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Die grosse Illusion
Vor genau hundert Jahren publizierte der englische Journalist Norman Angell das Buch «The Great Illusion». Darin kam er zum Schluss, dass die wirtschaftliche Verflechtung einen Krieg in Europa unmöglich gemacht habe.
Das Buch war äusserst erfolgreich und erlebte mehrere Auflagen. Angell wurde über Nacht ein weltbekannter Autor (vgl. die Pressestimmen in der Auflage von 1913).
Im August 1914 – vier Jahre nach der ersten Auflage von «The Great Illusion» – brach der Erste Weltkrieg aus. Angell war offensichtlich selber Opfer einer grossen Illusion geworden.
Wir sind vielleicht nicht mehr so naiv wie zu Angells Zeiten. Aber glauben wir nicht auch, dass die wirtschaftliche Globalisierung einen grösseren militärischen Konflikt unmöglich macht? Sind wir Opfer derselben grossen Illusion?
Klar, vor hundert Jahren war die politische Situation instabiler als heute. 1910 annektierte Japan die koreanische Halbinsel. 1911 sandte Kaiser Wilhelm II. das Kanonenboot Panther nach Agadir, um zu markieren, dass Deutschland die Annexion Marokkos durch Frankreich nicht hinnehmen wollte. 1912 erklärte Montenegro dem Osmanischen Reich den Krieg. Deutschland rüstete auf. Und so weiter und so fort.
Aber können wir so sicher sein, dass wir uns heute in einer ganz anderen Situation als damals befinden?