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Vor einigen Tagen habe ich über die in den sozialen Medien angekündigte Mitteilung der Trennung des illustren Paares Joshua und Shannon Harris berichtet und reflektiert. Der gewiefte Marketingmann Harris hat nun eine Woche später eine weitere Meldung veröffentlicht, in welcher er sich vom christlichen Glauben insgesamt distanziert. Diese Meldung ist insofern «tricky», als sie durchgängig christliches Vokabular benutzt. Die Bedeutung ist jedoch komplett säkular. So greift Harris beispielsweise die lebenslange Busse des Reformators Martin Luther auf und wendet dies dann auf seine Ent-Kehrung an. Er nehme Abstand von seiner Selbstgerechtigkeit, mit der er verschiedene Einzelne und Gruppen diskriminiert habe.
Der australische Pastor Stephen Macalpine greift die Meldung samt dem sehr bewusst und gezielt gewählten Foto auf und kommentiert sehr treffend:
Das Problem mit diesem Foto ist natürlich, dass es nicht wie eine Dekonstruktion aussieht. Es sieht nicht danach aus, als würde man abfallen. Es sieht nicht nach einem Glaubensabfall aus. Es sieht aus wie ein neuer Adam, der kurz davor steht, in eine neue Welt zu starten.
Es sieht nach Erlösung aus. Und so soll es natürlich auch erscheinen. Denn ein Bild erzählt eine größere Geschichte als die Worte, die es begleiten. Die Ethik der modernen Welt wird von der Ästhetik bestimmt. Das ist Josh Harris, der uns sagt, dass er das alte Christentum zum Abschied geküsst hat. Nicht, dass er zu diesem Zeitpunkt sagen würde, dass er überhaupt Christ sei, denn es braucht einige Zeit, um mit dem Wiederaufbau nach einer Dekonstruktion zurückzukommen. Eine solche “Second Act” Erzählung hat einen bestimmten amerikanischen Charakter.
… Es ist eine Erlösungsgeschichte. Es ist eine “Ich war einmal verloren, aber jetzt bin ich gefunden worden, ich war blind, aber jetzt sehend” Geschichte. Es ist ein wenig wie die Subtraktionsgeschichte der weltlichen Welt, von der Charles Taylor spricht. Entferne die ganze Schlacke, das ganze religiöse Dogma und komme zurück auf den Boden der Realität.
… Es klingt und fühlt sich an wie eine Heimkehr für den Verlorenen. Er wird viele Geschichten über diese Parodie einer Heimkehr zu erzählen haben. Also machen Sie keinen Fehler, dies ist eine Erlösungsgeschichte; eine säkulare Erlösungsgeschichte.
Und jetzt, wenn wir uns dieses Bild ansehen, sehen wir einen neuen Menschen, eine neue Schöpfung, der vor einer unberührten Umgebung steht und bereit ist, sich auf ein neues Abenteuer einzulassen. Hier ist Adam, frisch, sauber, bereit für die nächste (Lebens-)Etappe.
Ich befürchte, dass Harris zu einem weiteren Heiland für ein wachsendes Segment von Ex-Evangelikalen wird.