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Kurz nachdem Roman Abramowitsch vor etwa einem Jahrzehnt das Château de la Croë auf der exklusiven Halbinsel Cap d’Antibes in Südfrankreich gekauft hat, klopfte der Fiskus an.
Der russische Milliardär, so die französischen Behörden, habe das Feriendomizil unterbewertet und in den Jahren 2006 und 2007 nicht genügend Vermögenssteuer gezahlt. Die Steuerbehörde schätzte das Anwesen auf etwa 41'000 Euro pro Quadratmeter, und legte dabei Verkäufe in der Nachbarschaft in ähnlicher Grössenordnung in diesem Zeitraum zugrunde.
Seitdem hat Abramowitsch verschiedene Wege ausprobiert, um die von den Behörden festgelegte Steuerforderung von 1,2 Millionen Euro zu umgehen. Sein letzter Versuch, der auch eine Beschwerde enthielt, dass ihm die neuen Steuerunterlagen nicht persönlich ausgehändigt wurden, wurde am 26. September vom obersten französischen Gericht zurückgewiesen.
Das Schloss wurde Ende der 1920er Jahren für einen Zeitungsmagnaten auf einem schmalen Stück Land, das nun als Milliardärsbucht bekannt ist, erbaut. Es war die Residenz mehrerer gekrönter Häupter. König Edward VIII zog ein, nachdem er 1937 abgedankt hatte, um die amerikanische Prominente Wallis Simpson zu heiraten. König Leopold III von Belgien, die letzte Königin von Italien, und Farouk I von Ägypten lebten ebenfalls dort.
Das Herrenhaus gehörte dann in den 1950er Jahren dem griechischen Milliardär und Reeder Aristoteles Onassis und später seinem lebenslangen Rivalen Stavros Niarchos. Ein Brand zerstörte in den 1970er Jahren einen Teil des Gebäudes und dieses blieb jahrzehntelang verlassen, bis Abramowitsch das Château erwarb. Abramowitsch-Sprecher John Mann lehnte eine Stellungnahme zu diesem Thema ab.
Luxus-Vergleiche
In seinen Klagen argumentierte der russische Oligarch, dass die französische Steuerverwaltung den Preis der Immobilie im Vergleich zu anderen Luxusanwesen an viel teureren Standorten stark überbewertet habe.
Die Richter des Berufungsgerichts Cour de Cassation zeigten sich davon unbeeindruckt. Sie stellten fest, dass die Steuerbehörde das Château de la Croë mit anderen, in dieser Zeit in den Regionen Saint-Jean-Cap-Ferrat, Cap d’Ail und Antibes verkauften Immobilien zu Recht verglichen habe. Zu diesen vergleichbaren Objekten gehörte auch die Villa Fiorentina, die im Laufe der Jahre von den Kennedys, Elizabeth Taylor und Greta Garbo bewohnt wurde. Ende 2004 wurde sie für mehr als 73 Millionen Euro verkauft - inklusive Mehrwertsteuer.
Das Ferien-Domizil von Abramowitsch liegt abgeschieden an der Spitze des Cap d’Antibes mit einem Panoramablick auf das Meer. Das Anwesen umfasst mehr als 75'000 Quadratmeter mit einer Wohnfläche von über 2400 Quadratmetern im Château und einen Gästepavillon.
Zahlreiche Renovierungen
Ein Jahr zuvor hatte das Berufungsgericht in Paris bereits ähnliche Argumente von Abramowitsch zurückgewiesen und auf einen Gutachterbericht aus dem Jahr 2005 verwiesen, der den aussergewöhnlichen Charakter seines Schlosses unterstrich.
"Dieses Anwesen ist sicherlich das schönste an der Côte d’Azur zwischen Saint-Raphaël und Italien", heisst es in dem Expertenbericht. "Kein anderes bietet dieses Ausmass an Luxus und Eleganz."
Abramowitsch beschwerte sich auch darüber, dass die französische Verwaltung die Gelder, die er für die Renovierung der Immobilie ausgegeben hatte, nicht berücksichtigt habe - insgesamt 150 Millionen Euro über die Jahre, einschliesslich 30 Millionen Euro im Jahr 2005. Die Behörden hielten dem entgegen, dass der von ihnen errechnete Quadratmeter-Preis einen Abschlag von 30 Prozent für 2006 und einen Abschlag von 20 Prozent für 2007 beinhalte.
Russisches Bargeld
Ausser London gibt es vielleicht keinen besseren Ort als Cap d’Antibes, um die russische Kapitalflucht zu veranschaulichen. Die Halbinsel, die östlich von Cannes in das Mittelmeer ragt, hat ab den 1990er Jahren Russen angezogen wie beispielsweise Boris Beresowski, der mittlerweile verstorben ist. Im folgenden Jahrzehnt wurden mehrere andere Grundstücke erstanden, mit der Ankunft von Abramowitsch, Andrej Melnitschenko und einem Schweizer Geschäftsmann, der, wie in Frankreich vermutet wird, ein Strohmann für den russischen Senator Süleyman Kerimow war.
Dies führte zu einem sprunghaften Anstieg der Immobilienpreise. Laut Schätzungen der französischen Steuerverwaltung in der Abramowitsch-Klage stieg der Quadratmeter-Preis für Luxusimmobilien in dieser exklusiven Riviera-Gegend von rund 20'000 Euro im Zeitraum 2000-2001 auf bis zu 53'000 Euro in den Jahren 2005-2006 an.
(Bloomberg)