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Republik Rumänien, Fläche 237'500 km2, Einwohner ca.
23 Mio, Hauptstadt: Bukarest mit ca. 2 Mio Einwohnern
(Bild rechts: Triumphbogen in Bukarest)
Das Weinland Rumänien
In den letzten Jahren
sorgen die Weine aus Rumänien immer wieder für positive Schlagzeilen.
Autochthone Rebsorten, moderne Kellertechniken und ambitionierte Weingüter
rücken das Land zwischen dem Schwarzen Meer und den Karpaten zunehmend in das
Blickfeld von Weinprofis und Verbrauchern.
Aus Rümäniens Weingeschichte
Rumänien zählt mit 6.000 Jahren Wein-Geschichte zu
den ältesten Weinbau-Ländern Europas. Bereits Homer erwähnte im 8. Jahrhundert
in seiner Ilias die thrakischen Weine und der Geschichtsschreiber Herodot
(482-425 v. Chr.) erzählt vom Weinhandel der Griechen an der
Schwarz-meerküste. Viele Herrscher kamen und gingen. Der Weinbau bestand sogar
unter muslimischer Herrschaft weiter. Schon im 12. Jahrhundert belebten Deutsche
Siedler den Weinbau Rumäniens. Später, im 18. Jahrhundert, waren es die von der
österreichischen Kaiserin Maria Theresia (1717 bis 1780) ins Land geholten
Schwaben. Seit dem Beginn des 20. Jhdt. wurde der französische Einfluss im
Weinbau immer stärker. Bei der Weinproduktion legte man leider grösseren Wert
auf Quantität als auf Qualität. Private Weingüter wurden erst verstaatlicht aber
einige, wie Cotnari, Bucium oder Veritas Panciu gehören jetzt ehemaligen
Mitarbei-tern. Über 50% des rumänischen Weins werden durch grosse
Genossen-schaften und 16% durch staatliche Betriebe und 34% durch Private
erbracht. Die Produktionsmethoden wurden modernisiert und staatliche Forschungs-
und Versuchsanstalten gegründet. In der staatlichen Versuchsanstalt in Constanta
(Constanza) am Schwarzen Meer beispielsweise experimentiert man heute mit vielen französischen
Rebsorten.
Klima- und Bodenverhältnisse in Rumänien
Rumänien liegt auf demselben geographischen
Breitengrad wie Frankreich. Das Klima präsentiert sich in den westlichen und
südlichen Teilen des Landes kontinental und ideal für den Weinbau. Die Sommer
sind heiss und die Winter kalt. Am Schwarzen Meer und in den Bergen herrschen
mildere Temperaturen. Die Bodenverhältnisse sind sehr unterschiedlich und
reichen von sandiger Schlammerde bis hin zu steinigen Kalksteinböden und
Lössböden.
Die 8 Weinbauregionen Rumäniens
Crisana (Rot- und Weisswein)
Transylvania / Transsilvanien / Siebenbürgen (Weisswein-Gebiet, bekannt
durch den
Weisswein Tamîioasa. Beste Qualitätsweine Rumäniens. Sie erinnern mit ihrem
fruchtig-milden, etwas aromatischen Geschmack an deutsche oder elsässische
Weine. Bekannt ist auch der gute Weissweinverschnitt Perla de Trnave. Im Weinanbaugebiet Tarnave (nahe Medias)
wurde erfolgreich der starke Geschmack des Föhren-harzes, das Aroma der
Lindenblüten und die Transparenz des Bienen-honigs kombiniert. Die Qualität der
Reben wurde mit über 100 Goldme-daillen eindrucksvoll bestätigt. Weitere
bekannte Weingüter sind Lechinţa, Alba, Sebes-Apold, Aiud)
Maramures (Weisswein).
Moldova /Moldau (Rot- und Weisswein. Bei weitem das grösste Weinbaugebiet
Rumäniens. Der beste und charakteristischste
Wein aus diesem Gebiet ist der Cotnari)
Dobrogea / Dobrudscha / Dobruja (Rot- und Weisswein. 1940 wurde die Gegend zwischen dem niedrigsten Teil der Donau und dem
Schwarzen Meer mit dem Vertrag von Craiova zwischen Rumänien und Bulgarien aufgeteilt. Murfatlar ist ein
traditionelles Weissweingebiet. Sein gleichnamiger Dessertwein wird vorwiegend
aus Muskat-Ottonel produziert)
Muntenia / Muntenic / Walachei (Vorwiegend Rotwein. Die guten Weinlagen
von Pietroasele liegen in Dealu Mare. Der Tamiîoasa Romanesca ergibt einen
vorzüglichen, süssen, goldenen Wein mit fein ausgewogener Säure)
Oltenja / Oltenien (Rot- und Weisswein. Auch die kleine Walachai genannt.
Man findet hier interessante, liebliche Rotweine im russischen Stil. Die besten
Rotweine stammen aus der Stadt Simburesti.)
Banat (Vorwiegend Rotwein nach ungarischer Tradition aus Minis und
Moldova Noua, Weissweine aus dem Teremia-Bezirk)
Die Rebsorten Rumäniens
Viele Rebsorten sollen hier ihren Ursprung haben.
Die wichtigste einheimische ist die weisse Feteasca. Der ungarische Leányka wird
übrigens aus dieser Traube gekeltert. Es besteht eine grosse Rebsortenvielfalt
mit zahlreichen autochthonen Sorten.
Weisse Rebsorten
Die weisse
Feteasca Alba ist führend, gefolgt von
Feteasca Regala, Francusa, Grasa of Cotnari und Tamiîoasca Romaneasca. Auch die
folgenden weissen Rebsorten sind sehr beliebt: Chasselas Doré, Riesling Italico,
Aligoté, Muscat Ottonel, Sauvignon, Traminer, Pinot Gris, Chardonnay und
Busuioaca de Bohotin.
Rote Rebsorten
Die rote Babeasca Neagra ist die Grundlage für leichte Rotweine und die
Feteasca
Neagra für Top-Rotweine. Die Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und
Rosioara liefern gute Qualitäten. Etwa drei Viertel der Produktion entfallen auf
Weisswein und der Rest auf Rotwein.
Die Qualitätsklassen
Das Weingesetz ist hier nicht so streng, was es den
Winzern ermöglicht, Weine mit sehr individuellem Charakter zu erzeugen. Die
Qualitäts-Klassen sind aufgeteilt in Tischwein (Vin de masâ, Vin de regiune) mit
einem Alkohol-Gehalt von 8 bis 9% vol, gehobener Tischwein über 9% vol (Vin de
masâ superiora, Vin de regiune superiora) und die Qualitätsweine DOC (früher VS
und VSO) und DOCC (früher VSOC):
DOC = Vin cu Denumire de Origine Controlata
(kontrollierte Herkunft, zumindest 180 g/l Zucker)
DOCC = DOC si trepte de Calitate
(kontrollierte Herkunft und Qualitätsstufen):
CMD = Cules la Maturitatea Deplina
(Ernte von vollreifen Trauben, zumindest 190 g/l)
CMD CT = Cules Tirziu
(Spätlese, zumindest 220 g/l)
CMD CIB = Cules la Inobilarea Boabelor
(Beerenauslese, zumindest 240 g/l)
CMD CSB = Cules la Stafidarea Boabelor
(Trockenbeerenauslese, zumindest 260 g/l)
Rumänien - das
Chile Europa's
Bei Ceptura, nordöstlich von Bukarest, befindet sich
ein in gelben Farbtönen gehaltenes Weingut. Alles ist sehr einfach gebaut worden
und gehört dem französischen Unternehmen SERVE. Aber es ist alles vorhanden, um guten Wein herzustellen. "Wir haben es so
einfach wie möglich gebaut, damit wir es jederzeit wieder anderswo einsetzen
können" sagt Guy Tyrel de Poix. Er kämpft seit 1993 um hier guten Wein
herzustellen. Seine Familie hat Erfahrung und führt auf Korsika die Domaine
Comte Peraldi. "Es ist das Chile Europa's. Abgesehen vom Chaos ist das Potential
wundervoll" meint er. 1993 startete er mit dem Weingut Dionysos, einem
Weinkeller mit 650 ha und 130 Mitarbeitern. Aber alles war zu kompliziert und es
war unmöglich das Unternehmen zu privatisieren. "Rumänien meint eigentlich nicht
Wein, sondern Rohma-terial" war seine Erkenntnis. Guy Tyrel de Poix kauft
seither Trauben ein
und macht 5-6'000 Hektoliter Wein daraus (3,500
hl roter aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon, Feteasca Neagra, Syrah und Pinot
Noir, der Rest wird Weisswein). Seine Weine sind zwar etwa 50% teurer als die
übrigen rumänischen Weine, wie Murfatlar und Jidvei. Aber er
exportiert sie erfolgreich unter dem Label "Terra Romana" in drei Preisklassen nach
Nordeuropa und Canada. Und Guy Tyrel de Poix meint dazu: "Es ist immer noch ein
gutes Geschäft!".
Stephen
B. Bennet, ein australischer Winemaker mit grosser Erfahrung in osteuropäischen
Ländern (Bulgarien, Ungarn und Macedonien) kaufte im September 2002 Vie-Vin Murfatlar,
ein bestbekanntes Weingut und Label in Rumänien. "Ich bin hier, um Weine zu
designen und um herauszufinden, wo die besten Trauben sind". Im Gegensatz zum
einheimischen Markt mit seinen vorwiegend süssen Weinen entschloss er sich bald, einen
trockenen Wein unter der Bezeichnung "Sec de Murfatlar"
herzustellen. Obwohl er damit Erfolg hat, glaubt Bennet, dass der rumänische
Weinbau noch vor einem langen Weg steht. Vor allem muss in Zukunft mehr auf
Qualität anstatt Quantität geachtet werden. Neue Techniken müssen sich vermehrt
durchsetzen und die Weinbaugesetze sollten nicht so oft und chaotisch geändert
werden.
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