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Fabio Di Càsola wurde 1967 in Lugano geboren und studierte an der Genfer Musikhochschule bei Thomas Friedli. 1990 gewann er den ersten Preis beim Internationalen Musikwettbewerb CIEM in Genf sowie mehrere andere Preise («Prix Suisse», «Internationaler Wettbewerb zeitgenössischer Musik» (Stresa) u.a.). Diese Auszeichnungen wurden zum Anfang einer glänzenden Musikerkarriere.
Als Solist wurde Fabio Di Càsola von Mstislav Rostropovic für die Festspiele von Evian entdeckt. Kurz darauf wählte ihn Heinz Holliger zum Solisten für das Klarinettenkonzert von Sandor Veress (für Musikszene Schweiz auf Platte aufgenommen). Seither arbeitet er mit berühmten Ensembles zusammen, unter anderen mit dem Orchester der Italienischen Schweiz, dem Musikkollegium Winterthur und dem Russischen Nationalorchester, und mit Dirigenten wie Mikail Pletnev, Alain Lombard oder Armin Jordan. Letztes Jahr hat er, wieder unter der Leitung von Heinz Holliger, das neue Konzert für Klarinette und Orchester von Elliott Carter aufgeführt.
Mit dem Orchester der Italienischen Schweiz hat er in letzter Zeit zwei Werke aufgenommen: dieses Jahr das Klarinettenkonzert von Mozart (dirigiert von Alain Lombard) und 1999 das Duetto Concertino für Klarinette und Fagott mit Harfe und Streichern von Richard Strauss (dirigiert von Serge Baudo). Die daraus entstandenen CDs werden in Kürze auf dem Markt erscheinen.
Neben seiner Aktivität als Solist hat Fabio di Càsola schon immer eine besondere Vorliebe für Kammermusik gehabt. Er hat viele Aufnahmen eingespielt, zum Beispiel mit dem Pianisten Ricardo Castro die CD «Quatuor pour la fin du temps» von Olivier Messiaen bei Accord. Aus der Zusammenarbeit mit Wen-Sinn Yang, Hansheinz Schneeberger und den Quartetten «Sine Nomine» und «Amati» sind wertvolle Musikproduktionen entstanden.
1998 wurde er von einem Expertenjury und vom Publikum zum «Schweizer Musiker des Jahres» ernannt.
Ausserdem ist er künstlerischer Leiter der «Swiss Chamber Concerts» und Professor an der Musikhochschule Zürich-Winterthur, wo er eine Klasse für Fortbildungs- und Virtuositätsstudenten betreut. Er wird häufig in verschiedene Länder eingeladen, um Master Classes zu geben (Riva del Garda Festspiele – Italien, Tibor Varga Festspiele – Schweiz, Canberra Festspiele – Australien, usw.).
Fabio Di Càsola hat mit 34 Jahren schon viel erreicht und darf auf eine namhafte Karriere zurückblicken. Seit einem Jahr wohnt er mit seiner Frau und ihrem kleinen Sohn im «Püntenrain» in Thalheim.
Dorfposcht: Weshalb haben Sie sich Thalheim als Wohnort ausgesucht?
Fabio di Casola: Durch meine Anstellung als Soloklarinettist am Musikkollegium Winterthur vor 10 Jahren kam ich nach Winterthur. In der Stadt bin ich verschiedene Male umgezogen. Als Musiker ist es nicht immer einfach, eine passende Wohnung zu finden. Man muss üben, der Nachbar will aber vielleicht schlafen. Üben kann man auch nicht an einer lärmigen Strasse. Dieses Haus hier in Thalheim haben wir zufällig gefunden. Es liegt etwas abseits und beeindruckt hat mich vor allem die Ruhe. Wenn ich von meiner Tätigkeit in der Stadt hierher komme, fahre ich in eine andere Welt. Hier kann ich wunderbar abschalten.
Dorfposcht: Dafür nehmen Sie aber den Arbeitsweg nach Winterthur in Kauf.
Di Casola: Ja, das ist der Nachteil. Aber es gibt viele andere Vorteile. Die Leute sind viel offener und gemütlicher als in der Stadt. Man spürt hier viel weniger Stress. In Winterthur ist viel mehr Hektik. Auch den Nebel kann ich akzeptieren. Lieber Nebel auf einer Wiese als Nebel in der Stadt.
Dorfposcht: Sind Sie in einer Musiker Familie aufgewachsen?
Di Casola: Nein, absolut nicht. Mein Vater hörte viel Musik. Mit 10 Jahren durfte ich meinen Vater das erste Mal an ein Klavierkonzert von Beet-hoven begleiten. Ich war fasziniert von den Klängen der Instrumente und den verschiedenen Harmonien. Ich fand es sehr spannend.
Dorfposcht: Wann haben Sie das erste Mal auf einer Klarinette gespielt?
Di Casola: Das war auch mit etwa zehn Jahren. Wir waren in Lugano bei Leuten auf Besuch. Ich langweilte mich. Man diskutierte und sprach auch über Musik. Um mir die Zeit zu vertreiben, durfte ich auf einer alten Klarinette, die bei diesen Leuten im Estrich verstaut war, in einem anderen Zimmer spielen. Nach kurzer Zeit konnte ich schon eine einfache Melodie spielen. Die Besucherrunde staunte nicht schlecht, als sie es hörten. Danach begann ich Klarinettenstunden zu nehmen.
Dorfposcht: Hatten Sie immer nur Interesse an klassischer Musik oder gab es vielleicht auch eine Phase der Popmusik?
Di Casola: Nein, nicht richtig. Die klassische Musik war für mich immer die richtige Musik. Alles andere, wie es vielleicht am Radio zu hören ist, betrachte ich eher als Rhythmus.
Dorfposcht: Musik ist für den Konsumenten, sagen wir mal, etwas Entspannendes, etwas Geniesserisches, was ist es für Sie?
Di Casola: Musik ist für mich etwas, das ich sowieso analysieren will. Für mich gibt es keine Hintergrundmusik. Wenn ich Musik höre, setze ich mich hin, habe Zeit und Ruhe und geniesse die Musik. Ich höre praktisch keine Musik, während ich etwas anderes erledige. Ich kann nicht mal lesen und gleichzeitig Musik hören. Für mich würde da der Respekt zur Musik fehlen. Ich finde es schlecht, dass immer überall Lärm ist und Musik aus allen Lautsprechern tönt. Es schadet der Kultur. Je mehr leichte Musik man hört, je mehr zusätzlichen Lärm man aufnimmt, desto weniger kann man überhaupt richtig Musik hören und geniessen.
Dorfposcht: Glauben Sie, dass es jemandem angeboren ist, ein grosses Musiker-Talent zu sein oder kann man es auch einfach lernen?
Di Casola: Es gibt Talent, Eigenwillen und Lernen. Ohne Talent kann man akzeptabel Musik machen, doch zum Genie wird es nicht reichen. Viele Leute haben Talent und üben nicht. Hier fehlt die Basis und diese kommt eindeutig durch die Arbeit und nicht vom Talent. Talent ist irgendwie ein zusätzliches Licht, das man hat. Es braucht ganz sicher beides.
Dorfposcht: Sie haben Höhepunkte in Ihrer Karriere schon früh erreicht. Haben Sie sich weitere Ziele gesteckt?
Di Casola: Das ist etwas ein Problem. Den besten Preis gewann ich schon mit 24 Jahren. Da läuft man Gefahr, dort steckenzubleiben. Aber das ist der Anfang vom Ende. Das ist schlecht. Man muss immer etwas Neues finden, die Qualität immer verbessern. Das bedeutet immer eine Menge Arbeit. Eines meiner Ziele ist es, fit und gesund zu bleiben, denn um ein Konzert durchzustehen, braucht es physisch und mental viel. Ich bin sehr zufrieden, ich habe viel erreicht. Ich habe eine Anstellung als Soloklarinettist in einem sinfonischen Orchester, ich bin Professor an der Musikhochschule, viele wünschen sich das.
Fabio Di Càsola, vielen Dank für das interessante Gespräch. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg für Ihre Karriere.
Marlies Schwarz
Wer mehr über Fabio Di Càsola erfahren möchte, hier seine Homepage:
www.dicasola.com.
Konzerthinweis: Samstag, 6. Oktober 2001, 17.00 Uhr, Stadthaus: Orchester Musikkollegium Winterthur, Leitung: Jac van Steen, Klarinette: Fabio Di Càsola als Solist,
Eintritt gratis