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Beschreibung
Dass es für Frauen schwieriger ist, in Führungspositionen zu gelangen, erscheint ebenso ungerecht, wie dass Kinder aus Nicht-Akademiker*innen-Haushalten schlechtere Bildungschancen haben und homosexuelle Paare in der Schweiz nach wie vor nicht heiraten dürfen. Doch tragen wir, als Individuen, Verantwortung für strukturelle Ungerechtigkeiten?
Strukturelle Ungerechtigkeiten erzeugen ein Paradox: Sie sind nicht hinnehmbar, aber zumindest in einigen Fällen scheinen wir niemandem Vorwürfe machen zu können. Wir wollen fragen, inwiefern Individuen für strukturelle Ungerechtigkeiten dennoch Verantwortung tragen – sei es in Form retrospektiver Verantwortung für ihr Entstehen oder in Form prospektiver Verantwortung für ihre Aufhebung. Zur vorbereitenden Lektüre wird vorab ein Aufsatz der Philosophin Tamara Jugov bereitgestellt. Jugov betrachtet strukturelle Ungerechtigkeiten im Kontext globaler Ungleichheit und entwickelt dazu eine machttheoretische Konzeption individueller Verantwortung. Im Seminar werden wir Jugovs Position kritisch diskutieren, Beispiele struktureller Ungerechtigkeiten in globalen wie lokalen Kontexten sammeln und überlegen, wie sich diese allgemeiner identifizieren lassen. Schliesslich wollen wir anhand eines Fallbeispiels diskutieren, wie wir unserer individuellen Verantwortung am besten gerecht werden können.
Referenten
Claire Plassard ist wissenschaftliche Assistentin und Doktorandin am Philosophischen Seminar der Universität Zürich. Sie studierte Philosophie, Gender Studies, Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft sowie Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft in Zürich und Berlin.
Friedemann Bieber ist Doktorand am Philosophischen Seminar der Universität Zürich. Er studierte Philosophie, Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft und Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft in Oxford, Zürich und Berlin.