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mehr
seltener vorkommenden sog. offenen
Degen enthalten große
Lücken und weisen nur die schädlichen
Angriffe der Strömung, nachteilige
Sand- und Geröllablagerungen, nicht aber das dazwischen eindringende
Hochwasser selbst ab.
[* 1] ^[Abb. 1]
Rückdeiche (Fig. 1, ae) erstrecken sich längs eines Nebenflusses, um dessen Wasser und das vom Hauptflusse zurückgestaute Wasser von der Niederung fern zu halten.
Binnendeiche schützen die Niederung gegen Hochfluten der von rückwärts kommenden Gewässer.
Ringdeiche umschließen ganze Ortschaften eines sonst ungeschützten Fluhthales gegen Winterhochwässer.
Das Gebiet zwischen
Fluß und
Degen heißt
Vorland, der
Grund, auf welchem der
Degen selbst steht, das Maifeld (s. d.), die
zu schützende
Fläche hinter dem
Degen das
Binnenland.
Bei Flußdeichen wird dies Binnenland Polder, bei Seedeichen Marsch (s. d.) genannt.
Schlafdeiche [* 1] (Fig. 1, bb) liegen binnenseits der Hauptdeiche, deren Bruch sie decken;
sie sind in der
Regel frühere Hauptdeiche, außerhalb welcher neue
Degen gebaut wurden.
Schardeiche oder Gefahrdeiche haben kein genügendes Vorland und sind den Angriffen der Strömung direkt ausgesetzt;
Flügeldeiche springen in das Vorland selbst vor, schützen Deichecken vor dem Einstoße oder das Vorland selbst gegen Abbruch bei Hochwässern oder einmündenden Nebenrinnsalen;
Frontdeiche
[* 1]
(Fig. 1, ad) verbinden quer zum
Fluß den
Degen mit hochwasserfreien Ebenen.
Die Einmündung der Seitenrinnsale in umdeichte Flüsse [* 3] wird meist durch Deichschleusen, Siele (s. d.), geregelt.
Die Deichanlagen haben häufig ihren Zweck nicht vollständig erreicht, oder im Laufe der Zeit sogar Gefahren heraufbeschworen, indem durch sie der Hochwasserspiegel gehoben, die Strömung verstärkt wird, die das Binnenland befruchtenden und erhöhenden Sinkstoffablagerungen dem Gebiete entzogen werden, die Vorflut der Niederung vermindert wird, Deichbrüche und Beschädigungen, wachsende Lasten und Gefahren hervorgerufen werden.
Endlich bringt bei lange andauerndem Hochwasser das aus dem sandigen Untergrunde des Binnenlandes emporsteigende Quellwasser (Qualm-, Kuver-, Dräng-, Truh-, Druck- oder Körwasser), dessen Menge mit dem Gefälle zwischen Außen- und Binnenwasser wächst, die größten Nachteile mit sich, indem es durch Bodenfiltration der Kulturschichte die fruchtbaren Stoffe entzieht und in untern Teilen der Niederung in den Marschen die bebauten Felder durch lange Zeit, die Saaten zerstörend, bedeckt.
Die
Steigerung der Hochwässer im Laufe
der Jahrhunderte muß außer in der Entwaldung, der vermehrten Wasserzufuhr durch Entwässerungen der Grundstücke, in der
raschern Zuleitung des Wassers infolge von
Regulierungen im obern Flußlaufe, besonders auch in den Einschränkungen
gesucht werden, die das Hochwasserbett durch hochgelegene Quais, Kunststraßen, Eisenbahndämme,
Brückenpfeiler und die
Degen erfahren
hat.
Die Aufforstung und Verasung öder Gebirgsflächen, die Verbauung der Wildbäche kann allgemein, die Zurückhaltung des Wassers im Gebirge durch Sickergräben, Gruben, Reservoirs, ferner die Ableitung des Hochwassers auf größere Flächen, welche zugleich zur Aufnahme der sich ablagernden Sinkstoffe dienen, können in besondern Fällen als Mittel zur Minderung der Hochfluten betrachtet werden.
Die Umwandlung von Winter- in Sommerdeiche (bei gleichzeitiger Anlage von Ringdeichen für die Ortschaften, erhöhten Wegdämmen für die Kommunikation, Querdeichen zum Schutze gegen heftige Durchströmungen) sowie offene Deichanlagen werden entlastend hinsichtlich der Hochwässer wirken und die Deichgefahr bei Durchbrüchen mildern.
Das über die Stadt
Szegedin
[* 4] (s. d.) im
Frühjahr 1879 hereingebrochene Unglück liefert den
Beweis, zu welchen Folgen planlos
erbaute
Degen mit ungenügender Vorlandbreite, Bahndämme mit zu engen
Brücken,
[* 5] Durchstiche unzureichenden Profils im obern
Lauf des
Flusses ohne Fortsetzung im untern
Teile angelegt, führen können.
Von 6000 Häusern der Stadt blieben infolge eingetretener Dammbrüche nur 314 unversehrt. Zu eingehenden Studien bieten die Anlagen an der Weichsel, dem Unterrhein, der Loire, Elbe und Weser Gelegenheit.
Daß die Anlage von Dämmen längs der Flüsse mit besonderer Beachtung der Durchflußverhältnisse für Hochwasser erfolgen müsse, haben die großen Überschwemmungen in Tirol [* 6] und Kärnten (15. bis erwiesen.
An der Pusterthalbahn wurde ein Damm auf eine Länge von 5,4 km ganz fortgerissen, auf 3,9 km stark beschädigt.
Auch an der Brennerlinie sind erhebliche Beschädigungen dieser Art entstanden.
Ebenso haben im Winter 1882/83 die Hochwässer
des Rheins und Mains
Damm- und Deichbrüche veranlaßt. So wurde an einer
Stelle bei
Bischofsheim, woselbst die
Römer
[* 7] vor etwa 1700 Jahren
das alte
Flußbett zur Sicherung ihrer Festung
[* 8] abdämmten, der
Degen neuerdings wiederholt zerstört. Es zeigt dieses
Beispiel,
wie schwer sich mitunter widernatürlich angelegte
Dämme erhalten lassen.
Bei neuen Anlagen, welche sorgfältigste Berücksichtigung der hydrogr. und sonstigen Fragen verlangen, muß besonders darauf gesehen werden, hinreichendes Vorland zu schaffen;
die
Degen müssen zum
Stromstriche und untereinander möglichst parallel liegen,
sie sollen keine scharfen
Krümmungen und
Ecken aufweisen, über hohen, festen
Boden führen und etwa vorkommende
größere Vertiefungen im
Vorlande lassen, weil sie dann im Laufe der Zeit zuschlicken, während sie binnendeichs zu Quellwasserbildungen
Veranlassung bieten.
Die Dimensionen und die Zusammensetzung der
Degen selbst müssen so gewählt werden, daß kein Verschieben auf der
Unterlage durch den Wasserdruck, kein Versinken in wenig tragfähigen
Grund, kein Herausspülen des allfällig
wasserdurchlässigen
Untergrundes erfolgen kann;
das Durchsickern des ¶