Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03520.jsonl.gz/1431

Einbrecher A. B. aus C. im Gespräch
Weshalb gehen Sie ihrer Tätigkeit ausgerechnet in der Schweiz nach?
Einbrecher: Allgemein wird in der Schweiz in sehr guter Qualität gebaut. Bei den Schliessungen von Türen und Fenstern trifft dies jedoch nicht zu. In diesem Bereich haben die umliegenden Länder
einen höheren Standard.
Für die meisten Schweizer wird der Einbruchschutz erst ein Thema, wenn bereits in ihr Haus eingebrochen wurde. Die Hausbesitzer wiegen sich mit ihren Tür- und Fensterschliessungen in einer falschen Sicherheit und treffen keine geeigneten Massnahmen. Diesen Umstand mache ich mir selbstverständlich zunutze.
In der Schweiz werden jährlich mehr als 65'000 Einbrüche verübt. Auffällig ist, dass vorwiegend normale Wohnquartiere aufgesucht und "reichere" Gebiete, wie z.B. die Goldküste, gemieden werden. Wie ist dieser Umstand erklärbar?
Einbrecher: In gehobeneren Quartieren sind die Häuser eigentlich immer gut gesichert. Meine Erfolgschancen sind dort ausserordentlich gering.
Da beschränke ich mich lieber auf normale Wohnquartiere, wo ich mit einfachsten Werkzeugen, wie z.B. Schraubenziehern, innert 10-20 Sekunden geräuschlos in ein Haus eindringen kann.
Haben Sie keine Angst, dass Sie von den Nachbarn beobachtet werden könnten?
Einbrecher: Nein! Einerseits wird der Nachbar wohl kaum den ganzen Tag am Fenster stehen und die Gegend observieren. Andererseits bin ich ganz normal gekleidet und verursache auch keinen Lärm,
welcher die Aufmerksamkeit der Nachbarn erwecken könnte.
Und selbst wenn mich ein Nachbar erblicken würde, würde mich dieser eher für einen Handwerker als für einen Einbrecher halten.
Über die Medien wird regelmässig informiert, dass 70% sämtlicher Einbrüche tagsüber verübt werden. Weshalb gehen Sie ihrer Tätigkeit nicht nachts nach?
Einbrecher: Abends und in der Nacht sind die Hausbewohner in der Regel anwesend. Das Risiko, erwischt zu werden, ist mir zu hoch. Ich bevorzuge diejenigen Tageszeiten, während denen die Hausbewohner an der Arbeit, in der Schule oder beim Einkaufen sind oder mit dem Hund spazieren gehen. Bereits kurze Abwesenheiten reichen aus, um in ein Haus einzudringen und dieses zu durchsuchen.
Über welche Einstiegsstelle ist es am einfachsten, ins Haus zu gelangen?
Einbrecher: Wie bereits erwähnt, machen es mir die Leute sehr einfach. Meistens wähle ich den Weg über die Terrassentüren und Fenster. Diese lassen sich praktisch immer ohne grosse Anstrengungen
innert 10-20 Sekunden geräuschlos öffnen.
Jedoch sind auch Kellertüren und Lichtschächte in der Regel ungenügend gesichert und ermöglichen einen leichten Einstieg.
An exponierten Hauseingangstüren mache ich mich nur zu schaffen, wenn der Zylinder vorsteht und das Türschild von aussen verschraubt ist.
Wie Sie sehen, habe ich die Qual der Wahl!
Welche Werkzeuge und Utensilien nehmen Sie auf Ihre Einbruchstouren mit? Wie gehen Sie vor?
Einbrecher: Ein bis zwei Schraubenzieher reichen völlig aus. Damit kann ich eigentlich jedes Fenster oder jede Türe aufdrücken. Sie würden staunen, wie schnell auch angeblich hochwertige
Materialien, wie sie in der Schweiz verwendet werden, unter dem ausgeübten Druck brechen. Spezialwerkzeug ist dazu nicht erforderlich.
Entgegen weitläufiger Meinung schlage ich keine Fensterscheiben ein. Ein solches Vorgehen erzeugt zu viel Lärm und erweckt die Aufmerksamkeit der Nachbarn. Wie bereits mehrmals erwähnt, gelange ich auch mit den Schraubenziehern innert 10-20 Sekunden in das Haus.
In den meisten Häusern sind doch keine wertvollen Gegenstände zu holen!? Können Sie von Ihrer Tätigkeit überhaupt leben?
Einbrecher: Ob es für mich rentiert, sehe ich erst, wenn ich in das Haus eingebrochen bin. Aber Sie würden staunen, was ich auf meinen Einbruchstouren alles erbeute. Um nur einige Gegenstände aufzuzählen: Bargeld, Kreditkarten, Schmuck, Natels, Laptops, kleine Elektrogeräte… Um diese Gegenstände zu finden, durchsuche ich jeden Raum, jeden Schrank und jede Schublade. So erbeute ich an einem Tag Gegenstände im Wert von mehreren Tausend Franken.
Nützt es überhaupt etwas, sein Haus gegen Einbruch zu schützen? Sie können sich doch immer Zugang verschaffen!?
Einbrecher: Wenn ich feststelle, dass ich über die Fenster, Türen oder Lichtschächte nicht innerhalb einer Minute eindringen kann, wechsle ich zum Nachbarhaus.
Wahrscheinlich könnte ich mir trotz mechanischen Sicherungen Zugang verschaffen. Dazu bräuchte ich jedoch mindestens 30 Minuten und besseres Werkzeug. Dies ist mir schlichtweg zu aufwändig und riskant. Mit hoher Wahrscheinlichkeit könnte ich nicht mehr das Haus verlassen, ohne dass mich die Polizei in Empfang nehmen würde.
Quelle: www.introgarde.ch