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9.7. – 21.7.2017 Brasilien Rundfahrt im Pantanal
Corumba – San Matias
Früher einmal war der Pantanal eine gigantisch grosse pazifische Meeresbucht. Als sich durch die Kontinentaldrift die Anden auffalteten, wurde diese Bucht vom Pazifik abgetrennt. Ein riesiger Salzwassersee
entstand, der im Laufe der Zeit durch Flüsse und Niederschläge sein Salz verlor. Die eingeschlossenen Meerestiere mussten sich an das Süsswasser anpassen. Darum gibt es heute Süsswasserdelfine, -haie und –rochen. Es ist das grösste
zusammenhängende Feuchtgebiet der Erde. Drei Seiten werden von Gebirgszügen umgeben und Richtung Westen ist er zum Amazonasbecken geöffnet. Der Pantanal bekommt jetzt sein Wasser durch Zuflüsse von aussen, sonst wäre er trocken. Nun
ist er eine Mischung aus Flüssen, Wasserkanälen, Seen, Grassavannen, Trocken-, Galerie- und Tropenwäldern. In seiner Art ist er dem Okavangodelta in Botswana am ähnlichsten (Kai u. Edilma Ferreira Schmidt).
Die Pousada Brasil in
Corumba ist sehr zu empfehlen. Wir übernachteten in einem Zimmer und genossen ein wunderbares Frühstück. Ein schöner Einstieg in Brasilien. Kokos- und andere Palmen und viel Dschungel begleiteten uns. Wir befuhren die MS 228 „Estrada
Parque de Pantanal“. Vor der Fähre über den Rio Paraguay trafen wir Brasilianer beim Fischen, deren Lieblingsbeschäftigung. Sie boten uns von ihrem „Feijoada“ an. Das ist das Nationalgericht der Brasilianer, ein deftiger leckerer
Eintopf. Weiter über schmale Holzbrücken, Ausschau haltend ob etwas zu sehen war. So beobachteten wir viele Vögel und Kaimane die sich träge in der Sonne mit aufgesperrten Mündern sonnten. Eigentlich sollten wir hier blaue Aras sehen.
Drei flogen an uns vorbei und wir konnten nicht stehen bleiben, weil wir in einer tiefen Sandstrasse fuhren. Es gab auch keine Wendemöglichkeit. Plötzlich kam eine Fazenda mit einem Holztor. Niemand war da, so entschieden wir uns hineinzufahren,
zu wenden und gleich zum Übernachten zu bleiben. Herrlich, Natur pur und erst noch ein kleiner See. Vögel zogen in grossen Schwärmen vorbei, die Frösche begannen zu quaken und die Glühkäfer leuchteten um die Wette.
DANN
kam der nächste Morgen. Pferde und bestimmt gegen 100 Rinder wollten in „unsere“ Wiese und wir wollten hinausfahren. Nur die Ruhe bringt’s! Zuerst alles zusammenpacken und dann starten. Sie erschreckten sich etwas und wichen zurück.
Das war unsere Chance. Gatter öffnen, hinausfahren und das Gatter wieder schliessen. Alles passte. Hinter den Rindern sahen wir noch die Gauchos, welche die Herde wahrscheinlich auf diese Weide treiben wollten. Man grüsste sich freundlich und mit
Luft abgelassenen Pneus kamen wir auch wieder auf die normale Sandstrasse zurück. Uff!
In Miranda planten wir einen Fazenda-Besuch einer Schweizerfamilie. Doch die Dame vom Tourismusbüro sprach nur portugiesisch, was wir leider nicht verstanden.
Die Telefonverbindung funktionierte nicht und auf das Email kam auch keine Rückmeldung. So buchten wir einen Rundflug über den Süd-Pantanal und schauten selber weiter. Es dunkelte schon und wir suchten die Fazenda Maía Lua. Prompt verfuhren
wir uns und erst nach einigen Kilometern konnten wir wenden. Denn die unscheinbare Einfahrt bei „km 547“ war fast nicht zu erkennen und die abenteuerliche Strasse verlief zum Teil parallel. Ein sehr schöner Platz trafen wir an wo man auch
länger verweilen könnte.
Aus unserem Schlafzimmerfenster beobachteten wir 3 wunderschöne Tucane. Nun suchten wir den Aeroclube de Aquidauana, denn es gibt hier drei verschiedene Flughäfen. Unter einem schattenspendenden Baum parkierten
wir und konnten da über die Nacht bleiben. Um 15.00 Uhr starteten wir mit Flavio und einer Chessna dem schlängelnden Rio Aquidauana zu den Salzseen hoch. Im kurvenreichen spektakulären Tiefflug über die Sumpf- und Seenlandschaften, Jaribús
und Hirsche des Süd-Pantanals. Fantastisch! Was uns betrübte war, dass die Farmer mehr und mehr von diesem einzigartigen Land urbar machen. Es soll über 1250 Fazendas geben auf denen 6-8 Mio. Rinder leben. Damit gilt der Pantanal als überweidet.
Leider steht er nicht unter Naturschutz.
Ein Tucan zog seine Runde und wir trafen Marcello, der auch gerne mit uns geflogen wäre. Wir fühlten uns in dieser Gegend herzlich willkommen.
Über die BR 419 fuhren wir auf der Naturstrasse
zum Rio Negro. Aber nach so einem wunderbaren gestrigen Tag kam heute der Hammer! In Aquidauana fuhren wir wieder einmal über einen „Böppel“ und anschliessend sortierte ich mein Gewürzgestell neu. Durch die Grabbelstrasse gab es
unserer linken Blattfeder den Rest. Sie brach auseinander und das ganze verschob sich mit der Luftfederung rückwärts. Tranquillos!!! Fredy nahm das Rad weg und wir konnten schlussendlich das abgebrochene Blatt wieder unter die Rolle und das
ganze Gestell nach vorne schieben. Alles bei grösster Hitze!! Nun entschlossen wir uns die 80 Kilometer zurück in die Stadt in eine Werkstatt zu fahren. Dazwischen übernachteten wir neben einem Baum voller grüner Papageien. Das war ein
Geschnatter! Trotz unserem Malheur sahen wir auf der Rückfahrt einen Hirsch mit drei Geissen, 4 Nasenbären, Wasser- und Wildschweine mit ihren Jungen. Das entschädigte uns alleweil.
Alles schön und gut aber ohne portugiesisch zu
sprechen sieht alles etwas anders aus. In Aquidauane trafen wir auf einen Polizisten und Fredy zeigte ihm unser Problem. Sofort packte er alles zusammen und sagte, dass wir ihm folgen sollten. Gesagt, getan und so kamen wir zu einer Werkstatt. Der erklärte
dem Werkstattchef unser Problem, sie schauten selber nach und kurzum liessen sie alles liegen und montierten uns in 3 Stunden eine neue Blattfeder für Fr. 100.--!!! Das war der Wahnsinn. Der Chef zeigte uns noch wo wir in einer „Churrasceria“
ein leckeres Rodízio essen konnten. Ein super Service. Wir waren natürlich froh, dass wir hier nicht länger hängen blieben.
Nach Campo Grande auf der BR 262 geht’s auf guter Viedo überwachter Asphaltstrasse weiter. Da
bogen wir in die BR 163 auf den LKW-Highway. Das ist die „Todesstrasse“ der bis zu 11-achsigen Trucks. Wenn Gegenverkehr angezeigt wurde, spinnen alle. Jeder muss noch schnell überholen, ob Überholverbot, Doppellinie oder anderes angezeigt
wurde spielte keine Rolle. Da kann dich locker bei 85 kmh ein 9-achsiger überholen. Bergauf „stosst“ man sie wieder. Es beruhigte sich erst, wenn Doppelspuren kamen. Zu sehen waren sehr grosse Maisfelder und Mühlen. Auf der BR 163
nach Bandeirantes bogen wir in eine Seitenstrasse und übernachteten neben einer Brücke am Fluss.
2 grüne Papageien auf einem Termitenhügel begrüssten uns am nächsten Morgen. Zurück auf der Raserstrecke ging es 400
km lang an Mais- und Zuckerrohrfeldern vorbei und vor einer riesigen Mühle standen fünf 9-11-achsige LKW’s die wie Spielzeugautos aussahen. Vieles wird hin- und hertransportiert, denn Rondonópolis ist das Zentrum für Getreideanbau
von Mato Grosso.
Um den Lastwagentag würdig abzuschliessen übernachteten wir in Bao Vista bei einer neuen Tankstelle. Das war ein Trucker-Platz. Zuerst standen wir ganz alleine, allmählich kamen bis 50 Trucker. Jeder liess entweder den
Motor, den Generator oder das Kühlaggregat laufen.... In dieser Gegend ist der Chauffeur ein kleiner „König“ und es wird alles für ihn getan. An den Tankstellen gibt es ein Restaurant, Wasch- und Reparaturstationen. Man kann Pneu’s
flicken lassen und in Zimmern übernachten. Lange Auspuffrohre, Koch-, Grill- und Haushaltutensilien etc. hängen an den kommenden Verkaufsständen. Die 7-achsigen LKS’s haben ein Gesamtgewicht von 57 Tonnen. 21 T das Fahrzeug und 36 T die
Zuladung. Die 9-achsigen haben 74 T. Über unsere Brücke im Ort dürfen „nur“ 40-Tönner durchfahren....
Neben Maisfeldern werden Eukalyptuswälder aufgeforstet und Baumwollfelder angepflanzt. Über die BR 070 erreichten
wir die grosse quirlige Stadt Cuibá. Sie ist die Hauptstadt von Mato Grosso, wurde 1719 am Rio Cuiabá gegründet und ist das geografische Zentrum von Südamerika. Bandeirantes fanden dort Gold und bis heute lockt das Edelmetall
Abenteurer.
Auf der MT 060 erreichten wir Poconé. In diesem Städtchen leben die Leute von Vieh- und Agrarwirtschaft und ist das Tor zum nördlichen Pantanal. Auch hier wurde Gold gefunden. Von 1983-1999 wurde die Gegend von ca. 10'000
Goldsuchern durchwühlt. Wir sahen die gewaltigen Steinberge von ferne und vereinzelt wird immer noch gesucht. Alle giftigen Materialien liefen in den Pantanal und es gab bei der Bevölkerung unerklärliche Krankheitsbilder mit Lähmungserscheinungen....
Als Erstes befuhren wir die Estrada-Parque Poconé Cercado MT 370 bis fast an den Rio Cuiabá zum Übernachten, dann auf der Estrada-Parque Transpantaneira MT 060 nach Porto Jofre an diesem Fluss.
Tausende Kaimane lagen an einem Haufen
neben oder in den Flüssen. Grosse, stolze und scheue Wasservögel lauerten auf eine günstige Gelegenheit einen leckeren Fisch zu ergattern. Viele kleine Sardinen sprangen immer wieder hoch und die vielen Fischer hatten alle Hände voll zu
tun. Einmal beobachteten wir Fischotter beim Jagen und Fressen. Mit den Vorderpfoten halten sie die Fische und beissen Stückweise ab. Ein andermal sprangen übermütige Affen über die Strasse. Es ist immer etwas los. Die über 100 Holzbrücken
waren auch nicht immer in gutem Zustand, so muss auf hervorstehende Nägel und Stahlbolzen geachtet werden. Wenn die Bretter fehlten oder es ganz übel wurde fuhren wir durch den meist ausgetrockneten Sumpf.
In Porto Jofre standen wir im Jaguar-Camp,
denn wir wollten diese Tiere gerne beobachten. So buchten wir einen Bootsausflug. Nun gab es einen Temperatursturz und es wurde richtig kalt. Am Morgen fuhren wir mit dem Boot den Flussarmen entlang, umrundeten Sandbänke und schauten uns die Augen nach
den Jaguaren aus. Leider war nichts zu sehen und Ailton, unser kundiger Führer, offerierte uns nochmals eine Gratisfahrt am Nachmittag. Um 14.00 Uhr standen wir mit Mütze, dicken Pullovern und Hosen (wie Eskimos) bereit. Wir hatten Glück und
durften 3 Jaguare beobachten. Prachtskerle! Fantastisch diese wunderschönen Tiere in freier Natur anzutreffen. Beglückt kamen wir in unsere geheizte „Cajita“ zurück. Im Camp trafen wir den 83-jährigen Schweizer Paul. Er bereist
mit seinem Rucksack das letzte von vielen Malen Brasilien. „Hut ab“! Und Monique und Daniel von Frankreich gaben uns gute Tipps für unterwegs. Ein Formular gegen Korruption mailen sie uns noch.
8° aber schönster Sonnenschein.
Wir standen in einer Nische am Wasser und Frühstückten als wir Rufe hörten. Nun wollte eine grosse Herde mit Pferden und Rindern gerade durch diese Passage auf die andere Seite des Weges ziehen. Schnell zusammenpacken und zur Strasse hochfahren,
sonst wären wir aufgespiesst worden. Es begegnete uns nochmals eine Herde mit bestimmt 1000 Rindern und nach der 40igsten Brücke spazierte ein letzter Jaguar über die Strasse. Ein Stück weiter standen unzählige Fischreiher, Jaribús
und Löffler in einem Tümpel und waren am Froschleich fressen. Viele Leute fotografierten diese seltene Gelegenheit, denn sie flogen nicht sofort weg. So trafen wir nochmals Veronica und Mark aus Arizona die uns spontan zu sich einluden. Wunderbar,
wir freuen uns jetzt schon darauf.
Zurück auf der „Transpantaneira“ assen wir noch etwas im gemütlichen Beizli beim Abzweiger auf die BR 070. Auf Asphaltstrasse durchquerten wir nun niederen Wald. Alles Gestrüpp ist weg und
auf den offenen Flächen weiden die letzten Rinder. Vor uns zeigten sich nun die Bergzüge der Serra de Santa Bárbara. Ausserhalb Caceres bogen wir in eine Naturstrasse zur Praia do Julião am Rio Paraguai zum Übernachten. Ein wunderschöner
Platz zum Baden und Faulenzen. Später kam ein Einheimischer mit dem Töff und nahm den brütenden Vögel die Eier weg...
Jetzt wollen wir den Grenzübertritt in Angriff nehmen. Eine Stunde dauerte es bei den ersten beiden Posten
in Brasilien. 1. Polizeiposten für die Pässe, 2. Zollbüro für die Ausfuhr des Autos. Letztes Tanken und auf der BR 070 ging es Richtung Bolivien weiter. Letzte Kontrolle und Einreise nach Bolivien. Nach 7 km kamen wir im geschäftigen
San Matias an. 3. im Polizeibüro schreckte die Dame hoch und tat sich schwer mit dem Pass stempeln. Das Zusatzformular musste ausgefüllt werden und die Dame vergass uns die Aufenthaltstage einzuschreiben. 4. Ausfuhrgenehmigung für das Fahrzeug.
Beim Ortsausgang sagte uns der Pförtner, welche Formulare wir im Dorf kopieren müssten. Zurück in den Ort und kopieren. Dann merkte der Zöllner, dass die Aufenthaltstage nicht eingetragen wurden. Nochmals zurück auf den Polizeiposten.
Endlich war alles klar, nur hatte die Dame die unsere Ausfuhrpapiere zu erstellen hatte Mühe alles richtig zu schreiben. Ich pochte auch darauf, dass ich als Fahrerin mit eingetragen wurde. Der Verantwortliche vom Zoll wollte nicht so recht und ich sagte,
dass ich nicht gewillt bin nochmals eine „200$“-Busse zu bezahlen. Der lachte nur darüber. Nach vier Stunden klappte schlussendlich alles und es kann uns hoffentlich nichts mehr passieren!
Noch ein Tipp: Heute würden wir bei Trockenzeit
von Corumbá mit dem Schiff den Rio Paraguai hoch nach Porto Jofre fahren.