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Der New Yorker Stadtteil Brooklyn war schon immer ein kultureller und ethnischer Schmelztiegel. Hier, fernab der manhattan’schen Hochfinanz, fernab der Hektik konnten sich Künstler, Musiker und Kreative ausleben. Brooklyn ist Geburtsstätte von Graffiti und Street-Art. Brooklyn ist musikalischer Underground. Brooklyn hat viele Trends kommen und gehen sehen.
Einer dieser Trends ist das Bier. Früher – als die Strassenbahnen noch von Pferden gezogen wurden und die Titanic nur auf dem Papier existierte – früher war Brooklyn einer der produktivsten Brauereistandorte weltweit. Die Arbeiter und Handwerker mussten täglich mit frischem Gerstensaft versorgt werden, damit sie ihre Leistung erbringen konnten. Doch im 20. Jahrhundert gab es zwei Ereignisse, die Brooklyn als Biermekka praktisch ausradierten.
Zuerst sorgte eine Hopfenknappheit für einen rasanten Anstieg der Bierpreise. Kurz darauf folgte 1920 die Prohibition, welche die Herstellung und den Handel mit Alkohol verbot. Der Alkohol wurde damals als Wurzel allen Übels gesehen und wurde mit Verbrechen, Gewalt und Korruption in Verbindung gebracht.
Diese beiden Einschnitte überlebte nur eine handvoll Brauereien indem sie die Produktion auf Malzgetränke und medizinische Stärkungsmittel umstellten. Als der Alkohol 1933 wieder erlaubt war stieg zwar die Zahl der Brauereien wieder an, durch den zweiten Weltkrieg wurde aber das Wachstum wiederum gebremst. Danach folgte die erste Konsolidierungswelle im Braugewerbe, durch die viele kleine Brauereien von Grosskonzernen geschluckt wurden. 1976 schloss mit Schäfer & Liebmann die letzte Brauerei in Brooklyn. Der lokalen Bierszene wurde der Todesstoss versetzt.
Dies war ungefähr jene Zeit, in der ein gewisser Steve Hindy die Bühne betrat. Steve war als Korrespondent für Associated Press im Nahen und mittleren Osten stationiert und berichtete über die verschiedenen Kriegsschauplätze. Trotz des strengen Alkoholverbots in den muslimischen Ländern schaffte es Steve regelmässig, an Bier heranzukommen. Über befreundete Diplomaten kam er erstmals mit Homebrew Bieren in Kontakt und konnte sich durch eine Fülle verschiedener Bierstile testen.
Als 1984 sein Hotel von Mörsergranaten getroffen wurde, packte er seine Familie und kehrte zurück nach New York. Dort angekommen startete er selbst erste Brauversuche. Bald schon infizierte er seinen Nachbarn Tom Potter mit dem Bier-Virus und gemeinsam gründeten sie 1988 eine Brauerei.
Die „Brooklyn Eagle Brewery“ sollte eine Hommage an die goldigen Bierzeiten in Brooklyn werden. Was noch fehlte war ein eingängiges Logo.
Es ist wohl Steve’s Hartnäckigkeit zu verdanken, dass die beiden Gründer einen Termin beim weltbekannten Grafiker Milton Glaser bekamen. Milton Glaser? Mit dem Namen können wohl wenige Menschen etwas anfangen – sein Werk aber (u.a. das I love NY Logo) tragen etliche Stolz auf der Brust.
Mit List und viel Schmeichelei (Steve berichtet heute noch von einem grossen Blumenstrauss für die Vorzimmerdame) wurden die beiden für fünf Minuten in Milton Glaser’s Büro gelassen – und kamen erst nach zwei Stunden wieder heraus. Steve und Tom hatten beschlossen, nicht über Business zu sprechen, sondern viel mehr ihre eigene Geschichte zu erzählen. Die Taktik zahlte sich aus und Milton Glaser war an Bord. Sein erster Input soll der legendäre Satz „you’ve got Brooklyn here, wo needs an eagle?“ gewesen ein – und so wurde aus der Brooklyn Eagle Brewery die Brooklyn Brewery. Milton konnte sogar davon überzeugt werden, auf sein Honorar zu verzichten. Stattdessen erhielt er eine Beteiligung an dem jungen Unternehmen und man munkelt, dass sein Büro bis zum heutigen Tag mit Freibier versorgt wird.
Fakt ist, dass Milton Glaser bis heute die Entwürfe für Logos, Etiketten und Verpackungen der Brooklyn Biere erstellt. Daraus entstand eine berufliche und private Freundschaft. Eine Freundschaft die man auf jeder Flasche Brooklyn sieht – und mit jedem Schluck spürt.
Cheers!