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Radsportidol Gino Bartali – Kurier des katholischen Widerstandes
- Donnerstag, 19. Dezember 2013, 17:23 Uhr
Der italienische Radfahrer und zweifache Sieger der Tour de France hat in seinem Leben viele Auszeichungen erhalten. Nun, 13 Jahre nach seinem Tod, wird ihm eine ungewöhnliche Ehre zuteil: Er wurde in Yad Vashem als «Gerechter unter den Völkern» geehrt.
Der Schriftsteller Curzio Malaparte nannte Gino Bartali einmal jemanden, der wirke, als sei er mit unsichtbaren Mächten im Bunde: «Bartali ist ein Mann der Tradition. Er ist ein metaphysischer, von den Heiligen geschützter Mensch.»
Malaparte war längst nicht der einzige, der dem Mythos des legendären Champions erlag. Der Sänger Paolo Conte widmete Bartali eine Hymne, Italien feierte den Champion, den stets die Aura eines Mystikers umgab. Bartali empfing den Segen dreier Päpste. Zweimal, 1938 und 1948, gewann er die Tour de France, dreimal den Giro d'Italia und zweimal die Tour de Suisse.
Der Krieg unterbricht die Karriere
Seine besten Jahre als Sportler aber verlor Bartali durch den Krieg. Doch auch in jener Zeit absolvierte Bartali Tausende von Kilometern auf dem Rennrad. Unterwegs war er in einer besonderen Mission: Im faschistischen Italien schmuggelte Bartali als Kurier im Rahmen seines Rennrades gefälschte Dokumente. Er gehörte einem antifaschistischen Netzwerk an, hinter dem Elie Dalla Costa, der Erzbischof von Florenz, stand.
800 Juden sollen so durch seine Mithilfe gerettet worden sein – Menschen wie die aus Florenz stammende Giulia Donati. Bei zwei Schwestern fand sie Unterschlupf, doch Bartali sah sie niemals von Angesicht zu Angesicht: Als eines Abends ein Radfahrer an der Tür klingelte und mit einer der Schwestern sprach, sah sie zwar die schlanke Reifen des Rennrades. Doch an Bartali hatte sie keinen Augenblick gedacht.
Der Keller als Versteck
Der mittlerweile 81-jährige Giorgio Goldenberg, der sich heute Shlomo Pas nennt und nördlich von Tel Aviv in Kfar Saba lebt, hat dagegen lebhafte Erinnerungen an den Mann, von dem er sagt, dass er nicht nur ihn, sondern seine ganze Familie gerettet habe.
Die Goldenbergs lebten in Fiesole. Als die Lage für Juden immer bedrohlicher wurde, brachten die Helfer des Erzbischofs den Jungen in ein Kloster. Bald war auch dieses Versteck nicht mehr sicher. Doch Bartali wusste einen Ausweg: Er versteckte die Familie ein Jahr lang in einem Keller in Florenz. Er versorgte die Goldenbergs mit Essen, auch Bartalis Ehefrau Adriana kümmerte sich um sie.
Jahrelanges Warten auf eine Ehrung
Bartali verstarb im Juni 2000 mit 85 Jahren. Zeit seines Lebens hat er niemals öffentlich über seine Rolle im Widerstand gesprochen. Seiner Familie hatte er ein Schweigegelübde abgenommen, Nachfragen ignorierte er einfach. Doch nach seinem Tod tauchten Dokumente auf, die sämtliche Gerüchte um Bartalis Rolle im Netzwerk belegten.
Die jüdische Gemeinde in Florenz wollte Bartali daraufhin postum in der Gedenkstätte der Shoa, Yad Vashem, auszeichnen lassen – als einen «Gerechten unter den Völkern». Shlomo Pas und Giulia Donati bezeugten Bartalis Taten, doch die Überlebenden warteten jahrelang vergeblich auf seine Ehrung.
Angeblich ging es um ein Details: Man wisse nicht, wem der Keller gehöre – Bartali oder seinem Schwager? Dies sei entscheidend, denn der Besitzer hätte das Risiko auf sich genommen. Es wirkte ein wenig so, als würde Bartali wegen seiner grossen Popularität nicht ausgezeichnet werden: «Er ist eine Legende», sagt Irena Steinfeld, die Leitern der Kommission Gerechter unter den Völkern. Und da falle es mitunter schwer zu trennen, was Fakt oder was bloss Hörensagen ist.
Im Zirkel der Retter
Nun aber ist Bartali doch noch aufgenommen worden in den Zirkel der Retter. Und die Begründung überrascht ebenso wie die späte Wendung selbst: Irena Steinfeldt sagt, immer mehr Berichte von Zeitzeugen hätten sich eingefunden, die von Bartalis Kurierfahrten berichten. Die Summe der Aussagen haben sich so addiert – was letztlich zur Aufnahme Bartalis in den Kreis der Gerechten geführt habe. So erhält Italiens Radsportidol 13 Jahre nach seinem Tod einen einzigartigen Titel.
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