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Der Sinn einer Statistik ist es, die Wirklichkeit abzubilden, damit man sich an dieser Wirklichkeit orientieren kann. Leider gibt es Kreise, die genau andersrum vorgehen. Sie manipulieren die Zahlen so, dass sie zu ihrem Ziel passen. Mit Zahlen kann man gut Politik treiben und auch gut lügen. Auf welche Arten geschieht das und in welche Kategorie gehört die neueste Statistik aus der SVP-Küche?
Kategorie 1: Zahlen erfinden.
Ich nenne es das Prinzip Sarazin. Denn der deutsche Buchautor meinte in einem Interview, wenn man keine Zahl habe, müsse man eine „schöpfen“ (sprich: erfinden). Wenn niemand widerspreche, sei sie etabliert. Man behauptet ein Wissen, das man gar nicht hat und erweckt so den Eindruck, das Bauchgefühl sei objektiv. Denn Zahlen sind objektiv.
Kategorie 2: mit echten Zahlen täuschen
Auf die Argumentation, dass die Bausparinitiativen nur Reichen nützen, konterten die Befürworter mit einer Statistik. Diese besagte, dass dort, wo Bausparen bereits möglich war, 71% der Bausparer hätten ein steuerbares Einkommen von unter 100 000. Nur: das steuerbare Einkommen und das Brutto-Einkommen sind nicht dasselbe. Der damalige Nationalbankpräsident Hildebrandt hatte 2011 auch ein steuerbares Einkommen von 96 000. Aber ein Brutto-Einkommen von einer Million. Hier wurde versucht, mit echten Zahlen eine falsche Aussage zu stützen.
Kategorie 3: die plumpe Lüge
Zwischen 1990 und 2000 stieg der Anteil Muslime an der Gesamtbevölkerung von 2,3% auf 4,5%. Die Initianten der Anti-Minarett-Initiative haben diese Verdoppelung innerhalb von 10 Jahren hochgerechnet auf die nächsten Jahrzehnte, also 9% im Jahr 2010 –wie zu erwarten nicht eingetroffen- 18% im Jahr 2020, um dann in grossen Buchstaben zu verkünden, dass die Muslime 2050 mit 72% in der Mehrheit sind. Rechnet man in diesem Modell weiter, kommt man für 2060 auf 144% Muslime, das heisst mehr Muslime als Einwohner! Spätestens hier merkt auch der letzte, dass das mathematischer Blödsinn ist.
Wo steht die aktuelle SVP Statistik?
Die neueste SVP-Statistik funktioniert wie die Muslim-Statistik, also Kategorie 3. Man nimmt zwei aktuelle Werte, setzt sie falsch in Verbindung zueinander und rechnet damit ein Szenario aus, in welchem die andern (in diesem Falle die Ausländer, nicht die Muslime) im Jahr 2060 in der Mehrheit sein werden. Diesmal werden die die durchschnittliche jährliche Zuwachsrate der letzten fünf Jahre bei Schweizern (0.59%) und Ausländern (3,14%) verglichen. Diese Prozentzahlen hochgerechnet, bis 2060 bei 16 Millionen Einwohnern die Ausländer knapp in der Mehrheit sind. Was daran falsch ist? Die Zuwanderung wächst nicht exponentiell! Hätte man das Bevölkerungswachstum von 1957 bis 1962 nach SVP Art hochgerechnet, hätten wir heute 80 Millionen Einwohner!
Fasst man die beiden letzten "Statistiken" zusammen, so hat die Schweiz 2060 16,3 Millionen Einwohner, von denen 46,9 Millionen Muslime sind.
Schade ist, dass durch dieses bewusste Lügen mit Zahlen Statistiken generell an Ansehen verlieren, obwohl es sie braucht, um eine objektive Basis für politisches oder unternehmerisches Handeln zu haben und nicht einfach einen Glaubenskrieg über verschiedene Bauchgefühle führen zu müssen.