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1929 trägt Camille Bloch sein Geschäft als Aktiengesellschaft im Berner Handelsregister ein. Er hat eine kaufmännische Lehre bei der Chocolat Tobler AG in Bern absolviert und wird später Handelsvertreter der Firma. Bereits 1926 gründet er die Firma «Chocolats et Bonbons fins Camille Bloch» und vertrieb unter diesem Namen erstmals eigene Schokolade.
Nachdem er vorher den Schokoladeteig jeweils eingekauft hatte, will Bloch die Verarbeitung nun bereits vom Stadium der Kakaobohne an selbst ausführen. Um die Bohnen zu rösten, zu mahlen und zu mischen, braucht er mehr Maschinen – und natürlich mehr Platz. Aufgrund der wirtschaftlichen Krise schaut sich Camille Bloch nach einem neuen Standort um. Er kauft 1934 die Räumlichkeiten einer verlassenen Papierfabrik in Courtelary im Berner Jura.
1935 tritt Camille Bloch neu unter dem Namen «Chocolats Camille Bloch SA» auf. Im März beginnt seine Schokoladefabrik mit der Produktion. Am Anfang arbeiten acht Personen im Betrieb, Ende Jahr sind es bereits 36 Mitarbeitende.
Als der zweite Weltkrieg ausbricht, sind zahlreiche europäische Häfen und Verkehrswege blockiert, Kakao und Zucker werden Mangelware. Die Schokoladefabrikanten einigen sich darauf, ihren Kakaobedarf zu senken – das Produktionsvolumen wollen sie aber dennoch nicht verringern. So entwickelt jeder Hersteller seine eigene Methode, um die Schokolademasse zu strecken. Zum Beispiel mit Nüssen, Feigen oder Datteln.
Die Chocolats Camille Bloch SA umgeht den Kakaomangel mit einer besonders eleganten Lösung: Sie verarbeitet gemahlene, aus der Türkei importierte Haselnüsse zu einem Teig, der genau wie Schokolade weiterverarbeitet werden kann. Dieser Masse werden ganze Haselnüsse beigegeben, die Platten mit einer dünnen Schokoladeschicht überzogen und in Riegel zu 50 Gramm geschnitten. Ragusa ist 1942 geboren.
Als der Krieg 1946 vorbei ist, nehmen die Exporte wieder zu. Schokolade entwickelt sich weg vom Luxus- hin zu einem Massenkonsumgut. Chocolats Camille Bloch SA schliesst sich dem Kartell der Convention Chocolatière an. Das Unternehmen zählt 51 Mitarbeitende.
Eine Entwicklung revolutioniert 1948 die Branche: Neue Maschinen erlauben es, serienmässig Schokoladetafeln mit einer Füllmasse herzustellen. Dabei steht der Gedanke im Vordergrund, die Schokolade mit einem qualitativ hoch stehenden Intérieur zu füllen. Camille Bloch gehört zu den Ersten, die eine Praliné-Spezialität hervorbringen: Torino.
Die Fabrik wird 1949 mit einer Maschine zur Verpackung von Ragusa-Riegeln ausgestattet. Diese kann von drei Arbeiterinnen bedient werden.
In den Nachkriegsjahren schaltet die Chocolats Camille Bloch SA zahlreiche Werbekampagnen in Schweizer Zeitungen. Die Illustrationen zeigen schweizerische Sujets wie zum Beispiel das Matterhorn, aber auch elegante Damen und natürlich Kinder. Der Slogan «einfach herrlich» wirbt für Ragusa. Ein Riegel kostet 45 Rappen.
1955 kommt die Kirschschokolade auf – eine der späteren grossen Spezialitäten der Chocolats Camille Bloch SA. Alle bisherigen Konkurrenzprodukte haben eine Zuckerkruste, die den Alkohol in der Schokolade einschliesst. Dank eines ausgeklügelten technischen Verfahrens kann die Kirschschokolade der Chocolats Camille Bloch SA ohne Zuckerkruste hergestellt werden, was sie zu diesem Zeitpunkt einzigartig macht.
Ragusa und Torino verkaufen sich nach wie vor gut, die Produkte haben einen Namen. Aber was ist mit der Marke Camille Bloch? 1957 werden die Mitarbeitenden in einem Wettbewerb dazu aufgefordert, ein Firmenlogo zu entwerfen. Schliesslich kreiert eine Werbeagentur das Lippenlogo, bestehend aus den Buchstaben CB.
Es zeichnet sich schon seit mehreren Jahren ab: Der Raum in den Fabrikgebäuden wird knapp. Soll Chocolats Camille Bloch SA in Courtelary bleiben oder wegziehen? Die Firma entscheidet sich, zu bleiben und beginnt Ende 1961 mit dem Bau der Fabrikerweiterung. Eine lohnende Investition: Die grösseren Räume erlauben nun eine logischere Anordnung des Fertigungsweges, was die Produktivität steigert.
Die Chocolats Camille Bloch SA lanciert den ersten Fernsehspot. Fachzeitschriften kündigen ihn gross an. Jahre später stellt sich heraus, dass das Fernsehen für Chocolats Camille Bloch SA das einzige Massenmedium darstellt, das es dem Unternehmen erlaubt, bei seinen Konsumenten für Aufmerksamkeit zu sorgen.
Der Gründer Camille Bloch verstirbt am 8. Dezember 1970 in Bern. Aus einem kleinen Schokoladehersteller war während vier Jahrzehnten der fünftgrösste der Branche geworden. Camille Bloch hatte ein Jahr vor seinem Tod die operative Verantwortung abgegeben. Der ältere Sohn Rolf Bloch übernimmt zusammen mit dem technischen Direktor André Weil die Gesamtleitung des Unternehmens.
Der Ab- und Umsatz der Unternehmung nimmt laufend zu – die Kapazität des Betriebs muss erhöht werden. Ein Zuckersilo mit 1'400 Tonnen Fassungsvermögen wird an das Hauptgebäude angebaut. Und im darauf folgenden Jahr eine neue Conchieranlage in Betrieb genommen, was die Kapazität in der Ragusa- und Torino-Produktion weiter steigert.
Stéphane Bloch, Rolf Blochs jüngerer Sohn, tritt 1992 ins Unternehmen ein. Er hatte eine kaufmännische Lehre bei einer Werbeagentur in Bern absolviert und arbeitete darauf bei verschiedenen Unternehmen und Agenturen. Sein Vater bietet ihm den Posten des Marketingleiters an. Die Ausbildung dazu schliesst er am Institut für Unternehmensführung der Universität Bern 1997 ab.
Zwei Jahre später tritt der ältere Sohn Daniel Bloch ins Unternehmen ein. Er studierte zwar wie sein Vater Jurisprudenz, sah seine Zukunft aber schon immer im Familienunternehmen. Nach einem Aufenthalt in den USA wird er fürs Unternehmen tätig. Er kümmert sich um die Einführung eines Qualitätskontrollsystems, befasst sich mit dem amerikanischen Markt und analysiert die Geschäftsabläufe der Firma. Nach einem Aufenthalt in Paris und dem Erwerb des MBA übernimmt Daniel Bloch 1997 die operative Leitung.
2000 wird ein neuer Röstsaal eingerichtet. Der Markt ist jedoch gesättigt, die Konkurrenz wird immer mächtiger und das Wachstum im Ausland birgt Risiken. Die Chocolats Camille Bloch SA zählt nach wie vor auf seine Marken – Ragusa, Torino, aber auch auf die Dachmarke. Zum 75. Geburtstag führt das Unternehmen 2003 ein neues Logo ein.
2005 lanciert das Unternehmen die neue Produktlinie «Mousse». Die Chocolats Camille Bloch SA generiert mit 175 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Jahresumsatz von über 50 Millionen Franken und produziert täglich mehr als 12 Tonnen feinste Schweizer Schokolade. Rolf Bloch zieht sich aus dem Geschäft zurück.
2008 lanciert Camille Bloch «Ragusa NOIR». Das Familienunternehmen spricht mit diesem neuen Produkt speziell Geniesser an, die eine Schokolade mit kräftigerer Kakao-Note bevorzugen. Ragusa ist eine der bekanntesten Schweizer Schokoladen und gehört zu den 20 stärksten Marken der Schweiz.
Im Oktober 2017 weiht Camille Bloch das neuen Produktions- und Logistiflächen sowie den Neubau mit Büroräumlichkeiten und das neue Besucherzentrum CHEZ Camille Bloch ein.
Quelle: Camille Bloch
CHEZ Camille Bloch
Courtelary