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Eretria, eine Stadt mit Geschichte
Service / Informationen
- Benötigte Zeit: ca 2 Std. ohne Besichtigungen.
- Ausgangspunkt: Archäologisches Museum, Eretria.
- Endpunkt: Archäologisches Museum, Eretria.
- Schwierigkeit: Keine.
Der archäologisch-historische Rundgang führt zuerst steil auf die Akropolis hinauf, dann durch die Strassen der Stadt. Bei bequemem Schrittempo sind 2 Std zu veranschlagen, ohne die Verweildauer an den einzelnen Stellen. Streckenweise als Wanderweg ausgeschildert. An wichtigen Stellen Informationstafeln.
Kleine Geschichte der Stadt Eretria
3.-2. Jahrtausend v.Chr.
Siedlungsspuren und Funde an verschiedenen Stellen auf der Akropolis und an deren Fuss.
8. Jahrhundert v.Chr.
Aus mehreren Häusergruppen entlang des Meeres entwickelt sich eine städtische Siedlung. Eretria nimmt zusammen mit Chalkis bei der griechischen Kolonisation im Mittelmeer eine führende Rolle ein. Unter andern entstehen Handelsniederlassungen auf Ischia, im Golf von Neapel, auf Sizilien und an der syrischen Küste.
7. und 6. Jahrhundert v.Chr.
Epoche der eigentlichen Blüte Eretrias. Flussverbauungen begünstigen seine Ausdehnung. Die Stadt erhält einen Befestigungsgürtel, einen Tempel und eine Agora. Bei wiederholten Auseinandersetzungen mit Chalkis geht es um die landwirtschaftliche Nutzung der fruchtbaren Ebenen zwischen den beiden Städten. Schliesslich unterliegt Eretria.
490 v. Chr.
Athen besiegt in der Schlacht von Marathon das persische Heer des Dareios. Unmittelbar vorher hatten die Perser Eretria gebrandschatzt und einen Teil der Bevölkerung in die Gefangenschaft nach Susa (heute im Iran) verschleppt.
446-411 v.Chr.
Eretria versucht sich mit wenig Erfolg der Herrschaft Athens zu entziehen.
4. Jahrhundert v.Chr.
Auf die Befreiung von Athen folgt ein neuerlicher wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung. Verstärkung der Stadtmauer durch Türme und Tore, Ausbau der Hafenanlagen. An den Hängen der Akropolis entstehen das Theater und das Gymnasion, in der Ebene herrschaftliche Wohnquartiere.
3. Jahrhundert v.Chr.
Nach der Niederlage der Griechen gegen Philipp II. von Makedonien verstärkt sich in Euböa und Eretria der makedonische Einfluss.
2. und 1. Jahrhundert v.Chr.
Nach der Eroberung und Verwüstung durch die Römer erholt sich die Stadt kaum mehr und wird zum Spielball in den Auseinandersetzungen zwischen Rom und hellenistischen Königen.
1.-3. Jahrhundert n.Chr.
Die römische Besiedlung konzentriert sich auf die Hänge der Akropolis und den Hafen.
365 und 511 n.Chr.
Spätestens nach zwei starken Erdbeben scheint die Stadt verödet.
1834
Neugründung unter König Otto I.
Die Akropolis von Eretria.
Kopflose Büste der Athene mit Gorgo.
Mole des antiken Hafens.
Detailbeschreibung der Wanderung
Archäologisches Museum.
Anfahrt
Von Chalkida aus ist Eretria auf der Nationalstrasse 44 rasch erreichbar. Ausgangspunkt für den Rundgang ist das Archäologische Museum. Es befindet sich unmittelbar an der Hauptstrasse und beherbergt die wichtigsten Funde aus den Ausgrabungen.
Das Museum und die freigelegten Ruinen des antiken Eretria zeugen vom jahrelangen erfolgreichen Wirken der Ecole Suisse d'Archéologie en Grèce.
Die Ausstellung erklärt die Geschichte der antiken Stadt; ein Führungsblatt mit den wichtigsten Details ist gratis erhältlich.
Im Museum muss man zu Beginn der Wanderung auch den Schlüssel für das Haus der Mosaiken erfragen.
Westquartiere und Akropolis.
Nordturm der Akropolis.
Eretria mit seinem Hafen.
Durch die Westquartiere auf die Akropolis
Vom Museum aus überquert man die stark befahrene Hauptstrasse und gelangt durch ein Gittertor in das Ausgrabungsgelände. Bei dessen Durchquerung fallen die solide gebauten Steinfundamente auf, die von grosszügigen palastähnlichen Häusern zeugen, welche von wohlhabenden Eretriern bewohnt wurden.
Vom einst mächtigen Stadttor erhält man einen Eindruck durch die Infotafel. Um den vorgesehenen Rundgang wirklich aufzunehmen, muss man nun durch ein Loch im Gitterhag schlüpfen, was aber durchaus üblich scheint. Schon stehen wir vor dem Theater, das leider nicht betreten werden kann, wie auch ein paar Schritte später das Gymnasion, beides Bauwerke aus dem 4. Jahrhundert v.Chr.
Dahinter erhebt sich die Akropolis, und bei genauem Hinschauen erkennt man in einer offenen Schneise zwischen den Olivenbäumen die gerade aufsteigende Befestigungsmauer. Durch lockeren Baumbestand steigen wir nun hoch, am einfachsten dem Pfad mit den quadratischen Schildern folgend, bis wir auf die Mauer stossen, an der entlang der Pfad immer höher führt.
Folgt der Blick der Mauer, so gewahrt man einen Abgang zu zwei Türwangen einer schmalen Ausfallpforte, und schon wenige Schritte weiter befinden wir uns auf dem höchsten Punkt des Bergs, den wir nach einer knappen halben Stunde vom Museum aus gerechnet erreichen. Er wurde beherrscht vom sog. Nordturm, von dem die Fundamente gut erhalten sind. Die bestehen aus acht bis zehn Steinlagen aus regelmässigen Blöcken. Vom rückwärtigen Athena-Tempel, der erst vor kurzem entdeckt worden ist, sind fast nur noch die in den Fels eingearbeiteten Fundamentbänke sichtbar.
Ein weiter Blick öffnet sich auf die mit Olivenbäumen bestandenen Ebenen, das Meer und die gegenüberliegende Uferlinie Attikas und Böotiens. Nun erkennt man auch die Vorzüge des Hafens von Eretria, der geschützt ist durch einer vorgelagerten Inselkette.
Haus der Mosaiken.
Tempel der Athena, Bastion und zurück zum Museum
Nun folgen wir der Befestigungsmauer abwärts bis zur Nordbastion. Die vorspringenden Türme stammen von verschiedenen Ausbauphasen.
Hier verläuft die Mauer in einem rechten Winkel nach Süden, beziehungsweise in die Richtung des Verkehrskreisels, den wir unter uns am Eingang des modernen Eretria ausmachen. Bald folgen die starken Fundamente eines vorspringenden Turmes und nach weiteren 50 m gabelt sich die Mauer in einem spitzen Winkel. Wir nehmen den besser sichtbaren linken Ast, sehen eventuell den gelben Markierungspunkt im Gebüsch und stehen bereits vor der antiken Zisterne.
Weitere Markierungen weisen den Weg, vorerst noch parallel zum Hang. Dicht unter dem Pfad streifen wir zwei Stellen mit Mauerzügen, den Überresten der sog. «Thesmophorien», den Kultstätten der Demeter und ihrer Tochter Kore.
Bei der zweiten Kultstätte verlaufen die farbigen Punkte bald genau senkrecht den Hang hinunter. Zuunterst in der Ebene liegen die eingezäunten Reste von archäologischem Gemäuer, es sind die Wohnquartiere im Osten, die wir nun ansteuern.
Haben wir die rechtwinklig abgehende Teerstrasse erreicht, wenden wir uns nach rechts und erreichen sofort das von einer hohen Hecke umschlossene Mosaikenhaus (nun kommt der im Museum ausgeliehene Schlüssel zum Einsatz). Die besondere Bedeutung der farbigen Kieselmosaiken rührt von der Qualität der Darstellungen und ihrer frühen Entstehungszeit um 370 v.Chr. Am selben Ort wurde 300 Jahre später ein römisches Monumentalgrab hineingesetzt.
Von dort gehts weiter geradeaus bis man links die Hauptstrasse sieht. Das Museum ist nun nicht mehr fern (Schlüssel abgeben nicht vergessen!).
Haus des Konstantinos Kanaris, 1847.
Klassizistisches Wohnhaus um 1870.
Stadt und Hafen
Gegenüber dem Museum, im kleinen Park, erhebt sich das Denkmal mit der Büste des Konstantinos Kanaris, flankiert von zwei Kanonen. In ein paar Minuten werden wir vor seinem Wohnhaus stehen.
Konstantinos Kanaris (1790-1877)
Kanaris war ein griechischer Seeheld und einflussreicher Politiker. 1822 jagte er vor Chios das Flaggschiff des türkischen Admirals Pascha Kara-Ali in die Luft. Anschliessend glückten ihm mit seinem ipsariotischen Geschwader mehrere erfolgreiche Überfälle auf die türkische Flotte. Als Vergeltung massakrierte und vertrieb die türkische Armee 1824 die griechische Bevölkerung der Inseln Chios und Psara vor der kleinasiatischen Küste.
Ab 1848 bis zu seinem Tod 1877 amtierte Kanaris zu mehreren Malen unter den Königen Otto und Georg als Marineminister und Ministerpräsident.
Die Neugründung von Eretria bzw. Nea Psara von 1834 wurde zur neuen Heimat der vertriebenen Ipsarioten.
Konstantinos Kanaris.
Zuerst biegen wir jedoch vom Parkplatz vor dem Museum aus in den zweispurigen Boulevard ein. Er ist Zeugnis für die bemerkenswert grosszügige Planung der Stadt im 19. Jahrhundert.
Nea Psara
1834 beauftragte König Otto den jungen bayerischen Architekten Eduard Schaubert über dem antiken Eretria eine Stadt – Nea Psara – für die von der Insel Psara vertriebenen Flüchtlinge, den Ipsarioten, zu planen. Ausgeführt wurde um das Hafenbecken herum ein rechtwinkliges Strassennetz mit breiten Boulevards und schmaleren Nebenstrassen, das in weiten Teilen der heutigen Auslegung entspricht. Allerdings erreichte der neue Ort niemals die ursprünglich geplanten Dimensionen.
Beim Durchstreifen der Strassen erkennt man zwischen den modernen Betonbauten leicht die ursprünglichen Gebäude: Klassizistische, zweistöckige Wohnhäuser und ländliche Bauernhäuser sowie einfache «Flüchtlingsreihenhäuser», wie sie 1922 für die Zuwanderer aus Kleinasien gebaut worden sind.
Vornehmes Wohnhaus.
Ländliches Bauernhaus.
Flüchtlingsreihenhaus.
Nach guten 200 m stossen wir auf ein kleines Rasenplätzchen mit einem Brunnenstock aus weissem Marmor. Dort geht's im rechten Winkel ab, dann an einer grossen Kirche rechterhand vorbei und sofort wieder links ab Richtung Meer. Nach zwei Häuserkarrees stossen wir auf die Odos Eudemou Krataimenou. Folgt man dieser nach links, so ist nach wenigen Schritten auf der linken Strassenseite ein zweistöckiges vornehmes Haus nicht zu übersehen, allein schon seines ruinösen Zustands wegen: Das ist das Haus, das 1847 für Kanaris erbaut wurde. Wäre es nicht so heruntergekommen, so wäre es ein prächtiges Beispiel für die klassizistische Bauweise, wie sie unter Otto I. entstand. Kennzeichnend ist die einfache, ausgewogene Aufteilung der Fassade.
Will man ein besser erhaltenes Beispiel derselben Art sehen, so geht’s nun alles geradeaus . Schon von weitem gibt sich die hellgelbe Fassade eines übereck gestellten Gebäudes ganz am Ende der Strasse zu erkennen, das ziemlich genau dem Kanaris-Haus entspricht.
Nun sind wir auch nahe des Kreisels, der das Hafenviertel markiert. Hier reihen sich die Restaurants beidseits den Promenaden entlang. Und falls jetzt Hunger oder Durst aufkommt, so kann leicht etwas dagegen getan werden.
Frisch gestärkt geht es dann in kaum 10 Minuten zurück zum Museum.