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Gemäss UNO und IPCC kann die Menschheit bis etwa Mitte dieses Jahrhunderts noch grosse Mengen CO2 ausstossen. Danach sollen die heute jungen Menschen und zukünftige Generationen fast kein CO2 mehr in die Atmosphäre entlassen, sondern die von uns bis dahin produzierte Menge netto wieder aus der Luft entfernen. Ohne Spekulation auf diese netto CO2-Entfernung müssen Länder wie die Schweiz netto null CO2-Emissionen schon etwa im Jahr 2030 erreichen, eher als zum Beispiel im Jahr 2050. Die Schweiz könnte netto null CO2-Emissionen viel schneller erreichen, als normalerweise erklärt wird, wenn sie dank hohen CO2-Abgaben das Treibhausgas ohne Verzug aus der Luft entfernt, um Restemissionen zeitnah auszugleichen. Die Entfernung von CO2 aus der Luft ist möglich und bereits erstaunlich kostengünstig.
Die gesamte Menge des ausgestossenen CO2 entscheidet über die globale Temperaturerhöhung. Wird der Temperaturerhöhung eine Limite gesetzt, gibt es auch eine Limite für den Restausstoss an CO2 : das CO2-Restbudget. Will die Menschheit das 1,5 Grad Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% einhalten, verfügt sie noch über ein CO2-Restbudget von rund 350 Milliarden Tonnen (420 waren es bei Beginn des Jahres 2018). Das ergibt bei einer linearen Absenkung ab 2020 netto null CO2-Emissionen im Jahr 2037 — weltweit.
Das IPCC nennt einen erheblichen Unsicherheitsbereich zum Budget von 420 Gigatonnen CO2, das anfangs 2018 noch zur Verfügung stand. Diese Unsicherheit ist zum Teil (±250 Gt) auf die Annahme der Emissionsentwicklung anderer Treibhausgase als CO2 zurückzuführen, wobei das IPCC diesbezüglich von sehr erheblichen Reduktionen ausgeht (vgl. kleinere Teilbilder rechts oben in Diagramm 1). Diese Annahmen sind nicht unbedingt begründet, denn die Konzentration von Methan steigt an und auch die Lachgaskonzentration nimmt weiter zu. Um weitere bis zu hundert Gigatonnen könnte sich das CO2-Budget «bis zum Ende dieses Jahrhunderts» wegen Treibhausgasemissionen aus schmelzendem Permafrost reduzieren. (IPCC 2018)
Eine zusätzliche Korrektur des CO2-Budgets nach unten wird aufgrund von verbesserten Berechnungen der Klimasensitivität erwartet.
Wichtig ist die Temperaturerhöhung, die eben durch die gesamte Menge des ausgestossenen bzw. wieder entfernten CO2 bestimmt wird, das ‹CO2-Budget›.
Die richtige Temperaturgrenze
Tropische Korallen sterben nicht erst bei 1,5 Grad, sondern jetzt, bei rund einem Grad globaler Temperaturerhöhung. (Präziser: Die Korallen sterben nicht. Sie werden getötet.) Während der Zeit mit Landwirtschaft und Zivilisationen war die globale Temperatur kaum je höher als jetzt. Ein vernünftiges Ziel ist darum 1 Grad globale Temperaturerhöhung.
1,5 Grad globale Temperaturerhöhung ist das falsche Ziel, 2 Grad sowieso. Es wäre richtig und wichtig, die in Paris vereinbarte Zielsetzung in Frage zu stellen und schärfere Forderungen zu erheben.
Kritiker werden einwenden, dass schon die Beschränkung auf 1,5 Grad Temperaturerhöhung politisch unrealistisch sei. Manche Experten — sie leben meist in Industrienationen — machen gerne geltend, sogar das 2-Grad Ziel sei politisch unerreichbar, womit natürlich das Ziel selbst in Frage gestellt wird, womit wiederum die Anstrengungen zur Zielerreichung in Frage gestellt werden.
Ob diese Experten recht behalten werden, wird die Zukunft zeigen. Es ist jedenfalls bequem, die 1,5- oder auch die 2-Grad Zielsetzung in Frage zu stellen (Glen Peters), um noch länger nahezu unverändert weiterzumachen wie bisher.
Es mag eingewendet werden, die globale Durchschnittstemperatur würde auch dann (um einige Zehntelgrad) über ein Grad hinaus steigen, wenn alle menschlichen Emissionen ab sofort ausblieben. Das ist richtig. Allerdings würde schon in wenigen Jahrzehnten, sehr wahrscheinlich innerhalb dieses Jahrhunderts, die globale Temperaturerhöhung wieder weniger als ein Grad betragen (IPCC 2013, 2018).
Stringente Klimaziele sind zwar noch erreichbar, die Wirkung von CO2-Emissionen ist jedoch sehr langlebig — darum das CO2-Budget. CO2 , das zu viel in der Luft ist, muss wieder entfernt werden, keine Frage. Die Frage ist wann.
CO2 kann jetzt entfernt werden und sollte jetzt entfernt werden, in überschaubaren Mengen, soweit das Verursacherprinzip dafür angewendet werden kann. Häufig wird jedoch angenommen oder argumentiert, das Treibhausgas solle erst in Jahrzehnten entfernt werden, dafür in gigantischen Mengen — wenn das Verursacherprinzip zu diesem Zweck nicht mehr angewendet werden kann (Diagramme 1, 2 und 4).
CO2-Entfernung jetzt, nicht später!
Sollen die in Paris vereinbarten Ziele eingehalten werden, ist unbestritten, dass die netto CO2-Emissionen sehr schnell sinken müssen. Die Frage ist wie schnell.
Sehr schnell könnten sie sinken, wenn möglichst alle Verursacher von Treibhausgasemissionen verpflichtet würden, schnell und schliesslich vollumfänglich für die Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre aufzukommen — allen voran die Verursacher von CO2-Emissionen.
Statt diesen Weg zu beschreiten, setzen die Regierungen dazu an, zukünftigen Generationen ein unlösbares Problem zu hinterlassen.
Die modernste der grossen Ausreden für politische Untätigkeit und Unterlassungen ist die Behauptung, gigantische Mengen CO2 könnten nachträglich netto wieder aus der Luft entfernt werden. Gemäss diesem Plan soll in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts jährlich viel mehr CO2 entfernt werden, als dann noch ausgestossen wird, darum netto CO2-Entfernung (oder «netto negative Emissionen»). Diese Behauptung wird von Politikern selten explizit gemacht. Die implizite Behauptung ist jedoch oft an der Jahreszahl 2050 zu erkennen.
Egal ob implizit oder explizit gemacht, diese Behauptung ist ein gefährlicher ‹Generationenbetrug›. Denn für die netto CO2-Entfernung wird es keine Verursacher mehr geben, die für die Bezahlung dieser verspäteten CO2-Wiederentfernung verpflichtet werden können. Die Spekulation auf ‹netto negative Emissionen› wird sich darum als Fehlspekulation erweisen und gravierende Folgen haben.
Keine Spekulation auf netto negative Emissionen, sondern CO2-Entfernung jetzt! | Artikel auf klimaatelier.ch
Den ‹Generationenbetrug› durchschauen
Die Schweizer Klimastreikbewegung fordert «bis 2030 im Inland Netto 0 Treibhausgasemissionen ohne Einplanung von Kompensationstechnologien». Die Formulierung mit «netto null» (nicht einfach ‹null›) stellt klar, dass Überlegungen zur CO2-Entfernung in die Forderung einflossen. Und der zeitliche Rahmen der Forderung («bis 2030») stellt für sich allein fast klar, dass die Jugendbewegung den ‹Generationenbetrug› nicht hinnimmt.
Soll das 1,5-Grad Ziel mit etwas Sicherheit respektiert werden und sollen, wie es der Vertrag von Paris vorsieht, die Länder ihren CO2-Ausstoss nach ihren Möglichkeiten differenziert reduzieren, ist die 2030-Forderung für die Schweiz angemessen — gegenüber zum Beispiel einer 2037-Forderung, jedenfalls was CO2 betrifft:
Die Schweiz verfügt über viel Wasserkraft.
Als reiche Dienstleistungsgesellschaft kann sie mit relativ geringen CO2-Emissionen wirtschaften und die Emissionen besonders leicht netto eliminieren (IEA, 2018; S.102).
Sie verursacht durch Importe sehr hohe Treibhausgasemissionen im Ausland (was normalerweise nicht berücksichtigt wird und bei global synchron funktionierendem Klimaschutz auch nicht berücksichtigt werden müsste).
Ihre durch die Finanzierung im Ausland verursachten CO2-Emissionen würden sogar allein schon besondere Anstrengungen der Schweiz rechtfertigen. (Und es drängt sich eine Regulierung der Finanzwirtschaft auf, um die Geldflüsse umzuleiten, wie es das Pariser Abkommen verlangt.)
Schliesslich könnte die historische Verantwortung wegen bisheriger Emissionen berücksichtigt werden. (Dies ist eine berechtigte Forderung, aber aus psychologischen Gründen eine heikle Angelegenheit.)
Die Bedingung «im Inland» in der Forderung der Schweizer Klimastreikbewegung dürfte bedeuten, dass die ausgeprägt von der Schweiz bevorzugte ‹Kompensation› im Ausland — anstelle von Reduktionen im Inland — für die nationale Zielsetzung nicht gelten soll.
Bis 2030 netto null CO2-Emissionen zu erreichen, ist ohne Entnahme von CO2 aus der Luft mit technischen Mitteln kaum denkbar. Noch weniger denkbar ist es, ohne CO2-Entfernung alle Treibhausgasemissionen auf netto null zu reduzieren, wie es die Bewegung verlangt. So gesehen fordert die Schweizer Klimastreikbewegung den schnellen Einsatz von CO2-Entfernungstechnologie — so gesehen.
Praktikabel ist die Forderung auch nur mit dem Einsatz von CO2-Abscheidung aus Abgasströmen der Industrie (zum Beispiel Zementfabriken) und der Einspeicherung des CO2 in der Erdkruste (Carbon Capture and Sequestration, CCS). Die Notwendigkeit der Abscheidung von sowohl CO2 aus der Luft als auch von CO2 aus Abgasen ist offenkundig.
Das dürfte aber in der Schulstreikbewegung kaum begriffen worden sein, in Umweltschutzorganisationen auch nicht. Die undifferenzierte Ablehnung von CCS durch Klimaschützer war und bleibt ein schwerer Fehler — eine eigentliche Absurdität.
Die Klimaschützer scheinen mit der Ablehnung der rein technischen CO2-Entfernung aus der Luft den gleichen Fehler machen zu wollen, den sie schon mit der Ablehnung statt der Forderung von CCS aus Abgasströmen machten (und weiterhin machen).
Die Leugnung der Möglichkeit, CO2 aus der Luft zu entfernen, ist doppelt falsch. Erstens ist diese Möglichkeit schon Realität.
Die CO2-Entfernung aus der Luft ist notwendig und da Artikel auf klimaatelier.ch
Zweitens ist die CO2-Entfernung eine unabdingbare Auswegtechnologie aus der Klimafalle. Die Möglichkeit der CO2-Entfernung zu leugnen, ist darum schädlich und dumm. Dennoch ist diese Leugnung weit verbreitet.
Die für Laien wenig verständliche Ergänzung «ohne Einplanung von Kompensationstechnologien» in der Forderung der Schweizer Schulstreikbewegung ist an sich gelungen. Sie dürfte jedoch Ausdruck eines grundsätzlichen Misstrauens gegenüber der technologischen Entfernung von CO2 aus der Luft sein, eher als dass spezifisch die Spekulation auf netto CO2-Entfernung in Frage gestellt würde. (In einer Erläuterung der Forderung (Klimacharta) steht auch: «Es dürfen also nicht mehr [Treibhausgase] ausgestossen werden, als durch die natürliche Speicherung in Wäldern, Gewässern und Böden wieder nachhaltig kompensiert werden können.»)
Die Bewegung, und nicht nur sie, sollte die Spekulation auf netto CO2-Entfernung gezielt verurteilen. Sie sollte die Existenz unverzichtbarer Technologie zur Filterung von CO2 aus der Luft jedoch nicht bestreiten. Sie sollte die Notwendigkeit und das Potenzial der umweltfreundlichen, rein technischen CO2-Entfernung anerkennen und die Anwendung dieser Technologie ausdrücklich und ohne Verzögerung fordern.
Keine Spekulation auf netto negative Emissionen, sondern CO2-Entfernung jetzt! | Artikel auf klimaatelier.ch
Die Antwort auf den ‹Generationenbetrug›
Eine sich auf das dringende CO2-Problem konzentrierende Forderung könnte lauten:
Netto null CO2-Emissionen der Schweiz bis 2030.
Der Logik der aktuellen internationalen Klimavereinbarungen entsprechend, muss zur Erreichung von netto null CO2-Emissionen entferntes CO2 aus Anlagen in der Schweiz stammen oder aus der Luft entfernt werden. Selbst wenn die Entfernung aus der Luft im Ausland geschieht, kann die Schweiz darüber bestimmen, wie sie zu geschehen hat, wenn sie dafür bezahlt. Wo das CO2 bleibend in der Erdkruste eingelagert (sequestriert) wird, ist unwichtig. Klargestellt sollte werden:
Keine Spekulation auf netto CO2-Enfernung!
Statt CO2 kann auch, wie in der aktuellen Forderung, ‹Treibhausgasemissionen› stehen. In diesem Fall müssen die Emissionen anderer Gase als CO2 ebenfalls eliminiert oder durch die Entfernung von CO2 ausgeglichen werden — und vernünftigerweise müssten für diese Emissionen auch Abgaben erhoben werden. Eine nützliche, zusätzliche, differenzierte Forderung wäre darum:
Netto null Treibhausgasemissionen der Schweiz bis 2040.
Die Netto-Elimination der CO2-Emissionen ist sehr viel dringlicher als die Netto-Beendigung der Gesamtheit der Treibhausgasemissionen. Ein Unterschied von 5 bis 15 Jahren zwischen den beiden Netto-Null-Zieljahren (2030 bzw. 2040 in obigem Vorschlag) ist angemessen. Ein bescheidenes Mass an Emissionen kurzlebiger Treibhausgase wäre sogar dauerhaft tolerierbar, keine oder nur eine sehr moderat erhöhte CO2-Konzentration vorausgesetzt.
Was die CO2-Emissionen betrifft, ist nicht so sehr das Zieljahr der Erreichung von netto null Emissionen von Bedeutung, sondern die gesamte Menge der Emissionen, also der Absenkpfad. Die Schweizer Klimastreikbewegung hat dies in ihrer Forderung noch klargestellt: Anfangs sollen die Emissionen besonders schnell sinken. Alternativ könnte die Einhaltung eines CO2-Restbudgets für die Schweiz gefordert werden.
Eine weitere Forderung der Schweizer Klimastreikbewegung ist hier auch einer Bemerkung würdig: «Klimagerechtigkeit». Fast mit Sicherheit lässt sich vorhersagen: Gelingt den Regierungen der Nationalstaaten weiterhin die Verzögerung der nötigen Emissionsreduktion — mitunter durch die Spekulation auf netto CO2-Entfernung—, wird das Resultat eine noch nie dagewesene Generationenungerechtigkeit sein.
‹Ja›, muss die Antwort auf den angebahnten Generationenbetrug heissen, ‹CO2 muss wieder aus der Luft genommen werden, aber jetzt, nicht später!›. Politiker oder Beamte, die behaupten, CO2 könne wieder aus der Luft entfernt werden (es kann), sollen sich dafür einsetzen, dass es jetzt entfernt wird! Die Technologie ist unbestreitbar da und bereits erstaunlich preiswert.
Die CO2-Entfernung aus der Luft ist notwendig und da Artikel auf klimaatelier.ch
Müssten Flugpassagiere jetzt für die Entfernung des verursachten CO2 bezahlen, hätten wir Ticketpreise wie anfangs der 1980-er Jahre. Umgerechnet auf den Liter Benzin oder Kerosin sind es rund 1.60 Franken. Dies gilt, wenn die CO2-Entfernung mit Maschinen geschieht, die heute einzeln in Zürich Oerlikon zusammengesetzt werden.
Erschreckend kostengünstig, erschreckend schnell
Die führenden Firmen, die Technologien für die CO2-Entfernung aus der Luft entwickeln und einsetzen (Climeworks, Carbon Engineering und Global Thermostat), geben an, dass sich die Kosten der CO2-Entfernung mit grossen oder vielen Anlagen dritteln würden, was bescheidenen etwa 50 Rappen oder US-Dollar pro Liter entspricht. Echt CO2-neutrales Fliegen wäre erstaunlich günstig.
Die zusätzlichen Kosten für die Sequestrierung sind kaum der Rede wert. Und es kann auf lange Sicht mehr als genug CO2 sicher in der Erdkruste eingelagert werden. (Mehr dazu hier.)
Werden die Verursacher verpflichtet, für die Entfernung ihrer CO2-Emissionen aufzukommen, können die netto Treibhausgasemissionen viel schneller reduziert werden, als normalerweise gedacht wird, schnell genug, um das 1,5-Grad Ziel zu respektieren oder sogar schneller.
Eine Studie des NewClimate Institute zeigt für Deutschland (auch) auf, was dies bedeutet: Die CO2-Emissionen müssen bis 2030 netto null erreichen, vielleicht bis 2035, spätestens bis 2040, wenn nicht auf netto CO2-Entfernung in gigantischen Mengen spekuliert wird.
Die Studie unterscheidet nicht zwischen ‹negativen Emissionen› und netto negativen Emissionen — wie üblich. Wie leider auch üblich, bezweifeln die Autorinnen und Autoren pauschal die Machbarkeit der CO2-Entnahme aus der Luft wegen der Kosten und angeblichen Unreife der Technologie sowie der ausbleibenden Förderung (durch die deutsche Bundesregierung, in diesem Fall).
Die Studie lässt — nochmals wie üblich — das Haupthindernis für netto CO2-Entfernung unerwähnt, nämlich die fehlende Zahlungsbereitschaft in einer politisch nicht geeinten Welt und weil im Fall von netto CO2-Entfernung keine Verursacher mehr da sein werden, die in den einzelnen Ländern von den Ländern selbst für die CO2-Entfernung zahlungspflichtig gemacht werden könnten.
Wird von der Spekulation auf utopische netto CO2-Entfernung Abstand genommen, ist die Rechnung einfach und das Ergebnis auch bei (für Deutschland) abweichenden Annahmen unausweichlich, wie auch Stefan Rahmstorf vorrechnet: Die CO2-Emissionen müssen viel schneller reduziert werden als IPCC und UNO kolportieren.
Dass die notwendige schnelle Netto-Reduktion ohne baldige CO2-Entnahme aus der Luft nicht erreichbar ist, ist auch eine beinahe unausweichliche Einsicht. Stefan Rahmstorf hat die Möglichkeit der CO2-Entfernung zur Erreichung der in Paris vereinbarten Temperaturziele in seinem Beitrag durch Nachführung erwähnt («negative Emissionen», er meint zeitnahe CO2-Entfernung). Er lehnt die Spekulation auf netto CO2-Entfernung ab.
Wie sind ehrgeizige Klimaziele erreichbar?
Mit der Durchsetzung des Verursacherprinzips dank CO2-Abgaben auf dem korrekten Niveau wäre die Zielsetzung von Paris gut zu erreichen. Das richtige Niveau entspricht mindestens den Kosten der Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre durch die wenig umstrittene aber relativ teure DAC-Technologie (Direct Air Capture) und die Wiederverwendung oder die bleibende Wegsperrung des CO2 (oder seines Kohlenstoffs) in der Erdkruste.
Bevor die CO2-Abgaben mindestens das Kostenniveau der direkten, rein technologischen CO2-Entfernung erreichen, kann ein steigender Anteil des Abgabenaufkommens gezielt für die CO2-Entfernung eingesetzt werden. Der Rest sollte an die Bevölkerung zurückverteilt werden, wie das in der Schweiz zum Teil schon geschieht. In den entsprechenden Zieljahren wird schliesslich ein so hoher Anteil des Abgabenaufkommens für die CO2-Entfernung eingesetzt, dass die Treibhausgasemissionen netto null betragen, zuerst bezüglich CO2, später für alle Emissionen.
Bei einer uniformen CO2-Abgabe in der Höhe, die für die CO2-Entfernung schon bald mindestens ausreicht, drängt sich ein Grenzausgleich auf: CO2-lastige Importe werden — unter Respektierung handelsrechtlicher Bedingungen — auch mit der CO2-Abgabe belegt. Bei Ausfuhren gibt es Rückvergütung. Damit wird den Emissionen Rechnung getragen, die bei der Produktion importierter Güter im Ausland anfallen.
Der Einnahmeüberschuss aus der CO2-Abgabe, einschliesslich gegebenenfalls aus dem Grenzausgleich, kann an die Bevölkerung zurückverteilt werden. Dadurch wird dem Bedürfnis von Fairness und sozialer Gerechtigkeit Rechnung getragen.
Die Weiterentwicklung der Technologie für die direkte CO2-Filterung aus der Luft kann aus dem allgemeinen Staatshaushalt finanziert werden — ebenso wie die Weiterentwicklung von Technologie für synthetische Energieträger.
Unverzichtbare Schlüsseltechnologien anbahnen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch staatlich finanziert werden kann, ohne dass dafür zwingend Geld aus Abgaben für Treibhausgasemissionen eingesetzt wird.
Bei der systematischen Umsetzung der CO2-Entfernung muss aber das Verursacherprinzip angewendet werden, andernfalls, wenn dauerhaft mit Subventionen finanziert, würde die CO2-Entfernung zu einem weitgehend wirkungslosen Fass ohne Boden — weil die einen weiterhin billig emittieren würden, während die anderen via Subventionen teuer für die Wiederentfernung bezahlen.
Teurer als hätte sein sollen, aber so kostengünstig wie noch möglich
Gegenüber Laien suggerieren hohe Preise, aufgrund hoher Abgaben, hohe Kosten. Preise sind aber nicht Kosten, was bei einer direkten Rückverteilung des Abgabenaufkommens pro Kopf an die Bevölkerung besonders einleuchtend sein sollte.
Kritiker mögen einwenden, dass eine schnelle Anhebung der CO2-Preise eine teure Option ist, weil sie ‹stranded investments› verursacht, wie das Problem in der Klimaökonomie heisst. (Zum Beispiel würden bei bald viel höheren Heizölpreisen viele Ölheizungen durch Wärmepumpen ersetzt, bevor sie das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreichen. Diese vorzeitig ersetzten Ölheizungen sind ‹stranded investments›.)
Einzeln betrachtet ist dieser Einwand korrekt. Insgesamt ist er dennoch falsch, denn eine hohe CO2-Abgabe ist das effizienteste, also kostengünstigste Instrument für die Vermeidung des globalen Temperaturanstiegs. Fast alle anderen wirkungsvollen Methoden sind teurer, zum Teil viel teurer.
Es mag auch eingewendet werden, die CO2-Entfernung verursache reale Kosten, während reine Lenkungsabgaben primär die Preise erhöhen. Tatsächlich ermöglicht die CO2-Entfernung als weitere Option die Minimierung der Gesamtkosten der CO2-Vermeidung.
Preisinduzierte Vermeidung durch Substitution, Effizienz und Suffizienz ist der dominante Faktor bei der Erreichung von netto null CO2-Emissionen, nicht die CO2-Entfernung. Die hohe Lenkungswirkung entsteht jedoch erst dadurch, dass die Abgabenhöhe für CO2 aus fossilen Quellen bald mindestens den Kosten der CO2-Entfernung entspricht.
Wird der Preisanstieg der CO2-Abgabe im Voraus festgelegt (zum Beispiel alljährlich jeweils für die nächsten 5 Jahre) und kommuniziert, können weitere ‹stranded investments› weitgehend verhindert werden. (Rationierung mit weissem Markt, also ein Handelssystem von Emissionsrechten, bietet diesen Vorteil übrigens nicht, jedenfalls nicht in diesem Mass.) Niemand mit ökonomischem Verstand wird dann noch eine Öl-oder Gasheizung einbauen oder ein Auto mit Verbrennungsmotor anschaffen.
Wer noch eine Öl- oder Gasheizung einbauen liess oder lässt, wird dann für seine Inkompetenz, Unvernunft oder sogar Skrupellosigkeit bestraft und wird wahrscheinlich diese Heizung frühzeitig ersetzen. Gut so. Bestehende Gas- und Ölheizungen, die selten laufen, werden dagegen weiterlaufen, Autos mit Verbrennungsmotor auch, denn die Kosten sind bei nur gelegentlichem Gebrauch trotz hoher CO2-Abgabe tragbar. Auch gut so. Aber sie würden schon bald netto keine CO2-Emissionen mehr verursachen, weil bei ihrem Einsatz dafür bezahlt werden müsste, dass die Emissionen wieder aus der Luft genommen werden. Sehr gut so.
Die rein technische CO2-Entfernung ist bereits bezahlbar. So lange sie nicht in industriellem Massstab angewendet wird, ist sie jedoch relativ teuer. Es sollte jedoch als eine Investition angesehen werden, nicht als Kosten, wenn ein Land wie die Schweiz oder Deutschland die ‹Direct Air Capture› Technologie dank Umsetzungsfinanzierung auf die industrielle Stufe bringt.
Mit dieser ‹Investition› wäre dem Klimaschutz sogar weit mehr gedient, als mit einem schuldentlastenden Netto-Null in einem dieser Länder. Die Investition wäre besonders vorbildlich also nachahmenswert, wenn die Finanzierung durch die Anwendung des Verursacherprinzips erfolgt.
Verhinderer und Kostentreiber
Besonders hohe Kosten sind bei einem stark gewandelten Klima zu erwarten — überwiegend zu tragen durch die jetzt jungen Menschen, ihre Kinder und Enkel —, wenn hohe CO2-Preise und die besagte ‹Investition› aufgeschoben werden.
Weil CO2-Emissionen nicht nur vermieden, sondern (sehr zeitnah!) auch aus der Luft genommen werden müssen, und weil zum Teil ‹stranded investments› in Kauf genommen werden müssen, wird die Begrenzung der globalen Temperaturerhöhung nun teurer, als sie hätte sein sollen.
Schuld daran sind diejenigen, die bis anhin hohe CO2-Preise zur Minderung des globalen Temperaturanstiegs verhindert haben.
Diesbezüglich steht in der Schweiz die FDP am Pranger, die seit einem Dritteljahrhundert sozusagen ‹auf dem Schlauch steht›, obschon «das Haus brennt», wie Greta Thunberg sagt.
Wenn Klimaschutz riskiert, teuer zu werden, sollte auf Kosteneffizienz besonders ausgeprägt geachtet werden. CO2-Abgaben bleiben darum das beste Instrument.
Dennoch erachten es rechtspopulistische Parteien als ihre Pflicht, kostengünstigen und wirksamen Klimaschutz durch Abgaben grundsätzlich zu verhindern, lügen zu diesem Zweck, was die Kosten von Lenkungsabgaben angeht und versteigen sich sogar in die ausdrückliche Leugnung des CO2-Problems.
Politische Verhinderer tragen die Schuld daran, dass Klimaschutz teurer wird, als wenn rechtzeitig gehandelt worden wäre — sicher nicht, wer CO2-Abgaben fordert.
Nicht nur rein technologische CO2-Entfernung
Ausser der direkten technischen Filterung von CO2 können eventuell begleitend andere Optionen vorangetrieben und genutzt werden, um das Treibhausgas aus der Luft zu entfernen. Unter einer ganzen Palette von Methoden sind diese interessant:
Die beschleunigte Verwitterung von Gestein. Diese Option könnte wegen der Düngerwirkung vielleicht sogar zu einem Geschäft werden; Beerling et al., 2018; dazu müsste sie jedoch kostengünstiger sein als andere Methoden der Düngung — eine grosse Herausforderung.
Aufforstung. Biologische Methoden der CO2-Entfernung sind besonders beliebt, weisen aber ein bescheideneres Potenzial auf, als die meisten Umweltschützer wohl denken und sie sind riskanter und weniger effektiv, als normalerweise gedacht wird. Vordringlich und für das Klima und die Biodiversität wäre die Beendigung der Zerstörung der kühlenden und Kohlenstoff speichernden Wälder in den Tropen.
Die Filterung von organischem CO2. Die Entfernung von CO2 aus Biogasanlagen, Biogaskraftwerken, Müllverbrennungsanlagen, Ethanolfabriken und Anlagen, die Restholz verbrennen, sind milde und vermutlich wenig umstrittene Varianten von BECCS; Bio Energy Carbon Capture Sequestration. Mehr zu BECCS und Aufforstung gibt es in diesem Artikel auf klimaatelier.ch.
Diese Methoden dürften kostengünstiger sein, als die rein technische CO2-Entfernung. Ihr realisierbares Potenzial ist jedoch beschränkt.
Nicht vor allem CO2-Entfernung
Als Folge von hohen CO2-Preisen bei der konsequenten Durchsetzung des Verursacherprinzips wird es primär eine schnelle Reduktion der CO2-Emissionen geben:
Der Fall für Strom aus erneuerbarer Energie würde glasklar werden. Energie aus Wind, Sonne, Biomasse und auch Erdwärme würde Energie aus fossilen Quellen schnell verdrängen und auch in der Schweiz eindeutig rentabel. (Was jedoch für ein Land wie die Schweiz nicht heisst, dass Strom aus sauberen Quellen überwiegend im Inland hergestellt werden soll.)
Der Fall für Effizienzsteigerungen wäre ebenso ‹glasklar›. Es würde eine heute unvorstellbare weitere Steigerung der Energieeffizienz geben und einen stark beschleunigten Einsatz von CO2-freier Energietechnik auf der Verbraucherseite (Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge, etc.).
Entsprechend wenig CO2-müsste aus der Luft entfernt werden. Gerade darum ist es besonders kostengünstig, das Klima mit schnell auf ein hohes Preisniveau steigenden CO2-Abgaben zu schützen. Ausserdem wird bei hohen CO2-Preisen eine ausgesprochen kostengünstige Option genutzt werden:
Verzicht.
Durch hohe Preise bewirkter Verzicht wird jedoch nicht als Verzicht wahrgenommen, sondern schlicht als wirtschaftlich vernünftiges Handeln.
Freiwilliger individueller Verzicht ist nicht eine Vorbedingung für einen «System Change» wie Greta Thunberg behauptet (Video). Es ist gerade umgekehrt. Gesetze müssen die Anreize schaffen, die Verzicht bewirkten. Noch nie zuvor in der modernen Geschichte wurden Gesetzesänderungen durch freiwilligen Verzicht erreicht.
Der wichtigste ‹System Change›
Die konsequente Durchsetzung des Verursacherprinzips wäre ein ‹System Change›. Im Gegensatz zur Überwindung (ob wünschenswert oder nicht) des ‹Kapitalismus› (was immer darunter verstanden wird) müsste dieser Systemwechsel dank Klimawandel erreichbar sein. Die Schweizer Bundesverfassung, schreibt das Verursacherprinzip im Umweltschutz bereits vor.
Tatsächlich, würde die konsequente Durchsetzung des Verursacherprinzips die Anwendung sauberer Technologien und Änderungen des Lebensstils bewirken. So könnten auch Menschen mit wenig finanziellen Mitteln und alle zukünftigen Generationen komfortabel leben, auch dann noch (Greta Thunberg), wenn das CO2-Budget für alle aufgebraucht ist.
Das 1,5- oder auch das 2-Grad Ziel wird jedoch allein mit Effizienzsteigerung, einem Umstieg auf eine CO2-freie Stromproduktion, Treibstoffe aus Biomasse, Aufforstung und preisinduzierten Konsumanpassungen nicht zu erreichen sein, mitunter wegen des Flugverkehrs.
Die rein technische Entfernung von CO2 aus der Luft, entweder mit Sequestrierung oder mit Kohlenstoffkreislaufwirtschaft ist ein unentbehrliches Puzzleteil für netto null CO2-Emissionen. Es kann demnächst eingesetzt werden. Es muss demnächst eingesetzt werden. Wir können nicht mehr weitere Jahre oder sogar Jahrzehnte zuwarten.
Die Zeit ist zu knapp, um auf die rein technologische CO2-Entfernung aus der Luft (DAC) zu verzichten. Warten wir mit dem Ausrollen dieser Technologie weiter zu, wird die Zeit für die Pariser Temperaturziele zu knapp. Dies ist mehr als einfach nur die Meinung des Schreibenden.
Diese Aussage ist durch Forschung und Modellierung gestützt, wobei DAC, die rein technologische Entfernung von CO2 aus der Luft, bei der Nennung der Schlüsseltechnologien, welche die erneuerbare Energie ergänzen müssen, noch fast immer unerwähnt bleibt.
Die Alternative zur konsequenten Anwendung des Verursacherprinzips, für einschliesslich die CO2-Entfernung aus der Luft, ist fast einzig die absichtliche Modifikation der Strahlungseigenschaften der Atmosphäre, genannt ‹Solar Radiation Management›, SRM. Geschieht dies zur Begleitung einer schnellen Reduktion von CO2-Emissionen und ihrer Begleiterscheinung, den kühlenden, unbeabsichtigten Aerosolen, sollte SRM begrüsst werden.
Kann das Verursacherprinzip nicht konsequent und zielführend geltend gemacht werden, läuft die Emissionsentwicklung jedoch auf SRM anstelle von schnellen CO2-Emissionsreduktionen hinaus und damit auf die mögliche Liquidation eines grossen Teils des Lebens und der Lebensvielfalt in den Ozeanen.
Der Glaube an ‹netto negative Emissionen› droht jedoch, die Lösung des CO2-Problems weiter zu verzögern. Die Spekulation mit netto CO2-Entfernung dient der Verschleierung des ungenügenden Willens fast aller Industrienationen zur Bewältigung der Klimakrise (Beispiele aus Kanada, Deutschland, UK, Schweiz).
Vorbildwirkung, aber richtig!
Begegnet die Schweiz, oder ein anderes Land, der Klimakrise wie oben beschrieben, mit zeitnaher, korrekt finanzierter CO2-Entfernung, weist es anderen Ländern den Weg. Es wäre ein Ausweg aus einer schwierigen Lage.
Es ist klar, was politisch zu tun wäre. Und es wäre erschreckend einfach und kostengünstig, es zu tun.
Beerling et al. (2018): David J. Beerling Jonathan R. Leake, Stephen P. Long, Julie D. Scholes, Jurriaan Ton, Paul N. Nelson, Michael Bird, Euripides Kantzas, Lyla L. Taylor, Binoy Sarkar, Mike Kelland, Evan DeLucia, Ilsa Kantola, Christoph Müller, Greg H. Rau, James Hansen. Farming with crops and rocks to address global climate, food and soil security. Nature Plants, vol. 4, March 2018 p.138–147. https://doi.org/10.1038/s41477-018-0108-y. (Link to free full text, view only)
IEA (2018): Energy policies of IEA countries Switzerland 2018 Review (Link)
IPCC (2013): Intergovernmental Panel on Climate Change. AR5, WG1, Oktober 2013.
IPCC (2018): Intergovernmental Panel on Climate Change. Global warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty. Summary for Policymakers.
Die Entfernung von CO2 aus der Luft macht die Lösung des CO2-Problems greifbar. CO2-Entfernung muss für jetzt verlangt werden, solange die Verursacher zur Übernahme der Kosten verpflichtet werden können. Denn später, wenn mehr CO2 entfernt werden müsste, als noch ausgestossen wird, kann diese netto CO2-Entfernung kaum finanziert werden. Paradoxerweise steht die Phantasie von netto CO2-Entfernung in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts hoch im Kurs, während die Notwendigkeit der zeitnahen CO2-Entfernung verkannt und die Möglichkeit sogar meist geleugnet wird. Sowohl diese weitverbreitete Leugnung als auch die Spekulation auf netto negative Emissionen schaden den Anstrengungen zur Begrenzung der globalen Temperaturerhöhung.
Netto null CO2-Ausstoss ist das Gebot unserer Zeit, denn das Treibhausgas akkumuliert. Ein sehr grosser Anteil des Treibhausgases verbleibt sehr lange in der Atmosphäre. Viele Emissionen lassen sich aber nicht vermeiden, ausser es würde auf viele Energiedienstleistungen wie die Luftfahrt verzichtet. Um netto null Emissionen zu erreichen, muss dieses CO2 zeitnah aus der Luft genommen werden. Es kann bereits wieder aus der Luft genommen werden.
Wälder sind schön und gut, werden uns aber nicht retten
Es gibt verschiedene Methoden für die Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre. Umweltschützer lieben oft die Idee, Bäume zu pflanzen oder Kohlenstoff in Böden einzulagern. Meist ignorieren sie die gewichtigen Probleme der CO2-Abscheidung aus der Luft, die auf Biologie abstellt: Das Potenzial von Aufforstung mag grösser sein, als bisher gedacht wurde, aber es bleibt zu klein. Oft haben Wälder sogar eine erwärmende statt eine kühlende Wirkung (wegen der Absorption von Solarstrahlung durch Vegetation). Es besteht das Risiko der Umkehrung durch Brände oder Wiederabholzung. Dieses Risiko ist viel erheblicher als beim Einbringen von CO2 in dafür geeignete Formationen der Erdkruste. Die Option Waldzuwachs sollte darum eher zuletzt zum Einsatz kommen als zuerst.
Die Krux mit BECCS
Neben Aufforstung und Wiederaufforstung wird BECCS häufig diskutiert (Bio Energy, Carbon Capture, Sequestration): Photosynthese verwandelt CO2 in Biomasse. Ihr Kohlenstoff wird verbrannt oder anderswie in CO2 umgewandelt und bleibend in der Erdkruste eingelagert (Sequestrierung). Neben Aufforstung figuriert im Moment nur BECCS prominent in den Szenarien des Weltklimarats, IPCC. Die Bedeutung des unbeliebten BECCS in den Szenarien dürfte ein Grund dafür sein, dass Umwelt- und Klimaschützer die technologische CO2-Entfernung aus der Luft oft grundsätzlich ablehnen.
Nicht alle, aber potenziell sehr bedeutende Formen von BECCS sind zweifellos ökologisch problematisch und das realisierbare Potenzial dürfte allzu gering sein, sogar um relativ bescheidene CO2-Emissionen aus Kohle, Erdöl oder Erdgas (zeitnah) auszugleichen. Oft wird die Konkurrenz von BECCS zur Produktion von Nahrungsmitteln hervorgehoben. Die Sorge ist berechtigt. Im Fall von Auf- und Wiederaufforstung ist diese Konkurrenz jedoch noch viel erheblicher und das Potenzial der CO2-Entfernung noch viel geringer.
Das Risiko der allzu kurzfristigen Wiederfreisetzung des Kohlenstoffs als CO2 besteht wie bei Aufforstungen auch bei der Einlagerung von Kohlenstoff aus Biomasse in Humus.
DAC ist unverzichtbar
Die direkte technische Filterung von CO2 aus der Luft (Direct Air Capture, DAC) mit Sequestrierung des CO2 (DACS oder DACCS) ist erprobt und umweltfreundlich, teuer als BECCS oder Aufforstung, aber bereits bezahlbar.
Die CO2-Entfernung aus der Luft ist notwendig und da Artikel auf klimaatelier.ch
Die CO2-Entfernung mit dieser Methode ist für praktische Zwecke quantitativ nicht begrenzt. Beschränkt ist die CO2-Entfernung mit rein technischen Mitteln hingegen durch die fehlende Finanzierung bzw. die mangelnde Zahlungsbereitschaft.
Für die Finanzierung der technischen Entnahme von CO2 aus der Luft sind zwei Konzepte denkbar:
CO2-Entfernung, jetzt: Die Technologie so schnell wie möglich einsetzen. Mit diesem Konzept wird bald CO2 in überschaubaren Mengen entfernt, um schnell netto null CO2-Emissionen zu erreichen. Wer CO2 ausstösst, bezahlt für die zeitnahe Wiederentnahme des Treibhausgases durch eine hohe CO2-Abgabe. Dank der hohen CO2-Abgabe sinken die Emissionen rasch und es muss nur wenig CO2 wieder in den Untergrund eingebracht werden; oder gar keines, wenn rechtzeitig eine Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft realisiert wird, also mit CO2 aus der Luft und Wasserstoff aus Wasser synthetische Energieträger produziert werden.
Netto CO2-Entfernung in riesigen Mengen, in vielen Jahrzehnten (angeblich): Die gründliche Reduktion von CO2-Emissionen weiter aufschieben, das CO2-Budget überziehen und behaupten, die jetzt jungen Menschen, ihre Kinder und Enkel könnten in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die bis dann zu viel ausgestossene Menge des Treibhausgases wieder aus der Luft nehmen, also netto CO2-Entfernung realisieren — der ‹Generationenbetrug›.
‹Netto negative CO2-Emissionen› bedeutet: Es wird mehr Kohlenstoffdioxid der Luft entnommen, als zu diesem Zeitpunkt noch Emissionen stattfinden. Die Finanzierung von netto CO2-Entfernung müsste durch Subventionen geschehen, da es (netto) keine Verursacher mehr gibt, die noch für die Übernahme der Kosten verpflichtet werden können. Alles überschüssige, ‹netto› wieder aus der Luft entfernte CO2 müsste sequestriert, also bleibend im Untergrund eingespeichert werden.
So erstaunlich es sein mag, die UNO und der Weltklimarat (IPCC) schlagen — in gigantischem Ausmass — das zweite Konzept vor. Die Szenarien des IPCC gehen davon aus und postulieren, es könne netto CO2-Entfernung geben. Alle mit 1,5 Grad Temperaturerhöhung kompatiblen Szenarien des IPCC sehen netto CO2-Entfernung aus der Luft sogar in gigantischen Mengen vor (Diagramme oben und unten).
Die Entwertung der Zukunft und eine ungerechtfertigte Annahme
Die Szenarien mit netto CO2-Entfernung sind Resultate von Modellrechnungen. Die Simulationen produzieren netto negative Emissionen besonders aufgrund von zwei Annahmen:
Die Abwertung der Zukunft, die sogenannte Diskontierung. Schäden und Kosten in der Zukunft werden geringer bewertet, als Schäden und Kosten heute, zum Teil viel geringer. Szenarien mit netto CO2-Entfernung sind eine Folge hoher Diskontierung. (Glen Peters dazu mündlich und schriftlich. Vgl. auch Legende zu Diagramm 4.)
Es wird davon ausgegangen, dass in wenigen Jahrzehnten jemand bereit sein würde, die Kosten der Netto-Wiederentfernung gigantischer Mengen CO2 zu tragen, obschon bei netto CO2-Entfernung keine Verursacher mehr zur Kostenübernahme verpflichtet werden können. Für diese Annahme gibt es keine objektive Begründung.
Die Modellrechnungen produzieren Szenarien geringster Kosten, unabhängig davon, ob diese Kosten getragen werden. In vielen Simulationen steigen die CO2-Preise in sozusagen astronomische Höhen, zum Teil mehrfach höher als den heutigen Kosten der vergleichsweise teuren, rein technischen CO2-Entfernung entspricht (Diagramm 6). Dies ist primär eine Folge der Diskontierung der Zukunft.
Ein gewisses Mass an Diskontierung ist in Fachkreisen unbestritten. Wegen der Diskontierung wird jedoch die Vermeidung von CO2-Emissionen zeitlich nach hinten verschoben und es werden Szenarien mit sehr grossen Mengen netto wiederentferntem CO2 errechnet, wie Glen Peters bzw. William Nordhaus berichten.
Der Einfluss der Diskontierung auf die errechnete netto CO2-Entfernung wurde lange wenig beachtet. Eine neue Studie zeigt aber auf, wie sehr eine hohe Diskontierung die netto negativen Emissionen vergrössert, den Zeitpunkt mit netto null Emissionen in die Zukunft verschiebt und die Lasten für spätere Generationen erhöht. Wie die Diskontierung erhöht auch die Anzahl der Optionen zur CO2-Entfernung die Last für spätere Generationen, weil dann in den Simulationen jede der Optionen erst spät in erheblichem Umfang eingesetzt wird. (Emmerling et al., 2019; Figure 3)
Stehen sowohl BECCS als auch DACS für die CO2-Entfernung zur Verfügung und soll ein (mit etwa 1,5-Grad Temperaturerhöhung kompatibles) Budget von 400 Milliarden Tonnen CO2 respektiert werden, errechnet das für die Untersuchung verwendete IAM (Integrated Assessment Modell) bei 8% Diskontierung bis in das Jahre 2100 1’000 Gigatonnen netto negative Emissionen (250% eines angenommenen Budgets von 400 Gt). Bei einem angenommen Budget von 1’600 Gt resultieren noch stolze 500 Gigatonnen netto CO2-Entfernung, die rund zwölffache Menge der aktuellen jährlichen weltweiten Emissionen.
Dasselbe Modell errechnet jedoch schon bei 1% Diskontierung netto CO2-Entfernung: Das 400-Gigatonnen-Budget wird um 75% überstrapaziert, 300 Gigatonnen CO2 müssen also netto wiederentfernt werden. Selbst bei dieser unüblich geringen Diskontierungsrate (1%) errechnet das Modell erst bei einem Budget von 1’600 Gigatonnen keine netto CO2-Wiederentfernung. Schon bei 2% Diskontierung berechnet das Modell für alle untersuchten CO2-Budgets netto CO2-Wiederentfernung. (Emmerling et al., 2019; Figure 1)
Um zukünftige Generationen nicht zu sehr zu benachteiligen, empfehlen die Autoren eine gemässigtere Diskontierung von 2-3 Prozent anstelle der üblichen 5-6 Prozent.
Trotz des starken Effekts der Diskontierung sollte diese Diskussion nicht davon ablenken (eher aufzeigen), dass die Diskontierung nicht das Hauptproblem ist.
Netto CO2-Entfernung ist aus einem anderen Grund nicht plausibel: Weil nicht dafür bezahlt werden wird. Die netto CO2-Entfernung sollte darum in den Simulationen ausgeschlossen werden, aus denen allenfalls Empfehlungen für die Welt abgeleitet werden. Tiefere als bisher übliche Diskontierungsraten lösen das Hauptproblem nicht, weil auch sie zu Szenarien mit erheblichen netto negativen Emissionen führen.
Die Erfindung einer Utopie
Stefan Schäfer und Oliver Geden schrieben, die Politik habe die Szenarien mit netto CO2-Entfernung «beim IPCC bestellt, aber nie abgeholt.» Es ist umgekehrt: Die Regierungen der Welt haben die Idee nicht bestellt, aber die Regierungen von Industrienationen haben sie gerne und diskret abgeholt.
Die Idee von netto CO2-Entfernung entstammt unerbeten der Klimaforschung (Obersteiner, 2001; IPCC, 2005, S. 68; IPCC, 2008; Diagramm 3; Hickman, 2016). Die Idee fällt bei den Regierungen von Industrienationen aber auf fruchtbaren Boden.
Die Ursache für die Idee von netto negativen CO2-Emissionen ist Wunschdenken, die menschliche Tendenz, für wahr zu halten, was wünschenswert ist. Der Glaube an die Machbarkeit von netto CO2-Entfernung rechtfertigt Bequemlichkeit und entlastet von Schuldgefühlen. Ohne dieses Wunschdenken wäre die Idee, es würde möglich sein, in Jahrzehnten Hunderte von Gigatonnen CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entfernen, nie aufgekommen — oder die Idee wäre nie aufgenommen worden.
Das Wunschdenken, das zur willkommenen weil schuldentlastenden Idee von netto CO2-Entfernung führt, ist zweifellos in der Politik stark vorhanden, bei Klimaschützern auch, denn erstaunlich viele von ihnen glauben auch an die netto CO2-Entfernung. So entsteht und verbreitet sich ein Irrglaube wie bei einem Cargo-Kult. Anders als bei einem Cargo-Kult hat der Irrglaube verheerendes Potenzial, für die Menschheit insgesamt und darüber hinaus.
In der Wissenschaft bietet sich die Chance, sich mit einer spektakulären und guten, ja erlösenden Nachricht beliebt zu machen: Wir können anderen die Arbeit und die Kosten überlassen, um ein Problem zu lösen, das wir verursachen.
Arbeiten, die zu Szenarien mit netto CO2-Entfernung führen, sind ein Musterbeispiel von Cargo-Kult-Wissenschaft. (Richard Feynman würde sich wundern.)
Das Paradox von Paris
In Paris wurden ein Temperaturziel vereinbart (deutlich unter zwei Grad, wenn möglich 1,5 Gad) und ein Ziel bezüglich Treibhausgaskonzentration (Ausgleich von Quellen- und Senkenleistung, also Stabilisierung der Treibhausgaswirkung, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts).
Diese beiden Ziele des Pariser Abkommens machen in Kombination fast nur dann Sinn, wenn von netto CO2-Entfernung ausgegangen wird. Der Vertrag suggeriert also (stillschweigend), die Welt solle sich auf netto CO2-Entfernung verlassen.
Netto CO2-Entfernung wird aber nur möglich sein, wenn Länder und deren Menschen gezwungen werden können, für die sehr erheblichen Kosten der CO2-Entfernung zu bezahlen — ohne einen angemessenen eigenen Nutzen zu erfahren.
Wir haben aber keine Weltregierung mit dieser Machtfülle, sondern halten das nationale Selbstbestimmungsrecht hoch, auch was das Verursachen des Klimawandels betrifft, oder seine Bekämpfung.
Das nationale Selbstbestimmungsrecht in Klimafragen ist schon für die Reduktion der CO2-Emissionen nicht dienlich, für netto CO2-Entfernung schon gar nicht.
Paradoxerweise hat das Abkommen von Paris die Selbstbestimmung der Nationalstaaten in Klimafragen gefestigt, weil die Ambition auf einen Vertrag mit tatsächlich verbindlichen Verpflichtungen zu den Akten gelegt wurde.
The Day after Yesterday. What the Paris climate conference agreed on. | Artikel auf klimaatelier.ch
Vor diesem Hintergrund ist absehbar, dass die Spekulation auf netto CO2-Entfernung eine Utopie bleiben wird. Wenn überhaupt, ist das Pariser Temperaturziel nur mit zeitnaher Entfernung von CO2 erreichbar.
Dennoch versuchen sogar viele Klimaschützer, die technologische CO2-Entfernung auszubremsen. Sie ignorieren die Möglichkeit zur Entfernung von CO2 aus der Luft oder verurteilen die Technologie, die es dafür braucht, in undifferenzierter Art.
Das paradoxe Verhalten vieler Klimaschützer
Oder sie anerkennen die Möglichkeit, das CO2-Problem durch den frühen Einsatz von DAC-Technologie zu lösen, verneinen ihre Erkenntnis jedoch, weil sie nicht zu ihrer Wunschvorstellung oder Ideologie passt. (Beispiele sind Biofuelwatch, Heinrich Böll Foundation und ETC Group hier; Bettina Dyttrich in der Wochenzeitung da; Marcel Hänggi, ein Kämpfer für Klimaschutz durch ‹weniger› und Initiator der Schweizer Gletscher-Initiative in seinem jüngsten Buch ‹Null Öl. Null Gas. Null Kohle›). Solche Kommunikation ist gleichermassen schädlich wie sie falsch ist.
Etwa 2’300 Kilowattstunden, davon etwa 20% Strom, hauptsächlich Wärme (um 100°C), der Rest Kälte, wird in den DAC-Anlagen von Climeworks pro Tonne aus der Luft gefiltertes CO2 gebraucht. Das ist in der Tat viel, jedoch viel weniger, als bei der ursprünglichen Produktion des CO2 entstand. Es wäre möglich, Kohle zu verbrennen, alle CO2-Emissionen aufzufangen — mehrheitlich aus dem Kamin, zum Teil aus der Luft — und mit der verbleibenden Energie zusätzlich mit DAC ziemlich viel CO2 aus der Luft zu entfernen.
Erneuerbare Energie ist aber für die CO2-Entfernung viel besser geeignet als Kohle. Mit DAC würden die neuen erneuerbaren Energien und ihre Kostenreduktion nochmals viel zusätzlichen Schub erhalten.
Bei den Kämpfern gegen die globale Temperaturerhöhung durch ‹mehr› (mehr erneuerbare Energie) ist dennoch eine ähnliche Ablehnung von DAC auszumachen, wie bei den Advokaten des ‹Weniger›. Der Kampf für erneuerbare Energie (aber gegen investierte Superreiche und die Fossilenergie-Industrie) pervertiert bisweilen zu einem Kampf gegen die direkte, rein technische CO2-Entfernung (Mark Jacobson). Das vermeintlich Bessere (erneuerbare Energie) wird so zum Feind des Guten, der DAC-Technologie, die zur schnellen Reduktion von netto CO2-Emissionen mindestens so unverzichtbar ist wie kostengünstiger Sonnen- und Windstrom (video, 15 Min., sehenswert).
Manche linke und grüne Kreise machen regelrecht Kampagne gegen die CO2-Entfernung (die Heinrich-Böll Stiftung via CIEL, ein übles Beispiel).
Eine ausgeprägte Abneigung haben viele Umweltschützer gegen die bleibende Wiedereinlagerung des CO2 unter Tag.
Die Abneigung gegen die CO2-Sequestrierung
Unter den im Fachbereich versierten Wissenschaftern ist die CO2-Sequestrierung dagegen unumstritten. Sie ist sicher, was in vielen Projekten bewiesen wurde und bewiesen wird. CO2-Sequestrierung ist Fakt und die Fakten zur Sequestierung sind nicht zu leugnen.
Das Potenzial ist mehr als ausreichend gross. Verschiedene geologische Formationen eignen sich für die bleibende Einlagerung von CO2 nachweislich.
Die Sequestrierung von CO2 in Salinen Aquifern vor den Küsten oder auch auf Land weist gemäss gründlichen Untersuchungen das grösste Potenzial auf. Ein Mehrfaches aller bisherigen Emissionen der Menschheit könnte in Salinen Aquifern sequestriert werden. (Global CCS Institute, 2018)
Für praktische Anliegen ist das Potenzial allein in Salinen Aquifern also unbeschränkt. Verschiedene Projekte für die Sequestrierung von Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sind in Gang, weitere sind in Planung. Ein kleineres Projekt in Deutschland ist bereits zuverlässig abgeschlossen worden — ‹abgeschlossen› im doppelten Sinn des Wortes.
Junger Basalt ist häufig und für die CO2-Sequestrierung speziell geeignet weil das CO2 schnell mineralisiert (Matter et al., 2016). In Island und vor den Küsten der Insel könnte allein das CO2 sequestriert werden, welches die Menschheit sei der Industrialisierung ausgestossen hat (Snæbjörnsdóttir et al., 2014; Snæbjörnsdóttir und Gislason, 2016).
Die Sequestrierung ist nicht teuer. Abgesehen von den Transportkosten wird sie pro Tonne CO2 wenige Dollar kosten. Wie bei der CO2-Filterung aus der Luft oder aus Abgasen sind es jedoch zusätzliche Kosten, die jemand tragen muss, andernfalls die Sequestrierung nicht stattfindet — oder zusätzliche Gewinne müssen die Kosten aufwiegen.
Es ist darum kein bisschen erstaunlich, dass zur Zeit die allermeiste CO2-Sequestrierung in Erdölfeldern geschieht, wo durch das Einpressen von CO2 mehr Öl gefördert werden kann, und dass dabei bisher meist CO2 eingepresst wird, das kostengünstig anfällt und mit Klimaschutz nichts zu tun hat.
Ob durch das Einpressen von CO2 Erdöl gefördert werden soll, ist eine berechtigte Frage — auch wenn das CO2 allenfalls aus der Luft stammt und vielleicht insgesamt etwa gleich viel Kohlenstoff verschwinden mag, wie herauskommt, was sehr wohl der Fall sein kann. (Zum Beispiel wenn, anders als in diesem Projekt von Carbon Engineering, der DAC-Prozess durch erneuerbare Energie angetrieben wird.)
Ob mit CO2-Sequestrierung Öl gefördert werden soll, ist aber sowieso eine andere Frage als die der Sicherheit der CO2-Sequestrierung in Erdöl- oder Erdgasfeldern oder des Potenzials! Die Sicherheit ist durch nun schon viele Anwendungen gut belegt. Ausgediente, geeignete Erdgas- und Erdölfelder gibt es viele.
Wer nicht will, dass DAC (oder CCS) dafür eingesetzt wird, noch mehr Erdöl zu fördern, sollte besonders entschieden für hohe CO2-Abgaben einstehen — und den ‹Generationenbetrug› besonders entschieden vereiteln.
Wer gar nicht will, dass CO2 in der Erdkruste entsorgt wird, sollte sich für beides (kein ‹Generationenbetrug›, sehr hohe CO2-Abgaben) noch entschiedener einsetzen. CO2 mit sauberer Energie aus der Luft nehmen und für die Produktion von synthetischen Energieträgern wieder verwenden ist damit nicht ausgeschlossen, sollte nicht ausgeschossen werden, wird aber (nur) mit sehr hohen CO2-Abgaben für fossilen Kohlenstoff stattfinden.
Die Nutzung des Kohlenstoffs aus der Luft ist absehbar weniger umstritten als die Sequestrierung. Bezahlbar ist diese echte Wiederverwendung des Kohlenstoffs aus der Luft auch (von mir aus gerne). Sie ist aber sehr deutlich teurer als die Wiedereinlagerung in des Kohlenstoffs als CO2 in der Erdkruste. (Die echte Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft wäre jedoch viel günstiger als die CO2-Preise, die zum Teil in den Berechnungen eingesetzt wurden, die als Resultat netto CO2-Entfernung postulieren; Diagramm 6, oben.)
Die paradoxe Haltung von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern
Obschon es sich bei der Technologie zur Entnahme von CO2 mit Direct Air Capture, DAC, um unverzichtbare Hoffnungstechnologie handelt, wird auch durch Klimaforscher und ‑forscherinnen fast immer die «Technologie» thematisiert, oft kritisiert oder in Frage gestellt (Schweiz).
In einem Bericht des Europäischen Wissenschaftsrats vom letzten Jahr beschreiben Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus 27 europäischen Ländern DAC korrekt, einschliesslich aktive Firmen, realisierte Anlagen, Energieverbrauch, Preise und erwartete weitere Preisentwicklung. Auch die Möglichkeiten der CO2-Sequestrierung werden korrekt und umfassend beschrieben.
Das Unbehagen über die Behauptung, es würde gigantische netto CO2-Entfernung geben, geht unzweideutig aus dem Bericht hervor, sogar schon aus der Einleitung des ESEAC Präsidenten, Thierry Courvoisier.
Systematisch verurteilt der Bericht dennoch — wohl als Folge des Unbehagens — nicht die gefährliche Spekulation mit netto negativen Emissionen, sondern an Stelle der Spekulation — zu dumm — die Technologie, die wir dringend brauchen, um die schwerwiegenden Folgen der Spekulation zu verhindern und die CO2-Emissionen schnell auf netto null zu reduzieren. (EASAC 2018)
Die EASAC hat 2019 ihren Schuss ins eigene Knie etwas korrigiert, aber nur halbherzig: DAC sei bereits günstig gewordenen die negativen Emissionstechnologien sollen jetzt weiter erforscht und für den frühzeitigen Einsatz erwogen werden; aber nicht als Versicherung gelten, um unterlassene CO2-Vermeidung später wieder gut zu machen. (EASAC 2019; S.9)
Thomas Stocker sagte über CO2-Entfernung: «Doch alles, was vorgeschlagen wird, kann kaum auf die weltweite Skala vergrössert werden und ist deshalb längst nicht genügend, um netto null zu erreichen.» Der Komplettverzicht auf fossile Energie für netto null CO2-Emissionen dürfte (sollte!) jedoch noch schwieriger durchsetzbar sein als eine Bezahlpflicht für diese Emissionen bis auf das Niveau, das für die zeitnahe Wiederentfernung des Restausstosses an Kohlenstoffdioxid ausreicht — und die Emissionen aus fossilen Quellen stark beschneidet, aber nicht restlos ausschliesst. Stocker war Co-Chair der Working Group 1 und erstgenannter Redaktor des IPCC-Berichts, der erstmals netto CO2-Entfernung graphisch darstellte (2013; Diagramm 3).
Kevin Anderson, der wohl einflussreichste Berater Greta Thunbergs, stört sich zweifellos eigentlich an der Behauptung, es könnte netto CO2-Entfernung geben. Er verurteilt jedoch die technische CO2-Entfernung grundsätzlich und scharf indem er die Technologie zur Entfernung von CO2 in Frage stellt, nicht die unbegründete Annahme, es würde jemand für netto negative CO2-Emissionen bezahlen (2015, video). (Würde er die umweltfreundliche Möglichkeit zur Filterung von CO2 aus der Luft anerkennen, würde dies seinen Aufruf zu freiwilligem Flugverzicht in Frage stellen.)
James Hansen, der wahrscheinlich einflussreichste Klimaforscher überhaupt und unter anderem der Antrieb hinter Klimaklagen von Jugendlichen gegen ihre Regierungen, verurteilt die Spekulation auf technologische netto CO2-Entfernung in grossen Mengen gründlich (2016). Schon lange fordert er auf biologischen Ansätzen beruhende Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre, auch netto (2008). Er nennt die erheblichen Kosten der technischen CO2-Entfernung als Argument für die Klagen (2018, 2018b).
Immerhin der prominente Klimaforscher Stefan Rahmstorf lehnt die Behauptung oder Annahme ab, es könnten in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts grosse Mengen CO2netto wieder aus der Luft entfernt werden, verurteilt aber die technische CO2-Entfernung nicht. Seine Haltung ist erfreulich. Er zieht daraus auch die richtigen Folgerungen und kommuniziert diese. (Vgl. diesen Artikel auf klimaatelier.ch.)
Leider gibt es — Wahrnehmung des Schreibenden — aus der Klimaforschung noch keine einflussreiche Stimme, die den ‹Generationenbetrug› mit netto CO2-Entfernung ausdrücklich verurteilt, aber schnelle CO2-Entfernung, auch der rein technischen Art, ausdrücklich fordert.
Die deutschsprachigen Scientists for Future bezeichnen (im Faktenteil ihrer Stellungnahme) die Spekulation auf netto negative Emissionen als «Überziehungskredit» der jetzt aufgenommen wird und den die bereits heute lebenden jungen Menschen wieder abzubezahlen hätten. Sie weisen auf die gravierenden Folgen hin, unter der viele nachfolgende Generationen zu leiden hätten, sollte dieses Abbezahlen nicht gelingen. Da es keinen Grund zur Annahme gibt, dass das Abbezahlen gelingen könnte, ist dies eine ziemlich verharmlosende Darstellung der Problematik.
Wenn verantwortungsbewusste Wissenschafterinnen und Wissenschafter korrekte Empfehlungen machen, die sich ganz einfach nicht auf den ‹Generationenbetrug› stützen, sind bereits Lob und Dankbarkeit angemessen. Der deutsche Sachverständigenrat für Umweltfragen, SRU, hielt es in seinem offenen Brief an die «Mitglieder des Klimakabinetts» so.
Wer den ‹Generationenbetrug› nicht unterstützen mag, aber keinesfalls Forscherkollegen und -kolleginnen kritisieren will, soll sich bitte das Vorgehen des SRU zum Vorbild nehmen — ist so schwierig nicht.
Mangel an sprachlicher Differenzierung
Sprachlich wird kaum zwischen negativen CO2-Emissionen und netto negativen CO2-Emissionen unterschieden. Es wird von negativen Emissionen gesprochen (was wir fordern und dringend umsetzen sollten), wenn die Utopie mit netto negativen Emissionen gemeint ist (die wir verurteilen sollten). Titel von wissenschaftlichen Publikationen heissen: «The trouble with negative emissions» (Anderson und Peters, 2016); «Betting on negative emissions» (Fuss et al., 2014); «The ethics of negative emissions» (Lenzi, 2018); «On the financial viability of negative emissions» (Bednar et al., 2019). In allen diesen Publikationen geht es jedoch erstrangig um netto negative Emissionen.
Mangel an konzeptioneller Unterscheidung
Nach Wahrnehmung des Schreibenden grenzt nur eine einzige wissenschaftliche Publikation negative von netto negativen CO2-Emissionen ab, weil die Verursacher nur zur Bezahlung von CO2-Entfernung verpflichtet werden können, solange die CO2-Emissionen nicht netto negativ werden, für netto CO2-Entfernung aber Subventionen fliessen müssen (Bednar et al., 2019).
Johannes Bednar, Michael Obersteiner und Fabian Wagner streifen in ihrer Publikation das Problem der absehbar ungenügenden Zahlungsbereitschaft ohne Verursacher und weisen auf den Einfluss der Diskontierung auf das Ausmass der berechneten netto CO2-Entfernung in den Szenarien hin. Als zentrales Resultat zeigen sie auf, dass das Finanzierungsproblem sogar auch quantitativ kaum mehr lösbar ist, wenn die netto Entfernung von CO2 nötig würde. Es ist absehbar, dass nicht alle Länder die netto Wiederentfernung von CO2 mitfinanzieren. Für die anderen Länder steigen deshalb die Kosten auf ein untragbares Mass. Die Publikation behandelt primär das Bezahlproblem aufgrund der Kosten der netto CO2-Entfernung, nicht so sehr aufgrund der Bereitschaft zur Kostenübernahme an sich, auch nicht das Bezahlproblem bei zeitnaher CO2-Entfernung.
Die Verschärfung des Trittbrettfahrerproblems
Würden die einen Länder netto CO2 entfernen, die anderen nicht, vergrösserte sich der materielle Vorteil des Trödelns und Trittbrettfahrens beim Klimaschutz. Die nachträgliche (netto) CO2-Entfernung wäre eine Herkulesaufgabe. Die Mitwirkung bei dieser ‹Herkulesaufgabe› zu verweigern (oder die vergleichsweise billige Reduktion der Emissionen zu verweigern), würde zudem langfristig attraktiv, da ja nun die einen Länder die Emissionen anderer Länder wieder entfernen. Die einen würden ein Problem (das gelöst werden muss) sehr kostspielig lösen, während andere Länder es weiterhin billig verursachen könnten. Die netto CO2-Entfernung wäre für das betreffende Land wie eine Aufgabe des Herakles und des Sisyphos.
‹Trittbrettfahrer›, also diejenigen, welche die Lösung der Klimakrise anderen überlassen wollen, sind das grösste Hemmnis bei der Lösung des Klimaproblems, das ist schon heute so. Geht es um netto CO2-Entfernung, verstärkt sich das ‹Trittbrettfahrer›-Problem nochmals sehr deutlich. Selbst wenn es eigentlich kooperationswillige Staaten für netto CO2-Entfernung gibt, würden ‹Trittbrettfahrer›-Nationen diese Kooperationswilligkeit untergraben. Aus Forschung mit dem Ultimatum-Spiel und spieltheoretischen Experimenten, die speziell auf die Problematik des Klimawandels zugeschnitten wurden, ist bekannt, dass eigentlich kooperationswillige Teilnehmer ‹Trittbrettfahrer› bestrafen, indem sie schliesslich ebenfalls die Kooperation verweigern, sogar dann, wenn sie sich dadurch selbst schaden (Milinski et al., 2008). Schon heute machen viele Länder ihre Treibhausgas-Reduktionsversprechen offiziell vom Verhalten anderer Länder abhängig (vgl. «Conditional NDC» gegenüber «Unconditional NDC» in Diagramm 5, unten).
Wird dürfen es nicht soweit kommen lassen, dass netto CO2-Entfernung eigentlich notwendig wäre — aber dennoch nicht stattfindet. Um dies zu verhindern, ist die schnelle Anwendung der technischen CO2-Entfernung in ziemlichem Umfang unverzichtbar. Dies muss erklärt und verstanden werden, auch wenn es schwierig verständlich zu machen ist.
Angriff aus das falsche Ziel
Angestiftet von George Monbiot liess sich der ebenfalls einflussreiche Michael Mann (‹Hockey Stick› und ein Buch über ein Mädchen, das die Welt rettet, ‹The Tantrum that Saved the World›) zu einer ungerechtfertigten Verurteilung von CO2-Entnahmetechnologie einschliesslich Direct Air Capture, DAC, hinreissen, die auch Greta Thunberg mitunterzeichnete, aber richtigerweise postwendend kritisiert wurde: «Je machbarer eine ‹unerwünschte› Technologie wird, umso schräger werden die Argumente gegen sie.» (Oliver Geden)
Schräg sind nicht nur die Argumente gegen die Technologie zur direkten Entfernung von CO2 aus der Luft. Sehr schräg ist, dass Wissenschafter ebenso wie Klimaschützer die «negative Emissionstechnologie» schlecht reden. Auch die meisten Klimaschützer missbrauchen gewissermassen die Technologie als Projektionsfläche für den ‹Generationenbetrug›, den sie zurecht verabscheuen, sofern sie sich des Betrugs überhaupt bewusst sind.
Nur wenige mutige Wissenschafter wie Anderson (2015) oder Hansen (2016) kritisieren Forscherkollegen, welche die utopische Idee in die Welt setzten und verbreiten, oder Regierungen, welche die netto-negativ Utopie gerne vorschnell adoptierten. (Beide kritisieren allerdings ohne Namen zu nennen.)
Die einen leugnen die Existenz des CO2-Problems, die anderen leugnen die Existenz der Lösung dieses Problems
Wenn sie sich überhaupt kritisch dazu äussern, drücken die Klimaforscher ihren Unmut (oder ihr Unbehagen) über die Annahme von netto CO2-Entfernung leider fast systematisch dadurch aus, dass sie die Technologie zur CO2-Entfernung in Frage stellen. Sie stellen die Kosten in den Vordergrund oder behaupten, die Technologie sei nicht da oder im nötigen Massstab unerprobt — oft beides (zum Beispiel Timothy Lenton).
Verschiedene Klimaschützer haben mir im Gespräch versichert, dass sie die technologische CO2-Entfernung ablehnen — leugnen —, weil sie befürchten, die Anerkennung der Technologie würde die Spekulation auf netto CO2-Entfernung unterstützen und dadurch zeitnahe CO2-Vermeidung behindern.
Ob bewusst oder unbewusst angewendet, diese Taktik ist erstens ein Schuss ins eigene Knie der Klimaschützer, denn der ‹Generationenbetrug› ist im Moment nur eine Gefahr und ein Fehlanreiz, eine Spekulation. Sie riskiert jedoch Schäden von jetzt noch unermesslichem Ausmass zu verursachen, wenn noch lange an ihr festgehalten wird — weil sie sich schliesslich als Fehlspekulation herausstellen wird. Um diese Situation zu vermeiden, braucht es den baldigen Einsatz von CO2-Entfernungstechnologie in erheblichem Ausmass. Es braucht also das Gegenteil der Leugnung und Verurteilung der direkten technischen Entnahme von CO2 aus der Luft.
Zweitens ist die Leugnung der Technologie objektiv unhaltbar. Das Problem mit der rein technologischen CO2-Entfernung ist nicht die Technologie, bzw. ihre angebliche Unreife. Das Problem ist nicht, dass diese Technologie allesamt umweltschädlich wäre oder, dass sie zu spät kommt. Sie ist auch nicht zu teuer. Jedenfalls DAC ist unbestreitbar in den Startlöchern und ausreichend umweltfreundlich. Es fehlt einzig die Zahlungsbereitschaft für den Einsatz der Technologie. Ohne diese Zahlungsbereitschaft, wird die CO2-Entnahmetechnologie immer ‹im nötigen Massstab unerprobt› bleiben.
Diese Technologie kommt nicht von allein
Die Technologie zur direkten, technischen CO2-Entfernung aus der Luft ist nicht billig, das ist wahr. Sie wird aber, egal wie kostengünstig sie noch werden kann, immer zusätzliche Kosten verursachen und darum nie in relevantem Ausmass freiwillig angewendet werden.
Nur politischer Wille kann die Anwendung von Technologie für die Entfernung von Kohlenstoffdioxidgas aus der Luft erwirken. Die fehlende Zahlungsbereitschaft muss darum verurteilt werden, genauer gesagt: die Politik, welche die Bezahlung nicht einfordert. Aber sicher nicht sollte die Technologie selbst schlecht geredet oder bezweifelt werden.
Myles Allen, Professor in Oxford, weist die Jugendlichen auf die fehlende Zahlungsbereitschaft der Generation ihrer Eltern hin und darauf, dass die Regierung ihres Landes ihnen zumutet, in Jahrzehnten Hunderte Milliarden Tonnen CO2netto wieder aus der Luft zu nehmen und in den zu Boden drücken.
Er rät den Jugendlichen, deswegen wütend («angry») zu werden.
Seine Empfehlung ist eine der besten eines namhaften Experten. (Wir sollten allerdings nicht so sehr Geld für die CO2-Entfernung beiseite legen, schon gar nicht für die illusorische netto CO2-Entfernung, sondern es jetzt dafür ausgeben, investieren.)
Myles Allen ist, wie Thomas Stocker, einer der Geburtshelfer der Idee von netto negativen CO2-Emissionen. Allen sollte nicht nur an die Jugendlichen appellieren, sondern an die Generationen von Drückebergern, seine und meine Generation. Und er sollte die Erfinder des Generationenbetrugs kritisieren, also Klimaforscher, einschliesslich sich selbst. Allen war «contributing author» des Kapitels 12 des IPCC Berichts (2013), wo der Weltklimarat erstmals Szenarien mit netto negativen CO2-Emissionen publizierte (Diagramm 3).
Hassliebe zu «negativen Emissionen»
«Wissenschafter lieben negative Emissionen oder sie hassen sie», schrieb der ausgezeichnete Ökonom Glen Peters.
Auf der einen Seite warnte Peters selbst verschiedentlich, die Idee von CO2-Entfernung unterminiere schnelle Emissionsreduktionen und lässt durchblicken, die Annahme von negativen Emissionen sei unwissenschaftlich, unrealistisch, jedenfalls gefährlich (2016) — er meinte zweifellos netto negative Emissionen, also eine Idee, nicht einen Sachverhalt oder eine Technologie. Auf der anderen Seite beschrieb und bezeichnete Peters das umstrittene BECCS (normalerweise das Verbrennen von Biomasse und das Abtrennen des CO2 aus dem Abgasstrom) als gewissermassen traumhafte Methode und verbreitete diese Meinung auch via Twitter.
Wie andere, die sich mit negativen und netto negativen Emissionen befassen, «liebt» Glen Peters die Idee von netto negativen Emissionen und «hasst» sie gleichzeitig.
Viele Forscher ahnen wohl, dass netto CO2-Entfernung nicht stattfinden wird und die Behauptung darum betrügerisch ist, weshalb sie die Idee hintergründig «hassen», vordergründig aber die Technologie in Frage stellen — mein Verdacht.
Die Forscher haben jedoch kaum je den Mut, ihren Regierungen und Mitbürgern zu sagen, was Sache ist, nämlich wie dringend sie die Bezahlung der Vollkosten des CO2-Ausstosses (und den Einsatz der CO2-Entfernungstechnologie!) verlangen müssen, andernfalls sie als Übeltäter durch Unterlassung oder als Fehlwähler betrachtet werden müssen — die Politiker beziehungsweise ihre Wähler. Deshalb «lieben» diese Wissenschafter die Idee von netto CO2-Entfernung. (Mutig zu sein überlassen sie einem 16-jährigen Mädchen. Die Politiker auch.)
Nützlich zu argumentieren, korrekt zu «lieben» oder zu «hassen», wäre einfach: Wir sollten den ‹Generationenbetrug›, die Spekulation auf netto negative Emissionen, «hassen», aber die Technologie für die CO2-Entfernung «lieben» und ohne Verzögerung fordern.
Gewöhnung an eine willkommene Utopie
Leider ist gerade das Gegenteil der Fall. Es ist nicht nur ein irrationaler ‹Hass› auf die Technologie für CO2-Entfernung (CDR-Technologie, Carbon Dioxide Removal), sondern auch eine erstaunliche ‹Liebe› gegenüber der Idee von netto CO2-Entfernung feststellbar.
Wie fast alle Institutionen, die sich dazu äussern, schreibt zum Beispiel die Internationale Energie Agentur IEA in ihrem Global Outlook 2017 (auf Seite 41), die signifikante Umsetzung von negativen Emissionstechnologien sei in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts notwendig, um das CO2-Budget zu respektieren (dies einerseits, die ‹Liebe›).
Gleichzeitig leugnet auch die wichtige IEA die Existenz von CO2-Entfernungstechnologie (dies andererseits, der ‹Hass›): «Kosten und Potenziale von anderen CDR-Technologien [als BECCS] bleiben ungewiss, obschon diese theoretisch eine vielversprechende Ergänzung oder Alternative zu BECCS sein könnten, wenn sie kommerziell würden und in in der Lage wären, in ausreichendem Ausmass angewendet zu werden.» (Es sind nicht nur die Kosten von DAC bekannt, sogar die Anlagen sind da! Die Technologie kann aber nie «kommerziell» im Sinn von rein marktwirtschaftlich rentabel werden. Sie ist bei der Anwendung immer ein Kostenfaktor.)
Die Aussage der IEA ist diese — und die IEA ist mit dieser Aussage ganz und gar nicht allein: Eine Technologie (mit Kosten, die wir kennen, die bereits erträglich tief sind und wir jetzt den Verursachern anlasten können), muss erst noch «kommerziell» werden und beweisen, dass sie in ausreichendem Ausmass angewendet werden kann. Ihre Anwendung in ferner Zukunft (wenn dafür Subventionen von gigantischem Ausmass notwendig wären) bezeichnet die IEA hingegen als «notwendig».
Vielleicht hat die ‹Liebe› mit Gewöhnung an die Spekulation mit der netto-negativ Utopie zu tun. Der Glaube, zukünftige Generationen könnten in Jahrzehnten von uns bis dahin zu viel produziertes CO2 in astronomischen Mengen wieder aus der Atmosphäre entfernen, besänftigt das Gewissen und macht die Gewöhnung psychologisch attraktiv.
Einflussreiche Wissenschafterinnen und Wissenschafter, die sich früher gegenüber der Idee von netto CO2-Entfernung sehr kritisch äusserten (Glen Peters; Oliver Geden; Sabine Fuss, 2014), akzeptieren die Utopie zunehmend, verteidigen sie sogar (Geden, auch hier; Peters, auch hier über BECSS; Fuss, auch an anderer Stelle im gleichen Video).
Fast wie Jeanne d’Arc im fünfzehnten Jahrhundert die Engländer hat sich Greta Thunberg vorgenommen, die Klima-Generationenbetrüger zu besiegen. In ihrer Rede am 23. April in den Houses of Parliament («Can you hear me?») sagte sie: «Das ‹Emissionen reduzieren› ist natürlich notwendig aber es ist nur der Beginn eines schnellen Vorgangs der innerhalb zweier Jahrzehnte zu einem Stopp führen muss oder schneller. Und mit ‹Stopp› meine ich netto null — und dann schnell weiter zu [netto] negativen Zahlen.»
Sogar Greta Thunberg scheint sich mit der Spekulation auf netto negative Emissionen anzufreunden, dem besonders hinterlistigen Aspekt des Klima-Generationenbetrugs.
Dies ist etwas absurd, denn, wie ihr einflussreicher Berater Kevin Anderson, stellt Greta Thunberg die Möglichkeit der zeitnahen technischen CO2-Entfernung aktiv in Frage, vermutlich um den ‹Generationenbetrug› nicht zu unterstützen.
Tatsächlich liegt der Verdacht sehr nahe, dass die Gewöhnung an den ‹Generationenbetrug› auch mit den grossen Fortschritten zusammenhängt, welche die rein technische Entfernung von CO2 aus der Luft gemacht hat, so sehr, dass es (eigentlich) absurd geworden ist, die Technologie in Frage zu stellen. Dem ‹Generationenbetrug› durch die Leugnung der Technologie verhindern zu wollen, ist ebenso absurd geworden.
Es führt (eigentlich) kein Weg (mehr) daran vorbei: Der ‹Generationenbetrug› muss redlich denunziert werden, mit dem korrekten Argument, der absehbar fehlenden Zahlungsbereitschaft für netto CO2-Entfernung.
Der ‹Generationenbetrug› muss ohne zeitliche Verzögerung und vehement verurteilt werden, denn er entfaltet sein schädliches Potenzial nachweislich schon jetzt.
Die netto-negativ Utopie ist ein ‹moral hazard›, ein Fehlanreiz, der Emissionsreduktionen verzögert
Ein vielbeachteter Kommentar im Science Magazine von Glen Peters und Kevin Anderson (2016) trug den Titel «Das Problem mit negativen Emissionen» (video). Zweifellos die Idee von netto CO2-Entfernung meinend, argumentierten sie, CO2-Entnahmetechnologie stelle einen «moral hazard par excellence» dar, einen Fehlanreiz zu unmoralischem Verhalten.
Der Begriff ‹moral hazard› stammt aus dem Versicherungswesen: Eine Vollkaskoversicherung schafft einen Fehlanreiz, weniger vorsichtig Auto zu fahren.
Wer glaubt, seine Kinder und Enkel seien in der Lage, CO2 in gigantischen Mengen wieder aus der Luft zu entfernen, wird das Treibhausgas hemmungsloser emittieren, als wenn dieser Irrglaube nicht besteht. Dies ist erstens plausibel. Zweitens kann der ‹moral hazard› stichhaltig belegt werden.
Der ‹Generationenbetrug› mit der netto-negativ Utopie ist in vollem Gang
Die Spekulation auf netto CO2-Entfernung ist bereits fester Bestandteil des offiziellen Vergleichs zwischen Soll- und Ist-Zustand der in Paris abgegebenen nationalen Versprechen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen.
Die Kluft zwischen den mit dem Pariser Abkommen kompatiblen Reduktionen und den gesamthaften Versprechen wäre in der Darstellung des UNO-Umweltprogramms viel grösser, würde die UNO nicht von netto CO2-Entfernung ausgehen (Diagramm 5). Durch die Spekulation auf netto negative CO2-Emissionen spielt die UNO das ohnehin auffällige Ungenügen der Summe der nationalen Versprechen massiv herunter und legt damit den Mitgliedstaaten Treibhausgasreduktionspfade nahe, die nicht mit dem Pariser Abkommen vereinbar sind — wenn die Netto-Negativ-Utopie ausgeklammert wird. Dies ist ein Beleg «par excellence» für den ‹moral hazard›, für den Fehlanreiz zu unmoralischer Politik durch die Spekulation auf netto CO2-Entfernung.
Die UNO weist nicht sehr aktiv auf die Spekulation hin — gelinde gesagt. Dass die Netto-Negativ-Spekulation die Verbesserung der nationalen Ambitionen zur Erreichung der Pariser Klimaschutzziele sabotiert, fällt kaum auf.
Auch der vielbeachtete Gap-Report der Nichtregierungsorganisation Carbon Tracker stellt die Szenarien mit netto negativen CO2-Emissionen als Sollverlauf dar — ebenfalls ziemlich diskret.
Der IPCC Spezialbericht über 1,5 Grad Temperaturerhöhung macht Angaben über die ‹verfügbaren Szenarien› («available scenarios»), die das 1,5-Grad Ziel (mehr oder weniger gut) respektieren. Etwas willkürlich schlossen die Forscher und Forscherinnen in mindestens einem Szenario BECCS aus, und CCS ebenfalls (Carbon Capture and Sequestration, die Entfernung von CO2 aus Abgasströmen von Industrieanlagen). Dagegen liessen sie netto negative CO2-Emissionen immer zu. Als Folge davon weisen alle publizierten («verfügbaren») 1,5-Grad Szenarien des IPCC netto CO2-Entfernung auf.
Vertraut man auf diese Szenarien mit netto CO2-Entfernung, müssen für 1,5 Grad Temperaturerhöhung erst etwa im Jahr 2050 netto null CO2-Emissionen erreicht werden (Tabelle oben und Diagramme 1 und 2).
Szenarien, die das 1,5-Grad Ziel ohne netto CO2-Entfernung einhalten, sind ‹nicht verfügbar› weil ganz einfach keine berechnet wurden, wodurch erstens der irreführende Eindruck entsteht, die Einhaltung der 1,5-Grad Limite sei ohne netto CO2-Entfernung nicht möglich. Und zweitens, und noch irreführender, suggeriert der Weltklimarat, die in den Simulationen zugelassene netto CO2-Entfernung sei möglich.
Die Forscherinnen und Forscher des Weltklimarats IPCC gehen ausnahmslos in allen Berechnungen von einer schwer wiegenden und unplausiblen Annahme aus und errechnen damit Szenarien. Anschliessend stellen sie die Resultate als Notwendigkeit ohne Alternative dar und damit implizit als Möglichkeit. So gesehen braucht sich niemand zu wundern, dass die Meinung, es könne und werde netto CO2-Entfernung geben, normal geworden ist.
Wie normal die Spekulation auf netto CO2-Entfernung geworden ist und wie sehr sie als ‹moral hazard› wirkt, lässt sich auch in Artikeln und Aussagen von Wissenschaftern, Politikern und Journalisten erkennen und dort an einer Jahreszahl: «2050» also «in 30 Jahren». (Stefan Häne und Martin Läubli, hier, Marcel Hänggis Gletscher-Initiative, der Bundesrat oder die EU sind Beispiele dieser Normalität.)
Dass politisch 2050 gerne als Zieljahr von Klimaschutzstrategien oder sogar spezifisch für netto null CO2-Emissionen postuliert wird, ist eine direkte Folge der diskreten Verbreitung der Netto-Negativ-Utopie durch Wissenschafter und Wissenschafterinnen, den Weltklimarat IPCC, UNFCCC, UNEP, IEA, etc. und, zum Teil aus Unwissenheit, durch Medienschaffende — und sogar durch Menschen, die Klimaschützer sein wollen und in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit als solche gelten.
Darüber, wie sehr die Annahme, es könne netto CO2-Entfernung geben, die bestehenden nationalen Klima-Zielsetzungen dominiert und weiter beeinflusst, wird kaum je geschrieben oder gesprochen.
In weiser Voraussicht quantifizieren eher kritische (und sogar auch eher unkritische) Forscherinnen und Forscher bereits, um wie viel die Temperaturerhöhung überschiesst, wenn die politischen Entscheidungsträger auf netto CO2-Entfernung spekulieren und CO2-Minderung aufschieben, die netto CO2-Entfernung aber nicht stattfindet. Es sind 0,7 bis 1,4 Grad (McLaren und Jarvis, 2018).
Anderson und Peters (2016) haben zweifellos recht, wenn sie auf den ‹moral hazard› hinweisen, jedoch sollten auch sie nicht sprachlich die CO2-Entnahmetechnologie als Prügelknaben missbrauchen und kritisieren, sondern den gefährlichen Irrglauben an netto CO2-Entfernung.
Es ist einfach aber falsch, eine Technologie in Frage zu stellen oder sogar schlecht zu reden, statt UNO, IPCC, Forscherkollegen oder Politiker zu kritisieren, die dazu beitragen, dass sich der Glaube an netto CO2-Entfernung, wie «ein Krebs ausbreitet» (Hansen, 2016).
Eine unverzichtbare Technologie ist Prügelknabe für eine zweifelhafte Spekulation
Die Technologien wehren sich nicht und man riskiert damit kaum, sich unbeliebt zu machen. Etwas Widerstand gegen den Angriff auf das falsche Ziel, das sich nicht wehren kann, gibt es dennoch.
Die Spezialisten im Bereich der CO2-Entfernung fühlten sich provoziert. Klaus Lackner und 45 Co-Autorinnen und Co-Autoren, darunter Peter Eisenberger, David Keith, Tim Kruger und die ETH-Professoren Marco Mazzotti und Aldo Steinfeld, widersprachen Anderson und Peters, erklärend, jede Handlungsoption sei ein Gewinn, also auch die Technologie zur Entfernung von CO2 (Lackner et al., 2016).
Tatsächlich ist die Technologie selbst ein Gewinn — und wie! Sie behaupteten aber auch, das «Vertrauen» (oder der Glaube, «faith») in die Anwendung der Technologie sei keine Gefahr und suggerieren «Vertrauen» darin, dass netto negative CO2-Emissionen stattfinden werden. Dieses Vertrauen ist ein «moral hazard» erster Klasse.
Anderson und Peters replizieren im gleichen Heft, beharren auf ihrem Standpunkt und können den «moral hazard» belegen. Sie bleiben jedoch bei der Kritik an der Technologie, statt sprachlich und inhaltlich korrekt nur die Annahme von netto CO2-Entfernung als Utopie zu verurteilen.
Zu kritisieren sind in diesem Fall aber nicht Kevin Anderson und Glen Peters: Klaus Lackner und seine Mitautoren und Mitautorinnen sollten die netto-negativ Utopie (auch) verurteilen und erkennen, dass diese Verurteilung dem Einsatz von CO2-Abscheidetechnologie nicht schaden, sondern helfen würde. Denn ihre grossartige und unverzichtbare Technologie sollte in ziemlich grossem Massstab zum Einsatz kommen — und das schnell.
Würden die CO2-Entnahmetechnologen anerkennen, dass ihre Technologie für netto CO2-Entfernung nicht zum Einsatz kommen wird, würde klar, dass die Technologie zur CO2-Entfernung (ohne ‹netto›) aus der Atmosphäre ohne Verzug zum Einsatz kommen muss.
Die Wette der Entwickler auf netto CO2-Entfernung
Leider wetten (Tim Kruger) die Entwickler dieser Technologie sehr wohl auf netto CO2-Entfernung. Sie verteidigen (David Keith) nicht nur ihre Technologie, sondern sogar auch die netto-negativ Utopie (Climeworks). Es mag sein, dass ihnen diese Utopie hilft, Kapital zu mobilisieren. Sie wird ihnen darüber hinaus aber nicht helfen, tatsächlich Maschinen zu verkaufen. «Wetten» die Hersteller von Technologie zur Entfernung von CO2 aus der Luft auf netto CO2-Entfernung, werden sie die Wette verlieren.
Natürlich ist es auch nur eine Vorhersage — oder (m)eine Behauptung —, dass in absehbarer Zeit die netto CO2-Entfernung nicht finanziert wird und also nicht stattfinden wird. Diese Vorhersage ist jedoch durch die historische Erfahrung und die aktuellen Gegebenheiten gut begründet.
Die CO2-Entfernung ist kein hoffnungsloser Fall — netto schon
Ungenügende geopolitische Strukturen und in ihren Entscheidungen von tribalistischen Instinkten dominierte, in Konkurrenz zu einander stehende Nationalstaaten mit kurzfristig denkenden und eigennützig agierenden Regierungen und Wählern behindern die Lösung des CO2-Problems. Dies ist jetzt so und es wird leider auch in der absehbaren Zukunft allzu sehr so sein.
Es gibt starke Belege für die Vorhersage oder ‹Behauptung›, es werde in absehbarer Zeit keine netto CO2-Entfernung von globaler Bedeutung geben. Die stärksten dieser Belege sollten Klimaexperten überdeutlich bewusst sein, nämlich die globale Schwierigkeit, das CO2-Problem anzugehen und zu lösen: Ausreichend schnelle CO2-Emissionsreduktionen werden bisher nicht annähernd durchgesetzt; CCS, die Entfernung von CO2 aus Abgasströmen (Carbon Capture and Sequestration) auch nicht.
Während netto CO2-Entfernung geopolitisch auf lange Frist nicht stattfinden wird, ist der Fall für Emissionsreduktionen, für CCS in der Industrie und auch für die zeitnahe Entfernung von CO2 aus der Luft (ohne ‹netto›) weit weniger hoffnungslos, weil das Verursacherprinzip angewendet werden kann (könnte) — was übrigens die Schweizer Bundesverfassung vorschreibt (vorschreiben würde).
Der Glaube an sie mag willkommen sein, die netto CO2-Entfernung ist dennoch ein hoffnungsloser Fall. Denn Nationalismen (selbst bei Wissenschaftern, Richard Tol) und der Mangel an geopolitischer Organisation werden nicht schnell genug überwindbar sein.
Folgerungen und Empfehlung
Wissenschafter, Klimaschützer und Journalisten (Urs Bruderer) sollten bitte korrekt, aktiv und nützlich über die Entfernung von CO2 aus der Luft kommunizieren. Dies bedingt Differenzierung:
Die CO2-Entfernung ist unbestreitbar möglich. Sie muss umgesetzt werden, solange für ihre Bezahlung Verursacher in die Pflicht genommen werden können. Dies mit dem Ziel, die Situation zu vermeiden, dass netto CO2-Entfernung notwendig werden würde, sich aber, was absehbar ist, aus politisch-ökonomischen Gründen als unmöglich erweist.
Die netto CO2-Entfernung ist ein willkommenes Hirngespinst, eine haltlose Spekulation, ein Hindernis für Emissionsreduktionen, eine gefährliche Irreleitung, eine psychologische Rechtfertigung von Fehlverhalten. Das Postulat von netto CO2-Entfernung ist als Versuch eines Generationenbetrugs zu verurteilen. Die Verurteilung sollte jedoch ausschliesslich erfolgen, weil absehbar ist, dass die Kosten für die netto Entfernung von CO2 aus der Luft nicht getragen werden.
Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass wegen der fehlenden Finanzierung, genauer gesagt wegen der fehlenden Zahlungsbereitschaft, fast nur darum, es keinen Grund zur Annahme gibt, zukünftige Generationen würden in ein paar Jahrzehnten in der Lage sein, unsere CO2-Emissionen rückgängig zu machen.
Erst danach sollte die Möglichkeit und die Notwendigkeit der zeitnahen Entfernung von CO2-Emissionen hervorgehoben werden.
Um die in Paris vereinbarten Ziele zu erreichen, ohne auf netto Wiederentfernung von CO2 zu spekulieren, müssen die CO2-Emissionen sehr viel schneller sinken, als IPCC und UNO es behaupten.
CO2-Emissionen müssen schneller sinken als IPCC und UNO kolportieren | Artikel auf klimaatelier.ch
Bei Durchsetzung des Verursacherprinzips, mit CO2-Preisen auf der richtigen Höhe, also auf dem Niveau der Kosten der umweltfreundlichen technischen CO2-Entfernung aus der Luft, können die CO2-Emissionen viel schneller sinken, als heute normalerweise vermutet wird.
Die Kosten der Entfernung von CO2 aus der Luft betragen heute 650 Franken pro Tonne, wenn die Entfernung mit Maschinen erfolgt, die in Zürich Oerlikon einzeln von Hand zusammengesetzt wurden und mit Energiepreisen betrieben werden, wie wir sie heute in der Schweiz haben. Das entspricht einem Franken und fünfzig Rappen pro Liter Benzin oder Heizöl (Kerosin: 1.70 Fr./l). Das ist der aktuelle absolute Maximaltarif der Quasi-Weltrettung.
Die CO2-Entfernung aus der Luft ist notwendig und da Artikel auf klimaatelier.ch
Gibt es CO2-Entfernung in industriellem Massstab, würde der ‹Maximaltarif der Quasi-Weltrettung› schnell auf 50 Rappen pro Liter sinken, was 200 Franken oder US-Cent pro Tonne CO2 entspricht, schliesslich auf noch weniger, voraussichtlich auf etwa 25 Rappen pro Liter (entspricht 100 Franken/tCO2).
Selbstverständlich müsste die hohe CO2-Abgabe, die es für die CO2-Entfernung braucht, auf alle fossilen Energieträger angewendet werden. Weil fast alle Beiträge zur Lösung des CO2-Problems weit günstiger sind als die CO2-Entfernung, würde jährlich nur wenig CO2 aus der Luft entfernt. Die ‹Quasi-Weltrettung› würde darum noch kostengünstiger werden, denn Elektroautos, angetrieben mit Strom aus Wind und Sonne, sind insgesamt kaum teurer als Autos mit Verbrennungsmotor, wenn nicht bereits kostengünstiger. Dasselbe gilt für Wärmepumpen gegenüber dem Heizen mit Öl. Und das sind nur zwei Beispiele von vielen möglichen.
Verzicht kostet nicht, sondern spart ein — kommt aber nicht von selbst, käme jedoch dank dem Anreiz durch Abgaben auf fossile Energie. Käme.
«Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten» (Ottmar Edenhofer). Tatsächlich würde es nicht die Welt kosten, sie zu retten, sozusagen. Würde.
Der globale Temperaturanstieg könnte jetzt noch leicht aufgehalten werden, die Versauerung der Ozeane auch. Könnte.
Tatsächlich wäre die Lösung des dringenden CO2-Problems noch erschreckend günstig zu haben. Wäre.
Sehr wahrscheinlich würde sie uns deutlich weniger als 50 Rappen pro Liter kosten. Würde.
Das sollte uns hoffnungsvoll stimmen. Sollte.
Wir ‹retten die Welt› dennoch nicht. Was mich betrifft, als einer der Generation der ‹Drückeberger›: Mir ist das peinlich. Sehr.
Ich weiss nicht, was du darüber denkst, aber ich meine, es müsste uns wütend («angry») machen. Müsste!
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Die Entfernung von CO2 aus der Luft mit rein technischen Methoden ist bereits möglich und sogar auch schon bezahlbar. Die Technologie wird dringend benötigt. Es wäre aber eine Illusion zu glauben, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts würde für die Netto-Entfernung von Hunderten von Gigatonnen CO2 bezahlt werden.
CO2 aus dem Luftverkehr — oder auch aus anderen Quellen — kann mit rein technischen Methoden umweltfreundlich aus der Atmosphäre entfernt werden. Die Technologie dafür wird Direct Air Capture, DAC, genannt. Sie ist skalierbar und schnell in grossem Ausmass anwendbar. DAC unterscheidet sich beträchtlich von anderen Methoden der CO2-Entfernung. (Einige andere Methoden sind hier erörtert).
Mehrere Firmen entwickeln Technologie für die Entfernung von CO2 aus der Luft, auch CDR-Technologie genannt (‹Carbon Dioxide Removal›) oder ‹Negative Emissions Technology, NET›.
CO2 wird bereits mit DAC der Atmosphäre entnommen und sicher eingelagert. Die Technologie kann zweifelsfrei bald in grossem Massstab angewendet werden, sofern es gelingt, die Verursacher für die Übernahme der Kosten in die Pflicht zu nehmen — ein entscheidender Vorbehalt.
Firmen, Kosten, Energie und Potenzial
Climeworks hat die Ambition, bis in fünf Jahren ein Prozent des globalen CO2-Ausstosses aus der Luft zu holen, was dem 10-fachen der Schweizer Inlandemissionen entspricht.
Die Firma betreibt bereits kommerzielle Anlagen und bietet die Abscheidung von CO2 aus der Luft einschliesslich Sequestrierung, also die bleibende ‹Speicherung› des Treibhausgases im Untergrund, auch Privaten an. CO2-Emissionen real kompensieren ist so einfach wie Schuhe bei Zalando kaufen — aber eher teuer. Eine Tonne wirklich kompensiertes CO2 kostet für Kleinkunden fast 1’000 Euro.
In bestehenden DAC-Anlagen in der Schweiz, für grössere Abnehmer, kostet die Filterung einer Tonne CO2 aus der Luft rund 650 Franken. Die Geschäftsleitung von Climeworks hat bereits erklärt, Preise um 200 US-Dollar pro Tonne kurzfristig anzustreben. Die Firma gibt an, sich bei dieser Vorhersage auf planbare Verbesserungen von Technologie und Produktionsmethoden zu stützen.
Eine junge Studie stellt bei grosser und verzögerungsfreier Umsetzung der DAC-Technologie im Maghreb bereits für 2030 einen Preis von 105 Euro pro Tonne CO2 in Aussicht, bei eher vorsichtigen Annahmen; bei optimistischen Annahmen für 2050 nur 30 EUR pro Tonne CO2 (Breyer et al., 2019).
In der weiteren wissenschaftlichen Literatur werden Kosten der in grossem Massstab umgesetzten Entfernung von CO2 aus der Luft mit DAC-Technologie von deutlich unter 100 US-Dollar pro Tonne vorhergesagt, ebenso wie deutlich darüber (Fuss et al., 2017).
Die zusätzlichen Kosten für die Sequestrierung sind ebenfalls Gegenstand des wissenschaftlichen Diskurses. Spezialisten erwarten Kosten der Sequestrierung zwischen 10 und 20 US-Dollar pro Tonne CO2, wobei die Transporte die Kosten dominieren und gerade die DAC-Technologie die Chance hat, die Transporte gering zu halten.
Das Potenzial für die CO2-Sequestrierung in geeigneten geologischen Schichten ist mehr als ausreichend gross. (Mehr dazu hier.)
Alternativ kann das CO2 für die Herstellung synthetischer kohlenstoffhaltiger Energieträger (Methan, Methanol, Kerosin) verwendet werden, wobei der Energieaufwand dafür sehr hoch ist und die Kosten entsprechend.
Saubere, erneuerbare Energie und DAC machen zusammen eine kostengünstige, vollumfängliche, CO2-freie Energiewirtschaft weltweit möglich, sogar dann, wenn für eine echte Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft auf die Sequestrierung des CO2 verzichtet wird (Ram et al., 2019).
Der Energieaufwand für die Entfernung von CO2 aus der Luft ist zwar erheblich, aber bereits heute nicht unerträglich hoch.
Selbst wenn Kohle für diesen Zweck verbrannt werden müsste, könnte mit rein technischer CO2-Entfernung aus den Abgasen und aus der Luft netto viel CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Mangel an Energie ist also nicht das Problem.
Sehr günstige Energie aus Wind oder Sonne macht die Anwendung von DAC-Technologie in erheblichem Ausmass realistisch.
Möglicherweise kann eine komplexere DAC-Technologie, basierend auf Flüssig-Sorption mit ‹calcium looping›, wie von Carbon Engineering oder Origen Power angewendet, noch günstiger werden. Vielleicht werden noch andere, schon bekannte Technologien weiterentwickelt oder neue erfunden, welche die Feststoff-Sorption bezüglich Kosten noch schlagen. Nichts ändert jedoch die Tatsache, dass bereits heute zu erträglichen Kosten CO2 aus der Luft entfernt werden kann.
Selbst wenn die Kosten der DAC-Technologie nicht weiter reduziert werden könnten (Konjunktiv!), wäre emissionsfreier Flugverkehr bezahlbar — wieder etwa gleich teuer, wie er anfangs der 1980-er Jahre war (Diagramm). Der Mehrpreis wäre sogar ohne weitere Kostenreduktion erstaunlich bescheiden: rund 1.60 Franken pro Liter (Legende zum Diagramm).
Mit Climeworks, Global Thermostat und Carbon Engineering sind drei Unternehmen überzeugt, dass sie ohne weitere Erfindungen, nur mit besseren Produktionsmethoden oder grösseren Anlagen, CO2 für rund 200 US-Dollar pro Tonne aus der Luft entfernen können, wenn man sie nur lässt, wenn nur dafür bezahlt würde. Das entspricht bescheidenen 50 Rappen pro Liter Benzin, Heizöl, Kerosin oder Diesel! (Keith et al., 2018)
Eine junge und umfassende Studie beschreibt den Stand der DAC-Technologien mit ihren Kosten und ihrem Energiebedarf heute und bei Weiterentwicklung (Fasihi et al., 2019).
Die Reife, Universalität, Flexibilität und Skalierbarkeit von DAC mit Feststoff-Sorption, wie von Climeworks, Global Thermostat, Antecy und Hydrocell bereits angewendet, macht die Einforderung einer konsequenten Umsetzung des Verursacherprinzips nun greifbar — und das CO2-Problem lösbar.
CO2-Entferung ja, ‹Generationenbetrug› nein!
Die schnelle Umsetzbarkeit der Technologie zur Entfernung von CO2 aus der Luft sollte aber nicht zum Irrglauben verleiten, netto negative Emissionen wären möglich, also die Entnahme von mehr CO2, als ausgestossen wird — in gigantischen Mengen (IPCC, 2018; Hausfather, 2018).
Bei netto CO2-Entfernung können die Kosten keinem Verursacher angelastet werden (Bednar et al., 2019). Die Spekulation auf netto CO2-Entfernung wird sich als ‹Generationenbetrug› herausstellen.
Leugnung der Lösung
Die Technologie zur CO2-Entfernung hat nur vordergründig mit der Spekulation mit netto CO2-Entfernung zu tun. Jedoch, wohl aus Unbehagen über die durch die Klimaforscher eingebrachte Spekulation auf netto negative CO2-Emissionen, hat sich die Leugnung der Existenz und unmittelbaren Umsetzbarkeit der CO2-Entfernung mit technischen Mitteln verbreitet.
Anstelle der Spekulation wird die Technologie in Frage gestellt. Die Leugnung der Existenz der Technologie wird sowohl durch Wissenschafter als auch Umweltschützer begangen. Diese Leugnung ist absurd und schädlich.
Keine Spekulation auf netto negative Emissionen, sondern CO2-Entfernung jetzt! | Artikel auf klimaatelier.ch
Schnelle Lösung des CO2-Poblems
Wird die DAC-Technologie industriell umgesetzt, ist das CO2-Problem lösbar, sogar schnell lösbar. Jedoch muss jemand für die Kosten aufkommen, idealerweise sind das die Verursacher von CO2-Emissionen.
CO2-Emissionen müssen schneller sinken als IPCC und UNO kolportieren | Artikel auf klimaatelier.ch
Werden die Verursacher hingegen nicht ausreichend stark und ausreichend bald in die Pflicht genommen und die Umsetzung von DAC in industriellem Massstab nicht bald finanziert, wird auch die nötige Kostenreduktionen der DAC-Technologie nicht stattfinden und das CO2-Problem auf absehbare Zeit ungelöst bleiben, selbst wenn die Klimafolgen gravierend und irreversibel sind.
Bednar et al. (2019): Johannes Bednar, Michael Obersteiner, Fabian Wagner. On the financial viability of negative emissions. (Link)
Breyer et al. (2019): Christian Breyer, Mahdi Fasihi, Arman Aghahosseini. Carbon dioxide direct air capture for effective climate change mitigation based on renewable electricity: a new type of energy system sector coupling. https://doi.org/10.1007/s11027-019-9847-y (Link)
Fasihi et al. (2019): Mahdi Fasihi, Olga Efimova, Christian Breyer. Techno-economic assessment of CO2 direct air capture plants. (Link)
Fuss et al. (2017): Sabine Fuss, William F. Lamb, Max W. Callaghan, Jérôme Hilaire, Felix Creutzig, Thorben Amann, Tim Beringer, Wagner de Oliveira Garcia, Jens Hartmann, Tarun Khanna, Gunnar Luderer, Gregory F. Nemet, Joeri Rogelj, Pete Smith, José Luis Vicente Vicente, Jennifer Wilcox, Maria del Mar Zamora Dominguez, Jan C. Minx. Negative emissions—Part 2: Costs, potentials and side effects; 2018 Environ. Res. Lett. 13 063002 (Link)
Hausfather (2018): Zeke Hausfather, Carbon Brief. New scenarios show how the world could limit warming to 1.5C in 2100. (Link)
IPCC (2018): Intergovernmental Panel on Climate Change. Global warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty. Summary for Policymakers.
Keith et al. (2018): A Process for Capturing CO2 from the Atmosphere. David W. Keith, Geoffrey Holmes, David St. Angelo, Kenton Heidel (all Carbonengineering). Joule 2, 1–22, August 15, 2018
Matter et al. (2016): Juerg M. Matter, Martin Stute, Sandra Ó. Snæbjörnsdottir, Eric H. Oelkers, Sigurdur R. Gislason, Edda S. Aradottir, Bergur Sigfusson, Ingvi Gunnarsson, Holmfridur Sigurdardottir, Einar Gunnlaugsson, Gudni Axelsson, Helgi A. Alfredsson, Domenik Wolff-Boenisch, Kiflom Mesfin, Diana Fernandez de la Reguera Taya, Jennifer Hall, Knud Dideriksen and Wallace S. Broecker. Rapid carbon mineralization for permanent disposal of anthropogenic carbon dioxide emissions. (Link to full pdf)
Ram et al. (2019): Manish Ram, Dmitrii Bogdanov, Arman Aghahosseini, Ashish Gulagi, Solomon A. Oyewo, Michael Child, Upeksha Caldera, Kristina Sadovskaia, Javier Farfan, Larissa S.N.S. Barbosa, Mahdi Fasihi, Siavash Khalili, Christian Breyer. Global Energy System based on 100% Renewable Energy – Power, Heat, Transport and Desalination Sectors. Study by Lappeenranta University of Technology and Energy Watch Group, Lappeenranta, Berlin, March 2019. (Link)
Die Leugner des Klimawandels haben gewonnen. Jedenfalls sind sie stärker als je zuvor. Die Klimaschützer sehen die Ursachen bei den professionellen, von der interessierten Industrie finanzierten Leugnern und bei der Psychologie der Teile der Bevölkerung, bei denen die Argumente der Profileugner auf fruchtbaren Boden fallen. Die wichtige Frage ist: Warum gibt es diesen fruchtbaren Boden? Die unbequeme Wahrheit ist: Die meisten Klimaschützer haben diesen Boden selbst bereitet. Sie selbst verursachen die Leugnung des Klimawandels.Schuldinduktion, Klimaruhe, Klimaleugnung: Klimasünde Klimapredigt weiterlesen →
Die Bevölkerung Europas, einschliesslich der Schweiz, wurde zum Thema Klima und Energie befragt. Die Ergebnisse sind aus psychologischer Sicht interessant und legen offen, wie sehr die Kommunikation zum Thema Klimawandel bisher gescheitert ist. Die Schweizerinnen und Schweizer leugnen den Klimawandel, sorgen sich aber deswegen, fühlen sich verantwortlich und glauben, persönlich korrekt zu handeln. Dass ihr Handeln nutzbringend ist, glauben sie sehr viel weniger. Die interessantesten Resultate sind graphisch dargestellt.Einbildung und Leugnung: Schweizer Ergebnisse des European Social Survey 2016 zu Klimawandel weiterlesen →
Climate preaching, the proposal that consumers should voluntarily and individually protect the climate, induces a feeling of guilt that elicits climate denial and the observed reluctance to communicate the problem —climate silence. It is argued that climate preaching is therefore overall detrimental. The implicit induction of guilt and its rejection is a major reason for difficulties to communicate on climate change. The argument is exemplified by the story of Ignaz Semmelweis, the pioneer of evidence-based medicine who was born exactly two hundred years ago.
Die Idee für eine Klimainitiative ist kurz nach Paris aufgetaucht, heute wurde der Plan erstmals an die Öffentlichkeit gebracht. Sie sei «brandgefährlich», heisst es bereits bei Economiesuisse. Die Leute haben für einmal recht, aber anders herum. Brandgefährlich ist die Gletscher-Initiative nicht für die Industrie in der Schweiz, sondern für den Klimaschutz.Gletscherschutzinitiative: Klimaschutz per Hüftschuss? weiterlesen →
Any news that’s two days old will sure be ignored. You would therefore expect everybody in that press room to have been busy spreading the news, even more so when their peers were all reporting from a „historic“ event. Not this time, though: Just then, the media granted itself a little pause to applaud, a peer recorded. „Joy without end“, one of them reported from the final moments of the conference. Its participants hugged one another. Many had tears in their eyes. Germany’s minster for the environment immediately made a statement — tears of joy in her eyes, too — about the „historic moment“. Barack Obama was pleased, too. „This is huge: Almost every country in the world just signed on to the #ParisAgreement on climate change—thanks to American leadership“, he tweeted. Will future generations be happy with the outcome of the Paris agreement? Would the non-human living nature have a reason to celebrate? There is reason for doubt.The Day after Yesterday. What the Paris climate conference agreed on. weiterlesen →
Die Bündner Stimmbürger haben heute in einer zweiten und letzten Abstimmung die Anti-Kohle Initiative mit 81% Ja-Stimmen gutgeheissen. Ein Investitionsverbot in Kohlekraftwerke durch Unternehmen, an denen der Kanton beteiligt ist, wird nun in der Verfassung verankert. Die Entscheidung fiel deutlich aus, obschon Repower als Folge der ersten Abstimmung 2013 bereits versprach, nicht in Kohlekraftwerke zu investieren. Das Energieunternehmen, ist mehrheitlich im Besitz des Kantons. Es wird bis zum Ende dieses Jahres aus dem Projekt in Kalabrien auszusteigen. In Saline Joniche, ganz im Süden der italienichen Halbinsel, projektiert Repowers Tochterfirma SEI S.p.A ein Steinkohlekraftwerk mit 1,3 Gigawatt Produktionskapazität.
Mit dem Ergebnis des Urnengangs sind jedoch die Probleme mit Repower weder in Italien noch in der Schweiz gelöst. Die ehemalige Rätia Energie wendet bei der Projektentwicklung des Kohlekraftwerks in Kalabrien immer wieder zweifelhafte Methoden an. Repower bleibt das Enfant Terrible der Schweizer Energiebranche. Geschäftsleitung und Verwaltungsrat profilieren sich mit ihrer Ablehnung des Zubaus neuer erneuerbarer Energieanlagen. Das ehemalige Musterunternehmen wird in ihrer unzeitgemässen Haltung zuverlässig von der Bündner Regierung unterstützt — obschon sich der Bergkanton damit selbst schadet.
Mit der heutigen Abstimmung endet eine lange Phase der Zurückhaltung derjenigen Klimaschützer, die den Widerstand in Graubünden gegen die Repower-Kohlekraftwerke reanimierten. Retropower.ch ging heute mit der Schliessung der Wahlurnen online. Die Website wird weiter ausgebaut werden, um über das vielfältige Fehlverhalten der Schweizer Strombranche und speziell des Graubündner Energieunternehmens Repower zu berichten.
Der Bundesrat schlägt ein Klima- und Energielenkungssystem vor und will es in der Verfassung verankern. Die Frist zur Einreichung von Antworten auf die entsprechende Vernehmlassung ist der 12. Juni 2015. Da der Vorstoss vom Bundesrat ausgeht, ist die Chance auf Umsetzung intakt. Dieser Beitrag beurteilt das politische Umfeld und stellt eine konkrete Antwort auf die Vernehmlassung vor. Klima-Lenkungsabgabe in die Verfassung! weiterlesen →
An der Generalversammlung der Repower 2015 wurde die Manipulation der Medien und der Generalversammlung bekannt gemacht, die im Vorjahr stattgefunden hatte. Verschiedene Medien Graubündens berichteten — ohne jedoch den genauen Ablauf der Vorfälle zu beschreiben. Die von den Medien festgehaltenen Erklärungen der Verwaltungsräte Eduard Rikli und Martin Schmid sowie von Regierungsrat Cavigelli zeigen, wie sehr sich das Bündner Energieunternehmen weiterhin den Realitäten verschliesst. Die obersten Verantwortlichen der Repower leugneten die Manipulation. Auch die Verstrickung des Unternehmens mit der Mafia in Kalabrien wird weiterhin konsequent geleugnet. Leugnen von Fehlverhalten. Die zweifelhaften Methoden der Bündner Repower — Teil 2 weiterlesen →
Das Bündner Energieunternehmen Repower manipulierte die Generalversammlung und desinformierte die Medien. Dies wurde anlässlich der Generalversammlung von heute (29. April 2015) bekannt. Für Repower ist es nicht das erste Vorkommnis zweifelhafter Art und ereignete sich trotz einer früheren Mahnung des damaligen Bündner Regierungsrats und heutigen Ständrats Martin Schmid, Praktiken wie Desinformation könnten nicht geduldet werden. Schmid vertritt seit 2008 den Kanton im leitenden Gremium des Verwaltungsrats der Repower. Das Fehlverhalten fand an der Generalversammlung des Vorjahrs statt und erfolgte durch Kaderleute des Bündner Energiekonzerns. Ihr Vorgehen könnte rechtliche Konsequenzen haben.Lügen und verleumden. Die zweifelhaften Methoden der Bündner Repower — Teil 1 weiterlesen →
Repower richtet der Geschäftleitung erhebliche variable Vergütungen aus. Das sechsköpfige Gremium kassiert jährlich bis zu fast einer Million Franken an Boni. Gemäss Repower Verwaltungsratspräsident Eduard Rikli sind „qualitative Zielsetzungen“ bei der Festlegung der Bonuszahlungen mitbestimmend. Es muss mit guten Grund davon ausgegangen werden, dass Teile der Geschäftsleitung persönlich profitieren, wenn die Baubewilligung für das von Repower in Saline Joniche geplante Kohlekraftwerk gesprochen wird. Die Aussicht auf persönliche Bereicherungen könnte bei der immer noch mit grossem Engagement, hohen Kosten und erheblichen Risiken vorangetriebenen Projektentwicklung in Saline Joniche eine Rolle spielen.Repower-Kohlekraftwerk: ein Projekt von Zockern weiterlesen →
Das Verwaltungsgericht in Rom hat am Freitag, 27. Februar 2015, den Bewilligungsprozess des von Repower in Kalabrien geplanten Kohlekraftwerks zum Stillstand gebracht. Nationale und regionale Umweltorganisationen, die Region Kalabrien und verschiedene Gemeinden haben erfolgreich gegen die Verfügungen eingesprochen, welche die Bewilligung des Kohlekraftwerks unterstützten. Dies könnte nach rund zehn Jahren Planung das Ende des Kraftwerks bedeuten, das die ehemalige Rätia Energie in Saline Joniche, an der Südspitze des italienischen Festlands bauen wollte. Sollte das Bündner Unternehmen sein umstrittenes Bauvorhaben trotz dieses Rückschlags weiterverfolgen, lassen sich daraus interessante Folgerungen ableiten. Gericht stoppt Repower-Kohlekraftwerk in Italien weiterlesen →
Was aufgrund der monatlichen Zahlen zu erwarten gewesen war, wird nun für das Jahr 2014 bestätigt: Die Kohleförderung in China ging zurück. Auch die chinesischen Kohleimporte waren im letzten Jahr rückläufig. Deshalb beziffert das US-basierte Institut für Energiewirtschaft und Finanzanalyse den Rückgang des Kohleverbrauchs in China von 2013 auf 2014 mit etwa 2,3 Prozent. Chinas Kohleverbrauch im 2014 rückläufig weiterlesen →
Kraftwerk in Trbovlje wird nicht erneuert, sondern stillgelegt
Die Genfer Edelweiss Investment SA wollte in Slowenien ein altes Braunkohlekraftwerk erwerben und erneuern. Die Transaktion ist gescheitert. Das Kraftwerk, es verfügt über den höchsten Kamin in der EU, wird nun stillgelegt. Direktorin der Edelweiss-Aktiengesellschaften ist Christine Moulin Borcard, sie ist auch Vizepräsidentin der Raiffeisenbank West in Genf. Gemäss übereinstimmenden Medienberichten besitzt der russische Milliardär Oleg Burlakov die Edelweiss.Kohlekraftwerk-Kauf der Genfer «Edelweiss» in Slowenien geplatzt weiterlesen →
Wegen eines neuen 600 Megawatt Braunkohlekraftwerks in Šoštanj ist der Hauptlieferant Alstom, dessen Kraftwerkssparte in Baden zu Hause ist, mit dem Vorwurf konfrontiert, sich „illegale Gewinne“ von 284 Millionen Euro verschafft zu haben. Während Alstom den Neubau in Slowenien probehalber in Betrieb nimmt, spitzen sich die Vorwürfe wegen einer Untersuchung zu, an der auch Schweizer Behörden beteiligt waren. Kürzlich wurde gegen 10 Personen Anklage erhoben. Alstom ist wegen Korruption in verschiedenen Ländern auf allen Kontinenten mit Vorwürfen, Untersuchungen, Verurteilungen oder Ausschlüssen belastet. Der Fall in Sostanj könnte alle der vielen Korruptionsprobleme des Konzerns in den Schatten stellen, einschliesslich die gerade erst bekannt gewordene Vergleichszahlung von 700 Millionen US-Dollar in den USA.
Immer mehr setzt sich die bezüglich Klimaschutz vielleicht wichtigste Erkenntnis durch: Es gibt sehr viel mehr Kohle, Gas und Erdöl, als das Klima verkraftet. Diese Erkenntnis ist die Grundlage der Carbon Bubble Hypothese und damit der Ausgangspunkt der Divestment-Kampagne, die primär den grössten Firmen des fossilen Energiesektors Finanzen entziehen will. Trotz sinkender Preise für Kohle, Öl und Gas ist der Peak-Hype, die Behauptung, die fossilen Energieträger seien knapp, noch nicht vorbei. Kommentar über «knappe Ressourcen» weiterlesen →