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Wilfrid Moser brauchte nicht mehr als Pinsel, Spachtel und Ölfarbe, um Bilder von existenzieller Dringlichkeit auf die Leinwand zu bringen. In den 1950er-Jahren gehörte der Zürcher zu den führenden Schweizer Vertretern des Tachismus, einer europäischen Bewegung des abstrakten Expressionismus, die sich der spontanen Formfindung verschrieben hatte.
Schon als Jugendlicher hatte Moser neben dem Violinunterricht am Zürcher Konservatorium zu zeichnen begonnen, inspiriert von Marianne Werefkin, Otto Meyer-Amden und anderen Künstlerfreunden seines Vaters, der deren Werke sammelte. Später studierte Moser zunächst Mathematik, setzte dann sein Violinstudium fort und wurde mit gerade mal 20 Jahren Konzertmeister in der Zürcher Tonhalle. Zeitgleich entstanden erste figurative Gemälde. Mitte der 1930er-Jahre reiste er durch Afrika, kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg gegen Franco und liess sich 1945 schliesslich in Paris nieder. Beeindruckt von der Expressivität der Bilder von Wols, den Moser 1947 kennengelernt hatte, liess er die Figuration hinter sich und entwickelte in den 1950er-Jahren eine abstrakte Bildsprache, die in dynamischen, mit Farbe und Spachtel modellierten Linien- und Gitterstrukturen die Spontaneität des Malaktes mit der Konstruktion des Bildraums verband.
Das Gemälde St. Remy (1958) aus der Sammlung der Mobiliar entstand in dem Jahr, in dem Moser die Schweiz erstmals an der Biennale di Venezia repräsentierte. In abrupten, lebhaften Bewegungen fügt sich die Farbe hier zu struppig ineinander verflochtenen Linienbüscheln, die unentschieden zwischen Figuration und Abstraktion verharren. Ab den 1960er-Jahren arbeitete Moser zunehmend in seinem Tessiner Atelier in Ronco sopra Ascona. Thema seiner Malerei waren auch hier Strukturen, die der Architektur, Botanik oder Geologie entlehnt waren – von den Carrara-Marmorbrüchen seines Frühwerks bis zu den Geröllhalden und Unterholzlandschaften, die er Mitte der 1970er-Jahre in überraschendem Realismus malte, bevor er sich in seinem Spätwerk wieder der gestischen Abstraktion und verstärkt auch der Plastik zuwandte.
Wilfrid Moser, der 1980 zum zweiten Mal an die Venedig-Biennale eingeladen war und 1989 mit dem Kunstpreis der Stadt Zürich geehrt wurde, zählt mit seinem originellen, facettenreichen Werk zu den wichtigen Schweizer Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Wilfrid Moser wurde 1914 in Zürich (CHE) geboren und starb 1997 ebenda.
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Plastik, Assemblage, Collage