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Titel:
Selbstbewusste Ausserrhoder Münzpolitik
Thema: Wirtschaft
Datum: --.--.1816
Masse: Durchmesser 40,3 mm
Standort: Walter Koller, Eggerstandenstrasse 2F, 9050 Appenzell
Urheber/-in:
Beschreibung:
Silbermünze des Kantons Appenzell Ausserrhoden mit einem Nominalwert von 4 Franken. Auf Veranlassung von Landammann Jacob Zellweger liess Ausserrhoden 1816 beim Berner Münzmeister Christian Fueter 1850 dieser Geldstücke prägen. Im Umfang deutlich grösser wie ein heutiges 5-Frankenstück betrug das Gewicht der Vierfränkler nicht weniger wie 29 Gramm. Anlässlich der eidgenössischen Münzreform von 1852 wurde lediglich ein Drittel dieser Münzsorte eingeschmolzen. Aufgrund des hohen Silbergehaltes eignete sie sich bestens als Hortungsgeld. Geld wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zu Hause aufbewahrt und an allen möglichen Orten - z.B. in Geheimfächern von Schreibtischen - versteckt. Lediglich reiche Kaufleute nahmen die Dienste von Bankinstituten in Anspruch.
Geschichte:
Bis zur Einführung des heutigen Schweizer Frankens durch die eidgenössische Münzreform von 1852 herrschte in der Eidgenossenschaft ein Wirrwar von hunderten unterschiedlicher Münzsorten. Die meisten grösseren Kantone und auch einige Städte prägten ihr eigenes Geld. Im Ancien Regime betätigten sich sowohl die Abtei als auch die Stadt St. Gallen als Münzherren, nach 1803 auch der Kanton St. Gallen. Dazu kamen verschiedenste ausländische Münzen namentlich von Frankreich und aus dem süddeutschen Raum. Vergeblich versuchte die Regierung der Helvetischen Republik eine Vereinheitlichung herbeizuführen. Mit der Mediationsakte von 1803 ging die Münzhoheit wieder an die Kantone über.
Zwischen 1808 und 1816 liess der Kanton Appenzell Ausserrhoden das erste und einzige Mal in seiner Geschichte eigenes Geld prägen und ging damit ein nicht unwesentliches Risiko ein. Hauptverantwortlich für die von starkem Prestigedenken geprägte Münzpolitik war Landammann Jacob Zellweger, der sich gegen die Bedenken seiner Regierungskollegen durchsetzte. Das Selbstbewusstsein des nach der Helvetik wiedererstandenen Staatswesens sollte durch eigenes Geld eine Stärkung erfahren. Neben den 4-Frankenstücken entstanden Ausserrhoder Batzen und Halbbatzen (1808), 1/2 Franken (1809) sowie 2-Franken und eine erste Serie 4-Frankenstücke (1812). Appenzell Innerrhoden hingegen verzichtete in dieser Zeit auf die Prägung eigenen Geldes. Die Innerrhoder hatten bereits 1734-1743 in Appenzell selbst eigene Münzen herstellen lassen, damit aber ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht.
Autor: Stephan Heuscher, Appenzell
Literatur:
Schläpfer, Walter: Wirtschaftsgeschichte des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Gais 1984, S. 232-243
Appenzeller Geschichte, Bd. III. Appenzell 1993, S. 195-201
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