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Die Weinreben
Im 15. Jhd. wurde das Gelände durch die Herren von Hünenberg abgekauft bzw. gelangte in der Folge in den Besitz der Bürger von Hünenberg. Das Weinrebengelände gehörte ursprünglich dem Kloster Eschenbach, Kt. Luzern.
Seit uralter Zeit stand an der Stelle der heutigen Weinrebenkapelle ein Holzkreuz. Dieses wurde im Jahre 1760 durch ein Unwetter vollkommen beschädigt. Bei der grossen Renovierung von 1924 wurde der Rest eines Holztafel-Altarbildes ins Landesmuseum gegeben, welches die Heimsuchung Mariä mit dem sichtbaren Jesus im Leibe darstellt und als einzigartig und wertvoll bezeichnet wird.
Die Weinreben-Kapelle
Als sich die Hünenberger 1414 von Junker Hartmann VIII. und von Götz II. frei kauften, befand sich auch ein Weingarten unter den erworbenen Ländereien.
Mitten in diesem Rebberghang, der sich bis zum heutigen Mühleweg ausdehnte, erhob sich ein Kreuz. Während eines wütenden Gewitters im Jahre 1760 schlug ein Blitz in das Flurkreuz ein und zerstörte es.
Die 35 Rebenbesitzer beschlossen 1762, statt das Kreuz zu ersetzen, eine Kapelle zu errichten. Sie wurde „Maria vom guten Rat“ geweiht, denn bis heute findet jeweilen am 2. Juli das «Chäppelifäscht» statt.
Neben Weinrebenkapelle wurde 1764 eine Bruderhütte für Waldbruder Joh. Federwisch zu folgen der Bedingung gebaut und vermietet: «Dass, wann zwar wider Verhoffen, er sich übel verhalten würde, in was für Gestalten es immer sein möchte, den Bruder wiederum ab und fort zu schaffen.»
Schon wenige Jahre danach musste sie vergrössert werden, wegen des Zustromes von Hilfe suchenden Gläubigen, die bei der Mutter Gottes Trost suchten. Grund für den grossen Zustrom war wohl ein Gnadenbild, eine Kopie der in Italien (Ganazzano) sehr berühmten «Maria zum guten Rat», das von Dr. Matthias Baumgartner gestiftet wurde.
Die neue Kapelle
1769 erteilte der Bischof von Konstanz und Hünenberg und der Vogtei von Zug die Bewilligung zum Bau der Rokokokapelle mit den hübschen Rokaillen und dem schwarzen marmornen und stuckmarmornen Altar. Für 1169 Gulden wurde der Innanausbau vollendet. Die Spender waren:
- Dr. M. Baumgartner: Altar 400 Gulden
- Gemeinde Hünenberg: grosse Glocke 198 Gulden
- Gebr. Baumgartner, Langrüti: kleine Glocke 98 Gulden
- Hans Kaspar Schwerzmann: Land für die Kapelle
- Chäppelifest, 2. Juli, gestiftet durch Bütler Bösch: 80 Gulden
Nach den Erweiterungsbauten erhielt die Kapelle ihr erstes Glöcklein und 1819 den wunderschönen Kreuzweg, der die Seitenwände heute noch ziert.
1871, zur Jahrhundertfeier, fand eine grössere Renovation statt, die in der Wirtschaft Suter, Drälikon, beschlossen wurden. Kosten: 985.43 Gulden.
1897 erhielt die Kapelle ihre zweite Glock und die gemalten Fenster wurden eingesetzt. Auch die Bilder im Chorbogen wurden damals renoviert und die Seitenaltäre neu erstell.
Am 5. Juli 1901 wurde die Kapelle von einem Blitz heimgesucht. Das kleine Türmchen musste daraufhin wieder hergestellt werden. Gleichzeitig wurde ein Blitzableiter eingebaut.
In den Jahren 1924/25 fand eine Innen- und Aussenrenovation nach Plänen von Hochwürden Prof. Dr. Albert Kuhn, Einsiedeln (Renovation Kirche Cham) statt. Die Kapelle wurde elektrifiziert. Bis aber auch die Glocken automatisch und nciht mehr von Hand geläutet werden, vergingen noch ein paar Jahrzehnte. Erst 1950 wurde das elektrische Geläut in Betrieb genommen.
Eine weitere Aussenrenovation folgte 1952 und 1963 zur 200-Jahr-Feier.
Das Innere der Kapelle wurde 1988 renoviert, da sich die Wände mit grosser Feuchtigkeit beschlagen hatten und der Russ der vielen Kerzen daran haften blieb. 1992 konnte sogar eine kleinen Orgel durch Orgelbauer Heinrich Meier für 25’000 Franken eingebaut werden. Sie wurde speziell für das Kapellchen konzipiert.
Seither erfreut sich die Kapelle immer grösserer Beliebtheit für Hochzeiten.
1997 wurde das Dach und die Aussenfassade der Weinrebenkapelle saniert.
Seit dem Bestehen der Kapelle findet jährlich Anfang Juli das Patroziniumsfest, das „Chäppelifest“, statt. An Fronleichnam führt jeweils bei schönem Wetter eine Prozession von der Kirche Heilig Geist zur Weinrebenkapelle, wo unter freiem Himmel ein Gottesdienst gefeiert wird.
Von der Kapelle aus geniesst man einen schönen Ausblick, beginnend vom Pilatus über den Lindenberg mit dem Horben bis zum Mutschellen bei Bremgarten. Im Talgrund trennt die Reuss das aargauische Freiamt von Unterhünenberg mit den verstreuten Bauernhöfen mitten in den fruchtbaren Äckern.
Das Kreuz im Chorbogen
Ungewohnt ist dieses Kreuz mit dem seltsamen Totenschädel zu seinen Füssen. Ist das einfach so ein Totenschädel aus vergangenen Tagen? Nein. Die Menschen früherer Zeiten sahen
in dieser Kreuzesdarstellung etwas viel Tieferes. Sie kannten noch die Legende aus dem früh-christlichen „Adamsbuch“, das bis auf jüdische Quellen zurückgeht.
Die Legende erzählt: Der sterbende Adam habe seinem Sohn Seth aufgetragen, er solle den Leichnam des Vaters mitnehmen und ihn auf Golgotha bestatten. „Da, wo mein Körper ruht, wird Jesus gekreuzigt werden und mit seinem Blut meinen Scheitel benetzen. – Diese Stunde wird die Stunde meiner Erlösung sein.“ Darum trät das Kreuz in der Weinreben Kapelle zu Füssen des Kreuzes den Schädel des ersten Menschen. Im Hymnus des Kreuzes betet die Kirche heute noch:
„Vom Baum des Paradieses kam der Tod. Vom Baum des Kreuzes kam das Leben.“ Und Paulus sieht darum in Jesus den zweiten Adam, der den Urzustand des Glückes – durch die Erlösung – wieder herstellte.
Kraftfeld
Die Weinrebenkapelle ist ein «Ort der Kraft» mit natürlicher Energiezone. Das geschwächte bioelektronische Feld des Menschen lässt sich so zu sagen durch die Bioenergie des Ortes aufbauen.
Das Schiff der Kapelle weist 18‘000 Boviwerte auf (energiereicher Ort). Direkt unter dem Turm beim Altar lässt sich die ‚hohe vibratorische Qualität‘ von 24’000 Bovieinheiten entdecken (ausserordentlicher Kraftort, Resonanz in spirituellem Bereich).
Die Kapellengenossenschaft
Die Weinrebenkapelle ist im Besitz der 1962 gegründeten Kapellengenossenschaft Weinreben. Ihr gehören 13 Nachkommen der 35 Rebbauern an, die sich seinerzeit beim Bau für den Unterhalt der Kapelle verpflichtet haben. Die ersten Statuten sind mit 9. Februar 1962 datiert. Am 31. Mai 1963 wurde die Pflicht zum Unterhalt der Weinrebenkapelle im Grundbuchamt als Servitut auf den 13 alten Bauernhäusern eingetragen.
Anfang Juli findet jeweils das Patroziniumsfest, das «Chäppeli-Fest», statt. An Fronleichnam führt jeweils bei schönem Wetter eine Prozession von der Kirche Heilig Geist zur Weinrebenkapelle, wo unter freiem Himmel ein Gottesdienst gefeiert wird.
Der Weinberg
In den früheren Jahren war der gesamte Hand hin hinunter zur heutigen Kantonsstrasse mit Reben bepflanzt. Um die 1880 herum vernichtete die Reblaus den Rebbestand fast vollständig. Lange blieb der Hang daraufhin unbebaut.
Erst 1952 begann man, den Rebberg langsam wieder aufzubauen entlang der hohen Stützmauer.
1980 wurden dann 18 Aren mit rund 800 Rebstöcken Müller Thurgau (Riesling x Sylvaner) angepflanzt, die durch die Kapellengenossenschaft gepflegt wurden. 12 Aren davon stammten aus einer Schenkung durch die Erbengemeinschaft Weibel an die Kapellengenossenschaft.
Dei Kapellengenossen zahlten keinen „Lohn“ für die Arbeiten im Rebberg. Wer jedoch bei der Pflege und Lese mithalf, erhielt pro Stunde Arbeit = 1 Flasche Rebensaft «us em Räbbärg vo de Chäppelignosse».
Im Jahre 1982 drangen allerdings Schafe in den Rebberg ein und taten sich an den Jungpflanzen gütlich, sodass der Ertrag ausblieb. Ein Jahr später konnte dann erste Hünenberger Wein gekeltert werden. Vinifiziert wird er seit jeher im Weinkeller Peter Schuler, Heidegg, Gelfingen LU.
Einstieg der Gemeinde Hünenberg
Der südlich Teil des Weinberges ist heute noch immer im Besitz der Chäppeligenossen. Der restliche Teil ist im Besitze der Einwohnergemeinde.
Die Einwohnergemeinde Hünenberg hat in weiser Voraussicht schon frühzeitig 4100 Quadratmeter Land um die Weinrebenkapelle erworben, um sie vor einer Überbauung zu schützen. Mit rund 15 Aren wurde der Rebberg im Jahre 2000 somit auf insegesamt 33 Aren erweitert.
Gleichzeitig wurde eine heute noch gültige Vereinbarung geschlossen, dass die beiden Rebbergpartnern gemeinsamen den Rebberg bewirtschaften.
Am Chäppelifest 2003 konnte erstmals der Chäppeli-Wy «us em Räbbärg vo dä Iwohnergmeind» und 20 Jahre Chäppeli-Wy «us em Räbbärg vo dä Chäppelignosse» degustiert werden.
2. Erweiterung mit Rotwein
Im Jahre 2009 wurde der Rebberg nochmals um rund 7 Aren durch die Gemeinde Hünenberg erweitert. Gleichzeitig haben die Rebbergpartner die Weissweins um 10 Reihen reduziert und dafür neu auf insgesamt 12 Aren Rotwein angebaut: 20 % Pinot Noir, 40 % Cabernet Dorsat, 40 % Zweigelt (total 700 Stöcke).
Die Weinlese vom 6. Oktober 2011 brachte einen hervorragenden Rotwein hervor. Dieser erste Rotwein aus dem Weinberg gelangt als „Cuvée Chäppeli“ in den Verkauf.
2014 wurde erstmals Rotwein im Barrique-Ausbau angeboten.
Weitere Informationen zum Weinkeller Peter Schuler
Helfer
Auch heute können die Hünenbergerinnen und Hünenberger bei der Pflege und der Lese des Rebberges mithelfen. Es gilt noch immer: Pro Arbeitsstunde gibt es eine Flasche Weisswein. Interessierte können sich zwecks Mithilfe beim Einwohneramt eintragen lassen.
Begegnungsplatzes und der WC-Anlage
Am 21. Mai 2010 wurde der öffentliche Begegnungsplatz und die WC-Anlage eröffnet.
|Autoren: Patricia Diermeier Reichardt, Fritz Schmid (ehemaliger Kaplan zu St. Wolfgang 1931-2011), Louis Suter, Guido Wetli|
Fotos: Archiv, Thomas Müller
Quellen: „Hünenberg – Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde“ von A. Setz- Frey, U. Ess und K. Meyer, 2. Auflage von 1998, Blanche Merz, Orte der Kraft in der Schweiz, AT-Verlag,1999