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Der Wunsch eines jeden Sammlers ist die Entdeckung eines alten Autos. Der "einmalige Fund in der Scheune":
"Ein verstaubtes, vergessenes, aber noch in der Substanz erhaltenes Fahrzeug" müsste es sein.....
Wir haben ein solches gefunden! Am 19.Februar 1999 in Frick (AG):
Vergammelt und verbaut zwar, aber eine technische Delikatesse ersten Ranges:
Ein "Sizaire-Frères", Modell 4RI, Jahrgang 1926, mit markeneigenem 2 -Liter OHC-Motor, ca. 50 PS, die Fahrzeugnummer 924 von total 1'200 hergestellten Autos.
Mechanische Bremsen auf alle 4 Räder, Handbremse wahlweise auf Vorder- oder Hinterräder wirkend!
Die Firma "Automobiles Sizaire-Frères SA des Automobiles Sizaire", 52 Rue Viktor Hugo, Courbevoie (F), wurde ca. 1922 von Maurice und George Sizaire gegründet.
Später haben sich die Brüder wieder getrennt und unter eigenen Namen Autos hergestellt.
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Eine Augenweide von Armaturenbrett.
Feinste Einlegearbeit, aus edlen Hölzern .
Beim Zerlegen der Karosserie fanden sich zwei Hersteller- Plaketten: Félix Viallon, Cham d'Asile, Oullins(Rhône), hatte als erster eine Roadster-Karosserie auf das Chassis gebaut, die Firma Simon Pralavorio, Carrossier, 13 à 17, Rue du Bocage, Lyon erhielt später den Auftrag, diese durch eine 2-türige Coach- Karosserie zu ersetzen.
Wahrhaftig Aufstieg und Niedergang eines Wagens!
Beide Betriebe hatten sich mit entsprechenden Messingplättchen im Fahrzeug verewigt. Jenes von F. Viallon fand sich demontiert und "verloren" im staubigen Schlitz einer Türe wieder.
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Die mittels Kette angetriebene Nockenwelle.
Rechts im Bild der Solex-Horizontalvergaser.
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Ein prachtvoller 4-Zylindermotor mit Kurbelgehäuse und Zylinderdeckel aus Aluminiumguss.
Technische Angaben:
2.0 Liter Inhalt, obenliegende Nockenwelle. Lichtmaschine vorne auf der Kurbelwelle, Magnet hinter dem Zylinderkopf, direkt von der Nockenwelle angetrieben.
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Vier unabhängig aufgehängte Räder. Querblattfedern, Schräglenker und Trapez, mit je einer Blattfeder nach links und rechts geführt.
Bremsschild aus Aluminiumguss
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Das Differentialgehäuse des Wagens ist ebenfalls aus Aluminium-Guss
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... Man könnte es als die "Verlobung von Chassis und Aufbau" bezeichnen ....!
Für die Blecharbeiten wurde das Fahrzeug an die Firma André Meyer, Carrosserie Schweisstechnik, Selzach (SO) übergegeben.
André Meyer ist ein erfahrener Mann in Sachen Carrosseriebau und Schweissen von Aluminium.
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Bevor mit dem eigentlichen "Verblechen" begonnen werden kann, müssen alle Anbauteile wie Kotflügel, Abdeckbleche, Trittbretter, Stosstangen und Scheibenrahmen angepasst werden.
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Wo dereinst Blech gefalzt wird, müssen vorher Blechleisten sein
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Mit viel Gefühl gehämmert, erhält das Blech seine Wölbung.
Echte Handwerkskunst
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Dieses Bild zeigt deutlich, wo gehämmert werden muss, um die dreidimensionalen Wölbungen zu erzielen. Diese Arbeit erfolgt "nach Auge" und mit wiederholtem "Anpassen am Objekt"
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Das Einpassen des Windschutzscheiben-Rahmens
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Der rohe, dreiteilige Windschutzscheibenrahmen ist gesetzt.
Der Neigungswinkel der äusseren Scheibenhalter bestimmt.
Man beachte, dass die Scheiben oben nicht geführt sind.
So wird dem Auto etwas von seiner optischen "Schwere" genommen!
Die beiden Chassis-Verlängerungen mit dem Querträger an der Front sind nicht etwa zur Aufnahme eines Stosstangenpaares gedacht, sondern haben die Funktion, der (unnötigen) Handkurbel die erforderliche Führung zu geben. "Sizaire-Frères" hatten in der Regel keine vorderen Stosstangen ....
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Die Fusstritte fehlten am Wagen, so dass man Holzmodelle anfertigte, die alsdann in der Kunstgiesserei KOHLER AG, Riedtwil (BE) in Sand geformt und in Messing abgegossen wurden.
Hier sieht man die angepassten Fusstritte zum Schwiegermuttersitz auf der rechten Seite des Wagens. Sie werden noch geschliffen, die Kanten gebrochen, alles poliert und schlussendlich vernickelt. Zu guter letzt wird zwischen Rand und den Letter "SF" noch Gummi als Gleitschutz eingepasst.
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Noch ist die Flanke des Wagens zu hoch;
es fehlt die strukturierende Zierleiste.
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Das Gestänge des Verdecks hat Meister Meyer so konzipiert, dass es im zusammengelegten Zustand entweder auf der Staufläche hinter den Sitzlehnen eingeklappt und deponiert, oder unten im Torpedo unsichtbar versorgt werden kann.
Das eigentliche Stoffverdeck wird entweder über das Gestänge gezogen, oder im Futteralsack verstaut.
Am Scheibenrahmen fehlen noch die Armaturen der verstellbaren gläsernen Windabweiser. Als Roadster hat der Wagen keine Seiten- Scheiben.
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Das ganze Gestänge muss noch geschliffen, poliert und vernickelt werden.
Noch fehlen die hölzernen Abdeckleisten als oberer Randabschluss.
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Den Kotflügeln wird die endgültige Formkorrektur gegeben:
Kotflügel sind gelegentlich nicht nur gestaucht und leicht feststellbar beschädigt, sondern sie sind auch uneben: Mal nach unten eingedrückt, mal nach aussen gebaucht.
Wo zuviel Material zu bombierten Flächen geführt hat, wird mit dem Schweissbrenner die erhabene Stelle bis zur Gelbglut erhitzt:
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Zwei verschieden geformte Metallstücke aus Eisen dienen als Unterlage an der Unterseite der erhitzten Stelle am Kotflügel:
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Mit Gefühl und Kraft wird die immer noch glühend heisse, bombierte Stelle des Kotflügels an der Oberfläche mit Hammerschlägen traktiert und damit gestaucht.
Im richtigen Moment wird alsdann mit einem nassen Schwamm abgeschreckt, wodurch das Metall punktuell schrumpft und sich einzieht.
Damit erreicht man schlussendlich die gewünschte Oberflächenkorrektur
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André Meyer, Carrossier in Selzach, ist ein Meister seines Faches!
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Nach getaner Arbeit wird das Werk geprüft:
Glänzende (nasse) Flächen zeigen besser auf, wo weitere Nacharbeit noch erforderlich ist.