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«Tirade», so heisst das neuste Werk der Freiburger Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Joséphine de Weck, das ab Donnerstag im Fri-Son zu sehen ist. Es ist weder eine Installation noch ein Theaterstück, das Publikum wird vielmehr selber zum Protagonisten.
Die Spuren der letzten Konzerte scheinen noch nicht beseitigt, das Fri-Son wirkt dunkel und wenig gastfreundlich, ähnlich einer verlassenen Industriehalle. Aus dem Off spricht eine Frauenstimme: «… ich höre das Brummen eines Ventilators, das an das Brummen eines Triebwerks erinnert, das an das Brummen einer Wasserturbine, das an eine Explosion am laufenden Band, es ist, als würde ich in einem Jagdflugzeug oder einem Formel-1-Auto sitzen, es ist, als würde ich mich während des Schleuderns in einer Waschtrommel drehen…» Von Motoren angetriebene Spiegel werfen Lichtstrahlen in den Raum, die hin und wieder unangenehm auf die Netzhaut treffen. Unweigerlich wendet man sich ab und beginnt, sich zu bewegen. Die Spiegel reagieren auf Tonimpulse. Mal begleiten die Klänge den Text, mal untermalen sie ihn, mal dominieren sie ihn. Die Bewegungen der Spiegel erinnern an das Gefühl, mit dem Auto durch einen beleuchteten Tunnel zu fahren.
Ein Stück ohne Schauspieler
Die Ton-Licht-Installation «Tirade» ist das jüngste Werk der Freiburger Schauspielerin, Regisseurin und Schriftstellerin Joséphine de Weck, das sie zusammen mit dem multimedialen Künstler, Erfinder und Bastler Michael Egger und dem Tonkünstler Luc Bersier entwickelt hat. Es basiert auf dem französischsprachigen Buch «Rengaine» des Walliser Schriftstellers Julien Maret, das von Christoph Roeber auf Deutsch übersetzt wurde. «Die Radikalität und Musikalität des Texts mit seinen Wiederholungen hat mich sofort dazu inspiriert, das Buch szenisch umzusetzen», erklärt Joséphine de Weck. Sie habe schon immer einmal etwas kreieren wollen, das ohne Schauspielerin oder Schauspieler auskomme. «Mich interessiert, wie Gefühle hervorgerufen und transportiert werden können, ohne dass ein Darsteller präsent ist. Ich habe gemerkt, dass der Text von Maret so stark ist, dass er nur mit Maschinen funktionieren kann.»
Die Geschichte handelt von einem Mann in einem Tunnel, der sich fragt, warum er sich darin befindet und wie er wieder hinausfindet. «Es geht um die Frage, was es bedeutet, auf der Erde zu sein, zu existieren. Der Tunnel steht als Metapher für das Leben und den Tod.»
Eine Herausforderung habe in der Festlegung des zeitlichen Rahmens gelegen, sodass die Spannung auch ohne die Anwesenheit von Schauspielerinnen und Schauspielern aufrechterhalten werden könne, erklärt de Weck. Gleichzeitig sei es nicht die Idee, dass das Publikum bis zum Schluss bleibe. «Ich möchte eine Erfahrung erschaffen, in der sich das Publikum auf Kundschaft begibt und seinen eigenen Weg zur Geschichte findet.»
Texte über die Wiederholung
Zur akustischen Lichtinstallation hinzu hat Joséphine de Weck in Zusammenarbeit mit dem Centre de traduction littéraire de Lausanne in einem Buch Texte zum Thema Wiederholung gesammelt. Sie stammen von noch unentdeckten und gestandenen Autorinnen und Autoren aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich und sind jeweils ins Französische respektive Deutsche übersetzt. Das Projekt kam dank der Unterstützung des Kantons und der Loterie Romande zustande.