Spielfeld sprang und den Spielern eine selbstgefertigte Flagge zeigte. Darauf waren neben des Gesichts eines Esels deutlich die Worte «Marcelo dégage» zu lesen, was soviel wie «Marcelo verpiss dich» heisst.
Die Nachricht war an den Innenverteidiger Marcelo gerichtet. Der 32-jährige Spieler stammt aus Brasilien und ist dunkelhäutig.
Die meisten Spieler von Lyon reagierten nicht sofort, ausser der Torschütze zum 2-2 Ausgleich, Memphis Depay. Dieser stürmte auf den Mann zu, der die Flagge hielt und versuchte sie ihm aus den Händen zu reissen. Es gelang ihm nicht, der Mann war schneller und versuchte wieder über die Abschrankung zu klettern. Kurz bevor es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Fans und Spieler kam, beruhigten Sicherheitskräfte die Situation.
Marcelo selbst war eher abseits des Geschehens, da ihn seine Kameraden zu beruhigen versuchten. Er ging jedoch in Richtung der Fans und zeigte ihnen den Mittelfinger.
Depay, der halb Niederländer und halb Ghanaer ist, wurde später in einem Interview auf die Szene angesprochen. Darauf antwortete er:
Damit wollte der 25-jährige Linksaussen wohl erklären, dass er auch schon Opfer von Rassismus geworden ist und dass er gelernt hat, nicht mehr mit Gewalt auf solche Situationen zu reagieren. Die Chance hätte er nämlich durchaus gehabt.
Dieser Vorfall reiht sich ein in eine ganze Serie von rassistischen Vorfällen im Fussball. Und obwohl sich die UEFA mit dem Slogan «No to Racism» die Problematik gross auf die Flagge geschrieben hat, wird immer noch nicht wirklich durchgegriffen. Immerhin setzen sich die Spieler für ihre Teamkameraden ein – was man von den eigenen Fans eigentlich auch erwarten könnte.