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Das eigentliche ist nur eine Häusergruppe an der
Kirche. Wegen
seiner schönen
Lage und seines milden
und gesunden
Klimas (mittlere Jahrestemperatur 10,6° C.) wird Montreux im
Herbst und
Winter von Rekonvaleszenten und Kranken viel
besucht: das »schweizerische
Nizza«.
[* 4] Eine
Menge von Gasthöfen und
Pensionen ist vorhanden, seit 1881 auch ein Kurhaus (für
Theater
[* 5] und
Konzert). In
Clarens liegt in dem von
Rousseau gepriesenen
Bosquet de
Julie das moderne
Château
des
Crêtes; in der Umgebung von Montreux die alten
SchlösserChillon (s. d.) und Châtelard. Die Uferhöhen sind reich an entzückenden
Aussichtspunkten.
Vgl.
Steiger, als klimatischer Winteraufenthalt (2. Aufl., Montreux 1881);
Die Volkszählung von 1888 ergab 9363 Ew., wovon 6470 in Le Châtelard, 2137 in Les Planches und 436 in Veytaux. Am war
die Bevölkerung der Kirchgemeinde auf 15841 Ew. angewachsen, nämlich auf 9884 in Le Châtelard, 5272 in
Les Planches und 698 in Veytaux. In einem Jahrhundert hat sich die Bevölkerung fast verachtfacht, so dass Montreux mit Bezug
auf die Einwohnerzahl der zweite Siedelungskomplex des
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mehr
Kantons geworden ist. Die Bevölkerung verteilt sich wie folgt:
Der staatliche reformierte Kultus hat in Montreux 3 Kirchen. Die freie evangelische, die römisch-katholische, die deutsche
reformierte und die schottische freie Kirche haben je eine Kapelle, die Presbyterianergemeinde hat deren
zwei und die anglikanische Kirche deren drei.
Schon 1860 beherbergte Montreux zahlreiche Kurgäste und Touristen. Die Zeit der grossen Bauten begann indessen erst gegen 1870 und
besonders seit 1881. 1883 wurde die Drahtseilbahn Territet-Glion eröffnet, 1888 die elektrische Strassenbahn Vevey-Montreux-Chillon
erbaut, 1891 die Büste des Dekans Bridel auf der Terrasse vor der Pfarrkirche eingeweiht und im gleichen
Jahr das Grand Hôtel de Caux eröffnet. Im Juli 1892 wurde die Linie Glion-Rochers de Naye dem Betrieb übergeben, 1897 das
neue Collège eingeweiht; 1902 wurden die elektrische Bahn Montreux-Berner Oberland bis Les Avants (1903 fortgesetzt bis Montbovon
und 1904 bis Rougemont), der «Caux-Palace» (eines der grössten Hotels der Welt) und endlich 1903 das TramChillon-Byron-Villeneuve eröffnet.
2. die «Société des forces motrices de la Grande Eau» (1896),
die die Triebkraft dieses Flusses ausbeutet.
Diese beiden Gesellschaften haben sich 1903 unter dem Namen «Société Romande d'électricité» vereinigt. 1903 ist der neue
Bahnhof, ein Gebäude von monumentalem Charakter und den vollkommensten Einrichtungen, eröffnet und der Kursaal
vergrössert worden.
Während die am See gelegenen Teile von Montreux als Fremdenstation und Luftkurort vollständig das Gepräge einer Stadt zeigen,
haben die höher gelegenen Dörfer ihren ländlichen Charakter beibehalten. Wein- und Gartenbau, sowie
die Ausbeutung der
Wälder beschäftigen hier die grosse Mehrzahl der Bewohner. Der Getreidebau ist fast vollständig verschwunden.
Die Hauptbeschäftigung der Bewohner von Montreux ist aber das Hôtelwesen, das einen lebhaften lokalen Handel zur Folge
hat.
Die Milde des Klimas, die beinahe vollständige Absperrung der N.-Winde, die Majestät des Sees mit seiner unvergleichlichen
Gebirgsumrahmung locken jedes Jahr eine immer grösser werdende Schaar von Touristen aus allen Ländern an,
und während die einen nur durchziehen, nehmen die andern, besonders im Herbst, Winter und Frühling, längern oder kürzern
Aufenthalt. 1902 stiegen in Montreux 31473 Fremde ab, wovon 7631 Deutsche, 7327 Engländer, 5651 Franzosen, 3588 Schweizer
(nicht gezählt die Gesellschaften und Vereine, Geschäftsreisenden und diejenigen Fremden, die nicht in Gasthöfen absteigen).
Das Jahr 1903 weist sogar eine Frequenz von 39493 Fremden auf. Zwei Vizekonsulate: von Grossbritannien und den Niederlanden.
Oeffentliches unentgeltliches Auskunfts- und Verkehrsbureau. Während Montreux 1835 nur 2 bescheidene Gasthöfe aufwies,
besass es 1902 deren 74 mit etwa 5000 Fremdenbetten. Diese Geschäfte entsprechen einem Wert von 21 Mill. Franken, wovon 9 auf
die Gemeinde Le Châtelard, 14 auf Les Planches und 1 auf Veytaux kommen. Vier dieser Hôtels haben je mehr als 1 Million Fr.
gekostet und der «Caux-Palace» für sich allein ungefähr 4 Millionen.
Die eigentliche Industrie ist wenig entwickelt. In erster Linie ist da zu nennen das Elektrizitätswerk
Le Taulan, das die Kraft der Baye de Montreux und des Wassers aus dem Pays d'Enhaut ausnützt, welch' letzteres durch eine Reihe
von Stollen in das Reservoir von Cubly geleitet wird. Ferner: die Zement- und Gipsfabriken von Grandchamp, grosse Zimmer-, Schreiner-
und Schlossergeschäfte, mechanische Werkstätten, ein Modellier- und Bildhaueratelier, zwei Färbereien,
zwei Velofabriken, zwei Fabriken für feine Korbwaren, eine Werkstätte für Holzschnitzerei, zwei Marmorgeschäfte und drei
Buchdruckereien, von denen jede eine Zeitung herausgibt; ein heliographisches Institut, eine Bierbrauereifiliale, zwei Fabriken
für kohlensaure Wasser, eine Schokoladenfabrik, mehrere Kühlanstalten (worunter eine Fabrik zur Verstellung von Eis für ärztliche
Zwecke) und ein bakteriologisches Institut.
Den Handel vertreten vornehmlich: fünf Bankgeschäfte, darunter die Bank in Montreux (mit einem Kapital von 2 Mill. Fr.),
eine Filiale der Schweizerischen Volksbank und eine solche der Waadtländer Kantonalbank;
zwei Speditions- und Lagergeschäfte;
bedeutende Firmen in Kolonialwaren, Wein etc. Die Trinkwasserversorgung ist 1899 von der «Société
des Eaux des Avants» an das Konsortium der vereinigten Ufergemeinden Vevey-Montreux übergegangen.
Dieses
verfügt nun über die Quelle
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in Les Avants (1000 m) mit etwa 6000 Minutenlitern Wasser und über eine Reihe von andern Quellen im Thal der Baye de Montreux,
deren wichtigste Gruppe diejenige von Cheset ist. Im ganzen stehen ungefähr 8000 Minutenliter zur Verfügung. Veytaux hat
seine eigene Wasserversorgung.
Im 17. Jahrhundert gab es nur 4 Schulen in der Kirchgemeinde. Als der Dekan Bridel 1805 nach Montreux kam,
zählte man deren erst 6; er gab dann den Anstoss zur Gründung von 3 weitern und schuf auch eine Kleinkinderschule. 1877 zählte
man 13 Primarschulklassen mit 608 Kindern. Das 1872 gegründete Collège (mit Lateinabteilung und Realschule) zählte 1875 60 Schüler,
die höhere Töchterschule 32 Schülerinnen. 1903 wurde das Collège von 279 Schülern besucht, worunter 132 Knaben und 147 Mädchen.
Den Unterricht erteilen 11 Lehrer und 6 Lehrerinnen, die vom Staat ernannt werden. Ebenfalls 1903 zählten die Primarschulen 1186 Schüler
in 30 gemischten Klassen. Es bestehen ferner eine katholische Schule mit 4 Primarklassen und 137 Schülern, 7 Kleinkinderschulen,
sowie zahlreiche Pensionnate und Privatschulen. Zu nennen sind hier auch noch die vom Handels- und Gewerbeverein eingerichteten
Fortbildungskurse, die unter der Aufsicht der eidgenössischen und kantonalen Behörden stehen; sie sind im Schuljahr 1903-1904
von 725 Schülern beiderlei Geschlechtes im Alter von mindestens 16 Jahren besucht worden.
Von Gebäuden und Denkmälern sind anzuführen: der neue Bahnhof, der Kursaal, die Markthalle, der englische Garten, das neue
Collège, die alte Pfarrkirche in einzig schöner Lage, das Grand Hôtel de Territet, der Caux-Palace, der Montreux-Palace,
die SchlösserChillon, Le Châtelard und Les Crêtes (das letztere eine moderne Baute, an der Stelle der
berühmten «Bosquets de Julie» erstellt, wenn man der Tradition Glauben
schenkt; Gambetta hielt sich mehrmals hier auf);
die Bronzebüste des Dekans Bridel, des Verfassers und Redaktors des Conservateursuisse;
das aus weissem Carraramarmor 1902 erstellte Denkmal der unglücklichen Kaiserin Elisabetha von Oesterreich,
die ein treuer Gast von Territet und Caux war;
die Marmortafel zur Erinnerung an den
Aufenthalt von Byron in Clarens. Im Friedhof
von Clarens stehen die Grabdenkmäler des Waadtländer Litteraten und Theologen Alexander Vinet, des Dekans Bridel und des
Genfer Philosophen und Dichters Amiel, dem wir das Lied Rouleztambours verdanken. In Clarens hat sich 1903 der
Präsident Stejn des ehemaligen Oranje Freistaates aufgehalten, und der Präsident Krüger der einstigen Transvaal Republik
ist hier am verschieden.
Der Fürsorge für die Kranken und Armen dienen in Montreux folgende Anstalten und Vereine: ein 1874 gegründetes Krankenhaus,
das Waisenhaus von Cotterd (1870), die Krippe (Kleinkinderbewahranstalt; 1898), das Lazaret de la Fosge,
das Absonderungshaus;
die Hilfsgesellschaft der Pfarrgemeinde (1836), der Armen- und Krankenverein der deutschen reformierten
Kirchgemeinde (1879), das Waisenhaus (Orphelinat) des Alpes (1885), das Altersasyl (der Freigebigkeit des verstorbenen Fräuleins
Visinand zu verdanken).
Montreux zählt nahezu 150 Vereine, von denen nur die kleinste Zahl gegenseitigen
Erholungs- oder Vergnügungszwecken sich widmet. Die meisten haben hauptsächlich einen gemeinnützigen oder wohltätigen
Zweck. In erster Linie ist zu nennen die Gemeinnützige Gesellschaft (Société d'Utilité publique; 1869), die im Verein
mit den Verwaltungsbehörden Strassen, Promenaden, Fusswege und Trottoirs unterhält;
die Museumsgesellschaft (1875), die
aus der Gesellschaft der Bildungsfreunde (Société des Amis de l'instruction) hervorgegangen ist, das
Museum des Collège unterhält und Vorträge veranstaltet;
der Handels- und Gewerbeverein
(Société industrielle et commerciale) mit gewerblichen Fortbildungskursen;
das Syndicat des intérêts de Montreux;
der
Verband der Hoteliers;
die Société des Écharpes blanches, der älteste Schiessverein des Ortes, der
aus dem Jahr 1627 stammt und dessen Gebräuche sehr merkwürdig sind.
Seit 1897 feiert Montreux im Mai das Narzissenfest;
es ist dies ein Frühlingsfest, also ein Jahreszeitenfest, wie das Winzerfest in Vevey, und besteht aus 4 Teilen: einem grossen
Ballett, einem festlichen Aufzug, einer Blumenschlacht
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Die Ziffern der Ausgaben und Einnahmen dürften noch um ungefähr einen Drittel vergrössert werden wegen
der Grund-, Personal- und Brandsteuer, die durch die Dorfverwaltungen (Administrations de «Village»)
erhoben werden, denen ein Teil der Ausgaben für Strassenunterhalt, öffentliche Beleuchtung, Feuerwehr, Brunnen etc. obliegt,
welche nicht ins Ressort der Gemeinden fallen.
Die von den S. B. B. beförderte Last (Waren, Gepäck und Tiere) beziffert sich auf 75539 t., die der
M-O-B. auf 52027 t., die der T-G. und G-N. auf 2784 t. und die der Dampfschiffe auf 1615 t. Die elektrische Bahn M-O-B hat
eine Länge von 62,36 km.;
Die direkte elektrische Bahn Montreux-Glion (M-G), die den dem Verkehr übergeben wurde, hat eine
Länge von 2800 m mit einem Höhenunterschied von 294 m zwischen dem Bahnhof Montreux (398 m) und dem
von Glion (692,4 m). Die Maximalsteigung beträgt 130‰, die mittlere 105‰. Die Linie wird elektrisch betrieben (Gleichstrom
von 750 Volt) und hat, wo die Steigung stark ist, Zahnrad (System Abt). Die stark ausgesprochene Abschüssigkeit des
höckerigen Terrains erforderte eine grosse Zahl schwieriger Kunstbauten, unter andern 5 Tunnels von total 940 m Länge, von
denen jeder der zwei wichtigsten allein 385 m misst.
Diese Bahn ermöglicht den Warentransport nach Glion, Caux und den Rochers de Naye, der bis dahin nur in beschränktem Masse
bewerkstelligt werden konnte. Das Eisenbahnfieber erlischt in der Gegend von Montreux noch keineswegs,
wie der Bau der Drahtseilbahn Territet-Montfleuri, der Strassenbahn Clarens-Chailly-Blonay, deren finanzielle Berechtigung
dargetan ist, sowie der elektrischen Bahn Les Avants-Caux beweist, für welche die Konzession nachgesucht ist und welche den
Ring dieser regionalen Bergbahnen schliessen soll; dazu kommt noch die projektierte Linie Veytaux-Territet-Sonchaux
und die Drahtseilbahn Les Avants-Col de Sonloup, deren Konzession bereits gewährt und deren finanzielle Berechtigung dargetan
ist. Um den Hauptbahnhof Montreux mit dem See zu verbinden, sind nicht weniger als vier Projekte von Drahtseil- und Zahnradbahnen
aufgetaucht, von denen eines die Verlängerung der Montreux-Glion-Bahn vorsieht, die die Reisenden gerade
vors Palace-Hôtel bringen würde.
Ueberdies verfolgen die Gemeinden Les Planches und Veytaux, von der Regierung von Waadt
unterstützt, den Plan, die Simplonlinie zwischen
dem Hauptbahnhof Montreux und der Station Veytaux mittelst eines etwa 2 km langen Tunnels zu verlegen. Diese Verlegung hätte
zur Folge, dass die Steigung von 10‰, welche die Abfahrt vom gegenwärtigen Bahnhof Territet so schwierig
macht, verringert würde, dass zwei Uebergänge à Niveau verschwinden würden, deren Ersetzung durch Unterführungen die
Gegend verunstalten und die Verbreiterung der Strasse von Territet nach Montreux wie auch die Erstellung einer bequemen Zufahrtsstrasse
zum Bahnhof Montreux verunmöglichen müsste. Der gesamte Voranschlag dieser Umbauten beläuft sich auf
4½ Millionen.
Fremdenstatistik von 1908.
Die im Jahre 1908 in den Hôtels, die zur Société des Hoteliers gehören, abgestiegenen Fremden verteilen sich folgendermassen:
Deutsche 16766, Engländer 12949, Amerikaner 4560, Oesterreicher 989, Franzosen 9966, Italiener 1423, Holländer 1583, Belgier
1170, Russen 3474, Schweizer 7144, Verschiedene 2651;
Total 62875 gegen 55962 im Jahre 1907 und 22874 im
Jahre 1906. Zu bemerken ist, dass in obigen Zahlen die Gesellschaften, Handlungsreisenden, Schulen und die Fremden, die Villen
oder Privatwohnungen bezogen, nicht inbegriffen sind.
Jeder Fremde, ob er ein Jahr oder einen Tag sich hier aufhalte, wird
als Einheit gezählt und nicht für 365, wie es die meisten Statistiken machen.
Die Wasserversorgung Vevey-Montreux versieht den grössten Teil des Kreises mit Trinkwasser. Dieses kommt von Les Avants und
von Chéset, oberhalb des Pont de Pierre etc. Da aber das verfügbare Wasser nicht mehr auszureichen drohte, kaufte die
Wasserversorgung 1908 die Quellen von Le Bouveret, die noch nicht alle gefasst sind. Die 3 Gemeinden verfügen ausserdem noch
über Quellen, welche verschiedene Häusergruppen und Weiler bedienen. Veytaux hat eine eigene Hochdruckleitung. Als Triebkraft
für die Lifts in den Hotels etc. hat die Gemeindeverwaltung Vevey-Montreux seit 1906 die Zuführung des
Wassers der grossen Quelle von Thomex oder vom Bois d’Enfer ob Brent angeordnet, eines sehr reinen Wassers, das jedoch seines
Gipsgehaltes wegen als Trinkwasser untauglich ist. Die Wasserversorgung Vevey-Montreux ist Eigentum folgender
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Die Elektrizitätsgesellschaften Vevey-Montreux, de la Grande Eau und La Romande, die im Grunde nur eine einzige Unternehmung
bilden, liefern der ganzen Gegend Licht und Kraft. Für Beleuchtung und Heizung mit Gas sorgt die Gasgesellschaft
von Vevey, die gegenwärtig einen grossen Gasometer in Clarens erstellt.
Die Uferzone zwischen Montreux und Vevey ist fast durchwegs ihres natürlichen Charakters beraubt worden, durch die Erstellung
der sogenannten Quaibauten, wodurch ein stellenweise sehr breiter Landstreifen nutzbar gemacht wurde, entweder
als Pflanzland, Gartenterrasse oder als Strasse mit Baumalleen, welche als Spazierweg sehr beliebt geworden sind. Diese Bauten
haben vor etwa 50 Jahren ihren Anfang genommen, so dass nun zwischen dem Schloss Chillon und der westlichen Grenze der Gemeinde
Vevey nur noch wenige hundert Meter natürliches Seeufer bestehen.
Fast überall ist nicht nur das Flachufer, sondern auch die früher mit Wasser bedeckte Uferbank bis an
die Steilhalde des Seebeckens künstlich aufgefüllt worden. An der äussersten Grenze der Auffüllungszone ist diese durch
die Erstellung einer Schutzmauer gegen den Wellenschlag gesichert worden. Gewöhnlich wird diese Schutzmauer zuerst errichtet
und zwar auf einem Damm von Felsblöcken (enrochement), welcher bis auf die Höhe des Hochwasserstandes
aufgeschüttet wird.
Erst neuerdings wurde auf eine gewisse Strecke auf die künstliche Schutzmauer verzichtet und als alleiniger Widerstandbau
gegen die Erosion der Blockdamm bis auf die Höhe der Auffüllung aufgeführt, d. h. etwa l½ bis 2 Meter über dem Hochwasserstand.
An mehreren Stellen wurde die Auffüllung zu wiederholten Malen immer weiter vorgeschoben, so dass der
Schutzdamm nicht nur nahe an dem Steilrand, sondern sogar auf diesen letztern selber zu liegen kam; die Blockbasis desselben
fusst auf der Aussenseite auf der bis 40° geneigten Steilhalde. Da nun die Wirkung des Wellenschlags diese
lose Blockanhäufung nach und nach auflöst und in die Tiefe versenkt, muss naturgemäss beständig nachgefüllt werden, wenn
nicht die Schutzmauer und das gewonnene Nutzland gefährdet werden sollen.
Oft hat man sich auch damit begnügt, allerlei Schutt und Abraum von Bauplätzen und Strasseneinschnitten in den See zu führen,
wodurch aber die unterseeische Steilhalde überlastet wird und zuletzt abrutscht, infolgedessen nicht
nur das neu aufgefüllte Material, sondern auch die Quaimauern und sogar die Strasse nebst einzelnen Bauten mitgerissen wurden.
Seit etwa 40 Jahren hat dieses Ufergebiet eine ganze Reihe mehr oder weniger bedeutender derartiger Abrutschungen und Uferversenkungen
aufzuweisen, besonders da, wo unvorsichtigerweise zu nahe oder gar auf die Steilhalde selber gebaut wurde
oder die notwendige Nachfüllung mit grösseren Felsblöcken als Uferversicherung unterlassen wurde.
Folgende mehr oder weniger bedeutende Uferversenkungen sind ein lautsprechender Beweis wie unvorsichtiger Weise hier oftmals
verfahren wurde und wie unfehlbar auch die Strafe eintrat:
1870. Die Dampfschiffländte in Montreux (La Rouvenaz) wurde weggerissen und der z. T. in den See hinausgebaute
Schiesstand wurde stark beschädigt. Ursache: starker Sturm.
1872. Die Quaimauer zwischen dem Landungssteg von Clarens und der Baye wurde auf etliche Meter Länge unterwühlt, so dass
die Mauer ins Sinken kam und sich seewärts neigte. Sie konnte noch beizeiten unterbaut und mit einem
Steinberg beschützt werden. Ursache: Sturm.
1877. 1. Mai. Der Quai Perdonnet in Vevey versank auf 106 m Länge bei ganz ruhigem und klarem Wetter. Ursache: Abrutschen der
Steilhalde infolge
Ueberlastung und unrationelle Bauart. Die Quaimauer wurde auf eingerammten Pfähle aufgeführt, bei 4-8
m Seetiefe und dann hinter den Pfählen nach Belegung mit Faschienen einfach mit Schutt aufgefüllt.
1883. 13. September. Eine begonnene Quaibaute vor der Liegenschaft Puenzieux in Clarens, neben der Dampfschiffländte, versank bei
ruhigem Wetter auf 25 Meter Länge, als eben ein mit Schutt beladener Wagen ausgeleert werden sollte. Wagen und Pferd versanken
mit, - letzteres schwamm vom Geschirr befreit wieder ans Land. Ursache: Ueberlastung der Steilhalde.
1883-1890. Zwei Abrutschungen der in den See gebauten Gartenterrasse vor dem Hôtel Breuer. Ursache: Unsichere Böschung und
Ueberlastung derselben.
1887. November. Unterseeische Rutschung der begonnenen Quaibaute von La Rouvenaz in Montreux. Sieben verankerte Kähne verschwanden
mit dem Ankerboden in der Tiefe. Am Ufer entstand eine bedeutende Einbuchtung. Ursache: Ueberlastung der
unterseeischen Halde.
1891. 19. Mai. Uferabbruch am Trait de Baye zwischen Montreux und Territet, mit dem neugebauten Quai, samt Hafen und Gartenanlagen
auf 72 m Länge, bei starkem Föhnsturm. Weitere Ursachen sind Ueberlastung der bis 45° geneigten Steilhalde,
dann Erschütterung und Zerklüftung derselben durch zu nahe aneinander eingerammte Pfähle.
1892. 6. Oktober. Abrutschung des im Bau begriffenen Quai von Vernex Dessous auf 30 m Länge. Ursachen: Ueberlastung und Sturm.
1895. 31. Juli. Absinken bei ruhigem Wetter einer etwa 5000 Quadratmeter messenden Schuttablagerung an der Stelle des am versunkenen
Quai am Ausgang der Avenue Nestlé (Trait de Baye). Auf dieser als Lagerplatz dienenden Plattform lagen ausserdem noch 5 Schiffsladungen
Bausteine, 200 m3 Mauersand, 150 t Backsteine, und 500 m Zementröhren. Der Abbruch fand lautlos statt. Einzige Ursache:
Ueberlastung der unterseeischen Steilhalde.
1896. 15. Dezember. Zerstörung des im Bau begriffenen Quai von Plan in Vevey auf 32 m Länge. Ursache: heftiger
Sturm und Rückwirkung der hinter der Quaimauer angesammelten Wassermenge.
1899. 4. September. Kleinere Absenkung neben obiger Stelle durch dieselben Ursachen.
1906. 19. Juli. Abbruch des Quai von La Rouvenaz 100 m östl. vom Landungssteg auf 44 m Länge, an einer Stelle, wo seit mehreren
Jahren Schutt abgelagert wurde und sich eine bedeutende Plattform gebildet hatte. Ruhiges Wetter. Ein mit Angeln beschäftigter
Mann wurde mit ins Wasser gerissen und konnte nur mit Mühe gerettet werden. Ursache: Ueberlastung der
unterseeischen Halde.
1910. 18. Januar. Unterwühlung und Zerstörung des neuen Quai vor dem Hôtel Montreux-Palace auf etwa 10 m Länge. Ursachen: Sturmwind
und Wellenschlag.
1910. 16. Mai. Abbruch und Versenkung des Quai von Clarens vor der Villa Murillo und Pillivet bei ruhigem
Wetter auf 40 m Länge. Die angrenzenden Gärten wurden mitbeschädigt. Ursachen: Unterwühlung der Schutzmauer und nachherige
Ueberlastung der Halde durch Schuttabladen, wodurch eine unterseeische Rutschung entstand.