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Arbeitsverträge ohne Jahrgangs-Guillotine
von Elisabeth Michel-Alder
Unwirsch tönte er schon, der erfolgreiche Geschäftsführer, als ich sorgfältig Argumente vor ihm auftürmte, um ihn zu gewinnen, die Arbeitsverträge in der Firma zu ent-fristen und alle so lange wie erwünscht arbeiten zu lassen. Ein Automatismus mit 64/65 sei angenehmer, hält er fest, weil man dann den reiferen Herrschaften nicht mit begrenzt schmeichelhaften Begründungen kündigen müsse. Ich preise im Gegenzug die Notwendigkeit, über das "richtige" Ausstiegsdatum zu verhandeln und individuell stimmige Lösungen zu treffen.
Dann holt er seinen grössten Hammer aus dem Schrank, nämlich die Überzeugung, dass die jungen Alten unbedingt die tattrigen Greisinnen zu betreuen hätten, weil dort schlicht das Personal fehle. Aha. Volkswirtschaftlich betrachtet, nützt Herr St. mit seinen Talenten der Gesellschaft aber viel mehr, wenn er auch mit 70 noch seine Führungskompetenzen einsetzt - vielleicht in einer gemeinnützigen Organisation. Dass ich selbst mit 90 vielleicht lieber von einer begeisterten Fachfrau als von zwangsweise abgeordneten Managern betreut werde, sage ich selbstverständlich nicht.