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Standpunkt: Viva la revolución!Sind die Tiere wirklich im menschlichen Ethik-Verständnis angekommen, wie uns das Auftauchen des Begriffs «Tierethik» glauben macht?
Eine kleine Zeitreise. Für Cicero (römischer Politiker und Philosoph, 106–43 v. Chr.) war klar: «Ich habe nun nur noch zu beweisen und damit endlich zum Schluss zu kommen, wie alle Dinge dieser Welt, aus denen die Menschen ihren Nutzen ziehen, allein um der Menschen willen geschaffen und eingerichtet sind.» Ganz anders sah es der römische Dichter Ovid (43 v. Chr. – 17 n. Chr.): «Welch ein Frevel, weh! Wenn Geweid in Geweide gestopft wird und ein gieriger Leib einen Leib verschlingend sich mästet, ein Beseeltes lebt vom Tod eines Beseelten!» Im antiken Griechenland gab es eifrige Verfechter der pythagoreischen Ansicht, wie Porphyrios (Philosoph, ca. 232–304), der sagte: «Wohlan, so wollen wir die ganze pythagoreische Ansicht vertreten, wonach alles Lebendige, was empfindet und Erinnerung hat, auch ein vernünftiges Wesen ist. Ist das bewiesen, so steht ja dann fest, dass die Gerechtigkeit sich auch auf diese erstrecken muss.»
Diese Tierdiskussion ging über die Jahrhunderte hin und her. Mal war der Standpunkt der Tiere höher, mal wieder tiefer. Ganz tief sank er gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Viele Philosophen sprachen den Tieren jegliche Rechte ab. Wie der französische Naturwissenschaftler René Descartes (1596–1650), der behauptete, dass Tiere Automaten seien, die sich zwar fortbewegen könnten, aber keine Seele hätten. Ebenfalls behauptete er, dass Tiere keinen Schmerz empfänden und ihre Schreie nur wie das Quietschen einer Maschine seien. In der damaligen medizinischen Aufbruchstimmung gab er damit quasi das Startzeichen, dass es legitim ist, an Tieren Versuche zu Forschungszwecken durchzuführen.
Streitpunkt all der Diskussionen war auch immer, inwiefern es einen moralisch relevanten Unterschied zwischen Mensch und Tier gibt. Immanuel Kant (deutscher Philosoph, 1724–1804) sah den Menschen als einziges vernünftiges Wesen, und alles andere sei dazu da, seinem Interesse zu dienen, während für Arthur Schopenhauer (deutscher Philosoph, 1788–1860) sich die Mitleidsmoral auf jedes einzelne Lebewesen erstreckte. Wieder andere sahen in der menschlichen Sprachfähigkeit den grundlegenden Unterschied. Für Jeremy Bentham (engl. Jurist und Philosoph, 1748–1832) waren all diese Diskussionen fehl am Platze: «Aber welches andere Merkmal könnte die unüberwindliche Grenzlinie sein? Ist es die Fähigkeit zu denken oder vielleicht die Fähigkeit zu sprechen? Die Frage ist nicht: Können sie denken? oder: Können sie sprechen?, sondern: Können sie leiden?»
Lange Zeit war es relativ still um das Thema Tierrechte. Erst in den 1970er Jahren wurde wieder über die moralisch angemessene Behandlung unserer Mitgeschöpfe diskutiert. Der definitive Weckruf zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgte durch Peter Singers Buch «Animal Liberation». Ein weiteres starkes Ausrufezeichen folgte in den 1980er Jahren durch Tom Regans Buch «The Case For Animal Right».
Heute, gut 30 Jahre nach Regans Veröffentlichung, wird von einer zweiten aufbrandenden Welle der modernen Tierrechtsdebatte gesprochen. Doch ob sich diese Welle nun endlich auch konkret auf das Wohlergehen aller Tiere auswirken wird, bleibt abzuwarten. Definitiv ist aber zu bemerken, dass die Gesellschaft Tendenzen zu einer Sensibilisierung für das Thema zeigt. Dies allerdings eben in einem starken Kontrast zu den industriellen «Tierverwertern», bei denen leider immer noch Profit vor Ethik kommt. Hier zeigt sich die hässlichste Fratze des Kapitalismus, wonach alles andere dem steten Wachstum unterzuordnen ist. Falls aber wir durch unser Konsumverhalten Druck ausüben und zeigen, dass wir keine Tierausbeutung wollen, wird das früher oder später Auswirkungen haben. Denn die Nachfrage bestimmt das Angebot.
Kämpfen wir also weiter, um die Leute zu sensibilisieren, und beobachten wir mit Spannung, wie sich langsam eine Revolution in Gang setzt. Die Befreiung der Tiere!
In diesem Sinne: Viva la revolución!
Achim-David Z'Brun
kritischer Zeitgenosse und Friedensaktivist