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Was ist ein Dreikönigskuchen?
Beim Dreikönigskuchen handelt es sich um ein süsses Hefegebäck, das aus sechs ringförmig um ein zentrales Stück angeordnete Teigstücke gebildet wird. In eines der ringförmig angeordneten Teigstücke ist eine Plastikfigur eingeknetet, die den Finder dann zum König für einen Tag macht. Die Dreikönigskuchen werden in der Schweiz und in leicht anderer Form auch im umliegenden Ausland jeweils zur Feier des 6. Januar aus den Zutaten Mehl, Zucker, getrockneten Weinbeeren (Sultaninen), Butter, Eiern, je nach Hersteller Mandeln oder Hagelzucker, Salz, Milch und etwas Zitronenschale hergestellt und sind insbesondere bei den Kindern sehr beliebt. Dabei werden jedes Jahr etwa 1 Mio. Kuchen abgesetzt.
Woher kommt der Brauch des Dreikönigskuchens?
Der Brauch wurde erst vor etwa einem halben Jahrhundert wiederbelebt, als Max Währen aufgrund seiner Recherchen nach dem Krieg auf diese alte Tradition stiess und von der Fachschule für Bäcker schliesslich einen modernen Königskuchen entwerfen liess. Die Bäcker nahmen den alten Brauch dann aber erst 1952 wieder auf.
Die Ursprünge dieses Brauchs reichen aber viel weiter zurück, obwohl sie letztendlich nicht ganz klar sind. So wurde bei den Römern anlässlich des winterlichen Saatenfestes durch das Los schon ein König bestimmt, dem sich für eine gewisse Zeit offenbar sogar der Kaiser unterwarf. Die Quellen besagen, dass dem römische Gott der Aussaat zu Ehren (Saturnus) damals jedes Jahr während etwa einer Woche ab dem 17. Januar mit einer grossen Feier gehuldigt wurde. Dabei wurde anlässlich eines Festschmauses eben auch um die entsprechende zeitlich befristete Königswürde gewürfelt, die offenbar auch dem ärmeren Volk offen stand. Der Brauch der Römer verschmolz mit der Zeit dann mit verschiedenen anderen bereits bestehenden Bräuchen in West- und Mitteleuropa. Auch vom nordischen Brauchtum her ist denn bekannt, dass das Los jeweils einen Herrscher auf Zeit bestimmte und dass spezielle Kuchen mit eingebackenen Bohnen eine Rolle im Zusammenhang mit den Wünschen der Menschen spielten.
Die Vermischung mit der christlichen Tradition und den Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland führte dann zusehends zur heutigen Form des Dreikönigstages. Einen ganz besonderen Anteil daran hatte auch die Überbringung der Reliquien der Heiligen Drei Könige durch Friedrich Barbarossa resp. durch seinen Kanzler Reinald von Dassel von Mailand in den Kölner Dom (1165). Dort ruhen sie denn noch heute noch im grössten erhaltenen Reliquienschrein aus dem Mittelalter (Dreikönigsschrein).
Der Dreikönigskult erfuhr durch Wahlfahrten, Prozessionen und Umzüge der Sternsinger einem starken Aufschwung. Die wenig morgenländischen Namen Kaspar, Melchior und Balthasar erhielten die Heiligen Drei Könige übrigens erst im 9. Jahrhundert. Dass unter ihnen gar ein Mohr gewesen sein soll, wird dann erst ab dem 12. Jahrhundert behauptet. Anfänglich war eigentlich auch nur die Rede von "Magier" oder von den sternkundigen "Weisen aus dem Morgenland". Im 3. Jahrhundert schloss dann der scharfsinnige Theologe Origines aufgrund der in der Bibel genannten drei Gaben (Gold, Weihrauch und Myrrhe) auf deren Dreizahl. Papst Leo I. (440-461; später der Grosse genannt) erklärte sie schliesslich als heilig. Zu eigentlichen Königen wurden sie dann erst im 6. Jahrhundert. Dies obwohl auch in der Bibel von "Königen" die Rede ist (Jes. 60, 3; Ps. 72, 10). Um die Verwirrung perfekt zu machen, hier auch gleich noch der Hinweis, dass in der Weihnachtsgeschichten von Lukas (2, 1-20) im Gegensatz zu der von Matthäus (2, 1-12) nicht von "Weise aus dem Morgenland", sondern von "Hirten in derselben Gegend auf dem Felde" gesprochen wird. Diese hätten bei ihrer Nachtwache bei der Herde durch einen "Engel des Herrn" einen himmlischen Wink erhalten, um darauf nach Bethlehem zu gehen und dort zu sehen was der Herr ihnen "kundgetan" hatte. Matthäus spricht dagegen deutlich von "drei Weisen aus dem Morgenland", die kamen, um dem "neugeborenen König der Juden" zu huldigen. Ob es sich nun um babylonische Astrologen, persische Priester, arabische Händler oder am Ende doch nur um einfach Hirten handelte, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.
Auch Goethe war fasziniert von der Geschichte
Eine der frühesten niedergeschriebenen Legenden (Hildesheimer Legende) stammt von Johann von Hildesheim (gest. 5. Mai 1375), einem weitgereisten Geistlichen aus der gleichnamigen Stadt. Er wollte mit Hilfe des allmächtigen Gottes und der reinen Magd Maria sowie auch mit Hilfe der Drei Könige selbst aus den vielen bereits bestehenden Bücher ein einziges schreiben. Die Dreikönigslegende von Hildesheim geriet mit der Zeit dann wieder etwas in Vergessenheit. Es war Johann Wolfgang von Goethe, der sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder belebte. Dieser hielt sich 1819 für einige Zeit in Jena auf und stiess bei seinen Recherchen in der Stadtbibliothek eines Tages auf ein in lateinischer Sprache abgefasstes Manuskript, das von eben diesen Heiligen Drei Königen handelte. Er war davon derart fasziniert, dass er in einem Brief an seinen Freund S. Boisserée am 22. Oktober 1819 folgendes schrieb:
"Mag es sein, dass die Überraschung dieses Fundes mich dafür einnimmt; Geschichte, Überlieferung, Mögliches, Unwahrscheinliches, Fabelhaftes mit Natürlichem, Wahrscheinlichem, Wirklichem bis zur letzten und individuellsten Schilderung zusammengeschmolzen, entwaffnet wie ein Märchen alle Kritik. Genug, ich meine nicht, dass irgend etwas Anmuthigeres und Zierlicheres dieser Art mir in die Hände gekommen wäre... Ich wüsste kein Volksbuch, neben dem dieses Büchlein nicht stehen könnte."
Goethe fasste den Inhalt gegenüber Boisserée wie folgt zusammen:
"Es enthält die Legende der Heiligen Drei Könige und ihres Sternes, vom Ausgang der Kinder Israel aus Ägypten an bis zur fortwährenden Verehrung ihrer Reste in Cöln."
Sein inniges Verhältnis zur Hildesheimer Dreikönigslegende bezeugte er zu einem späteren Zeitpunkt auch durch folgendes Zitat: "Denn am Ende sind wir alle Pilgernd Könige zu Ziele".
In der Schweiz wurde das Dreikönigsfest in den Zünften nachweislich schon seit 1311 gefeiert. Es wurde dabei eine Bohne im Dreikönigskuchen versteckt und wer sie fand, war dann König für einen Tag. Andere Quellen zeigen, das dieser Brauch in ähnlicher Form auch in England üblich war.
Im Mittelalter ging dieser Brauch dann mehr und mehr verloren, bis er wie anfänglich erwähnt, 1952 vom Bäckereigewerbe wieder neu belebt wurde.