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Als Double-bind - oder Doppelbotschaften - bezeichne ich in Anlehnung an G. Bateson Situationen, in welchen ich sich widersprechende Anforderungen nicht sinnvoll - sondern allenfalls mit Übersprungshandlungen - ausweichen kann, also in einem Dilemma bin.
Beispiel von P. Watzlawick:
Eine Mutter schenkt ihrem Sohn zwei Hemden. Eines davon zieht der Sohn an. Die Mutter: Das andere gefällt dir wohl nicht?
P. Watzlawick beschreibt den double bind als einen Widerspruch zwischen dem Inhalts- und dem Beziehungsaspekt einer Mitteilung. Oft wird in solchen Situationen durch die gesprochenen Worte etwas ganz anderes bedeutet als durch die gleichzeitigen Gesten.
P. Watzlawick hat solche Situationen als gleichzeitig digitale und analoge Kommunikationsform bezeichnet.
Die notwendigen Ingredienzien einer double-bind-Situation sind nach G. Bateson:
1. Zwei oder mehr Personen [...]
2. Wiederholte Erfahrung [...]
3. Ein primäres negatives Gebot. [...]
4. Ein sekundäres Gebot, das mit dem ersten auf einer abstrakten Ebene in Konflikt steht und wie das erste durch Strafen oder Signale verstärkt wird, die das Überleben bedrohen. [...]
5. Ein tertiäres Gebot, das dem Opfer verbietet, den Schauplatz zu fliehen. [...]
6. Schliesslich ist die gesamte Menge von Ingredienzien nicht länger erforderlich, wenn das Opfer erst gelernt hat, sein Universum in double bind-Mustern wahrzunehmen ( Ökologie des Geistes:276)
Eine Möglichkeit wird im Roman als catch-22 bezeichnet. Sie bietet keine reale Fluchtmöglichkeit, denn von den Vorgesetzten wird nie ein Untergebener als geisteskrank eingestuft. Wenn man sich selber als geisteskrank meldet, dann greift catch-22.: Wer sich selber als geisteskrank meldet, um entlassen zu weren, der kann unmöglich geisteskrank sein, denn es ist nur höchst vernünftig, wenn einer mit allen Mitteln aus diesem Irrsinn des Krieges entkommen will.
Hat sich die Soziologie in einem double bind verfangen? Roland Walkow
Diese Idee, dass ein System an seinen inneren Widersprüchen zugrunde
gehen kann, wurde mit der double-bind-Theorie auf Familien übertragen und beschreibt einen
tiefgreifenden Beziehungskonflikt zwischen den Mitgliedern der Familien. Dieser Beziehungskonflikt
ergibt sich aus einem bestimmten Interaktionsmuster, bei dem eine der beteiligten Personen
eine Verhaltensauffälligkeit zeigt, die als schizophren bezeichnet wird. Dass dieser Beziehungskonflikt
überhaupt entstehen kann, liegt unter anderem daran, dass den Familienmitgliedern
keine gemeinsame Sprache zur Verfügung steht, mit denen sie ihre Beziehung zueinander
beschreiben könnten.
Den double bind kann man als einen Widerspruch zwischen dem Inhalts- und dem Beziehungsaspekt einer Mitteilung beschreiben. In der Regel wird der Beziehungsaspekt über den Inhaltsaspekt mit ausgedrückt. Anders formuliert, mit jeder Mitteilung wird implizit auch eine Rollenerwartung an den Adressaten kommuniziert. Das gilt erst recht für explizite Selbstbeschreibungen. Wenn nun die Soziologie den Anspruch erhebt, die Gesellschaft zu beschreiben und zu verändern, weist sie damit also auch ihrem außerwissenschaftlichen Publikum eine Rolle zu. Problematisch wird es, wenn das Publikum sich nicht in die zugewiesene Rolle drängen lässt. Dann kann es der Soziologie auch nicht gelingen, Bestätigung für ihre Rolle zu erhalten.