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Gertrud Kurz setzte sich ein Leben lang für Flüchtlinge ein. Ihr Haus in Bern war während des Zweiten Weltkriegs die Rettung für unzählige Menschen. Sie selbst starb vor 50 Jahren.
Von Andreas Krummenacher
Die Friedensaktivistin Gertrud Kurz hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrem Tod am 26. Juni 1972 für geflüchtete Menschen in der Schweiz eingesetzt. Die «Stiftung Gertrud Kurz» schreibt in einer Medienmitteilung, «Gertrud Kurz’ Zuhause in Bern war während des Zweiten Weltkriegs für unzählige Menschen eine wichtige Anlaufstelle. Vielen Geflüchteten konnte Gertrud Kurz mit ihren Interventionen das Leben retten.»
«Unermüdlich sprach sie in dieser Kriegszeit bei Behörden und Regierung vor, um sich Gehör zu verschaffen. Sie zählt zu den Frauen, die es schon dazumal verstanden, ihren Handlungsspielraum voll auszunutzen, womit sie wichtige Vorarbeit für die Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts leistete», schreibt die «Stiftung Gertrud Kurz».
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg hörte diese Betreuungsaufgabe nicht auf. Nach den jüdischen Geflüchteten folgten beispielsweise die muslimischen Geflüchteten des Algerienkriegs.
Herkunft
Gertrud Kurz wächst im appenzellischen Lutzenberg in einer Textilfabrikantenfamilie auf. Nach Fremdsprachen- und Auslandaufenthalten heiratet sie 22-jährig den Gymnasiallehrer und späteren Rektor des Progymnasiums Bern, Albert Kurz. Das Paar hat drei Kinder.
Früh beginnt sie sich sozial zu engagieren, die pietistische Grundhaltung gibt ihr offenbar die Mutter weiter. In der Zwischenkriegszeit engagiert sie sich in der Völkerverständigung. 1938 gründet sie das Hilfswerk «Flüchtlingshilfe der Kreuzritter», welches später zum «Christlichen Friedensdienst» (cfd) umbenannt wird und noch heute existiert.
Flüchtlingsmutter
Ihr Engagement bringt Gertrud Kurz den Namen «Mutter Kurz» und später, vor allem medial, «die Flüchtlingsmutter» ein. Andrea Nagel schreibt auf der Webseite des christlichen Friedensdienstes: «Für Gertrud Kurz war es nicht ausschlaggebend, welcher Ideologie oder welchem Glauben ein Gegenüber anhing, weder bei der Hilfestellung noch bei der Verteilung von Aufgaben. So sehr sie für sich Kraft aus dem Glauben schöpfte, so sehr stellte sie die Menschen ins Zentrum ihres Handelns und überwand dadurch gesellschaftliche Kategorien.»
Noch heute gilt die Friedensaktivistin als weibliches Pendant zum Gründer des Roten Kreuzes, Henri Dunant und wurde für ihr Handeln mehrfach ausgezeichnet. Seit 2021 gehört Gertrud Kurz zum Pflichtstoff im Lehrplan 2021.
Die «Stiftung Gertrud Kurz» zitiert Altbundesrat Moritz Leuenberger, der sich über den Mut von Gertrud Kurz äusserte: «Als Frau, die damals nicht einmal das Stimmrecht hatte, stemmte sich Gertrud Kurz gegen den Zeitgeist. Sie empörte sich dabei nicht nur, sondern ging mutig Risiken ein», ist beispielsweise Moritz Leuenberger überzeugt.
Die «Stiftung Gertrud Kurz» unterstützt heute Projekte, welche die Teilhabe und Anerkennung von Personen fördern, die aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt sind.
Hinweis:
Gedenkanlass zum 50. Todestag von Gertrud Kurz. Interessierte sind herzlich eingeladen: 8. September 2022, 18.00 Uhr, Generationenhaus Bern