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Eine Liebesgeschichte? Bloß ein Traum? »Ein Sommerflimmern« nenne ich mein jüngstes, mein 16. Werk mit dem Titel »Ausblick auf ein Plateau, an dessen äußerstem Rand drei Bäume, eine Sitzbank und ein ehemaliger Stall stehen könnten«, das im Juli 2016 erschienen ist. In dieser kleinen Geschichte spiele ich erneut mit einem meiner Lieblingsmotive: Dass alles, was sich scheinbar ereignet, auch ganz anders gewesen sein könnte. Mein Held beobachtet zwei Personen auf einem Plateau hoch über dem Meer, die sich einander langsam zu nähern scheinen, beobachtet von einem weiteren Wanderer, dessen Weg ihn, weg vom belebten Strand auf der Ferieninsel, hier hinaufgeführt hat. Am Abend an der Hotelbar wird über das merkwürdige Zusammentreffen gerätselt. Doch da ist auch noch Max, der Menschen beobachtet und sich deren mögliche Lebensgeschichten ausdenkt. Was also hat sich wer bloß ausgedacht, was hat sich tatsächlich ereignet?
Was soll ich über eine Geschichte berichten, die sich zeitlich zwischen die – mühselige und weiterhin andauernde – Arbeit an meinem »Kassandra-Stoff« und die Vollendung eines der abschließenden Bearbeitung harrenden Romans geschlichen hat, den ich zu Beginn des Jahres 2016 auf Lanzarote praktisch ohne abzusetzen niedergeschrieben habe (Arbeitstitel: »Die Brücke«)?
Sie war eines Morgens oder eines Abends oder mitten in der Nacht, so genau kann ich mich nicht mehr erinnern, obwohl dies erst wenige Monate zurückliegt, als ich mich in meiner »Schreibwerkstatt« in Broglio aufhielt, plötzlich da gewesen, aus dem Nichts aufgetaucht. Auf leisen Sohlen hatte sie sich herangeschlichen, sich vor mich hingestellt und geflüstert: »Hier bin ich, vom Anfang bis zum Ende, Zeit, mich niederzuschreiben.«
»Ausblick auf ein Plateau, an dessen äußerstem Rand drei Bäume, eine Sitzbank und ein ehemaliger Stall stehen könnten«, die Geschichte, die ich im Untertitel »Ein Sommerflimmern« nenne, geht auf eine Wanderung zurück, die ich im Sommer 2007 auf Mallorca unternommen hatte.
Ich war alleine unterwegs und wollte mich eigentlich bloß für ungefähr eine Stunde die nähere, menschenleere Umgebung unseres Hotels ansehen und an einem schönen Punkt die Aussicht auf das Meer genießen und hatte also lediglich eine Flasche mit Wasser und den Fotoapparat dabei (die Geschichte dieser Wanderung und ihr glückliches Ende tief in der Nacht ergäbe ein eigenes Buch).
Das Plateau war mir in Erinnerung geblieben (fast) so, wie ich es in meiner Geschichte beschreibe. Erst, als ich den Text vollendet hatte und die Fotos von jenem Tag durchsah, erkannte ich, dass in Tat und Wahrheit alles anders gewesen war. Und dies ist denn, einmal mehr, auch das Grundmotiv dieser jüngsten Erzählung: Dass alles auch ganz anders gewesen sein könnte…
(ISBN 978-3-7412-0895-9, auch als E-Book erhältlich)