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Wir sind Federer – zumindest ein wenig
Man sollte sich nie das Leben eines anderen wünschen. Man sollte sich nie mit jemandem vergleichen, wenn man ihn nicht gut kennt. Eines ist für mich trotzdem klar: Wenn ich die Karriere eines Sportlers wählen dürfte, würde ich diejenige von Roger Federer nehmen. Ich bewundere seine unglaubliche Karriere und den Umstand, dass er trotz 20 Jahren im Rampenlicht keine Skandale produziert hat. Ich kann nur erahnen, was an Arbeit notwendig war, bis der «Tennisgott» so weit war, wie er heute ist. Ich kann nur erahnen, was es heisst, tagtäglich unter diesem enormen Druck zu stehen und diesem zu widerstehen. Ich kann nur erahnen, welche Charakterstärke es braucht, um nicht den Boden unter den Füssen zu verlieren. Ich bin weder Fan einer Fussballmannschaft noch eines Handballteams oder einer Einzelsportlerin – nicht zuletzt, weil ich als Sportjournalist unparteiisch sein möchte. Bei Roger Federer schaffe ich das aber nicht. Während der Maestro die meiste Flüssigkeit jeweils bei der Siegerehrung verbraucht, schwitze ich während seiner Spiele überdurchschnittlich viel. Hin und wieder muss ich sogar den Kanal wechseln, wenn es um die entscheidenden Punkte geht. Am Sonntag habe ich mich dabei ertappt, als ich mich fragte, ob ich auch eine solche Karriere hätte starten können. Höchstwahrscheinlich nicht, aber glücklicherweise wird es auf diese Frage nie eine Antwort geben.
Die Achillesferse stammt als Begriff aus der griechischen Mythologie: Sagenheld Achilleus war nur an der rechten Ferse verwundbar. Verletzliche Stellen im System sind auch Thema dieser Kolumne.