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Benedikt Meyers Zeitreise
Roms Aufstieg zur Weltmacht wäre mit anderen Politikern oder anderen Waffen wohl genauso gut möglich gewesen. Mit anderen Schuhen ist er schwer vorstellbar. Die römische Sandale ist ein gern übersehener Baustein des Imperiums. Dabei war es der Schuh, der es den Soldaten erlaubte, weite Strecken zurückzulegen. Die gute Durchlüftung minderte Schweiss und verhinderte Blasen, der Beschlag der Sohle sorgte für Standfestigkeit. Ohne Sandale keine weiten Reisen, ohne Reisen keine Verwaltung, ohne Verwaltung kein Reich.
Oft schritten die römischen Sandalen über befestigte Strassen. Cäsar hatte sie während seines Gallien-Feldzugs auch ausserhalb Italiens anlegen lassen – auch in der Schweiz. Beim Bau dieser «viae militares» wurde ein Strassenbett ausgehoben, das mit Geröll, Kies und Sand gekoffert und mit Pflastersteinen gedeckt wurde. Ein Prinzip, das bis heute verwendet wird. Entlang der Strassen fanden sich in regelmässigen Abständen Raststätten und für besonders eilige Reisende auch Stationen, an denen die Pferde gewechselt werden konnten.
Auch die helvetischen Zentren Aventicum, Vindonissa und Augusta Raurica waren durch solche «Autobahnen» verbunden. Die dem Jurasüdfuss folgende Römerstrasse zweigte bei Oensingen durch die Klus nach Norden ab und führte über den Oberen Hauenstein an den Rhein. Als es 275 in Augusta Raurica zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kam, gelangten römische Truppen sehr wahrscheinlich über den Hauenstein nach Norden. In der Nähe der Passhöhe kann dort noch heute ein eindrücklicher Hohlweg besichtigt werden, der mit grossem Aufwand aus dem Stein gehauen wurde und von dem sich der Name «Hauenstein» ableitet.
Ob die Soldaten in ihren Sandalen allerdings tatsächlich über genau jenes Pflaster gingen, ist inzwischen fraglich. Gemäss neueren Forschungen verlief die römische Strasse zwar schon über den besagten Pass, aber an einer etwas anderen Stelle. Der Hohlweg stammt wohl nicht ganz aus römischer Zeit und die Beschriftung «Römerstrasse» wurde deshalb durch die Bezeichnung «historischer Weg» ersetzt. «Dies diem docet», sagt der Lateiner dazu: «Ein Tag lehrt den anderen.» Oder etwas freier: Wir werden alle klüger.
Digital in die Vergangenheit
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