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Die Änderung des Zivildienstgesetzes besteht aus sieben Massnahmen.
1. Mindestanzahl von 150 Diensttagen
Aktuell gilt, dass Zivildienstpflichtige 1,5 Mal mehr Diensttage leisten, als sie in der Armee leisten müssten. Mit der Mindestanzahl von 150 zu leistender Diensttage im Zivildienst müssen Dienstpflichtige bei einem Wechsel in den Zivildienst ab dem Zeitpunkt des ersten Wiederholungskurses mehr Diensttage leisten, als sie es heute tun. Je mehr Diensttage jemand bereits in der Armee geleistet hätte, desto stärker würde er bei einem Wechsel in den Zivildienst bestraft.
Diese Massnahme führt zu einer massiven Schlechterstellung von Dienstpflichtigen, je später sie ihr Zivildienstgesuch einreichen. Bestraft werden all jene, die der Armee eine Chance geben und bereit sind, militärischen Dienst zu leisten. Tritt dann ein Gewissenskonflikt auf, wird dieser mit einem unverhältnismässig hohen Faktor bestraft. Wer statt seinen letzten Wiederholungskurs zu leisten ein Zivildienstgesuch einreicht, hat mehr als sieben Mal so viele Diensttage zu leisten.
2. Wartefrist von 12 Monaten
Die Wartefrist soll für Armeeangehörige eingeführt werden, die schon in die Armee eingeteilt sind, wenn sie ein Zivildienstgesuch stellen. Während der Wartefrist bleibt die Pflicht bestehen, weiterhin Militärdienst zu leisten, also zum Beispiel an einem Wiederholungskurs (WK) teilzunehmen.
Trotz eines im Zivildienstgesuch formulierten Gewissenskonflikts soll eine Militärdienstpflicht für ein weiteres Jahr bestehen. Der Zugang zum Zivildienst soll diesen Personen für ein ganzes Jahr verweigert werden. Die vorgeschlagene Wartefrist führt zudem zu einer möglichen Erhöhung der Abgänge aus Tauglichkeitsgründen („Blauer Weg“), da für diesen keine Wartefristen bestehen.
3. Faktor 1.5 auch für Unteroffiziere und Offiziere
Zur Berechnung der noch zu leistenden Diensttage im Zivildienst gilt der Faktor 1,5. Bislang galt für Kader ein tieferer Faktor, mindestens aber 1,1. Der tiefere Faktor gilt, weil Unteroffiziere und Offiziere in der Armee deutlich mehr Diensttage zu leisten haben und ansonsten doppelt bestraft würden.
Die bisher geltenden reduzierten tieferen Diensttage-Faktoren für Unteroffiziere und Offiziere sind durch die im Vergleich zu Soldaten sehr viel grössere Zahl bereits geleisteter und zusätzlicher Diensttage gerechtfertigt. Ein Faktor von 1.5 unabhängig von Dienstzeit und geleisteten Diensttagen für Unteroffiziere und Offiziere würde zu einer massiven Benachteiligung und Ungleichbehandlung dieser führen. Wird der bisher bewährte Zugang zum Zivildienst verschlechtert, sind unmotivierte Vorgesetzte in der Armee oder eine Zunahme von Abgängen aus Tauglichkeitsgründen zu erwarten.
4. Keine Zivildiensteinsätze, die ein Medizinstudium erfordern
Einige weniger Einsätze im Zivildienst sind auf Personen im oder mit abgeschlossenem Medizinstudium ausgelegt. Es gibt auch Einsätze für Biologen oder Forstingenieurinnen. Einsätze für Ärzte sollen nicht mehr erlaubt sein, damit Militärärzte eher bei der Armee bleiben
Das angestrebte Verbot von Einsätzen im Zivildienst, die ein Medizinstudium erfordern, ist willkürlich. Das etablierte schweizerische Milizsystem basiert auf dem Grundsatz, dass zivile Fähigkeiten in Armee, Zivilschutz und im Zivildienst möglichst effektiv genutzt werden.
5. Keine Zivildienst-Zulassung von Dienstpflichtigen ohne Diensttage
Wer alle seine Diensttage in der Armee geleistet hat, kann heute zum Zivildienst wechseln und wird dadurch z.B. von der jährlichen Schiesspflicht befreit. In Zukunft sollen diese Personen zwar ein Gesuch einreichen können, es wird aber erst behandelt, wenn sie zu einem Armeeeinsatz aufgeboten werden. Sie müssten also weiterhin regelmässig an der Waffe üben.
Grundsätzlich muss ein Austreten aus dem Militärdienst aus Gewissensgründen jederzeit, also auch nach Absolvierung aller Diensttage möglich sein. Durch die weitergehende Schiesspflicht oder die andauernde Einteilung in der Armee kann ein Gewissenskonflikt jederzeit auftreten.
6. Jährliche Dienstpflicht ab Zulassung zum Zivildienst
Die jährliche Dienstpflicht im Zivildienst besteht bereits, sie ist in Art. 39a der Zivildienstverordnung des Bundesrates festgeschrieben.
Es gibt absolut keine Veranlassung für diese kosmetische Vollzugsänderung: Zivildiensttage werden bereits heute sehr zuverlässig geleistet. Das Bundesamt trägt durch effektive und flexible Handhabung dazu bei, dass Zivildienstleistende in der Regel alle ihre Diensttage vollständig gemäss den Vorgaben leisten.
7. Langer Einsatz im Jahr nach der Zulassung
Wer die Rekrutenschule (RS) noch nicht abgeschlossen hat und ein Zivildienstgesuch einreicht, soll den langen Pflichteinsatz von 6 Monaten bereits im Kalenderjahr nach der Zulassung zum Zivildienst leisten müssen. Heute muss der lange Einsatz innerhalb von drei Jahren geleistet werden. Mit dieser Massnahme kommen besonders Dienstpflichtige, welche aus einer Sommer-RS zum Zivildienst zugelassen werden, in einen unverhältnismässigen zeitlichen Engpass, da sie somit noch etwa ein Jahr Zeit hätten, um sechs Monate Dienst zu organisieren und zu leisten.