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Die grosse Börsenfrage ist die Blasenfrage: All die Exzesse einzelner Titel (wie Tesla) oder einzelner Kategorien (wie Social-Media-Aktien) – sind das Spezialfälle? Oder sind das Alarmsirenen? Zeigen sie uns an, dass der Gesamtmarkt die Bodenhaftung verloren hat?
Immerhin wirken diverse andere Indikatoren noch halbwegs beruhigend. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der wichtigen Schweizer Aktien ist zum Beispiel keineswegs absurd: Die Hälfte der SMI-Titel hat einen P/E-Wert unter 20, bei sieben Aktien liegt er er zwischen 20 und 30, nur bei drei Papieren ist er höher.
«Das ist wahrscheinlich der beste Messwert dafür, wo die Aktien an einem bestimmten Augenblick stehen.»Warren Buffett, Dezember 2001
Ein anderer Luftdruckmesser ist aber inzwischen in den knallroten Bereich vorgestossen: Es ist der sogenannte «Buffett Indicator». Benannt nach dem Milliardär aus Omaha, setzt er alle börsenkotierten Aktien eines Landes ins Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt.
180 Prozent? 125 Prozent? Die gesamte Börsenkapitalisierung ist also um 80 oder 25 Prozent höher ist als die Wirtschaftsleistung eines Jahres. «Das ist wahrscheinlich der beste einzelne Messwert dafür, wo die (Aktien-)Werte an einem bestimmten Augenblick stehen», bemerkte Warren Buffett im Dezember 2001. Kurz zuvor war die Dotcom-Blase geplatzt – nachdem der Indikatorn einen Rekordwert erreicht hatte: In den USA war er über 170 gesprungen. Und global über 120.
Ein anderer Vergleich: Vor der grossen Finanzkrise respektive dem «Lehman-Brothers-Crash» erreichte der «Buffet-Indicator» in den USA ein Maximum von 115 Prozent.
Jetzt also 180 Prozent. Der Massstab dient allerdings weniger dazu, die Märkte untereinander zu vergleichen. Die Schweiz beispielsweise würde völlig aus dem Raster fallen: Ein solch kleines Land mit so vielen Grosskonzernen weist logischerweise einen enorm hohen Wert aus. Alleine schon die zwanzig SMI-Konzerne kommen zusammen – Stand heute – auf über 180 Prozent des Schweizer BIP.
Interessant aber wird die Entwicklung über die Zeit. Die Idee: Liegt der Wert tiefer als im langjährigen Durchschnitt, so ist das ein Hinweis, dass die Aktien eher unterbewertet sind – und umgekehrt.
Die ökonomische Überlegung dahinter: Der «Buffett Indicator» zeigt an, ob das Wachstum an den Börsen in etwa im Einklang steht mit dem Wachstum der Gesamtwirtschaft.
«Das ist für mich die Botschaft dieses Charts», sagte Warren Buffett damals: «Wenn der Prozentsatz in den Bereich von 70 oder 80 Prozent fällt, zahlt sich der Kauf von Aktien wahrscheinlich aus für Sie. Wenn die Ratio sich 200 Prozent nähert – wie das 1999 und teils im Jahr 2000 geschah – dann spielen Sie mit dem Feuer.»
Stetig nach oben
Spielen die Aktionärinnen und Aktionäre also heute mit dem Feuer?
Mag sein, muss aber nicht. Denn insgesamt hat sich der Wert über die Jahre grundsätzlich nach oben bewegt – und das ist zu berücksichtigen. Ein Faktor zur Beurteilung ist beispielsweise, wieviele Unternehmen überhaupt an die Börse gehen: Jedes IPO drückt letztlich den Indikator nach oben – selbst wenn die Börse gar nicht steigt.
Weiter stellt sich die Frage, wie sehr die Aussage noch gültig ist in einer Phase, wo die Zinsen nichts kosten.
Die genaue Antwort, was Mr. Buffetts Indikator heute noch taugt, werden wir also erst später bekommen – nämlich wenn die Blase geplatzt ist. Das alte Dilemma.
(rap)