Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/2875

2. Oktober 1991: Der kommende NHL-Superstar Eric Lindros kündigt an, nie im Leben einen Vertrag bei den Quebec Nordiques zu signieren. Deshalb gibt das Team seinen Nummer-1-Pick ab – und macht damit ein Bombengeschäft.
Ende der 80er- und anfangs der 90er-Jahre sind die Quebec Nordiques eines der schwächsten Teams der NHL. Im Draft 1991 dürfen sie deshalb als erste ein Talent auswählen. Und obwohl Eric Lindros im Vorfeld klar gemacht hat, keinesfalls bei den Nordiques zu unterschreiben, entscheiden sich diese für den 18-jährigen Kanadier. Zu gross ist der Reiz, denn der junge Lindros verzückt Fans und Experten mit einem Mix aus überragender Technik und starker Physis: Er ist 1,93 Meter gross und über 100 Kilogramm schwer.
Lindros macht jedoch seine Ankündigung wahr: Er weigert sich, einen Vertrag zu unterschreiben. Nach einigem Hin und Her steht am 2. Oktober fest: Der Nummer-1-Pick wird in der Saison 1991/92 nicht für Quebec in der NHL spielen. Stattdessen spielt er noch eine Saison als Junior bei den Oshawa Generals, für die der bullige Stürmer in insgesamt 128 Spielen 290 Skorerpunkte (133 Tore, 157 Assists) sammelt.
Im Sommer 1992 sehen die Verantwortlichen der Nordiques ein, dass es keinen Wert hat, weiter um Lindros zu kämpfen. So kommt es zu einem Trade im ganz grossen Stil und mit erheblichen Nachwirkungen. Eric Lindros darf zu den Philadelphia Flyers gehen, welche Quebec dafür vier Spieler abgeben: Goalie Ron Hextall, die Verteidiger Steve Duchesne und Kerry Huffman sowie Stürmer Mike Ricci. Ausserdem erhalten die Nordiques zwei Erstrunden-Picks, 15 Millionen Dollar – und die NHL-Rechte an einem jungen Schweden namens Peter Forsberg.
Damit haben die Queben Nordiques zwar ein Jahrhundert-Talent abgegeben. Schliesslich wird Eric Lindros als «The Next One» vermarktet, als Nachfolger von Wayne «The Great One» Gretzky aufgebaut. Aber die Nordiques haben sich dank dem Trade auch auf einen Schlag zu einem starken Team gemacht.
Besonders der Forsberg-Transfer ist rückblickend als Glücksfall für die Franchise zu bezeichnen. In der Saison 1994/95 läuft der Schwede erstmals für Quebec auf. Wegen finanziellen Problemen ziehen die Nordiques danach um – und holen sich 1996 gleich in der ersten Saison in Denver als Colorado Avalanche den Stanley Cup.
Forsberg ist dabei der Schlüsselspieler. 2001 führt er Colorado zum zweiten Mal zu einem Stanley-Cup-Triumph, wobei Goalie David Aebischer als erster Schweizer diese Trophäe in die Höhe stemmen darf. Mit der schwedischen Nationalmannschaft wird Forsberg zudem auch Olympiasieger und Weltmeister, womit er dem exklusiven «Triple Gold Club» angehört.
Und Lindros? Die riesengrossen Erwartungen, die man ihm gesetzt hat, kann er nie erfüllen. Doch der Hüne kann zumindest in seinen Anfangsjahren in der NHL durchaus überzeugen. 1995 wird er zum MVP der Regular Season gekürt. Er wird seine Karriere mit dem Schnitt von 1,13 Punkten pro Spiel beenden.
Stanley-Cup-Sieger wird Eric Lindros nie. Er ist oft verletzt, fällt mehrmals wegen Gehirnerschütterungen aus. Die Saison 2000/01 lässt er wegen eines Vertragsstreits mit den Flyers sausen. Schliesslich folgen Wechsel zu den New York Rangers, den Toronto Maple Leafs und den Dallas Stars, wobei Lindros überall mit Verletzungen zu kämpfen hat und nie mehr sein früheres Level erreicht. 2007 entschliesst er sich, seine Karriere zu beenden: Nach 813 Einsätzen und 922 Skorerpunkten.
2016 wird Eric Lindros in die Hockey Hall of Fame aufgenommen. «The Next One» wurde er nicht. Aber dafür war er mit seinem sturen Kopf mitentscheidend dafür, dass die Colorado Avalanche den Stanley Cup gewannen.