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Wo Weissweine die Hauptrolle spielen
Woher stammt der Gewürztraminer? Bei dieser weissen Welt-Rebsorte handelt es sich um die heute am meisten angebaute Variante des Traminers.
Der Name wurde um etwa 1000 n. Chr. erstmals im Südtiroler Dorf Tramin erwähnt, das bei der Taufe als Namenspate stand. Die Varietät hat zudem im französischen Elsass quasi eine zweite Heimat. Der Traminer ist dort seit dem Mittelalter bekannt. In beiden Anbaugebieten zählt der Gewürztraminer zu den Aushängeschildern und Spezialitäten zugleich. Eine weitere Gemeinsamkeit: Sowohl im Elsass als auch im Südtirol spielen die weissen Sorten die Hauptrolle.
In der nahe der Schweiz gelegenen Region Elsass beanspruchen die weissen Trauben 90 Prozent der Rebfläche von 15'600 Hektaren für sich. Die Stars sind Riesling (gut 22%) Pinot Blanc (21%) sowie der bereits erwähnte Gewürztraminer (knapp 20%). Eine Bedeutung haben zudem Pinot Gris, Sylvaner und Muscat. Hergestellt werden mehrheitlich sortenreine Weine, von trockenen Versionen bis hin zu süssen Preziosen, die als "Vendage tardive" oder "Sélection de grains nobles" vermarktet werden. Ein bedeutender Teil der Produktion entfällt auf Schaumweine. Dabei basiert der Crémant d'Alsace meistens auf Pinot Blanc.
Relativ jung ist Einzellagen-Klassifikation im Elsass. Inzwischen sind 51 Rebberge als Alsace Grand Cru eingestuft worden. Ob alle diesem Status entsprechen, ist indes umstritten. So werden manche Grenzziehungen weiterhin diskutiert. Gewisse Lagen erstrecken sich zudem über eine relativ grosse Fläche, oft über mehrere Hänge mit unterschiedlichen Richtungen und Böden. Renommierte Winzer wie beispielsweise Zind-Humbrecht, André Ostertag, Domaine Weinbach oder Domaine Trimbach verfügen aber über hervorragende Lagen und produzieren auch qualitativ hochwertige (Weiss-)Weine.
Grands Crus gibt es auch im Südtirol, wenngleich die hochwertigen Gewächse nicht unter einem solchen Label vermarktet werden. Allerdings sind 98% Prozent der Fläche von 5300 Hektaren mit einer Herkunftsbezeichnung (DOC oder DOP) deklariert. Die Dominanz der Weissweine ist nicht ganz so ausgeprägt wie im Elsass, aber sie machen immerhin 60% aus. Tendenz steigend. Das kleine Weinland wartet mit einer grossen Vielfalt auf. Pinot Grigio liegt an der Spitze mit einem Anteil von 11,9%. Es folgen Gewürztraminer, Chardonnay, Weissburgunder sowie Sauvignon Blanc. Die meistangebaute Sorte ist indes roter Farbe: Der unverwüstliche Vernatsch kommt auf 16%.
Die klimatischen Bedingungen im Südtirol ermöglichen die Produktion von mineralisch-frischen Weissweinen. Namentlich im höher gelegenen Eisacktal (Anteil weiss: 95%!) sind die Voraussetzungen für diesen Stil vorzüglich. In den Anbaugebieten rund um den Kalterersee liegen die Temperaturen höher. Den Gewächsen ist gemeinsam, dass sie mit einer klaren Primärfrucht überzeugen und in den allermeisten Fällen reinsortig vinifiziert werden. Zu ihren Leitsorten haben die Südtiroler den einheimischen Gewürztraminer, den aromatischen Sauvignon blanc sowie den fruchtig-frischen Weissburgunder erkoren. Spannende Weine entstehen aber auch aus dem global verbreiteten Chardonnay – wie der NZZ-Monatswein für Juli des renommierten Weinguts Elena Walch exemplarisch zeigt.
Peter Keller, Juli 2016