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«Aufgedonnert» – wie auch immer
Bei allen Vorsichtsmassnahmen zeigt man sich wieder vermehrt auf der Strasse und Frau will einen guten Eindruck hinterlassen.
In der Geschichte «Die kleinen Verwandten» des Schriftstellers Ludwig Thoma (1867 bis 1921) erschien Frau Babette Bonholzer im Rahmen der damaligen Kleidervorgaben. Dabei soll sie nach der letzten Dornsteiner Mode aufgedonnert gewesen sein. Nun gibt es aber für das «aufgedonnert» mehrere Erklärungen. So könnte der Donner durchaus im Sinn von Theaterdonner verstanden werden, der für einen Moment einen starken Eindruck machen oder einen Auftritt unterstützen soll. Also eher eine bildliche Erklärung über die Entstehung des Wortes «aufgedonnert». Eine andere Vermutung, wohl weniger bildlich, sagt aus, dass der Begriff auf das lateinische Wort «donna» (Dame) zurückzuführen sei. Bei der Annahme dieser Vermutung würde «aufgedonnert» heissen: wie eine Dame gekleidet sein.
Ganzheitlich betrachtet kommt aber «aufgedonnert» so wenig von Dame wie auch «dämlich» in keiner Art und Weise mit Dame in Verbindung gebracht werden kann – obwohl natürlich Damen auch dämlich sein können. Ein Kinderreim macht diesbezüglich alles klar. Er besagt: «Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich.» Dieser alte Reim bezieht sich aber keinesfalls auf Damen, das heisst Frauen mit gesellschaftlichem Ansehen, sondern auf das niederdeutsche Wort «dämeln», was bedeutet «nicht ganz bei Trost sein». Bei der Verwendung des Begriffs «dämlich» sollten die Männer sich deshalb aber in Acht nehmen, denn «dämlich» hat nichts mit einer Dame zu tun und «nicht ganz bei Trost sein» können durchaus auch Männer sein.
Mit Verlaub darf man sicher festhalten, dass «aufgedonnert» von dem Donner kommt, denn dieser macht ja im Rahmen eines heftigen Gewitters recht Eindruck. So hat «aufgedonnert» auch einen engen Zusammenhang mit dem Auftreten von frau – schön, poppig, markant, farbig und fantasievoll gekleidet wirkt frau aufgedonnert und hinterlässt für den Augenblick einen starken Eindruck. Wie aber bei einem Gewitter, geht auch das «Aufgedonnertsein» vorbei und man fragt sich danach: Warum denn so viel Aufwand um kurz aufzufallen?
Richard Wurz
8. April 2021
Bild: Richard Wurz