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- Story
Warum junge Autolenker*innen gestresst sind
30.11.2022 Jugendliche, die jemanden im Auto mitnehmen, sind dadurch sehr unter Druck. Forscher der BFH Wirtschaft und der Ingenieursschule Freiburg haben mit einem Fahrsimulator untersucht, ob Meditation direkt vor dem Losfahren helfen könnte – mit überraschendem Ergebnis.
Junge Fahrzeugführende (< 25 Jahre) sind für einen überproportional grossen Anteil an folgenschweren Fahrunfällen verantwortlich. Das zeigen die Strassenverkehrsstatistiken der OECD. Die Daten weisen auch darauf hin, dass mehr Unfälle passieren, wenn bei den jungen Fahrzeugführenden Passagier*innen mitfahren bzw. sie riskanter fahren als sonst. Dies zeigt sich jedoch nur bei jungen Fahrzeuglenker*innen, bei älteren Fahrer*innen wird dieser Effekt nicht beobachtet (Chen, 2000). Als mögliche Ursache dafür wird das Erleben von sozialem Stress diskutiert, bisher gibt es jedoch noch sehr wenig empirisch fundierte Kenntnis über die Wirkmechanismen von Passagierpräsenz und riskantem Fahrverhalten.
Versuche mit Meditation und Hörbuch
Ziel der Studie war es, den Zusammenhang zwischen Passagierpräsenz und Erregungszustand anhand psychophysiologischer Daten aufzuzeigen. Zudem wollten die Forscher testen, ob eine auf Mindfulness basierende Meditationsübung vor dem Fahren diese negativen Effekte der Passagierpräsenz zu vermindern vermag. Dafür wurde mit einem stationären Fahrsimulator eine experimentelle Studie durchgeführt. In dieser haben 60 junge Fahrzeugführende einen Parcours zur Hälfte entweder mit oder ohne Passagier*in durchfahren. Verschiedene psychophysiologische Daten wie Elektrokardiogramm, Hautleitfähigkeit und Atmung wurden gemessen. Die Hälfte der Versuchsteilnehmenden haben vor dem Fahren eine Meditations-Übung durchgeführt - die andere Hälfte (die Kontrollgruppe) hörte ein Hörbuch.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Passagierpräsenz wie erwartet zu einem erhöhten Erregungs-Niveau, gemessen anhand der Hautleitfähigkeit von Fahrzeugführenden geführt. Erstaunlicherweise hat die Mindfulness-Meditation diesen negativen Effekt nicht reduzieren können. Hier zeigen die psychophysiologischen Daten zwar einen positiven Effekt der Meditations-Übung (im Vergleich zur Kontrollgruppe). Dieser überträgt sich jedoch nicht auf die nachfolgende Phase des Fahrens. Eine plausible Erklärung ist, dass die Intervention zu kurz war. Eine einmalige Meditationsübung kann den mentalen Zustand nur kurzfristig verändern. Ein mehrwöchiges Meditationstraining hingegen kann aber sehr wohl das Stressniveau positiv beeinflussen, wie andere Studien zeigen.