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Carmen Perrin erkundet in ihren Arbeiten auf vielfältige Weise die Durchlässigkeit der Grenze zwischen Bild und Raum. Bekannt wurde sie zudem mit spektakulären Werken im öffentlichen Raum wie der halbtransparenten Wandarbeit im Dock Midfield des Zürcher Flughafens oder dem Portal des Genfer Gare de Cornavin.
In Bolivien als Kind schweizerischer Eltern geboren, kam Perrin mit sechs Jahren nach Genf, wo sie später an der École supérieure des Arts Visuels (ESAV) studierte. Nach ihrem Abschluss 1980 betrieb sie mit befreundeten Künstlern kurzzeitig einen Offspace in Genf und wurde vielfach ausgezeichnet für ihr elegantes installatives Frühwerk aus billigen Materialien wie Bauholz oder Eisendraht. Mitte der 1980er-Jahre zog Perrin nach Marseille, wo sie begann, das Verhältnis von Volumen und Kontur in der Skulptur zu erforschen. Ab Anfang der 1990er-Jahre rückte zunehmend die Oberfläche in den Fokus ihrer Arbeit. Neben Industriematerialien wie Stahl, Blech oder Beton verwendete sie nun auch Ziegel, Gummi oder PVC. Mit der Technik der Perforation öffnete sie die Bildebene ins Räumliche – und umgekehrt.
Schön zu sehen ist das in Les puits (2005) aus der Sammlung der Mobiliar, für die Perrin aus einem mit schwarzer Acrylfarbe bemalten Bildträger aus Backstein einen Schwarm kleiner Quader herausgestanzt hat, sodass der Blick durch die Öffnungen auf die Wand dahinter fällt. In L’oiseau de Jeanne (Moreau) (2008) hingegen bohrt sie sich in alte Ausgaben der Zeitschrift Paris Match und lenkt den Blick Schicht um Schicht durch die bunte Welt der Werbung und der Celebrity-Fotos auf Details wie den Kotflügel eines Autos, die Schulter eines Filmstars oder das Auge eines Vogels. An den Rändern der trichterförmigen Vertiefungen scheinen die farbigen Sedimente der Bohrung selbst auf. Auch für La dame creuse, alterne, superpose et déplace (2010) nutzt Perrin die Lochstanzung, um das Bildobjekt aus mehrfach geschichtetem PVC-Dekomaterial in eine strenge und zugleich lichte Netzstruktur aufzulösen, die in der Bewegung vor dem Bild flimmernde Op-Art-Effekte erzeugt. In Cible II (2008) verdankt sich dieses Changieren zwischen Unschärfe und Schärfe wiederum dichten Wucherungen von unzähligen mit Farbe gefüllten Kapillarröhrchen.
Mit ihrer inspirierenden Suche nach einer angemessenen Perspektive auf die Dinge zwischen Stillstand und Bewegung, Präsenz und Diffusion gehört Carmen Perrin zu den interessantesten und wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart in der Schweiz.
Carmen Perrin, 1953 in La Paz (BOL) geboren, lebt und arbeitet in Genf (CHE).
Tätigkeitsbereiche: Skulptur, Objekt, Installation, Kunst im öffentlichen Raum