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Ein Projekt von Helvetas Schweiz
Die miserable sanitäre Grundversorgung ist in Mali die Hauptursache für Malaria und tödliche Durchfallerkrankungen. Helvetas fördert den Bau sicherer Latrinen und klärt die Bevölkerung über die Folgen mangelnder Hygiene und unzureichender Abwasserentsorgung auf.
Malaria und Typhus - Folgen mangelnder Hygiene
Die Gemeinde hat zusammen mit Helvetas einen Plan für die Schaffung der sanitären Grundversorgung erarbeitet. Erste Priorität hat die Versorgung der Haushalte mit sauberen und sicheren Latrinen aus Zement. Dazu gehört auch der Bau von geschlossenen Sickergruben. Heute fliessen die Abwässer der Haushalte direkt auf die Strasse und sammeln sich dort zu stinkenden Tümpeln. Die Latrinengruben müssen regelmässig manuell geleert werden. Die Fäkalien werden dabei in der Regel vor die Hausmauer auf die Strasse geschüttet. Dort trocknen sie und werden nach einer gewissen Zeit mit Karren auf die Felder gebracht.
Die miserable sanitäre Grundversorgung ist der Hauptgrund für die starke Zunahme von Krankheiten. Vor allem Malaria ist ein grosses Problem. Die offenen Abwässer sind Brutstätten für Mücken, die die Malaria übertragen. «Diesen Zusammenhang müssen wir den Familien erklären, damit sie verstehen, warum der Bau von geschlossenen Sickergruben so wichtig ist», erklärt Koussé Koné, Projektverantwortlicher von Helvetas in Mali. Da traditionell die Frauen für Hygiene und Gesundheit in den Familien verantwortlich sind, läuft die Sensibilisierungsarbeit primär über die Frauenkooperativen. Die Frauen müssen ihre männlichen Familienmitglieder davon überzeugen, ihre sanitäre Situation zu Hause zu verbessern.
Neben Malaria ist Typhus die häufigste Krankheit, die durch unzureichende hygienische Bedingungen verursacht wird.Weil die Latrinen und die Haushaltsbrunnen oft nur wenige Meter voneinander entfernt sind, fliesst in der Regenzeit durch Fäkalien kontaminiertes Wasser in die Brunnen. Die Krankheitssymptome von Typhus sind anfangs denen von Malaria ähnlich. Wenn fälschlicherweise Malaria statt Typhus diagnostiziert und in der Folge die Krankheit falsch behandelt wird, sinken vor allem bei Kindern unter fünf Jahren die überlebenschancen drastisch.
Verbesserungen kosten nicht die Welt
Bürgermeister Togola erklärt: «Uns fehlen die Mittel, um jede Familie mit sicheren Latrinen und Sickergruben zu versorgen. Unsere Aufgabe beschränkt sich hauptsächlich auf die Sensibilisierung der Bevölkerung.» Die erste Phase des Helvetas Projektes bestand deshalb in einer Informationskampagne über das lokale Radio. In einer zweiten Phase wurden vor allem Frauengruppen im Quartier in das Projekt einbezogen. Lokale Animatoren, von Helvetas ausgebildet, klärten die Frauen über die Folgen mangelnder Hygiene und fehlender Abwasserentsorgung auf.
In der aktuellen, dritten Phase gehen die Projektmitarbeitenden von Haustüre zu Haustüre und besprechen mit den Familienchefs, welchen Beitrag die Familien leisten können. «Eine Verbesserung der Situation ist nicht primär eine Frage des Geldes», so Togola, «sondern eine Frage des Willens.» Für den Bau von sicheren Latrinen und Sickergruben brauche es Sand und Steine. Gekauft werden müssten etwas Zement, Plastikrohre und ein Latrinendeckel aus Zement. «Das kostet nicht die Welt», betont der Bürgermeister, «die Arbeit können die Familien in den meisten Fällen selbst verrichten.»
Damit die Bevölkerung künftig unabhängig von Entwicklungshilfe wird, setzt Helvetas auf privates Unternehmertum. Mit der Unterstützung von Helvetas hat Oumar Sogodogo in Koumantou einen Sani-Marché eröffnet. Sogodogo produziert Latrinenabdeckungen aus Zement. 6500 Franc CFA kostet ein neuer Latrinendeckel, umgerechnet 20 Schweizer Franken. Mit einer Zementabdeckung kann eine Latrine sauber gehalten und das Loch verschlossen werden. «Dank der Aufklärungskampagne von Helvetas wächst die Nachfrage nach Latrinendeckeln ständig», freut sich Oumar Sogodogo. «Saubere und sichere Latrinen werden immer mehr zu einem Prestigeobjekt. Das ist gut für mein Geschäft und für die Gesundheit der Bevölkerung», erklärt der junge Unternehmer zufrieden.
Die malische Stadt Bougouni wächst rasch. Mit der Bevölkerung wachsen auch die Abfallberge und Abwasserlachen. Helvetas unterstützt die Stadtgemeinde dabei, ihre Entsorgungsprobleme in den Griff zu bekommen und damit erst noch Arbeitsplätze zu schaffen. Einer, der von der Partnerschaft profitiert hat, erzählt seine Geschichte.
Said, wären Sie so freundlich, sich unseren Leserinnen und Lesern kurz vorzustellen?
Ich bin 42 Jahre alt, habe zwei Ehefrauen und drei Kinder. Ich arbeite seit zehn Jahren im Siedlungshygiene-Sektor und lebe nur davon. Meine GIE verfügt über zwei Karren, der eine dient zum Einsammeln der Haushaltabfälle, der andere trägt die Pumpe, mit der wir die Latrinen entleeren können. Ich träume davon, ein Unternehmen zu führen, das mit Hygienedienstleistungen Millionen verdient und zahlreiche Arbeitsplätze schafft!
Mit welchen Schwierigkeiten sehen Sie sich konfrontiert?
Das Hauptproblem hängt mit der Art und Weise zusammen, wie die Menschen in Bougouni leben. Bougouni wächst rasch. Ihre Lage an der Kreuzung zweier wichtiger Hauptstrassen - die eine kommt aus der Elfenbeinküste, die andere aus Guinea - macht aus der Stadt einen wichtigen Handelsplatz und einen Anziehungspunkt für Leute aus dem Umland, die im Ausland Arbeit suchen wollen. Trotz des Wachstums hat die Bevölkerung von Bougouni eine eher ländliche Lebensweise beibehalten. In deren Zentrum steht die Landwirtschaft. Die Mentalität der Menschen hat grosse Auswirkungen auf ihren Umgang mit Fragen der Sauberkeit. Die Menschen ziehen es beispielsweise vor, ihre Haushaltabfälle zurückzubehalten, um sie für das Düngen ihrer Felder zu benutzen. Daher weigern sich viele Haushalte, ihre Abfälle einer Entsorgungsfirma zu überlassen. Sie häufen diese stattdessen im Hof ihrer Häuser auf, was wesentlich zur schlechten hygienischen Situation in der Stadt beiträgt
Was für Lösungen sehen Sie für dieses Problem?
Zwei konkrete Schritte werden zur Lösung des Problems führen. Einerseits trägt das von Helvetas und ihren Partnern betriebene soziale Marketing dazu bei, dass sich das Verhalten der Leute ändert. Andererseits ist die Stadtregierung daran, mit Unterstützung von Helvetas eine zentrale Kompostieranlage einzurichten. Der Kompost, der aus den Haushaltabfällen hergestellt werden wird, die meine und andere GIEs abtransportieren, wird zu einem reduzierten Preis verkauft werden. - Das nenne ich einen gelungenen Kompromiss: Unsere Stadt wird sauberer, und die Bevölkerung erhält gleichzeitig günstigen organischen Dünger für ihre Felder.
Sie nehmen an fast allen Treffen der Gemeinde mit Helvetas teil. Warum das?
Helvetas ist für mich eine unerschöpfliche Wissensquelle. Jedes Mal, wenn ich an einem Treffen mit Helvetas gewesen bin, komme ich mit einer neuen, nützlichen Idee nach Hause, die ich sofort in meiner Arbeit umsetzen kann. Häufig profitieren wir von Trainingskursen oder erhalten Unterstützung, wenn wir uns das eine oder andere Gerät anschaffen wollen. Das sind die Gründe, warum ich an den Treffen mit Helvetas teilnehme: Sie bereichern mich immer.
Was genau haben Sie von Helvetas gelernt?
Das Wichtigste, was ich lernte, war, eine Gesamtsicht meines Unternehmens zu entwickeln und meine Ressourcen - das Geld genauso wie das Material - rational zu managen. Was ich gelernt habe über Führung und Motivation der Mitarbeiter, aktives Zuhören, das Akquirieren neuer Kunden und all die Aspekte des sozialen Marketings, hat mir in meiner Arbeit sehr geholfen und hilft mir heute noch.
Was haben Sie dank Ihrer Arbeit gewonnen?
Um ehrlich zu sein: Ich bin sehr stolz auf mich selbst. Dank dieser Arbeit verdiene ich mir meinen Lebensunterhalt selbständig. Als ich damit anfing, war ich bereits mit meiner ersten Frau verheiratet. Kurz danach konnte ich mir ein Velo kaufen, um mich fortzubewegen, dann ein Mofa, noch später ein Motorrad - und heute besitze ich ein eigenes Auto. Nach all dem habe ich eine Landparzelle gekauft und ein Haus darauf gebaut, wo ich heute mit meiner Familie lebe. Ausserdem habe ich drei Händlern Geld vorgestreckt, das sie mir mit 15% Zinsen zurückzahlen müssen. Und ich habe ein Konto bei der städtischen Sparkasse. - Da soll noch einer sagen, mit Hygienedienstleistungen lasse sich kein Geld verdienen!
Wir haben gehört, dass die Kinder im Quartier Sie «Bôô Chef» rufen. Das scheint Ihnen zu gefallen. Warum?
Der Ausdruck bedeutet «Chef der Exkremente». Das gefällt mir, weil es Gratiswerbung ist für mich! Ausserdem verdiene ich meinen Lebensunterhalt ja wirklich mit dieser Arbeit, und wenn mich die Bevölkerung so nennt, dann zeigt sie damit auch, dass sie mich und die Qualität meiner Arbeit anerkennt.
Wie sehen Sie Ihre Zukunftsperspektiven?
Mittelfristig möchte ich die technischen Kapazitäten meiner GIE vergrössern, damit wir mehr Aufträge ausführen können. Längerfristig wünsche ich mir, dass meine Gesellschaft ein richtiges Unternehmen wird, das viele Arbeitsplätze für die jungen Menschen in unserer Stadt schafft.
Wenn Sie etwas an der Art ändern könnten, wie Helvetas arbeitet, was wäre es?
Ich würde es so einrichten, dass die Aktivitäten von Helvetas und unsere Siedlungshygiene-Aktivitäten jeden hinterletzten Winkel von Mali erreichen würden.
Und wenn Sie etwas im Leben ändern könnten, was wäre es?
Ich würde die Armut von der Erdoberfläche wegfegen, weil ich sie aus ganzem Herzen verabscheue!
Yaya Coulibaly ist Konsulent für Kommunikation. Guindo Fatim Sidibé ist Verantwortliche für das «Programm zur Begleitung lokaler Akteure in Wasser- und Hygienefragen» von Helvetas Mali und der DEZA