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Vom Werden und Wachsen der Kirche
Bereits in den dreissiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten initiative Kreise das sogenannte Pfauenareal an der Sonnenbergstrasse erworben, um darauf eine neue Kirche für Ennetbaden zu erstellen. Doch es vergingen noch ein paar Jahrzehnte, bis mit dem Bau begonnen werden sollte.
Die Nachkriegsjahre brachten mit ihrem Konjunkturaufschwung auch für Ennetbaden eine starke Zunahme der Bevölkerung – und damit verbunden die Besiedlung neuer, bis anhin nur der Landwirtschaft oder dem Rebbau dienender Gebiete. Aufgrund der Erschliessung der neuen Wohnquartiere und des zunehmenden Strassenverkehrs wurde die Frage nach dem neuen Standort der Kirche erneut gestellt. Nach heftigen Diskussionen an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung im Jahre 1957 einigte man sich schliesslich auf den Holdener-Platz.
Das Projekt
Im Januar 1960 wurde der Wettbewerb für die neue Kirche ausgeschrieben. Alle im Kanton Aargau niedergelassenen oder heimatberechtigten katholischen Architekten durften daran teilnehmen. Im Weiteren wurden die bekannten Kirchenbau-Architekten Baur, Metzger, Pfannmatter und Schütz zur Mitwirkung eingeladen. Die Projekte mussten bis Ende Mai 1960 eingereicht werden. Aus 23 eingegangenen Arbeiten wurde der erste Preis dem Vorschlag «Stufung» von Architekt Baur, Basel, zugesprochen. Dieses Konzept wurde anschliessend vom Preisgericht zur Ausführung empfohlen. Während für die Jury vornehmlich die ausgezeichnete innere Gestaltung ausschlaggebend war, wurde in der Öffentlichkeit besonders die ungewohnte äussere Formgebung kritisiert. Dennoch wurde Architekt Baur mit der Ausarbeitung dieses Bauprojektes beauftragt.
Grundsteinlegung und Weihe
Am 1. April 1963 wurde mit dem Aushub der Kirche begonnen. Da der Grundstein in die Westmauer der Kirchenwand eingefügt wurde, musste die Grundsteinlegung bis zu diesem Zeitpunkt hinausgeschoben werden. So erklärt sich die Tatsache, dass am 25. Oktober 1964 Grundsteinlegung und Glockenweihe gleichzeitig durchgeführt wurden. Vorgängig waren im Juni in der Glockengiesserei Rüetschi AG in Aarau die fünf Glocken gegossen worden. Am 24. Oktober wurden sie auf blumengeschmückten und von Traktoren gezogenen Wagen von Aarau nach Ennetbaden überführt, wobei sie auf der ganzen Stecke vom Geläute der katholischen und reformierten Schwesterglocken begrüsst wurden. Nach der Weihe wurden die Glocken in alter Tradition von der Schuljugend Ennetbadens am 2. November in den Glockenturm gezogen. Nach fast dreieinhalbjähriger Bauzeit konnte am 14. August 1966 die Kirche St. Michael feierlich geweiht werden.
ANNO SALUTIS MCMLXIV
IN FESTO DOMINI NOSTRI IESU CHRISTI REGIS
Architektur der Kirche
Es schreibt Hermann Baur in der Festschrift zur Einweihung dazu:
«Aufgegeben war, eine Kirche mit 500 Plätzen, eine Werktagskapelle mit 120 Plätzen, einen Pfarreisaal für 150 Personen, zwei Gruppenräume, ein Sitzungszimmer sowie ein Pfarrhaus zu bauen.
Die Franzosen haben für solche kirchliche Bauten den Begriff der cité paroissiale geprägt. Kirchen in unserer Zeit können und wollen nicht mehr Zeichen dominierender Repräsentanz sein. Die gebotene Unterscheidung zur profanen Umwelt geschieht vielmehr durch Gruppierung der einzelnen Teile zu einer baulichen Einheit, eben zu einer Cité. In Ennetbaden galt es, dem äusserst schwierigen, steil ansteigenden Baugelände diese Einheit abzuringen. Wie so oft hat sich auch hier gezeigt, dass schwierige Situationen es in sich haben, besonders interessante und schöne Lösungen zu ermöglichen. Die Jury des Wettbewerbes hatte festgestellt, dass die im Projekt vorgetragene stufenweise Überwindung der Höhendifferenzen mit eingeschobenen, reich gestalteten Vorplätzen sinnvoll ist und zu einer richtigen Vorbereitung zum Eintritt in die Kirche führt. Sie lobte insbesondere die kraftvoll und konsequent aus den Gegebenheiten des Geländes sich entwickelnde Staffelung der Baukörper von Vereinssäälen, Kirchenschiff, Altarraum bis zu dem die gesamte Anlage krönenden Glockenturm.
Die Stufung von Kirchenschiff, Altarraum bis zum Glockenturm entspricht aber nicht nur der äusseren Geländesituation, sondern sie gibt im Kirchenraum selbst auch dem liturgisch-theologischen Anliegen sinnfälligen Ausdruck: Die Gemeinde, im quadratischen Raum nahe beisammen, wird optisch hingeführt zum Altarraum, der seinerseits eine nochmalige Überhöhung durch den Turm erhebt – ein Crescendo, das durch die angeordnete Lichtführung noch unterstrichen wird.»
Lageplan
5408 Ennetbaden, Grendelstrasse 25