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Mit den Germanen kamen ab dem 4. Jahrhundert neue Herren ins Land. Führende Adelsgeschlechter bauten sich Burgen und übten die Herrschaft über das Volk aus. Die freien Bauern gerieten mehr und mehr unter ihre Macht und Schutzherrschaft. Unter dem Einfluss der Landesherren und der Klöster verloren sie sehr schnell ihren Grund und Boden sowie ihre Unabhängigkeit. Im Freiamt waren es vor allem die frühen Generationen der Habsburger als Stifter des Klosters Muri (1027). Ihnen stand die hohe Gerichtsbarkeit, ja die eigentliche Landeshoheit über das Freiamt und folglich auch über unsere Gemeinde zu.
Das Kloster Muri war schon früh begütert zu Brunnwil, Grüth, Wiggwil und Winterschwil. Der Zehnten zu Wallenschwil und damit auch die dortige Kapelle – eine der ältesten der ganzen Gegend – gehörten der Pfarrkirche Muri. Die Herrschaften des Mittelalters betrieben sowohl mit Menschen als auch mit Sachgütern einen regen Handel. Der Landbesitz der Klöster wurde durch Schenkungen, Kauf und Tausch, aber auch durch die spätere Inkorporation umliegender Pfarreien stets vergrössert. Während acht Jahrhunderten, bis es 1841 aufgehoben wurde, entwickelte das Kloster Muri eine bestimmende, vielfach auch segensreiche Tätigkeit innerhalb seines Einflussgebietes. Es stellte praktisch die einzige Bildungsstätte der damaligen Zeit dar.
Der Name des Hauptdorfes Beinwil (Beinwilare) wird im Jahre 1153 erstmals erwähnt. Mit Urkunde vom 20. Januar 1239 hat ein gewisser "Hartmann Viselere" bedeutende Besitzungen und Rechte in Beinwil dem Zisterzienserkloster Kappel übertragen, um sich vorsorgliche Pflege für seinen Lebensabend zu sichern.
Die früheren Rechtsverhältnisse waren sehr verwickelt. Sie lassen sich für das heutige Gemeindegebiet wie folgt zusammenfassen: Hochgerichtlich gehörten zum Amt Meienberg die Dörfer Beinwil, Brunnwil, Wallenschwil und Wiggwil sowie die Höfe Horben und Mariahalden; zum Amt Muri das Dorf Winterschwil und die Höfe Grod, Grüth. Niedergerichtlich war Beinwil selbständig. Wallenschwil, Winterschwil, Grod, Grüth und Horben zu Muri; Wiggwil (bis ins 15. Jahrhundert selbständige Vogtei) und Mariahalden zu Meienberg.
Mit der Eroberung des Aargaus 1415 änderten sich die Verhältnisse nur insofern, als nun die regierenden eidgenössischen Orte Rechtsnachfolger der österreichischen Herzoge wurden. Der ganze Besitz der Abtei in Beinwil ging an die Stadt Zürich über. Für wenige Jahre wechselte die erworbene Herrschaft nach Luzern, bis das Kloster Muri im Jahre 1614 wieder sämtliche Rechte zu Beinwil zurückkaufen konnte. Aber auch Grafen, Vögte und Herrenhäuser besassen in den heute zur politischen Gemeinde gehörenden Dörfern Streubesitz, dessen grössten Teil die Abtei Muri nach und nach an sich brachte.
Unter dem Diktat der Eidgenossenschaft fiel das heutige Gemeindegebiet als "Gemeinde Herrschaft" den anfänglich sechs, dann sieben und schliesslich acht alten Orte zu, welche für je zwei Jahre den Landvogt stellten. Aber Vögte sind Vögte: Für die Landsleute in den "Fryen Emptern des Ergeuws" hiess es, den Nacken genauso zu beugen wie zuvor unter den Habsburgern. Nach ihrer Ernennung durch die Tagsatzung ritten die Landvögte gewöhnlich dreimal je Jahr im Untertanengebiet auf, um Frevel-, Bussen- und Appellationsgericht zu halten. Von der Einführung neuer Bussen wurde reger Gebrauch gemacht, was häufig zu Beschwerden und auch zu Unruhen im Volke führte. Gehilfen des Landvogtes waren die Untervögte und Richter (Fürsprecher) der Amtsgerichte, die von der Untertanenschaft gewählt und vom Landvogt vereidigt wurden. Die Untervögte verfügten über eine erstaunliche Machtfülle. Aus ihnen setzte sich auch das Land- oder Malefizgericht zusammen, welches kriminalgerichtliche Fälle zu beurteilen hatte, mit denen die Todesstrafe, schwere Körperstrafen oder Verbannungen verbunden waren. In den Dorfgemeinden ahndete man Holzfrevel und ähnliche Delikte.
Huwyler-Frei Erhard, Gemeindeschreiber
1987 / 1999 / 09.2006