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* 2] Schon Bd. 18, S. 290, ist der großen Bedeutung gedacht worden,
welche die Photographie in neuerer Zeit für die Erforschung der Welt der Nebelflecke und Sternhaufen gewonnen hat.
Wenn bei Beobachtung durch das Teleskop die Lichtschwäche des Objektes dessen Erkennung verhindert, so wird dieser Mangel bei
dem photographischen Prozeß durch die verlängerte Dauer der Belichtung ausgeglichen. Daher ist es möglich gewesen, auf den
photographischen Negativen Nebelflecke zu erkennen, die erst später durch große Teleskope wahrgenommen worden sind. In
dieser Hinsicht sei erinnert an
die Entdeckung des Nebelfleckes um Maja und noch andrer Nebelfleckanhäufungen in der Plejadengruppe
durch die Gebrüder Henry in Paris.
[ * 3] In derselben Gruppe hat übrigens auch Bernard 1890 mit dem großen Refraktor der Lick-Sternwarte
ein paar Nebelflecke bei Merope entdeckt.
Heideland - Heidelberg
* 4
Heidelberg.
Derselbe Astronom hat auch vor einigen
Jahren mit dem zwölfzölligen Refraktor der Lick-Sternwarte erkannt,
daß ein schon früher von ihm im Einhorn in der Nähe des Sternhaufens 1420 des Herschelschen Generalkatalogs als verwaschenes
Objekt gesehener Nebelfleck diesen Sternhaufen in Gestalt eines großen Nebelfleckringes von 20' innerm und 40' äußerm Durchmesser
umgibt. Diesen Ringnebel hat Wolf in Heidelberg
[ * 4] später photographiert, wobei sich eine weit größere Ausdehnung
[ * 5] desselben ergeben hat, als Bernard gefunden.
Von den übrigen
Nebelflecken, welche Wolf photographisch aufgenommen hat, ist besonders interessant die ausgedehnte Nebelmasse,
welche den östlichsten der drei Hauptsterne (ϛ) im Gürtel
[ * 6] des Orion umgibt. Der merkwürdigste Teil derselben, welcher sich
von ϛ aus nach S. und . erstreckt, bietet im photographischen SW Bilde den Anblick eines riesigen Wirbels
dar. Auch der mittelste der drei Gürtelsterne (ε) ist von einer Nebelmasse umgeben, von der drei feine Strahlen ausgehen.
Von hervorragender Bedeutung aber dürften für unsre Kenntnis der
Nebelfleckenwelt des südlichen Himmels die photographischen
Aufnahmen werden, welche von Russel auf der Sternwarte
[ * 7] in Sydney
[ * 8] in Neusüdwales erhalten worden sind. Beispielsweise
lassen die Bilder des Nebelfleckes um den Stern η im Schiff
[ * 9] Argo, obwohl wegen zu kurzer Belichtung (im Mittel 3 Stunden) unvollkommen,
deutliche Zeichen von Struktur erkennen: auf der südlich von η vorangehenden Seite findet man zwei deutlich
gekrümmte Windungen und bei η selbst eine andre.
Grenzen der Hörbarkeit
* 10
Grenzen.
Die
Grenzen
[ * 10] der Milchstraße auf den Photographien stimmen zwischen η und θ des Schiffes mit denen der besten Zeichnungen überein,
aber nördlich von η geht die Milchstraße auf den photographischen Bildern weiter als auf den Zeichnungen, und man sieht
die Sterne des Kreuzes noch in ihr liegen. Der östlich von diesem Sternbild gelegene, unter dem Namen des Kohlensackes bekannte
dunkle Raum ist aber nicht allseitig von der Milchstraße umschlossen, sondern nach S. offen.
Von besonderm
Interesse sind die Bilder der beiden Magelhaensschen Wolken ( Kapwolken), jener merkwürdigen Lichtwolken, welche
nach Humboldts Ausdruck so wesentlich die landschaftliche Anmut der südlichen Himmelsgefilde erhöhen.
Die große Wolke, deren Fläche das 224fache der Mondscheibe beträgt, erscheint als ein komplizierter Spiralnebel mit zwei
Zentren, während das Bild der kleinen an den teleskopischen Nebelfleck im Fuchs
[ * 11] erinnert, der seiner Gestalt wegen (zwei sich
berührende Nebelfleckmassen) von Lord Rosse den Namen Dumbbell-Nebelfleck erhalten hat.
Nematoden
* 15 Seite 19.687.
Die ältern Hilfsmittel der beobachtenden
Astronomie
[ * 12] haben bisher keine Eigenbewegung an Nebelflecken nachgewiesen, und man
hat sich daher gewöhnt, sich diese Weltkörper als viel weiter entfernt vorzustellen als die Fixsterne.
[ * 13] Die allgemeine Richtigkeit
dieser Vorstellung darf aber billig bezweifelt werden. Die Beobachtung von Huggins, daß die hellen Liniengruppen,
welche die Spektren zweier Sterne im sogen. Trapez
[ * 14] im Orionnebel durchsetzen, sich auch noch auf einige Entfernung hinaus in
das Nebelfleckspektrum verfolgen lassen, spricht jedenfalls für die Zusammengehörigkeit des Nebelfleckes mit jenen Sternen,
und
¶
mehr
wir haben uns den erstern nicht weiter entfernt zu denken als die letztern. Daß
Scheiner zu einem ähnlichen Resultat gelangt
ist, haben wir bereits Bd. 18, S. 291 erwähnt. Neuerdings aber
ist es mit Hilfe des Spektroskops auch gelungen, bei Nebelflecken ebenso wie bei Fixsternen Bewegungen in Richtung der Gesichtslinie
nachzuweisen durch die Verschiebungen, welche die einzelnen Linien des Spektrums zeigen gegenüber ihrer Lage bei ruhender Lichtquelle.
Wegen der großen Lichtschwäche der Nebelspektra bedürfte es aber zum Nachweis der Bewegung der Nebel eines so ausgezeichneten
Instrumentes, wie der große Refraktor der Lick-Sternwarte auf dem Mount Hamilton in Kalifornien ist.
Dispacheur - Dispersio
* 17
Dispersion.
Die außerordentliche
Lichtstärke dieses Instrumentes und die vorzüglichen Eigenschaften des dazu gehörigen
Spektroskops machen es möglich, durch direkte Messung mit demselben die gleiche Genauigkeit zu erlangen, wie Vogel in Potsdam
[ * 16] durch Ausmessung der Photographien der Spektra erhält. Mit Benutzung eines Rowlandschen Gitters mit starker Dispersion
[ * 17] hat nun
Keeler an dem Refraktor der Lick-Sternwarte im Juli und August 1890 die Lage der hellsten, den Spektren von
zehn der hellern planetarischen Nebel gemeinschaftlichen Linie gemessen, welche nahe dem einen Ende des von einer Magnesiumflamme
erzeugten Bandes bei der Wellenlänge 500,6 μμ liegt. Da die Natur dieser Linie nicht bekannt war, so kannte man
auch ihre Lage für eine in Bezug auf die Erde ruhende Lichtquelle nicht, und Keeler nahm deshalb den Mittelwert aus den verschiedenen
Messungen als Normallage an. Die so erhaltenen Werte für die Geschwindigkeit der Nebel in der Gesichtslinie sind daher nur als
vorläufige anzusehen. Die größte und die kleinste Geschwindigkeit, welche sich auf diese Weise ergaben,
sind in der Richtung zur Erde her 47,2 km und 1,7 km, in der Richtung von uns weg aber 58,5 km und 2,3 km in der Sekunde. Der
Fehler der einzelnen Bestimmung dürfte 4 km nicht übersteigen. Bei einigen dieser Nebel hat übrigens Keeler
später die Lage einer Wasserstofflinie gemessen, wodurch eine genaue Berechnung der Bewegung möglich wird.
Veränderliche Nebelflecke sind nur wenige mit einiger Sicherheit bekannt: drei Nebel im Stier, welche von Hind 1852, Chacornac 1855 und
d’Arrest 1861 als wahrscheinlich veränderlich bezeichnet worden sind, zwei andre, auf welche Winnecke aufmerksam gemacht
hat, und endlich ein von W. Herschel 1785 entdeckter, von Lord Rosse 1854 und 1864 und d'Arrest 1863 unter
günstigsten atmosphärischen Bedingungen nicht gesehener, von Bigourdan aber 31. Jan. und wieder an der von 26. Febr. 1891 Herschel
angegebenen Stelle beobachteter. Die Positionen dieser Objekte sind:
Rektaszension Deklination
4 h 13.8 m
+ 19° 11,4'
5 h 28.6 m
+ 27° 7,3'
3 h 20.7 m
+ 30° 55'
2 h 23.4 m
- 1° 43'
11 h 17.2 m
+12° 7'
2 h 34.3 m
+ 42° 10'
Die
Photographie dürfte berufen sein, wie über die Veränderlichkeit der Fixsterne, auch über Nebel zuverlässige
Kunde zu geben. Auch hat bereits Roberts, dessen schöne Photographien des Andromedanebels Bd. 18, S. 290, Erwähnung
gefunden haben, diesen Nebel als veränderlich bezeichnet, weil drei im Dezember 1890 mit 5, 15 und 60 . Belichtungszeit
erhaltene Min Negative einen entschieden sternartigen Kern dieses Nebels zeigen, während andre, mit kürzerer
und längerer Belichtung erhaltene keine Spur davon erkennen lassen.