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Als jüngste Ringerin verpasste Svenja Jungo am Mittwoch an der U20-Europameisterschaft in Rom die Bronzemedaille in der Kategorie bis 50 Kilogramm nur knapp. Dennoch zieht die Sensler Ringerin ein positives Fazit.
Svenja Jungo kann trotz ihrer jungen Jahre bereits auf eine erfolgreiche internationale Karriere zurückblicken. Auf Stufe U17 holte sie an Europameisterschaften je einmal Silber (2019 in Faenza/ITA) und Bronze (2021 in Samokov/BUL). Letztes Jahr gewann die Heitenriederin in Budapest Silber an den U17-WM – dies jeweils als eine der jüngsten Teilnehmerinnen. Die starken Leistungen brachten ihr gar ein Aufgebot für die U20-EM vom letzten Juli in Dortmund ein, die für sie mit einer Niederlage im ersten Kampf aber schnell zu Ende war. Auch an der U20-EM von dieser Woche in Rom war Jungo – die im Dezember erst 18 Jahre alt wird – die jüngste Teilnehmerin. Dass die Sensler Ringerin dennoch mit der Konkurrenz mithalten kann, hat sie in diesem Jahr bereits an einem internationalen Turnier in Bukarest bewiesen, als sie den zweiten Platz holte. Mit Rang 5 und einem Diplom bewies Jungo nun in der italienischen Metropole, dass sie auch auf dieser Stufe zur europäischen Spitze gehört.
Kein Grund, zu hadern
Jungo startete mit einem klaren Sieg gegen die Bulgarin Emine Hyusein Osman ins EM-Turnier der Kategorie 50 Kilogramm. Danach setzte es nach einer guten Leistung eine 2:6-Punkteniederlage gegen die spätere Europameisterin aus der Türkei, Sevval Cayir, ab. Noch war für die Freiburgerin nichts verloren. Dank des Schultersiegs in der Hoffnungsrunde gegen die Französin Charhazed Ayachi zog sie in den Kampf um Bronze ein. In einem mitreissenden Duell mit Asmar Jankurtaran aus Aserbeidschan musste sich Jungo am Ende mit 11:16-Punkten knapp geschlagen geben, womit der 5. Rang resultierte.
«Ich bin mit meiner Leistung zufrieden», erklärte Jungo am Freitag auf dem Heimweg aus Italien gegenüber den FN am Telefon. «Von meinen vier Kämpfen konnte ich zwei klar gewinnen, in den beiden anderen konnte ich mitringen und war nicht unterlegen.» Damit hadern, dass sie knapp an einer EM-Medaille vorbeigeschrammt ist, will die mehrfache Schweizer Nachwuchsmeisterin nicht. «Natürlich sagt man sich immer, dass man hier und dort etwas besser hätte machen können. Mit den Ringerinnen auf dem Podest konnte ich aber mithalten, und schon heute könnten die Kämpfe anders ausgehen.» Ändern am EM-Ausgang könne sie nichts mehr. «Deshalb schaue ich bereits wieder nach vorne. Schon bald findet die WM statt. Mein Fokus ist schon jetzt darauf ausgerichtet.»
Fehler an der WM korrigieren
Dass sie die jüngste Ringerin in Rom war, sei kein grosser Nachteil gewesen, führt Jungo weiter aus. «Ab einem gewissen Alter spielen die Jahre keine grosse Rolle mehr. Ich trainiere gleich viel wie die anderen Ringerinnen. Es lag jedenfalls nicht daran, dass die anderen über mehr Erfahrung verfügen. Ich habe nun zwei Jahre Zeit, mich weiterzuentwickeln, bis ich die Älteste auf dieser Stufe bin.» Mitte August an der U20-WM in Sofia wird die Freiburgerin zuerst aber ein weiteres Mal zu den jüngsten Teilnehmerinnen zählen. «Ich setzte mir keinen Rang als Ziel. Stattdessen will ich kampf- statt resultatorientiert antreten und die Fehler, die ich in Rom begangen habe, korrigieren.» Sie wolle mit einem freien Kopf auf die Matte steigen und so ringen, wie sie es sich vornimmt.
Bis es so weit ist, besucht Jungo bis zu den Sommerferien weiterhin die Schule in Freiburg im Breisgau – wo sie im Sommer 2023 das Abitur machen will – und trainiert im Olympiastützpunkt. «In drei Wochen sind Sommerferien. Nach der EM lasse ich es die kommende Woche etwas ruhiger angehen und trainiere nicht so intensiv. Die Regeneration steht im Vordergrund.» Eine richtige Trainingspause steht bis zu der U20-WM in Bulgarien indes nicht an.
Vorliebe für Beinangriffe
Geplant ist zudem, dass Jungo im Herbst auch wieder mit ihrem Stammclub, der Ringerstaffel Sense, in der NLB mitringen wird. «Ich werde dabei sein, wenn immer es geht. Das ist aber abhängig von meinen Trainingslagern und Turnieren.» In der NLB kämpft Jungo in der tiefsten Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm und hat es mit Jungs oder gar Männern zu tun. «Viele sind mir körperlich überlegen, deshalb kann ich mich nicht auf ein Kräftemessen einlassen», erklärt Jungo. Stattdessen geht sie vornehmlich auf Distanz und versucht, über Beinangriffe den Sieg zu holen. «Diese Taktik kann ich auch gegen Mädchen gut anwenden.» Das nächste Mal sollen ihr diese Beinangriffe in Sofia zum Erfolg verhelfen.