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„Trotz des anhaltenden Anstiegs der atmosphärischen Konzentration von Treibhausgasen ist die jährliche globale Mitteltemperatur im einundzwanzigsten Jahrhundert nicht gestiegen“ schrieb die englische Fachzeitschrift „Nature“ in ihrer Onlineausgabe von vergangener Woche. Diese Meldung wurde von den Medien aufgegriffen und mit Schlagzeilen wie „Pause beim Klimawandel“ weiterverbreitet. Klimaskeptiker frohlockten und sahen sich in ihren Annahmen bestätigt, dass der Klimawandel nicht stattfinde oder die abgegebenen Prognosen der Klimaforscher falsch seien. Doch so einfach lassen sich die unerwartet tiefen Temperarturen nicht erklären.
Amerikanische Wissenschaftler von der University of California haben herausgefunden, dass die gleichbleibenden Temperaturen mit dem vermehrt auftretenden Wetterereignis „La Niña“ (span. ‚Mädchen‘) zusammenhängen. Bei diesem Phänomen steigt kaltes Pazifikwasser auf und drängt warmes Wasser nach unten. Das kalte Wasser kühlt die Luft über dem Pazifik ab. Obwohl der tropische Ostpazifik lediglich ein Zwölftel der Erde bedeckt, erkläre seine Abkühlung nahezu vollständig, warum sich die Luft im globalen Durchschnitt in den vergangenen Jahren nicht weiter aufgeheizt habe, berichten die Klimaforscher aus Kalifornien. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sich die Temperatur in den letzten Jahren ohne den kühlenden Effekt des kalten Pazifikwassers sehr wohl erhöht hätte.
"Diese natürlichen Schwankungen im Klimasystem sind mehr oder weniger zufällig und können einige Jahr oder Jahrzehnte dauern. Wahrscheinlich werden wir uns bald wieder auf dem menschgemachten Trend bewegen; dieser Trend ist ganz klar eine Erwärmung."
Reto Knutti (Klimaforscher ETH Zürich)
Mit Computermodellen gelang es den Klimaforschern, die Klimaentwicklung der letzten Jahre präzise nachzubilden. Dabei wiesen sie darauf hin, dass die Temperatur des Ostpazifiks simultan mit der globalen Temperatur schwanke. Es sei beachtlich, dass die pazifische Kühlung die globalen Klimaschwankungen im Modell so gut nachbilde. "Die Arbeit zeigt, dass eine Abkühlung des tropischen Pazifiks eine abgebremste globale Erwärmung begründen kann", sagt Stefan Brönnimann, Klimatologe an der Universität Bern. In diesem Punkt sind sich die Wissenschaftler einig. Unklar bleibt jedoch die Frage, wohin sich die Wärme verlagert hat. Einige Klimaforscher vermuten, dass die Tiefsee einen Grossteil der Erwärmung geschluckt haben könnte.
Die globale Erwärmung sei jedoch keineswegs gestoppt worden. In „Nature“ schliessen die Klimaforscher ihren Bericht mit den Worten: „Auch wenn sich ähnliche langjährige Pausen in Zukunft wiederhohlen können, ist es sehr wahrscheinlich, dass der langfristige Erwärmungs-Trend mit der Zunahme von Treibhausgasen weitergeht.“