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Die “Luftverschmutzungs-Pandemie” kann sich in der Corona-Krise tödlich auswirken. Erstaunen sollte uns das nicht.
Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health sehen eine direkte Verbindung zwischen der Corona-Sterblichkeit und der Luftverschmutzung. Die Wissenschaftler beobachteten, dass die Menschen in Regionen mit starker Luftverschmutzung schwerer an Covid-19 erkrankten als in Regionen mit besserer Luft. Laut der Harvard-Studie steigt das Sterblichkeitsrisiko mit jedem zusätzlichen Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft um 15 Prozent.
Beachtung weckte auch eine Analyse des in Deutschland forschenden Geologen Yaron Ogen. Ihm war bei der Sichtung von Satellitenbildern aufgefallen, dass in Regionen, wo vor dem Ausbruch besonders viel Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft war und wenig Wind wehte, besonders viele Menschen an Covid-19 starben.
Überraschend sind diese Erkenntnisse im Grunde nicht. Weil Luftschadstoffe die “Verteidigungslinie” angreifen, die das Coronavirus überwinden muss: die Schleimhaut von Nase, Rachen, Bronchien und Lunge.
Eine gesunde Schleimhaut ist abwehrkräftig, gut durchblutet und hinlänglich befeuchtet. Der chronische Kontakt mit Luftschadstoffen aber greift sie an, macht sie entzündungsanfälliger und verletzlicher.
Wichtig zu wissen ist auch: Seit Jahren belegen Hunderte von Studien, dass verschmutzte Luft die Lungenkapazität einschränkt und Krankheiten fördert. Ein Zufall, dass diese Krankheiten ausgerechnet “Risikofaktoren” für eine Covid-19-Erkrankung sind? Konkret geht es um Atemwegsinfekte, Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Bluthochdruck. Sie alle könnten durch Luftverschmutzung getriggert oder verstärkt werden.
Gemäss Angaben des Bundesamtes für Umwelt Bafu sterben alleine in der Schweiz jedes Jahr rund 2’200 Menschen wegen verschmutzter Luft. Das sind sechs Personen pro Tag. Bei Kindern führen Luftschadstoffe jährlich zu rund 12’000 Fällen von akuter Bronchitis, bei Erwachsenen zu 2300 neuen Fällen von chronischer Bronchitis.
Unter dem Strich verursacht die Luftverschmutzung – ebenfalls laut Bafu – jährliche Gesundheitskosten von rund 6,5 Milliarden Schweizer Franken. Hauptursachen dieser Geldverschleuderung sind übrigens Feinstaub und Ozon.
In Lebenszeit ausgedrückt, kostet die Luftverschmutzung jedem Europäer zwei Lebensjahre. Das haben Forscher der Universität Mainz und des Max Planck Instituts für Chemie ausgerechnet.
Den Zusammenhang zwischen Luftschadstoff-Konzentrationen und dem Auftreten von Krankheiten beurteilen sie als “enorm gross”.
Prof. Dr. Jos Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie, sprach von einer “Luftverschmutzungs-Pandemie”. Diese gehöre zu den Hauptursachen für vorzeitige Todesfälle und den Verlust an Lebensjahren.
Gemäss einer früheren Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie verursacht Feinstaub Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und Lungenkrebs. Ozon dagegen eher Lungenkrankheiten, chronischen Husten und Atemnot.
Die winzigen Feinstaub-Partikel können tief ins Lungengewebe eindringen und von dort in Blutgefäße. Es gibt Hinweise, dass die Feinstaub-Partikel in den Blutgefäßen Plaques (mit)verursachen und dadurch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen.
Genug der Hiobsbotschaften. Was können wir konkret gegen die verschmutzte Luft tun? Ziemlich viel, zum Beispiel dies:
12.5.2020/letztmals aktualisiert 16.5.20
Woher kommt die schlechte Luft?
In Europa ist die Landwirtschaft Hauptursache für schlechte Luft. Genauer gesagt deren Düngemittel und Massentierhaltung mit den daraus resultierenden Abbaustoffen Ammoniumsulfat und Nitrat. Diese Stoffe tragen gemäss Forschern des Max Planck-Instituts maßgeblich dazu bei, dass sich Feinstaubpartikel in der Atmosphäre überhaupt bilden können.
Als weitere Ursachen nennen die Forscher fossile Kraftwerke, Industrie, die Verbrennung von Biomasse und den Straßenverkehr. Die Emissionen des Strassenverkehrs bringen viel mehr Menschen um als Verkehrsunfälle.