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MV: Wer wählt die Sozialdemokratie und warum?
Datum
Uhrzeit
Referat von Reto Mitteregger, Doktorand Universität Zürich
Wer wählt eigentlich sozialdemokratische Parteien? Und wer könnte sich vorstellen, sie in Zukunft zu wählen? Stimmt es, dass die Sozialdemokratie viele Wähler:innen an rechte und rechtsextreme Parteien verloren hat? Und gibt es den Widerspruch zwischen identitätspolitischen und wirtschaftspolitischen Wahlentscheidungen wirklich?
Reto Mitteregger forscht an der Universität Zürich zur Sozialdemokratie. An unserer MV wird er uns seine Forschungsresultate vermitteln und unter anderem folgende Fragen beantworten:
In welcher Situation befindet sich die Sozialdemokratie in Europa und der Schweiz?
Seit den 1960er und 1970er Jahren haben die sozialdemokratischen Parteien in Europa im Durchschnitt etwa 15 Prozentpunkte an Wähleranteil verloren. Auch die SP Schweiz hat – wenn auch weniger dramatische – Einbussen hinnehmen müssen und erzielt seit 2007 auf nationaler Ebene lediglich Wahlanteile unter 20%. Ursachen dafür sind hauptsächlich eine veränderte Sozialstruktur und eine generelle Fragmentierung der Parteiensysteme.
Wer wählt die SP?
Das Elektorat der SP Schweiz besteht schon seit mehr als 20 Jahren aus einem überproportionalen Anteil von Wähler:innen aus höheren Bildungsschichten und mittleren Einkommensschichten, sowie einem verhältnismässig grossen Anteil von Wähler:innen in (hoch) qualifizierten, personenbezogenen Dienstleistungsberufen. Ähnlich wie ihre Schwesterparteien in Westeuropa mobilisiert die SP Schweiz auch zunehmend ältere Wähler:innen.
Wer wählt die SP nicht mehr?
Die Sozialdemokratie hat in den letzten 25 Jahren die wenigsten Wähler:innen zu
rechtspopulistischen Parteien und die meisten zu grünen und mitte-rechts Parteien
verloren. In der Schweiz gibt es heute vornehmlich Wählerwanderungen im linken Lager,
nur sehr wenige Wähler:innen wechseln von der SP zur SVP oder FDP.
Warum wird die SP gewählt und wie positioniert sie sich?
Programmatisch vertritt die SP am ehesten ein «Neu-Linkes Programm», betont also sowohl gesellschaftspolitisch progressive Themen, als auch ökonomisch-linke Positionen. Im europäischen Vergleich ist die SP sowohl die verteilungspolitisch- linkste, als auch die gesellschaftspolitisch-progressivste sozialdemokratische Partei. Die SP wird sowohl aufgrund gesellschaftspolitischer, als auch verteilungspolitischer Positionen gewählt, wobei erstere für die Wähler:innen sogar noch wichtiger sind. Dieses neu-linke Programm scheint für die SP demnach auch perspektivisch die potentiell erfolgsversprechendste Strategie darzustellen, um in einer zunehmend fragmentierten Schweizer Parteienlandschaft und transformierten Sozialstruktur bestehen zu können.