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Seit den Neuwahlen im Herbst 2020 hat Bolivien wieder eine demokratisch legitimierte Regierung. Die Regierungspartei MAS (Movimiento al Socialismo) steht vor grossen Herausforderungen: Sie muss im politisch stark polarisierten Land für eine demokratische und gewaltfreie Entwicklung sorgen und zugleich die weiterhin grosse soziale Ungleichheit im Land reduzieren. Mit dem langjährigen Engagement in Bolivien setzt sich auch Solidar Suisse für eine solche Entwicklung ein. Auf Gemeindeebene haben wir in den letzten Jahren einen wichtigen Beitrag zur Demokratisierung der politischen Strukturen geleistet.
Weniger Armut – bleibende Ungleichheit
Die Integration der indigenen Mehrheit hat seit 2006, als Evo Morales zum ersten indigenen Präsidenten gewählt wurde, grosse Fortschritte gemacht. Doch Rassismus ist immer noch weit verbreitet.
Dank Umverteilungsmassnahmen zugunsten der Ärmeren, der Stärkung des Staates in der Wirtschaft und vorteilhaften Rohstoffpreisen reduzierteBolivien die extreme Armut zwischen 2005 und 2017 von 19,2 auf 4,5 Prozent.Der Gini-Index, der Einkommens-Ungleichheit misst, sank im selben Zeitraum von 58,5 auf 42,2 Punkte. Doch als 2015 die Weltmarktpreise für Rohstoffe einbrachen, erhielt der zehn Jahre andauernde ökonomische Boom einen empfindlichen Dämpfer. Und der Zugang zu Ressourcen bleibt sehr ungleich verteilt. Dies betrifft vor allem Frauen und Jugendliche. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung ist informell oder prekär beschäftigt. Sieben von zehn Frauen erfahren in ihrem Leben Gewalt. Und drei aktuelle Krisen – die politische, die gesundheitliche (Covid-19, das Bolivien hart getroffen hat) und die Klimakrise – bedrohen die erzielten Fortschritte.
Lebenserwartung: 69,8 Jahre
Durchschnittliche Lebenserwartung in der Schweiz: 83,6 Jahre
Analphabetismus: 4,3 %
Analphabetismus unter Erwachsenen in der Schweiz: 0,1 %
Gini-Index: 42.2
Der Gini-Index misst den Grad der Einkommensungleichheit in einem Land, wobei 0 für perfekte Gleichheit und 100 für völlige Ungleichheit steht. Schweiz: 32,7
Extreme Armut: 4,5 %
Menschen, die von weniger als 1.90 Dollar pro Tag leben müssen.
Solidar Suisse setzt sich in Bolivien für demokratische Werte und Partizipation ein. Wir schaffen Zugang zu fairer Arbeit insbesondere für Jugendliche und kämpfen gegen Gewalt an Frauen.
Im Projekt LanzArte drücken Jugendliche mit Theater, Tanz und Film ihre Anliegen aus. Mit neuem Selbstvertrauen setzen sie sich für ihre Rechte ein. Solidar Suisse hat ein Rezept, das mit gutem Erfolg Arbeitsmöglichkeiten für junge Menschen schafft. Die Zutaten sind runde Tische, Weiterbildungen, Praktika, Anschubfinanzierung und Coaching.
In 80 Gemeinden haben wir Beratungsstellen gegen Gewalt an Frauen eingerichtet. Institutionen und Basisorganisationen arbeiten in Netzwerken zusammen: Sie bieten Unterstützung für Betroffene und stossen gesellschaftlichen Wandel an.
«Nach meinem Studium erhielt ich durch das Solidar-Projekt die Chance, beim Radio ein Praktikum zu machen. Jetzt bin ich beim Fernsehen angestellt und geniesse es, vor der Kamera zu stehen. So kann auch ich meinen siebenjährigen Sohn ernähren.»