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«Wir assoziieren exotische und fremde Arten immer mit Gefahr», sagt Elia Heule, Leiter für Zoopädagogik und Natur- und Artenschutz im Walterzoo. Ähnlich wie es auch bei der Nosferatu-Spinne «einen riesigen Aufschrei gab», ist die schweizerische Bevölkerung vom Auftauchen der Asiatischen Hornisse im heimischen Gebiet verunsichert.
Was bedeutet das Eindringen der invasiven Art für die hiesige Insektenwelt? In diesem Artikel erklären wir das Wichtigste, was man zu diesem Thema wissen musst.
Wie erkenne ich, ob es sich um eine heimische oder Asiatische Hornisse handelt?
Am einfachsten kann man die beiden Arten unterscheiden, in dem man auf den Hinterleib des Insektes achtet. Die Zeichnung der einheimischen Hornisse ähnelt mit den schwarz-gelben Streifen der heimischen Wespe. Bei der asiatischen Hornisse «überwiegt die schwarze Farbe auf dem Hinterleib», sagt Heule gegenüber Radio FM1. Tatsächlich ist die exotische Art «sogar kleiner als die heimische Hornisse».
Was ist der Unterschied zwischen der Asiatischen Hornisse und der Asiatischen Riesenhornisse?
«Asiatische Riesenhornissen sind aggressiv, ihr Stich endet gelegentlich für Menschen tödlich», heisst es in einem «Südkurier»-Beitrag.
Weil sie einen sehr ähnlichen, deutschen Namen haben werden die beiden (verschiedenen!) Arten, die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) und die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia), häufig in den Medien als Synonym verwendet. Vergleicht man jedoch die lateinischen Bezeichnung, wird der Unterschied deutlich.
Beide Hornissenarten wirken zwar invasiv, jedoch «ist die Asiatische Riesenhornisse kein Thema in Europa, sondern in Amerika», so Heule.
Die exotische Hornissenart, die in der Schweiz vertreten ist, «ist zwar ein Problem, aber nicht riesig oder gefährlich». Im Vergleich zu heimischen Hornissen erbeutet die Vespa velutina aber viel mehr Bienen. Dazu kommt, dass die Art «viel grössere Völker gründet, die entsprechend einen grösseren Appetit haben».
Ist ein Stich der Asiatischen Hornisse gefährlich?
«Es wäre schön, wenn sich die Leute so viele Gedanken um das Ökosystem machen würden, wie um die eigene Gesundheit», sagt Heule. Der Stich einer Asiatischen Hornisse könne zwar schmerzhaft sein, ist aber sehr vergleichbar mit dem der einheimischen Hornisse. «Auch hier wird die Gefahr oft überschätzt. Beispielsweise ist der Stich einer Honigbiene giftiger als der einer Hornisse.»
Zudem halten sich diese Insekten, im Vergleich zu ähnlichen Insekten, wie Wespen, seltener in Menschennähe auf. In ihrer Verhaltensweise sind Hornissen auch nicht weiter aggressiv. «Darum kommt viel öfters zu Wespen- als zu Hornissenstichen».
«Für unsere Gesundheit ist die Hornissenart nicht weiter gravierend», sagt Heule. Bei einer Wespenallergie sollte man jedoch aufpassen. Es ist denkbar, dass der Körper auch allergisch gegen die artverwandten Hornissen reagiert.
Ist es wahrscheinlich, dass die Asiatische Hornisse auch in ein Ostschweizer Wohnzimmer schwirrt?
Die Asiatische Hornisse erschien erstmals 2004 auf dem europäischen Kontinent, und zwar in Frankreich. Auf dem schweizerischen Hoheitsgebiet wurde sie gemäss dem Leiter für Natur- und Artenschutz «bisher nur in der Westschweiz und im Raum Basel» festgestellt.
Das Verbreitungsgebiet vergrössert sich langsam, aber stetig in Richtung Osten. Allerdings würde es Heule überraschen, schon dieses Jahr in den Ostschweizer Kantonen einer Asiatischen Hornisse zu begegnen. «Es ist nicht unmöglich, dass es irgendwann kommt, aber dieses und vielleicht auch nächstes Jahr müssen wir uns keine Sorgen machen.»
Was bedeutet die invasive Art für das Schweizer Ökosystem?
«Invasive Arten bringen Ökosysteme immer durcheinander», sagt der Leiter für Natur- und Artenschutz. Weil unser Ökosystem aber sehr komplex ist, «sind die konkreten Folgen schwer absehbar».
Das Bienengesundheitsdienst koordiniere bereits die Bekämpfung der invasiven Art. «Das Problem ist die grosse Individuenzahl», so Heule. Das effizienteste sei die Bekämpfung ganzer Nester. «Wir haben aber vermutlich einen Schwellenwert erreicht, so dass die Invasion nicht mehr aufgehalten werden kann.»
Dies ist eine Bedrohung für bestäubende Insekten, wie die bereits gefährdeten Wildbienen. Es sei aber auch ein Effekt auf die einheimischen Honigbienen zu erwarten. Wenn die Hornissen vor dem Bienenstock lauern und sich «die Bienen nicht mehr raus getrauen», werden sie Verhungern. «Durch die Schwächung der Völker resultiert auch weniger Honig, was für Imker problematisch ist.» Gemäss der Luzerner Umweltberatung können gesunde Bienenvölker Verluste aber verkraften.
Wie reagiere ich, wenn ich vermeintlich eine Asiatische Hornisse gesehen habe?
«Das Beste, was man machen kann, ist dem Bienengesundheitsdienst die Hornisse zu melden», so der Leiter für Zoopädagogik und Natur- und Artenschutz. Man lässt ihnen eine E-Mail mit Fotos oder Videos zukommen, und das Insekt wird genauer identifiziert. «Wenn es sich dann tatsächlich um eine Asiatische Hornisse handelt, wird das der richtigen Stelle gemeldet» und von Fachpersonen das weitere Vorgehen bestimmt. Beispielsweise «ob man das Nest suchen geht».
«Wenn man sich hundertprozentig sicher ist, darf man sie töten» Grundsätzlich rät Elia Heule jedoch zur Vorsicht. Im Normalfall mache ein einzelnes Individuum auch keinen Unterschied.
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(mnu)