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Ob ein Kunstwerk einem nun gefällt oder nicht, ist Geschmackssache. Das Kunstwerk Take the Money and Run des dänischen Künstlers Jens Haaning könnte aber nicht nur Geschmackssache, sondern auch eine Straftat sein – aber das ist vorläufig Interpretationssache.
Das Kunsten Museum of Modern Art in Aalborg (DK) lieh Haaning 534.000 Kronen (77'800 CHF). Der Auftrag: Die geliehenen Bankkonten als Kunstwerk präsentieren.
Die Vorstellung des Museums: Haaning soll sein Kunstwerk An Average Austrian Year Income aktualisiert nachbilden, das 2007 in der Wiener Secession zu sehen war. Damals arrangierte und rahmte der Künstler einundfünfzig 500 €-Banknoten, eine 200 €-Banknote und zwei österreichischen 2 €-Münzen (Die Summe von 25.702 € entsprach einem durchschnittlichen österreichischen Jahreseinkommen im Jahr 2005). 2010 reinterpretiere er das Werk für das durchschnittliche dänische Jahreseinkommen.
Und nun gab das Kunsten Museum of Modern Art in Aalborg das Kunstprojekt für eine 2021 geplante Ausstellung noch einmal in Auftrag.
Allerings erweiterte Haaning das Werk-Konzept stillschweigend: Anstatt das Geld zu rahmen, das ihm das Museum zur Verfügung gestellt hatte, steckte er es selber ein. Das Museum erfuhr von der Neuinterpretation des Kunstwerkes erst, als es die Schachtel mit Haanings Werk öffnete – und zwei leere Rahmen vorfand. Haaning änderte auch den Titel seines neusten Werkes zu Take the Money and Run.
«Die Kunst besteht darin, dass ich ihr Geld genommen habe», sagte der Künstler letzte Woche dem dänischen Radioprogramm P1 Morgen. «Es ist kein Diebstahl. Es ist ein Vertragsbruch, und der Vertragsbruch ist Teil des Werks», sagte er weiter.
Haaning erklärte, dass Take the Money and Run eine Reaktion auf die geringe Vergütung sei, die das Museum für die Aufnahme des Kunstwerkes in die Ausstellung angeboten habe: 25'000 Kronen (3600 CHF), was nicht einmal seine Kosten decke.
Haaning ruft nun auch andere dazu auf, schlechte Arbeitsbedingungen nicht zu akzeptieren, und sagte im dänischen Radio: «Ich ermutige andere Menschen, die genauso miserable Arbeitsbedingungen haben wie ich, das Gleiche zu tun. Wenn sie auf irgendeinem Scheissjob sitzen und kein Geld bekommen – sondern tatsächlich aufgefordert werden, Geld zu investieren, um überhaupt arbeiten zu dürfen – dann nehmen sie das Geld und laufen Sie damit weg.»
Das Museum seinerseits macht gute Miene zum bösen Spiel: Haanings leere Rahmen gehören definitiv zu den Werken, die in der laufenden Ausstellung Work it Out zu sehen sind. Die Ausstellung thematisiert die Rolle von Künstlern auf dem Arbeitsmarkt.
Doch sobald die Ausstellung im Januar zu Ende geht, will das Museum das Geld zurück, genau so wie es im Vertrag festgehalten ist. Haaning erklärte im Radio, dass er nicht vorhabe, das Geld zurückzugeben. (yam)