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Tagesbericht vom 23.06.2002
Gestern waren wir zu faul um irgendetwas zu schreiben. Kunststück: nach einem Bier und dem ersten US-Steak in der Altstadt von San Diego waren wir einfach zu müde und fielen im Motel ins Bett und schliefen sofort. Der Jetlag lässt grüssen. Dabei ist es so schön in San Diego. Man könnte sich schon vorstellen in dieser Gegend ein bisschen zu leben. Aber entlang der Küste - von Los Angeles bis zur mexikanischen Grenze - steht bereits eine Villa neben der andern. Es ist fast wie am Zürcher See. Nur ein wenig grösser. Und an Stelle des süssen Zürcher Wassers gibt's hier gesalzenes, pazifisches Wasser.
Es ist auffallend sauber. Wir vermissen den Müll am Strassenrand und dessen Geruch. Uns nimmt nur Wunder, wo die Menschen ihr Geschäft verrichten? Scheinbar nicht am Strassenrand. Liegt das daran, dass die Kalifornier Täfelchen aufstellen liessen mit dem Hinweis: ‚1000 USD Fine for Littering'? Aber in Indien könnte das sowieso keiner verstehen. Denn, wenn die Kuh muss, dann tut sie es auch. Ja, wo sind denn die lieben Kühe? Auch die vermissen wir. Wahrscheinlich hat in Kalifornien der Mensch denselben Wert, wie in Indien die Kuh. Denn die Kalifornier halten an, wenn ein Mensch über die Strasse will! Ja, das Hupen vermissen wir auch. Es ist sehr ruhig in den Strassen. Liegt das an der Strassenbreite? Könnte es sein, dass wenn Indien über 8-spurige Autostrassen verfügen würde, niemand mehr hupen müsste? Auf einer achtspurigen Strasse gäbe es in Indien sicher eine Kuhspur, welche die ähnliche Bedeutung hätte, wie die ‚Car Pool' - Spur in Kalifornien (Car Pool = mehr als eine Person im gleichen Fahrzeug!).
So und jetzt fahren wir wiedereinmal durch eine Wüste. Sie ist steinig. Links und rechts der Strasse hat es gewaltige Bollersteinberge. Diese Bollersteine scheint niemand mehr zu gebrauchen. Wahrscheinlich hat hier Obelix ein bisschen geübt und die Ausschusshinkelsteine aufgestapelt. Von San Diego geht es der mexikanischen Grenze entlang nach Yuma, im Westen von Arizona. Nach den Bergen an der Küste, sind wir endlich wieder einmal in einer Sandwüste, wunderschön. Und vor den Sandhaufen (sie gleichen den Sanddünen in Namibia) verläuft der Colorado River blau leuchtend durch die Ebene.
Wenn ich all die Sattelschlepperwohnwagen, die hochgestellten Yukon, GMC, usw. und die breitspurigen Doppelräder Fahrzeuge der Amerikaner anschaue, dann dürfte Sir James sich wie eine Maus unter Elefanten fühlen. Armer Sir James. Aber in Amerika ist alles ein oder zwei Dimensionen grösser (inklusive Essensportionen) als anderswo. Man muss sich daran gewöhnen.
Und jetzt sind wir bereits mitten im wilden Westen. Yuma ist ein kleines Städtchen in Arizona (d.h. drittgrösste Stadt von Arizona, aber mit 80'000 Einwohnern richtig klein gegenüber den Millionenstädte Los Angeles und San Diego). Entlang der Strasse verlaufen die typischen 1 ½ stöckigen Häuser. In einem dieser Häuser finden wir sogar Unterschlupf, im ‚Best Western Coronado Motor Home'. Ja, wir leben richtig amerikanisch: from Moterhome to Moterhome. Nach Rabatten fragen, einchecken, vor das Appartement fahren, Unterkunft beziehen, Eis an der Eismaschine holen, Coca oder Pepsi Cola am Automaten tanken (eine Dollarnote rein, ein Cola und ein Quarter raus). Nach genügend Cola Bezügen reichen die Quarter aus, um Waschpulver, die Waschmaschine und den Trockner für jeweils eine Runde zu kaufen. Die Absteige verfügt über alles: Fernseher, Eisschrank, Mikrowave, Video, usw.. Wir könnten heute Abend einen von den 800 im Angebot stehenden Gratisvideo holen und eine Pizza mit Bier bestellen... Wir kommen uns vor wie in einem Road Movie. Natürlich waren wir früher schon in Amerika. Aber damals nicht als Weltenbummler, sondern als Jetset Europäer zum Golfen oder Ferien machen.
Ab ins Gefängnis heisst es jetzt. Yuma beherbergte bis 1913 das Staatsgefängnis von Arizona. Wahrscheinlich besuchten Coscinny und Uderzo diesen Ort ebenfalls, um sich für die Stories von Lucky Luke inspirieren zu lassen. Die Gebäude erinnern uns an die Ausbruchversuche der Daltons. Kam Rantanplan nicht immer ins Schwitzen, wenn die Daltons sich bewegten? Kam dies von der warmen Aussentemperatur oder von der Bewegung? Liseli meint: von der Aussentemperatur. Denn das Wetter spielt wieder mit. Die Sonne scheint, wie in Afrika und Asien. Die Temperaturen rufen nach Klimaanlage und viel Cola oder sonstigem Nass!