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- Die James-Simon-Galerie in Berlin-Mitte am Wochenende eröffnet worden.
- Das Gebäude bildet den Abschluss eines 180 Jahre dauernden Bauprojekts: Berlins Museumsinsel.
- Das Bauwerk des britischen Architekten David Chipperfield besticht durch Eleganz und Funktionalität.
Die Einordnung fällt nicht ganz leicht aus. Wunderschön weisse Kolonnaden, eine grosse Freitreppe und ein eleganter Neubau. Unmittelbar neben dem Pergamonmuseum, gleich gegenüber der Privatwohnung von Angela Merkel. Zu finden in Berlin-Mitte auf der Museumsinsel, einem Bauprojekt, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt: darauf die neue James-Simon-Galerie.
David Chipperfield, der weltberühmte Architekt der Anlage, bietet Hand. Normalerweise sei die Funktion eines Gebäudes klar, erklärt Chipperfield. Es soll ein Bahnhof, eine Bibliothek, ein Museum werden. Im Fall der James-Simon-Galerie war die Liste der Aufgaben, die das Gebäude übernehmen sollte, aber lang: Denn es gab eine Reihe von Problemen auf der Museumsinsel zu lösen.
Es gibt nicht genug Toiletten, keinen Buchladen, kein Auditorium für Veranstaltungen, keine Räume für Wechselausstellungen, ja es gab auch keinen klar definierten Weg, der die Besucher von einem Museum zum anderen führt.
Bevor Chipperfield also die erste Zeichnung anfertigen konnte, war erst eine endlose Liste von Problemen abzuarbeiten, die grundlegende Missstände der Insel beschreibt. Ja, sagt Chipperfield, die James-Simon-Galerie sei auch als Eingangsgebäude beschrieben worden.
Henry Kissinger hatte einmal die Frage gestellt: Welche Telefonnummer hat Europa? Gemeint war, mit wem rede ich, wenn ich Europa meine? Mit der James-Simon-Galerie bekommt die Museumsinsel nicht nur einen neuen Kulturtempel, sondern eben auch eine Adresse, einen Wegweiser, ein Tor.
Wer ist James Simon?
Die James-Simon-Galerie holt eine wichtige Persönlichkeit aus dem Dunkel der Vergessenheit. James Simon, der von 1851-1932 lebte, war ein vermögender jüdischer Textilunternehmer, ein grosser Mäzen und Kunstförderer, der einen Drittel seines Vermögens für humanitäre Zwecke einsetze. So engagierte er sich in Vereinen zum Schutz und der Förderung von Kindern oder gründete Ferienheime für arme und kranke Kinder.
1938 tilgten die Nazis alle Hinweise auf ihn aus allen Museen und damit aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Bis heute.
Einst waren die fünf Museen auf der Insel durch oberirdische Brücken verbunden. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Künftig soll eine archäologische Promenade die Gebäude unterirdisch verbinden, auch von der James-Simon-Galerie ausgehend. Diese Verbindungen sind jedoch noch nicht fertiggestellt.
Die James Simon Galerie bietet auch Raum für ein Auditorium und Wechselausstellungen. Damit soll die Museumsinsel, Link öffnet in einem neuen Fenster moderner, dynamischer werden. Heutzutage seien Museen auch ein Ort, an dem Menschen ihre Freizeit verbringen und unterhalten werden wollten, sagt Chipperfield. Museen seien nicht bloss statisch, nicht eine blosse Schatzkammer, seine Galerie soll nicht nur Touristen, sondern auch die Berliner anziehen.
Das Gebäude ist optisch sehr gelungen. Ein leuchtender Blickfang. Die Kolonnaden greifen die Säulenreihen benachbarter Museen auf. Sichtbeton und Holz strahlen eine warme Eleganz aus. Sogar ins Untergeschoss dringt Tageslicht.
Und da unten ist auch der mächtige Eichenpfahl zu bestaunen. Ein Relikt aus früheren Zeiten, denn zu Beginn standen die Gebäude in Berlins Mitte wie diejenigen Venedigs auf Pfählen.
Weil das Grundwasser durch den sandigen Grund fast bis zur Oberfläche dringt. Ohne Luftzufuhr konnten die Pfähle nicht faulen. Es lässt sich auch von Laien erahnen, welche baulichen Herausforderungen hier auf Chipperfield und die Bauunternehmen warteten.
Die Probleme sind inzwischen Vergangenheit. Am 13. Juli wird die Galerie eröffnet. In einem grossen, offiziellen Festakt, im Beisein von Angela Merkel. Ein Stück Hochkultur direkt in ihrer Nachbarschaft.