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#WOODVETIA ehrt Henry Dunant
Bei der kleinen italienischen Ortschaft Solferino, einige Kilometer südlich des Gardasees, wurde am 24. Juni 1859 eine äusserst blutige Schlacht geschlagen. Sie entschied den Krieg zwischen Österreich und Piemont-Sardinien und dessen Verbündeten Frankreich. Österreich erlitt eine Niederlage und musste in der Folge die Lombardei abtreten. Auch in der Toskana verloren Habsburger ihre Besitzungen. Das ebnete den Weg für die Einigung Italiens.
Sturz eines Empfindsamen in das Grauen des Krieges
Das war den Zeitgenossen Ergebnis genug. Doch aus heutiger Warte scheint wichtiger, was die Schlacht in einem jungen, philanthropisch und christlich geprägten Mann auslöste, der sich eigentlich mehr aus Zufall ebenda aufhielt, wo Abertausende ihr Leben im Kampf liessen – und Tausende in den Tagen danach, weil die Versorgung der Verwundeten völlig ungenügend war.
Der 31 Jahre alte Henry Dunant war als Handelsreisender in Italien unterwegs, um dem französischen Machthaber Napoléon III. Geschäftspläne in Algerien zu unterbreiten. Er hoffte auf direkte Unterstützung von höchster Stelle dafür. Stattdessen geriet Dunant Ende Juni 1859 in Solferino in eine unmittelbare Anschauung der Hölle auf Erden.
Helfen, wo Hilfe notwendig ist – ohne Ansehen der Person
‹Die ersten Sonnenstrahlen des 25. [Juni] beleuchteten eines der furchtbarsten Schauspiele, das sich dem Auge darzubieten vermag. Überall war das Schlachtfeld mit Menschen- und Pferdeleichen bedeckt; auf den Strassen, in den Gräben, Bächen, Gebüschen, auf den Wiesen, überall lagen Tote umher, und die Umgebung von Solferino war im wahren Sinne des Wortes damit übersät.›
So hielt es Dunant später in seinem Buch ‹Un souvenir de Solférino› fest, das nach seiner Rückkehr nach Genf 1862 zunächst in französischer Sprache erschien (deutsch 1863). Zurück blieben unzählige Verwundete, die mehr oder minder sich selber überlassen blieben und starben wie die Fliegen, weil es an allem fehlte.
Dunant ging nicht bloss als späterer Chronist des grausamen Spektakels vom Platz. Unter dem Eindruck dessen, was er sah, organisierte er spontan Hilfe unter der Bevölkerung der umliegenden Gemeinden – und machte mit seinem Beispiel Schule, allen zu helfen, die Hilfe nötig hatten, ohne Rücksicht darauf, welche Uniform sie trugen.
Auf dem Weg zum Roten Kreuz
Doch hier unter persönlichem Einsatz Not zu lindern, das war Dunant klar, war angesichts der Allgegenwärtigkeit des Krieges zu wenig. Es musste etwas geschehen, was dessen Grauen möglichst überall eindämmen half, wo die Waffen sprachen.
Hilfsgesellschaften für Verwundete müsste man aufbauen, dachte sich Dunant, und zwar in jedem Land. Und es sollte dem Hilfspersonal in jedem Krieg möglich sein, als Neutrale Verletzte ungehindert zu versorgen. Den Vorschlag zur Gründung von Hilfsgesellschaften verbreitete sein Buch über das Mahnmal Solferino, das, in viele Sprachen übersetzt, bald europaweit gelesen wurde.
1863 kam es in Genf zur Bildung eines Komitees der Hilfsgesellschaften für Verwundetenpflege. Fünf Persönlichkeiten gehörten ihm an, darunter Dunant sowie General Dufour, der es präsidierte. Ein Jahr später fasste Dunants Idee international Fuss: 1864 wurde, wiederum in Genf, die erste internationale Konvention des Roten Kreuzes von 16 Ländern unterzeichnet.
Der Idealist und das Leben
Sein humanitäres Projet absorbierte Dunant indessen derart, dass er seine Geschäfte in Algerien vernachlässigte. Daraus entstanden seinen Auftrag- und Geldgebern grosse Verluste; Dunant selber musste Konkurs anmelden. Das beschädigte seinen Ruf in Genf derart, dass er auch aus seiner Rolle im Roten Kreuz gedrängt wurde. Dunant verliess seine Vaterstadt – noch bevor ihn das Genfer Handelsgericht 1868 wegen betrügerischen Konkurses verurteilte.
Es folgten Jahre in Paris, in denen sich Dunant weiter für seine Ideen engagierte, jedoch auch immer weiter verschuldete. Stuttgart, Rom, Basel, London waren spätere Stationen eines zunehmend von Entbehrungen geprägten Lebens. Vollständig verarmt, kam Dunant ab 1887 in Heiden in Appenzell Ausserrhoden unter, wo er als Unbekannter und Vergessener seine Memoiren schrieb.
Erst 1895 machte ein Journalist aus St. Gallen Dunant in Heiden ausfindig und sorgte mit einem in ganz Europa wahrgenommenen Artikel dafür, dass die Welt den geistigen Vater des Roten Kreuzes wiederentdeckte. 1901, neun Jahre vor seinem Tod, wurde ihm zusammen mit dem französischen Pazifisten Frédéric Passy der allererste Friedensnobelpreis verliehen.
Würdiger Anlass in Genf
Zur Enthüllung der #WOODVETIA-Statue von Henry Dunant im Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum in Genf sprachen am Dienstag Isabel Rochat, Stiftungsratspräsidentin des Museums, Claude Haegi, Präsident der Lignum Genf, Samuel Dunant, ein Nachfahre von Henry Dunant, der Genfer Staatsrat Luc Barthassat sowie Claire-Lise Suter vom Bundesamt für Umwelt in Bern als #WOODVETIA-Kampagnenleiterin.
Der Ahorn, aus welchem die Figur Dunants gefertigt wurde, stammt wie der Dargestellte aus Genf und erreichte ein Lebensalter von ungefähr 90 Jahren. Der Baum wurde damit älter als Dunant selber, der 1910 im Alter von 82 Jahren in Heiden starb, aber bis heute unvergessen ist. Bei seinem Grabmal auf dem Zürcher Sihlfeld-Friedhof legen Besucher noch heute immer wieder Blumen nieder.
#WOODVETIA – die Kampagne für mehr Schweizer Holz
Die Aktion #WOODVETIA für mehr Schweizer Holz ist im Januar 2017 gestartet. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen lebensgrosse Holzfiguren von grossen Schweizerinnen und Schweizern wie beispielsweise diejenige von Henry Dunant. Sie ist die 18. Figur einer Serie von 20 Werken.
Die bisher dargestellten Persönlichkeiten sind Alfred Escher, Auguste Piccard, Carla Del Ponte, Gilberte de Courgenay, Giovanni Segantini, Gottlieb Duttweiler, Guillaume Dufour, Henry Dunant, Iris von Roten, Johanna Spyri, Kathrin Altwegg, Lux Guyer, Marie Tussaud, Polo Hofer, Rudolf Olgiati, Simon Ammann, Simone Niggli-Luder sowie Stress.
Ein Mensch, ein Holz
Die Figuren werden jeweils aus einer Holzart hergestellt, die aus der Herkunftsregion der dargestellten Person stammt. Der Zürcher Künstler Inigo Gheyselinck schafft die Statuen unter Einbezug verschiedener Partner aus der Wald- und Holzbranche.
Während des ganzen Jahres werden immer wieder neue Holzfiguren im öffentlichen Raum aufgestellt, so dass man ihnen an überraschenden Orten begegnen kann. Dabei sind sie stets frei zugänglich. Im November werden alle Figuren in Bern erstmals als Ensemble präsentiert.