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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

11. Buch
30. Die Vollkommenheit der Sechszahl, der ersten Zahl, die sich aus ihren Teilungszahlen ergänzt
Wenn nun von diesen Werken berichtet wird, daß sie an ein und demselben Tage, der sich sechsmal wiederholt, vollendet worden seien, so geschieht das wegen der Vollkommenheit der Sechszahl; nicht also als hätte Gott eines Zeitraumes bedurft, wie wenn er die Schöpfung, die nachmals durch regelmäßige Bewegungen die Zeit erst bilden sollte, nicht zumal hätte ins Dasein rufen können, sondern weil durch die Sechszahl die Vollkommenheit der Werke angedeutet wird.1 . Denn die Sechszahl ist die erste, die sich aus ihren Teilen ergänzt, d. i. aus ihrem Sechstel, ihrem Drittel und ihrer Hälfte, gleich eins, zwei und drei, die in Summe sechs ergeben. Als Teile haben bei dieser Betrachtung der Zahlen nur jene Zahlen zu gelten, von denen man sagen kann, den wievielten Teil davon sie bilden, wie die Hälfte, ein Drittel, ein Viertel usw., benannt nach einer [ganzen] Zahl. Man kann nämlich z. B. von der Zahl vier, obwohl sie von der Zahl neun ein Teil ist, doch nicht sagen, der wievielte Teil davon sie ist, wohl aber von eins: denn eins ist der neunte Teil davon, und von drei: denn drei, ist der dritte Teil. Jedoch diese beiden Teile, der neunte und der dritte, also eins und drei, zusammen bleiben weit zurück hinter der Gesamtsumme neun. So auch bei der Zehnzahl; vier ist ein Teil davon, aber keine Teilungszahl, wohl aber eins: denn es ist der zehnte Teil davon, Sie hat auch einen fünften Teil, d. i. zwei, ebenso einen halben, d. i. fünf. Aber diese drei Teile, der zehnte, der fünfte und der halbe, also eins, zwei und fünf geben zusammengezählt noch nicht zehn, sondern nur acht. Die Teilungszahlen von zwölf dagegen gehen in ihrer Summe über diese Zahl hinaus: denn zwölf hat ein Zwölftel d. i. eins, ein Sechstel d. i. zwei, ein Viertel d. i. drei, ein Drittel d. i. vier, die Hälfte d. i. sechs; eins und zwei und drei und vier und sechs macht nicht zwölf, sondern mehr, sechzehn. Das glaubte ich in Kürze erwähnen zu sollen, um die Vollkommenheit der Sechszahl ins Licht zu rücken, die, wie gesagt, die erste ist, die sich aus der Summe ihrer Teilungszahlen vervollständigt; und in ihr hat Gott seine Werke vollendet. Es ist also die Bedeutung der Zahl nicht zu unterschätzen, vielmehr erhellt, wenn man genau zusieht, in vielen Stellen der Heiligen Schrift, wie hoch sie zu werten ist. Und nicht ohne Grund heißt es zum Lobe Gottes: „Alles hast Du nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet“2 .
1: Als vollkommen galten im Altertum jene Zahlen, deren Teilungszahlen in Summe wieder die Zahl ergeben, also z. B. die Zahl 6 [1 + 2 + 3 = 6], nicht aber 4 [1 + 2 = 3].
2: Weish. 11, 21.