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2015 unter dem Titel "The Bell Tolls for No One" bei City Lights, San Francisco aus dem Nachlaß erschienen, vereint der vorliegende Band Kurzgeschichten und Karikaturen aus den Jahren 1948 bis 1985 zwischen seinen Buchdeckeln. Als Genres deckt Bukowski sowohl Science Fiction, Kriminalgeschichte als auch Erotik ab, aber auch autobiographische Dinge werden verarbeitet.
Ein Tag im Leben eines Pornobuchverkäufers, ein Mädchen, das die Revolution der Ratten plant, eine Wohngemeinschaft mit Hitler oder die berühmten Notes on a Dirty Old Man: Bukowskis Spektrum ist vielfältig. David Stephen Calonne bezeichnet es gar als Graphic und Pulp Fiction, denn Bukowski war auch selbst belesen und vermochte verschiedene Stilmittel bravourös einzusetzen. "Los Angeles Noir" ist ebenfalls ein treffende Bezeichnung für Bukowskis an den Film Noir der 40iger angelehnte Stories, in denen es viele Verlierer gibt, aber kaum Gewinner. Bukowski habe seine schriftstellerische Tradition in die Reihe von James M. Cain, Spillane, Dashiell Hammett und Raymond Chandler angeknüpft. Immer wieder schreibt er über seine eigene mythologisierte Autobiographie und schuf sich selbst auf diese Weise ein Denkmal. Denn es ist gerade sein Leben, das dazu dient, in Worte umgesetzt und verwandelt zu werden. Das Tragische und das Komische verbinde Bukowski zwanglos, so Calonne, und genau das begründe seinen Stil. Er schreibt so wie Hemingway, aber mit mehr "Slang, Flucherei, Unflätigkeiten und Obszönitäten", so Callone. Auch der Titel dieser Sammlung ist übrigens an Hemingways "Keinem schlägt die Stunde" anglehnt, denn Bukowski schreibt über das, was selbst Hemingway sich nicht traute.
In "Keinem schlägt die Stunde", der Titelgeschichte, wird Henry Chinask, ein Alter Ego des Autors, von zwei Herren abgeholt. Und was die beiden am meisten aufregt, ist die Tatsache, dass er sich nicht einmal darüber beschwert oder Fragen stellt. Eine beklemmende Geschichte, die an einen gewissen Herrn K. erinnert. Der beschuldigte Unschuldige ist selbst von seiner Schuld überzeugt, obwohl er nie etwas getan hat. Alles geschieht mit einer gewissen Gleichgültigkeit. Es gibt kein ohnehin Entrinnen. Charles Bukowski, der etwa 40 Jahre alt war, als die kulturelle Revolution der Sechziger Jahre entbrannte, bespöttelt diese obwohl gerade er von der damit einhergehenden sexuellen Befreiung profitiert. Auch wenn Bukowski ein Jahrgänger der Gegenkultur und Kulturrevolution war, äußerte er dennoch nie seine Sympathien dafür. Obwohl er die Vorsitzende der KPUSA einmal bei sich zu Hause begrüßte und sich geehrt fühlte. Aber das ist eine andere Geschichte. Am 16. August 2020 wäre Charles Bukowski 100 Jahre alt geworden.