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30 Jul Salvador – A cidade mais preta
Die Stadt Salvador ist nach São Paulo und Rio de Janeiro die drittgrösste Stadt Brasiliens. Sie gilt als die schwärzeste Stadt im ganzen Land. Unser Stadtführer meinte während unserer privaten Stadttour sogar, dass es die Stadt mit den meisten afrikanischen Menschen ausserhalb von Afrika ist. Die ganze Stadt, insbesondere die historische Altstadt Pelourinho, ist geprägt von einer weiterentwickelten afrikanischen Kultur. Dies hört man in der Musik, schmeckt man beim Essen und sieht man beim Schlendern durch die Strassen. Musik ist hier allgegenwärtig, immer wieder hallen laute, aber eindrückliche Trommelschläge von Trommelgruppen durch die vielen Gassen der Altstadt. Der bekannte Kampftanz Capoeira, welcher als typisch Brasilianisch gilt hat hier seinen Ursprung. Der Einfluss der afrikanischen Kultur ist an vieler Dingen zu erkennen. Um den Grund für den grossen afrikanischen Einfluss zu erklären, möchte ich eine kurze Zusammenfassung der sehr interessanten Geschichte von Salvador geben.
Brasilien wurde anno 1500 vom portugiesischen Seefahrer Pedro Álvares Cabral entdeckt. Dieser setzte damals seinen Fuss im Nordosten von Brasilien, in der Nähe des heutigen Porto Seguro. Die angetroffenen einheimischen Tupí-Indianer leisteten keinerlei Widerstand bei der Übernahme durch Portugal.
Die Bucht an welcher sich die heutige Stadt Salvador befindet wurde sm 1. November 1501entdeckt. Aus diesem Grund hat die Bucht auch ihren Namen Allerheiligenbucht zu verdanken. Bereits zu dieser Zeit fand Handel zwischen den Indios und den portugiesischen Seefahrern statt, an dem Ort, wo sich der heutige Leuchtturm Barra befindet, einer der vielen Sehenswürdigkeiten in Salvador. Dem Einfluss der Jesuiten ist es geschuldet, dass die Indios von der Sklaverei verschont blieben und stattdessen Afrikaner entführt und nach Brasilien verschleppt wurden. 1551 lebten die ersten 50 afrikanische Sklaven in dieser Gegend und legten den Grundstein für die bis heute afrikanisch geprägte Stadt Salvador.
1549 wurde dann die Stadt gegründet und danach eine Festung São Paulo errichtet. Daraufhin erreichten mehr als tausend Portugiesen die Stadt. Und so wurde Salvador zur ersten Hauptstadt Brasiliens.
Im 17. Jahrhundert war das Hauptexportmittel der Zucker. Die ausschliesslich afrikanischen Sklaven mussten auf den Plantagen und Zuckerrohrfeldern des Umlandes arbeiten. Durch den Zuckerhandel war Salvador bis zum Jahre 1650 die grösste Stadt auf der Südhalbkugel. In derselben Zeit war Salvador zudem Südamerikas grösster Handelsplatz für Sklaven. Hier wurden die Afrikaner hingebracht und für ganz Südamerika zum Verkauf angeboten. Unser Stadtführer erzählte uns, dass in den etwa 300 Jahren Sklaverei über 6 Millionen Afrikaner von Afrika nach Salvador gebracht und versklavt wurden. Da frage sich noch jemand wieso die Stadt so geprägt ist von der afrikanischen Kultur? Auch der Sklavenhandel brachte der Stadt Salvador Wohlstand und Reichtum. 1763 verlor Salvador den Status der Hauptstadt Brasiliens an Rio de Janeiro. Dies war eine erste Niederlage. Durch die Verlagerung des Regierungssitz wurden die Lebensbedingungen immer schlechter. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in ganz Brasilien die Stimmen gegen die Sklaverei immer lauter. Zudem meinte unser Stadtführer, dass der Abbau von Zuckerrohr nicht mehr im gleichen Masse gebraucht wurde und man somit keine Verwendung der vielen Sklaven mehr hatte. Der Zucker konnte über den neuentdeckten Suezkanal nach Europa gebracht werden und musste nicht mehr über den Atlantik von Brasilien importiert werden. Dies war somit das Ende der Sklaverei.
Heute sind Geld und Einfluss abgewandert. Noch vor wenigen Jahrzenten galt die Stadt, insbesondere das historische Zentrum Pelourinho als äusserst gefährlich. Das koloniale Herz der Stadt war zu einer Favela verkommen, in welcher Drogenbanden regierten und Prostitution das Hauptgeschäft war. Die einst wunderschöne, von den Kolonien geprägte Stadt wurde vollkommen verwahrlost. Erst 1985 wurde die Altstadt rund um den sogenannten Pelourinho zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt. Daraufhin wurde die Altstadt systematisch restauriert. Und so zeigt sich der Stadtteil Pelourinho heute als bunte und hippe Gegend, mit einer interessanten Geschichte und vielen Sehenswürdigkeiten. Umso bekannter wurde der Pelourinho, als kein geringerer als der King of Pop Michael Jackson 1996 den Videoclip zu seinem Hit They Don’t Care About Us (Link zum Videoclip) auf dem Platz Largo do Pelourinho drehte.
Leider muss man die Stadt und auch der Pelourinho heute noch mit gewisser Vorsicht besuchen. Dort wo Arm und Reich dermassen aufeinander treffen ist stets Vorsicht geboten. Die Kriminalitätsrate der Stadt ist vergleichsweise hoch. So wurden in Salvador 2013 2’234 Menschen ermordet, was eine Mordrate von 57,51 pro 100’000 Einwohner ausmacht!? Zum Vergleich: Gesamt-Brasilien hat ein Mordrate von 27,1 und Deutschland gerade mal 0,8. Damit erscheint Salvador im Jahr 2014 auf Rang 13 der gewalttätigsten Städte der Erde. Nichtsdestotrotz ist der bei Touristen beliebte Stadtteil genügend mit Polizeipräsenz geschützt und man braucht sich keine grossen Sorgen zu machen. ?
Wie bereits geschrieben, sind wir am Freitag, 24. Juli 2015, am Abend in Salvador angekommen. Am Samstag haben wir gleich eine private Stadttour gebucht. Das hat sich wirklich gelohnt! Wir haben sehr viel über die Stadt und ihre Geschichte erfahren. Darüber hinaus wussten wir jetzt wo unsere Präsenz gewünscht ist und welche Gässchen wir lieber meiden sollten. ? Immer wieder schländerten wir durch die – sicheren – Gassen und gingen beinahe in jedes der scheinbar hunderten kleinen Lädchen. Zwischendurch stillten wir unser Hüngerchen mit einem der vielen lokalen Leckerbissen. Salvador hat uns auf jeden Fall sehr gefallen und die afrobrasilianische Kultur hat uns beeindruckt. Es ist auch die erste Stadt – gilt zumindest für den Pelourinho – wo wir sagen können, dass die Gebäude einen hübschen Stil haben und einige dazu noch sehr charmant sind ? Was wir alles gemacht und erlebt haben entnehmt ihr am besten den Bildern. Die sagen im Endeffekt mehr als tausend Worte – wie man so schön sagt – ?
Leider hat mit dem Besuch von Salvador.. ich kann es kaum aussprechen, geschweige denn schreiben, wo ich es schwarz auf weiss sehe und immer wieder lesen kann ..auch bereits unsere letzte Woche begonnen. Ahhh das schmerzt! ?
Am Montag wurden wir von einem Katamaran im Hafen von Salvador abgeholt und auf die 2 Fahrstunden entfernte Insel Morro de São Paulo gebracht, wo wir die letzten Tage bei Sonne, Strand und Meer geniessen werden.☀️ Es ist also unsere letzte Station im wundervollen Brasilien, bevor es wieder zurück in die Schweiz geht.
Liebe Grüsse, P&T