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Wie sagt es Robert Gernhardt so schön in seinem Gedicht «Siebenmal mein Körper»?
Gut ist aber auch, dass wir unseren Körper haben. Er ist ein Wunderwerk der Natur, das trotz seiner unfassbaren Komplexität in aller Regel perfekt funktioniert. Und uns mit unglaublichen Eigenschaften verblüfft – wie diese 17 willkürlich ausgewählten Beispiele zeigen.
Fangen wir beim Anfang an: beim menschlichen Ei. Eine Frau hat bei ihrer Geburt über 400'000 Eizellen in ihren Eierstöcken, in manchen Fällen sind es sogar bis zu 6 oder 7 Millionen. Diese unreifen Keimzellen verharren bis zur Geschlechtsreife in einem Ruhezustand. Nur etwa 1 Promille von ihnen, etwa 400 bis 500, reifen während der fruchtbaren Jahre im Leben einer Frau heran. Vor den Wechseljahren verliert eine Frau im Durchschnitt jeden Monat rund 1000 Eizellen; das ist ein natürlicher Vorgang.
Was wäre eine Eizelle ohne Spermien? Ein Mann produziert in seinem Leben durchschnittlich etwa 525 Milliarden Spermien – knapp 70-mal die gesamte Weltbevölkerung. In jedem Samenerguss befinden sich im Schnitt 250 Millionen Spermien. Die männlichen Keimzellen müssen in der Vagina zahlreiche Hindernisse überwinden; nur 500 bis 800 von ihnen erreichen die Eileiter und nur etwa 300 die Stelle am Ende des Eileiters, an der sich das reife Ei befindet.
Bei jedem Samenerguss werden rund 2 bis 6 Milliliter Sperma abgegeben, wobei die Spermien lediglich einen kleinen Anteil der Samenflüssigkeit ausmachen. Die Menge des ausgestossenen Spermas variiert individuell, aber auch beim selben Mann kann die Menge von Ejakulation zu Ejakulation unterschiedlich sein. Ein gesunder und sexuell durchschnittlich aktiver Mann hat zwischen dem 15. und dem 60. Lebensjahr etwa 8000 bis 15'000 Ejakulationen. Das ergibt eine Spermamenge von insgesamt 30 bis 50 Litern.
Ein reifes Ei hat einen Durchmesser von 150 Mikrometern, das sind 0,15 Millimeter. Damit ist es die grösste Zelle des Menschen. Es ist knapp von blossem Auge sichtbar und ein wenig kleiner als der Punkt am Ende dieses Satzes. Ein Spermium ist dagegen lediglich 60 Mikrometer (0,06 mm) gross, 50 davon nimmt die Geissel ein. Volumenmässig ist ein Spermium damit mehrere zehntausendmal kleiner als die Eizelle. Das ist kein Wunder, denn die männliche Keimzelle liefert nur die Kern-DNA, während das Ei alle Bestandteile einer Zelle enthält.
Oft liest man, Babys könnten gleichzeitig schlucken und atmen. Das ist aber nicht wahr; auch Babys müssen die Atmung kurz unterbrechen, wenn sie schlucken. Wahr ist aber, dass Babys gleichzeitig saugen und atmen können. Wenn das Baby saugt, wird das Gaumensegel abgesenkt, was die Nasenatmung während des Saugens ermöglicht. Nach ein paar Saugbewegungen schluckt das Baby dann die angesammelte Milch, wobei es die Atmung unterbrechen muss. Darum kann ein Baby lange an der Mutterbrust nuckeln, ohne dabei absetzen und Luft holen zu müssen.
Neugeborene haben rund 350 Knochen, die noch weich sind. Während des Wachstums wird die Anzahl der Knochen aber geringer, da einige von ihnen zusammenwachsen. So bildet sich das Kreuzbein am unteren Ende der Wirbelsäule aus fünf ursprünglichen Rippen. Wenn dieser Prozess des Zusammenwachsens im Alter von 20 bis 25 Jahren abgeschlossen ist, besitzen die meisten Erwachsenen 206 bis 215 harte Knochen – es gibt Menschen, die eine Rippe mehr oder weniger besitzen.
Die Füsse tragen uns durchs Leben – kein Wunder, sind sie entsprechend stabil gebaut. Obwohl sie im Vergleich zum Rest des Körpers klein sind, enthalten sie fast genau einen Viertel aller rund 206 Knochen im Körper. 26 sind es in jedem Fuss, das macht 52 für beide zusammen. Bei Babys, die noch mehr Knochen haben als Erwachsene, liegt der Anteil der Füsse nur bei einem Fünftel.
Die meisten menschlichen Knochen enthalten Traberkel – miteinander verbundene Platten und Stäbe, die ein inneres dreidimensionales Gerüst bilden und den Knochen stabilisieren. Im Vergleich zu ihrem Gewicht erreichen Knochen daher eine Tragfähigkeit, die jener von Granit gleichkommt, und eine Zugfestigkeit wie Stahl. Ein Knochen von der Grösse einer Streichholzschachtel kann ein Gewicht von 9 Tonnen tragen ohne zu brechen – das ist viermal mehr als Beton. Der stärkste Knochen im Körper ist der Kieferknochen.
Von den 639 Muskeln im menschlichen Körper sind etwa 400 Skelettmuskeln. Der stärkste Muskel ist nicht etwa die Zunge oder die Gebärmutter, wie verschiedentlich behauptet wird, sondern der fürs Kauen zuständige Kiefermuskel, der am kurzen Hebel des Kieferknochens ansetzt: Im vorderen Bereich, bei den Schneidezähnen, beträgt der Beissdruck rund 200 Newton pro Quadratzentimeter; im hinteren Bereich, bei den Backenzähnen, sind es etwa 800 Newton.
Sechs Muskeln sind daran beteiligt, das menschliche Auge zu bewegen. Sie sind wahre Schwerarbeiter: Die äusseren Augenmuskeln bewegen sich jeden Tag rund 100'000 Mal – sie sind damit die aktivsten Muskeln unseres Körpers. Dabei kommen Bewegungen vor, die bis zu 500 Meter pro Sekunde schnell sind. Trotz dieser Geschwindigkeit arbeiten die Augenmuskeln enorm präzis: Das Bild des rechten und des linken Auges liegen – unabhängig vom Blickwinkel – stets exakt übereinander.
Das Herz, das während unseres ganzen Lebens etwa 250 Millionen Liter Blut durch die Adern pumpt, ist ein faustgrosser Hohlmuskel, der fast in der Mitte der Brust sitzt. Da es leicht schräg liegt, berührt ein Teil davon die linke Seite der Brust – davon kommt die Vorstellung, dass es links liege. Der «Motor ohne Ruhepause» hat einige bemerkenswerte Eigenschaften: So kann das Herz unter kontrollierten Bedingungen auch ausserhalb des Körpers weiter schlagen. Und es erzeugt genug Druck, dass es das Blut direkt aus dem Körper bis zu 10 Meter hoch spritzen könnte.
Unser Lebenssaft ist eine bemerkenswerte Flüssigkeit. Sie verhält sich nicht ganz nach denselben Regeln wie Wasser, sondern hat ein spezielles Fliessverhalten. Ihre Viskosität – der Grad der Dickflüssigkeit – nimmt ab, wenn der Durchmesser der Blutgefässe abnimmt. Mit anderen Worten: Blut wird in engeren Gefässen dünnflüssiger. Das ist der Grund dafür, dass es in den Kapillaren nicht stecken bleibt. Die Blutviskosität ist von verschiedenen Faktoren abhängig, unter anderem vom Geschlecht: Bei Männern ist sie höher als bei Frauen. Im Schnitt liegt sie bei etwa 4,5 Millipascal, jene von Wasser bei 1 Millipascal.
5 bis 7 Liter Blut hat ein erwachsener Mensch. Darin schwimmen zwischen 24 und 30 Billionen Erythrozyten – besser bekannt unter der Bezeichnung rote Blutkörperchen. Jede Sekunde produziert der Körper 2 Millionen von ihnen. Könnte man sie alle nebeneinanderlegen wie in einer Kette, würde diese die Erde am Äquator fast fünfmal umrunden. Aufeinandergestapelt wie Münzen würden sie eine Höhe von 60'000 Kilometern erreichen – das entspricht einem Sechstel der mittleren Distanz zum Mond.
Jeden Monat wachsen unsere Fingernägel durchschnittlich um 3,5 Millimeter. Ihre Geschwindigkeit ist jedoch unterschiedlich: Am schnellsten wächst in der Regel der Nagel des Mittelfingers; derjenige des Zeigefingers wächst schneller als jener des kleinen Fingers. Das hat damit zu tun, dass die Geschwindigkeit des Wachstums proportional zur Länge des äussersten Fingerknochens ist. Die Zehennägel wachsen nur etwa halb bis einen Viertel so schnell wie die Fingernägel, da die Finger besser durchblutet sind und mehr Licht erhalten. Dass die Nägel nach dem Tod noch eine Weile weiterwachsen, ist übrigens ein Mythos: Sie erscheinen nur länger, weil die Haut dehydriert und sich etwas zurückzieht.
Die Hornhaut ist etwa einen halben Millimeter dick und übernimmt zusammen mit der Augenlinse den grössten Teil der Lichtbrechung. Sie enthält zwar Nerven, aber keine Blutgefässe – die Hornhaut ist der einzige Körperteil, der keine Blutversorgung hat. Ihre äusseren Schichten erhalten Sauerstoff und Nährstoffe via die Tränenflüssigkeit aus der Luft; die inneren über das Kammerwasser und das sogenannte Randschlingennetz. Abfallstoffe werden auf dem gleichen Weg abgeleitet. Nach dem Tod trübt die Hornhaut ein; sie wird matt und undurchsichtig.
Bis etwa zum 13. Lebensjahr weinen Mädchen und Jungen gleich oft, doch danach zeigt sich zusehends ein Unterschied: Während bei Frauen die Tränen 30 bis 64 Mal pro Jahr kullern, ist dies bei Männern nur 6 bis 17 Mal der Fall. Frauen weinen überdies im Schnitt deutlich länger. In der Tränenflüssigkeit, die beim emotionalen Weinen austritt, sind andere chemische Substanzen enthalten als in jener, die etwa beim Zwiebelschneiden aus den Augen quillt. Der Geruch der salzigen Tränen, die aus emotionalen Gründen vergossen werden, senkt bei Männern den Testosteronspiegel, was das Aggressionspotenzial, aber auch die Libido vermindert.
Manche Lebewesen leuchten – Glühwürmchen zum Beispiel, aber auch verschiedene Tiefseefische oder einige Pilze. Bei höheren Pflanzen und Landwirbeltieren kommt diese sogenannte Biolumineszenz jedoch nicht vor. Das gilt allerdings nur, solange man davon ausgeht, dass das Leuchten von blossem Auge sichtbar ist. Tatsächlich hat eine japanische Studie vor kurzem nachgewiesen, dass auch Menschen biolumineszent sind. Das Leuchten unseres Körpers ist freilich 1000 Mal zu schwach, als dass es vom Auge wahrgenommen werden könnte.