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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch I.
14.
Xenophanes aus Kolophon, Sohn des Orthomenes, lebte bis zur Zeit des Cyrus. Er lehrte zuerst die Unbegreiflichkeit aller Dinge und sagte:
„Sagte auch einer das Allervollkommenste zufällig einmal,
Weiß er es selber doch nicht, denn Wahn nur ist allen beschieden“1.
Er behauptet, nichts entstehe, nichts vergehe, nichts bewege sich, das All sei eine Einheit ohne jede Veränderung. Nach ihm ist Gott ewig, einer, durchaus homogen, begrenzt, kugelförmig und in all seinen Teilen empfindungsfähig. Die Sonne besteht aus einer Tag für Tag erfolgenden Ansammlung kleiner Feuerteilchen; [S. 30] die Erde ist unbegrenzt und wird weder von der Luft noch vom Himmel umschlossen; es gibt zahllose Sonnen und Monde, alles aber ist aus Erde. Das Meer ist salzig, weil viel Gemengsel darin zusammenfließt; nach Metrodoros kommt der Salzgehalt des Meeres davon, daß es durch die Erde sickere. Xenophanes aber glaubt, daß eine Vermischung der Erde mit dem Meere stattfinden werde und sie mit der Zeit sich im Flüssigen auflösen werde. Als Analogiebeweis führt er an, daß mitten im Lande und auf den Bergen sich Muscheln fänden; auch gebe es in den Steinbrüchen bei Syrakus Fisch- und Robbenabdrücke, auf Paros in der Tiefe des Marmorbruches den Abdruck einer Sardelle, in Malta Platten mit allen möglichen Meertieren. Dies komme daher, daß in der Urzeit alles verschlammt gewesen, die Abdrücke dann im Lehm festgeworden seien. Wenn die Erde ins Meer sänke und zu Lehm würde, würden die Menschen zugrunde gehen; dann beginne ein neues Werden, und eine solche Umwälzung träte in allen Welten ein.
1: Xenophanes Fr. 34, 3. 4. Diels.