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Der Einheimische, erklärt Roswitha andern morgens gleich zu Beginn unserer Ausfahrt, lässt sich wie folgt charakterisieren:
Der Malteser ist ein Italiener, der sich für einen Engländer hält, Arabisch spricht und katholischer ist als der Papst!
In der Tat kann man sich erst seit 2011 scheiden lassen. Römisch Katholisch ist zu 98% praktizierte Religion. 2/3 besuchen sehr regelmässig Gottesdienste und 30% Prozent seien (was für eine Wortkreation!) "U-Boot-Christen", d.h. sie tauchten nur bei wichtigen Anlässen oder den Hauptfestivitäten, auf.
Die Fahrt entlang der Ostküste dauert rund 30 Minuten. Hier hat sich einiges an Tourismus etabliert. Mehrheitlich Engländer zieht es auf die Insel, die übrigens als Tauchgebiet Nummer 1 in Europa gelte, wobei ich diese Eigeneinschätzung der kolportierten Werbung des Verkehrsbüros mal so stehen lasse. Auf jeden Fall bieten sich hier den Unterwasserabenteurern eine Anzahl interessanter Schiffswracks aus sehr alten Zeiten. Sandstrände sind eher Mangelware und wenn sich einmal einer zeigt, wird auch gebührend darauf hingewiesen und ein Fotostopp eingeschaltet.
Noch haben wir die Ablegestelle nicht erreicht. Ja heute geht es ja auf die Nachbarinsel Gozo und deren kleinere Schwester Comino.
Zeit über die maltesische Sprache kundig zu werden. Tatsächlich, wenn der Fahrer Vinzenz und Roswitha miteinander sprechen... null Clou. Englisch wird ab Kindergarten unterrichtet und da die Distanz zu Sizilien nur 92 Km beträgt, sprechen fast alle Personen, die älter als 25 sind noch fliessend Italienisch.
Als Zeichen des erstarkten Selbstbewusstseins wird aber heute prinzipiell Maltesisch gesprochen. Ein eng mit dem Arabischen verbundenes Idiom. So verstehen Araber diese Sprache mühelos, Italiener aber mit Ausnahme einiger tradierter Ausdrücke, gar nicht. Auch Restanzen aus dem Französischen Lateinischen und Spanischen sind erhalten geblieben: "Guten Tag: Bongu" (Bongiu). Das Alphabet beinhaltet auch arabische Laute, wie die schwierigen Kehllaute, ist aber mit lateinischer Schrift geschrieben und zwar gelesen von links nach rechts im Gegensatz zum Arabischen. Dieses ganze ergibt nun auch in Verbindung mit der Religion am Schnittpunkt der Kulturen interessante Kombinationen, so wird im römisch Katholischen Gottesdienst eben das arabische Wort für Gott benutzt, ALLAH.
Göttliche Fügung hat uns für die Exkursion zu Wasser auch einen zauberhaften Tag veranlasst. Ich widme den lichtblauen Himmel mit den horizontalen Wolkenrollen: René Magritte. Hat der Meister dieses Spiel in Blau und Weiss hier unten gesehen?
Vinzenz steuert den Minibus nun an unser Ziel. Den Hafen der "Blue Lagoon Ferry", die wir ..... nicht nehmen. Nein.... typisch Melanie, sie hat für uns exklusiv die 20 plätzige "Maria Regina" gechartert. Jeder hat schnell sein Plätzchen gefunden und der junge Skipper mit Baseballmütze, macht die Leinen los.
Das Meer trägt Dunkelblau... bewegt... und zusammen mit dem flotten Speed kommt Freiheitgefühl auf. Unser Kompass züngelt auf die Insel Comino. Da habe früher niemand heil per Schiff passieren können. Nicht "Fluch der Karibik" aber die Vorgänger von Jonny Depp warteten hier auf Beute. Die Klippen scheinen auf... und ihr entzückendes Geheimnis.... Grotten und Durchblicke im Fels.... und das Wasser .... eine Symphonie in Türkis... klar... lockend.
Unsere "Maria Regina" hat zum Glück die grosse Fähre überholt, und so können wir die Atmosphäre noch still für uns geniessen. Und nochmals... ich glaube Magritte hätte Inspiratio gefunden.
Weiter geht es nun nach Gozo. Was, 30'000 Menschen leben auf dem Eiland?
Ja, gewiss doch. Und 1.8 Millionen Touristen pro Jahr steuern das Inselchen an. Suchen Sie nach "Kalypso"? Die Bildschöne räkelte gerade ihre Kurven am caramellfarbenen Strand
als der schiffbrüchige Odysseus aus den Fluten stieg. Hätte sie angesichts dieses heraklischen Bacchelors stark bleiben sollen? Wir vermuten richtig, doch Göttervater Zeus beordete den Charmeur nach 7 Jahren zurück an die Seite Penélopes. Seither ward Kalypso nicht mehr gesehen. Sprüht das Meer ihre Tränen des Trennungsschmerzes, wenn es die Gischt an die Felsen schlägt?
Wir ziehen weiter hügelauf nach "Victoria" von den Bewohnern aber immer noch "Rabat" genannt. Der ganze Stolz ist das unlängst renovierte Castello mit Kathedrale. Alles frisch herausgeputzt. Man bereitet sich mit Elan auf 2018 vor. Valetta wird Kulturhauptstadt sein und Gozo natürlich ein wichtiger Ausflugspunkt für die Besucher.
Nachdem ich mit den Erklärungen Roswithas alle Angriffe auf das Fort zuhörenderweise nochmals durchfochten habe, meldet sich die Sehnsucht nach einem Tisch mit Aussicht.
Il-Kantra" heisst Melanies Antwort und abrakadabra kutschiert Vinzenz uns über das steilabfallende Strässchen und mit viel Fiduz bezüglich der roten Lackierung seines Kotflügels. Die Mauer ist fingerbreit weg... die Bremsen ächzen..."souverän.... Vinzenz.... souverän!!"
Auf der lauschigen Terrasse mit Azzurroblick füllen sich die Teller. Lokale Spezialitäten: Auffällig, man mag es hier in Tartellettenform. Spinattörtchen, Fischgaletten... neu... ungewöhnlich... lecker.
Wir haben es lustig. Unsere Gruppe hat sich schon längst zu einer humorvollen Truppe formiert. Der sehr bekömmliche maltesische Wein hebt unsere Stimmung noch zusätzlich. So soll Reisen sein! Neue Entdeckungen... liebenswerte Menschen.
Tief unten schaukelt die "Maria Regina". Sie wird uns, da extra organisiert, direkt zum Hotel an der St.Juliensbay bringen. Mehr Komfort geht nicht.
Es ist fast wie Schulreise. Ich blicke in die fröhlichen Gesichter.
Das Boot brettert über die Wogen... der Fahrtwind flattert unser Haar... die Kielwelle zeichnet ein weissschäumendes V... da... eine Welle verzischt sich in tausend Tröpfchen über uns...
Wir sind meilenweit weg vom Alltag.