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Es treffe zwar zu, dass die bestehenden Aufträge für Thorp 2010 ausliefen. Dies sei indessen schon lange bekannt. Aber auch wenn sich die BNFL künftig geschäftlich mehr auf die Sanierung von Altanlagen als auf die Wiederaufarbeitung ausrichte, werde sie nicht nur alle bestehenden Verträge honorieren, sondern auch neue Kundenaufträge für die Zeit nach 2010 entgegennehmen, vorausgesetzt, die britische Regierung erteile ihre Zustimmung. Zudem werde die Stilllegungsbehörde (UK Nuclear Decommissioning Authority) auch noch ein Wort zu sagen haben. Diese neue Behörde wird gemäss Regierungsbeschluss 2005 ihre Arbeit aufnehmen, und es ist vorgesehen, dass sie an einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt Eigentümerin von Thorp wird.
Der Zeitungsartikel, der die Aufregung in den Medien auslöste, stand unter dem Titel "Sellafield-Abschaltung setzt dem nuklearen Traum ein Ende". Weitere Artikel gaben als Quelle Greenpeace an. Für Tim Yeo, Handels- und Industriesprecher der oppositionellen Konservativen Partei, sollte dies Grund genug sein, dass das für die BNFL zuständige Regierungsmitglied, Patricia Hewett, jetzt ihre Führungsaufgabe wahrnimmt. Eine zögerliche Haltung der Regierung würde nur der Kernindustrie Grossbritanniens Schaden zufügen. Eine Stellungnahme für die Beibehaltung des Standorts Sellafield sollte Hewett umso leichter fallen, als Premierminister Tony Blair sich bereits 1999 im Parlament deutlich für Thorp ausgesprochen habe. Blair habe damals besonders die Aufträge von zusammen GBP 12 Mrd. und die Sicherung von 6000 Arbeitsplätzen erwähnt.
Auch von unpolitischer Seite wird die Regierung aufgefordert, bald Entscheide zu treffen. Der unabhängige Environmental Council hat soeben im Rahmen einer Dialoggruppe einen Bericht über die Nutzung der nationalen Plutoniumvorräte vorgelegt. Er hält den Bau von Reaktoren, die zu 100% mit Mischoxid-Brennstoff betrieben werden, für machbar und empfehlenswert und verweist namentlich auf den AP1000. Diesen Reaktortyp entwickelte die zur BNFL-Gruppe gehörende Westinghouse in den USA. Bereits vor einem Monat rief die britische Ingenieurgesellschaft ICE (UK Institution of Civil Engineers) die Regierung auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen, damit das Land nicht in eine Stromversorgungskrise gerate. In ihrem jährlichen State of the Nation Report stellt die ICE mit Besorgnis auf fast allen Gebieten eine Verschlechterung der nationalen Infrastruktur fest. Sie verlangt daher eine aktive staatliche Förderung nachhaltiger Lösungen besonders bei der Stromerzeugung und schlägt eine Mischung vor, die Wind-, Wellen- und Kernenergie umfasst. Die ICE warnt, dass auf Grund der Luftreinhaltevorschriften ab 2016 Kohlekraftwerke stillzulegen seien und von 2020 an nur noch ein Kernkraftwerk in Betrieb stehen werde, wenn die Regierung Entscheide auf dem Nukleargebiet weiter vor sich her schiebe. Die Politik, sich auf das Gas zu verlassen, bringe die Versorgung ab 2020 in eine 90-prozentige Importabhängigkeit. Wenn die Regierung sage, für Investitionsentscheide sei die BNFL selber zuständig, blende sie aus, dass dieses Unternehmen im Staatsbesitz stehe und somit Minister die wichtigen Entscheide träfen. Als Ausweg empfiehlt die ICE die Ernennung eines unabhängigen "obersten Ingenieurberaters" (Chief Engineering Advisor). Dieser gewährleiste eine koordinierte, langfristige und nachhaltige Planung von Infrastrukturen und entscheide nicht nach kurzfristigen politischen Überlegungen.
Quelle
P.B. nach NucNet, 27. und 29. August 2003