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Die Problematik bei der Untersuchung alter Gemälde ist anders als in der modernen Malerei. Bei den „alten Meistern“ gibt es nur selten moderne Fälschungen da die notwendigen originalen Materialien heute schwierig zu beschaffen sind sowie wegen der wesentlich komplexeren Maltechnik. Es geht hier in der Regel um die Bestätigung der Zuschreibung und um die Bestimmung des genauen Status eines Gemäldes. In vormoderner Zeit war die Malerei als Handwerk organisiert. Nachwuchsmaler absolvierten zunächst eine Lehre in einer Meisterwerkstatt. Es gibt auch heute noch viele Kopien bekannter Gemälde, die im Rahmen ihrer Ausbildung von jungen Malern hergestellt wurden. Diese Kopien sind oft selbst qualitativ hochstehende Kunstwerke.
Viele alte Werkstätten waren kommerziell arbeitende Betriebe. Wenn sich eine Komposition gut verkaufte fertigte der Meister mit Hilfe seiner Mitarbeiter und Lehrlinge weitere Kopien und Versionen an, die heute noch vielfach erhalten sind. Die Untersuchung der Gemälde zielt deswegen darauf, zwischen den verschiedenen Gemäldetypen zu unterscheiden, die je nach Status einen sehr unterschiedlichen Marktwert besitzen. Welches ist das ursprüngliche Bild einer Serie fast identischer Versionen? Wie kann man das Original von einer fast gleichzeitigen Kopie eines Schülers unterscheiden?
Eine kunsttechnologische Expertise kann auch dazu dienen, ein Werk interessanter werden zu lassen. Ein Verkaufsdossier gewinnt bedeutend durch die Dokumentation einer sorgfältig ausgeführten Vorzeichnung oder einer Röntgenaufnahme, die sich mit anderen Bildern desselben Künstlers in Verbindung bringen lässt.
Die technologische Untersuchung bringt oft ergänzende Informationen zutage, die dem Kunsthistoriker mit blossem Auge nicht zugänglich sind. Die Infrarotreflektografie zeigt eine eventuell vorhandene Vorzeichnung, die Röntgenaufnahme zeigt die nicht direkt sichtbare Arbeitstechnik des Künstlers, Analysen erlauben den Vergleich der Farbmittel mit den verfügbaren und vom selben Künstler in seinen anderen Bildern verwendeten Pigmenten.
Im Laufe der Zeit sind so gut wie alle mehrere Jahrhunderte alten Gemälde vielfach restauriert worden, mitunter mit weitreichenden Eingriffen. Vor dem Ankauf eines Bildes ist es sinnvoll, den Umfang der Restaurierungen abzuklären, unter anderem durch eine Untersuchung im Ultraviolettlicht oder ein Röntgenbild. Damit kann eine bewusste Kaufentscheidung getroffen und böse Überraschungen vermieden werden.