Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03334.jsonl.gz/1210

Das „wir“ in der Überschrift meint die an den Herrn Jesum Gläubigen, die zusammen mit den entschlafenen Gläubigen am Tag Christi entrückt werden. Weder den Gräuel des Abfalls noch das falsche Friedensbündnis werden die Entrückten von der Erde aus sehen.
Im 2. Thessalonicherbrief sind zwei unterschiedliche Lesarten vorhanden. In der einen müsste mit „Tag des Herrn“ und in der zweiten mit „Tag Christi“ übersetzt werden. Einige Handschriften verwenden für „Herrn“ oder für „Christi“ die sogenannte Nomina Sacra Schreibweise. In dieser wird nur der Anfangsbuchstabe, und je nach dem auch der zweite geschrieben. Damit der Fall (Kasus) auch erkennbar blieb, wurde der letzte Buchstabe auch noch mithinzugeschrieben. Diese Buchstaben werden überstrichen, wie das nachfolgende Beispiel aus dem Codex Sinaiticus, der in der Liste als „Alef“ gekennzeichnet ist, zeigt: (κ̅υ̅ ). Der Grund dieser Schreibweise war, dass man ehrfürchtig sein wollte. Da diese Schreibweise in deutlich wenigen Handschriften Anwendung findet und vornehmlich in der ägyptischen Region, kann mit Sicherheit gesagt werden, dass die inspirierten Autoren die vollständige Schreibweise anwandten. Mit Sicherheit mussten sie ihre Ehrfurcht vor Gott nicht so zum Ausdruck bringen. Die verkürzte Schreibweise kann auch schneller zu Abschreibfehlern führen bzw. ist fehleranfälliger als die deutlich längere vollständige Schreibweise. Wenn also davon ausgegangen wird, dass die inspirierten Autoren ihr Original mit der ausgeschriebenen Varianten schrieben, wurden die Abschriften mit den Nomina Sacra Formen bereits verändert. Die Ehrfurcht vor dem Original ist bei solchen Kopisten nicht sehr groß, und dies ist auch ein Hinweis darauf, dass sie es auch woanders nicht so genau hielten. Da die ältesten Handschriften weit vom Original entfernt waren, konnten die Abschriften auch nicht mit dem Original abgeglichen werden. Die anderen Handschriften, das sind ca. 558, die χριστου kopierten und davon 16 Handschriften, die die Nomina Sacra Schreibweise anwandten (του χ̅υ̅). Diese sind zwar nicht so alt, da die Kopien in der Nähe des Originals entstanden, war aber ein Abgleich eher möglich. Damit steht das Verhältnis 36 zu 558. Wer pauschalisiert, könnte sagen: Die Mehrheit hat nicht immer recht, je älter je besser, je kürzer je genauer. Diese Aussagen stimmen sicher alle zu irgendeiner Sachlage, sie führen uns hier aber nicht weiter, sondern in die Ecke, denn ältere Handschriften finden wir dort, wo das Klima die Lagerung begünstigte; viele Handschriften sind dort zu finden, wo die Originalien in der Nähe waren; die längeren Texte dort, wo das Griechische Umgangssprache war; etc. Da aber diese Untersuchungen nie beweisbar sind, weil niemand in diese Zeit zurückreisen kann, müssen wir uns entscheiden, für welches Weltbild wir einstehen wollen. Da ist das eine wissenschaftliche Weltbild, dass nicht glaubt, dass unser Kanon von Gott inspiriert ist. Sie glauben nicht, dass es sich bei allen Autoren um die Verfasser aus dem 1. Jahrhundert handelt, sondern, dass es auch für einige Schriften spätere Verfasser gab. Das andere Weltbild glaubt an eine von Gott inspirierte Autorenschaft, an einen Gott, der sein Wort bewahrt. Das eine Weltbild ohne Gott will möglichst viele Textunterschiede aufzeigen. Das gelingt ihnen dadurch, indem sie eine möglichst schlechte Handschrift möglichst hoch bewerten, und die anderen nach dieser beurteilen. Es kommt mir vor, als stellte man alles auf den Kopf. Und das ist für mich vergleichbar mit der Evolutionstheorie und dem Schöpfungsbericht. Letztendlich lässt sich beides nicht beweisen. Das Weltbild, an das wir glauben, entscheidet. Wenn wir in die Natur gehen, so sehen wir so viel, was den Schöpfungsbericht bestätigt, doch gibt es viele, die sich Gott nicht unterwerfen wollen. Solche akzeptieren lieber Aussagen, die alles auf den Kopf stellen. Zeigen wir doch lieber solchen auf, wie genau Gottes Wort überliefert wurde. Die vielen Abschriften sind nicht alle am gleichen Ort und zur gleichen Zeit entstanden. Die Kopisten kannten sich dadurch nicht einmal, und doch weisen ihre Abschriften eine Lesart vor. Wichtig ist dabei auch, dass wir Übersetzung und Grundtext nicht durcheinanderbringen. Es sind sozusagen zwei paar Schuhe.
Insgesamt wurden 596 Handschriften für die Teststelle von 2.Thess 2,3 angegeben (leider gibt es keine für unseren Vers). Diese Gesamtanzahl wurde auch für 2.Thess 2,2 angenommen. Denn nur so lassen sich die Anzahl Handschriften berechnen, die hinter dem Kürzel „MT“ stehen. Im Übrigen ist bemerkenswert, dass die Grundlage für diese Berechnung von der Wissenschaft herkommt, die nicht glaubt, dass der Kanon von Gott inspiriert ist und bewahrt wird. Sie haben Kenntnis über die Menge, geben diese aber nicht an. Nachfolgen der Ausschnitt aus dem CNNTS (Center for New Testament Textual Studies) für die entsprechende Passage:
(Anm. HS=Handschriften)
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass hier die Mehrheit der Handschriften recht behält, denn es gibt keine Handschrift, die κυριου (Herr) ohne Nomen Sacrum kopierte, auch sind es solche Handschriften, die auch sonst auffällig für Fehler sind.
Auslegungen, die auf einem Wort basieren, wanken, und wenn das eine Wort plötzlich in Frage gestellt wird, dann fällt sie wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Wer hier „Tag des Herrn“ akzeptiert, obwohl alles andere dagegenspricht, der baut sich solch ein Kartenhaus auf. Dabei haben sie doch die besten Absichten solchen entgegenzuwirken, die eine Vorentrückung ablehnen. Nun ist es so, dass sich diese Vorentrückung bereits im 1. Thessalonicherbrief ausgiebig behandelt worden ist, aber offensichtlich auch schon vorher, als Paulus bei ihnen war. Daran muss Paulus die Leser auch wieder erinnern (vgl. 2Thes 2,5). Es könnte jetzt aber zum Einwand kommen, dass sich der Paulus widerspräche, hätte er „Tag Christi“ geschrieben. Keineswegs, denn Paulus greift in unserem Vers auf, was andere durcheinanderbringen, ehe er alles wieder in Reih und Glied bringt.
In unserem Vers macht Paulus deutlich, dass man nicht erschüttert sein soll, weil einige sagen, der Tag Christi sei schon da. Der kommt vor dem sichtbaren Abfall, und da bis jetzt kein Abfall sichtbar ist, so kann es sich nicht um den Tag Christi handeln. Wenn es schon damals Verfolgung gab, so sind es doch noch nicht die Tage des Gerichts. Zudem hat Paulus bereits erklärt, dass die Versammlung nicht durch diese Tage gehen wird, sondern entrückt sein wird, und an das muss er wieder erinnern. Warum sollten sie sich wie zurückgelassene fühlen und verhalten, wo er doch schon mal alles erklärte?
Der maximale Abstand zwischen den Wörtern wurde auf zwei Wörter limitiert. Alle Wortformen waren für das Suchresultat zulässig.