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Carl Schröter (1855-1939)
Carl Schröter ( 1855-1939 ) Als am 7. Februar 1939 Carl Schröter, Professor für Botanik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, einer Grippe mit nachfolgender Lungenentzündung nach wenigen Tagen erlag, da schloss einer der grossen Zürcher Gelehrten und wissenschaftlichen Alpinisten die Augen für immer. Als Schüler Oswald Heers, der 1852-1881 ordentlicher Professor für Botanik an der Universität Zürich war, trat er bereits mit 22i/> Jahren, 1878, als Privatdozent in die Fußstapfen seines Lehrers, nachdem er als Assistent im botanischen Unterricht an der land- und forstwirtschaftlichen Abteilung und bei den botanischen Instituten ( für Pflanzenphysiologie und Mikroskopie ) gewählt worden war. Im Sommer 1879 erhielt er den Lehrauftrag für « Spezielle Botanik » und am 19.De-zember 1883, an seinem 28. Geburtstag, wurde er zum Professor für Botanik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ernannt. Wir glauben sagen zu dürfen, dass damit unserer technischen Hochschule der ebenbürtigste Nachfolger eines Oswald Heer gegeben wurde, und mit seltenem unermüdlichem Schwung ist Carl Schröter, der gebürtige Deutsch-Österreicher ( sein Vater stammte aus Bielitz, war Professor für Maschinenbau am Polytechnikum in Stuttgart und erhielt die Berufung an die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich Anno 1863 ), der Botaniker unseres Landes gewesen, bis er 1926 altershalber von seinem Amte zurücktreten musste. 1867 starb sein Vater, der mit seiner Familie 1865 nach Zürich übergesiedelt war, an Typhus. Die Witwe, Luise Schröter, erhielt 1868 mit ihren fünf Kindern das Landrecht des Standes Zürich und das Bürgerrecht der Stadt Zürich schenkungsweise. So war und blieb Carl Schröter mit unserem Land verbunden und ward ein Schweizer von selten guter Prägung.
Schon 1882 wandte sich Carl Schröter dem neuen Gebiet der Botanik, der Pflanzengeographie zu ( an der Seite seiner Freunde Prof. Dr. Eduard Rubel und Prof. Dr. Heinrich Brockmann-Je-rosch ), die er zu besonderer Anerkennung und Beachtung brachte. Eduard Rubel schreibt darüber ( Verhandlungen der SNG, 1939 ): « Bei Schröter fanden die Probleme jeweils einen Ausbau durch Vertiefung. 1882 trug er eine Pflanzengeographie von Europa vor, das Jahr darauf eine Pflanzengeographie der Schweiz, von der er bald die allgemeinen Fragen abtrennte und 1885 eine „ Allgemeine Pflanzengeographie " las. Innerhalb der Vegetation der Schweiz gab er nicht von allem etwas, sondern einige vertiefte Kapitel. In der allgemeinen Pflanzengeographie interessierten ihn vor allem die ökologischen Fragen; er nannte das Kolleg bald nicht mehr „ allgemeine ", sondern ökologische Pflanzengeographie und behandelte darin einerseits die Verbreitungsmittel der Pflanzen mit der Sicherung der Keimung, anderseits die Anpassungserscheinungen. Dieses letztere Kapitel reizte ihn später auf Grund raschen Fortschrittes in der Erforschung dieser Probleme zu weiterem Ausbau nach der prinzipiellen Seite, woraus die seit 1911 gehaltene Vorlesung über das Problem der Form im Pflanzenreich entstand, in welcher durch all die Morphosen die innere Gestaltungskraft und die Mannigfaltigkeit der Natur klargelegt wurden. Der andere Teil des alten Kollegs wurde abgerundet zu einem neuen über die Verbreitungsmittel und Wanderungen der Pflanzen ( 1919 ). Eine andere autökologische Frage, die Ökologie von Blüte und Frucht, fand 1915 eine eigene Behandlung. » Wir hatten das Glück, diesen Botaniker und Wissenschafter als Lehrer zu haben, in den Vorlesungen und an den Exkursionen seine stete Lebendigkeit im Finden, Erläutern und Mitteilen zu erleben sowie in der Freundschaft zwischen Lehrer und Schüler die Fülle seines Wissens geniessen zu dürfen. Er sah im Forschen alles Kleine, ohne die grossen Wege zu verlieren. Wir erinnern uns, wie er besondern Handschlag bot, als wir am 21. Juli 1913 zur botanischen Exkursion ins Engadin antraten, das SAC-Abzeichen im Knopfloch! Carl Schröter war schon 1883 dem SAC beigetreten und amtete 1885-1888 als Präsident der Sektion Uto, 1884 hielt er in diesem Kreis seinen ersten Vortrag über « Alpine Flora ». Fünf Jahre später, 1889, gab er zusammen mit seinem Kunstmaler-Bruder Ludwig Schröter erstmals die « Taschenflora des Alpenwanderers » heraus ( die auch ins Französische und Englische übersetzt wurde ). Ins « Jahrbuch schrieb er zahlreiche Aufsätze über Gebirgstäler und die alpine Pflanzenwelt, kleinere Monographien, die zu lesen noch heute ein Genuss ist. 1904-1908 erschien dann das Standardwerk « Das Pflanzenleben der Alpen. Eine Schilderung der Hochgebirgsflora » ( 1923-1926 in neuer und erweiterter Auflage ), das Carl Schröter neben Hermann Christ, dem Basler Botaniker, und Anton Kerner von Marilaun, die für ihn als die bedeutendsten Naturforscher seiner Zeit richtunggebend waren, zum « Grossen Alpenbotaniker » stempelt. Gegen 300 Veröffentlichungen umfasst Schröters Lebenswerk, und gross ist die Zahl der Schüler, die sich auf seinen Rat hin der Botanik und den dieser verwandten Wissenschaften zuwandten, und gross war der Kreis seiner Freunde, nicht zuletzt unter den Bergsteigern. War er auch kein Gipfelbezwinger, so war Carl Schröter doch ein Alpinist, der die Ganzheit der Gebirgswelt sah und erforschte. Für ihn waren die Natur und die Hochwelt im besondern das, was er uns im März 1915, als wir die Studien bei ihm beendet hatten, ins « Buch der Erinnerungen » schrieb:
« Den Beruf, den Sie erwählt haben, führt Sie in engste Berührung mit der lebendigen Natur. Das ist ein unschätzbares Glück: denn die Vertiefung in ihre tausendfältigen Geheimnisse, die Kenntnis ihrer weltumspannenden Gesetze, die Bewunderung ihrer unerschöpflichen Schönheit macht uns frei und glücklich, hebt uns über die Widerwärtigkeiten des Lebens hinweg und stärkt unsern Idealismus... » Das ist gleichzeitig ein Bekenntnis Carl Schröters zu seinem eigenen Leben. Ob aus Beruf oder als Bergsteiger, wer so die Alpenwelt durchschreitet, wie es Carl Schröter tat, konnte Gebender sein. Denn an seinem 70. Geburtstag hat er seinen eigenen Beruf « eines akademischen Lehrers der speziellen Botanik, der Feld-, Wald-, Wiesen- und Alpenbotanik » als einen besonders glücklichen bezeichnet, fand er dabei doch die stete Verbundenheit mit der Natur und mit der Jugend, die letztere für die Gesamtnatur begeisternd. Und nicht übergehen dürfen wir, wie sehr er in seiner Lebensgefährtin, seiner Studienfreundin Margarete Middelberg, mit der er 1884 den eigenen Hausstand gründete und der von drei Kindern und später von einer frohen Schar Enkelkinder belebt wurde, eine verständige und ihn in allen seinen Arbeiten fördernde Frau gefunden hat. Da war oft ein unermüdliches Ein- und Ausgehen von Professoren, Doktoren und Studenten in der Wohnung Schröters, wo manchmal die Frau Professor zuerst einen Stuhl von Bücherlasten befreien musste, ehe man in des Meisters Studierstube Platz nehmen konnte. Und rückte die Tee-Zeit heran, so durfte man nicht weggehen, ohne mitgehalten zu haben.
Im Jahre 1903 wurde Carl Schröter Ehrenmitglied der Sektion Uto und an der Delegiertenversammlung in Luzem, anlässlich des 50jährigen Bestehens des SAC, zusammen mit Dr. Heinrich Dübi, Julien Gallet und Oberst L. Held Ehrenmitglied des Gesamt-SAC, « in Anbetracht ihrer hervorragenden Leistungen um die Erforschung der Schweizer Alpen ». Auf dem Gebiet der Erforschung der alpinen Pflanzenwelt hat Carl Schröter unvergängliche Verdienste. Damit verbunden bleibt seine Persönlichkeit eigener Prägung, die wir nicht besser skizzieren können als mit den Worten Eduard Rübeis ( 103. Neujahrsblatt zum Bestehendes Waisenhauses in Zürich für das Jahr 1940 ): « Ein Grundzug seines Wesens war sein unverwüstlicher Optimismus... Für Carl Schröter lag der Zweck des Lebens im Geben. Alles, was er wusste und konnte, freute ihn nur, wenn er andere daran teilnehmen lassen konnte. » Immer hatte er für alle Zeit, die zu ihm kamen, und zu jeder Zeit! «... Für jedes Anliegen hatte er einen Rat, er munterte zur wissenschaftlichen Tätigkeit auf, da er jeden geringsten Beitrag, jede Beobachtung schätzte und zu verwerten wusste... Schröter lebte bis zum Ende immer in der Gegenwart, ihn interessierte alles gegenwärtige Geschehen, aller Fortschritt, und die Fähigkeit blieb ihm bis zuletzt, Neues aufzunehmen und Neues wieder in seine Vorträge zu verweben... » Carl Schröter bleibt einer der grossen Männer im Kreis des SACMax Oechslin VICTOR ATTINGER ( 1856-1927 ) Schwager, Freund und Tourengefährte von Louis Kurz, war Victor Attinger mit diesem und mit Eugène Colomb einer der Pioniere bei der Erschliessung des Trient-Massivs und der Südflanken des Mont Blanc. Einen ersten Aufenthalt auf dem Glacier de Trélatête hielt er Anno 1889, dessen gute und schlechte Stunden er in seinem Bericht « Huit jours sous la tente » im « Echo des Alpes » ( 1890 ) schildert. 1892 wurde ein solches Lager wiederholt, wobei er mit Ch.Hermite auf der Arrête du Chatelet, zwischen dem Glacier du Fresnay und dem Glacier du Brouillard, ein Biwak errichtete, wo später das Refuge Gamba gebaut wurde, « in der wildesten, abgelegensten und damals unbekanntesten Region des Massivs. » Das gesamte Material, rund 140 kg, musste auf dem Rücken von Orsières aus ins Val Veni transportiert werden. Zuvor hatte Attinger mehrere Erstbesteigungen rund um Aroila ausgeführt: so eine Spitze der Vignettes, eine der Aiguilles Rouges. Von 1889 an konzentrierte er seine Tätigkeit auf das Gebiet von Saleina: Grande Luy, Pointe Darrey, Pointe et Grand Clocher de Planereuse, Portalet ( über die Südflanke ).
Als Seniorchef seines Verlagshauses hat Victor Attinger besonders zur Förderung des Alpinismus beigetragen. Als um die letzte Jahrhundertwende das Photographieren noch nicht Allgemeingut war, bot er der Öffentlichkeit eine reiche Auswahl von Bergansichten an. Er begann zu dieser Zeit auch mit der Publikation des wertvollen « Dictionnaire géographique de la Suisse », in welchem die Alpen einen Ehrenplatz einnehmen.
Victor Attinger gehörte 1882 dem CC der Section Neuchâteloise an, die ihn 1926 zum Ehrenmitglied ernannte.Louis Seylaz JULIEN GALLET ( 1858-1934 ) Julien Gallet wurde in La Chaux-de-Fonds geboren, wo er, nach Aufenthalten in Deutschland und den Vereinigten Staaten, mit seinem Bruder Georges die Direktion der väterlichen Fabrik übernahm. Er trat der S AC-Sektion La Chaux-de-Fonds bei, welcher er seit Beginn einen bedeutenden 10 Die Alpen- 1963- Les Alpes145