Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03604.jsonl.gz/196

Anders als ihr Name vermuten lässt, kommen Bantams ursprünglich aus Japan. Stammformen dieser Rasse, die im Übrigen keine Verzwergung einer Grossrasse ist, könnten jedoch durchaus im Gebiet «Bantam» auf Java vorgekommen sein. Schon Ende des 15. Jahrhunderts sollen die ersten Tiere nach England gelangt sein, wo sie bald viele Freunde für sich gewinnen konnten. Die Engländer trugen entscheidend zur heutigen Gesamterscheinung der Bantams bei.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Bantams nach Deutschland importiert. Und schon 1909 wurde der Sonderverein gegründet, der sich für die Verbreitung und Zucht der Rasse einsetzt. Der schwarze Farbenschlag war der erste und ist bis heute die am häufigsten verbreitete Farbe. Nicht lange nach der Gründung des Sondervereins wurden weitere Farbenschläge gezüchtet. Heute sind 17 Farbenschläge anerkannt. In der Schweiz werden Bantams, wie fast jede
andere Rasse auch, immer seltener. An der Klubschau 2018 in Geuensee LU waren rund 57 Tiere in neun Farbenschlägen zu sehen.
Runde Linienführung
Das wohl auffälligste Rassenmerkmal der Bantams ist die Schwanzpartie des Hahnes. Diese ist in der Rassegeflügelwelt einzigartig und soll möglichst rund ausfallen. Durch die langen und breiten Haupt- und Nebensicheln, welche halbkreisförmig sind, bildet sich der sogenannte Zirkelschlag. Die Steuerfedern sind ebenfalls sehr breit und leicht gefächert. Weitere Spezialitäten weist diese Rasse am Haupt auf. Der kleine, breite Kopf wird durch einen Rosenkamm geziert. Dieser soll in einer geraden Linie in einem Dorn auslaufen. Die grossen Ohrscheiben werden möglichst rund, rein weiss und von dickem Gewebe verlangt. Andersfarbige Einlagerungen werden mit Punkteabzug bestraft.
Generell sollten Bantams keine Ecken aufweisen. Die volle, gewölbte Brust, die Rücken- und natürlich auch die Schwanzpartie sind gut gerundet. Durch den schlanken Körper, den mittelhohen Stand und die hervortretende Brust wirken die Tiere sehr elegant und stolz.
Die schwarzen Bantams kommen dem Rassenideal am nächsten. Sie zeigen die beschriebenen Merkmale häufig in hervorragender Ausprägung. Auch die Gesperberten sind im heutigen Zuchtstand schon sehr weit. Dies könnte daran liegen, dass sich schwarze Tiere sehr gut mit den Gesperberten verpaaren lassen. Die Hähne sind dann oftmals etwas zu dunkel, die Hennen kann man jedoch in der F1 (erste Generation einer Nachzucht) schon wieder ausstellen. Ein Problem der Gesperberten liegt oft in der Sperberung der Sicheln. Meist ist die Zeichnung, gerade in den Hauptsicheln, schwammig oder nicht vorhanden. Zudem neigen die Hähne im frühen Alter dazu, einen braunen Anflug im Gefieder auszubilden.
Viele andere Farbenschläge zeigen bereits sehr gute Merkmale in Farbe und Zeichnung, können aber mit den formlichen Anforderungen, vor allem auch im Bereich des Schwanzgefieders, noch nicht mithalten. Die engagierten Züchter sind jedoch bestrebt, dieses im Verlaufe der Jahre zu ändern, und auf Grossschauen zeigen einige Züchter, dass dies auch möglich ist.
Gewicht Hahn: 600 Gramm
Gewicht Henne: 500 Gramm
Schalenfarbe: weiss bis cremefarbig
Bruteier-Mindestgewicht: 28 Gramm
Ringgrösse: Hahn 11, Henne 9
Brutfreudig und gute Flieger
Bantams sind sehr neugierige und aktive Zwerghühner. Trotz ihrer geringen Statur sollte die Unterbringung daher nicht zu klein bemessen sein. Untereinander sind die Tiere sehr friedlich. Dennoch sollte man gerade die Junghähne nicht bis ins Ausstellungsalter zusammenhalten, möchte man Hähne dieser Rasse mit reinweissen Ohrscheiben ausstellen. Durch kleine Machtkämpfe unter den Junghähnen kann es schnell passieren, dass kleine Verletzungen in den Ohrscheiben auftreten. Diese werden nach der Heilung nicht wieder weiss, sondern wie die übrige Gesichtsfarbe rot.
Bantams legen relativ gut. Die Hennen sind sehr brutfreudig und beginnen oft schon vor dem Erreichen des ersten Lebensjahres mit den ersten Brutversuchen. Die Glucken sind hervorragende Mütter und führen die Küken sehr sicher. Bereits nach ein bis zwei Wochen sucht die Henne mit ihren Küken in der Nacht erhöhte Schlafplätze auf. Die Tiere sind durch ihr geringes Gewicht relativ gute Flieger, was man auch beim Bau der Unterbringung beachten sollte. Auch die Maschenweite des Zaunes sollte so gewählt sein, dass ein Ausbrechen vermieden werden kann.
In der Aufzucht sind Bantams nicht schwieriger als andere Rassen. Meist bereits am 20. Tag schlüpfen die Küken aus den circa 28 Gramm schweren Eiern. Die von Beginn an aktiven Tiere müssen schon früh beschäftigt werden, da ihnen schnell langweilig wird und sie dann zum Federpicken neigen. Als Beschäftigung können Salat, verschiedene Gräser, Möhren und auch Styropor dienen. Jedoch sollten solche Beschäftigungsmöglichkeiten erst circa 14 Tage nach dem Schlupf angeboten werden, da die Küken sich erst an das Kükenfutter gewöhnen sollen.
Bantams sind mit wenigen Wochen schon fast vollständig befiedert und dürfen dann den aus- und einbruchsicheren Auslauf erkunden. Dort wachsen sie die nächsten sechs bis acht Monate zu ausstellungsreifen Hähnen und Hennen heran. Idealerweise separiert man die Hennen und Hähne mit sechs bis sieben Wochen und lässt sie getrennt aufwachsen. So haben die Hennen ihre Ruhe, und das Gefieder leidet nicht unter den frühen Gelüsten der Junghähne. Bei der Junghahnengruppe empfiehlt es sich zudem, einen Althahn mitlaufen zu lassen. Dieser sorgt für Schlichtung bei Machtkämpfen. Und so herrscht auch in der Hahnengruppe lange Ruhe bei den Urzwergen.