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Die zweitgrösste australische Fluggesellschaft Virgin Australia hat Insolvenz angemeldet. Damit will sich das Unternehmen laut einer Mitteilung finanziell neu aufstellen für die Zeit nach der Lockdown-Krise. Zuvor hatte die Airline eine Staatshilfe über 1,4 Milliarden australische Dollar (860 Millionen Franken) beantragt. Die konservative Regierung in Canberra lehnte den Antrag ab, unter anderem mit dem Hinweis, dass die Airline zuvor schon kaum rentabel war.
Einer Liquidität von 1,1 Milliarden «Aussie-Dollars» standen zuletzt Schulden von 5,3 Milliarden Dollar gegenüber.
Virgin verwies seinerseits auf die rund 16'000 Arbeitsplätze, die am Flugbetrieb hängen. Das Unternehmen verfügt über 130 Flugzeuge.
Grundversorgung per Jet
Virgin Australia sitzt in Brisbane und war nach Qantas die Airline Nummer 2 auf dem Kontinent. Auch Qantas hat mit den Folgen der Pandemie und dem gedrosselten Flugverkehr zu kämpfen, war aber vor der Krise finanziell besser aufgestellt. In Australien sind viele Menschen wegen der grossen Entfernungen und des dünnen Zugnetzes auf Flugzeuge angewiesen. Für Virgin Australia sollen laut dem Insolvenzverwalter nun schnell neue Investoren gefunden werden.
Die Fluggesellschaft gehörte zuletzt Singapore Airlines (20 Prozent), Etihad Airways (21 Prozent) und den chinesischen Unternehmen HNA (Hainan Airlines, bekannt geworden als Gategroup- und Swissport-Besitzerin, 20 Prozent) und Hanshan (20 Prozent, Qingdao Airlines). Die Virgin-Gruppe des britischen Unternehmers Richard Branson hält zehn Prozent.
Branson selber hatte sich am Montag mit einem offenen Brief an alle Virgin-Mitarbeiter gewandt: Die Corona-Krise die «schwierigste Zeit», die das Unternehmen in fünf Jahrzehnten seiner Geschäftstätigkeit erlebt habe. Ohne finanzielle Unterstützung der Regierung in London werde die Airline Virgin Atlantic nicht überleben.
«Es ist schwer zu vermitteln, welch verheerende Auswirkungen diese Pandemie weiterhin hat», so der britische Milliardär. Aus geschäftlicher Sicht sei der Schaden für viele Firmen beispiellos.
Virgin Atlantic braucht 500 Millionen Pfund vom Staat
Schon zuvor war bekannt gewesen, dass die Airline bis zu 500 Millionen Pfund (rund 600 Millionen Franken) von der britischen Regierung fordert, wie unter anderem die britische BBC berichtet. Sir Richard schreibt dazu: «Dies würde in Form eines Darlehens geschehen - es wäre kein kostenloses Geld, und die Fluggesellschaft würde es zurückzahlen.»
Im Brief verteidigt sich Branson auch gegen Kritik an seiner Bitte um Hilfe: «Ich habe viele Kommentare zu meinem Nettovermögen gesehen – aber das wird auf der Grundlage des Wertes von Virgin-Geschäften auf der ganzen Welt vor dieser Krise berechnet, nicht als Bargeld auf einem Bankkonto, das zur Abhebung bereit steht.»
Branson verteidigt Lohnkürzungen
Er fügt hinzu: «Es ist viel darüber gesagt worden, dass die Beschäftigten von Virgin Atlantic acht Wochen lang, verteilt auf sechseinhalb Monate, eine Lohnkürzung hinnehmen mussten. Dies war eine praktisch einstimmige Entscheidung der Beschäftigten von Virgin Atlantic und ihrer Gewerkschaften, die sich gemeinsam dafür entschieden, dies zu tun, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten - es wurde ihnen nicht von der Unternehmensleitung aufgezwungen.»
(rap — gku)