Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03195.jsonl.gz/404

Wenn die USA unter ihrem neuen Präsidenten Ernst machen, dann könnte die Schweiz bald keine Steueroase mehr sein. Joe Biden will nämlich, dass die Multis dort ihre Steuern zahlen, wo sie produzieren und arbeiten.
Das Thema nimmt rasch Fahrt auf. Gestern sagte Finanzminister Ueli Maurer, die Schweiz könne auch unter dem Biden-Regime florieren.
Ob dem so wäre, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Es gibt Multis aus den USA und von anderswo, die enorme Gelder in der Alpenrepublik bunkern, ohne hier mehr als ein Büro zu haben.
Der Fall von Walmart, dem US-Retail-Riesen, ist exemplarisch, wie schon die Schaffhauser AZ in einer cleveren Reportage vor ein paar Jahren aufgezeigt hatte.
Die Schweizer Tochter der grossen Walmart, die Wal-Mart Holding International Ltd., hat in der nördlichen Grenzstadt am Rhein ihr Büro in einer kleinen Gasse, mitten in der Altstadt.
Von aussen deutet nichts darauf hin, dass im etwas heruntergekommenen Gebäude in einer dunklen Strasse eine der grössten Firmen der Welt einen wichtigen Ableger hat. Einzig am geteilten Briefkasten findet man einen Hinweis.
Gegründet wurde die Wal-Mart Holding vor knapp 20 Jahren als eine „Tochter der international tätigen Wal-Mart Stores, Inc., mit Sitz in Wilmington, Delaware, USA“. Aktienkapital bei der Gründung im Dezember 2002: 100’000 Franken.
Schon wenig später schoss dieser Posten in die Höhe. Und wie: Per 13. Januar 2003 betrug das neue Aktienkapital 2’312’564’749 Franken, also 2,3 Milliarden (!) Franken. „Qualifizierte Tatbestände neu: Sacheinlage“, steht im Handelsregister.
Es wurden 12 Milliarden „Darlehensforderungen“ und 3,5 Milliarden „Zinsforderungen“ eingebracht, total gut 15 Milliarden.
Die schwindelerregenden Summen blieben lange in der Bilanz. Ende 2011 kam es unter der Oberaufsicht der späteren Nestlé-Spitzenfrau Wan Ling Martello zu einer Fusion, bei der die Wal-Mart Holding in Schaffhausen Aktien einer Broadstreet Holdings Ltd. Liab. Co über 17 Milliarden und Schulden über 2,9 Milliarden übernahm.
Dann, im 2014, krachten die gigantischen Beträge plötzlich zusammen. „Aktienkapital neu: CHF 811’245’453.00 (bisher: 2’530’571’252.00)“, meldete die Firma im November 2014.
Es gehe um die „Beseitigung einer Unterbilanz“, weiter würden Namenaktien „vernichtet“, dabei gäbe es eine „entsprechende Herabsetzung von CHF 761’360’00000“, welche „zur Rückzahlung an die Aktionäre verwendet“ würde.
Im Juli schien dann das Spiel wieder von vorne zu beginnen. Nach einer Kapitalerhöhung auf gut 551 Millionen Franken wurden im Rahmen einer „Umwandlung“ in eine GmbH „Aktiven von CHF 21’677’040’840 und Fremdkapital von CHF 18’466’214’391“ ausgewiesen.
Also fast 22 Milliarden auf der linken, der Aktivseite, und über 18 Milliarden auf der rechten, wo die Passiven, sprich Schulden, stehen. Die Differenz von gut 3 Milliarden entspricht dem eigenen Kapital, sprich der Substanz.
Dies in einer GmbH nach Schweizer Recht, wo im Normalfall nicht viel mehr als 20’000 Franken als Kapital liegen.
Die eindrücklichen Summen, wiederholten Aufblähungen durch „Sacheinlagen“ und Kapital-Reduktionen durch „Rückzahlungen“ an den Mutterkonzern lassen auf einen riesigen Durchlauferhitzer schliessen.
Das passt zum unscheinbaren Büro in der Munot-Stadt. Wie viel die Wal-Mart-Tochter dort in ihren fast zwei Jahrzehnten an Steuern abgeliefert hat, ist nicht bekannt. Auf Anfragen reagierte niemand.