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Die Holz-Lüge: Ein Wirtschaftsraum im Wandel
Was der Mensch brauchen konnte, holte er sich aus dem Wald. Zuerst ganz bescheiden Holz, Nahrung, Beute. Mit zunehmender Sesshaftigkeit und Bevölkerungsdichte wuchsen die Rodungsflächen. Expansion (z.B. Schiffsbau), Gewerbe (z.B. Köhlerei, Kalkbrennerei, Alpwirtschaft) verschlang das Holz grosser Regionen. Für die Landwirtschaft (z.B. Schweinemast) und die Holzproduktion wurden Eichen und Nutzhölzer angebaut und bewirtschaftet. Die grosse wirtschaftliche Not (Bedarf an Energieholz) führte anfangs des 19. Jahrhunderts zur Rationierung der Holznutzung in der Schweiz: Es darf nur noch so viel Holz geschlagen werden, wie nachwächst. Dazu wurde die nutzbare Waldfläche in entsprechende Schläge, die nach und nach genutzt wurden, eingeteilt. Diese Nachhaltigkeit der Nutzung sollte die Bevölkerung vor weiterem Schaden durch fehlendes Holz bewahren.
Tatsachen sind:
- Es gibt in ganz Mitteleuropa (und in der Schweiz) keinen ursprünglichen Wald mehr. Was wir heute als Wald bezeichnen, sind Dschungel oder Plantagen mit jungen Bäumen auf Flächen, die in ihrer Entwicklungsgeschichte mehrfach umgewandelt und umgestaltet wurden.
- Die heutigen Waldbilder haben mit einem Wald in seiner ursprünglichen Form (Urwald) nichts mehr zu tun. Die Nutzung führte zu einer grossen Vereinheitlichung und zu einer Reduktion der ursprünglichen Biodiversität.
- Genauso, wie der Wald vor 200 Jahren den Energiebedarf der damals bescheidenen Bevölkerung (Ansprüche, Bevölkerungszahl) nicht zu decken vermochte, vermag er es heute erst recht nicht.
Der Wald war für die Menschen immer ein Selbstbedienungsladen. Er ist es bis heute geblieben. Aber die Ansprüche haben sich verändert: Weil wir so naturfern leben, wird der Wald für die Gesellschaft zum Inbegriff reiner Natur. Dieses Grundverständnis geht so weit, dass alles, was im Wald getan wird, als Beitrag zur Natur, zur Pflege der Landschaft, zum Wohlbefinden der Menschheit gilt. Sogar das Verbrennen von Holz wird als heimelig und als gute Tat für das Klima empfunden.
Die Forstunternehmer, die Forstverantwortlichen, die Zertifizierer und Kommunikatoren wissen sich dieses Bedürfnis nach Natur zu Nutze zu machen. Alles ist gut, alles ist durchdacht, naturnah ist, was verkauft und geglaubt wird und der ganze Rest wird ausgeblendet: Keine Worte über die wahre Natur, über die Schäden und die erklecklichen Mengen von CO2 und von Feinstaub, die bei der maschinengerechten „Pflege“ des Waldes und der Lieferung des Holzes produziert werden. Die Forstwirtschaft bietet keine Anleitung zum Beobachten, zum Sehen und zum Denken. Die vermittelten Bilder zeigen gleich einer Sonnenuhr „die schönen Stunden nur“. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn Kritik laut wird und sich hartnäckig hält – oder hoffentlich noch verstärkt.
Link zum Film „Wie eine gute Idee mehr und mehr in die Kritik gerät“ :