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Am Donnertag und Freitag liegt der Alpenraum in einer ausgeprägten Westwetterlage. Wir schauen uns an, was sich hinter dem oft verwendeten Begriff verbirgt. Was kann man bei Westwetterlagen typischerweise erwarten, was nicht?
Wetter
Am Donnertag und Freitag liegt der Alpenraum in einer ausgeprägten Westwetterlage. Wir schauen uns an, was sich hinter dem oft verwendeten Begriff verbirgt. Was kann man bei Westwetterlagen typischerweise erwarten, was nicht?
Die Westwetterlage (auch Westlage) beschreibt in der Meteorologie eine Wetterlage, bei der sich über mehrere Tage hinweg über Europa eine kräftige, von West nach Ost gerichtete Strömung einstellt. Sie ist sowohl in den bodennahen Luftschichten als auch in den höheren Bereichen der Troposphäre ausgeprägt. Überwiegt dabei der Tiefdruckeinfluss, so handelt es sich um eine zyklonale Westlage.
Bei einer zyklonalen Westwetterlage stellt sich ein wechselhafter und oft windiger Wettercharakter ein. Ziehen Tiefdruckgebiete mit ihren Frontensystemen von West nach Ost durch, so gibt es den typischen, bekannten Wetterablauf: Aufzugsgebiet vor der Warmfront, Durchzug der Warmfront, Warmsektor, Durchzug der Kaltfront, Rückseitenwetter hinter der Kaltfront.
Tiefdruckbestimmte Westlagen kommen in der Schweiz häufig vor. Dies ergibt sich aus den globalen klimatologischen Randbedingungen, liegt der Alpenraum doch inmitten der Westwindzone der Mittleren Breiten. Zu allen Jahreszeiten sind Westwetterlagen in der Schweiz sogar der häufigste Grosswetterlagentyp:
Bei einer zyklonalen Westwetterlage ist die Wetteraktivität auf der Alpennordseite erheblich grösser als auf der Südseite. Grund dafür sind die Alpen, die in der Schweiz beinahe in West-Ost-Richtung verlaufen, die Westalpen allerdings nach Süden ausgreifen und eine Strömungsbarriere bilden. Auch die ostalpinen Regionen stehen unter geringerem Einfluss westlicher Winde.
Der Jura und die Voralpen sowie das Berner Oberland haben bei Westlagen meist ziemlich feuchte Verhältnisse. Bei nicht allzu aktiven Lagen bekommen die Regionen vom Haslital über Uri-Süd und Glarus-Süd und praktisch ganz Nord- und Mittelbünden inklusive dem Unterengadin und ausserdem die Walliser Alpen deutlich weniger Wolken ab. Abseits von lokalen Schauern und Gewittern ist die Niederschlagsbereitschaft im Mittel- und Südtessin stark vermindert, ebenso im Oberengadin und in den Südbündner Tälern. Hier bleibt das Wetter am freundlichsten und es können durchschnittlich die meisten Sonnenstunden verbucht werden.
Westwetterlagen bringen im Winterhalbjahr häufig milde Meeresluft vom Atlantik zu den Alpen. Im Sommer wird Westwindwetter im Flachland der Alpennordseite als kühl empfunden. Kippt die Strömung ein bisschen mehr auf Südwest (genannt Westsüdwest), so stellt sich im Winterhalbjahr die wärmste Wetterlage für das Flachland ein.
Ausgesprochen mild
Auch von gestern auf heute hat sich genau solch eine milde Westsüdwestströmung eingestellt. Damit blieb es während der Nacht für die Jahreszeit zum Teil ausgesprochen mild, vor allem in Regionen, wo sich der warme Südwestwind durchsetzen konnte. In Delémont sank die Temperatur in der letzten Nacht nicht unter 13.5 Grad, in Basel-Binningen nicht unter 13.6 Grad. Als der Wind auffrischte, gab es in Delémont mitten in der Nacht sogar wieder einen Temperaturanstieg auf 19.4 Grad.
Betrachtet man den Zeitraum Vortag 18 UTC bis 06 UTC aktueller Tag wurde damit in Delémont und Basel-Binningen die jeweils zweitwärmste Märznacht seit Messbeginn aufgezeichnet. Dies, nachdem nur eine Woche zuvor die Nacht auf den 24. März 2023 z.B. in Genf und Neuchâtel für den Monat März rekordwarm ausfiel. Weiter östlich wurde letzte Nacht beispielsweise in Cham die drittwärmste, in St. Gallen die fünftwärmste Märznacht seit Messbeginn registriert (bezogen auf den Zeitraum Vortag 18 UTC bis 06 UTC aktueller Tag).
Grund für die sehr milde Nacht ist die herangeführte Luftmasse, welche ursprünglich aus der Region der Kanaren und des subtropischen Atlantiks stammt. Die Warmluft sorgte in Spanien und Südfrankreich bereits für Temperaturrekorde und strömte vor dem Aufzug von Schauern und Gewittern bis zu uns in die Schweiz.
Getrübte Luft
Nicht nur milde Subtropikluft kam in den letzten zwei Tagen zu uns, sondern auch etwas Saharastaub. Dies ist für Westwetterlagen eher ungewöhnlich, aber nicht ausgeschlossen, wenn sich einige Tage zuvor schon Saharastaub auf den Weg nordwärts gemacht hat und dann in die Westwinddrift einbezogen wird.
Mehr zu den verschiedenen Wetterlagen in der Schweiz gibt es auch in unserer Broschüre.