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Simpson Desert von Ost nach West
Oktober 2014
Durchquerung der Simpson Desert von Ost nach West auf der French Line
Die Simpson Desert mit der French Line ist wohl eine der anspruchsvollsten Offroad-Strecken und eines der letzten wirklichen Sand Abenteuer Australiens. Der Track führt mitten durch die riesige Sandwüste hindurch über ungefähr 800 zu querenden Dünen. Die Bekannteste von ihnen ist die Big Red; 55 Meter hoch.
Da die Big Red auch beliebtes Ausflugsziel ist, da nur 40 Km von Birdsville entfernt, herrscht dort Jahrmarkt. Jeder versucht auf Biegen und Brechen, mindestens einmal mit seinem 4x4, mit dem er normalerweise sein grosses Wohnmobil möglichst auf Teerstrasse zieht, die Big Red zu erklimmen. Viele davon scheitern wegen mangelndem fahrerischem Können oder falschem Luftdruck schon an der etwas weniger heiklen Little Red.
Für einen Bergsteiger ist es das Grösste, einmal in seinem Leben den Mt. Everest zu besteigen, für einen Australier ist es das Grösste, einmal in seinem Leben mit seinem 4x4 durch die Simpson Desert zu fahren.
Da die Ostseiten der Dünen steiler sind, ist die Durchquerung von Ost nach West eher etwas schwieriger als umgekehrt.
Vom 15. November bis 15. März ist der Witjira NP und Simpson Desert NP wegen der großen Hitze geschlossen. Wir waren im September unterwegs.
Geschichte der Simpson Desert
Die Wüste ist benannt nach Alfred Allen Simpson, dem damaligen Präsidenten der Royal Geographical Society of Australia und liegt mit einer Gesamtfläche von 160000km² im Grenzgebiet von Northern Territories, South Australia und Queensland.
Augustus Poeppel vermaß zum ersten Mal die Wüste und markierte 1880 den Grenzpunkt zwischen den drei angrenzenden Staaten - heute als Poeppel Corner bekannt.
Ted Colson war 1936 dann der erste Weiße, der die Simpson komplett durchquerte: er zog mit Kamelen vom Bloods Creek nach Birdsville entlang der Grenze der Northern Territories. Als sie dann in Birdsville angekommen waren drehte er kurzerhand um und ritt ohne großen Aufhebens mit seinen Begleitern geradewegs wieder zurück nach Bloods Creek; Wohl einer der ersten Abenteuerreisenden der die Simpson einfach nur so durchquerte.
1960 durchquerte Dr. Reg Sprigg auf der Such nach Erdölvorkommen die Wüste für die French Petroleum Company. Zwei Jahre nach dieser aufwendigen Expedition durchquerte Sprigg die Wüste als erster mit drei Geländewagen - zudem hatte er Frau und Kind dabei und legte damit wohl den Grundstein für die heutige Beliebtheit der Durchquerung. Sprigg war einer der bekanntesten und erfolgreichsten Geologen des Kontinents. Er gründete das erste Unternehmen, das Geologie als Dienstleitung verkaufte. Viele der alten Öl und Gasvorkommen des Zentrums wurden von seiner Gesellschaft gefunden. Während dieser Forschungsexpeditionen wurde mit enormen Aufwand eine gut befestigten Piste, auf der die Roadtrains der Ölgesellschaften problemlos den Sand durchqueren konnten, mitten durch die Dünen gebaut. Aber schon 10 Jahre später hatte die Wüste sich das Meiste wieder zurückgeholt. Die heutige French Line ist Alles was von der damaligen Piste noch geblieben ist.
Unsere Erfahrungen
Wir haben die 500 km Piste, davon ca. 350 km Sandpiste mit rund 800 Dünenüberquerungen von Birdsville westwärts nach Dalhousie Springs während 4 Tagen genossen.
Navigiert haben wir mit der „Simpson Desert" Karte von Hema auf dem iPad. Die Orientierung ist aber bei normalen Wetterbedingungen (kein Regen) einfach.
Als Test für uns haben wir am Anfang die Little Red und Big Red von beiden Seiten mit unserem Trailer befahren. Dies war kein Problem, und so fuhren wir mit gestärktem Selbstvertrauen die Simpson weiter.
Die angetroffenen Aussis staunten über uns insofern, als dass wir alleine und nicht in Gruppe fuhren, und dies erst noch mit einem Trailer.
Lustig war, wie wir den Funkkontakt von zwei Gruppen, welche uns am ersten Tag beim Reifen befüllen nach einer schwierig zu befahrenden Düne überholten, abhören konnten. Sie meinten, dass sie wohl ein Auge auf die verrückten, wohl unerfahrenen Schweizer mit ihrem Trailer haben sollten.
Die erste dieser Gruppe von 4 Fahrzeugen mit 8 Männern holten wir dann an einer der nächsten schwierigen Dünen, wo zwei ihrer Fahrzeuge mit Winden bis zum Kamm hochgezogen werden mussten, wieder ein. Kaum waren alle Fahrzeuge über dem Kamm, standen die 8 Männer wie Hühner auf dem Stängele auf dem Dünenkamm, um uns zuzuschauen. Wir wollten uns nicht blamieren und gaben beim ersten Versuch Alles. Mit Erfolg, wir schafften es.
Dies hielt einen der Aussis, welcher mit der Winde von seinen Kollegen hochgezogen werden musste, aber nicht davon ab, mir zu raten, während der Auffahrt den Gang nicht zu wechseln. Ich entgegnete ihm, dass ich mit meiner Fahrtechnik trotz Trailer wohl erfolgreicher gewesen sei wie er. Damit habe ich mir aber keinen neuen Freund gemacht. Dies war aber kein Problem, waren wir während der nächsten 3 Tage zum Glück auf keine Fremdhilfe angewiesen. Denn die 4 Fahrzeuge blieben die restlichen Tage einiges hinter uns.
Die zweite Gruppe waren 2 Paare mit neuen, super ausgerüsteten, starken V8 Toyotas. Sie hatten wohl eine längere Mittagsrast gemacht, und deshalb holten wir sie gegen Abend am ersten Tag vor einer langen, schwierigen Dünenpassage ein.
Die Querung dieser Passage war insofern heikel, als dass man bei der Auffahrt nach einem Busch auf halber Höhe der hohen Düne rund 20 Meter parallel zum Dünenkamm fahren musste und erst nachher zur Krete hochziehen konnte. Der erste Fahrer löste die Aufgabe mit Bravour. Der Zweite fuhr in der Traverse zu zögerlich und soff ab. Da das Fahrzeug rechte Schräglage hatte, sicherten und bargen sie es von oben mit der Winde. Ich hatte in der Zwischenzeit die Düne von unten analysiert und war zum Entschluss gekommen, dieselbe Spur zu fahren. Während der Auffahrt hörten wir am Funk, wie die Fahrer uns warnten, wir sollten eine andere Möglichkeit zum Hochfahren suchen, diese sei zu gefährlich. Bis sie fertig gewarnt hatten standen wir mit unserem Nissan und dem Trailer oben neben ihnen. Der Eine kam dann zu uns, und meinte zu mir, ich mache schon einen guten Job. Als sie vor uns weiterfuhren witzelte ich und rief, macht euch keine Sorgen, wir sind ja hinter euch.
Wir brauchten nachher bei einer kompliziert zu befahrenden Düne 5 Anläufe und zuoberst dann erst noch die Schaufel und die Max Trax. Kurz darauf überholten wir die 2 Aussie Paare, welche anhand der zurückgelassenen Spuren scheinbar auch Schwierigkeiten gehabt hatten, aber früher wie wir ihren Nachtlagerplatz bezogen.
Die nächsten drei Tage waren und blieben wir vorne.
In Dalhousie Springs nach dem Baden im sauberen, über 35 Grad warmen Wasser durften wir Stunden später von beiden Gruppen einige Komplimente entgegennehmen!
Fazit:
Brigitte und ich würden die Simpson Desert aufgrund des Erlebten wieder alleine befahren. Wir hätten für extreme Notsituationen das Satellitentelefon dabei. Wir sind genug Sanderfahren, als dass uns die paar Male schaufeln und den Sandleiter Einsatz davon abhalten würden. In dieser grandiosen Einsamkeit ist es einfach am Schönsten, alleine unterwegs zu sein. Wahrscheinlich würde oder werde ich aber für einen nächsten Wüsten- oder Schlamm- Einsatz mit einem Trailer beim Vorhandensein einer Winde am Fahrzeug den Kauf eines Sand-Gelände Ankers in Betracht ziehen. Wir hätten uns in der Simpson damit wohl einige Schweisstropfen sparen können.
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