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Tag 7 Alta
23. Januar 2020 - Donnerstag
Irgendwann in der Nacht erwachte ich, weil es fast gespenstisch ruhig war. Kein Wellengang, kein Wind und fast nur Dunkelheit um uns herum. Was ist los, was ist anders?
Sofort habe ich mein iPad zur Hand genommen und nachgeschaut. Ich hatte mir vor der Reise das App: "Ship Finder" heruntergeladen und konnte somit jederzeit die Position der "Richard With" verfolgen. Wir waren nicht mehr in der Barentsee und weit weg von den Häfen Båtsfjord oder Vardø. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass wir in Vadsø einlaufen sollten, aber wir waren unterhalb Hammerfest - also genau die entgegengesetzte Richtung. Was war passiert? Ein Schaden? Eine Entführung? Eine Bombendrohung? Obwohl die See sehr ruhig war konnte ich nicht schlafen und verfolgte ständig auf dem iPad unsere Position. Noch bei Dunkelheit erreichten wir einen Hafen: Alta. Weit weg von Kirkenes, dafür Stille, wenig Häuser und ein Flugplatz. Um die Frühstückszeit erfolgte dann die Klärung über Lautsprecher durch den Kapitän. Aufgrund der Wetter- und Wellenverhältnisse konnte Kirkenes nicht angelaufen werden und während wir schliefen suchte Hurtigruten die beste Lösung - und das war Alta. Ein Crewmitglied sagte: " Die Wellen waren zwischen 15 und 20 m hoch. Kein Problem für das Schiff, aber für die Passagiere". Die Vorteile zeigten sich beim Studium der Karte. Alta hatte die kürzeste Landverbindung mit Kirkenes (ca 6 Stunden mit dem Bus), einen Flughafen und eine gute Logistik. Grundsätzlich hat die Hurtigrutengesellschaft "eigene" Hafenanlagen an mit der entsprechenden Infrastruktur und eigenem Personal. Das Expeditionsteam und das Team der Reception hatten eine kurze Nacht hinter sich, organisierten Veranstaltungen und das auschecken der Passagiere mit Ziel Kirkenes. Wer keine weiteren Verpflichtungen hatte wurde auf einen Flug nach Bergen oder Oslo gebucht um dann nach Hause fliegen zu können. Für die Übrigen gab es eine Busfahrt nach Kirkenes.
Der Aufenthalt hier dauerte bis in der kommenden Nacht, da auf die neuen Passagiere aus Kirkenes gewartet werden musste. Somit blieb uns ein langer Landausflug. So fuhren wir mit dem Bus in die Stadt. Alta ist die grösste Stadt in der nordnorwegischen Provinz "Troms og Finnmark und hat ein kleines und feines Stadtzentrum. Herausragend ist die "Nordlichtkathedrale", ganz aus Beton gebaut und mit Titanplatten verkleidet. Sie wurde im Jahr 2013 eingeweiht. Sie liegt ziemlich im Zentrum der "Nordlicht-Stadt" am Rande der Fussgängerzone.
Hier im Stadtzentrum ist alles sehr nahe und einfach geregelt. Ein riesengrossen Parkhaus in der Mitte und sehr viele Geschäfte und Einkaufszentren können unterirdisch oder über Passerellen zu Fuss erreicht werden, ohne nach draussen gehen zu müssen. Die Leute sind oft schick gekleidet und wir fragten uns, warum sie nicht warm eingepackt waren wie wir. Die Touristen waren leicht zu erkennen: Jacken, Mützen und dicke Pullover.
Sollte sich jemand ohne Auto oder Bus in der Stadt bewegen, so nimmt er den Spark, den Tret- oder Kickschlitten. Das traditionelle norwegische Fortbewegungsmittel wird einfach hingestellt und nach dem Einkauf wieder mitgenommen - abgeschlossen wird hier gar nichts, man vertraut sich.
Nach diesem Ausflug ging es mit dem Bus wieder zurück zum Schiff, wir hatten schliesslich ein feines Nachtessen verdient. Den richtigen Bus zu finden war nicht schwer, denn alle sind gleich angeschrieben aber fahren einfach in die andere Richtung. Zurück beim Schiff waren die neuen Passagiere auch schon eingetroffen und waren beim Einchecken. Ein Besuch in der Multe auf Deck 7 war Pflicht und im Shop musste ich mir doch noch eine Erinnerung kaufen.
Am Abend schaute ich mit vielen anderen Passagieren den Film über den Männerchor von Berlevåg. Noch selten so viel gelacht geschmunzelt und gestaunt. Die Nacht sollte ruhig werden denn Leinen los war auf 3 Uhr 30 angesetzt. So konnte ich noch in Ruhe ein Foto des Schiffes schiessen, welches zu meinem Lieblingsfoto wurde - nebst denen mit Annemarie natürlich.
Gute Nacht.