Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03644.jsonl.gz/2251

Das Bundesgericht erklärte, dass das Schiedsgericht die Zuständigkeit des FIFA Players’ Status Committee — und davon ausgehend indirekt seine eigene Zuständigkeit — gestützt auf Ziffer 6 des Vermittlungsvertrags bejaht hatte. Wie das Bundesgericht bemerkte, liessen sich dem angefochtenen Entscheid jedoch keine Feststellungen einer tatsächlichen Einigung der Parteien hinsichtlich der Streiterledigung entnehmen. Entsprechend war Ziffer 6 des Vermittlungsvertrags nach dem Vertrauensprinzip auszulegen.
Das Bundesgericht bemerkte, dass während die fragliche Klausel kein Schiedsgericht — geschweige denn das TAS — erwähnt, sich die Parteien nach ihrem Wortlaut ausdrücklich der Gerichtsbarkeit der Handelsgerichte der Hauptstadt Argentiniens unterwarfen, dies unter Bezugnahme auf den Anspruch auf den verfassungsmässigen Richter. Wie der Hinweis auf die beiden erwähnten Verbandsinstanzen (“sin perjudicio que podrán ocurrir por ante las instancias federativas nacionales e internaciones que correspondan [Órgano de Resolución de Litigos AFA y Comisión del Estatuto del Jugador FIFA en el orden international]”) genau zu verstehen sei, erschliesse sich weder aus dem Wortlaut noch aus den Umständen des Vertragsschlusses. Während der angefochtene Entscheid davon ausgeht, es bestehe ein Vorrang der fraglichen Verbandsinstanzen, sobald der Rechtsstreit in deren Zuständigkeit falle, sprach der Beschwerdegegner von einer alternativen Zuständigkeit der Verbandsorgane.
Gemäss Bundesgericht liess sich aus der Bezugnahme auf die beiden erwähnten Verbandsinstanzen der AFA und der FIFA jedoch kein klarer mutmasslicher Wille der Parteien entnehmen, Streitsachen aus dem Vermittlungsvertrag von der staatlichen Gerichtsbarkeit auszunehmen und einer Entscheidung durch ein Schiedsgericht zu unterstellen. Abgesehen davon, dass es sich bei den zwei aufgeführten Instanzen nicht um Schiedsgerichte handeln würde, sondern um blosse verbandsinterne Organe, bestünden keine Hinweise darauf, dass die Vereinbarung des Gerichtsstands als reine Ersatzzuständigkeit für den Fall zu verstehen wäre, dass die Verbandsorgane sich als unzuständig erklären sollten. Bei einem Rechtsstreit zwischen Spieler und Spielervermittler würden die im angefochtenen Entscheid erwähnten Verbandsregeln lediglich zwischen nationalen und internationalen Streitigkeiten unterscheiden, die entweder in die Zuständigkeit des Nationalverbands oder des FIFA Players’ Status Committee fallen; in sachlicher Hinsicht seien keine besonderen Einschränkungen der Zuständigkeit ersichtlich. Ausgehend von der schiedsgerichtlichen Auffassung eines Vorrangs der Zuständigkeit dieser Verbandsorgane verbliebe daher für die vereinbarte Zuständigkeit der staatlichen Gerichte von Buenos Aires praktisch kein Raum. Ein solches Verständnis entspricht gemäss Bundesgericht unter Berücksichtigung der gewählten Formulierung der Klausel, die im Grundsatz die Zuständigkeit der staatlichen Gerichte vorsieht, nicht dem mutmasslichen Willen der Parteien. Der von den Parteien ausdrücklich betonte Anspruch auf den verfassungsmässigen Richter spreche auch gegen die — nicht näher begründete — Auffassung des Beschwerdegegners, den Parteien stehe das Recht zu, nach Wahl entweder die in der Vertragsklausel erwähnten verbandsinternen Instanzen (und anschliessend ein Schiedsgericht) oder die staatlichen Gerichte in Buenos Aires anzurufen.
Das Bundesgericht fuhrt fort, dass abgesehen davon, dass die Zuständigkeit eines Schiedsgerichts in der Klausel nicht erwähnt werde, sich nach dem Vertrauensprinzip keine eindeutige Rangfolge zwischen der Zuständigkeit der Verbandsorgane einerseits und derjenigen der staatlichen Handelsgerichte andererseits ergeben würde. Der vertraglichen Regelung fehle es damit an der Bestimmtheit hinsichtlich der Streiterledigung durch ein Schiedsgericht; ihr lasse sich nach Treu und Glauben keine übereinstimmende Willenserklärung entnehmen, Steitsachen aus dem Vermittlungsvertrag von der staatlichen Gerichtsbarkeit auszunehmen. Das vom Beschwerdegegner angerufene Schiedsgericht habe sich daher gemäss Bundesgericht für die Beurteilung der Streitsache zu Unrecht für zuständig erklärt.
Die Beschwerde wurde demnach gutgeheissen, der angefochtene Schiedsentscheid aufgehoben und antragsgemäss festgestellt, dass das TAS für die zu beurteilende Streitsache nicht zuständig ist.