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Der Schauplatz des Debütromans der jungen Amerikanerin Julia Phillips ist die Stadt Petropawlowsk, eine graue Küstenstadt auf der entlegenen und dünnbevölkerten Halbinsel Kamtschatka. Erst seit dem Niedergang der UdSSR ist die Halbinsel keine Sperrzone mehr, aber durch seine geografische Lage trotzdem vom Rest der Welt getrennt. Im Süden, Osten und Westen umgeben vom Ozean. Im Norden grenzt es an das russische Festland. Hunderte Kilometer Berge und Tundra.
Der Roman beginnt mit der Entführung von zwei russischen Schwestern, Alojona und Sofia, die in den Sommerferien allein am Stadtstrand spielen. Jedes folgende Kapitel – betitelt mit den Monatsnamen von August bis Juli - konzentriert sich auf die Perspektive einer Frau auf das Ereignis, das die ganze Stadt in Atem hält. Diese Frauen sind lose miteinander verbunden und manchmal tauchen sie in einem Kapitel im Hintergrund in einer kleinen Rolle wieder auf. Da ist zum Beispiel Olja, das Schulmädchen; und die von Schuldgefühlen gepeinigte Mutter der verschwundenen Mädchen; oder die von ihrem Umfeld bedrängte und verunsicherte Zeugin Oksana.
Als Leserin spürt man einen Graben in der unsolidarischen, postsowjetischen Gesellschaft zwischen den Menschen – Menschen mit indigener Herkunft und den privilegierten Russen – auf der heruntergewirtschafteten, rätselhaften, aber naturschönen Halbinsel.
Mit den ersten Recherchen zum Buch hat die Autorin vor über 10 Jahren begonnen. Julia Phillips verbindet die Themen Politik, Gesellschaft, Frauen und Verbrechen beeindruckend, dicht und poetisch.
Susanne Bühler