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„Unsere Mission ist es, die Ozeane von Plastik zu befreien“
Als Teenager beschloss Boyan Slat (23) etwas gegen den Plastikmüll in den Weltmeeren zu tun. Nun steht er vielleicht kurz vor dem Durchbruch.
Welche Probleme bedrohen die Meere dieser Welt?
Boyan Slat: Ganz allgemein schmeissen wir zu viele Dinge in die Meere, die dort nicht hingehören. Andererseits nehmen wir Sachen heraus, die nicht rausgenommen werden sollten.
Und das dritte Problem ist das zu warme Wasser. Also konkret: Wasserverschmutzung, Überfischung und globale Erwärmung.
Als ich tauchen ging, sah ich mehr Plastiksäcke im Wasser als Fische.
Wann haben Sie sich dazu entschlossen, etwas gegen die Wasserverschmutzung zu unternehmen?
Es war während einer Ferienreise nach Griechenland. Als ich tauchen ging, sah ich mehr Plastiksäcke im Wasser als Fische.
Das hat mich schockiert. Ich wollte eine Lösung dafür finden.
Ein ambitioniertes Vorhaben. Insbesondere für einen Teenager.
Ich war schon immer an Problemlösung interessiert. Nach der Erfahrung im Mittelmeer sah ich aber die Chance, ein wirklich relevantes Problem anzugehen. Ich habe ein ganzes Jahr lang mit dem Gedanken herumgespielt, bis schliesslich das Grundkonzept für Ocean Cleanup stand.
Seit damals hat sich das Konzept natürlich weiterentwickelt. Die Grundidee ist jedoch geblieben.
Und die wäre?
Der Plastikmüll ist über eine riesige Fläche im Meer verteilt. Würde man das mit Netzen aus dem Wasser fischen wollen, würde man dafür mehrere 10 000 Jahre benötigen. Ich hab mir also überlegt, wie wir uns die natürlichen Meeresströmungen zu Nutze machen können, damit der Müll zu uns schwimmt.
Wie soll das gelingen?
Wir haben eine lange, schwimmende Fangvorrichtung in U-Form entworfen, die 600 Meter in der Tiefe am Meeresgrund verankert wird. Das erste System ist bereits 600 Meter lang, während das nächste bereits etwas über einem Kilometer sein wird. Wir sagen immer: Um Plastik zu sammeln, muss man sich wie Plastik verhalten. Die relative Geschwindigkeitsdifferenz der Vorrichtung macht das Sammeln des Plastiks überhaupt erst möglich. Der Müll wird ins Zentrum hineingetrieben und dort gesammelt. Die Plastikfracht soll regelmässig von einem Transportschiff aufgeladen und dann zum Recycling an Land gebracht werden.
Wie effizient ist das System, falls alles klappt?
Binnen fünf Jahren könnten wir rund die Hälfte des Kunststoffmülls aus den Müllstrudeln einsammeln und abtransportieren. Das Altplastik soll dann recycelt und wiederverwertet werden. Unsere Mission ist es, die Ozeane der Welt von Plastik zu befreien.
Im Sommer wird die erste richtige Fangvorrichtung ins Meer gebracht. Sind Sie nervös?
Natürlich bin ich nervös. Wir haben unglaublich viele Tests gemacht; doch nichts kann einen auf die realen Bedingungen da draussen vorbereiten. Das Meer ist unberechenbar. 1000 Dinge können schief gehen. Doch ich hoffe, dass wir für alles eine Lösung finden werden.
Ein weiter Weg vom Griechenland-Urlaub bis hier hin. Wie haben Sie das geschafft?
Ausprobieren, scheitern, verbessern, wieder ausprobieren. Wieder scheitern und trotzdem weitermachen.
Das muss frustrierend sein.
Ich sehe Ocean Clean up als ein grosses Puzzle. Wenn man sich permanent vor Augen führt, dass man weder alle Puzzleteile hat, noch weiss, ob es sie überhaupt gibt, kann das tatsächlich sehr frustrierend sein. Deshalb muss ich einfach daran glauben, dass dieses Puzzle gelöst werden kann.
Gab es Momente, in denen Sie trotz Optimismus an Ihre Grenzen stiessen?
Der betriebswirtschaftliche Aspekt dieses Projekts hat mich tatsächlich wahnsinnig herausgefordert. Plötzlich musste ich gute Leute finden und einstellen.
Ist Ihnen das gelungen?
Ich habe anfangs viele Fehler gemacht, weil ich nicht wusste, was ich tat. Mittlerweile habe ich aber auch da sehr viel dazu gelernt.
Ihr jugendliches Alter hat für viel Aufsehen gesorgt. Empfanden Sie es als Vor- oder Nachteil?
Glaubwürdigkeit kommt mit dem Alter. Diesbezüglich hatte ich als sehr junger Erfinder sicherlich einen Nachteil. Wenn es allerdings um die Entwicklung des Produkts selbst geht, glaube ich, dass mein Alter ein Vorteil war.
Inwiefern?
Ich war absolut offen, habe nichts gemacht, weil es schon immer so gemacht wurde oder Ideen verworfen, weil sie ohnehin nicht klappen konnten. Ich denke, dass es mit dem Alter schwieriger wird, sich auf komplett neue Ansätze einzulassen.
Mittlerweile sind Sie durch Ihr Projekt auf der ganzen Welt bekannt. Der Anfang gestaltete sich jedoch etwas schwieriger.
Ja, tatsächlich. Ich habe 300 Firmen angeschrieben, um finanzielle Unterstützung zu bekommen. Gerade mal ein Unternehmen hat geantwortet und mir gesagt, wie absurd sie die Idee finden.
Also haben Sie ein Crowdfunding lanciert.
Richtig. Und damit innert 100 Tagen über zwei Millionen USD gesammelt. Seit damals haben wir nochmals 35 Millionen Euro Unterstützungsgelder erhalten. Funktioniert unser Vorhaben, brauchen wir aber zehnmal mehr, um es wirklich durchzuziehen.
Es gibt unglaublich viele Leute, die dieses Problem lösen wollen.
Wer soll das bezahlen?
Sobald wir beweisen können, dass das System funktioniert, mach ich mir um die Finanzierung keine Sorgen. Es gibt unglaublich viele Leute, die dieses Problem lösen wollen. Es haben uns schon unzählige Firmen deswegen kontaktiert.
Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Learning by doing. Schritt für Schritt Richtung Ziel. Und nie den Glauben daran verlieren, dass es machbar ist. Dieses Problem wurde von Menschen geschaffen. Ich wäre überrascht, wenn es nicht auch von Menschen wieder gelöst werden könnte.