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Die Crew von SOS MEDITERRANEE hat in zwei Einsätzen 176 Personen aus Seenot geborgen. Die Rettungseinsätze fanden in der Nacht des 12. Oktober und am 13. Oktober statt. Alle geretteten Personen sind derzeit an Bord der Ocean Viking, dem gemeinsam von SOS MEDITERRANEE und MSF (Médecins Sans Frontières) betriebenen Rettungsschiff.
Über das erste Boot in Seenot hatte die Ocean Viking am Abend des 12. Oktober erfahren. Sie stand in Kopie einer E-Mail der NGO Alarm Phone, in der sie den Seenotfall an die Seefahrtsbehörden meldete. Das in Seenot befindliche Schlauchboot driftete in der Nähe der Ölplattform Al Jurf. Die Ölplattform nahm Kontakt zur Ocean Viking auf, um ihr die Erlaubnis zu erteilen, in die drei Seemeilen umfassende Sperrzone zu fahren, die sich um die Plattform erstreckt. So retteten die Teams der Ocean Viking 74 Personen, darunter sechs unbegleitete Minderjährige. Der nächtliche Einsatz wurde um 00:03 Uhr abgeschlossen.
Kurze Zeit später, um 00:25 Uhr erhielt die Ocean Viking von den libyschen Seefahrtsbehörden Informationen über ein Boot in Seenot und wurde angewiesen, die Rettung einzuleiten. Trotz genannter Position des Bootes blieb die neunstündige Suche erfolglos. Auf erneute Anfragen der Ocean Viking nach der Position des Bootes in Seenot konnten die libyschen Behörden keine Auskunft geben. Es war das erste Mal, dass die Ocean Viking schriftliche Anweisungen von den libyschen Behörden zur Durchführung eines Rettungseinsatzes erhielt.
Am Morgen des 13. Oktober wurde die Ocean Viking schliesslich über ein weiteres Schlauchboot informiert, das in Seenot geraten war. Um 13:50 Uhr war die Rettung von 102 schutzsuchenden Menschen, darunter 4 schwangere Frauen und neun Minderjährige, aus einem seeuntüchtigen Schlauchboot abgeschlossen.
Die Ocean Viking hat gemäss dem Seerecht bei den libyschen Behörden einen sicheren Ort zur Ausschiffung der 176 geretteten Menschen beantragt. Wie in der Vergangenheit haben die libyschen Behörden Tripolis als Hafen zugewiesen, an dem die Überlebenden an Land gehen sollen. Weil dies ein Verstoss gegen internationales Recht wäre, haben die Teams der Ocean Viking dies abgelehnt. Libyen kann aktuell nicht als sicherer Ort für schutzsuchende Menschen gelten.
„Während die Ocean Viking auf dem Weg nach Norden ist und die umliegenden Seenotleitstellen um Unterstützung dabei gebeten wurden, die Überlebenden sicher an Land zu bringen, fordern wir die Staaten des europäischen Kontinents und die zuständigen Behörden dringend dazu auf, uns umgehend einen sicheren Ort zuzuweisen, an dem die 176 geretteten Personen sicher an Land gehen können. Diese Männer, Frauen und Kinder haben eine schreckliche und teilweise traumatisierende Flucht über das Mittelmeer hinter sich. Bei uns an Bord können sie nur vorübergehend versorgt werden, das ist nicht viel mehr als eine Notlösung. Offiziell gilt eine Rettung erst dann als abgeschlossen, wenn die Überlebenden an einem sicheren Ort an Land gehen“, sagt Frédéric Penard, Einsatzleiter von SOS MEDITERRANEE.
„Es ist bereits das vierte Mal seit dem Missionsstart der Ocean Viking, dass wir darauf warten, dass uns ein sicherer Ort zu gewiesen wird, an dem die geretteten Menschen von Bord gehen können. Die Staaten des europäischen Kontinents haben fatalerweise immer noch keine verlässliche Regelung gefunden, damit aus Seenot gerettete Personen gemäss internationalem Seerecht so schnell es geht an Land gebracht werden. Ad-hoc-Vereinbarungen können nicht die Lösung sein. Wir fordern die Regierungen auf, dieser inakzeptablen Situation ein Ende zu setzen“, kommentiert die Geschäftsführerin von SOS MEDITERRANEE Schweiz, Caroline Abu Sa’Da.
Für Rückfragen kontaktieren Sie bitte:
Eva OSTENDARP | +41 76 239 99 13 | <email-pii>
Foto : Julia Schaefermeyer / SOS MEDITERRANEE