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VN 09-1
Zu Besuch bei einer veganen Hundefamilie
von Claudia Zeier Kopp, Vizepräsidentin VgT.ch
So wie lange Zeit sogar unter Fachleuten das Vorurteil herrschte, der Mensch brauche Fleischnahrung, so hält sich heute hartnäckig das längst wiederlegte Vorurteil, Hunde bräuchten Fleischnahrung. Tatsächlich aber sind Hunde wie Menschen Allesfresser, die zwar Fleisch fressen können, jedoch mit vegetarischer Ernährung gesünder sind.
Ich werde beim Ehepaar N und ihren 5 Hunden äusserst freundlich und liebevoll empfangen. Ihr Zuhause im Kanton Luzern ist eine grüne Oase und schon am Tor werde ich mit Neugier von den fünf Vierbeinern begrüsst. So schön wie hier hatte es nur die Mischlingshündin "Amber" ihr ganzes Leben - sie kam zu den N's im Jahr 1995 als 4-monatige Welpe. Die anderen vier Hunde wurden allesamt in Spanien aus üblen Umständen und vor dem sicheren Tod gerettet.
Nur von den zwei "Greyhound"-Hündinnen "Laya" (12-jährig) und "Illumi" (7-jährig) sind die Geburtsdaten bekannt. Bei den zwei "Galgos"-Männchen, "Manowee" (ca 7-jährig) und "Tigris" (ca 4-jährig), kann ebenfalls nur geschätzt werden, wie alt sie sind. Laya haben die N's im Jahr 2003, und Manowee 2006 bei sich aufgenommen. 2007 kamen dann noch der blinde Tigris und Illumi dazu.
Bei N's werden schon seit 1992 alle Hunde vegan ernährt (eine vegane Ernährung beruht ausschliesslich auf pflanzlicher Basis). Damals hatten sie der Heim-Hündin "Laika" (Mischling) ein neues Zuhause gegeben. Als das neue Familienmitglied eine Allergie entwickelte, suchte Frau N eine Homöopathin auf, die ihr riet, Laika fleischlos zu ernähren. Frau N befolgte diesen Ratschlag, setzte zuerst das Fleisch ab (es trat sofort eine Besserung der Allergie ein), dann sukzessiv auch andere tierische Produkte, bis die Ernährung von Laika schliesslich nur noch vegan erfolgte - und die Allergie ausgeheilt war.
Nach dieser Erfahrung entschied sich das Ehepaar N bei der veganen Ernährung zu bleiben, was eine beachtliche Leistung war, denn damals gab es noch keine vegane Fertigfutter-Produkte, wie dies heute der Fall ist. Frau N musste immer "jonglieren" und vieles ausprobieren, um eine möglichst ausgewogene Ernährung hinzukriegen.
Als die vier Hunde aus Spanien einer nach dem anderen bei den N's ein neues Zuhause bekamen, wurden sie während ca. 2 bis 3 Wochen sukzessive auf die vegane Ernährung umgewöhnt. Die N's gaben täglich immer weniger herkömmliches Tierfutter in die Fressnäpfe und erhöhten den veganen Futteranteil immer mehr. Interessante Beobachtung: Die Hunde pickten nicht etwa nur das Fleischfutter heraus und liessen das vegane Trockenfutter liegen. Nein, sie frassen vorbehaltlos alles auf, obwohl sie ja noch eine Wahl gehabt hätten.
Schon lange Zeit ernährt sich das Ehepaar N - aus ethischen Gründen - ebenfalls vegan. Nicht nur für ihre Hunde haben sie ein Herz, sondern für alle Tiere. Ihren Schützlingen herkömmliche Industrie-Tierfutter zu verabreichen käme niemals in Frage, denn dieses Futter wird vorwiegend aus Schlachtnebenprodukten von Tieren, die ein qualvolles Leben in der Massentierhaltung fristen mussten, hergestellt. Durch die vegane Ernährung ihrer Tiere leisten die N's also auch einen wertvollen Beitrag an den Tierschutz.
Heute haben es die N's viel leichter mit dem Füttern ihrer Hunde, als mit ihrer ersten veganen Hündin Laika. Das fertige vegane Trockenfutter "Yarrah" oder "Ami-Dog" wird genüsslich von ihrer Hundeschar gefressen. Darunter mischt Frau N auch abwechslungsweise die "Flockenmischung Bello’s Crunchy", Teigwaren, Sprossen, Kartoffeln, diverse Gemüse und verschiedene Getreide. Und für Zwischendurch hat sie ein ganzes Sortiment von veganen Belohnungshappen.
Zur Reinigung und Kräftigung der Zähne bekommen die Hunde vegane Kauknochen, "Bello’s Crackers", hartes Brot, und grosse Stücke von Karotten und Äpfel. Ich darf sogar einige Gebisse besichtigen: Sie sind blitzblank sauber!
Alle fünf Hunde riechen auch gut und sind allgemein gesund, abgesehen davon, dass die vier geretteten Windhunde aus ihrer tragischen Vergangenheit zum Teil irreparable Schäden (psychisch und physisch) mitgebracht haben - Schäden, die nichts mit der heutigen Ernährung zu tun haben. So weisen beispielsweise die zwei Galgos und die zwei Greyhounds diverse Narben im Fell auf, die durch grausame Misshandlungen verursacht wurden.
Was aber sehr bemerkenswert ist: Laya und Tigris waren teilweise kahl gewesen, als sie zu N's kamen. Heute haben sie wieder ein schönes Fell. Frau N ist überzeugt, dass sie diesbezüglich mit der veganen Ernährung viel erreichen konnte. Überhaupt sei es erstaunlich, wie gut die Hunde sich erholt haben.
Zweimal im Jahr führt Frau N auch eine Kur durch und verabreicht den Hunden (veganes) Zusatz- und Aufbaumittel. Manchmal verwendet sie das Mittel "anima-strath", zeitweise aber auch "vege-yeast" (Hefe) oder "vege-dog" (ein von Tierärzten anerkanntes Supplement).
Frau N räumt ein, dass solche Kuren nicht unbedingt notwendig sind, aber sie denke, dass es doch Situationen und Zeiten gebe, wo Aufbaumittel auch den Tieren - genauso wie den Menschen – gut tun können.
Die Geschichte von diesen fünf Hunden beweist wieder einmal, dass es durchaus möglich ist, Hunde konsequent vegan zu ernähren. Die gängige Meinung, dass vegane Hunde Mangelerscheinungen erleiden würden, stimmt überhaupt nicht, denn das heutige vegane Hundefutter ist so zusammengestellt und abgestimmt, dass darin alles enthalten ist, was der Hund benötigt.
Weist man Hundehalter auf diese Tatsache hin, kommt oftmals das Argument (als bequeme Ausrede), das vegane Hundefutter sei eben sehr viel teurer, als das herkömmliche. Dieses Argument hält aber nicht stand, wenn man Preise - und auch Qualität! - vergleicht. Zudem kann das vegane Futter auch "gestreckt" werden - wie oben schon erwähnt - mit Teigwaren, Getreide, usw. Letztendlich ist dann der Preisunterschied nur noch minimal und die wenigen Franken mehr, die vegane Hundehalter auf den Tisch legen, kommt der Gesundheit ihrer Tiere zugute.
Das Ehepaar N musste sich schon oftmals vorwerfen lassen, dass sie mit der veganen Ernährung ihrer Hunde eine Tierquälerei begehen. Und (vermeintliche) Besserwisser meinen, dass Hunde generell veganes Futter nur dann fressen, wenn sie ausgehungert sind. Diese Ansicht vertreten vor allem eingefleischte Fleischesser, die ebenfalls behaupten, dass der Mensch für eine ausgewogene Ernährung Fleisch braucht. Solche Menschen finden dann die vegane Ernährung von Heimtieren eine Grausamkeit.
Was die N's aber diesbezüglich erzählen, zeigt ein ganz anderes Bild: Wenn Herr N das Fressen in der Küche zubereitet und die für die Hundeohren bekannten Futter-Geräusche macht, kommt die ganze Meute vom oberen Stockwerk in einem Galopp nach unten gerannt. Die Küche wird dann derart belagert, dass Herr und Frau N selbst kaum mehr Platz haben – und es ist nicht zu übersehen, dass sich die Hunde riesig auf die vegane Mahlzeit freuen!
Alle fünf Hunde werden drei Mal am Tag gefüttert (kleinere Portionen) und zu dem Trockenfutter gibt es jeweils Beilagen (Teigwaren, Flocken, Früchte, Gemüse, etc) Hier kann also kaum die Rede von ausgehungerten Tieren sein, die nur in allerletzter Verzweiflung und Not das vegane Futter akzeptieren. Im Gegenteil: Herr N berichtet, dass sie sogar aufpassen müssen, dass ihre Schützlinge sich nicht überfressen und an Gewicht zunehmen.
Diese Erfahrung beweist, dass eine konsequente vegane Fütterung von Hunden keine Tierquälerei darstellt. Und wer dies trotzdem stur behauptet, hat ein Brett vor dem Kopf, ist schlichtweg uneinsichtig und aus reiner Bequemlichkeit nicht bereit umzudenken.
Übrigens können Katzen – auch wenn schwieriger als Hunde – auf vegane Ernährung umgewöhnt werden, bedürfen aber spezieller Vitaminzusätze.
Was das Ehepaar N mit seinen Hunden (und natürlich auch mit sich selbst) hinsichtlich der Ernährung erreicht hat, ist beeindruckend und vorbildlich, und aus gesundheitlichen, ethischen und tierschützerischen Gründen höchst nachahmenswert.