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Die Besitzerin stellt uns Murphy vor, weil sie den Kater verstört in der Tiefgarage gefunden und bemerkt hat, dass er sich nur ungern bewegt und schmerzhaft scheint.
Beim Untersuch in der Praxis verhält sich Murphy normal und interessiert und zeigt keine Lahmheit. Berührungen am Kopf, insbesondere rechtsseitig, werden aber mit starker Abwehr beantwortet, auch scheint die Katze auf der rechten Seite vermehrt zu speicheln. Der restliche Untersuch erscheint unauffällig.
Ein Problem in der Maulhöhle scheint wahrscheinlich, und zur besseren Beurteilung wird eine Narkose verabreicht. Nun wird erkennbar, dass sich die Katze eine tiefe Wunde der Backenschleimhaut (zwischen Unterkiefer und rechter Backe) zugezogen hat. Die Wunde ist ca 2 cm lang und führt weit in die Tiefe; in der Wundhöhle ist auch Futtermaterial zu finden. Die Haut selbst ist seltsamerweise unversehrt. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass ein scharfer Gegenstand die Wunde innen im Maul hervorgerufen hat - bei einer Bissverletzung wäre deutlich weniger Trauma sowie eine Gegenbiss-Wunde an der Backenaussenseite zu erwarten gewesen.
Um zu verhindern, dass bei der Futteraufnahme ständig Futtermaterial in die entstandene Gewebetasche gedrückt wird (und somit eine Wundheilung erschwert), wird versucht, die Wunde zu nähen: Die Wundhöhle wird ausgiebig gespült, die Schleimhautwunde aufgefrischt und mit einem resorbierbaren Faden genäht. Kieferseitig ist allerdings extrem wenig Zahnfleisch vorhanden, in welchem die Naht verankert werden kann. An der tiefsten Stelle der Gewebetasche wird ausserdem ein Drain (ein dünnes Latex-Schläuchlein) angebracht, durch welchen Sekret aus der Wundhöhle nach aussen treten kann. Murphy wird ausserdem mit Antibiotika und Schmerzmittel versorgt und nach Hause entlassen.
Vier Tage später wird die Wunde kontrolliert: Leider zeigt sich, dass die gesetzte Naht nicht gehalten hat - sie ist aus dem Zahnfleisch des Kiefers ausgerissen, weshalb erneut eine Tasche entstanden ist, in welcher wie zu erwarten Futterbestandteile zu finden sind. Der Drain hat in der Zwischenzeit seinen Dienst versehen und viel schleimiges Sekret aus der Wunde auf die Aussenhaut des Unterkiefers befördert. Die Wunde wird erneut gespült; die Besitzerin reinigt in der Folge die Haut um den Drain täglich mehrmals.
Eine Woche später ist erkennbar, dass die Wundhöhle schon deutlich kleiner ist, und eine weitere Woche später ist die Tasche aufgranuliert und zugeheilt. Die verbliebenen Fäden werden sich in den nächsten Wochen auflösen.
Aufgrund der Tatsache, dass bei Murphy an der behaarten Backenhaut keine Wunden gefunden werden konnte, muss davon ausgegangen werden, dass die Verletzung im Maul durch einen Gegenstand (und nicht eine andere Katze) verursacht worden war. Am Ehesten kommt hier eine sogenannte Pfählung in Frage - hierbei wird ein Gegenstand in das Gewebe getrieben; meist, weil das Tier auf den entsprechenden Gegenstand aufläuft. Solche Verletzungen sind beim Hund recht häufig (Spielen mit Stöckchen), bei Katzen aber sehr selten.
Das Problem bei Murphy war insbesondere die Lokalisation am Unterkiefer - dadurch wurde die Wundhöhle ständig mit Futterbestandteilen gefüllt, welche die Wundheilung verzögerten. Die Drainage brachte hier wirkungsvolle Abhilfe.