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Der Ingenieur Antoine (Gérard Depardieu) landet in Marokko, um den Bau eines Mediencenters zu überwachen. So ist zumindest sein offizieller Auftrag, aber eigentlich hat er sich nach Afrika versetzen lassen, um seine erste Geliebte, die er nach dreissig Jahren immer noch abgöttisch liebt, wieder zu sehen. Doch Cécile (Catherine Deneuve) hat Antoine vergessen. Sie arbeitet als erfolgreiche Radiomoderatorin und hat mittlerweile einen jüngeren Arzt (Gilbert Melki) geheiratet, mit dem sie einen Sohn hat, Sami (Malik Zidi). Dieser lebt in Paris und ist gerade zu Besuch in Tanger mit seiner Frau Nadia (Lubna Azabal) und einem unehelichen Sohn. Nadia ist ursprünglich aus Marokko und hat im Land noch eine Zwillingsschwester, mit der sie versucht nach sechs Jahren erstmals in Kontakt zu treten. Sami hingegen ist bisexuell und belebt eine vergangene Affäre mit dem Marokkaner Bilal wieder.
Man staunt nicht schlecht, als gleich zu Beginn von Les temps qui changent einer der Stars, Gérard Depardieu, von Dreck verschüttet wird. Das würde Tom Cruise in seinen Filmen nicht passieren. Es wäre doch zu schade, wenn der Depardieu nicht mehr auftauchen würde. Schliesslich spielt er ja zum ersten Mal seit Le dernier Métro wieder einmal mit einer anderen Grösse der französischen Schauspielkunst vor der Kamera: Cathérine Deneuve. Wie in der Geschichte des Films haben die beiden sich also lange nicht mehr gesehen. Und auch dreissig Jahre seit dem letzten Aufeinandertreffen verhält sich Depardieus Antoine immer noch wie ein liebestoller Jüngling und rennt in Glastüren vor lauter Verliebtheit, mit blutigen Auswirkungen auf sein prominentes Riechorgan. Deneuves Cécile reagiert dagegen eher störrisch auf seine Avancen. Wer will denn schon noch mit jemanden, von dem man früher mal gedacht hat, er sei der fürs Leben, noch was haben? Eben.
Das liest sich jetzt ein bisschen wie eine Komödie in der Art der Widerspenstigen Zähmung. Obwohl es aber skurrile Szenen hat in Le temps qui changent - einmal guckt sich Depardieu Videos einer arabischen Geistheilerin an, um die Dame seines Herzens mit Voodoo zu gewinnen - will Regisseur André Téchiné mehr Message in den Film packen. Immer wieder ist beiläufig vom Krieg im Irak die Rede. Das Mediencenter das Antoine bauen sollte, wird ein moderates Al-Jazeera werden. Die armen Flüchtlinge, die am Tor zu Europa auf Einlass warten werden ins Bild gerückt. Araber schlachten Schafe in der Wüste. Nicht nur in der Liebe ändern sich die Zeiten, auch die Welt an sich ist nicht mehr dieselbe wie früher. Ob es ein Versuch werden sollte, Frankreichs Vergangenheit mit seinen arabischen Ex-Kolonien aufzuarbeiten, kann nur vermutet werden. Die Geschichte verliert sich in zu vielen Strängen. Le temps qui changent hat grosse Schauspieler, will grosse Themen anschneiden ist aber kein grossartiger Film.
Roland Meier [rm]
Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.