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| Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)

Achtes Buch
51.
Hierauf erkennt Celsus diejenigen an, welche "hoffen", daß sie "die Seele oder den Geist" oder das bei ihnen so genannte "pneumatische" Wesen oder einen vernünftigen, "nur geistig wahrnehmbaren heiligen und seligen Geist oder ein lebende Seele" "ewig haben werden", und zwar "in Gemeinschaft mit Gott." Er läßt aber als "richtige Ansicht" auch "die Lehre" zu, daß diejenigen, welche ein sittlich gutes Leben geführt haben, zur Seligkeit gelangen, die Ungerechten aber durchaus mit ewigen Leiden behaftet sein werden". Von allem aber, was Celsus sagt, nimmt mich das besonders wunder, was er den erwähnten Worten noch folgen läßt: "Von dieser Lehre mögen weder diese noch ein anderer Mensch jemals abstehen." Da er gegen Christen schreibt, für deren Glauben Gott und die durch Christus vermittelten Verheißungen für die Gerechten und seine Lehren von der Bestrafung der Ungerechten unbedingte Voraussetzung bilden, so hätte er sehen müssen, daß ein Christ, der nach Billigung der von Celsus gegen die Christen vorgebrachten Grunde seinen Glauben aufgegeben hat, wahrscheinlich mit dessen Verwerfung auch "die Lehre" verwerfen würde, [von der ], wie Celsus sagt, "weder die Christen noch irgendein anderer Mensch abstehen dürften".
Viel menschenfreundlicher als Celsus hat, glaub ich, Chrysippos in seiner Schrift "Von der Heilung der Leidenschaften" gehandelt. Denn da er hier die Menschen von den Leidenschaften, die ihre Seele bedrängen und beunruhigen, heilen s´will, so zieht er zwar an erster Stelle die Gründe heran, welche ihm selbst als richtig erscheinen, verwendet aber an zweiter und dritter Stelle auch solche Lehren, die er nicht billigt. "Denn wenn es",sagt er, "drei Arten von Gütern gibt, so muß man auch so die Leidenschaften heilen, indem man sich in der Zeit, wo die Leidenschaften entzündet sind, nicht ängstlich um die philosophische Lehre bemüht, welcher die von der Leidenschaft gequälte Person anhängt, damit nicht durch die unzeitige Bemühung um die Widerlegung der Lehren, von denen die Seele eingenommen ist, die an sich mögliche Heilung dabei mißglückt."."Auch wenn fdie Lust", sagt er weiter, "als das1 Gut gilt und der von der Leidenschaft beherrschte Mensch dieser Ansicht ist, so muß man ihm nichtsdestoweniger zu Hilfe kommen und dabei zeigen, daß auch von denen, welche die Lust als das2 Gut und Endziel setzen, jede Leidenschaft gemißbilligt wird.
Wenn also Celsus sagt, er habe einmal die Lehre, daß "diejenigen zur Seligkeit gelangen werden, welche ein sittlich gutes Leben geführt haben, die Ungerechten aber durchaus mit ewigen Leiden behaftet sein werden", als richtig angenommen, so hätte er folgerichtig handeln und zuerst den Beweis, den er für den stärksten hielt, vorbringen und dann, wenn es möglich war, noch andere Beweise beibringen und ausführlich darlegen müssen, daß in Wahrheit "die Ungerechten durchaus mit ewigen Leiden behaftet sein und die Tugendhaften zur Seligkeit gelangen werden".
1: höchste
2: höchste