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Ein starkes Nachfragewachstum, stabile Preise, hohe Unternehmensgewinne und eine einfache Finanzierung haben in den letzten Jahren die Entwicklung der Photovoltaik-(PV-)Industrie geprägt. Viele Unternehmensstrategien fokussierten auf den Kapazitätsausbau. Finanzkrise, Rezession, sinkende Ölpreise und steigende Überkapazitäten haben diesen Trend abrupt beendet. Die plötzlich fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten sowie das gesunkene Vertrauen in grosse Solarprojekte haben zu einem Nachfrageeinbruch geführt. Betroffen waren nicht zuletzt die boomenden Märkte Japan und Spanien, in welchen die Nachfrage durch einschneidende Anpassungen der Einspeisevergütungen zusätzlich reduziert wurde. Der mit dem Überangebot einhergehende Preiszerfall ist für die Solarindustrie schmerzlich. Dabei sind es gerade die europäischen Solarhersteller, die zunehmend unter enormem Konkurrenzdruck seitens der asiatischen Unternehmen stehen. China, zum Beispiel, ist betreffend Lohnkosten, Energiepreise und Finanzierungskosten im Vorteil.
Zusätzliche Absatzmärkte nötig
Die übermässige Attraktivität einzelner Märkte führte zu einer Überhitzung derselben und erschwerte die geografische Diversifizierung der Nachfrage nach Solaranlagen. Um diese Abhängigkeiten zu entschärfen, benötigt die PV-Industrie dringend zusätzliche Absatzmärkte. Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden zwei Jahren mindestens zehn neue PV-Märkte mit einem jährlichen Volumen von über 500 MW entstehen werden, die gemeinsam mit den Pioniermärkten zu einer Verbreiterung der Basis für ein stabiles Wachstum beitragen. Dadurch emanzipiert sich die Solarenergie von der staatlichen Anschubförderung und bewegt sich in Richtung Netzparität. Verschiedene Länder weisen heute bereits ideale Bedingungen auf und können die Diversifikation stützen. Ein Attraktivitätsindex für 18 Länder zeigt, wo die Bedingungen für PV-Projekte in Zukunft ideal sein werden.
Vier Kriterien Länderattraktivität
Die Bank Sarasin leitet ihre weltweite Prognose für den PV-Markt aus der systematischen und vergleichenden Attraktivitätsbeurteilung der wichtigsten Länder ab. Die Bewertung basiert auf folgenden vier Kriterien:
1. Finanzielle Marktattraktivität: Als Indikator dient der Zinsfuss (internal rate of return, IRR) eines durchschnittlichen Standard-1-MW-PV-Projektes. Die Berechnungen basieren auf den Einspeisetarifen, den lokalen Stromtarifen sowie der natürlichen Einstrahlung und werden auf einer Skala von 1 bis 10 eingeordnet.
2. Marktreife: Das Kriterium beurteilt, inwieweit Infrastruktur und Unternehmen für die Installation von PV-Anlagen vorhanden sind. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 1 bis 5. Der grösste PV-Markt erhält fünf Punkte, der kleinste einen Punkt.
3. Wachstumspotenzial: Darin werden gesetzliche Obergrenzenund übergeordnete politische Ziele für die Photovoltaik beurteilt, da diese das langfristig nutzbare Kapazitätspotenzial bestimmen. Die niedrigste Obergrenze ergibt einen Punkt; keine Obergrenze ergibt fünf Punkte.
4. Effektive administrative: Abläufe Beurteilt werden die administrativen und regulatorischen Hürden eines Landes. Ermittelt wird die durchschnittliche Zeitspanne für die Realisierung eines Projektes, die in der Praxis zwischen 12 und 24 Monaten variiert. Eine kurze Zeitdauer ergibt fünf Punkte, eine lange Zeitdauer einen Punkt.
Bei kleinen PV-Aufdachanlagen bis 3 kW sind dieses Jahr die Länder Frankreich und Italien die attraktivsten Märkte. Dahinter folgen Deutschland, Japan und Portugal. In Deutschland erfolgt per Mitte Jahr eine zusätzliche einmalige Absenkung der Vergütung für Aufdachanlagen von 16%.
Bei den PV-Grossflächenanlagen über 1 MW sind dieses Jahr die Märkte in Italien, Spanien und Südafrika am attraktivsten. Die jährliche Degression ist in Italien viel tiefer (2%) als in Spanien (4%) und in Deutschland (11 bis 15%). Die Tschechische Republik fällt wegen der erwarteten Senkung des Einspeisetarifes für Freiflächenanlagen um 20% in der Rangliste zurück.
Weitere Länder in Startlöchern
Australien, Brasilien, China, Indien und die Türkei gehören zu den künftigen PV-Märkten mit riesigem Potenzial. In diesen Ländern stehen nicht die Einspeisetarife im Vordergrund, sondern günstige Komplettangebote für Strom und Licht. Diese netzunabhängigen PV-Anlagen (Solar Home Systems, SHS) müssen jedoch zuerst für die ländliche Bevölkerung erschwinglich werden. Bei attraktiven Vorfinanzierungskonditionen mit einer Zins- bzw. Unterhaltszahlung, die unter den Ausgaben für Kerosin und Kerzen liegt, können die Menschen für diese Technologie gewonnen werden. Speziell China setzt mit staatlichen Stimuluspaketen auf erneuerbare Energien. Zusätzlich soll eine Einspeisevergütung die Photovoltaik unterstützen. Die chinesischen Solarzellen- und Modulhersteller wären damit sehr gut positioniert, um von einem boomenden Heimmarkt zu profitieren.
Im Vergleich zur Photovoltatik, die elektrischen Strom aus Sonnenenergie erzeugt, nutzt die Solarthermie die in Wärme umgewandelte Sonnenstrahlung zur Warmwassererzeugung. In diesem Bereich ist China nicht nur bei der Produktion, sondern auch als Absatzmarkt dominierend. Die global neu installierte Fläche an Solarkollektoren lag 2009 bei 46 Mio m2. Rund 78% davon wurden in China installiert, das entspricht etwa einer 6,5-mal so grossen Fläche wie in Europa. Die Produktionskapazitäten sind innerhalb von zwei Jahren um rund 25% gestiegen. Im Gegensatz zur Photovoltaik werden 95% der Produktion in China selber verkauft und nur 5% exportiert.
Gute Aussichten bis 2020
Für den globalen PV-Markt ist bereits für das Jahr 2010 mit einem Wachstum von rund 30% zu rechnen. Damit kann eine neu installierte PV-Leistung von 9,3 GW realisiert werden. Die jährlichen Wachstumsraten bis 2012 liegen zwischen 30 und 40%. Überdurchschnittliches Wachstum versprechen die aussereuropäischen Märkte: China mit über 130% sowie Indien und die USA mit je 100% pro Jahr. Für 2020 prognostiziert die Bank Sarasin einen Anstieg des globalen Marktvolumens auf 155 GW und liegt damit über dem politisch getriebenen Szenario des europäischen PV-Industrieverbands EPIA.