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93. Academy Awards
Oscars vielfältiger und mit mehr Frauen
Ganz unterschiedliche Filme haben bei den Oscars in diesem Jahr gute Preischancen - nach viel Kritik aber stehen vor allem auch Frauen und Vielfältigkeit im Mittelpunkt. Einige Werke mit deutscher Beteiligung gehören ebenfalls zu den Nominierten.
Die Oscars setzen in diesem Jahr auf spürbar mehr Vielfältigkeit. So sind für die 93. Verleihung zum ersten Mal in der Oscar-Geschichte zwei Frauen als beste Regisseurinnen nominiert, wie die Akademie am Montag in Los Angeles bekanntgab. Außerdem gehen in der Top-Kategorie als bester Film gleich mehrere Werke ins Rennen, die sich mit Einwanderung und dem Kampf von Minderheiten um mehr Gleichberechtigung beschäftigen. In den vergangenen Jahren waren die Oscars immer wieder für ihre mangelnde Vielfältigkeit kritisiert worden, die Organisatoren hatten Besserung versprochen. Hollywoods höchste Auszeichnungen sollen am 25. April verliehen werden.
10 Nominierungen für "Mank"
Als Favorit gilt die Filmbiografie "Mank". Das Werk von Regisseur David Fincher erhielt zehn Nominierungen, unter anderem als bester Film sowie für die beste Regie und die beste Musik. Außerdem wurde Gary Oldman für seine Rolle darin als bester Hauptdarsteller nominiert, Amanda Seyfried als beste Nebendarstellerin. Dahinter reihen sich sechs Filme mit jeweils sechs Nominierungen: "The Father", "Minari - Wo wir Wurzeln schlagen", "Judas and the Black Messiah", "Sound of Metal", "The Trial of the Chicago 7" und "Nomadland".
Die Regisseurin Chloé Zhao schrieb schon allein mit den Nominierungen Geschichte. Die in Peking geborene Zhao ist nicht nur die erste Nicht-Weiße, die mit ihrem in den USA gedrehten "Nomadland" in der Sparte "Beste Regie" nominiert wurde. Sie ist außerdem die erste Frau, die in einem Jahr gleich vier Oscar-Chancen hat: neben der besten Regie auch für den besten Schnitt, das beste adaptierte Drehbuch sowie für den besten Film.
Neben Zhao ist noch die Britin Emerald Fennell mit "Promising Young Woman" und der Schauspielerin Carey Mulligan in der Hauptrolle für einen Regie-Oscar nominiert - nie zuvor gab es zwei Frauen in dieser Kategorie. In der Vergangenheit waren die Nominierungen gerade in dieser Kategorie immer wieder wegen zu stark dominierender Männer-Präsenz kritisiert worden. In der Oscar-Geschichte gingen bis 2020 erst fünf Frauen für den Regiepreis ins Rennen. Bislang ist Kathryn Bigelow ("Tödliches Kommando - The Hurt Locker", 2010) die einzige Oscar-prämierte Regisseurin. Diesmal können sich neben Zhao und Fennell auch ihre männlichen Kollegen Thomas Vinterberg mit "Der Rausch", David Fincher mit "Mank" und Lee Isaac Chung mit "Minari - Wo wir Wurzeln schlagen" Hoffnungen machen.
Mehr Diversität bei Nominierungen
"Minari" erzählt von einer koreanisch-amerikanischen Familie und gehört damit zugleich zu den diverseren Filmen dieses Jahrgangs - genauso wie "Judas and the Black Messiah" über die Black-Panther-Bewegung sowie der politische Gerichtsthriller "The Trial of the Chicago 7" über US-Aktivisten in den 60er Jahren.
Viola Davis bekam unterdessen für "Ma Rainey's Black Bottom" ihre vierte Schauspiel-Nominierung. Das macht sie zur am meisten nominierten schwarzen Schauspielerin der Oscar-Geschichte. Auf einen Preis als beste Hauptdarstellerin können neben Davis unter anderem noch Frances McDormand ("Nomadland") und Carey Mulligan ("Promising Young Woman") hoffen. In der Kategorie für den besten Hauptdarsteller sind etwa Riz Ahmed für "Sound of Metal", Anthony Hopkins für "The Father" sowie der im vorigen August an Krebs gestorbene "Black Panther"-Star Chadwick Boseman posthum für "Ma Rainey's Black Bottom" nominiert.
Der Auslands-Oscar
Auch Filme mit deutscher Beteiligung haben in der Oscarnacht Chancen auf eine Auszeichnung. In der Kategorie für den besten internationalen Spielfilm, dem sogenannten Auslands-Oscar, sind gleich drei dieser Werke nominiert: Das Drama "Quo Vadis, Aida?" der in Berlin lebenden Regisseurin Jasmila Žbanić, die Dokumentation "Kollektiv - Korruption tötet" und "The Man Who Sold His Skin". Sie alle sind deutsche Koproduktionen.
"Quo Vadis, Aida?" geht für Bosnien-Herzegowina ins Oscar-Rennen, "Kollektiv - Korruption tötet" für Rumänien, "The Man Who Sold His Skin" für Tunesien. "Kollektiv - Korruption tötet", an dem der MDR beteiligt war, ist außerdem nominiert in der Sparte als beste Dokumentation. Der deutsche Beitrag für den Auslands-Oscar, "Und morgen die ganze Welt" von Regisseurin Julia von Heinz, war bereits bei der Vorauswahl ausgeschieden.
Als beste Nebendarstellerin gehen Maria Bakalova ("Borat Anschluss Moviefilm"), Glenn Close ("Hillbilly Elegy"), Olivia Colman ("The Father"), Amanda Seyfried ("Mank") und Yuh-Jung Youn ("Minari - Wo wir Wurzeln schlagen") ins Rennen. Als bester Nebendarsteller haben unter anderem Sacha Baron Cohen für "The Trial of the Chicago 7" und Daniel Kaluuya für "Judas and the Black Messiah" Chancen.
"Was ein glücklicher Morgen", kommentierte der für die Musik zum Zeichentrickfilm "Soul" nominierte US-Musiker Jon Batiste per Kurznachrichtendienst Twitter. "Meine erste Oscar-Nominierung!" Auch bei Leslie Odom Jr. war die Freude groß: "Ich bin in einem dunklen, stillen Haus in Los Angeles und fühle mich einfach großartig heute Morgen", sagte der für seine Rolle in dem Drama "One Night in Miami" als bester Nebendarsteller nominierte Schauspieler telefonisch dem US-Sender ABC. "So darf man mich immer wecken."