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A wie Abschied, B wie Bedrohung und C wie Chrysanthemen. Zu jedem Buchstaben des Alphabets schreibt Alice Grünfelder ihre Erfahrungen zu dem Inselstaat nieder, vor dessen Küste Peking gerade Militärmanöver durchführt. In ihrem Buch «Wolken über Taiwan» (Rotpunktverlag, 2022) finden sich zum einen Anekdoten aus der Alltagskultur: In Taipei etwa kündigt sich die Müllabfuhr mit «Für Elise» an und erinnert die Bewohner so daran, ihren Abfall rauszubringen.
Zum anderen gibt es aber auch Überlegungen zu Krieg und Frieden. Taiwan befindet sich seit Jahrzehnten im Limbus: Das Mantra «Keine Wiedervereinigung, keine Unabhängigkeit, kein Krieg» hält den unbequemen Status quo aufrecht. Doch einige Taiwanesen lassen sich vom Reiz des Begriffs «Unabhängigkeit» verführen und bewerben ihn mit Stickers und Bannern auf den Strassen. Wie würde der Weg dahin aussehen? Grünfelder fragt bei Passanten nach, die Leute winden sich jedoch um eine Antwort. Taiwans Wirtschaft ist nicht nur mit dem Westen, sondern auch mit China eng verflochten. Unabhängigkeit? Das ist nicht das Gleiche wie Sicherheit, Wohlstand oder Freiheit, aber das Wort verspricht ein Ende der Unsicherheit, die sich jetzt gerade wieder aufdrängt. Irgendwann wird Taiwan den Limbus verlassen. Wann und wie? Z wie Zeit wird es zeigen. (mg)