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Mit dem Eisenbahnanschluss begann in Thun 1859 ein neues Zeitalter. Das schnelle Verkehrsmittel gab der Wirtschaft starke Impulse, da Güter und Personen billiger über viel weitere Distanzen transportiert werden konnten als zuvor. Zudem steigerte die Bahn die Erreichbarkeit der Zentren; neue Arbeitsplätze entstanden nun vorwiegend in den Städten. Im Vergleich mit den 24 bevölkerungsreichsten Orten der Schweiz fiel das Wachstum Thuns zwischen 1850 und 1910 allerdings eher bescheiden aus. Trotzdem siedelten sich Industriebetriebe an, die in den folgenden Jahrzehnten eine gewichtige Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielen sollten. Ausgehend von den 1863 gegründeten Militärbetrieben entwickelte sich in Thun vor allem eine starke Metall- und Maschinenindustrie. 1911 zählte die Stadt 1500 Industriearbeitsplätze, was 25 bis 30 Prozent aller Stellen in der Stadt entsprach.16
1905 beschäftigten die Rüstungsbetriebe (hier unter öffentliche Verwaltung) über einen Viertel aller Arbeitskräfte in Thun.
Weitere 36 Prozent arbeiteten im Dienstleistungssektor, rund 30 Prozent in den übrigen Handwerks- und Industriezweigen sowie noch vier Prozent in der Landwirtschaft.
Auch der Blick in das Thuner Steuerregister von 1904 zeigt den Wandel ab 1860 zur Industrie- und Dienstleistungsstadt. Unter den besten Steuerzahlern, die 1904 über 10 000 Franken Einkommen versteuerten, befanden sich mehr Firmen als Einzelpersonen. Dazu zählten zwei Banken, vier Fabrikanten und Industriefirmen, sechs Handelsfirmen und ein Hotel. Hinsichtlich ihrer Umsätze müssten auch die Thuner Militärbetriebe oben auf dieser Liste stehen. Als Bundesbetriebe waren sie jedoch nicht steuerpflichtig. Interessant ist ausserdem die Höhe der versteuerten Einkommen: Eine Lohnsumme von 10 000 Franken würde heute rund 425 000 Franken entsprechen. Die besten Steuerzahler wiesen 1904 also bedeutend höhere Einkommen aus als noch Mitte des 19. Jahrhunderts.17