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Aus Schädeln werden Ahnen
15.09.2022 (09:30) Medienmitteilung
Präsidialdepartement
Der Regierungsrat von Basel-Stadt stimmt zu, dass zwölf Schädel und eine Haarprobe australischer Indigener aus der Sammlung des Naturhistorischen Museums Basel in ihre Heimat zurückgeführt werden. Er kommt damit einem Gesuch Australiens nach. Die australische Regierung wertet die Rückführung als wichtiges Versöhnungszeichen an die indigene Bevölkerung.
Der Regierungsrat von Basel-Stadt hat einer Restitution von Kulturgütern aus der Sammlung des Naturhistorischen Museums Basel (NMB) zugestimmt. Es handelt sich um zwölf Schädel und eine Haarprobe indigener Menschen aus Australien. Sie wurden in einem kolonial geprägten Umfeld erworben. Die australische Regierung hat im Herbst 2021 beim NMB beantragt, die Überreste von Ahnen der Aborigines in ihre Heimat zurückzuführen.
Die australische Regierung ist überzeugt, dass diese Rückführung ein wichtiges Zeichen der Versöhnung für die indigene Bevölkerung ist, nachdem sie in der Kolonialzeit unterdrückt wurde und auch danach viel Leid ertragen musste. Das zuständige Departement der australischen Regierung (Office for the Arts, Indigenous Repatriation) hat deshalb eine Anfrage ans Naturhistorische Museum gestellt. Eine erste Kontaktaufnahme erfolgte im Herbst 2020. In der Folge hat das Museum seine Bestände überprüft und die zwölf Schädel und eine Haarprobe eruiert.
Eingang in Basler Sammlungen
Sie alle gelangten im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts in Basler Sammlungen: Neun der dreizehn Kulturgüter wurden von Händlern erworben und kamen zwischen 1921 und 1938 in die Sammlung des damaligen Museums für Völkerkunde, dem heutigen Museum der Kulturen Basel (MKB). Sechs davon gelangten über den Basler Naturforscher, Völkerkundler und Museumsdirektor Fritz Sarasin in diese Sammlung. Die anderen drei wurden vom damaligen Völkerkundemuseum in Deutschland und England gekauft. 1971 wurde die anthropologische Sammlung vom Museum für Völkerkunde ins Naturhistorische Museum überführt. Vier weitere Schädel kamen über die damalige Anatomische Anstalt der Universität Basel, das heutige Anatomische Museum der Universität Basel, in die Sammlung des Naturhistorischen Museums.
Insgesamt weist die Sammlung des Naturhistorischen Museums Basel 11,8 Millionen Objekte auf. Von den 7'800 «menschlichen Überresten» in der Sammlung, wie der Fachbegriff heisst, weisen rund 1’800 eine aussereuropäische Herkunft auf. Sie stammen meist aus kolonialem Zusammenhang. Die systematische Erforschung dieser Provenienzen hat für das NMB hohen Stellenwert.
Zu Forschungszwecken gesammelt
Wie in Basel lagern in den Sammlungen vieler europäischer Museen Knochen, Schädel und zahllose andere menschliche Überreste. In diesen Sammlungen dienen sie der anthropologischen und evolutionsbiologischen Forschung.
Die öffentliche Diskussion über die Rückgabe von Kunst und Kulturgütern lässt manchmal vergessen, dass auch sterbliche Überreste zu den einstigen Sammlungen mit kolonialem Kontext gehören, die heute zurückgefordert werden. Da es sich nicht um einen Sammlungsgegenstand wie jeder andere handelt, ist ein besonders sensibler Umgang geboten – Respekt gebührt den Verstorbenen wie deren Nachfahren.
Der Regierungsrat Basel-Stadt teilt die Überzeugung der australischen Regierung und dankt dieser für die Initiative. Er stimmt dem gemeinsamen Antrag des Naturhistorischen Museums, seiner Kommission und dem Rektorat der Universität Basel zu, die zwölf Schädel und die Haarprobe zu repatriieren. Und er begrüsst die Absicht des Naturhistorischen Museums, die Provenienzen der aussereuropäischen sterblichen Überreste in den nächsten Jahren systematisch zu erforschen.