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Berichterstattung über die Geldpolitik 1996
1. Expansivere Geldpolitik als angekündigt...
Die unerwartete konjunkturelle Abflachung veranlasste die Nationalbank, im Jahre 1996 eine expansivere Geldpolitik zu führen als sie Ende 1995 angekündigt hatte. Wir waren bestrebt, der Wirtschaft genügend Spielraum für eine rasche konjunkturelle Erholung zu geben und deflationären Tendenzen, die von der Frankenstärke ausgingen, entgegenzuwirken. Wir hatten Ende 1995 angenommen, die saisonbereinigte Notenbankgeldmenge werde um mehr als 1% wachsen, aber den mittelfristigen Zielpfad bis Ende Jahr kaum erreichen. Tatsächlich stieg die Notenbankgeldmenge zwischen dem vierten Quartal 1995 und dem vierten Quartal 1996 um 5% und überschritt den Zielpfad bereits im Sommer.
2. ...aufgrund der Wirtschaftslage notwendig
Wir waren Ende 1995 davon ausgegangen, dass sich die schweizerische Konjunktur beleben und das reale Bruttoinlandprodukt bis zum vierten Quartal 1996 um 1,8% wachsen werde. Gleichzeitig hatten wir für denselben Zeitraum eine Teuerung von rund 1,5% erwartet. Gegen die Jahresmitte zeichnete sich indessen immer deutlicher ab, dass die konjunkturelle Erholung ausbleiben würde. Damit erhöhte sich auch die Gefahr eines anhaltenden Rückgangs der Preise. Dies veranlasste uns, die Notenbankgeldmenge stärker auszuweiten als ursprünglich vorgesehen. Wir konnten damit die Geldmarktzinsen etwa auf dem Anfang 1996 erreichten, niedrigen Niveau halten. Die tiefen Zinsen trugen dazu bei, den übermässigen Anstieg des Frankens am Devisenmarkt zu korrigieren.
3. Deutlicher Rückgang der Sparzinsen
Das kräftige Wachstum der Notenbankgeldmenge widerspiegelt nicht allein die im Jahre 1996 verfolgte Geldpolitik. Die deutliche Lockerung der Geldpolitik im Frühjahr 1995 liess die Sparzinsen Ende 1995 und Anfang 1996 stärker als erwartet sinken. Der Notenumlauf reagiert auf Änderungen der Geldpolitik mit einer Verzögerung von mehreren Monaten, da er weniger stark durch die Geldmarkt- als durch die Sparzinsen beeinflusst wird. Diese passen sich erst nach einiger Zeit den Bewegungen der Geldmarktsätze an.
4. Verschiebung der Nachfrage nach Giroguthaben
Ein weiterer Grund für das starke Wachstum der Notenbankgeldmenge im Jahre 1996 lag im Liquiditätsverhalten verschiedener Banken, welche ihre bei der Nationalbank gehaltenen Giroguthaben zulasten ihrer Postcheckguthaben aufstockten. Die Giroguthaben können von den Banken gleich wie Bargeld und Postcheckguthaben zur Erfüllung des gesetzlichen Liquiditätserfordernisses herangezogen werden. Die Postcheckguthaben sind jedoch im Unterschied zu den Giroguthaben nicht Teil der Notenbank-Geldmenge. Wir passten das Angebot an Notenbankgeld an die um rund 400 Mio. Franken erhöhte Nachfrage nach Giroguthaben an. Sonst hätten wir unseren geldpolitischen Kurs unbeabsichtigt verschärft. Unser Kurs war somit nicht ganz so expansiv, wie der starke Anstieg der Notenbankgeldmenge vermuten lässt.
5. Zinsanstieg Mitte 1996 nicht im Einklang mit Geldpolitik
Als Folge der expansiven Geldpolitik fielen die Geldmarktsätze, die bereits seit dem Frühjahr 1995 kontinuierlich gesunken waren, Anfang 1996 unter 2%. Im zweiten Quartal stiegen sie wieder an. Wir sahen darin zunächst einen Vorboten der erwarteten Konjunkturerholung. Ausserdem schwächte sich der Franken am Devisenmarkt erstmals seit längerem wieder ab, was erfahrungsgemäss zu gewissen Zinsanspannungen führt. Hinzu kamen Verwerfungen im Geldmarkt infolge der erwähnten Änderungen im Liquiditätsverhalten der Banken. Wir wirkten der Zinsanspannung entgegen, indem wir den Geldmarkt grosszügig mit Liquidität versorgten. Ende September unterstrichen wir mit der Senkung des Diskontsatzes von 1,5% auf 1% unsere Bereitschaft, die Geldmarktsätze auf tiefem Niveau zu halten.
6. Starkes Wachstum der breit definierten Geldaggregate
Die Entwicklung der breit definierten Geldaggregate, die rasch und stark auf Änderungen der Zinssätze reagieren, bestätigte das von der Notenbankgeldmenge gezeichnete Bild. Der Rückgang der Geldmarktsätze hatte bereits seit dem Frühjahr 1995 zu einem massiven Anstieg der Sicht- und Spareinlagen zulasten der Termineinlagen geführt. Diese Entwicklung wurde durch den vorübergehenden Anstieg der Zinssätze im Frühjahr 1996 unterbrochen. Dennoch stiegen alle breit definierten Aggregate kräftig: Die Geldmenge M1 lag im Jahre 1996 um durchschnittlich 11,9% über dem Vorjahresstand, die Geldmenge M2 erhöhte sich um 12,2%, während die Geldmenge M3 um 7,2% stieg.