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Im Oktober 2004 unterzeichnete der Europäische Rat den Vertrag über eine Verfassung für Europa, um die Vielzahl der bisherigen Verträge zu ersetzen und das rechtliche Fundament der EU klarer zu strukturieren: Die EU sollte entscheidungsfähiger, transparenter, demokratischer und bürgernaher werden.
Im Mai bzw. Juni 2005 wurde der Verfassungsvertrag jedoch in Frankreich und den Niederlanden in Volksabstimmungen abgelehnt. Im Juni 2007 einigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten im Grundsatz darauf, diesen ursprünglichen Verfassungsvertrag durch einen neuen EU-Reformvertrag zu ersetzen. Die wichtigsten institutionellen Neuerungen des Verfassungsvertrags wurden beibehalten, wodurch die Entscheidungsfähigkeit, Effizienz und verstärkte Bürgernähe einer wachsenden EU auch mit dem Reformvertrag gewährleistet sein sollten. Am 13. Dezember 2007 unterzeichneten die EU-Staaten in Portugal den neuen Vertrag, genannt «Vertrag von Lissabon», den alle Mitgliedstaaten bis 2009 ratifizieren sollten. Bei einer ersten Abstimmung im Juni 2008 lehnte die irische Bevölkerung den Vertrag jedoch ab. Nachdem der Europäische Rat Irland gegenüber einige Konzessionen gemacht hatte, liess die irische Regierung die Abstimmung wiederholen. Am 2. Oktober 2009 stiess der Vertrag von Lissabon bei den irischen Stimmberechtigten auf eine breitere Zustimmung. Nachdem auch Polen und zuletzt die Tschechische Republik den Vertrag ratifiziert hatten, trat dieser am 1. Dezember 2009 in Kraft.
Mit dem Vertrag von Lissabon wurden frühere Verträge nicht ersetzt, sondern geändert. Die neuen Grundlagen der EU heissen seither «Vertrag über die Europäische Union (EUV)» und «Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV)». Der Lissaboner Vertrag schuf das zuvor bestehende Drei-Säulen-Modell ab. Die Europäische Union ersetzte die Europäische Gemeinschaft. Mit dem Vertrag von Lissabon wurde der Posten eines ständigen Präsidenten des Europäischen Rats (Gremium der Staats- und Regierungschefs) geschaffen. Dieser übernimmt den Vorsitz der EU-Gipfel, welche mindestens vier Mal jährlich stattfinden. Im Bereich der Gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik vertritt der/die Hohe Vertreter/Vertreterin in der Union für Aussen- und Sicherheitspolitik, zusammen mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, die EU gegen aussen. Der/die Hohe Vertreter/Vertreterin ist auch eine der Vize-präsidenten und -präsidentinnen der Europäischen Kommission. Während der Europäische Rat eine/n ständige/n Präsidentin/Präsidenten hat, der jeweils für zweieinhalb Jahre (plus einmalige Verlängerung) gewählt wird, bleibt im Rat der EU (Gremium der Fachminister in verschiedenen Zusammensetzungen, auch «Ministerrat» genannt) die halbjährlich rotierende Präsidentschaft durch einen Mitgliedstaat erhalten. Einzig im Rat «Auswärtige Angelegenheiten» verhält sich dies anders; dort hat der/die Hohe Vertreter/ Vertreterin der Union für Aussen- und Sicherheits-politik den Vorsitz.