Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/22812

<h2>SubmittedText<h2><p>Am 11. Dezember 1998 wurde die Studie Buomberger der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Echo in der Presse ist praktisch durchgehend vernichtend. Es ist die Sprache von einem "Sammelsurium von Kriminalgeschichten, in deren Zentrum zur Hauptsache nicht Fakten stehen, sondern Vermutungen, Verdacht erregende Umstände, Indizien eben, die auf illegales Handeln der Akteure hinweisen". In der "NZZ" vom 12./13. Dezember 1998 werden (auf der ganzen Seite 17) Fehlgriffe und unbewiesene Vermutungen kritisiert.</p><p>Ich erlaube mir, dem Bundesrat folgende Fragen zu unterbreiten:</p><p>1. Handelt es sich bei Thomas Buomberger um die zu fragwürdiger Berühmtheit gelangte Person, welche im Auftrag des Schweizer Fernsehens der britischen Fernsehgesellschaft BBC die "Fakten" zum berüchtigten Film "Nazigold und Judengeld" recherchiert und geliefert hat?</p><p>2. Welche Überlegungen konnten dazu führen, zu glauben, die gleiche Person könne in der Frage der Raubkunst plötzlich eine nach objektiven Kriterien ausgerichtete Arbeit abliefern?</p><p>3. In welcher Verantwortung liegt die Auftragserteilung an Buomberger?</p><p>4. Welche Kosten hat der Auftrag bisher ausgelöst?</p><p>5. Kann er sich der Auffassung anschliessen, die gerügte Qualität der Arbeit sei in der Auswahl des beauftragten Autors begründet, und mit gleichem Aufwand wäre ein Ergebnis zu erzielen gewesen, das der Zielsetzung der Klärung der historischen Verhältnisse in der Zeit des Zweiten Weltkrieges nähergekommen wäre?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Aufgrund der aktuellen Fragestellung liess das Bundesamt für Kultur (BAK) einerseits die bundeseigenen Sammlungsbestände überprüfen, anderseits beauftragte es zusammen mit der Nationalen Informationsstelle für Kulturgüter-Erhaltung (Nike) den Historiker und Journalisten Thomas Buomberger, eine wissenschaftliche Studie über den Kunsthandelsplatz Schweiz seit Anfang der dreissiger Jahre bis Mitte der fünfziger Jahre zu verfassen. Begleitet wurde dieses Forschungsprojekt durch Fachleute des BAK, der Nike sowie durch Professor Georg Kreis, Mitglied der Bergier-Kommission (unabhängige Historikerkommission Schweiz/Zweiter Weltkrieg). Das BAK hat die Arbeit mit der Bergier-Kommission abgesprochen und stimmte sich regelmässig mit ihr ab, um Mehrspurigkeiten zu verhindern und Synergien zu nutzen. Das recherchierte Material wird vollumfänglich der Bergier-Kommission zur Verfügung stehen. Diese wird die Untersuchung mit ihren erweiterten Möglichkeiten fortführen.</p><p>Der Auftrag lautete, einen nach wissenschaftlich-historischen Kriterien erarbeiteten Forschungsbericht zu verfassen, der sich in leicht lesbarer Form auch an ein Nicht-Fachpublikum wendet. Im Rahmen dieser Untersuchung sollte abgeklärt werden, welche Transaktionen in und durch die Schweiz stattgefunden haben und wer die Akteure waren.</p><p>Die Ergebnisse der Studie setzt Thomas Buomberger in einen historischen Kontext. Ausgehend von Einzelfällen zieht der Autor Schlüsse auf eine grössere Gesamtheit. Dabei wird der Komplex der geraubten Kunst, des Transfers in die Schweiz sowie des schweizerischen Handels angegangen. Die Studie zeigt den Mechanismus dieses Handels auf und zeichnet die Geschichte der einzelnen Protagonisten nach.</p><p>Im übrigen beantwortet der Bundesrat die Fragen der Interpellation wie folgt:</p><p>1. Thomas Buomberger hat an den Vorbereitungen des BBC-Films "Nazigold und Judengeld" mitgewirkt. Seine Tätigkeit beschränkte sich im wesentlichen auf das Bereitstellen von Material für Christopher Olgiati, den Autor des Films. Thomas Buomberger hat sich anlässlich der Erstausstrahlung des Films am Schweizer Fernsehen öffentlich von der Machart und den darin vertretenen Thesen, auf die er keinen Einfluss hatte, distanziert.</p><p>2. Herr Buomberger befasst sich seit Jahren mit der Geschichte des Raubkunsthandels in der Schweiz und hat mehrfach dazu publiziert ("Kanonen und Kunst. Erfolg und Krise der Firma Bührle", Dokumentation für Schweizer Fernsehen DRS, 12. Juni 1991; "Raubgut für Schweizer Kunstsammler", Dokumentation für Schweizer Fernsehen DRS, 16. Juni 1993; "Die Schweiz - ein wichtiger Markt", "Tages-Anzeiger", 16. Oktober 1996). Er verfügt über ein profundes Detailwissen und die Fähigkeit, leicht verständlich zu schreiben.</p><p>3. Die Studie wurde von der Nike in Zusammenarbeit mit dem BAK in Auftrag gegeben.</p><p>4. Die Gesamtkosten des Projektes liegen bei 150 680 Franken.</p><p>5. Der Bundesrat hat die Studie von Thomas Buomberger "Raubkunst - Kunstraub: Die Schweiz und der Handel mit gestohlenen Kulturgütern zur Zeit des Zweiten Weltkriegs" zur Kenntnis genommen. Die Publikation liefert eine Fülle von bisher unbekanntem Material, sie bezeichnet Handlungen und Personen, skizziert die Zusammenhänge, nennt offene Fragen und ungeklärte Punkte. Im Dezember 1998 ist die Studie beim Orell-Füssli-Verlag in der Reihe "Zeitgeschichte" erschienen und steht damit der öffentlichen Diskussion zur Verfügung. Es wird die Aufgabe dieser Diskussion und der nachfolgenden historischen Forschung sein, die vom Autor präsentierten Sachverhalte und Materialien zu ergänzen, zu bestätigen oder allenfalls zu korrigieren, so wie dies bei jeder historischen Untersuchung mit aktuellem Inhalt der Fall ist. Indem die Studie von Thomas Buomberger das Thema aus Schweizer Sicht erstmals systematisch aufarbeitet und darstellt, leistet sie einen Beitrag zur aktuellen historischen Untersuchung der Rolle unseres Landes im Zweiten Weltkrieg.</p>  Antwort des Bundesrates.