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Schaffhauser Nachrichten
Erwin Künzi
Das Haus an der Frauengasse 9 in der Schaffhauser Altstadt unterscheidet sich nicht gross von den anderen Häusern in dieser Gasse. Nichts, ausser dem Namen der Gasse, deutet darauf hin, dass sich dort im 15. und im 16. Jahrhundert das städtische Bordell befand. Besitzerin des Freudenhauses war die Stadt Schaffhausen, die es jeweils an einen Frauenwirt oder eine Frauenwirtin verpachtete. 1452 war die Frauenwirtin eine gewisse Els von Mellingen, die der Stadt jährlich eine Pacht von 24 Pfund bezahlte. 1480 wurde für den Frauenwirt eine besondere Ordnung erlassen, die vor allem dem Schutz der Prostituierten diente. So musste er ihnen Essen, bestehend aus Suppe, Fleisch und Gemüse, zu einem festgelegten Preis abgeben, den Wein musste er den Frauen und ihren Freiern zum Selbstkostenpreis zur Verfügung stellen. Besonders eifrige Bordellgänger waren Priester und Mönche, was lange Zeit geduldet wurde. Erst im 16. Jahrhundert, mit der Reformation, erhielt der Weibel der Stadt den Auftrag, geistlichen Bordellbesuchern, wenn er sie erwischte, die Kleider zu konfiszieren.
**Lücke schliessen**
Diese und ähnliche erstaunliche Fakten, die auch den meisten Einheimischen unbekannt sein dürften, finden sich im Führer «Historische Stadtrundgänge Schaffhausen», den der Historische Verein des Kantons Schaffhausen soeben veröffentlicht hat. Auf 124 Seiten werden Stadtrundgänge zu 7 verschiedenen Themenbereichen angeboten (siehe auch Kasten auf dieser Seite). Auf einem Stadtplan sind die diversen Stationen der Rundgänge verzeichnet, die mit zahlreichen Fotografien illustriert sind. Als Einstieg dient eine kurze Geschichte der Stadt Schaffhausen. «Mit diesem Führer möchte der Historische Verein eine Lücke schliessen und einen Beitrag zum Stadtmarketing leisten», erklärte Britta Leise, Präsidentin des Historischen Vereins, gestern bei der Präsentation des Führers im Haus der Wirtschaft in Schaffhausen. Der Führer dient auch als Band 86 der «Schaffhauser Beiträge zur Geschichte», die vom Historischen Verein jährlich publiziert werden.
Dank Sponsoren konnte auch eine englische Version des Führers («Schaffhausen Seven Walks Through History») produziert werden. Diese wird im Sommer an einer speziellen Veranstaltung für Englischsprachige, sogenannte Expats, die in und um Schaffhausen arbeiten, vorgestellt werden. Beide Versionen sind für jeweils 9.90 Fr. im Buchhandel sowie bei Schaffhauserland Tourismus erhältlich. Übrigens: Am Haus Frauengasse 9 kommt man beim Rundgang «Henker, Hexen, Huren» vorbei.
**Historischer Stadtführer**
Die 7 Rundgänge
Seelenheil und Gottesfurcht *Kurt Bänteli*
Wasserkraft und Pioniergeist *Hans Ulrich Wipf*
Henker, Hexen, Huren *Britta Leise*
Macht und Politik, Erker und Fassaden *Roland E. Hofer*
Salz, Wein und Getreide *Markus Furrer*
Die wehrhafte Stadt *Peter Scheck*
Ohne Wasser kein Leben *Maya Orbann*
Die Autorinnen und Autoren der «Historischen Stadtrundgänge Schaffhausen»: Kurt Bänteli, Hans Ulrich Wipf, Markus Furrer,
Peter Scheck, Roland E. Hofer, Britta Leise und Maya Orbann (von links).
Bild Selwyn Hoffmann