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Je offener ein kantonaler Arbeitsmarkt ist, desto eher finden Asylsuchende eine Arbeit. Der Aargau integriert zurückhaltend, Basel und Solothurn sind grosszügiger. Zürich rangiert am anderen Ende der Tabelle.
Während Europa sich über eine Stärkung der Aussengrenzen streitet, treibt die hiesigen Behörden weniger die Zahl der neu angekommenen Asylsuchenden um. Sie befassen sich vielmehr mit der Integration von Personen, die in der Schweiz bereits Asyl beantragten.
Die Kantone haben längst erkannt, dass es sich lohnt, Asylbewerber, die mittel- bis langfristig in der Schweiz bleiben, zu integrieren. Einzelne Kantone wie Graubünden vermitteln Asylsuchenden seit Jahren möglichst schnell eine Arbeit, um die staatlichen Finanzen zu entlasten, wie Markus Haltiner, Vizedirektor des Amts für Migration, sagt. «Die Selbstständigkeit löst die staatlichen Fürsorgegelder ab.»
Eine Studie der Universität Basel zeigt nun, wie unterschiedlich die Chancen auf eine Integration in den Arbeitsmarkt sind – gerade bei Asylsuchenden, die sich im Asylprozess befinden und kein abschliessendes Urteil erhalten haben. Während in Graubünden im April 17.4 Prozent der Asylsuchenden einer Arbeit nachgingen, war es in Glarus, Jura, Nidwalden und Uri kein einziger (siehe Tabelle).
Die Studienautoren verglichen die kantonalen Modelle und kamen zum Schluss, dass der Erfolg der beruflichen Integration massgeblich davon abhängt, wie die Kantone den Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylsuchende regeln. In offenen Kantonen steigt die Erwerbsquote um durchschnittlich elf Prozentpunkte. Entscheidend sind folgende fünf Faktoren:
Zwar hat der Zustand der kantonalen Wirtschaft ebenfalls einen Einfluss: Eine hohe Arbeitslosigkeit erschwert den Einstieg für Asylsuchende ins Erwerbsleben. Zudem zeigt sich, dass gewisse Sektoren wie der Tourismus einen niederschwelligen Einstieg ins Arbeitsleben bieten, wie das in Graubünden der Fall ist.
Nirgends ist die Arbeitsmarktpartizipation von Asylsuchenden so hoch wie in Graubünden. In der Studie wurden andere Faktoren untersucht, aber die meisten wieder verworfen. Die Herkunft der Asylsuchenden und die sprachliche Nähe tragen zusätzlich zum Integrationserfolg bei.
Nur: «Entscheidend ist, ob ein Asylsuchender ohne grossen Aufwand eine Arbeitsbewilligung erhält», sagt Studienautor Alois Stutzer. Für Asylsuchende mit breitem Netzwerk vereinfacht sich die Stellensuche, das zeigt sich bei Personen aus Sri Lanka. Wenn dieses nicht besteht und sich gleichzeitig die Sprache stark von deutsch, italienisch oder französisch unterscheidet, sei es einem Asylsuchenden kaum möglich, eine Arbeit zu erhalten, selbst wenn der Arbeitsmarktzugang sehr offen ist, sagt Alois Stutzer. Deshalb sei es durchaus sinnvoll, die Asylsuchenden entsprechend auszubilden.
Da der Bund die Asylsuchenden nach Zufallsprinzip auf die Kantone verteilt, ist es auch zufällig, ob eine Person im Asylprozess eine Chance hat, zügig eine Arbeit aufzunehmen. Doch wieso handhaben die Kantone den Zugang so unterschiedlich?
Grundsätzlich besteht eine gewisse Sorge,dass gute Asylbedingungen weitere Flüchtlinge anziehen. Doch ist es letztlich eine Frage der Prioritäten. Während etwa die Hälfte der Kantone den Asylsuchenden nur Arbeitsbewilligungen für Sektoren mit geringer Arbeitslosigkeit ausstellt, orientieren sich andere wie der Aargau und Baselland stark am Willen des Gesetzgebers: Die Integration soll erst erfolgen, wenn ein positiver Asylentscheid vorhanden ist – oder wenn ein Bewerber langfristig in der Schweiz bleiben wird, wie das derzeit bei rund 43'000 vorläufig Aufgenommenen der Fall ist.
«Der Kanton Basel-Land verfährt bei der Integration von Asylsuchenden in der Anfangsphase sehr restriktiv, da deren Verbleib in der Schweiz noch nicht gesichert ist und auch weil der Bund eine vorzeitige Integration untersagt», sagt Rolf Rossi, Abteilungsleiter der Koordinationsstelle für Asylbewerber. Tatsächlich gilt in den ersten drei Monaten ein Arbeitsverbot. Das Migrationsamt Graubünden nutzt diese Zeit bereits, um die Asylsuchenden auf Selbstständigkeit vorzubereiten, indem es hilft, Jobs zu vermitteln, und eine Aussicht auf eine eigene Wohnung stellt. «Für uns hat sich das System hervorragend bewährt», sagt Markus Haltiner.
Basel-Land habe hingegen bewusst entschieden, der Integration von Asylsuchenden eine tiefere Priorität zuzuweisen, sagt Rolf Rossi. «Er fördert die Integration von jenen Personen im Asylprozess, die längerfristig bleiben.» Das Engagement widerspiegelt sich in der Erwerbsquote von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen: Die Quote liegt auch in den Kantonen Aargau, Basel-Land, Zürich und Solothurn um die 30 Prozent. Deutlich höher ist sie nur in Kantonen, die Efforts schon früher starteten – etwa in Graubünden oder Obwalden. (aargauerzeitung.ch)