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Das sumpfige Südgestade und viele nordwestlich in geringer Entfernung gelegene kleine Seen lassen aus einen ehemals viel größern
Umfang schließen. Der Chiemsee ist von allen Seen der bewegtere und stürmischte, der häufig in der höchsten Aufregung braust.
Im SO. und S. bilden die Gebirge einen schönen Hintergrund, namentlich die Gipfel des hochumwölkten Hochgern und Hochfellen
treten bedeutend hervor; im übrigen sind die unmittelbaren Ufer des Sees flach und reizlos und enthalten
nur dürftige Dörfer in öder Moorgegend.
Desto anmutiger sind die drei Inseln des Sees, die im SW. am Eingang einer Bucht desselben liegen und eine prächtige Aussicht
über die imposante Wasserfläche hinweg ins Gebirge bieten. Es sind: Herrenwörth (Herrenchiemsee), die größte (11 km im
Umfang), mit schönen Waldungen, Jagden und einem prächtigen Schloß des Königs von Bayern;
bis 1803 Sitz
einer Benediktinerabtei (im 8. Jahrh. gegründet) und von 1215 bis 1805 eines Bistums;
Das Portal der
Klosterkirche gehört zu den ältesten Baudenkmälern bayrischer Kunst. Nahe dabei liegt noch die Krautinsel, welche die Gemüsegärten
der Fraueninsel enthält. Die Eisenbahn von München
[* 6] nach Salzburg
[* 7] umschlingt das südliche Ufer des Sees, und ein Dampfschiff
[* 8] befährt ihn, daneben bleibt der aus einem gehöhlten Baumstamm hervorgegangene Einbaum noch immer das
charakteristische Fahrzeug des Chiemsees. Der Fischreichtum des Sees gewährt den Bewohnern der Inseln und Ufer einen bedeutenden
Nahrungszweig. Der Fischfang ist königlich und seit 1600 und 1768 durch eigne Fischordnungen geregelt.