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Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.
Heraklit
Der permanente Wandel ist das allgemeinste und umfassendste Merkmal der Schöpfung. Denn nicht nur das, was wir zur Kategorie 'Leben' zählen, sondern alles, was wir und andere wahrnehmungsfähige Entitäten wahrnehmen, also auch vermeintlich 'Totes' wandelt sich ständig: Steine werden rundgespült, Berge abgetragen, ehemals Lebendiges verwest, Wasser bewegt sich, verdunstet, Gletscher schmelzen. Wandel ist innerhalb der Schöpfung das Selbstverständliche, Zustand im Sinne von Unbeweglichkeit oder nur schon gebremsten, behinderten Wandels eine Illusion oder eine bewusste Setzung, um langsamen von schnellem, wenig markanten von stark markantem Wandel zu unterscheiden.
Transition (vom lateinischen Verb 'trans-ire', in etwa 'hindurchgehen', 'hinüberschreiten') meint wörtlich vorerst nicht mehr als den Übergang von einem 'Zustand' in einen anderen, also das, was sowieso permanent geschieht im Bereich der Schöpfung, dem von uns als 'Realität' oder 'äussere Welt' bezeichneten Bereich, der sich durch die vier sogenannten 'Schöpfungsparameter' beschreiben lässt: Entitäten (1), die, um als getrennt voneinander wahrnehmbar zu sein, Raum (2) beanspruchen und sich zueinander in kausale, analoge, dialoge oder vereinigende Beziehung setzen (3), was Zeit (4) beansprucht. Aber da, wie oben ausgeführt, 'Zustand' im Sinne von Veränderungslosigkeit eine realitätsfremde, rein theoretische Setzung ist unter dem Aspekt des permanenten Wandels, wird der Begriff der Transition im allgemeinen Sprachgebrauch nur für markante, sicht- und spürbar verstärkte Formen dieses grundsätzlich permanenten Wandels benutzt. Meist werden bei der Verwendung des Begriffs 'Transition' auch Angaben zum Anlass, zum Anstoss, zu Motivation und Ziel gemacht. Der Anstoss zur Transition kann von innen, von der sie durchlaufenden, bewussten Entität kommen. Aus eigenem Antrieb will eine Entität eine markante Veränderung initiieren, sei es, um ein Verharren auf einem Entwicklungsstand, ein Festgefahrensein in einer bestimmten Situation, ein Unwohlbefinden in einem bestimmten Umfeld zu beenden, sei es, um ein angestrebtes Ziel mit einer markanten Anstrengung zu erreichen.
Grundsätzlich wird der Begriff 'Transition' wertfrei benutzt. Will man eine Transition positiv konnotieren, greift man zu Metaphern, die eine Bewegung nach oben oder vorn evozieren wie 'Fortschritt', 'Sprung', 'Anstieg', 'Aufwärtstrend' und behilft sich mit positiven Adjektiven wie 'gut', 'hoffnungsvoll', 'erfreulich', 'ermutigend'. Dasselbe gilt mit umgekehrten Vorzeichen für die Absicht, einer Transition eine negative Konnotation zu verpassen. Wir sprechen dann von 'Umbrüchen', 'Krisen', 'Konflikten', 'Katastrophen'; bei den Adjektiven verwenden wir gern unheilschwangere wie 'entscheidend', 'schwerwiegend', 'belastend', ''zeichnend'.
Der von äusseren Umständen oder aus eigenem inneren Antrieb erfolgende Anstoss für die Veränderung, deren Qualifikation als 'markant' sowie die wertende Beurteilung der Transition sind subjektive Prozesse, die sich unterscheiden, je nachdem, von wem sie zu welchem Zeitpunkt vorgenommen werden. So kann die Beurteilung ihrer Bedeutung von den Beteiligten völlig verschieden erlebt und bewertet werden, sowohl synchron wie diachron. Die Bewertung eines auch für Grosskollektive markanten Übergangs wie beispielsweise der Transition vom Frieden zum Krieges oder zurück zum Frieden wird nicht nur von jeder zeitgenössischen Entität verschieden bewertet, sondern auch immer wieder anders von der Geschichtsschreibung beurteilt. Dabei braucht es nicht einmal einen Wechsel des beurteilenden Subjekts. Wir erleben alle, wie sich die Beurteilung der von uns selbst erlebten Transitionen mit dem zeitlichen und oft auch räumlichen Abstand verändern.
Aufgrund dieser Überlegungen könnten wir den allgemeinen Begriff der Transition wie folgt umschreiben:
Eine Transition ist eine vom erlebenden Individuum bzw. Kollektiv und/oder von dessen Umfeld als markant, als wichtig und prägend erlebte Veränderung. Der Anstoss zur markanten Veränderung kann sowohl von aussen wie von innen kommen. Die Bewertung der Transition ist subjektiv und relativ.
Eine Transition wie das Geborenwerden wird aufgrund der zu diesem Zeitpunkt noch nicht oder zumindest erst marginal entwickelten Fähigkeit zu rationaler Analyse von den meisten Menschen erst zu einem späteren Zeitpunkt als markante Transition wahrgenommen, z.B. als selbst ein Kind Gebärende oder bei analogem Erleben als Künstler oder Initiator grosser Projekte oder Unternehmungen. Dass eine markante Transition wie der Prozess der Geburt von der gebärenden Mutter völlig anders erlebt und bewertet wird als vom Vater des Kindes, zeigt die Relativität der Beurteilung einer Transition besonders deutlich auf. Die Gefahr bei jeder Wahrnehmungsinterpretation liegt ja darin, dass der Wahrnehmende sich der Subjektivität und Relativität seiner Interpretation oft nicht oder nicht genügend bewusst ist. Gerade bei der Beurteilung von Transitionen kann dies zu Missverständnissen und Zerwürfnissen führen. So können Transitionen wie die Abnabelung vom Elternhaus beispielsweise vom sie Durchlaufenden als völlig locker, ja ersehnt, vom näheren Umfeld als grosse Belastung, als Krise oder Katastrophe bewertet werden.
Zu den Klassikern der Missverständnisse und Fehlurteile provozierenden Transitionen gehört auch der Tod. Alte, gebrechlich gewordene, schwerkranke oder einfach lebenssatte Menschen können sich geradezu nach dem Tod sehnen, ihn als Erlösung und Befreiung betrachten, was in starkem Kontrast zum Umfeld führen kann, das diese natürlichste aller Transitionen mit allen Mitteln bekämpft und zu verhindern oder wenigstens hinauszuzögern versucht.
Wenn wir Veränderungen grundsätzlich negativ konnotieren, fördern wir Angst, Unsicherheit und Verstocktheit – und ersticken Offenheit, Neugier und Abenteuerlust. Konnotieren wir sie grundsätzlich positiv, fördern wir das Schmetterlingsverhalten, also das Hüpfen von Blüte zu Blüte, das sich aus der Verantwortung stehlen und leisten damit der Oberflächlichkeit Vorschub, verhindern die Entwicklung von Ausdauer, Hartnäckigkeit, Zähigkeit und Verlässlichkeit. Hier gilt es die situationsadäquate und verhältnismässige Mitte in der der Beurteilung eines Übergangs zu finden, und dies in jedem Fall einer Transition, in die wir als sie Durchlaufende oder als sie mitverantwortlich Begleitende involviert sind.
Bei der Qualifikation eines völlig natürlichen Geschehens als markante Transition neigen gerade (vermeintliche oder tatsächliche) Experten dazu, die von ihnen beschriebenen Transitionen zu überhöhen, sie unbesehen als markant und wichtig zu bewerten oder zwingend an Bedingungen zu knüpfen. Damit werden Vorurteile geschaffen, die leicht von anderen übernommen werden.
Zu den von den meisten Menschen zumindest im Nachhinein als markant qualifizierten Veränderungen zählen Geburt, Erwachen eines Ich-Bewusstseins, erste Beziehungen über die Mutterbeziehung hinaus, Erwerb der Sprache, des aufrechten Gangs, erste Abnabelungsversuche in der Trotzphase, Eintritt in eine ausserfamiliäre Institution, Einschulung, Schulwechsel, Pubertät mit der Entdeckung der eigenen sexuellen Identität, Berufswahl, Ortswechsel bzw. Wechsel des Lebensmittelpunkts, Eingehen und Auflösen von Partnerschaften, Elternschaft, lebensbedrohende Krankheiten, Krise der Lebensmitte (Midlifecrisis), Ausscheiden aus der Arbeitswelt, Verlust physischer und psychischer Kompetenzen, der Prozess des Sterbens und der Tod. Bei einigen Individuen kommen weitere wichtige Übergänge dazu, beispielsweise das Erlangen und Verlieren grosser öffentlicher Beachtung, das Gewinnen und Verlieren grosser Macht, grossen Besitzes, weitreichender Netzwerke, der Verlust des Glaubens an für absolut gehaltene religiöse, ideologische oder wissenschaftliche 'Wahrheiten', aber auch an die Substanz gehende persönliche oder politische Konflikte.
Diese teils kurzen, klar ortbaren, teils aber auch sehr langwierigen und verschwommen ablaufenden Übergänge von einer Phase in eine andere sind im Leben der meisten Menschen bedeutsame Ereignisse oder Prozesse. Aber die Bedeutsamkeit kann sich individuell höchst unterschiedlich manifestieren. Die Reaktion der in eine Übergangsthematik Involvierten umfasst die ganze Palette von panischem Festklammern am Alten bis zu begeisterter Begrüssung des Neuen. Die Art der Reaktion hängt aber nicht nur vom Wesen des betroffenen Individuums ab, sondern auch von seinem sozialen und kulturellen Umfeld, welches das im Übergangsprozess befindliche Wesen mehr oder weniger gut begleitet, ihm Widerstand leistet oder es unterstützt, ihm Halt, Orientierung, Feedback, Rahmen und Struktur gibt. Diese Übergangsprozesse finden auch auf kollektiver Stufe statt, von Familien über Nationen bis zu internationalen Gemeinschaften.
Wir können uns bei der Suche nach Transitionsmerkmalen von innen, vom sie Durchlaufenden her nähern, oder von aussen, von den sie Beobachtenden, müssen dabei aber immer beachten, dass auch die Beobachtenden – je nach Nähe und Involviertsein – ebenfalls eine Transition durchlaufen. Transition ist in vielen Fällen ein Prozess, der sich in einem sozialen Umfeld abspielt, das einen wesentlichen Einfluss auf Gelingen oder Misslingen der angestrebten Veränderung haben kann. Es gibt aber durchaus Transitionen, zum Beispiel innere Lernprozesse, die sich primär im sie Durchlaufenden abspielen ohne grosses Zutun des sozialen Umfelds; etwas, was von Autoren und Pädagogen mit einem soziologisch verklärten Blick oft marginalisiert oder ganz vergessen wird. Wichtigstes Merkmal einer Transition ist ihre subjektive Qualifikation als markante, beachtenswerte Veränderung. Es gibt keine Instanz, die mit absolutem Wahrheitsanspruch eine Veränderung für wichtig oder unwichtig erklären kann. Sicher ist die statistische Häufigkeit einer gleichen Beurteilung ein Indiz dafür, dass es sich bei einer Veränderung um eine für die meisten sie Durchlaufenden wichtige, markante oder eben 'klassische' handelt, wie wir sie oben beispielhaft aufzuzählen versuchten. Aber die statistische Häufigkeit oder Verbreitung einer Qualifikation schliesst nie aus, dass wir bei jeder Transition mit der ganzen Palette möglicher Bewertungen und Reaktionen rechnen müssen. Eine überwiegende Übereinstimmung bei der Qualifikation einer Transition als markant und bei ihrer Bewertung als positiv oder negativ sollte sogar die Alarmglocken klingeln lassen. In den meisten Fällen werden einheitliche Meinungen suggeriert oder erzwungen, sei es durch Autoritäten ,die die Macht haben, sich Deutungshoheit anzumassen und sie auch durchzusetzen, sei es durch Mainstream-Medien und Denk-Moden, die den überwiegenden Teil der denkfaulen Massen manipulieren können.
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