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Schlafstörungen sind weit verbreitet, und schätzungsweise ein Drittel der Erwachsenen weltweit ist mit ihrem Schlaf unzufrieden. Ausserdem erfüllen etwa 6-13 % der Allgemeinbevölkerung alle Kriterien, die für die Diagnose einer Schlafstörung erforderlich sind. Schlaflosigkeit ist eine Schlafstörung, die durch Unzufriedenheit mit der Schlafquantität und/oder -qualität gekennzeichnet ist. Diese Unzufriedenheit muss mit Schwierigkeiten beim Einschlafen, beim Durchschlafen und/oder beim Aufwachen am frühen Morgen einhergehen. Diese Schwierigkeiten müssen mindestens drei Nächte pro Woche in den letzten drei Monaten aufgetreten sein und eine Belastung oder Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit verursachen.
Schlaflosigkeit ist nicht nur ein Problem, sondern steht auch in Zusammenhang mit verschiedenen psychischen Erkrankungen. Tatsächlich treten Schlaflosigkeitssymptome zu 40% gemeinsam mit psychischen Erkrankungen auf. Schlaflosigkeit wird auch mit zahlreichen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, z.B. mit Atemwegs- und Herzerkrankungen. Es ist allgemein anerkannt, dass Hyperarousal eine wesentliche Rolle bei Schlaflosigkeit spielt. So wird Schlaflosigkeit beispielsweise mit einer erhöhten Herzfrequenz, einer erhöhten Muskelspannung im Gesicht und einer höheren kortikalen Aktivierung in Verbindung gebracht, deren Behandlung auf eine Verringerung der Erregung abzielen sollte.
Derzeit gibt es im Wesentlichen zwei Arten der Behandlung: Medikation oder kognitive Verhaltenstherapie für Schlaflosigkeit (CBT-I). Medikamente haben sich bei der Behandlung von Schlaflosigkeit als wirksam erwiesen, ihre Wirkung ist jedoch hauptsächlich kurzfristig. Leider verursacht die langfristige Einnahme von Medikamenten unerwünschte Nebenwirkungen wie kognitive und motorische Koordinationsprobleme, körperliche Abhängigkeit und Rebound-Schlafstörungen.
Mehrere Studien belegen die Wirksamkeit der CBT-I bei der Verringerung von Schlaflosigkeitssymptomen, wie z. B. Wachsein nach dem Einschlafen und Schlafeffizienz. Es fehlt jedoch an Untersuchungen, die belegen, dass CBT-I zu signifikanten Veränderungen der Einschlaflatenz führt. Wichtig ist auch, dass nur 60 % der Personen, die eine CBT-I erhalten, nach der Behandlung als gute Schläfer gelten. Die CBT-I konzentriert sich hauptsächlich auf Verhaltensweisen und Kognitionen im Zusammenhang mit dem Schlaf. Da Hyperarousal als prädisponierender und aufrechterhaltender Faktor bei Schlaflosigkeit identifiziert wurde, wäre eine Behandlung wie Neurofeedback empfehlenswert.
Neurofeedback ist eine Unterkategorie von Biofeedback, einer Technik, bei der man lernt, Körperfunktionen, wie z.B. die Herzfrequenz, durch Feedback zu modulieren. Beim Biofeedback werden verschiedene physiologische Parameter verwendet und dem Patienten rückgemeldet (Feedback). Der Patient nutzt dann diese Informationen, um seine physiologischen Funktionen zu verändern. Im Fall von Neurofeedback werden Gehirnwellen über Sensoren gemessen und dem Patienten als audio-visuelles Feedback zurückgemeldet.
Neurofeedback basiert auf dem Prinzip der operanten Konditionierung. Es gibt viele verschiedene Arten von Neurofeedback, aber alle haben gemeinsam, dass visuelle und/oder auditive Reize (Video, Musik usw.) als positive Verstärkung eingesetzt werden, wenn die Gehirnaktivität dem Trainingsziel entspricht. Der Entzug oder die Veränderung dieses Reizes wird als "negative Bestrafung" eingesetzt, um der Person mitzuteilen, dass ihre Gehirnfunktion vom Trainingsziel abweicht. Mit diesem Grundprinzip kann Neurofeedback bestimmte Gehirnströme sowohl anregen als auch abschwächen.
Die Geschichte des Neurofeedback ist eng mit der Geschichte des sensomotorischen Rhythmus verwoben, beginnend mit den Studien von Sterman et al. Diese Studie aus dem Jahr 1967 führte zur Entdeckung des sensomotorischen Rhythmus (SMR), eines Gehirnzustands, der nur in Zeiten der motorischen Stille auftritt. Dieses EEG-Muster ähnelte stark den im Schlaf beobachteten Schlafspindeln. In diesen Studien wurde auch festgestellt, dass Katzen diesen Rhythmus freiwillig herbeiführen konnten. Diese Katzen zeigten eine Zunahme der Dichte der Schlafspindeln und eine Verringerung der Schlafstadienübergänge und damit einen verlängerten Schlaf.
Seither konzentriert sich die Forschung zum Neurofeedback als Behandlung von Schlafstörungen häufig auf die Kontrolle des sensomotorischen Rhythmus. In einigen Studien wird die Hemmung höherer Frequenzen, z.B. hoher Beta-Frequenzen (20-35 Hz), zur Verringerung der Wachsamkeit eingesetzt, während in anderen Studien langsamere Frequenzen, von Delta- (weniger als 4 Hz) bis zu Alpha-Frequenzen (8-12 Hz), zur Förderung der Tiefenentspannung verstärkt werden.
SMR Neurofeedback im sensomotorischen Kortex verbessert die Schlafarchitektur, die subjektive Schlafqualität, die Schlafeffizienz, die Gesamtschlafzeit und die körperliche Lebensqualität. Nach nur wenigen Sitzungen war es in wissenschaftlichen Studien für Patienten möglich, SMR-Hirnwellen zu regulieren und somit Hyperarousal zu reduzieren.
Eine weitere Möglichkeit sind audiovisuelle Training Systeme (AVE). Diese dienen der Stimulation der Großhirnrinde mit Hilfe von Brillen und Kopfhörern, die so programmiert sind, dass sie visuelle und auditive Reize in Form von synchronen Lichtern und Hörimpulsen liefern. Die Stimuli sind konstant, wiederholen sich und werden mit einer vorgegebenen Frequenz abgegeben, um den Thalamus und den Neokortex zu erregen, wo die visuellen und auditiven Informationen verarbeitet werden. Es wird angenommen, dass diese Stimulation die neuronale Aktivität zwischen Thalamus und Neokortex synchronisiert und sich über thalamo-kortikal-thalamische Schaltkreise auf den Rest der Großhirnrinde ausbreitet. In Studien konnte gezeigt werden, dass bei täglichen 30-minütigen AVE-Session vor dem Schlafengehen über einen Zeitraum von einem Monat bei 63% von Studienteilnehmern die Diagnose einer Insomnie nicht mehr gegeben war. Es wurde eine signifikante Verbesserung der Tagesform und der Schlafqualität berichtet.
Somit ergeben sich durch die technologischen Fortschritte sinnvolle Ergänzungen zu den bisherigen therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten von Schlafstörungen.
Source: Lambert-Beaudet F, Journault WG, Rudziavic Provençal A, Bastien CH. Neurofeedback for insomnia: Current state of research. World J Psychiatry. 2021 Oct 19;11(10):897-914. doi: 10.5498/wjp.v11.i10.897. PMID: 34733650; PMCID: PMC8546766.