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Differenzierungsprozesse: der Sprachgebrauch und seine soziale Interpretation. Tagung der VALS-ASLA 2016
VALS-ASLA, Dr. Daniel Elmiger
Heterogenität gehört zwar zum Wesen des Gebrauchs natürlicher Sprache; beobachtbare Differenzen im Sprachgebrauch führen allerdings nur dann zu sozialen Differenzierungen, wenn sie (mehr oder weniger bewusst) als solche identifiziert und interpretiert werden, d. h. wenn sie mehrere Filter durchlaufen haben. So können etwa aufgrund der Repräsentationen, die SprecherInnen von sozialen Gruppen haben, bestimmte Formen des Sprachgebrauchs Symbolcharakter erlangen, während andere umgestaltet oder gänzlich ignoriert werden. Die soziale Bedeutung einer Form von Sprachgebrauch ist freilich nicht fest mit einer bestimmten Gruppe verbunden: Ihre Rolle innerhalb eines Netzes von Entsprechungen und Abgrenzungen hängt von der soziolinguistischen Konfiguration einer sprachlichen Interaktion ab. Als Resultat davon können sprachliche Marker innerhalb von anderen Konstellationen neu festgelegt werden und andere soziale Grenzziehungen aufzeigen. Die Positionierungen von Einzelpersonen hängen jedoch nicht nur von deren eigenem Gutdünken ab. Der Differenzierungsprozess impliziert nämlich einen Austausch zwischen äusserlichen Zuschreibungen und dem Willen einer Gruppe, sich innerhalb des sozialen Raums gegenüber den anderen abzugrenzen.
Ein Ziel der Tagung ist es, die Rolle, welche der Sprachgebrauch bei der Festsetzung von (ethnischen, geografischen usw.) Grenzen spielt, in verschiedenen sozialen Kontexten (wie etwa im Unterricht, auf dem Arbeitsmarkt, im politischen Diskurs usw.) zu untersuchen. Die Tagung interessiert sich auch für die Herausforderungen, die sich bei der Differenzierung stellen, da nämlich jegliche Grenzziehung sowohl ein- als auch ausschliesst und somit die Legitimität bestimmter sozialer Zugehörigkeiten infrage stellt.Link Tagungshomepage