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Am 24. Oktober 2001 um 9.39 Uhr kam es im Gotthard-Strassentunnel zur folgenschweren Kollision zwischen zwei Lastwagen: Beim Aufprall knapp einen Kilometer nach der Tunneleinfahrt bei Airolo barst ein Tank. Die Fahrzeuge gerieten in Brand, elf Menschen starben. Seither sind zahlreiche Massnahmen punkto Vorschriften, Infrastruktur und Brandschutzausbildung umgesetzt worden. Die Anzahl Unfälle sank markant.
Der knapp 17 Kilometer lange Gotthard-Strassentunnel wurde nach zehnjähriger Bauzeit im September 1980 dem Verkehr übergeben. Vor zwanzig Jahren ereignete sich in diesem Tunnel ein folgenschwerer Unfall, bei dem elf Menschen ihr Leben verloren. Seither wurde der Tunnel sicherheitstechnisch nachgerüstet. Ebenso wurde das Verkehrsmanagement auf der Gotthardroute unter dem Aspekt der grösstmöglichen Sicherheit bei gleichzeitig optimalem Verkehrsfluss angepasst. Heute wird der Tunnel jährlich von mehr als sechs Millionen Fahrzeugen durchquert, knapp 630 000 davon sind Lastwagen.
Der Unfall vom 24. Oktober 2001
Am 24. Oktober 2001 um 9.39 Uhr kam es im Gotthard-Strassentunnel zu einer folgenschweren Kollision zwischen zwei Lastwagen. Knapp einen Kilometer nach der Einfahrt in den Tunnel bei Airolo touchierte ein belgischer Lastwagen mit rund 40 Stundenkilometern die Tunnelwand und geriet auf die Gegenfahrbahn. Obwohl der entgegenkommende italienische Chauffeur mit seinem Lastwagen noch bremsen und auf die Gegenfahrbahn ausweichen konnte, kam es zu einer Streifkollision. Beim Aufprall barst ein Tank, Diesel floss aus. Ein Kurzschluss bei einem elektrischen Kabel entzündete anschliessend das Diesel-Luft-Gemisch, so dass die beiden Camions und ihre Ladung (u.a. Hunderte von Pneus) innert Kürze in Flammen standen. Die Temperaturen im Gotthard-Strassentunnel stiegen auf weit über 1200 Grad. Elf Menschen kamen bei dem Unfall ums Leben.
Verbesserung der Sicherheit: bauliche Massnahmen
Massnahmen im Gotthard-Strassentunnel nach dem Brand
Die Brandkatastrophe im Gotthard-Strassentunnel verursachte Schäden an der Tunnelinfrastruktur in der Höhe von 14 Millionen Schweizer Franken. Für die Reparaturarbeiten musste der Tunnel für zwei Monate komplett gesperrt werden. Nach dem Brand wurde die Tunnelinfrastruktur optimiert, um die Sicherheit im Tunnel zu erhöhen.
Seit dem Brand wurden unter anderem folgende Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit umgesetzt.
- Neue Lüftung (Lüftungsklappen und Lüftungssteuerung).
- Beleuchtung (neu heller und zwei Leuchtbänder)
- Fluchtwegsignalisation (Tafeln alle 25 Meter mit Distanzangabe zu Fluchtwegeingang).
- Markierung Fluchtwegeingänge
- Ampeln auf beiden Fahrspuren (bisher einseitig)
- Tropfenzählersystem
- Neues Betriebsleitsystem
- Doppelt abgesichertes (redundantes) Lüftungssystem im Fluchtstollen
- Neue Notrufanlage
- Neue Funkanlage
- Ausgereiftere Video-Aufzeichnung
Tunnelsicherheit generell
Nach dem Unfall im Gotthard-Strassentunnel wurden sämtliche Nationalstrassentunnels mit einer Länge von mehr als 600 Meter überprüft, und, wo notwendig, Sofortmassnahmen umgesetzt (Signalisation, Leiteinrichtungen, Beleuchtung). Zusätzlich zum ordentlichen Tunnelunterhalt investiert das ASTRA bis 2025 rund 1,6 Milliarden Franken in die Tunnelsicherheit.
Zweite Röhre bringt mehr Sicherheit
Der Gotthard-Strassentunnel braucht altersbedingt in den nächsten Jahren eine umfangreiche Instandsetzung. Dafür wäre eine Vollsperrung notwendig. Damit die Nord-Süd-Verbindung während der Sanierung aufrechterhalten werden kann, baut das ASTRA eine zweite Tunnelröhre. Diese wird die Sicherheit weiter erhöhen. Anschliessend wir die erste Röhre saniert.
Dank der zweiten Röhre verläuft der Verkehr nach der Instandsetzung der ersten Röhre räumlich getrennt. Pro Röhre steht eine Spur in eine Richtung zur Verfügung. Zusätzlich gibt es neu einen Pannenstreifen in beiden Röhren.
Verbesserung der Sicherheit: Verkehrsmanagement auf der Gotthardachse
Erste Phase: Einbahnverkehr für LKW (Dezember 2001 bis September 2002)
Nach dem Brand blieb der Gotthard-Strassentunnel bis am 21. Dezember 2001 für die Reparaturabreiten gesperrt. Mit der Wiedereröffnung wurde ein Dosiersystem für Lastwagen eingeführt, welches nebst Mindestabständen zwischen Lastwagen eine alternierende Einbahnregelung für den Schwerverkehr vorsah. So durften Lastwagen nur noch im Zwei-Stunden-Takt abwechslungsweise von Norden respektive von Süden her durch den Tunnel fahren. Damit konnten Frontal- und Auffahrkollisionen zwischen Lastwagen verhindert werden.
Damit die Einbahnregelung umgesetzt werden konnte, wurden nördlich und südlich des Strassentunnels Dosierungs- und vorgelagerte Warteräume eingerichtet, in denen die Lastwagen vorübergehend angehalten wurden. Dieses Einbahnsystem wurde laufend optimiert und angepasst, damit die Kapazitäten erhöht und gleichzeitig die Wartezeiten für den Schwerverkehr minimiert werden konnten. Als zusätzliches Instrument für das Schwerverkehrsmanagement für den alpenquerenden Schwerverkehr wurde die sogenannte "Phase rot" eingeführt. Sie kommt bei ausserordentlichen Verkehrssituationen, etwa bei einer Überlastung der Zollstationen in Chiasso oder einer Sperrung der Gotthard-Achse zum Tragen, und sieht vor, dass für den Schwerverkehr die Gotthard-Route und die San-Bernardino-Route geschlossen werden.
Zweite Phase: Tropfenzählersystem (seit September 2002)
Die Inbetriebnahme des optimierten Lüftungssystems im September 2002 erlaubte die Einführung des dosierten LKW-Gegenverkehrs. Als Instrument zur Dosierung der Anzahl LKW im Tunnel wurde das Tropfenzählersystem eingeführt. Damit konnte der Verkehr am Gotthard verflüssigt und gleichzeitig der Sicherheitsabstand zwischen den Lastwagen gewährleistet werden. Diese Verbesserungen sowie die leistungsfähigere Lüftung kompensierten das Kollisionsrisiko, welches durch die Wiedereinführung des Gegenverkehrs entstanden war.
Mit dem Tropfenzählersystem wird seit 2002 bis heute jeder Lastwagen einzeln in den Gotthard-Strassentunnel geschickt. Die Anzahl der Lastwagen wird zwischen 60 bis maximal rund 150 Fahrzeugen pro Richtung und Stunde flexibel gehandhabt und richtet sich nach dem Personenwagen-Aufkommen. Die Menge des gesamten Verkehrs ist pro Richtung und Stunde auf 1000 Personenwageneinheiten (PWE) beschränkt, ein Lastwagen entspricht drei Personenwageneinheiten. Die tägliche Gesamtkapazität liegt so bei rund 3000 bis 4000 Lastwagen.
Weitere Massnahmen: Schwerverkehrszentren, Feuerwehr, Thermoportale
Seit der Einführung des Tropfenzählersystems wurden weitere Investitionen getätigt, um die Sicherheit zu erhöhen und gleichzeitig den Verkehrsfluss zu verbessern. Ein wichtiger Schritt war die Eröffnung des Schwerverkehrszentrums (SVZ) Ripshausen im Kanton Uri im Jahr 2009. Mit dieser Anlage steht ein wirksames Instrument sowohl für die Sicherheitskontrollen an LKW wie auch für das Management des Schwerverkehrs auf der Gotthardroute zur Verfügung. Ein ähnliches Zentrum auf der Südseite des Gotthards in Giornico ist in der Realisierung und sollte nach heutigem Stand Ende 2022 in Betrieb gehen.
Das interkantonale Feuerwehrausbildungszentrum bietet seit Herbst 2009 mit den europaweit einzigartigen Anlagen in Balsthal und Lungern die Möglichkeit, alle denkbaren Einsatzsituationen darzustellen. Die Feuerwehrleute können hier unter realistischen Bedingungen die Brandbekämpfung in unterirdischen Verkehrsanlagen wie Tunnel oder Einstellhallen trainieren. Damit konnte eine weitere Massnahme umgesetzt werden, welche die Tunnel-Task-Force des ASTRA vorgeschlagen hatte. Der Bund beteiligt sich daran mit rund 30 Millionen Franken.
Seit 2016 sind auf den Zufahrtsrampen aus der Süd- und Nordseite zwei Thermoportale in Betrieb. Diese können überhitzte Bauteile an Fahrzeugen erkennen und so verhindern, dass Fahrzeuge, welche ein Brandrisiko darstellen, in den Tunnel einfahren können. Da die Brandlast eines Lastwagens mehr als zehn Mal höher als diejenige eines Personenwagens ist, konzentriert sich diese Kontrolle auf LKW.
Vergleichbare Ereignisse im gleichen Zeitraum
Der Brand im Gotthard-Strassentunnel war das letzte Ereignis in einer Reihe von ähnlichen Katastrophen, welche im Alpenraum zwischen 1999 und 2001 mehr als zweihundert Menschenleben gefordert hatten:
- Unglück im Mont Blanc-Strassentunnel (Frankreich/Italien)
Am 24. März 1999 geriet der Motor eines LKW in Brand. Die Ladung bestand aus Margarine und Mehl, dieser Umstand beschleunigte die Ausbreitung des Brandes. Das Unglück forderte 39 Menschenleben, der Brand konnte erst nach über 50 Stunden gelöscht werden.
- Unglück im Tauerntunnel (Österreich)
Am 29. Mai 1999 führte ein Verkehrsunfall im Tauerntunnel zu einem Grossbrand. Ein Lastwagenfahrer fuhr auf eine vor einer Baustellenampel stehende Fahrzeugkolonne auf. Dabei wurden drei Personenwagen auf einen Lastwagen geschoben, welcher mit tausenden Dosen Spraylack beladen war. Auslaufender Treibstoff entzündete sich, im darauffolgenden Grossbrand verloren zwölf Menschen das Leben, 42 wurden verletzt. Bedingt durch die Hitze von bis zu 1200 Grad konnte erst rund zwölf Stunden nach dem Unfall mit den Löscharbeiten begonnen werden.
- Brandkatastrophe in der Gletscherbahn von Kaprun (Österreich)
Am 11. November 2000 geriet in einem Tunnel der Gletscherbahn Kaprun (Standseilbahn) ein bergauf fahrender Zug in Brand. 150 der 162 Passagiere des dieses Zuges kamen ums Leben, zwei Menschen starben im talwärts fahrenden Zug, drei bei der Bergstation der Bahn.
Unfallzahlen seit 2001