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- Feministinnen empörten sich über Allen Jones' Werke wie «Hatstand», «Table» und «Chair».
- Die Fetischobjekte gelten heute Klassiker der Pop-Art – und bleiben umstritten.
- Stanley Kubrick liess sich von Jones für das Set der Korova Milk Bar in «A Clockwork Orange» inspirieren.
Der Stein des Anstosses
Allen Jones gilt als einer der prägendsten Künstler der britischen Pop-Art. In seinen Skulpturen, Malereien und Graphiken thematisiert er die weibliche Form. Mit seinen Fiberglas-Skulpturen sorgte er um 1970 für einen Skandal: Frauenfiguren in aufreizenden Posen dienten als Möbelstücke.
Bei der Skulptur «Chair» streckt die liegende Figur die gespreizten Beine in die Höhe und hat ein schwarzes Kissen umgebunden – eine provokante Sitzgelegenheit. Eine andere Skulptur des Sets trägt, auf allen Vieren kriechend, einen Glastisch auf dem Rücken. Alle Figuren: vollbusig, mit Leder bekleidet, in schwarzen Stiefeln.
Die Kritiker
Feministinnen waren «not amused». Sie warfen Allen Jones vor, den weiblichen Körper zu verdinglichen. Im feministischen Magazin «Spare Rib» erschien ein Essay, der ihn als Fetischisten mit einem unbewussten Kastrationskomplex beschrieb.
1978 warfen Aktivisten in einer Ausstellung Stinkbomben nach den Skulpturen. Acht Jahre später wurde die Skulptur «Chair» in der Tate Britain mit Farbbeize attackiert. Noch heute provoziert der Name ‹Allen Jones›: Bei einer Ausstellung zu seinem Lebenswerk vor fünf Jahren bekam die Kunsthalle Tübingen bereits vor der Eröffnung Absagen.
Die Liebhaber
So scharf, wie sie kritisiert wurden, so bewundert wurden und werden Jones Figuren. Prominente wie Elton John, Roman Polanski und Gunter Sachs kauften Exemplare. Als der Nachlass von Gunter Sachs versteigert wurde, erreichten seine drei Jones-Skulpturen zusammen einen Wert von drei Millionen Euro.
Da wirkt eine andere Geschichte wie Hohn: Regisseur Stanley Kubrick fragte Allen Jones 1970 an, für seinen Film «A Clockwork Orange» ähnliche Skulpturen zu machen. Jones lehnte das Angebot ab – Kubrick wollte ihm nichts bezahlen. Immerhin: Kubrick durfte sein Filmset mit Figuren im Stil von Jones bestücken.
Die Fetischmagazine
Allen Jones wird bis heute als Sexist oder Fetischist bezeichnet. Tatsächlich inspirierten den Künstler Fetischmagazine aus den 1950er-Jahren mit ihren übertriebenen, holzschnittartigen Illustrationen. Er hat die Magazine damals wie ein Verrückter gesammelt.
Auch ein Spielzeugautomat, den der Künstler in Nevada gesehen hatte, inspirierte ihn. Er war eingebaut in eine Frauenskulptur, wie Allen Jones im Guardian, Link öffnet in einem neuen Fenster sagte: «Als Darstellung einer Figur stand sie deutlich ausserhalb der Kunsttradition. Und das war die Herausforderung für mich.»
Die Körperbefreiung
«Ich wollte den künstlerischen Kanon und die Erwartungen, was Kunst sein soll, infrage stellen», äussert sich der Künstler im Gespräch mit dem Direktor des Vitra Design Museums, Link öffnet in einem neuen Fenster. Beeinflusst habe ihn auch die damalige Zeit der Körperbefreiung: Das Treiben auf den Strassen. Die Röcke, die kürzer wurden. Bunte Farben. Enge Schnitte. Wie Leder und Latex aus dem Schrank auf den Catwalk kamen.
Oder wie er in einem Interview im Kunstmagazin art, Link öffnet in einem neuen Fenster sagte: «Ich habe vor allem verarbeitet, was ich gesehen habe, wenn ich mit meinen Kindern im Kinderwagen durch die Londoner King’s Road lief. Aufreizendes, vielleicht Anstössiges, aber auch eine neue Freiheit für die Frau und die Aufhebung von Zwängen.» Sich selbst bezeichnet Allen Jones als Feminist.
Allen Jones
Allen Jones wurde 1937 in Southampton geboren. Er studiert am Royal College of Art in London, unterrichtete später Litographie und Zeichnen. Seine Werke wie Malereien oder Skulpturen haben einen stark erotischen Bezug.