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Der Multidomain-Ansatz liefert Antworten auf der Suche nach neuen Resilienzformen in einer unsicheren, mehrdeutigen und komplexen Welt. Dieser Ansatz ist umfassend und holistisch zu verstehen, indem Multidomain diverse Bereiche wie Technologie, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft miteinschliesst. Entsprechend darf dieser ursprünglich militärisch geprägte Begriff nicht alleine in einem sicherheitspolitischen Kontext verstanden werden. Multidomain hat in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zunehmend eine strategische Bedeutung.
Die Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität sind natürlich auch in der Geopolitik festzustellen. «Für die militärstrategische Antizipation wird das Denken in vernetzten Operationssphären, die Erweiterung von Kontexten sowie die Verflechtung von Handlungen immer wichtiger; d.h. Akteure und ihre Ziele, Mittel und Verfahren werden immer schwammiger. (…) In dieser Grauzone haben Akteure wie beispielsweise Hacker in ungeahnten vernetzten Räumen sicherheitspolitische Hebelwirkung.»[1] Vermag man also in dieser Szenerie Strategie, Kommunikation und Inhalt im holistischen Sinne stimmig einzubetten (embedded strategy), erlangt man eine Deutungshoheit und entsprechend narrative Macht auf geostrategischer Ebene.[2] So ist es beispielsweise für Aussenstehende schwierig, zwischen Chinas Kooperationsbemühungen und ihren Machtambitionen zu unterscheiden, weil diese Ebenen stark verschränkt sind. Ein neuer Begriff für diese Verflechtung der Sphären und Domänen lässt sich mit Ramifikationen zusammenfassen. Er stammt etwa aus der Botanik und meint die Verzweigung oder Verästelung von Sprosssystemen. Im übertragenen Sinn werden damit die Verflechtungen und feingliedrigen Vernetzungen von Systemen, Domänen und klassischen Sphären gemeint, die irreversibel verbunden bleiben. Bei geopolitischen Ramifikationen streckt sich diese starke Verschränkung umfangreich über Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft, Umweltpolitik, Geschichte, internationales Recht, Kultur, Sprache etc. «Aus dieser Perspektive sind für eine effektive Kontextanalyse Akteure, Handlungen und Ereignisse (vgl. politics) unter unterschiedlichen Zusammenhängen, Bildern und Aktionen zu lesen (vgl. spin). Diese Polyvalenz des Kontextes wird von Akteuren bewusst als Grundrauschen unterhalten, um Opportunitäten zu nutzen und so die Deutungshoheit für sich zu beanspruchen. Durch das Verfolgen und Orten von Opportunitäten sind die Rückkoppelungen auf Informationen, Handlungen und Symbole die logischen Konsequenzen von Spin Politics. In diesem Sinne ist Spin Politics opportunistische Machtpolitik mit geostrategischen Zwischentönen.»[3]
[1] Reginold, Remo (2018): Spin Politics – Machtpolitik anders lesen. Military Power Review der Schweizer Armee, Nr. 2/2018.
[2] Ein Narrativ ist eine sinnstiftende, die Interpretation und Kontextualisierung beeinflussende Erzählung, welche Werte, Emotionen, Konnotationen sowie geschichtliche Bezüge transportiert und damit nachhaltig Legitimität generiert.
[3] Reginold, Remo (2018): Spin Politics – Machtpolitik anders lesen. Military Power Review der Schweizer Armee, Nr. 2/2018.
SIGA arbeitet aktuell an einer umfassenden Studie zum Begriff Multidomain. Die Studie wird im Frühjahr 2021 publiziert.