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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1981 von Peter Ziegler
Der Tanz, die rhythmische Körperbewegung nach Musik, wurde in der Stadt Zürich und auf der Zürcher Landschaft seit dem Spätmittelalter nicht nur als Vergnügen eingeschätzt, sondern auch als ernste Gefahr, Versuchung und Sünde. In vielen Vorschriften, den Sittenmandaten, ist daher wiederholt vom Tanzen die Rede. Um 1370 bereits wurde verordnet, dass bei Hochzeiten «nieman kein tantz, weder heimlich noch offenlich, mer haben sol.» «Das unzüchtig gelöiff und umwärffen an den tänntzen sol verbotten und mit den spillüten und den jungen gesellen geredt werden, züchtenlich zuo tantzen», beschloss der Zürcher Rat im Jahre 1492. 1520 befahl die Obrigkeit «umb guoter manszucht willen», dass niemand beim Tanz «so kurtze kleider solli tragen», und 1550 verbot sie das Tanzen mit entblösstem Körper. Für tanzende «knäbli und töchterli» hafteten die Eltern.
Seit die Herrschaft Wädenswil im Jahre 1549 durch Kauf von den Johannitern an die Stadt Zürich übergegangen war und als Landvogtei einen Teil des Zürcher Stadtstaates bildete, galten solche Vorschriften auch für die Wädenswiler Bevölkerung. Offene Hochzeiten und Kirchweihfeste bildeten geschätzte Ausnahmen: dann war das Tanzen erlaubt. 1556 hielt der Sohn des ersten Wädenswiler Landvogtes, Jakob von Cham, Hochzeit auf Schloss Wädenswil. Auf dem vier Tage dauernden Fest wurde auch ausgiebig getanzt. Manche Einwohner der Herrschaft Wädenswil nutzten die Gelegenheit zum Tanz und besuchten nicht nur die Wädenswiler Chilbi sondern auch auswärtige Kirchweihfeste. Als die Vorschriften gegen das Tanzen im 17. Jahrhundert wieder strenger gehandhabt wurden, hatte man dafür oft Bussen zu gewärtigen. So wurden 1623 einige Wädenswiler wegen unbefugtem Tanzen an der Hüttner Chilbi gebüsst und 1624 solche, die an der Kirchweih in Wollerau teilgenommen hatten. 1724 verhängte der Landvogt sogar über 52 Angehörige seines Herrschaftsgebietes eine Busse, weil sie an der Chilbi in Horgen getanzt hatten.
Noch 1761 liest man von Bussen für Kaspar Kleiner, Leutnant Schneider und Felix Streuli, die sich alle in ihren Häusern bei Geigenspiel und Pfeifenklang vergnügt hatten. Sie hatte man erwischt − manche hatten mehr Glück und kamen ungeschoren davon. Sicher wurde da und dort im Versteckten − in einer Scheune, auf einem Platz im Wald − getanzt. Die Mandate von 1779, 1785 und 1790 bestimmten, das Tanzen sei an allen öffentlichen Orten unstatthaft: in Wirtshäusern wie auch an besonders dazu eingerichteten Stätten. Damit waren unter anderem die nach einer oder mehreren Seiten offenen, überdachten Tanzlauben ländlicher Gesellenhäuser gemeint. Eine solche Tanzlaube, auf der ebenfalls Gemeindeversammlungen, Gerichtstage und Jahrmärkte abgehalten wurden, lässt sich seit 1638 quellenmässig auch für das 1821 abgebrochene Gesellenhaus von Wädenswil nachweisen.
Im 19. Jahrhundert galten die Sittenmandate nicht mehr. Der Tanz war nun ein beliebtes Vergnügen bei allerhand Festlichkeiten aller Schichten der Bevölkerung. Man tanzte am Neujahr und an der Fasnacht, an der Kirchweih und am Sauser Sonntag, um nur die beliebtesten Anlässe zu nennen. Schon viele Tage zum Voraus war der Inseratenteil der Lokalzeitung mit Hinweisen auf Tanzanlässe gespickt. «Maskenball im Gasthof zum Engel in Wädenswil. Vorzügliche Tanzmusik und gute Bedienung sollen die Besuchenden erfreuen», kündigte beispielsweise Wirt Hauser zum «Engel» im Februar 1843 dem Publikum an.
Auch an der Chilbi wetteiferten die Gaststätten untereinander mit Tanzveranstaltungen. Ein Wirt suchte den andern mit noch originelleren Produktionen zu übertrumpfen. Die «Krone» kündigte 1847 vorzügliche Blechmusik an, Hürlimann im «Badhaus» Harmoniemusik. Gattiker im «Schiffli» empfahl den Kirchweihbesuchern im Jahre 1868 eine «Concert- und Gesangs-Soiree», und im Pavillon des «Du Lac» gastierte 1895 eine Gesellschaft von Jodlern.
Eine grosse Bedeutung erlangte der Tanz mit dem Aufkommen der Vereine seit den 1830er Jahren. Namentlich an den «Kränzli» wurde ausgiebig, oft bis zum Morgengrauen getanzt.
Die Tradition des Tanzens wird auch im heutigen Wädenswil fortgesetzt. Zu den seit Jahrhunderten genutzten Tanzgelegenheiten an Familienanlässen und an Festen und Bräuchen des Jahreslaufes sind zwei neue Möglichkeiten gekommen: in der Disco und im Tanzschul-Center.
Im 1821 abgerissene Gesellenhaus Wädenswil gab es eine Tanzlaube.
Inserat aus den «Nachrichten vom Zürichsee».
1968 wurde im Zivilschutzkeller der Oberstufenschulanlage Fuhr ein bescheidenes Jugendzentrum eröffnet, wo die Jugendlichen unter anderem Gelegenheit erhielten, sich zu lauten Klängen der Schallplatten an Tänzen neuester Mode zu erfreuen. 1975 wurde die Disco mit dem Jugendzentrum in die neu geschaffene Gemeinschafts- und Freizeitanlage auf Untermosen verlegt, wo sie heute noch ausserordentlich gut frequentiert wird. 1979 kaufte der aus Südafrika zurückgekehrte W. F. Kummer, der seit 1976 in gemieteten Räumen in Wädenswil Tanzkurse durchgeführt hatte, die Liegenschaft Seestrasse 93 und baute sie zum Tanzschul-Center Wädenswil um, das am 25. Oktober 1980 eröffnet werden konnte.
Im Tanzraum mit 160 Quadratmeter Fläche und Spiegellängswand zur Selbstkontrolle von Schritten und Figuren werden nicht nur Tanzkurse abgehalten, sondern auch Jazz-Dance, Gymnastik, Rhythmik, Theater- und Akrobatikkurse für Kinder und Jugendliche. Im Grundkurs werden Foxtrott, English Waltz, Wiener Walzer, Jive (Rock'n'Roll) Cha-cha-cha, Tango und Polka erlernt. Wer auch den anschliessenden Fortsetzungskurs besucht hat und noch weiter gehen will, kann sich für einen Hobbykurs anmelden und es bis zum Turniertänzer bringen. Der Rock'n'Roll-Club 93 bietet die Möglichkeit, sich unter der Aufsicht der Tanzlehrer zum Rock-Turniertänzer ausbilden zu lassen. Die besten Paare nehmen an Rock-Turnieren teil. Gesellschaftlicher Natur sind die Tanzpartys am Samstagabend für alle interessierten Tanzfreudigen, Tanzpartys für Ehe- und Tanzpaare ab 35 sowie Seniorentanz- und Treffplausch jeweils am Montagnachmittag.
Schon wiederholt ist das Tanzschul-Center Wädenswil für seine Leistungen ausgezeichnet worden. Am Drei-Kategorien-Rock'n 'Roll-Turnier in Neuhausen gewann das Wädenswiler Tanzpaar Ursi Schäppi und Peter Mattei mit Trainer P. Bürgisser, Tanzlehrer im Tanzschul-Center Wädenswil, im Dezember 1980 die höchste Amateurklasse und wurde mit Gold geehrt. Und am 2. Mai 1981 organisierte das Tanzschul-Center im Engelsaal die dritte Internationale Zürcher Rock'n 'Roll-Kantonsmeisterschaft.
Das Tanzschul-Center Wädenswil ist für seine Leistungen schon wiederholt ausgezeichnet worden.