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- Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Armenien ist die Partei des Regierungschefs Nikol Paschinjan nach Auszählung aller Stimmzettel stärkste Kraft geworden.
- Der 46-Jährige kam mit seiner Partei «Bürgervertrag» auf 53.92 Prozent der Stimmen, wie die Wahlleitung in der Hauptstadt Eriwan mitteilte.
- Paschinjans wichtigster Herausforderer, der frühere Präsident Robert Kotscharjan mit seinem «Block Armenien», erhielt demnach 21.04 Prozent.
- Die Opposition hatte bereits am Wahlsonntag Verstösse bei der Abstimmung beklagt. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 50 Prozent.
Ein Sieg Paschinjans gilt aus russischer Sicht als Garant dafür, dass das unter russischer Vermittlung mit Aserbaidschan geschlossene Waffenstillstandsabkommen um die Konfliktregion Berg-Karabach hält. Das Abkommen war nach einem 44-tägigen Krieg am 9. November 2020 in Kraft getreten. Es legt auch die Stationierung von 2000 russischen Friedenssoldaten fest.
Bei den Kämpfen waren auf beiden Seiten insgesamt mehr als 6500 Menschen getötet worden. Armenien hatte dabei auch die Kontrolle über weite Teile von Berg-Karabach verloren. Aserbaidschan hingegen feierte sich nach der Rückeroberung der Gebiete als Sieger.
Amtierender Regierungschef unter Druck
Paschinjan hatte die Neuwahl unter dem Druck von Oppositionsprotesten angesetzt. Mehrere Parteien machten den Regierungschef selbst für die Niederlage, die Gebietsverluste und die vielen Toten in Berg-Karabach verantwortlich. Der frühere Journalist war im Zuge der Revolution 2018 an die Macht gekommen. Einen Rücktritt hatte er nach dem Krieg stets abgelehnt und betont, er wolle das Land aus der Krise führen.
Schon in der Nacht erklärte sich Paschinjan zum Sieger. «Wir haben gewonnen», sagte er. Das Volk Armeniens habe seine Entscheidung getroffen. «Wir werden die nationale Einheit wieder aufbauen.» Paschinjan dankte den Präsidenten Russlands, der USA und Frankreichs sowie der EU-Führung für die Unterstützung seines Landes in Krisenzeiten. «Stabilität, Frieden in der Region und die friedliche Entwicklung für unser Volk – das ist unsere Priorität», sagte er.
Opposition traut Wahlergebnissen nicht
Paschinjans Gegner Robert Kotscharjan meinte dagegen mit Blick auf die Proteste gegen den Amtsinhaber, dass die Stimmung im Land einen anderen Wahlausgang nahelege. «Die von der Zentralen Wahlkommission veröffentlichten Abstimmungsergebnisse sind umstritten und rufen kein Vertrauen hervor. Diese Ergebnisse widersprechen den Prozessen der gesellschaftlichen Entwicklung, die in den letzten acht Monaten zu sehen waren.»
Bei der Abstimmung waren 21 Parteien und 4 Blöcke angetreten – so viele wie nie zuvor. Die meisten verfehlten die nötige Stimmenzahl für einen Einzug ins Parlament. Vertreten im Parlament ist der Wahlkommission zufolge als dritte Kraft auch ein Parteienbündnis des früheren Präsidenten Sersch Sargssjan und des Ex-Geheimdienstchefs Artur Wanezjan.
Der Urnengang wird von Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beobachtet. Die Beobachter wollen heute Montag ihr Urteil abgeben.