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Die alte Kapelle in Spreitenbach wurde vor 1284 als Filiale der Mutterkirche Dietikon erbaut. Die Kirchgemeinde umfasste Urdorf, Dietikon, Bergdietikon und Spreitenbach.
Die Kapelle besass ein eigenes Kirchengut bestehend aus ein paar Grundstücken. Sie wurde nur wenige Male im Jahr für Gottesdienste benutzt und hatte weder Tauf- noch
Beerdigungsrecht. Im 14. Jahrhundert ging das Patronatsrecht ans Kloster Wettingen über und schliesslich wurde die ganze Pfarrei Dietikon dem Kloster einverleibt. Nach
der Reformation wurden die rechtlichen Verhältnisse in der Pfarrei noch viel komplizierter. Das trug dazu bei, dass der Unterhalt der Kapelle Spreitenbach vernachlässigt wurde
und sie verlotterte. Aber die Spreitenbacher hingen an ihr, obwohl nur wenige Gottesdienste dort stattfanden. So beschlossen die Katholiken und Evangelischen 1637 diese
Kapelle abzureissen und einen Neubau zu erstellen bei dem sowohl Katholiken wie Evangelische Frondienst leisten wollten und sowohl das Kirchengut wie das Kloster Wettingen
je einen namhaften Beitrag leisten sollten. 1638 wurde der Bau fertig; es war mitten im 30jährigen Krieg und zur Zeit latenter Spannungen zwischen den katholischen und
reformierten Ständen der Eidgenossenschaft. Die Katholiken in Spreitenbach genossen die Unterstützung des Klosters und der katholischen Stände, die Evangelischen diejenige
des Standes Zürich.
Nach dem Neubau der Kapelle las der katholische Priester wöchentlich die Messe und der evangelische Pfarrer wollte 12 mal Sonntagsschule halten. Doch der katholische
Untervogt Balthasar Wiederkehr verschloss den Evangelischen die Kapelle. Durch Vermittlung des Abtes und des Rates von Zürich kam 1639 ein Vergleichsvertrag zustande, der
die Rechte beider Religionsgemeinschaften regelte. Den Katholiken wurde gestattet, im Chorbogen eine Passion zu malen. Bei den Restaurierungsarbeiten kam aber kein solches
Gemälde zum Vorschein. Vermutlich haben diese darauf verzichtet, denn es wurde in den Archiven kein Hinweis gefunden, dass dieses Gemälde tatsächlich ausgeführt wurde.
Beide Parteien hielten sich an den Vertrag und benutzten während fast drei Jahrhunderten abwechslungsweise das kleine Gotteshaus.
Nach der Reformation wurde im zweiten Kappeler Frieden die Trennung des Kirchengutes verordnet. Die Verwaltung blieb aber bis 1717 in den Händen der Katholiken, die
den Evangelischen nicht einmal Einsicht gewähren wollten. Aber sie haben es getreulich verwaltet und die Trennung machte keine Probleme. Während der französischen
Besetzung baten die Katholiken 1798 den Abt von Wettingen, er möchte ihnen an den Sonntagen einen Priester aus dem Kloster schicken, um die Messe zu lesen, damit sie
nicht mehr nach Dietikon müssten. Damit begann die Ablösung von Dietikon. 1862 wurde die selbständige katholische Kirchgemeinde mit eigenem Friedhof, Tauf- und
Beerdigungsrecht gegründet. Die Reformierten wollten sich anfänglich nicht am Friedhof der Katholiken beteiligen und hielten an der Beerdigung in Dietikon fest. Erst
1899 wurde der Spreitenbacher Friedhof von der Einwohnergemeinde übernommen und von da an auch von den Reformierten benützt.
1903 wurde der Grundstein für eine eigene katholische Kirche gelegt, welche 1904 eingeweiht werden konnte. Danach kaufte die reformierte Gemeinde den Anteil der
Katholiken an der alten Dorfkirche aus. Aber noch immer war der Staat Aargau als Rechtsnachfolger des aufgehobenen Klosters Wettingen Mitbesitzer der Dorfkirche.
Ein langer Weg war der reformierten Gemeinde beschieden, bis sie sich aus dem Verband mit der Mutterkirche Dietikon loslöste. Noch bis 1910 mussten die Konfirmanden
aus Spreitenbach in Urdorf, am Sitz des Dietiker Pfarrers den Unterricht besuchen. Erst ab 1916 gab es in der Pfarrei Dietikon einen zweiten Pfarrer mit Sitz in Dietikon.
Dieser kam alle 14 Tage, um in der Dorfkirche Spreitenbach zu predigen.
Ab dem Jahre 1933 konnten die Reformierten jeden Sonntag eine Predigt in der Dorfkirche hören. 1937 wurde die reformierte Kirchgemeinde Spreitenbach/Killwangen/Bergdietikon
gegründet und von Dietikon losgelöst. Die Weihe einer eigenen Orgel fand 1949 statt und der erste Pfarrer, Kurt Flückiger, nahm 1957 seinen Dienst in Spreitenbach auf.
Die Kirchgemeinde Bergdietikon zog sich 1984 aus dem Verband mit Spreitenbach/Killwangen zurück. Anlässlich der Restauration löste der Staat Aargau das Restguthaben an
die Pfrund mit einer Schlusszahlung von CHF 120 000.– ab. Seit 1995 ist die Dorfkirche im alleinigen Besitz der reformierten Kirchgemeinde.