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Der Komet oder Nikolaus Marggraf: Eine komische Geschichte
von Jean Paul
«Siebentes Kapitel, oder der zwanzigkaratige Grundstein zur Geschicht wird gelegt. Ein echter Diamant war im chemischen Ofen fertig geworden und funkelte umher; damit kann schon ein siebentes Kapitel beschliessen, das zehntausend neue beginnt.
Achtes Kapitel, oder wie der Diamant echt und hart befunden wird Der Apotheker zog mit einer Zange die blitzende Schlacke heraus und liess den Stößer mit einem Hammer wacker darauf einschlagen: der Stein hielt sich. Er liess ihn festkneipen und feilte daran mit einer englischen Feile: der Stein hielt sich. Er und Stoß hauchten dessen Glanz an: letzter hielt sich. Er legte den Stein auf einen Amboß und schlug mit einem Schmiedehammer gewaltig auf ihn ein: er bekam ein Grübchen, nicht der Stein, sondern der Amboß. Folglich hatt’ er nach allen Proben seinen ersten Diamanten verfertigt.»
Nikolaus Marggraf, Sohn eines Apothekers in Rom, einem kleinen Provinzkaff am Rande von Kleindeutschland, ist der illegitime Nachkomme eines Fürsten. So jedenfalls lässt es der Autor Jean Paul die Mutter des Kindes auf dem Sterbebett beichten. Der Apotheker, stolz auf die Abkunft des Sohnes, schickt diesen an die Universität Leipzig. Nikolaus übernimmt später die väterliche Apotheke, wo er nicht nur Salben und Pillen herstellt, sondern auch alchemistische Experimente durchführt. Eines Tages gelingt es ihm Diamanten herzustellen. Über Nacht zu grossem Reichtum gekommen, macht er sich auf die Suche nach seinem wirklichen Vater, in seinem Geleit eine Schar merkwürdiger Existenzen. Die Reise durch irreale Landschaften und Städte wird zu einer närrischen Odyssee im Don Quijote-Stil. In seiner Naivität und Unbeirrbarkeit hält der Titelheld der Welt einen Zerrspiegel vor.
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Jean Paul (1763—1825) hiess eigentlich Johann Paul Friedrich Richter. Die Namensänderung geht auf seine grosse Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau zurück. Er wuchs in einem protestantischen Pfarrhaus in Oberfranken auf, wo er mit dem Gedankengut der Aufklärung vertraut gemacht wurde. Abseits der politisch-literarischen Zentren seiner Zeit bildete sich Jean Paul autodidaktisch. 1793 erschien sein erster Roman, Die unsichtbare Loge, danach eine ganze Reihe weiterer Romane und Erzählungen, in denen er als Stilmittel eine groteske Komik einsetzte, was dem Publikum gefiel und ihm grosse Auflagen beschied. 1825 starb er in Bayreuth. Jean Paul wurde von literarischen Grössen wie Goethe und Schiller nie akzeptiert. Schiller sagte über Jean Paul, er sei im fremd wie «einer, der aus dem Mond gefallen ist».
Jean Paul
Der Komet oder Nikolaus Marggraf —
Eine komische Geschichte
2002
Manesse Verlag, München
ISBN 3-7175-1998-0