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Sich einbringen und teilhaben
Hat jemand eine gewisse Kompetenz im Umgang mit Zusammenhängen erworben und weiß, "wie es läuft", nutzt er dies umgehend, um seine Interessen „ins Spiel“ zu bringen, indem er seine Wünsche äußert, beobachtet, „wie es die andern machen“, und es auch einmal auf diese Weise versucht, mit der Zeit vielleicht auch die relevanten Wörter und Bezeichnungen lernt, damit man ihn versteht. Dabei lernt er auch abzuschätzen, wie weit man sich an die „Spielregeln“ halten sollte, und wo es vielleicht möglich wäre, sie zu eigenen Gunsten zu ändern. Es liegt ihm daran, beachtet zu werden, "eine Rolle zu spielen", sich einbringen zu können.
Er beteiligt sich gern an Tätigkeiten, die in seiner Umgebung als bedeutungsvoll angesehen werden, lässt sich Aufgaben übertragen und freut sich über Lob und Anerkennung, selbst wenn er vielleicht bei ihrer Durchführung noch motorische oder Verständnisschwierigkeiten hat. Jemand, der erfolgreich zum Beispiel in einer Werkstatt für behinderte Menschen integriert werden soll, sollte zumindest diese Voraussetzungen mitbringen.
Entsprechendes erleben wir bei einem Kind gegen Ende des ersten Lebensjahrs, wenn es die ersten Worte und Gesten formt und lernt, damit seine Wünsche auszudrücken, Interessantes zu bezeichnen, oder Abläufe zu kommentieren. Es setzt gezielt bekannte Abläufe in Gang, um damit seine Absichten zu zeigen oder seine Ziele zu erreichen. So krabbelt es zum Beispiel zum Schuhständer, holt seine Schuhe heraus und drückt damit aus: "Mama, ich will spazieren gehen!"
Das Kind beobachtet, wie sich die Erwachsenen und die anderen Kinder in seiner Umgebung verhalten, und versucht, sie nachzuahmen, um das, was ihm tauglich scheint, in sein Verhaltensrepertoire zu integrieren.
Es übt auch den exakt angepassten motorischen Umgang mit den Objekten seiner Umwelt: Es steckt zum Beispiel Bauklötze auf und in einander, schaut, was in welches Loch passt – es will mit den Händen die Objekte beherrschen. Man spricht von "taktiler Kontrolle":
- Hand-Hand-Koordination
- Kraftdosierung
- Kraftrichtung zur Überwindung von gespürtem Widerstand
- Hand-Material-Koordination
- Auge-Hand-Koordination
Entsprechendes zeigt sich auch in der Grobmotorik zum Beispiel beim Gehen auf unebenem oder beweglichem Untergrund, treppab steigen, in zu großen Schuhen gehen, usw.).
Wenn beeinträchtigte Menschen diese Lebensweise entwickelt haben, wollen auch sie sich mitteilen, eine Rolle spielen, beachtet werden und erreichen, dass man ihre Absichten einbezieht und berücksichtigt. Manchmal mag es ihnen dabei von ihren kognitiven Fähigkeiten her schwer fallen, diesen Wunsch auch mit eigenen Inhalten zu füllen, und so ahmen sie einfach nach, wie es die andern tun, oder sprechen nach, was sie von andern hören, äußern Meinungen und Urteile, die sie übernommen haben (nicht unähnlich manchen Stammtisch- oder Kaffeeklatschgesprächen).
Im ungünstigen Fall treffen sie dabei auf das Vorurteil, dass sie ohnehin nichts Eigenes zu sagen hätten, weil sie ja „geistig behindert“ seien, und dass ihre Meinung keine Rolle spiele, worauf ihnen eigentlich nur die Wahl bleibt zu resignieren oder aufzubegehren – und dann nennt man sie wieder „verhaltensgestört“. Oder sie täuschen der Umwelt durch ihr Auftreten und Benehmen eine Alltagskompetenz vor, die sie jedoch tatsächlich nicht realisieren können, und bringen sich so selbst immer wieder in Überforderungssituationen oder lösen unrealistische Erwartungen aus (auch relevant im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch beeinträchtigter Menschen).
Andere Menschen mit Beeinträchtigungen sind sich zwar durchaus bewusst, welche Wünsche, Bedürfnisse oder Kommentare sie äußern möchten, doch konnten sie aus unterschiedlichsten Gründen keinen Zugang zur Verbalsprache finden. Sie profitieren von den vielfältigen Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation, mit denen sie die fehlende Verbalsprache kompensieren können – wenn sie die entsprechende Unterstützung erfahren.