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Wenn etwas zu gut scheint, um wahr zu sein, lässt man in der Regel lieber die Finger davon. Ein Wirtschaftswissenschaftler aus Washington behauptet nun, dass man von Zeit zu Zeit tatsächlich zugreifen sollte, da es sich lohnen könnte. Im Moment würden seiner Meinung nach nämlich Billionen-Noten auf dem Boden herumliegen, würde man politisch etwas ändern.
Die gemeinte politische Veränderung ist das Öffnen von Landesgrenzen. Hierbei ist keineswegs gemeint, dass man Grenzen ganz auflösen oder gar die Nationalstaaten abschaffen soll, sondern dass Menschen auf der ganzen Welt selber bestimmen können, wo sie am liebsten leben und arbeiten würden. Laut dem Wissenschaftler würde sich das Vermögen der Welt um umgerechnet 78 Billionen Franken vergrössern.
Die Begründung: Arbeiter aus armen Ländern sind in reicheren Ländern produktiver, da sie plötzlich Teil eines Arbeitsmarkts sind, der mehr Kapital, mehr Effizienz und ein zuverlässiges Justizwesen bietet. Arbeit ist die wertvollste Ware, die wir Menschen haben – denn sie produziert überhaupt erst die Ware, die dann verkauft wird. Dank der vielerorts strengen Migrationspolitik, kann davon jedoch nicht profitiert werden.
In den meisten Ländern sind weniger als 10% der Bevölkerung für offene Grenzen, obwohl der potenzielle Gewinn grösser als beim Freihandel ist. Die Idee wird hauptsächlich als Produkt der Fantasie gehandelt. Trotzdem lohnt sich die Frage, was passieren würde, wenn man die Grenzen öffnen würde.
Arbeiter in reichen Ländern verdienen einerseits mehr, weil sie besser ausgebildet sind, andererseits weil es die Länder geschafft haben, Systeme zu entwickeln, die Wohlstand und Frieden langfristig fördern. Der schnellste Weg, um Armut zu bekämpfen, wäre den Menschen zu erlauben, die Orte, an denen Armut herrscht, zu verlassen.
Heute leben circa 1.4 Milliarden Menschen in «reichen» Ländern und ungefähr 6 Milliarden in «armen» Ländern. Könnte die Weltbevölkerung nun ohne Hindernisse umziehen, würden wir in den «reichen» Ländern die Armut mehr zu Gesicht bekommen. Beispielsweise Menschen aus Bangladesch oder Liberia – rund 80% der Bevölkerung der beiden Ländern leben unter der Armutsgrenze – könnten in einem reicheren Land einer Arbeit nachgehen. Denn dort ist die ärmste Armut weit weniger verheerend als bei ihnen Zuhause.
Schätzungen gehen davon aus, dass ungefähr 13% der Gesamtbevölkerung auswandern würden, wenn sie es könnten: Also 630 Millionen Menschen. Dazu braucht es jedoch weit mehr als nur den Wunsch dazu: Mut und die Kraft, schwierige Zeiten zu überstehen. Beispielsweise verdient jemand mit griechischer Staatsangehörigkeit in Deutschland doppelt so viel wie Zuhause. Trotzdem sind seit der Wirtschaftskrise 2010 nur 150’000 von rund elf Millionen Einwohnern nach Deutschland ausgewandert.
Offene Grenzen würden nichtsdestotrotz einiges an Bewegung in die Welt bringen und könnten, sofern man nicht sorgfältig genug plant, unsere Welt stark verändern – im Guten wie im Schlechten. Es gibt definitiv Risiken, welche aber mit den richtigen Handlungsweisen entschärft werden können. Bei 78 Billionen Franken für die Welt, lohnt es sich sicherlich darüber nachzudenken. Dazu kommt die Linderung von Sorgen für viele Menschen, die ein Leben im Durchgangszentrum fristen und endlich arbeiten dürften.