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Das Vorgehen zur Analyse der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen von Tiefenlagern ist in der raumplanerischen Beurteilungsmethodik für den Standortvergleich in Etappe 2 beschrieben (siehe Anhang). Die Methodik basiert auf einem Ziel- und Indikatorensystem, das festlegt, welche Wirkungen eines geologischen Tiefenlagers erfasst und wie diese bewertet werden sollen. Dazu wurden für die drei Dimensionen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft Oberziele sowie mehrere Teilziele mit verschiedenen Kriterien und Indikatoren (Messgrössen) definiert, mit denen die Wirkungen ermittelt und bewertet werden können. Die SÖW betrachtet jeweils die gesamte Standortregion über den Zeitraum vom Bau des Felslabors bis zum Verschluss der Anlage und veranschlagt dafür eine Dauer von 94 Jahren. Die SÖW stützt sich dabei auf möglichst objektivierbare Indikatoren ab, image-bedingte Wirkungen sind ausgeklammert. Sie werden in separaten Studien untersucht.
Wie viel von den Ausgaben für den Bau und Betrieb eines Tiefenlagers eine Standortregion aufnehmen kann, hängt einerseits von der Wirtschaftskraft (Basis: Wirtschaftskraft der Regionen 2008) und andererseits vom Anteil des Baugewerbes in der betreffenden Standortregion ab, da der grösste Teil dieser Ausgaben in den Hoch- und Tiefbau, das Ausbaugewerbe und die Metallbearbeitung fliessen.
Über den Betrachtungszeitraum von 94 Jahren generiert ein SMA-Lager (Tiefenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle) direkt sowie indirekt über Vorleistungen und Konsumausgaben der Beschäftigten eine durchschnittliche jährliche Wertschöpfung zwischen 4,4 Millionen Franken (Wellenberg) und 5,5 Millionen Franken (Jura-Südfuss). Für ein HAA-Lager (Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle) liegen die Werte zwischen 15 Millionen Franken (Zürich Nordost) und 16,3 Millionen Franken (Jura Ost) und für ein Kombilager zwischen 18,7 Millionen Franken (Zürich Nordost) und 20,3 Millionen Franken (Jura Ost).
Ein SMA-Lager generiert in den Standortregionen insgesamt eine durchschnittliche Beschäftigung von 35 Vollzeitäquivalenten (Wellenberg) und 45 Vollzeitäquivalenten (Jura-Südfuss), wobei die Beschäftigungswirkung während des Betriebs deutlich geringer ist als während des Baus des Lagers.
Bei einem HAA-Lager liegt die Beschäftigungswirkung zwischen 109 Vollzeitäquivalenten (Zürich Nordost) und 120 Vollzeitäquivalenten (Jura Ost). Der Unterschied zwischen Bau und Betrieb ist hier kleiner als bei einem SMA-Lager, da die Nagra beabsichtigt, ihren Sitz an den Standort des HAA-Lagers zu verlegen. Die Beschäftigungswirkung eines Kombilagers ist am grössten und liegt zwischen 139 Vollzeitäquivalenten (Zürich Nordost) und 153 Vollzeitäquivalenten (Jura Ost).
Ein Tiefenlager zieht Besucherinnen und Besucher an und leistet so einen positiven Beitrag zum regionalen Tourismus. Gleichzeitig ist aber mit einem Rückgang der Freizeitgäste zu rechnen, die Naturerlebnisse suchen. Insgesamt gehen die Umsätze aus dem Tourismus durch ein Tiefenlager jährlich zwischen 0,1 Millionen Franken (Nördlich Lägern) und 5,4 Millionen Franken (Wellenberg) zurück. Der hohe Rückgang im Wellenberg ist auf die hohe Zahl der Naturferiengäste zurückzuführen, denen eine geringe Toleranz gegenüber einem Tiefenlager unterstellt wird. Auch die Region Jura-Ost hätte wegen des Naturparks „Jurapark Aargau" einen hohen Anteil an Naturtouristinnen und -touristen und dadurch mit 1,1 Millionen Franken einen grösseren Wertschöpfungsrückgang.
Auch der Direktverkauf von landwirtschaftlichen Produkten könnte durch ein Tiefenlager beeinträchtigt werden. Es wird dadurch mit einem Rückgang der Wertschöpfung in der Landwirtschaft zwischen 0,1 Millionen Franken (Jura-Südfuss und Wellenberg) und 0,6 Millionen Franken (Südranden) pro Jahr gerechnet.
Ein SMA-Lager generiert in den Standortregionen ein durchschnittliches jährliches Steueraufkommen zwischen -265 000 Franken (Wellenberg) und 237 000 Franken (Jura-Südfuss). In der Region Wellenberg ist das Steueraufkommen über den Betrachtungszeitraum von 94 Jahren insgesamt negativ. Dies infolge der hohen entgangenen Steuern während des Betriebs des Lagers aufgrund möglicher negativer Effekte auf Tourismus und Landwirtschaft. Während des Baus sind die Steuererträge auch in der Region Wellenberg positiv. Für ein HAA-Lager ist mit Steuereinnahmen von jährlich rund 330 000 Franken (Jura Ost) bis 460 000 Franken (Zürich Nordost) zu rechnen und bei einem Kombilager zwischen 450 000 Franken (Jura Ost) und 670 000 Franken (Zürich Nordost). Die Steuereinnahmen sind während des Betriebs deutlich kleiner als während der Bauaktivitäten. Dies weil das Lager selbst keinen Gewinn abwirft und daher keine Unternehmenssteuern bezahlen wird.
Die Abgeltungen sind unabhängig von der Standortregion und übersteigen die Steuereinnahmen um ein Vielfaches. Sie werden gemäss den Kernkraftwerksgesellschaften für den gesamten Zeitraum von 94 Jahren auf rund 300 Millionen Franken für ein SMA-Lager, 500 Millionen Franken für ein HAA-Lager und 800 Millionen Franken für ein Kombilager veranschlagt.
Die wirtschaftlichen Veränderungen, die ein Tiefenlager in einer Region bewirkt, sind gering. Sowohl die positiven als auch negativen Wirkungen liegen über den gesamten Zeitraum vom Bau des Felslabors bis zum Verschluss der Anlage deutlich unter einem Prozent der heutigen regionalen Wertschöpfung, Beschäftigung oder des Steueraufkommens.
Die Ergebnisse des vorliegenden Zwischenberichts (SÖW Teil 1) wurden in den letzten Wochen in den Arbeitsgruppen der Regionalkonferenzen vorgestellt. Diese haben nun Gelegenheit, sich damit zu befassen und Bemerkungen anzubringen. Die Auftragnehmer werden den Zwischenbericht SÖW Teil 1 aufgrund der Inputs der Regionalkonferenzen und nach Einengung der Standortvorschläge durch die Nagra überarbeiten (Die Nagra muss gemäss Sachplan geologische Tiefenlager pro Standortregion mindestens ein Areal für die Oberflächenanlage bezeichnen. Dieser Schritt erfolgt voraussichtlich Anfang 2013.). Die ökologischen und sozialen Auswirkungen werden in SÖW Teil 2 untersucht, der nach der Einengung der Nagra-Vorschläge gestartet wird. Gemäss aktuellem Zeitplan wird der Schlussbericht zur SÖW mit allen Indikatoren im Sommer 2013 vorliegen.