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Eine neue Studie aus dem angelsächsischen Raum liefert neue Beweise dafür, dass Bisexualität auch unter Männern existiert. Also so wirklich existiert.
Die Frage, ob ein Mann wirklich bisexuell sein kann, beschäftigt die Wissenschaft scheinbar schon lange. Seit Jahren liest man in Fachzeitschriften immer wieder von Studien, die das untersuchen wollten. Im Jahr 2005 berichteten Zeitungen über eine Forschung, wonach Männer «nur im Kopf» bisexuell seien, weil sie bei Tests entweder auf männliche oder auf weibliche Reize reagieren – jedoch nie auf beide gleichzeitig.
Solche Berichte und andere Vorurteile sorgten dafür, dass sich innerhalb der queeren Szene die Meinung verbreitete, bisexuelle Männer gebe es gar nicht. Wer in Zürichs oder Berns Schwulenbars unterwegs war, wird in den vergangenen Jahren bestimmt einmal den Spruch gehört haben: «Bisexuelle sind eigentlich verkappte Schwule, die sich nicht outen wollen.»
Forscherinnen und Forscher mehrerer US-amerikanischer und britischer Universitäten sowie des Amerikanischen Instituts für Bisexualität wollten dieser Behauptung auf den Grund geben. Sie schreiben in einer im August 2020 (!) publizierten Studie: «Sowohl unter Wissenschaftlern als auch unter Laien herrscht seit langem die Skepsis, dass es eine männliche bisexuelle Orientierung gibt. Skeptiker haben behauptet, dass Männer, die sich selbst als bisexuell identifizieren, in Wirklichkeit homosexuell oder heterosexuell sind.»
Die Studie schreibt, dass «überzeugende Beweise» vorliegen, dass es bisexuelle Männer gibt. Der Studientitel spricht sogar von «handfester Evidenz» (Robust evidence for bisexual orientation among men).
Veröffentlicht wurde die Studie im August in der Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» (kurz PNAS). Nachgelesen werden kann sie unter der Referenz DOI: 10.1073/pnas.2003631117.
Man muss betonen, dass es sich bei der Studie um eine sogenannte Meta-Studie handelt. Sie hat die Forschungsergebnisse von acht früheren Studien in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich (UK) und Kanada verglichen, die 474 bis 588 cis Männer (je nach Analyse) untersucht hatten. Die Probanden waren unterschiedlicher sexueller Orientierung.
Den Männern wurden in den untersuchten Studien drei Arten von «Stimuli» präsentiert. Es waren zwei- bis drei-minütige Videoclips, die entweder etwas Neutrales (Aufnahmen von schönen Landschaften) oder sexuelle Akte zeigten. Präsentiert wurden Pornos mit Männern (Schwulenporno oder ein onanierender Mann) oder Frauen (Lesbenporno oder eine masturbierende Frau).
Die Probanden durften das «im Privaten» tun, wobei ihr Penis ständig unter Beobachtung eines Dehnungsmessgerätes stand. Nach jedem Clip mussten die Männer zusätzlich selbst berichten, wie erregt sie waren.
Sie verglichen die selbst erklärte sexuelle Orientierung des Mannes (x-Achse) mit den Daten der Penismessung (in der Grafik links) und dem Selbstbericht der Probanden (in der Grafik rechts). Verwendet wurde dabei ein Score zwischen 0 und 6. 0 bedeutet ausschliesslich heterosexuell, 6 ausschliesslich homosexuell. Werte zwischen 2 und 4 wurden als bisexuell interpretiert.
Das Fazit war ziemlich eindeutig: Je «bisexueller» sich ein Mann selbst bezeichnete, desto eher gab es eine Erregung auf weibliche und männliche Pornos.
Auffällig war zudem, dass Männer, die sich als «voll hetero» einschätzten, auch bei Schwulen- und Männerpornos eine messbare Errektion hatten – dies aber nach dem Clip nicht bestätigen wollten.*
(pit)
* In einer ersten Version hiess es an dieser Stelle, dass dies bei «voll schwulen» Männern nicht so eindeutig wäre. Berücksichtigt man die Fehlerbereiche, ist diese Aussage nicht korrekt. Sie wurde daher entfernt.