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"Ich glaube, wenn die Prosakunst relevant sein will, muss sie Evidenz erschaffen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln, sie muss Gänsehautproduzent werden, denn ist die prickelnde Haut nicht eben die Entsprechung des Körpers zu einem Text, in dem sich das Zentrum überall befindet, diese unzähligen winzigen Erhebungen, die jede für sich einen eigenständigen Mittelpunkt bilden?"
Frist, Überraschung, Quallen, Unruhe, Herz, Erstarren, Vergänglichkeit ... Anhand von hundert Desiderata geht Aris Fioretos der Frage nach: Was kann der Roman in einer Zeit sein, in der zwar Vielfalt und Grenzüberschreitung gefeiert werden, Menschen ohne Papiere jedoch immer noch als unerwünscht gelten? Wie werden fremde Erlebnisse in Sprache gefasst? Kann ein Text Asyl bieten? Was hat Verzicht mit Schreiben zu tun, was der Schmerz? Und wie kann der hohle Hals der Medusa zur Quelle der Literatur werden? Am Leitfaden von 100 Worten weist Aris Fioretos den Weg in sein eigenes Werk und zugleich in eine ungestüme Welt, böse und bezaubernd und überreich an Verlusterfahrungen. So entsteht ein Kaleidoskop der Autorensehnsüchte, ein kleines Lexikon zum Roman im 21. Jahrhundert.
Aris Fioretos, 1960 in Göteborg geboren, ist schwedischer Schriftsteller griechisch-österreichischer Herkunft. Er studierte in Paris, Stockholm und Yale. Seit 2010 ist er Professor für Ästhetik an der Hochschule Södertörn, Stockholm, seit 2011 Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 1991 debutierte er mit seinem ersten Roman, inzwischen hat er u. a. Der letze Grieche (2011), Die halbe Sonne (2013) veröffentlicht. 2016 erschien sein neuster Roman Mary auf Deutsch. Fioretos ist Herausgeber von Nelly Sachs' Werk sowie Übersetzer von Werken von u. a. Hölderlin, Nabokov und Walter Serner. In jüngster Zeit widmete er sich seinen griechischen Wurzeln, für die er mehrere Presie erhalten hat, zuletzt den Grossen Preis des Samfundet De Nio und den grossen Romanpreis des Schwedischen Radios. Aris Fioretos lebt in Berlin und Stockholm.