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Geschichte des Schiffes
Auf Kiel gelegt wurde die „San Martino“ im Frühjahr 1909 auf der Werft von Theodor Hitzler in Hamburg. Zusammen mit vier anderen kleinen Motorbooten für den Personentransport sollte sie in die Schweiz geliefert werden, genauer in die Südschweiz, an den Lago di Lugano oder Ceresio, wie dieser See von den Einheimischen genannt wird. Eine private Schifffahrtsgesellschaft mit dem Namen Vedetta SA aus Lugano hatte beim Schiffsmakler Deurer & Kaufmann 1908 fünf Barkassen mit einer Tragfähigkeit von je 40 Passagieren oder 3 Tonnen geordert. Das Handelshaus Deurer & Kaufmann aus Hamburg lieferte in ganz Europa und auch nach Ostafrika kleine Motorboote für den Lokalverkehr, vornehmlich mit Benzin, Diesel oder Petroleum Motoren ausgerüstet. Gebaut wurden diese Schiffe entweder bei Theodor Hitzler in Hamburg, oder bei seinem Vater, der Hitzler Werft in Lauenburg an der Elbe. Die Firma Vedetta SA, welche lokalen Hoteliers gehörte, wollte einen Bootsbetrieb in der Bucht von Lugano initiieren. Die fünf Schiffe mit Namen „Vedetta“ (1908), „Monte Bré“ (1909), „San Martino“ (1909), „Caprino“ (1909) und „Castagnola“ (1910), bedienten die Stege Cassarate, Cortivo, Grotto Elvezia, San Domenico, Gandria, Grotto Pescatori, Caprino, Cavallino und San Rocco. Vier Boote wurden für den Kursbetrieb benötigt, eines war als Suplémentschiff und Werftboot oder für Warentransporte eingeteilt. Als zwischen 1934 und 1936 die Strasse nach Gandria gebaut wurde, stellten die Vedetta-Schiffe die einzige Verbindung zwischen Gandria und Lugano sicher, da auch der Fussweg infolge Steinschlags aufgrund der Bauarbeiten unpassierbar war. Die Vedetta-Schiffe gehörten zu Lugano wie das Tram zu Zürich. Am 3. Juli 1944 wurde die private Schifffahrtsgesellschaft „La Vedetta“ aufgelöst und die vier verbliebenen Schiffe (MS Monte Brè wurde bereits 1912 verkauft) in die Società di Navigazione del Lago di Lugano, abgekürzt SNL, integriert, welche auch das Personal der Kleinreederei übernahm. Die vier Schiffe wurden ab diesem Zeitpunkt neu vom Bundesamt für Verkehr kontrolliert, wie sämtliche Fahrzeuge von konzessionierten Transportunternehmen. Als 1951 die finanzielle Sanierung der SNL abgeschlossen war, kaufte die „Società“ die bereits 7 Jahre zuvor übernommenen Boote von den Eigentümern der ehemaligen Firma „La Vedetta“. Das MS San Martino wechselte für CHF 16'130.-- den Besitzer. 1952 wurde die „San Martino“ um drei Meter verlängert und die Kabine neu mit 16 Sitzplätzen erstellt. Gleichzeitig wurde der ursprüngliche Motor, ein 2-Takt Benzinmotor der Motorenfabrik Bremen, durch einen 4 Zylinder Universal Motor (Typ LSCR mit 2450ccm, Gewicht 298 Kg, Getriebe 1:2,25, elektrisch Anlage 6 Volt) ersetzt. Das Schiff wurde fünf Jahre später an Herrn Gustav Wirth in Eglisau am Rhein verkauft und verliess den Luganersee am 27. Juli 1957. In Eglisau wurde es als Fähre und Gesellschaftsboot eingesetzt und befuhr den Rhein zwischen dem Kraftwerk Rheinsfelden, wo die Glatt einmündet, und dem Rheinfall bei Neuhausen. Anfangs der siebziger Jahre änderte der neue Besitzer René Wirth, Nachfolger von Gustav Wirth, den Namen des Schiffes. Aus der „San Martino“ wurde die „Rhenania“. Der Verwendungszweck blieb derselbe, das Schiff wurde nun aber speziell als Oldtimer angepriesen. Am 11. Oktober 1989 wechselte das Boot erneut den Besitzer. Schiffsführer und Nautiker Hans Neuhaus und Frau Hedwig Schadegg, Inhaber des Instituts für Hochseenavigation in Hombrechtikon und Herausgeber der Zeitschrift Seemeile, wurden nun die neuen Eigner. Die „Rhenania“ wechselte auf den Zürichsee und erhielt den Namen „Christoffel“. Das Schiff wurde für Gesellschaftsfahrten und als Schulschiff eingesetzt. Nach zwei Jahren wechselte das Schiff seinen Standplatz. Vom rechten Ufer des Zürichsees, dem Gebiet Christoffel bei Herrliberg/Feldmeilen, übersiedelte das Boot nach Wädenswil, wo es lange Zeit im alten Hafen der Brauerei Wädenswil eine neue Bleibe fand. Im Frühling 1998 erhielt das Schiff, mit einem Volvo Penta Dieselmotor Typ TAMD 22 mit 100 PS Leistung, sein drittes Antriebsaggregat. Auch der Brennstofftank wurde gewechselt. Im Jahre 2004 änderte der Standplatz erneut. Weil im Brauerei Areal in Wädenswil eine Überbauung geplant war, verlegte das Schiff zwangsläufig seinen Standplatz nach Schmerikon am Obersee und erhielt ein Sankt Galler Kennzeichen. Am 1. Januar 2006 wurde die „Christoffel“ verkauft. Frau Hedi Schadegg, Witwe des 2003 verstorbenen Hans Neuhaus, verkaufte das Schiff an Stefano Butti, auch ein Zürich-Seemann und Schiffsführer bei der lokalen Schifffahrtsgesellschaft (ZSG). Am 4. August 2006 wurde die alte Barkasse ausgewassert und in die Scheune des neuen Eigners nach Lufingen transportiert. Bis am 20. Juli 2009, dem Tag der erneuten Wasserung, erhielt der Oldtimer dort eine umfassende Renovation, wobei diverse Schalenbleche ersetzt, eine neue Antriebswelle eingepasst, und das Schiff zum Privatboot umfunktioniert wurde. Das 100 jährige Jubiläum mit Wiederinbetriebnahme und Taufe fand am 6. August neben dem 75 jährigen Nostalgie-Motorschiff Etzel in Zürich statt.