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In einem dringenden Appell hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor der Gefahr einer erneuten Ausbreitung der Kinderlähmung gewarnt. Da der Erreger nun bereits in zehn Ländern aufgetreten sei, sei die Ausbreitung der Krankheit wieder eine ernste Bedrohung.
Dies erfordere eine internationale Antwort, erklärte die WHO. Vorausgegangen war in der vergangenen Woche ein Dringlichkeitstreffen der Organisation, nachdem im Januar neue Fälle eingeschleppter Kinderlähmung (Poliomyelitis) in Afghanistan, im Irak und in Äquatorialguinea aufgetreten waren. Das WHO-Ziel ist es, die Krankheit bis 2018 ganz ausgerottet zu haben.
Nach Einschätzung der WHO sind die grössten Risikoländer Pakistan, Kamerun und Syrien, weil die Gefahr eines "Exports" der Krankheit von dort besonders gross sei. Es wurde demnach über Infizierte von Pakistan aus nach Afghanistan gebracht, von Syrien in den Irak und von Kamerun nach Äquatorialguinea.
Die zunehmende Übertragung der hoch ansteckenden Krankheit über Ländergrenzen hinweg sei ein grosses Risiko, erklärte Bruce Aylward von der WHO am Montag bei einer Telefonkonferenz in Genf. Dies mache die Anstrengungen, die Krankheit weltweit auszurotten, zunichte.
Insgesamt sind demnach momentan zehn Staaten von Polio betroffen, darunter auch Äthiopien, Irak, Israel, Nigeria und Somalia. Seit Anfang des Jahres sind laut WHO weltweit 74 neue Polio-Fälle bekannt geworden, 59 davon in Pakistan, vier in Afghanistan und drei in Syrien.
Neue Empfehlungen
In der vergangenen Woche befassten sich 14 Experten in Genf mit der Krankheit. Nun hat die WHO Empfehlungen erlassen, um die mit einer Ausbreitung der Erreger verbundenen Risiken einzudämmen. Pakistan, Syrien und Kamerun, von wo sich das Polio-Virus auf Nachbarländer ausgebreitet hatte, sollten Polio als Gefahr für die öffentliche Gesundheit erklären.
Die Organisation forderte die Länderbehörden auf, Impfkampagnen für Reisende aus diesen Ländern zu starten und die Impfpflicht mindestens sechs Monate aufrecht zu erhalten, nachdem keine neuen Polio-Fälle mehr aufgetreten sind.
Kinderlähmung betrifft vor allem Kinder unter fünf Jahren. Eine von 200 Infektionen mit dem Poliovirus führt zu dauerhaften Lähmungen. Etwa fünf bis zehn Prozent der Gelähmten sterben, weil ihre Atemmuskeln unbeweglich werden.
Globales Impfprogramm
1988 hatte die WHO ein globales Programm zur Ausrottung der Kinderlähmung gestartet. Die Zahl der Infektionen sank zwischen 1988 und 2012 um mehr als 99 Prozent - von geschätzt 350'000 im Jahr 1988 auf 223 im Jahr 2012. Im vergangenen Jahr waren wieder mehr als 400 Fälle registriert worden.
In der Schweiz besteht laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) aktuell keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit, weil die Durchimpfung gegen Polio bei über 95 Prozent liege. Der letzte von einem wilden Virus verursachte Fall von Kinderlähmung in der Schweiz ereignete sich nach BAG-Angaben im Jahr 1983.
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