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Oberster US-Gerichtshof Die mächtigen Neun
- Mittwoch, 1. Februar 2017, 11:42 Uhr, aktualisiert um 20:33 Uhr
USA-Korrespondent Beat Soltermann über die Macht des Supreme Courts – auch gegenüber den Dekreten Trumps.
SRF News: Welche Rolle nimmt der Supreme Court in der USA und ihrer Politik ein?
Beat Soltermann: Der Supreme Court ist das höchste und wichtigste Gericht der Vereinigten Staaten. Er entscheidet juristische Grundsatzfragen und stellt zum Beispiel fest, dass die gleichgeschlechtliche Ehe in den USA zulässig oder die Todesstrafe legal ist. Da das Gericht in politisch derart umstrittenen Fragen das letzte Wort hat, kommt ihm eine sehr grosse Bedeutung zu. Als oberstes rechtssprechendes Staatsorgan (Judikative) steht es auf derselben Stufe wie das Weisse Haus (Exekutive) und der Kongress (Legislative).
Was bedeutet das für die aktuellen Dekrete von Präsident Trump? Wann könnte der Supreme Court zum Zug kommen?
Dekrete des Präsidenten können am Ende eines langen Verfahrens beim Supreme Court landen. Hierfür muss gegen einen einseitigen Erlass des Präsidenten geklagt werden. Das geschieht in der Regel dann, wenn vom Dekret Betroffene der Meinung sind, die Verfassung sei verletzt worden oder der Präsident sei zu weit gegangen und habe seine Kompetenzen überschritten. So musste der Oberste Gerichtshof mehrere Dekrete von Präsident Barack Obama beurteilen und hat zum Beispiel 2016 dessen Immigrationsreform gestoppt, die auf Dekreten beruhte. Es ist davon auszugehen, dass der Supreme Court früher oder später auch Anordnungen von Präsident Trump anschauen muss.
Warum ist die Zusammensetzung des Gerichthofs immer wieder ein heiss diskutiertes Politikum?
Die neun Richterinnen und Richter des Supreme Courts sind auf Lebzeiten gewählt. Sie können nur freiwillig zurücktreten oder in schweren Ausnahmefällen abgesetzt werden. So erhofft man sich eine grössere Unabhängigkeit der Rechtsprechung. Bei einer Vakanz versucht jeder Präsident einen Kandidaten zu nominieren, von dem er sich erhofft, dass er seine politischen Ansichten auch auf dem Richterstuhl unterstützt. Genau das wollen die politischen Gegner im Senat, der jede Kandidatur genehmigen muss, verhindern.
Am Ende kommt es auch darauf an, wie das Gesamtgremium zusammengesetzt ist – eher liberal oder konservativ. Im Moment liegt mit dem Tod von Richter Antonin Scalia und der noch fehlenden Nachfolge eine Patt-Situation vor. Die Ernennung eines Kandidaten durch Trump wird den Supreme Court aber voraussichtlich nicht aus der Balance bringen, schliesslich wird nur ein konservativer Richter durch einen anderen ersetzt.
Wie wird verhindert, dass er von einer politischen Institution zu einer parteipolitischen Institution wird?
Das wird immer schwieriger. Seit den 1980er Jahren ist die Wahl eines Obersten Richters immer stärker den Zwängen der Politik unterworfen. Demokraten und Republikaner kämpfen hart für ihre Kandidaten – oder gegen die Kandidaten der anderen Partei. Die Mehrheitsverhältnisse im Senat sind entscheidend, ob ein eher gemässigter oder ein stärker parteipolitisch verorteter Kandidat das Rennen macht.
In seiner Amtszeit könnte Donald Trump allerdings die Gelegenheit bekommen, vielleicht gerade mehrere Richter neu ernennen zu dürfen. Ruth Bader Ginsburg und Anthony Kennedy sind bereits über 80 Jahre alt und Stephen Breyer 78. Sie alle gehören eher dem liberalen Flügel an. Es könnte also sein, dass Trump die Gelegenheit erhält, die Institution, die ihn überprüft, zu einem guten Teil quasi nach seinem Belieben selbst zusammensetzen zu dürfen.
Aber nicht alle Richter erfüllen am Ende die Erwartungen des Präsidenten. Oberster Richter David Souter zum Beispiel, der von Präsident George H.W. Bush ernannt wurde, wandelte sich im Amt (1990-2009) von einem konservativen zu einem sehr liberalen Richter – zum Ärger der Republikaner.
Lässt sich die aktuelle politische Haltung des Supreme Courts exemplarisch anhand der Entscheide der letzten Jahre aufzeigen?
Die acht amtierenden Richterinnen und Richter interpretieren die Rechtsfragen oft gemäss ihrer politischen Gesinnung. Oberste Richterin Ruth Bader Ginsburg vertritt fast ausschliesslich linke Positionen, die Richter Clarence Thomas oder Samuel Alito sind für ihre konservative Weltanschauung bekannt.
Im Moment liegt eine Patt-Situation vor – vier progressive und vier konservative Richter. Doch nicht alle Urteile fallen 4:4 aus. Je nach vorliegender Rechtsfrage kommt es auch vor, dass ein, zwei oder gar drei Richter die Seite wechseln.
Konservativ oder liberal? So teilt sich Supreme Court auf
Von allen politischen Institutionen geniesst der Supreme Court das höchste Ansehen bei den Bürgern der USA. Warum ist das so?
Bis jetzt war der Oberste Gerichtshof die am geringsten politisierte Institution – auch wenn das Gremium weitreichende Entscheide fällt. Doch in den letzten Jahren hat sich das geändert.
Die Frage, wer die Nachfolge des konservativen Richters Antonin Scalia antreten wird, war für viele Wähler wichtiger als die Wahl des Präsidenten – und haben entsprechend ihren Wahlzettel eingelegt.
Sind Entscheide des Obersten Gerichts hieb- und stichfest, oder lassen sich diese umstürzen? Wenn ja, wie?
Der Supreme Court ist das höchste Gericht. Die USA akzeptieren keine höheren Gerichte – wie etwa europäische Staaten (und die Schweiz) mit dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Das bedeutet, was der Supreme Court entscheidet, gilt abschliessend.
Es gibt allerdings zwei Ausnahmen: Der Kongress kann Gesetze oder die Verfassung so anpassen, dass das Gericht in einem neuen Fall zu einem anderen Entscheid kommt. Oder das Gericht kann von sich aus bei einem ähnlich gelagerten Fall zu einem anderen Ergebnis kommen.
Kurze Geschichte des Supreme Courts
- Der Oberste Gerichtshof wurde 1789 als Teil der Verfassung der USA ins Leben gerufen.
- Im Verlauf des 19. Jahrhunderts gewann er an Macht. Das Gericht erhielt das Recht, Gesetze des Kongresses zu überprüfen und wenn nötig zu verwerfen.
- Die aufkommenden Konflikte zwischen Nord- und Südstaaten gaben ihm immer wieder die Rolle des letzten Schlichters.
- Seine heutige wichtige Rolle bekam das Verfassungsgericht erst in den 1930er Jahren, in der Zeit der grossen Reformgesetzgebung, des sogenannten New Deal.
- Bis heute hat der Supreme Court eine mehr oder weniger unangefochtene Autorität als letzte juristische und politische Instanz.
Das Gespräch führte Alexandros Koulouris.
Beat Soltermann
Seit 2011 berichtet Beat Soltermann für SRF aus Washington D.C. Zuvor arbeitete er in der SRF-Wirtschaftsredaktion und empfing die Gäste der «Samstagsrundschau».
Sendungsbeitrag zu diesem Artikel
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Hardliner für den Supreme Court nominiert
Aus Tagesschau vom 1.2.2017
Donald Trump hat den erzkonservativen Bundesrichter Neil Gorsuch für das höchste US-Gericht nominiert. Gorsuch hätte das Amt auf Lebenszeit. Der Widerstand der Demokraten ist so gut wie sicher.
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