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Seit dem vergangenen Jahr verlangen die internationalen Bilanzierungsregeln IFRS, dass Banken ihre Vermögenswerte gemäss dem Fair-Value-Prinzip in drei unterschiedliche Kategorien einteilen: Die, für die es einen Marktpreis gibt; solche, die nach existierenden Marktpreisen gestaltet sind; und jene, für die die Banken ohne verfügbaren Marktpreis einen Wert ansetzen müssen.
Die Vermögenswerte der letzten Kategorie haben sich in den Bilanzen der grössten europäischen Banken nach Angaben von «Financial News» bis zum Ende 2007 fast verdreifacht. Das können simple Derivate auf Basiswerte sein, deren Markt zurzeit eingefroren ist, beispielsweise Futures und Optionen auf fremdfinanzierte Anleihen, Over-the-Counter-Swaps, die einmal oder selten gehandelt werden, und komplexe Formen neu verpackter Verbindlichkeiten.
Laut Angaben von fünf der grössten europäischen Banken –BNP Paribas, Deutsche Bank, HSBC Holdings, Société Générale und UBS – stieg das in dieser Kategorie bilanzierte Vermögen Ende 2007 auf 163 Mrd Euro von 63 Mrd Euro Ende 2006. Damit erhöhte sich der Anteil von «unklaren» Vermögenswerten an den gesamten Aktiva von 1,8% Ende 2006 auf 3,8% Ende vergangenen Jahres.
Werte im Niemandsland
Dieser Anstieg spiegelt zum Teil die Entwicklung an denjenigen Märkten wider, auf denen der Handel zum Stillstand gekommen ist und es für viele Assets keinen festzustellenden Preis mehr gibt. «Viele Vermögenswerte befinden sich aktuell im Niemandsland», sagt Christopher Wheeler, Senior-Research-Analyst bei Bear Stearns. «Und diese Posten geben einen deutlichen Hinweis auf das Ausmass künftiger Abschreibungen.»
Vermögenswerte, für die kein Marktpreis existiert, können von guter oder schlechter Qualität sein. Allein die Tatsache, dass sie nicht handelbar und schwer zu bewerten sind, hat bei Anlegern die Angst geschürt, dass es zu weiteren Abschreibungen kommt.
In den USA, so die Schätzung von Analysten, könnte es passieren, dass etwa 15% der sogenannten Kategorie-3-Vermögenswerte von Wall-Street-Banken abgeschrieben werden müssten – je nachdem, in welchem Umfang sie abgesichert sind. Goldman Sachs hat die Vermögenswerte der Kategorie 3 während des 1. Geschäftsquartals, das im Februar endete, um 39% auf 96,4 Mrd Dollar heraufgesetzt. Der Anteil an den gesamten Assets stieg damit auf 8,1%. Die Kategorie-3-Werte bei Morgan Stanley erhöhten sich in diesem Zeitraum um 6,1% auf 78,2 Mrd Dollar, bei Lehman Brothers um 1,3% auf 42,5 Mrd Dollar.
«Schwer zu bewertende Aktiv-posten in der Bilanz können, müssen aber nicht problematisch sein», sagt Mamoun Tazi, Analyst bei MF Global Securities. Doch die Unsicherheit an sich sei ein Problem. Dazu kommt, dass die Bewertung dieses «unsicheren» Vermögens von Bank zu Bank sehr unterschiedlich sein kann. Das macht einen Vergleich für Anleger schwer. In besonderem Mass trifft das auf europäische Banken zu. So hat der Research-Anbieter CreditSights herausgefunden, dass die Institute des alten Kontinents in der Bewertung von Kreditverbriefungen stärker voneinander abweichen als bisher angenommen. Die Ursache liegt unter anderem darin, dass unterschiedliche Vorschriften in Europa den Banken einen Spielraum einräumen, wie sie ihre Vermögenswerte nach dem Fair-Value-Prinzip bilanzieren.
Leigh Goodwin, Analyst der Beratungsfirma Fox-Pitt, hält deshalb «einheitliche Bilanzierungsregeln, die für den gesamten Bankensektor und über Ländergrenzen hinweg gelten», für erforderlich. «Gerade jetzt brauchen wir marktnahe Informationen und so viel Transparenz wie möglich.»