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Der Holzbalken im Gallenkircher
Wappen deutet auf die Legende hin, wonach ein Bär dem heiligen
Gallus das Holz für seine Einsiedelei herbeigeschleppt habe.
Auch wenn Gallenkirch nur eine der kleinsten Gemeinden des Kantons
Aargau ist ihr Gebiet misst 139 Hektaren und ihre Einwohnerzahl beträgt
98 Personen - so hat das Dörfchen doch seine Geschichte, die
weiter in die Vergangenheit reicht als die Geschichte vieler
Grossgemeinden.
Die erste Bezeugung von Gallenkirch bringt die Urkunde des
Klosters Säckingen vom 28. Januar 1338. Das Dokument ist stark
vergilbt und beschädigt und liegt im Generallandesarchiv
Karlsruhe. Gallenkirch scheint aber einen anderen Ortsnamen abgelöst
zu haben, nämlich Tentlikon, ein Wort, das zweifellos einen
alten Siedlungsnamen verrät, der spätestens dem
beginnenden 7. Jahrhundert zugehört.
Mehrere Dokumente bezeugen diese frühere Bezeichnung. Vor
allem wird der Name in der Brugger Urkunde vom 23. Mai 1379 erwähnt.
Weitere Male erscheint der alte Siedlungsname in einem Säckkinger
Urban aus dem 15. Jahrhundert, im Jahrzehntbuch von Brugg und in
einem Brugger Zinsbuch von 1505. Nach der Mitte des 8. Jahrhunderts
werden der Weiler wie auch Hornussen und andere Gebiete durch die fränkischen
Fürsten dem Frauenkloster Säckingen zugeteilt. Die wenigen
Bewohner gingen nach Frick zur Kirche. Doch siehe da, gegen Ende des
10. Jahrhunderts erbauten die Nonnen in Tentlikon ein
Pfarrkirchlein, das von Säckingen her durch die Priester
seelsorgerisch betreut wurde.
Zum Patron wählten die frommen Frauen den heiligen Gallus,
der im Jahre 612 mit Kolumban die Route über den Bözberg
genommen hatte, als er an den oberen Zürichsee zog. Das
Kirchlein hatte nur kleine Ausmasse, vielleicht vier bis fünf
Meter Breite und sieben bis acht Meter Länge, sicher nicht grösser
als das Verenakirchlein in Herznach an der Hauptstrasse. Das
Kirchlein von Gallenkirch befand sich mitten im Dorf, wohl unweit
des heutigen Gallushofes. Indes dauerte die Pfarrherrlichkeit nur an
die hundert Jahre. Das Kirchlein wurde zu einer Art Kapelle und die
Bewohner nach Hornussen, in den Oberhof, kirchengenössig. Nur
eines blieb: Der Name Gallenkirch.
Immerhin, bis zur Glaubensspaltung, die den Bewohnern den
reformierten Glauben brachte, blieb auch die Kapelle in Gebrauch.
Sie war eine Stätte stillen Gebetes. Nur am Gallustag, am 16.
Juli, feierte man in Gallenkirch in vollen Zügen das Fest des
Patrons von Kirche und Dorf. Auch die Gläubigen der umliegenden
Dörfer fanden sich ein. Dann aber begann die neue Zeit, und das
Kirchlein wurde seines kirchlichen Aussehens entkleidet und zu einem
Wohnhaus umgestaltet. Heute besuchen die reformierten Kirchgänger
die Kirche in Unterbözberg, Kirchbözberg und die
katholischen Kirchgänger die Kirche in Zeihen.
Heute zeugen nur noch die Flurnamen ((Rebem) oder «Rebenacher»
davon, dass in Gallenkirch einst Rebbau betrieben wurde. So besass
eigentlich jeder Bauer noch ein paar Aren Rebland, wo meistens
«Weisser» (Riesling) angepflanzt wurde.
Ab 1945, mit der Regulierung des Kulturlandes, verschwand aber
der Rebbau vollends. Mit der 1945 beschlossenen Regulierung des
Kulturlandes konnten die Bauern, die vor der Güterzusammenlegung
kleine und kleinste Flächen zu bewirtschaften hatten, so
rationellere Landwirtschaft betreiben. Mit der modernen
Landwirtschaft verschwand jedoch auch das althergebrachte Bewässerungssystem
der «Wässermatten». Ein solches gab es nämlich
in der Spyrmatte. Die Zuteilung des Wassers für die einzelnen
Grundstücke wurde in einem Kehrbrief geregelt. Der Verteiler für
die Bewässerungsanlage befand sich beim alten Schulhäuschen.
Foto: Frey, Frick Die erste Wasserversorgung in Gallenkirch entstand
in Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Linn (1910). Mit dem
Anschluss der Gemeinde Unterbözberg (1921) wurde eine
Erweiterung der Wasserversorgung nötig. Es folgten Neufassungen
im Läumli. Elektrischer Strom wurde erstmals 1918 in die
Haushaltungen geleitet.
Auch 1918 wurde die Gesamtschule gegen hartnäckigen
Widerstand aus der Bevölkerung geschlossen. Die sechs
verbliebenen Schüler transportierten am 1. Mai ihre Bänke
mit Handwagen nach Linn. Noch heute besuchen die Primarschüler
von Gallenkirch die Gesamtschule in Linn. Auf ihrem Schulweg über
die Felder erleben die Kinder die Natur auf ganz besondere Weise.
Die älteren Kinder besuchen die Schule in Unterbözberg
oder Brugg.
Aus dem Gallenkircher Steinbruch stammte das Kies, das man jährlich,
meistens gegen Herbst, auf die Bözbergstrasse führte. Die
mit Eisenreifen versehenen Fuhrwerke walzten dann die von Hand
geklopften Steine fest zusammen. Diese Art des Strassenbaues kam
einer heutigen Teerung gleich. Die Fuhrwerke, aus dem Fricktal
kommend, benötigten ab Effingen einen Vorspann (Pferde, Stiere)
bis Langenbuen oder dann bis hinauf zur Passhöhe. Die
Fuhrhalterei brachte manchem Bauern eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit.
Heute sind nur noch wenige Bauernbetriebe im Dorf. Die meisten
Einwohner arbeiten auswärts. Das letzte Strohdach verschwand
1930 aus dem Dorf. Die Gemeinde liegt abseits vom grossen Verkehr
und hatte nie Lust oder Gelegenheit, sich in irgendeiner Weise
hervorzutun. Die Einwohnerzahl nimmt eher wieder etwas zu (1900 - 92
Einwohner, 1920 - 78 Einwohner, 1950 - 79 Einwohner, 1970 - 65
Einwohner, 1990 - 98 Einwohner), obwohl im Dorf weder eine
Wirtschaft noch ein Laden, weder eine Kirche noch ein Schulhaus zu
finden ist. Die Sonne und die gute Luft der vielen Wälder
ringsum prägen einen gesunden Menschenschlag, der nicht viel
von sich reden macht, aber doch fortschrittlich denkt und handelt.
In der Gemeinde gibt es
keine ansässigen Vereinsmitglieder