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Während in einer Partnerschaft das Beziehungsmodell selbstverständlich erscheint, ist bei einer Trennung oder Scheidung vieles unklar.
Der Umgang mit Konflikten ist entscheidend
Grundsätzlich ist es nicht der Elternkonflikt, der dem Kind schadet, sondern der daraus resultierende Loyalitätskonflikt. Das Kind muss sich gegen seinen Willen für einen Elternteil „entscheiden“. Dies ist für das Kind traumatisch und überfordert es. Lediglich durch Abspaltung und Entfremdung kann es damit umgehen und die Situation verarbeiten. In einem Wechselmodell ist diese Abspaltung und Entfremdung überwiegend kein Thema, da das Kind beide Elternteile gleichermassen sieht und sie als gleichwertig anschaut und sich nicht für die Mutter oder den Vater „entscheiden" muss.
Wo und wie entstehen Konflikte
Viele Konflikte entstehen, wenn die Eltern nicht die gleichen Rechte haben. Somit kommt ein Elternteil zu einer überzogenen Abwehrhaltung, die wieder einen neuen Konflikt auslösen kann. Die Praxis hat gezeigt:
Laut einer wissenschaftlichen Analyse aus Amerika steigt die Anzahl der Konflikte, wenn die Eltern das Besuchsrecht ausüben. Selbst dann, wenn die Besuchszeit massiv reduziert wird.
Lösungen in hochstrittigen Konflikten
Es gibt unterschiedliche Ansätze, wie in hochstrittigen Fällen Problemen begegnet werden können. Die folgenden fünf Empfehlungen sollen betroffene Eltern unterstützen, die elterliche Verantwortung gemeinsam übernehmen zu können
Gleichmässige Zeitaufteilung: Diese Rahmenbedingung ermöglicht es Eltern, sich auf gleicher Augenhöhe und mit gleicher Verantwortung zu begegnen. Das Kind sieht beide Eltern als gleich wichtig an.
Klarer und strukturierter Betreuungsplan: Damit werden Voraussetzungen für strittige Diskussionen beseitigt.
Übergabe des Kindes: Unter Umständen an einem neutralen Ort. Der Informationsaustausch während der Übergabe ist knapp zu halten (sowenig wie möglich, soviel wie nötig). Weitere Informationen können später über E-Mail ausgetauscht werden.
Damit die Anzahl der Begegnungen zwischen den Eltern reduziert werden können, sind häufige Wechsel während der Woche zu vermeiden.
Solange die Aufgabenbereiche der gemeinsamen elterlichen Sorge noch nicht vollständig geklärt sind, können ausstehende Punkte mit einer provisorischen Vereinbarung geregelt werden.
Fazit:
Für ein Kind ist die Bindung zu beiden Elternteilen wichtiger als Konfliktfreiheit. Je höher der Zeitanteil eines Kindes bei beiden Eltern ist, desto grösser wird seine Bindung zu ihnen. Eine paritätische Aufteilung der Betreuungszeit kompensiert somit die Belastung des Kindes durch den Elternkonflikt.
Die Wissenschaft geht davon aus, dass in hochstrittigen Familien eine hohe Wechselfrequenz und die daraus resultierenden Begegnungen zwischen den Eltern dem Kind schadet. Stattdessen soll die Anzahl Wechsel zugunsten der Betreuungszeit vermindert werden. Dem Kind ermöglichen solche Rahmenbedingungen, durch die verstärkte Interaktion mit beiden Elternteilen, eine festere und emotionalere Bindung zu ihnen aufzubauen.
Die Rechtsprechung muss zum Schutz der Kinder vermeiden, dass es einem Elternteil einen prozesstaktischen Vorteil verschafft, Konflikte zu schüren. Sie darf also einseitiges Konfliktverhalten nicht "belohnen".
In der Praxis wird vielfach das falsche Vorurteil vertreten, dass Kinder im Wechselmodell bei Vorliegen von Elternkonflikten mehr belastet werden. Diese Meinung trifft aber nicht zu: Der Verlust eines Elternteils belastet ein Kind aufgrund seines natürlichen Bedürfnisses nach Bindung zu beiden Elternteilen wesentlich stärker und länger (vgl. Rubrik Kontaktabbruch).
Kinderbetreuung im Wechselmodell wirkt erwiesenermassen in den meisten Fällen deeskalierend.
Bei Kommunikationsschwierigkeiten
Für das Gelingen eines Wechselmodells existieren keine speziellen Anforderungen betreffend Kommunikation und Kooperation. Die Anforderungen sind nicht höher als bei einem traditionellen Betreuungsmodell, welches ein Besuchsrecht beinhaltet. Zudem sind sie auch nicht höher als in einer Situation, bei welcher die Eltern nicht getrennt sind. Um die Zusammenarbeit zu fördern, können die Eltern fachliche Unterstützung beiziehen (z.B. Familienberatung).
In der Rechtsprechung kommt es jedoch immer wieder vor, dass für eine alternierende Obhut oder erweiterte Betreuung fälschlicherweise erhöhte Anforderungen an Kommunikation und Kooperation vorausgesetzt werden. Diese falschen Prämissen sind im Interesse des Kindes zu überwinden.
Hinzu kommt, dass die Rechtsprechung für die Eltern keine angepassten Lösungen findet, wenn die getrennt lebende Eltern Kommunikationsschwierigkeiten haben.
Lösungsansätze bei Kommunikationsproblemen
Die Kommunikation "unpersönlich" gestalten.
Viele Eltern wählen schriftliche Kommunikationsmittel (z.B. E-Mail, SMS, Brief).
Bei der Übergabe der Kinder keine "schwierigen" Gespräche.
Solche Gespräche sollten zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.
Die elterliche Verantwortung aufteilen.
Unter Umständen können Zuständigkeitsbereiche für beide Elternteile definiert werden, beispielsweise für schulische, medizinische oder andere Belange.
Allgemeiner Hinweis zur Kommunikation
In Streitsituationen werden meist "Du-Botschaften" ausgeteilt. Diese sind zu vermeiden. Eigene Standpunkte sollen mit "Ich-Botschaften" vertreten werden: "Ich sehe das so.". Das fördert die Gesprächsatmosphäre positiv.