Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03656.jsonl.gz/379

1999: “AMOUR ET JOIE” (Liebe und Freude) AUF DEM GROSSEN PLATZ UND IN DER STADT
Das Winzerfest von 1999 wurde von François Rochaix durchdacht und inszeniert. Der Entwurf seines Schauspiels beinhaltete fünf Teile, deren lyrische Gestaltung einem Dichter und drei Komponisten anvertraut wurde. Betont visuell und theatralisch konzipiert, träumte er von Anfang an von einem barocken, sowohl mit der Volks- als auch Bildungskunst verwandten Schauspiel, in dem auch ein Rückblick auf die Geschichte ein wichtiger Leitfaden war: das letzte Fest des Jahrtausends sollte die ihm vorausgegangenen Feste in sich tragen und historisches Bewusstsein zeigen. Es wurde zugleich eine Rückkehr zum Wesentlichen, zu den Sagen und Symbolen, und ein Zugang auf den Nächsten und die Welt. Es stellte, wie nie zuvor, die Weinbauarbeiter in den Mittelpunkt der Dramaturgie.
Eine einmalige Zelebration, die Krönung, wurde ihnen gänzlich gewidmet, bevor Arlevin, der fiktive, possenreissende Weinbauarbeiter, sie über die vierzehn aufeinanderfolgenden Vorstellungen hinweg vertrat. Das Winzerfest von 1999 erzählte folglich die Geschichte von Arlevin, der, wie das zuerst ganz mit seiner eigenen Person beschäftigte Kind, sich eigennützig und von einstigen Festen träumend an seinem persönlichen Ruhm und der Krone erfreut, bevor er einen Initiationsweg antritt, der sein Wesen reift und ihn schliesslich dazu führt, seine Krone grosszügig mit den Winzern der Welt zu teilen. Nach dem mitreissenden, von den gesamten Statisten gesungenen Finale “Amour et Joie” (Liebe und Freude), wurde wie als ein Bestandteil des Schauspiels in der Stadt weitergefeiert. Die ganze Stadt war in Feststimmung, mit ihren zu Akteuren gewordenen Zuschauern und ihren zahlreichen, überall in der Altstadt zerstreuten Veranstaltungen.
SCHAUSPIEL
Präsident (Abbé-Président) : Marc-Henri Chaudet
Entwurf und Inszenierung : François Rochaix
Musik : Jean-François Bovard, Michel Hostettler, Jost Meier
Libretto : François Debluë
Choreographie : Serge Campardon
Kostüme : Catherine Zuber
Bühnenausstattung : Jean-Claude Maret
Musikalische Leitung : Fabio Luisi
Orchester : Orchestre de la Suisse romande
et Orchestre de chambre de Lausanne.
GEKRÖNTE WINZER
Raymond Favez
Jean-Daniel Crausaz
Gaston Butty
Jean-François Franceschini
Salvatore Lecci
(sowie 19 ausgezeichnete und 73 preisgekrönte Winzer)
ARENA UND BÜHNENBILD
2 Zuschauerränge von je 8000 Plätzen, zum See hin geöffnet und der Beschaffenheit des grossen Platzes angepasst. Bühne auf dem Platz und auf einem schräg abfallenden, bis über den See reichenden Proszenium.
EIGEN- UND NEUARTIGKEITEN
1 einmalige Zelebration – die Krönung
Hauptrolle: Arlevin, fiktiver Weinbauarbeiter
Foire de la St. Martin (St. Martins-Fest), Orpheus’ Garten, Volk von Gestern und Heute, “Banda” der Weinbauarbeiter, Roter Chor, Proserpina, Hades, Hermes, Senner Pierre, Die Magd und der Priester, Die Toten und die Gruppe der eingeladenen rumänischen Winzer (Die Winzer der Welt), Jean-Jacques Rousseau.
Die Sonnenfinsternis vom 11.8.1999.
Die Stadt in Feststimmung. Radio Arlevin.
DAS FEST IN ZAHLEN
5200 Akteure und Statisten, davon 670 Reiter
1 Krönungszeremonie, 7 Nachmittags- und 7 Abendvorstellungen, 3 Umzüge
Die Platzpreise gehen von 65 bis zu 260 Franken.
Das Budget betrug 54 Millionen und der Ertrag 4’151’332 Franken.
Zum ersten Mal gab ein Radiosender – Radio Arlevin – ständige Informationen zum Fest und erlaubte es dem Regisseur, mit den Tausenden von Akteuren/Statisten direkt und täglich in Berührung zu kommen.