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Die amerikanische Psychologin Elaine Aron definiert Hochsensitivität als grundlegendes Persönlichkeitsmerkmal, das genetisch bedingt sei. Diese Aussage ist wissenschaftlich nicht unumstritten. «Hochsensitivität ist alter Wein in neuen Schläuchen», sagt der Zürcher Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik, Willibald Ruch, über Arons Definition der Hochsensitivität. Ruch hält Hochsensitivität für eine Ausprägung von Neurotizismus.
Neurotizismus ist eine Dimension der «Big Five», fünf Merkmale, die einem verbreiteten und gut untersuchten Modell zufolge die wesentlichen Charakterzüge des Menschen erfassen. Personen mit höheren Neurotizismuswerten werden oft als emotional weniger stabil bezeichnet, sind tendenziell eher ängstlich, nervös und unsicher und können weniger gut mit Stress umgehen als andere.
Ein anderer wichtiger Kritikpunkt bezieht sich auf die inhaltlichen Kriterien von Elaine Arons Hochsensitivitätstest. Während Aron von der Annahme ausgeht, dass ihr Fragebogen eine in sich geschlossene Eigenschaft messe, monieren Forscherkollegen, dass die Fragen Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen erfassen und verschiedene Typen von Empfindsamkeit messen.
Die US-Temperamentsforscherin Mary Rothbart kommt in einer Untersuchung zum Schluss, dass Arons Test zwei voneinander getrennte Merkmale erfasst: zum einen den «negativen Affekt», sprich die generelle Neigung zu Gefühlen wie Angst, Ärger oder Traurigkeit; zum anderen die Dimension der «ästhetischen Sensitivität», also die Empfänglichkeit oder Feinfühligkeit in Bezug auf neue Eindrücke, wie etwa von einem Film besonders berührt zu werden.