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Vom 30. Juni bis 10. Juli 2019 fand die 43. Tagung des Unesco-Komitees für das Weltkulturerbe in Aserbaidschans Hauptstadt Baku statt. Dabei wurde entschieden, welche der 35 Bewerber in die Unesco-Liste aufgenommen werden. Geschafft haben es 29 Stätten: 24 Kulturerbestätten, vier Naturerbestätten und ein «Mixed Site», welcher sowohl Natur- als auch Kulturerbestätte ist. Neu umfasst die Liste damit 1121 Stätten in 167 Ländern. Die Titel tragen nicht nur zum Schutz der ausgezeichneten Orte bei, sondern wirken sich in der Regel auch positiv auf die Besucherzahlen aus.
Und welche besonderen Orte sind denn nun Unesco-Kulturerbe? Wir möchten Sie nicht länger vorenthalten:
Babylon, Irak
Die Ruinen der grössten und ältesten Siedlung Mesopotamiens liegen rund 85 Kilometer südlich von Bagdad und umfassen Überreste von Dörfern und landwirtschaftliche Gebiete rund um die Stadt. Die Überreste - äussere und innere Stadtmauern, Tore, Paläste und Tempel - sind ein einzigartiges Zeugnis für eines der einflussreichsten Reiche der Antike. Ausserdem ist die Stadt mit den Hängenden Gärten (einem der sieben Weltwunder der Antike) verbunden und inspiriert seit Jahrhunderten künstlerische, populäre und religiöse Kultur auf globaler Ebene.
Bagan, Myanmar
Die Königsstadt eines frühbuddhistischen Reichs liegt an einer Kurve des Irrawaddy-Flusses in Myanmar. Die Welterbestätte per se besteht aus zahlreichen Tempeln, Stupas, Klöstern und Wallfahrtsorten, archäologischen Überresten sowie Skulpturen. Die Stätte belegt die einstige Blütezeit der Bagan-Zivilisation vom 11. bis 13. Jahrhundert nach Christus, als Bagan die Hauptstadt eines regionalen Imperiums bildete.
Ebene der Tonkrüge, Laos
Im Nordosten von Laos befindet sich eine Ebene mit über 2100 röhrenförmigen Steinkrügen, die Gläsern ähnlich sehen. In der Zeit von 500 vor bis 500 nach Christus verwendete man die Konstruktionen für Bestattungsarbeiten. Zur Stätte gehören nebst den grossen geschnitzten Tonkrügen auch Steinplatten, Grabsteine, Steinbrüche und Grabbeigaben. Es sind die wichtigsten Überreste aus einer vergangenen eisenzeitlichen Zivilisation.
Vatnajökull Nationalpark, Island
Über 1'400'000 Hektaren und somit fast 14 Prozent der Insel nimmt der Gletscher Vatnajökull, der auch eine Vulkanregion ist, auf Island ein. Im Gebiet befinden sich zehn zentrale Vulkane, von denen sich acht unter dem Gletschereis befinden und zwei zu den aktivsten auf der Insel gehören. Durch die Wechselwirkungen zwischen den Vulkanen und den Spalten, die unter der Eisdecke liegen, entstehen spektakuläre Formen und Ebenen, Canyons und Flussysteme.
Prosecco-Hügel, Italien
Die zerklüfteten Berge befinden sich im Nordosten von Italien und werden seit Jahrhunderten vom Menschen geformt und angepasst. Es ist ein Weinbaugebiet, das zur Herstellung von Prosecco genutzt wird und Wälder, kleine Dörfer sowie Ackerland umfasst. Angebaut wird auf «Ciglioni» - kleinen Rebflächen auf schmalen Rasenabschnitten –, die über die Jahre eine Schachbrettlandschaft schufen und massgeblich zum Erscheinungsbild der Landschaft beitragen.
Jaipur City, Indien
Die Stadt wurde, anders als die umliegenden, auf einer Ebene im indischen Bundesstaat Rajastan im Jahr 1727 erbaut. Als Grundlage diente ein Rasterplan, der normalerweise in den westlichen Kulturen vorherrscht. Die verschiedenen Stadtteile wiederum beruhen auf traditionellen hinduistischen Konzepten. Die Strassen zeichnen sich durch zusammenhängende Geschäfte aus, welche sich im Zentrum kreuzen und riesige öffentliche Plätze schaffen. Märkte, Stände, Wohnhäuser und Tempel, die entlang der Hauptstrassen gebaut wurden, haben einheitliche Fassaden. Jaipur wurde als Handelshauptstadt konzipiert und hat ihre lokalen Handels-, Handwerks- und Genossenschaftstraditionen bis heute beibehalten.
Ebenfalls neu aufgenommen wurden:
- Alte Standorte der Eisenmetalleindustrie, Burkina Faso
- Archäologische Ruinen der Stadt Liangzhu, China
- Budj Bim Kulturlandschaft, Australien
- Kirchen der Pskower Schule für Architektur, Russland
- Grabhügel von Dilmun, Bahrain
- Erzabbaugebirge, Tschechien/Deutschland
- Historisches Zentrum von Sheki mit dem Khan's Palast, Azerbaijan
- Jodrell Bank Observatorium, Vereinigtes Königreich/Nordirland
- Prähistorische gestreifte Feuersteinbergbauregion Krzemionki, Polen
- Landschaft zur Zucht und Ausbildung von zeremoniellen Kutschpferden in Kladruby nad Labem, Tschechien
- Mozu-Furuichi Kofun Gruppe: Hügelgräber des alten Japan, Japan
- Ombilin Kohlebergbau Erbe von Sawahlunto, Indonesien
- Kulturlandschaft Risco Caido und die Heiligen Berge von Gran Canaria, Spanien
- Königliches Gebäude der Mafra: Palast, Basilika, Kloster, Cerco-Garten und Jagdpark (Tapada), Portugal
- Heiligtum von Bom Jesus do Monte (Guter Jesus vom Berge) in Braga, Portugal
- Koreanische Neokonfuzianische Akademien Seowon, Koreanische Republik
- Die Architektur des 20. Jahrhunderts von Frank Lloyd Wright, USA
- Augsburger Wassermanagementsystem, Deutschland
- Steinschriften Áísínai’pi, Kanada
- Französisch-australische Länder und Meere, Frankreich
- Hyrkanische Wälder, Iran
- Vogelschutzgebiete entlang der Küste des Gelben Meeres bis Bohai-Golfes von China (Phase I), China
- Paraty und Ilha Grande - Kultur und Biodiversität, Brasilien
Die vollständige Liste der neu aufgenommenen Objekte finden Sie hier.
Wer ist gefährdet, wer erfüllt die Bedingungen nicht?
Den begehrten Status kann man aber auch verlieren: Immerhin beschloss die Unesco, dass der Geburtsort von Jesus in Bethlehem (Palästina) sowie die Salpeterwerke Humberstone und Santa Laura in Chile von der Liste der bedrohten Weltkulturerbestätten gestrichen werden, also im Weltkulturerbe verblieben. Auf die Liste der bedrohten Welterbestätten wurden dagegen die Inseln und Schutzgebiete des Golfs von Kalifornien in Mexiko genommen, weil man sich über das bevorstehende Aussterben der Vaquita, einem endemischen Schweinewal, sorgt. Das Natur-und Kulturerbe der Ohrid-Region in Albanien wurde geändert. Seit 1979 gehörten dazu der nördliche Teil des Ohridsees in Mazedonien und sein Hinterland sowie die Stadt Ohrid. Nun beschloss das Komitee, auch den nordwestlichen, albanischen Teil des Sees, sowie die kleine Halbinsel Lin mit dem Landstreifen entlang der Uferlinie mit der Verbindung zu Mazedonien aufzunehmen. Auf der Insel befinden sich Überreste einer frühchristlichen Kirche aus dem 6. Jahrhundert und in den Gewässern prähistorische Pfahlbauten, was wohl ausschlaggebend für diesen Entscheid war.
Beim Durchforsten der Neuzugänger-Liste fiel auf, dass einige bereits sehr bekannte, historische Orte erst jetzt von der Unesco ins Welterbe aufgenommen wurden. Das zeigt, dass nicht jede beliebige Sehenswürdigkeit den Titel tragen darf. Um das zu beurteilen, hat die Unesco einen Kriterien-Katalog herausgegeben, aus dem mindestens eine Vorgabe erfüllt sein muss, um «Unesco-Weltkulturerbe» zu sein. Die Vorgaben reichen von «die Stätte muss ein Meisterwerk des menschlichen Schöpfergeistes repräsentieren», «es muss ein herausragendes Beispiel für eine Art von Gebäude, architektonischem oder technischem Ensemble oder Landschaft sein, die (eine) bedeutende Etappe(n) der Menschheitsgeschichte veranschaulicht» oder «es muss ein hervorragendes Beispiel für bedeutende laufende ökologische und biologische Prozesse bei der Entwicklung und Entwicklung von Land-, Süsswasser-, Küsten- und Meeresökosystemen und Gemeinschaften von Pflanzen und Tieren sein». Nicht zuletzt muss man auch um Aufnahme in die Welterbeliste ersuchen.
Die Kriterien nicht erfüllt und somit nicht in die Liste aufgenommen wurden dieses Jahr beispielsweise die Versunkene Stadt Port Royal auf Jamaica oder die Grossglockner-Hochalpenstrasse in Österreich.