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Propaganda vor allem aus einem Mund
Das blöde «Harlem Shake»-Video kam mir schon von Anfang an verdächtig vor. Es ist das jüngste Beispiel eines unglaublich schnell erfolgreichen Internet-Mödeli: Ein Video, in dem erst einer allein tanzt und dann «droppt der Bass» und alle tanzen. Gähn, aber irgendwie musste die halbe Welt auch so ein Video machen. Kevin Ashton im Magazin The Atlantic zeigt nun auf, Link öffnet in einem neuen Fenster, dass es sich dabei überhaupt nicht um ein aus der globalen Community entstandenes Spontan-Happening handelte, sondern um einen gezielt von einigen wenigen Marketing- und Musik-Firmen erreichten Erfolg. Die verdienten sich damit eine goldene Nase, im Gegensatz zum Studenten George Miller, der das allererste «Harlem Shake»-Video publiziert hatte:
George Miller, the originator of the whole thing, gets nothing.[…] The technology may have changed, but the money still flows the same way: to creators of contracts not creators of content.
Nicht so diplomatisch
Ein Wikipedia-Editor findet den Eintrag in der Enzyklopädie zu einem in Berlin beheimateten Institut zu wenig neutral formuliert. Er versucht, den Artikel zu verbessern und wird daran gehindert, von anonymen Autoren, die wohl mit dem Institut in Verbindung zu bringen sind. Als die Diskussion ausufert und der Eintrag gelöscht wird, wird der Editor mit einem Gerichtsverfahren bedroht. Er legt seine Sicht des Konflikts nun in einem ausführlichen Blogpost, Link öffnet in einem neuen Fenster dar. Unabhängig von diesem Einzelfall ist das keine schöne Aussicht: Freiwillige, private Wikipedia-Editoren können mit Ausdauer und Drohungen von Institutionen mit starken Partikularinteressen in die Knie gezwungen werden.
[T]he general case still worries me deeply. If I can be scared off by threats like these, anybody can. […] I am concerned by what I believe is the more common case — where those with skin in the game will fight harder and longer than a random Wikipedian.
Schiessen mit Linux
Das offene Betriebssystem Linux steckt ja in allem Möglichen drin. Dass es auch in einem Scharfschützengewehr mit einer Reichweite von über einem Kilometer steckt, ist mir neu. Die Software des Gewehrs kann Ziele erfassen, automatisch verfolgen und zum Beispiel den Höhenverlust des Geschosses ausgleichen (bei diesen Distanzen einige Meter). Dazu wird das, was das Fernrohr sieht, inklusive aller Anzeigen an ein Tablet gestreamt. Damit ist die Grenze zwischen echt und virtuell noch nicht genug verwischt: Die Hersteller des Gewehrs haben zusätzlich eine Jagdspiel-App veröffentlicht, welche die Funktionalität des echten Gewehrs reproduziert. Lee Hutchinson schreibt , Link öffnet in einem neuen Fensterim Technik-Blog Ars Technica:
Adding a social media aspect on to hunting — an activity which involves taking life — is something that a lot of folks find troubling. [… N]ot everyone would be thrilled about potentially seeing a […] «Jonny bagged his first kill!» notification pop up in their Facebook timeline.
Diesen Artikel habe ich noch selber geschrieben
Steven Levy schreibt , Link öffnet in einem neuen Fensterfür das Magazin Wired ein ausführliches Porträt über das Unternehmen «Narrative Science». Dort arbeitet man an Algorithmen, die aus Daten vollautomatisch Artikel schreiben. So zum Beispiel Nachrichten-Meldungen über Little-League-Baseball-Spiele oder Börsenkurse. Auch wenn die sogenannten «Robonews» die Existenzgrundlage eines jeden Journalisten in Frage stellen, gelingt Levy ein differenzierter Text. Und es bestehe sogar Hoffnung, dass sich Mensch und Computer ergänzen:
Maybe at some point, humans and algorithms will collaborate, with each partner playing to its strength. Computers, with their flawless memories and ability to access data, might act as legmen to human writers. Or vice versa, human reporters might interview subjects and pick up stray details—and then send them to a computer that writes it all up.
Haiku-Automatik
Und zack, da hätten wir auch gleich ein schönes Beispiel für solche menschlich-algorithmische Kooperation: Ein Computerprogramm durchforstet Artikel der New York Times und pickt die Sätze heraus, die sich als Haiku lesen lassen. Mir als altem Haiku-Freund gefällt das natürlich sehr. Jacob Harris, Programmierer bei der NYT, beschreibt , Link öffnet in einem neuen Fensterdie Zusammenarbeit:
The machine has no aesthetic sense. It can't distinguish between an elegant verse and a plodding one. But, when it does stumble across something beautiful or funny or just a gem of a haiku, human journalists select it and post it on this blog.