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Sie war das Idol einer ganzen Generation. Nena, 1983 mit "99 Luftballons" berühmt geworden, tritt als 50-Jährige am Sonntag im Hallenstadion in Zürich auf. Eric Facon, Musikredaktor bei Radio DRS, erinnert sich an die Begegnungen mit ihr.Dieser Inhalt wurde am 17. April 2010 - 10:08 publiziert
swissinfo.ch: Sie kennen Nena persönlich?
Eric Facon: Ende der 80-er Jahre war Nena ziemlich oft in der Schweiz. Es wurde daran gearbeitet, dass sie eine internationale Karriere starten sollte, und zwar wurde auch der amerikanische Markt angepeilt.
Damit Nena besser mit den Journalisten hätte kommunizieren können, hat man ihr einen Englischlehrer verschafft. Und der war ich. So bin ich mit Nena ab und zu mal Englisch sprechend am Zürichsee spazieren gegangen, mit ihrem Hund. Niemand hat sie erkannt.
swissinfo.ch: War sie eine gute Schülerin?
E.F.: Sie war eine ziemlich gute Schülerin und eine interessante Person. Sie hatte damals mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen.
Ihr erstes Kind war ein Junge, er ist 1988 auf die Welt gekommen und früh verstorben, 1989. Er war behindert. Sie hat viel darüber gesprochen, auch auf Englisch.
Es war eine sehr interessante Zeit. Ich habe Nena damals als jemand ganz anderen kennengelernt als als Teenie-Star, der sie eigentlich ja war, nach den "99 Luftballons" und "Nur geträumt".
Mir kam eine junge Frau mit ziemlicher Reife entgegen, schon damals, eben auch gerade durch die Geschichte ihres Kindes.
swissinfo.ch: Sie hat zwar eine internationale Karriere gemacht, aber nicht auf Englisch.
E.F.: Deutsch singen war einfach das, was sie am besten kann. Die Leute haben das so akzeptiert. Sie hat eine Zeitlang fast ausschliesslich für den Kindermarkt gearbeitet und hat viele Platten gemacht für jüngere Menschen.
Ich glaube, das hat ihr irgendwie über den Schmerz hinweggeholfen und auch über die Trennung der Band. Sie hat sich da eine eigene Karriere geschaffen.
swissinfo.ch: Waren die "99 Luftballons" ein Lied gegen den Kalten Krieg, oder wie erklären Sie sich den Erfolg dieses Stücks?
E.F.: Ich glaube, im deutschsprachigen Raum hat man dieses Lied einfach als schönen Popsong genommen. Natürlich hatte der seinen Hintergrund. Im Amerika wurde er stärker als Lied gegen den Kalten Krieg verstanden.
Hier war Nena ein Teenie-Star. Wer etwas älter war und auf Rock'n'Roll stand, mochte Nena nicht so. Es war Zeug für die Jüngeren.
Dass dahinter ein ernsthafter Text stand, das wollten wir nicht so richtig hören. Meine eigene Haltung gegenüber Nena hat sich geändert, als ich sie persönlich kennenlernte.
swissinfo.ch: Wie charaktierisieren Sie Nena?
E.F.: Ich glaube, sie ist ein sehr eigenwilliger Mensch. Sie ist sehr willensstark. Sie hat einen Weg gemacht, sie war nie das einfache Abziehbildchen für Teenies, das wir vielleicht am Anfang gesehen haben, als die Nena-Band in den frühen 80-er Jahren losgelegt hat.
Das war sie nie, sie ist eine sehr starke Person, und das sieht man auch daran, dass sie sich bis jetzt durchgebissen hat. Sie hat eine riesige Karriere hingelegt. Das muss ihr erstmal jemand nachmachen.
swissinfo.ch: Welche Auswirkungen hatte die Musik von Nena auf eine ganze Generation von Teenagern?
E.F.: In Deutschland und in der Schweiz haben sie sehr viele Leute als Vorbild genommen. Es war vergleichbar mit dem, was wir in der Schweiz später auch mit Züri West in der Mundart erlebt haben.
Nena hat uns gezeigt: Es ist möglich, gute Popmusik auf Deutsch zu machen.
Wirkliche Popmusik auf Deutsch, mit dem Anspruch ein grosses Publikum zu erreichen, das gab es vorher nicht so richtig. Nena hat da wirklich eine Vorbildfunktion gehabt.
Sie war eine gutaussehende Frau, Anfang 20, und da haben alle Teenies, Mädchen wie Jungs, zu dieser Person hochgeschaut und gedacht, irgendwie möchte ich das auch können. Der Schritt von solchen Vorbildern zu eigenen Bands ist meistens relativ ein kurzer.
swissinfo.ch: Seit dem Teenie-Star hat sie noch viele andere Dinge gemacht, die Kinderlieder, die Sie erwähnt haben, Kochbücher geschrieben, eine Schule eröffnet und man sagt ihr auch einen gewissen Hang zur Esoterik nach. Wie passt das alles zusammen?
E.F.: Zur Sängerin Nena passt es vielleicht weniger als zur Person Nena. Sie macht, was sie will. Man darf auch nicht vergessen, dass sie schon Grossmutter ist. Sie ist jetzt 50 Jahre alt.
Nena hat - glaube ich - immer das durchgesetzt, was sie wollte, und das ist das Rezept zu einer Persönlichkeit. Da gehören die Esoterik genauso wie ihre Kochbücher und ihre Kinderplatten genauso wie der Rockpop dazu.
swissinfo.ch: Was halten Sie von den Gerüchten, dass sie einer Sekte angehören soll?
E.F.: Ich mag mich da nicht dazu äussern. Vorstellen kann ich mir alles, aber ich halte Nena für viel zu intelligent, als dass sie sich so einfach um den Finger wickeln lässt.
swissinfo.ch: Wie ordnen Sie den jetzigen Erfolg von Nena ein?
E.F.: Ich denke, Nena ist einfach Nena. Sie ist sich nie untreu geworden. Ich sehe jetzt eine Person, die sehr hartnäckig an sich gearbeitet hat, im privaten wie auch im öffentlichen Bereich, und die jetzt die Früchte davon erntet.
Die Frau, die hat wirklich Power, das muss man ihr einfach lassen. Das wird belohnt mit einer Karriere, die sie wieder ins Hallenstadion führt.
Eveline Kobler, swissinfo.ch
Nenas Biografie
Nena wurde als Gabriele Susanne Kerner am 24. März 1960 in Hagen geboren. Sie machte eine Lehre als Goldschmiedin und begann früh, in der Band "the stripes" zu singen.
Sie hat heute vier Kinder ünd zwei Grosskinder und lebt mit dem Schlagzeuger und Musikproduzenten Philipp Palm zusammen in Hamburg.
Ihre Hits
Ihr grösster Hit war 1984 "99 Luftballons", der in diversen Ländern in den Charts Platz eins erreichte.
Nach der Trennung der Band im Jahre 1987 startete Nena 1989 ihre Solokarriere mit Titeln wie "Wunder gescheh'n" und "Du bist überall", die sie während der Zeit mit ihrem ersten Kind schrieb.
In den 1990er-Jahren veröffentlichte Nena weitere Pop-Alben, als dreifache Mutter brachte sie verschiedene Kinderliederalben heraus.
Im Jahr 2002 spielten Nena und Uwe Fahrenkrog-Petersen, ehemaliger Komponist und Keyboarder der Band Nena, gemeinsam neue Versionen der alten Hits ein. Diese Veröffentlichungen erreichten hohe Verkaufszahlen, und so feierte Nena ein unerwartetes Comeback.
2003 veröffentlichte Nena im Duett mit Kim Wilde das Lied "Anyplace, Anywhere, Anytime", ein Remake ihres früheren Hits "Irgendwie, irgendwo, irgendwann".
Die Single "Liebe ist" und die Doppel-CD "Willst du mit mir gehn" erschienen im Februar bzw. im März 2005.
Im September 2009 erschien die Single "Wir sind wahr", am 2. Oktober 2009 folgte das Album "Made in Germany".
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