Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03264.jsonl.gz/249

Er blickt grimmig nach rechts, feine Löckchen säumen den Kapuzenrand und auf der Brust zeichnen feine Wölbungen ein Bild eines starken Mannes. Dieser Mann blickt nun schon 100 Jahre in die Innenseiten Schweizer Portemonnaies. Die Fünflieber-Münze mit dem Alphirten als Motiv feiert dieses Jahr den 100. Geburtstag.
Hirtenmodell stammt vermutlich aus der Zentralschweiz
Und wenn wir die Geschichtsbücher aufschlagen, Erzählungen und Aufzeichnungen von Edelmetallprüfern und Kennern glauben, dann war dieser Alphirte ein Zentralschweizer. Zwar ist es gemäss Swissmint, der offiziellen Münzprägestätte der Schweiz, nicht wie von vielen vermutet Wilhelm Tell. Aber: In einem Dokument von Swissmint werden drei Personen aus den Kantonen Schwyz und Uri als mögliche Hirten-Modelle genannt. Jost Schillig (1864 – 1938), Landrat aus Bürglen, Sepp Maria Planzer (1881 – 1964) vom Riedertal bei Bürglen und Franz Betschart (1871 – 1949) aus Ingenbohl. Wer von diesen drei nun seit 100 Jahren sein Antlitz auf abgewetzte Jeans-Innentaschen richtet, bleibt ein Geheimnis.
Ehemaliger Hirte trug kurze Hosen
Klar ist aber, dass das Konterfei des Hirten vom Bildhauer Paul Burkhard aus Richterswil aus dem Jahr 1919 stammt. Dieser setzte sich mit zwei Motiven in einem Wettbewerb zur neuen Münzprägung des Fünflibers durch. Allerdings war der Hirte in den ersten Entwürfen Burkhards noch mit dem ganzen Körper abgebildet. In einem Entwurf trug er kurze Hosen und eine Schweizer Fahne, in einem zweiten stand er mit lässig verschränkten Armen vor einem Berg. Der Bundesrat entschied sich, den Hirten nur bis zu den Schultern zu zeigen. Schade eigentlich.
Anschliessend wurde der Stahlstempel mit dem Hirten angefertigt. Da die ersten Stempel den Bundesrat nicht befriedigten, mussten sie immer wieder aufs Neue ausgebessert werden und waren erst 1923 bereit. Allerdings waren die Stempel mit der Jahreszahl 1922 gefertigt worden. Kritisiert wurde übrigens bei den ersten Entwürfen des Fünflibers unter anderem, dass der Übergang von Hals zu Kapuze nicht zu erkennen war.
Fünfliber nahm zehn Gramm ab
Mit den Jahren folgten diverse weitere Ausbesserungen des Stempels. Die Gesichtszüge des Hirten wurden markanter, das «5 Fr.» auf der Rückseite wurde durch ein «5 FR.» ersetzt und das Schweizer Kreuz bekam schmalere Balken. Im Jahr 1931 wurde der Fünflieber kleiner: Statt 37 Millimeter betrug der Durchmesser nur noch 31 Millimeter. Das Gewicht wurde von 25 Gramm auf 15 Gramm reduziert und der Silbergehalt nahm ab. Seit 1968 wird der Fünfliber nicht mehr aus Silber, sondern aus Kupfer-Nickel hergestellt.
Bis 1982 gab es eine wechselständige Prägung. Das heisst, wenn die Vorderseite aufrecht war, war die Rückseite auf dem Kopf. Im Jahr 1982 gab es eine Vereinheitlichung. Seither sind die Prägungen aller Schweizer Münzen gleichständig, also die gleiche Seite ist auf beiden Seiten oben (das könnt ihr gerne im Portemonnaie abchecken.)
Name kommt aus dem Französischen
Nun, wenn wir schon den Geburtstag des heutigen Fünflibers feiern, muss auch der Ursprung des Namens erwähnt werden. Die Bezeichnung kommt gemäss Swissmint vom französischen Wort «Livre», was übersetzt Pfund bedeutet. Die französischen 5-Francs-Stücke, die in der Schweiz zirkulierten, wurden früher als Fünflivres bezeichnet. Mit der Zeit wurden aus Fünflivres Fünfliber.
Sechs Stunden Arbeiten für einen Fünfliber
Natürlich hat der Wert des Fünflibers mit der Zeit abgenommen. Damals, zu Bildhauer Burkhards Zeiten, betrugen die Prägkosten für einen Fünfliber 30 Rappen. Hinzu kamen 4,96 Franken an Materialkosten. Ein Netto-Stundenlohn eines durchschnittlichen männlichen Arbeiters betrug vor rund 100 Jahren noch knapp über 80 Rappen. Für einen Fünfliber musste ein Mann somit rund sechs Stunden arbeiten.
Heute bekommt fast jedes Kind an der Chilbi einen Fünfliber in die Hand gedrückt – ohne dafür sechs Stunden gearbeitet zu haben. Dennoch bleibt der Fünfliber eine Münze, die wohlig in der Hand liegt, die man gerne in der Ski-Jacke findet, weil sie einen gewissen Wert hat und diesen auch verkörpert. Und übrigens: Er schaut nur so grimmig, weil er seit 100 Jahren in dieselbe Richtung starren muss und deshalb einen steifen Nacken hat.