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Ich trete in die Küche. Meine Eltern sitzen am Tisch. Ein grosser, breiter Mann ist auch da. Ich schüttle ihm kräftig die Hand. Meine Muskeln sind vom Klavierspielen noch warm. Ich sage meinen Namen. Der Mann sagt ihn nicht. Aber kaum habe ich mich hingesetzt, erfahre ich, dass er im Auftrag Jehovas gekommen ist. «Und ich bin gekommen, um Apfelkuchen zu essen», erwidere ich feierlich.
Während ich Kuchen esse, informiert mich der Besucher über die katastrophale Welt und die Endzeit. Dem fügt er an, dass man den jungen Menschen eine Hoffnung geben müsse. Nach dem ersten Stück Apfelkuchen überlege ich, ob ich den Mann darüber informieren soll, wie gut Mamas Apfelkuchen ist, doch da greift er bereits nach einem Stück Schokoladenkuchen. Eigentlich bin ich froh, dass er den Schokoladenkuchen bevorzugt, von dem Apfelkuchen sind nämlich nur noch zwei Stück übrig.
Nachdem ich mein zweites Stück Apfelkuchen auch gegessen und das dritte übriggelassen habe, für den Fall, dass der Zeuge Jehovas doch noch kosten möchte, stehe ich auf und stelle meinen Teller in die Spülmaschine. Mama danke ich für den himmlischen Kuchen.
«Jetzt bin ich satt», sage ich. «Ich komme wieder, wenn ich hungrig bin.»
Der Unbekannte wünscht mir zum Abschied alles Gute.
Die Autorin Beate Krethlow studiert Theologie und lebt in Bern.
Abbildung: Beate Krethlow, Installation Fremdlinge (2016)