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Das musst du wissen
- Der Tabakanbau bot in der Schweiz ursprünglich kleinen Bauernbetrieben ein Einkommen.
- Mit der Industrialisierung kamen Zigarrenfabriken auf. Dies vornehmlich in den Kantonen Aargau und Luzern.
- Heute gibt es landesweit noch etwa 130 landwirtschaftliche Betriebe, die Tabak anbauen.
Die Tabakpflanze ist ein Nachtschattengewächs – wie die Kartoffel und die Tomate. Sie gelangte ebenfalls durch Kolumbus ab 1492 nach Europa. Die Eroberer stellten fest, dass die Indigenen den Tabak rauchten und übernahmen den Brauch. Kolumbus soll hinter der «Art, sich selbst zu beräuchern» eine Form religiöser Handlung vermutet haben.
Die Tabakpflanze wurde in der Schweiz durch Zucht dem Klima angepasst und zunächst in Basel und im Tessin sowie ab dem 18. Jahrhundert in einem Teil des Mittellandes, der Broye-Ebene, angebaut. Damals schnupften die Menschen den Tabak vornehmlich. Kleinen Bauernbetrieben bot der arbeitsintensive Tabakanbau, bei dem die ganze Familie mithalf, ein Einkommen, heisst es im «Historischen Lexikon der Schweiz». Die Region Payerne ist noch heute das bedeutendste Schweizer Anbaugebiet.
Zigarrenfabriken im «Stumpenland»
Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert erfolgte der Aufstieg der Zigarre und deren Fabriken. Es waren häufig Söhne von Textilfabrikanten, die in Folge der Strukturkrise begannen, erste Zigarren zu wickeln. Ab Mitte des Jahrhunderts schossen im Grenzgebiet der Kantone Aargau und Luzern die Fabriken wie Pilze aus dem Boden. Die Region hiess im Volksmund deshalb «Stumpenland». Die grösseren Betriebe begannen, Tabaksorten zu importieren, da sie edler waren als das einheimische Gewächs.
Das Rauchen von Stumpen blieb bis weit ins zwanzigste Jahrhundert eine Männerdomäne. «Sei ein Mann, rauche Stumpen und Zigarren», lautete der langjährige Slogan der Zigarrenindustrie. Die Zigarette, die im Gegensatz zur Zigarre nicht in ein Tabakblatt, sondern in Papier eingewickelt ist, wurde spätestens seit dem Ersten Weltkrieg immer populärer.
Die Werbung für Tabakprodukte operierte stark mit Klischees und mit Rollenmustern. So meint eine Frau in einer Werbekampagne von 1934: «So ein feines Tabakdüftlein in der Wohnung ist ganz angenehm und hat etwas Heimeliges. Wenn ich meinen Mann mit dem Stumpen im Mund heimkommen sehe, weiss ich schon weitem, dass er guter Laune ist.»
Bis zu 6000 Tabakpflanzende im zweiten Weltkrieg
1937 gab es in der Schweiz gut 4000 Tabakpflanzende, während des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl um über die Hälfte an. Im Rahmen ihrer Anbauschlacht – Stichwort: «Plan Wahlen» – steigerte die Schweiz nicht nur den Anbau von Kartoffeln und Getreide, sondern auch von Tabak. Dies wegen der hohen Einkünfte, die das Kraut den landwirtschaftlichen Kleinbetrieben einbrachte. Dank der Produktionssteigerung konnte rund ein Viertel des Schweizer Bedarfs gedeckt werden. Bis dahin gab es in der Schweiz viele lokale Tabakmarken, nach dem Krieg trat dann die amerikanische Zigarette, «American Blend», ihren Siegeszug um die Welt an. Gleichzeitig ging die Zahl der Tabakanbauenden wie in den anderen Industrieländern stark zurück. Gründe dafür waren die sinkende Beliebtheit des dunklen Tabaks und die Abschaffung der Zollgebühren für importierten Tabak im Jahr 1969.
Wie sieht die Situation heute aus? Lediglich 130 landwirtschaftliche Betriebe bauen noch Tabak an.
«Monokulturen gibt es in der Schweiz keine, vielmehr erfolgt der Tabakanbau im Wechsel mit Getreide, Zuckerrüben und Wiesen»Francis Egger, Geschäftsführer der Branchenvereinigung Swiss Tabac
Der Anbau sei nach wie vor sehr arbeitsintensiv: So brauche es für eine Hektare Tabak rund tausend Stunden pro Jahr, für eine Hektare Getreide sind es nur 25 Stunden. Die Tabakblätter werden von Hand geerntet, und je nach Sorte sind bis zu neun Erntedurchgänge nötig, da nicht alle Blätter gleichzeitig reif werden. In der Folge werden die Tabakblätter in charakteristischen hohen Scheunen oder in Öfen getrocknet und schliesslich sortiert.
Seit 1978 ist eine Warnung Pflicht
Der überwiegende Anteil der Ernte geht als Fülltabak in die Zigarettenindustrie. Ihm werden aromatisierte Tabake beigemischt, zum Beispiel aus Griechenland. Auch in der Schweiz beherrschen die drei Konzerne Philip Morris, British-American Tobacco und Japan Tobacco International den Markt. Der Anteil der Schweizer Tabakproduktion bewegt sich gemessen am Konsum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zum Rückgang des Tabakanbaus in der Schweiz führte sicher auch der Gesundheitsschutz. So müssen Tabakprodukte seit 1978 mit einem Warnhinweis versehen sein, und seit 1998 gibt es eine eidgenössische Kommission für Tabakprävention. Am 13. Februar stimmt die Bevölkerung über die Volksinitiative «Kinder ohne Tabakwerbung» ab, die für Kinder und Jugendliche sichtbare Werbung für Tabakprodukte verbieten möchte.
Für noch umfassendere Werbeverbote gab es bereits zwei Anläufe: So lehnte die Schweiz im Jahr 1979 mit 59 Prozent Nein-Anteil eine Volksinitiative ab, die Werbung für Raucherwaren und alkoholische Getränke verbieten wollte. Noch deutlicher, mit 75 Prozent Nein-Stimmen, scheiterten 14 Jahre später die beiden «Zwillingsinitiativen», die ebenfalls ein generelles Werbeverbot für Alkohol und Tabak forderten. Die Gegner – Tabakindustrie und Werbung mit Unterstützung der Printmedien – brachten diese Doppelinitiative mit einer massiven Kampagne zu Fall, wie in der Datenbank der eidgenössischen Volksabstimmungen Swissvotes zu lesen ist. Sie erklärten, die Vorlagen seien «werbe- und arbeitsplatzfeindlich». Es sind Argumente, die im jetzigen Abstimmungskampf wieder zu vernehmen sind. Der Tabakanbau in der Schweiz würde aber auch bei einer Annahme der Initiative wohl kaum einfach verschwinden.