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Johannes Paul war am Donnerstag zum zweiten Mal in diesem Monat
mit Grippe-Symptomen in die Klinik gebracht worden. Um die Atem
probleme zu lösen, wurden auch ein Luftröhrenschnitt vorgenommen.
Die Diskussionen um Amtsfähigkeit des kranken Papstes rissen
nicht ab, nachdem der Spitalaufenthalt immer wieder verlängert
wurde und die Vatikan-Bischöfe ständig versuchten,
die Situation zu beruhigen:

- Um Beruhigung war vor ein paar Tagen vor allem der
Vorsitzende der italienischen
Bischofskonferenz, Kardinal Camillo Ruini, bemüht:

"Ich habe den Papst in wirklich guter Fassung gesehen ... Ich habe
den Papst gesehen und ihn begrüsst, ihm geht es wirklich gut."

-
Der Kurienkardinal Giovanni Battista Re empörte sich
über die anhaltenden Spekulationen um einen möglichen
Papstrücktritt. Eine solche Debatte zum jetzigen Zeitpunkt sei
"geschmacklos". Re gehört zu den wenigen Kurienmitarbeitern, die vom
Papst wöchentlich an einem fixen Termin in Audienz empfangen werden.
-
Auch der Präfekt der Kleruskongregation, Kardinal Dario Castrillon
Hoyos beschwichtigt:

Es gebe keinerlei Notwendigkeit, über einen Rücktritt zu sprechen.
Der Papst sei "in seinen erfahrenen Händen" und sei im Vollbesitz seiner
geistigen Kräfte. "Deshalb stelle ich mir die Frage nach einem
Papstrücktritt überhaupt nicht."

-
Ähnlich äusserte sich auch der emeritierte Kurienkardinal
Mario Francesco Pompedda:

Auch ein Papst ganz ohne Stimme könne die Kirche leiten. Er
könne seine Meinung und seine Anweisungen schriftlich
mitteilen. Niemand könnte eine Entscheidung des Papstes in Zweifel
ziehen, die schriftlich, durch Gesten oder durch andere Ausdrucksformen
seines Willens mitgeteilt werde.

-
Nicht ganz auf der Linie der im Vatikan agierenden Bischöfe
lag der argentinische Kardinal Jorge Meija, der einen Rücktritt
des Papstes als eine "mögliche Sache" bezeichnete. Eine Demission
sei im Kirchenrecht durchaus vorgesehen, und alles hänge davon ab,
ob Johannes Paul II. denke, dass seine persönliche Situation und
die der Kirche und der Welt seinen Rücktritt rechtfertigten.

"Wir hoffen, dass der Papst so lange weiter macht, wie er kann. Aber
wenn er nicht mehr können sollte, muss er das nach seinem Gewissen
entscheiden", fügte der Kardinal hinzu und wiederholte damit Aussagen
von Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano. Auf die Frage, ob der
Papst die Hypothese eines Rücktritts erwäge, hatte der Kardinal
am Montag gemeint: "Das überlassen wir dem Gewissen des Papstes."

-
Nach dem letzten Spitalaufenthalt sagte Hans Küng
im ARD, dass nach dem Kirchenrecht ein Rücktritt möglich sei.

"Ein Papst könnte zurücktreten wegen des Nutzens und der
Notwendigkeit der Kirche. Ich meine, dass dieser Fall jetzt eingetreten
ist. So können wir nicht weitermachen."

Küng sieht bei einem Rücktritt allerdings auch Risiken. Solange
Johannes Paul II. am Leben sei, könne dessen Autorität von
bestimmten Leuten in Anspruch genommen werden. Ein Konklave unter den
jetzigen Umständen wäre nicht gut.
Eine Gefahr der Kirchenspaltung sieht Küng derzeit nicht.

"Es ist höchstens das Problem, dass wir einen Nachfolger finden,
der uns aus dieser elenden Krise herausführt, in die uns dieser
Papst hinter einer glänzenden Staffage hineingeführt hat." Die
Kirche sei mittlerweile "so altersschwach wie dieser Papst".

-
Ein Kirchenmann interviewt und gefragt, was geschehe,
wenn der Papst nicht mehr reden könne oder plötzlich nicht
mehr bei Sinnen sei (zum Beispiel ins Komma verfällt). Antwort:

Es gibt keine Vertretung. Der Papst bleibt bis zum Lebensende im Amt.
Nur der Papst kann einen Stellvertreter bestimmen. Gewiss habe er
eine Verfügung im Schreibtisch hinterlegt.

Bei diesem Thema wurde
immer wieder deutlich: Der Vatikan und Kirchenfürsten weichen bei
der Frage nach der Stellvertretung sofort aus.
Darüber zu reden, wäre jetzt taktlos.
-
Weil die Ärzte dem Pontifex ein Sprechverbot auferlegt haben
regiert er die Kirche momentan mit Block und Bleistift.
Das spielt für den Vatikan keine Rolle. Der
84-Jährige kann das Amt auch so weiterführen, erklärte
der italienische Kardinal Mario Francesca Pompedda:

"Es reicht aus, dass der Wille ausgedrückt werden kann, und zwar
eindeutig."

Dies könne schriftlich geschehen oder durch deutliche und
aussagekräftige Gesten.
Johannes Paul II. hatte schon seit einiger Zeit Probleme mit Sprechen,
weil er an Parkinson leidet. Diese Krankheit lähmt auch die
Sprechmuskulatur. In den letzten Jahren mussten deswegen immer wieder
Mitarbeiter längere Predigten übernehmen.
-
Wenn der Papst nie mehr sprechen könnte, dann hätte dies
natürlich eine Reihe von Konsequenzen. Für seine Arbeit sei
dies nicht von grundlegender Bedeutung, meinte der portugiesische Kardinal
José Saraiva Martins schon 2003.

"Der Heilige Stuhl wird eher mit dem Kopf als mit Worten geleitet."

Was aber passieren würde, wenn der Papst ins Koma fiele, ist
nicht ganz klar. Dazu verweigert der Vatikan jegliche Angaben.
Es gilt als verpönt, über mögliche
katastrophale Konsequenzen für das Funktionieren
des Vatikans zu spekulieren. |
Die Nervosität ist verständlich:
nach BBC Korrespondent David Willey wäre im Falle eines
Todes vom Papst jeder wichtige Funktionär im Vatikan
ohne Job, bis er vom neuen Papst wieder eingesetzt wird.
Die Führung wäre in einem "Limbo" Zustand.