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Die Auktionsergebnisse im Mai in New York gelten jeweils als Stimmungsbarometer für den Zustand des internationalen Kunstmarktes. Sie waren deshalb in diesem Jahr mit besonderer Spannung erwartet worden. Bereits im Vorfeld wurde deutlich, dass sich die grossen internationalen Auktionshäuser von der riskanten Praxis, den Einlieferern Garantien zu gewähren, weitgehend verabschiedet haben.
Wie riskant die Fixierung auf junge und jüngste Kunst ist, musste das Auktionshaus Philips unter Simon de Pury erfahren: Mit einem Umsatz von lediglich 7,75 Mio Dollar verfehlte es seine selbst gesteckte Mindestmarke von 12 Mio Dollar bei weitem. Der Gesamtumsatz für Gegenwartskunst betrug bei Sotheby’s im Mai 47 Mio Dollar - noch ein Jahr zuvor hatte ein einziges Triptychon von Francis Bacon samt Aufpreis 86,3 Mio Dollar eingespielt. Konkurrentin Christie’s, die im Mai 2008 noch 348,2 Mio Dollar umsetzen konnte, zeigte sich zufrieden mit den nun erziel-ten 93,7 Mio Dollar. Die dünnen Auktionskataloge machen deutlich, wie schwierig es derzeit ist, die Auktionen mit TopQualität zu bestücken. Sowohl Christie’s wie auch Sotheby’s haben hingegen verlauten lassen, dass sich dafür das Geschäft mit den Privatverkäufen in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt habe.
Dass die Nachfrage im Top-Segment ungebrochen gross ist, bewiesen die Rekordpreise für aussergewöhnliche Werke. Bei der klassischen Moderne lag Picassos «Mousquetaire à la pipe» von 1968 bei Christie’s mit einem Zuschlag von 13 Mio Dollar zwar nur knapp oberhalb der unteren Taxe - doch hat sich damit der Preis in den fünf Jahren, seit es in New York letztmals versteigert wurde, gut verdoppelt. David Hockneys 183 x 366 cm grosses Diptychon «Beverly Hills Housewife» von 1966/67 erzielte bei Christie’s mit 7,9 Mio Dollar gar einen Auktionsrekord für den Künstler. Das Werk war aus dem Nachlass von Betty Freeman, die sich als Mäzenin moderner Musik einen Namen gemacht hat, eingeliefert worden. Insgesamt spielten die 20 Werke aus ihrer aussergewöhnlichen Sammlung fast 32 Mio Dollar ein. Äusserst begehrt waren zudem die Gemälde von Tamara de Lempicka, u.a. aus der Sammlung von Wolfgang Joop. Gleich an zwei Abenden hintereinander gab es mit 4,3 und 5,4 Mio Dollar Auktionsrekorde für die Art-déco-Malerin.
Die Berg-und-Talfahrt bei den New Yorker Auktionen im Mai hat vor allem eines deutlich gemacht: Wenn die altbewährte Formel «Marktfrische, erstklassige Provenienz und attraktiver Schätzpreis» stimmt, stehen die Käufer bereit. Das Geld ist vorhanden.