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Hinter den Pseudonym HULUBALANG steht der indonesische Künstler Kasimyn, der sich für sein neuestes Projekt auf die Suche nach Spuren aus der indonesischen Kolonialzeit gemacht hat. Er konfrontiert sich dabei selbst mit Bildarchiven aus der Kriegszeit und gibt dem eigenen Unbehagen, dass aus dieser Auseinandersetzung wächst, einen Klang.
Falls du diese Sendung verpasst hast, kannst du sie hier nachhören:
Alles begann im Jahre 2016, als Kasimyn in einer Fotoausstellung in Vietnam auf ein Archiv von Fotografien aus der Kolonialzeit Indonesiens stiess. Indonesien war fast 350 Jahre lang, und bis ins Jahr 1949 von den Niederlanden besetzt. Mit dieser Zeit einher, gehen zahlreiche Kriege, Enteignungen und Versklavung. Trotz der laufenden Aufarbeitungsprozesse sind viele der Archive noch nicht öffentlich zugänglich, was die Recherche des Künstlers einerseits erschwert und sie gleichzeitig spannend macht. Auf dem Instagram Account von HULUBALANG ist ein Teil der inspirierenden Fotos einzusehen.
"Mann aus Java" heisst das Foto auf dem Cover des Albums. Abgebildet ist ein Mann mit weit aufgerissenen Augen, das Gesicht Frontal, der Blick jedoch eindeutig an der Kamera vorbei. Die Bildbeschriftung "Mann aus Java" stimmte Kasimyn nachdenklich, da sie die Anonymität der Opfer der Kolonialherrschaft auf den Punkt bringt.
Das Gefühl das Kasimyn gegenüber den anonymen Opfer hegt wird zum Grundbaustein des Albums
und gibt ihm seinen Namen. BUNYI BUNYI TUMBAL beschreibt ein "synthetisches Gefühl für ein anonymes Opfer".
Für den ersten Track "Piso" versetzte sich Kasimyn gedanklich in ein indonesisches Dorf, das den Einmarsch der Kolonialmacht durchläuft. Trommelklänge und Stimmfragmente werden von Synthesizern durchbrochen. Bedrohliche Teppiche unterlaufen das Ganze.
"Piso" ist bei weitem nicht der einzige Track, der das Unbehagen hörbar macht. In "Cerca" erreicht die Brutalität ihren Höhepunkt. Klänge, die Schreie andeuten wollen, wiederholen sich durch das ganze Stück hindurch, werden aber von harten Synthesizern, Schuss-ähnlich durchbrochen.
Etwas weniger Unbehagen säen beispielsweise die Tracks "Kemaut" oder "Gendang Ria". Ersterer ist ein rhythmisches Spektakel, bei dem es mir als Hörer*in gelingt in die Faszination der sich überlagernden Rhythmen einzutauchen. "Gendang Ria" enthält schon fast fröhliche Trommelelemente, die in Wahrheit einer traditionellen Todeszeremonie entspringen, welche die Angehörigen dazu ermuntern soll, die Verstorbenen loszulassen.
Es war auch ein Anliegen des Künstlers, die Binarität zwischen Opfer und Unterdrücker*innen zu durchbrechen. In "Budakkawan" kommt dies zum in Textfragmenten zum Ausdruck. Die Künstlerin SaintMary schreit, was übersetzt heisst "Wer ist Schuld?", "Wessen Name steht in der Geschichte?". In Form dieses Ausrufs wird keine direkte Anklage gemacht, eher wird die Frage nach Gerechtigkeit ins Zentrum gestellt.
Nebst diesem Solo-Projekt ist der Künstler Kasimyn Teil des Duos Gabber Modus Operandi, das letztes Jahr an der Bad-Bonn Kilbi vertreten war. Auch ist Kasimyn als Featuring auf Björks Track "Fossora" zu hören.
Mehr traditionelle Tunes mit einem modernen Twist findest du in unsere Sphaíra-Playlist!
Playlist
Hulubalang
Piso
Cerca
Kemaut
Malasa
Sayat
Liang
Bucur
Hitam
Tungkai
Budakkawan (feat. SaintMary)
Gedang Ria
Cakar
Sengatan
Sungsut