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| Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)

Neunte Unterredung, welche die erste des Abtes Isaak ist, über das Gebet.
25. Über die Beschaffenheit des höhern Gebetes.
Obwohl nun dieses Gebet die ganze Fülle der Vollkommenheit zu enthalten scheint, da es ja durch die Auto- [S. 566] rität des Herrn selbst eingeweiht oder festgesetzt wurde, so erhebt er doch seine Vertrauten in jenen höhern, oben erwähnten Zustand und führt sie zu jenem feurigen, Wenigen bekannten und zugänglichen, ja, um mich treffender auszudrücken, unaussprechlichen Gebete auf höherer Stufe, das allen menschlichen Sinn übersteigend nicht nur durch keinen Laut der Stimme, keine Bewegung der Zunge und keine Aussprache von Worten zu erkennen gegeben wird, sondern welches der von Eingießung jenes himmlischen Lichtes erleuchtete Geist nicht in menschliche und beschränkte Sprache faßt, sondern in gedrängtem Sinn wie aus vollster Quelle reichlich ausgießt und unaussprechlich dem Herrn vorträgt, indem er so Vieles in jenem ganz kurzen Augenblicke vorbringt, daß es weder leicht zu sagen ist noch von dem zu sich selbst zurückgekehrten Geiste durchgangen werden kann. Diesen Zustand hat auch der Herr ähnlich dargestellt unter jenen Gebetsformeln, die er der Beschreibung nach entweder allein auf dem Berge sitzend oder schweigend ausgegossen hat, wie er ja im Gebete des Todeskampfes selbst Blutstropfen vergoß mit einem unnachahmlichen Beispiele von Inbrunst.