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«Ich spendete der Ex-Frau meines Mannes eine Niere»
Wie grossherzig! Als Debby erfuhr, wie schlecht es der früheren Gattin ihres Mannes ging, zögerte sie nicht lange und half ihr.
Debby und Mylän kannten sich seit Jahren, waren einander aber nicht immer zugetan: Sie arbeiteten für konkurrierende Fahrzeug-Abschleppdienste, und dies führte gelegentlich zu Spannungen. Obendrein mochten sie denselben Mann: Jim Merthe.
Kein Wunder, dass Debby Neal enttäuscht war, als Jim 1991 Mylän Anderson heiratete und mit ihr zwei Kinder hatte: Jimmy und Sami. Was Debby nicht wusste: Jim trank zu viel, und dies liess seine Ehe allmählich zerbröckeln.
2008 hatte Mylän genug von dem Alkoholiker und reichte die Scheidung ein. «Wir blieben aber Freunde», sagt sie. Nach Jims Heirat hatte Debby sich bemüht, ihn zu vergessen. Sie ehelichte Robert L. Leider war auch er Alkoholiker, und diese Ehe ging ebenfalls in die Brüche. Eines Tages liefen Jim (damals 47) und Debby (46) sich in Salt Springs (Florida), wo beide leben, zufällig wieder über den Weg. Er lud sie auf einen Kaffee ein, «und dabei stellten wir viele Gemeinsamkeiten fest», erzählt sie.
«Wie geht es Mylän?», fragte Debby Jim eines Tages. «Ich sehe sie nicht so oft. Aber sie sagt, sie habe grosse Gesundheitsprobleme.» Während Myläns erster Schwangerschaft hatten Ärzte bei ihr Präeklampsie festgestellt: Ein Leiden, bei dem werdende Mütter unter zu hohem Blutdruck, zu viel Eiweiss im Urin und Wasseransammlungen im Gewebe leiden. «Und seit Jahren hat sie auch Schwierigkeiten mit den Nieren», informierte Jim seine Bekannte. «Ich hoffe, dass es nicht schlimmer wird», meinte Debby und reichte ihm beim Abschied mit warmem Lächeln die Hand. Sie vereinbarten, sich bald wiederzusehen und telefonierten fortan von Zeit zu Zeit miteinander.
Fünf Monate später bat Jim Debby überraschend, ihn zu heiraten. Für sie schien damit ein alter Traum in Erfüllung zu gehen. Doch zunächst gab es Hindernisse. «Trinkst du immer noch so viel wie früher?», wollte sie wissen. «Ich war mit einem Alkoholiker verheiratet und will so etwas nicht noch einmal erleben.»
Jim druckste ein wenig herum und schwor dann, dass er das Trinken endlich aufgeben werde. «Ein paar Monate lang beobachtete ich ihn», berichtet sie. «Er schien tatsächlich trocken geworden zu sein – und ist es immer noch. Ich gab ihm mein Ja-Wort.»
Sie zogen zusammen. Auf ihre Hochzeit mussten sie allerdings noch Jahre warten, weil immer wieder etwas dazwischenkam. Zuerst heirateten Jims Kinder aus erster Ehe. «Ich half den Bräuten bei der Auswahl ihrer Kleider und bei der Vorbereitung der Feiern», sagt Debby. «Dann waren da unsere eigenen vier Kinder und sieben Enkel.»
Als Debby und Jim endlich einen festen Hochzeitstermin für sich selbst hatten, drohte ihnen Covid einen Strich durch die Rechnung zu machen. Debby: «Wir fürchteten, aus Angst vor Ansteckung würde niemand unserer Einladung folgen.» Es erschienen dann aber doch mehr als 50 Gäste, als sie im November 2021 zum Standesamt gingen. «Alles war perfekt», freut sich Debby: «So, wie es sein sollte. Es war Gottes Plan, dass wir nicht aufgaben und dies möglich machten.» Es wurde eine gute Ehe.
Jims erste Frau Mylän (heute 59) hatte das neue Glück ihres Ex-Mannes mit gemischten Gefühlen beobachtet, liess sich allerdings nichts anmerken. Sie rief ihn weiterhin einmal in der Woche an. Meist redeten sie über ihre Kinder. «Jim», sagte sie 2021, «bei mir geht jetzt alles rasch den Bach runter. Meine Nieren sind dabei zu versagen. Ich brauche dringend einen Spender.»
«Ich lasse mich testen», versprach er ohne nachzudenken. Untersuchungen ergaben jedoch: Er kam als Spender nicht in Frage. Die Enttäuschung ihres Mannes bemerkend, sagte Debby spontan: «Wir dürfen Mylän nicht verlieren – der Kinder und Enkel wegen. Die Kleinen brauchen ihre Grossmutter. Vielleicht kann ich helfen.» 31 Jahre früher hatte sie um ihren Bruder getrauert, der einer unheilbaren Lungenerkrankung erlag. Er starb, weil sich kein geeigneter Spender für eine Transplantation fand.
Ihr Organ passte, und bald darauf fuhr Jim seine neue Frau morgens in Tampa (Florida) zum General Hospital. Dort wartete Mylän auf die grosszügige Spenderin, die jetzt mit ihrem früheren Mann glücklich ist. Die Operation verlief ohne Komplikationen. «Schon nach ein paar Stunden sah Mylän viel besser aus», sagt Debby. «Und ich fühlte mich wie neugeboren», schwärmt die Nieren-Empfängerin. «Nach der Übertragung lachten wir beide so stark, dass die Schnitte in unserem Körper schmerzten.»
Jim gesteht: «Ein wenig seltsam kam mir das alles schon vor: Meine Ex-Frau gerettet von meiner neuen Gattin? Und auch mein Leben hat Debby gerettet, als sie mich vom Alkohol befreite.» Solche Gedanken beschäftigen Mylän nicht. «Das Wunder muss von hoher Hand geplant worden sein», findet sie. «Nun sind Debby und ich Nieren-Schwestern.»