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Personen, die ein HIV-Expositionsrisiko hatten, entwickeln relativ oft eine schützende Immunantwort gegen das Virus. Eine neuere Studie lässt vermuten, dass die Art der zell-vermittelten Immunantwort unabhängig von der Expositionsart ist.
Es ist seit längerem bekannt, dass etwa ein drittel aller HIV-negativen Sexualpartner von HIV-positiven Personen Immunzellen (CD4 und CD8 Zellen) haben, welche das HIV spezifisch erkennen. Man geht allgemein auch davon aus, dass diese gegen HIV gerichtete Immunantwort für den Schutz vor einer HIV Infektion verantwortlich sind. Man weiss nämlich, dass Partner von HIV-positiven Menschen ein viel höheres Risiko haben, sich während den ersten Sexualkontakten anzustecken, als während dem späteren Verlauf der Partnerschaft.
Eine analoge Immunantwort, ebenfalls in rund einem Drittel der Exponierten findet sich auch bei Personen, die eine HIV-Exposition mit einer einmaligen Nadelstichverletzung hatten, bei Neugeborenen HIV-positver Mütter und auch bei Personen, welche regelmässig mit einem HIV-positiven Partner die Spritzen tauschen. Vor einigen Jahren haben Makedonas et al, (2002) auch gezeigt, dass Letztere ein um etwa 40x geringeres Risiko einer HIV-Infektion aufweisen als Personen ohne diese Immunantwort.
Eine Untersuchung derselben Gruppe aus Montreal (Makedonas et al., 2005) hat nun untersucht, ob sich Unterschiede bei der Immunantwort erkennen lassen, wenn die Personen auf unterschiedlichem Weg mit HIV exponiert waren (Sexualkontakt oder Nadeltausch). Verglichen wurde die HIV-spezifische CD8-Immunantwort (IFN, Ellispot) von 20 sexuell exponierten mit 27 parenteral exponierten Personen. Das Resultat ist rasch zusammengefasst: Es zeigen sich – was auch immer verglichen wurde – keine Unterschiede. Interessant ist, dass die HIV-spezifische CD8-Immunantwort bei diesen exponierten Personen signifikant schwächer ausfällt, als bei Patienten mit unbehandelter, chronischer HIV-Infektion.
Was nützt eine solche Studie? Natürlich sind die Zahlen für eine "negative" Aussage relativ klein. Doch bereits der Rekrutierungsaufwand für diese 47 Patienten ist enorm. Wir hatten in St. Gallen schon enorm Mühe, 16 Personen mit anhaltender sexueller HIV-Exposition zu finden (Vernazza et al, CID 2000). Doch mindestens lässt sich sagen, dass keine grösseren Unterschiede bei der Immunantwort von unterschiedlich exponierten Personen bestehen.
Damit lässt sich aber auch sagen, dass die Immunantwort, welche wir nach sexueller Exposition im Blut messen, effektiv auch die für die Schleimhaut relevante Immunantwort darstellen dürfte. Für die Entwicklung einer Impfung ist dieses Resultat jedoch wichtig. Denn man kann davon ableiten, dass das, was wir im Blut messen, vermutlich auch für den Schutz gegen sexuelle Übertragung aussagekräftig ist.