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Geschichte
Die Sage berichtet, dass Bewohner aus dem Tal sich vor anhaltenden Überschwemmungen auf den Seltisberger Hügel gerettet und dort das Land nutzbar gemacht hätten. Doch der richtige Anfang Seltisbergs liegt im Dunkeln. Fest steht jedoch, dass im heutigen Gemeindegebiet schon in der Steinzeit Menschen gelebt haben.
Aus der Altsteinzeit sind keine Fundgegenstände vorhanden. Doch das Hochplateau, auf dem Seltisberg liegt, lieferte in den letzten Jahrzehnten reichlich Funde aus der Jungsteinzeit. In jener Zeit - vor rund 7000 bis 4000 Jahren- bedeckte ein Urwald den "Ärdbeerihübel", den die damaligen Bewohner teilweise für Wohnbauten und Ackerland rodeten. Als sesshafte Bauern bevorzugten sie einen ertragreichen Boden, welchen sie im heutigen Seltisberger Bann vorfanden.
1194 wird Seltisberg erstmals schriftlich erwähnt, als Papst Coelestin III dem Kloster Beinwil unter anderem Besitzung in "Selboldisberch" bestätigte. Der Bischof von Basel besass Güter in "Solbolsperc", welche er 1226 dem Kloster Schönthal vergab und bestätigte.
Eine Urkunde aus dem Jahr 1364 bescheinigt, dass der Bischof von Basel 1305 die Herrschaften Homburg und Liestal erwarb. Liestal und die dazugehörenden Orte, so auch "ze Selbensberg" lagen nun in seinen Händen. Von nun an war Seltisberg untrennbar mit Liestal verbunden und unterstand der Stadt Basel. Als Basel 1501 der Eidgenossenschaft beitrat, war dies Anlass für das Kloster Beinwil von seinen Nutzungs- und Zinsrechten in Seltisberg gerichtsherrliche Ansprüche abzuleiten und beharrlich einzufordern.
Schliesslich wurde Seltisberg 1509 mit Zwing und Bann Liestal zugesprochen. Die politische und rechtliche Zugehörigkeit Seltisbergs zu seiner Nachbargemeinde war damit vertraglich besiegelt. Bis ins 17. Jahrhundert wollte das Kloster Beinwil diese Vereinbarung nicht akzeptieren. 1529 wechselten die Seltisberger, wie auch Basel, zur Reformation. Seltisberg löste sich von der Kirche Nuglar-St.Pantaleon und schloss sich mit den Liestalern zur Kirchgemeinde Liestal-Seltisberg zusammen.
In der Helvetik (1798 - 1803) verblieb Seltisberg als Teil des Liestaler Amtes beim Bezirk Liestal.
Bannstreit mit Liestal
Die Einheit mit Liestal geriet so eng, dass sich bis Ende des 18. Jahrhunderts niemand mehr an den genauen Grenzverlauf zwischen Liestal und Seltisberg zu erinnern vermochte. Schriftliche Urkunden bestanden angeblich keine. Von den umstrittenen 400 Jucharten Land erhielt Seltisberg 1809 schliesslich ein Viertel gerichtlich zugesprochen- und dies auch nur, beziehungsweise vor allem, dank den Bemühungen des "Orismüllers" Johann Jakob Schäfer.
Obwohl der Bannstreit die Seltisberger mehrheitlich gegen Liestal einnahm, schlugen sie sich in den Trennungswirren trotzdem auf die Seite der Liestaler, wie die Heimatkunde von 1864 nicht ohne Stolz vermerkt:
"..so wusste doch die grosse Mehrheit der Bürger von Seltisberg auf ehrenwerte Weise das Ortsinteresse demjenigen des Landes unterzuordnen und hielt (mit Liestal) treu zu der Fahne des Fortschrittes… Am 3ten August 1833, dem entscheidenden Kampftage fanden sich die meisten kampffähigen Männer Seltisbergs bei der Abtheilung der Landleute, welche die Bewohner des Reigoldswilerthals im Schach hielten. Einzelne aber leisteten als Artilleristen wesentliche Dienste gegen die ausgezogenen Basler Truppen."
Quelle: Heimatkundebuch Seltisberg
Name und Gemeindewappen
Selboldisberch (1194), Solbolsperc (1226), Selbelsberg (1364), Selbensperg (1366), Selbisperg (1399), Selbentzberg (1431), Selbisperg (1454), Selpersperg (1463), Seltensperg (1470) - so und ähnlich lautete der Name Seltisberg, bis er 1772 erstmals in der heutigen Schreibweise auftauchte. Mundartlich tönt das derzeit bekanntlich "Sältischbrg"; aber noch 1930 sollen die Leute ihr Dorf "Sälbischbrg" genannt haben.
Der Name selbst soll auf den alemannischen Personennamen "Selbold" zurückgehen und die ursprüngliche Sippensiedlung auf dem heutigen Gemeindegebiet näher bezeichnet haben. Die Namensdeutung, die einen Zusammenhang zwischen dem Ortsnamen "Seltisberg" und dem Wappenzeichen (lateinisch fructus selbodibus - Walderdbeere) herzustellen versucht, entbehrt jeder Grundlage und ist eher als sprachliche Spielerei zu deuten. Zum einen ist die lateinische Bezeichnung für die Walderdbeere ungebräuchlich, zum andern existierte der Name vor dem Wappen, so dass das Wappenzeichen den Namen nicht beeinflusst haben kann.
Zunehmendes Interesse an der historischen Vergangenheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereitete den Boden für die Schaffung von Gemeindewappen. Die Aktion für Gemeindefahnen der Landesaustellung 1939 trieb die Idee voran, so dass von den damals 74 Baselbieter Gemeinden 29 mit einem behördlich abgesegneten Hoheitszeichen an dieser Ausstellung vertreten waren. Während der nächsten zehn Jahre bereinigten auch die restlichen Gemeinden ihr Wappen.
Am 11. März 1944 hiess der Seltisberger Gemeinderat das neu gestaltete Gemeindewappen gut. Es führt im geteilten Schild die Liestaler Farben in umgekehrter Reihenfolge. Die weisse, von grünen Kelchblättern umrahmte Erdbeerblüte mit gelber Mitte erinnert an den Necknamen "Aerdbeerischnitzer".