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| Cyprian von Karthago († 258) - Briefe

27. Brief
1. Kapitel
1 Cyprianus entbietet seinen Gruß den Presbytern und Diakonen in Rom, seinen Brüdern.
Seit unserem Schreiben [Brief 20] an euch, teuerste Brüder, in dem wir unsere Handlungsweise dargelegt und die Berechtigung für unsere Zucht und Sorgfalt, so gering sie auch sein mag, erwiesen haben, ist noch ein anderes Ereignis eingetreten, das euch ebensowenig unbekannt bleiben darf. Denn unser Bruder Lucianus, auch einer von den Bekennern, der zwar warm im Glauben und stark im Mute, aber in der Schrift des Herrn nicht gründlich genug belesen ist, hat sich ungeschickterweise mancherlei erlaubt. Schon längere Zeit warf er sich zum Führer auf, und Friedensbriefe von seiner Hand wurden im Namen des Paulus massenhaft an alle möglichen Leute ausgegeben, während der vorsichtige und ehrerbietige Märtyrer Mappalicus, des Gesetzes und der Zucht eingedenk, kein einziges Empfehlungsschreiben im Widerspruch mit dem Evangelium erlassen, sondern lediglich aus Familienliebe für seine Mutter und Schwester, die gefallen waren, um Gewährung des Friedens gebeten hat; auch Saturninus, der nach seiner Folterung noch in den Kerker geworfen wurde, hat keinen derartigen Brief ausgegeben, Lucianus aber hat nicht nur, solange Paulus noch im Kerker schmachtete, in dessen Namen eigenhändig geschriebene Ablaßbriefe allenthalben ausgeteilt, sondern er hat auch nach dessen Hingang unter seinem Namen noch das gleiche Treiben fortgesetzt. Dabei gab er vor, er sei von jenem Märtyrer dazu beauftragt worden, ohne zu wissen, daß man dem Herrn mehr zu gehorchen hat als seinem Mitknechte. Auch im Namen des jungen Aurelius, der Folterqualen dulden mußte, sind viele Scheine ausgestellt worden, die von der Hand des gleichen Lucianus stammen, weil jener angeblich sich nicht aufs Schreiben verstand.
1: Inhalt: In Fortsetzung des im 20. Brief erstatteten Tätigkeitsberichts macht hier Cyprian dem römischen Klerus Mitteilung von dem stürmischen Drängen der Gefallenen auf Gewährung des Friedens und führt besonders Klage über die gefährliche Nachgiebigkeit Lucians, die schon viel Unruhe gestiftet habe. Er freut sich, daß er sich in Übereinstimmung weiß mit der Anschauung der römischen Kleriker, wie sie in ihren Briefen zum Ausdruck kam. Geschrieben im Jahre 250.