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Wallfahrtsgeschichte
Exklave der Klosterherrschaft Rot
Ausserhalb des geschlossenen Herrschaftsgebietes der Prämonstratenserabtei Rot an der Rot, damals Roth oder Mönchsroth genannt, gehören dem Gotteshaus zwei Pfarrdörfer. Das kleinere Kardorf mit der Kirche St. Nikolaus liegt jenseits der Iller, drei Wegstunden südlich von Rot.[1] Ohne Flussquerung ist in vier Wegstunden das Pfarrdorf Steinbach mit 514 Seelen (1792) erreichbar. Es liegt über der Iller zwischen Lautrach im Norden und Legau im Süden. Zum Steinbacher Besitz der Abtei Rot gehört auch der bei Legau gelegene Weiler Engelharz. Dreiseitig grenzt die Klosterherrschaft Steinbach an die Fürstabtei Kempten, jenseits der Iller auch an die Reichsherrschaft Kronburg. Mit der bayrischen Besitzergreifung von Kempten (1802) und später der Herrschaft Kronburg (1806) liegt das inzwischen mit der Abtei Rot an die Grafen von Wartenberg gefallene Steinbach in bayerischem Gebiet. Eine Ländergrenze trennt es seither von Rot an der Rot. Noch vor der endgültigen Auflösung des Bistums Konstanz kommt Steinbach gleichzeitig zum jetzt bayerischen Bistum Augsburg.
Vorgängerkirchen in Steinbach
Ein erster romanischer Kirchenbau wird 1519 durch eine gotische Kirche abgelöst. Sie ist den heiligen Ulrich und Verena gewidmet. Die Kirche ist einschiffig, mit eingezogenem Chor und einem Turm an der Westfassade. Ihre Innenlänge beträgt knapp 20 Meter, die Innenbreite des Langhauses 8,40 Meter. Unter Abt Martin Ertle[2] erhält sie um 1686 eine barocke Ausstattung und einen barocken Turm. Mit diesem Datum ist das von Franz Hermann[3] gemalte Altarblatt signiert. Im zentralen Teil des heutigen Langhaus-Deckengemäldes ist diese Vorgängerkirche, von Engeln getragen, sehr genau dargestellt. Auf dem Spruchband darunter ist «Vidi aquam egredientem a latere dextro» zu lesen. Der Text aus der Tempelvision in Ezechiel 47.1 bezieht sich auf die Quelle, die aus dem Felsen unter der Kirche hervorschiesst.[4]
Beginn der Wallfahrt
Die Wallfahrtsgeschichte beginnt 1723. Abt Hermann Vogler[5] schenkt am 3. Mai, dem Fest der Kreuzauffindung, der Pfarrei Steinbach eine Heilig-Kreuz-Reliquie. Der Kreuzsplitter hat ein Echtheitszertifikat eines palästinensischen Bischofs und die Approbation des Bischofs von Konstanz. Die Wallfahrt zum Heiligen Kreuz entwickelt sich schnell. P. Hieronymus Richter,[6] der 1722–1733 in Steinbach Pfarrvikar ist, sorgt 1723 für die Aufstellung eines grossen Kruzifixes aus einer Feldkapelle, das dort bereits verehrt wird. Er lässt es in den Hochaltar anstelle des Altarblattes von 1686 versetzen. Dann verschafft er sich aus Rot frühbarocke Statuen der schmerzhaften Muttergottes und des Evangelisten Johannes. Die frühbarocken Gnadenbilder, um 1622 für die Stiftskirche geschaffen und beim Brand 1681 beschädiget, werden zeitgemäss überarbeitet, neu gefasst und 1728 in der Wallfahrtskirche seitlich des Hochaltars aufgestellt.
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Die Wallfahrt in Steinbach beginnt 1723 mit der Schenkung einer Heilig-Kreuz-Reliquie durch den Abt von Rot, Hermann Vogler.
Pfarrvikar P. Hieronymus Richter lässt dazu das grosse Kruzifix einer Feldkapelle, das bereits verehrt wird, im Hochaltar der Kirche von Steinbach einfügen. Dieses Kruzifix des frühen 17. Jahrhunderts kommt beim Neubau der Kirche auf den Kreuzaltar zu stehen. Seit dieser als Volksaltar neu gebaut ist (1911), steht es frei im Chor. Damit fehlt heute der bildliche Bezug zu den seitlichen Statuen des Longinus und der Maria (nördlich des Kreuzaltars) sowie des Nikodemus und des Johannes (südlich des Kreuzaltars) zum Kreuz.
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Das für den Wallfahrtsaufschwung und die Mirakel wichtige Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes von 1622 steht ursprünglich in der Klosterkirche von Rot. Wieder ist es Pfarrvikar P. Hieronymus, der es 1728 neu fassen lässt und in der Kirche aufstellt. Mit dem Neubau kommt es in eine retabelähnliche Rokokonische des Stuckateurs Johann Georg Üblher beim Kreuzaltar.
|Fotos: Bieri 2009 und 2016.|
Die Marienwunder
1730 berichten Pilger erstmals von unerklärlichen Ereignissen, alle ausgehend von der Statue der schmerzhaften Muttergottes. Diese Statue ist jetzt vielbesuchtes Gnadenbild. Pfarrvikar P. Hieronymus notiert alle Wundererscheinungen. Der grosse Ansturm der Pilger führt zu Anklagen beim Konstanzer Ordinariat und einem anschliessenden Verbot der Aufstellung des Gnadenbildes, dem sich Abt Hermann Vogler widersetzt. Er zieht den Apostolischen Nuntius in Luzern bei, der 1733 eine bischöfliche Kommission zur Prüfung einsetzt. Nach Anhörung von 70 Zeugen wird die Wallfahrt zur Muttergottes in Steinbach durch ein bischöfliches Dekret bestätigt. Der Fürstbischof bezeichnet darin die Statue als «wahrhaft Miraculoses und Wunder=thätiges Bild». Von allen Kanzeln des grossen Bistums wird das bischöfliche Dekret verkündet. Am 13. Juni 1734 erlebt Steinbach die feierliche Erhebung zum Marien-Wallfahrtsort in einem prunkvollen barocken Ehrenanlass in Gegenwart von 20 – 30 000 Festgästen. Der während der Untersuchung von Steinbach nach Kirchberg an der Iller verbannte Pfarrvikar P. Hieronymus beschreibt das Fest in seinem 1738 erschienenen Mirakelbuch ausführlich. Auch die Wunder, die dann in der neuen Kirche als Mirakelbilder an die Seitenemporen-Untersichten gemalt werden, sind in diesem Mirakelbuch nachlesbar und ergeben ein schönes Bild der Wundergläubigkeit der Bevölkerung dieser Zeit.
Bauverlauf des Neubaus, seine Bauherren und Meister
Planungen und Bauvorbereitungen 1742–1748
Kloster und Pilger nennen den Wallfahrtsort jetzt nur noch Maria Steinbach. Die Kirche ist schnell viel zu klein für den Pilgeransturm. Inzwischen betreuen mehrere Patres der Abtei Rot die Gläubigen. 1739 wird in Rot Pater Ignatius Vetter[7] zum neuen Abt gewählt. Er kennt Maria Steinbach aus seiner Tätigkeit von 1724 bis 1729 als Pilgerseelsorger. Noch muss er die neue Bruderschaftskirche in Rot vollenden. Aber schon 1742 beginnt er mit der Planung des Neubaus in Maria Steinbach. Eine reine Verbreiterung des Langhauses ohne Abbruch des Chores wird zwar geprüft, aber trotz Minderkosten ausgeschieden. 1744 versetzt der Abt den bauerfahrenen ehemaligen Dillinger Studienkollege und Vertrauten Pater Benedikt Stadelhofer[8] als Wallfahrtspräfekt nach Maria Steinbach. Er lässt 1746 den die Kirche umgebenden Friedhof in ein nahes Grundstück verlegen. Die neue Planung, die zu dieser Zeit schon vorliegt, sieht den Neubau unter vorläufiger Beibehaltung der alten Kirche vor. Die neue Kirche ist derart geplant, dass die gotische Kirche als «Haus im Haus» im Schiff des Neubaus während der ganzen Rohbauzeit für die Wallfahrt geöffnet bleibt. Für die notwendige Erweiterung nach Osten müssen vom Fürststift Kempten, welches seine Nachbarmacht ungebührlich nutzt, auch Rechte eines kleinen Grundstückes erworben werden.[9] Deshalb wird 1747/48 vorläufig nur der Kirchturm abgebrochen und Baumaterial vorbereitet. Am 16. April 1749 kann mit dem Neubau begonnen werden.
Planer und Bauunternehmer
Ein planender Baumeister ist nicht bekannt. Wie schon die Vorgängeräbte Martin Ertle und Hermann Vogler ihre Bauten nie einem auswärtigen Planer übergeben, handeln Abt Ignatius Vetter und Pater Benedikt Stadelhofer auch in Maria Steinbach als Liebhaberarchitekten. Während aber bei den Vorgängern das Laienhafte in den ausgeführten Bauwerken sichtbar ist, beginnen die beiden einen Neubau, der aussergewöhnlich überlegt ist und konträre Raumformen derart zusammenfügt, wie dies derart unbekümmert ein erfahrener Planer nie gewagt hätte. Zwar ist mit Anton Lacher ein ausführender Baumeister, damals Maurermeister genannt, bekannt.[10] Wahrscheinlich arbeitet dieser aber nach den Planungsvorgaben der beiden Liebhaberarchitekten. Heute wird die endgültige Fassung eher dem seit 1744 anwesenden und bauleitenden Pater Benedikt, die Konzeption des Ausbaus aber Abt Ignatius zugeschrieben. Vermutet wird auch, dass sich in der langen Planungsphase verschiedene Baumeister mit Entwurfsplanungen um den Auftrag bemüht haben, deren Ideen dann in die Endfassung der Planung einfliessen.[11] Mehrere bekannte Baumeister könnten zu diesen Bewerbern zählen.[12] Überliefert ist nur ein eingeladener Wettbewerb von 1746/47 für die Malerarbeiten. Entwürfe liefern der später berücksichtigte Franz Georg Hermann und Johann Zick.
Bauausführung 1749–1755
Am 17. Oktober 1750, nach rund 13 Monaten Bauzeit, ist Richtfest des Mansard-Dachstuhls. Der Name des Zimmermeisters ist unbekannt. Im gleichen Jahr schliesst Abt Ignatius den Akkord über die Stuckierung der Gewölbe zu 2700 Gulden mit der Stuckateuren-Werkstattgemeinschaft Johann Georg Üblher[13] und Franz Xaver Schmuzer.[14] Ein Nachtrag für die Stuckmarmorarbeiten an den Pilastern von 1200 Gulden ist im gleichen Vertrag aufgeführt. Erst im Herbst 1751 kann die Werkstatt Üblher mit den Vorarbeiten beginnen, weil für die vorgängige Erstellung der Leichtgewölbe durch die Zimmerleute zuerst die alte Kirche, die noch immer den ganzen Innenraum einnimmt, abgebrochen werden muss. Auch die Fensterverglasungen und Türen müssen noch eingesetzt werden. Als Mitarbeiter Üblhers werden nebst Franz Xaver Schmuzer die Stuckateur-Paliere Placidus Doll[15] und Lorenz Walser[16] aufgeführt. Weitere bekannte Wessobrunner Stuckateure werden vermutet, tauchen aber in den Rechnungen nicht auf.[17] Ende 1751 vergibt der Abt die Ausführung der Deckengemälde an Franz Georg Hermann, Hofmaler in Kempten.[18] Er malt diese 1752, teilweise in Secco-Technik. Sein Entwurf für das Hauptbild von 80 x 120 cm Grösse hängt heute im Pfarrhof. Die Stuckmarmorarbeiten und Stuckaturen, vor allem die Figuralplastiken von Johann Georg Üblher, werden 1752 bis 1754 ausgeführt.[19] Zu diesen Arbeiten zählt auch die originelle Kanzellösung, die Üblher als beidseitige Vorbauten der Empore im dritten Langhausjoch ausführt. Am 4. März 1755 erfolgt die Einweihung durch den Konstanzer Weihbischof.
Fertigstellung 1756–1770
Als die Kirche am 4. März 1755 geweiht wird, ist mit Abt Ambrosius Guggenmos[20] seit 51 Tagen ein neuer Bauherr für Maria Steinbach zuständig, da der verdienstvolle Bauprälat Ignatius Vetter kurz vorher verstorben ist. Die Kirche hat zum Zeitpunkt der Einweihung noch keine neue Ausstattung und vor allem keine neuen Altäre. Wahrscheinlich ist der alte Hochaltar, eine noch frühbarock anmutende Schreinerarchitektur, provisorisch wieder in Nutzung, vielleicht schon seit 1753. Als erstes neues Werk wird im Juli 1756 die Einweihung der Emporenorgel gefeiert. Sie ist ein Werk (II/24) des berühmten Orgelbauers Joseph Gabler,[21] der schon 1755 in Maria Steinbach tätig ist. Der Auftrag für die Altäre geht, wahrscheinlich noch von Abt Ignatius eingefädelt, ebenfalls an Johann Georg Üblher. Vorerst ist es der Akkord über plastischen Arbeiten der beiden Stuckmarmor-Seitenaltäre für 1400 Gulden, die 1758 abgerechnet werden.[22] Altarblätter und Auszugsbilder liefert wieder der Maler Johann Georg Hermann, das Blatt des nördlichen Anna-Altars ist «Frz. Gg.Herrmann i.J.1756» signiert. Erst 1760 beginnt Üblher auch mit dem Bau des grossen Hochaltars. Ob die Verzögerung auf den erneuten Abtwechsel zurückgeht? Denn schon 1758 stirbt Abt Ambrosius und 1760 auch sein Nachfolger, der bekannte Bauleiter und Planer Benedikt Stadelhofer, der nur zwei Jahre als Abt von Rot regiert. Für die letzte Bauphase der Wallfahrtskirche ist nach 1760 Abt Mauritius Moriz[23] zuständig, der unter dem damaligen Wallfahrtspräfekt, Liebhaberarchitekt und Vorgängerabt Benedikt Stadelhofer in Maria Steinbach mehrere Jahre als Wallfahrtsseelsorger Bauerfahrung gesammelt hat. Vielleicht erst von ihm erhält Johann Georg Üblher den Auftrag für den grossen Hochaltar. Üblher arbeitet bis zu seinem Tod im April 1763 mit den beiden Stuckateuren «Benedikt» und «Thomas».[24] Ob die beiden anschliessend den Altar fertig bauen oder ob dafür zusätzlich Franz Xaver II Feichtmayr[25] beigezogen wird, der 1765 ebenfalls erwähnt wird, muss mangels Quellen offenbleiben. 1768 ist der Altar fertig und wird 1770 geweiht.
Während dieser letzten Ausbauphase werden auch die Beichtstühle in alle sechs Wandpfeilernischen des Langhauses, das Laiengestühl und auch das Chorgestühl ausgeführt. Die Meister sind unbekannt, beim Chorgestühl wird Johann Georg Üblher als Entwerfer vermutet.[26]
Die äusseren Arbeiten werden 1764 durch einen Brand in den Kuppel-Geschossen des 1751 erstellten Frontturms unterbrochen. Wo in der Darstellung im Langhaus-Deckengemälde steil aufragende doppelgeschossige Rokoko-Helme zu sehen sind, baut jetzt Abt Mauritius nur noch eine einfache Zwiebelkuppel. An der Aussenfassade lässt er anschliessend auch sein Wappen aufbringen.
Nach 1770 wird an der Kirche nichts mehr verändert.
Nach 1803
Maria Steinbach ist nach der Besitzergreifung der Herrschaft Rot durch die Grafen von Wartenburg als «Amt Steinbach» Teil der neuen «Reichsgrafschaft Wartenberg-Roth», ihre Herren sind nach 1818 die Grafen zu Erbach-Erbach. Sie ergänzen ihren Titel mit dem Zusatz «Herr zu Steinbach». Ihr «Amt Steinbach» ist mit der bayrischen Besitzergreifung der Fürstabtei Kempten 1802 Enklave in Bayern. Seit 1809 ist es Teil des neuen Königreichs Bayern, die Grafen von Wartenberg-Roth bleiben aber bis 1918 im Besitz von Steinbach. Mit der Säkularisation kommt Maria Steinbach auch zum Bistum Augsburg. Kirchlich gehört der Ort seither zu Legau. Noch bis 1829 betreuen ehemalige Patres der Abtei Rot die Pfarrei. Den wallfahrtsfeindlichen Zeitumständen am Anfang des 19. Jahrhunderts scheint Maria Steinbach zu trotzen. Allerdings sind weder die Herrschafts- noch die Pfarrei- oder Baugeschichte des 19. Jahrhunderts aufgearbeitet, sodass erst von wesentlichen Eingriffen einer 1894 erfolgten «Restauration» anlässlich einer Renovation der Jahre 1953/54 berichtet wird. Eine Aussenrenovation wird 1964/67 vorgenommen, innen wird 1989/91 das letzte Mal restauriert.[27]
Architektur, Raumstuck und Deckengemälde
Architektur als Collage
Das mehrjährige Planungsverfahren für den Neubau der Wallfahrtskirche ist ebenso wenig dokumentiert, wie die Quellen über die konsultierten Baumeister fehlen.[28] Abt Ignatius Vetter und der Wallfahrtspräfekt P. Benedikt Stadelhofer legen jedenfalls spätestens Ende 1748 ein ausführungsreifes Projekt vor, nach dem die Wallfahrtskirche bis 1750 ausgeführt wird.
Generationen von Kunsthistorikern beurteilen die Architektur von Maria Steinbach vorwiegend visuell.[29] Berücksichtigt man aber ausser der Gestalt auch konstruktive und funktionale Voraussetzungen, die Vitruv mit «firmitas und utilitas» noch vor der «venustas» als gleichwertige Säulen der Architektur definiert, ist das Laienhafte am architektonischen Gerüst von Maria Steinbach schnell sichtbar. Keiner der vielleicht beratend beigezogenen Baumeister würde derart unbekümmert und auch so genial dilettantisch wie die beiden Roter Liebhaberarchitekten planen oder bauen. Ihr weithin sichtbares Bauwerk zeigt im Aussenbau gleichwertige, risalitartig vorspringende Querschiffe im Osten und Westen. Diese begrenzen ein dreijochig erscheinendes Langhaus. Sie sind im Osten mit einem halbrunden, eingezogenen Chor und im Westen mit einer lebhaften, konkav-konvex geschwungenen und steil aufragenden Fassade mit Mittelturm abgeschlossen. Betont wird das Baugefüge durch ein Mansarddach, die Querschiff-Risalite mit geschwungenen Frontispizen. Dieser äusseren Aufteilung von Westbau und Hauptschiff entspricht die innere Gliederung nicht. Das in Wirklichkeit vierjochige Langhaus greift mit dem ersten Joch in den Westbau über. Keiner der erwähnten Baumeister, auch nicht der immer wieder zitierte Dominikus Zimmermann hätte sich einen solchen Verstoss gegen die Regeln der Baukunst erlaubt.[30] Es ist nicht die einzige Abweichung. Das Hauptschiff greift die Form einer Wandpfeiler-Emporenhalle auf.[31] Auch hier dienen die massiven Wandpfeiler eigentlich nur visuellen Zwecken. Denn weder für eine Wandverstärkung noch für eine Emporen-Tragkonstruktion sind sie notwendig. Ihr eigentlicher Zweck wäre es, mit den üblichen massiven Quertonnen ein Widerlager für den Gewölbeschub zu schaffen. Aber die «Quertonnen» von Maria-Steinbach sind Holzlatten-Scheingewölbe. Auch als Auflager für den Dachstuhl dienen die Wandpfeiler wenig, denn das untere Geschoss des Mansarddaches ist als offener Dachstuhl auf die Aussenmauern gelegt. Wo erfahrene Baumeister immer auch die Dachstuhlkonstruktion in ihre Bauplanung einbeziehen, weil die «firmitas» des Bauwerks meist wichtigstes Qualitätskriterium der Bauherren ist, übertragen dies die Laienplaner von Maria Steinbach einem Zimmermeister, geben aber die Dachform vor.[32] Nicht nur die «Quertonnen», auch alle Gewölbe sind als Zimmermannsarbeit ausgeführt und mit viel Holzaufwand in den Dachstuhl eingebunden. Das Langhausgewölbe hat eine respektable Scheitelhöhe von 6,60 Meter, während die «Kuppel» im angedeuteten Querhaus flach ausgeführt ist. Als weitere Besonderheit ist das Hauptgewölbe im Langhaus im Grundriss als gestrecktes Achteck gestaltet, weil es im ersten und vierten Joch jeweils zu den eingezogenen Chor- und Emporenbogen geführt ist. So entsteht in der Gewölbezone eine ringsumlaufende Abfolge von insgesamt zehn Bögen. Diese einem Oval angenäherte Form des Leichtgewölbes im Langhaus ist eine Lösung, die wahrscheinlich auf Beratungen durch die 1746 eingeladenen Maler Hermann und Zick zurückführt, was am damals abgegebenen Entwurf des Malers Hermann abgelesen werden kann.[33] Die damit versuchte Zentrierung des Langhauses wird allerdings nur im westlichen Übergang zur Orgelempore konsequent auch im Wandpfeiler-Emporenbereich durchgeführt.
Insgesamt ist Maria Steinbach, trotz völliger Negierung der Einheit von Form und Funktion, eine gelungene Collage ausschliesslich visuell eingesetzter Architekturelemente.
Die Westfassade
Das Äussere der Kirche korrespondiert zwar nicht mit dem Innenraum, ist aber sehr sorgfältig gestaltet. Die Fassade, wie die westliche Schaufront genannt wird, erhält die besondere Aufmerksamkeit der Planer von Maria Steinbach. Sie führt kein Eigenleben und übernimmt die verputzen Felder und Gelbocker-Pilaster der übrigen Fassaden. Im Grundriss wölbt sie sich in konvex-konkavem Schwung vor. Sie wird durch drei gekehlte Pilasterpaare gegliedert, welche die Kanten der Schweifungen betonen.[34] Diese Beschreibung dürfte auf viele Barockfassaden zutreffen. Erst mit dem synchronen Hochschwingen des Gebälks, das im Mittelfeld einen steilen syrischen Bogen bildet, mit dem zweifach geschwungenen, dem Dachverlauf folgenden Giebel und mit der vertikalen Mittenbetonung durch den dahinter aufsteigenden Glockenturm erhält die Fassade Ausnahmecharakter.[35] Ihr Planverfasser muss wieder im Kreis der Roter Liebhaberarchitekten gesucht werden. Ist vielleicht hier bereits Mauritius Moriz beteiligt, der sich als Abt 1764 im seinem Wappen im Mittelfeld verewigt und der sich in einem Porträt von 1766 mit den Attributen Zirkel, Ellenmass und Reisspapier auch als Architekt sehen will.
Raumstuck von Johann Georg Üblher
Der Wessobrunner Stuckplastiker und Stuckateur ist in Maria Steinbach alleinverantwortlich tätig, nachdem er vorher 15 Jahre mit Johann Michael Feichtmayr und kurz auch mit seinem Schwager Franz Xaver Schmuzer ausschliesslich in Werkstattgemeinschaften arbeitet.[36] Er ist im Gebrauch der Rocaille, die er schon 1737 in Diessen benutzt, recht ungestüm. Üblher überspielt nicht nur mit seinen Rocaillen, auch mit Kartuschen und Figuralplastiken die Bruch- und Schwachstellen der Tektonik. Er prägt mit diesen ungebundenen und kraftvollen Stuckaturen und mit den phantasievollen Kompositkapitellen der rotmarmorierten Pilaster den Innenraum in gleicher Weise wie dies die Bilderwelten des Malers Hermann vermögen. Die beiden Kemptener Hofkünstler sind die eigentlichen Gestalter des Innenraums von Maria Steinbach. Ihre Arbeiten sind keine Dekoration, sondern formen den Rokokoraum.[37]
Die Deckenbilder von Franz Georg Hermann
Über das Bildprogramm der Wallfahrtskirche Maria Steinbach liegt eine 2008 im Web veröffentlichte Magisterarbeit von Fabian Wolf vor, die umfassend auf die Ikonologie der Figuralplastik und der Bilder eingeht (https://freidok.uni-freiburg.de/pers/16339).
Franz Georg Hermann malt in Maria Steinbach das grosse Deckenbild des Langhauses, die beiden Deckenbilder des Chors und Altarraums, 22 Bilder unter die Galerien und in die Tonnengewölbe, zwei Bilder im Eingang und über der Orgelempore, sowie 12 Zwickel- und Kartuschenbilder, total also 39 Bilder. Das Hauptbild im Langhaus signiert er 1752. Er malt die Bilder zum Teil nicht in Freskotechnik, sondern in Öl auf Putz.
Ihr Programm, wahrscheinlich von Abt Ignatius verfasst, entspricht dem Thema der Kreuz- und Marienwallfahrt. Man erkennt das Bemühen des Abtes, die Wallfahrer nicht mit zuviel Ikonographie oder mit Emblemen zu überfordern, sondern ihnen den Gnadenort in didaktisch klugen Bildern näher zu bringen.
Deutlich ist dieses Bemühen in den acht Mirakelfresken an den Untersichten der Seitenemporen spürbar. Hermann malt die in den Mirakelbüchern beschriebenen Wunder derart überzeugend, dass sie heute ähnlich der Votivbilder wichtige Zeitdokumente bilden.
Im grossen Hauptbild steht Maria im Zentrum. Auf Wolken tragen sie Engel im geöffneten Himmel. Engel tragen beidseits der Himmelskönigin auch die alte und die neue Kirche. Die terrestrischen Szenen mit Gegebenheiten aus dem Alten und Neuen Testament sind an den Rand gedrängt. Dieses dominierende Langhausbild mit dem geöffneten Himmel verzichtet auf die im Spätbarock übliche Quadratura, wie die scheinarchitektonische Raumfortsetzung nach oben genannt wird. Anders als das wegweisende Langhausfresko des Paters Andrea Pozzo in Sant’ Ignatio Rom (1694) ist es nun eine reine Rokokokomposition.
Anders das Deckenbild des Chors. In die Flachdecke malt Hermann getreu den Vorgaben von Andrea Pozzo in seinem 1700 erschienenen Traktat eine Scheinkuppel. Hier tritt Hermann eher in die Nachfolge von Cosmas Damian Asam, der dieses Kuppelthema in den 1720er-Jahren mehrfach umsetzt. Die gemalte Scheinkuppel in Maria Steinbach wird heute als Chorkuppel bezeichnet.
Alle diese Bilder und auch die übrigen Deckenbilder im Altarraum und in den Tonnengewölben des Langhauses sind in der Magisterarbeit von Fabian Wolf umfassend beschrieben.
Altäre
Die Seitenaltäre werden noch durch Abt Ambrosius Guggenmos um 1756, der Hochaltar aber erst 1760 durch Abt Mauritius Moriz an Johann Georg Üblher in Auftrag gegeben. Obwohl Quellen fehlen, muss Üblher und vielleicht der als Mitarbeiter erwähnte Altarbau- und Stuckmarmorspezialist Thomas Stiller auch die Altäre ausgeführt haben.[38]
Der Doppelaltar von Maria Steinbach
Der Hochaltar von Maria Steinbach ist einer der wenigen vertikal angeordneten Doppelaltäre des Barocks. Sie sind fast ausschliesslich in Wallfahrtskirchen zu finden und vereinigen in zwei Ebenen den unteren Altar mit dem zurückliegenden oberen Altar, der durch die umlaufenden Emporen-Galerien erreichbar ist. Derart reiht sich der Hochaltar von Maria Steinbach in bekannte bayerische Vorbilder wie Vilgertshofen (Franz Schmuzer 1718/21), die Wies (Dominikus Zimmermann 1749/50) oder Andechs (Johann Baptist Zimmermann 1751/54) ein. In Maria Steinbach ist im oberen Altarretabel das 1763 von Hermann signierte Blatt der Mariä Himmelfahrt eingefügt. Dieses Retabel setzt sich mit reicher Stuckplastik übergangslos in das Gewölbefresko fort. Der untere Altar steht vor einer retabelartigen Stuckmarmorwand, die bis zum Galerieniveau des oberen Altars reicht. Sie ist mit konkav in den Raum vorgeschwungenen Freisäulen-Paaren in Stuckmarmor flankiert, welche vor den beiden Wandpfeilern stehen. Über dem Gebälk nehmen sie spangenartig die Gurtbogen-Verbindung der Wandpfeiler auf und verbinden baldachinartig mit dem Gewölbe. In grösserer Entfernung wirken die beiden Retabel als einziges grosses, mehrsäuliges, die Raumarchitektur weiterführendes Ädikularetabel. Dieser Altar hätte mehr Beachtung verdient.[39] Nur dem Altarblatt des oberen Altars, dem hervorragenden Rokoko-Tabernakel des unteren Altars und den beiden eher steifen, überlebensgross in die Freiräume der Säulen gestellten hll. Norbert und Ulrich werden Aufmerksamkeit zuteil.
Seitenaltäre
Die beiden Seitenaltäre und die mit ihnen um das Eck verbundenen Gnadenbild-Retabel sind Werke der Üblher-Werkstatt, auch wenn sich die einzig erhaltene Quelle vermutlich nur auf den Akkord der Figuralplastiken beruft. Sie sind ein «Höhepunkt im verfeinerten Figuralstil Üblhers, nehmen an einer raumüberspannenden Ikonologie teil und werden szenisch interpretiert» schreibt Norbert Jocher und bezeichnet Üblher dank dieser Arbeiten als den bedeutendsten Stuckplastiker des Rokoko neben Joseph Feuchtmayer. Seine Figuren sind polierweiss, die Altäre und Gnadenbildnischen in rotem Stuckmarmor wie der Hochaltar ausgeführt. Die beiden Seitenaltäre enthalten Säulenretabel mit ornamental durchbrochenem Auszug. Die Altarblätter und Oberstücke sind von Franz Georg Hermann.[40]
Abgewinkelt, bereits auf Chorniveau und mit den Seitenaltären verbunden, stehen die retabelähnlichen Rokokonischen für die beiden Gnadenbilder. Nordseitig (links) ist es die Schmerzhafte Muttergottes, südseitig (rechts) ist es der hl. Johannes Evangelist, beide in der Überarbeitung von 1728.
Kreuzaltar, Kreuz und szenische Beziehungen
Der im Chor freistehende Kreuzaltar wird heute als Volksaltar benutzt. Er steht zwar an alter Stelle, ist aber eine Arbeit von 1911. Hinter ihm ist das überlebensgrosse Kruzifix aufgerichtet, das 1723 schon in der alten Kirche aufgestellt ist und am Beginn der Wallfahrtsgeschichte steht. Ursprünglich auf dem Kreuzaltar stehend, wird es in neuerer Zeit zu Gunsten einer moderneren Liturgie in die Mitte der «Vierung» gestellt. Die szenischen Beziehungen der Kreuzgruppe mit Maria, Johannes, Nikodemus und Longinus zum Kreuz sind damit leicht gestört. Dies ist der Grund, warum etwa Longinus seinen Speer ins Leere über dem Kreuzaltar richtet.
Kanzeln
Üblher ist auch Schöpfer der aussergewöhnlichen Kanzellösung. Seine beiden Kanzeln schwingen im dritten Joch an den Längsseiten aus der schon vorhandenen Galerieschwingung nochmals vor. Das formaufgelöste Stuckmarmor-Rokokogebilde wird durch heranfliegende Engel und Putti getragen. Weil die offenbar stimmgewaltigen Prediger auf Schalldeckel verzichten können, fügen sich die beiden Kanzeln recht unauffällig ein.
Chorgestühl, Beichtstühle und Gestühl
Das kleine Chorgestühl ist beidseitig des Chorraums angeordnet und durch die Eingänge zur Sakristei und dem Beichtraum getrennt. Damit ergeben sich vier grosszügige Plätze. Im Gegensatz zum Wolfegger Gestühl, das vielleicht Vorbild ist, sind die Intarsien in Maria Steinbach nur aufgemalt.
An den Beichtstühlen sind vor allem die aufgesetzten durchbrochenen Rocaille-Medaillons mit den eingelassenen und teilvergoldeten Flachreliefs erwähnenswert.
Sehr einfach und kaum erwähnenswert sind hingegen die um 1765 geschnitzten Eichenwangen des Laiengestühls gestaltet.
Orgel
Von der Gabler-Orgel von 1756 ist heute nur noch das Prospektgehäuse erhalten. Zweigeteilt schwingt es sich, beginnend beidseitig des Westfensters, auf die ganze Tiefe in fünf Teilen konkav-konvex nach vorne. Musizierende Putten bevölkern das geschwungene Gebälk. Die Orgel ist marmoriert, die Rocaille- Schleierbretter sind vergoldet. Über dem Fenster halten Putti das Wappen des Abtes Ambrosius. Die aussergewöhnliche Tiefenanordnung ist der seitlichen Begrenzung durch die Turmmauern geschuldet und lässt den Prospekt gegen das Kirchenschiff leider nicht zur verdienten Wirkung kommen.
Pius Bieri 2019
|Literatur

Breuer, Tilman: Stadt und Landkreis Memmingen. Kurzinventar. Bayerische Kunstdenkmale Band IV. München 1959.
|Schnell, Hugo: Maria Steinbach. Kunstführer 1937. Vierte Auflage München und Zürich 1973.|
|Jocher, Norbert: Johann Georg Üblher (1703–1763), in: Allgäuer Geschichtsfreund. Kempten 1988.|
|Sachse, Hans Joachim: Kreuz- und Marienwallfahrtskirche Maria Steinbach, in: Barocke Dachwerke, Decken und Gewölbe. Berlin 1975.|
|Beck, Gertrud: Roter Äbte als Auftraggeber Ochsenhauser Orgelbauer, in: BC Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach, 15. Jahrgang 1992.|
|Wolf, Fabian: Maria Steinbach. Studien zum Bildprogramm einer spätbarocken Wallfahrtskirche. Magisterarbeit. Freiburg im Breisgau 2008. Abrufbar unter: freidok.uni-freiburg.de|
|Web

Maria Steinbach in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Zur_Schmerzhaften_Muttergottes_und_St._Ulrich_(Maria_Steinbach
Anmerkungen:
[1] Die Kirche wird 1730 von Abt Hermann Vogler gebaut. Heute in die Gemeinde Kronburg eingegliedert.
[2] Martin IV. Ertle OPraem (1641–1712) aus Greggenhofen im Oberallgäu. Abt in Rot 1672–1711. Siehe in seiner Biografie in dieser Webseite.
[3] Franz Benedikt Hermann (1664–1755) aus Kempten, Hofmaler der Fürstäbte von Kempten, Vater von Franz Georg Hermann, der 1751–1752 Maler in Maria Steinbach ist. Das Altarblatt des Hochaltars von 1686 zeigt die Himmelfahrt Mariens. Es wird schon 1723 zugunsten des grossen Kruzifixes (um 1570) entfernt und hängt heute im Pfarrhaus. Gösse: 177 cm breit, 290 cm hoch.
[4] Ez 47.1 «Und er führte mich zurück zum Eingang des Hauses; und siehe, Wasser floss unter der Schwelle des Hauses hervor nach Osten, denn die Vorderseite des Hauses war nach Osten gerichtet; und das Wasser floss untenherab an der rechten Seite des Hauses, südlich vom Altar».
[5] Hermann Vogler OPraem (1680–1749) aus Oberstdorf im Oberallgäu. Abt in Rot 1711–1739. Profess in Rot 1697. Studium in Dillingen. Primiz 1704. Mehr zu ihm siehe in der Biografie in dieser Webseite.
[6] P. Hieronymus Richter OPraem (1685–1756) aus Tannheim. Profess in Rot 1708. Primiz 1712. 1722–1733 Wallfahrtsprediger und Pfarrer in Maria Steinbach, dann Pfarrer in Kirchberg an der Iller (nicht Oberkirchberg!). Er ist sprachgewaltig und betätigt sich auch als Literat. Zehn Veröffentlichungen sind bekannt, darunter der Lebenslauf des seligen Fr. Wilhelm (1722), eine Lebensgeschichte der hl. Verena von Zurzach (1736), die Beschreibung der Wunder zu Maria Steinbach («Unerschöpflicher Gnaden-Bach, Neuerlich entsprungen Zu Maria Steinbach», 1738) und eine Beschreibung der Fortsetzung von Wundern 1743.
[6] Ignatius Vetter (1697–1755) aus Kirchheim im Unterallgäu. Profess 1714. Studium in Dillingen. Doktor der Rechte. Primiz 1721. Abt in Rot 1739–1755. Mehr zu Ignatius Vetter siehe in der Biografie in dieser Webseite.
[8] Benedikt Stadelhofer (1694–1760) aus Feldkirch. Schulen in Feldkirch und Weingarten. 1714 Profess in Rot, dann Studium in Dillingen. Primiz 1718. 1737-1748 plant und leitet er den Neubau der Bruderschaftskirche St. Johann in Rot. 1744 ist er Grosskeller und Pfarrer in Maria Steinbach, wo er 1749-1758 auch Bauleiter der von ihm geplanten Wallfahrtskirche ist. Anschliessend wird er, bereits 64-jährig, 1758–1760 Abt in Rot. Mehr zu Benedikt Stadelhofer siehe in der Biografie in dieser Webseite.
[8] Das Fürststift Kempten verfügt in der Herrschaft Steinbach der Abtei Rot über die Hochgerichtsbarkeit und einige Regalien, darunter die Jagd. Alle anderen Rechte, vor allem am Grundeigentum, besitzt die Abtei Rot. Offensichtlich legt der mächtige Nachbar diese Regalien, die leider in der Literatur nicht näher erläutert sind, zu Ungunsten der Abtei aus. Anders können die Genehmigungen für die Friedhofsverlegung (1746) oder für den Neubau der Kirche nicht erklärt werden. Selbst die Entlassung einer 10,2 Meter (!) langen Sondernutzung Kemptens an Grasland des Bauern Fickler für die östliche Erweiterung bedarf einiger diplomatischer Anstrengungen von Pater Benedikt Stadelhofer. Erst am 19. Juli 1748 trifft auch eine Bewilligung für den Neubau der Kirche ein.
[10] Anton Lacher (1705–1777), Maurermeister in Kirchberg an der Iller. Er ist 1755/56 Baumeister des Langhaus-Neubaus der Pfarrkirche in Illereichen.
[11] Entwurfsplanungen gehören zur Bewerbung und werden, wie heute öffentliche Architektenwettbewerbe, nicht vergütet. Deshalb würden auch keine Namen in den Rechnungsakten auftauchen, selbst wenn diese erhalten wären. Nur für bestellte Entwürfe werden kleine Vergütungen entrichtet.
[12] Bekannte Baumeister, die 1740–1745 in der Region tätig sind, sich vielleicht sogar bewerben, aber sicher durch ihre Bauten den Neubau von Maria Steinbach beeinflusst haben.
Dominikus Zimmermann baut 1736–1741 die Frauenkirche in Günzburg. Seine Tochter gibt er 1737 in die nahe Reichabtei Gutenzell (mit der die Reichsabtei Rot das Dorf Kirchberg an der Iller teilt).
Franz Xaver Kleinhans baut 1739/40 in Westendorf die Pfarrkirche St. Georg, 1746 St. Blasius in Fristingen, 1747 St. Ulrich und Martin in Wittislingen. Er ist Schüler und Nachfolger des Allgäuer Baumeisters Johann Georg Fischer aus Füssen († 1739) und seit 1747 fürstbischöflicher Baumeister in Dillingen. Die Chorkuppel in Maria Steinbach ist eine Konstruktions-Kopie der Kuppel von St. Mang in Füssen (Herkomer/Fischer).
Jakob Emele aus Schussenried, der als Experte später auch beigezogen wird. Er ist Lehrmeister von Januarius Zick. 1746–1748 barockisiert er mit Vater Johann Zick die Stadtpfarrkirche von Biberach.
Joseph Schmuzer, der bis 1744 in Weingarten und bis 1745 in Pfaffenhausen baut (die direkte Route führt über Rot an der Rot).
[13] Johann Georg Üblher (1703–1763), auch Üblhör, aus Wessobrunn. Hofstuckateur und Bildhauer in Kempten. Er heiratet 1741 eine Tochter des Wessobrunner Baumeisters und Stuckateurs Joseph Schmuzer. Langjährige Werkstattgemeinschaft mit Franz Xaver I Feichtmayr und Johann Michael Feichtmayr (Diessen, Münsterschwarzach, Amorbach). Er übernimmt in der Regel die Figuralplastik.
In Maria Steinbach arbeitet er 1751 sechs Wochen. 1752: 16 Wochen. 1753: 25 Wochen. 1754: 25 Wochen. 1755: 30 Wochen. 1756: 23 Wochen (Altäre). Von 1751 bis 1755 arbeitet er demnach, ausschliesslich für die Raumstuckarbeiten, während 102 Wochen in Maria Steinbach. Er stirbt am 27. April 1763 mit 60 Jahren bei der Arbeit am Hochaltar. Mehr zu Johann Georg Üblher siehe in der Biografie in dieser Webseite.
[14] Franz Xaver Schmuzer (1713–1775) aus Wessobrunn, Sohn von Joseph Schmuzer und Schwager von Johann Georg Üblher. Üblher und Schmuzer arbeiten erstmals 1750–1753 in Ettal zusammen. Die Werkstattgemeinschaft scheitert aber schon in Maria Steinbach. Der Umfang seiner Mitarbeit in Maria Steinbach ist klein. Anwesenheit 1751: Fünf Wochen. 1752: 11 Wochen. 1753 ist er nicht mehr anwesend.
[15] Placidus Doll (1714–1793) aus Gaispoint-Wessobrunn. 1751 ist er 11 Wochen anwesend. Er ist danach nicht mehr als Stuckateur tätig, sondern als Mesner und Lehrer in Wessobrunn.
[16] Lorenz Walser (1699–1765) aus Haid-Wessobrunn. Er ist Mitarbeiter von Johann Baptist Zimmermann in der Residenz München und in Seligenthal. Als Palier im Trupp Üblher ist er 1751 in Maria Steinbach elf Wochen anwesend, 1752 24 Wochen, 1753 29 Wochen.
[17] Hugo Schnell (1937/1973), Tilman Breuer (1959) und noch Georg Paula im Dehio (2008) führen auch Benedikt und Thomas Sporer auf, die zwar in Amorbach noch als Mitarbeiter von Üblher arbeiten, aber in Rot erst 1763 bei der Arbeit am Hochaltar nachgewiesen sind.
[18] Franz Georg Hermann (1692–1768) aus Kempten, Hofmaler in Kempten. Er ist zusammen mit Cosmas Damian Asam 1710–1718 an der Akademie von San Luca in Rom. In Maria Steinbach erhält er 1747 für einen bestellten Konkurrenzentwurf für das Haupt-Deckengemälde 302 Gulden. Vielleicht sind in dieser Summe auch architektonische Beratungen enthalten. Denn 1731 bis 1741 ist er als «Hochfürstl. Stifft Konventsch. Cabinetsmaler und Oberbaudirector» in Kempten auch als Architekt tätig. Seine Deckengemälde sind nicht immer Kalkmalerei in den nassen Putz, wie dies das Wort Fresko oder «al fresco» impliziert. Er malt viele seiner grossen Deckenmalereien als Secco-Malerei in Öl. Sie sind aber derart einem Fresko ähnlich, dass sie in Maria Steinbach meist derart beschrieben sind. Mehr zu Franz Georg Hermann und zu seiner Maltechnik siehe in der Biografie in dieser Webseite.
[19] Hugo Schnell (1937) erfasst dies im Gegensatz zu späteren Kunsthistorikern richtig, wenn er schreibt, dass 1752–1754 der Hauptteil des Stucks unter Üblher entsteht. Siehe dazu auch die Arbeitswochen der (namentlich bekannten) Stuckateure. Die Benedizierung der Kirche mit Wiederaufnahme des Gottesdienstes schon am 10. März 1753 kann nur eine Notlösung sein, denn die Kirche ist zu diesem Zeitpunkt noch eingerüstet.
[20] Ambrosius Guggenmos (1705–1758) aus Stetten im Unterallgäu, Abt in Rot 1755–1758. In seiner kurzen Regierungstätigkeit begleitet er die Abschlussarbeiten in Maria Steinbach. Sein Nachname wird in neuerer Zeit «Guggenmoos» geschrieben.
[21] Joseph Gabler (1700–1771) aus Ochsenhausen. Erbauer der berühmten Orgeln von Weingarten (1750) und Ochsenhausen (1753). Er ist bekannt für freistehende Spieltische. In Maria Steinbach erhält Gabler 1755 und 1756 für Unterkunft und Verpflegung 347 Gulden. Die Akkordvergütung ist nicht bekannt. Die Orgel scheint sehr reparaturanfällig zu sein, denn noch bis 1758 werden Zahlungen für Reparaturen an Gabler vermerkt. Mehr zu Joseph Gabler siehe in der Biografie in dieser Webseite.
[22] Der Akkord ist nicht erhalten, der Umfang der Arbeiten von Johann Georg Üblher damit unklar, insbesondere seines Anteils am Entwurf und am Bau der Altäre
[23] Mauritius Moriz (1717–1782) aus Biberach. Er ist Gymnasiast in Obermarchtal, legt 1737 in Rot die Profess ab und feiert 1741 Primiz. Anschliessend lehrt er in Rot Theologie, ist 1751–1758 Pfarrer in Maria Steinbach und dann in Haisterkirch, von wo er 1760 als Abt gewählt wird. Er regiert in Rot 1760–1782. Er lässt sich 1767 mit Zirkel und Ellenmass als Bauprälat porträtieren, was frühere Kunsthistoriker dazu verleitet, in ihm den Planer von Maria Steinbach zu sehen. Für ihn sind in Maria Steinbach aber nur die neue Turmfront von 1764 und die Schlussredaktion der Einrichtung gesichert. Zu Mauritius Moriz siehe die Biografie in dieser Webseite.
[24] Es könnten die schon von Hugo Schnell (1937/1973), Tilman Breuer (1959) und von Georg Paula im Dehio (2008) genannten Wessobrunner Brüder Benedikt Sporer und Thomas Sporer aus Haid bei Wessobrunn sein.
Thomas Sporer (1710–1769) arbeitet als Palier im Trupp Feichtmayr/Üblher in Amorbach 1747/50. Er ist Spezialist für Stuckmarmor und wird in dieser Eigenschaft seit 1758 und letztmals 1764 in Ottobeuren unter Johann Michael Feichtmayr erwähnt (Palier ist dort Ferdinand Schnell). 1760 ist er in Sigmaringen tätig. Pendelt er anschliessend zwischen Maria Steinbach und Ottobeuren?
Benedikt Sporer (1717–1803). Von ihm sind nur spätere Arbeiten in Buchau (1776) und Wiblingen (1778/83) bekannt.
Ludwig Mayr (1928) vermutet Franz Benedikt Schmuzer und Thomas Schaidhauf. Bei Franz Benedikt Schmuzer (*1713) ist allerdings nicht einmal sicher, ob er überhaupt das Erwachsenenalter erreicht hat. Thomas Schaidhauf (1735–1807) hat vermutlich nie als Geselle bei Üblher gearbeitet, er ist zudem 1760–1763 in Fürstenfeld tätig.
[25] Franz Xaver II Feichtmayr (1735–1803) aus Augsburg. Sohn des Rokoko-Stuckateurs Franz Xaver I Feichtmayr. Er heiratet 1758 die Witwe von Johann Baptist Zimmermann, in dessen Werkstatt er seit 1752 arbeitet. Sein Lebensschwerpunkt ist München. Zusammenarbeit mit François Cuvilliés. Ab 1770 Hinwendung zum Frühklassizismus. Ab 1779 arbeitet er für Abt Mauritius Moriz im Chor der Stiftskirche Rot, nachdem er 1775–1777 den Hochaltar der Stiftskirche Wurzach erstellt hat. Er wird 1765 in Maria Steinbach ohne Hinweis auf seine Tätigkeit genannt. Schnell konstruieren Kunsthistoriker aus dieser unverbindlichen Notiz eine Hochaltar-Fertigstellung durch den bisher nur im Umkreis von Cuvilliés für Raumstuckaturen bekannten jungen Feichtmayr.
[26] Sybe Wartena in: Die Süddeutschen Chorgestühle von der Renaissance bis zum Klassizismus, München 2008.
[27] Der Restaurierungsbericht liegt unveröffentlicht im Pfarrarchiv Steinbach.
[28] Siehe dazu auch die Anmerkung 12.
[29] Seit einem halben Jahrhundert legen sie auch einen Grundriss bei, der die Proportionen völlig falsch wiedergibt. Das Westquerhaus ist darin überdimensioniert, das Chorquerhaus zu schmal dargestellt. Siehe die tatsächlichen Proportionen und Gebäudemasse im Grundriss dieser Webseite.
[30] Bei allen Bauten von Dominikus Zimmermann stimmen Konstruktion und Bauform überein. Er kann unmöglich Mitgestalter der Steinbacher Wallfahrtskirche sein.
[31] Zu Typus der Wandpfeilerhalle siehe das Glossar in dieser Webseite, Buchstabe «W». Fast penetrant wird in vielen Beschreibungen die Wandpfeilerhalle von Maria Steinbach als Ableger der «Vorarlberger Schule» oder des «Vorarlberger Münsterschemas» behandelt. Mit den Vorarlberger Wandpfeiler-Emporenhallen hat aber Maria Steinbach nur das Visuelle des Systems gemein. Zudem ist die Wandpfeiler-Emporenhalle zur Bauzeit von Maria-Steinbach von Johann Michael Fischer zur Perfektion entwickelt worden. Wer würde aber die Behauptung wagen, Zwiefalten sei ein Ableger der Vorarlberger Schule? Und: Alle Wandpfeilerhallen der Vorarlberger haben sinnvollerweise massive und vom Dachstuhl unabhängige Gewölbe.
[32] Das obere Geschoss des Mansarddaches ist als liegender Stuhl mit Hängesäule auf das offene Dachwerk des unteren, ebenfalls liegenden Stuhls aufgelegt. Seine steilen Kehlbalken führen zu den Aussenmauern. Das Hauptgewölbe ragt 3,75 Meter in den Dachstuhl.
[33] Diese Annahme auch deshalb, weil später auch der Baumeister Jakob Emele genannt wird, der in den gleichen Jahren zusammen mit Johann Zick das Gewölbe der Stadtpfarrkirche St. Martin und Maria in Biberach ähnlich gestaltet. Dort entsteht bis 1748 das beeindruckende Deckenfresko von 33 x 9,5 Meter, das die Roter Planer mit Sicherheit kennen.
[34] Diese Kantenausbildung wird von Kunsthistorikern als «Pilasterbündel» bezeichnet.
[35] Hugo Schnell (in: Maria Steinbach, Kunstführer 1937, Auflage 1973) glaubt sogar, dass keine deutsche Rokokokirche von ähnlicher Komposition und Bogenführung mit der Fassade von Maria Steinbach zu vergleichen sei.
[36] Zu Johann Michael Feichtmayr siehe die Biografie in dieser Webseite. Er arbeitet seit 1737 (Diessen) mit Üblher zusammen, wobei Feichtmayr meist für die Stuckaturen, Üblher für die Stuckplastik zuständig ist. Mit seinem Schwager Franz Xaver Schmuzer arbeitet Üblher nur 1750/51 in Ettal gemeinsam, in Maria Steinbach scheidet Schmuzer schnell aus.
[37] Zum noch heute verwendeten Kunsthistoriker-Unwort «Dekoration» für einen Rokokoinnenraum gehe zu meinem Exkurs «Dekor versus Architektur».
[38] Zu dieser Zeit arbeitet Üblher wieder in Arbeitsgemeinschaft mit Johann Michael Feichtmayr. Noch 1759 schliessen sie den gemeinsamen Vertrag für die Neumann-Kirche von Vierzehnheiligen. Deshalb wohl die Beteiligung von Thomas Schneller, dem Stuckmarmor- und Altarbau-Spezialisten von Johann Michael Feichtmayr. Im April 1763, zum Zeitpunkt des Todes von Üblher in Maria Steinbach, dürfte der Hochaltar schon weitgehend erstellt sein. Sicher ist das Werk aber nicht dem 1765 genannten «Franz Xaver Feuchtmayer (!) zu verdanken», wie dies Ingeborg Maria Buck 1998 im Kirchenführer schreibt. Feichtmayr liefert, wie Norbert Jocher vermutet, die Figuralplastik mit den Putten. Siehe dazu auch die Anmerkung 25.
[39] Liegt es nebst fehlenden Quellen zum Altarbau und der ungenügenden Plandokumentation vielleicht an fehlenden grossen Planernamen, dass das verdiente Interesse nicht vorhanden ist? Selbst Hugo Schnell widmet der gewaltigen Altararchitektur nur eine einzige Zeile, nachdem er einleitend vier Zeilen für seine Vermutung verwendet, «dass der Stukkator vorher entscheidend am Hochaltar der Wies mitgearbeitet hat». Elf Zeilen widmet er dann den Statuen, dem Altarblatt und den Fresken darüber. Auch der Biograf Üblhers, Norbert Jocher, übergeht die Altararchitektur mangels Quellen. Einzig Tilman Breuer beschreibt den oberen und unteren Altar im Kurzinventar 1959 korrekt.
[40] Nord: Tod der hl. Anna, im Oberbild der hl. Johannes Nepomuk. Süd: Tod des hl. Joseph, im Oberbild der hl. Michael.
|Acht Mirakelbilder unter den Seitenemporen

Die volkstümlichen Szenen der Wunder werden von Franz Georg Hermann 1752 entsprechend den Textvorlagen der beiden Mirakelbücher von Hieronymus Richter (1736) und Franz Merz (1748) gemalt. In der Magisterarbeit von Fabian Wolf (https://freidok.uni-freiburg.de/pers/16339) können die entsprechenden Bildbeschreibungen in einer Transkription eingesehen werden. Die untenstehenden Aufnahmen und die entsprechenden Begleittexte sind ein Beitrag von Helge Klaus Rieder in der Wikipedia. Im seinem Wikipedia-Beitrag sind weitere Bildbeiträge zur Ausstattung von Maria Steinbach abrufbar.
|[m1] 1734 geht Katharina Neuberin Goren mit ihrem Sohn Josef Bernhard über die Argen. Der Knabe stürzt ins Wasser und wird von den Fluten hinweggerissen. Nach einem Wallfahrtversprechen wird das Kind am Flussufer angeschwemmt, gefunden und wieder zum Leben erweckt.||[m2] Der Sohn von Johannes Häring Meschensee fällt 1731 vom Fenster auf die Strasse in Meschensee bei Neutrauchburg. Schon während des Falles macht die Mutter ein Wallfahrtsgelübde. Als sie unten auf der Straße ihren Sohn sucht, kommt er ihr gesund entgegengelaufen.|
|[m3] Lichterloh brennt der Bauernhof der Familie Löchle, die zu dieser Zeit in der Kirche ist. Zwei zufällig daherkommende Taglöhner können noch Vieh und Rösser retten. Die Bäuerin weiht beim Ertönen der Feuerglocke die Haustiere der Steinbacher Muttergottes, und so werden auch sie gerettet.
||[m4] Johannes Schaas will 1743 eine hohe Tanne fällen. Der Gipfel verkeilt sich, wie so oft, mit einer anderen Tanne. Schaas klettert hinauf, um sie freizumachen. Auf einer Höhe von acht Klaftern beginnt die Tanne zu sinken. In seiner Not verspricht er eine Wallfahrt nach Steinbach und wird auf wundersame Art gerettet.|
|[m5] 1731 reitet der Oberbinnwanger Josef Ländle nahe dem Hochufer der Iller. Beinahe wirft ihn seine blinde rossende Stute ab, was einen tödlichen Sturz bedeuten würde. Ländle verspricht im Augenblick der Gefahr eine Wallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes. Auf dem Bild sieht man Maria über der Iller und einen Engel, der das Pferd augenblicklich zur Ruhe bringt.
||[m6] 1732 kniet der verzweifelte Vater Franz Obersteg aus Illerrieden, dessen Kind nicht das Laufen lernen wollte, mit dem dreijährigen elenden und krüppelhaften Sohn vor dem Bildnis der Madonna und fleht, wie uns aus dem Mirakelbuch überliefert wird: „Liebs unser Fräule von Steinbach hilf dem Hänsele lernen laufen!“ Die Mutter des Hänsele macht einen Wallfahrtsgang nach Steinbach, und auf dem Heimweg kommt ihr das Kind aus eigener Kraft entgegen.|
|[m7] Das Fresko stellt die Wohnstube einer gutbürgerlichen Familie in Grünkraut im Allgäu im Jahre 1734 dar. Das Kind, getragen von der Magd und gewickelt in Windeln, zeigt schon seit fünf Stunden kein Lebenszeichen mehr. Ein Arzt eilt herbei und empfiehlt, das Kind mit Wachslicht an den Fingern zu brennen, was auch keine Wirkung zeigt. Ein Gelöbnis an die wundersame Steinbacher Madonna bringt die Rettung.
||[m8] Auf dem Bild ist ein gekentertes Schiff auf dem Bodensee erkennbar. Unter den Schiffbrüchigen in der Mitte des Bildes befindet sich die Bruggerin von Gollberg. Sie schwimmt auf dem Rücken und erhebt ihre Hände zur oben am Himmel erscheinenden Steinbacher Schmerzensmutter als ihrer letzten Hoffnung. Eigentlich sollte ihre Wallfahrt nach Maria Einsiedeln gehen, aber auf dem Bodensee entwickelte sich jäh ein Sturm und das Schiff mit 57 Personen kenterte. Aufgrund des Wallfahrtgelübdes, das sie in ihrer verzweifelten Lage macht, wird sie wundersam gerettet. Zeitpunkt des Geschehens ist die Fastenzeit 1734.|
|Ort, Land (heute)||Herrschaft (18. Jh.)|
|Maria Steinbach

Unterallgäu Bayern D
|Reichsabtei

Rot an der Rot
|Bistum (18. Jh.)||Baubeginn|
|Konstanz||1749|
|Bauherr und Bauträger|
| Abt OPraem Hermann Vogler

(reg. 1711–1739)
|Abt OPraem Ignatius Vetter (reg. 1739–1755)|
|Abt OPraem Mauritius Moriz (reg. 1760–1782)|