Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03114.jsonl.gz/2712

Arpeggione
Programm mit Klavier
Cover der bei „musica nobilis“ erschienenen CD
Programm
Franz Schubert (1797-1828), Sonate „Arpeggione“ D 821, la mineur / A minor / a-moll
Transcription: Konrad Hünteler
Béla Bartók (1881-1945), Danses Populaires Roumaines
Transcription: Zoltán Székely
Béla Bartók (1881-1945), Suite Paysanne Hongroise
Transcription: Paul Arma
Pablo de Sarasate (1844-1908), Airs Bohémiens op. 20
Franz Albert Doppler (1821-1883), Andante et Rondo op. 25
Gesamtdauer: ca. 60 min.
Hörbeispiele:
Sonate Arpeggione
Franz Schubert (1797-1828)Allegro moderato
Danses Populaires Roumaines
Béla Bartók (1881-1945) | Transcription: Zoltán Székely
Pe loc
Mărunţel
Suite Paysanne Hongroise
Béla Bartók (1881-1945) | Transcription: Paul Arma
Vieille danse 7
Andante et Rondo op. 25
Franz Albert Doppler (1821-1883)
Zum Programm
Anders als die Panflöte, die schon seit Jahrhunderten Bestand hat, verschwand der Arpeggione nach einer kurzen Boom-Phase sehr bald wieder aus dem Musikleben. Der Erfinder dieses sechssaitigen Streichinstruments von der Grösse eines Violoncellos mit gitarrenförmigem Resonanzkörper (deshalb auch Guitarre d’amour oder Guitarre-Violoncell genannt) war der Wiener Gitarrenbauer Johann Georg Stauffer, welcher das Instrument 1823 erfand. Ein Jahr danach schrieb Franz Schubert eine Sonate in a-Moll für Arpeggione und Klavier, die noch im selben Jahre von Vincenz Schuster aufgeführt wurde. Das Werk ist zwar eine Gelegenheitskomposition, aber seine Klangsprache weist bereits auf die späten Streichquartette, Sinfonien und das Streichquintett voraus. Seine elegische Atmosphäre bezieht es zur Hauptsache aus gewissen (subdominantischen) Harmoniewendungen, welche alle drei Sätze des Werks durchziehen.
Im Gegensatz zum Instrument selber, für das sie ursprünglich gedacht war, ist die Arpeggione-Sonate nicht in Vergessenheit geraten und wird heute vor allem noch mit Violoncello oder Viola aufgeführt. Auf der vorliegenden CD wurde sie nun als Novum auch mit Panflöte eingespielt, nach einer Fassung für Flöte und Klavier, die der deutsche Flötist Konrad Hünteler angefertigt hat, um neben den „Trockenen Blumen“ noch ein anderes Werk aus Schuberts Feder für Flöte und Klavier im Repertoire zu haben. Die Version mit Panflöte passt insofern besonders gut, als vor allem der Mittelsatz jene lyrisch-bukolische Stimmung verbreitet, mit dem dieses aus der Hirtenwelt stammende Blasinstrument von alters her in Verbindung gebracht wurde. Das Finale ist ein heiterer Rondosatz mit zwei Zwischenteilen, deren erster in Moll steht und mit seinem Schwung an Musik aus dem Balkan anklingt.
In der Tat ist die aus dem antiken Griechenland stammende Panflöte vor allem in Rumänien, aber auch in Ungarn verbreitet gewesen, wo sie sich bis heute einer besonderen Beliebtheit erfreut. Wenn in Nikolaj Rimsky-Korsakows Oper «Mlada» (1892) eine Panflöte verwendet wurde, so sollte damit ganz selbstverständlich auf die damals allgemein bekannte Musik rumänischer Spielleute verwiesen werden.
Béla Bartók, selbst im ungarisch sprechenden Teil des heutigen Rumänien geboren, kannte die Volksmusik des Balkans und des östlichen Mittelmeerraums bis nach Nordafrika wie kein zweiter, weil er auf seinen Forschungsreisen unzählige Lieder und Volkstänze der ländlichen Bevölkerung sammelte und auswertete. Auch seinem eigenen künstlerischen Schaffen kamen solche Forschungsergebnisse zugute. So bearbeitete er sechs originale Rumänische Volkstänze für sein Instrument, das Klavier. Sie gehören heute zu seinen berühmtesten Schöpfungen und haben unzählige Uminstrumentierungen erfahren. Vielleicht steht die Klangwelt der Panflöte dieser Musik besonders nahe.
Auch einige unter Bartoks Schülern und Kollegen wandten sich der ungarischen Bauernmusik zu, etwa Paul Arma, der 1952 die „Suite Paysanne Hongroise“ aus 15 ungarischen Bauernliedern für Flöte und Klavier zusammengestellt hat. Auch einige unter Bartoks Schülern und Kollegen wandten sich der ungarischen Bauernmusik zu, etwa Paul Arma, der 1952 aus den 15 ungarischen Baurernliedern für Klavier von Béla Bartók eine „Suite Paysanne Hongroise“ für Flöte und Klavier zusammengestellt hat. Zu dieser Zeit hatte sich der Pianist und Komponist Paul Arma längst in Paris niedergelassen, wo er sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs speziell der elektroakustischen Musik zugewandt hatte.
Normalerweise verbindet man mit der ungarischen Musik, die manchmal auch fälschlicherweise als Zigeunermusik bezeichnet wird, die Violine. Der spanische Geiger Pablo de Sarasate hatte aber, anders als Bartok, nicht ursprüngliche Musik des Balkans im Sinn, sondern er suchte exotisches Kolorit, das er dem „Ungarischen“ in Franz Liszts Rhapsodien nachempfand. Liszt, der selbst in Westungarn zur Welt gekommen war, hatte aus einer bereits ganz weltmännischen Perspektive nach seinen eigenen Wurzeln geforscht, indem er zum Ungarischen erhob, was in der europäischen Kunstmusik ganz allgemein dafür gehalten wurde.
An den Orchesterfassungen von fünfen der ursprünglich für Klavier konzipierten Ungarischen Rhapsodien von Franz Liszt war der aus Lemberg (heute in der Ukraine) gebürtige Flötist und Dirigent Franz Albert Doppler beteiligt. Von 1838 bis 1858 war Doppler erster Flötist im Orchester des ungarischen Nationaltheaters. Für seine Konzertreisen, die er zusammen mit seinem Bruder Karl bis nach Paris und London unternahm, komponierte er erfolgsträchtige Stücke für eine oder zwei Flöten und Klavier- bzw. Orchesterbegleitung, manchmal mit ausdrücklichem Verweis auf das Ungarische in den Titeln. 1854 besuchten die beiden Brüder sogar Franz Liszt auf der Altenburg bei Weimar. 1858 übersiedelte Franz Albert Doppler nach Wien, wo er als Soloflötist, Ballettdirigent und Professor am Konservatorium wirkte. Andante und Rondo entstanden als zusammengehöriges Gegensatzpaar zweifellos für die gemeinsamen Auftritte der beiden Brüder Doppler: Auf das opernhafte Andante in gemessener Bewegung folgt das schmissige Rondo, in dessen Czardas-Hauptteile Zwischensätze in reduziertem Tempo eingelassen sind. So wird im Dialog der beiden Oberstimmen vokale Virtuosität mit tänzerischer Körperlichkeit auf eingängige Weise verknüpft. Obwohl die Herkunft der Musik nicht genannt ist, dringt auch hier das ungarisch-zigeunerische Kolorit durch.
Dominik Sackmann