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Ein Ritter mit Furcht und Ungewissheit, aber fast ohne Tadel: Sir Gawain (Dev Patel) begibt sich auf eine Selbstfindungsreise. (Ascot)
Ultimative Herausforderung eines Ritters
Wer wagt, gewinnt – bei Abenteuern und auch im Kino. König Artus' Tafelrunde, Ritter Lancelot und das sagenhafte Schwert Excalibur bildeten immer wieder reichlich Stoff für Filme und Serien. Es sei nur Filmwerke wie Robert Bressons «Lancelot du Lac» (1973), ein Klassiker, an John Boormans «Excalibur» (1981) oder Jerry Zuckers «First Knight» (1995) mit Sean Connery und Richard Gere erinnert. Ein neues Fantasy-Abenteuerwerk schliesst sich der Reihe an: David Lowerys «The Green Knight». Hier geht es um den Neffen König Artus', um den abenteuerlustigen Gawain (Dev Patel). Mehr Schnösel als Ritter drängt sich der junge Kerl, noch etwas grün hinter den Ohren, beim Weihnachtsfestmahl bei König Artus in den Vordergrund, als ein ungebetener Gast auftaucht: der sagenhafte Green Knight, eine furchteinflössende Gestalt, halb Baum, halb in Rüstung gehülltes Ungeheuer. Dieses Wesen sucht einen Herausforderer an der Tafelrunde. Der soll antreten und zuschlagen – unter der Bedingung, dass der grüne Ritter denselben Schlag ein Jahr später gegen Täter vollführen darf. Gawain tritt hervor und köpft den Hünen. Der freundliche Grüne Ritter schnappt sich darauf seinen Kopf und verschwindet.
Gawain verlässt bald Geliebte (Alicia Vikander) und König Artus Hof, begibt sich auf abenteuerliche Reise, um als Ritter zu reifen. Absonderliche Menschen und Wesen kreuzen seine Suche: Ein junger Wegelagerer, der ihm das Schwert klaut, beispielsweise, eine Lady (Alicia Vikander), dessen Kopf er aus einem Teich birgt, ein Edelmann, der ihn beschenkt und dessen Frau ihn verführen will. Irgendwann geht das Jahr zu Ende. Gawain muss sein Versprechen erfüllen, die grüne Kapelle aufsuchen und sich dem grünen Herausforderer stellen. Hält er seinen Kopf hin?
David Lowery (Buch und Regie) greift auf walisische Mythen über Gawain von Orkney zurück, einem getreuen Neffen König Artus. Dieser taucht in verschiedenen mittelalterlichen Erzählungen auf. J.R.R. Tolkien hat «Sir Gwain und der Grüne Ritter» aus dem 14. Jahrhundert («ein Meisterwerk der englischen Literatur» (Tolkien) in Prosa übersetzt (Klett Presse).
Anders als die Ritter der Tafelrunde ist Gawain nicht auf der Suche nach dem Heiligen Gral, sondern nach selbst. Er zaudert, zögert, zweifelt und reift mit jedem Abenteuer. Er überlebt und muss am Ende doch an seinen Preis zahlen. Lowery beschreibt stimmungsvoll diesen Entwicklungsprozess, wobei Gawain sich durchaus nicht immer heldenhaft verhält.
Gegen Ende wechselt Regisseur Lowery den Rhythmus, schliesst etwas abrupt und zeitrafferähnlich ab. Gleichwohl ist sein episches Abenteuer ein magisches Kinoerlebnis wie in alten Tagen – stimmig, spannend, fantasievoll. Dev Patel («Slumdog Millionaire») ist als Gawain eine Wucht, kein Superheld aus der Comicwelt, sondern Mensch, vom Schicksal herausgefordert.
England 2020
130 Minuten
Buch und Regie: David Lowery
Kamera: Andrew Droz Palermo
Darsteller: Dev Patel, Alicia Vikander, Joel Edgerton, Sarita Choudhury, Sean Harris
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