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SCHNEIDER-SLIWA, R., C. PAULIN, I. BRUNNER, A. KAMPSCHULTE:
Aspekte umweltbewussten Wirtschaftens: Dezentrales Kompostieren in der Stadt Basel.
(= Basler Feldbuch 14), Basel, 1997, 85 S.
Zusammenfassung
Ökologische Stadtentwicklung bedarf der Mitwirkungsbereitschaft auf der Ebene der Bürger und der öffentlichen Verwaltung sowie der wissenschaftlichen Erkenntnisse als Grundlageninformation für Entscheidungen über ökologische Aufwertungsmassnahmen. Um Entscheidungsgrundlagen für die Optimierung der öffentlich finanzierten Abfallwirtschaft zu liefern, wurde in der Stadt Basel eine Haushaltsbefragung durchgeführt, die die Kompostierbereitschaft der Haushalte eindeutig belegt und Möglichkeiten aufzeigt, diese noch zu steigern. Im Zentrum des Interesses standen dabei Fragen nach der Anzahl und Grösse der kompostierenden Haushalte, nach der Menge des dezentral kompostierten Materials sowie nach den Determinanten des Kompostierverhaltens in unterschiedlich strukturierten Wohnvierteln. Entsprechend wurden im Sommer 1996 stadtweit und in vier repräsentativen, nach Durchgrünungs- und Haushaltsstruktur ausgewählten Quartieren insgesamt 1788 Haushalte befragt.
Ergebnisse
Etwa jeweils die Hälfte der Basler Haushalte kompostieren ihre organischen Abfälle bzw. entsorgen sie mit dem übrigen Hausmüll, wobei die kompostierenden Haushalte durchschnittlich mehr organische Abfälle produzieren. Insgesamt konnte festgestellt werden, dass mit zunehmender Haushaltsgrösse sowohl die Menge der anfallenden organischen Abfälle als auch die Kompostierhäufigkeit steigen.
Auf die einzelnen Quartiere bezogen wird im St. Alban-Gellert-Breite-Quartier und Iselin-Quartier signifikant häufiger kompostiert als im Gundeldinger- und Matthäus-Quartier. Dies entspricht weitgehend den unterschiedlichen Grünflächenanteilen in den einzelnen Quartieren, da die Verfügbarkeit von Hinterhöfen eine wesentliche Voraussetzung für das Kompostieren darstellt. Die Kompostierbereitschaft der Befragten in den beiden zuletzt genannten Quartieren könnte laut Umfrage vor allem durch eine eingehendere Beratung gesteigert werden.
Das ökologische Bewusstsein ist bei den kompostierenden Haushalten insgesamt ausgeprägter, was sich auch in dem höheren Sammelvolumen dieser Haushalte bei allen Problemabfällen äussert. In bezug auf die Altersstruktur der Haushalte bestehen hinsichtlich der Kompostierbereitschaft keine Unterschiede. Während jedoch bei jüngeren Haushalten vor allem mangelnde Zeit als Ursache des Nichtkompostierens angegeben wird, ist bei älteren Haushalten die geringe Menge an anfallenden organischen Abfällen hierfür ausschlaggebend. Unter diesem wie auch sozialen Aspekten liessen sich vielleicht gerade ältere Mitbürger dazu motivieren, die Verantwortung für einen Quartierskompost zu übernehmen.
Als bedeutendste Kompostierorte konnten innerhalb der Studie der Garten vor/hinter dem Haus und der Schrebergarten identifiziert werden. Das Kompostierwissen erlangte die Mehrzahl der Befragten durch Mund-zu-Mund-Propaganda oder durch Lesen. Lediglich ein Fünftel der kompostierenden Haushalte bezog seine Fertigkeiten von der Kompostberatung Basel.
Eine Steigerung der Kompostierbereitschaft könnte vor allem durch die Bereitstellung von Gratis-Kompoststellen sowie Kompoststellen in der Nähe des Wohngebäudes erreicht werden. Letzteres ist vor allem für diejenigen Haushalte von Bedeutung, die in grösseren Überbauungen leben und keinen Schrebergarten besitzen. Darüber hinaus wird das Kompostierverhalten in erster Linie durch den für den Kompost zu Verfügung stehenden Platz und die Menge der anfallenden organischen Abfälle bestimmt.
Zusammenfassend kann aus der vorliegenden Studie ein erhöhter Handlungsbedarf seitens der öffentlichen Verwaltung abgeleitet werden. So müssten die Bürger grundsätzlich stärker auf ökologische Fragen bezüglich der Abfallverwertung sensibilisiert werden. Dies könnte durch eine Broschüre geschehen, die die Abfallwege genau beschreibt, die Vorteile der getrennten Verwertung klar erkennen lässt und einen Plan der öffentlichen Sammelstellen und Abholtermine enthält. Die hieraus resultierenden Lerneffekte würden sich sicherlich auch positiv auf die Kompostierbereitschaft der Haushalte auswirken.