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Worum geht es? Die Tory-Partei sucht bereits nach nur knapp zwei Monaten erneut nach einer neuen Führung. Die scheidende Premierministerin Liz Truss scheidet nach sechs beispiellos chaotischen Wochen auf Druck ihrer Partei aus dem Amt.
Wer ist noch im Rennen? Nach dem Rückzug von Boris Johnson sind offiziell noch ein Kandidat und eine Kandidatin im Rennen: der ehemalige Finanzminister Rishi Sunak und die Ministerin für Parlamentsfragen, Penny Mordaunt.
Wer hat die Nase vorn? Ex-Finanzminister Rishi Sunak zeichnet als klarer Favorit ab. Nachdem sich Johnson aus dem Rennen genommen hat, sind mehrere prominente Anhänger der Operation «Bring Back Boris» (Bringt Boris zurück) ins Sunak-Lager gewechselt. Laut BBC haben sich bereits 155 Parlamentarier öffentlich für Sunak ausgesprochen.
Könnten noch weitere Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen gehen? Das ist theoretisch noch bis um 15:00 Uhr MESZ möglich. Infrage kommt jedoch nur, wer den Rückhalt von mindestens 100 der 357 Tory-Abgeordneten erhält.
Wann wissen wir, wer neuer britischer Premier wird? Spätestens am Freitag. Sollte Penny Mordaunt die 100 Unterstützer tatsächlich noch sammeln, würde zunächst die Fraktion zwischen den beiden Kandidaten abstimmen. Wollen danach beide Finalisten weiter im Rennen bleiben, hätte die Parteibasis in einer kurzfristigen Online-Abstimmung das Wort. Bis spätestens Freitag soll der neue Premier feststehen. Erreicht nur Sunak den nötigen Rückhalt, stünde er bereits heute Nachmittag als Premier fest.
Boris Johnson hatte sich für ein Comeback ins Gespräch gebracht. Wie lautet die offizielle Begründung für seinen Rückzug? Johnson sagt, er hätte genügend Unterstützung gehabt, aber eine Kandidatur wäre für die Konservative Partei schädlich gewesen. «Er sagte, es wäre schwierig geworden für ihn, eine gespaltene Partei zu führen», sagt SRF-Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser.
Wie glaubhaft ist Johnsons Begründung? An der Formulierung, dass Johnson alleine im Interesse des Landes gehandelt habe, zweifelt Wülser: «Boris Johnson hat während seiner Karriere immer in erster Linie darauf geachtet, was ihm persönlich dient. Das ist nachgewiesen.» Das Problem sei vermutlich gewesen, dass Johnson nicht wusste, ob sein Comeback-Plan wirklich aufgeht, ob er die 100 erforderlichen Unterstützer zusammen hat. «Er hat immer noch viele Anhängerinnen und Anhänger an der Parteibasis. Das hätte wirklich aufgehen können.» Wülser geht aber davon aus, viele Leute Johnson geraten hätten, seine persönlichen Ambitionen zurückzustecken.
Was, wenn Johnson tatsächlich als Premier zurückgekehrt wäre? «Johnson ist eine sehr umstrittene Figur. Er hätte die Partei und das Land einmal mehr gespalten mit seiner Art», sagt Wülser. Johnson möge zwar eine charismatische Figur sein im Hinblick auf die Wahlen in zwei Jahren. «Aber er ist ebenso ein Mann, der es mit der Wahrheit und den Fakten nicht so genau nimmt. Er musste vor 103 Tagen 'unehrenhaft' zurücktreten.» Gegen ihn läuft eine Untersuchung der ethischen Kommission des Parlaments. «Und im schlimmsten Fall, wenn es zu einer Sanktion gekommen wäre, hätte er im November sogar seinen Parlamentssitz verloren.» Das wiederum hätte bedeutet, dass Johnson als Premier hätte zurücktreten müssen. «Eine solche Entfernung aus Amt und Würde hätte Johnson wahrscheinlich für immer und ewig beschädigt.» Deshalb habe er wahrscheinlich entschieden, sein verbliebenes politisches Kapital für bessere Zeiten aufzusparen.