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|Die Statuette aus Babylon |
15. Dezember 1973
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(21.4.01 Die folgenden Ausführungen
schrieb ich allesamt 1973. Ich verbesserte zwar an vielen Stellen die
Formulierungen und gruppierte die Texte neu, aber der Gedankengang bleibt unverändert.)
Am 15. Dezember 1973 stehe um 07:00 Uhr auf und lege mich um 09:30 nach einem ausgiebigen Frühstück und der Lektüre von Trungpa "Ich komme aus Tibet" bis etwa 11:00 wieder hin. Nach einer traumlosen Phase kommt es zum Absinken und Hinübergleiten in den Traumzustand. Dessen Struktur und gefühlsmässige Lage weicht allerdings insofern von den anderen Träumen ab, als in ihm Luzidität vorhanden ist, OHNE dass es dabei aufgrund der Bewusstheit zu einem aktiven Eingreifen des Ichs in das Traumgeschehen kommt..
15.4.01 (Die massgeblichen Diskussionsbeiträge von Christoph Roos wurden jeweils bei den Kommentartexten direkt miteinbezogen !)
Das luzide Ich verweigert sich dem Traumgeschehen nicht zum vorneherein durch einen Querausstieg durch ein Erwachen des physischen Körpers. Die Situation wird vielmehr als solche akzeptiert und das luzide Ich nimmt eine abwartend beobachtende Haltung ein (hierzu vgl. auch Die Spur der Quader 9 - der Diamantkörper Teil 3). Diese Vorgehensweise, die mittlerweile als "witnessing dreaming" (Jayne Gackenbach) bekannt ist, war für mich 1973 noch eine recht abenteuerliche Angelegenheit. Die sich aus dem LUZIDEN Träumen ergebende Unsicherheit war natürlich allein der Tatsache zuzuschreiben, dass mir beispielsweise die okkultistischen Betrachtungsweisen aufgrund meiner Kenntnisse tiefenpsychologischer Konzepte eher suspekt gewesen und deshalb nicht beachtet worden sind. Die okkultistische Betrachtungsweise ist in den Texten von Don DeGracia im Zusammenhang mit der Theorie und Praxis der OOBE beschrieben - vgl. Teil1 - Einführung, Okkultismus (Theorie der Ebenen).
Ausserdem bestand damals auch eine Art Larifari-Stimmung. Zum einen dachte ich: «Was soll das alles?» zum anderen "befleissigte" ich mich einer wohl eher "primitiven" bzw. nicht bewusst verinnerlichten Form des Wu-Wei. Ich war nämlich zu faul - aber und vor allem auch in Anbetracht der Ausbildungsanforderungen am Jung-Institut zu verunsichert - die Konsequenzen zu ziehen.
Tatsächlich aber ging es nicht um ein «Tun durch Nichttun», sondern darum, mein «Handeln so einzurichten, dass es die geringste Verstrickung nach sich zieht und aus der inneren Stille des Herzens hervorgeht» (John Blofeld, Das Geheime und Erhabene - Mystizismus und Magie des Taoismus, 1974: 198-199). Praktisch bedeutete dies, dass es mir aufgrund der Luzidität im Traum nicht mehr möglich war, frühere Verhaltensmuster hervorzurufen und das Traumgeschehen nach eigenem Gutdünken zu lenken bzw. zu kontrollieren.
Da ich jedoch die Situation auch nicht richtig einschätzen konnte, musste ich unbedingt vergessen, was ich "eigentlich" erreichen wollte. Und damit wurde z.B. ein Text, bei dem es um «die Vermeidung von Widerstand und Selbstbehauptung» ging, für mich zu einer lebendigen Wirklichkeit, in die ich langsam hineinzuwachsen hatte: «Alle Sterne müssen um den Polarstern kreisen, weil dieser still steht, alle Vasallen und Geschöpfe bewegen sich innerhalb ihrer eigenen Kreise in freiwilliger Unterwürfigkeit um den Kaiser, weil dieser es versteht, sein Herz leer und unbeweglich zu machen, während er in vollkommener Sammlung seines Selbstes auf dem Throne sitzt. Er greift nicht ein; er weiss nichts von Verwaltung und Planung. Sein ruhiges Antlitz ist gen Süden gewandt, und er strahlt auf die Menschheit und die ganze Natur die Tugend seiner eigenen Übereinstimmung mit dem Gesetz des kreisenden Spiels von Himmel und Erde aus» (Heinrich Zimmer, Abenteuer und Fahrten der Seele, Zürich: Rascher, (1948) 1961:53).
Nach einer langen und eher verworrenen Szene "in nächster Nähe des Bewusstseins" stehe ich an einem See unter vielen Leuten. Dann geht es in eine eher sumpfige Region, wobei ich mit den Füssen wie ein Wasserskifahrer über die Wasseroberfläche schlittere.
15.4.01 Im Hinblick auf eine psychologisierende Sichtweise müsste das luzide Ich im Traum über eine Wasseroberfläche schlittern bzw. "über das Unbewusste gehen" wie jemand, der über Wasser laufen kann. Denn prinzipiell geht es gemäss psychologischer Auffassung darum, NICHT (in den Sumpf des Okkulten) einzutauchen, sondern darum, sich gemäss psychologischer Richtlinien fortzubewegen. Psychologische Ansätze versuchen einen zu direkten Kontakt mit dem Unbekannten (insbesondere dem "kollektiven Unbewussten") eher zu vermeiden, weil befürchtet wird, dass das Ich im "Archetypischen" versinkt, verloren geht, sich verirrt und auflöst.
Psychotherapeuten versuchen deshalb stets, eine kritische Situation zu vermeiden und zu umgehen oder - falls es schon zu spät ist - Patienten bzw. Analysanden mittels der Therapie so rasch wie möglich wieder an ein sicheres Ufer und damit auf die geschützte Seite zurückzuholen. Allenfalls aufgetauchte Ungereimtheiten werden dabei möglichst rasch mittels einer Amplifikation wenigstens behelfsmässig in einen bereits bestehenden Bezugsrahmen eingegliedert und ins allgemein anerkannte Weltbild integriert. Dies kommt unter Umständen einer Resozialisierung gleich, bei der das Ich genötigt wird, sich mit dem vorgegebenen Schema bzw. dem Weltbild zu identifizieren - oder gar damit identisch zu sein und zu bleiben, denn die zugrundeliegenden Axiome sind allen Beteiligten meist genau so wenig bewusst wie jene Dinge bekannt sind, die während eines Traumes auftauchen.
Es gilt somit, eine kritische Schwellensituation in einem zeitlich begrenzten Rahmen "wissenschaftlich korrekt" zu erfassen und die damit verbundenen Erlebnisse therapierelevant umzusetzen. Mögliche Zusammenhänge werden dabei oft wahllos vermischt (vgl. Das UFO und die Boten aus Atlantis) und nicht konsequent weiterverfolgt.
Das "Schlittern" über der Wasseroberfläche scheint aber auch ein «die Dinge in der Schwebe halten» auszudrücken. Nur mittels dieses "Dahingleitens" war es mir offensichtlich möglich, manchmal in die Tiefe abzusinken und einzutauchen, OHNE dabei die Bewusstheit bzw. die Kontinuität des Ich-Bewusstseins (BK) zu verlieren oder mich im Gewucher eines psychologischen Terminologiegestrüppes zu verstricken. Denn die psychologischen Konzepte gehen von einem herabgeminderten Traumbewusstsein (abaissement du niveau mental) und NICHT von einem bewusstseinskontinuierlichen Ich (von der BK) aus.
Das Fatale am psychologischen Ansatz besteht darin, dass prinzipiell von einer unkritisch akzeptierten Annahme ausgegangen wird. Diese besagt, dass mit dem Eintauchen, Absinken und Hinuntersteigen in die Tiefen des "Seelischen" mittels einer "Körperablösung" das Ich-Bewusstsein herabgemindert wird. Dabei kommt es dann definitiv zu einem "Abaissement" und es entsteht ein "Traum-Bewusstsein" bzw. ein "Traum-Ich".
Ich selber hingegen gehe davon aus, dass das Ich-Bewusstsein im ausserkörperlichen Zustand zumindest in einer gleichwertigen Klarheit wie das Ich-Bewusstsein im Alltagsleben bestehen bleibt - auch wenn es keineswegs alles begreifen und verstehen kann. Aber trotzdem bleibt das Ich handlungsfähig und ist in der Lage, mit einem unbewussten Inhalt - so paradox dies auch klingen mag - BEWUSST zu kommunizieren. Und dies alles erst noch in einer Zeit, in welcher der physische Körper schläft !
Die BK, d.h. die Kontinuität des Ich-Bewusstseins, erlaubt es, auch in unbekannten Situationen eigenverantwortlich zu handeln und zu entscheiden. Ein Risiko kann bewusst eingegangen werden. Und es werden auch - wie im Alltag - Fehler gemacht !
Die bewusste Auseinandersetzung mit den beiden Welten "Alltag" und "Anderwelt", die mittels eines bewusstseinskontinuierlichen Ichs bzw. der BK verbunden werden, lässt sich - und das musste ich während Jahren mühsam lernen - NICHT mit Hilfe und innerhalb einer psychologischen Terminologie beschreiben.
Die Kontinuität eines BEWUSSTEN Überganges vom "Diesseits ins Jenseits" verkörpert sich oft in einer Art zauberisch-magischem Vehikel, beispielsweise in Form geflügelter Hermesfüsse, Zaubersättel, UFOs, Gänsen, Pferden und fliegenden Teppichen - aber auch als Motorrad-, Auto- und Velofahren. Mit infantilem Wunschdenken hat dies überhaupt NICHTS zu tun, denn dabei geht es um eine BEWUSST zu gestaltende Verbindung und Erschliessung der Welten mit Hilfe eines "Fahrzeuges". Sollte dies jedoch aus Bequemlichkeit, Unentschlossenheit und theoretischer Befangenheit ausschliesslich innerhalb eines vorgegebenen Psychologierahmens und zudem UNBEWUSST geschehen, wird es bei einem seichten und oberflächlichen Dahingleiten bleiben müssen.
Es wäre bei der Auseinandersetzung mit Träumen unbedingt darauf zu achten, welcher Art ein Vehikel ist, das für einen Ortswechsel benutzt wird. Während Schamanen z.B. auf einem Schwan oder einer Trommel bewusst in das anderweltliche Jenseits bzw. die Ober- und Unterwelt reisen, benutzen "zivilisierte Menschen" Autos und Flugzeuge, OHNE sich ihres Tuns im Traumgeschehen bewusst zu sein. Allein schon das Fortbewegungsmittel ist technisiert und fern jeglicher Instinktsphäre. Beim Fahren geht es nicht um eine Erschliessung des Ganz-Anderen und um eine Kommunikation mit dem Fremden. An Ostern rollen - kurz gesagt - die Wagen im Stau nach Süden und nicht in die inneren Welten.
Im besten Fall wird es zu einer in sich selbst schlüssigen Tätigkeit wie etwa der Frühlingsausfahrt, dem Schlittschuhlaufen oder dem Skifahren kommen. Dabei geht es "bloss" - was durchaus legitim ist - um die Freude am Herumfahren und nicht um eine sorgfältige Erschliessung eines Untergrundes bzw. einer unbekannten Welt.
Beim luziden Träumen bzw. den OOBEs geht es hingegen stets auch darum, eine NEUE Tätigkeit zu erproben und deren Gesetzmässigkeiten kennenzulernen. Die Grenzen und Gefahren dürfen bei dieser Erschliessung sozusagen spielerisch erforscht werden. Denn die Techniken des luziden Traumes und der OOBE sind letztlich ebenso zu beherrschen wie beispielsweise das Skilaufen und Snowboarden, das Surfen, Motorradfahren und Schlittschuhlaufen.
Die Kunst des ausserkörperlichen Fliegens ist eine Kunst, die erlernt werden kann. Dies gilt ebenso für das Atmen unter Wasser, das im ausserkörperlichen Zustand problemlos möglich ist. Dasselbe gilt für das schwerelose Schweben im Weltraum oder das körperlose punktuelle Sein, es gilt für den Wandel von der menschlichen zur Tiergestalt und die Bewusstseinsübertragung in eine Pflanze. Um all diese und auch andere Dinge OHNE Bewusstseinsverlust durchführen und bestehen zu können, braucht es gewisse "technische Fertigkeiten". Und diese lassen sich einüben - und sie müssen auch eingeübt werden !
Die BK bzw. das bewusstseinskontinuierliche Ich ist natürlich NICHT identisch mit dem Zweitkörper. Dieser kann als Astralkörper durchaus als eine Art zauberisch-magisches Vehikel bezeichnet werden. Das Ich kann sich mit diesem Vehikel im "ausserkörperlichen" Zustand ebenso identifizieren wie dies für gewöhnlich im "innerkörperlichen" mit dem physisch-materiellen Leib geschieht. Damit kommt es auch automatisch zu einer Auslotung der Fähigkeiten der betreffenden Körperlichkeit und im Falle des Astralkörpers zu einer Verlagerung der Aufmerksamkeit z.B. auf Ablösetechniken.
Manchmal muss aufgrund mangelnder "technischer" Erfahrung bei ausserkörperlichen Flugversuchen in Bodennähe geflogen werden, denn das Ich denkt, es könne jederzeit zum Absturz kommen. Oder bei einem Austrittsversuch kommt es statt zu einer Ablösung zum Erwachen im physisch-materiellen Körper, weil die Begleitgeräusche das Ich aufschrecken. Manchmal dröhnen sie sogar wie heftigste Explosionen schockartig heran. Auch die Vibrationen sind oft heftigst und schütteln das Ich derart, dass es - wiederum aufgrund mangelnder "technischer" Erfahrung - zu einer totalen Fehleinschätzung der Situation sozusagen gezwungen wird. Es scheint auch hier so zu sein, dass der OOBE-Zustand wie etwa das Skifahren am "Idiotenhügel" einzuüben ist, bevor unbekannte Welten erkundet werden können.
Um es nochmals zu verdeutlichen: Schlittschuhfahren (im Traum) bringt nicht in erster Linie zum Ausdruck, dass die Beziehung zum Unbewussten "eingefroren" oder gar tot ist. Es zeigt lediglich, dass es genügend kalt geworden ist, um auf einer gefrorenen Oberfläche etwas "distanziert" von den unergründlichen Wassertiefen dahingleiten zu können.
Psychologisch betrachtet könnte das ziellose Hin- und Hergleiten als Faulheit, Wankelmut, Unentschlossenheit und Beziehungsunfähigkeit gedeutet werden. Aber diese Tätigkeit hat durchaus ihren "Sinn" in sich selbst. Die Leute laufen zwar ziellos hin und her - aber eben aus Freude am Dahingleiten und dem "spielerisch-überlegenen Denken". Die besondere Beschaffenheit des "Unbewussten" scheint durchaus ein oberflächliches Darauf-Herumgleiten wie auf einem Schneeteppich oder einer Eisfläche zu ermöglichen. Vielleicht drückt sich darin auch eine gewisse Schutzfunktion aus, denn die Tiefen sind letztlich unerschlossen, unbekannt und vor allem gefährlich für "technisch" Unerfahrene und solche, die nicht gewillt sind, sich ernsthaft mit dem Erlebten auseinanderzusetzen.
Beim schlitterenden Dahingleiten über der
Wasseroberfläche weiss ich immer so halbwegs, dass ich mich im Traumzustand
befinde (luzid träume). Einerseits bin ich aber zu faul und zu bequem, aus
dieser Erkenntnis die Konsequenzen zu ziehen. Andererseits mache ich auch
keinerlei Anstalten, die Luzidität zu hinterfragen und gewisse Erlebnisse
zu provozieren bzw. das Traumgeschehen zu kontrollieren. Früher hätte
ich dies allemal getan - und in solchen luziden Momenten auch eine "Körperablösung"
eingeleitet und etwelche sexuelle Phantastereien zur Ausbildung kommen lassen.
Davon kann heute keine Rede sein. Weder will ich frühere Verhaltensmuster abrufen, noch möchte ich die Situation als solche kritisch bedenken, um etwa eine aktive Imagination zu versuchen.
Meine unschlüssige Haltung lässt den Traum ziemlich "unruhig" werden. Es ist mir einfach nicht möglich, aufmerksam hinzusehen und zurückhaltend zu beobachten. Die sich hieraus ergebende Unruhe erzeugt bloss etwas "Gischt und leichte Wellen". Es bleibt bei einem schlitternden Dahingleiten über ein etwas "unruhig" gewordenes Wasser. Dabei kommt es nie zu einem Absinken oder gar Eintauchen. Ich bleibe an der Oberfläche. Es "reisst" mich zwar von der einen Seite zur anderen, aber dies geschieht ohne Engagement. Nirgends gibt es ein Verweilen und Betrachten, alles geschieht mit spielerischen Oberflächlichkeit und einer eher selbstzufriedenen Gelassenheit.
21.4.01 Eine gewisse Parallele zum "Stauphänomen" auf den Strassen und im Luftraum kann hier durchaus "gesehen" werden.
Nach einer Weile scheint es mir doch, dass der Körper ins Wasser abzusinken beginnt. Schliesslich gleite ich in einen Raum, der zur Hälfte unter der Erde liegt. Mir ist aufgrund meiner Luzidität klar, dass dieser Raum zu meiner persönlichen Sphäre gehört und dass dieser Ort - psychologisch betrachtet - mein persönliches Unbewusstes zutreffend bildhaft darstellt - zumindest den Teil, der mir bis zu einem gewissen Grade bereits bewusst geworden und direkt zugänglich ist.
21.4.01 Die Erwartungshaltung, an diesem Ort den eigenen Schattenaspekten zu begegnen, wird sich sogleich auf das Wundersamste bestätigen. Das "riecht" etwas nach Ideoplastie und macht beinahe einen inflationären Eindruck insofern, als das Unbewusste quasi einzig dafür zu dienen scheint, das ganze Szenario nur für mich aufzubauen. Es wird sich jedoch zeigen, dass es zum "Bruch" zwischen meiner Erwartungshaltung und der "eigenen" Realität der anderen Seite kommt.
Hier ist es aufgeräumt, sauber, sonnig,
hell und gut durchlüftet. Der Gesamteindruck ist freundlich und angenehm.
Die Farben sind warm und differenziert in ihrer Ausprägung.
Bei genauerem Umsehen entdecke ich eine kleine Tür und weiss sofort, dass sie in einen angrenzenden "Bewusstseins-Raum" führt. Dieser gehört zwar auch zu meinem persönlichen Wohnungsumfeld, aber er dient bloss als eine Art Gerümpelkammer und wird kaum jemals betreten. Dieses Zimmer wurde auch nur "halbherzig" aufgeräumt, denn es ist nie besonders beachtet worden.
Ich überlege, dass dies ein günstiger Moment wäre, denn dieses "vergessene Zimmer" kann jetzt im Bewusstsein der Tatsache erforscht werden, dass ich mich im Traumzustand befinde. Mir scheint auch, es handle sich hier um einen magisch-okkulten Bereich, um einen Bereich, der von mir bislang unkritisch, areligiös, selbstherrlich und eher klammheimlich betreten worden ist.
Ich erwarte deshalb, in diesem Umfeld allerhand Dinge zu entdecken, die unangenehm, peinlich und nur wenig schmeichelhaft sind. Aber das ist egal ! Verborgene Schattenaspekte hin oder her, Bewusstwerdung kann und darf auch ein schmerzhafter Prozess sein - vor allem, wenn sich Gerümpel angesammelt hat und sich der Staub der Verdrängung über die abgeschobenen Dinge gelegt hat. Deshalb wird es kein erhebender Eindruck sein, all dem Gewürm und Gekrieche begegnen zu müssen, das zu meinem persönlichen Umfeld gehört und mit dem ich bislang einfach nur identisch gewesen bin. Die direkte Konfrontation wird bestimmt eklig sein und von mir einiges an Einsicht und "Ekelüberwindung" erfordern.
17.4.01 Meine Erwartungshaltung im Hinblick auf die Gerümpelraum war schwer voreingenommen. Dass da manches Unangenehme auf mich warten könnte, beruhte in erster Linie auf einem psychologischen Vorwissen. Dieses Wissen wirkte stark prägend und evozierte förmlich "bestialisches Gewürm" und anderes "schleimiges Zeugs". Werden nämlich traumatische und neurotische Erfahrungen gesucht, können sie auch stets gefunden werden. Das ist bloss eine Frage des Blickwinkels und der Sichtweise.
Dabei könnte davon ausgegangen werden, dass eine Gerümpelkammer dazu dient, Beiseitegelegtes und unwichtig Scheinendes aufzunehmen und wohlversorgt aufzubewahren. Eines Tages könnte nämlich manches, das zunächst unwichtig schien, wichtig werden. Also muss das Liegengebliebene mal AUFGERAEUMT und es muss Ordnung geschaffen werden. Das kann einem jede "bodenständige Hausfrau" sagen. Es geht nicht darum, mit einem Bückling ehrfürchtig-religiös einen solchen Raum zu betreten - mit aufgeschlagenem Handbuch der Psychologie. Dass das Ich hier in erster Linie den eigenen Schattenaspekten begegnet - so was kann wohl nur einem "fleissigen" Ausbildungskandidaten am Jung-Institut in den Sinn kommen.
Dabei könnte sich das Ich auch an das Aschenputtelmotiv erinnern und einfach mal drangehen, die guten Bestandteile zwecks Weiterverarbeitung ins Töpfchen zu tun und die schlechten im Kröpfchen zu zerkleinern und sie sich dann zwanglos einzuverleiben. Dies ist eigentlich jedem Kind geläufig, aber offenbar nur den Herren Schulanalytikern und mir selber nicht. Aber erst nachdem diese Aufgabe bewältigt ist, kommt bekanntlich die Zauberkutsche und auf geht's zum Märchenschloss.
So betrete ich diesen Abstellraum mit recht
gemischten Gefühlen. Er macht eher einen grauen und etwas düsteren
Eindruck. Die Möbel sind zerkratzt und abgeschossen. Auch die Teppiche
haben ihre Farbenpracht verloren und erscheinen matt und abgetreten.
Dies weist - so überlege ich - möglicherweise auf eine Schicht des Unbewussten hin, die "familiärer" Struktur ist. Schliesslich bin ich noch zu wenig lange auf der Welt, um z.B. Teppiche derart stark abtreten zu können. Auch die Möbel sind stilmässig weit ausserhalb meiner Lebensspanne.
Die ganze Atmosphäre in diesem Raum ist irgendwie okkultistisch und magisch. Es ist mir unmöglich, die Situation zu erfassen und das Magische mit der Luzidität in Zusammenhang zu bringen. Ein bisschen fürchte ich mich, besonders auch deswegen, weil ich weiss, dass unter den Teppichen allerlei kriechendes Getier sein könnte. Und das könnte jederzeit hervorkommen und mich angreifen. Und tatsächlich, da raschelt es auch schon - und unter dem Teppich kreucht's und huscht's. Da sind irgend welche Tiere - der Teppich hebt und senkt sich. Ein ekliger Anblick !
19.4.01 Meine Unwissenheit in bezug auf die Magie war eher beschämend, zumal Gustav Meyrink, der Verfasser des 'Golems' und anderer esoterischer Romane, zum Thema "Magie-Luzidität" bzw. Ausserkörperlichkeit bereits im Jahre 1927 geschrieben hatte:
«Ich selbst habe viele sonst sehr ernste und wertvolle Menschen getroffen, die mir unterm Siegel der Verschwiegenheit von angeblich tiefsten Geheimnissen Mitteilung machten, die ihnen von dem oder jenem 'grossen Führer' anvertraut worden seien - und wenn ich ihnen dann Bücher vorwies, in denen dasselbe viel gründlicher längst gedruckt steht, fanden sie sofort die danebenschiessende Beschönigung: ach, das Buch kennt der 'Meister' sicherlich nicht - er liest überhaupt keine Bücher. Fragt man dann weiter: "Was kann denn der Meister?", so bekommt man zu hören: "Er kann natürlich riesig viel, nur - darf er's nicht zeigen." ... Zum Beispiel: "Er kann austreten!" - ... Es ist damit ein bewusstes Verlassen des Leibes gemeint. Das Geheimnis, wie man das bewerkstelligen kann, war nicht nur der Hauptinhalt der antiken Mysterien ..., sondern es bildet die Basis, auf der der praktische Okkultismus des Altertums wie auch zum Teil der Neuzeit fusst» (Hochstapler der Mystik (in: Eduard Frank (Hrsg.) 'Gustav Meyrink: Das Haus zur letzten Latern' (München: Langen Müller, [1927] 1973: 361-362)).
Aber letztlich ist es mir das krabbelnde Zeugs
unter dem Teppich egal. Wenn ich herausfinden will, worum es geht, wird es zu
einer Konfrontation mit dem verborgenen Leben in diesem Zimmer kommen müssen.
Eine einzige Vorsichtsmassnahme scheint jedoch angebracht - auch wenn sie unnütz
sein sollte. Es soll mir nicht der Vorwurf gemacht werden können, ich hätte
unüberlegt und unvorsichtig gehandelt. Teppiche sollen bekanntlich böse
Geister davon abhalten, unbemerkt aus dem Erdreich zu kriechen und den Menschen
hinterrücks anzufallen. Auch wenn ein Teppich die "bösen"
Viecher nicht daran hindern kann, in Erscheinung zu treten, so müssen sie
doch zumindest bis zum Rand des Teppich kriechen, um an die Erdoberfläche
zu gelangen.
Ich weiss, dass die "niederen Tiere" in der Grenzzone des Teppichrandes nicht im geringsten ihre Gefährlichkeit und Bewusstseinsferne verlieren. Es dürfte aber doch ein gewaltiger Unterschied sein, ob sie nun direkt an der Stelle hervorkommen, wo man gerade steht, oder ob sie nur am Rande des schützenden Gewebes hervorzukriechen vermögen. Die Randzone gibt effektiv einen gewissen Sicherheitsabstand und erlaubt zudem einen gewissen Überblick.
Jetzt bemerke ich auch, dass der Teppich mit einem Viereckmuster oder sogar mit einem Drudenfuss versehen ist. Ob Mandala in Vierecksform oder Pentagramm - das ist mir klar -, beides stellt eine Art der Abwehr und des Schutzes dar. Die unheimlichen Tiere werden diesen magischen Ring nicht durchbrechen können. Das Ich hingegen kann von diesem relativ sicheren Punkt aus das Geschehen "aus der Ferne" beobachten. Das wirkt irgendwie beruhigend !
Mir scheint, dieser Teppich habe bereits meine Ahnen beschützt. Weshalb also sollte er heute keinen Schutz mehr geben? Zumindest am Anfang dürfte er noch wirksam sein, auch wenn es - merkwürdigerweise vor allem in der heutigen Zeit - keinen absoluten Schutz mehr gibt.
17.4.01 Teppiche dürften in erster Linie dazu da sein, dass man keine kalten Füsse bekommt - im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Und der Drudenfuss (Pentagramm) ist hierzulande ein allseits gebräuchliches Schutzzeichen und bedarf keiner Psychologisierung, denn er wird durchwegs - wenn auch unwissend - zwecks Abwehr komplexer Gedanken und unbekannter Vorstellungen angewendet.
So stehe ich - mit gemischten Gefühlen -
auf dem Teppich. Unter mir lebt's und kriecht's. Und schon gucken allerhand
scheussliche Tiere unter dem Teppichrand hervor. Ich betrachte sie und denke,
dass dies alles doch grundsätzlich sehr unangenehm ist. Gewisse
Erkenntnisse sind einfach ekelhaft. Denn was da unten hervorguckt, betrifft
bestimmt auch meine eigene Schattenseite und mein eigenes ekliges Wesen. Diese
Wesen sind nun einmal da, es ist aber doch ein grosser Unterschied, ob es dank
der Luzidität möglich ist, einen gewissen Abstand zu halten. Denn
statt in panische, albtraumartige Angst auszubrechen, können die Dinge in
ihrer Entwicklung beobachtet werden - und mittels "mildernder Massnahmen"
kann es zu einer Art Distanzierung und Relativierung kommen.
Dann entdecke ich eine kleine, blau bemalte menschliche Figur. Die Statuette stellt einen Mann dar. Ich nehme sie in meine Hand und betrachte sie eingehend. Da beginnt die Figur plötzlich zu sprechen:
«Ich komme aus Babylon und ...»
Den zweiten Ort habe ich vergessen, doch liegt auch er im Gebiet zwischen Euphrat und Tigris.
23.8.01 Der zweite Ort war wahrscheinlich Ur bzw. Uruk. Damit ergibt sich eine Verbindung zu meinem Heimatkanton Uri. Dieser Kanton gehört zum alpinen Raum. Die Alpen, vor allem die schwer erreichbaren Regionen und Täler, sind die getreuesten und besten Bewahrer ältester Überlieferungen. Die Wurzeln der zentral-alpinen Kultur im "Lande der Räter" können weder im keltischen noch im indogermanischen gefunden werden. Möglicherweise sind die Räter direkte Nachkommen jener alt-semitischen Völker, die im Zwischenstromland gelebt haben.
Anzumerken ist, dass es in der gestrigen Vorlesung über iranischen Religionen auch um Farben ging. Blau und gelb sind Farben, die mich an ein rekonstruiertes Torbild von Babylon erinnern. Darauf ist - falls ich mich recht erinnere - auch ein Löwe mit Menschenkopf ähnlich der Sphinx abgebildet. Derartige Darstellungen sind für mich ein Hinweis darauf, dass die Instinktnatur nicht vom menschlichen Bewusstsein getrennt ist bzw. dass der Zauberkörper noch mit dem Ich-Bewusstsein zusammengewachsen ist und eine Einheit bildet.
In der Vorlesung über Religionsgeschichte kam auch der Einfluss der Magier auf die zarathustrische Religion zu Sprache. Es waren demzufolge die Magier, welche die sehr geistige Religionsform Zarathustras wieder auf den Boden der "Realität" zurückgebracht haben, indem sie diese für das Volk wieder "greifbar" machten. Erst damit konnte sie zu einer Volksreligion werden. Zudem brachten die Magier die von Zarathustras Denken weit entfernten alten religiösen Vorstellungen, z.B. den Dämonenglauben, den Feuerkultus und die Vorstellung vom Weiblichen, wieder ein.
Die Figur sagt weiter:
«Wenn ich Glockengeläut höre, dann werde ich wieder wachsen können!"
In dem Moment beginnen "draussen" Kirchenglocken zu läuten. Ich sehe fast mit Schrecken, dass die Tür zum anderen Raum weit offen steht, so dass die Glockentöne hell und deutlich von der Alltagsseite her in den anderweltlichen Raum hereinschallen können.
Und jetzt beginnt die babylonische Statuette zu wachsen und zu wachsen !
Tatsächlich läuten die 11 Uhr Glocken !
19.4.01 Damit scheint die Verbindung angetönt zu sein, die zwischen dem luziden Ich und der äusserer Realität besteht. Luzidität bedeutet - wie ich heute weiss - praktisch eine VERTIKALVERBINDUNG zwischen "Bewusstsein und Unbewusstem". Das Glockengeläut ist ein Geläut der realen, "äusseren" Alltagswelt. Es trafen am 15. Dezember 1973 exakt an dieser "Stelle" und ganz konkret "Realität und Irrealität" zusammen.
Zwei vormals getrennte Welten werden mittels eines kontinuierlichen Ich-Bewusstseins (BK) erinnerungsmässig verbunden - und diese Verbindung wurde an dieser Stelle erstmals als solche in ihrer tatsächlichen Dimension zum Ausdruck gebracht. 1973 dachte ich noch, das Wachstum würde sich ausschliesslich auf das "Selbst" beziehen, denn dies entsprach der "jungianischen" Vorstellung. Das Konzept der Ich-Bewusstseins-Kontinuität (BK) musste erst noch "wachsen" !
Statuen und Statuetten sind materielle Konkretisierungen von Gedankenformen und Ereignissen. Flüchtige Dinge bekommen damit einen äusserst stabilen Charakter und können jederzeit wiedererinnert werden. Diese Funktion hat heutzutage z.B. die Photographie übernommen. Bei einem magischen "Einsatz" von Statuetten soll das mit magischen Zeichen und Texten versehene Gebilde sich positiv oder negativ auf irgend welche Gebilde auswirken und diese "schwingungsmässig" beeinflussen.
Ein Beispiel: Mesopotamien übte bereits zu Beginn des 4. Jahrtausends einen starken kulturellen Einfluss auf Ägypten aus, der wenigstens zum Teil über Syrien gelaufen ist. Dann gab es zu Beginn der Mittelbronzezeit (2100 bis 1600 v.Chr.) eine neue Einwanderungswelle von Semiten und damit viele Siedlungszerstörungen. Die Namen der den Ägyptern feindlich gesinnten Fürsten, die sich in Süd- und Mittelsyrien festgesetzt hatten, wurden auf Schalen und Statuetten eingeritzt. In einem magischen Ritus wurden diese dann zerbrochen bzw. begraben, womit die potentiellen Eroberer geächtet und unschädlich gemacht werden sollten (vgl. Gese/Höfner/Rudolph Die Religionen Altsyriens, Altarabiens und der Mandäer (Stuttgart: Kohlhammer 1970:12f)).
Es stellt sich die Frage, wie diese kleine Figur (Statuette) aus dem vorderen Orient in eine "Schicht des Unbewussten" kommt, die - so fasste ich das damals auf - eher familiärer Struktur war. Was könnte das Ding aus Babylonien, einem Land zwischen Euphrat und Tigris, mit einer "magisch-okkulten Familienneurose" zu tun haben? Es dürfte schon einen Zusammenhang geben, denn Magie und Katholizismus haben durchaus gewisse Berührungspunkte. Aber darum bzw. um derartige geschichtlich-archetypische Verbindungen geht es kaum. Das Wachstum der kleinen Statue zeigt deutlich, dass herkömmliche Dimensionen gesprengt werden. Alle Gebäude sind zu klein und sogar die Welt ist letztlich zu eng, um die wahre Grösse dieses Sachverhaltes zu fassen. Worum geht es also?
Es gab schon am 12. Dezember 1968 einen Hinweis, denn in diesem Traum wurde von einem lange zurückliegenden Geschehen berichtet: In einer Wüste liegt in einem Wadi ein altes Schiff. Es ist ein Dreimaster, mit dem ich mit anderen in alten Zeiten durch dieses fjordähnliche Tal - als es hier noch Wasser gab - gesegelt bin. Nun liegt das Schiff auf dem Trockenen und ist halb unter dem Sand begraben. Der Bug zeigt gegen die steile Schluchtwand. Nur der vordere Teil des Decks und die Masten ragen wie ein Mahnmal aus dem Sand.
Ein Riese, der durch die Wüste gelaufen ist, setzte eines Tages seinen Fuss ins Tal, trat auf das Schiff und drückte es zum grössten Teil in den Sand.
Die Matrosen, die das Schiff längst verlassen hatten, kommen aus irgend einem Grund wieder zurück und betrachten ungläubig den halb versunkenen Dreimaster. Einer der fassungslos staunenden Männer steigt aufs Deck und nimmt eine Hand voll Sand auf.
Plötzlich ist der Riese wieder da. Er ist derart gross, dass nur die nackten Füsse zu sehen sind. Der grösste Kerl der Mannschaft erreicht knapp die Höhe des grossen Zehs des Riesen.
Diese Hinweise mögen genügen, um aufzuzeigen, dass es beim luziden Traum vom 15. Dezember 1973 um wesentlich mehr als um eine analytisch aufzuschlüsselnde Familienneurose ging. Das Ereignis verstrickte vielmehr einen ganz normalen Träumer, der sich u.a. auch für Religionsgeschichte, Tiefenpsychologie und Traumarbeit interessierte, in ein geradezu kosmogonisches Geschehen - und konfrontierte ihn mit Dingen, welche die Menschen bereits seit Tausenden von Jahren beschäftigen. Etwas in dieser Art kann JEDEM Menschen geschehen. Die Frage ist bloss, ob ein Mensch dies zulässt und gewillt ist, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen.
Der Dreimaster vom 12. Dezember 1968 verdeutlicht beispielsweise, dass die Dreizahl für den Urmenschen bezeichnend ist. Und wenn der Mensch als eine kleine Welt bzw. als Schöpfungsprodukt des Urmenschen angesehen wird, dämmert die Makrokosmos-Mikrokosmos-Spekulation auf, was die Sache auch nicht unbedingt einfacher macht.
Die Statue wird immer grösser und füllt
bald einmal den Raum zwischen Boden und Decke. Dann durchbricht sie die hölzerne
Decke und wächst zu guter Letzt rasend schnell in den "Weltraum"
hinaus. Mit den Füssen aber bleibt sie im Zimmer stehen. Ihre Gestalt als
Gesamtes ist nicht mehr zu sehen.
Aufgrund des "Durchbruchs" wurde in die Decke ein Loch gerissen. Ich schaue hinaus und weiss augenblicklich, dass jenseits dieses Loches der "Weltraum des kollektiven Unbewussten" sich unermesslich weit erstreckt. Ein gewaltiger Wind dröhnt und braust draussen in der "Leere" und droht Deckenteile wegzureissen und das Loch zu vergrössern. Weil dies katastrophal sein könnte, rufe ich dem Koloss zu:
«Dichte das Loch um deine Beine herum gut ab !»
Ich selber wage nicht, am Loch etwas herumzuflicken oder es gar zu erweitern, denn der gewaltigen Sog würde mich unweigerlich ins "kollektive Unbewusste" hinausreissen. Den Wind kenne ich aus anderen Träumen - und ich erinnere mich jetzt auch an diese Ereignisse. Dessen Gefährlichkeit war und ist extrem ! Und der geringste Fehler bei einem Versuch, das Loch abzudichten, wäre fatal und würde schlimmste Folgen haben. In meiner Not und in der Hoffnung, er könne mich hören, rufe ich dem Koloss nochmals zu, er solle das Loch um sich herum gut abdichten.
Ich erwache im Bett und überlege, ob nicht mehr hätte getan werden können und getan werden müssen. Die Situation war nämlich äusserst gefährlich. Das Loch hätte beispielsweise mit einem kleinen Ausguck ins kollektive Unbewusste "geflickt" werden können. Illusorisch? Das Dach schien an dieser Stelle sehr dünn zu sein. Und jenseits des "gegliederten Raumes" war der "ungegliederte". Diese Grenze ist sehr gefährlich. Aber sie scheint auch Möglichkeit zu eröffnen.
Bemerkungen: Ich konnte mir aus diesem Traum trotz der Luzidität beinahe den ganzen Tag keinen Reim machen. Erst jetzt nach dem Protokollieren scheint er mir einigermassen klar, denn alles, was ich schrieb wusste ich schon WÄHREND des Traumgeschehens. Dennoch wusste ich es nicht eigentlich. Es fehlte der rote Faden. Aber mittlerweile glaube ich ihn entdeckt zu haben. Er ist vielleicht mit folgenden Stichworten gekennzeichnet: Magie und Okkultismus befinden sich in demselben Raum wie die Statuette und an der Grenze zum Jenseitigen, dem "kollektiven Unbewussten".
In dieser Grenzzone lebt das, was klein und doch "unendlich" gross ist - wenn es erst einmal zu wachsen beginnt. Das Wachstum geschieht aber erst in dem Augenblick, wo ein Durchgang besteht - und zwar von der Alltags-Realität und dem persönlichen Unbewussten hinüber ins kollktive Unbewusste.
21.4.01 Diese Ausführungen kommen mir heute wie ein beinahe hilfloses "Stammeln" in bezug auf das Konzept der Kontinuität des Ich-Bewusstsein (der BK) und somit der Luzidität vor. 1973 war dies alles - also auch das Konzept des luziden Traumes und der OOBEs - noch SEHR weit von all dem entfernt, was ich vom Jung-Institut und den Werken von C.G. Jung her kannte ! Ich musste den Paradigmenwechsel ganz allein vollziehen und brauchte dazu mehrere Jahre. Dabei half mir in erster Linie die Traumerfahrung und somit die innere Stimme.
René C. Jäggi antwortet in einem Interview in der Zeitschrift Internet-Standard vom 20. April 2001 (S.23) auf die Frage, was ihn an der gegenwärtigen Techniküberflutung nerve: «Wir sind auf dem besten Wege, unsere innere Ruhe zu zerstören.» Tatsächlich wird das Rauschen des äusseren Lärms derart laut, dass die "Äusserungen der innere Stille" nicht mehr zu hören sind. Aber die "innere Ruhe" lässt sich nicht zerstören, sie kann höchstens eine Zeitlang zum Schweigen und Verstummen gebracht werden.
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©Werner Zurfluh