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Vielleicht setze ich mich irgendwann ins Flugzeug, um mit eigenen Augen zu sehen, wie die Alofas, Makaoleafis, Moas und Lilis leben und um die paar Brocken Samoanisch aufzubessern, die ich gelernt habe.
Alexandra Bröhm
Übersetzungsbericht zu Sia Figiel, "Alofa"
Samoa ist eine Insel im Pazifik, das wußte ich. Und Sia Figiel eine außergewöhnliche Schriftstellerin, das wurde mir schnell klar. Ansonsten war mein Wissen über die Inselwelt im Pazifik relativ bescheiden. Also machte ich mich auf in die Bibliothek und kam mit einem schweren Stapel Bücher zurück. Die Anthropologen, Soziologen und Ethnologen stritten sich über die pazifische Kultur, in erster Linie allerdings um zwei Berufskollegen, die beide meinten, das "wahre" Wesen der Samoaner erkannt zu haben. Ich las deren Texte, stürzte mich auf die wenigen Aufsätze samoanischer Wissenschaftler, vertiefte mich in den Stadtplan von Apia, las über deutsche Touristen, die während ihrer Fahrradferien von samoanischen Hunden in die Wade gebissen wurden und merkte schon bald, daß die Projektionen von Herr und Frau Ethnologe genauso zum Puzzlebild Pazifik gehörten wie die samoanischen Mythen, die ich als Originaltexte vorliegen hatte.
Und so machte ich mich im Geiste auf zu einer langen Reise und schaukelte meinen mit Lexika vollbepackten Kahn über die Wellen des melodiösen samoanischen Englisch. Dabei stieß ich auf Fremdes und allzu Vertrautes. Zwar mußte ich mich informieren, wie die samonaischen Fischer ihre Boote beleuchten und welche besondere Bedeutung die verschiedenen Orte in der samoanischen Fale haben, aber die Fernsehvorlieben der Protagonistin mußte ich nicht weiter recherchieren: einer der Vorteile, wenn man gleich alt ist wie die Autorin und in den siebziger und achtziger Jahren vorzugsweise amerikanische Fernsehserien genossen hat.
Wie weit Samoa aber doch von mir weg war, spürte ich bei meinen Versuchen, mit der Autorin Kontakt aufzunehmen. Schließlich klappte es per Telefon, und ich erinnere mich vor allem an zwei Dinge: Erstens an ein Gefühl des Staunens über eine Stimme, die zu diesem mir schon so vertrauten Text gehörte, und zweitens an meinen Gebührenanzeiger, der unerbittlich und in rasendem Tempo die Franken zählte.
Und immer, immer wieder las ich den Originaltext, um den Rhythmus der Sprache Figiels in mir aufzunehmen. Tage und Wochen begleiteten mich gewisse Formulierungen, wie die "Eidechsen" und die "Läuse", die im Deutschen keinen Stabreim bilden wollen, bis mir plötzlich, meist in den ungünstigsten Situationen, die ideale Lösung einfiel.
Vielleicht setze ich mich irgendwann ins Flugzeug, den Stadtplan von Apia habe ich sowieso schon im Kopf, um mit eigenen Augen zu sehen, wie die Alofas, Makaoleafis, Moas und Lilis leben und um die paar Brocken Samoanisch aufzubessern, die ich gelernt habe.