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Pflanzen des Monats 2015
Pflanze des Monats November: Drillingsblume (Bougainvillea spectabile) auf der Galerie im Palmenhaus (32)
Wunderblume aus dem Mittelmeergebiet?
Jeder kennt die Drillingsblume (Bougainvillea spectabilis, auch Vogelblume genannt) von Urlaubsreisen im Mittelmeergebiet. Doch ist die bestachelte Kletterpflanze dort wirklich heimisch? Irrtum! Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Art ist Brasilien. Sie wird heute jedoch weltweit in allen Regionen mit ausreichend warmem Klima als Zierpflanze kultiviert. Die Gattung Bougainvillea gehört zur Familie der Wunderblumengewächse (Nyctaginaceae) und umfasst bis zu 18 Arten. Diese verholzen alle und wachsen entweder strauchförmig oder sind sogenannte Spreizklimmer, die mit Hilfe ihrer Stacheln an anderen Pflanzen oder Rankhilfen empor wachsen. Charakteristisch sind die Blütenstände mit ihrer speziellen Anordnung der drei weissen, zwittrigen Einzelblüten, welche von drei farbigen Hochblättern umgeben sind (bei Bougainvillea spectabilis rot oder rotviolett). Diese kräftig gefärbten Hochblätter dienen der Anlockung von Bestäubern. Die Pflanzen sind in Regionen mit ganzjährigem Niederschlag immergrün und in Regionen mit Trockenphasen laubabwerfend. Durch ihren giftigen Pflanzensaft, der beim Menschen allergische Kontaktekzeme auslösen kann, sind die Drillingsblumen relativ gut vor Fressfeinden geschützt. Nur wenige Schnecken- und Blattlausarten sowie die Raupen einiger spezialisierter Schmetterlinge nutzen sie als Futterpflanze. Diese Eigenschaft, kombiniert mit schnellem Wachstum, ist gut für Gartenbesitzer, hat aber auch den Nachteil, dass sich verwilderte Pflanzen dadurch einen Vorteil gegenüber anderen einheimischen Arten verschaffen könnten. Dies ist wohl ein Grund, weshalb Bougainvillea-Arten in einigen Ländern als invasive Neophyten bekämpft werden.
Pflanze des Monats Oktober: Efeublättriges Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium) im Mittelmeergebiet (20) und in anderen Freilandteilen
Fischfang mit giftiger Knolle
Der Name Alpenveilchen ist irreführend. Die beliebten Zimmerpflanzen sind nicht mit den Veilchen verwandt, sondern gehören zur Familie der Primelgewächse (Primulaceae). Zudem gedeihen die meisten der rund 23 Arten nicht in den Alpen, sie sind vielmehr im mediterranen Raum beheimatet. So auch das Efeublättrige Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium), welches in lichten Wäldern, wärmeliebenden Gebüschen und auf Felsen von Südfrankreich bis in die Türkei vorkommt. In der Schweiz ist es gelegentlich verwildert anzutreffen, insbesondere am Genfersee. Es blüht im Herbst, noch vor dem Austreiben der efeuähnlichen, dekorativen und mit hellen Flecken gescheckten Blätter. Die 5-zähligen Blüten sind weisslich-rosa und tragen dunkelkarminrote Flecken an der Basis. Sie stehen nickend an einem langen Stiel und duften nur schwach. Die nektarlosen Pollenblumen bieten den Bestäubern, insbesondere Hummeln, ein zuckerreiches Gewebe im Blüteninnern an. Auch Selbstbestäubung kommt vor. Die Samen besitzen einen Ölkörper, den Ameisen sammeln und so die Ausbreitung der Pflanze verbessern. Der Gattungsnamen Cyclamen stammt aus dem Griechischen und bedeutet Kreis oder Scheibe. Er bezieht sich auf die scheibenförmigen Wurzelknollen. Bereits der römische Gelehrte Plinius der Ältere, der vor knapp 2000 Jahren ein imposantes Werk zur Naturkunde verfasste, beschrieb die giftige Wirkung dieser Knollen. Bei Menschen und Fischen führen schon geringe Mengen des Giftstoffes Cyclamin zu Erbrechen und Durchfall, höhere Dosen zu Lähmungserscheinungen oder zum Tod durch Atemlähmung. Bereits 0,2 g der Knolle sind toxisch und 8 g gelten als tödlich. In Sizilien wurde beim Fischen kleine gestampfte Kugeln aus den Knollen ins Wasser geworfen, die Fische waren danach betäubt und eine leichte Beute.
Pflanze des Monats September: Bischofskraut (Ammi visnaga) im Heilpflanzengarten (15)
Zahnstocher mit Würze
Bereits die Alten Ägypter schätzten das Bischofskraut (Ammi visnaga) als Heilpflanze und verwendeten es gegen Harn- und Blasensteine oder bei Krampfzuständen. Auch in den Kräuterbüchern der Renaissance anerkannten Naturforscher wie der Deutsche Arzt Adam Lonitzer seine Vorzüge gegen das «Bauchgrimmen» und bei Menstruationsbeschwerden. Neue Forschungen konnten diese Wirkungen bestätigen. Zudem enthalten die Samen pharmakologisch aktive Inhaltsstoffe: ein herzwirksames Glykosid hat eine positive Wirkung auf die Durchblutung des Herzmuskels.
Das Bischofskraut stammt aus dem Mittelmeergebiet und kommt von den Kanarischen Inseln bis nach Vorderasien vor. Nördlich der Alpen wurde es gelegentlich verschleppt, so auch in der Schweiz im Kanton Zürich. In Nord- und Südamerika ist die wärmeliebende Pflanze eingebürgert. Sie gehört zur Familie der Doldengewächse (Apiaceae) und ähnelt der Wilden Möhre. Das ein- bis zweijährige Gewächs wird rund einen Meter hoch, hat sparrige und mehrfach gefiederte Blätter. Die grossen Blütendolden sind endständig und tragen bis zu hundert Doldenstrahlen, auf denen unzählige weisse Blüten stehen. Fliegen, Schwebefliegen, Käfer, Wespen und Schmetterlinge besuchen die leuchtenden Blüten, sammeln Nektar und Pollen und sorgen für deren Bestäubung. Als Anpassung an das trockene Sommerklima im Mittelmeerraum öffnen sich die ausgereiften Dolden nur bei genügend Feuchtigkeit; bei Trockenheit ziehen sie sich dicht und nestförmig zusammen. Die Pflanze entlässt ihre Samen nur bei Regenwetter und diese finden so günstige Keimungsbedingungen. Die verholzten Doldenstrahlen sind bei der Reife dick und starr und werden in orientalischen Ländern noch heute als würzig duftende Zahnstocher verwendet.
Pflanze des Monats August: Chinesische Krüselmyrte (Lagerstroemia chinensis) an der Mauer unterhalb der Anzuchthäuser 50
Rosa Blütenpracht im Spätsommer
Aus Ostasien stammt die Chinesische Kräuselmyrte (Lagerstroemia indica). Sie gehört zur Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae) und ist somit mit unserem Blut-Weiderich verwandt. Der sommergrüne Baum wächst oft mehrstämmige und wird bis 7 m hoch. Im Winter besticht das laublose Gehölz durch seine olivbraun gefleckte Musterung, die glatte Rinde und die knorrigen Äste. Die jungen Zweige sind meist vierkantig. Die zarten, eiförmigen und oft zugespitzten, sitzenden und fast gegenständigen Blätter treiben im Spätfrühling aus. Erst im August erscheinen in endständigen Rispen unzählige rosa, purpurrot oder seltener weiss gefärbte, gefranste und gekräuselte Blüten. Im Inneren der zwittrigen Blüten befinden sich zwei verschiedene Typen von Staubblättern: sechs lange und rund 40 kurze mit gelb leuchtenden Staubbeuteln. Dabei sind nur die erst genannten fertil und dienen der Befruchtung. Demgegenüber eignen sich die gelben Staubblätter zur Anlockung der bestäubenden Insekten, insbesondere Bienen. Der Pollen wird den Partnern als Belohnung für ihren Blütenbesuch zur Nahrung angeboten. Die kleinen Kapselfrüchte enthalten geflügelte Samen.
Aufgrund ihrer späten Blütenpracht ist die Chinesische Kräuselmyrte südlich der Alpen, im mediterranen Raum und in warmen Regionen der ganzen Erde eine beliebte Zierpflanze. Das frostharte Gehölz gedeiht an geschützten Lagen auch in unseren Breiten. Die Gattung der Kräuselmyrten, auch Lagerströmien genannt, beherbergt rund 55 Arten, die in den tropischen bis subtropischen Gebieten Asiens und Australiens heimisch sind. Carl von Linné benannte die Gattung nach seinem schwedischen Freund und Naturforscher Magnus Lagerström, der ihm von seinen Asienreisen Pflanzen mitbrachte, die in Europa unbekannt waren.
Pflanze des Monats Juli: Neumexikanische Agave (Agave parryi ssp. neomexicana) bei den Freilandsukkulenten (17)
Wachsen - Blühen - Sterben
Agaven zählen zu den eindrücklichsten Pflanzenarten. Die fleischigen, wasserspeichernden Rosettenblätter wachsen viele Jahre, bilden dann einen einzigen, oft sehr stattlichen Blütenstand und sterben danach ab. Kaum verwunderlich, leitet sich der botanische Name Agave vom griechischen Wort agavos ab und bedeutet edel, prachtvoll oder erhaben. Die rund 220 verschiedenen Agavenarten gehören zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) und stammen alle aus der Neuen Welt. Nur wenige Arten gelangen in unserem gemässigten Klima nördlich der Alpen zur Blüte, wie beispielsweise die Neumexikanische Agave (Agave parryi ssp. neomexicana). Bei trockenem Untergrund kann sie Minustemperaturen von 20 °C überstehen. Ihre graugrünen, schwertförmigen Blätter sind steif, fein gezähnt und haben einen dunklen Enddorn. Im Jahre 2008 wurden bei den Freiland Sukkulenten drei Exemplare gepflanzt, davon blühte eines im letzten Jahr und starb danach ab. Nun bildet ein zweites Exemplar einen imposanten, bis 3 m hohen Blütenstand. Der schnellwachsende Schaft besteht nicht aus massivem Holz wie bei einem Baumstamm, sondern ist von unzähligen zähen Fasern durchzogen. Die vielen gelben Blüten sind zwittrig. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in den trockenen Wüstengebieten zwischen der südlichen USA und dem nördlichen Mexiko auf 1600 – 2100 m ü. M. wird sie von Kolibris, Spechten und Insekten bestäubt, die bei ihrem Blütenbesuch mit Nektar versorgt werden. Auch die Mescalero-Apachen nutzten den süssen Nektar und stellten daraus einen Sirup her. Zudem buken sie die Blätter zu einem Fladen. Aus dem Pflanzensaft lässt sich ein alkoholisches Getränk herstellen, ähnlich dem Tequila, der aus der nah verwandten Blauen Agave (Agave tequilana) produziert wird.
Pflanze des Monats Juni: Kleinblütiges Igelpolster (Acantholimon parviflorum) im Steppenhaus (26)
Eine runde Sache
Das Klima in den Steppen Zentralasiens ist harsch. Auf sehr kalte Winter mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt folgen heisse Sommer. Niederschläge fallen spärlich, vor allem vom Frühjahr bis in den Herbst. Genau in diesen 4-5 Monaten findet die Vegetationsperiode der Steppenpflanzen statt, da Wassermangel das Wachstum einschränkt. Das Kleinblütige Igelpolster (Acantholimon parviflorum) ist bestens an dieses extreme, kontinentale Klima angepasst. Der wintergrüne Halbstrauch gedeiht in den Gebirgen Zentralasiens. Er bildet ein dichtes Kugelpolster aus derben, nadelartigen Blättern, die an ihrem Ende extrem spitz sind und bei der kleinsten Berührung stechen. Ein idealer Frassschutz! Die Struktur des Polsters bilden die alten, verdorrten Blattrosetten. Im Polsterinnern herrscht eine geringere Verdunstung und die Luftfeuchtigkeit ist höher, ein enormer Vorteil im trockenen Klima. Zudem verhindert der dichte Polsterwuchs das Aufkommen von anderen Pflanzen: Konkurrenz um das rare Wasser ist nicht erwünscht. Ende Mai beginnt die Blütezeit. Unzählige, zierliche, rosa Blüten ragen über das Polster. Sie locken Wildbienen an, die sich am Nektar im Inneren der zwittrigen, fünfzähligen Blüten laben. Das Igelpolster zählt zur Familie der Bleiwurzgewächse (Plumbagiaceae), die nah mit den Knöterichgewächsen verwandt sind. Die Gattung umfasst rund 165 Arten. Diese wachsen bevorzugt in felsigen Gebirgsregionen und kommen vom östlichen Mittelmeer bis nach Zentralasien vor. Das Kleinblütige Igelpolster wurde 1985 im Steppenhaus gepflanzt. Es entwickelt sich prächtig, hat eine Ausdehnung von einem Quadratmeter und eine Polsterhöhe von 25 cm. Es feiert nun seinen 30. Geburtstag, eine runde Sache!
Pflanze des Monats Mai: Gemeine Pimpernuss (Staphylea pinnata) im Alpinum Osteuropa und Balkan (11)
Zurück aus den Eiszeiten
Während der letzten Eiszeiten bedeckten massive Gletscher grosse Teile der Schweiz. Etliche Pflanzenarten starben aus oder wanderten in die eisfreien Gebiete südlich der Alpen. Dazu zählt auch die Gemeine Pimpernuss (Staphylea pinnata) aus der gleichnamigen Familie der Pimpernussgewächse (Staphyleaceae), die nach der letzten Eiszeit bei wärmeren Bedingungen zurück nach Norden wanderte. Heute erstreckt sich ihr Hauptverbreitungsgebiet von Südosteuropa bis nach Kleinasien. In der Schweiz ist das bis 5 m hohe Gehölz nur vereinzelt anzutreffen. Es besiedelt wärmeliebende Laubmischwälder und bevorzugt einen kalkhaltigen Boden. Die Gemeine Pimpernuss wächst als sommergrüner Strauch oder kleiner Baum. Die Blätter sind gefiedert und ähneln denen der Esche. Nach dem Blattaustrieb erscheinen im Mai zahlreiche gelblich-weisse Blüten, die in langen Rispen herabhängen. Die fünf Kelchblätter sind auf der Aussenseite leicht rötlich und die fünf Kronblätter neigen sich glockenförmig zusammen. Die zwittrigen Blüten bestäuben sich meist selber. Ergänzend kann dank dem Nektar eine Fremdbestäubung durch Schwebfliegen, Fliegen oder Bienen stattfinden. Im Herbst entwickeln sich aufgeblasene, gelbgrüne Kapselfrüchte, deren reife Samen sich bei Wind in der Frucht bewegen und klappern. Diesem Umstand verdankt die Pflanze auch ihren deutschen Namen. Die Bezeichnung Pimpernuss stammt aus dem mittelhochdeutschen «pimpern» und bedeutet klappern. Aus den erbsengrossen Samen, den «Pimpernüssen», lässt sich ein Likör herstellen oder sie können geröstet gegessen werden. Bereits die Kelten kannten den Baum und sollen die Pimpernuss auf ihren Grabstätten gepflanzt haben.
Verbreitungskarte Schweiz (Quelle: www.infoflora.ch)
Pflanze des Monats April: Buschwindröschen (Anemone nemorosa) im Zaubernusswäldchen (25) und in weiteren Freilandbereichen
Versteckte Vorratskammer im Boden
Nach der Schneeschmelze verzaubern jedes Jahr farbige Blütenteppiche die Freilandanlagen des Botanischen Gartens: Weisse Schneeglöckchen, gelbe Winterlinge, purpurne Kos-Alpenveilchen, blauer Schneestolz folgen einander und werden ab Ende März durch das Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) abgelöst. Als Frühjahrsblüher erscheinen sie alle vor dem Laubaustrieb der Laubbäume und profitieren von der verstärkten Lichteinstrahlung und Wärme direkt über dem Boden. Das schnelle Austreiben und Wachsen ist nur möglich, weil sie in unterirdischen Organen wie Zwiebeln, Knollen oder Rhizomen Nährstoffe aus dem Vorjahr gespeichert haben. Beim Busch-Windröschen werden die Reservestoffe wie Stärke und Mineralstoffe im Rhizom gelagert und dienen der Pflanze Vorratskammer. Dieser Erdspross liegt waagrecht im Boden, wird bis 30 cm lang und verzweigt sich stets. Aus ihm entspringen manchmal über 100 Blütentriebe und erklärt den oftmals dichten Bestand des Hahnenfussgewächses (Ranunculaceae). Die weissen Blüten des Busch-Windröschens sind nachts und bei kühler Witterung geschlossen, da die Aussenseite bei niedrigen Temperaturen schneller wächst als die Oberseite. An warmen Tagen wenden sie sich stets der Sonne zu und locken ihre Bestäuber an. Schwebfliegen, Bienen und Hummeln finden in den Blüten zwar keinen Nektar, aber reichlich Pollen. Die mit kurzen und borstigen Haaren besetzten Früchte haben ein fettreiches Anhängsel und werden durch Ameisen verbreitet. Das Busch-Windröschen gedeiht vor allem in Laub- und Mischwäldern der gemässigten Gebiete Eurasiens. Alle Pflanzenteile sind giftig, der Saft kann zu Hautverätzungen führen.
Pflanze des Monats März: Augen-Stanhopee (Stanhopea oculata) im Orchideenhaus (31)
Das unwiederstehliche Parfum
In den tropischen Wäldern von Mittel- und Südamerika findet sich eine sehr grosse Pflanzenvielfalt. Die Konkurrenz um bestäubende Insekten ist daher enorm. Um überhaupt wahrgenommen zu werden, entwickelten einige Orchideenarten ganz besondere Methoden, dazu zählen auch die rund 55 Arten der Gattung Stanhopea. Sie wachsen meist als Epiphyten in den Baumkronen feuchter Wälder und besitzen lange, elliptische Blätter. Ihre attraktiven Blüten bestechen durch einen betörenden Duft. Die Augen-Stanhopee (Stanhopea oculata) im Orchideenhaus weist auf ihren cremefarbenen Blütenblättern dunkle «Augenmuster» auf, denen sie ihren Namen verdankt. Der Duft ihrer Blüten, die meist nur wenige Tage blühen, ist ausserordentlich stark und zieht in der Natur männliche Prachtbienen an, die für ihre metallisch schillernden Farben bekannt sind. Die Prachtbienen sind nun aber nicht auf der Suche nach Nahrung, sondern sie sammeln ein von der Pflanze produziertes Öl. Mit ihren Vorderbeinen streifen sie dieses Öl ab und verstauen es im Flug in speziellen Säcken an ihren Hinterbeinen, wo es mit anderen Duftstoffen zu einem Parfum vermischt wird, welches weibliche Prachtbienen unwiderstehlich finden. Je mehr Parfum eine männliche Prachtbiene verströmt, umso attraktiver erscheinen sie ihren weiblichen Artgenossen. Da die männlichen Prachtbienen bei ihrer Sammeltätigkeit oft wie betrunken torkeln, fällt ihnen nicht auf, dass sie dabei die Pollenpakete der Orchideen verbreiten. Bisher wurden sechs verschiedene Prachtbienen-Arten ausgemacht, welche die Augen-Stanhopee bestäuben. Nur sie können das Öl der Orchideen verwerten. Sie haben gewissermassen einen Exklusivvertrag und bieten den Pflanzen einen verlässlichen Transportservice für die wertvolle Pollenfracht.
Pflanze des Monats Februar: Dermatobotrys saundersii im Sukkulentenhaus (34), im Farnhaus (33) und im Sommer auf der Terrasse beim Südafrikaviereck (21)
Die Zierde in den Baumkronen
In den steilen Wäldern an der Ostküste von Südafrika gedeiht ein ungewöhnlicher und seltener Strauch, der Baum-Reiter (Dermatobotrys saundersii). Er ist die einzige Art in seiner Gattung und gehört zur Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae). Seine gegenständig angeordneten Blätter sind weich und gummiartig, mit gezähnten und rötlichen Adern. Beim Zerreiben der Blätter entfaltet sich ein süsslich-herber Geruch. Im Herbst fallen die Blätter ab und die tiefroten, 5-zähligen, röhrenförmigen Blüten entwickeln sich in endständigen Büscheln. Diese sind sehr auffällig und von weitem sichtbar. Insbesondere Nektarvögel, welche ökologisch gesehen das Pendant zu den Kolibris in der Neuen Welt bilden, werden angelockt. Ihr Flug ist jedoch nicht so wendig und sie können im Gegensatz zu den Kolibris nicht an Ort und Stelle schweben. Sie verfügen über kräftige Beine, mit denen sie bei der Nahrungsaufnahme auf den Ästen sitzen und über einen langen, abwärtsgebogenen Schnabel, den sie in die Blütenröhren stecken. Mit ihrer langen Zunge saugen sie Nektar aus den Blüten und bestäuben die Pflanzen. Die reifen Früchte sind essbar und schmecken süss. Der bis ein Meter grosse Strauch lebt nur selten auf dem Boden, sondern vorwiegend als Epiphyt in den Kronen hoher Bäume. Daher erhielt er im englischen den Namen «Tree Jockey», was Baum-Reiter bedeutet. Aufgrund seiner Vorliebe für tote Bäume nahm man früher irrtümlicherweise an, dass der Baum-Reiter die Wirtsbäume zum Absterben bringt. In Wirklichkeit ist er für diese jedoch eine wunderbare Zierde.
Pflanze des Monats Januar: Schlafender Hibiskus (Malvaviscus arboreus) im Farnhaus (33)
Geschlossene Blüten locken clevere Kolibris
Im Farnhaus gedeiht ein bis 5 m hoher, immergrüner Strauch aus den Tieflandregenwäldern und Bergnebelwäldern der Neuen Welt. Die unzähligen, feuerroten Blüten leuchten fast das ganze Jahr über. Bei genauer Betrachtung vermitteln die Blüten des Schlafenden Hibiskus (Malvaviscus arboreus) jedoch den Eindruck, sie seien noch geschlossen, da die 5 Kronblätter stets eingerollt bleiben und sich nie öffnen. Diesem eigentümlichen Umstand verdankt das Malvengewächs (Malvaceae) seinen deutschen Namen. Aus der geschlossenen Krone ragt eine Röhre, die aus den verwachsenen Staubfäden gebildet wird. Die winzigen violett-rötlichen Staubbeutel produzieren den Pollen. Sie befinden sich gleich unterhalb der fünflappigen Narbe. Dank der leuchtend roten Signalfarbe und den exponierten Staub- und Fruchtblättern werden Kolibris angelockt, welche die Pflanze bestäuben. Sie erhalten beim Blütenbesuch Nektar und der Pollen wird auf ihrem Gefieder oder am Schnabel deponiert. Obwohl die roten Kronblätter oft erst nach ein paar Tagen abfallen, ist eine Blüte nur einen Tag lang fruchtbar. Dabei findet die grösste Nektarproduktion am Morgen statt, genau zu dem Zeitpunkt, wenn am meisten Kolibris die Blüten besuchen. Die cleveren, bunt schimmernden Vögel lassen sich von den scheinbar geschlossenen Blüten nicht täuschen und haben zudem gelernt, den idealen Zeitpunkt für einen Blütenbesuch zu wählen. Der Schlafende Hibiskus ist eine beliebte Zierpflanze in tropischen Gärten. Seine fleischigen Früchte sind essbar und schmecken wie kleine Äpfel.