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Auch heute noch sind die USA für viele eine Traumdestination. Einmal über den grossen Teich ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das wollen viele. Mit dem Flugzeug reist heute jedermann bequem in acht Stunden nach New York. Früher kam eine Reise nach Amerika einer Weltreise gleich. Der deutsche Naturforscher und Universalgelehrte Alexander von Humboldt bereiste in den Jahren 1799-1804 den amerikanischen Kontinent. Er hat als Ausbeute dieser Reise ein monumentales Reisewerk hinterlassen. Zum 250. Geburtstag ist jetzt eine Auswahl davon erschienen unter dem Titel „Das Buch der Begegnungen“.
Das Buch der Begegnungen. Humboldts Tagebuch ist eine wahre Fundgrube. Es macht ihn bis heute zum Anwalt der Natur, der Humanität und der Diversität. Auf seiner abenteuerlichen Reiseroute schrieb er als Naturwissenschafter, aber gleichzeitig auch als Poet. Mit 33 Jahren stach er in See. Über die Kanaren ging es nach Venezuela, dann nach Kuba, dann wieder zurück an die Atlantikküste. Hier bestieg er den Chimborazo, der damals als höchster Berg galt. Von hier reiste er weiter nach Mexiko, dann der nordamerikanischen Küste entlang nach Philadelphia. Von hier aus liess er es sich nicht nehmen, einen Abstecher zu Präsident Jefferson in Washington einzuplanen. Schliesslich kehrte er auf dem Schiffsweg über den Atlantik zurück nach Bordeaux und Paris. In Berlin wurde er nach seiner Rückkehr zur „Exzellenz“ ernannt. Zurück im heimatlichen Berlin reiste Humboldt im Kopf weiter. Sein Tagebuch wuchs bis zu seinem Tod auf 4500 Seiten an.
Naturwissenschafter und Poet. Alexander von Humboldt sammelte und vermass alles, was ihm begegnete: Steine, Pflanzen, Samen, Tiere, Gewässer, Berge, Temperaturen, Luftdruck, Feuchtigkeit, einfach alles. Heute würde man Humboldt als Datensammler bezeichnen. Dabei durfte er sich auf die Erlaubnis des spanischen Königs stützen, der ihm für den noch fremden amerikanischen Kontinent einen Forschungsauftrag erteilt hatte. Berühmt sind seine poetischen Texte, die seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse illustrieren und auflockern. In seinem Reisetagebuch steht beispielsweise für den 6. Juni 1799 folgender Eintrag: „Keine Küste mehr. Prächtige Nacht. Mond mit Mars. Meer sprüht Feuer. Meer ist eine essbare Flüssigkeit voll organischer Teile.“
Unruhig und rastlos. Alexander von Humboldt schlief kaum. Er schrieb: „Es ist ein Treiben in mir, wie von 10’000 Säuen gejagt.“ Atemlos jagte er durch den amerikanischen Kontinent. Sein Tagebuch ist ein einziges grosses und wunderbares Bekenntnis zu Lateinamerika und zu den USA. Dort wurde er zu einem Nationalhelden. Die Menschen in Südamerika entdeckten durch seine Schriften die natürliche und anthropologische Vielgestaltigkeit ihres Kontinents. In Berlin dagegen avancierte Humboldt zum Star des Allgemeinwissens. Er war einer der letzten europäischen Universalgelehrten. Einer, der es auch verstand, den Graben zwischen den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften zuzuschütten.
Aufbrechen zu neuen Ufern. Alexander von Humboldt blieb bis heute das Vorbild aller Globetrotter und Weltenbummler. Wie damals Humboldt wollen auch heute viele von uns ausbrechen aus „Schloss Langeweil“ und die Welt sehen. Alexander von Humboldt war voller Fernweh, und das Reisefieber rief in ihm wahre Erregungszustände hervor. Voller Neugierde und voller Erlebnishunger sog er die fremden Welten in sich auf. Jedes Detail war ihm dabei so wichtig „wie die erste Kinderreise vom Land in die Stadt“. Humboldt machte sich einen Namen als der „zweite Kolumbus“ und als der „wissenschaftliche Wiederentdecker Amerikas“. Die Humboldt-Universität in Berlin gilt als Deutschlands Elite-Universität, in der interdisziplinär geforscht wird, ganz im Sinne des Universalgelehrten Alexander von Humboldt.
Text und Foto (Symbolbild): Kurt Schnidrig