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Basel, nach 1800
Umrissradierungen, ausgeschnitten, koloriert,
aufgeklebt auf Karton
H. 12 cm, B. 11 cm
Inv. 1917.9.
Zur Anfertigung dieser Kartensammlung bediente sich der unbekannte Hersteller mehrerer kolorierter Umrissradierungen, von denen eine identifizierbar ist. Es handelt sich um das Bild «Eidgenössische Zuzüger» (1793) des Basler Künstlers Rudolf Huber (1770–1844). Seinen Lebensunterhalt verdiente Huber mit kleinen Silberstift- und Aquarellbildnissen (Miniaturen), daneben hinterliess er kleine landschaftliche und figürliche Kompositionen sowie kolorierte Umrissradierungen. Zwischen 1801 und 1814 war er in Kopenhagen, später in Odessa und St. Petersburg und zuletzt zeitweise in Strassburg tätig. Von wem die anderen, den Karten zugrunde liegenden Umrissradierungen stammen, ist unklar. Sie lassen sich aber ungefähr auf das Jahr 1800 datieren, denn alle entstanden vor dem Hintergrund der ersten beiden Koalitionskriege zwischen dem nachrevolutionären Frankreich und seinen monarchischen Widersachern, einem wechselnden Bündnis von Mächten wie Österreich, Preussen, Russland, England und Spanien.
Ein erster Teil der Karten zeigt die Eidgenössischen Zuzüger, die 1792/93 nach der Kriegserklärung Frankreichs an Österreich (1. Koalitionskrieg 1792–1797) nach Basel kamen, um die Rheinstadt bei der Verteidigung zu unterstützen. Eine zweite Gruppe thematisiert die heterogenen Truppen des russischen, des österreichischen und des französischen Heeres, die um 1799 auf eidgenössischem Boden in Kampfhandlungen verstrickt waren (2. Koalitionskrieg 1798–1802). Dass hier auch Frauen abgebildet sind, überrascht nur auf den ersten Blick, denn Frauen waren seit der Frühen Neuzeit zentraler Bestandteil des «Trosses », des zivilen Gefolges der Heere, und übernahmen wichtige Aufgaben: Sie versorgten ihre kämpfenden Ehemänner, halfen beim Plündern, verkauften als Marketenderinnen Utensilien des täglichen Gebrauchs und waren als Köchinnen und Krankenschwestern tätig. Auf dem dritten Teil der Karten sind eidgenössische Söldner zu sehen, die um 1800 in englischen, französischen und helvetischen Diensten standen.
Das vermeintliche Sammelsurium von Soldatenkarten spiegelt somit die ganze Bandbreite des Kriegsdienstes in der Fremde wider, von der Verteidigung des eidgenössischen Territoriums durch Hilfstruppen aus anderen Kantonen über die kulturell bunt durchmischten Kriegsheere der Grossmächte bis hin zu den in der Tradition der Reisläufer stehenden Schweizer Söldnern in fremden Ländern.
Die Bedeutung der ununterbrochenen Präsenz von Streitkräften im Europa dieser Zeit manifestiert sich nicht zuletzt darin, dass Darstellungen von Soldaten vom 16. bis ins 19. Jahrhundert zu den beliebtesten und gefragtesten Motiven profaner Bildkunst gehörten. Vor allem von den fremden Truppen mit ihrem eigentümlichen Aussehen, ihrer farbenfrohen Kleidung, ihren unbekannten Sprachen und Sitten ging eine ungeheure Faszination aus – eine Faszination, die auch Anlass zur Anfertigung dieser Kartensammlung gewesen sein mag.