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In der Schweiz gibt es vier Bürgschaftsgenossenschaften, die leistungs- und entwicklungsfähigen KMU dabei helfen, einen Bankkredit zu erhalten. Die auf diese Weise unterstützten Projekte reichen von der Übernahme eines Unternehmens durch einen der Beschäftigten bis zum Kauf eines neuen Gebäudes.
"Wir werden aktiv, wenn die Banken einem Unternehmer sagen: Ihr Projekt ist langfristig tragfähig, aber uns fehlen einige finanzielle Garantien", erklärt Christian Wenger, Direktor von Cautionnement romand (Bürgschaft Westschweiz). Seine Organisation ist eine der vier in der Schweiz bestehenden Bürgschaftsgenossenschaften, neben BG Mitte, BG Ost/CF Sud und BG SAFFA*. Im Jahr 2015 gewährten diese Einrichtungen 423 KMU Bürgschaften für Bankkredite in Höhe von insgesamt CHF 81 Millionen.
Eine dieser durch eine Bürgschaft unterstützten Firmen ist Bacch in Vernier (GE). Das Unternehmen mit sechs Beschäftigten ist im Ausbaugewerbe tätig, vor allem in den Bereichen Schreinerei und Küchenbau. Um neue Märkte zu erschliessen, brauchte es Geld für den Bau eines Showrooms. "So ein Raum ist wichtig für die privaten Käufer, die die Ware sehen und anfassen möchten, aber auch für Bauunternehmen im Rahmen von Submissionen", analysiert Geschäftsführer Florian Faure. Mit dem Bau dieses Verkaufsraums will das KMU seine Beschäftigtenzahl erhöhen und seinen Umsatz steigern.
Im September 2015 wandte sich der junge Unternehmer also an eine Bank, um einen Kredit für den Showroom zu erhalten. "Die Bank erteilte mir eine grundsätzliche Zusage", berichtet Florian Faure. "Mein Businessplan und mein Liquiditätsplan über drei Jahre waren überzeugend. Allerdings benötigte ich eine Bürgschaft, um meinen Kredit zu erhalten." Grünes Licht von Cautionnement romand bekam er schliesslich im Februar 2016 und im März gewährte die Bank den Kredit.
Voraussetzungen für eine Bürgschaft
Ähnlich wie bei der Investition der Firma Bacch werden nur langfristig tragfähige und kohärente Projekte von den Schweizer Bürgschaftsgenossenschaften geprüft. Ausserdem dürfen sie keine weiteren staatlichen Subventionen erhalten und der Betrag des verbürgten Bankkredits darf nicht über CHF 500'000 liegen. Mit Ausnahme des Landwirtschaftssektors kommen alle Branchen in Frage. "In der Westschweiz waren zum Beispiel die 2015 vertretenen Branchen der Reihe nach das Verarbeitende Gewerbe, der Handel, das Gastgewerbe, das Baugewerbe, die Informations- und Kommunikationsbranche usw.", zählt Christian Wenger auf.
KMU in ganz unterschiedlichen Entwicklungsstadien und mit verschiedenen Bedürfnissen können eine Bankgarantie beantragen. Die 2015 in der Schweiz gewährten Bürgschaften dienten folgenden Zwecken: Erhalt von Betriebskapital (34% der Fälle), Übernahme eines bestehenden Unternehmens (22%), Immobilienkäufe (20%), Firmengründung (15%) und Investition (9%).
Welche Kriterien legen die Ausschüsse der Bürgschaftsgenossenschaften bei der Prüfung der Gesuche zu Grunde? "Unsere Analyse verläuft ähnlich wie diejenige einer Bank; wir achten auf die Rentabilität des Unternehmens, die Fähigkeit, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen, sowie auf die unternehmerischen Fähigkeiten der Geschäftsführung", erläutert Christian Wenger. "Wir berücksichtigen aber auch Kriterien wie den Erhalt von Know-how und Arbeitsplätzen. So haben wir für Investitionen des Waadtländer Spieluhrfabrikanten Reuge gebürgt, dessen Know-how in der ganzen Welt anerkannt ist."
Kosten für eine Bürgschaft
Wird das Gesuch bewilligt, gibt es den Kredit nicht umsonst. Da die Bank das Kreditrisiko nicht mehr selbst trägt, liegen die angebotenen Zinsen in der Regel unter denjenigen für einen Bankkredit ohne Garantie. Hinzu kommt eine jährliche Risikoprämie von 1,25%, die das KMU zu tragen hat. Das Hauptziel besteht jedoch nicht darin, den KMU möglichst tiefe Zinssätze zu verschaffen, sondern Unternehmen, die keinen Bankkredit erhalten, den Zugang zum Kapitalmarkt zu erleichtern.
Grundsätzlich bürgen die Bürgschaftsorganisationen nur für Kredite, die über eine Laufzeit von höchstens zehn Jahren abgezahlt werden, wie Christian Wenger berichtet, der die Bürgschaftsgenossenschaft Cautionnement romand leitet. "Und wenn es das Unternehmen nicht schafft, die Rückzahlung fristgemäss zu leisten – was selten vorkommt, die Kommission irrt sich nur in 5 von 100 Fällen –, dann verlängern wir den Kredit."
* Die 4 Bürgschaftsgenossenschaften:
- BG Mitte oder CC Centre: zuständig für KMU in den Kantonen BE, JU, SO, BS, BL, LU, OW, NW.
- BG Ost / CF Sud: zuständig für KMU in den Kantonen SG, AG, AI, AR, GL, GR, SH, SZ, TI, TG, UR, ZG, ZH.
- Cautionnement romand: zuständig für KMU in den Kantonen GE, VD, NE, FR, VS.
- BG SAFFA: für unternehmerische Projekte von Frauen in der gesamten Schweiz
Informationen
Zum Thema
Die Rolle des SECO
Der Bund hat das SECO damit beauftragt, das Vorgehen der Bürgschaftsgenossenschaften in der Schweiz zu vereinheitlichen. Seit 2007 wurde ihre Zahl daher auf vier Organisationen reduziert, die den KMU schweizweit dieselben Dienste anbieten. Erläuterungen des Ökonomen Samuel Turcati, der beim SECO für dieses Thema zuständig ist.
Welche Rolle spielt der Bund im Bürgschaftswesen?
Samuel Turcati: Das SECO übernimmt im Auftrag des Bundesrates die Rolle der Steuerung und Aufsicht der Bürgschaftsorganisationen in der Schweiz. Es schliesst mit diesen einen Leistungsvertrag über jeweils vier Jahre ab. Die Arbeit der Genossenschaften wird dann regelmässig evaluiert und dem Parlament Bericht erstattet. Zudem agiert das SECO als Geldgeber. Es trägt mit CHF 3 Millionen pro Jahr zur Deckung der Verwaltungskosten der Genossenschaften bei und finanziert 65% der Rückzahlungen von Krediten, die nicht von den Unternehmen geleistet wurden (der Rest wird von den Bürgschaftsgenossenschaften geleistet).
Warum ist es sinnvoll, dass der Staat in diesem Bereich eingreift?
Es handelt sich um ein Nischeninstrument, das für KMU gedacht ist, die Probleme bei der Bewilligung eines Kredites haben. Der Nutzen für die KMU und das Wirtschaftsgeflecht der Schweiz liegt auf der Hand. KMU können auf diese Weise Kredite erhalten, die ihnen die Banken sonst nicht gewährt hätten. So werden die Gründung und die Nachfolge von Unternehmen erleichtert oder den KMU wird ein Wachstum ermöglicht. Das System ist in erster Linie ein Fördermechanismus zugunsten von KMU und besonders stark in den ländlichen Gebieten vertreten. Ende 2015 profitierten 1700 Unternehmen von einer Bürgschaft. Diese Unternehmen stellen mehr als 22'000 Arbeitsplätze und bilden rund 1800 Lehrlinge aus. Das Bürgschaftssystem zugunsten von KMU leistet also auch einen Beitrag zur Berufsbildung.
Wird das geltende Gesetz über das Bürgschaftswesen geändert?
Kürzlich hat das Parlament eine Motion angenommen, die eine Erhöhung der Obergrenze für verbürgte Kredite von CHF 500'000 auf 1 Million vorsieht. Die Befürworter dieser Änderung wollen damit insbesondere die Übernahme von KMU erleichtern, bei der sehr hohe Kosten entstehen können. Die Bundesverwaltung hat mit der Ausarbeitung eines entsprechenden neuen Gesetzes und einer neuen Verordnung begonnen.
Letzte Änderung 07.09.2016