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EU-Richtlinie über die Zertifizierung von Triebfahrzeugführenden
Englisch als Bähnlersprache ist keine Option
Die europäischen Sozialpartner im Eisenbahnsektor – ETF und CER – betonen in einer gemeinsamen Erklärung zu den Vorschlägen der EU-Kommission für die Überarbeitung der Richtlinie über die Zertifizierung von Triebfahrzeugführenden (TDD) die Bedeutung von sicheren, durchführbaren und verhältnismässigen Anforderungen. Darum lehnen sie es ab, die derzeitige B1-Sprachanforderung zu senken und eine einzige oder zusätzliche gemeinsame Sprachanforderung für den Eisenbahnsektor einzuführen.
Die Europäische Kommission (EK) hat einen Traum: einen einheitlichen europäischen Eisenbahnraum, in dem alle Eisenbahner, einschliesslich der Schweizer, Englisch sprechen und austauschbar sind. Ihr Albtraum: die derzeit geltenden Normen, die vorschreiben, dass das Lok- und Zugpersonal jedes Mal ausgetauscht werden müssen, wenn ein Zug eine Grenze überquert. Die EK möchte daher die Richtlinie 2007/59/EG über die Zertifizierung von Triebfahrzeugführern – englisch "Train Drivers Directive" (TDD) – überarbeiten.
Arbeitgeber und Bahngewerkschaften hatten bereits Ende 2022 in einer gemeinsamen Erklärung ihre Frontalopposition gegen dieses neoliberale Modell zum Ausdruck gebracht – siehe "Nein! Just Say No!" in SEV-Zeitung Nr. 1/2023. Sie wiederholten dies mit Nachdruck am 23. März bei einer ausserordentlichen Sitzung des Sozialdialogausschusses für den Eisenbahnsektor. Die Gemeinschaft der Europäischen Eisenbahn- und Infrastrukturunternehmen (CER), die die Arbeitgeber vertritt, und die Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF) bzw. deren Sektion Eisenbahn, die vom ehemaligen SEV-Präsidenten Giorgio Tuti präsidiert wird, haben offiziell eine gemeinsame Empfehlung für die Überarbeitung der TDD verabschiedet. Sie fordern die EK auf, den Vorschlag der Sozialpartner zu berücksichtigen.
System der Zertifizierung mit drei Ebenen
Die CER und die ETF empfehlen die Entwicklung eines digitalisierten Zertifizierungssystems für Triebfahrzeugführende mit einem modularen Ansatz, der auf dem Konzept von Lizenzen und Zertifikaten basiert. Dabei würden drei Ebenen anerkannt: die europäische, die nationale und die unternehmensspezifische. Zwischen den Zeilen sprechen sie sich gegen die Anerkennung einer Schnellbleiche aus, wie sie in Deutschland innerhalb von zwei Wochen absolviert werden kann.
Kommunikation ist sicherheitsrelevant
Der sichere Betrieb von Zügen auf dem Netz eines Landes kann nur gewährleistet werden, wenn die Kommunikation zwischen Triebfahrzeugführern und Verkehrsleitern, Notdiensten und anderem Bahnpersonal insbesondere in Störungs- und Notfallsituationen reibungslos funktioniert. Da der Grossteil des Personen- und Güterverkehrs auf nationaler Ebene stattfindet, würde die Einführung einer einzigen oder einer zusätzlichen gemeinsamen europäischen Sprache (Englisch) keinen zusätzlichen Nutzen bringen. Vielmehr würde sie einen erheblichen Nachteil für den Eisenbahnsektor darstellen. Subtilerweise verlangt die EG nicht mehr Englisch als einzige Sprache für das Bahnpersonal.
Die Einführung einer solchen zusätzlichen Hürde würde eine umfangreiche (Um-)Schulung des Personals sowie eine deutliche Erweiterung der Ausbildung der Dienstleister im Eisenbahnsektor voraussetzen. Dies würde die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene weiter erschweren. Die Sozialpartner haben sich auf eine europäische Sprachenregelung geeinigt, in der sie als allgemeine sprachliche Anforderung für den gesamten Verkehr das Sprachniveau "B1" unterstützen.
Der Ball liegt nun bei der EK, die ihren Bericht im Juni vorlegen muss. Es bleibt zu hoffen, dass sowohl diese gemeinsame Empfehlung der Sozialpartner als auch die präzisen Aussagen von Eisenbahnerinnen und Eisenbahnern – die sich in Anwesenheit eines Vertreters der EK drei Stunden lang online zu ihren Arbeitsbedingungen äussern konnten – zu einem positiven Ergebnis führen werden. Wir bleiben dran.
Yves Sancey, mit ETF und Markus Fischer
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