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Conway and Coolidge: The Lepontine Alps
Alps. London, T. Fisher-Unwin, 1892.
Die Fortsetzung der für „ aktive " Clubisten fast unentbehrlichen Sammlung der Climbers Guidesscheint entgegen den im Jahrbuch S.A.C. XXVII, p. 406, ausgesprochenen Befürchtungen für eine Reihe von Jahren und Bändchen gesichert, indem ein sehr bekannter Verleger das Risiko der Publikation übernommen hat, auf dessen Kosten nun die beiden obgenannten Herren drauflos zu edieren gedenken, was wir sehr begrüßen. Man lese die ergötzliche Vorrede, in welcher Mr. Conway von der veränderten Situation und von ihren Projekten spricht. Es ist ein eigentümliches Schicksal dieser „ Führer ", daß nie ein folgendes Büchlein das hält, was das vorhergehende versprochen hat, sondern daß immer mehr, oder wenn man will, weniger geboten wird. Im „ Guide to the Central Pennine Alps " wurde die Behandlung der Lepontischen Alpen zugleich mit der Monte Rosa-, Mischabel- und Fletschhorngruppe in Aussicht gestellt; im „ Guide to the Eastern Pennine Alps " ein eigenes Bändchen über die Lepontischen und Tessiner Alpen als druckfertig bezeichnet; im „ Guide to the Lepontine Alps " wird eine Fortsetzung über die Adulagruppe vom Gotthard zum Splügen, die, wie Mr. Conway selber sagt, eigentlich auch zu den Lepontischen Alpen gehört, zusammen mit den „ andern kleineren Berggruppen zwischen Berner Oberland und dem Engadin ", in Aussicht gestellt. Der „ Guide to the Adula Alps " wird, wie ich einem Brief von Mr. Coolidge entnehme, in diesem Frühsommer erscheinen, aber die Unterwaldner-, Glarner- und Urnerberge nicht enthalten.
Wohlverstanden, wir betrachten diese beständige Erweiterung des Programms nicht als einen Fehler und wünschen nur, daß die Leser den künftigen Bändchen und die Käufer dem Herrn Verleger nicht ausbleiben möchten.
Die Publikation von 1892 umfaßt folgende Abschnitte: 1 ) Monte Leonegruppe vom Simplon bis zum Ritterpaß. 2 ) Helsenhorngruppe vom Ritter- zum Albrunpaß. 3 ) Ofenhorngruppe vom Albrun- zum San Giacomopaß. 4 ) Basodinogruppe von der Criner Furka zum Redortapaß. 5 ) St. Gotthardgruppe vom Nufenenpaß zum St. Gotthard. Bei Abschnitt 4 sind die unbedeutenden Seitenketten nicht besprochen, sonst ist überall die Darstellung eingehend und, soweit ich sehe, zuverlässig. Einige Ergänzungen und Korrekturen findet der Leser dieses Jahrbuches in dem Artikel „ Entre Binn et Airolo " ( oben pag. 101-124 ), den Mr. Coolidge mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat; das Versehen, daß bei der ersten Besteigung des Campo Tencia ( Lepontine Alps, p. 81 ) die Herren R. Lindt und Aebi nicht erwähnt sind, wird in den „ addenda and corrigenda " am Schluß des Bändchens „ Adula Alps " wieder gut gemacht, wo auch andere Verbesserungen und Ergänzungen von 1892 zu finden sein werden.
Neu gegenüber den früheren Bändchen ist, daß auch eine Liste den Karten und eine der Bergwirtshäuser und anderer Herbergen in dieser Distrikten beigegeben ist, was gar nicht überflüssig war und für einige der künftigen Bändchen auch nicht sein wird. Für alle die genannten Angaben zeichnen die beiden Verfasser gemeinsam; der historische Artikel „ The German speaking colony in the Val Formazza " mit Literatur- nachweisen ist von Mr. Coolidge allein. Er giebt eine gute Übersicht über die Frage der Walliser Ansiedlungen in Oberitalien und im Berner Oberland und ich habe nur zwei kritische Bemerkungen zu machen: 1 ) Die Angabe von Mr. Coolidge, p. VIII, daß 1345 Leibeigene aus dem Lötschenthal nach Lauterbrunnen und Grindelwald versetzt worden seien, ist insofern unrichtig, als 1346 die betreffenden Hörigen, wie Peter von Thurm in der Urkunde sagt, samt allen Rechten „ als ich und min vordem sie bar bracht hein untz an diesen tag ", dem Kapitel von Interlaken verkauft wurden und wohl schon ein halbes Jahrhundert „ in der Parrochia von Steige und in der Parrochia von Brienß " gesessen hatten. 2 ) Daß der Graf von Biandrate 1250 eine italienischsprechende Kolonie in Saas gegründet habe, wie Mr. Coolidge p. IX angiebt, geht doch aus dem Urkundenmaterial nicht mit Sicherheit hervor. Thatsache ist nur, daß 1247 die Leute von Anzasca ihren gesamten Güterbesitz dem Grafen Ubert von Biandrate verpfändeten, daß das wegen Nichteinlösung verfallene Pfand 1250 bei einer Erbteilung dem Pietro di Castello, Herrn von Formazza, abgetreten wurde, und dieser am B. Juni 1250 Vallanzasca dem Gemahl seiner Tochter Aldisia, Gottfried III. von Biandrate, überließ, mit dem Rechte, die hörigen Leute von Anzasca nach dem Saasthal zu versetzen. Die Namen Finalet, Almalgel, Randa, und Saas sollen nach Gingins-la-Sarraz ( Archiv für Schweizergeschichte, III, p. 151 ) piemontesische Namen sein, also dem romanischen Sprachgebiet angehören. Das mag richtig sein, denn Chouson =r- St. Niklaus und Pra Borno = Zermatt im Almagellervertrag von 1291 gehören auch dahin; aber daß Einwanderer aus Süden diese Namen und im Jahr 1250 gebracht haben, ist damit noch nicht bewiesen. Mr. Coolidge weist p. XI für seine Theorie noch auf eine Glasscheibe in der Sammlung Silva in Domo d' Ossola hin mit folgender Inschrift: „ Anna LandBonmatt j zur Schmitten... gmachell ", ungefähr vom Jahr 1487, und meint, wenn das letzte Wort „ Almagell " im Saasthal bedeute, so haben wir hier eine interessante Verbindung zwischen einer der deutschen Kolonien auf italischem Bodenl ) und einer ursprünglich italischen Kolonie im germanisierten Wallis. Es unterliegt mir keinem Zweifel, und ich glaube auch Mr. Coolidge davon überzeugt zu haben, daß „ Gmachell " nichts ist, als das Dialektwort für Gemahlin, und die Scheibe keinen historischen Zusammenhang zwischen Saas- und Formazzathal ergiebt. Die deutsche Besiedlung des letztern geht wohl von den Castello aus, die um 1250 das Lehen von Pommatt erwarben und bis 1266 Meyer von Visp waren. Nördlich und südlich vom Monte Moro wohnen vielleicht Deutsche im Jahr 1291, wo ein „ Morgano Vallis SolxseMeiggern im Saasthal und ein „ Morgano in Valle AnzascaMorghen bei Macugnaga genannt wird. Diese sind wohl von den Biandrate angesiedelt. Man sieht, daß die neue Serie der Climbers Guides nicht nur für Bergsteiger Interesse hat.Red.