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Während sich Disziplinen wie Ethik und Moralphilosophie mit der Frage befassen, wie menschliches Handeln zu bewerten ist, befasst sich die Metaethik oder theoretische Ethik mit der Frage, wie ethische oder moralische Urteile selbst zu verstehen sind. Eine typische ethische Frage ist zum Beispiel, ob das Töten eines Menschen immer moralisch falsch ist und wenn nicht, unter welchen Bedingungen es falsch oder richtig ist. Nehmen wir an, dass wir nach einer langen Diskussion zum Schluss gekommen sind, dass das Töten von unschuldigen Menschen immer moralisch falsch ist. In der Metaethik wird nun gefragt, wie das Urteil „das Töten von unschuldigen Menschen ist immer moralisch falsch“ genau zu verstehen ist. Drückt es ein Gesetzt aus, ähnlich wie solche, die wir aus den Naturwissenschaften kennen? Oder drückt es ein subjektives Empfinden aus? Oder scheint es nur, dass es etwas Sinnvolles ausdrückt und es ist in Wirklichkeit ein Urteil, das überhaupt keinen Sinn macht? Im Folgenden werden einige metaethische Positionen genannt, um die verschiedenen Debatten und Themen der Metaethik hervorzuheben.
Der ethische oder moralische Nihilismus besagt, dass es so was wie moralisch richtig oder moralisch falsch gar nicht gibt. Er behauptet, dass Urteile wie „das Töten von unschuldigen Menschen ist immer moralisch falsch“ weder wahr noch falsch sein können, weil moralische Urteile nicht wahrheitswertfähig sind. Was bedeutet wahrheitswertfähig? Eine Aussage wie „Dieser Stein wiegt 30 Kilogramm“ ist wahrheitswertfähig, weil die Aussage wahr oder falsch sein kann. Wir können den Stein auf eine Waage legen und prüfen, ob er 30 Kilogramm wiegt oder nicht. Hingegen, eine Aussage wie „Die Demokratie duftet nach Honig“ ist nicht wahrheitswertfähig, weil die Aussage weder wahr noch falsch sein kann, sie ist stattdessen sinnlos. Wenn der moralische Nihilismus recht hat und moralische Urteile in Wirklichkeit sinnlos sind, warum haben dann so viele Menschen moralische Urteile geäussert und äussern sie heute noch? Hierzu gibt es verschiedene Vorschläge: Manche argumentieren, dass, wenn Menschen moralische Urteile äussern, sie in Wirklichkeit nur ihre Emotionen, Gefühle oder Empfindungen zum Ausdruck bringen. Wenn jemand sagt: „Spinat ist ekelhaft“, dann verkündet diese Person, obwohl es so scheint, nicht ein allgemeingültiges Urteil, sondern nur eine persönliche Präferenz. Und so ähnlich ist das beim moralischen Urteil: Wenn jemand sagt: „Das Töten von unschuldigen Menschen ist moralisch falsch“, dann scheint es nur so, als ob sie ein moralisches Urteil verkündet, in Wirklichkeit gibt diese Person nur seine Emotionen oder seine Gefühle zum Ausdruck, nämlich, dass diese Person es nicht mag, wenn unschuldige Menschen getötet werden
Der ethische Relativismus besagt, dass es zwar moralische Eigenschaften gibt, diese aber relativ sind. Das heisst, dass das moralische Richtige und Falsche vom jeweiligen Individuum oder von der jeweiligen Kultur oder Gesellschaft abhängig sind. Eine Spielart des ethischen Relativismus‘ ist der ethische Konstruktivismus. Nach dem Konstruktivismus bestimmen die Menschen selber, was moralisch richtig und moralisch falsch ist. Ähnlich wie wir einen Vertrag ausarbeiten oder eine Vereinbarung treffen, handeln wir untereinander aus, was moralisch richtig oder falsch ist. Hierbei spielen unsere Wünsche, Überzeugungen und Ansichten eine bedeutende Rolle bei der Bestimmung vom moralisch Richtigen und Falschen Eine weitere Spielart ist der ethisch Subjektivismus, der davon ausgeht, dass gewisse moralische Urteile richtig oder falsch sind, diese aber nur für das jeweilige Individuum gelten.
Der ethische Realismus besagt, dass es moralische Eigenschaften gibt und dass diese objektiv sind. Im Unterschied zum ethischen Relativismus, hängen moralische Urteile nicht von unseren Überzeugungen, Wünschen oder Ansichten ab, sondern von sogenannten „geist-unabhängigen“ (im Englischen mind-independent) Gründen. Ähnlich wie Naturgesetze unabhängig von unseren Gedanken oder Überzeugungen existieren, so existieren auch wahre moralische Urteile. Hierbei stellt sich aber die Frage, wie wir die Wahrheit oder Falschheit eines moralischen Urteils feststellen können. Dazu gibt es grob zwei Herangehensweisen: Einerseits gibt es den ethischen Naturalismus und andererseits den ethischen Non-Naturalismus. Die Naturalisten argumentieren, dass das moralisch Richtige und Falsche entweder auf natürliche Eigenschaften reduzierbar sind oder dass sie massgeblich von natürlichen Eigenschaften abhängen. Natürliche Eigenschaften sind Eigenschaften, die im Prinzip mit Hilfe von naturwissenschaftlichen Methoden erfasst werden können. Wenn man „moralisch schlecht“ mit „verursacht viele Schmerzen“ gleichsetzt, dann könnte man im Prinzip messen, welche Handlungen moralisch besser oder schlechter als andere sind, da Schmerzen, zumindest in einem gewissen Sinn, mess- und nachweisbar sind. Die Non-Naturalisten argumentieren hingegen, dass das moralisch Richtige oder Falsche nicht oder nicht nur von natürlichen Eigenschaften abhängen. Einige führen an, dass wir das moralisch Richtige oder Falsche mit Hilfe von „moralischen Intuitionen“ erkennen können. Andere argumentieren, dass, wenn wir genügend über moralische Fälle informiert sind, wir a priori, ohne die Hilfe von Naturwissenschaften, erkennen können, ob die Handlungen in diesen Fällen moralisch richtig oder falsch waren.
Dies ist nur ein kleiner und skizzenhafter Überblick von metaethischen Positionen. Wir begegnen moralische Urteile überall, im Alltag, in der Politik, im Freundeskreis und im öffentlichen Funk. Die Metaethik ist daher wichtig, um die Natur solcher Urteile verstehen zu können und wie wir mit ihnen umgehen sollen.