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Unter «Juristischer Dialektik» sind Argumentationsweisen und Kunstgriffe zu verstehen, die bei rechtlichen Auseinandersetzungen dazu dienen, in den Augen der Hörer und Leser Recht zu behalten, wobei nicht feststeht, ob man in der Sache wirklich Recht hat, und das Vorgehen auch der Durchsetzung des Unrechts dienen kann. Bei dieser «Kunst des Rechtbehaltens» handelt es sich zur Hauptsache um subtilere Vorgehen als diejenigen, die etwa unter dem Titel der Rhetorik bekannt sind. Dialektik kommt sowohl in Parteivorbringen wie auch in der Begründung richterlicher Entscheide vor. Manchmal ist die Streitpartei zu einem dialektischen Vorgehen gezwungen, um die Position ihres Klienten zu wahren, zum Beispiel wenn sie selber noch nicht weiss, wer Recht hat, oder im Hinblick auf Vergleichsvorschläge des Gerichts, welche auf Grundlage provisorischer Abklärung der Sach- und Rechtslage erfolgen. Nicht selten sind aber diese Argumentationsweisen und Kunstgriffe missbräuchlich, und sie nehmen in Rechtsschriften und Plädoyers oft einen grösseren Raum ein als die «seriösen» Argumente, welche die objektive Darstellung des Sachverhaltes, den Beweis und die Subsumtion des Falles unter die Rechtsordnung betreffen. Das dialektische Vorgehen wird häufig gar nicht als solches erkannt, sondern als Methodik, Rhetorik und Ähnliches beschönigt. Die Dialektik spielt nicht nur im Prozess, sondern auch bei der Verhandlungsführung eine Rolle. In der vorliegenden Abhandlung, welche in dritter, überarbeiteter und erweiterter Auflage erscheint, wird das dialektische Vorgehen systematisch in zahlreichen Anwendungen analysiert, und es werden Gegenmittel zur Neutralisierung der dialektischen Argumentationsweisen und Kunstgriffe aufgezeigt.