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Es sieht so aus, wie wenn Wasser im Überfluss vorhanden wäre. Jedoch sind nur 3 Prozent dieses Wassers Süsswasser. Das für uns nutzbare Süsswasser macht sogar nur 0,0009 Prozent der Gesamtmenge an Wasser aus.
Zwei Drittel des Süsswassers sind in Eiskappen und Gletschern gespeichert, so dass sie den Menschen nicht zur Verfügung stehen. Süsswasser ist also nicht im Überfluss vorhanden. Es ist ein knappes Gut, das sich nicht vermehren lässt.
Ungleich verteilt
Das Problem der globalen Wasserversorgung ist, dass die geringe nutzbare Süsswassermenge der Erde sehr ungleich verteilt ist. Vor allem aus klimatischen Gründen gibt es Wasserüberschuss und Wassermangelgebiete.
Der grösste globale Wasserverbraucher ist die Landwirtschaft. Diese wird in Zukunft wesentlich zur Verknappung der Ressource Wasser beitragen. Wichtig ist darum, dass die Bewässerungstechniken in Zukunft verbessert werden, um die Verdunstungsverluste klein zu halten. Tropfenbewässerungssysteme, wie sie in Israel angewendet werden, benötigen für das gleiche Pflanzenwachstum nur zehn Prozent des Wassers einer herkömmlichen Bewässerung. Diese Technik ist allerdings aufwändig und für arme Bauern ohne Hilfe von aussen kaum erschwinglich.
Kein sauberes Trinkwasser
Im Moment leiden 20 Länder an Wasserknappheit. Bald werden es mehr sein. In den Ländern der Dritten Welt ist die Krise bereits da: Rund 1,2 Milliarden Menschen weltweit – einer von fünf – haben kein sauberes Trinkwasser.
Annähernd drei Milliardenleben ohne sanitäre Anlagen: keine Kanalisation, keine WCs oder auch nur Latrinen. Mehr als fünf Millionen Menschen sterben jährlich an wasserbedingten Krankheiten, denen man leicht vorbeugen könnte: Durchfall, Ruhr, Cholera.
Da die Weltbevölkerung vor allem in den ärmeren Ländern weiter wächst, das Wasserangebot aber eher ab- als zunehmen wird, muss die vorhandene Wassermenge gerechter aufgeteilt und vor allem auch sparsamer eingesetzt werden.
Privatisiertes Wasser
Im Zuge der Privatisierung ganzer Staatsbereiche wurde in armen Ländern auch die Wasserversorgung privatisiert. Die Hoffnung ist dabei, dass ein privater Wasserversorger eine bessere Dienstleistung erbringen kann als der Staat. Umgekehrt besteht die Furcht, dass das Wasser, ein lebensnotwendiger Grundstoff, für Arme bald nicht mehr erschwinglich ist, wenn private, gewinnorientierte Unternehmen für dessen Verteilung zuständig sind. Es ist klar, dass diejenigen das Wasser kriegen, die es auch bezahlen können.
Wir waren als Familie letzten Herbst in Ägypten. Das Leitungswasser dort ist zweifelhaft. Reiseführer empfehlen, es unabgekocht nicht zu trinken. Die meisten Ägypter trinken trotzdem Leitungswasser, weil Wasserflaschen für sie schlicht zu teuer sind. Für umgerechnet etwa 40 Rappen haben wir 1,5 Liter Wasser gekauft. In Kairo hat eine Kurzstrecken-Taxifahrt rund einen Franken gekostet: 4 Liter Flaschenwasser entsprechen also etwa einer Kurzstrecken-Taxifahrt. Das ist beträchtlich.
Nestlé und Coca Cola
Wir haben sicherheitshalber Flaschenwasser getrunken. Dabei habe ich festgestellt, dass es praktisch nur zwei Abfüller gibt. Der eine gehört Nestlé und der andere Coca Cola. Es sind also vorwiegend internationale Firmen, die die Versorgung mit Flaschenwasser in Ägypten sicherstellen.
Ägypten ist dabei nur ein Beispiel unter vielen Ländern. Die internationalen Firmen profitieren damit von der schlechten lokalen Wasserversorgung. Das Geschäft mit dem Flaschenwasser boomt weltweit. Multinationale Firmen wie Nestlé kaufen systematisch Quellen auf, um die Märkte in ihre Hand zu bekommen und sich die Wasservorräte für die Zukunft zu sichern.
Landwirtschaft
In der landwirtschaftlichen Produktion ist die Wasserknappheit bereits heute ein globales Problem. In vier Flussbecken – Euphrat-Tigris, Nil, Indus und Gelber Fluss – entstanden im Altertum grosse Kulturen, als die dort lebenden Menschen herausfanden, wie man mit künstlicher Bewässerung Feldbau betreiben kann. Sie gingen unter, als das System kollabierte – sei es, weil Sedimente die Kanäle verstopften, sei es, weil das aus dem Wasser stammende Salz die Böden vergiftete.
Beide Erscheinungen gibt es heute auch in Ägypten. Die früheren jährlichen Nil-Überschwemmungen bleiben seit der Inbetriebnahme Assuan- Staudammes 1971 aus. Offenbar lässt sich bereits heute feststellen, dass viele Böden seither versalzen und ausgelaugt werden. Der wertvolle Nil-Schlamm bleibt im Nasser-See liegen und verkleinert die verfügbare Wassermenge von Jahr zu Jahr. Zudem werden für den Bewässerungsfeldbau grosse Mengen an Dünger eingesetzt, der früher kostenlos durch den Nil angeschwemmt worden ist.
Im Griff?
Wir bilden uns gerne ein, wir hätten die Probleme der Bewässerung im Griff. Schliesslich konnte mit ihrer Hilfe in den letzten zwei Jahrhunderten das bebaubare Land um das Dreissigfache vermehrt werden. Aber die Hindernisse, auf die wir stossen, wenn wir unsere Bewässerungssysteme beibehalten wollen, haben viel Ähnlichkeit mit denen, die die grossen Kulturen in Babylonien und am Indus zu Fall brachten. Es könnte sein, dass die Erfolge der Grünen Revolution und der Bewässerungslandwirtschaft nach einigen Jahrzehnten ins Gegenteil umschlagen.
Das Erschreckende aber ist, dass immer mehr Menschen von der künstlichen Bewässerung abhängen. Zwar wird weltweit weniger als ein Fünftel des Ackerlandes bewässert. Da jedoch Bewässerung in aller Regel zu höheren Erträgen und zwei oder drei Ernten führt, werden auf diesem Land zwei Fünftel aller Nahrungsmittel erzeugt. Unser Planet wird in den kommenden Jahrzehnten zweifellos verstärkt auf bewässertes Land angewiesen sein.
Was können wir tun?
Es ist offensichtlich: Es gibt eine Wasserkrise. Sie wird sich in absehbarer Zeit entscheidend verschärfen. Doch wir stehen ihr nicht völlig machtlos gegenüber. Wir können:
Kurt Zaugg
Leiter der Arbeitsstelle
Kirche und Umwelt/oeku