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Angebot für «Batterierohstoffe» muss deutlich erhöht werden
Die grossen Bergbauunternehmen sind sich der steigenden Nachfrage bewusst und haben darauf reagiert. Fragezeichen, insbesondere für die nächsten beiden Jahre, scheinen noch in Bezug auf Lithium und Nickel zu bestehen. Während einige Marktanalysten keine Probleme erwarten, sehen andere die Lieferkette nur im «Best Case» als gesichert.
Der technische Fortschritt bei Batterien führt dazu, dass sich ihre chemische Zusammensetzung weiterhin stark verändert. Noch gehen rund 85 % des globalen Nickelangebotes in die Herstellung von Edelstahl und Legierungen, nur etwa 5 % in die Produktion von Batterien. Marktanalysten erwarten bei der Nickelnachfrage bis 2025 jedoch jährliche Wachstumsraten von 27,5 bis 35 %.
«Grüne Revolution» steigert Metallnachfrage
Bedenken hinsichtlich der Lieferkette treiben die Entwicklung weg von Kobalt und verstärkt hin zu Nickel. Die Rolle von Kobalt als Rohstoff für Batterien dürfte im Verlauf der nächsten Jahre deshalb an Bedeutung verlieren. Tesla hat bereits kobaltfreie Batterien angekündigt, um Bedenken im Zusammenhang mit den Abbaumethoden und der Herkunft (rund 65 % der Kobaltförderung stammen aus der Demokratischen Republik Kongo) auszuräumen.
- Einer der weltweit grössten Lithium-Förderer, Albermarle Corp., erwartet für die gesamte Lithiumbatterie- Industrie 2025 eine Nachfrage von 1,14 Mio. Tonnen, was gegenüber dem heutigen Niveau einem jährlichen Wachstum von 30 % entspricht. Gleichzeitig kann der Lithiummarkt die Nachfrage heute nur knapp erfüllen. Doch die grossen Produzenten haben bereits grünes Licht für Projekte mit grösseren Vorkommen gegeben. Während Australien aktuell noch rund 40 % der weltweiten Förderung auf sich vereint, wird Chile zunehmend zum Hotspot: Die grossen Vorkommen liegen in der Atacama-Wüste, hoch in den Anden im Dreiländereck Chile-Bolivien-Argentinien.
- Ähnlich sieht es bei Kupfer aus. Die weltweite, jährliche Kupfernachfrage von heute rund 28 Mio. Tonnen dürfte bis 2030 um knapp 40 % auf rund 38 Mio. Tonnen jährlich ansteigen, was in der Minenindustrie zu Investitionen von rund USD 100 Mrd. führen wird. Der überwiegende Teil der neuen Förderkapazitäten dürfte in Peru, der Demokratischen Republik Kongo und in Russland entstehen.
- Die meisten neuen Nickel-Förderanlagen werden wohl in Australien und Indonesien in Betrieb gehen, wobei Indonesien seinen weltweiten Anteil seit 2017 von 16,7 % auf inzwischen ein Drittel ausgebaut hat und weiter ausbauen wird.
Bergbauindustrie mit einer Vielzahl von Unsicherheiten konfrontiert
Die stark wachsende Nachfrage nach den benötigten Metallen sollte während der nächsten zehn Jahre befriedigt werden können. Ob dies allerdings immer lückenlos erfolgen kann, bleibt offen. Von einem gesicherten Angebot kann bislang jedenfalls noch nicht gesprochen werden, da sich die Minenindustrie vielfältigen Herausforderungen gegenübersieht. Neben der traditionell sehr hohen Kapitalintensität neuer Projekte, der Gefahr von Preisschwankungen und Lieferproblemen infolge von Handelskonflikten sowie Veränderungen bei politischen Rahmenbedingungen sind folgende Faktoren zu beachten:
- Der bereits angedeutete Trend der Verschiebung von
Förderkapazitäten in politisch risikoreiche Länder setzt
sich fort.
- Wachsende Umwelt- und Sozialstandards erschweren
und verteuern die Realisierung neuer Abbauprojekte.
Da Bergbaukonzerne zudem oftmals als wenig nachhaltig
erachtet werden, kann unter Berücksichtigung von
Nachhaltigkeitsaspekten eine geringere Finanzierungsbereitschaft
resultieren.
- Die Industrie muss sich zunehmend auf Veränderungen
in der Erzqualität wie geringere Metallgehalte
und
toxische Begleitelemente einstellen.
- Die technologische Entwicklung bei der Herstellung von Batterien schreitet rasant voran, was die Nachfrage nach den einzelnen Komponenten deutlich verändern kann und die Planungsunsicherheit für die Rohstoffförderung erhöht.
Rohstoffexperten sind sich einig: Die «grüne Revolution» wird die Nachfrage nach Metallen massiv steigern. Zwar versucht die Bergbauindustrie, dem steigenden Bedarf unter allen Umständen gerecht zu werden, doch gesichert ist eine nahtlose Angebotssteigerung keineswegs. Denn der Bedarf an Metallen ist auch aufgrund der technologischen Entwicklung – zum Beispiel der künftigen Zusammensetzung der Batterien – weiter unklar. Klar ist hingegen, dass die «grüne Revolution» ohne die Kooperation der Bergbaukonzerne nicht gelingen kann, auch wenn einige davon unseren eigenen strengen Nachhaltigkeitskriterien unter anderem wegen offener Fragen in Bezug auf die Arbeitsbedingungen, die Abbaumethoden und die Einhaltung von Umweltauflagen bislang noch nicht genügen.
Hans Peter Schmidlin, Leiter Investment Advisory
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