Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03609.jsonl.gz/789

Einführung
Im Laufe der Evolution von den niederen zu den höheren Vertebraten nimmt die Entwicklung des Telencephalons an Bedeutung zu während der Hirnstamm keine tiefgreifenden phylogenetisch bedingten Veränderungen erfährt. Die mächtige Entwicklung der Grosshirnhemisphären beim menschlichen Embryo resümiert dabei gewissermassen die Phylogenese.
Die Hemisphären dehnen sich seitlich und nach caudal aus und überdecken dabei das Diencephalon, den dorsalen Teil des Mesencephalons und einen Teil des Metencephalons. Die künftigen Hemisphären bleiben jedoch zeitlebens durch die Fissura longitudinalis cerebri voneinander getrennt.
Seitlich am Telencephalon entstehen die beiden Grosshirnbläschen während die median gelegene Lamina terminalis den rostralen Abschluss des Neuralrohres am Ort des früheren Neuroporus anterior (Stadium 11) bildet. Im Gegensatz zu den Hemisphärenbläschen entwickelt sich die Lamina terminalis nur unwesentlich weiter. Die Ausdehnungen des Hohlraumsystems in die Hemisphärenbläschen entwickeln sich zu den Seitenventrikeln, welche über die Foramina interventricularia (Foramina Monroi) mit dem III. Ventrikel in Verbindung stehen
Aus dem Dach der Hemisphärenbläschen entsteht jederseits ein Hirnmantel, Pallium, während sich deren Boden, Subpallium zu den Ganglienhügeln (Stadium 15) verdickt. Aus diesen gehen später die inneren Kerngebiete einer jeden Hemisphäre hervor.
Entsprechend der bleibenden Situation bei niederen Vertebraten (lissencephal) sind die Hemisphärenbläschen an ihrer Oberfläche zunächst glatt. Ab der 18. Woche kommt es jedoch zu einer Vergrösserung und Umfangsvermehrung des Palliums, welche zur typischen Ausbildung von Hirnwindungen, Gyri und Furchen, Sulci führt. Nach Abschluss dieses Prozesses liegen etwa zwei Drittel der Hirnoberfläche in der Tiefe der Furchen verborgen.
Zunächst dehnen sich die Grosshirnbläschen nach dorsal aus, danach biegen sie nach caudal um und wenden sich dann bogenförmig über ventral nach rostral. Die Grosshirnhemisphären weisen damit eine nach rostroventral geöffnete hufeisenförmige Krümmung auf. Im Bereiche des Drehpunktes bleibt ein Gebiet, die Insula, in seinem Wachstum zurück und wird dadurch in die Tiefe verlagert. Dementsprechend kommt der Sulcus lateralis (Sulcus Sylvii) über diesen Lobus insularis zu liegen. Vom Sulcus lateralis ausgehend lassen sich vier Hirnlappen unterscheiden: die Lobi frontalis, parietalis, temporalis und occipitalis. Ab dem 6. Monat zeichnen sich allmählich der Sulcus centralis (Rolandi) und der Sulcus parietooccipitalis als Grenzen zwischen den entsprechenden Lobi ab.