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Der Biber
In den Schweizer Fliessgewässern war der Biber (Castor fiber) einst zahlreich und weit verbreitet. Seines Fells und seines Fleisches wegen wurde er jedoch bejagt. Er galt in der damals streng gläubigen Zeit als Fisch und durfte in Klöstern und von Kirchenvertretern selbst während der Fastenzeit gegessen werden. Begehrt war auch das Bibergeil, ein Drüsensekret, das der Reviermarkierung dient und als Medikament für eine Vielzahl von Leiden eingesetzt wurde. Anfangs des 19. Jh. verschwand der Biber wegen starker Übernutzung der Bestände und dem Verlust seiner Lebensräume aus weiten Teilen Europas, so auch aus der Nordwestschweiz.
Der Biber ist als Nagetier ein reiner Pflanzenfresser und ernährt sich von Rinden, Blättern und Ästen von Weiden, Pappeln und anderen Gehölzarten. Mit seinen Nagezähnen, die auf der Vorderseite einen orangenen und harten Zahnschmelz aufweisen, raspelt er ganze Baumstämme durch. Der Biber ist dämmerungs- und nachtaktiv. Der breite Schwanz, die Biberkelle, ist gleichzeitig Ruder beim Schwimmen, Fettdepot für den Winter und Kommunikationsmittel, indem die Biber bei Gefahr mit der Kelle auf das Wasser schlagen. Die Vorderpfoten sind mit kräftigen Krallen ausgestattet, die Hinterpfoten sind grösser und besitzen Schwimmhäute.
Schutzmassnahmen und Wiederansiedlung
In den Jahren 1958 bis 1977 wurden in der Schweiz über 140 Biber ausgesetzt. Seit 1962 steht der Biber schweizweit unter Schutz. Heute sind Biber in der West- und Ostschweiz wieder zahlreich. Aufnahmen aus den Jahren 2007/2008 haben den Bestand auf 1600 Tiere geschätzt.
Auch in der Nordwestschweiz ist der Biber auf dem Vormarsch. Im Jahr 1996 wurde aus dem Rechen des Kraftwerks Augst ein Biber gerettet. 200 Jahre nachdem der letzte Biber in der Birs erlegt wurde, lancierte Pro Natura Baselland die 10-Jahre-Aktion «HALLO BIBER», welche 2010 zu Ende gegangen ist. Das Projektziel, durch Revitalisierungen und die Entfernung von Wanderhindernissen Lebensräume für den Biber zu schaffen, wurde erreicht. Jungbiber, welche die Familie verlassen, können sich heute wieder auf verschiedenen Strecken der Fliessgewässer niederlassen. Der Biber hat den Weg zurück in die Birs und in die Ergolz gefunden.
Aktiver Gewässergestalter
Wenn der Biber genügend Platz hat, staut er Fliessgewässer und erhöht dadurch den Wasserspiegel. Der Eingang zu seinem Bau kann nur unter Wasser erreicht werden. Der Staudamm besteht aus Ästen, Zweigen und Schlamm. Mit dieser Tätigkeit schaffen sie verschiedene Kleinstrukturen, welche auch anderen Tier- und Pflanzenarten in und am Gewässer zugute kommen. Der Biber wird deshalb auch als Ökosystem-Ingenieur bezeichnet.
Zwischen dem Biber und dem Menschen können auch Konflikte entstehen. Uferwege und Kulturland können beim Einstürzen unterirdischer Biberbauten beschädigt werden. Das Aufstauen von Kleingewässern kann zu einer Vernässung von Kulturland und Waldflächen führen. Ein Uferstreifen von 10 bis 20 Metern Breite, bestehend aus einem standortgerechten, artenreichen Kraut- und Gehölzstreifen, welcher extensiv als ökologische Ausgleichsfläche genutzt wird, kann Konflikte mit dem Biber am nachhaltigsten vermeiden.
Fischotter
Früher war der Fischotter (Lutra lutra) in den Schweizer Seen und Flüssen häufig anzutreffen. In der Region Basel siedelte er beispielsweise an der Hinteren Frenke bis Reigoldswil, an der Ergolz und am Violenbach in Augst. Sein langer, spindelförmiger und wendiger Körper ist optimal ans Leben im Wasser angepasst. Zum Schwimmen setzt er seinen muskulösen Schwanz sowie seine mit Schwimmhäuten ausgestatteten Pfoten ein. Aufgrund seiner heimlichen Lebensweise erkennt man seine Anwesenheit oft nur durch seine Spuren im Schlamm oder durch seine Losungen (Kot), welche er zur Reviermarkierung an exponierten Stellen absetzt.
Als Fischräuber ausgerottet
Der Fischotter ernährt sich vorwiegend von Fischen, aber auch Kleinsäuger, Vögel und Lurche stehen auf seinem Speiseplan. Er galt als Fischräuber. Bei einer Änderung des Fischereigesetzes wurde 1888 beschlossen, alle fischereischädigenden Tiere auszurotten. Für das Erlegen von Fischottern wurden Prämien ausgesetzt. Dank naturschützerischen Bemühungen steht der Fischotter seit 1952 unter Schutz. Trotz Jagdverbot konnten sich die Restpopulationen aber nicht mehr halten. Lebensraumverlust, Belastung durch PCB (Polychlorierte Biphenyle) und sinkende Nahrungsressourcen haben sein Aussterben in der Schweiz besiegelt. 1989 wurde der letzte Hinweis auf einen Fischotter am Neuenburgersee gefunden.
Aktuelle Beobachtungen in der Schweiz
Seit Ende 2009 konnte beim Kraftwerk Reichenau (GR) mehrmals ein Fischotter dank der automatischen Videoüberwachung des Fischaufstiegs nachgewiesen werden. Ob der Fischotter aus Bayern oder aus dem Tirol zugewandert oder aus der Gefangenschaft entflohen ist, ist noch ungeklärt. Im Jahre 2005 entwischten Fischotter aus dem Tierpark Dählhölzli in Bern, deren Nachfahren sich im Aareraum halten konnten. Die Fischotterpopulationen in unseren Nachbarländern Frankreich (Savoyen) und Österreich (Tirol) sind wieder im Wachstum begriffen, und aus diesen Gebieten könnte eine natürliche Wiederbesiedlung erfolgen. Mit einer Rückkehr des Fischotters in die Region Basel kann aber erst gerechnet werden, wenn genügend intakte und weiträumig vernetzte Gewässer vorhanden sind.
DK / JS