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Die gebürtige Schweizerin Johanna Krapf ist Autorin mit einer ganz speziellen Konzentration auf die Gebärdensprache. Schon in ihrer Herkunftsfamilie spielte Sprache eine wichtige Rolle, da ihr Vater Dialektologe war. Der Besuch von Gebärdensprachkursen eröffnete ihr eine neue Welt und sie entschied sich, nachdem sie sich die Gebärdensprache angeeignet hatte, Menschen darüber aufzuklären. Heute arbeitet sie selbstständig als Buchautorin.
Die Schweizerin schloss ihr Anglistik- und Germanistik-Studium an der Universität in Zürich mit dem Lizentiat ab. Danach arbeitete sie längere Zeit als Englischlehrerin. Zudem war sie vier Jahre lang als Lektorin bei SABE, einem Lehrmittelverlag, tätig, gab die Stelle aber auf, als sie zum zweiten Mal Mutter wurde. Die neuerliche Beschäftigung mit Sprache, mit Lektorieren und Schreiben, nahm ihren Anfang mit dem Erlernen der Gebärdensprache, denn dabei wurde ihr bewusst, wie wichtig es für gehörlose Menschen ist, das Wissen über Gebärdensprache und Gehörlosigkeit zu verbreiten. Daraufhin entschloss sie sich, ein Lehrmittel für hörende Kinder über diese faszinierende Sprache zu verfassen.
Nun besteht ihre Haupttätigkeit seit rund zehn Jahren im Schreiben von Büchern. Ihr erstes Buch, das den Titel ,,Hände bewegen’’ trägt und 2011 erschien, ist ein Lehrmittel zum Kennenlernen der Gebärdensprache. Seither publizierte sie weitere drei Bücher, eines davon in mehreren Fassungen, und eine DVD.. Gleichzeitig hat sie die Zahl der Englischlektionen reduziert, denn mittlerweile steht die Beschäftigung mit der deutschen Sprache im Zentrum, sprich, das eigene Schreiben, das Korrigieren von Texten, das Lektorieren von Abschlussarbeiten und Büchern sowie das Verfassen von Zeitungsartikeln.
«Auf der Flucht getrennt» ist die Geschichte zweier ruandischer Flüchtlinge (Joséphine und Désiré), die sich auf ihrer Flucht quer durch Afrika zusammengetan und schließlich eine Familie gegründet haben. Die Familie wurde jedoch überfallen und getrennt. Joséphine gelangte – durch Zufall – mit dem jüngsten Kind in die Schweiz, Désiré und die älteren Buben blieben zurück. Er wurde krank und verlor die beiden Kinder. Dank dem Suchdienst des Roten Kreuzes fand die Familie in der Schweiz wieder zusammen.
Ich ließ das Buch in Lleichte Sprache übersetzen, da ich dachte, es wäre toll, wenn andere Migrantinnen und Migranten sowie auch generell Menschen, die sich mit dem Lesen schwer tun, die Geschichte lesen könnten.
Ich korrigiere und lektoriere die Texte. Beim Korrigieren merze ich Interpunktions-, Orthografiefehler und Grammatikfehler aus. Das Lektorieren umfasst mehrere Ebenen: die Wortwahl, den Stil, den logischen Sprachfluss, inhaltliche Brüche oder Wiederholungen etc. Bei der Wortwahl achte ich beispielsweise darauf, dass sich die Wortwiederholungen in Grenzen halten und dass Idiome, Vergleiche und Metaphern stimmen. Unter stilistischen Missgeschicken verstehe ich unter anderem komplizierte oder gar unverständliche Satzkonstruktionen. Ist der logische Sprachfluss gestört, können die Lesenden einen Abschnitt nicht verstehen, ohne ihn mehrmals gelesen zu haben.
Selbstverständlich korrigiere ich immer im Korrigier-Modus und weise auf Unklarheiten mit Kommentaren am Rand hin. Es kann auch vorkommen, dass ich grundsätzliche Fragen zum Inhalt eines Textes stellen muss.
Alle Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung lernen das Artikulieren einer Lautsprache. Gehörlose Menschen kommunizieren mit Hörenden, indem sie von deren Lippen ablesen.
Gebärdensprachen sind natürliche Sprachen, das heißt, jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache. Gebärdensprache darf nicht mit Pantomime verwechselt werden. Im Gegensatz zur Pantomime liegt ihr ein komplexes Regelsystem, eine Grammatik, zugrunde. Wer eine Gebärdensprache beherrscht, kann darin ebenso gut abstrakte Vorstellungen und Zusammenhänge ausdrücken, wie dies in der Lautsprache möglich ist. In der Gebärdensprache werden Hände und Arme, Mimik, Blick, Kopf, Oberkörper und Mundbild eingesetzt. Wenn ein einziger dieser Faktoren verändert wird, so wirkt sich das auf die Bedeutung der Gebärde aus. Die visuell wahrnehmbare Gebärdensprache nutzt also den dreidimensionalen Raum und kann deshalb viel mehr Information in eine einzelne Gebärde legen, als das mit den gesprochenen Wörtern der linearen Lautsprache möglich ist.
Die Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen ist nicht immer einfach. Hier einige Tipps für Hörende, wie sie besser gelingen kann:
– Aufmerksamkeit auf sich lenken durch Antippen, Winken, Klopfen, Lichtsignal.
– Auf gute Beleuchtung achten.
– Blickkontakt herstellen.
– Den eigenen Mund nicht verdecken.
– Deutlich hochdeutsch sprechen.
– Langsam und in normaler Lautstärke sprechen.
– Kurze, einfache Sätze machen.
– Nicht gleichzeitig sprechen und etwas zeigen.
– Hin und wieder inhaltliche Rückfragen stellen.
– Bei Nichtverstehen: Gesagtes wiederholen, aufschreiben oder schematisch darstellen.
– Einen Themenwechsel ankünden.
Bücher, die auf die Thematik der Gebärdensprache eingehen, informieren den Leser und die Leserin genauer über diese faszinierende Sprache und über die Lebensumstände derjenigen Menschen, die sie sprechen. Barrierefreiheit in der Sprache gilt als Grundvoraussetzung für Inklusion, da eine absolute Teilhabe an der Gesellschaft für Menschen mit einer Beeinträchtigung nur dann gewährleistet werden kann, wenn ihnen ermöglicht wird, ihre Einschränkungen zu überwinden.