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Bez. AI, mit sämtl. Gemeindefunktionen. O. liegt im äusseren Landesteil des Kantons gegen das Rheintal. Gebildet wird der Bezirk (das sog. Äussere Land) vom Dorf O. und den Weilern Büriswilen, Kapf, Eschenmoos, Sankt Anton und zahlreichen Einzelhöfen. Der Name O. steht seit dem ersten Kirchenbau für die ganze Gebietskörperschaft; er taucht als Weilerbezeichnung bereits im Wegbrief von 1470 auf. 1850 2'141 Einw.; 1900 2'652; 1910 2'862; 1950 2'197; 2000 1'796.
In der spät besiedelten Gegend erscheinen eine grosse Zahl von Rodungsnamen sowie Hofnamen mit Erwähnung wilder Tiere. Grundherr war meistenorts der Abt von St. Gallen, doch gehörten Teile des heutigen Gebiets den Herren von Rosenberg-Berneck und dem Meier von Altstätten. Aus dem 13. Jh. stammt die Burg Hochaltstätten. Anfang des 15. Jh. wurden die Bewohner ins Landrecht von Appenzell aufgenommen und bildeten fortan einen Teil der ausgedehnten Rhode Trogen. Um 1535 war die territoriale Aufsplitterung so weit gediehen, dass das Gebiet an den Landmarchen gegen das Rheintal in die drei Unterrhoden Kurzenberg, Hirschberg und O. (mit eigenen Hauptleuten) aufgegliedert war. Mit der Teilung des Landes Appenzell 1597 gelangten sie zu den kath. inneren Rhoden und bildeten die Doppelrhode Hirschberg-O. Deren kath. Einwohner waren nach Altstätten, Berneck und Marbach kirchgenössig. Der Kirchenbau 1655 im Gebiet des Hofes Oberrickenbach förderte die Dorfbildung. Durch bischöfl. Dekret lösten sich die Katholiken noch im gleichen Jahr von den rheintal. Mutterpfarreien ab und bildeten in Zukunft eine selbstständige Kirchgemeinde. 1817 brannte die alte Kirche nieder. Das heutige Gotteshaus wurde 1870-71 im neurom. Stil erbaut; aus dem 17. Jh. stammt noch das Turmuntergeschoss. Die Landesgrenze zwischen der Gem. Reute (AR) und dem Innerrhoder Bez. O. wurde 1870 durch einen Bundesbeschluss definitiv festgelegt. Seit der Einführung der Kantonsverfassung von 1872 bildet O. einen der sechs Bezirke von Appenzell Innerrhoden und wird ringsum von appenzell-ausserrhod. und sankt-gall. Territorium umgeben und durch Reute in zwei vollständig getrennte Gebiete geteilt. O. stellt ein eigenes Bezirksgericht. Die von der Bezirksgemeinde (seit 1968 durch Urnenabstimmung) gewählten Oberegger Mitglieder des Gr. Rats von Innerrhoden bilden zum Teil die Ratsbehörde des Bezirks, welcher der Bezirkshauptmann als Präsident vorsteht.
Zur herkömml. Landwirtschaft (Viehzucht, Acker- und Obstbau) trat ab dem 16. Jh. die Heimweberei (Leinen, ab dem 18. Jh. Baumwollstoffe und Seidenbeuteltuch). Nach 1850 erfolgte der Übergang zur Maschinenstickerei (Sticklokale). 1852-1974 verfügte O. über eine eigene Bierbrauerei. Ab 1950 liessen sich versch. industrielle Betriebe in O. nieder. Mit dem Skiliftbau 1965 gewann das Dorf auch als Skigebiet an Bedeutung. 2000 herrschte bei den Erwerbstätigen eine rege Pendlertätigkeit (58% Wegpendler) nach St. Gallen, Ausserrhoden und ins Rheintal. 2005 stellte der 1. Sektor 22%, der 2. 50% und der 3. 28% der Arbeitsplätze in O. Bereits im dichten Wegnetz des MA nahm die Strasse über den Ruppen als Verbindung zwischen Altstätten und St. Gallen eine herausragende Rolle ein. Sie ist auch heute noch die bedeutendste Ausfallstrasse von O., das nicht an das Eisenbahnnetz angeschlossen ist.
Literatur
– Kdm AI, 1984
– I. Bischofberger, Grenzstreitigkeiten zwischen Appenzell Ausser- und Innerrhoden, 1990
– AppGesch 3
Autorin/Autor: Ivo Bischofberger