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1900-1941
Josef Alfons Traxl
Am 27. November 2020 konnte an seinem letzten Wohnort in der Schweiz, Schöntalstrasse 22 im Zürcher Stadtteil 4, ein Stolperstein für Josef Traxl gesetzt werden. Traxl war ein Opfer des Nazi-Terrors. Er war homosexuell. Ermordet wurde er im Konzentrationslager Buchenwald am 24. August 1941. Seine Häftlingsnummer: 7720. Er trug den Rosa Winkel.
Am 31. Mai 1900 kam Josef in Zürich zur Welt.1 Seine Eltern waren Österreicher. Sie hatten ihre Heimat verlassen, um in der Schweiz ein Einkommen zu finden. Nach schweizerischem Recht blieb ihr Junge aber Österreicher. Trotzdem fühlte er sich stets als Schweizer, auch weil er die Primar- und Sekundarschule in Zürich besuchte und den Dialekt seiner Mitschüler sprach. In seinem Lebenslauf2 schrieb er vom "Heimweh, welches mein Herz zermartert", wenn er in Österreich sein müsse. "Und wenn ich zu Tode verurteilt werden sollte, komme ich immer wieder in mein Heimatland in die Schweiz, denn ich fühle mich nicht als Österreicher, sondern als patriotischer Schweizer.»
Mit 16 begann er eine kaufmännische Lehre, brach sie aber nach zwei Monaten ab. Später gab das Zürcher Einwohneramt "Maurerhandlanger" als Beruf an. In seinem 1937 auf polizeiliche Aufforderung verfassten Lebenslauf berichtete Traxl, dass er sich 1918 bei der PTT beworben, aber als Ausländer eine Absage bekommen habe. "Dies versetzte mir einen Schlag ins Gesicht, und ich führte meinen begonnenen Lebensweg mit leidenschaftlichem Drang weiter", womit er andeutete, seine mit 17 Jahren begonnene Tätigkeit als Strichjunge sei dadurch erst recht gefördert worden. Im Lebenslauf erwähnte er auch, er sei das "Sorgenkind meiner Eltern" und ein "von Unglück und Pech verfolgter" Mann und fuhr dann weiter: "Von meinen Kollegen wurde ich dazu verleitet, mit den Homosexuellen Verkehr zu pflegen." Er habe damals noch keine Ahnung gehabt, was ein Homosexueller wirklich sei. Aber "meine Kollegen waren bewährte Strichjungen, ich wurde auch so ein Strichjunge, und mein verpfuschtes Leben hatte seinen Anfang genommen." Allerdings, er war im Unterschied zu den meisten Strichern offensichtlich homosexuell und liebte Senioren. Denn er schrieb von einem "60jährigen Herrn", dem "Ideal meiner sexuellen Leidenschaft", zu "dem ich mich wie zu einer Geliebten angezogen fühlte", und bekannte: "Das war schönste Zeit meines Lebens."
Ernst Ostertag, Dezember 2020