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Gewässer und Wasserressourcen werden durch die Gesellschaft und Wirtschaft vielfältig und intensiv genutzt:
Das Bedürfnis nach Siedlungs- und Erholungsraum und die intensive Landwirtschaft verstärken den Druck auf den Gewässerraum und belasten die Gewässerqualität.
Der Klimawandel verändert die zeitliche und räumliche Wasserverfügbarkeit. Dies kann zusammen mit der Intensivierung der Nutzung und den Schutzanliegen zunehmend zu Interessenskonflikten führen.
Die Schweiz als Wasserschloss Europas verfügt über grosse Wasserressourcen. Der Wasserverbrauch von Haushalten, Gewerbe und Industrie hat seit 1975 trotz steigender Bevölkerungszahl abgenommen, der Bedarf für die Bewässerung nimmt in Folge des Klimawandels zu.
Die intensive Landwirtschaft und die Bedürfnisse der Gesellschaft üben Druck auf die Qualität von Grund- und Oberflächengewässern aus. Rückstände aus Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Bestandteile von Körperpflegeprodukten, Reinigungsmitteln und Arzneimitteln beeinträchtigen die Wasserqualität. Auch von Strassen und versiegelten Flächen gelangen unerwünschte Stoffe ins Wasser. Diese sogenannten Mikroverunreinigungen können bereits in sehr niedrigen Konzentrationen nachteilige Wirkungen auf die Wasserqualität haben.
Die intensive Raumnutzung haben in der Vergangenheit zu massiven Veränderungen der Gewässerstrukturen sowie zur Verarmung der Landschaft geführt. Zahlreiche Gewässer wurden verbaut oder begradigt, um den zunehmenden Landbedarf zu decken oder Siedlungen vor Hochwasser zu schützen. Der den Gewässern zugestandene Raum ist so vielerorts bis auf einen Abflusskanal reduziert worden.
Die Wasserkraftproduktion beeinflusst die Wassermenge und führt zu Strukturveränderungen an den Gewässern. (Anfangs der 1990er Jahre fielen zum Beispiel zahlreiche Flüsse und Bäche unterhalb von Wasserentnahmen zur Wasserkraftnutzung regelmässig trocken).
Speicherkraftwerke erzeugen für die Produktion von Spitzenenergie schwallartige Abflussschwankungen in den unterliegenden Gewässern. Dabei verändern sich, ähnlich einem künstlich erzeugten Hochwasser, innerhalb von kurzer Zeit der Wasserstand, die Fliessgeschwindigkeit und die Flussbreite.
Das Grundwasser in der Schweiz weist in der Regel eine gute bis sehr gute Qualität auf. In Ballungsräumen und landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten ist es aber häufig zu stark mit Nitrat und anderen unerwünschten Stoffen belastet. Bei langanhaltenden Trockenperioden können die Grundwasserstände vorübergehend sinken.
Die Wasserqualität der Oberflächengewässer hat sich seit den 1960er Jahren bezogen auf die Belastungen mit Nährstoffen insgesamt stark verbessert. Der Eintrag von Mikroverunreinigungen ist jedoch nach wie vor eine Herausforderung für den Gewässerschutz. Problematisch sind kleinere Bäche, in denen gereinigtes Abwasser beim Einlauf ins Gewässer nur wenig verdünnt wird. Bei Regenereignissen werden in kleineren und mittleren Bächen/Flüssen regelmässig Spitzenbelastungen von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden nachgewiesen.
Im Rhein bei Basel ist die Temperatur seit den 1960er Jahren um mehr als 2°C angestiegen. Zu dieser Entwicklung tragen der Klimawandel und die Einleitung von erwärmtem Wasser beispielsweise aus Kühlanlagen oder Abwassereinigungsanlagen bei. Ähnliche Temperaturerhöhungen können auch in anderen Gewässern im Mittelland festgestellt werden.
Der Klimawandel beeinflusst auch die Wassermengen in den Fliessgewässern: Im Winter nimmt die Wasserführung tendenziell zu, im Sommer ab.
Das Schweizer Gewässernetz umfasst rund 65'300 km Fluss- und Bachläufe.
Die Wassertemperatur gehört zu den wichtigsten Regulatoren von Lebensvorgängen in Gewässern. Wasserlebewesen reagieren empfindlich auf den Temperaturanstieg: Beispielsweise können bei Forellen, Felchen oder Äschen Wassertemperaturen von 18-20°C Stresssymptome auslösen. Temperaturen über 25°C können tödlich sein.
Mikroverunreinigungen haben bereits in sehr tiefen Konzentrationen nachteilige Wirkungen auf aquatische Ökosysteme. Beispielsweise können hormonaktive Stoffe das Hormonsystem von Wasserlebewesen beeinflussen und so die Fruchtbarkeit schädigen.
Veränderungen der Struktur der Fliessgewässer haben Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt: Bei verbauten Gewässern fehlen die für die Wasserlebewesen notwendigen Lebensräume (z.B. Kiesbänke, Abfolgen von Tief- und Flachwasserzonen, periodisch überflutete Bereiche). Künstliche Stufen stellen Wanderhindernisse für Fische und andere Wasserlebewesen dar.
Stark schwankende Wassermengen (Schwall und Sunk) gefährden die Wassertiere: Bei Schwall werden sie weggespült, bei Sunk besteht die Gefahr, dass sie am Ufer stranden.
Im Falle eines Hochwassers fehlt verbauten Gewässern der Platz und Überschwemmungen mit grossen Schäden sind die Folge.
Dank der guten Qualität von Grund- und Oberflächengewässern sind die Kosten für die Trinkwasseraufbereitung gering. Nur etwa 10% des Trinkwassers muss vor der Einspeisung ins Netz behandelt werden.
Infolge des Klimawandels können in Zukunft v.a. in Trockenperioden Versorgungsengpässe und damit Konflikte zwischen der Trinkwasser- und weiteren Nutzungen (z. B. Bewässerung in der Landwirtschaft ) auftreten.
Durch das Gewässerschutzgesetz und die dazugehörige Verordnung verfügt der Gewässerschutz in der Schweiz über eine gute gesetzliche Grundlage. Seit dem 1.1.2011 fordert das Gesetz die Renaturierung von Flüssen und Seen, um deren natürliche Funktionen wiederherzustellen und deren gesellschaftlichen Nutzen zu stärken.
Dazu müssen die Kantone einen minimalen Gewässerraum ausscheiden. Landwirtschaftliche Flächen im Gewässerraum müssen als ökologische Ausgleichsflächen bewirtschaftet werden. Das landwirtschaftliche Budget wurde dazu um 20 Mio CHF aufgestockt. Für die Renaturierungen werden durchschnittlich 65% der Kosten vom Bund mitfinanziert. Dies entspricht rund 40 Mio CHF pro Jahr.
Weiter müssen bis 2030 die negativen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung wie z.B. die schwallartigen Abflussschwankungen (Schwall Sunk) beseitigt werden. Dazu stehen jährlich 50 Mio CHF zur Verfügung (Zuschlag auf die Übertragungskosten der Hochspannungsnetze).
Mit dem Bau von Abwasserreinigungsanlagen (ARA) konnte die Gewässerqualität seit den 1960er Jahren generell stark verbessert werden. Rund 1500 Millionen Kubikmeter Abwasser werden jährlich in den ARA sachgerecht behandelt.
Das Problem der Einträge von Mikroverunreinigungen in die Gewässer ist erkannt worden. Um diese zu reduzieren, entwickelt das BAFU gemeinsam mit weiteren Partnern zurzeit Lösungen für einen selektiven Ausbau der ARA. Im Auftrag des Parlaments soll zudem schweizweit eine verursachergerechte Finanzierung erarbeitet werden.
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