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Amazon hat 17 neue Patente für biometrische Technologie angemeldet, die seinen Türklingelkameras helfen soll, „verdächtige“ Personen anhand von Geruch, Hautbeschaffenheit, Fingerabdrücken, Augen, Stimme und Gangart zu identifizieren.
Der Tech-Gigant entwickelt sein Türklingel-Sicherheitskamerasystem seit 2018, als Amazon die Firma Ring und damit auch die ursprüngliche Technologie übernommen hat. Medienberichten zufolge bereitet sich das Unternehmen von Jeff Bezos nun darauf vor, die Geräte in die Lage zu versetzen, „verdächtige“ Personen mit Hilfe biometrischer Technologie zu identifizieren, die auf Hautbeschaffenheit, Gangart, Finger, Stimme, Netzhaut, Iris und sogar Geruch basiert.
Wenn man Amazons neuen Patenten Glauben schenken darf, würden darüber hinaus alle Ring-Türklingel-Kameras in einer bestimmten Nachbarschaft miteinander vernetzt werden, um Daten untereinander auszutauschen und ein zusammengesetztes Bild von „verdächtigen“ Personen zu erstellen.
Eines der Patente für das, was in den Medien als „Nachbarschaftsalarmmodus“ beschrieben wird, würde es Nutzern in einem Haushalt ermöglichen, Fotos und Videos von jemandem, den sie für „verdächtig“ halten, an die Ring-Kameras ihrer Nachbarn zu senden, so dass auch diese mit der Aufnahme beginnen und eine „Reihe von ‚Storyboard‘-Bildern für Aktivitäten zusammenstellen können, die in den Sichtfeldern mehrerer Kameras stattfinden“.
Abgesehen von der möglichen zukünftigen Interkonnektivität zwischen den Ring-Geräten selbst, tauschen Amazons Türklingelkameras laut Business Insider bereits jetzt Informationen mit 1963 Polizei- und 383 Feuerwehrbehörden in den USA aus. Die Behörden benötigen nicht einmal einen Beschluss, um auf die Ring-Aufnahmen zuzugreifen.
Die Nachricht hat einige Datenschutzexperten beunruhigt. Hannah Hart von ProPrivacy erklärte gegenüber dem Guardian, dass die neuen Technologien es jedem, der eine Ring-Türklingel besitzt, ermöglichen würden, „seinen Bereich in der Nachbarschaft in einen überwachten Raum zu verwandeln, da die Videoaufzeichnungsfunktion und die Audioprozessoren in der Lage sind, Geräusche aus einer Entfernung von ca. 12 Metern aufzunehmen“.
Dies ist nicht das erste Mal, dass der Tech-Riese auch in den eigenen Reihen wegen seiner Überwachungstechnologien in die Kritik gerät. Letztes Jahr hat der Software-Ingenieur Max Eliaser in einem Brief an die Geschäftsführung von Amazon das Überwachungsnetzwerk des Unternehmens als „nicht vereinbar mit einer freien Gesellschaft“ bezeichnet.
Nach Medienberichten über eine mögliche biometrische Technologie in Ring-Türklingeln versuchte Amazon, die Bedenken zu zerstreuen, und versicherte Business Insider, dass „Ring keine Gesichtserkennungstechnologie oder biometrische Daten in seinen Geräten oder Dienstleistungen verwendet. Angemeldete oder erteilte Patente spiegeln nicht unbedingt Produkte und Dienstleistungen wider, die sich in der Entwicklung befinden.“
Aber auch so haben die besagten Türklingelkameras bereits einige ihrer Besitzer vor rechtliche Probleme gestellt. So entschied ein Gericht im Vereinigten Königreich Anfang dieses Jahres, dass die von einem Klempner aus Oxfordshire installierte Türklingelkamera in ungerechtfertigter Weise in die Privatsphäre seiner Nachbarin eingedrungen sei, indem sie Video- und Audioaufnahmen von ihr gemacht habe. Der Richter bezeichnete den „Umfang der Reichweite, in dem diese Geräte Tonaufnahmen machen können“, als „nicht angemessen für den Zweck, für den die Geräte vom Beklagten verwendet werden“. Dem Angeklagten droht nun eine saftige Geldstrafe, während Amazon allen Ring-Türklingelnutzern rät, „die Privatsphäre ihrer Nachbarn zu respektieren und alle geltenden Gesetze einzuhalten, wenn sie ihr Ring-Produkt verwenden.“