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Wer Gedichte lesen will, aber vor Gottfried August Bürgers Ballade Lenore (sehr lang, 32 Strophen à 8 Zeilen!) noch zurückschreckt, versucht es für den Anfang am Besten mit Christian Morgensterns Gedichtband Palmström. Witzig, geistreich und vor allem kurz! Auch die Galgenlieder sind empfehlenswert.
Da reist Herr Palmström zum Beispiel in ein böhmisches Dorf; doch weder er noch Herr von Korf (der ihn nur des Reimes wegen begleitet) versteht dort ein Wort (Kunststück!). Palmström ist es auch, der eines Tages im Korn eine Flinte findet, die jemand hineingeworfen hat. Herr von Korf konstruiert eine Uhr mit zwei Paar Zeigern, die gleichzeitig vorwärts und rückwärts läuft (wodurch die Zeit sich selber aufhebt) und meldet sich bei den Behörden als „nichtexistent im Eigen-Sinn bürgerlicher Konvention“. Palmström stellt sein Bett der Magnetströme wegen in Richtung Norden, während Korf auf seinem „westöstlichen Diwan“ beharrt. Dann gibt es auch noch jenen Zeitgenossen, der, als Pendant zur Weste, die „Oste“ erfindet (tänk logisch, oder?).
Mein persönlicher Favorit ist Die unmögliche Tatsache: Palmström hat einen Verkehrsunfall, ein Auto fährt ihn an. Aber weil an diesem Ort eigentlich gar keine Autos fahren dürfen, muss er das natürlich geträumt haben…
Weil, so schliesst er messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein darf.