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Auch die Beringer Brüder hatten grossen Einfluss auf die Entwicklung des Napa Valleys und auf den kalifornischen Weinbau. Zudem beleuchtet diese Geschichte auch,
warum denn so viele Mitteleuropäer, vornehmlich Deutsche, in den Westen ausgewandert sind.
Nach der Einführung des napoleonischen Zivilgesetzbuches während der französischen Besetzung des Rheinlands im frühen 19. Jahrhundert wurden die meisten deutschen Weinberge unter Teileigentum gehalten. In diesem System wurde das Land fortwährend zersplittert, bis die Betriebe in vielen Fällen zu klein wurden, um wirtschaftlich rentabel zu sein und um eine eigene Familie ernähren zu können. Diese Art der Erbschaftsstruktur belastete die Familien der Winzer erheblich, deren Lebensunterhalt ja vom Anbau einer in genug grossem Umfang zur Verfügung und im Ertrag stehenden Rebberge abhängig war.
Faktoren wie die Armut, Elend, politische Umwälzungen und Landknappheit führten dazu, dass viele Deutsche eine Auswanderung als die letzte Möglichkeit betrachteten, um irgendwie überleben zu können.
Der deutsche Weinhandel, in dem auch Jacob als Kellermeister ausgebildet war, wurde zunehmend instabiler, schlechte Jahrgänge, Missernten, dazu noch die Verschlechterung des Ansehens des deutschen Weines bewogen auch Jacob wie auch viele andere dazu, eine Auswanderung zu planen und auch zu vollziehen. Im krassen Gegensatz zu ihrer Heimat Deutschland, fanden die Auswanderer in Kalifornien ein besseres Klima, genug Land, das zu diesem Zeitpunkt sehr preiswert zu erstehen war und zudem beinahe keine Auflagen von Staates wegen. Schreibtischtäter gab es damals in Kalifornien keine.
Der Napa-Historiker William F. Heintz beschreibt Jacobs Entscheidung, Deutschland für die Vereinigten Staaten zu verlassen, als vereinbar mit den berühmten propagandistischen Worten von Horace Greeley: "Wenn du keine Familie oder Freunde hast, die dir helfen und dir keine Perspektive eröffnen können, dann dreh dein Gesicht in den grossen weiten Westen, um dort ein Heim und ein Vermögen aufbauen.
Jakobs Geschichte, obwohl diese sicherlich in vielerlei Hinsicht einzigartig ist, passt auch gut zu anderen Erzählungen von deutschen Einwanderern dieser Zeit. Die bereits bestehenden Netzwerke von Verwandtschaft, Freundschaft und beruflicher Kameradschaft zwischen Deutschland und Nordkalifornien bewog viele, den Schritt in Richtung Kalifornien zu wagen. So auch Jacob Beringer. Eine Reihe von Beziehungen verband so auch Jacob Beringer aus Mainz mit der deutschen Einwanderergemeinde in Nordkalifornien. Einer der ersten Ankömmlinge deutscher Nation im Napa Valley war Jacob Schram (Schramsberg Winery). Dieser ermunterte und half Jakob Beringer durch die Zusage grenzenloser Weinberge und die Ausweitung der Gemeinschaftsunterstützung - und das Tausende von Kilometern von der Heimat entfernt - nach Kalifornien auszuwandern,
Von sehr wichtiger und auch entscheidender Bedeutung war jedoch auch die frühere Emigration (1862) von Jacobs älterem Bruder Frederick. Frederick war als erfolgreicher Malzhändler in Buffalo und New York City tätig. Sein Erfolg brachte Frederick auch in Kontakt mit vielen New Yorkern, einschliesslich des zukünftigen Präsidenten Grover Cleveland. Fredericks überschwängliche Briefe an seinen Bruder Jakob waren mit entscheidend dafür, dass Jacob die Reise 1868 über den Atlantik wagte, zudem er noch von Frederick im Keller des Weinhandelshauses Truche & Winkenbach eine Arbeitsstelle vermittelt bekam.
Jacobs Aufenthalt in New York war sehr kurzlebig. Nach seiner Ankunft begann er umgehend Englisch zu lernen. Als das passabel genug war, eröffnete er flugs ein eigenes Wein- und Selters-Geschäft an der 10. Strasse in New York. Wie bei vielen anderen auch war Jacobs Wunsch innig, unbedingt Land in Kalifornien zu kaufen. 1870 verliess er seinen Bruder und reiste mit der transkontinentalen Eisenbahn nach San Francisco.
Dort angekommen, machte er sich auf ins Napa Valley, um sich bei Freunden und Bekannten einmal umzusehen. Jacob fand Arbeit als Kellermeister bei der Charles Krug Winery, die dem gleichnamigen deutschen Auswanderer gehörte.
Im Napa Valley war Deutsch eine der meistgehörten Umgangssprachen. Laut einem Weinhistoriker war die „Grafschaft“ Napa, ziemlich Germanisch! Auf jeden Fall beheimatete das Napa Valley zwei deutsche Blaskapellen, 3 Turnvereine und selbst an der High School wurde in deutscher Muttersprache Schillers Drama „Die Räuber“ aufgeführt. Das Stück ist selbst für Deutschsprachige auch heute noch eine schwer zu verstehende Kost.
Treffend bemerkte George Cornwell, ein Geschäftsmann aus Napa, im Jahre 1876: "Wo immer er ein Zeichen von kalifornischem Wein zum Verkauf sehe, sei er sicher auch Deutsche zu finden“. Der deutsche Einfluss in dieser Periode von Napas Geschichte wird durch statistische Beweise gestützt. Die Gesamtbevölkerung von Napa County im Jahr 1880 betrug 9.027 Personen, davon 46 % im Ausland geboren. Die Deutschen machten davon 15 % dieser im Ausland geborenen Bevölkerung aus. So gerechnet bildeten die Deutschen in dieser Zeit 7 % der Gesamtbevölkerung des Napa Countys. Im Jahre 1890 zählte die gesamte im Ausland geborene Bevölkerung von Napa County 5.441 Personen. Die Deutschstämmigen bildeten in dieser Zeit mit 20 % im Ausland geborene die grösste, nicht amerikanische Population im Napa Valley. Interessanterweise wuchs die deutsche Bevölkerung im benachbarten Sonoma County im gleichen Zeitraum um nur 1 %.
Mit der besonderen Hilfe von Jacob Schram und Charles Krug war es Jakob Beringer möglich, den Traum vom eigenen Weingut zu verwirklichen. Die wichtigste Verbindung und Bezugsperson war aber nach wie vor die zu seinem Bruder Frederick (Fritz) in New York.
Jacobs Kauf von Dutzenden Hektaren Land in St. Helena, den er 1875 tätigte, wurde zum physischen Fundament für das Beringer Weingut. Der Kaufpreis von 14.500 US-Dollar lag deutlich unter dem Preis, den der Verkäufer, William Daegener, erst zwei Jahre zuvor gezahlt hatte. Das Grundstück umfasste ein zweistöckiges Bauernhaus mit einem kleinen Weinberg und vielen weiteren Hektaren bestem Ackerland, das Jacob beabsichtigte mit Reben zu bepflanzen. Jakob und Frederick tauschten fortwährend Briefe über den Erwerb aus. Drei Monate nach Jacobs offiziellem Kauf des Grundstücks, im September 1875 sandte Frederick Jacob Geld für die Hälfte der Summe des Grundstücks, das Grundstück wurde in beiden Namen eingetragen und so startete die „Beringer Brothers - Los Hermanos Winery“ ihren Höhenflug.
Dieser gemeinsame Kauf weist auf das ausserordentliche hohe Mass an Vertrauen zwischen den zwei Brüdern hin, zumal Frederick das Grundstück noch nicht einmal gesehen hatte.
Der Aufbau begann. Die ersten Rebsorten die Jacob neu anpflanzte waren Chasselas und Riesling.
Mit den finanziellen Beteiligungen seines Bruders verbesserte und vergrösserte Jacob das Anwesen umgehend weiter und stellte sogar ein Jahr nach dem Kauf, im Jahr 1876 bereits seinen ersten Beringer Brothers Wein her.
Die Beringers waren einer der sehr wenigen Weingüter, die damals in der Lage waren, den fertigen Wein in den grossen Märkten an der Ostküste der USA, erfolgreich zu platzieren und zu verkaufen. Neben der Produktion von stillen, prickelnden und angereicherten Weinen errichteten die Brüder auch eine Brennerei, in der sie Unmengen von Wein für andere Marken brannten.
Jacob Beringers grosser Vertriebsmotor war sein Bruder und Geschäftspartner Frederick in New York. Im Jahre 1880 eröffnete Frederick, der bereits gut mit der Society-Szene in New York State verbunden war, ein Handelshaus und einen Keller an der Fulton Street in New York City, um Jakobs "erlesenste Jahrgänge" zu verkaufen.
Frederick hatte, immer noch in New York tätig, auf vieles einen gewissen Einfluss, so wurde unter anderem in einem 1880 erschienenen Bericht des New York Retailers über die Napa Valley Weine geschrieben, dass die Napa Weine nicht unähnlich denen zu Hauf damals importierten Standard-Marken aus Europa seien. Die Beringer Brothers schafften es, zu einem der grössten Lieferanten kalifornischen Weins an der Ostküste zu werden, ganze 600'000 Liter wurden bereits im Jahr 1880 dorthin geliefert. Auf dem Markt in San Francisco waren die Beringer Weine praktisch inexistent, da der dortige Markt gesättigt war und sie auch keinen Zugang zu diesem Markt fanden. Die Brüder erwarben 1880 weitere 70 ha Land, von denen 16 ha bis Ende des Jahres bereits freigelegt waren und mit Reben bepflanzt wurden. Im selben Jahr noch hat Jacob auch grosse 40'000 Liter fassende Rotholzfässer für die Fermentierung der Trauben zimmern lassen.
Ein Jahr darauf beschloss Jacob, ein zweistöckiges Kellereigebäude zu erstellen wo er sich nach europäischem Vorbild bei der Weinproduktion das Prinzip der Gravitation zu nutzen machen konnte. Gedacht – gesagt - getan. Der Bau konnte in Angriff genommen werden, da Frederick wacker Geld aus New York hinüber fliessen liess.
Die Brüder besuchten sich sporadisch jeweils gegenseitig an ihren Wohnorten, was damals natürlich mit etwelchem Zeitaufwand verbunden gewesen war.
Frederick Beringer, der New Yorker Malzhändler und Investor, beschloss 1883 sein gutgehendes Geschäft in New York in die Hände seinen Mitarbeiter zu geben und im Napa Valley sesshaft zu werden.
Frederick plante ein Haus nach seinen Erinnerungen an Deutschland. Buntglasscheiben und Türmchen sollte es haben und auch genügend Platz. Im Dezember 1884 zog die Familie von Frederick in das mittlerweile fertiggestellte „Rhein House“ wie er es nannte ein. Das 17 Zimmer umfassende Haus, ein Prachtbau ist auch heute noch immer das Wahrzeichen der Beringer Winery.
Zu Beginn des Baus des Hauses im Jahr 1883 waren beide Brüder mehr als fünfzehn Jahre in den Vereinigten Staaten. Die deutsche Identität der Brüder hatte sich rasch zu einer deutsch-amerikanischen Identität gewandelt. Die deutsche Sprache war nach und nach dem Englischen gewichen. Deutsche Netzwerke, einst lebenswichtig, wurden durch amerikanische geschäftliche und politische Netzwerke ersetzt. In diesem Zusammenhang war das Haus im Rheinstil eine Möglichkeit für Friedrich und Jacob, ihr deutsches Erbe zu feiern. Das "Rheinhaus" ermöglichte den Brüdern, die Verbindung zu ihrer Kindheit und zu ihrer Jugend aufrecht zu erhalten.
Jacob, wie auch sein Bruder Frederick, wurden nie müde, von ihrer Heimat Deutschland zu träumen, wohl waren dies eher momentane, schnell vorübergehende und melancholische Momente. Es gibt aber die Geschichten wo die Beringer Brothers mit ihren Einwandererfreunden Jacob Schram, Jacob Grimm und Charles Krug, deutsche Lieder bis tief in die Nacht bei ein/zwei Gläsern Wein zum Besten gaben... Aber noch häufiger waren Geschichten von Jacobs Arbeitsmoral, Freundlichkeit, Intelligenz und Erfahrung; alle wichtigen unternehmerischen Komponenten in einer Person.
Auf der Weltausstellung 1889 in Paris erreichten die Beringer Weine aus dem fernen Kalifornien Berühmtheit und führten zu Aufträgen aus so weit entfernten Ländern wie Japan, England und Deutschland.
Ein wichtiger Teil von Friedrichs Verbindung zu seiner deutschen Vergangenheit war auch seine dreizehnjährige Präsidentschaft der New Yorker „Arion Society“, deren Mitglieder grösstenteils aus New Yorker Eliten, deutscher Herkunft bestanden. Frederick war 1899 der Ehrengast, als Tausende von New Yorker „Arion Society“ Mitgliedern San Francisco besuchten. Tatsächlich konnte er seine Rede, die er auf Deutsch hielt, aufgrund der anhaltenden Eruptionen von Jubel und Ovationen kaum halten...
Um der steigenden Nachfrage der Verbraucher an der Ostküste gerecht zu werden, verwendete Jacob die neuesten Technologien zur Weinherstellung, einschliesslich eines mit Dampf betriebenem Traubenzerquetscher und einem mechanisierten Schienensystem, um die Umplatzierungen der Bottiche und der Fässer im Keller zu erleichtern. Zehntausende von Gallonen Wein wurden jährlich an die Ostküste geschickt.
1893 hatten die Beringers über 155 ha Rebland und konnten gegen 800'000 kg Trauben ernten. Das ist enorm, bedenkt man, dass alles per Hand und mit Pferde- oder Maultier Gespannen bewirtschaftet wurde.
Während die Reblaus in Kalifornien wütete und viele der Winzer finanziell zur Strecke brachte und sogar ganze Weingüter ausradierte, hatten die Beringer Brothers grosses Glück, da ihre Weinberge grösstenteils verschont blieben. Sie halfen den befreundeten Winzern mit Rat und Tat und mittels Geldunterstützungen.
Das Beringer Weingut selbst wurde aber auch nicht von Schicksalsschlägen verschont. Frederick, der auch als Präsident der „Sparkasse“ St. Helena amtete, erkrankte 1901 an einem Nierenleiden und verstarb bereits im Alter von 61 Jahren in St. Helena. Fünf Jahre später bebte die Erde derart massiv, dass die Winery und auch das Rhine House grossen Schaden nahmen.
Obwohl der Geschäftssinn und der richtige Riecher nach dem Tode von Frederick fehlten, führte Jacob das Weingut und die Geschäfte bis zu seinem eigenen Tode 1915 erfolgreich weiter.
Der Weinkonsum brach in den USA ein. Zudem war es sehr schwierig, die Geschäfte und alle Ländereien vernünftig unter den 9 Kindern der Beringer Brüder aufzuteilen. So wurden die Geschicke des Unternehmens nur auf ein paar Familienmittgliedern aufgeteilt, nach den Grundsätzen, die die Gebrüder Beringer bereits bei ihrer Gründung des Weingutes festgelegt hatten. Fredericks Frau mit ihren drei Kindern verkaufte ihre Anteile an die Familie von Jacob und zog mit ihren Nachkommen nach San Francisco.
Das schwankende Geschäft mag, etwas ironisch, durch die Prohibition (1920-1933) gerettet worden sein, da das Weingut das Recht hatte, Sakrament Weine für die katholische Kirche zu keltern. Dies beruhte jedoch auf ganz anderen Umständen als jenen, die es zwei deutschen Einwanderern ermöglichten, in Kalifornien höchst erfolgreiche Weinunternehmer zu werden.
Jacobs Nachfahren verkauften das Weingut 1971 an Nestle. Wir kennen ein paar Personen, die dort während der Nestle Zeit und auch noch beim folgenden Inhaber auf dem Beringer Weingut gearbeitet hatten, sie sind alle des Lobes voll über dieses Schweizer Unternehmen. Leider verkaufte Nestle dieses prosperierende Weingut 1996 an die Texas Pacific Group, die es dann im Jahre 2000 an die australische Forsters Group weitergab.
Sehr vielen Kadermittarbeiter was das zu viel und sie haben “ihre“ geliebte Beringer Winery nach und nach verlassen. Ein gewaltiger Brain-Drain! Darunter waren der Chef Kellermeister, der Kellermeister für die Reserve Abfüllungen, die Leiterin der gesamten Verkaufsabteilung, die Nationale Verkaufsleiterin, die Export Verantwortliche, und der Leiter und Vize Leiter der Rebberge. Die Forster’s Group lagerte das Weingut Beringer in ihre Holding für Weingüter, die Treasury Wine Estates aus. Im Jahre 2015 hat dann der Weltgigant in Sachen Bier, Anheuser-Busch die Treasury Wine Estates von Forsters übernommen.
Seit 2015 ist Mark Beringer, der Ururenkel von Jacob Beringer der Kellermeister auf der Beringer Winery in St. Helena!