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JOÃO MARIA GUSMÃO + PEDRO PAIVA: "TRILEMMA - OVER A GHOSTLY CONCEPTION"
17.09.2012 Fri Art - Freiburg / Fribourg - Centre d'art de Fribourg / Kunsthalle Freiburg: Ausstellung / Exposition bis / jusqu'au 28. Oktober / Octobre 2012
Bild: 3 Suns, 2009. 16 mm film, color, silent, 0'50''
"...Indem ich dies aufmerksamer bedenke,
bemerke ich deutlich, dass das Wachen durch
kein sicheres Kennzeichen von dem Traume
unterschieden werden kann, so dass ich
erschrecke, und dieses Staunen mich beinahe
in der Meinung bestärkt, dass ich träume."
René Descartes, Meditationen über die Grundlagen
der Philosophie, 1647, Meiner, Hamburg, 1992.
Die Kunsthalle Freiburg präsentiert "Trilemma: Over a Ghostly Conception" - eine Einzelausstellung mit João Maria Gusmão und Pedro Paiva. Das Werk dieser beiden Künstler, die 2009 Portugal an der Biennale von Venedig vertreten haben, umfasst vor allem experimentelle bis poetische Kurz- und Stummfilme im 16-mm- und 35-mm-Format, aber auch Objekte, Installationen und Camerae Obscurae.
Durch das Zusammentragen von Referenzen aus literarischen,
philosophischen und wissenschaftlichen Schriften produzieren sie neben ihren
plastischen Erzeugnissen zugleich auch Texte.
Die Künstler führen in Gedanken ein optisches Experiment von Newton rund um die
multiple Remanenz des Bildes weiter - ein Überdenken des Status des Bildes und
der Abbildung der Welt aus der Perspektive einer "gespensterhaften
Ordnung". Die Erzeugung des Bildes und seiner Schemen, die Sichtbarkeit
wie auch die Projektion, die Erscheinung und das Verschwinden stehen im Zentrum
dieser "Trilemma".
Der 16-mm-Film hat einen besonderen Status: In einer Gesellschaft, in der wie
am Fliessband aalglatte Bilder produziert werden, verlangt der Rückgriff auf
lärmige, raue und matieristische Projektionen eine ganz besondere
Aufmerksamkeit und scheint dazu einzuladen, die Geschichte und deren Erbe neu zu
überdenken. Die Inszenierungen, die in diesen Filmen zu sehen sind, erzeugen
eine Atmosphäre der Verzauberung, der Magie und der Illusion, gleichzeitig
enthüllen sie das exakte Wesen von Fälschungen oder von Prozessen der
Erscheinung und des Verschwindens von Motiven.
Die Levitationen sind ganz offensichtlich Fäden zu verdanken, die Dispositive sind einfach und die Kunst von Gusmão und Paiva gemahnt an andere berühmte "Bastler", beispielsweise an Fischli und Weiss.
In der Wahl der Objekte - mit Stroh ausgestopfte Tiere, unprätentiöse Gegenstände, einfache Figuren - scheint sich eine Abneigung gegen die Technologie, die sich bereits bei der Verwendung der Camera Obscura und des 35-mm-Films abzeichnete, zu bestätigen.
Der
Kunsthistoriker Thomas Golsenne sagt in Bezug auf die Benutzung von Low Tech
von jungen Generationen, dass dies "eine Art sei, visuellen Widerstand und
Rebellion zu verbinden, und dies in einer Gesellschaft, in der sich der
Fortschritt mitunter auf den Kauf von Geräten der Spitzentechnologie
beschränkt".
Im Werk von Gusmão und Paiva liegen philosophische und metaphysische Fragen sowie wissenschaftliche Experimente nahe beieinander, sie dienen sowohl als Argumentarium und als intellektuelle Nahrung, enthüllen aber zugleich auch einen poetischen Ansatz.
Der Rückgriff auf die exakten Wissenschaften und Humanwissenschaften führt unweigerlich zu einer Unentschlossenheit, fundamentale Zweifel kommen auf, die das Irrationale und die Metaphysik von neuem einführen.
Die Künstler bedienen sich der Aneinanderreihung als ästhetischer Strategie. Die Textcompilations, wo sich Pessoa neben Montaigne, Daumal oder Platon wiederfindet, knüpfen an den Aufbau ihrer Ausstellungen als Aneinanderreihung von Sequenzen von Kurzfilmen an.
Die Bilder bieten aber bei
weitem keine Auflösung, sie dienen auch keiner Demonstration, die Bilder reihen
sich aneinander, um eine poetische, instabile, offene Antwort zu nähren, in
einer kontrollbesessenen, von Beherrschung und Voraussicht getriebenen
Gesellschaft.
João Maria Gusmão (*1979) und Pedro Paiva (*1977) leben in Lissabon.
fr
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