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In der Fifa-Machtzentrale hat es wieder gebebt. Der Weltfussballverband hat mit sofortiger Wirkung seinen bisherigen Generalsekretär Jérôme Valcke von seinen Aufgaben entbunden. Der Franzose war bis gestern die Nummer zwei im weltgrössten Sportverband.
Der Grund für die Suspendierung sind die Vorwürfe der Agentur JB Sports Marketing. Valcke soll der Agentur teure Tickets zugeschanzt haben. Als Gegenleistung verlangte er eine Gewinnbeteiligung, bei der er mindestens zwei Millionen Dollar verdient hätte. Verschiedene Zeitungen haben die Vorwürfe publik gemacht.
Gestern lud die Agentur JB Sports Marketing ausgewählte Journalisten zu einer Pressekonferenz ein. Mit dabei war SRF-Redakteur Jean François Tanda.
SRF News: Sie waren gestern anwesend bei der Medienkonferenz. Hat Sie der Rausschmiss von Jérome Valcke überrascht?
Jean-François Tanda: Ja. Denn die Indizienlage ist nicht so erdrückend. Und vergleicht man den Verkauf der TV-Rechte von Sepp Blatter an Jack Warner, die im Umfang mindestens ähnlich skandalös war, dann erstaunt das noch mehr.
In einer gestern veröffentlichten E-Mail verlangte Valcke aber um Schmiergeld für ein Kontigent wertvoller Tickets. Valcke erwähnt im Schreiben an seinen Geschäftspartner Benny Alon das Codewort «Dokumente». Gemäss Alon handelt es sich hierbei um Bargeld. Ist diese Beweislage nicht erdrückend?
Der Kontext dieser Mail ist nicht klar. Es könnte sein, dass mit «Dokumente» das gemeint ist, was Benny Alon sagt. Es könnte aber auch sein, dass diese Mail in einem ganz anderen Kontext geschrieben wurde.
Jérôme Valcke wurde nun suspendiert. Wer hat ihn eigentlich entlassen? War das Blatter? Oder ein Fifa-Komitee?
Das war wahrscheinlich schon Blatter. Entlassen ist er aber noch nicht. Laut Fifa-Statuten ist das Sache des Exekutivkomitees, die ihn auf «Vorschlag des Präsidenten» ernennt und entlässt.
Und warum hat die Fifa keinen Nachfolger von Valcke bekannt gegeben?
Auch hier gilt, dass das nur das Exekutivkomitee machen kann, auf Vorschlag des Präsidenten. Allerdings macht es keinen Sinn, einen Nachfolger zum jetzigen Zeitpunkt zu ernennen. Ein Fifa-Generalsekretär ist der engste Mitarbeiter des Fifa-Präsidenten. Sepp Blatter geht in ein paar Monaten. Jetzt einen neuen Vertrauten einzusetzen, der vielleicht dem nächsten Präsidenten nicht genehm ist – das macht wenig Sinn.
Auch gegen Blatter wurden Vorwürfe erhoben. Ein enger Freund soll ihm zwei Millionen Euro für einen Auftrag gegeben haben. Wird Sepp Blatter auch diesen Sturm überleben?
Ziemlich sicher. Diese Vorwürfe sind noch dünner belegt als im Fall Valcke. Es handelt sich hier um unbewiesene Behauptungen von einem früheren Geschäftspartner.
Denken Sie, dass die Bundesanwaltschaft gegen Blatter persönlich vorgehen wird?
Ich denke schon, dass die Bundesanwaltschaft Blatter im Visier hat. Nicht wegen der Vorwürfe von gestern, sondern wegen des TV-Vertrags, den er mit Jack Warner unterschrieben hatte.
Korruptionsvorwürfe an Blatter und Valcke
|Sepp Blatter|
Die beiden Geschäftspartner Haruyuki Takahashi und Benny Alon gründeten 2003 die Firma ISE. Nur wenige Monate nach der Firmengründungbekam sie von der Fifa die Hospitality-Rechte für die Weltmeisterschaft 2006. Dass eine frisch gegründete Firma gleich die Gewährleistung der Infrastruktur eines Grossanlasses kriegt, hat damals für grosses Aufsehen gesorgt. Gemäss Benny Alon soll sein Geschäftspartner Takahashi als Gegenleistung Schmiergeld an Sepp Blatter gezahlt haben.
|Jérôme Valcke|
Wieder geht es um Benny Alon. Diesmal tritt er als Mitarbeiter der Firma JB Sports Marketing auf. Die Schweizer Firma verkauft Fussball-Tickets. Alon erhebt nun den Vorwurf, dass ihm Valcke besonders attraktive Spiele (unter anderem vom WM-Final) nur gegen Schmiergeld aushändigen wollte. Fast wäre es zur krimireifen Übergabe gekommen. Als Beweislast wurde an der Medienkonferenz aber eine E-Mail von Valcke gezeigt, welche den Vorwurf der Korruption beweisen soll.
Jean François Tanda ist SRF-Wirtschaftsredaktor. Tanda ist ein Kenner der Fifa-Machtstruktur.
E-Mail an Benny Alon
«Was die Dokumente betrifft, schliess die irgendwo ein, und wir gehen sie nächstes Mal durch. Wegen einer potentiellen Präsidentschaftskandidatur kann ich sie nicht anschauen, bis der Entscheid über meine Zukunft gefallen ist. Die Dokumente sind mein Pensionsfonds, wenn ich nach etwas anderem Ausschau halte und nicht mehr bei der Fifa (bin) (...)»