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L’incroyable histoire du facteur Cheval
Regie: Nils Tavernier
Darst.: Jacques Gamblin, Laetitia Casta, Natacha Lindinger, Éric Savin, Aurélien Wiik, Bernard Le Coq, Zelie Rixhon, Lilly Rose Debos, Louka Petit Taborelli u.a.
Frankreich, Ende des 19. Jahrhunderts: Ferdinand Cheval ist ein einfacher Postbote auf dem Land im Department Drôme und legt Tag für Tag 32 Kilometer zu Fuss zurück, um die Post zu verteilen. Während seiner Fussmärsche betrachtet er die Postkarten aus fernen Ländern und ist fasziniert von den Abbildungen fernöstlicher Tempelanlagen und anderer exotischer Bauwerke in geografischen Zeitschriften. In seiner Fantasie erschafft er anhand dieser Vorbilder und inspiriert von der Natur seinen eigenen, wundersamen Märchenpalast. In zweiter Ehe heiratet er die Witwe Philomène Richaud, die gemeinsame Tochter Alice liebt er über alles. Im April 1879 stürzt er auf einer seiner Posttouren wegen eines bizarr geformten Steins. Dieses Ereignis gibt den Ausschlag, seine Träume umzusetzen; er beginnt, systematisch Steine zu sammeln für den Bau des Palastes. Regisseur Nils Tavernier, Sohn des Regisseurs Bertrand Tavernier, erzählt in seinem dritten Langspielfilm die wahre Geschichte des «Facteur Cheval» (1836–1924), der auf dem Gelände seines Hauses in Hauterives, westlich von Grenoble, in 33 Jahren Bauzeit seinen «Palais idéal» errichtete, allein, ohne fremde Hilfe und ohne handwerkliche Vorkenntnsse. Die skurrile, aus allen möglichen Stilen und Elementen zusammengesetzte Anlage galt als das Werk eines Verrückten, zog aber bereits zu Lebzeiten Chevals Besucher an; erstaunlich viele Zeitungsartikel erschienen über den eigenwilligen Palast und seinen Erbauer. Die Surrealisten um André Breton erkannten in Cheval den Ahnherrn ihrer Bewegung und einen Bruder im Geiste. 1969 erklärte der französische Kulturminister André Malraux den Palast zum «Monument historique» mit der Begründung: «Wir Franzosen haben das Glück, die einzige naive Architektur der Welt zu besitzen.» Der «Palais idéal» gilt heute als unbestrittenes Meisterwerk der Art Brut und zieht jährlich um die 150’000 Besucher an. Eindrücklich verkörpert Jacques Gamblin den genialen Sonderling, an seiner Seite überzeugt Laetitia Casta in der Rolle der Philomène. Grossartig sind auch die Landschaftsaufnahmen: Facteur Cheval auf seinen Botengängen durch die wilde Natur des Department Drôme zu begleiten, ist ein grosses visuelles Vergnügen.