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Claudemise P. lebt mit ihren beiden Kindern im Landkreis Thomonde. Ihr kleines Haus steht an einer unbefestigten Hauptverbindungsstraße zwischen der Provinzstadt Kas und dem Tal, durch das der Artibonite fließt. Sie hatte schon zuvor hier gelebt und war nach der Trennung vom Vater der Kinder einige Monate vor Beginn des CLM Programms hierher zurückgezogen. Seitdem wohnt auch ihr Cousin, ein junger Mann, der sich mit Gelegeheitsjobs in der Umgebung durchschlägt, mit der Familie zusammen. So fühlt Claudemise sich sicherer.
Der Neustart als alleinerziehende Mutter war nicht einfach für Claudemise: Da die Hütte durch die lange Abwesenheit in keinem guten Zustand war, und kaum Schutz vor äußeren Einflüssen bot, versuchte Claudemise sie zu reparieren: „Ich habe Wände aus Stroh und Palmblättern geflochten und Risse mit Erde verschlossen. Ich tat, was ich konnte.“ Um sich und die Kinder über Wasser zu halten, nahm Claudemise verschiedenen kleine Jobs in der Nachbarschaft an: Sie half beim Schälen von Erdnüssen, sortierte Holzkohle und wusch Wäsche. Oft reichte das Geld hinten und vorne nicht. Vor allem die Kosten für den Schulbesuch vielen schwer ins Gewicht – so musste Claudemise oft zwischen Bildung und Ernährung abwägen: „Ich schickte meine Tochter hin, aber manchmal musste sie hungern. Ich konnte ihr morgens nichts zu essen geben, bevor sie losging. Ich hatte nicht einmal fünf Gourdes (ca. 5 Rappen), damit sie sich einen Snack kaufen konnte.
Claudemises Teilnahme am CLM Programm änderte vieles: Mittlerweise hat sie drei unterschiedliche Einkommensquellen, mit denen sie die Bedürfnisse ihrer Familie decken kann. Zu Beginn des Programms entschied sie sich für Viehzucht und erhielt dafür zwei Ziegen und ein Schwein. Leider starb das Schwein einige Zeit später. Doch Claudemise konnte das Fleisch trotzdem für 5.000 Gourde (ca. 45 CHF) verkaufen und kaufte von dem Erlös Erdnüsse, die sie aussäte. Die erste Ernte steht kurz bevor. Mit den Ziegen hatte Claudemise mehr Glück als mit dem Schwein. Aus den beiden Ziegen wurden sechs. Eine siebte kaufte sie selbst dazu. Claudemise hat herausgefunden, dass Ziegenhaltung ein guter Weg ist, um die Schulgebühren ihrer Kinder zu bezahlen. Der Verkauf von Ziegen ist perfekt für mittlere Investitionen oder unvorhergesehene Ausgaben. Allerdings eignet sich die Aktivität nicht, um alltägliche Bedürfnisse wie z.B. Ernährung und Kochenergie zu finanzieren.
Claudemises Mentorin Islande ermutigte sie daher, mit Kleinhandel für einen geringen aber kontinuierlichen Einkommensfluss zu sorgen. Da Claudemise keine Erfahrung mit Kleinhandel hatte, wurde sie Schritt für Schritt von Islande dabei begleitet: zunächst nutzte Claudemise einen Teil ihres gesparten Fördergeldes, um Erdnussbutterbrote vor der nahegelegenen Klinik zu verkaufen. An anderen Tagen verkaufte sie selbstgemachtes Fladenbrot aus Maniok. Stück für Stück erweiterte sie dann ihr Warensortiment. Mittlerweise hat sie einen gut ausgestatteten kleinen Kiosk und genügend Kundschaft, die direkt zu ihr nach Hause kommt.
Claudemise ist auch Mitglied in einer der Spar-und Kreditgruppen, die während des Programms gegründet wurden. So konnte sie Rücklagen bilden und hatte die Möglichkeit kleine Kredite aufzunehmen. Mittlerweile hat sie drei „Sparkonten“. Eines davon als Absicherung für die Bildungsausgaben ihrer Tochter, die zwei weiteren für den Kauf einer Kuh. Diese Rücklagen und ihre Einnahmen aus ihrem Kiosk, der Ziegenzucht und dem Erdnussanbau, bieten Claudemise nun genügend Sicherheit um auch nach dem Abschluss des Programms den Weg aus der Armut eigenständig und zielsicher weiter beschreiten zu können.