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Was wäre eine Fasnacht ohne Guggenmusik.
Von den Baslern erfunden, gibt es mittlerweile über 800 Guggen in halb Europa.
Aber erstmal zurück zum Anfang und was versteht man überhaupt unter Guggenmusik.
Was versteht man unter Guggenmusik?
In der Schweiz und in Süddeutschland wird die Guggenmusik auch „Guggemoseg“, „Guuggemusig“ (in der Zentralschweiz), „Guggamusik“ (in Vorarlberg), „Guggumüsig“ (im Kanton Wallis) oder „Chatzemusig“ (Katzenmusik) genannt. Es handelt sich um eine stark rhythmisch unterlegte, auf ihre eigene, sehr spezifische Art „falsch“ bzw. „schräg“ gespielte Blasmusik. Generell sind die Guggenmusiker dabei verkleidet und teilweise maskiert. Oftmals werden die Phantasiekostüme jährlich selbst neu zusammengestellt und manchmal sogar selbst genäht.
Die Guggenmusik ist ein wichtiger Grundbestandteil der Basler Fasnacht, Luzerner Fasnacht, Bärner Fasnacht, Winterthurer Fasnacht, Walliser Fasnacht, Solothurner Fasnacht, allgemein der Zentralschweizer Fasnacht und der schwäbisch-alemannischen Fasnacht.
Man vermutet, dass sich der Begriff her von „Gugge“ ableitet, was im Alemannischen für Tüte steht. Man darf den Begriff aber nicht verwechseln mit dem schweizerdeutschen „Guuge“ für alle Arten von (Blech)blasinstrumenten. Eine „Guggemusig“ betitelt daher eine Gruppe von Leuten, die zusammen musiziert, welche Masken und Verkleidung tragen und damals Tüten, welche in Basel und Umgebung ebenfalls Guggen heißen, trugen.
Geschichte
Gewisse Wurzeln der ersten Ursprünge der Guggenmusik kann man im 16. Jahrhundert ausmachen, als man zur Karnevalszeit mit Rasseln, Blecheimern, Trommeln, Kuhglocken oder Pfeifen umherzog, und die Musik so schräg sein sollte wie möglich. Laut und jämmerlich. Damals wurden bereits Masken und Kostüme verwendet. Tücher und alte Lumpen sowie eine Menge Fantasie nahm man, um verkleidet die Geister zu verschrecken.
1906 wurde der Begriff «Guggenmusik» erstmalig erwähnt. Wobei im Jahre 1874 erstmals eine Blaskapelle zum Morgestraich in Basel mitmarschierte. Auch wenn dies nur als Persiflage auf die Marschmusik des zunehmenden preussischen Militarismus gedacht war, wurden zunächst heftige Proteste laut, zehn Jahre später wurde es aber polizeilich erlaubt.
Die erste Gugge im heutigen Sinne wurde 1926 gegründet ist heute noch aktiv. Die «Jeisi-Migger-Guggemusik». Jeisy Migger, der damalige Pfeiferchef der «Alte Stainlemer», war es scheinbar am Fasnachtdienstag langweilig, weil nichts lief. Damals gab es Fasnacht nur am Montag und Mittwoch). Er erfand eine Musikformation, die mit Kartonsäcken (auf Baseldeutsch «e Gugge») und weiterem Klimbim Krach machte und damals bekannte Melodien persiflierte. Und zack, die Guggenmusik war spätestens dann erfunden.
1934 erlebten die Guggemusiken in Basel ihren großen Aufschwung und zogen am nicht genutzten Fasnachtdienstag – der nun als spezieller Guggetag gilt – in großer Zahl durch die Stadt: „mit schmetterndem Getöse“, „bäumig schränzend“ und „vorüber rasselnd“.
Aber der richtige Boom der Guggenmusik setze nach dem zweiten Weltkrieg ein. 1946 waren bereits schon 7 Musikgruppen unter dem Synonym «Guggenmusik» in Basel gemeldet. 20 Jahre später 24, Mitte der Achtziger bereits 67. Heute gibt es alleine nur in Basel knapp 100 Guggenmusiken.
1948 gab es die erste Guggenmusik in Luzern nach einem Gastauftritt von Basler Guggenmusiken. Von dort wanderte die Guggenmusik weiter nach Süddeutschland, Italien und Österreich.
Viele Musiker können auch heute noch tatsächlich keine Noten lesen, reicht das Niveau mancher Formationen inzwischen an Brass Bands heran. Insbesondere die Luzerner Gugge, mit ihren heissen Samba-Rhythmen, finden viele Nachahmer in Deutschland. Auch im Grossraum Zürich sind diese heute immer wieder anzufinden. Der grösste Unterschied zu den ursprünglichen Guggen in Basel und Luzern und den neu dazu gekommenen wie in Raum Zürich und Deutschland ist schnell ausgemacht. Die Guggen aus den alten Traditionsgebieten legen sich jährlich ein neues Sujet und damit neue Kostüme, gibt es neue “Kapellen“, die sich spärlich mit einem Überzugskostüm und etwas Farbe im Gesicht zufriedengeben.
Gibt es verschiedene Guggenmusik Arten?
Gerade in den letzten Jahren hat die Guggenmusik sich zu einer unabhängigen Musikgattung entwickelt. Viele Guggen haben Auftritte das ganze Jahr über. Sei es bei Strassenfesten, Geburtstagen, oder sogar auf Rockfestivals.
Heute gibt es viele unterschiedliche Arten von Guggenmusik. Auch wenn in den 1980er Jahren vor allem in der Zentralschweiz auch der Einfluss des brasilianischen Karnevals (Samba-Rhythmen) Einzug gehalten hat, werden dennoch meistens Volks- und Kinderlieder sowie bekannte Popsongs gespielt.
Es gibt tatsächlich keine einheitliche Definition der Guggenmusik, da jede Region andere Fasnachtstraditionen hat.
Die klassischen und traditionellen Instrumente sind Blechblasinstrumenten wie Trompete, Tuba und Posaune sowie dem unverzichtbaren Schlagwerk. Heute findet man auch fast jedes andere Instrument, z. B. Steeldrum, Dudelsack, Piccoloflöte, Klarinette, Saxophone und Sousaphon.
Mittlerweile diskutiert man immer wieder intensiv, wer sich überhaupt Guggenmusik nennen kann und darf. Grundsätzlich lässt sich folgende Unterscheidung machen:
- reine Musikvereine, die lediglich ein für Fasnacht angepasstes Repertoire spielen,
- spezialisierte Guggenmusiken, die das Jahr über für die närrische Zeit Musikstücke lernen und an Choreografien feilen,
- Gruppen von Laienmusikern, die oft nicht nach Noten spielen (können).
Guggenmusik nicht nur zur Fasnacht
Einige Guggenmusiken – auch Guggen genannt – welche sich speziell in der Schweiz finden lassen, veranstalten regelrechte Konzertreisen und treten sogar gegen Gage auf. Regionale und überregionalen Guggetreffen sorgen für einen regen Austausch. In Süddeutschland hingegen trifft man eher auf Zusammenschlüsse aus Laien- und Vereinsmusikern. Aber auch hier in gewissem Masse ein gewisser Wettbewerbsgedanke nicht immer von der Hand zu weisen. So wurde bereits einige Male die deutsche Guggenmusik-Meisterschaft im Europa-Park in Rust ausgetragen. Auch in Merseburg gibt es ein jährlich stattfindendes Guggenmusik-Festival. In einem Wettstreit wird unter vielen Guggenmusikgruppen aus ganz Deutschland die beste Gruppe ermittelt.
Das grösste Internationale Guggemusik Treffen der Welt findet in der Fasnetzeit in Schwäbisch Gmünd statt. Es finden sich jährlich zwischen 60’000 und 100’000 Besucher zusammen. Des Weiteren gibt es auch ein Europäisches Guggemusik Festival mit wechselnden Lokalitäten in ganz Europa.