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Ein Digital Native war Andrej Vckovski bereits, als der Begriff noch gar nicht existierte. Schon als Zwölfjähriger fühlte er sich mächtig angezogen vom Computer, den sein Vater, ein aus Mazedonien stammender Bauingenieur, für sein Büro gekauft hatte. Das war 1977 – und der Computer in der Arbeitswelt noch eine Seltenheit. Auf dem Gerät seines Vaters entwickelte er auch sein erstes Programm, eine digitale Version des Spiels «Mastermind».
«Damals waren Computer noch eine abgespacte Sache, nur Freaks beschäftigten sich damit», sagt Vckovski. Heute können wir uns ein Leben ohne die vielseitigen Wunderapparate kaum mehr vorstellen. Die Digitalisierung der Gesellschaft ist in vollem Gang, und Andrej Vckovski ist an vorderster Front mit dabei. Der Begriff «Digitalisierung» will ihm allerdings nicht so recht behagen. «Er vermittelt das Bild, dass da eine vormals analoge Welt in eine digitale umgegossen wird», sagt er. «Das stimmt aber nicht, denn mit den Möglichkeiten der digitalen Technologie entsteht etwas völlig Neues.»
Heute leitet der 53-Jährige in Zürich die IT-Firma Netcetera, einen der führenden Software-Entwickler der Schweiz mit über 450 Mitarbeitenden und Standorten in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Mazedonien und im Nahen Osten.
Mal Firma, mal Forschung
Gegründet hat Andrej Vckovski Netcetera zusammen mit vier Studienkollegen vor 22 Jahren an der UZH. Nach dem Umweltphysikstudium an der ETH arbeitete er zuerst in einer Softwarefirma, an der er mitbeteiligt war. Als sie in der Rezession der frühen 90er-Jahre Konkurs machte, musste sich Vckovski umorientieren. Es zog ihn in die Forschung: Er nahm er am Geografischen Institut der UZH seine Dissertation in Angriff und begann an einem vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten Projekt mitzuarbeiten. Sein Doktorvater, Kurt Brassel, war ein Pionier in der Entwicklung von geografischen Informationssystemen, einem Forschungsgebiet, das stark auf Informatik ausgerichtet war. «Schon während des Physikstudiums war mir aufgefallen, dass das Datenmanagement in der Wissenschaft amateurhaft und rudimentär war», so Vckovski.
Deshalb überlegte er sich, wie Datenbanksysteme aus der kommerziellen Welt aussehen müssten, damit sie in der Wissenschaft genutzt werden können. Und er setzte sich schon damals mit Big Data auseinander, heute ein Thema, an dem kein Wissenschaftler mehr vorbeikommt. Vckovski untersuchte, wie heterogene, aus verschiedenen Quellen stammende Messdaten integriert werden können, damit sie für die Forschung brauchbar sind.
Websites der ersten Stunde
Nebenbei war der IT-Spezialist zusammen mit vier Kollegen – eigentlichen «Soulmates», wie Vckovski sagt – um die Systemadministration der Institutscomputer besorgt. «Wir hatten das Gefühl, dass man vieles effizienter organisieren könnte», sagt er. Deshalb machten sie sich gemeinsam daran, die Informatik am Institut zu optimieren und zu modernisieren. Gleichzeitig begann Vckovski, sich intensiv mit dem damals entstehenden Internet auseinanderzusetzen. So kam es, dass das Geografische Institut bereits 1993 eine eigene Website erhielt.
«Ich glaubte damals, dass nur wir im akademischen Elfenbeinturm um das Internet wussten», sagt Vckovski. Eine Reise an eine Konferenz in die USA belehrte ihn aber eines Besseren: Er stellte fest, dass das Web dort bereits für kommerzielle Zwecke genutzt wurde. Inspiriert von dieser USA-Erfahrung, entwickelte er kurze Zeit später an einer Party in Zürich die Idee, das gesammelte Wissen der fünf Studienkollegen in eine Geschäftsidee zu giessen. Ziel war es, Dienstleistungen und Produkte zu entwickeln, um Inhalte auf das Internet zu bringen. Anfang 1996 wurde Netcetera offiziell gegründet.
Doch ohne Produkt sollte die neue Firma nicht lanciert werden. Die Netcetera-Gründer spannten mit einem innovativen Pizzakurier zusammen und entwickelten ein Tool, das die erste Online-Pizzabestellung der Schweiz ermöglichte. «Nach tage- und nächtelangen Hacksessions in meiner WG kamen wir im Januar 1996 damit heraus», sagt Andrej Vckovski und lacht. «Man konnte die Pizza zwar online bestellen, weitergeleitet wurde die Bestellung aber per Fax an die jeweilige Backstube.» Nach diesem Auftakt ging es steil bergauf. Denn auf weitere, wesentlich potentere Kunden mussten die Netcetera-Gründer nicht lange warten. Bereits Ende desselben Jahrs gewannen sie mit der Zürcher Kantonalbank den ersten Grosskunden.
Zukunftsthemen im Visier
Seither ist die Firma kontinuierlich gewachsen. Einen Namen gemacht hat sich Netcetera etwa mit Softwarelösungen für den digitalen Zahlungsverkehr und mit der Entwicklung von Apps – dazu zählt etwa «Wemlin», ein Echtzeitfahrplan für den öffentlichen Verkehr. Heute beschäftigen sich Andrej Vckovski und seine Mitarbeitenden mit der Zukunft, beispielsweise wenn es um Themen wie «augmented reality» oder «machine learning» geht. «Für uns als Firma ist es ganz wichtig, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen, das ist tief in unserer DNA drin», sagt der Internetpionier. «Vielleicht ist es auch ein Überbleibsel aus der Universitätszeit, viele von uns waren ja Forschungsassistenten.»
Dieser Artikel ist im UZH Journal 2/2018 erschienen
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