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Drehbank
[* 2] oder
Drechselbank, die älteste und wegen ihrer vielseitigen Verwendbarkeit noch heute am häufigsten benutzte
Werkzeugmaschine zur Bearbeitung von Metallen, Holz,
[* 3]
Horn, Meerschaum,
Bernstein
[* 4] u. s. w.
Schon im
Altertum
kannte man die
Drehbank;
Plinius nennt Theodoros von Samos ihren Erfinder und erwähnt, daß der Bildhauer Phidias sich ihrer bedient habe. ¶
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Die
Drehbank dient zur Bearbeitung der Oberfläche der Arbeitsstücke mit Hilfe eines schneidenden Werk- zeugs, des
Drehstahls (s. d.).
Hierbei findet eine doppelte Bewegung statt: das Arbeitsstück, das zu diesem Zwecke in geeigneter Weise
auf der
Drehbank be- festigt wird, dreht sich unausgesetzt um seine in jedem Falle wagerecht liegende
Achse, während der Stahl, der die zweite Bewegung ausführt, längs der Oberfläche gleitet.
Bei verfchiedener Bewegungs- richtung des Werkzeugs können hierbei verschiedene Körperformen entstehen.
Erfolgt die Bewegung parallel zur Drehungsachse des Arbeitsstücks,
so entsteht eine Cylindcrfläche, das Werkzeug beschreibt in Wirklichkeit auf dcr Oberfläche des Arbeitsstücks eine Schraubenlinie,
deren Windungen dicht an- einander liegen, während bei rascherer Bewegung des Werkzeugs Schraubengänge
auf einer cylindri- scken Oberstäche eingeschnitten werden, weshalb dic
Drehbank auch als Schraubenschneidemaschine
[* 6] (s. d.) ver^ wendet werden kann.
Bewegt sich das Werkzeug nach einer geraden Linie, welche einen Winkel [* 7] gegen die Drehungsachse einschließt, so entsteht eine Kegel- stäche;
bewegt sich aber das Werkzeug nach einer un- regelmäßig verlaufenden Linie, so entstehen Körper, deren Profil der Form jenerLinie entspricht, während ihr Querschnitt an allen Stellen Kreisform besitzt. In allen diesen Fällen heißt die Arbeit Runddrehen.
Eine Abart des Runddrehens ist das Ausdrehen, bei dem nicht die äußern Flächen der Arbeitsstücke, sondern die innern Flächen hohler Gegenstände durch Runddrehen vermittelst eines hakenförmig ge- stalteten Werkzeugs bearbeitet werden.
Erfolgt die Bewegung des Werkzeugs nach einer geraden Linie, die rechtwinklig gegen die Drehungsachse gerichtet ist, so entsteht eine ebene Fläche, und die Arbeit heißt Plandrehen.
Endlich kommt der Fall vor, daß das Werkzeug wie beim Runddreben bewegt wird, außerdem aber während eines Umlaufs des Arbeits- stücks seinen Abstand von diesem ändert, sodaß es zwar nach beendigtem Umlaufe wieder in den ursprünglichen Abstand zurückgekehrt ist, inzwischen aber sich dem Arbeitsstücke wechselweise genähert und sich von ihm entfernt hat: es entstehen alsdann Körper, deren Querschnitte nicht Kreisform besitzen, sondern durch irgend eine andere geschlossene [* 5] Figur gebildet werden, deren Form von der Art und Weise der erwähnten Näherung und Entfernung abhängig ist.
Auf diefe Weise lassen sich prismatische Körper herstellen, deren Seitenflächen geradlinig oder ge- krümmt sein können, und die Arbeit heißt Passig- drehen.
Eine besondere Art derselben ist
das Ovaldrehen, wobei der Querschnitt des Arbeits- stücks eine Ellipse
[* 8] bildet (s. Ovalwerk). Abgesehen von der verschiedenen
Größe und der abweichenden Einrichtung ist die Gesamtanordnung der
Drehbank wesentlich die gleiche.
Auf einem aus Guß- eisen (selten
aus Holz) gefertigten Rahmen a. (s. nach- stehende
[* 5]
Fig. 1), dem
Drehbanksbett,
sind die zur Befestigung und Bewegung des Arbeitsstücks wie zur Unterstützung des Werkzeugs
dienenden Teile an- geordnet.
Nur bei sehr kleinen
Drehbank dient ein prisma- tischer, wagerecht liegender Stab
[* 9] zur Befestigung jener Teile (Prismadrehbänke).
Die Oberstäche des Bettes muß vollständig eben bearbeitet sein und wagerechte Lage haben. An dem linken
Ende des Bettes jeder
Drehbank befindet sich das Lager
[* 10] d zum Tragen der Welle, die den Antrieb aufnimmt und auf das Arbeitsstück
überträgt.
Jene Welle heißt die Dreh - bankspindel, das Lager die Spindeldocke oder der Spindelstock.
Bei der in
[* 5]
Fig. 1 abgebildeten
Drehbank erfolgt der Antrieb von einem Fußtritte aus und wird durch eine Schnurscheibe auf die Schnurrolle
übertragen, die auf der
Drehbankspindel befestigt ist.
Das rechte Ende der
Drehbankspindel ragt aus der Spindeldocke heraus
und trägt eine einge- schraubte kegelförmige Stahlspitze.
Der Spindeldocke gegenüber an der rechten Seite der
Drehbank, und zwar
auf dem
Drehbanksbette verstellbar, ist die Spitz docke
[* 5]
Fig. 1. oder der Reitstock e angeordnet.
Die Spitzdocke trägt einen vermittelst Schraube und Handrädchens wagerecht verstellbaren Stab, den Reitnagel oder die Pinne, der an der der Spindeldocke zugekehrten Seite ebenfalls in einer Stahlspitze endigt.
Beide Spitzen (die der Spindeldocke und die der Spitz- docke) befinden sich genau in einer wagerechten Linie, und zwischen ihnen werden längere Arbeits- stücke eingeklemmt.
Eine von einer Spitze zur andern gezogene gerade Linie bildet demnach die Drehungs- achse des Arbeitsstücks. Um die Bewegung der Dreh- bantspindel auf das zwischen den Spitzen einge- spannte Arbeitsstück zu übertragen, schraubt man auf dem Kopfe der Spindel eine Scheibe ä (Mit- nehmerscheibe genannt) auf, mit einem Stifte, dem Mitnehmer, der beim Umlaufen der Scheibe sich hinter einen Vorsprung des Arbeitsstücks legt und hierdurch dieses ebenfalls inUmdrchung versetzt. Besitzt das Arbeitsstück nicht an und für sich schon einen sür diesen Zweck geeigneten Vorsprung oder Ansatz, so schraubt man einen solchen auf (Dreher- herz).
Bezüglich der Mitnehmerscheibe vgl. auch
[* 5]
Fig. 2. Solche
Drehbank, die vorzugsweise zum Drehen zwischen Spitzen bestimmt sind, heißen Spitzen- drehbänke.
Die in
[* 5]
Fig. 1 abgebildete
Drehbank ist
zum Drehen aus freier Hand
[* 11] bestimmt und besitzt eine Vorrichtung 6, die aus einer verstellbar gemachten
Krücke, auf welcher der mit der Hand gehaltene Drehstahl ruht, besteht und Auflage oder Vor- lage heißt.
Bei vollkommenern
Drehbank dagegen (vgl. Fig. 2) besteht jene Vorrichtung aus mehrern gegen- einander
verstellbaren Teilen, in die der Drchstahl fest eingespannt wird, und wird in diesem Falle S up p o rt (auch
Kreuz
[* 12] sup p o rt, da die Teile recht- winklig gegeneinander verstellbar sind) genannt (s. Kreuzsupport).
[* 13]
Die Bewegung wird hier durch Drehung von Schrauben, [* 14] also in sichererer Weise bewirkt, als bei Benutzung einer einfachen Auflage. Größern Drehbank pflegt man nun auch eine Vorrichtung zu geben, die eine selbstthätige Bewegung des Werk- zeugs, sobald es in entsprechender Weise eingespannt ¶
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worden ist, ermöglicht.
Vei der in [* 15] Fig. 2 abgebil- deten Drehbank dient die an der Vorderseite des Bettes gelagerte, mit Schraubengewinde versehene Welle l, die sog. Leitspindel, diesem Zwecke.
Sie erhält durch Vermittelung der an der linken Stirnseite der Drehbank sichtbaren Getriebe [* 16] von der Drehbantspindel aus eine langsame Drehung.
Beim Runddrehen läßt man die Leitspindel durch eine an der Unterseite des Supports befindliche Schraubenmutter hindurch- gehen, sodaß der Support samt dem Werkzeuge [* 17] längs des Drehbanksbettes vorwärts geschoben wird, so- bald die Leitspindel sich dreht;
beim Plandrehen da- gegen benutzt man die Leitspindel lediglich als Welle, von der aus mit Hilse der in der Abbildung unter dem Support sichtbaren Getriebe die Bewegung auf den betreffenden Schieber des Supports fortgepflanzt wird.
Vei der in [* 15] Fig. 2 abgebildeten Drehbank ist ferner F eine Lünette, [* 18] d. h. eine Kilssdockc, welche langen Klammern, [* 19] die durch die erwähnten Öffnungen hin- durchgehen, befestigt wird.
Bei der in [* 15] Fig. 2 ab- gebildeten Drehbank ist das Bett [* 20] unmittelbar vor der Spindeldocke gekröpft, damit hier auch für eine et- was größere Planscheibe der erforderliche Raum gewonnen werde.
Die Anordnung einer Drehbank mit noch größerer Planscheibe ist in [* 15] Fig. 3 dargestellt, ä ist die Planscheibe;
die übrigen Teile sind mit den näm- lichen Buchstaben wie in [* 15] Fig. 1 und 2 bezeichnet.
Abgesehen von den stärkern Abmessungen aller einzelnen Teile beruht der Un- terschied der Einrichtung dieser Drehbank (gewöhnlichPlanscheiben- drehbank genannt, weil hier die Planscheibe einen wesent- lichen Bestandteil ausmacht) im Vergleich zu der Einrichtung der früher besprochenen haupt- sächlich in dem Fortfallen der Füße zum Tragen des Bettes, welches unmittelbar auf dem Fundament aufruht.
Geht der - Durchmesser der Planfcheibe endlich über 3 in hin- ! aus, fo sieht man davon ab, die Drehbank auch zum ! Spitzendrehen zu benutzen.
Der Spitzenstock fällt weg; statt des Längsbettes geht ein Querbett in der Richtung der Planscheibenebene vor dieser vorbei, auf welcher der Support sich bewegt.
Die Drehbank heißt dann Plandrehbank.
Soll die Drehbank besondern Zwecken dienen, so kann ibre Einrichtung im einzelnen mehr oder minder weit gehende Änderungen erleiden, oder man kann sich dünnen Gegenständen, z. V. Transmisstonswellen, als Unterstützung dient, um sie beim Runddrehen vor dem Verbiegen zu schützen oder ihnen beim Plandrehen der Endstäche die erforderliche Auflage- rung zu geben. Sollen Gegenstände von großem Durchmesser und geringer Breite [* 21] rund oder plan gedreht wer- den, z. V. Rädcr, so ist jene beschriebene Befestigung zwischen dcn beiden Spitzen der Spindel- und Spitzen- docke nicht anwendbar. An Stelle der Mitnehmer- scheibe wird in diesem Falle eine größere, mit durch- gehenden Schlitzen und Öffnungen verfehene Scheibe, die Planfcheibe, aufgeschraubt, auf welcher nun das Arbeitsstück mit Hilfe von Schrauben oder besonderer Ergänzungsteile bedienen (vgl. Duplex- drehbank).
Soll z. B. die Drehbank zum Abdrehen ge- gliederter Gegenstände (Treppendocken, Thürgriffe u. s. w.) benutzt werden, so pflegt man einen sog. Kurvensupport zu benutzen.
Auf dem Dreh- bankbette wird eine Platte befestigt, deren Rand dem Profil des abzudrehenden Gegenstandes ent- sprechend ausgeschnitten ist.
Der Support wird durch die Leitspindel wie gewöhnlich längs des Bettes bewegt;
das Werkzeug aber befindet sich auf einem rechtwinklig gegen die Drehungsachse beweg- lichen Schieber, der durch ein Gegengewicht gegen den Rand jener Platte gedrückt wird.
Bei der Be- wegung des Supports gleitet demnach das Werkzeug, ¶