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Suchtverhalten äussert sich in dem Zwang, bestimmte Handlungen wiederholt durchzuführen. So etwa beim Konsum von Drogen, die trotz offensichtlicher negativer Konsequenzen eingenommen werden. Um dieses zwanghafte Verhalten zu verstehen, arbeiten Neurowissenschaftler daran, die Veränderungen im Gehirn zu erforschen, die durch drogenwirksame Substanzen hervorgerufen werden.
Christian Lüschers Forschungsgruppe in Genf hat hierzu vielfältige Beiträge geliefert. So konnten die Forschenden im Gehirn von Labormäusen Andockstellen verschiedener Substanzen an Synapsen von Nervenzellen beschreiben, wodurch auch eine Einteilung von Drogen in verschiedene Klassen vorgenommen werden konnte. Letztlich kommt es bei allen Substanzklassen zu einer Aktivitätsänderung von Dopamin-Nervenzellen im Belohnungssystem des Gehirns. In ihren Arbeiten haben die Genfer Forschenden insbesondere neue licht-aktivierbare Proteine in die Nervenzellen eingeschleust, um auf die Funktionsweise der neuronalen Schaltkreise, in die die Dopamin-Nervenzellen eingebettet sind, besser zu verstehen.
Durch eine Kombination von Pharmakologie und gezielter Lichtstimulation gelang es Lüschers Gruppe, Änderungen, die durch eine Kokain-Gabe hervorgerufen waren, wieder rückgängig zu machen. Die Hoffnung ist, dass eine ähnliche Kombination von Pharmakologie und tiefer Hirnstimulation neue Möglichkeiten für therapeutische Ansätze bei Suchtverhalten eröffnen könnte.
Im Rahmen des alljährlichen Symposiums des Zentrums für Neurowissenschaften Zürich (ZNZ), das am 15. September 2016 an der UZH stattfand, präsentierte Christian Lüscher seine neuesten Forschungsergebnisse in seiner «Koetser Gedenkvorlesung».
Zur Person
Christian Lüscher studierte Medizin in Lausanne und Bern und promovierte an der Universität Bern. Nach seiner Ausbildung zum Neurologen ging er als Postdoktorand ins Labor von Prof. Roger Nicoll an der University of California San Francisco.
Seit 2003 ist er Professor am Department of Basic Neurosciences & Clinic of Neurology der Universität Genf. Prof. Lüscher erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Cloëtta-Preis 2010, den Forschungspreis der Schweizerischen Hirnliga 2010, und einen ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats im Jahr 2013.
Betty und David Koetser Stiftung
Die Betty und David Koetser Stiftung wurde 1993 gegründet und unterstützt in erster Linie klinische Forschung und Grundlagenforschung in Neurologie und Neurobiologie an der Universität Zürich. Zudem verleiht sie jährlich einen Preis für herausragende Arbeiten in der Hirnforschung, verbunden mit einer Gedenkvorlesung.
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