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Der vorliegende Artikel wurde von Patrick Truffer verfasst und im Schweizer Soldat Nr. 1 (Januar 2012) veröffentlicht. Truffer verfolgt den Tiger Teilersatz seit Beginn des Geschäfts als kritischer Steuerzahler, der jedoch auch überzeugt ist, dass ein Ersatz der F5-Tiger durch ein neues Kampfflugzeug notwendig ist.Der Bundesrat entschied am 30. November 2011, dass die 54 F-5 Tiger durch 22 Saab Gripen ersetzt werden sollen. Der Entscheid des Parlaments in der letzten Herbstsession der Armee ab 2014 5 Milliarden SFr zur Verfügung zu stellen und den Tiger Teilersatz zügig zu realisieren, hat den Weg für diesen Typenentscheid geebnet. Trotz der Erhöhung des Armeebudgets und der Reduktion der Truppenstärke auf 100’000 Mann muss die Armee ihre Sparanstrengungen noch weiter erhöhen, weil in den 5 Milliarden SFr auch die komplette Ausrüstung der Armee (momentan nur zum Teil ausgerüstet) und der Tiger Teilersatz enthalten sind.
Der Ersatz der Tiger-Flotte ist notwendig geworden, weil der F-5 Tiger total veraltet ist und die technologischen Mindestanforderungen für den Luftpolizeidienst nicht mehr erfüllt. Er kann weder bei Nacht noch bei allen Wetterlagen eingesetzt werden. Entscheidend für die Wahl des Gripens waren nicht nur die tieferen Anschaffungs- sondern auch die tieferen Betriebskosten. Das kam bereits in der Sendung Eco des Schweizer Fernsehens am 07. September 2009 zur Sprache, als Lennart Sindahl, stellvertretender Konzernchef von Saab und Direktor des Bereichs Aeronautics versicherte, dass die Betriebskosten der 22 Gripen über 30 Jahre berechnet rund 2 Milliarden günstiger kommen werde, als bei der Anschaffung eines Konkurrenzprodukts. Insbesondere das Vorhandensein eines anstatt zwei Triebwerke hält die Betriebskosten tief. Laut dem Sprecher der Luftwaffe, Jürg Nussbaum, hat der Gripen bei der Evaluation im operationellen Bereich schlechter abgeschnitten als der Dassault Rafale oder der Eurofighter (Quelle: Hubert Mooser, “Kampfjet-Entscheid offenbar gefallen“, Tagesanzeiger, 30.11.2011). Der Bundesrat entschied damit bewusst, dass die Schweiz sich nicht auf dem höchsten europäischen Niveau bezüglich Leistungsfähigkeit der neuen Kampfflugzeuge positioniert. Trotzdem, in unserem Vergleich der Kandidaten (Saab Gripen, Dassault Rafale und Eurofighter) hatten wir festgehalten, dass die Schweizer Luftwaffe mit dem Gripen ein relativ günstiger, leistungsfähiger und für Schweizer Bedürfnisse absolut ausreichender Kampfjet besorgen würde.
Given that Switzerland is known globally for applying highest procurement standards and requesting state-of-the art technologies, Saab is both proud and delighted that Gripen has been chosen as the Swiss Air Force’s future multirole fighter aircraft. — Nicolas von Kospoth, “Switzerland Opts for Saab’s Gripen to Replace Ageing Fighter Fleet“, Defence Professionals, 01.12.2011.
Gemäss Max Ungricht, Chefredakteur von Cockpit, werde die geringere Leistung des einstrahligen Kampfjets durch ein geringeres Gewicht kompensiert, so dass der Gripen über eine vergleichbare Steigleistung wie die Konkurrenz verfüge. Weitere Vorteile des Gripen liegen in der hohen Zuverlässigkeit, der relativ einfachen Wartung und in der Robustheit. So ist der Gripen für einen harten Wintereinsatz ausgelegt und kann auch von Behelfspisten, Autobahnen und schmutzigen Strassen starten bzw. landen. Gemäss Anders Carp, Direktor für die Gripen-Kampagne in der Schweiz, setze Schweden wie die Schweiz mit ihrem Milizprinzip hauptsächlich Wehrpflichtige für die Wartung ein, was bedeute, dass sämtliche Wartungsarbeiten lediglich die Anwesenheit eines Technikers erfordere, der die Wartung hauptsächlich in überwachender Funktion unterstützte. Dies ermögliche einen kostengünstigen und zügigen Wartungsablauf mit möglichst wenig Bodenpersonal. Betreffend der Zukunftssicherheit des Gripen brachte das schwedische Parlament seine Entschlossenheit zum Ausdruck, den Gripen für Jahrzehnte als Hauptträger seiner Verteidigungsanstrengungen einzusetzen und dessen Weiterentwicklung auch über das Jahr 2040 hinaus zu unterstützen.Die Luftwaffe wird schliesslich nicht denjenigen Typ von Gripen erhalten, welche sie getestet hatte. In der Evaluierung wurde das Modulsystem 19 (MS 19) überprüft. Mit dem Start des Gripen Demonstrator-Programms (Gripen NG bzw. Gripen E/F) und mit den Verbesserungen, welche im Rahmen der brasilianischen F-X2 Kampfjet-Evaluation umgesetzt wurden, offeriert Saab der Armasuisse in der finalisierten Offerte vom November 2009 22 Flugzeuge des Modulsystems 21 (MS 21) zum Preis von 2,2 Milliarden (vgl.: “Tiger-Ersatz bald wieder Thema im Bundesrat“, NZZ, 29.05.2010; gemäss Informationen von Saab wurden der Armasuisse verschiedene Vorschläge unterbreitet, welche unabhängig vom Flugzeugtyp gültig seien). Die bedeutendste Verbesserung beim MS 21 liegt an seinem Triebwerk: neu ist ein General Electric F414G Mantelstromtriebwerk verbaut, welches nicht nur mehr Leistung, sondern auch Supercruise-Fähigkeit aufweist. Weiter wurde beim MS 21 ein neues Fahrwerk eingebaut, welches eine Vergrösserung des Tankraums und somit eine höhere Reichweite bzw. eine längere Verweilzeit ermöglicht. Und schliesslich wird das MS 21 mit einem Active Electronically Scanned Array (Raven AESA) ausgeliefert. Dazu haben Saab und SELEX Galileo eine gemeinsame Entwicklungspartnerschaft vereinbart. Welche dieser Verbesserungen auch tatsächlich in der beschafften Variante enthalten sein werden, muss sich noch zeigen. Es stellte sich jedoch heraus, dass die tatsächlichen Beschaffungskosten über den offerierten 2,2 Milliarden SFr liegen wird, denn bei den offerierten Preise handelt es sich um Systemverkaufspreise, in welchen Ersatzteile, Waffen, Betriebskosten usw. nicht enthalten sind. Im April 2010 teilte Bundesrat Ueli Maurer mit, dass 22 Kamfflugzeuge 3,5 bis 5 Milliarden Franken kosten würden. Beim Typenentscheid wurde schliesslich bekannt, dass die 22 Gripen max. 3,1 Milliarden SFr kosten werden und somit rund 1 Milliarde SFr günstiger zustehen kommen als die anderen beiden Konkurrenten.
Geplant ist, dass der erste Gripen 2015 der Schweizer Luftwaffe geliefert wird und dass innerhalb drei Jahren alle 22 Stück ausgeliefert werden können. Doch noch ist der Gripen nicht beschafft und der Weg dahin könnte mit einigen Stolpersteinen besetzt sein. Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) und die Grünen wollen im Frühling 2012 eine Initiative gegen die Kampfjetbeschaffung lancieren, sollte die Vorlage im Parlament nicht einem fakultativen Referendum unterstellt werden (was unwahrscheinlich ist). Vermutlich wird auch die SP eine solche Initiative unterstützen (vgl.: “Zukunftsinvestitionen statt unnötige Kampfjets: SP fordert Verzicht“, SP, 30.11.2011). Nicht zuletzt ist auch die Finanzierung der 22 Jets noch unklar.
Das Beschaffungsprojekt “Tiger Teilersatz” läuft nun schon beinahe 4 Jahre. Während dieser Zeit änderten sich einige Parameter deutlich. Der Rüstungskredit zur Beschaffung von 33 neuen Kampfflugzeugen zur Sicherstellung des Luftpolizeidienstes sollte im Rahmen des Rüstungsprogramms 2010 beantragt werden. Nun soll der Beschaffungskredit voraussichtlich mit dem Rüstungsprogramm 2012 vor das Parlament kommen. Anfangs 2009 schimmerte durch, dass die Armasuisse aus finanziellen Gründen nur 22 Ersatzkampfflugzeuge beschaffen wird. Bereits ein Jahr zuvor haben wir hier festgestellt, dass die vorgesehenen 2,2 Milliarden SFr für 33 Ersatzkampfflugzeuge nicht ausreichen werden. Ursprünglich stand auch die McDonnell Douglas/Boeing F/A-18E/F Super Hornet als mögliche Variante im Gespräch. Vor der Evaluierung zog sich McDonnell Douglas/Boeing jedoch zurück. Einige Leser von offiziere.ch schlugen vor vor, auch russische Kampfflugzeuge zu evaluieren. Die Armasuisse zog dies jedoch nicht in Betracht, weil zu wenig Vertrauen in die Qualität der russischen Kampfflugzeuge gesetzt wird, die Instandhaltungskosten sehr hoch sind und die Beschaffung von Ersatzteilen schwierig ist (insbesondere die Deutsche Luftwaffe hat mit den übernommenen von der Nationalen Volksarmee MiG-29 schlechte Erfahrungen gemacht). Auf eine Anfrage von offiziere.ch antwortete Sebastian Hueber, Sprecher VBS, dass die “Beschaffung eines Kampfflugzeugs aus Russland, und vor allem seine Integration in die Infrastruktur der Luftwaffe […] Neuland mit Unbekannten und Risiken” darstellen würde. Mit der angekündigten Verschiebung der Ersatzbeschaffung wurde auch gemutmasst, ob der Lockheed Martin F-35 Lightening II in einer späteren Evaluation mitberücksichtigt werden müsste. Hueber gab jedoch schon früher bekannt, dass der F-35 und auch der Lockheed Martin F-22 Raptor “noch in der Entwicklung stehen und damit im Widerspruch zur [Beschaffungs-] Strategie” der Armasuisse stehen. Eigentlich würde damit auch der zu beschaffende Gripen E/F im Widerspruch zur Beschaffungsstrategie stehen, denn dieser befindet sich ebenfalls noch in der Entwicklung – die Mirage-Affäre lässt grüssen….
Dassault argues that “the ‘Swiss-tailored’ Gripen only exists on paper. Its technical development and production risk significantly increasing the financial efforts required of the Swiss Authorities to accomplish the country’s fighter aircraft program. — Robert Wall, “Sweden Gives Gripen NG Another Boost“, Aviation Week, 01.12.2011.
Update vom 21.12.2011
Ungefähr eine Woche nach dem bundesrätlichen Typenentscheid betonte der französische Verteidigungsminister, Gérard Longuet, dass die Rafale-Produktion nach 2018 eingestellt werden soll, wenn Dassault es nicht schaffen wird, ihr Kampfflugzeug international zu verkaufen. Der Zeitpunkt der Produktionseinstellung ist damit begründet, dass 2018 die letzte Rafale an die französische Luftstreitkräfte ausgeliefert werden soll. Genäss Longuet sei die Rafale im Vergleich mit der Konkurrenz zu teuer. Letzter Hoffnungsträger für Dassault scheint noch Indien zu sein, wo der europäische Rüstungskonzern EADS mit dem Eurofighter gegen den Rafale antritt. Zerschlägt sich auch diese Hoffnung, wird Dassault im militärischen Bereich sich künftig auf die Herstellung von Drohnen konzentrieren (Quelle: “Der Rafale droht das Aus“, NZZ, 08.12.2011). Momentan entwickelt Dassault die Tarnkappen-Kampfdrohne Neuron als Technologie-Demonstrator.
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