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Kalmus - Acorus calamus
Acorus calamus (syn. A. aromaticus, Calamus aromaticus);
Kalmus (syn. Echter Kalmus, Gewürzkalmus, Magenwurz, Schwanenbrot).
VORKOMMEN
Die Heimat des Kalmus ist das südöstliche Asien; die Art ist aber
mittlerweile in Mittel- und Osteuropa bis Ostsibirien, in Ägypten und
auch Nordamerika eingebürgert. In Europa siedelte sich der Kalmus Ende
des 16. Jahrhunderts an. Er besiedelt insbesondere in Marschland die
Uferzonen nährstoffreicher, stehender und langsamfliessender,
sonnenwarmer Gewässer.
Bei meinem Teich wächst Kalmus sehr gut in der Verlandungszone, neben z.B. Fieberklee, Baldrian und Blutweiderich.
MERKMALE
Kalmus ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 60–120 cm erreicht. Sie besitzt ein etwa 2 cm dickes, aromatisch riechendes Rhizom. Kalmus weist schwertförmige Laubblätter auf und erinnert in seiner Gestalt an Iris. Der Blütenstand steht seitlich; dabei handelt es sich um einen 4–10 cm langen, grünlichen bis rötlichen Kolben. Die Vermehrung erfolgt ausschliesslich vegetativ über das Wachstum der Wurzelstöcke.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Calami aetheroleum - (syn. Oleum Calami) Kalmusöl.
2. Calami rhizoma - (syn. Rhizoma Calami); Kalmuswurzelstock.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Calami aetheroleum - siehe Calami rthizoma.
2. Calami rhizoma - Kalmuswurzel enthält bis zu 7 % ätherisches Öl mit komplexer Zusammensetzung. Gefunden wurden Phenylpropanderivate, besonders β-Asaron und Terpene, unter anderem β-Farnesen, Geranylacetat, Isoeugenolmethylether, Acoragermacron und Acoron.
Weitere Bestandteile des ätherischen Öls sind α-Asaron und das dimere β-Asaron-Derivat Acoradin, ein Monoterpen, nähmlich das (Z,Z)-4,7-Decadienal und verschiedene Sesquiterpene (Shyobunon-Isomere). Als flüchtige Bitterstoffkomponente ist das Acorenon (ein Sesquiterpendiketon mit Spiran-Struktur) zu erwähnen.
Nicht flüchtige Inhaltsstoffe sind Acorin (Bitterstoffglycosid), Cholin, Methylamine, Gerbstoffe, Stärke, Zucker und Schleimstoffe.
PHARMAKOLOGIE
α- und β-Asaron (i.p.-verabreicht) verursachten Lebertumore bei
männlichen Mäusen. Dabei waren beide Verbindungen vergleichbar (moderat)
potent. β-Asaron verursachte weiterhin Leiomyosarkome des Dünndarms
(Ratte, oral). Mutagene Effekte, u. a. im Ames-Test mit α- und β-Asaron
wurden (nur nach metabolischer Aktivierung) berichtet. Der
Wirkmechanismus der Kanzerogenese ist derzeit nicht bekannt.
Der gezielte Zusatz von β-Asaron (cis-Asaron) zu Lebensmitteln ist in der Europäische Union verboten. In den Vereinigte Staaten ist zudem der gezielte Zusatz von Kalmus in allen Formen zu Lebensmitteln verboten.
Nur Drogen mit einem β-Asaron-Gehalt von <0,5 % dürfen zum Einsatz kommen.
ANWENDUNG
Kalmus ist eine traditionelle Medizinpflanze der asiatischen Medizin.
Kalmuswurzel wird in Form von Extrakten innerlich als Stomachikum bei
Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und Flatulenz verwendet. Bei
rheumatischen Erkrankungen sowie bei Husten wird die Droge ebenfals
eingesetzt. Wie der echte Ingwer kandiert, wird die Wurzel auch als
„Deutscher Ingwer“ gegessen. Der Wurzel und den Asaronen werden auch
aphrodisierende Eigenschaften zugeschrieben.
Kalmuswurzel ist z.B. in Sidroga Magentee vorhanden, in Kombination mit Kamille, Melisse, Krauseminze, Tausendgüldenkraut und Schafgarbe.
Kalmusöl wird manchmal Mund- und Gurgelwässern zugesetzt.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Kalmuswurzel und ätherisches Öl nur in der Apotheke kaufen (wegen des Gehaltes an cis-Asaron). Ansonsten nur standardisierte Extrakte in Form von Fertigarzneimitteln verwenden.
WARNUNG
Asarone wirken mutagen, carzinogen sowie reproduktionstoxisch, während die angegebenen positiven Wirkungen wissenschaftlich nicht nachgewiesen sind.
STATUS
HOMÖOPATHIE
Acorus calamus - Kalmus
Anwendungsgebiet: bei Magen-Darm-Erkrankungen.
KALMUS IM GARTEN
Kalmus stammt ursprünglich aus Asien, ist aber als verwilderte Pflanze in grossen Teilen Europas bis in Höhenlagen von etwa 1000 m anzutreffen. Die bevorzugten Standorte des Kalmus sind Sümpfe, Seeufer, entlang von Fluss- und Bachläufen und Sumpfwiesen. Sie müssen also einen Teich im Garten anlegen. Kalmus bevorzugt einen sonnigen Standort.
Der Anbau erfolgt durch Teilung der Wurzel oder durch Schösslinge, Jungpflanzen kriegen sie in jeder guten Kräutergartnerei. Die Wurzel ist ein dicker, kriechender Wurzelstock (Rhizom). Die neuen Pflanzen werden einfach an sumpfigen oder sehr feuchten Standorten angepflanzt, also meist am Gartenteich oder in der Flachwasserzone.
SONSTIGES
Kalmus wurde im Orient bereits im Altertum als Gewürz und Heilmittel geschätzt. Auch in der Bibel wird der Kalmus erwähnt (2. Mose 30,23). Nach Mitteleuropa kam die Pflanze erst im 16. Jh. aus Südindien.
Letzte Änderung: 22.01.2017 / © W. Arnold