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Wie es auch für andere Themenkreise des täglichen Lebens der Fall ist, welche einst als trivial galten, liefern uns die antiken Texte keinerlei Informationen über die Hygiene der Städte und die Abfallbewirtschaftung. Ganz offensichtlich existierten aber für diesen Bereich Vorschriften und Regeln sowie «städtische Beamte», welche dafür zuständig waren. Die Verschmutzung im römischen Reich ist ein Segen für die Archäologie ? schliesslich bilden Abfälle den Hauptteil der Funde bei Ausgrabungen. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass nur ein Teil des gesamten Mülls erhalten ist und besonders organisches Material fast völlig verschwunden ist.
Über die Abfallbewirtschaftung in der Stadt von Aventicum, deren Einwohnerzahl auf gegen 20 000 Personen geschätzt wird, ist nur sehr wenig bekannt. In Analogie zu anderen, vergleichbaren Siedlungen wie Autun oder Lyon kann man von Abfalldeponien gleich ausserhalb der Stadt ausgehen. Bisher wurde in Avenches jedoch noch keine solche Müllhalde gefunden, mit Ausnahme vielleicht von bestimmten aufgefüllten Flussarmen im Bereich von En Chaplix sowie einer Abfallansammlung nicht weit entfernt vom Westtor, über die im 19. Jahrhundert berichtet wurde.
Wenn man den seltenen schriftlichen Quellen glauben darf, war das Deponieren von Abfall und Mist im privaten Bereich recht frei, solange die Grundstücksgrenzen respektiert und keinen konkreten Schaden in der Nachbarschaft bewirkt wurden. Es scheint also, dass man gewisse Belästigungen wie üble Gerüche oder Fliegenschwärme eher tolerierte als heute. Weniger aus ökologischen Überlegungen, sondern vielmehr aus wirtschaftlichen Gründen wurden im Altertum auch viele Abfälle in mannigfacher Weise wiederverwendet.
Bild: Site et Musée romains d'Avanches