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Teesatzlesen
Früher sassen die Frauen zusammen am Feuer, in der Mitte auf dem Feuer stand ein grosses, mit Wasser gefülltes Gefäss. Die Frauen lachten, neckten sich und hatten ihren Spass. Da es dauerte, bis das Wasser zu sieden begann, nutzten die Frauen die Zeit, um die Kunst der Weissagung zu üben. Eine nach der anderen trat nach vorne zum Gefäss, stellte ihre Frage und machte das Ritual.
Aufguss mit Wegwartenkraut – Cichorii herba conc
Teil 1 – Die Kunst der Weissagung (das Ritual)
Stelle eine klar gefasste Frage.
Du hast einen mit Wasser gefüllten Topf auf dem Feuer/Herd stehen. Du rührst mit einem Holzlöffel im Topf. Rührst du linksspiralig, also gegen den Uhrzeigersinn, kommst du mit dem Weiblichen in Kontakt. Rührst du rechtsspiralig (im Uhrzeigersinn), kommst du mit dem Männlichen in Kontakt.
Intuitiv wählst du eine Richtung aus.
Rühre stetig und konzentriert. Schau mit einem offenen Fokus auf das Wasser. Rühre so lange, bis du das Gefühl hast, du seist angekommen. Vertrau dir, du wirst wissen, wann das der Fall ist. Dann halte inne und geh mit der Bewegung des Teewassers mit. Öffne und weite deinen Geist. Du kannst dir auch ein Päckchen vorstellen, dass du auspackst, falls du eine bildhafte Vorstellung haben möchtest. Die Worte «Öffnen» und «Weiten» allein tun es auch schon.
Die Antwort entfaltet sich.
Aus den vielen Möglichkeiten des Universums taucht die Antwort für dich auf, das Bild, das gerade das Beste für dich ist. Das Bild, das dich weiterentwickelt, dich weiterbringt in den endlosen Spiralen der Entwicklungsfelder des Lebens. Morgen ist dann ein anderes Entwicklungsfeld dran, weil es ein anderer Moment, eine andere Konstellation ist, Zeit und Raum sich schon wieder verändert haben.
Teil 2 – Die Kunst des Teesatzlesens: Orakeln
Wenn das Wasser siedet, gibst du Kräuter / Teeblätter in den Topf. Du lässt sie so lange ziehen, wie es bedarf. Dann lässt du die Teeblätter sich setzen und giesst langsam das Teewasser durch ein Teesieb in eine Tasse.
Den Teesatz, der im Topf bleibt, kannst du lesen. Du kannst dich z.B. fragen: Wie fühlt es sich an, wenn du den Teesatz anschaust? Du wirst wissen, wie du den Teesatz zu deuten hast. So erhältst du eine Zusatzinformation zur Weissagung, zu deiner Ursprungsfrage.
Im Kreis am Feuer wurde das Teewasser langsam in verschiedene Gefässe geschöpft. Wenn eine Frau noch weitere Information zu ihrer Weissagung wünschte, kam sie am Schluss dran. Sie las für sich aus dem Teesatz und jede Frau «schenkte» ihr noch ihre Sicht dazu.
Teil 3 – Meine persönliche Erfahrung
Eines Morgens als ich beim Frühstück sass, hatte ich den Impuls zu schreiben. Ich nahm einen Block und so entstand der Text über das Teesatzlesen. Ich erinnerte mich, dass ich beim Divinationsseminar auf einer schamanischen Reise zu meiner Verbündeten erfuhr, dass in der Mongolei aus dem Teesatz georakelt wird. Bisher war mir nur das Lesen aus dem Kaffeesatz bekannt. Als ich die Anleitung meines spontanen Schreibens durchlas, kam mir die Idee es auszuprobieren.
Ich setzte einen Topf mit Teewasser auf und stellte eine Frage. «Wie komme ich zu geeigneten Teilnehmerinnen für meinen Lilith-Workshop?» Ich bereitete gerade einen Workshop über Lilith vor. Lilith steht astrologisch für die weibliche Urkraft, die Göttinnen-Energie. Ich rührte spontan rechtsspiralig, dann hielt ich inne, ging mit der Bewegung des Teewassers mit und schaute… Ich sah das Universum mit der Milchstrasse und hörte. «Es ist alles möglich, vertraue.»
Immer wenn ich in meinen schamanischen Reisen zur Lilith reise, reise ich zur Milchstrasse und begegne ihr dort. Die Antwort war für mich sehr stimmig und berührte mich sehr. Jetzt war ich neugierig, wie das mit dem Teesatz klappen würde. Langsam goss ich den Tee in die Teeschale, so dass der Satz im Topf blieb. Er befand sich fast komplett an der einen Seite des Topfes. Ich schaute den Teesatz an und fühlte mich geborgen und aufgehoben. Ich war beruhigt, das gab mir ein gutes Gefühl für mein Lilithseminar.
Text und Fotos: Karin Hangartner
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