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Milton Guerry, Präsident der International Federation of Robotics, sagt: «Regierungen und Unternehmen weltweit sollten sich darauf konzentrieren, die nötigen Kompetenzen für den Umgang mit Robotern und smarten Automatisierungssystemen zu vermitteln. Das ist nötig, um das Potenzial dieser Technologien voll zu nutzen. Die konjunkturelle Erholung in der Nach-Corona-Zeit wird die Nachfrage nach Robotik beschleunigen. Es bedarf politischer und privatwirtschaftlicher Strategien, um den Weg zu einer automatisierteren Wirtschaft für die Beschäftigten zu ebnen.»
«Aktuell gehen nur sehr wenige Länder offensiv daran, ihr Bildungssystem an das Automatisierungszeitalter anzupassen», kommentiert Saadia Zahidi, Expertin für Initiativen in den Bereichen Bildung, Gender und Beschäftigung beim World Economic Forum, die vom IFR formulierten Fragestellung. Und sie fährt fort: «Die erfolgreichen Staaten fokussieren seit langem auf die Entwicklung des Humankapitals. Einige nordeuropäische Länder sowie Singapur führen die vermutlich sinnvollsten Versuche zur Arbeitswelt der Zukunft durch.»
Laut dem von der «The Economist Intelligence Unit» (EIU) veröffentlichten «Automation Readiness Index» betreiben nur vier Länder eine ausgereifte Bildungspolitik, die den Herausforderungen einer automatisierten Wirtschaft bereits gerecht wird. Südkorea führt dieses Ranking an, gefolgt von Estland, Singapur und Deutschland. Länder wie Japan, die USA und Frankreich werden als entwickelt eingestuft, während China hier noch als Schwellenland rangiert. Auf der Agenda der Regierungen müssen laut EIU nun stehen: Multi-Stakeholder-Dialoge, mehr Ausbildung und der internationale Erfahrungsaustausch.
Als kurzfristige Strategie auf Unternehmensebene ist ein Wechsel der Einstellungspolitik eine Option: «Wenn Sie keine erfahrenen Mitarbeiter finden, müssen Sie Ihr Augenmerk auf die Qualifikationen der Bewerber richten anstatt auf ihre Berufsbezeichnung», empfahl Byron Clayton als CEO von Advanced Robotics for Manufacturing (ARM) beim IFR-Roundtable in Chicago. «Man muss auf das Potenzial der Bewerber setzen. Wenn Sie keine erfahrenen Mitarbeiter finden können, müssen Sie eben jemanden einstellen, der in der Lage ist, den Job zu erlernen.»
Roboterhersteller unterstützen die Aus- und Weiterbildung für Robotik bereits mit praxisorientierten Schulungen. «Die Umschulung der bestehenden Belegschaft ist allerdings nur eine kurzfristig angelegte Massnahme. Wir müssen schon viel früher ansetzen: Bereits die Lehrpläne für Schule und Ausbildung müssen an die Ansprüche der Industrie an die Arbeitskräfte der Zukunft angepasst werden. Dies sind zum einen Technik- und Digital-Kompetenzen, ebenso wichtig sind aber kognitive Fähigkeiten wie analytisches und kritisches Denken», sagt Susanne Bieller, Generalsekretärin der International Federation of Robotics. «Volkswirtschaften sollten die Automatisierung annehmen und die nötigen Kompetenzen dafür aufbauen. Nur so wird es gelingen, von den Vorteilen der Technik zu profitieren – und nicht vom internationalen Wettbewerb abgehängt zu werden.»
Am 9. Dezember wird das Thema auf der Fachmesse für smarte Automation und Robotik «Automatica» in München unter dem Titel «Next Generation Workforce – Upskilling for Robotics» von Experten auf dem IFR Executive Round Table diskutiert. (msc)
International Federation of Robotics (IFR)
Die International Federation of Robotics ist das Sprachrohr der weltweiten Robotikindustrie. IFR vertritt nationale Roboterverbände, Bildungseinrichtungen sowie Roboterhersteller aus mehr als zwanzig Ländern. IFR wurde 1987 als gemeinnützige Organisation gegründet.
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