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Dienstag, 25. Januar
Ich starte wieder einmal in Brisbane für den Flug nach Honiara auf den Solomon Islands. Die Abflugszeit ist auf 10.00 Uhr angesagt. Ich treffe wie verlangt zwei Stunden früher am Flughafen ein und stelle fest, dass der Flug auf der Anzeigetafel zur vorgesehenen Zeit aufgeführt ist. Trotz 10kg Übergewicht bereitet das Einchecken meines Koffers keine Probleme. Mit einer halben Stunde Verspätung hebt die Maschine der Air Vanuatu in Richtung Honiara ab. Es ist ein stürmischer Flug, da zurzeit an der Ostküste von Australien ein Zyklon wütet, der Sturm und Regen verursacht. Dies sollte dann auch auf den Salomonen so sein.
Ein gewisser Patrik vom Elektrizitätswerk hatte mir geschrieben, er werde mich abholen. Ich kann ihn jedoch beim besten Willen nicht ausfindig machen, und so beschliesse ich, mit dem Bus des Hotels Mendana in die Stadt zu fahren. Zum Glück hatte ich ein Zimmer reserviert. Es stellt sich nämlich heraus, dass einige andere Fluggäste, die keine Reservation vorgenommen hatten, keinen Platz finden. Da das Büro der Solomon Airlines bereits geschlossen ist, kann ich die Flugbestätigung für den nächsten Tag nicht mehr einholen. Noch am gleichen Abend melde ich mich telefonisch bei Theo von Fellenberg an. Er ist mit seiner Familie schon einige Monate in Auki auf der Insel Malaita, wo er als Arzt arbeitet. Das ist auch das Ziel meiner Reise. Theo verspricht mir, dass jemand mit einem Fahrzeug des Spitals mich abholen werde.
Mittwoch, 26. Januar
Der Flug nach Auki ist auf 10.20 Uhr vorgesehen. Da hier aber Flugplanänderungen an der Tagesordnung sind, möchte ich zuerst eine Bestätigung der Abflugzeit. Vom Hotel aus wird ab 8.00 Uhr versucht, das Büro der Solomon Airlines anzurufen. Um 8.30 Uhr kommt die erste Verbindung zustande. Es stellt sich heraus, dass der Flug auf 13.50 Uhr verschoben wurde. Dies bedeutet, dass ich um 12.30 Uhr los muss. Es bleibt mir also noch genügend Zeit, um im Central Hospital von Honiara vorbeizuschauen. Theo möchte nämlich, dass ich noch einen Regler für einen Autoklaven dort abhole und nach Auki bringe. Ich treffe viele bekannte Leute im Spital. In der Werkstatt ist das Problem mit dem Regler bekannt, aber es ist keiner zur Hand. Ich treffe auch einen Schweizer Arzt, Chris, und eine deutsche Ärztin, die beide im Spital arbeiten.
Um 13.00 Uhr treffe ich auf dem Flugplatz ein und was höre ich?: "Sorry, the flight has been changed to 15.00" Wenig später heisst es sogar, dass der Flug auf 16.00 verschoben wurde. Zu allem Überfluss wollen sie auch noch Geld für mein inzwischen auf fast 20 kg angewachsenes Übergewicht! Nachdem ich erkläre, dass der grösste Teil des Übergewichts aus Material für das Spital bestehe, geht die Sache in Ordnung. Beim Beladen des Flugzeuges um 16.00 Uhr gibt es Probleme, d.h. zuviel Gewicht. Ich werde gerufen und muss meinen Koffer zurücklassen. Dieser werde am nächsten Tag nachgeliefert. Zum Glück habe ich das Nötigste im Rucksack.
Kurz nach 17.00 Uhr landen wir auf einer Wiese in der Nähe von Auki. Das Fahrzeug des Spitals wartet immer noch. Kaum ausgestiegen, empfängt mich Nathalie, Theos Frau. Sie hat seit mittags am Flugplatz auf mich gewartet. Zusammen fahren wir zum Spital. Theo macht gerade Feierabend und so bringt uns das Spitalfahrzeug alle zusammen zum Hause von Fellenbergs. Die Töchter Melissa und Eva warten schon ungeduldig auf uns.
An diesem Abend gibt es viel zu erzählen, denn in Auki gibt es keine Nachrichten. Niemand weiss, was in der grossen weiten Welt passiert. Kaum dass es richtig dunkel wird, geht auch der Strom aus und wir müssen uns mit Kerzen behelfen.
Donnerstag, 27. Januar
Da ich mein Gepäck noch nicht habe, kann ich nichts ausrichten. Ich gehe deshalb mit Nathalie auf den Markt zum Einkaufen.
Am Mittag hört man den Flieger brummen, und ich hoffe, dass mein Gepäck an Bord ist. Das Spitalfahrzeug bringt Theo nach Hause, leider ohne mein Gepäck. Das Büro der Solomon Airlines ist wieder einmal schon geschlossen, und es ist deshalb nichts zu machen. Kurze Zeit später jedoch kommt ein Fahrzeug mit meinem Gepäck. Nun ist alles in Ordnung. Ich zeige Theo und Nathalie die chirurgischen Instrumente, die ich mitgebracht habe. Sie sind hocherfreut.
Freitag, 28. Januar
Zusammen mit Theo fahre ich mit dem öffentlichen Bus zum Spital von Kilu'ufi. Zuerst ist ein Rundgang angesagt, damit ich eine Vorstellung davon bekomme, was wo ist. Bei dieser Gelegenheit treffen wir auch den Elektriker Fred. Er erläutert mir viele seiner Probleme, mit denen er hier konfrontiert wird.
Als erstes sehen wir uns den Sterilisator an. Ans Sterilisieren ist in diesem Spital schon seit Jahren nicht mehr zu denken. Der Sterilisator funktioniert mit einer elektrischen Heizung. Ein Heizstab ist herausgebrochen und erbringt deshalb zu wenig Heizleistung. Die Steuerung jedoch funktioniert noch. Ich demontiere das abgebrochene Heizelement und nehme es als Muster nach Hause. Das neue Heizelement kann vom Elektriker selber eingesetzt werden. Ich ziehe es vor, den anderen Sterilisator, der mit Gas betrieben wird, nicht auszuprobieren. Dieser hat offensichtlich noch nie funktioniert und es gibt niemanden, der weiss, wie er betrieben werden sollte!
Theo bringt uns noch ein Umstellventil, das blockiert ist. Es gehört zu einem Set von Instrumenten und ohne dieses Ventil ist das gesamte Set unbrauchbar. Es ist dermassen blockiert, dass es nur noch mit Gewalt behandelt werden kann. Der Elektriker nimmt es über Mittag mit. Er will nach einem Hammer für die Zerlegung suchen. Am Nachmittag bringt er es wieder mit, in alle Einzelteile zerlegt, ohne dass etwas kaputt ist. Nach einer gründlichen Reinigung funktioniert es wieder.
Das Mittagessen, eine Nudelsuppe, bereiten Theo und ich im Spital selber zu.
Am Nachmittag gehe ich mit dem Elektriker ins Labor. Ein Gerät mit Motorantrieb funktioniert nicht mehr. Wir nehmen es auseinander. Im Innern befindet sich so viel Dreck, dass alles blockiert ist. Nach gründlicher Reinigung funktioniert es wieder. Eine Steckerleiste geht nicht mehr, weil der Schalter auseinandergebrochen ist. Wir überbrucken diesen und schrauben die Steckerleiste wieder zusammen. Zum Test stecke ich sie in die Steckdose. Ein Knall und Rauch aus der Leiste sind die Folge. Da hat scheinbar etwas nicht funktioniert. Jetzt ist sie endgültig im Eimer.
Zurück im OP, möchte Theo, dass ich mir den Gas-Sterilisator doch anschaue. Wie üblich gibt es halt keine Gebrauchsanweisung und nur aufgrund der Leitungen und der Abstellhahnen verstehe ich die Funktion auch nicht. Die OP-Schwester glaubt, dass eine Gebrauchsanweisung vorhanden ist. Die Person aber, die wissen könnte, wo sich die Gebrauchsanweisung befindet, kommt erst am Montag wieder. Am Abend zuhause studieren Theo und ich die Funktionsweise eines Sterilisators anhand eines Buches.
Samstag, 29. Januar
Geplant ist eine Ausfahrt in die Lagune mit dem Boot des Spitals. Das Wetter zeigt sich regnerisch. Wir machen uns aber trotzdem etwas verspätet auf den Weg zum Hafen: Kein Schiff, kein Bootsführer, Warten ist angesagt. Nach längerer Zeit findet Theo den Bootsführer auf dem Markt. Er hat den Motor in der Reparatur und die Werkstatt ist geschlossen. Heute gibt es also keine Schiffsfahrt. Am Abend gehen wir zum Nachtessen ins einzige Restaurant, das es hier gibt.
Sonntag, 30. Januar
Da das Wetter heute nicht so schlecht aussieht, machen wir einen weiteren Versuch für die Bootsfahrt. Etwas verspätet treffen wir beim Boot ein. Auch der Bootsführer ist da. Als alle eingestiegen sind, will er den Motor starten. Nichts tut sich. Nach vielen vergeblichen Versuchen paddeln wir zurück in die Werkstatt. Der Motor wird auseinandergenommen und es zeigt sich, dass viel Dreck im System ist. Nach etwa einer Stunde läuft der Motor, leider nicht rund. Wir fahren los und erreichen nach einiger Zeit Mbuma. Dort besuchen wir die Klinik. Eine Hilfsschwester führt uns herum und zeigt uns alles. Es ist kaum zu glauben, was wir hier antreffen.
Auf der Rückfahrt machen wir einen Picknick-Stopp auf einer kleinen Insel. Mir ist es gar nicht ums Essen. Es ist mir schlecht und ich bin von Bauchweh geplagt. Bald wird auch das Wetter schlecht. Über Malaita tobt ein schweres Gewitter. Wir packen zusammen und fahren zurück. Nach kurzer Zeit beginnt es auch schon zu regnen. Unser Boot ist eine offene Aluschale ohne Schutz. Innert Kürze sind wir durch und durch nass. Wir machen auf einer kleinen Insel Halt, um das Ende des Regens abzuwarten. Aber nach über einer Stunde entschliessen wir uns trotz des Regens weiterzufahren. Unser Bootsführer bringt zu allem Unglück den Motor nicht mehr zum Laufen, und wir treiben immer weiter ins Meer hinaus. Theo und ich versuchen, das Boot mittels Paddel und Stichel wieder auf die Insel zurückzubringen. Dies gelingt uns nur unter grössten Anstrengungen. Endlich läuft dann auch der Motor wieder und die Fahrt geht bei starkem Regen zurück nach Auki. Wir sind völlig durchnässt und schliesslich bringt uns ein Polizeiauto nach Hause.
Mir geht es immer schlechter. Ich habe Durchfall und muss auch erbrechen. Ich gehe sofort ins Bett.
Montag, 31. Januar
Die Nacht war unruhig und ich konnte nicht gut schlafen. Ich hörte die Kinder immer wieder rufen. Am Morgen erfahre ich dann, dass Eva in der Nacht erbrochen hat. Melissa ist ganz bleich und will nichts essen. Auch Theo ist es schlecht, nur Nathalie fühlt sich noch wohl. Mir geht es auch noch nicht gut und ich beschliesse, heute zuhause zu bleiben.
Am Nachmittag haben wir Probleme mit der Wasserversorgung im Haus. Die Pumpe läuft ununterbrochen, obwohl wir kein Wasser verbrauchen. In der Verrohrung finde ich nach längerem Suchen einen kaputten Handhahn, der das Wasser irgendwohin leitet, nur nicht ins Haus. Ich baue diesen Handhahn aus und muss die Leitungen anders verbinden, so dass kein Wasser mehr verloren geht. Dazu brauche ich Material. Im Dorf sind die Läden jedoch bereits geschlossen. Der Nachbar kann uns aber mit Material und Werkzeug weiterhelfen.
Dienstag, 1. Februar
Im Spital zeichne ich alle notwendigen Details für eine neue elektrische Hauptverteilung auf. Zusammen mit dem Spital-Adviser Ted notiere ich alle Erweiterungen, die geplant sind.
Im OP steht noch ein Kocher für Instrumente, der nicht heiss wird. Fred und ich messen die Heizelemente aus. Von acht Elementen sind fünf defekt. Das ist nicht reparierbar.
Für den Gas-Sterilisator findet auch die nun wieder anwesende Schwester Helena kein Manual, und mit der Bedienungsanleitung komme ich nicht weiter.
Auf der Geburtsabteilung gibt es eine grosse Lampe, die der Elektriker auf normale Glühlampen umgebaut hat weil die speziellen Glühlampen die notwendig wären, hier nicht erhältlich sind. Theo meint, diese sollte besser leuchten, aber ich habe keine andere Lösung.
Im OP gibt es noch eine kleine Lampe ohne Glühlampe. Die alte Spezial-Glühlampe mit Trafo ist defekt und nicht reparierbar.
Mittwoch, 2. Februar
Zusammen mit Theo und Fred dem Elektriker gehe ich in sämtliche Patientenhäuser und gehe nochmals die elektrischen Probleme durch. Verschiedene Lampen und Ventilatoren sind zu ersetzen. Auch Steckdosen braucht es noch an verschiedenen Orten. Ich erstelle eine Liste des benötigten Materials und bitte den für die Finanzen Verantwortlichen, den Kauf zu bewilligen.
Der Chauffeur bringt uns nach Auki. Im Elektroladen ist alles vorhanden. Ich finde sogar noch eine spezielle Spotlampe für den OP, die sogar in die Fassung passt. Für die grosse Lampe auf der Geburtsabteilung wären diese Spotlampen auch gut, aber leider gibt es keine Fassungen dazu. Wir finden jedoch solche bei einem Chinesen. Nach der Rückkehr beginnt Fred sofort mit der Arbeit.
Am Nachmittag beginne ich mit der Arbeit in der Klinik von Auki. Es ist ein kleines Spital, das nur einige Stunden von Montag bis Freitag geöffnet hat und wo nur Kleinigkeiten behandelt werden können.
Schwester Ruth bringt mir einen defekten Wasserkocher. Sie hat seit einem Jahr kein warmes Wasser mehr, das sie für Ohren- und Augenspülungen benötigt. Leider kann ich ihn nicht reparieren. Sie sagt, sie habe auch einen defekten Puls-Detektor zur Reparatur ins Spital Kilu'ufi gebracht und diesen nicht mehr zurück erhalten. Ich verspreche ihr, mich Morgen auf die Suche nach diesem Puls-Detektor zu machen.
Mein nächster Besuch führt mich zu Bentley, dem Chef des Elektrizitätswerks in Auki. Er ist an Generatoren der Schweizerarmee interessiert. Ich zeige ihm Bilder und Datenblätter, und er vereinbart für mich einen Termin für nächste Woche bei seinem Chef in Honiara. Er ist sehr interessiert an den Generatoren, denn hier ist der bestehende Generator immer überlastet und Stromausfälle an der Tagesordnung.
Donnerstag, 3. Februar
In der Nacht gibt es abermals einen heftigen Sturm mit starkem Regen, und am morgen regnet es immer noch heftig. Bevor ich ins Spital gehe buche ich noch meinen Flug von Auki nach Honiara um. Ich fliege am Dienstag, 8. Februar, was mir Zeit gibt, noch einiges in Honira zu erledigen.
Zurück im Spital finde ich den vermissten Puls-Detektor schnell und repariere ihn als erstes. In der Röntgenabteilung ist die Maschine zum Filmentwickeln defekt. Und es ist fast ein Wunder, es gibt diesmal sogar ein Manual dazu. Zusammen mit Fred finde ich schnell das erste Problem: Die Heizung für die Filmtrocknung funktioniert nicht. Der Thermostat ist defekt und so überbrücke ich ihn halt. Es gibt noch einen zweiten, und somit ist es kein Problem. Die Maschine läuft aber immer noch nicht. Beim weiteren Suchen finde ich einen Print, auf den Chemikalien ausgelaufen sind, die einige Bauteile aufgelöst haben. Diese Bauteile sind aber nur in Honiara erhältlich. Ich werde den Print nächste Woche zur Reparatur dahin mitnehmen.
Am Nachmittag versuchen Fred und ich die
grosse Lampe auf der Geburtsabteilung umzubauen. Mit Werkzeug
und Bohrmaschine begeben wir uns in den Gebärraum. Da
niemand hier ist, beginnen wir mit unserer Arbeit.
Plötzlich hören wir aus einer Ecke Kindergeschrei. Da
liegt doch wirklich ein Neugeborenes in einem Tuch in einer
Ecke, das wir nicht bemerkt haben. Schnell holen wir eine
Schwester, damit sie das Baby wegbringt. Nun können wir
arbeiten und der Umbau gelingt uns gut. Wir können die
erste Lampe einsetzen. Fred muss später noch die andern
fünf Fassungen nach dem gemachten Muster umbauen.
Freitag, 4. Februar
Um sieben Uhr fahren Theo und ich von zuhause weg nach Malu'u. Dort gibt es eine Klinik ohne Doktor, welche diverse technische Probleme hat. Im Spital müssen wir noch die Medikamentenkiste aufladen. Der Sanitärmonteur Frank und der Elektriker Fred kommen auch mit. Es warten aber auch noch eine Krankenschwester und einige Patienten auf einen Transport nach Malu'u. Unser Fahrzeug, ein Toyota-Hilux mit fünf Sitzplätzen und einer kleinen Ladebrücke ist übervoll. Die Fahrt dauert fast vier Stunden. Im Spital macht Theo bei den Patienten Visite und ich schaue nach den technischen Problemen.
Hier gibt es seit längerer Zeit
überhaupt keinen Strom mehr. Das Wasserkraftwerk ist seit
zwei Jahren ausser Betrieb weil der Wasserregler mangels
Wartung defekt ist. Der Dieselgenerator für das Dorf
würde eigentlich funktionieren, aber seit zwei Monaten
fehlt Dieselöl. Niemand transportiert mehr Diesel an
diesen Ort. Die Leute haben Angst vor den Rebellen. Der letzte
Transporteur hat die halbe Menge Diesel für sich selber
abgezweigt und bekommt darum keinen Transportauftrag mehr. Der
Notstromgenerator im Spital ist zerlegt. Es fehlen einige Teile
für den Motor. Auch der Sterilisator hat einen defekten
Regler. Diesen baue ich aus und nehme ihn mit nach Honiara. Zum
Schluss erstelle ich eine Liste der defekten Lampen und
Ventilatoren. Diese nützen jedoch nur etwas, wenn auch
wieder Strom vorhanden ist, was noch sehr lange dauern kann.
Um drei Uhr sind wir für die
Rückfahrt bereit. Es gibt wieder mehr Passagiere als Platz
vorhanden ist. Einige Patienten, die ins Spital von Kilu'ufi
müssen, nehmen wieder auf der Ladebrücke Platz und
zwei setzen sich aufs Dach. Dabei sind auch drei schwangere
Frauen, die kurz vor der Geburt stehen, eine davon mit
Zwillingen. Eine der Patientinnen ist an einer
Blinddarmentzündung erkrankt. Theo hofft, dass auf dieser
Holperfahrt nicht bereits das erste Kind zur Welt kommen will.
Er bestimmt mich aber vorsorglich zur Hebamme. Die Fahrt dauert
wieder beinahe vier Stunden, verläuft aber zum Glück
ohne Probleme.
Samstag, 5. Februar
Ausschlafen ist angesagt. Die Kinder haben das wahrscheinlich nicht mitbekommen, sie sind halt wie immer um sieben Uhr wieder in Aktion. Nach dem Morgenessen gehe ich mit Nathalie auf den Markt zum Einkaufen. Es ist ein ruhiger Samstag zuhause.
Sonntag, 6. Februar
Schon früh ist wieder Tagwache. Um zehn Uhr gehen wir zur Kirche. Mit den Kindern ist es nicht ganz einfach, den Zeitplan einzuhalten. Der Gottesdienst ist eindrücklich. Die Kirche lebt und alle machen mit, auch die Kinder. Die Kirche hier hat auch eine gesellschaftliche Bedeutung. Sie ist eine Begegnungsstätte. Unsere Kirchen in der Schweiz könnten hier viel lernen.
Nach dem Mittagessen mit anschliessender Siesta ist es schnell Abend.
Montag, 7. Februar
Mein letzter Tag im Spital. Fred ist nicht aufzufinden. Ich stelle aber zu meiner Überraschung fest, dass alle Arbeiten die für heute geplant sind, bereits erledigt sind. Ca. um zehn Uhr schleicht Fred daher. Er sieht schlecht aus. Er hat Malaria, ist aber trotzdem gekommen um mir auf Wiedersehen zu sagen.
Ich habe noch einige Schreibarbeiten im Büro zu erledigen, dann gehe ich nach Hause zum Mittagessen. Nach dem Essen telefoniert Theo aus dem Spital, er habe noch Arbeiten für mich gefunden. Ich packe mein Werkzeug ein und mache mich auf den Weg. An der Hauptstrasse warte ich auf den Bus, aber es kommt keiner. Die einheimische Polizei fährt vorbei, sieht mich dort stehen, kommt zurück und fragt mich, ob sie mich ins Spital fahren dürfen. Das nehme ich natürlich gerne an.
Im Büro wurden drei Proki-Schreiber und ein Diaprojektor gefunden, die repariert werden müssen. Ein Proki-Schreiber ist noch zu gebrauchen, der Rest ist Abfall.
Auf der Röntgenabteilung muss noch ein Schaukasten für die Röntgenbilder repariert werden. Ich kann nur noch die Liste mit den benötigten Ersatzteilen erstellen und hoffen, dass Fred auch ohne mich die Arbeiten erledigen kann.
Dienstag, 8. Februar
Der Abflug ist für 12.40 Uhr geplant. Ich packe meine Sachen zusammen und erkundige mich um 9 Uhr telefonisch über eventuelle Flugplanänderungen. Und tatsächlich, der Flug ist bereits um eine Stunde verschoben worden. Das Spitalauto holt mich zur abgemachten Zeit zuhause bei Theo ab. Nathalie begleitet mich auf den Flugplatz. Auf dem Weg dahin halten wir beim Spital, um auch Theo mitnehmen zu können. Zwei Personen verlassen gerade das Spital, welche den gleichen Flug nehmen wollen.
Ich suche nach Theo. Dieser beginnt jedoch gerade mit Operieren. Ein Kaiserschnitt muss noch gemacht werden. Er komme in einer Viertelstunde, sagt er mir. Es wird aber eine halbe Stunde daraus. Endlich können wir losfahren. Der Chauffeur weiss, dass wir zu spät sind und er fährt dementsprechend. Auf dem Flugplatz angekommen stellen wir fest, dass das Flugzeug schon zum Abflug bereit ist. Die Türe ist geschlossen und die Triebwerke laufen bereits. Als man unser Auto bemerkt, wird das Flugzeug angehalten, die Türe nochmals geöffnet und ich kann einsteigen. Die Passagiere klatschen als ich ins Flugzeug komme. Hinter mir geht die Türe zu und es wird bereits gestartet, und zwar genau zur angegebenen Original-Startzeit. Der Flugplan wurde in der Zwischenzeit halt schon wieder geändert!
Im Hotel Mendana klappt die Reservation. Der Weiterflug am Donnerstag nach Brisbane ist aber auf die Nacht zum Freitag verschoben worden.
Mittwoch, 9. Februar
Das vereinbarte Meeting beim Elektrizitätswerk findet statt, jedoch nach solomonischem Zeitverständnis, nämlich mit einer Stunde Verspätung. Wie bereits erwähnt, sind die Leute interessiert an einer Diesel-Generatoren-Gruppe aus der Schweiz. Nach dem Meeting gehe ich nach Panatina zum Elektroladen. Vorher möchte ich noch einen Kaffee. Die einzige brauchbare Kaffeemaschine steht in diesem Haus. Hier treffe ich auf Hansjakob Beldi, den einzigen Schweizer, der in diesem Land lebt. Auch er weiss wo es einen guten Kaffee gibt. Nach einem kurzen Gespräch beim Kaffee vereinbaren wir ein Treffen am Abend im Hotel.
Der Besitzer des Elektroladens, Fred, ist nicht anwesend. Er sei gestern nach Brisbane verreist. Und nur er könnte mir weiterhelfen. Sein Stellvertreter gibt mir jedoch Freds Telefonnummer in Brisbane, so dass ich ihn dort treffen kann.
Im Spital, wo ich auch noch einiges zum Erledigen habe, ist niemand anzutreffen.
Donnerstag, 10. Februar
Im Spital treffe ich heute morgen den Elektriker und kann alle offenen Probleme mit ihm besprechen. Er verspricht mir, Ersatzteile die er am Lager hat, nach Kilu'ufi zu spedieren. Ob er es dann auch macht, ist noch nicht so sicher.
Um Mitternacht fährt mich der Hotelbus zum Flughafen. Mit einiger Verspätung hebt das Flugzeug Richtung Brisbane ab.
Freitag, 11. Februar
Um 04.00 Uhr komme ich auf dem Flughafen von Brisbane an und fahre sofort weiter ins Hotel.
In den nächsten Tagen folgen noch Besprechungen in Brisbane.
© Februar 2005 Ernst Knellwolf