Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03204.jsonl.gz/2400

Editorische Notiz zu «Schneesturm im Sommer»
Eine Auswahl aus den Erzählungen Meinrad Inglins mit ihrem weitgespannten Themenkreis zu treffen ist nicht einfach. Repräsentativ sollte sie sein, aber natürlich nicht einfach wiederholen, was für frühere Auswahlbände schon zusammengestellt worden war. Die vorliegende Auswahl stellt den Versuch dar, Inglins so verschiedene Facetten zu zeigen: neben dem ernsten den optimistischen, neben dem in der Natur verwurzelten, dem um seine Umwelt besorgten Autor stellt der Band den allegorisch-märchenhaften und den humorvollen, geradezu satirischen Schriftsteller vor. – Ein Versuch, der Beschränkung der Auswahl zumindest ein wenig zu entgehen, sind die Hinweise zu weiterer Lektüre ähnlicher Art (in der Regel Erzählungen, in drei Fällen Romane). Es sind durchaus subjektive Vorschläge des Herausgebers.
Am bekanntesten dürften die beiden Erzählungen «Die Lawine» und «Drei Männer im Schneesturm» sein, zwei klassische Inglin-Texte. Weniger häufig in Sammlungen erscheinen Erzählungen wie die Künstler-Allegorie «Meister Sebastian» sowie die allerletzte Erzählung Inglins, «Ein Wanderer auf dem Heimweg». 1968, drei Jahre vor seinem Tod, erstmals erschienen, mutet sie ein wenig an wie ein Vermächtnis Inglins; sie nimmt nochmals Themen auf, die er schon in früheren Werken verwendet hatte. Vor allem könnte sie direkt als das Alters-Pendant zu «Güldramont» gelesen werden (die leider zu lang ist, als dass sie in diesem Band hätte abgedruckt werden können).
Schliesslich sind neben den Erzählungen auch zwei Berichte zu finden, in denen Inglin tatsächliche Ereignisse schildert. Sie stehen am Schluss des Bandes. «Schneesturm im Hochsommer » zeigt überdies, manchmal bis in die Formulierung hinein, wie Inglin selbst Erlebtes in einer Erzählung, hier «Drei Männer im Schneesturm», verwendet. Sie zeigt aber auch, wie Inglin mit dem Stoff arbeitet, wie biographisches Fakt nicht einfach direkt zu Fiktion wird.
Zuletzt bleibt darauf hinzuweisen, dass für die Texte in der Regel auf die Erstdrucke in Büchern zurückgegriffen wurde, wie es für die Werke der Ausgabe im Ammann Verlag üblich war. Bei zwei Texten griff der Herausgeber hingegen auf die Erstdrucke in Zeitschriften resp. Zeitungen zurück.