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Mit den Secklern gliederte sich im 14. Jahrhundert das durch drei Jahrhundertläufe numerisch stärkste der Weißlederhandwerke der Safranzunft an. Sie verfertigten, wie ihr Berufsname sagt, in erster Linie Seckel, die am Gürtel getragen wurden, aber auch «Halsseckel», allerlei Riemenwerk und Lederhandschuhe.
Schon die Aufnahme von acht Meistern allein im Zeitraum von 1392 bis 1396 weist auf eine ungewöhnliche Inanspruchnahme der Seckler und auf frequentierte Marktverhältnisse hin. Diesen Zuständen entsprach die zeitlich sehr frühe berufliche Organisation der «auf Seckelwerk» arbeitenden Meister und Gesellen; ließen erstere doch schon im September 1414 ihre hiefür geltende Handwerksordnung dem Erkanntnisbuch der Zunft einverleiben.
Die Zahl des zu haltenden Gesindes wird darin auf zwei Lohnknechte und einen Lehrknaben normiert; kein Meister darf «Jungfrouwen über dt antwerck setzen» d. h. weibliche Arbeitskräfte einstellen. Über Verfehlungen gegen die Handwerksordnung richtet vorerst nicht das Handwerk selbst, sondern die «Besserung» steht Meister und Sechs d.i. dem Zunftvorstand zu. Die Technik und den Verkaufspreis der Secklerarbeit betreffend, bestimmt die älteste Ordnung kurz und bündig: «Des ersten so söllent alle seckler machen: wo ein totzen secklen uber II s. gilt, die sönd sy besetzen und knöpflen und nit molen noch tüpflen und nit mit eimlichen lösch stemen (?) die leply. Aber wz sy hals secklen machen, do ein totzen VI s. oder dar über gilt, dz sönd sy kerdien (?) mit gegen stichen!»
Um die Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden zwischen den Secklern und den aus ihnen als Sekret hervorgegangenen Nestlern Meinungsverschiedenheiten wegen der Arbeitsteilung. Beide Parteien riefen die Zunft zur Schlichtung an. Nach gemeinsamen Besprechungen einigte man sich wegen der Handwerkskompetenzen dahin, dass Seckler und Nestler fortan zwei getrennte Handwerke bilden sollten. Den Secklern blieb die Anfertigung von Seckeln, Ranzen und Handschuhen vorbehalten, den Nestlern lediglich das Nestelmachen. Bei Strafe von vier Pfund Wachs, zahlbar an die Zunft, wurden die Seckler verpflichtet, «kein keessten seckel zu machen, die do wyss syen, desgleichen kein keesste hentschuch, sy syen wyss oder gel, es were dann sach, das si mit bom oly geschmiret, dann si sust nit werschafft, sunder unnutz und betroglich weren».
Weiter wurde den Secklern verboten, Ranzen mit Leinentuch zu füttern; dies sollte ausschliesslich mit rechtem Leder geschehen. Desgleichen sollten sie gefütterte Handschuhe nur mit neuem Pelzwerk füttern.
Wegen der Zahl der Arbeitskräfte blieb es bei der Ordnung von 1414; hingegen wurde ein Meistersohn, der bei seinem Vater in die Lehre ging, nicht zum Gesinde gerechnet. Auch war es den Meistern unbenommen, zünftige Stückwerker zum Schlichten und Färben auf je acht Tage zu beschäftigen.
Seit dem 15. Jahrhundert stand auch den Secklern ein Monopol in der Beschaffung ihres wichtigsten Rohstoffes, des Weissleders zu. Während 24 Stunden blieb ihnen das Vorkaufsrecht an dem im städtischen Kaufhaus durch Einheimische und fremde Händler zur Lagerung gelangenden Rohmaterial gewahrt.
Das Stillschweigen der Akten während des 16. Jahrhunderts verrät indirekt, dass sich die Basler Seckler damals eines blühenden Handwerks und eines lohnenden Geschäftsganges erfreuten. Nicht nur die Stadt, sondern auch die Landmärkte und Kirchweihen der vorderösterreichischen und elsässischen Gebiete, besonders aber die Zurzacher Märkte, boten ihnen vielfältige Absatzmöglichkeiten. Ihre starke Beteiligung an solchen Anlässen erhellt beispielsweise zwischen ihnen und den Krämern ausgebrochenen Streit wegen des Auslosens der Stände auf den Landmärkten. Der Zunftvorstand hob auf Zusehen hin diese Auslosung für Krämer und Seckler auf, so dass fortan jeder nach Belieben sich einen Stand mieten konnte.
Die einzige im 16. Jahrhundert lautgewordene Klage wegen unberufener Konkurrenz richtete sich 1574 gegen die Witwe des Buchbinders Friedrich Rode (Rody), die mit ihrem jungen Sohn Seckel herstellte. Der Zunftvorstand riet dem Handwerk gütlich zu, in Anbetracht der schweren Teuerung die Frau gewähren zu lassen. Das Handwerk erlaubte ihr denn auch «halbe und gantze glincklin, do man ein seckelin um 8 d. oder 1 s. gibt», zu verfertigen; doch sollte der Sohn hiebei nicht mittun, sondern bei einem redlichen Meister des Seckelwerks in die Lehre gehen.
Seut Beginn des 17. Jahrhunderts machte sich beim Secklerhandwerk ein zunehmender Niedergang bemerkbar. Nichts illustriert die Ohnmacht des darniederliegenden Berufs besser als die 1633 von Onophrion Ziser und Philipp von Speyr vorgebrachten Klagen gegen die hiesigen die widerrechtlich mit selbstgemachten und erhandelten, pelzgefütterten Handschuhen Kauf und Verkauf trieben. Nach altem Zunftbrauch - so lamentierten die Beschwerdeführenden - seien die Seckler gleich anderen Berufsarten befugt, solche Eingriffe mit Konfiskation der beanstandeten Ware zu ahnden. Sie seien aber jetzo die beiden einzigen Meister des Handwerks und könnten darum keine Gewalt anwenden; sie begehrten darum von den Zunftherren zu wissen, wie sie sich zu verhalten hätten. Die Zunft liess hierauf die Kürschner durch den Oberknecht ernstlich verwarnen, sich dieser Geschäfte zu müssigen, ansonst mit aller Schärfe dem Zunftrecht nachgesetzt werde.
In der Tat bildeten damals Handschuhe den Hauptartikel des Secklerhandwerks. Man unterschied sie laut der städtischen Taxordnung anch Art und Preis wie folgt:
«Schäffen gelb bauren händschuh mit stilpen, gefüttert», das Dutzend zu 5 Pfund; «lang händschuh von einem stuck, gefütert», das Dutzend zu 6 Pfund, «knabenhandschuh gefüttert das Dutzend zu 3 Pfund, «handschuh von kalb- oder bockleder», das Dutzend zu und 7 Pfund und 10 Schilling.
Als weitere Secklerware führt die Taxordnung auf: «klein weissfach sesckel», das Dutzend zu 8 s. 4 d., «mittel mannenseckel», das Dutzend zu 1lb. 5s., «gross zungenseckel», das Dutzend zu 1 lb. 15 s., «rantzen» das Stück zu 15 s.
Nicht nur die Kürschner waren es, die, wie schon bemerkt, gegen die Seckler in unliebsamen Wettbewerb traten; bedrohlichere Konkurrenz erwuchs diesen seit der Zeit des Dreissigjährigen Krieges durch zugewanderte Franzosen, welche die Manufaktur feiner Lederhandschuhe in Basel einführten. Neben diesen zünftig gewordenen Fremden sassen auch noch welsche Stümpeler in der Stadt. Gegen einen solchen richtete sich in den 1670er Jahren eine geharnischte Eingabe der Seckler 12. Entgegen dem bei der Bürgeraufnahme abgegebenen Versprechen, nur «schmeckende» Handschuhe zu verfertigen, stelle dieser welsche Stümpeler gemeine Bauernhandschuhe und andere Secklerarbeit in grosser Anzahl her. Sie, die Seckler, hätten als geschenktes Handwerk das ganze Jahr hindurch grosse Unkosten mit den Gesellen; der gedachte Welsche fördere aber kein Gesinde, sondern lasse seine Arbeit bei Winkelnäherinnen machen. Auf ähnliche Weise tue ihnen auch der Biersieder Thomas Dalles mit Handschuh nähen Eintrag.
Zu einem Jahre lang andauernden Konflikt kam es nun gleichzeitig mit dem alten, zunftverwandten Handwerk. der Weissgerber, die wider Handwerksbrauch ihr Leder verschnitten und das dasselbe zu Handschuhen, Strümpfen und Wehrgehängen verarbeiten liessen. Die Weissgerber erklärten sich durch ihren Bottmeister erbötig, davon abzulassen, falls die Seckler sich müssigten, Felle auf den feilen Verkauf zu verarbeiten und dem Handel mit weissem und gelbem Leder zu entsagen; denn den Secklern sei gleich den Nestlern von altersher nur zugelassen, das Leder für ihren Eigenbedarf zu erkaufen und zu bereiten. Durch Zunftspruch vom 4. Mai 1675 wurde den Weissgerbern jegliche Secklerarbeit verboten und andererseits den Secklern der Lederhandel untersagt. Aber weder das eine noch das andere Handwerk hielt sich an die Erkanntnis der Zunftherren. Man überhäufte sich gegenseitig mit hässlichen Beschuldigungen, warfen doch 1683 die Weissgerber den Secklern vor, dass sich diese nicht nur mit dem verbotenen Lederhandel befassten, sondern Messer, Rosmarin, ja sogar Besen verkaufen. Stetsfort hatte die Zunft zu intervenieren und die gegeneinander aufgebrachten Zunftbrüder zur Ruhe zu mahnen.
Als 1684 die Weissgerber und die Seckler der Stadt Biel aus gleichen Ursachen miteinander über ihre Handwerkskompetenzen stritten erkühnte sich das Basler Weissgerberhandwerk, seinen Bieler Berufskollegen mit einem Schreiben voll unrichtiger Angaben über die Belange der Basler Seckler den Rücken zu steifen. Die Zunft verwies den Weissgerbern ganz energisch eine derartige Handlungsweise, die nur darauf ausgehe, «die Obrigkeiten hinter einander zu bringen». Unbeirrt hielt die Zunft an ihrem früheren Entscheid fest und liess nicht locker, bis sich die widerwilligen Parteien darein fügten.
Das Secklerhandwerk aber kam nicht zur Ruhe; denn bald darauf brach in seinen eigenen Reihen ein Prinzipienkampf von grosser Tragweite los: der Kampf der auf die alten Zunftprivilegien pochenden Kleinbetriebe gegen die Manufaktur in grossem Massstab, hervorgerufen durch die stark zunehmende Handschuhfabrikation nach welscher Art. Die Entscheidung fiel in den 1690er Jahren zu Gunsten der Grossbetriebe. Damit wurde dem Secklerhandwerk ein Schlag versetzt, von dem es sich nicht mehr zu erholen vermochte. Die Zahl seine Meister sank im 18. Jahrhundert unter ein Dutzend. Dass diese verschiedentlich als «Monturen-Seckler» bezeichnet werden, deutet auf ein neues Arbeitsfeld, das sich ihnen mit der Herstellung von Patronentaschen, Bandelieren, Gewehrriemen bot. Gleichwohl haben wir es mit einem nach glänzender Vergangenheit untergehenden Handwerk zu tun, dessen Vertreter, auf die gnädige Willlfahr der Oberen und die Gunst des blinden Loses hoffend, sich auffallend oft um eines der vielen kleinen Staatsämter (Zoller, Kornmesser, Mehlwäger, Harschier) bewarben...
Streifen wir zum Schluss noch kurz das Lehrlings- und Gesellenwesen des «geschenkten» Secklerhandwerks. Die Lehrzeit betrug von altersher drei Jahre; doch kamen auch Ausnahmen vor. Ein 1666 bei Jakob von Speyr verdingter Lehrknabe hatte sechs Jahre zu lernen. Als Lehrgeld waren seit dem 17. Jahrhundert 40 lb. nebst 2 lb. 10 s. beim zu Abdingen zu entrichten. Mehr als einen Lehrknaben - Meistersöhne nicht mitgerechnet - durfte kein Meister halten. War ein Lehrling ledig gesprochen, so konnte sein Lehrmeister erst nach Verfluss von drei Jahren wieder einen Lehrknaben aufnehmen. Ein einziges Mal wurde eine Ausnahme gemacht, als 1678 der Oberstpfarrer Dr. Peter Werenfels einen seiner Söhne für das Secklerhandwerk bestimmte. Da alle Meister bereits mit Lehrlingen versehen waren, erklärte sich das Handwerk erst nach langem Besinnen bereit, dem Wunsche des Pfarrherrn zu entsprechen unter der Bedingung, dass die Zunft die Meisterschaft schütze, wenn ihr wegen Missachtung der Handwerksordnung daheim oder auswärts Unannehmlichkeiten erwachsen sollten 17. Die Angst, im Reich verschrien zu werden, hatte schon 1657 das Handwerk bewogen, vor Zunft gegen den welschen nichtzünftigen Seckler Claude Chanterelle von Dijon zu klagen, der junge Kinder das Handwerk lehre, die dann künftig, ihres Lehrmeisters wegen, nicht für redlich passieren könnten.
Über das soziale Verhältnis zwischen Meister und Lehrling gewährt uns ein 1667 geschlichteter Streitfall einen interessanten Einblick. Das Zunftgericht entschied: «Solle er, lehrjung, in wehrenden einen lehrjahren sein, des meisters, mantel tragen. Er, der meister, woll ihne, lehrjungen, auch bis er ausgelehrnet die zeit über mit essen und trinken, über alle mahlzeit mit einem glas wein, schuh und kleidern der notturft nach versorgen und versehen. So wolle er, meister, ihme jungen auch alle sonntag geld zu einer mass wein geben. Und wann er werde bei ihme ehr- und redlich ausgelernt haben, so solle er ihme ein neues kleid, nämlich hosen und rock samt einem degen und wehrgehenk, dass er damit für die ehrbarkeit kommen dürfe und er, der meister, dessen ein ehr habe, machen lassen ».
Wie subtil die Meisterschaft über der Reputation des Handwerks wachte, ergeht aus ihrem Verhalten gegenüber ihrem Mitbürger Isaak Frischmann. Als dessen Sohn Isaak Frischmann d. j. zum Secklermeister gemacht wurde, offerierte der Vater, sämtlichen Secklermeistern in seiner Behausung eine Mahlzeit zu geben. Die Meisterschaft lehnte aber die Einladung nach Hause ab und wollte nur einem Essen auf der Zunftstube Folge leisten mit der Begründung, es gehe in Frischmanns Behausung «etwas unsauber zu wegen der karrensalbe, käse und anderm so darinnen ».
Sehr subtil konnte sich auch das Handwerk zeigen, wenn moralische Bedenken in Frage kamen. Im Jahre 1687 weigerte sich beispielsweise die Meisterschaft, ihrem Mitmeister Jakob von Speyr einen Lehrling abzudingen, weil von Speyr eine Frau geheiratet habe, «so mit einem italiener ein junges kindlein in unzüchten erzeugt». Das Handwerk setzte überdies von Speyr vom Bottmeistertum ab, denn ein Bottmeister müsse ohne Tadel sein und «s. v. keine hure heiraten». Gemäss dem durch die Jahrhunderte hindurch in den Handwerken geltenden Spruch, dass der Männer Ehre auch der Frauen Ehre, doch der Weiber Schande auch der Männer Schande sei, hiess der Zunftvorstand die Absetzung von Speyrs gut, befahl aber dem Handwerk, ihn als Handwerksmeister passieren zu lassen und folglich den Lehrling ledig zu sprechen. Gleichwohl wurde von Speyr wegen seiner Missheirat von seinen Mitmeistern gemieden und beruflich schikaniert, derart, dass er 1689 nochmals die Intervention der Zunft anrufen musste.
Wie die Meisterschaft, so verstand auch die Gesellenschaft keinen Spass, wenn der gute Ruf auf dem Spiel stand. Als 1675 ein Secklergeselle einen andern mit den anzüglichen Worten höhnte: «Du hast gute sach, deine magd strält dir dein haar und bürstet deine kleider», beurteilte E. E. Handwerk diese Äusserung als schwere Ehrbeleidigung und verknurrte den Gesellen mit dem losen Maul zu der hohen Busse, einen halben Gulden in die Handwerkslade zu zahlen ....