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Hoch über der milchig schimmernden Herbstnebeldecke begann von Westen her ein stetig wachsendes Gewölk die Bläue des Himmels zu trüben und langsam auszuwischen. Der Nebel sank. Aus seiner lautlos wogenden Flut erhoben sich die Grauen Flühe, mannigfach gestaffelte nackte Klippen mit Geröll und knorrigem Nadelgehölz zu ihren Füßen, von braunen Halden getragen, die wie abfallende Schultern im grauen Nebelhemd verschwanden, um weiter draußen wieder aufzutauchen und rasch ansteigend in neue Höhen hinaufzuwachsen, gegen Osten in die zerklüfteten Rauhen Stöcke, gegen Westen in die Weiße Wand, die Felsenstirn einer massigen Kuppe.
Im vorrückenden Abend entblößte der weichende Nebel auch das tiefere Gebiet der Grauen March. Die nördlich abfallenden Wälder sind in ihrer Mitte zu einem breiten Kamm gegiebelt, der sich mit Sätteln und Höckern vom Fuß der Grauen Flühe gegen Mitternacht zur Hirzelkuppe hinzieht; rechts und links davon bedecken sie, von Schluchten durchfurcht, alle Hänge. Der breite Kamm, der Giebelfirst, bildet die Schranke zwischen zwei Hochtälern, die gleichmäßig nach Norden in das Rickental hinabsteigen; das engere östliche, das Teuftal, verlor sich schon in der Dunkelheit, im westlichen, im Schwendital, traten verstreute Bauernhöfe und spärliche Weiden eben noch aus der Dämmerung. An der kantigen Spitze des Wilden Horns, weit draußen im Osten, verblaßte das letzte Licht. Die Nacht stieg aus den Tälern herauf.
Ein Tier mit spitzem Gesicht und buschiger Rute, ein starker rotgelber Fuchs, kam von der Hirzelkuppe her über den Giebelfirst, ruhig, gleichmäßig, lautlos, als ob er nicht ginge, sondern über den Waldboden hinglitte, in der dauernden Spannung aller Sinne, die sein freies und gefährliches Nachtlebenverlangt. Unter den letzten Tannen hielt er an, lauschte, äugte und prüfte die Luft, er «sicherte», wie alle wildlebenden Tiere, dann verließ er die Waldgrenze, umging die Grauen Flühe und suchte im mächtigen Geröll der Südseite eine Höhle auf, einen natürlichen alten Fuchsbau, den er im letzten Winter verlassen hatte. Er wollte ihn wieder beziehen, in den Wäldern unten wurde es unruhig, in seiner Sommerwohnung war er mit Rauch und Feuer belästigt worden. Dieser Bau wurde von einem jüngern Fuchse bewohnt, aber es störte ihn wenig, er war ein starker Bergfuchs und hier weitherum der älteste. Er schloff durch eine Felsspalte hinab ein, untersuchte die Wohnung und folgte draußen eine Weile der Spur des abwesenden Besitzers, die nach Westen in den Sonnenbergwald hinabführte, dann kehrte er um und wandte sich, wiederum lautlos und wie am Schnürchen gleitend, gegen Osten, er «schnürte» über den östlichen Grat den Rauhen Stöcken zu.