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Um 9 Uhr erreichen wir mit der Gondelbahn die Belalp. Wir sind bloss zu Dritt und beginnen die Tour wie gewohnt mit Kaffee und Gipfeli. Danach wandern wir los. Bald gelangen wir zum Tyndall Denkmal. John Tyndall (1820 - 1893) war ein hervorragender irischer Naturwissenschaftler, welcher auf zahlreichen Gebieten geforscht hat. Bahnbrechend waren seine Untersuchungen der Erdatmosphäre. Er erklärte als Erster, warum der Himmel blau ist (sog. Tyndalleffekt). Um Gletscher besser verstehen zu können, unternahm er 1856 eine Reise in die Schweiz. Auf der Suche nach den Ursachen für vergangene Eiszeiten war er nicht nur der Erste, der hierfür eine veränderte Konzentration der Treibhausgase Wasserdampf und Kohlendioxid zur Diskussion stellte, sondern auch konkrete Messungen anstellte, mit Hilfe derer er die für den natürlichen Treibhauseffekt verantwortlichen Gase identifizieren konnte.Tyndall gilt als Entdecker des natürlichen Treibhauseffektes. Ohne den natürlichen Treibhauseffekt wäre es an der Erdoberfläche generell 18°C kühler! Tyndalls Erkenntnisse sind die Grundlage der heutigen Klimatologie.
Tyndall publizierte auch mehrere populärwissenschaftliche Bücher mit denen er grossen Erfolg hatte. Über dreisig Ehrendoktortitel wurden ihm von verschiedensten Universitäten dieser Welt verliehen. Als Ausgleich zu seinen Forschungen bestieg er die höchsten Berge in den Alpen, dies zu einer Zeit, als es noch keine Schutzhütten gab. Seine erste Hochtour führte ihn 1857 auf den Mont Blanc, auf dessen Gipfel er bei Sturmwind in einem kleinen Zelt biwakierte. 1858 erklomm er mit Johann Benet (von da an sein ihn stets begleitender Bergführer) das Finsteraarhorn. Im selben Jahr ging er als erster Mensch im Alleingang auf die Dufourspitze. Sein Meisterstück war 1861 die Erstbesteigung des Walliser Weisshorns (zusammen mit Benet und Wenger). Auch am Matterhorn war er vor Wimper beinahe erfolgreich. Dort kletterte er zweimal so hoch, wie noch keiner vor ihm: 1860 bis auf 4000 m Höhe und 1862 bis 4244 m (die Südwestschulter des Matterhorns heisst seither Pic Tyndall). Erst 1865 erreichte sein Konkurrent Wimper den Matterhorngipfel. Dafür glückte Tyndall 1868 die erste Überschreitung des Matterhorns (von Breuil nach Zermatt). Tyndall war von der Aussicht in Belwald begeistert und baute sich dort 1877 eine Villa, die er von da an mit seiner Frau in den Sommermonaten bewohnte. Da er das Dorf Belwald finanziell grosszügig unterstützte, ernannte ihn die Gemeinde Naters 1887 zum Ehrenbürger. 1893 starb Tyndall an einer Überdosis eines Schlafmittels, das ihm seine Frau irrtümlich überreichte. Seine Witwe liess daraufhin das Denkmal oberhalb Belwald erstellen.
Das und noch viel mehr habe ich meinen beiden Mitwanderern bis zum Erreichen des Denkmals erzählt. Danach geht's stets bergauf (alles ist hier kristalliner Gneis), bis wir nach überwinden von 925 Höhenmetern kurz vor Mittag auf dem Gipfel des Sparrhorns stehen. Viele hohe Berge sind teilweise von Wolken oder Nebelschwaden verdeckt. Der Blick in die Region Schinhorn, Sattelhorn, Aletschhorn und Fusshorn mit dem Oberaletschgletscher im Vordergrund ist trotzdem eindrücklich. Auch die Oberaletschhütte ist sehr gut zu sehen. Weitere Wanderer gelangen aufs Sparrhorn. Bald steigen wir wieder ab, denn auf dem Gipfel ist nur wenig Platz. Beim Tyndalldenkmal ist jetzt die Sicht zum grossen Aletschgletscher mit Eggishorn und Bettmergrat ganz ausgezeichnet. Angekommen im sonnigen Belwald löschen wir unsern Durst mit einem grossen Bier und sind glücklich über den schönen Tag, den wir gemeinsam verbrachten.
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Fotos: Peter Fenner, Martin Leuzinger