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Elf Mädchen standen mit dem Rücken zum Publikum bereit. Sie trugen orange Hosen und schwarze Shirts, um welche jeweils Seile gewickelt waren. Zum Thema Kontrolle sollten die Laientänzerinnen des Vereins «Tanzerei» zuerst das Stück «Fäden in der Hand» und dann «On my way through my mind» aufführen. Es war die erste Aufführung des Vereins und die fünf Monate Proben zahlten sich aus: Die Mädchen wirkten keineswegs wie Amateurinnen, sondern wie professionelle Tänzerinnen.
«Fäden in der Hand» von Daniela Fischer
Nostalgische Musik ertönte und die Tänzerinnen tappten im Dunkeln, griffen ins Leere, machten zögerliche Schritte. Musikwechsel, ein bisschen zu heiter für die Situation: Eines der Mädchen begann, abstrakte und scharfe Bewegungen zu tanzen. Ihr Gesichtsausdruck war leer, die anderen schauten ernst. Sie hörte auf, links machte das nächste Mädchen weiter, schmiss sich wie von einem Dämon besessen auf den Boden und zog schliesslich den Blick der anderen auf sich. Was macht sie denn da, schienen sie fragen zu wollen. Verliert sie die Kontrolle? So ging es weiter, bis schliesslich ein Mädchen von den anderen umzingelt wird. Es wird immer enger, sie hält sich an den Kopf, Panik!
Szenenwechsel: Die Tänzerinnen bildeten kleine Gruppen. Mit akrobatischen Elementen, die Teils an Vertrauensübungen erinnerten, bewegten sich die Tänzerinnen über die Bühne. Die neue Musik passte besser, sie wirkte aggressiver. Irgendwann entfernte sich ein Mädchen von den Gruppen und widmete sich einem Netz aus Seilen, das links in der Ecke hängt. Sie zog an einem Strang, löste ihn vom Netz und legte ihn geradlinig in die Mitte der Bühne.
Die Tänzerinnen waren in zwei Gruppen aufgeteilt. Auf kreative Art und Weise versuchten sie, die scheinbare Grenze des Seils zu überschreiten. Manchmal spielerisch, manchmal wütend. Einige blieben ganz auf ihrer Seite und versuchten dort, ihre tänzerische Seele auszuleben. Immer in einem gewissen Rahmen und trotzdem frei, schien man dem Publikum mitteilen zu wollen. Am Ende des Stücks hielt die vorderste Tänzerin das Seil in der Hand.
«On my way through my mind» von Emma Skyllbäck
Im zweiten Stück bewiesen die Mädchen wirklich ihr tänzerisches Können. An die Stelle von präziser Akrobatik und Solo-Tanzeinlagen traten nun detailliert choreographierte Gruppentänze und Duette. Das erste Szenario schien eine Party zu sein. Tanzen, lachen, Spässe machen – bis eines der Mädchen sich vor ein Mikrofon stellte. Sie sprach von ihren Träumen und Wünschen. So begann eine Reise in die Welt des «Was-wäre-wenn?»
Die Fusion von Tanzsequenzen und hypothetischen Fragen zeichneten das Stück aus. Musikalisch wurden die Choreographien teils von träumerischer Indiemusik, teils von harten Bässen begleitet. In der Vorstellung trugen zwei Mädchen ausserdem ein Lied vor, das vom Wunsch und dem gesellschaftlichen Druck, perfekt zu sein handelte. Perfektion würde Kontrolle bedeuten, die Message war klar und wurde auch tänzerisch ausgedrückt.
Vor allem ein Duett stach heraus, bei dem zwei der Tänzerinnen sich spielerisch über die Bühne bewegten. Der Blickkontakt war konstant, das Vertrauen zwischen den beiden spürbar. Irgendwann schloss sich die ganze Gruppe wieder zusammen, die Bewegungen absolut synchron. «Wir sind nur ein kleiner Teil eines grossen Ganzen, Kontrolle haben wir nicht!» Mit diesem Satz endet der Auftritt und der Applaus beginnt. Gute Arbeit Tanzerei! In welche Welt entführt ihr uns beim nächsten Mal?