Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03337.jsonl.gz/2314

50plus1 hat soeben seinen Prognosemarkt neu lanciert. Auf diesem Blog werden in Zukunft wieder die Vorhersagen zu aktuellen Abstimmungsvorlagen publiziert. Den Anfang macht in wenigen Tagen die Atomausstiegsinitiative.
Der neue Prognosemarkt enthält drei wichtige Neuerungen:
Wahrscheinlichkeiten statt Stimmenanteile: Die TeilnehmerInnen am Prognosemarkt handeln nun nicht mehr Stimmenanteile, sondern Wahrscheinlichkeiten, dass bestimmte Abstimmungsresultate eintreffen. Die Teilnehmenden können jeweils Aktien zu vier Intervalle an Stimmenanteil handeln (z.B. <40%; 40-49,9%; 50-59,9%; >59,9% Ja-Stimmen). Für jede Aktie gilt, dass sie einen Schlusswert von 100 Punkten (100% Wahrscheinlichkeit) hat, wenn sie den Abstimmungsausgang richtig beschreibt, d.h. das Abstimmungsresultat im entsprechenden Bereich liegt. Ansonsten beträgt der Schlusswert der Aktie 0 Punkte (0% Wahrscheinlichkeit). Dieser Wechsel von Stimmanteilen zu Wahrscheinlichkeiten ist motiviert durch eine Studie, welche ich mit meinem Kollegen Sveinung Arnesen durchgeführt habe. In dieser Arbeit konnten wir zeigen, dass der von uns verwendete Algorithmus (die Logarithmic Market Scoring Rule) dazu geführt hat, dass der Prognosemarkt die Abstimmungsausgänge systematisch zu knapp vorhergesagt hat. Dies erklärt teilweise, weshalb wir in der Vergangenheit bei knappen Ausgängen zwar recht genaue Vorhersagen gemacht haben, aber bei klaren Entscheiden oftmals recht weit daneben lagen.
Korrektur auf 100% Wahrscheinlichkeit: Die Wahrscheinlichkeiten über den Abstimmungsausgang summieren sich immer auf 100%. Dafür sorgt ein Automatismus, dank dem sich beim Kauf oder Verkauf von einer Aktien die Preise der anderen Aktien automatisch entsprechend anpassen. Diese automatische Korrektur wenden wir an, weil wir in oben erwähnter Studie zeigen konnten, dass im Durchschnitt der Ja-Anteil überschätzt wurde. Dies, so unsere These, ist eine Folge der Eigenkapitalregel, welche wir anwenden. Die Eigenkapitalregel verhindert, dass sich die Teilnehmer verschulden können, indem sie Aktien zu einem zu tiefen Wert ‘leer’, d.h. ohne sie zu besitzen, verkaufen und danach bei einem höheren Preis nicht mehr zurückkaufen können. Der Nachteil dieser sehr konservativen Eigenkapitalregel ist, dass die Teilnehmer deutlich weniger Aktien verkaufen als kaufen können, weil bei Leerverkäufen ein Teil des Guthabens für einen späteren Rückkauf gesperrt wird. Da dieser Effekt nun nicht für den Ja-Stimmenanteil sondern für alle Intervalle, die gehandelt werden, eintreffen wird, sollte er sich ausgleichen.
Mehr TeilnehmerInnen: Im Moment wird die Prognose zur Atomausstiegsinitiative von ca. 30 aktiven Teilnehmerinnen generiert. Zwar haben wir mit dieser bescheidenen Anzahl Teilnehmern in der Vergangenheit schon recht genaue Prognosen erstellen können, doch ist es unser Ziel die Zahl der aktiven Händlerinnen auf etwa 100 zu erhöhen. Dies soll uns nicht nur zu genaueren Vorhersagen verhelfen, sondern auch dazu führen, dass der Prognosemarkt schnell auf wichtige Ereignisse reagiert.