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Du bist Scrum Master. Gratuliere! Doch du bist nicht auf dem Team-Board? Deine Kollegen misstrauen dir? Du willst selbst Überblick schaffen, woran du arbeitest? Du willst auch jenseits der Retrospektive wirken? Was nun?
Scrum Master ist kein Hobby
Vorweg: Die Aktivitäten eines Scrum Masters beschränken sich nicht bloss aufs Moderieren gängiger Scrum Zeremonien. Scrum Master ist denn auch kein Hobby. In einem älteren Blog habe ich gefordert, dass der Scrum Master nicht im Team mitarbeiten dürfe. Ein Scrum Master dient also seinem Team. Und zwar möglichst Vollzeit. Er arbeitet am und im sozialen System Scrum-Team.
Massnahmen in der Retrospektive entscheiden
Die Retrospektive ist meines Erachtens die wichtigste Zeremonie des Scrum Masters. Hier kann er Probleme ansprechen, hier kann er sein Schaffen legitimieren. Beispielsweise kann der Scrum Master mit seinem Team Verbesserungsmassnahmen erarbeiten ("improvements" aus dem Scrum Guide). Klassische Verbesserungsmassnahmen sind zum Beispiel:
Pair Programming ausprobieren
Moderationsfähigkeiten im Team trainieren
Büro-Gestaltung (Mobiliar, Anordnung) verbessern
Sprint Team Board optimieren
Deployment-Prozess beschleunigen
Verbesserungsmassnahmen kosten allerdings, deswegen müssen sie eingeplant werden.
BTW: Um dich optimal auf deine Retrospektive vorbereiten zu können, haben wir die wichtigsten Tipps in einem Download zusammengefasst.
Massnahmen im Sprint planen
Alles, was wertvolle Kapazität des Teams beansprucht, muss priorisiert werden. SAFe beispielsweise plant nach jeder vierten Iteration eine Innovation and Planning (IP) Iteration. Dort können Verbesserungsmassnahmen umgesetzt und Innovationen erst ermöglicht werden.
Auch ein nicht-skaliertes Scrum-Team darf nicht permanent zu 100 % gebucht werden. Entweder reserviert das Scrum-Team automatisch 10 % ihrer Kapazität für Verbesserungsmassnahmen oder Idle, oder man plant bewusst in jedem Sprint einige Storys des Typs Verbesserungsmassnahme oder Idle mit entsprechenden Story Points. Der Effekt ist ein nicht zu 100 % überladenes Scrum-Team.
Als minimale Konfiguration empfehle ich die Faustregel, in jedem Sprint eine Verbesserungsmassnahme in der Grösse einer "normalen" Story zu vereinbaren.
Erfolge feiern
Was geplant wird, muss auch umgesetzt werden. Eine Verbesserungsmassnahme wird wie eine "normale" Story behandelt. Sie erscheint auf dem Team-Board. Es werden - falls notwendig - feingranularere Tasks abgeleitet.
Die besonderen Aktivitäten des Scrum Masters sind dadurch im Team transparent. Der Scrum Master gehört dazu. Er kann das Team am Daily Scrum über bevorstehende Änderungen informieren. Er kann damit auch gewisse Aufgaben im Team verteilen, weil sie nun sichtbarer sind.
Und schliesslich kann der Scrum Master auch am Sprint Review Erfolge verkünden, wenn eine Verbesserungsmassnahme den erwarteten Nutzen erzielte.