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«Les Beaux Jours d’Aranjuez» ist auf mehreren Ebenen ein radikaler Film. Radikal darin, Handkes Theaterstück nicht wirklich zu dramatisieren, sondern im Film die beiden Protagonisten, einen Mann und eine Frau, auf eine Bühne, beziehungsweise an einen Gartentisch zu setzen und dort verweilen und nur sprechen zu lassen.
Radikal ist auch, dass ein deutscher Filmemacher einen österreichischen Dramatiker in französischer Sprache verfilmt. Und radikal ist Regisseur Wim Wenders in seiner Verwendung der 3D-Technik.
Statische Bilder
Diese Optik, die einen als Zuschauer durch die Leinwand hindurch in die Szenerie mitnimmt, ist hier eigentlich gar nicht nötig. Es gibt keine aufregenden Effekte, keine grossen Kamerafahrten, fast nur statische Bilder in einem französischen Herrenhaus und dessen Garten.
Nachdem Wim Wenders den Zuschauer in einem wunderbaren Filmbeginn durch komplett entleerte Pariser Alleen und Strassen mitgenommen hat, findet man sich wieder in der Schreibstube eines Schriftstellers. Er schreibt einen Dialog für eine Frau und einen Mann.
Leiden- und Liebschaften
Durch das Fenster sieht er auf einen wunderbaren Gartenplatz unter einer Pergola, in der Ferne die Stadt Paris – und schliesslich sitzen auf dem Platz tatsächlich der Mann und die Frau, für die er den Dialog schreibt.
Es ist ein Sommerdialog, ein Dialog über Erinnerungen und Sehnsüchte – wobei der Mann der Frau Fragen stellt über ihr Sexualleben, über ihre Leiden- und Liebschaften, während er selber ab und zu eine Geschichte einstreut, Naturmetaphern, Geschichten über Gärten, über Vögel, über Früchte.
Drei Filme dank einer Freundschaft
Die Freundschaft zwischen dem Filmemacher Wim Wenders und dem Schriftsteller Peter Handke dauert schon 50 Jahre an – drei Filme sind bisher aus dieser Freundschaft heraus entstanden, «Die Angst des Tormanns beim Elfmeter» (1972), «Falsche Bewegung» (1975) und nun «Les Beaux Jours d’Aranjuez».
Peter Handke hat das Stück auf Französisch geschrieben für seine Ehefrau Sophie Semin – und konsequent verfilmt Wenders es auch in Französisch.
Nicht die beste, aber die einzig richtige Schauspielerin
Handkes Ehefrau Sophie Semin spielt selber die Frau. Das ist, auch wenn sie nicht die beste Schauspielerin sein mag, die einzig richtige Wahl. Denn als weibliche Zuschauerin beschleicht einen im Laufe des Films immer mal wieder das Gefühl, dass hier einmal mehr ein Mann versucht, die Frauen zu begreifen.
Der Mann im Stück gibt gar nichts von sich preis, die Frau ihr ganzes Innenleben, das ihr aber von einem Mann zugeschrieben wurde (und von einem weiteren Mann filmisch inszeniert wurde).
Der Dialogpartner wird gespielt von Reda Kateb. Peter Handke selber hat einen Kurzauftritt als Gärtner – und der Musiker Nick Cave spielt im Film gleich selber am Flügel im Flur des Schlosses. Wie immer in Wenders' Filmen ist die Musik wunderschön.
Perfekte Beherrschung
«Les Beaux Jours d’Aranjuez» ist kein leichter Film – gerne hätte man diesen Dialogtext schriftlich vor sich, um ab und zu etwas nochmal nachzulesen.
Erschwert wurde dieser Umstand am Filmfestival noch dadurch, dass der Film nur in Französisch mit italienischen Untertiteln lief.
Dennoch entwickelt er einen Sog. Man sitzt tatsächlich an diesem wunderschönen Sommertag im Garten auf der Anhöhe, in der Ferne flimmert die Stadt Paris. Und das liegt nicht nur, aber zu einem grossen Teil auch an der von Wenders mittlerweile perfekten Beherrschung von 3D. Die Figuren wirken weder zu klein noch ist das Bild zu dunkel.