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Sie waren Teil des internationalen Expertinnen- und Expertengremiums, das die aktuellen «besorgniserregenden Varianten» nach griechischen Buchstaben umbenannt hat, wie etwa «Delta» für die sogenannte «indische Variante». Warum?
Wir wollten etwas, das leicht auszusprechen ist, das man sich leicht merken kann, etwas, das den Leuten schon ein bisschen vertraut ist, das aber nicht mit einem Land assoziiert ist. Das war etwas, das wir zu vermeiden suchten: dass weiterhin von der «indischen Variante» oder der «südafrikanischen Variante» die Rede ist. Ich finde, griechische Buchstaben erfüllen viele dieser Kriterien: Sie sind einfach auszusprechen, werden weltweit in Mathematik, Physik und der Wissenschaft allgemein verwendet und lassen uns nicht denken, dass die Variante von diesem einen Ort stammt und dieser Ort schlecht ist. Wir haben andere Optionen ausprobiert, wie zum Beispiel nur Zahlen zu verwenden: Variante 1, Variante 2, ... oder die Varianten so wie Stürme zu benennen, ihnen also Personennamen zu geben. Aber jeder dieser Ansätze hatte Nachteile, so dass wir uns für das griechische Alphabet entschieden.
Glauben Sie, dass die Delta-Variante auch die dominante Variante in Europa werden könnte?
Ich denke, es ist noch ein bisschen zu früh, um dazu etwas zu sagen. Was mit der Delta-Variante passiert, zeigt, was wir von EU1 gelernt haben: Im Moment sehen wir die Delta-Variante nicht oft in Kontinentaleuropa, sondern vor allem in Grossbritannien. Was dort wirklich anders ist, sind die zahlreichen starken Verbindungen zu Indien, und viele Menschen reisten von Indien nach Grossbritannien ein, bevor das Reiseverbot in Kraft trat. Genau wie bei EU1 machen Einreisen einen Unterschied. Das heisst jetzt nicht, dass die Variante nicht ansteckender ist, aber es macht es ein bisschen schwieriger vorherzusagen, ob das bei uns ähnlich sein wird oder ob wir es vielleicht – weil wir weniger Einschleppungen hatten – besser eindämmen können. Dazu brauchen wir aktuell mehr Daten.
Wir sind hier in einer komfortablen Position, aber was passiert, wenn die Delta-Variante Länder ohne Impfstoffe oder mit schlechter Infrastruktur trifft, wie Nepal oder Länder in Afrika?
Das wird noch viel zu wenig diskutiert, und wir könnten hier mehr Unterstützung leisten. Vor allem in den USA und in weiten Teilen Europas sind nun die Impfungen gut angelaufen, und es wird in den nächsten ein, zwei Monaten eine grosse Anzahl geimpfter Personen geben. Das ist fantastisch, aber so viele Länder auf der Welt sind noch weit entfernt davon und noch immer gefährdet. Ich würde gerne sehen und hören, wie mehr Regierungen anfangen, ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten: «Okay, in unserem Land läuft es ganz gut, wie können wir jetzt andere Länder unterstützen? Wie können wir die Verfügbarkeit von Impfungen ausweiten, wie können wir Sauerstofftanks in Ländern mit Ausbrüchen zur Verfügung stellen oder Geld für Gesundheitsdienste?»
Denn die Sache ist die: Dies ist eine globale Pandemie, und wir haben gesehen, was passiert, wenn Varianten in anderen Ländern auftreten: Sie können in unser Land kommen. Unsere Schutzmassnahmen sind nicht perfekt. Und was wir definitiv nicht wollen, ist, dass eine Variante entsteht, die sich gegen Impfungen durchsetzen kann. Die beste Strategie ist also, alle Länder darin zu unterstützen, ihre Fallzahlen zu kontrollieren. Denn wir werden erst dann wirklich sicher vor Sars-CoV-2 sein, wenn alle Länder in der Lage sind, ihre Fallzahlen niedrig zu halten.