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"Eine Reihe von Ergebnissen gibt zu denken"
Fribourg (idea) - Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Lebensende" (NFP 67) wurden in 33 Projekten verschiedene Aspekte des Sterbens in der Schweiz untersucht. Ziel des Programms war es, während der vergangenen fünf Jahre Handlungs- und Orientierungswissen für die letzte Lebensphase zu erarbeiten. Neues Wissen schufen die Forschungsprojekte vor allem in Bezug auf die Versorgungssituation, zu Lebensende-Entscheidungen, über ethische Grundlagen und rechtliche Regulierungen sowie gesellschaftliche Ideale des guten Sterbens.
"Terminale Sedierung"
Die Projekte im Rahmen von NFP 67 zum Lebensende hätten eine ganze Reihe von Ergebnissen gebracht, "die zu denken geben und auch neue Einsichten hervorbrachten". Dies sagt der Leiter des Forschungsprogramms, Markus Zimmermann, in einem Gespräch mit "ideaSpektrum". Konkret nannte Zimmermann die überraschend hohe Häufigkeit der terminalen Sedierung. Damit wird die Dämpfung von Funktionen des zentralen Nervensystems durch ein Beruhigungsmittel bezeichnet, das den Patienten bei hoher Dosierung in einen Tiefschlaf versetzt. Terminal ist die Sedierung, wenn sie bis zum Tod andauern soll und dem Sterbenden keine Nahrung und Flüssigkeit mehr zugeführt wird.
Abgetriebene Kinder überlebten
Im idea-Gespräch weist Markus Zimmermann auf eine weitere wenig bekannte Tatsache hin, und zwar - wie er sagt - "dass relativ viele Kinder eine Spätabtreibung überleben und erst nach ihrer Geburt sterben". Wie im Bericht zu NFP 67 "Lebensende" steht, wurden alle 594 Sterbefälle untersucht, die während dreier Jahre in den neun Schweizer Neonatologiezentren dokumentiert wurden. Nur ein Fünftel dieser Todesfälle ereignete sich auf den Intensivstationen; vier Fünftel der Frühgeborenen starben bereits im Gebärsaal. Von den dort Verstorbenen kamen nahezu zwei Drittel bereits tot zur Welt. Etwa ein Drittel wurde lebend geboren und starb kurz nach der Geburt. Auffällig ist, dass die Geburt bei fast der Hälfte - das sind 79 - dieser Kinder künstlich eingeleitet wurde, nachdem zuvor eine Entscheidung zugunsten eines Schwangerschaftsabbruchs aus medizinischen Gründen getroffen worden war. Die Verfasser der Studie schreiben: "Offensichtlich übersteht ein ansehnlicher Teil der Kinder den so spät - im sechsten Monat - durchgeführten Schwangerschaftsabbruch und wird somit unbeabsichtigt lebend geboren."
Wird nun etwas geändert?
Diese Zahlen waren bisher nicht bekannt. Werden aus den neuen Erkenntnissen über Spätabtreibungen nun Forderungen abgeleitet? "Nicht direkt", so Markus Zimmermann im idea-Interview, "es ging zunächst nur darum, das Sterben von Neugeborenen in der Schweiz erstmals über drei Jahre lang präzis zu erfassen." Allerdings hätten die Ergebnisse Einfluss beispielsweise auf die Neuformulierung der Richtlinien für die Neonatologie. Diese werden zurzeit von der entsprechenden Fachgesellschaft überarbeitet.
Das ausführliche Interview mit Prof. Markus Zimmermann steht in "ideaSpektrum" 5-2018.