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2 Pinguine und 2 Robben der Antarktis:
Kaiserpinguin - Aptenodytes forsteri
Adeliepinguin - Pygoscelis adeliae
Weddell-Robbe - Leptonychotes weddelli
Ross-Robbe - Ommatophoca rossi
© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Obschon vermutet wird, dass der geologische Untergrund der Antarktis reiche Lagerstätten beispielsweise von Erdöl, Kohle, Titan, Chrom, Eisen und Kupfer enthält, und obwohl mehrere Staaten Gebietsansprüche geltend gemacht haben, ist ein Rohstoffabbau bislang unterblieben. Der frostige Kontinent wird einzig für wissenschaftliche Forschungen genutzt, zu welchem Zweck mehr als zehn Staaten, darunter auch Deutschland, insgesamt drei bis vier Dutzend Forschungsstationen unterhalten.
Es ist kaum überraschend, dass sich nur wenige Landlebewesen an die überaus harten Lebensbedingungen in der Antarktis anzupassen vermochten. Immerhin haben es ein paar wirbellose Tiere, zwei Blütenpflanzen und über 300 Flechten geschafft, in der gefrorenen Landschaft eine magere Lebensgrundlage zu finden.
Ganz im Gegensatz zur «Leere» des Lands überquellen die Gewässer im Umfeld der Antarktis förmlich von Leben. Ein breites und farbiges Spektrum von Krebstieren, Tintenfischen und anderen Wirbellosen sowie von Fischen, Seevögeln und Meeressäugetieren lässt sich in den küstennahen Gewässern beobachten. Die meisten dieser Tiere sind vollständig wasserlebend, verlassen also das Meer zeitlebens nicht. Zwei Tiergruppen haben jedoch den Kontakt zum Festland nicht völlig aufgegeben: die Meeresvögel und die Robben. Beide verbringen zwar einen Grossteil ihrer Zeit im Wasser und beschaffen sich dort ihre Nahrung. Für die Aufzucht ihrer Jungen suchen sie aber stets das Land bzw. Eis auf. Sie haben im Laufe ihrer Stammesgeschichte das Kunststück fertiggebracht, sich gleich an zwei der problematischsten Lebensräume der Erde anzupassen: an die antarktische Hochsee mit ihren vielen Nahrungswettstreitern und Fressfeinden einerseits und an das antarktische Festland mit seinem frostigen Klima andererseits.
Im folgenden sollen vier dieser antarktischen Überlebenskünstler vorgestellt werden, nämlich der Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri), der Adeliepinguin (Pygoscelis adeliae), die Weddell-Robbe (Leptonychotes weddelli) und die Ross-Robbe (Ommatophoca rossi).
Der Kaiserpinguin
Mit einer Höhe von etwa 110 Zentimetern und einem Gewicht um 30 Kilogramm ist der Kaiserpinguin der grösste aller siebzehn Pinguine (Familie Spheniscidae), wobei die Männchen im Mittel etwas grösser sind als die Weibchen. Der Kaiserpinguin ist besonders gedrungen gebaut. Das ist daraus ersichtlich, dass er zwar nur 20 Zentimeter grösser ist als der in der Subantarktis heimische Königspinguin (Aptenodytes patagonicus), jedoch fast das doppelte Gewicht auf die Waage bringt. Dies ist auf die besonders dicken, wärmedämmenden Fettschichten zurückzuführen, welche dieser «Extremist» unter den Pinguinen für seine «hochantarktische» Lebensweise benötigt.
Auf die Nahrungssuche geht der Kaiserpinguin auf offener See. Dort bejagt er Fische, Tintenfische und in geringem Ausmass auch Krebstiere, so vor allem Krill, jene daumenlangen, schwarmbildenden Krebse der Gattung Euphausia, welche die wichtigste Gruppe der freischwebenden antarktischen Planktontiere bilden. Er ist ein hervorragender Taucher, der bei der Jagd auf seine Beutetiere Tiefen von bis zu 265 Metern - Rekord für sämtliche Meeresvögel - erreicht.
Der Kaiserpinguin brütet von allen Vogelarten der Erde mit Abstand unter den lebensfeindlichsten Bedingungen: Zum einen befinden sich seine Brutplätze ausnahmslos auf dem antarktischen Kontinent selbst und auf dem angrenzenden Schelfeisgürtel, während die meisten anderen Pinguine hierfür die subantarktischen Inseln benützen. Und zudem führt er sein Brutgeschäft nicht im etwas milderen antarktischen Sommer durch, sondern mitten im Winter, wenn die Lufttemperaturen im Durchschnitt -20° Celsius betragen und die Winde häufig mit 75 Kilometern je Stunde über die Eiswüste fegen.
Im südlichen Spätherbst, etwa Mitte Mai, versammeln sich die Vögel an ihren traditionellen Brutplätzen, um sich zu paaren und sich auf das bevorstehende Brutgeschäft einzustimmen. Ungefähr zwei Monate dauert diese «Brutvorbereitungsphase», während der die Kaiserpinguine keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Danach legt das Weibchen ein einzelnes Ei und gibt es sogleich in die Obhut des Männchens. Dieses beginnt mit dem Bebrüten des Eis, indem es dasselbe auf seine Füsse rollt und dort durch eine Hautfalte, die vom Bauch herunterhängt, vor der Kälte schützt. Das Weibchen kehrt nach der Eiablage ins Meer zurück, um sich ausgiebig der Ernährung zu widmen und seine Körperkräfte wieder aufzubauen.
Die brütenden Männchen rücken zu dichten Verbänden von manchmal mehreren tausend Individuen zusammen und trotzen gemeinschaftlich Wind und Wetter. Diese Kolonien sind ständig in langsamer Bewegung, da stets die Tiere auf der windexponierten Seite langsam der windgeschützten Seite zustreben, indem sie Schrittchen für Schrittchen mit ihrem kostbaren Ei auf den Füssen dorthin «rutschen».
Nach einer Brutzeit von zwei Monaten schlüpft der junge Kaiserpinguin aus dem Ei. Ist das Weibchen zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Kolonie zurückgekehrt, so füttert das Männchen den Jungvogel vorerst mit einem hochgewürgten Sekret, das reich an Fetten und Eiweissen ist. Gewöhnlich kehrt das Weibchen aber rechtzeitig zur «Geburt» des Jungen zurück und erlöst das Männchen von seiner schweren Aufgabe. Dieses hat im Verlauf der nunmehr rund viermonatigen Fastenzeit bis zu 45 Prozent seines Körpergewichts verloren und strebt nun seinerseits dem Meer zu, wo es in etwa drei Wochen wieder sein altes Gewicht erreicht.
Die beiden Altvögel wechseln einander in der Folge beim Wärmen und Füttern des Jungen partnerschaftlich ab, bis dieses im Alter von etwa fünf Monaten so weit herangewachsen ist, dass es für sich selbst sorgen kann. Es taucht dann ohne Begleitung seiner Eltern ins Meer ein, um sein Gewicht vor Anbruch des Winters noch möglichst stark anzuheben.
Der Adeliepinguin
Der Adeliepinguin ist wie der Kaiserpinguin in seiner Verbreitung weitgehend auf den antarktischen Kontinent beschränkt. Mit einer Höhe von etwa 70 Zentimetern und einem Gewicht von ungefähr 4 Kilogramm ist er aber von deutlich kleinerem Wuchs. Arttypische Kennzeichen des Adeliepinguins sind die auffällige weisse Färbung der Augenlider und die Tatsache, dass sein kurzer, schwarzroter Schnabel bis über die Hälfte befiedert ist.
Im Gegensatz zum Kaiserpinguin ist der Adeliepinguin kein eifriger Taucher, sondern sucht sich seine Nahrung vorzugsweise im oberflächennahen Wasser des Meers. Krillkrebse bilden meistenorts seine Hauptspeise; hier und dort scheinen aber auch kleinere Fische und Tintenfische für die Ernährung von Bedeutung zu sein.
Wie der Kaiserpinguin ist der Adeliepinguin ein ausgeprägter Koloniebrüter, doch verhält er sich dabei etwas «konventioneller», indem er seine Jungen während der südlichen Sommermonate aufzieht und jedes Paar ein einfaches Nest aus Steinchen baut. Vom Zeitpunkt des Aufsuchens der Brutplätze bis zur Eiablage vergehen beim Adeliepinguin 17 bis 24 Tage. Wie beim Kaiserpinguin kehrt dann das Weibchen zum Meer zurück, während das Männchen fürs erste das Bebrüten der gewöhnlich zwei Eier übernimmt. Wenn das Weibchen nach 14 bis 17 Tagen zurückkehrt, um die zweite Schicht beim Brutgeschäft anzutreten, hat das Männchen eine Fastenzeit von über einem Monat hinter sich und dabei über 30 Prozent seines Körpergewichts eingebüsst.
Die jungen Adeliepinguine entwickeln sich bedeutend schneller als die Jungen des Kaiserpinguins: Sie schlüpfen nach ungefähr vier Wochen aus dem Ei, und schon im Alter von etwa acht Wochen verlassen sie die Brutplätze und ziehen auf eigene Faust Richtung Meer los. Das Nest verlassen sie allerdings schon früher: Da sie an Land stets in Gefahr stehen, Raubmöwen (Catharacta spp.) und Riesensturmvögeln (Macronectes giganteus) zum Opfer zu fallen, schliessen sie sich im Alter von zwei bis drei Wochen zu kopfstarken «Kindergärten» zusammen, in denen sie vor ihren Fressfeinden besser geschützt sind.
Die Weddell-Robbe
Die Weddell-Robbe gehört mit einer Länge von etwa 2,5 Metern und einem Gewicht um 370 Kilogramm zu den grössten Mitgliedern der Familie der Hundsrobben (Phocidae), wobei die Weibchen etwas grösser sind als die Männchen.
Die Weddell-Robbe ist ein leistungsfähiger Taucher, ja wahrscheinlich der Rekordhalter unter allen Robben, denn sie stösst in Tiefen von bis zu 600 Metern hinab und kann mehr als 70 Minuten unter Wasser bleiben. Sie ernährt sich hauptsächlich von Fischen, wobei der Antarktische Zahnfisch (Dissostichus mawsoni) ihre bevorzugte Beute zu sein scheint.
Die meisten Weddell-Robben kommen im Bereich des Schelfeisgürtels der antarktischen Küstengewässer vor. Sie verbringen die meiste Zeit im Wasser, häufig unter dem festen Eis, und unterhalten an Orten, wo die Eisdecke dünn ist, Atemlöcher, die sie mit Hilfe ihrer Zähne anfertigen. Kleinere Bestände der Weddell-Robbe finden sich ferner im Bereich der Südshetland-, der Südorkney- und anderer subantarktischer Inseln.
Die weiblichen Weddell-Robben bringen ihre Jungen gewöhnlich zwischen Mitte Oktober und Mitte November, nach einer Tragzeit von ungefähr 11 Monaten, auf dem Eis zur Welt. Es handelt sich um «Einzelkinder», welche bei der Geburt etwa 30 Kilogramm wiegen, aber schon im Alter von zwei Wochen ihr Geburtsgewicht verdoppelt haben. Etwa 6 Wochen lang werden sie von der Mutter gesäugt, unternehmen aber bereits im Alter von etwa 4 Wochen die ersten Ausflüge ins Wasser.
Im Wasser scheint die Weddell-Robbe mitunter dem Schwertwal (Orcinus orca) zum Opfer zu fallen. An Land hat sie jedoch keinen Feind zu fürchten. Man kann das furchtlose Tier deshalb anfassen, ohne dass es sich vom Fleck rührt.
Die Ross-Robbe
Ist die Weddell-Robbe eines der bestbekannten antarktischen Säugetiere, so gilt für die Ross-Robbe genau das Gegenteil: Sie ist die grosse Unbekannte. Erst verhältnismässig wenige Individuen wurden bislang von Forschern lebend gesehen. Die Körperlänge der Ross-Robbe liegt bei etwa 200 bis 210 Zentimetern und das Gewicht gewöhnlich etwas unter 200 Kilogramm.
Anhand der wenigen Beobachtungen, welche vorliegen, scheint sich die Ross-Robbe vornehmlich im Bereich der antarktischen Treibeiszone aufzuhalten. Ihre Nahrung scheint sich hauptsächlich aus Tintenfischen zusammenzusetzen, und man glaubt, dass sie ausgezeichnet tauchen kann.
Wie die Weddell-Robbe zeigt die Ross-Robbe dem Menschen gegenüber bemerkenswert wenig Furcht und lässt ihn recht nahe an sich heran kommen, ohne zu fliehen. Allerdings zeigt sie in solchen Fällen ein höchst eigenartiges Verhalten: Sie hebt den Vorderkörper an, öffnet ihren Mund und erzeugt ein ganzes Spektrum unterschiedlichster Töne, darunter Zirpen, Zwitschern, Glucksen und Gurren. Die Funktion dieses Verhaltens ist ungeklärt. Eine Hypothese besagt, dass sich die Ross-Robbe unter Wasser solcher Töne bedient, um sich nach dem Echolotprinzip zurechtzufinden.
Umweltchemisierung und Treibhauseffekt auch in der Antarktis
Es ist zwar sehr schwierig, die Bestandszahlen der vier vorgestellten Tierarten einigermassen präzis abzuschätzen. Es gibt aber derzeit keinerlei Hinweise auf besorgniserregende Bestandsschwankungen; alle vier scheinen in gesunden Beständen in der Antarktis vorzukommen.
Man darf allerdings nicht denken, dass die frostigen Eiswüsten und die kühlen Gewässer der Antarktis ihre Bewohner automatisch vor dem Menschen schützen. Selbst dieser unwirtliche und abgeschiedene Teil der Erde ist vor der Neu- und Habgier des Menschen nicht sicher: Robbenfänger hatten in der Vergangenheit die Bestände der antarktischen Robben geplündert. Aufgrund internationaler Abmachungen, die dem Schutz der Robben dienen, werden sie aber heute nicht mehr wirtschaftlich genutzt. Die ausgedehnten Krillschwärme der Antarktis bilden seit langem eine verlockende, aber glücklicherweise noch weitgehend unangetastete Beute für verschiedene Fischfangnationen. Ihre Ausbeutung könnte das gesamte antarktische Ökosystem aufs schwerste schädigen. Auch die in der Antarktis vermuteten Bodenschätze wecken natürlich seit langer Zeit die Begierde des Menschen. Zweifellos wäre ihr Abbau mit grösseren Störungen der in der Antarktis brütenden Pinguin- und Robbenkolonien verbunden.
Glücklicherweise kamen die auf der südlichen Erdhalbkugel operierenden Nationen schon 1959 im sogenannten «Antarktisvertrag» überein, ihre Gebietsansprüche und Nutzungsrechte in der Antarktis für dreissig Jahre zurückzustellen und den kalten Kontinent vorerst nur der wissenschaftlichen Porschung zu öffnen. 1991 beschlossen die inzwischen 26 stimmberechtigten Konsultativstaaten des Antarktisvertrags, den Abbau von Rohstoffen aller Art während weiterer fünfzig Jahre zu unterlassen. Dieser höchst erfreuliche Beschluss schützt die Antarktis also weiterhin vor den direkten Einflüssen des Menschen und bildet eine feste Grundlage für die von den internationalen Umweltschutzorganisationen geforderte Einrichtung eines «Weltnaturparks» in der Antarktis.
Von den global wirksamen Umweltschädigungen bleibt allerdings auch diese letzte grosse Wildnis unseres Planeten nicht verschont. Zu nennen sind vor allem die Chemisierung der Meere, deren langfristige Auswirkungen wir überhaupt nicht kennen, und der durch masslose Kohlendioxidabgaben in die Atmosphäre verursachte «Treibhauseffekt», welcher zweifellos auch der Antarktis massive Veränderungen bringen wird.
Antarktika ist mit einer Fläche von rund 14 Millionen Quadratkilometern der viertgrösste Kontinent der Erde und wohl die letzte grosse Wildnis unseres Planeten. Der «jungfräuliche» Zustand dieses Erdteils ist darauf zurückzuführen, dass er zu den lebensfeindlichsten Gebieten der Erde zählt. Nur die Küsten sind an manchen Stellen eisfrei; sonst liegt der Kontinent zu etwa 98 Prozent unter einer permanenten Eisdecke begraben, welche gebietsweise mehr als drei Kilometer dick ist. Die tiefste, jemals auf der Erde festgestellte Temperatur wurde mit -82° Celsius in der Antarktis wie die Region insgesamt heisst gemessen, und dasselbe gilt für die höchste Windgeschwindigkeit von 322 Kilometern je Stunde.
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