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(NZZ – POLITISCHE LITERATUR – Freitag, 22. September 1995, Nr. 220, Seite 77)
Demokratie und Wohlfahrt
zz. Der Demokratie, insbesondere auch den problematischen Seiten, ist das «Dossier» in der Septembernummer der «Schweizer Monatshefte» (Zürich) gewidmet. Silvano Möckli führt ein in die Funktionen der direkten Volkspartizipation und akzeptiert dabei die Spannung zur Effizienz. Sandro Cattacin und Christine Panchaud weisen auf Untersuchungen (von Hanspeter Kriesi und anderen) hin, wonach es um die Sachkompetenz der tatsächlich Stimmenden in der Schweiz nicht so schlecht bestellt ist. International vergleichende Forschungen, deren Befunde von Robert J. Barro und Tilman Slembeck vorgelegt werden, haben ergeben, dass Demokratie wenigstens von einem gewissen Grad an das wirtschaftliche Wachstum eher negativ beeinflusst, während die mit ihr teilweise korrelierenden Faktoren Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft und Humankapital eindeutig förderlich sind. Das Wachstum wiederum wirkt sich mit Verzögerung günstig auf die Volksrechte aus. Unter Berufung auf Amartya Sen hält Per Ahlmark fest. Demokratie, speziell eine freie Presse, sei für Entwicklungsländer entscheidend. Robert Nef, der auch einen selektiven Literaturüberblick gibt, betrachtet kritisch den Zusammenhang zwischen Demokratie und Umverteilung und befürchtet letztlich einen Zusammenbruch des «sozialen» Systems, dem mit einer rechtlichen Begrenzung der Umverteilung vorzubeugen wäre. Die schweizerischen Sozialversicherungen werden von Peter Buomberger und André Burgstaller an den Lehren der ökonomischen Theorie gemessen. Die Autoren entwerfen eine umfassende Reform nach den Grundsätzen risikogerechter Prämien, einheitlicher Leistungen (ergänzt durch Selbstvorsorge) und der Subventionierung nur der Bedürftigen.
Im Kulturteil schreibt Urs Bugmann über Gedichte von Klaus Merz, Günter Ullmann und Clemens Umbricht. Alexandra Weber würdigt eingehend die vor 100 Jahren geborene Westschweizer Dichterin Monique Saint-Helier.