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Aus Ländern wie China oder Indien sind Fälle von Handel mit Organen verstorbener oder lebender Personen bekannt. Die Umstände, unter denen den Betroffenen Organe entnommen werden, widersprechen in vielfacher Weise den ethischen Grundsätzen, die in unserer Gesellschaft die Transplantationsmedizin anleiten. Und doch sind es oft Patientinnen und Patienten aus Gesellschaften mit strengen Regeln, die von diesem Handel profitieren.
Organe von Exekutierten aus China
Es ist bekannt, dass in China wohlhabende Ausländerinnen und Ausländer bei der Zuteilung von Organen vor einheimischen Chinesinnen und Chinesen den Vorzug erhalten, wenn sie denn dafür mehr Geld bezahlen können. Die Organe stammen dabei oft von exekutierten Gefangenen. Die Entnahme von Organen bei zum Tode Verurteilten ist in China zugelassen und scheint in der chinesischen Öffentlichkeit mehr oder weniger akzeptiert zu sein. Der Kauf solcher Organe stellt aber unsere Gesellschaft vor schwerwiegende ethische Dilemmas und richtet Fragen auch an die Praxis der hiesigen Transplantationsmedizin.
Die ethisch sensiblen Fragen liegen dabei auf der Hand: Sollten Patientinnen und Patienten von ihren Ärzten überhaupt auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht werden, dass man sich in gewissen Ländern Organe kaufen kann? Ist es legitim, Patientinnen und Patienten Pflege, Nachpflege und allenfalls eine Reimplantation angedeihen zu lassen, wenn sich diese ein Organ in China gekauft haben, das von Exekutierten stammt? Sollten Patientinnen und Patienten darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine Transplantation in einem anderen Land womöglich aufgrund schlechter medizinischer Standards Risiken birgt?
Diese Fragen rühren an die professionelle Verantwortung der Ärzteschaft, die sich dabei nicht auf den hippokratischen Eid berufen kann, wonach eigentlich alles unternommen werden sollte, um einer Patientin oder einem Patienten zu helfen. Die Fragen rühren auch an die ethisch-politische Verantwortung unserer Gesellschaft, an solchen Praktiken nicht teilzuhaben.
Handel mit Organen von Lebendspenden
Eine wachsende Anzahl Menschen aus Europa oder den USA, die auf eine neue Niere warten, unterziehen sich an einer Klinik in einem sogenannten Entwicklungsland wie Pakistan oder den Philippinen einer Transplantation. Gemäss einer Studie der UNO und des Europarates sind rund zehn Prozent der Nierentransplantationen weltweit dem sogenannten Transplantationstourismus zuzuordnen.
Es gibt Hinweise, dass es sich dabei nicht um freiwillig gespendete Nieren handelt. In Pakistan verkaufen viele Menschen in finanzieller Not ihre Niere, weil sie von Gläubigern unter Druck gesetzt werden. Dies stellt einen eklatanten Verstoß gegen die Leitsätze der WHO dar, wonach der menschliche Körper und Teile davon nicht zur Erzielung von Gewinnen genutzt werden dürfen.
Auch das Schweizerische Transplantationsgesetz verbietet ausdrücklich den Handel mit menschlichen Organen, Gewebe oder Zellen in der Schweiz oder von der Schweiz aus im Ausland. Ebenso hält das Gesetz als absolute Bedingung für eine Organspende deren Freiwilligkeit fest.
Anfrage zum Thema
Zuletzt aktualisiert am: 22.03.2012
Bundesamt für Gesundheit (BAG)
Quelle: BAG