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Astrozytom
Was ist ein Astrozytom?
Das Astrozytom ist ein hirneigener Tumor, der von Stützzellen des Hirngewebes ausgeht. Astrozytome repräsentieren etwa ein Drittel aller Gliome und treten im mittleren Lebensalter auf.
Sind Astrozytome gutartig oder bösartig?
Der Begriff Astrozytom umfasst eine heterogene Gruppe von Hirntumoren, die prognostisch völlig unterschiedlich sind. Das Astrozytom kann in verschiedenen Stufen der Dignität (biologische Wertigkeit oder Tumorbösartigkeit) auftreten. Diese Wachstums- und Ausdehnungsneigung wird durch spezielle histologische Gewebeuntersuchungen an einem Tumorgewebestück bestimmt und je nach Vorliegen von Endothelproliferationen, Kernpleomorphien, Nekrosen, Mitosen und anderen Kriterien nach einer Einteilung der WHO in bis zu vier Grade eingeteilt, von gutartig (Grad I) bis hin zum bösartigen Glioblastom (Grad IV). Man unterscheidet die niedriggradigen Astrozytome (Grad II) von den höhergradigen Astrozytomen (Grad III) und den Glioblastomen (Grad IV), die eine schlechtere Prognose aufweisen. Die Entscheidung, ob ein Tumor noch als Grad II oder bereits als Grad III (anaplastisches Astrozytom) eingestuft wird, hat nicht nur eine prognostische, sondern auch eine therapeutische Bedeutung (Nachbehandlung). Molekularbiologische Marker können aber auch innerhalb des Grades III eine Tumorart anzeigen, die besser auf Chemotherapie und Strahlentherapie anspricht und somit vorteilhafter zu therapieren ist.
Welche Symptome verursacht ein Astrozytom?
Die Beschwerden oder Zeichen werden durch die Lage des Tumors bestimmt und bestehen meist aus Gefühlsstörungen oder Lähmungen. Als Erstsymptome treten häufig allgemeine Reaktionen des Gehirns wie Anfälle (Epilepsie), Wesensveränderung oder Bewusstseinsveränderung, Müdigkeit, Schwindel, Gangunsicherheit, Übelkeit und Erbrechen auf. Die Diagnose wird in der Regel mit einer Magnetresonanztomograpie (MRT) gestellt.
Wie ist die Prognose eines Astrozytoms?
Die Prognose kann nicht pauschal angegeben werden und richtet sich nach Alter, Ausmass der Entfernung, WHO-Grad, dem Gewebeaufbau (protoplasmatisches, fibrilläres oder gemistozytisches Astrozytom) und molekulargenetischen Eigenschaften des Tumors. Eine vorteilhaftere Ausgangslage ist gegeben, wenn Patienten jünger als 40 Jahre sind, keine Ausfälle zeigen, der Tumor weniger als 6 cm Ausdehnung hat und keine Verschiebung der Mittellinienstrukturen im Gehirn verursacht. Mischtumore mit oligodendroglialer Komponente haben ebenfalls eine günstigere Prognose.
Je nach Ausmass der chirurgischen Entfernung, des WHO-Grads und der molekulargenetischen Charakteristiken wird im interdisziplinären Tumorboard festgelegt, ob eine Nachbehandlung durchgeführt werden soll. Das ist bei WHO-Grad I- oder Grad II-Tumoren meist nicht der Fall. Bei WHO-Grad III-Tumoren wird in der Regel eine Radio- und Chemotherapie durch die Medizinische Onkologie beziehungsweise Radioonkologie angeordnet und im Falle des Wiederauftretens des Tumors eine erneute Operation durchgeführt.
Warum ist die Operation dieser Tumore die Behandlung erster Wahl?
Astrozytome Grad II sind keine gutartigen Tumore im engeren Sinne des Wortes. Obwohl sie als niedriggradige Tumore eingeordnet werden, wandern Tumorzellen häufig eine gewisse Distanz in andere Hirnregionen. Astrozytome Grad II können auch entarten und in Grad III oder Grad IV übergehen. Diese maligne Transformation ist nicht selten, sondern eher die Regel, wenn der Tumor sehr lange nachbeobachtet wird. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass auch niedriggradige Astrozytome mikrochirurgisch möglichst bildmorphologisch vollständig entfernt werden sollen. Mikroskopisch ist eine komplette Entfernung meist nicht möglich, da fast immer einige Astrozytomzellen bereits entlang der Marklagerbahnen gewandert sind. Entgegen anderer Meinung sind wir deshalb der Auffassung, dass auch kleine, asymptomatische Astrozytome nach Möglichkeit operiert und nicht primär beobachtet werden sollen. Eine neue Studie zeigt, dass bei erfolgreicher möglichst kompletter Entfernung die 5-Jahres-Überlebensrate bei jüngeren Patienten bei 93 % liegt. In der Bildkontrolle (MRT) waren allerdings nach 5 Jahren bei 50 % der Patienten wieder Tumoranteile sichtbar. Auch hier empfehlen wir eine aggressive Haltung, also eine nach MRT-Kriterien erneute vollständige Operation.
Weil die nach bildgebenden (MRT) Kriterien komplette Entfernung für die Prognose des Patienten so wichtig ist, aber Tumore häufig in der Nähe kritischer Hirnareale liegen, sind in vielen Fällen besondere Anforderungen an die Operationsmethodik zu stellen.
Navigation, Fibertracking und moderne Planung ermöglichen einen schonenden, minimalexponierenden Zugang. Die intraoperative Bildgebung und die mikrochirurgische Operationstechnik zielen auf die radikale Entfernung des Tumors. Funktionelles MRI (FMRT) und das intraoperative komplexe Neuromonitoring von motorisch evozierten Potenzialen sowie sensiblen Potenzialen und – wenn vorteilhaft – auch eine Wachoperation ermöglichen einen hohen Sicherheitsstandard. Durch die Kombination dieser Methoden können heute auch grosse oder kompliziert gelegene Tumore ohne motorische oder sprachliche Ausfälle beim Patienten entfernt werden.
Ist ein Tumor nicht operabel, wird eine Biopsie zur feingeweblichen (histologischen) Charakterisierung durchgeführt.
Wichtig für die Prognose sind vor allem das Ausmass der operativen Tumorentfernung und der feingewebliche Befund (WHO-Grad).