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10.08.2022, 11:48 Uhr
Dafür, dass er nicht direkt messbar ist und sich mit der Zeit ändert, wird erstaunlich viel über den neutralen Zinssatz diskutiert, meint Russell Silberston von Ninety One. Und das zu Recht.Artikel lesen
Die Nationalbank dürfte für die Periode von April bis Juni einen Verlust in der Grössenordnung von 50 Mrd. Franken ausweisen, schätzt die UBS. Für das erste Halbjahr würde dann ein Gesamtverlust von 80 bis 85 Mrd. Franken resultieren. Bei einem Jahresverlust von rund 93 Mrd. Franken müsste die SNB auf eine Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2022 verzichten.
Am 29. Juli publiziert die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihr Finanzergebnis für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2022. die UBS schätzt, dass die SNB im zweiten Quartal einen Verlust in der Grössenordnung von rund 50 Mrd. CHF (vgl. Abbildung) ausweist, womit sich der Gesamtverlust für das erste Halbjahr 2022 auf 80 bis 85 Mrd. CHF belaufen würde.
Steigende Zinsen, Rückschläge an den Aktienmärkten, fallende Goldnotierungen und ein gegenüber vielen Währungen stärkerer Franken prägten das zweite Quartal. Der Weltaktienmarktindex MSCI World verlor von April bis Juni rund 14% an Wert.
Im Januar 2021 erneuerten das Eidgenössische Finanzdepartement und die SNB die Modalitäten für die Gewinnausschüttung der SNB an Bund und Kantone für die Periode 2020 bis 2025. Eine Ausschüttung erfolgt nur, wenn ein Bilanzgewinn vorliegt. Dieser setzt sich aus dem Gewinnvortrag aus dem letzten Jahr und dem ausschüttbaren Jahresergebnis zusammen. Dieses wiederum stellt das Jahresergebnis nach Zuweisung an die Rückstellung für Währungsreserven dar. Die SNB hat 2020 eine jährliche Mindestzuweisung an die Rückstellungen für Währungsreserven beschlossen, die 10% der bereits bestehenden Rückstellungen beträgt.
Der Gewinnvortrag aus dem Jahr 2021 beträgt 102,5 Mrd. CHF. Die SNB dürfte laut UBS wohl an der bisherigen Praxis der Rückstellungen festhalten, wofür sie rund 9,5 Mrd. CHF bereitstellen müsste. Stand heute seien die Ausschüttungen zumindest gefährdet. UBS erwartet zwar eine Erholung der Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte, trotzdem sollte aus der Perspektive einer vorsichtigen Fiskalpolitik die SNB-Ausschüttung im nächsten Jahr nicht als gesetzt angesehen werden, so die vorsichtige Formulierung.
Dieser Punkt werde noch dadurch verstärkt, dass SNB-Gewinne sehr sensibel auf kleine Veränderungen in den Finanzmärkten reagieren: So führt bereits eine 1-Rappen-Aufwertung des Frankens gegenüber dem US-Dollar und Euro zu einem Verlust von rund 7 Mrd. CHF. Ein Anstieg der globalen 5-jährigen Zinsen um 10 Basispunkte bei einem Rückgang des globalen Aktienmarktes (MSCI World) um 1% würde ein Gewinnrückgang von 6 Mrd. CHF bedeuten. Die hohe Volatilität der letzten Monate dürfte deshalb zu massiven täglichen Bewertungsänderungen geführt haben. Aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten erwarten die UBS-Ökonomen
auch im zweiten Halbjahr eine hohe Volatilität.
UBS erwartet auf Basis ihrer eigenen langfristigen Renditeerwartungen für verschiedene Anlageklassen ein jährliches Renditepotenzial für das SNB-Portfolio von rund 1 bis 1,5%. Der Ausverkauf an den Anleihen- und Aktienmärkten hat deren Überbewertung deutlich reduziert und entsprechend den Ausblick verbessert. Die Performance dürfte aber darunter leiden, dass die deutlich tiefere Inflation in der Schweiz im Vergleich zum Rest der Welt in den nächsten Jahren zu einer klaren Aufwertung des Frankens gegenüber dem US-Dollar und dem japanischen Yen führen dürfte. Gegenüber dem Euro ist der Franken inzwischen fair bewertet, die Aufwertung des Frankens dürfte deswegen nur mässig ausfallen.
Bei einem Portfolio von fast einer Billion Franken bedeutet ein längerfristiges Potenzial von 1 bis 1,5% ein durchschnittlicher jährlicher Gewinn von 10 bis 15 Mrd. CHF, sofern die SNB nicht beschliesst, ihre Devisenreserven deutlich zu reduzieren. "Langfristig dürfen Bund und Kantone damit weiterhin mit Ausschüttungen rechnen, im nächsten Frühjahr aber möglicherweise nicht", erwarten die UBS-Experten.