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Clint Capela ist der bestverdienende Mannschaftsportler des Landes, doch seine Leistungen werden nicht gewürdigt. Zumindest nicht in der Schweiz. Weshalb?
Capela kann man nicht übersehen: Er ist 2,08 Meter gross, 100 Kilogramm schwer, ein grossartiger Sportler – und Schweizer. Im Sommer hat er seinen NBA-Vertrag bei den Houston Rockets um fünf Jahre verlängert. Der 24-Jährige kassiert in diesem Zeitraum 80 Millionen Dollar brutto, wie die Zeitung «Houston Chronicle» berichtete. Damit ist er der bestverdienende Schweizer Mannschaftssportler – nicht einmal unsere in der Premier League engagierten Nati-Spieler können da mithalten. Dennoch war man sich bei den Rockets zunächst nicht einmal sicher, ob das Angebot genüge, um Capela halten zu können. Als «Restricted free Agent» hatte der Genfer mit kongolesischen Wurzeln im Sommer die Erlaubnis, Angebote anderer Klubs zu prüfen. Am Ende hat sich der Schweizer aber zum Verbleib in Texas entschieden.
In der besten Basketball-Liga der Welt, der NBA, ist Capela ein Star – und die Konkurrenten sind voll des Lobes über den Schweizer. In der vergangenen Saison glänzte er mit einer Trefferquote von 65,2 Prozent. Laien wird diese Zahl nicht beeindrucken, doch es ist der Liga-Spitzenwert – selbst die Weltstars LeBron James (54,2%) oder Stephen Curry (49,5%) konnten da nicht mithalten.
Insgesamt erzielte Capela in der letzten Saison 1026 Punkte, damit war er ligaweit in Rang 65 klassiert. Doch im Basketball geht es nicht nur darum, Punkte zu erzielen, sondern auch zu verhindern – und diesbezüglich leistete Capela herausragende Arbeit. Mit 138 Blocks war er die Nummer zwei der Liga. Auch in der Rebound-Statistik taucht der treffsicherste Spieler (Field-Goals) der Liga weit vorne auf, nur fünf Spieler waren besser. Im Schnitt erzielte Capela in der Regular Season 13,9 Punkte, 10,8 Rebounds und 1,9 Blocks pro Spiel. Erstmals in der Geschichte beendeten die Houston Rockets die Regular Season als bestes Team. Zum Titel reichte es am Ende aber nicht, im Halbfinal unterlag man dem späteren Titelgewinner Golden State.
Hatte Capela in der vergangenen Saison noch rund 1,3 Millionen Dollar verdient, so sind es in der aktuellen Saison 16 Millionen. Auch in der noch jungen Saison zeigte der Schweizer starke Leistungen, seinem Team läuft es indessen derzeit alles andere als rund: Von den ersten sechs Spielen hat der Titelanwärter fünf verloren. Doch die Saison hat erst begonnen und Team-Leader James Harden fehlt zudem wegen einer Oberschenkelverletzung.
In der Schweiz werden Capelas Leistungen (noch) nicht gewürdigt
Bei der Wahl zum Sportler des Jahres (die Auszeichnung wird am 9. Dezember 2018 vergeben) können dieser Tage ausgewählte Sportjournalisten ihre Stimme für ihren Favoriten abgeben. Eine Vorauswahl* wurde allerdings bereits getroffen. Alle 15 gelisteten Sportler haben Grossartiges geleistet, keine Frage. Dennoch ist die Verwunderung gross, dass man Capela vergeblich auf der Liste sucht. Daniel Huber, Koordinator Wahlausschuss Sports Awards, erklärt: «Es spricht grundsätzlich nichts gegen eine Nomination von Clint Capela. Wahlfähig sind gemäss Reglement auch 'hervorragende Sportler aus Team-Sportarten'. Um nominiert werden zu können, braucht es aber Titel und/oder individuelle Auszeichnungen. Aus diesem Grund wurde dieses Jahr etwa auch wieder Andy Schmid nominiert.»
Meistern die Rockets ihre Krise und spielt Capela eine ähnlich starke Saison wie im Vorjahr, so hat er realistische Chancen, im Frühjahr den Sprung ins «All Star Team» zu schaffen – vielleicht sogar den Titel zu gewinnen. Kriterien, die ihn bei der Wahl zum Sportler des Jahres 2019 auf die Nominatinosliste bringen könnten – wenn nicht müssten.
* Zunächst erstellt die Schweizer Depeschen Agentur eine Vorschlagsliste pro Kategorie. Bei den Männern sind das gut 60 Sportler. Diese Listen werden individuell von den Mitgliedern des Wahlausschusses beurteilt/ergänzt und dann im Rahmen der Nominationssitzung werden gemeinsam die 15 Nominierten bestimmt. Der Wahlausschuss besteht aus einem Vertreter von Swiss Olympic, einem Vertreter des Schweizer Fernsehens, einem Vertreter der Journalisten (sportpress.ch) und einem Vertreter des Sponsors Credit Suisse.