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Mit insgesamt drei Weltmeistertiteln war er der stärkste Rennfahrer zur Zeit von Jo Siffert: Aus Anlass des 50. Todestags des Freiburger Formel-1-Piloten hat Sir Jackie Stewart nun die Gedenkausstellung in Givisiez besucht.
Am kommenden Sonntag beim Grand Prix der USA in Austin wird Jackie Stewart für einmal nicht an der Rennstrecke sein. Er reist stattdessen nach Argentinien, um Juan Manuel Fangios sterbliche Überreste vom Familiengrab in eine Gedenkstätte zu überführen. Fangio sei mit fünf WM-Titeln bei insgesamt nur 57 Rennen der grösste Rennfahrer aller Zeiten gewesen, sagt Stewart ohne Umschweife. Er trug 1995 mit fünf anderen Rennfahrern Juan Manuel Fangio zu Grabe und meint bedrückt: «Heute sind die fünf anderen tot.»
Jackie Stewart folgt mit drei WM-Titeln und 27 Siegen bei 99 Rennen gleich hinter Fangio. Er ist heute fast der einzige Überlebende seiner Rennfahrergeneration, die Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre aktiv war. «Alle meine Freunde sind bei Rennunfällen von der Formel 1 bis zur Indy-Serie gestorben. Es waren insgesamt 57», blickt der heute 82-jährige Schotte nachdenklich zurück. Einer dieser 57 Freunde war der Freiburger Jo Siffert. Am 24. Oktober jährt sich der Tag seines tödlichen Unfalls in Brands Hatch zum 50. Mal. Aus diesem Anlass hat Jackie Stewart am Sonntag die Jo-Siffert-Gedenkausstellung im Swiss Viper Museum in Givisiez besucht.
Tragödie statt Feier
Es ist Ironie des Schicksals, dass Siffert ausgerechnet bei einem Rennen ums Leben kam, das zu Ehren Jackie Stewarts organisiert wurde. Der Mexikaner Pedro Rodriguez war kurz zuvor ums Leben gekommen, der Grand Prix von Mexiko wurde annulliert, und deshalb fand in Brands Hatch das nicht zur WM zählende Victory Race statt — zur Feier des bereits feststehenden WM-Titels von Stewart. «Es hätte ein Tag des Feierns werden sollen, stattdessen wurde es durch Sifferts schrecklichen Unfall eine Tragödie», sagte Stewart vor den Gästen in Givisiez.
Stewart und Siffert waren damals beide auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Am 15. August 1971 bildeten Siffert und Stewart beim Grand Prix von Österreich die erste Startreihe. Siffert gewann das Rennen, Stewart fiel durch einen Defekt aus, sicherte sich aber wegen des Ausfalls seines Rivalen Jackie Ickx vorzeitig den Titel, sodass am Ende beide jubeln konnten.
Emotionen bei Sifferts Familie
Beim Besuch in Givisiez kam es zu einem Zusammentreffen von Jo Sifferts Kindern Véronique und Philippe mit der Rennfahrerlegende aus Schottland. «Wir haben unseren Vater eigentlich gar nicht gekannt, und wir erfahren mit jedem solchen Treffen wieder Neues über ihn», so Philippe Siffert. Seine Schwester Véronique meinte: «Das sind Emotionen pur. Es gibt immer weniger Personen, die mit Papi zusammen waren.»
Stewart und Jo Siffert hatten vieles gemeinsam, erinnert sich der geadelte Brite. Sie stammten beide aus kleinen Ländern mit ungefähr gleich vielen Einwohnern. «Wir hatten beide den Eindruck, die Piloten aus den grossen Ländern seien schneller und besser als wir», sagte er. «Wir waren sehr ähnlich im Denken und im Fahren. Meistens etwas vorsichtiger als die anderen.»
Doch während Jackie Stewart mit 82 Jahren immer noch bei guter Gesundheit ist, schlug bei Siffert das Schicksal zu. «Ich lebe noch, weil drei Mechaniker gut zu mir schauten», so Stewart gegenüber den FN. «Ich erlitt nur ein einziges Mal einen technischen Defekt.»
Fast bei jedem Rennen habe es damals einen tödlichen Unfall gegeben; das wühlt ihn bis heute auf.
Jackie Stewart sagt:
So viele Unfälle hätten verhindert werden können, auch Jo Sifferts.
«Schlimm war es für die Familien der Rennfahrer. Meine Frau Helen hat mehrere Male die Sachen der Rennfahrer gepackt, die nicht mehr in ihr Hotelzimmer zurückkehrten. Ihre Frauen waren dazu nicht mehr in der Lage. Man sah jeweils noch den Abdruck der verunglückten Piloten in den Kopfkissen.»
Heute würden sich 100 Mechaniker um einen Piloten kümmern, und der Fahrersitz sei zur Überlebenszelle geworden. Jackie Stewart selber arbeitete als Präsident der Fahrervereinigung und später als Rennstallbesitzer für eine verbesserte Sicherheit. Er stand auch am Ursprung eines Boykotts des Rennens am gefürchteten Nürburgring.
Jetzt setzt sich Stewart gegen eine Krankheit ein mit einer ähnlich hohen Sterblichkeitsquote wie damals im Rennsport: Demenz. Seine Frau, mit der er aus Steuergründen in die Schweiz gezogen ist, befindet sich in einer Demenz-Klinik. Und Stewart lädt Wochenende für Wochenende führende Wissenschaftler an Formel-1-Rennen ein, um ihnen zu zeigen, was Forschung und Entwicklung auf höchstem Niveau ist. In der Hoffnung, dass sie herausfinden, wie man mit Demenz überleben kann.