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In der Stadt Luzern gibt es über 200 Brunnen. Seit über 600 Jahren versorgen sie die Stadt mit Trinkwasser. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes und lassen uns an der Geschichte der Wasserversorgung teilhaben.
Hier geht es zu den einzelnen Brunnen, deren Sanierung und zur neuen Brunnenbroschüre.
Brunnen in der Stadt Luzern
Historischer Überblick
Bis ins 19. Jahrhundert erfolgte die Versorgung der Bevölkerung mit frischem Trink- und Brauchwasser fast ausschliesslich über Brunnen, die deshalb eine entsprechende Bedeutung hatten. Heute gehören sie zum vertrauten Ortsbild: Der Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz, der Gänsemännchenbrunnen auf dem Hirschenplatz oder der Weinmarktbrunnen auf dem Weinmarkt. Die Brunnen werden in der Regel nach wie vor mit Trinkwasser gespeist.
In Luzern hatte es seit der Gründung der Stadt an Quellen gefehlt. Der Genuss von Wasser aus See und Reuss war, im Gegensatz zu heute, mit gesundheitsgefährdenden Infektionsgefahren verbunden. So war in der Altstadt früh nach Zisternen und Sodbrunnen (Grundwasser) gegraben worden. Der Wassermangel war mitunter auch ein Grund, dass sich Luzern während des Mittelalters bis in die frühe Neuzeit bevölkerungsmässig langsam entwickelte. Bereits im Mittelalter hatte sich der Rat von Luzern um eine Quellwasserversorgung bemüht. Das Ratsprotokoll von 1417 enthielt erstmals eine Liste von Aufträgen zum Bau neuer Brunnen auf dem Stadtgebiet. Die öffentlichen Brunnen wurden an leicht zugänglichen Stellen errichtet, damit sich alle mit Trinkwasser eindecken konnten. Das damalige gesellschaftliche Leben spielte sich denn auch rund um die Brunnen ab. Erst im 19. Jahrhundert errichtete die Stadt eine moderne Wasserversorgung mit Quellwasser aus dem Eigental und dem Entlebuch, die alle Haushalte mit Wasser versorgt.
Heute zählt die Stadt Luzern 215 Brunnen. 140 Brunnen können als «öffentliche Brunnen» bezeichnet werden. Der Rest ist in Privatbesitz oder hat privaten Charakter. Sie sind sichtbare Zeichen einer städtischen Infrastruktur zum Wohle der Allgemeinheit. Mit ihren verzierten Säulen, den Tugend- und Lasterallegorien, den Stadtheiligen und den Stadtgründern sind sie Zeugen der Geschichte.
Kulturhistorische Bedeutung der Brunnen
Die Brunnen auf den öffentlichen Plätzen sind Teil der lebensnotwendigen Infrastruktur der Trinkwasserversorgung. Sie sind gleichzeitig auch Ausdruck des Reichtums einer Stadt, frisches Wasser anbieten zu können. Sie waren und sind Brennpunkte eines regen gesellschaftlichen Lebens und gleichzeitig bevorzugte Orte für politische Äusserungen. In der Nähe von Brunnen wurden zum Beispiel die Tagesnachrichten verbreitet. Brunnenplastiken, Wappen und allegorische Figuren festigten gleichzeitig die politischen und gesellschaftlichen Meinungen der Obrigkeit. Noch heute startet die Luzerner Fasnacht beim Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz. Und die legendären Osterspiele der Stadt Luzern fanden auf dem Weinmarkt und damit beim Weinmarktbrunnen statt.
Die öffentlichen Plätze in der Altstadt, aber auch in den einzelnen Quartieren werden massgeblich von Brunnen geprägt. Sie bestimmen unter anderem mit dem Geräusch des fliessenden Wassers die unmittelbare Wahrnehmung des öffentlichen Raums. Oft ist die Platzgestaltung auf einen Brunnen hin ausgerichtet. Der Weinmarktbrunnen beispielsweise, historisch und künstlerisch von grosser Bedeutung, dominiert den langgezogenen Weinmarkt und gliedert ihn in zwei Felder. Der Wandbrunnen des St.-Karli-Schulhauses markiert den Auftakt zum höhergelegenen Schulhaus. Er rundet die städtebaulich prägende Steineinfassung des Heimatstilbaues gegenüber der St.-Karli-Kirche und der Brücke ab und ist gleichzeitig Auftakt zu einer Ruheinsel an dieser verkehrsreichen Strassenkreuzung.
Der typische Luzerner Brunnen
Der Brunnenbestand der Stadt Luzern umfasst sehr unterschiedliche historische Brunnen und Brunnentypen. Die Plätze der Luzerner Alt- und Kleinstadt werden von den grossen Figurenbrunnen geprägt: meist imposante Brunnentröge mit einer plastisch ausgestalteten Steinsäule direkt in der Mitte oder seitlich des Troges. Typischerweise sind die Brunnenbecken aus Granit und die aufsteigenden Säulen und die Brunnenplastiken aus Sandstein. Die Brunnen ab dem 19. Jahrhundert weisen auch Figurenschmuck aus Bronze auf, so zum Beispiel der Gänsemännchenbrunnen auf dem Hirschenplatz.
Die Wasserversorgung in der Stadt Luzern
Das alte Brunnennetz
Dank der Nähe zum See und zum Pilatus hat die Stadt Luzern einen sehr wassersicheren Standort. Sie bezieht ihr Trinkwasser aus Seewasser, Grundwasser und Quellwasser. Das älteste Netz aber ist das alte Brunnennetz. Dieses funktioniert noch heute mit 132 Brunnen in der Alt- und Kleinstadt wie damals im Mittelalter, als alles begann: Aus dem Schachenwald, Doggeliloch, Hackenrain und Obernau führten vier Holzleitungen frisches Quellwasser aus dem Kriensertal in die Stadt Luzern. Es entstand das alte Luzerner Brunnennetz. Der Weinmarktbrunnen wurde im Jahr 1454 erstmals urkundlich erwähnt. 400 Jahre später versorgten 166 Brunnen rund 15'000 Luzernerinnen und Luzerner mit Trinkwasser. Das alte Luzerner Brunnennetz ist heute im Besitz von ewl energie wasser luzern, die Stadt Luzern ist Eigentümerin der Brunnen. (Quelle: ewl)
Das Drucknetz
1875 läutete die Stadt Luzern mit einer zentralen Druckwasserversorgung eine neue Epoche ein: Quellwasser aus dem Eigental floss unter Druck in ein neues städtisches Verteilnetz – und zwar in jeden Stock in jedem Haus. Es war ein Quantensprung in Bezug auf Hygiene und Entwicklung. Das heutige Luzerner Trinkwasser wird im Quellwasserwerk Sonnenberg und im Seewasserwerk Kreuzbuch aufbereitet. Heute ist die ewl verantwortlich für die Trinkwasseraufbereitung der Stadt Luzern. (Quelle: ewl)