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Najma Sayieds grösster Ausgabenposten entspricht der indischen Norm, danach weicht das Budget vom Durchschnitt ab. «Das meiste Geld geht für Essen weg. Miete müssen wir zum Glück keine zahlen», sagt die Frau, die ihr genaues Alter nicht kennt und mit ihrem Mann und vier der fünf Kinder ein kleines Einzimmerhaus in einem Dorf im Norden von Goa bewohnt.
Das Häuschen steht im Hinterhof einer grossen Villa, die sie als Gegenleistung für das Wohnrecht und ein kleines Gehalt in Schuss hält. Weil die Besitzerin die meiste Zeit im Ausland ist, hält sich der Aufwand in Grenzen. Die Zeit reicht für eine zweite Anstellung in der Nachbarschaft, wo sie für einen Monatslohn von 2500 Rupien, 45 Franken, sieben Tage die Woche putzt und kocht.
Von Sayieds Einkünften kann die Familie immer wieder etwas beiseite legen, die laufenden Ausgaben werden vom Gehalt ihres Mannes gedeckt. Für 10 000 Rupien arbeitet er in der Hochsaison sieben Tage die Woche von 8 bis 20 Uhr in einem Strandhotel. Den Sayieds geht es trotz den beengten Wohnverhältnissen nicht schlecht. Der Vater fährt einen Roller. Die älteren Kinder haben ein Smartphone; alle besuchen eine öffentliche Schule.
Dennoch macht der Blick in die Zukunft Najma Sayied und ihrem Mann Bauchschmerzen. Drei ihrer fünf Kinder sind Mädchen, die älteste ist 18 und sollte in absehbarer Zeit verheiratet werden. Die Hochzeitskosten werden in Indien von der Familie der Braut übernommen. «Allein für die Mitgift werden von uns 300 000 bis 500 000 Rupien erwartet. Dafür sparen wir, so viel wir können.» Viele indische Eltern verschulden sich für die Hochzeit der Tochter auf Jahre hinaus. «Drei Töchter sind eine grosse Verantwortung. Zum Glück hat uns Gott auch zwei Söhne gegeben. Sie sind unsere Altersvorsorge.»
Volker Pabst ist Korrespondent der «NZZ».