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einsinken. Infolgedessen hat die Erosion der Gewässer und der
Gletscher dieses charakteristische Relief erzeugt, indem sie
die flach geneigten Schichtrücken der Westabdachung abtrug und die Schichtköpfe auf der Ostseite in schroffen Abstürzen
abschnitt.
Der dritte Abschnitt der Aagruppe liegt auf dem Nordufer des
Vierwaldstättersees und umfasst den
Vitznauerstock (1448
m) und die
Rigihochfluh (1603 m), welche die geologische Fortsetzung des
Bürgenstocks bilden. Der
Rigi, der seiner
Höhe wegen
gewöhnlich zu den
Voralpen gerechnet wird, wie dies auch in der Einteilung im Artikel
Alpen geschieht, gehört nach seinem
geologischen
Baue eigentlich zum voralpinen
Mittelland. Er erhebt sich in derScheidegg auf 1648 m, im
Kulm
auf 1800 m. Diese imposante, von steilen
Wänden umgebene Bergmasse überragt so an
Höhe die nächstliegenden Ketten von alpin
geologischem Charakter, den
Vitznauerstock und die
Rigihochfluh. Er verdankt diese Eigentümlichkeit dem Umstande, dass die
Schichten, welche die beiden letztem aufbauen, stark nach Süden einsinken und durch die bei
Vitznau ausmündenden
Bachrinnen in zwei schmale
Gräte zerlegt sind, während die Schichten des
Rigis nicht nur stark aufgerichtet sind, sondern
überdies aus einem sehr widerstandsfähigen Material bestehen. Der
Rigi ist das Aequivalent der Gipfel des
Entlebuchs und
des mittleren
Emmenthals, die ebenfalls dem voralpinen Gebiet zugerechnet werden (siehe den Artikel
Emmengruppe).
Geologie.
Die Angaben im Abschnitt Geologie des Kantons
Unterwalden gestatten eine summarische Behandlung des geologischen Baues dieser
Gebirgsgruppe. (Siehe jenen Artikel und die ihm beigegebenen geologischen Profile). Wir vervollständigen hier jene Beschreibung
durch Details über den Bau der verschiedenen Gebirgsabschnitte und der nördlich vom
Vierwaldstättersee
liegenden Berggruppe.
Die geologischen Bildungen, die am Aufbau der
Berge der Aagruppe teilnehmen, sind folgende:
Neuere Bildungen.
Gehängeschutt und Bergsturzablagerungen. Sie sind in der Hochgebirgsregion sehr reich entwickelt, besonders in der Umgebung
der Kalkmassive des Hohstollen, des
Graustocks und des
Uri-Rotstocks. In der geologischen Beschreibung des KantonsUnterwalden
haben wir die grossen
Bergstürze dieses Gebietes erwähnt, unter denen der
Bergsturz, der den
Lungernsee aufgestaut hat und
derjenige, der das Gebiet des Kernserwaldes mit gewaltigen Felstrümmermassen überschüttet hat, die bemerkenswertesten
sind.
Die Fluss- und Seeablagerungen sind in den tiefen Gebieten ebenfalls von grosser Bedeutung. Die ausgedehntesten sind diejenigen
der
Ebenen von
Giswil und
Alpnach und besonders die weite Alluvialebene, welche die Bucht von
Hergiswil mit
derjenigen von
Buochs verbindet. Diese
Ebenen sind von grossem Einfluss auf den landschaftlichen Charakter dieses Gebietes,
indem sie die
Berge der Umgebung auffällig hervortreten lassen. Sie bestehen aus Bachschuttausfüllungen, die während der
Aushöhlung der
Thäler aus den
Bergen heraus geführt worden sind.
Die
Ebene von
Giswil ist durch die Ablagerungen der kleinen
Melchaa und des
Lauibaches aufgeschüttet worden; diejenige von
Alpnach
verdankt ihre Entstehung der gewaltigen Geschiebeaufschüttung der beiden
Schlieren und, im oberen Teil, der grossen
Melchaa,
die einen Teil des
Bergsturzes vomStanserhorn zugedeckt hat. Die
Ebene von
Stans endlich ist fast ausschliesslich
das Produkt der Geschiebeablagerungen, mit denen die Engelbergeraa einen Arm des
Vierwaldstättersees ausgefüllt hat. Wahrscheinlich
hat dazu auch die grosse
Melchaa beigetragen, zur Zeit, da sie über
Kerns und die
Ebene von Drachenried floss.
Glaziale und diluviale Bildungen.
Dazu gehören vor allem die Moränenablagerungen. Sie verdanken ihre Entstehung den Hauptgletschern,
die einst in die grossen
Thäler hinunterstiegen, zum Teil auch den Lokalgletschern, die nach dem Rückzug der grossen
Gletscher
noch eine zeitlang in den Seitenthälern lagen. Während der Hauptausdehnung der
Gletscher vermischte sich das Schuttmaterial
der Seitengletscher natürlich mit demjenigen der Hauptgletscher. Die Ablagerungen derselben werden überall
auf den Abhängen der grossen
Thäler bis in eine gewisse
Höhe angetroffen, welche die vom
Gletscher erreichte obere Grenze
bezeichnet.
Besonders bemerkenswert ist, dass ein Arm des alten Aaregletschers den
Brünig überschritten und auf der Passhöhe selbst,
in der Nähe vonLungern und besonders auch bei
Giswil, am Eingang ins
Melchthal, auf dem
Muetterschwanderberg
und in der Nähe von
Stans viele Moränen und erratische Blöcke hinterlassen hat. Das von den grossen Gletschern einst bedeckte
Gebiet zeigt an den entblössten Felsflächen die Spuren der Gletschertätigkeit in Form von charakteristischen Schliffen.
In unserem Gebiete gibt es nur spärliche fluvioglaziale Ablagerungen, da diese Bildungen hauptsächlich
ausserhalb des einst von den grossen Gletschern bedeckten Gebietes verbreitet sind.
In der Tertiärformation
lassen sich zwei verschiedene Stufen unterscheiden: Die Molasse (Miozän), die im Gebiet des
Rigi als Nagelfluh und Sandstein
mit eingelagerten Mergelbändern entwickelt ist und eine Mächtigkeit von mehr als 2000 m erreicht, und
im alpinen Gebiet der Flysch (Sandsteine und Schiefer) und die Kalke und Schiefer der Nummulitenbildung (Eozän). Wahrscheinlich
repräsentieren die Sandsteine und Schiefer in der Basis des
Rigi (Ralligenschichten) den oberen Flysch.
Kreide.
Die obere Kreide ist vertreten durch die bald
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mehr
kalkig, bald schiefrig ausgebildeten Seewenschichten und die nur stellenweise vorhandenen Wangschichten. Diese Schichten
repräsentieren die ganze vom Danien bis zum Cenomanien reichende Schichtfolge. Ihr Liegendes bildet der Gault (Albien),
der jedoch hie und da fehlt. Er besteht aus Grünsandstein, sandigen Echinodermenbreccien oder Schiefern, besitzt eine wechselnde
Mächtigkeit und ist oft sehr reich an Fossilien. Als oberste Stufen der untern Kreide erscheinen der
obere Schrattenkalk (Aptien) und der untere Schrattenkalk (Urgonien), der bereits die oberste Stufe des Neocomien bildet.
Diese beiden Bildungen verschmelzen topographisch zu einer einheitlichen, 200-300 m mächtigen Masse, die sehr auffällige
Steilabstürze aufbaut, z. B. am Bauen, am Bürgenstock, an der Rigihochfluh und am Vitznauerstock. Die darüber
liegenden Schichten des Gault und der oberen Kreide treten landschaftlich sehr wenig hervor, da sie im Verein mit Nummulitenkalk
und Flysch fast nur in der Synklinalen auf den flach geneigten Abhängen erhalten sind. Das mittlere Neocom (Hauterivien)
umfasst die mergeligen Drusbergschichten und den Kieselkalk mit einer Gesamtmächtigkeit von 300-550
m. Die beiden Abteilungen lassen sich in den Falten, welche die Bergketten aufbauen, sehr leicht erkennen, weil die vorwiegend
kalkige Natur der untern Stufe die Bildung hoher felsiger Hänge verursacht, die jedoch der vielen mergeligen Einlagerungen
wegen fast immer gut gangbar sind. Im Gebiete südlich von Sarnen treten die Drusbergschichten an die
Stelle des untern Schrattenkalkes und entsprechen hier also wohl dem unteren Urgon (Barremien).
Das untere Neocom (Valangien) besitzt nicht nur eine sehr veränderliche Mächtigkeit (100-300 m), sondern zeigt auch eine
sehr unbeständige petrographische Zusammensetzung. Sein oberer Teil ist in den verschiedenen Ketten
bald kalkig, bald mergelig-kalkig oder rein mergelig ausgebildet und seine Mächtigkeit nimmt von Norden nach Süden zu. An
seiner Basis liegt jedoch stets eine Mergelzone (Berriasmergel). In den Klippen (Stanserhorn, Musenalp etc.) ist das Neocom
durch
schiefrige Kalke und die obere Kreide durch rote Kalkschiefer (Couches rouges) repräsentiert.
Juraformation.
Der obere Jura (Malm) stellt eine mehr oder weniger dunkelgraue Kalkmasse dar, die unter dem Namen Hochgebirgskalk bekannt
ist und deren Mächtigkeit infolge der erlittenen Dislokationen (Auswalzung oder Verdoppelung) ausserordentlich wechseln
kann. Am Titlis übersteigt seine Mächtigkeit 1000 m, während er an andern Stellen nur 20-30 m erreicht
oder ganz verschwindet. Dieselbe Beobachtung kann man in Bezug auf die andern Abteilungen der Juraformation machen.
Unter dem obern Malm Kalk erscheinen die schiefrigen Kalke des Argovien und die oft sehr petrefaktenreichen Schiefer des
Oxfordien. Der mittlere Jura oder Dogger besteht, wenn die Schichtreihe vollständig ist, aus einem mächtigen Schichtenkomplex,
in welchem dunkle Kalkschiefer vorherrschen, die von Echinodermenkalk begleitet sind, und im mittleren und oberen Teil aus
Schichten mit Eisenoolithen, die stellenweise als Eisenerze ausgebeutet worden sind. Der untere Jura (Lias) ist im oberen
Teile, wo Echinodermenbänke auftreten, vorwiegend kalkig, während er im mittleren Teile oft aus kiesligen und quarzitischen
Kalken und an der Basis aus dunkeln Schiefern besteht.
Die Trias
gliedert sich in vier Stufen: eine wenig mächtige Schicht Rhät, buntfarbige Schiefer (Quartenschiefer), Quarzitsandstein
und dolomitische Kalke (Rötidolomit). Es sind dies die ältesten Bildungen, die im Gebiete nördlich von der Linie Genthal-Jochpass-Surenen-Gitschenthal
vorhanden sind. In der Zone Gadmenflühe-Titlis findet man unter dem Rötidolomit noch einen weissen Quarzitsandstein
(untere Trias), der auf breccienartigem violettem Sandstein (Perm und Verrukano = Kohlenformation) aufruht. Diese Bildung
liegt diskordant auf den Gneissen und krystallinen Schiefern des Aarmassivs.
Die tektonischen Anordnung dieser Felsschichten im Aufbau der Ketten und Gräte der Aagruppe ist das Resultat
sehr kräftiger Faltungen, durch welche die
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mehr
Sedimentschichten derart übereinandergeschoben worden sind, dass dieselbe Schichtreihe bisweilen in mehrfacher Wiederholung
an der gleichen Felswand angetroffen wird. Manche Schichtfolgen sind infolge dieser tektonischen Vorgänge auf eine sehr geringe
Mächtigkeit reduziert, oder vollständig ausgewalzt worden, während andere eine förmliche Anhäufung erfahren haben. Der
Grundzug in der Tektonik der Aagruppe liegt darin, dass die ganze nördlich von der Linie Gadmenflühe-Titlis-Schlossberg
liegende Gebirgsmasse anomal auf einer tertiären Unterlage ruht, die längs der Depression Genthal-Jochpass-Surenen zu Tage
tritt.
Die Gesamtheit dieser Berge bis zum KammePilatus-Schrattenfluh ist dadurch entstanden, dass die gefaltete Sedimentdecke, die
einst über dem Aarmassiv lag, von ihrer Unterlage sich ablöste und sich in mehrfachen Falten über
den aus Tertiärbildungen bestehenden voralpinen Rand des Mittellandes hinüberschob. Während dieses Abgleitens haben sich
die Kreideschichten zum Teil von ihrer jurassischen Unterlage losgelöst. Sie häuften sich anfänglich übereinander und
glitten dann weiter nach Norden, so dass sie jetzt dort besondere Ketten aufbauen, während die Jurabildungen
stark zurückgeblieben sind, in der Nähe des Aarmassivs, das noch vom untern Teil der normalen Sedimenthülle überdeckt
ist.
Diese Sedimentdecke bildet dort die steilen Wände der Gadmenflühe, des Titlis, des Schlossberges, des Spannort und des Geissberges.
Alles was nördlich von diesem Kamme und dem ihn begleitenden Flysch liegt, ist also durch einen tektonischen
Schub transportiert und ruht auf einer jüngern Unterlage. Diese Auffassung kommt in den geologischen Profilen zum Ausdruck,
die diesen Artikel und denjenigen über den Kanton Unterwalden begleiten. Die jurassischen Sedimente sind ganz auf die Gebirgsstöcke
des Hohenstollen, des Graustock-Hutstock und des Uri-Rotstock beschränkt.
Sie bilden dort eine förmliche Anhäufung von Falten und wirr durcheinander geschobenen Schichtfolgen,
wie es das von Herrn Dr. Arbenz aufgenommene detaillierte Profil zwischen dem Jochpass und dem Storeggpass zeigt. Wir finden
dort nicht weniger als sieben übereinandergeschobene Falten von Jura mit eingeschaltetem Neocom, deren einzelne Schichtreihen
oft durch Auswalzung stark reduziert sind. Dieses Profil zeigt klar die Bewegung durch Ueberstürzen
und Abgleiten von gefalteten Schichten.
Gerade im Gebiet dieser Synklinale stossen wir auf mehrere Felsmassen, die einer aus Trias, Jura und Kreide bestehenden Schichtreihe
angehören und stets auf dem Flysch oder Nummulitenkalk aufruhen, der den Kern jener Mulde bildet. Es sind dies die Klippen
der Musenalp und des Klewen, des Buochserhorns und des Stanserhorns. Als ihre Aequivalente erscheinen in
der westlichen Verlängerung derselben Synklinale die Giswilerstöcke, in der östlichen Verlängerung die Mythen.
Diese unregelmässig über eine jüngere Grundlage hinübergeschobenen Felsmassen gehören einer Sedimentdecke an, die aus
einem noch weiter südwärts liegenden Gebiete, wahrscheinlich südlich von der Linie ValBedretto-Rhonethal,
stammt. Die Weite dieses Transportes, der wohl 100 km lange Weg, den diese Massen im Verein mit den jetzt darunter liegenden
Ueberfaltungsdecken zurücklegen mussten, erklärt zur Genüge die Erscheinungen intensiver Dislokation, welche diese Lappen
und Schuppen auszeichnen. Die Erosion, welche sie früher angreifen musste als die Schichten ihrer Unterlage,
hat sie zerstückelt, woraus sich die zerstreute Lage dieser sog. Klippen erklärt, die einst einer zusammenhängenden
Decke
angehörten. Diese Klippendecke ist das Aequivalent der Zone der Präalpen des Stockhorngebietes jenseits des Thunersees.
Besonders auffällig sind sowohl in den Klippen als auch in den Kreidefalten, die mit ihrer Flyschdecke
darunter liegen, die beträchtlichen Niveauunterschiede der Schichten, welche sie aufbauen. Die Falten und Schuppen heben
und senken sich abwechselnd, einzelne Teile scheinen gleichsam in den Flysch eingesunken. Dies rührt davon her, dass die
Flyschoberfläche, über welche sich die Ueberfaltungsdecken hinwegschoben, nichts weniger als eine gleichmässige Fläche
war. Es gab darauf wahrscheinlich Erosionsfurchen und Unebenheiten, die durch andere Vorgänge, namentlich
durch Faltung der darunter liegenden «autochthonen» Schichten verursacht
waren.
Ueberdies wurde während der Ueberschiebung der Sedimentmassen der Flysch, der als Gleitfläche diente, aufgeschürft und
stellenweise aufgehäuft, was zahlreiche neue Unebenheiten erzeugte. Namentlich am Kontakt mit den miozänen Nagelfluhmassen
musste sich diese Wirkung sehr auffällig bemerkbar machen. Dieser Kontakt ist stets durchaus diskordant.
(Siehe das Profil durch den Vitznauerstock und den Rigi). Man muss darum annehmen, die Berührungsfläche sei eine Erosionsfläche
des Nagelfluhgebirges gewesen. Dieselbe Erscheinung zeigt sich überall am Nordrande der Alpen. Wir erwähnen diese Tatsache
hier, weil sie im Artikel Kanton Unterwalden nicht besonders hervorgehoben wurde.
Hydrographie.
Die Aagruppe gehört dem Einzugsgebiet der Reuss an, ausgenommen die Westabdachung, die nach der Aare entwässert wird. Ihre
hauptsächlichsten Abflüsse sind die Engelbergeraa und die Sarneraa. Während die erstere im krystallinen Gebiet des Aarmassivs
ihren Ursprung nimmt und die Kalk- und Schieferketten der Aagruppe ihrer ganzen Breite nach durchquert,
entspringt die Sarneraa auf der Grenze des Jura- und Kreidegebietes am Brünigpass. Ein Teil ihrer Zuflüsse kommt von der
Nordwestseite des Thales, von den Tertiärbergen her, die sich zwischen der Pilatuskette und dem Aarethal hinziehen.
Die wichtigsten derselben sind der Lauibach, der Forstbach und die beiden Schlieren. Die beiden Melchaa entspringen
an den Kalkketten des Hohstollen. Die grosseMelchaa hat ihre Quelle wahrscheinlich im Melchsee, dessen Wasser unterirdisch durch
das Stäubiloch abfliesst. Sie ist künstlich in den Sarnersee abgeleitet worden, nachdem sie früher durch die Alluvialebene
von Alpnach floss. In noch früherer Zeit folgte sie wohl der Depression Kerns Ennetriet-Stansstad, durch
die heute der Mehlbach läuft.
(Kt. Aargau).
386 m. Hauptort des Kantons Aargau
und des Bezirks Aarau. 47° 23' 31" nördl. Br.; 50° 42' 45" OL. von Paris. Auf einem
nordöstl. gegen die Aare abfallenden Felskopfe eines südl. Ausläufers des Jura gelegen. Aarau zählte 1908 rund 8500 Ew.
Ausserdem arbeiten in den Aarauer Industrien 2500 Arbeiter, die in den benachbarten Dörfern wohnen. 1798: 2271;
Die Stadt besass bis in den Anfang des 19. Jahrh. hinein ihr völlig mittelalterliches Gepräge mit Turm
und Tor, Mauer und Graben. 1812 fielen Laurenzenturm und -tor, um die selbe Zeit das Aaretor, 1820 wurde der Hirschengraben
eingedeckt, man baute Häuser an die Grabenmauer, und wo der kleine Rundturm stand, wurde ein Eingang in die Stadt gebrochen.
Um 1870 wurde auch der Pulverturm zum grossen Teil abgetragen. Allein es blieben noch Stücke der Ringmauer
an andern Stellen. Es blieb das Schlössli, der obere Turm, der TurmRore, um den das städtische Rathaus herum gebaut worden
ist, das Obere und das Haldentor.
Auch dem Innern der Stadt blieb das altertümliche Bild: Die vorragenden bemalten Walmdächer, der durch
die Hauptgassen fliessende offene Stadtbach, einige wenige grosse Brunnen, besonders der Gerechtigkeitsbrunnen. Von dem allem
hat manches den Forderungen des modernen Verkehrs weichen müssen (Umbau der Rathausgasse 1905), und mancher alte Giebel ist
vom Feuer zerstört worden. Ueberall sind moderne Fassaden entstanden. Indem sich so das neue zwischen
das alte drängte, hat das einheitliche Bild etwas gelitten. Immer aber ist Aarau als ein sauberes Städtchen gerühmt worden,
und auf diesen Ruhm darf es auch heute noch stolz sein. Jetzt erheben sich als zeitgemässer Schmuck Denkmäler auf öffentlichen
Plätzen: Heinrich Zschokke, Augustin Keller, Emil Welti. Andern Männern sind an passenden Stellen ausserhalb
der Stadt Denktafeln errichtet worden: Joh. Rud. Meyer, Franz Xaver Bronner, Karl Feer-Herzog.
Aaraus Bedeutung liegt in erster Linie darin, dass es Kantons- und Bezirkshauptort ist und die entsprechenden Institutionen
mit den nötigen Gebäuden in seinen Mauern birgt. Da ist das Regierungsgebäude (aus dem ehemaligen
Gasthof zum Löwen erweitert), dahinter das Grossratsgebäude mit der Kantonsbibliothek, welche gegen 100000 Bände (darunter
eine grosse Anzahl Wiegendrucke, viele wertvolle Manuskripte, Karten, Bilder) umfasst; das neue Kantonsschulgebäude (1894-96
errichtet) und daneben das kant. Gewerbemuseum, welches eine Handwerkerschule und die ihr dienenden Sammlungen, ferner die
kantonale antiquarische Sammlung mit den herrlichen Glasgemälden aus dem Kloster Muri, einem Mosaikboden aus Lunkhofen, der
Gemäldeausstellung (Böcklin, Stäbli, Fröhlicher etc.) und der Münzsammlung (etwa 6000 römische Münzen, meist aus Vindonissa)
enthält.
An Schulhäusern zählt Aarau: das 1896 eröffnete neue Kantonsschulgebäude in einem prächtigen Parke;
das alte Kantonsschulhaus,
das jetzt dem Lehrerinnenseminar und Töchterinstitut dient;
das neue Bezirksschulgebäude, gegenwärtig
(1910) im Bau, das grosse städtische Schulhaus.
Den Unterrichtszwecken dient auch das sehr ansehnliche naturhistorische
Museum im ehemaligen Kasino, namentlich ausgezeichnet durch die geologische und die ornithologische Sammlung.
Da Aarau auch eidg. Waffenplatz ist, finden wir hier zwei Kasernen, für Infanterie und Kavallerie, diese
mit den nötigen Stallungen und zwei grossen Reitbahnen; ferner das grosse eidg. und das kant. Zeughaus mit reichhaltiger
Waffensammlung. Als Exerzierplatz dient der unmittelbar an die Stadt stossende Schachen, der, einst sogar Artillerieschiessplatz,
nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt auch nicht mehr von der Infanterie zum Schiessen benutzt werden
kann. Ausserhalb der Stadt steht der grosse Kantonsspital (nach Pavillonsystem eingerichtet.) Projektiert sind ein neues
eidg. Postgebäude, Erweiterung der militärischen Anstalten, ein kant. Chemiegebäude.
Die Bezirksbehörden haben ihren Sitz im Amtshaus und im städtischen Rathaus. Dieses dient vorab der
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mehr
städtischen Verwaltung. Aarau hat zwei Kirchen:
1) die protestantische (auch den Christkatholiken eingeräumt) in einfachen Formen nach dem gotischen Stil, dreischiffig
ohne Querschilf, mit Lettner; der Turmaufsatz ist barock. Der vorzüglichen Akustik der Kirche entspricht eine bemerkenswert
schöne Orgel, deren Rokokoverkleidung aus der Mitte des 18. Jahrh. stammt.
2) die römisch-katholische Kirche ist ein einfacher, einschiffiger, gefälliger moderner Bau
(ca. 1880), der sich in seinen Formen an den romanischen Stil anlehnt.
Bedeutung hat Aarau ferner durch seine Lage an der Aare, wo von N. her mehrere Jurapässe Zusammenkommen und von S. einige
Nebenthäler einmünden. Für die Stadt ist daher von besonderer Wichtigkeit die Aarebrücke, deren Existenz
im 14. Jahrhundert erwiesen ist. Doch brachte sie den Aarauern schwere Sorgen, da der Strom sie unzählige Male teilweise oder
ganz wegriss, zum letzten mal 1843. Seit 1850 ist die Brücke, den Fluten unerreichbar, an Ketten aufgehängt, der Fluss hat
seine unabänderliche Bahn zwischen den massiven steinernen Widerlagern. War also Aarau wichtiger Strassenknotenpunkt,
so gilt jetzt das selbe hinsichtlich der Eisenbahnen. Die Stadt liegt an der Hauptlinie Genf-Bern-Neuenburg-Zürich-Bodensee
der Bundesbahnen; hier münden die Bahnen Arth-Goldau-Aarau, Wettingen-Aarau, Zofingen-Aarau, die elektrischen Bahnen aus dem
Suhren- und aus dem Winenthal; projektiert ist eine Bahn Frick-Aarau über die Staffelegg.
Und endlich hat sich Aarau durch den Gewerbsfleiss, die Handelstätigkeit und den Kunstsinn der Bewohner eine Bedeutung verschafft,
die weit über das, was die Einwohnerzahl erwarten liesse, hinausgeht. Drei Industriekanäle an der Aare mit dem an einem davon
gelegenen grossen, städtischen Elektrizitätswerk und der Stadtbach, der die Mühlen und eine Anzahl Motoren
treibt, liefern die Triebkraft für die Industrie. Seit 1600 hatte Aarau eine Färberei und Bleiche, etwa 1680 brachten die
Hugenotten Seidenzucht und Seidenindustrie;
1703 wurde eine Wolltuchfabrik errichtet;
1722 begann man das Bohnerz des Hungerberges
auszubeuten, was aber nicht mehr Gewinn abwarf als das Goldwaschen in der Aare;
gegen Ende des 18. Jahrh.
führte der Wohlthäter der Stadt, Joh. Rud. Meyer, die Seidenbandfabrikation ein;
1810 errichtete Joh. Herzog, der nachmalige
Bürgermeister des Kantons Aargau,
eine mechanische Baumwollspinnerei.
Rühmlichst
bekannt sind die Aarauer Messerschmiede aus dem 18. und 19. Jahrh.,
deren Ansehen heute noch eine einzige Firma aufrecht erhält. Alt ist auch das Hafner- und Töpfergewerbe;
ebenso die Glocken- und Kanonengiesserei, die Büchsenmacherei. Aus dem Anfang des 19. Jahrh. datiert die Begründung der
Reisszeugfabriken, die sich einen Weltruf erobert haben. Eine Druckerei besass Aarau seit etwa 1750; 1802 etablierte sich
J. J. Christen und 1804 H. R. Sauerländer in Aarau, der seine Offizin alsbald durch H. Zschokkes Schweizerboten,
dann durch die Stunden der Andacht bekannt machte. An der Aare war ein wichtiger Flösserstapelplatz.
Das 19. Jahrh. hat diesen alten Industrien noch zahlreiche neue hinzugefügt; es seien erwähnt: Zementfabrikation, Ziegelfabrikation,
mechanische Strohflechterei, Seidenweberei, Tuch- und Baumwollfabrikation, Färbereien für Seide, Stroh,
Wolle;
Maschinenwerkstätten, Eisen- und Stahlgiesserei, Bau- und Möbelindustrie, Kunstschlosserei, Fabrikation chemischer
Produkte, von Firnissen, Siegellack und Tinte, lithographische Kunstanstalten, Buchbindereien, elektrische Installationsgeschäfte,
Fabrikation elektrischer Apparate und Glühlampen, Schokoladefabrikation, Zuckerwarenindustrie, Brauerei, Mühlenbau, Schuhfabrikation,
Handels- und Kunstgärtnerei.
Aarau hat an Geldinstituten: die aargauische Bank, die aarg. Kreditanstalt und drei
Ersparniskassen.
Der Kunstsinn der Bevölkerung von Aarau hat sich besonders auf dem Gebiete der Musik betätigt. Schon 1704 wurde hier ein
Kollegium Musicum begründet, und, nach dem es nach etwa 40jährigem Bestande eingegangen war, 1768 wieder aufgefrischt.
Später, im 19. Jahrh., gab es einen Instrumentalverein, der 1850 den Anstoss zur Gründung des Zäzilienvereins
gab. Seit 1853 besteht eine Stadtmusik; bald reihten sich andere musikalische Vereinigungen an, eine Anzahl Gesangvereine,
eine zweite Stadtmusik, ein Orchesterverein und a. m. Die Konzerte fanden meist in einem Saale des städtischen Rathauses
statt, im Kasino oder in der Kirche. Die Lage Aaraus zwischen Bern,
Basel,
Zürich
und Luzern
ermöglichte es, die in diesen Städten
auftretenden Musikkoryphäen auch für unsere Stadt zu gewinnen, was ihrem musikalischen Leben stets neuen Impuls gab.
Ein ständiges Theater hatte Aarau nie, seit mehr als einem Jahrhundert aber fanden sich Wandertruppen mit ihren dramatischen
Darbietungen ein. Theaterlokal war
¶
mehr
die sog. Tuchlaube über der städtischen Metzg (noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrh.) oder der Saal eines Wirtshauses.
Gegenwärtig dient für Konzerte und Theater, wie für gesellige Zwecke überhaupt der 1882 erbaute Saalbau, der aber jetzt
schon den Anforderungen nicht mehr genügt. Der gesellige Trieb der Aarauer äussert sich in einem regen
Vereinsleben. Es bestehen gegen 100 Vereine und Gesellschaften, welche die allgemeine oder die fachliche und berufliche Ausbildung
der Mitglieder bezwecken, der Gemeinnützigkeit dienen oder der Kunst und dem Sport huldigen.
Die städtische Organisation beruht auf dem kantonalen Gemeindeorganisationsgesetz (1841 mit seitherigen Aenderungen), welches
zwei gesonderte Verwaltungen, die der Ortsbürgergemeinde und der Einwohnergemeinde, kennt. Die Leitung
beider Gemeinden liegt in der Hand des Stadtrates von 7 Mitgliedern, dessen Präsident der Stadtammann ist. Alle Gemeindeangelegenheiten
werden von der versammelten Ortsbürger- oder Einwohnergemeinde behandelt und erledigt; die Absicht, in einem revidierten
Gemeindeorganisationsgesetz den grossem aarg. Gemeinden eine Art Volksvertretung («Grosser Stadtrat»)
zu gewähren, ist durch die negierende Volksabstimmung 1908 vereitelt worden. Das Organ der Gemeinde, das gegenüber dem
Stadtrat die finanzielle Kontrolle ausübt, ist die Rechnungskommission. Besondere Verwaltungszweige der Stadt sind das Elektrizitätswerk
und die Wasserversorgung; das Gaswerk ist Privatunternehmung.
Das städtische Verwaltungsbudget für 1909 zeigt folgende Ziffern auf:
Einwohnergemeinde
Einnahmen Fr.
Ausgaben Fr.
Schulwesen
42800
214750
Eigentl. Gemeindeverwaltung
283600
535600
Steuern
426100
2150
Total
752500
752500
Ortsbürgergemeinde
.
Bürgergut
19550
9950
Armenverwaltung
51200
51200
Wälder
83320
83320
Elektrizitätswerk
500000
50000
Wasserversorgung
91000
91000
Da Aarau nicht gross ist, keine eigentliche Grossindustrie besitzt, und da vor allem der grösste Teil
der Arbeiter nicht in der Stadt, sondern in den umliegenden Dörfern wohnt, kann von schroffen sozialen Gegensätzen nicht
gesprochen werden. Neben der städtischen Armenfürsorge und den polizeilichen Massregeln (wie Arbeitsvermittlungsamt, Lebensmittelpolizei)
ist es die private Tätigkeit, die helfend und lindernd einspringt. Die Hilfsgesellschaft nährt u. a. arme Kinder mit
Milch und Suppe; sie hat im Jura ein Ferienheim für die bedürftigen Kinder errichtet; ähnlichen Zwecken dienen der Frauenarbeitsverein,
der Verein gegen Hausbettel, die Krankensuppenanstalt. Der Fürsorge für Kinder in ungünstigen Verhältnissen widmen sich
der Fünfrappenverein, der Armenerziehungsverein; geistig zurückgebliebene Kinder nimmt die Anstalt auf SchlossBiberstein
auf, andere Unglückliche die Taubstummenanstalt auf Landenhof. Verschiedene Krankenkassen sorgen für
die Tage der Krankheit.
Aus alter Zeit haben sich allerlei Bräuche erhalten. Ein Fest der Jugend ist der Maienzug, von dem schon aus dem 16. und 17. Jahrh.
Nachrichten vorliegen. Besonders lebhaftes und kriegerisches Gepräge erhält das Fest durch das Kadettenkorps, das
nachmittags Manöver abhält. Dieses Korps ist eines der ältesten der Schweiz (gegründet 1789) und hat sich ununterbrochen
bis heute erhalten. Der Bachfischet ist die Zeit der Reinigung des Stadtbaches, zu welchem Zweck das Wasser aus dem Bachbett
abgelenkt wird. Wenn es dem Bache wieder zugeleitet wird, zieht die ganze Jugend vor die Stadt hinaus
ihm entgegen und holt es mit Lampions und Rutenzweigen, einen Vers zur Begrüssung singend, wieder ab.
Aarau ist landschaftlich wohlgelegen. Die Umgebung ist reich an Waldungen, die sorgsam gepflegt und mit Wegen und Bänken gut
versehen sind. Ein idyllischer Ort ist der Wildpark im Roggenhauserthälchen. Die Annehmlichkeiten, zu
denen namentlich auch die zentrale Lage und die guten Eisenbahngelegenheiten gehören, hat es verursacht, dass
Aarau sehr
oft als Versammlungsort schweizerischer Vereine und Gesellschaften auserkoren wird.
Geschichte.
Es ist nicht wahrscheinlich, dass da, wo heute die Stadt Aarau steht, einst eine römische Ansiedlung bestanden habe; dafür
sind die in der Erde aufbewahrten Ueberreste zu geringfügig und zu unbedeutend. Dagegen ging die von
Salodurum nach Vindonissa führende Strasse der Römer bei Aarau vorbei; von ihr haben sich Reste am «obern» oder «Siechenweg»,
dem «Hochgesträss», wo die heutige Bahnhofstrasse sich hinzieht, gefunden.
Ebensowenig darf mit Sicherheit von einem Aarübergang in römischer Zeit gesprochen werden.
Die ältesten Bauten gehen wohl nicht über das Jahr 1000 zurück. Es sind die drei Türme, die sich am Rande des Felsenplateaus,
auf welchem die Stadt steht, erhoben: der Turm des «Schlössli», der TurmRore und der obere Turm. Sie schützten wohl den «Pass»
über die Aare, bei dem sich die Wege über Staffelegg, Benken und Schafmatt vereinigten. Hier wurde die Stadt
etwa um 1200 angelegt und zwar durch die Kiburger. Die grosse Regelmässigkeit der ältesten Anlage (eine Ringstrasse, welche
ein Kreuz von zwei breiten Strassen umschliesst), lässt die Annahme eines allmählichen Entstehens nicht zu.
Mit einbezogen wurden zwei der Türme, während das «Schlössli» nie zur eigentlichen Stadt gehörte. Bald kamen im NW. und
im O. Vergrösserungen mit Ausdehnung der Befestigung hinzu, während die im S. sich vorlagernde Vorstadt stets ausserhalb
von Mauer und Graben blieb. 1256 ist Aarau (Arovo) zuerst genannt, 1270 erscheint sie als mit Mauern umgeben,
und am erhält sie von König Rudolf I., dessen Geschlecht in den Besitz der Kiburger eingetreten war, Stadt- und
Marktrecht mit einigen Rechten und Freiheiten.
Wie die ursprüngliche Ansiedlung zur Markgenossenschaft Suhr gehörte, war Aarau auch kirchlich von der Mutterkirche Suhr
abhängig, bis es im Anfang des 14. Jahrh. selbständig ward. Unter der österreichisch-habsburgischen
Herrschaft entwickelte sich die Stadt; die Herren vermehrten ihre Rechte, (so erlangte sie das Recht der Schultheissenwahl
und den Blutbann). Dafür leisteten die Bürger getreulich ihre Dienste, besonders in den vielen Kriegen der Herzoge.
Wie der gesamte Aargau,
so litten auch die Aarauer unter den Verheerungen der Gugler. Bei Sempach fielen mehrere
Bürger der Stadt, mit ihnen soll auch der Schultheiss Burkhart Vogt umgekommen sein; und zwei Jahre nach der Schlacht (1388)
verbrannten die vorüberziehenden Berner die Vorstadt, die erst seit etwa 20 Jahren mit der Stadt verburgrechtet war,
aber keinen Schutz irgend welcher Befestigungen genoss. Der Chronist berichtet, dass die Vorstadt damals ein Haus mehr zählte
als die Stadt. 1415 eroberten die Berner mit dem Aargau
auch die Stadt Aarau, die sich nach wenigen Schüssen mit Rücksicht auf ihre
«kranken Muren» ergab (18. April).Bern
anerkannte die Rechte der Stadt; aber diejenigen der Herrschaft Oesterreich
übernahm es selbst und suchte mit der Zeit auch Aaraus Privilegien zu einem grossen Teile illusorisch zu machen. Die Reformation
brachte auch für Aarau eine bewegte Zeit; denn es herrschte über die Glaubensfrage keineswegs Einstimmigkeit: an der offiziellen
Abstimmung, welche Bern
am vornehmen liess, stimmten 146 für den neuen, 125 für den alten Glauben.
Nach der Glaubenstrennung versammelten sich die Abgeordneten der reformierten Kantone häufig in Aarau; und der Friede, der
den Toggenburgerkrieg (1712) beendete, ward in Aarau abgeschlossen.
Eine hervorragende Rolle spielte Aarau in der Zeit der helvetischen Revolution. Hier versammelte sich
am die Tagsatzung, um die drohenden Gefahren zu besprechen; aber es kam schliesslich nur zur Beschwörung der
alten Bünde, welche am auf dem Schachen vorgenommen wurde. Indessen hatte der Vertreter Frankreichs, Mengaud, den
grössern Teil der Bürger von Aarau für Frankreich zu gewinnen vermocht, und als die Tagsatzung sich
aufgelöst hatte, erhob sich in Aarau der offene Aufruhr gegen Bern Doch schon wenige Tage nachher musste sich die
Stadt den Bernern ergeben, deren Truppen, mit dem Landvolk um Aarau vereinigt, die Stadt
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