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Semipalatinsk-Bericht erschienen
Das Gelände im Osten von Kasachstan ist sehr gross. Es umfasst eine Fläche von rund 19'000 km[sup]2[/sup] und diente der ehemaligen Sowjetunion 1949-89 als Versuchsgelände für ober- und unterirdische Nuklearexplosionen. Heute leben in der Nähe des Geländes 30'000-40'000 Menschen und auf dem Gelände selbst in einigen Siedlungen eine kleine Zahl weiterer Personen. Wie die Experten in ihrem soeben veröffentlichten Bericht feststellen, haben die 456 im grössten Teil des ehemaligen Sperrgebiets zur Explosion gebrachten Fissions- und Fusionsbomben wenig oder gar keine radioaktiven Rückstände hinterlassen. Ausnahmen sind die Zone um den Nullpunkt auf dem Boden, wo 26 bodennahe und 87 atmosphärische Versuche durchgeführt worden waren, und das Gebiet des Balapan-Sees, der gezielt künstlich durch eine Explosion in geringer Tiefe ausgehoben worden war. In diesen zwei Bereichen ist die Kontamination erheblich, aber relativ lokalisiert. Würden dort Menschen leben, wären sie einer Jahresdosis von 140 mSv ausgesetzt, im übrigen ehemaligen Testgelände aber nur von rund 10 mSv. In beiden Fällen überwiegt der Beitrag der externen Strahlung. An den drei anderen Stellen, wo Erdbewegungen durch Nuklearexplosionen erzeugt wurden, ist ebenfalls eine Kontamination festzustellen, die noch näher abzuklären wäre. Keine Spuren haben die Experten von misslungenen Explosionen gefunden, doch waren die verfügbaren historischen Daten zu dürftig, um für das ganze Testgelände zu schlüssigen Ergebnissen zu kommen. Auf Grund der bekannten Daten empfehlen die Experten der Regierung von Kasachstan, unmittelbar am Nullpunkt und am Balapan-See als einfache Schutzmassnahmen eine dauernde Zugangssperre zu errichten. Für die Bevölkerung ausserhalb des Testgeländes sehen die Experten heute kein unmittelbares radiologisches Risiko, das heisst, sie halten es nicht für höher als im globalen Durchschnitt. Ob es während der Bombentests zu unzulässigen Bestrahlungen gekommen war, haben sie nicht untersucht. Laut den Experten wäre in weiteren Studien abzuklären, ob die Wasserversorgung der Bevölkerung nicht mittelfristig durch die bei den unterirdischen Versuchen freigesetzten Radionuklide gefährdet ist.