Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/49439

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird aufgefordert darzulegen, wie ein System der Abschlüsse im tertiären Bereich der Berufsbildung einschliesslich der Fachhochschulen aussehen kann, das die folgenden Merkmale aufweist:</p><p>1. Transparenz;</p><p>2. Bewertung der Abschlüsse und der beruflichen Praxis analog zur Bewertung der Lernstunden in Kreditsystemen;</p><p>3. eindeutig abgegrenzte Abschlussprofile;</p><p>4. definierte Durchlässigkeit;</p><p>5. Erfassung und Bewertung von erworbenen Kompetenzen;</p><p>6. Umsetzung der Bologna-Erklärung.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Anliegen der Interpellation decken sich mit den Bestrebungen des Bundesrates bei der Ausarbeitung der Ausführungsbestimmungen zum neuen Berufsbildungsgesetz (nBBG). Dies betrifft zum einen die Verordnung zum neuen Berufsbildungsgesetz (nBBV) als auch die Mindestvorschriften des Departementes über die Bildungsgänge der höheren Fachschulen. Gleichzeitig bilden diese Anliegen auch Gegenstand der Teilrevision des Fachhochschulgesetzes.</p><p>Berufsprüfungen, höhere Fachprüfungen und höhere Fachschulen gehören zur höheren Berufsbildung. Sie sind - wie die universitären Hochschulen und die Fachhochschulen - auf der Tertiärstufe angesiedelt, aber mit ihren stark praxisorientierten Ausbildungen nicht ins Hochschulsystem integriert. Jedes System ist an Spielregeln gebunden. Jeder Anspruch auf Öffnung stösst an Grenzen, was nichts daran ändert, dass es gilt, die horizontale und vertikale Durchlässigkeit gegenüber der heutigen Situation zu verbessern und innerhalb von klaren Rahmenvorgaben namentlich auch Übertritte in den Fachhochschulbereich zu ermöglichen.</p><p>Der richtigen Einstufung der höheren Berufsbildung kommt für die Anerkennung und Akzeptanz der Abschlüsse national, aber auch international eine hohe Bedeutung zu. Das Ziel muss deshalb sein, eine grösstmögliche Transparenz bei den Bildungsabschlüssen zu erreichen. Hierzu gehören definierte Durchlässigkeiten wie auch die Bewertung von ausserschulisch erworbenem Wissen und Kompetenzen. Entsprechende Grundlagenarbeiten laufen.</p><p>Im Einzelnen lässt sich heute was folgt festhalten:</p><p>- Der Entwurf der neuen Berufsbildungsverordnung sieht in Artikel 4 die Anrechnung und Anerkennung bereits erbrachter Bildungsleistungen vor. </p><p>- Im Rahmen der Ausarbeitung der Mindestvorschriften für die höheren Fachschulen wird der Zulassung und den Durchlässigkeiten besondere Beachtung geschenkt. Ziel ist es, diese separate Departementsverordnung noch in diesem Herbst in die Vernehmlassung zu schicken.</p><p>- Im erläuternden Bericht zum Vernehmlassungsentwurf für eine Teilrevision des Fachhochschulgesetzes wird festgehalten, dass zu prüfen sei, inwieweit Inhaberinnen und Inhabern eines Abschlusses einer Höheren Fachschule oder einer höheren Fachprüfung der prüfungsfreie Zugang zur Fachhochschule ermöglicht werden soll.</p><p>- Gleichzeitig wird auch die geplante Einführung von Bachelor und Master an den Fachhochschulen einen Beitrag zur Verbesserung der Durchlässigkeiten leisten.</p><p>Der Bundesrat ist davon überzeugt: </p><p>- dass klare und einheitliche Bestimmungen über Zulassungen und Durchlässigkeiten die Transparenz bei den Bildungsgängen und den dazugehörigen Abschlüssen der höheren Berufsbildung erhöhen. Die durch das nBBG und - gemäss dem heutigen Stand - die nBBV dem Bund übertragenen Kompetenzen, bei Berufs- und höheren Fachprüfungen die Zusammenlegung weitgehend ähnlicher Abschlüsse zu verlangen, unterstützt diese Forderung;</p><p>- dass es über ein noch zu bestimmendes Kreditpunktesystem möglich sein muss, die Bewertung der Abschlüsse in der höheren Berufsbildung zu erleichtern und deren Stellung national und international weiter zu verbessern;</p><p>- dass namentlich mit den sich in Bearbeitung befindlichen Mindestvorschriften über die höheren Fachschulen Grundlagen erarbeitet werden, um die Abschlüsse klar zu definieren, von anderen Abschlüssen besser abzugrenzen, die Vergleichbarkeit zu erhöhen und damit auch die Situation bei Übertritten, namentlich in Fachhochschulstudiengänge, zu verbessern;</p><p>- dass auch die Prüfungsordnungen bei den Berufsprüfungen und den höheren Fachprüfungen, welche im Zuge des nBBG und der dazugehörigen Verordnung reformiert werden, die Transparenz erhöhen werden;</p><p>- dass die Umsetzung der Erklärung von Bologna die Anliegen der Interpellation unterstützt und einen wesentlichen Beitrag nicht nur zur Schaffung eines europäischen Hochschulraumes, sondern auch zur besseren Vergleichbarkeit und Anrechenbarkeit ausserhalb der Hochschulen erworbenen Wissens und der Kompetenzen leistet.</p><p>Die gesetzlichen Rahmenbedingungen stellen wichtige Leitplanken dar. Es wird aber überdies zentral sein, die Partner (Kantone, Organisationen der Arbeitswelt und die Schulen selbst) für ein offenes Bildungssystem zu gewinnen. Dies liegt im Interesse der Förderung der Mobilität der Studierenden und der Transparenz der Abschlüsse und stellt in einem zunehmend internationaleren Umfeld auch für die internationale Anerkennung der Abschlüsse einen wichtigen Erfolgsfaktor dar.</p>  Antwort des Bundesrates.