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| Leo I., Papa 440-461 (Leo der Grosse)

Papstbriefe
Die
(echten) Briefe v. J. 440–450I. Echte Schreiben1. Brief des P. Leo an den Bischof von Aquileja.
1. Brief des P. Leo an den Bischof von Aquileja.1
Einleitung und Inhalt.
Die ersten zwei Briefe Leo's, die wir haben, betreffen die Pelagianer. Der aus den Briefen des Papstes Zosimus uns bekannte Bischof Julianus von Eclanum flüchtete sich, nachdem er auch in Konstantinopel keine Stütze mehr fand, nach Gallien und verschaffte sich hier und in Oberitalien viele Anhänger, deren Zahl der Widerstand, den ihnen Papst Sixtus III. leistete, nicht zu mindern vermochte. Ja in und um Aguileja kam es so weit, dass Pelagianer zu Priestern, Diakonen und Klerikern verschiedener Grade gewählt wurden, ohne vorher ihrer Lehre entsagt zu haben. Die so Erwählten handelten überdies gegen ein altes kirchliches Herkommen; anstatt an dem Orte zu verweilen, wo ihnen [S. 14] die Führung eines geistlichen Amtes übertragen war, streiften sie im Lande umher und verbreiteten ungescheut und mit vielem Glücke den Pelagianismus. Dies alles erregte die Aufmerksamkeit des Bischofs Septimus von Altinum; er berichtete deshalb an Leo, und Dieser erließ an den Bischof von Aquileja vorliegendes Schreiben, in welchem er darauf dringt, dass man eine Provincialsynode halte und dort die erwähnten Priester, Diakonen und Kleriker zur wahren Besserung anhalte. Sie sollen offen den Pelagianismus und dessen Lehrer verdammen, durch vollständige, klare und eigenhändig unterschriebene Glaubensbekenntnisse erklären, dass sie alle vom apostolischen Stuhle gegen die Pelagianer bestätigten Synodalbeschlüsse vollkommen annehmen, wobei man jedoch mit aller Umsicht ihnen alle Zweideutigkeiten und Auswege abschneiden solle. Wer sich dieser Vorschrift nicht fügt, soll, er sei Kleriker oder Laie, aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen werden. Endlich dringt der Papst bei Verlust des Amtes und der Kirchengemeinschaft auf die Beobachtung der Regel, dass der Geistliche an der Kirche bleibe, wo er die Ordination erhalten.
Ganz gleichen Inhaltes ist auch das folgende 2. Schreiben Leo's an den Bischof Septimus von Altinum; auch der unter Num. 18 aufzuführende Brief Leo's an den Bischof Januarius von Aquileja ist fast ganz aus den Worten dieser zwei ersten Briefe zusammengesetzt. Diese Ähnlichkeit der drei Briefe in Verbindung mit dem Umstande, dass dieser unser erste Brief in den Handschriften nur die allgemeine Adresse „an den Bischof von Aquileja“ trägt, ohne den Namen des Bischofs, gab zu den mannigfaltigsten Conjecturen Anlass, so dass man sagen kaun, jeder dieser drei Briefe sei als echt, aber auch für unecht erklärt worden. Es möge genügen, die von den Ballerini nach den gründlichsten und umfassendsten Forschungen2 gewonnenen und [S. 15] auch allgemein angenommenen Resultate zu verzeichnen. Zunächst stellen die ältesten und zwar zahlreiche Codices die Echteit aller drei genannten Schreiben ausser allen Zweifel; ferner ist es sicher, dass unser erster Brief nicht auch, wie der 18., an Januarius, sondern an einen seinen Vorgänger, höchst wahrscheinlich an seinen unmittelbaren Vorgänger Maximus gerichtet gewesen sei und daher3 zugleich mit dem 2. Schreiben an Septimus dem J. 442 angehört.
1: Baller. I.p 589 u. (observation. Quesnelli cum edit. Adnotat.) II. p. 1279, Mansi V. p. 1211, bei Quesnell unter Num. 6. auch bei Cacciari II. p. 30 (a. 444); Hinschius p. 574 als Num. 9.
2: I. p. 567-589,dieObservationes Quesnelli mit den Adnotationes der Ballerini zu den ersten 2 Briefen II. p. 1279-1289.
3: Dieses Datum folgern die Ballerini (I p. 583. n. 23 sqq.) aus einer in der Biblioteca Photii als cod. 54. angeführten ausführlichen Geschichte des Pelagianismus vom 6. Jahrh., aus dem Texte des 18. Briefes u.s.w.