Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03120.jsonl.gz/953

Vincent Praplan gehört in den ersten vier WM-Partien zu den auffälligsten Schweizern. Der 22-jährige Walliser ist ein Versprechen für die Zukunft.
Mit je zwei Toren und Assists ist Praplan aktuell der zweitbeste Skorer im Schweizer Team nach Andres Ambühl. Überdies fällt er mit seiner Unerschrockenheit auf. Dabei nimmt er zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teil und hat er erst 23 Länderspiele bestritten. "Ich habe die Chance, mit Denis (Hollenstein) zu spielen, den ich sehr gut kenne. Wir verstehen uns extrem gut auf dem Eis", gab sich der Klotener Stürmer bescheiden.
Praplan hatte bereits in der unmittelbaren WM-Vorbereitung mit sechs Punkten (drei Tore) überzeugt. Allerdings erstaunt das angesichts seiner Entwicklung nicht. In der letzten NLA-Qualifikation war er mit 15 Toren und 27 Assists der viertbeste Schweizer Skorer.
Der Weg von Praplan zum Topspieler entbehrt nicht einer gewissen Logik, ist er doch in Sierre nur 20 Meter entfernt von der Eishalle aufgewachsen. Seine Eltern arbeiteten viel, sodass er dort jede freie Minute mit seinem acht Jahre älteren Bruder verbrachte, der selber Eishockey spielte.
Früh erwachsen geworden
Bereits mit 15 Jahren verliess Praplan das Elternhaus und wechselte von Visp zu Kloten, wo er nebst dem Eishockey die United School of Sports besuchte. "Ich musste schon früh viel Verantwortung übernehmen", sagte Praplan. Dadurch sei er früher erwachsen geworden. Das helfe extrem. "Klar ist Eishockey ein Mannschaftssport, aber schlussendlich ist jeder für sich selber verantwortlich, damit er seine Leistung abrufen kann."
Mit 19 Jahren wagte Praplan den Schritt nach Kanada, wo er in der Ontario Hockey League für das Juniorenteam North Bay Battalion tätig war. Diese Zeit prägte ihn. "Dort ist die Konkurrenz viel grösser. In der Schweiz wusste ich, dass ich sowieso spiele, egal was passiert. Mir wurde bewusst, im Training jeden Tag alles geben zu müssen."
Ein weiterer Punkt, den er lernte, war das physische Spiel, die Checks fertig zu machen. Das war vorher kaum der Fall. "Es ist für einen Verteidiger sehr mühsam, wenn jeder Check fertig gemacht wird", betonte Praplan die Wichtigkeit des körperbetonten Spiels.
Allerdings kehrte er bereits nach einem Jahr aus Nordamerika zu Kloten zurück. In seiner ersten "richtigen" NLA-Saison lief es ihm nicht wie gewünscht. "Fehler sind notwendig, um besser zu werden", erklärte Praplan.
Zudem änderte er seinen Spielstil. So legte er in den letzten paar Jahren nicht nur physisch deutlich zu, sondern denkt er nun auch vermehrt an die Defensive. "Früher spekulierte ich mehr, wollte ich sofort den Konter laufen, um Tore zu schiessen. Nun lege ich viel Wert darauf, hinten gut zu spielen, so dass das Stellungsspiel stimmt."
NHL - kein Traum, sondern ein Ziel
Letzterer Punkt ist gerade auch in der NHL eminent wichtig, wo Praplan hin will. Allerdings bezeichnet er die beste Liga der Welt nicht als Traum. "Ein Traum tönt für mich nach etwas, das man fast nicht erreichen kann. Es ist ein Ziel von mir. Ich weiss jedoch, dass der Weg noch weit ist."
Für Aufsehen hat er in Kanada jedenfalls schon gesorgt, als ihm im August 2014 in der Champions Hockey League gegen HV71 Jönköping ein fantastischer Treffer gelang. Dieser wurde gar auf dem bekannten kanadischen TV-Sender TSN gezeigt, worauf er viele positive Rückmeldungen erhielt. "Das war eine coole Sache."
Weitere Pluspunkte kann Praplan insbesondere am Samstagabend gegen Titelverteidiger Kanada sammeln. Wie will er die Nordamerikaner bezwingen? "Es gilt, so wenig Fehler wie möglich zu machen. Vorne müssen wir auch mal etwas probieren. Wir dürfen keine Angst haben. Wenn wir zu viel Respekt zeigen, dann haben wir keine Chance."
SDA-ATS