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«Tagesschau»-Beitrag «Museum Burg zeigt Zeichnungen von ehemaligen KZ-Kindern» beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 23. November 2018 beanstandeten Sie die «Tagesschau» (Fernsehen SRF) vom gleichen Tag und dort den Beitrag «Museum Burg zeigt Zeichnungen von ehemaligen KZ-Kindern». [1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«Ich möchte mich über die heutige Tagesschau beschweren. Ich habe mich gefreut, dass die Tagesschau vom 23.11.2018 ab Min. 19 einen Beitrag über die Ausstellung in Zug von Zeichnungen jüdischer Kinder gezeigt wurde. Über hunderte Kinder seien auf dem Zugerberg in einem ‘Jugendheim’ untergebracht worden, informierte der Sprecher einleitend. Im Beitrag wurde dann festgestellt, dass die Zeichnungen im ‘Jugendheim Felsenegg’ entstanden seien, ‘dort, wo heute eine Privatschule untergebracht sei. (Min. 20) Diese Darstellung ist falsch und irreführend. Es ist unverständlich, dass die Redaktion wieder einmal nicht recherchiert. Das Institut Montana wurde 1926 gegründet und der Campus 1937 mit „dem Kauf des nahegelegenen Hotels Felsenegg erweitert“.[2] Max Husmann hat aus seiner humanistischen Grundhaltung heraus nicht nur versucht, den Zweiten Weltkrieg früher zu beenden, er hat auch Hand geboten, dass diese jüdischen Kinder sich auf dem Zugerberg im Institut Montana erholen konnten. Diese Privatschule hat ihre Tore grosszügig geöffnet und die Kinder beherbergt und unterrichtet.
Warum werden diese Tatsachen in dem Beitrag nicht erwähnt, sondern vielmehr verfälschend wiedergegeben? Warum wird der Name der Schule und des grosszügigen Gönners, Max Husmann, nicht genannt. Dieses ‘Jugendheim’ war eine Privatschule und nannte sich schon damals ‘Institut Montana’. Es ist mir unverständlich, warum SRF einfachste journalistische Pflichten nicht erfüllen mag.
Ich erwarte, dass diese falsche Berichterstattung an ebenso prominenter Stelle berichtigt und sachgerecht dargestellt wird.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die «Tagesschau» antwortete Herr Franz Lustenberger, ehemaliger stellvertretender Redaktionsleiter:
„Mit Mail vom 23. November 2018 hat Herr X eine Beanstandung gegen den Beitrag über eine Ausstellung im Museum Burg in Zug in der Tagesschau vom gleichen Abend eingereicht.
Fokus des Beitrages
Der Beitrag über die Buchenwald-Kinder auf dem Zugerberg ist ein ‚Kulturbeitrag‘; im Fokus steht die aktuelle Ausstellung im Museum Burg Zug. Im Zentrum stehen über Zeichnungen der Jugendlichen sowie Dokumente aus den Nachlässen der Betreuerinnen und Betreuer. Es sind besondere zeitgeschichtliche Quellen zum Holocaust, welche in dieser Art zum ersten Mal in der Schweiz gezeigt werden.[3]
In einen Tagesschau-Beitrag inklusive Anmoderation von zweieinhalb Minuten kann man nie alles hineinpacken. Der Autor muss einen Fokus setzen – im konkreten Fall ist dies die aktuelle Ausstellung, die mit Ausschnitten aus der Filmwochenschau in die damalige Zeit eingebettet wird. Im Zentrum stehen die Jugendlichen, welche nach Jahren im Konzentrationslager in der Schweiz eine Gegend der Stille finden, wo sie ihre schrecklichen Erlebnisse mit Hilfe von Zeichnungen verarbeiten können.
Felsenegg
Es ist richtig, der Schulcampus Montana wurde im Jahre 1937 mit dem Kauf des nahegelegenen Hotels Felsenegg erweitert. Die Historie des Gebäudes, respektive deren Eigentumsverhältnisse am Ende des Zweiten Weltkrieges sind allerdings nicht Gegenstand des Beitrages. Im Begleittext zur Ausstellung schreibt das Museum wörtlich: <Das auf dem Zugerberg gelegene Jugendheim Felsenegg dient 107 von ihnen im Sommer 1945 als Erholungsheim.> Die beanstandete Textpassage geht nicht auf die Eigentumsverhältnisse ein. Die Felsenegg war ein Kurhaus, welches 1917 in das Landerziehungsheim Zugerberg umgewandelt wird. Seit 1937 ist das ehemalige Kurhaus Teil des Instituts Montana. Bevor die ‘Buchenwaldkinder’ im Sommer 1945 kamen, stand das Haus lange leer und war im schlechten Zustand. Diese Informationen sind auf den Tafeln in der Ausstellung unter dem Titel ‘Das Heim Felsenegg’ zu lesen.
Die Zürcher Hochschule für Künste, welche die Ausstellung kuratierte, schreibt in ihrem Forschungsprojekt: <Das auf dem Zugerberg gelegene Jugendheim ‚Felsenegg‘, das heutige Institut Montana, diente im Sommer 1945 als Aufenthaltsort für Kinder und Jugendliche, die aus dem befreiten Konzentrationslager Buchenwald vom Schweizerischen Roten Kreuz zur Erholung in die Schweiz gebracht wurden.>[4]
Die Formulierung, dass dort heute eine Privatschule untergebracht ist, ist ebenfalls richtig. Am Ende des 2. Weltkrieges stand es gemäss Informationen in der Ausstellung leer. Dies bestätigt indirekt eine Passage auf der aktuellen Homepage des Instituts Montana zur Geschichte: <Es folgten weitere Herausforderungen. Die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre, gefolgt von der Zerstörung des Zweiten Weltkriegs hatten die Schülerzahlen stark reduziert.>[5]
Max Husmann
Der Gründer der Schulen auf dem Zugerberg, Max Husmann, ist – wie der Beanstander schreibt – eine spannende Persönlichkeit. Seine Überzeugung, dass eine international geprägte Schulbildung dazu beitragen würde, den labilen europäischen Frieden zu erhalten, verdient Anerkennung. Vor allem weil er diese Überzeugung mit der Gründung der Schule in die Tat umgesetzt hat. Max Husmann war auch Teil der sogenannten Operation Sunrise, welche gegen Ende 2. Weltkrieges eine Teilkapitulation der deutschen Streitkräfte in Norditalien zur erreichen suchte. Im Beitrag ging es aber nicht um die Person von Max Husmann.
Fazit
Der Beitrag vom 23. November setzt sich mit der aktuellen Ausstellung im Museum Burg in Zug auseinander und ergänzt die Bilder aus dem Museum mit historischen Aufnahmen. Im Fokus stehen die Jugendlichen, welche nach dem Konzentrationslager Buchenwald in der Schweiz ihre Erlebnisse mit Hilfe der in der Ausstellung gezeigten Zeichnungen verarbeiten konnten. Es ging um die Jugendlichen und nicht um den Ort. In einem Beitrag in der Tagesschau können nie alle Aspekte eines Themas aufgenommen werden.
Ich bitte Sie, die Beanstandung in diesem Sinne zu beantworten.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Es ist wichtig und richtig, dass das Museum Burg Zug erstmals die Zeichnungen der Jugendlichen zeigt, die im Konzentrationslager Buchenwald waren und sich 1945 auf dem Zugerberg erholten und fortbildeten. Und es ist richtig und wichtig, dass die «Tagesschau» darüber berichtet hat. Die Zeichnungen sind ein Stück Erinnerung an den Holocaust, an das Grauen der «Endlösung der Judenfrage». Die Ausstellung trägt zur Vergangenheitsbewältigung bei, ist aber auch ein Mahnmal. Dies deutlich zu machen, war das Wesentliche des Beitrags. Dass dabei die Rede davon war, dass die Jugendlichen im Jugendheim Felsenegg untergebracht gewesen seien, statt im Institut Montana, war ein Fehler. Ein Fehler, der allerdings auf der Ausstellungsbeschreibung auf der Website des Museums Burg in Zug fusst. Das macht den Fehler zwar nicht geringer, aber erklärbar. Und da das Wesentliche des Beitrags die Zeichnungen der jüdischen Kinder von 1945 waren und nicht die Institutsgeschichte auf dem Zugerberg, handelt es sich um einen Fehler in einem Nebenpunkt, der nicht geeignet war, die freie Meinungsbildung des Publikums zu beeinträchtigen. Ich kann deshalb Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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