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Belinda Bencic träumte 2016 – wie nun auch wieder – vom viel beachteten Mixed mit Roger Federer, und auch vom Doppel mit ihrem Jugendidol Martina Hingis. Wegen der Verletzung von Federer und ihr selber fiel beides ins Wasser. Viktorija Golubic sollte in Rio im Doppel mit Timea Bacsinszky antreten, die Handgelenksblessur, die sich Bencic in Wimbledon zugezogen hatte, stoppte aber auch ihre Reise nach Brasilien. Martina Hingis trat stattdessen mit Bacsinszky an – und gewann etwas überraschend die Silbermedaille.
Unterschiedliche Vorzeichen
Nun klappt es für Bencic und Golubic mit der Olympia-Premiere. Die 24-jährige Ostschweizerin und die vier Jahre ältere Zürcherin fliegen unter sehr unterschiedlichen Vorzeichen nach Tokio. Bencic dürfte als Weltranglisten-Elfte nach den Absagen von Sofia Kenin, Bianca Andreescu und Simona Halep als Nummer 8 gesetzt sein und wäre in einem weit offenen Frauenfeld eine heisse Medaillenkandidatin. Hartplatz ist ihr bester Belag, wie sie mit den Turniersiegen der höchsten WTA-Kategorie in Toronto und Dubai sowie je einem Halb- und Viertelfinal am US Open zur Genüge unter Beweis stellte. Doch Bencic kam in diesem Jahr noch nicht auf Touren. Zuletzt verlor sie in Wimbledon in der 1. Runde gegen die Nummer 102 der Welt.
Golubic reist hingegen mit viel Selbstvertrauen zu Olympia. Nachdem sie 2016 verzichten musste, freut sie sich nun umso mehr über die nicht unbedingt erwartete Selektion. Sie feierte in Wimbledon mit dem Viertelfinal ihren bisher grössten Erfolg und stiess erstmals in die Top 50 vor.
Fragezeichen Osaka
Die Topfavoritinnen sind Wimbledonsiegerin und Weltnummer 1 Ashleigh Barty aus Australien sowie Naomi Osaka. Die Japanerin hat mit dem US Open 2020 und dem Australian Open 2021 die letzten beiden Grand-Slam-Turniere auf Hartplatz gewonnen, während des French Open zog sie sich aber wegen psychischer Probleme und Anzeichen einer Depression aus der Tour zurück und hat seither nicht gespielt.
Nach der Absage von Roger Federer ruhen die Schweizer Medaillenhoffnungen einzig auf Bencic und Golubic, die zusammen auch im Doppel antreten werden. Seit 2008 gab es im Tennis immer rot-weisses Edelmetall.
Chance und Risiko für Djokovic
Im Turnier der Männer will Novak Djokovic eine Lücke in seinem Palmarès schliessen, auch wenn sich der Serbe mit dem Entscheid zur Teilnahme bis zuletzt schwer tat. Am Ende liess er sich aber von der Aussicht, wieder einmal Geschichte schreiben zu können, überzeugen. Rafael Nadal (Gold im Einzel 2008 und im Doppel 2016) und Federer (Gold im Doppel 2008 und Silber im Einzel 2012) haben ihre olympischen Schäfchen schon im Trockenen und sagten zwecks Erholung des Körpers (Nadal) respektive Schonung des Knies (Federer) ab.
So dürften nur sechs Top-Ten-Spieler und 11 aus den Top 20 in Tokio dabei sein. Unter vielen anderen fehlen neben Federer und Nadal auch US-Open-Champion Dominic Thiem, Stan Wawrinka oder der Wimbledon-Halbfinalist Denis Shapovalov, der zugab, «die Nase voll» von der Corona-Isolation zu haben.
Für manche kann das Fehlen einiger Stars die grosse Olympia-Chance sein. Für Djokovic ist es Chance und Risiko zugleich. Geht in Tokio etwas schief, könnte er seine vielleicht einmalige Chance auf den Sieg am US Open und damit den Kalender-Grand-Slam gefährden. Andererseits hat der 34-jährige Serbe bei Olympia erst eine Bronzemedaille im Palmarès. Und die Möglichkeit eines Golden Slam, wie ihn erst Steffi Graf 1988 schaffte, dürfte nicht ein zweites Mal kommen.