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Düfte können heilen. Sowohl über die Raumluft, wie auch in der direkten Anwendung am Körper. Die Aromatherapie stärkt den Körper auf eine subtile und kraftvolle Weise.
Sabine Hurni
Viele Kulturen im Altertum wendeten duftende Naturstoffe für die Reinigung von Räumen, die Behandlung von Kranken oder als Opfergabe für die Götter in ihrem Alltag an. Offenbar fand man in einem 5000 Jahre alten, pakistanischen Grab ein Destillationsgerät aus Ton. Es diente zur Herstellung von aromatischen Kräuterauszügen. Ägyptische Priester stellten ab dem 14. Jh. v.Chr. Räucherkerzen wie auch Salben her. Zudem verwendeten sie zur Einbalsamierung der Toten ätherische Öle, die Sie mit Hilfe von Fett aus duftenden Blüten lösten. Viel später wurde die Anwendung von Aromapflanzen zu Heilzwecken vom englischen Arzt und Astrologen Nicholas Culpeper (1614 – 1654) populär, der mit seinen Schriften viele Alchemisten und Ärzte in Europa inspirierte. Der französische Chemiker René-Maurice Gattefosse begann um 1900 mit dem Versuch, Parfüms herzustellen. Er beschäftigte sich dabei auch mit den Pflanzenessenzen und veröffentlichte 1936 ein Buch über die Aromatherapie. Inspiriert von diesem Buch, behandelte daraufhin ein Militärchirurg im zweiten Weltkrieg, seine verletzten Soldaten mit grossem Erfolg mit ätherischen Ölen. Gestützt auf diese Erfahrungen begann er Kollegen in der Aromatherapie auszubilden.
Das Sammeln von Düften
Ein Duft ist etwas Flüchtiges. Es ist eine Momentaufnahme, die sich weder halten noch einfangen lässt. Wie lässt sich der Duft einer Rose, einer Orangenblüte oder eines Pfefferminzblattes in ein kleines, duftendes Fläschchen füllen? Eine Möglichkeit ist die Wasserdampfdestillation. Man legt zerkleinertes Pflanzenmaterial auf ein Sieb und leitet heissen Wasserdampf zu den Blüten oder Blättern. Er geht durch das Pflanzenmaterial in einen Destillierkolben, wo der Dampf abkühlt. Da das ätherische Öl leichter ist als Wasser, trennen sich die beiden Flüssigkeiten im Auffangbehälter. Es entsteht ein ätherisches Öl und ein Hydrolat. Eine weitere Methode ist die Enfleurage, wo frischgepflückte Blüten auf Butter oder Schweinefett gelegt werden. Der Duft der Blüten geht auf das Fett über. Mit Hilfe von Alkohol wird der Duft aus dem Fett extrahiert, den Alkohol entfernt man durch Verdampfen und übrig bleibt das ätherische Öl. Dieses Verfahren ist aufwändig und wird nur mit sehr wertvollen Blüten wie Jasmin oder teilweise auch Rosenblüten durchgeführt. Entsprechend teuer sind diese Öle.
Die Aromatherapie anwenden
Mit der Aromatherapie lassen sich die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen. Beim Einatmen eines Duftes, erreichen die Aromen über die Riechschleimhaut der Nase und Millionen von Riechzellen das Gehirn. Genauer gesagt das limbische System, welches die Gefühlsabteilung des Gehirns ist. Das limbische System steuert Atmung, Körpertemperatur, Verdauung, Gefühle und Erinnerungen. Es ist der Ort, wo Entscheidungen gefällt werden. Die Schaltzentrale, die innert Sekunden unterscheidet, ob wir jemanden mögen oder nicht. Weil ätherische Öle auf das limbische System einwirken, haben die natürlichen Düfte einen direkten Einfluss auf die Psyche und den Körper. Sie können Ängste lösen, Anspannungen lindern, die Konzentration steigern und den Alltag beflügeln. Sie können aber auch Entzündungen lindern, Schleim lösen, Wunden schneller heilen lassen und Insekten vertreiben.
Man kann ein Öl in der Aromalampe verdampfen lassen. Man kann Aromawickel auflegen, mit Aromen Fussbäder oder Vollbäder zubereiten, sie als wirkungsvolles Aromaöl in der Massage verwenden oder einfach daran schnuppern. Beim Kauf eines ätherischen Öles ist es wichtig, dass das Öl tatsächlich zu 100 Prozent aus Pflanzenmaterial gewonnen wurde, also vollkommen natürlich ist. Und es ist wichtig, dass man den Duft gerne riecht. Stösst er einen ab, vermag er nicht zu heilen.
Man kann ein Öl in der Aromalampe verdampfen lassen.
Hier ein paar Anwendungstipps:
Fussbad für guten Schlaf: Eine Handvoll Meersalz mit fünf bis zehn Tropfen Lavendelöl beträufeln, ins warme Wasser geben und die Füsse darin baden.
Verschnupfte Nasen: Ein Tropfen Ravintsara-Öl auf ein Taschentuch geben. Immer wieder vor die Nase halten und schnuppern. Über Nacht einen Tropfen davon auf die Nasenspitze reiben.
Pflegendes Körperöl: Auf 100 ml Pflanzenöl je nach gewünschter Intensität 10 bis 20 Tropfen ätherisches Öl geben. Zum Beispiel Rosmarin oder Bergamotte. Als Basisöl eignen sich Mandel-, Jojoba- oder Sesamöl.