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Wer hätte das gedacht? Nachdem die Schweizer die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen angenommen hatten, um die Dänen wieder vom Spitzenplatz unter den glücklichsten Völkern zu verdrängen, verschwand die Armut aus der Schweiz.
Da man als Ehepaar auf ein bedingungsloses Grundeinkommen von 5000 Franken kam, brauchte es bald auch keine Kinderkrippen mehr, weil sich beide Elternteile jetzt rund um die Uhr um ihre Kinder kümmern konnten. Das traf sich gut, denn die Kinderbetreuerinnen der Kinderkrippen mussten ja dank des bedingungslosen Grundeinkommens auch nicht mehr arbeiten.
Der Zugewinn an Lebensqualität war enorm. Nachdem sich das neue, bessere Leben eingespielt hatte, und alle glücklicher waren als früher, kam aber plötzlich die Frage auf, ob man das Einkommen nicht verdoppeln könnte, weil ja dann alle noch viel mehr Geld hätten, womit es allen noch viel besser ginge, und dass dies auch für die Wirtschaft gut wäre, weil die Konsumenten ja dann noch viel mehr Geld ausgeben könnten.
Und so wurde das bedingungslose Grundeinkommen zur Zufriedenheit aller verdoppelt. Den Menschen ging es jetzt noch besser. Keiner musste mehr arbeiten, nicht einmal mehr diejenigen, welche sich an ein hohes Einkommen gewöhnt hatten. Diese Entwicklung wurde natürlich durch den technologischen Fortschritt begünstigt, denn die Arbeit verrichteten jetzt Roboter.
Die beste Idee, welche die Schweizer jedoch hatten, war die Idee, jedem Schweizer bei Erlangung der Volljährigkeit 5 Millionen Franken auszuzahlen, damit er ein ruhiges Leben in materieller Sicherheit würde führen können. Auf der ganzen Welt bewunderte man die Schweizer und staunte über die Klugheit dieses Volkes, welches durch demokratische Willensäusserung aus sich selbst ein glückliches Volk von Millionären gemacht hatte.
Viele Völker folgten diesem Beispiel. Sie erzwangen in ihren Ländern Volksabstimmungen und verfügten an den Urnen, dass die Regierungen allen Bürgern ein paar Millionen Franken auszuzahlen hätten. So wurde nach und nach der Hunger in der Welt besiegt, denn jeder hatte jetzt genügend Geld, um für sich und seine Familie im nächsten Supermarkt Lebensmittel zu kaufen. Auch Krankheiten wurden ausgerottet, weil sich alle auf der ganzen Welt gute Ärzte und teure Medikamente leisten konnten. Selbst die Kriminalität verschwand, denn alle konnten sich immer und überall alles kaufen, was sie sich gerade wünschten.
Natürlich gab es auch keine Flüchtlinge mehr, denn die Schweiz hatte durch ihre kluge Entwicklungshilfe dafür gesorgt, dass auch in den Herkunftsländern der Auswanderer das Schweizer System eingeführt wurde. So wurde endlich auch den Menschen der Dritten Welt von ihren Regierungen genügend Geld ausbezahlt, dass es niemandem mehr an etwas mangeln konnte. Zur Auswanderung gab es nirgends auf dieser Welt mehr einen Grund.
Auch die Umwelt profitierte, da die Menschen überhaupt keine Gründe mehr hatten, rumzureisen, weil alle da glücklich wurden und blieben, wo sie gerade waren. Und da niemand mehr arbeitete, brauchte auch keiner mehr Ferien zu machen. Dass in der Folge die Reisebranche mitsamt Flug-, Schiff- und Schienenverkehr zusammenbrach, war alles andere als tragisch, weil ja die Menschen, die in der Reisebranche tätig gewesen waren, ebenfalls nicht mehr auf Arbeit angewiesen waren. Am Ende kauften sich die Menschen mit ihrem Geld gemeinsam die ganze Welt, womit der Wohlstand bis in alle Zukunft gesichert war.
Die einzige Frage, die nie jemand beantworten konnte, war die Frage, warum nicht schon früher jemand auf die Idee mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gekommen ist.
(Andreas Thiel/Nebelspalter)
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