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In Zusammenarbeit mit der Firma Heinersdorff für den Speise- und Vergnügungssaal eines Hotels.
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1920 erhielt Carl Roesch den Auftrag des Architekturbüros Ulrich & Pfister sechs Glasscheiben zur Vita Jesu für die umgebaute und reformierte Kirche im aargauischen Kölliken zu entwerfen.
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Die reformierte Kirche Amriswil wurde 1891 vom St. Galler Architekten August Hardegger (1858-1927) in neogotischem Stil erbaut. Hardegger zählt in der Deutschschweiz zu den bekanntesten Kirchenbauern des Historismus. Die Kirche in Amriswil erfuhr im Laufe der Jahrzehnte grössere Umbauten.
Heute zeigt sich der Innenraum mit einer eingezogenen Decke, die das darüberliegende Kreuzrippengewölbe verdeckt. Der ehemals runde Chorraum wurde 1944 abgetrennt und liegt hinter einer Wand verborgen. Im Zuge der Renovierungsmassnahmen von 1922 bis 1923 wurden drei Rosettenfenster zugemauert. Für die Lanzett-Drillingsfenster mit überhöhtem Spitzbogen und abschliessendem Masswerk erhielt Carl Roesch den Auftrag, Szenen aus dem Neuen Testament zu entwerfen. Zehn der Fenster handeln vom Leben und Wirken, dem Kreuztod und der Auferstehung Jesu. Zwei Fenster sind rein ornamental gestaltet, sie befinden sich an beiden Seiten der Empore. Der Zyklus beginnt im Langhaus links mit «Christi Geburt» und der gegenüberliegenden «Taufe Jesu», es folgen die «Heilung der Blinden» und «Jesus und die Kinder», mittig sind die «Auferstehung» und «Kreuzigung», gefolgt von den Darstellungen des «Samariters» und des «Verlorenen Sohnes», das Ende bilden die «Kreuztragung» und die gegenüberliegenden «Grablegung».<br>
Die ornamental-tektonische Rahmung gewinnt in Roschs Ausführung eine starke Gewichtung und bestimmt den farbigen Gesamtcharakter jedes Fensters massgeblich. Die einzelnen Drillingsfenster lässt Carl Roesch in einer Art Grundton leuchten, der sich aus weichen, sehr harmonischen Farbklängen zusammensetzt.
Die Figurengruppen erfahren eine thematische und räumliche Verdichtung und Umwertung, indem Roesch sensibel Überlieferung und eigene Interpretationen bzw. Auslegung kombiniert. So hält in der Geburtsszene nicht Maria das Kind, noch liegt es in der Krippe, wie es üblich ist, sondern Josef trägt das Kind in seinen Armen, während Maria abgewandt ins Gebet vertieft ist. Auch im «Gleichnis des verlorenen Sohnes» wandelt er die Erzählung ab. Statt des zu Hause gebliebenen treuen Sohnes stellt Carl Roesch eine Tochter dar. In der dominanten Auferstehungsszene nimmt Roesch bewusst Bezug zum «Isenheimer Altar» von Matthias Grünewald auf und übersetzt das Ölgemälde in die Glasmalerei. Selbstbewusst setzt er sein Werk damit einerseits in eine Traditionslinie mit Grünewald, andererseits integriert er sich mit dieser Adaption in das neogotische Gesamtkonzept der Kirche. Der Rückgriff auf Grünewald ist sicher auch eine Reminiszenz, die im Zusammenhang mit dem Kultstatus steht, den der «Isenheimer Altar» nach dem Ersten Weltkrieg einnahm. Aus Sicherheitsgründen war der Altar 1917 von Colmar nach München gebracht und in der Alten Pinakothek ausgestellt worden. Grünewalds Hauptwerk beeindruckte nicht nur ein breites Publikum, sondern inspirierte auch zahlreiche andere Künstler nachhaltig.
(Text: Helga Sandl / Kunsthistorikerin)
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«Jakobs Traum und Kampf der Engel»
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Die Benediktinerabtei Allerheiligen ist eines der grossen Reformklöster der hirsauischen Reform. Es zählt zu den grössten romanischen Sakralbauten in der deutschen Schweiz. Gegründet um 1050, wurde es dem heiligen Salvator und allen Heiligen geweiht. 1080 führte Abt Wilhelm von Hirsau die Reform nach dem Vorbild seiner Abtei durch. Geplant war damals ein fünfschiffiger Bau, der jedoch nie ausgeführt wurde. Stattdessen erbaute man die heutige, dreischiffige Basilika.
Im Zuge der Renovation des Münsters Allerheiligen zwischen 1950 und 1958 erhielt Carl Roesch 1952 den Direktauftrag von der Schaffhauser Münsterbaukommission für die Gestaltung der drei Chorfenster. Carl Roesch konnte damit im ältesten Teil dieses namhaften Sakralbaus eine seiner letzten grossen Glasmalereien ausführen. Im mittleren Rundbogenfenster ist Jesus als «Salvator mundi» (Retter der Welt) in Frontalansicht mit Nimbus dargestellt. Mit erhobenen Händen sitzt er auf einem Thron, seine Füsse ruhen auf einem Regenbogen, der symbolisch die Erde umspannt. Er wird in den beiden flankierenden Chorfenstern von den himmlischen Beratern, den Engeln begleitet. Entsprechend der Überlieferung ist die himmlische Hierarchie in drei Ordnungen von Engeln unterteilt: Seraphim, Cherubim und Throne bilden die höchste Ordnung, sie stehen Gott am nächsten und haben die Aufgabe, ihm zu dienen und ihn zu lobpreisen. Carl Roesch unterteilte die beiden Fenster in je drei Zonen mit Engeln in einheitlicher, stiller Gebetshaltung und gesenkten Köpfen. Vorherrschend sind in allen drei Fenstern leuchtende Blau- und Rottöne. Die vertikal gestaffelten, in blau gehaltenen Engelsreihen werden von roten, in leichtem Schwung aufsteigenden Bändern voneinander getrennt. Durch Reihung und Staffelung sich wiederholender Elemente - wie der grossflächigeren Gewänder- und Gesichtspartien - schafft der Künstler eine ruhige und einfache Ordnung, die die Diagonale betont. In den kleinteiligen Strukturen, aus denen sich die roten Bänder, die Faltenwürfe und die angedeuteten Flügelspitzen zusammensetzen, wird die Vertikale gestärkt, die die drei Zonen miteinander verbindet.<br>
Der Künstler bleibt auch in der sakralen Glasmalerei der figürlichen Darstellung verpflichtet, erlangt aber durch Reduktion und Typisierung einen hohen Grad an struktureller Abstraktion. Dem ruhig wirkenden Gesamtaufbau schreibt er eine filigrane Lebendigkeit ein. Er nimmt den in der romanischen Glasmalerei vorherrschenden Schematismus und die Monumentalität in der Darstellung auf und überführt beides in eine moderne Formensprache. Die abstrahierte und einfache Komposition der Fenster korrespondiert so mit der schlichten und klaren Architektursprache des romanischen Baus. Im Zusammenwirken entfalten Kirchenraum und Glasmalereien ihre volle Wirkung.
Die Gestaltung als auch die aussergewöhnliche Leuchtkraft und Farbigkeit der Fenster erregten nach der Fertigstellung öffentliches Aufsehen und brachten Carl Roesch sowohl Lob, als auch harte Kritik ein, die ihn lange beschäftigte. Fünf Jahre nach Anbringung der Scheiben nahm er noch eine letzte farbige Korrektur vor und der rosafarbene Nimbus der Christusfigur wich einem grünen. Ohne Roeschs Einwilligung war 1958 ein Wandteppich bei der Textilkünstlerin Lissy Funk in Auftrag gegeben und unter die Chorscheiben gehängt worden. Beide Kunstwerke treten durch ihre Nähe in direkte Konkurrenz zueinander und vermindern sich in ihrer Wirkung. 2011 wurde der Wandteppich wegen einer Aufführung im Münster abgehängt und bisher nicht wieder aufgehängt, sodass die Glasfenster ihre volle Wirkung entfalten können.
(Text: Helga Sandl / Kunsthistorikerin)