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Die Geschichte des Hauses Laurent-Perrier ist auch eine Geschichte tüchtiger Menschen: Der Küfer und Abfüller Alphonse Pierlot lässt sich im Jahr 1812 im Ort Tours-sur-Marne in der Champagne auf zwei Rebparzellen nieder und nimmt die Produktion von Champagner auf. Er vermacht sein Geschäft seinem Kellermeister Eugène Laurent, einem Winzer in dritter Generation. Eugène leitet das Haus von 1881 bis zu seinem Tod im Jahre 1887 mit seiner Frau Mathilde-Emilie Perrier. Die Witwe übernimmt dann die alleinige Führung des Unternehmens und verbindet ihren Mädchennamen mit dem ihres verstorbenen Gatten, die Marke Veuve Laurent-Perrier entsteht. Unter ihrer Leitung produziert das Haus 50 000 Kisten Champagner, Laurent-Perrier steigt damit in die Reihe führender Champagnerhäuser auf.
Nach dem Tod Mathildes 1925 erbt Eugènie das Unternehmen, in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, und verkauft dieses schliesslich 1939. Marie-Louise Lanson de Nonancourt investiert ihre gesamten Ersparnisse in den Erwerb der Firma Laurent-Perrier, die kurz vor dem Konkurs steht und nur noch rund 1000 Kisten Champagner besitzt. Sie leitet in den Jahren des Zweiten Weltkriegs das Haus, versteckt insgesamt 10 000 Kartons des edlen Getränks hinter einer Mauer und tarnt dieses «Lager» mit der Einrichtung einer unterirdischen Kapelle.
Die Kellergänge von Laurent-Perrier sind heute neun Kilometer lang und enthalten einen Lagervorrat von über 30 Millionen Flaschen Champagner. Gut vorstellbar also, dass solches damals mit etwas Geschick und vor allem Mut möglich war. Marie-Louise Lanson de Nonancourt war damit aber nicht die Einzige. In der Champagne wurden vielerorts die besten Schaumweine in den Gängen in den Kreidefelsen versteckt, dafür oft minderwertige Weine in Flaschen abgefüllt, die dann von der Wehrmacht in Richtung Deutschland abtransportiert wurden. Jedes Jahr wurden von den Deutschen so über 320 Millionen Flaschen Champagner und auch andere wertvolle Weine aus Frankreich «entführt». Ende des Zweiten Weltkriegs trifft Unteroffizier Bernard de Nonancourt, der jüngere Sohn von Marie-Louise, mit der zweiten Panzerdivision unter General Leclerc in Berchtesgaden ein. Die Türen zum privaten Weinkeller Hitlers im «Adlerhorst» werden geöffnet und mehrere Hundert Kisten Champagner kommen wieder zum Vorschein. Nach und nach werden auch in vielen anderen Weinhäusern in Frankreich die im Krieg versteckten Schätze «ausgegraben» und dienen den Firmen als willkommenes Startkapital in eine neue Zeit.
Bernard de Nonancourt befolgt den Rat seiner Mutter und bildet sich vier Jahre in den Cham-pagnerfirmen Lanson und Delamotte aus, bevor er die Leitung des Familienunternehmens übernimmt. Unter seiner charismatischen Führung steigt Laurent-Perrier dann ab 1949 zum grössten Familienunternehmen unter den Champagnerproduzenten auf. Der Unternehmer stirbt 2010, die Zukunft des unabhängigen Familienunternehmens Laurent-Perrier liegt seither in den Händen seiner beiden Töchter Alexandra Pereyre de Nonancourt und Stéphanie Meneux de Nonancourt. Der Sitz liegt immer noch in Tours-sur-Marne, mitten in der Champagne, an der Kreuzung der drei wichtigsten Anbaugebiete der im Nordosten Frankreichs gelegenen Region Champagne: der Montagne de Reims, dem Vallée de la Marne und der Côte des Blancs. Und möchten Sie über die Festtage mit einem Glas Champagner anstossen, liegen alleine hier, wie erwähnt, 30 Millionen Flaschen in neun Kilometer langen Kellergängen.