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Die Bossa Nova ist eine Stilrichtung der brasilianischen Volksmusik, welche gegen Ende der 50er Jahre in der damaligen Hauptstadt Rio de Janeiro entstand. Anfangs gebrauchte man den Terminus „Bossa Nova“ lediglich, um damit eine neue Art den Samba zu singen und zu spielen auszudrücken. Jahre später entwickelte sich „Bossa Nova“ zu einer der bekanntesten brasilianischen Musikstilrichtungen in aller Welt – eng assoziiert mit den brasilianischen Musikern João Gilberto, Vinicius de Moraes, Antonio Carlos Jobim und Luiz Bonfá.

Die Bossa Nova wird 50. Kein anderer Musikstil hat diese Leichtigkeit und diese vollendende Tragik. Die Kombination von schwerelosen Melodien und melancholischen Texten hat ein Gesamtkunstwerk erschaffen, in dem soviel zusammenfliesst, dass daraus ein einmaliges Klangerlebnis wurde, welches noch heute so zeitlos klingt, als wären die Stücke erst vor wenigen Wochen geschrieben worden. Die Sendung erzählt von der Entstehung der Bossa Nova, beleuchtet das wohl berühmteste Werk “Garota de Ipanema” von Tom Jobim und Vinicius de Moraes und zeigt die Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte bis hin zum Brasilectro, die elektronisierte Form der Bossa Nova in der heutigen Zeit.
Die Wurzeln der Bossa Nova
Das Wort „Bossa“ erschien zum ersten Mal in den 30er Jahren – in „Coisas Nossas“ (Unsere Sachen), ein Samba des populären Noël Rosa: „O samba, a prontidão / e outras bossas, / são nossas coisas(…)“. Der Ausdruck „Bossa Nova“ wurde dann auch in den folgenden Jahren benutzt, und zwar für jene von plötzlichen Pausen unterbrochene „Sambas de breque“ – die der talentierte Sänger dazu benutzte, kurze gesprochene Texte einzufügen.
Einige Musikkritiker heben den grossen Einfluss hervor, welchen die amerikanischen Nachkriegskultur auf den Bossa Nova hatte – den Einfluss von Musikern wie Stan Kenton, kombiniert mit dem klassischen Impressionismus von Debussy und Ravel – und vor allem der des Jazz und des Bebop. Obwohl beeinflusst durch ausländische Musik, besitzt er wesentliche Elemente des synkopierten Samba. Die Sänger Dick Farney und Lúcio Alves, feierten grosse Erfolge in den 50er Jahren mit ihrer weichen und minimalistischen Art des Vortrags (im Gegensatz zu Sängern gewaltiger stimmlicher Potenz) – sie beide werden als positive Einflüsse auf die Jungs betrachtet, die den Bossa Nova kreierten.
Eine Art Embryo der Bewegung – schon während der 50er Jahre – waren gelegentliche Treffen von Musikern der Carioca-Mittelklasse in Appartements der Südzone, wie zum Beispiel in der Wohnung von Nara Leão, in der Avenida Atlântica in Copacabana. Ab 1957 trafen sich die Mitglieder dieses Zirkels immer häufiger, um Musik zu machen und zu hören. Unter den Teilnehmern jener Meetings waren neue Komponisten der brasilianischen Musik, wie Billy Blanco, Carlos Lyra, Roberto Menescal, Sérgio Ricardo und andere. Die Gruppe wuchs und hiess auch Chico Feitosa, João Gilberto, Luiz Carlos Vinhas, Ronaldo Bôscoli und andere Zugänge willkommen.
Die erste brasilianische Musikbewegung, die von den Universitäten ausging – denn die ersten Konzerte fanden im Universitäts-Ambiente statt – um sich langsam Schritt für Schritt in den Bars der Copacabana-Gegend einzuquartieren – im so genannten „Beco das Garrafas“ (Flaschen-Gässchen).
Ende 1957, anlässlich einer jener Präsentationen im Kolleg „Israelita-Brasileiro“, hatte ein Sekretär des Kollegs eine Nachricht ans Schwarze Brett gepinnt, in der er die Leute zu einer Präsentation von „Samba-Sessions“ einlud (das war bis dato die offizielle Bezeichnung jenes neuen Genres als Fusion zwischen Samba und Jazz), die von einer Gruppe „Bossa Nova“ dargeboten werden sollten. An diesem Event nahmen teil: Carlos Lyra, Ronaldo Bôscoli, Sylvia Telles, Roberto Menescal und Luiz Eça, und sie wurden angesagt als “ (…) Gruppe Bossa Nova präsentiert moderne Sambas“!