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In der zweiten Hälfte des XIX. Jh. steigt das Interesse für russische Musik im Westen erheblich. Dieses Interesse lässt sich an verschiedenen Phänomenen festmachen: von der Verbreitung russischer Opern bis hin zur richtigen „Anbetung“ mancher Komponisten, die in den europäischen Hauptstädten immer öfter präsent waren. Als Beispiele kann man folgende Aufführungen nennen: die erste Darstellung von Žizn' za Carja von Michail I. Glinka am 20. Mai 1874 im Teatro dal Verme in Mailand, Der Dämon von Anton Rubinstein am 1880 in Hamburg, Le Flibustier von César Cui in Paris am 1893 und Evgenij Onegin von Pëtr Il'ič Čajkovskij am 1892 in Hamburg und schliesslich am 1895 in Nice, Boris Godunov von Modest Musorgskij am 1808 in Paris.
Obwohl das Phänomen der kulturellen Migration des slawischen Repertoires als echte Revolution erlebt wurde, verhalten sich die europäischen Staaten gleichzeitig renitent gegenüber der Akzeptanz einer musikalischen Globalisierung. Das Versprechen der idealen Abstraktion und Erneuerung durch den Einfluss der orientalischen Welt endet in der Rückkehr zur provinziellen Isolation.
Die Abweichung vom Begriff von Toleranz und Kultur Weltbürgertum änderte die Perspektive der Rezeption des slawischen Modells völlig, welche zum Anfang des neuen Jahrhunderts auch durch wichtige geschichtliche und politische Ereignissen, wie die Oktober-Revolution 1917 oder die Geburt des Totalitarismus begleitet wurde.
Der offensichtliche Zusammenhang zwischen russischer und westlicher Kultur wurde zum Ende des neunzehnten Jahrhundert gelegentlich in Frage gestellt. Dies beweist die Änderung in der Ausrichtung der europäischen musikalischen Kultur. Bis heute bleiben die Beiträge zum Wiederaufbau des Quellenbestandes und zur Verbreitung theoretischer und ästhetischer Information zu den zugrundeliegenden Zusammenhängen gering. Dadurch wird zum Beispiel der Einfluss der Rezeption des russischen Modells auf den Ursprung der europäischen Literaturoper verkannt.
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