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Ein neuer Gebäudetyp prägt die Schweizer Städte, wir nennen ihn Klumpen. Gross, kompakt und profitabel sind die wesentlichen Eigenschaften unseres Forschungsobjekts. Der Klumpen ist ein Gebäude mit Geschossflächen von mehr als 3’000 Quadratmetern, in dem sich unterschiedliche Nutzungsbausteine zu einem hybriden Programm fügen. Als gut erschlossenes Anlageobjekt mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich hat er ein grosses Wertschöpfungspotenzial und unterliegt festen Renditeerwartungen. Die Geometrie der kompakten, allseitig erschlossenen Volumen ergibt sich aus der vollen Ausnutzung von Parzellen, deren Grösse einem durchschnittlichen Stadtblock entspricht. Typisch sind deshalb tiefe Grundrisse, liegende Proportionen und Gebäudehöhen bis 25 Meter, die – knapp unter der Hochhausgrenze – kostensparend zu erstellen sind. Nur vereinzelt werden mit Hochpunkten von 40 bis 60 Metern Akzente gesetzt.
Der Begriff «Klumpen» bezieht sich auf die schiere Masse, die amorphe Formgebung und das heterogen gefügte Programm des Gebäudetyps. Der verwandte Begriff «klump» wird in Dänemark für Gebäude mit einem ganzheitlichen, körperlichen Ausdruck verwendet und deutet auf das Potenzial einer identitätsstiftenden Grossform hin. Die Assoziation mit einem Goldklumpen verweist auf den finanziellen Wert der Liegenschaften und ist ein weiteres Indiz, dass der Begriff nicht nur negativ konnotiert sein muss. (...)
Anstatt das Phänomen «Klumpen» und seine Ursachen grundsätzlich in Frage zu stellen, fordert unsere Forschungsarbeit die kritische und konstruktive Auseinandersetzung mit dieser zeitgenössischen Bauaufgabe. In der Finanz- und Immobilienwirtschaft begegnet man dem Klumpenrisiko mit einer Diversifikation der Anlageprodukte. Die planerischen und architektonischen Mittel, mit denen das stadträumliche Risiko eingegrenzt werden kann, müssen noch erarbeitet werden. Angetrieben vom Wunsch nach einer grossstädtischen Architektur, die programmatische Vielfalt, charakteristische Stadträume und Dichte erzeugen kann, fragen wir nach den Chancen dieses Gebäudetyps.
(aus der Einleitung)
«Bevor er Instrument der Transformation wird, ist der Entwurf Instrument der Erkenntnis!» Luigi Snozzi
«(…)Im Gegensatz zu den rein wissenschaftlichen Disziplinen ist die Architektur – oder treffender die Baukunst – auf das stete Pendeln zwischen objektiver und subjektiver Ebene angewiesen und muss so für ihre Forschung eigene methodische Verfahren finden. Um als akademische Disziplin ernstgenommen zu werden und bestehen zu können, werden wir dafür zunehmend neue Wege beschreiten müssen. Die vorliegende Forschungsarbeit von Lisa Euler und Tanja Reimer zeigt auf, wie über präzise prozessuale und ökonomische, aber auch morphologische und typologische Analysen Kriterienkataloge und Bewertungsinstrumente erarbeitet werden können, die uns fern von Beliebigkeiten in unseren entwerferischen Entscheidungsprozessen lenken.
Die Arbeit spielt uns so ein geschärftes Bewusstsein und skizzenhafte Erkenntnisse zurück, die wir als Kollektiv nutzen können für die verantwortungsbewusste Bewältigung neuer Bauaufgaben und damit zur Schaffung nicht nur von vergänglichen Formen, sondern von Stadtkultur.»
(aus dem Vorwort von Astrid Staufer)
Auszüge aus «Klumpen. Auseinandersetzung mit einem Gebäudetyp»