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Namibia – das Land im Südwesten Afrikas zwischen dem Oranje-Fluss im Süden und dem Kuene-Fluss im Norden – ist ein karges, raues Land, wie aus einer anderen Welt und dennoch so einladend und leicht zu bereisen. Namibia ist das Traumland des Fotografen, ein Land der Kontraste und der klaren Farben. Es ist ein Land, in das sich schon viele Menschen verliebt haben. Wer Ruhe sucht und Natur, wer grandiose Landschaften, Wüste und Weite geniesst, den wird Namibia, das zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Erde zählt, nicht mehr loslassen. Dazu reicht es bereits, nur den weitgehend unbekannten Norden des Landes zu besuchen.
Per Propellermaschine in die Wildnis
Sobald man Windhoek und seine Vororte hinter sich gelassen hat, ändert sich die Natur schlagartig, plateauartige Hügel wechselen sich mit weiten Ebenen in Braun-, Gelb- oder Rottönen ab. Nach einem zirka 1,5-stündigen Flug erreicht man den felsigen Norden des Damaraland und die «Palmwag Concession Area». In Namibia gibt es insgesamt über zwanzig Konzessionsgebiete, deren Kontrolle und Vergabe der staatlichen Naturschutzbehörde obliegt. Die Ziele dieser Gebiete sind neben dem Schutz der Natur unter anderem die Entwicklung der Regionen durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und anderen Einnahmequellen für die lokalen Kommunen. Tourismusunternehmen können sich um die Nutzung der Konzessionsgebiete bewerben und dort zum Beispiel Lodges und Camps betreiben. Das Desert Rhino Camp ist eins davon. Inmitten einer steinigen, minimalistisch-schönen Hügellandschaft entstand das Camp in Zusammenarbeit mit dem «Save the Rhino Trust», einer Organisation, die zur Aufgabe hat, das Überleben der schwarzen Nashörner zu sichern. In den 80er und 90er Jahren wurde hier sehr viel gewildert, so dass nur noch wenige Exemplare dieser Tiere übrig waren. Heute ist diese Nashorn-Population wieder die grösste in Afrika ausserhalb eines Nationalparks!
Eine stabile Population von etwa dreissig Tieren hält sich in der Umgebung des Camps auf. Wird ein Nashorn gesichtet, wird der Weg, zusammen mit einem Guide, immer zu Fuss fortgesetzt, um sich den majestätischen Tieren, die aus einer längst vergangenen Zeit entsprungen zu sein scheinen, möglichst unbemerkt zu nähern. Vor einem Nashorn oder auch Elefanten in freier Wildbahn zu stehen ohne den Schutz des Jeeps ist ein unvergessliches Erlebnis.
Das zirka 5000 Quadratkilometer grosse Palmwag-Konzessionsgebiet liegt zwischen dem Etosha-Nationalpark und der Skelettküste. Dieses Naturschutzgebiet zeichnet sich durch die atemberaubende, von Hügeln und seltenen Pflanzen durchzogene Landschaft sowie die faszinierende Tierwelt aus. Weitab von der Zivilisation, auf der Fahrt durch Täler und Flussbetten, passiert man immer wieder felsige Schluchten und fruchtbare Quellen. Springbock, Oryx, Kudu, Strauss, Schakal, Giraff und Zebra sind dabei ständige Begleiter. Die Wildtiere vor der Kulisse roter Felsen und weiter Flächen bieten ein ganz besonderes Fotomotiv. Ständig wechselt das Landschaftsbild, von satten Flussbetten über Schluchten zu den für Namibia so typischen endlosen Weiten. Und auch wenn sich mal kein Tier sehen lässt, wird es keinen Moment langweilig. Zu überwältigend sind die Landschaften.
Etosha-Nationalpark
Nur eines unter hunderten von Highlights in Namibia ist der Etosha-Nationalpark im Herzen der Etosha-Pfanne. Er ist Namibias bekanntestes Ziel für Safari, denn er bietet Tierbeobachtungsmöglichkeiten par excellence – vor allem im trockenen Südwinter, wenn sich die Tierherden an den Wasserlöchern drängen. Als der Etosha-Nationalpark 1907 gegründet wurde, war er mit fast 100’000 Quadratkilometern der grösste Nationalpark weltweit und auch heute noch hat der Park einen festen Platz auf der Weltkarte der Nationalparks. Dank seiner Lage und Grösse gehört er zu den schönsten der Welt. Nahezu die gesamte Palette an afrikanischem Grosswild ist im Park vertreten. Mehr als 250 Löwen, 4000 Gnus, 5500 Oryx-Antilopen, 300 Nashörner, 3000 Giraffen, 12’000 Zebras und über 2500 Elefanten sind im Park anzutreffen. Von den Springböcken gibt es fast 20’000 Exemplare und oft sieht man sie in riesigen Herden von mehreren hundert Tieren in den Weiten der Landschaft grasen. Doch die Anziehungskraft des Nationalparks beruht nicht nur auf der Vielzahl der Tierarten, die hier zu Hause sind, sondern auch auf seiner einzigartigen Landschaft. Der weite, weisse Landstrich mit den schillernden Luftspiegelungen und der vielfältigen Vegetation unterscheidet sich von anderen Parks in Afrika. Die grossen Wildherden von Etosha sind während des grössten Teil des Jahres auf die Wasserlöcher im Park angewiesen – eine ideale Bedingung zum Beobachten und Fotografieren der Tiere. Der Etosha-Nationalpark ist das ganze Jahr über befahrbar. Allerdings ist die beste Zeit um Tiere zu beobachten zwischen Mai und September, denn zu dieser Zeit herrscht die Trockenperiode und somit sind viele Tiere an den Wasserstellen und der Etosha-Pfanne zu bestaunen. Die Temperaturen sind morgens um die 10 Grad, im Laufe des Tages wird es aber angenehm warm mit selten mehr als 30 Grad. Im Sommer zwischen Januar und März verwandelt sich das ganze Gebiet dank ergiebigen Regens in eine grüne Wiese. Da der Wasserstand in jeder Jahreszeit anders ist, ändert sich auch Art und Anzahl der Tiere, die man an den Wasserstellen antrifft. Es ist daher ratsam, sich im Camp nach den jeweiligen Wanderbewegungen der Tiere zu erkundigen.
Die Etosha-Pfanne, welche dem Park seinen Namen verlieh, ist eine rund 5000 Quadratkilometer grosse flache Senke im Osten des Parks. Vor tausenden vor Jahren erstreckte sich hier ein seichter See, den der Kunene-Fluss spies. Als dieser seinen Lauf veränderte, liess er einen riesigen mineralreichen Sumpf zurück. Die endlose Oberfläche der Pfanne ist während der trockenen Monate ausgedörrt und zersprungen und gibt vor allem aus dem Flugzeug betrachtet ein faszinierendes Bild ab. Auch während der Regenzeit steht in der Pfanne nur wenig Wasser, zudem ist die Flüssigkeit zu brackig, als dass Tiere sie trinken Könnten. Wenn das Wasser jedoch verdunstet ist, wächst eine salzverträgliche Grasssorte in der Pfanne, die Gnus, Oryx und Zebras eine proteinreiche Nahrung zukommen lässt. Einer alten Legende zufolge entstand die Salzpfanne übrigens so: «Bei einem Überfall auf die ansässigen Heikum-San wurden alle männlichen Stammesmitglieder getötet, nur die Frauen blieben am Leben. Eine Mutter war über den Tod ihres Sohnes derart untröstlich, dass sie so viel weinte, dass ihre Tränen einen riesigen See bildeten. Über die Zeit verdunstete das Wasser, aber das Salz der Tränen blieb zurück.»
Was also einstmals aus Tränen entstand, fasziniert heute zehntausende Touristen aus aller Herren Ländern. Und das zu Recht, denn kaum ein Park dieser Welt kann mit einer derartigen Artenvielfalt aufwarten wie der Etosha-Nationalpark.
Trockene Wüstengebiete und der Etoshapark
Während sich die Tiere des Etosha-Nationalparks an den Wasserstellen erfreuen, ist es für die Tiere im Nordwesten Namibias ein eher karges Dasein. Am Ufer des Kunene-Flusses, welcher die Grenze zu Angola bildet und die einzige permanente Wasserquelledieser Region ist, findet man zwar ein wenig Grün, aber ansonsten prägt Sand und Dürre diesen Landstrich. Tierbeobachtungen sind limitiert auf Bergzebras, Oryx, Springböcke, Wasservögel, endemische Reptilien wie das Wüstenchamäleon und das zahlreich vorkommende Nilkrokodil. Trotzdem ist diese Wüstenlandschaft nicht weniger faszinierend als der Rest des Landes. Das Hartmanntal verläuft über weite Strecken parallel zur Küste und bildet das Eingangstor zu Serra Cafema. Dieser Teil Namibias ist nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Das Flugfeld wurde auf eine Hochebene gebaut, von hier fällt die Strasse zum Teil steil zum Fluss hin ab. Die Umgebung ist eine wundervolle Kombination aus Sanddünen und schroffen Felsen, gesprenkelt mit Feenkreisen, den sogenannten «fairy circles». Wie mit dem Zirkel gezogene, vegetationslose Kreise stechen sie aus dem dürren Gras der Steppe hervor. Und es gibt Millionen von ihnen. Während die drei bis zehn Meter grossen kreisrunden Stellen vollkommen kahl und unfruchtbar wirken, wächst rundherum ein Ring aus hohem und dichtem Gras, welcher vielen kleinen Tieren Lebesraum gibt. Mäuse, Borstenhörnchen und Löffelhunde halten sich bevorzugt in der Nähe der Feenkreise auf. Diese Feenkreise gibt es nur in extrem trockenen Gebieten auf einem schmalen Streifen von der Küste bis etwa 160 Kilometer landeinwärts. Sie sind ein naturwissenschaftliches Rätsel und niemand weiss, ob Meteoriteneinschläge, Pflanzen, Sandtermiten oder gar Feen, die beim Tanzen die kreisrunden Kahlstellen hinterlassen, dafür verantwortlich sind. Doch egal woher sie rühren, ein faszinierender Anblick aus der Luft sind sie allemal. Ein Besuch dieser Region bietet also auf ein einzigartiges Naturerlebnis. Die Ursprünglichkeit und die Kontraste von Wasser und Wüste,s bizzaren Felsformationen und Feenkreisen überwältigt aber alle.
Zu Besuch bei den Himba
Statistisch gesehen sind nur 2,4 Personen auf jedem Quadratkilometer Namibias zu finden. Trotzdem ist die ethnische Vielfalt um ein Vielfaches grösser und stärker differenziert als in vielen anderen Ländern des Kontinents. Der Norden Namibias gilt als die Heimat der Himba, die zu den letzten Normaden Afrikas gehören. Die schroffe, unwirtschaftliche Skelettküste, die abweisenden Gebirge, der Kuene-Fluss im Norden und die menschenleeren Wüstengebiete wirken wie ein Schutzschild, das fremde Einflüsse vom Kaokoveld fernhielt – und so dazu beitrugen, dass Kultur und Traditionen der Himba zum Grossteil bis heute erhalten geblieben sind. Erst im Jahre 1986 kamen sie zum ersten Mal mit unserer Zivilisation in Kontakt. In der Kuene Region leben rund 16’000 Menschen, davon etwa 6000 Himba. Ihre Siedlungen bestehen aus bienenkorbähnlich geformten Hütten, die aus Baumsprösslingen – meist Mopanebäumen – errichtet und schliesslich mit einer Mischung aus Schlamm und Rinderdung bestrichen werden. Viele dieser Siedlungen sind verlassen, da das Hirtenvolk der Himba ständig umherzieht, um für seine grossen Rinderherden die besten Weidegründe zu suchen. Dabei tragen sie ihre gesamten Besitztümer in einer Tierhaut gewickelt mit sich. Die Himba leben hauptsächlich von der Rinderzucht, doch werden die Tiere nur zu besonderen Anlässen geschlachtet. Eins ihrer Hauptnahrungsmittel ist geronnene Kuhmilch. Ihre Haut reiben die Himba zum Schutz vor starken Sonnenstrahlung, Flüssigkeitsverlust und Insekten mit einer Mischung aus Ocker, Butter und verschiedenen Kräutern und Rinden ein. Die Himba benutzen auch «Deodorants»: Dazu dienen ihnen die Zweige des «Parfümstrauches», ein zuerst verdorrt aussehender Busch, bricht man jedoch seine Äste ab verströmt er einen angenehmen intensiven Duft. Selbst die Parfumeindustrie hat diesen Busch inzwischen für sich entdeckt und kauft den Himba Äste und Zweige ab.
Für die Himba hat der Ahnenkult grosse Bedeutung im alltäglichen Leben. Das «Okuruo», das heilige Feuer, das niemals erlöschen darf, ist der Mittelpunkt eines jeden Krals. Der Sippenälteste nimmt hier Kontakt mit den Vorfahren auf, bringt Opfer dar, holt sich Rat und Hilfe oder beichtet Fehler und Vergehen. So leben die Himba noch immer nach alten Riten und Gesetzten ihr Leben in der kargen Wildnis Namibias.