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Mehr als 50 Jahre lang wurde das Mündel Emma Studer* von der Pflegemutter wie eine Sklavin gehalten. Manchmal musste Studer während Stunden ein Pflaster über dem Mund tragen. Oder zum «Büssen» auf den Knien rutschen, bis diese blutig waren.
Vor fünf Jahren endete das Martyrium, Emma Studer war damals 71. Befreit wurde sie mit Hilfe der Tochter der Pflegemutter, die als Kind von Emma Studer betreut worden war. Die Tochter machte eine Gefährdungsmeldung bei Studers Vormundin und meldete sich beim Beobachter. Daraus entstand im Jahr 2013 nach umfassenden Recherchen der Artikel «Ein gestohlenes Leben».
«Ein gestohlenes Leben» – So berichtete der Beobachter am 22. März 2013
Eine Frau lebt mehr als 50 Jahre lang bei einer Pflegefamilie. Sie wird sexuell missbraucht und körperlich und psychisch schwer misshandelt. Obwohl sie stets unter der Obhut der Vormundschaftsbehörde steht.
Auf dieser Basis wird nun Studers Schicksal in einem Buch nacherzählt; darin wird sie «Lina Zingg» genannt.
Als sie befreit wurde, wog Emma Studer bei 1,63 Metern Grösse noch 45 Kilo und war gesundheitlich schwer angeschlagen. Heute wohnt sie in einem Pflegeheim, es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Sie hat wieder Kontakt zu ihren leiblichen Geschwistern, die Töchter der Pflegemutter kümmern sich um sie.
*Name geändert
- Buchtipp: Lisbeth Herger: «Unter Vormundschaft. Das gestohlene Leben der Lina Zingg»; Verlag Hier und Jetzt, 2016, 240 Seiten, CHF 39.-