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Bärnermeitschi und Bond-Girl
Die Szene wird kaum jemand vergessen: Den türkisblauen Fluten der Karibik entsteigt eine blonde Göttin wie weiland Aphrodite. Am Strand zieht sie die Taucherbrille aus den nassen Haaren, trällert ein Liedchen und begutachtret die erbeuteten rosa Muscheln. An ihrem makellosen, athleltisch schlanken Körper trägt sie nichts als einen weissen Bikini, so umfangreich, dass ihn heute keine junge Frau mehr anziehen würde. Im Gürtel steckt ein handliches Messer. Erschrocken zieht sie es, als sich ihr der junge Sean Connery alias Bond, James Bond, nähert, im hellblauen Polo-Leibchen und hellblauen Hosen, einem Outfit, das Sir Sean heute kaum mehr in der Öffentlichkeit tragen würde.
Mit diesem Auftritt auf einer Karibik-Insel betrat die Muscheltaucherin Honey Ryder alias Ursula Andress die Hall of Fame der Film-Ikonen und Sex-Symbole.
Es war 1962, der erste Bond-Film hiess «James Bond jagt Dr. No», und das erste Bond-Girl hiess Ursula Andress. Ein Bärnermeitschi aus Ostermundigen, damals 26 Jahre alt. 1964 bekam sie für diese Rolle einen «Golden Globe» als beste Nachwuchsdarstellerin.
Aus Grossvaters Gärtnerei nach Hollywood
Ursula Andress wuchs mit mehreren Geschwistern in Ostermundigen auf. Ihr Vater war ein deutscher Diplomat namens Andress, der angeblich aus der Schweiz ausgewiesen oder aus anderen Gründen aus seiner Familie verschwand. Der Grossvater, Besitzer eines Gärtnereibetriebs, kümmerte sich um Tochter und Enkelkinder. Der Preis dafür war harte tägliche Mitarbeit. Ursula Adress soll einmal gesagt haben, diese Schwerarbeit habe sie Disziplin gelehrt.
Bald nach den obligatorischen Schuljahren zog es die junge Bernerin nach Paris und Rom, wo sie Kurse besuchte und als Modell für Künstler und Fotografen arbeitete. Es kamen erste Filmrollen, bald landete sie in Hollywood. Sie war eng mit James Dean befreundet, den sie am Vormittag vor seiner vermutlich selbstmörderischen Autofahrt zum letzten Mal sah. Ursula Andress heiratete John Derek, der sie unter anderem 1965 für den «Playboy» fotografierte. Die Ehe zerbrach 1966.
Nun folgte eine achtjährige Beziehung mit dem französischen Filmstar Jean-Paul Belmondo, mit dem sie auch einen Film drehte. In zahlreichen Rollen zeigte sie so viel Haut, dass Kritiker sie bald als «Ursula Undressed» hänselten. Statt für den Film drehte Ursula Andress später vermehrt für Fernsehproduktionen, sehr häufig mit dem Schauspeler Harry Hamlin. 1980, mit 44 Jahren, gebar sie in Los Angeles ihren Sohn Dimitri Alexander Hamlin, Sohn ihres zwölf Jahre jüngeren Co-Stars. Auch Dimitri, der einen Philosophie-Abschluss der Elite-Universität Princeton besitzen soll, wurde Schauspieler.
Bewunderung für Schweizer Schauspieler
Doch es gab neben allen internationalen Rollen auch einen Schweizer Film. 1988 drehten Peter Stierlin und Walo Deuber in Co-Regie für Condor-Films im Schloss Teufen «Klassezämekunft». Mit Ursula Andress und mit der Elite der Schweizer Schauspielkunst: Lukas Ammann, Anne-Marie Blanc, Inigo Gallo, Stephanie Glaser, Paul Hubschmid, Eva Langraf, Hannes Schmidhauser, Peter W. Staub, Ruedi Walter.
Deuber erinnert sich noch gut an «Ursi»: «Sie war einfach und nett. Die anderen behandelten sie neidlos als Star, aber sie entwickelte niemals Star-Allüren.» Sie nahmen es ihr auch nicht übel, dass sie mehr Gage erhielt, obwohl sie, nachdem ihr Agent in Rom eine Summe genannt hatte, kühl erklärte, die Hälfte sei auch genug.
Die beiden Regisseure stellten die berühmte Szene aus dem ersten Bond-Film nach, indem sie Ursula Andress in ähnlicher Pose dem Schwimmbad des Schlosses entsteigen liessen, diesmal allerdings im schwarzen Einteiler.
War sie nicht dran, stand Ursula Andress im Bademantel in den Kulissen des Schlosses, beobachtete die Szenen ihrer Kollegen und sagte immer wieder: «Das si de Schouspiler!» Sie bewunderte die grossen alten Schweizer Mimen rückhaltlos und sagte es ihnen auch.
Ganz zum Schluss gab es doch noch etwas Glamour. Die beiden Regisseure fuhren zur Premiere mit Ursula Andress in einem Rolls-Royce vor dem Zürcher «Corso» vor.
Siehe auch "Historisches Bild" auf der Homepage www.journal21.ch