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Martin von Tours: Soldat, Heiliger, Schlachtenhelfer
Er gilt als die personifizierte Barmherzigkeit und ist einer der populärsten Heiligen überhaupt. Schon zu Lebzeiten stand Martin wegen seiner asketischen Lebensweise und seiner Wundertätigkeit im Ruf der Heiligkeit. Die bekannteste Szene seines Lebens spielt sich im Jahr 334 in Amiens ab. Martin ist in Gallien als Offizier der römischen Armee stationiert. Einem frierenden Bettler schenkt er die Hälfte seines Umhangs, und nachts im Traum erscheint ihm Christus, mit dem halben Mantel bekleidet.
Nach dem Austritt aus der Armee ist Martin als Missionar tätig und gründet 361 im gallischen Ligugé bei Poitiers das erste abendländische Kloster. Martin wäre gerne für den Rest seines Lebens Mönch geblieben, doch die Bevölkerung von Tours besteht darauf, dass er das Bischofsamt übernimmt. Zum Begräbnis in Tours am 11. November 397 erscheinen Tausende, und sein Grab wird schnell zum Ziel zahlreicher Pilger.
Der Kult um Martin von Tours ist also bereits etabliert, als der Frankenführer Chlodwig um 480 die Bühne betritt. Chlodwig, der vom regionalen Warlord zum mächtigsten Mann Galliens aufsteigt, verdankt seinen Erfolg nicht nur militärischen Siegen, sondern auch seinem Geschick, an bestehende Strukturen anzuknüpfen. So vermeidet er durch seinen Übertritt zum katholischen Christentum Spannungen zwischen den Franken und der galloromanischen Mehrheitsbevölkerung.
Chlodwig macht Martin von Tours zum Nationalheiligen und Schutzherrn des Frankenreichs. Die merowingischen Herrscher instrumentalisieren den Heiligen gar als Schlachtenhelfer, indem sie seinen Mantel bei Feldzügen mitführen.
Regula Vogt-Kohler