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Reifer Stil
1946–1958
Über die Zeichnung kommt Giacometti zu den in die Länge gestreckten Figuren, die ein grundlegender Bestandteil seines reifen Stils sind.
Das Jahr 1947 zeichnet sich durch eine grosse Produktivität in der Zeichnung und Bildhauerei aus. Giacometti arbeitet direkt in Gips, während Diego die Armatur für die Skulpturen vorbereitet. Pierre Matisse ist positiv beeindruckt von den neuesten Arbeiten und bietet Giacometti eine Einzelausstellung in seiner New Yorker Galerie an. Die Eröffnung findet im Januar 1948 statt und für den Ausstellungskatalog schreibt Sartre den Essay Die Suche nach dem Absoluten.
1950 entstehen die ersten bemalten Bronzen. Die zweite Ausstellung in der Pierre Matisse Gallery, zwischen November und Dezember 1950, bestätigt endgültig Giacomettis Erfolg. Die sehr fruchtbare Zeit in seiner Maler- und Bildhauertätigkeit dauert an. Im Jahr 1955 entstehen zahlreiche Bronzegüsse seiner Skulpturen anlässlich dreier wichtiger Retrospektiven: im Arts Council of Great Britain in London, dem Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld und dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York.
1956 arbeitet Giacometti an einer stehenden weiblicher Figur aus Ton. Jedes Mal, wenn er mit einer Version zufrieden ist, stellt Diego einen Gipsabguss davon her.
So entstehen ungefähr 15 Gipsabgüsse, von denen neun in Bronze gegossen werden. Im selben Jahr folgt Giacometti der Einladung, im französischen Pavillon auf der Biennale von Venedig auszustellen, und präsentiert sechs dieser Gipsabgüsse. Aus diesem Grund trägt die Serie bis heute den Titel Femmes de Venise.
Im Oktober 1956 begegnet er dem Japaner Isaku Yanaihara, einem Professor für französische Philosophie, der mehrmals ins Atelier von Giacometti zurückkehrt, um für eine Serie von Ölbildnissen und für zwei Tonskulpturen Modell zu sitzen. Die Schwierigkeit, Yanaiharas asiatische Gesichtszüge zu erfassen, zwingt Giacometti dazu, seine Theorien über die visuelle Wahrnehmung zu überdenken. Die Gemälde, die in dieser durch Zweifel geprägten Zeit entstanden, werden zusehends monochrom.