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In der Schweiz wurden bis 1981 Menschen ohne Gerichtsurteil in Einrichtungen wie Arbeitsanstalten, Psychiatrien, Strafanstalten oder Trinkerheilstätten eingewiesen. Es handelte sich nicht um Einzelfälle, von der Massnahme waren Zehntausende Menschen betroffen. Gleichzeitig entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert eine vielfältige und vernetzte Anstaltslandschaft.
Der Band richtet das Augenmerk auf die quantitative Dimension der administrativen Versorgung in der Schweiz zwischen 1930 und 1981. Im Zentrum stehen zwei Fragen: Wie viele Menschen wurden administrativ versorgt und in welchen Anstalten wurden diese fürsorgerischen Zwangsmassnahmen vollzogen? Erstmals wird eine differenzierte Schätzung der Anzahl betroffener Personen vorgenommen. Zudem wird das komplexe Gefüge der Anstalten erläutert. Beide Dimensionen zeigen die Grössenordnung und die Tragweite der administrativen Versorgung.
Der Bundesrat beauftragte Ende 2014 eine unabhängige Expertenkommission (UEK) mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der administrativen Versorgungen in der Schweiz vor 1981. Dazu gehörten insbesondere die Auseinandersetzung mit der Perspektive von Betroffenen und Opfern sowie die Analyse staatlicher Interventionen und behördlichen Handelns. Die UEK sollte dabei auch die Bezüge zu allen anderen fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen berücksichtigen. Die Kommission veröffentlicht ihre Forschungserkenntnisse in neun Monografien sowie einem Synthesebericht zuhanden des Bundesrates.
Die UEK Administrative Versorgungen wurde interdisziplinär zusammengesetzt: Sie besteht aus neun Mitgliedern, hauptsächlich Historikerinnen und Historiker, aber auch aus Vertreterinnen und Vertretern der Sozialwissenschaften, der Psychiatriegeschichte/Psychiatrie und der Rechtswissenschaften.