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(Latreille, 1804)
- DE: Kurzflügelige Schwertschrecke
- EN: Short-winged Conehead
- FR: Le Conocéphale des Roseaux
- Syn.: Xiphidium brevicaudatum Uvarov, 1910 | Anisoptera hungaricus Cziki, 1923
Morphologie
Die Grundfarbe von Conocephalus dorsalis ist ein einheitliches, kräftiges Grün. Vom Stirngipfel bis zum Hinterleibsende verläuft ein brauner Rückenstreifen. Die langen Fühler und die Augen sind rötlichbraun. Die bräunlich-glasigen Flügel des Männchens bedecken etwa drei Viertel des Hinterleibs, diejenigen des Weibchens sind etwas kürzer und bedecken nur knapp den halben Hinterleib. Der Innenzahn der männlichen Cerci liegt hinter der Mitte und ist kräftiger als jener von Conocephalus fuscus. Die rötlich-braune Legeröhre ist deutlich aufwärts gebogen und etwa halb so lang wie der Körper.
Gesang
Conocephalus dorsalis singt gerne kopfüber an Pflanzenstängeln und äussert leise, minutenlang anhaltende Strophen, in denen sich Phasen 4-silbiger mit Phasen 1-silbiger Folgen abwechseln. Die Phasen dauern 2-10 s, wobei die 1-silbigen Phasen meist kürzer sind. Die erste Silbe der 4-silbigen Verse dauert etwas länger als die restlichen. Der Gesang klingt somit schnell maschinenhaft oder langsam tickend. Wenn sich die Tiere bewegen, um einen neuen Gesangsplatz zu suchen, erzeugen sie oft leisere und längere 1-silbige Reihen von bis zu 30 s. Das Frequenzspektrum zeigt ein spitzes Maximum bei ca. 35 kHz.
Spontangesang von Conocephalus dorsalis - CH, VD, Cudrefin, 25 °C, sonnig.
Ausschnitt aus dem Spontangesang von Conocephalus dorsalis - CH, VD, Cudrefin, 25 °C, sonnig.
Sieben viersilbige Verse aus dem Spontangesang von Conocephalus dorsalis - CH, VD, Cudrefin, 25 °C, sonnig.
Verbreitung
Conocephalus dorsalis kommt von Südfrankreich bis in den Süden Skandinaviens vor, wo sie entlang der Küste verbreitet ist. Östlich reicht das Verbreitungsgebiet über die Türkei bis weit in den asiatischen Raum hinein. In der Schweiz befindet sich das grösste Vorkommen auf der Südseite des Neuenburgersees in der Grande Cariçaie. Vereinzelte Vorkommen befinden sich am Genfersee und in der Nordschweiz in Höhen bis knapp 500 m.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Individuen treten ab Juli bis in den Oktober auf.
Die Eier werden in Pflanzenstängeln über dem Boden abgelegt, wobei Binsen, Rohrkolben oder Schilf bevorzugt wird. Die Eier sind wenig trockenheitsresistent, was die Bindung von Conocephalus dorsalis an feuchte Lebensräume erklärt. Im Folgejahr schlüpfen die Larven ca. Anfang Juni und durchlaufen 5 Stadien. Vermutlich sind auch die Larven auf eine hohe Feuchtigkeit angewiesen.
Lebensraum
Als feuchtigkeits- und mässig wärmeliebende Art ist Conocephalus dorsalis in Feuchtgebieten zu finden. Besiedelt werden Feuchtwiesen in allen Variationen; Flach- und Niedermoore, Ufervegetation und feuchte Brachen. Gemeinsam ist den Lebensräumen, dass sie das gesamte Jahr über eine hohe Bodenfeuchte aufweisen und zumeist einige Monate überschwemmt sind. Am Neuenburgersee werden Flächen mit hohem und dichtem Schilf gemieden. Es werden Vegetationshöhen von 30-140 cm bevorzugt.
Gefährdung & Schutz
In der Schweiz gilt Conocephalus dorsalis als stark gefährdet. Die Entwässerung und Melioration geeigneter Gebiete haben den Lebensraum von Conocephalus dorsalis stark schrumpfen lassen. Auch heute geht die grösste Bedrohung immer noch von Entwässerung, fehlender Dynamik des Wasserspiegels und der intensiven Bewirtschaftung aus. Die Pflege besiedelter Habitate bedarf einer sporadischen Entbuschung der Randbereiche und einer schonenden Mahd oder Beweidung (z.B. durch Hochlandrinder). Eine Mahd darf höchstens einschürig erfolgen, wobei stets ein hoher Anteil an Altgras oder Saumstrukturen für die Fortpflanzung vorhanden sein muss. Aus verschiedenen Gebieten ist bekannt, dass eine extensive Beweidung mit geringem Tierbesatz für Conocephalus dorsalis förderlich ist.
- CH: EN (Stark gefährdet)
- DE: V (Vorwarnliste)
- AT: EN (Stark gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Conocephalus dorsalis ist sowohl morphologisch als auch im Gesang Conocephalus fuscus sehr ähnlich. Diese verfügt aber über auffallend lange Flügel, die den Körper deutlich überragen und die Legeröhre der Weibchen ist lediglich an der Basis etwas aufwärts gebogen, ansonsten gerade. Ruspolia nitidula kann im selben Lebensraum vorkommen. Sie ist aber deutlich grösser, die Flügel ragen weit über den Hinterleib hinaus und der Rücken ist nicht braun. Die Legeröhre ist deutlich länger und gerade.