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Shirly Pinto neue Vorsitzende der Knesset-Gruppe Israel-Schweiz
Das teilte sie gestern (28.10.) auf Twitter (Bild 1) mit. Sie schrieb:
«Ich wurde zur Vorsitzenden der Freundschaftsgruppe Israel-Schweiz ernannt!
Die Schweiz hat einen internationalen Einfluss, der auch die Rechte von Menschen mit Behinderungen fördert und ich begrüsse jede Zusammenarbeit, die zu ihrem Wohlergehen beiträgt.
Der erste Zionistenkongress fand 1897 in Basel in der Schweiz statt. Da ich selbst Mitglied des Zionistischen Kongresses bin, freue ich mich sehr, diese historische Freundschaft zu führen.»
Die 32-jährige Shirly Pinto war für die von Premierminister Naftali Bennett geführte Jamina-Partei in die 24. Knesset nachgerückt, weil ein Abgeordneter der Partei seinen Sitz abgab, nachdem er einen Ministerposten übernommen hatte. Sie wurde am 24. Juni 2021 vereidigt (Bild 2). Pinto ist die erste gehörlose Person, die im israelischen Parlament Einsitz genommen hat.
Pinto ist in den Knesset-Kommissionen
- für innere Angelegenheiten und Umwelt
- Bildung, Kultur und Sport
- Arbeit und Soziales
tätig und gehört auch dem Sonderausschuss für ausländische Arbeitskräfte an.
Tochter gehörloser Eltern
Pinto wurde als Tochter gehörloser Eltern geboren. Ihre Mutter ist gehörlos und blind.
Shirly verbrachte den grössten Teil ihrer Kindheit bei den Eltern ihrer Mutter sowie bei ihren Gebärdeneltern. Auf diese Weise erwarb sie umfassende Kenntnisse in zwei Sprachen, der israelischen Gebärdensprache und der hebräischen Sprache, was ihr emotionale Stärke und Selbstwertgefühl zwischen den beiden Welten verlieh.
Seit ihrer Kindheit hatte sie die Schwierigkeiten und den Mangel an sprachlicher Zugänglichkeit bei ihren Eltern erlebt, die täglich mit den Behörden und der Öffentlichkeit zu tun hatten. Auch Pintos Leben war aufgrund des mangelnden Bewusstseins in der Öffentlichkeit ein täglicher Kampf. Als sie erwachsen wurde, beschloss sie, ihr Leben der Veränderung dieser Realität der Gehörlosen und Schwerhörigen zu widmen.
Shirly, studierte Grafikdesign und Sozialwissenschaften und schloss mit Auszeichnung ab.
Pinto lebt in Ramat Gan und ist mit Michael Kadosh verheiratet, einem Spieler der israelischen Futsal-Nationalmannschaft und Ingenieur in der Telekommunikation. Sie haben einen Sohn (Bild 3).
Trotz Gehörlosigkeit den Militärdienst absolviert
Im Alter von 18 Jahren meldete sich Pinto bei den israelischen Verteidigungsstreitkräften, obwohl sie wegen ihrer Beeinträchtigung von der Wehrpflicht befreit war. Sie diente im Technischen Korps der Luftwaffe als Logistik-Projektmanagerin. Nach dem anfänglichen zweijährigen Dienst wurde Pinto bis zu ihrer Entlassung 2011 als Berufsoffizierin weiterbeschäftigt.
Im Jahr 2009 wurde sie vom damaligen Präsidenten Schimon Peres für ihren aussergewöhnlichen Dienst mit dem Presidential Excellence Award ausgezeichnet. Vom Kommandanten der Luftwaffe erhielt sie eine Medaille für herausragende Leistungen.
Dozentin für Gebärdensprachdolmetschen
Im Jahr 2011 schrieb sich Pinto für ein Jurastudium am Netanya Academic College ein und nahm am Exzellenzprogramm des Colleges teil. Während ihres Studiums nahm sie mit einer Delegation der Internationalen Arbeitsorganisation bei den Vereinten Nationen in Genf teil. Im Jahr 2013 arbeitete sie als Anwaltsgehilfin für einen Richter am Zentralen Bezirksgericht Israels. Ein Jahr später absolvierte sie ein Praktikum bei der Knessetabgeordneten Karin Elharar, wo sie sich mit der Gesetzgebung, öffentlichen Einsprüchen und der Ausarbeitung von Massnahmen zur Unterstützung von Menschen mit Behinderungen befasste.
Seit 2016 ist Pinto Dozentin für das Studium des Gebärdensprachdolmetschens an der Bar-Ilan-Universität.
Engagement für Gehörlose
2014 trat Pinto der Shema for education and rehabilitation of deaf and hard of hearing children and youth bei, wo sie später als Ausbilderin und Koordinatorin für informelle Bildungsaktivitäten tätig war. Im Mai 2015 initiierte Pinto eine israelische Delegation nach Indien, um gehörlosen Kindern und Jugendlichen in Indore zu helfen und sie rechtlich und pädagogisch zu beraten.
Im Jahr 2016 gründete sie mit anderen Gehörlosen das Israeli Center for the Deaf Studies. Ziel des Zentrums ist es, den Status gehörloser und schwerhöriger Menschen, die die Gebärdensprache verwenden, zu fördern, die Gleichberechtigung von Gebärdensprache und gesprochener Sprache anzuerkennen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Gehörlose in der Öffentlichkeit zugänglich und akzeptiert sein müssen.
Weitere Informationen über Shirly Pintos umfangreiches Engagement für Gehörlose, das sie auch mit dem damaligen Bildungsminister und heutigen Premierminister Bennett in Kontakt brachte, können Wikipedia (auf Englisch) entnommen werden.
Beeindruckende erste Rede im Knesset-Plenum
Am 12. Juli 2021 hielt Shirly Pinto ihre erste Rede im Plenum der Knesset (Bild 4). Es war das erste Mal, dass sich ein Mitglied der Knesset in Gebärdensprache an die Abgeordneten wandte, für diese durch Pintos Dolmetscherin Liat Petscho verständlich gemacht.
Am Schluss standen alle Parlamentarier und applaudierten ihr. Alle kamen auf sie zu um sie zu beglückwünschen. Oppositionsführer Benjamin Netanjahu als Erster und nach ihm kamen Araber, Ultra-Orthodoxe, Säkulare – alle. Premierminister Bennett sprach ein Dankgebet, das zu besonderen Anlässen gesprochen wird.
Mehr über diese Rede:
Gehörlose Abgeordnete Pinto eint Knesset
Israel-Netz, 13.7.2021
(RK)