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Biographie
Kindheit
Armand Niquille wird am 30. März 1912 in Freiburg geboren. Er ist der Sohn von Césarine Niquille, geborene Barbey, die seit 1908 mit Auguste Niquille – zuerst Bäcker und dann Angestellter der Verkehrsbetriebe Freiburg – verheiratet ist. Das Geheimnis seiner Herkunft als aussereheliches Kind und die damit verbundene innere Ungewissheit sollten prägend sein für Niquilles künstlerisches Werk.
Niquille verbringt seine Kindheit im Altquartier, an der Rue du Varis und später an der Rue Grimoux, wo seine Mutter ein Kolonialwarengeschäft unterhält. Als sein Adoptivvater Auguste am 24. Juni 1921 im Alter von 41 Jahren an Tuberkulose stirbt, ist er erst neun Jahre alt. Der Verlust bindet ihn noch enger an seine Mutter, deren einziges Kind er bleiben wird. In der Primarschule fällt Niquille durch seine verträumte Art auf. Im Alter erzählte er gerne, dass er schon in jungen Jahren „der Dichter“ genannt wurde wegen seiner frühen Leidenschaft für Bücher, die er mit seinen bescheidenen Ersparnissen bei einem Buchantiquariat kaufte. Auch erwähnte er die Prügeleien mit Kinderbanden, mit denen er – zu seinem grossen Vergnügen – wegen seiner Andersartigkeit häufig konfrontiert war.
Jugend
Während seiner Jugend ist er Mitglied der Pfadfinder. Nach Aussagen jener, die ihn in dieser Zeit kannten, war er ein geselliger und dynamischer junger Mann, jedoch mit einer Neigung zur Zurückgezogenheit, zum Nachdenken und zu den grossen philosophischen, durch seine Lektüre inspirierten Fragen. Nach seinem eigenen Geständnis spielt er eine Zeitlang mit dem Gedanken, Mönch zu werden und in die Kartause La Valsainte in Greyerz einzutreten. Ein Pater überzeugt ihn jedoch davon, dass er „in der Welt“ leben kann, ohne deshalb seine religiöse Leidenschaft aufzugeben. In der Tat sollte er sein Leben lang ein tiefes religiöses Empfinden und eine Vorliebe für die Askese bewahren.
Lehrjahre
In den 30er-Jahren ist es nicht einfach, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, schon gar nicht, wenn man den Beruf des Kunstmalers wählt. Niquille erwirbt schnell die Fähigkeit, sich durchzuschlagen und sich an die Umstände anzupassen. Ein Rechnungsblock aus dieser Zeit, lautend auf „Armand Niquille – Kolonialwaren“, erinnert daran, dass der junge Mann Säcke mit Handelswaren vom Bahnhof Freiburg transportierte und an die Geschäfte der Stadt lieferte. Trotz der materiellen Schwierigkeiten lebt er seine Anfänge als Maler mit Begeisterung. 1927 beginnt er eine künstlerische Ausbildung im kantonalen Technikum von Freiburg in der Abteilung Dekorative Künste. Seine Lehrer sind die Maler Oswald Pilloud, Oscar Cattani und Henri Robert. Im Alter von 18 Jahren übt sich Niquille nach eigenen Aussagen in der „Staffelei-Malerei“. Geübt in der Ölmalerei bedient er sich auch der alten Technik der Vermischung des Öls mit Ei, der sogenannten „Tempera“.Seine ersten Werke sind geprägt durch eine romantische, gefühlsbetonte Stimmung. Es handelt sich im Wesentlichen um Landschaften, im Freien und auf eine spontane und sehr lebhafte Weise gemalt. Seit 1929, also seit dem Alter von 17 Jahren, interessiert er sich für religiöse Motive und malt die Geburt Christi, Engel und andere Szenen aus der Bibel. Erst später wird die Figur des Christus am Kreuz ein vorherrschendes Thema.
Die 1940er-Jahre
Während des Krieges verbringt Niquille lange Perioden im Militärdienst, wie Fotografien von dieser Zeit bezeugen. Dies hindert ihn nicht daran, auf der künstlerischen Ebene sehr aktiv zu bleiben. Die verschiedenen Gattungen der Malerei, die sein Werk prägen, werden evident: Landschaftsansichten, Stillleben, symbolische Szenen, Stadtlandschaften, tragische Beschwörung des Krieges, Christus als Sinnbild des menschlichen Leidens. Sein persönlicher Stil entwickelt und verfestigt sich.
1943 trifft Niquille Balthus, der nach Freiburg geflüchtet ist. Niquille schätzt diesen Künstler sehr, der wie er ein Bewunderer von Piero della Francesca ist. Auch wenn die beiden Männer sich in der Folge aus den Augen verlieren, bleibt die Verbindung bestehen. Der Katalog der 1993 in Lausanne stattfindenden Ausstellung „Balthus“, den Niquille erhält, weist eine Widmung von der Hand des Malers auf. Armand Niquille ist vielen Künstlern seiner Epoche in Freundschaft verbunden: Yoki (Emile Aebischer), zehn Jahre älter als er, mit dem er lange Diskussionen über die Kunst führt; der Fotograf Jacques Thévoz; Fred de Diesbach, der ihn sehr oft im Schloss Breitfeld in Bourguillon empfängt, wo sie zusammen malen; die Maler Hiram Brülhart, Gaston Thévoz, Henri Robert, Oswald Pilloud, Raymond Buchs, Jean de Castella, Alexandre Cingria, Teddy Aeby und andere mehr.
Freundschaften und ein eigenwilliger Weg
Der Werdegang von Niquille ist eigen, ja eigenbrötlerisch, und doch seinen Zeitgenossen zugewandt. Wiederholt trifft er auf Personen, die sein Potential erkennen und ihn unterstützen. Die kürzlich erbaute Universität Miséricorde bringt Auftrieb ins kulturelle Leben, und der Staatsrat Joseph Piller fragt ihn für die Installation der charmanten, oberhalb der Aula Magna umlaufenden Museums-Galerie an. Dank des Architekten, Denis Honegger, Schüler von Auguste Perret, verfügt Niquille fortan über ein kleines Atelier in diesen neuen Gebäuden. Honegger ist einige Jahre später der Erbauer der Christ-König-Kirche und vertraut ihm die Gestaltung des Kreuzweges an (1955), den man immer noch in dieser Kirche bewundern kann.
Seit 1940 erhält Niquille Mandate des Museums für Kunst und Geschichte in Freiburg für die Restaurierung von Kunstwerken. Er tritt 1946 in die freiburgische Sektion der GSMBA (Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten) ein. Er ist ausserdem Mitglied von l’Œuvre (OEV, Association suisse d’artistes, d’artisans et d’industriels. Hingegen wird er nie Teil der Gruppe von Saint Luc, bekannt für ihr Wiederbeleben der religiösen Kunst, sein.
Kollegium St. Michael, erste Ausstellungen und religiöse Werke
1947 erhält Niquille eine Stelle als Zeichnungslehrer am Kollegium St. Michael in Freiburg, die er bis zu seiner Pensionierung 1977 behält. Während dreissig Jahren sieht er Jahrgang um Jahrgang von Schülern vorbeiziehen und wird von ihnen als originelle, einnehmende und etwas mysteriöse Figur geschätzt. Das Jahr 1947 ist auch jenes seiner ersten Ausstellung, zusammen mit dem Bildhauer Antoine Claraz, in einem Saal des Museums für Kunst und Geschichte, damals in der Universität Miséricorde untergebracht.
Am 28. März 1949 heiratet er Simone Amey, geboren am 18. März 1916 in La Sagne (Neuenburg). Seine Frau begleitet ihn aktiv in seinem Leben als Künstler. Dank ihres Talents für die Blattvergoldung übernimmt sie die Herstellung der Rahmen seiner Bilder. Zusammen führen sie Restaurationsarbeiten aus, besonders im Bereich der gotischen Skulptur.
Trotz der Bedeutung des religiösen Anteils an seinem Werk wird Niquille von der Kirche nur wenig angefragt. Er ist 1954 jedoch der Urheber des Kreuzweges der Kirche von Nuvily (FR). 1955 realisiert er jenen der Christ-König-Kirche in Freiburg. 1966 gestaltet er ein Fenster für die Kapelle von Sévaz (FR) sowie mehrere Fenster der Sekundarschule du Belluard in Freiburg. Niquille malt ausserdem mehrere Theaterkulissen für das Kollegium St. Michael, namentlich für La Belle au bois (Ritter Blaubarts letzte Liebe) von Supervielle 1948, Philoktetes von Sophokles 1950 und Die Aussteuer (Aulularia) von Plautus 1951.
Anerkennung
Die Laufbahn von Niquille ist geprägt von der Unterstützung durch lokale Persönlichkeiten, die die Qualität seiner Malerei erkennen. Der Kunstkritiker Claude Pochon würdigt seine Ausstellungen in regelmässigen Presseartikeln. Marcel Strub, damaliger Direktor des Museums für Kunst und Geschichte, widmet ihm 1966 eine wichtige Retrospektive. Sein Nachfolger, Michel Terrapon, präsentiert seinerseits 1976 eine umfangreiche Ausstellung zu seiner „peinture nocturne“ (Malerei der Nacht). Dank dieser wichtigen Anlässe, begleitet von Publikationen, geniesst das Werk von Niquille nunmehr eine breite Anerkennung. Eine dritte Einzelausstellung im Museum für Kunst und Geschichte ehrt ihn 1992, im Jahr seines achtzigsten Geburtstags.
Andere Ausstellungen zu seinen Lebzeiten tragen zu seiner Bekanntheit bei. Eine wichtige Retrospektive, verbunden mit der Publikation eines Buches, findet 1989 im alten Zollhaus von Freiburg (dem aktuellen Gutenberg Museum) statt, während ihm 1981 die Galerie Cathédrale einen Anlass und eine Publikation widmet. Schliesslich wird 1996, einige Monate vor seinem Tod, im Schloss Greyerz eine grosse Ausstellung realisiert, auch sie von einer Publikation begleitet.
Nach mehreren Spitalaufenthalten 1995 und 1996 stirbt Armand Niquille am 17. Dezember 1996 im Kantonsspital Freiburg. Seine Frau Simone überlebt ihn um vier Jahre. Sie stirbt am 31. Dezember 2000.
Gründung einer Stiftung und Fonds Armand Niquille in der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg (KUB)
Nach dem Wunsch ihres Mannes hat Simone Niquille dafür gesorgt, dass posthum die Stiftung Arman Niquille gegründet wurde, deren Ziel es ist, das Werk des Künstlers zu bewahren und bekannt zu machen. Die Stiftung hat am 25. November 2002 ihre Tätigkeit offiziell aufgenommen.
2007 hat die Stiftung Armand Niquille die Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg damit betraut, das Archiv des Künstlers zu inventarisieren und aufzubewahren. Die Konsultation dieses Bestandes, der aus Korrespondenz, Schriftstücken, Fotografien, persönlichen Dokumenten sowie Unterlagen zu den Werken und Ausstellungen besteht, ist für die Öffentlichkeit zugänglich.
Die Werke von Armand Niquille befinden sich in öffentlichen Sammlungen (Museum für Kunst und Geschichte, Sammlungen des Staates und der Stadt Freiburg, Musée gruérien in Bulle, Stiftung des Schlosses Greyerz) und in Privatsammlungen in der Schweiz und in Europa.