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Heitenried wird erstmals im Jahre 1228 im «Cartulare Lausannense» erwähnt, das Conon von Estavayer, Probst des Domkapitels, verfasst hatte. Unter den Kirchen des Dekanats Freiburg findet man den Namen Essert, das dem deutschen «Ried» entspricht. Wie entstand aber Heitenried?
«Ried» bedeutet gerodetes, sumpfiges Land. So gab es also diesen Namen in unserer Gegend sehr häufig. Sie mussten näher bezeichnet werden. Also gab man ihnen den Namen des Herrschers und Besitzers bei.
Ein Herr Heito wird in unseren Gefilden aufgeführt. Nach ihm hat also unsere Siedlung «Ried» den Namen erhalten. Der Name «Heitenried» tritt erstmals im 14. Jahrhundert in den Dokumenten auf, und seine Schreibweise hat verschiedene Änderungen erfahren.
Schloss Heitenried 1798 Fonds Reiners
Im 13. Jahrhundert wird ein Geschlecht «von Ried» erstmals erwähnt. 1257 spricht man vom Ritter Konradus von Ried. 1278 hielt sich Ulrich von Ried in Heitenried auf Ritter Heinrich von Ried wird 1326 in den Urkunden erwähnt.
Im 14. Jahrhundert befindet sich Heitenried zeitweise im Besitze der reichen Grafen von Thierstein. Doch sie kümmerten sich wenig um ihre Besitzungen bei uns. Vermutlich waren die Erträge zu wenig beachtenswert. So gelangte die Herrschaft 1369 als Lehen an die Freiburgerfamilie Velga, und 1442 erwarben sie diese käuflich. Der letzte Vertreter der Familie Velga, Ritter Wilhelm, hinterliess nur die Tochter Dorothée. Sie heiratete Jean-Rodolpho von Erlach, Herr von Spiez. Ihre Tochter «Marie von Erlach» verehelichte sich mit Niklaus von Diesbach aus Bern. Sie erbte dieses Land, welches auf 8169 Pfund geschätzt wurde. Niklaus von Diesbach verkaufte es im Jahre 1579 an seinen Neffen, Georges von Diesbach aus Freiburg für 3300 Geldstücke.
Graf Jean-Frederic von Diesbach heiratete am 26. November 1675 Marie-Elisabeth von Steinbrugg aus Solothurn, die letzte aus diesem Geschlechte. Von da an wurde der Namen Steinbrugg dem ältern Zweig der Diesbach zugefügt. Er lautete also von Diesbach Steinbrugg. Sein Sohn Francois-Philippe war ein ausgezeichneter Soldat. Er wurde Feldmarschall und Oberst eines Schweizerregimentes in Frankreich.
Einen Sohn und zwei Töchter nannte er sein eigen. Die eine verheiratete er mit Louis d'Affry, späterer Landammann der Schweiz, und die andere mit Conrad de Féguely von Vivers. Der Sohn war Graf Francois-Philippe Louvrier, «letzter Herrscher von Heitenried».
Der Ursprung des Schlosses ist eine Fliehburg. Dies kann anhand der Mauern nachgewiesen werden. Diese wurde allmählich umgebaut und erweitert; dessen Ergebnis, das heutige sogenannte «Alte Schloss» ist. Es ist massiv, hoch, schlank und mit einem Walmdach gedeckt. Es bewahrt in seinen Mauern die Überreste der Feudalherrschaft.
Das «Neue Schloss» mit einen vielen Fenstern und seinem Vierschilddach erinnert an den Baustil Ludwig XV. Eine Holzgalerie, von schweren Säulen getragen, verband die beiden Flügel. Von dieser Laube aus erfolgte auch der Zugang zu den Kammern. Die Heizung erfolgte auch von aussen. Ein Gewölbe, durch eine eisenbeschlagene Türe abgeschlossen, führte in den Hof, wo einst eine Kapelle stand, die später in einen Hühnerstall umgebaut wurde.
Am Gebäude, welches heute keine einheitliche Architektur aufweist, wurden mehrmals tiefgreifende Umbauten vorgenommen. Trotzdem erinnert es an schöne vergangene Zeiten. Bei solchen Umänderungen wurden auch die allegorischen Fresken von Locher, welche die vier Jahreszeiten darstellten, vernichtet.
Auch das Cheminée aus rotem Marmor fand keine Gnade, sowie der Salon, der mit bemaltem Leinwand geschmückt war.
Im Hof sicherte ein ca. 20 m tiefer Sodbrunnen die Wasserversorgung. Einen Meter ragte er aus der Oberfläche heraus und war mit Holzbrettern abgesichert.
Hier muss sich auch der Brunnentrog befunden haben, welcher sich heute neben der Kirche befindet.
Ein Teil des heutigen Schulhausplatzes war durch einen französischen Garten aufgelockert. Der Zugang zur Siedlung erfolgte von den Bauernbetrieben her. Vom Dorf herauf war anfänglich kein Weg. Reste der Zugangsmauern sind heute noch sichtbar.
Anno 1840 ist eine Familie Josef Siegfried-Bersier Eigentümerin. Im Jahre 1856 wurde das Schloss samt den Gütern an A. Schneeli von Glarus verkauft, und 1878 finden wir es im Besitze der Bank Tschann-Zeeleder & Co. in Bern.
Herr Pfarrer-Dekan Spicher setzte alles daran, um Schloss und Güter wieder in die Hände der Heitenrieder zu bringen. Dazu gründete er in bewunderungswürdiger Tatkraft mit 19 bewährten Männern die Schlossgesellschaft und führte die Verhandlungen mit der Berner Bank. Am 10. Juni 1878 fand im Pfarrhaus zu Heitenried die denkwürdige Verschreibung des Ankaufes statt, welcher um die Summe von Fr. 200000.- getätigt worden war.
Im Laufe der Jahre wurden die Landgüter an Private veräussert. Das alte Schlossgebäude konnte an die GEMEINDE HEITENRIED UND DIE PFARREI TAFERS abgetreten werden zum Preis von Fr. 20 000.-.
An diese Kaufsumme hatte die Gemeinde Heitenried Fr. 10 000.- zu entrichten, die Pfarrei Tafers Fr. 9 000.- und der Staat Freiburg Fr. 1 000.-. Beim Verkaufe hat sich aber die Schlossgesellschaft noch verpflichtet, das Schloss, ein Bau aus dem 16./17. Jahrhundert, zu einem Schulhaus einrichten zu lassen, d. h. zwei geräumige Säle, Wohnungen und Küchen für Lehrer und Lehrerinnen, ein Esszimmer für die Kinder, Abtritte, usw. wurden installiert.
Diese sehr schwierige Arbeit übernahmen Baumeister Müller, Alterswil und Johann Brügger vom Holzacker zum Kostenpreis von Fr. 9 000.-.
Am 24. Oktober 1880 fand nachmittags nach der Vesper die feierliche Einweihung des neuen Schulhauses statt. Der verdiente Pfarrer Spicher schreibt dazu in der Chronik: Die Knabenschule wurde alsdann mit 70 Zöglingen unter dem neuerwählten Herr Lehrer Stephan Zosso von Winterlingen und die Töchterschule mit 80 Zöglingen unter der Theodosianischen Schwester Desiderata Nager von Hospenthal/Uri eröffnet. - Wir wollen hoffen, Gottes Segen werde auf der Schule ruhen.
Anno 1920 wurde auch das sogenannte Sommerschloss aus dem 17./18. Jahrhundert zum Schulunterricht umgebaut. Das ganze, herrlich gelegene Schlossgebäude, das während Jahrhunderten ein einzigartiger Herrschaftssitz vieler adeliger und vornehmer Leute war, dient heute der Erziehung und Bildung unserer lieben Jugend.
Bibliographie