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Die Curlingteams von Silvana Tirinzoni und Peter De Cruz sind Schweizer Medaillenhoffnungen in Peking. An der EM im November kamen beide nicht in die Halbfinals. Was bedeutet dies?
Die Aarauerinnen wie auch die Genfer wurden an der EM in Lillehammer Fünfte. An Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen kommen jeweils noch andere starke Teams in die Teilnehmerfelder. Typischerweise die kanadischen, die quasi von Amtes wegen immer zu den Siegesanwärtern gehören. Auch die Crews aus den USA, Südkorea oder Japan sind immer für Spitzenklassierungen gut. Ist deshalb für die Schweizer Teams auf den Olympia-Rinks mit Rängen von 6 an abwärts zu rechnen?
Zwei paar Schuhe
Für die besten europäischen Teams sind die Europameisterschaften alle vier Jahre tatsächlich die Hauptprobe für das Olympia-Turnier. Die Geschichte zeigt jedoch, dass die beiden Wettkämpfe auch zwei Paar Schuhe sind. Von einer EM auf Olympia hochzurechnen, empfiehlt sich jedenfalls nicht.
Das allerbeste Beispiel lieferte der Winter 1997/98, als das Curling nach 74 Jahren wieder als vollwertige olympische Medaillendisziplin zum Zug kam. Das Team von Lausanne Olympique um Skip Patrick Hürlimann wollte gut zwei Monate vor dem Wettkampf in Nagano an der EM in Füssen eine gute Klassierung herausholen und seine Form testen. Es sah gar nicht gut aus. In der Gruppe gingen die Spiele gegen Finnland und den Curlingzwerg Luxemburg verloren, und in den Viertelfinals war Dänemark zu stark. Hürlimann sagte später, die Stimmung sei kurz vor Olympia im ganzen Team sehr schlecht gewesen.
Die Gefühlslage des deutschen Teams um Skip Andy Kapp war umso besser. Die Curler aus Füssen gewannen die Heim-EM überlegen, nachdem sie an der vorangegangenen WM in Bern schon Zweite geworden waren. Sie machten sich selber zum ersten Anwärter auf den Olympiasieg.
Im ersten Spiel in Nagano trafen just die Schweizer und die Deutschen aufeinander. Es war ein umkämpfter Match, den die Lausanner im 10. End für sich entschieden. Von dort weg gingen beide in entgegengesetzte Richtungen. Diego Perren, Daniel Müller, Patrik Loertscher und Patrick Hürlimann wurden Olympiasieger, während die Deutschen nie ins Turnier fanden und als Letzte heimreisten.
Sven Michels Erfahrungen
16 Saisons später musste auch Sven Michel erfahren, wie wenig EM und Olympia trotz der zeitlichen Nähe miteinander zu tun haben. Als Skip des Adelbodner Teams wurde der Interlakner in Stavanger Europameister. Zwei Monate später belegten die Berner Oberländer am Olympia-Turnier in Sotschi mit drei Siegen und sechs Niederlagen nur den 8. Platz. Die Enttäuschung war gross.
Michel kommt die seinerzeitige Erfahrung in diese Wochen vielleicht zupass. Er ist als Nummer 3 ein Schlüsselspieler in der Genfer Crew von Peter De Cruz. Er weiss am besten, dass eine sogenannte Hauptprobe nichts, gar nichts bedeuten muss.
Gescheiter ist es wohl, wenn man die Teams nach dem über lange Zeit Erreichten beurteilt. Die Genfer haben in acht von zehn grossen Meisterschaften (WM, EM, Olympia) Medaillen geholt, und die Aarauerinnen beginnen die Olympia-Wettkämpfe als Siegerinnen der letzten zwei Weltmeisterschaften.
sda