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Augsburg, um 1545
Deckfarben auf Pergament
H. 465 mm, B. 255 mm
Inv. 2007.511.
Die sogenannte «Weisse Rose» und das kostbare Schmuckstück die «Drei Brüder» sind hier zusammen mit dem «Goldenen Hut» auf einem grossen Per-gamentblatt (465 x 255 mm) dargestellt. Diese sind wertvolle Gegenstände aus dem Besitz des burgundischen Herzogs Karls des Kühnen, die aus der Beute der Eidgenossen nach der Schlacht von Grandson (1476) stammen. Auf der Rückseite des Blattes werden Schlacht und Beutestücke beschrieben. Das Pergamentblatt entstand um 1545 im Auftrag von Hans Jakob Fugger in Augsburg, um als Bild- und Textvorlage für eine Prachtschrift zu Ehren des Hauses Habsburg, dem «Österreichischen Ehrenwerk», zu dienen. Das zweibändige Werk ist 1555 geschrieben und mit zahlreichen Illustrationen versehen worden.
Die drei bekannten Exemplare dieses Werkes befinden sich heute in Bibliotheken in München, Wien und Dresden. Darin wird die genealogische Geschichte von den Anfängen des Hauses Habsburg bis zu Kaiser Maximilian I. beschrieben, der in erster Ehe Maria, die Tochter Karls des Kühnen heiratete. Im siebten und letzten Buch des zweiten Bandes (zw. fol 518 und 519) befinden sich die Darstellungen des «Goldenen Hutes» und der zwei Kleinodien («Weisse Rose» und «Drei Brüder») mit dem entsprechenden Text der Schilderung der Burgunderkriege 1476/77.
Das Historische Museum Basel erwarb dieses einzigartige, bisher unbekannte Pergament im Kunst-handel. Es ergänzt die bereits im Besitz des Museums befindlichen, in der Barfüsserkirche ausgestellten Aquarellzeichnungen auf Pergament, die in Einzeldarstellungen vier Kleinodien der Burgunderbeute zeigen: die «Drei Brüder», die «Weisse Rose», das «Gürtelin» (der Hosenbandorden) und das «Federlin» – eine Hutnadel, wie sie am «Goldenen Hut» auch zu sehen ist – jedoch ohne Darstellung des Hutes. Diese um 1500 in Basel verfertigten Zeichnungen dienten dazu, bei den Verkaufsverhandlungen mit dem reichen Kaufmann Hans Jakob Fugger in Augsburg die wertvollen und fragilen Schmuckstücke vor Augen zu führen, ohne sie mitnehmen zu müssen. Als man sich 1504 einig wurde, wechselten die vier Kleinodien den Besitzer.
Der Hut soll auch durch Vermittlung der Basler in Fuggers Besitz gelangt sein. Die Kaufsumme betrug insgesamt 47'000 Gulden. Die «Drei Brüder», so genannt nach den drei gleich grossen 70-karätigen rechteckigen Balassen (blassroten Rubinen, «rubis plats»), die den in der Mitte gefassten Diamanten umgeben, hat Hans Jakob Fugger im Jahre 1543 an König Heinrich VIII. von England verkauft. Porträts der Königsfamilie beweisen, dass dieser Schmuck bis ins 17. Jahrhundert in deren Besitz blieb. Die Spur der «Weissen Rose» verliert sich schnell - der zentrale Stein soll eine Doublette gewesen sein.
Mit dem neu erworbenen Blatt besitzt das Historische Museum Basel nun die älteste bekannte Darstellung des mit zahlreichen Perlen und Steinen reichlich geschmückten Hutes Karls des Kühnen. Den Hut und das Federlin hat Fugger nach seinen eigenen Worten in Einzelteilen an Kaiser Maximilian I. verkauft. Später verliert sich seine Spur, so wie sich keines der Schmuckstücke Karls des Kühnen bis heute erhalten hat. Die dokumentarische und historische Bedeutung dieser Pergamentblätter ist daher nicht hoch genug zu bewerten.