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Epigenetik vererbt Übergewicht und Diabetes Typ II
Epigenome-wide association study of body mass index, and the adverse outcomes of adiposity. Simone Wahl et al; Nature 541, 81–86 (05 January 2017) doi:10.1038/nature20784.
In einer, man möchte fast sagen,“ riesigen“ Studie mit mehr als 20 Autoren international haben Wahl et al in Nature 541, 81- 86, 2017 über einen Zusammenhang zwischen epigenetischen Modifikationen und Übergewicht berichtet. Weltweit „leiden“ mehr als 1.5 Milliarden Menschen an Übergewicht. Dem gegenüber stehen 1 Milliarde hungernde Menschen, eine absurd anmutende Situation.
Wahl et al berichten, dass Übergewicht zu einer veränderten Methylierung von DNA führe und dass dies eher die Folge als die Ursache für Übergewicht sei. Interessant ist, dass der BMI korreliert ist zu 187 epigenetischen Veränderungen. Die Methylierung findet vor Allem an Genen, die am Lipoproteinstoffwechsel, dem Substrattransport und interessanterweise an Stoffwechselwegen der Entzündung beteiligt sind. Dies ist deswegen interessant als Gefäß Veränderungen bei Übergewicht entzündliche Komponenten aufweisen. Es wurde spekuliert, dass Statine dort angreifen sollen, aber deren Effekte sind wissenschaftlich stark angezweifelt.
Zu sagen ist, dass das Genom beim Menschen im Laufe des Lebens an der Abfolge der DNA- Nukleotide nur wenige erworbene krankmachende Mutationen zeigt, während epigenetische Veränderungen, z.B. durch DNA Methylierung die Genexpression deutlich beeinflussen können und sogar weiter vererbt werden können.
Ob solche Methylierung auch für die Entstehung von Diabetes verantwortlich zu machen sind, wie die Autoren spekulieren, ist interessant, vor allem, wenn man annimmt, dass Methylierungen an Genen des Fettgewebes bei übergewichtigen, Diabetes Typ II auslösen können. Diese Befunde sind signifikant in der Studie.
Interessant ist, dass Methylierung während der Geburt später zu Übergewicht führen kann
Epigenetic gene promoter methylation at birth is associated with child's later adiposity.
Godfrey KM, Sheppard A, Gluckman PD, Lillycrop KA, Burdge GC, McLean C, Rodford J, Slater-Jefferies JL, Garratt E, Crozier SR, Emerald BS, Gale CR, Inskip HM, Cooper C, Hanson MA
Diabetes. 2011 May; 60(5):1528-34.
Später resultiert daraus Diabetes:
Wren JD, Garner HR. Data-mining analysis suggests an epigenetic pathogenesis for type 2 diabetes. J Biomed Biotechnol.,2005:104–112.
Man weiß heute, dass zahlreiche Krankheiten, die Genexpression durch epigenetische Veränderungen modifizieren, das gilt besonders für Diabetes aber auch für maligne Erkrankungen. Hier steht besonders die beschriebene Methylierung im Interesse, wobei ein Cytosin, welches von Guanin gefolgt wird (CpG) methyliert wird. Dadurch wird die DNA Faltung geändert und die Genexpression evtl. vermindert.
Noch kann man keine therapeutischen Konsequenzen aus der Studie ziehen, aber es gibt Studien zur „epigenetischen Therapie“ mit Methylierung- hemmenden Stoffen, also Substanzen, welche die Methyltransferase hemmen im Bereich zahlreicher Krankheiten.
Unbedingt lesenswerte Zusammenfassungen zu diesem bedeutenden Thema finden sich bei:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4251063/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4251063/