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Aktivierte Erinnerung: Die Verbindung Muris mit den Habsburgern 1027-1500
Die Beziehungen zwischen dem aargauischen Kloster Muri und den Habsburgern scheinen die kurze Halbwertszeit adliger Memorialorte, die in der neueren Forschung betont wird, zu bestätigen: Der politische Bedeutungszuwachs des Adelsgeschlechts, die damit verbundene Verlagerung des Herrschaftsschwerpunkts sowie die Stiftung neuer Grablegen haben zum vermeintlich baldigen Bedeutungsverlust des um 1027 gegründeten Klosters als Ort der Erinnerung an die habsburgischen Stifter beigetragen.
In jüngerer Zeit ist aber nicht nur auf das Phänomen des „kurzen Gedächtnisses“, sondern auch auf die oftmals zu beobachtenden „Wellenbewegungen“ von Erinnern und Vergessen aufmerksam gemacht worden. Ausgehend von diesen Überlegungen soll gezeigt werden, mit welchen Möglichkeiten das Kloster durch die gezielte Aktivierung von Erinnerung dem Vergessen wirksam entgegenzutreten verstand: Auch nachdem Muri längst nicht mehr zentraler Ort habsburgischer Memoria war, gelang es dem Kloster wiederholt, mit der Produktion von Schriftgut die Aufmerksamkeit der einstigen Schutzmacht auf sich zu ziehen. Bemerkenswerterweise materialisierte sich diese gezielte Aktivierung von Erinnerung in Gegenleistungen der Habsburger, die das Kloster in der Folge mit Schenkungen, Privilegienbestätigungen oder Schutzbriefen bedachten.
Ziel des Vortrags ist es, am Beispiel Muris nicht nur die Kontinuitäten und Konjunkturen des Erinnerns zu bestimmen, sondern auch die Interessen von Kloster und Adelsgeschlecht als Akteure beziehungsweise Reagierende in Momenten der Erinnerungsbildung zu beleuchten.