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Gleich zu Beginn sei gesagt: Den bemühten Schreiberinnen und Schreibern ist zugutezuhalten, dass das Regelwerk zur Getrennt- und Zusammenschreibung lang und teilweise umständlich ist. Einige Fälle sind ausserdem nicht klar geregelt. Darum versuche ich im Folgenden einige grundlegende Regeln zu formulieren, an denen Sie sich für eine Mehrzahl der Fälle orientieren können.
Drei Faustregeln fürs Zusammenschreiben
Regel 1 lautet: Wenn aus zwei (oder mehreren) Wörtern in Kombination eine neue Gesamtbedeutung entsteht, schreiben wir zusammen.
Nehmen wir als Beispiel die beiden Wörter «Sonne» und «baden». Die Sonne ist der Stern, der der Erde am nächsten ist und das Zentrum des Sonnensystems bildet. So steht es in Wikipedia. Wenn wir baden, befinden wir uns zur Erfrischung oder zum Zeitvertreib in einem Gewässer oder pflegen in einer Badewanne unseren Körper. Fügen wir die beiden Wörter zum Begriff «sonnenbaden» zusammen, erhält die Kombination eine neue Bedeutung: Menschen liegen an der Sonne, geniessen die Wärme, tanken Vitamin D und arbeiten an ihrer Bräunung. Weitere Beispiele für die Faustregel 1 sind leichtnehmen (etwas unbekümmert angehen), schwerfallen (etwas bereitet Mühe oder belastet), gutschreiben (jemandem ein Guthaben anrechnen), schwarzmalen (etwas pessimistisch darstellen), weisswaschen (jemanden von einem Verdacht befreien), kurzschliessen (mit jemandem unmittelbar in Kontakt treten) oder kleinkariert (wenn sich jemand engstirnig zeigt).
Regel 2 lautet: Zweigliedrige Fügungen, in denen das erste Wort das zweite näher umschreibt, schreiben wir zusammen.
In einer zwei- oder mehrteiligen Zusammensetzung ist der letzte Wortteil immer das sogenannte Stammwort. Wird ein solches Stammwort von vorangehenden Wörtern genauer definiert, ist das ein Signal, dass zusammengeschrieben werden sollte. Ein Bilderbuch ist ein Buch (Stammwort), das aus Bildern besteht. Felsenfest sind wir von etwas überzeugt, wenn zur festen (Stammwort) Annahme keinerlei Zweifel besteht. Ein Startmeeting ist ein Meeting (Stammwort), an dem ein neues Projekt in Angriff genommen wird.
Regel 3 lautet: Werden beim lauten Vorlesen einer Wortkombination beide Wortteile gleichermassen betont, schreiben wir sie auseinander. Wird nur der erste Teil betont, schreiben wir zusammen.
Diese Faustregel hilft vor allem dann, wenn für Wörter sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung möglich ist – allerdings mit jeweils unterschiedlicher Wortbedeutung. So schreiben wir «freisprechen», wenn das Gericht jemanden für unschuldig erklärt. Nur der erste Wortteil «frei» ist in dieser Fügung betont, also ist Zusammenschreiben richtig. Sind beide Wortteile betont, schreiben wir auseinander – «frei sprechen» heisst dann aber, jemand braucht für sein Referat keine Notizen. Weitere Beispiele, die unter Regel 3 fallen, sind zusammenarbeiten (kooperieren; nur erster Wortteil betont) und zusammen arbeiten (im gleichen Raum arbeiten; beide Wortteile betont), kleinschreiben (ein Wort mit kleinem Anfangsbuchstaben schreiben; nur erster Wortteil betont) und klein schreiben (in kleiner Schriftgrösse schreiben; beide Wortteile betont) oder wiedererkennen (etwas von früher her kennen; nur erster Wortteil betont) und wieder erkennen (etwas erneut zur Kenntnis nehmen; beide Wortteile betont).
Mit Bindestrichen können wir Wortkombinationen schöner machen – aber nicht in jedem Fall.
Wann Bindestriche gesetzt werden sollten
Bindestriche (auch Kupplungsstrich oder Divis genannt) sind ein Mittel, um zusammengesetzte Wörter zu verknüpfen. Trotzdem sollte ihr Einsatz nicht übertrieben werden. Sinnvoll sind Bindestriche in zwei Fällen.
Fall 1: In mehrgliedrigen Wortkombinationen, bei denen ein Glied aus einer Ziffer, einer Abkürzung, einzelnen Buchstaben oder einem fremdsprachigen Wort besteht.
Bei Wendungen wie 100-Jahr-Jubiläum, US-Präsident oder A-Dur-Tonleiter haben wir keine Wahl, sie müssen mit Bindestrichen verbunden werden. Für den zweiten Fall mit Wortteilen vornehmlich aus dem Englischen werden Kombinationen ohne Bindestrich schnell unleserlich: statt Strategieworkshop also besser Strategie-Workshop. Und nicht Onlinemarketingschulung, sondern Onlinemarketing-Schulung (wenn es sich um eine Schulung im Fachgebiet Onlinemarketing handelt) oder Online-Marketingschulung (wenn eine Schulung im Marketing gemeint ist, die nicht physisch, sondern online stattfindet). Richtig wäre in diesem Fall auch Online-Marketing-Schulung. Allerdings muss dann aus dem Zusammenhang heraus interpretiert werden, von welcher der beiden oben genannten Arten von Schulung die Rede ist.
Fall 2: Bei Wörtern, die wir aufgrund der Zusammenfügung nicht mehr gut lesen oder falsch verstehen können.
Der Klassiker für schlechte Lesbarkeit ist das Teeei. Die drei nacheinander folgenden Vokale sehen nun wirklich sonderbar aus. Lesen wir Tee-Ei, fällt der Begriff nicht weiter auf. Ein weiteres Beispiel für hemmenden Lesefluss ist Wirgefühl statt Wir-Gefühl. Und dann natürlich sämtliche substantivierten Erweiterungen: So schreiben wir besser das Entweder-oder (statt Entwederoder), das In-den-Tag-hinein-Leben (nicht Indentaghineinleben), das Auf-den-Wecker-Gehen (nicht Aufdenweckergehen).
Falsch verstehen können wir Kombinationen ohne Bindestrich, wenn sie durch die Buchstabenfolge andere Assoziationen hervorrufen. Beispiele dazu sind Urinstinkt (besser Ur-Instinkt) oder Musikerleben (besser Musik-Erleben, wenn das Hören eines Konzertes gemeint ist, oder Musiker-Leben, wenn die Vita eines Komponisten näher betrachtet wird).