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Warum nicht überall der gleiche Escher gefeiert wird
Alfred Escher hat nicht nur eine Statue vor dem Hauptbahnhof in Zürich, sondern wird im Moment auch gross gefeiert: Er wurde vor 200 Jahren geboren. Der Todestag eines anderen Eschers könnte auch den Glarnern bald Anlass zum Gedenken geben.
Es liegen nur gut 50 Jahre zwischen den beiden Geburtsdaten von Alfred (1819) und Hans Conrad Escher (1767), und doch haben die beiden in verschiedenen Schweizen gelebt. Hans Conrad in einem alten Staatenbund, der schon damals in der Krise war und durch die vielen verschiedenen Interessen blockiert.
Alfred in einer aufbruchswilligen Schweiz, die auf dem Weg zum Bundesstaat war und sich nach der Franzosen-Herrschaft so langsam als Nationalstaat zu verstehen begann.
Als Hans Conrad Escher geboren wurde, war die Französische Revolution noch nicht in Sicht, und die alten Eidgenossen teilten sich noch ihre Untertanengebiete auf und pressten aus den Bewohnern so viele Steuern wie möglich. Erst gegen Ende seines Lebens wurden gesamteidgenössische Projekte wie das Linthwerk überhaupt denkbar und möglich.
In beiden Eschern fliesst das gleiche Patrizierblut
Als Alfred Escher geboren wurde, gab es die Schweiz in ihrer heutigen Form noch nicht. Ja, es war sogar erst vier Jahre her, seit die Franzosen das Land verlassen hatten und Napoleon endgültig verbannt worden war. Er erlebte aber den Wandel zum modernen Bundesstaat, in dem die Wirtschaft stärker wurde. Die Industrie wurde mächtiger, und grosse Projekte mit internationaler Ausstrahlung wurden gebaut und mussten finanziert werden. Wie zum Beispiel die Eisenbahnen.
Die beiden Eschers sind miteinander verwandt. Sie stammen beide aus dem Zürcher Patriziergeschlecht Escher vom Glas. Dieses gehörte seit Jahrhunderten zu den wichtigsten in der Stadt, sowohl wirtschaftlich als auch politisch.
Ende Februar wurde einem der beiden Eschers die Ehre erwiesen: Am 20. Februar 1819 wurde Alfred Escher geboren. Dieser Escher war einer der Wegbereiter der modernen Schweiz. Er ist die treibende Kraft hinter den Gründungen der Vorgängerorganisationen der Credit Suisse, der ETH und der Swiss Life (siehe Box). Er war der erste Direktor der Gotthardbahn und gehörte zu den Gründern der Schweizerischen Nordostbahn. Er steht als Statue noch heute vor dem Zürcher Hauptbahnhof.
Alfred Escher mindestens indirekt wichtig für den Kanton
Nach diesem berühmten Escher sind im Kanton Glarus aber weder ein Kanal noch ein Schulhaus oder Strassen benannt. Für das Glarnerland war nämlich der andere Escher, Hans Conrad, mindestens so wichtig: Er war zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Hauptverantwortliche für das Linthwerk. Mit dem Escher- und dem Linthkanal wurde die Linthebene zwischen Näfels und Schmerikon von einer Sumpffläche zur nutzbaren Fläche. Man könnte also sagen, dass der weniger berühmte Escher für das Glarnerland deutlich wichtiger war.
Allerdings hatte auch Eisenbahnpionier Alfred Escher seine Hände mindestens indirekt im Kanton Glarus im Spiel: Seine Schweizerische Nordostbahn war verantwortlich für den Bau der Bahnlinie von Glarus bis Linthal.
Das reicht aber wohl nicht, um die Verdienste Hans Conrad Eschers von der Linth (diesen Ehrennamen bekam er übrigens vom Kanton Zürich verliehen) zu übertreffen. Aber auch die Glarner müssen nicht mehr lange warten, bis sie «ihren» Escher feiern können: Hans Conrad Escher starb im Jahr 1823, also vor bald 200 Jahren.