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In seinem Bericht zeigt sich das Welterbekomittee «zutiefst besorgt» über den Zustand des Great Barrier Reef. Die langfristigen Aussichten des Ökosystems im Riff hätten sich «von schlecht zu sehr schlecht» entwickelt. Wissenschaftler warnen seit Jahren, das 2300 Kilometer lange Riffgebilde vor der Küste Australiens sei als Folge von Klimaerhitzung und anderer vom Menschen verursachter Einflüsse von der Zerstörung bedroht. Mehrere, kurz aufeinander folgende Unterwasser-Hitzewellen hatten in den letzten Jahren zum Absterben grosser Flächen von Korallenfeldern geführt.
Die australische Regierung protestierte postwendend. Sie machte einen ihrer Meinung «politischen Einfluss Chinas» auf die Unesco verantwortlich. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind seit längerem gespannt. Umweltministerin Sussan Ley klagte, das Welterbekomitee habe auch «nicht die Milliarden von Dollar berücksichtigt, die Australien bereits zum Schutz des weltgrössten Korallenriffs ausgegeben hat».
Die australische Klimaprofessorin Lesley Hughes von der Nichtregierungsorganisation Climate Council dagegen meinte, der Entscheid sei eine Folge der mangelhaften Klimapolitik Australiens. Das Land hält strikt an der Erweiterung der Ausbeutung und dem Export von Kohle und Gas fest – trotz der wissenschaftlich erwiesenen negativen Folgen, die fossile Energieträger für das globale Klima haben. Laut Hughes sei «die australische Regierung schon vor Jahren gewarnt worden, endlich mit Klimaschutzmassnahmen das Riff zu schützen». Die Expertin glaubt, eine Auflistung sei gleichbedeutend mit der Stufe «Katastrophal» im Warnsystem, das in Australien bei Waldbränden angewandt wird.
Konsequenzen kaum abschätzbar
Akzeptiert die Unesco im Juli die Empfehlung ihrer Experten und setzt das Riff auf die Rote Liste, wäre das nicht nur eine dramatische Niederlage für die australische Regierung, die jahrelang versucht hatte, die Experten der Unesco zu überzeugen, das aus rund 2500 einzelnen Riffen bestehende Gebiet befinde sich in einem guten Zustand. Zwar konnten Massnahmen das Problem des Zuflusses von korallenschädigenden Abwässern vom Festland ins Riff tatsächlich verbessern. Die beiden Hauptprobleme aber eskalieren weiter: steigende Temperaturen und die Übersäuerung des Wassers. Diese beiden Faktoren – Folgen der vom Menschen verursachten globalen Klimaerhitzung – sind massgeblich für die Ausbleichung und schliesslich das Absterben von Korallen verantwortlich.
Die Konsequenzen für die australische Tourismusindustrie sind kaum abschätzbar, wenn das Riff im selben Atemzug genannt würde wie das kriegsversehrte Aleppo in Syrien oder die von den Taliban zerstörten buddhistischen Statuen im Bamiyan-Tal in Afghanistan, die ebenfalls auf der Liste der gefährdeten Welterbe stehen. Rifftourismus allein stellt 60'000 Arbeitsplätze und ist für Milliarden Dollar an Deviseneinnahmen verantwortlich.
Scott Garden, Besitzer des Rifftouranbieters Passions of Paradise in Cairns, zeigte sich erstaunt über den Entscheid. «Ich sehe Fische, ich sehe Schildkröten, ich sehe Leben. Es ist fantastisch, einfach schön», beschreibt er seine Erlebnisse unter Wasser. Solche Beobachtungen werden auch von Kritikern nicht bestritten. Längst nicht das ganze Riff ist betroffen. Doch die Orte, wo Touristen noch Korallenriffe sehen können, wie sie in den farbigen Broschüren der Reisebüros präsentiert sind, werden immer weniger.