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April 10, 2009 / erstellt am: April 10, 2009

Gedanken, Lebenserfahrung, Werte
Sei kein Snob - was denn sonst?Viele Begriffe verändern mit der Zeit ihre Bedeutung und werden positiv oder negativ gewertet. Ein eher schlechtes Image hat heute der Begriff des «Snob». Ein Snob ist ein blasierter Wichtigtuer, der sich von anderen abgrenzen will. Besonders, wenn sich Snobismus mit Arroganz paart, wird es unausstehlich.
Eine positive Bewertung des Snobismus ist, wenn man den Snobismus mit Humor vermischt, sich dabei selber nicht allzu ernst nimmt und mit dieser Rolle als Snob spielt. Sozusagen ein Revival des Dandy. Solche Menschen können sehr unterhaltsam sein, sofern sie durch das Rollenspiel immer noch authentisch (echt) wirken.
Wenn sich ein Snob von Überheblichkeit und anderem affektierten Verhalten lösen kann, echte Qualität (nicht nur materiell) anstrebt und bereit ist einen höheren Preis dafür zu bezahlen, dann kann Snobismus durchaus positiv gewertet werden. Er setzt damit einen Kontrapunkt gegen die Schnäppchenmentalität, welche ebenfalls absurde Züge angenommen hat, jedoch gesellschaftlich positiv anerkannt ist. Leider scheint es dafür (noch) keinen Begriff zu geben.
Zitat von Max Goldt aus «Sodbrennen und Snobismus» (Titanic):
Der Kern des Snobismus ist nicht das Hinabschauen, sondern der Blick nach oben. Der Snob orientiert sich an der nächsthöheren gesellschaftlichen Schicht, und er hat dabei die gleichen Möglichkeiten wie ein mittelmäßiger Musiker, der einem Guten nacheifert. Entweder er verbessert sich tatsächlich, oder er wird prätentiös und macht sich lächerlich. Gefahrvoll ist das Leben. Aber immerhin: Er hat es gewagt, ein Besserer werden zu wollen! Was in den Augen von selbstgerechten Kleinbürgern – die sich gern als «ganz normale Menschen» bezeichnen [...] – freilich bereits eine ungeheuerliche Anmaßung darstellt.
Beim sogenannten Snobeffekt schenkt ein Konsument einer Ware erst ab einem gewissen Preis Beachtung und geht gleichzeitig davon aus, dass die Ware von einer breiten Schicht von Konsumenten nicht erworben wird. Dieses eigentlich absurde Kaufverhalten macht sich bereits im kleinen bemerkbar: Was nichts kostet, ist nichts wert. Was viel kostet ist demzufolge viel wert, was jedoch geprüft sein will.