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Die Besitzer haben die Hündin soeben beim Spaziergang dabei beobachtet, wie sie einen grossen Teil ihres "Lieblings-Kongs“ (Spielzeug aus Hartgummi) abgebissen und verschluckt hat.
Die klinische Untersuchung ist unauffällig; die Hündin zeigt insbesondere kein Erbrechen oder Bauchschmerzen.
Auf dem seitlichen Röntgenbild ist der Fremdkörper im Magen deutlich zu sehen. Er ist im Vergleich zur Grösse des Hundes sehr umfangreich und scheint zu einem grossen Teil intakt und nicht zerkaut.
Das Röntgen ist etwas unscharf, da der Hund bei der Aufnahme stark hechelte.
Das verschluckte Gummimaterial kann auf 2 Arten für Probleme sorgen:
Einerseits kann es durch Reizung der Magenschleimhaut zu fortgesetztem Erbrechen führen; andererseits könnten Teile des Fremdkörpers aus dem Magen in den Dünndarm geraten und dort einen Darmverschluss (Ileus) verursachen. Wird ein Darmverschluss durch Fremdkörper nicht innert nützlicher Frist erkannt und chirurgisch behoben, kann der Darm schwer geschädigt werden, was zum Tod des Tieres führen kann.
Anhand des verbleibenden Rests des Spielzeugs wird die Grösse und Form des verschluckten Fremdkörpers zusätzlich geschätzt. Es wird erwogen, den Hund medikamentell zum Erbrechen zu bringen, um das Material aus dem Magen zu entfernen. Da das verschluckte Stück möglicherweise aber sehr gross sein könnte (wenn es vom Hund nicht zerkaut wurde), wird von dieser Möglichkeit abgesehen. Bei einem Erbrechen eines grossen oder kantigen Fremdkörpers besteht die Möglichkeit, dass dieser in der Speiseröhre (insbesondere im Bereich des Herzens im Brustkorb) stecken bleibt, was zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann.
Aufgrund obiger Überlegungen wird entschieden, den Magenfremdköper operativ zu entfernen. Die Hündin wird narkotisiert und die Bauchhöhle eröffnet. Der Magen wird aus der Operationswunde vorgelagert; 2 Haltefäden werden angebracht, damit der Magen fixiert werden kann und möglichst kein Material aus dem Magen in die Bauchhöhle gelangen kann. Mit einem Skalpell wird ein Schnitt in der Magenwand gesetzt, und der Fremdkörper wird aus dem Magen entfernt. Durch Abtasten des Magens wird sichergestellt, dass alle Teile entfernt worden sind. Danach wird die Magenwunde und die Bauchwunde zugenäht. Nach der Operation erhält „Beryll“ Antibiotika, da es nicht ausgeschlossen ist, dass aus dem geöffneten Magen Bakterien in die Bauchhöhle gelangten.
10 Tage nach der Operation werden die Fäden gezogen; der Hündin geht es bestens.
Fremdkörper im Magen-Darmtrakt können für den Tierarzt manchmal ein kniffliges Problem darstellen. In manchen Fällen (wie z.B. bei „Beryll“) ist das notwendige Vorgehen recht klar: Die Aufnahme des Fremdkörpers konnte vom Besitzer beobachtet werden; der Fremdkörper sowie seine Form und Grösse sind im Röntgen deutlich erkennbar; und der Fremdkörper ist deutlich zu gross, um durch den Darm auf natürlichem Wege wieder ans Freie zu gelangen. Der Entscheid, den Fremdkörper chirurgisch zu entfernen, kann einfach gefällt werden.
Schwieriger ist die Situation, wenn keine Vorgeschichte vorliegt und der Fremdkörper nicht im Bauch ertastbar oder auf dem Röntgenbild ersichtlich ist (z.B. Textilien wie Socken und Taschentücher; bei Katzen auch sogenannte „lineare Fremdkörper“ wie Schnüre und Garn). In dieser Situation kann manchmal anhand des Röntgenbilds ein Verdacht geäussert werden (z.B. beim Vorliegen von Darmverschluss-Zeichen wie streckenweise aufgegaster Dünndarm oder „aufgeklumpter“ Darm bei linearen Fremdkörpern), oder ein Verdacht kann nach Verabreichung von Kontrastmitteln oder mittels einer Ultraschalluntersuchung geäussert werden.
Erbricht ein Tier über längere Zeit fortgesetzt und kann ein Fremdkörper klinisch nicht vollständig ausgeschlossen werden, ist manchmal eine Probelaparotomie (chirurgische Eröffnung der Bauchhöhle) zur definitiven Diagnosestellung notwendig.