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Dank des aussergewöhnlich heissen Julis könnte 2015 ein ausgezeichnetes Weinjahr werden. Der Reifungsprozess der Chasselas-Trauben hat in diesem Jahr nämlich zwei Wochen früher begonnen als sonst. Und frühreife Weine waren in den letzten 91 Jahren immer gut.
Wenn die Bedingungen auch im August und September günstig blieben, dürfe in diesem Jahr mit einer sehr guten Traubenqualität gerechnet werden, teilte die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope am Donnerstag mit. Agroscope beobachtet in Pully VD seit fast einem Jahrhundert die Reaktion der Reben auf die Klima-Schwankungen.
Zwei Wochen früher
Während die Reifephase der Trauben im Durchschnitt am 13. August begann, fing sie in diesem Jahr bereits am 28. Juli an. Damit landet 2015 auf dem fünften Rang der Jahre mit dem frühesten Reifezeitpunkt.
Erst zwölf Mal seit 1925 begann die Reifephase der Chasselas-Trauben bereits im Juli. Diese Weine hatten im Durchschnitt einen Zuckergehalt von 185g/l, verglichen mit 10 g/l im langjährigen Durchschnitt. Auch die Zeitspanne bis zur Ernte war durchschnittlich fünf Tage länger - 61 Tage anstatt 56 Tage. Die Ernte in Pully wird für Ende September erwartet.
Schäden durch Pilzschutzmittel
Getrübt werden könnten die Aussichten auf eine überdurchschnittliche Ernte in der Waadt durch Schäden, die vom Pilzschutzmittel Moon Privilege des deutschen Pharma- und Chemiekonzerns Bayer verursacht wurden. Betroffen davon sind nach Angaben der Behörden etwa 10 Prozent der Ernte.
Weil jedoch 90 Prozent der Weinernte verschont blieb, rechnet der Kanton Waadt trotzdem noch mit einem Jahrgang, welcher der Nachfrage entspricht. Die Schäden werden mit bis zu 40 Millionen Franken für das Jahr 2015 beziffert. Die Rebe sei eine der Kulturen, die am empfindlichsten auf die Klimaschwankungen reagiere, schreibt Agroscope weiter. Sie sei deswegen ein besonders interessantes Forschungsobjekt für die Klima-Historiker und zur Analyse der Auswirkungen der Klimaerwärmung.
In Italien hat die Ernte schon begonnen
Studien in Frankreich und Deutschland hätten gezeigt, dass die meisten Entwicklungsstadien der Rebe heute durchschnittlich zwei Wochen früher stattfänden, als in den kühleren Sechziger- und Siebziger Jahren. In Italien begann die Weinernte wegen der Rekordtemperaturen und der Trockenheit sogar schon diese Woche. Das ist die früheste Ernte seit dem Hitzesommer 2003, als die ersten Winzer am 2. August mit der Weinlese anfingen.
Traditionsgemäss werden in Italien zuerst Trauben für Weissweine wie Pinot und Chardonnay gelesen. Es folgt die Ernte von Trauben für Rotweine wie Sangiovese, Montepulciano und Nebbiolo, die normalerweise im September und Oktober gepflückt werden.
Landwirtschaftsverband optimistisch
Im November folgen dann die Trauben für die Produktion der kräftigen Rotweine Aglianico und Nerello. 40 Prozent der Weinproduktion dient der Herstellung von Weinen der Spitzenkategorien DOCG und DOC, der Rest wird für Tafelwein verwendet.
Auch die italienischen Winzer sind optimistisch: Die Qualität der diesjährigen Weinproduktion dürfte exzellent sein und die Weinernte ein fünfprozentiges Produktionswachstum bringen, wie der Landwirtschaftsverband Coldiretti berichtete.
(sda/gku)