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Mit F. wird heute das Gebiet der aarg. Bezirke Laufenburg und Rheinfelden bezeichnet. Die Tafeljuralandschaft zwischen Rhein und Kettenjura, östlich bis fast an den Aarelauf und westlich bis zur Ergolzmündung reichend, wird durch zahlreiche nördlich orientierte Bachtäler geprägt, die sich alle entweder über die Sissle oder direkt in den Rhein entwässern.
Die ersten Spuren von Leben im ständig eisfreien F. stammen aus vorgeschichtl. Zeit. Bekannt sind die Saurierfunde aus der Gegend von Frick. Geschützte Lagerplätze paläolith. Jäger fanden sich bisher in Zeiningen und Rheinfelden, neolith. Freilandsiedlungen sind in Mumpf, Zeiningen, Möhlin und Olsberg ergraben worden, eine bedeutende spätbronzezeitl. Siedlung lag auf dem Wittnauer Horn. Spuren aus kelt. Zeit bestehen nur aus Einzelfunden. Da der Rhein zeitweise die Nordgrenze des Röm. Reiches bildete, sind v.a. die militär. Anlagen aus der spätröm. Zeit markant. Fundamente eines Kastells sind in Kaiseraugst, solche von Wachttürmen am Rhein sichtbar; aus Mumpf und Sisseln sind befestigte Magazinbauten bekannt. Landwirtschaftl. Gutshöfe wurden u.a. in Wallbach, Rheinfelden, Möhlin und Frick ergraben. Auf die Bedeutung der Verbindungsstrasse Vindonissa-Augusta Raurica weisen Fundamente von Rasthäusern (mansiones) in Münchwilen und Frick hin. Alemann. Spuren beschränken sich auf einige Gräberfunde. Wegen seiner Grenzlage dürfte das F. zu den früh besiedelten Gebieten der Alemannen gezählt haben.
Die heutigen, im FrühMA zum Teil auf römisch-kelt. Fluren angelegten Siedlungen befinden sich in den Tälern, während das Kulturland auf den Höhen der Tafeljuraberge und an den sanften Hängen angelegt wurde und vorwiegend dem Getreidebau diente. An den Steilhängen beliess man die Wälder. Im Rheintal bildeten das Möhlinfeld und das im 16. Jh. meliorierte Sisslerfeld grosse Kulturflächen. Im Tal der Sissle war der Weinbau Hauptkultur. Generell bildete der Rebbau im F. eine wichtige Ergänzungskultur, bis er Ende des 19. Jh. nach der Weinbaukrise (Schädlingsbefall, billige Importweine) stark zurückging und teilweise durch Obst- und Kirschbaumkulturen abgelöst wurde. Neben Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe besass der von der Römerzeit an betriebene Abbau von Eisenerz im oberen F. bis weit ins 20. Jh. hinein eine gewisse Bedeutung. Laufenburg und die Gemeinden des Sulztales waren bis ins 19. Jh. Zentrum der regionalen Eisen verarbeitenden Industrie. Die Brücken bei Rheinfelden, Stein und Laufenburg stellten die einzigen festen Verbindungen zum anderen Rheinufer dar, daneben existierten Fähren und Furten. Der Rhein war Fischlieferant und Transportweg. Wirtschaftliche Bedeutung hatte bis Ende des 19. Jh. auch die Holzflösserei, die genossenschaftlich betrieben wurde. Die wichtige Bözbergstrasse verband das Aare- mit dem Rheintal. Generell war die Rheinebene schwächer besiedelt als die Juratäler. Mit der Industrialisierung und dem Bau der Bözberg- (1875) und der Rheintalbahn (1892) änderte sich dies. In der Region Rheinfelden siedelten sich Tabak- und Textilbetriebe an, am Rhein wurden umfangreiche Salzlager entdeckt. Bekannt ist bis heute auch die bei Rheinfelden gelegene, 1876 gegr. Brauerei Feldschlösschen. In den Juratälern nahm die Heimposamenterei zu. Auch in den übrigen Landgemeinden versuchten viele Kleinbauern, sich mit Heimarbeit über Wasser zu halten. Trotzdem war das F. Mitte des 19. Jh. in einer wirtschaftl. und sozialen Notlage und blieb bis zu Beginn des 20. Jh. eine Agrarregion. In zahlreichen Gemeinden sank die Einwohnerzahl zwischen 1850 und 1900 aufgrund mehrerer grosser Auswanderungswellen um bis zu 40%. Erst nach dem 2. Weltkrieg verbesserten sich die Erwerbsgrundlagen. Die Agglomeration Basel bot zahlreiche neue Arbeitsplätze in Dienstleistung und Industrie an, die chem. Industrie expandierte auch ins F. (Sisslerfeld, Kaisterfeld). Die Nationalstrasse A3 zog ab den 1970er Jahren weitere Unternehmen an und vergrösserte auch die Pendlerströme. In der Folge wuchsen die Einwohnerzahlen der meisten Gemeinden wieder, im unteren F. sogar explosiv.
Autorin/Autor: Dominik Sauerländer
In der Frankenzeit bildete das F. einen Teil des Augstgaus, der seinerseits weitgehend identisch mit dem Territorium der ehemaligen röm. Colonia Raurica war. Im 9. Jh. teilte sich der Augstgau entlang des Möhlinbachs in Frickgau (östlich) und Sisgau (westlich). Kirchlich gelangte das F. zum Bistum Basel, dem es seit dem MA ohne Unterbruch bis heute angehört. Um 1100 scheinen die Gf. von Alt-Homberg die Grafschaft im ganzen ehemaligen Augstgau besessen zu haben. Die Zähringer etablierten innerhalb dieses Territoriums noch im 11. Jh. die Herrschaft Rheinfelden und gründeten im 12. Jh. die gleichnamige Stadt. Das um 600 von den Merowingern gegründete Damenstift Säckingen besass im F. reichen Grundbesitz und grundherrl. Rechte. 1173 gelangte die Kastvogtei Säckingen samt Laufenburg an das Haus Habsburg, später auch die Grafschaft im Frickgau. Die Herrschaft Rheinfelden war 1218 an Kyburg gefallen und gelangte 1330 durch Verpfändung ebenfalls an Habsburg. Damit verlor auch die Stadt Rheinfelden die 1225 erlangte Reichsunmittelbarkeit. Bis zur Mitte des 14. Jh. war Habsburg in den Besitz aller landesherrlichen und vogteilichen Rechte im F. gekommen. Diese lagen nach dem Aussterben der habsburgisch-laufenburg. Linie 1408 in der Hand der älteren Linie, und bildeten nun einen Teil der Vorlande (Vorderösterreich) unter einem Landvogt, der in Ensisheim (Elsass), ab 1648 in Freiburg i.Br. residierte. Unterteilt war das F. in die Herrschaften Rheinfelden (mit den Landschaften Möhlinbach, Rheintal und F.) und Laufenburg; selbstständig blieben die vier Waldstädte Rheinfelden, Säckingen, Laufenburg und Waldshut. Den Landschaften standen Obervögte vor, unter ihnen waren die Vögte der Gerichtsgemeinden, über ihnen der landesherrl. Obervogt in Rheinfelden bzw. Laufenburg (meist in Rheinfelden residierend und in Personalunion für beide Herrschaften zuständig). Die landesherrl. Rechte bestanden in der Ausübung der hohen (teilweise auch der niederen) Gerichtsbarkeit und der Kontrolle der Regalien, dem Mannschaftsrecht und dem Steuereinzug. Genossenschaftliche und niedergerichtl. Belange regelten die Gerichtsgemeinden unter dem Vorsitz herrschaftl. Beamter. Daneben bestanden bis 1797 säckingische und adlige Twingherrschaften. Zwischen 1639 und 1748 versuchten verschiedene eidg. Orte, das F. durch Kauf oder Pfändung an sich zu bringen, was ihnen jedoch nicht gelang. Im Frieden von Campoformio (1797) trat Österreich das F. an Frankreich ab, doch zu einem Vollzug kam es nicht bis zum Frieden von Lunéville (1801). Frankreich behielt sich eine Abtretung des F.s an die Helvet. Republik vor. 1802 übernahm Sebastian Fahrländer die Verwaltung des F.s und konstituierte den Kt. F. mit dem Hauptort Rheinfelden. Der neue Kanton umfasste die drei Distrikte Rheinfelden, Frick und Laufenburg. Nach dem Sturz Fahrländers gelangte das F. Ende 1802 an die Schweiz und wurde 1803 dem Kt. Aargau angegliedert.
Als Teil Österreichs wurde das F. in schwere kriegerische Auseinandersetzungen hineingezogen. Im Alten Zürichkrieg 1443 und im Schwabenkrieg 1499 brachen eidg. Truppen ins F. ein. V.a. der Dreissigjährige Krieg brachte den Dörfern bis in die Täler hinein Tod und Verwüstung. 1634-38 war Rheinfelden Zentrum schwerer Kämpfe. Nach dem Krieg setzte eine innerösterr. Völkerwanderung ein, welche Fricktaler ins stark entvölkerte Elsass, um 1700 dann auch ins ungarische Banat brachte, während sich Savoyarden und Oberitaliener als Handwerker und Händler in Laufenburg und Rheinfelden rasch etablierten.
Die Untertanen besassen einerseits weit gehende Rechte in Form niedergerichtl. Kompetenzen, was die Gemeindebildung förderte und von der Landesherrschaft auch unterstützt wurde. Andrerseits schuf das komplizierte Nebeneinander unterschiedl. Rechte immer wieder Konflikte, die sich oft über Jahrzehnte hinzogen. Im Zusammenhang mit der Erhöhung der Kriegssteuern kam es 1612-14 zum grössten Konflikt zwischen Herrschaft und Untertanen, dem sog. Rappenmasskrieg. Ein Schiedsgericht der Tagsatzung entschied schliesslich im Konflikt zugunsten der Herrschaft. Im 18. Jh. verbesserten die österr. Herrscherin Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II. die staatl. Verwaltung im Sinne des aufgeklärten Absolutismus. Moderne Institutionen wurden geschaffen, von denen der Kt. Aargau die vorbildl. Brandversicherung unverändert übernahm. Im Zuge des Josephinismus erfuhr auch das kirchl. Leben eine Umgestaltung und die kirchl. Institutionen wurden näher an den Staat gebunden. Die Reduktion der Anzahl Feiertage und Prozessionen hatte spürbare Folgen für das Leben der Untertanen. Nachwirkungen dieser Kirchenreform waren mit ein Grund für den überdurchschnittl. Widerhall, den die christkath. Kirche im F. (v.a. im Bez. Rheinfelden) in den 1870er Jahren fand.
Autorin/Autor: Dominik Sauerländer