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FALSTAFF Als Sie einst nach Mailand zu Ihrem Mann Giorgio Strehler zogen, dem Prinzipal des Piccolo Teatro di Milano, sprachen Sie kein Wort Italienisch. Kurze Zeit später verkörperten Sie die grössten Theaterrollen in dieser Sprache. Wie haben Sie das geschafft?
ANDREA JONASSON Ich bin ins kalte Wasser gesprungen. Giorgio wollte einmal Tiramisu und sagte: «Geh zu Peck und kaufe un etto mascarpone!» (100 Gramm Mascarpone, Anm. d. Red.) Ich sagte also in diesem wunderbaren Delikatessengeschäft: «Per favore un etto mascalzone». «Mascalzone» heisst jedoch «Schlingel» oder «Halunke». Ich hatte mir das Wort gemerkt, da Giorgio es manchmal liebevoll auf der Probe zu jemandem sagte. Der Verkäufer klärte mich schmunzelnd auf. So habe ich quasi «auf der Strasse» Italienisch gelernt.
Was kam ausser Tiramisu auf den Tisch?
Giorgio liebte «Passato di verdura» und Kartoffelpüree. Wenn wir spätnachts vom Theater nach Hause kamen, machte ich uns Spaghetti aglio, olio e peperoncino. Und mein selbst gemachtes Pesto mit viel Basilikum, Petersilie und Parmesan liebte er. Was wir in Hamburg kennenlernten: Kartoffelpuffer – Giorgio liebte sie mit Zucker und Apfelmus.
Und was kochten Sie an den Festtagen?
Zu Weihnachten kochte ich für die gesamte Belegschaft des Mailänder Piccolo Teatro, die zu uns nach Hause kam, einen riesigen Truthahn. Da sassen die Schauspielerinnen und Schauspieler über die zweistöckige Wohnung verteilt und genossen das Mahl.
Bereisen Sie Italien auch jetzt noch?
Ich liebe Rom. Und die Toskana. Ich habe mir etwas geschenkt: eine kleine Wohnung oberhalb von Porto Ercole, dem «Hafen des Herkules» auf der Halbinsel Monte Argentario am Südrand der Toskana. Der Blick ist etwas vom Wunderbarsten. Ich habe mir ein gebrauchtes Boot gekauft und dann fahre ich die Küsten entlang oder auf die kleinere Insel Isolotto.
Vermissen Sie etwas aus Ihrer italienischen Heimat in Wien?
In der Nähe der Colonne di San Lorenzo – das ist eine antike Ecke in Mailand, direkt in La Vecchia Milano – gibt es das «Ristorante Rugantino». Die kochen römische Küche und machen «Carciofi alla romana» (Artischocken aus dem Ofen, Anm. d. Red.) oder auch «Carciofi alla giudia» (frittierte Artischocken, Anm. d. Red.), also nach jüdischer Art. Die sind so herrlich knusprig. Das fehlt mir hier in Wien.
Zur Person
Die deutsche Schauspielerin war u. a. am Theater Heidelberg, im Schauspielhaus Zürich, bei den Salzburger Festspielen und am Piccolo Teatro in Mailand tätig, das ihr 1997 verstorbener Ehemann Giorgio Strehler gründete. Einem breiten Publikum ist Jonasson aus dem Fernsehen bekannt (u. a. «Tatort», «Der Fürst und das Mädchen»). In Wien ist sie regelmässig auf der Bühne des Theater in der Josefstadt zu sehen. Heute lebt sie in Mailand und Wien.
Aus dem Falstaff Magazin Nr. 04/2017
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