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Eine neue Theorie will wissen, dass es 2007 ein Machtkampf zwischen CEO Peter Wuffli und seinem Stellvertreter John Costas gab. Was war der Anlass?
Noch immer rätselt die Öffentlichkeit über den abrupten Abgang von Peter Wuffli (Bild rechts) als CEO der UBS Anfang Juli 2007, also kurz bevor die Grossbank in die grösste Krise ihrer Geschichte schlitterte.
Das Westschweizer Wirtschaftsmagazin «Bilan» bringt nun eine neue These über die personellen Umwälzungen von damals. Konkret heisst es in dem Bericht, der in der neusten Ausgabe zu lesen ist, dass ursprünglich der Amerikaner John Costas (Bild links) CEO hätte werden sollen, während Peter Wuffli ins Präsidium des Verwaltungsrats aufgestiegen wäre und dort Marcel Ospel abgelöst hätte.
Aufgabe der US-Staatsbürgerschaft
Dass es nicht so kam, hat verschiedene Gründe. Gemäss Artikel reicht die Geschichte ins Jahr 2004 zurück. Damals soll dieser Beschluss gefasst worden sein, wobei man bei der UBS noch etwas zurückhaltend war, einen Amerikaner zum CEO einer Schweizer Bank zu ernennen. Offenbar wäre Costas aber bereit gewesen, seine US-Staatsbürgerschaft abzulegen, schreibt «Bilan».
Für Wuffli war die Welt mit Costas in Ordnung, solange ihm das Amt des VR-Präsidenten winkte, das er 2007, später dann 2008, hätte übernehmen sollen. Soweit kam es indessen nie, und zwar aus dem Grund, weil es innerhalb der UBS verschiedene Ansichten über den Umgang mit Risiken gab.
Im Sandwich
Als künftiger CEO schwebte Costas vor, die hohen Risiken im Investmentbanking in eine separate Geschäftseinheit auszugliedern. Da Wuffli sich zusehends im Sandwich fühlte zwischen dem überambitionierten Costas und dem «Übervater» Ospel, nahm er diese Idee auf und bestärkte Costas, diese Einheit so rasch wie möglich zu gründen.
Daraus wurde Dillon Read Capital Management (DRCM) – ein Hedge-Fund, der unabhängig von der UBS operierte, und wohin man die besten Händler der Bank abgezogen hatte.
Durch die Gründung von DRCM unter der Leitung von Costas erhoffte sich Wuffli, den Rivalen, der ihm immer mächtiger wurde, elegant los zu werden. In diesem Ansinnen wurde Wuffli noch bestärkt, als es im Jahr 2007 innerhalb von DRCM zu Fehlspekulationen kam und der Hedge-Fund dadurch Millionen verlor. In der Folge setzte Wuffli Costas dermassen unter Druck, dass Costas im Mai 2007 das Handtuch warf.
Showdown in Valencia
Nicht aber ohne vorher beim Verwaltungsrat vorgesprochen zu haben und darauf hinzuweisen, dass es Wufflis Idee war, den Hedge-Fund DRCM so rasch und riskant ins Leben zu rufen. Offenbar führte der Verwaltungsrat in der Folge eine Untersuchung durch, die sich zu Ungunsten Wufflis entwickelte. Dadurch geriet seine Position als CEO ins Wanken und der Plan, Wuffli zum Präsidenten der UBS zu machen, verflüchtigte sich.
Zum Showdown kam es dann bei der Verwaltungsratssitzung der UBS im spanischen Valencia, wo man am Rande des America’s Cup, bei dem die gesponserte Alinghi-Yacht knapp gewann, beschloss, Marcel Ospel im Präsidium zu behalten und alsbald Marcel Rohner zum CEO zu ernennen. Der Rest ist Geschichte.
Kronzeuge Beratrelli?
Costas wollte zu dem Artikel keine Stellung nehmen, und Wuffli hat die These als «unkorrekt» bezeichnet. Quellen werden in dem Bericht keine genannt. Ein Hinweis liefert die Erwähnung eines Interviews mit dem früheren UBS-Verwaltungsrat Ernesto Bertarelli, der offenbar erklärt, die entscheidenden Momente seien tatsächlich in Valencia gewesen.
Ganz neu ist die ganze These nicht, zumal die Probleme mit DRCM schon länger bekannt waren. Neu ist indessen, dass offenbar schon 2004 beschlossen worden war, einen Amerikaner zum CEO der grössten Schweizer Bank zu machen, und Wuffli ins Präsidium zu befördern.