Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03561.jsonl.gz/2543

» Ein neugeborenes Küken ist nicht nur lieb anzusehen, es ist auch sehr empfindsam. Schon als Ungeborenes im Ei verständigt es sich durch hörbare Laute mit seinen Geschwistern in den anderen Eiern und mit seiner Mutter, deren Stimme es vom Gegacker aller anderen Hühner auf dem Bauernhof unterscheiden kann.
» Es weint in hohen Pieptönen, wenn ihm kalt ist oder wenn es in seinem Eigehäuse unrichtig liegt, bis die Henne sich wärmend auf das Ei setzt, bzw. es mit ihrem Schnabel in eine andere Lage bringt. Es antwortet auf die beruhigenden Glucklaute seiner Mutter und reagiert bereits auf Warnrufe des Hahnes. Die Küken verständigen sich auch untereinander von Ei zu Ei über den Schlupftermin. Dadurch können alle um dieselbe Zeit schlüpfen, was für sie lebenswichtig ist. Aber all dies ist heute eine Ausnahme.
» In der Massentierhaltung werden die Hühner maschinell künstlich besamt – 250 Tiere pro Stunde - und am Brüten verhindert; die Eier werden ihnen weggenommen und in grosse Brutkästen gebracht. Das Schlüpfen riesiger Mengen von Küken ist programmiert. Sie lernen nie die schützenden Flügel ihrer Mutter kennen, nie die Wiese, das Sonnenlicht, das Leben! Die Menschen entscheiden über ihr Schicksal; je nach Geschlecht bedeutet dies Aufzucht oder Tod. Auf einem Fliessband sortieren sie die männlichen Kücken, also die Hälfte von allen, aus. Weil sie keine Eier legen und nicht speziell auf schnelles Wachstum zwecks Fleischmast gezüchtet, also als Masthähnchen nicht zu gebrauchen sind, werden sie getötet. In der Schweiz werden jährlich zwei Millionen Küken vergast. In EU-Ländern wirft man sie entweder in Müllcontainer, wo sie als lebender Abfall ersticken oder in grosse Reibmühlen, in denen sie lebend zu Brei zermahlen werden. “MUSEN“ nennt man diesen Vorgang!
» Die weiblichen Küken, über Generationen auf Legerekorde gezüchtet, entgehen dem Tod und landen in einem Aufzuchtbetrieb. Dort schreien sie, auf engstem Raum zusammengedrängt, unaufhörlich. Denn ein Küken schreit, bis es seine Mutter wiedergefunden hat. Verhaltensforscher nennen es “VERLASSENHEITSWEINEN“. Nicht allehalten diesen Dauerstress aus; sie sterben.
» In eierproduzierenden EU-Betrieben werden die Überlebenden nach ca. 18 Wochen - kurz vor Legebeginn - in Batteriekäfige gepfercht zu Zehn- oder Hunderttausenden in Käfigreihen übereinander, in fensterlosen Hallen, in denen Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtschaltung den Legerhythmus der Hennen regulieren. In der Schweiz ist die Batteriehaltung für eier-produzierende Betriebe seit 1992 verboten, jedoch nicht der Import von Batterieeiern. Gemäss Informationen der “kagfreiland“ (Konsument/Innen-Arbeitsgruppe für tier- und umweltfreundliche Nutztierhaltung in St. Gallen) deckt die Schweiz seit Jahrzehnten rund die Hälfte ihres Eierkonsums mit importierten Eiern; davon stammen weitaus die meisten aus Batterien.
» So programmiert, legt jedes Huhn ca. 300 Eier im Jahr. Das ist nur möglich, weil der Eierstock in völlig unnatürlicher, krankhafter Weise überentwickelt wurde. Der Körper ist dieser extremen Belastung nicht gewachsen. Bereits nach einem Jahr sind die Tiere, die unter natürlichen Bedingungen noch viele Jahre zu leben hätten, völlig erschöpft und verbraucht.
» Vier, oft sogar mehr Tiere sind in einen Batteriekäfig gezwängt. So bleibt einer Henne das Format einer A4 Seite als Platz zum “Leben“!
» Auf vielen Tausend Seiten von Fachpublikationen wird ihr Leid beschrieben; es ist wissenschaftlich eindeutig erwiesen, genauestens erforscht und belegt. Hier nur in Kürze: verkrümmte, oft gebrochene Zehen durch das lebenslängliche Stehenmüssen auf dem schrägen Gitterrost der Batteriekäfige, oft auch gebrochene Flügel und Beine, Skelettschäden wie Osteoporose, weil die Tiere sich nicht bewegen können und weil der künstlich, zum Extrem gesteigerte Zwang zum Eierlegen die Mineralstoffdepots und Kalkeinlagerungen des Körpers aufzehrt und innere Verletzungen zum Tod durch Verbluten führen, weil der Körper die abnorme, erzwungene Legeleistung nicht verkraften kann. Häufig müssen lebende Tiere neben ihren toten, verwesenden Artgenossen im Käfig dahinvegetieren.
» Dazu kommen gravierende Verhaltensstörungen wie zwanghaftes Ins-Leere-Picken, Federpicken, Darmziehen (beidurchfallbedingtem Darmvorfall wird der Darm angepickt) und ständige, vergebliche Fluchtversuche. Die fehlende Ausweichmöglichkeit vor anderen Käfighennen führt zu Angst, Stress und gegenseitiger Verstümmelung. Um letztere zu verhindern, werden die Tiere in die elektrische Schnabelkürzmaschine gehalten. (Schnabelkürzen ist auch in der Schweiz erlaubt) Diese kürzt oft gleich die Zunge mit. Also auch fressen unter Schmerzen! Nach einem Jahr total ausgepowert, in Kisten gepfercht zum Schlachten gebracht. Als Suppenhühner finden sie immer noch Absatz!
» Auch auf Freilandbetrieben mit zu grossen Herden ist nur ein Teil der Hühner im Freien anzutreffen.
» Die Gründe dazu von “kagfreiland“ erforscht: “von Natur aus leben Hühner – wie viele Tiere – in überschaubaren Herden, damit sie sich gegenseitig erkennen und die ihrer Art gemässe Rangordnung (Hackordnung) einhalten können. Je grösser die Zahl der Hühner, die sich ein Umfeld teilen müssen, desto grösser wird ihr sozialer Stress. Zwar sind Hühner in Grossherden in der Lage, Untergruppen zu bilden – aber zwei Hühner aus verschiedenen Untergruppen können vor dem Ausgang zum Auslauf offenbar nicht mehr erkennen, welches ranghöher und daher vortrittsberechtigt ist. In Grossherden mit Tausenden von Tieren (EU-Länder und seit den neunziger Jahren zunehmend auch bei uns) ist zudem die Distanz zu den Öffnungen für viele Hühner zu gross“.
» Wenn sie dann nach 40 Tagen als Produkt schlachtreif in den Transportbehälter gepfercht und in den Schlachthof gefahren werden, sehen sie für einen Augenblick das Tageslicht – das einzige Mal in Ihrem “Leben“. Im Schlachthof werden die Hühner aus den Behältern gezerrt und mit Metallklammern an den Füssen, Kopf nach unten, an einem Fliessband aufgehängt. Zur Betäubung dient eine wassergefüllte Wanne mit Elektroden; die Köpfe werden durch das Wasser hindurchgezogen. Im Elektroschock verkrampfen sich die Tiere. Dabei werden die Flügel heraufgezogen und liegen eng am Körper an, so dass der Schnitt durch die Kehle einfacher zu vollziehen ist. Nach einigen genau berechneten Minuten kommen die Tiere wieder zu sich und beginnen zu zucken; genau hier setzt der Schnitt der automatischen Tötungsvorrichtung ein, der sie aber nicht tötet, sondern ihnen nur den Hals anschneidet und sie damit ganz aus der Betäubung weckt. Nun zappeln sie wieder – aus Schmerz! Auch das ist Absicht, denn das Zappeln regt die Herztätigkeit noch einmal an und beschleunigt das Ausbluten. Dann dreht sich das Förderband mit den ausblutenden Wesen weiter - sterbend, d. h. noch lebend, werden sie in kochendes Wasser getaucht. Erst nach dem Brühkessel kann man sicher sein, dass alle tot sind.
» Zur Gelbfärbung der Batterieeidotter und der Haut von Masthühnern mischt man intensive gelbe Farbstoffe ins Futter (z. B. “Xanthophyll-Dottergold für gelbe Haut“). Die Futtermischungen enthalten übrigens hohe Anteile an Sojaschrot - wegen seines Eiweissgehalts ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Damit eine entartete Agrarindustrie unter Schaffung unendlichen Tierleids die Überflussgesellschaft mit unnötigen, krankmachenden Produkten überschwemmen kann. Schadstoffrückstände aus der Tierhaltung sowie der beim Futtermittelanbau verwendeten Pestizide gelangen über Eier und Fleisch in den menschlichen Organismus und machen ihn zur freiwilligen Sondermülldeponie der Pharmaindustrie. Spätestens hier wird auch dem Konsumenten dämmern, dass der Fleisch- und Eierlobby das menschliche Wohlbefinden genauso egal ist wie das der Tiere. Obwohl Fleisch- und Eierkonsum bekanntlich in direktem Zusammenhang mit dem Um-Sich-Greifen weit verbreiteter Zivilisationskrankheiten wie hohe Blutdruck- und Cholesterinwerte, Herzinfarkt, Rheuma, Gicht und Krebs stehen, wird diese krasse Fehlernährung von der daran profitierenden Agrarindustrie weiter propagiert. die Pharmaindustrie verdient kräftig mit.
» Wenn schon Politiker kein Gewissen zeigen, sollte man es dann nicht vom Einsichtigen Konsumenten erwarten können?
Animal Life Schweiz
Dora Hardegger
---------------------------------------------------------------------------------------
© 2006 by Animal Life