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Sehenswertes in Liechtenstein – das Schloss Vaduz
Der kleine Nachbar der Schweiz, das Fürstentum Liechtenstein, gehört zu den Zwergstaaten. Weltweit gilt er als einer der kleinsten Staaten (Rang 6), innerhalb Europas sogar als der viertkleinste. Den Rang Nummer 1 hält Liechtenstein als das kleinste deutschsprachige Land.
Unser östlicher Nachbar nennt ein paar historische Baudenkmäler sein eigen, aber deutlich weniger als die grössere Schweiz. Die Denkmalpflege des Fürstentums hat so die Chance, sich intensiv um die vorhandenen Bauwerke zu kümmern. Besonders eindrucksvolle Beispiele sind das Schloss Vaduz, der Wohnsitz der Fürstenfamilie, die Mittelalterfeste Burg Gutenberg und die Kathedrale St. Florin.
Klein mit grosser Wirkung
Geografisch gesehen erstreckt sich Liechtenstein grösstenteils über das Mittel- und Hochgebirge Rätikon, das zu den Ostalpen gehört. Bewohnt wird hauptsächlich der östliche Teil, das Saminatal und die westlichen Bezirke des Rheintals. Keine Stadt erreicht eine ausreichend hohe Einwohnerzahl, um von einer Grossstadt zu reden. Insgesamt leben 37’000 Menschen im Fürstentum. Schaan hat ca. 5700 Einwohner, Vaduz liegt bei etwa 5200 Einwohnern, Triesen bei 4700 und Balzers immerhin 4400 Einwohner. Die Hälfte von Liechtensteins 160 Quadratkilometern Fläche ist gebirgig.
In den beiden Weltkriegen bewahrte Liechtenstein seine Neutralität, dieser Tatsache verdankt der kleine Staat seine gut erhaltenen Baudenkmäler mit kulturhistorischem Wert. Grosse wirtschaftliche Erfolge erreichte Liechtenstein erst nach dem ersten Weltkrieg, als es den mit Österreich bestehenden Zollvertrag auflöste. Dieser Vertrag unterband unter anderem die für die Textilindustrie wichtige Einfuhr von Garnen. Ein neuer Vertrag mit der Schweiz verbesserte die Wirtschaftslage enorm und der Zwergstaat blühte auf. Die Rolle als Europas beliebtester Steuerschlupfwinkel endete im Jahr 2008, als es zu einer beträchtlichen Aufregung wegen zahlloser Steuerhinterzieher aus Deutschland kam.
Die Fürstenresidenz – Schloss Vaduz
Das Hohenliechtensteiner Schloss überragt Liechtensteins Hauptstadt, ebenfalls Vaduz, seit der Erbauung im 12. Jahrhundert und bietet einen fantastischen Ausblick auf das Rheintal. Der Bergfried wurde 160 Meter hoch in den Felsen auf eine Terrasse gebaut, der rückseitige, südwärts gerichtete Bereich grenzt an hochragende Berghänge. Ursprünglich wurde nur die Burg erbaut, der Wohnturm und eine Kapelle kamen erst später dazu. Durch ständige Erweiterungen entstand das heutige Aussehen der Schlossanlage. Die dendrochronologischen Analysen des Bauholzes lassen für den Wohnturm auf das Baujahr 1287 schliessen.
Im Spätmittelalter im Jahre 1322 fand die erste Nennung in einem Schriftstück statt. Die gesamte Burg inklusive Bewohner und Leibeigener der Orte Vaduz und Triesen wurden an Vogt Ulrich von Matsch verpfändet, für den Betrag von 400 Mark Silber. Die Burg wechselte immer wieder den Besitzer, seit 1712 ist sie Eigentum der Vorfahren der heutigen Fürstenfamilie. 1499, im Krieg gegen die Schwaben, wurde die Burg abgebrannt, danach aber wieder hergestellt. Im unteren Geschoss des Südtraktes erbaute man eine Kapelle zu Ehren der Heiligen Anna. Die Anlage rund um die Burg verfiel zusehends, das Schloss dagegen wurde immer imposanter.
Für eine umfassende Renovierung der historischen Anlage setzte sich der Liechtensteiner Fürst Johann II. in den Jahren 1905 bis 1912 ein. Die Leitung des Projekts übernahm der Innsbrucker Archäologe Professor Franz von Wieser. Seit 1939 ist der Hauptwohnsitz der Fürstenfamilie Schloss Vaduz. Besucher können die Innenanlagen nicht besichtigen, da sie privat genutzt werden. Der 15. August, Staatsfeiertag Liechtensteins, wird jedes Jahr auf der Schlosswiese gefeiert, ein festlicher Staatsakt mit einem Empfang und Feuerwerk.
Felshügel über Balzers – Burg Gutenberg
Am südlichsten Ende des Fürstentums befindet sich die Gemeinde Balzers mit der eindrucksvollen Burg Gutenberg im Zentrum. Erbaut wurde die hochmittelalterliche Anlage zwischen 1100 und 1200 auf einem frei stehenden Felshügel, der schon in der Jungsteinzeit besiedelt wurde. Bei Ausgrabungen fand man Anzeichen für Opferplätze und Kultstätten. Auch heute noch gilt der Hügel der Burg als bedeutende Ausgrabungsstätte. Zu besichtigen sind die Burg mit Kapelle und Rosengarten, sowie das Museum. Die Burg dient auch als Freilichttheater, Kulisse für Filmaufnahmen und Veranstaltungsort für kulturelle Events.
Der Vaduzer Künstler und Architekt Egon Rheinberger kaufte und restaurierte die Burg Anfang der 1900 Jahre. Zuvor war Burg Gutenberg im Besitz verschiedener Eigentümer, heute ist sie im Staatsbesitz des Fürstentums. In früheren Zeiten lebten und arbeiteten die Menschen in der Burganlage. Dienerschaft, Soldaten, Verwalter und ihre Familien hatten ihren Lebensmittelpunkt im inneren Bereich, der nur in Ausnahmefällen verlassen wurde. Mehrere hundert Menschen bevölkerten die Anlage, die leibeigenen Bauern bewirtschafteten die Felder und versorgten das Vieh in den Dörfern im Tal. Die Pfarrkirche St. Nikolaus befindet sich direkt an der Burg Gutenberg.
Ausflugsziel St. Florin
Von der Pfarrei zur Kathedrale entwickelte sich die neugotische Kirche St. Florin. Mit ihren drei Seitenschiffen und dem Frontturm ist das beliebte Ausflugsziel eher zu den jüngeren Baudenkmälern zu rechnen. 1869 bis 1873 nach den Entwürfen des Architekten Friedrich von Schmidt aus Wien gebaut sollte sie die alte, verfallene Vaduzer Florinskapelle ersetzen, von der nur noch einige Mauerreste zeugen. 1997 erhob Papst Johannes Paul II. die Kirche zur Kathedrale St. Florin.
Oberstes Bild: Schloss Vaduz – Wohnsitz des Fürsten von Liechtenstein. (Bild: Presse- und Informationsamt Vaduz, Wikimedia, CC)