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Zentralbibliothek
Die Entstehung der Zentralbibliothek fällt mit der Reformation von 1528 zusammen. Im selben Jahr gründete Bern zur Ausbildung des reformierten Pfarrnachwuchses die Hohe Schule, die ab 1535 in den Gebäulichkeiten des säkularisierten Barfüsserklosters (heute Kultur-Casino Bern) untergebracht war. Mit der Gründung der Schule war auch die Einrichtung einer Studienbibliothek verbunden. Den Grundstock der Bibliothek bildeten die Bücher aus den im Zuge der Reformation aufgelösten geistlichen Institutionen (v.a. Kloster Thorberg). Die Bestandeserweiterungen des 16. Jahrhunderts gehen hauptsächlich auf Schenkungen privater Gelehrter oder an der Hohen Schule lehrender Professoren zurück wie Wolfgang Musculus, Benedicht Aretius, Niklaus Artopoeus oder Leonhard Hospinian.
1632 erhielt die Bibliothek von Jakob Graviseth als Dank für die Erteilung des Berner Burgerrechts ein ausserordentliches Geschenk: die Privatbibliothek des französischen Diplomaten, Humanisten und Hugenotten Jacques Bongars (1554-1612). Mit ihren rund 500 Handschriften und 7000 Drucken vergrösserte die Bongarsiana den bisherigen Bestand um mehr als das Doppelte. Gleichzeitig bereicherte sie die bisher stark theologisch ausgerichtete Bibliothek um bedeutende Titel aller Wissensgebiete und leitete damit die Entwicklung von der theologischen Fachbibliothek zur barocken Universalbibliothek ein.
1680 begann ein mehrjähriger Umbau der alten Hochschule, bei dem auch ein prunkvoller Bibliothekssaal entstand. Die alte Bibliothek und die Bongarsiana wurden in einer neuen Aufstellungsordnung zusammengeführt. Zudem entstand ein neuer Katalog, der den rund 10'000 Bücher umfassenden Bibliotheksbestand erfasste. Zur Beförderung von Schenkungen legte man 1693 ein Donationenbuch an, 1726 wurde erstmals eine vollamtliche Bibliothekarenstelle geschaffen. Trotz reichlich fliessender Schenkungen, Professionalisierung und einer räumlichen Erweiterung mit dem Umzug 1794 in die das ehemalige Kornhaus an der Ankenwaage (heutiges Bibliotheksgebäude Münstergasse mit Prunksaal) konnte die Bibliothek im Laufe des 18. Jahrhunderts den Ansprüchen der Hohen Schule zunehmend nicht mehr genügen. Mit eigenen Bibliotheksgründungen versuchten private oder der Hohen Schule verbundene Fach- und Interessengruppen ihren Bedarf an spezifischer und aktueller Literatur abzudecken (u.a 1730 Studentenbibliothek, 1759 Bibliothek der Oekonomischen Gesellschaft. Ihre Bestände befinden sich heute in der Zentralbibliothek.
Das Ende des Ancien Régime mit dem Einmarsch der Franzosen 1798 brachte auch weitreichende Veränderungen für das Berner Bibliothekswesen. 1803 wurde die Bibliothek der Stadtgemeinde Bern, 1852 der Burgergemeinde Bern zugeteilt. Mit der Gründung der Universität 1834 begann die Universität eigene Fachbibliotheken aufzubauen. 1887 trennten sich Stadtbibliothek und Hochschulbibliothek, wurden aber 1905 wieder zusammengeführt. Obwohl 1906 die Universität in den Neubau an der Schanze verlegt wurde, blieb die Bibliothek an ihrem bisherigen Standort Münstergasse. Die dringendsten Raumprobleme konnten mit zwei Erweiterungsbauten (Flügelbauten 1860 und 1904) gelöst werden.
Die Burgergemeinde Bern trug von 1852 bis 1951 den Hauptteil des Betriebes. Nach dem Zweiten Weltkrieg, war sie dazu nicht mehr bereit, weshalb man 1951 die Stiftung Stadt- und Universitätsbibliothek Bern (StUB) gründete, getragen von den drei Stiftungsträgern Kanton Bern (80 Prozent der Kosten), Burgergemeinde Bern und Einwohnergemeinde Bern (je 10 Prozent der Kosten). Gleichzeitig entstand 1951 die eigenrechtliche Institution Burgerbibliothek, welche die Handschriften- und Grafikabteilung der alten Stadtbibliothek übernahm. Als weiteres Element dieser Neuordnung ist die Gründung der Volksbücherei Bern (heute: Kornhausbibliotheken) im Jahr 1948 zu sehen, welche als allgemein öffentliche Bibliothek mit rund 15 Filialen das Segment des nicht-wissenschaftlichen Lesepublikums abdeckt .
Mit der Einrichtung als Stiftung 1951 wurde die StUB öffentliche wissenschaftliche Stadt-, Kantons- und Universitätsbibliothek. Seit den 70er Jahren erfuhr das Bibliothekswesen vor allem mit den neuen Informationstechnologien und Medien einen gewaltigen Entwicklungsschub. Wachstum und neue Dienstleistungen veränderten auch die StUB:
1973 Einführung Fachreferentensystem und Eröffnung Lehrbuchsammlung
1974 Bau unterirdisches Büchermagazin und klimatisierter Kulturgüterschutzraum
1975 Einrichtung Atelier für Papier- und Einbandrestauration
1990 Beginn der elektronischen Katalogisierung
1993 Eröffnung Basisbibliothek Unitobler als Filiale der StUB und Automatisierung der Ausleihe
ab 1995 Ausbau der Digital Library (elektronische Angebote, Datenbanken, Linksammlungen etc.
1997 Übernahme der Schweizerischen Osteuropabibliothek als Filiale der StUB
1999 Beitritt zum Informationsverbund Deutschschweiz und Eröffnung der Freihandbibliothek
Seit 1990 steckte die StUB in einer schwierigen finanziellen Situation. Der Erwerbskredit ging in den neunziger Jahren um über einen Drittel zurück. Zudem war im Laufe der letzten Jahrzehnte ein von der StUB unabhängiges universitäres Bibliothekswesen entstanden, das 2006 rund 50 Bibliotheken umfasste. Mit der Zusammenführung der universitären Instituts-, Fachbereichs- und Fakultätsbibliotheken und der StUB zu einer einzigen Organisation, der neuen Universitätsbibliothek Bern (UB Bern), sollen Synergien genutzt und die bibliothekarischen Leistungen für die Universität und den Kanton Bern optimiert werden. Die bisherige StUB Hauptbibliothek ist die Zentralbibliothek (ZB) innerhalb der neuen Bibliotheksorganisation. Sie behält ihren Standort an der Münstergasse und ist weiterhin öffentliche wissenschaftliche Kantonsbibliothek. Die grossen und wertvollen Sondersammlungen, die alten Drucke und das Restaurierungsatelier sind seit dem 1.1.2008 zu einem Kompetenzzentrum (Zentrum historische Bestände ZHB) zusammengefasst.
Bibliotheca Bernensis 1974. Festgabe zur Einweihung des umgebauten und erweiterten Gebäudes der Stadt- und Universitätsbibliothek und der Burgerbibliothek Bern am 29. und 30. August 1974. Bern, 1974.
Bloesch, Hans (Hrsg.): Die Stadt- und Hochschulbibliothek Bern. Zur Erinnerung an ihr 400jähriges Bestehen und an die Schenkung der Bongarsiana im Jahr 1632. Bern: Gustav Grunau, 1932.
Michel, Hans A. Das wissenschaftliche Bibliothekswesen Berns vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 47 (1985), 168-234.
Schatzkammern. 200 Jahre Bücher, Handschriften und Sammlungen im Gebäude an der Münstergasse 61-63. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 56 (1994), 161-252.
Wo menschliches Wissen lagert ... . 200 Jahre Stadt- und Universitätsbibliothek. Bern: Pressestelle der Universität Bern, 1994. (Unipress, Nr. 82).
Engler, Claudia, Stadt- und Universitätsbibliothek Bern, in: Handbuch der historischen Buchbestände der Schweiz, Bern 2003
Libernensis - früher StUBsnase. Hauszeitschrift der Universitätsbibliothek Bern. Bern, 1989-2006