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Mit der Ju-52 oder «Tante Ju» machen jedes Jahr viele Leute in der Schweiz Rundflüge. Beim Absturz einer Ju-52 oberhalb von Flims im Kanton Graubünden sind am Samstag alle 20 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Buchautor Peter Pletschacher erzählt von der faszinierenden Geschichte der «Tante Ju».
Peter Pletschacher
Luftfahrtexperte
Peter Pletschacher ist Geschäftsführer eines Verlags, der Bücher und Zeitschriften zum Thema Luft- und Raumfahrt herausgibt. Er hat selbst Bücher veröffentlicht, darunter eines über die Geschichte der Ju-52.
SRF News: Was macht die Faszination der Ju-52 aus?
Peter Pletschacher: Die «Tante Ju» war in den 1930er-Jahren das wichtigste Flugzeug nicht nur der Lufthansa, sondern auch von vielen anderen Fluggesellschaften weltweit. In Nord- und Südamerika und sogar in China war die Ju-52 jahrelang unterwegs. Die Unfallrate war sehr gering. Man hat diesem Flugzeug viel zugetraut, und sie hat einen Sicherheitsstandard wie kaum eine andere Maschine.
Warum wurde die Ju-52 Anfang der Dreissigerjahre entwickelt?
Zunächst wollte das Unternehmen Junkers ein dreimotoriges Frachtflugzeug bauen. Aber es stellte sich schnell heraus, dass die Fluggesellschaften mehr wollten, nämlich ein Passagierflugzeug. Dieses wurde von Anfang an ein Erfolg. Die Exportquote war sehr hoch.
Man muss sehr genau untersuchen, was passiert ist, damit das Vertrauen in das Flugzeug wiederkehrt.
Insgesamt wurden in Deutschland rund 5000 Flugzeuge des Typs Ju-52 gebaut, davon 90 Prozent für das Militär. Aber etwa 500 Flugzeuge flogen in der Welt herum. Das gab es bei keinem anderen Flugzeug. Die Ju-52 zeichnete sich durch hohe Sicherheit, hohe Zuverlässigkeit und – vor allem – hohe Wirtschaftlichkeit aus.
Weshalb gibt es die Firma Junkers heute nicht mehr?
Hugo Junkers, der Chef der Junkers Flugzeugwerk AG, wurde schon 1933 von den Nazis als «politisch unzuverlässig» eingestuft, und man hat ihm seine Werke weggenommen. Er durfte auch sein Haus nicht mehr betreten. In München eröffnete Junkers zwar ein Ingenieurbüro, aber er durfte sich nicht mehr mit Flugzeugen beschäftigen. 1935 starb er.
Das Unternehmen existierte weiter als grosses Rüstungsunternehmen. Es war das grösste Flugzeugbauunternehmen in Deutschland und auch das erfolgreichste, weil die Technologie von Junkers noch da war. Ende des Zweiten Weltkrieges war das Unternehmen als Staatskonzern tot. Es konnte nicht mehr wiederbelebt werden.
Wie wichtig war die Ju-52 in der Luftfahrtgeschichte?
Die Ju-52 flog in fast allen luftfahrttreibenden Ländern. In Nord- und Südamerika, in Südafrika, aber vor allem in China war es sehr beliebt. Es gab damals die Fluggesellschaft «Eurasia Corporation», ein Unternehmen der Lufthansa und der chinesischen Regierung. Diese Gesellschaft flog auch die Ju-52, weil es in dieser Grössenordnung nichts Besseres gab.
Was bedeutet der Absturz in Graubünden für die Fliegerei mit der Ju-52?
Das ist ein schwerer Rückschlag. Man muss sehr genau untersuchen, was passiert ist, damit das Vertrauen in das Flugzeug wiederkehrt. Ich bin aber sicher, dass es wiederkommt.
Das Gespräch führte Raphaël Günther.