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Im Vatikan sind 28 neue Schweizer-Gardisten vereidigt worden. Doch der kleinsten Armee der Welt fehlt es an Nachwuchs.
Das "Soll" der Garde beträgt 120 Mann. Mit den am Montag vereidigten 27 neuen Gardisten gehören nun wieder 93 Mann zur Garde. Der Mini-Armee fehlen also 27 Mann. Bundesrat Samuel Schmid, der am Montag in Rom weilte, nahm an der Vereidigung teil.
Verteidigung heute und vor 500 Jahren
Als Verteidigungsminister erörterte Schmid mit seinem italienischen Amtskollegen Antonio Martino neben dem Abstecher in den Vatikan engere Kooperationen im militärischen Bereich. Es geht um den Infoaustausch bei Rüstungsbeschaffung und die Zusammenarbeit in der Luftwaffenausbildung.
Der 6. Mai 1527
Die Schweizer-Garde im Vatikan ist eine alteingesessene Institution. Noch vier Jahre, und die Schweizer Garde wird exakt ein halbes Jahrtausend in Rom gewirkt haben. Doch heute wird es immer schwieriger, junge Katholiken aus der Schweiz zum Gardedienst zu bewegen.
Gardekommandant Pius Segmüller hofft, dass ab Juni noch 13 weitere Gardisten zur päpstlichen Armee dazustossen. Jeweils am 6. Mai werden die neuen Rekruten vereidigt. An jenen Datum im Jahr 1527, während dem so genannten "Sacco di Roma", hatten 142 Schweizer Söldner ihr Leben für den damaligen Papst gelassen - und die restlichen 42 hatten das Kirchenoberhaupt vor dem Schlimmsten bewahrt.
Bluttat von 1998
Diese Tat begründete den Ruhm der Schweizergarde. Diese war erste einige Jahr zuvor, 1506, gegründet worden, um die persönliche Sicherheit des Papstes zu gewährleisten. 1998 - kurz vor der jährlichen Vereidigung - kam es im Vatikan zu einer weiteren Bluttat, die weltweit Schlagzeilen machte.
Laut dem offiziellen Schlussbericht des Vatikans erschoss Vizekorporal Cedric Tornay seinen Kommandanten Alois Estermann und dessen Ehefrau, bevor er sich selber richtete. Anfang April dieses Jahres haben nun zwei französische Staranwälte beim Papst ein Gesuch um Wiederaufnahme der Untersuchung eingereicht. Die Mutter des Wallisers Tornay glaubt nicht an die offizielle Version des Vatikans, wonach ihr Sohn das Ehepaar erschoss, weil ihm die Beförderung verweigert worden war.
Verhalten, Konjunktur und Leibeshöhe
Seit der Bluttat ist man mit der Rekrutierung der Schweizer-Garde vorsichtiger geworden. Die Garde-Kandidaten werden nun auch Verhaltens-Tests unterzogen. Die Grundbedingungen sind aber die gleichen geblieben: Schweizer Junggeselle muss man sein und mindestens 1,74 Meter gross.
Gleichzeitig lief in der Schweiz eine Imagekampagne an, um junge Schweizer für einen derartigen "Job" zu interessieren. Gemäss Garde-Kommandant Segmüller spielt beim Rekrutierungs-Erfolg immer auch die jeweils vorherrschende Konjunkturlage in der Schweiz eine Rolle.
Uniform-"Design" by Michelangelo
Die Gala-Uniform der Garde, weltbekannt wegen ihres Renaissance-Flairs, stammt vom Designerpult von Michelangelo. Für den täglichen Gebrauch genügt eine blaue Uniform mit einem weissen Kragen.
swissinfo und Agenturen