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Bougie im Verhältnisse grösser werden. Der Rand der Oeffnung wird zuweilen mit Höllenstein berührt, und die äussere Wunde vereinigt, sobald der callöse Zustand des künstlichen Weges herbeigeführt ist ). -
Sind Verwachsungen der Thränenkanälchen mit der Thränengeschwulst oder Thränenfistel verknüpft, so müssen die Wandungen des Sackes durch erregte Entzündung, indem man die ganze innere Fläche desselben mit Höllenstein - berührt, oder rothen Präcipitat einstreut, unter sich in Verbindung Ä werden.
PO 2 dem Xerophthalmos.
Man beobachtet in verschiedenen Entzündungskrankheiten des Auges eine lästige Trockenheit des Augapfels, welche jedoch schnell vorübergeht, und bei der Abnahme des zu Grunde liegenden Uebels verschwindet. Anhaltender besteht aber das Uebel durch theilweise oder gänzliche Verschliessung der Thränengänge bedingt. Das lästige Symptom, über welches der Kranke klagt, ist eine ungewöhnliche Trockenkeit des Auges mit dem Gefühle von Staub zwischen den Augenliedern, und Beschwerde beim Bewegen desselben. Der Arzt findet das Auge geschmeidig und glänzend; niemals geht der Ä der Hornhaut verloren, obgleich bei heisser Witterung leicht Entzündung entsteht. Gewöhnlich entdeckt man eine Narbe, welche am äussern Augenwinkel sich befindet, die in die Conjunctiva reicht, und sich
“) Das Einlegen der Röhrchen wird von Schmidt (im a. W. S. 346) widerrathen, da das Röhrchen durch den neuen Fleischansatz verdrängt in den Rachen fällt, und ausgespieen wird. Da der Reproductionsprocessin diesem Zeitpunkte nicht beendigt ist, so wird sich die gebildete Oeffnung wieder schliessen.
zur Augenhöhle fortsetzt ). An der Seite der Nase, an welcher die Atresie besteht, bemerkt man zuweilen Trockenheit. Diese Krankheit tritt nicht als Fehler der ersten Bildung auf. Wo Verwachsungen der Thränengänge beobachtet werden, sind gewöhnlich Verwundungen vorausgegangen, wobei durch die nachfolgende Eiterung das unter dem obern Augenliede gegen den Schläfewinkel hin befindliche Zellgewebe zerstört, oder wo die Bindehaut des obern Augenliedes an der Gegend, wo die Ausführungsgänge ausmünden, beträchtlich vulnerirt wurde. Durch Substanzverlust oder durch adhäsive Entzündung wurden dann die Mündungen verschlossen*). Der Gebrauch von Aetzmitteln bei Sarcomen, welche oberhalb des Ligamentum palpebrale externum sitzen, kann dieses Uebel verursachen, indem die Ausführungsgänge leiden, sobald das Aetzmittel bis auf die Bindehaut selbst eingreift. Wenn durch die Anwendung der Aetzmittel ein callöser Zustand dieser Gegend ohne Verwachsung der Mündungen der Ausführungsgänge besteht, so kann durch diesen, da die Ausführungsgänge zusammengedrückt werden, die Trockenheit des Auges bedingt werden. Das Uebel verliert sich allmählig von selbst, indem die noch gangbaren Thränenausführungsgänge nach und nach sich erweitern. Dass immer einige Ausführungsgänge ihre Durchgängigkeit behalten, ergiebt sich daraus, dass das Auge feucht und die Thränendrüse nicht angeschwollen ist. Letzteres würde bei gänzlicher Zurückhaltung der Thränen immer Statt finden *).
1). Gemeiniglich ist die Peripherie der Narbe mit einer leichten ödematösen Aufblähung der Haut vergesellschaftet (Schmidt, im a. W. S. 58).
2) Schmidt, im a. W. S. 55.
3) Schmidt (im a. W. S. 59) glaubt, dass einige Thrä
nengänge in die Bindehaut des Auges sich verästeln.
Bei der Behandlung dieses Zustandestrachtet man die etwa vorhandene Callosität zu er– weichen, und das lästige Gefühl von Trockenheit im Auge zu entfernen. Man leitet Dämpfe mittelst eines Trichters auf die Narbe; man macht auf dieser täglich ein bis zwei Mal Einreibungen von Althäasalbe oder Cacaobutter. Um das lästige efühl der Trockenheit des Auges zu heben, em– pfiehlt man schleimige Augenwasser, z. B. ein Decoct. Salep., Alth. oder Malv., ein Infus. Verbasc., Mucilag. gy. mimos "). Die Desorganisation der Thränendrüse ver– ursacht den Xerophthalmus, wo dann die Trockenheit in beträchtlicherem Grade besteht, und noch andere Symptome, die diesen Zustand charaktcrisiren, vorhanden sind.
Die Trennungen des Zusammenhanges zeigen sich als Wunden, Geschwüre, oder als Spalten und Oeffnungen mit vernarbten Rändern. Die Wunden werden durch eine äussere Einwirkung gesetzt; sie mögen in frischem oder eiterndem Zustande bestehen, so wird keine auffallende Organisationsveränderung an den ihnen als Boden dienenden Theilen wahrnehmbar seyn. Die Geschwüre, sie mögen primär als solche sich gestalten, oder aus der Wunde sich herausbilden, sind durch eine örtliche oder allgemeine -Ursache unterhalten, und mit auffallender Aen
- derung der Organisation verknüpft. Bei den al
ten Trennungen ohne Eiterung besteht ein isolirtes Vernarben der Ränder der Spalte oder Oeffnung.
') Schmidt (im a. w. S. 62 ) widerräth den Quittenschleim, da derselbe adstringirend wirkt; ebenso Beer (im a. W. 1. B, S. 48),
ron den Wunden.
Die Wunden der Augengegend überhaupt, und der Augenbraunen und Augenlieder insbesondere erfordern, da Nachkrankheiten, welche die Verrichtungen und die Form der Theile stören, zurückbleiben könnten, vorzügliche Aufmerksamkeit. Die Wunden der Stirn – und Augenbraunengegend können, wenn sie eine verticale Richtung haben, durch Heftpflaster vereinigt werden; Transversalwunden erfordern gewöhnlich die blu
tige Nath, indem sonst durch Bildung einer brei-
ten Narbe Verunstaltung, Blepharoptosis durch
Verlängerung der Bedeckungen, selbst Entropium
hervorgebracht werden könnte. Findet der Lauf der Wunde nach mehreren Richtungen Statt, so ist die Anwendung der blutigen Hefte vorzüglich indicirt. Heilen solche Wunden durch Eiterung, so werden sie mit einem Charpiebäuschchen bedeckt, die Wundränder aber durch Heftpflaster in Annäherung erhalten. Bei allen Verwundungen dieser Art suche man einen hohen Grad der Ent
zündung durch kalte Umschläge und antiphlogi
stisches Verfahren zu verhüten, und bei etwa
sich einstellender Eiterung erhalte man die pro
ductive Tendenz derselben ").
Merkwürdig ist, dass zuweilen den Wunden der Stirn – und Augenbraunengegend Blindheit oder Gesichtsschwäche folgt. Diese entsteht vorzüglich durch die Erschütterung oder Zerreissung, welche die Retina erleidet. Gewöhnlich erscheint die Amaurose sogleich nach der Verletzung, und
) Durch einen Aftereiterungsprocess könnte Substanzverust, vermöge dessen Ectropium oder gar Lagophthalmos herbeigeführt werden (Beer, im a. W 4. Bo S. 167).
die Regenbogenhaut ist starr, da die Ciliarnerven ebenfalls afficirt sind !). Ist Zerreissung vorhan– den, so entsteht Blutextravasation in die Augen– kammern, tiefsitzender Schmerz, ausserordentliche - Empfindlichkeit des Auges bei der leisesten Berührung, völlige Blindheit *). Diese Amaurose ist öfter mit solchen Wunden, welche durch stumpfe Werkzeuge gesetzt warden, als mit reinen Schnittwunden vergesellschaftet. Durch Erschütterung des Gehirnes oder Extravasat könnte dieser Zufall ebenfalls bedingt werden *). Ob durch Quetschung und unvollkommene Zerreissung der grös– seren Verästlungen des Stirnnervens oder durch Zerrung desselben als Folge der difformen Narbenbildung eine Amaurose bedingt werden kann, - lässt sich um so weniger mit Sicherheit entscheiden , als die oben erwähnten Einflüsse immer gleichzeitig bestehen “). -
1) Es ist unrichtig. zu glauben, die Amaurose müsse sogleich der Verletzung folgen. Wie bei der Erschütterung anderer Nervenprovinzen, bemerkt man auch hier nicht immer gleich nach der Verletzung Lähmung in allen Punkten, sondern nur auf einer einzelnen beschränkten Stelle; das Gesicht besteht dann so lange, bis die Paralyse allmählig über die Retina sich verbreitet hat. Die Pupille ist entweder erweitert oder verergert. 2) Chelius, Handbuch der Chirurgie 4. Thl. S. 234. 3) Delpech (im a. W. 1. B. S. 347) glaubt, dass Verletzungen des Gehirns diesen Zufats bedingen; eben so in den Zusätzen zu Scarpa's Werk 1. B. S. 2o5. 4) Man hat die Blindheit der Verletzung der Stirnnerven und der dadurch erregten Reizung der Muskeln, wodurch Druck des Sehnerven entsteht, zugeschrieben (Plattner, Progr. de vulneribus superciliis illatis, cur caecitatem
inferant ad locum Hipp. Lips. 4741). Beer (im a. W. 4. B. S. 169) macht auf die Verschiedenheit der Ur
\ sachen aufmerksam. Er schreibt jedoch der Zerrung des Stirnnerven durch difforme Narben zu viel zu, da nach ihm jede später nach der Verletzung sich einstcllende Amaurose hieher gehören müsste, deren Entstehung auf eine andere und befriedigende Weise oben erklärt wurde.