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Die Neumünsterkirche in Zürich
Im Jahre 1834 erfolgte die Gründung der Kirchgemeinde Neumünster und die Bildung einer privaten Aktiengesellschaft, die den Bau einer Kirche auf eigene Kosten ausführen wollte. Man bestimmte als Bauplatz den Zelglihügel in Riesbach und schrieb einen Wettbewerb aus.
Leonhard Zeugheer (1812-1866) ein von englischen Vorbildern inspiriertes, in der Tradition klassisch-griechischer Tempel stehendes Projekt ein, das prämiert wurde und in den Jahren 1836-1939 unter Zeugheers Bauleitung zur Ausführung kam.
Die annähernd Nord-Süd orientierte Neumünsterkirche, der bedeutendste klassizistische Sakralbau Zürichs, präsentiert sich als blockhafter Langhausbau mit eingebundenem Frontturm. Der beherrschende Saal mit Kassettendecke wird in der Längsachse von zwei kurzen, seitwärts risalitartig vorspringenden Quertrakten begrenzt. Über der grosszügigen Freitreppe in Kirchenbreite umfasst der nördliche Quertrakt ausser dem Turm mit verjüngtem Glockengeschoss und achteckigem Aufsatz auch zwei flankierende Säulenhallen in der Art griechischer Antentempel sowie die dahinter liegenden Emporentreppen, während der südliche Trakt Treppen und Sänger- und Orgelempore enthält. Ein umlaufendes klassisches Gebälk erhöht die Geschlossenheit des Aussenbaus.
Englische Vorbilder der Neumünsterkirche sind die Londoner Sakralbauten St. Marrtin-in-the-Fields, erbaut 1721-1726, die Kirche St. Pancras, erbaut 1819-1822 und St. Peter's Chapel, erbaut 1824-1826. Leonhard Zeugheer hatte 1834 in London ausgedehnte Studien betrieben.
1840 wurde das Dach der Neumünsterkirche umgedeckt, 1842 und 1845 entfernte man vermutlich die Attika.
Nach der Einquartierung von Beständen der Bourbaki-Armee, infolge des Deutsch-Französichen Krieges von 1870-1871, musste die Kirche im Innern instand gestellt werden.
Das Jahr 1880 brachte den bedeutendsten aller bisherigen baulichen Eingriffe, indem der Innenraum nach Plänen des Semper-Schülers Caspar Otto Wolff (1843-1888) weitgehend umgebaut wurde. Wolff verbreiterte die Orgelempore und stützte sie neu durch vier Säulenpaare. Ferner versetzte er die bisher in der Mitte vor der Empore stehende Kanzel an die östliche Längswand und liess den Raum neu ausmalen.
1912 wurde das Innere der Kirche samt der Bestuhlung durch Alfred Friedrich Bluntschli (1842-1930), Semper-Schüler und Professor am Polytechnikum Zürich, neu gestaltet; in Anlehnung an den klassizistischen Stil der Kirche verhalf er dem Raum durch die Rückverlegung der neuen Kanzel in die Hauptachse wieder zu einer Einheit und verlieh ihm durch reichere Ausbildung des Wandschmucks und durch eine neue Bemalung mehr Stimmung.
1952 wurde das Innere vorwiegend weiss gestrichen und ein Grossteil von Bluntschlis Dekorationen übermalt.
1964 konnte das Äussere unter Denkmalschutz gestellt werden.
1976 wurde am Aussenbau der gesamte Fassadenverputz erneuert und die ursprüngliche Farbgebung anhand alter Bilddokumente wiederhergestellt. Die grau gestrichenen Pilaster, Gesimse und Fensterrahmungen kontrastieren wieder mit den weissen Verputzflächen. In Bezug auf den Innenraum wählte man in Anbetracht der hohen Qualität von Prof. Bluntschlis Neugestaltung von 1912, durch die der Raum wesentlich geprägt war, eine diesbezüglich Instandstellung. Der Akanthus- und Palmettenfries an den Wänden konnte mittels der erhaltengebliebenen Originalschablonen von Prof. Bluntschli rekonstruiert werden. Die Bestuhlung blieb zur Hauptsache unverändert.
Weitere Literatur zur Neumünsterkirche (Auswahl):

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