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Hasslöcher, Karl Heinz (1359) – Buch, Alexander (1261)
Ludwigshafen 1998
1.d4 g6 2.c4 Lg7 3.Lf4 d6 4.Sf3 Sf6 5.Sc3 Lg4 6.e3 Sbd7 7.Le2 0–0
8.0–0
Beide sind ihrer persönlichen Schablone gefolgt. Er wird demnächst mit h2-h3 den Läufer zum Abtausch zwingen. Abtäusche zu erzwingen ist methodisch immer bedenkenswert. In diesem Fall würde der untätige Läufer e2 auf der langen Diagonale aktiv. Aus diesem Grund hätte Schwarz besser auf 5…Lg4 verzichtet.
Schwarz hat selber zwei Angriffe zur Auswahl.
8…e5 9.dxe5 Lxf3 10.Lxf3 dxe5 11.Lg3 c6, das scheint der korrekte Zug zu sein.
8…Sh5 9.Lg5 h6 10.Lh4 g5, aber hier ist der Konter 11.h3 möglich. Eine Variante: 11…Le6 12.d5 (auch das Opfer 12.Lxg5 ist stark) 12…Lf5 13.g4 Lxc3 14.bxc3 Le4 15.Lxg5 hxg5 16.gxh5 e5.
8…c5
Das schwächt nur die lange Diagonale nach 9.h3 Lxf3 10.Lxf3 Tb8. Wenn schon, wäre 8…c6 solider gewesen.
9.b3
Ein „positioneller“ Zug, der den Sc3 entwurzelt und 9…Sh5 ermöglicht, 10.Lg5 h6 11.Lh4 g5, da nun nach 12.h3 Le6 13.d5 nicht mehr möglich ist, weil der Springer c3 hängt.
9…a6 10.h3 Lxf3 11.Lxf3 Tb8
12…b5 ist nun zwar keine richtige Drohung, aber es würde etwas Druck machen und das schwarze Spiel befreien. Weiss sollte sich mit 12.a4 darum kümmern. Er macht einen „Entwicklungszug“.
12.Te1 Te8
12…b5 war methodisch und notwendig. 13.cxb5 axb5 14.a4 bxa4 15.bxa4, der a-Bauer sieht zwar gefährlich aus, aber nach 15…Da5 hat er Gegenspiel.
13.a4 b6
Ein Verlegenheitszug, denn 13…cxd4 14.exd4 e5 15.dxe5 dxe5 16.Lg3 b6 ist unangenehm. Schwarz ist in eine passive Verteidigung geraten.
14.Tc1
Er möchte d4-d5 spielen, deckt den Springer, und zieht den Turm aus der langen Diagonale. Schwarz entschliesst sich nun doch zu e7-e5.
14…cxd4 15.exd4 e5 16.dxe5 dxe5 17.Lg3 Lh6
Das ist kein methodischer Zug, er treibt nur den Turm zu einem Angriff auf e5: 18.Tc2 mit der Idee 19.Te2.
Methodisch war 17…Sc5 mit der Idee 18.Txe5 Dxd1+ 19.Txd1 Sxb3, aber nach 20.Sd5 steht er ebenso schlecht wie in der Partie.
18.Tb1 De7
Die falsche Seite, 18…Dc7 war angebracht. Methodisch ist nun 19.Lh4, was 20.Sd5 droht. 19…g5 geht nicht, nach 20.Dd2 verliert er einen Bauern.
Wie stark die Initiative schon ist, zeigt die Variante 19.Lh4 De6 20.Sd5 Sxd5 21.Lxd5 Df5 22.g4 Df4 23.Lc6.
Er „besetzt den Vorposten“, und verschenkt damit die Hälfte des Vorteils.
19.Sd5 Sxd5 20.Lxd5 Tbd8
Nun hätte 21.f4 Methode. 21…Lg7 22.fxe5 Sxe5 23.De2 mit hässlichem Druck in der e-Linie.
21.f3 Dc5+
Er läuft in einen Konter hinein. Das wäre schon okay gewesen, wenn er damit die Dame nach c7 hätte stellen wollen.
22.Lf2 Dd6?? 23.Te4??
Beim ersten Nachspielen hatte ich mich gewundert, wie kompetent die Protagonisten zu Werke gingen. Die Partie hätte bisher durchaus von 1800-ern gespielt sein können. Das Hauptproblem bei 1400-ern ist die Forderung „nichts einstellen!“. Was nützt positionell ansprechendes Spiel, wenn ich bei erster Gelegenheit die Dame einstelle? Gut, der Gegner hat es auch nicht gesehen, so kommen wir nun in den Genuss einer echten 1400-er Partie.
23…Sf6 24.De2
Er macht noch das beste daraus, und bietet die Qualität an. Der Ld5 schien Schwarz zu gewaltig, und so entfernte er diesen.
24…Sxd5 25.cxd5 Dxd5 26.Dxa6 Te6
Weiss konnte den Bauern sofort nehmen: 27.Lxb6 Ta8 28.Dc4 Dxc4 29.bxc4 und der Läufer ist gedeckt. Sein nächster Zug entzieht seinem König einen Verteidiger, was Schwarz folgerichtig mit einem Mattangriff ausnützt.
27.Tb4 Dd2 28.Txb6 Le3 29.Txe6
Korrekt war nun 29…Lxf2+ 30.Kh1 fxe6 31.Dxe6+ Kg7 31.Dxe5+ Kh6.
29…Dxf2+ 30.Kh2??
30.Kh1 Td2 31.Te8+ Kg7 32.Df1 deckt das Matt. Es ist trotzdem remis. Siehe nächste Variante.
30…Lf4+ 31.Kh1 Td2??
Wenn ich zwischen zwei Mattdrohungen aussuchen darf, sollte ich die undeckbare nehmen. Nach 31…Dg3 32.Kg1 Td2 hat Weiss nur noch ein paar Racheschachs.
32.Te8+ Kg7 33.Df1 Dg3 34.Dg1 Te2 35.b4 Le3 36.Df1 Lf4 wird remis durch Zugwiederholung.
32.Tg1?? Dg3 0–1
Ich habe ein paar Dutzend Patzerpartien durchgesehen, bevor ich mich für diese entschieden habe, weil ihr Niveau in den ersten 20 Zügen für Spieler dieser Stärkeklasse erstaunlich hoch war. Ich habe keine Statistik geführt, aber es war offensichtlich, dass die hauptsächliche „Todesursache“ Einsteller waren.
Das Unterlassen von Angriffen ist ebenfalls sehr beliebt, aber das führt ja selten zum Verlust. Häufiger sind Angriffe, die in Konter hineinlaufen.