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Das Rennen ist gestartet, und die Projekte häufen sich. Seit fünf Jahren investieren die Redaktionen grosser US-Zeitungen in neue Instrumente für künstliche Intelligenz. Medienkonzerne testen vor allem Textgeneratoren oder Programme, die Stimmen oder Bilder erkennen können. Alles, was automatisiert werden kann, kommt gut an: Es befreit Journalisten von Routineaufgaben und ermöglicht es ihnen vor allem, neue Inhalte zu erarbeiten. 2014 starteten die Redaktoren der «Los Angeles Times» beispielsweise ihren Quakebot, ein Programm, das eine Pushnachricht generiert, sobald ein seismischer Alarm ausgelöst wird. Es benötigt nur einen Fluss von strukturierten Daten und im Voraus definierte Anweisungen. Seit mehr als drei Jahren schreibt dieser Roboter selbstständig Depeschen.
Andere automatisierte Prozesse erfordern Algorithmen, die komplexere Entscheidungen treffen können. Um sie zu erstellen, wenden sich Pressegruppen an Startups, die sich auf maschinelles Lernen spezialisiert haben: ein Bereich künstlicher Intelligenz, der eine Maschine so weit vorantreibt, dass sie allein Entscheidungen treffen kann. Anwendungen für die Medien werden dann in Partnerschaft en entwickelt. Die Zahl der Unternehmen, die sich der Verarbeitung der natürlichen Sprache widmen, explodiert und öffnet vielen Projekten die Tür, die sich mit dem Verfassen von Texten für die Presse befassen.
Das Rennen ist gestartet, und die Projekte häufen sich. Seit fünf Jahren investieren die Redaktionen grosser US-Zeitungen in neue Instrumente für künstliche Intelligenz. Medienkonzerne testen vor allem Textgeneratoren oder Programme, die Stimmen oder Bilder erkennen können. Alles, was automatisiert werden kann, kommt gut an: Es befreit Journalisten von Routineaufgaben und ermöglicht es ihnen vor allem, neue Inhalte zu erarbeiten. 2014 starteten die Redaktoren der «Los Angeles Times» beispielsweise ihren Quakebot, ein Programm, das eine Pushnachricht generiert, sobald ein seismischer Alarm ausgelöst wird. Es benötigt nur einen Fluss von strukturierten Daten und im Voraus definierte Anweisungen. Seit mehr als drei Jahren schreibt dieser Roboter selbstständig Depeschen.
Die gesamte Medienbranche stellt Versuche an, um mit neuen Technologien automatisiert Inhalte zu produzieren. Die US-Agentur Associated Press hat sich vor den anderen der automatisierten Erstellung von Artikeln gewidmet und ist heute in der Lage, von einem Algorithmus geschriebene Nachrichten zu veröffentlichen, ohne sie durchzulesen.
Text: Fanny Giroud (Redaktorin «24 heures»)
Riesige Herausforderungen
Der Einsatz ist enorm: Die Medien müssen ihre eigenen Inhalte generieren, um zu versuchen, auf Agenturen zu verzichten, und Agenturen müssen sich durch das Angebot neuer Produkte unentbehrlich machen. Als Pionier auf diesem Gebiet hat The Associated Press (AP) mehrere Automatisierungsprojekte lanciert und testet derzeit weitere. Von ihrem Hauptsitz in New York aus, direkt vor der Stätte zum Gedenken an den 11. September, produziert AP täglich 2000 Artikel und verteilt sie an 15 000 Kunden weltweit. Seit 2014 wird ein Teil des Inhalts autonom verfasst. Lisa Gibbs, Co-Direktorin für Automatisierung und künstliche Intelligenz, ist mit Partnerschaft en mit externen Startups betraut. Sie hat die Tests für einen Algorithmus zur automatischen Erstellung von Firmenabschlüssen durchgeführt.
Dieser Roboter schreibt viermal im Jahr fast 4000 Meldungen über Quartalsergebnisse, das heisst zehnmal mehr als der frühere Ausstoss von AP. Die Agentur beobachtet nun Hunderte kleinerer Unternehmen von regionaler Bedeutung. «Die Berichterstattung über die Quartalsergebnisse bedeutet, in einem kurzen Zeitraum von drei Wochen Hunderte von Berichten zu schreiben», sagt Lisa Gibbs. «Mit der Automatisierung müssen unsere Journalisten keine Basisinformationen mehr sammeln und können ihre Gehirne nutzen, um Geschichten über Unternehmen zu finden. Der Basisbericht dient als erster Entwurf, und der Journalist kann seine Analyse hinzufügen, denn alles ist schon da. So machen wir es bei fast 80 Unternehmen wie Google, Apple oder Walmart.»
Automated Corporate Earnings, der Name dieses neuen Instruments, wurde für die Behandlung einer Reihe wiederkehrender Szenarien eingerichtet und erstellt automatisch kleine Texte gemäss einer Reihe von Regeln. Es wurde mit Wordsmith entwickelt, einer Plattform für natürliche Sprachen, die aus Daten Geschichten generiert. Dieses Tool wurde von der US-Firma Automated Insights entwickelt, in die AP investiert hat und die bei Google Sheets, Amazon Alexa, Microsoft Excel oder Yahoo Sports Fantasy Football eingesetzt wurde.
Es dauerte zehn Monate, bis das Earnings-Tool richtig lief. Jede Depesche musste gelesen und das Programm entsprechend den festgestellten Fehlern angepasst werden. Jetzt werden die Texte ohne Gegenlesen publiziert, allerdings mit der Erwähnung, dass sie automatisch generiert wurden.
Sport, Fotos, soziale Netzwerke
Für andere automatisierte Aufgaben verwendet AP Wordsmith: im Sport zum Beispiel für das Abfassen von Spielberichten und Kommentaren im Basketball, Baseball und American Football. Andere Tools für die automatische Zusammenfassung von Artikeln befinden sich in der Testphase. «Als Agentur haben wir verschiedene Kunden, die verschiedene Versionen eines Artikels verwenden», sagt Lisa Gibbs. «Wenn ein Journalist einen Artikel schreibt, schreibt er eine Textversion, eine Kurzfassung für das Fernsehen, eine Zusammenfassung und zwei Überschrift en. Wenn wir das Schreiben von Kurzfassungen automatisieren können, wird das dem Journalisten helfen oder ihm zumindest erlauben, schneller zu arbeiten.»
In ihrer riesigen Fotodatenbank und ihren Archiven testet AP Bilderkennungssoft ware, um das Referenzieren und damit die Wiederverwendung von Bildern zu verbessern. AP hat auch in Wibbits investiert, ein Videoprogramm, das aus Texten und Bildern ein Skript generiert. «Wir testen derzeit, welche Storytelling-Apps Wibbits verwenden könnte», sagt Lisa Gibbs. «Momentan geht es nicht darum, Videos zu erstellen, ohne sie von Journalisten bearbeiten zu lassen, aber es beschleunigt den Prozess.»
Und schliesslich arbeitet AP zusammen mit Google an AP Verify, einem Programm, das interessante Beiträge in sozialen Netzwerken aufspüren, auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen und sie an ihre Kunden weitergeben soll. Um dieses neue Instrument, basierend auf maschinellem Lernen, zu entwickeln, hat AP einen Zuschuss von der Google News Initia tive erhalten. «Google ist interessiert, denn wenn AP feststellt, dass ein Beitrag nicht verifiziert ist, hat das Auswirkungen auf den ganzen Planeten», analysiert Lisa Gibbs. «Einen Tweet über das Attentat in Las Vegas zu finden oder einen Facebook-Post über das Feuer in Los Angeles zu checken, ist eine Möglichkeit, Informationen für den Reporter zu sammeln.»
Neue Fähigkeiten gefragt
Führen diese Technologien zu einem Abbau von Arbeitsplätzen? Laut Lisa Gibbs wird es vor allem eine Anpassung der Aufgaben geben: «Bei uns haben sich einige Jobs verändert, vor allem jener des Redaktors. Die Einführung dieser neuen Instrumente erfordert neue Fähigkeiten. Man muss auf Fehler achten, sich anpassen, lernen, planen.»
AP muss nun eine Firmendatenbank pflegen und sicherstellen, dass die Daten korrekt sind. AP hat auch einen Automationsingenieur eingestellt, ein Beruf, der vor fünf Jahren in den Redaktionen noch nicht existierte. «Newsrooms brauchen mehr Entwickler, Programmierer, Ingenieure. Zu wissen, wie man maschinelles Lernen integriert, ist Teil unserer Strategie. Wir wollen wissen, wie man diese Technologien einsetzt, wir investieren in sie. Für uns ist das ein globaler Aktionsplan.»
«Wir fragen uns jetzt, ob Erdbeben, Immobilienpreise, Insolvenzen, neue Eintragungen in das Handelsregister, neue Regierungsverträge, Gerichtsankündigungen automatisiert werden sollen. Was wird das nächste Projekt sein, was wollen die Leute, was ist nützlich? Es wird gerade viel experimentiert», schliesst die Co-Direktorin.