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|Inhalt||SUPREMATISMUS|
|Russland||Auch Russland macht die europäische entwicklung vor dem 1.weltkrieg mit. Kasimir Malewitsch (1878-1935) malt zuerst impressionistisch, übernimmt die postulate von Cèzanne, später die der fauves, bis die ganze russische avantgarde unter den einfluss von kubismus und futurismus gerät und darauf basierend eigene ausdrucksformen entwickelt. Er malt 1913 sein schwarzes quadrat auf weissem grund, das er erst 1915 in einer gruppenausstellung erstmals ausstellt und gleichzeitig das "suprematistische manifest" veröffentlicht. Er bezeichnet das bild als "null-form", als die "nackte ungerahmte ikone meiner zeit".|
|L'art pour l'art||Er gerät vor allem mit Tatlin, einem mitausstellenden kollegen in schweren streit über die ausrichtung der kunst in der gesellschaft, ein spannendes thema im vorrevolutionären russland. Tatlin ist der meinung, die kunst habe sich nützlich zu machen, Malewitsch hingegen meint:

"Die neue kunst hat den grundsatz in den vordergrund gestellt, dass kunst nur sich selbst zum inhalt haben kann. So finden wir in ihr nicht die idee von irgend etwas, sondern nur die idee von der kunst selbst, von ihrem selbstinhalt. Die ureigene idee der kunst ist die gegenstandslosigkeit".
|Stalinismus||Er malt "Weltraumbilder", wo formen frei im raum zu schweben scheinen und die serie der bilder "Weiss auf Weiss". Ab 1919 unterrichtet er. 1927 reist er ein letztes mal nach Deutschland und fällt, wie alle andern fortschrittlichen kräfte in ungnade, da Stalin "realistische" kunst diktiert.

Malewitsch soll in seinen letzten jahren wieder gegenständlich gemalt haben!
|Suprematismus||Was verstand Malewitsch unter suprematismus?

" Der kubismus zerstörte die idee des gegenstandes. Indem er malerei konstruierte, schuf er ein neues malerisches bewusstsein. In ihm erschienen bereits die ersten anzeichen gegenstandsloser malerei. Der kubismus eröffnete der ganzen welt die türen zur unabhängigkeit, zur befreiung vom regime der allgemeinheit. In ihm offenbarte sich tatsächlich das wesen der malerei." - "Der wesensinhalt des suprematismus ist die ganzheit gegenstandsloser, naturbedingter erregungen ohne ziel und ohne zweckbestimmung". - " Die natur ist unsere lehrmeisterin, aber eine lehrmeisterin, deren lehren, experimente und erfahrungen nicht ohne weiteres von den schülern verstanden werden... In ihrer lehre ist lediglich die gegenstandslosigkeit, es ist anzunehmen, dass in dieser gegenstandslosigkeit das wirkliche leben zu finden ist".
Malewitsch nennt die absolute ziel- und gegenstandslosigkeit der kunst das "befreite nichts". Was den künstler bestimme, sei "die suprematie (Überlegenheit, vorherrschaft) der reinen empfindung".
|Philosophie?||Die zumeist von einem leidenschaftlichen schwung vorgetragenen äusserungen Malewitschs weisen über die kunst im eigentlichen sinne hinaus. Stammelnd sucht er einem neuen weltgefühl ausdruck zu verleihen, einem schweigenden nichts, das jenseits alles erfahrbaren liegt. Man ist geneigt zu sagen, Malewitsch stosse mit seiner vision in religionsphilosophische bereiche vor. War schon für einzelne der grossen mystiker gott ein nichts, so verkündete der philosoph Hegel: "Das reine sein und das reine nichts sind dasselbe".|
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