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Mounted by the Gods, übersetzt etwa «von den Göttern besessen», bezeichnet den Zustand der Trance und handelt vom afrikanischen Voodoo-Kult. Mahounon, der Priester eines Voodoo- Klosters in Benin, sucht sich in Vorahnung seines Todes einen Nachfolger. Nach einer landesweiten Rekrutierungskampagne, während der er mehrere hundert Anwärter auf das religiöse Amt prüft, trifft er schliesslich in seiner unmittelbaren Nachbarschaft auf den zwölfjährigen Gounon, dem ein Orakel attestiert, die für das Priestertum nötigen Gaben zu besitzen. Als Mahounon kurz nach Gounons Initiation stirbt, wird dieser als knapp Siebzehnjähriger zum Hohepriester geweiht.
Dass sich dieser dramaturgisch dankbare Plot - die Suche nach einem Auserwählten - dokumentarisch aufzeichnen liess, ist zunächst wohl der Dauer der Dreharbeiten zuzuschreiben, die sich dem Pressedossier zufolge insgesamt über zehn Jahre erstreckten. Die dadurch entstandene Nähe zu den Protagonisten hat es Venzago ermöglicht, ein bemerkenswertes Vertrauen zur religiösen Hierarchie zu etablieren. So erhält die Kamera Zugang zu Tieropfern, Orakelbefragungen und anderen Ritualen. Der Kommentar bleibt dem religiösen Mysterium gegenüber zwar auf Distanz, rundet das Bild aber kontextuell ab: Er gibt die Geschichte der Religion wieder, die von den deportierten Sklaven auch in die Neue Welt getragen wurde, und über Legenden Einblick in die dem Voodoo zu Grunde liegende Genesis.
Diese mehrschichtige Annäherung an den Stoff entspricht wiederum der besonderen Architektur des Films. Mounted by the Gods ist in jenem Zwischenbereich angesiedelt, in dem sich Dokumentarfilm, ethnologische Recherche und Fiktion überschneiden. Bereits die ersten Bilder des tropischen Sommerregens, der verfallenen, aus portugiesischen «sobrados» bestehenden Strassenzüge und der Kultorte besitzen genügend fiktiven Gehalt, um die Vorstellungskraft des Publikums zu entzünden. Andererseits weiss der Regisseur, der als Magnum-Fotograf über internationales Renommee verfügt, auch die nötige Nüchternheit zu bewahren, der die anthropologische Dimension seiner Thematik bedarf. Visuell spiegelt sich die Überschreitung der Genregrenzen im Alternieren von Schwarzweiss- und Farbbildern; akustisch lässt sie sich auch aus der teils subjektiven Off-Stimme heraushören sowie aus dem Sounddesign, das die eigens für den Film eingespielten Kompositionen durch Gesangs- und Perkussionsaufnahmen aus Afrika anreichert.
Paradoxerweise erweist sich gerade diese konzeptuelle Virtuosität als geeignete Form, der strengen Thematik des Films gerecht zu werden: Als mediale Dispositive sind sowohl die religiöse Praxis als auch der audiovisuelle Ausdruck mit dem Problem konfrontiert, Unsichtbares nur indirekt sichtbar machen zu können. Dass Venzago sich die daraus resultierenden Synergien zunutze macht und die Rituale des Voodoo-Kults elliptisch wiedergibt, zeugt nicht nur von seinem Respekt für die Religion, sondern auch von seinem anspruchsvollen Zugang zum Film als Medium, dessen Potenzial er bereits in diesem ersten Projekt überzeugend einzusetzen weiss.