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(Val)(Kt. Graubünden,
Bez. Inn).
2660-1400 m. Linksseitiges Nebenthal des Unter
Engadin; mündet zwischen
Val Lavinuoz und
Val Tasna,
mit denen es ziemlich gleiche Richtung hat, beimWeilerGiarsun (1406 m) 1 km sw.
Guarda zum
Inn aus. Das
N.-S. gerichtete Thal wird vom Clozzabach
(La Clozza) durchströmt und trägt am Ausgang hinter und unterhalb des Dorfes
Guarda
den Namen
Mühlethal. Wie bei
Val Lavinuoz und
Val Tasna ist die Thalmündung schluchten-artig, doch ist dieser Schluchtenteil
steiler und kürzer als beim
Val Tasna. Val Tuoi ist zwischen die am Rand des Unter
Engadin ragenden vergletscherten
Hörner und Gipfel des Silvrettamassives und ihre bis gegen das Hauptthal vordringenden südl. Ausläufer eingeschnitten
und weist schon von der Mitte an eine landschaftlich grossartige Umrahmung auf. Im W. stehen (in der Richtung
S.-N. gezählt): der schon sehr aussichtsreiche
Piz¶
Die grössten Eisfelder sind: PlanRai zwischen den beiden Piz Buin und Piz Fliana, der Vadret Tuoi, VadretFurcletta und Vadret Fermunt, letzterer am O.-Rand des GrossBuin. Die Pässe in diesem Gebiet sind lauter hohe Eisjoche und
kommen fast einzig für den Touristenverkehr in Betracht. Der Fermuntpass (2802 m) führt von Guarda durch Val Tuoi auf den
Grossen Fermunt- oder Ochsenthalerferner zur Wiesbadenerhütte des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins
(2560 m) und nach dem Montafon, das Jamjoch (3082 m) über den Tuoigletscher und Jamthalerferner zur Jamhütte des nämlichen
Alpenvereins (2163 m) und nach Galtür im Paznaunerthal hinüber.
Erwähnt mag noch werden, dass die jenseits des Fermuntpasses im Montafon gelegene Fermuntalp noch heute der Gemeinde Ardez
gehört und Wald und Weiden dieses Besitztums durchs Thal bis Pattenen hinunter reichen. Campell und Sererhard berichten, wie
die Ardezer einst Brücken über die Eisschründe und -spalten des hohen Gletschers errichtet hätten.
Die Alp wird längst nicht mehr von Ardez aus bestellt, sondern an die Montafoner verpachtet. Val Tuoi steigt in zwei Hauptstufen
auf, von denen die obere über der Alp Suot (2026 m) durch eine kurze Thalenge eine geringe Unterbrechung erleidet.
Die Länge beträgt 7,2 km, das Gesamtgefälle 11,9%. Die vom Einfluss der Clozza in den Inn (1363 m) bis
zum Punkt 1797 m unter der Terrasse von Salön reichende Mündungsschlucht hat bei einer Länge von 2,1 km eine mittlere
Höhe von 1580 m und ein Gefälle von 20,6%, das Thalstück von 1797 m bis L'Arpella im Hintergrund (2220
m) bei einer Länge von 5,1 km eine mittlere Höhe von 2008 m und ein Gefälle von nur 8,3%. Die Zuflüsse des Clozzabaches
sind besonders auf der linken Seite zahlreich, aber meist klein und kurz; von hier münden die Aua dels Tofs, Aua
da Stavès und Aua da Salez, von W. oder rechts her die AuaChampatsch.
Kleine Alpenseen liegen in SurTuoi und auf Murtèra unter dem Gebirgskamm PizCotschen-PizClavigliadas, auf der Hochterrasse
unter dem Piz d'Anschatscha und unter der Furcletta im Thalhintergrund. Lauterburg schätzt die gesamte Bruttowasserkraft des
Clozzabaches bei einer Fallhöhe von 900 m auf 760 PS, die produktive Wasserkraft auf 50 PS. Unterhalb
der Schluchtenenge hinter Guarda hat sich der Clozzabach tief in einen längern, aber wenig breiten Schuttkegel eingeschnitten.
Die Mündungsschlucht des Baches, das sog. Mühlethal, zeigt pittoreske Felswände in Gneis und Amphibolitgneis, sowie prächtige
Wasserfälle. Seine felsigen Partien wechseln mit von Nadel- und Laubhölzern (darunter Birken und
Traubenkirschen) bewaldeten Stufen und Tiefen angenehm ab. Von der Säge am Clozzabach leitet am linken Abhang ein Kurweg hinunter
in die malerische Felsschlucht, wo Ruhebänke auf einer Terrasse zwischen hochstämmigen Föhren angebracht sind (die «Haunsteinschlucht»
der Kurgäste von Guarda),
und der «Scalettaweg» von hier durch die Tiefe des Waldhanges in die Wiesen von
Guarda hin. Von Guarda führt ein Fahrsträsschen ins Val Tuoi hinein, dessen Ende bei L'Arpella man in etwa 2 Stunden erreicht.
Bei der köstlichen Quelle Fontauna Sanauas (etwa 1940 m) hört der Wald auf; das Thal erweitert sich und
zeigt linksseitig sanfte, üppig grüne Bergwiesen und Alpweiden, auf der rechten Seite dagegen schroffe Abstürze, steile
Gehänge, Schuttrunsen und Wildbäche.
Plötzlicher Ausblick
auf den majestätischen, scharf geschnittenen GrossBuin, sowie den Fermunt- und Tuoigletscher. Auf der
östl. Thalseite erhebt sich scharf und zackig der Piz Cotschen; die grünen Alpenmatten, die vor ihm
aufsteigen, weisen sanftgeböschte, gewellte und gerundete Formen dar und gehören ganz der Schieferformation an, die zwischen
Piz Cotschen und Piz Clavigliadas aus dem Val Tasna herübergreift. Gleich hinter der Alp Suot (2026 m), in deren Gegend zahlreiche
frische Quellbäche von links her der Clozza zuströmen, findet der Gesteinswechsel der Schieferformation
mit den kristallinen Schichten statt.
Von der Thalenge bei der Alp Suot aus gesehen, präsentiert sich der von mächtigen Gebirgen umwallte, mit glänzenden Gletschern
geschmückte Hintergrund des Val Tuoi in grossartiger Weise. Er bildet einen würdigen Abschluss der vielen landschaftlichen
Schönheiten, an denen das Thal Tuoi so reich ist. Der flache grüne Thalboden hinter der kleinen Hirtenhütte
(2144 m) heisst Nessas. Dahinter strömen von allen Seiten die Gletscher- und Quellbäche im Sammeltrichter von L'Arpella (2367
m) zusammen.
Dann folgen blaue und grüne Eismassen auf felsigen Stufen und Schuttwällen zahlreicher Gletscher. Val Tuoi gehört, mit
Ausnahme der Wiesen- und Waldterrassen zur Rechten der Mündungsschlucht des Clozzabaches und des Chapisungebietes
über Salön, ganz der Gemeinde Guarda an. Sehr lohnend ist der alte Strassenweg, der von Lavin aus in mässiger Steigung weit
in das Mühlethal einbiegt und in etwa 1 Stunde nach dem aussichtsreichen Guarda, das ein beliebter Luftkurort
geworden ist, hinleitet.
Val Tuoi mit seinen ausgedehnten und frischgrünen Bergwiesen und Alpweiden beherbergt eine schöne Alpenflora mit vielen
Seltenheiten. Es mögen genannt sein: Oxytropis montana und O. Halleri, Hedysarum obscurum;
die weisse Varietät von Rhododendronferrugineum;
Pedicularis tuberosa, P. rostrata und P. recutita;
Primula graveolens, Veronica alpina und
V. aphylla, Lychnis alpina, Lloydia serotina, Achillea moschata, Senecio incanus und S. abrotanifolius, Thalictrum alpinum,Chamaeorchis alpina, Eriophorum Scheuchzeri etc. Im Thal finden sich fast keine Bergställe;
alles Heu der ertragreichen Bergmäder
wird in das Dorf geführt, welche Beschäftigung während 2 Sommerwochen viel Leben und Bewegung in das stille und
schöne Thal zu bringen pflegt.
Bodenunterlage im Val Tuoi sind, mit Ausnahme des zwischen Piz Cotschen und Piz dellas Clavigliadas
bis zum Clozzabach sich herabziehenden Schieferstriches, die kristallinen Formationen Gneis, Glimmergneis, Glimmerschiefer
mit Quarzit, Hornblendeschiefer mit Quarzitbänken und Amphibolgneis. Viele Mineralien. Starke erratische Geschiebe. Unter
dem Piz Cotschen, Piz Clavigliadas und den Bergen der W.-Flanke des Thals liegen viele alte Endmoränen;
Grundmoränen am Ausgang am Inn und auf Salön. An der 1. Strassenkehre Giarsun-Guarda und vor dem Tobel Acquasana hinter Giarsun
findet sich kieselig-dolomitischer Muschelkalk als isoliertes Riff mitten im Kristallinischen eingeschlossen. Vergl. Tarnuzzer;
Chr. Guardaim Unterengadin.Chur 1900.