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Das Spital war zu weit entfernt, als Nopolos Wehen einsetzten. Ein Bericht über eine Geburt mit Begleitung des Überlebensprogramms.
Niedrige, dunkle Wolken brauten sich über dem Dorf zusammen. Es sah so aus, als würden sie ihr eigenes Spiegelbild im Fluss berühren – ein untrügliches Zeichen für starke, bevorstehende Regenfälle. An diesem Abend wurde der Wind stärker, der Flusspegel stieg an, und alle Eltern achteten darauf, dass ihre Kinder zu Hause waren. Keine Seele würde sich jetzt dem Fluss nähern.
Nopolo, 21, war fast am Ende der Schwangerschaft ihres zweiten Kindes angelangt. Das einfache Abendessen der noch dreiköpfigen Familie verlief fröhlich, und Nopolo bereitete sich darauf vor, am nächsten Tag ins Spital zu fahren.
Doch noch während des Abends spürte sie plötzlich den stechenden Schmerz der beginnenden Wehen. Es gab keinen Zweifel. Sie wusste sofort, dass ihr Baby noch in dieser Nacht kommen würde.
Ihr Mann rannte in strömendem Regen zum Nachbarn, der ein Telefon besass, um die Mitarbeitenden des Überlebensprogramms anzurufen und sich auf der Suche nach einer Doula (Geburtsbegleiterin) in der Nähe zu machen.
Nopolos Familie lebt am Ufer des Moei-Flusses, der die Grenze zwischen Thailand und Myanmar bildet. Ihr Mann arbeitet als Tagelöhner und ist auf Arbeitsplätze in der Nähe angewiesen. Staatenlos, wie er ist, verdient er jedoch weit weniger als den Mindestlohn. In manchen Monaten hatte die Familie maximal 40 Franken zur Verfügung. Während der Pandemie brachte er oft weniger als 20 Franken pro Monat nach Hause.
Nopolo ging meistens zu Fuss zum Compassion-Zentrum, um am Überlebensprogramm für Mütter und Babys teilzunehmen. Als ihre Schwangerschaft jedoch voranschritt, übernahm das Zentrum die Kosten für die Bootsfahrt, da die Entfernung zu gross und der Weg zu uneben war, als dass sie sicher hätte reisen können.
Im Unterstützungsprogramm hatte Nopolo erstmals von medizinischen Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft erfahren. „Ich hatte vorher noch nie von so einer Möglichkeit gehört und bin so dankbar, dass ich diese Hilfe bekam.“
Nopolo hatte das Überlebensprogramm bereits bei ihrer ersten Schwangerschaft in Anspruch genommen, als sie gerade 17 Jahre alt war. Aber an diesem Abend war es klar für Nopolo, dass sie das Krankenhaus nicht rechtzeitig für ihre Geburt erreichen würde. Die Boote auf dem Fluss verkehren nur morgens von 6 bis 10 Uhr und abends von 16 bis 18 Uhr.
Ausserdem tobte draussen ein heftiges Gewitter. Es gab keine andere Möglichkeit, als ihr Kind zu Hause zur Welt zu bringen.
Die Wehen nahmen schnell zu, und dazu steigerte sich ihre Angst. Doch dann klopfte es an der Tür. Zu ihrer grossen Erleichterung kamen die Mitarbeiterinnen von Compassion zusammen mit einer Doula, um ihr bei der Geburt zu helfen.
Als der erste Schrei ihres zweiten Kindes das Trommeln des Regens durchdrang, begann Nopolo durch ihre Tränen hindurch zu lachen. Sie nannte ihren Sohn Krittamet, was so viel bedeutet wie „weiser und ehrenhafter Mann“.