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Der Adler ist gelandet
Dem durstigen Wanderer winken von historischen Wirtshausschildern Adler und Bär, Steinbock und Schäfli entgegen. Die Restaurierung dieser historischen Werbeträger gelingt am besten in Zusammenarbeit von kompetenten Handwerkern. Dies zeigt die gelungene Instandsetzung des Rheinfelder Wirtshausschilds zum goldenen Adler.
Wer durch den Aargau fährt und auf die Namen von Gasthöfen achtet, wird regionalspezifische Eigenheiten feststellen. Im ehemals bernischen Untertanengebiet tummeln sich auf zahlreichen Wirtshausschildern Bären. Im vormals österreichischen Fricktal finden sich hingegen neun der dreizehn Aargauer Gasthöfe zum Adler. Ein besonders stattlicher ehemaliger Gasthof mit einem entsprechend kunstvollen Schild ist der "goldene Adler" in Rheinfelden.
Der ehemalige Gasthof zum goldenen Adler in Rheinfelden
Kommt man auf den Obertorplatz in Rheinfelden, wird man wegen seiner platzbeherrschenden Stellung den Blick wohl automatisch dem ehemaligen Gasthaus zum goldenen Adler zuwenden. Das Gebäude entstand in seiner heutigen Form um 1726 durch den Zusammenschluss diverser älterer Bauten, die z.T. bis ins 14. Jh. zurückgehen. Bereits in den 1760er-Jahren erfolgte im Auftrag von Franz Joseph Schweickardt, nachdem das Tavernenrecht verpachtet worden war, die Umgestaltung in ein repräsentatives Wohnhaus. Als dessen Nachfolger Joseph Ignaz Schweickardt das Tavernenrecht 1798 ebenfalls in Pacht gab und die Räume im Erdgeschoss lediglich für seine Geschäfte als Zollbeamter nutzte, stiess dies bei den anderen Wirten auf Unverständnis, da der "goldene Adler" in ihren Augen "eine der besten Lagen für ein Gasthaus" besass. Spätere Umnutzungen transformierten das Gebäude nach 1896 in ein Solebadhotel und 1996 in ein Mehrfamilienhaus. Doch auch wenn hier schon lange nicht mehr gewirtet wird, hat sich das eindrückliche Wirtshausschild erhalten.
Das Wirtshausschild "zum goldenen Adler" und seine Restaurierung
Welche Bedeutung man früher schweizweit Wirtshausschildern beimass, lässt ein Artikel im "Bündnerischen Volksblatt" aus dem Jahr 1831 erahnen: "Das Schild eines Gasthofes soll also eine Einladungskarte seien und obendrein dem einkehrenden Gaste gleichsam bildlich andeuten, was seiner dort wartet. In diesem Sinne die Wirtshausschilder beurteilt, muss bei einem neu angehenden Schildhalter oder Gastwirt kein Schritt, selbst nicht die Wahl seiner Hausfrau oder seiner Köche, so ernstlich erwogen, und nichts mit so viel Klugheit behandelt werden, als die Auswahl des Schildes – welches der Herold seines Hauses und seines Geschäftsglückes sein soll."
Das Rheinfelder Wirtshausschild "zum goldenen Adler" wurde werbewirksam an der Gebäudeecke zur Geissgasse platziert. An einem kunstvollen Ausleger im Empirestil hängt ein runder, im Verhältnis zum Ausleger fast etwas klein wirkender Blechschild mit dem kaiserlichen Doppeladler, der Reichsapfel, Zepter und Schwert in seinen Klauen hält. Das Herzschild zeigt das Stadtwappen mit neun Sternen, jedoch nicht wie sonst üblich mit einem gelben Streifen beginnend.
Die 2017 unternommene Restaurierung hat den weiteren dauerhaften Erhalt zum Ziel. Die Metallteile wurden entrostet und mussten dort, wo der Rost grosse Löcher gefressen hatte, auch ergänzt werden. Die nun wieder hergestellte farbliche Fassung entsprechend dem Befund – also dem durch Untersuchungen am Objekt festgestellten ursprünglichen farblichen Erscheinungsbild – dient nicht nur dem Schutz des Metalls, sondern bestimmt natürlich auch die Wirkung und Strahlkraft des Schilds. Die aktuelle Restaurierung offenbarte auch Einblicke in frühere Reparaturarbeiten. Wohl im 19. Jh. ersetzte man beim Ausleger Teile des Rankenwerks mit Kupfer anstelle von Eisen. Am Ausleger fand sich auch eine Plakette mit der Inschrift: "Renoviert auf Kilbe 1928. A. Schmelcher Schlosserei Gebr. Kahlenbach M. Peintre-Doreur". Während diese früheren Reparaturen am Ausleger sorgfältig durchgeführt worden sind, machte das Schild einen unpassenden Eindruck.
Wohl 1961 wurde das originale Schild ins Fricktaler Museum verbracht, wo es sich noch heute befindet. Am Haus selbst wurde eine Kopie angebracht, die jedoch bezüglich Farbgebung und Darstellungsdetails weit vom Original abwich – und dies nicht zum Besseren. Dies konnte im Zuge der aktuellen Restaurierung korrigiert werden.
Erwähnt sei nicht zuletzt, dass das Zusammenwirken vieler Kräfte diese Restaurierung ermöglicht hat. Neben dem Bekenntnis der Stockwerkeigentümer zu ihrem besonders schönen Hauszeichen und der handwerklichen Kompetenz von Ina Link (Farbfassung) und Werner Villiger (Kunstschlosserarbeiten), trugen die Adolf-Roniger-Stiftung sowie Stadt, Kanton und Bund zur Finanzierung bei.
Und last but not least ermöglichte die Rheinfelder Feuerwehr mit ihrem sechzehn Tonnen schweren Fahrzeug und einer Feuerwehrdrehleiter der neusten Generation unter ihrem Kommandanten Walter Bräutigam bei der Wiedermontage eine millimetergenaue Punktlandung des Adlers!