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Gemäss neusten Zahlen wurden in Indien 27 Prozent der jungen Frauen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet – das sind fast nur noch halb so viele wie vor einem Jahrzehnt. Das bedeutet aber noch immer, dass Millionen von Mädchen betroffen sind von diesem Schritt, der für den weiteren Lebensweg richtungsweisend ist. Denn verheiratete Mädchen brechen so gut wie immer die Schule ab, womit die Chance auf ein selbständiges Leben schwindet.
Die Situation
UNICEFs Anstrengungen sind unermüdlich, Mädchen in die Schule zu bringen und sie bis zum Schulabschluss zu begleiten. Bei mehr als einem Viertel der Mädchen in Indien verläuft der Lebensweg anders: 27 Prozent der jungen Frauen wurden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, 18 Prozent gar vor dem 15. Geburtstag. Besonders hoch ist die Prävalenz von Frühehen in den ländlichen Gebieten Bihars, eines der ärmsten und sozioökonomisch unterentwickeltsten Bundesstaaten, in denen UNICEFs gegenwärtige Programmarbeit läuft. 39 Prozent der hier lebenden jungen Frauen wurden minderjährig verheiratet – in einzelnen Distrikten Bihars sind es sogar über 80 Prozent. Viele der jungen Bräute brechen die Schule ab und wie in ganz Indien ist die Prävalenz von Frühehen in Bihar in den ländlichen Regionen wesentlich höher als in Städten.
Einmal verheiratet, erwartet die Mädchen ein oft steiniger Weg, gezeichnet von Abhängigkeit, Erniedrigung, Ausbeutung. Viele der jungen Ehefrauen werden schwanger, bevor ihr Körper das Ende des Wachstums erreicht hat. Künftig heisst es, ihrem Mann zu gehorchen und in seiner Familie mitzuhelfen. Häusliche Gewalt und sexuelle Ausbeutung sind an der Tagesordnung. 4,5 Prozent der 15- bis 19-jährigen Mädchen wurden bereits Opfer sexueller Übergriffe – das sind rund 2,6 Millionen Kinder; bei den verheirateten Mädchen dieses Alters beträgt der Anteil 13 Prozent. Frühehen sind zudem einer der Hauptgründe für Indiens hohe Müttersterblichkeitsrate: Auf 100 000 Geburten sterben 200 Frauen während der Schwangerschaft oder während oder nach der Geburt.
So hilft UNICEF
Dank enger Zusammenarbeit mit höchsten Regierungsstellen wurde Ende letzten Jahres im besonders betroffenen Bihar eine bundesstaatsweite Kampagne unter dem Titel «Unser Bihar frei von Kinderehen und Mitgift» lanciert. Dieser Schritt löste auf politischer, administrativer und sozialer Ebene eine wahre Hebelwirkung aus. Ursprünglich war die Kampagne auf fünf Distrikte ausgerichtet, nun umfasst sie ganz Bihar mit 38 Distrikten. Das Programm fokussiert auf die Sensibilisierung qualitativ guter und für alle zugänglicher Bildung und das Erlernen von Lebensfähigkeiten, für sich selbst einzustehen. Der Aktionsplan der Regierung wurde mit UNICEFs Unterstützung erarbeitet, wird nun gemeinsam umgesetzt und die Resultate werden parallel überwacht.
Das Recht auf Bildung steht im Zentrum von UNICEFs Programmarbeit in Indien. Der Fokus der in jahrelanger Zusammenarbeit mit der indischen Regierung umgesetzten Massnahmen richtet sich besonders auf Mädchen, die aus marginalisierten Familien stammen. Denn es zeigt sich, dass Bildung das wirksamste Mittel zur Durchbrechung der Armutsspirale ist: Mädchen, die zur Schule gehen, erlernen das Rüstzeug für ein später eigenständiges Leben; sie wachsen gesünder auf und laufen deutlich weniger Gefahr, allzu früh verheiratet zu werden.
Helfen auch Sie!
Mit einer Projektpatenschaft helfen Sie mit, indische Mädchen zu fördern und ihnen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Wir danken Ihnen von Herzen.