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Die Gründung der Milchgenossenschaft und der Bau der Käserei Ermensee
Gemeindeamman Joseph Elmiger, Initiant und erster Präsident war der Urgrossvater von Benno Elmiger, dem jetzigen und letzten Präsidenten der Käsereigesellschaft von Ermensee. Der hohe Milchpreis und der niedrige Fruchtpreis gaben im Jahr 1877 Anstoss zur Gründung der Käsereigesellschaft. Initiant war der damalige Gemeindeamman Joseph Elmiger. Der Vorstand wurde gewählt und dieser musste ein geeignetes Lokal zur zur Herstellung von Käse suchen.
23 Lieferanten traten der Genossenschaft bei und verpflichteten sich, die Milch von 85 Kühen abzuliefern. Am 16ten Christmonat 1877 wurde der Vertrag mit Winiger Müller abgeschlossen, wonach das Waschhaus, die heutige Schwanau, als Käselokal angemietet wurde. Die alte Backstube in seinem Wohnhaus diente als Käsekeller. Dieses Gebäude diente in späteren Jahren der Familie Rast-Felber als Bäckerei.
Die Einrichtung für die Käserei kam auf Fr. 720.40 zu stehen. Es wurde pro Kuh Fr. 10.- eingezogen. Senn Salzmann aus Reitnau kaufte die Milch für Fr. 7.20 pro Zentner. Die Milch wurde gewogen, in kg, 300g, 500g und 800g. Der Ausmesspreis betrug 25 Rp. Jeweils am 11. November zahlte Salzmann pro Kuh Fr. 60.- aus. Der Rest erfolgte am Neujahr.
Für Holz mussten die Genossenschafter aufkommen, wie auch für die Käsefuhren, die meistens nach Sursee führten. Jeder Milchlieferant musste dem Käser pro Kuh 5 Kg Erdäpfel abliefern. Die Wintermilch wurde nicht verkäst. Winiger durfte in der Sennhütte seinen Träsch brennen und Wäsche waschen.
Um das Milchquantum hochzuhalten, wurde das Kälbermästen verboten. Ebenso war das private ausmessen von Milch nicht erlaubt. Um die Qualität zu wahren, wurden Kunstdünger, Schwefelsäure und Vitriol verboten.
Am 23. Februar 1883 wurde beschlossen, ein neues Käsereigebäude zu erstellen. Von Sebastian Brügger wurden 3200 Fuss Land für Fr. 400.- gekauft. Etwas später kamen nochmals 808 m2 für 10 Rp./m2 hinzu. Die gute Erde, das Holz und die beim Graben hervorkommenden Steine blieben im Eigentum des Verkäufers. Brügger verlangte für einen später zu fällenden Apfelbaum Fr. 100.- welcher ihm auch bezahlt wurde.
Von Richter Theiler in Richensee wurden 1674 m2 Land erworben, der m2 für 8 Rp. Die Kosten beliefen sich auf Fr. 129.12 und wurden mit 4,5% Zins verzinst. Am Schluss der Bauzeit wurde diese Griengrube versteigert. Herr Weibel, Wirt zum Kreuz in Richensee, bot dafür Fr. 32.–
Für den Bau des neuen Käsereigebäudes, verpflichtete sich jeder Milchlieferant pro Kuh 7,5 Tage Fronarbeit zu leisten und zwei Fuder Steine zu bringen. Es wurden 875 Tage Fronarbeit mit Fr. 2.50 verrechnet und 232 Fuder Steine, das Fuder zu Fr. 8.-. Die Maurerarbeit wurde pauschal für Fr. 7200.– an Herrn Lauber in Winikon vergeben. Am 2. November 1893 wurde mit dem Bau begonnen. Die gesamten Baukosten inklusive der Einrichtung und Wohnung betrugen rund Fr. 2800.–_ Das Aufrichtemahl im Gasthof Löwen kostete Fr. 41.80.
1904 wurden neue Statutenerstellt und an der Versammlung genehmigt. Es nahmen 34 Lieferanten mit 109 Kühen, darunter etliche mit nur zwei Kühen, daran teil.
Im Winter 1911 bis 1912 wurde der elektrische Strom eingerichtet. Die schlechte Käsefabrikation führte dazu, dass 1913 bis 1916 die Milch als Konsummilch an den Konsumverein Basel verkauft wurde. 1916 kam der erste Milchhandel mit dem Milchverband Luzern, heutige Emmi, zu stande, das grösste Milchverarbeitungsunternehmen in der Schweiz.
An der Versammlung, jeweils im Februar oder März wurde mit dem Käufer über Milchpreis und Hüttenzins gefeilscht. Das Käsereigebäude gehörte den Bauern, der Verband kaufte die Milch und stellte den Käser an, dieser fabrizierte zwei Käse pro Tag. Die restliche Milch wurde abgeholt.
Im Herbst war GV mit Rechnungsablage. 5,5 kg wiegen die Protokollbücher. Die ersten zwei in sehr schöner Deutschschrift geschrieben.
In der 127-jährigen Geschichte der Käserei gab es gute und schlechte Zeiten. Krieg, Viehseuchen, Trockenheit, Milchkontingentierung und vieles Mehr plagte die Bauern. Die Vorstandsmitglieder, vorab die Präsidenten, haben sich mit viel Herzblut und Engagement zukunftsorientiert für gutes Einvernehmen untereinander eingesetzt.
Viel Geld wurde immer wieder für neue, teure Einrichtungen investiert. 1966 wurde der Gefrierfachraum und ein freundlicher Verkaufsladen für Molkereiprodukte gebaut. Diese Dienstleistung wurde von der Ermenseer Dorfbevölkerung rege benutzt.
Ab 1964 durften auch die Frauen am Nachtessen nach dem Milchverkauf teilnehmen. Der damalige Aktuar erwähnt neckisch, dass sich die Frauen selber überzeugen konnten, dass es ihren Mannen schwer viel, nach einem gefreuten Abend, vor Mitternacht heimzukehren. Jubiläumsfeier, Einweihung nach gelungener Renovation und Ausflüge waren immer eine Verschnaufpause im Alltag und kittete die Bauern zusammen.
Was 1877 verheissungsvoll als Selbsthilfeorganisation begann, ist heute nicht mehr. Am 1. Mai 2004 wurde die Käsi geschlossen. Tankwagen der Emmi holen heute die Milch auf dem Bauernhof ab. Die Käsereieinrichtungen wurden demontiert und nach Rumänien verkauft. Schweren Herzens musste das Gebäude auch verkauft werden. Auf Initiative von Käsereipräsident Elmiger sind die sieben Milchproduzenten, ein Achter produziert Biomilch, am 26. Juli 2004, dem Milchring Lindenberg beigetreten. Eine Genossenschaft von 123 Mitgliedern, welche gemeinsam stark um ihre Existenz kämpfen. Dem Dorf Ermensee ist aber ein Stück Kultur verloren gegangen.
Martinstag, 11. November 2004