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Wagner und Verdi - Wotan und König Philipp, alles hat Alfred Muff gesungen, zuerst aber im damals so genannten Stadttheater Luzern.
Bei der Aufnahmeprüfung am Konservatorium Luzern wusste Alfred Muff schon, dass er schlechte Karten haben werde, denn es hiess, man habe „keinen Platz für Sänger und von 100 Bewerbern bekomme nur einer einen Studienplatz.“ Beim Vorsingen jedenfalls, „dem schrecklichsten Teil in jeder Sängerlaufbahn“, wie er sagt, musste er ziemlich lange warten, ging kurzerhand an den Flügel und begleitete sich selbst zu russischen Volksliedern, die er mit voller Stimme sang. Nach einiger Zeit ging die Türe auf, der damalige Konsidirektor Rudolf Baumgartner kam herein und sagte: „Ich habe dir nun einige Zeit zugehört: für dich haben wir immer einen Platz.“
In Luzern und dann 1970 an der Hochschule Berlin bei Elisabeth Grümmer holte er sich seine Gesangsausbildung. Zu diesem Weg hat ihn sein lebenslanger Mentor, der uns bestens bekannte Chefdisponent Oskar Steiger geraten, der „meine Geschicke immer mit schützender Hand begleitet hat.“ Steiger hat ihn dann dem Luzerner Theaterdirektor Ulrich Meyer empfohlen, welcher ihm sein erstes Engagement als Minister in „Fidelio“ gab.
Die Luzerner Zeit muss eine sehr glückliche gewesen sein, denn sie liess ihn eine Entwicklung durchlaufen von dieser ersten Rolle bis zum Höhepunkt als König Philipp in Verdis „Don Carlos.“ Es gefiel ihm so gut, dass ihn viele Agenturen, die ihn wegengagieren wollten, keinen erfolg bei ihm hatten, bis dann doch einmal der Wechsel nach Linz kam. Allerdings musste der dortige Intendant eine Abend lang darum kämpfen und rief verzweifelt seine Frau an, es könne durchaus sehr spät werden. Sie sagte nur: „du kannst auch erst um halb fünf kommen, wenn du mir nur den Muff mitbringst.“
Am Landestheater Linz hat Alfred Muff während vier Jahren sein ganzes Repertoire gelernt, für jede Saison vier neue Partien einstudiert und diese dann in jeweils 12 bis 16 Aufführungen gestaltet. „So wächst ein Sänger in seine Rollen, das gibt Vertiefung, nicht Routine. Das ist auch eine der wichtigsten Rollen eines jeden Theaters: die Förderung und Formung junger Bühnentalente.“ Nach 2 Jahren Mannheim kam dann als letzte grosse Station 1986 das Engagement am Opernhaus Zürich unter den Intendanten Grosser und Pereira, mit dem er 20 Jahre lang gearbeitet hat. Aber nein, hier gibt es keine „saucy stories“ über Pereira, hier kommt die köstliche Schlusspointe.
Als die damals brandneue Stadtautobahn am Kasernenplatz eröffnet wurde, musste Alfred Muff seine Gattin an ihren Arbeitsplatz an der Bruchstrasse fahren. Sie ist übrigens, so betont er, „meine grosse Stütze in jeder Hinsicht und hat den Hauptverdienst an meiner Karriere.“ Item, auf dem Heimweg sieht er, dass die neue Autobahn offen ist und denkt, da fahr ich doch mal durch. Alles ging gut, bis er in Emmen sieht, wie ein Polizist gerade die Abschrankung wegräumt. Kurzerhand denkt er, was soll ich der Reuss entlang zurückfahren, ich nehme doch wieder diese Autobahn. Wieder am Kasernenplatz angelangt, sieht alles nach grossem Bahnhof aus: er wird genötigt, auszusteigen, Polizisten stehen da, die Presse, Blitzlichter. Da ging ein Raunen durch die Menge: Alfred Muff, der berühmte Sänger! Aber falsch geraten: Stadtpräsident Matthias Luchsinger kommt auf ihn zu und begrüsst ihn als…… den ersten Automobilsten auf der neuen Stadtautobahn! Sagt Alfred Muff: „Ich bin sicher, dass er nichts von diesem Irrtum gemerkt hat und vorallem hat er keine Ahnung gehabt, wer ich bin. Daraus ersieht man, dass man gar nicht berühmt sein muss, um in die Zeitung zu kommen, man muss nur falsch fahren!“
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