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M.A. in Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich, Doktorand am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik der Universität St. Gallen und ehemaliger Praktikant bei iconomix.
Themenbereich: Wachstum und Entwicklung, Buch-Besprechungen
Die Zeitschrift «The Economist» vergleicht die Preise des weltbekannten Burger in verschiedenen Währungen. Was Fast Food über Wechselkurse aussagt und wo man den Big Mac am günstigsten geniessen kann.
Die Internetseite des Magazins «The Economist» bietet eine interaktive Infografik zum aktuellen Big Mac Index vom Januar 2013. Ein Klick auf das entsprechende Land zeigt zudem die Entwicklung des Index seit dem Jahr 2000 an.
Nur in Venezuela, Norwegen und Schweden ist der Big Mac aktuell noch teurer als in der Schweiz. Am günstigsten lässt sich der Fast Food Schmaus übrigens in Indien, Südafrika oder Hong Kong geniessen. Für das gleiche Geld, das wir in der Schweiz für einen Big Mac bezahlen, würden wir in Indien über vier Stück des gleichen Burgers bekommen.
Weil der Burger in über 120 Ländern auf gleiche Art und Weise produziert wird, ist der Big Mac Index ein einfaches Mass dafür, wie stark eine Währung im Vergleich zum US-Dollar unter- oder überbewertet ist. Dabei wird der Preis eines Big Mac in unterschiedlichen Ländern in US-Dollar umgerechnet und mit dem Preis des Big Mac in den USA dividiert.
Zur Veranschaulichung ein Beispiel anhand des Schweizer Frankens (Daten Januar 2013):
- 1 Big Mac in der Schweiz kostet 6.50 Franken
- Der Wechselkurs beträgt 0.91 Schweizer Franken pro US-Dollar
- 1 Schweizer Big Mac kostet umgerechnet also 7.14 US-Dollar
- In den USA kostet ein Big Mac aber nur 4.37 US-Dollar
Dividiert man den Preis des Schweizer Big Mac in US-Dollar durch den effektiven Preis des Big Mac in den USA, so erhält man einen Wert von 1,63.
Für einen Big Mac in der Schweiz würde man also 1,63 Big Mac in den USA bekommen. In der Ökonomie heisst dies, dass der Schweizer Franken gegenüber dem US-Dollar um 63% überbewertet ist.
Der Big Mac Index beruft sich auf die Theorie der Kaufkraftparität. Diese besagt, dass in einem vollkommenen Markt zwei gleichartige und handelbare Güter in verschiedenen Ländern, nach Umrechnung mit dem Wechselkurs, den gleichen Preis aufweisen müssen. Kurz: Gleiche, handelbare Güter müssten eigentlich überall gleich viel kosten.
Die Theorie beruht auf der – zugegebenermassen unrealistischen – Annahme, dass es keine Transaktionskosten gibt und völliger Freihandel herrscht. Unter Transaktionskosten versteht man sämtliche Kosten die in Zusammenhang mit einem Geschäftsabschluss anfallen, wie z.B. Transport- oder Informationskosten.
Wie der Index zeigt, sind die Preise für das weltweit gleichartige Gut Big Mac aber überhaupt nicht gleich. Damit die Kaufkraftparität zwischen den USA und der Schweiz erfüllt wäre, müsste der Schweizer Franken gegenüber dem Dollar weniger wert sein. Erst wenn wir für 1 US-Dollar 1.43 (momentan 0.91) Schweizer Franken bezahlen würden, wäre ein Big Mac in der Schweiz gleich teuer wie in den USA. In der Infografik wird dieser Kurs «implied exchange rate» genannt.
Die Annahme, dass der Big Mac in allen Ländern gleich teuer sein sollte, ist jedoch fraglich. Der Versuch, in der Schweiz einen zubereiteten Burger aus den USA zu bestellen, wird kläglich scheitern. Der Big Mac ist nicht handelbar – er muss lokal produziert werden.
Die fehlende Handelbarkeit verhindert den Arbitrage-Handel. Darunter versteht man das Ausnutzen von Preisunterschieden. Ist ein Gut in den USA – nach Umrechnung mit dem Wechselkurs in eine einheitliche Währung – günstiger als in der Schweiz, so kann dieses theoretisch von den USA in die Schweiz importiert und mit einem Gewinn verkauft werden. Weil durch den Import des Gutes das Angebot in der Schweiz steigt, sinkt der Preis für das Gut in der Schweiz wiederum. Irgendwann wird das Gut in beiden Ländern gleich viel kosten.
Wegen der fehlenden Handelbarkeit haben die regional unterschiedliche Kosten in der Herstellung und die jeweilige Marktlage einen Einfluss auf den Preis. So sind z.B. die Herstellungskosten in Ländern wie China oder Indien, wegen niedrigeren Löhnen und Mieten, deutlich billiger als in der Schweiz. Die Annahme, dass der Big Mac auf der ganzen Welt gleich teuer sein sollte, ist nicht ganz realistisch.
Wäre der Big Mac ohne jede Einschränkung handelbar, so könnte man den Preisunterschied wirklich nur auf die unter- oder überbewertete Währung zurückzuführen. Obwohl dies nicht der Fall ist, eignet sich der Index dennoch gut als grobes Mass für die Analyse von Wechselkursen. Übrigens: Auch das Bücherregal «Billy» von Ikea oder der «iPod» mussten schon als Indikatoren für Wechselkurse hinhalten.
Zum Thema:
- SRF. Schweizer Franken im Fokus des Big Mac Index. Radiosendung mit Hintergrundinformationen. (90.08.2011 – 03:11)
- The Economist. The Big Mac Index. Die entsprechende Infografik. (01.2013)
- 20 Minuten Online. Big Mac, Billy und iPod erklären die Wirtschaft. Über andere Preisvergleiche von Produkten die es überall auf der Welt gibt. (10.11.2010)
- NZZ Online. Wie Fast-Food die Löhne weltweit vergleichbar macht. Vergleicht die Löhne von McDonalds-Mitarbeitern. (11.05.2012)
- Dukascopy. Big Mac Index. Erklärungen zum Big Mac Index in einem Kurzfilm. (11.02.2011 – Dauer: 2:37 – auf Englisch)
- iconomix-Baustein: Kaufkraft
Für das iconomix-Team
Patrick Keller
M.A. in Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich, Doktorand am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik der Universität St. Gallen und ehemaliger Praktikant bei iconomix.