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Soziale Beratung im Sinne von sozial
Es erscheint unverständlich, dass das Wort "sozial" zu einer leeren Worthülse verkommen ist. "Sozialhilfebezüger", "Sozialfall", "sozial schwach", "sozial problematisch", "Sozialpartner", "asozial", "unsozial".... eine Vielzahl an möglichen Verwendungen des Wortstammes "sozial" und alle deuten auf einen Sinn hin, welcher diesem Wort nicht gerecht wird.
Sozial im Sinne der Sozietät bzw. der einfachen Gesellschaft ist im Gesellschaftsrecht die grundlegende Form des Miteinander-Wirtschaftens und des Gewinne und Einbussen Teilens. Die altrömische societas stand stellvertretend für ein gemeinschaftliches Unternehmen, das auf Gewinn orientiert ist. Gewinn für viele und nicht für Einzelne, zumal ein societas-Berechtigter ein breites Parentel- und Klientelsystem zu unterhalten hatte. Unser soziales Verständnis knüpft an diese Tradition an und will somit eine Ausgangslage schaffen für ein gemeinsames Wirtschaften, das gemeinsame Bedürfnisse befriedigt, indem es durch gerechtere Verteilung der Ressourcen die Schaffung neuer Güter ermöglicht. Wir sind der Ansicht, dass heute die Bedingungen bestehen, moderne Wirtschaftsgüter allen Personen zukommen zu lassen und dass übertriebene Egoismen keinen Sinn mehr machen. Die vorwerwähnte anrüchige aktuelle Bedeutungsschwäche des Wortes "sozial" ist überholt.
Sozial soll die Grundlage sein, um bewährte Güter möglichst breit gefächert einzusetzen und neue Güter zu schaffen. Wie soll sich eine Durchschnittsperson auf die der modernen Gesellschaft zugehenden Herausforderungen im Bereich der Wissenschaften, der Wirtschaft, der Technologie, der Bildung, der Gesellschaftsformen und des Völkeraustausches einstellen können, wenn sie sich einen Grossteil ihrer Zeit im Güterwettbewerb und im Ressorucenkampf mit anderen Menschen befindet. Die Verteilung derselben Ressourcen ist in vielen Ländern zumindest theoretisch programmatisch und teilweise auch sozialrechtlich auf institutionell-verfassungsrechtlicher Ebene bereits verbrieft worden. Die Praxis sieht anders aus. Wie sollen sich die Talente einer Vielzahl an kreativen und intelligenten Potentiale auf neue gesellschaftliche Herausforderungen konzentrieren können, wenn sie nicht einmal Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen der modernen Beratungsgesellschaft haben.
Natürlich bewegen wir uns mit diesem Thema auf dünnem Eis. Kontroverse Themen können nicht im Rahmen einer kleinen Sozialinstitution wie der unserigen abschliessend diskutiert werden. Das ist weder unsere Aufgabe noch unsere Absicht. Unsere Aufgabe sehen wir darin, im Sinne einer Teilung von bestehenden Ressourcen Wissen und konkrete Handlungsinstrumente einer Vielzahl von Menschen in der Bevölkerung zugänglich zu machen. Unser Leuchtturm ist nicht die Sozialität im aktuellen etwas schäbigen Sinne, sondern eine moderne Deutung des Begriffes im Sinne der Teilung bereits zur Genüge bestehender gesellschaftlicher Ressourcen als notwendige Bedingung für die Begünstigung neuer kollektiver Einsichten, Erfindungen und Problemlösungskompetenzen. Sozialität ist für uns die gerechtere Verteilung des Bestehenden, um Neues zu ermöglichen.