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Die NB wurde vor 125 Jahren gegründet. Wie sah die Schweiz damals aus? Was bewegte die Leute? Welche Tendenzen und Moden gab es in dieser Zeit? 2020 werfen wir einen Blick zurück. In diesem Monat auf die Schweizer Schokolade, ihre Industrie und ihren Platz in der Gesellschaft.
Die Schokolade ist ein bekanntes Symbol der Schweiz. Diese war aber nicht prädestiniert dazu, ein Land der Schokolade zu werden. Die Schokolade war in Frankreich und Italien bereits im 17. Jahrhundert bekannt und etabliert, während die Schokoladeherstellung in der Schweiz erst im 18. Jahrhundert begann, vor allem in den französisch- und italienischsprachigen Kantonen. Einer der Pioniere war François-Louis Cailler, der 1819 seine mechanische Schokoladenfabrik in Corsier-sur-Vevey eröffnete. 1826 folgte die Fabrik von Philippe Suchard in Serrières bei Neuenburg. Dieses blühende Unternehmen lieferte 1883 die Hälfte der nationalen Schokoladeproduktion. In Genf nahm Jacques Foulguier ebenfalls 1826 seine Tätigkeit auf. Das Unternehmen existiert heute noch unter dem Namen Faverger. 1845 öffnet die Fabrik von Rudolf Sprüngli, die erste in der Deutschschweiz. Es folgen weitere: 1852 Aquilino Maestrani in Luzern und später in St. Gallen und im gleichen Jahr die Familie Munz, die sich zunächst der Konfiserie und später der Schokoladeherstellung widmete. In der ganzen Schweiz entstanden zahlreiche Unternehmen, die bis heute zum guten Ruf der Schweizer Schokolade beitragen, wie 1887 Chocolat Frey in Aarau, 1901 Villars in Freiburg, 1928 Stella im Tessin und 1929 Camille Bloch, heute in Courtelary.
Aber was macht die Besonderheit und den Erfolg der Schweizer Schokolade aus? Die Schweizer Chocolatiers wurden dank ihrem Erfindergeist und Qualitätsbewusstsein zu Pionieren in ihrem Bereich. Zu erwähnen ist insbesondere die Herstellung der ersten Milchschokolade durch Daniel Peter im Jahr 1875. Die Surfin-Schokolade, die im Mund schmilzt, wurde 1879 von Rudolf Lindt erfunden. Charles-Amédée Kohler erfand seinerseits die Nussschokolade. Die berühmte Toblerone (Milchschokolade mit Nougat, Honig und Mandeln in Dreiecksform) wurde von Theodor Tobler 1908 in der Schokoladenfabrik Tobler & Cie in Bern entwickelt. Jules Séchaud erfand 1913 die gefüllte Schokolade.
Die Schokoladeherstellung als Sektor in voller Expansion erfuhr zahlreiche Weiterentwicklungen, die die Industrie revolutionierten und die Produktion erhöhten. Dank diesen Innovationen wurde die Schokolade zu einem äusserst bedeutenden Exportprodukt. Die Liefermengen von Schokolade für die ausländischen Märkte nahmen rasant zu: 1890 waren es noch 642 Tonnen, 1900 bereits 2 943 Tonnen und 1915 wurde der Spitzenwert von 27 262 Tonnen erreicht.
Als die Schweizerische Nationalbibliothek 1895 gegründet wurde, befand sich die Schokoladenindustrie in einer Phase des Aufschwungs und Wohlstands. Der Tourismus hat stark zu ihrer Berühmtheit beigetragen. Zu dieser Zeit reisten Angehörige der Oberschicht aus der ganzen Welt für ihre Ferien in die Schweiz. Sie entdeckten die Schweizer Schokolade und machten sie in ihren Ländern bekannt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Schokolade ein qualitativ hochstehendes Luxusprodukt. Das Erbe der Pioniere wurde weitergegeben und die Schweizer Schokolade hat sich ihre Exzellenz bis heute bewahrt.
Letzte Änderung 21.04.2020