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Wisebu, Fuxenspritze, Vortrag Fistel, Römertrottenstamm, SH 500
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Schaffhauser Nachrichten
Urs Leu
Ob nun die Römer -oder doch schon vorher die Kelten – den Weinbau in unsere Region brachten, wird wohl nie ganz geklärt werden. Man nimmt heute an, dass die Kelten zwar die Trauben kannten, aber die Weinherstellung nicht beherrschten. Unter den Römern kam es zu einer ersten «Hochblüte» des Weinbaus in unserer Gegend, der allerdings in der Zeit ihres Rückzuges vernachlässigt wurde.
Die nächsten grossen Förderer des Weinbaus waren die Klöster. Die Benediktinerregel schreibt vor, dass jeder Mönch Anspruch auf eine nicht unbedeutende tägliche Ration hatte. Die Mönche benötigten Wein also nicht nur zu liturgischen Zwecken. Aus alten Dokumenten erfährt man dazu, dass im Jahre 876 das Kloster Rheinau zu Trüllikon und Schlatt Reben als Geschenk erhielt. Einige andere Urkunden aus dieser Zeit und den folgenden Jahrhunderten geben weitere Hinweise, dass in der näheren Umgebung des Kantons Schaffhausen Weinbau betrieben wurde. Es sei aber «unzweifelhaft», versichert der damalige Regierungspräsident Johannes Hallauer im Jahre 1880 in seiner geschichtlichstatistischen Darstellung des Weinbaus, dass im Kanton Schaffhausen «schon im 9. Jahrhundert» Weinbau betrieben wurde. Dies, auch wenn die ersten urkundlichen Nachrichten dazu erst aus dem 12. Jahrhundert stammen. Einer der frühen – und auch einer der wichtigen – Belege ist gemäss Auskunft des Staatsarchivs Schaffhausen der Güterund Einnahmenbeschrieb des Klosters Allerheiligen, der um 1120 verfasst wurde. Darin werden auch Weingärten erwähnt. Einige andere Dokumente aus dieser Zeit belegen den Weinbau in der Region Schaffhausen, so etwa für das Jahre 1107 in Rüdlingen.
In den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten häufen sich die schriftlichen Belege, wobei es nicht mehr allein um die Erwähnung von Rebbergen geht: Ein 1290 von König Rudolf erlassenes Dokument zu Gunsten der Stadt Schaffhausen enthält Bestimmungen, wonach auf fremden Wein eine Abgabe gesetzt und das Weinausschenken an Bestimmungen geknüpft wurde.
**Bis in den rauen Randen**
Auch im Kanton Schaffhausen dürften also am Anfang vor allem die Geistlichen den Rebbau gefördert haben, denn «zur Zeit der Stiftung des Klosters Allerheiligen besassen nur einige Edelleute kleine Weinberge», vermerkt Eduard Im-Thurn in seinem 1840 erschienenen «Gemälde der Schweiz». Auf welche Quellen er sich dabei allerdings abstützt, ist nicht klar. Unter der Aufsicht der Klöster habe sich die Rebkultur dann «selbst bis in die rauhen Randenschluchten bei Merishausen, Hemmental und Beggingen» ausgebreitet, fügt er an. Gegen das Jahr 1400 dürfte der Weinbau im Kanton Schaffhausen schon recht verbreitet gewesen sein. So schreibt zum Beispiel der Chronist Johann Jakob Rüeger später dazu: «Um die Stadt Schaffhausen hat es viele Wein- und Krautgärten, 900 bis 1000 Juchart.» Hier erfahren wir auch etwas über die Qualität des Weines: «Dieselben geben einen gar edlen, herrlichen, fürbündigen und gesunden Wein, roth und weiss, wie man ihn haben will, und wird seiner Güte und Köstlichkeit halber in viele fremde Oerter weit hin und wieder geführt.»
**Wein contra Getreide**
Nach und nach übernahm dann die Bürgerschaft der Städte die Herrschaft von den Klöstern. Die Stadtregierung wusste um die Bedeutung des Weinbaus. Wie bei manch anderen Dingen griff die Obrigkeit auch beim Rebbau in verschiedenen Bereichen reglementierend ein. Nicht nur wurden Weine und Gefässe behördlich geprüft, auch wurde der Weinpreis jährlich festgelegt: Die Obrigkeit fand sich zu einer Sondersitzung zusammen, die Martinischlag genannt wurde. Auch zogen die Stadtherren das Monopol an sich und reglementierten die Einfuhr fremder Weine. Auch bei Neuanpflanzungen wollte die Regierung mitsprechen, denn man fürchtete, dass sich der Rebbau auf Kosten des Getreides zu sehr ausdehnen würde, was für die Versorgung in Krisenzeiten nachteilig sein könnte: So wurden 1599 den drei Gemeinden Schieitheim, Beggingen und Merishausen befohlen, in den letzten drei Jahren gepflanzte Reben wieder zu entfernen. Die Obrigkeit tat aber auch einiges zur Qualitätsverbesserung, zog aber gleichzeitig auch den «nassen» Zehnten ein. Die Trotten, in denen die Rebbauern ihre Trauben pressen mussten, boten eine gute Möglichkeit der Kontrolle.
**Fundament des Reichtums**
Das Rebareal dehnte sich bis zur Zeit der Französischen Revolution weiter aus. Und auch wenn die Obrigkeit ihre liebe Mühe hatte, im Kanton die Trunksucht zu bekämpfen und es von den Schaffhauser Söldnern und Landsknechten in einem alten eidgenössichen Kriegslied heisst: «Die Schaffhauser Saufgesellen sollen dürsten in der Höllen!», wurden doch bedeutende Mengen Wein – aus der ganzen Ostschweiz – exportiert. Wein wurde nach Süddeutschland verkauft, Getreide kam in die Schweiz. Die Weinausfuhr war – nicht nur für Schaffhausen – ein bedeutender Bereich der Wirtschaft. Bereits im 16. Jahrhundert schrieb der Luzerner Historiker Rennward Cysat über Schaffhausen: Es gebe keine Stadt in der Eidgenossenschaft und in deren Nachbarschaft, «die grösseren Handel und Gwerb mit Wyn hat als diese. Dieser Wy ist ouch lieplich und gut ze trinken.» Auch Im-Thurn schreibt dazu im Jahre 1840, dass «die Weinberge bis zur neuesten Zeit als das Fundament des schaffhauserischen Nationalreichthums angesehen wurden …».Als das benachbarte Grossherzogtum Baden jedoch 1835 in den deutschen Zollverein eintrat, war das für den Schaffhauser Rebbau ein harter Schlag, gingen doch wichtige Absatzgebiete verloren. Später versuchte man den Verlust durch Quantität wettzumachen, doch litt die Qualität darunter.
Aus dieser Zeit ist eine lesenwerte Darstellung des Schaffhauser Weinbaus erhalten: Die Schaffhauser Rebbauern und die Weine erhielten dabei im Jahre 1840 von Eduard Im-Thurn Lob, aber auch Tadel: «Leider übereilen sich die Weinbauern fast immer mit dem Einsammeln der Trauben, weil diese einige Tage vor ihrer völligen Reife den meisten, aber nicht den besten Wein liefern. Die weissen Trauben werden fast nie recht reif, daher ist ihr Produkt äusserst reichlich, nie aber gut, mit Ausnahme des Isenhalde, eines besonders günstig gelegenen Weinberges zu Siblingen, dessen weisse Trauben einen Wein liefern, der dem Lacote nicht nachsteht…» Hart ins Gericht geht er mit den Schaffhausern wegen der Zubereitung des Weins: «Von Reinlichkeit der Weinpresse ist keine Rede und Most und Koth fliesst mit einander in das gleiche Gefäss.» Rühmliche Ausnahme, sowohl bei der Behandlung des Weinstocks wie auch in der Bereitung des Weins, seien Schaffhausen und Unter-Hailau. «Letzter Ort lieferte», so ImThurn, «sonst einen ordinären Wein; seit 15 Jahren aber hat sich die Weinkultur so gebessert, dass der Unter-Hailauer Wein nach dem Schaffhauser einer der besten im Kanton ist und den sonst so geschätzten Thäinger weit hinter sich zurückgelassen hat.» Generell hält er dann noch fest: «Ueberigens wächst in allen Wein bauenden Gemeinden des Kantons ein trinkbarer Wein …» Und sogar den «angenehmsten und feurigsten Wein» reklamiert er für den Kanton Schaffhausen: Dieser stamme von Trauben aus der Rheinhalde östlich von Schaffhausen. «Derselbe ist gelbröthlich (couleur pelure d’ognon des rothen Bordeauxweins) von Farbe, hat einen äusserst lieblichen Erdbeergeschmak und kömmt in guten Jahrgängen an Feuer vielen spanischen Weinen gleich.» Allerdings komme er nur selten in den Handel.
**Nur Bargen und Hemmental**
Die genaue Ausdehnung der Anbaufläche in den früheren Jahrhunderten des Rebbaus ist gar nicht oder schwer zu erfassen. Rüeger nennt für seine Zeit wie bereits erwähnt 900 bis 1000 Jucharten Wein- und Krautgärten rund um die Stadt. Wie viel davon nun wirklich mit Reben bestockt waren ist nicht klar, auch stellt sich die Frage nach dem Rebareal im restlichen Kantonsgebiet. Gemäss einem Güterkataster soll sich die Rebenfläche im Kanton im Jahre 1799 auf rund 4000 Jucharten erstreckt haben. Im-Thurn glaubte aber, dass es höchstens 3500 Jucharten waren. Eine Statistik aus dem Jahre 1877 verzeichnet dann total 1076 Hektaren Reben. Mit Ausnahme von Bargen und Hemmental haben damals alle Schaffhauser Gemeinden Rebbau betrieben. Nach einer Zunahme auf etwas mehr als 1100 Hektaren bis zum Jahren 1882 wurde die Rebfläche dann wieder kleiner.
**Grosse Krise nach 1880**
Die grosse Krise für den Rebbau kam in den Jahren zwischen 1880 bis 1930: Die Reblaus, klimatische Faktoren und auch der Bau von Eisenbahntunnels durch die Alpen, die den Import von Weinen aus dem Süden erleichterten, setzten dem Weinbau stark zu. Innerhalb weniger Jahrzehnte reduzierte sich die Schaffhauser Rebfläche um mehr als siebzig Prozent auf nur mehr 320 Hektaren. In der Schweiz sank er von 35 000 Hektaren im Jahre 1880 auf lediglich noch 12400 Hektaren im Jahre 1930. Mit beigetragen zum Rückgang hat sicherlich auch, dass vor allem in den stadtnahen Gebieten die aufkommende Industrie andere Verdienstmöglichkeiten bot.
In den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts und danach erfolgte eine gewisse Renaissance. Zwar waren auch die folgenden Jahrzehnte nicht ohne Schwierigkeiten wie etwa die Absatzprobleme beim Weisswein, doch gab es auch «Wunderjahre» mit fast einmaligen Weinerträgen. Heute umfasst die Schaffhauser Rebfläche wieder etwa 500 Hektaren.
**Mehr als siebzig Trotten allein auf dem Gebiet der Stadt Schaffhausen**
**TROTTEN: Älteste Erwähnung von 1323**
Zwischen Buchthaien und Büsingen steht ein altes Gebäude, das den Namen Römertrotte trägt. Ein Name, der doch etwas staunen lässt. Stellten hier bereits die Römer Wein her, oder stand an diesem Ort einmal ein anderes Gebäude aus dieser Zeit? Weder noch: Der Grosse Stadtrat von Schaffhausen genehmigt im Herbst 1961 einen Kaufvertrag mit der Erbengemeinschaft der verstorbenen Frieda Römer-Luchsinger und erwarb die Trotte für 80000 Franken. Der Name Römertrotte kommt also vom Familiennamen Römer.
Die älteste Erwähnung einer Trotte auf Schaffhauser Stadtgebiet stammt aus dem Jahre 1323. Kurz vor Ende des 15. Jahrhundert standen auf Stadtgebiet 74 Trotten, einige Zeit später wurden allein in Hallau deren 24 gezählt. Im Jahre 1641 bestellte die Spitalpflege in Schaffhausen Knechte in den folgenden Trotten: im Schupfen, auf der Fels, in der Hochstrasse, Krottenhalde, im Mühlental, in der roten Trotte, an der Weinsteig, in der grossen und kleinen Platte, im Lahn, Wislin, Spitalhof, auf allen Winden, in Thayngen, Löhningen und Guntmadingen. Zahlreiche weitere Trotten unterstanden der Klosterverwaltung von Allerheiligen. Das älteste noch erhaltene Trottengebäude auf Stadtgebiet befindet sich an der Stokarbergstrasse, wird heute als Garage benutzt und trägt noch den originalen Dachstock von 1486. Bereits vor diesem Jahr stand dort eine Trotte.
Die Trotten dienten primär zum Pressen der Trauben. Für die Obrigkeit hatten sie noch einen anderen Zweck, war doch darin die Kontrolle der Menge des hergestellten Weins und damit des Einzugs des Zehnten am einfachsten.