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Mathematisches Denken erforschen und fördern
Im Zuge der Revision des Binet-Simon-Kramer Intelligenztests (Kramer, 1972) entschied die interdisziplinäre Projektgruppe, bestehend aus Fachpersonen aus Wissenschaft und Praxis der Psychologie und Heilpädagogik , ein neues Instrument zu schaffen. Eine Auswahl von Aufgaben des Kramer-Tests wurde in das neue Verfahren aufgenommen.
Die Intelligence and Development Scales (IDS; Grob, Meyer & Hagmann-von Arx, 2009) sowie die neu entwickelten IDS-2 (vgl. Grob und Hagmann-von Arx, 2018) liefern sowohl einen Intelligenzwert als auch eine Entwicklungsprofilanalyse für die Funktionsbereiche Kognition, Psychomotorik, Sozial-Emotionale Kompetenz, Mathematik, Sprache und Leistungsmotivation. In diesem Abschnitt werden Hinweise auf die Methodenfrage zum Kompetenzbereich Mathematik mit dem Untertest Logisch-Mathematisches Denken (LMD) gegeben.
Die Methodenfrage ist in der Diagnostik des logisch-mathematischen Denkens von zentraler Bedeutung. Als Mitglied der Projektgruppe konzipierte ich die Wahl und die Entwicklung von Aufgaben zum Untertest Logisch-Mathematisches Denken. Es sollte gewährleistet werden, dass der psychologische Test dem Wesen der Mathematik und der Entwicklung des logisch-mathematischen Denkens möglichst nahe kommt. Dies geschieht durch die Kombination von bedeutsamen, offenen Aufgaben auf der einen Seite mit einer dynamischen Methode auf der andern Seite. Im Durchschnitt dauert diese Untersuchung 11 Minuten. Die Forschungen von Montada (1982) und Wittmann (1982) bestärkten die Wahl, das flexible Interview im Untertest Logisch-Mathematisches Denken zum Hauptinstrument zu nehmen. "Im Lichte dieser Überlegungen ist Piagets klinische Methode der Befragung von Kindern zu Phänomenen und Problemen, die von ihm als eine Methode der Diagnose des Strukturniveaus seiner Probanden verstanden wird, in Wahrheit bereits die ideale Methode des Unterrichtens: Probleme werden gestellt, aber keine Lösungen durchgesetzt und auf oberflächlichem Niveau automatisiert" (Montada, 1998, S. 559). Diese These umfasst die Kombination von Aufgaben und Methode im Setting der psychologischen Forschung und Diagnostik, sowie im Setting der Schule. Die Normierung der IDS lieferte für den Untertest sehr gute teststatistische Werte.
Der dynamische und ökosystemische Charakter der Methode wird in Abhandlungen und Versuchen weiterentwickelt. Die Transformation von psychologischem Wissen über das logisch-mathematische Denken und Handeln in pädagogisches Handeln und Wissen ist ein längeres Projekt oder ein "steiler und steiniger Weg" wie es im Höhlengleichnis von Platon heisst (Adey & Shayer, 1994; Meyer, 2009b). Die Mathematik-Kurztests der HfH beziehen sich auf diese Ansätze.