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| Josef Stiglmayr, Vorbemerkung. In: Des heiligen Dionysus Areopagita angebliche Schriften über die beiden Hierarchien. Aus dem Griechischen übersetzt von Josef Stiglmayr. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 2) München 1911.

Vorbemerkung
Vorrede.
Seitdem Remigius Storf, damals Pfarrer in Hirschbrunn in Bayern, im Jahre 1877 seine Übersetzung der „Kirchlichen Hierarchie“ des Pseudo-Areopagiten in der „Bibliothek der Kirchenväter“ veröffentlichte, ist kein weiterer Versuch mehr gemacht worden, Schriften des unbekannten und doch soviel berufenen Autors ins Deutsche zu übertragen. Jetzt, da es sich um eine Neuausgabe der „Bibliothek der Kirchenväter“ handelt, wollte die Oberleitung des großen und zeitgemäßen Unternehmens wenigstens die beiden Werke des Pseudo-Areopagiten, welche zueinander in Parallele stehen, die „Himmlische“ und die „Kirchliche Hierarchie“, neu verdeutscht dem ganzen Übersetzungswerk einverleibt wissen. Daß dieser Wunsch vollauf berechtigt ist, wird niemand bestreiten, der sich mit dem Inhalt der beiden Werke nur einigermaßen vertraut gemacht hat. Wenn ihr späteres Entstehen und ihr pseudepigraphischer Charakter auch außer Zweifel steht, so enthalten sie doch eine so reiche Fülle von theologischen und philosophischen Anschauungen, liturgischen Belehrungen und kirchengeschichtlichen Momenten, daß sie immer ein hohes Interesse beanspruchen werden. Dazu kommt die außerordentlich wichtige Rolle, welche die Areopagitika in der Scholastik und Mystik des Mittelalters gespielt haben. Um die großen Theologen dieses Zeitalters zu verstehen, muß man in sehr vielen Fällen auf den „Doctor hierarchicus“ zurückgehen und ihn im Zusammenhang lesen. Gar manchen hat aber die dunkle und schwierige Sprache des Urtextes von einem tiefern Eindringen in die Ge- [S. 6] dankenwelt des Areopagiten abgeschreckt und man begnügte sich mit den Einzelzitaten, bzw. deren oft ungenauer Übersetzung.
Nach dem gegenwärtigen Stand der Dionysiusforschung müssen vor allem die Zusammenhänge erfaßt werden, welche die geistige Welt des Areopagiten mit dem Erbgut der kirchlichen Tradition und der neuplatonischen Philosophie verbinden. Eine Unmasse von Termini, Bildern, Allegorien, Ideen, Leitmotiven, welche man früher als Ureigentum des Paulusschülers vom Areopag, ja zum Teil als Inhalt von unmittelbaren Mitteilungen des Apostels betrachtete, erscheinen nunmehr als Entlehnungen aus den ebenbezeichneten beiderseitigen Quellen. Wenn man die üblichen Verweisungen in den alten Theologen liest: ut dicit Dionysius, ut dicit Hieronymus u. s. w., so mochte man auf den Gedanken kommen, daß die Väterliteratur manche mittelalterlichen Gelehrten gleichsam wie ein Waldgürtel von unabsehbarer Tiefe umgab, der ihren Horizont begrenzte und in dem alle Quellen und Bäche entsprangen, die ihnen so reichlich aus der Vorzeit zuflossen. Es war ihnen nicht beschieden, den Wald auszuwandern und jenseits desselben neue Landschatten sich dehnen zu sehen, aus denen hinwieder zahlreiche Wege und Straßen in den Wald hineinführten. Um einigermaßen beim Pseudo-Areopagiten insbesondere auf die Notwendigkeit eines solchen Weitblickes hinzuweisen, sind in den Anmerkungen mehrfach die literarischen Hindeutungen auf seine Quellen angefügt worden. Weil ich mich aber dabei auf das knappste Maß zu beschränken hatte, so mögen außer den in der Einleitung Nr. 6 erwähnten Schriften hier noch als sehr instruktive neuere Behelfe für die Dionysiuslektüre empfohlen sein:
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1) Die Gotteslehre des heiligen Gregor von Nyssa von Franz Diekamp, Münster 1896.
2) Der Einfluß Philos auf die älteste, christliche Exegese von Paul Heinisch, Münster 1908.
3) Einführung in die christliche Mystik von Josef Zahn, Paderborn 1908.
Werke vom akatholischen Standpunkt, wie „Das antike Mysterienwesen in seinem Einfluß auf das Christentum“ von G. Anrich, Göttingen 1894 und ähnliche sind gewiß lehrreich, aber mit Vorsicht zu benützen. Der neuplatonische Schriftsteller Proklus, dem Dionysius am meisten nahe steht, ist in den nachfolgenden Anmerkungen der Übersetzung durch die Schriften vertreten:
1) Procli opera, ed. Cousin Paris, 1864 (de providentia, de fato, de decem dubitationibus, de malorum subsistentia, in primum Alcibiadem, in Parmenidem).
2) Procli institutio theologica, ed. Dübner, Paris 1855.
3) Procli theologia Platonica, ed. Portus, Hamburg 1618.
4) Procli commentar. in Timaeum, ed. Schneider, Breslau 1847.
Zu den Zitaten aus den Vätern ist außer denen des Apostolischen Zeitalters die nähere Angabe nach Migne beigegeben worden, welche das Nachschlagen zu erleichtern vermag.
Feldkirch (Vorarlberg).
Jos. Stiglmayr S. J.