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In der Antike assen die Menschen selten Fleisch. Zu teuer. Fleisch war den Reichen vorbehalten. Das ist heute nicht anders. Während in armen Ländern wie Bangladesch oder Mosambik weniger als sieben Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr verspiesen werden, sind es in den USA und Australien über 100 Kilo.
Zu den frühen Vegetariern gehörten um 500 v. Chr. die Anhänger des Universalgelehrten Pythagoras: Sie hielten fleischlose Ernährung für gesünder und hilfreicher für die Askese. Doch erst 1801 wurde in London ein Vegetarier-Verein gegründet. Der irische Literaturnobelpreisträger (1925) George Bernard Shaw (1856–1950) schrieb: «Tiere sind meine Freunde, und ich esse meine Freunde nicht.»
Heute gehört fleischlose Ernährung in Industrieländern mehrheitlich zum Lifestyle einer jungen, gut ausgebildeten urbanen Gruppe, aber es ist noch zu früh, um auf einen weltweiten Trend zu schliessen. Der Westen ist nicht die Welt. Nicht alle auf diesem Planeten können sich den Luxus leisten, woke zu leben.
In den vergangenen Jahrzehnten konnten noch nie so viele Menschen einer extremen Armut entkommen. Aber die wollen endlich Fleisch essen. Auch wenn Corona vorübergehend Millionen wieder verarmen liess, wird der weltweite Fleischkonsum nach der Pandemie weiter steigen. Allein in den letzten 20 Jahren hat die Weltbevölkerung um rund 1,6 Milliarden zugenommen.
Es gibt viele nachvollziehbare Gründe, wieso jemand auf Fleisch verzichtet. Manchmal sind es ethische, religiöse, gesundheitliche, ökologische Bedenken oder das Tierwohl.
Da wir immer tiefer in unberührtes Tierreich vordringen, werden Zoonosen, also Übertragungen von Viren von Tier zu Mensch, häufiger auftreten und den Appetit auf Fleisch nicht gerade fördern.
Den Durchbruch für das «fleischlose Fleisch» werden nicht jene erzielen, die Eingänge von Fleischproduzenten blockieren, sondern die von Aktivisten wenig geschätzten Nahrungsmittelkonzerne, die in ihren Labors Fleisch aus Muskelzellen züchten. Stark im Kommen sind auch kreative Start-ups, die Planted Meat produzieren, also pflanzenbasierten Fleischersatz.
Am Ende entscheiden Geschmack, Preis, Marketing und Distributionskanäle über die Akzeptanz. Bis dann gilt: Essen und essen lassen.