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Wir haben bereits über den Zusammenhang zwischen Regulierung und Risszahlen berichtet. Dies haben Wielgus et al. 2014 basierend auf einer grossen Datenmenge untersucht. Abbildung 1 fasst ihre Resultat nochmals kurz zusammen.
Abbildung 1: Grafik aus dem Paper von Wielgus et al. 2014. Die Kurve zeigt den Zusammenhang zwischen der Variablen „Anzahl geschossener Wölfe“ (x-Achse), und der Anzahl gerissener Schafe (y-Achse). Für den roten Ast der Parabel gilt: die Abschusszahl (A) ist kleiner als die Reproduktionszahl (R) der Wölfe. Je näher die Abschusszahl der Reproduktionszahl kommt, desto langsamer steigen die Risszahlen an. Dort, wo A=R gilt, also das Wachstum der Wolfspopulation gestoppt wird, steigen die Risszahlen nicht mehr weiter an. Hier ist der Wendepunkt. Im grünen Bereich der Kurve sinken die Risszahlen, denn es werden mehr Wölfe geschossen, als sie durch ihre Reproduktion nachliefern können, ihre Population sinkt.
Entfernung eines ganzen Rudels stoppt Risse am effektivsten
Eine weitere Studie aus den USA bestätigt diese Findings (Bradley et al. 2015). Ihre Resultate basieren ebenfalls auf einer grossen Datenmenge aus einem Zeitraum von 9 Jahren, wobei 967 Risse von 156 Wolfsrudeln untersucht wurden. Die Studie ermittelte folgendes: werden nur ein paar wenige Rudelmitglieder abgeschossen – bei dieser Studie waren es durchschnittlich 2.2 Wölfe/Rudel – so erzielt man im Vergleich zu keinem Abschuss nur einen kaum merklichen Unterschied bei den Risszahlen. Das leuchtet ein, denn die Reproduktionsrate der Wölfe beträgt ja einiges mehr als zwei Tiere.
Wurde jedoch ein ganzes Rudel entfernt, so traten in diesem Revier/Gebiet keine Risse mehr auf, und zwar für einen Zeitraum von rund 2 Jahren (im Median). So lange dauerte es, bis neue Wölfe das Gebiet wieder besetzten.
In den US-Studiengebieten dauerte die „Neubesetzung“ im Median also 2 Jahre. Solange blieb das Gebiet wolfsfrei, weswegen keine Risse mehr auftraten. In Graubünden dürfte es leider etwas anders aussehen. Denn bei der jetztigen rasanten Wolfsvermehrung bzw. grossen Wolfsdichte wird ein „attraktives“ wolfsfreies Gebiet – d.h., wo viele Haustiere leben – vermutlich schneller wieder von anderen Wölfen in Beschlag genommen.
Zwei unauffällige Rudel in Graubünden
Daher ist die Forderung des Bündner Bauernverbandes , nur noch zwei unauffällige Rudel im ganzen Kanton Graubünden zu dulden, nachvollziehbar und fair. Damit wäre die Wolfsdichte auf ein erträgliches Mass reduziert, und die inakzeptablen Tierquälereien würden endlich aufhören. Zudem gibt dies den Wölfen eine Chance. Wenn sie sich wie normale Wildtiere verhalten, das heisst, sich weder Mensch noch Haustier nähern, und nicht als Schmarotzer und Bedrohung auftreten, dann können sie einen Platz in unserem Lebensraum finden.
PS: Der Abschuss von ein paar Jungwölfen bringt also gemäss dieser Forschungsarbeiten so gut wie nichts. Und das zeigt sich auch in der Realität, wie u.a. die Ereignisse auf Alp Stutz belegen. Am 31.7.22 wurden in der Nähe der Alp zwei Jungwölfe des Beverinrudels geschossen. Doch schon wenige Tage später, am 3.8.22, war das Rudel wieder zurück, um weitere Schafe zu reissen.
Referenzen
Bradley, E., et al., (2015), Effects of Wolf Removal on Livestock Depredation Recurrence and Wolf Recovery in Montana, Idaho, and Wyoming, The Journal of Wildlife Management 79(8): 1337–1346.
Wielgus, R., et al., (2014), Effects of Wolf Mortality on Livestock Depredations, PloS ONE 9 (12).