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Zielrichtung aus Nachhaltigkeitssicht
Wasser ist lebensnotwendig für Menschen, ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Landschaftselement und dient als unerlässliche Ressource für Landwirtschaft und Wirtschaft. Ein langfristiger Erhalt der Grundwasserressourcen sichert die Qualität des Trinkwassers. Gewässereinträge in Binnenländer können sich ebenfalls negativ auf Meere auswirken. Das Erhalten einer guten Wasserqualität insgesamt bedingt einen sorgsamen Umgang mit dieser Ressource sowohl von einzelnen Menschen wie auch von der Wirtschaft.
Die Wasserqualität wird anhand der Nitratkonzentration im Grundwasser und dem Langzeitmonitoring mittelgrosser Fliessgewässer beurteilt.
Stand Wasserqualität 2020
Der folgende Text beschreibt den Stand der Indikatoren U3.1 (2000–2019) und U3.2 (2000–2019)
Die durchschnittliche Nitratkonzentration im Grundwasser pendelt seit 20 Jahren um 20 Milligramm pro Liter und hat sich kaum verbessert. Andererseits führten in Gebieten mit besonders hoher Nitratbelastung des Grundwassers und einer entsprechend starken Gefährdung der Trinkwasserversorgung gezielte Bewirtschaftungsanpassungen, die zusätzlich zu den weiteren agrarpolitischen Massnahmen umgesetzt wurden, zu einer deutlichen Reduktion der Nitratwerte. Die jährlichen Schwankungen sind auf hydrologisch unterschiedliche Verhältnisse zurückzuführen – trockene wie auch sehr niederschlagsreiche Jahre erhöhen die Nitratwerte. Der Anforderungswert für Trinkwasser von 25 Milligramm pro Liter wird für den Durchschnitt der rund 300 Fassungen eingehalten, bei rund 25 Prozent der Fassungen ist er allerdings überschritten. Der höchste gemessene Wert beträgt 78 Milligramm pro Liter (DGS 2019a). Die Hauptursache liegt in der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung mit Gemüse- und Ackerkulturen. Schweizweit gelangen jährlich rund 150'000 Tonnen Nitrat in die Gewässer. Zudem werden rund 300 verschiedene organisch-synthetische Substanzen als Pflanzenschutzmittel (PSM) in der Landwirtschaft verwendet, ihr Absatz blieb von 2008 bis 2016 konstant. Werden die PSM nicht vollständig im Boden abgebaut oder zurückgehalten, gelangen sie oder deren Abbauprodukte (sogenannte Metaboliten) mit dem Sickerwasser ins Grundwasser (BAFU 2019). Im Jahr 2019 stand Chlorothalonil im Fokus. Zwei seiner Haupt-Abbauprodukte sind in zahlreichen Fassungen nachweisbar. In zwei Dritteln der Aargauer Wasserversorgungen ist der lebensmittelrechtlich festgelegte Höchstwert von 0,1 Milligramm pro Liter überschritten. Bei diesen Fassungen besteht Handlungsbedarf. Soweit möglich, muss beispielsweise das belastete Wasser verdünnt werden durch das Mischen mit unbelastetem Trinkwasser. Im Zuge der EU-Vorschriften wurde die Anwendung von Chlorothalonil auf den 1. Januar 2020 verboten. Auch nach dem Verbot werden die problematischen Abbauprodukte jedoch im Grundwasser erfahrungsgemäss noch lange Zeit nachweisbar bleiben (DGS 2019a, VKCS 2019).
8 der 9 untersuchten mittelgrossen Fliessgewässer wiesen 2019 insgesamt eine gute oder sehr gute Wasserqualität auf, ein Gewässer eine mässige. Die Wasserqualität hat sich seit 2009 stetig, in den letzten Jahren noch leicht verbessert. Die Anzahl der Gewässer mit einer mässigen oder gar unbefriedigenden Wasserqualität ging deutlich zurück. Unbefriedigend bis schlecht zeigt sich heute nach wie vor der Gehalt von Phosphor bei drei sowie derjenigen von Phosphat und gelöstem organischen Kohlenstoff bei zwei Gewässern (BVU 2020).
An zwei Messstellen werden seit Ende 2018 respektive Ende 2019 kontinuierlich Mikroverunreinigungen gemessen, welche direkt oder indirekt auch Fische schädigen können. Die ersten Resultate zeigen in gewissen Zeitabschnitten ein erhöhtes Risiko für Pflanzen und Wasserwirbellose durch Pestizide. Betroffen sind auch verschiedene Rote-Liste-Arten wie zum Beispiel die heimischen Flusskrebsarten. Da die geschädigten Pflanzen und Wasserwirbellose die Nahrungsgrundlage für die höhere Gewässerfauna darstellen, werden auch diese gefährdet. Untersuchungen mit biologischen Indikatoren, an mittelgrossen und kleinen Gewässern, zeigen teilweise Defizite der Arten und des Lebensraums und geben Hinweise auf Belastungen durch Pestizide (BVU 2020). Die Hitzesommer 2018 und 2019 führten zu Trockenheit und hohen Wassertemperaturen mit entsprechenden Konsequenzen für die Gewässerfauna (Fisch- und Krebssterben). Die Sissle bei Eiken lag von August bis November 2018 zwischenzeitlich trocken und wies Temperaturen bis 30 Grad Celsius, die Limmat bei Baden um die 26 Grad Celsius auf (BVU 2020).
Die Sanierung des Hallwilersees ist auch nach 30 Jahren noch nicht abgeschlossen. Seit den 1980er-Jahren wurde der Phosphorgehalt im Wasser um das Zehnfache reduziert. Problematisch ist jedoch der zu hohe Phosphoreintrag, der sich in den letzten 15 Jahren kaum verringert hat, und noch immer zu einer übermässigenAlgenproduktion führt. Der Abbau dieser Algen führt zu einer starken Sauerstoffzehrung im Tiefenwasser. Der lokal auch ökonomisch und kulturell bedeutende Felchenbestand im Hallwilersee (Hallwilersee-Balle) kann sich nach wie vor nicht selbst erhalten. Der Laich stirbt aufgrund der Sauerstoffzehrung am Seegrund ab. Mit neu formulierten Zielen und diversen Massnahmen soll bis Mitte der 2030er-Jahre wieder ein intaktes Ökosystem Hallwilersee erreicht werden. Die Belüftungen und Zirkulationshilfen müssen bis zur Erreichung der Phosphor- und Sauerstoffziele weiter betrieben werden (De Ventura 2019).
Indikator U3.1: Nitrat im Grundwasser, Aargau
Die Qualität des Grundwassers wird anhand der Nitratkonzentration gemessen. Die Nitratkonzentration wird als Gesamtmittelwert aus den Mittelwerten der Datenreihen von rund 300 Grundwasserfassungen ermittelt. Nitrat ist der mengenmässig wichtigste unerwünschte Stoff im Trinkwasser. Eingesetzt als Dünger, kann er ins Grundwasser gelangen. Isotopenuntersuchungen aus Aargauer und Solothurner Nitratprojekten (Menigs, ca. 2000) zeigen jedoch, dass die Hauptursache von Nitrat im Grundwasser die Auswaschung von natürlich vorkommendem mineralisiertem Bodenstickstoff in Kombination mit der Stickstoffdüngung bei ackerbaulicher Nutzung ist. Grundwasser mit hohen Nitratwerten ist oft auch mit anderen Schadstoffen (zum Beispiel Pestiziden) belastet (BAFU 2019, VKCS 2019, DGS 2020).
Die Nitratkonzentration soll in allen öffentlich genutzten Trinkwasserfassungen unter 25 Milligramm pro Liter liegen.
Nitrat im Grundwasser, Aargau, 2000-2019
|langfristig (seit 2000)
|unverändert
|kurzfristig (seit 2016)
|unverändert
Aktualisierung Daten 2023
Nitrat im Grundwasser, Aargau, 2000-2022
|langfristig (seit 2000)
|negativ
|kurzfristig (seit 2016)
|negativ
Indikator U3.2: Langzeitmonitoring mittelgrosser Fliessgewässer, Aargau
Die Wasserqualität der mittelgrossen Fliessgewässer wird anhand monatlicher Analysen von 7 chemischen Parametern (Ammonium, Nitrat, Nitrit, Phosphat, Gesamt-Phosphor, biochemischer Sauerstoffbedarf nach für 5 Tagen und gelöster organischer Kohlenstoff) bei 9 Messstellen bestimmt, die zu einer Zustandsklasse aggregiert werden.
Alle Aargauer Fliessgewässer sollen die Zustandsklassen "sehr gut" und "gut" aufweisen.
Langzeitmonitoring mittelgrosser Fliessgewässer, Aargau, 2000–2019
|langfristig (seit 2000)
|positiv
|kurzfristig (seit 2016)
|positiv
Aktualisierung Daten 2023
Langzeitmonitoring mittelgrosser Fliessgewässer, Aargau, 2000–2022
|langfristig (seit 2000)
|positiv
|kurzfristig (seit 2016)
|positiv
Herausforderungen für das Thema Wasserqualität
- Das Grundwasservorkommen gerät durch den steigenden Siedlungsdruck, durch Nutzungskonflikte, wie beispielsweise durch die landwirtschaftliche Bewässerung mit Grundwasser statt mit Oberflächenwasser infolge des Klimawandels, sowie durch die Beeinträchtigung der Grundwasser-Qualität zunehmend unter Druck (BAFU 2019).
- Durch die Verwendung der zahlreichen Pflanzenschutzmittel muss damit gerechnet werden, dass weitere Wirkstoffe respektive ihre Abbauprodukte im Grundwasser nachgewiesen werden und anschliessend Wirkstoffe, je nach Gesundheitsgefährdung, verboten werden müssen.
- Die durch den Klimawandel zunehmenden extreme Wetterlagen wie Hochwasserereignisse nach Trockenperioden können kurzfristig zu erhöhten Fremdstoffkonzentrationen im Grundwasser führen.
- Eine Verlagerung des Gemüseanbaus in Gebiete mit geringer Grundwassermächtigkeit birgt das Risiko von lokal steigenden Nitratwerten und höheren Gehalten an Pflanzenschutzmittelrückständen im Grundwasser.
- Die steigenden Wassertemperaturen im Oberflächenwasser aufgrund des Klimawandels führen zu eingeschränkten und veränderten Lebensräumen von Wassertieren.
- Die aufgrund vermehrter Trockenheit länger andauernden Niedrigwasserstände führen in den Gewässern zu schlechterer Gewässerqualität. Ungünstige Verdünnungsverhältnisse der eingeleiteten Schadstoffe sowie fehlender Reinigungseffekt von Hochwasserereignissen können Ursache dafür sein.
- Mikroverunreinigungen insbesondere Pflanzenschutzmittel stellen für den Schutz mittelgrosser und vor allem kleiner Fliessgewässer nach wie vor eine grosse Herausforderung dar. Solche Stoffe können bereits in geringsten Konzentrationen Wasserlebewesen beeinträchtigen. Der vom Bundesrat beschlossene Nationale Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sowie der Ausbau von verschiedenen Abwasserreinigungsanlagen mit einer zusätzlichen Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigung sollen die Wasserqualität verbessern.
- Invasive gebietsfremde Arten wie die Quagga-Muschel bedrohen das Ökosystem der Fliessgewässer und den Hallwilersee. Sie können grosse Schäden auch an Infrastruktur verursachen.
Quellen
|Mitarbeit
|Referenzen

Für das Thema "Wasserqualität" relevante SDGs der Agenda 2030
Spotlight Klima
Langfristige Trinkwasserversorgung durch regionale Zusammenarbeit
"Damit die Trinkwasserversorgung auch langfristig sichergestellt ist, müssen die Wasserversorgungen verstärkt regional zusammenarbeiten. Um bei anhaltender Trockenheit oder in Überschwemmungssituationen einwandfreies Trinkwasser grossräumig verteilen zu können, sind ergänzende Bauten von Leitungen und Pumpwerken nötig. Die kantonale Verwaltung erarbeitet in einem mehrjährigen Projekt aktuelle Grundlagen für die angepasste Planung der Grundwassernutzung und Trinkwasserversorgung und ermöglicht den Gemeinden damit, Investitionen in die Trinkwasser-Infrastruktur gezielt und kosteneffizient vorzunehmen."
DGS, Amt für Verbraucherschutz
Der Klimawandel ist eine der wichtigsten Herausforderungen die ein nachhaltiges Handeln fordert. Die Spotlights-Klima beleuchten aktuelle Herausforderungen oder laufende Projekte in Zusammenhang mit dem Klimawandel aus Sicht der kantonalen Verwaltung.
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