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Am 14. September feiert die Kirche das Fest Kreuzerhöhung (Fest der Erhöhung des Heiligen Kreuzes; lat. Festum in exaltatione sanctae Crucis). Es geht zurück auf die Auffindung des Kreuzes Christi durch die heilige Helena im Jahr 320. Ihr Sohn Kaiser Konstantin liess auf Golgota die Auferstehungs- und Grabeskirche bauen, die am 13. September 335 geweiht wurde. Am nächsten Tag wurde das Kreuz feierlich aufgerichtet («erhöht») und zur Verehrung ausgestellt. Daraus entwickelte sich zunächst in der Jerusalemer und Byzantinischen Kirche das jährliche Fest Kreuzerhöhung, das seit dem siebten Jahrhundert auch in der Römischen Kirche gefeiert wird.
Das Christentum war zu diesem Zeitpunkt im Römischen Reich noch nicht lange anerkannt: Erst seit der Mailänder Vereinbarung von 313 war den Christinnen und Christen durch Kaiser Konstantin die freie Ausübung ihrer Religion zugesichert worden. Die Verehrung des Kreuzes im öffentlichen Raum war somit eine Besonderheit. Das Kreuz wurde vermutlich in mehrere Teile geteilt. So berichtet die Pilgerin Egeria im Jahr 383: «In Jerusalem wird ein vergoldetes Kästchen gezeigt, in dem sich ein Teil des Heiligen Kreuzes befindet; es wird geöffnet, das Kreuzholz herausgehoben und zusammen mit der Kreuzinschrift auf den Tisch gelegt.»[1]
Ein Teil des Kreuzes wurde nach Konstantinopel gebracht. Als die Stadt 1204 von Armeen der Kreuzfahrer erobert wurde, brachten gemäss der «Chronica regia Coloniensis» Kreuzritter viele kleinste Stücke des wahren Kreuzes nach Europa und stifteten diese Kirchen und Klöstern. Heute befinden sich Kreuzesreliquien z. B. im Vatikan, in Limburg (D) oder auf dem Berg Athos.
Das Fest «Kreuzerhöhung» kann nur von Ostern her verstanden werden: Das Kreuz, der grausame Marterpfahl, an dem Christus gestorben ist, wurde durch seinen Tod und seine Auferstehung zum Zeichen des Heils. So zitiert dann auch der Eröffnungsvers Gal 6,14: «Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben. Durch ihn sind wir erlöst und befreit.»
In der Präfation des Festtages wird dieser Gedanke nochmals aufgenommen: «[…] Denn du hast das Heil der Welt auf das Holz des Kreuzes gegründet. Vom Baum des Paradieses kam der Tod, vom Baum des Kreuzes erstand das Leben. Der Feind, der am Holz gesiegt hat, wurde auch am Holze besiegt durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn loben die Engel deine Herrlichkeit …»
Die Kirchenväter konnten solche Geheimnisse in einer klaren, verständlichen Sprache ausdrücken, die uns heute oft fehlt:
«Wäre das Kreuz nicht, dann wäre Christus nicht gekreuzigt. Gäbe es das Kreuz nicht, dann wäre das Leben nicht ans Kreuz geheftet worden. Wäre das Leben nicht ans Kreuz geheftet worden, dann hätten die Quellen der Unsterblichkeit nicht aus der Seite des Gekreuzigten Blut und Wasser fliessen lassen, durch welche die Welt gereinigt wird. Der Schuldschein der Sünde wäre nicht zerrissen worden [vgl. Kol 2,14], wir hätten die Freiheit nicht erhalten, wir hätten nicht vom Baum des Lebens gekostet und das Paradies wäre nicht geöffnet worden. Wenn das Kreuz nicht wäre, wäre der Tod nicht besiegt und das Reich des Todes nicht seiner Macht beraubt worden.»[2]
Vor der Liturgiereform im Jahr 1960 wurde zusätzlich am 3. Mai das Fest «Kreuzauffindung» gefeiert. Seit der Reform wird der Kreuzauffindung auch am Fest «Kreuzerhöhung» gedacht.
Das Fest Kreuzerhöhung gehört zu den Eigenfesten des «Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem».
[1] Peregrinatio Etheriae. 37,1: […] et affertur loculus argenteus deauratus, in quo est lignum sanctum crucis, aperitur et profertur, ponitur in mensa tam lignum crucis quam titulus.
[2] Andreas von Kreta, Oratio in exaltatione sanctae crucis; zweite Lesung der Lesehore.