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Wie sieht Ihr Werdegang aus?
Ich heisse Heidi Schild bin kürzlich 62 geworden und wohne seit 40 Jahren in dieser Wohnung. Mit 17 habe ich meinen Mann kennen gelernt. Er war damals 16. 1983 bekamen wir das erste, 1985 und 1987 das zweite und dritte Kind, dann war die Familienplanung abgeschlossen. Die Kinder wuchsen auch alle im Benziwil auf und der älteste ist heute 37. Mit 20 Jahren habe ich die 3-jährige Handelsschule abgeschlossen, ein Abschluss, der damals wie eine Matura galt. Vor der Handelsschule ging ich mit 16 in die Westschweiz, es war damals noch üblich, ein Austauschjahr zu machen. Es war auch eine gute Ausrede um von Zuhause mal wegzukommen und französisch zu lernen war durchaus nützlich. Es hat mir in der Handelsschule sehr geholfen.Während der Schule musste man eine 2-monatige Praktikumsstelle finden und ich fand meine Stelle mit Hilfe des Telefonbuchs. Die erste Nummer, welche unter Buchhaltungsbüros kam, rief ich an und man sagte mir, ich solle doch vorbeikommen und das letzte Schulzeugnis mitbringen. Nach 15 Minuten hatte ich die Praktikumsstelle. Nach Ende der Handelsschule konnte ich in demselben Büro meine erste Arbeitsstelle antreten. Mit meinem 1. Lohn habe ich die Autofahrschule finanziert, mit dem 2. Lohn ein Auto gekauft, obwohl ich die Fahrprüfung noch gar nicht hatte. Das Auto musste auf dem Parkfeld warten, bis ich die Prüfung nach 3 Monaten bestand und mein Fahrlehrer hat mir noch am Prüfungstag geholfen, das Fahrzeug einzulösen. Bei der ersten Ausfahrt an einem Samstagmorgen fiel der Auspuff ab. Die einzige Garage weit und breit war eine in Ebikon. Durch diese Panne lernte ich den Automechaniker kennen. Als dieser sich 1983 selbständig machte, holte er mich ins Boot und für die nächsten 28 Jahre erledigte ich alle Arbeiten als Bürofachfrau und als Buchhalterin. Dort lernte ich auch, wie ein Computer funktioniert, denn das war damals noch nicht Teil der Ausbildung. Mein Mann wurde dann ein Computerfan und hat 1987 ein Computerprogramm für mich geschrieben, damit ich die Buchhaltung effizienter erledigen konnte. Die Garage wuchs und wuchs und irgendwann merkte ich an, dass sie wohl jetzt ein Buchhaltungsbüro bräuchte. Dann war ich eine Zeit lang für die Übermittlung zum Buchhaltungsbüro zuständig, dieser Kontakt brachte es mit sich, dass ich noch für andere Firmen Buchhaltungsarbeiten ausführen konnte, aber das war Jahre später. Nebst all den Zahlen wollte ich noch etwas menschliches Arbeiten. Im Jahr 1993 suchte der Verein Familienhilfe Personen zur Unterstützung für alte Menschen. Nach einem Telefonat mit der Leiterin bekam ich die Chance dort mitzuarbeiten. Der Verein schloss sich mit dem Verein Krankenpflege zur Spitex Emmen zusammen. Ich begann 1993 mit einen kleinen Pensum als Haushalthilfe, nach einem SRK-Kurs als Pflegehelferin und war 2009 in einem Vollzeitpensum tätig. Im Jahr 2009 wechselte bei der Spitex die Chefin und es ändert sich viel. Zwei Frauen, ein Mann und ich gründeten eine private Spitex. Auf Wunsch meiner alten Spitex war ich übergangsweise noch an 3 Abenden in Teilzeit tätig, daneben arbeitete ich schon für unsere private, immer mehr und mehr Aufträge hatten wir. Nach der Anfangsgründung 2009 war es am 24. Dez. 2010 endlich soweit, der Eintrag im Handelsregister mit uns allen vier schien wie ein Weihnachtsgeschenk. Ich dachte, es startet soeben mit der eigenen Spitex ein neues Leben. 3 Wochen später, am 13. Januar hatte ich Leukämie. Der Traum war aus. Ich ging am Morgen mit einem Hautausschlag zum Hausarzt und am Abend bekam ich auf der Notfallstation des Spitals die Worte zu hören: «Sie haben Leukämie, Sie sind todkrank». Nur, ich wusste nicht wo. Die Ärzte sagten, dass es sich eigentlich nicht durch einen Ausschlag zeige, sondern durch Müdigkeit etwa. Für Müdigkeit hatte ich aber keine Zeit. Am selben Abend erhielt ich auch schon die erste Tablette gegen den Krebs. Das ganze Jahr lang kam eine Chemotherapie nach der anderen. Ich hatte praktisch alle Nebenwirkungen, die es gibt. Alle Abteilungen des ganzen Kantonsspital Luzern, mit Ausnahme der Urologie, die ja für Männer ist, kenne ich also. Überall war ich Gast. Ich liess mich aber nie unterkriegen. Zum Glück waren die Kinder schon gross und so konnte ich mich auf die Therapien konzentrieren. Meine Mutter, die ebenfalls den Brustkrebs besiegte, sagte immer; «Wenn es jemand überlebt, dann bist du das». Am 1. März 2012 bekam ich zum Abschluss im Unispital Basel eine Stammzellentransplantation. Die Überlebensquote war 70%, das heisst, von drei Patienten überleben es nur zwei. Heute ist die Chance höher. Ich hatte Glück, die gespendeten Stammzellen nisteten sich ein. Nach 12 Tagen gab es erste Anzeichen dafür. Zwei Monate später konnte ich im Rollstuhl nach Hause gehen. Heute kann ich wieder selber gehen, aber ich habe diverse Lähmungen und andere Körperfunktionsstörungen, Gedächtnisprobleme und Wortfindungsstörungen. Nach diesem Gespräch hier bin ich flach, den Rest des Tages muss ich mich ausruhen. Höchstens zwei bis drei Stunden am Tag kann ich etwas arbeiten, dabei ist der Haushalt oder Kochen schon eingerechnet. Die Buchhaltungen sind eine Beschäftigung, die mir Spass machen. Mein Sohn unterstützt mich dabei als Mitarbeiter. Wenn er eigene Arbeitswege geht, hilft mir eine andere Person. Es freut mich, wenn ich noch etwas Sinnvolles tun kann.
Gibt es Ziele, die Sie verfolgen oder schon erreicht haben?
Als wir 20 Jahre alt waren haben mein Mann und ich abgemacht, dass wir sobald wir in der Pension sind, 10 Jahre lang Campen gehen. Meine eigene Bibliothek zu haben, habe ich erreicht. Ich träumte immer von einer eigenen Bibliothek und konnte diese in einem kleinen Rahmen verwirklichen.
Wie sind Sie ins Benziwil gekommen?
Bevor wir ins Benziwil kamen, wohnten wir beide zuhause bei den Eltern in der Stadt Luzern. Überall hatte es ein Haus nach dem anderen und viel zu viel Verkehr. Wir wollten ins Grüne und etwas weiter weg von der Stadt leben. Ich war 23 und mein Mann war damals gerade fertig mit der Ausbildung. Im Stadtanzeiger fanden wir dann ein Inserat für eine 2.5 Zimmer Wohnung und bekamen diese auch gleich. Wir wohnen nun seit 1981 im Haus, das 1976 fertiggebaut wurde. Der Sohn hatte zudem den Quartierladen von 2009 bis 2012. Ich habe noch den Bau der Häuser 29+31 erlebt. Zuerst im 5.Stock in einer 2 Zimmer Wohnung. Als bei uns ein weiteres Kind unterwegs war, sind wir dann hinunter gezogen in diese 5.5 Zimmer, in der wir heute leben. Wir meldeten der Verwaltung, dass wir eine grössere Wohnung brauchen. Im «Lädeli», welches es damals noch gab, hat man sich oft getroffen und auch gesprochen. So erfuhren wir, dass die Dame dieser 5.5 Zimmer Wohnung gerne eine Dachterrasse hätte. Wir wollten natürlich eine grössere Wohnung und so kam es zu einem Wohnungstausch.
Was ist am Benziwil besonders?
Es hat sehr viele Grünflächen und es ist vor allem autofrei. Im Benziwil kann man herumgehen ohne ein Auto zu sehen. Der Bus an der Benziwilstrasse unten bringt einen zum Migros oder in die Stadt. Oberhalb dem Kapfquartier hat es sogar noch den Bahnhof Rothenburg Dorf. Es gibt zudem eine sehr gute Anbindung zur Autobahn, was auch ausschlaggebend war, damit mein Mann seinen heutigen Job überhaupt bekam. Die Firma, für die er arbeitet, hat den Sitz in Aarau und suchte jemanden, der schon auf der halben Strecke zum Tessin wohnt. Wenn es also was im Tessin zu reparieren gab, war es immer er, welcher aufgeboten wurde, da er den kürzesten Weg hatte. Es ist schon sehr praktisch. In dieser Wohnung ist es zudem sehr ruhig. Wir müssen uns wirklich bemühen, um etwa die Züge in der Zugschleife oder die Nachbarn zu hören.
Wie beschreiben Sie das Leben im Benziwil?
Sehr ruhig. Wenn man viel Kontakt zu anderen pflegen will, dann kann man das machen. Wenn man das aber nicht will, kann man es auch nicht machen. Beides geht. Ich habe Kontakt zu einer Person, die in der 25 wohnt, zu jemandem der in der 33 lebt und zu einer jungen Familie die im selben Haus wohnt, da ich den Mann seit seiner Kindheit kenne und der deshalb auch ins Benziwil kam.
Wie sehen Sie die Entwicklung des Benziwil?
Es steht nie etwas leer und es wird noch gut gepflegt. Was ich schade finde ist, dass die neuen Türen der Wohnungen einfach in weiss gestrichen werden und nicht in der original RGB Farbgebung. Diese kleinen Sachen machen dann das Benziwil langsam kaputt.