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Heutzutage sind sie größtenteils in Bombay
[* 4] ansässig, bilden aber ein weit wichtigeres Element in der indischen Bevölkerung,
[* 5] als ihre geringe Zahl erwarten ließe. In der Neuzeit wurde ein durch seinen kolossalen Reichtum und die
daraus gemachten sehr bedeutenden Schenkungen ausgezeichneter Parse, Namens Dschidschiboy (gest. 1859), von der englischen Regierung
in den Adelstand erhoben. Es gibt überhaupt viele reiche und wohlthätige Parsen, und die von ihnen in Bombay gestiftete Erziehungsanstalt,
in der über 1000 Knaben und Mädchen unterrichtet werden, ist ein Musterinstitut.
Ihr Reichtum stammt aus dem Handel, der in Bombay zum großen Teil in den Händen der Parsen konzentriert ist. Wie durch ihren körperlichen
Habitus, ihre helle, nur hier und da leicht gebrannte Hautfarbe und ihre intelligenten Gesichtszüge, so nähern
sich die Parsen durch ihre hervorragende geistige Begabung den Europäern, an die sie sich eng anschließen suchen.
Neuerdings gehen viele Parsen zum Zweck juristischer Studien nach London
[* 6] und treten nach abgelegtem Examen in Indien als Anwalte (Barristers)
auf oder finden sogar Aufnahme in dem indischen Zivildienst.
Fast alle erwachsenen Parsen sprechen geläufig Englisch, und viele haben selbst im Familienkreis den Gebrauch
der Gudscharatisprache, welche die Parsen von ihren indischen Nachbarn annahmen, völlig aufgegeben. Äußerlich sind
die an ihren hohen, mit schwarzem Glanzstoff überzogenen Hüten kenntlich. Die Frauen tragen helle farbige Gewänder und zeigen
sich ungeniert auf der Straße. An ihrer alten Religion und den damit zusammenhängenden Gebräuchen hängen
sie mit großer Zähigkeit fest, und die christlichen Missionäre konnten bisher bei ihnen nichts ausrichten.
die Umgürtung mit dem Kosti oder heiligen Gürtel,
[* 7] die ursprünglich das
Symbol der Mündigwerdung war, jetzt aber schon im Knabenalter stattfindet;
der Nirang oder die Waschung mit Rinderurin, die,
ein Überrest von der alten Verehrung des Rindes als des unentbehrlichen Haustiers, noch jetzt bei der Umgürtung, an Wöchnerinnen
und sonst bei gewissen Zeremonien vollzogen wird;
die Heiraten zwischen nahen Verwandten, die unter dem
Namen Khetûda für eine verdienstliche Handlung gelten.