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Geboren am 15. Juli 1728 in Laupheim, tritt er mit 17 Jahren als Novize ins Benediktinerkloster Wiblingen ein und legt dort 1746 Profess ab.[1] Nach Studien in Ehingen und Innsbruck wird er 1752 zum Priester geweiht. Er ist dann Seelsorger in den Klosterpfarreien Bihlafingen, Steinberg und Bronnen. Im Kloster ist er Küchenmeister, Moderator, Professor der Philosophie und der Theologie und seit 1762 Hausökonom. Am 5. Juli 1768 wird er unter dem Vorsitz des Konstanzer Weihbischofs und im Beisein der Reichsprälaten von Weingarten und Ochsenhausen zum Abt gewählt. Wiblingen ist vorderösterreichischer Mediatstand, der oberste Landesherr ist Kaiser Joseph II., dessen aufgeklärter Absolutismus schon bald zur klaren Bedrohung aller religiösen Orden wird.[2] Schon jetzt versucht der Wiener Hof, mit rigorosen Vorschriften die Selbstständigkeit der Abteien einzuschränken. Schon jetzt werden in Frankreich und Spanien die Jesuiten vertrieben. Von den absoluten Herrschern wird ihre geistige Überlegenheit und ihre soziale Einstellung gefürchtet. Der neugewählte Abt sieht diese frühen Kampfansagen an das Ordensleben wie die meisten seiner Zeitgenossen nicht als Zeichen des nahenden Endes aller geistlichen Herrschaften. Aufklärung heisst für ihn vermehrte soziale Fürsorge, Zugang aller Schichten zur Klosterschule, Freiheit der Wissenschaft. Sie bedeutet für ihn aber nicht Pressefreiheit oder gar Redefreiheit, obwohl Kaiser Joseph II. genau dies 1772 anordnet. Als der Abt 1776 den 26-jährigen ehemaligen Jesuitenschüler und Juristen Joseph Nickel wegen «Gotteslästerei» zum Tode verurteilt und ihn hinrichten lässt, löst er damit Entsetzen in der aufgeklärten Gesellschaft aus.[3] Unverständlich angesichts der Zeitumstände ist auch der Kauf von weiteren Gerichts- und Jagdrechten «um etliche 75 000 Gulden», die der P. Michael Braig als Leistung des Abtes in der Klosterchronik aufzählt. Tatsächlich wissen wir aber sehr wenig über den eher unauffälligen, zur Fülle neigenden Mann mit den freundlichen Gesichtszügen, der auch keine eigenen Schriften hinterlässt. Seine Hinterlassenschaft sind Bauten. Im verdanken wir «nicht nur allein hier den majestätischen Tempel und einen Teil des Ökonomiegebäudes, sondern auch noch das zweite Beamtenhaus und drei neue Häuser, die Kirche zu Bihlafingen, die Schulhäuser zu Donaustetten, Dorndorf, Steinberg, Stetten und Unterweiler» vermerkt P. Michael Braig in der Klosterchronik. Den Entschluss zum Bau des «majestätischen Tempels» fasst Abt Roman erst nach vier Jahren Regierung und nach zehn Jahren Bauunterbruch am Klosterneubau. Er zeigt damit den ungebrochenen Glauben an den Fortbestand der Klöster. Inzwischen ist allerdings der reiche, böhmisch geprägte Barock der ursprünglichen Kirchenplanung nicht mehr genehm. Er ist einem von der Aufklärung beeinflussten Frühklassizismus gewichen, der sich in der Neuplanung des aus dem Allgäu stammenden Baumeisters Johann Georg Specht zeigt. 1772 ist Grundsteinlegung. 1776 ist das Bauwerk für die Innenausstattung bereit. Abt Roman setzt jetzt seinen jungen Prior P. Amandus Storr für die Organisation und Leitung der Künstler ein.[4] Dieser nimmt schnell Kontakt mit dem in Ehrenbreitstein wohnhaften Maler Januarius Zick auf, der als «Innenarchitekt» nicht nur die Fresken malt, sondern der eigentliche Schöpfer der Innenraumgestaltung wird. 1781 kann der erste Gottesdienst gefeiert werden, 1783 ist Einweihung. Inzwischen hat Kaiser Joseph II. in Süddeutschland 21 Frauenklöster aufgehoben und beabsichtigt dies auch mit der gleichen Anzahl Männerklöster. Den Benediktinerabteien verbietet er «ausländische» Beziehungen und gründet deshalb eine neue vorderösterreichische Benediktinerkongregation zum hl. Joseph. Die hundertjährigen Beziehungen zu Ochsenhausen, Ottobeuren, Weingarten und Zwiefalten werden damit unterbunden. Als Kaiser Joseph II. 1790 stirbt, lässt der wenig nachtragende Abt für den «erhabenen Monarchen» ein Trauerrequiem in der Stiftskirche abhalten. In die als Folge der Französischen Revolution entstandenen Koalitionskriege wird Wiblingen erst 1796 durch französische Besetzungen und Plünderungen direkt hineingezogen. Nun häufen sich die Durchmärsche. Das Kloster wird österreichisches Feldspital. Dies, und seine seit einiger Zeit schlechte Gesundheit veranlassen Abt Roman 1797 zur Resignation. Er stirbt am 21. November 1798 im Alter von 70 Jahren und wird in seiner neuen Kirche beim Eingang begraben.
Nebst dem Schattenriss im Rahmen des Chorfreskos, er ist im Osten angebracht,[5] hängt eine Porträtdarstellung des Abtes in der nördlichen Seitenkapelle der Kirche. Das Ölgemälde zeigt ihn im Alter von ungefähr 45 Jahren. Er trägt den einfachen Benediktinerhabit. Das Pektorale weist ihn als Abt aus. Die Inschrift ist eine Widmung des Paters Michael Braig aus dem Jahr 1824.[6] Im Gemälde unten rechts ist sein Wappen zu finden, mit Rokokokartuschen gefasst und mit Krummstab, Inful und Schwert bekrönt. Das Wappen ist auch am Kuppelfresko angebracht und zeigt unter dem Wiblinger Doppelkreuz und der Mohrin von Kirchberg sein persönliches und frei erfundenes Wappen. Es zeigt in Blau eine goldene Sonne über einer naturalistisch dargestellten Sonnenblume.
Pius Bieri 2012
Literatur:
Braig, Michael: Kurze Geschichte der ehemaligen vorderösterreichischen Benediktinerabtei Wiblingen in Schwaben, Isny 1834 (redigierte Neuauflage Weissenhorn 2001).
Hosch, Hubert: Wiblingen, in: Süddeutsches Barock und Rokoko in Vergangenheit und Gegenwart. Internetpublikation 2012.
Anmerkungen:
[2] Joseph II. (1741−1790), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches 1765−1790. Aufgeklärter Herrscher mit gezieltem Ausbau des Zentralstaates und Gegner aller religiösen Orden. Er hebt in Österreich 1781 über 700 Klöster auf.
[3] Ein weiteres Todesurteil, diesmal betrifft es einen «berüchtigten Dieb», wird im gleichen Jahr gesprochen und am Galgen vollzogen. In der nahen Klarissinnen-Reichsabtei Söflingen spricht die Äbtissin 1777 drei Todesurteile. Zwei Diebe werden mit dem Schwert hingerichtet, einer wird begnadigt.
[4] P. Amandus (Johann Nepomuk) Storr wird 1743 in Ulm als Sohn des Obervogtes am Deutschordenshaus in Ulm geboren. Er stirbt 1818 in Unterkirchheim.
Werke und Leben siehe http://www.oberschwaben-portal.de
[5] Im Norden der Prior Amandus Storr, im Süden der Subprior Werner Stadler, im Westen der Ökonom oder Grosskeller Sebastian Molitor. Januarius Zick ist mit einem Schattenriss im Rahmen der Rotunde verewigt.
[6] Wahre Abbildung des Hochw. Hochgeb. Gnaedingen / Hrn. Hrn. Roman Fehr / vorletzten Praelaten in Wiblingen und Erbauer des Tempels / als Denkmal der Liebe und Dankbarkeit hieher gesetzt von / seinem letzten Profess Sohne / P. Michael Braig / d. Z. Pfarrrer in Illerrieden 1824.
|Roman Fehr (1728–1798), Abt 1762–1797 in Wiblingen|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|15. Juli 1728||Laupheim Baden-Württemberg D||Herrschaft Welden|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OSB der Benediktinerabtei Wiblingen||1628–1729|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|21. November 1798||Wiblingen (Ulm) Baden-Württtemberg D||Vorderösterreich|
|Kurzbiografie|

Die Regierungszeit des Wiblinger Abtes Roman Fehr ist die Zeit der Aufklärung und der Kampfansagen an die geistlichen Herrschaften. Der oberste Landesherr, Kaiser Joseph II., spielt eine Vorreiterrolle. 1781 säkularisiert er 400 Klöster. Abt Roman nimmt die klosterfeindlichen Zeichen wenig ernst. Er glaubt an den Fortbestand der Ordnung und beginnt 1772 mit dem Neubau der Stiftskirche. 1783 ist Einweihung. Dem gläubigen Abt verdanken wir den grossartigen klassizistischen «Tempel Gottes», einen der letzten im 18. Jahrhundert. Auf den Bau der geplanten Türme und auch auf die Vollendung des Klostergevierts im Süden muss er in der Folge verzichten. Noch erlebt der Abt die Besetzung durch Revolutionstruppen, das Ende der Klosterherrschaft fünf Jahre später bleibt ihm erspart.
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