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Berlin (ots) - Als Anwälte von Georg Paul Bongartz, dem Vater von David Garrett, erlauben wir uns Sie aus Anlass der heutigen Berichterstattung über die oben erwähnte "Biografie" über folgendes zu informieren:
Das von der Münchener Verlagsgruppe GmbH vertriebene und von einem "Johannes Rothenbaum" verfasste Buch "DAVID GARRETT Die exklusive Biografie" wurde weder von dem Sohn unseres Mandanten, David Garrett, noch von unserem Mandanten autorisiert. Bei der Bewerbung als "Die exklusive Biografie" kann insofern ein falscher Eindruck entstehen.
Insofern sind auch einige Artikel in den heutigen Zeitungen falsch, wonach unser Mandant die Biografie "seines Sohnes" verbieten lassen möchte und der Star-Geiger David Garrett deswegen "Riesenzoff mit seinem Vater" habe. Insofern besteht zwischen unserem Mandanten und seinem Sohn keinerlei Streit im Zusammenhang mit diesem Buch.
Richtig ist, dass wir im Namen unseres Mandanten Georg Paul Bongartz gegen den Verlag vorgegangen sind und ihn aufgefordert haben, die Verbreitung zahlreicher Aussagen zu unterlassen. Der Verlag hat zu allen Punkten die geforderte Unterlassungsverpflichtungserklärung abgegeben.
Danach hat sich der Verlag vertragsstrafebewehrt verpflichtet, die weitere Verbreitung der folgenden Aussagen zu unterlassen:
"Bei aller Hinwendung zur klassischen Musik besaß Bongartz nur geringes Interesse am Ballett."
"Georg Peter Bongartz soll übrigens danach nie wieder ein Ballett besucht haben." Die Aussage ist falsch.
"Alexanders Geigenlehrer war es dann auch, der als Erster Davids Talent erkannte."
"... vermutlich von ihm selbst erhofft, zum Virtuosen entwickelte, ..."
"Bongartz selbst brachte dem Vierjährigen die grundlegenden Techniken bei."
"Auch die korrekte Köperhaltung impfte er seinem Sohn ein - allerdings nicht perfekt, wie sich wenige Jahre später schmerzhaft herausstellen sollte."
"Noch vor seinem fünften Geburtstag übte David bereits mehrere Stunden pro Tag."
"Durch Davids Darbietungen konnte Bongartz den anderen Eltern demonstrieren, was möglich und zu erreichen war."
"Vertraut war ihm dagegen, dass man ihn lobte und liebte, wenn er mit der Violine Fortschritte machte."
"War er besser geworden oder versetzte er die anderen Kinder und deren Eltern beim Vorspielen in Hilversum in neidvolles Erstaunen, stieg das Stimmungsbarometer im Hause Bongartz. Spielte er einen schiefen Ton oder war er beim Üben unkonzentriert, dann hing der Haussegen schief."
"Während andere Sechsjährige den Schulalltag kennenlernen und sich beim Spielen mit Freunden austoben hieß es für David mehr denn je: üben, üben, üben. Außerdem führten die Eltern das Talent des Kleinen so oft wie möglich vor. David trat nun einmal pro Woche vor Publikum auf."
"Es dauerte nicht lange und die Eltern träumten bereits von internationalem Ruhm. Für Außenstehende ist es kaum nachvollziehbar, was in den Köpfen des Paares vorging, als sie sich Gedanken über den Namen ihres gerade einmal acht Jahre alten Sohnes machten. Wie würde sich Bongartz wohl im Ausland anhören? Könnte das Publikum den Namen überhaupt aussprechen? Würde er sich einprägen? Das Ergebnis dieser Überlegungen ist bekannt: Aus David Christian Bongartz wurde David Garrett ..."
"Tatsächlich blieb für solche Normalität wenig Zeit, nicht nur, weil David nach Schulschluss möglichst schnell zum Geigeüben nach Hause musste, sondern auch, weil der Vater den Umgang mit anderen für seinen hochtalentierten Sohn als un-passend empfand."
"Dass David in der Folge kaum mehr Kontakt zu Gleichaltrigen hatte, spielte für den Vater keine Rolle."
"... wenn ein Sechs- oder Achtjähriger zu acht Stunden Geigenunterricht pro Tag verdonnert wird."
"Die Beschreibung des Vaters, David sei ein Draufgänger gewesen, der sich mitunter auch mit anderen prügelte, findet ebenfalls keine Bestätigung."
"Als David sieben Jahre alt war, legten seine Eltern die Zielrichtung fest und erklärten ihm, es sei schlichtweg seine Bestimmung, Violinist zu werden."
"Acht Jahre alt ... Dazu nach dem Willen des Vaters wöchentliche Auftritte vor Publikum."
"Um die Ausbildung des jungen Genies abzurunden, wurde David von seinem Va-ter nicht nur zur Perfektionierung seines Violinenspiels veranlasst, sondern erhielt in Lübeck zusätzlich Klavierunterricht bei der russischen Pianistin Irina Vinogradova, die zuvor als Professorin am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium gelehrt hatte. Ausnahmsweise wurden von David am Klavier jedoch keine Höchstleistungen erwartet."
"Die Familie Bongartz ging nicht ins Kino..."
"Der Druck nahm weiter zu. Mit seinen neun Jahren wurde David nicht nur wöchentlich quer durch Deutschland kutschiert, gab Konzerte und übte ständig, die Eltern engagierten nun auch noch einen Manager, um seine Weltkarriere noch zielgerichteter ansteuern zu können."
"Mit seinen neuen Jahren wurde David nicht nur wöchentlich quer durch Deutschland kutschiert..."
"Als der Augenarzt Davids Sehschwäche diagnostizierte und dem Jungen eine Brille verschrieb, waren es natürlich wieder die Eltern, die ein Gestell für ihn aussuchten. Sie wählten nicht eine der in den 1980er-Jahren hochmodernen Pilotenbrillen, sondern eine voluminöse Hornbrille, mit der vermutlich ein 70-Jähriger alt ausgesehen hätte. Da Kontaktlinsen nach dem Willen der Eltern als Alternative ausfielen, änderte die Neuerwerbung nichts an Davids getrübten Blick, da er das Gestell nicht aufsetzen mochte."
"Aus acht Stunden Geigenspiel wurden zwölf bis vierzehn."
"Bis zu 80 Konzerte im Jahr hinterließen im Körper des Heranwachsenden Spu-ren."
"Bis zu seinem 14. Lebensjahr war es David verboten, etwas anderes als klassische Musik zu hören. Kontakte mit Themen, die andere Jugendliche in jenem Alter beschäftigten, wurden von den Eltern sofort unterbunden. David hatte zum Beispiel zweimal einen Gameboy geschenkt bekommen, die ihm jedoch beide sofort wieder abgenommen wurden. ... In den Augen von Davids Eltern besaßen diese kleinen grauen Kästen mit ihren Bildschirmen allerdings zwei entscheidende Nachteile: Erstens könnten Spiele wie das legendäre Tetris den jungen Virtuosen von seinen mehrstündigen Übungseinheiten an der Geige abhalten. Zweitens wurden die Game Boys mit den Fingern bedient, und Davids Finger galten den Eltern als viel zu wertvoll, um durch das Drücken auf Knöpfchen geschädigt zu werden."
"Die Verpflichtung, rund 90 Konzerte rund um den Globus zu geben und zusätzlich in der Heimat die Schulbank zu drücken, stellte für David eine enorme Belastung dar."
"David sah sich in seiner Freizeit nicht Filme an..."
"David war vor allem Brötchengeber für sein Umfeld. Das Management erhielt seinen Anteil von Davids Gagen, die Reisen der Eltern zu seinen Konzerten wurden damit finanziert ..."
"Was seine Eltern zu diesem Thema sagen würden, stand fest. Sie würden darauf bestehen, dass er seine Karriere fortsetzte. Es wäre für sei ein Unding, wenn er nach all den Mühen sein Geigenspiel aufgeben würde."
"Erschwert wurde dieser Prozess dadurch, dass auch nachdem er die Volljährigkeit erreicht hatte seitens der Eltern Druck auf ihn ausgeübt wurde und es viele Men-schen gab, die nicht auf die Geldmaschine Garrett verzichten wollten."
"Dove-Marie und Georg Peter Bongartz reagierten geschockt und fühlten sich von ihrem Sohn betrogen."
"Aus Verzweifelung griffen die Eltern nun zu einem Mittel, das ein für alle Mal die Hierarchie der Familie zementieren sollte. Sie drohten David die Streichung jeder Unterstützung und damit auch der finanziellen Mittel an, sollte er an seinem Bestreben festhalten."
"David ... kündigte den Vertrag mit der Plattenfirma..."
"Sein Vater habe Musiker werden wollen, konnte diesen Wunsch aber nicht realisieren."
Prof. Dr. Christian Schertz Rechtsanwalt
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