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Auch Pferde können unter chronischem Schlafmangel leiden. Betroffene Tiere können dann Symptome der sogenannten Pseudonarkolepsie wie Einknicken oder gar Umfallen zeigen. Eine Studie soll nun Aufschluss über einfache Managementmassnahmen bei diesem Problem geben.
Entspanntes Ruhen in der Gruppe.
Seit einigen Jahren wird vermehrt von Pferden berichtet, die immer wieder merkwürdige Verletzungen an Karpal-, Fessel- und Sprunggelenken oder gar am Kopf aufweisen, ohne dass ein offensichtlicher Grund dafür ersichtlich wäre. Erst später bemerken die Pferdehalter vielleicht, dass diese Tiere, wenn sie in Ruhephasen stehend mit hängendem Kopf dösen, mit den Vordergliedmassen einknicken (unvollständiger Kollaps) oder aber gänzlich stürzen (vollständiger Kollaps). Meist erwachen sie dabei und strecken sich eventuell kurz, bevor sich das Verhaltensmuster wiederholt. Bezeichnenderweise stellen sich betroffene Pferde zum Ruhen oft an eine Wand oder in eine Ecke und stützen teilweise sogar ihren Kopf am Zaun oder an der Stalltüre ab. Die Pferde können zwar beim Wälzen beobachtet werden, hingegen findet man sie nie oder zumindest selten liegend vor.
Diese Auffälligkeiten weisen auf die sogenannte Pseudonarkolepsie hin, ein Phänomen, dass in den letzten Jahren in einigen wissenschaftlichen Studien untersucht wurde. Im Unterschied zur echten Narkolepsie, eine neurologische Erkrankung, die man beispielsweise beim Menschen und Hunden und sehr selten auch bei Pferden antrifft, wird die Pseudonarkolepsie schlicht durch anhaltenden Schlafmangel verursacht.
Videoüberwachung im Liegebereich kann helfen, das Ruheverhalten zu überprüfen.
Das Ruheverhalten von Pferden
Erholungsphasen sind für Pferde genauso wichtig wie für uns, auch wenn sich Equiden in ihrem arttypischen Ruheverhalten deutlich von Menschen unterscheiden. Tatsächlich können sich Pferde im Stehen entspannen und gar schlafen; Liegephasen sind aber auch für sie zwingend nötig. Es gibt drei Intensitätsstufen des Ruhens bei Pferden. Das häufige Dösen geschieht im Stehen. Durch das sogenannte «Schildern» kann das dösende Pferd seinen Energieaufwand in erstaunlichem Masse senken und sich ausruhen. Die nächste Stufe ist das Liegen auf dem Bauch mit untergeschlagenen Beinen (Schlummern). In diesen beiden Ruhepositionen findet der sogenannte slow wave sleep statt. Die dritte Stufe, ein seitliches Liegen mit ausgestreckten Beinen, dient dem Tiefschlaf mit stark herabgesetztem Muskeltonus. Dieser ist nur in Seitenlage möglich (allenfalls in Bauchlage mit aufgestütztem Kinn). Häufig sind hier schnelle Augenbewegungen bei geschlossenen Liedern sichtbar, die z.B. beim Menschen mit Phasen des Träumens einhergehen (REM-Schlaf, rapid eye movement sleep). Von Wildpferden weiss man, dass die Dauer der Ruhezeiten saisonabhängig sowie abhängig vom Alter und Geschlecht ist. Sie umfasst ungefähr sieben Stunden beim erwachsenen Pferd. Das Liegen nimmt dabei nur einen kleinen Anteil an den Gesamtruhezeiten ein, zwischen einer halben bis zweieinhalb Stunden. Liegen ist aber ein essentielles Bedürfnis, da für eine echte Erholung alle Stufen der Ruhephasen durchlaufen werden müssen.
Ein Pferd liegt nur, wenn es sich sicher fühlt
Für ein Fluchttier ist es gefährlich, sich hinzulegen. Pferde liegen daher grundsätzlich nur, wenn sie sich sicher fühlen und rasch wieder aufstehen können. Sowohl in Gruppen- als auch in Einzelhaltung kann es nun vorkommen, dass sich ein Pferd aus Unsicherheit selten oder gar nie hinlegt. Dies kann an einer neuen unbekannten Umgebung liegen, an Schwierigkeiten oder an Schmerzen beim Abliegen und Aufstehen, an ungeeigneten Liegeplätzen (zu klein, zu wenig Einstreu), anderen baulichen Gegebenheiten, aber auch an sozialen Konflikten zwischen den Pferden. Wird das Abliegen über lange Zeit verweigert, kann dies zu einem chronischen REM-Schlaf-Mangel führen mit diversen gravierenden Folgeproblemen, wie der erwähnten Pseudonarkolepsie. Chronischer Schlafmangel ist tierschutzrelevant.
Soziale Unsicherheiten als Ursache
Nebst anderen möglichen Ursachen ist der Grund, dass sich ein Pferd nicht mehr hinlegt, vermutlich oftmals im sozialen Umfeld zu suchen. In der Regel fühlen sich Pferde in der Nähe von Artgenossen wohl und geschützt und legen sich problemlos zum Schlafen hin. Allerdings kann es Individuen geben, die sich innerhalb einer gegebenen Gruppenzusammensetzung oder eingestallt neben einem bestimmten Boxennachbarn nicht entspannen können. Einerseits können dies tiefrangige Individuen sein, welche wesentlich mehr Individualdistanz oder Schutz vor höherrangigen Pferden benötigen. Es kann sich aber auch um sehr ranghohe Tiere handeln, die ein übertriebenes Kontrollverhalten über die anderen Pferde oder die Umgebung aufweisen, was zu chronischem Stress und somit zu reduziertem Liegeverhalten führen kann. Auch die Ursachen aus dem sozialen Umfeld können also je nach betroffenem Pferd variieren. Massnahmen zur Verbesserung der Situation müssen somit für jedes Pferd spezifisch gewählt werden, was vom Tierhalter Einfühlungsvermögen und viel Geduld abverlangt.
Iris Bachmann
Beratungsstelle Pferd, Agroscope, Schweizer Nationalgestüt
Die typischen Verletzungen von Pferden mit Pseudonarkolepsie.
Die typischen Verletzungen von Pferden mit Pseudonarkolepsie.
Grosszügige Einstreu wird geschätzt.
Ein Pferd braucht Sicherheit beim Liegen.