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Im letzten Jahrhundert hat sich die Struktur des Reitsports stark verändert. Der früher typische männliche Reiter, der in der Armee diente oder das Pferd als Arbeitstier nutzte, hat der jungen Frau Platz gemacht, die den Reitsport als Hobby betreibt. In einer Semesterarbeit der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen (BE) wurde mithilfe eines Datensatzes des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport (SVPS) untersucht, wie sich der Schweizer Pferdesport entwickelt hat.
In der Arbeit wurden die Daten des SVPS für den Zeitraum 2012 bis 2019 in den drei olympischen Disziplinen (Springen, Dressur, Concours Complet) ausgewertet und einer deskriptiven Statistik (Häufigkeiten) unterzogen. Jede Disziplin wurde für jedes Jahr in vier demografische Kategorien aufgeteilt: Sprache, Geschlecht, Alter, Kanton.
Springsport am beliebtesten
In der Schweiz sind heute rund 27 000 Personen im wettkampfmässigen Reitsport aktiv, was etwa
0,7 Sportreitenden pro Quadratkilometer entspricht. Im Vergleich mit den Nachbarländern liegt die Schweiz damit im Mittelfeld: Deutlich an der Spitze liegt Deutschland mit 1,5 aktiven Sportreitenden/km², gefolgt von Frankreich mit 1,1 aktiven Sportreitenden/km². In Österreich sind es 0,6 aktive Sportreitende/km², in Italien lediglich 0,4.
2019 waren in der Schweiz knapp 29 000 Pferde als turnieraktiv im Sportpferderegister eingetragen. Ein Grossteil dieser aktiven Sportpferde wird in den drei olympischen Disziplinen (Springen, Dressur, Concours Complet) eingesetzt.
Diese Zahlen decken sich mit dem Prüfungsangebot in der Schweiz: 75 % der 2019 angebotenen Prüfungen waren Springprüfungen, 17 % Dressurprüfungen und 2 % Concours-Complet-Prüfungen. Das Prüfungsangebot entspricht somit etwa 200 000 Starts im Springreiten, 20 000 Starts im Dressursport und etwa 4000 Starts im Concours Complet.
Immer mehr Frauen
In der Disziplin Concours Complet zeigt sich von 2012 bis 2019 ein Anstieg von etwa 1200 Starts auf knapp 4000 Starts, was einer Verdreifachung der Anzahl Starts entspricht. Bei den Springreitern liegen die Anzahl Starts von 2015 bis 2018 gleichbleibend bei 200 000, im Jahr 2019 trat eine leichte Abnahme auf 190 000 Starts ein. Die Anzahl der Startenden im Dressursport befindet sich seit 2015 konstant bei knapp 20 000.
Die sprachliche Verteilung im wettkampfmässigen Reitsport zeigt, dass in allen drei olympischen Disziplinen die deutschsprachigen Reiterinnen und Reiter überwiegen. In der Dressur und im Concours Complet machen die Deutschsprachigen knapp 84 % aus, im Springsport sind es 65 %. Die Entwicklung seit 2012 zeigt jedoch eine leichte Abnahme der deutschsprachigen Sportreiterinnen und Sportreiter und eine Zunahme der französischsprachigen Teilnehmenden.
Die Mehrheit der aktiven Teilnehmenden an Reitsportwettkämpfen sind in allen drei olympischen Disziplinen Frauen. In der Disziplin Dressur nahmen 2018 93 % Frauen teil, in der Disziplin Concours Complet waren es 88 % und in der Disziplin Springen 70 %.
Der Reitsport verjüngt sich
In der Altersstruktur sind über die Jahre die grössten Veränderungen zu erkennen. In allen drei olympischen Disziplinen kam es zu einer deutlichen Zunahme bei den Sportreiterinnen und Sportreitern unter 30 Jahren, hingegen nahmen die Sportreiterinnen und Sportreiter in der Alterskategorie von 30 bis 60 Jahren und im Alter über 60 Jahren ab. Im Springsport liegt der Anteil an unter 30-jährigen Reiterinnen und Reitern fast bei 50 %, in der Dressur und im Concours Complet bei etwa 30 %. Insgesamt liegt das Durchschnittsalter der wettkampforientierten Reiterinnen und Reiter bei 39 Jahren.
Reitsportkantone Bern und Zürich
Rund 15 % der Springreiterinnen und Springreiter kommen aus dem Kanton Bern, gefolgt von Zürich mit 11 % und der Waadt mit 9 %. Die Dressurreiterinnen und Dressurreiter kommen zu 18 % aus Zürich, Bern ist mit 17 % vertreten, der Aargau mit 11 %. Die Concours-Complet-Reiterinnen und -Reiter kommen zu 27 % aus Zürich, zu 17 % aus Bern und zu 10 % aus der Waadt.
Alles bleibt anders
Die statistische Auswertung hat gezeigt, dass nach wie vor in der ganzen Schweiz wettkampforientierter Pferdesport betrieben wird. Dennoch lassen sich lang- und mittelfristig eindeutige Verschiebungen beobachten, insbesondere dass der Pferdesport jünger und weiblicher wird. Diesem Umstand gilt es in verschiedenen Bereichen, in denen geschlechter- und altersspezifische Besonderheiten zum Tragen kommen, Rechnung zu tragen - beispielsweise bei der Gestaltung von Prüfungsformaten und Rahmenprogrammen an Turnieren.
Rahel Arnet, Alexander Burren, Conny Herholz
Hochschule für Agrar-, Forst- und
Lebensmittelwissenschaften HAFL
Die Verfasserin der Semesterarbeit
Rahel Arnet beendete 2021 ihr Bachelorstudium in Agronomie mit der Vertiefung Nutztierwissenschaften an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen (BE).
Rahel wuchs auf einem Landwirtschaftsbetrieb auf. Die Vielfalt der Tiere auf jenem Betrieb weckte ihr Interesse an der Tierhaltung. Neben den Nutztieren waren auch ständig Pferde auf dem Betrieb anzutreffen. Von klein auf war Rahel auf dem Pferd und ist seither im Pferdesport aktiv. Nach dem Studium wird Rahel im Bereich der Nutztierfütterung bei einem Futtermischwerk arbeiten.