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An einer Schule läutet die Schulglocke zur 10 Uhr – Pause. Die Kinder rennen los, schnappen sich den Fussball, welcher im Gang steht und begeben sich zum Pausenplatz. Sie unterhalten sich vor dem Schuleingang, werfen paar Bälle auf den Basketballkorb oder spielen Ping-Pong. Der grösste Teil aber will Fussball spielen. Während die zwei Gruppen geformt werden, bleiben die Mädchen am Schluss übrig. Das knallharte Gesetz des Strassenfussballs packt zu. Der Ballbesitzer darf die Gruppen und die Regeln bestimmen und stellt den Antifussballer ins Tor. Wer in den 90er aufgewachsen ist, erinnert sich mit einem Lächeln an dieses Szenario. In der Zwischenzeit hat sich aber vieles geändert. Die Schulkinder unterhalten sich nicht mehr, sie liken nur noch und kommentieren. Gespielt wird auch nur selten und wenn, dann nur auf dem Handy. Was ist aber mit den letztgewählten Mädchen geworden, welche gerne Fussball spielen?
In den 90er findet der Frauenfussball fast keine Anerkennung. Nach einem Jahrzehnt ist er aber auf dem Weg zur Professionalisierung. Die Mädchen werden an Sportschulen zugelassen, die Spiele in der höchsten Liga (Nationalliga A) werden von einem Schiedsrichter-Trio geleitet und die Teams reisen mit einem Car zu den Spielen. Zudem geniesst die Fussballausbildung in der Schweiz einen guten Ruf. Als diesjähriges Highlight gilt sicherlich die Qualifikation des Frauen-Nationalteams für die Weltmeisterschaft 2015 in Kanada. Während in Deutschland der Frauenfussball auf allen Ebenen gefördert wird, die Spiele im TV übertragen und an den wichtigen Spielen zig-tausende Zuschauer in die Stadien strömen, befindet sich der Schweizer Frauenfussball überraschenderweise immer noch in der Entwicklungsphase.
In der Schweiz müssen fast alle Vereine das Budget für den Frauenfussball selber auftreiben. Hinzu kommt, dass die besten Spielerinnen in der schweizerischen Liga dazu ermuntert werden ins Ausland zu wechseln, weil dies für ihr sportliches Weiterkommen besser ist. Für die Vereine und die einheimische Liga ist dies aber ein Rückschritt. Im Gegensatz zum Männerfussball gibt es im Frauenfussball weder Millionentransfers noch Ausbildungsentschädigungen von welchen die Vereine profitieren können. Obwohl die besten Spielerinnen ins Ausland wechseln, kann die Schweiz dennoch international mithalten.
So hat sich das Frauenteam des FC Zürich in den letzten 2 Jahren zwei Mal für das 1/8 Finale der UEFA Women’s Champions League qualifiziert. Beim UWCL 1/8 Final-Spiel gegen den FC Barcelona verirrten sich sage und schreibe 7’300 Zuschauer ins Letzigrund-Stadion. Im Meisterschaftsbetrieb hingegen werden die Spiele der Frauenteams von ca. 100-150 Zuschauer begleitet.