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Der Le Jardin Français befindet sich in dem ersten Annex-Bau aus den 1930er Jahren, genannt Le Palace. In dieser Halle wird auch der Lunch und der Nachmittagstee serviert. Bis zur Eröffnung der Le Bar du Bristol im Jahr 2012 war dies die Hotelbar.
Wir werden freundlich von einem Bartender bedient. Der Martini-Cocktail wird perfekt gemixt serviert. Neben den obligaten Chips und Nüsschen werden Radieschen, pikant gefüllt mit einem Meerrettichschaum, serviert. Bei unserem zweiten Besuch fehlt dieser Gruss aus der Küche.
Aber wir sind mit den feinen Oliven auch zufrieden. Die vornehme und gediegene Ambiance lädt zu ruhigen Minuten im hektischen Paris ein. Nicht zufällig nennt sich das Le Bristol Hôtel du Silence.
Nachdem 1898 das Hotel Ritz an der Place Vendôme No.15 neuer Nachbar wurde, begann der Niedergang des Hotel Bristol, das 1919 endgültig seine Türen schliessen musste. Die Bankers Trust Company of New York zieht in die Räumlichkeiten.
Der Gründer des Hôtel Le Bristol an der 112, rue du Faubourg Saint-Honoré in Paris, Hippolyte Jammet, stammt aus einer Gastronomenfamilie. Sein Vater François Jammet war katalanischer Herkunft und Küchenchef im „l’Hôtel des Deux Mondes“, bevor er Besitzer des traditionellen Pariser Restaurants „Le Boeuf à la mode“ wurde. Während dieser Zeit wird 1893 Hippolyte geboren. Bereits 1905 reist der Zwölfjährige mit seinem Vater nach Dublin, wo dieser zusammen mit seinem in Irland lebenden Bruder Michel das Restuarant Jammet’s eröffnet.
Während das Lokal eines der Besten in der Stadt wird, lernt Hippolyte die irischen Traditionen kennen. 1908 reist er zurück nach Paris, um das Gymnasium zu besuchen. Schon bald stellt Hippolyte fest, dass er lieber in die Fussstapfen des Vaters treten will. So schickt ihn dieser ins Hôtel Le Meurice, um Koch zu lernen.
In den Jahren 1911 und 1912 erhält er eine zusätzliche Ausbildung an der Rezeption des berühmten Hotel Adlon in Berlin. Die zwei Jahre, die Jammet im Hotel Adlon, Unter den Linden 1 am Pariser Platz zu Berlin, verbracht hat, lassen ihn nicht los. Das von Lorenz Adlon 1907 eröffnete Hotel setzte in der Luxushotellerie Massstäbe und galt schon bald als eines der besten Hotels der Welt. Jammet wird das Adlon als Massstab für sein Bristol verwenden. Doch zunächst gilt es für Frankreich als Koch an der Front 1914 in den ersten Weltkrieg zu ziehen. In Verdun erlebt er einen Giftgasangriff, den er nie mehr vergessen wird.
Nach dem Krieg kauf Hipollyte Jammet an der Avenue de l’Opéra das Hotel Bellevue (heute: Hôtel Edouard VII). Dieses Haus kann seinen Traum vom perfekten Luxushotel nicht erfüllen. So beschliesst er bereits nach zwei Jahren, diese Immobilie wieder zu verkaufen. Dank der galoppierenden Inflation jener Zeit erhält er fünfmal mehr, als er bezahlen musste. Dies ermöglicht ihm 1923 das Hôtel de Castellane im Faubourg Saint-Honoré zu erwerben. Dabei handelt es sich um eine kleine Villa im Renaissancestil, die einst von Madame de Pompadour, der Mätresse Louis XV, bewohnt wurde. 1829 kauft es der Graf Jules de Castellane, der die Villa als hôtel particulier benutzt. Der dandyhafte Graf macht sich einen Namen als Kunst-Mäzen. So baut er sogar ein kleines Theater in sein Haus. Hippolyte Jammet hatte das Hôtel de Castellane wegen dem Grundstück gekauft, das einen Steinwurf vom Elysee-Palast entfernt liegt und wo seit 1879 an der rue du Faubourg Saint-Honoré No.24 das Leder- und Modehaus Hermès residiert. Jammet lässt die Villa abbrechen, was in den Pariser Zeitungen für negative Schlagzeilen sorgt, da er eine historische Stätte zerstört habe.
Nun war der Weg frei für ein Luxushotel, wie es sich Hippolyte Jammet schon immer gewünscht hat. Eine Hotelgesellschaft wird gegründet, die der Vater François Jammet leitet, während Hippolyte als Generaldirektor amtet. Als Architekten für das neue Gebäude wählt er den drei Jahre älteren Urbain Cassan (1890-1979), der für die Compagnie des Chemins de Fer du Nord nach dem ersten Weltkrieg moderne Bahnhofbauten realisiert. Ende der 1960er Jahre wird er am Bau des Tour Montparnasse beteiligt sein – welch krasser Unterschied zum klassischen Grandhotel! Für das Bristol wählt Urbain Cassan Stahlträger, die eine freie Raumaufteilung ermöglichen. Die Fassade erhält nach der Mode der Zeit Erker.
Das Le Bristol gehört neben der Sacré-Coeur zu den wenigen Gebäuden in Paris, das für die Fassade den polierten Kalkstein aus der Gemeinde Comblanchien in der Côte-d’or erhält. Dieser marmorähnliche Stein schützt die Fassade vor Staub und Schmutz und behält lange sein blendendes Weiss, das geringste Sonnenstrahlen zu erhellen vermögen.
Hippolyte Jammet will sein neues Haus mit dem prestigeträchtigen Namen Bristol versehen. Dummerweise will dies zur gleichen Zeit auch Jean Faraut für sein geplantes Hotel an der Avenue Hoche. Nachdem Hippolyte Jammet bereits in Limoges Porzellan mit dem Namen und Wappen des Bristol bestellt hatte, gibt sich Jean Faraut geschlagen. Er wird sein 1928 eröffnetes Etablissement Le Royal Monceau nennen. Um Missverständnisse mit anderen Bristol-Hotels zu umgehen, nennt Jammet sein neues Haus Hôtel Le Bristol. Der Name nimmt Bezug auf den Grafen von Bristol, einem grossen Reisenden des 18.Jahrhunderts.
Im April 1924 heiratet Hippolyte Jammet Yvonne Mollard, die Tochter eines Brauerei-Besitzers. Elf Monate später werden die Jammets Eltern eines Sohnes: Pierre. Er wird als Generaldirektor das Le Bristol in den Jahren 1964 bis 1978 führen. Im April 1925 findet die offizielle Eröffnung des Hotel Le Bristol statt und gleichzeitig eröffnet die „Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernens“ ihre Tore. Diese sehr erfolgreiche Ausstellung, in der mit Le Corbusier auch die internationale Avantgarde vertreten ist, dauert bis im Oktober und gibt dem sich seit 1910 ankündigenden Stil „Art Déco“ seinen Namen. Zeitgemäss lässt Hippolyte Jammet sein neues Hotel im Art-Déco-Stil möblieren. Mit dem Ergebnis ist er allerdings sehr unzufrieden, was ihn zu dem Ausruf animiert „Je veux faire mon Adlon!“. So kauft Jammet in den Jahren bis 1930 für das Le Bristol eine grosse Anzahl antiker Möbel, darunter verschiedene Stücke Louis XVI-Möbel aus dem Louvre sowie Gobelin-Wandteppiche aus dem 19.Jahrhundert, die in Savona hergestellt wurden.
Von Beginn weg ist das Le Bristol ein Erfolg und sehr gut ausgelastet. So entschliesst sich Hippolyte Jammet bereits 1929 zum Kauf von zwei ans Bristol angrenzenden Parzellen, die einst den Schwestern der Hoffnung als Kreuzgang ihres Klosters dienten. Hier wird ein achtstöckiger Annex-Flügel erstellt, der den Namen Le Palace erhält. Das neue Gebäude ist mit einer Klimaanlage der Londoner Firma Carrier ausgestattet. Die Badzimmer warten mit einer Erfindung des Hotelbesitzers auf: dem „Mirophare“, einem kleinen runden und beweglichen Spiegel mit integriertem Licht, wie er heute in vielen Hotels als Hilfe zum Rasieren oder Schminken anzutreffen ist. Weiter weisen die Zimmer abmontierbare Klosettbrillen auf, die nach jedem Gast abgeschliffen und neu lackiert werden.
Wie die meisten Luxushotels wird auch das Le Bristol durch den New Yorker Börsencrash von 1929, deren Auswirkungen bis weit in die 1930er Jahre strahlen, stark betroffen. Glück im Unglück hat das Le Bristol nach Ausbruch des 2.Weltkrieges: Da es über einen gasgeschützten Schutzraum verfügt, geht der amerikanische Botschafter in Paris auf das Angebot des Hotels ein und mietet das Le Bristol für amerikanische Bürger und Diplomaten, die Paris besuchen. Dank diesem Vertrag wird das Le Bristol während der deutschen Besetzung von Paris das einzige deutschfreie Luxushotel an der Seine sein. Ab 1942 beherbergt das Haus den jüdischen Architekten Leo Lerman, einen Mitarbeiter von Urbain Cassan. Er leitet, vor den deutschen Besatzern versteckt in einem kleinen Zimmer, die anstehenden Renovationsarbeiten. So wurden teilweise die Gästezimmer vergrössert. Und das Gittertor des Aufzugs wurde auch von Lerman gestaltet.
So befindet sich das Le Bristol nach dem Krieg in perfektem Zustand. Seine Nähe zum Elysée-Palast lockt immer wieder Politiker ins Haus. Nachdem den Deutschen während der Besatzungszeit das Le Bristol verschlossen blieb, buchen die Bundeskanzler der BRD, von Adenauer über Brandt bis Kohl, Zimmer in diesem Haus. Und bei Ihrem Paris-Besuch 1957 beherbergt das Le Bristol die englische Königin Queen Elizabeth II inklusive Anhang.
1963 stirbt Hippolyte Jammet und sein Sohn Pierre übernimmt die Geschäfte als Generaldirektor bis 1978. Zu Lebzeiten weigerte sich der Hotelgründer, eine Bar einzurichten.
So wird auf Initiative des Sohnes 1969 neben dem Direktionsbüro eine Bar eingerichtet. Dieser Raum diente vorher als Versammlungsraum. Im Jahr 2005 wird die Bar in die Halle versetzt. Pierre Jammet schreibt unter dem Titel „Le Bristol – Un Palace dans son Siècle“ ein Buch über das Hotel und seine Familie, das 1998 erscheint.
Eine Erbteilung beendet 1978 die Aera der Hotelgründer-Familie Jammet. Das Le Bristol fällt in die Hände der Oetker Hotel Collection. Auf dem restlichen Grundstück des Klosters der Schwestern der Hoffnung, die Paris 1955 verlassen und das Hippolyte Jammet damals gekauft hat, bauen die neuen Eigner einen weiteren Annex mit sechzig Zimmern. Im sechsten Stock wird ein Schwimmbad erstellt. Das Le Bristol erhält den grössten Hotelgarten von Paris.
2001 wird das Eckhaus Avenue Matignon erworben, 2006 mit dem Umbau begonnen und im Jahr 2009 mit 26 neuen Zimmern und Suiten wieder eröffnet. In diesem neuen Eckhaus lädt das Le Bristol mit einer einfacheren Küche die Passanten zum Essen ins Le 114 Faubourg ein.
Aus dem Restaurant d'Hiver ist inzwischen der Salon Castellane geworden. Das neue Gourmetlokal des Bristol nennt sich Epicure und wird als Ganzjahresrestaurant betrieben, während das frühere Winterrestaurant als Salon gemietet werden kann. Das Restaurant d’Hiver hatte bei seiner Eröffnung grosse verglaste Türen, die in die Halle führten. Der Raum wirkt gegenüber heute relativ karg und ist im Art-Déco-Stil möbliert.
Dieses Restaurant wurde als Reminiszenz im ehemaligen ovalen Theater installiert, das Jules de Castellane im 18.Jahrhundert erbauen liess und 400 Besuchern Platz bot. Bei der Renovation durch den jüdischen Architekten Leo Lerman im Jahr 1942 erhalten die Wände eine opulente ungarische Eichentäfelung.
Unter dem Vordach zieren die Fresken „Les Quatre Saisons“ des Schweizers Gustave-Louis Jaulmes (1873-1959), eines Schülers des französischen Symbolisten Maurice Denis, den Raum. Sowohl Jaulmes wie Denis führen Wandmalereien in WTO-Gebäuden in Genf aus. Tageslicht wird durch ein blattgoldgerahmtes Glasdach gefiltert. Das danach im Regency-Stil gehaltene Restaurant d’Hiver galt als eines der schönsten Restaurants in Paris. Dieser Raum hat sich bis heute kaum verändert.
Restaurants: Epicure - drei Michelin-Sterne, Le 114 Faubourg - Brasserie, Le Bar; Zimmer: 102 Zimmer & 87 Suiten; Adresse: Hôtel Le Bristol Paris, 112, rue du Faubourg Saint-Honoré, 75008 Paris / http://www.lebristolparis.com/
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