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Menschen aus der ASZ erzählen von ihren Erfahrungen im Schweizer Bildungssystem. Manchmal gleichen diese einer Odyssee.
Fatumata: Seit 2018 besuche ich den Alphabetisierungskurs an der ASZ. Ich bin in Guinea-Bissau aufgewachsen. Meine Muttersprache ist Fula, aber ich spreche auch Kreol, das ist eine Mischung aus Portugiesisch und einer lokalen Sprache. Wo ich aufgewachsen bin, gab es damals keine Schule. Die nächste Schule war etwa fünf Kilometer entfernt. Niemand aus meinem Dorf hat diese weit entfernte Schule besucht. Mir war als Kind nicht einmal klar, dass es dort eine Schule gab. Viel später, als ich in die Schweiz gekommen bin, hat mein Mann von der ASZ erzählt.
Iaia, Fatumatas Ehemann: Ich lebte schon lange in Europa, und als ich in die Schweiz kam, wusste ich, wie wichtig es ist, zu lernen. Ich fragte, wo man Deutsch lernen kann. So habe ich von der ASZ erfahren.
Fatumata: Ich wollte Deutsch lernen, aber auch schreiben und lesen. Ich dachte, wenn ich lerne, kann ich das. Wenn ich mir Mühe gebe, kann ich das. Als ich zum ersten Mal in den Kurs kam, war es für mich sehr schwierig, etwas zu schreiben. Doch die Moderatorin nahm meine Hand und hat mir geholfen. Meine Hand war sehr hart, nicht flexibel, aber mit der Zeit habe ich an Flexibilität gewonnen und konnte dann selber schreiben. Ich versuchte, so oft wie möglich den Kurs zu besuchen. Meine ganzen Gedanken waren einfach nur bei der Motivation, dass ich immer mehr schaffen kann.
Seit einem Jahr kann ich kurze Sachen lesen und auch etwas schreiben. Aber noch nicht so viel. Die Briefe, die ich nach Hause bekomme, kann ich zum Beispiel noch gar nicht lesen. Ich kann nicht verstehen, was drinsteht. Ich habe mir aber keinen Zeithorizont gegeben, solange ich gesund bin und kann, möchte ich einfach in die Schule kommen.
Ich bin die gleiche Fatumata, die ich war, als ich noch nicht lesen und schreiben konnte. Aber ich glaube, die Situation ist für mich viel besser geworden. Ich bin trotzdem noch nicht zufrieden, ich möchte mehr lesen und verstehen können. Mein grosser Wunsch ist es, alles verstehen zu können. Diese Gedanken habe ich in Guinea-Bissau nicht gehabt. So denke ich erst, seitdem ich hierhergekommen bin. Hier habe ich verstanden, dass es, ohne lesen und schreiben zu können, fast nicht geht. Bei mir zu Hause war das kein Problem, ich habe gelebt wie alle anderen, aber hier muss man das können. Wenn ich im Zug bin, lese ich viel, und vor allem kann ich jetzt verstehen, was sie sagen, die Haltestellen und so, und ich kann die Preise im Supermarkt lesen und vergleichen.
Iaia: Wir sind sehr, sehr froh, dass wir hier zum ersten Mal an einen Tisch sitzen konnten und gelernt haben. Das haben wir beide hier machen dürfen. Ich komme aus Portugal, ich kann die Sprache sehr gut sprechen, aber ich kann nicht lesen. Zum ersten Mal habe ich hier lesen und schreiben gelernt. Wir sind glücklich, dass das hier möglich ist, und wir werden diese Möglichkeit auch weiter nutzen.
Fatumata: Meiner Familie in Guinea-Bissau habe ich erzählt, dass ich hier zur Schule gehe und lesen und schreiben lerne. Meine Tochter hat die Schule bis zur 7. Klasse besucht. Zu meiner Zeit wollten die Eltern nicht, dass die Kinder in die Schule gehen. Aber jetzt können die Kinder auch in meinem Dorf in die Schule gehen. Es gibt da jetzt auch eine Schule.