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Patron der Seeleute und der St. Niklausen-Schiffgesellschaft und seine Verehrung in Luzern. Obwohl er zu den Heiligen gehört, die in Ost und West universal verehrt werden, ist sein Leben historisch schwer zu erfassen. Myra in Lykien war sein Bischofssitz. Der Ort heißt heute Mugla. Die Legendenbeschreibung verbindet mit seiner Gestalt historische Einzelheiten aus dem Leben gleichnamiger Heiliger, so des Abtes Nikolaus vom Kloster Sion bei Myra, später Bischof von Pinara, gestorben 564, und erweitert die Vita aufgrund der engen Verbindung des Heiligen mit dem Volksleben durch legendenhafte und mirakulöse Begebenheiten. Über den frühen Kult besteht kein Zweifel. Seit dem 6. Jahrhundert wird dieser in der Ostkirche ausgeübt (z. B. in Myra und Konstantinopel) und breitete sich im ganzen Morgen- und Abendland aus. Stufen dieser Entwicklung verdeutlichen die Lebensbeschreibungen in griechischer und lateinischer Sprache.
Die umfangreichste Biographie des Heiligen verfasste der aus Bari stammende Gelehrte Antonio Beatillo. In 7 Büchern gab er 1620 die «Geschichte des Lebens, der Wunder, der Überführung und der Verehrung des hochberühmten Bekenners Christi, des heiligen Nikolaus, des Großen, des Erzbischofs von Myra» heraus. Die Mehrzahl der Nikolaus-Viten sind mit Wundersammlungen, die legendäre Taten aneinanderreihen, verbunden. Der Nikolauskult war seit dem 10. Jahrhundert im Abendland wohlbekannt. Durch die Translation der heiligen Gebeine von Myra nach Bari in Unteritalien (1087), wo viele Griechen lebten, erfuhr der Kult im Abendland eine ungeheuere Steigerung. Auf Grund der Legenden und der Wundertaten wird Nikolaus der Patron zahlreicher Landschaften, Städte und Stände. Länder wie Russland, Griechenland und Lothringen, Städte wie Bari, Venedig, Meran, Ancona, Sassari in Italien oder La Rioja in Argentinien, verehren ihn als ihren Patron. In den angelsächsischen Ländern bringt er braven Kindern am Vorabend zum Heiligen Christfest als «Santa Claus» Geschenke. Einige seiner Patronate sind mit Episoden aus den Legenden verbunden. Der Patronat gilt zu Wasser und zu Land. Schüler, Kinder, heiratsfähige Mädchen, Schiffer, Gefangene, Bäcker, Metzger, Küfer, Weinhändler, Getreidekaufleute, Reisende, Kaufleute, Apotheker, Juristen u. a. stehen unter seinem Schutz. Er zählt zu den 14 Nothelfern seit dem Spätmittelalter. Sein Name wurde in gleicher Epoche als Taufname beliebt. Den Patronat der raschen Hilfe begründen griechische Legenden: er befreit drei zu Unrecht eingekerkerte Offiziere; er ermögliche drei verarmten adeligen Familien die Verheiratung ihrer Töchter und rettet diese vor der Prostitution; die drei verschenkten Goldklumpen werden künftig zum Kennzeichen (Attribut) seiner «Gutheit», die drei Kugeln finden sich auch in Luzern wieder; er bewahrt drei unschuldig zum Tod verurteilte junge Männer vor der Hinrichtung, er beschützt aber vor allem Seeleute in Seenot. Seine enge Verbindung zur Schule und Schülern entstammt abendländischer Überlieferung. So entstand die berühmte Schülergeschichte von den drei Knaben im Salzfass wohl in Nordfrankreich des 11./12. Jahrhunderts. Reliquien, Patronat, Herrschaft und Kult stehen in Wechselbeziehung zueinander. Das «Oleum San Nicolai», eine wasserklare Flüssigkeit, wird noch heute im Rhythmus von drei Monaten am Marmorsarkophag in Bari, der die Überreste des Heiligen birgt, gesammelt und in sogenannten «Mannafläschchen» an Verehrer weitergegeben. Seit der Translation der Gebeine des heiligen Nikolaus von Myra nach Bari durch Kaufleute von dort nahm der Kult in Unter- und Norditalien rasch zu. Die vor den Sarazenen in Sizilien geflüchteten Griechen wie die Seefahrerstädte Venedig, Genua oder Pisa, die mit Byzanz regen Handel trieben, verehrten Nikolaus bereits lange vor 1087.
Im Reich wurde sein Kult bereits vor 1000 von Benediktinerklöstern und durch Ottonen-Herrscher gefördert. Auch in der Normandie genoss der Heilige im gleichen Zeitraum bereits hohes Ansehen. Wilhelm der Eroberer stellte sich unter seinen Schutz. Ein wirklich volkstümlicher Heiliger jedoch war Nikolaus im Abendland des 11. Jahrhunderts noch nicht. Erst die Kreuzzugsbewegung, Nikolaus-Wallfahrten und sein Nothelferpatronat begründeten dessen universale Verehrung im Abendland. Mit dieser gingen ein volkstümlicher Kult und volksfrommes Brauchtum einher Kunstdenkmäler und Architektur des hohen und späten Mittelalters bestätigen des Heiligen Beliebtheit in der Christenheit. Sein Bild trägt die einfache bischöfliche Tracht. Mit starker Zunahme der Darstellungen im 15. Jahrhundert häufen sich auch die Darstellungen mit Mitra und drei goldenen Kugeln. Neben solchen Attributen finden sich auch drei Knaben, die aus einer Kufe aufsteigen, seltener Anker oder Schiff. In den Glasfenstern zu Chartres, Le Mans und Tours aus der Zeit der Gotik wird er ebenso dargestellt wie auf spätmittelalterlichen Tafelbildern. Gerade diese bestätigen seine Beliebtheit als heiliger Bischof über viele Jahrhunderte. Um 1500 waren ihm im Abendland weit über 2000 Kirchen und Kapellen geweiht.
Legenden, Patronat und Brauchtum sind eng miteinander verknüpft. Als Patron der Kinder und des Kindersegens, der Reisenden und der Rechtskundigen genießt er bis heute Ansehen. Sein Festtag ist Anlass, Kinder zu beschenken. In Erinnerung an die Legende von den drei goldenen Äpfeln (Goldklumpen) und an die Erzählung von den Schülern kehrte Nikolaus an mittelalterlichen kirchlichen Schulen als Kinderbischof vor Weihnachten ein. Er befragte und bescherte dann die Schüler und Kinder. Der Schenkbrauch am Nikolaustag, verbunden mit pädagogischen Elementen, hat seine Wurzeln im mittelalterlichen Regiment des Kinderbischofs an den Schulen. Reformation und folgende Jahrhunderte drängten den Heiligentag zurück und verlegten den Schenkbrauch in bestimmten Regionen auf Weihnachten.
In katholischen Gebieten wurde und wird der Vorabend zum 6. Dezember als Rüge- und Schenktag bis heute begangen. Der angelsächsische Sprachraum hat dessen volkstümlichen Kult in der Benützung des Santa Claus (Weihnachtsmanns) für den Kommerz der Vorweihnachtszeit und durch die Verlegung des Schenkbrauches auf Weihnachten die Gestalt des Heiligen profanisiert. Die Verehrung des heiligen Bischofs Nikolaus von Myra ist bei uns weit verbreitet. Schon im 9. Jahrhundert sind Niklauskulte im Gebiet der heutigen Schweiz überliefert und ums Jahr 1000 sind Dutzende von Niklauskirchen nachweisbar. Älteren Überlieferungen zufolge stand an der Stelle, wo um die Mitte des 8. Jahrhunderts das Benediktinerkloster im Hof gegründet wurde, eine dem heiligen Niklaus geweihte Kirche. Die Chronisten Etterlin und Schilling verlegen den Bau dieser Kapelle ins Jahr 503. Eine Darstellung der nächtlich leuchtenden Kapelle, die auch den Ursprung Luzerns als Leuchtenstadt markiert, findet sich auf der Kapellbrücke. Die Verehrung des heiligen Niklaus von Myra fand jedoch nachweislich in unserer Gegend erst viel später Verbreitung. Dies schliesst jedoch keine sonstige Verehrung eines Heiligen für die Schifffahrer und Fischer aus, waren doch die Bewohner Luzerns stark mit dem Wasser verbunden. Bildnis der St. Niklaus-Kapelle, Altstaad bei Meggen. Eine Verehrung Niklaus’ setzt aber dennoch früh ein. In der alten Hofkirche, dem Vorgängerbau der ab 1633 erbauten heutigen Kirche, gab es einen 1601 erwähnten Altar der Fischer und Schiffleute, der dem Heiligen Niklaus von Myra geweiht war. Er lag in der Südhälfte der abgebrannten Kirche. Ein Ratsbeschluss legte 1635 fest, dass in der neuen Kirche auch ein Niklausaltar zu stehen kommen musste. Der Heilige ist dargestellt zusammen mit der Muttergottes von der immerwährenden Hilfe, von der gewiss die Schiffleute auch Schutz erhofften. In der Vorhalle der Hofkirche steht ein Skulptur von Niklaus mit einem Buch und drei Kugeln. Die alte Stadtbefestigung, die mehrheitlich im 19. Jahrhundert geschleift wurde, verehrte Niklaus ebenfalls. Sein Standbild fand sich auf dem Seetor bei der Hofbrücke. Als Patron der Schiffleute, die hier ihre Schiffe be- und entluden, machte seine Darstellung hier Sinn.
Das kleine Kapellchen bei Altstaad am Meggenhorn nimmt ebenfalls Bezug zum Heiligen. Die Kapelle wird 1433 erstmals erwähnt, beherbergt aber ein Steinbild des heiligen Niklaus aus der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Der Heilige entlässt die Schiffleute auf «hohe» See hinaus und heisst sie willkommen im sicheren Hafen Luzerns. Zu Ehren des Patrons trägt auch St. Niklausen seinen Namen. In der Gaststube des Restaurants Schiff in Luzern befindet sich eine Tafel mit den Zunftpatronen der Pfisternzunft von 1658. Darauf wird auch Niklaus von Myra verehrt: «S.Nicolaus ein Heiliger Bischof war, erhaltet die schif leut in grosser gefahr, führet sie auch an ein sicher ort. darum wir loben können den ewigen Gott.»
Auch die alte Schiffleutebruderschaft von Brunnen, eine der ältesten des Kantons Schwyz, verehrt den heiligen Nikolaus von Myra als ihren Patron. 1709 erhielt die Kindlimord-Kapelle zu Gersau, auf einem Felsvorsprung über dem See gelegen, neue Fenster. Die drei Schiffergesellschaften von Luzern, Brunnen und Flüelen stifteten je ein Glasgemälde ins neue Gotteshaus. Das von den Luzernern gestiftete Fenster stellt Nikolaus als Ruderer dar, dazu im Segel das Luzerner Wappen mit Kleeblatt und auf den Säcken der Ladung erkennt man Hausmarken, Die Inschrift lautet: «In Gottes und Marias Nahmen. Fahren mir Schiffgesellen und alle Samen. St. Niklaus wolle unser Gleitsmann sein von Land zu Land bis widerumb heim. Anno 1709».