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Taktlos 08 | Gétatchèw Mèkurya
Publiziert am 21. Mai 2008
Ethnogrooves aus Äthiopien, Punk oder was? Der in Addis Ababa lebende Gétatchèw Mèkurya begann mit dreizehn Jahren in der Municipality Band zu spielen. Das ist einige Zeit her. 1955 folgte ein beinahe zehn Jahre dauerndes Engagement am Haile Selassie I Theatre, bevor er ins Police Orchestra wechselte. Dort hatte der Tenorsaxofonist berühmte Sängerinnen wie Alèmayèhu Eshèté, Hirut Bèqèlè und Ayaléw Mèsfin zu begleiten. Sein charakteristischer Klang auf dem Tenorsaxofon, der ihm gelegentlich Vergleiche mit Albert Ayler, Archie Shepp oder John Coltrane einbringt, hat er von einem «shellèla» genannten Gesangsstil abgeleitet. Shellèlas wurden vor kämpferischen Handlungen gesungen. Der vibratoreiche heisere Gesang seines Tenorsaxofons, irgendwo zwischen Hymne und Pathos, hat ihm den Übernamen «Negus of Saxophone» eingetragen. Aber eigentlich war es eher von traditioneller äthiopischer Musik geprägter Freejazz vor der Zeit, wie die CD «Negus of Ethiopian Sax» mit alten Aufnahmen zeigt.
Zwischen 1974 und 1994 war Gétatchèw Mèkurya Musiklehrer und zehn Jahre später luden ihn The Ex zu einem Konzert mit dem ICP Orchestra von Misha Mengelberg und Han Bennink nach Amsterdam ein. Bei dieser Gelegenheit entstand die Idee für eine Zusammenarbeit zwischen dem legendären äthiopischen Saxofonisten mit der «avant-ethno-improv-punk-band». Gétatchèw Mèkurya wählte zehn Solos für ein gemeinsames Programm aus und The Ex ergänzten mit ihren äthiopischen Lieblingsstücken. Ergänzt mit einer Bläsersektion wird diese Form von Rhythm ’n’ Noise zu einem zauberhaften Amalgam, das von beiden Seiten her zusammenwächst.
taktlos 08, Jazzfestival, Rote Fabrik, 30./31.5/1.6, diverse Formationen (siehe Programm)
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