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Kriegsdenken versus Kriegführung in der neueren Zeit
Im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine wird sehr oft aus dem Werk «Vom Kriege» des preussischen Kriegsphilosophen Carl von Clausewitz (1780-1831) zitiert. Bekannt von Clausewitz ist sein Ausspruch:[1]
«Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln»
Mit seinem Werk wollte Clausewitz das Wesen des Krieges ausleuchten und damit die Frage beantworten «Was ist der Krieg?».
Die militärische Führung des Hohenzoller Reichs und jene des Dritten Reiches versuchten vor allem aufgrund der Hypothesen von Clausewitz ihre Eroberungsfeldzüge zu konzipieren.
Der Gegenpart zu Clausewitz im 19. Jahrhundert war der Schweizer Antoine-Henri Jomini (1179-1869), der Napoleon Bonaparte (1769-1821) und später dem Zaren Alexander I. (1777-1825) als General und militärischer Berater diente. Die Stossrichtung seines bekannten Werkes «Précis de l’art de la Stratégie» war die Konzipierung des Kriegstheaters als Schachbrett.[2] Sein Ziel war die Erarbeitung einer Anleitung für die Führung eines Krieges zuhanden der politischen und militärischen Führung eines Staates. Die Schriften und Werke von Jomini waren für die militärischen Führungen der USA und Russlands im 19. Jahrhundertbei bei der Erarbeitung von Feldzügen wergweisend. Jomini geriet zu Beginn der 20. Jahrhundert in Vergessenheit, bis er in Russland unter Josef Stalin (1878-1953) wieder beachtet wurde.
Stellt man die beiden Autoren, ihre Werke und ihren Einfluss auf die Kriegführung der neueren Zeit einander gegenüber, so drängt sich die Erkenntnis auf, dass die Deutschen vermutlich durch ihr Festhalten an Clausewitz und seiner Frage «Was ist der Krieg?» sowohl im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg besiegt wurden und dass Russland unter Josef Stalin vielleicht beeinflusst durch die Thesen von Jomini in wesentlichem Masse den Grossen Vaterländischen Krieg gewonnen hat.
Wladimir Wladimirowitsch Putin dürfte die Thesen von Jomini nicht studiert haben.
[1] Stahel, A.A., Klassiker der Strategie – eine Bewertung, vdf Hochschulverlage an der TH Zürich, 3., überarbeitete Auflage, Zürich, 2003, S. 111.
[2] Stahel, A.A., S. 159ff.