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Brasilien und Spanien gewinnen den Fair-Play-Preis der Fifa
Berlin, 09. Juli 2006
Den erträumten sechsfachen Weltmeistertitel konnte die Seleção nicht nach Hause bringen, doch ganz leer gingen die Brasilianer auch bei dieser WM nicht aus. Zusammen mit Spanien gewann Brasilien heute den Fair-Play-Preis der Fifa, den die Technische Kommission nach einem Punktesystem für faires Verhalten auf dem Spielfeld und ausserhalb desselben nach jeder WM verleiht. Beide Mannschaften konnten 866 Punkte von möglichen 1000 gewinnen. Während die Spanier erstmals als fairstes Team ausgezeichnet wurden, erhält Brasilien den Preis bereits zum vierten Mal seit 1978. Insgesamt werden alle Spiele der WM bewertet, doch nur die Mannschaften, die in die zweite Runde kommen, können die Fair-Play-Auszeichnung gewinnen. Ziel des Wettbewerbs ist es, ein faires Miteinander zwischen Spielern, Offiziellen und Zuschauern zu erzielen. Das Siegerteam der WM erhält neben der Trophäe und einer Medaille für jeden Spieler sowie die technische Kommission der Mannschaft einen Scheck über USD 50.000. Das Geld soll zweckgebunden für Fussball-Ausrüstung für Jugendliche eingesetzt werden.
Kein Brasilianer unter den zehn Anwärtern auf den Goldenen Ball
Berlin, 06. Juli 2006
Die Fifa veröffentlichte heute die Liste der zehn Anwärter auf den Goldenen Ball, einen Preis, der seit 1982 an den besten Spieler nach jeder Fussballweltmeisterschaft verliehen wird. Keiner der brasilianischen Starspieler wie Ronaldo, Ronaldinho oder Kaká, die in dieser WM nicht ihr Bestes gegeben haben, ist logischerweise unter den Kandidaten. Auf der Liste stehen stattdessen Fabio Cannavaro, Andrea Pirlo, Gianluca Zambrotta und Gianluigi Buffon aus Italien, Zinedine Zidane, Thierry Henry und Patrick Vieira aus Frankreich, Maniche aus Portugal sowie Michael Ballack und Miroslav Klose aus Deutschland. Klose, der bisher in der WM fünf Tore geschossen hat, könnte ausserdem noch den Goldenen Schuh als Torschützenkönig der WM erhalten. Die Entscheidung über den Nachfolger von Oliver Kahn, der 2002 als erster Deutscher die Trophäe in Empfang nehmen durfte, fällen nun die beim Turnier akkreditierten Journalisten. Nach Brasilien ging der Goldene Ball bislang zweimal: 1994 gewann Romário den Preis und 1998 Ronaldo.
São Paulo, 03. Juli 2006
Roberto Carlos verkündete heute, zwei Tage nach dem Fiasko gegen Frankreich, seinen Abschied von der Seleção und revidiert damit seine Aussage von vergangener Woche, auch im Jahre 2010 noch dabei zu sein: “Das war mein letztes Spiel in der Nationalmannschaft“. Der 33jährige Verteidiger von Real Madrid, der für seine harten Schüsse mit dem linken Fuss berühmt ist, spielte seit 1992 bei 132 Begegnungen der Seleção mit, erzielte dabei zehn Tore und nahm an drei Weltmeisterschaften teil. Die harte Kritik an seiner Leistung in allen Spielen der laufenden WM, vor allem die Apathie gegenüber Henry, als dieser zum Schuss ausholte, der die Brasilianer nach dem Viertelfinale nach Hause schickte, änderte seine Meinung. Ausser Roberto Carlos erklärte heute auch der 31jährige Mittelfeldspieler Juninho Pernambuco seinen Abschied von der Seleção, um Platz für eine Erneuerung des Teams zu schaffen: “Für mich ist das Spielen in der Nationalmannschaft vorbei und diejenigen von uns, die schon älter als 30 sind, sollten dasselbe tun, um für jüngere Spieler Platz zu machen und ein neues Team für 2010 vorbereiten zu können.“ Juninho, der bei Lyon unter Vertrag steht, wurde von 2001 bis 2006 insgesamt fünf Mal französischer Meister und hat mit seinem Passspiel und seinen Torschüssen erheblich zu Olympique Lyons Aufstieg an die Spitze des französischen Fussballs beigetragen.
Frankfurt, 02. Juli 2006
Enttäuscht vom Auftritt Brasiliens in der WM sparten die Zeitungen weltweit keine harten Worte, um die gelbgrüne Seleção zu kritisieren. Die Mehrheit stellte die fehlende Schönheit des Sports des Landes in Deutschland heraus sowie seine wiederholte Niederlage gegen Frankreich.
Die spanischen Zeitungen verziehen Parreiras Team nicht den bürokratischen Ansatz, nur Fussball auf das Ergebnis hin zu spielen. Das Tagesblatt Marca schreibt: “Frankreich eliminiert Brasilien, Waisenkind des schönen Spiels“. Die Zeitung As sagt noch schärfer, “die brasilianische Lüge wurde aufgedeckt“ und verlasse die WM, ohne die Qualität Argentiniens wie etwa beim Torregen von 6:0 gegen Serbien und Montenegro zu zeigen. Ausserdem bekräftigt sie, der “König“ Zidane habe seine Mannschaft zum Sieg geführt wie im Jahre 1998.
In der letzten WM des 20. Jahrhunderts schoss Zidane zwei Tore gegen die Brasilianer, die – wie in dieser WM – die grossen Favoriten waren und mit 3:0 von den Gastgebern besiegt wurden.
Im Nachbarland Brasiliens wurde die Niederlage seiner grössten Rivalen zum gefundenen Fressen, mit dem die Argentinier ihren Schmerz über die Desklassifizierung der eigenen Mannschaft einen Tag zuvor gegen Deutschland im Elfmeterschiessen erleichtern können. Die Zeitung Olé, bekannt für ihre Provokationen der Brasilianer, überschrieb heute das Titelblatt mit “Merdeamarela“, einem Wortspiel, das die Seleção “verde amarela“ (grüngelb) als “gelbe Scheisse“ bezeichnet. Ironisch schreibt das Blatt weiter, die Brasilianer hätten sich getäuscht, als sie dachten, die Zeitung würde sie unterstützen: “Voller Vertrauen und naiv dachten die Brasilianer, sie würden den sechsfachen Titel holen, ohne zu spielen und mit Unterstützung von Olé. Doch, bitte. Frankreich zog sie aus der WM mit einem Tanz. Schande, das war eine Schande, eine historische Idiotenrolle. Immer noch nicht zufrieden heisst es weiter, die Argentinier mit gebrochenem Herzen bräuchten keine Aspirin. Der Nachbar sei der Pharmazeut, der ihnen ein heiliges Medikament gegeben habe, das “Adeus fünffacher Weltmeister“.
Jetzt wird Frankreich eins der Halbfinale gegen einen weiteren Brasilianer austragen, den Trainer Portugals, Luis Felipe Scolari, am 5. Juni um 21 Uhr in der Allianz Arena in München.
Die portugiesische Presse zeigt ihre Besorgnis über den Gegner, der in den letzten sieben Spielen gegen die Portugiesen gewann, das letzte Mal vor 31 Jahren laut der Zeitung Record, die Frankreich als “die schwarze Seite der Kraft” definiert.
Die englische Zeitung Guardian schreibt, Brasilien bleibe als fünffacher Weltmeister und einzige südamerikanische Mannschaft, die eine WM in Europa gewann, 1958 in Schweden, weiterhin einzigartig in der Geschichte der WM. Trotzdem heisst es weiter, dass die Brasilianer k.o. geschlagen wurden von Frankreich, das sich in der Partie als gleichwertiger Gegner durchgesetzt habe.
Mit reichlich Grund zum Feiern überfüllten die französischen Zeitungen heute ihre Seiten mit dem Sieg des Teams des Trainers Domenech. Die L’Equipe schreibt, die französische Mannschaft habe eine aussergewöhnliche Partie gespielt mit Aktionen des Dreiecks Zidane-Vieira-Makelele, die Gold wert sind. Weiter bekräftigt die Zeitung, die Weltmeister seien psychologisch und technisch von den “Les Bleus“ besiegt worden.
Die italienische Zeitung La Gazzeta dello Sport schreibt, “die Auferstehung von Thierry Henry bringt dem hervorragenden Frankreich Portugal als Gegner” und das Ergebnis sei ein “unbestreitbares Urteil”. Die italienische La Repubblica stellt heraus, dass der Mannschaftskapitän Frankreichs sich als bester seines Teams bestätigt, das die niemals gefährlichen Brasilianer desklassifiziert habe.
Bei den deutschen Gastgebern feiert die Bild das Weiterkommen des Teams von Vieira mit dem Titel “Vive la France!”. Das Blatt schreibt weiter, Zidane sei zu stark für Brasilien gewesen, wie 1998. Die Welt bekräftigt, Frankreich habe den Titelverteidiger Brasilien aus dem WM-Turnier gekickt, und bezeichnet Zidane als “Golden Gate” des französischen Sieges in der WM, der Henry die Vorlage zur perfekten Ausführung des Tors geliefert habe.
Frankfurt, 01. Juli 2006
Ausgerechnet Frankreich bereitete heute dem brasilianischen Traum vom sechsfachen Weltmeister-Titel ein abruptes Ende: Im Viertelfinale besiegten die ”Les Bleus” die Seleção mit einem wohlverdienten 1:0. Damit wiederholte sich das Trauma von 1998, als die Franzosen sich gegen Brasilien den Titel mit 3:0 erschossen hatten. Doch damals hatte Star Ronaldo vor dem Spiel eine Konvulsion erlitten, diesmal waren die weltbesten Spieler allesamt wohlauf. Schon in den vorhergehenden Spielen hatten die Brasilianer nicht ihre gewohnte Ballkunst gezeigt und die internationale haushohe Erwartungshaltung enttäuscht.
Trainer Carlos Alberto Parreira hatte noch in wiederholten Interviews darauf hingewiesen, dass es nicht darauf ankomme, Artistik vorzuführen: ”Warum müssen wir schön spielen, wenn es andere auch nicht machen? Sehr schön spielen ist nicht wichtig, gewinnen schon”. Doch stand Parreira nach den ersten zwei Vorrundenspielen, in denen sich die Seleção schon schwer tat, Dynamik und Angriffslust zu zeigen, vor dem Dilemma, seine Stammspieler gegen die jüngeren und aktiveren, doch unerfahreneren von der Reservebank einzutauschen oder nicht. Beim Spiel gegen Japan, bei dem die Brasilianer bereits für das Achtelfinale qualifiziert waren, hatte Parreira es gewagt und gewonnen. Die konservative Entscheidung, lieber alles oder fast alles beim alten zu lassen in den wichtigen anschliessenden Partien, kam ihn nun in Frankfurt teuer zu stehen. Die Seleção schien nicht mitzuspielen, während Zidane, der sich nach der WM vom Fussball verabschieden will, Weltklasse bewies und auch von Fifa als bester Spieler der Begegnung gewählt wurde.
Schon in der ersten Halbzeit waren die Franzosen weit mehr im Ballbesitz, den Brasilianern, die nicht als Mannschaft spielten, gelang es nicht, einen wirkungsvollen Angriff aufzubauen. Fehlpässe lieferten immer wieder den Ball der gegnerischen Mannschaft. In der zweiten Halbzeit liefen die Franzosen mit voller Kraft auf, bis Henry schliesslich in der 11. Minute das 1:0 gelang, während Roberto Carlos bewegungslos daneben stand. Wer dachte, nun würde die Seleção aufwachen und für ihren Traum vom sechsfachen Titel kämpfen, hatte sich getäuscht. Nur fünf Minuten später hätte Ribery um ein Haar das 2:0 geschossen. Parreira reagierte erst in der 25. Minute der zweiten Halbzeit und wechselte Juninho gegen Adriano aus, um mit seinem “magischen Quadrat“, das längst seinen stürmerischen Zauber verloren hatte, das Spiel zu wenden. In der 31. Minute kam Cicinho für Cafu aufs Feld und endlich zwei Minuten später Robinho für Kaká, der heute seine schlechteste Partie gespielt hatte. Nach einer Vorlage von Ronaldinho, der ins Mittelfeld gesetzt wieder nichts von seiner Weltklasse zeigen konnte, versuchte Robinho wenigstens einen Schuss aufs Tor, doch verfehlte das Netz um Längen. In der 89. Minute kam endlich Ronaldo zum Zug und versuchte vergeblich, den Anschlusstreffer zu erzielen. Die letzte Torchance wurde dann noch durch Ronaldinho verpasst, der einen Freistoss über die Latte setzte.