Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03147.jsonl.gz/682

Sieden mit Wasser alle nährenden Bestandteile entzogen werden; diese Flüssigkeit wird dann bis zur Extraktdicke eingedampft
und hierauf mit feinem Weizenmehl zu einem Teige angerührt, der in Form von Biskuits geschnitten und leicht gebacken wird.
- Zoll s. Tarif Nr. 25 g 1.
In dem Handel mit F. wird viel Betrug durch Verfälschung der
Essenzen getrieben,
namentlich wird das sehr viel wohlfeilere
Terpentinöl zur Verfälschung gebraucht, und es ist nachgewiesen, daß z. B. unter
den von Italien und Sizilien aus in den Handel kommenden
Essenzen nur der dritte Teil rein ist, die zwei anderen Drittel aber
durch verschiedene assimilierbare Surrogate hergestellt werden. Es ist aber bisher noch nicht gelungen,
ein chemisches Verfahren zu finden, durch welches fremdartige Bestandteile in den
Essenzen nachgewiesen werden können.
Der einzige Schutz dagegen ist, mit als gut bekannten Firmen in Verbindung zu treten und hohe Preise anzulegen, da die teueren
Sorten meist rein sind. Deutschland und Frankreich beziehen beste italienische und sizilianische Sorten,
während England und Amerika geringere, also verfälschte Sorten abnehmen und dafür natürlich nur kleine Preise geben.
Einer der bedeutendsten Fabrikationsorte für F. ist Messina, das jährlich etwa 150000 kg Zitronenessenz, 60000 kg Bergamottessenz
und 30000 kg Orangenessenz im Gesamtwerte von 5½-6 Mill. Lire ausführt. - Zoll s.
Tarif Nr. 5 a.
Die sogen. englischen G., Tüllgardinen, werden in neuerer Zeit in derselben
Güte und zu demselben Preise in großen Mengen auch im sächsischen Vogtlande, namentlich in Plauen, Auerbach, Falkenstein,
Ölsnitz u. s. w. hergestellt und haben die englische Ware stark vom
deutschen Markte verdrängt. Das Garn zu diesen G.n muß allerdings von England bezogen werden, da die Versuche mit deutschem
Fabrikat überall mißglückt sind, auch werden vielfach rohe G. von England bezogen, die dann im Vogtlande appretiert werden.
- Zoll: Baumwollene Tüllgardinen s. Tarif Nr. 2 d 4 und 5.
kommt von einer in Mittelamerika heimischen Agavenpflanze und bildet einen Haupthandelsartikel
mittelamerikanischer Staaten, namentlich Yucatans, welches im Jahre 1880 für 1,8 Mill. Doll. und 1881 für
2,8 Mill.
Doll. H. ausführte. Hauptabnehmer ist Newyork. Deutschland bezieht über Hamburg geringe
Mengen. Die H. kommt in Ballen von 175 bis 300 kg in den Handel; ihre Verwendung ist wie die desAloëhanfes
(s. d.), doch ist die H. wohlfeiler, hält sich in kaltem Klima biegsamer und
liefert bei gleichem Gewichte ein längeres Kabel als
Aloë- oder
Manilahanf. Aus dem Hafen Progreso (Yucatan) gehen auch aus
H. gearbeitete Stricke, Säcke, Fäden u. s. w. nach Havana und einigen mexikanischen Häfen.
- Zoll s.
Aloëhanf, S. 12.
eine venezuelanische Baumwollensorte, die über Hamburg in den Handel kommt und nach 100 Pfd.
spanisch notiert wird. I. kommt ebenso wie eine andere Sorte,
Valles genannt, über Puerto Cabello nach Hamburg. - Zoll s.
Baumwolle, S. 39.
Neuester Zeit ist in Ungarn ein Verfahren patentiert worden, nach welchem die sonst so spröde und ungefügige
Faser der J. derartig verändert und verfeinert werden soll, daß sie ein der Schafwolle ähnliches, feines, besonders starkes
und dauerhaftes Material liefert, welches sich schön und gut färben läßt und an Tragfähigkeit und
Stärke nur von Leinen übertroffen werden soll. Das Verfahren soll sehr billig sein, während der Wert der J. um das
Fünffache dadurch erhöht wird. (Vergl.
Baggings) - Zoll s. S. 234.
Trotz der großartigen Ausdehnung, welche die Produktion von K. zur Zeit gewonnen hat, genügt dieselbe dem
Verbrauch nur gerade, und aus den nachfolgenden Tabellen erhellt, daß von einer Überproduktion in K. nicht
die Rede sein kann, doch hält die Produktion mit der stetigen Zunahme des Konsums gleichen Schritt.
Export aus den Produktionsländern in 1881/82:
Tonnen
Sack (à 60 kg)
Brasilien
344500
5741666
Mittelamerika
111500
1858330
Holländisch-Indien
96000
1600000
Ceylon
25000
416666
Britisch-Indien
18000
300000
Manila
5000
83333
Afrika einschließlich Mokka
8500
141666
Insgesamt
608500
10141661
¶
mehr
Verbrauch in 1881/82:
Vereinigte Staaten einschließlich Kanada und
Tonnen
Sack
Pacific-Küste
200000
3333333
Deutschland
106500
1775900
Frankreich
65000
1083333
Österreich-Ungarn
40000
666666
Belgien und Holland
50000
833333
Norwegen, Schweden und Dänemark
32500
541666
Rußland und Polen
8750
145833
Schweiz
9500
158333
England
14750
245833
Italien, Spanien und Portugal
20000
333333
Türkei, Rumänien und Levante
30000
500000
Tunis, Algier und übr. Nordafrika
10000
166666
Cap, La Plata und Australien
15000
250000
Insgesamt
602000
10034229
Nach Prozenten ausgedrückt führten in dem Jahre 1881/82 ein:
Vereinigte Staaten einschließlich Kanada und Pacific-Küste
33,3%
Deutschland
17,7"
Frankreich
10,8"
Österreich-Ungarn
6,7 "
Belgien und Holland
8,3 "
Skandinavien
5,4 "
Türkei, Rumänien und Levante
5,0 "
Italien, Spanien und Portugal
3,3 "
England
2,4 "
Schweiz
1,6 "
Nordafrika
1,6 "
Rußland
1,4 "
An der Ausfuhr beteiligten sich in demselben Jahre (ebenfalls in Prozenten ausgedrückt):
Brasilien
57,0 %
Mittelamerika
18,4 "
Holländisch-Indien
15,6 "
Ceylon
4,0 "
Britisch-Indien
3,0 "
Afrika einschließlich Mokka
1,3 "
Manila
0,7 "
Es sei hierbei bemerkt, daß gerade in dem Jahre, nach dessen Ergebnissen die obigen Berechnungen aufgestellt sind, also
1882, die Kaffeepreise seit 25 Jahren die niedrigsten waren und am Ende dieses Jahres den tiefsten Stand
während seiner Dauer erreicht hatten, von da ab jedoch wieder sich erholten.
Die Verfälschungen des K.s sind zahlreich und treten sowohl bei den grünen Bohnen, als bei den gerösteten und namentlich
bei den gemahlenen Sorten auf. Für das Auffärben grüner Bohnen, um geringeren Sorten derselben das Ansehen besserer Qualität
zu verleihen, gibt es in manchen Seestädten mit Kaffeeeinfuhr sogar große Fabriken. Diese künstlich gefärbte Ware kommt
zum Teil, wo es der Händler reell mit seiner Kundschaft nimmt, als gestrichener oder Fabrikskaffee in den Handel.
Erkennungszeichen für diese Sorte ist, daß die Bohnen beim
Reiben zwischen den Händen abfärben. Gebrannter
K. wird häufig durch Untermengen des Abfalles und schlechter Bohnen verfälscht. Am meisten ist aber der namentlich im Detailhandel
vertriebene gemahlene K. schlechten Künsten ausgesetzt, und die billigeren Sorten vorzugsweise werden durch allerlei Zusätze
verfälscht. Das Pariser Munizipallaboratorium fand bei der Untersuchung von 91 Kaffeesorten nur 13 als reinen K. Die
teueren Sorten wiesen größere oder geringere Zusätze von Zichorie auf (und selbst diese nicht einmal rein, sondern zum
Teil auch verfälscht), die geringeren aber enthielten merkwürdige Substanzen, wie Sägespäne, rote Erde, Mehl, Kaffeesatz,
gebrannten Zucker, Talk, Bleistaub, Nudeln- und Sagopulver, Bohnenstaub, Erbsen, Lupinen, Brotkrusten, Eicheln, gedörrte Feigen,
Rüben, Karotten, Ziegelstaub, Asche, Sand u. s. w. u. s. w.
Diese Verfälschungen sind um so schlimmer, als sie meist die ärmeren Klassen treffen.
Man soll daher nur in ganz reellen Handlungen gemahlenen K. kaufen oder besser noch stets nur grünen, da es nur chemischer
Analyse möglich ist, diese geschickt verborgenen Fälschungen festzustellen. Neuerer Zeit kommt von
Kassel aus komprimierter K. in den Handel. Derselbe wird gebrannt, gemahlen und dann einem Drucke von 40 bis 70 Atmosphären
ausgesetzt, nachdem er in fein polierte Metallformen gebracht ist, die mittels eines Deckels geschlossen sind. Hierdurch
werden tafelförmige Kaffeeplatten hergestellt, deren harte und glatte Kruste das Entweichen der ätherischen
Öle aus dem Innern der Tafeln verhindert. Das Volumen des K.s wird durch das Pressen auf etwa ein Drittel vermindert
und der K. soll an Güte nichts verlieren. Die Tafeln werden in Stanniol oder Ölpapier verpackt aufbewahrt und sollen sich
lange Zeit gut halten. - Zoll s. S. 239.