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Trotz gewisser Verschiedenheiten in der äußern Gestaltung der Reformierte Kirche läßt sich
ein gemeinsamer Grundtypus wie in der
Lehre so in
Verfassung und
Kultus nicht verkennen. Gemäß dem scharf ausgeprägten Gegensatz
gegen alle Kreaturvergötterung oder gegen alle
Lehren
[* 25] und Ordnungen, die Göttliches und Menschliches vermischen, entwickelte
sich das Kirchenwesen in apostolischer Einfachheit und im strengsten Anschlusse an die Vorbilder der
Heiligen Schrift.
In England, wo die Reformation unter Eduard VI. und nach dem blutigen Regiment der span. Maria durch Elisabeth
eingeführt worden war, bildete sich neben der in den Bräuchen vielfach katholisierenden Staatskirche (s.
Anglikanische Kirche) eine streng Calvinsche Partei, die sog. Presbyterianer (s. d.),
die in Schottland von Anfang an die Oberhand hatten. Die engl. Presbyterianer legten ihren Glauben in der auf Befehl des Langen
Parlaments verfaßten Westminsterkonfession von 1648, die schottischen schon früher in der von John Knox verfaßten Confessio
Scotica (1560) nieder. In Ungarn hat die reform. Richtung die Oberhand behalten (Confessio Hungarica 1557).
Das Gemeindewesen der Waldenser (s. d.) hat sich seit 1532 ebenfalls in reform.
Weise entwickelt.
Während in Kursachsen und anderwärts die Melanchthonianer oder Philippisten vertrieben und seit 1580 durch die Konkordienformel
(s. d.) von der neuen «Lutherischen Kirche» Norddeutschlands
förmlich ausgestoßen wurden, hatte in der Pfalz,
Anhalt, Hessen und anderwärts das Corpus doctrinae Philippicum (1559), in das die erweiterte Augsburgische Konfession aufgenommen
worden war, symbolisches Ansehen erlangt, daher die dortigen Evangelischen unbeschadet ihrer Gemeinschaft mit den Schweizern
mit Recht sich als Augsburgische Konfessionsverwandte betrachten durften.
Doch wurde die Einführung des von Ursinus und Olevianus verfaßten HeidelbergerKatechismus (1563) durch
den Kurfürsten von der Pfalz, dem nachmals noch eine Anzahl andere Reichsstände sich anschlossen, von den starren Lutheranern
als Abfall zum Calvinismus verurteilt. Allmählich fand auch die Calvinsche Prädestinationslehre in diesen Ländern Eingang,
und schon sehr frühzeitig wurde auch die Ordnung des Gottesdienstes nach schweiz. Muster geregelt. So
bildeten sich neben den lutherischen eine Reihe von «deutschreformierten»
Landeskirchen, die im Westfälischen Frieden (1648) als Augsburgische KonfessionsverwandteAnerkennung fanden, nachdem ihnen
schon der Konfessionswechsel des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg
[* 32] eine mächtige Schutzwehr geboten. Auch in den
Rheinlanden, Nassau, Bremen u. s. w. entstanden reform. Gemeinden.
Die Eigentümlichkeit des reform. Bewußtseins, wie dieselbe mit scharfer Konsequenz nach allen Beziehungen
hin ausgeprägt wurde, beschränkt sich nicht auf die schon in der Reformationszeit streitigen Lehrartikel über das Abendmahl,
die Person Christi, die Prädestination u. s. w., sondern zieht sich durch alle Teile des Lehrbegriffs hindurch. Aber in der
neuern Theologie haben sich reform. und luth. Elemente in ausgedehntem Maße durchdrungen. Die von den
Reformierten zuerst ausgebildete Presbyterial- und Synodalverfassung wird auch bei den Lutheranern immer allgemeiner; dagegen
zeigen sich auch reform. Gemeinden einer reichern Ausgestaltung des Kultus nicht abgeneigt.
Die seit 1817 in Preußen
[* 33] und andern deutschen Staaten erfolgte Einführung der evang. Union (s. d.) war
daher durch die Gemeinsamkeit der prot. Grundprincipien wie durch die ganze bisherige Entwicklung hinlänglich gerechtfertigt.
In der Schweiz, Frankreich und Holland war eine förmliche Union ebensowenig kirchliches Bedürfnis wie in den anglogerman. Ländern
Europas und Amerikas, wo vielmehr die Neigung zu fortschreitender kirchlicher Zersplitterung überwiegt.
Doch traten überall dieselben Gegensätze einer streng orthodoxen und einer freiern Richtung wie in Deutschland
hervor und konnten bei der größeren Freiheit der Kirche sich ungestörter entfalten. Die Begründung sog. Freikirchen, d. h.
vom Staate unabhängiger evang. Gemeinschaften, ging in der franz.
Schweiz, Frankreich und Holland von der orthodoxen Partei aus, während die Liberalen an der Staatskirche
festhielten. 1875 wurde als Vertretung der sämtlichen Reformierte Kirche (mit gegen 40 Mill. Mitgliedern) die
Presbyterianische Allianz in London
[* 34] gegründet. Der Zusammenhang ist lose; doch ist man 1877, 1880, 1884 und 1888 zu Panpresbyterian
Councils zusammen getreten. Organ der Vereinigung war anfangs der «Catholic Presbyterian», jetzt ist es
das «Quarterly Register» in Edinburgh. Weit bescheidener an Umfang ist der Reformierte Bund, der 1884 gelegentlich der sechsten
Versammlung
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