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Einige Jahre lang ist es um den gebürtigen Brasilianer etwas ruhiger geworden. Seine grössten Erfolge feierte der 38-Jährige zu Beginn dieses Jahrzehnts, als er nach dem Rückzug von Markus Fuchs aus dem aktiven Sport die Pferde von dessen Besitzer Adolfo Juri zur Verfügung gestellt erhielt. Im vergangenen Jahr machte er nun wieder auf sich aufmerksam, als er mit dem Belgierhengst Inonstop van’t Voorhof den zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft der Hengste in Lanaken belegte. Mit ein Grund für die Nationenpreisaufgebote in Hickstead, Dublin und erstmals Spruce Meadows in Kanada.
«PferdeWoche»: Sozusagen «weg vom Fenster» und nun wieder zurück, was ist in der Zwischenzeit passiert?
Arthur da Silva: Die grössten Erfolge hatte ich unter anderem mit La Toya von Mäzen Adolfo Juri. Und zwar nach dem Rückzug von Markus Fuchs, bei dem ich ja schon vorher im Stall gearbeitet hatte und viel von ihm profitieren durfte.
Der 1,65 Meter grosse Arthur da Silva mit dem neunjährigen Belgierhengst Inonstop van’t Voorhof – Stockmass 1,80 Meter.
Dann kam der Moment, als sich Juri langsam zurückzog und ich später dann plötzlich ohne Spitzenpferde und Sponsoren dastand. Da musste ich mir Gedanken machen, wie weiter? Ich war in dieser «Zwischenzeit» wirklich nicht mehr auf der internationalen Bühne unterwegs. Ich habe mir dann eigene Pferde gekauft, war dazu viel in Belgien unterwegs und bin vor allem auch in den Handel eingestiegen. Mit den ersten eigenen Pferden klappte die Rückkehr in den Spitzensport jedoch noch nicht von Beginn an.
Sie pendeln nun zwischen Belgien, der Schweiz und den Turnieren hin und her?
Ja, ich habe mich wirklich in Belgien gut eingelebt und in Gruitrode einen Stalltrakt gemietet – in unmittelbarer Nachbarschaft zu Ludo Philippaerts oder Jos Lansink. Ich schätze die Infrastruktur, die Möglichkeiten und das «Pferdewesen» generell in diesem Land.
Sie wohnen aber noch immer im Thurgau?
Ja, in Langrickenbach mit meiner Frau und meinen beiden Söhnen.
Haben Ihre beiden Sprösslinge auch «pferdige» Ambitionen?
Beide sind geritten, haben das aber nicht weiter verfolgt. Luis ist nun 13 und macht die Sportschule als Tennisspieler und Andre ist zehn Jahre alt, macht Karate und hat schon den braunen Gurt. Ich denke, das ist ganz gut so, jeder soll seinen eigenen Weg gehen.
Sie haben mit Inonstop van’t Voorhof nun wieder ein verheissungsvolles Pferd in Ihrem Stall. Wie sind Sie auf diesen Vierbeiner gestossen?
Das ist eine lustige Geschichte. Ich erhielt von den Besitzern via Facebook eine Mitteilung, sie hätten einen jungen Hengst, der in einem gewissen Part die gleiche Abstammung wie La Toya hat. Er sei sensibel und ob ich – quasi als La-Toya-Kenner – Interesse hätte, den gekörten Hengst zu reiten. Ich sagte spontan zu, den Hengst einmal anzusehen. Ich dachte mir noch, wahrscheinlich im gleichen Typ wie La Toya, klein und schnell ...
Und wie war die erste Begegnung dann?
Ich bin erschrocken, er hat ein Stockmass von 1,80 Meter. Völlig anders, als erwartet. Die Besitzer um Myriam Huyghebaert sind ganz bescheidene Leute, haben ein kleines Sandviereck zu Hause. Ich bin dann aufgestiegen und musste feststellen, dass der Hengst eine fast unbändige Kraft entwickelt – ich konnte ihn kaum halten – und dressurmässig kaum gearbeitet wurde. Trotzdem fand ich die Herausforderung spannend und nahm ihn erst einmal mit nach Hause.
Sie konnten dann gleich einen grossen Erfolg feiern?
Ja, im Herbst 2016 bei den Weltmeisterschaften der jungen Sportpferde in Lanaken wurde ich mit ihm Zweiter in der Kategorie der Hengste («Sires of the world», Anm. der Red.).
Von da an hat es «Klick» gemacht?
Er ist ja noch jung. Ich bin dann im Frühjahr mit ihm in Spanien und Portugal in kleineren CSIs gestartet und da habe ich schon gemerkt, dass ich da etwas Spezielles unter dem Sattel habe.
Wie würden Sie Inonstop charakterisieren?
Er ist ein sehr vermögendes Pferd, aber vielleicht noch nicht ganz so schnell. Daran arbeiten wir und ich denke, für die Zukunft wird es immer besser.
Wie kam es zu den Aufgeboten für die Nationenpreise?
Ich habe mich bei Equipenchef Andy Kistler gemeldet und ihm gesagt, dass ich mit Inonstop wieder über ein adäquates Pferd verfüge und gerne einmal als sechster oder siebter Reiter an einem Nationenpreisturnier teilnehmen würde. Ich wusste, dass dies schwierig ist, zumal ich in diesem Jahr noch nicht einmal im Elitekader bin. Trotzdem wollte ich meine Ambitionen anmelden.
Wie ging es weiter?
Dann kam der Fünfstern-CSI in Ascona, da hatte ich einige tolle Runden und am Sonntagabend rief mich Andy Kistler an, ich dürfe als Ersatzreiter mit nach Hickstead. Anschliessend ebenso nach Dublin und dort wurde ich angefragt, ob ich nach Calgary fliegen wolle.
Und, gleich zugesagt?
Das war für mich schon eine Ehre und klar sagte ich gleich zu. Inonstop ist zwar noch jung, aber der Sache sicher gewachsen.
Sie sind das erste Mal in Calgary, was ist Ihr erster Eindruck von Spruce Meadows?
Ich bin sehr beeindruckt von der Infrastruktur, es ist alles wunderschön und gepflegt hier. Ich schwärme aber – wahrscheinlich altersbedingt – auch nicht mehr so überschwänglich wie früher. Da war man noch Feuer und Flamme und voller Ehrfurcht für ein solches Turnier. Man wird schon ein bisschen cooler mit der Zeit.
Und wie sind Sie mit Ihren Ritten zufrieden?
In der 150er-Prüfung zum «Aufwärmen» hatte ich ein Refus an der zweifachen Kombination, ansonsten klappte alles prima. Inonstop war entgegen meinen Erwartungen schon etwas beeindruckt vom Platz und den Hindernissen. Ebenso im Nationenpreis. Aber ich hatte ein gutes Gefühl und bis auf den Zeitfehler ist alles super gelaufen. Ich bin mega zufrieden. Die mächtigen Hindernisse kommen dem Hengst vielleicht sogar etwas entgegen. Vermögen hat er genug. Es ist eigentlich wahnsinnig, dass ich es mit ihm vom Zweisternlevel bis hier in die höchste Kategorie innerhalb von nur knapp einem Jahr geschafft habe.
Wie sieht die nähere Zukunft aus – eine Rückkehr ins Elitekader?
Klar, wenn man wieder über ein so tolles Pferd verfügen kann, steigen die Ambitionen. Ich bin voll motiviert. Inonstop wird noch in Lanaken an den Start gehen und danach eine Pause machen. Wenn alles so rund läuft wie bisher, möchte ich im nächsten Jahr logischerweise auch wieder zurück in den Kader.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 36/2017)
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