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Hunde sind Rudeltiere. Daher müssen Haushunde zuerst lernen, einige Stunden alleine zu bleiben, da es nicht ihrer Natur entspricht. Weint, bellt oder kratzt Ihr Hund an der Türe, sobald Sie die Wohnung verlassen? Falls ja, könnte Ihr Hund unter Trennungsangst leiden.
Was ist Trennungsangst und wie entsteht sie?
Ein Hund, der unter Trainingsangst leidet, hat einen realen Verlust erlitten. Diese neue Situation überfordert ihn. Er ist traumatisiert und hat vor weiteren Verlusten Angst.
Mangelnde Lernerfahrung und plötzliche Veränderungen können zur Trennungsangst führen. Hier einige Beispiele:
- Trennung Hundehalter
- Tod Familienmitglied
- Umzug
- Abgabe in eine neue Familie
- traumatische Erfahrungen beim Alleinsein (Erschrecken Gewitter, Einbrecher)
Wie erkennen Sie, dass Ihr Hund unter Trennungsangst leidet?
Beim extrovertierten Hund finden Sie zu Hause ein Durcheinander vor oder Ihr Nachbar beklagt sich über das andauernde jammern und bellen. Beim introvertierten Hund ist es anders. Er leidet still, bewegt sich nicht, entspannt sich nicht und blickt permanent zur Tür.
Sind Sie nicht sicher, ob Ihr Hund still leidet? Stellen Sie eine Kamera auf und analysieren Sie das Verhalten Ihres Hundes mit einem Hundetrainer.
Training mit Welpen
Bitte starten Sie das untenstehende Training erst, nachdem sich Ihr Welpe bei Ihnen eingewöhnt hat. Eine gute Vorbereitung auf das Training ist die Schlafbox. Legen Sie Ihren Welpen zum Ausruhen oder Schlafen in die Schlafbox. Dort lernt Ihr Welpe bereits alleine zu sein und alleine aufzuwachen. Sobald der Welpe aufwacht, machen Sie sich kurz bemerkbar, indem Sie beispielsweise ein Buch ins Regal zurücklegen. Somit wird die kurze Schrecksekunde über das Alleinbleiben sofort unterbrochen und mit positiven Gefühlen überlagert, da Ihr Welpe Sie wahrnimmt. Nach der Eingewöhnungsphase gehen Sie wie folgt vor:
- Verlassen Sie für wenige Sekunden den Raum, in dem sich Ihr Welpe befindet und wohlfühlt.
- Schließen Sie die Tür.
- Beim Zurückkommen verhalten Sie sich ganz normal und ignorieren den Welpen einen kurzen Moment. Belohnen Sie ihn auf keinen Fall. Ansonsten wird er künftig angespannt auf Sie und die Belohnung warten. Am besten erledigen Sie zuerst eine kurze Aufgabe und schenken Ihrem Welpen danach wieder Ihre Aufmerksamkeit.
- Steigern Sie schrittweise die Zeit des Alleineseins.
- Kann Ihr Welpe bereits mehrere Minuten alleine bleiben? Verlassen Sie nun die Wohnung. Zuerst nur wenige Sekunden. Danach steigern Sie auch hier die Zeit Minutenweise. Achten Sie darauf, dass Ihr Welpe Sie draußen nicht sieht oder hört.
Training mit erwachsenen Hunden
Es gibt Hunde, die das Alleinbleiben nie gelernt haben, weil sie die ganze Zeit im Rudel oder mit älteren Menschen zusammengelebt haben.
Ignorieren lernen
Ignorieren Sie Ihren Hund häufiger. Ein Hund, der hin und wieder alleine bleiben muss, kann nicht permanent im Mittelpunkt stehen und Ihre Aufmerksamkeit bekommen.
Entspannung
Im nächsten Schritt muss Ihr Hund lernen, sich in einem Raum vollkommen zu entspannen. Wählen Sie bitte nicht den Flur aus, da der Kontakt zur Außenwelt groß ist und das Entspannen Ihres Hundes erschwert. Entscheiden Sie sich für einen Raum, wo auch Sie normalerweise entspannten und weit von der Tür entfernt ist. Dieser Ort wird der neue Liegeplatz Ihres Hundes.
Auf die Decke schicken
Ignorieren Sie Ihren Hund häufiger? Haben Sie einen geeigneten Raum gefunden, wo sich Ihr Hund entspannen kann? Im nächsten Schritt verknüpfen Sie den Liegeplatz Ihres Hundes als Ort der Entspannung. Somit wird Ihr Hund diesen Ort künftig öfters alleine aufsuchen.
- Stellen Sie sich in die Nähe der Hunde-Decke.
- Werfen Sie ein Leckerli auf die Decke. Ihr Hund darf hinterherlaufen und das Leckerli essen.
- Wiederholen Sie diese Übung mehrere Male und wechseln Sie hin und wieder Ihre Position.
- Nach mehreren Wiederholungen werfen Sie kein Leckerli mehr auf die Decke. Was macht Ihr Hund? Geht er von alleine auf die Decke? Falls ja, belohnen Sie ihn sofort. Falls nein, müssen Sie in kleineren Schritten vorgehen. Belohnen Sie Ihren Hund bereits für den Blick zur Decke, indem Sie ein Leckerli dorthin werfen. Danach sollten Sie mit den Belohnungen etwas zurückhaltender sein. Belohnen Sie Ihren Hund erst wieder, wenn er einen Schritt in Richtung Decke macht oder mit einer Pfote draufsteht.
- Kurz bevor Ihr Hund komplett auf der Decke steht, sprechen Sie das Signal „Decke“ aus.
- Nach mehreren Wiederholungen sprechen Sie das Signalwort „Decke“ immer ein wenig früher aus. Auch die Distanz zur Decke erweitern Sie immer mehr.
Auf der Decke bleiben
Können Sie Ihren Hund aus der Distanz mit dem Signalwort „Decke“ an seinen Liegeort schicken? Dann sollte Ihr Hund nun lernen, auf der Decke zu bleiben.
- Stehen Sie in die Nähe der Decke.
- Sprechen Sie das Signalwort „Decke“ aus.
- Belohnen Sie Ihren Hund mit einem Leckerli, sobald er sich auf der Decke befindet.
- Nachdem Ihr Hund das erste Leckerli gegessen hat, belohnen Sie ihn sofort mit weiteren Leckerlis. Somit lernt er, dass das längere Warten auf der Decke sich lohnt.
- Nach mehreren Wiederholungen verlängern Sie schrittweise das Intervall der Belohnungen. Benutzen Sie das Signal „Platz“ und füttern Sie Ihren Hund erst jede halbe Minute wieder, danach jede Minute, jede fünfte Minute, jede zehnte Minute und so weiter. Steigern Sie auch schrittweise die Distanz zur Decke. Nehmen Sie ein Buch zur Hand und machen Sie es sich auf dem Sofa bis zur nächsten Belohnung Ihres Hundes gemütlich.
- Beenden Sie das Training, indem Sie Ihren Hund in den Freilauf senden (z.B. mit dem Signal „Lauf“). Steht Ihr Hund von alleine auf und verlässt die Decke? Bringen Sie Ihren Hund kommentarlos auf die Decke zurück und wählen Sie ein kürzeres Zeitintervall, damit der Hund wieder belohnt wird und eine positive Erfahrung macht.
- Reduzieren Sie die Belohnungen immer mehr, damit die Erwartungshaltung Ihres Hundes nachlässt. Später werden Belohnungen nicht mehr notwendig sein.
Freiwillig auf der Decke liegen
Liegt Ihr Hund gerne an anderen Orten und nicht auf der Decke? Blockieren Sie den unerwünschten Liegeplatz mit einem Stuhl oder laufen Sie dort häufig und nahe an Ihrem Hund vorbei, damit er nicht entspannen kann. Ihr Hund wird sich einen anderen Liegeort suchen. Im Idealfall die Decke.
Training Alleinbleiben
Lasten Sie Ihren Hund draußen körperlich und geistig aus, bevor Sie mit diesem Training starten. Sobald Sie zu Hause sind, warten Sie noch einige Minuten, damit Ihr Hund ankommen und runterfahren kann.
- Verlassen Sie für wenige Sekunden den Raum, in dem sich Ihr Hund befindet und wohlfühlt.
- Schließen Sie die Tür.
- Beim Zurückkommen verhalten Sie sich ganz normal und ignorieren Sie Ihren Hund einen kurzen Moment. Belohnen Sie ihn auf keinen Fall. Ansonsten wird er künftig angespannt auf Sie und die Belohnung warten. Am besten erledigen Sie zuerst eine kurze Aufgabe und schenken Ihrem Hund danach wieder Ihre Aufmerksamkeit.
- Steigern Sie schrittweise die Zeit des Alleinseins.
- Kann Ihr Hund bereits mehrere Minuten alleine bleiben? Verlassen Sie nun die Wohnung. Zuerst nur wenige Sekunden. Danach steigern Sie auch hier die Zeit Minutenweise. Achten Sie darauf, dass Ihr Hund Sie draußen nicht sieht oder hört.
- Trainieren Sie das Alleinbleiben an verschiedenen Orten (z.B. in einem anderen Zimmer, im Garten, im Auto oder in der Ferienwohnung). Beginnen Sie immer mit einem kurzen Zeitintervall und steigern Sie es schrittweise.
Bemerkungen
Leidet Ihr Hund unter Trennungsangst? Lassen Sie ihn während der Trainingsphase nicht lange alleine, um einen Rückschritt zu vermeiden. Organisieren Sie einen Hundesitter oder lassen Sie Ihren Hund bei Ihren Eltern oder Freunden.
Außerdem wissen Hunde genau, wenn Sie das Haus verlassen. Sie nehmen den Schlüsselbund in die Hand oder ziehen sich anders an. Bauen Sie diese Schlüsselreize ab, indem Sie zum Beispiel den Schlüssel nehmen und danach gemütlich auf dem Sofa sitzen bleiben. Somit können diese Reize neutralisiert werden, die bei Ihrem Hund Stress auslösen.