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Nach dem wir in relativ kurzer Zeit sehr viel gereist sind und auch sehr viel gesehen hatten, haben wir uns dazu entschieden, statt in Panama herum zu reisen für eine Woche auf eine kleine Insel auf San Blas zu gehen. Die San Blas Inseln gehören zwar offiziell zu Panama, werden jedoch von den Kuna Yala Indianern verwaltet. Dies ist auch der Grund, wieso man einen Trip nach San Blas nicht im Internet vorbuchen kann sondern nur vor Ort bei Leuten die Kontakt mit den Kuna Yalas haben. Im Ganzen sind es ca. 360 Inseln welche jedoch nicht alle bewohnt sind. Die Grösse der Inseln variiert etwa zwischen Sandkasten und Fussballplatz. Es gibt einige wenige Inseln in Ufernähe, die grössere Hotels haben, jedoch sehr teuer sind. Dann gibt es Inseln auf denen Communities leben, diese ähneln ein bisschen einem Ghetto. Dies sind auch die einzigen Inseln auf denen es so was wie einen „Supermarkt“ gibt. Auch dort ist es möglich in kleinen B&Bs zu übernachten, jedoch kann man auf keiner dieser Inseln baden, sondern muss dazu einen Ausflug zu einer der anderen Inseln machen. Dann gibt es auch noch Inseln, die keine Palmen haben und unbewohnt sind sowie eine Insel, die Viagra genannt wird, weil sie nur eine Palme in der Mitte hat. Und dann gibt es die absolut traumhaften kleinen Inseln, die meist einer Familie der Kuna Yala Indianern gehören. Das Wasser ist traumhaft türkise und die Inseln bestehen nur aus weissem Sand und Kokospalmen. Als Unterkunft dienen sowohl für die Inselbewohner, als auch für die Touristen kleine Hüttchen aus Ästen und Palmblättern oder es gibt die Möglichkeit ein Zelt aufzuschlagen. In so einem Hüttchen liessen wir uns für 5 Nächte auf der Insel Anzuela nieder. Darin hat es eigentlich nichts ausser einem Sandboden, Geckos, kleinen Krebsen und einem unbequemen Bett auf 4 Pfosten. Leider hatten sie kein Zweierzimmer, so mussten wir unseres mit Henry dem kleinen Krebs teilen. Henry frass sogar ein Loch in Ritas Strandtuch, doch lieber den Strandtuch fressenden Henry, als Pipi-Sam.
Die Kuna Yala machten für uns Frühstück, Mittag- und Abendessen. Das Frühstück bestand meistens aus Brot und Würstchen oder Rührei. Das Mittag- und Abendessen war fast immer Fisch, Reis, Kochbananen und Salat. Ausser am Wochenende, da gab es Chicken, auch bereits zum Frühstück. Das Leben ist eben einfach auf einer solchen Insel. Wir waren froh ein Keramik-Klo zu haben und eine Dusche mit Regenwasser, sonst gab es keine Einrichtungen auf der Insel. Manchmal hatte es kein Wasser im grossen Tank so musste man sich mit einem Eimer duschen. Die Tage auf San Blas waren sehr entspannt und es tat gut kein Internet und keinen Lärm zu haben. Die Insel hatte Platz für ca. 8 Touristen, doch manchmal waren wir sogar alleine mit der Familie. Wir lasen viel, tranken und assen Kokosnüsse direkt von der Palme und konnten direkt vor der Insel schnorcheln. Ein absolutes Paradies. Wir haben von dort aus einen eintägigen Schnorchel-Ausflug zu einer Insel gemacht, welche sehr viele grosse Seesterne beheimatet. Ebenfalls gingen wir auf diesem Ausflug zu einem Pool mitten im Meer. Man muss sich das als Sandbank ca. 1 m unter der Wasseroberfläche vorstellen. Auch dort gab es sehr viele Seesterne, leider hatten wir unsere Kamera vergessen;-). Doch solche Inseln können auch gefährlich sein. Da die Inseln von Kokosnusspalmen übersät sind, besteht eine sehr grosse Gefahr von einer Kokosnuss erschlagen zu werden. Und genau das geschah! Eines Morgens wurde eine Kuna Yala Frau von einer Nuss am Kopf getroffen, worauf sie eine Platzwunde hatte und offensichtlich eine Gehirnerschütterung (Gottseidank nicht schlimmer, sie hatte Glück). Ihr wurden die Haare um die Wunde abgeschnitten und sie legte sich in ein Hüttchen schlafen. Am nächsten Morgen war sie dann wieder topfit und konnte bereits wieder arbeiten (und das ohne irgendwelche Medikamente, unglaublich!). Nach diesem Vorfall entschieden die Inselbewohner sämtliche Kokosnüsse von den Palmen zu holen, worauf wir die Nüsse sammeln konnten und sie uns geöffnet wurden, damit wir sie trinken konnten. So hiess es an dem Tag: „Gratis Kokosnüsse für alle!“. Da wir aber die einzigen Gäste waren, nur für uns.
Teilweise war die Kommunikation mit den Leuten sehr schwierig, da sie ihre eigene Sprache hatten und auch ihr Spanisch für uns nicht so verständlich war. So brauchten wir ca. 3 Tage um ihnen klar zu machen, dass wir am 27. Januar nicht nach Panama City zurück wollen, sondern nach El Porvenir (auch eine Insel, jedoch mit Mini-Flughafen), weil wir da unseren Captain für den Segeltrip nach Kolumbien treffen. Da unsere Erklärungsversuche sie eher verwirrten, zeichneten wir einen Plan. Nachdem sie es begriffen hatten, ging es einige Sekunden und das Boot war organisiert. Von da an wurden täglich an die Abfahrtzeit erinnert. Mit ihrem kleinen Fischerboot brachten sie uns nach El Porvenir. Die Fahrt war abenteuerlich wenn man bedenkt, mit einem kleinen Fischerboot in Mini-Kanu-Format inkl. unserem Gepäck an Board, über das offene Meer (welches zu gegebener Zeit alles andere als ruhig war) zu fahren. Wir waren dann bei Ankunft auch ziemlich nass und bestens vorbereitet auf den Segeltrip. Vor der Nachbarinsel El Porvenir lag dann auch der Katamaran Nacar II mit dem Captain Israel und Hilfssegler Leyro, welche uns herzlich auf dem Segelschiff empfingen.
Noch kurz wie es überhaupt zu diesem Segeltrip kam: Für die meisten wird unsere Reiseroute wahrscheinlich etwas verwirrend und unlogisch gewählt sein. (Für uns übrigens auch) Da wir aber auf unserer Südamerikareise viele Traveller getroffen haben, die von Kolumbien schwärmten, entschieden wir uns, dass auch wir „das schönste Land Südamerikas“ sehen wollen. So verschoben wir alle unsere Flüge um einige Wochen, buchten ein Segelschiff und machten uns auf den Weg nach Kolumbien.
Wir waren 12 Gäste auf dem Schiff (3 Norwegerinnen, 2 Spanierinnen, 1 Paar aus Holland, 1 Weltreisepaar aus Australien und ein Kanadier). Im Grossen und Ganzen eine lustige Truppe und alle etwa im selben Alter. Mike aus Kanada, zeigte uns wie viel Alkohol ein Mensch pro Tag trinken kann (und das bei praller Sonne!!!) und Halley unterhielt das ganze Boot in dem sie Alles und Jeden kommentierte. Die ersten 1.5 Tage verbrachten wir noch in den San Blas Inseln mit schnorcheln, baden und lesen, bevor es dann am 2. Tag auf die hohe See ging. Nicht nur die See war hoh, sondern auch die Wellen. Und wie!! Israel hatte uns zwar vorgewarnt, dass um diese Jahreszeit die karibische See sehr rau sei und vor allem der Weg von San Blas nach Cartagena alles andere als ein Zuckerschlecken sei, da die Fahrt gegen die Wellen führe. Naja uns blieb dann nichts anderes übrig als dies selbst zu erfahren. So warfen wir alle am Nachmittag unsere Tabletten gegen Seekrankheit ein und warteten auf die hohen Wellen. Und die kamen auch ziemlich schnell. Unser „kleiner“ Katamaran schaukelte wie ein Spielzeugboot auf den mehreren Meter hohen Wellen. Es war ein interessantes Gefühl eine Welle, höher als das Schiff, auf sich zukommen zu sehen. So schaukelten wir für die nächsten 2.5 Tage auf den Wellen. Trotz den Tabletten wurden die meisten Seekrank am ersten Abend, leider auch Thomas. Naja, am nächsten Morgen ging es Thomas und den meisten anderen auch wieder gut und der Körper hat sich an die extremen Wellen gewöhnt. Eine Entschädigung für die zugegebenermassen ziemlich turbulente Fahrt waren die unzähligen Delphine die wir direkt neben unserem Segelschiff beobachten konnten. Unglaublich. Zum Glück heil und sogar etwas früher als geplant erreichten wir den Heimathafen von der Nacar in Cartagena. So waren wir also plötzlich planlos und ohne Kolumbienreiseführer in Cartagena gestrandet.