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Call Center-Challenge
«Lieber Herr Walt, bevor ich Ihnen sage, worum es geht, Herr Walt, möchte ich Ihnen folgende Frage stellen: Essen Sie gerne italienisch, Herr Walt?» So ungefähr begann der letzte Werbeanruf eines Call Centers auf mein Handy. Die in gebrochenem Deutsch sprechende Frau am anderen Ende der Leitung wollte mit der exzessiven Nennung meines Namens eine Bindung zwischen uns herstellen. Es gelang ihr nicht. Seit diesem Anruf benutze ich eine App, welche mich informiert, wenn mich ein Call Center anruft. So kann ich das eingehende Telefonat beruhigt ignorieren. Auch wenn ich in diesem Jahr noch keinen der gefühlten 77 Werbeanrufe entgegennahm, versuchen sie es aus mir unerklärlichen Gründen immer wieder. In Zeiten der Algorithmen sollten die Computer in den Call Centern doch eigentlich längst registriert haben, dass es bei 77 gescheiterten Anläufen bei mir nichts zu holen gibt.
Doch seit ein paar Wochen spiele ich tatsächlich mit dem Gedanken, mal wieder einen solchen Werbeanruf entgegenzunehmen. Inspiriert durch eine Kurzgeschichte Franz Hohlers, in der es einem Verkäufer gelingt, einem Elch eine Gasmaske zu verkaufen, würde ich versuchen, den Spiess umzudrehen. Das Ziel wäre, dass nicht der Verkäufer am Telefon mir seine «Qualitätsware» andreht, sondern umgekehrt. Und da ich wahrlich nicht der einzige von Webeanrufen geplagte Mensch bin, hätte diese Aktion vielleicht sogar das Potenzial, sich zu einer weltweiten Bewegung zu entwickeln. Im Rahmen der sogenannten «Call Center-Challenge» – in den Sozialen Medien mit #ccc abgekürzt – würden tausende Menschen die Mitarbeiter eines Call Centers zur Verzweiflung bringen. Amüsant wäre es bestimmt. Und vielleicht sogar wirkungsvoll.