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Die Familie Sailer gehörte zu den führenden Bürgergeschlechtern der Stadt Wil. Ihr Stammbaum lässt sich bis ins Jahr zwölfte Jahrhundert zurückverfolgen. Sie schufen sich einen klingenden Namen als Teilnehmer an den Burgunderkriegen, andere Familienmitglieder waren als Wohltäter bekannt. Weitere waren Mönche im Kloster St. Gallen, einige hatten höhere Beamtenstellen inne.
Das Schicksal meinte es nicht mit allen Sailern gleich gut: Stephan Sailer-Hungerbühler und seine Familie wurde von ihm nicht verwöhnt. Der Vater hatte ein Auskommen als Zinngiesser an der Kirchgasse. An Weihnachten 1744 brannte das Haus der Familie nieder. Trotz wirtschaftlicher Hilfe der Stadt blieb seine Existenz unsicher.
Schliesslich fand Vater Sailer ein neues Auskommen als Turmwärter. Nach acht Jahren machte ihm sein Rheuma so sehr zu schaffen, dass er seiner Aufgabe nicht mehr gewachsen war. Die Familie war auf Armenunterstützung angewiesen.
Werkstatt an der Marktgasse
Das Elternpaar Sailer bekam fünf Kinder. Aus dem im Jahr 1760 geborenen Stephan Niklaus wurde ein Sattlermeister. 1787 heiratete er, das Paar bekam sechs Söhne. Es wird vermutet, dass er seine Werkstatt und seine Familienunterkunft in jener Liegenschaft an der Marktgasse hatte, in der heute eine Café Bar im italienischen Stil seine Gäste bewirtet.
Stephan Niklaus war ein streitbarerer Charakter. Er war öfters in Händel verwickelt und musste deshalb vor den Behörden erscheinen. Er war energisch, hatte eine spitze Zunge und übte häufig wortreich Kritik, wobei seine Äusserungen gelegentlich den angemessenen Respekt vermissen liessen. Zudem scheint er es mit der Wahrheit nicht immer so genau genommen zu haben.
Seine Finanzen hatte er nicht im Griff, er gab zu viel aus und liess seine Familie Mangel leiden. Stephan Sailer galt als Aufrührer, der in der Stadt immer wieder Stimmung gegen die Obrigkeit machte und die Leute aufhetzte. Insbesondere bei den Kleinhandwerkern der Stadt fand er Anhänger. Er stellte verschiedene Forderungen gegen die Mächtigen. Sein Widerstand wurde von den Schriften des elsässischen Advokaten Jean Francoise Reubell, der in der französischen Revolution eine führende Rolle spielte, genährt.
Städtische Politik weiterentwickelt
Mit seiner Familie hatte er kein gutes Einvernehmen, er lebte an der Weierstrasse, in räumlicher Distanz zu seiner Frau und seinen Kindern. Auch wenn er den Behörden öfters das Leben schwer machte, kämpfte er für die Ideale Freiheit, Gleichheit und Gleichberechtigung – Werte, die heute als selbstverständlich angesehen werden. Zudem setzte er sich auch für politische Verbesserungen, wie etwa eine angemessene Besoldung der Beamten sowie für eine Rechnungskommission ein.
Im Jahr 1837 ist Stephan Sailer gestorben. Insgesamt hat der umtriebige und streitbare Handwerker die politische Entwicklung der Stadt vorangetrieben.