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Rom wird zwar die Ewige Stadt genannt, es gibt jedoch eine viel ältere Stadt in Italien: Matera. Die Kulturhauptstadt Europas 2019 ist eine der ältesten Städte der Welt, die stets bewohnt waren. Bereits in der Jungsteinzeit, als die Jäger und Sammler zu Hirten und Bauern wurden, liessen sich Menschen an der Schlucht der Gravina di Matera nieder. Spuren sind auf der Ostseite der Schlucht überall zu finden, so zum Beispiel das Dorf bei Murgia Timone. In der Schlucht sind überall Höhlen, die benutzt wurden, einige mit Trennwänden zwischen dem Stall und dem Wohnbereich. Über das ganze Gemeindegebiet sind Höhlenkirchen verteilt, Höhlen mit einem Vorbau, der andeutet, dass dahinter etwas ist.
Höhlen mit Vorbauten, das sind die Sassi auch, die beiden Quartiere, die Matera weltberühmt machten und zur Kulturhauptstadt werden liessen. Wurde die Höhle vergrössert, so wurde davor ein Bau errichtet, je nachdem mit einem flachen oder mit einem gewölbten Dach, abhängig davon, ob das Dach als Strasse oder zur Wassersammlung diente. Das Wasser fliesst von den gewölbten Dächern in riesige, unterirdische Zisternen, die von aussen nicht sichtbar sind. Palazzi sucht man hier vergebens, ausser Kirchen gibt es keine Gebäude der Reichen. Die Sassi sind eine Stadt für Arme, errichtet von armen Leuten. In den 1950er Jahren wurden über 15'000 Einwohner aus den Sassi zwangsumgesiedelt, weil es an Strom und fliessendem Wasser fehlte und Mensch und Vieh in der gleichen Höhle wohnten.
Matera auf die Sassi zu reduzieren, wäre falsch. Direkt an der Schlucht, oberhalb der Sassi ist die Altstadt mit dem Dom aus dem 13. Jahrhundert und zahlreiche Palazzi aus verschiedenen Epochen. Auf der höchsten Erhebung ist eine Burg, die nie fertiggestellt wurde. Der damalige Herrscher war dermassen grausam, dass die Bürger ihn eines Tages beim Verlassen der Kirche umbrachten.
Die modernen Quartiere gehen von der Altstadt weg auf die Ebene hinaus. Darunter sind auch die Quartiere, die eigens für die Zwangsumsiedelten als Dörfer konzipiert waren. Der gutgemeinte Versuch, ihnen eine Dignität zu geben, beraubte sie ihrer Identität und entpuppte sich als Utopie. Was anderswo Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte gebraucht hatte, konnte nicht erzwungen werden.
Die Vielfalt von Matera besucht man nicht in einem Tag, das Abtauchen in die verschiedenen Epochen der Menschheit braucht Zeit.