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Zurück im November
Eine Börsenweisheit empfiehlt den Einstieg in den Aktienmarkt im November. Was ist dran?
An den Aktienmärkten lassen sich saisonale Muster beobachten. So haben Aktien beispielsweise zwischen November und April die Tendenz, besser abzuschneiden als in den Monaten Mai bis Oktober. Dies ist wohl eine der bekanntesten Kalenderanomalien. Und sie hat mit dem Sprichwort "Sell in May and go away, but remember to come back in November" ihren festen Platz unter den Börsenweisheiten. Doch was ist dran an diesem Phänomen? Warum sollten Anleger, die ihre Aktien im Mai verkaufen und erst wieder im November auf den Aktienmarkt zurückkehren, tatsächlich besser abschneiden als jene Anleger, die ihre Aktien das ganze Jahr über halten? Wie ist das möglich?
Die "Finanztipps für LGBT" informieren gleichgeschlechtliche Partner zu finanziellen Themen:
Gleich vorweg: Den Sell-in-May-Effekt gibt es tatsächlich. Wissenschafter konnten ihn für verschiedene Aktienregionen und für verschiedene Zeitabschnitte nachweisen. Die Ökonomenzunft bringt das in Erklärungsnot. Denn in der klassischen Finanzmarkttheorie ist so etwas eigentlich nicht vorgesehen. Sie geht davon aus, dass die Aktienmärkte "effizient" sind und alle verfügbaren Informationen in den Aktienpreisen stets enthalten sind. Daher sollte es gemäss Lehrbuch unmöglich sein, den Markt zu schlagen. Warum der Sell-in-May-Effekt das offensichtlich trotzdem schafft, ist nicht restlos geklärt.
Sell in May and Go Away
Häufig ist in der Finanzliteratur zu lesen, die Überrendite einer Sell-in-May-Strategie resultiere aus einer Verringerung der Verluste. Der Grund: Die Krisenphasen an den Aktienmärkten würden sich meist im Sommer und Herbst ereignen, wie der "Schwarze Montag" im Oktober 1987, an dem der US-Leitindex Dow Jones um mehr als 20 Prozent abstürzte.
Die Russland-Krise im September 1998 und der Konkurs von Lehman Brothers im September 2008 liessen die Aktienmärkte ebenfalls einbrechen. Wer zu dieser Zeit nicht in Aktien investiert war, hat diese Verluste logischerweise nicht erlitten.
Profitabilität hat gelitten
Eine Sell-in-May-Strategie lässt sich heute zwar leicht umsetzen, denn das Angebot an kostengünstigen passiven Anlagefonds (ETF und Indexfonds) ist sehr gross. Und wer eine Bank mit tiefen Transaktions- und Depotgebühren wählt, kann die Strategie noch kosteneffizienter ausführen. Allerdings hat die Profitabilität einer klassischen Sell-in-May-Strategie, bei der Aktienanlagen im Mai vollständig verkauft werden und der Verkaufserlös während der nächsten sechs Monate bis Ende Oktober auf einem Konto parkiert wird, aufgrund der Null- und Negativzinsen stark gelitten.
Auch brauchen Anleger bei der Sell-in-May-Strategie einen langen Atem und viel Disziplin. Denn sie funktioniert längst nicht in jedem einzelnen Jahr. So kann eine Kaufen-und-Halten-Strategie gar mehrere Jahre hintereinander deutlich bessere Resultate erzielen.
Da die Ursachen für den Sell-in-May-Effekt unklar sind, sollten Anleger kritisch gegenüber dieser Börsenweisheit eingestellt sein. Sie sollten sich jedenfalls von der Regel nicht dazu verleiten lassen, die eigene Anlagestrategie über Bord zu werfen.