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Veranstaltungen - 29.05.2017 - 00:00
30. Mai 2017. Diese Woche wurde an der HSG eine Ausstellung über den tschechischen Politiker, Intellektuellen und Schriftsteller Václav Havel eröffnet. Havel hatte eine besondere Verbindung zu St.Gallen, da ihm 1990 von der Universität die Ehrendoktor-Würde für Staatswissenschaften verliehen wurde. Osteuropa Spezialist Prof. Dr. Ulrich Schmied bemerkte: «Václav Havel repräsentiert den seltenen Fall eines Poeten, der Präsident seines Landes wurde. Er gab seine hohen moralischen Standards nie auf, obwohl er deswegen ins Gefängnis gesteckt wurde. Die HSG ist stolz, ihn zu ihren Ehrendoktoren zählen zu dürfen.»
Václav Havel, der während der kommunistischen Herrschaft als Regime-Kritiker in der ehemaligen Tschechoslowakei für Veränderungen kämpfte, wurde nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs und dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums zum Staatspräsidenten gewählt. Er spielte eine grosse Rolle beim Übergang seines Landes zur Demokratie und wurde nach der friedlichen Trennung von Tschechien und der Slowakei erster Präsident der Tschechischen Republik (1993–2003).
Havel findet seine Stimme
Aus politischen Gründen war der junge Václav Havel an keiner geisteswissenschaftlichen Fakultät zugelassen. Nach seinem Militärdienst 1957–59 arbeitete Havel als Bühnentechniker in Prager Theatern. Nach einiger Zeit wurden seine eigenen Stücke dort aufgeführt. Sein erstes Stück «Das Gartenfest» feierte 1963 Erfolge. Er konnte mit mehreren anderen Stücken an seinen Erfolg anknüpfen und wurde im In- und Ausland bekannt.
Prager Frühling
Im Frühjahr 1968 wollte der neue Präsident Alexander Dubček den Bürgern mehr Rechte zugestehen. Seine Bemühungen wurden jedoch durch sowjetische Truppen niedergeschlagen, die das Land besetzten. In dieser Zeit war Havel für den Widerstand aktiv und verfasste Hörspiele, in denen die Menschen zur Opposition aufgerufen wurden. Daraufhin wurde über ihn ein Aufführungsverbot für das Theater verhängt.
Seine politischen Aktivitäten hatten Konsequenzen. Als Dissident stand er unter ständiger Beobachtung und wurde mehrmals zu Gefängnisstrafen verurteilt. Während seines längsten Gefängnisaufenthalts, von Mai 1979 bis Februar 1983, erlitt Havel eine schwere Lungenentzündung. Zu seiner Rolle als Dissident schrieb Havel im Jahr 1979: «Wir entschieden uns nicht dazu, Dissidenten zu werden. Wir wurden dazu gemacht, ohne so recht zu wissen wie; manchmal landete wir im Gefängnis, ohne genau zu wissen wie. Wir haben einfach weitergemacht und bestimmte Dinge getan, zu denen wir uns verpflichtet fühlten und die uns richtig erschienen, nicht mehr und nicht weniger.»
Mit seinem Stift und seiner Stimme wurde Havel zu einer führenden Persönlichkeit der politischen Opposition von 1968 bis zur Samtenen Revolution im Jahr 1989.
Die Ausstellung «Václav Havel: Politics and Conscience!» zeigt Höhepunkte aus seinem Leben und zeichnet seine Erfahrungen in den unterschiedlichen Lebensabschnitten nach – als Künstler, Regime-Kritiker, Politiker und Philosoph. Obwohl er seine Stimme gegen die Unmenschlichkeit der kommunistischen Herrschaft in seinem Land erhob, sind seine Worte auch heute noch von Bedeutung. Er sprach auch darüber, was Hass so anziehend macht: «Kollektiver Hass verdrängt Einsamkeit, Schwäche, Machtlosigkeit und das Gefühl, nicht beachtet zu werden… er hilft Menschen, mit dem Mangel an Erfolg umzugehen… Er erzeugt eine seltsame Art von Bruderschaft.»