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Jede dritte Arbeitskraft in landwirtschaftlichen Betrieben ist eine Frau.
In Europa ist der herkömmliche landwirtschaftliche Betrieb ein auf die Arbeit eines Ehepaares gestütztes Familienunternehmen, wobei die Frau ihren Mann bei zahlreichen täglichen Aufgaben häufig unterstützt. 1997 ergab die Landwirtschaftliche Betriebsstrukturerhebung (LBSE), dass in den Agrarbetrieben der EU 14,76 Millionen Personen als Familienarbeitskräfte und ständige Arbeitskräfte tätig waren. 5,44 Millionen (37%) davon waren Frauen (1).
Tausende von Bäuerinnen in Europa und weltweit arbeiten in kleinbäuerlichen Betrieben, die die Grundlage eines reichhaltigen und vielfältigen Ernährungssystems sind. Sie sind Hüterinnen des Wissens und der biologischen Vielfalt. Sie sorgen für die Erhaltung der Böden und lebendiger ländlicher Räume. Seien es Produzentinnen, Konsumentinnen, Fürsprecherinnen oder Mitarbeiterinnen – Frauen auf der ganzen Welt sind in ländlichen Regionen nicht nur im Unternehmen Bauernhof unverzichtbar, sondern sie prägen und gestalten generell die Vielfalt in ihrem Umfeld.
Frauen haben ein grosses Potenzial in der Landwirtschaft.
Gemeinsam erbringen die Frauen nahezu ein Drittel der Gesamtarbeitsleistung. Aber nur jeder fünfte Betrieb wird von einer Frau geleitet, in der Schweiz werden gerade mal 8% der Höfe von Frauen geführt oder mitgeführt. Frauen hier und überall sonst auf der Welt haben einen sehr schlechten Zugang zu Land. Sie sind in den kommunalen und agrarischen Entscheidungsgremien unterrepräsentiert, obwohl die Bäuerin als Partnerin bei allen wichtigen Entscheidungen am Betrieb mitwirkt.
Landwirtin und Bäuerin sind unterschiedliche Berufsbezeichnungen. Die Bäuerin führt den Haushalt, bewirtschaftet den Garten, verarbeitet Nahrungsmittel und betreut Kleintiere. Die Landwirtin ist für die Bewirtschaftung des Hofes und die Produktion von Nahrungsmitteln zuständig.
Längst nicht mehr alle Frauen in der Landwirtschaft bezeichnen sich als Bäuerin, sondern auch als Landwirtin, Landfrau oder als Unternehmerin. Langsam erobern sie die Männerdomäne Landwirtschaft. Junge Frauen sehen sich vermehrt weniger in der traditionellen Bäuerinnenrolle, sondern wollen Verantwortung wahrnehmen. Dies würde sich auf das Miteinander und die Kommunikation nach innen und aussen positiv auswirken, aber der Weg ist nach wie vor steinig. Heute machen zwar mehr Frauen die Ausbildung zur Landwirtin als zur Bäuerin, aber nur wenige üben später den Beruf auch aus und leiten einen Betrieb (2). Der Zugang zum „väterlichen“ Hof ist den meisten Frauen nach wie vor verwehrt.
70 Prozent der Hungernden weltweit sind Frauen und Mädchen. Betroffen sind insbesondere Bewohnerinnen ländlicher Regionen. Ihr überdurchschnittlich hoher Anteil an der Zahl Hungernden verdeutlicht, dass sie mehrfachen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Darauf weist die Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland anlässlich des Internationalen Frauentags hin. FIAN fordert daher von der Bundesregierung und der internationalen Staatengemeinschaft, bei allen Landwirtschaftsprojekten vorab insbesondere die menschenrechtlichen Folgen für Frauen zu prüfen. (3)
Frauen überall auf der Welt führen eine Bewegung an.
Die Frauenbewegung und ihr Kampf für eine soziale, politische und wirtschaftliche Gleichstellung der Geschlechter beeinflusste das Leben der Frauen auf den bäuerlichen Familienbetrieben, was das Rollen- und Berufsbild der Bäuerinnen angeht.
Die indische Wissenschaftlerin und „Graswurzel“-Aktivistin Prof. Vandana Shiva setzt sich stark für die Rechte von Frauen in der Dritten Welt ein und gilt als eine der Mitbegründerinnen des sogenannten „Ökofeminismus“. Schon in den 1970er-Jahren hatte sie sich in der Chipko-Bewegung engagiert, der ersten indischen Umweltbewegung, in der sich vor allem Frauen an Bäumen festketteten, um deren Abholzung zu verhindern. 1993 erhielt Vandana Shiva für ihr umfassendes Engagement den Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“). Die Jury lobte ihren Einsatz, der Frauen und Ökologie ins Zentrum der modernen Entwicklungspolitik stellt. Gerade in Indien, wo Frauen oft als minderwertig angesehen und an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, ist Shivas Arbeit wichtig. Vandana Shiva glaubt an eine positive Zukunft. Aber sie sagt, dass dafür eine Abkehr vom Wachstumswahn nötig ist. Höher, schneller, weiter – in einer begrenzten Welt an unbegrenztes Wachstum zu glauben, das sei fatal.
Die Landwirtschaft als Produzentin der Lebensmittel, der Mittel zum Leben, gehört in Gemeinschaftsbesitz und nicht in die Hände von multinationalen Unternehmen, davon ist Vandana Shiva überzeugt. In die Hände von Frauen.
Sei es in Hinterhöfen, brachliegenden städtischen Landparzellen, Vorstadtgärten oder auf Bauernhöfen: Frauen überall auf der Welt führen eine Bewegung an und arbeiten hart dafür, den Boden wieder zu nähren, Biodiversität zu fördern, Saatgut zu bewahren und all dieses Wissen an ihre Kinder weiterzugeben. Diese Bewegung wird immer kraftvoller und könnte die Zukunft unserer Ernährung zum Besseren verändern. Denn Vandana Shiva sagt:
Quellen und weiterführende Links: