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In den letzten Jahren wurde durch verschiedene Reformen versucht, für Jugendliche mit einer Beeinträchtigung den Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung oder das Gymnasium zu erleichtern. Trotz dieser Reformen gibt es auf Sekundarstufe II vergleichsweise wenige spezifische Massnahmen. Ein wichtiges Gleichstellungsinstrument, um Nachteile, die aufgrund von Beeinträchtigungen entstehen können, auszugleichen, ist der Nachteilsausgleich. Mit diesem Instrument können Jugendliche mit einer Beeinträchtigung während ihrer Ausbildung unterstützt werden.
Rund ein Viertel der Jugendlichen hat Beeinträchtigung
Die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit und die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich haben im Zeitraum von 2018 bis 2020 in einem Kooperationsprojekt die Situation von Lernenden mit einer Beeinträchtigung an Berufsfachschulen und Gymnasien untersucht, wie es ihnen während der Ausbildung geht und wie sie mit den gestellten Anforderungen zurechtkommen. Dabei wurde vor allem auch die Umsetzung des Nachteilsausgleichs näher untersucht. In dieser Studie geben 246 von 907 Befragte (27.1%) an, eine Beeinträchtigung zu haben, wobei 60 Jugendliche einen Nachteilsausgleich in Anspruch nehmen. Dabei kommt der Nachteilsausgleich besonders häufig bei einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) zur Anwendung.
Abbildung 1: Angegebene Beeinträchtigungen von Jugendlichen, die Nachteilsausgleich in Anspruch nehmen. Doppelnennungen waren möglich. LRS = Lese-Rechtschreibschwäche; Dyskalkulie = Rechenschwäche; ADHS = Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (zum Vergrössern klicken)
Individuelle Bedürfnisse als Herausforderung
Die Studie zeigt: Mit dem Nachteilsausgleich und der Umsetzung konkreter Massnahmen durch die Schulen entstehen oftmals Unsicherheiten. Diese Unsicherheiten entstehen teilweise durch fehlendes Wissen zu einzelnen Beeinträchtigungsformen oder fehlendes Wissen und Erfahrungen im Kontext des Nachteilsausgleiches. «Zentral für eine erfolgreiche Umsetzung des Nachteilsausgleichs ist das Erkennen der individuellen Bedürfnisse der Jugendlichen», weiss Pia Georgi-Tscherry, Studienautorin und Dozentin an der Hochschule Luzern. Wenn die Schulen mit gezielten Lösungen auf die einzelnen Betroffenen eingehen können, sind demnach die Erfolgsquoten am höchsten. Das berichten auch die Jugendlichen, die im Rahmen der Erhebung befragt wurden. Auf persönliche Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen führen bei den Schülerinnen und Schülern spürbar zu einer Stabilisierung ihrer Noten. «Ausserdem erwähnen diese Jugendlichen ein grösseres Mass an Motivation für die Schule, da sich ihre Bemühungen in ihren Leistungen niederschlagen», so Georgi-Tscherry.
Nachteilsausgleich beeinflusst das Leben positiv
Sind die Massnahmen passgenau formuliert und umgesetzt, begünstigen sie somit nicht nur die Chancengleichheit in der Bildung, sondern üben einen wesentlichen Einfluss auf die persönliche Entwicklung der Jugendlichen aus. «Ein gelungener Nachteilsausgleich hat demzufolge positive Effekte auf die Selbstwirksamkeit der Jugendlichen», sagt Studienautorin und Dozentin Claudia Schellenberg von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich. Das habe wiederum auf das gesamte Leben der Jugendlichen einen Einfluss. «Somit gilt es, Kenntnisse und Erfahrungen hinsichtlich des Nachteilsausgleiches soweit voranzutreiben, dass sie verstärkt auch für Jugendliche mit anderen Beeinträchtigungsformen als bei einer LRS Anwendung finden können», so die Studienautorin.