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Der wegen Drogendelikten in Guatemala inhaftierte Schweizer Nicolas Hänggi ist wieder auf freiem Fuss. Mehr als sechs Jahre nach Beginn der Affäre wurde Hänggi freigelassen.
Der Fall hatte in der Schweiz für viele Schlagzeilen gesorgt, ist Nicolas Hänggi doch der Sohn eines damaligen Nestlé-Direktors.
Der Drogenfall hatte die Schweiz jahrelang beschäftigt. Zu erzählen gäbe es viel, der Fall war reich an Anekdoten, die einem Kriminalroman entlehnt schienen: Mord, Sex, Korruption und abgesetzte Richter – es fehlte an nichts.
Mit der Freilassung von Hänggi und seinem Freund Silvio Giovanoli, der wegen derselben Affäre in Guatemala in Haft sass, war seit August gerechnet worden. Die beiden konnten ein Entlassungs-Gesuch stellen, und da die nötigen Bedingungen erfüllt waren, war der eigentliche Freilassungs-Entscheid nur noch eine Formsache.
Giovanoli muss sich noch gedulden
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte am Sonntag-Abend einen Bericht des Tessiner Radios (RTSI) über die Freilassung Hänggis. Sein Freund Givanoli muss laut RTSI noch einige Wochen im Gefängnis verharren.
Das Tessiner Fernsehen (TSI) zeigte Bilder Hänngis nach dessen Entlassung. Dabei erklärte dieser: "Ich fühle mich sehr gut. Noch besser werde ich mich fühlen, wenn ich wieder in der Schweiz bin."
Der dritte in die Drogenaffäre verwickelte Schweizer, Nicolas' Vater Andreas Hänggi, damals Nestlé-Direktor in Guatemala, war in einem Appellations-Verfahren freigesprochen worden. Über seinen jetzigen Aufenthaltsort ist nichts bekannt.
Kokain im Container
Angefangen hatte alles im August 1997, als in einem Container für Zierpflanzen, der für Europa bestimmt war, 13 Kilogramm Kokain auftauchten. Hänggi und Giovanoli wurden festgenommen, weil sie im Verdacht standen, zu einem Drogenhändler-Ring zu gehören, der in Guatemala als "conexión alemana" bezeichnet wurde.
Den Container hatte Andreas Hänggi organisiert, Vater von Nicolas Hänggi und damals Nestlé-Direktor in Guatemala. Er wurde später von Beihilfe zu Drogenhandel freigesprochen und setzte sich nach Argentinien ab. Weil er später in Abwesenheit erneut verurteilt wurde, bleibt er untergetaucht.
Im juristischen Hin und Her um die drei Schweizer wurden insgesamt drei Urteile gefällt, die zwischen 5 und 20 Jahren Gefängnis variierten.
Zuletzt zogen die Anwälte von Giovanoli und Sohn Hänggi im Mai 2003 mangels Erfolgsaussichten eine Verfassungsklage zurück und setzten dank guter Führung der beiden auf deren vorzeitige Entlassung.
Schuldig oder nicht
Hänggi und Giovanoli betonten vor Gericht und via Medien stets ihre Unschuld. Die Anwälte sagen nur, dass die Urteile jedes Mal zu hart ausfielen. "Teils waren sie juristisch und moralisch ungerecht", sagt Lea María de León, Verteidigerin von Nicolas Hänggi, im Rückblick.
In den Fall hätten sich Politiker eingemischt, was eine saubere Justizarbeit verunmöglicht habe. So hätten etwa Personen aussagen dürfen, die mit dem Fall nichts zu tun hatten, kritisiert de León. Auch Giovanoli-Anwalt Luís Alfredo Callejas Rivera hatte wiederholt formale und inhaltliche Fehler kritisiert.
EDA schaltete sich ein
Dieser Meinung war auch die Schweiz. 1998 hatte das EDA beim guatemaltekischen Aussenministerium interveniert und bekam vom Generalstaatsanwalt zu hören, dass es nicht Druck auf Guatemala ausüben dürfe.
Selbst am Weltwirtschaftsforum in Davos 1999 hatten der damalige Aussenminister Flavio Cotti und sein Amtskollege Eduardo Stein Barrillas den Fall erörtert. Ein Jahr später besuchte eine Parlamentarierdelegation die Gefangenen.
swissinfo und Agenturen