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Botschaft des
schweizerischen Bundesrathes an die hohe Bundesversammlung der schweizerischen Eidgenossenschaft, betreffend das eidgenössische Uebungslager von 1852.
(Vom 20. März 1852.)
Nachdem mit dem 1. Iuli 1850 die neue eidgenoffische MilitärorÖanisation in Kraft erwachfen war, nahm der Bundesrath unter Anderm auch darauf Bedacht, den Art. 75 derselben zu vollziehen. Zu dem Ende hat er in dem Projektcoranfchlag über die Einnahmen und Ausgaben für das Jahr 1852 eine Summe von gr. 220,000 aufgenommen, a l f o d e n g l e i c h e n B e t r a g , d e r w ä h r e n d einer R e i h e v o n J a h r e n v o n d e r e i d g e uösfifchen Tagsazung ohne D i s k u s s i o n für e i d g e n ö s s i s c h e L a g e r b e w i l l i g t w o r d e n war.
Obwol diese Ausgabe durch ältere und neuere Bundesgeseze und Verordnungen gerechtfertigt ist, so erlitt fie dennoch viele Anfechtungen, indem die Nu'zlichkeit
241 größerer Truppenzufammenzüge im Allgemeinen bezweifelt und auch im Befondern die Zwekmäßigkeit der bisherigen Organifation und Leitung in Uebungslagern bestritten wurde. Namentlich wurde in lezterer BeziehHng geltend gemacht, daß die Besammlung von Cadres dem Znsammenzug einer größern Anzahl in taktische Körper formirter Truppen, abwechselnd in verschiedenen Gegenden der Schweiz, statt an einem Zentralpunkte vorzuziehen sein dürfte.
Indessen wurde' doch nach einer längern und lebhaften Diskussion in beiden Räthen der erwähnte Ansaz unter Herabfezung aus Fr. 200,000 zwar bewilligt, dabei aber die Einladung an den Bundesrath gerichtet : "in der nächsten Sommerfizung vor der Verwendung des Kredits von Fr. 200,000 für größere Truppenzusammenzüge Bericht zu erstatten über die Art und Weise, wie er solche nach Art. 75 der Militärorganifation anzuordnen gedenke."
Diesem Auftrage wird durch Folgendes ein Genüge geleistet:
I.
Es dürfte zwar die Darstellung der Nüzlichkeit und
Zwekmäßigkeit größerer Truppenzusammenzüge im Hinblik auf die katcgorifche Vorschrift dee Art. 75 des Bundesgesezes vom 8. Mai 1850 als überflüssig erscheinen, indessen ist nicht zu übersehen, daß fich dieser Vorschrift ungeachtet gar manche gewichtige Stimme im entgegengefezten Sinne geltend machte, und daß es deßhalb nicht ganz außer Orts ist, auch in diefer Hinficht einige Worte einstießen zu lassen.
242 Zu diesem Zweke beabfichtigen wir nicht, eine weitläufige theoretische Erörterung über die Nüzlichkeit und Zwekmäfigkeit größerer Truppenzusammenzüge zu machen, sondern wir berufen uns einfach auf unsere Ersahrung und vorzugsweise auf den Bericht über das erste eidgenössische Uebungslager von 1820.
In demselben wird zunächst auf die großen politischen und moralischen Vortheile größerer ..truppcnzusammenzüge für die Einigung und Verbrüderung unter der Wehrmannschaft der verschiedenen Kantone und für die Beseitigung herrschender Vorurtheile hingewiesen und dann beigefügt : "Ein zweiter Endüwek liege darin, den Offi"zieren vom Generalstab eine Gelegenheit zu geben, fich ,,in ihren Verrichtungen praktisch zu üben. Wenn man "sich erinnert, daß im Laufe der lezten Jahre sehr oft "verdiente und geschikte Männer plözlich zum Kommando ,,einer im gelde stehenden Brigade oder Divifion und zur "Leitung eines Stabes berufen worden find, ohne daß "fie vorher auch nur ein einziges Mal eine Brigade ,,bei einander sahen, oder den Dienst des Stabes im "Felde mitgemacht hatten, so wird man leicht begreifen "können, wie wichtig und erwünscht es solchen Männern "und wie nothwendig es für den Dienst des Vaterlan,,des fein muß, wenn ihnen eine, obfchon nur kurze "Geleuenheit gegeben werden kann, fich, ehe es Ernst gilt, ,,an die Spize einer Brigade zu stellen, die militärische ,,Maschine in Bewegung zu sezen und zu sehen, wie ihre "verschiedenen Bestandtheile in einander greifen. Auch ,,das fleißigste Lesen und Durchdenken der beßten Lehr"bücher genügt nicht, wenn man nie die Sache selbst "versucht und durch Anschauung und Handanlegung ver"gegenwärtigt hat."
243 ,,Wenn es aber nothig ist, den Offizieren einen rich# tigen und deutlichen Begriff von der Führung der Mannfchaft zu geben, fo ist es eben so nothwendig, die Subalternoffiziere, Unteroffiziere und Soldaten mit der militärischen Haushaltung im Felde bekannt zu machen...
Wer jemals Miliztruppen im Felde geführt hat, wird fich erinnern, wie viel Zeitverlust und Unordnung oft im Anfang durch die Unbeholfenheit der Mannfchaft in Lagern, in Behandlung der Lebensmittel, in richtiget Vertheilung ihrer Zeit entstehen kann. Selbst in folchen Kantonen, wo gut eingerichtete Bildungsanstalten für alle Waffen vorhanden find, fehlt es doch an Gelegenheit, den eigentlichen Dienst im Felde einzuüben und fich mit jenen kleinern, nicht in die Augen fallenden,
aber für die Gesundheit, das Wohlbehagen, die Beweglichkeit und Brauchbarkeit der Truppen äußerst wichtigen Vortheile in den täglich vorkommenden Geschäften bekannt zu machen. Darauf können die Unteroffiziere einer Kompagnie am meisten und weit mehr noch als die Offiziere einwirken, weil fie stets um und bei den Soldaten find, mit ihnen gemeinschaftlich alle Bedürs-nisse beziehen, mit ihnen kochen, schlafen, haushalten und alle ihre Bedürfnisse kennen."
Im ähnlichen Sinne sprechen fich alle Berichte über die abgehaltenen eidgenöffifchen Lager aus.
In der That, es ist einleuchtend, daß die Bewaffnung und Ausrüstung der Truppen allein nicht zum Zweke führen kann, fondern daß dazu auch U n t e r richt und vor allem U e b u n g nach einförmigen Grundsäzen unumgänglich erforderlich ist.
Darum wird es jederzeit nothwendig, größere ...Crup.* penzusammenzüge zu veranstalten, sosern man nicht auf diejenige höhere taktische Ausbildung verzichten will, die
.244 durchaus unerläßlich ist, wenn man die Truppr« in ernften Tagen ins Feld stellen und sich nicht in der Erwartung täuschen will, daß dieselben außer dem guten Willen auch die Fähigkeit befizen, das bedrohte Vaterland zu retten.
H.
Die Frage, ob die Befammlung der Cadres dem Zufammenzug einer größern Anzahl in taktifche Körper formater Truppen vorzuziehen sei, wurde schon zu wiederholten Malen aufgeworfen und auch fchon auf verschiedene Weife beantwortet.
" Diefelbe läßt fich wefentlich von einem doppelten Gesichtspunkte aus auffassen. Es fragt sich nämlich : foli der Cabresmannschast ein Cadresunterricht im engern Sinne ertheilt, oder follen mit demfelben höhere taktifche Uebungen vorgenommen werden?
Hierüber bemerken wir Folgendes :
1. Es läßt fich nicht bestreiten, daß die Fürsorge
für einen guten Unterricht der Cadres eine der wefentltchsten Bedingungen ist, ein tüchtiges Heer zu bilden.
Indessen vergesse man nicht, daß der Cadresunterricht fich nur auf einen Theil der Elementartaktik erstrekt und wesentlich zur Ausgabe hat, einzelne Grade mit dem Umfange, ihrer pflichten und Befugnisse vertraut zu machen.
Daraus folgt, daß zwischen dem Cadresunterricht im engern Sinne und den hohern taktischen Uebungen ein wesentlicher innerer Unterschied obwaltet, und daß dcßhalb jener erstere die leztern unmöglich ersezen kann.
Vielmehr schließen die höhern taktischen Uebungen den Cadresunterricht in fich, so daß dieselben eine stufenjnäjjiue Crntwiklung fc.es Unterrichts bilden, ter ben ...Cruppen notwendig ertheitt werden soll.
245 Schon von diefem Gefichtspunkte aus muß die Frage, ob die Besammlung von Cadres dem Zusammenzug größerer taktischer .-Iruppenkörper vorzuziehen fei, verneinend beantwortet werden.
Zudem fällt der Cadresunterricht dermalen noch nicht in den Bereich des Bundes, fondern liegt, wenigstens so weit es die Scharffchüzen und die Infanterie betrifft, den Kantonen ob. Deßhalb müßte zuerst die Frage erortert werden, ob man, wie folches der Art. 20 der Bundesverfassung gestattet, eine größere Zentralisation des Unterrichts der Tïuppen vornehmen wolle oder nicht ?
Wir glauben, daß dermalen hiefür keine haltbaren Gründe vorliegen; der Eadresunterricht kann von jedem Kanton ertheilt werden; es walten in dieser Hinficht nicht diejenigen Hindernisse ob, die den höhern taktischen Hebungen in den Kantonen entgegen stehen und eine Zentralisation derselben durchaus nothwendig machen.
Es müßte, wenn je davon die Rede wäre, die Frage in ihrer Allgemeinheit behandelt, d. h. es müßte untersucht werden, ob nicht der ganze Unterricht der Truppen zu zentralifiren fei. Der Cadresunterricht läßt sich nämlich nur in Beifein der Truppen vollenden; ohne diefe kann jener niemals vollständig ertheilt werden.
Wir berufen uns indessen noch auf die Erfahrung, die in Hinsicht der gestellten Fragen gemacht wurde.
Als die bekannten Ereignisse von 1830 die Schweiz nothigten, Bedacht auf die Wahrung ihrer Neutralität zu nehmen, wurden Einleitungen zur Ausstellung des gesammten Bundesheeres getroffen, und dabei stellte fich als das dringendste Bedürfniß vor Allem die Sorge für Vervollkommnung und größere Uebereinstimmung des Militärunterrichts dar. Der eidgenösfische Kriegsrath,
246 der bereits unterm 8. April 1831 einen Antrag, die Cadres der eidgenöffifchen Armee in eine eidgenössische Schule zu berufen, gestellt hatte, erneuerte feine Vorfchläge, wenn auch in bedeutend beschränkterem Maßstabe, in einem ausführlichen Bericht* vom 14. Iuli 1831, in welchem er vorfchlug : a. eine Offiziersschule überhaupt, l... eine Artillerieschule und c. eine Scharfschüzenschule, vorzunehmen. Der Zweck der ersten dieser Schulen, in welche, mit Inbegriff der Instruktoreu, 420 Offiziere vom eidgenöffifchen Stab, von den Infanteriebataillonen, den Scharffchüzen undderKavallerie einzuberufen wären, follte dahin gehen, durch Unterricht der Offiziere im innern Dienste, im Felddienst und in der Verwaltung, nach den ©rundlagen und in Entwiklung der eidgenöffischen Réglemente, eine Sachkenntniß, eine Gleichförmigkeit und einen Zusammenhang i« der Leitung der Armee zu erhalten, deren Mangel, im galle wirklicher Kriegsoperationen, von den traurigsten Folgen fein könnte. In die zweite, .nach ...thun zu verlegende Schule würden 13 ans allen Artilleriekompagnien gezogene Detaschem'ente berusen und dieselben in sämmtlichen Verrichtungen der Artillerie mit größerer Gründlichkeit und Vollständigkeit, namentlich auch im Verwaltungswesen, im Batterie-, Park- und Felddienst, im Manövriren, in Anwendung der Feldartillerie u. s. w. unterrichtet werden. Dem Unterricht in der dritten Schule sollten vorzüglich diejenigen Rükflchten zu Grunde gelegt werden, die in einer 1830 amtlich bekannt gemachten Denkschrist über die Waffe der Scharsschüzen näher entwikelt worden waren, hauptsächlich eine genaue Kenntniß und Behandlung der Bewaffnung, das Schäzen von Distanzen und das Schießen unter vielfältigen verschiedenartigen und wechselnden Verhält-
247 nissen. In diese leztere Anstalt sollten 20 Cadres, jedes von l Offizier, 8 Wachtmeistern und Korporalen einberufen werden. -- Am 29. Iuli gleichen Iahres wurde sodann die Vornahme einer Offiziers-, einer Artillerie* und einer Scharffchiizenfchule durch, die Tagfazung genehmigt. Dagegen hatte das 'eidgenössische Uebungslager im Iahre 1832 und die dritte Abtheilung der Militärfchule zu ïhun nicht Statt.
Iene a u ß e r o r d e n t l i c h e n Schulen fanden, so weit es die Artillerie und die Kriegskommissariatsbeamten betrifft, so wie der Unterricht der Scharfschüzen im Iahre 1831 wirklich statt. Rückfichtlich der Schule für Offiziere der Kavallerie und Infanterie hingegen wurde am 19. Oftober, wegen vorgeriikter Iahreszeit, von der Tagsazung beschlossen : dieselben sollen vor der Hand und bis auf weitere Verfügung ausgefezt bleiben. Diese verschiebende Schlußnahme wurde 1832 von der Tagsaznng bei Anlaß der Verhandlung über den Bericht, betreffend jene außerordentlichen Militärschulen neuerdings bestätigt und die Militärauffichtsbehörde beauftragt, für 1833 wolerwogene Anträge über die zwekmäßigsten Maßregeln zu Veranstaltung einer Schule für die Offiziere der Kavallerie und Infanterie vorzulegen.
Folgendes Iahr (1833) stellte der eidgenössische Kriegsrath den Antrag, daß 1834 ein ausgedehnter Unterricht der Armeeeadres und eines Theils der Offiziere des eidgenössischen Stabes angeordnet werden möchte und entwickelte dabei den Gesichtspunkt, unter welchem er die vorgeschlagene Instruktion ins Leben zu führen gedachte. Der Kriegsrath berief fich nämlich darauf, wie seit dem Anfang des Iahres 1831 von den eidge* nöffischen Militärbehörden oder von besonders hiefür bestellten Kommissionen nähere Vorschläge und Gutachten
248 über eine zwekmäßige Instruktion der verfchiedenen Zweige des Generalstabes und der Cadres der Armee eingereicht worden feien. Allein nur theilweife, wie oben erwähnt, habe in diefer Beziehung etwas ausgefuhrt werden können, während für den eigentlichen Generalstab und zwei wichtige Waffengattungen nichts ge* schehen sei. Wenn aber früher schon die Nolhwendigkeit einer solchen durchgreifenden, alle Waffenarten befchlagenden Instruktion anerkannt worden fei, so hätten nunmehr die lezten Erfahrungen bis zur Evidenz bewiesen, daß die früher diegfalls gefaßten Ansichten nicht unbegründet gewefen feien und daß, wenn die eidgenössische Armee in vorkommenden Fällen dasjenige leisten solle, was das Vaterland von ihr fordern müsse, durchaus notwendig sei, daß zur Erlangung der so nöthigen Uebereinstimmung in den verschiedenen ..Dienstzweigen, eine möglichst durchgreifende Instruktion des Generalstabs und der Cadres der verschiedenen Waffenarten angeordnet werde. Wenn der Kriegsrath einzig das ganze Bedürfniß im Auge haben wollte, so müßte er neuerdings auf eine allgemeine Instruktion der fämmtlichen CadreS der Armee, wie folcheimIahrelSSI vorgefchlagen worden, antragen. Da jedoch ökonomische Rükfichten der Ausführung eines derartigen Vorhabens im Wege stehen würden, fo habe der Kriegsrath in sorgfältige Berathnng gezogen, was am allernethwendigsten fei und dabei gefunden, daß ein Kostenaufwand von ungefähr 260,000 a. §r. erfordert werbe, um auch nur einen Theil des Generalstabs und der Arnieecadres, nebst einer angemessenen Vorübung der Stabsoffiziere, eine 21 Tage dauernde Instruktion zu ertheilen. Wenn dieselbe mit gehöriger Umsicht geleitet würde, so könnte sie genügen, um solchen die erforderliche Kenntniß im
249 Dienste beizubringen und dieselbe auf alle Theile der Armee möglichst zu verbreiten.
Nachdem fich bis zum 2i. Heumonat 1834 eine Mehrzahl von Ständen für die Abhaltung eines solchen Cadresuntcrrichts ergeben hatte, wurde die Militärauffichtsbehorde vom Vororte beauftragt, die Einleitungen zu treffen, damit dieser Unterricht im Lause des nämlichen Iahres abgehalten werden könne; die Tagfazung bestäligte diese Weisung durch eine besondere Schlupnahme in dem Sinne, daß dieser ausgedehnte Unterricht der Armeecadres zugleich als fiebentcs Uebungslagcr gelten solle. Derselbe fand dann auch wirklich im August und September 1834 Statt, wobei die einberufene Mannschaft in vier Lager auf die Allmend bei ...Chun verlegt war.
Es bestand dieselbe aus 5330 Mann aller Waffenaattui.gen, worunter 571 Offiziere.
Indessen entsprach der Erfolg den gehegten Erwartungen keineswegs. Der eigentliche Eadresunterricht konnte nicht gehörig ertheilt werden, und zu größcrn taktischen Uebungen war die Mannschaftszahl zu klein.
Endlich waren im Verhältnijj zu den Leistungen die Koste.1.
zu groß.
Dieß war dann auch die Auffassungsweise der h. Tagsazung und der damaligen eidgenösfischen Militärbehörde.
Darum trat auch von 1836 an die gewöhnliche Reihcnfolge der ordentlichen eidgenössischen Uebungslager wieder ein. Es hatte nämlich die Tagjaizung am 10.
Iuli 1835 auf den dießfälligen Antrag der Militärauffichtsbeho'rde mit 20'/» Stimmen beschlossen : es solle das achte eidgenössische Uebungelager nach der bei den bis anhin abgehaltenen fcchs Lagern (als fiebentes zählte der Eadresunterricht) ftattgefundenen Art und Weise auf das Jahr 1836, und zwar mit Berüksichtigung der
250 bis dahin dießfalls beobachteten Kehrordnung in der ostlichen Schweiz stattfinden. Dabei ist ausdrüklich zu bemerken, daß der abweichende Antrag einer Standesgesandtfchaft, welche die Uebungslagcr unterlassen und dagegen die daherigen Fonds für den Unterricht von Armeeeadres verwenden wollte, die in Jnccesfiven Abtheilungen einzuberufen wären, nur 1y2 Standesstimmen sür sich hatte.
Nachdem hierauf wiederum die Uebungsluger statt.: gefunden hatten (1836 bei Schwarzenbach, 1838 bei Surfee), legte die Militärauffichtsbchörde der Taajazung von 1839 einen mit nähern Ausweisen begleiteten Antrag vor, wonach die Uebungslager beseitigt und die Errichtung einer nach einem großern Maßstabe auf bleibende Dauer berechnete Zentralunterrichtsanstalt empfohlen wurde.
Dieser Vorschlag gab im Schoße der Tagsazung zu mannigfaltigen Bemerkungen Anlag, und wurde zur Begutachtung an eine besondere Kommission gewiesen.
Mit Rükficht auf die eröffneten Standesinftruktionen glaubte diefe Kommisfion den Vorfchlag der eidgenöffischen Militärauffichtsbehorde modifiziren zu sollen und reichte demnach zwei von einander abweichende Vorschlage ein.
Nach dem ersten, von der M e h r h e i t der Kommisfion ausgegangenen Vorschlag sollte die von der eidgenösfischen Militärauffichtsbehorde für bleibend vorgefchlagene Zentralunterrichtsanstalt nur für die beschränkte Frist von drei Iahren eingeführt und somit für den nämlichen Zeitraum eine außerordentliche Militärschule zu Thun aufgestellt werden. An die während drei Iahren abgehaltene außerordentliche Militärschule sollte sich dann im vierten Iahre ein eidgeno'sfisches Uebungs*
251 lager und eine MiHtärfchule nach näher entwikelten Grundlagen anreihen, welche jedenfalls eine größere Ausdehnung als die bisherigen Uebungslager und die bisherige eidgenöffische Militärschule in Shun erhalten würden.
Nach dem zweiten, von der M i n d e r h e i t der Sagsazungskommisfion ausgegangenen Vorschlage sollte dagegen von einer jeden nur vorübergehenden Einführung einer ausgedehntern Militärschule, wie die eidgenössische
Militärauffichtsbehorde in ihrem Bericht vom 17. April 1839 angetragen hatte, abgestanden werden, während den Uebungslagern und der bisherigen eidgenössischen Militärschule ohne längere Verzögerung diejenige ausgedehntere Organisation gegeben werden sollte, welche die Mehrheit der Kommission diesen beiden Anstalten erst dann geben wollte, wenn vorerst während drei Iahren eine außerordentliche Militärschule nach dem von der Militärauffichtsbehorde am 17. April 1839 eingegebenen Plane abgehalten worden.
Bei der hierüber stattgehabten Verhandlung im Schoße der obersten Bundesbehörde erklärte fich die Mehrheit der Gesandtschaften für die Anträge der Minderheit der Kommiffion. Sie giengen im Wesentlichen von der Anficht ans, es hätten die bisherigen eidgenosfischen Militärlehranstalten die Schule zu Thnn nämlich und die eidgenössischen Uebungslager manches Gute geleistet, was vor ihrer Eristenz nicht erhältlich gewesen war; es sei demnach zwekmäßiger und den eidgenössischen Verhältnissen entsprechender, die bereits bestehenden Anstalten zu befähigen, mehr als es bis jetzt wegen den zur Verfügung gestandenen befchränkten Mitteln möglich war, ihren Zwek zu erfüllen und denfelben eine den obwaltenden Bedürfnissen wie den Kräften und den Einrich*
252
tungen der Eidgenossenfchaft entsprechendere Gestaltung zu geben, statt, wie durch die eidgenöfftfche Militäraufjtchtsbehörde angetragen werden wollte, diefe Sehranftalten, weil fie bis jezt nicht alles geleistet haben, was man erwartete, aufzugeben und neue, nur vorübergehende ausgedehntere Anstalten zu fchaffen, über deren mögliche Leistungen selbst die erfahrensten Stabsoffiziere des Bundesheeres sich nicht mit bestimmter Zuverficht auszusprechen getrauten. Jedenfalls müßte nach dreijährigen, vielleicht fruchtlofen Versuchen mit der angetragenen außerordentlichen Militärschule später doch zu den während dem gleichen Zeitraum vernachläßigten frühern Sehranftalten zurükgekehrt werden. Dein Bnndesheere thue aber vornämlich noth eine tüchtige Ansbildung der wissenschaftlichen Spezialwaffen, fo wie daß geeignete Mittel aufgefunden werden, auf daß die Generalstabsoffiziere sich praktifch für ihren fchwierigen Beruf ausbilden können; eine folche Ausbildung könne aber in einer Militärfchule, möge derselben noch so große Ausdehnung gegeben werden, wol schwerlich auf eine gleich befriedigende Weise, wie in den Uebungslagern gefunden werden, deren Abhaltung die eidgenössische Militärauffichtsbehörde auf längere Zeit hinauszustellen angetragen hatte.
Selbst jene Minderheit von Ständen, welche den Anträgen der Kommisfionsmehrheit den Vorzug zu geben geneigt war, verlangte keineswegs, daß wenn einmal die Instruktion des Bundesheeres auf ihren Normal.zustand zurükgebracht fei, die bisherige eidgenössische Militärfchule, so wie die bisherigen Uebungslager in derjenigen Ausdehnung, welche die Minderheit der Kommission derselben bereits dermalen geben möchte, als bleibende Militäruntcrrichtsanstaltcn der Eibgenossenschaft
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angesehen und aufrecht erhalten werden müßten. Sie glaubten bloß der damalige Zustand der Zerrüttung des Unterrichts fur das Bundpshcer sei von der Art, daß für einige Iahre die Anwendung außerordentlicher Maßregeln notwendig werde, um die Instruktion des Bnndesheeres wieder auf denjenigen Norrnalftand zu bringen, hinter welchem dasfelbe nie hätte zurufbleiben sollen und hielten dafür, das geeigneteste Mittel, hiezit zu gelangen, sei die Abhaltung einer gemäß den Anträgen der Militärauffichtsbehörde ausgedehnten außerordentlichen Militärfchule während der nächsten drei Iahre.
Es hatten diese Stände dabei hauptsächlich eine tüchtige Instruktion der Instruktoren im Auge, zumal in den Anträgen der Minderheit der Kommission dieses Punktes keine besondere Erwähnung geschehe.
Dhne weiter in die Einzelnheiten der Verhandlung einzutreten, genüge es hier zu wiederholen, daß aus derselben der ,,Beschluß über die Reorganisation der eidgenössischen MilitärlehranstalJcn »om 14. Heumonat 1840," und später derjenige vom 20. Heumonat 1841 über "die Organisation der eidgenössischen Uebungslager" im Speziellen hervorgieng, welcher dem Wesen nach heute noch in Kraft besteht und auch auf die jezigen Verhältnisse noch vollkommen anwendbar ist.
2) Anders würde sich die Sache gestalten, wenn hauptsächlich nur die Eadresrnannfchaft einberufen werden sollte, um statt den Eadresunterricht im engern Sinne zu bestehen, höhere taktische Hebungen vorzunehmen.
In diesem Falle würde es {ich fragen : können dergleichen Uebungen mit Nnzcn, nur mit einer verhältnißtnäßig geringen Anzahl.Truppen gemacht werden? Auch diese Crcige müssen wir verneinen. Während nämlich der Eadresunterricht, wie oben gezeigt wurde, mehr zunt B..n?esblatt. Jahrg. IV. Bd. n.
18
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B»tï hat, dit einzelnen Graduirttn auszubilden, sollen kim höhern taktischen Unterricht hauptsächlich die taltifchw Körper den «forderlichen Unterricht erhalten.
·Schon dieses schlieft eine geringe 3Wannschastszahl, »te fie die Cadres darbieten, gänzlich ans. Wir fragen aber zudem, wie soll ein hohem Offizier lernen, Truppen zu leiten und zu fühten, wenn man fie seinem Kommando niemals unterstellt als am £age der Gesahr ? Soie soll et den Effekt der Waffen kennen lernen und anwenden, wenn er fie niemals gesehen hat?
Sie soll er sich auch nur annähernd mit den Distanzen »ertraut machen, die eine Brigade oder eine Divificn ju ihren Evolutionen oder Manövern bedarf, wenn er niemals eine solche beisammen sah? Und wie sollen endlich die verschiedenen taktischen Körper und die verfchiedenen Waffengattungen den Mechanismus erlernen, indem fie fich zu bewegen haben, wenn fie niemals zufamrnen gebracht und in Thätigkeit gesez* würden ? An diese gragen konnten wir noch viele andere über den gelddienst und über die jedem einzelnen üölann nöthigc ..tenntniß des militärischen Haushalts im gelde anreihen, unterlassen es aber, überzeugt, daß jene genügen, um bei jedem Umfangenen bis zur Svidenz darzuthun, daß die Sadresmannschaft an Zahl nicht hinlänglich wäre, hijhere taktische Uebungen mit Nuzen auszuführen.
Indessen wird auch dieses durch eine langjährige Erfahrung bestätigt.
Schon der Bericht der eidgenoffischen Militärauffichtsüehorde von 1819 sezte Folgendes, die Zahl betreffend, auseinander : ,,Unstreitig liege es in dem Geiste und dem Buchstaben des Reglements, daß der Bundesauszug aller Kantone zu den fraglichen Uebungen berufen wer.Kn solle".
255 Wenn aber nach den gegeben Prämissen die yt* wohnliche Zahl der zu besammelnden Mannschaft nicht «ber 3000 steigen und der Zusammenzug derselben nur alle 2 Jahre Statt haben solle, so ward..; erst in einem Zeiträume von 22 Jahren, und wenn auch, was ftch kaum als möglich denken lasse, alle Jahre ohne Unter* brechung eine solche lîehung ausführbar wäre, doch nur in 11 bis 12 Jahren der erste Bundesauszug den Kehr vollenden können. Nun fei aber in den meisten, man dürfe sagen, in allen löblichen Ständsn die gesezliche Ditnfl* Pflicht der Soldaten und in mehrern derselben auch die* jenige der Offiziere viel kürzer, und sehr viele derselben würden in dem ersten Bundesauszug ein und aus demselben wieder austreten, ohne daß sie je zu gemein* eidgenössischen Uebun.cjen hätten berufen werden können.
(Ss dürfte daher nothwendig sein, auf die Mittel ztt denken, wie diefe Art höherer Jnstruktion in kürzerer Zeit allgemein verbreitet und nüzlich gemacht werden könnte. Dieses Mittel lasse sich ohne Zweifel darin finden, wenn von allen Abtheilungen des ersten Bundes* auszuges nur die gefammten Ober- und Unteroffiziere und so viele ausgewählte Gemeine einberufen würden, «m eine genügende Formation und Beweglichkeit zu erlangen (also Eadres im weitern Sinne). Diese Besammlungen seien nicht sowol auf den Unterricht des gemeinen Soldaten und auf das gewöhnliche (..ïrerzieren berechnet, fondern vielmehr auf die Erlernung der Pflichten der Offiziere im ìjelde, auf die Einstudirunjr der Vorschriften für den jjeld- und Lagerdienst, auf praktische Anwendung der auf dem Ererzierpfa.', erlernten Bewegungen aller Art, aufBenuzung des Bodens n. s.w.
Daher sei die unmittelbare Gegenwart aller Gemeinen nicht erforderlich, wenn ihre Führer und Leiter gut und vollständig in der Kunst zu führen eingeübt seien.
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Wenn nun..diesem .System gemäß angenommen werde, daß von jeder Kompagnie aller Waffen, mit Einschluß aller .Offiziere und Unter:offiziere, 50 Mann einberufen würden, so.enstehe. eine Masse von 13,000 Mann, welche ganz bequem.in .4 oder 5:Malen gemustert werden könnlen und wobei; also anzunehmen wäre, daß auch unter unvo.rtheilhaften iVoraussezungen in acht Iahren alle ·Konting*nte;.des..-ersten Bundesauszugs an dieser wohlihätigen: Einrichtung Theil nehmen und mit wenigen zufälligen Ausnahmen jeder Offizier gewiß einmal derselben beiwohnen würde.
Was dann die einzuberufenden Waffengattungen be* .tresse,' so müßten ganz vorzüglich die Infanterie und die.Scharfschüjen dabei in Anspruch genommen, die kofibaren Waffen der Reiterei und des Geschüzes aber in bescheidenerem Maße einberufen werden. Die Artillerie möge, wegen der auf der Zentralmilitärschule genießenden Vortheile des Unterrichts, der Uebungen, von denen es sich gegenwärtig handle, weniger als andere Waffen bedürfen; der Reiterei hingegen, welcher jede andereGelegenheit zur Uebung in dem Vorposten - und Pa# irouillendienst abgehe, sollte ungeachtet des etwas kofi*» spieligen Unterhalts derselben doch nicht weggelassen werden.
Besonders wichtig aber sei es, jedesmal eine verpltnißmäßige Anzahl Offiziere vom Generalftab zur ...Seiwohnung zu beordern und ihnen die auf den Grad, welchen fie bekleiden, passenden Geschäfte aufzutragen, wozu der §. 89 des Militärreglements der Militärauffichtsbehörde bestimmte Vorschriften ertheile.
Diese Gründe würdigend, erhielt denn auch der ..pauptantrag der vorberathenden Behörde auf Einbe-
257 rufung einer größern Anzahl von Ober- und Unteroffizieren, ungeachtet der daraus entstehenden Kostenvermehrung, bei der £agfazung von 1819 allgemeinen und entschiedenen Beifall, und es wurde zu der bereits im vorhergegangenen Iahre angewiefenen, wegen eingetretenen Aufschubs aber nicht verbrauchten Summe von 28,000 gr. noch ein Zuschuß von 10,000 gr. für die erste Waffcnübung bewilligt.
Gemäß dem von der h. ..Eagsazung erhaltenen Austrage, für die nähere Anordnung und die Ausführung der ersten Waffenübung mittelst eines Zufarnmenzucjs von 3000 Mann zu sorgen, sormirte dann die Militäraufsichtsbehorde das einzuberufende Sagerkorps in eine Armeedivifion von zwei Brigaden ; im Ganzen zufammengefczt aus 7 Infanteriebataillonen, zu 6 Kompagnien und 310 Mann; 5 Scharfschüzenkompagnien, zu 50 Mann; 1 Kavalleriekompagnie, zu 64 Mann; 1 bespannte Batterie Artillerie, 82 Mann.
Der ©esarnmtbestand betrug 2591 ...Diann.
Bei dem Sagerkorps wurden alle verschiedenen Fächer, die bei dem großen Stab einer Armee und bei einem Brigadesta... vorkommen, bcsejt, damit nicht nur jeder besondere Geschäftszweig , fondern das vollständige Eingreifen aller Abtheilungen des Generalfiabs in einander, gehörig und in vollständigem Zusammenhang dnrchgearbeitet werden konne. Diese Einrichtung gestattete, 21 Offiziere der verschiedenen Zweige des eidgenössisch..« Stabes bei dieser Uebung zu verwenden.
Iene Eintheilung wurde auch bei dm fcrnern Uebungslagern bis zum Iahr 1840 beibehalten , mit der einzigen.
,258
fctm Verhältnisse der Waffengattungen unter sich und dtr Regelmäßigkeit der Formation besser entsprechenden ...Kodifikation, daß das Korps aus 6 Bataillonen Infanterie, 2 Kompagnien Scharsschüzen, 2 bis 4 Kom.pagnien Kavallerie und l Batterie Artillerie zusammen* gesezt wurde, so daß die Gesammtzahl gewohnlich 2200 lis 2300 Mann ausmachte, gür die Jnsanterie- und Scharfschüzenkompagnien wurde bis zum gedachten Jahre die Stärke von 50 Mann beibehalten, worunter sämmtlichc Offiziere und der größere ..Eheil der Unteroffiziere und ..forporale. Sinzig bei der Kavallerie wurde der volliählige Kompagniebestand einberufen ; bei der Artillerie die zur Bedienung und Bespannung nothigste Mann-
schast.
Jndessen war der so schwache Kompagniebestand der Jnsanterie und Scharsfchüzen mit unverkennbaren wesentlichen Nachtheilen verbunden. Die taktischen Einheiten stellten ein bloßes Gerippe dar und bei ihrer Zusam.rnenordnung in Brigaden und eine Division war keines»egs ein nur annähernd ähnliches Bild der wahren Gestalt dieser größern ..truppenkörper vorhanden, um den richtigen Umfang der Aufgabe kennen zu lernen, der mit deren Leitung und Führung verbunden ist. Trat etwa noch der Umstand hinzu, daß Kranke oder zu besondern Dienstleistungen kommandirte Mannschaft abgerechnet werden mußte, so schmolzen die Korps aufs Unbedeutende zusammen und es war nicht mehr möglich, die reglementarische ..jormation beizubehalten. Dem bei diesen Uebungen beabsichtigten Hauptzwek wurde hiedurch wesentlich geschadet. Diesen Uebelständen mußte durch eine Vermehrung des Bestandes der einzuberufenden Kom.paj-jnien abgeholfen werden, und dieß gefchah in Ver* bindung mit andern mitwirkenden Ursachen durch dm
259
."öfschlui.. über die Reorganisation d« eidgenössischen Wli* litärlehranjlalten vom 14. .-".»eumonat 1840.
Infolge der im Jahr 1839 aufgestellten neuen Mann* schastsskala wurde die bisherige Unterabtheilung des -.Bundesherns in Auszug und Reserve aufgehoben und diese beiden zu einem Ganzen vereinigt, das sortan 64,019 Manu zählte. Wie aus den vorhergegangenen ·Srßrterungen ersichtlich ist, hatte man aber bei der an.« sanglichen Bestimmung der Stärke und Zusammensezunjj der Sagerkorps nur den Bundesauszug von 33,758 Warm im Auge gehabt. Schon diese bedeutende Ver# änderung der Sachlage hätte also no'thig gemacht, eine Vermehrung des Bestandes des Sagerkorps anzuordnen, um denselben mit der nunmehrigen Stärke des zu einem Ganzen vereinigten ...Bundesheeres ins angemessene Ver* hältniß zu sezen, damit alle Kontingentstruppen inner einem gegebenen Zeitraum und der angenommenen Kehrord·nung entsprechend an den höhern taktischen nebungrn Theil nehmen können. .$iezu kam noch die allgemeine Stükficht auf die Hebung und Erweiterung der Uebungs.» lager. Jndem daher der oben angeführte Xagsazungs* Beschluß den Ucbungslagern eine in vielen Beziehungen wesentlich verbesserte Gestalt gab, wurde in Bezug auf den vorliegenden Punkt verfügt : ,,die in diese Sag« zu berufende Anzahl Truppen wird aus ungefähr das Dop* pclte der bis dahin einberufenen Anzahl gebracht un.> soll. Alles inbegrissen, höchstens 4500 Mann betragen.
.Die nähern geststzungen erfolgten durch den ..Cagsazungs* Beschluß vom 14'. .f>eurnonat 1841, dnrch welchen der .Plan für Organisation des im Iahr 1842 abzuhaltenden Uebungslagers sejigesezt wurde. Derselbe bejtimmt: 1) ..Die in das Uebungslager eiurükendeu ridge* nosfischen Truppen bilden eine Divifion.
260 Diese besteht, außer dem eidgenössisch en ©eneralstab, .aus folgenden Slbtheilungen : a) b) c) d) e) O
Eine Abtheilung Sappeurs.
Eine Abtheilung Pontonniere.
Zwei bespannte Batterien.
Vier Kampagnien Kavallerie.
Vier Kompagnien Scharffchüzen.
Acht Bataillone Infanterie.
Die Zusarnrnenfezung dieser Abtheilungsn und der Bestani! jedes dieser Korps ist durch den Kriegsrath folgendermaßen sestgefetzt worden : 1) Mit dem ©esundheitspersonal, den eidgenössischen Stäben und den Feldpredigern soll dieses Ütruppenkorps einen .-Totalbestan..) von 4309 Mann und 447 Pferden darbieten.
In diesem Personalbestand sind inbegrisfen : 301 Ofstzicre, wovon 25 zum eidgenosfischcn Stab gehören, und 840 Unteroffiziere und Korporale der vermiedenen Waffen.
. 2) Das Lagerkorps wird durch einen eidgenöffischen Obersten kornmandirt, welchem ein Generalftab betgegeben wird.
3) Die Genietruppen., die Artillerie und die Kavallerie stehen unter den unmittelbaren Befehlen des Bcfehlshabers des Lagers; jede dieser verschiedenen Abtheilnngen hat jedoch ihren eigenen Anführer.
4) Die Infanterie und die Scharfschäzen bilden zwei Brigaden, deren jede von einem eidgenössischen Obersten komrnandirt werden soll.
Der Kriegsrath wird das Nähere über die Bildung .d.er Brigaden bestimmen.
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Diefe Bestimmungen fanden auf die Lager von 1842, 1844 und 1846 ihre Anwendung. Die Scharfschüzenund' Infanteriefompagnien rük.cn fortan 66 bis 68 Mann stark in die Lager ein; der Bestand eines Infanteriebataillons, mit Inbegriff des erforderlichen Stabs'personale, war 410 Mann.
HI.
Auch die Frage, wie oft und auf welche Dauer größere Truppenzusammenzüge gemacht werden follen, wurde fchr verschieden beantwortet. In ersterer Hinsicht läge es im hohen militärischen Interesse, daß jeder Militär während der Auszügerdienftzcit wenigstens einmal einer solchen-Uebung beiwohnen konnte. Allein in diesem Falle müßten dieselben alljährlich stattfinden und aus wenigstens 8000 Mann bestehen. Weder dieses noch jenes gestatten unsere Verhältnisse. Darum wird man sich begnügen müssen, die gröjjcrn Truppenzusammenzüge so oft abzuhalten,, daß jeder Offizier des eidgenossischen Generalstabs und jeder Truppenoffizier mit Wahrscheinlichkeit in den Fall kömmt, großern TruppenjHsamntenzügen wenigstens einmal während seiner Dienstzeit beizuwohnen. Dieses geschieht, wenn dieselben alle zwei Iahre abgehalten und zwischen 4000 bis 5000 Mann in dieselben berufen werden.
Im Entwürfe für das Militärreglement von 1817 war vorgeschlagen gewesen, die grö§ern taktischen Uebnngen alle Iahrî [tattfiuîea zu lassen ; aUein finanzieue Schwierigkeiten ließen dieß nicht zu Stande kommen.
Die ...tagsazungsverhandlungen von 1817 enthalten über den Zeitpunkt der Abhaltung und die Dauer der Uebungen folgende Betrachtungen der mit Prüfung des Entwurss beauftragten Kornmisjton : ,,Die Frage, ob diese tak.ischat
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Uebungen alle ein oder zwei Jahre abgehalten werden sollen, stehe mit der Stage/ wie die ïruppen besoldet werden sollen, in enger Verbindung, und doch dürfe der Zwef nicht vergessen werden. uftehme man eine ...Cruppenzahl von 3000 Mann und für Uebung und Marsch 10 ...tagt an, so betrage die Ausgabe ungefähr 24,000 a. Fr. ; die Kriegskasse sei aber noch nicht im Stande, diese Ausgabe zu bestreiten. Berechne man aber im Gegensaz, daß, wenn die Uebungen nur alle zwei Jahre Statt haben, es einen Kreislaus von 22 Jahren bedürfe, bis daß das ganze Kontingent von 33,758 Mann nur einmal der Uebung beigewohnt habe, so dürfe man sich nicht verhehlen, daß der Zwek nur sehr unvollkommen erreicht »erde. Nur dadurch hätte derselbe vollkommen erreicht werden können, wenn die Kantone einen ..theil der Kosten, z. B. die Besoldung ihrer Mannschaft, übernommen hätten; allein da fich so viele Stimmen dagegen erhoben, so müsse wenigstens das Mögliche gerettet werden, und somit müsse fich die Kommission auf den Antrag beschränken, daß die Uebungen vorerst alle zwei Jahre, späterhin aber, wenn es die Kräfte der Kriegskasse erlauben, in kürzern Fristen vor* genommen werden sollen." Wie aus dem Wortlaut des §. 89 erfichtlich ist, wurde hieraus der Zeitpunkt der Abhaltung der -Säger auf je das zweite Jahr festgesezt und erfolgte hierin später keine Abänderung.
Bezüglich der Dauer der großer« ...truppenzufammenzüge wird wesentlich daraus gesehen werden müssen, daß während denselben wenigstens alle Theile der eidgcnöffischen Réglemente angewendet und hieraus die hßhern taktischen Uebungen gemacht werden können. Zu diesem Zweke find wenigstens drei ..EBochfn «forderlich.
263; Anfänglich wurde die Dauer der Lager auf acht.
2.age gesezt, die Marschtage ungerechnet. Allein die schon im ersten Lager gemachte Erfahrung zeigte, wiehochst ungenügend diese so kurz angesezte Dauer sei.
Der Oberbefehlshaber des Lagers machte hierüber die dringendsten Vorstellungen und begründete dieselben nament* lich damit, daß unter solchen Umständen nur sehr wenige größere Truppenbewegungen hätten unternommen werden ïonnen. Die Militärauffichtsbehörde billigte dessen Anträge aus Verlängerung vollkommen, ließ sich aber durch die damalige Beschränktheit der finanziellen Mittel des Bundes davon abhalten, dieselben schon damals aufs kräftigste zu unterstüzen. Indessen traten beim Lager von Bière 1822 die nämlichen Erscheinungen wieder Hervor und es fand sich dadurch einer der Kantone, dessen Truppen an demselben .theil genommen hatten, bewegen, durch seine Gesandtschast an der Tagsazung von 1823 den Antrag stellen zu lassen, die Dauer der Sager von 8 auf 16 Tage zu verlängern, geftüzt darauf, daß der Erfolg der Lager von Wohlen und Bière und der ..{jinblik auf das Gute, welches aus denselben, sowol in rein militärischer Beziehung, als zur gorderung eidgenössischer Eintracht zwischen den Koniingenten der verschiedenen Kantone erspriefe, einen solchen Vorschlag rechtfertige. Die Kostenvermehrung,.
»eiche für jedes Lager auf ungefähr 20,000 Fr. anzu* schlagen wäre, sei unbeträchtlich im Vergleiche zu den großen Vortheilen, welche aus einer derartigen Verlängerung für die Iufiruktion der Truppen entstehen würden.
Die in die Lager berufenen ..truppen würden nicht nur einer solchen Verlängerung nicht widerstreben, sondern mit Freuden dazu mitwirken.
In der dießfälligen Berichterjtattung der ..Ulilitär-
264 auffichtsbehorde an die Tagsazung von 1824 bemerkte dieselbe: "Die Erfahrungen der bereits abgehaltenen zwei Uebungslager haben genugsam bewiesen, wie sehr die Einrichtung an fich dem vorgcsezten Zwek zu entsprechen vermögend und wie wohlthätig sie daher für die Vervollkommnung des eidgenöffischen Wehrstandes sei. Die beiden ersten Versuche haben aber zugleich nicht minder gezeigt, daß die wirklich äußerst kurze Zeit, welche hiesür anberaumt sei, selbst bei der sorgfältigsten Benuzung kaum erlaube, die verschiedenen Zweige des Unterrichts, um den es fich dabei handle, oberflächlich zu berühren, keineswegs aber gestatte, dieselben gehörig zu verfolgen und durchzuarbeiten. Und wenn dann noch vollends bei einem Uebu'ngslager (was auch eintreten könne), mehrere Tage die Uebungen durch schlimme Witterung verhindert werden sollten, so würde ein wesentlicher Theil des Nuzens bei der bloß achttägigen Dauer verloren gehen.
Eine Verlängerung der Dauer der Ucbungslager sei daher sehr zu wünschen:, ja wenn der beabsichtigteNuzen ganz gewährt werden solle, als wirkliche Nothwendigkeit zu betrachten. Die wesentlichen Vortheile der dadurch gewonnenen mehreren Uebung der Befehlshaber und übrigen Offiziere des Genercilftabcs, der anhaltenden Instruktion der Truppen, der erlangten bessern Bekanntschaft und Vertrautheit derselben mit dem wirklichen ..D.fni.. r.. $cÎde u. s. ro., diese VorthtÜc in Entgegenhaltung zu der verhältnismäßig unbedeutenden Kostenvermehrung, welche aus der Verlängerung hervorgehen würde, scheinen weit überwiegend, um die Frage, ob eine Verlängerung überhaupt zuträglich sei, aus voller Ue.berzeugung bejahend zu beantworten/'
265 ,,In Betreff des Maßes der Verlängerung erscheine eine solche von 6 ..lagen, wodurch die Dauer der Uebungslager auf 14 Tage gesezt wurde, als genügend, was, da die Kosten der materiellen Einrichtungen und der Mannschaft unverändert bleiben, eine Kostenver.* mehrung von ungefähr 16,400 Fr. mit fich bringen würde. Indessen sei es zwekmäßig, diese Verlängerung erft mit dem fünften, im Iahr 1828 abzuhaltenden eidgenösfischen Uebungslager eintreten zu lassen, sowol um inzwischen eine Vermehrung der ökonomischen Mittel zu erhalten, als auch um vorher die erste Kehr der eidgenoffischen Lager auf dem gleichen Fuße, wie solche angefangen worden, zu beendigen."
Im Saufe der Diskuffion im Schoße der Tagsazung wurde der Gedanke geäußert, daß zur Beschwichtigung der ökonomischen Bedenken vielleicht gleichzeitig mit der Verlängerung auch festgesezt werden könnte, es sollen die Uebungslager statt wie bisher von 2 zu 2, künftig, bloß von 3 ju 3 Jahren stattfinden. Allein es erhoben fich sogleich von manchen gewichtigen Seiten wesentliche Bedenken gegen eine solche Weise, in ökonomischer Beziehung die Verlängerung der Dauer durch größere Zwischenzeit von einer Znsammenberufung zur andern auszugleichen. Es würde dadurch, was auf der einen Seite gewonnen wäre, auf der andern in beträchtlichem Maße wieder verloren gehen; zwölf Jahre würden erfordert, ehe die Kehrordnung unter dem Bundesauszug aller Stände vollendet wäre; so könnte, jumal in denjenigen Kantonen, wo die Dienstdauer der Kontingente aus zum Theil örtlichen und schwer zu hebenden Ursachen mehr abgekürzt sei, als in andern, den meisten Mili* tärs ihre ganze Dienstzeit verfließen, ohne daß die Reihe der Xheilnahme an einem Ufbungslager an ihren-
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-Kanton gekommen wäre. Ueberhaupt wurden ernste Be* ·trachtungen in Hinsicht aus das entschiedene Uebergewicht
der politischen und militärischen Vortheile in Vergleich
·mit bloß finanziellen Berechnungen angestellt.
Alle diese Gründe wurden auf der ...tagsazung von 1825 neuerdings geltend gemacht und in golge dessen beschlossen, die Dauer der Lager auf 14 2.age sestzuftzen, dieselben, wie bis dahin, je alle 2 Jahre zu ver' ·anfialten, jene Verlängerung jedoch erst mit dem fünflen, im Jahr 1828 stattfindenden Uebungslager in An·Wendung treten zu lassen.
Hiebet blieb es bis zu der oben berührten Reorganisation der Uebungslager in den Jahren 1840 und 1841, deren allgemeine Ursachen dort einläßlich erörtert worden sind. Das Unzureichende selbst einer vierzehntägigen Dauer war bei den mittelst abgehaltenen Lagern unverkennbar geworden, besonders da der höchst un* gleiche Grad an Vorübung der einberufenen Trupven jedesmal viele Zeit für das Detailemzieren weggenom* men hatte, ehe nur zu gemeinsamen Uebungen gefchrit-« ien werden konnte. War etwa noch ungünstige Witte.rung eingetreten, fo wurde felbst bei trefflicher Leitung und beim allgemeinen beßten Willen ein großer Theil des beabsichtigten Nuzens vereitelt. Einmal war sogar der gall vorgekommen, daß aus diesem Grunde den Truppen gar kein Unterricht im .jelddienst gegeben werden konnte. Die Nothwendigkeit einer abermali* gen wesentlichen Verlängerung war somit augenfällig geworden. Der gedachte Tagfazungsbefchluß vom 19.
-Heumonat 1S41 verordnete daher in Ziffer 9: "Die Dauer des Lagers ist 21 Tage, die Tage der Ankunft und des Abmarfches nicht Inbegriffen. Der Kriegsrath kann jedoch zu früherer Aufhebung des Lagers Voll-
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macht ertheilen, wenn außerordentliche Umstände diese Maßregel nothwendig machen sollten." Außerdem sezte Ziffer 10 seit: ,,...Der Divifionsstab, die Brigaden-, Ar* tillerie-, und Kavalleriestäbe können, wenn es der Kriegsrath für nöthig erachtet, zum Voraus aus eine gewisse Zeit, dit acht ïage nicht überschreiten darf, auf den Sager:plaz berufen »erden."
IV.
lieber die Art der großern ïruppenzusammenzuge, d. h. ob die ...truppen in einem Lager versammelt oder in Kantonnirungen verlegt oder bivonakiren sollen, wird folgendes bemerkt: In ihrem Bericht vom 15. Iuli 1819 weist die Militärausfichtsbehorde daraus hin, daß man im 5eld.« zuge von 1815 die Erfahrung gemacht habe, wie lästig und verderblich der .$üttenbau sür die betreffenden San* desgegenden sei und wie kostspielig* dieses Hülfsmittel ausfalle, wenn den Beschädigten sür ihre Waldungen ·Srsaz geleistet werden müsse.
Will man aber zu Kantonnirungen seine Zuflucht nehmen, so wird sreilich aus der einen Seite die Wahl des Besammlunjjsortes eher ermöglicht, weil es viel leichter ist, angemessenen Raum zum ..Uianovriren als zu einem förmlichen 8ager.plaze zu finden. Allein auf der andern Seite entstehen daraus die größten Nachtheile.
Die Disziplin ist schwer zu handhaben; die beßte Zeit,
die zu den Uebungen verwendet werden sollen, geht auf den Hin- und Hermärschen in die ..Quartiere verloren; es gibt mehr Gelegenheit zu Konflikten und Unordnungen, und was vor Allem wesentliche Beachtung verdient: die K a n t o n n i r u n g e n fallen den betreffenden Gegen* den äußerst lästig.
268 · Beim Bivouakiren kommen diese Nachtheile zwar nicht vor, dafür stellen sich aber andere verhältnißmäßig noch größere ein. Nichts zerstört die Gesundheit des Soldaten so schnell und reibt feine Kräfte fo fehr auf, als wenn er Tag und Nacht unter freiem Himmel zubringen und den Wechfelfällen der Witterung ausgesezt sein muß. Darum lehrt denn auch die Erfahrung, daß man zu diesem Mittel nur in Nothfällen greifen dürfe.
Alle diefe Gründe führen zum Zeltenlager. Diefes wurde demnach auch schon beim Anbeginn der größern Truppenzusammenzüge sowol von der Tagsazung als von der eidgenössischen Militärauffichtsbehörde anerkannt.
Es wurden feiner Zeit nicht nur die erforderlichen Zelte angeschafft, sondern seit dem Iahr 1820 alle Lager in Zeiten abgehalten.
V.
Rüksichtlich des Ortes zu Abhaltung der Lager zeigte die bisherige Darstellung bereits, daß bis zum Jahr 1842 hiefür zwifchen den verfchiedenen Gegenden. der Schweij abgewechselt wurde, indem dieselben bei Wohlen, Bière Thun und Schwarzenbach stattsanden, wozu später noch Wettingen und Sursee kamen, bis daß überwiegende Gründe dazu sührten, sämmtliche Lager auf einem einzigen Zentralpunkte, nämlich in Thun, abzuhalten.
Bei der Auswahl jener verfchiedenen Lagerpläze war man keineswegs strenge daranf bestanden, alle Regeln der Kriegskunst beobachten zu wollen. Jn richtiger Würdigung der Verhältnisse hatte die eidgenössische Militärbehörde in
Betracht gezogen, daß bei der Auswahl eines schiklichen Raumes für ein Uebnngslager in Friedenszeiten, in einem stark bevölkerten, angebauten Lande und in einem Freistaate, wo das Eigenthum gefchont und jede anszuweich:nde
269 Befchädigung vermieden wird, es nicht möglich und auch gar nicht nöthig fei, rein militärische, allen Grundfäzen der Taktik und Strategie entsprechende Lagerstellen auszuwählen, und daß man überhaupt auf diese KriegsÜbungen Verzicht leisten müßte, wenn bei dieser Auswahl, neben allen übrigen zu beobachtenden Rüksichten, auch noch dieses Erforderniß als unerläßlich betrachtet werden wollte.
Man behielt stets im Auge, daß es bei friedlichen Uebungen für den beabsichtigten Unterricht und für die Belehrung der Offiziere genüge, wenn ihnen gezeigt werde, worin und warum die Stellung eines Lagers fehlerhaft sei und wie sie genommen werden müßte, wenn es Ernst gelten würde und wenn der Befehlshaber durch keine Rüksichten gebunden wäre.
Ungeachtet aller dieser Rücksichten wurde es im Lause der Jahre dennoch immer schwieriger, zwekentsprechende Lagerstellen aufzufinden. Der für das erste Lager bei Wohlen bennzte, ziemlich geeignete Platz konnte acht Jahre fpäter wegen dessen Bepflanzung nicht mehr bezogen werden, sondern man mußte einen andern aufsuchen.
Derselbe entsprach dann in mehreren Rüksichten den Ersordernissen nicht und ward zum Theil der Gesundheit der Truppen nachtheilig, indem der linke Flügel des Lagers aus seuchte Wiesen zu stehen kam. Durch einen ziemlich steilen Bergabhang auf der einen und die erhöhte Landftraße auf der andern Seite erhielt der Lagerplaz eine konkave Gestalt, fo daß durch kleine Abzuggräben versucht werden mußte, das Wasser abzuleiten. Dessen ungeachtet war der Lagerplaz schon bei der Ankunft der Truppen vom Regenwetter ganz durchnäßt, fo daß vorerst in nahe gelegenen Orten Standquartiere bezogen werden mußten. Da die Zelte auf einem feuchten Lehmboden aufgeschlagen waren und das Trinkwasser aus etwas sumpfigem Boden Bundesblatt. Jahra. IV. Bd. II.
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in das Lager geleitet worden war, so trat ein häufig ausbrechender Durchfall ein, der das Feldspital nie leer tverden ließ.
Der Lagerplatz bei Schwarzenbach war nicht ohne Vorzüge, und wegen der Zentralität und Nachbarschaft der Kantone, die hicher Truppen zu liefern hatten, allerdings gut gewählt. Leider aber war auch hier der Boden von ungünstiger Beschaffenheit, aus zähem Lehm bestehend, welcher das Regenwasser nicht eindringen und eben so wenig abfließen ließ. Zum Ueberfluß war ein Theil des zum Lager bestimmten Bodens kurz vor dessen Eröffnung frisch gepflügt worden, was bei dem anhaltenden Regen eine Hauptursache der Unhaltbarkeit des Lagers ward und einen Theil desselben völlig unbrauchbar machte. Schon am siebenten Tage mußte daher das Lager ausgehoben und die Truppen, nachdem sie von Nässe schon viel gelitten hatten, in benachbarte Ortschasten verlegt werden.
, Bei Festsezung des P latzes, wo das Lager bei Sursee abgestekt werden sollte, zeigten sich ebenfalls bedeutende Schwierigkeiten, hauptfächlich daher rührend, daß das bestimmte Feld an und für sich fehr klein und dann nur «n einem Ende desselben das durchaus notwendige Trinkwasser vorhanden war. Auch hier mußte von den Regeln der Eastrametation abgewichen und das Lager enger angelegt werden. Ferner war der Boden, fowol des Lagers
als des Exerzirplazes, in Akerfeld bestehend, nicht von der Art, daß auch bei eingetretenem Regenwetter die nöthigen Wassenübungen hätten vorgenommen werden können.
Aehnliche Erfahrungen wiederholten sich bei Wettingen, Wo ein Theil des Bodens ebenfalls lehmicht und schlüpfrig war und troz der bessern Befchassenheit des Exerzierfeldes konnte wegen den Saaten doch nur ein Theil desselben vollïommen benuzt werden.
271 Dagegen bewährte sich die Lage von Thun und feiner nächsten Umgebungen für militärische Uebnngen sehr vortheilhaft; die dortige Allmend entsprach den an einen guten Lagerplaz zu stellenden Forderungen in fast allen Bezieh««-
gen. Ueberdieß gewährten die daselbst für die eidgenössische Militärfchule vorhandenen Mittel eine werthvolle Beihilfe.
Aus diesen Rüksichten wurde Thun nicht nur für das Lager von 1836, fondern auch für die Abhaltung des Unterrichts der Armeecabres von 1834 als der passendste Ort
gewählt.
Bei den obwaltenden Umständen war es unvermeidlich, daß zu einer Zeit, wo es sich um eine gründliche Reorganisation der eidgenössischen Militärlehranstalten, und zwar namentlich der Uebungslager handelte, auch die Frage über die zu Lagerpläzen geeigneten Oertlichkeiten in An* regung kommen mußte. Jn der That beschäftigte sich der
eidgenössische Kriegsrath einläßlich mit diesem Gegenstand und erstattete hierüber am 17. April 1841 an die oberste .Bundesbehörde efnen besonbern Bericht, mit dem Antrag, die Allmend bei Thun zuhanden der Eidgenossenschaft anzukaufen. Zur Begründung .dieses Vorschlages führte der Kriegsrath an : Zu einem Lagerplaz, der seiner Bestimmung gänzlich .entsprechen solle, gehöre zu allererst eine gesunde Gegend, ein trokener Boden, der das Regenwasser schnell einsauge, den Soldaten nicht Krankheiten zuziehe, die aus einem längern Aufenthalte auf .feuchter Erde entspringen; es müsse sich in der Nähe gutes Trinkwasser sinden lassen.
Derselbe solle nicht in zu großer Entfernung von einer Stadt oder einer an Hülfsmitteln reichern, größern ®emeinde gewählt werden, damit die Lebensbedürfnisse nicht 4nf allzuhohe Preife gesteigert werden. Ganz besonder...!
aber solle der Soldat und vielmehr noch der Offizier in
272 ì>em Lager ein treues Bild der Anstalten finden, die in Kriegszeiten zum Znsammenzug eines Armeekorps getroffen werden. Es müsse also dasselbe regelmäßig und nach den Grundsäzen der Lagerkunst (Castrametation), von welcher nur im Nothfalle abgewichen werden dürfe, aufgestellt werden.
Unter einem andern Gesichtspunkte müsse der Lagerplaz
in seiner Nähe die Möglichkeit, alle Waffengattungen auf demselben zu vereinigen, darbieten und ein zu den größern Linienevolutionen günstiges Terrain bilden, regelmäßig und eben genug sein, damit ein zwekmäßiger Unterricht den verschiedenen Graden in ihrer gegenseitigen Stellung ertheilt werden könne; es müsse die Gegend so beschossen sein, daß alle Begebenheiten und Zusälle, die im Kriege vorkommen, daselbst mit Nuzen dargestellt und als gute Lehren benuzt werden können.
Durch srühere Ersahrungen geleitet, habe der eidgenössische Kriegsrath sich nicht verhehlen können, daß fast überall, wo bisher Uebungslager stattgefunden hätten, die Militärbehörden mit der einen oder andern der Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt hätten, die von dem Abgang eben erwähnter Erfordernisse herrührten und wozu sich noch häufig ein mit Rollsteinen übersäeter oder ein leimigter, fetter Boden, oder feuchtes Gras und beständige Entfchädignngen für kleinere, dem Lager jedoch nnentbehrliche Grnndstüke gesellten, so wie endlich und vor Allem aber der jedes Jahr sich mehr und mehr zeigende Umstand, daß in Folge der Fortschritte des Akerbaus kein Exerzierfeld im weitern Sinne in der Nähe der Lagerpläze aufgefunden werden könne.
Diese Betrachtungen hätten den Kriegsrath bewegen, die Frage zu erörtern, ob es nicht in dem wohlverstan-denen Interesse der Sidgenossenfchaft liegen dürfte, in
273 Zukunft nicht mehr wie bisher die Lager elle zwei Jahre in einer andern Gegend abzuhalten, sondern sich auf eine einzige Oertlichkeit zu beschränken.
Diefe Frage habe nothwendig unter dem zweifachen
Gesichtspunkte der militärischen Vortheile oder Nachtheile und der Ersparniß oder Vermehrung der Kosten betrachtet und geprüft werden müssen.
Was den erster« anbetreffe, so stehe der Kriegsratlj nicht an zu erklären, daß hierin alles von der Wahl der Oertlichkeit abhänge, denn wenn diejenige, die als einziger permanenter Plaz bezeichnet werden sollte, nicht unstreitige Vorzüge vor allen andern darbieten würde, so lohnte es sich nicht der Mühe, dem Gedanken einige Ausmerksamkeit zu schenken, im entgegengesezten Falle aber sollte kein Anstand genommen werden, denselben aufzu" nehmen, da es bei der Beschränktheit der militärischen Geldmittel nöthig sei, dieselben auss Zwekmäßigste zu verwenden, um den eidgenössischen Militäranstalten einen höhern Schwung zu geben.
Unter dem ökonomischen Gesichtspunkte betrachtet, liege es außer allem Zweifel, daß aus der Bezeichnung eine...!
einzigen Lagerplazes für die h. Stände jowol, als für die Eidgenossenschaft im Allgemeinen, eine Verminderung der Leistungen und Fuhren verfchiedener Geräthfchaften, so wie einer Menge höchst lästiger und sich doch immer erneuernder Ausgaben hervorgehen würde.
Zu dieser Ueberzeugung gelangt, daß es zwekmäßig und sogar nothwendig fei, zur Abhaltung der Lager eine, einzige und permanente Oertlichkeit zu bestimmen, habe sich der Kriegsrath mit Rükblik auf die früher zu den Uebungslagern benuzten Lokalitäten, fowol durch die Berichte der bisherigen Lagerkommandanten, als durch die
27'4 pers-Sjtlich'e Erfahrung seimfr Mifglieder iberzeugért müssen, daß weder Schwarzenbach noch WofKn, weder ©urfee noch Wettingen dazu in Vorschlag gebracht Wéûëri fönfttert.
(Ss hätten also Bière und .tpun aßein seine Aufinerksamfeit in A'ttfffruich genommen t Bière habe unstreitig gro'ße Vorzüge für sjch; allein an einem Ende der Schweiz gelegen, bitte doch diese .Oertlichfeit nicht alle diejenigen ..Sortheile, welche sich bei Thnn vörfinden und der Uebelstand seirter geographischen Lag... fei zu bedeutend, als daß èé der Kriegs>cfth wagen dürfte, dessen Wafl in Vorschtag zu bringeit.
Bei Thun hingegen finde sich eine herrliche Fläche, auf welcher fchon zur Zeit der französischen Okkupation bei 28,000 Mann manövrirt haben, hinlänglichen Raunt zur regelmäßigen Abstekung eiiiee Lager«.., die Nähe einet mit Hilfsquellen jeder Art wolversehenen Stadt, ein trokener Boden, auf welchem nach bem stärfsten Regen
das Wasser fogleich verschwinde und dabei doch die Möglichkeit bieten, Brunnen zu graben, die in einer Tiefe von kaum
18 Schuhen gutes Trinfeafer geben, deren wirklich schon einige bestehen; ein bedeutender Fluß, der sich längs des Lägei.p'lazes in einer Länge von beinahe 60ÖÖ Fuß hin* tffyi itnd in Verbindung mit dem naheft See die tylefc liiftó. einer lehrreiche.! Anwentiüng der wichtigste.! taktischfen Aufgaben darbie.e; die jährliche ibhaltttng der Militärschule in .thun lift.... Iti ...SoPtheïl, den ihre efàeneft Hilfsmittel gewähren; endlich eine ©cgend, die an sich alle Verschiedenheit des Bodens zeige, welche die Schweiz in der Gesammiheit ihrer topographischen Gejialtitng darbietet - Wenn zu so vielen Vorzügen/ die sür Tl-un sprechen, «och diejenige gezählt werde, daß eé Ungefähr im Mittel-
275 punkt der Schweiz liege, so glaube der Kriegsrath nicht anstehen zu dürfen, zu erklären, daß Thun alle zu Abhaltung eidgenöfsischer Lager nöthigen Erfordernisse in sich vereinige und dasj es solche in einem weit reichern Maße als andere Lokalitäten besize, so daß sich diefe vollkommen und einzig dazu eigne, der einzige und ..leständige Lagerplaz für eidgenössische Trnppenbesammlnngen zu werden.
Zwei Betrachtungen müßten hier noch ihre Stelle finden: Wenn nämlich behauptet worden sei, daß die zu Truppenbefammlungen geeigneten Pläze überall verschwinden, um für den Akerbau benuzt zu werden, fo könne es der Kriegsrath nicht verhehlen, daß dieses nun selbst in der einzigen Gegend, wo bis jezt noch für jriilitärifche Uebungen Raum gewefen, sich zu ereignen anfange; schon fei die Uetendorferallmend angebaut und in der Thunerallmend selbst feien zwei Sinke Landes Privaten abgetreten worden, so daß, wenn nicht bald ein definitiver Beschluß gefaßt werden könnte, in kurzer Zeit die ganze Ebene zerstükelt werden würde.
Andererseits zweifle der Kriegsrath keineswegs, daß mehrere Stände, in derem Gebiet diefe attgemeine Tendenz bereits ihre Wirkungen hervorgebracht habe, es als einen Vortheil ansehen würden, die eidgenössische Militärbehörde anzugehen, die Gelegenheit zu verschaffen, nm für besondere Fälle, auch abgesehen von den eidgenössischen Trup« penbesammlungen, sei es zur Instruktion ihrer Kontingente, besonders ihrer Spezialwaffen, sei es sogar für ihre .fsnfpektionen, einen Ort und Anstalten benuzen zu köni£n, die das Eigenthum aller Stände wären.
Von der Richtigkeit dieser Bemerkungen überzeugt und dieselbe einstimmig anerkennend, habe der Kriegsrath den Gang in Betracht ziehen müssen, den er zu besolgen hätte, wenn, wie er znm größten Nuzen der vaterländischen An-
276 fìalten, denen er vorstehe, sehnlichst wünsche, die h. Tagsazung seine Ansichten theilen würde. Er sei deßhalb mit der betreffenden Behörde der Stadt Thnn in Besprechung getreten, um von derselben zuerst zu vernehmen, ob und wie
weit die Stadt die Bezeichnung ihrer Allmend als einzigen Lagerplaz ihrerseits als annehmbar ansehen könnte, und welches im entsprechenden Falle die zu treffende UeberEinkunft und die zu erfüllenden Bedingung:« sein würden u. s. w. (Hierauf folgte die Auseinanderfezung der Gründe, welche dafür sprechen, die Allmend bei Thnn käuflich zu erwerben, statt bloß einen Pachtvertrag abzuschließen.)
Bekanntlich ertheilte die oberste Bundesbehörde im Jahr 1841, nach einer in ihrem Schöße gepflogenen fehr umständlichen Berathung dem eidgenöfsifchen Kriegsrath die nachgesuchte Ermächtigung, über den Ankauf der gedachten Allmend in Unterhandlung zu treten, und derfelbe kam 1842 wirklich zu Stande. Die noch übrigen eidgenössifchen Uebungslager von 1842, 1844 und 1846 sanden fämmtlich aus jener wolgelegenen Ebene Statt, die in der That auch allen Vortheilen entfprach, die man von derselben erwartet hatte.
VI.
Wenn man, nach Erläuterung der verschiedenen Einzelnheiten in der Einrichtung der Uebungslager, zur Beurthei-
lung des Erfolges übergehen will, den diefelben für die Hebung des vaterländischen Wehrwesens gehabt haben, -- so darf man heute noch mit Recht jene Worte wiederholen, mit welchen die Militäraufsichtsbehörde f. Z. über das erste eidgenössische Uebungslager Bericht erstattet hat; denn jene Worte sinden noch heute ihre volle Anwendung, nicht bloß auf jenes erste Lager allein, sondern auf die Jnflitution diefer höhern taktischen Uebungen und den Nuzen,
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den sie während der Dauer ihres Bestehens gewährt hat, im Allgemeinen.
Die eidgenössische Militärbehörde sagte nämlich: ,,Nach "reiflicher und forgfältiger- Erdaurung deï Berichte des ,,Oberbefehlshabers und des Inspektors des Lagers und "der sie begleitenden fpeziellen Beilagen, habe sie sich mit ,,der wichtigen Frage beschäftigt: ob und wie weit die ,,Absichten erreicht worden feien, welche man von einem "folchen Uebungslager billigermaßen habe hossen und er"warten dürfen. Sie habe sich aber Bei dieser Unter,,suchnng nicht einzig und ausschließlich durch jene amt,,lichen Berichte leiten lassen, sondern mit Aufmerksamkeit "auch die Urtheile fachkundiger und unbefangener Männer "gefammelt und berüfsichtigt und die Wirkungen, welche "das Uebungslager bei den daselbst versammelten Militärs ,,auch seither hervorgebracht habe, sorgfältig beobachtet, ,,und sie dürfe mit Ueberzengung anssprechen, daß ihre ,,Erwartungen übertroffen worden seien."
,,Es gebe freilich Leute, die glauben, daß Miliztrnppen "während eines Uebungslagers von acht Tagen soviel ,,leisten sollten als geübte Regimenter in soviel Wochen ,,kaum zu Stande bringen können, und es gebe Schrift,,steller, die, ohne den Gegenstand ihrer Kritik nur zu "kennen, in anmaßendem Tone behaupten, man lerne "in diesen Uebnngslagern Alles, nur das nicht, was noth "thue. Allein Männer von reifer Beurtheilungskraft wer,,den folchen abstrakten Forderungen nnd schiefen Urtheilen "fremde bleiben und mit Kenntniß der Sache zuerst sich "ins Klare fezen, was bei einem folchen Truppenzufam,,menzng inner der anberaumten Zeit und mit den ange,,wiefenen Mitteln erreicht werden könne und was das ,,eidgenössische Militärgrundgesez und die Bundesbehörde ,,dabei zu erreichen beabsichtigten, und dann prüfen.
278 ,,.vie diese allerdings beschränkten, aber bestimmt vorge,,zeichneten Zweke erreicht worden seien."
Auf der Tagfazung von 1821 wurde von folchen Ständen (Aargau), die bei jenem ersten Lager zunächst betheiligt und Augenzeugen von dessen Abhaltung gewefen waren, der befriedigende Erfolg diefes ersten Versuches, so wie die wesentlichen nnd bleibenden Vortheile, welche in Zukunst aus dieser Anstalt hervorgehen müßten, vollständig anerkannt, und wir haben weiter oben Gelegenheit gehabt, anzuführen, wie auf eben diefelben Betrachtungen gestüzt, im Jahr 1823 von einer Standesgesandtschaft (Waadt), die sich in ähnlichem Falle befand, wie jene erstere, der Antrag auf Verlängerung der Dauer dtr Uebungslager ausgieng.
3)ie nämliche Befriedigung mit den Leistungen der Uebungslager fprach sich auf unzweideutige Weise wiederum an der Tagsaznng von 1825 aus. Von zwei .fantonen (Solothurn und Schwyz), deren Kontingente noch gar nicht an den Uebungslagern Theil genommen, ja noch nicht einmal die eidgenöfsische Jnspektion bestanden hatten, waren einige Bedenken über den Nuzen der Uebungslager erhoben worden, weßwegen sie die dießsälligen Kosten eher aus Erweiterung der Wirksamkeit der Militärschule zu Thun zu verwenden geneigt gewesen wären.
Allein die Gesandtschaften folcher Stände, deren Truppen bereits in Lager berufen worden waren, erhoben fofort entschiedene Einwendung, indem sie bemerkten, daß ihre Truppen in derselben eine Schule der Ordnung, Pünkt-
lichkeit und Disziplin, im Anlaß zu Belebung eidgenössischen Sinnes gesunden hätten. Der Nuzen der Uebnngslager wurde vielfeitig und lebhaft vertheidigt und besonders hervorgehoben, daß derselbe passender Weise nicht in Ver-
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gleich mit demjenigen der Militärschule in Thun gestellt werden könne. Beide feien nüzlich, ober wesentlich ver-
schiedene Theile der eidgenössischen Militäranstalten, wo-
von die eine weder > die andere erfejen könne, noch ohne Störung des Ganzen, auf Kosten der andern begünstigt werden dürfe, da ihrer Natur nach die eine Anstalt mehr von theoretischer, die andere wesentlich von praktischer Beschaffenheit bleiben werde. Beide .bilden ein Ganzes, welches nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern stets mehr zu vervollkommnen, die eidgenössischen Stände dem gesammten Vaterland, seinen äußern politischen Verhältnissen und den aus dem Neutralitätsfystem hervorgehenden hei-
ligen Verpflichtungen schuldig seien.
Es würde nicht schwer halten, aus den spätern Jahren noch manche Beweise gleicher Art anzuführen.
Einer der sprechendsten war wol aber der, daß nach Abhaltung der außerordentlichen Militärfchulen von 1831 und des Cadresunterrichts von 1834 die Institution der Uebungslager ungeschmälert aufrecht erhalten wurde, und daß aus den Verhandlungen von 1839 bis 1841 über die Reorganisation der eidgenösfischen Militärlehranstalten die Institniion der Uebungslager in viel vervollkommneter Gestalt neu hervorgieng, worüber unter Ziffer H. die nähern Angaben bereits enthalten find.
In den von 1820 bis 1846 stattgcfundenen dreizehn eidgenöffifchcnUebungslai'iern (mitEinschluß des Cadreszusammenzugs von 1834) haben im Ganzen über 40,000 Mann aller Waffengattungen des Bundesheeres und gegen 300 Offiziere der verschiedenen Zweige des eidgenössischen Stabes einen höhern praktischen Unterricht genossen.
Im Ganzen wurden einberufen (die Cadres von 1834
nicht gezählt) :
280
79 Bataillone Infanterie, 39 Kompagnien Scharffchüzen, 36 Kompagnien Kavallerie, 14 Batterien Artillerie, einige Detaschemente Pontonniere und Sappeure.
Es darf wol behauptet werden, daß von diefer großen Zahl eidgenösfifcher Wehrmänner, welche die Uebungslager besucht haben, nur sehr wenige gewesen seien, welche nicht einigen Nuzen daraus geschöpft hatten; die große Mehrzahl aber hat in bedeutendem Maß; an militärischen Kenntnissen gewonnen und die Früchte ihrer Erfahrungen in den heimathlichen Kantonen auf eine wirkfame Weise verbreitet.
Die Lager dienten dazu, jenen edeln, für die Wohlfahrt und das Glük des Vaterlandes bedeutungsvollen Zwek in weitem Umfange zu erreichen, den die höchste Bundesbehorde bei deren Begründung oben an gestellt hatte: ,,die Vereinigung und Verbrüderung unter den Schweizern aller Kantone". Sie fagte hierüber felbst: Bei dem Rükblik auf frühere Verhältnisse habe die verschiedenartige Zusammensezung der Lagerkorps vielleicht etwas gewagt gefchienen, aber für jenen Zwek fei er unerläßlich gewesen." Der Verlauf der Lager hat diefe Veranstaltung-gerechtfertigt. Der echt eidgenöffifche Sinn siegte über alle frühern Erinnerungen. Unleugbare Zeugnisse find vorhanden, daß nicht bloß während der Dauer der Lager Eintracht und Uebereinftimmung herrfchten, fondern daß überhaupt manche Vorurtheile fchwanden, manche ältere Bande neu geknüpft und erfreuliche Aussichten für die Zukunft eröffnet wurden.
Die Angewöhnung an die im Militärßand fo nothige Zucht und an die davon unzertrennlichen Entbehrungen
281 und Einschränkungen konnten nirgends mit so vielem Erfolge wie in den Uebungslagern gelehrt werden. Es zeigte fich, wie unzureichend gerade in diesem wichtigen Punkt die Kantonalinftruktion war, indem es so manchen Truppenabtheilungen Anfangs fehr fchwer fiel, fich an die Vorschriften über den Lagerdienst und die innern Einrichtungen mit aller erforderlichen militärischen Ordnung und Pünktlichkeit zu finden. Aber gerade die Erfahrungen der Lager haben überzeugend dargethan, wie nothwendig die Beachtung dieser Vorschriften zu Handhabung einer guten Kriegszucht ist, welche bei allen militärischen Aufgeboten die Sicherftellung des Gehorsams und der öffentlichen Ruhe und Ordnung bewirken soll. Man wird sich erinnern, wie die Lager den wiederholten Anlaß boten, besonders die Offiziere über manche irrige Anfichten bezüglich ihrer Dienststellung zu belehren und sie in gegebenen Fällen zu Beachtung der .Jürsorge für die Bedürfnisse ihrer Untergeordneten anzuhalten und ihnen die Obliegenheiten anfchaulich zu machen, mit dem Beispiele des ©ehorfams, der Ordnung und getreuer Pflichterfüllung voranzugehen. Die Lager stellten in einem gewissen Zeitpunkte zuerst die Gefahr vor Augen, welche dem gefammten vaterländischen Wehrwesen durch das Lokerwerden der Disziplin drohte und fie boten die Mittel dar, diesem gefährlichften aller Uebel kräftig entgegen zu treten.
Der Hauptnuzen der Uebungslager bestand wol darin, den wahren Zustand der Truppen des Bundesheeres kennen zu lernen und für die nachhaltige Verbesserung der Instruktion zu wirken, Sie zeigten,'wie höchst ungleichartig und oft ungenügend der Unterricht der Truppen in den Kantonen, wie unüollständig die Vorkenntnisse der Offiziere, wie manche große Süke in
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andern Beziehungen zu deken war. Sie waren eine Schule, in welcher gerade die einsichtsvollsten und erfahrensten Männer selbst zuerst einsahen, wie wichtig die Lehren der Erfahrung feien und wie großen Einfluß gering fcheinende Mängel und Gebrechen auf das Gelingen aller militärifchen Berechnungen haben können. Sie dienten dazu, wie der Bericht eines um die vaterländischen Militärinstitutionen hochverdienten Mannes fich ausdrükt : manches V o r n r t h e i l sowol d e r U e b e r s c h ä z n n g
als des Kleinmuths zu berichtigen.
«Schiudi.
Die oben aus einander geseztcn Gründe, welche bei gestsezung der erwähnten einzelnen Bestimmungen über die Uebnngslager vorwalteten, haben auch heute noch nichts von ihrer Bedeutung verloren; die nähere Pritsung derselben wird im Gegentheil deren Gewicht auch für die jezt bestehenden Verhältnisse nur vermehren.
Der Beschluß über die Organisation der eidgenössischen Uebnngslager vom 19. Heumonat 1841, der auf dieser Grundlage beruht, ist das Ergebniß einer während zwanzig Iahren gesammelten Erfahrung und der forgfältigsten allseitigen Abwägung aller in einer so langen Periode zu Tage getretenen einzelnen Momente. Es würde sonach mit Recht als höchst auffallend erscheinen, das Resultat bewährter Erfahrungen beseitigen und durch andere Veranstaltungen ersezen zu wollen, für deren praktische Brauchbarkeit noch keine überzeugende Beweise vorliegen. Abermals müßte eine Reihe von Versuchen durchgemacht und eine Menge vielleicht mißbeliebiger und kostspieliger Erfahrungen bestanden werden, ehe über diefe Frage wiederum feste Bestimmungen .ausgemittelt
283 wären, die in Bezug aus Gediegenheit und Anwendbarkeit mit Nuzen an die Stelle der jezt vorhandenen gesezt werden dürften.
Auf diese Erwägungen gestüzt, hat der Bundesrath für die Abhaltung der nach Art. 75 des Gefezes über die eidgenössjsche Militärorganisation zu veranstaltenden größern Truppenzufammenzüge den durch den Bundesbeschluß vom 19. Heumonat 1841, rükfichtlich derUebungslager, aufgestellten Modus im Ganzen beibehalten, mit Ausnahme einer theiliveifen Modifikation, der durch die Reduktion des Büdgetsansazes nothwendig wurde.
Demnach wurde
der Lagerbestand festgesezt
wie
folgt : Generalstab (nämlich der Divifionsstab, die Stäbe der Brigaden und Spezialwaffcn, Kriegskommissariat,
Iustiz - und Medizinalperfonal und zwei Mufikkorps), i m Ganzen .
.
.
.
. Mann 81 S a p p e u r s (aus der im Wiederholungsknrs befindlichen Kompagnie gezogen .
,, 100 Pontonniere .
.
.
.
.
,, 1 2 A r t i l l e r i e (zwei im Wiederholungsknrs befindliche Batterien) ,, 313 K a v a l l e r i e (fünfKompagnien, dieden Wiederholungskurs bestehen) .
.
S c h a r f f c h ü z e n , vier Kompagnien, jede von 59 Mann I n f a n t e r i e , acht Bataillone von fechs Kompagnien, jedes mit dem Stabsper-
fonal 409 bis 410 Mann stark .
.
,,
385
,,236
,, 3277
Total des Sagerkorps: Mann 4404 Die Kavallerie wird in zwei Abtheilungen, jede auf acht Tage, einberufen und die Artillerie am Ende des
284 Lagers auf zwölf Tage; die Truppen des Genie endlich auf die gleiche Dauer ; alle übrige Mannschaft hingegen für drei Wochen.
Es ist nothwendig geworden, die zum Wiederholungskurs bestimmten Spezialwaffen zur Theilnahme am Sager zu berufen, um den Ausfall der durch Streichung von 20,000 gr. auf dem betreffenden Büdgetanfaz entstanden ist, zu dekcn.
Indem der Bundesrath des Auftrags, "in der nächsten Sommerfizung vor der Verwen,,dung des Kredits von Fr. 200,000 für größere Trup"penzusamrnenzüge Bericht zu erstatten über die Art und "Weise, wie er größere Truppenzufammenziicje nach "Art. 75 der Militärorganisation anznordnen gedenke,"
sich hiemit entledigt, benuzt er diesen Anlaß, Sie, Tit., seiner ausgezeichneten Hochachtung zu versichern.
Bern, den 20. März 1852.
Jm Namen des schweiz. Bundesrathes.
(Folgen die Unterschristen,)
Druck und Expedition der Sta m psli scheu Buchdrnckerei in Bern.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Botschaft des schweizerischen Bundesrathes an die hohe Bundesversammlung der schweizerischen Eidgenossenschaft, betreffend das eidgenössische Uebungslager von 1852.
(Vom 20. März 1852.)
In
Bundesblatt
Dans
Feuille fédérale
In
Foglio federale
Jahr
1852
Année Anno Band
2
Volume Volume Heft
28
Cahier Numero Geschäftsnummer
---
Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum
16.06.1852
Date Data Seite
240-284
Page Pagina Ref. No
10 000 906
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