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Gerade in wirtschaftlich schwächeren Regionen muss jede Chance genutzt werden, die Revitalisierung und Aufschwung verspricht. Die vielen Zweitwohnungen in den nördlichen Tälern des Tessins sind ein bedeutendes Potenzial, dessen Nutzung sich aber als nicht ganz einfach erweist. Das Modellvorhaben "Aktivierung des Nutzungspotenzials von Zweitwohnungen" hat sich dieser Herausforderung angenommen.
Eigentlich war schon der erste Schritt im Frühling 2015 ein Riesenerfolg: Denn von den angeschriebenen 3'340 Zweitwohnungsbesitzern in der Leventina sowie im Bleniotal schickten über 50 Prozent einen ausgefüllten dreiseitigen Fragebogen zurück. Diesen verteilt hatte die für die Regionalentwicklung zuständige Ente Regionale per lo Sviluppo del Bellinzonese e Valli in Biasca. Sie hatte es geschafft, mit ihrer Idee zur besseren Nutzung der kalten Betten in den Zweitwohnungen innerhalb der Bauzonen zu überzeugen. Der Bund unterstützte das Projekt und etikettierte es als Modellvorhaben für nachhaltige Raumentwicklung.
Viel Interesse zu Beginn
Rund ein Viertel der Antwortenden zog eine Vermietung ihrer Wohnungen in Betracht. Damit wäre also ein Potenzial von mindestens 300 Wohnungen, die für touristische Zwecke aktiviert werden könnten, vorhanden. Das ergibt ein virtuelles dezentrales Hotel mit 1'500 Betten, die während etwa zwei bis drei Monaten pro Jahr zur Verfügung stünden. Unterstützung wünschten sich die potenziellen Vermieter vor allem in administrativen Belangen, bei Empfang und Betreuung der Gäste vor Ort, Unterhalt und Pflege der Wohnungen sowie bei der Vermarktung und der Abwicklung der Buchungen. Wer seine Wohnung nicht oder nur eingeschränkt vermieten wollte, machte am ehesten den Wunsch nach Privatsphäre und nach kurzfristigen und spontanen Entscheiden, die Wohnung selber zu nutzen, oder die Angst vor Schäden durch Mieter geltend.
Genug Potenzial für Vermarktung?
Aufbauend auf dieser Analyse machten sich die Projektverantwortlichen daran, einen Businessplan für eine regionale Vermarktungsagentur aufzustellen. Im Verlaufe der Arbeiten zeigte sich aber rasch, dass eine neue Struktur ökonomisch kaum überlebensfähig gewesen wäre und deshalb die Konzentration auf bestehende Vermarktungs- und Reservationsplattformen sinnvoller war. Damit diese denn auch tatsächlich genutzt wurde, offerierte das Modellvorhaben den Wohnungsbesitzern einen finanziellen Anreiz, um ein bebildertes und mehrsprachiges Dossier über ihre Wohnung erstellen zu können. Denn eine attraktive Visitenkarte der Wohnung war und ist Voraussetzung für die Platzierung auf den bestehenden Plattformen. Diese Unterstützung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der regionalen Tourismusorganisation Bellinzonese e Alto Ticino.
Was ist ein guter Vermieter?
Aus dem Modellvorhaben resultierten ebenfalls eine ganze Reihe von Hinweisen und Tipps, welche den Zweitwohnungsbesitzern die Vermietung vereinfachen können. Dazu gehört auch eine Einschätzung der existierenden Vermietungs- und Reservationssysteme, darunter beispielsweise Airbnb, E-Domizil und Interhome. Praktische Checklisten sowie Hinweise zu versicherungstechnischen Aspekten rundeten das Angebot ab.