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Zur Geschichte der Corvette
Anfang der 1950' er-Jahre waren europäische Sportwagen in den USA sehr populär, was zur Entwicklung eines nationalen Sportwagens für die neu gebauten Interstate-Highways führte. Während General-Motors-Chefdesigner Harley Earl im September 1951 ein Sportwagenrennen in Watkins Glen im Bundesstaat New York besuchte, kam ihm die Idee zum Bau eines solchen Fahrzeugs. Es war ein Jaguar, der ihn zur Entwicklung der Corvette inspirierte: Der futuristisch gezeichnete Sportwagen Jaguar XK 120 mit Aluminiumkarosserie sorgte auf Anhieb für Furore und begeisterte unter anderem auch Hollywood-Filmstars.
Im Jahre 1952 schlug deshalb Harley Earl vor, einen offenen Zweisitzer mit einer Karosserie aus Fiberglas anzubieten. Am 2. Juni 1952 erlaubte der General-Motors-Präsident Harlow Curtice den Bau eines Prototyps; somit war die Entscheidung, einen Sportwagen zu bauen gefallen. Harley Earl stellte deshalb einen Jaguar XK 120 als Inspirationshilfe ins GM-Studio und liess ein erstes zweisitziges Konzeptfahrzeug bauen. Das Projekt lief unter dem Codenamen „Opel“ - 15 Jahre später sollte die Corvette wiederum die Entwicklung des Opel GT initiieren. Chevrolet-Chefingenieur Ed Cole, neben Harley Earl geistiger Vater der Corvette, erhält im Juli 1953 kompetente Verstärkung: Zora Arkus-Duntov, ein damals junger, rennsportbegeisterter Ingenieur kam zu General Motors. Auch Duntov wird später als „Vater der Corvette“ bezeichnet, da er nicht nur am Erfolg der C1 entscheidend beteiligt war.
Die Corvette C1 wurde jedoch erst erfolgreich, als der Chef-Techniker 1957 anordnete (der junger Ingenieur hatte erst zwei Jahre zuvor seine Arbeit bei General Motors begonnen), dass die Corvette einen Small-Block-V8-Motor erhalten soll. Dieser sogenannte Small-Block wird bis heute in jede Corvette eingebaut. Keine der ersten drei Generationen hielt den Ansprüchen der damaligen deutschen Autotester stand. „Schein-Sportwagen“ meinte die Welt am Sonntag in ihrem Test der Corvette C3 vor fast dreissig Jahren, Tester Hans Werner Loose berichtete von „einem Fahrverhalten wie ein Känguru“ auf welliger Fahrbahn und klagte über die schlechte Federung. Erst seit der Corvette C4 ZR-1 und spätestens seit der C5 wird die Corvette auch in Europa als ernstzunehmender Sportwagen angesehen. In der Tat gewann die Corvette in dieser Hinsicht erst mit der fünften Generation deutlich an Boden. Seit deren Erscheinen im Jahr 1997 wurden Erfolge gegen die europäischen Konkurrenten auf der Rennstrecke erzielt: Fünf Siege in der Gruppe GT1 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und der Gewinn der Gruppe GT3 stehen für die Corvette zu Buche. Diese Erfolge im Rennsport trugen ebenfalls zum Erfolg und Beliebtheit bei. Die Corvette gilt aber seit der ersten C1 bis heute zur aktuellen C7 als ein Sportwagen mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Dave Hill, Chef-Ingenieur der Corvette C5 und C6 hatte dazu ein berühmtes Zitat bezüglich der Corvette: „Wir wollen keine Sammlerstücke bauen, wie es andere grosse Marken tun, wir wollen Sportwagen bauen, die sich jeder arbeitende Amerikaner leisten kann.“ – Dave Hill, 25. Mai 2005
Die Corvette verfügt über eine umfangreiche Serienausstattung und viele technische Neuheiten. Seit der Corvette C5 ist beispielsweise auch das Head-Up-Display (HUD) im Cockpit ein bekanntes Feature. Mit diesem lassen sich verschiedene Parameter wie beispielsweise Geschwindigkeit, Drehzahl und Tankanzeige auf die Windschutzscheibe projizieren. Erwähnenswert sind auch die speziellen Reifen mit Notlaufeigenschaften, die ebenfalls seit der C5 zur Grundausstattung gehören. Mit diesen Reifen kann man trotz einer Reifenpanne mit einer verminderten Geschwindigkeit bis zu 300 km weit fahren. Somit wird kein Reserverad mehr benötigt. Ausser in einigen Sondereditionen sind diese Extras seitdem bei jeder Corvette serienmässig vorhanden. Merkmale, die bei den Corvette-Baureihen ständig wiederkehren, sind unter anderem das abnehmbare Targadach beim Coupé, die Kunststoffkarosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff, der V8-Motor mit grossem Hubraum, Fahrwerk mit Quer-Blattfedern und runde Heckleuchten. Bis zum aktuellen Modell galten auch Klappscheinwerfer als typisches Merkmal, diese wurden jedoch durch offene Scheinwerfer mit aggressivem Look ersetzt. Die Corvette orientiert sich nun mehr an europäischem Autodesign, optische Anleihen zu aktuellen Modellen von Ferrari sind durchaus gegeben.
Da in Europa seit 2005 Fahrzeuge der koreanischen Marke Daewoo als Chevrolet verkauft werden, läuft sie seit Einführung der sechsten Modellgeneration nur noch unter dem Markennamen Corvette, um sich als Premiumprodukt deutlich von den Chevrolet-Fahrzeugen abzusetzen. In Europa wurde die Corvette vom europäischen Generalimporteur „Kroymans“ vertrieben. Kroymans ging in Konkurs und musste am 23. März 2009 Insolvenz anmelden.
Mit der Ankündigung des Rückzuges aus Europa von Chevrolet im Jahr 2014 verbleibt nur noch die Corvette in der 7. Generation, die in Zusammenarbeit mit Cadillac wiederum von GM-Europa vertrieben wird.
Goodbye Chevrolet ... aber nicht Corvette !
Auszug Tages Anzeiger,
Das Wetterszenario hätten die Verantwortlichen von Chevrolet nicht besser vorbereiten können: Mit strahlendem Sonnenschein und strömendem Regen spiegelt Petrus an diesem denkwürdigen Abschiedstag die Gemütslage der Leitung der Chevrolet Suisse SA perfekt wider. Ein letztes Mal haben Geschäftsführer Roger Guerdi und PR-Leiter Daniel Schneller Schweizer Journalisten dazu eingeladen, sie auf der endgültigen «Chevrolet-Farewell-Tour» zu begleiten und mit ihnen durch das Herz der Schweiz rund um den Zuger- und Vierwaldstättersee zu fahren.
Zu diesem Zweck reihen sich an diesem Tag historische und neuste Chevrolets der Jahrgänge 1928 bis 2014 in einem Corso aneinander, dem gleichzeitig die Aura einer lustigen Hochzeitsausfahrt und die eines tieftraurigen Beerdigungsumzuges anhaftet. Zum einen erfreuen sich alle Anwesenden an der Tatsache, wenigstens einmal im Leben hinter dem Steuer von Sammlerstücken wie der C1-Corvette von 1961, dem Camaro-Cabriolet von 1968 oder dem offenen Impala von 1959 sitzen zu dürfen und diese bei strahlendem Sonnenschein durch die Seenlandschaft zu kutschieren – Hochgefühle inklusive. Zum anderen macht Roger Guerdi, letzter offizieller Geschäftsführer von Chevrolet in der Schweiz, mit seinen Worten klar, dass dieser Anlass – wie die meisten Adieus – eigentlich ein Grund zur Traurigkeit ist: «Das wars, hiermit verabschieden wir uns vom Schweizer Markt.» «Ein Schlag ins Gesicht» Die Hiobsbotschaft aus dem US-Mutterkonzern General Motors (GM 38.43 1.72%) erhielten Guerdi und seine 25 Angestellten Anfang Dezember 2013: Chevrolet zieht sich definitiv aus dem europäischen Markt zurück.
«Mit diesem Rückzug hatte bei uns niemand gerechnet. Er kam wie ein Schlag ins Gesicht, denn wir verzeichneten zu diesem Zeitpunkt neue Rekordzahlen und waren entsprechend perplex », erinnert sich der abtretende Geschäftsführer. Noch Ende November vermeldete Chevrolet in der Schweiz einen Rekordmarktanteil und gehörte damit zu den drei am stärksten wachsenden Marken in der Schweiz. Nur: Von 2009 bis Ende 2013 sanken die Chevrolet- Absatzzahlen in den wichtigen Märkten Deutschland und Italien kontinuierlich, in ganz Europa insgesamt um 15 Prozent. Deshalb entschied sich die GM-Konzernleitung dazu, in Europa die ebenfalls kriselnde Tochtergesellschaft Opel zu stützen und dafür Chevrolet unzimperlich fallenzulassen. Ein Entscheid, von dem in der Schweiz insbesondere die 117 Chevrolet- Vertretungen und Servicebetriebe mit insgesamt rund 1000 Angestellten betroffen sind, wie GM-Händlerverbandspräsident und Chevrolet-Grosshändler Hubert Waeber anmerkt: «Für viele unserer Garagisten war das ein ‹Riesenchlapf›.
Mit einem Schlag wurde uns mit dem Rückzugsentscheid nicht nur rund ein Viertel des Umsatzes weggenommen, sondern auch viele Investitionen zunichtegemacht.» Der Biss in den sauren Apfel ist für die Vertretungen aber nicht mehr abzuwenden, der Entscheid aus den USA bleibt unumstösslich, wie PR-Leiter Daniel Schneller erklärt: «Bis auf eine Ausnahme erhalten alle ehemaligen Chevrolet-Vertreter sowie unsere Stabsmitarbeitenden bis Ende Jahr ein angemessenes Abfindungspaket. Jeder unserer Mitarbeiter hat bereits eine neue Arbeitsstelle gefunden oder nutzt die Situation und bildet sich Vollzeit weiter.» Froh ist Schneller auch über die Tatsache, dass der Abverkauf der Chevrolet- Lagerfahrzeuge in der Schweiz rascher als geplant über die Bühne ging: «Ende Juni hatten wir keine Neuwagen mehr an Lager.» Und auch die rund 35'000 Chevrolet-Eigner werden in der Schweiz nicht auf Servicedienste für ihre Fahrzeuge verzichten müssen, so Schneller: «102 Schweizer Chevrolet- Stützpunkte bieten ihre Dienste mindestens die nächsten 10 Jahre an.»
Der Kreis schliesst sich Die Menschen am Strassenrand bekommen von all dem nichts mit. Sie drehen sich beim Anblick des gemütlich vorbeicruisenden Chevrolet Impala Sedan mit Baujahr 1962 aus der legendären «Swiss Montage» in Biel (siehe unten) den Daumen freudig nach oben, ohne zu ahnen, dass sich hier gerade sinnbildlich ein Kreis schliesst. Denn die vom Schweizer Louis Chevrolet im Jahr 1911 mitbegründete Chevrolet Motor Car Company war irgendwie auch «unsere» Schweizer Automarke. Viel dazu beigetragen hatten die Jahre 1935 bis 1975, während derer in einem eigens dafür erbauten Montagewerk beim Bahnhof Biel jährlich rund 2000 verschiedenste GM-Modelle montiert und von da aus in ganz Europa verkauft wurden. Nach total 329'864 in Biel gebauten Autos rollte am 15. August 1975 mit einem Opel Rekord Caravan der letzte Wagen mit dem «Swiss Montage»-Zertifikat vom Band – und 450 Mitarbeiter wurden entlassen. «Never give up» Im Gedenken an den heimischen Gründer der Marke und zum Abschluss der «Chevrolet-Farewell-Tour» verabschiedet sich der letzte Schweizer Chevrolet- Geschäftsführer Roger Guerdi mit dem Lebensmotto von Louis Chevrolet: «Never give up!». Zum gleichen Zeitpunkt liess es Petrus wieder regnen. Nicht ein wenig, sondern in Strömen – wie es sich an einem traurigen Tag gehört.
Weitere Infos "
Der Mann, der dem Chevy seinen Namen gab"
Quellen: Wikipedia, Corvette Sportcar Center AG, Urs Etter, GM Europe ,Tagesanzeiger