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Vom einen Dilemma zum anderen: Winternutzung von Freibädern in der Schweiz
Der Gedanken liegt je eigentlich nahe: Freibäder weisen einen sehr tiefen Auslastungsgrad auf, da sie in der Regel mehr als ein halbes Jahr nicht genutzt werden. Demgegenüber steht die grosse Nachfrage nach gedeckten, beheizten Wasserflächen in den Städten und Gemeinden. Also warum nicht eine Doppelnutzung anvisieren, die beides anbietet: eine Nutzung im Winter ohne, dass die beliebte Badi im Sommer verschwinden muss.
Dank einer Überdachung mit Traglufthallen kann dies ermöglicht werden. Bereits existierende Anlagen gibt es unter anderem in Schaffhausen (KSS), Chur (Obere Au), Romanshorn (Winterwasser Oberthurgau), Zuchwil (Sportzentrum), Basel (Garten- & Hallenbad Eglisee), Konstanz (Bodensee Therme) und auch im Tessin in Tenero (Leistungssportzentrum) und auch in Lugano werden zwei Freibäder im Winter überdacht. Zudem existiert ein Projekt zur Überdachung des Freibads Suhr-Buchs-Gränichen und auch in Winterthur wurde über eine Überdachung des Freibads Geiselweid diskutiert. Das Projekt wurde von der Stimmbevölkerung Ende des Jahres 2019 jedoch abgelehnt genauso wie zu einem früheren Zeitpunkt auch das Projekt beim Strandbad in Thun abgelehnt wurde.
Günstiges Hallenbad oder eine Energieschleuder?
Für eine Winternutzung von Freibädern sprechen die vielerorts knappen überdeckten Wasserflächen für die allgemeine Bevölkerung, die Schulen, Schwimmschulen und die Wassersportvereine. Weiter kommt hinzu, dass die Nutzungsdauer von Freibädern auf vier bis fünf Monate im Jahr beschränkt ist. Den Rest des Jahres stehen die Freibäder in der Regel leer. Aus technischer Sicht gilt es anzuführen, dass ein entleertes Schwimmbecken schneller altert und mehr Schäden als ein gefülltes und benutztes Becken verursacht. An vielen Orten ist zudem die gesamte benötigte Infrastruktur bereits vorhanden, zum Beispiel: Schwimmbecken, Badewasser-Aufbereitung, Garderoben und Duschanlagen, Kassensysteme, Restaurant / Gastronomie und ausgebildetes Personal, welche für die Winternutzung verwendet werden können. Aus dem Blickwinkel der Investition erscheint eine Traglufthalle sehr günstig. Eine Winternutzung eines bestehenden Freibades kostet in der Erstellung einen Bruchteil (rund 1 Million CHF bspw. in Chur) davon, was ein gleich grosses Hallenbad kosten würde. Weiter kommt hinzu, dass die Bauzeit für das Erstellen von Traglufthallen kurz ist und in den Sommermonaten sieht man bereits nichts mehr davon.
Aber wie steht es um die Betriebskosten?
Traglufthallen sind mit einem Energieverbrauchskennwert von 410 kWh/m2/a sehr ressourcenintensiv. Zum Vergleich ein Neubau im Minergie Standard darf einen maximalen Energieverbrauchskennwert von 55 kWh/m2/a aufweisen. Gründe für den hohen Energiebedarf sind die fehlende Dämmung des Bodens und der Beckenumgänge, der vergleichsweise nicht optimalen Dämmung der Traglufthalle (Hülle) selbst und dem damit einhergehenden permanenten Verlust von Energie in Form von warmer Luft. Da die Traglufthallen einen hohen Energieaufwand bedürfen, sollten sie idealerweise durch Abwärme von benachbarten Anlagen, beispielsweise von Kunsteisbahnen oder Industrieprozessen versorgt werden. Vermutlich waren es auch u.a. diese Gründe, die zu einer Ablehnung in der Bevölkerung in Winterthur und in Thun führten.
Was bleibt also?
Durch die Winternutzung von Freibädern kann die Knappheit an überdachter Wasserfläche gedeckt werden und die Freibäder, welche ansonsten lediglich über die Sommermonate in Betrieb sind, lassen sich auf diese Weise ganzjährig betreiben. Sinnvoll ist eine Traglufthalle aus ökologischer Perspektive jedoch nur dann, wenn ausreichend Abwärme vorhanden ist oder mit alternativen Energiequellen geheizt werden kann. Weiter macht eine Traglufthalle nur dann Sinn, wenn benötigte Infrastrukturen wie beheizte Garderoben und Duschanlagen, Kassensysteme, Restaurant / Gastronomie und ausgebildetes Personal gut positioniert zum oder zu den Freibadbecken vorhanden ist.
23. Januar 2020