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Wert der Gebäude (Verwaltungsgebäude etc.) im Betrage von ca. 700000 Fr. nicht berücksichtigt. Die Schulgemeinden besassen Ende 1900 ein Gesamtvermögen von 1956000 Fr. und die Armengüter betrugen 2056000 Fr.
Die Einnahmen der Bürger- und Ortsgemeinden betrugen 906000 Fr. (darunter Gemeindesteuer 220000 Fr., Ertrag der Liegenschaften 277000 Fr., Ertrag der Waldungen 195000 Fr.); die Ausgaben beliefen sich auf 891000 Fr.
Bei den Schulgemeinden betrugen die Einnahmen 314000 Fr., die Ausgaben 378000 Fr. Die Armengemeinden hatten 219000 Fr. Einnahmen und 257000 Fr. Ausgaben. Das Gesamtsteuertreffnis per Einwohner schwankte zwischen 67,55 Fr. (Gemeinde Glarus) und 3,80 Fr. (Bilten). Im ganzen dürfen die Finanzverhältnisse der Gemeinden als günstige bezeichnet werden.
Militärwesen.
Der Kanton Glarus stellte auf zur schweizerischen Armee:
Die Truppen des Kantons Glarus gehören zur 8. Division und zum 4. Armeekorps. Seine Infanterie bildet das Bataillon 85 des Auszugs, die 3. und 4. Kompagnie des Landwehrbataillons 116, I. und II. Aufgebot, die 3. Kompagnie des Schützenbataillons 8 des Auszugs und die 3. Kompagnie des Schützenbataillons 12, Landwehr I. und II. Aufgebot. Für die eidgenössischen Korps der Spezialwaffen liefert der Kanton keine vollständigen Truppeneinheiten, sondern nur kleinere Anzahlen von Offizieren und Mannschaft.
Schule und Kirche.
Das Schulwesen darf als ein gut geordnetes bezeichnet werden. Die Primarschule umfasst 7 Schuljahre und nimmt die Kinder nach dem vollendeten 6. Altersjahre auf. Daran schliesst sich für diejenigen Schüler, die nicht in die Sekundarschule übertreten, die Repetierschule an mit 2 Jahreskursen und 2 halben Schultagen per Woche Trotzdem Glarus ein Gebirgskanton ist, konnten die Primarschulen mit einer Ausnahme als Ganzjahr- und Ganztagschulen organisiert werden, da sich die Ortschaften fast ganz auf die Thalsohle konzentrieren. Die Schulmaterialien und Lehrmittel werden unentgeltlich verabfolgt. Im Jahr 1900 wurden in 30 Schulgemeinden 4928 Primar- und Repetierschüler von 92 Lehrern unterrichtet.
Für den höhern Volksschulunterricht sorgen 10 Sekundarschulen mit je 3 Jahreskursen und die höhere Stadtschule in Glarus, welche 4 Jahreskurse umfasst und die Aufgaben eines untern Gymnasiums und einer untern Industrieschule erfüllt. Eine vollständig ausgebaute Mittelschule zur Vorbereitung auf das akademische Studium ist nicht vorhanden. Der Uebertritt in die Sekundarschule kann aus der 6. oder 7. Primarklasse erfolgen. Die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel und Schulmaterialien ist auf dieser Schulstufe noch nicht durchgeführt. Im Jahr 1900 betrug die Zahl ihrer Lehrer 24, die Zahl der Sekundarschüler 444 = 8,3% aller Schüler, die Zahl aller Primar- und Sekundarschüler 5372 = 16,6% der Bevölkerung.
Die Fortbildungsschulen haben im Jahr 1900 eine neue Organisation erhalten und zerfallen in allgemeine, gewerbliche und hauswirtschaftliche Fortbildungsschulen. Ihr Besuch ist freiwillig; ihre Schülerzahl betrug im Jahr 1900 1065. Der gewerblichen Bildung dient auch die seit 1899 bestehende, an die 7. Primarklasse sich anschliessende Handwerkerschule in Glarus. In mehreren Gemeinden sind Knaben-Handarbeitskurse eingerichtet.
Die durchschnittliche Besoldung eines Primarlehrers beträgt 1750 Fr., die durchschnittliche Sekundarlehrerbesoldung 2500 Fr., diejenige der Lehrer der höhern Stadtschule Glarus 3200-3700 Fr. Die vom Staate unterstützte Lehrer-Alters-, Wittwen- und Waisenkasse besass 1900 ein Vermögen von 146000 Fr. und gewährte Unterstützungen im Betrage von 7800 Fr.
Die Wahl der Lehrer und der Schulbehörden ist Sache der Gemeinden. Der Staat übt die Oberaufsicht über das Schulwesen durch das Mittel des Schulinspektorates aus. Er subventioniert die Sekundarschulen mit je 2000 Fr. per Lehrstelle, leistet der höhern Stadtschule Glarus überdies einen besonderen Jahresbeitrag von 10000 Fr., bezahlt ½-¾ der Kosten der Fortbildungsschulen und der Handarbeitskurse, leistet an Schulhausbauten bis 20% der Kosten und übernimmt des Defizits der Schulgemeinden.
Im Jahr 1901 betrugen die finanziellen Leistungen
|(Fr.)||für die Primar- u. Fortbildungsschulen||für die Sekundarschulen||Total|
|der Gemeinden||249695||38178||287873|
|des Kantons||63376||52535||115911|
|Total||313071||90713||403784|
Es gibt im Kanton Glarus 15 reformierte und 5 katholische Kirchgemeinden. Die oberste Behörde der reformierten Landeskirche ist die Synode, welche aus den reformierten Mitgliedern des Regierungsrates, den im Amte stehenden Geistlichen und den Abgeordneten der Gemeinden besteht und sich ordentlicherweise nur alle 3 Jahre versammelt. Sie wählt die aus 7 Mitgliedern bestehende evangelische Kirchenkommission, welche mit der Leitung der kirchlichen Angelegenheiten betraut ist. Uebrigens sind die reformierten Kirchgemeinden mit weitgehender Autonomie ausgestattet; die Wahl der Geistlichen, der Behörden und Angestellten, die Bestreitung aller Ausgaben, selbst die Bestimmung der Liturgie ist ausschliesslich Sache der Gemeinden. Die Katholiken sind dem Bistum Chur unterstellt.
Wohlfahrtseinrichtungen.
Die öffentliche Unterstützung der Armen ist Sache der Armengemeinden, welche an den meisten Orten mit den Bürgergemeinden zusammenfallen. Konfessionelle Armengemeinden besitzen nur noch Glarus, Mitlödi und Linthal. Die Ausgaben der Armengemeinden werden gedeckt durch Armensteuern, die Zinsen der Armengüter und direkte Staatsbeiträge, letztere namentlich für Versorgung von Armen in Anstalten. Am wiesen die Armengüter der 30 Armengemeinden einen Vermögensbestand von 2056288 Fr. auf. Der öffentlichen Armenunterstützung dienen überdies noch eine Reihe von Anstalten und Spezialfonds mit einem Vermögen von ebenfalls mehr ¶
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als 2 Millionen Franken. Darunter sind namentlich das 1853 gegründete Armenhaus Glarus, das nicht nur den Armen und Kranken der Gemeinde Glarus, sondern auch solchen aus andern Gemeinden offen steht, das 1885 eröffnete Waisenhaus Glarus und das 1902 eröffnete Bürgerasyl Ennenda zu erwähnen. Sofern die Zinsen der vorhandenen Fonds, die Armensteuern u. die direkten Staatsbeiträge nicht ausreichen, werden die Defizite der Armengemeinden je zur Hälfte vom Staate und den Tagwen (Bürgergemeinden) getragen.
Ein sehr wohltätiges Institut ist der vom Staate gegründete und unterhaltene, im Jahr 1881 eröffnete Kantonsspital. Im Jahr 1900 betrug sein Fond 694746 Fr., die Zahl der Verpflegungstage 29140, das daraus erwachsende Defizit 65155 Fr. Für Gründung eines von der Landsgemeinde bereits beschlossenen kantonalen Irrenhauses besteht ebenfalls ein Fond, der Ende 1900 auf 599625 Fr. angewachsen war.
Für die Erziehung verwaister oder verwahrloster Kinder bestehen noch drei kantonale Anstalten, die jedoch nicht vom Staate, sondern von wohltätigen Gesellschaften gegründet und unterhalten sind. Die «evangelische Hilfsgesellschaft» gründete 1819 die Knaben-Erziehungsanstalt Linthkolonie bei Ziegelbrücke und 1853 diejenige von Bilten, die «gemeinnützige Gesellschaft» 1846 die kantonale Mädchenanstalt in Mollis. Die beiden Knaben-Erziehungsanstalten, welche für 50 Knaben Raum bieten, besassen Ende 1900 ein Vermögen von 360000 Fr., die Mädchenanstalt, die 26 Mädchen aufnehmen kann, 178765 Fr. Die gemeinnützige Gesellschaft ist auch Gründerin und Besitzerin des 1897 eröffneten Sanatoriums Braunwald, welches für 30 Lungenkranke Raum gewährt. Der thurgauischen Sanatoriumskommission ist das Verfügungsrecht über 10 Plätze in dieser Anstalt vertraglich zugesichert. 1901 betrug die Zahl der Verpflegungstage 9054. Die gleiche Gesellschaft hat 1902 auch die Gründung einer kantonalen Anstalt für schwachsinnige Kinder beschlossen und hiefür bereits einen Fond von ca. Fr. 90000 gesammelt.
Für den Kanton Glarus charakteristische und sehr segensreich wirkende Institutionen sind die zahlreichen Krankenkassen. Die erste derselben wurde im Jahr 1816 für die Arbeiter des Fabriketablissements von Aegidius Trümpi in Glarus gegründet. Ihre wohltätigen Wirkungen ermunterten bald auch die Fabrikarbeiter in den übrigen grossen Ortschaften zur Stiftung solcher Kassen. Heute bestehen beinahe in allen Gemeinden solche Institute. 1899 zählten sämtliche 67 Kassen 12251 Mitglieder und verabreichten Unterstützungen im Betrage von 175040 Fr. Die meisten derselben gewahren ihre Unterstützung nicht blos bei vorübergehender Krankheit, sondern auch für den Fall dauernder Invalidität und für das Alter, oder wenigstens für den Fall der durch das Alter bewirkten Arbeitsunfähigkeit. So wurden 1899 an Alte und Gebrechliche 52927 Fr. verabreicht. Um dieser Verpflichtung zur Unterstützung des Alters nachzukommen, sind die meisten dieser Kassen sorgsam auf die Sammlung und Aeufnung entsprechender Fonds bedacht und werden dabei durch die Mithilfe begüterter Privater, vor allem der Arbeitgeber in freigebiger Weise unterstützt. Ende 1900 besassen sämtliche glarnerischen Kranken- und Alterskassen ein Vermögen von 2866087 Fr. An Geschenken und Legaten waren ihnen bis zu diesem Zeitpunkte über 1200000 Fr. zugeflossen.
Sozialen Zwecken dient auch die 1835 unter obrigkeitlicher Aufsicht und unter Garantie des Staates gegründete «Landesersparniskasse», die nun mit der 1884 geschaffenen Kantonalbank verbunden ist. 1840 waren 506 Einleger mit einer Einlagesumme von 68253 Fr. beteiligt; 1901 war die Zahl der Einleger auf 17191 (= 53% der Bevölkerung) und ihr Guthaben auf 15720791 Fr. (= 485 Fr. per Kopf der Bevölkerung) gestiegen. Ausserdem bestehen in 9 Gemeinden noch besondere Jugendersparniskassen.
Das Vereinswesen
ist im Kanton Glarus reich entwickelt. Unter den Gesellschaften, die auf dem Gebiete der Gemeinnützigkeit arbeiten, nennen wir in erster Linie die kantonale gemeinnützige Gesellschaft (gegründet 1846) und die evangelische Hilfsgesellschaft, deren wichtigste Schöpfungen bereits unter den Wohlfahrtseinrichtungen erwähnt worden sind. In den meisten grössern Ortschaften bestehen freiwillige Armenvereine und Frauenvereine, welche sich die Unterstützung der Armen und Kranken zur Aufgabe stellen. Der seit 1888 bestehende Kantonalverband für Naturalverpflegung armer Durchreisender bekämpft mit gutem Erfolg den Hausbettel. In diese Kategorie von Vereinigungen fallen ferner die kantonale Sektion des Vereins vom blauen Kreuz, die Kantonalsektion der Centralvereins vom roten Kreuz, endlich die bereits erwähnten zahlreichen Alters- und Krankenkassenvereine.
Wie anderwärts, so bestehen auch hier viele Berufsverbände. Wir nennen darunter den Handwerks- und Gewerbeverein mit Sektionen in den einzelnen Landesteilen, den landwirtschaftlichen Verein, den Jägerverein, den Fischereiverein, den Verein glarnerischer Bienenfreunde und den ornithologischen Verein. Seit 1826 besteht der kantonale Lehrerverein mit vier Filialkonferenzen, seit 1834 eine kantonale medizinische Gesellschaft, seit 1837 der Pastoralverein.
Für das gesellige Leben in den einzelnen Ortschaften sind die zahlreichen Gesang- und Musikvereine von grosser Bedeutung. Schon seit 1826 haben sich die wichtigsten derselben zum Kantonalsängerverein zusammengeschlossen. Das Turnwesen ist nicht so intensiv entwickelt wie in manchen andern Kantonen; dagegen wird das Schiesswesen seit langer Zeit mit grossem Eifer und Erfolg gepflegt. Im Jahre 1900 bestanden 47 Militärschiessvereine mit ca. 1800 Mitgliedern.
Weniger auffällig, aber doch von wichtigem Einfluss auf das Kulturleben des Volkes ist die Tätigkeit der im Dienste von Kunst, Wissenschaft und Belehrung stehenden Vereine. Hieher zu rechnen sind die in allen grössern Ortschaften bestehenden Lesevereine, der kantonale historische Verein, der sich um die Erforschung der Glarner Geschichte grosse Verdienste erworben hat, der Kunstverein, die naturforschende Gesellschaft, der technische Verein, die Sektion «Tödi» des S. A. C., der Offiziersverein und der Unteroffiziersverein. Für die Bildungsbedürfnisse des Volkes sorgen auch neben einigen Volksbibliotheken die Landesbibliothek in Glarus (mit ca. 14000 Bänden), das naturhistorische Museum, die Gemäldesammlung des Kunstvereins, die historische Sammlung im Freulerpalast in Näfels.
Wichtigste Literatur.
Blumer, J. J., und Heer, Osw. Der Kanton Glarus (Gemälde der Schweiz. Bd VII). St. Gallen und Bern 1846. - Heim, Alb. Der Mechanismus der Gebirgsbildung. 2 Bde. Basel 1878. - Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz. Bd 14, 25, 32, 35 und 39. - Wirz, J. Flora des Kantons Glarus. Glarus 1893. - Heer, G. Geschichte des Landes Glarus. Glarus 1898. - Heer, G. Glarnerische Reformationsgeschichte. Glarus 1900. - Heer, G. Neuere Glarner Geschichte. Glarus 1902. - Heer, G. Die Schlacht bei Näfels. Festschrift. Glarus 1888. - Jenny-Trümpy, Ad. Geschichte des Handels und der Industrie im Kant. Glarus. Glarus 1899. - Bäbler, J. Die Alpwirtschaft im Kant. Glarus (Schweiz. Alpstatistik. VI) 1898. - Jahrbücher des historischen Vereins des Kant. Glarus. 1864-1903. - Amtsberichte des Regierungsrates. - Landsgemeindememorial und Landesrechnungen. - ¶