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Ihre Vorfahren sind der Rotfuß-Seriema anzusehen – die waren nämlich einst die Topräuber Südamerikas. Die sogenannten “Terrorvögel“ waren bodenbewohnende Vögel mit einem großen Schädel und einer Gesamtgröße von 2 bis 3 Metern, die ihren Schnabel wie eine Axt benutzten. So groß und gefährlich sind ihre heute noch lebenden Verwandten jedoch nicht, außer für Insekten und kleine Wirbeltiere, die zu ihrer Lieblingsnahrung zählen.
Es gibt heute zwei Arten von Nachkommen: Die “Rotbeinige Seriema“ (Cariama cristata), ist von Ostbrasilien bis Zentralargentinien verbreitet. Sie ist die größere und nistet auf dem Boden oder in Büschen oder Bäumen bis zu 3 m über dem Boden. Ihre Verwandte, die kleinere “Schwarzbeinige Seriema“ (Chunga burmeisteri) kommt im Nordwesten Argentiniens und in Paraguay vor. Sie nistet in Bäumen.
Die “Seriema“, wie der rotbeinige Vogel in Brasilien genannt wird, hat das größere Verbreitungsgebiet: Von Zentral- und Ostbrasilien nach Ostbolivien und Paraguay bis nach Uruguay und Zentralargentinien. Die Art ist in lichten Wäldern zu finden, in dünn bewaldeten Gebieten sowie in offenen, dem Cerrado ähnlichen Regionen. Die größte Konzentration von Seriemas befindet sich in der grasbewachsenen Cerrado-Region von Zentralbrasilien.
Hier, schmücken Termitenhügel die Landschaft und bieten den Seriemas einen Ort, von dem aus sie ungestört ihre Stimmen erheben und nach Nahrung suchen können. Weiter südlich findet man Seriemas, sowohl in bewaldeten Gebieten als auch im Grasland und sie kommen in Höhenlagen bis zu 2000 m vor.
Seriemas sind zu einem Symbol der brasilianischen Landschaft geworden, als Vögel, die in dieser Region eine große Bedeutung haben. Neben ihrer exotischen Schönheit unterscheidet sich der “Gesang“ der Seriema von dem anderer Vögel, so dass man ihn schon aus einem Kilometer Entfernung identifizieren kann.
Der Vogel lebt in der Nähe von Überschwemmungsgebieten, da er dort eine große Vielfalt an Amphibien vorfindet und somit die Population von Fröschen und Kröten kontrolliert – Im Pantanal von Mato Grosso ist er deshalb besonders zahlreich anzutreffen.
In jüngster Zeit haben sich Seriemas auch auf von Menschenhand geschaffenem Grasland und in anderen halboffenen Gebieten Brasiliens angesiedelt, die früher von tropischem Regenwald bedeckt waren. Sie sind auch häufig in Gebieten zu finden, in denen kürzlich Brände gewütet haben, wo sie Insekten und kleine Wirbeltiere
aufstöbern können.
Beschreibung
Männliche und weibliche Seriemas sind sich sehr ähnlich, allerdings sind die Männchen etwas größer als die Weibchen. Die Vögel wiegen etwa 2,5 bis 3 kg und erreichen etwa 90 cm Standhöhe. Ihr auffälligstes Merkmal ist ihre “Federkrone“, die direkt über dem Schnabelansatz aufragt – unter den Vögeln Südamerikas ein einzigartiges Merkmal – sie kann bis zu 10 cm lang werden. Die Männchen haben längere Kronenfedern als die Weibchen.
Seriemas haben ein lockeres Gefieder, vor allem am Hals und an den Bauchpartien. Ihre Färbung ist überwiegend grau mit bräunlichen Tönen – mit Ausnahme der Bauchpartie, sie ist weiß. Die Flügel- und Schwanzfedern sind schwarz-weiß gestreift. Die unbefiederte Haut um die Augen herum ist blau, und die Iris des Auges blassgelb. Der Schnabel, die Beine und Füße sind orangerot – letztere haben scharfe Krallen, mit einer ausfahrbaren, stark gebogenen zweiten Zehenkralle.
Der hakenförmige Schnabel ist dem eines Raubvogels sehr ähnlich. Ihre Beine und Hälse sind lang, während ihre Flügel kurz und abgerundet sind, was ihre bevorzugte terrestrische Lebensweise widerspiegelt. Sie gehören zu den größten Landvögeln, die in der Neotropis heimisch sind (nach den Nandus (Rhea americana).
Ernährung
Sie ernähren sich omnipräsent, d.h. sie nehmen sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung zu sich – zum Beispiel Insekten, Schlangen, Eidechsen, Frösche, junge Vögel und Nagetiere, sowie in geringem Umfang auch Pflanzen. Sie halten sich oft in der Nähe von Weidevieh auf, wahrscheinlich um parasitäre Insekten zu fressen, die sich im Fell der Rinder festsetzen oder solche, die von ihnen beim Weiden im Gras aufgescheucht werden.
Wenn Seriemas kleine Reptilien fangen, schlagen sie die Beute auf den Boden oder werfen sie auf eine harte Oberfläche, um den Widerstand und auch die Knochen zu brechen. Wenn die Beute zu groß ist, um sie im Ganzen zu verschlucken, wird sie mit einer Sichelklaue in kleinere Stücke gerissen, indem der Vogel die Beute mit dem Schnabel festhält und mit der Klaue zerreißt.
Seriemas sind bekannt als Vernichter von Giftschlangen, für die sie eine besondere Vorliebe haben, und die sie mit großer Geschicklichkeit erbeuten und töten, indem sie die Schlangen mit dem Schnabel in ihrer Körpermitte festhalten, um dann das Reptil mit dem Kopf voran gegen einen harten Untergrund zu schlagen.
Einige Leute glauben, dass die Seriemas immun gegen das Gift der Schlangen sind, aber das ist nicht wahr – Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass diese Substanzen, wenn sie in den Vogel injiziert werden, diesen töten können – also hängt das Überleben eines Seriema, wenn er eine Schlange erbeutet hat, allein von seiner Geschicklichkeit ab, sie zu töten. Aufgrund ihres Fressverhaltens sind Seriemas nützlich, denn sie fressen Schädlinge.
Verhalten
Bei Kontakt mit Menschen sind Seriemas misstrauisch, und wenn sie sich bedroht fühlen, breiten sie in der Regel ihre Flügel aus – und rennen weg. Sie bewegen sich in Paaren oder kleinen Gruppen. Obwohl sie durchaus fliegen können, ziehen sie es vor, die meiste Zeit auf dem Boden zu verbringen. Sie fliehen nur, wenn es nötig ist, zum Beispiel um einem Raubtier zu entkommen. Sie sind sehr schnelle Läufer und können eine Geschwindigkeit bis zu 50 km/h erreichen – erst wenn das nicht reicht, erheben sie sich in die Luft.
Seriemas treten allein oder paarweise auf. Gruppen von drei oder mehr Vögeln sind häufig und bestehen in der Regel aus Familienverbänden. Sie sind tagaktiv – über Nacht suchen sie Schutz in den Baumkronen, wo sie auch ihre Nester bauen
Wenn die Sonne vom Himmel brennt, werfen sich die Seriemas zum Sonnen auf den Boden, legen sich regungslos auf den Rücken und spreizen alle Federn von sich, um möglichst viele Sonnenstrahlen aufzufangen. Die Art, wie diese großen Vögel die warmen Sonnenstrahlen auf ihrem Federkleid genießen – mit dem Bauch nach oben und völlig regungslos – hat die ersten Beobachter zu der Annahme verleitet, dass sie “sich tot stellen“, wenn sie Menschen begegnen! Verschwindet die Sonne jedoch hinter den Wolken, oder die Seriemas haben genug vom Sonnenbad, stehen die tot geglaubten Vögel plötzlich wieder auf ihren langen Beinen
Lautäußerungen
Der “Gesang“ der Rotfußseriemas ist eine lange Abfolge lauter kläffender Rufe, die Phasen mit unterschiedlichen Tonhöhen enthalten. Diese Rufe werden als truthahnähnliche Rufe oder als Kläffen junger Hunde beschrieben. Ihr Rufen ist über weite Entfernungen zu hören. In der Regel “singen“ sie am frühen Morgen, und diese Gesänge dienen der Revierverteidigung bei Paaren.
Einer der Partner beginnt den Gesang, und der andere stimmt im Duett mit ein. Manchmal singen auch mehrere Vögel gemeinsam in einem dissonanten Chor. Während der Balz hört man sie “quietschen“, und wenn ein erwachsener Vogel gestört wird, gibt er ein Knurren von sich.
Vogelruf:
Fortpflanzung
Die Seriema ist monogam, das heißt, Männchen und Weibchen haben nur einen Partner. In der Natur ist die Fortpflanzungszeit mit den Regenmonaten von Februar bis Juli im Nordosten unseres Landes verbunden. In Zentralbrasilien findet die Brut von September bis Januar statt, in Argentinien zwischen November und Dezember.
Die Art nistet in der Regel in Büschen oder niedrigen Bäumen, die das Paar mit kurzen Sprüngen erreichen kann. Sie können auch schnell und leicht mit den Flügeln schlagen, anstatt zu fliegen, um das Nest zu erreichen. Das Nest wird von beiden Geschlechtern auf den Ästen kleiner Bäume gebaut. Es handelt sich um eine runde Struktur aus Stöcken und Zweigen, die mit Blättern und Schlamm oder Rinderdung ausgekleidet ist. Es befindet sich etwa 1 bis 5 Meter über dem Boden.
Über die Fortpflanzungsbiologie der Seriemas ist nur wenig bekannt. Paare scheinen territorial zu sein und meiden andere ihrer Art während der Fortpflanzung, und es wurden Kämpfe zwischen Rivalen beobachtet. Diese Kämpfe, bei denen Rivalen getreten werden, können lange andauern und sind mit viel Geschrei der beteiligten Vögel verbunden.
Das Gelege besteht aus bis zu 3 gefleckten Eiern, die von Männchen und Weibchen abwechselnd bis zu 29 Tage lang ausgebrütet werden. Die Küken kommen mit einem langen, blassbraunen Flaum, mit braunen Flecken, zur Welt, haben dunkelgraue Füße und einen dunkelbraunen Schnabel.
Erst im Alter von 12 Tagen verlassen die Küken das Nest, und zu diesem Zeitpunkt können sie bereits einen Ruf ausstoßen, der dem Gesang der Erwachsenen ähnelt, wenngleich er noch schwächer ist. Im Alter von fünf Monaten haben die Küken dann ihr vollständig ausgewachsenes Gefieder.
Bedeutung für den Menschen
Die Rotfußseriema wurde gebietsweise zur Fleischgewinnung gejagt oder für den internationalen Tierhandel gefangen. Das Fleisch wird als „weiß und wohlschmeckend wie Hühnerfleisch“ beschrieben. Da sich Jungvögel leicht zähmen lassen, werden sie bisweilen ausgehorstet und auf Gehöften aufgezogen.
Als Erwachsene dominieren sie das übrige Hausgeflügel, verhalten sich diesem gegenüber aber in der Regel friedlich. Da die Seriema auch viele Schlangen, Eidechsen und dergleichen vertilgt, ist sie, wie BREHM schreibt, „in den Augen der Brasilianer … ein allgemein geachtetes Tier, und das Gesetz verbietet, sie zu töten.“
Erhaltung der Art
Die Rotfußseriema ist eine weit verbreitete Art, allerdings in geringer Dichte. Sie leidet unter der Zerstörung ihres Lebensraums durch die menschliche Entwicklung, ist aber in der Lage, sich an die neue Situation anzupassen. Seriemas haben von der Abholzung der Wälder profitiert, wodurch sie ihren Lebensraum erweitern konnten.
Seriemas sind in den südlichen Regionen Brasiliens sehr verbreitet und nicht vom Aussterben bedroht. Dank ihrer hervorragenden Anpassungsfähigkeit und der Abwesenheit von Fressfeinden sind ihre Populationen stabil und werden höchstens von Großkatzen und größeren Schlangen bedroht. Die Erhaltung der Wälder und der natürlichen Umgebung ist jedoch von grundlegender Bedeutung, um eine Überpopulation von Seriemas zu verhindern, die das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen und kleine Tierarten dezimieren könnten.
Die Wiederherstellung des brasilianischen Cerrado ist notwendig, wofür Gesetze und öffentliche Maßnahmen entwickelt wurden, wie z. B. das 2009 verabschiedete Cerrado-Gesetz. Es dient der Erhaltung und Pflege des Cerrado in Brasilien. Trotz der bestehenden Gesetzesvorschriften gibt es immer noch Abweichungen bei der Wiederherstellung dieses Bioms, ein Ziel, das aufgrund der Anfälligkeit der verschiedenen Pflanzenarten, aus denen der Cerrado besteht, bisher nicht erreicht wurde.