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Als Kind hatte Elsie Brunner Akkordeon- und Klavierunterricht erhalten. Ihre Brüder waren begeisterte Jazzfans und steckten ihre Schwester mit dem Jazz-Virus an. 1951 trat sie am ersten Zürcher Amateur-Jazzfestival als junge Jazz-Sängerin und Akkordeonistin auf und wurde auch an späteren Auftritten in Zürich mehrfach ausgezeichnet.
In ihren Anfängen als Jazzpianistin hatte Elsie Brunner vor allem weibliche Vorbilder in Übersee. Wenig erstaunlich zog es sie deshalb für Auftrittsmöglichkeiten in die USA. Dabei geholfen hat ihr sicher auch die Heirat mit einem amerikanischen Jazzmusiker, dem Saxophonisten und Bassisten Siro Bianchi.
Ein Trio als Familienunternehmen
In der Folge pendelte sie lange mit ihrem Mann zwischen den USA und der Schweiz hin und her – bis sie Ende der 60er Jahre ganz in die USA zog. Hier konzentrierte sich ihre musikalischen Karriere zu einem grossen Teil im Raum von Atlanta, Georgia, wo sie mit ihrem Elsie Bianchi Trio regelmässig Konzerte gab.
Das Trio war in seiner Kernformation ein Familienunternehmen. Ihr Mann Siro spielte Saxophon und Bass, ihr Neffe Schlagzeug. Über zehn Jahre lang spielte das Trio regelmässig im Club «Château Fleur de Lis» und machte hochstehenden und unterhaltsamen Club-Jazz.
Einflüsse aus dem Cool Jazz
Das Elsie Bianchi Trio war eine lokale Grösse und wurde von den grossen US-Medien kaum beachtet. Zu Unrecht, wie ein Artikel in der Zeitung «Atlanta Night Life» 1972 schreibt: «Elsie is one of the most relaxed pianists I have ever heard. As one listens, it becomes apparent that the ‹very pleasant music› is an unfolding panorama of musical improvisation.»
Elsie sei eine der entspanntesten Pianistinnen, ist im Artikel zu lesen. «Beim Zuhören zeigt sich, dass die ‹gefällige Musik› ein Panorama der Improvisation entfaltet.» Elsie Bianchi Brunners Art zu spielen ist introvertiert und hat eine spielerische Spannung in der Tradition des Cool Jazz.
Der Einfluss kommt nicht von ungefähr: Elsie und Siro Bianchi traten auch in Kalifornien im berühmten Hermosa Club südlich von Los Angeles auf, wo viele Grössen des Cool Jazz oder Westcoast Jazz in den 50er Jahren ihre Bühne hatten: Howard Rumsey spielte dort permanent mit seiner Allstar-Band, Grössen wie die Trompeter Chet Baker oder Miles Davis traten dort mit den Allstars auf.
Mit Chet Baker ging Elsie Bianchi Brunner im Jahr 1955 auch auf Europa-Tournee. Eine Radioaufnahme aus dieser Zeit zeugt von dieser Zusammenarbeit. Angekündigt als «ausländische Überraschung des Abends» spielte Chet Baker live mit dem Elsie Bianchi Trio das Stück «Happy Little Sunbeam».
Die einzige Studio-Platte des Trios
In der Schweiz war Elsie Bianchi Brunners Auftrittsort neben verschiedenen Winterkurorten auch das legendäre Atlantis in Basel. Nach einem dieser Auftritte entstand in den 60er Jahren die Idee zur einzigen Studio-Schallplatte des Elsie Bianchi Trios, dieses Mal mit Charly Antolini am Schlagzeug («The Sweetest Sound», 1965).
Bianchi, die Vergessene
Elsie Bianchi Brunner ist inzwischen 84 Jahre alt – Musik hört sie hauptsächlich noch passiv, aktiv spielt sie nicht mehr. Mit ihrem Mann lebt sie auf einem ländlichen Anwesen in Royston, Georgia. Hier hat sie sich niedergelassen, nachdem sie aus dem Musikbusiness ausgestiegen und ins Sportartikelgeschäft einstiegen war.
Dass man von Elsie Bianchi Brunner nichts mehr hört, hat sicherlich mit dem Abbruch ihrer Karriere in den späten 70er-Jahren zu tun und auch damit, dass es nur sehr wenige CD-Aufnahmen mit ihrem Trio gibt. Heute sind sie als Raritäten wieder gesucht. So gesehen hat auch die Aufnahme von 1960 aus der «Sammlung Dür» einen besonderen Wert. Damals hat das Elsie Bianchi Trio den Titel «Portofino» von Lou Busch eingespielt.