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Hackertum in Europa
Von einigen verschrien, von anderen herbeigewünscht verkommen Hacker in egal welchem Sinne immer mehr zu einer Art Gespenst, welches durch das Internet geistert. Dieser Vortrag versucht zu klären, was ein Hacker eigentlich ist, warum man so selten welche trifft, und warum man das ändern sollte.
Definition
In der Wissenschaft heisst es oft, ein Leben ohne Streit sei ein sehr langweiliges Leben. In diesem Sinne ist es wohl auch zu betrachten, dass sich die "Hacker" dieser Welt sogar über ihre eigene Definition relativ uneinig sind. Eine genaue Definition ist somit nicht möglich, jedoch gibt es einige Grundzüge einer Definition, welche sich in verschiedene Kategorien einteilen lässt.
Der klassische Hacker
Im klassischen Sinn ist das Wort "Hacker" ein Synonym für einen Programmierer, der eine tiefe Vertrautheit mit seiner Maschine erreicht hat. Ein Hacker wird demnach Programme schreiben ("hacken"), welche besonders eleganten Code für bestimmte Problemlösungen enthalten, sich jedoch möglicherweise nicht auf dem ersten Blick erklären.
Ein klassischer Hacker zeigt auch eine tiefe Vertrautheit mit seiner verwendeten Programmiersprache, welche sich leider nur zu oft in unlesbarem Programmcode ausdrückt, welcher darauf zielt, die Gegebenheiten der verwendeten Sprache so gut wie möglich auszunutzen.
Diese Definition wird natürlich vor Allem von Programmierern gepflegt, da sie andere Gruppen eindeutig ausschliesst.
Der Datenreisende
Eine Definition, deren Wahrheitsgehalt wohl nicht völlig von der Hand zu weisen ist, ist die des "Datenreisenden", wie sie vom Chaos Computer Club Ende der 80er Jahre eingeführt wurde. Die Softwareverfassungsszene und die In-Rechner-Eindring-Szene sind aus gutem Grund sehr tief miteinander verwurzelt, zumal das eine ohne das andere nicht so recht zu existieren vermag: ein Datenreisender braucht ein tiefes Verständnis von Programmierung und dem Aufbau von Rechnern, und ein Programmierer wird ohne tiefgründiges Verständnis seines Rechners und der möglichen Sicherheitsprobleme beim Verfassen von Programmen wohl keine wirklich brauchbare Software verfassen.
Die enge Verzahnung der beiden Szenen rührt sicher zu einem Grossteil noch aus den 80er Jahren her, da es zu jener Zeit noch notwendig war, Sicherheitslücken in anderen Rechnern zu finden und auszunutzen um überhaupt an die Möglichkeit zu kommen, Kontakt mit anderen Gleichgesinnten aufzunehmen.
Der Unkonventionalist
Anfang der 90er Jahre erfuhr der Hackerbegriff durch Kulturphilosophen wie Wau Holland eine Öffnung gegenüber Leuten, die möglicherweise nicht in Programmiersprachen auf ihrem Computer arbeiteten, die allerdings durchaus bemerkenswerte Dinge anstellten. Wau selbst definierte einen Hacker dereinst mit den Worten
Hacken ist, wenn man das Wasser für das Fertigkartoffelpürree mit der Kaffeemaschine erhitzen kann.
sowie
Jede Oma, die es schafft, einen modernen Videorecorder zu programmieren, ist eine Hackerin.
Wer also auf der Autobahn ein Kühlwasserleck feststellt, den Kühlwassertank daher mit einem von innen angebrachten Joghurtdeckel abdichtet und das Kühlwasser mit heissem Kaffee auffüllt, damit nichts kaputgeht, qualifiziert sich eigentlich schon als Hacker, da weder der Joghurtdeckel noch der Kaffee normalerweise dieser Verwendung zugeführt werden.
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Natürlich gibt es auch noch Leute die der festen Meinung sind, Hacker seien Leute, die sich in dunklen stickigen IRC-Kanälen treffen und die ganze Zeit unlesbare Nachrichten austauschen. Gerüchten zufolge stammt diese Definition aus der Zeit als EBCDIC noch aktuell war.
Geschichte
In diesem Kapitel werde ich versuchen, die Geschichte des Hackertums in Europa nach bestem Wissen darzulegen. Ich werde dabei Fehler machen, und ich bin keine authoritative Quelle. Ich werde mich der Holland'schen Interpretation bedienen, die Wau Holland in der Zeit vor Allem vor seinem Tod geprägt hat.
Wau interpretiert die Geschichte des Hackertums als eine Abfolge verschiedener Universalmaschinen, die das Hackertum zutage förderte und daraufhin ungehemmt nutzte. In diesem Sinne orientiert sich diese Aufstellung weniger an einer Zeitskala als an einer Erfindungsskala.
Vom Rad und anderen Rädern
Die erste grosse Universalerfindung, welche die Menschheit zutage gefördert hat, war nach eindeutiger Ansicht das Rad. Man konnte mehrere davon aneinander binden und Sachen drauf packen, man konnte damit den Sonnenstand messen, Gräben erzeugen und einiges anderes.
Die nächste Universalmaschine bestand dann aus einer Reihe von Rädern und nannte sich Uhr. Eine anarchistische Gruppe schweizerischer Mechaniker hatte sich hingesetzt und nichts geringeres vorgenommen als Zeit zu messen. Die Maschine brachte dann sowohl den Herrschenden (sprich Arbeitgebern) als auch den Knechten (sprich Arbeitnehmern) einen Vorteil, indem sie unabhängig voneinander die Arbeitszeit bestimmen konnten. Der Knecht musste sich nicht mehr Räubergeschichten anhören wenn er scheinbar früh ging, und der Herrscher stand nicht mehr als Ausbeuter da wenn er seinen Knecht freundlich darum bat, doch bitte bis zum Ende der Arbeitszeit zu bleiben.
Das Telephon
Die nächste Universalerfindung war dann schliesslich das Telephon. Während sich die kleinen Jungs Blechdosen an Drähte hingen und froh waren wenn sie sich um die Dose herum verständigen konnten, entwickelte sich ein elektronisches Sprachübertragungsmedium, mit dem sich plötzlich Menschen an verschiedensten Enden der Welt verständigen konnten, sofern es eine Sprache gab die beide Seiten zu sprechen fähig waren.
In den frühen Tagen des Telephonnetzes, als noch die Fräuleins vom Amt die Leitungen per Hand zusammenstecken mussten, war natürlich vor Allem social engineering ein Faktor. Das ging natürlich unvermeidlicherweise so weit, dass einige Hacker in jener Zeit ihre Freundin auf dem Amt hatten. Das hatte zwei Vorteile: erstens wurde man bevorzugt behandelt, und zweitens konnte man direkt mit seiner Freundin im Amt telephonieren.
In den mittleren 20ern des 20. Jahrhunderts kamen schliesslich die ersten Selbstwähltelephonverbindungen auf. Zuerst verbreitete sich die Technik nur bei Firmen, doch waren die damals mechanischen Wählscheiben halt sehr simpel, so dass man durch die Wahl einer entsprechenden Nummer in ein Netz hinein und wieder zurück hinaus wählen konnte. Dadurch haben sich dann einige findige Hacker ihre Ferngespräche von einer Firma bezahlen lassen, oder gleich bei grossen Firmen mit internem Selbstwählverkehr deren Netz für Ferngespräche benutzt.
Im Laufe der Zeit wurde schliesslich das gesamte Netz auf Selbstwählverkehr umgestellt, was auch einigen Raum für Spielereien liess. So kam zum Beispiel die Völkververständigung schon lange vor der offiziellen Beschäftigung damit auf, als nämlich die Blinden das Telephonnetz eroberten und Telephonverbindungen von Deutschland nach Österreich, Ungarn, Czechien und schliesslich Ostdeutschland aufbauten.
Erst in letzter Zeit wurde das Telephonnetz durch das vermehrte Aufkommen von Internettelephonie wieder interessant, da viele Leute ihre Telephongeräte einfach mit Internettelephonie weiterbetreiben wollten und sie zu diesem Zwecke an ihre selbstgebastelte Telephonanlage anschlossen.
In diesem Sinne kann man hoffen, dass trotz des Aufkommens der Computer dem Telephonnetz noch kein Ende gesetzt worden ist.
Der Computer
Denkende Maschine sind bereits seit der Analytical Engine von Charles Babbage aus dem Jahre 1833 ein Traum eines sehr eingeschränkten Teilbereiches der Menschheit, welchen wir als die modernen Hacker bezeichnen könnten. Jedoch sollte es bis zum 2. Weltkrieg, 1942, dauern, bis endlich eine dieser Maschinen verwirklicht wurde -- von einer verzweifelten Grossmacht, die kurz davor stand ihre letzte Schlacht zu verlieren.
Doch gelang es Alan Turing, einem jungen Mathematiker, das Blatt durch nichts geringeres als die Erfindung einer neuen Universalmaschine zu wenden: der Computer war geboren. Doch Turing war nicht allein, zur selben Zeit baute sich der Bastler Konrad Zuse in Deutschland aus Postrelais seinen ersten eigenen Computer, um ihn später zum General-Purpuse-Computer weiterzuentwickeln.
Nach dem Krieg führten Computer noch eine ganze Weile ein Schattendasein als Militärspielzeuge, nur langsam begannen die grossen Kisten auch an die Universitäten vorzudringen, wo schliesslich in den späten 60ern eine kleine Ansammlung von Studenten die Nase voll davon hatte, immer die für ihre Computerspiele verwendete Rechenzeit rechtzufertigen zu müssen, und schliesslich ein eigenes Betriebssystem für die damals üblichen Rechner entwickelten, welches als Spass auf den Namen seines Vorgängers Multics Unics, heute Unix, genannt wurde. Unix wird bis heute in Form der BSD-Systeme als nach Ansicht der Hackergemeinschaft perfekt designtes Betriebssystem weiterentwickelt -- obwohl man sich hier natürlich traditionsgemäss nicht einig ist.
Das Internet
Schliesslich begann Anfang der 70er an den amerikanischen Universitäten das das Internet zu entstehen und die Lust schwand, für jeden Zweck zu einer dieser grossen, klobigen Kisten hinzulaufen, nur um eine Rechenaufgabe zu erfüllen. Der Heimcomputer sowie der Taschenrechner waren die logische Folge zweier verschiedener Generationen von Benutzern.
Im Anschluss an diese Entwicklung kam es erstmals zur Verbreitung kleiner Spielekonsolen. Die Computertechnologie hatte Serienreife erreicht, für einen unglaublichen Haufen Geld konnte jeder Mensch seinen eigenen Commodore in sein Wohnzimmer stellen, und trotzdem noch Platz für die Einrichtung haben. In dieser Zeit begann sich schliesslich eine Anzahl von Jugendlichen zur heutigen Computerhackerszene zusammenzuschliessen, und wieder war es das Telephonnetz, das sie verband.
Über Grossrechner mächtiger Firmenkolosse erreichte man Zugriff auf das Internet, man konnte schliesslich mit Menschen vom anderen Ende der Welt Programmiererfahrungen und Quellcodes austauschen. Da dieser Zugang für Normalbenutzer nicht so richtig vorgesehen war, herrschte natürlich eine Art Beschaffungskriminalität für Internetzugangsmöglichkeiten. Webseitenklicken, was heutzutage für jeden Menschen erste Bürgerpflicht ist, war zum damaligen Zeitpunkt mit absoluter Selbstverständlichkeit verboten -- und für alles, was verboten war, gab es mindestens einen Hacker, der mit den verrücktesten Ideen zu argumentieren versuchte, warum die Situation eigentlich anders sein müsste.
Schliesslich erreichte jedoch die Nachricht vom Internet auch die Industriewelt, und somit kam es Anfang der 90er zu einer Öffnung des Internet auch für Normalsterbliche. Die Menschheit begann in einen Spiegel zu blicken und erkannte sich selbst. Die Zeit seither ist mit einer stetigen Beschleunigung von Geschäftsvorgängen sowie einem schleichenden Machtverlust der Regierungen verbunden, man könnte fast sagen, es wächst endlich zusammen was zusammen gehört: die Weltöffentlichkeit. Wer nicht mit zusammenwachsen will, der wird gezwungen: alte Damen werden mit Gewalt in's Internet gezogen, Politiker mit einem Rechen vor den Computer befördert, man muss ja zukunftsbewusst sein. Das Hacking von Programmen und der weltweite Informationsaustausch waren in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Zukunftsplagen
Im dritten Jahrtausend der einzigen Zeitrechnung, die sich wirklich durchgesetzt hat, beginnt man sich nun die Frage zu stellen: Wo sind sie eigentlich hin, unsere Hacker?
Eine für Windowsbenutzer unbeherrschbare Flut von Viren und Würmern ist zum alltäglichen Rauschen verkommen. Der Webshop, den ein Kiddie zum zehnten Mal defaced hat, interessiert einen auch nicht weiter, der Verkäufer ist sowieso zu doof die Softwareupdates einzuspielen. Die Zeiten, in denen die Welt gebannt der Stimme des CCC-Sprechers lauschte, der die von der Nasa erbeuteten Daten öffentlich auf einer Pressekonferenz vortrug, sind vorbei. Erwähnt man heute noch den CCC, bekommt man zu hören, "Ach, den gibt es noch? Ich dachte, die seien Ende der 80er Jahre zugrunde gegangen!"
Wenn man mit der Lupe sucht, findet sich hier eine Gruppe Menschen, die sich mit den Schwachstellen der beliebten Software SAP R/3 auseinandersetzt, und da gibt es ein paar wenige Leute die wirklich gute Software schreiben. Viele von ihnen sind aus ebendieser Generation, die in den 80ern die ganz grossen Kisten der Welt aufgemacht hat, und sie alle ächzen, es brauche viel mehr Nachwuchs, die Alten kämen gar nicht mehr hinterher, all die Aufgaben zu erledigen, welche noch vor uns lägen.
Tatsächlich hat sich die Netzgemeinschaft relativ stark verändert. Es gibt da eine ganze Menge Programmierertrupps, die brav jeden Tag eine andere Sprache lernen, um stets auf dem Laufenden zu sein und ja alle Anforderungen auf den Annoncen zu erfüllen, mit denen die Firmen um neue Mitarbeiter wirken. Die Firmen setzen auch brav immer wieder die neusten Buzzwörter in die Zeitung, und die Verlage verkaufen die dazu passenden Bücher.
Viel Neuerung gibt es derweil jedoch nicht. Die Meisten begnügen sich damit, alte Konzepte, welche die Menschheit längst vergessen hatte, wieder aus dem Hosensack zu ziehen und der Gemeinschaft unter neuem Namen frisch einzutrichtern. Und die Gemeinde macht brav mit, jeder entwickelt seine eigene Programmiersprache, um sich mit den anderen nicht beschäftigen zu müssen.
Intime Vertrautheit mit Rechner und System ist out. Wenn sich jemand regelmässig den Assemblercode seiner Programme ansieht, wurde er schon vor 10 Jahren verlacht -- wenn er heutzutage auch nur eine Sprache verwendet, die ihm dieses Nachlesen ermöglicht, gilt er gleich als Purist. Erwähnt man, man habe ein Programm in einer Sprache X geschrieben, wird man gleich vom geballten Zorn der Gemeinschaft in den Boden gestampft, man hätte doch eine andere, viel tollere Sprache verwenden sollen.
Die Gemeinschaft verliert sich in Kleinigkeiten und lässt sich immer mehr vom Marketing verführen, das immer noch nicht gelernt hat, dass ein nachhaltiges Geschäft nur möglich ist, wenn man die Hacker ihren eigenen Weg gehen lässt. In derselben Zeit schreien sich die alten Hacker von vor 20 Jahren um Hilfe die Seele aus dem Leib. Neue Hacker braucht das Land.
Quintessenz
Die Zukunft des Computerhackertums liegt in den Händen der aktuellen jungen Generation. Zum gegebenen Zeitpunkt habt ihr noch die Möglichkeit, uns, die Alten, um Rat zu fragen und unsere Erfahrungen und Werte mit in euch aufzunehmen. Überbewertet sie jedoch nicht: auch wir sind nur Menschen, und auch wir haben unsere eigene Meinung.
Was die Welt wirklich braucht sind keine Leute, die jeweils ein klein Wenig Ahnung von Ruby, Python, Java, Ajax, PHP, XML und sonstwas haben. Sucht euch ein Thema, das euch besonders zusagt, und dann versucht, alles herauszufinden was es über dieses Thema zu wissen gibt. Folgt einfach eurer Wissbegierde bis euch niemand mehr etwas vormachen kann. Deckt jeden Fehler auf den ihr finden könnt, und probiert aus was man damit alles tun kann. Nur so lernt man, wie ein Fehler auszusehen hat.
Denn letztenendes ist es meiner Meinung nach die eigentliche Definition eines Hackers, dass man auf bestimmten Gebieten ein so breites Wissen erworben hat, dass man auf niemanden angewiesen ist, der einem erklärt, wie man Entdeckungen zu interpretieren hat. Und wenn ihr dann an dem Punkt seid, wo es nichts mehr gibt was ihr zu dem Thema lernen könntet, erweitert einfach euren Suchraum. Seht euch den Interpreter der Skriptsprache an die ihr die ganze Zeit aufgemacht habt. Schaut nach, was dahintersteckt.
Anmerkungen zur Wissensgesellschaft
Die Welt um uns herum scheint langsam zumindest ansatzweise zu begreifen, dass ein Zeitalter der Wissenschaft vor uns steht, in dem Wissen Macht bedeutet und Nichtwissen Ohnmacht. Leider hat es sich dabei noch nicht herumgesprochen, dass es erst recht in so einem Fall keine so wirklich gute Idee ist, Konkurrenzdenken auszuprägen. Konkurrenzdenken entstammt einem vergangenen Zeitalter, in dem Besitz Macht bedeutete. In jenem Zeitalter hatte jeder Mensch seinen Besitz, und wenn man etwas besitzen wollte, was jemand anderem gehörte, musste man es ihm wegnehmen.
Das ist jedoch auf die Wissensgesellschaft nicht anwendbar. Wenn ein Mensch etwas weiss, was man auch wissen will, dann geht man hin und fragt ihn, er erzählt es einem, und dann haben beide die Information die man wollte, sie geht nicht verloren, sondern wird im Gegenteil noch besser gegen Verlust geschützt. Besitzdenken ist hier also sogar noch kontraproduktiv.
Doch auch auf der anderen Seite gibt es leider bereits ein fundamentales Problem. In einer Wissensgesellschaft fällt es den Leuten noch schwerer, zuzugeben, wenn sie etwas eben nicht wissen, das heisst, auf einem Gebiet jemandem anderen unterlegen sind -- auch wenn sie möglicherweise auf einem anderen Gebiet über deutlich mehr Wissen verfügen. Es gibt nicht viele Leute, die einfach zugeben können, etwas nicht zu wissen. Häufig kommt es dabei auch noch dazu, dass Leute dann einfach darauf los reden ohne zu wissen was sie eigentlich sagen, oder geheimnisvoll um ein Thema herumreden -- was ebenfalls recht schnell einen schlechten Eindruck gibt. Im Gegenteil ist ein einfaches "Weiss ich nicht" nicht schädlich, es wird das Gegenüber auch nicht in einen Zustand mit Allmachtsgefühlen versetzen.
Ausserdem ist es wohl so, dass man, wenn man etwas wissen muss und sich nicht traut nachzufragen, es nicht erfahren wird, was dazu führt, dass man noch länger in der misslichen Lage ist, es nicht zu wissen.
Somit gibt es ein paar wenige einfache Regeln für das Leben in der Wissensgesellschaft:
- Wenn man etwas nicht weiss, sollte man das zugeben können, es ist keine Schande.
- Wenn man etwas wissen möchte, sollte man jemanden fragen, der es wissen könnte, sonst wird man es nie erfahren.
- Wenn man eine Frage gestellt bekommt, sollte man sie ohne abwertende Bemerkungen beantworten, zumal man sehr schnell in genau dieselbe Situation kommen kann, etwas nicht zu wissen.
Wissen vermehrt sich nicht indem man es zurückbehält und wegschliesst. Nur wenn sich alle Menschen dazu überwinden können, einander zu erzählen, was sie wissen, kann der gesamte Planet als ein grosser Organismus vieler symbiotischer Lebensformen kreativ arbeiten und neue Ideen erzeugen.