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Als «Politik» bezeichnet man jenen Raum, in dem die «Kultur» in einem gesellschaftspolitisch weiten Sinn mit der Welt des Ökonomischen zusammenprallt. In dieser konfliktuösen Zone werden fortwährend ökonomische Notwendigkeiten mit kulturellen Wünschbarkeiten und kulturelle Notwendigkeiten mit ökonomische Wünschbarkeiten konfrontiert.
Für die politische Rechte hat das geschäftsmässig Ökonomische Priorität, für die Linke das lebensweltlich Kulturelle. Diese Rollenverteilung zwischen linken und rechten PolitikerInnen entspricht in der patriarchalen Familie der Rollenverteilung zwischen Mutter und Vater: Der Vater bringt das Geld nach Hause und nimmt sich davon, was ihm beliebt; die Mutter nimmt das ihr zugesprochene Haushaltungsgeld und versucht, es in Lebensqualität für die ganze Familie zu transformieren.
(14.01.1998; 19.12.2017; 16.07.2018)
In dieser Brandungszone ist zurzeit nur das sanfte Plätschern des Courant normal zu hören. Was sich hier als Kultur zu halten vermag, ist sehr kongruent mit den ökonomischen Notwendigkeiten. Wer es in der Zone zu etwas bringen will, hat Wichtigeres zu tun als sich damit aufzuhalten, was kulturell – sozial, ökologisch – notwendig wäre.
Das kulturell Notwendige als Widerständigkeit im Dienst des ethisch verantworteten Menschgemässen würde hier und heute nur noch in einer kulturrevolutionären Perspektive überhaupt ins Blickfeld geraten.
Darum ist die Frage brisant, wie von oben nicht kontrollierte und kontrollierbare (sub)kulturelle Prozesse als Formen ex-territorialer Kultur in Gang kommen und sich fortentwickeln könnten.
(19.4.1999; 11.+19.12.2017; 16.07.2018)