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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Elftes Buch
35. Die Unterwerfung der Feinde und die Unterwerfung der Gläubigen.
Was aber jener Unterwerfung folgt, das gilt es zu erkennen, dies nämlich: „Zuletzt ist der Tod von ihm überwunden worden.”1 Die Überwindung des Todes ist aber nichts anderes als die Auferstehung von den Toten, da mit dem Hinschwinden vergehenden Untergangs nunmehr die Ewigkeit des lebendigen und himmlischen Wesens grundgelegt wird, gemäß dem (Schrift) wort: „Jenes Vergängliche muß nämlich die Unvergänglichkeit anziehen und jenes Sterbliche die Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber jenes Sterbliche die Unsterblichkeit angezogen hat, dann wird jenes Wort Wirklichkeit werden, das geschrieben steht: Verschlungen im Streit ist der Tod. Wo ist dein Stachel, Tod? Wo ist dein Streit, Tod?”2
Mit der Unterwerfung der Feinde wird also der Tod besiegt, und nach der Besiegung des Todes folgt das Leben der Unsterblichkeit. Welches aber jene [S. 265] vollkommene Eigentümlichkeit der Unterwerfung nach (zeitlich!) der Unterwerfung des Glaubens ist, hat derselbe Apostel ausdrücklich mit seinem Wort gesagt: „der den Leib unserer Niedrigkeit zur Gleichheit mit dem Leibe seiner Herrlichkeit umgestalten wird, gemäß den Werken seiner Kraft, durch die er alles sich soll unterwerfen können”.3 Unterwerfung ist also auch das, was die gewährte Umgestaltung aus dem einen Wesen in ein anderes ist, wenn etwas von seinem So-sein abläßt und demjenigen unterworfen wird, in dessen Form es übergeht. Es löst sich auf, aber nicht zum Nichtsein, sondern zu einem Fortschritt; aus einer Umänderung heraus wird er unterworfen, durch den Übergang in die Seinsart eines übernommenen anderen Wesens.
1: 1 Kor. 15, 26.
2: 1 Kor. 15, 53―55.
3: Phil. 3, 21.