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Der Genfer Kunsthändler Yves Bouvier soll Milliardär Dmitry Rybolovlev um eine Milliarde geprellt haben. Der Fall liefert Einblicke in die illustre Welt des privaten Kunsthandels. Die Opfer: Reich.
Zur Silvesterfeier 2014 hatte sich Dmitry Rybolovlev (48) auf alles vorbereitet, nur nicht auf schlechte Nachrichten. Er war in St. Barths auf den Französischen Antillen eingetroffen, ein unbekümmerter Abend war geplant. Der Silvesterabend im Eden Rock Resort zählt zu den fixen Terminen in den Eventkalendern von modernen Jetset-Milliardären, wie Rybolovlev einer ist. Finanzmogule, A-Klasse-Grössen aus Hollywood und Spitzenkünstler gesellen sich dazu.
Doch schon nach dem Lunch mit dem New Yorker Kunstberater Sandy Heller war die Stimmung des russischen Multi-Milliardärs Rybolovlev getrübt. Der New Yorker zählt zu den ganz Grossen in der Szene, zu den Vermittlern von Bilderdeals in der 100-Millionen-Klasse. Heller erzählte beiläufig von einem Modigliani, der von einem seiner Klienten auf den Markt gebracht worden sei. «Welcher Modigliani?», fragte Rybolovlev. Es handelte sich um das berühmte Aktbild «Nu couché au coussin bleu» von Amedeo Modigliani, das Rybolovlev im März 2012 gekauft hatte.
Ein Bild mehr, einen Freund weniger
Elektrisiert fragte der Russe nach dem Verkaufspreis. Heller versprach, dies zu klären, und fragte bei seinem Kunden, dem New Yorker Hedge-Fund-Manager Steve Cohen, nach. Am Neujahrstag war die Sache klar: 93,5 Millionen US-Dollar habe Cohen erzielt, berichtete Heller. Dmitry Rybolovlev war entsetzt: 118 Millionen hatte er dem Genfer Freilager-König Yves Bouvier für dieses Werk gezahlt, plus eine Kommission von fünf Millionen, 4,24 Prozent des Kaufwerts.
Bouvier, sein Bilderfreund, den er zu seinen Geburtstagsfeiern eingeladen hatte; der mit seinen Käufen zu einer wirklich grossen Nummer im Markt geworden war; der Herrscher über die Zollfreilager in Genf, Luxemburg und Singapur; der Tausendsassa mit mehr als 40 Firmen weltweit, von Monaco über Panama, Hongkong bis zu den Britischen Jungferninseln, mit Bankkonti in Genf, Zürich, Singapur, New York. Dieser Bouvier hatte ihm seit mehr als einem Jahrzehnt die wichtigsten Werke seiner Sammlung geliefert. Werke für gesamthaft rund zwei Milliarden Dollar. Picasso, Gauguin, Monet, Matisse, Rodin, Toulouse-Lautrec, Degas, Renoir, Ma-gritte, El Greco, Giacometti, Leonardo da Vinci. Und nun das.
Suspekte Praktiken im boomenden Kunstmarkt
Seit diesem Neujahrstag hat Rybolovlev einen Freund weniger, und einer der wohl grössten Gerichtsprozesse in der jüngeren Geschichte des Kunsthandels ist im Gang. Der Fall erschüttert die Kunstwelt. Und doch ist er nur der Höhepunkt einer Welle von Skandalen, die immer mehr suspekte Praktiken im boomenden Kunstmarkt offenlegen. Es geht um schwindelerregende Preistreiberei und mutmasslich gestohlene Werke, um Insiderdeals und Verstecke in Zollfreilagern, um merkwürdige Geschäftemacher im Schattenreich des privaten Kunstmarktes. Ein kaum regulierter Markt, an dem nach Expertenschätzungen im vergangenen Jahr rund 25 Milliarden Dollar umgesetzt wurden, der inzwischen die Grösse des Auktionshandels erreicht.
Fälscher, Betrüger, Schwindler, Geldwäscher und Schmuggler, das sind die wahren Geschichten in den Fachblättern der Kunstwelt, Storys von alter Nazi-Raubkunst bis hin zum modernen Artnapping – Lösegelderpresser, die den Eigentümern die Hehlerware anbieten. Kaum ein Tag vergeht ohne Nachrichten über deviantes Verhalten im Milieu der Kunstdealer. Die Opfer sind die Reichen und Superreichen dieser Welt. Kaum ein grosser Sammler kann von sich sagen, noch nie ein Ziel gewesen zu sein. Und die Gefahren lauern an den neuralgischen Punkten des Geschäfts: bei Händlern, Gutachtern, Beratern, Galeristen, Transporteuren.
Bis zu 60 Prozent sind gefälscht
«Wie im Wilden Westen», beschrieb Robert Hiscox, Gründer des Kunstversicherers Hiscox Insurance, im September die Lage an einer Londoner Fachkonferenz. Vor allem Fälschungen fliegen reihenweise auf. Falsifikate von Giacometti, Modigliani, Frida Kahlo, ja von van Gogh machen die Runde. Und immer wieder angebliche Bilder der russischen Avantgardekünstler. Die amerikanische Betrugsanalystin Colette Loll schätzt, dass ein Drittel aller online gehandelten Werke Täuschungswaren sind.
Auf dem Antikenmarkt beobachten Archäologen seit Jahren eine Fälschungswelle. Der Zürcher Kunstrechtsexperte Andrea Raschèr geht von 40 bis 60 Prozent Fälschungen auf dem Markt aus, zunehmend begleitet von falschen Gutachten.
Anthony Amore, Sicherheitsexperte des Isabella Stewart Gardner Museum in Boston, spricht in einem neuen Buch von 40 Prozent Fälschungen, die in Museen hängen. Und oftmals leugnen Museen und Sammler die Wahrheit oder vertuschen sie sogar, damit der schöne Schein gewahrt bleibt. Eine deutsche Datenbank kritischer Werke hat 3000 Objekte von 600 Künstlern erfasst und ausgewertet.
Deutsche «Meisterfälscher»
Der deutsche «Meisterfälscher» Wolfgang Beltracchi (64), 2011 zu sechs Jahren Haft verurteilt, erzielte mit Bildern der Klassischen Moderne einen Betrugsgewinn von mindestens 16 Millionen Euro. Beltracchi lässt sich, inzwischen mit Bewährungauflagen auf freiem Fuss, in Film, Buch und Kunstszene als Kriminalstar feiern.
«Innerlich sehe ich mich nicht als Verbrecher», sagt er. Dennoch, die Strafe akzeptiert er: «Na ja, sie ist hart, aber schon gerechtfertigt, weil ich eben Bilder gefälscht habe, und das seit ewig und drei Tagen.»
Schweizer im Visier
Im Frühsommer kamen 1600 Werke des deutschen Kunstberaters Helge Achenbach (63) unter den Hammer. Er hatte viele Unternehmen beraten, die Berenberg Bank hatte mit ihm eine Beratungsfirma für wohlhabende Kunden gegründet – bis erste Probleme bei einem Deal mit dem Pharmaunternehmer Christian Boehringer auftauchten und die Sammlerin Babette Albrecht aus der Aldi-Dynastie ihn wegen verdeckter Preisaufschläge anzeigte. Im März wurde Achenbach wegen Betrugs in 18 Fällen zu sechs Jahren Haft verurteilt.
In London machten kürzlich die Galeristen von Opus Art ihren Laden dicht, zügelten nach Frankreich und liessen Kunden auf Millionenrechnungen sitzen.
«Ich hatte Spass»
«Ich hatte Spass», erklärte Larry Ulvi (74) im Juli einem Richter im US-Bundesstaat Oregon. 160 Werke hatte er fabriziert und zumeist mit dem Namen des abstrakten Malers Mark Tobey signiert. Ulvi erklärte sich für schuldig, für das Prozessieren sei er zu alt. «You’re just a youngster», erwiderte der 88 Jahre alte Richter.
In New York flog die renommierte Knoedler Gallery auf, nachdem sie 32 Falsifikate verkauft hatte. Eine der Fälschungen, ein Rothko, hatte ausgerechnet der Chairman von Sotheby’s, Domenico De Sole, erworben. Die Bilder stammten aus der Werkstatt des flüchtigen chinesischen Fälschers Pei-Shen Qian. Über 15 Jahre hinweg wurden sie von der Händlerin Glafira Rosales eingeliefert.
Zahlreiche Verfahren
Neben Strafverfahren wurden in diesem Fall zehn Zivilverfahren eröffnet. Ein Schweizer Anwalt aus Kilchberg hatte im Auftrag von Knoedler den falschen Rothko für 7,2 Millionen Dollar an die Anwälte einer Privatperson verkauft.
Geklagt wird auch gegen den Zürcher Kurator, Rothko-Kenner und Gutachter Oliver Wick (53), der im Juni nach einer kurzen Untersuchung in Basel vom Vorwurf der Geldwäscherei freigesprochen wurde. In New York laufen die Zivilklagen gegen die beiden Schweizer noch, bis anhin wurde kein Urteil gefällt. Beide betonen, gutgläubig gehandelt zu haben, daher gilt die Unschuldsvermutung.
Bis vor wenigen Jahren musste sich die «Zürich»-Versicherung noch mit dem Fall des New Yorker Schwindlers Michael Cohen beschäftigen, der an Schweizer Auktionen zeitweise zu den grössten Bietern für Chagalls zählte und unter den Ersten war, die Damien Hirst ausstellten.
Er hatte die Bilder auf Kredit gekauft und hatte eine spezielle Masche, die ein geschädigter Galerist so beschreibt: «Michael besass die Bilder nie. Er nahm das Bild von einem und trug es zu einem anderen, das war sein Job.» Von einem Tag auf den andern tauchte Cohen in Brasilien unter. Er hinterliess einen Schaden von 100 Millionen Dollar.
Wie Krebs frisst es sich durch den Körper
Die Kriminalität frisst sich durch den Markt wie der Krebs durch einen Körper ohne Immunabwehr – ein typisches Zeichen für einen Markt im euphorischen Boom-Modus, in dem Gedankenlosigkeit und Risikofreude vorherrschen.
Und nun also auch noch Yves Bouvier, der «Freeport King», wie er in der Szene heisst. Mit seinem Unternehmen Natural Le Coultre grösster Operator im Genfer Zollfreilager, Gründer und Aktionär von modernen Freilagern in Singapur und Luxemburg. In der Nähe des Luxemburger Flughafens hat Bouvier mit seinem Kompagnon Olivier Thomas 16 400 Kubikmeter Beton für einen Hochsicherheitstrakt verbaut, in dem Sachwerte von Gemälden über Goldbarren bis zum Oldtimer auf 11 000 Quadratmetern lagern sollen – befreit von der Mehrwertsteuer. Besteuert werden die Waren erst, wenn sie das Lager verlassen.
Akten am Laufmeter
Der Fall Rybolovlev gegen Bouvier ist erst zehn Monate alt, aber er füllt bereits Regalmeter an Untersuchungsakten. Gerichte in Monaco, Paris, Singapur und Hongkong sind involviert. Rybolovlev kämpft mit der Genfer Spitzenanwältin Tetiana Bersheda. Bouvier heuerte Privatermittler Mario Brero von der Genfer Investigationsfirma Alp Services an, ausserdem das ebenfalls in Genf ansässige Cyber-Security-Unternehmen Kyos und den New Yorker Anwalt Daniel Levy, der in der Schweiz als früherer Staatsanwalt in Bankenverfahren bekannt ist.
Nach seinem Neujahrsschock hatte Rybolovlev die Anwältin alarmiert. Sie registrierten rasch, dass der Modigliani-Deal kein Einzelfall war. Rybolovlev hatte Bouvier stets als seinen Händler betrachtet und ihm daher bei jedem Kauf eine Händlerprovision bezahlt. Dass Bouvier die Bilder zuvor selbst gekauft hatte, habe er nicht geahnt, erklärt Rybolovlev.
Ahnungslos aus Genf hergeflogen
Bereits am 9. Januar 2015 reichten sie eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Monaco ein. Rybolovlev lud Bouvier für den 25. Februar zum Meeting ein. Alles war vorbereitet, als der Dealer die Lobby des Hauses La Belle Époque an der Avenue d’Ostende betrat.
Ahnungslos war er aus Genf hergeflogen, ahnungslos erwartete er einen freundlichen Empfang bei seinem Kunstfreund in dessen Appartement der Superlative: Meerblick, den Yachthafen zu Füssen, 1600 Quadratmeter, jeder Zentimeter Luxus. Bouvier wollte nur noch die finalen Zahlungsmodalitäten für den letzten Bilderdeal klarmachen: 140 Millionen Euro für «No 6 (Violet, Green and Red)» von Mark Rothko. Er vermutete wohl, dass die Sache glattgehen würde. So wie immer in den elf Jahren zuvor.
Diesmal war alles anders
Doch diesmal war alles anders. Im Foyer des Hauses warteten acht Polizisten auf ihn. Bouvier wurde in Polizeigewahrsam genommen – wegen Betrugs bei mindestens drei Bilderdeals, die im Fürstentum gehandelt worden waren. Der gleiche Verdacht bestand für alle 38 Bilderkäufe seit 2004. Ebenfalls verhaftet wurde Bouviers mutmassliche Komplizin, die russischsprachige Tania Rappo – wegen Verdachts der Geldwäscherei. Sie hatte den ersten Kontakt zu Bouvier hergestellt. Sie galt als Freundin der Familie, war Gotte einer Rybolovlev-Tochter, sie war Gast an Familienfeiern. Was Dmitry Rybolovlev nicht wusste: Yves Bouvier zahlte ihr Provisionen.
Bouvier und Rappo wurden gegen Auflagen auf freien Fuss gesetzt. Sie sollten sich bei den monegassischen Behörden regelmässig melden, und Bouvier musste eine Kaution von zehn Millionen Euro hinterlegen. Beide dementieren jegliches Fehlverhalten. Es gilt die Unschuldsvermutung. Im Juli reichte Bouvier beim Appellationsgericht in Monaco eine Beschwerde ein, das Verfahren sei nichtig und das Fürstentum nicht zuständig. Am 12. November lehnte das Gericht die Beschwerde jedoch ab. Die Ermittlungen gehen weiter.
Teilerfolg in Hongkong und Singapur
Einen Teilerfolg erzielte Bouvier jedoch vor den Gerichten in Hongkong und Singapur. Dort hatte Rybolovlev Schadenersatzklagen eingereicht und eine sogenannte «Mareva Injunction» verlangt. Mit diesem Instrument können in den britisch geprägten Jurisdiktionen Vermögenswerte weltweit eingefroren werden.
Es ging dabei um die Werte, die von Bouvier-Firmen in Singapur und Hongkong gehalten werden. Und um das Rothko-Bild «No. 6», das nicht 140 Millionen gekostet hatte, wie Rybolovlev vermutete, sondern nur 80 Millionen. Obwohl Rybolovlev bereits 85 Millionen angezahlt hatte, verweigerte Bouvier den Vollzug der Transaktion. Hier erreichte Bouvier mit Beschwerden vor den Appellationsgerichten, dass die Mareva Injunction aufgelöst wurde. Es bestehe kein Risiko, dass die Werte aus den Bouvier-Firmen verschwänden. Hingegen sind die Prozesse in der Sache noch hängig.
27-Millionen-Kaution in Paris
Im März kam noch eine Strafanzeige in Paris dazu. Dort klagte Catherine Hutin-Blay, eine Tochter von Pablo Picassos zweiter Ehefrau Jacqueline Roque, dass zwei Gemälde ihres Stiefvaters, die sich in der Sammlung Rybolovlev befänden, ihrer Familie zwei Jahre zuvor gestohlen worden seien. Beide Picassos hatte Bouvier im Mai 2013 an den Sammler verkauft.
Paris eröffnete daraufhin eine Strafuntersuchung wegen Diebstahls, Hehlerei und Geldwäscherei gegen unbekannt. Rybolovlev übergab die Picassos den französischen Behörden. Bouvier beteuerte auch hier seine Unschuld. Er habe die Bilder gutgläubig von dem inzwischen gelöschten Nobilo Trust in Liechtenstein in der Annahme gekauft, dieser vertrete Hutin-Blay. Nun muss ermittelt werden, ob die Dame einfach nur blufft.
Bouvier versprach, im Juni zu einer Einvernahme nach Paris zu kommen. Als er nicht erschien, wurde zunächst ein internationaler Haftbefehl ausgestellt. Im September wurde er gegen eine Kaution von 27 Millionen Euro unter Justizkontrolle gestellt. Seine Gegner vermuten, dass er sich in der Region Genf aufhält, wo er als Schweizer Staatsbürger nicht ausgeliefert würde. Seine Anwälte geben hingegen Singapur als Wohnort an.
«Es geht um die Jagd nach Informationen»
Bouvier verteidigt sich mit einem einfachen Argument: Er habe als Eigentümer und «unabhängiger Verkäufer» der Bilder gehandelt und nie als Agent oder Händler im Auftrag von Rybolovlev. Er habe daher jeden Preis verlangen dürfen. «So ist der Kunstmarkt eben», sagte er der «New York Times», «es geht um die Jagd nach Informationen.» Als Logistiker und Lagerbetreiber verfügt er tatsächlich über wertvolle Informationen. Und Insiderdeals sind in der Kunstwelt nicht verboten.
Rybolovlevs Anwälte wiederum sagen, dass er sich nie als Eigentümer der Bilder zu erkennen gebeben habe. Er habe jeweils den Preis genannt, den der angebliche Verkäufer verlangte. Für die Transaktionen gab es keine Verträge, nur jeweils zwei Rechnungen von Bouvier für den Kaufpreis und für seine Provision. Sie schätzen heute Bouviers Gewinne gesamthaft auf bis zu eine Milliarde Euro. Dokumente aus den Untersuchungen, die «Bilanz» vorliegen, zeigen, dass Bouvier und Rappo ihre Erträge auf zahlreiche Bankkonti in Monaco, der Schweiz und in Übersee transferierten. Demnach investierte Rappo die Provisionsgelder vielfach in Immobilien.
Drei Millionen für Tänzerin
Rappos Verteidiger erklärt die Zahlungen als «Finder’s Fees». Diese seien «absolut legal und berechtigt». Bouviers Sprecher Marc Co-mina sagt dazu: «Tania Rappo hat nie eine aktive Rolle bei den Verkäufen gespielt. Für jeden Verkauf erhielt sie eine Finder’s Fee, weil Yves Bouvier ihr zu verdanken hatte, dass er mit Dmitry Rybolovlev ins Geschäft kam.» Das erklärt allerdings nicht den Umfang der Zahlungen. Denn sie erhielt nach jedem Verkauf gewaltige Summen, in der Regel Millionenbeträge, die zwischen 4 und 18 Prozent der Kaufsumme ausmachten.
Nur ein Beispiel: Im Juli 2008 verkaufte Bouvier einen Degas mit dem Titel «Danseuse en Rose» für 25 Millionen Euro an Rybolovlev. Rappo bekam allein dafür eine Drei-Millionen-Kommission, also zwölf Prozent. Die Ermittlungen zeigen, dass sie von Bouvier hinter dem Rücken von Rybolovlev ge-samthaft mehr als 90 Millionen Franken an Provisionen erhalten hat. Für Bouviers Mediensprecher «ein üblicher Vorgang im Kunstmarkt». Für Rybolovlev ein weiterer Schock.
Ganz offensichtlich vertraute der Russe auf den Anstand seiner Kunstfreunde – wie die Albrechts in Deutschland und die Knoedler-Kunden in den USA. Heute weiss Dmitry Rybolovlev, dass in diesem Markt andere Regeln gelten.