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St Brice (in manchen Quellen auch Brixus, Brixen, Brisson oder Bris genannt), nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bischof von Tours (Mitte 5. Jahrhundert), war ein Mönch, der um 1450 in einem Kloster auf Santa Lemusa lebte. In welchem Kloster genau, ist nicht bekannt – wie wir überhaupt nur wenig über die Zeit vor der offiziellen ‹Besiedlung› der Insel wissen, deren Realität ja erst seit dem Sommer 2011 wirklich in das Bewusstsein der Menschen vorzudringen beginnt.
Bruder Brice soll eine Liaison mit einer jung verwitweten Weinhändlerin eingegangen sein, der er regelmässig die Beichte abnahm. Die Sache flog auf weil der Mönch immer errötete wenn im Refektorium Wein serviert wurde. Man verjagte ihn aus dem Kloster und er zog sich als Einsiedler in den Wald der Giganten (Forêt des jeyans) am Mont Kara (Mont Caraïbes) zurück, wo er verschiedene Wunder bewirkt haben soll. So sagt man ihm etwa nach, er habe einmal allein mit seiner Stimme (oder seinem Gebet) einen Waldbrand gelöscht. Er soll mit Bären in einer Höhle gelebt und die Sprache der Vögel verstanden haben. Durch gutes Zureden soll er verschiedene Pilze, die vorher hochgiftig waren, in Speisepilze verwandelt haben – daher auch sein Attribut, ein Pilz. Mehrfach soll er ausserdem Kinder aus dem Wald gerettet haben.
Auch heute noch, so heisst es, würden alle, die sich in der Forêt des jeyans verirrten, vom Glimmen der erröteten Wangen von St-Brice wieder auf sicheren Weg zurück geführt. Diese (zu Beginn seiner Laufbahn ja durchaus verräterische) Tendenz sehr leicht zu Erröten, hat man offenbar sehr früh schon als das Märtyrer-Feuer des Heiligen Brice angesehen – daher wird er auch oft als im wahrsten Sinne des Wortes in Flammen stehend dargestellt. Ausserdem sagt man auf Santa Lemusa, wenn jemand errötet, auch «Il a le feu de St-Brice» (er leidet am Feuer von St-Brice).
St-Brice gilt als Beschützer der Kinder und ist auch heute noch sehr populär. Schon Père Cosquer berichtet 1754 in seinem «Abrégé logique de l'histoire et de la nature de S. Lemousa», dass man «über der fiebrigen Stirne kranker Kinder den Heiligen Brixus anzurufen pflegt derweilen man dem kleinen Wesen Umschläge mit Rum um die Füsse legt.» Es gibt auch ein Kinderlied auf St-Brice, das heute noch manchmal in den Schulen gesungen wird.
Merci a toi Saint Brice
maitre des cèdres lisses
ta voix comme unique compagnie
tu hantes la foret de ta vie
ta foi comme unique source
tu dors au sein des ourses
c'est au fond de tes paroles
que mon âme trouve son sol
et c'est ton visage rouge
qui fait que mon coeur bouge
St-Brice ist aber auch der Schutzpatron der Pilzsammler. Ja man sagt, wenn jemand einen Pilz nicht sicher bestimmen könne, dann reiche es aus, einen kleinen Spruch zu sagen – und dann sei er sicher nicht giftig:
Je ne connais pas son nom
St-Brice fais qu'il soit bon
Das hat offenbar in der Vergangenheit schon zu Zwischenfällen geführt. Jedenfalls liess das Ministère de la Santé am Eingang zur Forèt des jeyans ein Schild aufstellen, das Pilzsucher explizit davor warnt, irgendwelche Pilze mitzunehmen, die sie nicht hundertprozentig als Speisepilze identifizieren können.
Fabienne Montlaporte, die am Mont Kara nicht nur Sichuanpfeffer sammelt, sondern auch Pilze, verkauft ihre getrockneten Funde jedenfalls auch unter dem Label «Champignons de St-Brice».
Als St-Brice 1695 heilig gesprochen wurde, errichtete man an der Stelle im Wald der Giganten, wo er gelebt haben soll, eine kleine Kapelle. Jedes Jahr soll deren kleine Glocke am 26. Februar zum Sonnenaufgang ganz von alleine läuten – woraus man schloss, dass der 26. Februar als Namenstag des Heiligen Brice gefeiert werden müsse.
Das Musée historique in Port-Louis bewahrt die Zeichnung eines unbekannten Meisters, die offenbar «L'éxpulsion de St-Brice» darstellt und auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert wird. Das Blatt zeigt den Heiligen wie er durch den Wald hetzt und voller Angst über die Schulter zurückblickt. Als Stütze dient ihm ein knorriger Ast.
First Publication: 16-3-2012
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