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Der US-Chemiekonzern Dow Chemical soll auch in Sotschi als «offizieller CO2-Partner» für die «Minderung des ökologischen Fussabdrucks» der Olympischen Spiele sorgen. Das Olympische Komitee hat vor vier Jahren mit Dow Chemical einen Zehnjahresvertrag abgeschlossen.
Katastrophal für Mensch und Umwelt war hingegen der Unfall in einer Pestizidfabrik in der indischen Grossstadt Bhopal, bei dem im Jahr 1984 mehrere Tonnen giftiger Stoffe austraten. Der bisher schlimmste Chemieunfall der Geschichte tötete gegen 20 000 Menschen und forderte 500 000 Verletzte. Dreissig Jahre nach dem Unglück ist die Region immer noch verschmutzt, viele BewohnerInnen leiden an Folgeschäden. Die Fabrik gehörte dem US-Konzern Union Carbide, der 2001 von Dow gekauft wurde.
Am vergangenen Montag mussten in Bombay neun AktivistInnen und sechs Organisationen vor einem Gericht erscheinen, weil Dow gegen sie klagt. Das angebliche Verbrechen der Angeklagten ist, dass sie mit Demonstrationen und Streiks Dow dazu bringen wollen, Verantwortung für die Katastrophe zu übernehmen. Union Carbide und Dow verweigern das bis heute. In der Anklageschrift, die der WOZ vorliegt, fordert Dow eine Entschädigung von umgerechnet 360 000 Franken – für Schäden, die die Firma wegen vergangener Aktionen erlitten haben soll. Zudem solle das Gericht zukünftige Streiks und Demonstrationen vor Firmengebäuden verbieten. Es ist bereits die vierte Klage von Dow gegen AktivistInnen, die sich für die Opfer einsetzen.
Gleichzeitig kämpft die nichtstaatliche Organisation Earth Rights International in einem Gerichtsprozess in New York gegen Dow. Am 5. Februar hat sie neues Beweismaterial geliefert, das die direkte Verantwortung von Union Carbide für den Unfall bezeugt. 2012 hatte Dow einen ähnlichen Prozess mangels Beweisen gewonnen – jetzt könnten die Aussagen von ehemaligen Angestellten der Fabrik zu einem anderen Urteil führen.