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2. April 2022 | Stephan Erne, ewp
Verkehrsinfrastrukturen haben schon immer beeinflusst, wo wie viele Menschen wohnen, arbeiten, einkaufen oder die Freizeit gestalten. Solche Standortentscheide beeinflussen wiederum, auf welchen Strassen, ÖV-Linien sowie Fuss- und Velowegen wie viele Menschen und Fahrzeuge unterwegs sind. Diese Wechselwirkungen zwischen Räumen, Erreichbarkeit, Verkehrsangeboten und resultierendem Verkehr widerspiegeln sich auch in städtebaulichen und verkehrspolitischen Leitbildern. Sie beeinflussen also in hohem Masse, wie wir als Gesellschaft Raum und Mobilität zukünftig sehen.
In einer Studie des Schweizerischen Städteverbandes hat ewp 2019 die Zusammenhänge zwischen Räumen, Erreichbarkeit, Verkehrsangeboten und resultierendem Verkehr für die Schweiz untersucht. Ein historischer Abriss zeigt, wie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die grossräumige Raumstruktur durch die Eisenbahn beeinflusst wurde, während in den Städten der Tramverkehr und die Velos die Mobilität und das Stadtbild prägten. Die schnelle Verbreitung des individuell genutzten Autos und die dafür realisierten Strassenausbauten, Umfahrungen und Autobahnen lösten das relativ kompakte Städtenetz des Mittellandes in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf. Die neuen Angebote führten schnell zu Zersiedelung in der Peripherie und rückläufigen Einwohnerzahlen in den Städten. Um den damit verbundenen Herausforderungen zu begegnen, begannen Kantone und Städte ab 1990, mit der S-Bahn den öffentlichen Nahverkehr zu stärken. Damit gelang es, die Belastungen des motorisierten Verkehrs in den Städten zu plafonieren und den Anteil des ÖV beim städtischen Zubringerverkehr deutlich zu erhöhen. Diese Massnahmen leisteten einen wichtigen Beitrag, damit die Bevölkerung wieder vermehrt in den Schweizer Städten wachsen konnte.
Aufbauend auf dieser Entwicklung der Vergangenheit werden in der Studie 10 Thesen zur künftigen Entwicklung der Mobilität in den urbanen Räumen der Schweiz formuliert. Dabei wird beispielsweise gezeigt, dass die Agglomerationen zunehmend mehrere Zentren haben und dass die Verkehrsströme dadurch vielfältiger werden. Das Verkehrswachstum der wachsenden Stadtregionen kann künftig nur durch höhere Anteile von flächeneffizienten, stadtgerechten Verkehrsmitteln (ÖV, Fuss- und Veloverkehr) bewältigt werden. Die aktuellen Investitionen von Städten und Kantonen in bessere Velonetze und die Weiterentwicklung des bereits starken ÖV-Angebotes sind daher sehr wichtig. In den ländlicheren Gebieten bzw. an den Rändern der Agglomerationen bleibt das Auto dagegen als Verkehrsmittel auch künftig attraktiv, auch für Fahrten in die Arbeitsplatz- und Einkaufsgebiete nahe der Zentren. Vor dem Hintergrund dieser Scheidelinien der Mobilität zwischen Stadt und Land werden intermodale Wegeketten und Verkehrsdrehscheiben für den Umstieg zwischen Verkehrsmitteln immer wichtiger. Neue Mobilitätsformen und -technologien können dabei helfen, die Vernetzung von Angeboten und die städtische Mobilität effizienter zu organisieren. Dabei darf neben dem Personen- auch der Güterverkehr nicht vernachlässigt werden.
Eine kurze Gesamtschau zeigt, dass die Schweizer Städte zusammen mit dem Städteverband konsistente Zielsetzungen verfolgen, die auf die beschriebenen Thesen reagieren. Zentral ist, dass die Akteure auf allen staatlichen Ebenen konkrete und mit der Siedlungsentwicklung abgestimmte Massnahmen umsetzen, um diese Ziele zu erreichen. Die Studie schliesst deshalb mit einem Werkzeugkasten und benennt sieben besonders erfolgversprechende Handlungsansätze.