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Editions Leduc in britischen Händen
Das traditionsreiche französische Verlagshaus Alphonse Leduc ist an die britische Music Sales Group verkauft worden. – Ein Blick auf die Verlagslandschaft in Frankreich und ihre Veränderungen.
Der älteste aktive Musikverlag Frankreichs, der 1841 von Alphonse Leduc gegründet wurde, hat einen beeindruckenden Katalog, Durch zwei Geschäftsübernahmen konnte er noch vergrössert werden: 1980 kamen die Editions Heugel (gegründet 1839) dazu, 1990 Hamelle (1877). So zählten die folgenden Komponisten zum verlegerischen Grundstock: Gounod, Fauré, Delibes, Widor, Massenet, Offenbach, Gustave Charpentier, Poulenc, Milhaud, Jolivet, Tournemire, Franck, Messiaen, Honegger, Tomasi. Dazu kamen die Zeitgenossen Henry Dutilleux, Pierre Boulez, Charles Chaynes, Betsy Jolas, Thierry Escaich, um nur wenige zu nennen.
Nun ist Leduc vom grössten Musikverlag Europas, die britische Music Sales Group, übernommen worden. Der traditionsreiche Verlagssitz an der Rue Saint-Honoré in Paris wurde schon vor einigen Monaten verkauft.
Aus Anlass dieser Übernahme bietet Michèle Worms im Editorial der Zeitschrift La Lettre du Musicien einen kleinen Überblick über die französische Verlagslandschaft und ihre Veränderungen (Übersetzung Pia Schwab):
Vor dreissig Jahren gab es in Frankreich Verlagshäuser von ganz klein bis ganz gross mit unterschiedlichster Ausrichtung. Von den grossen, den Flagschiffen des französischen Kulturerbes, war Heugel, der Verlag Jacques Offenbachs und Reynaldo Hahns, bereits an die Editions Alphonse Leduc übergegangen. Leduc, mit Sitz an der Rue Saint-Honoré, hielt lange die Rechte an den Werken Faurés und war für Orchester und Opernhäuser als Anlaufstelle für wertvolles Aufführungsmaterial unumgänglich. Die schönste Aufgabe des Verlags war zweifellos die Drucklegung von Messiaens Saint François d’Assise im Jahr 1983, dessen Partitur 2400 Seiten umfasste!
Der Verlag Durand (1869) thronte an der Place de la Madeleine, im Salon der Flügel, auf dem Debussy und andere gespielt hatten, während sie auf ihren Verleger warteten. Er hatte vor allem die grossen Namen des «Moment 1900» im Programm und wurde sehr beneidet um die Rechte von Ravels Boléro. 1986 kaufte Durand den Verlag Max Eschig (1907), der ein internationaleres Sortiment mitbrachte. Der böhmischstämmige Gründer war der König der Wiener Operette, publizierte grosse spanische und südamerikanische Komponisten und ebenso Martinů und Szymanowski.
Für den Geschäftserfolg der Editions Choudens sorgten Bizets Carmen und Gounods Faust. Salabert dagegen setzte auf Operetten, Chansons, aber auch die Werke der Groupe des Six und heute auf eine reiche Auswahl an zeitgenössischen Werken; Henry Lemoine auf Klassiker der Klavierliteratur bis Bruno Mantovani. Sie alle konnten mit den grossen mithalten. Weitere Verlage wie etwa Jobert, der 2007 von Lemoine übernommen wurde, widmeten sich dem zeitgenössischen Repertoire.
Während nun Durand-Salabert-Eschig schon seit einiger Zeit zu Universal Music gehören (wie übrigens auch Ricordi, Anm. der Red.), betrifft die jüngste Übernahme Alphonse Leduc, der unter das Dach der Music Sales Group kommt.
Die Editionslandschaft hat sich also stark verändert: Von den historischen Häusern in Frankreich bleiben Henry-Lemoine (1772) und die Editions Gérard Billaudot (1896), die moderne Komponisten verlegen oder hochstehende pädagogische Literatur. Dank einer Unzahl von kreativen Kleinverlagen scheinen die Wegweiser auf Spezialisierung zu stehen.
In Deutschland und Österreich halten sich die grossen Häuser Schott, Peters, Breitkopf, Bärenreiter, Henle und Universal. Die vier letzten leisten beachtliche Forschungs- und Urtexteditonsarbeit, die sie unentbehrlich macht. Die Britischen Häuser dagegen halten das Zepter der Unterhaltungsmusik in Händen. Und sie führen in ihren Katalogen künftig nun auch Massenet, Franck, Poulenc, Milhaud, Dutilleux ... ohne dass ihre Herzen besonders dafür schlagen. Schade!