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Ausgangslage
Die Ereignisanalyse des Hochwassers 2005 an der Grossen Melchaa zeigte deutlich auf, dass bezüglich Hochwassersicherheit auf Gemeindegebiet Sarnen erhebliche Schutzdefizite bestanden. Aufgrund der ungenügenden Gerinneabflusskapazität, dem fehlenden Geschiebeablagerungsraum und des erheblichen Verklausungsrisikos, insbesondere bei der Autobahnzubringerbrücke beim Kreisel, aber auch bei der Autobahnbrücke A8 über die Grosse Melchaa, musste für das Siedlungsgebiet Sarnen mit erheblichen und vor allem grossräumigen Überflutungs- und Übersarungsgebieten gerechnet werden mit einem Schadenpotenzial von rund 40 Mio. Franken.
Hochwasserschutzprojekt
Auf Basis der im Rahmen der Ereignisanalyse aufgezeigten Schwachstellen wurde an der Grossen Melchaa ein Hochwasserschutzprojekt erarbeitet, welches die folgenden Projektziele verfolgte:
- Rückhaltemassnahmen für Geschiebe und Schwemmholz für ein 100-jährliches Hochwasserereignis
- Verhinderung eines Ausbruchs der Grossen Melchaa auf die rechte Flussseite in Richtung Dorf Sarnen
- Schutz des Gebietes Seefeldpark (Lido) für ein 100-jährliches Hochwasserereignis unter Berücksichtigung der Geschiebeablagerungsprozesse im Deltagebiet
- Schaffung des notwendigen Geschiebeablagerungsraums für grosse Hochwasserereignisse.
- Ökologische Aufwertung und Erweiterung des Gewässerraumes primär im Melchaa-Delta und in der Chalcheren, da im Zwischenabschnitt der Melchaa aufgrund der bestehenden beidseitigen Nutzungen das Potential für ökologische Aufwertungsmassnahmen sehr gering ist
- Entwicklung eines systemstabilen und gutmütigen Überlastfallkonzeptes
Das Projekt wurde prioritätsbezogen in drei Ausführungsetappen unterteilt und im Zeitraum von 2010 bis 2014 realisiert.
1. Etappe: Reaktivierung Melchaa-Delta
Die erste Etappe umfasste den Bau eines rund 400 m langen und bis zu 4 m hohen Dammes zum Schutz der neuen Campinganlage Seefeldpark (Lido) (1), die Reaktivierung des Melchaa-Deltas mit Vergrösserung des Geschiebeablagerungsraumes auf rund 16‘000 m3 (2), die Revitalisierung des Galgenbaches als Seeforellenlaichgewässer (3) sowie den Neubau des Fussgängersteges mit Vergrösserung des Abflussquerschnittes der Grossen Melchaa (4). Ökologische und landschaftliche Massnahmen (5) bezwecken die Begünstigung einer natürlichen Auendynamik, einer naturnahen Ausbildung der Flussufer sowie einer attraktiven Gestaltung der Fuss- und Radwege.
2. Etappe: Geschieberückhalteraum Chalcheren
Die zweite Etappe betraf den Ausbau des Geschiebesammlers in der Chalcheren mit einem Geschiebeablagerungsraum von rund 36‘000m3 (6) sowie den Bau von jeweils kurvenaussenseitig angeordneten Schwemmholzrückhalterechen an sechs Standorten (7). Das Projekt beinhaltete zudem die Umlegung der Zufahrtsstrasse sowie der Werkleitungen an den Rand des Geschiebesammlers. Deren Schutz innerhalb des Geschiebeablagerungsraumes wird mit einem grösstenteils überdeckten Blockwurf gewährleistet.
3. Etappe: Melchaa-Unterlauf
Die dritte Etappe beinhaltete die Hochwasserschutzmassnahmen entlang des Melchaa-Unterlaufs. Diese Massnahmen umfassen den Bau von HWS-Schutzmauern entlang des Pfadiheims (8) und des Zeughausareals (10), die Abflusskapazitätserhöhung unter der Autobahnbrücke N8 (9) sowie die Ausgestaltung des Überlastkorridors. Dieser besteht aus den Hochwasserentlastungen mittels Kippelementen oberhalb der Autobahnbrücke N8 linksufrig und oberhalb der Autobahnzubringerbrücke beim Kreisel rechtsufrig sowie grossräumigen Terrainanpassungen im Hasli und im Schlossacher (11). Zusätzlich sieht das Projekt an neuralgischen Stellen Interventionsplätze und Schlauchsperren als mobile Massnahmen vor (12).
Kosten und Finanzierung
Im Kostenvoranschlag auf Stufe Bau- und Auflageprojekt ging man von Gesamtkosten von 12 Mio. Franken aus. Dank einer schlanken und effizienten Projektorganisation, preisgünstigen Unternehmerofferten und einem strikten Kostenmanagement schliesst die Schlussabrechnung mit rund 10 Mio. Franken deutlich unter dem Kostenvoranschlag ab.
An den Gesamtkosten beteiligten sich neben Bund, Kanton und Gemeinde auch Dritte wie Werke, Bundesamt für Strassen ASTRA und armasuisse. Die Mobiliar leistete aus ihrem Überschussfonds einen nennenswerten Beitrag und unterstützte damit das Projekt als eine konkrete Präventionsmassnahme, um künftige Schäden zu verhindern. Der Bund richtete einen Beitrag von 65 % der anrechenbaren Kosten aus, d.h. der Gesamtkosten abzüglich der Kostenbeteiligungen Dritter. Darin enthalten ist ein Schwerfinanzierbarkeitszuschlag von 20 %, welcher der Bund den Kantonen mit besonders hoher finanzieller Belastung durch Schutzbautenprojekte gewährt. Der Kanton Obwalden steuerte 21.5 % an die anrechenbaren Kosten bei, während auf die Gemeinde Sarnen die Restkosten von 13.5 % fallen sowie die Kosten des Schutzdamms Seefeldpark (Lido)