Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03146.jsonl.gz/267

Das Rennen zur Durchimpfung der Weltbevölkerung wurde bislang von einer Handvoll kleinerer Nationen angeführt – und diese Länder übertrumpfen jetzt einige der reichsten Staaten auch in den Augen der Börsianer.
Die schnellsten Impf-Aktionen geschehen in Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten, was offenbar auch die dortigen Aktien an die Weltspitze treibt. Israels führendes Börsenbarometer TA-35 legte im laufenden Jahr bislang um 7,6 Prozent zu, womit sowohl der S&P 500 als auch der Euro-Stoxx-Index übertrumpft wurde.
Die Börsenhändler beeilen sich nun auch, den weltweiten Roll-out an Impfstoffen zu gewichten und zu bewerten; und sie setzen darauf, dass jene Nationen, die mit der Spritze an der Spitze sind, sich auch am schnellsten von der Wirtschaftskrise erholen; was wiederum ihre Aktien, Währungen und Anleiherenditen anhebt.
«Jene Länder, die dank einer Kombination aus Stimuli und Impfstoffverteilung am schnellsten zur Vorkrisen-Aktivität zurückkehren, dürften auch den grössten Aufwärtsdruck auf ihre Währungen erleben.»
Bis dato hat Israel etwa 30 Prozent seiner Bevölkerung geimpft, in den Emiraten sind es etwa 20 Prozent. Falls sich das Tempo halten lässt, könnten diese Länder die Grenze zur Herdenimmunität etwa Mitte des Jahres erreichen, so JP Morgan.
«Wird sich bei der Herdenimmunität eine genügend grosse Abweichung zwischen den Staaten ergeben, um dieses Thema über die Märkte hinweg handelbar zu machen?», fragten sich die JP-Morgan-Strategen unter der Leitung von John Normand. «Wahrscheinlich. Jene Länder, die dank irgendeiner Kombination aus Stimuli und Impfstoffverteilung am schnellsten zur Vorkrisen-Aktivität zurückkehren, dürften auch den grössten Aufwärtsdruck auf ihre Zinssätze und Währungen erleben.»
Während Israel und Dubai verlockende Beispiele bieten, wirkt die Lage in grossen Volkswirtschaften unklarer, so Michael Herzum; er leitet die makrostrategischen Forschungen bei Union Investment in Frankfurt.
«Es ist schwierig, diese Effekte von anderen Faktoren zu trennen, welche die Märkte beeinflussen», sagt Herzum, «was es wiederum schwierig macht, den Aspekt von Land zu Land auszuspielen.» Dennoch baut auch er die Impfraten in seine Entscheidungen zur Asset-Allokation ein.
In Grossbritannien, wo der erste Bürger bereits am 8. Dezember 2020 die Coronavirus-Impfung erhalten hat, übertraf der FTSE-100-Index die europäischen Konkurrenten ebenfalls, obwohl die britische Bevölkerung unter dem dritten landesweiten Lockdown leidet.
Laut Herzum könnten Impfungen den Weg der Wirtschaft zur Erholung ebnen und die Aktien eines Landes weiter anheben. «Britische Aktien könnten sehr bald in einer guten Position sein, weil Grossbritannien dank seinen Fortschritten beim Impfen wohl die Herdenimmunität viel rascher erreicht als der europäische Kontinent», sagte er.
«Dies könnte sich in einem starken Aufschwung bei der ökonomischen Aktivität niederschlagen, sobald die Covid-19-Restriktionen aufgehoben werden.»
(«Bloomberg», rap)