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Spricht man mit Jugendlichen und Erwachsenen über das Thema Motivation, wird immer wieder deutlich, dass viele Mühe damit haben anzufangen. Häufig höre ich Sätze wie:
- "Der Anfang ist am schwierigsten!"
- "Wenn ein eimal angefangen habe, dann geht es - aber bis ich endlich anfange!"
- "Ich weiss einfach nie, wo ich anfangen soll..."
Es gibt jedoch ein paar einfach Tricks, die das Anfangen deutlich erleichtern.
Je nach Ursache der Schwierigkeiten sind andere Tricks hilfreich - vielleicht erkennen Sie sich oder Ihr Kind in den einzelnen Beispielen wieder.
Mir grauts, wenn ich sehe, wie viel ich machen muss!
Eine Psychologie-Studentin, die bei mir in Beratung war, um sich für die Prüfungen am Ende des ersten Jahres vorzubereiten, schob das Lernen immer vor sich her.
Sie fühlte sich regelmässig wie erschlagen, wenn sie daran dachte, wieviel Stoff sie noch lernen muss.
Beim Lernen zeigte sie ein auffälliges Muster: Sie hatte grösste Mühe anzufangen, lernte dann aber jeweils bis zur Erschöpfung, wenn sie es endlich geschafft hatte.
In Ihrem Kopf wurde das Lernen damit zu einer äusserst anstrengenden und mühseligen Tätigkeit. Sie brachte nur selten den Willen auf, sich auf diese Tortur einzulassen. Ständig liefen ihr demotivierende Gedanken durch den Kopf wie:
- Es ist so viel - ich schaff das heute einfach nicht!
- Ich habe jetzt nicht die Energie!
- Ich fühle mich so müde
- Du musst jetzt endlich lernen!
Das Nicht-Lernen wurde durch die ständigen Schuldgefühle zudem fast genau so anstrengend wie das Lernen selbst. Sie hatte ständig das Gefühl, ihr fehle die Energie. Wir vereinbarten einen einfach Trick, bevor wir begannen, an den Gedanken zu arbeiten. Die Studentin sollte bis zur nächsten Sitzung die folgende Strategie ausprobieren:
Tipp 1: Fangen Sie an - und hören Sie auf, wenn Sie keine Lust mehr haben
Wir machten aus, dass die Studentin zweimal pro Tag mit dem Lernen beginnen musste, sich dafür aber nach 10 Minuten und danach in regelmässigen Abständen fragen durfte: "Mag ich noch? Möchte ich noch weiterlernen oder habe ich keine Lust mehr?" Falls Sie keine Lust mehr hatte, musste sie sofort aufhören.
Und so sah der Plan aus:
- Ich stelle mir den Wecker auf 10 Minuten und beginne mit dem Lernen. Wenn der Wecker klingelt, frage ich mich, ob ich weiterlernen möchte - falls ich mich zu müde fühle, höre ich ohne schlechtes Gewissen auf.
- Falls ich weitermachen möchte, stelle ich den Wecker auf 35 Minuten und mache nach dem Klingeln 10 Minuten Pause. Nach der Pause setze ich mich an den Schreibtisch und frage mich wieder, ob ich nochmals weitermachen möchte. Falls nicht, höre ich auf.
Die Studentin war überrascht: Sie machte in gut der Hälfte der Fälle weiter. Sie lernte dadurch so regelmässig wie noch nie zuvor. Was sie aber noch erstaunlicher fand: Sie stellte fest, dass sie oft weiterlernen wollte. Zuvor hatte sie immer so lange gelernt, bis "die Batterien leer waren" und der Gedanke "ich kann nicht mehr" begleitete sie ständig - nun stellte sie fest, dass sie nach den ersten 10 Minuten oder nach den Pausen oft dachte "ich kann gut noch weitermachen", "ich schaffe noch eine Runde" oder sogar "eigentlich interessiert es mich gerade wirklich".
Ich hätte eh nur eine halbe Stunde Zeit - das lohnt sich doch gar nicht
Manche Schüler und Studenten haben ständig das Gefühl, dass es sich nicht mehr lohnt, anzufangen. Bei manchen Studierenden nimmt dies fast schon tragisch-komische Züge an: Sie hätten den ganzen Tag Zeit zu lernen und schaffen es dennoch den ganzen Tag, sich vorzumachen, dass es sich nicht mehr lohnt.
Ein Student schilderte mir dies folgendermassen:
"Ich habe mir heute vorgenommen, früh aufzustehen, um endlich mit dem Lernen anzufangen. Um 8 Uhr hat dann der Wecker geklingelt, aber ich war noch so müde. Habe dann bis um 10 Uhr weitergepennt und war danach total sauer auf mich. Ich bin dann in die Küche und habe mir einen Kaffee gemacht und noch etwas mit dem WG-Kollegen gequatscht. Und dann war schon 10.30 Uhr - und um 12 hatte ich eine Kollegin zum Mittagessen eingeladen. Da habe ich gedacht: "Jetzt lohnt es sich eh nicht mehr - du musst ja noch einkaufen und kochen". Ja... und die blieb dann bis um 13.30 Uhr und um 15 Uhr hatte ich eine Vorlesung - und mit dem Weg - um 14.30 musste ich los - und ich habe da immer das Gefühl, bis ich richtig drin bin - eine Stunde bringt da gar nichts. Ja...und die Vorlesung ging dann bis 17 Uhr und bis ich daheim war war schon 17.30 Uhr und ich war so genervt, dass ich noch nichts gemacht hatte. Und irgendwie hab ich dann so gedacht: "Jetzt ist der Tag eh gelaufen!"
Es klingt unglaublich, aber diese Geschichte höre ich immer wieder. Manche haben sogar das Gefühl, dass es nichts mehr bringt und der "Tag gelaufen ist", wenn sie bis 14 Uhr nichts gemacht haben.
Diese Studierenden müssten lernen: Ich kann immer einen Schritt vorankommen - und jeder einzelne kleine Schritt bringt mich meinem Ziel näher.
Wir sind uns manchmal nicht bewusst, wie weit wir durch viele kleine Schritte kommen.
Tipp 2: Werden Sie sich dem Wert der kleinen Schritte bewusst
Es ist erstaunlich, wie viel wir bewältigen könnten, wenn wir uns bewusst werden, wie viel in 10 oder 15 Minuten möglich ist - wenn wir nur oft genug 10 bis 15 Minuten investieren.
Da der soeben beschriebene Student nicht dieser Meinung war, machen wir folgenden Test:
- Jeden Tag, wenn er im Zug zur Uni fuhr, sollte er während der 15 minütigen Fahrt ein paar Folien seines Handouts lernen.
Der Student protestierte zunächst, dass es sich doch nicht lohnen würde, während dieser kurzen Fahrt zu lernen. In der Sitzung darauf meinte er:
"Ich hätte nie gedacht, dass 15 Minuten so viel bringen könnten! Ich konnte mir jeweils 5 bis 8 Folien anschauen - und was mich überrascht hat, war, dass ich mir diese Folien jeweils sehr gut merken konnte. Auf dem Fussweg vom Bahnhof zur Uni habe ich sehr oft - ohne bewusste Absicht - über die Folien nachgedacht und sie so nochmals tiefer verarbeitet. Am Ende der Woche war ich echt erstaunt: Ich hatte nach den 10 Zugfahrten die ersten 50 Folien richtig gut gelernt - die Hälfte des Prüfungsstoffs!"
Nach diesem kleinen Experiment konnten wir an seiner Einstellung arbeiten. Er entwickelte dabei Gedanken wie:
- "Auch in kleinen Schritten kommt man vorwärts"
- "Hauptsache, ich mache etwas - auch wenn es "nur" 15 Minuten sind"
Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll
Maturanden, Lehrlinge, die vor der Abschlussprüfung stehen und Studierende, die auf grössere Prüfungen lernen müssen, fühlen sich manchmal angesichts der Stoffmenge wie erschlagen. Oft beklagen sie sich, dass sie gar nicht wüssten, wo sie anfangen sollten, da sie so vieles lernen müssten und so viel unterschiedliches zu tun hätten.
Ich muss gestehen, dass mir dieser Gedanke alles andere als fremd ist.
Wie kann man damit umgehen?
Jugendliche und Studierende kamen in unseren Trainings auf die folgenden Ideen:
Tipp 3: Wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, dann fangen Sie einfach irgendwo an
Eine Schülerin meinte, nachdem Sie sich mit diesem Gedanken beschäftigt hatte: "Wenn ich am Ende für die Matura sowieso in jedem Fach etwas können muss, dann ist es doch eigentlich völlig egal, wo ich anfange. Ich fange einfach mit irgendetwas an. Wissen Sie was? Ich tippe jetzt einfach blind auf meinen Stundenplan - und dann schaue ich, welches Fach ich erwischt habe - und damit beginne ich!"
Ein anderer Schüler fand: "Ich beginn einfach mit dem, was mir am meisten stinkt! Dann habe ich das hinter mir!" Ein harter Kerl ;-)
Ein anderer meinte: "Ich beginne mit dem, was mir am meisten Spass macht. Wenn dann der Druck der näher rückenden Prüfung kommt, habe ich eher die Energie, die weniger spannenden Sachen zu lernen."
Es kann aber auch sinnvoll sein, mit dem Wichtigsten anzufangen. Dabei hilft ein guter Lernplan.
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