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Aus dem Umfeld der Kantonalen Kunstkommission ist zu hören: Seit bekannt geworden sei, dass der Gnomengarten Schwarzenburg im Herbst 2015 geschlossen wird, habe das Gremium zweimal über einen Augenschein gesprochen, sei vor einer Reise in die abgelegene Randregion aber dann doch zurückgeschreckt (35 Minuten mit der S-Bahn, man denke!).
«Schweizerische, amüsante Kopie mit regionalem Wert»
Auf die Frage von Journal B, wie die Kommission «den künstlerischen Wert des Gnomengartens» einschätze, führt deren Präsidentin Susanne Bieri aus: «Wer sich mit dem Thema Skulpturengarten beschäftigt, steigt in dieses Thema – besonders um die Ursprünge dieses Phänomens zu packen – in Italien, spätestens mit Bomarzo, parco dei mostri, im 16. Jh. ein, wird danach im 20. Jh. in der Toscana und Umbrien fündig mit jenen von Niki de St.Phalle / Daniel Spoerri / Tomaso Buzzi, und damit sind nur die bedeutendsten und noch existierenden/funktionierenden genannt. Der Gnomengarten mit den Betonskulpturen von Jürg Ernst gliedert sich als späterer Nachfolger hier ein. Er ist in diesem Sinne eine kleinere, schweizerische, amüsante Kopie mit regionalem Wert. Das heisst in den Augen der kantonalen Kunstkommission – da sie letztlich auch im Subsidiariätssystem funktioniert –, dass sie den überregionalen Wert nicht a priori für gegeben hält und der Meinung ist, dass zuerst die Region / die Gemeinde sich mit Wert und / oder Mehrwert dieses Skulpturengartens für die eigene Bevölkerung auseinander setzen sollte und unterstützt, wie sie es für richtig hält. […] Bekanntlich wurde/wird der Garten zudem filmisch dokumentiert und bleibt also auch visuell 'erhalten'.» (Mail 29.7.2015)
«Die Kantonale Kunstkommission hält den überregionalen Wert des Gnomengartens nicht a priori für gegeben.»
Susanne Bieri, Kommissionspräsidentin
Was diesen Film betrifft, ist es so: Miriam Ernst, Tochter des Künstlerpaars in Schwarzenburg, absolviert zurzeit die Master-Ausbildung zur Regisseurin von Dokumentarfilmen an der National Film and Television School in Beaconsfield (England) und hat im Frühling bei der Berner Filmförderung um einen Produktionsbeitrag für ihr Dokumentarfilmprojekt mit dem Arbeitstitel «Vaters skurrile Oase» gebeten. Die abschlägige Antwort datiert vom 23. Juni 2015. Statt der budgetierten 80000 Franken gibt es für den Film im Moment gut 7000.
Wegschauen bis der Bagger kommt?
Und auf die Frage von Journal B, ob die Kunstkommission eine Möglichkeit sehe, «die Erhaltung der Betonwerke von Jürg Ernst zu unterstützen», antwortet Bieri: «Die Kunstkommission hat keine Möglichkeit, innerhalb ihrer vorgesehenen Aufgaben den Erhalt des Gnomengartens zu unterstützen.» Damit bestätigt sie das Diktum, das die gleiche Kommission bereits zehn Jahre zuvor gefällt hat: «Nach Ansicht der Fachpersonen erfüllt das Gesamtprojekt GNOMENGARTEN SCHWARZENBURG die strengen künstlerischen Kriterien, die einen Beitrag aus den knappen Kulturfördermitteln des Kantons Bern rechtfertigen würden, nicht in genügendem Mass.» (Brief, 30.3.2005) Aufgrund der Tatsache, dass Ernst seither kontinuierlich weitergearbeitet hat, hielt Journal B bereits am 27. August 2014 fest: «Die kantonale Kunstkommission […] könnte sich in geradezu unsterblicher Weise lächerlich machen, wenn ihr Njet von 2005 ohne erneuten Augenschein das letzte Wort gewesen wäre, bevor der Bagger kommt.»
Die Randregion muss sparen
Ruedi Flückiger ist nicht nur Gemeindepräsident von Schwarzenburg (SP), sondern als Nachbar mit dem Künstlerpaar Messerli und Ernst freundschaftlich verbunden. Deshalb engagiert er sich in der Projektgruppe Gnomenweg. Ihm ist klar, dass dieser Weg kosten wird. Allein der Transport der zum Teil tonnenschweren Werke und die Neusetzung auf noch zu bauenden Fundamenten beläuft sich laut einer Offerte auf rund 45000 Franken. Damit der Gnomenweg realistisch würde, müsste die Gemeinde ungefähr diesen Betrag übernehmen können.
Als Gemeindepräsident sagt Flückiger: «Die Gemeinde wird keinen substantiellen Beitrag zum Gnomenwerg leisten können. Wir sind finanziell als Landgemeinde eng drin, und wir haben in den letzten Monaten verschiedene einmalige und wiederkehrende Beiträge an Vereine, Veranstaltungen, etc. kürzen müssen. Darum wäre es für viele schwer verständlich, wenn die Gemeinde hier in einem von Ihnen genannten Umfang einsteigen würde. Ich gehe eher von einem symbolischen Beitrag aus.» Das ist keine Ausrede: Schwarzenburg hat als Randregion unterdurchschnittlich viele gute Steuerzahler und zum Beispiel ein Strassennetz von über 200 Kilometern, das unterhalten sein will.
Flückiger sagt aber auch, dass es für das Projekt eines Gnomenwegs in der Gemeinde sehr wohl Interesse und «viele Zusagen» gebe. Sobald das Konzept fertig sei, beginne die Geldsuche bei möglichen Sponsoren und allen denkbaren Unterstützern. Auch in der Kantonsverwaltung wird man sich voraussichtlich noch einmal mit den Schwarzenburger Betongnomen zu befassen haben.