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Es gibt Dinge, über die Théophanis Kapsopoulos nicht so gerne spricht: darüber etwa, wie er vor fast fünf Jahrzehnten, im zarten Alter von fünfzehn Jahren, das Jugendorchester Freiburg gegründet hat, oder über das 50-Jahr-Jubiläum des Orchesters in zwei Jahren. Das eine sei viel zu lange her, sagt er, und mehr Zufall als Absicht gewesen. Das andere sei Zukunftsmusik, auch wenn er natürlich schon einige Pläne habe. Viel lieber spricht der Dirigent über die Gegenwart und über die bevorstehende Saison, die am 27. Oktober beginnt und bis Mai 2020 neun Konzerte vorsieht.
Neue Solisten, neue Spielorte
Gestern hat das Jugendorchester den Medien das Programm vorgestellt, und dieses sieht einige Leckerbissen vor. Das Repertoire reicht vom 18. bis ins 20. Jahrhundert und umfasst nicht weniger als fünfzehn Werke, die Kapsopoulos noch nie mit dem Orchester aufgeführt hat. Neun Solisten werden zum ersten Mal mit den jungen Musikerinnen und Musikern spielen, darunter solche mit klingenden Namen wie Omar Chen Guey (Violine), Dimitri Ashkenazy (Klarinette), Teo Gheorghiu (Klavier) oder Jacques Libouban (Block- und Querflöte).
Zwei Mal überlässt Kapsopoulos den Taktstock Gastdirigenten: zum einen Patrick Genet, der das Orchester im November zum wiederholten Mal mit dem Quatuor Sine Nomine begleitet, zum anderen Maude Fragnière, Leiterin des Chors Pinsons du Sud, der im April mit dem Orchester auftritt. Auch neue Konzertorte wird das Publikum im Verlauf der Saison entdecken: die Aula der OS Jolimont im November, die Aula der OS Tafers im April und die Gärten des Kollegiums St. Michael für ein Freilichtkonzert im Mai.
«Extrem schwierig»
Ein erster musikalischer Höhepunkt sei das Eröffnungskonzert vom 27. Oktober, sagte Kapsopoulos. Dann spielt der brasilianische Geigensolist Omar Chen Guey mit dem Jugendorchester. Dieser sei ein Teenager und «Wunderkind» gewesen, als er ihn zum ersten Mal gehört habe, erzählte Kapsopoulos. «Ich habe ihn nie vergessen und ihn einfach angerufen, um zu fragen, ob er mit uns spielen würde.» Der inzwischen 43-Jährige sagte spontan zu – und machte auch gleich einen Vorschlag für das Programm: Benjamin Brittens Violinkonzert Op. 15. «Das ist für ein Jugendorchester extrem schwierig und eine grosse Herausforderung», so der Dirigent. «Aber ich freue mich sehr darauf.» Weitere starke Momente versprechen Witold Lutosławskis «Tänzerische Präludien» mit dem Klarinettisten Dimitri Ashkenazy, Mozarts 20. Klavierkonzert in d-Moll mit Teo Gheorghiu oder Brahms Serenade Nr. 1 in D-Dur, ein Meisterwerk von etwa fünfzig Minuten Dauer.
Den jungen Musikerinnen und Musikern fordert dieses Programm einiges ab. Alle Proben, Konzerte, Musiklager und allfällige Tourneen zusammengerechnet, ist das Orchester etwa hundert Mal pro Jahr im Einsatz. Doch das sei kein Problem, im Gegenteil, sagt die 15-jährige Violinistin Gwendoline Dey, die im dritten Jahr dabei ist. «Es ist viel Arbeit, aber es macht so viel Freude.» Das findet auch die 17-jährige Cellistin Zélie Gonzalez, ebenfalls im dritten Orchesterjahr. «Es ist schön, so eng mit den anderen Musikerinnen und Musikern zusammenzuarbeiten. Wir sind wie eine Familie und verbringen auch ausserhalb des Orchesters Zeit zusammen.» 25 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 19 Jahren gehören diese Saison zum Orchester. Vier sind neu dazugekommen und machen vier Abgänge wett.
Das Jugendorchester Freiburg funktioniert mit einem stabilen Jahresbudget von rund 200 000 Franken; etwa 40 Prozent davon sind durch Subventionen gedeckt.
Details und ganzes Programm unter: www.ojf.ch
Präsidentenwechsel
Martin Good folgt auf Guido Vergauwen
Das Jugendorchester Freiburg startet mit einem neuen Präsidenten in die neue Saison: Martin Good habe das Amt kürzlich von Guido Vergauwen übernommen, gaben die Verantwortlichen gestern bekannt.
Martin Good ist Direktor der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg. Das Jugendorchester hat in den vergangenen Jahren mehrmals im grossen Lesesaal der Bibliothek gespielt. So sei eine enge Verbindung zu der Institution und ihrer Leitung entstanden, sagte Dirigent Théophanis Kapsopoulos vor den Medien. Martin Good habe darum sofort zugesagt. Guido Vergauwen, ehemaliger Rektor der Universität Freiburg, hatte das Orchester während fünf Jahren präsidiert.