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Spinnerei Beugger Wülflingen (später Klinik Schlosstal)
Die Spinnerei Beugger war eine von mehreren Industrie-Anlagen, die im 19. Jahrhundert entlang der Töss entstanden sind. 1888 mussten die Industriellen, gezeichnet durch die damalige Wirtschaftskrise, den Konkurs anmelden. Der Staat Zürich übernahm die Liegenschaft und liess zuerst Wohnungen, später eine Klinik einrichten.
Die Beuggerschen Spinnereien
Die Beuggerschen Spinnereien (heute die Klinik Schlosstal) gehen auf Johannes Beugger (1778-1852) zurück, der diese in den Jahren 1818 bis 1826 erbauen liess. Das respektable, schön gegliederte Gebäude umschliesst mit den zwei zum Mittelbau rechtwinklig stehenden Flügeln einen geräumigen Hof. In dessen Mitte befindet sich ein schöner Brunnen. Ein Türmchen ziert den Mittelbau.
Johannes Beugger wurde am Weihnachtstag 1778 als Sohn eines Schlossers und Schmieds in Izikon bei Grünungen im Zürcher Oberland geboren. Es war selbstverständlich, dass er den Beruf seines Vaters erlernte. Nachdem er am 17. April 1796 den Gesellenbrief erhalten hatte, ging er auf Wanderschaft. Über Augsburg, Dresden, Prag, Berlin erreichte er England, wo er seine Kenntnisse im Spinnmaschinenbau erweiterte. Zurück in Grüningen eröffnete er eine mechanische Werkstätte.
1787 waren in Wülflingen 81 Personen mit Baumwollspinnen beschäftigt. Webstühle waren hauptsächlich im oberen Tösstal vorhanden. Gegen Ende des 18. Jhdt. erlitt das Baumwollgewerbe einen gewaltigen Rückschlag. Beim Eintritt ins 19. Jhdt. setzte sich dann die Mechanisierung voll durch und machte dem hausindustriellen Baumwollgewerbe den Garaus. Im Jahre 1802 hatte sich, als Erstling auf kontinentalen Boden, die mechanische Baumwollspinnerei im Hard bei Wülflingen niedergelassen. Der Bau der Maschinen und die technischen Verbesserungen erfolgten in eigener Werkstätte. 1805 holten die Inhaber Johannes Beugger als Werkstattleiter nach Wülflingen. Nachdem er sich 1807 verheiratet hatte wohnte er im Hard. Er lebte sich in Wülflingen schnell ein und knüpfte Kontakte zu den massgebenden Persönlichkeiten. Langsam reifte der Gedanke sich selbstständig zu machen. Es folgten die unerbittlichen Kämpfe um Wasserrechte, die sich fortan immer wieder einstellten. Zusammen mit dem Zimmermeister Jakob Bosshard stellte er am 26. September 1816 das Gesuch, ein Wasserwerk zum Antrieb einer mechanischen Baumwollspinnerei an der Töss zu errichten. Die Bauten sollten am Ausfluss der Eulach in die Töss, also etwas 500 Meter oberhalb der bestehenden Spinnerei zu stehen kommen. Die Hard-Direktion legte ein Veto ein, sie meldete Schäden durch das Wasserwerk an und die Gemeinde Wülflingen machte geltend, dass das Land nur zum Wiesen wässern (Wässerwiesen = Das Wässern von Wiesen ist eine der ältesten Massnahmen zur Erhöhung der Futterproduktion bei der Viehzucht) verwendet werden dürfe. Nach langem hin und her wurde das Begehren am 30. Juni 1817 abgelehnt.
Beugger liess sich nicht entmutigen. Er kaufte sich mit 200 Gulden in das Bürgerecht von Wülflingen ein, um bei den Einheimischen besser anzukommen. Zudem entschloss er sich zu einem Standortwechsel. Am 17. Juli 1817 wandte sich Beugger in Zusammenarbeit mit alt Ratsherr und Müller Bodmer erneut an die Regierung. Er will bei der Bodmer-Mühle, der heutigen Wespimühle, das überflüssige Wasser ableiten, seiner Fabrik zuführen und von da an wieder zurück in die Töss leiten. Trotz Widerstand des Wülflinger Gemeinderates, der sich vor einem zu grossen Zuzug von Arbeitern in das Bauerndorf fürchtete, bekam er unter Auflagen die Zustimmung.
Mit dem Bau des Kanals wurde im Frühjahr 1818 begonnen und fast gleichzeitig setzten auch die Arbeiten für das Spinnereigebäude ein. Beim Aushub kamen Überreste einer Erzgiesserei und Waffenschmiede zu Tage, die wohl aus der frühgallischen oder frühhelvetischen Zeit stammten. Die dabei gefundenen Streitmeissel, Schwerter, Beile, Nadeln und Messer übergab man aber dem Schmelzofen und wurden nicht für die Nachwelt aufgehoben. Es sind daraus Maschinenteile für die Spinnmaschinen entstanden. Im Herbst 1819 waren die Kanalbauten und ein Jahr später das Wohn- und Fabrikgebäude beendet. Der Anbau der beiden Flügel folgte bereits in den Jahren 1824 bis 1826. Bis 1847 baute Beugger seinen Grundbesitz systematisch aus, in dem er 29 Käufe tätigte. Gleichzeitig liefen verschiedene Prozesse ab, die sich immer um die Wasserechte drehten. Der Geschäftsgang ging auf und ab. Die wirtschaftliche Depression 1841/42 ging nicht an Beugger vorbei, er überwand sie aber spielend. Den Rohstoff, das heisst die Baumwolle für die Spinnerei Beugger, lieferte die Winterthurer Handelsfirma Reinhart, die wiederum die fertigen Garne absetzte.
Mit dem Jahre 1851 hatte eine neue Konjunktur eingesetzt, die man mit Recht das „goldene Zeitalter“ nannte. Das Beuggersche Unternehmen erreichte in diesen Jahren den Höchstpunkt seiner Entwicklung und Beugger war ein „gemachter Mann“. Er wurde nun auch bekannt durch seine Wohltätigkeitsspenden bis weit herum im Kanton Zürich. Heiterkeit und Fröhlichkeit begleiteten Beugger auf seinem ganzen Lebensweg und stets erfreute er sich bester Gesundheit. Erst in seinem 73. Altersjahr erkrankte er sehr und starb am 4. August 1852. Er hinterliess seine Ehefrau Elisabetha, drei Töchter und einen Sohn, Johannes Beugger junior (1820-1899), der schon während der Krankheit seines Vaters den Betrieb geführt hatte. Dieser übernahm nun die Leitung definitiv und im Auftrag der Erben. 1855 erfolgte die Erbteilung und Johannes Beugger jun. konnte den Fabrikbetrieb zu eigen übernehmen. Der junge Beugger hatte auch den Mechanikerberuf erlernt. Seine maschinentechnischen Kenntnisse hatte er sich in Paris, der damals berühmtesten Stätte technischen Unterrichts, geholt. Nach Beendigung des Ingenieurstudiums weilte er in England, wo er in verschiedenen grossen Spinnereien gearbeitet hat. Nach seiner Rückkehr nach Wülflingen betätigte er sich als Werkführer im väterlichen Betrieb. Er hat sich von Anfang an hauptsächlich mit Verbesserungen und Erfindungen im Maschinenbau befasst. So hat er eine wesentliche Verbesserung an der „banc à broches“-Maschine erfunden und sie als „banc à cannettes“ in England und Belgien patentieren lassen. Sie gilt als geniale Erfindung, deren Prinzip sich bis in die Neuzeit durchsetzte.
In der Spinnerei Beugger arbeiteten 1855 eine Belegschaft von über 100 Personen, nämlich 21 Knaben und 20 Mädchen unter 16 Jahren, 29 Spinner und 35 Spinnerinnen über 16 Jahren sowie fünf Mechaniker. Die motorische Kraft lieferte ein Wasserrad mit 35 bis 40 Pferdestärken. Im Fabrikgebäude befanden sich 26 Spinnmaschinen mit 7820 Spindeln. Aber auch ihm blieben Prozesse um die Wasserechte nicht erspart. Da sie nicht erfolgreich verliefen, blieb es ihm verwehrt den Fabrikbetrieb auszubauen und neue Betriebe anzugliedern. Gegen Ende der 1860 Jahre stand die Spinnerei Wülflingen infolge Wirtschaftkrisen und im Kampf um die technischen Fortschritte geschwächt da. Freie Fabrikräume wurden fremd vermietet, so zum Beispiel auch nach 1871 während dem Deutsch-Französischem Krieg für die Internierung der Bourbakiarmee. Es folgte ein langer und vielfältiger Kampf ums Überleben der Beuggerschen Unternehmungen. Zum Beispiel: Der Bau eines neuen Turbinenhauses mit einer Drahtseiltransmission war im März 1875 beendet. Aber bereits vom 11. bis 13. Juni wurde die Anlage durch eine Hochwasserkatastrophe schwer beeinträchtigt. 1878 und 1881 wiederholten sich die Naturgewalten. Beugger sah dem drohenden Konkurs, vor dem ihn erstmals J.J. Weber zur „Schleife“ rettete, nicht untätig entgegen. Verschiedene Erfindungen wie einen Eisenbahnschienen-Nivelleur, Kugellager-Entwicklungen und auch ein Hochrad-Veloziped liess er patentieren.
Leider war ihm dadurch aber nur ein Aufschub möglich. Im Oktober 1888 stand der Konkurs fest. Am 20. Dezember 1888 gingen die Gebäulichkeiten an den Kanton Zürich, der darin vorerst Wohnraum einrichtete. Am 2. Juli 1892 beschloss der Kanton die ehemalige Fabrik in eine Pflege- und Versorgungsanstalt umzuwandeln. Am 16. Januar 1894 wurde der Betrieb mit 78 Pflegebedürftigen aufgenommen.
Beugger ruiniert, ein moralisch gebrochener Mann, war nicht einmal in der Lage seine der Gemeinde Wülflingen geschuldete Steuer von fünf Franken zu bezahlen. Zusammen mit seiner Frau und dem jüngsten Sohn verliess er 1889 Wülflingen, um in tiefer Verbitterung seinen Lebensweg bei seinem zweitältesten Sohn in Feuerthalen zu verbringen. Er starb dort am 26. Mai 1899.