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Rafael Nadal gewinnt mit einer Machtdemonstration zum 14. Mal das French Open. Der 36-jährige Spanier gibt im Final gegen den Norweger Casper Ruud (ATP 8) nur sechs Games ab. Hinterher lässt Nadal die Tür für eine Rückkehr im kommenden Jahr offen.
6:3, 6:3, 6:0 hiess das Resultat nach 2:18 Stunden. Nadal liess keine Zweifel darüber aufkommen, wem die Regentschaft in Roland Garros nach einjährigem Unterbruch weiterhin gehört. Und noch im Siegerinterview auf dem Platz stellte Nadal klar, dass dies noch nicht sein letztes Spiel am French Open gewesen sein soll: “Ich werde weiter hart dafür kämpfen, um weiter in diesem Wettbewerb dabei zu sein.”
In seinem 14. Final an der Porte d’Auteuil musste Nadal nicht einmal sein bestes Level abrufen, zu einseitig waren die Verhältnisse zwischen dem Rekordsieger und dem 23-jährigen Major-Finaldebütanten verteilt. Auch ein Breakvorsprung von Ruud zu Beginn des zweiten Satzes änderte nichts am klaren Spielverlauf.
112. Sieg im 115. Match
Mit dem 112. Sieg in seinem 115. Match am French Open hielt Nadal seine Ungeschlagenheit in den Finals von Roland-Garros aufrecht. Er steht nun bei 22 Grand-Slam-Titeln und führt die Bestenliste damit zum ersten Mal mit zwei Längen Vorsprung vor Roger Federer und Novak Djokovic an.
Mit dem klaren Verdikt zu seinen Ungunsten befindet sich Ruud im Final von Paris gegen Nadal in guter Gesellschaft: Stan Wawrinka gewann im Final von 2017 ebenfalls nur sechs Games, Novak Djokovic 2020 sieben, David Ferrer 2013 acht und Dominic Thiem 2018 neun. 2008 wurde Roger Federer vom spanischen Sandkönig gar mit einem 1:6, 3:6, 0:6 abgefertigt.
In einem Alter, in dem ihn bis vor wenigen Jahren viele bereits im Ruhestand sahen, gewann Nadal heuer mit dem Australian Open und dem French Open zum ersten Mal die ersten beiden Grand-Slam-Turniere des Jahres. Und angesichts der Widerstände, die der Mallorquiner in den letzten Wochen und Monaten zu überwinden hatte, geniessen die jüngsten Erfolge einen besonders hohen Stellenwert.
Ende des letzten und Anfang dieses Jahres setzten Nadal die Folgen einer Corona-Erkrankung zu, im März erlitt er einen Ermüdungsbruch an einer Rippe, und vor und während dem French Open bereitete ihm das Müller-Weiss-Syndrom starke Schmerzen im Fuss. Sein Trainer Carlos Moya meinte: “Was ich in Australien dieses Jahr gesehen habe, war über allem anderen. Aber was ich hier sehe: Das ist eine noch grössere Widerstandsfähigkeit.”
Wenig Widerstand
Im Vergleich zum hochstehenden Viersatzsieg gegen Novak Djokovic im Viertelfinal und dem Finaleinzug gegen Alexander Zverev in nicht ganz zwei Sätzen aufgrund einer Verletzung des Deutschen traf Nadal bei seinem letzten Schritt zum 14. Triumph indes nicht auf den härtesten Widerstand. Zwar ist Ruud ein ausgewiesener Sandspezialist – der Norweger feierte sieben seiner acht Turniersiege auf Sand und triumphierte vor Paris am Geneva Open -, dem 23-jährigen Defensivkünstler fehlten aber augenscheinlich die Mittel, um Nadal über drei Gewinnsätze in Bedrängnis zu bringen.
Zu selten oder zu wenig energisch ging Ruud in die Offensive, wenn Nadal ihm die Gelegenheit bot. Und wenn er es doch versuchte, dann häuften sich die Fehler. Das schien nicht in erster Linie an den Nerven zu liegen, die beim ersten norwegischen Grand-Slam-Finalisten bestimmt Einfluss nahmen, sondern am doch recht überschaubaren, eindimensionalen Repertoire.
So entwickelte sich der Final denn auch nie zu einer prickelnden Angelegenheit. Nach 50 Minuten hatte Nadal den ersten Satz mit 6:3 im Trockenen, nach weiteren 50 Minuten und anfänglichem Breakrückstand den zweiten mit dem gleichen Ergebnis. Im dritten Satz gestand Nadal Ruud dann gar kein Game mehr zu.