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Luescher-Farb-Diagnostik und Homoeopathie
Homöopathie und Psychosomatik gehören eng zusammen, ich behaupte sogar, daß es keine Homöopathie gibt, wenn sie nicht gleichzeitig psycho-somatisch wirkt. Deshalb möchte ich mich zu Beginn mit einigen Definitionen befassen, damit wir auch vom Gleichen reden und dasselbe verstehen. Ich werde also zuerst darüber reden, was Homöopathie ist, einige Gedanken über die Psychosomatik äussern, versuchen, Krankheit und Gesundheit zu definieren und auf den Platz der Lüscher-Diagnostik in der homöopathischen Behandlung hinweisen. Ich werde dann zeigen, daß homöopathische Mittel kategorial definiert werden können und es durch ein Fallbeispiel illustrieren.
Was ist Homöopathie?
Die Homöopathie betont und lehrt, daß die Praxis der Heilkunst sich nach bestimmten festen Grundsätzen und Gesetzen richtet.
Im Gegensatz dazu beruht die Praxis der Allopathie auf Tierexperimenten und auf der darauf folgenden klinischen und biologischen Beobachtungen, daß heißt, der nachherigen Verabreichung des im Tierexperiment erforschten Stoffes an kranke Menschen. Die rasch wechselnden Methoden, die unstabilen Hypothesen und flüchtigen Entdeckungen beweisen, daß sich die Allopathie eben nicht nach festen Grundsätzen und Gesetzen richtet. In diesem Punkt scheiden sich Homöopathie und Allopathie voneinander, hier ist die Wurzel zum großen Schisma zwischen den beiden Richtungen.
Die Allopathen kümmern sich nur um die letzten Folgen langer Entwicklungen, beobachten nur die objektiven, materiellen Endresultate der Krankheiten. Sie verkennen oder verneinen sogar das, was das Wesen des Menschen ausmacht, was er ist, wo er herkommt, wie er sich in Krankheit und Gesundheit verhält. Wenn sie von kranken Menschen sprechen, so unterhalten sie sich nur über die materiellen Bestandteil seines Körpers, seine Gewebe, seine Biologie (Depression ist Folge von mangelndem Serotonin, deshalb Serotonin Wiederaufnahme Hemmer als Behandlung). Für sie charakterisieren die geweblichen Veränderungen die Krankheit. Jede Krankheit ist ein Ding ohne tiefere Grundursache.
Im Gegensatz dazu erkennt die Homöopathie etwas, was diesen Folgezustand vorangeht. Sie verlässt die Materie, um zum Immateriellen aufzusteigen, das heißt das Räumliche, um zum Räumlich-Energetischen vorzustossen. Alle experimentellen Disziplinen und jede Forschung mit wissenschaftlichem Charakter beweisen, daß nichts ohne Vorhergehendes existiert. Nur auf diesem Wege können wir die Spuren zwischen Ursache und Effekt als eine Serie von Entwicklungsstufen von Anfang bis Ende erkennen und wieder zurückverfolgen vom Ende bis zum Ursprung, auf diese Weise gelangen wir so weit, nicht mehr auf Vermutungen angewiesen zu sein, sondern zu wissen.
Das Ähnlichkeitsgesetz ist der Grundpfeiler der Homöopathie und hat ihr auch ihr Namen gegeben: „Similia similibus curentur“, Ähnliches mit Ähnlichem heilen. Dasjenige Arzneimittel, das bei einem Gesunden die Symptome hervorrufen kann, die ich bei einem Kranken heilen möchte, wird ihn heilen können. 1658 wurde bereits geschrieben: „Sancti non contraria contrariis, sed similia similimum usu curare solent“, das heißt, „Die Heiligen heilen üblicherweise nicht Gegensätzliches mit Gegensätzlichem, sondern Ähnliches mit Ähnlichem“. Die Allopathie basiert auf dem contraria contrariis, hat auch deshalb überall die Vorsilbe „Anti“. So beruht die Homöopathie auf der Vorsilbe „homoeo“, das wir verstehen müssen: Zwei Objekte, zwei Zustände können in mehr oder weniger enger Beziehung zu einander stehen: wir unterscheiden die Identität, die Ähnlichkeit und die Analogie. Das erstere bezeichnet die engste, das letzte die entfernteste Beziehung. Der Wortstamm homoeo bedeutet keines der beiden Extreme, sondern ein Mittelding, die Ähnlichkeit. Es bewegt sich zwischen beiden Extremen, und die Erfahrung zeigt, daß ein Heilmittel desto sicherer heilt, je näher die Ähnlichkeit zur Krankheit ist, je näher sich die Ähnlichkeit der Identität annähert. In diesem Fall sprechen wir auch vom Similimum.
Die Hauptaufgabe des Heilers soll nicht darin bestehen, im Wasser, in ungesunden Wohnungen oder in der Nahrung, die wir zu uns nehmen, die Grundursache, die wahre Ursache unserer Krankheiten zu suchen. Es versteht sich freilich von selbst, daß er solche zufälligen Ursachen fernhalten soll, aber seine Hauptaufgabe ist vor allem das Aufspüren der Symptome der Krankheit, nach denen er dann, geleitet vom Similegesetz, das Heilmittel bestimmen kann. Dasjenige Mittel ist Meister der Situation, welches am Gesunden ein möglichst ähnliches Symptomenbild erzeugen kann; er ist im gleichen Atemzug das nötige Antidot, wo es etwas zu antidotieren gibt, aber auch das Mittel, welches die Krankheit zu Boden zwingt, wieder Harmonie ins Gemüts- und Geistesleben bringt und demzufolge den Patienten heilt.
Die wahre Natur des menschlichen Organismus mehr und mehr verstehen zu lernen und von da mit Verstandesschlüssen dem Wesen der Krankheit näher zu kommen, öffnet uns ein wissenschaftlich außerordentlich anziehendes Arbeitsfeld. Man kann Krankheit auch studieren, indem man die Arzneimittelprüfungen an Gesunden durchforscht. Hahnemann bediente sich auf diese Weise gewonnener Einsicht, als er betonte: „Die Geistes- und Gemütssymptome sind der Schlüssel zur Person“. Die Geistes- und Gemütssymptome werden von ihm und seinen echten Schülern als wichtigste Symptome angesehen, und zwar sowohl die im Arzneimittelversuch produzierten als diejenigen, die sich im Verlauf einer Krankheit manifestieren. In der Tat ist der Mensch durch seinen Geist und sein Herz, durch das, was er denkt und was er liebt, in Folge durch das, was er anstrebt, gekennzeichnet und durch nichts anderes sonst. Wenn diese zwei Elemente, die den Menschen ausmachen, in Unordnung und Disharmonie geraten, so bedeutet es Krankheit. Alle homöopathischen Heilmittel wirken primär auf den Geist, greifen in den psychologischen Regulationsmechanismus ein und beeinflussen so den Menschen in seinen Gedanken, Verlangen und Wünschen und erst in zweiter Linie dann in seinen Funktionen, seinen Gefühlen und zuallerletzt seinen Geweben. Wir müssen die Krankheiten des Menschen an dem, was unserer Materia medica uns offenbart, durchschauen und verstehen lernen. Ebenso, wie wir in einem Arzneimittelbild eine Krankheit unseres Nächsten erkennen können, so sollen wir die Natur eines Wesens, das Heilung bei uns sucht, erkennen.
Nun einige Gedanken zur Psychosomatik
Gehen wir ziemlich zurück in unserer Betrachtung, nämlich auf Hippokrates, 400 vor Christi: „Wisse, Deine Krankheiten und Deine Gesundheit, Deine Traurigkeit und Deine Freuden – sie alle kommen aus Deinem Gehirn.“
Näher an uns, vor rund 500 Jahren, schrieb Paracelsus: „Krankheit ist eine Fehlhaltung im Geist, die zu Fehlschaltungen und Fehlregulationen führen, welche sich im Körper manifestieren bis hin zu Organveränderungen“.
Hahnemann habe ich vorher bereits erwähnt. Er spricht darüber in den §§ 10 und 11 des „Organon“:
§ 10 besagt:
„Der materielle Organismus, ohne Lebenskraft gedacht, ist keiner Empfindung, keiner Tätigkeit, keiner Selbsterhaltung fähig; nur das immaterielle, den materiellen Organismus im gesunden und kranken Zustande belebende Wesen (das Lebensprinzip, die Lebenskraft) verleiht ihm alle Empfindungen und bewirkt seine Lebensverrichtungen“.
In § 11 will Hahnemann sagen, daß sowohl subjektive wie objektive Symptome, dank welchen wir einen bestimmten Krankheitszustand erkennen können, durch eine Störung der Ordnung, des Gleichgewichtes, der Harmonie entstehen. Die gestörte Harmonie kann sich nur durch Symptome bemerkbar machen. Die Empfindungen, welche der Kranke hat, sind die Sprache, in welcher sich die Störungen ausdrücken. So wirkt sich eine Ordnungsstörung, eine pathologische Manifestation, Krankheit genannt, aus. Die Krankheit ist somit nicht die spürbaren, messbaren Veränderungen, die wir feststellen können, sondern das, was die Harmonie der Lebenskraft gestört hat. Die krankhaften Veränderungen, welche sich in den Zellstrukturen nachweisen lassen, sind nur die Folge der primären Störung des immateriellen Lebensprinzips. Der Beginn ist aber schon lange vorher zu suchen, vor jeden, auch den minimalsten objektiven, sichtbaren und greifbaren Veränderungen an der materiellen Substanz des Körpers.
Was ist gesund oder krank?
Im Gegensatz zu der gängigen Definition in der Allopathie bedeutet also Krankheit eine Störung im immateriellen Bereich. Wir müssen den Weg zurückverfolgen bis zur Ursache. Nur sind wir uns gewohnt, die vorangehenden Stadien einer jeweiligen Krankheitsstufe als die Ursache derselben anzuschauen, und dies führt uns auf einem Irrweg.
Es ist der Mensch selbst, der krank ist und der wieder zur Gesundheit gebracht werden soll, und weder sein Körper, noch seine Gewebe. Wie viele Patienten kommen und erzählen von der Odyssee, welche sie von Arzt zu Arzt gebracht hat, und jeder hat nichts als absolut normale Befunde erhoben. Der Patient sagt aber „ich fühle mich nicht wohl“ und erzählt eine Menge Symptome. Wenn wir lange genug warten, wird eine Diagnose gestellt werden können und dann der Patient endlich ernst genommen werden. Nach den traditionellen Methoden muß man zuerst eine Diagnose stellen, bevor man eine Behandlung einleiten kann. Aber in den meisten Fällen kann man eine einwandfreie Diagnose erst dann stellen, wenn die Krankheit schon recht fortgeschritten, ja vielleicht irreversibel, d.h. unheilbar geworden ist! Der Mensch war aber schon lange krank, bevor seine Organe sich veränderten. Ein wissenschaftlicher Homöopath muß klar sehen, daß Nerven, Muskeln, Sehnen, innere Organe und andere Teile des menschlichen Körpers ein objektives Ganzes bilden und dem intelligenten Beobachter ein materielles Abbild vom „inneren Menschen“ geben.
Wenn gewisse Organveränderungen nicht mehr rückgängig gemacht werden können, weil die Krankheit schon weit fortgeschritten ist, kann denn der Kranke wieder gesund werden? Ich meine ja, denn Gesundheit ist der Zustand der Harmonie, in der sich unsere Lebenskraft befindet. Wenn die krankmachende Ursache gefunden, verstanden und behandelt wird, kehrt Gesundheit wieder zurück, auch mit gewissen bleibenden organischen Veränderungen. Der Patient wird sich mit den Veränderungen abfinden können, sie werden auch nicht bedrohlich werden. Da ist Gesundheit ein Zustand, mit dem sich leben läßt.
Platz der Lüscher-Diagnostik
Die Symptome sind nicht die Ursache der Krankheit, die Ursache selber ist nicht sichtbar. Sie kann sich nur durch die Empfindungen und die Symptome manifestieren. Oft können sich verschiedene Ursachen bei einem Menschen in der selben Art und Weise sichtbar machen, da die Symptome nicht die Ursache sind, sondern nur die Sprache des Körpers, daß etwas nicht stimmt. Wenn etwas bereits so lange besteht, daß Symptome auftreten, hat sich der Mensch oft auch an dem krankmachenden Agens derart gewöhnt, daß er nicht mehr stört und nicht mehr bewußt ist. Es ist dann für den Patienten normal, mit Wut oder Trauer oder beleidigt Sein auf eine bestimmt Situation zu reagieren. Es wird ihm nicht mehr bewußt, weil wir die Normalität als solche nicht wahrnehmen. Erst, wenn etwas anders abläuft wie sonst, fällt uns das auf und wird uns bewußt. Die Ursache der Krankheiten kann in vielen Bereichen liegen und ist nicht ohne weiteres ersichtlich und fassbar.
Die Lüscher-Farb-Diagnostik ist nonverbal, daher unabhängig von Bildung, Sprache und Kultur, sie ist charakteristisch für die emotionalen Reaktionen des Menschen. Sie läuft auf der Ebene der Bewertung, wo wir etwas als sympathisch oder antipathisch empfinden. Es ist ein Empfinden und keine rationale Entscheidung. Die Farbwahl basiert auf dem psychovegetativen Zustand, in dem sich der Mensch befindet. Wenn wir die Bedeutung der Farbwahl kennen, erlaubt es uns, diesen Menschen zu verstehen, zu wissen, wo seine Schwierigkeiten sind, welches Ungleichgewicht wir behandeln müssen. Die Ursache wird vorwiegend durch die abgelehnten Farben sichtbar, wie wir es im Würfel gelernt haben: weil jemand Angst hat, zu verlieren, Angst vor der Freiheit hat, Angst vor dem Lüscher-Gelb, das er ablehnt, reagiert er entweder mit Wut und Aggressionen, mit Selbstverwöhnung oder mit überhöhtem Bedürfnis an Sicherheit und Festigkeit. Durch die Farb-Diagnostik wird die Ursache direkt sichtbar, anschaulich und verständlich. Sie führt deshalb direkt zum Wesen des Patienten und zu seinem benötigten Homöopathischen Mittel, dem Similimum.
Die Klassifizierung der homöopathischen Mittel
Durch das Verstehen der Materia medica und dem klassifizieren der Symptome, die dort aufgelistet sind, in dem kategorialen Denken des Lüscher-Würfels, ist es möglich, den psychovegetativen Zustand jedes einzelnen Mittels zu definieren. Es gilt, das Symptom in einer der 24 Möglichkeiten einzureihen, um es dann so definiert zu haben, wie es ein Patient aus einer Zeile auswählen kann.
Beim Durchlesen der Materia medica gilt die Aufmerksamkeit der verschiedenen Kategorien. Welche Eigenschaften werden durch das Symptom definiert: ist es rezeptiv, oder direktiv, ist es variabel oder konstant, ist es integrativ oder separativ. Oftmals ist die eine oder andere Eigenschaft nicht klar, zum Beispiel kann ein Symptom ganz klar rezeptiv und konstant sein, aber manchmal integrativ oder separativ. Weitere Symptome verhelfen einem dann zu mehr Klarheit. Das zweite, was man wissen muß, ist die Ebene, auf welcher das Symptom einzureihen ist: handelt es sich um ein Symptom, das mit Zugehörigkeit und Beziehungen zu tun hat, oder betrifft es die Selbstbestimmung, ist es eine Reaktion auf Herausforderungen oder der Umwelt, oder betrifft es Erwartungen und Kommunikation. Also muß ich wissen, ob das Symptom Eigenschaften der blauen, der grünen, der roten oder der gelben Zeile im Lüscher-Test darstellt. Die so gewonnenen Definitionen sind dann für das Mittel charakteristisch.
Bei Polychresten kann es durchaus passieren, daß man nicht alle Symptome unter der gleichen Definition einreihen kann. Das liegt in der Natur dieser großen Mittel, die mehrere Aspekte zum Vorschein bringen können. Vergleichbar mit einer großen Standuhr, die man einmal von vorne, von der Seite und von hinten betrachtet. Auf einmal ist nur ein Aspekt sichtbar, je nachdem, wo man sich momentan befindet. So sind für Polychresten, aber auch für Arzneien, die zum Teil widersprüchliche Symptome aufweisen, zum Teil auch mehrere Zeilendefinitionen möglich.
Ist die Definition eines Mittels ganz klar, und entspricht der Zeilendefinition, welche der Patient durch seine Farbwahl uns liefert, müßte das entsprechende homöopathische Mittel die Heilung bewirken. Denn es wäre auf dem Gesetz der Ähnlichkeit gewählt worden, einer so tief liegenden Ähnlichkeit, daß sie praktisch der Identität gleich ist und somit ein Similimum für den Zustand des Patienten bedeutet.
Die Praxis beweist, daß es stimmt. Ich habe einige wunderbare Entwicklungen erlebt, nachdem Arzneien, die ich sonst auch nach der „normalen“ Arzneimittelfindung verordnet hätte, auch diesen kategorialen Kriterien entsprochen haben.