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Highlight 2016: Biovision-Ansatz bestätigt
Die Langzeitstudie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in Kenia zeigt, dass der biologische Anbau vergleichbare Erträge wie konventionelle Methoden bringt, bei längerfristig höherem Einkommen für die Bäuerinnen und Bauern.
Die Studie in Thika und Chuka wird seit 2007 mit lokalen Partnern durchgeführt. Der Mythos, wonach biologische Landwirtschaft mehr Fläche braucht um gleiche Erträge zu erzielen, wird von der Studie klar widerlegt. Mit niedrigeren Produktionskosten und höheren Preisen auf dem Markt wirft der kommerzielle Bio-Anbau ab dem fünften Jahr mehr Profit ab als konventionell-intensive Landwirtschaftssysteme; nach 6 Jahren ist der finanzielle Ertrag insgesamt sogar um 53 % höher. Die Studie zeigt auf, dass biologische Anbaumethoden die Bodenfruchtbarkeit verbessern. Hinzu kommt, dass die Absenz von chemischen Inputs generell positive Effekte auf die natürlichen Ökosysteme und die Gesundheit der Menschen hat. Parallele Langzeitstudien des FiBL in Indien zur Produktion von Baumwolle und in Bolivien zu Kaffee zeigen ähnlich positive Resultate für biologische Methoden. Die Forschung des Langzeit-Systemvergleichs in den Tropen (SysCom) dient dazu, wissenschaftliche Grundlagen zu den Vorteilen und dem Potenzial biologischer Methoden gegenüber konventionellen Methoden zu liefern. Das Ziel sind relevante Programme zur Entwicklung einer nachhaltigen Landnutzung.
Wissensverbreitung und Ausbildung verstärken
Die Studie in Kenia ist praxisnah ausgerichtet; sie vergleicht nicht die industrielle Landwirtschaft mit sehr spezialisierten biologischen Anbaumethoden, sondern konventionelle Anbausysteme mit Fruchtfolgenwechsel und anderen nachhaltigen Aspekten. Entsprechend sind einige der Resultate der beiden Methoden sehr ähnlich. Aber in ihrer Gesamtheit zeigt die Studie klar, dass der biologische Ansatz eine entwicklungsfähige Methode für die Tropen ist, wobei die Verbreitung von entsprechendem Wissen und praktische Ausbildungen noch weiter ausgebaut werden müssen.
Die Verbreitung von Handlungswissen zur nachhaltigen Landwirtschaft ist zentral in den Aktivitäten von Biovision zur Unterstützung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Ostafrika, um deren Lebensgrundlage zu verbessern. Biovision unterstützt die Langzeitstudie in Kenia finanziell, gemeinsam mit der Eidgenössischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), dem Liechtensteinischen Entwicklungsdienst (LED) und dem Coop Fonds für Nachhaltigkeit.
Zusätzlich zur Langzeitstudie, welche bis 2020 fortgesetzt wird, dient ergänzende Forschung direkt auf Höfen dazu, lokal angepasste landwirtschaftliche Praktiken für nachhaltige Anbausysteme zu entwickeln. Gemeinsam mit lokalen Bäuerinnen und Bauern werden verschiedene Feldversuche auf den Höfen und den wissenschaftlichen Versuchsfeldern durchgeführt, um innovative Praktiken unter realen Bedingungen zu testen und auch die Bäuerinnen und Bauern in die Forschung einzubeziehen. Die Unterstützung der Entwicklung von lokal adaptierten, nachhaltigen landwirtschaftlichen Methoden und die Verbreitung dieses Wissens an die Bäuerinnen und Bauern ist die Essenz des Farmer Communication Programmes (FCP) des Biovision Africa Trust (BvAT) in Nairobi, welcher von der Stiftung Biovision unterstützt wird.
Externe Kosten genauer erforschen
David Amudavi, der Direktor von BvAT in Nairobi, schätzt die Forschung und die nun vorliegenden Resultate der Langzeitstudie für die Förderung einer nachhaltigen Nahrungsproduktion in Afrika als sehr nützlich ein. «Diese wissenschaftlichen Belege zeigen, dass wir mit unserer Arbeit einen erfolgversprechenden Ansatz verfolgen, um die Ernährungssicherheit zu verbessern», fasst Dr. Amudavi die ersten Erkenntnisse zusammen. «Der Systemvergleich beleuchtet nicht sämtliche Aspekte des Ernährungssystems. So wäre weitere Forschung, z.B. in Bezug auf den Nährwert von Nahrungsmitteln oder die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, von grosser Wichtigkeit. Auch die externen Kosten, die von konventionellem und chemie-intensivem Anbau verursacht werden – Kosten für die Umwelt, Klimawandel und die Gesundheit der Menschen –, müssten dringend genauer erforscht werden», forderte Dr. Amudavi an der Präsentation der SysCom-Resultate im Juni in Kenia. Mehr lokal adaptierte, nach den Prinzipien der Agrarökologie ausgerichtete Anbausysteme, müssen noch entwickelt werden. Aber in der globalen Agrarforschung haben Biolandbau-Methoden immer noch einen marginalen Stellenwert. Hier besteht riesiger Forschungsbedarf, der vor allem von Staaten finanziert werden muss, da die Agroindustrie an diesen Methoden kaum Interesse zeigt. Nachhaltige Anbausysteme zu entwickeln, um den Hunger zu stoppen und die Nahrungssicherheit weltweit zu verbessern, ist ein zentrales Anliegen in der Agenda 2030 und von Biovision.
Auch aus Sicht des DEZA-Vertreters in Nairobi, Lukas Rüttimann, ist die SysCom-Studie ein wichtiger Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der UNO: «Vor allem um dem Ziel 2 näherzukommen: Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern», so Rüttimann, «brauchen wir belastbare wissenschaftliche Studien. Daher ist dieser Systemvergleich sehr wertvoll für die weitere Entwicklung nachhaltiger Anbausysteme in Ostafrika.»