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Die Generalversammlung des Luxusgüterherstellers Richemont war bislang als Veranstaltung mit vorhersehbarem Ausgang bekannt. Überraschende Abstimmungsergebnisse oder gar Turbulenzen waren praktisch ausgeschlossen, wird der Hersteller von Cartier-Schmuck sowie Uhren der Marke A. Lange & Söhne und IWC doch seit seiner Gründung im Jahr 1988 von der Familie des südafrikanischen Milliardärs Johann Rupert kontrolliert.
Das dürfte bei der diesjährigen Aktionärsversammlung am Mittwoch für einmal anders werden. Denn der aktivistische Investor Bluebell fordert Änderungen bei Richemont und will den Verwaltungsrat umkrempeln.
Rupert kontrolliert Stimmrechte
Konfliktpotenzial bietet vor allem die Kapitalstruktur des Genfer Konzerns. Richemont hat zwei Aktienkategorien: Börsennotierte A-Aktien und nicht gelistete B-Aktien, die von Rupert und seiner Familie gehalten werden.
Rupert kontrolliert so mit lediglich zehn Prozent des Kapitals 51 Prozent der Stimmrechte. Bluebell hat den früheren hochrangigen LVMH-Manager Francesco Trapani als Vertreter der A-Aktionäre vorgeschlagen und für die Wahl in den Verwaltungsrat nominiert. Dieser hat sich gegen Trapanis Einzug in das Gremium ausgesprochen und schickt Verwaltungsrätin Wendy Luhabe als Repräsentantin der A-Aktionäre ins Rennen.
Der Richemont-Verwaltungsrat spricht Bluebell angesichts einer relativ geringen Beteiligung das Recht ab, alle A-Aktionäre zu vertreten. Er hält zudem Trapani wegen seiner langen und engen Beziehung zum französischen Konkurrenten LVMH für ungeeignet. Unterstützung bekommt Richemont von den einflussreichen Stimmrechtsberatern ISS und Glass Lewis, die den Aktionären von einer Wahl Trapanis abraten.
«Potenzielle Interessenkonflikte»
Auch der Schweizer Stimmrechtsberater Ethos stellt sich in dieser Frage hinter den Verwaltungsrat. Zwar stehen Trapanis Qualifikationen nicht infrage, der Manager habe aufgrund seiner früheren Tätigkeit für LVMH aber "potenzielle Interessenkonflikte", erklärte Ethos gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Dennoch sieht Ethos Verbesserungsbedarf bei der Zusammensetzung des Verwaltungsrats. So habe der Hauptaktionär vier Vertreter in dem gegenwärtig 18-köpfigen Aufsichtsgremium.
Rupert hat zwar letztlich die Entscheidungsgewalt, aber sollten sich die Streubesitzaktionäre für Trapani entscheiden, könnte es für Rupert riskant werden, sie zu überstimmen. "Einige Investoren wären wahrscheinlich besorgt, wenn Rupert ein Veto gegen einen A-Direktor einlegen würde, der von der Mehrheit der A-Aktionäre gebilligt wurde", sagte Jon Cox, Analyst bei Kepler Cheuvreux, der Aktionäre befragt hat und erwartet, dass Trapani die Abstimmung gewinnen wird.
Bluebell zeigte sich bereit, rechtliche Schritte einzuleiten, falls dieses Szenario eintritt. "Wir sind sehr gut vorbereitet", sagte Bluebell-Partner Giuseppe Bivona zu Reuters. "Wenn eine Person, die zehn Prozent des wirtschaftlichen Interesses hat, denkt, sie sei der Padre Padrone, steht sie auf der falschen Seite der Geschichte." Der Manager des Londoner Hedgefonds sagte, er erwarte Unterstützung von einigen der grössten Richemont-Aktionäre, nannte aber keine Namen.
Mit weitergehenden Änderungen im Verwaltungsrat rechnet Analyst Cox nicht, solange der 72-jährige Rupert Präsident bleibt. "Wir glauben jedoch, dass Richemont an der Schwelle zu einem Generationenwechsel steht", sagte er.
(Reuters)