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Stahlstich, anonym, 1860.
Thurgauer Jahrbuch 1975, S. 13
Um 1250 war der Konstanzer Bischof Eberhard II. auch Stadtherr über Konstanz. Mit deren Bürgern lag er aber in Streit, weil sie nach mehr Autonomie strebten.
So plante der Bischof ein nahes Städtchen als "Konkurrenz" zu Konstanz, über das er den Handelsverkehr umleiten und durch diesen wirtschaftlichen Druck die Konstanzer Bürgerschaft in die Knie zwingen wollte: Gottlieben lag dazu strategisch ideal. Ab 1251 wurde es denn auch so erbaut,
Jahrhundertelang war Gottlieben vor allem ein Fischer- (und später auch ein Händler)dorf.
Wie viele tausend Felchen es dabei dem Bischof als Zinsen abliefern musste, lesen Sie hier:
Schriften des Vereins für die Geschichte des Bodensees, 1910, S. 116
Schloss Gottlieben, Lithographie von Johann Friedrich Wagner 1840
Ansichten von Burgen, Ruinen und Schlössern der Schweiz, Bern 1844
1678 verlieh der eidgenössische Landvogt Gottlieben die Marktgerechtigkeit, und so entwickelte sich das Dorf zu einem bedeutenden Warenumschlag- und Stapelplatz (mit einem Gredhaus beim heutigen Waaghaus, aber auch mit den prächtigen Handelshäusern am Dorfplatz).
Der Einmarsch der Franzosen 1798 beendete die bischöfliche Herrschaft von Gottlieben, doch die neue Verfassung machte die kleine, aber bedeutsame Ortschaft zum Hauptort eines der acht thurgauischen Distrikte.
Ausschnitt aus einem Aquarell von Johann Jakob Wetzel;
um 1830
Als sich der Warenverkehr im 19. Jahrhundert zunehmend vom Wasser auf die Strasse und die Schiene verlagerte, begann der wirtschaftliche Niedergang, dem auch bald der politische folgte: 1874 verlor Gottlieben seine Stellung als Bezirkshauptort ans aufstrebende Kreuzlingen.
1251 liess Bischof Eberhard II. wie erwähnt die Burg Gottlieben als wehrhafte und eindrückliche Doppelturmanlage bauen. Sie war dem Bischof sicherer Sitz vor den Toren der
Stadt und entwickelte sich zu einer seiner beliebtesten Nebenresidenzen.
Besuchen Sie in Konstanz den Hussenstein, wo die beiden Vorreformatoren Jan Hus und Hieronymus von Prag am Konzil von Konstanz nach der Einkerkerung im Westturm den Flammentod sterben mussten.
Dieser Hussenstein befindet sich hier:
Beim nebenstehenden Stadtrundgang kommen Sie auch beim Hussenmuseum vorbei.
1836 erwarb Jérôme Bonaparte, ehemaliger König von Westfalen und jüngster Bruder von Napoleon I, das Schloss Gottlieben im Hinblick auf eine mögliche Heirat seiner Tochter Mathilde mit Prinz Louis Napoleon.
Doch die Liebe und eigensinnige junge Herren gehen zuweilen nicht die vorgezeichneten Wege...
1950 kaufte die berühmte Opernsängerin Lisa Della Casa das Schloss und füllte es mit Antiquitäten aus ihren Welttourneen. Allerdings riegelte sie (und seit ihrem Tod 2012 ihre Erben) das Schloss hermetisch gegen jeglichen Besuch ab; selbst renommierten Historikern oder der Denkmalpflege bleiben jeglicher Eintritt verwehrt.
Bei aller Bewunderung für einen virtuosen Koloratursopran: das Schloss braucht wieder einmal einen rechten Frühlingsputz.
Infotafel 1. Teil
Infotafel 2. Teil
Begeben Sie sich auf diesen geschichtlichen Rundgang durch Gottlieben, den Esther Bächer zusammengestellt hat.
Zu jedem der sieben Standorte finden Sie auf dieser Zusammenstellung interessante Hintergrundinformationen.
Ich verweise nicht zum erstenmal auf dieses ausgezeichnete Standardwerk (richtig, es ist das teure, das aber seinen Preis wirklich wert ist):
R. Abegg, P. Erni, A. Raimann: Rund um Kreuzlingen, die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau; GSK Bern; Bestellung hier
Ach ja, wenn wir schon beim Thema Gottlieben sind: suchen Sie noch ein originelles und typisches Geschenk, Dankeschön oder Mitbringsel (anstelle der phantasielosen "Merci-Schoggistängeli")?
Dann nehmen Sie beim nächsten Besuch die Gottlieber Delikatesse mit: die Gottlieber Hüppen, geschichtsbewusst verpackt in der Gottlieben- oder Arenenberg-Geschenk-Schmuckdose!
Schon klar, die edlen Arenenberger- oder Bonaparte-Weichkäse von Strähl Siegershausen passen nicht wirklich dazu. Schenken Sie diese erst beim übernächsten Mal, zusammen mit einer Flasche weissem Arenenberger. Das passt.