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Mythen und Korrekturen über die Namen von Israel und Palästina
Direkt vom Autor, Dani Renan
Der verbreitete Mythos über den Namen Palästina ist, dass die Römer nach der jüdischen Revolte gegen Rom, in der Person des Imperators Hadrianus (Kaiser Hadrian), Judäa umbenannten. Sie nannten es Palästina, den lateinischen Namen für das Land der Philister.
Das war ein Schlag ins Gesicht der Juden, um sie aus dem Land zu jagen. Und die Beleidigung zu krönen, wurde ihr Land nach ihren verhasstesten biblischen Rivalen benannt – den Philistern.
Doch jeder Teil dieses Mythos ist lächerlich falsch. Der Name Palästina ist nicht römisch / lateinisch. Der römische Name Palestina ist die latinisierte Form des griechischen Παλαιστίνη (Palaistinê). Der griechische Name steht nicht für die Philister und hat keinerlei Verbindung zu den Philistern. Es ist einfach die griechische Übersetzung für Israel. [1]
Und die meistgehasste Gruppe in der Bibel waren die Amalek, nicht die Philister. Auch werden wir sehen, dass es keine Beleidigung durch “Umbenennung” gab.
Der Ursprung von Palaistinê
Vor den Römern nannten die Griechen das Land Παλαιστίνη (Palaistinê). Der Gebrauch dieses Namens geht zurück bis mindestens Herodotus (fünftes Jahrhundert vor Christus), der in Die Geschichten von einem syrischen Bezirk namens Palaistinê sparch und die jüdischen Berge und das Jordantal beschrieb. Der Name bezog sich auf das ganze Land zwischen Ägypten und Phönizien, d.h. das ganze Israel, nicht nur den Küstenstreifen, der von den Philistern bewohnt war. Herodotus hielt auch fest, dass die Einwohner Beschneidung praktizierten (definitiv nicht die Philister). Später berichtete Aristoteles in seiner Meteorologie, dass es einen grossen Salzsee gibt (das Tote Meer) im Zentrum des Landes.
Und warum wurde Palaistinê als Bezirk Syriens betrachtet? Als die Griechen die Geographie und Geschichte schrieben, war Syrien ein Anhängsel Assyriens und schloss den Kern ihres Reiches mit ein, der unter den Persern als ganze Satrapie, die Babylonien und Abar – nahara – vereinigte, die “Satrapie über dem Fluss” (dem Euphrat). Für die Griechen, und später die Römer, war das Syrien.
Linguistisch kommt der Name aus dem griechischen παλαιστής (Palaistês), was Ringer bedeutet, eine Übersetzung von ישרא (Isra) auf Hebräisch (Jakob, der in Israel umbenannt wurde, nachdem er mit einem Engel Gottes gerungen hatte). So ist das griechische Παλαιστίνη (Palaistinê) das Land des Ringers (mit Gott), aber die Griechen haben gewöhnlich den Gattungsnamen für Gott in Ortsnamen fallen gelassen. Und das El in Israel betrachteten sie als Gattungsnamen für Götter und nicht als Verweis auf die einzige jüdische Gottheit.
Außerdem verwendeten jüdische Autoren, die vor Hadrian griechisch schrieben, wie Philo von Alexandria, den Begriff Palaistinê und nicht Judäa, um sich auf das Land als Ganzes zu beziehen und nicht nur die Gegend um Jerusalem oder die politische Bezeichnung. Die Septuaginta (die Übersetzung der Bibel auf Griechisch) übersetzte Ortsnamen im Allgemeinen, statt Ortsnamen zu transkribieren. Die Mehrheit der Nicht-Juden, die in der Gegend lebten, waren Einheimische griechisch-sprechende Hellenen.
Das Seltsame ist, dass es im Griechischen so offensichtlich sein sollte. Die ersten vier Buchstaben des Wortes Palästina in Griechisch sind Παλα (Pala) und für Philistine sind es Φιλι (Fili). Es ist schwer vorstellbar, dass jemand eine Identität finden könnte, wenn 3 der 4 Buchstaben der Namenswurzel verschieden sind.
|Παλαιστίνη||Palaistinê||Palestine|
|Παλαιστίνιοι||Palaistinioi||Palestinian|
|Φιλισταίοι||Filistaío̱i||Philistines|
Woher stammt also diese Falschzuschreibung? Ich glaube, dass Josepheus eine von denen ist, die sie populär gemacht haben. Er bezog sich auf auf die Philister als Παλαιστίνιοι (Palaistinoi) und glaubte wahrscheinlich an eine Verbindung. Doch in der Einleitung zum jüdischen Krieg erklärt er, dass er das Buch in übersetzter Form vorliegen hatte, da sein gesprochenen Griechisch zwar ganz passabel, aber sein schriftliches Griechisch sehr schlecht sei. Das ist nicht jemand, von dem wir etymologische Erklärungen annehmen möchten.
Das römische Palestina
Die Römer setzte das fort, latinisierten bloss das Griechische Palaistinê nach Palestina. Auch dieses Wort bezog sich auf das Land Israel (oder auf das Land des Volkes von Israel). Doch die politische Einheit blieb Ivdaea (Judäa), eine latinisierte Version von Juda, die wiederum vom persisch-aramäischen Y’hud übersetzt war, die vom hebräischen יהודה (Yehudah) transkribiert worden war.
Nach der Bar Kok’ba-Revolte von 135 nach Christus reorganisierte Hadrian die Provinzen im Osten, und Judäa und der Rest von Palestina wurden dem Gouverneur von Syrien unterstellt, und waren deshalb als Syria Palestina bekannt.
Die Ironie der Namensänderung war, dass die Reorganisation ein Ergebnis der Bar Kok’ba-Revolte war. Viele der Mißbräuche, wie die hohen Steuern, wurden durch die Provinz-Reorganisation reduziert.
So war die vermeintliche Namens-„Änderung“ von Judäa oder Israel kein Schlag ins Gesicht der Juden, wie so oft berichtet, sondern es handelte sich nur um die Verwendung des Namens „Israel“ auf Griechisch (wie es der Brauch war), um die neuen politischen und administrativen Änderungen zu repräsentieren.
Nach dem großen Aufstand (66-73), prägte Titus eine phänomenale Anzahl von Münzen mit dem umgekehrten Titel IVDAEA CAPTA. Beachten Sie, dass das Symbol von Judäa die Palme war.
Andere Namen in der Welt der Römer
Neben den linguistischen Beweisen, die er in seinem Artikel präsentiert, ist eine Sache, die Jacobson kaum erwähnt, dass diese Art der Übersetzung für Länder und geographische Namen kein auf Israel beschränktes einzigartiges Phänomen, sondern in der griechischen Welt die Norm war.
Nahariim auf Hebräisch oder Naharin im Aramäischen (Land der beiden Flüsse) wurde übersetzt zu Mesopotamien (Land zwischen den beiden Flüssen).
Phönizien ist Griechisch für Kna’an (Kanaan), benannt nach der Molluske und dem aus ihr abgeleiteten lila-roten Farbstoff. (Es ist auch mit dem roten Phoenix verwandt).[2]
Interessanterweise stammt Ägypten – Misr auf arabisch vom hebräischen Mitzriim (die Engstelle) und dem griechischen Aigyptos, eine Adoption von ḥwt-kȝ-ptḥ, ägyptisch für “Heimat der ka (Seele) von Ptah” noch vom alten ägyptischen KeMeT ( Schwarzes Land, so benannt wegen seines fruchtbaren Bodens).
Solche Beispiele, die Jacobson nicht erwähnte, verleihen seinem Argument noch mehr Kraft. Eine politische Umbenennung ging ziemlich gegen die römische Standardpolitik. Es gab keine andere Instanz, wo sie Ortsnamen aus rein politischen Gründen geändert haben. Natürlich, wenn sie eine neue Stadt bauten, erhielt sie als römische oder griechische Stadt einen römischen oder griechischen Namen, z.B. Jerusalem als Alia Capitolina, oder das neue Gebiet übernahm den Namen des alten, z.B. Neopolis (neue Stadt) Die neuen Vorstädte außerhalb der alten Stadt Shkh’em (Sichem) – wurde später zu Nablus verdorben (da die Araber den P-Klang nicht aussprechen können, wird es gesprochen zu einem B-Klang, geschrieben zu einem F). (In Italien ist das griechische Neopolis zu Neapel verdorben).
Auch das Umgekehrte war wahr. Römische Namen wurden oft in lokale Dialekte abgefälscht (wie Neapel und Nablus, wie oben erwähnt), doch manchmal auch übersetzt, wie Aquae Sulis wurde in England grob in Bath übersetzt. Alba Regis (weißer König) wurde in Ungarn zu Székesfehervár (weißes Thronschloss).
Das obligatorische Palestina
Die meisten europäischen Sprachen behielten den römischen Namen bei, obwohl die Kirche es in der Regel als “das Heilige Land” bezeichnete.
So wurden in der Moderne, mit dem britischen Mandat für Palästina, alle Bürger Palästinenser genannt. Die Araber wandten sich gegen diese Bezeichnung, da sie mit Syrien als Teil von as-Shams, der arabischen Bezeichnung für die Levante, vereinigt werden wollten. Sie glaubten, dass alle Gebiete westlich des Euphrat ein einziger arabischer Staat sein sollten. In den 30er Jahren starb diese Ideologie aus, aber die Araber weigerten sich, einfach als Palästinenser bezeichnet zu werden, denn das würde sie in dieselbe Kategorie wie die Juden bringen. Sie verlangten, palästinensische Araber genannt zu werden.
So waren also die Begriffe Palästinenser und Palästina bis zur Unabhängigkeitserklärung gleichbedeutend mit Jude und Land der Juden, das sie in der Lage waren, die Briten als hebräische Übersetzung ארץ ישראל (Eretz Yisrael) auf offiziellen Dokumenten und Münzen anerkennen zu lassen.
Natürlich mit den gegenwärtigen politischen Implikationen, einem “Palästinenser” zu sagen, dass er nur ein Israel ist, der ins Griechische übersetzt ist … nun, Sie können sich wahrscheinlich vorstellen, wie das ankommt.
Namensäquivalente
|Griechisch||Transliteration||Deutsch||Lateinisch||Hebräisch|
|Ισραήλ||Ysrael||Israel||Israel||ישראל|
|Ιουδαία||Youdaia||Juda/Judäa||Ivdaea||יהודה|
|Παλαιστίνη||Palaistinê||Palästina||Palestina||פלשתינה|
|Παλαιστίνιοι||Palaistinioi||Palästinenser||Palaestino||פלשתינאי|
|Φιλισταίοι||Filistaío̱i||Philister||Philistinus||פלישתים|
|Γη των Φιλισταίων||Gi̱ to̱n Filistaío̱n||Land der Philister||Philistia||פילשת|
Fussnoten
[1] Das Argument wurde von David Jacobson, University College London, vorgebracht in the Biblical Archeological Review, Mai/Juni 2001.
[2] Phoenicia – כנען knʿn / kanaʿan (Phoenizisch/ Hebräisch) = Φοινίκη Phoiníkē (Griechisch) = Poenī (adj. poenicus, später pūnicus) (Lateinisch).
Der Name Phoenicia kommt from griechischen Φοίνικες (Phoínikes), attestiert seit Homer und beeinflusst von phoînix “Tyrisches Purpur, Karmesin; Murex” (dem Mollusken, aus dem der Farbstoff gewonnen wurde), selber von φοινός phoinós “Blutrot”.
Allerdings ist die griechische Etymologie unsicher, was auf einen vorgriechischen Ursprung hindeutet. Die älteste bezeugte Form des Wortes ist das mykenische po-ni-ki-jo, po-ni-ki, das letztlich aus dem altägyptischen fnḫw (fenkhu) “Asiaten, Semiten” entlehnt wurde.
Auf den Amarna-Tafeln aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. nannten sich Menschen aus der Region Kenaani oder Kinaani.
Die volkstümlich-etymologische Assoziation von phoiniki mit phoînix wiederspiegelt jene im Akkadischen, das kinaḫni, kinaḫḫi “Canaan, Phoenicia” zu kinaḫḫu “rot gefärbte Wolle” verband. Das Land war nativ als kn’n bekannt (vgl. Eblaite ca-na-na-um, ca-na-na).
Im 6. Jahrhundert v. Chr. schreibt Hecataeus von Miletus, dass Phönizien früher χνα (latinisiert: khna) genannt wurde, und sein Volk die Kn’ny, ein Name, den Philo von Byblos später in seiner Mythologie als sein Eponym für die Phönizier benutzte: “Khna, der später Phoinix genannt wurde.”
Nach Augustinus von Hippo wurde Punisch in seiner Region (Nordafrika) noch im 5. Jahrhundert gesprochen, Jahrhunderte nach dem Fall von Karthago, und es gab immer noch Leute, die sich damals “Chanani” nannten.
Dani Renan, JD, LLM, RG, REA, ist Rechtsanwalt und Umwelt-Hydornologe / Geochemiker. Er diente im Nachal, IDF, studierte Geschichte an der Hebräischen Universität, wo er auch als Reiseleiter und Arzt für die überseeischen Programme arbeitete. Er studierte auch Geologie und konzentrierte sich auf die Sanierung von gefährlichen Abfallstellen mit besonderem Augenmerk auf den intermediären Transport von Chemikalien. Parallel dazu hat er als Gesundheits- und Sicherheitsmanager gedient und hat H&S-Klassen unterrichtet. (Gefährliche Abfälle, Grabenbildung und Ausgrabung, begrenzter Raum und andere). Wasserwissenschaften, Ingenieurwesen und Politik haben die meisten seiner Arbeiten und Studienbereiche zusammenlaufen lassen und vermischt. Er lebt in Kalifornien.