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Erdbeerköpfchen
Agapornis lilianae
© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork © Owen Bell
Das südliche Afrika verfügt über ein breites Spektrum recht unterschiedlicher Ökosysteme und eine entsprechend vielfältige Flora und Fauna. Unter anderem sind grosse Bereiche der Region von lichten Mopane-Waldländern geprägt. Diese bieten nebst vielen weiteren Wildtieren dem kleinsten Papagei Afrikas, dem Erdbeerköpfchen (Agapornis lilianae), ein Zuhause. Von ihm soll hier berichtet werden.
In Flusstälern Südostafrikas heimisch
Das Erdbeerköpfchen gehört innerhalb der Ordnung der Papageienvögel (Psittaciformes) zur Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae) und da zur Gattung der Unzertrennlichen (Agapornis). Derzeit werden neun Agapornis-Arten unterschieden. Acht von ihnen sind auf dem afrikanischen Festland südlich der Sahara heimisch, eines - das Grauköpfchen (Agapornis canus) - auf Madagaskar und ein paar umliegenden Inseln.
Mit ihrem deutschen Gattungsnamen «Unzertrennliche» wie auch mit ihrem wissenschaftlichen Gattungsnamen Agapornis (griech. für «Liebesvogel») sind die kleinen Papageien gut gekennzeichnet. Die Paare halten nämlich ausserordentlich stark zusammen, bekunden ihre Zusammengehörigkeit häufig durch gegenseitige Gefiederpflege und unternehmen stets alle Tätigkeiten gemeinsam.
Das Erdbeerköpfchen ist wie alle Unzertrennlichen ein kleiner, «kompakt» gebauter, überwiegend grün gefärbter Papagei mit sehr kurzem Schwanz und verhältnismässig grossem Krummschnabel. Die Gesamtlänge beträgt im Durchschnitt etwa 13,5 Zentimeter, das Gewicht 30 bis 35 Gramm. Arttypisch ist der erdbeerrote Vorderkopf, von dem ja auch der deutsche Name herrührt. Vom ähnlich gefärbten Pfirsichköpfchen (Agapornis fischeri) unterscheidet sich das Erdbeerköpfchen deutlich dadurch, dass sein Bürzelgefieder nicht blau, sondern grün ist. Männchen und Weibchen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Färbung, Gestalt und Grösse nicht voneinander.
Die Heimat des Erdbeerköpfchens ist das südöstliche Afrika. Dort kommt es in den fünf Ländern Malawi, Mosambik, Sambia, Simbabwe und Tansania vor. Sein Artverbreitungsgebiet bemisst sich auf nur rund 20 000 Quadratkilometer (Schweiz: 41285 km2) und setzt sich aus mehreren verstreut liegenden Gebieten zusammen. Diese befinden sich allesamt in grossen Flusstälern, namentlich im Tal des Sambesi River in Mosambik und Simbabwe, im Tal des Luangwa River in Sambia und Süd-Tansania und im Tal des Shire River, welcher in Malawi aus dem gleichnamigen See entspringt und in Mosambik in den Sambesi mündet.
Bezüglich seines Lebensraums scheint das Erdbeerköpfchen sehr strikte Ansprüche zu haben. Jedenfalls findet man es innerhalb seines Verbreitungsgebiets fast ausschliesslich in trockenen, laubabwerfenden Waldungen auf dünnen, kalkreichen Böden, in welchen die gewöhnlich 4 bis 18 Meter hohen Mopane-Bäume (Colophospermum mopane) vorherrschen. Nur ausnahmsweise kommt es auch in Akazienbeständen vor. Es ernährt sich zur Hauptsache von den Samen verschiedener Wildgräser, welche im lichten, lückigen Wald zwischen den Bäumen wachsen, darunter Wildhirse- und Wildreisarten. In kleineren Mengen verzehrt es aber auch Blüten, Früchte und Samen von Büschen und Sträuchern sowie weitere pflanzliche Stoffe.
Ein nestbauender Papagei
Erdbeerköpfchen sind gewöhnlich in Schwärmen von zwanzig bis hundert und mehr Individuen beiderlei Geschlechts unterwegs. Pfeilschnell - mit schwirrenden Flügelschlägen - fliegen sie anlässlich ihrer Fresswanderungen knapp über den Kronen des Mopane-Walds dahin, äussern dabei häufig ihre schrill-zwitschernden Rufe und fallen hier und dort alle gleichzeitig an einem erspähten Futterplatz zur Nahrungsaufnahme oder an einem Wasserlauf zum Trinken ein.
Das Brutgeschehen ist beim Erdbeerköpfchen saisonal geprägt. In Malawi wie in Sambia finden die meisten Bruten früh im Jahr, von Januar bis März, statt; in Simbabwe werden frisch flugfähige Jungvögel hauptsächlich im April beobachtet. Die Bruten fallen also grossenteils in die zweite Hälfte der sommerlichen, normalerweise von Ende November bis Ende März dauernden Regenzeit, welche eine Zeit des allgemeinen Nahrungsüberflusses darstellt.
Papageien sind mit ganz wenigen Ausnahmen Höhlenbrüter, welche Baumhöhlen, Höhlungen in Termitennestern oder Röhren in Uferböschungen als Kinderstube verwenden. Diese schaffen sie kaum je selbst, sondern verwenden natürlich vorhandene oder aber von anderen Tierarten geschaffene und inzwischen verwaiste. Ferner tragen sie gewöhnlich kein Nistmaterial zwecks Polsterung des Höhlenbodens ein. Papageien sind in aller Regel keine Baumeister.
Die einzigen Papageien, welche richtige Nester bauen, sind fünf Arten von Unzertrennlichen und der nicht näher mit ihnen verwandte Mönchssittich (Myiopsitta monachus) aus Südamerika. Erstere legen innerhalb von Baumhöhlungen stabile Nester aus Zweigen und anderen Pflanzenstoffen an, Letzterer baut aus Zweigen grosse Gemeinschaftsnester im Geäst von Baumkronen.
Von den neun Arten von Unzertrennlichen legen zwei - das bereits erwähnte Grauköpfchen auf Madagaskar und der im Hochland von Äthiopien und Eritrea heimische Tarantiner- oder Bergpapagei (Agapornis taranta) - ihre Eier in Baumhöhlen ab; eine dritte Art, das Orangeköpfchen (Agapornis pullarius), wählt seine Nisthöhle in voluminösen Baumnestern von Termiten oder Ameisen. Bei allen drei Arten legt das Weibchen zwar den Boden der Nistkammer mit Samenschalen, kleinen Rindenstücken, Grashalmen und Blättern aus, die es am Fundort in sein Bürzelgefieder steckt und so zum Nest transportiert. Das Auskleiden des Nestbodens kann aber nicht als wirklicher Nestbau bezeichnet werden.
Über das Nestbauverhalten des Grünköpfchens (Agapornis swindernianus), welches eine weite Verbreitung in den immergrünen Tieflandwäldern West- und Zentralafrikas hat, ist nichts bekannt. Es wird aber angenommen, dass es ähnlich wie das Orangeköpfchen Höhlungen in Baumnestern von Termiten und Ameisen verwendet und kein eigenes Nest konstruiert.
Die restlichen fünf Arten von Unzertrennlichen bauen «echte» Nester: Zwar befinden sich dieselben ebenfalls in Baumhöhlungen, doch handelt es sich um kunstvolle, aus zerfaserten Zweigen, trockenen Halmen und Rindenstreifen angefertigte Konstruktionen, welche ihre Struktur behalten, wenn man sie aus der Höhlung entfernt.
Bei allen fünf Arten werden die Nester einzig vom Weibchen gebaut. In einem Fall, beim Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis), besteht das Nest bloss aus einer becherförmigen Unterlage und das Weibchen klemmt das Nistmaterial in seinem Bürzelgefieder fest, um es zum Nest zu transportierten. Bei den restlichen vier Arten - dem Erdbeerköpfchen, dem Pfirsichköpfchen, dem Russköpfchen (Agapornis nigrigenis) und dem Schwarzköpfchen (Agapornis personata) - baut das Weibchen hingegen ein umfangreiches und stabiles Kugelnest mit seitlichem Eingang und trägt das Nistmaterial im Schnabel zur Nisthöhle.
Das unterschiedliche Nestbauverhalten der neun Arten widerspiegelt recht genau die verwandtschaftlichen Verhältnisse und die Entwicklungsstufen innerhalb der Gattung der Unzertrennlichen: Molekularbiologische Untersuchungen ihres Erbguts (DNA-Analysen) haben nämlich gezeigt, dass die vier Arten von Unzertrennlichen, welche Kugelnester bauen, überaus nah miteinander verwandt sind. Von den übrigen Unzertrennlichen ist das Rosenköpfchen am nächsten mit diesen vier Arten verwandt. Verwandtschaftlich etwas weiter entfernt sind Tarantinerpapagei und Orangeköpfchen, welche ihrerseits aber sehr nah miteinander verwandt sind. Noch etwas weiter entfernt folgen das Grauköpfchen und schliesslich das Grünköpfchen. Als ursprünglichste Art gelten das Grün- und das Grauköpfchen, als «modernste» Arten die vier Kugelnestbauer.
Warum sich Nestbauverhalten unter den weltweit rund 350 Arten von Papageienvögeln einzig beim Mönchssittich und bei den Unzertrennlichen herausgebildet hat, ist weiterhin ein Rätsel. Diverse Erklärungsversuche von Fachleuten haben sich als nicht hinreichend stichhaltig erwiesen.
Höchstalter um 20 Jahre
Es gibt verhältnismässig wenige Beobachtungen über das Brutverhalten des Erdbeerköpfchens in der freien Wildbahn. Unser Wissen über das Fortpflanzungsgeschehen stammt darum weitgehend aus der Beobachtung von Individuen in Menschenobhut.
Balzverhalten und erstes Nestbauverhalten beginnen geraume Zeit vor der Ablage des ersten Eis. Die Balzhandlungen umfassen neben stundenlanger gegenseitiger Gefiederpflege häufiges rituelles Füttern des Weibchens durch das Männchen. In dieser Phase verhalten sich die Paare echt «unzertrennlich».
Gelegentlich erfolgen die Paarungen, und ein paar Tage später beginnt das Weibchen, in etwa zweitägigen Intervallen sein Gelege aus meistens vier oder fünf Eiern anzulegen. Anfänglich verbringt es noch viel Zeit mit dem Beschaffen von Nistmaterial und dem Fertigstellen des Nests. Erst wenn das dritte Ei gelegt ist, widmet es sich ganzzeitig dem Brüten. Dies dauert ungefähr drei Wochen und ist allein seine Aufgabe. Zwar verlässt es hin und wieder für kurze Zeit das Nest, um seine Flügel zu strecken, Kot abzugeben und zu trinken. Für seine Nahrungsversorgung ist jedoch während der ganzen Brutphase das Männchen zuständig. Nun zeigt sich der Sinn des rituellen Fütterns während der Balzphase: Es dient dem Weibchen dazu, den Willen und die Fähigkeit des Männchens zum selbstlosen Abgeben von Futter während der Brut zu testen.
Beim Schlüpfen sind die Jungen praktisch nackt und nicht in der Lage, ihre Körpertemperatur selbstständig aufrechtzuerhalten. Sie müssen darum vom Weibchen während rund zehn Tagen ununterbrochen gehudert werden. In dieser Phase muss das Männchen von der Morgen- bis zur Abenddämmerung Futter beschaffen - nicht allein für seine Partnerin, sondern auch für den schnell wachsenden Nachwuchs und natürlich für sich selbst. Sobald die Jungen nicht mehr gewärmt werden müssen, verlässt auch das Weibchen tagsüber das Nest und hilft beim Füttern des nimmersatten Nachwuchses mit. Es verbringt ferner viel Zeit damit, das Nest in Ordnung zu halten, indem es feuchte und verschmutzte Teile durch frisches Material ersetzt.
Die Nestlinge sind im Alter von sechs bis sieben Wochen flugfähig und verlassen dann das Nest. Zwei Wochen später sind sie bereits nicht mehr auf die Zufütterung und Betreuung durch ihre Eltern angewiesen. Im Alter von etwa sechs Monaten werden sie geschlechtsreif, was darauf schliessen lässt, dass sie in der freien Wildbahn schon gegen Ende ihres ersten Lebensjahrs selbst zur Fortpflanzung schreiten. In Menschenobhut beträgt der Altersrekord 19,2 Jahre. In der freien Wildbahn mit ihren vielen Unwägbarkeiten liegt die übliche Lebensdauer wahrscheinlich bei 12 bis 15 Jahren.
Kleiner, aber stabiler Artbestand
Das Erdbeerköpfchen hat anfangs der 1960er-Jahre beim Aufstauen des Sambesis - des grössten Flusses im südlichen Afrika - zwecks Schaffung des heute rund 5500 Quadratkilometer grossen Kariba-Stausees grosse Flächen seines einstigen Brutgebiets verloren. Damals schwand seine Population beträchtlich. Heute wird der Artbestand von den Fachleuten zwar auf unter 20 000 Individuen geschätzt. Da er aber ziemlich stabil zu sein scheint, wird das Erdbeerköpfchen gegenwärtig nicht als in seinem Fortbestand gefährdet eingestuft.
Die Tatsache, dass keine negative Bestandsentwicklung zu verzeichnen ist, hat hauptsächlich drei Ursachen: Erstens eignet sich der Lebensraum des Erdbeerköpfchens, die Mopane-Waldungen, wegen seiner mageren Böden schlecht für die landwirtschaftliche Nutzung. Aus diesem Grund stand er zu keiner Zeit in Gefahr, vom Menschen auf weiten Flächen «zweckentfremdet» zu werden - und dies dürfte auch in absehbarer Zukunft so bleiben.
Zweitens gehört die massive Verfolgung des Erdbeerköpfchens zwecks Belieferung des Heimtiermarkts der Vergangenheit an: Weil der hübsche kleine Vogel wie die meisten Mitglieder der Papageienfamilie als Käfig- und Volierenvogel in den wohlhabenden Ländern der westlichen Welt sehr begehrt ist, wurden im Verlauf des 20. Jahrhunderts die Wildbestände zur Deckung des Bedarfs phasen- und gebietsweise regelrecht geplündert. Seitdem aber sowohl die USA (1992) als auch die EU (2007) Wildvogelimportverbote in Kraft gesetzt haben, besteht diese Gefahr erfreulicherweise nicht mehr. Der Heimtierbedarf scheint heute durch in Gefangenschaft gezüchtete Individuen gedeckt werden zu können - obschon das Erdbeerköpfchen zu jenen Agapornis-Arten gehört, die sich nicht so einfach züchten lassen.
Drittens kommt das Erdbeerköpfchen in mehreren südostafrikanischen Nationalparks in gesunden Beständen vor, darunter im South-Luangwa-Nationalpark in Sambia, im Mana-Pools-Nationalpark in Simbabwe und im Liwonde-Nationalpark in Malawi.
Der Liwonde-Nationalparks in Malawi, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, ging 1973 aus einem bereits zu Kolonialzeiten eingerichteten Jagdreservat hervor und wurde 1977 im Norden erweitert. Er liegt am Oberlauf des Shire River und weist eine Fläche von rund 550 Quadratkilometern auf. Ein Grossteil des Parks ist mit Mopane-Wald bedeckt, doch sind auch andere Lebensraumtypen gut vertreten, darunter Überschwemmungsebenen, Palmensavannen und lichtes Akazien-Waldland. Diese Lebensraumvielfalt ist dafür verantwortlich, dass der Park eine grosse Vielzahl von Tierarten beherbergt, darunter mehr als 380 Vogelarten. Der örtliche Bestand des Erdbeerköpfchens wird auf mindestens 1000 Individuen geschätzt.
Legenden
Das Erdbeerköpfchen (Agapornis lilianae) ist der kleinste Papagei Afrikas: Die erwachsenen Individuen weisen im Durchschnitt eine Länge von etwa 13,5 Zentimetern und ein Gewicht von 30 bis 35 Gramm auf. Arttypisch ist der erdbeerrote Vorderkopf, von dem ja auch der deutsche Name herrührt. Männchen und Weibchen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Färbung, Gestalt und Grösse nicht voneinander.
Die Heimat des Erdbeerköpfchens ist das südöstliche Afrika. Dort bewegt es sich im Allgemeinen in Schwärmen von zwanzig bis hundert und mehr Individuen beiderlei Geschlechts und aller Alterklassen umher. Wie bei allen neun Arten von Unzertrennlichen (Gattung Agapornis) halten die «verheirateten» Paare innerhalb dieser Schwärme ausserordentlich stark zusammen und unternehmen stets alle Tätigkeiten gemeinsam.
Das Erdbeerköpfchen bewohnt fast ausschliesslich die lichten, lückigen, gewöhnlich nur 4 bis 18 Meter hohen Mopane-Waldländer, welche im südöstlichen Afrika ausgedehnte Bereiche bedecken. Es ernährt sich zur Hauptsache von den Samen verschiedener Wildgräser, welche zwischen den Bäumen wachsen, darunter Wildhirse- und Wildreisarten (links), verzehrt aber auch gern Blüten, Früchte und Samen von Gehölzpflanzen (oben).
Die Bruten des Erdbeerköpfchens finden grossenteils in der zweiten Hälfte der sommerlichen Regenzeit statt, wenn das Nahrungsangebot besonders reichhaltig ist. Während der Balzphase verhalten sich die Paare echt «unzertrennlich» (oben). Das Gelege besteht meistens aus vier bis fünf Eiern, aus denen nach einer Brutzeit von ungefähr drei Wochen die ersten Jungen schlüpfen (unten).
Der Artbestand des Erdbeerköpfchens wird zwar aufgrund des beschränkten Verbreitungsgebiets auf unter 20 000 Individuen geschätzt. Da die Population jedoch ziemlich stabil zu sein scheint, wird die Art nicht als in ihrem Fortbestand gefährdet eingestuft. Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die phasenweise massive Verfolgung des Erdbeerköpfchens zwecks Belieferung des Heimtiermarkts der Vergangenheit angehört, seit sowohl die USA (1992) als auch die EU (2007) Wildvogelimportverbote erlassen haben.
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