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Kultur
Geschichte
Die jüngere Geschichte von Vietnam ist geprägt durch Kriege, Misswirtschaft und Wiederaufbau. Zuerst kämpften die Vietnamesen gegen die Chinesen, dann die Franzosen, dann die Japaner, und dann die Amerikaner. Und nachdem das Land ab 1975 endlich wiedervereinigt war, begann die dunkle Zeit des Kommunismus, in der das kriegsgeschüttelte Land noch weiter verarmte und die Wirtschaft innerhalb von wenigen Jahren vollständig zum Erliegen kam.
Seit den 1990er Jahren vollzieht sich in Vietnam jedoch ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel, der das Land und die Bevölkerung grundsätzlich verändert. Das Land beginnt sich mehr und mehr zu öffnen und zu modernisieren, Handel ist seit über 20 Jahren erlaubt, und die touristische Infrastruktur wächst. Heute besteht eine marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung, welche aber ähnlich wie in China von einem kommunistischen Einparteien-System gelenkt wird. Wer die kommunistische Partei öffentlich kritisiert, muss mit schlimmen Konsequenzen rechnen. Die Vietnamesen haben nun also zwar die Freiheit, Geld zu verdienen, auf das Grundrecht der freien Meinungsäusserung müssen sie aber vorläufig noch verzichten.
Bevölkerung
Vietnam ist ein sehr junges Land, rund 50% der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt. Insbesondere für die junge Generation hat haben sich die Traditionen und früheren Restriktionen deutlich gelockert, sie geniessen seit der Öffnung viel mehr Freiheiten als ihre Eltern und können generell positiv in die Zukunft schauen.
Die Vietnamesen sind generell ein optimistisches, vorwärtsschauendes Volk, welches gelernt hat, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste herauszuholen. Handel und Unternehmertum ist sehr stark verbreitet: ein grosser Teil der Vietnamesen haben ein kleines Familienunternehmen, mit dem sie probieren Geld zu verdienen (oft neben einem normalen Bürojob). Wie in anderen asiatischen Ländern ist die Verbundenheit mit der Familie ein tragendes Element der Kultur. Oft leben vom Grossenkel bis zum Cousin alle unter einem Dach. Ein geregeltes Rentensystem gibt es keines, es wird darum erwartet dass sich die Kinder um die pensionierten Eltern kümmern.
Religion
Die Religion Vietnams ist für Aussenstehende ziemlich schwierig zu verstehen. Zwar sind die meisten Vietnamesen offiziell Buddhisten, es gibt jedoch viele Formen wie der Buddhismus gelebt wird. Buddha selbst kann in verschiedenen Formen daherkommen: manchmal als meditierenden Mönch (wie in Thailand), manchmal als dickwanstiger, lachender Lebemann (wie in China), manchmal als Frauengestalt mit wehenden Haaren (ähnlich wie unsere Mariaengestalt), oder als Shiva-ähnliche Figur mit bis zu tausend Armen und mehreren Köpfen. In den buddhistischen Tempeln stehen manchmal dazu auch Figuren aus anderen Religionen herum, z.B. die drei Bärtigen Fu, Lu und Shou aus China.
Faktisch ist die Vietnamesische Religion ein buntes Gemisch aus Buddhismus, Animismus, Polytheismus und Ahnenkult. Der Ahnenkult nimmt eine sehr zentrale Rolle ein: in praktisch allen Häusern stehen Altare mit Buddha und darunter Bildern von verstorbenen Angehörigen. Diese werden täglich angebetet, und als Opfergaben dienen Räucherstäbchen und Früchte. Die Vietnamesen sind sehr tolerant im Umgang mit ihrer Religion, andere Traditionen und Glaubensrichtungen können problemlos in ihren Glauben integriert werden. So zimmert sich jeder Vietnamese irgendwie ein bisschen seinen eigenen Glauben zusammen.
Speziell hervorzuheben ist der in Südvietnam existierende Cao Dai-Glauben: dieser wurde ca. 1930 gegründet und besteht aus etwa gleichen Teilen aus Christentum, Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus. Zu den“ hohen Geistern“ des Caodaismus gehören unter neben lokalen Helden auch Victor Hugo. Cao Dai-Kirchen sind sehr bunt und interessant anzuschauen. In der grössten Cao Dai- Kirche in Tay Ninh (unweit von Ho Chi Minh City) werden 4 Mal täglich bunte Rituale abgehalten. Wir würden Ihnen einen Besuch dieses Tempels dringend empfehlen!
Musik
Die traditionelle Vietnamesische Musik ist für westliche Ohren ziemlich gewöhnungsbedürftig. Die Musik zeigt vor allem chinesische und indische Einflüsse und verwendet Instrumente die bei uns gänzlich unbekannt sind, wie z.B. die chinesische Erhu (zweisaitiges Streichinstrument ohne Bünde) oder Yueqin („Mondgitarre“). Das Tonmaterial basiert wie in vielen anderen Ländern Asiens vor allem auf der Pentatonikskala, welche entweder in Dur (=fröhlich) oder in Moll (=traurig) gespielt werden kann. Die traditionellen Instrumente sind inzwischen grösstenteils verschwunden, die Pentatonik als tonale Basis ist aber auch in der modernen Musik noch allgegenwärtig.
Traditionelle Vietnamesische Musik wird vor allem an Begräbnissen, Hochzeiten und sonstigen Anlässen noch gespielt. Im Mekong Delta gibt es den traditionellen Cai Luong, eine Mischung zwischen Theater, Oper und Konzert. Unten finden Sie ein Beispiel für Cai Luong.