Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03104.jsonl.gz/844

Die Liste potenzieller Gefahrenherde reicht von einem Zahlungsausfall in Venezuela über Aufstände in Chile bis hin zu einem Handelskrieg mit China. "Die neue Politik des Populismus und protektionistische Handelspolitiken bergen das Potenzial, weltweit Angebot und Nachfrage für verschiedene Rohstoffe zu stören", erklärten Analysten um Michael Cohen und Dane Davis vergangene Woche in einem Bericht. Aufgrund einer "hohen Wahrscheinlichkeit" für Marktstörungen sind die Risiken ihrer Einschätzung nach im Jahr 2017 aufwärts gerichtet.
Im vergangenen Jahr wiesen Rohstoffe ihren ersten Jahresgewinn seit 2010 auf. Hintergrund war die Erholung an den Energiemärkten und die Reaktion der Anleger auf unerwartete politische Ereignisse wie den Wahlsieg von Donald Trump in den USA und das Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union. Barclays vertritt die Meinung, dass die Märkte auch in diesem Jahr auf irgendeine Weise überrascht werden dürften. Die Analyse der Bank hebt den wichtigsten Punkt hervor: die Politik wird wahrscheinlich einen ebenso grosse Rolle spielen wie die Wirtschaft.
"Schwarze-Schwan-Ereignisse nehmen verschiedenste Formen an, und die Märkte können jahrelang brauchen oder nur einen Moment, um sie einzupreisen", schreiben die Analysten mit Blick auf extreme Vorkommnisse oder Vorgänge, die als unwahrscheinlich gelten und daher von Marktteilnehmern nicht berücksichtigt werden. "China, Russland, der Nahe Osten und die Türkei werden den Rohstoffkomplex 2017 wahrscheinlich überraschen."
Schwarze Schwäne
Die Bank nennt mehr als ein Dutzend Schwarze-Schwan-Szenarien und teilt diese auf in Gefahren für das Angebot - wie ein Förderausfall in Venezuela nach einer Staatspleite - und für die Nachfrage - wie eine unerwartete Konjunkturabkühlung in China. Barclays verwies auch auf so genannte Transit-Bedrohungen, also Risiken für wichtige Versorgungswege im Rohstoffhandel wie im Südchinesischen Meer.
Die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran stehen ganz oben auf der Liste von Barclays. Hier befürchtet die Bank, dass die Rhetorik zwischen den beiden Ländern womöglich eskaliert - zumal Trump den Wunsch geäussert hatte, das jüngste Atomabkommen aufzukündigen. Die 2015 erzielte Vereinbarung, die vom Iran, den USA und fünf weiteren Mächten unterschrieben wurde, führte zu einer Aufhebung wichtiger Wirtschaftssanktionen.
"Es sollte nicht überraschen, dass Trumps Versprechen, das Atomabkommen mit dem Iran aufzulösen, einen der prominentesten Plätze auf der Liste der Aufwärtsrisiken für die Ölmärkte einnimmt", steht in dem Bericht. Dennoch "sind wir der Ansicht, dass sein Vorgehen gemässigter sein wird als die Wahlkampfrhetorik".
Ein möglicher Zahlungsausfall Venezuelas würde indessen Gläubiger und Geschäftspartner verschrecken und Banken dazu bringen, die Konten von Petroleos de Venezuela SA einzufrieren, heisst es in dem Bericht. Die darauf folgende Liquiditätsklemme könnte verhindern, dass das staatliche Ölunternehmen Zahlungen an seine Partner leistet, die für den täglichen Betrieb notwendig wären. Das würde wiederum die Produktion behindern.
Handelskrieg
Auch China könnte Anlass zur Besorgnis bieten. Zum Einen könnte die Wachstumsdynamik in der führenden Volkswirtschaft Asiens einbrechen, was die Nachfrage nach Rohmaterialien belasten würde, erklären die Analysten. Zum Anderen bestünde die Möglichkeit, dass ein Handelskrieg entfacht wird. Die USA dürften ein Zollsystem einführen, um den Zustrom chinesischer Importe einzudämmen.
"Ins Jahr 2017 gehend ist das grösste Risiko eines Schwarzen Schwans für die Nachfrage nach Rohmaterialien ein überraschender Wirtschaftsabschwung in irgendeinem grossen Rohstoffkonsumland. Die Investoren werden den Fokus insbesondere auf die chinesische Wirtschaft richten", heisst es. Die Bank rechnet 2017 zwar mit einem soliden Wachstum in dem Land, "aber Schocks gibt es eben, und China ist nicht immun gegen Unvorhersehbares".
Auf der Liste der möglicherweise drohenden Schwarzen Schwäne stehen auch mögliche Ausschreitungen in Chile nach dem Ergebnis der Parlamentswahlen 2017, die ein starkes und reales Risiko für die Kupferproduktion darstellen könnten. In Europa könne dem Bericht zufolge ein "aggressives" Russland weiter in die Ukraine vorstossen, was die Eisenerzförderung belasten würde.
(Bloomberg)