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Um 1850 herum verbreitete sich der Eisenbahnbau auch in Amerika unter schwerem Einsatz afroamerikanischer Arbeiter. Diese entflohen dem enorm harten Alltag in Ihren Campbaracken, den sogenannten Barrelhouses, in dem oft ein Terpentinfass zum Schnapsfass umfunktioniert wurde und der Baracke dadurch den Namen gab. Manchmal stand auch ein Klavier da.
Dieses wurde laut und stampfend als «barrelhouse stomp» gespielt und gilt als Vorläufer des Boogie Woogie, der seinen absoluten Höhepunkt 1938/39 in der Carnegie Hall in New York bei den legendären Konzerten «from spirituals to swing» mit den bis heute stilprägenden Pianisten Albert Ammons, Meade Lux Lewis und Pete Johnson erfuhr.
Bis sich jedoch das Boogie Woogie Piano in seiner Hochform auf den 88 Tasten entwickelt hatte, vergingen zunächst 70 Jahre:
Für die Entstehung des Blues wird in der Literatur die Epoche um die Jahrhundertwende genannt, wobei die Entwicklung Jahrhunderte zurückgreift. Die entscheidende Beeinflussung des Blues auf den Boogie Woogie sind dieselbe Taktabfolge (Zwölftakt-Form) und die eigene Harmonie (Blue notes).
Zeitgleich entstand der Ragtime als eigenständiger amerikanischer Klavierstil, geprägt durch Notenvorgabe und hin- und herspringender linker Hand, die damit den Bass, den Begleitakkord und den Rhythmus zugleich spielt. Damit prägte diese anspruchsvolle Spieltechnik den Boogie Woogie massgeblich - später entstand aus dem Ragtime der stride piano Stil, der im Gegensatz zum Ragtime auch Improvisationen zulässt. Aufnahmetechnisch dokumentiert ist der «Cow Cow Blues» von Charles Edward «Cow Cow» Davenport als ein Bindeglied zwischen Ragtime piano und dem späteren Boogie Woogie-Stil.
Auch hundert Jahre nach dem ersten offiziell benannten Boogie Woogie-Titel von 1928, «Pinetop’s Boogie Woogie» von Clarence Pinetop Smith, pflegt jede Pianistin und jeder Pianist seinen persönlichen Stil leidenschaftlich; die Form und die Faszination des Boogie Woogie sind erhalten geblieben.(Zeichnung von Charlie Weibel)