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Ein Besuch im Krankenhaus hat meist ungemütliche Gründe. Für einmal aber freuen wir uns darauf. Das Kantonsspital in Laufen wartet nämlich mit einer kleinen aber umso sehenswerteren Kapelle auf.
Der 1785 in Laufen geborene Joseph Feninger, späterer Sanitätsoffizier in der napoleonischen Armee, Berner Grossrat und Regierungsstatthalter im Bezirk Laufen vermachte 1869 sein gesamtes Erbe dem Bezirk. Das Geld wurde seinem Wunsch nach für den Bau eines Spitals für Mittellose verwendet. Das erste Feningerspital eröffnete 1872 seine Tore. Es befand sich am ehemaligen Wohnort Feningers im Gebäude der heutigen Stadtverwaltung von Laufen. Verschiedene Stiftungen ermöglichten etwa 80 Jahre danach den Bau eines neuen, grösseren Krankenhauses. Der lokale Architekt Alban Gerstner wurde mit der Planung des zweiten Feningerspitals an der Lochbruggstrasse im Meiersacker beauftragt. Der langgezogene Bau mit Mittelgang ging nach vierjähriger Bauzeit 1954 in Betrieb.
Offenbar stand der Wunsch nach einer eigenen Kapelle im Raum, worauf Gerstner erneut engagiert wurde. Er fügte dem Haupttrakt einen zweigeschossigen schmalen Querbau an. Im ersten Stock befindet sich die eigentliche Kapelle, bestehend aus Vorraum, Schiff und Chor. Obschon die ganze Kapelle äusserst schlicht daherkommt, unterschieden sich die drei Bereich in mehreren Punkten. Der Vorraum, als Brücke zwischen Kapelle und Spitalbau angelegt, ist niedriger als der Rest, wird seitlich durch je drei quadratische Fenster belichtet. Gerstner hat den Bodenbelag aus Plattenmosaik des Ganges im Spital auch im Vorraum verwendet. Der Übergang ist trotz Doppeltüren aus Holz – möglicherweise aus akustischen Gründen – somit trotzdem fliessend. Gleich nach dem Zugang steht die kleine Orgel.
Der Hauptraum, das rechteckige Kapellenschiff, bildet zusammen mit dem Chor das Hauptvolumen. Der Chor als liturgischer Mittelpunkt ist allerdings erhöht. Die beiden Zonen werden über dekorative grünliche Formsteine aus Zement an der Hauptdecke und Chorwand materialistisch zusammengehalten. Der Hauptraum wird seitlich über links vier und rechts drei polygonale Fensternischen belichtet. Dabei ist immer die den Kirchenbänken zugewandte Fensterseite geschlossen, damit Besucher nicht geblendet werden. Der Chor allerdings bleibt dennoch im Licht. Von aussen finden sich wiederum den Scheiben vorgesetzte Zementformsteine.
Auf der Innenseite der geschlossenen Fenster und auf dem Altar finden wir Bronzereliefs des Tessiner Bildhauers Remo Rossi. Die sieben Farbfenster stammen vom Basler Kunstmaler Hans Stocker. Die Kirchenbänke sind zurückhaltend einfach, aber der Grösse der Kapelle angepasst nicht schwer und massig, sondern aus leichtem schwarz gestrichenem Rundstahl und Holz, das Bodenfeld darunter aus langrechteckigen Holzplättchen, grau verfugt.
Das Spital wurde im Rahmen verschiedener Umstrukturierungen mehrere Male umgebaut und ergänzt. Im Erdgeschoss der Kapelle befand sich ursprünglich der Aufbahrungsraum, heute werden die Bereiche links und rechts davon als Durchfahrt, bzw. Notfall-Annahme benutzt. Nach dem Übertritt von Laufen zum Kanton Basellandschaft 1994 wurde die Einrichtung zum Kantonsspital, 2012 erfolgte die Fusion mit den Standorten Liestal und Bruderholz zum Kantonsspital Baselland. Trotzdem ist die Kapelle weitestgehend in ihrem Originalzustand erhalten und kann zu den offiziellen Besuchszeiten frei besichtigt werden.
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Spitalkapelle St. Josef
Adresse: Lochbruggstrasse 37, 4242 Laufen
Architektur: Alban Gerstner
Baujahr: 1956
Funktion: Sakralbau
Fotos:
– © Börje Müller Fotografie
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Personenlexikon des Kantons Basellandschaft Online