Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03311.jsonl.gz/1917

Anwälte in Grossbritannien haben im Namen verschiedener britischer Verleger eine Klage über 13,6 Milliarden Pfund gegen Google eingereicht. Die Klägerschaft behauptet, dass Google seine Dominanz auf dem Adtech-Markt ausgenutzt habe, um "Bedingungen zu diktieren, die Preisgestaltung zu kontrollieren" und teilweise auch "seine eigenen Plattformen zu bevorzugen".
Gemäss 'Pressgazette'
deutet eine wirtschaftliche Analyse, die im Zuge der Klage vom Londoner Competition Appeal Tribunal (CAT) erstellt wurde, darauf hin, dass der "Marktmissbrauch" die Werbeeinnahmen der Verleger um bis zu 40% reduziert haben könnte. Die Klage wird von Claudio Pollack, einem ehemaligen Direktor der britischen Kommunikationsaufsichtsbehörde Ofcom, geleitet.
Dieser sagte gegenüber dem Medium: "Der Markt für Online-Werbung ist ausgeklügelt, technisch und hoch automatisiert. Werbung wird im Bruchteil einer Sekunde in einem Prozess verkauft." In einer idealen Welt würden Angebot und Nachfrage sicherstellen, dass der Markt effizient und effektiv funktioniert. Leider habe sich dieser aber inzwischen so entwickelt, dass er in erster Linie den finanziellen Interessen von Google diene, so der Chefankläger.
Mehrere tausend Kläger
Die Klage bezieht alle Verleger, die von Googles angeblichem Marktmissbrauch betroffen waren, mit ein, sofern sie sich diese nicht selbstständig davon zurückziehen. Die Anwälte erklärten, dass sie ihre Rechtsschrift im Namen von 130'000 Unternehmen eingereicht haben. Diese Firmen seien zusammen für 1,7 Millionen Websites und Apps in Grossbritannien verantwortlich, schreibt 'Pressgazette'.
Die Klage stützt sich auf Beweise, die bei Untersuchungen der Wettbewerbsbehörden in der EU, dem Vereinigten Königreich, den USA und Frankreich gesammelt wurden. Die französische Wettbewerbsbehörde hatte Google im vergangenen Jahr auf 220 Millionen Euro verklagt und dem Tech-Giganten vorgeworfen, seine beherrschende Stellung auf dem Werbemarkt zu missbrauchen. Mittlerweile hat sich der Konzern aber sowohl mit den französischen als auch mit den deutschen Behörden einigen können
.
Die britische Klage wird in Verbindung mit einer Klage der Europäischen Union organisiert, die Anfang 2023 in den Niederlanden eingereicht werden soll.
"Viel mehr als nur Geld"
Gegenüber 'Pressgazette' sagte der an beiden Verfahren beteiligte Anwalt Damien Geradin: "Obwohl der Wert der von uns eingereichten Klage beträchtlich ist, glauben wir, dass es in dieser Angelegenheit um viel mehr als nur um Geld geht." Seit Jahren würde Google die Möglichkeit ein angemessenes Einkommen durch Werbung zu erzielen einschränken. Nun müsse Google nicht nur zur Rechenschaft gezogen werden, sondern auch die Verlierer der marktbeherrschenden Stellung entschädigt werden.
Ein Sprecher von Google sagte gegenüber dem Magazin, der Konzern "arbeitet konstruktiv mit Verlagen in ganz Europa zusammen – unsere Werbetools und die unserer vielen Adtech-Konkurrenten helfen Millionen von Websites und Apps, ihre Inhalte zu finanzieren". Diese Dienste würden auch weiterhin in Partnerschaft mit den Verlagen angepasst und weiterentwickelt werden, so der Sprecher.