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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Fünftes Buch
10. Tadelnder Vorwurf an die Irrlehrer.
[S. 228] O verwerflicher Wahn hoffnungsloser Geistesart! O törichte Verwegenheit blinder Gottlosigkeit! Du hörst: „Gott und Gott”, du hörst: „Unser Bild”; wie unterstellst du einen wahren und nichtwahren (Gott)? Was trägst du einen wesensmäßigen und einen falschen (Gott) hinein? Was entwurzelst du den Glauben unter dem Vorwand des Glaubens? Was versuchst du durch (die Schriftlehre von dem) einen Gott und dem einen wahren Gott (die Behauptung zu rechtfertigen), daß der wahre Gott nur einer (an Zahl) sei?1
Deine unsinnigen Einfälle ersticke ich noch nicht mit Worten der Evangelien und Apostel, auf Grund deren der Vater und auch der Sohn nicht der Person, wohl aber dem Wesen nach einer und wahrer Gott sind: allein das Gesetz erledigt dich vorerst. Spricht es denn von einem wahren Gott und einem nichtwahren Gott? Hat es etwa bei jedem (Vater und Sohn) andere als Wesensnamen angewandt? Gott und Gott nennt sie (dasselbe Gesetz), das von nur einem Gott gesprochen hat.
Doch was sage ich, es habe sie nur so genannt? Den wahren Gott und den wahren Gott hat es durch die Wahrheit des Urbildes (bei der Menschenerschaffung) gelehrt. Bei der Benennung hat es zuerst den Wesensnamen verwandt; es verwendet nachher artmäßig die (gemeinsame) Wahrheit des Wesens. Denn da der erschaffene Mensch nach dem Bilde von beiden (des Vaters und des Sohnes) erschaffen wird, so kann es nicht sein, daß er (der Sohn) sein Dasein nicht aus einem wahren Gott überkommen hat, weil doch beide je wahrer Gott sind.
1: Die Irrlehrer (Arius) behaupten, wenn man die Gottheit des Sohnes zugebe, müsse man von zwei Göttern sprechen, während die Schrift „klar” erweise, es gebe nur einen (zur Übersetzung: tentas ne analog wie timeo ne).