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Brüdergemeine
Gegründet 1457, erneuert 1722
Ab 1722 nahm Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700–1760), auf seinem Gut Berthelsdorf (Oberlausitz) Exulanten aus Mähren auf. Diese hatten jahrzehntelang am Glaubensgut der alten, 1457 gegründeten und 1620 verbotenen Böhmisch-Mährischen Brüderkirche festgehalten. Die Ansiedler gründeten im gleichen Jahr Herrnhut. Bald stiessen auch Christen aus andern Gegenden zu ihnen.
Zinzendorf kam vom Pietismus her; er öffnete sich einer Jesus Christus zugewandten Frömmigkeit und nahm später auch reformatorische Gedanken auf. Sein nimmermüder Einsatz galt auch der Belebung einer weithin erstarrten Kirche. Zinzendorf wollte seine Gemeinden innerhalb der Landeskirche belassen. Sein Einfluss und die allgemeinen kirchlichen Verhältnisse führten aber auch zur Bildung freikirchlicher Gemeinden. Nach 1738 brachten Gesinnungsgenossen Zinzendorfs, allen voran Friedrich von Wattenwyl von Montmirail/Peseux, dessen Verständnis des Evangeliums auch in die Schweiz. Zinzendorf hielt sich ebenfalls mehrmals in der Schweiz auf.
Es bildeten sich innerhalb der Kirche Zusammenschlüsse evangelischer Christen, sogenannte «Sozietäten». Die Gemeinde des Herrn ist die von Christus geschenkte und vom Heiligen Geist durchwirkte Lebensgemeinschaft. In der Brüdergemeine wirken Theologen und Laien. Von der alten Brüder-Unität der Böhmischen Brüder wurde die dreifache Ordination zum Diaconus, Presbyter und Bischof übernommen. Das Bischofsamt ist ein rein geistliches Amt und schliesst keinen Verwaltungs-Auftrag mit ein. Die Verantwortung für die Gemeinde liegt beim Ältestenrat, für die Provinz bei der Synode. Die Brüdergemeine zählt weltweit 19 Provinzen, deren Vertreter alle 7 Jahre zu einer Unitätssynode zusammenkommen. In Deutschland ist die Unterteilung in zwei Bezirke (Herrnhut und Bad Boll) 1992 aufgehoben worden. Die Brüdergemeine betont die Rechtfertigung und Erlösung durch Christi Tod, ebenso die Heilandsliebe und das Wirken des Heiligen Geistes.
Von der Brüdergemeine sind bedeutende ökumenische Impulse ausgegangen. Sie gehört denn auch dem Ökumenischen Rat der Kirchen und verschiedenen ökumenischen Verbänden und missionarischen Arbeitsgemeinschaften an. Aus der über 250jährigen Missionsarbeit der Brüdergemeine sind junge Kirchen vor allem in der Karibik, in Ost- und Südafrika entstanden, die den Namen «Mährische Kirche» tragen.
Herrnhuter Bote / daheim und draussen / Unitas Fratrum (Zeitschrift für Geschichte und Gegenwartsfragen in der Brüdergemeine) / Losungsbüchlein in 46 Sprachen.
Gesamthaft: ca. 1500 Gemeinden, ca. 760 000 Mitglieder
Europa: 32 500 Mitglieder
Brüdersozietät
Leimenstr. 10
CH-4051 Basel
Tel.: +41 (0)61 272 74 12
Europäisch-Festländische Unitäts-Direktion Hans-Beat Motel
Badwasen 6
D-73087 Bad Boll