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05.11.2018
Musikexport statt Import
Am 14. November vergibt Basel seinen jährlichen Pop-Preis. Ein guter Zeitpunkt, die lokale Musikindustrie etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn ganzheitlich betrachtet, bezieht sie alle Formen der Kunst mit ein und fungiert als kulturelles Barometer einer ganzen Generation.
Mit dem Montreux Jazz Festival, der Baloise Session, einer Vielzahl an Open Airs und einer breiten Palette an international renommierten Clubs beweist die Schweiz, dass sie es versteht, gekonnt Musik zu importieren. Der Musikexport bleibt dabei verhältnismässig auf der Strecke. Man könnte dies jetzt auf sprachliche Hindernisse oder die Grösse des Marktes schieben. Diese Argumente versagen jedoch bei einem Blick in vergleichbare Länder. Die Niederlande als Beispiel zeigt, dass die Grösse oder Sprache einer Nation nicht zwingend einen Einfluss auf deren Musikexport haben: Mit Tiësto, Armin van Buuren und weiteren Acts, führen die Holländer die Liste der Topverdiener des EDM’s («Electronic-Dance-Music») an. Auch im «Underground» bieten sie Berlin als Metropole des Techno's paroli und niederländische Eventagenturen stemmen Grossproduktionen über den ganzen Globus verteilt.
Wie kann eine so kleine Nation derartige internationale Erfolge verbuchen? Die Antwort ist simpel: Funktionierende Strukturen, substanzielle Investitions- und Förderbeiträge. Diese Entwicklung hat auch das von den USA kulturell dominierte Kanada erkannt: Das Land dient heute als Paradebeispiel für eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft.
Alleine mit den Fördergeldern des kanadischen Pendants zur ProHelvetia namens «FACTOR» werden jährlich 18 Millionen Dollar in die lokale Musikindustrie gepumpt. Weitere 10 Millionen Dollar werden durch «Radio Starmaker» subsidiär beigesteuert – der frankophone Teil des Landes nicht mit einberechnet. Als Resultat davon schafft die kanadische Musikindustrie heute 13’000 Jobs und generiert 93 Millionen Dollar Steuereinnahmen. Das Land exportiert internationale Superstars wie Drake, Justin Bieber oder Nelly Furtado und hielt in jüngster Vergangenheit sieben der zehn Top10 Hits in den Billboard Charts. Kanada versteht die Förderung daher nicht nur als kulturellen Auftrag, sondern auch als ein ökonomisch sinnvolles Investment: Für jeden Dollar erhält der Staat 1.22 Dollar als Steuern zurück.
Während klassische Dienstleistungssektoren mit der digitalen Umwälzung kämpfen, werden der Unterhaltungs- und Medienindustrie die grössten Wachstumsraten prognostiziert. Die Frage stellt sich daher nicht, ob Kulturförderung sinnvoll oder notwendig ist, sondern vielmehr wie hoch sie sein kann und wie sie eingesetzt wird. Trotz weltweit höchster Stiftungsdichte und einer langen Tradition der Kulturförderung sollte in der Schweiz ein Umdenken in deren Handhabung stattfinden. Kulturförderung muss nicht zwingend defizitär oder altruistisch sein, sondern kann gerade in der Populärmusik als Investition verstanden werden, deren Mehrwert nicht nur gesellschaftlich sondern auch ökonomisch relevant ist.
Wenn man bedenkt, dass der Basler Musikexport derzeit ein Budget von jährlich ca. 200’000 Franken zugesprochen bekommt, grenzt es beinahe an ein Wunder, dass Projekte wie die Nominierten des Basler Pop Preises überhaupt bestehen können. Es ist nicht zuletzt der Freiwilligenarbeit all jener zu verdanken, die sich schon heute für die Vision einer etablierten Musikszene einsetzen.
Jannik Roth ist Artist Manager bei Planisphere
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