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Bei einem viertägigen Besuch in Moskau ist der Luzerner Regierungspräsident über die Pläne Russlands für einen Kauf der Rachmaninoff-Villa in Weggis LU informiert worden. Russland will bis zum 20. Dezember 2013 den Kauf der Immobilie prüfen.
Der Schweizer Botschafter in Moskau habe die Luzerner Delegation über die entsprechenden Pläne Russlands informiert, sagte der Luzerner Regierungspräsident Guido Graf am Mittwoch vor seiner Rückreise in die Schweiz.
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte das Kulturministerium am 2. Oktober 2013 angewiesen, den Kauf der Villa in der Schweiz und des Nachlasses des Komponisten Sergej Rachmaninoff (1873-1943) zu prüfen, wie der Kreml bekannt gab.
Die Russische Föderation sei daran interessiert, dass die Rachmaninoff-Villa in Hertenstein bei Weggis als ganzheitliche Gedenkstätte erhalten bleibe, schreibt die russische Botschaft in Bern in einer Mitteilung. Das Haus sei ein Baudenkmal, und das Archiv sowie die persönlichen Gegenstände des Komponisten zählten zu einmaligen Kulturschätzen.
Noch kein offizielles Angebot
Der Komponist, Dirigent und Pianist Sergej Rachmaninoff liess die Villa Sénar im Bauhaus-Stil in Hertenstein direkt am Vierwaldstättersee errichten. Er lebte dort von 1929 bis 1939 im Exil, ehe er in die USA umzog.
Im November 2012 starb der letzte Besitzer der Villa, Rachmaninoffs Enkel Alexandre. Die Villa sowie das Archiv gingen an eine Erbengemeinschaft über. Dieser gehören vier Kinder des Enkels sowie die von Alexandre Rachmaninoff geschaffene Rachmaninoff-Stiftung an, wie Stiftungs-Anwalt Markus Kaufmann auf Anfrage sagte.
Die Stiftung ist gemäss Kaufmann von den russischen Behörden noch nicht wegen eines Kaufs kontaktiert worden.
Rachmaninoff wieder zum Russen machen
70 Jahre nach dem Tod von Sergej Rachmaninoff, der als US-Bürger starb, wollen die Russen ihn wieder zu einem der Ihren machen. Eine gute, aber "teure Idee", meinte Kulturminister Wladimir Medinski unlängst in der Zeitung "Iswestija".
Medinski stört, dass der Künstler im Westen oft als Amerikaner wahrgenommen werde. Das sei "beleidigend, unrichtig und zutiefst ungerecht", meinte der Funktionär. Der Künstler habe im Zweiten Weltkrieg Geld von seinen Konzerthonoraren an die Rote Armee überwiesen.
"Für uns ist wichtig, dass Rachmaninoff immer ein zutiefst russischer Mensch war. Er träumte davon, nach dem Krieg nach Russland zurückzukehren. Deshalb wäre der Erwerb der Villa für Russland sehr wichtig".
Kein Einzelfall
Im vergangenen Jahr hatte sich der russische Staat schon das Archiv des sowjetischen Kultregisseurs Andrej Tarkowski ("Iwans Kindheit", "Stalker") bei einer Auktion in London gesichert - und das Erbe nach Russland zurückgeholt. Seit Jahren bemüht sich das Riesenreich darum, weltweit "seine Kulturschätze" einzusammeln.
SDA-ATS