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Algarve,
die südlichste und kleinste Provinz von Portugal [* 2] mit dem Titel eines Königreichs, 4858 qkm (88 QM.) groß, besteht aus dem meist flachen Küstenstrich (Beiramar), dem Hügelland (Barrocal) und dem Gebirgsland (Serra). Dieses zieht sich auf der nördlichen Grenze unter den Namen Serra von Malhão, Mezquita und Monchique hin, welch letztere mit dem Kap St. Vincent, dem südwestlichsten Punkt Europas, in das Meer ausläuft, und erreicht in ihrem höchsten Gipfel (La Foia) 903 m. Nach S. fällt der kahle und ¶
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vegetationslose Hauptkamm des Gebirges in vielfach zerrissenen Terrassen zu der wenige Meilen breiten Küstenebene ab. Der einzige Fluß von Bedeutung ist der Guadiana, welcher die Grenze gegen Spanien bildet. Das Klima [* 4] ist angenehm, denn die afrikanische Hitze wird durch die frischen Seewinde gemäßigt. Die Bevölkerung [* 5] betrug 1881: 204,037 Einw. Sie stehen in ganz Portugal als gute Seeleute und Männer von Wort in gutem Ruf und sind ein robuster und schöner Menschenschlag mit trefflichen geistigen und körperlichen Anlagen.
Der sehr sandige Küstenstrich ist durch sorgfältige Düngung und künstliche Bewässerung zu ergiebigen Ernten gezwungen und erzeugt im W. große Massen von Weizen und andern Cerealien, im O. einen Überfluß von Johannisbrot, Feigen und Mandeln, ferner Orangen, Oliven, Wein (namentlich um Lagos), Gemüse, Hülsen- und Gartenfrüchte aller Art. Im Barrocal sind vorzüglich die Thäler angebaut, die Bergkuppen und steilen Berge mit Gebüsch und immergrünen Eichen, im O. mit verwilderten Öl- und Johannisbrotbäumen bedeckt.
Dieses reichbewässerte Hügelland liefert dieselben Früchte wie das Beiramar, namentlich aber Orangen und Oliven. In der Serra selbst wird nur Getreide [* 6] gebaut; die Serra Monchique ist mit herrlichen Kastanienwäldern bedeckt, die übrigen Serren mehr mit Cistusheiden und Weideland für die großen Schweineherden. An der Küste, welche zahlreiche kleine Häfen enthält, werden auch Fischerei [* 7] (namentlich auf Thunfische und Sardellen) und Seesalzbereitung betrieben.
Die Hauptstadt ist Faro.
Algarve reichte früher an der spanischen Küste bis Almeria und begriff selbst einen Teil der gegenüberliegenden
afrikanischen Küste in sich. In
Algarve faßten die Araber zuerst festen Fuß, wie auch der Name (El Gharb) arabischen
Ursprungs ist und ein gegen Abend gelegenes Land bedeutet. Um 1212 eroberte Sancho I. einen Teil des damals noch unter maurischer
Herrschaft stehenden Landes mit der festen Stadt Silves; die Eroberung
Algarves vollendete aber erst Alfons III. 1254. Anfangs
beanspruchte Spanien eine Art von Oberhoheit über das Land, und erst um 1253 ward letzteres als besonderes
Königreich mit Portugal vereinigt.
Vgl. v. Maltzan, Reise durch das Königreich Algarbien (Frankf. 1880).