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Kaffee ist nicht nur ein wundervolles Genussmittel. Kaffee ist auch Big Business. Nach Erdöl ist Kaffee der zweitwichtigste Rohstoff der Welt und wird an Rohstoffmärkten gehandelt. In diesem Beitrag wollen wir eine kleine Einführung in den weltweiten Kaffeehandel geben, aufzeigen, wie sich die Preise historisch entwickelt haben und in welchem Zusammenhang die Entwicklung der Kaffee-Märkte mit den Preisen für die Konsumenten stehen.
Die Website Coffeeresearch.com bietet mit vielen Informationen einen guten Einstieg in das Thema. Der weltweite Handel mit dem Rohstoff Kaffee wird von zwei Handelsplätzen bestimmt. Arabica-Kaffee wird an der New York Coffee Exchange gehandelt, Robusta-Kaffee an der London International Financial Futures and Options Exchange. Weil Kaffee in unterschiedlichen Qualitäten angebaut wird, greift man auf ein Klassifikations-System zurück. Die höchste Qualitätsstufe heisst Speciality-Coffee, dann folgen die Qualitäten Premium Grade, Exchange Grade, Below Standard Grade und Off Grade. Gehandelt wird mit den Exchange Grade-Preisen, für Qualitätsunterschiede werden Discounts oder Premiums bezahlt. Ebenso werden für unterschiedliche Herkunftsländer Auf- oder Abschläge verrechnet. Arabica-Rohkaffee aus Kolumbien etwa wird teurer gehandelt als Rohkaffee aus Ecuador oder Peru.
Langfristig wird die Preisentwicklung des Rohkaffees durch den Marktmechanismus von Angebot und Nachfrage bestimmt. Auf der Website der International Coffee Organisation sind die historischen Rohkaffeepreise abrufbar. Die Zahlen (US Cents per libre, wie wir im Finanzblog lernen) weisen einen klaren Langfrist-Trend nach unten auf:
(Bildquelle: Eigene Darstellung auf Grundlage von Daten der ICO)
Kaffee-Krise ist heute ein stehender Begriff für den dramatische Preiszerfall der Rohkaffeepreise zwischen 1997 und 2002. Die International Coffee Organisation schreibt zu den Ursachen der Krise:
This situation is caused by the current imbalance between supply and demand for coffee. Total production in coffee year 2001/02 (October-September) is estimated at around 113 million bags (60-kg bags) while world consumption is just over 106 million bags. On top of that, world stocks amount to some 40 million bags. Coffee production has been rising at an average annual rate of 3.6%, but demand has been increasing by only 1.5%. At the origin of this coffee glut lies the rapid expansion of production in Vietnam and new plantations in Brazil, which is harvesting a record crop in the current season.
Inzwischen haben sich die Preise wieder etwas erholt. Kurz- und Mittelfristig hängen die Preise von den saisonalen Erträgen und Umwelteinflüssen ab. Eine wichtige Rolle spielen ausserdem Termingeschäfte und spekulative Transaktionen. Für das Jahr 2007 rechnet man mit einer Angebotsverknappung was die Preise nach oben treibt. Für Indonesien und Vietnam, so wird prognostiziert, besteht durch das Wetter-Phänomen El Nino eine erhöhte Dürregefahr, was die Preise weiter angehoben hat.
Der Kaffee, der über die beiden Rohstoffbörsen gehandelt wird, ist für die industrielle Weiterverarbeitung und den Massenmarkt bestimmt. Auf das Kaffee-Angebot, das wir in unserem Kaffee Shop Premium-kaffee.ch anbieten, haben die teilweise dramatischen Preisentwicklungen an den Börsen nur einen begrenzten Einfluss. Qualitativ hochwertiger Rohkaffee wird von den Röstereien oft direkt bei den Produzenten eingekauft. So betont das Schweizer Unternehmen Illycafé stolz, dass die Pflege langfristiger Lieferantenbeziehungen einen wichtigen Teil der Geschäftspolitik ausmache.
Dass viele Röster von Spezialitäten-Kaffees sich darum bemühen, sozial zu handeln, zeigt auch deren reale Preispolitik. Sowohl Illycafé als auch das Triester Unternehmen Amici haben in diesem Sommer ihre Preise erhöht – beide zum ersten Mal seit 10 Jahren. Dazu schreibt Amici:
Die Rohkaffeepreise sind so schnell gestiegen, dass wir unsere Preise anpassen müssen. Aber höhere Kaffeepreise haben auch ihren Vorteil: Die Zeiten, in denen Kaffeebauern eine sehr schlechte Rendite bis hin zu Verlusten aus ihrer Arbeit erwirtschafteten, sind vorbei. Amici hat aber auch in jenen Jahren seinen Rohstofflieferanten immer einen guten Kaffeepreis bezahlt, weil ansonsten die hohe Qualität nicht aufrechterhalten hätte werden können. Amici ist in der Kaffeewelt aber nur so gross wie ein Tropfen im Meer, deshalb konnten mit dieser Haltung nur wenige Kaffeebauern vom Schaden gerettet werden.
Die meisten Kaffeebauern sind dem Markt und seinen Launen also sehr direkt ausgeliefert. Ein soziales Netz, wie es unsere westlichen Volkswirtschaften kennen, gibt es im globalisierten Kaffee-Markt nicht. Eine Perspektive bieten den Bauern zum einen Organisationen wie Max Havelaar, die existenzsichernde Preise garantieren. Höhere Preise können Bauern zum anderen auch mit Spezialitätenkaffees und Spitzenqualitäten erzielen. Leistet man sich von Zeit zu Zeit einen Gourmet-Kaffee, tut man sich deshalb nicht nur selbst etwas Gutes, sondern hilft auch mit, den Kaffeebauern einen fairen Preis abseits des Weltmarktpreises zu zahlen.