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Wasserspuren auf dem Mars entpuppen sich als Erdrutsche
Bilder von bisher unerreichter Schärfe zeigen: Wasserspuren auf dem Mars, die aus vermeintlich jüngerer Zeit stammen, sind wohl auf Erdrutsche zurückzuführen. Ein internationales Forscherteam mit Berner Beteiligung publiziert am 21. September die neuesten Erkenntnisse zur Mars-Oberfläche im Wissenschaftsjournal «Science».
Das internationale «High Resolution Imaging Science Experiment» (HiRISE) setzt in der Mars-Erkundung die Kamera mit der bisher höchsten Auflösung ein. Sie ist an der «Mars Renaissance Orbiter»-Sonde der NASA befestigt und liefert gestochen scharfe Bilder der Oberfläche des Roten Planeten. Das Projekt, an dem Prof. Nicolas Thomas und Dr. Patrick Russell vom Physikalischen Institut der Universität Bern beteiligt sind, untersucht die Oberflächenstrukturen auf dem Mars, die von Wasser geformt wurden. Dazu gehören die Pole des Mars, die in der jüngeren geologischen Vergangenheit von Eiskappen bedeckt waren, sowie ältere Spuren, die von Flutwellen nach dem Einschlag von Meteoriten herrühren.
Vorher-Nachher-Bilder weckten Hoffnungen
Die besondere Aufmerksamkeit der Forscher gilt aber einer Entdeckung aus dem letzten Jahr: Vorher-Nachher-Bilder des älteren Mars Orbiters, die seit 1999 publiziert wurden, zeigten helles Schuttmaterial, das sich nun vor kurzem in zwei Vertiefungen abgelagert hatte. Diese frischen Ablagerungen weckten Hoffnungen, dass damit das Vorhandensein heutiger Wasserströme entdeckt worden sei. Beobachtungen des neuen Mars Orbiters, dessen Mission um den Mars am 8. November 2006 begann, lassen jetzt aber vermuten, dass die Ablagerungen auch durch Erdrutsche von trockenem, losem Material entstanden sein könnten.von trockenem, losem Material entstanden sein könnten.
«Wir versuchen herauszufinden, ob es zum heutigen Zeitpunkt flüssiges Wasser auf der Marsoberfläche gibt», erklärt Nicolas Thomas. «Frühere Aufnahmen von geringerer Auflösung liessen vermuten, dass die Ablagerungen durch Wasser entstanden seien.» Zumindest für diese Stelle, so die Forscher, gebe es jetzt halt eine alternative, «trockene» Erklärung.
Die Ergebnisse von HiRISE auf dem Mars Renaissance Orbiter werden am Freitag, 21. September in fünf Artikeln im Wissenschaftsmagazin «Science» publiziert. Drei der Artikel enthalten Beiträge der Universität Bern, die als einzige Universität Europas am Projekt beteiligt ist. Die Berner Forscher sind für die Zielsuche der Kamera verantwortlich und programmieren die vier jeweils zwei-wöchigen Überwachungszyklen pro Jahr. Sie waren auch für die Programmierung der aktuellen Überwachung zuständig.
Klimawandel auch auf dem Mars?
Das besondere Interesse des Berner Forschungsteams um Nicolas Thomas und Patrick Russell gilt den Prozessen an den Polen des Mars. Der Nordpol weist zum Beispiel Ablagerungen von nur 10 cm Dicke auf. Wiederholungen von bestimmten Ablagerungsmustern deuten darauf hin, dass auch der Mars annähernd regelmässigen Klimazyklen unterworfen war, und dass diese klimatischen Wandel die Abfolge der polaren Ablagerungen beeinflussten.
20.09.2007