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Emil Georg Bührle (1890 bis 1956) hatte nach einem Germanistik- und Kunstgeschichte-Studium eine Laufbahn als Industrieller eingeschlagen. Zwischen 1936 und 1945 erwarb er rund 150 Kunstwerke, von denen später einige als Raubgut identifiziert wurden. Der grösste Teil der heute rund 600 Werke umfassenden Sammlung entstand zwischen 1951 und 1956. Etwa 170 überwältigende Meisterwerke werden seit Anfang Oktober als Dauerleihgabe im Kunsthaus Zürich präsentiert. Der Schwerpunkt liegt auf der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts mit herausragenden Impressionisten wie Cézanne, Van Gogh, Monet, Pissarro und Renoir.
Auf besondere Beachtung stiessen bei den begeisterten Besuchern aus Wil und Umgebung zwei Werke mit einer ganz besonderen Geschichte. Das Ölgemälde „Der Knabe mit der roten Weste“ von Paul Cézanne (1839-1906) mit einem Wert von rund 100 Millionen Franken war 2008 beim spektakulären Zürcher Kunstraub entwendet worden und tauchte vier Jahre später in Serbien wieder auf.
Eine berührende Geschichte verbirgt sich hinter dem Bild „Irène Cahen d’Anvers“ von Pierre-Auguste Renoir (1841-1919), das im Zweiten Weltkrieg von den Nazis aus dem prachtvollen Loire-Schloss Chambord entwendet wurde und in den Besitz des 1946 zum Tod verurteilten Kriegsverbrechers Hermann Göring ging. Bührle erwarb dieses 1880 entstandene Werk 1949 zum Preis von 240‘000 Franken.
Ein Teil der Führung in drei Gruppen war der Architektur des Erweiterungsbaus gewidmet. Mit einer Kombination aus Marmor und Sichtbeton hat der britische Architekt Sir David Chipperfield mit einem Kostenaufwand von 206 Millionen Franken einen lichtdurchfluteten Kunsttempel geschaffen, der in die ganze Kunstwelt ausstrahlt.