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Die Selbstzerstörung der US-Unternehmen
By Dr. Kurt Richebächer
Zu glauben, dass wirklicher Reichtum durch steigende Aktienkurse geschaffen werden könnte, ist ein großer Fehler im amerikanischen Modell. Ein weiterer Fehler ist es, anzunehmen, dass durch Übernahmen und Kosteneinsparungen Unternehmensgewinne geschaffen werden können. Die Realität sieht anders aus: Seit den frühen 1980ern hat sich die Qualität der amerikanischen Unternehmensgewinne drastisch verschlechtert.
Es ist wichtig, zu bemerken, dass dies nicht TROTZ der "neuen Strategien" (wie den in Mode gekommenen Übernahmen) der Fall war sondern WEGEN eben diesen Strategien. Engstirnige Ökonomen, die sich nur auf den "Shareholder Value" konzentrieren, sehen dies nicht unbedingt. Was aus mikroökonomischer Sicht durchaus sinnvoll aussehen konnte, war aus makroökonomischer Sicht (und das ist meine Sicht) kompletter wirtschaftlicher Unsinn.
Indem die Manager die Aktienkurse durch teure Übernahmen nach oben manipulierten, stellten diese Manager sich selbst und die Aktionäre zufrieden. Das ist natürlich das oberste Ziel der neuen amerikanischen Aktienkultur.
Aber leider haben diese teuren Übernahmen negative Auswirkungen auf andere Faktoren gehabt auf die Gewinne, die Investitionen, den Schuldenstand, die Bilanzen, die Zinsausgaben, den Nettowert des Unternehmens , was insgesamt schlecht für die gesamte Volkswirtschaft war. Es war eine Art Selbstzerstörung der Unternehmen.
Diese negativen Effekte lassen sich bis auf die frühen 1980er zurückdatieren. Zu der jüngsten Entwicklung kann ich sagen, dass die Zeichen nicht für eine nachhaltige Erholung sprechen im Gegenteil, sie sprechen dafür, dass die US-Wirtschaft vor einem erneuten Fall in die Rezession steht.
Die amerikanische Volkswirtschaft ist traditionell eine Konsumenten-Volkswirtschaft, mit niedrigen Sparraten und relativ niedrigen Investitionen. Die Politik von US-Präsident Reagan führte dazu, dass die nationalen Ersparnisse und die Netto-Investitionen auf neue Tiefs fielen. Die Unternehmensgewinne blieben in der Amtszeit Reagans in etwas konstant, was ihren Anteil am US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) fallen ließ.
Wie versprochen strukturierte Reagan die Wirtschaft um aber genau entgegengesetzt der Absicht. 1989 betrug der Anteil des Konsums 65,5 % des BIP, im Jahr 1979 waren es 62 % gewesen. Der Anteil der Bruttoinvestitionen (ohne Berücksichtigung des Finanzsektors) am BIP fiel im gleichen Zeitraum von 12,9 % auf 11,1 % zurück. Die nationale Sparrate fiel temporär auf 2 %, verglichen mit einem Durchschnittswert von fast 8 % in den 1970ern. Und die Leistungsbilanz, die 1981 noch leicht im Plus war, fiel bis 1987 deutlich ins Minus (1987 erreichte das Leistungsbilanzdefizit 3,5 % des BIP).
Was das Wirtschaftswachstum in diesen Jahren förderte, waren definitiv nicht boomende Investitionen auf Unternehmensseite, sondern explodierendes Schuldenwachstum auf Seiten der Konsumenten und der Regierung, was die gesamtwirtschaftliche Nachfrage erhöhte.
Und auch die Unternehmen erhöhten ihre Verschuldung. Das erste Mal nicht für Investitionen, sondern für Übernahmen und Aktienrückkäufe. Das war der offensichtliche Beginn eines amerikanischen "Kasino-Kapitalismus", in dem die Unternehmen ohne Rücksicht auf die wirkliche wirtschaftliche Lage Gewinne machen sollen. Gemessen am BIP-Wachstum herrschte durchaus gutes Wirtschaftswachstum, aber die Struktur und das Muster dieses Wachstums war ungleichmäßig.
Wenn ich die Entwicklung einer Volkswirtschaft beurteile, dann konzentriere ich zuerst mich auf zwei aggregierte Größen: Die Entwicklung der Nettoinvestitionen und die Entwicklung der Gewinne im Nicht-Banken-Sektor. In den 1980ern fielen beide Werte als Anteil am BIP auf Rekordtiefs.
Die Wirtschaftspolitik hat nicht wie beabsichtigt die Angebotsseite gestärkt, sondern die Nachfrageseite.
Jetzt zu den 1990ern. Diese lassen sich in zwei unterschiedliche Teile einteilen. Die Jahre bis 1996 sind für die Mehrheit nicht so gut, da das Wirtschaftswachstum unterdurchschnittlich blieb. In den folgenden Jahren gab es dann den Boom, und den Paradigmenwechsel hin zur "New Economy".
Ich habe schon oft betont, dass sich gesundes Wirtschaftswachstum in hohen Raten der Kapitalbildung und hohen Gewinnwachstumsraten widerspiegelt. Beides geht Hand in Hand. Nach diesen Kriterien legte die US-Wirtschaft in der ersten Hälfte der 1990er eine gute Performance hin, und in den 1980ern und den späten 1990ern eine schlechte.
In den frühen 1990ern war die Performance sogar so gut wie in den vorigen 2 Dekaden nicht. Vor Steuern steigen die Gewinne vom Rezessionstief 226,5 Mrd. Dollar im Jahr 1991 auf 504,5 Mrd. Dollar im Jahr 1997. Das war mehr als eine Verdopplung, in 6 Jahren.
Jetzt vergleichen wir das mit der Entwicklung der Jahre 1997 bis 2000. Die Gewinne fielen von 504,5 Mrd. Dollar auf 423 Mrd. Dollar. Die Nettoinvestitionen stiegen zwar weiter, aber nicht mehr so stark wie vorher. Ich habe die Erholung der US-Wirtschaft der frühen 1990er untersucht, in der Hoffnung, ein paar Hinweise für die aktuelle Lage zu erhalten. Und das habe ich auch allerdings ist das sehr ernüchternd. Wenn man die Gewinnaussichten als die wichtigste Bedingung für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung betrachtet und das tue ich dann sollte man die Gründe untersuchen, die in den frühen 1990ern zu dem gerade beschriebenen starken Anstieg der Gewinne führten. Und wenn man das tut, dann merkt man, dass alle diese Gründe heute fehlen.