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Albert Anker
Das Schulexamen, 1862
Mit den neuen Schulgesetzen wurden auch der Schulbesuch und die Schulprüfung eingeführt und administrativ verwaltet. Der Kanton Bern beauftragte Albert Anker 1862, diese zu dokumentieren, und so entstand das Gemälde, für welches der Kanton 3000 Franken bezahlte. Zu sehen ist ein Lehrer, der eine Probe seines pädagogischen Könnens gibt, sowie die Schüler:innen, welche dem Unterricht aufmerksam folgen, während ihnen die Prüfungsbeauftragten (Schulinspektoren, Ortsgeistliche, Bürgermeister, Schulvorsteher, Gemeinderäte, Ortseinwohner) zuschauen. Die Schule ist für den wichtigen Anlass mit Girlanden und Blumen geschmückt, während die Schüler:innen ihre besten Kleider tragen. Schiefertafeln sind im Gebrauch, welche in den Schieferwerken von Frutigen hergestellt und seit den 1830er-Jahren in den Schulzimmern eingesetzt wurden. Mit dem ersten Primarschulgesetz von 1835 wurde die liberal-revolutionäre Idee einer gleichen Ausbildung für Knaben und Mädchen explizit verordnet. Im ganzen Kanton musste geschlechtergemischt unterrichtet werden. Der Strickkorb, der etwas verloren neben der hintersten Schulbank steht, ist ein Hinweis darauf, dass auch Handarbeit zum Teil des Fächerkanons gehören würde (ab 1864), als Teil der geschlechtsspezifischen Ausbildung der Mädchen.