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Trauer
Thematisierung von Trauer in Beratungsprozessen der wirtschaftlichen Sozialhilfe
Viele der Schwierigkeiten, welche Klientinnen und Klienten in der Sozialen Arbeit mitbringen, gründen in Erfahrungen von Verlust und Trauer. Trotzdem ist im Arbeits- und Forschungskontext zum Thema Trauer und Verlust kaum Theorie vorhanden. Die wenigen bestehenden theoretischen Grundlagen befassen sich fast ausschliesslich mit der eingeschränkten Perspektive von Sterben und Tod. Um diese Diskrepanz von Theorie und Praxis aufzuzeigen, werden in der vorliegenden Bachelor-Thesis drei Fragestellungen betreffend Trauer in Beratungsprozessen der wirtschaftlichen Sozialhilfe bearbeitet: Als erstes wird nach Chancen und Risiken gefragt, welche die Thematisierung von Trauer im sozialarbeiterischen Beratungsprozess mit sich bringt. Weiter wird untersucht, ob Trauer in sozialarbeiterischen Beratungsprozessen in der Praxis thematisiert wird und wenn ja, wieso und wenn nein, wieso nicht? Letztlich wird danach gefragt, welche methodischen Handlungsansätze auf Seiten der Beratenden geeignet sind, um Trauerthemen im Beratungsprozess aufzunehmen.
Die erwähnten Fragestellungen werden sowohl in einem theoretischen Teil bearbeitet als auch mittels qualitativer Forschungsmethoden (teilstandardisierte Experteninterviews und interpretative Auswertungsstrategie) untersucht.
Eines der zentralen Ergebnisse der vorliegenden Arbeit ist, dass die Thematisierung von Trauer sich als Chance für die Beziehung und das Vertrauensverhältnis zwischen den Sozialarbeitenden und der Klientel erweist. Ein Risiko bei der Thematisierung von Trauerthemen im sozialarbeiterischen Beratungsprozessbesteht darin, dass die Sozialarbeitenden die in der vorliegenden Arbeit ausgeführten Voraussetzungen nicht erfüllen, um eine kompetente Beratung Trauernder durchzuführen. Die Thematisierung von Trauer erfolgt in der Praxis der wirtschaftlichen Sozialhilfe meist durch ein aktives Gesprächsangebot seitens der Sozialarbeitenden oder wenn die Trauer der Klientel den Beratungsprozess beeinträchtigt. Bezüglich der methodischen Vorgehensweise bei der Thematisierung von Trauer im Kontext der wirtschaftlichen Sozialhilfe erweisen sich folgende Handlungsansätze für den Beratungsprozess als geeignet: Eine empathische Haltung, aktives Zuhören, eine spürbare Präsenz, die Nutzung von Vernetzungsmöglichkeiten sowie ein aktives Angebot zur Thematisierung.
Sowohl in der Literatur als auch bei den empirischen Ergebnissen wird ersichtlich, dass für Sozialarbeitende der wirtschaftlichen Sozialhilfe die Sachthemen(z.B. IV-Anmeldung oder Hilfe bei Erbangelegenheiten) in der Beratung Trauernder von grosser Relevanz sind. Daraus kann gefolgert werden, dass der Sozialen Arbeit, nebst der beratenden Funktion, auch eine unterstützende Rolle im Sinne von praktischen Dienstleistungen zukommt, welche in Zusammenhang mit dem Verlust stehen.