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Ein nackter Mann landet eines Morgens als Strandgut an einem kleinen zerklüfteten Strand in Cornwall, und ein verwaister Sportwagen steht auf dem Parkplatz beim Hafen. Joe Haak, so heisst der bewusstlose Mann, ist eigentlich Analyst an der Börse in London. Er hat ein Programm entwickelt, das die weltweit vernetzten Zusammenhänge in Wirtschaft, Politik und Umwelt analytisch erfasst. Diese Informationen nutzen die Makler, um mit Wertpapieren zu handeln und zum Teil enorme Gewinne einzustreichen. Das Programm versucht auch irrationale Handlungen wie Panik-An- oder Verkäufe zu integrieren. Im Osten bricht eine Grippe aus, und das System beschert der Bank einen Riesenverlust. Joe hält den Druck nicht aus und fährt mit seinem Sportwagen bis ans «Ende der Welt».
Ein Wal wird gerettet
Kurz darauf strandet am gleichen Strand ein Wal, der seit Tagen zu nahe am Ufer schwimmt. Dank dem analytischen Denken von Joe und der tatkräftigen Unterstützung der gesamten Dorfbevölkerung kann der Wal gerettet werden. Joe erfährt zum ersten Mal wahrhaftige Anerkennung für eine gute Tat. Er verliebt sich in die Frau des Pfarrers und versucht seine Albträume zu verdrängen.
Die grassierende Grippe weitet sich zur Pandemie aus. Joe handelt beherzt und grosszügig für das ganze Dorf. Doch er erkrankt und muss ausgerechnet mit dem Pfarrer in Quarantäne. Zwei Rivalen und zwei Weltanschauungen prallen aufeinander.
Biblische Inspiration
Der Autor kennt Cornwall und die ganze Welt. Der promovierte Zoologe arbeitete auch in der internationalen IT-Branche. Zu diesem Buch haben ihn unter anderem die biblische Geschichte von Jonas und dem Wal und das Werk des Gesellschaftsphilosophen John Hobbes sowie Jared Diamonds Sachbuch «Kollaps» inspiriert. Das Buch ist sehr spannend und informativ, regt zum Nachdenken an und macht Mut, an das Gute zu glauben.
John Ironmonger: «Der Wal und das Ende der Welt». S. Fischer, 2019, Roman, 476 Seiten, aus dem Englischen von Tobias Schnettler und Maria Poets.
Barbara Schwaller ist freie Rezensentin.
Zur Person
Ein Leben für die Tiere
Exotische Tiere und ansprechende Literatur: John Ironmonger ist in Kenia geboren und aufgewachsen. Für sein Studium in Zoologie zieht er nach England, wo er die Universitäten in Nottingham und in Liverpool besucht. Nach seiner Promotion lehrt er einige Zeit in Nigeria, bevor er wieder in Grossbritannien arbeitet. 1994 veröffentlicht er sein erstes Buch, «The Good Zoo Guide», in dem er 130 Tierparks im Vereinigten Königreich bewertet. 2012 erscheint sein erster Roman, «The Notable Brain of Maximilian Ponder». Ironmongers Bücher werden in mehrere Sprachen übersetzt, 2019 erschien das erste auf Deutsch: «Der Wal und das Ende der Welt». Ironmonger lebt in Parkgate, Cheshire.