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Südliches Breitmaulnashorn
Cerathotherium simum simum
© 2013 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Die Familie der Nashörner (Rhinocerotidae) setzt sich aus fünf Arten zusammen. Drei davon sind in Süd- und Südostasien beheimatet: das Panzernashorn (Rhinoceros unicornis), das Java-Nashorn (Rhinoceros sondaicus) und das Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis). Die beiden anderen, das Spitzmaulnashorn oder Schwarze Nashorn (Diceros bicornis) und das Breitmaulnashorn oder Weisse Nashorn (Ceratotherium simum), sind in Afrika südlich der Sahara heimisch.
Mit einer Schulterhöhe von 160 bis 185 Zentimetern und einem durchschnittlichen Gewicht von 1700 Kilogramm bei den Weibchen und 2300 Kilogramm bei den Männchen ist das Breitmaulnashorn das grösste der fünf Nashörner. Es hat zwei Hörner, von denen das vordere gewöhnlich 50 bis 100 Zentimeter lang ist, in Ausnahmefällen aber eine Länge von über 150 Zentimetern erreichen kann, und das hintere in der Regel nicht mehr als 50 Zentimeter misst.
Hinsichtlich des Vorkommens und der Bestandssituation muss man das Nördliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) und das Südliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum simum) separat betrachten. Die beiden Unterarten lebten von alters her - vielleicht schon seit einer Million Jahren - in getrennten Verbreitungsgebieten. Der Sambesi diente wahrscheinlich als bedeutendes Ausbreitungshemmnis zwischen den beiden Populationen, da das Breitmaulnashorn ein überaus schlechter Schwimmer ist.
Die nördliche Unterart ist inzwischen in der freien Wildbahn sehr wahrscheinlich ausgestorben. Auch die südliche stand einst - gegen Ende des 19. Jahrhunderts - am Rand der Ausrottung. Nur ein winziger Restbestand von etwa 20 bis 50 Individuen verblieb damals im Bereich der heutigen Provinz KwaZulu-Natal in Südafrika. Alle anderen waren für den Verzehr oder als Jagdtrophäen erlegt worden, teils auch, weil sie ein Ärgernis in landwirtschaftlichen Gebieten darstellten. Dank intensiver Schutzbemühungen und zahlreicher Umsiedlungen konnte das Südliche Breitmaulnashorn erfreulicherweise gerettet werden. Heute leben wieder rund 20 000 Individuen in neun afrikanischen Ländern.
Im Gegensatz zum Spitzmaulnashorn ist das Breitmaulnashorn ein ausgeprägter Grasesser. Vorzugsweise hält es sich in kurzhalmigen Grasländern auf. Dort nutzt es sein breites Maul, um das Gras wie auf einem gut gepflegten Golfplatz zu trimmen. Etwa 50 bis 60 Prozent seiner Zeit - tags- wie nachtsüber - verbringt es mit dieser Aktivität. Es gilt im Übrigen als das geselligste unter den fünf Nashörnern. Gesellig, in kleinen Trupps, leben allerdings nur die jugendlichen und weiblichen Tiere. Die ausgewachsenen Männchen hingegen leben einzelgängerisch in klar definierten Territorien, aus denen sie alle Rivalen nach Kräften fernzuhalten versuchen. Dies lohnt sich für sie insofern, als die territorialen Männchen auf ihrem Grundstück das Vorrecht zur Paarung mit den einwandernden Weibchen haben, während die besitzlosen Männchen leer ausgehen.
Nach einer Tragzeit von etwa 16 Monaten bringen die weiblichen Breitmaulnashörner jeweils ein einzelnes Junges zur Welt. Es wiegt bei der Geburt zwischen 40 und 65 Kilogramm und kann schon nach wenigen Stunden leidlich gehen und seiner Mutter nachfolgen. Im Allgemeinen bleibt es zwei bis drei Jahre, das heisst bis zur Geburt des nächstjüngeren Geschwisters, mit ihr zusammen, dann geht es eigene Wege. Die jungen Weibchen erreichen mit 6 bis 7 Jahren die Geschlechtsreife und nehmen von da an am Fortpflanzungsgeschehen des lokalen Nashornbestands teil, während die jungen Männchen erst im Alter von 10 bis 12 Jahren in der Lage sind, ein eigenes Territorium zu erobern und ihr Erbgut weiterzugeben. Das Höchstalter der Breitmaulnashörner liegt unter natürlichen Bedingungen bei ungefähr 45 Jahren.
Der Mensch bildet eine enorme Gefahr für alle fünf Nashornarten. Er verfolgt und tötet sie gnadenlos, und zwar einzig darum, weil er ihre Hörner für horrende Summen absetzen kann - im Fernen Osten zur Herstellung diverser hoch gepriesener «Heilmittel» und im Nahen Osten zur Herstellung prestigeträchtiger Dolchgriffe.
Die Rettung des Südlichen Breitmaulnashorns gilt zwar als eine der bemerkenswertesten Erfolgsgeschichten des Artenschutzes weltweit. Trotzdem muss es leider weiterhin - in der Kategorie «Potenziell Gefährdet» - auf der Roten Liste der IUCN geführt werden. Denn seit der Hornsubstanz der Nashörner im Fernen Osten, insbesondere in Vietnam, nun auch noch Krebs heilende Eigenschaften zugesprochen werden, ist deren Wert und dementsprechend die Nashornwilderei durch gut organisierte und bestens ausgerüstete kriminelle Banden erneut massiv angewachsen.
Die erschreckenden Statistiken - allein in Südafrika 668 getötete Nashörner im Jahr 2012 - scheinen darauf hinzuweisen, dass selbst das Breitmaulnashorn, das gegenwärtig zahlreichste der fünf Nashörner, in naher Zukunft von der Erdoberfläche zu verschwinden droht.
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