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Braucht es im Winter eher warmes Essen als im Sommer?
Auf Ihre spannende Frage gibt es mindestens zwei Antworten. Die «banale» westliche Antwort wäre, dass mit der Einnahme warmer oder heisser Speisen im Winter nur ein Gefühl von Wärme verbunden ist, umgekehrt im Sommer mit kalten Speisen eines von Kälte. Denn dieser Unterschied von kalt und warm ist im Verdauungstrakt schon nach sehr kurzer Zeit ausgeglichen und die Tem-peratur der aufgenommenen Nahrung gleicht sich der des Körpers an. Die zweite «fernöstliche» Antwort aus der Chinesischen Medizin wäre, dass der Begriff von «heissen» und «kalten» Nah-rungsmitteln zum einen mit der Zusammensetzung und zum anderen mit den biologischen Aus-wirkungen auf den Körper erklärt wird.
Über Jahrtausende entwickelter Vorgang
Tatsächlich ist die Steuerung der Nahrungsaufnahme ein sehr komplexer Vorgang, der sich über Jahrtausende beim Menschen entwickelt hat: das Kontrollzentrum befindet sich im Hirn (Hypotha-lamus). Magen, Bauchspeicheldrüse und Darm senden ständig Hormone aus, die entweder Hun-gergefühl auslösen (wie Ghrelin, das auch für das Magenknurren verantwortlich ist) oder Sättigung signalisieren (wie Leptin und GLP-1, welches bereits zur Therapie von Übergewicht und Diabetes verwendet wird).
Da ausser in unserer heutigen Zeit die Nahrung für die Menschen stets knapp war, hat sich ein System entwickelt, welches zum Ziel hat, Energie zu sparen und Vorräte anzulegen. Diese Vorräte werden im weissen Fett gespeichert, was in unserer Zeit des Kalorienüberflusses zu einer entspre-chenden Pandemie von Übergewicht / Adipositas geführt hat.
Durch Frieren wird braunes Fett aufgebaut
Durch Kälteexposition wie häufiges Frieren in kalter Umgebung wird im menschlichen Körper ver-mehrt braunes Fett aufgebaut, das sehr effizient Wärme produziert (Thermogenese) und so den Kalorienverbrauch erhöht. Deshalb haben Tiere, die Winterschlaf halten, einen sehr hohen Anteil an braunem Fett. Beim Menschen dagegen ist der Anteil an braunem Fett im Erwachsenen-
alter gering, d.h. mit regelmässigem Joggen können sehr viel mehr Kalorien verbrannt werden als durch die Wärmeproduktion des braunen Fetts.
Umgekehrt haben Studien berechnet, dass nur schon aufgrund der globalen Erwärmung und der damit reduzierten Wärmeproduktion in den gemässigten Zonen rund ein Kilogramm Gewicht zu-genommen wird, wenn die Kalorienzufuhr konstant gehalten wird. Insofern ist also Ihre Beobach-tung korrekt, dass es im Winter und bei regelmässigem Frieren mehr Kalorien braucht für die Wärmeproduktion, allerdings unabhängig davon, ob als heisses Fondue oder kalter Speck. Ebenso ist es egal, ob die Zusatz-Kalorien als Kohlenhydrate, Eiweiss oder Fett aufgenommen werden. Am Ende ist die Bilanz aus Kalorienaufnahme und -verbrauch entscheidend.