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Für eine Begrenzung der Passivzinsen an die Sparer auf 5% und der Aktivzinsen an die Banken auf 6-7%
Analyse
In den drei heute dominierenden ökonomischen Schulen wird Zins zwar unterschiedlich, aber im Grunde recht ähnlich verstanden. Während die klassische Ökonomie den Zins als temporären Profitverlust auf ausgeliehene Geldvermögen versteht, sieht die Neo-Klassik den Zins als zeitlich begrenzten Konsumverlust (Heinsohn/Steiger 2006:9). Die dritte Strömung, der Keynesianismus betrachtet den Zinsverlust als temporären Geldverlust: „In der Klassik kompensiert der Zins den Verzicht auf Profitmöglichkeit unter Berücksichtigung des dabei anfallenden Risikos. Es entsteht, wenn ein ‚Geldkapitalist' das Risiko eines ‚Unternehmerkapitalisten' nicht selbst eingeht, sondern diesem Geld zur Investition in Produktionsmittel leiht. Der Zins ist dann die Differenz zwischen der Prämie der Profitmöglichkeit der Investition und der Risikoprämie des tätigen Unternehmers. In der Neoklassik kompensiert der Zins den Verzicht auf den Konsum von Gegenwartsgütern, weil sie, als nicht verliehene, eine höhere Prämie tragen als der Konsum von Zukunftsgütern. Im Keynesianismus entschädigt der Zins für die aufgegebene Liquiditätsprämie des Geldes. Die Prämie des Geldes bedeutet dabei die Potenz des Geldes, jederzeit Forderungen bedienen zu können“ (Heinsohn/Steiger 2006:10/11).
Allerdings dachte Keynes weiter. Keynes (vgl. Zinn in Le Monde Diplomatique vom Juli 2009:10) war davon überzeugt, dass entwickelte kapitalistische Volkswirtschaften nicht unbegrenzt wachsen würden. In seinem Ausblick für das Jahr 2030 waren für Keynes zwei Punkte von Bedeutung: Sofern kein weiterer Krieg stattfinden sollte waren für Keynes das wachsende Durchschnittseinkommen und die wachsende Produktivität die Schlüsselfaktoren für eine „goldene Zukunft“ (vgl. Zinn in Le Monde Diplomatique vom Juli 2009:11).
Keynes war der Meinung, dass die künftige Wirtschaftspolitik in drei Richtungen gehen müsse: Zentral sei erstens die Anstrebung einer gleichmässigen Einkommensverteilung, zweitens die Erhöhung der Staatsquote und drittens eine sukzessive Arbeitszeitverkürzung (vgl. Zinn in Le Monde Diplomatique vom Juli 2009:11).
Günter Hannich (2002:57) hat darauf hingewiesen, dass es vier Arten von Zinsen gibt:
- Zinsen aus Staatsverschuldungen: Sie werden über Steuern und andere Abgaben eingetrieben.
- Zinsen aus der Unternehmensverschuldung: Diese werden in Form von Aktiendividenden und Zinsen für Anteilbeteiligungen ausbezahlt und auf die Preise der vom betreffenden Unternehmen produzierten Produkte oder Dienstleistungen abgewälzt.
- Zinsen aus privater Verschuldung: Diese werden als Aufschlag (Kreditzinsen) an den Schuldner verrechnet.
- Indirekte Zinslasten: Laut Hannich (2002:57) werden diese als Verzinsung von Sachkapital verrechnet und als Bestandteil der Preise auf den Konsumenten abgewälzt.
Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese Aufstellung konzeptionell richtig ist: Die ersten drei Formen von Schulden beziehen sich auf unterschiedliche wirtschaftliche Akteure, nämlich öffentliche Haushalte, Unternehmen und private Haushalte. In allen drei Fällen wird Fremdkapital dazu eingesetzt, eine Leistung vorzufinanzieren, die aufgrund der später erfolgenden Bezahlung zu einem höheren Preis abgegolten wird (Leistungskosten + Zins für das vorgeschossene Kapital). Bei Betrieben lohnt sich der Einsatz von Fremdkapital, wenn die damit erzielten Gewinne grösser sind als die durch die Aufnahme von Fremdkapital entstandenen Kosten (Zinsen). Bei der privaten Verschuldung wird der vorgezogene Genuss eines Produkts höher eingeschätzt als die Zusatzkosten (Kreditzinsen). Natürlich ist es richtig, dass die Verzinsung des eingesetzten Fremdkapitals – übrigens auch des Eigenkapitals! – auf mehreren Ebenen der Preiskalkulation zu Buche schlagen kann, nämlich dann, wenn ein Produkt mehrere Produktionsebenen durchläuft, z.B. auf der Ebene der Rohstoffproduktion (z.B. Holz), der Verarbeitung (Möbel, Papier usw.) und des Handels usw. Doch sind diese Zinsen jeweils in einer der ersten drei Verschuldungsebenen enthalten.
Lösungsansätze
Insbesondere von freiwirtschaftlicher Seite wird zu Recht auf das überhand nehmende Zinsproblem hingewiesen. Es ist richtig, dass der Zinsanteil einen beträchtlichen Teil des Verkaufspreises eines Produktes ausmachen kann. Liegt dieser zu hoch, ist das weder gesund noch volkswirtschaftlich wünschenswert. Silvio Gesell und die von ihm gegründete Bewegung der Freiwirtschafter haben deshalb vorgeschlagen, den Zins grundsätzlich abzuschaffen oder sogar durch einen negativen Zins zu ersetzen. Damit sollte das Horten von Geld unattraktiv gemacht werden. Einer der Vorschläge von Gesell bestand darin, das Horten von Geld unattraktiv zu machen, indem das Geld laufend an Wert verliert („Schwundgeld“). Die Idee war, z.B. durch das monatliche Aufkleben einer Marke auf die Geldscheine diese laufend zu entwerten. Nach einem Jahr wäre z.B. ein 100-Euro-Schein nur noch 95 Euro wert, ein Jahr später nur noch 90 Euro usw. Jeder Notenbesitzer würde dann versuchen, die Geldnote möglichst rasch loszuwerden. Das ergab solange Sinn, als Bargeld die wichtigste Form von Geldvermögen darstellte. Damit führte seine Hortung zu einer sinkenden Nachfrage und damit zu einer deflationären Entwicklung: Die Preise sanken breit und dauerhaft. Doch Helmut Creutz (1994:139) hat zu Recht darauf hingewiesen, dass heute die Hortung von Geld eher zu Inflation führt, weil die Notenbanken gezwungen sind, aus dem Geldkreislauf herausgenommenes Geld zu ersetzen und damit die Geldmenge aufzublähen.
In den 1930er Jahren führte die Gemeinde Wörgl neben der offiziellen Landeswährung eine zweite, parallel zirkulierende Währung ein. Diese Währung verlor jeden Monat 1% an Wert und folgte den Vorstellungen von Silvio Gesell über das so genannte „Schwundgeld“. Die Idee dahinter war einfach: Um möglichst jeden Werteverlust ihres Geldes zu vermeiden, gaben die Besitzer das Geld rasch aus, anstatt es wegen des hohen Zinsertrags von 8 – 12% auf einer Bank zu horten. Dadurch stieg die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen und die lokale Wirtschaft blühte auf, das Steueraufkommen nahm zu und es wurden neue Arbeitsplätze geschaffen. So ging etwa die Arbeitslosigkeit während des Experiments von Juli 1932 bis September 1933 um 25% zurück, die Gemeinde konnte in öffentliche Arbeiten investieren und gleichzeitig den Gemeindehaushalt in Ordnung bringen (vgl. Broer in Zeit-Fragen vom 12.1.2009a). Dieser unbestrittene positive Effekt in Wörgl beruhte im Wesentlichen auf der Tatsache, dass durch die schnellere Zirkulation des Geldes und durch die geringe Attraktivität, Geld zu sparen (oder zu horten) die Nachfrage nach Konsumgütern zunahm. Das war faktisch eine Art nachfrageorientiertes Konjunkturförderungsprogramm.
Allerdings gibt es gegen die „Schwundgeldtheorie“ von Silvio Gesell Einwände: Silvio Gesell entwickelte die Idee des Schwundgeldes vor allem gegen die Hortung von Bargeld. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass nur ein kleiner Teil des Geldes als Bargeld zirkuliert. So wurde etwa in der Schweiz 2008 nur gerade 15,9% des Vermögens in Bargeld gehalten (Schweizerische Handelszeitung vom 24.-30.3.2010). Im Unterschied zum Bargeld sollte nach Meinung von Gesell bei Banken angelegtes Geld seinen Wert zu 100% behalten.
Der Schwundgeldidee ist auch entgegenzuhalten, dass die Hortung von Bargeld nur in Zeiten hoher Deflation ein Problem darstellt – und bekanntlich gab es in den letzten 60 Jahren praktisch nirgends längere Phasen der Deflation – wenn man von Japan nach dem Crash 1989 bis 2009 absieht. Allerdings scheint sich das in der Folge der Finanzkrise 2008/2009 und der Euro-Krise seit 2011/2012 in Europa geändert zu haben. Nicht wenige Ökonomen sind der Ansicht, dass lediglich die Flutung der Märkte mit Liquidität und die enorme Ausweitung der Geldmengen in den USA und vor allem in Europa eine vertiefte Deflation verhindert haben.
Ein weiters Argument gegen die Schwundgeldidee ist die Tatsache, dass die Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit zu mehr Inflation führt. Während einerseits in einem Schwundgeldsystem das Bargeld laufend und gezielt künstlich an Wert verliert, entsteht ein zusätzlicher Werteverlust beim Geld, indem die erhöhte Umlaufgeschwindigkeit des Bargeldes den Teuerungsdruck erhöht, wodurch sich das Geld weiter entwertet und die Preise für Güter und Dienstleistungen zusätzlich ansteigen.
Anknüpfend an die Schwundgeldtheorie hat Willem Buiter (in Humane Wirtschaft Juli/Aug. 2009:3-9) einen anderen Ansatz vorgeschlagen: Er ist der Meinung, dass mit einer nominalen negativen Zinspolitik die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöht und damit die Nachfrage nach Konsumgütern steigt. Auch Klaus Willemsen (in Humane Wirtschaft vom März/April 2011:3) hat vorgeschlagen, in Form einer Liquiditätsgebühr dafür zu sorgen, dass Geldvermögen einer negativen Verzinsung unterliegen. Willemsen argumentiert damit, dass ein negativer Zins zu einer Verstetigung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes führen würde. Das ist jedoch zu bezweifeln. Aus der Quantitätsgleichung des Geldes (vgl. dazu Inflation und Deflation...) wissen wir, dass eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit bei gleicher Geldmenge zu einer steigenden Inflation führt. Gerade weil die Marktteilnehmenden bei Null- oder Minuszinsen ihre Liquidität schnell weiter geben, erhöhen sie damit die Teuerung (es steht in kürzerer Zeit mehr Geld zur Verfügung). Das macht nur dann Sinn – wie etwa seinerzeit in Wörgl – wenn die Wirtschaft in einer Deflationsspirale steht und damit die Nachfrage angeheizt wird. Auch der von Willemsen angenommenen Entlastung der öffentlichen Hand durch Null- oder Minuszinsen auf der Ausgabenseite (Kredite und Zinsen) stehen Mindereinnahmen des Staates auf der Einnahmenseite gegenüber. Diese können unter Umständen massiv sein können, wie sich etwa im Anschluss an die Bankenkrise im Kanton Zürich gezeigt hat, als dem Staat Hunderte von Millionen Franken Unternehmensgewinnsteuern entgangen sind.
Nominale Negativzinsen sind noch aus einem weiteren Grund nicht wünschenswert: Nominal negative Zinssatze führen dazu, dass die Menschen Bargeld horten. So wurde Anfang 2015 bekannt, dass eine ganze Reihe von Pensionskassen hohe Geldbeträge in bar horteten, was volkswirtschaftlich keinesfalls erwünscht sein kann. Oder die Anleger flüchten in Sachwerte. Das hat sich 2014 und 2015 etwa in der Schweiz gezeigt, wo als Folge der Negativzinsen durch die Nationalbank – und aufgrund der billigen Hypothekarkredite – ein regelrechter Run auf Immobilien stattfand, bei anhaltend steigenden Immobilienpreisen. Genau wie die Inflation führen nominal negative Zinsen zu einer grundlegenden Bevorzugung der Reichen und Superreichen: Menschen mit grossem (Geld-)Vermögen können leichter und schneller ihr Geldvermögen in Sachwerte umwandeln, z.B. in Form von Liegenschaften, Unternehmensanteilen oder anderen Sachwerten. Kleine und mittlere Sparer, die einen viel grösseren Teil ihres Geldes für die Lebenskosten benötigen, verfügen über zu kleine Volumina an Geld, um grössere Sachwerte zu erwerben. Bei Weitergabe der Nullzins- oder Negativzinsen verringern sich dagegen ihre Ersparnisse. Wird die Verzinsung der Alters-Spargelder gestoppt, ist mittelfristig das ganze System der Altersvorsorge – auf jeden Fall desjenigen Teils, der auf dem Kapitaldeckungsverfahren beruht – gefährdet. Das zeigt sich heute (2015) bereits daran, dass viele Pensionskassen grosse Mühe haben, die erforderliche Mindestverzinsung zu erreichen. Sollte ausserdem der Aktienboom enden, droht das ganze System der Altersvorsorge zu implodieren.
Während eine hohe Inflation dazu führt, dass die Menschen ihr Geld möglichst rasch ausgeben, weil sie Angst vor dem Verlust des Geldwerts haben, tendieren die Menschen in Zeiten der Deflation - also bei hoher negativer Teuerung bzw. bei anhaltendem Sinken der Preise – dazu, Bargeld zu horten. Genau wie die Inflation führen nominal negative Zinsen zu einer grundlegenden Bevorzugung der Reichen und Superreichen: Menschen mit grossem (Geld-)Vermögen können leichter und schneller ihr Geldvermögen in Sachwerte umwandeln, z.B. in Form von Liegenschaften, Unternehmensanteilen oder anderen Sachwerten. Kleine und mittlere Sparer, die einen viel grösseren Teil ihres Geldes für die Lebenskosten benötigen, verfügen über zu kleine Volumina an Geld, um grössere Sachwerte zu erwerben.
Auch aus ökologischer Sicht ist eine Erhöhung der Flucht in Sachwerte – und damit eine Zunahme des Kaufs von Konsumgütern – nur bedingt wünschenswert: Hochkonjunktur- und Boomphasen haben noch immer zu grösserer Zerstörung der Umwelt geführt. Während sich diese zusätzliche Umweltzerstörung heute auf Phasen des wirtschaftlichen Aufschwungs konzentriert, wäre die massive Zunahme des Konsums und damit der Umweltzerstörung nicht mehr „nur“ zyklisch und konjunkturabhängig, sondern würde bei der Einführung von Schwundgeld oder negativen Nominalzinsen systemimmanent und damit permanent. Die Erhöhung der Konsumnachfrage kann allenfalls in einer Phase der Rezession oder Wirtschaftskrise zeitlich befristet Sinn machen, aber keinesfalls ein wünschenswerter Langzeiteffekt sein.
Ein weiteres Problem spricht gegen die Einführung von negativen Nominalzinsen: Unser ganzes System der sozialen Sicherheit beruht ja auf zwei Mechanismen: Auf dem Kapitalumlageverfahren (in der Schweiz: AHV, also staatliche Altersvorsorge) und auf dem Kapitaldeckungsverfahren (in der Schweiz: private Pensionskassen und Vorsorgesparen der dritten Säule). Während das Umlageverfahren von negativen Nominalzinsen eher indirekt betroffen wäre – über ein tendenzielles Sinken des Lohnniveaus und damit über sinkende AHV-Beiträge würden die Altersrenten längerfristig sinken -, käme das Kapitaldeckungsverfahren privater Altersspareinrichtungen umgehend in Schwierigkeiten und würde gar zusammenbrechen: Die prognostizierte Altersrente beruht zu einem wesentlichen Teil darauf, dass neben den regelmässig einzuzahlenden Sparbeiträgen das wachsende Sparkapital einer mehr oder weniger konstanten Verzinsung unterliegt. Bei einem negativen Nominalzins würde das gesparten Alterskapital sukzessive weg schmelzen – übrigens der gleiche Effekt, dem eine Reihe von Rentensystemen in Lateinamerika und ehemaligen sozialistischen Staaten unterworfen waren. Mit dem vorauszusehenden Ergebnis, dass die Altersrenten nominal und real dermassen gering wurden, dass sie bestenfalls noch als eine Art Taschengeld fungierten. Übrigens ein Taschengeld, das nach dem Fall der Sowjetunion das einzige Einkommen für Hunderttausende von Rentnerinnen und Rentnern Russlands darstellte.
Klaus Willemsen (in Humane Wirtschaft vom März/April 2011:5) hat vorgeschlagen, zur Förderung nachhaltiger und umweltfreundlicher Investitionen ein Null-Zins-Niveau einzuführen. Er argumentiert damit, dass sich höhere Investitionskosten infolge Kreditzinsen negativ auf die Wirtschaftlichkeit der Investition auswirken. „Bis die ohnehin anfallenden Kredite für Bau- und Grundstückskosten abbezahlt sind, vergehen in der Regel 20 bis 25 Jahre; Jahre, in denen die Schuld für die Mehrkosten durch Zins und Zinseszins stetig anwächst. Erst bei einem Zinssatz von höchstens fünf Prozent reichen die Einsparungen aus, um die Zinsen für den zusätzlichen Kredit zu bezahlen. Bei einem höheren Zinssatz haben sich die Mehrkosten möglicherweise verdoppelt, bevor man beginnt, sie abzuzahlen“. Während aber die nicht nur vorübergehende Einführung eines Null-Zins-Niveaus oder gar negativer Nominalzinsen problematische Auswirkungen in der Wirtschaft hätten trifft es zu, dass eine Begrenzung der Zinsen nach oben wünschenswert ist.
Um die überbordende Kreditverleihung einzuschränken, sollten Kapitalrenditen gesetzlich begrenzt werden, z.B. auf eine maximale Höhe von 5% (mehr dazu vgl. Vermögen...). Das kann problemlos auf dem Gesetzesweg geschehen. So galt zum Beispiel in der Schweiz lange eine gesetzliche Begrenzung von Zinsen auf Konsumkrediten bei 18%, seit 2003 liegt die gesetzlich erlaubte Obergrenze des Zinses bei 15%. Was darüber liegt, gilt als Wucher und ist verboten. Nichts spricht dagegen, diese Grenze tiefer anzusetzen – und zwar für alle Kapitalanlagen. Dadurch würde die Umlaufgeschwindigkeit des Kapitals begrenzt und die Zinsbelastung der Wirtschaft, die je nach Berechnungsart zum Teil bereits bei 70-80% des Kaufpreises von Gütern liegt, deutlich reduziert. Ausserdem würde die Umlagerungsgeschwindigkeit der Vermögen zu den Reichsten der Bevölkerung zumindest verlangsamt.
Damit das Ganze funktionieren könnte, müssten einerseits die Zinsen für Spareinlagen oder andere Kapitalanlagen (Passivzinsen bzw. Habenzinsen) auf maximal 5% beschränkt werden. Umgekehrt sollten auch für Kredite und Darlehen Höchstzinsen (Aktivzinsen bzw. Sollzinsen) von – sagen wir – 6 - 7% festgelegt werden. Dabei würde die Differenz von 1- 2% zwischen den Einlagen und den Verleihungen, also das klassische Differentengeschäft – die Basis für die Bankentätigkeit bilden. Hochspekulative Investments mit Eigenkapital wären den Geschäftsbanken zu untersagen.
Angeführte Literatur
Creutz, Helmut
1994: Das Geld-Syndrom. Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft. Frankfurt/Main /Berlin:
Ullstein.
Hannich, Günter
2002: Börsenkrach und Weltwirtschaftskrise. Der Weg in den Dritten Weltkrieg. Rottenburg: Kopp Verlag.
Heinsohn, Gunnar / Steiger, Otto
2006: Eigentumsökonomik. Marburg: Metropolis-Verlag.
Humane Wirtschaft
Juli/Aug. 2009: Buiter, Willem: In eine bessere Zukunft mit negativen Zinsen.
März/April 2011: Willemsen, Klaus: Stabiles Geld muss neutral sein.
Le Monde Diplomatique (deutsche Ausgabe)
Juli 2009: Zinn, Karl Georg: Sättigung oder zwei Grenzen des Wachstums. John Maynard Keynes hat über die kleine Not des Augenblicks hinausgedacht.
Schweizerische Handelszeitung
24.-30.3.2010: Fast die Hälfte des Vermögens steckt in Immobilien.
Zeit-Fragen
12.1.2009a: Broer, Wolfgang: Vor 75 Jahren endete das Wörgler Schwundgeldexperiment. Ein Lösungsansatz in Zeiten der Krise.
12.1.2009b: Broer, Wolfgang: Weltwirtschaftskrise damals und heute.
Weiterführende Texte
Jäggi, Christian J.
2014: Das Zinsproblem. LE V26. 27 Seiten. Meggen: Inter-Active.
2014: Begrenzung der Kapitalrenditen auf maximal 5%? LE V33. 13 Seiten. Meggen: Inter-Active.
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