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Rudolf Rösli v/o Blüemli, 06.03.1932 – 12.09.2021
12.09.2021 - Erich Haag v/o Gral
Nachruf
Dr. med.
Rudolf Rösli v/o Blüemli
Kyburger, Alemannia
06.03.1932 – 12.09.2021
Am 23. Oktober 2021 wurde Rudolf Rösli v/o Blüemli in Sursee beigesetzt. Ein treuer, liebenswürdiger Kyburger hat uns verlassen.
Blüemli kam am 6. März 1932 als sechstes von neun Kindern in Sursee zur Welt, wo er auch die Schulen besuchte. Nach bestandener Maturität an der Kantonsschule Luzern nahm er 1952 das Medizinstudium an der Universität Freiburg auf. Im Sommer 1955 kam Blüemli nach Zürich, nachdem er in Freiburg das 1. und 2. medizinische Propädeuticum bestanden hatte. Zusammen mit seinem Freund und Consemester Bruno Bischof v/o Streng setzte er in Zürich das Medizinstudium fort. Ein Semester verbrachte er in Montpellier.
Blüemli wurde in Freiburg Mitglied der akademischen Verbindung Alemannia. Bei den Alemannen habe man ihm, wie er im Goldenen Buch schreibt, «in Würdigung eines besonderen Interesses für botanische Belange und aus einem wohl nicht schwer zu erratenden Grunde» das Cerevis «Blüemli» gegeben. Nach seinem Wechsel an die Uni Zürich trat Blüemli den Kyburgern bei. Blüemli war kein Hurra-Kyburger. Vom Charakter her ruhig, zurückhaltend, etwas schüchtern, aber kein Griesgram, sondern offen, stets freundlich, interessiert. Wenn er, meist mit Streng, am Stammtisch sass, war er ein guter Zuhörer, aber kein Wortführer. Blüemli sang gern und gut; leider hatten die Kyburger bei den damaligen Stammverhältnissen wenig Gelegenheit dazu.
Das Studium absolvierte Blüemli konzentriert und diszipliniert. Für ausgedehnte Stammbesuche und studentischen Allotria, über die hier zu berichten wäre, und für Chargen in der Verbindung blieb wenig Zeit. 1958 schloss Blüemli das Medizinstudium mit dem Staatsexamen ab; im Dezember gab es, wie es damals der Brauch war, eine würdige Abholung.
Nach den Lehr- und Wanderjahren, zuletzt als Oberarzt am Kantonsspital Luzern, wurde Blüemli 1972 als Chefarzt Medizin an das Kantonsspital Wolhusen berufen. Er war, wie sein Nachfolger Dr. Rolf Graeni v/o Lieb schreibt, «ein richtiger Allrounder der alten Garde». Er war in der Diabetologie und Kardiologie tätig, leitete die Intensivmedizin und lernte früh die Ultraschalldiagnostik. Er unterrichtete seine Assistenzärzte und dozierte an der Schwesternschule Baldegg. Blüemli war ein sehr geschätzter Chefarzt. Er lebte für seine Medizin, er lebte im Spital, wohnte im Personalhaus und ass im Personalrestaurant. 1997 wurde Blüemli mit 65 Jahren pensioniert.
Blüemli blieb zwar unverheiratet, aber er war den schönen Seiten des Lebens durchaus nicht abgeneigt; seine Interessen waren vielseitig: Sport, Musik, Natur, fremde Kulturen. Er war ein guter Tänzer, Tennisspieler und Skifahrer, ein begeisterter Bergwanderer und Sportfischer. Er war sehr naturverbunden und kannte viele Pflanzen, besonders Heilpflanzen. Gerne besuchte er Konzerte, spielte selber Querflöte und sang jahrelang im Wolhuser Kirchenchor. Blüemli reiste viel. «Es gibt unzählige Dias aus den USA, aus Tansania, Brasilien, Syrien, Russland, Fotos von unzähligen Besuchen und Reisen in ganz Europa. Man sieht ihn vor den Meteorafelsen in Griechenland, vor allerhand Tempeln, Ruinen und Pagoden, mit Cowboyhut auf einem Pferde, auf Safari in Afrika, mit hübschen Russinnen vor orthodoxen Kirchen», so sein Neffe Stefan Rösli bei der Abdankung am 23. Oktober.In den letzten Jahren war es still geworden um Blüemli. Die unheilvolle Demenz, die vergessen lässt und einfachste Tätigkeiten schwierig macht, hat ihm zusehends den Blick auf seine Umwelt verstellt. Am 12. September wurde er erlöst; der Tod kam friedlich und ruhig. An dem Ort, an dem er vor fast 90 Jahren zur Welt kam, hat Blüemli seine letzte Ruhestätte gefunden. Er ruhe in Frieden.