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Fall Hildebrand: Sieben Fragezeichen in Hildebrands mea culpa
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- Freitag, 06. Januar 2012 06:46
Der gestrige Auftritt des Nationalbank-Präsidenten hat nicht alle Zweifel beseitigen können. Vor allem die Rolle von Hildebrands Gattin Kashya bleibt diffus.
Erstaunlicherweise ist es am Ende nicht Philipp Hildebrand selber, der am meisten Fragen in der ganzen Insider-Affäre offen lässt, sondern das Tun und Handeln seiner Ehefrau Kashya. Sie hat am 15. August 2011 für 400'000 Franken Dollar gekauft, ohne dass Philipp Hildebrand davon Kenntnis hatte, wie er behauptet.
Genau diese Transaktion hinterlässt viele offene Fragen und könnte die Achillesferse für den Nationalbanken-Präsidenten werden.
1. Unklares Motiv: Einmal hiess es, Kashya Hildebrand habe diesen Betrag gewechselt, um sich damit Mittel für ihre Kunstgalerie respektive für Kunstmessen zu verschaffen. Wäre dem so, dann hätte sie dies auch schon früher getan und Philipp Hildebrand hätte am Tag nach der Transaktion im Jahr 2011 den Devisenkauft seiner Frau nicht dem Bankrat mitteilen müssen, respektive er hätte derlei Geschäfte schon in den Vorjahr melden müssen.
2. Doch eine Spekulantin? An einer anderen Stelle heisst es, Kashya Hildebrand soll sich immer wieder über den tiefen Dollar-Kurs ausgelassen haben. Falls sie unter diesen Prämissen den Devisenkauf getätigt hat, dann tat sie dies aus rein spekulativen Gründen, also in der Annahme oder Hoffnung, der Greenback würde wieder steigen, so dass sie einen Spekulationsgewinn erzielt.
3. Seltener E-Mail-Auftrag: Die Devisentransaktion über 400'000 Franken am 15. August 2011 soll Kashya aus ihrer Galerie heraus in Zürich getätigt haben und zwar per Email-Anweisung. Fragwürdig ist, ob eine dermassen hohe Bankweisung tatsächlich nur per Email beauftragt werden kann. Bei manchen Banken geht das nicht.
4. Kein Geschäftskonto: Unter der Annahme, dass Kashya Hildebrand eine erfolgreiche und international renommierte Kunstgalerie betreibt, verwundert es etwas, dass sie ihre Finanztransaktionen über das Familienkonto abwickelt und nicht über ein Geschäftskonto.
5. Zwei Aufträge: Am 15. August 2011 erteilte nicht nur Kashya Hildebrand der Bank Sarasin einen Auftrag, sondern auch Philipp Hildebrand. Er wies das Finanzinstitut an, zu Gunsten des Kontos seiner Tochter verschiedene Aktien zu erwerben. Diese Transaktion dürfte Philipp Hildebrand mit seiner Gattin wohl im Vorfeld besprochen haben. Es verwundert daher umso mehr, dass Gattin Kashya Hildebrand am selben Tag ebenfalls eine – vergleichsweise bedeutende – Transaktion vornimmt, und diese ihrem Mann nicht mitteilt.
6. Starke Persönlichkeit: Philipp Hildebrand beschrieb seine Ehefrau nicht nur als starke Persönlichkeit, sondern auch als Ökonomin und Finanzmarktspezialistin. Tatsächlich hat Kashya Hildebrand früher ebenfalls in der Branche gearbeitet. Vor diesem Hintergrund erstaunt es umso mehr, dass sie sich der Tragweite ihrer Handlungen nicht bewusst war respektive die Gefahr, dass sie sich einem Insidervergehen aussetzt, nicht erkannte.
7. Problematische Verhältnisse: Solange die Hildebrands ihre Finanzgeschäfte ein gemeinsames Bankkonto abwickeln, kann Philipp Hildebrand zwar behaupten, er haben von manchen Transaktionen nichts gewusst, er bleibt dabei aber in der Verantwortung, denn seine Unkenntnis über die Aktionen seiner Frau lässt sich kaum beweisen. Auch hier hätte Hildebrands Sensorium den Notenbank-Präsident veranlassen müssen, seine finanzielle Situation klar zu regeln respektive strikte von denjenigen seiner (Geschäfts-)Frau zu trennen.
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