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Abschlussbericht der nationalen Biberbestandeserhebung 2022 für die Schweiz und Liechtenstein
Der einst in der Schweiz ausgerottete Biber ist an einen Grossteil der Schweizer Gewässer zurückgekehrt. Seine Bauten und Lebensweise faszinieren: als grösster Nager Europas gestaltet er Landschaften und schafft Lebensräume, die für die Natur und für uns Menschen äusserst wertvoll sind. Der Biber ist in Zukunft eine grosse Chance für den Naturschutz. Wo der Platz knapp ist, kann das auch zu Konflikten führen. Die Resultate der nationalen Biberbestandeserhebung 2022 liegen nun in Form eines Abschlussberichtes vor und werden im Folgenden präsentiert.
Resultate der Biber-Bestandeserhebung 2022
Im Winter 2022 wurde nach 1978, 1993 und 2008 zum vierten Mal eine gesamtschweizerische Biberbestandeserhebung durchgeführt. Über 400 Kartierende und Wildhüter suchten rund 7000 km Gewässer nach Biberspuren ab. Hier sind die wichtigsten Resultate:
- 2022 besiedeln Biber mit 1382 Revieren Schweizer Gewässer. vor 14 Jahren waren es 472.
- In Liechtenstein gab es 2008 keine Biber, heute sind es 20 Reviere.
- Von den 1402 Biberrevieren in der Schweiz und Liechtenstein entfallen 599 Reviere auf Einzeltiere oder Paare und 803 auf Familien.
- Dies ergibt eine Population von rund 4900 Tieren in der Schweiz und Liechtenstein.
- Heute ist die Biberpopulation dreimal grösser als bei der letzten Zählung 2008.
- Pro Jahr hat die Anzahl Reviere um 8.2% zugenommen, jene der Populationsgrösse um 8.3%.
- Die grösste Dichte erreichen die Biber im unteren Thurtal bei Frauenfeld und entlang der Aare und deren Seitengewässer zwischen Thun und Bern.
- Mit dem Inn ist das dritte grosse Gewässereinzugsgebiet der Schweiz besiedelt. In Samedan lebt der am höchsten gelegene Biber Europas.
- In allen Regionen nimmt die Biberpopulation weiterhin zu. Im unteren Thurtal und im Berner Seeland kommt es zu einer Verringerung der Zuwachsrate. Hier zeichnet sich eine Sättigung der freien Gewässer ab.
- Die Besiedlung kleiner und sehr kleiner Bäche hat sich fortgesetzt. Fast 40% der Biber leben an Bächen mit einer Wasserbreite unter 5 m.
- In den kleinen Bächen bauen Biber vermehrt auch Dämme. 2008 fanden wir erst 185 Biberdämme. 2022 waren es 1316.
- 24% der Einzel-/Paarreviere und 35% der Familienreviere wiesen mindestens einen Damm auf (Median=2). Eine Biberfamilie baute 26 Dämme in ihrem Revier.
- Die meisten Dämme waren kleiner als 50 cm. Der höchste gefundene Damm war 2.5 m hoch.
- Mit der Ausbreitung des Bibers kommt es auch vermehrt zu Konflikten. Diese treten hauptsächlich in der Landwirtschaftszone auf. Zu deren langfristigen Lösung braucht es dringend neue Instrumente.
- Der Biber bietet eine grosse Chance: Aufgrund seiner positiven Wirkung auf die Artenvielfalt, die Ökosystemfunktionen wie Wasserrückhalt oder Wasserqualität und die Gewässerstrukturen kann der Biber gezielt für eine effektive Naturschutzstrategie eingesetzt werden. Davon profitiert einerseits die Artenvielfalt, aber auch wir Menschen.
Unten können Sie den ganzen Bericht zur Biberbestandeserhebung 2022 herunterladen. Der Bericht existiert nur in digitaler Form (PDF, 30MB, 6.7.2023). Berichte zu den drei nationalen Biberbestandeserhebungen 1978, 1993 und 2008 sind auch dort zu lesen.
Hier finden Sie ein Webdossier des Bundesamtes für Umwelt zum Biber und zu den Resultaten der Biberbestandeserhebung 2022.
Nationales Biberprojekt 2020-2023
Die Biberbestandeserhebung ist Grundlage eines nationalen Biberprojektes des BAFU, das 2020 gestartet ist und 2023 endet. Ziel dieses Projektes ist es, das Potenzial des Bibers im Rahmen der Stärkung der ökologischen Infrastruktur abzuklären (Abschätzung der erbrachten Ökosystemleistungen und Abklärung des Einflusses des Bibers auf die Biodiversität in verschiedenen Gewässertypen). Die Ergebnisse dieser Studie soll somit dazu beitragen, Biber gezielt in Naturschutzprojekte zu integrieren, um die Biodiversität und die ökologische Infrastruktur zu stärken.