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Speicher von 1589 im Weiler Unterhaus
Der Speicher ist ein Hälbling-Blockbau unter stark geknicktem Satteldach. Eines der zwei letzten Beispiele im Bernbiet. Wände aus waagrechten halbierten Stämmen, die sich in den Gebäudeecken gegenseitig überblatten; Obergeschoss mit umlaufender Laube und neun Getreidekasten. Konsolen mit Stern-Relief. Eingangstüre mit Kielbogen, gerahmt von wuchtigen Ständern mit Stabproﬁlen. Schoss flankiert von den zwei untersten Hälblingen. Das Gebäude ist unterkellert. Eingang ausgerichtet zum Bauernhaus.
Im ursprünglichen Einzugsgebiet der Herrschaft Diessbach gab es früher mehr Gemeinden als heute. Einzelne sind nur noch als Ortsteile präsent, andere habe ihre Zukunft in Linden gefunden. Und das Unterhaus – der Ort dieses Speichers – hat eine ganz besondere Geschichte.
Unterhaus – ein vergessenes Territorium
Dass in alten Zeiten um die Burg auf dem Diessenberg gekämpft wurde, wird dokumentiert durch Pfeilspitzen, die bis in die heutige Zeit in der Unterhausweid gefunden wurden. Im Normalfall dienten die zwei Heimwesen unterhalb des Hügels aber wohl schon zur Zeit der Kyburger vor 1218 zur Versorgung der Burg (des Hauses) oben auf dem Berg. Der spätere Speicher war ein wichtiger Aufbewahrungsort für die haltbaren Nahrungsmittel. Er ist deshalb so ausgerichtet, dass er vom Bauernhaus aus im Auge behalten werden kann. Nach dem Fall der Burg blieb das Territorium wohl im herrschaftlichen Besitz, blieb aber über Jahrhunderte eine Enklave, die zu keiner Gemeinde gehörte. Erst 1852 wurde das Unterhaus der Gemeinde Aeschlen zugeschlagen. Die Schüler gingen bis 1889 aber weiterhin in Diessbach zur Schule.
Aeschlen beherbergt mit dem Diessenberg einen wichtigen Ursprung des heutigen Dorfes. Aesch könnte «bei den kleinen Äckern» bedeuten (siehe auch A2). Trotz der Kleinheit wird die Streusiedlung bereits im 15. Jh. als Dorf bezeichnet. Bis ungefähr 1820 gehörte Aeschlen nicht nur zur Kirchgemeinde, sondern auch zur Schulgemeinde Diessbach. Die weit verstreute Gemeinde musste ab 1980 viele frühere Kantonsaufgaben übernehmen und kämpfte deshalb mit finanziellen Schwierigkeiten. Dies führte zu einem öffentlichen Spendenaufruf, der ein internationales Echo und namhafte Spenden einbrachte. Trotzdem musste die Gemeinde 2010 mit Oberdiessbach fusionieren – und als «Pfand» die eigene Primarschule aufgeben.
Die urkundlich 1316 erstmals erwähnte Gemeinde Bleiken liegt auf der südlichen Seite der Aeschlenalp zwischen der Falkenfluh und der Rotache. Der Name wird von Bleikinen (Leinwandbleichen) abgeleitet (siehe auch A2). Bleiken gehörte seit dem Mittelalter zur Herrschaft Diessbach, später zur Gemeinde Buchholterberg. 1786 wurde das Bauerndorf selbständig. Zu den Anziehungspunkten gehörte das 1881 bei der Falkenfluh errichtete Kurhotel (W9). Um grössere finanzielle Probleme zu vermeiden, schloss sich Bleiken 2014 der Gemeinde Oberdiessbach an. 1833 wurden im Zuge der Neuordnung der Eidgenossenschaft neu Einwohnergemeinden gebildet. Im Bereich der Kirchgemeinde Oberdiessbach gab es die Tendenz, aus jedem Dorf und Dörflein eine eigenständige Gemeinde zu bilden. So wurden auf der Sonnseite des Kurzenberges die wenigen Gehöfte von Schönthal und Barschwand je zu einer Einwohnergemeinde ausgerufen. Die Gemeindeversammlung von Schönthal wurde um 1850 aber nur von drei bis fünf Bürgern besucht, meist identisch mit dem Gemeinderat. In Barschwand konnte nach 1858 die Armenunterstützung nicht mehr gewährt werden. So kam es 1887 nach langen Verhandlungen zum Zusammenschluss der drei Gemeinden Schönthal, Barschwand und Ausserbirrmoos (ebenfalls auf dem Kurzenberg). Zwei Generationen später – 1946 – gelang dann die Verschmelzung von Ausserbirrmoos mit Innerbirrmoos und Otterbach zur heutigen Gemeinde Linden.
Schon früher – 1818 – wurde die Gemeinde Glasholz aufgelöst und in die Gemeinde Oberdiessbach integriert. Sie war 1768 als «Ansiedlungsprojekt» für neue Arbeitskräfte gegründet worden und nahm bis 1775 fünf deutsche Handwerkerfamilien als Burger auf – darunter eine Familie Vogt (1768), wohl der Ursprung der späteren Vogt-Dynastie (W11). Jede der auswärtigen Familien musste der Herrschaft Diessbach und der Gemeindekasse Glasholz ein Einkaufsgeld bezahlen. Wieviele der eingekauften Glasholzburger allerdings bereit waren, hier Wohnsitz zu nehmen, ist unklar. Und auch das Einkaufsgeld wurde nicht immer bezahlt. 1817 wohnten immerhin 13 Familien mit 77 Angestellten in der künstlichen Gemeinde. Sie wurden später u.a. in die Gemeinde Oberdiessbach aufgenommen – darunter die Familie Vogt. Die im Glasholz wohnenden Schulkinder besuchten aber weiterhin die nähere Schule am Kurzenberg.
Die 1700 entstandene Gemeinde Hauben blieb nur kurz selbständig. Die enge Zusammenarbeit mit Diessbach führte 1888 zur Fusion. In den klaren Grenzen der Raumplanung hat sich in den letzten Jahrzehnten aus Hauben ein kompaktes Wohnquartier entwickelt (Bild).
Unterdessen hat sich Oberdiessbach zu einem regionalen Zentrum mit engen Verbindungen zu den umliegenden Gemeinden entwickelt. Zu nennen wären etwa der Regionale Sozialdienst, die Feuerwehr und die Schule (Oberstufe). Die reformierte Kirchgemeinde umfasst heute noch die Gemeinden Brenzikofen, Herbligen, Freimettigen und Oberdiessbach – und die fusionierten Ortsteile Bleiken und Aeschlen.