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wonach Nippon also »Land des Sonnenaufgangs«,
»Morgenland« oder »Orient« bedeutet. Solange die Bewohner in Abgeschiedenheit und geographischer Unkenntnis lebten, sahen sie
ihr Land für die große Mitte der Welt an und setzten dem Namen Dai (»groß«) vor.
Die lange Inselreihe gliedert sich naturgemäß in folgende vier Gruppen:
1) Altjapan, das eigentliche J., zwischen Colnet- und Tsugarustraße, von 30°-41½° nördl.
Br. Es führte in ältester Zeit den Namen Ôya-shima (»die großen acht Inseln«),
worunter Hondo, Kiushiu,
Shikoku, Awaji, Sado, Oki, Iki und Tsushima zu verstehen sind, denen sich noch Tanegashima und Yakunoshima im S., Koshikishima,
Amakusa und die Goto (»Fünfinseln«)
im W. von Kiushiu, ferner die Shichito
(»Siebeninseln«) im S. von Hondo zugesellen. Hondo (oder Honshiu), die Hauptinsel, das Nippon früherer
Geographen, wird von Jeso durch die Tsugarustraße, von Shikoku durch die Linschotenstraße, von Kiushiu durch die Enge von
Shimonoseki getrennt, während Bungo Nada die Inseln Kiushiu und Shikoku scheidet. Zwischen diesen beiden und dem südwestlichen
Hondo breitet sich das schöne, inselreiche Seto-uchi (»innerhalb
der Straßen«) oder japanische Binnenmeer aus.
2) Die InselJeso, von den Japanern jetzt gewöhnlich Hokkaidô (»Nordseestraße«)
genannt, liegt nordöstlich von Hondo zwischen der Tsugarustraße und der MeerengeLapérouse, welche dieselbe von Sachalin trennt
(41½°-45 ⅔° nördl. Br.).
3) Die Kurilen (japan. Chi-jima, »Tausendinseln«),
jetzt nach ihrem japanischen
Entdecker Ogasawarashima genannt, im StillenOzean, 220 km südöstlich von der Halbinsel Idzu unter 142° östl. L. und 27°-28°
nördl. Br. gelegen. Insofern die vier letzten Gruppen erst während der letzten Jahrhunderte oder in neuester Zeit dem Reich
einverleibt wurden, kann man sie als Neujapan bezeichnen.
Das japanische Reich umfaßt jetzt 24,979 QRi (382,447 qkm = 6944 QM.). Hiervon
kommen 74,4 Proz. (18,541 QRi = 284,283 qkm = 5162 QM.)
auf Altjapan und 25,6 Proz. (6256 QRi = 98,164 qkm = 1782 QM.)
auf Neujapan. Von den vier großen Inseln enthält
Im 3. Jahrh. wurde Altjapan nach dem Muster von Korea in Provinzen geteilt, die man zu sieben Landstraßenbezirken (Dô) und
dem Go-kinai (den fünf Stammprovinzen oder kaiserlichen Residenzländern) vereinigte. Im J. 1868 betrug die Zahl
aller dieser Provinzen 73. Es kam Jeso als achter Landstraßenbezirk unter dem Namen Hokkaidô hinzu, mit zehn Provinzen, denen
man die Kurilen (Chijima) als elfte anschloß, so daß das Land nunmehr in 84 Provinzen zerfiel. Als wenige Jahre darauf das
ganze Feudalsystem zusammenbrach, mußte, wie in allen Dingen, so auch in der Verwaltung eine andre Organisation
vorgenommen werden.
Dem entsprechend teilte man 1872 das Land ein in 3 Fu oder Hauptstädte (Tokio,
[* 7] Kioto, Osaka) und 72 Ken oder Departements. Daran
schlossen sich Jeso als Kolonie und die Riukiu als besonderes KönigreichoderHan. Später reduzierte man die Zahl der Ken
auf 35 und fügte die Riukiu als 36. hinzu, indem man ihren König, gleich den frühern Feudalherren (Daimiôs), im eigentlichen
J. mediatisierte. In neuerer Zeit wurde die Zahl der Ken auf 44 erweitert, indem man auch Jeso mit dieser Einteilung versah.
Die Provinzen sind zum Verständnis der Geschichte und Kulturentwickelung Japans wie nicht minder zur
geographischen Orientierung von großer Wichtigkeit, da ihre Einteilung meist natürlichen Grenzen
[* 8] folgt, während
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mehr
diejenige in Fu und Ken ihrer Willkür und Unbeständigkeit wegen für den Geographen von geringem Interesse ist. Diesem Umstand
tragen auch die neuesten Karten vollauf Rechnung. Jede Provinz führt zwei Namen. In der folgenden Übersicht wurde der gebräuchlichere
durch gesperrten Druck ausgezeichnet und da, wo beide Namen gleichviel gebraucht werden, der gleiche Druck
für beide angewandt.
J. ist durch seine prächtigen, wasserreichen Landschaften, insbesondere durch die Fülle und Mannigfaltigkeit seiner Vegetation,
durch den Fleiß, Geschmack und die Sorgfalt, mit welchen seine Bewohner die Felder bebauen und ihre Ziergärtchen
pflegen, durch das heitere, höfliche Wesen und den Reinlichkeitssinn der Bevölkerung, durch die hohe Kulturstufe, welche
dieselbe, insbesondere auf manchen Gebieten des Kunstgewerbes, erreicht hat, durch ihre Bildungsfähigkeit und ihren großen
Bildungstrieb ein höchst interessantes Land.
Bodenbeschaffenheit. Gewässer.
In geologischer Beziehung wurde J. erst während der letzten 15 Jahre genauer bekannt. Auf den Urgneis, der indes nur an
wenigen Stellen ansteht, folgen alte kristallinische Schiefer, welche namentlich auf Shikoku mächtig entwickelt sind und hier
alle höhern Berge bilden, dann paläozoische Schichten von Thonschiefer, Grauwacke, Quarziten und Kalksteinen¶
Die ältesten Eruptionen, welche die metamorphen und paläozoischen Schichtenkomplexe vielfach durchbrochen und überlagert
haben, waren die des Granits und verwandter Gesteine.
[* 15] Der Granit ist namentlich im südwestlichen und mittlern
Hondo weit verbreitet; er bildet hier einen großen Teil des höhern Gebirges und erreicht im Komagatake an der Grenze von Koshiu 3000 m
Höhe. Bei vielen andern ansehnlichen Bergen
[* 16] bildet er die Unterlage. Jüngere vulkanische Bildungen, insbesondere trachytische
und doleritische, durchsetzen fast noch häufiger die verschiedensten Schichtenkomplexe, überlagern
sie wie auch den Granit und bilden so vielfach die krönenden Kuppen oder seitlich, dem Gebirge vorgelagert, isolierte Berge
von bekannter Kegelgestalt.
J. ist vorwiegend Gebirgsland. Seine Gebirgszüge folgen meist der Hauptrichtung der Inseln von SSW. nach NNO. und sind dann
aus jenen ältern Schiefern und Quarziten aufgebaut und nicht selten von vulkanischen Kuppen gekrönt oder
seitlich begleitet. In der größten Breite
[* 17] von Hondo, zwischen 35° und 37° nördl. Br., erreicht das Land in einigen vulkanischen
Gipfeln (Fuji-no-yama 3750 m und Ontake 3004 m) seine höchste Erhebung und in der Meridiankette zwischen den Provinzen Shimano
und Hida, dem »japanischen Schneegebirge«, den ausgeprägtesten
und wildesten Gebirgscharakter.
Mauerartig ansteigende Granit- und vielzerklüftete Porphyrmassen erheben sich hier im Yari-ga-take bis gegen 3000 m, während
die Paßübergänge, wie nirgends sonst in J., 1800-1900 m hoch liegen und fast nie ganz schneefrei werden. Gipfel von 2500 m
Höhe und darüber sind im mittlern Hondo zahlreich. Hierher gehören der Haku-san, Tate-yama, Norikura,
Asama-yama, Kimpu-zan, Komaga-take, Shirane-san, Nan-tai-san, Jide-san u. a. Im nördlichen
Hondo zeigen Chôkai-san, Ganju-san und Iwaki-san, drei mächtige vulkanische Gipfel, am frühsten Schneehauben.
Auf der InselJeso erreicht der Tokachi-dake im zentralen Erhebungsgebiet gegen 2500 m Höhe. Dagegen bleiben alle Berge der
Hauptinsel westlich des Biwasees und der Bucht von Owari unter 2000 m. So erreicht der Omine-san unter
34° nördl. Br. als höchster Gipfel der gebirgigen Halbinsel Yamato, welche östlich der Linschotenstraße den südlichsten
Teil von Hondo darstellt, nur 1880 m Höhe und der Daisen, als höchster Berg in Chiugoku (Zentralland), wie das südwestliche
Hondo früher hieß, sogar nur 1640 m. Auch die Schieferrücken der Insel Shikoku dürften sich bei genauer Messung nicht viel
höher erweisen. Desgleichen sind die höchsten Gipfel der Insel Kiushiu, die Vulkane
[* 18] Asô-yama und Kirishima-yama, gegen 1600 m
hoch.
Den verschiedenen Spuren vulkanischer Thätigkeit begegnet man in J. nach allen Richtungen. In dem großen
vulkanischen Gürtel,
[* 19] welcher den StillenOzean umgibt, bildet das Land seiner ganzen Länge nach ein wichtiges Glied
[* 20] mit etwa 20 thätigen
und Hunderten von erloschenen Vulkanen. Von erstern nennen
wir besonders Asô-yama östlich der Stadt Kumamoto auf Kiushiu,
Asama-yama nordwestlich von Tokio, Shirane-yama im Nikkogebirge nördlich von Tokio, Komaga-take auf Jeso.
Zu den erloschenen oder ruhenden gehören der Kirishima-yama und die meisten der genannten hohen Gipfel auf Hondo wie auch
der erhabene Fuji-san oder Fuji-no-yama, dessen beschneiter Gipfel im W. von Tokio und Jokohama wie ein riesiger Zuckerhut
hoch in die Lüfte ragt, ein Wahrzeichen für den Schiffer und Landmann, der heiligste Berg des Landes, den
in der schneefreien Zeit (Juli und August) jährlich zwischen 15,000 und 20,000 weiß gekleidete Pilger besteigen.
Indifferente und Schwefelthermen zählt das Land mehrere Hunderte. Erdbeben
[* 21] sind häufig und haben in frühern Zeiten, gleich
vulkanischen Aschenregen, oft weite Landstrecken verheert. J. ist wasserreich; doch konnten bei der geringen
Breite der Inseln und dem Umstand, daß Gebirge dieselben der Länge nach mitten durchziehen, große Flußsysteme nicht zur Entwickelung
kommen. Die meisten Flüsse
[* 22] haben im Oberlauf ein zu starkes Gefälle und lagern im kurzen Unterlauf zu viel Sand ab, um für
den Verkehr von großer Bedeutung zu sein. Zu nennen sind der lachsreiche Ishikari auf Jeso, der Shinano-gawa,
Tone-gawa und Kiso-gawa sowie der Kitakami-gawa und der Yodo-gawa (als Abfluß des großen Biwasees) auf Hondo; der Chikugo-gawa
auf Kiushiu und der Yoshino-gawa auf Shikoku.
Der Winter ist beispielsweise viel kälter als in der Mittelmeerregion. Er bringt, wenn auch nur vorübergehend, selbst dem
südlichen Kiushiu noch Frostnächte und Schnee
[* 24] in der Breite des Nildelta, den Gebirgen überall und im
N. auch dem Flachland große Schneemassen, doch keine hohen Kältegrade. In Tokio (35° 40' nördl. Br.), dessen mittlere Jahrestemperatur
13° C. beträgt, sinkt z. B. die Temperatur ausnahmsweise auf -9 bis -10° C. und steigt im Juli zuweilen auf 35°
C. Nachtfröste kommen hier über 60 im Jahr und noch im März vor.
Vom November bis März beträgt die mittlere Temperatur nur 5,5° C. und bewirkt einen langen Stillstand der Vegetation. Da
das Land vom Meeresniveau bis zu Gipfeln über 3000 m sich erhebt und in Meridianrichtung sich über 27 Breitengrade
erstreckt, kann von Gleichartigkeit des Klimas nicht die Rede sein. ReicheNiederschläge kommen im Sommer der Vegetation zu gute
und fördern die große Mannigfaltigkeit und Üppigkeit, durch welche sich die japanische Flora auszeichnet. Erstaunlich
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