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Acht Kandidaten, fünf Minuten Redezeit, und ein auf Händen getragener Sieger: In London waren am Montag alle Blicke auf das Parlament gerichtet, wo am Nachmittag der neue «Speaker» des Parlaments gewählt wird.
Der als Favorit für das Amt des Parlamentspräsidenten gehandelte Lindsay Hoyle sagte in einem Interview mit der Zeitung «Sunday Times», er sehe die Aufgabe des Amtes vor allem in der Rolle eines «Schiedsrichters».
Er wolle die aufgeheizte Stimmung im Parlament beruhigen – vor allem während der nächsten Brexit-Debatten, sagte der 62-Jährige weiter. Vier Frauen und vier Männer haben sich für die Nachfolge von John Bercow zur Wahl gestellt.
Der 56-jährige Bercow hatte den Posten des Parlamentspräsidenten zehn Jahre inne, Hoyle war genauso lange dessen Stellvertreter. Im Gegensatz zum lebhaften und wortgewaltigen Bercow, der das Amt mit seinen durchdringenden «Order»-Rufen prägte, betonte Hoyle im Interview, dass «die Menschen sich nicht an den Schiedsrichter erinnern wollen, sondern an das Spiel».
Hoyles stärkste Konkurrentin ist die Labour-Abgeordnete Harriet Harman. Auch die ehemalige Justizministerin setzt auf einen besänftigenden Stil. «Wir müssen aufeinander hören, anstatt uns gegenseitig anzuschreien», sagte die 69-Jährige der «Sunday Times».
Um die Transparenz des Amtes zu gewährleisten, mussten die Kandidaten zuvor ihre Bewerbungen von mindestens drei Abgeordneten aus anderen politischen Lagern absegnen lassen. Am Montagnachmittag hat jeder der Bewerber fünf Minuten Zeit, um die Parlamentarier zu überzeugen.
Der neue Parlamentspräsident braucht die absolute Mehrheit, um ins Amt gewählt zu werden. Es kann zu mehreren Runden kommen. Die Kandidaten, die unter fünf Prozent der Stimmen erhalten, fallen aus dem Rennen raus, bis am Ende ein Sieger feststeht. Dieser wird dann – wortwörtlich – auf Händen von zwei Abgeordneten zu seinem Stuhl getragen.
Die Wahl des Parlamentspräsidenten erfolgt nach jeder Parlamentswahl oder nach dem Ausscheiden des Amtsträgers. Mit seinem eigenwilligen Stil stand Bercow mehr als drei Jahre lang im Zentrum der äusserst emotional geführten Parlamentsdebatten rund um den Brexit.
Seine legendär gewordenen «Order»-Rufe, mit denen er die Abgeordneten zur Ruhe ermahnte, hallten mehr als 14'000 Mal durch das Londoner Unterhaus. (aeg/sda/afp)
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