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Erneuter NHL-KHL-Transferkrieg?
Samstag, 11. Juli 2009, 11:25 - Martin Merk
Wir erinnern uns: Mit der Gründung der KHL letztes Jahr kam es zum "Transferkrieg" mit der NHL, etwa durch Alexander Radulovs Wechsel nach Ufa trotz eines NHL-Vertrags. Nun tauchen bereits die ersten Fälle dieses Sommers in beiden Richtungen auf.
Fall 1 ist der Kanadier Joel Kwiatkowski. Vor einem Jahr wechselte er von Atlanta in die KHL zu Severstal Cherepovets. Im Juni tauchten in den Medien Gerüchte auf, dass er sich mit dem Ligakonkurrenten SKA St. Petersburg über einen Zweijahresvertrag geeinigt haben soll, offiziell kommuniziert hatte dies der Club aber nie. Als jedoch die Atlanta Thrashers anfangs Woche vermeldeten, dass sie einen Vertrag mit Kwiatkowski unterschrieben hätten, meldeten sich die Russen prompt. Alexander Medvedev, KHL-Präsident, Club-Präsident vom SKA St. Petersburg und Mitglied im IIHF-Council in Personalunion, wurde mit lauten Medien-Tohuwabohu in seiner Heimat bei der IIHF vorstellig und forderte eine Untersuchung. Diese wurde nun hinfällig: Die Atlanta Thrashers gaben auf Anfrage von russischen Journalisten bekannt, dass sie Kwiatkowskis Vertrag aufgelöst haben aufgrund seines KHL-Vertrags. Öffentlich bekanntgeben will der NHL-Club dies jedoch nicht. Allerdings wurde auf der Website in der Medienmitteilung von "vier unter Vertrag genommenen Free Agents" alles zu Kwiatkowski gelöscht, es tauchen entgegen der Schlagzeile nur noch drei von vier Spielern in der neusten Version der Medienmitteilung auf.
Ob Fall 2 auch vernünftig gelöst werden kann, ist hingegen fraglicher. Der Tscheche Jiri Hudler war mit dem Verlängerungsangebot der Detroit Red Wings nicht zufrieden. Die Lohnerhöhung von 1,15 auf 3 Millionen Dollar Jahressalär war ihm zu wenig, weshalb er entschied, sich ans Schiedsgericht nach dem Gesamtarbeitsvertrag zwischen der NHL und der Spielergewerkschaft NHLPA zu wenden. Doch bevor es überhaupt zum Richter ging, unterschrieb er einen Zweijahresvertrag mit 5 Millionen Dollar Jahressalär beim KHL-Club Dynamo Moskau. Diesmal wurden die Amerikaner bei der IIHF vorstellig. Nach dem Gesamtarbeitsvertrag ist Hudler nach seinem Schritt verpflichtet, einen Vertrag mit den Detroit Red Wings zum vom Gericht bestimmten Salär einzugehen, sofern der Club zustimmt. Aus Sicht der NHL ist ein Transfer daher nicht möglich und die Liga könnte über den US-amerikanischen Eishockey-Verband und die IIHF einen internationalen Transfer verhindern.
Zwischen der KHL und der NHL gibt es keine direkten Beziehungen. Jedoch hatten sich die Ligen zusammen mit weiteren europäischen Ligen vor einem Jahr in Zürich nach Radulovs Vertragsunterzeichnung darauf geeinigt, die Verträge gegenseitig zu respektieren. Ob nun Hudlers Wechsel auch darunter fällt, wird die IIHF untersuchen, sofern der US-amerikanische Eishockey-Verband die Unterschrift auf der Transferkarte verweigert und die Russen eine Untersuchung beantragen werden. Ob es aus Sicht von Detroit Sinn macht, einen Spieler zum bleiben zu Zwingen, mit dem man sich nicht über eine Vertragsverlängerung einigen kann, ist dagegen eine andere Frage.
Einen Fall 3 gibt es offiziell noch nicht, könnte aber bald kommen. Die Florida Panthers bestätigten gegenüber dem "Democtrat and Chronicle", dass sie Evgeni Dadonov von Traktor Tscheljabinsk verpflichtet haben. Dieser hatte im Mai für zwei Jahre mit seinem russischen Team verlängert.
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