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In diesen Tagen jährt sich zum fünften Mal der Beginn des „Arabischen Frühlings“ in Ägypten. Die Lebenssituation hat sich nicht verbessert, die Forderung des Volkes nach Brot, Freiheit und Gerechtigkeit, nach einem besseren Schulsystem und einer breiten Gesundheitsversorgung, nach Arbeit und Bekämpfung der Korruption bleibt. Oberste Priorität hat die Verbesserung der Sicherheit im ganzen Land. Darunter leiden aber die Presse- und Meinungsfreiheit.
Investitionen erfolgen zögerlich, niemand möchte Risiken eingehen. Viele Dörfer im ländlichen Oberägypten sind stark unterentwickelt, leiden unter Armut und Arbeitslosigkeit und haben nur minimen Zugang zu Dienstleistungen. Die Armutsrate liegt bei 43,7 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei 85 Prozent. 57 Prozent der rund 84 Millionen Einwohner leben auf dem Land, in der Provinz Minia sind es sogar über 80 Prozent.
Anfangs 2013 startete St. Mark Development (NGO), das Sozialwerk der Koptischorthodoxen Kirche von Minia, mit unserer Unterstützung ein für sie neues Projekt: 60 arbeitslose junge Männer und Frauen lernten einen Beruf, indem sie ein Jahr lang bei einer Fachperson in die Lehre gingen. Sie besuchten dazu Rechen- und Schreibkurse und wurden eng begleitet von den Projektverantwortlichen. Bis jetzt arbeiten immer noch über 80 Prozent, und das Projekt läuft weiter. Derzeit sind rund 180 Junge in der Ausbildung, dank der Unterstützung eines deutschen Hilfswerks.
Ein anderes Projekt geniesst ebenfalls hohe Priorität: Mikrokredite. Auch hier geht es darum, die Lebenssituation zu verbessern und den Menschen in Oberägypten Hoffnung auf eine Zukunft zu geben. Die meisten Arbeitsmöglichkeiten bietet der Agrarbereich, nur wenige gibt es in der Industrie oder im Dienstleistungssektor.
St. Mark hat bereits Erfahrung mit Mikrokrediten und möchte dieses Angebot erweitern. Für die Aufnahme in ihr Programm gelten mehrere Kriterien: arbeitslos, 21 bis 65 Jahre alt, absolvierter Militärdienst, guter Ruf, Empfehlung der Dorfgemeinschaft und Garantie eines Dorfbewohners, Erfahrung in der geplanten Tätigkeit und Projektumsetzung in der Region. Das tägliche Einkommen sollte nicht mehr als zwei Dollar betragen.
Diese Männer und Frauen werden geschult. Sie bringen Wissen und Erfahrung mit, die Projektverantwortlichen klären die Bedürfnisse in der Umgebung mittels Marktforschung ab. Dies begünstigt eine erfolgreiche Umsetzung des geplanten Projekts. Sie werden während der ganzen Zeit fachkundig begleitet. Mit den zurückbezahlten Mikrokrediten können wieder neue Kleinst-Unternehmer gefördert werden. Mit jeder Person, die dank eines Mikrokredits eine Existenz aufbauen kann, profitiert eine ganze Familie. Für ein Dorf in Oberägypten bedeutet jede Familie, die nicht mehr am Existenzminimum lebt, eine grosse Stütze für die Gesellschaft. So hilft sie mit, das Dorf zu entwickeln und die Abwanderung zu verhindern. Es ist quasi eine Revolution im Kleinen, Mikro halt.
Spendenvermerk: Mikrokredite für Minias Dörfer