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DER DEUTSCHE LITERATURKRITIKER UND PUBLIZIST KARL HEINZ BOHRER IST GESTORBEN
05.08.2021 Der am 26. September 1932 in Köln geborene deutsche Literaturkritiker, Literaturtheoretiker und Publizist Karl Heinz Bohrer (Bild) ist am 4. August 2021 in London gestorben. Bohrer wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Lessing-Preis für Kritik (2000), dem Heinrich-Mann-Preis (2007) und dem Bundesverdienstkreuz am Bande (2014). 2011 wurde Bohrer in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, aufgenommen. "Er schrieb fabelhafte Essays über Fussball und Nietzsche und hatte eine Begabung für herzhafte Polemik" (Manfred Koch in der "NZZ").
Die Romantik der Kritik
Sein Thema war die Radikalität der modernen Ästhetik, wechselweise als Spielart des politischen Radikalismus oder aber als Alternative zur Programmatik politischer Revolutionen. Zu allen Versuchen, Politik und Kunst auf Moral zu begründen, wie sie nach der Zäsur der Beseitigung des Nationalsozialismus in Deutschland lange eine zwanglose Plausibilität hatten, bezog Bohrer eine Position des grundsätzlichen Widerspruchs. Schon seine Haltung zur Studentenbewegung, über die er als Feuilletonredakteur der "F.A.Z." berichtete, war geprägt von einer Faszination für das Überschießende dieser aktionistischen Bewegung, für ein symbolisches Handeln, das in seinen marxistischen Begründungen wie auch in den Intentionen verbesserter Vergangenheitsbewältigung nicht aufging.
Patrick Bahners
Ein Unabhängiger
Der Literaturtheoretiker und Publizist Karl Heinz Bohrer ist gestorben. Erinnerungen eines Freundes.
Michael Krüger
Den Rechten ein Ärgernis, den Linken ein Juckpulver
Als Journalist und Autor zahlreicher Bücher war er eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen in Deutschland, wobei er stets auch von außen auf das Land schaute.
Florian Felix Weyh
Er galt als intellektueller Störenfried und kritischer Beobachter seiner Zeit
Bekannt wurde Bohrer als streitbarer Kritiker und Denker seiner Zeit. "Er ist immer Einzelgänger geblieben. Diesen Status hat er geradezu stilisiert", schrieb der Schriftsteller und Verleger Michael Krüger in einer Rezension. In seiner Biografie zeigte Bohrer Bewunderung für die Diskurskultur und Studentenrevolte der Sechzigerjahre. Unter dem Titel "Kein Wille zu Macht" kritisierte er zuletzt die "Reduktion von Politik auf Sozialhilfe" als Fehler der Bundespolitik.
ime
Der letzte große Exzentriker
Der Germanist und Publizist Karl Heinz Bohrer war reaktionär und elitär, aber aus dem Geist jugendlicher Rebellion heraus.
Jens Jessen
Er war Herausgeber, Wissenschaftler und Autor
Über Kulturreportagen und literarische Essays landete Bohrer zunächst in der Feuilleton-Redaktion von "WELT" in Hamburg, bevor er 1966 zur "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ging. Dort leitete er von 1968 an das Literatur-Ressort, musste den Posten aber fünf Jahre später für Marcel Reich-Ranicki räumen. Seitdem wurde den beiden Literaturexperten immer wieder gegenseitige Abneigung bescheinigt.
dpa/grs
Er war ein brillant boshafter Analytiker der Gegenwart und einer der scharfsinnigsten Intellektuellen Deutschlands
Er schrieb fabelhafte Essays über Fussball und Nietzsche und hatte eine Begabung für herzhafte Polemik. Nun ist mit Karl Heinz Bohrer einer der namhaftesten Essayisten Deutschlands gestorben.
Manfred Koch
Der Widerspruch war seine Waffe
Karl Heinz Bohrer war Autor, Professor und stets ein furioser Denker. Er verachtete das Mittelmass, Langeweile und die deutsche Provinz.
Rainer Schaper
Audio:
Karl Heinz Bohrer: Eigensinn des Nonkonformisten
Play SRF, "Reflexe" vom 05.03.2012
Video:
Heines politische Prosa - Vortrag von Karl Heinz Bohrer
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