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Autor: Klaus Vonlanthen
Die Freiburger Nachrichten nutzen die Gelegenheit, um den Leserinnen und Lesern jeweils am letzten Dienstag des Monats ein astronomisches Thema vorzustellen.
Mit holländischem Fernrohr
Im Herbst 1608 wurde in Holland das damals erfundene Fernrohr erstmals vorgeführt. Galileo Galilei hatte in Padua davon gehört und richtete 1609 ein solches «holländisches Perspektivglas», das eigentlich für Feldherren gedacht war, auf den Nachthimmel. Dabei entdeckte er Erstaunliches:
? unzählige zusätzliche Sterne, die für das blosse Auge unsichtbar sind;
? Berge und Krater auf dem Mond;
? die vier grossen Monde des Jupiters.
«Und sie bewegt sich doch»
Vor allem das Ballett der vier Monde um den Jupiter herum sollte weitreichende Folgen haben. Es ist und war offensichtlich, dass diese Monde hinter dem Jupiter verschwinden, auf der anderen Seite wieder auftauchen, in einer bestimmten Entfernung wenden, sich Jupiter wieder nähern und schliesslich vor der Kugel des Jupiters vorbeiziehen. Diese vier «Galileischen Monde», wie sie später genannt wurden, kreisen offensichtlich um den Jupiter.
Die allgemein anerkannte Meinung damals aber war, dass sich die Erde unbeweglich im Mittelpunkt des Universums befände und sich neben dem Mond auch die Sonne, alle Planeten und sämtliche Sterne um die Erde drehen würden. Hier hatte Galilei den unumstösslichen Gegenbeweis gefunden, dass sich die Erde bewegt, was ihn in der Folge in Widerspruch zu Lehre und Macht der Kirche und entsprechend in Schwierigkeiten brachte.
Heliozentrisches Weltbild
Die neue Lehre, dass sich die Sonne im Zentrum des Planetensystems befindet, begann sich trotz allen Widerständen durchzusetzen. Entscheidend haben dabei auch die Berechnungen und die Theorien von Johannes Kepler mitgeholfen, der im Jahr der Jupitermonde auch zwei seiner Gesetze zu den Planetenbewegungen veröffentlichte. Später lieferte Isaac Newton der neuen Theorie auch noch den physikalischen Hintergrund, indem er bewies, dass es die gleiche Gravitationskraft ist, die sowohl den Apfel vom Baum fallen lässt als auch die Monde und Planeten auf ihren Umlaufbahnen hält.
Geburt der heutigen Naturwissenschaft
Neben seinen astronomischen und physikalischen Entdeckungen ist Galileo Galilei für seine Forschungsmethode bekannt: Um die Zusammenhänge in der Natur zu ergründen, genügt es seiner Meinung nach nicht, in den Büchern und Schriften nach bisherigen Meinungen zu suchen und sie gegeneinander abzuwägen. Das letzte Wort hat bei unterschiedlichen Theorien nämlich die Natur. Allein das Experiment entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Gedankenmodells. So ist Galilei auch einer der Begründer der modernen Naturwissenschaft.
Klaus Vonlanthen von der PH Freiburg ist Leiter der Sternwarte Ependes.