Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/2258

Die Geschichte der drei Dörfer Niederneunforn, Oberneunforn und Wilen ist eine gemeinsame Geschichte und wird nun kurz erzählt.Nieder- und Oberneunforn:
Die Geschichte von Niederneunforn und Oberneunforn ist sehr eng miteinander verbunden. Die ersten geschichtlichen Spuren von einer Ansiedlung in unserer Gegend stammen noch von den Römern her.
Unsere beiden Dörfer dürften im 5. Jahrhundert entstanden sein. Zu dieser Zeit wanderten die Alemannen friedlich in unsere Gegend ein und liessen sich häuslich nieder. Die erste bekannte Erwähnung geht auf das Jahr 962 zurück.
Niederneunforn und Oberneunforn sind aus früheren Zeiten auch bekannt als Gerichtsstätten. So wird in Neunforn, der Malstätte der Thurgauischen Gaugrafschaft anno 963 vor 12 Zeugen ein beurkundeter Landtausch vorgenommen. Im 14. Jahrhundert wird dann das "Gericht unter der Linde" erwähnt.
Die politische Gemeinde Neunforn umfasst noch heute genau das ursprünglich zur Herrschaft Neunforn gehörende Gebiet. Dass die Grenzen so auffallend weit und halbinselartig in den Kanton Zürich hinausragen ist auf Zeiten der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen (1460) zurückzuführen. Denn auch die Städte Zürich und Schaffhausen hatten reges Interesse an unserer Gegend. In der Mitte zwischen Frauenfeld und Schaffhausen gelegen und durchzogen von der Landstrasse, die den Sitz des eidgenössischen Landvogtes im Thurgau mit der Reichsstadt am Rheine verband, kam unserer Gemeinde einiges an Bedeutung zu.
In der mittelalterlichen Geschichte von Neunforn spielen auch die verschiedenen Klöster am Rhein und Bodensee als Landbesitzer eine wichtige Rolle. So das Kloster Allerheiligen, das Agnesenkloster zu Schaffhausen, das Kloster Paradies, das Kloster Reichenau, sowie das Domstift Konstanz. Neben diesen Gotteshäusern stand aber das Frauenkloster Töss an erster Stelle der Grundbesitzer. Es hatte ausserdem den Zehnten inne. Zu dessen Eintreibung schickte das Kloster einen Amtmann. Dieser war im Münchhof stationiert und führte dort seine Zehntenscheune.
Nach zahlreichem Besitzerwechsel kam Neunforn 1544 in den Besitz des Schaffhauser Patrizier Benedikt Stockar. Mit ihm kamen etliche höhere Gerichtsherren, die dann höchstwahrscheinlich das Schloss zu Neunforn in Oberneunforn erbauten.
Das Geschlecht Stockar verkaufte Neunforn 1688 für 18`000 Gulden an einen angesehenen Zürcher Oberstleutnant, der dann wiederum das Gebiet an die Stadt Zürich verkaufte. Kirche und Herrschaft waren somit beide in zürcherischen Händen. Die hohe Gerichtsbarkeit hingegen blieb beim eidgenössischen Landvogt in Frauenfeld. Dies ist der Grund, warum Neunforn schlussendlich doch thurgauisch wurde.
Wilen:
Auch die dritte Ortschaft der Gemeinde Neunforn, Wilen, ist hart an der Grenze zum Kanton Zürich (Bezirk Andelfingen, Gemeinde Stammheim) gelegen. Dessen Geschichte hat ebenfalls wie diejenige von Neunforn mit Thurgau sowie mit Zürich zu tun. Man ist sich nicht ganz sicher, ob um 1244 die Burg auf dem Schlossbuck oberhalb dem Wilemersee der Sitz des Ritters Konrad von Neunforn war.
Auch in "Wiler ob Stamma" waren die Klöster Besitzer grösserer Grundstücke wie zum Beispiel das Kloster St. Katharinental, das 1253 bis 1258 ein grosses Gut von Freiherr Heinrich von Güttingen erwarb. Die Gerichtsherrschaft trug den Grenzen Rechnung: 15 Höfe unterstanden Stammheim, einer Oberneunforn und fünf Niederneunforn.
Wilen ist ausserdem auch im Zusammenhang mit den Revolutionsarmeen von Frankreich ein Begriff, hatten diese doch 1800 das kleine Dörflein auf einem ihrer Schlachtzüge überfallen und ausgeplündert.
Bis zum Jahre 1853 hatten die beiden Teile der Ortschaft Wilen einerseits zur politischen Gemeinde Oberstammheim, andererseits zur Munizipalgemeinde Neunforn gehört. Im Jahre 1853 wurde zwischen den beiden beteiligten Kantonen über die Verhältnisse der Ortschaft ein Staatsvertrag abgeschlossen. In diesem wurde Wilen als Zivilgemeinde festgehalten, wobei das Kirchen-, Schul- und Armenwesen im ganzen Ort mit Neunforn verbunden wurde. 1886 löste man den Vertrag der Zivilgemeinde wieder auf, doch die Kirchenzugehörigkeit zu Neunforn wurde bis heute belassen.
Politische Gemeinde Neunforn Gemeindekanzlei 8526 Oberneunforn <email-pii>