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Was ich durch COVID-19 gelernt habe: Andrew Stallybrass05/05/2020
COVID-19 ist eine globale Herausforderung. Erfahren Sie in unserem Interview mit Andrew Stallybrass, wie er die aktuelle Situation erlebt und welche Lehren er aus seiner Zeit im Lockdown gezogen hat. Andrew Stallybrass stammt ursprünglich aus Grossbritannien, arbeitet seit vielen Jahren für Initiatives of Change und lebt mit seiner Frau Eliane in Caux (Schweiz).
Wie ist Ihre derzeitige Situation? Wie wirkt sich die Verbreitung von COVID-19 auf Sie aus?
Überraschend wenig. Meine Frau Eliane und ich sind beide über 70 und gehören damit zur "Risikogruppe". Aber Caux ist ein schöner Ort, um "eingesperrt" zu sein.
Beschreiben Sie in 3 Worten, wie Sie sich im Moment fühlen?
Beunruhigt. Besorgt. Hoffnungsvoll.
Was ist im Moment Ihre größte Herausforderung?
Prioritäten setzen. Was sollte ich jetzt tun? Ich sollte eigentlich im Ruhestand sein - aber ich habe so viele Dinge zu tun, Bücher zu lesen, Projekte, an denen ich arbeiten sollte. Meine Frau und ich arbeiten beide intensiv an einer neuen Web-Plattform, die die Geschichte des MRA/IofC präsentiert, eine Art Wikipedia. Eine schlichtweg riesengrosse Herausforderung.
Welche Lehren haben Sie aus dieser Zeit bereits gezogen?
Sie ist eine Erinnerung daran, wie privilegiert wir sind und waren. Seit 2-3 Generationen haben wir in unserem glücklichen Teil der Welt ohne grössere Bedrohungen, die sich unserer Kontrolle entziehen, gelebt. Die jetztige Situation ist eigentlich eher normal: Der grösste Teil der Menschheit musste während des grössten Teils der Geschichte mit der Angst vor Pest, Krieg und Naturkatastrophen leben. All unser Reichtum und unsere Kenntnisse können uns nicht immer vor jeder Gefahr schützen.
Nehmen Sie sich Zeiten der Stille? Wenn ja, wie machen Sie das und wie hilft sie Ihnen?
Ja, ziemlich jeden Morgen und das seit mehr als 50 Jahren. Ich lese täglich aus irgendeinem Buch oder Text, der mich inspiriert, ermutigt, herausfordert. Es gibt seltene Momente der Inspiration: das Gefühl, dass etwas, das grösser ist als ich, mich übersteigt, versucht, mir neue Gedanken, Ideen, Inspiration zu geben. Viel öfter ein einfaches Gefühl für die Prioritäten des Tages. Ein Freund, mit dem man in Kontakt bleiben sollte. Einen Brief oder eine E-Mail schreiben.
Was sind Ihre besten Tipps und Tricks im Kampf gegen Ängstlichkeit/Engstlichkeit/Unsicherheit (je nachdem, womit Sie am meisten zu kämpfen haben)?
An andere Menschen denken und sich wieder an die Arbeit machen.
Wie können wir uns mit anderen vernetzen und sie unterstützen, obwohl wir uns abschotten müssen?
Nehmen Sie einfach Kontakt auf. Was für erstaunliche Werkzeuge wir mit Skype und Zoom und E-Mail und Mobiltelefonen doch jetzt haben.
Was hat Sie heute zum Lachen gebracht?
Heute habe ich noch nicht gelacht. Aber es gab schon viele Lacher und amüsante Momente. Wir haben entdeckt, dass eine unserer beiden Katzen gerne mit uns spazierengeht (eine 35-minütige Runde im Wald in unserer Nähe). Gestern haben wir dabei eine Familie getroffen, die sehr erstaunt war, eine Katze zu treffen, die ihrem Herrchen folgt...
Was möchten Sie (als Person) aus dieser Krise mitnehmen?
Mehr im Frieden mit mir und der Welt. Mehr Hoffnung für die Zukunft dieses kostbaren, zerbrechlichen Planeten.
Wofür sind Sie dankbar?
Ich bin dankbar für den IofC-"Slogan": "Vertrauen schaffen über alle Spaltungen hinweg". Ich war kein grosser Fan dieses Satzes, als er eingeführt wurde. Für mich hat er nicht die Essenz dessen erfasst, wofür wir bestimmt sind. Jetzt überzeugt er mich viel mehr! Vertrauen ist so notwendig, damit Demokratie und die menschliche Gesellschaft funktionieren können. Und Vertrauen steht überall unter Beschuss. Falsche Nachrichten, Gerüchte, Lügen... So oft hören wir: "Sie sagen uns nicht die Wahrheit... Sie verbergen Dinge vor uns... Wir wissen es nicht wirklich..."
Ich habe das Glück, in einer Demokratie zu leben, mit einer freien Presse - darum, ja, ich vertraue unserer Regierung. Ich vertraue Alain Berset, unserem Gesundheitsminister. Ich vertraue der Bundesregierung. Ich vertraue dem, was sie mir/uns sagen. Ich vertraue ihnen um so mehr, wenn sie sagen, dass sie etwas nicht wissen. Dass wir alle mit einer Krankheit und einer Situation konfrontiert sind, die neu und unerwartet ist. Ich vertraue darauf, dass sie und wir gemeinsam lernen werden, wie wir es besser hätten machen können und wie wir es beim nächsten Mal besser machen können - denn es wird wahrscheinlich ein nächstes Mal geben.
Ich vertraue darauf, dass ich als Einzelner, dass unser Land, unser Kontinent, unsere Welt auf eine grössere Weisheit und Liebe bauen kann, die uns alle zusammenhalten kann, die uns in eine grössere Gemeinschaft einbinden kann, in der jeder einzelne Mensch zählt, geschätzt und respektiert wird und am Aufbau einer besseren Zukunft für uns alle mitwirken kann.
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