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Der 1873 geborene Rachmaninow hatte 1917 seine Heimat Russland für immer verlassen. In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg verbrachte er den Sommer jeweils in Hertenstein bei Weggis, wo er sich eine Villa bauen liess.
Die von Alfred Möri und Karl-Friedrich Krebs im Stil des Neuen Bauens entworfene Liegenschaft gilt heute als aussergewöhnliches Bauwerk an einer einmaligen Lage. Ihre Ausstattung ist weitgehend im Original erhalten.
Dass der Kanton die Villa kauft, liegt an den Erbverhältnissen. Alexandre, der Enkel des Komponisten, vermachte sie einer Stiftung, welche sie als kulturelles Erbe erhalten soll, sowie vier gesetzlichen Erben. Falls die Stiftung die Erben nicht auszahlen kann, soll das Gebäude an den Kanton gehen. Dieser Fall ist jetzt eingetreten.
Unklares Testament
Allerdings ist das Testament unklar abgefasst. Sowohl eine Annahme des Erbes wie dessen Ausschlagung wäre für den Kanton Luzern mit rechtlichen Unsicherheiten verbunden.
Um allfällige juristische Auseinandersetzungen zu verhindern, entschloss sich die Regierung zum Kauf der Villa und damit zur Ausschlagung des Erbes. Dieser Schachzug gibt dem Kanton auch die Möglichkeit, die Villa frei von testamentarischen Vorgaben zu nutzen.
Die gesetzlichen Erben sollen acht Millionen Franken erhalten. Insgesamt beantragte die Regierung dem Kantonsparlament 15,45 Millionen Franken. In diesem Betrag sind auch die Sanierungskosten und die Betriebskosten für die Dauer von zehn Jahren enthalten.
Öffentliches Interesse
Eine klare Mehrheit im Parlament war für den Kauf. Es gebe daran und an einer allgemein zugänglichen Nutzung ein öffentliches Interesse, sagte Pius Kaufmanne (Mitte), Sprecher der vorberatenden Kommission.
Die SVP stiess sich daran, dass der Kanton die Villa in das Verwaltungsvermögen aufnimmt. Armin Hartmann (SVP) sagte, die Villa sei keine Staatsaufgabe, und sie solle deswegen ins Finanzvermögen aufgenommen werden. Dann könnte der Druck für einen rentablen Betrieb erhöht werden, und die Liegenschaft könnte auch wieder verkauft werden, etwa an eine Stiftung.
Erneut die etablierte Kultur
SP und Grüne unterstützten den Kauf, zeigten sich aber erstaunt, dass für die etablierte Kultur so leicht 15 Millionen Franken ausgegeben werden könne. Hasan Candan (SP) sagte, es brauche eine Politik, die für alle Bevölkerungsschichten da sei. So sollte auch die alternative Kulturszene gefördert werden.
Gegen einen Kauf war Josef Wyss (Mitte). Der Kauf sei mit zu vielen Fesseln verbunden und unterstütze nur eine kulturelle Nische, erklärte er. Er erwähnte dabei auch die Sparpakete vergangener Jahre.
Es sei ein einmaliges Geschäft, sagte dagegen Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos). Der Kanton lache sich damit keine Last an, aber er erhalte eine neue Aufgabe. Die Villa gehöre deswegen ins Verwaltungsvermögen.
Diese Haltung der Regierung setzte sich im Parlament durch. Der Rückweisungsantrag der SVP wurde mit 85 zu 31 Stimmen abgelehnt. Der Kauf der Villa passierte mit 83 zu 32 Stimmen.