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Brutvögel
Die Brutvogelfauna unserer Sümpfe beschränkt sich fortan auf etwa fünfzehn Arten: von Röhricht umgebenes, freies Wasser ermöglicht den Aufenthalt von fischenden, gründelnden, laufenden und wühlenden Vögeln. Die sandigen Ufer und wechselnden Strände, die für die vom Schlamm lebenden Vögel nötig sind, fehlen wie auch die Riede mit Kleinseggen und Pfeifengras für Brachvögel und Bekassinen.
Inhaltsverzeichnis
Die Fischer
Der Zwergtaucher, ein kleiner Federball, der kleinste unter den Tauchern, frisst kleine Fische und brütet in Leuk, Pfyn, Pouta-Fontana, Montorge und Martigny. Gelegentliche Aufenthalte im Herbst in den grössten Becken an der Autobahn erinnern daran, dass er in von Schilf umgebenen Kiesgruben genistet hat, sodass man hoffen kann, eines Tages werde er am Rande dieser neuen Sümpfe sein schwimmendes Nest bauen, sofern man dort einen Gürtel von Wasserpflanzen wachsen lässt. Er versteht es, gewandt zu tauchen und im Schilf zu verschwinden; trotzdem lässt er sich orten dank einem volltönenden viht viht viht und erkennen an seiner kastanienbraunen Kehle. Da er spät brütet, muss er oft sein durch Hochwasser zerstörtes Gelege ersetzen, und die ersten Jungen schlüpfen erst Ende Juli, gelegentlich im August, sodass man sie noch im September sieht. Weil er wenig Raum braucht, kann er auf Kanälen, die nicht zufrieren, überwintern, sofern nicht die Verschmutzung ihm die Fische vorenthält und zu guter Unterhalt ihm die Schutzvegetation raubt.
Den Zwergreiher übersieht man gerne, weil er ein zurückgezogenes Leben im dicksten Röhricht führt und sich nur zum Fressen an den Rand der Wasserfläche begibt. Er fischt kleine Fische, verschluckt Wasserinsekten und Kaulquappen. Sein Nest verankert er an den Stengeln des Schilfes, 20 cm bis 1 m über dem Wasser. Seine Bedürfnisse hinsichtlich Ernährung und Achitektur bestimmen das Aussehen seines Biotopes: ein Weiher, reich an kleiner Fauna, von Schilf umgürtet. Seine Populationen sind rückgängig, im Wallis wie in ganz Europa. Man möchte gerne annehmen, es sei der Lärm aus der Umgebung, der seinen nächtlichen Ruf überdeckt, und dass man ihn deshalb kaum je zu Gesicht bekomme. Doch nein, er ist tatsächlich einer der seltensten Vögel im Kanton: er nistet in Leuk, Pouta-Fontana und vielleicht noch in Pfyn und Montorge.
Der Graureiher, zu Beginn des Jahrhunderts vom Aussterben bedroht, weil man seine Horste zerstörte, seit 1925 geschützt, zeigt sich regelmässig auf den Ufern einiger Kanäle und auf Abschnitten der Rhone, wo Sandbänke mit Buhnen alternieren. Im Herbst und Frühling findet man seine Spuren sogar an den Ufern von Bergseen wie in Derborence und Zeuzier. Begierig nach Fischen, jedoch unfähig Eis aufzubrechen, genoss er die letzten milden Winter. Für ihn sind die Umgestaltung der Flüsse und Pflege der Kanäle von Vorteil: ruhige Läufe ohne Deckung und Untiefen sowie von Büschen befreite Ufer erlauben freies Landen und Wegfliegen und sind zugleich wirkliche Futtertröge für Reiher - oder Fallen für die Fische, je nachdem, wie man es betrachtet. Bis jetzt ist erst nachgewiesen, dass er 1983 in Pouta-Fontana gebrütet hat, wo auch die noch nicht ganz erwachsenen Jungen sich stets aufhalten. Da hatte der Reiher sein Nest auf dem Boden aufgestellt, in einen Schilfstreifen mitten im Teich; die meisten Reihernester im Rhonetal, vor allem im waadtländische Chablais, befinden sich auf Bäumen, wie es sich gehört.
Der Eisvogel sucht die ruhigen, kristallklaren Gewässer in der Ebene auf, die es ihm ermöglichen, von einem überhöhten Standort aus die Fische zu orten, die er unter Wasser schnappt. Ist dieNahrung gesichert, braucht er noch eine Unterkunft. Der blaue Vogel legt seine Eier in ein Erdloch, das er in eine senkrechte Sandwand gräbt. Diese Art Biotop, die am Prallhang eines natürlichen Flusslaufes häufig ist, findet man im Wallis nur noch bei Pfyn. Glücklicherweise zögert der Eisvogel nicht, mehrere hundert Meter zurückzulegen zwischen dem Fischrevier und seinem Nest, das er, wie es vorkommen kann, in den Löss über einem Rebberg oder in die Flanke einer Waldschlucht gräbt. Darauf ist seine Anwesenheit in Niedergestein, in Pouta-Fontana oder Martigny sowie vor allem in Pfyn zurückzuführen.
Unter den fischenden Vögeln findet sich auch der prächtige Gänsesäger, der etwa seit dem Ende des 19. Jahrhunderts an den Ufern des Genfersees nachgewiesen ist. Diese Vogelart scheint jetzt bei St. Gingolph auch auf Walliser Boden zu brüten und könnte der Rhone nach vordringen, wurde doch ein Paar im Mai 1994 vor den Felsen von Porte-du-Sex gesehen.
Die Gründler
Der eher gelassen wirkenden Stockente gelingt es, aus einem kleinen, mit Schilfbewachsenen Kanal oder dem Rhoneufer Nutzen zu ziehen, um ihr Gelege zu verstecken. Längs von Kanälen mit verwildeter Umgebung, bewachsen von hohen Gräsern und Schilf, kann man eine Entenmutter überraschen, die ihre Küken anführt. Von uns überrascht, wird sie so tun, als sei sie verletzt, und wird, sich im Kreise drehend, einen verzweifelten, erbärmlichen Tanz aufführen, ob dem wir die Küken völlig vergessen. Sobald diese in Deckung sind, findet die Ente wunderbarerweise ihre Gesundheit wieder und watschelt davon, uns verwirrt zurücklassend.
Die Stockente gründelt gern im Schlamm untiefer Weiher, den Bürzel nach der Art der Schwäne zum Himmel gestreckt. Sie kann aber auch am Ufer oder aufwiesen und in Baumgärten bis zu den Hängen hinauf Gras fressen gehen. Das typische Pfeifen der Flügel zeigt ihre Verschiebungen zwischen den Nacht- und Tagesorten an. Dank dieser grossen Mobilität können bis zu 300 Stockenten auf den kleinen eisfreien Wasserflächen von Pouta-Fontana überwintern.
Genügsamkeit, Mobilität und die Fähigkeit, auch höher als auf 1000 m ü. M. zu leben, machen aus der Stockente unseren häufigsten und am weitesten verbreiteten Wasservogel. Wenn es auch schwer ist, den Bestand genau abzuschätzen, kann man doch annehmen, dass etwa 50 bis 100 Paare sich im Wallis vermehren. Die meisten brüten in den Sümpfen der Ebene (Pouta-Fontana: 14 Paare im Jahr 1989), einige längs den Kanälen und der Rhone bis hinauf ins Goms. In den Bergen ziehen die Paare ihre Jungen an den Ufern der Seen von Champex (2-4), Derborence (2) und Morgins auf.
1968 hat sich ein Paar Höckerschwäne in Pouta-Fontana niedergelassen und dort 1978 erfolgreich vermehrt. Glücklicherweise haben die Hochwässer im Frühjahr einen weiteren Nestbau dieses schmucken, unserer Fauna aber fremden Vogels verhindert.In Morgins erscheint jeden Frühling eine ganze Familie auf dem See. Doch sobald die Jungen fliegen können, verlässt sie diese Stätte, die ihr nicht behagt. Leider setzt jedes Jahr eine gute Seele diesen Grasfresser, der die Ufervegetation zerstört und das Milieu aus dem Gleichgewicht bringt, wieder aus.
Die übrigen Enten weilen nur gelegentlich im Wallis: die Spiessente nistete 1985 in Pouta-Fontana (einziger Fall in der Schweiz), die Löffelente 1993. Das einzige je im Wallis gesehene Nest von Knäckenten wurde 1966 vom Hochwasser zerstört; die Krickente weilt im Sommer regelmässig hier, seit 1986, dem einzigen Jahr, da eine ganze Familie beobachtet wurde. Pfeifente, Tafelente und Reiherente sieht man hie und da auf der Durchreise, auf den schönsten Kanälen und Weihern der Ebene, nämlich in Leuk, Pfyn, Pouta-Fontana, Ardon, Saxon; sie vermehren sich jedoch nicht bei uns.
Die Läufer
Das unauffällige und scheue Teichhuhn begnügt sich mit einigen Quadratmetern Schilf am Ufer eines Weihers bei Granges oder an der Böschung eines Kanals bei Turtig, Saillon oder Vouvry, um seine Brut fast inkognito aufzuziehen. Trotz seiner Bescheidenheit war es doch so häufig, dass Michel Desfayes 1965 auf 800 m am Kanal von Charrat 8 Nester zählte. Aber mit den Mähmaschinen wurden so viele Nester zerstört, dass im ganzen Kanton nicht einmal mehr 50 Paare verbleiben. Um das Teichhuhn zu beobachten, muss man, sogar in Pouta-Fontana, wo 10 Paare das Reservat bewohnen, sich zur Zeit der Dämmerung am Ufer sorgfältig verstecken und abwarten. In St. Pierre-de-Clages oder in Fully-Saillon haben sich die auf den Kanälen lebenden Paare an das Hin und Her der Landwirte gewöhnt und lassen sich und ihr typisches Kopfnicken leicht beobachten.
Die übrigen Mitglieder der Familie haben ihr heimliches Tun zu einem noch höheren Grad der Vollkommenheit entwickelt. Weil sie mitten im innersten Röhricht wohnt, könnte die Wasserralle unbemerkt bleiben, wenn sie nicht regelmässig ihren scharfen Ruf ertönen liesse, der dem Quieken eines Schweinchens gleicht, dem man die Kehle durchschneider. Ihre Anwesenheit in Leuk, Pfyn, Montorge, Pouta-Fontana (5 Paare) und in den Kiesgruben von Le Verney ist verbürgt. Wegen der Schwierigkeit, sie zu beobachten, kann man den Bestand im Wallis nicht genau bestimmen; man schätzt ihn auf 10 bis 20 Paare. Im Winter, wenn das Röhricht gefroren ist, ist die Wasserralle gezwungen sich zu zeigen. Folgt man den wenigen schilfbestandenen Kanalufern, kann man die Feinheit ihres Gefieders und die schwache Krümmung ihres roten Schnabels bewundern.
Noch schwieriger ist es, ihre Verwandten, das Tüpfelsumpfhuhn und das Kleine Sumpfhuhn, zu entdecken. Ein oder zwei Männchen des Kleinen Sumpfhuhnes sind jedes Jahr, im Mai-Juni, im weiten Röhricht von Pouta-Fontana anzutreffen. Zu beweisen, dass Nester gebaut werden, ist Sache des Spezialisten oder des Glückes, aber weil es sehr schwierig ist, sich im Röhricht sorgfältig und zurückhaltend zu bewegen und es dem Gelege das Leben kosten könnte, ziehen wir die Unwissenheit vor. Im April und Mai wird zur Zeit der Dämmerung die Aktivität verstärkt: Wasserralle, Tüpfelsumpfhuhn und Kleines Sumpfhuhn setzen ihr ausgelassenes Fest die ganze Nacht hindurch fort undbeleben den Sumpf mit ihren seltsamen Rufen.
Das Blässhuhn ist in verschiedener Hinsicht ein Ausnahmefall in der Familie. Wegen der völlig fehlenden Zurückhaltung und den mit Schwimmhäuten versehenen Füssen ist es das bekannteste, wenn nicht gar das schönste Mitglied der Rallen: weisser Schnabel und weisse Stirn schmücken sein tiefschwarzes Federkleid. Weniger wasserscheu als die andern Rallen, sucht es offene Gewässer auf, in denen es mühelos schwimmt, bei jedem Schlag seiner Fusse mit dem Kopfe nickend wie das Teichhuhn. Es taucht gut und gelangt deshalb an Pflanzen, die für Stockenten ausser Reichweite liegen.
Im Wallis lebt das Blässhuhn auf Weihern von Leuk (2 Paare), Pfyn (2 Paare), Pouta-Fontana (15 Paare) und - kantonaler Höhenrekord - auf dem See von Morgins (1-2 Paare). Neue Paare haben sich auf den neuerdings geschaffenen Weihern eingefunden: Autobahnbecken von Vetroz, alter Rhonelauf bei Saxon. Seine Futterbedürfnisse erlauben ihm nicht, die nährstoffarmen Seen von Derborence und Champex zu kolonisieren, wo die Stockente wohnt.
Einige Aufmerksamkeit verdient das nicht gerade elegante Blässhuhn wegen seines streitbaren Benehmens. Auf Pouta-Fontana löst sich die im Winter gesellige Schar zur Brutzeit, im März-April, auf. Jedes Paar eignet sich dann einen Teil der Wasserfläche und ein Uferstück an, wo es sein Nest bauen kann. Die Streitigkeiten zwischen Nachbarn sind äusserst komisch: eine Drohstellung einnehmend, stellen sich die Paare mit vorgestrecktem Hals, gesträubten Federn und geöffneten Flügeln einander gegenüber. Gelegentlich geht die Demonstration in eine wilde Verfolgungsjagd über, im Stechschritt, auf dem Wasser. Dieses unsoziale Verhalten kann Schwierigkeiten bereiten. In trockenen Jahren, wenn die verkleinerte Wasserfläche die Schar zusammendrängt, können die nicht aufhörenden Streitereien manche Brut vernichten.
Die Sperlingsvögel
Zur Vogelfauna der Sümpfe gehören auch die scheuen Sperlingsvögel des Röhrichts: der Rohrsänger, der sein Nest an Pflanzenstengel hängt; die Rohrammer, die das ihrige auf den Boden legt; die Beutelmeise, die ihr Nest an Baumästen befestigt.
Unsere drei Rohrsänger verteilen sich auf unterschiedliche Räume. Sie illustrieren das Prinzip ökologischer Ausschliesslichkeit. Sie sind auf die Gräser der Sumpfvegetation spezialisiert und haben eine Vorliebe für senkrechte Stengel, längs denen sie sich mit Leichtigkeit bewegen und die auch als Stützen dienen für ihre geflochtenen Nester. Der grösste, der Drosselrohrsänger, lebt im überschwemmten Röhricht, gegen das offene Wasser hin. Das erklärt, warum er im Wallis so selten ist. Nur fünf Plätze wurden in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts bewohnt: Leuk (2-3 Paare), Pfyn (1 Paar), Géronde (bevor die Ufer in ein Strandbad umgewandelt wurden), Pouta-Fontana (3 Paare) und Montorge (1 Paar). Er kommt ab Ende April an, bevor das Schilf spriest, und meidet gemähte Zonen, es sei denn, Büsche böten ihm Singplätze an. Ob man aber seinen rauhen, knarrenden Ruf als Gesang bezeichnen kann, bleibe dahingestellt. Er ist so laut, dass man auf dem Rhonedamm die Männchen hören kann, die 250 m weit entfernt jenseits des Kanals von Pouta-Fontana sitzen.
Scheuer ist der Teichrohrsänger, der jederzeit bereit ist, im Dickicht zu verschwinden. Er verrät sich durch seinen Gesang, der weniger rauh ist als beim Drosselrohrsänger, aber auch weniger melodiös als beim Sumpfrohrsänger. Der Teichrohrsänger ist kleiner als der Drosselrohrsänger und weniger anspruchsvoll. Er legt seine Eier in eine Art Hängematte, in ein geflochtenes Nest, das zwischen Schilfrohren hängt. Pouta-Fontana beherbergt die Hälfte des Walliser Bestandes (32 Paare im Jahr 1991), aber er vermehrt sich auch in Leuk (10-20 Paare), Pfyn (2-3 Paare), Montorge (10 Paare), Ardon (1 Paar) und in Saxon (3-5 Paare). Schliesslich hat er auch schon die neuen Schilfgebiete der Ufer von einigen Autobahnweihern kolonisiert.
Der Sumpfrohrsänger unterscheidet sich von seinem Vetter Teichrohrsänger durch seine sehr melodiöse Stimme, mit der er ganze Potpourris singen kann. Man erkennt darin Melodien, die er beispielsweise dem Braunkehlchen, dem Spatz, dem Distelfink und der Rauchschwalbe entfliehen hat. Der Sumpfrohrsänger hält sich im Röhricht auf, das am Rande des Sumpfes von Büschen durchsetzt ist, oder auf sumpfigen Wiesen, in denen Spierstauden, Wasserdost, der Gewöhnliche Gilbweiderich und andere grosse Gräser wachsen. Deshalb ist er in Ardon in ebenso grosser Zahl wie in Pouta-Fontana vorhanden. Dieser Sänger, der seine Rückkehr verschiebt, bis die Gräser in seinem Biotop hoch genug sind, meidet gemähte Kanalböschungen. Kleine Kolonien leben auch in Gebirgsrieden, vor allem im Val Ferret. In Vercorin, Verbier und Mayens-de-Riddes wurden die von ihnen bewohnten Orte inzwischen durch Bauparzellierungen und Bodensanierungen zerstört. Weil der Sumpfrohrsänger aus der Rhoneebene verschwand, verschwand auch der Kuckuck von dort. Dieser legte seine Eier vorwiegend in Nester von Rohrsängern; doch nun verfügt er nur noch über Sümpfe mit den Nestern von Teichrohrsängern. Gemäss Fatio war der Sumpfrohrsänger einst in den Hanffeldern verbreitet, beispielsweise zwischen Vex und Hérémence im Jahre 1864.
Die Rohrammer sucht die Seggenriede am Rande der von Weiden durchsetzten Sümpfe auf. Im Wallis leben bestimmt weniger als 50 Paare. Trotz seines schönen Hochzeitskleides lässt sich das Männchen eher durch seinen Gesang ausfindig machen, der von einem Busch oder einem verdorrten Schilfstengel herab gepfiffen wird. Leuk, Ardon und Saxon dürfen sich rühmen sie zu beherbergen. Weil sie sich schon sehr früh einrichten, nämlich bereits im März, können die 5 Paare von Pouta-Fontana häufig eine Brut vor dem Frühlingshochwasser im südöstlichen Röhricht aufziehen. Da sie ihr Nest am Boden einrichten, sind sie oft gezwungen, für ein zweites Gelege einen andern Sektor des Reservates aufzusuchen. Im Winter, mit unscheinbaren Federn bekleidet, mischen sie sich zuweilen unter die Spatzen, Finken, Hänflinge und andere Körnerpicker des Kulturlands.
Die Beutelmeise, die von den Meisen nur den Namen hat, hält sich auf ihrem Migrationszug regelmässig in vertrocknetem Schilf auf, um ihre Nahrung zu suchen. Ein Versuch, in Pouta-Fontana zu nisten, wurde 1960 durch die Entdeckung eines angefangenen Nestes nachgewiesen. Möglicherweise hat sie 1989 und 1990 auch in Leuk und 1990 in Le Verney bei Martigny genistet.
Die Pendler
Um die Sümpfe kreist eine kleine Welt von Pendlern und Saisonniers, angelockt durch den Ueberfluss leicht zugänglicher Kost.
Die Raubvögel der Hänge
Die Raubvögel der Hänge suchen Beute, die etwas bringt, die entweder von grosser Gestalt ist wie Stockenten oder Blässhühner oder in Scharen vorkommt wie Stare oder Schwalben, die sich im Herbst zum Schlafen im Röhricht versammeln. So gesehen ist Pouta-Fontana gut 15 Sümpfe von Saxon wert!
In den Horsten von Uhus, nahe der Ebene, fand Raphaël Arlettaz Reste von Enten, Wasserrallen und Blässhühnern. Was sich aus der Nahrung der Nachträuber ableiten lässt, kann bei den Tagräubern direkt beobachtet werden. Täglich erhält PoutaFontana Besuch von Mäusebussarden, Habichten, Sperbern, Wanderfalken, Steinmardern, Füchsen und Dachsen.
Die Zugvögel
Aus dem Laich von Grasfröschen und Erdkröten, im März gelegt, wurden Myriaden von Kaulquappen geboren. Die kleinen Insekten, Mücken und Fliegen, die den Radfahrern auf dem Rhonedamm so lästig fallen, schlüpfen gerade rechtzeitig, um den Fledermäusen als Nahrung zu dienen. Sie locken auch die Schwalben an, die pausenlos über die ruhige Wasserfläche streifen, wenn schlechtes Wetter die Insekten tief drückt. Dann schliesst sich auch die Uferschwalbe, die bis im Juni bleibt, den andern drei Schwalbenarten an, die in der Gegend brüten.
Ein paar seltene Vögel zeigen sich während kurzem Aufenthalt: eine Trauerseeschwalbe über einem Kiesgrubenweiher, ein Nachtreiher oder ein Seidenreiher auf der Rhone bei Pfyn, eine Löffelente auf dem Kanal von Leytron oder ein Purpurreiher im Schilf von Pouta-Fontana. Will man die kleinen Sänger wie Blaukehlchen, Schilfrohrsänger, Feldschwirl (wovon ein Paar noch 1975 bei Ardon nistete) oder Beutelmeise, die sich alle verstecken, entdecken, muss man schon die Ohren spitzen und genau hinhören, um sie inmitten all der Rufe im Sumpfgebiet im einzelnen bestimmen zu können.
Dutzende von Rohrweihen folgen jeden Frühling dem Südhang und ändern vorübergehend ihre Flugrichtung, um das Wallis zu überqueren; sie verachten zum grossen Teil unsere kleinen Sümpfe. Auf einen Fischadler, der vom glänzenden Spiegel von Pouta-Fontana angelockt eine Schleie fischen will, kommen unzählige andere, welche auf dem Zug nach Norden die Alpen in 3000 m Höhe direkt überfliegen; kleine weisse Punkte, von der Ebene aus nicht sichtbar, die man gelegentlich entdeckt, wenn man mit einem scharfen Feldstecher den Himmel im Mai absucht.
Siehe auch