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Sitemap-Usability
Neue Nutzertests zeigen, dass Sitemaps als zusätzliche Navigationshilfe immer noch nützlich und viel einfacher zu nutzen sind, als dies noch vor 7 Jahren in unserer Untersuchung der Fall war.
by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 02.09.2008
Es ist eines der ältesten Hypertext-Usability-Prinzipien, dass man eine visuelle Darstellung des Informationsbereiches anbietet, die den Nutzern hilft zu verstehen, wohin sie alles gehen können. Sitemaps können eine solche Visualisierung liefern - als nützliche Ergänzung zu den Hauptnavigationsfunktionen einer Website oder eines Intranets.
Der Hauptvorteil einer Sitemap liegt darin, dass dort die Nutzer die Bereiche der Website mit einem Blick überschauen können. Sie schafft das, indem sie eine gesamte Seite der Visualisierung der Informationsarchitektur widmet. Wenn diese Übersicht gut gestaltet ist, kann sie mehrere Ebenen enthalten, ohne so gross zu werden, dass die Nutzer den Durchblick durch die gesamte Abbildung verlieren.
Wir definieren eine Sitemap als eine Seite, die als Orientierungshilfe auf der Website fungieren soll. Die Sitemaps, die wir untersucht haben, waren unterschiedlichster Form: wir haben z.B. alphabetische Stichwortverzeichnisse, dynamische Diagramme und zweidimensionale Listen gesehen. Der Begriff "Sitemap" umfasst hier also eine weite Spannbreite von Funktionen, Erscheinungen und Bezeichnungen, unter anderem "Leitfaden", "Übersicht", "Stichwortverzeichnis" und "Inhaltsverzeichnis".
Zwei Forschungsstudien
Um herauszufinden, wie die Leute Sitemaps nutzen, haben wir zwei Durchgänge einer Usability-Studie durchgeführt und eine Vielfalt unterschiedlicher Sitemaps mit Nutzern getestet, die repräsentative Aufgaben ausführten. Insgesamt nahmen 30 Nutzer an unserer Sitemap-Untersuchung Teil, in jedem Durchgang 15.
Wir haben die folgenden 20 Websites getestet, welche eine Mischung von E-Commerce und absatzorientierten Seiten, High-Tech-Firmen, B-to-B-Seiten, Content-Sites, gemeinnützige Gesellschaften und öffentlichen Behörden umfassten.
|Getestete Websites in der 1. Studie||Getestete Websites in der 1. Studie|
|CDNOW (E-Commerce)||Administration on Aging (Behörde)|
|Documentum (High-tech-Produkt)||BMW USA (Marketing-Website für Autos)|
|Interwoven (High-tech-Produkt)||Citysearch Boston (Besucher-Infos)|
|Mercedes Benz USA (Marketing-Website für Autos)||Harvard Pilgrim (Krankenversicherung)|
|Museum of Modern Art (gemeinnützig)||The Knot (Info für Brautpaare und E-Commerce)|
|New Jersey Transit (lokales Verkehrsunternehmen)||Marriott (Hotels mit Online-Buchung|
|Novell (B-to-B)||Scholastic (Kinderbücher)|
|Salon (Online-Magazin)||Texas Roadhouse (Restaurantkette)|
|Siemens Medical Solutions (B-to-B)||TiVo (High-tech-Produkt)|
|United States Treasury Department (Behörde)|
In beiden Studien haben wir die Nutzer zunächst auf die Startseite der jeweiligen Website geschickt und sie dort eine Aufgabe ausführen lassen, ohne die Sitemap gesondert zu erwähnen. Dieser Teil der Untersuchung bewertete das Ausmass, zu dem sich die Nutzer normalerweise einer Sitemap bedienen. Später in der Studie baten wir die Nutzer dann, sich der Sitemap zu bedienen, wenn sie diese nicht ohnehin von allein angeklickt hatten.
Die erste Studie wurde vor 7 Jahren durchgeführt. Ein Vergleich der beiden Studien ermöglicht es uns also, langfristige Entwicklungen im Bereich der Sitemap-Usability zu bewerten.
Sitemaps werden nur selten benutzt
Die Leute nutzen Sitemaps nur selten. In der zweiten Studie bedienten sich nur 7% der Nutzer der Sitemap, als sie gebeten wurden, sich über die Struktur der Website zu informieren. In der ersten Studie waren es noch 27% der Nutzer.
Die gute Nachricht ist, dass die Nutzer die Sitemap dann, wenn sie sie suchen, auch tatsächlich finden können. In der zweiten Studie haben 67% aller Nutzer erfolgreich die Sitemap gefunden, als wir sie baten: "Finde eine Seite, die jeden Bereich der Website auflistet."
So einfach wie möglich
Die zwei wichtigsten Usability-Richtlinien für Sitemaps sind:
- Nennen Sie sie "Sitemap" und nutzen Sie diese Bezeichnung durchgehend auf der gesamten Website, um auf die Sitemap zu verlinken.
- Nutzen Sie ein statisches Design. Bieten Sie den Nutzern keine interaktiven Vorrichtungen bei der Sitemap. Die Sitemap sollte den Nutzern eine schnelle Abbildung liefern, ohne dass weitere Interaktionen vonnöten sind (ausser Scrollen, falls nötig).
Diese Richtlinien sind seit der ersten Ausgabe des Berichts unverändert. Dynamische oder interaktive Sitemaps haben vor 7 Jahren zu furchtbaren Misserfolgen geführt, und auch in der zweiten Studie haben sie immer noch Probleme verursacht. Das Ziel einer Sitemap ist, den Nutzern direkt auf einmal einen Überblick über den gesamten Informationsbereich zu verschaffen. Wenn die Nutzer erst noch etwas tun müssen, um verschiedene Teile der Übersicht aufzudecken, dann geht der Nutzen der Sitemap verloren.
Letztlich ist und bleibt eine Sitemap eine Übersichtskarte; sie sollte daher nicht in sich schon eine Navigationsherausforderung darstellen.
Wie wir immer und immer wieder herausfinden, hassen die Nutzer nicht-standardisierte Nutzeroberflächen, die sie dazu zwingen, eine bestimmte Herangehensweise zu erlernen und das nur für eine einzige Website. Sitemaps sollten eine einfache, kompakte Skizze von Links sein, und sie sollten alles auf einen Blick zeigen.
Die einzige kleine Komplexität, die wir empfehlen, ist die Nutzung eines mehrspaltigen Layouts. In der zweiten Studie konnten die Nutzer bei mehrspaltigen Sitemaps leicht 61% aller Aufgaben erfolgreich ausführen, bei einspaltigen Sitemaps dagegen nur 47%.
Mehrspaltige Sitemaps funktionierten besser, weil die Nutzer weniger scrollen müssen, um einen Überblick über die Struktur der Website zu gewinnen. In langen Sitemaps, auf denen man scrollen musste, verloren die Leute viel leichter die Orientierung. In den meisten Fällen scrollten sie mehre Male auf und ab und übersahen dabei unbewusst bzw. übersprangen manchmal auch bewusst Inhalte. Tatsächlich fingen die Nutzer oft damit an, zunächst die Kategorien auf höchster Ebene flüchtig zu überfliegen, und scrollten dann wieder nach oben und starteten eine detailliertere Suche, wobei sie diesen Prozess manchmal mehrere Male mit stets wachsendem Fokus wiederholten. Im Gegensatz hierzu machten es mehrspaltige Sitemaps für die Nutzer einfacher, sich zunächst einen Überblick über die Kategorien und Unterkategorien zu verschaffen und etwas Land zu sehen, bevor sie sich weiter in die Tiefe bohrten.
Warum überhaupt eine Sitemap?
Vor sieben Jahren hatten 48% der 50 Websites, die wir untersuchten hatten, eine Sitemap. Heute hatten 71% der 150 von uns untersuchten Websites eine Sitemap, ebenso 59% der 56 Intranets, die wir in unserem Bericht zur Intranet-Informationsarchitektur analysiert haben. Ausserdem sind die meisten Sitemaps in der Zeit, die zwischen unseren beiden Untersuchungsrunden lag, brauchbarer geworden. Auch wenn wirklich gute Sitemaps heutzutage durchaus verbreitet sind, verwenden die Nutzer sie nur sehr selten. Warum sich also überhaupt die Mühe machen, eine Sitemap für die eigene Website zu entwerfen? Weil es den Nutzern helfen kann, Ihre Website zu verstehen und zu begreifen, was genau sie anzubieten hat.
Ich empfehle Sitemaps nach wie vor, da sie die einzige Funktion sind, die den Nutzern einen wahren Überblick darüber gibt, was auf der Website alles zu finden ist. Man mag vielleicht argumentieren, dass die Navigation den gleichen Zweck erfüllt. Zum Beispiel bieten manche Navigationen Aufklappmenüs, die die Nutzer alle Optionen sehen lassen, die in dem jeweiligen Bereich zur Auswahl stehen. Aber auch mit diesen Menüs können die Nutzer jeweils nur einen Inhaltsbereich sehen.
Eine Sitemap hingegen ermöglicht es den Nutzern, alle zur Verfügung stehenden Inhaltsbereiche auf einer einzigen Seite zu sehen, und lässt die Nutzer ferner von dort aus auch direkt auf alle Folgeseiten zugreifen. Sitemaps können den Nutzern auf leicht überhäuften Websites helfen, auch dort Informationen zu finden, da sie eine saubere, einfache Ansicht der Nutzeroberfläche und des abrufbaren Inhaltes bieten. Aber auch Sitemaps sind kein Allheilmittel. Keine Sitemap kann die Probleme lösen, die der Struktur einer Website anhaften, wie z.B. schlechte Navigationsanordnung, schlecht benannte Bereiche oder schlecht auf einander abgestimmte Unterseiten.
Wenn für den Entwurf einer Sitemap eine riesige Investition nötig wäre, dann wäre sie das auf Grund ihrer geringen Rendite nicht wert. Aber weil alle unsere Richtlinien einfach strukturierte Sitemaps fordern, kostet es nicht allzu viel Arbeit, eine gute zu entwerfen, und es wird manchen Ihrer Nutzer helfen. Noch wichtiger jedoch ist, dass eine Sitemap Ihren Nutzern vor allem in kritischen Momenten helfen wird: Wenn sie einmal die Orientierung auf Ihrer Website verloren haben und kurz davor stehen, sie zu verlassen, dann kann diese letzte Orientierungshilfe den Besuch noch retten.
Sitemaps sind eine sekundäre Navigationsfunktion - eine eher bescheidene Rolle, die sie mit der Brotkrümel-Navigation teilen. Und tatsächlich, die Argumente, die für eine Sitemap sprechen sind die gleichen wie bei der Brotkrümel-Navigation:
- Sie schadet den Leuten, die sie nicht nutzen, nicht.
- Sie hilft ein paar Leuten.
- Sie verursacht nur geringe Kosten.
© Deutsche Version von Jakob Nielsens Alertbox. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.