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Die Geschichte könnte von Friedrich Dürrenmatt stammen: Ein österreichischer Multimillionär (Peter Pühringer) schenkt einem Dorf (Vitznau) fünf Millionen Franken. Die Gemeinde senkt in der Folge die Steuern – und erleichtert dem Investor zusätzlich sein Geschäft, indem sie sein Vermögen pauschal besteuert, obwohl er im Dorf inzwischen mehrere Firmen betreibt.
Prunkstück des «Dorfkönigs» ist das Park Hotel Vitznau, in dem eine Übernachtung bis zu 4900 Franken kostet. Hier selbst residiert auch der 72-jährige Goldjunge, der sich seit kurzem Inhaber eines Schweizer «Hotels des Jahres» nennen darf: Zu einem solchen hat der Gastroführer «Gault-Millau» das Park Hotel nur ein Jahr nach seiner Eröffnung gewählt. Die Begründung: einmalige Lage, hochwertige Architektur, herausragende Küchenchefs.
Ein anderes Licht auf das Park Hotel wirft das Bundesgericht, das die Verstrickungen des Gemeinderats mit dem Pühringer-Imperium als unstatthaft beurteilt (siehe WOZ Nr. 34/14). Nicht gerade preiswürdig verhält sich das Hotel des Jahres auch in arbeitsrechtlicher Hinsicht. Das zeigt der Fall des 54-jährigen Portugiesen, der bis zum Umbau des Hotels im Jahr 2009 zehn Jahre lang als Etagenportier arbeitete. Im März 2013, einen Tag nachdem er den Vertrag für eine neue Stelle als Portier im umgebauten Hotel unterschrieben hatte, wurde ihm von der Geschäftsleitung mitgeteilt, dass er nun doch nicht im Park Hotel arbeiten könne: Beim Ausräumen des Hotels im Jahr 2009 sei ein Portemonnaie verschwunden.
Bewiesen werden konnte der Diebstahl nie. Mit der Gewerkschaft Unia hat der Portier beim Luzerner Arbeitsgericht geklagt. Ein Jahr später ist der Fall immer noch hängig.
Vielleicht sollte «Gault-Millau» in Zukunft auch den Umgang mit den Angestellten in die Bewertung von Gastrobetrieben mit einbeziehen.
Die teuerste Suite im Park Hotel Vitznau ist übrigens dem österreichischen Politökonomen Joseph Schumpeter gewidmet. Der prophezeite den Untergang des Kapitalismus als Folge seines eigenen Erfolgs.