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Als Folge des Klimawandels steigen die Wassertemperaturen in Schweizer Flüssen und Seen. Die Proliferative Nierenkrankheit (PKD) – deren Verlauf von der Wassertemperatur abhängt – wird sich dadurch bei wilden Forellen weiter ausbreiten und die Bestände zunehmend bedrohen. In diesem Projekt wurden die Faktoren, die den Verlauf und die Verbreitung der Krankheit beeinflussen, ermittelt und Massnahmen vorgeschlagen, die zu einer nachhaltigen Entwicklung der Populationen beitragen.
Pilotprojekt zur Anpassung an den Klimawandel «Entwicklung der Proliferativen Nierenkrankheit bei frei lebenden Forellen»
Ausgangslage
Die PKD ist in der Schweiz weit verbreitet, vor allem in den Flussunterläufen. Die Entwicklung dieser Krankheit ist stark abhängig von der Wassertemperatur. Ab 15 °C kann die PKD zum Tod der betroffenen Organismen führen. Mit den steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels dürfte sich die PKD bei den Forellen weiter ausbreiten. Dies gefährdet die Entwicklung der Bestände und wirkt sich nachteilig auf die biologische Vielfalt und die Fischerei aus.
Ziele
In diesem Projekt wurde die Entwicklung der PKD bei Forellen untersucht, um den optimalen Entnahmezeitraum zu bestimmen. Weiter sollten die Umweltfaktoren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen, und die Auswirkungen der Infektion auf die Fischsterblichkeit ermittelt sowie die Situation in den Waadtländer Fischzuchtanlagen analysiert werden.
Vorgehen
- Monatliche Entnahme von Fischen an vier auf zwei Flüsse verteilten Standorten und Untersuchen der Gewebeproben im Labor, um die zeitliche Entwicklung der PKD zu beurteilen
- Probenahme von Forellen an 45 Standorten des Kantons Waadt und Untersuchen des Zusammenhangs zwischen Prävalenz und verschiedenen Umweltfaktoren
- Markieren von Fischen, anschliessend Beobachten und Rückfangen zur Bestimmung der Fischsterberate
- Entnahme von Fischen in Waadtländer Fischzuchtanlagen, um sie auf PKD zu untersuchen
- Erstellen eines Klimamodells, das die Festlegung der Risikogebiete für die künftige Entwicklung der PKD ermöglicht
Ergebnisse
Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wassertemperatur ein Hauptfaktor bei der Entwicklung der PKD ist: Die Anzahl Tage mit einer durchschnittlichen Tagestemperatur von mindestens 15 °C korreliert stark mit dem Auftreten der Krankheit. Hingegen konnte kein Zusammenhang zwischen der PKD und der biologischen Wasserqualität festgestellt werden. Angesichts des Zusammenhangs zwischen Wassertemperatur und Krankheitsentwicklung wurde ein Klimamodell erstellt, das die Risikogebiete für die Zukunft aufzeigt.
Von den 45 beprobten Standorten in verschiedenen Fliessgewässern waren 19 mit der PKD infiziert. In der Regel findet sich die Krankheit nicht an Standorten, die nahe an der Quelle des Gewässers liegen. Tritt sie hingegen an einer Stelle des Gewässers auf, so verbreitet sie sich anschliessend flussabwärts. Weiter wurde festgestellt, dass die PKD zu einer Sterblichkeit von rund 40 % in den frei lebenden Forellenpopulationen führt.
In Fischzuchtanlagen tritt die PKD weniger häufig auf: Nur in einer der beprobten Anlagen fanden sich befallene Fische. Die Anlage wurde in der Folge geschlossen.
Fazit
Mit diesem Projekt konnte die optimale Anzahl Gradtage für die Probenahme von Fischen bestimmt werden. Weiter wurde das Verhältnis zwischen Wassertemperatur und Auftreten der Krankheit und damit die Auswirkung der PKD auf die Sterblichkeit unter natürlichen Bedingungen ermittelt. Der optimale Zeitraum für die Fischentnahme wurde auf Ende August bis Anfang September festgelegt. Ausserdem wurde eine Methodik zur Bestimmung der Risikogebiete definiert.
Mit den Resultaten kann die Dynamik der Krankheit in Flusssystemen besser beschrieben werden. Für weitergehende Studien sind Empfehlungen zur Methodik erarbeitet worden. Anpassungsmassnahmen wie die Beschattung der Fliessgewässer können nun gezielter auf Risikogebiete mit hoher Wassertemperatur ausgerichtet werden.
Projektträger: Fondation de la Maison de la Rivière
Pilotgebiet: Kanton Waadt
Laufzeit: 2014 - 2016
Begleitung: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 13.10.2017