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|«Portugal-Douro»

Die Sage will wissen, dass es nur die grässlichen Douro-Weine waren, die den Händlern keine andere Wahl liessen, als sie mit Brandy zu versetzen und dabei erfanden sie den Portwein. Vielleicht war dem einmal so, doch seit 1991 hat die Region enorme Fortschritte gemacht und produziert heute ganz hervorragende Weine. Die Portugiesen sind sicherlich sehr konservativ, und doch haben sie als erste so etwas wie ein System der Appellation contrôlée eingeführt. Bereits 1756 wurden die Grenzen eines bestimmten Anbaugebiets am Douro festgelegt. Im Jahr 1908 begann eine Welle der Bereichsfestschreibung mit dem vinho verde. Für alle besseren Weine erliess Portugal damals Vorschriften über Bereichsgrenzen, Rebsorten und Bereitungstechniken. Leider hat das alles lange Zeit den Fortschritt gedrückt und ein verzerrtes Bild davon hervorgebracht, wo eigentlich die besten Weine des Landes wachsen. Zum Glück ist inzwischen viel von der Konfusion über die Regionalgrenzen durch die gesetzliche Neuordnung, die mehr oder weniger mit dem Eintritt Portugals in die Europäische Union verbunden war, behoben. Heute gibt es hier ähnlich wie in Frankreich ein Appellationssystem mit vier Stufen. Während das ursprüngliche Regional-System überholt wurde, hatten viele der besseren Weinhandelsfirmen Portugals eigene Markennamen eingeführt und zwar ohne Herkunftsangabe. Heute muss jedoch mit Ausnahme der ohne Jahrgangsangabe Tafelweine bei allen Weinen die Herkunftsregion auf dem Etikett ausgewiesen sein. Es gibt ausser am Douro, dem Portweinland im Norden Portugals, nur sehr wenige, wirklich grosse Weingüter. Ein ganz eigentümlicher Begriff ist als Bezeichnung für ausgewählte, lang gealterte Weine gebräuchlich: «Garrafeira» und bedeutet wohl so viel wie «Reserva», in ihm steckt zugleich aber der Hinweis, dass es sich um den besten privaten Wein eines Händlers handelt und dass er nach vielen Jahren Lagerung in Fass und Flasche genussreif ist, wenn er zum Verkauf gelangt. In Form des Barca Velha von Ferreira entsteht sogar ein wirklich grosser Rotwein von internationaler Statur, der sich ohne weiteres mit dem spanischen Vega Sicilia, der rund 150 km weiter flussaufwärts wächst, messen kann.
Am heutigen, etwas regnerischen Sommerabend fand das ganze Geschehen im Restaurant La Bagatelle vom Hotel Le Grand Chalet in Gstaad statt. Diesmal konnten wir die Sonne aus dem Glas geniessen. Da das Gebiet des Douro vor allem bekannt ist für seine Portweine, wurde der Apéro mit einem weissen Portwein eröffnet. Diesen konnten wir trotz schlechter Witterung noch auf der Terrasse einnehmen. Anschliessend ging es an den festlich gedeckten Tisch. Insgesamt
32 Personen waren anwesend und konnten den wiederum phantastischen Abend geniessen. Wie bei den Weinfreunden schon fast üblich, wurden zu den verschiedenen Speisefolgen auch verschiedene Weine degustiert und verkostet. Als Referent konnten wir Herrn Pedro Fereira, Maître d’hôtel im Hotel Le Grand Chalet, Gstaad, gewinnen.
Er stammt aus Portugal und besitzt ein riesiges Wissen über den Wein seines Heimatlandes. Fachkundig führte er die zahlreich erschienenen Teilnehmer dann auch durch das Gebiet des Douro. Wein und Speisen gehören zueinander und so erstaunt es nicht, dass wir im Hotel Le Grand Chalet ein absolut perfektes Zusammenspiel dieser beiden Punkte erleben durften.
Dabei wurden vor allem Spezialitäten aus Portugal kreiert wie z.B. Stockfisch oder süsser Reis. Wir danken auch diesmal Franz Roskogler, seiner Ehefrau sowie dem gesamten Team des Hotels Le Grand Chalet für ihren grossartigen Einsatz. Es hat sich gelohnt, das genossene Essen und der Service waren einfach traumhaft, wie immer. Die Weinfreunde fühlen sich in diesem Lokal ganz wie zu Hause. hl
Beschreibung der degustierten Weine
Churchill Port White Dry, Churchill Graham Lda,Vila Nova de Gaia, Portugal, zehn Jahre Fasslagerung, aus einheimischen Rebensorten wie Donzelinho, Esgana-Cao, Rabigato, Verdelho, Malvasia-Fina, Arinto, (Weissweine) intensive orangene Farbe, bitter-süsses Bouquet, würzig und herb, zarte Karamel und Vanillenoten, Fr. 12.50 (37,5 cl)
Redoma branco, 2002, Niepoort, Portugal, Weissweintrauben Rabigato, Codega und Viosinho, mittlere gelbe Farbe, reife, gelbe Fruchtnuancen, stoffig, zartsüss, reife Apfel- und Birnenfrucht, Lychee- und Zitronenaromen, gute Säure, schöne Länge, im Holzfass ausgebaut, toller Essensbegleiter zu Krustentieren, Muscheln, hellem Fleisch, Fr. 23.40
Quinta do Portal Tinta Roriz, 2000, Sabrosa, Portugal, Rotweintraube Tinta Roriz, auch als Tempranillo bekannt, dunkles Granatrot, intensives Bouquet, delikate, an rote Beeren erinnernde Frucht, feiner Vanilleton, leichter Erdgeruch, 9 Monate in neuen französischen Eichenfässern gelagert, Haltbarkeit ca. 10 Jahre, für Grilladen, Lammfleisch, Fr. 35.
Quinta do Crasto, 2001, Gouvinhas, Sabrosa, Portugal, Rotweintrauben Tinta Roriz 50%, Touriga Franca 20%, Tinta Barroca 20%, Touriga Nacional 10%, sehr dunkle Farbe, fast undurchsichtig, unverfälschtes Bouquet, noch nicht sehr offen, wenig Frucht, Aromen von kräuterähnlicher Frische, Cassis- und Himbeerduft, fein, würzig, robuste Speisen, Fr. 15.
Passadouro tinto, 1999, Niepoort, Portugal, Rotweintrauben Touriga Nacional, Touriga Francesca, Tinta Roriz, ein Portugiese mit viel Charakter, Stoff und Körper, harmonisch, fast schwarze Farbe, Bouquet nach Backpflaumen, Rosinen, Cassis und Röstaromen, im Gaumen dicht und gerbstoffreich, gute Balance, 68 Jahre Lagerfähigkeit, Fr. 30.90
Quinta do Portal Grande Reserva, 2000, Sabrosa, Portugal, Rotweintrauben Touriga Nacional, Tinta Roriz, Touriga Franca, feines uns anhaltendes Bouquet, angenehmer Eindruck, würzig, Geruch von gesägtem Holz, zarter Duft von Vanillestengeln, Heidelbeerduft, herb, schwacher Erdgeruch, ausgewogen, langer Abgang, Kaffeegeschmack, Caramel, Fr. 40.
Quinta da Gricha Vintage Port, 2000, Churchill Graham Lda, Rebsorten: Tinta Roriz, T. Barroca, T. Francesca, T. Nacional, 2 Jahre Fass, tiefes Granatrot, jugendlich-fruchtiges Bouquet, Aromen von Johannisbeeren und Himbeeren, öffnet sich im Glas, fein, körnig, gerbstoffhaltig, zitronig, Säure, eleganter und langlebiger Wein, zu Schimmelkäse,
Fr. 70.
Quinta da Romaneira Colheita 1990, Soc. Agr. da Romaneira, Porto, Protugal, Süsswein, Rebsorten: Touriga Nacional, Touriga Francesca, tinta Roriz, Tinta Cao, 7 Jahre Lagerung, dunkleorangene Farbe, mittlere Intensität, feines Caramelbouquet, verhalten, vielschichtig, sehr geschmeidig, dunkler Honig, deutliche Säure, Milchschokolade, herb-süss, Fr. 44.