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„Leas Augen waren zart“ (Gen 29,17)
Das ist die wörtliche Übersetzung des hebräischen Textes. Aber was sind „zarte Augen“? Die meisten Interpretationen stellen sich etwas Unattraktives darunter vor: matt, glanzlos, als sei Lea geistig ohne Interesse, oder kurzsichtig, schielend, als sei Lea körperlich eingeschränkt. Daneben steht die strahlende, vitale Schönheit Rahels.
Einzig die Bibel in gerechter Sprache deutet dieses „Zarte “ als „zärtlich“. Damit bekommt die Geschichte eine neue Wendung. Stellen Sie sich vor: als Jakob zu seinem Onkel Laban kommt, verliebt nicht nur er sich in Labans jüngere Tochter Rahel. Zugleich verliebt sich Lea in Jakob. Dass sie ihn zärtlich anblickt, merkt er nicht. Dafür merkt Vater Laban, wie zärtlich Leas Augen auf Jakob blicken. Lea tut alles, damit ihre Liebe erwidert wird. Hat sie den Vater gebeten, ihr zur Ehe mit Jakob zu verhelfen? Dann wäre das ein autonomer, emanzipierter Weg im Rahmen der damaligen Möglichkeiten! Laban will Lea zu ihrem Liebesglück verhelfen und verheiratet sie vor Rahel mit Jakob. So bekommt auch der Betrug an Jakob seinen väterlich-fürsorglichen Sinn.
Und Leas Liebe wird reich mit Kindern gesegnet, während Schönheit für ein glückliches Leben letztlich doch nicht genügt...(Gen 30,1-3)