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Aufgeflogen
... der Vater kommt dahinter
Die Wiederaufnahme von Horowitz' Konzerttätigkeit im September 1938 bedeutete, dass regelmässiger Unterricht nicht mehr gewährleistet war.
"Er und Papa und auch ich fanden es darum richtig, dass ich grundsätzlich in Zürich in eine Konzertausbildungsklasse gehen sollte. [...]
Das grösste Problem, ich weiss nicht mehr genau, wann es begann, entstand aber in der Störung der Beziehung zwischen Horowitz und mir. [...] Ich verlor zu Hause einen Brief von Horowitz, einen Liebesbrief, der unsere Beziehung eindeutig klar machte. Papa fand ihn [...]. Ich bekam Vorwürfe wie den, dass ich eine Freundschaft mit einem verheirateten Mann habe und damit zutiefst die Ethik und auch die Ehre seiner Frau verletze.
Es muss einen Briefwechsel (des Vaters) mit Horowitz und eventuell sogar mit seiner Frau gegeben haben, von dem mir Horowitz berichtete [...]. Auf jeden Fall wurde mir weiteren Kontakt ausser den vorgesehenen Stunden verboten. Seine Frau verbot ihm, Briefe an mich zu schreiben.
In vielen damaligen Briefen steht: 'Meine Frau ist weg, darum benütze ich es rasch, ein paar Worte zu schreiben.' Es gab auch ein paar geheime Treffen in der Wohnung einer Freundin von mir, wenn er rasch nach Zürich kam, um mit mir zusammen zu sein."1
Zum Psychiater geschickt
Im Frühjahr 1939 schickte Vater Kaufmann seinen Sohn zu einem befreundeten Psychiater zur Behandlung und dieser wollte auch Horowitz einbeziehen, was der Meister natürlich strikte ablehnte.
Horowitz brach sogar die Beziehung zu Nico für kurze Zeit ab, denn er sah Gefahr für seinen Ruf. Zugleich tadelte er diesen in Briefen, er vertreibe viel zu viel Zeit mit "Nebensächlichem". Nebst sexuellen Abenteuern warf er ihm die Beschäftigung mit "nicht seriösem Spielen" vor, womit er das Unterhaltungsfach meinte. Dort hatte Nico sich zu engagieren begonnen, im Theater, im Cabaret Cornichon und als Chanson-Begleiter.
Trotzdem - und weil er es zu Recht für klüger fand - kam Horowitz im Frühsommer 1939 nach Zürich zu einem Gespräch mit dem Psychiater und anschliessend mit Nicos Papa. Die eben gehörte Ansicht des Psychiaters, er halte Nico für eine "Kurtisane", teilte er dabei Vater Kaufmann mit, worauf dieser empört die Behandlung stoppte. Auf Anraten Horowitz' bekam Nico einen Flügel, damit er zu Hause richtig üben könne, denn das in der Villa vorhandene Klavier sei ungenügend.
Ernst Ostertag, Juni 2006
Quellenverweise
- 1
Nico Kaufmann: Memoirenfragmente, "Vladimir Horowitz, Idol - Lehrer und Freund", Seite 21 und 22