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Zürich 7 Dezr 1861.
Mein lieber Freund!
Vor allem empfange meine herzlichen Wünsche für deine baldige Wiedergenesung. Wir können in dem gegenwärtigen Augenblicke, jeder an seinem Posten, ungetrübte Gesundheit wohl brauchen!
Daß Du mit meinem Vortragsentwurfe einverstanden bist, hat mich sehr gefreut. Erlaube mir auf die Bemerkungen, die Du zu demselben machst, nachfolgende Entgegnungen:
ad 1.) Die Außerachtlassung des Falles der Minder- od. Mehrkarten ist, wie Du richtig vermuthest, keine unabsichtliche. Ich weiß, daß Luzern in dieser Beziehung einen Antrag stellen wird, dem wir dann entsprechen werden. Der Fall des Minderbedarfs regulirt sich zwar schon gemäß Art. 5. Für den Fall des Mehrbedarfs wird aber (was ich dir natürlich nur confidentiell mittheile) eine Bestimmung von unserer Seite zugegeben werden, gemäß welcher die Nordostbahn für Summen, welche über die 12 Millionen heraus erforderlich werden möchten, einstehen würde selbst| verständlich unter entsprechender Vermehrung ihres an der Rente der Unternehmung participirenden Betheiligungscapitales.
ad. 2.) Der nach Art. 14. Ziff. 1. entstehende Schaden könnte nicht aus dem Reservefonds bestritten werden, da der letztere ausschließlich für die Erneuerung des Oberbaues bestimmt ist. Vorkommenden Falls hätte die Direction der N.O.bahn im Benehmen mit dem Comite, welches die Betriebsrechnung anzuerkennen hat, darüber zu entscheiden, ob der Schaden aus dem Jahresertrage gedeckt werden oder ob zu diesem Behufe eine Capitalvermehrung Statt finden solle.
ad 3.) Die Bestimmung von Art. 17. Abs. 3. findet in dem Umstande ihre Erklärung, daß man es mit den jeweiligen Inhabern der an porteur lautenden Obligationen zu thun hat, daß diese keine Generalversammlung bilden, die für alle Maaß gebende Beschlüsse fassen könnte & daß man daher die Abwicklung der im Principe aufgestellten Ausgleichung bestimmt in dem Vertrage verzeichnen muß, was wohl auf keine andere Art geschehen könnte, | als wie es im Entwurfe vorgeschlagen ist.
ad 4.) Art. 20 hat im Eingange keine Lücke. Die Redaction ist aber der Verbesserung bedürftig. Die Worte: «Hinsichtlich – Reservefondsrechnungen» sind vor: «zwischen – Nordostbahngesellschaft» eingeschoben, um anzudeuten, daß das Komité nur über diese Fälle von Streitigkeiten mit der N.O.bahn ein Schiedsgericht anzunehmen hat, nicht aber über die andern in seine Competenz fallenden Materien.
In Beilage übermittle ich dir die Conzessionen von Zürich, Zug & Luzern, wie ich sie gemeinsam mit den Abordnungen dieser Cantone entworfen, sowie den Spezialvertrag mit Zug, wie ich ihn mit der Abordnung von Zug vereinbart.
In Zug stehen die Sachen gut. Man muß übrigens auch zugeben, daß Zug als Schooßkind behandelt worden ist. In Luzern wird namentlich von der Centralbahn aus auf alle mögliche Art unserm Projecte entgegengewirkt. Es wird von dieser Seite her nun namentlich das Verlassen des Tracés Rankhof – Ebikon – Honau & die Ersetzung desselben durch ein Tracé auf der linken Seite der Reuß von Emmenbrücke, über Emmen, Inwyl, nach Gysikon oder mit Umgehung von Zug nach Ottenbach betrieben. Natürlich geschieht dieß nicht im Ernste: es ist lediglich ein Verhinderungsstratagem. Ich habe die Überzeugung, daß die Centralbahn mit | dieser Politik, die sie überall befolgt, vor allem aus – sich selbst ruinirt.
Was die Ankaufsbedingungen der Linie Luzern–Zug anlangt, so muß ich dir den daherigen ungemein einfachen Sachverhalt mittheilen, um nicht für etwas gelobt zu werden, das ich nicht verdiene. Ich habe Simon mehr en passant gefragt, was er eigentlich für die Linie verlange & als er mir von 3 ½ Millionen sprach, ihm erwidert, dieß werde so ein erster Anlauf sein, der stark aufs Markten eingerichtet sein dürfte. Das ist alles, was ich mit Simon bisanhin verhandelt habe. Bevor ich in einläßlichere Verhandlungen mit ihm einträte, wollte ich eine Schatzung des Bauwerthes der Linie durch H. Oberingr Beckh vor mir haben. Diese habe ich diesen Abend bekommen. Sie erreicht bei weitem, weitem nicht die von H. Simon geforderte Summe. Ich werde die Schatzung noch prüfen. Der Bauwerth ist übrigens nicht einmal der ausschließliche Factor für Feststellung der Kaufsumme der Linie. Der Werth der letztern in Betreff ihrer Ertragsfähigkeit kommt jedenfalls auch, wenn nicht allein in Betracht.
Es ist schon sehr spät. Ich schließe also. Sei aufs Freundschaftlichste gegrüßt von
Deinem
A Escher