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Jugend
Die Jugend setzt auf Bildung - nur hat sie nicht überall guten Zugang (Schule in Fortalezza)
Die Credit Suisse lässt durch das gfs regelmässig einen Jugendbarometer erheben. 2012 wurden Jugendliche in der Schweiz, den USA und Brasilien verglichen. Politikwissenschafter Lukas Golder, der den Barometer erhebt, vergleicht die Jugendlichen der drei Länder in einem Interview. Betreffend Werte sagt er:
"In Brasilien sind traditionelle Werte stark spürbar und Religion wird als wichtig erachtet. Die Jugend ist allerdings geprägt von Aufstiegschancen, und die Selbstverwirklichung nimmt hier eine aussergewöhnlich wichtige Position ein. Lust und Körperkult spielen eine grosse Rolle. Die brasilianische Jugend ist aber auch am ehesten bereit, Verantwortung im aufstrebenden Staat zu übernehmen."
Und zum Vergleich zwischen der Jugend der drei Länder:
"Die US-Jugend träumt weiterhin den amerikanischen Traum – vom Tellerwäscher zum Millionär –, ist aber wegen der Krise verunsichert. Das blockiert teilweise. Fast das Gegenteil ist in Brasilien der Fall: Die brasilianische Jugend glaubt an die Chance des Aufstiegs zum Millionär, will aber den Traum mit anderen zusammen leben und dabei auch noch Spass am Leben haben. In der Schweiz ist alles viel konkreter. Statt zu träumen, verwirklicht die Jugend ihren Berufsaufstieg mit hochgekrempelten Armen und sucht nebenbei Wege, um auch andere Ziele zu erreichen."
Zitat: Politikwissenschafter Lukas Golder im Bulletin 5/2012 der Credit Suisse
Den Jugendbarometer gibt es als Download: Kurzversion (PDF), Schlussbericht Schweiz (PDF) Schlussbericht International (PDF). Aufbereitet finden sich die Resultate auch im Bulletin 5/2012 der CS (PDF).
Schulsystem
Das Schulsystem kann etwa folgendermassen dargestellt werden:
Die sehr grossen Repetitionsraten ermöglichen (trotz den eigentlich obligatorischen 9 Schuljahren) vielen Schülerinnen und Schülern in den öffentlichen Schulen nicht, auf ein angemessenes Bildungsniveau zu kommen. Im Report des Regionalen UNESCO-Bildungsbüro liest sich das dann folgendermassen:
Der Zustand ist nich haltbar - weder von der Perspektive, dass Bildung ein Menschenrecht ist, noch volkswirtschaftlich und die Regierung unternimmt z.B. mit dem Programm "bolsa familia" einige Anstrengungen, um die Situation zu verbessern. Dies beginnt schon bei den kleinen Kindern, auch hier gibt es einen Weltbank-Report: Early child education : making programs work for Brazil's most important generation (PDF auf Download-Seite).
Hochschulen
|Private und öffentliche Bildung (Bild eunobrasil)|
Es gibt private, gliedstaatliche (estadual) und bundesstaatliche (federal) Universitäten. Verschiedene glied- und v.a. die bundesstaatlichen Universitäten haben einen guten Ruf, an ihnen wird auf Weltniveau gelehrt und geforscht. Die privaten Hochschulen sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Es gibt hervorragende Hochschulen, die z.T. mit Stiftungsgeldern finanziert werden, daneben auch Hochschulen, die eigentlich ihren Namen nicht verdienen. An vielen privaten Hochschulen finden die Lehrveranstaltungen v.a. abends statt, das Lehrpersonal ist häufig im Stundenlohn angestellt.
Der Zugang zu den Hochschulen wird duruch die Vestibular-Prüfungen (vgl. engl. Wikipedia) oder das Enem (Exame Nacional do Ensino Medio (vgl. engl. Wikipedia) oder einen Mix aus den beiden Prüfungsarten geregelt. Eine Chance, an eine staatliche gute Hochschule zugelassen zu werden, hat eigentlich nur, wer eine teure Privatschule besucht hat. Der Staat an den staatlichen Hochschulen z.T. Quoten für Abgängerinnen und Abgänger aus öffentlichen Schulen durch, in dem 20 - 25% der Studienplätze für diese reserviert werden.
Das Verhältnis von Bewerbenden pro Studienplatz und der nötigen Punktzahl, um einen Studienplatz zu erhalten, publiziert z.B. die staatliche Universität von Maringa. (Relação de candidatos por vaga = Verhältnis von Kandidierenden pro Studienplatz). Aus der Tabelle ist auch gut ersichtlich, dass es sowohl Ganztagesstudiengänge wie Vormittags-, Nachmittags- und Abendstudiengänge gibt.
Das System führt zu einer Reproduktion der sozialen Schichtung. Aus der untersten Einkommensschicht (Quintil 1) schliessen 43.7% nicht einmal die Grundschule ab, in der höchsten Einkommensschicht (Quintil 5), schliessen 59.7 % ein höhere Bildung ab.
|Bildungsabschlüsse nach Einkommensschicht. Population der 18 bis 24-jährigen. Brasilien 2009 (Folie www.gr.unicamp.br)|
Interessant ist, dass die grösseren Hochschulen in aller Regel auch über eine "Extensão" verfügen, in denen sie Leistungen für die Gemeinschaft erbringen (Volkshochschulkurse, Frauenprogramme, Distant Learning, Seniorenprogramme, Theater, Musik, medizinische und zahnmedizinische Versorgung, Museen usw.
Berufsbildung
Ein "Instituto Federal de Educação, Ciência e Tecnologia" (IF) wie z.B. das IF Ceará bietet in der Regel in den verschiedenen Regionen eines Gliedstaates auch sehr berufsorientierte Studiengänge (Landwirtschaft, Hotelfach, Mechaniker usw.) und viele weitere im Bereich der Weiterbildung angesiedelte Leistungen an. Eigentliche Lehren existieren kaum.
SENAI (Serviço Nacional de Aprendizagem Industrial, Brazilian National Service for Industrial Training). Diese Organisation kombiniert ihre Ausbildungsgänge mit wissenschaftlichen Zielen. Mindestens ansatzweise sind hier Ähnlichkeiten mit Fachhochschulen festzustellen.
CAPES
Die Koordinationsstelle für die höhere Bildung, Capes, gibt portugiesisch Auskunft über die hönere Bildung.