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Batman gehört zu den ganz Grossen der äusserst vielfältigen Superheldenwelt. 1939 von dem amerikanischen Comiczeichner Bob Kane (1916–1998) entwickelt, hatte der Millionär, der nachts im Fledermauskostüm Verbrecher jagt, seither Tausende von Auftritten in Comics und Dutzende in Kino, Fernsehen und in Videogames. Auf den zahlreichen im Internet kursierenden Listen der berühmtesten, beliebtesten oder schlicht besten Superhelden befindet er sich zuverlässig unter den Top 3, oft sogar auf dem ersten Platz. Nummer 14 ist er auf der Liste der einträglichsten Popkulturphänomene aller Zeiten mit geschätzten Einnahmen von 25 Milliarden Dollar (zum Vergleich: «Star Wars» belegt mit 65 Milliarden Platz 5, «Pokémon» mit 95 Milliarden Platz 1).
Erfüllte Kindheitsträume
Zum langlebigen Ruhm des «dunklen Ritters» haben auch zwei Schweizer beigetragen, die Comiczeichner Enrico Marini (49) aus Basel und David Boller (51) aus St. Gallen. Für Marini ging ein Kindheitstraum in Erfüllung, als er vor vier Jahren vom US-Comicverlag DC angefragt wurde, ob er interessiert wäre, eine Batman-Story zu zeichnen. «Jemand aus der Chefetage des Verlags hatte ein paar Jahre in Europa gelebt und kannte meine Arbeit.» Künstlerisch bekam er dabei völlige Freiheit. «Comics in Europa sind ganz anders als in den USA, und es ging DC auch darum, eine Story in diesem europäischen Stil zu bekommen.»
Marini war mit der Batman-Welt zwar vertraut, aber die Zahl der schon bestehenden Geschichten ist derart gross und unübersichtlich, dass er nicht sicher sein konnte, ob die Idee für seine Story nicht schon früher einmal von jemand anderem gezeichnet worden war. «Ich reichte mein Szenario ein und war gespannt. Man glaube, eine solche Geschichte habe es bisher noch nie gegeben, hiess es dann.» Marini lacht. «Nicht mal bei DC haben sie mehr den Überblick über alles.» Band 1 von «Batman: The Dark Prince Charming» erschien 2017, 2018 folgte Band 2. Und die Comics verkaufen sich gut, besonders im französischsprachigen Raum, den DC damit anvisiert hatte.
Bei David Boller begann die Arbeit mit Batman bereits vor 21 Jahren. Er hatte sich das Zeichnen selbst beigebracht und bekam 1992 mit, dass beim Comicverlag Marvel in New York eine Stelle frei war. Kurz entschlossen setzte er sich ins Flugzeug, bewarb sich vor Ort persönlich – und bekam den Job. Spider-Man war seine allererste Superheldenfigur, und damit erfüllte sich auch für ihn ein Kindheitstraum.
Fliessbandarbeit in New York
1998 wechselte Boller zu DC und zeichnete von nun an Superman und Batman, die berühmtesten Helden des Verlags. Doch anders als Marini tat er das innerhalb eines engen Korsetts, er erfand auch die Geschichten nicht selbst. «Im Grunde war es Fliessbandarbeit wie in einer Fabrik», erinnert er sich. «Zudem befand sich die Comicszene damals in einer gewaltigen Krise. Auch Batman verkaufte sich schlecht.» Obwohl sich dies in den 2000er- Jahren wieder änderte, wurde Boller der nicht sonderlich gut bezahlte Job mit den wenigen kreativen Freiheiten zu langweilig; 2008 kehrte er in die Schweiz zurück.
Weshalb aber ist Batman denn nun derart langlebig und populär? Schliesslich hat er nicht mal Superkräfte, sondern nur viel Geld und coole Technik. Genau das sei ein Teil der Erklärung, glaubt Marini. «Er ist letztlich auch nur ein Mensch, jemand mit Fehlern und einer tragischen Geschichte, und kein unbesiegbarer Übermensch.» Zudem habe er sich in verschiedenen Medien immer wieder neu erfinden lassen. «Und jeder Held ist nur so gut wie die Bösewichte, die er bekämpft», sagt Boller. «Bei Batman gibt es ein paar fantastische Bösewichte, mit denen sich tolle, komplexe Geschichten erzählen lassen.»
Bunt und humorvoll: Die Batman-TV-Serie aus den 1960er-Jahren ist ein harter Kontrast zu den eher düsteren Kinofilmen seit 1989.
Dass in regelmässigen Abständen neue Filme ins Kino kommen, hilft ebenfalls. Beide nennen als persönlichen Favoriten Michael Keaton in den Tim-Burton-Filmen «Batman» (1989) und «Batman Returns» (1992) . Während Marini die Trilogie von Christopher Nolan (2005-2012) ebenfalls mochte, fand Boller die ziemlich schlecht. Von Batmans letzten Kinoauftritt in «Justice League» (2017) hingegen hielten beide nicht viel. «Ich mochte Ben Affleck in der Rolle, aber der Film selbst war einfach miserabel», sagt Marini.
Überhaupt finden die Comiczeichner, die Superheldenfilme hätten mittlerweile ihren Zenit überschritten. «Klar, sie machen immer noch Geld, aber die Geschichten wiederholen sich oft nur noch», sagt Marini. Dennoch plädieren sie dafür, man müsse Robert Pattinson eine Chance geben. Der 33-jährige Brite ist kürzlich als neuer Batman-Darsteller auserkoren worden; 2021 soll «The Batman» ins Kino kommen.
Was den Filmen in letzter Zeit an Kreativität fehlte, ist in den Comics noch immer reichlich vorhanden, sagen beide. «Das Tragische ist, dass zwar alle ins Kino gehen, um Superhelden zu sehen, aber nur wenige die Comics lesen, die doch eigentlich die Grundlage dafür sind», sagt Boller. Die Zahl der Schweizer Comiczeichner, die von ihrer Kunst tatsächlich leben können, ist entsprechend überschaubar – Marini und Boller gehören dazu. «Wir sind etwa fünf», schätzen die beiden.
Und auch sie schaffen das nur, weil sie für den internationalen Markt zeichnen. Boller arbeitet unter anderem regelmässig für Auftraggeber in Asien, Australien und Amerika. Mit einer klassischen Schiller-Adaption von «Willhelm Tell» und seiner «Tell»-Serie im Superheldenstil, deren neuester Band demnächst erscheint, sind ihm aber auch in der Schweiz echte Erfolge gelungen. «Wenn man es hier schafft, in die Schulen und Bibliotheken hineinzukommen, hat man eine echte Chance.»
Für Marini, der gerade den letzten Band seiner «Skorpion»-Reihe beendet hat und als Nächstes einen Noir-Krimi plant, ist der französische Raum sehr wichtig. «Ohne den wäre es für uns alle sehr schwierig.»
Marketing wichtiger als Talent
Beide sind sich einig: Man kann als Comiczeichner noch so talentiert sein, ohne Geschäftssinn kommt man nirgends hin. «Talent macht vielleicht 30 Prozent aus», sagt Boller, der inzwischen mit Virtual Graphics und Tell Branding seine eigenen Verlage betreibt. «Der Rest ist Marketing, Netzwerk und Sich-verkaufen-können», ergänzt Marini . «Daran scheitern viele.»
Und würden sie Batman nochmals zeichnen, wenn sich die Chance ergäbe? Boller winkt ab. «Das interessiert mich nicht mehr. Es ist viel cooler, seine eigenen Figuren zu entwerfen.» Marini pflichtet dem zwar bei, hat jedoch nach seinem erfolgreichen Batman-Comic von DC das Angebot, weitere Geschichten zu entwickeln, allenfalls auch für andere ihrer Figuren. «Ich habe aber im Moment schlicht keine Zeit und ehrlich gesagt gerade auch keine Idee. Aber vielleicht später mal, wer weiss.»
Comics:
Enrico Marini: «Batman: Der dunkle Prinz», 2018, Band 1 und 2, auch bei exlibris.ch
David Boller: «TELL: Die Legende kehrt zurück», 2019, bei exlibris.ch
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