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Die Zahl der Menschen auf der Erde wächst nicht mehr so schnell wie auch schon. Das sagt eine neue Studie der UNO. Im weltweiten Durchschnitt gebären Frauen noch 2.3 Kinder. Anders sieht die Situation in Afrika aus: Besonders südlich der Sahara wächst die Bevölkerung nach wie vor stark. Dort hat eine Frau im Durchschnitt fast fünf Kinder.
Laut der Journalistin Naveena Kottoor hat das mehrere Gründe. Einerseits sei die afrikanische Bevölkerung, wie die Weltbevölkerung auch, mittlerweile dank medizinischer Fortschritte gesünder und lebe länger. «Schwangere und Neugeborene sterben nicht mehr bei der Geburt, die Kinder werden nach der Geburt besser versorgt.»
Kaum Schulbildung für Mädchen
Auch der Erfolg von Impfkampagnen zeige sich jetzt. Andererseits gingen viele Mädchen in den Ländern mit besonders hohem Bevölkerungswachstum nicht lange zur Schule. «Sie heiraten sehr früh und bekommen Kinder, auch weil sie keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben», erklärt Kottoor. Sie lebt in Kenia.
Naveena Kottoor
Journalistin
Naveena Kottoor ist freie Journalistin und lebt in Kenia. Sie arbeitet unter anderem für ARD, BBC und Washington Post.
Das starke Bevölkerungswachstum könne ein Vorteil sein, sagt sie. «Das bedeutet, dass man sehr viele junge Menschen hat, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, die die Wirtschaft mit ankurbeln können und auch die ältere Bevölkerung so unterstützen können.»
Allerdings komme es immer auf die jeweilige Politik eines Landes an und wie viele Ressourcen zur Verfügung stehen. «Ein hohes Bevölkerungswachstum wirkt sich natürlich auch aus darauf, wie viel Strom und Wasser gebraucht wird, wie viele Lehrer es braucht.» Beispielsweise in Kongo, einem armen Land mit sehr hohem Bevölkerungswachstum, sei es eher ein Problem als ein Vorteil.
UNO: Mehrere Millionen Lehrpersonen nötig
Unicef weist schon länger darauf hin, wie wichtig es ist, dass in den betroffenen Ländern Investitionen in Gesundheit, Bildung und Infrastruktur stattfinden, um die ökonomischen Vorteile aus dem Bevölkerungswachstum nutzen zu können.
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen schätzt, dass bis 2030 4.2 Millionen Arbeitskräfte im Gesundheitssystem (u.a. Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen) zusätzlich gebraucht werden, die diese Menschen angemessen versorgen können. Es brauche auch mehr Lehrpersonen, wenn mehr Kinder zur Welt kommen, die diese dann auf den Arbeitsmarkt vorbereiten. Alleine im Grundschulsystem würden über 4.5 Millionen Lehrer gebraucht.
China hat bis vor Kurzem versucht, mit seiner Ein-Kind-Politik das Wachstum zu kontrollieren. Kottoor ist kein Land in Afrika bekannt, das sich auf eine Zahl festgelegt hat wie in China. «Aber es gibt Länder wie beispielsweise Niger, wo der neu gewählte Präsident gesagt hat, dass man dieses Thema angehen muss.»
Er möchte demnach, dass Mädchen länger in der Schule bleiben, einen Schulabschluss bekommen und später heiraten, statt mit 14 oder 15. «Viele sehen das als ein Element, dieses Problem zu managen: Dass sich Mädchen für den Arbeitsmarkt qualifizieren und später Kinder kriegen.»
Nigeria wächst und wächst
Auch in Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, in dem zurzeit rund 206 Millionen Menschen leben und das 2050 auf Platz drei der bevölkerungsreichsten Länder weltweit sein wird, findet auch eine Diskussion statt, weiss Kottoor. «Der Vizepräsident hat von einer tickenden Zeitbombe gesprochen.»
Dies angesichts der hohen Zahlen: «In Lagos, der grössten Stadt Nigerias, leben zwischen 15 und 20 Millionen Menschen. 2050 werden es doppelt so viel sein.» Lagos werde dann die grösste Stadt der Welt sein. Nigeria habe dank der Ölvorkommen zwar Geld. «Aber dieses Geld ist bislang nicht gescheit eingesetzt worden», bilanziert die Journalistin. In den nächsten Jahren werde sich hoffentlich zeigen, ob ein neuer Präsident, der nächstes Jahr gewählt wird, diese Sache angehen wird.