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Mechanismen unseres Einflusses
Die Jagd, die Freilassungen und Wiedereinsetzungen, die Fütterung und Hege beeinflussen direkt die Bestände gewisser Tiere. Weniger rühmlich ist unser indirekter Einfluss auf den Rückgang tierischer Populationen: Veränderung und Entwertung der Landschaft, Umwandlung von Biotopen; Schaffung extrem vereinfachter künstlicher Umwelten; Vergiftungen durch den Überfluss an Pestiziden und andere Verschmutzungen.
Die Hege der Populationen
Das Netz des Schmetterlingssammlers trägt diesem viel Tadel ein. Doch ohne Fang kein Studium, ohne Kenntnisse kein Schutz. Die Sammlungen des vergangenen Jahrhunderts sollen die übertriebenen Fänge von Krämer-Entomologen nicht entschuldigen, sie geben aber doch Auskunft über die Fauna, die einst heute verlassene Gebiete bewohnte. Auch die Jagd hat einen schlechten Ruf. Die früheren Ausrottungen, das Schiessen von Trophäen, der abgründige Hass der Jäger auf räuberische Wildtiere rechtfertigen den schlechten Ruf der "Schlächter". Doch heute weiss die Mehrzahl der Jäger, dass ihre Zukunft und diejenige der Räuber eine kontrollierte Bejagung und Beachtung der Einstände der wildlebenden Fauna nötig haben.
Erstaunlicherweise verursacht das so sehr verschriene Netz weniger Schäden als die Winterflitterung der Meisen. Die übertriebene Verbesserung des Überlebens letzterer bewirkt indirekt einen verstärkten Frühjahrsraub auf Raupen; darunter haben einige seltene Schmetterlinge zu leiden. Auch die Heufütterung des Wildes ist unerwünscht, denn sie richtet sich gegen die natürliche Selektion. Nur natürliche Fütterung führt zu resistenten Tieren und zur Anpassung ihrer Bestände an die derzeitige Aufnahmefähigkeit der Umwelt.
Das Aussetzen einheimischer Tiere aus Zuchten wie von Hasen, Enten oder Rebhühnern haben oft zu Störungen im Erbgut lokaler Stämme geführt; eingeschleppte Seuchen beschleunigen den Zerfall wildlebender Populationen, die schon wegen verarmten Biotopen geschwächt sind. Die Wiedereinsetzungen müssen den einheimischen Arten vorbehalten bleiben, die durch menschliche Einflüsse ausgelöscht wurden (Jagd, Vergiftungen usw.), sofern die entsprechenden Biotope noch bestehen. Doch wie zahlreich sind die Bemühungen und die Misserfolge! Im Verlauf von zwanzig Jahren hat die Wiedereinsetzung des Bartgeiers bis 1993 schon über eine Million Schweizerfranken gekostet, ohne dass auch nur eine einzige Geburt in der Freiheit beobachtet werden konnte.
Die Pflege der Biotope
Man staunt heute, wenn man alte Rechtsverordnungen liest: sie verbieten es, Frösche zu fangen, ohne gleichzeitig das Trockenlegen von Weihern zu verbieten, die doch für die Fortpflanzung der Frösche nötig sind; sie reglementieren die Jagd auf Hasen, ohne auf die Probleme der Herbizide einzutreten, die ihnen die Nahrung zerstören und sie vergiften; sie schützen Schmetterlinge, ohne das Abbrennen von Böschungen, in denen die Puppen überwintern, zu untersagen. Die erfreuliche Entwicklung der Waldfauna und den dramatischen Rückgang der auf Sümpfe und Kulturen angewiesenen Arten berücksichtigend, anerkennen die neuen eidgenössischen Gesetze über Naturschutz und Jagd endlich auch die lebenswichtige Bedeutung der Biotope als Träger der wildlebenden Tierpopulationen.
Ein Viertel des Kantons ist von ausgedehnten Wäldern, wieder in fast natürlichem Zustand, bedeckt, vornehmlich auf Gebirgsund voralpiner Stufe. Abgesehen vom Auerhahn findet man die an Fichten- und Tannenwälder gebundenen Vögel nicht auf der roten Liste bedrohter Arten. Dagegen werden die Laubwälder der Ebene und unteren Seitenhänge, die schon von Besiedelung und Landwirtschaft angegriffen sind, noch misshandelt: Nadelbäume werden in die Buchenwälder von Monthey und Martigny gepflanzt und in den seltenen Baumgruppen der Ebene wird das Unterholz systematisch gerodet, sodass Nachtigall, Pirol, Gelbringfalter und Nashornkäfer verschwinden. Kommt noch das Ulmensterben dazu, ausgelöst von einem importierten Parasiten, bimmelt das Totenglöcklein auch für den Ulmenzipfelfalter, einen kleinen Schmetterling, dessen Raupe sich ausschliesslich von Ulmenblättern ernährt.
Verstädterung und Freizeitgestaltung haben mit dem Bau von Wohnungen, Fabriken oder Sportanlagen, mit der Errichtung von Parkplätzen oder Erholungsgebieten, durch Asphaltierung der Strassen und übertriebene Rasenpflege einen bedeutenden Rückgang der Wildpflanzen verursacht. Selbst wenn sich ein Schmetterling gelegentlich auf eine exotische Pflanze wie Tagetes, Bégonia, Buddleja, Forsythia oder Flieder und auf unsere Gartengeranien setzt, kann die Raupe, die an eine ganz bestimmte Wirtspflanze gebunden ist, nicht überleben: das Muttertier weiss das und legt keine Eier ab! Diese insektenlosen Wüsteneien beherbergen weder Grasmücken noch Würger!
Die natürlichen Restbiotope wie die Hügel in der Stadt Siders sind kleine Naturparzellen, unterteilt von Bauzonen und Strassen, die von der Fauna allmählich verlassen werden, wenn nach und nach ihre immer schwächer gewordenen Populationen auszusterben beginnen.
Die Landwirtschaft hat einen wesentlichen Einfluss auf den grössten Teil der Hügelstufe. Der Einsatz von Chemie zum Schutz der Kulturen wirkt sich nach zwei Richtungen aus: die Pflanzenschutzbehandlung tötet alle davon mitbetroffenen Insekten und den wenigen Überlebenden stehlen die versprühten Herbizide noch die Wirtspflanzen. Deshalb zählt man in der Ebene, abgesehen von der ausgedehnten Naturlandschaft von Pfyn, weniger als zehn unempfindliche Schmet-terlingsarten (Heufalter, Weisslinge, Schwalbenschwanz u.a.) an den Ufern der Rhone und auf den letzten Mähwiesen. Wenn auch moderne Biozide abbaubar sind, kommt doch zur direkten Tötung von Insekten das indirekte Sterben von Vögeln, Amphi-bien und Hasen hinzu, denen die Nahrung entzogen wurde.
Auch im Berggebiet ändert sich die Landwirtschaft: die Häufigkeit der Mahd nimmt zu, ein Hubschrauber streut Dünger auf hochgelegene Weiden; andernorts werden die Blumenwiesen der Vergandung oder den Schafen überlassen, sofern sie nicht ausgeebnet, gedüngt und wieder neu angesäht werden. Intensivierung und Vernachlässigung wirken zusammen, indem beide den pollensammelnden Insekten die früheren, ausgedehnten Blumenwiesen entziehen. Die bukolische Hochebene von Ossona unterhalb von St. Martin, die von Schafen leergefressen wird, und die überdüngten Wiesen von Villette im Bagnes-Tal stehen auf der Liste der Regionen, die arm sind an Tagfaltern. Auch die Vögel der ausgedehnten Mähwiesen wie Wachtel, Braunkehlchen, Feldlerche, und diejenigen der Heckenlandschaften wie Wendehals und Baumpieper werden bald das Schicksal der Zwergohreule erleiden.
Siehe auch