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Wirtschaftslexikon
Staatsfonds
Die fast 600 Milliarden Franken Fremdwährungsreserven, welche die Schweizerischen Nationalbank (SNB) auf ihre Bilanz hält, regen die Fantasie vieler Beobachter an. Die Fremdwährungen kaufte die SNB, um den Schweizer Franken zu schwächen und den Euro zu stärken. Mit einem Teil dieser Währungsreserven wollen gewisse Politiker und Fachleute einen Staatsfonds finanzieren und damit «strategische» wichtige Anlagen tätigen. Als Vorbilder werden die Staatsfonds von Norwegen, Singapur oder der Erdöl-Länder im Nahen Osten genannt. Doch ganz so einfach lassen sich die Währungsreserven der SNB nicht in einen Staatsfonds übertragen. Im Gegensatz zu Norwegen, wo die Einnahmen aus der Erdölförderung effektive Gewinne – also Eigenkapital oder Volksvermögen – darstellen, stehen den Währungsreserven auf der Aktivseite der Bilanz der SNB nicht Eigenkapital sondern zu 90 Prozent Verpflichtungen (Sichteinlagen) der Banken gegenüber. Die Währungsreserven sind also nicht durch Eigenkapital, das man an einen Staatsfonds ausschütten könnte, sondern durch Fremdkapital finanziert. Nur wenn die Fremdwährungsreserven echtes Eigenkapital wären, könnte eine Ausschüttung an einen Staatsfonds in Frage kommen. Noch problematischer wird es, wenn gefordert wird, damit Infrastrukturen im Inland zu finanzieren. Denn dafür müssten die Devisenreserven gegen Franken getauscht werden, was den Franken stärken würde.