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Karl Marx hatte offensichtlich Jäger und Sammler Gesellschaften zumindest lesend gut untersucht. Viele Aspekte, die er glaubt, dass sie im Kommunismus umgesetzt würden, findet man in der Tat bei Jägern und Sammlern, die quasi in einem Urkommunismus leben. Doch Marx Betrachtung war leider einseitig.
Gemeinschaften ohne Hierarchien sind möglich. Da aber jede Gemeinschaft Regeln benötigt, muss eine kommunistische Gemeinschaft entweder auf Freiwilligkeit oder auf implizitem Zwang beruhen. Bei Jägern und Sammlern ist es letztlich das Zweite: man wird in diese Gemeinschaft hineingeboren, entsprechend sozialisiert und Abweichler werden nicht geduldet. Es ist also ein Zwang, der aber in der Regel nicht als solcher erlebt wird.
Solche Gemeinschaften können ohne Privateigentum funktionieren. Das setzt allerdings voraus, dass das Überlebensnotwendige im Überfluss vorhanden ist, es nur wenig gibt, was man besitzen, respektive nicht leicht ersetzen könnte und dass man jene ausgrenzt, die sich Besitz anzueignen versuchen.
Jäger und Sammlergemeinschaften nutzen deshalb ihre Ressourcen nur sehr eingeschränkt. Sie legen keine grossen Vorräte an, jagen und sammeln nur das, was sie gerade benötigen. Diese Voraussetzung kann aber nur erfüllt bleiben, wenn die Gemeinschaft nicht zu stark wächst. Denn je grösser die Population, desto mehr Ressourcen wird sie benötigen.
Um die Population zu regulieren gibt es beispielsweise Infantizide und Gerontozide. Bis zu 50 Prozent der Kinder überleben die ersten 3 Wochen nicht – da sie oft von der Mutter getötet werden. Erst mit 3 Wochen erhalten sie einen Namen und werden erst so Teil der Gemeinschaft. Alte, die mehr Ressourcen verbrauchen als sie generieren können werden unter Umständen ebenfalls ihrem Schicksal überlassen – oder opfern sich für die Gemeinschaft.
Solche urkommunistischen Gemeinschaften können bis zu ungefähr 150 Menschen umfassen. Wird eine Gruppe zu gross und damit komplexer, weil sich nicht mehr alle kennen, respektive sich nicht mehr alle gegenseitig im Blick haben können, wird eine Hierarchie benötigt. Diese Hierarchie ist aber das Ende des Urkommunismus, da ein Kommunismus definitionsgemäss eine herrschaftsfreie Gemeinschaft sein muss.
Doch sind Jäger und Sammlergemeinschaften wirklich herrschaftsfrei? Wie bereits erwähnt basieren sie letztlich auch auf Zwang. Wer sich nicht den ungeschriebenen Regeln unterwirft wird von der Gemeinschaft bloss gestellt, vertrieben oder sogar getötet. Solche Gemeinschaften sind deshalb zwangsläufig extrem innovationsfeindlich, da Innovationen die impliziten Regeln der Gemeinschaft in Frage stellen können. Sie verunmöglichen aus dem gleichen Grund aber auch das Ausbilden von Individualität. Solange das in einer kleinen, eng verwandten Gemeinschaft passiert, kann das offensichtlich funktionieren.
Schon mit der Sesshaftigkeit steigt die Komplexität einer Gemeinschaft. Mit der zunehmenden Komplexität kommen solche urkommunistischen Gemeinschaften aber schnell an ihre Grenzen, weshalb es kein Zufall ist, dass es sich dabei wohl (fast) ausschliesslich um Jäger und Sammlergemeinschaften handelt. Den Urkommunismus zu skalieren ist deshalb nicht möglich und er ist definitiv kein Zukunftsmodell für eine Welt mit 10 Milliarden Menschen.