Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03386.jsonl.gz/30

Hintergrund:
Epidurale Injektionen von Steroiden haben im letzten Jahrzehnt stark zugenommen, in USA verdoppelte sich zwischen 2000 und 2004 die Zahl der Injektionen. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit einzelner Studien sind unterschiedlich und auch Guideline-entwickler kommen zu unterschiedlichen Konklusionen über die Wirksamkeit dieser Therapie. In diesem ‚systematic review’ wird die Wirksamkeit epiduraler Steroidinjektionen bei Patienten mit ‚Sciatica’ nochmals evaluiert. Rückenschmerzen mit radikulärer Ausstrahlung bis unters Knie werden in der englischen Sprache als „Sciatica“ bezeichnet. Ob der Begriff Sciatica das gleiche bedeutet wie „Ischias oder Ischialgie“ wird mir von den Experten nicht klar und eindeutig beantwortet.
Einschlusskriterien:
- Randomisiert, kontrollierte Studien die den Effekt epiduraler Steroidinjektionen im Vergleich zu einer Placebo-Intervention untersuchen. Injektionen konnten kaudal, interlaminar oder transforaminal durchgeführt werden.
- Studien mussten mindestens zu einem der folgenden Endpunkte Daten beinhalten; Schmerzintensität generell oder nur auf die Beine bezogen, oder Behinderung (disability)
Ausschlusskriterien:
- Studien oder Patienten bei denen eine Rückenoperation (lumbal) durchgeführt wurde.
Studiendesign und Methode:
Systematic review
Interventionen:
- Gruppe 1: Patienten erhielten epidural Steroide und zum Teil Analgetika verabreicht
- Gruppe 2: Placebo-Interventionen (das konnte NaCl epidural verabreicht oder NaCl Injektionen in die paraspinale Region sein)
Outcome:
Primärer Outcome
- Kurzzeiteffekt (2 Wochen bis 3 Monate) und Langzeiteffekt (über 12 Monate) auf die Schmerzen
- Kurzzeiteffekt (2 Wochen bis 3 Monate) und Langzeiteffekt (über 12 Monate) auf die Behinderung
Resultat:
- Die Ergebnisse von 23 randomisierten Studien konnten in die Analyse eingeschlossen werden.
- In 6 Studien wurden die Steroide transforaminal, in 4 kaudal und in 13 interlaminar appliziert.
- 1316 Pateinten konnten in die Analyse zur Evaluation des Kurzzeiteffektes eingeschlossen werden. Die Steroidinjektionen haben einen zumindest statistisch signifikanten Effekt auf die Schmerzen nach 2 Wochen bis drei Monaten. Dasselbe ist auch für die Behinderung nachweisbar. Allerdings beträgt die Abnahme der Schmerzen ‚nur’ etwa 6 Punkte (auf einer Skala von 100 Punkten). Damit die Schmerzreduktion als klinisch relevant gilt, müsste oder sollte die Schmerzintensität um 10 bis 30 Punkte abnehmen.
- Nach 12 Monaten ist keine signifikante Verbesserung feststellbar, zwar ein Trend, aber keine statistisch signifikante Abnahme.
Kommentar:
- Ein weiterer systematic review dessen Ergebnisse relativ klar darauf hindeuten, dass die epidurale Injektion von Steroiden einen kurzzeitigen Effekt (immerhin über Monate) auf die Schmerzen hat. Dieser Effekt, verglichen mit Placebo, ist zwar statistisch signifikant, nach Interpretation der Autoren aber klinisch mehr oder weniger irrelevant.
- Zwölf Monate nach der Injektion ist kein eindeutig positiver Effekt nachweisbar; wahrscheinlich nehmen aber nur wenige Kliniker an, dass mit einer Steroidinjektion eine Heilung erreicht werden könnte.
- Spannend wäre zu erfahren, welche Konsequenzen die Ergebnisse dieses systematic reviews auf die Behandlung von Patienten mit „sciatica“ haben werden. Meine Vermutung ist, dass die Zahl an epiduralen Steroidinjektionen deswegen nicht sinken, sondern weiterhin steigen wird.
Literatur:
Pinto RZ et alii. Epidural steroid injections in the management of sciatica. A systematic review and meta-analysis. Ann intern Med. 2012;157:865-77.