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Reformation
Vor 500 Jahren, genauer am 1. Januar 1519, trat Huldrych Zwingli (1484–1531) sein Amt als Leutpriester am Grossmünster in Zürich an und brachte die Reformation in der Schweiz ins Rollen. Hier finden Sie die wichtigsten Eckpunkte im Überblick und Highlights zum Thema Reformation aus unseren Sammlungen.
Als Zürich Weltgeschichte schrieb
Am Vorabend der Reformation
Zürich zählte zur Zeit Zwinglis etwa 5'000 Einwohner, war also deutlich kleiner als Strassburg mit einer Bevölkerung von 20'000 oder Venedig mit sogar 150'000 Personen. Die Stadt verfügte über keine nennenswerten Handelsverbindungen. Viele Einwohner betätigten sich als Handwerker. Erst die Zuwanderung protestantischer Glaubensflüchtlinge half der Textil- und Seidenindustrie wieder auf die Beine zu kommen. Wenn sich Missernten einstellten, konnte das die Bevölkerung hart treffen und eine geregelte Ernährung schwierig machen wie aus der Lebensbeschreibung von Thomas Platter hervorgeht, der 1523 die Fraumünsterschule besuchte. Überhaupt lag die Lebenserwartung deutlich tiefer, denn Zürich wurde im 16. Jahrhundert wiederholt von der Pest heimgesucht, was zahlreiche Opfer forderte.
Streitpunkt Söldnerwesen
Während sich die Reformation in Deutschland am Ablass entzündete, war es in der Schweiz das Thema der Reisläuferei, das unterschiedlich beurteilt wurde und nach Einführung der Reformation die beiden Lager immer wieder gegeneinander aufbrachte. Für die katholischen Landkantone war die Reisläuferei eine wichtige Einnahmequelle. Die meisten protestantischen Orte sahen im Gefolge Zwinglis darin üble Geldmacherei auf Kosten vieler unschuldiger junger Männer.
Durchbruch der Reformation
Während es sich bei Martin Luthers Reformation in Wittenberg um eine Fürstenreformation handelte, weil Kurfürst Friedrich der Weise sich vor seinen Untertan stellte und sein Tun billigte, ist die Reformation in Zürich als Stadtreformation zu bezeichnen. Erst vier Jahre, nachdem Zwingli mit seiner Predigt begonnen hatte, bewilligte der Rat am 29. Januar 1523 die Einführung der Reformation in der Limmatstadt. Dies hatte nicht nur für die altgläubige Partei weitreichende Folgen, sondern auch für viele Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens. So setzte die Aufhebung der Klöster viel Kapital frei, das für die Armenfürsorge, das Bildungswesen und die Krankenpflege eingesetzt werden konnte. Zudem entlastete der neue Glaube jeden einzelnen, da die Ausgaben für rituelle Handlungen, Ablässe und so weiter nun entfielen und das Kapital anders investiert werden konnte.
Martin Luther
Die reformatorische Wende des deutschen Reformators vollzog sich vermutlich vor 1515 in seinem Arbeitszimmer im Südturm des Wittenberger Augustinerklosters (das sogenannte Turmerlebnis). Es dauerte mehrere Jahre, bis Zwingli 1517/18 von ihm Kenntnis nahm. Er betonte immer, unabhängig von Luther zu gleichen Schlussfolgerungen gekommen zu sein. Als Zürcher Leutpriester ermutigte Zwingli die Leute, Luther zu lesen und importierte zu diesem Zweck hunderte seiner Schriften aus Basel. Leider konnten sich die beiden Reformatoren auf kein gemeinsames Abendmahlverständnis einigen, was für die Geschichte der Reformation und des Protestantismus bedauerliche Folgen hatte.
Erasmus von Rotterdam
Zwingli erinnerte sich in seiner «Freundschaftlichen Auseinandersetzung mit Luther» vom Februar 1527: «Denn von mir selbst bezeuge ich vor Gott, ich habe die Kraft und den Inbegriff des Evangeliums aus der Lektüre der Schriften des Johannes und Augustin gelernt, besonders aus sorgfältigem Studium der griechischen Briefe des Paulus, die ich mit eigener Hand vor elf Jahren abgeschrieben habe.» Als Vorlage für seine Abschrift der griechischen Paulusbriefe diente ihm das von Erasmus von Rotterdam 1516 herausgegebene griechische Neue Testament. Überhaupt leisteten die häufig in kirchenkritischem Ton gehaltenen Schriften von Erasmus einen wichtigen Beitrag zu Zwinglis Werdegang als Reformator.
Buchdruck: Das 1. Massenmedium
Ein wichtiger Faktor für die Durchsetzung der Reformation war der Buchdruck, der die schnelle und weite Verbreitung von Texten gewährleistete. Zwingli gewann mit Christoph Froschauer den damals wichtigsten Buchdrucker der Stadt für seine Sache. Er druckte über Jahrzehnte tausende von Bibeln, Bibelteilen und reformatorischen Schriften, die in ganz Europa Verbreitung fanden.
Radikale Hitzköpfe
Nicht alle Zürcher waren mit Zwingli einverstanden. Ausser den romtreuen Bürgern und Klerikern, die schliesslich die Stadt verliessen, stellte sich eine Gruppe vor allem jüngerer Mitstreiter des Reformators gegen ihn. Namentlich Conrad Grebel und Felix Manz warfen Zwingli vor, die Reformation zu zögerlich einzuführen und mit dem Rat Kompromisse einzugehen. Die Lage spitzte sich derart zu, dass der Rat ab 1527 sogar Todesurteile gegen sie erliess. Da sie die Erwachsenentaufe lehrten, wurden sie später als Wiedertäufer bezeichnet. Die heutigen Amischen und Mennoniten leiten sich direkt von dieser Zürcher Täufergruppe ab, deren Geist in vielen Freikirchen weiterlebt.
Schlacht von Kappel
Schon um 1525 hegte Zwingli Angriffspläne gegen die katholischen Orte, weil er der Überzeugung war, dass man das Evangelium dort erst nach deren Eroberung predigen könne. Während der Erste Kappelerkrieg vom Juni 1529 gütlich mit der Kappeler Milchsuppe beigelegt werden konnte, endete der Zweite Kappelerkrieg im Oktober 1531 mit einer blutigen Schlacht, die den Protestanten eine Niederlage und Zwingli den Tod einbrachte.
Zwinglis Privatbibliothek
Von Zwingli ist zwar kein Tagebuch überliefert, aber 205 Titel seiner Privatbibliothek, von denen sich fast alle in der Zentralbibliothek Zürich befinden. Die Annotationen des Reformators in seinen Büchern gewähren interessante Einblicke in die Entstehung seiner Theologie und in seine Privatsphäre. Die Bände liegen auf der Plattform e-rara.ch digitalisiert vor (soweit aus konservatorischen Gründen ihre Digitalisierung möglich war).
Anlässe für das Jubiläum «500 Jahre Zürcher Reformation»
Verschiedene Institutionen gedenken dieses turbulenten und wichtigen Abschnitts der Zürcher Geschichte mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Filmen. Mehr dazu unter den folgenden Links:
- www.refo500.ch
- www.zh-reformation.ch
- www.zhref.ch
- www.zwingli.ch
- «500 Jahre Reformation – Wie die Schweiz gespalten wurde», Dokumentarfilm von Andreas Kohli aus Serie SRF DOK.
Fünf Highlights aus unseren Sammlungen
1. Zwinglis eigenhändige Abschrift der Paulusbriefe nach Vorlage des gedruckten griechischen Neuen Testaments von Erasmus von Rotterdam, das 1516 in Basel gedruckt worden ist.
2. Porträt von Huldrych Zwingli, das der Zürcher Maler Hans Asper 1549 gemalt hat.
3. Karte des Heiligen Landes, die der deutschen Froschauer-Bibel von 1525 beigebunden worden ist. Es handelt sich dabei um die erste gedruckte Karte, die einer Bibelausgabe beilag.
4. Martin Seger: Dyβ hand zwen schwytzer puren gmacht …, Zürich: Christoph Froschauer, 1521. Der Titelholzschnitt wurde unter Mitarbeit von Zwingli gestaltet. Er zeigt die sogenannte göttliche Mühle. Jesus Christus «schüttet» dort die Apostel und Evangelisten hinein, unten kommt «göttliches» Mehl heraus, das Erasmus von Rotterdam in Säcke abfüllt und mit dem Luther Bibeln «backt».
5. Bibel, Zürich: Christoph Froschauer, 1531. Die Übersetzung der Zürcher Bibel aus dem Hebräischen (AT) und Griechischen (NT) war fünf Jahre vor derjenigen Luthers abgeschlossen. 1530 erschien sie in einem Band und 1531 als Prachtbibel im Folioformat.
Zeitachse Reformation
Die Zürcher Reformation in der Presse
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Literatur über die Zürcher Reformation
Literatur zur Zürcher Reformation im Bestand der Zentralbibliothek finden Sie im Rechercheportal.