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Das Beste an diesem Film sind die Frauen. Die Figuren natürlich, schliesslich geht es um jene Mütter, Schwestern und Töchter, welche während des ersten Weltkrieges in Frankreich die Bauernhöfe über die Runden brachten, während ihre Männer und Söhne in den Schützengräben starben.
Aber getragen wird der Film von den Darstellerinnen dieser Frauen. Allen voran von der sechsundzwanzigjährigen Iris Bry in ihrer ersten grossen Kinorolle. Sie spielt Francine Riant, eine Waise, die auf dem mittelgrossen Hof der Matriarchin Hortense anheuert, als Magd und Erntehelferin, und bald auch unverzichtbare Fachkraft für ihre Chefin und deren Tochter.
Nathalie Baye spielt diese Chefin, die Bäuerin Hortense Sandrail, und Nathalie Bayes tatsächliche Tochter Laura Smet (ihr Vater ist der verstorbene Johnny Hallyday) ihre Filmtochter Solange.
Die drei Frauen bilden das funkelnde, flirrende Sternbild von Les gardiennes, umkreist von Männern, die wie kleine Monde in ihrem Licht kurz aufleuchten, oder Meteoriten die vorbeiziehen, abwesend sind, beschädigt, traumatisiert.
Der Roman «Les gardiennes» von Ernest Pérochon ist 1924 erschienen. Er erzählt davon, wie die französischen Landfrauen während der Jahre von 1914 bis 1918 die Höfe bewirtschafteten, wie sie das Überleben sicherstellten und sich dabei ganz nebenbei so weit emanzipierten, dass jene Männer, welche den Krieg überlebten und traumatisiert nach Hause kamen und da eine neue, weitgehend unbekannte Weltordnung vorfanden.
Xavier Beauvois, Schauspieler, Autor und Regisseur, ist bekannt für seine bedächtigen, fliessenden, in ihren besten Momenten fast hypnotisch langsamen Filme, inszeniert mit sorgfältigem und aufwändigem Realismus.
Das trifft auch auf Les gardiennes zu. Das ist einerseits aufwändiges, kostspieliges Ausstattungskino. Für den Film wurden die Landschaften und Häuser von 1914 rekonstruiert, alte Traktoren und komplexe Dreschmaschinen nachgebaut, um zu zeigen, wie die Frauen die Abwesenheit der Männer mit Investitionen und Technologie zu kompensieren suchen.
Andererseits hat Beauvois den Roman reduziert auf die drei Hauptfiguren. Er hat alle Kinder weggelassen, weil nichts aufwändiger ist, als kleine Kinder im Kino über einen Zeitraum von vier Jahren hinweg realistisch zu inszenieren, da bräuchte es viele kleine Darsteller, nicht einfach etwas Schminke und einen Friseur wie bei den Erwachsenen.
Dafür betont Beauvois die Härte des Lebens dieser Frauen und schliesslich auch die daraus resultierende Härte der Matriarchin, welche den Ruf der Familie am Ende des Krieges über die persönliche Gerechtigkeit und damit über die erreichte Emanzipation stellt.
Und doch ist «Les gardiennes» bei allem Aufwand und der eindrücklichen Leistung der Darstellerinnen ein eher tableauartiger Film geworden, demonstratives Kino mit Beharrlichkeit, aber ohne die hypnotisch-intensive Wirkung früherer Beauvois-Filme wie etwa Des hommes et des dieux von 2010.