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Eine Aufgabe des virtuellen Zählers ist es, Informationen über die Schwankungen der Zusammensetzung des Strommixes zu liefern, der in der Schweiz verbraucht wird. ©Bild: Unige/Elliot Romano
In Europa gehen 25 % der Treibhausgasemissionen (THG) auf den Stromsektor zurück. In der Schweiz wird der Strom vorwiegend von Atomkraftwerken oder Wasserkraftwerken produziert, hier ist der Stromsektor für weniger als 2 % der Emissionen verantwortlich. Ein Grossteil dieses Stroms wird allerdings in die Nachbarländer exportiert, vor allem im Sommer, wenn es in der Schweiz einen Stromüberschuss gibt. Um ihren Bedarf zu decken, stützt sich die Schweiz auf einen Mix aus einheimischer und importierter Energie. Letztere macht ungefähr 11 % des Jahresverbrauchs aus, wobei dieser Anteil im Winter deutlich höher liegen kann. Neben dem Strom aus französischen Atomkraftwerken wird auch Strom in die Schweiz importiert und hier verbraucht, der in fossil-thermischen Kraftwerken (Gas, Kohle) mit hohen Treibhausgasemissionen erzeugt wird.
Importstrom sehr CO2-lastig
„Die Messung von CO2-Emissionen des Stromsektors wird im Allgemeinen nach der Produktion errechnet: Man ordnet die Emissionen der geografischen Zone zu, in der sie entstehen. Dieser Ansatz spiegelt allerdings nicht die tatsächliche CO2-Belastung des Stromverbrauchs eines Landes wider, da er die Emissionen des importierten Stroms, der im Fall der Schweiz sehr CO2-lastig ist, nicht berücksichtigt“, erklärt Elliot Romano, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bereichs F.-A. Forel Umwelt- und Wasserforschung an der Universität Genf.
Eine interaktive Plattform für alle
Um dies zu ändern, hat die Universität Genf 2018 eine neue Methode zur Berechnung der CO2-Emissionen entwickelt. Sie berücksichtigt nicht nur die heimische Stromerzeugung, den Stromimport, den Verbrauch der Einwohnerinnen und Einwohner und die Arten der Stromerzeugung, sondern auch die unterschiedliche Zusammensetzung des Strommixes je nach Tages- und Jahreszeit. Nach dieser Methode schätzen die Forschenden, dass der CO2-Fussabdruck des Schweizer Stromverbrauchs im Jahresmittel tatsächlich 5 Mal höher liegt, als er nach der Produktionsmethode errechnet wurde (bis zu 161g/kWh CO2 gegenüber 29.6g de CO2/kWh im Jahr 2017).
Stündlichen und täglichen Schwankungen des Schweizer Strommixes
Auf der Grundlage ihrer neuen Methode hat die Universität Genf nun ein neues Online-Tool entwickelt, mit dem die stündlichen und täglichen Schwankungen des Schweizer Strommixes verfolgt werden können. Das Tool liefert Informationen über die Zusammensetzung des Strommixes – Herkunft des importierten Stroms, Arten der erneuerbaren Energien oder der nicht genutzten Energien – sowie über den CO2-Fussabdruck der Produktion und des Verbrauchs dieses Stroms. Mit einem zweiten Tool können die Treibhausgasemissionen bestimmter Elektrogeräte (Kühlschrank, Computer, Spülmaschine) bewertet werden. Auch der eigene Stromverbrauch kann bewertet werden, dazu müssen persönliche Daten hochgeladen werden. Die beiden Tools befinden sich auf der Plattform ‚Horocarbon‘. Sie werden mit öffentlichen Daten des European Network of Transmission System Operators for Electricity (Entso-E), dem Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber, gespeist.
CO2-Emissionen variieren je nach Tageszeit
Nehmen wir den 6. Dezember 2022 als Beispiel. Um Mitternacht gab der Horocarbon-Zähler an, dass der Schweizer Strommix fast 50 % Importstrom enthielt. Diese Energie stammte zu 65 % aus Deutschland, zu 17 % aus Österreich, zu 18 % aus Italien. Der Grossteil dieses Stroms (49 %) wurde mit Gas hergestellt. Seine CO2-Belastung belief sich auf 275 g/kWh. Am selben Tag um die Mittagszeit war der Anteil von Importstrom am Mix null. Der Grossteil des verbrauchten Stroms kam aus nationalen Reserven. Die CO2-Belastung dieses Stroms betrug 39 g de CO2/kWh.
Bald in Echtzeit
Das Sichtbarmachen der Zeitpunkte, zu denen der Anteil der erneuerbaren Energien im Strommix am höchsten ist, kann ein Anreiz für die Konsumentinnen und Konsumenten sein, Strom genau zu diesen Zeitpunkten zu verbrauchen. Derzeit überträgt der virtuelle Zähler Informationen mit einer Zeitverzögerung von zwei Tagen. Zukünftig soll die Plattform zu einem Tool für das Echtzeit-Monitoring entwickelt werden.
Text: Universität Genf, Übersetzung: Suisse Eole