Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03132.jsonl.gz/1321

Die zuständige Nationalratskommission will das uralte Verbot von Rundstreckrennen im Motorsport aufheben. Das wäre auch gut für die Umwelt.
Es sind interessante Nachrichten, welche die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF) des Nationalrats verbreitet. Sie beantragt, das Verbot von öffentlichen Rundstreckenrennen für Motorfahrzeuge in der Schweiz aufzuheben. Mit 14 zu 10 Stimmen bei einer Enthaltung stimmte sie einem entsprechenden Antrag von Christian Wasserfallen (FDP) und Walter Wobmann (SVP) zu.
Bereits in der laufenden Frühjahrsession könnte das Geschäft im Nationalrat behandelt werden. Damit kommt Bewegung in eine alte Geschichte, die im europäischen Umfeld ein Unikum darstellt. Das Verbot wurde als Folge eines schweren Unfalls in Le Mans (Frankreich) im Jahr 1955 erlassen. Das ist jetzt schon mehr als Zweidrittel Jahrhundert her.
Sicherheit ist heute gewährleistet
Seither habe sich «sehr viel verändert», erklärt Mitinitiant Walter Wobmann, der Präsident des schweizerischen Motorradverbandes FMS: «Heute werden die meisten Rennen auf speziellen, permanenten Rennstrecken ausgetragen, welche für die Zuschauer sicher sind. Also nicht mehr wie früher auf öffentlichen Strassen.» Die Formulierung im Verbotsartikel 52 beziehe sich demgegenüber auf öffentliche Strassen und nicht ausdrücklich auf spezielle Rennstrecken.
Weiter sei zu beachten, «dass auch die Fahrzeuge, die Ausrüstung und die Ausbildung der Sportler heute ein enorm hohes Sicherheitsniveau» erreicht hätten, so Wobmann weiter. «Auf einer modernen Rennstrecke fühlt man sich heute sicherer als im normalen Strassenverkehr». Hinzu kommt, dass auch die Sicherheit der Zuschauer gewährleistet ist. Szenen wie in Le Mans 1955, bei denen das Publikum einer akuten Gefahr ausgesetzt war, sind heute ausgeschlossen.
Kantone sollen Bewilligungen
erteilen
Unhaltbar ist für Verkehrspolitiker Wobmann weiter, dass das Rundstreckenverbot der «Diskriminierung einer ganzen Sportart» gleichkommt. Obwohl die Schweiz sehr erfolgreiche Motorsportler habe, seien die Profirennfahrer wegen dem Rundstreckenverbot in der Schweiz mit einem faktischen Berufsverbot belegt, was im Grunde genommen der Verfassung widerspreche. Die Schweizer Meisterschaften müssten deshalb mit entsprechendem Aufwand im Ausland ausgetragen werden.
Der jüngste Vorstoss zur Aufhebung des Rundstreckenrennverbots hat Chancen, die parlamentarischen Hürden zu nehmen. Denn er ist absichtlich so abgefasst, dass die Schleusen nicht einfach ganz geöffnet werden, sondern dass die Kantone das letzte Wort haben. «Die Kantone sind die Bewilligungsbehörden», sagt Christian Wasserfallen. Wegen des bestehenden Verbots musste der Bund aber Ausnahmebewilligungen erteilen, etwa für die Formel-E-Rennen. «Dieser Umweg über Bundesbern ist unnötig», kritisiert Wasserfallen.
Umweltverträglicher Rennsport
Für den Berner FDP-Nationalrat ist klar, dass dem Umweltgedanken auch im Rennsport Rechnung getragen wird: «Wichtig wird auch sein, dass die Anlässe, egal mit welchen Rennserien, der Umweltverträglichkeit genügen sollen.» Gerade der Motorsport sei durch die Verwendung von synthetischen Treibstoffen und modernster Technologien sehr innovativ. Und: «In der Schweiz ist es auch Tradition, dass man, wenn immer möglich, mit dem öffentlichen Verkehr an die Grossanlässe anreist.»
Aus Umweltsicht wichtig ist ausserdem: Demnächst müssen die Maschinen im internationalen Motorradsport mit synthetischen, umweltschonenden Kraftstoffen angetrieben werden. Zudem macht es umwelttechnisch wenig Sinn, dass die Schweizer Meisterschaften im Ausland ausgetragen werden müssen. Das verbraucht nur unnötig Ressourcen.
Dr. Philipp Gut