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Bärenmärkte wurden in der Vergangenheit meist von mehreren starken Gegenbewegungen begelitet. Was sind die Charakteristika solcher Bärenmarktrallies und wo befinden wir uns heute?
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- Bärenmärkte sind völlig normal und treten im Durchschnitt alle 7 Jahre auf.
- Die letzten 13 Bärenmärkte dauerten im Durchschnitt 19 Monate und Aktien verloren dabei durchschnittlich 42%.
- Bärenmärkte ergeben sich typischerweise aus mehreren Abschwüngen, auf welche oftmals starke Gegenbewegungen folgen.
Die am Weihnachtsabend eingesetzte Rally hat letzte Woche etwas an Schwung verloren. Die diversen Aktienindices hatten seit den Weihnachtstiefs rund 15% zugelegt und verharren seither etwa auf diesen Niveaus (S&P 500 14%, Dow Jones 14.5%, Nasdaq 15.6%, DAX 10.1%, SMI 10.9%, MSCI World 13.6%) .
Die Auszeit habe ich genutzt, um zu untersuchen, wie sich Aktienpreise in den vergangen 100 Jahren in Bärenmärkten verhalten haben. Die Untersuchung beschränkt sich dabei auf den amerikanischen Aktienmarkt, da dieser vor allem im letzten Jahrhundert der mit Abstand wichtigste Aktienmarkt der Welt war und immer noch ist. Ein Bärenmarkt wird gemeinhin so definiert, dass die Aktienkurse mindestens 20% von ihren Höchstständen eingebüsst haben. Diese Schwelle wurde spätestens an Weihnachten bei praktisch allen Aktienindices weltweit erreicht.
Wer über die letzten 100 Jahre — genauer seit November 1919 — in amerikanischen Aktien investiert war, durchlebte insgesamt 13 Bärenmärkte. Im Durchschnitt also alle 7 Jahre. Die Kursverluste reichten dabei von –20.6% bis zu –86.1% (Durchschnitt –42.1%) und dauerten von nur wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren (Durchschnitt 19 Monate). Von den 13 Bärenmärkten wurden deren 9 untersucht. Die 4 nicht untersuchten Bärenmärkte* wiesen jeweils aufgrund ihrer kurzen Dauer keine Bärenmarktrallies auf und waren auch betreffend des Gesamtverlustes — mit Ausnahme des Schwarzen Montags 1987 — eher moderat. Die Eckdaten der 13 Bärenmärkte können folgender Grafik entnommen werden:
Genauso wenig wie es sich bei Bullenmärkten um eine gerade Aufwärtsbewegung handelt, vollziehen sich Bärenmärkte meistens nicht in einem einzigen Kursrutsch, sondern in mehreren mal grösseren, mal kleineren Crashs und Abverkäufen. Da diese aber oft von Angst und Panik getrieben sind, bewegen sich die Kurse in Bärenmärkten jedoch viel schneller als im vorangegangenen Aufschwung (erhöhte Volatilität).
Was also lässt sich aus den vergangenen 9 untersuchten Bärenmärkten betreffend Bärenmarktrallies für das heutige Börsenumfeld herauslesen? Insgesamt verzeichneten die 9 abgeschlossenen Bärenmärkte 39 Bärenmarktrallies. Die durchschnittliche Dauer betrug dabei 35 Handelstage und die Kurse legten im Schnitt um 17.1% zu. Um nun eine Handlungsanleitung für das aktuelle Umfeld abzuleiten, habe ich mir angeschaut, wie hoch jeweils der Verlust war, der der Bärenmarktrally voranging und wieviel dieses Verlustes dann von der Bärenmarktrally wieder wett gemacht wurde (Retracement). Die unten stehende Grafik zeigt diesen Zusammenhang anhand einer statistischen Regressionsanalyse:
Auf der X-Achse wird jeweils der vorhergegangene Verlust, auf der Y-Achse das prozentuale Retracement des Verlustes abgebildet. Die Punkte bilden dabei die jeweiligen Bärenmarkrallies ab. Der rote Punkt zeigt den Durschnitt und liegt daher auf der Trendlinie, die den statistischen Zusammenhang grafisch abbildet. Im Durchschnitt fallen die Kurse vom vorangegangenen Hoch (Allzeithoch oder Bärenmarktrally-Hoch) um -22.3% und werden dann durch die anschliessende Bärenmarktrally um 61% wieder wettgemacht.
Die erste Bärenmarktrally des momentanen Bärenmarktes wird vom gelben Punkt abgebildet. Die Bärenmarktrally, in der wir uns jetzt vermeintlich befinden, vom hellblauen Punkt. Dass es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit auch wirklich um eine Bärenmarktrally handelt, zeigt ebenfalls ein Blick in die Vergangenheit. Bryce Coward von KnowledgeLeaderCapital hat in einer aufschlussreichen Analyse gezeigt, dass wann immer die Märkte in einem Abverkauf (oder Crash) mindestens 15% verloren (19 mal seit 1968), dies a) immer in Bärenmärkten geschah und b) die Tiefs in allen 19 Fällen getestet und in 15 Fällen sogar neue Tiefs ausgebildet wurden.
Die durchschnittliche Gegenbewegung nach einem 15% Verlust ist mit 11.9% tiefer als die 17.1% bei den 39 Bärenmarkrallies seit 1919. Momentan liegen wir mit +14.0% im S&P 500 etwa in der Mitte und wir haben bereits rund 72% des vorangegangenen Verlustes wieder wettgemacht, was über dem Durchschnitt von 61% liegt.
Die momentane Rally kann zwar durchaus noch weitergehen. Sollte die Vergangenheit aber wirklich ein einigermassen zuverlässiger statistischer Indikator für das Hier und Jetzt sein, dann werden wir mit grosser Wahrscheinlichkeit keine neuen Höchststände mehr sehen, sondern müssten uns in den kommenden Wochen und Monaten mit schwächer tendierenden Märkten auseinandersetzen.
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