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Es gibt einen Unterscheid zwischen einer Bitte und einer Forderung. Die erste kann ich – ohne emotionale oder faktische Konsequenzen zu erwarten – abschlagen. Eine Forderung aber lässt nur zwei Reaktionen zu: Rebellion oder Unterwerfung. Beide Reaktionen sind lebensfremd, weil sie mir nicht die Möglichkeit lassen, aus freien Stücken gemäss meinen Werten und Prinzipien zu handeln. Ich kann also meine Tochter bitten, das Zimmer aufzuräumen oder ich kann es von ihr fordern. Wenn ich es von ihr fordere, dann kann sie sich entweder weigern und muss dann eine Strafe aussitzen, die ich ihr aufbrumme oder aber sie lenkt widerwillig ein und unterwirft sich meiner Forderung. Wenn ich sie jedoch bitte, gebe ich ihr auch das Recht, nein zu sagen. Vielleicht biete ich ihr dann an, beim Aufräumen mitzuhelfen. Oder ich zeige ihr auf, wie schön ein aufgeräumtes Zimmer sein kann. Oder ich überlege ein Spiel, dass das Aufräumen mit einbezieht. Ich suche jedoch nach Kooperation, nicht nach Unterwerfung. So weit nun mal die Theorie (die Praxis sieht immer etwas anders aus).
Meine Überlegungen betreffen nun aber mich selber. Oft stelle ich nämlich Forderungen an mich selber. Dies tönt dann folgendermassen: Ich sollte etwas mehr Sport machen – ich sollte gesünder essen – ich sollte etwas vorsichtiger Auto fahren. Und auf jedes Sollen gibt es zwei Antworten: Unterwerfung oder Rebellion. Besonders fies wird es, wenn sich das Sollen mit der Botschaft von Jesus vermischt: Ich sollte mehr Bibel lesen – ich sollte mehr von Jesus erzählen – ich sollte wieder mal den Gottesdienst besuchen. Dieses Sollen wird zum Müssen und damit zu einer Forderung. Und so reagiere ich auf Jesus entweder mit Rebellion oder mit Unterwerfung – und beides ist lebensfremd. Was lebensfremd ist, bringt mich weg von Jesus und nicht zu ihm. Das dumme ist nur, dass es ziemlich einfach ist, die Botschaft von Jesus als Forderung zu verstehen.
Was denkst du? Wo leidest du selber an Forderungen, die du an dich selber stellst oder die du aus der Botschaft von Jesus so heraus liest? Und wie wird man frei von diesem Müssen, das eigentlich nur einengt, statt wirklich freisetzt?