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Abgefahren!
Pendlernöte
Ich bin Kummerkasten aus Leidenschaft. Nie werden mir Pendlernöte drastischer bewusst, als wenn entrüstete Mails in meinem Posteingang landen. Mails, die den Sittenzerfall in der S-Bahn geisseln, sich über übel gelaunte Mitpendler echauffieren und anprangern, was aus Sicht der Vorzeigependlerin angeprangert werden muss. Gestern reichte die Spannweite der Zugbelästigungen, die mir per Mail zugetragen wurden, von gruusig bis sehr gruusig.
Die Beobachtung aus der Kategorie «sehr gruusig» lieferte mir Blick am Abend-Leserin Anna C.: Da sass im Nebenabteil diese Dame im Blumenkleid mit eleganten Schuhen. Sie packte ein Thonsilserli und Servietten aus, ass das Silserli auf. Und dann passierte das, was Anna fassungslos machte: Die Dame griff sich in den Mund, beförderte ihr Gebiss heraus, platzierte es – auf Servietten gebettet – auf dem Tischli, reinigte es mit Wasser aus dem Wasserfläschli, trocknete es mit Servietten ab und schob es zurück in den Mund. Pfui. In diesem Kontext erschien mir der zweite Bericht des Tages aus der Kategorie «gruusig» in einem anderen Licht: dass ein Bub mangels freien WCs kurzerhand die Hose runterliess und in ein leeres PET-Fläschchen pinkelte. Geradezu harmlos.