Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03395.jsonl.gz/1705

In der Berichterstattung über die Ermordung von Evyatar Borovski wurde der 31-jährige Vater von fünf kleinen Kindern in mehreren internationalen Berichten als „Hardline-Siedler“ beschrieben. Borovsky, aus der Gemeinde Yitzhar, war auf dem Weg zu einer Theaterprobe, als er am Morgen des 30. April bei der Tapuach-Kreuzung, einem Treffpunkt für Busse und Mitfahrgelegenheiten für arabische und jüdische Bewohner von Judäa und Samaria, von einem Palästinenser erstochen wurde.
„Sogar Israelis ausserhalb von Judäa und Samaria sind nicht vertraut mit dem Leben hier“, sagte der Pressesprecher von Yitzhar, Avraham Binyamin, gegenüber Tazpit News Agency. „Es gibt eine reichhaltige Theater- und Kunstkultur in Judäa und Samaria und viele Einwohner arbeiten in diesen Berufen.“ Allein in Yitzhar gibt es drei verschiedene Theatergruppen.
„Es ist uns wichtig, dieser Tragödie ein menschliches Antlitz zu verleihen – Evyatar war eine Geschichte für sich“, sagt Binyamin.
Borovsky war ein beliebter Schauspieler der Ar El Gruppe, eine Theatergruppe, deren Mitglieder Siedlern von Judäa und Samaria sind, und die in ganz Israel auftritt. Die Gruppe verbindet Improvisation, Psychodrama und andere Rollenspieltechniken, um anderen Menschen bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen dank Theater zu helfen.
Neben seiner Arbeit als Schauspieler machte Borovsky eine Ausbildung als lizenzierter Clown-Therapeut, um mit kranken Kindern in Spitälern zu arbeiten.
Seine engen Freunde und Schauspielerkollegen bezeichnen Borovsky als scheuen Menschen, der lernte, sich durch Schauspielern auszudrücken.
„Evyatar hatte kein leichtes Leben“, sagt AssafYosef Pney-el, sein enger Freund und Theaterkollege bei der Ar El Group. „Obwohl viele Leute in ihm einen glücklichen und fröhlichen Menschen sahen, der immer witzelte, aber es gab auch eine andere Seite.“
„Oftmals musste Evyatar Proben absagen, weil er seine kranke Tochter ins Spital brachte. Kürzlich ging das Auto, welches er gekauft hatte, kaputt. Es schien, als wollte ihn das Leben stets auf die Probe stellen.“
„Doch er wusste, wie er eine schlechte Situation drehen und auf eine lustige Art beschreiben konnte. Er wusste, wie man das Leben anlächelte“, erinnert sich Pney-el.
Borovsky hatte stets ein Spielzeug bei sich – ein Paar Puppenaugen in seiner Arbeitstasche, die er auf seinen Finger platzierte um damit eine Handpuppe für seine Theaterarbeit zu kreieren. „Es war eine Art animierte Figur, den Evyatar für seine Arbeit brauchte und seine Interaktion mit Kindern“, erklärt Pney-el. „ Wir sprachen darüber, dass diese Figur sein Markenzeichen als Clown-Therapeut sein würde und bestellten deshalb einige dieser Puppenaugen aus den USA. Sie kamen am Tag seiner Ermordung an.“
Ein weitere Freund und Theaterkollege Borovskys, Oshri Maimon, der auch einen Terroranschlag in der Otniel-Gemeinde und die Ermordung von vier seiner Freunden erlebte, entschied, dass es am besten wäre, die Puppenaugen zu Evyatars Begräbnis mitzubringen und sie unter Familie und Freunden zu verteilen. „Das war in seinem Sinne, so wie er mit Tragödien und Schmerz umgegangen ist“, erklärt Maimon.
„Evyatar war einfach, unschuldig und ehrlich. Er nahm jeden ernst und sah niemals auf jemanden herab. Er brauchte kleine Kinder zum Lachen und sprach mit ihnen auf eine Art, die sie verstanden“, fährt Maimon fort.
„Um Evyatar wirklich zu verstehen, musste man ihn sehen, wenn er schauspielerte“, führte Maimon aus und verweist auf ein Video auf Youtube von einem Ar EL Group Theaterstück namens „Wie ich Ahmed traf“, in dem Borovsky mitspielte. Das Stück, das hauptsächlich in Englisch gespielt wird, zeigt die Frustration vieler in der Siedler-Gemeinde bei der Frage nach ihrem Platz in der israelischen Gesellschaft.
Yossef Ben-Avraham, Borovskys Nachbar, der an seiner Beerdigung sprach, fügt an, dass er – als er Evyatars Leiche nach der Messerstecherei sah – jemand sah, der „Evyatar glich.“
„Ich konnte nicht glaube, dass er das war. Ich konnte Evyatar ohne sein Lachen nicht erkennen.“
Originalversion: Evyatar Borovsky: A Settler with an Actor’s legacy by Anat Silverman © Tazpit News Agency, 03.05.2013
Dieser Beitrag erschien auch in der Huffington Post.