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Seit der Einführung im Jahr 1998 hat das Medikament Herceptin von Roche dramatisch die Aussichten für Frauen mit einer aggressiven Form von Brustkrebs im frühen Stadium verbessert. Bis Ende März will der Schweizer Konzern Testergebnisse für eine neuere Behandlungsmethode veröffentlichen.
Doch selbst falls diese eine Verbesserung gegenüber der derzeit genutzten Kombination aus Herceptin und Chemotherapie darstellen sollte, wird das möglicherweise nicht ausreichen, um die Kosten auszugleichen - sowohl finanziell als auch mit Blick auf die Nebenwirkungen - wenn die ältere Methode so gut funktioniert.
"Die Ergebnisse werden mit grosser Spannung erwartet", sagt Suzette Delaloge, Chefin der Brustkrebs-Abteilung am Gustave Roussy Institute nahe Paris. Es sei durchaus möglich, dass die neue Kombination einen Vorteil bietet, der aber nicht "sehr spektakulär" ausfällt.
Für den Test mit dem Namen Aphinity hat Roche das Mittel Perjeta dem Herceptin-Ansatz hinzugefügt, der oft nach Brustkrebs-Operationen verwendet wird. Ein Erfolg würde wahrscheinlich den Absatz von beiden Medikamenten antreiben. Rund 70 Prozent des Herceptin-Umsatzes von 6,8 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr geht auf das Konto von Patienten, die von der jetzt getesteten Kombination profitieren könnten. Zusammen dürften es die Medikamente bis 2021 auf einen Umsatz von 9 Milliarden Dollar bringen, schätzen Analysten auf der Basis der Erfolgs-Wahrscheinlichkeit.
Wichtige Medikamente verlieren Patentschutz
Die Studie ist wichtig für Roche, da die drei bestverkauften Medikamente des Unternehmens - die gemeinsam einen Jahresumsatz von 20 Milliarden Dollar erzielen - in den nächsten drei Jahren ihren Patentschutz verlieren werden. Herceptin, die Nummer 2, steht noch in diesem Jahr vor starker Konkurrenz durch billigere Nachahmer-Mittel in Europa.
Ein Erfolg der Aphinity-Tests könnte den Marktwert von Roche um bis zu 17 Milliarden Dollar erhöhen, schätzen die Analysten von Jefferies LLC. Auf der anderen Seite dürfte ein Misserfolg 30 Milliarden Dollar auslöschen.
Herceptin heilt im Wesentlichen mehr als vier von fünf Frauen mit frühem Brustkrebs und einem mutierten Gen namens HER2, wenn es im Zusammenspiel mit einer Chemotherapie nach einer Operation verwendet wird.
Damit sie als Erfolg eingestuft wird, muss die Studie zeigen, dass bei über 90 Prozent der Frauen, die die neue Kombination nutzen, für mindestens zwei Jahre kein Krebs zurückkehrt, heisst es von Mirabaud Securities LLP. Wenn die Kombination dieses Ziel nicht erreicht, steht ein Herceptin-Umsatz von 4,9 Milliarden Dollar auf dem Spiel, da preiswertere Nachahmermedikamente auf den Markt drängen.
«Die Hürde ist hoch»
Herceptin und Perjeta kosten in der Anwendung jeweils mehr als 6000 Dollar pro Monat.
"Eine grosse Anzahl von Frauen hat eine exzellente Prognose" mit dem derzeitigen Behandlungsansatz", sagt Eric Winer, Direktor am Breast Oncology Center des Dana-Farber Cancer Institute in Boston. "Müssen wir jeder dieser Frauen ein anderes Medikament geben?"
Falls die Studie zeigen sollte, dass die Vorteile marginal und die Nebenwirkungen signifikant sind, wird es schwer, die Kombination zu verkaufen, meint Jame Abraham, Direktor im Brust-Onkologie-Programm der Cleveland Clinic.
"Die Hürde ist wirklich hoch", sagt Abraham, dessen Patienten an den Aphinity-Tests teilnehmen. "Wir müssen uns die Daten wirklich genau ansehen."
(Bloomberg)