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nebst einem Mußteil und einigen
Jus de tablette
So lautet der vollständige Titel dieser Idylle von Jean Paul. Eine weitere Idylle also. Wie beim Wutz ist die Hauptperson auch hier ein Schulmeisterlein, ein Schulmeisterlein allerdings, das – im Rahmen seiner Möglichkeiten – Karriere macht und zum Schluss Pfarrer seines Heimatdorfes ist. Seine Karriere allerdings verdankt sich einem Irrtum. Eigentlich hätte ja sein weitläufiger Verwandter, der sich allerdings des besseren Eindrucks halber „von Füchslein“ nennt, die Stelle erhalten sollen. In der Bestallungsurkunde aber hat der Schreiber des adligen Landesherren die Schreibweise „Fixlein“ verwendet, und der Graf ist zu stolz, den Irrtum zu korrigieren. So kann Fixlein seine geliebte Thienette heiraten und ein Jahr später sogar einen Sohn zur Taufe bringen. Dann allerdings schlägt das Schicksal zu. Fixlein ist im Aberglauben befangen, dass alle männlichen Glieder seiner Familie im Alter von 32 zu Kantate stürben. Seine Mutter hat seine Geburts- und Taufurkunden versteckt, um ihm sein wahres Geburtsdatum zu verheimlichen, und Fixlein ist des Glaubens, den kritischen Punkt bereits überschritten zu haben. Da kommt bei der Aufrichtung des neuen Dachs des Kirchturms aus der Bleischatulle, die man seinerzeit dem alten Dach beigelegt hatte, ein Dokument von Fixleins Vater zum Vorschein, in dem Fixleins Geburtstag festgehalten ist: Jetzt! Fixlein geht hin, wird krank und will sterben. Da greift der Autor Jean Paul persönlich ein. Zum Gevatter von Fixleins Sohn gerufen, gelingt es ihm auch, den Vater zu kurieren. Die Idylle kann weitergehen, allerdings ohne den Poeten, der weiterwandert und als Gefährten nur die Sterne und den Mond kennt.
Auch diese Idylle findet auf äusserst gefährdetem Untergrund statt – so ungefähr wie San Francisco oder Los Angeles auf einer tektonisch gefährdeten Zone liegen. Und so, wie es diese Städte jederzeit zerreissen könnte, könnte es Fixleins idyllisches Glück jederzeit zerreissen, denn es ist eines auf schlossherrlichen Gnaden und Irrtümern beruhendes. Zu seinem Glück ist auch Fixlein, ähnlich wie Wutz, nicht in der Lage dies selber wahrzunehmen.
Ein Wort sei verloren über den Wikipedia-Artikel zu diesem Jean-Paul-Text (http://de.wikipedia.org/wiki/Leben_des_Quintus_Fixlein). Wikipedia ist das Resultat der Zusammenarbeit ehrenamtlicher Beiträger, deren Qualifikation nicht geprüft wird. Die meisten Artikel sind gar nicht so übel, der über den Quintus Fixlein allerdings beginnt gleich mit mehreren Knallern: Schon der erste Satz („Der vornehme Schulmann Quintus Zebedäus Egidius Fixlein […]“) beginnt mit gleich zwei Irrtümern. Zum einen suggeriert der Text, dass es sich bei „Quintus“ um den ersten Vornamen Fixleins handelt. In Tat und Wahrheit ist es aber ein Beispiel für Jean Pauls Manie, Wissen aus entlegensten Quellen zu sammeln, und so ist der Quintus eine aus der Mode gekommene Bezeichnung für einen Schulmann, nämlich den untersten in der Lehrerhierarchie. (Lehrer wurde zu jener Zeit eigentlich nur der Theologiekandidat, der sich nicht gleich oder noch nicht gleich durch Beziehung oder Bestechung eine Pfarrerstelle hatte besorgen können nach dem Studium. Auch hier finde ich eine sehr subtile Kritik des an Fragen der Pädagogik sehr interessierten Jean Paul am aktuellen System in den deutschen Ländern.) Dann ist Fixlein alles andere als vornehm: Er ist der mausarme Sohn einer Schlossgärtnerswitwe, die nur deshalb im kleinen Häuschen im Schlossgarten hatte bleiben dürfen, weil der Schlossherr keinen Bedarf mehr sah, die Stelle des verstorbenen Fixlein senior neu zu besetzen. Im ersten Satz des nächsten Abschnittes schliesslich („Das hausarme, insolvente, 25-jährige Fräulein Thienette […]“) könnte man den Tippfehler bei Gelegenheit korrigieren, denn Thienette ist, wie ihr Geliebter Fixlein, doch wohl mausarm. (Obwohl … „hausarm“ könnte eine eines Jean Paul würdige Neuschöpfung darstellen: ohne Haus = hausarm. ) Solche Fehler sind ärgerlich. (Und, nein: Ich werde sie nicht selber korrigieren. )