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[* 2] Vorrichtungen zum Entzünden der Geschütz- und Sprengladungen wie überhaupt zum Inbrandsetzen brennbarer
Gegenstände. Geschützladungen werden durch Schlagröhren entzündet; das sind mit Kornpulver gefüllte Röhrchen aus Messing-
oder Kupferblech, welche zu ihrer Entzündung einen einen Friktionssatz enthaltenden Reibapparat tragen,
welcher funktioniert, sobald der Reiber plötzlich herausgerissen wird. Bei elektrischen Schlagröhren können in dem auf dem
Röhrchen sitzenden Kopf die Leitungsdrähte befestigt werden, welche einen die Entzündung bewirkenden Zwischendraht zum Glühen
bringen oder durch einen leicht entzündlichen Satz einen Funken überspringen lassen.
Zünder der zweiten Art enthalten einen auf zwei Armen oder Hemmungen ruhenden Zündpillenträger (Pillenbolzen), dessen Arme
durch den Stoß beim Abfeuern abbrechen, oder durch dessen Rückstoß die Hemmungen aufgehoben werden, so
daß der Pillenbolzen zurückfliegt, wobei die Zündpille auf die Zündnadel trifft, explodiert und den Satzring entzündet,
von welchem, der »Tempierung« entsprechend, das Feuer zur Sprengladung durchschlägt. Diese vom preußischen MajorRichter 1861 erfundenen
Zünder sind als Schrapnellzünder eingeführt.
Aus ihnen sind die neuern Schrapnellzünder mit einem oder zwei Satzringen hervorgegangen
[* 2]
(Fig.
1), letztere sollen den Schrapnellschuß bei langen Flugzeiten des Geschosses, also bei Flachbahngeschützen bis etwa 4500 m
Entfernung oder bei Mörsern und Haubitzen, ermöglichen. Die deutschen Doppelzünder brennen 28 Sekunden, Krupp hat solche von 40 Sekunden
Brennzeit. In Frankreich und Italien
[* 7] ist die lange Brennzeit dadurch erreicht worden, daß man ein mit
Zündersatz vollgepreßtes Bleirohr spiralförmig um den Zünderkopf aufgewickelt hat.
Der Perkussionszünder, vom preußischen GeneralNeumann 1859 erfunden
[* 2]
(Fig. 2), enthält einen schweren, meist cylindrischen,
zentral
durchbohrten Körper, der vorn entweder eine Zündnadel (daher Nadelbolzen) oder die Zündpille trägt; im erstern
Fall wird in die Mundlochschraube eine Zündschraube eingesetzt, im letztern trägt sie nach innen
die Zündnadel. Wird nun die Fluggeschwindigkeit des Geschosses plötzlich verlangsamt, so fliegt der Nadelbolzen nach vorn
und die Zündnadel in die Zündpille, letztere explodiert, u. durch das durch den Kanal
[* 8] des Nadelbolzens schlagende Feuer wird
die Sprengladung entzündet.
Während des Transports ruht der Schlagbolzen e mit dem schmalen Sperrring s auf einer dreikantigen Nadelf und verhindert jede
Bewegung der letztern. Beim Abfeuern des Geschützes schießt sich der Schläger auf die Nadel, deren Kanten
sich in den Sperrring einschneiden, so daß die Nadelspitze nun zum Anstich frei wird. Außerdem schießt sich die Bolzenkapsel
b in den Gewindering c hinein, und die Arme des Bolzenträgers d recken sich, so daß die Böden t und b
den Boden des Mundlochfutters a berühren.
Die in neuerer Zeit in mehreren Ländern eingeführten Doppelzünder sind Schrapnellzünder, in welche noch ein Perkussionszünder
eingesetzt ist, so daß dieselben sowohl bei Schrapnells als Granaten Verwendung finden können und erstere noch als Granaten
wirken, wenn der Schrapnellzünder versagen sollte. Selbstzündungen haben einen chlorsaures Kali oder
Knallquecksilber enthaltenden Zündsatz, so daß sie ohne Hinzutritt von Feuer sich selbst durch Stoß, Schlag etc. entzünden
können, z. B. Zündhütchen, Zündpillen, Schlagröhren etc.