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Vorurteile
Vorurteile haben verschiedene Facetten. Sie können im Alltag den Menschen helfen, sich rascher zu orientieren. Im politischen Kontext führen negative Vor-Verurteilungen jedoch zu Feindseligkeiten und Hass. Hier sind sie eine Gefahr für die Gesellschaft.
Vorurteile sind Urteile, die gefällt werden, ohne dass über sie nachgedacht werden muss. Sie dienen erstens dazu, die Psyche des Individuums zu stabilisieren, indem sie diesem Orientierung in unübersichtlichen Situationen verschafft und Verhaltenssicherheit ermöglicht (Max Horkheimer 1963). Vorurteile haben zweitens den Zweck, soziale Gruppen zusammenzuhalten, indem sie die Gruppenbildung und -zugehörigkeit fördern und eine Aggressionsverschiebung auf Fremdgruppen erlauben. Vorurteile stabilisieren drittens auch die Gesellschaft und das politische System, indem sie Herrschaftsausübung rechtfertigen, Macht erhalten und mittels Bereitstellung von Sündenböcken und Feindbildern an der Herrschaftssicherung mitwirken.
Die Gefährlichkeit des Vorurteils liegt vor allem in der Verbindung von drei Aspekten: Der Schnelligkeit, des ethnozentrischen Ein- und Ausschlusses sowie der Ideologisierung. Ein Vorurteil kann sich in Sekundenschnelle gegen einen Menschen oder eine Menschengruppe richten und in Feindseligkeit, Fundamentalismus und Hass umschlagen. Solche Weltsichten sind in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs besonders verbreitet. Leider ist das vorurteilsvolle „Denken“ schwierig von Tatsachen und Gegenargumenten zu überzeugen, wie Klaus Ahlheim und Bardo Heger schreiben. Denn wer in Vorurteilen denkt, will eigentlich nicht denken müssen. In Zusammenhang mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus stellen Alheim und Heger beispielsweise fest, dass solche Menschen zwar durchaus Ausnahmen im persönlichen Bekanntenkreis finden („Mein Freund, der Italiener, ist natürlich nicht so...“). Diese Ausnahmen geben jedoch nicht notwendigerweise zum Weiterdenken Anlass, sondern können bequem unter „Ausnahmen bestätigen die Regeln“ verbucht werden. Dabei ist gemäss Theodor W. Adorno bei Personen mit starken Vorurteilen meist zusätzlich ein Hang zu „autoritären Einsstellungen“ zu finden, welcher mit sehr einfachen Weltsichten wie der Einteilung in Unten/Oben, Stark/Schwach, Gut/Böse einhergeht (Theodor Adorno 1950:6ff.).
In einem gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Klima, das „Schwarz-Weiss-Denken“ fördert, finden solche Einstellungen Unterstützung (Ahlheim/ Heger 2001).
Zu den Gegenstrategien gehören deshalb nebst Aufklärung, Information, Begegnungen und neuen Erfahrungen auch die öffentliche Sanktion solcher Einstellungen (Ahlheim 1999).