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An COVID-19 erkrankte Männer benötigen annähernd dreimal so häufig eine invasive Beatmung wie Frauen. Sollten das körperliche Geschlecht bei der Verteilung des Impfstoffs demnach eine größere Rolle spielen? Ein Impuls des Assistenzarztes Niklas Graßl.
Die Mitteilung der Infektions- und Todeszahlen ist zu einem täglichen Ritual in den Medien geworden. Daher überrascht es, dass die signifikant höhere Mortalität von Männern in der Öffentlichkeit bislang kaum diskutiert wurde. Das Risiko eines tödlichen Verlaufs steigt drastisch mit dem Lebensalter von unter 0,3 Prozent bei den unter 59-Jährigen auf 15,6 Prozent bei den über 90-Jährigen. Ein weiterer leicht zu erfassender Risikofaktor für einen schweren Verlauf ist männliches Geschlecht. Das Risiko an COVID-19 zu versterben, ist für Männer 1,6-fach höher als für Frauen. Über zwei Drittel der Patienten mit COVID-19 auf einer Intensivstation sind Männer.
Das Auseinanderklaffen ist nach derzeitigem Kenntnisstand auf Unterschiede im Immunsystem von Frauen und Männern zurückzuführen und nicht auf Vorerkrankungen. In der Fachliteratur wird daher diskutiert, innerhalb einer Alterskohorte präferentiell Männer zu impfen. Ginge es bei der Zuteilung des Impfstoffs ausschließlich um die Vermeidung von Todesfällen oder schweren Verläufen, ergäbe sich die Priorisierung von Männern innerhalb einer Alterskohorte unmittelbar aus diesen Daten. Haben diese Erwägungen Eingang in das Positionspapier der gemeinsamen Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Ständigen Impfkommission (STIKO), des Deutschen Ethikrats und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gefunden? Erkennbar jedenfalls nicht und es stellt sich die Frage, ob dabei politische Erwägungen und nicht medizinische Aspekte ausschlaggebend waren.