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Digitale Rekonstruktion der Zürcher Augustinerkirche im Zustand des 13. Jahrhunderts
Baugeschichtlicher Hintergrund
Im letzten Drittel des 13. Jahrhundert liess der Bettelorden der Augustiner-Eremiten an einer zuvor unbebauten Stelle innerhalb der Stadtmauern Zürichs eine Kirche errichten. Eine Reihe von bischöflichen Ablässen, die in den Jahren zwischen 1274 und 1284 erlassen wurden, trug zur Finanzierung des Baus massgeblich bei. Das Gebäude wurde etappenweise erbaut, was unter anderem zu den unterschiedlichen Mauerstärken von Chor und Langhaus führte.
Das Augustinerkloster stand ökonomisch gut da, konnte es doch trotz Armutsgelübde von Einnahmen aus Jahrzeitstiftungen, Zinsverkäufen und dem Handel mit Gütern profitieren. Während des 14. Jahrhunderts wurde weiter gebaut und das Gebäude für verschiedene Zwecke genutzt. Im 15. Jahrhundert errichtete der Orden an den Längsseiten des Chors zwei Kapellen.
Im Zuge der Reformation wurde das Kloster aufgehoben und 1525 zum Sitz des neu gegründeten Zürcher Ehegerichts und zum Gefängnis umfunktioniert. 1835–1838 richtete man in einem Teil der ehemaligen Klostergebäude die neu gegründete Universität ein. Die Klosterkirche wurde 1864 wieder zur katholischen Kirche umfunktioniert und im neugotischen Stil umgebaut. Seit 1874, als die katholische Gemeinde in die Kirche St. Peter und Paul gezogen ist, beheimatet die ehemalige Augustinerkirche die Christkatholische Kirchgemeinde.
Nach umfangreichen archäologischen Untersuchungen in den 1950er Jahren wurden das Langhaus und die Fassaden in den Zustand vor den Renovationen des 19. Jahrhunderts zurückgebaut.
Rekonstruktion
Noemi Fuchs, Alina Mächler und Fermo Roth haben die Augustinerkirche im Zustand des 13. Jahrhunderts digital rekonstruiert. Aufgrund der unsicheren Quellenlage zum Innenraum haben sie sich dazu entschlossen, sich auf die Aussenansicht zu konzentrieren. Dabei haben sie sich insbesondere an den Erkenntnissen aus den archäologischen Grabungen orientiert, welche im Band „Die Stadt Zürich II.I, Altstadt links der Limmat, Sakralbauten“ publiziert worden sind. Darin finden sich ein Grundriss und eine Seitenansicht der Kirche sowie mehrere Darstellungen verschiedener Baustufen vom 13. Jahrhundert bis in die Neuzeit. Darüber hinaus sind Bilder anderer Kirchen des 13. Jahrhunderts zum Vergleich herangezogen worden.
Unsicherheiten bei der Rekonstruktion ergaben sich bei der Platzierung von Toren und Fenstern. Beim Umbau zur neugotischen katholischen Kirche1843–1844 wurde die westliche Fassade mit einem Portal versehen, welches beim Rückbau von 1958 wieder der vermutlich ursprünglich schlichteren Form zugeführt worden ist. Vermutlich führten vom südlichen Seitenschiff her zwei Zugänge in den Kreuzgang, während beim nördlichen Seitenschiff ein Eingang für Laien vermutet wird. Die genauen Stellen der Zugänge und Fenster ist heute nicht mehr eruierbar. Eine weitere Unsicherheit ergab sich bei der Rekonstruktion des Dachs. In der archäologischen Erfassung der Kirche wurde nur das Dach des Langhausbaus verzeichnet. Unbekannt ist aber, wie der Übergang zum Dach des Chores aussah, da sich dieser nicht im gleichen Winkel fortsetzt. Auch die genaue Position des Glockenturms ist nicht rekonstruierbar.
Literatur und Darstellungen
Abegg, Regine / Barraud Wiener, Christine: Die Stadt Zürich. Altstadt Links der Limmat Sakralbauten, Bern 2002 (Die Kunstdenkmäler des Kanton Zürich 2.1).
Jos Murer: Der uralten wytbekannten Statt Zürych Gestalt und Gelaegenheit, wie sy zu diser Zyt in waesen / ufgerissen und in Grund gelegt durch Josen Murer, 1576. Der Plan ist online in der e-rara Sammlung hinterlegt und im Besitz der Zentralbibliothek Zürich.
Hürlimann, Katja: Die Augustiner Eremiten in Zürich, in: Bettelorden, Bruderschaften und Beginen in Zürich. Stadtkultur und Seelenheil im Mittelalter. Hg. Barbara Helbling et. al., Zürich 2002, S. 77-83.
Modell
Titelbild
Ausschnitt aus dem Murerplan von Jos Murer.Jos Murer: Der uralten wytbekannten Statt Zürych Gestalt und Gelaegenheit, wie sy zu diser Zyt in waesen / ufgerissen und in Grund gelegt durch Josen Murer, 1576. Der Plan ist online in der e-rara Sammlung hinterlegt und im Besitzt der Zentralbibliothek Zürich.