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Der Sohn von Johann und Apollonia Denzel wird am 26. September 1692 in Westerstetten, einem in der Klosterherrschaft Elchingen liegenden Pfarrdorf, geboren und auf den Namen Michael getauft. Er kommt in die Klosterschule nach Ochsenhausen und legt 1712 unter dem Klosternamen Benedikt Profess ab. Dann studiert er Theologie in Salzburg und feiert 1718 Primiz. Er ist vorerst Seelsorger in Tannheim und Novizenmeister, dann Pfleger in Sulmetingen. Am 25. September 1737 wird er zum Abt gewählt. 1739 wählen ihn die Äbte der Oberschwäbischen Benediktinerkongregation zu ihrem Präses. Im gleichen Jahr wählt ihn das Reichsprälatenkollegium überraschend und anstelle des in Reichsgeschäften erfahrenen Kondirektors, des Abtes von Salem, zum Direktor des Kollegiums. Abt Benedikt ist Vorsteher einer vermögenden Reichsabtei mit grossen Einkünften und will die trotz ihrer schlossähnlichen Wirkung eher zweckmässig nüchtern gebauten Konventflügel repräsentativ verändern. Form und Zierde sollen das klösterliche Leben fördern. 1738–1746 baut er die Konventgebäude um und erstellt am Ostflügel einen Mittelrisalit. Er zieht dazu den Münchner Baumeister Johann Michael Fischer bei. Zum Augsburger Maler Johann Georg Bergmüller und dem Stuckateurtrupp von Gaspare Mola kommt als neuer Name der Freskant Franz Xaver Forchner aus Dietenheim dazu. Auch die Stiftskirche wird von Abt Benedikt weiter ausgestattet. Wieder sind es grosse Namen, die er unter Vertrag nimmt. Bildhauer sind die Mitglieder der Familie Ägid Verhelst und der mit ihnen zusammenarbeitende Dominikus Hermengild Herberger. Maler ist Franz Joseph Spiegler.
Umfassend baut Abt Benedikt auch auf der Landschaft. 1740 legt er den Grundstein zur Kirche von Reinstetten. Baumeister ist wahrscheinlich auch hier Johann Michael Fischer. Die Schlosskapelle von Untersulmetingen und die dortige Pfarrkirche werden umgebaut. In Bonlanden bei Berkheim baut er die Heilig-Kreuz-Kapelle.[1] Wie die Schlosskapelle von Untersulmetingen ist sie ein wahres Rokokojuwel. In Winterrieden[2] baut er Pfarrhof und Pfarrkirche neu und baut diejenigen von Schönebürg und Oberopfingen um. In Mittenbuch, Rottum und Ummendorf renoviert er die Kirchen. Im Flecken Ochsenhausen baut er ein neues Rat- und Kornhaus. Mit dieser nicht vollständigen Aufzählung der Bautätigkeit ist auch die enorme Wirtschaftsleistung der Abtei Ochsenhausen unter Abt Benedikt ersichtlich. Aber nicht nur als Bauabt macht er sich verdient, auch für die Ausbildung der Novizen setzt er neue Massstäbe. Er führt das Studium der mathematischen Wissenschaften und der alten Sprachen ein und bereichert die Bibliothek hauptsächlich mit wissenschaftlicher Literatur. Wie schon sein Vorgänger erweitert er die Klosterherrschaft um einen weiteren grossen Zukauf. 1748 kauft er die Herrschaft Horn-Fischbach südlich von Ummendorf für 126 000 Gulden. Dass diese Finanzkraft Begehrlichkeiten des minderbemittelten Kaiserhauses und des Konstanzer Fürstbischofs wecken, ist verständlich. Kriegskontributionen von 100 000 Gulden im österreichischen Erbfolgekrieg und im Siebenjährigen Krieg sind die Folge, die Summe zur Deckung der bischöflichen Ansprüche ist geringer, aber immer noch beträchtlich.
Abt Benedikt Denzel stirbt am 11. Oktober 1767 im Alter von 75 Jahren. Mit ihm geht die grosse Barockzeit Ochsenhausens, die mit Abt Alphons Kleinhans 1658 begonnen hat, zu Ende.
Sein arg restaurierungsbedürftiges Ölporträt im Besitz der Kirchenstiftung Ochsenhausen ist kein Meisterwerk. Es dürfte aber nach dem Leben gemalt sein und zeigt den Prälaten stehend, mit der Mozetta über dem Chorrock, ein reich gefasstes Pektorale tragend, den Kopf mit einer Kappe bedeckt und das Biret in der rechten Hand haltend. Mit der linken Hand hält er ein kleines rotes Buch. Im Hintergrund ist die Draperie leicht geöffnet. Ein Bauwerk ist dort unter Schmutz und Übermalungen zu erahnen. Darunter ist sein Wappen zu finden, begleitet von den Insignien des Reichsprälaten.
Das Wappen ist gespalten von Silber und Rot, auf grünem Dreiberg findet sich ein in verwechselten Farben gespaltener Rosenstrauch mit drei Blüten mit goldenen Butzen. Das Wappen findet sich prominent am Mittelrisalit der Ostfassade, hier in der seltenen Gemeinschaft mit dem Klosterwappen, das einen aus der Kirche tretenden Ochsen zeigt. Es ist auch das Wappen der Gemeinde Winterrieden. Wie in vielen Kirchen des Abtes Benedikt prangt sein Wappen dort auch in der Kirche.
Pius Bieri 2010
Benutzte Literatur:
Geisenhof, Georg: Kurze Geschichte des vormaligen Reichsstifts Ochsenhausen in Schwaben, verfasst von einem Mitgliede desselben. Ottobeuren 1829.
Herold, Max (Hg.): Ochsenhausen. Von der Benediktinerabtei zur oberschwäbischen Landstadt. Weissenhorn 1994.
Anmerkungen:
[1] 2009–2010 restauriert.
[2] Winterrieden ist heute bayrisch und führt das Wappen des Abtes Benedikt Denzel als Gemeindewappen. Die Kirche St. Martin (1751–1755, Fresken Franz Georg Hermann) ist aussen in den letzten Jahrzehnten mit modernistischen Ergänzungen völlig zerstört worden.
|Abt OSB Benedikt Denzel (1692–1767) in Ochsenhausen|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|26. September 1692||Westerstetten Baden Württemberg D||Herrschaft Abtei Elchingen|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Benediktinerabtei Ochsenhausen||1737–1767|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|11. Oktober 1767||Ochsenhausen Baden-Württemberg D||Herrschaft Abtei Ochsenhausen|
|Kurzbiografie|

Der Rokoko-Prälat von Ochsenhauen, Abt Benedikt Denzel, regiert 30 Jahre. Er steht einer begüterten Reichsabtei vor und fördert, dem neuen Zeitgeist entsprechend, Kunst und Repräsentation. Form und Zierde sollen das klösterliche Leben fördern. In den seit 1615 unveränderten Konventgebäuden baut er neue Treppenhäuser, setzt mit dem grossen Mittelrisalit an der Ostfassade ein repräsentatives Zeichen und stattet die Stiftskirche weiter aus. Mit den Pfarrkirchen in Reinstetten und den Kapellen in Untersulmetingen und Bonlanden baut er wahre Rokokojuwele. Mit seinem Tod geht die grosse Barockzeit Ochsenhausens zu Ende.
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