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Alles sollte im Norden des Kantons Zürich besser werden. Für die Leser, für die Inserenten, für die Journalisten. Zwei Jahre nach der Übernahme des «Zürcher Unterländers» («ZU») durch den Zürcher Grosskonzern Tamedia steht aber fest: Die Rechnung der scharf kalkulierenden Tamedia-Manager ist in den Bezirken Bülach und Dielsdorf nicht aufgegangen. Der «ZU» verliert an Auflage und Bedeutung.
Und er rentiert auch nicht mehr. 2011, bestätigt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer, habe der «ZU» «mit einem deutlichen Verlust abgeschlossen». Wie aus dem Umfeld der früheren Besitzerin kolportiert wird, schrieb der «ZU» bis zum Verkauf schwarze Zahlen. Dazu der Tamedia-Sprecher: «Bis 2011 wurden die Ergebnisse des ‹Zürcher Unterländers› durch die Gewinne verschiedener lokaler Gratisanzeiger verfälscht.» Der «ZU» für sich allein sei «vermutlich seit mehreren Jahren in der Verlustzone».
Bis zum Frühjahr 2010 gehörte der «ZU» über die FPH Freie Presse Holding AG zum NZZ-Konzern. Der «Tages-Anzeiger» lieferte der kleinen Regionalzeitung mit einer gut dotierten Splitredaktion einen scharfen Konkurrenzkampf. Er endete mit der Kapitulation des «ZU». Gleichzeitig mit dem «ZU» übernahm Tamedia auch die «Zürichsee-Zeitung» und kaufte sich beim «Zürcher Oberländer» ein. Im Gegenzug ging die «Thurgauer Zeitung» an den NZZ-Konzern.
Bei der Übernahme des «ZU» und der «Zürichsee-Zeitung» betonte das Unternehmen: «Tamedia möchte die Zürcher Landzeitungen als eigenständige Regionalzeitungen weiterführen.» Gleichzeitig wurde aber auch eine Bedingung formuliert: «Voraussetzung dafür sind deutliche Ergebnisverbesserungen und Umsatzsteigerungen.»
Ein halbes Jahr nach dem Erwerb der Landzeitungen beendete der «Tages-Anzeiger» die eigenständige Regionalberichterstattung. Stattdessen übernahm die grösste Qualitäts-Tageszeitung der Schweiz Artikel, die vom Personal der Landzeitungen geschrieben wurden. Weil nie ganz klar wurde, nach welchen Gesichtspunkten die Auswahl der Texte erfolgte, blieben die halbherzigen «TA»-Mini-Splits blosses Stückwerk.
Jetzt zeichnet sich erneut ein Konzeptwechsel ab. An der Bilanzmedienkonferenz vom 4. April sagte Tamedia-Präsident Piero Supino, dass «ZU» und «Zürichsee-Zeitung» künftig noch stärker als Lokalzeitungen positioniert werden sollen. Tamedia werde sich in den nächsten Wochen im Rahmen eines Projektes damit auseinandersetzen. Dabei soll auch geklärt werden, ob es richtig sei, dass der «TA» Inhalte der Landzeitungen übernehme. Oder ob die Zeitungen nicht vollständig getrennte Redaktionen haben sollen.
Die vermeintliche Frohbotschaft wurde in der «ZU»-Redaktion in Dielsdorf ohne grosse Begeisterung aufgenommen. Schliesslich hatte Rolf Bollmann, bei Tamedia Leiter des Bereichs Zürcher Medien, zuvor gegenüber den Mitarbeitern einen Personalabbau in der Grössenordnung von drei bis vier Stellen per Sommer angekündigt. Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer bestätigt diese Zahl nicht, sagt aber: «Um zurück in die schwarzen Zahlen zu kommen, wird der ‹Zürcher Unterländer› auch bei der Redaktion sparen müssen. In welchem Ausmass ist noch offen.» Sicher sei, dass der «ZU» eine «starke Regionalredaktion im Unterland behalten» werde.
Zur angespannten Stimmung in Dielsdorf trägt auch der Umstand bei, dass die Redaktion seit Anfang Februar keinen eigenen Chef mehr hat; sie wird interimistisch vom «Zürichsee-Zeitung»-Chefredaktor Benjamin Geiger geleitet.
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Tamedia prüft schon wieder ein neues Konzept für die Zürcher Landzeitungen.