Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03216.jsonl.gz/1717

Erstmals seit 50 Jahren ist auf der spanischen Kanareninsel La Palma am Sonntag wieder ein Vulkan ausgebrochen. Ab 15:12 Uhr Ortszeit (16:12 Uhr MESZ) erschütterten heftige Explosionen die Gegend der Cumbre Vieja im Süden der kleinen Insel, die ganz im Nordwesten der zu Spanien gehörenden Kanaren liegt. Rauch, Asche und Steine wurden in den Himmel geschleudert. Später waren im Fernsehen spektakuläre Bilder von hunderte Meter hohen Feuerfontänen zu sehen, die in den Nachthimmel schossen.
Einen eigenen Namen hat der Vulkan noch nicht, in spanischen Medien ist nur von «dem Vulkan» die Rede.
Bis zum späten Sonntagabend wurden mindestens sieben Schlote gezählt, also verschiedene Stellen, an denen Vulkanmaterial austrat, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE.
Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. Der Ausbruch sei bisher nicht besonders intensiv. Es wurde jedoch vor der Asche aus dem Vulkan und vor eventuell gesundheitsschädlichen Gasen gewarnt. Schaulustige wurden aufgefordert, die Gegend zu verlassen, um die Evakuierungen nicht zu behindern.
Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht.
Der Ausbruch liege in einem unbesiedelten Bereich der Insel, die insgesamt 83'000 Einwohner hat, berichtete der lokale Fernsehsender Canarias7 unter Berufung auf den regionalen Regierungschef der Kanaren, Ángel Víctor Torres.
Die Behörden riefen die Alarmstufe Rot eines Vulkannotfallplans aus und begannen am Sonntag mit Evakuierungen.
Laut Medienberichten schliessen die Behörden nicht aus, dass bis zu 10'000 Menschen in Sicherheit gebracht werden müssen.
Nein.
Wegen des jüngsten Vulkanausbruchs kursiert im Internet erneut die furchterregend klingende Theorie, dass die Inselflanke im Südwesten abbrechen, ins Meer rutschen und einen Mega-Tsunami auslösen könnte.
Schon 2017 nahmen Fachleute des Instituto Volcanológico de Canarias (INVOLCAN) zum Worst-Case-Szenario Stellung und bezeichneten es als unwahrscheinlich. «Für einen Abbruch müssten gleichzeitig ein sehr starkes Erdbeben und ein explosiver Vulkanausbruch stattfinden, ausserdem müsste die Cumbre Vieja 1000 Meter höher sein als jetzt.»
Wegen sich nähernder Lava, die sich in der Dunkelheit in orangeglühenden Flüssen bergab Richtung Küste wälzte, wurden zunächst etwa 5000 Bewohner der Ortschaften El Paso, Llanos de Aridane und des Badeortes Tazacorte an der Westküste der Insel in Sicherheit gebracht, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Bei 500 von ihnen habe es sich um Touristen gehandelt. Ob und wie viele Schweizer und Deutsche darunter waren, war zunächst nicht bekannt.
Mehrere Landhäuser gingen bereits in Flammen auf, als sie von der um die 1000 Grad heissen Lava erreicht wurden. «Es wird wohl noch mehr Zerstörungen geben, denn die Lava fliesst auf mehrere Orte zu», sagte Lucas Leal, einer der Bewohner der betroffenen Gegend, im Fernsehen.
Die Feuerwehr musste unterdessen immer wieder ausrücken, um Busch- und Waldbrände zu bekämpfen, die durch den Vulkanausbruch und am Rande der Lavaströme aufflammten. Auch Einheiten des spanischen Militärs wurden zu der Insel in Marsch gesetzt.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte eine geplante USA-Reise ab und traf am Abend auf La Palma ein.
Ja.
Bisher sei der Luftverkehr vom Ausbruch des Vulkans – mit Ausnahme einer kurzen Schliessung des Flughafens in der Hauptstadt Santa Cruz de La Palma (SPC) – nicht gestört gewesen, berichtet Aerotelegraph. Man beobachte die Lage laufend, hiess es vom Flughafenbetreiber Aena.
La Palma liegt ganz im Nordwesten der Kanaren, einer Inselgruppe im Atlantik vor der Westküste Afrikas. Sie ist 85 Kilometer von der nächstgelegenen grösseren und auch bei Schweizer Touristen sehr beliebten Insel Teneriffa und 57 Kilometer von La Gomera entfernt.
Massentourismus wie auf Teneriffa und den bekannteren Inseln Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote und Teneriffa gibt es auf La Palma nicht.
Ja.
Der Ausbruch hatte sich in den vergangenen Tagen durch rund 6600 kleine und mittlere Erdbeben und eine leichte Anhebung des Erdbodens angekündigt. Die Behörden hatten die Menschen in der Nähe des Vulkangebiets aufgerufen, leichtes Gepäck mit ihrem Handy, wichtigen Dokumenten und eventuell benötigten Medikamenten vorzubereiten.
Auf der jüngsten der Kanareninseln hatte es zuletzt vor 50 Jahren einen Vulkanausbruch gegeben, als der Teneguía 1971 Lava in die Luft schleuderte.
Überhaupt war er im 20. Jahrhundert nur zweimal ausgebrochen: 1971 und zuvor 1949. Ansonsten galt er als schlafender Vulkan.
2011 gab es in der Region einen Vulkanausbruch am Meeresboden vor der Insel El Hierro. Und 2017 Mikro-Erdbeben.
(dsc/sda/dpa)