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Der Rückblick auf das MJF 1982 konzentriert sich auf den 21. und 22. Juli. An diesen zwei Abenden wurden Konzerte von fünf ganz verschiedenen Gruppen geboten, darunter ein Auftritt der Lionel
Hampton All Star Band gefolgt von einer Jam Session unter dem Titel „Tribute to Lionel Hampton“. Es waren zwei glückliche Abende mit grossen Namen, mit einem der lustigsten und tüchtigsten Sänger/Pianisten/Komponisten
des Jazz und einem der talentiertesten Newcomer dieser Zeit, der heute noch als Nachfolger in der Armstrong/Gillespie/Davis Trompetentradition grosse Erfolge feiern darf.
Es bietet sich somit folgendes Programm an:
21. Juli:
Mose Allison (p, vo) Trio mit Billy Cobham (dm) und Gästen: Lou Donaldson (as) und Eric Gale (e-gt)
Wynton Marsalis Quintet mit Bruder Branford Marsalis (ss, ts) und Kenny Kirkland (p)
„Tribute to Lionel Hampton“ mit dem Altmeister persönlich unterstützt von Benny Bailey (tp), Red Holloway (ts), Jay McShann (p), Leroy Vinnegar (b) und Jackie Williams (dm). Dazu kommen als Gäste Lou Donaldson und Slim Gaillard. Nachher folgt eine Jam Session mit zusätzlichen Mitgliedern des Wynton Marsalis Quintetts.
22. Juli
Dave Brubeck Quartet mit Bill Smith (cl) und Sohn Chris Brubeck (e- b, bass-tb)
Carmen McRae mit ihrem Trio
Auf Grund der unterschiedlichen Länge der Aufzeichnungen (z. B. mit 10 Nummern fast das gesamte Programm von Mose Allison) werden im ersten Set Allison/Brubeck/McRae vorgeführt und im zweiten der Rest des 21sten!
Die wahren Künstler des Jazz sind die Schwarzen. Sie blieben arm, die Weissen, die sie kopierten, verdienten das grosse Geld. So ein oft kolportiertes, „umgekehrtes Rassenvorurteil“.
Eine Volksgruppe, die wie die Schwarzen während Jahrhunderten verfolgt und diskriminiert wurde, und deren begabteste Mitglieder sich in den vordersten Rängen der Wissenschaftler, Dichter, Denker und Musiker hervortaten, sind die Juden, nicht nur in der klassischen Musik (Jascha Haifez, Otto Klemperer, Leonard Bernstein).
Die Liste ist lang: Weisse Jazzer, die Welterfolge feiern konnten, zum Beispiel Benny Goodman, Artie Shaw, Woody Herman, Stan Getz, Harry James, Buddy Rich, Mel Lewis, John Zorn und Uri Caine. Komponisten, welche das „Great American Songbook“ schufen und die Schwarzen mit ihren Themen zu unsterblichen Improvisationen inspirierten: George Gershwin, Richard Rogers, Jerome Kern. Ohne sie würden uns die akustischen Dokumente fehlen.
Der Erfinder des Grammophons und der Schallplatte, Emile Berliner war Jude. Die Gründer der Plattenfirma Blue Note, Albert Lion und Francis Wolff, flohen vor dem deutschen Naziterror in die USA. Die Deutsche Grammophon Gesellschaft, His Master’s Voice, Victoria Talking Machine, EMI und RCA sind Gründungen von Juden. Sie sind aus der populären Musik nicht wegzudenken: Der Star des allerersten Tonfilms, Al Jolson, war Jude, Jerry Wexler, der Entdecker von Ray Charles und Aretha Franklin, Leonard Feather und Ronnie Scott, übrigens auch Brian Epstein und Allan Klein, die Manager der Beatles und der Rolling Stones.
Nachdem Hansruedi Schwitter die Reifezeit von Mingus in zwei Vorträgen beleuchtet hat, ist die Zeit reif für eine Würdigung seiner Anfänge. Wir entdecken seine stilistische Verwandtschaft am Bass mit Red Callender. Wir hören frühe Aufnahmen als Bassist mit Illinois Jacquet, Dinah Washington, Gene Morris usw. Erste wichtige Station war dann Lionel Hampton, wo er als Bassist wirkte und auch die bemerkenswerten Arrangements über BODY AND SOUL und MINGUS FINGERS schrieb. Es folgen als weitere Schwerpunkte das Massey Hall Konzert (Gillespie und Parker) mit seinen Irritationen und seine Zeit mit Jay and Kai, sowie Aufnahme unter eigenem Namen.
Die fortschreitenden Technologien haben nicht nur bei den Tonträgern keinen Halt gemacht, auch bei den Wiedergabegeräten sind heute kleine und kleinste Geräte auf dem Markt mit extremen Aufnahme- und Wiedergabezeiten.
Wenn man früher gesagt hat: Du darfst nur eine Platte auf die einsame Insel mitnehmen, so sind es heute mehrere Stunden Musik, die Du mitnehmen kannst (wie allerdings die Batterien dieser Geräte auf der einsamen Insel wieder aufgeladen werden, ist nicht bekannt). Nichtsdestotrotz habe ich ein Abendprogramm zusammengestellt, das einen Teil meiner Inselplatten repräsentiert. Dies geht von Louis Armstrong bis Lester Young. Ich hoffe, dass für alle etwas dabei ist, das Gefallen findet, so dass wir uns auf der „einsamen“ Insel nicht ganz musiklos wiederfinden.
keine Session
Stan Getz war einer der wichtigsten Musiker in der Entwicklung des Cool Jazz. Hauptsächlich beeinflusst von Lester Young und Charlie Parker. Bestimmte weitgehend den typischen Klang (Sound) der
Cool-Saxophonisten. Verändert bei Improvisationen die Melodie gerne in charakteristische Bop-Riffs.
Breit ausladende Melodik in langsamen "Balladen", sehr deutlicher Hang zu lyrischem Musizieren, der im Grunde den gesamten "Cool"- Stil durchleuchtet. Die wichtigsten Sidemen waren Hank Jones, Kenny Barron, Jimmy Rowles. Mit Charlie Byrd löste er die Bossa-Nova-Welle aus.
Es werden Aufnahmen präsentiert werden, die kaum oder überhaupt nicht bekannt sind. Zu hören sein werden u.a. die Count Basie Big Band mit dem Sänger Joe Williams, Lester Young mit französischen
Rhythmusgruppen und Miles Davis, das Modern Jazz Quartet, Billie Holiday in einer Konzertaufzeichnung, Coleman Hawkins mit Horace Silver, eine Memorialaufnahme für Fletcher Henderson, Buck Clayton sowie Buddy Tate in
einer Live-Aufnahme.
Zu einigen der präsentierten Stücke hat der Referent auch einen gewissen persönlichen Bezug.
Was wäre, wenn plötzlich Dutzende von Vinyl Liebhabern den Jazz Record Shop des swissjazzorama stürmen würden? Die Verkaufszahlen von Vinyl sind um 31,9 Prozent gestiegen. Ein Abend mit Entdeckungen und „must have“ aus dem Shop mit Fernand Schlumpf.
Auf dass er nicht mit „Papa“ Jo Jones verwechselt werde, sagte Tony Scott seinen Schlagzeuger an: „Das ist Joe Jones aus Philly“.
1947 ermutigte ihn Max Roach, nach New York zu kommen. Dort erwarb er sich rasch einen Ruf als hervorragender Schlagzeuger mit grossen persönlichen Defiziten.
Zusammen mit dem Pianisten Red Garland und dem Bassisten Paul Chambers sass er in der Dampfzentrale des legendären Miles Davis Quintets. Die drei erwarben fast aus dem Stand heraus einen ähnlichen Status wie ein paar Jahre früher die „All Americian Rhythm Section“ Count Basies und wurden von allen Stars der Zeit zu unzähligen Plattensessions geholt.
Zwei Musiker und Sänger mit starkem Bezug zum Blues, beide aus dem Süden der USA, obwohl vor allem Bobbie Gentry eher dem Country und Western zugerechnet wird. Dass solche Schubladisierungen nicht immer
genügen, können wir heute Abend feststellen.
Im ersten Teil gehen wir zurück zur Parchman Farm, einem Blues, der auf Bukka White zurückgeht und dann von Mose Allison umgearbeitet und interpretiert wurde, und auch Bobbie Gentry hat dieses Lied in ihr Repertoire aufgenommen. Ihr grösster Hit aber war "Ode to Billie Joe", eine bluesige Ballade mit der Erzählung eines Freitods und ganz persönlichem Gitarrensound. Die eingängige Melodie wurde auch von Jazz-Instrumentalisten aufgegriffen. Bei Mose Allison hingegen sind die oft ironischen Lyrics bemerkenswert, ebenso sein eigenwilliges Klavierspiel.
Mose Allison ist seit Jahrzehnten "im Geschäft", Bobbie Gentry war es nur von ca. 1967 - 1974, nachher verschwand sie offenbar komplett von der Szene.