Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03142.jsonl.gz/1416

Videotipp: Strassenbaustellen in Zürich von 1937 und 1938
Ende der 1930er-Jahre informierte das Tiefbauamt der Stadt Zürich in einem aufwendigen Film über aktuelle Bauprojekte: Strassen wurden aufgerissen und neu gebaut, Leitungen neu verlegt und die Quaibrücke vergrössert, gleichzeitig wurde damit die Arbeitslosigkeit bekämpft.
Quelle: Tiefbauamt Zürich, Baugeschichtliches Archiv
Bauarbeiten an einer der wichtigsten Verkehrsadern in der Innenstadt von Zürich: 1938 wurde die Quaibrücke verbreitert.
Auf der Quaibrücke herrscht Stau. Autos schieben sich in dichten Kolonnen Richtung Bellevue und Enge, daneben fahren die Trams, während Velos zwischen den Fahrzeugen hindurch manövrieren. Auf den ersten Blick sah es vor rund 80 Jahren auf dem Verkehrsknoten in der Innenstadt nicht viel anders aus als heute. Das zeigt ein Film des Zürcher Tiefbauamtes von 1939, der über die Strassenbauprojekte informiert, die in den Jahren 1937 und 1938 realisiert worden sind.
Man hatte am Vorabend der Landesausstellung von 1939 Handlungsbedarf gesehen: Die Quaibrücke wurde neu insgesamt vier Fahrspuren versehen und auf 28 Meter verbreitert, zudem wurde das Bellevue modernisiert und bekam seine markanten Pavillons.
Das Projekt war allerdings nur eines von vielen. Unter anderem baute man beidseits des Sees die Strassen aus und entschärfte Verkehrshindernisse: Beim Bahnhof Tiefenbrunnen, wo sich bereits damals die Endstation des Vierertrams befand, erhielten Öffentlicher Verkehr aber auch die übrigen Fahrzeuge mehr Platz, in dem man die Strasse mittels einer Stahlbetonkonstruktion in den See hinaus ausbaute. Am gegenüberliegenden Ufer wurde in Wollishofen der Verkehr, der auf der Höhe der heutigen Roten Fabrik einen Bahnübergang queren musste und sich deshalb immer wieder staute, unter die Gleise verlegt - bei laufendem Bahnbetrieb.
Zunahme des Verkehrs und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
Film des Stadtzürcher Tiefbauamtes.
Die Landi war nicht der einzige Grund für die ambitionierten Bauprojekte gewesen. Denn die Zahl der Autos war während der vergangenen Jahre massiv angestiegen, auf den Strassen war es eng geworden und die Unfälle hatten ebenfalls zugenommen. Gleichzeitig war die Zahl der Arbeitslosen im Zuge der Grossen Depression ab Beginn der 1930er-Jahre immer grössser geworden. Im Januar 1936 hatte die Arbeitslosigkeit in der Schweiz mit 6.4 Prozent einen Höchststand erreicht. Betroffen vom Stellenmangel war vor allem die Industrie aber auch das Baugewerbe.
Und so dienten die vielen Bauprojekte nicht nur der Modernisierung der Stadt, sondern hatten auch einen sozialen Hintergrund: Sie sollten bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit helfen. Auch davon erzählt der Film und zeigt das fiktive Beispiel eines Maurers, der Dank der städtischen Bauvorhaben nicht mehr stempeln muss, sondern wieder sein eigenes Geld verdienen kann. - Die Zürcher Stadtregierung war damals wie heute eher links respektive von der SP geprägt gewesen, die auch zwischen 1928 und 1949 den Stadtpräsidenten gestellt hatte.
Die Atmosphäre jener Zeit zeigen nicht nur die kleinen fiktiven Geschichten, mit denen die Macher des den Film ausgeschmückt haben, sondern vor allem auch die zahlreichen Aufnahmen von Baustellen. Man sieht aus nächster Nähe wie die gearbeitet und gebaut wurde. (mai)