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Medizin
Staat und Gesundheit
Vertiefung: Die schweizerische Corona-Politik im Vergleich
Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 prägte das Leben der Weltbevölkerung innerhalb kurzer Zeit grundlegend. Die staatliche Gesundheitspolitik zur Eindämmung und Kontrolle der Verbreitung des Virus beeinflussten die gesellschaftliche Interaktion, den internationalen Austausch und die Wirtschaftsabläufe massiv und stiess hinsichtlich des Ausmasses und der Art und Weise verbreitet auch auf Kritik.
Staatliche Eingriffe in die Privatsphäre im Namen der Gesundheitspolitik sind jedoch keine Neuheit. Bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts kam es beim Ausbruch der Syphilis und der Pest zu Quarantänemassnahmen. Besonders bei den grossen Seuchen wie Cholera, Pocken und Typhus, welche mit der Industrialisierung ab Ende des 18. und dann vor allem im 19. Jahrhundert verbreitet auftraten, griff der sich nun formierte moderne Staat stark in die Gesellschaft ein. Wichtige Entscheidungsgrundlagen stellten damalige Erkenntnisse zur Hygiene dar. Die Massnahmen konnten jedoch nicht immer so schnell umgesetzt werden, wie es sich die Vertreter der ab Mitte des 18. Jahrhunderts entstehenden Hygienebewegung wünschten. Sie stiessen auf Widerstand oder konnten nicht von allen befolgt werden. Angehörige der Unterschicht etwa konnten geforderte Massnahmen wie regelmässiges Baden oder Stosslüften aus wirtschaftlichen Gründen nur schwer umsetzen. Das Epidemiengesetz der Schweiz von 1886 wiederum war erst im zweiten Anlauf erfolgreich, scheiterte der erste Entwurf 1882 doch noch an der enthaltenen Impfpflicht.
Bereits für das Mittelalter lassen sich obrigkeitliche Eingriffe in das Leben der Menschen nachweisen, die die Gesundheit der Bevölkerung wahren sollten. So war die sogenannte Sanitätspolizei dafür zuständig, bei Seuchen die Kranken zu isolieren. Die Obrigkeit arbeitete bis Mitte des 18. Jahrhunderts auf diese reaktive Weise. Sie befahl den Bürgern, bei Ausbruch der Pest zuhause zu bleiben. Weiter wurden Zugänge zu Städten reguliert, es herrschte allgemein eine grosse Kontrolle über die Bevölkerung. Solche Einflüsse der Obrigkeit wirkten sehr lokal und hatten – nicht zuletzt deshalb – nur geringen Einfluss. So raffte die Pestwelle gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Zürich etwa die Hälfte der Bevölkerung dahin. Im Vergleich dazu starben in der Stadt St. Gallen etwa zur selben Zeit (1585) etwa 7 % der Bevölkerung an der Pest. Das war in einer Periode, in der sich schweizweite und regionale Ausbrüche der Krankheit ablösten und die Bevölkerung dadurch dauerhaft in Angst versetzte. Statt die Pest zu besiegen, mussten daher neue Friedhöfe angelegt werden. Ausgrabungen beim Zürcher Fraumünster brachten vor wenigen Jahren Gräber zu Tage, in denen jeweils gleich mehrere Pesttote unsorgfältig verscharrt worden waren. Solche Massengräber waren in Seuchenzeiten des 15. und 16. Jahrhunderts nicht unüblich. Die Abbildung zeigt eine solche Bestattung von drei Pesttoten auf dem Kirchhof des Grossmünsters in Zürich um 1582. Die auf der Darstellung abgebildeten Frauen tragen weisse Trauerschleier.
Hygienische Einrichtungen im Mittelalter
Die hygienischen Vorkehrungen waren im Mittelalter noch kaum von Bedeutung, da hier vor allem das nötige Wissen fehlte. So wusch sich der grosse Teil der Bevölkerung kaum. Sanitäre Anlagen waren lange auf Burgen und Klöster beschränkt. Als Beispiel hierzu kann der Klosterplan des Klosters Sankt Gallen betrachtet werden. Dieser Plan entstand etwa im Jahr 830 und ist damit der einzige Bauplan, der aus dem frühen Mittelalter erhalten ist. Auf diesem Plan gab es dadurch bereits im frühen Mittelalter vollausgebaute sanitäre Anlagen. So ist auf dem Klosterplan mit der Nummer eins markiert die Latrine des Klosters zu sehen. Die Alternative für die normale Bevölkerung war der Gang hinter die Büsche oder der Nachttopf, welcher auf der Strasse entleert wurde. Gleich daneben mit der Nummer zwei liegt das Wasch- und Badehaus des Klosters, wo sich die Mönche regelmässig waschen konnten.
Der grosse Einfluss der Hygieniker
Der Tod überfällt den Thoren von hinten, den Weisen greift er von vorne an, nicht immer unvermuthet, seltener als es scheint ohne Vorboten. Der Feldherr zählt seine Kranken und Verwundeten so genau wie seine kampffähigen; der Geschäftsmann und der Familienvater vergißt in seinen Voranschlägen nicht, mit der Krankheit und dem Tode zu rechnen und sieht sich für alle Fälle möglichst vor; in neuern Zeiten steigt auch der Staatsmann von der hohen Pyramide seiner Politik zu ihrer breiten Basis herab, zählt Geburts- und Todesziffern und fängt an, den Lebens- und Gesundheitsverhältnissen der Völker nachzufragen: denn das Glück der Schlachten, die Macht der Staaten, Schönheit und Reichthum der Länder, die Blüthe der Gemeinden und der Segen des Familienlebens, Alles ist abhängig von dem gebrechlichen Dasein des einzelnen Menschen; es giebt schließlich eine einzige Macht und ein einziges Kapital auf Erden: das ist Leben und Gesundheit!
Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse und der Druck der Hygienebewegung brachten die Behörden gegen Ende des 19. Jahrhunderts dazu, vermehrt zu intervenieren. Dies stärkte die Position der Hygienebewegung, welche von Wissenschaftlern, Medizinern und Politikern angeführt wurde. Ihr Ziel war es, durch «Volkserziehung» und durch die Hilfe von staatlichen Interventionen die Seuchen und Krankheiten zu bekämpfen und ihnen vorzubeugen. Sehr einflussreich in der Schweiz war der St. Galler Hygieniker Jakob Laurenz Sonderegger (1825–1896). Er war dafür verantwortlich, dass die Bakteriologie in der Schweiz Einzug fand. Er wollte dazu nach dem Vorbild des Deutschen Robert Koch, welcher 1882 den Tuberkelbazillus und 1884 den Choleraerreger entdeckte und dadurch über grossen Einfluss verfügte, mehrere Labore zu dieser neuen wissenschaftlichen Richtung an Schweizer Universitäten einrichten. Dies gelang 1894 mit dem neu gegründeten Lehrstuhl für Bakteriologie und Hygiene an der ETH in Zürich. Sonderegger veröffentlichte 1873 zudem ein Lehrbuch über die Hygiene mit dem Titel «Vorposten der Gesundheitspflege». In dieser Aufklärungsschrift griff er die klassischen Themen der Hygiene auf: Luft, Wasser, Wohnen, Ernährung, Wein und Tabak, Kindersterblichkeit, Schule, Arbeit und Spital. Das Zitat aus seinem Werk zeigt, wie die Hygieniker jener Zeit gedacht und gearbeitet haben. So ging es den Wissenschaftlern darum, für die Gesundheit der Bevölkerung zu sorgen. Zudem ist die statistische Erhebung, hier bei den Todeszahlen, sehr typisch für die Hygieniker dieser Zeit. Hierfür war auch die Unterstützung durch staatliche Massnahmen zentral. Sonderegger zeigt sich denn in diesen Zeilen auch besonders erfreut, dass nun auch der Staat begonnen habe, die Gesundheit des Volkes in den Fokus zu nehmen.
Welche Strahlkraft Jakob Sondereggers Wirken bis in die heutige Zeit hat, sieht man beispielsweise an der Laurenz-Sonderegger-Strasse in Balgach, dem Geburtsort von Sonderegger.
Typhusepidemien in Schweizer Städten
Cholera und Typhus kosteten viele Menschenleben und waren nur schwer zu kontrollieren. So war es beispielsweise bei der Typhus-Seuche 1884 in Zürich, wo innert kürzester Zeit etwa 1600 Einwohnerinnen und Einwohner – bei einer Bevölkerungszahl von damals rund 60’000 – erkrankt waren und davon ungefähr 150 starben. Der Typhuserreger wurde damals über die Wasserleitungen verbreitet. War der Erreger einmal in der Wasserversorgung, verteilte sich die Krankheit in kürzester Zeit über ein ganzes Gebiet. Dies wurde damals schon durch wissenschaftliche Erhebungen festgestellt, wodurch Zürich seine Wasserversorgung und -entsorgung erneuerte und verbesserte. Diese neuen Erkenntnisse wirkten sich positiv aus. Denn wie man aus der Statistik entnehmen kann, sanken die Zahlen, unter anderem durch die Erneuerungen, gegen Ende Jahr deutlich. Daraus lässt sich schliessen, dass die Renovierung die Krankheit eindämmte und die Stadt die Krankheit in den Griff bekam. Zugleich zeigen die Zahlen auf, dass die Sterblichkeit im Zuge der Epidemie abnahm, was auf eine verbesserte medizinische Behandlung schliessen lässt. Diese statistischen Erhebungen als Mittel zur Seuchenbekämpfung kam im Zuge der Hygienebewegung auf und stellte ein Mittel zu einer faktenbasierten, gezielten Reaktion. Etwa um 1875 wurden auch in der Stadt St. Gallen Fallzahlen und die Verbreitung der Krankheit systematisch erhoben. Dazu wurden auf dem Stadtplan alle Häuser, in denen Personen lebten, welche mit dem Typhuserreger infiziert waren, rot markiert. Daraus wurden dann Schlüsse zur Bekämpfung der Seuche gezogen. Mit dieser Variante wollten die Chefs der Stadt eine totale Absperrung, wie noch zu Zeiten der Pest, verhindern, sondern basierend auf den wissenschaftlichen Daten nur die notwendigen Gebiete absperren. Dies bildete im Grunde eine Frühform des Contact-Tracing dar, wie es während der COVID-19-Pandemie umzusetzen versucht wurde. Dies entspricht stark dem sogenannten Pockenmodell, in welchem man die Krankheit zu verstehen versucht, indem der Verlauf verfolgt wird.
Badeanstalt für die Sauberkeit in Rorschach
Die Industrialisierung selbst hatte ihre eigenen Probleme mit sich gebracht. So drängten ab Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr Menschen in die Städte, wodurch diese wuchsen und immer dichter besiedelt wurden. Vor allem in der Arbeiterschicht traten zu jener Zeit Seuchen auf. Der Grund dafür war, dass sich die Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter oft keine eigene Wohnung leisten konnten und deren Unterkünfte meist über kaum bis gar keine sanitären Anlagen verfügten, da es in den Städten erst spärlich Bauvorschriften gab. Cholera und Typhus kosteten dadurch viele Menschenleben und waren nur schwer zu kontrollieren. Um solche Seuchen zu verhindern, forderte die Hygienebewegung, dass die Bevölkerung sich regelmässig waschen sollte, um so «sauber» zu bleiben. Jedoch war dies für viele auf Grund der sanitären Situation gar nicht möglich. Daher wurden öffentliche Badeanstalten für die Bevölkerung gebaut. So wurde beispielsweise die Badeanstalt in Rorschach zur gleichen Zeit wie die städtischen Krankenhäuser eingerichtet. Beide waren Teil von behördlichen Massnahmen, welche die Gesundheitsversorgung und Hygiene verbessern sollten. Die Badeanstalten wurden in der Ostschweiz am Bodenseeufer und entlang des Rheins erbaut. Ein Beispiel ist die Badeanstalt in Rorschach.
Die Luftaufnahme von 1960 zeigt die Badeanstalt in Rorschach. Sie ist in der Ostschweiz die letzte noch stehende Badeanstalt in der Schweiz. Solche Badeanstalten wurden nicht zum Vergnügen genutzt, sondern lediglich, um die Hygienemassnahmen einzuhalten. Weiter wurde die Badeanstalt auch für den Schwimmunterricht genutzt. Der Bauplan der Badeanstalt Rorschach zeigt zudem die strickte öffentliche Trennung der Geschlechter auf. So wurde klar in einen Männer- und in einen Frauenbereich getrennt. Weiter gibt es in den einzelnen Bereichen Einzelkabinen und ein grosses Bad. Die Einzelkabinen waren für die wohlhabenderen Gäste gedacht, da ihre Benützung einen teureren Eintrittspreis mit sich brachte. Die weniger betuchte Bevölkerung zog sich in einer Gruppenkabine um und teilte sich das grosse Bassin. Die klare Trennung und Strukturierung der Badeanstalt sollte für Ordnung und Disziplin sorgen. Die Badeanstalten wurden so weit ins Wasser gebaut, um erstens die Badenden vor den neugierigen Blicken der am Ufer stehenden Personen zu schützen und zweitens, um das flache Ufer zu umgehen.
Mit Hilfe der Zeitung gegen die Spanische Grippe
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der bedeutendere Teil der Gesundheitsaufgaben nach wie vor von privater Seite geregelt, doch die Aktivitäten staatlicher Behörden nahmen zu, was eine stärkere Zusammenarbeit und Koordination verlangte. Vor allem der Erste Weltkrieg, aber auch sich im Landesstreik von November 1918 manifestierende soziale Probleme führten dazu, dass der Staat beispielsweise im Grippewinter 1918/19 überfordert war und die private Seite wichtig blieb. So sorgten während dieser verheerenden Pandemie, die in der Schweiz etwa 25’000 Tote forderte, insbesondere verschiedene Frauenorganisationen dafür, dass Pflegezimmer und Notspitäler eingerichtet wurden. Der Kanton St. Gallen wandte sich ans Rote Kreuz, um die nötigen Pflegerinnen zu finden. Diese wurden unter anderem im Stadt-Anzeiger gesucht. So hat das Rote Kreuz damit geworben, dass tüchtige Pflegerinnen für Grippekranke gesucht werden und diese für ihre Arbeit auch entschädigt würden. In den beiden Jahren 1918 und 1919 kamen dann auch 750 «Rotkreuzschwestern» zum Einsatz. Jede Zehnte Schwester verlor schweizweit ihr Leben.
Es gab ein grosses Bedürfnis, sich vor der Grippe zu schützen. Dies zeigt die Fülle an Inseraten, die in Zeitungen für Utensilien und Mittel warben, die vor der Pandemie schützen sollten. So wurden im «St. Galler Stadt-Anzeiger» vom 29. Juli 1918 die Leser aufgefordert: «Haltet den Mund rein». Eine Werbeanzeige Tage später bewarb mit dem Titel «Zur Abwehr der Spanischen Grippe» ein Produkt zur Desinfizierung von Mund- und Rachenhöhle. Es hiess Trybol-Mundwasser und Trybol-Zahnpasta, und wurde von Ärzten als das beste Gurgelwasser seit Jahrzehnten angepriesen. Selbst der elektrische Staubsauger «Condor» sollte Bazillen entfernen und für eine gesunde sowie staubfreie Luft sorgen. Allgemein wurde die Zeitung als Massenmedium dazu genutzt, gegen die Spanische Grippe zu kämpfen, wie die weiteren Inserate zeigen. So wurden beispielsweise auch Empfehlungen zur Pflege von Grippekranken veröffentlicht. Dabei wurde bei der Pflege unter anderem das Tragen von Samariterschürzen und von Grippeschutzmasken empfohlen. Auch die Anzeige für die Carbol (Phenol)-Seife oder die Lysol-Seife zeigt auf, dass in der Zeit der Spanischen Grippe ein hoher Bedarf an Schutzmassnahmen vorhanden war, da die Krankheit so gefährlich und verbreitet war.
Regierungsmassnahmen im Zuge der COVID-19-Pandemie
Regierungsmassnahmen gegen Epidemien gibt es nicht erst seit der COVID-19-Pandemie. Schon im Spätmittelalter gab es bei der Leprabekämpfung obrigkeitliche Strategien im Umgang mit Krankheiten. Die Strategie der Leprabekämpfung bestand darin, dass man die Gesunden von den Kranken trennte. Die Massnahmen der Corona-Bekämpfung wie Händewaschen, Social Distancing und Contact Tracing lehnen an das Pocken-Modell an. Dieses Modell, welches zur Bekämpfung der Pocken eingesetzt worden ist, funktioniert auf eine liberalere Weise als das Lepramodell. In der Zeit des 18. Jahrhunderts konnte es sich die Regierung nicht mehr leisten, die Bevölkerung in die Häuser einzusperren. Vielmehr ging es darum, die Verbreitung der Pocken zu verfolgen, Daten zu gewinnen und daraus Erkenntnisse zu ziehen und spezifisch zu reagieren. Analoges passierte in der Schweiz durch die regelmässigen Pressekonferenzen des Bundesrates und des Bundesamtes für Gesundheit sowie mit der Publikation der Fallzahlen. In diesem Modell wurden der Bevölkerung keine Regeln mehr aufgezwungen, sondern es wurde versucht, das Verhalten mittels Empfehlungen zu steuern. Jedoch gab es auch Lockdowns während der Corona-Pandemie. Diese bilden Übergänge zwischen den Modellen. Strategien zur Bekämpfung von Pandemien wie jener von COVID-19 folgen nicht stur einem Modell, sondern können auch zwischen den Modellen wechseln.
Während der COVID-19-Pandemie haben sich Plakate des Schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zu den empfohlenen Schutzmassnahmen immer wieder verändert und der Situation angepasst. So wurde am Anfang noch mit gelben und orangen Farben gearbeitet, bis schliesslich die Warnfarbe Rot verwendet wurde. Besonders auffällig ist, dass viel mit Piktogrammen gearbeitet wurde. Dies wurde gemacht, damit die Plakate einfach und von allen verstanden werden. Nebst den Verlautbarungen über die Medien sollten die an vielen Orten aufgehängten Plakate zur breiten Verbreitung der geltenden Massnahmen beitragen und die Pandemie eindämmen helfen. Mit Massnahmen wie Abstand halten, Schutzmaske tragen und möglichst von zu Hause arbeiten sollten Infektionsketten vermieden und die Ansteckungen gedrückt werden.
Verschiedene Corona-Zahlen
In der Quelle sieht man die Entwicklung der Corona-Zahlen in den verschiedenen Ländern. Die Tendenz zeigt, dass Länder aus dem asiatischen Raum wie etwa Japan oder Singapore gegenüber den europäischen Ländern eine deutlich flachere Kurve aufwiesen. Diese Unterschiede in der Kurve lassen sich durch die verschiedenen Strategien und Regime erklären:
Die in der COVID-19-Pandemie verordneten Lockdowns basierten auf dem sogenannten Pestmodell, da die Verbreitung des Virus nicht mehr anders einzudämmen war. Dieses Modell wird Pestmodell genannt, da man zur Bekämpfung der Pest im Mittelalter ganze Quartiere und Städte abgeriegelt hatte. Die Bewohner wurden praktisch in ihre Häuser eingesperrt und jeder Zugang in die Städte kontrolliert. Ziel der Lockdowns war es, möglichst Kontakte zwischen den Bürgerinnen und Bürgern zu verhindern und so die Ansteckungszahlen tief zu halten. International gesehen wurde das Pest-Modell sehr deutlich in China durchgesetzt. Dort wurde die ganze Stadt Wuhan, die als Ursprungsort der Pandemie gilt, rigoros abgeriegelt. Dadurch, dass im ostasiatischen Raum die Lockdowns schneller und länger durchgesetzt wurden, konnte die Kurve an COVID-19-Erkrankungen recht flach gehalten werden. In Europa stellten hauptsächlich Empfehlungen wie Händewaschen und Social Distancing sowie Contact Tracing das Mittel der Wahl dar. Diese Massnahmen lehnen an das Pocken-Modell an. Dieses Modell, welches zur Bekämpfung der Pocken eingesetzt worden ist, funktioniert auf eine liberalere Weise. Es folgte also keine Wegsperrung der Bevölkerung. Vielmehr ging es darum, die Verbreitung der Pocken zu verfolgen, Daten zu gewinnen und daraus Erkenntnisse zu ziehen. Analoges passierte in der Schweiz und anderen europäischen Ländern durch die regelmässigen Pressekonferenzen sowie mit der Publikation der Fallzahlen. In diesem Modell wurden der Bevölkerung keine Regeln mehr aufgezwungen, sondern es wurde versucht, das Verhalten mittels Empfehlungen zu steuern. Diese liberale Weise eröffnet der Bevölkerung mehr Spielraum, jedoch ergeben sich auch höhere Fallzahlen als im strikteren Pest-Modell. Letztlich kam auch in den europäischen Ländern der Zeitpunkt, in dem Lockdowns ausgesprochen wurden. Die Länder reagierten damit auf die immer schneller steigenden Fallzahlen. Folglich muss festgehalten werden, dass auch in Europa Annäherungen an das Pest-Modell gab.
Die Graphik verdeutlicht zudem, wie wichtig statistische Daten in der heutigen Bekämpfung von Pandemien sind. Mittels der Erfassung der Zahlen will man Vorhersagen machen, um verschiedene Strategien gegeneinander abzuwägen
Quellenverzeichnis
Titelbild
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Hygienische Einrichtungen im Mittelalter
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Der grosse Einfluss der Hygieniker
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Sonderegger, J. L. (1901). Vorposten der Gesundheitspflege. Berlin: Springer, S. 543.
Typhusepidemien in Schweizer Städten
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Büchi, E. (2003). Als die Moral baden ging. Badeleben am schweizerischen Bodensee- und Rheinufer 1850–1950 unter dem Einfluss der Hygiene und der «Lebensreform». Frauenfeld: Huber & Co., S. 22.
Mit Hilfe der Zeitung gegen die Spanische Grippe
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Sanitätsgeschäft Hausmann (04.10.1918). Inserat «Zur Pflege der Grippekranken». In St. Galler Tagblatt.
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Ingold, N. (2019). Medizin am Fuss der grauen Berge. Wunderwelten, Kräuterhandel und Kommerzialisierung von Gesundheit (1850–1920). In Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons St. Gallen (Hrsg.). Eine St. Galler Geschichte der Gegenwart. Sozialhistorische Einblicke ins 19. und 20. Jahrhundert (S. 21–42). St. Gallen: Verlagsgenossenschaft St. Gallen.
Koller, B. (1995). Gesundes Wohnen. Ein Konstrukt zur Vermittlung bürgerlicher Werte und Verhaltensnormen und seine praktische Umsetzung in der Deutschschweiz 1880–1940. Zürich: Chronos.
Ruckstuhl, B. & Ryter, E. (2017). Von der Seuchenpolizei zu Public Health. Öffentliche Gesundheit in der Schweiz seit 1750. Zürich: Chronos.
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Vetsch, P. (2020). Die Abstimmungen zu den eidgenössischen Alkoholvorlagen 1885 und 1887. Eine Analyse des Diskurses in den St. Galler Zeitungen. Masterarbeit Pädagogische Hochschule St. Gallen. St. Gallen.
Die Autoren
Luca Huber
Marc Schubert