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auch im Jahr 2017 wollen wir die Rubirk Baumarten beibehalten.
Unser nächster Baum in dieser Rubrik ist die Castanea sativa- die Ess-/ Edelkastanie. Es ist der einzige in Europa bekannte Vertreter dieser Gattung und gehört zu der Familie der Buchengewächse Fagaceae. Die Castanea sativa ist ein sommergrüner Baum und bildet starkreiche Nussfrüchte. In Süd- und Westeuropa wird sie wegen dieser essbaren Früchte als Holzlieferant angebaut. Vom Mittelalter bis Ende des 19 Jahrhunderts galt die Esskastanie als Grund-/ und Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung der Bergregionen Südeuropas. Im 20 Jahrhundert gingen die Bestände wegen dem Befall des Kastanienrindenkrebses stark zurück, haben sich gegen Ende des 20 Jahrhunderts aber wieder erholt.
Allgemeines:
Die Edelkastanie ist ein sommergrüner Baum der nur selten strauchförmig zu wachsen pflegt. Sie werden 20 bis 25 Meter hoch, ältere Exemplare erreichen schon einmal einen Durchmesser von an die 4 bis maximal 6 Meter. Der Stamm der Castanea sativa wächst gerade und kräftig und die Verzweigungen beginnen meist in geringer Höhe, wobei wenige starke Äste gebildet werden. Ab einem Alter von ca. 100 Jahren ist der Stamm häufig hohl. Die Krone ist weit ausladend und hat eine runde Form. Edelkastanien erreichen ein Alter von 500 bis 600 Jahren, in Mitteleuropa jedoch, werden sie kaum älter als 200 Jahre, in Westeuropa dafür an die 1000 Jahre. Einer der ältesten bekannten Exemplare ist der Castagno dei Cento Cavalli (Kastanienbaum der hundert Pferde auf Sizilien, siehe Foto unten).
Das Wurzelsystem der Edelkastanie- Castanea sativa ist sehr kräftig ausgeprägt, die Edelkastanie hat Pfahlwurzeln die allerdings nicht allzu tief in den Boden eindringt. Sämlinge bilden im ersten Jahr ca. 40 cm tiefe Pfahlwurzeln , worauf sich im zweiten und dritten Jahr die Seitenwurzlen bilden.
Die jungen Zweige sind hell- rotbraun gefärbt. Die Rinde junger Triebe ist von einem Reifbelag bedeckt, der später verschwindet. Die Winterknospen sind 8- 10 Millimeter lang, der Blattaustrieb erfolgt Ende April, Anfang Mai. Die Blattform ist elliptisch bis lanzeolat, die Blattspitze ist kurz zugespitzt, die Blattbasis ist rundlich bis keilförmig. Der Blattrand ist gezähnt bis gekerbt, die Zähne enden in einer kleinen, nach vorne gerichteten Spitze. Die Blätter sind etwas ledrig, die Oberseite ist glänzend tiefgrün und kahl, die Unterseite ist heller, hier treten die 12 bis 20 Aderpaare klar hervor. Die Herbstfärbung ist gelbbraun, direkt vor dem Abfallen braun.
Das Holz der Edelkastanie- Castanea sativa ist ringporig und mittelschwer. Das Splintholz ist schmal und weißlich gelb. Es ist deutlich vom braunen Kernholz abgegrenzt. Die Jahresringe sind deutlich zu erkennen. Holzstrahlen sind zahlreich vertreten, gleichmäßig aufgebaut, ein- oder zweireihig und werden 15 bis 30 Zellreihen hoch.
Das Holz der Edelkastanie hat einen warmen, goldbraunen Ton. Verglichen mit Eichenholz fehlen Markstrahlen, so dass die Maserung nicht so stark ausgebildet ist. Es ist leicht zu bearbeiten und im Freien auch ohne chemische Behandlung weitgehend witterungs- und fäulnisbeständig. Da der Faserverlauf meist gerade ist, kann es verhältnismäßig gut gebogen werden. Es nimmt Politur, Beizen, Lack und Farbe gut an.
Holz von Hochwald-Bäumen wird zu Möbeln und zu Fenster- und Türrahmen verarbeitet, aber auch zu Telegraphenmasten und ähnlichem. Kleinere Hölzer aus dem Niederwald werden zu Gartenzäunen, Weidepfosten, Wein- und Likörfässern verarbeitet. In der Vergangenheit war auch die Holzkohlenerzeugung und die Nutzung als Feuerholz von großer Bedeutung. Das Holz wird außerdem für Eisenbahnschwellen, Decken- und Dachbalken und bei Hang- und Lawinenbauten sowie im Schiffbau eingesetzt.
Die Borke wurde in der Vergangenheit zum Ledergerben verwendet.
Standorte:
Die Edelkastanie bevorzugt temperat-humide, ozeanische Klimabedingungen sowie saure Böden. Sie ist wärmeliebend und eine submontan-mediterrane Baumart. Die Jahresmitteltemperatur sollte zwischen 8 und 15 °C liegen bei warmen Herbsten und mindestens sechs Monaten über +10 °C. Sie ist sehr empfindlich gegen Spätfröste. Für eine gute Entwicklung benötigt sie eine Wärmesumme der Tagesmittelwerte von 3600 Gradtagen.
Hinsichtlich der benötigten Niederschläge gilt die Edelkastanie als mesophil: gute Entwicklung bringt sie bei Niederschlägen zwischen 600 und 1600 mm pro Jahr. Eine verregnete Blütezeit im Juni verträgt sie schlecht. In dürregefährdeten Lagen, in Gebieten mit ausgeprägter Sommertrockenheit, sowie auf staunassem Boden gedeiht sie nicht. Die Edelkastanie ist eine Lichtbaumart und wird bei zunehmender geographischer Breite noch lichtbedürftiger.
Der beste Boden für die Edelkastanie ist frisch, locker und tiefgründig mit einem hohen Kalium- und Phosphor-Gehalt. Auf älteren, tiefgründigen Kalkböden mit genügend verfügbarem Kalium und Phosphor und einem Kalkgehalt unter 20 % kann sie gedeihen, ansonsten meidet sie Kalk. Auf schweren, tonigen Böden gedeiht sie nicht. Sehr gut geeignet sind phosphorreiche vulkanische Böden. Mit zunehmenden klimatischen Veränderung in unseren Gebieten, nimmt dieser Baum zunehmend an Bedeutung zu.
Verbreitung:
Da die Edelkastanie- Castanea sativa seit der Antike im gesamten Mittelmeerraum wie auch den nördlich angrenzenden Gebieten angebaut wird, lässt sich ihr natürliches Anbaugebiet nicht genau feststellen. Als Nordgrenze werden angenommen die Pyrenäen, Alpensüdrand, Bosnien, Teile von Bulgarien und der Kaukasus. Sie kommt auch in Kleinasien, im nördlichen Syrien und Teilen des Atlasgebirges vor.
In der Schweiz im Tessin, am Lac Leman, dem Wallis, am Zuger-/ und Vierwaldstättersee und einigen Orten des Juras. Je nach Lage findet man sie beispielsweise in Italien auf Höhen bis an die 1600 Meter über Meer.
Geschichte:
Die Edelkastanie hat während der letzten Eiszeiten ihr Areal mehrmals vergrößert und verkleinert. Im kaukasisch-armenischen Gebiet wurde sie bereits in prähistorischer Zeit gegessen sowie das Holz verarbeitet. Die Kultivierung als Obstbaum dürfte in der Zeit zwischen 9. und 7. Jahrhundert v. Chr. erfolgt sein im Gebiet zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer. Von hier verbreitete sie sich rasch nach Kleinasien, Griechenland und auf den Balkan.
In der griechischen Antike wurde die Edelkastanie verbreitet kultiviert, in Sparta etwa wurden daraus schwarzes Brot, Mehl und Suppen hergestellt. Erwähnt werden Kastanien in den Werken von Jesaja, Homer, Xenophon und Hippokrates. Griechen, Phönizier und Juden handelten die Früchte im ganzen Mittelmeergebiet. In Großgriechenland (Magna Graecia), besonders in Kalabrien, wurde die Edelkastanie angepflanzt.
Die Römer verbreiteten die Castanea sativa- Edelkastanie im ganzen Römischen Reich bis nach Britannien, neben Kastanien und Holz wurden auch der Honig und als Medizin Rinde, Blätter und Blüten verwendet. Viele Schriftsteller beschäftigten sich unter verschiedensten Aspekten mit der Edelkastanie, so Plinius der Ältere, Columella, Vergil, Ovid und Dioskurides. Augustus' Koch Apicius überlieferte Kochrezepte. Generell stand Edelkastanie in hohem Ansehen.
Im frühen Mittelalter war die Edelkastanie im südlichen Europa eine wichtige Nahrungspflanze. Der Langobarden-König Rothari führte sie 641 in seiner Liste der geschützten Bäume auf, Ende des 8. Jahrhunderts befahl Karl der Große im Capitulare de villis ihren Anbau auf Königsgut. Im 10. Jahrhundert waren die Castagnatores eine eigene Form der Bauern. Klöster ließen in vielen Mittelgebirgslandschaften Edelkastanien pflanzen. Kastanien waren zu dieser Zeit jedoch nur ein Grundnahrungsmittel von vielen. Sie wurden frisch und getrocknet, roh oder gekocht, geröstet oder als Mehl verspeist. In Berggebieten war sie besonders im Winter eine wichtige Kohlenhydratquelle. Im 11. bis 13. Jahrhundert intensivierte sich aufgrund des Bevölkerungswachstums der Kastanienanbau in den Gebieten, wo kein Getreide angebaut werden konnte, Kastanien wurden immer mehr das Brot der Armen. Die wichtigste Konservierungsmethode war damals das Trocknen, teilweise durch Räuchern. Das Mehl war ein bis zwei Jahre haltbar. Im 12. Jahrhundert kam in der Lombardei das Wort Marroni auf, mit dem Kastanien der besten Qualität, groß, süß, schmackhaft und leicht zu schälen, bezeichnet wurden.
Gegen Ende des Mittelalters wurden Kastanien mit schlechter Verdauung, Kopfschmerzen, Blähungen und verstärktem Sexualtrieb assoziiert. Daher wurden sie als Nahrung für die arbeitende Bevölkerung und zur Schweinemast angesehen, weniger als Nahrung für die höheren Stände.
Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert stieg der Anbau von Edelkastanien weiter an. Zentren waren die Gebirge der Iberischen Halbinsel, Zentral- und Süd-Frankreich, Korsika, Zentral- und Nord-Italien, Tessin und der Balkan. Unabhängig vom jeweiligen Land ähnelten sich die Kastanien-Kulturen, die von Emmanuel Le Roy Ladurie Internationale der Armut und der Kastanie genannt wurde. Die Kastanie war in diesen Gebieten vielfach die praktisch einzige Nahrungsquelle. Je nach Region wurden ein bis zwei Bäume für die ganzjährige Ernährung einer erwachsenen Person gepflanzt.
Frucht- Verwendungszweck:
Kastanien haben eine breite Verwendungspalette. Als Halbfertigprodukte werden geschälte Maroni und Kastanien sowie Kastanienpüree hergestellt, sie werden weiterverarbeitet, bevor sie an den Endverbraucher gelangen. Die Palette an Fertigprodukten ist wesentlich größer: ganze geschälte Kastanien werden vor allem in Frankreich zum Kochen im Haushalt verwendet, sie dienen häufig als Beilage. Kastanien können auch in Wasser, trocken oder vakuumverpackt sein, tiefgefroren oder in Zuckersirup eingelegt. Große Maroni (55 bis 65 Stück je kg) werden kandiert, das heißt langsam in Zuckersirup gekocht. Sie dienen unter anderem als Grundlage für die Herstellung von Marrons Glacés, glasierten Maroni. Weitere Produkte sind Maroni in Alkohol, Maronencreme, Mehl und Flocken. Mehl wird aus getrockneten und geschälten Kastanien hergestellt und meist mehrfach gemahlen. In der Vergangenheit war es sehr weit verbreitet und in vielen Gebieten ein Hauptnahrungsmittel. Heute wird es zu Gnocchi, Pasta, Brot, Polenta und Gebäck verarbeitet. Flocken werden in Frühstücks-Müslis verwendet. In Frankreich und Italien wird aus Kastanien Likör hergestellt, auf Korsika und in der Schweiz Bier.
Kastanien sind glutenfrei, das Mehl kann daher von Zöliakie-Patienten als Getreide-Ersatz verwendet werden. Kastanien werden gekocht oder geröstet als Beilage verwendet oder als Salatzutat. Sie werden zu Huhn, Truthahn, Schwein, Gans und Hase als Beilage gereicht oder auch zum Füllen verwendet. Als Süßigkeit werden Kastanien zu den erwähnten marrons glacés, zu Vermicelles, Mousse, Soufflé, Creme und Eiscreme verarbeitet. Traditionelle Desserts sind castagnacci (Kastanienbrot), necci (Pfannkuchen), Pudding und ballotte (Kastanien in Fenchelwasser gekocht). Weit verbreitet sind geröstete Kastanien, die auch außerhalb der Anbaugebiete im Winter auf Straßen verkauft werden. Maronen haben einen zart süßen, nussigen und etwas mehligen Geschmack.
Nebenprodukte:
Kastanienhonig ist bernsteinfarben oder noch dunkler und aromatisch. In traditionell bewirtschafteten Wäldern können verschiedene Pilze geerntet werden, die einen Zuverdienst für die Kastanienbauern darstellen. Die Blätter werden zu einem kleinen Teil für die Produktion von Aftershavelotionen und zum Färben von Stoffen verwendet. Neue Forschungsberichte belegen eine Wirksamkeit selbst gegen MRSA-Bakterien.
Traditionell ist die Schweinemast mit Kastanien, besonders in Spanien, Süditalien und auf Korsika. Aus ihrem Fleisch wird vorwiegend Salami hergestellt. Traditionell wurden die abgefallenen Blätter als Streu sowohl als Dünger oder Einstreu in Stallungen verwendet. Die Blätter werden auch in der Volksmedizin bei Husten, zur Wundbehandlung und bei Durchfall eingesetzt.
(Quellen Wikipedia)
Volksmedizin
Hildegard von Bingen (1098-1179 n.Chr.) empfiehlt den Verzehr von Kastanien nach bestimmter Zubereitung gegen folgende Beschwerden: Kopfschmerzen, Herzschmerz und Traurigkeit, Leberschmerzen, Milzschmerzen und Magenschmerzen. Mit Wasser gekochte Blätter und Schalen der Frucht sollen als Dampfbad gegen Gicht hilfreich sein .
In der heutigen Heilkunde werden die Blätter, Blüten, Früchte und die Rinde der Edelkastanie verwendet. Die Rinde und die Blätter besitzen einen hohen Gerbstoffgehalt und können bei bestimmten Beschwerden heilsam sein. Medizinisch hat die Anwendung eine beruhigende, magenstärkende und zusammenziehende Wirkung. Die Hauptanwendungsform sind Tees aus Blätteraufgüssen. Die Tees gelten als hustenlindernd sowie krampflösend und werden bei Keuchhusten und bei Bronchitis eingesetzt. Außerdem soll die Anwendung bei Durchfall, Rachenentzündung und Schwächezuständen helfen. Die Esskastanienfrüchte wirken aufbauend und bei Durchfall stopfend.
Auch in der Bach'schen Blütentherapie findet die Edelkastanie Verwendung. Das Bachblütenmedikament der Edelkastanie soll bei Schmerzen, Mutlosigkeit und Verzweiflung helfen.
Mythologie:
Die Edelkastanie- Castanea sativa ist dem Sternzeichen Waage zugeordnet und der höchsten römischen Gottheit Jupiter geweiht. Bereits im alten Griechenland wurde die Esskastanie verehrt und Zeus geweiht.
In der christlichen Symbolik sind Kastanien ein Sinnbild für Güte, Keuschheit und Triumph über die Versuchung. In Frankreich gibt es den Brauch Heiligenbilder an Edelkastanien anzubringen . Edelkastanien wurden im alten China als Heim der Erdgötter des Westens angesehen. Eine dort vorkommende Edelkastanienart ist z.B. Castanea mollissima. Esskastanienbäume sind in China ein Symbol für weise Voraussicht, da die Kastanien im Herbst gesammelt werden können, um im Winter als Nahrung zu dienen. Des Öfteren sind Edelkastanien auch grosse Hausbäume von buddhistischen Tempeln.
In der keltischen Mytholgie steht die Kastanie für Menschen die als Eckpfeiler für Soziales in der Gesellschaft stehen. Kastanien- Geborene helfen ihren Mitmenschen, leben für die Gemeinschaft. Sie sind nicht zu Anführern geboren und wirken lieber im Hintergrund und Stillen. Sie stehen für Gefühlstiefe und Intensität in Beziehungen. Mit fortgeschrittenem Alter werden sie eventuell etwas unflexibel und folgen oftmals festgefahrenen Mustern. Das Ziel im Visier wird oft vergessen, nach links und rechts des Weges zu schauen.
Im keltischen Baumhoroskop wird die Kastanie folgenden Daten zugeordnet:
Kastanien- Geborene finden wir im keltischen Baumhoroskop
vom 15.05.- 24.05. und vom 12.11.- 21.11.
Die Emme- Forstbaumschulen AG bietet Edelkastanien- Castanea sativa als Sämlinge oder Jungpflanzen mit Herkunft TI/ verschiedene Herkünfte, FR/ Châtillon und D/Süddeut. an, siehe Seite 12 in unserem aktuellen Katalog 2016/2017. Auf der Seite 40 finden Sie verfügbare Quick- Pot Pflanzen, l. Heister und Heister auf der Seite 52 ohne Herkunft, als Hochstamm auf Anfrage. Für Fragen stehen wir Ihnen auch zu diesem Baum jederzeit gerne zur Verfügung.