Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03320.jsonl.gz/932

Der Fall aus dem Alltag
Plötzlicher Thoraxschmerz
Autoren:
- Prof. Dr. med. Thomas Frauenfelder,
Facharzt für Radiologie, Zürich
Ein 18-jähriger Man stellt sich um 3.00 Uhr selbstständig auf dem Notfall vor. Er berichtet über plötzliche Thoraxschmerzen. GCS (Glasgow Coma Score) ist 15. Weitere Angaben werden zurückgehalten.
Frage: Was ist die wahrscheinlichste Ursache für den vorliegenden Befund?
- Autounfall
- Schlägerei
- Asthma-Anfall
- Atemwegsinfekt
- Harter Stuhlgang

Richtige Antwort:
2 Asthma-Anfall und 5 Harter Stuhlgang
Auflösung:
Klinische Zusatzangaben: Der Patient berichtete, dass er beim nächtlichen Stuhlgang plötzlich einen einschiessenden Thoraxschmerz verspürte mit einer anschliessend auftretenden Schwellung im Hals und Gesicht.
Die Diagnose des Falles lautet «spontales Pneumomediastinum ». Es beschreibt die nicht-traumatisch bedingte mediastinale Luftansammlung bei Patienten ohne zugrunde.
liegende Lungenerkrankung. Dem spontanen Pneumomediastinum liegt in der Regel eine intrathorakale Druckerhöhung im Sinne eines Valsalvamechanismus zugrunde. Auslösende, drucksteigernde Faktoren können Erbrechen, Husten, Bronchitis, Asthma, Tauchen oder eine physische Anstrengung sein. Ätiopathologisch wird eine Ruptur der Alveolenwand mit Luftaustritt ins Lungeninterstitium angenommen, wobei sich die Luft entlang den bronchovaskulären Bündeln zum Hilus hin ins Mediastinum bewegt. Bei Asthmatikern führt vermutlich die durch Entzündung und Sekret bedingte Bronchialobstruktion zu einer peripheren Überblähung mit nachfolgender Alveolarruptur und dadurch zur Ausbildung eines Pneumomediastinums. Vom gutartigen spontanen Pneumomediastinum müssen potentiell gefährliche Ursachen wie eine Ösophagusruptur oder Mediastinitis abgegrenzt werden.
Palpatorisch findet man häufig ein zervikales Hautemphysem mit Krepitation, auskultatorisch hört man über den Lungen kontinuierliche Nebengeräusche sowie über dem Herzen ein knackendes, meist systolisches Geräusch («Hamman-Zeichen»). Die Diagnose des Pneumomediastinums erfolgt mittels konventioneller Thoraxaufnahme oder mit der sensitiveren Computertomographie.
In der Thorax-PA Aufnahme zeigt sich am häufigsten eine luftbedingte Hypertransparenz entlang der linken und/oder rechten Herzgrenze oder entlang des Aortenbogens mit Abhebung der parietalen Pleura.
Das unkompliziert verlaufende Pneumomediastinum kann ambulant und symptomatisch behandelt werden. Eine stationäre Überwachung ist bei erheblicher Dyspnoe und bei instabilen Vitalparametern notwendig.