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Genauigkeit in der Beschreibung von Krankheiten, ihren Beschwerden, ihrem Auftreten und ihrem Verlauf ist notwendig, um bei der Wahrheit zu bleiben. Ihr Sinn ist nicht, denjenigen nach dem Maul zu reden, die Medikamente, Impfstoffe oder medizinische Geräte herstellen; es geht nicht um den Kommerz. Wissenschaftliche Genauigkeit vermehrt unser Wissen und dient somit allen.
Umgekehrt sind gesponserte Studien gefährlich für uns alle, da sie Unwahres vorgeben, verwirren und zu Leid, Krankheit und Tod führen. Seit mehr als einem Jahrzehnt melden ForscherInnen in welchem Ausmass Studien nicht mehr verlässlich sind. 2004 wurden grössere statistische Fehler in 25% der Studien im British Medical Journal gemeldet; im selben Jahr wurde bekannt, dass die Resultate von randomisierten Studien in 50% falsch dargestellt und in über 65% gefährliche Nebenwirkungen unterschlagen wurden. Mit dieser Analyse konfrontiert, konnten lediglich 14% der Studienautoren die Fehler zugeben. 2009 wurde die sorgfältig koordinierte und orchestrierte, meist erfolgreiche Strategie grosser pharmazeutischer Firmen beschrieben, Publikationen von Ghost-Writers nach ihren eigenen Angaben erstellen zu lassen, um dann einen wissenschaftlich angesehenen Autor zu suchen, der mit seinem Namen die Publikation als glaubwürdig und bedeutsam erscheinen lässt. 2013 wurde das Ausmass des Sponsoring durch die pharmazeutische Industrie in der Forschung bekannt gemacht: schon 2007 sponserte die Industrie 58%, die öffentliche Hand lediglich 33% der biomedizinischen Forschung in den USA. Genauer waren 40% der Epidemiologen, 42% der Grundlagenforschenden, 67% der klinisch Forschenden und 71% der allgemein Forschenden mit der Industrie finanziell verbunden. Inwiefern beeinflusste das Geld die Forschung? In einem Drittel (32% bis 40%) mussten die Ergebnisse zuerst der Industrie vorgelegt werden, bei 44% durften die Ergebnisse nicht den Interessen der Geldgeber zuwiderlaufen. Seit 2014 sind Forschungsqualität, Ressourcen-Verschwendung und die Gefährdung von Testpersonen ein grosses Thema, da zwischen 40% und 89% der Forschungsergebnisse nicht reproduzierbar waren.
Seit gut 25 Jahren nehmen die Ökonomen mehr und mehr Einfluss auf die Medizin. Die Medizinindustrie wurde zu einem ganz grossen Geschäft weltweit entwickelt. Leider orientiert sie sich kaum an den Bedürfnissen der Bevölkerungen, sondern, der pseudo-ökonomischen Logik folgend, an der Rendite. Dies bedeutet auch, dass nicht gewinnbringende Handlungen, wie körperliche Untersuchungen, Gespräche oder individuelle Behandlungskonzepte möglichst reduziert und nicht vergütet werden, um die Industrialisierung voran zu treiben. Damit dies reibungsfrei verläuft, sind Ökonomen, Politiker, Juristen und Lobbyisten an der Arbeit. Die Strafen für die Medizinindustrie nehmen zu, die Nebenwirkungen der Medikalisierung treten immer deutlicher zu Tage, die Kosten sind kaum noch tragbar und die durch die Medizin verursachten Todesfälle steigen beunruhigend an: die Prognosen sind nicht rosig.
Ein Gebiet aber entwickelt sich gut: die Impfstoffe. Eigenartigerweise haften Hersteller kaum für allfällige Folgen, nicht einmal für lebenslange Schäden oder Tod. Wirkungen werden von Seiten der Hersteller viel positiver dargestellt als in wissenschaftlichen Statistiken, Nebenwirkungen werden verschwiegen. Die Frage nach dem Sponsoring ist hier von grösster Bedeutung: aus wissenschaftlicher und menschlicher Sicht können gesponserte Studien und Statistiken nicht akzeptiert werden. Die Suche nach verlässlichen Daten ist sehr aufwendig und schwierig geworden. Da nicht einmal auf die Rohdaten Verlass ist, kann in der Medizin leider nicht mehr von Wissenschaftlichkeit ausgegangen werden. Wir praktisch tätigen ÄrztInnen verlassen uns vermehrt auf unsere eigenen Erfahrungen.
Was aber tun politische Gremien? Die im „The Guardian“ am 24. April 2020 veröffentlichte Zusammensetzung der Scientific Advisory Group for Emergencies (SAGE) in Grossbritannien, die den Premierminister und sein Team berät, zeigt folgende Verteilung von WissenschaftlerInnen und gesponserten Personen: 6 von 8 Chief Officers sind gesponsert, jedoch wahrscheinlich keine der 12 BeraterInnen. Speziell GlaxoSmithCline, Gates Foundation und der Wellcome Trust (von GlaxoWellcome, der Vorgänger-Industrie von GlaxoSmithCline) erscheinen als Sponsoren neben Roche, Novartis und der stark von der Gates-Foundation abhängigen WHO. Der jetzige Präsident des Wellcome Trust, Jeremy Farrar, hat einen eigenen Sitz im Gremium. Derselbe berät auch in persona Frau Bundespräsidentin Merkel. Was bedeutet das? Wissenschaftlich gesehen, handelt es sich in keiner Art und Weise um ein unabhängiges Gremium. Nach der Erfahrung der letzten zwanzig Jahre mit Sponsoring in der Medizin, muss von einer direkten politischen Einflussnahme ausgegangen werden, die leider auf Rendite für Wenige und Leid, Krankheit und Tod für Viele ausgerichtet ist.
Zeichnung mit freundlicher Genehmigung von Dr. med. Eve Stockhammer