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Die grösste der acht Arten der Gattung Thunnus ist besonders gefährdet: der Atlantische Rote Thunfisch, der bis zu 4 Meter lang und weit über 600 Kilo schwer wird. Als Hochleistungsschwimmer kann er beim Vorstoss auf eine Beute Geschwindigkeiten bis zu 80 Stundenkilometer erreichen. Das schaffen diese Fische nur, weil sie – unabhängig von Vöglen und Säugetieren – eine besondere Form der Warmblütigkeit entwickelt haben. Sie macht sie weitgehend unabhängig von der Wassertemperatur, so dass sie sowohl in kalten wie auch in tropischen Meeren jagen.
Doch diese Warmblütigkeit erzeugt auch einen grossen Energiebedarf, so dass diese Fische ständig auf Nahrungssuche sind: eindrückliche Jäger, die im offenen Meer in Verbänden den Schwärmen kleiner Fische wie Makrelen, Sardinen oder auch frei schwimmenden Kalmaren nachstellen.
Dass die Roten Thunfische selbst eine begehrte Beute sind, liegt an ihrer Muskulatur. Sie ist fein mit Fett durchzogen, das im Gewebe als Energiespeicher dient und unter der Haut als Isolation – eine besonders schmackhafte Muskulatur: Der Rote Thunfisch ist in der japanischen Tradition der wichtigste Fisch für Suschi.
Wenige Nachkommen – grössere Bedrohung
Dass die Bestände durch die Bejagung so gefährdet sind, liegt auch an der Art, wie sich Rote Thunfische fortpflanzen. Im Gegensatz zu anderen Thunfisch-Arten sind sie so genannte k-Strategen. («k» steht für die Kapazität, einen Lebensraum zu besiedeln). Sie zeichnen sich dadurch aus, dass wenige grosse und langlebige Individuen ihren Lebensraum voll ausnutzen. Um eine Überpopulation zu vermeiden, ist es für sie deshalb sinnvoll und nachhaltig, wenige Jungtiere zu erzeugen, die aber eine hohe Lebenserwartung haben.
So würden unter natürlich Verhältnissen wenige Jungtiere im Jahr genügen, um Verluste bei den langlebigen Erwachsenen zu ersetzen. Erst der massive Wegfang der grossen, fortpflanzungsfähigen Individuen, die bis über 40 Jahre alt werden können, bringt die Art in Schwierigkeiten, weil sie hohe Verluste nicht rasch über die Fortpflanzung ausgleichen kann.
Andere Arten weniger empfindlich
Da die Roten Thunfische heute durch die japanische Fischindustrie gefährdet sind, weicht man in der Schweiz beim Sushi-Angebot für den Massenverkauf auf andere, weniger bedrohte Arten aus – etwa den Gelbflossen-Thunfisch und den Weissen Thunfisch oder Albacore. Diese Arten sind auf der Liste der Artenschutzorganisation IUCN als «nahe an der Gefährdung» eingestuft, weil auch hier der Fischereidruck massiv ist.
Doch bei diesen Fischen handelt es sich um sogenannte r-Strategen. Sie zeichnen sich durch eine hohe Reproduktionsrate (r) aus, mit der die Art hohe Verluste an Jungtieren in Kauf nimmt. Deshalb kann sie die Verluste durch starke Befischung besser kompensieren.
Bonito aus der Büchse
Wie aber steht es mit Thunfischen in Konservendosen? Gefährdet man mit diesem Thon-Konsum eine weitere Fischart? Der Bonito ist der eigentliche «Thon» in der Büchse: Diese Fische werden in der Regel 80 Zentimeter lang und gegen 10 Kilogramm schwer.
Zur Zeit ist es unbedenklich, Bonito zu konsumieren, sofern er mit Delfin-schonenden Methoden gefangen wurde. Der Grund: Auch die Bonitos sind typische r-Strategen. Sie haben eine lange Fortpflanzungszeit, eine hohe Fortpflanzungsrate und sind weit verbreitet. Deshalb gelten sie bei der Weltnaturschutz-Union IUCN als nicht gefährdet.
Mehr fürs Meer
Verschiedene Umweltorganisationen bieten Empfehlungen für einen verantwortungsbewussten Fischkonsum an – in unterschiedlicher Strenge. Allgemein gilt, dass Meeresfische insgesamt unter enormem Fischereidruck stehen, direkt und indirekt:
- Direkt, wenn sie selbst konsumiert werden wie Thunfische oder Schwertfische, aber auch etwa Heringe, Makrelen Sardinen.
- Indirekt, weil Millionen Tonnen Fisch grossflächig und völlig unspezifisch gefangen werden – auch für den direkten menschlichen Konsum ungeeignete. Diese Fischerei dient dazu, wertvolle Speisefische (z.B. Thunfische, Lachse und andere) in Farmen zu mästen.
- Allzu viele Fische enden als sogenannter „Beifang“ – unbeabsichtigt gefangen und getötet, werden sie oft wieder zurück ins Meer gekippt (s. auch Beitrag Beifang). Auch viele andere Fische (z.B. zahlreiche Hai-Arten) sowie Meeresschildkröten, Delfine oder Seevögel sind durch Angelhaken an Kilometerlangen Leinen oder durch unselektive Netzsysteme bedroht.
Für viele Meeresgebiete hat die heutige, industrielle Fischerei ökologisch verheerende Auswirkungen. Deshalb gilt beim Konsum von Fischen und anderen Lebewesen aus dem Meer ganz allgemein: Weniger auf dem Teller ist mehr für die Natur - selbst wenn die konsumierte Fischart, wie etwa der Bonito aus der Thon-Büchse, nach IUCN zurzeit nicht als akut bedroht gilt.