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In der neu erschienenen Biografie von James D. Bratt über Abraham Kuyper – Historiker und Autor einer Geschichte des „Dutch Calvinism in Modern America“ sowie Editor und Übersetzer einer Zusammenstellung von wichtigen Texten Abraham Kuypers „Abraham Kuyper: A Centennial Reader“ – las ich über die vierjährige Amtszeit Kuypers als Premierminister der Niederlanden (1901-1905). Welche Herausforderungen erwarteten ihn da!
- Bei der Zusammenstellung des Kabinetts fehlten ihm nicht nur erfahrene und qualifizierte Kandidaten. Er erhielt zudem Absagen von erfahrenen Kandidaten, die frühere Auseinandersetzungen mit Kuyper oder seine öffentliche Kritik nicht vergessen hatten.
- Er musste genehmigte Gesetzesentwürfe der Vorgänger implementieren.
- Schwierige Aufgaben stellten sich ihm: Wie sollte er auf den einschneidendsten Generalstreik der niederländischen Geschichte (1903) reagieren? Er entschied sich für eine harte Linie; sein Vorgehen wurde als „kriminell“ bezeichnet. Sein Ruf als Sozialreformer war dahin, dafür galt er fortan als moralisierender Patriarch. Welchen Kurs sollten die Niederlanden in den grösstenteils islamischen Indonesien fahren? Seinem Reformkurs war in dieser Frage mehr Erfolg beschieden.
- Sein Anliegen privaten Universitäten staatliche Anerkennung zu verleihen, wurde ihm als Akt im eigenen Interesse ausgelegt. Zudem wurde die Besetzung der lokalen Schulbehörden durch konfessionelle Vertreter mit Misstrauen verfolgt.
1905 erfuhr Kuyper eine empfindliche (Wieder-)Wahlniederlage; er war Sozialisten und Liberalen entfremdet, sein eigenes Lager gespalten. Umso interessanter ist es, seine Meditiationen „To Be Near Unto God“ zu lesen, die er während diesen schwierigen Jahren schrieb. Eine Meditation trägt den Titel „Not as I Will“ (Nr. 34): In Zeiten übermässiger Zuversicht sehen wir Menschen uns als Zentrum er Dinge, Gott muss uns zu unserem Glück verhelfen. Wir kämpfen für die eigene Ehre und fallen in Enttäuschung und Konflikt, Lethargie und Depression. Denn wir realisieren, ddass der grossen Gott uns keine Beachtung schenkt, dass er den Lauf der Dinge nicht so lenkt, wie wir es uns wünschen.