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Der Anteil an Privatschulen steigt in der Schweiz kontinuierlich leicht an. Worauf führen Sie diesen Anstieg zurück?
Markus Fischer: Es gibt mehrere Gründe für diese Entwicklung, sie haben auch mit der Zusammensetzung der Schweizer Bevölkerung zu tun; ich kenne kein Land in Europa, ausser Luxemburg, das so international und globalisiert ist wie die Schweiz.
Jede zweite Ehe ist binational. Das heisst, viele gut ausgebildete Personen in Kaderpositionen haben hohe Anforderungen an die Ausbildung ihrer Kinder: Sie muss zweisprachig sein, leistungsorientiert, mit einem hohen Anteil an Informatik.
Ein anderer Teil der Bevölkerung bevorzugt alternative pädagogische Modelle: Steiner-Schulen oder Montessori-Schulen. Die musischen und sozialen Fähigkeiten sollen gefördert werden.
Daneben wählen Eltern immer wieder Privatschulen, wenn es zu Unverträglichkeiten kommt; zwischen Lehrerinnen und Schülern, zwischen Eltern und Lehrer. Auch Schulwege können zu Schulwechsel führen oder körperliche Beeinträchtigungen der Kinder.
Spitzenreiter punkto Privatschulen sind die Kantone Genf, Basel-Stadt, Zürich und Neuenburg. Weshalb sind Privatschulen in diesen Kantonen häufiger?
Viele Privatschulen sind in wirtschaftlichen Ballungszentren zum Beispiel Zug, Zürich oder Basel. Auch dort, wo viele internationale Konzerne sind, ist das Angebot an Privatschulen grösser. In Genf sind es die internationalen Organisationen, welche die Nachfrage nach Privatschulen steigen lassen. Neuenburg lässt sich mit der Uhrmacherschule erklären, denn Privatschulen sind oft auch in der Berufsbildung tätig.
In Wiliberg wurde die öffentliche Schule geschlossen. Eine private Tagesschule übernahm die Grundschule. Kennen Sie noch andere Beispiele?
Für mich ist das neu. Dass eine Privatschule für die Primarschulbildung in der Gemeinde sorgt. Es gibt eine ähnliche Zusammenarbeit auf Gymnasialstufe, zum Beispiel im Kanton Graubünden. Da zahlt der Kanton für Schüler, deren Weg in ein öffentliches Gymnasium zu weit wäre. Auch im Jugendstrafvollzug gibt es private Institutionen, die auch gleichzeitig eine schulische Ausbildung anbieten.
Privatschulen sind oft Eliteschulen, meist in Städten oder der Agglomeration. Wie beurteilen Sie nun diese neue Form der Grundversorgung durch Privatschulen?
Ich finde es spannend und innovativ und habe Freude daran. Für die Gemeinde kann sich eine Privatschule rechnen, wenn so der Transport und die Schulkosten in einer anderen Gemeinde wegfallen; und für eine Gemeinde ist die Schule, mit Schultheater oder Elternabenden, ein Lebensnerv. Das Risiko für die Privatschule ist sicher, dass sie die kritische Grösse nicht erreicht. Sie muss ein Angebot schaffen, das auch für Schülerinnen und Schüler ausserhalb der Gemeinde attraktiv ist. Beispielsweise in Form einer Tagesschule wie in Wiliberg.
Das Gespräch führte Karoline Arn.
Schule und Berufsbildung
Markus Fischer ist Generalsekretär des Verbandes Schweizer Privatschulen (VSP). Die Anzahl der Privatschulen (ohne Hochschulen) betrug 2015 rund 12 Prozent, rund ein Prozent mehr als 2011.