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Wycliffe
internationaler Name: Wycliffe Global Alliance
ältere Namen: Wycliffe Bible Translators, Wycliff-Bibelübersetzer WBÜ
Gründer von Wycliffe war William Cameron Townsend (1896-1982). Townsend wuchs im südlichen Kalifornien auf. Sein College-Studium in Los Angeles brach er ab, um für die Organisation Los Angeles Bible House als Bibelverkäufer zu arbeiten. Für diese vertrieb er ab 1917 in Guatemala spanischsprachige Bibeln. Nach zwei Jahren wechselte er zum Missionswerk Central American Mission CAM. Dabei fiel Townsend auf, dass viele Maya-sprachige Menschen das Spanische zu wenig beherrschten, um eine spanische Bibel lesen zu können. So erlernte er in den nächsten 14 Jahren das zur Maya-Sprachgruppe gehörende Kaqchikel und übersetzte die Bibel in diese Sprache.
Im Jahr 1934 gründete Townsend die Organisation Camp Wycliffe in Arkansas, mit dem Ziel, Menschen auf Missionseinsätze vorzubereiten, bei welchen sie systematisch noch unverschriftlichte Sprachen erlernen und anschliessend die Bibel in diese übersetzen würden. Der Name der Organisation nahm auf den Theologen und Vorreformator John Wycliffe (ca. 1328-1384) Bezug, der als erster die ganze Bibel ins Englische übertragen hatte.
Aus Camp Wycliffe gingen zwei verschiedene, aber eng kooperierende Organisationen hervor: Das 1936 gegründete Summer Institute of Linguistics SIL übernahm die Weiterentwicklung der linguistischen Feldforschung und arbeitet mit wissenschaftlichen Institutionen im Bereich der Linguistik zusammen. Die Verantwortung für die Übersetzung der Bibel übernahm die 1942 begründete Organisation Wycliffe Bible Translators.
Bald interessierten sich auch Personen aus der Schweiz für eine Mitarbeit bei Wycliffe, so dass im Jahr 1964 der Verein Wycliff Bibelübersetzer als Heimatkomittee begründet wurde. Im Jahr 1967 folgte ein Büro in Grosshöchstetten. Der Verein nennt sich heute Wycliffe Schweiz und hat seinen Sitz in Biel. Leiter von Wycliffe Schweiz ist seit dem Jahr 2015 Thomas Deusch.
Im Jahr 1991 gab sich Wycliffe Bible Translators die Struktur eines Dachverbands, dem die nationalen Verbände als eigenständige Werke angehören. 2011 wurde der Dachverband umbenannt in Wycliffe Global Alliance.
Wycliffe vertritt einen evangelikalen Glauben. Die Mitarbeitenden entstammen Landes- und Freikirchen.
Wycliffe arbeitet in Zusammenarbeit mit SIL an der Alfabetisierung bisher unverschriftlichter Sprachen weltweit und übersetzt dann die Bibel in diese.
Im Jahr 2003 wurde bekannt, dass in der von SIL geführten Station Tumi Chucua in Bolivien in den 1970er-Jahren mehrere Kinder sexuell missbraucht wurden. Wycliffe hat die Fälle in der Folge aufgearbeitet und die Opfer entschädigt. Die Täter waren, soweit sie noch lebten, 2003 nicht mehr bei Wycliffe oder SIL aktiv, ihre Taten waren zu diesem Zeitpunkt in Bolivien bereits verjährt.
Opfer dieses Missbrauchs wurde auch die Schweizerin Christina Krüsi, die damals mit ihren Eltern in Tumi Chucua lebte. Sie berichtet davon in ihrem 2013 im Knaur-Verlag erschienenen Buch „Das Paradies war meine Hölle. Als Kind von Missionaren missbraucht“.
In dieser Publikation erzählt Christina Krüsi auch von Rückerinnerungen an satanistischen rituellen Missbrauch, der bis zur Opferung eines Babys gegangen sein soll. Wie weit diese Teile von Krüsis Buch reale Begebenheiten abbilden oder – wie andere Berichte von rituellem Missbrauch aus allen möglichen Institutionen – eher menschliche Urängste zum Ausdruck bringen, ist umstritten.
Wycliffe zählt international 12’000 Mitarbeitende. 110 Personen arbeiten für Wycliffe Schweiz in 30 Ländern auf allen Kontinenten.
Die Bibel oder Teile davon wurden bisher in über 3’000 Sprachen übersetzt.