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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

XVII. Rede
7.
Ein und dasselbe Gesetz wirkt gegenüber dem Guten schonend, gegenüber dem Übermaße einschränkend. [S. 348] Ein und dieselbe Sonne wirkt erleuchtend auf das gesunde Auge, blendend aber auf das kranke. Soll ich auch noch offen aus unserer Geschichte ein Beispiel anführen? Ein und derselbe Christus gereicht den Ungläubigen zum Falle, den Gläubigen aber zur Auferstehung. Während Christus für jene, welche nicht zur Erkenntnis und Einsicht gelangt sind, sondern in Finsternis wandeln, soferne sie Götzen dienen oder nur den Buchstaben kennen, über diesen hinaus aber nichts wissen wollen und können, ein Stein des Anstoßes und Ärgernisses ist, ist er für jene, welche sich vom Verstand binden lassen und sich auf den Felsen stellen, ein Eckstein und ein gepriesener Fels, bzw. jene Perle, welche sich der gute Händler gegen Hingabe all seines Besitzes erwarb. Brüder, wenn wir, obwohl wir nicht unsere Pflicht tun, über unsere Obrigkeit aufgebracht sind, dann gleichen wir demjenigen, der, obwohl er die Kampfgesetze außer acht gelassen hat, sich über die Ungerechtigkeit des Kampfrichters beklagt, oder demjenigen, der, obwohl er schwerkrank darniederliegt und strenger Eingriffe bedarf, doch den Arzt, weil er schneidet und brennt, als dumm und waghalsig beschuldigt. Den Untergebenen möchte ich mit diesen Bemerkungen Trost und Belehrung geben, ich, der arme Hirte, der Erzieher dieser kleinen Herde, der es für seine Hirtenpflicht erachtet, sich mit den Fröhlichen zu freuen und mit den Trauernden zu klagen.