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Erdbeben in Assisis Umland
Seid Ihr in Italien unterwegs, in Umbrien, im "franziskanischen Kernland", das seit Wochen derart von Erdbeben betroffen ist? Zum Glück sind wir es zur Zeit nicht, zurück von Eremotagen in Monteluco und den Pilgerwegen von Anfang Oktober. Assisi zeigt sich aktuell mehr innerlich als äusserlich erschüttert, auch wenn Teile der Portiunkulakirche wegen herunterfallenden Gipses gesperrt sind. Doch das antike Nursia (heute Norcia) bringt die Zerstörungen im Apennin sehr nahe. Einige von uns sassen schon selbst unter den Arkaden der Benediktsbasilika, die nun bis auf die Fassade eingestürzt ist. Die romanische Kirche aus dem Hochmittelalter, die über Benedikts Geburtshaus errichtet worden sein soll, hat über ein Dutzend heftiger Erdbeben überstanden - in jedem Jahrhundert mindestens eines. Diesmal jedoch haben weder Kirchenschiff noch der massive Turm widerstanden. Das 5000-Seelen-Städtchen ist unbewohnbar und riskiert, wenn der Wiederaufbau auf sich warten lässt, in den herben Sibillinerbergen auszusterben. Es steht "prominent" für viele andere Dörfer, die über die Region hinaus kaum bekannt sind.
Niklaus erinnert sich:
Ich war in meinem Studenten- und Pilgerleben viermal in Benedikts Heimatstädtchen: Erstmals im Oktober 1993, als ich vor meinem zweiten Römer Studienjahr von Spoleto zur Adria wanderte und neben Franziskus' Lebensorten auch die des anderen grossen umbrischen Ordensgründers kennenlernen wollte. Erneut im Februar 1994, als mein Bruder Michel und seine Frau Vreni im winterlichen Italien wandern wollten und mit mir dann auf dem Weg von den Sibillinerbergen nach Assisi auch tatsächlich Winterstürme erlebten. Am 21. Mai 1995 stieg ich zu meinem Geburtstag mit den Kapuzinerbrüdern Ädu und Jaime von Norcia auf den Monte Vettore - wo wir in der Schutzhütte des CAI ein Fondue assen und über Nacht unverhofft eingeschneit wurden. Der jüngste Besuch der Stadt bildete den Auftakt zu einer Pilgerwoche für Mutige, die von Norcia aus ungesichert und "obdachlos" mit mir nach Assisi wanderten. Winterstürme, Schneefall bis in den Mai, ungeschütztes und obdachloses Leben - all dies blüht nun Tausenden in dieser Gegend... Unter entmutigenden und verzweifelten Umständen."
Wir hoffen von Herzen, in ein paar Jahren in eine neu aufgebaute Stadt und belebte Dörfer im weiten Umland zurückzukehren!
Bild: Der Hauptplatz der Stadt, wie ich ihn kenne, und gestern Sonntag Vormittag.