Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03157.jsonl.gz/829

Es waren einst zwei Königskinder … Was wie ein Märchen beginnt, waren drei Concept Cars von Volvo, die leider nie in Serie gingen, aber dennoch stilbildend für eine Legende werden sollten.
Die Prototypen von Volvo wurden einst gerne nach Namenstagen benannt; von «Jakob», dem ersten Volvo Serienfahrzeug bis «Philip», einem Concept Car aus dem Jahr 1950. Der Volvo Elisabeth bekam den royalen Namen nicht von Volvo, sondern war eine Initiative des schwedischen Industriellen Gösta Wennberg. Er gab 1952 dem italienischen Autodesigner Giovanni Michelotti den Auftrag, ein zweisitziges Coupé zu entwerfen. Gebaut wurde die Karosserie auf einem PV445 Chassis bei Vignale.
Volvo kaufte Wennberg zwar den Prototyp ab, aber lehnte die Produktion des zwar sehr schönen Coupés, aber leider auch unpraktischen Volvo Elisabeth ab. Das auf «italienische Masse» ausgelegte Fahrzeug wäre für die oft hochgewachsenen Schweden schlicht zu eng gewesen. Ausserdem bemängelte man, dass in einem Volvo auch Passagiere im Fond mitfahren müssen können. Also wurde 1954 ein zweiter Prototyp gebaut (Elisabeth II), der grösser geschnitten war und hinten Sitzplätze hatte. Doch nach dem Durchrechnen der Produktionskosten kam man zum Schluss, dass die Elisabeth II schlicht zu teuer gewesen wäre für eine Serienproduktion. Doch ganz für die Katz war der Prototyp nicht. Beim genaueren Hinsehen erkennt man Designelemente, die später im Volvo Amazon Einzug halten sollten. Zum Glück ist das Original bis heute erhalten und im Volvo Museum in Göteborg zu sehen.
Mit der Absage der Elisabethen hatte man jedoch das Problem noch immer nicht gelöst, einen Nachfolger für den Kassenschlager, den PV444 zu finden, der seit 1946 produziert wurde. Trotzdem wurde der überarbeitete PV444 als PV544 bis 1965 weitergebaut. Unterdessen suchte man bei Volvo unter Hochdruck nach einem Nachfolgermodell. Unter anderem auch der Schöpfer des Volvo PV444, Helmer Petterson.
Ebenfalls mit einem Redesign beauftragt wurde der spätere Volvo Designchef Jan Wilsgaard. Der damals erst 25-jährige Wilsgaard setzte sich ans Reissbrett und versuchte aus den Entwürfen der Elisabethen einen Nachfolger für den PV444 zu entwerfen. Es entstand 1955 der Prototyp Volvo Margaret Rose, benannt nach der kleineren Schwester von Queen Elisabeth. Der Name stammte übrigens von der Presse; intern wurde das Projekt P 179 genannt. Der Volvo Margaret Rose kam beim legendären Volvo Patron Assar Gabrielsson zwar gut an, aber das Projekt wurde ihm von Helmer Petterson ausgeredet, weil er selbst ein besseres Projekt am Start hatte. Doch auch dieser Entwurf fiel unter den Tisch. (Kleine Randnotiz: Helmer Pettersons Sohn, Pelle Petterson, entwarf hinter seinem Rücken das Design des Volvo P1800).
Zurück am Reissbrett entwarf Jan Wilsgaard auf Basis der Margaret Rose den ersten Prototypen für den Amazon, der Mitte der 1956-Jahre Premiere feierte. Der Rest ist Geschichte.
Was aus dem Prototyp geworden ist? Leider ist Margaret Rose bei einer Testfahrt zerstört worden.