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«Sofareisen» wartet mit Szenen aus dem Alltag auf.
Wer den Stillen Has kennt, hat die Stimme von Endo Anaconda im Ohr beim Lesen seiner «Sofageschichten». Das verschafft den meist zwischen zwei und drei Seiten langen Geschichten eine zusätzliche Dynamik, man lässt sich durch die erinnerte starke Bühnenpräsenz anstecken, versucht den Leserhythmus zu verschärfen und macht eigene Songs daraus. Die gewichtigere Hälfte des Berner Trios hat die meisten der versammelten Kolumnen für die «Berner Zeitung» geschrieben, einige davon für andere Zeitungen - auch für die WOZ. Erschienen sind sie zwischen 2001 und 2005.
Am Stück gelesen, werden die «Sofageschichten» zu einer mosaikartig angelegten Autobiografie, die sich über Textfragmente und die Zeit entfaltet. Anaconda erzählt von den frühen Flügen von Klagenfurt in die Schweiz - von der Mutter zum Vater -, den vermuteten trinkfesten und robusten slawischen Vorfahren, der ewigen Biohenne im Tiefkühlfach und den nicht ausgefüllten Steuererklärungen auf dem Tisch. Vom schweizerischen Alltag in Bern eben, dem einzigen Land, wo man sich verabschiedet, um aufs WC zu gehen. Einem Land, in dem «ein halbes Wachstumsprozent mehr oder weniger darüber [entscheidet], ob wir uns als Nation im Konsumrausch oder am Rande des Suizids befinden».
Das Leben spielt zwischen Sofa und Balkon, zuerst im Mattenquartier mit Blick aufs Marzilibad, später auf dem weniger attraktiven Nordring und - dank Reisen, TV und Zeitungen - auch darüber hinaus. Die Geschichten erzählen vom ewigen Kampf gegen das Teeren der Lunge, vom übermässigen Genuss und der melancholischen Hoffnung, trotzdem uralt zu werden. Das Vorbild ist die Queen Mum, die dank ihrer Gin-Tonic-Diät das biblische Alter von 101 Jahren erreichte und vor drei Jahren auf einer Wachholderwolke entschwebte. Anaconda reflektiert aber auch die lokal- und weltpolitischen Ereignisse, die zu den wüsten Tagträumen mit gigantisch wachsenden Gummibäumen führen und die Frage aufwerfen, ob «die Entwicklung des Urmenschen zum modernen Steuerzahler mit Schlafstörungen» von ihm so gewollt wurde. Dabei wird klar: Der Endo Anaconda wäre so gerne ein Ausserirdischer von Alpha Centauri und nicht nur ein Irdischer in rahmengenähten Halbschuhen, den das ganze Jahr über der Novemberblues plagt.