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(Ostreïdae),
Familie der
Muscheln
[* 6] (s. d.), mit unregelmäßigen, ungleichen
Klappen oder
Schalen, von welchen die linke dicker und gewölbt ist, während die rechte gewissermaßen einen flachen Deckel bildet.
Durch die gewölbte dringt eine von dem
Tier abgesonderte kalkhaltige
Substanz und kittet sie an ihre Unterlage an.
In demMaß,
wie die
Muschel wächst, schwitzt im Umkreis des angekitteten Schalenstücks neue Klebmaterie aus. Das
sogenannte
Schloß ist wenig entwickelt und meist zahnlos, die
Schalen schließen aber sehr gut aufeinander, und da das
Tier
verhältnismäßig klein ist, so nehmen sie eine ansehnliche
Quantität Meerwasser auf, welches das
Leben außerhalb des
Wassers
einige Zeit unterhält.
Der
Mantel ist an seinem
Rand einfach oder doppelt gefranst. Diese
Fransen und die am äußern
Rande teilweise
verwachsenen Kiemenblätter bilden den sogen.
Bart. Der
Fuß fehlt entweder vollständig, oder bleibt sehr rudimentär; der
einzige
Schließmuskel ist sehr groß und in der Mitte des
Tiers gelegen.
Alle Austern leben kolonienweise im
Meer und waren auch
in frühern Erdperioden reichlich vertreten. Es gehören hierher die
GattungenAnomiaL. (Zwiebelmuschel), bei welcher die
flache
Schale von einem knorpeligen Fortsatz der mittlern Abteilung des
Schließmuskels durchbohrt wird, um sich an
Felsen anzuheften;
PlacunaBrug. (Scheibenmuschel), mit der Art P. placentaL. (Kuchenmuschel, chinesische Fensterscheibe), im
IndischenOzean (dient gespalten als Fensterscheibe);
Diese wichtigste Art findet sich weitverbreitet an den europäischen Küsten, kolonienweise
angesiedelt auf den sogen. Austernbänken, welche besonders auf wenig schlammigem Boden und in Tiefen bis
zu 40 m und mehr vorkommen. Löst man durch einen zwischen die Schalen und längs der glatten Deckelfläche eingeschobenen
Spatel den Schließmuskel, so klafft das Gehäuse, und man sieht das Tier wie in einer Schüssel liegen. Die Abbildung zeigt
letzteres nach Entfernung des rechten Mantelblattes; a ist die Schale, b das Schloß mit tiefer dreieckiger
Höhle für das Schloßband, c die linke Mantelhälfte, d die vier Mundlappen zu beiden Seiten des Mundes, e der Afterdarm,
f die Leber, g das Herz, h der Schließmuskel, l der Eingeweidesack; k die vier Kiemenblätter.
Die Auster gehört zu den wenigen zwitterigen Muscheln; in der Zwitterdrüse liegen die Blindsäckchen,
welche die Eier
[* 15] oder Samenfäden erzeugen, durcheinander, und ein und dasselbe Säckchen kann halb männlich, halb weiblich
sein. Gewöhnlich scheint jedoch ein und dasselbe Individuum in der Brutperiode zuerst Eier, später ausschließlich Samenfäden
zu liefern, so daß trotz des anatomisch möglichen Hermaphroditismus fast stets die Geschlechter getrennt
sind.
Darum werden auch in den Austernbänken die Eier der einen Hälfte der Muscheln von dem Samen
[* 16] der übrigen befruchtet werden.
Völlig sichergestellt sind diese Verhältnisse übrigens bisher noch nicht. Eine erwachsene Auster trägt über 1 Mill. Eier.
Die Laichzeit dauert vom Juni bis in den September. Die Eier gelangen hierbei aus der Geschlechtsdrüse
nicht etwa ins Meer, sondern verbleiben in der Auster selbst und überziehen ihren »Bart« als eine schleimig-körnige Masse.
Die jungen, aus den Eiern ausgeschlüpften Larven sehen den Erwachsenen herzlich wenig ähnlich, besitzen noch zwei gleiche
Klappen und schwimmen mittels eines mit Wimpern besetzten, vor dem Mund gelegenen Organs, des sogen. Segels,
das sie auch zwischen die Klappen zurückziehen können, munter umher. Sie sind alsdann noch nicht 0,2 mm groß, vermögen
sich selbständig zu ernähren und steigen zunächst zur Oberfläche des Meers empor, um sich nach kurzem Umherschwärmen
auf den Grund sinken zu lassen.
Sehr stark leiden sie durch den Frost. Ihre Feinde sind ferner die Fische,
[* 17] Krebse, Seesterne
[* 18] und Schnecken.
[* 19] Erst nach mehreren
Jahren erreichen sie die nach Standort und Rasse sehr verschiedene volle Größe. Die vielen größern oder
kleinern, dick- oder dünnschaligen, mehr oder weniger blätterigen Sorten sind nichts als durch lokale Einflüsse entstandene
Varietäten einer und derselben Art. Die Austern sollen 10-12 Jahre alt werden, aber schon in 3-4 Jahren sind sie marktfähig.
Die Austern finden sich reichlich an den englischen und französischen Küsten und an der norwegischen Küste
bis 65° nördl. Br. Die etwa 50 schleswigschen Austernbänke
[* 20] (s. das Kärtchen) liegen an den Abhängen der
tiefern Rinnthäler des Wattenmeers in 1½-9 m Tiefe und sind meist schmale Streifen von 100 m Breite
[* 21] und 1000 m
Länge. Der Grund besteht aus Sand, kleinen Steinen und Muschelschalen. Einzelne Austern finden sich in einigen Stromrinnen des ostfriesischen
Wattenmeers, viele leben auf den Fisch ergründen der südlichen Nordsee; das Befischen dieser Bänke ist aber schwierig, weil
dieselben meist über 30 m tief liegen.
Auch sind diese Austern nicht so wohlschmeckend wie die der schleswigschen Bänke, werden aber viel größer;
in England und Frankreich dienen sie hauptsächlich zu Pasteten und Saucen, in Deutschland
[* 22] werden viele auch frisch gegessen.
An der jütischen Küste gehen die um Skagen herum bis ins Kattegat. Im Limfjord fehlten sie früher, seitdem
aber 1825 das Land im W. von der See durchbrochen worden ist, haben sie sich hier von selbst angesiedelt und bilden jetzt
schon einen bedeutenden Handelsartikel. Im Belt fehlen gegenwärtig Austern, haben aber, wie eine fossile Austernbank beweist,
östlich von Kiel
[* 23] gelebt und sind erst, nachdem das Ostseewasser für sie auf die Dauer zu salzarm geworden,
eingegangen.