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Bild
Titel:
Tschako von Johann Jakob Knöpfel
Thema: Politik
Datum: --.11.1847
Masse: 21 cm, d = 24 cm
Standort: Gemeindekanzlei Hundwil
Urheber/-in:
Beschreibung:
Auf dem Tschako erkennt man vorne ein rautenförmiges Messingviereck. Die obere Hälfte schmückt ein grosses A für Appenzell, darunter sind die Buchstaben V und R für „Vsser Rhoden“ zu erkennen. Die Kokarde über dem Schild ist in den Standesfarben weiss und schwarz gehalten, die Originalfarbe des darüber angebrachten Pompons (heute beige) ist nicht mehr eruierbar.
Geschichte:
Im Sonderbundskrieg Pulverdampf gerochen
Glück hatte der 24jährige Hundwiler Soldat Johann Jakob Knöpfel, als er mit den Ausserrhoder Truppen unter der Führung von Oberstleutnant Bartholome Bänziger im November 1847 in den Krieg gegen die sonderbündischen Truppen in die Innerschweiz ziehen musste. In der Schlacht bei Gislikon (LU) (1) streifte eine feindliche Kugel seinen Tschako (2) von hinten ohne ihn dabei zu verletzen. Die ein Loch hinterlassende Schussspur im Hutdeckel ist Zeuge dieses Vorfalls.
Johann Jakob Knöpfel, genannt Aescher-Jock. war einer von 15 Hundwilern, die unter dem ebenfalls aus diesem Dorf stammenden Hauptmann Bartholome Würzer gemäss Tagsatzungsbeschluss gegen die katholisch-konservativen Stände, die für die Wahrung der alten Ordnung von 1815 (3) einstanden, unter die Waffen gerufen wurden. General Henri Dufour war ihr Oberbefehlshaber und mit der Tagssatzungsbeschluss beauftragt, den Sonderbund mit Gewalt aufzulösen. Der wie seine Kameraden nicht sonderlich gut ausgebildete und ausgerüstete Johann Jakob Knöpfel wurde in der Folge mit den ausserrhodischen Truppen von seinem Landammann Jakob Zellweger-Hünerwadel vereidigt. „In sehr ernster Verfassung, keineswegs in Hurrastimmung“, zog man in einen Dienst, dessen Bürgerkriegscharakter allen vor Augen stand. Auch die Kommandanten waren keine Säbelrassler.“ (4)
Erste Zugsfahrt
Knöpfels Feldbataillon 1 (5) war es vergönnt, zunächst mit dem Dampfschiff von Rapperswil nach Zürich befördert zu werden und dann mit der gleichen Jahres eingeweihten Eisenbahn („Spanisch-Brötli-Bahn“) nach Baden zu fahren. Es war dies der erste Eisenbahntransport appenzellischer Truppen überhaupt, sicher auch für unseren jungen Hundwiler Weber Johann Jakob Knöpfel.
Er war unter den Appenzellern, die am meisten Pulverdampf zu riechen bekamen. Am Rooterberg bei Gislikon eröffneten die Sonderbundstruppen ein mörderisches Feuer auf die Angreifer. Bataillonskommandant Bänziger wurde gleich zu Beginn am Oberarm verletzt, und die Truppe musste in einen fremden Brigadeverband wechseln. Schliesslich wurden die durch verhältnismässig grosse Verluste völlig geschockten, kaum mehr kampffähigen jungen Appenzeller Milizler, denen überdies die Munition ausgegangen war, nach Honau zurück geschickt. Die anderen Appenzeller Truppen kamen ohne grosse Verluste davon. Insgesamt hatten die Ausserrhoder fünf Tote und 26 Verletzte zu beklagen. Johann Jakob Knöpfel hatte mit seinem Tschako-Streifschuss Glück gehabt. Er konnte mit seinen Kameraden unversehrt nach Hause marschieren und am 27. Dezember in Herisau feierlich entlassen werden.
Zehn Jahre später wurde im mit Girlanden geschmückten Hörnlisaal der Erlebnisse mit einem Festessen gedacht. 63.55 Fr. wurden für den Anlass mit 73 Anwesenden (unter ihnen Johann Jakob Knöpfel mit neun weiteren Hundwilern) aufgewendet. Auch 1867 und 1887 und 1904 fanden Erinnerungsveranstaltungen statt. Der Sonderbundskrieg war bei den Beteiligten keineswegs vergessen.
Innerrhoden musste sühnen
Hätte Knöpfel in Innerrhoden gewohnt, wäre sein Tschako unversehrt geblieben, er hätte aber auch nichts zu feiern gehabt. Der katholische Nachbarkanton stand mit den Sympathien beim Sonderbund, hatte sich diesem aber – da geografisch isoliert – nicht angeschlossen. Der Aufforderung des Generalstabchefs, Truppen unter das eidgenössische Kommando zu stellen, begegnete die Regierung mit dem Hinweis auf Neutralität und betrieb Verzögerungstaktik. (5) „Zur Sühne wegen Nichterfüllung der Bundespflichten“ wurde Innerrhoden von der Tagsatzung mit einer Busse von 15000 Franken belegt.
(1) Heute Gemeinde Gisikon.
(2) Aus dem Ungarischen. Militärische Kopfbedeckung, früher auch für Jäger, Schützen und Polizei.
(3) Dieser föderalistischeVertrag von 1815 nach den napoleonischen Wirren hatte zum Beispiel den Fortbestand der Klöster garantiert, aber alle Bund und Kantonen nachteiligen gegenseitigen Verbindungen verboten.
(4) Walter Schläpfer, Appenzeller Geschichte, Band 2 (Seitenzahlen folgen noch)
(5) Oberstleutnant Bartolome Bänziger aus Heiden (Feldbataillon 1), Oberstleutnant Johann Martin Meyer aus Herisau (Feldbataillon 2) und Johann Konrad Kern und Johann Heinrich Bänziger für die Scharfschützenkompanien) waren die Ausserrhoder Kommandanten.
(6) Hermann Grosser, Norbert Hangartner, Appenzeller Geschichte, Band 3 (Seitenzahlen folgen noch)
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