Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03552.jsonl.gz/2164

Warum Wettbewerb den Banken schadet
Wettbewerb ist in der Wirtschaft elementar, um die Innovation voranzutreiben. Das ist hart für diejenigen Firmen, die nicht mithalten können, aber volkswirtschaftlich ist die positive Wirkung des Wettbewerbs kaum zu bestreiten.
Jede Grundregel kennt allerdings auch ihre Einschränkungen. Dies gilt insbesondere für den Bankensektor. Zwar hat auch in dieser Branche der Wettbewerb durchaus Vorteile. Wenn ich als Kunde bei der Bank A keinen Kredit bekomme, hilft mir vielleicht Bank B. Ein staatliches Monopolbankensystem brauchen wir nicht. Aber der positive Zusammenhang zwischen Wettbewerb und Innovation ist im Bankensektor weniger klar als in anderen Branchen.
Denn Wettbewerb im Bankensektor führt in der Regel nicht zu Innovationssprüngen. Das Bankengeschäft besteht auf der Differenz zwischen Passiv- und Aktivzinsen. Eine Bank kann höchstens das Kreditwachstum erhöhen oder sich stärker im Markt verschulden, um den Eigenhandel hochzufahren. Aber dabei handelt es sich um rein quantitatives Wachstum.
Seltene Finanzinnovationen
Grundlegende Innovationen sind in der Bankengeschichte selten. Der ehemalige Vorsitzende des Federal Reserve, Paul Volcker, sagte vor zehn Jahren in einem Hearing zur Finanzkrise, er habe in den letzten zwanzig Jahren nur eine wichtige Finanzinnovation erlebt: die Einführung des Bancomaten.
Hier ist sein bemerkenswertes Statement in voller Länge (Quelle):
The most important financial innovation that I have seen the past 20 years is the automatic teller machine, that really helps people and prevents visits to the bank and it is a real convenience. How many other innovations can you tell me of that have been as important to the individual as the automatic teller machine, which is more of a mechanical innovation than a financial one?
I have found very little evidence that vast amounts of innovation in financial markets in recent years has had a visible effect on the productivity of the economy, maybe you can show me that I am wrong. All I know is that the economy was rising very nicely in the 1950s and 1960s without all of these innovations. Indeed, it was quite good in the 1980s without Credit Default Swaps or CDOs. I do not know if something happened that suddenly made these innovations essential for growth. In fact, we had greater speed of growth in the 1960s and more importantly it did not put the whole economy at risk of collapse.
Weil das Kreditgeschäft nur kontinuierlich wachsen kann, führt erhöhter Wettbewerbsdruck in erster Linie zu einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise. Der Mechanismus läuft folgendermassen: Die Starken verdrängen die Schwachen, sodass die Schwachen ins Hochrisikogeschäft ausweichen müssen.
Die Schweiz kennt zwei solcher Bankenkrisen: vor dem Ersten Weltkrieg und in den 1990er-Jahren. In beiden Fällen waren die grossen Opfer die Sparkassen und Regionalbanken. Vor dem Ersten Weltkrieg war die schnelle Expansion der durch Staatsgarantie gesicherten Kantonalbanken Treiber des Verdrängungskampfs. Im zweiten Fall waren es die Grossbanken, die im Retailgeschäft ihre Muskeln zeigten und die kleineren Bankinstitute zu einer risikoreichen Geschäftsstrategie drängten.
Von der SKA-Mütze zur Bankenkrise
Die Entdeckung des Retailgeschäfts durch die Grossbanken ist bis heute rätselhaft. Noch bis in die 1960er-Jahre galt es als zu wenig vornehm und profitabel, Kleinkunden zu betreuen. Dann aber kehrte die Stimmung, und die Grossbanken begannen fieberhaft, überall Filialen zu errichten. Selbst die Kreditanstalt, bis dahin eine elitäre Bank, entdeckte plötzlich das Geschäft mit den Kleinkunden. Zur Änderung des Images erfand die SKA, wie sich die Kreditanstalt nun nannte, die berühmt gewordene Skimütze. Die SKA begann nun auch mit dem Sponsoring von Sportanlässen, zum Beispiel der Tour de Suisse.
Gut, man kann sagen, die SKA-Mütze sei auch eine Innovation gewesen, die finanziellen Gewinn abwirft. Heutzutage kann man auf Ebay mit dem Verkauf einen stolzen Erlös erreichen. Aber in der schweizerischen Bankengeschichte gilt die Erfindung der Mütze eher als Startschuss für einen Verdrängungskampf, der in die Bankenkrise der 1990er-Jahre mündete. Dies wiederum hat zwar positive Effekte gehabt, indem das schweizerische Bankengeschäft von da an professioneller betrieben wurde. Aber der Preis war ein hoher, gilt die Bankenkrise der 1990er-Jahre doch bis heute als kostspieligste Finanzkrise der Schweizer Geschichte.