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| Syrische Dichter - Ausgewählte Gedichte des Jakob v. Batnä in Sarug

1. Gedicht über das Sprachenwunder am Pfingstfest.
4.
Blicke hin, der du verständig bist, auf den Saal auf Sion und hefte dann dein Auge wieder auf den Turm der Tochter der Chaldäer!1 [250] Zwei Orte sind es, in welchen ein und derselbe Gegenstand vorgestellt wird; überzeuge dich, der du weise bist, daß ein und derselbe hier wie dort tätig ist. Die Babylonier in Judäa2 wie die Babylonier bei jenem Bau der Auflehnung gegen Gott predigen die Lehre ein und desselben Buches, das voll der Weisheit ist. Der, welcher hier den Aposteln alle Sprachen verlieh, der nämliche hatte sie dort geteilt, und zwar im Verein mit seinem Vater. Wenn er unbeteiligt war an den Vorgängen in Babylon, dann ist es auch nicht möglich, daß er im Lande Juda die Sprachen verliehen hat. Es ist ja bekannt, daß auf ihn sich das Wort bezieht, das geschrieben steht: „Komm, laß uns hinabsteigen und dort alle Sprachen teilen“3. [260] Er war es, der die Sprachen der Kinder der Sünde verwirrte, er verteilte sie auch wieder an die Kinder des Lichtes. Eine einzige Lehre wird daher hier wie dort zum Ausdruck gebracht, um uns die Wahrheit zu lehren, daß der Herr mit seinem Vater auf gleicher Stufe steht. Sein Werk sind die früheren wie die späteren Vorgänge, er ist es, der alle Sprachen verwirrt und sie dann wieder verteilt hat. In seine Hand sind die Länder gelegt wie die Provinzen, sein ist Babylon und sein ist Judäa, mit allem, was in ihnen vorgeht. Er ist es, der die Taufe mit Feuer und mit dem Geiste gespendet hat im Abendmahlssaale, er ist es ebenso, der die einzelnen Völker [S. 281] getrennt hat von Babylon aus. [270] Wenn er bei der Verwirrung der Tochter der Chaldäer nicht dabei war, dann war er auch nicht beteiligt bei der Verteilung an die Tochter der Hebräer4. Ihm gehören die Völker, die von Babylon ausgingen, nun ließ er ihnen eine neue Botschaft in ihren eigenen Sprachen verkünden. Wenn er es war, der im Abendmahlssaale eine neue Art zu reden verliehen hat, muß dann nicht auch die Verwirrung aller Sprachen sein Werk gewesen sein? Und daß dies wirklich der Fall ist, bezeugt er dem, der genau zusieht, klar und deutlich dadurch, daß er den Aposteln die Sprachengabe verlieh und sie aussandte. Einen Brief schrieb er gleichsam in den Sprachen der einzelnen Gegenden, um ihnen kund zu tun, daß er der Lehrer sei, der sie unterrichtet habe. [280] Er verlieh den Aposteln die Gabe, in verschiedenen Sprachen zu reden, damit die Völker merkten, daß er die Sprachen verwirrt habe.
Die frohe Botschaft des Sohnes wurde in allen Sprachen verkündet, auf daß die Welt erfahre, daß ihm die Völker der Erde gehören. In ihren eigenen Sprachen redete er mit ihnen, damit sie ihn ja aufnähmen wie die Schüler einen tüchtigen Lehrer, voll der Weisheit. Wenn er die frohe Botschaft in einer einzigen Sprache dargeboten hätte, so hätte wohl auch nur ein Volk sie aufgenommen und sich belehren lassen. So aber, da er sie in freundlichem Entgegenkommen in allen Sprachen bringt, nehmen sie alle Völker der Erde freundlich auf. [290] Hatte er in einer fremden Sprache zu den Zuhörern gesprochen, dann wäre ihnen auch der Inhalt fremd geblieben, wie wir eben gesagt haben. Und bezüglich der Sprachen war ja bekannt, daß er sie zu Babel verwirrt habe von allem Anfang an. In der Sprache der einzelnen Länder redete er zu ihnen, um dadurch kund zu tun, daß er Lehrer und Meister und Herr des Landes zugleich sei. Wenn aber die neue Art zu reden, die er erfand, ebenfalls eine fremde gewesen [S. 282] wäre, dann wäre er auch in keiner Beziehung zu den Vorgängen in Babylon gestanden. Da er aber dem Erdkreis in jenen altehrwürdigen Schriftzeichen schrieb, erfährt dieser, daß er auch der Lehrer der Alten war. [300] Jedenfalls hat er auch dort in Babel deshalb die Sprachen verwirrt, damit sie zum Zeichen würden, wenn er der Welt seine frohe Botschaft senden würde. Es verlieh also der Vater den Völkern verschiedene Sprachen und zerstreute sie dann, damit sie als Zeichen dienten für die Offenbarung des Eingeborenen. Ein Rätsel, hinweisend auf den, der da kommen sollte, stellte er so unter die Völker, und der Sohn erklärte es als ein Lehrer voll der Weisheit. Siehe, die Sprachen wurden als ein Zeichen verliehen, wie geschrieben steht5: „Das ist das Zeichen, daß sie gleichsam ein Zeugnis für den Sohn sein sollen.“ Er verlieh den Aposteln die Gabe, in den einzelnen Sprachen zu reden, damit dieses Gnadengeschenk bezeuge, wessen Sohn er sei. [310] Da er einst in Babylon die Sprachen teilte, bereitete er die geheimnisvolle Art und Weise vor, in der die frohe Botschaft seines Sohnes verkündet werden sollte.
1: d. i. Babylons.
2: d. h. die Jünger im Abendmahlssaale.
3: Gen. 11, 7.
4: d. i. Jerusalem bezw. die im Abendmahlssaale versammelten Jünger.
5: Wohl Anspielung auf Apg. 2, 16 ff (Joel 2, 28 ff.)