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Geschichtliche Entwicklung
An den flachen Ufern des Gerzensees, der im Laufe der Zeit durch natürliche Verlandung kleiner geworden ist, lassen sich deutlich mehrere Stellen von möglichen Pfahlbau - Siedlungen ausmachen. Das seichte und zu allen Zeiten fischreiche Gewässer und der fruchtbare Boden enthob die Anwohner jeglicher Nahrungssorgen und liess sie sesshaft werden.
Keltische Gräberfunde aus der La–Têne–Zeit (spätere Eisenzeit, ca. 400 vor bis 58 n.Chr.) lassen auf eine frühgeschichtliche Besiedlung der Gegend schliessen. 1910/1911 wurden bei der Friedhoferweiterung in der Beunde südöstlich des Ger- zensees Gräber aus dieser Zeit angeschnitten. Die Funde, broncene Arm- und Fussringe und Fibeln (Spangen und Nadeln) sowie ein aussergewöhnlich langes Schwert, wurden sichergestellt und dem Historischen Museum in Bern übergeben. Bereits beim Bau der neuen Strasse von Kirchdorf nach Gerzensee stiess man 1883 auf entsprechende Gräber, deren Inhalt aber verschleppt wurde und verloren ging. Römische Funde fehlen, doch weisen einige Flurnamen auf römisch-keltische Siedler hin. Im Gestelenwald liegt eine unerforschte Erdbefestigung aus römischer oder frühmittelalterlichen Zeit.
Die Landnahme durch alemannische Siedler und damit die Gründung Kirchdorfs erfolgte wahrscheinlich im Verlauf des 7. Jahrhunderts. Im Laufe der von der fränkischen Oberhoheit beeinflussten Christianisierung der alemannischen Vorfahren entstand wohl im 8. Jahrhundert eine erste, wahrscheinlich hölzerne Kirche, die dem Hl. Germanus (gest. 675 n. Chr.) gewidmet wurde. Kirchen, die diesem Schutzpatron gewidmet waren, gelten in der bernischen Kirchengeschichte allgemein als sehr alte Kirchen. Diese Tatsache, wie auch der Ortsname Chilchdorf, bestätigen eine relativ frühe Besiedlung und die Wichtigkeit der damaligen Siedlung als einziges Dorf mit Kirche im weiteren Umkreis. Eine erste romanische Steinkirche ist wahrscheinlich zwischen 900 und 1100 entstanden. 1228 wird diese Kirche und damit Kirchdorf im dem von Dompropst Kuno von Estavayer in Auftrag gegebenen Verzeichnis der Kirchen des Bistums Lausanne unter dem Namen Chilchdorf erstmals urkundlich erwähnt.
Die älteste Urkunde, die das Dorf betrifft, ist unter der Ortsbezeichnung Kyltorf und datiert vom 16. April 1250 abgelegt. Sie bezieht sich auf einen Tauschhandel durch Werner von Sigriswyl, Burger zu Bern, und seiner Ehefrau Agnes von sieben Schupposen in Kirchdorf und zwei Schupposen in Noflen mit dem Gotteshaus Interlaken gegen dessen Güter zu Rechthalten und Malswyl. Die Herrschaftsrechte gingen um 1299 an Heinrich von Kramburg, dessen Burg sich am Hange des Belpberges oberhalb Gelterfingen befand. Durch Erbgang und verschiedene Verehelichungen kam die Herrschaft Kirchdorf 1371 an Ulrich von Bubenberg, Schultheiss in Bern und Herr zu Spiez, der sie bereits 1373 dem Johanniterorden in Buchsee abtrat. In der Folge war die Herrschaft Kirchdorf z.T. stückweise im Besitz verschiedener Edler und Klöster, bis Jakob von Wattenwyl 1507/1508 in den Besitz der gesamten Herrschaft Kirchdorf gelangte. Schlussendlich übernahm Daniel von Werth anfangs des 17. Jahrhunderts die Herrschaftsrechte in Kirchdorf von seinem Vater und trat diese kurz später käuflich an die Dorfbewohner ab. Diese wiederum überliessen 1645 den Kauf und die damit verbundenen Rechte für 1000 Bernpfund dem Staate Bern, mit dem Vorbehalt einiger Freiheiten und unter der ausdrücklichen Bedingung, dass dieselben niemals mehr in Privathände kommen sollten.