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Die nachfolgende Auswahl umfasst typische, grösstenteils biologisch besonders interessante Vertreter, die von blossem Auge erkennbar sind. Nicht alle sind häufig. Jede Auswahl – auch diese – ist bis zu einem gewissen Grade willkürlich.
Typische Vertreter
- Larve einer Grosslibelle (Mosaikjungfer Aeshna sp.)
Bis 4.5 cm lang, torpedoförmig; grosse Fangmaske. Entwicklungsdauer je nach Art 1-4 Jahre. Lebt räuberisch am Teichgrund und in Wasserpflanzen. Atmet mit Darmkiemen; schwimmende Fortbewegung durch ruckartiges Ausstossen des Atemwassers (Rückstossprinzip).
- Larve einer Plattbauch-Grosslibelle (Plattbauch Libellula depressa)
Bis 2.5 cm lang, relativ breit, Hinterleib abgeplattet. Larvenzeit 1 oder 2 Jahre; bis 10 Häutungen. Liebt reines und offenes, nicht mit Vegetation überwuchertes Wasser. Hält sich nie in Wasserpflanzen auf, sondern lebt auf dem Gewässergrund, wo sie sich oft halbwegs eingräbt; ist darum stets schmutzig, ausser in kleinen Zeitspannen nach einer Häutung.
- Larve einer Kleinlibelle (Binsenjungfer Lestes sp.)
Bis 3 cm lang, sehr schlank, mit 3 Ruderblättchen am Körperende. Entwicklungsdauer der Binsenjungfer-Arten 8-10 Wochen, andere Kleinlibellenarten überwintern mindestens einmal.
- Larve einer Eintagsfliegenlarve (Baëtis sp.)
Bis 10 mm lang, schlank, mit 3 fadenförmigen, behaarten Schwanz-anhängen. Die Atmung erfolgt durch dünnhäutige Tracheenkiemenblättchen, die an beiden Seiten des Hinterleibes sitzen. Erwachsene Eintagsfliegen sind flugfähige, nicht mit den Fliegen verwandte Insekten, die je nach Art nur wenige Stunden, meist 2-3 Tage, selten 2-3 Wochen leben.
- Wasserläufer (Gerris sp.; Wasserwanze im weiteren Sinne)
Länge ohne Beine: Kleinere Arten 5-9 mm, grosse Arten 12-17 mm. Die Beine sind mit wasserabstossenden Haaren besetzt, die ein Einsinken ins Wasser verhindern. Die Tiere werden durch die Oberflächenspannnung getragen, genauso wie eine eingefettete Stecknadel, die man auf das Wasserhäutchen legt. Die mittleren Beine führen kräftige Ruderbewegungen aus, welche die Tiere mit einem Schlag bis 60 cm vorwärts treiben. Die Vorderbeine dienen dem Beutefang. Tastempfindliche Haare an den unteren Beingliedern registrieren Schwingungen, die ins Wasser gefallene Insekten verursachen.
- Schwimmwanze (Ilyocoris cimicoides; Wasserwanze im engeren Sinn)
Länge: 12-16 mm. In pflanzenreichen Gewässern. Mit Schwimmhaaren besetzte Hinterbeine machen sie zu einem vorzüglichen Schwimmer. Die muskelstarken Vorderbeine erdolchen Wassertiere aller Art bis zu Jungfischen und bringen sie an den Stech- und Saugrüssel. Steckt zum Luftschöpfen das Hinterleibsende über die Wasseroberfläche.
- Wasserskorpion (Nepa rubra; Wasserwanze im engeren Sinn)
Länge ohne Atemrohr: 17–22 mm. Gleicht täuschend einem schlamm-bedeckten, abgestorbenen kleinen Blatt. Bescheidener Schwimmer, kriecht bedächtig durch das Gewirr von Wasserpflanzen oder lauert auf dem Gewässergrund regungslos auf Insekten und kleinste Amphibienlarven, die er mit blitzschnellem Schlag der Fangbeine erbeutet. Besonderes Merkmal neben den Fangbeinen: Langes, dünnes Atemrohr am Hinterleib, das wie ein Schnorchel wenig aus dem Wasser ragt.
- Stabwanze (Ranatra linearis; Wasserwanze im engeren Sinn)
Länge ohne Atemrohr: 30-40 mm, das Atemrohr ist etwa gleich lang. Imitiert ein dünnes Zweiglein. Lebensweise wie Wasserskorpion. Die Eier werden in schwimmende Pflanzenteile versenkt und tragen je 2 lange, weisse, fadenförmige Atemröhren. (Die Eier des Wasserskorpions tragen 6-9 kurze Atemröhren.)
- Rückenschwimmer (Notonecta sp., Wasserwanze im engeren Sinn)
Länge: 13-16 mm. Schwimmt mit der Rückenseite nach unten; die dachförmig über dem Hinterleib zusammengelegten Flügel bilden den Kiel. Guter Schwimmer; kann auch schnell und ausdauernd fliegen (Start vom Festland, Landung direkt ins Wasser). Tötet Beutetiere mit dem kräftigen Stechrüssel. Vermag auch den Menschen schmerzhaft zu stechen, daher der Name «Wasserbiene». Holt regelmässig Luft an der Wasseroberfläche, indem er die beiden Atemöffnungen an der Hinterleibsspitze aus dem Wasser streckt (siehe Abbildung).
- Ruderwanze, Wasserzikade (Corixa sp., Wasserwanze)
Länge: 5-15 mm. Harmlos. Durchwühlt mit den schaufelförmigen Vorderbeinen den Schlamm und ernährt sich hauptsächlich von Algen, die sie mit ihrem kurzen Rüssel ansticht und aussaugt. Taucht für die Erneuerung der Luft kräftig auf und durchstösst mit den Vorderbeinen für Sekundenbruch-teile den Wasserspiegel. Startet auch so aus dem Wasser für einen Flug. Männchen zirpt unter Wasser, indem es die Vorderschenkel über die geriefte Rüsselkante streicht. Lockt so Weibchen an.
- Gelbrandkäferlarve (Dytiscus marginalis)
Hängt meistens lauernd an der Wasseroberfläche und packt, lähmt und tötet die Beute mit den sichelförmigen Oberkieferzangen. Die eingespritzte, braune Flüssigkeit verwandelt Muskeln und Eingeweide schon nach kurzer Zeit in eine dünne Brühe, die durch die Kieferkanäle aufgesogen wird.
a. Gelbrandkäfer (Dytiscus marginalis)
30-35 mm lang, Männchen haben glatte, Weibchen der Länge nach gefurchte Deckflügel. Sucht Nahrung entweder lebhaft umherschwimmend oder «gründelnd». Frisst nur tierische Kost, Wasserinsekten und deren Larven, Kaulquappen, Molche, Schnecken, Würmer und Aas. Tankt regel-mässig Luft an der Wasseroberfläche, indem er sie unter die Flügeldecken einströmen lässt. Fliegt sehr gut, auch nachts.
- Kleiner Schwimmkäfer (aus der Familie Dytiscidae)
In stehenden Gewässern leben mehrere Arten kleiner und kleinster Wasserkäferarten, die schwer bestimmbar sind.
- Köcherfliegenlarve (Ordnung Trichoptera, ~ 300 Arten; keine Fliegen!)
Larve baut Köcher, der ihren weichen, mit Tracheenkiemen versehenen Hinterleib schützt. Klebt je nach Art auf die zunächst gesponnene Röhre allerlei Fremdmaterial: Pflanzenteile, Steinchen, kleine leere Schnecken-häuschen. Erweitert den Köcher nach 5-6 Häutungen am Vorderende. Bauweise und Baumaterialien sind mehr oder weniger artspezifisch (in stehenden Gewässern vorwiegend Pflanzenteile).
- Stechmückenlarve und -puppe (Culex sp.)
Larve bis 10 mm lang, Puppe (14a) etwas kürzer. Hängen mit schnorchel-artigen Atemröhren an der Wasseroberfläche, können sich zuckend fortbewegen. Larve frisst pflanzliche und tierische Mirkoorganismen und Detritus.
- Rossegel (Haemopsis sanguisuga)
Bis 15 cm lang, schwarz. Verschlingt kleinere Wassertiere wie Insektenlarven, Würmer usw. Besitzt am Vorder- und Hinterende je einen Saugnapf. Schwimmt gut. Harmlos; verwandt mit dem Medizinischen Blutegel.
- Schlammröhrenwurm (Tubifex sp.)
Bis 85 mm lang, rot; meist in grossen Kolonien. Wohnt in senkrechten, mit Schleim ausgekitteten Röhren, in denen das Vorderende des Tieres steckt, während das herausragende Hinterende ständig pendelnde Atembewegungen ausführt. Nahrung: organische Schlammteilchen.
- Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis)
Erwachsen 45-60 mm lang, 20-30 mm breit. Kriecht auf einem Schleimband, oft auch an der Unterseite das Wasserspiegels. Schabt Algenbelag von Wasserpflanzen und Steinen ab oder beisst weiche, auch verwesende Pflanzenteile ab, frisst gelegentlich auch an Laich und Aas. Kommt wie jede Lungenschnecke zum Luftschöpfen an die Wasseroberfläche und stösst das Atemloch aus dem Wasser. Kann blitzschnell in die Tiefe fliehen, indem sie Luft aus der Atemhöhle ausstösst.
- Schlammschnecke (Radix sp.)
15-20 mm lang, 12 mm breit. Lebensweise wie Spitzschlammschnecke.
- Moosblasenschnecke (Aplexa hypnorum)
12-15 mm lang, 5 mm breit; Lungenschnecke. Tier schwarzblau mit langen Fühlern. Schale glatt, glänzend, bräunlich, durchscheinend.
- Posthornschnecke (Planorbis corneus, Familie Tellerschnecken)
Durchmesser bis 30 mm, Höhe 12 mm. Lungenschnecke, hält sich vorwiegend auf dem Gewässergrund auf und frisst in erster Linie Detritus. Kommt selten an die Wasseroberfläche, um Luft zu holen. An der linken Seite ragt eine dünne Hautfalte hervor, die vermutlich Kiemenfunktion hat.
Weitere Kleintiere
- Sumpfdeckelschnecke
- Gaukler
- Kolbenwasserkäfer
- Furchschwimmer-Käfer
Ausgewählte Kleintiere in stehenden Gewässern I
Die zugehörigen Kurzbiographien befinden sich oben
- Larve einer Grosslibelle vom Aeshnatyp
- Larve einer Grosslibelle vom Plattbauchtyp
- Larve einer Kleinlibelle
- Larve einer Eintagsfliege
- Wasserläufer
- Schwimmwanze
- Wasserskorpion
- Stabwanze
- Rückenschwimmer
- Ruderwanze, Wasserzikade
Ausgewählte Kleintiere in stehenden Gewässern II
Die zugehörigen Kurzbiographien befinden sich oben.
- Gelbrandkäferlarve 11a. Gelbrandkäfer
- Kleiner Schwimmkäfer
- Köcherfliegenlarve
- Steckmückenlarve 14a. Stechmückenpuppe
- Rossegel
- Schlammröhrenwurm
- Spitzschlammschnecke
- Schlammschnecke
- Moosblasenschnecke
- Posthornschnecke
Kurzbiografien einiger Wasserinsekten
Wasserläufer
In pflanzenreichen, windgeschützten Buchten erregt das muntere Treiben der Wasserläufer unsere Aufmerksamkeit. Mit weit abgespreizten Beinen gleiten diese eigentümlichen Insekten, die der Fachmann dem Geschlecht der Wanzen zuordnet, ruckweise über die Wasserfläche. Ihre Beine sind mit wasserabstoßenden Haaren besetzt, welche ein Einsinken ins Wasser verhindern. Ihre schlanken, vorn und hinten zugespitzten Körper werden durch die Oberflächenspannung getragen, genau so wie eine eingefettete Stecknadel, die man auf das Wasserhäutchen legt. Mit den enorm langen, weit ausladenden Mittelbeinen führen sie kräftige Ruderbewegungen aus, welche sie mit einem Schlag bis 60 cm vorwärts treiben. Die schräg nach hinten gerichteten Hinterbeine wirken dabei als Steuer. Versucht man einen Wasserläufer zu fangen, so entzieht er sich durch schnell aneinandergereihte bis 10 cm hohe Sprünge meistens erfolgreich unserem Zugriff.
Die verhältnismäßig kurzen, nach vorn gerichteten Vorderbeine dienen vor allem dem Beutefang. Es sind in erster Linie ins Wasser gefallene Kleininsekten, welche dem Wasserläufer zum Opfer fallen. Beim Orten der Beute spielen die tastempfindlichen Haare an den unteren Beingliedern eine wichtige Rolle, indem sie die Schwingungen registrieren, die von den im Wasser zappelnden Insekten hervorgerufen werden. Wie alle räuberisch lebenden Wanzen vergreifen sich die Wasserläufer gelegentlich auch an schwächeren Artgenossen. Vor Einbruch der kalten Jahreszeit suchen sie das Festland auf, um sich in geeigneten Verstecken zu verkriechen.
Zu den auf der Wasseroberfläche lebenden Wanzen gehören auch die grazilen Teichläufer. Im Gegensatz zu den Wasserläufern halten sie sich mit Vorliebe in der dichten Ufervegetation auf. Gemächlich stelzen sie auf ihren langen, fadendünnen Beinen durch den Pflanzendschungel und machen Jagd auf allerlei zarte Insekten wie zum Beispiel Blattläuse, Mücken und Eintagsfliegen.
Rückenschwimmer
Die eigentlichen Wasserwanzen verbringen fast ihr ganzes Leben unter dem Wasserspiegel. Am bekanntesten sind die Rückenschwimmer. Wie schon im Namen zum Ausdruck kommt, schwimmen die Angehörigen dieser Familie stets mit der Rückenseite nach unten.
Der in allen Kleingewässern häufige Gemeine Rückenschwimmer erreicht eine Länge von etwa 1,5 cm. Die hellbraunen Flügel, die dachförmig über dem Hinterleib zusammengelegt werden, bilden den Kiel des schwimmenden Tieres. Der breite Kopf trägt zwei große Facettenaugen und einen kurzen, kräftigen Stechrüssel.
Gewöhnlich halten sich die Rückenschwimmer in den obersten Wasserschichten auf, die sie mit weit ausholenden Schlägen ihrer langen Hinterbeine gewandt durchrudern. Dabei tragen sie ständig einen Vorrat an Atemluft mit sich, welcher vornehmlich durch vier Haarreihen auf der abgeflachten Bauchseite festgehalten wird. Zwei zusätzliche Luftreservoire befinden sich an der Brust und unter den Flügeldecken. Dieses Luftpolster bewirkt, daß die Tiere spezifisch leichter sind als das Wasser und durch den Auftrieb passiv an die Oberfläche emporgehoben werden, wo sie regelmäßig ihren Luftvorrat erneuern. Dabei stützen sie sich mit den beiden vorderen Beinpaaren von unten auf das Oberflächenhäutchen und strecken die Hinterleibsspitze mit den beiden Atemöffnungen ein wenig aus dem Wasser.
So geschickt sich die Rückenschwimmer im Wasser bewegen, so unbeholfen kriechen sie auf dem Land. Dafür ermöglichen ihnen die wohlausgebildeten Flügel einen schnellen und ausdauernden Flug. Allerdings können sie nicht direkt aus dem Wasser starten, sondern sie müssen zuerst an Land gehen und ihre Flügel trocknen lassen. Im Gegensatz zu den Wasserkäfern bevorzugen sie für ihre Überlandflüge die warmen Tagesstunden. Die Landung erfolgt im Sturzflug mit angelegten Flügeln direkt ins Wasser.
Alle Rückenschwimmer sind Räuber. Sie fressen vor allem ins Wasser gefallene oder am Boden aufgejagte Insekten, verschonen aber auch Amphibienlarven und selbst Jungfische nicht. Die Beutetiere werden mit den Vorderbeinen ergriffen, mit dem Rüssel angestochen und ausgesogen. Falls wir beim Fang von Rückenschwimmern nicht vorsichtig sind, machen auch wir sehr unliebsame Bekanntschaft mit ihrem Stechrüssel. Nicht umsonst werden sie im Volksmund «Wasserbienen» genannt. Wer es trotzdem riskieren will, einen Rückenschwimmer zu fangen, der möge unbedingt beachten, dass die Honigbiene immer hinten sticht, die Wasserbiene hingegen vorn!
Nach der Paarung, die im Frühjahr stattfindet, versenkt das Weibchen die etwa 2 mm langen Eier mit Hilfe seiner Legeröhre in die Stengel verschiedener Wasserpflanzen. Die nach ein paar Wochen schlüpfenden Larven gleichen, abgesehen von den fehlenden Flügeln, ganz ihren Eltern und frönen derselben räuberischen Lebensweise. Nach fünf Häutungen sind sie erwachsen. Die Verwandlung zum geschlechtsreifen, geflügelten Tier erfolgt also wie bei den Libellen schrittweise, ohne die Einschaltung eines Puppenstadiums.
Die ausgewachsenen Rückenschwimmer überwintern in pflanzenreichen Gewässern. Ihr ganzer Körper ist dann von einer dicken Luftschicht umhüllt. Diese wirkt, wenn den Insekten der Kontakt mit der Wasseroberfläche durch eine Eisschicht versperrt ist, als physikalische Kieme, das heißt sie entzieht dem Wasser in dem Maße gelösten Sauerstoff, als dieser durch die Atmung verbraucht wird.
Ruderwanzen
Die mit über 200 Arten weltweit verbreiteten Ruderwanzen unterscheiden sich sowohl durch ihren Körperbau als auch in ihrer Lebensweise ganz wesentlich von den Rückenschwimmern. Es handelt sich um kleine bis mittelgroße Insekten mit einem beidseitig abgeplatteten Körper. Die kleinsten einheimischen Arten messen nur ein paar Millimeter, während die größten eine Länge von fast 2 cm erreichen. Die Ruderwanzen halten sich in der Regel am Grunde der Gewässer auf, wo sie auf der Nahrungssuche mit ihren schaufelförmigen Vorderbeinen den Schlamm durchwühlen. Die völlig harmlosen Tiere ernähren sich hauptsächlich von Algen, die sie mit ihrem kurzen Rüssel anbohren und aussaugen.
Wie alle Wasserinsekten, die auf atmosphärische Luft angewiesen sind, müssen sie von Zeit zu Zeit auftauchen, um frische Luft zu tanken. Dabei durchstoßen sie mit dem Vorderkörper für einen Sekundenbruchteil den Wasserspiegel und verschwinden sofort wieder in die Tiefe.
Während der Ruhepausen verankern sie sich mit dem mittleren Beinpaar an Wasserpflanzen oder irgendwelchen Gegenständen. Sobald sie diese loslassen, steigen sie wegen der mitgeführten Atemluft wie ein Korkzapfen zur Oberfläche empor. Sie rudern sehr gewandt mit ihren abgeplatteten Hinterbeinen, die dicht mit Schwimmhaaren besetzt sind. Wenn die Schwimmbewegungen mit dem Auftrieb zusammenwirken, erreichen sie eine derartige Geschwindigkeit, daß sie mühelos durch das Oberflächenhäutchen des Wassers hindurchschießen und direkt zum Flug starten können. Die Ruderwanzen sind überhaupt sehr fluglustig. Auf der Suche nach einem geeigneten Wohngewässer legen sie mitunter respektable Strecken zurück.
Schon seit langem ist bekannt, dass die Ruderwanzen zu den musizierenden Insekten gehören. An warmen Frühlingsabenden bringen sie unter Wasser zirpende Töne hervor, die mehrere Meter weit zu hören sind. Diese Eigenart hat ihnen den volkstümlichen Namen «Wasserzikaden» eingetragen. Das Zirpen kommt dadurch zustande, daß die Tiere die mit steifen Borsten besetzte Innenseite der Vorderschenkel über die geriefte Rüsselkante streichen. Je nachdem, ob das Stridulieren mit beiden Schenkeln gleichzeitig oder abwechselnd geschieht, entstehen zweierlei Töne. Wie bei den Heuschrecken, Grillen und Zikaden sind auch bei den Ruderwanzen nur die Männchen stimmbegabt. Die Weibchen sind stumm, aber keineswegs taub. Der Minnegesang der Männchen weist ihnen während der Fortpflanzungszeit den Weg zu ihren Geschlechtspartnern.
Die Weibchen kleben ihre kugeligen Eier an die Blätter und Zweige von Wasserpflanzen. In Mexiko versenken die Indios Weidenzweige ins Wasser, an welche die Ruderwanzen solche Mengen Eier ablegen, dass diese an den Zweigen einen moosartigen, weißen Überzug bilden. Dieser «Wanzen-Kaviar» wird abgestreift, an der Sonne getrocknet und als Delikatesse verspeist.
Skorpionswanzen
Wasserskorpion
Stabwanze
Die Familie der Skorpionswanzen ist bei uns durch den Wasserskorpion und die Stabwanze vertreten. Obwohl die beiden Arten zu unseren größten Wasserinsekten zählen, werden sie wegen ihrer hervorragenden Tarntracht leicht übersehen. Der stark abgeflachte Körper des Wasserskorpions gleicht täuschend einem schlammbedeckten, abgestorbenen Blatt, während die bis 4 cm lange Stabwanze ein dürres Zweiglein imitiert.
Das hervorstechendste Merkmal, das die Angehörigen dieser Familie auszeichnet, ist ein langes dünnes Atemrohr an der Hinterleibspitze. Dieses benützen sie wie einen Schnorchel, indem sie dessen Ende ein wenig aus dem Wasser strecken, um ihren Luftvorrat zu erneuern.
Die Vorderbeine sind zu kräftigen Raubbeinen umgebildet, deren Endglied gegen eine Längsrinne der Oberschenkel eingeklappt werden kann.
Die Schwimmkünste der Skorpionswanzen sind recht bescheiden. Meistens kriechen sie bedächtig durch das Gewirr von Wasserpflanzen oder lauern regungslos auf zufällig vorbeikommende Insekten und Amphibienlarven, die sie mit einem blitzschnellen Fangschlag ihrer Raubbeine erbeuten.
Die Eier, die von den Weibchen in schwimmende Pflanzenteile versenkt werden, tragen beim Wasserskorpion 6 bis 9 kurze, bei der Stabwanze 2 lange fadenförmige Atemröhren. Häufig findet man am Körper und an den Gliedmaßen der Skorpionswanzen kleine braune Kügelchen. Es handelt sich dabei um die schmarotzenden Jugendstadien von Wassermilben. Diese heften sich an den Gelenkhäuten ihrer Wirte fest und zehren von deren Blut. In einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium lösen sie sich von ihrem Wirt und bewegen sich fortan frei im Wasser.
Gelbrandkäfer
Die zur Familie der Schwimmkäfer zählenden stattlichen Gelbrandkäfer bewohnen mit Vorliebe untiefe, pflanzenreiche Weiher und Tümpel. Bei uns kommen mehrere einander sehr ähnlich sehende Arten vor. Ihr hervorstechendes Merkmal sind – abgesehen von ihrer Grösse – die schwarz-braunen, gelbgesäumten Flügeldecken.
Weitaus die häufigste Art ist der Gemeine Gelbrandkäfer. Sein Körper zeigt eine Reihe vorzüglicher Anpassungen an das Wasserleben: Er ist flach, kahnförmig und erscheint wie aus einem Guss. Im Gegensatz zu den mit ihm nah verwandten landbewohnenden Laufkäfern sind Kopf, Brust und Hinterleib nicht durch deutliche Einschnitte voneinander abgesetzt, sondern gehen fugenlos ineinander über. Dadurch erhält der Körper eine äußerst strömungsgünstige Form. Zur Herabsetzung der Reibung beim Schwimmen ist zudem der Chitinpanzer mit einem wasserabstoßenden Drüsensekret überzogen. Dieser Überzug schützt zudem die Körperoberfläche gegen die Ansiedlung lästiger Mikroorganismen (Algen, Pilze usw.).
Zum Schwimmen benutzt der Gelbrand fast ausschliesslich seine abgeplatteten, kräftigen Hinterbeine, deren Fußglieder mit einem Saum beweglicher Haare besetzt sind. Diese richten sich beim Ruderschlag, der stets mit beiden Beinen gleichzeitig ausgeführt wird, auf und bewirken dadurch eine wesentliche Vergrößerung der Ruderfläche. Beim Ausholen vorwärts werden die Hinterbeine im Kniegelenk eingeknickt und mit der Schmalseite nach vorn gedreht. Da gleichzeitig die Schwimmhaare durch den Wasserwiderstand an die Beine gedrückt werden, bieten diese während der Vorwärtsbewegung dem Wasser nur geringen Widerstand.
Auf der Suche nach einem neuen Wohngewässer unternehmen die Gelbrandkäfer oft weite nächtliche Flüge. Der Start erfolgt dabei immer vom Land aus und bedarf umständlicher Vorbereitungen. Nicht selten endet der Flug vorzeitig auf einem Treibhausdach oder auf einer regennassen Straße, welche die Käfer im Mondschein für eine glitzernde Wasserfläche hielten.
Wie die meisten Wasserinsekten ist auch der Gelbrandkäfer für seine Atmung auf atmosphärische Luft angewiesen. Deshalb muss er von Zeit zu Zeit auftauchen, um seinen Luftvorrat zu erneuern. Dabei hängt er sich mit der Hinterleibspitze und den Fußklauen seiner Hinterbeine an der Wasseroberfläche auf. Dann biegt er die letzten Hinterleibsringe etwas nach unten und läßt Frischluft in den gut abgedichteten Hohlraum zwischen dem Hinterleibsrücken und den Flügeldecken einströmen. Von hier aus gelangt sie durch acht Stigmen-Paare (Atemlöcher) in die Tracheen (Luftkanäle), die mit zahllosen Verästelungen den ganzen Körper durchziehen.
Der mitgeführte Luftvorrat ist auch für die Hydrostatik des Käfers, der stets bestrebt ist, sein spezifisches Gewicht dem des Wassers anzugleichen, von großer Bedeutung.
Der Gelbrandkäfer ernährt sich ausschließlich von fleischlicher Kost. Dabei ist er keineswegs wählerisch. Er greift alles Wassergetier an, das er festhalten und überwältigen kann (zum Beispiel Wasserinsekten und deren Larven, Kaulquappen, Molche, Schnecken, Würmer usw.). Er nimmt auch gerne Aas an. Die Beute wird mit den beiden vorderen Beinpaaren gepackt und mit den kräftigen Kieferzangen zerkleinert.
Obschon der Gelbrandkäfer über ein Paar wohlausgebildeter Facettenaugen verfügt, läßt er sich bei der Futtersuche hauptsächlich von seinem fein entwickelten Geruchssinn leiten, der in den Fühlern lokalisiert ist.
Nach erfolgreicher Jagd sucht er mit seiner Beute die Wasseroberfläche auf, um sie dort in Atemstellung zu verzehren. Wird er dabei gestört, so flüchtet er mit seinem Brocken schleunigst ins Pflanzengewirr, steigt aber bald wieder zum Luftholen auf, da sein Sauerstoff bedarf während des Fressens offenbar sehr groß ist.
Die beiden Geschlechter lassen sich beim Gelbrandkäfer leicht unterscheiden. Die Männchen besitzen glatte Deckflügel; bei den Weibchen ist die Flügeloberseite in der Regel der Länge nach gefurcht. Außerdem sind die Fußglieder der kurzen Vorderbeine beim Männchen scheibenartig verbreitert und auf ihrer Unterseite mit zwei größeren und zahlreichen winzigen Saugnäpfchen versehen. Mit diesen Haftscheiben heftet sich das Männchen während der oft stundenlang dauernden Paarung auf dem Halsschild des Weibchens fest.
Die Paarung ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden. Am stärksten regt sich der Fortpflanzungstrieb im Frühjahr und im Herbst. Wenn im Frühling die Wasserpflanzen austreiben, beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Die etwa 7 mm langen, wurstförmigen Eier werden einzeln mit Hilfe eines raffiniert gebauten Legesäbels in die Stengel und Blätter verschiedener Wasserpflanzen eingestochen. Die Zahl der von einem Weibchen abgelegten Eier wird auf 500 bis 1000 geschätzt.
Die nach ein paar Wochen ausschlüpfenden Larven sind noch weit angriffslustiger und gefräßiger als der Käfer. Ungestüm greifen sie alle Wassertiere an, die sie überwältigen können, selbst solche, die ihnen an Kraft und Größe weit überlegen sind.
Die Gelbrandlarven haben eine spindelförmige Gestalt und vorn am Kopf zwei mächtige Saugkiefer, die ihnen ein furchterregendes Aussehen verleihen. Während der Käfer lebhaft umherschwimmend oder «gründelnd» der Nahrungssuche obliegt, lauert die Larve meistens in Atemstellung, mit der Hinterleibsspitze an der Wasseroberfläche hängend, auf ein geeignetes Beutetier. Nähert sich ein solches, so wendet sie sich mit gespreizten Kiefern der Reizquelle zu und nimmt ihre charakteristische Angriffsstellung ein. Schließlich springt sie die Beute mit einem peitschenden Schlag ihres Hinterleibes an und packt sie mit ihren sichelförmigen Kieferzangen, aus denen es kein Entrinnen mehr gibt.
Darauf pumpt die Gelbrandlarve tropfenweise eine braune Flüssigkeit durch die feinen Kanäle, welche die Kiefer durchziehen. Die darin enthaltenen Verdauungsfermente lähmen und töten das Opfer innert weniger Minuten und verwandeln dessen Muskeln und Eingeweide in eine dünnflüssige Brühe. Die auf diese Weise vorverdaute Nahrung wird durch die Kieferkanäle aufgesogen und in den Darm geleitet.
Zum Schwimmen benützt die Larve alle drei Beinpaare. Indem sie die Beine jedes Paares abwechselnd bewegt, paddelt sie gemächlich durchs Wasser. Wenn sie gestört oder verfolgt wird, versucht sie, sich durch schnelle Schläge ihres Hinterleibes ihren Verfolgern zu entziehen.
Da der Hautpanzer der Larve nicht wachsen kann und nur begrenzt dehnbar ist, muss sich diese wie alle Insektenlarven von Zeit zu Zeit häuten. Dieser komplizierte, durch besondere Häutungshormone gesteuerte Vorgang vollzieht sich im Leben der Gelbrandlarve dreimal.
Wenn der Zeitpunkt der Verpuppung naht, verlässt die ausgewachsene Larve das Wasser und kriecht an Land. Hat sie in Ufernähe einen geeigneten Platz gefunden, so gräbt sie sich ein und beginnt mit dem Bau ihrer Puppenwiege. Dabei offenbart sie einen hochentwickelten Bauinstinkt. In ihrer kugelförmigen, unterirdischen Kammer häutet sich die Larve zum letzten Mal und verwandelt sich in eine gelblich-weisse Gliederpuppe. Nach etwa vierzehn Tagen bis drei Wochen schlüpft aus der Puppenhülle der zunächst elfenbeinfarbige Käfer. Sein Chitinpanzer ist noch weich, und es dauert einige Tage, bis er so weit erhärtet ist, dass der junge Gelbrandkäfer die Wand seines Gefängnisses durchbrechen und das nächste Gewässer aufsuchen kann.