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Als Ulcus cruris („offenes Bein“) werden tiefe und schlecht heilende Wunden am Unterschenkel bezeichnet. Die Bezeichnung Ulcus cruris stammt aus dem Lateinischen und bedeutet auf Deutsch Unterschenkelgeschwür (Ulcus = Geschwür, cruris = Unterschenkel). Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ein Ulcus cruris häufig als offenes Bein bezeichnet. Ein Ulcus cruris entsteht als Folge einer Durchblutungsstörung in den Beinen.
Wenn am Unterschenkel oder am Fuss, vor allem im Knöchelbereich, das Gewebe derart stark beschädigt ist, dass Zellen absterben und sich ein Geschwür bildet, spricht man von einem offenen Bein, Beingeschwür oder einer Ulcus Cruris.
Die Geschwüre erscheinen wie flache Krater, welche offene Haut zum Vorschein bringen. Meist sind die Wunden nässend und heilen nur sehr schnell ab (i.d.R. länger als 6 Wochen). Ulcera Cruris können sich in Grösse, Farbe sowie Tiefe unterscheiden.
Betroffene klagen oft über weitere Symptome, die sowohl vor Entstehung des offenen Beines auftreten als auch nach Auftreten der Krankheit weiterbestehen können. Dies sind u.a.:
•Geschwollene Beine und/oder Knöchel
•Hautverfärbungen an den betroffenen Stellen
•Hautverhärtungen herum der Ulcus Cruris
•Beinschmerzen
•Schwere Beine
•Jucken, Kribbeln in den Beinen
Eine Ulcus Cruris ist i.d.R. auf eine von drei Ursachen zurück zu führen:
1.Venöse Insuffizienz
2.Arterielle Durchblutungsstörungen
3.Diabetes Mellitus
In mehr als 75% der Fälle ist jedoch die Erkrankung an einem Offenen Bein auf eine Venenschwäche zurück zu führen.
Aufgrund einer Störung des venösen Blutkreislaufes, z.B. durch defekte Venenklappen, staut sich das Blut in den Venen (siehe auch Venenleiden – Ursachen). Durch die Blutstauung steigt der Druck in der Vene – Flüssigkeit wird in das umliegende Gewebe gedrückt. Die Flüssigkeit wiederum führt zu Schwellungen und dazu, dass die Haut schlecht versorgt wird und sich entzündet. Folge: die Zellen sterben schliesslich ab und es entsteht in den schwerwiegendsten Fällen ein Beingeschwür (Ulcus Cruris).
Weitere Risikofaktoren können ausserdem zur Entstehung eines Offenen Beines beitragen, u.a.
•Bewegungsmangel
•Vorausgehende Venenthrombose
•Vorausgehende Verletzungen am Bein
•Genetische Vererbung einer Blutgerinnungsstörung
•Übergewicht
•Hohes Lebensalter
Die Behandlung eines Ulcus cruris ist oft schwierig und langwierig. Ziel der Behandlung ist es in erster Linie, die Ursachen für das Ulcus cruris zu beseitigen, also meist, den gestörten Blutrückfluss zu verbessern. Ausserdem muss die Wunde so versorgt werden, dass sie rasch wieder abheilt. Nicht zuletzt muss einer zusätzlichen Infektion vorgebeugt werden. Die Therapie des Ulcus cruris dauert meist mehrere Wochen. Auch nach Abschluss der Therapie sollten weiterhin regelmässige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt/Phlebologe erfolgen.
Verbesserung des Blutflusses
Die wichtigste Behandlung bei einem Ulcus cruris auf dem Boden einer Venenschwäche ist die Kompressionstherapie mit Bandagen oder mit medizinischen Kompressionsstrümpfen. Die zweite wichtige Säule ist Bewegung. Das bedeutet zumindest regelmässiges Gehen. Beim Gehen „pumpen“ die Wadenmuskeln das Blut sozusagen aus den Beinen nach oben in Richtung Herz. Kompressionsbehandlung und Muskelarbeit können also wirksam die Ursache der Erkrankung, nämlich das „zu viel an Blut in den Beinen“ beheben. Unter dieser Behandlung kann ein Ulcus abheilen. Ausserdem sinkt unter dieser Therapie das Risiko für ein Wiederauftreten.
In manchen Fällen ist eine Kompressionsbehandlung allerdings nicht geeignet: So kann sie zum Beispiel bei einer fortgeschrittenen Arteriosklerose der Beingefässe oder einer entgleisten Herzschwäche unter Umständen schädlich sein. Der Arzt wird dann die Vorteile und die Nachteile der Behandlung sorgfältig abwägen, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.
Wirkt eine normale Kompressionsbehandlung nicht ausreichend, ist eventuell eine intensivere Therapie, eine sogenannte intermittierende pneumatische Kompression nötig. Dabei werden die Beine des Patienten in spezielle Manschetten gelegt. Diese werden mit Hilfe einer Maschine wie ein Luftballon aufgeblasen und wieder abgelassen. Bei sehr starken Schwellungen kann auch eine Lymphdrainage helfen.
Wundreinigung
Die Behandlung der offenen Wunde erfolgt durch den Facharzt (Dermatologe oder Phlebologe). Die Wunde muss regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Dies erfolgt entweder mit speziellen Salben, welche die Beläge auf der Wunde auflösen (fibrinolytische Salben), oder mittels der sogenannten Kürettage. Bei der Kürettage trägt der Facharzt die Beläge mit einem scharfen Löffel ab und reinigt die Wunde. Anschliessend werden Umschläge mit antiseptischen Mitteln angelegt. Durch diese soll die Wunde keimfrei gehalten werden. Bei stark nässenden Wunden werden feuchte Umschläge mit Kochsalzlösung verwendet.
Bei chronischen Wunden erfolgt eine sogenannte feuchte Wundbehandlung. Es stehen dafür verschiedene Auflagen zur Verfügung. Diese Auflagen halten die Wunde frei von Krankheitserregern und Schmutz und fördern die Regeneration der umliegenden Haut. Durch feuchte Wundauflagen wird die Heilung eher verstärkt als durch eine vollkommen trockene Behandlung.
Operative Massnahmen
Bei einem Ulcus cruris können ausserdem operative Methoden angewandt werden, um die Wunde zu reinigen, Beläge abzutragen, den venösen Blutfluss zu verbessern und die Wundheilung zu beschleunigen. So lassen sich zum Beispiel Krampfadern, die auf das Beingeschwür zulaufen, operativ entfernen. Bestimmte Venen, die einen besonders starken Rückstau des Blutes verursachen, lassen sich chirurgisch entfernen (Stripping) oder mit Laserstrahlen oder Radiowellen verschliessen oder mit Hilfe bestimmter Wirkstoffe vor Ort veröden (Sklerosierungstherapie).
Bei arteriellen Beingeschwüren kann eine chirurgische Behandlung in Form einer Bypass-Operation helfen. Der verengte beziehungsweise verschlossene Gefässabschnitt wird überbrückt, indem ein Gefässstück von einem anderen Ort im Körper, das dort nicht zwingend benötigt wird, an den verengten Abschnitt versetzt werden.
Einige Beingeschwüre lassen sich auch durch eine operative Hautverpflanzung schneller zur Abheilung bringen.
Medikamente
Bei einem besonders hartnäckigen Unterschenkelgeschwür kann ergänzend eine medikamentöse Ulcus-cruris-Therapie erfolgen. Dabei werden Medikamente, die Wachstumsfaktoren enthalten, angewendet. So wird ebenfalls die Wundregeneration unterstützt. Antibiotika werden verschrieben, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion vorliegt.
Wundreinigung mit Fliegenlarven
Eine sehr effektive Behandlung des Ulcus cruris ist die bio-enzymatische Wundreinigung mit Fliegenlarven. Hier werden für zwei bis drei Tage 100 bis 200 Fliegenlarven in einem porösen Säckchen auf das Geschwür gesetzt. Die Larven ernähren sich von abgestorbenem Gewebe, das sie zuvor durch ihren Speichel angedaut haben. Lebendes Gewebe greifen die Larven nicht an. Vor allem bei schlecht heilenden, infizierten Wunden, die auf eine antibiotische Therapie nicht ansprechen, wird diese Methode empfohlen.
Kontaktekzem bei Ulcus cruris
Durch Anwendung von verschiedenen Cremen und Salben entsteht nicht selten eine allergische Reaktion (ein sogenanntes Kontaktekzem). Die Behandlung stagniert, Ulcus wird grösser. Diese allergische Reaktion soll unbedingt von einem Dermatologen begutachtet und behandelt werden.