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Basel, Anfang 1930er Jahre
Rückseite: Porträt der Irène Zurkinden skizziert von Christoph Bernoulli
Basel, Anfang 1930er Jahre
Malerin: Irène Zurkinden (1909-1987)
Zeichner: Christoph Bernoulli (1897-1981)
beidseitig Öl auf Hartfaserplatte (Pavatex)
Holz (Rahmen)
H. 53,8 cm, B. 41,2 cm (mit Rahmen)
Inv. 2007.199.
Das Anfang der 30er Jahre entstandene Porträt Christoph Bernoullis hat den Charakter einer skizzenhaften Momentaufnahme. Mit zügigen Pinselstrichen hat die Basler Künstlerin Irène Zurkinden (1909- 1987) die nachdenklichen Gesichtszüge des Mitte dreissigjährigen Kunsthändlers und Innenarchitekten auf der Hartfaserplatte festgehalten. Den Kopf im gestus melancholicus in die rechte Hand gestützt, richtet er den Blick direkt auf den Betrachter. Seine Kleidung - ein dunkles Jackett mit schwarzer Krawatte und hellblauem Hemd sowie die Sofalehne, auf die er seinen Ellenbogen stützt, sind lediglich schematisch angedeutet. Der universal gebildete und gesellige Kunstkenner Dr. Christoph Bernoulli (1897-1981) hatte bedeutenden Einfluss auf das Basler Kulturleben. So hat er unter anderem das Wildtsche Haus und das Jüdische Museum in Basel eingerichtet und leitete 1950-51 interimistisch die Kunsthalle.
In der Zeit des Nationalsozialismus unterstützte er zahlreiche Emigranten. Sein biographisches Material, zu dem auch humorvolle Zeichnungen und einfallsreich illustrierte Briefcouverts gehören, wird in der Universitätsbibliothek aufbewahrt. Bernoullis Haus an der Holbeinstrasse entwickelte sich zum Treffpunkt eines internationalen Kreises von Schauspielern, Musikern und Künstlern, darunter Alberto Giacometti. Eine besonders innige Beziehung verband ihn mit Irène Zurkinden. Dies schlägt sich auch in der dialogischen Form des Porträts nieder: Der Porträtierte griff nämlich selbst zum Pinsel, um auf der Rückseite des Kartons das Bildnis der von ihm hoch verehrten Künstlerin in naiv anmutender Form zu skizzieren. Mit knallroten Lippen, blauen Augen und langem Pony erscheint die junge, temperamentvolle Malerin, die am Anfang ihrer künstlerischen Karriere in Basel stand. Nach ihrer Ausbildung als Modezeichnerin an der Basler Gewerbeschule studierte Zurkinden an der Académie de la Grande Chaumière in Paris. Dort verkehrte sie bald in den Kreisen der Surrealisten, zu denen auch ihre Basler Freundin Meret Oppenheim gehörte. Zur Zeit der Entstehung des Porträts lebte sie abwechselnd in Paris und Basel, wo sie neben Strassenbildern sowie Zirkus-, Theater- und Fasnachtsmotiven vor allem durch Porträts bekannt wurde. Der Mensch stand im Zentrum ihres Schaffens: «Ich will nicht Porträts malen, sondern Menschen», so Zurkinden.
Das Bildnis Bernoullis unterscheidet sich von Auftragsarbeiten durch seinen intimen Charakter. Es ist Zeugnis der engen Verbundenheit beider Persönlichkeiten, die das künstlerische Leben in Basel prägten. Dass beide bis zu ihrem Lebensende in freundschaftlicher Verbindung standen, belegt ein Brief, den Irène Zurkinden am 2. Oktober 1967 Bernoulli zu seinem 70. Geburtstag schrieb: «[...] il y a des amis qui s'en régalent toute leur vie - reconnaissants - (j'en suis) et avec eux, ce jour-ci, je te fais la révérence». / «[...] es gibt Freunde, die während ihres ganzen Lebens davon [von den Früchten Deines Genies, Deiner Ideen, Deines Werkes] zehren und dankbar sind - (so wie ich es bin) erweise ich Dir heute mit ihnen die Ehre». (publ. in: Christoph Bernoulli. Ausgewählte Vorträge und Schriften. Hrsg. Peter Nathan mit Briefen und Beiträgen von Freunden. Zürich 1967, S. 48). Der Donator des Bildes, Dieter Koepplin, der mit beiden Porträtierten in Kontakt stand, erwarb das aus dem Nachlass der Bernoullis stammende Gemälde in der Basler Galerie Carzaniga.