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Weil du nicht willst, dass deine Kollegen dich hören, nuschelst du. Schliesslich willst du ja nicht das Geschehen lenken oder gar deine Kollegen beeinflussen.
Rede laut und deutlich, klar und hell, langsam, aber bestimmend.
Damit du nicht präsent bist, sitzt du während der Moderation abseits irgendwo im Ecken. Du verschliesst hierbei die Arme, um zu signalisieren, dass du nicht damit einverstanden bist, dass du stehen musst.
Wer moderiert, steht, ist in der Mitte des Raums, wird als Moderator wahrgenommen. Die Gestik ist dabei offen, einladend und nicht verschliessend.
Du diskutierst während deines Workshops darüber, wie viele Microsoft-Mitarbeitende nötigt sind, um eine Glühbirne zu wechseln. Du willst damit die Atmosphäre deines stieren Workshops auflockern. Du investierst darin mindestens dreissig Minuten.
Mit dem Moderationstrick eines "Parkplatzes", ein Ort, wo du Off-Topic Themen "parkieren" kannst, oder mit einem Kanban-System als Agenda, wo du permanent die neuen Themen mit den original geplanten priorisieren kann, kannst du Off-Topic Diskussionen entschärfen.
Du verzichtest auf PowerPoint, weil du gestern Death by PowerPoint studiert hast. Du willst beweisen, dass du sachlich, ja sogar akademisch bist. Also projizierst du dein dickes Word-Dokument, das seitenlang aus Arial-11-Textbausteinen besteht.
Diskussionen basierend auf Text oder PowerPoints sind zu vermeiden. Diskutiere lieber auf Basis einer klugen Visualisierung oder visualisiere als Moderator das Diskutierte.
Du moderierst zwar, aber hast natürlich auch eine Meinung, und eine gewichtige, die man stets anhören sollte. Während du moderierst, kommentierst du deine persönliche Meinung und willst deine Fachlichkeit vorzeigen. Schliesslich bist du nur deshalb Moderator, weil du damit deine Fachlichkeit direkter, unmittelbarer einstreuen kannst - oder weil dein Chef dich damit strafen möchte, dass du weniger fachlich mitreden kannst.
Als Moderator solltest du dich fachlich zurücknehmen. Wenn du dich zwingend fachlich einbringen willst, konsultiere einen Teilnehmer im Vorab und unterrichte ihn - oder füge deinen fachlichen Input gegen Ende einer Session an, ohne die übrigen Teilnehmenden damit zu beeinflussen.
Normalerweise vegetierst du irgendwo in einem Hinterzimmer, bist im Organigramm irgendwo hinten rechts aufgehängt, hast keine Linien- oder Projektverantwortung. Aber heute ist dein Tag, du bist Moderator. Heute darfst du mal Chef spielen, Leute verzeigen, Leute zurechtweisen; heute müssen alle dir gehorchen, dir zuhören.
Moderation ist herausfordernd, weil man einerseits bestimmend sein muss, aber andererseits nicht zu bestimmend sein darf. Schliesslich musst du deine Teilnehmenden befähigen - und sie damit in den Vordergrund stellen.
Grundsätzlich hörst du nicht wirklich zu, auch diese Seite liest du nicht. Du hörst bloss, was du hören willst. Du downloadest. Also verwundert es nicht, dass du auch Suggestivfragen stellst, damit deine Teilnehmer antworten, was du längst weisst und bloss noch bestätigt wissen willst.
Wer fragt, der führt, aber bitte nicht mit rhetorischen oder suggestiven Fragen. Stattdessen mit offenen W-Fragen arbeiten. Diese beengen nicht.
Deine Branche ist hart, ihr seid im Wettbewerb gestählt worden. Also dürft ihr Helden auch mal die Zeit überziehen. Dass ein Nachfolgeworkshop dasselbe Sitzungszimmer gebucht hat, ignoriert ihr mit der Aussage, dass bei eurem Workshop ein GL-Mitglied partizipiert. Wow. Deine Workshops müssen prinzipiell immer dreissig Minuten verlängert werden, weil sie wichtiger sind.
Timeboxes sind "heilig". Ein Workshop darf bloss "geordnet" verlängert werden, also wenn man:
- Alle Teilnehmenden abholt, befragt
- Eine ordentliche nächste Iteration einplant (z. B. ein weiterer 45min-Slot)
Ihr seid Männer, echte Männer. Echte Männer brauchen keine Pausen. Ihr könnt problemlos vier Stunden durcharbeiten. Du sowieso, sonst wärst du ja auch nicht Moderator geworden. Nach drei Stunden Powerbrainstorming willst du deinen Kollegen noch mit Methode 635 imponieren. Weil du ohnehin überziehst, passt die Zeit noch.
Grundsätzlich wird bei intensiven Workshops alle 45 Minuten eine Pause empfohlen. Alternativ die von uns adaptierte Lean Coffee Methode verwenden, die Pausen im Prozess inkludiert hat.
Du glaubst, du hast alles im Griff und musst daher keine Regeln der Moderation und Zusammenarbeit definieren. Du hast Gottvertrauen, dass alle dieselben impliziten Annahmen mit dir teilen.
Minimale Regeln sollten immer definiert werden. Es sind dies:
- Einer spricht, alle hören zu (kann auch mit einem "Token" unterstützt werden)
- Natels und Laptops in die mittig gelegene Natelbox
Das akademische Viertel ist in der Schweiz zwar nicht mehr gebräuchlich, aber in der letzten Staffel von House of Cards hast du beobachtet, wie Frank damit seine politischen Gegner brüskiert. Das kannst du auch, du demonstriert damit bereits von Anfang an, wer hier wen zu respektieren hat.
Der Moderator ist immer pünktlich, weil er sich immer auch zunächst vorbereiten muss. Er muss sicherlich ein Agenda-Kanban-Board visualisieren, einen Parkplatz vorbereiten oder ein Namensschild basteln. Es gibt immer etwas zu tun.
Als selbstbewusster Moderator bestimmst du stets, wer etwas sagen muss. Um diese Auswahl zu verstärken, zeigst du mit dem (Zeige-)Finger auf diese Person. Damit durchbohrst du sie und konntest deinen Autoritätsanspruch verdeutlichen.
Grundsätzlich ist es gut, die Teilnehmenden direkt anzusprechen, allerdings kann das zuweilen irritieren, brüskieren. Fingerzeigen ist gewiss nicht optimal. Eine offene Gestik (offene, sichtbare Handfläche) aber wiederum signalisiert Vertrautheit. Diese Geste ist zu bevorzugen.
Du hast mal irgendwo aufgeschnappt, dass man nicht versteinert sein sollte. Also tigerst du stattdessen von der einen in die andere Ecke. Die Teilnehmenden beobachten bloss noch die Bewegungen, schauen dir auf die Füsse, aber überhören deine Aussagen. Sie träumen.
Du selbst versprühst Aktionismus, wo bloss Einfältigkeit ist.
Ein Moderator sollte Ruhe ausstrahlen, also nicht zu nervös sein. Dennoch sind Bewegungen, gut dosiert, gut. Hier muss eine Balance gefunden werden.
Du willst Sicherheit, Selbstbewusstsein und so weiter ausstrahlen, deswegen spielst du mit einem Stift. Damit kannst du die Aufmerksamkeit deiner Teilnehmenden auf den Stift statt auf dich lenken.
Ja, eine gewisse Nervosität ist gut, sie signalisiert, dass wir unsere Aufgabe ernst nehmen. Wir müssen alle also Techniken anwenden, um unsere persönliche Nervosität zu überdecken. Ein Stift kann helfen, allerdings sollten wir ihn nicht zu "nervös" behandeln.
Weil du glaubst, du willst einen auf Kumpel machen, erzählst du den erstbesten Blondinen-Witz. Wenn die Frau eines Teilnehmenden zufälligerweise blond ist, dann kannst du dich immer noch damit rausreden, dass du politische Korrektheit privat verabscheust, aber es hier nicht hingehöre.
Allzu akademisch sollte man nicht sein, aber allzu flapsig-tapsig ebenfalls nicht. Politisch inkorrekte Witze sind nicht zu empfehlen, weil zu riskant. Allgemeinplätze dürfen bemüht werden, um die Stimmung aufzuhellen. Selbstironie ist allerdings nicht geeignet.
Du hast keinen Plan vom Workshop, du musst dich schliesslich nicht vorbereiten, weil du der grosse Improvisationsheld bist. Eventuell hast du bereits jahrelang an der Front im Consulting-Business gearbeitet und darfst deswegen immer verkürzen. Man wird dir verzeihen.
Du glaubst, dein Publikum ist unbezwingbar. Deswegen planst du eine 3h-Session ohne Pausen. Du bist überzeugst, dass deine Teilnehmenden konstant Höchstleistungen erzielen können. Du peitschst deinen Plan durch, schliesslich musst du ihn befolgen, weil du keinen Fehler anerkennen kannst.
Siehe Punkt #9. Alle 45 Minuten Pause. Wirklich!
Um deinen Teilnehmenden mehr Zeit zum Nachdenken einzuräumen, füllst du deine Aussagen mit leeren Worten. Das sind Äusserungen wie "Ähhmms" oder Floskeln wie "nicht wahr" oder "oder", "Dings" etc.
Vermeide die Verwendung von Füllwörtern. Sie füllen deine Denkpausen aus. Es fällt einem selbst nicht auf, dass man sie verwendet. Hier muss man sich mal filmen lassen und auf ehrliches Feedback der Teilnehmenden hoffen. Man kann einen Teilnehmenden bestimmen, der die Moderation kritisch beäugt und danach konstruktiv Feedback liefert im Sinne von Retrospektiven.
Merker: Atme deine Denkpausen aus.
Welche Fehler passiere Euch regelmässig und was für Tricks habt Ihr, diese zu vermeiden? Wir freuen uns auf Euer Feedback als Kommentar zu diesem Beitrag!
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