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Sie schoss scharf, ritt schnell und interessierte sich für Politik. Catherine von Wattenwyl, Adlige von Bern, widersetzte sich den Normen ihrer Zeit. So liess sie sich etwa mit Rüstung und Schwert porträtieren, wie es sonst nur Heerführer taten. Ganz Bern war schockiert. Und später wurde sie sogar eine Spionin für den Hof des französischen Königs Louis XIV. Sie übermittelte politische Informationen aus den gehobenen Kreisen Berns via Boten nach Frankreich. 1689 flog sie auf und wurde in den Berner Käfigturm gesperrt und gefoltert. Aber nichts konnte ihren Willen brechen – sie schwieg, bis man sie schliesslich freiliess. Für den Rest ihres Lebens zog sie sich zurück auf ein Schloss in Neuenburg und schrieb alles nieder, was sie erlebt und gehört hatte – jede noch so kleine Intrige. Durch ihre Memoiren blieben viele historische Geschehnisse für die Nachwelt erhalten. Danke, Catherine von Wattenwyl, dass du Geschichte geschrieben hast.
Die Berner Adlige und Spionin des Sonnenkönigs
Schon als Kind las Marie Vögtlin heimlich Latein- und Mathematikbücher. Und als junge Frau sorgte sie mit ihrem Ehrgeiz für einen Sturm der Entrüstung in den Vorlesungssälen und im ganzen Land: 1869 begann sie als erste Frau der Schweiz an der Universität Zürich ihr Medizinstudium. Studenten, Dozenten und Zeitungen beschimpften sie als «ehrenloses Frauenzimmer». Doch trotz allem Widerstand schloss sie 1874 das Studium erfolgreich ab und eröffnete als «Arzt für Geburtshülfe» eine eigene Praxis. Die Bezeichnung «Ärztin» gab es noch nicht. Frauen aus ganz Zürich wollten von ihr behandelt werden. Sie half allen – auch unentgeltlich. Mit ihrem Einkommen finanzierte sie ausserdem das Studium weiterer Frauen und gründete im Jahr 1899 eine Pflegerinnenschule sowie das erste Schweizer Frauenspital. Danke, Marie Heim-Vögtlin, dass du die Tür zur Universität für ein ganzes Geschlecht geöffnet hast.
Die erste Studentin der Schweiz und erfolgreicher «Arzt»
Alfonsina Storni wuchs im kleinen Dorf Sala Capriasca bei Lugano auf. Bereits 1896 verliess sie aber mit ihren Eltern das Tessin. Die Familie wollte sich in Südamerika eine neue Existenz aufbauen. Den Eltern gelang das nicht, aber die Tochter wurde in Buenos Aires berühmt. Sie kämpfte als Schriftstellerin gegen die Unterdrückung der Frau – und das im militärdiktatorischen Argentinien. Ihre Texte sind sarkastisch, sozialkritisch und feministisch. «Meine Seele hat kein Geschlecht», heisst es etwa in einem ihrer Gedichte. Sie war eine Wegbereiterin der modernen Frauenliteratur, da sie sich gegen die bisherigen Stereotypen der Frau als sanfte, unterwürfige Figur in der Literatur gewendet hat. Danke, Alfonsina Storni, dass du für Unabhängigkeit gekämpft hast.
Die kühne Poetin und Kämpferin für Selbstbestimmung
Emilie Spyri war wissensdurstig und wollte für die Gleichstellung von Frau und Mann kämpfen. Als Rebellion gegen ihre streng religiöse Familie heiratete sie einen mittellosen Mann, Walter Kempin, einen öffentlichen Verfechter der Rechte der Frau. Mit dessen Unterstützung begann sie 1883 als erste Frau Europas ein Jurastudium in Zürich und erlangte fünf Jahre später den Doktortitel. Aber arbeiten als Juristin durfte sie leider nicht. Erst an der New York University in den USA war sie erfolgreich. Dort war sie die erste Jura-Dozentin und gründete eine Rechtsschule für Frauen. Seit 2021 wird ihr zu Ehren der Emilie-Kempin-Sypri-Preis an Rechtsanwältinnen verliehen, die einen besonderen Verdienst für die Gleichstellung der Geschlechter geleistet haben. Danke, Emilie Kempin-Spyri, dass du den Mut hattest, für die Rechte der Frau zu kämpfen.
Die erste Juristin Europas und Erfolgsdame in New York
Ella Maillart ging lieber zum Hockeytraining oder auf die Skipiste als in die Schule. Die Genferin brach das Gymnasium ab und reiste 1924 als erste Frau im Schweizer Segelteam an die Olympischen Spiele in Paris. Doch Sport allein war nicht genug: Ihr Herz schlug für das Entdecken der weiten Welt. In einem Ford Roadster startete die junge Frau ihre Reise in Richtung Osteuropa. 1939 erreichte sie Afghanistan. Mit Kamelen und zu Fuss ging das Abenteuer weiter durch umkämpfte Gebiete, Wüsten und Berge – durch unzählige Länder bis nach Japan. Erst nach fast dreissig Jahren im Ausland kehrte sie in die Schweiz zurück. In einem kleinen Chalet im Wallis verbrachte sie den Rest ihres Lebens, schrieb Reiseberichte und pflanzte in ihrem Garten Blumen aus aller Welt an. Danke, Ella Maillart, dass du uns gezeigt hast, dass alles möglich ist.
Die ehrgeizige Sportlerin und tollkühne Weltstürmerin
Mit Coopzeitung und 20 Minuten spannen die beiden grössten Zeitungen in der Schweiz zusammen, um ein neues, trendiges Magazin kurz vor dem Wochenende zu lancieren. «Coopzeitung Weekend» erscheint jeden Freitag dreisprachig im Print und Online von 20 Minuten.