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Dass der Wechsel von Andrea Orcel zu Santander platzte, lag nicht an falschen Erwartungen. Wie die Bankenzarin Ana Botín den Ex-UBS-Mann düpierte.
Der Anruf erreichte UBS-Präsident Axel Weber am Sonntagabend in Singapur. Sein Verwaltungsrat tagte an diesem letzten September-Wochenende in dem Stadtstaat, und dort fand ihn Ana Botín, Webers Gegenpart bei der spanischen Grossbank Santander. Sie teilte ihm mit, dass sie sich mit UBS-Investment-Banking-Chef Andrea Orcel über eine Anstellung als CEO geeinigt habe – und schob eine Frage nach: Ob die UBS Orcel einen Teil seiner gesperrten Aktien ausbezahlen könne? Weber verwies auf sein Reglement: Wer zur Konkurrenz wechselt, verliert seine Ansprüche. Da könne er keine Ausnahme machen. Botín nahm es zur Kenntnis – und verkündete dennoch einen Tag später den Wechsel Orcels.
Dreieinhalb Monate später blies die spanische Bankenzarin den Wechsel ab – und desavouierte damit nicht nur Orcel, sondern vor allem sich selbst. Dass sie verbreiten liess, die Ablöse übertreffe «deutlich die Erwartungen des Verwaltungsrats», war eine Schutzbehauptung, die schlicht nicht stimmte.
Schriftliche Zusicherung
Orcel hatte für Botín die Fünf-Jahres-Strategie der spanischen Grossbank ausgearbeitet, und Botín war so beeindruckt, dass sie ihn direkt fragte, ob er diese Strategie nicht selbst implementieren wolle. Orcel sagte zu – und liess sich von Botín schriftlich zusichern, dass Santander seine UBS-Ansprüche komplett übernehme. In der Bestätigung fehlte zwar eine genaue Zahl, doch die liess sich einfach herausfinden.
Orcels Aktienansprüche waren im Geschäftsbericht mit mehr als 20 Millionen Franken ausgewiesen, dazu kamen Bond-Anrechte aus dem sogenannten DCCP-Programm in der gleichen Grössenordnung und eine Steuer-Beihilfe für den in London lebenden Investment Banker: Ein Gesamtpaket von knapp 50 Millionen Euro.
Vertrauter Ermotti konnte nicht helfen
All das wusste Botín. Doch sie hoffte offenbar, dass die UBS ihre Bank nicht als Konkurrenten, sondern als Kunden taxiere – immerhin kassiert die UBS jährlich mehr als 50 Millionen Euro Gebühren von den Spaniern. Doch Weber wollte keinen Präzedenzfall schaffen, und auch Orcels Vertrauter Sergio Ermotti konnte nicht helfen. Er selbst hatte vor vier Jahren Alex Friedman dessen 12-Millionen-Paket verwehrt, als der Amerikaner zu GAM wechselte. Das akzeptierte auch Weber, der sich oft mit Friedman austauschte. Jetzt war es umgekehrt. Die Bank geht vor.
Orcel bot am Ende noch an, auf 20 Prozent seiner Ansprüche zu verzichten. Doch es war zu spät. Dass die spanische Regierung neu «Golden Hellos» den Aktionären zur Abstimmung vorlegen lassen will, war der definitive Todesstoss.
Orcel erwägt eine Klage gegen Santander. Für eine andere Bank kann der 55-Jährige nur arbeiten, wenn sie die Ablöse zahlt. Bis dahin bezieht er seine Ansprüche von der UBS. Die letzten Fristen laufen in sieben Jahren aus.