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Am 12. Oktober 1357 verkauft Adelheid von Güttingen den "Hof ze Katzenrüti" an Heinrich von Dettighofen. Der heute noch vorhandene Sodbrunnen von 6m Tiefe ist also schon Mitte des 14. Jahrhunderts für den Chatzerütihof erwähnt. Im Jahre 1626 wurde anstelle der älteren Hofstatt der heute noch erhaltene Chatzerütihof erbaut. Die 392 Jahre alte Scheune und das heute für Ferien genutzte Haus sind noch weitgehend original erhalten geblieben.
Die Bauzeit fiel in die Zeit des 30-jährigen Krieges, welcher von 1618 - 1648 in Mitteleuropa tobte. 15 Jahre vorher, im Jahre 1611 raffte die Pest 33'000 Menschen im Thurgau dahin, was etwa 50% der Bevölkerung entsprochen hat. Die Zeit nach der Pest war von einem grossen Aufschwung geprägt. Bereits zu dieser Zeit ist die Viehwirtschaft für Chatzerüti von grosser Bedeutung. Aber auch der Fruchtertrag ist wichtig und vorhanden. Während dem 30-jährigen Krieg konnte dann Korn und Vieh mit grossem Gewinn nach Deutschland verkauft werden. Bereits seit den Schwabenkriegen (Schweizerkriege, Engadinerkriege - 1499) sind die Begriffe Kuhschweizer und Sauschwaben geläufig und deuten auf die Viehhaltung in diesen Gegenden hin. Beim Chatzerütihof handelt es sich um ein ungeteiltes, bäuerliches Mehrzweckhaus aus 4 Raumbreiten von West nach Ost und 2 Raumtiefen von Nord nach Süd. Der Hausteil West von 1626, welcher 1760 abgebrochen wurde, bestand aus einem sehr niedrigen Stall und darüber zwei Wohnkammern. Auf der Nordseite wurde schon 1626 über der Tenne, der Remise und der Wohnhausmitte ein etwa 2.50m ausladendes Vordach mitgebaut. Dieser gedeckte Vorplatz war für die vielen bäuerlichen Arbeiten von grosser Bedeutung. Der heute noch erhaltene Hausteil von 1626 Mitte (Ferienwohnung) ist in nahezu originaler Baustruktur erhalten geblieben. Die Bauten wurden in Bohlenständer-Bautechnik erstellt. Dabei wurden auf kleinem Fundament aus Flusskieselmauerwerk Eichenschwellen von etwa 30x30cm (1Fuss = 10 Zoll) Ständer aus Eichenholz von bis zu 9x9 Zoll in grossem Abstand gestellt. In den Schnittpunkten der Achsen 2, 3 und 4 und A, B und C sind alle Ständer noch heute erhalten und sichtbar. Die dicken Bohlen von 12-14.5cm Dicke sind an den Westwänden der Diele, der Kammer und der Stube, sowie im WC der Remise noch erhalten und sichtbar. Bohlen von etwa 5cm Dicke wurden als Raumtrennungen eingesetzt und sind in an der Ostwand von Kammer und Diele gut erhalten. Die Ständer weisen senkrecht laufende Nuten auf von etwa 5x5cm, in welche die Bohlen eingesetzt worden sind. An der Südfassade wurde beim Neubau von 1760 die Bohlenwand durch das noch heute sichtbare Fachwerk ersetzt.
Der Herdbereich wurde 1626 zweigeschossig gebaut mit einer Rauchkammer im OG im Bereich der Diele. Teilweise ist die Rauchkammer bis ins Dachgeschoss offen gewesen. In den Deckenbalken der Diele sind noch die Nuten sichtbar vom schräg verlaufenden Rauchkasten. In der Küche ist der schräg verlaufende Balken gleich ausgerichtet. Die enorme Grösse des Rauchkastens lässt auf eine "gewerbliche" Nutzung schliessen und ist auf Ertrag ausgerichtet. So war es in den Herbstmonaten möglich, bis zu 9 Stück Grossvieh zu räuchern und zu trocknen, was für den eigenen Bedarf nicht notwendig gewesen wäre. Gefeuert und gekocht wurde um 1626 offen auf einem Steintisch. Der heute vorhandene Sandsteinofen muss 1760 im Neubau eingebaut worden sein und wurde 1830 in die alte Küche von 1626 verlegt. Über dem Nordfenster ist ein Bannzapfen vernagelt. Da wurden Säcklein mit allerlei Inhalt aufgehängt, welche das Böse vom Haus und seinen Bewohnern abhalten sollte. Ein Keller ist um 1626 noch nicht vorhanden. Mageres Fleisch und Fische wurden vor allem durch Trocknen und fettes Fleisch und Würste durch Räuchern haltbar gemacht. Salz war sehr teuer, weshalb Pökeln bei den Bauern nur selten in Frage kam. Die Hauptnahrungsquelle waren verschiedene Getreide, welche auf dem Tenn gelagert werden konnten. Kohl wurde eingesäuert. Bohnen, Erbsen, Linsen und verschiedene Früchte wurden an der Sonne und in der Nähe des Ofens getrocknet.
Die Stube ist mit einer schlichten, gotischen Bohlen-Balkendecke versehen. Der Unterzug und die dekorative Vierkantstütze wurden später eingebaut. Der Wandkasten in der Stilform wie die Stütze muss aber schon 1626 mitgebaut worden sein. Die Renaissance Wandtäfer wurden bei Erneuerungen um 1700 eingebaut. Die verputzte "Kunst", welche 2013 neu gebaut und vom alten Sandsteinofen der Küche beheizt wird, nimmt Bezug auf die Situation nach 1830. Im bäuerlichen Umfeld von 1830 wäre eine Kunst mit Kacheln (Kachelofen) zu teuer gewesen. Ein Kachelofen scheint erst um 1890 eingebaut worden zu sein, war aber 2012 nicht mehr vorhanden.
Ab 1626 war der Dielenraum Kammer und Rauchkasten zugleich. Wenn man von der Küche in die Südkammer gelangen wollte, musste man geduckt durch den Räucherkasten hindurch. In der Westwand der Diele, am Ende der steilen Treppe, ist die alte Türe noch vorhanden, durch die man in die beiden Kammern des Westbaues von 1626 gelangen konnte. Die Südwand ist zum Schutz vor Feuer und Rauch ausgemauert. Neben dem neuen Kamin von 1949 sind die verschwärzten Oberflächen noch erhalten. Auf der Nordseite ist das älteste Fenster des Hauses noch original erhalten und wird seit 2013 von einem Schiebefenster aussen geschützt. Neben diesem Fenster ist die Türe zur Laube, welche bei der Dachaufschiebung von 1860 entstanden ist.
Der grosszügige Raum weist ostseitig Bohlen auf, welche in die Ständer eingefügt worden sind. Wie auch die Diele, ist die Kammer mit sehr massiven Balken von 27x27cm Überspannt. Südostseitig sind einige Balken durch Wassereintritt ab den 1990 Jahren beschädigt worden. Die defekten Stellen wurden mit Altholzbalken ersetzt. Der Zusammenschluss erfolgte im 2012 mit dem gotischen Schnitt. Zusätzlich wurden die Verbindungen mit Holznägeln gesichert. Auf der Westseite sind die Bohlenwände mit Lehm verputzt und dann mit Sumpfkalk gestrichen worden. Die Kammertüre aus Eichenholz, wurde im 2012 von einem anderen Bau übernommen und neu gesetzt.
Von der Bauzeit 1626 bis 2012 war dieser Raum als Estrich und Kornlager benutzt worden. Während dem Umbau 2012 wurden auf Süd und Nord Schleppgauben eingesetzt. In der Dachkammer ist das bauoriginale Dachgebälk noch erhalten. Es handelt sich um einen sogenannten "stehenden Dachstuhl". Die Balken sind noch stark verschwärzt und zeugen vom ehemaligen Räuchern von Fleischwaren. Die Westwand auf Achse 3 besteht im Dachgeschoss aus ungefüllter Riegelkonstruktion, welche im 2012 von der Tennseite her mit Gipsplatten bekleidet worden ist. Auf der Westseite sind die beiden Pfetten ersichtlich, welche 1760 abgeschnitten worden sind. Ursprünglich reichten diese bis in die Mitte des Baus von 1760 hinein.