Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/170275

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen umfassenden Bericht zur Praktikumssituation in der Schweiz vorzulegen. Der Bericht soll insbesondere auf die von den Kantonen formulierten Kriterien eingehen, nach denen eine berufliche Tätigkeit als Praktikum gilt. Es soll untersucht werden, welche Bedeutung die Unternehmen den Lern- und Ausbildungszielen sowie der Betreuung der Praktikantinnen und Praktikanten beimessen. Im Bericht soll aufgezeigt werden, in welchem Ausmass Praktika dazu missbraucht werden, eine Anstellung hinauszuzögern. Als Massnahme gegen diese Praxis soll der Bericht die Möglichkeit prüfen, eine Definition des Praktikums im Bundesgesetz zu verankern, und weitere griffige Massnahmen anführen (Erarbeitung einer spezifischen Regelung, Muster-Arbeitsverträge, Mindestlöhne usw.). Abschliessend soll er Empfehlungen zuhanden der Kantone formulieren.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Praktika sind ein wichtiges Instrument zur arbeitsmarktlichen Integration. Dabei besteht kein einheitliches Erscheinungsbild. Für einen Teil der jungen Berufspersonen ermöglicht das Praktikum den Einstieg ins Berufsleben, um erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Für andere ist das Praktikum obligatorischer Bestandteil einer Aus- oder Weiterbildung. Ferner kann ein Praktikum die Arbeitsmarktintegration von zugewanderten Personen fördern, die keine Erfahrung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt respektive hier anerkannte Bildungsabschlüsse aufweisen. Auch zum Wiedereinstieg nach einem Erwerbsunterbruch, sei es aufgrund von Arbeitslosigkeit, Krankheit oder anderen Gründen, erweist sich ein Praktikum oft als zielführendes Instrument.</p><p>In den verschiedenen Konstellationen gelten verschiedene Regeln, die sicherstellen, dass in einem Praktikum die Weiterbildung im Fokus steht. So sind beispielsweise die Praktika in der Bundesverwaltung auf 12 Monate beschränkt. Auch bei den über die Arbeitslosenversicherung organisierten Praktika bestehen Höchstdauern. Ferner unterstehen gemäss schweizerischem Arbeitsrecht sowohl befristete als auch unbefristete Arbeitsverträge den Regeln des privaten Arbeitsrechtes (Art. 319ff. des Obligationenrechtes). So geniesst ein Praktikumsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechtes dieselben gesetzlichen Schutzbestimmungen wie alle anderen Arbeitsverhältnisse. Die bestehenden Rechte können gerichtlich eingefordert werden.</p><p>Ferner ist festzustellen, dass aufgrund der relativ geringen und über die Jahre konstanten quantitativen Bedeutung von Praktika keine Anhaltspunkte bestehen, wonach diese schweizweit zu einem Einfallstor für prekäre Anstellungsbedingungen für junge Berufseinsteiger geworden wären. Dies zeigen auch die neuesten Zahlen. 2015 absolvierten gemäss Schweizerischer Arbeitskräfteerhebung lediglich 1,2 Prozent der Arbeitnehmenden ein bezahltes Praktikum. In mehr als 80 Prozent der Fälle handelte es sich dabei um ein Praktikum oder ein Volontariat im Rahmen einer Ausbildung. Ein Jahr nach Erlangung ihres Masterabschlusses (2011) übten 12,6 Prozent des Absolventenjahrgangs 2010 ein Praktikum aus. Dieser Anteil nimmt mit zunehmender Dauer seit dem Studienabschluss stark ab: Fünf Jahre nach Erlangung eines universitären Masterabschlusses (2015) war der Anteil nur noch 1,5 Prozent. Dieser Anteil hat sich über die letzten Jahre (Absolventenjahrgänge 2002-2010) auch nicht erhöht.</p><p>Schliesslich ist festzuhalten, dass die Kantone in erster Linie für den Vollzug der Arbeitsmarktaufsicht zuständig sind und über die notwendigen Instrumente verfügen, um allfälligen Missbräuchen auch in Praktikumskonstellationen zu begegnen. Wie die im Vorstoss genannten Beispiele zeigen, nehmen die Kantone ihre Verantwortung diesbezüglich wahr. Der Bundesrat sieht hingegen keinen Bedarf, in einer aufwendigen Erhebung einen nationalen Bericht über Praktika zu erstellen und eine gesetzliche Definition zu schaffen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.