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Es begann im Januar 1905 im Polizeigefängnis der weissrussischen Provinzstadt Gomel. Dort sass der Gymnasiast Jakob Kowner ein, nachdem er gegen den Zaren demonstriert und revolutionäre Flugblätter verteilt hatte. Vater Boris Kowner war ein weitsichtiger und entschlossener Mann. Als Müller und Getreidehändler hatte er es zu einem gewissen Wohlstand gebracht und Erfahrung im Umgang mit Behörden gewonnen. Die Hoffnung des NZZ Redaktors auf eine Zukunft mit Fortschritt und Demokratie teilte er offenbar nicht. Deshalb setzte er alles daran, seinen hoffnungsvollen jüngsten Sohn ausser Landes zu bringen. Ihn aus Polizeihaft herauszubekommen dürfte das Einfachste gewesen sein. Schwieriger war es Russland zu verlassen. Dafür brauchte es Pass und Visum, was damals in Europa sonst nur noch im Osmanen Reich nötig war. Ein Russe bekam aber nur einen Pass, wenn der dreijährige Militärdienst geleistet war. Zu diesem Zweck verpasste man ihm Zivilstands amtlich das Geburtsdatum eines früh verstorbenen drei Jahre älteren Bruders und auf verschlungen Wegen konnten auch die Papiere beigebracht werden, welche ihm die nötige Dienstzeit im Heer des Zaren bescheinigten.
1913 eröffnete Jakob Kowner an der Torgasse 4 im damals neu erbauten Odeongebäude sein eigenes Ingenieurbüro. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges bedeutete einen doppelten Glücksfall: Wäre er in Deutschland geblieben, hätte dies Gefangenenlager bedeutet. In der Schweiz wurde dagegen die Elektrifizierung beschleunigt, da die Kohle knapp und teuer wurde. Als Ausländer wurde er auch nicht zum Militärdienst verpflichtet.
Sein Durchbruch erfolgte im Jahr 1916. Am 4.Januar wurde die Firma Jakob Kowner Elektrische Anlagen im Handelsregister eingetragen, hatte also offenbar die Umsatzgrenze erreicht, die dazu verpflichtete. Im gleichen Jahr wurde er von der Gemeinde Egg ZH eingebürgert, Verdienste halber unter Erlass der Einbürgerungsgebühr. In diesem Jahr hatte er die Gemeinde Egg elektrifiziert. Dies dürfte sein erster grösserer Auftrag gewesen sein. Das Problem war damals, das nötige Kupfer aufzutreiben. Dies scheint ihm gelungen zu sein, führte ihn aber 1918 beinahe in den Ruin, denn mit dem Kriegsende waren seine Vorräte plötzlich nur noch einen geringen Bruchteil des Anschaffungspreises wert. In den 20er Jahren hat er sich wieder von diesem Rückschlag erholt.
Ein wichtiger Auftrag war die Planung und Erstellung der elektrischen Anlagen für die Tramlinie nach Oerlikon.
In den 30er Jahren finden wir Jakob Kowner in Besitz verschiedener Liegenschaften. Die Firma Kowner bestand zu jener Zeit nur noch aus Ihm und einem Lehrling. Jakob Kowner brachte das Material mit dem Tram auf die Baustelle. Was dazu führte, dass bei seiner Hochzeit 1935, die junge Gattin Odette Hungerbühler das Geld für die Eheringe vorschiessen musste. Dies war die Krise Nummer 2. Er hat auch diese überstanden.
Die Abwertung des Schweizerfrankens und sodann der Ausbruch des 2. Weltkrieges, brachten neue Gelegenheiten für gute Geschäfte. Die Firma war nun als „wehrwirtschaftlich wichtig“ eingestuft, was Benzinrationen und andere Annehmlichkeiten mit sich brachte. Nach Kriegsende gehörte J.K, welcher sich bereits dem Pensionsalter näherte, zu denjenigen Unternehmern, die voller Tatendrang und Risikobereitschaft waren und sich von den Koryphäen der Volkswirtschaftslehre nicht beirren liessen, welche unisono eine Nachkriegskrise prophezeiten. Ab 1946 war ein grosses Auftragsvolumen am neu entstehenden Flughafen Kloten zu leisten. Neben verschiedenen Mehrfamilienhaus Überbauungen realisierte er 1948 das Astoriagebäude an der Nüschelerstrasse mit dem gleichnamigen Kino und dem Restaurant Bündner Stube. Die Firma war damals spezialisiert auf modernste Kinotechnik. 1952 folgte der eigene Geschäftssitz an der Oberdorfstrasse 8. (Bild) Im Jahr 1961 wurde die Kowner Schalttafel- und Apparatebau AG in Regensdorf gegründet und ein eigenes Büro und Gewerbehaus gebaut.
In Regensdorf erfolgte denn auch nach den Lehr und Wanderjahren der Einstieg der Tochter Wera in die Firma. Diese hatte 1965 das Diplom in Elektrotechnik mit Betriebswirtschaft an der ETH Zürich- übrigens als erste Frau überhaupt- erworben. Sie hatte dieses Studium gegen alle Ratschläge von Lehrern und Berufsberatern gewählt, wohl vor allem um ihrem Vater Freude zu bereiten. Dieser war denn auch stolz und gerührt. Als Mann des 19. Jahrhunderts hatte er aber gefestigte Ansichten und klare Prinzipien. „Eine Frau gehört nicht auf den Bau“, war eines davon. Er, der mit über 80 Jahren den Betrieb noch immer selbst führte, setzte im Schalttafelbetrieb führsorglicher weise noch einen weiteren Dipl. El. Ing. ETH als Betriebsleiter ein, um die Unbill des Geschäftslebens von seinem Töchterlein fern zu halten. Eine auch nur annähernde Qualitätsbezogene Vorbereitung auf die kommenden Pflichten und Verantwortungen ist so unterblieben. Der Tod des Vaters im Dezember 1969 traf die damals 30 Jährige deshalb unvorbereitet. Ein weiterer Grundsatz des Vater lautete: “die Familie muss zusammenbleiben“. Deshalb hatte er ein Testament verfasst, welches eine Erbteilung ausdrücklich nicht vorsah. Der Mutter und den 5 Kindern gehörte also Alles zu annähernd gleichen Teilen und Alle sassen im Verwaltungsrat.
Als Willensvollstrecker wurde ein traditionell denkender Anwalt aus Winterthur eingesetzt. Dieser konnte sich Wera ebenso wenig als Geschäftsführerin vorstellen, wie seinerzeit der Lateinlehrer als Maturandin. Er betrachtete es deshalb als seine Hauptaufgabe die Firma zu verkaufen. Da er gute Beziehungen zur Firma Sulzer hatte und diese damals daran war sich einen Gemischtwarenladen zuzulegen, hätte dies schnell gehen können.
Die 70iger Jahre waren turbulent. Anfangs herrschte „Konjunkturüberhitzung“, das heisst Arbeitskräftemangel, steigende Preise und Löhne, also Geldentwertung. Amtlicherseits versuchte man dem mit dirigistischen Eingriffen in den Bau- und Kreditbereich entgegenzuwirken, was ausser viel Bürokratie kaum etwas brachte. Dann kamen der Yom Kippur- Krieg, die Ölkrise und sodann die Freigabe der Wechselkurse. Der Wert des Dollars halbierte sich innert 2 Jahren, die Zahl der Arbeitskräfte viel um 20%, primär zu Lasten der Ausländer. Politisch belagerten die Linken das Kernkraftwerk Kaiseraugst, während von Rechts Schwarzenbach gegen die Überfremdung trommelte.
Nach dem Tod des Firmengründers Jakob Kowner übernahm 1970 seine Tochter Wera Hotz Kowner die Leitung der Firma. Sie setzte die Aufbauarbeit ihres Vaters fort und etablierte das Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten als erfolgreiche KMU in der Region Zürich.
Um näher bei den Kunden zu sein, eröffnete die Kowner AG an verschiedenen Orten Zweigniederlassungen. Eine erste Filiale nahm 1979 in Opfikon/Glattbrugg ihren Betrieb auf. Zu dieser Zeit beteiligte sich die Kowner AG an vielen grossen Bauprojekten in der Umgebung des Flughafens. 1988 folgten weitere Filialen in Pfäffikon (SZ) und Rapperswil. 1996 kam schliesslich die Filiale in Erlenbach dazu.
Die Kowner AG hat sich in diesen Jahren nicht nur in Bezug auf ihre Strukturen verändert, sondern erlebte auch einen rasanten technischen Wandel. Dabei verstand es das Unternehmen immer wieder, sich erfolgreich auf neue Technologien einzustellen und innovative Entwicklungen – beispielsweise im Bereich Telematik oder Gebäudeautomation – frühzeitig aufzunehmen.
Dass diese permanente Neuorientierung so gut gelingt, hat verschiedene Gründe: Es gehört zum Selbstverständnis der Kowner AG, dass sie sich in einem ständig wechselnden Umfeld immer wieder neu positionieren muss. Und sie legt einen grossen Wert auf die kontinuierliche Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn nur mit kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann sich das Unternehmen längerfristig erfolgreich im Markt behaupten.
Die Firma Kowner AG beschäftigt heute rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Elektroinstallateure, Telematiker, Informatiker sowie Mitarbeitende mit kaufmännischen Berufen. Als lokal verankerte Firma nehmen wir eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung wahr, indem wir rund 20 Lehrlinge ausbilden.
Unsere Firma ist in den drei Hauptbereichen Elektroinstallationen, Telematik und Gebäudesysteme tätig. Die Dienstleistungspalette reicht von der Beratung über die Planung und Realisation der Vorhaben bis hin zum Service und Unterhalt der Anlagen. Dabei übernehmen wir vom kleinen Serviceauftrag bis hin zum anspruchsvollen Grossprojekt eine breite Spannbreite an Aufträgen.
Zu unseren zufriedenen Kunden gehören Banken, Versicherungen, Behörden, Dienstleistungsunternehmen, Industriefirmen, Einkaufszentren, Spitäler und Altersheime genauso wie Restaurants, Hotels, Telekomfirmen und Betreiber von Datenzentren. Ein wichtiges Tätigkeitsgebiet unserer Firma ist der Wohnungsbau. Dabei fokussieren wir bewusst auf anspruchsvolle Bauvorhaben wie denkmalgeschütze Bauten oder gehobene Wohnhäuser, die mit einer ausgeklügelten Gebäudetechnik ausgerüstet werden.
Wera Hotz Kowner war neben ihrer beruflichen Tätigkeit auch in verschiedenen Gremien aktiv. Sie war Vorstandsmitglied der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW), Präsidentin der Sektion Zürich des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) sowie Delegierte der Gesellschaft der ehemaligen Polytechniker und Revisorin bei der ETH Alumni Vereinigung.