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Juan Martin Del Potro fordert am Sonntagabend Novak Djokovic im Final des US Open.
Auf dem Weg in seinen zweiten US-Open-Final in New York gegen Novak Djokovic profitierte Juan Martin Del Potro im Halbfinal von der Aufgabe von Rafael Nadal. Der Argentinier weiss, was es heisst, verletzt zu sein, und stand 2015 kurz vor dem Rücktritt.
Einer weiteren, vierten Operation am Handgelenk stimmte er zu. "Ich sagte mir, es ist die letzte. Eine weitere will ich nicht riskieren." Sein rechtes Handgelenk hatte Juan Martin Del Potro 2010 operiert, zwei weitere Eingriffe folgten vier Jahre später an der linken Hand. Die Probleme aber blieben, Besserung war nicht in Sicht. "Es war der schlimmste Moment. Ich fand keinen Ausweg mehr und war mehrere Monate depressiv." Del Potro stand kurz davor, seine Karriere zu beenden.
"Das ist nun aber Vergangenheit", sagte der 29-Jährige nach seinem Sieg gegen Nadal, der nicht zum ersten Mal durch eine entzündete Patella-Sehne gestoppt wurde und nach zwei Sätzen aufgab. "Ich kann es kaum glauben, dass ich wieder im Final stehe", so Del Potro. 2009 eroberte er als 20-Jähriger New York, als er im Final gegen Roger Federer in fünf Sätzen seinen einzigen Grand-Slam-Titel gewann.
Noch immer verfügt Del Potro über einen starken Aufschlag, noch immer kann er seine Vorhand wie kaum ein anderer auf der Tour beschleunigen. Seine Rückhand-Technik musste er aufgrund seiner Probleme am Handgelenk anpassen. "Ich variiere sie viel mehr als früher." Er ist reifer geworden, trägt seinem Körper mehr Sorge. An den spielfreien Tagen widmet er sich intensiv der Regeneration, täglich macht er Yoga. "Ich bin glücklich, dass ich wieder ein Tennisspieler bin", so Del Potro.
Auch der Erfolg kehrte zurück. 2016 holte er in Rio de Janeiro Olympia-Silber, im selben Jahr gewann er mit Argentinien den Davis Cup. In diesem Frühjahr feierte er in Indian Wells (gegen Federer) seinen ersten Masters-1000-Titel, im Ranking erreichte er mit Rang 3 die beste Klassierung, nachdem er zwischenzeitlich aus den Top 500 gefallen war. Dass er im Big Apple auch auf Stufe Grand Slam wieder im Final steht, ist kein Zufall. Es ist das Lieblingsturnier seit seiner Kindheit. "Im Fernsehen schaute ich entweder Fussball - oder das US Open."
Immer ein Top-5-Spieler
Wie Del Potro durchlebte auch Novak Djokovic eine persönliche Krise. Nach dem Sieg am French Open 2016, als er den Karriere-Grand-Slam geschafft hatte und alle vier grossen Titel gleichzeitig in seinem Besitz wusste, folgte der Absturz. In der Ehe mit seiner Frau Jelena kriselte es, die Leichtigkeit des Siegens war plötzlich weg. Später folgten Probleme mit dem Ellbogen, die ihn vor einem Jahr zu einer längeren Pause bewegten, Linderung brachte erst ein operativer Eingriff in diesem Frühjahr.
Nun ist Djokovic zum Siegen zurückgekehrt. In Wimbledon holte er seinen 13. Grand-Slam-Titel, in Cincinnati komplettierte er seine Masters-1000-Sammlung. Und in New York erinnerte der 31-Jährige wieder an den Djokovic der Jahre 2014 bis 2016, als er die Tour fast nach Belieben dominierte. Seit der 3. Runde gab er gegen Richard Gasquet, João Sousa, John Millman und Kei Nishikori keinen Satz ab.
Im Final ist Djokovic der Favorit, gewann er doch 14 der 18 direkten Vergleiche gegen seinen guten Freund. Doch der Serbe warnte: "Del Potro ist aus Sicht von allen immer ein Top-5-Spieler gewesen. Und er ist ein Mann für die grossen Spiele." Seine Aussage untermauerte er mit einer Statistik, die ihm zu Ohren gekommen ist. Gegen Nadal feierte Del Potro bereits seinen zehnten Sieg gegen eine Weltnummer 1, was vor ihm noch niemand geschafft hatte, der selbst nie an der Spitze des Rankings stand.
Del Potro behagt die Rolle des Aussenseiters. "Auch Federer war 2009 der grosse Favorit gewesen." Am Sonntag will er erneut die Überraschung schaffen. Gelingt ihm dies, wäre es die Krönung einer Karriere, die vor drei Jahren beinahe ein Ende gefunden hätte.