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Bangladesch gehört zu den ärmsten Staaten auf dem asiatischen Kontinent: gemäss der von den UN definierten Armutsgrenze leben 24.3 Prozent der Bangladeshi in Armut (13 Prozent in extremer Armut), das entspricht knapp 39 Mio. Menschen (= über viermal die Bevölkerung der Schweiz). 75 Prozent der Bevölkerung lebt auf dem Land, aber die Landflucht ist gross, und die Städte vermögen die armen Zuwanderer nicht aufzunehmen. So enden viele Familien im slumähnlichen Ghettos (bostees). Das ist auch in Mymensingh so, einer Stadt in Zentral-Bangladesch, die offiziell zwar knapp nur 375'000 Einwohnerinnen und Einwohner hat, informell liegt die Zahl wohl aber bei einer halben Million. Die «City Health Survey 2013» hat aufgezeigt, dass jedes 2. Kind in einem bostee unterernährt und im Wachstum gehemmt ist. So bekommen dann auch nur ein Viertel der Kinder genug und regelmässig zu essen. 5 Prozent der Kinder sterben, bevor sie 5 Jahre alt werden. 50 Prozent der Kinder haben keinen Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung. Und MATI, eine deutsch-bengalische Nichtregierungsorganisation, unsere Partnerorganisation, hat in eigener Untersuchung festgestellt, dass die Hälfte der Kinder vor dem 5. Schuljahr aus dem offiziellen Unterricht ausscheiden und praktisch kein Kind das 10. Schuljahr vollendet.
Während die Lebenshaltungskosten in der Stadt höher sind als auf dem Land (Miete, Elektrizität, Essen, Transport), fällt oft auch ein Einkommen der Familie weg: während die Frauen auf dem Land sowohl im Haus als auch auf dem Feld arbeiten, fällt dieser Verdienst in der Stadt weg. So finden denn viele Frauen nur schlecht bezahlte Arbeit, oft in reicheren Haushalten, als Köchin oder Putzfrau, oder sie gehen von Tür zu Tür, um irgendwelche Waren zu verkaufen. Sie arbeiten 7 Tage pro Woche, 9 Stunden pro Tag – und sind unter dauerndem Stress, denn sie haben meist keine Möglichkeit, ihre Kinder (zwischen 1-5 Jahren) gut unterzubringen.
Unter frühkindlicher Erziehung versteht man die Bildung und Förderung, die ein Kind bis zu seinem sechsten Lebensjahr bzw. seinem Schuleintritt geniessen darf. Sie legt den Grundstein für die folgende Bildung und Entwicklung des Kindes und gilt als Schlüsselfaktor für den späteren Lern- und Lebenserfolg. Deshalb ist sie auch besonders wichtig für benachteiligte Kinder. Dank der frühkindlichen Erziehung können Kinder Kontakte mit Gleichaltrigen knüpfen und erste soziale Kompetenzen erwerben. Ausserdem bietet sie Eltern die Möglichkeit, wieder in ihren Beruf zurückzukehren. In der Schweiz findet die frühkindliche Erziehung vor allem in Form von Betreuung in Kinderkrippen, Kindergärten und durch verschiedene Kinderprogramme statt (z.B. Sport, Musik, Tanz, Kunst).
Frühkindliche Bildung rückt in vielen Ländern erst allmählich in den Fokus der Erziehungsministerien. Vielerorts ist sie noch nicht zwingend vorgeschrieben, obwohl man um deren Bedeutung weiss. Caritas Schweiz unterstützt einige Vorschul-Projekte in Krisenländern, in denen sie aktiv ist. Oft sind es Pilot-Aktivitäten, die sich u.a. auf die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen konzentrieren, damit sie auf das konkrete Beobachten, Reflektieren, Üben und Erleben der Kinder achten. Projekterfahrungen zeigen, dass kleine Kinder, die gelernt haben, mit negativem Stress umzugehen oder ein Trauma zu überwinden, sich als kommunikative, sozial aktive Schüler und Schülerinnen auszeichnen und zur Entwicklung ihrer Gesellschaft positiv beitragen können. Wichtig bei diesen Projekten ist, dass sie immer im Kontext der jeweiligen staatlichen Bildungssysteme eingerichtet wurden, um deren Nachhaltigkeit zu gewährleisten.