Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03189.jsonl.gz/526

Die Wassergeburt – für viele Frauen eine Möglichkeit, ihr Kind zur Welt zu bringen. Während etwa ein Drittel aller schwangeren Frauen gerne ihr Kind im Wasser zur Welt bringen möchten, schafft es lediglich ein Kind von 20, im Wasser geboren zu werden. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass für einige Schwangere die Wassergeburt gar nicht geeignet ist. Wieso ist das so? Und ist eine Wassergeburt wirklich besser als eine natürliche Geburt?
Wie funktioniert eine Wassergeburt?
Für die Wassergeburt wird eine spezielle Wanne benötigt, die so genannte „Gebärwanne“. Diese ist wesentlich grösser als eine herkömmliche Badewanne und ist von allen Seiten zugänglich. Durch die Grösse der Wanne hat die Schwangere wesentlich mehr Bewegungsfreiheit, kann verschiedene Positionen einnehmen. Die Wanne, in der die schwangere Frau sitzt, ist mit etwa 34 bis 35 Grad warmen Wasser befüllt. Hebamme und Arzt überwachen den Geburtsvorgang vom Wannenrand, können im Bedarfsfall direkt eingreifen und unterstützen. Zur Überwachung der Herztöne des Babys werden wasserdichte Schallköpfe verwendet.
Aber ertrinkt das Baby nicht?
Nein, Babys können nicht ertrinken, da sie mit einem Atemschutz-Reflex „ausgestattet“ sind, der ein Ertrinken verhindert. Zudem sind die Mund- und Nasenregion durch ganz feine Rezeptoren in der Gesichtshaut versehen. Kommen diese mit Wasser in Berührung, senden diese ein Signal an den Kehlkopf und dieser verschliesst dann sofort die Luftröhre. Ausserdem wird das Baby über die Nabelschnur mit genügend Sauerstoff versorgt, so dass das Baby nicht ertrinken kann. Erst wenn Babys einen Luftzug um ihre Nase herum spüren, beginnen sie zu atmen.
Kommt für alle Frauen eine Wassergeburt in Frage?
Die Antwort lautet ganz klar: Nein. Denn es gibt gewisse Risiken und Gegebenheiten während der Schwangerschaft, die eine Wassergeburt ausschliessen. Generell muss, damit eine Wassergeburt überhaupt in Frage kommt, die Schwangerschaft unauffällig verlaufen sein. Ab der 38. Schwangerschaftswoche ist es dann möglich, eine Geburt im Wasser in Erwägung zu ziehen. Zudem muss der Beginn der Geburt ebenfalls unauffällig verlaufen. Es gibt allerdings noch einige Gründe mehr, warum eine Wassergeburt für die Schwangere und ihr Baby nicht in Frage kommen.
• Erfordert die Geburt eine erhöhte Aufmerksamkeit der Hebamme oder des Arztes oder müssen diese schnell eingreifen, kommt eine Geburt im Wasser nicht in Frage.
• Liegt das Baby nicht richtig, beispielsweise in Steisslage, ist die Wassergeburt ausgeschlossen.
• Bei Zwillingen oder Mehrlingen ist eine Wassergeburt ebenfalls nicht möglich.
• Vorzeitige Wehen sind ebenfalls ein K.O.-Kriterium für eine Geburt im Wasser.
• Stellen der Arzt oder die Hebamme unregelmässige Herztöne bei dem Baby fest, muss die Geburt auf natürlichem Wege erfolgen, damit schneller eingegriffen werden kann.
• Signalisiert die gebärende Mutter bereits im Vorfeld, dass sie eine Periduralanästhesie (PDA) möchte, ist die Geburt im Wasser ausgeschlossen. Durch die Betäubung kann die Schwangere nicht selbstständig aus dem Wasser steigen. Und um kein Risiko einzugehen, muss die Geburt auf normalem Wege erfolgen.
• Ist das Baby überdurchschnittlich gross, ist von einer Wassergeburt abzuraten.
• Auch bei ansteckenden Krankheiten der Mutter darf diese nicht im Wasser gebären.
Warum möchten so viele Frauen im Wasser gebären?
Eine Geburt im Wasser verläuft für die Frau entspannter als eine „normale“ Geburt. In der grossen Wanne kann sich die Schwangere freier bewegen, sich eine Position suchen, die ihr am wenigsten Schmerzen bereitet. Zudem entspannt die Wärme des Wassers, so dass der Kraftaufwand der Geburt im Wasser um einiges geringer ist. Oftmals ist die Wassergeburt kürzer als auf natürlichem Wege, was natürlich weniger Stress für Mutter und Kind bedeutet. Auch kommt es weniger zu Dammverletzungen bei der Schwangeren.
Hat eine Wassergeburt Nachteile?
Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja.
So kann es passieren, dass die Frau bei der Geburt Blut verliert. Da sich das Blut mit dem Wasser vermischt, kann die Blutmenge nicht eingeschätzt werden, so dass die werdende Mutter vielleicht mehr Blut verloren hat, als Arzt und Hebamme annehmen. Dies bringt ein gewisses Risiko mit sich.
Treten Komplikationen bei der Geburt auf, die eine sofortige Reaktion der Hebamme oder des Arztes erfordern, tritt eine gewisse Verzögerung auf – die werdende Mutter muss zuerst das Wasser verlassen.
Manche schwangere Frauen haben einen niedrigen Blutdruck. So kann es passieren, dass die Wärme des Wassers den Kreislauf noch weiter senkt, so dass die Gebärende ohnmächtig wird. Das heisst, die Frau muss sofort aus dem Wasser.
So entspannend die Wärme des Wassers auch ist, dadurch können allerdings die Wehen gehemmt werden. Um die Wehen wieder zu steigern, hilft es, dass die Gebärende im Wasser hin- und herläuft. Sollte dies nicht den gewünschten Effekt erzielen, muss die werdende Mutter direkt aus dem Wasser.
So angenehm eine Wassergeburt sein kann, sie bringt nicht für alle werdenden Mamas Vorteile. Wer vor der Frage steht, ob Wassergeburt ja oder nein, sollte die Vor- und Nachteile abwägen und dann entscheiden.