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Ann Hiatt, herzliche Grüsse nach Spanien. Wie kam es zu dem Umzug aus den USA?
Die Kurzversion der Geschichte ist, dass ich im Urlaub einen Spanier getroffen habe. Wir sind jetzt verheiratet und ich lebe seit vier Jahren in Spanien. Ich liebe Spanien und die Ausgeglichenheit, die es in mein Leben bringt, aber ich vermisse die Nähe zu meiner Familie in Seattle. Ich bin das älteste Kind in einer grossen Familie und mir fehlen unsere gemeinsamen Feste und das Spielen mit meinen vielen Nichten und Neffen.
Wir tauchen ein in Ihre Karriere. Erzählen Sie uns bitte etwas über Ihren beruflichen Hintergrund.
Seit meinem Universitätsabschluss im Jahr 2002 arbeite ich im technologischen Umfeld. Das war nicht mein ursprünglicher Plan, aber das Aufwachsen in Seattle in den Anfängen des Internets hat mein Leben verändert. In den Gründungsjahren von 2002 bis 2005 habe ich für Amazon gearbeitet, bevor ich nach Kalifornien zog, um an der UC Berkeley ein Promotionsprogramm zu beginnen. Nach dem Studium wurde ich von Google rekrutiert und arbeitete dort zwölf Jahre lang, bevor ich nach Europa zog und mein eigenes Unternehmen gründete. Heute berate ich CEOs von Scaleup-Unternehmen in der ganzen Welt.
Wie kam es dazu, dass Sie für Jeff Bezos arbeiteten?
Ich hatte nie die Absicht, bei Amazon zu arbeiten. Ich arbeitete als Studentin am European Union Center auf dem Campus, und der Leiter dieses Programms schlug mir vor, mich dort zu bewerben, da seine Frau dort im Recruiting tätig war. Ich machte meinen Abschluss weniger als ein Jahr nach der Dotcom-Pleite, und es war sehr schwer, eine Stelle zu finden, also reichte ich meine Bewerbung ein, ohne etwas zu erwarten. Es dauerte neun Monate und drei Vorstellungsrunden, bis ich mein Jobangebot erhielt.
Mir gefällt Ihre Geschichte über den Verlauf des Vorstellungsgesprächs mit Jeff Bezos. Teilen Sie sie bitte mit der Community.
Die ersten beiden Gesprächsrunden dauerten den ganzen Tag und waren sehr anstrengend. Wir unterhielten uns zehn Stunden am Stück, sogar während des Mittagessens. Nachdem ich diese Tests bestanden und gut abgeschnitten hatte, fand meine dritte und letzte Runde mit Jeff Bezos selbst statt. Er stellte mir nur zwei Fragen. Die erste war eine Denksportaufgabe, um zu sehen, wie mein Verstand arbeitet und ob ich komplexe Aufgaben bewältigen kann. Er bat mich, die Anzahl der Glasscheiben in der Stadt Seattle zu schätzen. Danach fragte er mich, warum ich bei Amazon arbeiten wolle und wie das Unternehmen in meinen Karriereplan passe. Er stellte mich auf der Stelle ein und wies mich an den Schreibtisch, der sich am nächsten bei seinem befand.
Ein prägender Moment war, als der Hubschrauber mit Jeff Bezos abstürzte. Wie hat dieses Erlebnis Ihr Leben verändert?
Das war der schlimmste Tag meines Berufslebens, hat aber mein Lernen und mein Wachstum an einem einzigen Tag um zehn Jahre beschleunigt. Ich habe gelernt, dass ich in der Lage bin, viel mehr zu managen, als ich mir jemals vorgestellt hatte, dass ich gut in Krisen bin und dass ich Menschen führen kann, die mir weit voraus sind, und dabei einen kühlen Kopf bewahren kann. Nach dem Hubschrauberabsturz hielt auch Jeff Bezos mich für fähig, so gut wie alles zu bewältigen, und übertrug mir Aufgaben, die weit ausserhalb meiner Stellenbeschreibung, meines Dienstalters und meiner Komfortzone lagen. Das hat den Lauf meines Lebens verändert.
Google war sicherlich ein wichtiger Karriereschritt für Sie, vor allem als Sie für Eric Schmidt arbeiteten. Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an diese Zeit?
Ich war zwölf Jahre bei Google angestellt und über neun Jahre habe ich für Eric Schmidt gearbeitet. Die ersten drei Jahre war er noch CEO, die restliche Zeit war er Executive Chairman. Von Eric habe ich gelernt, unersättlich neugierig zu bleiben, unabhängig vom Titel oder Dienstalter, und dass es wichtig ist, sich regelmässig neu zu erfinden. Er tat dies viele Male und lehrte mich, dasselbe zu tun. Eric hat mir beigebracht, Ja zu sagen, wenn sich im Leben Gelegenheiten bieten – auch wenn sie anfangs beängstigend oder einschüchternd sind.
«Von Eric habe ich gelernt, unersättlich neugierig zu bleiben.»
Welche Führungskräftequalitäten haben Sie von Eric Schmidt gelernt?
Eric hat mich gelehrt, hervorragende Teams aufzubauen und viel in ihre Entwicklung zu investieren. Er hat nur die Besten eingestellt und hat ihnen dann den nötigen Freiraum gegeben. Ich versuche, das Gleiche zu tun.
Sie haben auch mit Marissa Mayer, einer der grössten Unternehmerinnen, zusammengearbeitet hast. Wie war es, mit ihr zu arbeiten? Was haben Sie von ihr gelernt?
Marissa ist eine unglaubliche Führungspersönlichkeit und hat sich sehr für ihr Team eingesetzt. Sie leitete das Consumer Product Team in den kritischsten Wachstumsjahren des Unternehmens. Wir hatten die Aufgabe, die Produkte der Zukunft zu entwickeln, die heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind – so etwa Google Mail, Maps, News, Bildersuche und vieles mehr. Marissa hat mir beigebracht, wie wichtig es ist, den Teammitgliedern zu helfen, ihr individuelles Gleichgewicht zu finden, damit sie nicht ausbrennen. Das ist eine seltene Fähigkeit, und sie hat es auf spektakuläre Weise geschafft.
Welchen Ratschlag geben Sie jungen Assistenzen, die am Anfang ihrer Karriere stehen?
Man sollte wissen, was man will, und sich nicht scheuen, danach zu fragen. Ich habe immer versucht, mich auf drei Dinge zu konzentrieren, wenn ich meine Karriere vorantreiben wollte. Erstens: Frage dich, was du in dieser nächsten Phase deiner Karriere lernen willst. Welche Fähigkeiten willst du entwickeln? Welche Teams willst du vielleicht einmal leiten? Für welches Fachwissen willst du bekannt werden? Zweitens: Welche Führungspersönlichkeit beeindruckt dich. Frage diese Person, wie du mehr mit ihm oder ihr in Kontakt kommen und seinen Führungsstil und seine bewährten Verfahren übernehmen kannst. Und schliesslich drittens: Wie kannst du dich selbst weiter verändern? Wie kannst du sicherstellen, dass du über deine derzeitige Komfortzone hinauswächst, lange bevor dich jemand dazu auffordert? Schaue auf deinen Kalender und bewerte selbst. Wenn du mehr als 75 Prozent deiner Zeit in deiner Komfortzone verbringst, dann ist es an der Zeit, dich selbst zu verändern. Noch einmal: Sei dir bewusst, was du willst, und dann frage danach! Setze auf dich selbst!
In Ihrem Bestseller «Bet on Yourself» finden sich viele Anekdoten aus Ihrem Berufsleben. Wieso haben Sie dieses Buch geschrieben?
Viele Menschen auf der ganzen Welt wünschen sich mehr von ihrer Arbeit. Sie wollen Leidenschaft, Ausrichtung und Sinn. Mein Buch «Bet on Yourself» ist eine Sammlung von Geschichten aus den Anfängen des Internets und von Momenten, die sich nie wiederholen werden. Vor allem aber ist es eine Sammlung der besten Praktiken meiner CEO-Chefs, die in ein einziges Handbuch für uns «normalen Menschen» übersetzt wurden, um jedem von uns zu helfen, sein grösstes Potenzial zu erreichen sowie Freude und Sinn in unserem Leben und unserer Arbeit zu finden. Dies ist ein Buch, das dabei helfen soll, seine eigenen Träume zu verwirklichen.
Erzählen Sie uns mehr über Ihre jetzige Arbeit als Leadership-Strategin und Beraterin.
Meine Beratungstätigkeit konzentriert sich derzeit auf Trainings. Ich halte Vorträge und führe Schulungen für Führungsteams und Offsite Meetings für Führungskräfte. Es ist eine wunderbare Fortsetzung meiner Arbeit mit einigen der interessantesten Unternehmer der Welt.
Ann Hiatt
ist eine Silicon-Valley-Veteranin mit 15 Jahren Erfahrung als Executive Business Partner für Jeff Bezos, Gründer und CEO von Amazon, und als Stabschefin von Eric Schmidt, CEO und Executive Chairman von Google. Ann Hiatt verliess Google 2018 nach zwölf Jahren im Unternehmen. Sie gründete ein Beratungsunternehmen mit CEO-Kunden auf der ganzen Welt. Ann Hiatt gibt Unternehmern und Führungskräften praktische Anregungen, wie sie eine Unternehmenskultur entwickeln können, die von unermüdlichem Ehrgeiz und Visionen geprägt ist, während sie sich gleichzeitig auf langfristigen Erfolg einstellen. Sie gibt das weiter, was sie in Sachen Innovation, Ehrgeiz, Wachstum in grossem Massstab und vorausschauende Führung bei Amazon und Google gelernt hat. annhiatt.co