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zf. Manlio Dinucci analysiert hier eine Publikation eines US-Think tanks vom April 2019. In Russland wird man sie gelesen haben – und sich sicher nicht daran gehalten haben. Es kennt die Strategie aus jahrelanger Erfahrung – und hat sich offensichtlich anders orientiert. Deutlich macht die Studie aber auch: Um das Wohl der Ukrainer scheren sich die US-Strategen keinen Deut – sie sind die Bauern auf dem Schachbrett amerikanischer Geopolitik. Noch braucht man sie – sie zahlen die Zeche für diesen Wahn, genauso wie das übrige Europa, das sich so gedankenlos vor den US-Nato-Karren spannen lässt.
Der Strategieplan der Vereinigten Staaten gegen Russland wurde vor drei Jahren von der RAND Corporation ausgearbeitet (il manifesto, 21. Mai 2019 «RAND Corp.: How to overthrow Russia»). Die RAND Corporation mit Sitz in Washington ist «eine globale Forschungsorganisation, die Lösungen für politische Herausforderungen entwickelt». Sie verfügt über ein Heer von 1800 Forschern und anderen angeworbenen Spezialisten aus 50 Ländern, die 75 Sprachen sprechen; sie sind auf Büros und andere Standorte in Nordamerika, Europa, Australien und am Persischen Golf verteilt. Die US-Mitarbeiter von RAND leben und arbeiten in über 25 Ländern.
Die RAND Corporation, die sich selbst als «gemeinnützige und überparteiliche Organisation» bezeichnet, wird vom Pentagon, der US-Armee und -Luftwaffe, den nationalen Sicherheitsbehörden (CIA und andere), den Behörden anderer Länder und mächtigen Nichtregierungsorganisationen finanziert.
Die RAND Corp. rühmt sich, an der Entwicklung der Strategie mitgewirkt zu haben, die es den Vereinigten Staaten ermöglichte, als Sieger aus dem Kalten Krieg hervorzugehen und die Sowjetunion zu zwingen, ihre Ressourcen in einer zermürbenden militärischen Konfrontation zu verbrauchen. Der neue Plan für das Jahr 2019 wurde von diesem Modell inspiriert: «Over-extending and Unbalancing Russia», d. h. den Gegner zu zwingen, sich zu überfordern, um ihn aus dem Gleichgewicht und zu Fall zu bringen. Dies sind die Hauptangriffslinien, die in RANDs Plan skizziert werden und auf denen sich die Vereinigten Staaten in den letzten Jahren tatsächlich bewegt haben.
Zuallererst – so der Plan – muss Russland auf der verwundbarsten Seite angegriffen werden, nämlich auf der Seite seiner stark vom Gas- und Ölexport abhängigen Wirtschaft: Zu diesem Zweck müssen Handels- und Finanzsanktionen eingesetzt werden, und gleichzeitig muss dafür gesorgt werden, dass Europa die russischen Erdgasimporte verringert, indem es sie durch amerikanisches Flüssigerdgas ersetzt.
Auf dem Gebiet der Ideologie und der Information ist es notwendig, interne Proteste zu fördern und gleichzeitig das Bild Russlands nach aussen zu untergraben.
Im militärischen Bereich müssen Anstrengungen unternommen werden, um sicherzustellen, dass die europäischen Nato-Länder ihre Streitkräfte in einer Anti-Russland-Funktion verstärken. Die USA könnten eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit und einen hohen Nutzen bei geringen Risiken haben, wenn sie mehr in strategische Bomber und gegen Russland gerichtete Langstreckenraketen investieren. Die Stationierung neuer nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa, die auf Russland gerichtet sind, bietet ihnen eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit, birgt aber auch hohe Risiken. Bei der Abwägung der einzelnen Optionen zur Erzielung des gewünschten Effekts – so RAND – wird Russland im Vergleich zu den USA am Ende den höchsten Preis zahlen, aber die USA und ihre Verbündeten werden umfangreiche Ressourcen investieren müssen, die sie von anderen Zielen abziehen.
Im Rahmen dieser Strategie – so der Plan der RAND Corporation für 2019 – «würde die Bereitstellung tödlicher Hilfe für die Ukraine die grösste externe Verwundbarkeit Russlands ausnutzen, aber jede Zunahme von Waffen und militärischer Beratung durch die USA für die Ukraine sollte sorgfältig kalibriert werden, um die Kosten für Russland zu erhöhen, ohne einen viel grösseren Konflikt zu provozieren, in dem Russland auf Grund seiner Nähe erhebliche Vorteile hätte».
Genau hier – an dem Punkt, den die RAND Corporation als «Russlands grösste externe Schwachstelle» bezeichnete, die durch die Aufrüstung der Ukraine in einer «kalibrierten Art und Weise ausgenutzt werden kann, um die Kosten für Russland zu erhöhen – ohne einen viel grösseren Konflikt zu provozieren» – ist der Bruch eingetreten. Unter dem politischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck, den die USA und die Nato immer stärker ausübten und die wiederholten Warnungen und Verhandlungsvorschläge Moskaus ignorierten, reagierte Russland mit einer Militäroperation, die in der Ukraine über 2000 militärische Einrichtungen zerstörte, die nicht von den Kiewer Machthabern, sondern von US-Nato-Kommandos errichtet und kontrolliert wurden.
Der Artikel, der vor drei Jahren über den Plan der RAND Corporation berichtete, endete mit diesen Worten: «Die in dem Plan vorgesehenen Optionen sind in Wirklichkeit nur Varianten dieser Kriegsstrategie, deren Preis in Form von Opfern und Risiken von uns allen bezahlt wird.» Wir Europäer zahlen jetzt dafür, und es wird uns immer teurer zu stehen kommen, wenn wir weiterhin entbehrliche Spielfiguren in der US-Nato-Strategie sind. •
(Übersetzung Zeit-Fragen)
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Am 8. März 2022 löschte die Zeitschrift Manifesto diesen Artikel nach einer kurzen Online-Veröffentlichung (ilmanifesto.it > ucraina-era-tutto-scritto-nel-piano...) über Nacht auch aus der gedruckten Ausgabe, da ich mich geweigert hatte, der Anweisung des Wahrheitsministeriums nachzukommen und keine Debatte über die Ukraine-Krise zu eröffnen. Damit endet meine langjährige Zusammenarbeit mit dieser Zeitung, in der ich seit über zehn Jahren meine Kolumne The Art of War veröffentlicht habe.
Manlio Dinucci, Pisa, 10. März 2022
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