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Revolutionen sind geil! (wenn sie weit weg stattfinden)
Dieser Blogpost wird kurz (ich kriege dafür ja auch nur 100 Franken;-), aber nicht minder brisant. Zürich hat (mindestens) ein Problem. Dieses teilt es wahrscheinlich mit den meisten Dorf- und Stadtgemeinschaften. Die Stadt Zürich geniesst (oder feiert gar) Errungenschaften, die durch Wider- oder Aufstände ausgelöst wurden. Gleichzeitig findet sie jedoch so gut wie keinen Umgang mit aktuellem Widerstand.
Revolutionäres oder Rebellisches wird in Zürich vor allem dann abgefeiert, wenn es weit entfernt ist. Bei Dada ist die zeitliche Distanz wichtig und beim Nagelhaus die geografische.
Das ins Heute übersetzte Reaktivieren von Dada ist bekanntlich gescheitert, weil die Stadt es nicht finanzieren wollte (und, ganz wichtig: jedesmal, wenn ich «die Stadt» schreibe, dann meine ich die Gesellschaft im Allgemeinen und die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger im Besonderen). Im Gegenzug soll 2016 das hundertjährige Bestehen von Dada gross abgefeiert werden. Widerständiges wird durch die Distanz romantisiert und verniedlicht. Dieselben Leute, die Dada heute geil finden, fänden Ähnliches ins Heute übersetzt überhaupt nicht lustig.
Beim Nagelhaus wurde diese Heuchelei vollständig entlarvt. Dasselbe Tiefbauamt der Stadt Zürich, das für mehrere Millionen den Nachbau eines chinesischen Nagelhauses auf den Escher Wyss-Platz stellen wollte, bemühte alle möglichen Gerichte, um die Besitzer eines Zürcher Nagelhauses zu enteignen. Widerstand in China ist geil; hiesiger wird kaum wahrgenommen oder ist schlicht und einfach ärgerlich.
Vielleicht fragt Ihr Euch nun, weshalb ich diesen schon länger in meinem Inneren verschütteten Gedankengang gerade jetzt ausgrabe? In einem Kulturversand der Stadt Zürich habe ich einen Flyer erhalten (siehe Bild). Vor dem oben ausgeführten Hintergrund kann ich so was schlicht nicht mehr ernst nehmen. Kann das mehr als ein peinliches Kokettieren mit oder gesittetes, institutionalisiertes Abfeiern von (huch!) Revolutionärem sein?