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Þráhyggjufugl (Obsession Bird) wurde von der isländischen Künstlerin, Musikerin und Komponistin Hildur Elísa Jónsdóttir für Soloflöte komponiert. Das Stück ist inspiriert von der Königin Gunnhildr in der Egills Saga und ihrem obsessiven Wunsch, Egill zu töten. In den Sagas der Isländer:innen ist Königin Gunnhildr die Frau von Eirík Bloodaxe, König von Norwegen und später York, und wird als mächtige und grausame Figur dargestellt, die für ihre Schönheit und Grosszügigkeit bewundert, aber für ihre Magie, List und Sexualität gefürchtet wird. Gunnhildr war die Erzfeindin von Egill Skallagrímsson, und in seiner Sage wird sie in einem besonders negativen Licht dargestellt. Nach einer Fehde zwischen den beiden, die damit endet, dass Egill Gunnhildrs 11-jährigen Sohn tötet, ist Gunnhildr davon besessen, Egill zu töten und verflucht ihn. Der Fluch treibt Egill dazu, nach York zu segeln, wo Eirík Bloodaxe und Gunnhildr im Exil leben. Als Egills Schiff an einer nahe gelegenen Küste Schiffbruch erleidet, wird er vor Eirík gestellt und zum Tode verurteilt. Um dem Todesurteil zu entgehen, wird Egill eine einzige Nacht gewährt, um ein Tributgedicht an Eirík zu verfassen. Um Egill daran zu hindern, sein Leben zu retten, verwandelt sich Gunnhildr in der Nacht in eine Schwalbe und lenkt Egill erfolgreich vom Schreiben ab, indem sie gegen Morgen unablässig am Fenster seines Gefängnisses zwitschert, bis ein Komplize von Egill beginnt, das Fenster zu bewachen.
Þráhyggjufugl basiert auf dem System des Gedichts Höfuðlausn (Lösegeld für den Kopf) von Egill Skallagrímsson. Jeder Buchstabe des isländischen Alphabets steht für eine Note in F-Dur und F-Lydisch, wie sie in der isländischen Volksmusik gebräuchlich sind, sowie für spezifische Vorzeichen, Akzente und zufällige erweiterte Techniken. Das Notationssystem ist an alle der 20 Strophen von Höfuðlausn gebunden, während der Rhythmus des Stücks dem Gesang einer Rauchschwalbe entspricht. Das Ergebnis ist eine aggressive und unregelmässige Melodie, die Gunnhildrs Wut verkörpert.
Þráhyggjufugl (Obsession Bird) wurde im Rahmen der Konferenz am 08. Oktober 2022 erstaufgeführt. Im Folgenden kann in den Anfang des rund 13 Minuten dauernden Stücks gehört werden, gespielt von der Querflötistin Maral Yerbol.
Hildur Elísa Jónsdóttir (geb. 1993) ist Künstlerin, Musikerin und Komponistin und lebt in Reykjavík und Amsterdam. Sie interessiert sich für das Erzählen von Geschichten und das Schaffen von eindringlichen Erlebnissen, oft inspiriert durch die Alltäglichkeit des Lebens. Mit Hilfe einer Vielzahl von Medien setzt sie sich kritisch mit konventionalisierten menschlichen Verhaltensweisen und Erfahrungen auseinander und stellt sie in einen künstlerischen Kontext. Indem sie diese teils banal erscheinenden, alltäglichen Ereignisse in unkonventionelle und absurde Szenen verwandelt, möchte sie das Verständnis unserer stark sozial konstruierten Realitäten in Frage stellen und über unsere eigene Fähigkeit nachdenken, neue Bedeutungen zu schaffen und unsere eigene Realität zu formen – immer mit der Frage nach dem ‹Warum› und ‹Was wäre wenn›. Hildur Elísa hat einen B.A.-Abschluss in Bildender Kunst von der Iceland University of the Arts und ein Diplom von der Musikhochschule Reykjavík. Während ihres Studiums an der IUA nahm sie an einem Austauschprogramm mit der Hochschule Luzern teil. Nach ihrem Abschluss absolvierte sie ein Praktikum bei der Künstlerin, Musikerin und Komponistin Lina Lapelytė in Vilnius.
Die kasachische Querflötistin Maral Yerbol erhielt ihren ersten Flötenunterricht im Alter von sieben Jahren. Sie setzte ihren kreativen Weg in Almaty fort und studierte an der Spezialmusikschule von K. Bayseitowa. Während des Studiums nahm sie an zahlreichen Wettbewerben teil und trat mehrmals als Solistin mit dem Philharmonischen Staatstheater Almaty und der Camerata Almaty auf. Unterstützt durch Stipendien der Ad Infinitum Foundation und des Vereins Yehudi Menuhin – Life Music Now absolvierte sie das Bachelorstudium an der Hochschule für Musik und Theater Rostock in der Klasse von Prof. Dr. Anja Setzkorn-Krause. Meisterkurse bei Robert Winn, Renate Greiss Armin und Pirmin Grehl ergänzen ihren musikalischen Werdegang. Sie wirkte bei Konzerten als Solistin, Kammermusikerin und Orchestermusikerin, unter anderem mit der Norddeutschen Philharmonie und der Oper in Wietzow. In Marals Repertoire spielt die barocke und die zeitgenössische Musik eine besonders wichtige Rolle.
Im September 2022 begann Maral das Masterstudium an der Musikhochschule Luzern in der Klasse von Isabelle Schnöller Hildebrandt.