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Romney setzt auf Ryan - und Risiko
US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (r) und sein Wunsch-Vize Paul Ryan sprechen zu Presseleuten. Mit auf dem Flug nach Charlotte (NC) ist am Samstag auch Romneys Enkelin Chloe. (Reuters)
US-Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney hat die Liste seiner Patzer im Wahlkampf verlängert: So stellte er seinen Vizekandidaten Paul Ryan als «nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten» vor. Ryan setzte schon zur Rede an, als Romney ans Mikrofon eilte und die Dinge richtigstellte: «Ich bin bekannt dafür, hin und wieder einen Fehler zu machen.» Diesmal ist er allerdings nicht allein, hatte doch vor vier Jahren der damalige Kandidat Barack Obama seinen Vize Joe Biden ebenfalls zuerst als künftigen Präsidenten vorgestellt.
Der in Umfragen zurückliegende US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat am Samstag seinen «Running mate» für die Wahl am 6. November bekannt gegeben. Es ist der 42-jährige Kongressabgeordnete Paul Ryan aus Wisconsin, der das Amt des Vizepräsidenten übernehmen soll.
Romney stellte seinen Stellvertreter bei einem Wahlkampfauftritt in der Garnisonsstadt Norfolk im Bundesstaat Virginia vor, wo beide vor dem Schlachtschiff USS Wisconsin aus dem Zweiten Weltkrieg auftraten. Ryan sei ein Vordenker der Republikaner, sagte Romney. Er sei charakterstark und wertorientiert.
Ryan sagte mit Blick auf das Staatsdefizit der USA: «Uns läuft die Zeit davon.» Wenn jetzt nicht gehandelt werde, gebe es schmerzhafte Konsequenzen. Den grössten Beifall bekam der Politiker, als er sagte, die Rechte der Bürger leiteten sich von der Natur und Gott ab - und nicht von der Regierung. Der Katholik irischer Abstammung aus Janesville im Bundesstaat Wisconsin ist verheiratet und hat drei Kinder. Er ist leidenschaftlicher Angler und Jäger.
Liebling der Tea Party
Auch wegen seiner Sparvorschläge ist Ryan ein Favorit der erzkonservativen Tea Party der Republikaner. Die Bewegung setzt sich vor allem dafür ein, die Macht der Bundesregierung in Washington zu beschränken, Staatsausgaben zu kürzen und Steuern zu senken. Als Hassobjekt gilt die Gesundheitsreform der Demokraten, mit der die meisten Bürger verpflichtet werden, eine Krankenversicherung abzuschliessen. Auch Romney bekräftigte bei dem Auftritt, die Reform zurücknehmen zu wollen.
Mit der Wahl Ryans als Kandidat für das Vizepräsidentenamt geht Romney das grösste Risiko im Wahlkampf ein. Der frühere Unternehmer ging bisher eher vorsichtig vor. Mit Ryan bietet er nun eine grosse Angriffsfläche für die Demokraten, die vor allem auf Steuersenkungen für die Mittelschicht und höhere Abgaben für Reiche setzen.
Ryans Vorschläge zur Kürzung von Sozialleistungen für alte und arme Menschen könnten den Demokraten etwa in Florida entgegenkommen. Der Südstaat, in dem viele Rentner leben, ist besonders umkämpft und könnte die Wahl entscheiden.
Romney relativiert - Obama kontert
Romneys Team erklärte am Samstag umgehend, dass der Kandidat nicht alle Haushaltsvorschläge Ryans unterstützt. Ein eigenes Konzept zur Sanierung des US-Haushaltes soll noch veröffentlicht werden.
Das Team von Präsident Barack Obama kündigte umgehend an, im Wahlkampf immer wieder auf die Sparvorschläge Ryans hinzuweisen. Als Kongressabgeordneter habe Ryan die «rücksichtslose» Wirtschaftspolitik von Ex-Präsident George W. Bush mitgetragen, die zu hohen Staatsschulden und zum Zusammenbruch der Konjunktur geführt habe
Romney unter Druck
Romney fiel zuletzt in Umfragen hinter Obama zurück. Besonders bei den Themen Arbeitsplätze und Wirtschaft trauten die Befragten Obama mehr zu als dem Millionär Romney. Die Republikaner bemühen sich darum, ihr haushaltspolitisches Profil zu schärfen. Sie wollen das Defizit vor allem über eine Verschlankung des Staates und Sparmassnahmen senken.
Ende August soll der 65-jährige Romney auf einem Parteitag in Tampa in Florida zum Kandidaten für die Präsidentenwahl gekürt werden. Obama tritt im November wieder mit dem jetzigen Vizepräsidenten Joe Biden an.
Ryan seit 13 Jahren im Kongress
Der erst 42-jährige Ryan sitzt seit 13 Jahren als Abgeordneter im Kongress und ist derzeit Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus. Auch davor arbeitete er in der Washingtoner Politik. Er entwickelte schon früh ein Interesse für die Haushaltspolitik. So sagte er einmal, dass er Budgetentwürfe gelesen habe, seit er 22 gewesen sei. "Ich weiss, dass das ein bisschen krank ist", scherzte er.
Mit dieser Erfahrung könnte Ryan nach einem Sieg der Wahl am 6. November Romney eine wichtige Hilfe bei Auseinandersetzungen mit dem Kongress sein. Romney selbst, der als Unternehmer zum Multimillionär geworden ist, hat dagegen keine Erfahrung in der Washingtoner Politik. Und Ryan kennt sich in der Aussenpolitik wie Romney nicht aus. (bru, reuters/dpa)
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