Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03303.jsonl.gz/849

Molosser und sogenannte Listenhunde – die verurteilten Kompakten
Wohl kaum eine Gruppe von Hunden und Hunderassen wurde in den letzten Jahren so häufig in der öffentlichen Diskussion genannt wie die auch als Listenhunde oder sogar «Kampfhunde» bezeichnete Rassengruppe. Es handelt sich hierbei in der Regel um sehr kompakte Tiere, deren rassengeschichtlicher Ursprung auf eine Reihe von Zuchtlinien, meistens in Grossbritannien und den USA, zurückzuführen ist. Ihre ursprüngliche Aufgabe war es einerseits, Ratten und Dachse zu bekämpfen, andererseits wurden sie auch zum Treiben und Hüten von wehrhafterem Vieh eingesetzt. Daraus resultiert auch der alte umgangssprachliche Name «Bullenbeisser».
Text: Udo Ganslosser und Sophie Strodtbeck
Leider wurde in USA, beginnend etwa um 1930, dann auch versucht, Zuchtlinien innerhalb dieser Rassen zu etablieren, die für echte Hundekämpfe eingesetzt werden konnten. Daher kommt die umgangssprachliche und in der uninformierten Öffentlichkeit nicht sehr zutreffende Bezeichnung «Kampfhunde». Andere Rassen wurden bereits in sehr früher Zeit – belegt ist dies bereits in der Antike – als Kriegsbegleithunde gehalten, also als Hunde, die von Soldaten in den Krieg geführt wurden. Auch aus dieser Tätigkeit resultiert bisweilen die stark reduzierte Bezeichnung Kampfhund. Konträr zur öffentlichen Wahrnehmung und in der Statistik sind diese Hunde keineswegs auffälliger als andere Rassen. So führt z. B. die von dem amerikanischen Hundeforscher James Serpell erstellt Datenbank unter den sieben «beisslustigsten» Rassen nur den American Pitbull, der bei Angriffen auf fremde Menschen Platz 7, bei Angriffen auf Hunde Platz 2 einnimmt. Alle anderen Rassen in den ersten sieben Rängen sind entweder Kleinhunde, Deutsche Schäferhunde, Dobermänner oder andere nicht auf den verrufenen «Kampfhundlisten» geführte Hunde.
Missverständnis oder Irreführung
In der Bundesrepublik Deutschland wird häufig zur Disqualifizierung und Diskriminierung dieser Rassen das sogenannte Qualzuchtgutachten herangezogen. Es handelt sich hierbei um ein Gutachten, das zur Erläuterung des Qualzuchtparagraphen im Deutschen Tierzuchtgesetz erstellt wurde. Dort werden von sehr vielen Haustierformen Rassen und Zuchtlinien benannt, die meist aufgrund von körperlichen Merkmalen nur mit erheblichen Schmerzen und Leiden lebensfähig sind oder eine erhöhte bis fast 100%ige Jungtiersterblichkeit aufweisen. In einem einzigen, rund einem Drittel Seite umfassenden Paragraphen dieses über 50-seitigen Gutachtens wird auf Hunde eingegangen, die aufgrund ihrer Rasse und Zucht angeblich eine erhöhte Aggressivität aufweisen würden. Bezug genommen wird dabei auf einen Beitrag in einem Buch von James Serpell. Liest man jedoch den betreffenden Text im Original, so besagt er gerade das Gegenteil von dem, was das Autorenteam des Qualzuchtgutachtens daraus gemacht hat. Während das Qualzuchtgutachten davon ausgeht, dass Hunde der Rassen American Pitbull, American Staffordshire Terrier etc. sich durch eine erhöhte Aggressivität und Beissneigung ausgezeichneten, schreibt der Autor in dem genannten Buchbeitrag, dass es zwar innerhalb dieser Rassen Individuen gebe, die mit einer erhöhten Beissneigung ausgestattet seien. Diese könne jedoch nicht auf die gesamte Rasse übertragen werden, da Aufzuchtbedingungen, Sozialisation und andere Umwelteinflüsse viel stärker seien, als die reine Rassezugehörigkeit. Hier wird also mit einem bewusst oder fahrlässig falsch bzw. unvollständig zitierten Buchkapitel eine Begründung geliefert, die die Originalliteratur nicht hergibt. Dies gilt besonders, da, wie wir noch sehen werden, selbst innerhalb der auf Kampfbereitschaft gezüchteten Linien eine erhöhte generelle Aggressionsneigung nicht belegbar ist.
Körperbau und Verhalten
Charakteristisch für die meisten Angehörigen der genannten Rassengruppe ist ein besonders robustes und vielseitig in viele Richtungen bewegliches Skelett. Die Tätigkeit, Dachse, Rinder, oder notfalls auch eigene Artgenossen zu bekämpfen, erfordert eine Umkonstruktion im Skelettapparat, die zu einer grösseren seitlichen Beweglichkeit der Vorderbeine und Hinterbeine, zu einer verstärkten Robustizität der Knochen, zum verstärkten Umklammern des Gegners von vorne bzw. seitlich und einer erhöhten Muskelkraft beim Festhalten an den beteiligten Gelenken geführt hat. Diese in der Funktionsmorphologie als Kraftanpassung zusammengefassten Merkmale äussern sich z. B. in Knochen, die im Querschnitt breiter sind, deren massiv belastbare Randbereiche gegenüber dem in der Mitte des Röhrenknochens befindlichen Hohlraum verstärkt sind. Muskelansätze und Hebelarme sind verlängert, und die Gelenke, vor allem Schulter und Hüftgelenk, sind anatomisch offener, damit die Vorder- und Hinterbeine auch seitlich gedreht und beispielsweise zum Umklammern genutzt werden können. Zudem sind die Haltemuskeln an allen beteiligten Gelenken verstärkt, und das ganze Skelett wirkt schwerer und massiver. Vergleichbare Anpassungen findet man unter Grosstieren (z. B. Nashörner, Elefanten) oder an den Skeletten der ausgestorbenen grossen Saurier. Die Verdickung der Knochen und zunehmende Robustizität werden als sogenannte Pachyostose bezeichnet. Bei vielen Wildtieren sind solche Pachyostosen mit einer erniedrigten Schilddrüsenfunktion gekoppelt. Zwar gibt es keine systematischen Untersuchungen der Schilddrüsenaktivität der genannten Hunderassen, entsprechende Erscheinungen in ihrem Verhalten jedoch lassen diese Überlegung durchaus zu.
Werden nun, sei es aus Unkenntnis, wegen falscher Interpretation von Verhaltenseigenschaften oder gar gesetzlicher Vorschriften, die Angehörigen solcher Rassen noch kastriert, kommt es zu einem erhöhten Risiko. Einerseits ist die Kastration an sich ein Risikofaktor für eine Schilddrüsenunterfunktion, und zumindest die Persönlichkeitstypen vieler der genannten Hunde sind für eine Schilddrüsenunterfunktion ohnehin prädestiniert, wie wir noch sehen werden. Anderseits werden durch die Kastration, vor allem bei Rüden, das Bindegewebe geschwächt und die Muskulatur, vor allem im Schulter- und Becken-, sowie Beinbereich, abgebaut, und es kommt dadurch, gerade wegen der offenen und vielseitig beweglichen Gelenke, zu einer verstärkten Neigung zu Gelenkentzündungen und Arthrose. Gerade Hunde mit sehr offenen und in alle Richtungen beweglichen Gelenkkonstruktionen benötigen eine besonders gut entwickelte Haltemuskulatur, um Abnutzungserscheinungen und damit Gelenkschäden zu verhindern.
Hüftgelenks-, Ellenbogengelenks- und andere Erkrankungen sind daher gerade bei diesen Rassen oft die Folge des kastrationsbedingten Muskelabbaus und der ebenfalls aus dem Wegfall des Testosterons resultierenden Bindegewebsschwäche.
Persönlichkeitseigenschaften
In der bereits zitierten Budapester Vergleichsstudie (96 Rassen wurden mittels Fragebogen unter Beteiligung von fast 10000 Hundehaltern getestet, siehe SHM 9/12) haben die Angehörigen der hier behandelten Rassengruppe eine sehr unterschiedliche Einstufung.
|Gelassenheit/em-otionale Stabilität||Trainierbarkeit||Geselligkeit||Extrovertiertheit|
|Am. Staffordshire Terrier||Platz 15||Platz 42||Platz 77||Platz 41|
|Bull Terrier||Platz 78||Platz 86||Platz 64||Platz 1|
|Bulldog||Platz 26||Platz 72||Platz 34||Platz 23|
|Bordeauxdogge||Platz 7||Platz 92||Platz 46||Platz 64|
|Frz. Bulldogge||Platz 23||Platz 76||Platz 32||Platz 12|
|Dogge||Platz 41||Platz 69||Platz 62||Platz 57|
|Persa Canario||Platz 80||Platz 57||Platz 95||Platz 49|
|Mops||Platz 19||Platz 64||Platz 18||Platz 6|
|Staff. Bull Terrier||Platz 8||Platz 48||Platz 48||Platz 52|
Erkennbar ist, dass eine ganze Reihe der in dieser Rassegruppe zusammengefassten Hunde eher introvertiert ist, jedoch finden wir darunter auch einige sehr extrovertierte Typen. Viele zeichnen sich durch eine nur mittelprächtige bis schlechte Trainierbarkeit und Offenheit für neue Erfahrungen aus, viele sind emotional nicht gerade stabil. Trotzdem können wir in keiner einzigen Persönlichkeitseigenschaft durchgängig Merkmale für alle beteiligten Rassen finden. Letztlich ist die Zusammenfassung, die eben meist aufgrund ihres schwerfälligen und massiven Körperbaus erfolgt, nicht mit irgendwelchen gemeinsamen übergeordneten Eigenschaften zu beschreiben.
Betrachtet man die Grundpersönlichkeiten, also den scheuen, zurückhaltenden B-Typ oder den wagemutigen, eher vorwärts orientierten A-Typ, so lassen sich mit Ausnahme der Bull Terrier und Staffordshire-Rassen die meisten als B-Typ klassifizieren. Und hier beginnt bereits wieder das Problem. Auch eine Reihe von Verhaltensuntersuchungen, selbst an Hunden, die bereits durch gesteigertes Beissverhalten auffällig waren, haben gezeigt, dass die meisten Aggressions- und auch Beissversuche in Zuständen der Unsicherheit und in Situationen der Bedrängnis oder anderer vom Hund als problematisch eingestufter Stresssituationen erfolgten. Die Aggression ist also eher dem Überbegriff Angstaggression und nicht der vorwärts motivierten, bisweilen fälschlich als Dominanzaggression bezeichneten Präventivschlagmentalität zuzuschreiben. Dies lässt wiederum vermuten, dass diese Hunde in ihrem Verhalten insgesamt, wie auch für B-Typen zu erwarten, von den Hormonen der Nebennierenrinde, also dem Cortisol, gesteuert werden. Cortisolgesteuerte Typen aber sind – dafür gibt es eine ganze Reihe von Belegen – dringend darauf angewiesen, wenigstens die angstlösende und stressdämpfende Nebenwirkung der Sexualhormone zu behalten. Eine Zwangskastration, aus welchem Grund auch immer, führt also hier in jedem Falle zu einer Verstärkung des Problems.
Zudem sind gerade cortisolgesteuerte Hunde oftmals durch die Kastration noch mehr für eine Schilddrüsenunterfunktion prädisponiert, dies ist für anderen Rassengruppen bereits nachgewiesen. Auch diese Persönlichkeitseigenschaften und Stressbewältigungsstrategien sprechen also deutlich gegen die Kastration der Angehörigen dieser Rassengruppe.
Stereotypien und Zwangshandlungen
In einer kürzlich veröffentlichten Studie aus Finnland wurden die Angehörigen einer Reihe der hier behandelten Rassen, u. a. Pitbull, American Staffordshire und American Bulldog, auf das Vorkommen und die Risikofaktoren für Stereotypien untersucht. Rassentypische Stereotypie für die Angehörigen dieser Gruppe wie auch den ebenfalls dort untersuchten Deutschen Schäferhund ist das Jagen und gegebenenfalls auch Festhalten und Verletzen der eigenen Rute. Für diese Stereotypie gibt es sehr wohl einen genetischen Risikofaktor, da sie familiär gehäuft auftritt und verwandte Hunde oftmals in gleichem Mass befällt. Das Auftreten der genannten Stereotypie beginnt oft im Alter von etwa sechs Monaten, also mit der beginnenden Pubertät. Die Risikofaktoren jedoch liegen zu einem guten Teil bereits in der viel früher stattfindenden Entwicklung des Welpen. Sehr frühes Wegnehmen von der Mutter, die Aufzucht durch eine unsichere oder anderweitig wenig stabile Mutter, die Anwesenheit von Kindern im Haushalt des Züchters oder Halters, Vitaminmangel und andere Ernährungsfehler sind ebenso grosse Risikofaktoren wie die Zugehörigkeit zu bestimmten Zuchtlinien. Stabile Aufzuchtbedingungen, die Hinzufütterung von Vitaminen und Nahrungsergänzungsstoffen und eine gute, umfassende Sozialisation sind wichtige Massnahmen zur Verhinderung des Auftretens von Stereotypien.
Da Stereotypien, sobald sie sich fixiert haben, nicht unbedingt auf einen akuten Leidenszustand, sondern auf einen oftmals bereits sehr lange zurückliegenden früheren unzureichenden Haltungszustand hinweisen, muss sich also nicht unbedingt der Halter eines schwanzjagenden Bull Terriers Vorwürfe einer wenig verhaltensgerechten Hundehaltung machen.
Gerade das Auftreten von Stereotypien und Zwangshandlungen ist wiederum bei vielen Hunden, nachgewiesenermassen aber auch bei Angehörigen anderer Tierarten, mit den Aktivitäten des Cortisolstresssystems oder mit einer allgemeinen Unsicherheit oder einer Angststörung verknüpft. Das Auftreten von generalisierten Angststörungen sowie bisweilen auch das Vorkommen von tranceartigen Abwesenheitszuständen werden in einigen Studien mit den stereotypen Handlungen des Schwanzjagens gemeinsam beschrieben. Auch hier sind wieder Angehörige der hier genannten Rassen besonders gefährdet.
Ergebnisse detaillierterer Studien
Sogar Hunde, die aus speziell für den Missbrauch als echte Kampfhunde gezogenen Linien stammen, sind offensichtlich in ihrem Verhalten keineswegs allesamt problematisch. Vor einigen Jahren wurde im Südwesten der USA in einer grossen Beschlagnahmeaktion ein Kampfhundeveranstalterring mit den dazu gehörigen Züchtern gesprengt, und dabei gelangten nahezu 500 Pitbulls, einschliesslich einer ganzen Reihe von Welpen, in Tierheime. Mit etlichen Welpen und auch erwachsenen Tieren aus diesen nun wirklich als Kampfhunde zu bezeichnenden Linien wurden Verhaltenstests und Verhaltensbeobachtungen durchgeführt. Selbst diese Tiere zeigten in der Regel kein besonders übersteigertes Aggresssionsverhalten, und auch die Welpen waren zu normalem Sozialspiel befähigt. Nur drei der 34 getesteten Welpen zeigten Aggressionen gegen andere Welpen und einige davon gegen einen Stoffhund. In allen Fällen handelte es sich dabei um ritualisierte, also gehemmte Aggressionsformen. Bei den erwachsenen Tieren war beispielsweise erkennbar, dass der Test mit dem Stoffhund einen sehr hohen Vorhersagewert für ihr Verhalten im Kontakt mit anderen echten Hunden ermöglichte. Wer dem Stoffhund gegenüber nicht übermässig aggressiv auftrat, war auch anderen Hunden gegenüber nicht problematisch.
Auch in einer Reihe von vergleichenden Untersuchungen an der Universität Hannover wurden Rassen, die zum Teil der hier vorgestellten Rassengruppe angehören, in ihrem Sozialverhalten untersucht. American Staffordshire Terrier, Bull Terrier, Staffordshire Bull Terrier, Rottweiler, Dobermann und der als Rasse nicht definierbare und daher als Typus bezeichnete Pitbull wurden verglichen. Nur weniger als 4 % der dabei untersuchten Individuen zeigten unangemessenes aggressives, unter Umständen gefährliches Verhalten. Dabei gab es keinerlei Unterschied zwischen den genannten Rassen bzw. Typusgruppen. Der Staffordshire Bull Terrier zeigte überhaupt keine, die anderen Rassen gleichviel sogenanntes gestörtes oder gefährliches aggressives Verhalten. Sie unterschieden sich in diesen Verhaltenshäufigkeiten auch nicht von den als Vergleichsrasse betrachteten Retrievern.
Wichtiger Freilauf
Fehlender Freilauf und der Einsatz aversiver Erziehung, also Stachelhalsband oder ähnliche Starkzwangmittel sowie speziell auch der Leinenruck, fördern die Beissvorfälle von Hund zu Hund.
Eine plausible Erklärung für den Zusammenhang von Leinenruck und aggressivem Verhalten mag u. a. in dem Umstand begründet sein, dass der durch einen heftigen Leinenruck ausgelöste Schmerz nicht mit dem ausführenden Hundehalter, sondern mit z. B. dem ihm gegenüberstehenden, ihn drohfixierenden Artgenossen verknüpft wird. Als Handlungsmaxime agiert der leinengeruckte Hund dann nach dem Motto «Angriff ist die beste Verteidigung». Hinzukommen kann, dass bei sich gegenseitig drohfixierenden Hunden an der Leine der Leinenruck als eine Art «Startschuss» von den beteiligten Tieren fehlinterpretiert wird. Die Phase des gegenseitigen Drohfixierens wird in der Verhaltensökologie als Nerven- oder Abnutzungskampf («war-of-attrition») bezeichnet, bei dem keiner nachgeben darf. Wird ein Beteiligter aber jetzt zurückgezogen, bleibt ihm nur noch der sofortige Angriff, um die vermeintliche Schwäche des erzwungenen Zurückweichens zu übertönen. Diese Vorgehensweise wiederum wird dann sehr schnell, u. a. durch die Wirkung des Noradrenalins als Lernverstärker, für die Zukunft fixiert. Bei vielen Verhaltensweisen des gestörten Verhaltens waren Sequenzen des Jagdverhaltens beteiligt und das deckt sich auch mit den Erfahrungen in unserer Beratung.
In der Individualentwicklung haben American Staffordshire und Bull Terrier beschleunigte Verhaltensentwicklungen gegenüber dem Wolf; 70 – 80 % aller Verhaltensweisen sind am Ende der dritten Lebenswoche bereits präsent. Beim Bull Terrier bezieht sich das ausdrücklich auch auf das Sozialverhalten. Kontaktspiel wird oft ohne Abbruchsignale gezeigt und führt dann unter Umständen zu agonistischem Verhalten. Welpen verbeissen sich z. B. untereinander und am Mutterhals durchaus mit Knurren, Schütteln und anderen Verhaltensweisen, die auch aus dem jagdlichen Beutefangverhalten stammen. Die Mutter zeigt daraufhin oftmals ein Spielgesicht oder präsentiert sich mit aufgerissenem Maul. Nach dem Loslassen wird evtl. auch Drohen gezeigt. Manche Mutterhündinnen zeigen auch ein gestörtes Beutespiel mit den Welpen. American Staffordshire zeigen im agonistischen Verhalten weniger Kommunikation als im Spiel, meistens tragen zum Beispiel beide die Rute hoch. Nach einigen Wochen sinkt der Anteil des aggressiven Verhaltens wieder und erreicht etwa das Niveau von gleichaltrigen Wolfswelpen.
Schlussbemerkungen
Diese Untersuchungen zeigen, dass gerade für die genannten Rassen und Rassengruppen eine vollständige Sozialisation mit viel Möglichkeit zum Einüben ritualisierten und abgestimmt angepassten Verhaltens von besonderer Bedeutung ist. Das Gefahrenpotenzial, das von ihnen ausgeht, ist mehr eine Folge unvollständiger Sozialisation, mangelnden Freilaufs, aversiver Erziehungsmethoden und kaum eine Folge der Rasse oder sogar der Zuchtlinienzugehörigkeit.
Abschliessend kann also nur bemerkt werden, dass viele Vorurteile, die sich leider auch zum Teil in Verordnungen und ähnlichen Regelungen widerspiegeln, nicht gerechtfertigt sind. Jedoch ist es Sache der Halter, gerade bei solchen Hunden auf gute und stabile Sozialisationsbedingungen zu achten und somit sowohl das Entstehen von Verhaltensstörungen, etwa die Stereotypien wie auch die Aggressionsproblematik und das ungezügelte Jagd- und Beutefangverhalten zu verringern.