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Dinaw Mengestu (US)
Die Melodie der Luft
Ullstein Verlag, 2009
Als Dinaw Mengestu zwei Jahre alt war, verliess seine Familie Aethiopien und wanderte in die USA aus. «Identitätssuche» und «Heimatlosigkeit» prägen denn auch sein literarisches Werk, das durch grosse Erzählkraft besticht. «Und doch ist es bequemer, hier zu sein und Afrika zu vermissen, als dort zu sein und es jeden Tag zu hassen», lässt Mengestu eine Figur in seinem hochgelobten Erstling «Zum Wiedersehen der Sterne» sagen. Auch der neue Roman «Die Melodie der Luft» greift das Thema der Immigration auf: Hier sind es «Secondos», die immer noch zwischen den Welten leben und das Erfinden von Geschichten als ihre Überlebensstrategie angenommen haben.
Aus: Dinaw Mengestu. Die Melodie der Luft . Ullstein Verlag, 2009
Noch bevor mein Vater den Satz beendet hatte, merkte er, dass die Luft sich wie vor jeder heftigen Auseinandersetzung schlagartig veränderte. Es war ein Vibrieren, ein Schwirren. Liesse das Phänomen sich in Worte fassen, hätte mein Vater gesagt, dass die winzigen Partikel in der Luft, die wir atmen, sich ganz plötzlich elektrisch aufluden und spürbar lebendig wurden. Die Welt, hätte er gesagt, ist voll mit unseren Gefühlen und Gedanken, und alle scheinen sich in dem Raum zwischen zwei x-beliebigen Menschen zu versammeln. Er hatte früh gelernt, dass jeder aggressiven Handlung ein Moment vorausgeht, in dem sie, obwohl noch unsicher, bereits an den Veränderungen zu erkennen ist, die sie in der Luft hervorruft.