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Jahresausflug
Führung durch Dr. Alois Stadler
Samstag, 20. Mai 2001

Bei schönem Wetter trafen sich
am 20. Mai die GHGZ-Mitglieder mit ihren Familien mittags am Schiffsteg in Zürich. Kaum haben wir
auf dem Schiff Platz genommen, fuhren wir schon den See hinauf. Während der 1 1/2 stündigen Fahrt genossen
wir die Landschaft und unser Mittagessen in grosser Runde.
Gegründet wurde Rapperswil um 1200 durch die Herren von Rapperswil, indem sie ihren Sitz von Alt-Rapperswil (Altendorf) auf das rechte Seeufer verlegten. Die erste urkundliche Erwähnung war einige Jahre später, 1229. Burg und Stadt wuchsen zum Wirtschafts- und Verwaltungszentrum der neugegründeten Grafschaft. Da die Grafen von Rapperswil im Mannesstamm Ende des 13. Jahrhunderts ausstarben, gelangte die Herrschaft an die Grafen von Habsburg-Laufenburg, von wo sie 1354 an das Haus österreich verkauft wurde. Unter den Herzögen von österreich erlebte die Stadt eine zweite Blüte, gekennzeichnet durch den Bau der Seebrücke (1358) und die Reichsfreiheit, 1415 von König Sigismund verliehen.
Nachdem die Stadt zuerst mit den Zürchern und österreichern gegen die Eidgenossen gekämpft hatte, schloss sie 1464 das erste Schirmbündnis mit Uri, Schwyz, Unterwalden und Glarus. Durch die strategische Lage wurde Rapperswil immer wieder in kriegerische Ereignisse wie in die Reformations- und Villmergerkriege hineingezogen. Nach dem Sieg der Reformierten im Zweiten Villmergerkrieg übernahmen Zürich, Bern und Glarus die Schirmherrschaft, wobei die Stadt katholisch blieb. Als Napoleon im Jahr 1803 der Schweiz durch die Mediationsakte eine Verfassung diktierte, wurde Rapperswil dem Kanton St. Gallen zugeteilt.
Vom Curtihaus ging es am Kapuzinerkloster und den ältesten Rebbergen am Zürichsee vorbei, dann die Treppe hinauf zum Schlossberg. Mit Blick auf den See hörten wir von der günstigen Verkehrs- und Befestigungslage der Stadt, welche die katholischen Orte während der Reformation als Brückenpfeiler ausbauten. 1602-1606 wurde das Kapuzinerkloster gebaut, obwohl Zürich versuchte, dies durch Boykott- und Gewaltdrohungen zu verhindern.
Vom Lindenhügel führte der Weg zum Schloss, das zu Beginn des 13. Jahrhunderts erstellt, 1350 durch die Zürcher zerstört und in den folgenden Jahrzehnten von österreich in der heutigen Form wieder aufgebaut wurde. Im Hof erfuhren wir, dass das Schloss von 1870 bis 1927 Zentrum der polnischen Emigranten wurde und das Polnische Nationalmuseum beherbergte. Noch heute enthält es eine ständige Ausstellung über die polnische Kulturgeschichte. Zugleich dient es als vornehmes Restaurant, der so genannte Rittersaal als Konzertraum.
In wenigen Schritten standen wir vor der katholischen Stadtpfarrkirche, die Mitte des 13. Jahrhunderts im romanischen Stil erbaut wurde.1882 brannte die Kirche ab und wurde in neugotischem Stil unter Beibehaltung und Erhöhung der alten Türme wiederhergestellt. Von der alten Ausstattung sind in der Kirche noch spätgotische Flügelaltäre zu bewundern.
Mit Blick auf den Marktplatz erzählte uns Dr. Stadler von der reichen Zeit des Handels und den Rivalitäten zwischen Zürich und Rapperswil. Der Weg führte nun die Schlossberggasse hinunter nach Osten. Wir kamen an den Pfrundhäusern vorbei zum Heimatmuseum, dem so genannten Landenberg- oder Brenyhaus, das im Mittelalter als Ministerialenwohnturm zur Befestigung gehörte. Von der alten Stadtbefestigung ist hier noch der Brenyturm übriggeblieben. Auch das gegenüberstehende Haus war im 13. und 14. Jahrhundert ein fester Wohnturm.
Der Weg führte nun hinunter in den ältesten Stadtkern, wo die Häuser an der Hintergasse mit ihrem Laubengang einen spätmittelalterlichen Eindruck machen. Da bestaunten wir altertümliche Bürgerhäuser mit verschiedenen Baustilen: einen bäuerlichen Holzbau in der Bohlen-Ständer-Konstruktion des15. Jahrhunderts, einen Riegelbau nach Zürcher Art wohl aus dem 16. Jahrhundert und das so genannte Bleuler-Haus, einen majestätischen Steinbau mit Prunkerker, gebaut zu Beginn des 17. Jahrhunderts.
Den Tag schlossen wir in gemütlicher Runde im Strassencafé.
Für eine Vertiefung zu diesem Thema sei auf "Geschichte des Schlosses Rapperswil" Redaktion Dr. Alois Stadler, unter Mitarbeit von Bernhard Anderes u.a., Rapperswil 1993, hingewiesen.
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