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Zu Beginn des 21. Jahrhunderts setzte in der Mongolei ein regelrechter Goldrausch ein. Die Umstrukturierung des mongolischen Staats führte zu einer starken Zunahme der Arbeitslosigkeit. Zudem haben die drei Dzuds (trockener Sommer gefolgt von einem besonders harten Winter) von 1999 bis 2002 dem Viehbestand arg zugesetzt. Viele Menschen, die bis anhin von der Weidewirtschaft lebten, wandten sich dem Bergbau zu, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Weitere kamen aufgrund des steigenden Goldkurses dazu. Die Zahl der Bergleute stieg rasch auf 100 000 an (zwei Drittel Männer und ein Drittel Frauen), was etwa 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung der ländlichen Regionen entspricht.
Die handwerkliche Goldgewinnung und die damit zusammenhängenden sozialen und ökologischen Auswirkungen gerieten immer mehr ausser Kontrolle. 2005 beschlossendie Regierungen der Mongolei und der Schweiz ein Projekt zur Förderung des nachhaltigen Kleinbergbaus (Sustainable Artisanal Mining Project, SAM) zu lancieren.
Legalisierung und Formalisierung des Kleinbergbaus
Für viele Menschen stellte die Tatsache, dass 100 000 informelle Bergleute ohne Rücksicht auf die Umwelt nach Gold graben, bald eine Bedrohung für die Natur und die ländlichen Traditionen der Mongolei dar. Die als kriminell wahrgenommenen Bergarbeiterfamilien wurden immer häufiger Opfer von Diskriminierungen: Ihre Arbeitsgeräte wurden von Umweltinspektoren beschlagnahmt und nur gegen Bezahlung zurückgegeben, oder Sicherheitskräfte der grossen Bergbaugesellschaften gingen mit Gewalt gegen sie vor. Durch die Einbringung des Konzepts des nachhaltigen Kleinbergbaus in den öffentlichen und politischen Dialog und ihr Engagement für eine verantwortungsvolle und geregelte Goldgewinnung hat die DEZA zur Entschärfung der Konflikte beigetragen.
Im Jahr 2010 folgte das Parlament der Mongolei der Forderung des SAM-Projekts und wandelte die Übergangsreglung für den Kleinbergbau in einen definitiven Rechtsrahmen um. Zum ersten Mal in der Geschichte erhielten die Kleinbergleute der Mongolei Rechtssicherheit. Die registrierten Bergarbeiter unterstehen nun dem Sozialversicherungssystem und zahlen Steuern. Dank gesicherten Bodenrechten haben sie mehr Investitionssicherheit und können so in technische Verbesserungen und in die Sicherheit am Arbeitsplatz investieren. Dies wirkt sich positiv auf die Gesundheit und die Produktivität aus, senkt das Unfallrisiko und schafft eine gesicherte Lebensgrundlage. Zudem wurden die Nutzungsrechte für neue Fördergebiete an die Verpflichtung geknüpft, frühere Abbaugebiete zu sanieren, was auch zu einem Rückgang der Wasser- und Bodenverschmutzung führt.
Alternativen zu Quecksilber
Eines der grössten Umweltprobleme stellt die Amalgamation dar, ein Verfahren, bei dem Gold mit Hilfe von Quecksilber aus Erz gelöst wird. Dank der geringen Kosten und der einfachen Anwendung war diese Methode sehr beliebt. Als der mongolische Staat 2008 die Verwendung von Quecksilber abrupt verbot, stellte dies die Bergleute vor eine schwere Entscheidung: entweder die Tätigkeit aufgeben oder in die Illegalität abgleiten. Das gemeinsam mit dem Bergbausektor und den lokalen Behörden geführte SAM-Projekt spielte in dieser Phase eine wegweisende Rolle: Es zeigte, dass Erz auch ohne Quecksilber aufbereitet werden kann. Mit der Beteiligung der DEZA wurde eine Pilotfabrik gebaut, in der kein Quecksilber mehr verwendet wird.
Ausbau der Kapazitäten der Bergleute
Mit der Formalisierung ihrer Aktivitäten werden die Bergleute verpflichtet, gesetzliche, soziale und ökologische Vorgaben einzuhalten. Sie müssen auch ihre organisatorischen und technischen Kompetenzen sowie die Arbeitssicherheit verbessern. Dank dem SAM-Projekt konnten die Bergleute ihre Kapazitäten ausbauen. Zudem haben sie begonnen, sich zu organisieren, um ihre Rechte einzufordern.
Ausserdem arbeitet das SAM-Projekt an der Einrichtung einer internationalen Plattform für den Wissensaustausch im Bereich des nachhaltigen kleingewerblichen Goldbergbaus. Mit diesem «International Knowledge Hub» sollen Minenarbeiterinnen und -arbeiter aus der ganzen Welt miteinander in Dialog treten können, um Erfahrungen und gute Praktiken auszutauschen sowie Synergien zu schaffen und gemeinsame Lösungen zu finden.
Der nachhaltige Kleinbergbau ermöglicht den armen Bevölkerungsgruppen und den künftigen Generationen, die mineralischen Ressourcen als Lebensgrundlage zu nutzen, ohne die Umwelt zu schädigen. Bis heute haben mehr als 7000 Bergleute direkt vom SAM-Projekt profitiert. Die DEZA wird diesen Prozess auch weiterhin durch Beratung auf politischer Ebene und Kapazitätsaufbau in den Kleinbergbaugemeinschaften unterstützen.