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Millennials» ist ein widersprüchlicher Begriff. Wie würden Sie ihn definieren?
Die Einordnung in Generationen ist keine fix definierte Wissenschaft. Aber eine Generation umfasst immer 15 bis 20 Jahre. Die Millennials, auch Generation Y genannt, sind Menschen, die um die Jahrtausendwende Teens oder Twens waren – also die Jahrgänge 1980 bis 1995 oder 2000.
Welchen Einfluss hat der Jahrgang?
Einerseits hat er sehr grossen Einfluss, andererseits sind andere Aspekte natürlich ähnlich prägend. Der Jahrgang ist relevant, weil sich die Zeit, in die man hineingeboren wurde, nicht beeinflussen lässt. Er gibt vor, in welcher Phase der Weltgeschichte man aufwächst, welche politischen Meilensteine sich ereignen, welche Musik angesagt ist, welche kulturellen Aspekte Mainstream sind und so weiter. Das prägt.
Was hat die Millennials geprägt?
Sie sind in einer verhältnismässig krisenfreien Zeit aufgewachsen. Grenzen öffneten sich, der Kalte Krieg endete, Mauern wurden tendenziell abgebaut.
Das gilt vielleicht für Zentraleuropa. Wäre man in Bosnien-Herzegowina aufgewachsen, sähe das etwas anders aus …
Das stimmt. Der Jugoslawien-Krieg war für die ansässige Bevölkerung eine Katastrophe. Ganz Europa spürte den Konflikt. Ganzheitlich betrachtet wurden die Möglichkeiten für das Individuum in den 90er- und 00er-Jahren jedoch stark ausgebaut: Man konnte fast gratis um die Welt fliegen und Sprachschulen besuchen. Der Euro vereinfachte alles, das Bologna-System wurde eingeführt, das Bildungssystem wurde durchlässiger. Neue Technologien wie die Mobiltelefonie und das Internet wurden grossflächig eingeführt. Information wurde zugänglicher. Diese Einflüsse waren hoch relevant.
In was für einer Welt wachsen heutige Teenager auf?
Der diesjährige UNO-Bericht beginnt mit den Worten: «Wir leben in einer Welt voller Sorgen». Die Teenager von heute wachsen in einer Krisenwelt auf: Es herrscht Krieg und Inflation, die Wirtschaft leidet, es gab den Brexit, jetzt bricht die Börse zusammen, es gibt den Klimawandel und so weiter. Als Teenager nimmt man das durchaus wahr. Zumal man ja über das Smartphone binnen Sekunden erfährt, wenn irgendwo auf der Welt etwas Schlimmes passiert ist.
Ein Nachteil der Digitalisierung?
Bad news haben sich schon immer schneller verbreitet als good news. Aber die Aufmerksamkeitsspanne junger Mobile-Device-Nutzer liegt bei 2,4 Sekunden. Das führt zu einer gesteigerten Wahrnehmung von Krisen.
Wer führt uns aus der Krise?
Wer es im Endeffekt tut, kann ich nicht voraussagen. Aber ich weiss, wer es tun sollte. Millennials kommen in der Politik, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft an den Drücker. Sie können die Dinge wieder in die richtigen Bahnen leiten und die Krise richten.
Wird bei der Generation Y das alte Modell der Work-Life-Balance komplett über Bord geworfen, welches besagt, dass man lebt, um zu arbeiten?
Dass diese Balance neu definiert wird, ist typisch für die Millennials. Sie waren mitunter die Ersten, die begannen, remote zu arbeiten. Digital Nomads sind auch sehr oft Millennials. Viele Gründer im Silicon Valley sind Millennials. Beispiele sind Mark Zuckerberg (Meta) oder Evan Spiegel (Snap).
Geht das einher mit einer Subjektivierung der Arbeit? Dass man also nicht mehr nur ein Rädchen sein will, sondern es auch für einen selbst stimmen soll?
Ja, das ist typisch Gen Y.
Gilt das auch für die Generation Z?
Nicht ganz. Die Zoomer trennen wieder viel stärker zwischen Work und Life. Während also die Ypsiloner das Ziel hatten, alles miteinander zu verbinden, versucht die neue Generation, es wieder klarer zu trennen. Logischerweise kann man das aber auch nicht generalisieren.
Womit kann man Millennials so richtig nerven?
Indem man nicht authentisch ist. Das Über-Werberische funktioniert bei dieser Generation nicht. Dazu gehört auch das Greenwashing: Wer mit Nachhaltigkeit wirbt, sollte auf Worte Taten folgen lassen. Millennials wollen Beweise sehen, sonst glauben sie einem nicht. Sie sind gut aufgeklärt und lassen sich keinen Bären aufbinden.
Gilt das auch für die Politik?
Ja. Wobei man auch nur wählen kann, wer sich zur Verfügung stellt.
«Let Europe arise. Die nächste Generation übernimmt in herausfordernden Zeiten. Welches Europa wollen die Millennials jetzt?» lautet das diesjährige Hauptthema der Gesprächs- und Ideenplattform Europa Forum. Als Höhepunkt der Jahresaktivitäten findet am 23. und 24. November 2022 das Annual Meeting im KKL Luzern statt.
Zu den namhaften Speakerinnen und Speakern zählen alt Bundesrätin Doris Leuthard, Deutschlands früherer Aussenminister Sigmar Gabriel, Historiker und Publizist Timothy Garton Ash, Schriftstellerin Nora Bossong, Chefin Sicherheitspolitik des VBS Pälvi Pulli und Politexperte Fabrice Pothier. Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket.