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Am 3. August 2000 jährt sich zum 86. Male die Kriegsmobilmachung von 1914. Niemand ahnte in jenen Sommertagen, dass in den folgenden Jahren die „Belle Epoque“ zwischen Stacheldraht, Granattrichtern und Giftgas ihr Ende mit Schrecken finden würde. Die Schweiz mobilisierte 250’000 Mann Kampftruppen, um ihre Grenzen zu schützen. Das neue Antlitz des Krieges, ohnehin nie freundlich anzusehen, wurde geprägt durch das Maschinengewehr. Es vernichtete ganze Wellen von Angreifern, die noch in dichten Linien voranstürmten. Damit legte es den Grundstein für jenen furchtbaren Grabenkampf, der den Krieg von der Schweizer Grenze bis zur Küste Belgiens erstarren liess, weil keiner der Gegner mehr in der Lage war, die Front des Feindes im Kugelhagel der MGs zu durchbrechen.
Auch in der Schweiz hatte man die Bedeutung der Maschinengewehre erkannt. Nach eingehenden Tests bei den Festungstruppen wurde im Jahr 1898 zunächst die Kavallerie mit den neuartigen Waffen ausgerüstet. Bei der Infanterie fand im Jahr 1912 erstmals eine Mitrailleur-Rekrutenschule statt, wobei ein Rekrut im Minimum 1.60 Meter gross sein musste. Bei der Mobilmachung verfügte jede der sechs Divisionen über eine Maschinengewehrabteilung aus drei Kompanien. Jede Kompanie verfügte über vier Maschinengewehre. Mit Wasser im Kühlmantel wog die Waffe 23 Kilo. Die offizielle Bezeichnung war „Schweizer Maschinengewehr 1911“. Es hatte dasselbe Kaliber (7.5 mm Swiss) wie das neue Infanteriegewehr.
Unser Bild zeigt zwei Mitrailleure im Feldtenue. Während der eine das MG auf dem Tragref transportiert, kann man beim zweiten die Lafette erkennen, die ebenfalls 23 Kilo wog. Die Männer sind zusätzlich mit dem Karabiner 1911 bewaffnet, zu dem sie als Blankwaffe das Stichbajonett Modell 1908 tragen. Ihre Uniform der Ordonnanz 1898 besteht aus der dunkelblauen Bluse, welches als Arbeits- und Exerziertenue zum Korpsmaterial zählte. Die drei Zierknöpfe und die gezahnten roten Patten an den Ärmelenden hoben den Mitrailleur vom Füsilier ab. Sie waren eigentlich nur auf dem Waffenrock erlaubt, doch die Eitelkeit bahnte ihnen den Weg auf die Exerzierjacke. Die Beinenden oder dunkelblauen Hosen mit dem roten Passepoil an der Naht sind mit kurzen Wickelgamaschen umwunden. Nebst den Patronentaschen Modell 1911 sehen wir beim Mann rechts eine lederne Umhängetasche für die Zieloptik. Der andere Mitrailleur trägt am Bauch eine Werkzeugtasche. Ihre Tschakos entsprechen der Ordonnanz 1898 mit Pompon in Kompaniefarbe, der eidgenössischen Kokarde, den gekreuzten Gewehren aus weissem Metall (ab 1917 trugen die Mitrailleure gekreuzte Maschinengewehre) und der Kompanienummer, die auf dem Waffenrock auch als Achselschlaufe getragen wurde.
Roger Rebmann, Rost und Grünspan, Basel
Schweizer Soldat 9/2000