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Wasser ist einer der wertvollsten Rohstoffe. Als Wasserschloss Europas hat die Schweiz für saubere Gewässer zu sorgen. Die Kläranlagen sind für diesen Kreislauf essenziell und entfernen Schadstoffe von Haushalten und der Industrie. Die FN waren bei der ARA Freiburg zu Besuch.
Was passiert mit den menschlichen Ausscheidungen nach dem Spülen? Mit den im Wasser gelösten Badesalzen und den Essensresten in der Bratpfanne? Schmutz und Schadstoffe verschwinden in einer unscheinbaren Röhre und sind dann aus den Augen, aus dem Sinn.
Jede Schweizerin und jeder Schweizer nutzt pro Tag rund 287 Liter Wasser (Stand: 2021) laut Bundesamt für Statistik. Das Abwasser kann für Infrastrukturen wie das Funiculaire benutzt werden, gelangt schliesslich aber wieder in die Natur. Vorher legt es jedoch noch einen Zwischenhalt in einer Abwasserreinigungsanlage (ARA) ein.
Durch die Kanalisation…
In der Kläranlage werden Schmutzpartikel und Schadstoffe entfernt, weiss Laurent Sciboz, Chef der ARA Freiburg. «Die Kanalisation sammelt das Abwasser und leitet es in die ARA, zum einen von den Haushalten der Stadt Freiburg, zum anderen aber auch von den wasserintensiven Industrien.» So habe Cremo eine eigene Pipeline, die direkt zur ARA führt. Das Abwasser von Cremo wird speziell von Fetten gesäubert. Die Reinigungsanlage Freiburg reinigt das Abwasser von Grossfreiburg. Villars-sur-Glâne und Marly haben eigene Kläranlagen, die sich allerdings in der Grösse unterscheiden. «Im Verhältnis ist die ARA Freiburg gross, wenn man bedenkt, dass manche Kläranlagen nur einen einzigen Raum in Anspruch nehmen», so Sciboz.
…über Regenwasser…
Unterschieden werde zwischen zwei Arten von Kanalisationssystemen: zwischen dem Trennwasser- und dem Mischwassersystem. «Die Stadt Freiburg besitzt ein Mischwassersystem», sagt Sciboz. Das heisst, dass dem Abwasser Regenwasser beigefügt wird, bevor es in die ARA gelangt. «Bei starkem Regen leiten wir das Regenwasser in unsere zwei Regenwasserbecken», so der 51-Jährige. Regnet es stark, könne es vorkommen, dass die Becken das ganze Regenwasser nicht mehr auffangen können. «Die Becken laufen über und das überlaufende Wasser wird in die Saane geleitet», sagt Sciboz. Vorher werden mitgeschwemmte Gegenstände herausgefiltert.
… bis zur ARA
Was nicht in die Natur gelangt, ist das Abwasser. Der Reinigungsprozess ist hochkomplex und bildet einen sich wiederholenden Kreislauf. Nachdem grobe Unreinheiten aus dem Wasser entfernt wurden, werde die Sedimentation genutzt. «Schwere Partikel sinken auf den Boden und leichte schwimmen auf der Oberfläche», so Sciboz. Beide Absonderungen werden abgepumpt, weiter behandelt und in Lagerhallen zwischengelagert. Damit die Stadt Freiburg nicht von unangenehmen Gerüchen gestört wird, werde diese Abluft gereinigt.
In einem weiteren Schritt kommen Bakterien zum Einsatz, um das Wasser von Nitrat zu befreien und organische Stoffe abzubauen. «Sie sind sehr empfindlich und es müssen optimale Bedingungen vorherrschen», so Sciboz. Dies werde durch ständige Überwachung und regelmässig analysierte Proben gewährleistet.
Nach der biologischen Reinigung durch Bakterien wird das Wasser beruhigt, sodass Unreinheiten auf den Boden sinken können. «Dieser Schlamm wird abgepumpt und der Schlammbehandlung beigefügt», so Sciboz. Der durch den ganzen Klärungsprozess anfallende Schlamm werde dem Wasser mithilfe von Zentrifugen entzogen, eingedickt und in die Biogasanlage beigefügt. In zwei kegelähnlichen Türmen gärt der Klärschlamm bei etwa 38 Grad vor sich hin und produziert so pro Monat rund 200’000 kWh Energie. «Der Hauptteil des Biogases wird dem freiburgischen Erdgassystem beigefügt, ein Teil wird bei der ARA in Elektrizität umgewandelt.» Was nach dem zwanzigtägigen Gärungsprozess übrig bleibt, wird eingetrocknet, bis zu einem Feuchtigkeitsanteil von 25 Prozent. «Das Endprodukt wird in der Verbrennungsanlage SAIDEF entsorgt.»
Richtwerte und Potenzial
Das zu mehr als 98 Prozent gereinigte Abwasser wird nach erneutem Durchlaufen des Reinigungsprozesses in die Saane entlassen. «Eine hundertprozentige Reinigung ist leider nicht möglich», so Sciboz. Man halte sich aber strikt an die vom Kanton und Bund vorgegebenen Richtwerte. Diese belaufen sich auf eine Schadstoffbelastung von wenigen Milligramm pro Liter. «Phosphor zum Beispiel darf nicht mehr als 0,8 Milligramm pro Liter übersteigen», weiss Laurent Sciboz. «Es kommt immer auf die Konzentration und die Menge an.»
Um das Abwasser noch gründlicher zu reinigen, geht die ARA aber bald noch einen Schritt weiter. «Wir arbeiten daran, auch Mikroverschmutzung, Medikamentenrückstände und Mikroplastik aus dem Wasser zu entfernen», so Sciboz. Im Wasser gelöste Medikamente wie Antibiotika werden momentan nicht entfernt. «Fische nehmen Antibiotika auf und werden damit kontaminiert und schlussendlich landen die Rückstände wieder beim Menschen», so Sciboz weiter. Die neue Anlage solle ab 2025 in Betrieb genommen werden.
Fakten und Zahlen
Antibiotika in Schweizer Gewässern
Laut dem Bundesamt für Umwelt sind bei 15 Prozent der Grundwassermessstellen Arzneimittel gefunden worden. Die Kanalisation und Kläranlagen werden als Grund angegeben, wieso Medikamentenrückstände im Grundwasser zu finden seien, da diese das gereinigte Abwasser in Flüsse und Seen ableiten. Antibiotika und Röntgenkontrastmittel werden am häufigsten nachgewiesen.
Antibiotika sind ein gängiges Medikament in der Tier- und Humanmedizin, aber auch in der Landwirtschaft. Vor der Problematik der resistenten Bakterien stehen auch Kläranlagen. Laut Bundesamt für Gesundheit halten die Reinigungsanlagen einen grossen Teil der resistenten Bakterien zurück. Dennoch besteht in der Nähe von Kläranlagen eine erhöhte Konzentration von Antibiotika und resistenten Keimen. Wie in der ARA Freiburg sollen in Zukunft auch schweizweit Mikroverunreinigungen besser neutralisiert werden.