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Portalmarkt am Scheideweg
Portalmarkt am Scheideweg
Das Portal als Produkt gibt es seit etwa 1998. Damals kamen erste "Pure-Play"-Anbieter wie Epicentric und Plumtree auf die Idee, Portallösungen als Software-Komplettpakete auf den Markt zu werfen. Es folgten weitere spezialisierte Firmen sowie, etwas später, die "grossen" Softwarehersteller - heute hat praktisch jeder von IBM über Microsoft bis SAP eine Portallösung im Portefeuille, die sich teils als Erweiterung der übrigen Softwareplattform des jeweiligen Anbieters, teils als unabhängiges Portal mit mehr oder weniger Entwicklungsaufwand implementieren lässt. Dazu kommen Portalerweiterungen zu Softwaresystemen wie Content-Management, CRM und Document-Management; auch hier bietet fast jeder Hersteller heute ein Web-basiertes Interface an, das sich meist auch zur Integration weiterer Anwendungen in die Portaloberfläche eignet.
Konsolidierung hat begonnen
Waren es zur Hochzeit des Portalmarkts um die Jahrtausendwende über hundert Anbieter, verzeichnet man heute noch rund 60 Hersteller von Portallösungen. Die Reduktion ergibt sich nicht zuletzt aus der Übernahme zahlreicher Portalspezialisten durch Software-Generalisten; so hat Novell beispielsweise die Produkte von Silverstream in die eigene Palette integriert, und Vignette hat Epicentric übernommen.
Portalpionierin Plumtree prognostiziert für die Zukunft eine Segmentierung des bisher äusserst unübersichtlichen Portalmarkts in vier klare Bereiche, die sich aus den möglichen Kombinationen von zwei Hauptmerkmalen ergeben:
Application Platform Suite (APS): Die Portalsuite setzt sich aus einer Kombination von Application Server, Integrationsprodukten und der eigentlichen Portal-Engine zusammen. Dieses Modell findet sich vor allem bei den grossen Plattformanbietern, von denen traditionell jeweils der Appserver-Teil stammt.
Smart Enterprise Suite (SES): Hier liegt der Fokus auf einer Kombination von Portal, Such- und Klassifikations-Engine, Content-Management- und Business-Intelligence-Tools sowie Kollaborationstechnologien. Die "Pure-Plays" verfolgen diesen Ansatz ebenso wie andere Nicht-Plattformhersteller.
Reine APS-Portale stammen von Plattformanbietern, deren Palette auf Software aus den tieferen Schichten der gängigen Multitier-Modelle wie Betriebssystemen, Appservern und Datenbanken fusst. Ein Beispiel ist Bea Systems. Dafür, so meint zumindest ein Plumtree-Whitepaper, liege das Augenmerk in diesen Produkten weniger auf den übrigen Komponenten des Portal-Ökosystems.
Reine SES-Lösungen kommen oft von Anbietern eben dieser übrigen Komponenten, darunter Business-Intelligence und Search Engines - Beispiele dieser Kategorie sind die Suiten von CA, Hummingbird, Vignette, Broadvision und Plumtree selbst.
Kombinierte APS/SES-Suiten finden sich naturgemäss bei Herstellern, die Software aus verschiedenen Bereichen anbieten: Es handelt sich stets um Plattformanbieter, die aber nicht bloss die Datenbank oder den Appserver im Programm haben. Dazu gehören zum Beispiel IBM, SAP, Sun, Novell und Oracle - gleichsam das Musterbeispiel, weil hier Business-Intelligence- und Suchfunktionen ohnehin im Appserver enthalten sind.
Schliesslich führt Plumtree als vierte Kategorie die "traditionellen" Portale an: Diese Produkte bieten weniger Flexibilität, da sie auf bestimmte Kombinationen von Portal und zugrundeliegender Plattform fixiert sind und nicht mit offenen Standards arbeiten. Dennoch werden auch sie weiter bestehen - für Kunden, die mit der existierenden, gut funktionierenden Kombination zufrieden sind, gibt es keinen Grund zu einem Wechsel.