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An diesem Wochenende wird darüber abgestimmt, ob die schweizerische Landwirtschaft für fünf Jahre gentechnikfrei bleiben soll. Aber was bedeutet eigentlich Gentechik?
Was ist Gentechnik? Wir könnten es uns leicht machen: Alle Lebewesen (Pflanzen, Tiere, Menschen, Pilze, Bakterien und so weiter) besitzen einen Bauplan, das Genom. Dessen Teile heissen Gene. Lebewesen, die zur selben Art gehören, haben in ihrem Genom ungefähr die gleichen Gene – aber nicht ganz genau. Es gibt zum Beispiel ein Gen, das im Auge einen Farbstoff produziert. Weil es davon verschiedene Varianten gibt, haben die einen Menschen blaue, die anderen braune oder grüne Augen. Die Gene werden vererbt, wobei jeweils das Genom des Vaters und das Genom der Mutter zu einem neuen Genom kombiniert wird, das Gene von beiden Elternteilen trägt. ZüchterInnen kreuzen zum Beispiel eine Apfelsorte, die besonders gut schmeckt, mit einer Sorte, die nicht von Pilzen befallen wird, und hoffen, deren Nachkommen hätten dann beide Eigenschaften. Sie schaffen aus vorhandenen Bauplänen neue («bessere») Baupläne. Es lassen sich aber nur die Pläne nahe verwandter Arten miteinander kombinieren: Ein Pudel kann mit einem Terrier gekreuzt werden und auch mit einem Wolf, aber nicht mit einer Katze oder einem Schneeglöckchen.
Die Gentechnik nun fügt einzelne Teile in vorhandene Baupläne ein, und diese Teile können von einer beliebigen Tier- oder Pflanzenart stammen. Man nimmt zum Beispiel ein Gen eines Bazillus, das ein Gift herstellt, welches den Maiszünsler tötet, eine Insektenart, welche Mais frisst. Man fügt dieses Gen in ein Maisgenom ein und erhält so einen Mais, dem der Maiszünsler nichts anhaben kann.
Wir können es uns aber auch weniger einfach machen. Was oben gesagt wurde, stimmt – sonst würde die Gentechnik nicht funktionieren –, aber es ist nicht die ganze Wahrheit. Die Baupläne müssen nämlich «gelesen» werden. Und wie dies geschieht, ist erst in groben Zügen bekannt. Fügt man fremde Teile in einen bestehenden Bauplan ein, so weiss man nicht, ob der Rest des Plans dann immer noch genau gleich funktioniert. Man weiss auch noch nicht, ob und in welchen Mengen das Gift, das den Maiszünsler tötet, auch für Menschen und Tiere giftig ist. Und man weiss kaum, was passiert, wenn der gentechnisch veränderte Mais (oder Raps oder Reis ...) sich mit verwandten wilden Arten oder mit denen des Nachbarbauern kreuzt, die dann ihrerseits das Maiszünslergift produzieren.
Heute findet man zu fast jeder Frage mindestens zwei wissenschaftliche Studien, die sich widersprechen. Ja, Maiszünslergift schadet den Kühen – nein, Maiszünslergift schadet den Kühen nicht. Ja, das fremde Gen verseucht wilde Pflanzen – nein, das Gen verseucht keine wilden Pflanzen.
Die Forschung mag dereinst Licht ins Dunkel bringen. Dumm nur, dass diese Forschung erstens teuer ist, dass zweitens mit gentechnisch veränderten Pflanzen viel Geld verdient werden kann und dass deshalb, drittens, die Firmen, die mit solchen Pflanzen viel verdienen und die Forschung bezahlen können, wenig Interesse daran haben, diese Fragen neutral zu beantworten. Deshalb machen es sich diese Leute gerne einfacher und behaupten, Gentechnik sei eine Technik, so präzise wie das Handwerk eines Maschineningenieurs, der Baupläne entwirft.