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Als Bahadur 1991 im Stall von Ursula Rahm geboren wurde, war Sabine Uschmann dort schon einige Zeit als Bereiterin tätig. Sie hatte das typische Leid eines
engagierten Arbeiters im Zuchtstall schon mehrfach erfahren: Wenn die jungen Pferde soweit ausgebildet waren, daß sich erste Erfolge auf Turnieren einstellten,
fand sich bald ein Käufer für das Tier. Sie wünschte sich ein eigenes Pferd, mit dem sie auch mal weiterkommen konnte, als bis in die Einsteiger- und
Anfängerklasse. Sabine sah Bahadur kurz nach seiner Geburt – und wählte ihn. Bei allen offensichtlichen Exterieur-Qualitäten sprach er sie auch persönlich an.
Bahadurs Vater, der Rapphengst Herold stammt vom legendären Gazal VII ab, der 1944 in Babolna geboren und 23-jährig nach Deutschland exportiert wurde. Ihm wurden
bis zu seinem 31. Lebensjahr nicht nur arabische Stuten sondern auch Warmblüter zugeführt. Er ist auch heute noch neben Bajar einer der arabischen Hengste mit der
höchsten Lebendgewinnsumme seiner Nachkommen in Deutschland.
Herold war Siegerhengst der Körung 1975 in Münster und gewann eben dort seine Hengstleistungsprüfung. Er wechselte mehrfach den Besitzer und Standort, ohne dabei
aber einen konsequenten Förderer zu finden.
Herolds Mutter, die braune Hera wurde als 135 Siglavy IX 1949 in Babolna geboren. Sie brachte in 14 Zuchtjahren 14 Fohlen, von denen der 1972 geborene Herold der
letzte war. Neben Herold wurden ihr 1965 in Babolna geborener Sohn Mersuch VII und der 1962 geborene 5599 Gazal VII-1 zur Zucht zugelassen. Sie war eine
ausgesprochene Persönlichkeit mit bemerkenswerten Grundgangarten. Noch im Alter von 25 Jahren marschierte sie auf der Weide den jungen Stuten im Schritt auf und
davon. Sie entstammte über ihren Vater der Siglavy-Linie, für die die Rappfarbe typisch ist und die in der Trakehner Zucht über Burnus und Habicht eine neue
Hengstlinie gründen konnte. Nachkommen der Siglavys werden oft als besonders fruchtbar, vital und leistungsfähig beschrieben.
Bajgala, Bahadurs Mutter, wurde 1983 im Gestüt Bahati im schweizerischen Himmelried bei Ursula Rahm geboren. Sie verbindet in typischer Shagya-Manier arabischen
Charme, der sich u.a. in einem ausdrucksvollen Kopf mit großen, mütterlichen Augen zeigt, mit Kaliber und Reitpferdeeigenschaften. Sie verfügt über einen elegant
geformten, genügend langen Hals, einen guten Widerrist, eine breite und tiefe Brust mit guter Rippenwölbung. Schulter und Kruppe sind gut gewinkelt und bemuskelt.
Ihr Fundament ist trocken und korrekt mit starken Gelenken. Sie strahlt eine zufriedene Gelassenheit aus und bewegt sich mit taktreinen, raumgreifenden,
ausdrucksvollen Gängen. Diese Qualitäten führten 1984 zum nationalen Reserve Junioren Championat und 1986 zum Klassensieg bei der internationalen
Shagya-Araber-Schau in St. Gallen. Neben Bahadur ist ihr Sohn Hebab (1994), Sohn des Navarra, zur Zucht zugelassen. Er wird zur Zeit in Janow Podlaski, Polen, in
der Anglo-Araber- Zucht eingesetzt. Sie brachte in 8 Jahren züchterischer Nutzung 8 Fohlen.
Bajgalas Vater, der Vollblutaraber Ibn Galal ox wurde 1966 in El Zahraa geboren und nach Babolna exportiert. Dort wurde er sowohl mit Vollblutaraber- als auch mit
Shagya-Stuten angepaart und brachte viele Füchse und Rappen, bei denen vor allem die überdurchschnittliche Bewegungsmanier auffällt.
O’Bajan I-17, Bajgalas Mutter, wurde 1971 im dänischen Barthahuis von Ulla Nyegaard gezogen. Die Eltern dieser braunen Stute, die Halbgeschwister O’Bajan I und 35
O’Bajan X gehen beide auf den dunkelbraunen O’Bajan X, geboren 1929 in Babolna, zurück. Nachkommen des schwarzen Linienbegründers O’Bajan (geb. 1880, importiert
1885) fallen immer wieder durch ihren Adel und ihr harmonisches, langliniges Gebäude sowie ein starkes Fundament und kräftige Bemuskelung auf und zeichnen sich
durch gutmütigen Charakter und große Ausdauer, Härte und Leistungsbereitschaft aus.
Einer der bekanntesten Vertreter des O’Bajan-Stammes ist Bajar, dem eine zielgerichtete Förderung zuteil wurde und der nicht nur aufgrund eigener Sporterfolge
berühmt wurde sondern auch seinen Kindern und Enkeln vor allem sein außergewöhnliches Springvermögen vererbt hat. Vor allem seiner Leistungsbereitschaft und
Leistungsfähigkeit ist es zu verdanken, daß Bajar-Söhne und Enkel in der Trakehner- und Holsteiner Zucht anerkannt wurden. Immer wieder fallen Bajar-Nachkommen im
Vielseitigkeitssport bis in internationale Wettbewerbe auf wie z.B. White Girl. In Babolna zeigte die Anpaarung von O’Bajan XIII-Töchtern mit dem Vollblutaraber
Ibn Galal ox immer eine besonders luxurierende Vererbung – ob das Ursula Rahm zur Anpaarung von Bajgala’s Eltern inspiriert hat?
Ursula Rahm, die Besitzerin des Gestütes Bahati Araber kaufte die zweijährige O’Bajan I-17 und zog mit ihr in 18 Zuchtjahren 16 Fohlen, davon drei gekörte Söhne:
1. Der braune Shamasi von Shah Jehan, geboren 1976, erfolgreich bei Springprüfungen
2. Der Rapphengst Batan von O’Bajan XIII, geboren 1984, der unter Sabine Uschmann erfolgreich im Vielseitigkeitssport eingesetzt wurde, bevor er als O’Bajan XVIII
eine Karriere als Beschäler in Babolna startete
3. Der braue Manas von Nasrallah, geboren 1990
Ursula Rahm hat selbst intensiv geritten, bevor sie mit der Pferdezucht begann. Die von ihr gezogenen Pferde werden in der Regel reiterlich ausgebildet und einem
Leistungstest unterzogen. So konnte die Amor-Tochter Amoraja aus der O’Bajan I-17 die in der Schweiz auch für Stuten offene Hengst-
leistungsprüfung ebenso in der höchsten Leistungsklasse absolvieren (mehr als 8,0 Punkte) wie ihr Halbbruder Batan – beide unter Sabine Uschmann.
Sabine hatte also genügend Erfahrung in der Ausbildung junger Pferde, als sie den zweijährigen Bahadur zu sich holte. Sie erwarb außerdem ein Gesellschaftspony,
mit dem Bahadur im Offenstall lebte und mit dem er über eine, für Schweizer Verhältnisse, großzügige 1-ha-Koppel tobte. Er war bald halfterführig und konnte als
Handpferd mit ins Gelände gehen, was er sehr genoß. So war er gut vorbereitet, als es an das erste Reiten ging. Trotzdem hütete Sabine sich vor Überforderung des
jungen Pferdes – im ersten Jahr ging sie vornehmlich im Schritt mit ihm ins Gelände. Durch die ständigen Steigungen und Gefällstrecken und die Abwechslung fürs
Gemüt waren die Anforderungen hoch genug, um eine gesunde, stabile Grundlage für spätere, höhere Belastungen zu schaffen. Er war zur Körung so muskulös und
trocken, daß es ihm angelastet wurde: durch die hohe Reitleistung sei sein Hengstausdruck noch nicht ausgeprägt genug – immerhin war dies die einzige negative
Kritik.
Die erste Turniersaison 1995 brachte hohe Plazierungen und Siege in Material- und Eignungsprüfungen – fast immer gegen Warmblüter. Die beiden qualifizierten sich
für die Schweizer Promotions Endausscheidungen (analog dem Deutschen Bundeschampionat für Reitpferde). Es erfolgten Rittigkeits- und Grundgangarten-Überprüfungen
und eine Exterieur-Beurteilung. Bahadur belegte am Ende einen achtbaren 4. Platz.
Nach der Winterpause startete Bahadur 1996 in Dressur- und Springprüfungen. Sabine arbeitete täglich mit ihm, nahm Dressur- und Springstunden bei zum Teil weit
entfernten Trainern und unterzog sich selbst einem mentalen Training. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten – am Ende der Saison waren sie wieder fürs Championat
qualifiziert – nach Bahadurs Alter diesmal als „Ausbildungsprüfung“ ausgeschrieben. Es wurde neben dem Exterieur (Note 10) nicht nur die Veranlagung des Pferdes
sondern auch sein Ausbildungsstand unter dem eigenen und einem Fremdreiter beurteilt – Bahadur gewann diese anspruchsvolle Prüfung.
Inzwischen war er auf Turnieren schon so erfolgreich, daß ihm aufgrund seiner Erfolge die Hengst-
leistungsprüfung I anerkannt wurde. 1997 erreichte Bahadur mehrere Plazierungen und Siege in Dressur, Springen und Vielseitigkeiten bis Klasse L und er wiederholte
diese Erfolge in 1998. In der Dressur startete er 1998 erstmals in Klasse M (Frankreich) und erreichte einen 3. Platz.
Ihren Standort nahe den Grenzen nutzt Sabine zu Starts auf Turnieren auch in Deutschland und in Frankreich. So war Bahadur 1998 in Moos erfolgreich und 1996 sogar
in Babolna am Start. Auch 1999 waren die Turnierstarts sehr erfolgreich – auch wenn wegen erhöhtem Deckeinsatz und Sabines Hochzeit weniger Zeit für Training und
Turniereinsätze zur Verfügung stand, so konnte Bahadur doch bei allen Vielseitigkeitsprüfungen die Dressur für sich entscheiden! Höhepunkt der Saison war das
Promotionsfinal der Vielseitigkeit, auf L-Niveau ausgeschrieben, aber eher als M-Prüfung aufgebaut, ließ es Bahadur zur Höchstform auflaufen und die Prüfung mit
einem zweiten Platz abschneiden – nur ein kleiner Reiterfehler im Gelände verhinderte den Sieg gegen alle Warmblüter.
1998 wurden die ersten Bahadur-Fohlen geboren und fielen vor allem durch große Harmonie, große Partien und starke Gelenke, bei hohem Adel auf. Auch seine Kinder
von 1999 bestätigten diesen Trend: kräftige, langlinige aber edle, harmonische Fohlen. In 2000 werden mindestens 13 Fohlen von Bahadur erwartet ....
Im Winter 1998/1999 stand Bahadur in Avenches auf Station und produzierte Gefriersperma. Die Tierärzte bestätigten Bahadurs Samen die notwendigen Qualitäten, die
durchaus nicht jeder Hengst vorweisen kann. Es ist eine hohe Samendichte und ein hoher Anteil an vorwärtsbeweglichen Samen auch nach dem Auftauen erforderlich,
damit die Stuten erfolgreich mit solchem tiefgefrorenem Sperma (TG-Sperma) belegt werden können. Hengste, die diesen Anforderungen nicht genügen, werden nicht ins
TG-Programm aufgenommen. Die Grenzwerte sind national und EU-weit unterschiedlich festgelegt, die höchsten Anforderungen stellt der amerikanische Markt. Bahadurs
TG-Samen wurde auch nach Amerika exportiert! Bei der Produktion werden ständig einzelne Proben wieder aufgetaut und die Einhaltung der Grenzwerte überprüft. Auch
dem diesjährigen TG wird wieder eine überdurchschnittliche Qualität (weit über 50 % vorwärtsbewegliche Spermien nach dem Auftauen) bescheinigt.
Im Mai und Juni 2000 wird Bahadur in Norddeutschland bei Carin Weiß an der Ostsee eine Beschälerbox beziehen. Es sind bereits etliche Stuten aus Deutschland und
Scandinavien angemeldet und man darf auf die weitere Entwicklung des noch jungen Hengstes gespannt sein .... Wenn die Beanspruchung durch das Deckgeschäft es
zuläßt, soll Bahadur seinen Ostsee-„Urlaub“ auch dazu nutzen, gegen deutsche und skandinavische Pferde bei einer M-Vielseitigkeitsprüfung in Bredeneek sein Können
unter Beweis zu stellen.
Große Pferde werden mit großen Veranlagungen geboren – aber diese müssen erkannt und professionell gefördert werden, wenn aus den Veranlagungen auch große
Leistungen resultieren sollen. Sabine Uschmann arbeitet hart an sich und Bahadur, um das zu erreichen. Sei den beiden der Name von Bahadurs Geburtsstätte ein Omen:
Bahati bedeutet auf Suaheli „Glück, Chance“.
by Carin Weiss, Dezember 1999, Mühlen