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Nach dem verheerenden Tsunami im Dezember 2004 konzentrierte die Humanitäre Hilfe der DEZA ihre Einsätze vor allem auf Sri Lanka, Indonesien und Thailand. Die Nothilfe wurde ergänzt durch mehrere langfristig angelegte Projekte für Rehabilitation und Wiederaufbau, die der betroffenen Bevölkerung bis heute zugutekommen.
Seebeben und Tsunami in Südasien
Am 26.Dezember 2004 löste ein Erdbeben der Stärke 9,3 einen gewaltigen Tsunami im Golf von Bengalen aus. Riesige Wellen zerstörten ganze Städte von Indonesien über Sri Lanka und Indien bis Somalia. Insgesamt wurden 13Länder von der Katastrophe heimgesucht, die mehr als 225000 Opfer forderte und Millionen Menschen obdachlos machte.
Der Tsunami sorgte für enorme Solidarität in der Öffentlichkeit. In der Schweiz spendeten private und öffentliche Geber 300Millionen Franken. Die Humanitäre Hilfe der DEZA ihrerseits stellte insgesamt 35Millionen Franken für Notfallmassnahmen sowie Rehabilitierungs- und Wiederaufbauprogramme bereit.
Nothilfe
Angesichts der schweren Schäden, die der Tsunami verursacht hatte, reagierte die DEZA unverzüglich und wurde hauptsächlich in drei stark von der Katastrophe betroffenen Ländern aktiv: Sri Lanka, Indonesien und Thailand. 48Mitglieder des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) wurden sofort mobilisiert und in die verschiedenen Länder entsandt. Ihre Einsätze deckten mehrere Bereiche ab: Bau von Notunterkünften und vorläufigen Trinkwasserversorgungsanlagen, medizinische Hilfe und Versorgung mit Arzneimitteln sowie logistische Unterstützung für die Verteilung der humanitären Hilfe. Hilfsgüter im Umfang von mehreren Tonnen wurden aus der Schweiz nach Indonesien geschickt. In den anderen Ländern wurde das Hilfsmaterial direkt vor Ort erworben.
Die DEZA unterstützte ferner eine Reihe von Massnahmen in Indien, auf den Malediven und in Somalia und war auf multilateraler Ebene bei Einsätzen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), des Welternährungsprogramms (WFP), des Amtes für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) behilflich, indem sie finanzielle Beiträge leistete und Fachleute des SKH zur Verfügung stellte.
Rehabilitations- und Wiederaufbauphase
Ausgehend von dem während der Nothilfephase ermittelten Bedarf nahm die Humanitäre Hilfe der DEZA ab dem Frühjahr 2005 die nächste Etappe der Hilfe für die vom Tsunami betroffenen Bevölkerungsgruppen in Angriff: die Sanierung und den Wiederaufbau der lebensnotwendigen Infrastruktur. In Abstimmung mit den nationalen und lokalen Behörden führte sie mehrere mittel- und langfristige Programme in Sri Lanka, Indonesien und Thailand durch. Die letzten Projekte wurden Ende 2007 abgeschlossen.
Sri Lanka: Reparatur und Wiederaufbau von Wohnhäusern und Schulen
Im Rahmen eines mit dem Schweizerischen Roten Kreuz, dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS) und der Glückskette gebildeten «Schweizer Konsortiums» unterstützte die Humanitäre Hilfe der DEZA ein Programm für den Wiederaufbau von Wohnhäusern, das von den Behörden Sri Lankas im Süden und Westen des Landes lanciert worden war. Das so genannte Programm «Cash for Repair and Reconstruction» zeichnete sich insbesondere dadurch aus, dass es die Begünstigten direkt einbezog: Die Familien erhielten eine Finanzhilfe, die es ihnen ermöglichte, ihre Wohnhäuser je nach ihrem konkreten Bedarf selbst zu reparieren oder wiederaufzubauen. Bis zum Abschluss des Projekts im Dezember 2007 wurden 10500Häuser vollständig wiederaufgebaut oder repariert. Die Humanitäre Hilfe der DEZA war auch beim Wiederaufbau von 18Schulen in Sri Lanka aktiv. Insgesamt wendete sie 15440000Franken auf. Zusätzlich steuerte das Fürstentum Liechtenstein 350000Franken für Hilfsmassnahmen in Sri Lanka bei.
Indonesien: Wiederherstellung der Trinkwasserversorgung in der Region Aceh
Nach der Tsunami-Katastrophe beschloss die Humanitäre Hilfe der DEZA, einen Schwerpunkt auf die Instandsetzung der grössten Trinkwasseraufbereitungsanlage in Banda Aceh, einer Stadt im Nordwesten des Landes, zu setzen. Experten des SKH und des Schweizerischen Roten Kreuzes begleiteten die Sanierungsarbeiten und wurden dabei vom Unternehmen Services industriels de Genève (SIG) unterstützt. Das von der Humanitären Hilfe der DEZA, dem Schweizerischen Roten Kreuz und der Glückskette kofinanzierte Projekt fand im Februar 2007 seinen Abschluss. Neue Mitarbeitende und Führungskräfte der Fabrik wurden geschult, um dem Projekt grösstmögliche Nachhaltigkeit zu verleihen. Darüber hinaus bot die Humanitäre Hilfe der DEZA in Absprache mit den örtlichen Behörden bis Juni 2011 eine technische Betreuung zum Betrieb der wiederhergestellten Anlage an. Insgesamt wurden in Indonesien Mittel in der Höhe von 12848000Franken bereitgestellt.
Thailand: Hilfe für Fischergemeinden
In Thailand konzentrierte sich die Humanitäre Hilfe der DEZA auf die Sanierung der Infrastruktur und die Wiederherstellung der Lebensgrundlagen und Produktionsmittel der Fischergemeinden auf den im Südwesten des Landes gelegenen Inseln Ko Phra Thong, Ko Kho Khao und Ko Ra. Dank dieser Finanzmittel konnten zahlreiche Wohnhäuser, Schulen, ein Gesundheitszentrum, Anlegestege und andere öffentliche Infrastrukturanlagen wiederaufgebaut werden. Parallel dazu wurden Hunderten als besonders anfällig eingestuften Familien neue Fischerboote zur Verfügung gestellt. Insgesamt leistete die Humanitäre Hilfe der DEZA in Thailand Beiträge in der Höhe von 3000000Franken.
Positive Bilanz der durchgeführten Projekte
Die von der Humanitären Hilfe der DEZA in Südasien sanierte Infrastruktur – Wohnhäuser, Schulen, Trinkwasseraufbereitungsanlagen – ermöglichte den betroffenen Bevölkerungsgruppen nach der Tsunami-Katastrophe den Beginn eines neuen Lebens. Dank der Beiträge der DEZA und ihrer Partner ist der Grundbedarf von zehntausenden Bewohnern Sri Lankas, Indonesiens und Thailands heute weitgehend gedeckt. Durch die Instandsetzung der grundlegenden Infrastruktur, durch die von den Begünstigten des Programms «Cash for Repair and Reconstruction» getätigten Ausgaben und durch die neuen Arbeitsgeräte (Fischerboote), die bei Bedarf bereitgestellt wurden, erhielten die lokalen Wirtschaftskreisläufe ausserdem neuen Schwung.
Trotz dieses allgemeinen Erfolgs darf nicht vergessen werden, dass die langfristige Wirkung der Unterstützung, die die Humanitäre Hilfe der DEZA nach dem Tsunami leistete, von den Gegebenheiten in den Partnerländern mitbestimmt wird. Aufgrund einer Vielzahl von Faktoren, etwa dem Ausbruch (oder Wiederaufflammen) lokaler Konflikte, dem Wechsel des Personals oder der politischen Akteure an der Spitze von Institutionen oder den persönlichen Entscheidungen bestimmter Empfängerfamilien, konnte sich die ursprünglich angestrebte Wirkung in einigen Fällen nicht voll entfalten.
Die internen und externen Auswertungen, die die Humanitäre Hilfe der DEZA in Sri Lanka, Indonesien und Thailand vornahm oder in Auftrag gab, lassen jedoch erkennen, dass die als Reaktion auf den Tsunami konzipierten Projekte mit überwiegender Mehrheit Früchte trugen, da sie auf die sorgfältig ermittelten Bedürfnisse zugeschnitten waren und ihre Umsetzung gut koordiniert und effizient erfolgte.