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Facebook-Post von Radio SRF 3 anlässlich der Begegnung von Juventus und Young Boys beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 2. Oktober 2018 beanstandeten Sie den Facebook-Post von Radio SRF 3 vom gleichen Tag anlässlich der Begegnung von Juventus und Young Boys. Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten. Sie erwarteten, dass ich den Post kurz ansehe und Ihnen meine Meinung dazu sage. Natürlich habe ich die Redaktion gebeten, dazu Stellung zu nehmen. Alles Weitere sehen Sie unten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«Heute Morgen wurde, um ca. 07:20 Uhr, von SRF3 auf Facebook ein Comic gepostet in welchem Priester als Pädophile dargestellt werden. Ich finde es unter aller würde das eine ganze Personengruppe, welche für das Allgemeinwohl so viel gutes tut, als Pädophil bezeichnet wird. Die Tatsache das dies mithilfe eines Comics geschah macht es auch nicht besser...
Ich würde mich sehr freuen wenn sie sich diesen Facebook Post kurz anschauen und mir ihre Meinung dazu mitteilen könnten. Besten Dank.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für Radio SRF 3 äußerte sich dessen publizistischer Leiter, Herr Pascal Scherrer:
«Man kann darüber diskutieren, ob der Urheber des Facebook-Posts, der SRF 3-Zeichner cic., allenfalls einen Zusammenhang insinuiert zwischen Pädophilie und der Personengruppe der Priester. Klar ist, dass cic. den von Herrn X formulierten Zusammenhang (Pädophilie/Priester) nicht expressis verbis herstellt.
Herr X stellt fest, dass cic. seinen Inhalt in Form eines ‘Comics’ darstellt. Gleichzeitig moniert Herr X, dass dieses Faktum aber den Inhalt ‘auch nicht besser’ mache.
Die Aussage von Herrn X macht deutlich, dass er offensichtlich erkennt, dass sich die cic.-Zeichnung in Form und Inhalt unterscheidet von jedem anderen (redaktionell aufbereiteten) Post von SRF 3 in den sozialen Medien. Tatsächlich haben die satirischen Zeichnungen von cic. ein Alleinstellungsmerkmal in der Welt der sozialen Medien von SRF 3. cic. zeichnet seit mehreren Jahren für SRF 3. Seine Zeichnungen haben fast ausnahmslos ein ironisches, satirisches oder parodistisches Motiv. cic. zeichnet oft politisch unkorrekt, stellt (vermeintliche) Gewissheiten in Frage und nimmt nicht nur die Mächtigen aufs Korn, sondern dann und wann sogar Minderheiten. Mitunter aus den genannten Gründen haben die Zeichnungen schon so etwas wie einen eigenen Markencharakter entwickelt. Entsprechend sind sie bekannt als angriffig und unbequem – weit über die SRF 3-Community hinaus.
Unser Fazit
Die vorliegende Art der ironisch-satirischen Zeichnung mit klar erkennbarer Zuspitzung ist meines Erachtens ein zulässiges Mittel der journalistischen Auseinandersetzung – auch in den sozialen Medien.
Ich erkenne an, dass sich der ironisch-satirische Charakter der vorliegenden cic-Zeichnung dem Betrachter – bei erstmaliger und singulärer Betrachtung – unter Umständen erst auf den zweiten Blick erschliesst.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung des Facebook-Posts. Ich finde es genial, dass der Zeichner die sprachliche Übereinstimmung der beiden Clubs sofort erkannt hat: Iuventus (lateinisch) = Jugend, Young Boys (englisch) = junge Knaben. Es begegnen sich also mindestens von den Clubnamen her ganz Junge auf dem Spielfeld, und daher sollten jene, die potenziell pädophil veranlagt sind, ferngehalten werden. Der Satiriker überzeichnet, aber angesichts des immensen Ausmasses des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch katholische Priester (in den USA, in Kanada, in Argentinien, in Brasilien, in Chile, in Peru, in Mexiko, in Honduras, in der Dominikanischen Republik, auf den Philippinen, in Australien, in Neuseeland, in Irland, in Großbritannien, in Portugal, in Spanien, in Frankreich, in Belgien, in Luxemburg, in den Niederlanden, in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz, in Dänemark, im Vatikan, in Italien, in Slowenien, in Kroatien, in Polen und in vielen weiteren Ländern)[1] ist die Übertreibung maßvoll. Die Studie der Deutschen Bischofskonferenz beispielsweise zeigte, dass sich in Deutschland mindestens 1670 Kleriker an mindestens 3677 Minderjährigen sexuell vergangen haben.[2] Die Anspielung lag also auf der Hand. Es werden ja auch nicht konkrete Kleriker genannt und verdächtigt. Aber der katholische Klerus muss damit leben, dass er unter Generalverdacht steht, weil eine Minderheit ihre Grenzen nicht kannte, die Macht über Minderjährige ausnützte und missbrauchte und dadurch den Ruf des Priesterstandes und das Vertrauen in ihn beschädigte. Ich halte daher den Freiraum, den ein Komiker oder ein Satiriker hat, nicht für gesprengt und kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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