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Prävalenzschätzung chronischer Erkrankungen
Prevalence of chronic medical conditions in Switzerland: exploring estimates validity by comparing complementary data sources
Zellweger U, Bopp M, Holzer B, Djalali S, Kaplan V
Hintergrund:
Es gibt kaum verlässliche Einschätzungen davon, wie häufig bestimmte chronische Erkrankungen in der Schweizer Bevölkerung vorkommen. Der Grund dafür ist, dass die Datengrundlage, auf der diese Schätzungen angestellt werden können, fragmentiert ist. Spitalstatistiken bilden lediglich den Gesundheitszustand von Spitalpatienten ab, Gesundheitsbefragungen der Bevölkerung geben lediglich den Zustand der Menschen wieder, die bereitwillig an einer Umfrage teilnahmen; und auch FIRE-Daten sind limitiert, denn sie bilden lediglich den Gesundheitszustand von Menschen ab, die sich bei einem Hausarzt in Behandlung begaben. Ziel dieser Studie war es, herauszufinden, wie stark die fragmentierten Sichtweisen voneinander abweichen.
Methoden:
Wir untersuchten, wie sich die Schätzungen unterscheiden, wenn man die Prävalenz von Diabetes, Hypertonie, Dyslipidämie und Übergewicht mit Hilfe der FIRE-Daten (Zeitraum 2009−2012) bestimmt resp. mit Hilfe der «Medizinischen Statistik der Krankenhäuser (MEDSTAT)» (Zeitraum 2009-2010) oder auf Basis der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (Daten aus 2007).
Ergebnisse:
In allen drei Datenquellen zeigte sich, dass die Prävalenz der untersuchten Erkrankungen mit dem Alter der Patienten ansteigt. Diabetes und Hypertonie waren in der FIRE-Datenbank und der MEDSTAT-Statistik ähnlich operationalisiert und die Prävalenzschätzungen kamen auf vergleichbare Ergebnisse. Grenzwerte für Dyslipidämie und Übergewicht waren weniger streng definiert und daher unterschiedlich operationalisiert. Folglich wichen die Prävalenzschätzungen stärker voneinander ab. Während die Daten der Gesundheitsbefragung und die FIRE-Datenbank eine grosse Übereinstimmung aufwiesen, zeigte sich, dass Dyslipidämie und Übergewicht in den MEDSTAT-Daten unterrepräsentiert waren.
Schlussfolgerung:
Unterschiedliche Datenquellen kommen zu tendenziell gleichgerichteten, aber dennoch unterschiedlichen Einschätzungen der Prävalenz. Der Grad der Abweichung variiert, je nachdem wie stark die Definitionen der untersuchten Krankheiten in den unterschiedlichen Datensätzen übereinstimmen. Der Vergleich der Ergebnisse aus unterschiedlichen Quellen dient der Cross-Validierung der einzelnen Datenquellen. Die FIRE-Datenbank setzt dabei Massstäbe und ist ein wichtiges Instrument um die Prävalenzschätzungen in Zukunft zu präzisieren.