Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03312.jsonl.gz/1170

Die Schweizer Hochschulen haben einen Leitfaden Internationale Zusammenarbeit entworfen. Darin heisst es:
Hochschulen in der Schweiz und auf der ganzen Welt engagieren sich zunehmend in der internationalen Zusammenarbeit. Dies bietet ihnen einzigartige Möglichkeiten, ihren Wirkungskreis zu erweitern, drängende globale Probleme anzugehen und i hren Studierenden und Mitarbeitenden internationale Chancen zu bieten, erfordert aber auch ein stärkeres Bewusstsein und Verantwortungsbewusstsein aller Beteiligten. Sie teilen die Notwendigkeit und die Verantwortung, jede potenzielle Zusammenarbeit im Hinblick auf Werte wie akademische Freiheit und institutionelle Autonomie, ethische und rechtliche Aspekte sowie Nutzen und Vorteile des Wissenstransfers zu bewerten.
«Sie teilen die Notwendigkeit und die Verantwortung». Tatsächlich? Verantwortung kann man zwar teilen, aber mit wem genau? Und Notwendigkeit kann man halt nicht teilen.
Mein Vertrauen in die Schweizer Hochschulen hält sich in Grenzen, wenn die nicht einmal korrekte Sätze bilden können. Ich beschäme mich.
Sie: Das ist aber auch kein wirklich attraktiver Mann.
Er: Was heisst das?
Sie:Weiss nicht.
Er: Bin ich attraktiv?
Sie: Ja, schon.
Er: Warum?
Sie: Weiss nicht. Einfach.
Er: …?
Sie: Du hast Haare.
Sie hatten schon länger Schwierigkeiten miteinander und sie war hinter seinem Rücken eine andere Beziehung eingegangen. Nur oberflächlicher Sex ohne Bedeutung, hatte sie ihm versichert, als sie es ihm nach fast einem Jahr gestand. Und sie hatte, um ihn nicht zu verletzen, stets Termine gewählt, an denen er beruflich belegt war, also ohnehin keine Zeit für sie hatte, auf dass er nichts merke und ihm nichts abgehe, schliesslich wolle sie ihn auf keinen Fall verletzen. Eine Woche später musste er bei einem Anlass eine Rede halten. Vom Podium aus sah er sie, wie sie mit einem ihm Unbekannten sehr vertraulich sprach, mit den allen Liebenden eigenen Blicken, Gesten und Berührungen, bis sie gemeinsam mit dem Unbekannten aus dem Raum ging. Er wusste sofort, dass das ihr Liebhaber war. Später fragte er sie, ob er recht habe und sie bejahte. Dummerweise fragte er sie, ob sie ihn zum Abschied geküsst habe und auch das bejahte sie. Natürlich, sie sei doch kein empathieloses Monster.
Er hatte es mit der Frage darauf angelegt und auch geschafft, seinen ganz persönlichen Tag der Heuschrecke zu bekommen.
Und nochmals Joe Henry (wie kann man bloss so philosophische Songs schreiben).
And death and disgrace can seduce anyone
Who needs to believe there’s judgment at hand
God may be kind and see you like a son
But time is a lion when you are a lamb
The years see the best of intentions and greed
They come without shame, they’ll leave you with some
Men become old when their hurt becomes need
But time is a lover and your time is young
The sun is a soldier, out crawling the hill
Setting fire to every house that’s in view
Lighting the ruin of my hope and my will
Till I’m like a shadow and I’m falling on you
Joe Henry, Aus: Time is a lion, auf dem Album Civilians
Ich war in London die Tage und war im Taxi auf dem Weg zum Flughafen, um zurückzufliegen. Der Taxifahrer, ein klassischer Cockney, hat sofort begonnen, sich mit mir zu unterhalten übe dies und das. Natürlich waren die schwierigen Zeiten und wir haben darüber gesprochen, wie schwer sie eben für die kleinen Leute sind. Brexit, Corona, die Inflation und jetzt der Krieg in der Ukraine. Draussen schneite es, und er sagte: Und jetzt noch dieser Wetter. Gott muss uns hassen. Ja, lachte ich, tatsächlich, es wäre nur schön, wir wüssten warum, was wir falsch gemacht haben.
Ist die Welt nicht ein wunderbarer Ort? Ich kann mit einem Taxifahrer, den ich nicht kenne, über Gott sprechen und wir verstehen uns auf Anhieb. Das Leben ist so fürchterlich schön, zum Fürchten schön.
Oh, pray for you, pray for me
Sing it like a song
Life is short but by the grace of God
This night is long
There are no more hummingbirds
Like there used to be
They’re fat and slow and careless now
They’ve turned blue and mean
And the parrots sound like monkeys
Screamin’ from the trees
As the decent people
Fumble for their keys
Aus: Joe Henry, Civilians, auf dem gleichnamigen Album.
– – – – – – – –
Ist es nicht so? Rettet uns am Ende nicht immer nur die Nacht, mein Herz?
Die Verwirklichung unserer Träume, schreibt Cesare Pavese einmal, ist unsere Träume nicht wert. Analog könnte man sagen, die Verwirklichung unserer Ängste ist unsere Ängste nicht wert, sprich: Die Verwirklichung unserer Ängste erreicht nicht die Wirkungsmacht dieser Ängste.
Nur die Liebe besiegt den Tod, heisst es. Kann es sein, dass das daran liegt, dass die Liebe eine Form von Tod ist?
Was tust Du, wenn sich der letzte Ausweg in Luft auflöst?
Was, wenn es Dir nicht mehr gelingt, Dich zu belügen?
Gibt es einen Unterschied
zwischen Wahrheit
und Tod?
Final solutions are within many a reach. We can remember Auschwitz and beware of listening to the siren song of expediency, beware of abrogating mercy, of setting aside the law. Beware of being sheep.
Sybille Bedford, The Worst That Ever Happened, in: As It Was, London 1990
Mit diesen Worten endet der Bericht der Sybille Bedford über den Frankfurter Auschwitz-Prozess 1965. Irritierend erscheint, dass die drei Faktoren, die sie als Gefahren identifiziert (das verführerische Lied der Zweckmässigkeit, die Abschaffung der Barmherzigkeit und das Ignorieren des Rechts) gegenwärtig täglich zunehmen. Und dabei haben wir den letzten Punkt, sich nicht wie Schafe zu benehmen, der geradezu floriert in diesen viralen Zeiten, noch nicht einmal erwähnt. Alles in allem, kein gutes Zeichen.
Filifjonka hat hier schon verschiedentlich über das Weinen geschrieben (etwa hier, oder hier, aber auch hier). Ich will all dem überhaupt nicht widersprechen, ich will aber danach fragen, warum denn Weinen kein gangbarer Weg, keine akzeptable Antwort sei, denn auf den ersten Blick scheint ja das Weinen an sich doch positiv, eine ehrliche Gefühlsäusserung, und zudem eine, in der sich der Weinende schwach und verletzlich zeigt, also ein Akt besonderen Vertrauens zu denjenigen, vor denen er weint, und damit auch besonderer Stärke. Nicht selten ist denn auch die Schwierigkeit, das Weinen zuzulassen, als Verkrüppelung gezeichnet worden, als Unfähigkeit, Schwäche zuzulassen. Das mag richtig sein, doch trifft es nicht das Richtige, das Wichtige. Borges hat natürlich – wie so häufig – völlig recht mit seiner Ablehnung des Weinens, des Weinenden, das spürst Du instinktiv, auch wenn es Dich verletzen mag. Die Gründe dafür sind nur schwer auszumachen oder zu umschreiben, aber vielleicht hilft ein Bild: Wenn wir über eine schmerzhafte Erfahrung sprechen, dann kann es passieren, dass uns dabei die Stimme versagt. Und dies ist, was gegen das Weinen spricht: Es schliesst uns ein in unseren Tränen. Es macht uns noch einsamer als wir es ohnehin schon sind. Tränen scheinen uns zu verbinden mit der Welt, mit den anderen, aber sie trennen uns von ihnen. Tränen sind nicht Schleier, hinter denen wir uns verstecken, die uns sanft und fürsorglich schützen, sondern Mauern, Mauern, die uns einschliessen in uns selbst und unserem Schmerz.
Einen Drachen muss man dort suchen, wo noch nie einer gesehen wurde, weil für den Drakontologen Drachen definiert sind als Wesen, die sich gut verstecken, und wenn man ihn dann nicht findet, dann hat man gewissermassen bewiesen, dass einer da ist.
Daniel Kehlmann, Der unsichtbare Drache, Ein Gespräch mit Heinrich Detering, Zürich 2019, 19
Ich glaube tatsächlich, dass wir eine Summe von Widersprüchen sind, und hinter den Widersprüchen ist nichts.
Daniel Kehlmann, Der unsichtbare Drache, Ein Gespräch mit Heinrich Detering, Zürich 2019, 10
Ob sich binational.ch tatsächlich überlegt hat, dass die zur Illustration der eingetragenen Partnerschaft ausgewählte Photographie irreführen könnte?
Zumindest wenn die Person, die wie eine Frau aussieht kein Mann ist oder diejenige, die wie ein Mann aussieht, keine Frau ist.