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Anschließung
(früher
Adhäsion). Im Civilprozeß würde gegenüber dem von einer Partei eingelegten Rechtsmittel
der
Berufung (s. d.) oder
Revision (s. d.)
der Gegenpartei
an sich nur eine auf Verteidigung des angefochtenen
Urteils gerichtete Einlassung zustehen; die
Deutsche Civilprozeßordnung
[* 2] (vgl. §§. 482, 518) eröffnet jedoch der Gegenpartei die Möglichkeit, auch ihrerseits im
Wege des Anschlusses an das gegnerische Rechtsmittel das
Urteil, soweit solches ihr nachteilig ist, anzufechten, und dies
selbst dann, wenn sie auf das Rechtsmittel verzichtet hat oder die Rechtsmittelfrist verstrichen ist. Die
Anschließung stellt
sich als ein formell von dem Rechtsmittel des Gegners abhängiges, aber sonst vollkommen selbständiges
Rechtsmittel dar.
Eine andere Bedeutung hat die
Anschließung im
Strafverfahren. Während im ältern röm. und german.
Recht der durch eine Strafthat Verletzte
selbst als Kläger auftrat und demgemäß vorzugsweise
Schadenersatz und Privatgenugthuung verfolgte (s.
Anklage), während
nach dem Offizialprincip (s. d.) der Strafrichter auch von
Amts wegen auf Herbeischaffung der entwendeten oder veruntreuten Sachen und auf Sicherstellung des
Schadenersatzes bedacht
sein sollte (vgl. z. B.
Preuß. Kriminalordnung von 1805, §. 68), ist der heutige deutsche
Strafprozeß, abgesehen von dem
Fall der Privatklage (s. d.), nur auf die Durchführung des staatlichen Strafanspruchs
gerichtet, der der Regel nach von der dazu bestimmten
Behörde (s.
Staatsanwaltschaft) erhoben wird.
Die Entscheidung über den civilrechtlichen Anspruch des Verletzten gegen den Verbrecher steht nicht dem Strafrichter, sondern dem Prozeßrichter zu, der dabei an ein vorhergegangenes Strafurteil nicht gebunden ist. Dagegen kann der Anspruch auf Buße (s. d.), welcher dem Beschädigten nach dem Strafgesetzbuch oder nach Specialgesetzen zusteht (z. B. dem Patentgesetz, dem Markenschutzgesetz, den Gesetzen betreffend das Urheberrecht), im Fall der Beleidigung oder Körperverletzung im Wege der Privatklage, in andern Fällen dadurch geltend gemacht werden, daß sich der Beschädigte der öffentlichen Klage als Nebenkläger anschließt. (S. Nebenklage.)
Die Österr. Strafprozeßordnung von 1873 läßt die Erledigung privatrechtlicher Ansprüche aus strafbaren Handlungen im Strafverfahren grundsätzlich zu (§. 4), verordnet deshalb, daß der Verletzte bei seiner dadurch nicht ausgeschlossenen Vernehmung als Zeuge darüber zu befragen ist, ob er sich dem Strafverfahren anschließt (§. 172), und auch sonst von dem stattfindenden Strafverfahren zu benachrichtigen ist (§. 305). Der Strafrichter entscheidet zwischen dem Verbrecher und dem Verletzten nicht bloß über Rückgabe der dem letztern gehörigen Gegenstände und Schadenersatz, sondern auch über die Ungültigkeit von Rechtsgeschäften und Rechtsverhältnissen, ausgenommen die Ungültigkeit der Ehe. Die Entscheidung über diese bleibt dem Civilgericht vorbehalten, an welches der Strafrichter den Privatbeteiligten auch dann verweist, wenn der Beschuldigte nicht verurteilt wird oder im Fall der Verurteilung die Ergebnisse des Strafverfahrens zu einer verläßlichen Entscheidung über die privatrechtlichen Ansprüche nicht ausreichen. Aus dem rechtskräftigen Strafurteil kann die Exekution bei dem Civilgericht nachgesucht werden. Der Verurteilte ¶
mehr
kann, abgesehen von dem Fall der Wiederaufnahme (s. d.) des Verfahrens, Abänderung des strafgerichtlichen Ausspruchs über
privatrechtliche Ansprüche wegen neu aufgefundener Beweismittel nur vor dem Civilrichter nachsuchen. Der Privatbeteiligte
kann die Verfolgung seiner Ansprüche selbst während der Hauptverhandlung noch aufgeben, auch falls er sich mit der ihm vom
Strafgerichte zuerkannten Entschädigung nicht begnügen will, den Civilrechtsweg betreten (§§. 365 fg.).
Es liegt auf der Hand,
[* 4] daß der Verletzte, der im Fall der
Anschließung als Zeuge in eigener Sache auftritt und Reise und Kosten spart,
durch die österr. Vorschriften besser gestellt ist als nach den deutschen Reichsgesetzen. Insbesondere schließt nach §§.
188, 231 des Reichsstrafgesetzbuchs eine erkannte Buße die Geltendmachung eines weitern Entschädigungsanspruchs
aus.