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Florence Hervé (links) lehnt staatliche Auszeichnung ab. Gloria Steinem (rechts) hat sie akzeptiert.
Feministinnen reagieren unterschiedlich auf Orden
Für ihr jahrzehntelanges Engagement ehren Deutschland und die USA prominente Frauenrechtsaktivistinnen. Eine lehnt die Auszeichnung ab, die andere freut sich.
In Deutschland sollte Florence Hervé, deutsch-französische Publizistin, Dozentin und Frauenrechtsaktivistin, Anfang Juli das Bundesverdienstkreuz erhalten. Damit sollte ihre ehrenamtliche Arbeit in der Frauenpolitik und in deutsch-französischer und internationaler Zusammenarbeit gewürdigt werden. In einem offenen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck hat Florence Hervé die Auszeichnung abgelehnt. Die Ziele ihres Engagements würden sich in der Politik des Staates nicht widerspiegeln, heisst es darin unter anderem:
«Es widerstrebt mir, eine Auszeichnung vom höchsten Repräsentanten eines Staates anzunehmen, dessen Regierungen selten den Eindruck erweckten, an der Beseitigung von Diskriminierung, sozialer Ungleichheit, an dauerhafter Abrüstung und einer friedensfördernden, gleichberechtigten Zusammenarbeit mit anderen Staaten interessiert zu sein. Derzeit nimmt indes beispielsweise die Frauenarmut wieder zu, an Kindereinrichtungen und Kinderbetreuung wird gespart, die Sorgearbeit wird nach wie vor überwiegend von Frauen geleistet, oft unter prekären Bedingungen und gering entlohnt. Kinder werden so zum ’Armutsrisiko’ und Alter als ’Problem’ bezeichnet. Zugleich orientiert sich die offizielle Politik in erster Linie an den ’Top-Girls’ – und eben nicht an der Mehrheit der Frauen. Die wenigen Fortschritte mussten von Initiativen und Bürgerinnen und Bürgern, von Basisbewegungen und Gewerkschaften erstritten werden.»
«Ich wäre verrückt»
In den USA hat Gloria Steinem Ende letzten Jahres die «Presidential Medal of Freedom», eine der höchsten zivilen Auszeichnungen des Staates, akzeptiert. «Ich wäre verrückt, wenn ich diese persönliche Auszeichnung nicht als Auszeichnung für die ganze Frauenbewegung verstehen würde», sagte die mittlerweile 80-Jährige.
Steinem, die als eine der wichtigsten Stimmen der US-Frauenbewegung gilt, hat unter anderem das Magazin «Ms.» und das «Women’s Media Center» mitgegründet und den «Take our Daughters to Work Day» (Töchter-Tag) mitinitiiert. Gloria Steinem habe mehr als vier Jahrzehnte an vorderster Front für Gleichstellung und soziale Rechte gekämpft, sagte US-Präsident Barack Obama anlässlich der Verleihung. Sie habe mit ihrem Engagement landesweit Debatten geprägt. «Gloria Steinem spornt weiter alle an, sich für eine gerechtere Welt zu engagieren.»
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
keine
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