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Boston diente vor allem als Musikerlieferant für das benachbarte New York. Es gab jedoch einige Bands und Solisten, die der Stadt treu blieben, allen voran Sabby Lewis. Vorgestellt werden Musiker und Bands, die für Boston eine Bedeutung hatten. Die Auswahl umfasst Namen wie Ray Perry (vln,sax), Frankie Newton (tp), Sabby Lewis (p), Jimmy Tyler (sax), Nat Pierce (p), Serge Chaloff( bs), Gigi Gryce (as), Dick Twardzik (p), Roland Alexander (ts) und andere mehr. Gestreift wird auch das Wirken des Impresarios George Wein und des Musikpädagogen Lawrence Berk, Gründer der Berklee School of Music.
Inspiriert durch Jörg Näfs systematische und regelmässige Präsentationen der wichtigsten und allerwichtigsten Jazzgrössen über jeweils mehrere Abende möchte ich, in abgekürzter Form an diesem einen Abend die Erinnerung an ein paar der „Grossen“ auffrischen mit sorgfältig ausgewählten Beispielen: Louis Armstrong mit Teddy Wilson Anfang 30er-Jahre, Paul Gonsalves als Solist in der Count Basie Band von 1947, Lucky Thompson Trio und andere seiner Formationen der 40er- und 50er- Jahre, Lester Young mit Nat King Cole, Henry Red Allen, Chu Berry, Earl Hines. Zudem erlaube ich mir, die genannten Koryphäen zu umrahmen mit weniger bekannten, aber nicht minder heissen Musikbeispielen, so es denn den zeitlichen Rahmen nicht sprengt. Vielleicht braucht diese Mischung einen etwas starken musikalischen Magen, aber ich hoffe, dass sie vor allem Freude bereitet.
Als Amerika in den 2. Weltkrieg 1941 eintritt, geht auch der Jazz in den Krieg. Swing wird das Symbol der Demokratie zu Hause und Bandleader wie Glenn Miller und Artie Shaw melden sich freiwillig, um ihre Musik zu den Männern und den Frauen der Armee in Übersee zu übermitteln. Im von den Nazis besetzten Europa, wo der Zigeuner Guitarist Django Reinhardt seine eigene besondere Art die Musik zu spielen entwickelt, wird Jazz zu einem Symbol der Freiheit und der Hoffnung auf Befreiung. In New York hat sich das Herz des Jazz von Harlem nach der 52. Strasse verlegt – wo Billie Holiday als ungekrönte Königin regiert trotz einer zunehmenden Abhängigkeit von Narkotika. Duke Ellington führt, was einige glauben, sein bestes Orchester war – jetzt unterstützt vom jungen, begabten Arrangeur Billy Strayhorn – und bringt seine Musik in stets höheren Sphären. In der Zwischenzeit, im Untergrund und nach der Arbeitszeit, beginnt eine kleine Gruppe angeführt vom Trompetenvirtuosen Dizzy Gillespie und Altsaxofonisten Charlie Parker, eine neue Stilrichtung zu entwickeln – schnell, kompliziert und ständig herausfordernd für sowohl die Musiker wie das Publikum. Wegen eines Aufnahmeverbots wird sie nicht wahrgenommen bis im November 1945, als Gillespie und Parker endlich gemeinsam ins Aufnahmestudio gehen können. Mit der Herausgabe des „Koko“ fängt die neue Musik mit der Bezeichnung Bebop an, sich zu verbreiten und ändert den Kurs des Jazz für immer.
In ganz Schwarz-Afrika gilt heutzutage das Saiteinstrument, die Gitarre, als "Königin" aller Musikinstrumente. Ganz egal, ob in der Form der einfachen, selbstgebastelten Akustik-Klampfe irgend eines Amateurmusikers oder in der häufig elektrisch verstärkten Version eines professionellen Instrumentalisten. In unserem fünften und letzten Exkurs in die Musikszenen Afrikas widmen wir uns einigen dieser grossartigen Künstlern, beispielsweise Syran Mbenza (Kongo), Toto Guillaume (Kamerun), Claude Teta (Madagaskar), Modibo "le gaucher"Diabat (Mali), wie auch anderen Gitarrenvirtuosen.
Mit Fug und Recht darf man behaupten, dass Henri Chaix einer der besten Pianisten in der Schweiz war während etwa 5 Jahrzehnten und auch international zu den Grössen dieses Instruments zählte. Er war in Genf geboren und lebte zeitlebens in dieser Stadt, hatte aber einen französischen Pass, weshalb man ihn nicht als Schweizer Pianisten bezeichnen kann. Henri Chaix war nicht nur Pianist, sondern auch Arrangeur, Komponist, Bandleader und Bandbegleiter, aber auch Begleiter von grossen Solisten wie Buck Clayton, Rex Stewart, Ben Webster, Albert Nicholas und vielen, vielen mehr, welche immer wieder gerne mit Chaix zusammenarbeiteten. Henri Chaix war aber nicht nur Musiker, er hatte auch handwerkliches Geschick und baute sich sein eigenes kleines Flugzeug selbst, welches er dann auch mit Begeisterung flog. Der Referent versucht das musikalische Erbe dieses grossen Musikers an diesem Abend dem Publikum vorzustellen.
Ella Fitzgerald wurde 1935 bei einem Amateur-Wettbewerb im Apollo- Theater entdeckt und auf Empfehlung von Benny Carter von Chick Webb engagiert. Bald wurde sie so populär, dass sie nach dem Tod von Chick Webb dessen Orchester übernehmen konnte. Ab 1946 begann die langjährige enge Zusammenarbeit mit dem Manager Normann Granz, der Ella Fitzergarald auf unzählige Tourneen in den unterschiedlichsten Konstellationen präsentierte. Dank ihres grossen Stimmumfangs gilt sie als bedeutendste Jazz-Sängerin. In den 40er Jahren wandte sie sich dem Scat-Gesang des Bebops zu und wurde in den 50 Jahren zur grossen Interpretin der Songs der amerikanischen Showbusiness, ohne den echten Jazz dabei zu vernachlässigen. Wir werden von der Vielfältigkeit ihres Könnens einiges zu hören bekommen.
Es begann damit, dass ich die damals immer am Radio gespielten deutschen Schlager hasste, jedoch die französischen Chansons sehr gut ertrug. Das ist bis heute so. Allmählich gab es Tipps von Mitschülern, mal in die "Voice of America" oder AFN, den amerikanischen Soldatensender, hineinzuhören. Ja, das waren dann ganz andere Klänge. In der Zeit bei der Kanti in Zug sassen einige von uns oft zusammen und hörten solche Musik. Später in meiner Genfer Zeit hatte ein Kollege einen ganzen Stapel Schellacks von Jelly Roll Morton, den ich zu lieben lernte. Den Weg zum modernen Jazz fand ich dank Studenten, die ich für den Sommereinsatz bei meiner Arbeitgeberin zu instruieren hatte und die mir Platten (u.a. Olé von John Coltrane) ausliehen. So weiteten sich meine Vorlieben aus, noch verstärkt dank eines nigerianischen Orchesters in der Drittklassbar des Schiffes, mit dem ich von Togo nach Marseille fahren durfte. Da vermischten sich afrikanische Klänge mit modernem Jazz. So gibt es heute Abend neben amerikanischem Jazz auch das eine oder andere aus Afrika.
Trotz der Verschlimmerung des Kalten Krieges und der zunehmenden Bedrohung einer nuklearen Vernichtung, erreicht Amerika eine Stufe des Wachstums und des Wohlstandes, nicht vorhersehbar nur ein paar Jahre früher. Der musikalische Geschmack der Nation wechselt ebenfalls, als junge Leute sich sentimentalen Sängern und dem Rhythm & Blues zuwenden. Eine nach der anderen verlassen die Big Bands die Bühne, aber Duke Ellington hält stur seine Band zusammen, während Louis Armstrong eine kleine Gruppe, die „All Stars“, besammelt und seine Berühmtheit auf dem ganzen Globus ausweitet. Veranstalter Norman Granz macht einen Erfolg aus seinen „Jazz At The Philharmonic“-Tourneen, in dem er die gleiche Behandlung für alle Mitglieder seiner integrierten Truppe verlangt. In der Zwischenzeit schaffen die Bebop Musiker Dizzy Gillespie und Charlie Parker etwas vom Spannendsten und Erfindungsreichsten Jazz, was je gespielt wurde, aber das Publikum wendet sich von dieser fordernden Musik ab. Eine verheerende Narkotika-Plage fegt durch die Jazz Gemeinschaft, zerstört Leben und ändert die Dynamik der Aufführungen. Charlie Parker überwindet seine eigene Sucht nie und geht mit knapp 35 zu Grunde. Eine Anzahl begabter Musiker – einschliesslich Miles Davis, Dave Brubeck, Gerry Mulligan und John Lewis – finden neue Wege, um die Zuhörer zum Jazz zurück zu bringen.
In unserer Portrait-Reihe spricht Fernand Schlumpf einmal nicht als hochgeschätzter Referent im JCZ, sondern wird in der Person als Jazzmusiker sowie als Mitinitiant und langjähriger Leiter des JazzOrama in Uster von Martin Stump befragt. In lockerem Gespräch werden wir allerhand Geschichten um seine Jazzmusik erfahren. Selbstverständlich hören wir auch eine Menge Musik ab unterschiedlichen Tonträgern, Aufnahmen von mehreren Bands mit Fernand Schlumpf als versierten und vielseitigen Schlagzeuger, diesmal persönlich kommentiert und bestimmt gespickt mit der einen oder anderen Anekdote.
Meine Swing-Geschichte beginnt mit Betty Boop, einer Cartoon-Figur aus den Max-Fleischer-Cartoon, Mit kurzem Rock, Strumpfband und lockigem Bob verkörpert sie das Flapper-Girl der Roaring Twenties. Die Fleischer-Brüder begannen in den frühen zwanziger Jahren bereits Musik in ihre Cartoons einzubeziehen. Minnie the Moocher ist eines der Paradebeispiele, zu dem Jazzgröße Cab Calloway das Titellied liefert. Die Fleischers halfen durch solche Adaptionen besonders dem Jazz zu seinem bahnbrechenden Erfolg. Der Siegeszug des Swing wird fortgesetzt durch den Einsatz des Rundfunks, zunächst in den USA und dann schnell in Europa. . Die Swingjugend begüsste sich 1940 untereinander mit „Swing heil!“ statt mit „Sieg Heil!“. Die folgenden Repressionen reichten vom Abschneiden der langen Haare über Schutzhaft und Schulverweise bis zur Verhaftung angeblicher Rädelsführer und deren Deportation in Konzentrationslager. 1943 wurde die Schallplattenproduktion in Deutschland eingestellt. Jazz galt als „Entartete Kunst“ Ich werde alte Tonträger mit Filmen und Fotos aus der Zeit präsentieren mit viel Swing.
Wäre Benny Goodman auch ohne Fletcher Henderson zum „King of Swing“ geworden? Es war Henderson, der die Grundform der Big Band schuf: mehrstimmige Bläsersätze plus eine Rhythmusgruppe. Das Orchester, das Henderson in den Jahren ab 1923 leitete, war seiner Zeit weit voraus, aber es spielte vor kleinem Publikum, und seine Schallplatten wurden nur in geringen Stückzahlen verkauft. Andere schwarze Bands pflegten eine „wilde Dschungelmusik“, Henderson beharrte auf sorgfältig gestimmten Instrumenten und einer sauberen Interpretation seiner Scores – er war wahrscheinlich der erste Bigband Leader, der eigene Arrangements schrieb. Henderson beschäftigte nur die besten Musiker seiner Zeit. Um nur einige zu nennen: Louis Armstrong und Coleman Hawkins, Buster Bailey, Rex Stewart, Fats Waller und Benny Carter spielten in seinen Bands, und ein Gitarrist namens Clarence Holiday. Fletcher Henderson war ein freundlicher, umgänglicher Mensch und ein miserabler Geschäftsmann. Er verlor den ständigen Job im Roseland Ballroom und musste seine Band auflösen. Zehn Jahre nach den Auftritten Hendersons feierten Benny Goodman und seine Bigband mit dessen Arrangements Triumphe und verkauften Unmengen von Schallplatten. Die Unisono-Riffs hinter den Solisten, die harmonisierten Solochorusse und die Call and Response-Muster zwischen Blech und Saxes wurden von allen (allen!) Swingorchestern kopiert. Keine Frage, der Mann, der das alles erfunden hatte, war zutiefst frustriert.