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Der öffentliche Diskurs über den Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum EWR 1992 wurde nicht allein durch ökonomisch fundierte Argumente geprägt, sondern in weit grösserem Ausmass durch kulturell-ideologische und identitär-nationalmythologische Deutungen überformt. Nebst der Konfrontation mit Expertenwissen sahen sich die abstimmenden BürgerInnen deshalb in ihren eigenen Einstellungen zur Schweiz und zu Europa gefordert. Während konventionelle Politanalysen das unterschiedliche Abstimmungsverhalten durch divergente sozialstrukturelle Profile erklärten (Schichtzugehörigkeit, Bildungsgrad, Grösse des Wohnorts, Sprachzugehörigkeit), versucht die Studie, mittels qualitativer Methoden tiefsitzendere Interpretations- und Deutungsmuster aufzudecken, welche – so die Hypothese – für die Einstellungen gegenüber dem EWR und gegenüber Europa mindestens ebenso aussagekräftig sind wie allgemeine soziodemographische Kategorien. Im Sinne der Bildung eines Kontrastpaares wurden zwei Personen, die ein ähnliches Sozialprofil – beide sind Kioskangestellte -, jedoch divergierende Einstellungen zum EWR aufwiesen, vor der Abstimmung ausführlich interviewt. Durch eine objektiv-hermeneutische Rekonstruktion der beiden Einzelfälle werden die jeweils dominanten Deutungsmuster herausgearbeitet. Die Fallrekonstruktionen werden anhand theoretischer Literatur der Populismus- und Kommunitarismusforschung kontextualisiert und komparativ analysiert.