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Kürzlich fragte mein Sohn, was das heisse, wenn einer ein Flugzeug entführe. Ich erklärte ihm, dann zwinge jemand den Piloten, woanders hinzufliegen und zu landen als vorgesehen. Darauf er, total verständnislos: «Und warum nimmt der dann nicht von Anfang an ein anderes Flugzeug, das dahin fliegt, wo er hinwill?» Genau so funktioniert mein Sohn: logisch. Keine Schlenker in seinen Gedanken, keine Zwischentöne. Gerade. Schwarz oder weiss. Witze versteht er selten. Geschweige denn Wortspiele. Über typische Kinder-Witze wie «Was ist grün und liegt im Sarg? Ein Sterbsli!» lacht er zwar - nachdem ihm ihn seine Schwester im Minimum drei Mal erklärt hat. Ansonsten ist sein Humor einfach: Er findet lustig, wenn jemand umfällt. Oder mit dem Kopf in der Kloschüssel steckenbleibt. Oder mit dem Auto eine Ampel umfährt. So Mr.-Bean-mässig halt.
Meine Tochter hingegen hatte schon sehr früh einen bemerkenswert sarkastischen Humor und ein Faible für Wortspiele und Redewendungen. Auch wenn sie nicht immer alles ganz richtig gebrauchte. So war zum Beispiel der «Typ, der Trübsal bläst», auf den sie in einer Zeitung zeigte, eigentlich ein Alphornbläser. Und als sie heulend sagte, sie habe sich «verknallt», wollte sie ihrem Bruder eine reinhauen und erwischte stattdessen mit der flachen Hand einen Türrahmen. Aber Sprüche wie «Mami, ich bin dein Sparschwein. In mir steckt dein Geld» sind doch recht scharfsinnig für ein kleines Mädchen. Ganz zu schweigen von «Mami, du bisch ä Schüchi - ä Vogelschüchi!»
Wenn meine Tochter also solche Dinge sagt, gehe ich davon aus, dass sie sie ironisch meint. Ganz im Gegensatz zu meinem Sohn. Sein «Läck, Mami, gsehsch du uuuuus….!» am frühen Morgen meint er genau so, wie er es sagt. Im Gegenzug muss ich jeweils höllisch aufpassen, was ich zu ihm sage. Kürzlich waren wir an der Palmsonntag-Prozession. Der Pfarrer erklärte, der Esel, den man extra für die Veranstaltung organisiert hatte, gehe voraus. Worauf mir in Richtung meines Kleinen rausrutschte: «Hörst du? Du musst zuerst gehen!» Ja, ich weiss, ein doofer Witz. Es dauerte denn auch eine gute halbe Stunde, bis ich ihn davon überzeugt hatte, dass ich ihn nicht wirklich für ein Lastentier halte.
Dazu kommt, dass mein Junior weder wirklich lügen noch bescheissen kann (Beim Kartenspielen: «Oh Mann, ich hab vier Assen, so ein Zufall...»). So hat er kürzlich einen Kumpel mit dem Velo gerammt. Als ich ihn fragte, warum er sich nicht einfach entschuldige und sage, er habe das nicht extra gemacht, meinte er - laut heulend: «Weil ichs dänk extra gemacht habe!» Ja, gut, vielleicht hab ich einen komischen Humor, aber ich fand das zum Brüllen. Auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass jemanden extra mit dem Velo zu rammen nicht nur unlustig, sondern gefährlich ist. Das hab ich ihm auch gesagt, selbstverständlich.
Aber ganz ehrlich: Einen wie meinen Junior musst du mit Humor nehmen, sonst bist du verloren. Ist es lustig, wenn ein Siebenjähriger mitten in der Schulstunde aufsteht, sich ans Klavier setzt und anfängt zu spielen? Wenn er einen Typen im Parkhaus fragt, warum er kein richtiges Auto fahre, zum Beispiel einen Mercedes? Wenn er zu einem Schulgspänli sagt, sein Hund sei ja selten hässlich? Ja, habe ich beschlossen, es ist lustig. Auch wenn ichs nicht immer laut sagen darf. Und auch wenn mein Sohn nichts mit Sprichwörtern anfangen kann - dieses hier passt zu ihm wie die Faust aufs Auge (was leider in seinem Fall auch nicht immer sehr weit hergeholt ist): Humor ist, wenn man trotzdem lacht!