Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03240.jsonl.gz/861

Otto Vautier - Promenade des Maronniers à Nyon, ohne Jahr
Aquarell, Kohle und Bleistift auf Papier
90 x 64 cm
An den unbefangenen und intuitiven Stil des französischen Künstlers Henri de Toulouse-Lautrec erinnernd, fängt Otto Vautier mit einer beinahe karikaturesken Linienführung diese spontane Szene auf der «Promenade des Marronniers à Nyon» ein. Eine elegant gekleidete Dame mit Federhut hebt ihr Kind auf eine Bank; mit dem Fernglas in der Hand animiert sie das Mädchen, ihren Blick über die rauchenden Schornsteine der Dächer und den Segelboten auf dem Lac Léman schweifen zu lassen. Vautier stellt die weibliche Figur und ihre feminine Sinnlichkeit stets in den Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens, gleichwohl porträtiert er sie hier nicht wie Lautrec im frivolen Pariser Nachtleben, sondern im glanzvollen Licht der Belle Époque.
Otto Adolphe Paul Vautier (* 9.9.1863 Düsseldorf - 13.11.1919 Genf) studierte Malerei an der Akademie der bildenden Künste in München. Dort begegnete er Leopold von Kalckreuth und verkehrte in den Dachauer Künstlerkreisen. Bei einem Aufenthalt in Paris lernte er um 1889 den Maler Ernest Biéler kennen und begleitete ihn ins Wallis nach Savièse und Evolène, wo er sich um die Künstler der sogenannten Schule von Savièse mit Landschaftsmalerei befasste. Vautier stellte in Genf, Zürich und Paris aus und erhielt an der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 die Bronzemedaille. Von 1901 bis 1903 war er Präsident der Gesellschaft Schweizer Maler, Bildhauer und Architekten. 1906 liess sich Vautier schliesslich in Genf nieder und schuf die Wandmalereien in der Schule von Les Pâquis. In den Jahren 1915 bis 1917 gründete er die Groupe du Falot, welche die Sinnlichkeit der weiblichen Figur in den Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens stellten.