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Was versteht man unten den fünf verschiedenen Transaktionen, die Einzelanlässe für eine Unternehmensbewertung darstellen?
Fusionen und Übernahmen (M&A): Falls ein Unternehmen ein anderes übernimmt oder zwei Unternehmen fusionieren, dann müssen die Kapitalgeber der entsprechenden Gesellschaften entschädigt werden. Zu diesem Zweck muss der Unternehmenswert bekannt sein.
Management Buy-Out/ Spin-off: Bei einem MBO übernimmt das Management einer Gesellschaft das eigene Unternehmen. Bei einem Spin-off wird hingegen eine nicht zum Kerngeschäft gehörende Geschäftseinheit eines Unternehmens vollständig verkauft.
Nachfolgeregelung: In einem KMU kann es vorkommen, dass ein Nachfolger, beispielsweise innerhalb der Familie, fehlt. Deshalb muss das KMU in der Folge verkauft werden.
Wechsel von Gesellschaftern: Kommt es in einer Personengesellschaft zu einem Wechsel innerhalb der Gesellschafterstruktur, muss ein Unternehmenswert bestimmt werden. Denn sowohl beim Eintritt als auch beim Austritt aus dem Unternehmen sind die entsprechenden Gesellschafter auf Basis des Unternehmenswertes zu entschädigen.
Emissionspreisbestimmung: Bei einem Börsengang (IPO) muss der Preis eines Unternehmens festgelegt werden, zu welchem es an die Börse geht.
Beschreibe die fünf Arten der Desinvestitionen genauer.
Konzentration auf das Kerngeschäft: Bestehen nicht genügend Synergien zwischen zwei Teilbereichen, kann es häufig sinnvoll sein, sich voll und ganz auf die Kernkompetenz zu beschränken.
Bedarf an flüssigen Mitteln: Droht einem Unternehmen die Illiquidität, so ist ein Verkauf von Teilgeschäften nötig.
Sicherung der Unternehmensexistenz: Häufig ist es unumgänglich, unrentable Geschäftsbereiche abzustossen, um aus Sicht des Gesamtunternehmens die Existenz zu sichern.
Sicherung der Unternehmenseffizienz: Manchmal stellt sich nach der Übernahme eines Unternehmens heraus, dass dieses seine Konkurrenzfähigkeit verliert, da es nun in Bezug auf strategische Allianzen mit anderen Unternehmen eingeschränkt ist.
Kartellrechtliche Entscheide: Es kann vorkommen, dass grosse Unternehmen zur Aufsplittung gezwungen werden, da sie gegen kartellrechtliche Vorschriften verstossen.
Welche drei Einzelfälle gibt es neben den Transaktionen & Desinvestitionen?
Steuerliche Bewertung: Steuerliche Relevanz erhält die Unternehmensbewertung bei personenbezogenen Gesellschaften wie Kollektiv- oder Kommanditgesellschaften. Der Unternehmenswert muss in diesem Falle bekannt sein, um die Vermögenssteuer festlegen zu können.
Finanzgeschäfte: Bei der Aufnahme, Erhöhung oder Verlängerung von Krediten hat der Kreditgeber ein Interesse den Wert des kreditsuchenden Unternehmens zu kennen. Dieser widerspiegelt das zukünftige Nutzenpotential und hat somit einen Einfluss auf die Bonität des Schuldners. Das Risiko für einen allfälligen Kreditausfall kann mit der Kenntnis des Unternehmenswerts besser abgeschätzt werden.
Gesetzliche Gründe: Zum einen kann die Unternehmensbewertung bei Erb- und Eherechtsfällen zwingend werden. Dieser Fall tritt beispielsweise ein, falls ein KMU als Erbschaft gesetzlich aufgeteilt werden muss. Zum anderen kann es bei gerichtlichen Auseinandersetzungen vorkommen, dass der Wert eines Unternehmens zu bestimmen ist, wie zum Beispiel bei einem Schadensersatzfall aufgrund staatlicher Enteignung.
Was versteht man unter wertorientierten Unternehmensführung (Value Based Management) als weiteres Motiv zur Unternehmensbewertung?
Bei der Anwendung von Value Based Management, also bei Shareholder-Value steigernder Unternehmensführung, soll durch Wertsteuerungssysteme sichergestellt werden, dass das Ziel der Wertsteigerung innerhalb des Unternehmens berücksichtigt wird. Dies gilt insbesondere für die operative Ebene. Deshalb werden diejenigen Faktoren ermittelt, welche einen massgeblichen Einfluss auf den Unternehmenswert haben. Die wertorientierte Führung und somit die Unternehmensbewertung kommt in unterschiedlichen Bereichen der Unternehmen vor. Grundlage für dieses Konzept ist das Shareholder Value Network von Rappaport.
Kann man den wahren/richtigen Unternehmenswert bestimmen?
Bestimmung des «richtigen Wertes» eines Unternehmens ist nahezu unmöglich, denn dieser berücksichtigt die Gesamtheit des Unternehmens (also nicht nur Einzelteile der Bilanz, sondern auch Arbeitskräfte, Patente, Kundenstamm,..)
Diese immateriellen Elemente können aber nicht ohne Subjektivität bewertet werden, wodurch der resultierende Unternehmenswert stark von den Interessen und der Sichtweise des Begutachters abhängig ist.
Verkäufer orientieren sich bei der Bewertung vor allem am Status Quo & Käufer an der Zukunft. Der neutrale Berater versucht, einen fairen Unternehmenswert in der Mitte zu finden, doch auch er kommt nicht ohne Subjektivität aus.
Auch kann je nach Methode ein anderer Unternehmenswert resultieren.
Entspricht der Preis eines Unternehmens dem Unternehmenswert?
Nein, der Preis ist das Resultat einer konkreten Situation mit verschiedenen Einflussfaktoren:
Der Wert eines Unternehmens entspricht nicht zwingend dem bezahlten Verkaufs- oder Kaufpreis! Bei Verhandlungen versucht jede Partei, je nach Interesse, den Preis zu maximieren bzw. zu minimieren. Ebenso können spezielle Anlässe, wie zum Beispiel ein Management Buy Out (MBO), der Verkauf an einen Finanzinvestor oder Verkauf unter Zeitdruck den Preis beeinflussen.
Was versteht man unter dem Durchschnittlicher Kapitalkostensatz (WACC)?
Der WACC (Weighted Average Cost of Capital) ist eines der Kernelemente bei der zukunftsorientierten Bewertung eines Unternehmens. Er widerspiegelt den durchschnittlichen Kapitalkostensatz des Unternehmens, d.h. er misst, wie gross die Kosten für das im Unternehmen eingesetzte Kapital sind.
Der WACC kann folglich auch als durchschnittlich erwartete Rendite der Investoren auf das Gesamtkapital gesehen werden. Um den Unternehmenswert zu maximieren, muss das Unternehmen versuchen, den WACC so tief wie möglich zu halten. Dies kann entweder über einen geringeren Eigenkapitalkostensatz oder über tiefere Fremdkapitalkosten erfolgen.
(WACC kann für ganzes Unternehmen oder Teile berrechnet werden)
Was muss gelten damit ein Unternehmen Wert generiert?
Der ROIC (Return on Invested Capital) grösser sein als der WACC. Das heisst der Gewinn, welcher mit dem investierten Kapital erzielt wird (ROIC), muss grösser sein als die Kosten (WACC), welche für das investierte Kapital entstehen (WACC als Bindeglied zw. Investitions- und Finanzierungsseite)