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Eine Suggestiv-Frage – hin und wieder auch Stimulus-Frage genannt – zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus: Erstens ist es streng genommen gar keine eigentliche Frage, den sie zielt nicht darauf ab, eine “echte” Antwort zu bekommen und zweitens dient sie dazu, dem Gegenüber so zu beeinflussen, dass er eine Antwort gibt, deren Inhalt der Fragesteller bereits erwartet bzw. wüscht. Dabei kommt es gar nicht so sehr auf die Formulierung als solche an, als vielmehr eben auf den Zweck der Frage. So können Suggestiv-Fragen durchaus auch die Form anderer Fragen annehmen, in seltenen Extremfällen sogar der von eigentlich klassischen Alternativfragen.
Suggestiv-Fragen erwarten oder provozieren eine bestimmte, gewünschte Antwort
Herkunft des Begriffes
Der Begriff Suggestion bezeichnet die manipulative Beeinflussung einer Person, und zwar in der Art, dass die Person diese Manipulation gar nicht wahrnimmt. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen: Suggestio, was soviel wie „Hinzufügung, Eingebung oder Einflüsterung“ bedeutet, und wurde Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts erstmals benutzt.
Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Autosuggestion und Heterosuggestion – um letztere geht es bei der Werbung, beim Verkaufen oder im Marketing im Allgemeinen.
Zweifelhafte Frageform
In den meisten Bereichen – ausser der Rhetorik, und dazu gehört ein Verkaufsgespräch – wird die Suggestiv-Frage als wenig sinnvoll, wenn nicht gar als grober Fehler angesehen: so in der Psychologie und im ganzen Rechtssystem, aber auch in der Marktforschung. Der Grund ist einleuchtend: Da eine Suggestiv-Frage dem Befragten eine Antwort quasi vorgibt, bzw. dazu führt, dass er die Aussage liefert, die der Fragesteller möchte, ist mit dieser Frage-Art keine objektive Antwort zu erwarten. Sinnigerweise heisst die Suggestiv-Frage im Englichen „leading question“ und zeigt damit viel genauer an, was eigentlich Sinn und Zweck dieser Frageform ist.
Suggestiv-Fragen sind also eine Methode, Gespräche in eine gewünschte Richtung zu lenken um damit eigene Ziele zu verfolgen. Das bedeutet aber auch, dass es vom Kontext und der Situation abhängt, ob eine Suggestiv-Frage wirklich eine solche ist.
Beispiele:
„Und daraufhin hat der Mann um Hilfe geschrien?“ -> suggeriert ein „ja“, der Fragesteller geht selber davon aus, dass da jemand geschrien hat, genau die Antwort hätte er nun auch gerne vom Befragten.
„Und als Sie sich bedroht fühlten, haben Sie zugeschlagen?“ -> auch da geht der Fragesteller davon aus, dass der Befragte zugeschlagen hat – er hat nur noch keine plausible Erklärung für das Warum. Er geht davon aus, dass der Tat eine Bedrohung zu Grunde liegt und möchte diese Vermutung bestätigt haben.
„Bist Du auch so hungrig wie ich?“ -> einfache Suggestiv-Frage, leicht zu durchschauen aber durchaus mit suggestiver Wirkung
„War das als Mutprobe gedacht, hier runter zu springen?“
„Wenn wir in zwei Wochen liefern können, müsste das für Sie doch perfekt passen, nicht wahr?“
Abgrenzung zur rhetorischen Frage
Die Abgrenzung zwischen rhetorischer Frage und Suggestiv-Frage ist a) schwierig und b) nicht immer klar (oder vielmer: meistens nicht klar), insbesondere ist die Form der beiden Fragen oftmals sehr ähnlich bis identisch. Am Einfachsten kann man sich damit behelfen, dass man hinterfragt, ob die Frage eine Antwort hervorrufen soll, oder ob nicht. Beispiel:
„Und wer hat’s erfunden?“ -> Suggestiv-Frage. Erwünschte Antwort: „Die Schweizer“
https://www.youtube.com/watch?v=tkZ1zklbTY0
„Und wer sagt, dass es einfach werden wird?“ -> Rhetorische Frage, es wir keine Antwort erwartet.
Übrigens: Suggestiv-Fragen die mit „Sie sind doch sicher auch der Meinung, dass …“ beginnen, sind zwar formal Suggestiv-Fragen. Sie sind aber dermassen schlecht und plump, dass man in der Praxis einen großen Bogen darum machen sollte. Für eine einfaches Beispiel im Rahmen einer Prüfung mögen sie grade noch so durchgehen.