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14. November 2012: Im 915. Länderspiel erleidet die stolze englische Fussball-Nation eine herbe Niederlage, für die einzig und allein ein Mann zuständig ist: Zlatan Ibrahimovic. Der schwedische Stürmer erzielt beim 4:2 Erfolg gleich alle vier Treffer. Ein Tor geht dabei in die Geschichte ein.
Der Sohn eines bosnischen Hausmeisters und einer kroatischen Putzfrau, welche sich kurz nach seiner Geburt scheiden lassen, wächst in Malmö auf, der drittgrössten Stadt Schwedens. Die Gegend Rosenborg ist berühmt-berüchtigt für eine hohe Arbeitslosenquote und einen Ausländeranteil von 84 Prozent. Zlatan Ibrahimovic und seine fünf Geschwister erleben also nicht die Erziehung, wie sie der schwedische «Normalbürger» erlebt, wie er einmal dem «Guardian» erzählt: «Keiner fragte: Wie war dein Tag, kleiner Zlatan?»
Seine frühere Schulleiterin sagte einst dem «Kicker»: «Er war der Prototyp eines Jungen, mit dem es böse endet. Während meiner 33 Jahre in der Schule war er einer der fünf unruhigsten Schüler, die ich je hatte, einfach ein Krawallbruder.»
So erzählt auch ein Freund aus seinem Quartier in der kürzlich erschienenen Dokumentation «From Rosengard With More Than One Goal», dass Zlatan «ein guter Velo-Dieb war». Und er rühmt den Fussballstar: «Er konnte sehr schnell von der Polizei wegrennen!»
Heute ist Zlatan Ibrahimovic Rekordtorschütze seines Landes und ist vielleicht nicht der König Schwedens, aber immerhin deren Captain und 100-facher Nationalspieler.
Die Antwort des 1,95 Meter grossen Stürmers: «Niemand glaubte, ich könnte es schaffen. Alle laberten nur Müll. Sie dachten, dass ich weggehe, weil ich eine grosse Klappe habe. Sie dachten, die Träume des Typen sind verrückt. Es wird nicht geschehen. Aber ich hatte diese Träume, wo ich einmal sein werde. Und hier bin ich jetzt.»
Nach seinen Auslandsstationen bei Ajax Amsterdam (2001-2004), Juventus Turin (2004-2006), Inter Mailand (2006-2009), FC Barcelona (2009-2010) und dem AC Mailand (2010-2012) hat der beidfüssige Techniker aufgrund seiner spektakulären Spielweise längst den passenden Übernamen «Ibrakadabra» verpasst bekommen, als er 2012 schliesslich bei Paris Saint-Germain unterschreibt.
Trotz seines Rufes als einer der besten Angreifer der Welt scheint ihn die englische Presse nicht wirklich zu würdigen. «Wenn du keine Tore gegen englische Teams erzielst, bist du nicht gut genug», so Ibrahimovic. «Es war immer so. Immer wenn ich gegen englische Mannschaften gespielt hatte, skorte ich nicht. Also sagten sie, ich sei nicht gut genug. Nächstes Spiel, gleiche Sache. ‹Oh, seht her, er ist nicht gut genug.›»
Der Stürmerstar weiter: «Aber dies motiviert mich. Das gibt mir Adrenalin. Die Leute denken, sie könnten mich vielleicht brechen, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich kriege mehr Wut, um zu zeigen, wer ich bin. Ich nehme bei meiner Spielweise Risiko auf mich, also sieht es nicht immer nach Spektakel aus.»
«Aber dann kam England. Sie sagten die gleichen Sachen über mich, aber ich sagte nur: ‹Es wird fantastisch – das erste Spiel in unserem neuen Stadion.› Das erste Tor kam und ich war glücklich. Als das zweite Tor fiel, war ich ausser mir. Als ich den dritten Treffer erzielte, schaute ich mich um: ‹Ok, was willst du jetzt sagen?› Beim vierten Treffer, dem Fallrückzieher, dachte ich: ‹Das ist es. Ich weiss nicht mehr, was ich mehr tun kann.› Ich muss gestehen, es gab mir ein ultra-spezielles Gefühl.»
Zlatan zlatanisierte – ein offiziell in die schwedische Sprache aufgenommener Begriff für «stark dominieren» – die «Three Lions» derart, dass sich an diesem Tag auf Facebook eine Gruppe mit dem Namen: «Ich war am Leben, als Zlatan Ibrahimovic England vergewaltigte» bildet.
Paul Clement, der (englische) Assistenztrainer von PSG-Coach Carlo Ancelotti, beschreibt Ibrahimovics erstes Training im Klub nach seiner Vier-Tore-Gala als konzentrierteste Einheit, die er je gesehen habe. Ibrahimovic bestätigt dies: «Ich arbeitete so hart wie nie zuvor an diesem Tag» und enthüllt:« Ich habe den gleichen Seitfallzieher im Training gemacht. Es regnete und ich machte den Rückwärtssalto nochmals und ich traf in eines dieser kleinen Trainingstore. Niemand konnte es glauben. Sie sagten, es sei noch schöner als der Treffer gegen England gewesen.»
«Ich sagte: ‹Nein, ich bevorzuge das England-Tor. Wir können auf Youtube gehen und es uns anschauen.› Aber das ist die Art, wie ich trainiere. Ich will immer besser werden. Wenn es ein Problem ist, nie zufrieden zu sein, dann habe ich es. Wenigstens ist es ein gutes Problem.»
Ein anderes (grosses) Problem dürfte den inzwischen 33-Jährigen zweifachen Familienvater aber dafür heute beschäftigen. Wie toppt Zlatan das?