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Sind das derzeitige Sechs-Jahres-Hoch des Swiss Market Index und das Rekordhoch des amerikanischen S&P-500 bereits für längere Zeit der Höhepunkt der Börsenparty? Wenn man mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger von 2001 spricht, nämlich Michael Spence, dann könnte man dies glauben. Oder zumindet davon ausgehen, dass der Zeitpunkt der Börsenwende nicht mehr weit entfernt liegt.
"Die Discountzinsen werden steigen, das führt zu einer Neubewertung von Aktien und festverzinslichen Anlagen", sagt Spence im Video-Interview mit cash am Rande des Institutional Money Kongresses letzte Woche in Frankfurt.
Spence ist der Meinung, dass die Federal Reserve mit ihrer ultralockeren Geldpolitik der letzten Jahre die Finanzmärkte zum "Überschiessen" gebracht habe. Das Tapering, also das Herunterfahren der Staatsanleihen-Aufkäufe der US-Zentralbank, und das Steigen der kurzfristigen Zinsen würden diesen Prozess wieder umkehren.
Der 70-jährige Spence erhielt 2001 zusammen mit George Akerlof und Joseph Stiglitz den Wirtschaftsnobelpreis. Sie wurden für ihre Arbeiten im Bereich von Märkten mit asymmetrischen Informationen ausgezeichnet. Der oft als "Global-Ökonom" bezeichnete Spence, Professor an der New York University und wohnhaft in Mailand, ist auch als Berater unter anderen für die chinesische und die indische Regierung tätig.
Die "Fragilen Fünf"
Daher ist Spence auch ein ausgewiesener Experte für Schwellenland-Fragen. Diese Länder hatten massive Geldzuflüsse von Investoren, die höhere Rendite suchten. "Diese Geldflüsse gehen nun in die andere Richtung zurück, was zu Turbulenzen und erhöhter Volatilität führt." Hintergrund des Trends ist die eingeleitete straffere Geldpolitik der US-Notenbank.
Spence glaubt nicht, dass diese Unruhen in den Schwellenländern schon vorbei sind. Besonders die so genannt "Fragilen Fünf", nämlich Indonesien, Türkei, Indien, Brasilien und Südafrika, würden weiterhin mit Kapitalabflüssen zu kämpfen haben. "Speziell die Türkei macht mir Sorgen, dies aber wegen der politischen Probleme", so Spence.
"Aber ich bin optimistisch und glaube nicht, dass diese Unruhen den Wachstumsprozess in diesen Ländern aus den Fugen bringen könnte", sagt der Uni-Professor zu cash. In einem Jahr könne man daher sagen, die Lage in den Emerging Markets sei unter Kontrolle.
Als Spence nach seiner Rede am Institutional Money Kongress von einem Zuhörer etwas gefragt wurde und sich der Mann als Schweizer zu erkennen gab, sagte Spence spontan: "You guys were smart. You bought reserves before going out of business". Frei und im Kontext übersetzt: "Ihr Schweizer wart schlau. Ihr habt Fremdwährungen gekauft, bevor ihr den Laden hättet dicht machen müssen."
Kursuntergrenze der Schweizerischen Nationalbank
Spence spielte damit auf die Einführung der Kursuntergrenze der Schweizerischen Nationalbank an. Im Gespräch mit cash über die Vor- und Nachteile über solche Marktinterventionen holt der Nobelpreisträger weit aus. "Sehen Sie, eines der wesentlichen Merkmale, was ich von den Schwellenländern lernen konnte, ist: Die Dinge geraten dort immer mal wieder aus den Fugen. Die Märkte sind nicht ausreichend geformt."
Erfolgreiche Schwellenländer seien aber pragmatisch und bis zu einem gewissen Grad experimentierfreudig, was die Lösung von Problemen angehe. "Frei nach dem Motto: Wenn wir einen Fehler gemacht haben, dann machen ihn wieder rückgängig. In den entwickelten Ländern haben wir dagegen, wie ich es nenne, eine exzessive Verehrung von möglichen Marktfolgen", sagt Spence.
Das Problem der aufgeblähten Bilanzsummen einer Zentralbank wurde laut Spence auch in China diskutiert. "Der Mann, der in China die Währungsreserven verwaltet, wurde von einem Journalisten einmal gefragt: Sind diese Währungsreserven nicht ein mieses Investment? Der Chinese antwortete, dass der Medienmann nicht verstehe, was China eigentlich beabsichtige. China wolle schlicht nicht sein Modell der Exportwirtschaft aufs Spiel setzen", erzählt Spence.
«Das wäre ein Fehler gewesen»
Er meint, es sei falsch, die Geldpolitik etwa von China oder der Schweiz nach einem gegensätzlichen Standpunkt von Finanzanlagenrenditen einerseits und dem gesamten Wohlergehen einer Volkswirtschaft andererseits zu beurteilen.
"Ein Grund, weshalb viele Leute die Märkte die Sachen regeln lassen wollen, ist, dass diese Leute keine Auswahl treffen müssen und somit keine Fehler machen. Aber manchmal muss man einfach Mut haben und etwas tun", so Spence weiter. "Klar hat die Schweiz und die SNB von der Hilfe der EZB profitiert, als diese die Märkte beruhigen konnte. Die Schweiz wird wahrscheinlich wieder zu einer normalen Geldpolitik zurückfinden. Es wäre in meinen Augen ein Fehler gewesen, die Dinge einfach so laufen zu lassen."
Spence, der Nobelpreisträger, hat dazu einen Grundsatz: "It's pragmatism over theory".