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Alan Greenspan, der Vorsitzende des Federal Reserve Board (Fed), gilt als mächtigster Mann der Welt. Von der amerikanischen Geldpolitik, die Greenspan praktisch im Alleingang formuliert, hängt nicht nur die Gesundheit der US-Wirtschaft ab, sondern das Wohlergehen der ganzen Weltwirtschaft. In der letztjährigen Weltwirtschaftskrise war es Greenspan, der mit seinen drei Zinssenkungen die Börsen stabilisierte und der Krise eine Wende gab. Legionen von Finanzexperten zermartern sich jeden Tag den Kopf, was der Fed-Chef im Schild führt, und Milliarden von Dollars werden Tag für Tag auf Greenspans Zinspolitik gewettet. Selbst Bill Gates und Warren Buffett kommen auf den Knien gerutscht, wenn Greenspan ruft, denn ein Kanal zum US-Zinspapst ist mehr wert als ein heisser Draht zum lieben Gott.
Seine Lunchpartner
Mit Lloyd Bentsen spielte er Tennis, aber der einzige Politiker, der nach Ansicht der Finanzmärkte dem Fed-Gewaltigen nahe kam, war Bentsens Nachfolger im Schatzamt, Robert Rubin. Schon vor der Weltfinanzkrise traf Greenspan den schlaksigen ehemaligen Wall-Street-Banker mindestens wöchentlich zum Lunch. Mit dabei war meist Larry Summers, Rubins Nachfolger, den Greenspan vermutlich wegen seiner intellektuellen Brillanz schätzt. Mit Bill Clinton hingegen verbindet Greenspan nur das Saxophonspielen. Der kleingewachsene Notenbanker, der ein Jahr lang mit einer professionellen Jazzband durch die Lande tingelte, spielt allerdings deutlich besser als der Präsident.
Seine Informanten
Greenspan zapft jede Quelle an, die ihm Informationen liefern kann, von Gail Fosler und Jerry Jasinovski, den Chefökonomen des Conference Board beziehungsweise des Industriellenverbands, bis zu Hedgefund-König George Soros. Die Ökonomen der Washingtoner Denkfabriken sind weitere Quellen, von Fred Bergsten vom Institute for International Economics bis zu Allan Meltzer, dem Gründer des «Schatten-Offenmarktkomitees» und VR bei Martin Ebner. Für die internationale Wirtschaftspolitik greift Greenspan gerne auf die Chefökonomen des IWF und der Weltbank zurück, Michael Mussa und Joseph Stiglitz - vielleicht gerade, weil die beiden das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben. Und als Sprachrohr für seine Politik benützt er mit Vorliebe John Berry, einen Journalisten der «Washington Post».
Seine Gegner
Kritiker hat Greenspan nach zwölfjährigem erfolgreichem Magiertum fast keine mehr. Paul Volcker, sein Vorgänger, äussert sich zu Greenspan öffentlich nicht, und Laurence Meyer ist fast das einzige Mitglied des Federal Reserve Board, das sich noch eine eigene Meinung erlaubt. Frühere Board-Kollegen wie Alan Blinder, Gerald Corrigan (heute bei Goldman Sachs) oder Alice Rivlin sind fest im Lager Greenspans. Nur Wayne Angell (Bear Stearns), der sich bereits im Fed bei jeder Gelegenheit ins Rampenlicht gedrängt hatte, sorgt ab und zu mit konträren Prognosen für etwas Aufregung. Direkte Widerrede erlebt Greenspan praktisch nur im Kongress, wo linksdemokratische Abgeordnete wie Barney Frank, Maxine Waters oder Senator Paul Sarbanes die knausrige Geldpolitik des Fed zuweilen attackieren. Unter den bekannteren Publizisten ist der Salon-Marxist William Greider fast der Einzige, der Greenspans konservative Wirtschaftspolitik umfassend kritisiert.
Seine Freunde
Persönliche freunde hat Greenspan nur wenige. Öffentlich als solche bekannt haben sich nur Arthur Levitt, der Chef der Securities and Exchange Commission (SEC), MIT-Professor und Nobelpreisträger Robert Solow sowie der ehemalige US-Präsident Gerald Ford. Private Freundschaften soll Greenspan auch mit Al Hunt, dem Leiter des Washingtoner Büros des «Wall Street Journal», und mit der CNN-Journalistin Judy Woodruff pflegen. Auch Weltbank-Präsident James Wolfensohn und dessen Frau Elaine gehen bei Greenspan ein und aus.
Die Frauen
Alan Greenspan liebt starke Frauen. die erste war seine Mutter, Rose Goldsmith Greenspan, die den Sohn allein aufzog. Von ihr erbte Greenspan die Liebe zur Musik. Als er nach Washington gezogen war, rief er seine Mutter (die 1995 verstarb) fast jeden Tag an. Seine erste Ehe ging Greenspan mit Joan Mitchell ein, einer bekannten Kunstmalerin. Die Ehe dauerte weniger als ein Jahr. Danach wurde er von Ayn Rand in den Bann gezogen, einer eigenwilligen und noch heute einflussreichen Philosophin. Rands Philosophie des «aufgeklärten Egoismus» scheint Greenspan jedoch nicht übernommen zu haben - er war zeitlebens ein Pragmatiker. In den Siebzigerjahren war er ständiger Begleiter von Barbara Walters, der vielleicht berühmtesten Fernsehjournalistin Amerikas. Und 1982 lernte er die Journalistin Andrea Mitchell kennen, eine NBC-Korrespondentin im Weissen Haus. Zwölf Jahre lang waren die beiden ein ständiges Paar, bevor sie offiziell den Ehebund schlossen. Einen guten Kanal hat Greenspan offenbar auch zu einer weiteren starken Frau, Hillary Clinton: 1993, anlässlich von Clintons erster «State of the Union»-Rede, sass Greenspan neben Hillary in der Ehrenloge.