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Ich (28) hatte seit acht Jahren keine vernünftige Beziehung mehr. Wenn sich was ergibt, machen die Frauen immer schon in der Kennenlernphase Schluss. Alle meine Freunde haben langjährige Beziehungen, heiraten, haben Kinder. Aber ich fühle mich wie ein Teenager, da ich kaum sexuelle Erfahrung habe, und die ist ewig her. Mein Verständnis für die weibliche Bevölkerung schwindet langsam, weil sich keine für mich interessiert. Fabian
Lieber Fabian
Spätestens dann, wenn das gesamte andere Geschlecht für den eigenen Beziehungsstatus verantwortlich gemacht wird, sollte man eine Datingpause einlegen. Denn dann sieht man vor lauter Frust den einzelnen Menschen nicht mehr. Aber damit macht man exakt den Fehler, den man den anderen vorwirft.
Es ist nachvollziehbar, dass du nach langer Single-Zeit und mehreren gescheiterten Beziehungsversuchen zu zweifeln beginnst. Dass deine Freunde das Leben, das du dir wünschst, bereits führen, erhöht den Druck. Vermeintliche Handicaps, zu denen du deine geringe sexuelle Erfahrung zählst, wirken unüberwindbar gross. Die Beziehungsversuche, die du machst, taxierst du im besten Fall als wertlos, im schlechteren als Demütigung.
Du steckst in einer Negativspirale. Das fühlt sich lausig an. Aber wenn du erwartest, dass dich jemand anderes aus deiner Misere erlösen soll, rutschst du in eine Opferrolle.
Liebe lässt sich nicht forcieren. Frag dich lieber, was im Leben dich glücklich macht, was du kontrollieren kannst. Gönn dir etwas. Fordere dich selber heraus. Vielleicht trägst du Ballast mit dir rum, von dem du dich befreien könntest. Das Gefühl, ein Teenager zu sein, legst du nur dadurch ab, in dem du dein Leben in die Hand nimmst. Und zwar unabhängig von der Bestätigung der anderen.Publiziert am 09.09.2015 | Aktualisiert am 09.09.2015