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Das 11. Kapitel des Markusevangeliums ist ein Bibeltext, der mit Erwartungen vollgespickt ist. Zuerst die Erwartungen von Johannes dem Täufer an Jesus. Er sitzt im Gefängnis und lässt Jesus fragen, ob er der erwartete Retter ist. Wenn ich im Gefängnis sässe, würde ich von einem Retter nichts dringlicher als die Freilassung erwarten. Diese Erwartung erfüllte Jesus nicht.
Dann spricht Jesus über die Erwartungen, die die Leute an Johannes den Täufer hatten. Was hatten sie erwartet als sie ihn in der Wüste besucht haben? Einen der ständig seine Meinung nach dem Wind hängt? Einen der mit Pomp und Gloria auftritt? Oder einen, der die Wahrheit sagt und dessen Worte Kraft haben? Die ersten beiden Erwartungen hat Johannes nicht erfüllt – die dritte schon.
In den Versen 13-19 schliesslich stellt Jesus die Erwartungshaltungen ganz grundsätzlich bloss. Wer von Gott dieses oder jenes erwartet, gleicht den Kindern von denen Jesus spricht. Sie spielen ein Trauerlied und erwarten, dass dann alle trauern. Anschliessend ein Freudenlied und erwarten, dass sich alle freuen. Das ist pure Manipulation.
Wie ist es mit deinen Erwartungen an Gott? Auch alles pure Manipulation?
Was würdest mit einem Gott anfangen, der all deinen Erwartungen entspricht? Einem Gott, der nach deinem Verständnis funktioniert und der in dein Schema passt?
Ein Gott, der in meine Vorstellungswelt hineinpasst, ist nicht mehr Gott sondern mein Tamagotchi. Ich kann ihn füttern, mit ihm spielen und, wenn ich ihn gerade nicht brauche, abstellen und „resetten“.
Ent-täuscht werden heisst, dass die Täuschung auffliegt. „Glücklich sind die, die erkennen wie arm sie vor Gott sind„, würde Jesus hierzu wohl sagen (Matthäus 5.3)
Ist es nicht auch so, dass meine Erwartungen an Gott ganz anstrengend sind. Zum Beispiel die Erwartung, dass mein Leben besser wird. Ich erwarte Gesundheit, Motivation, Lebensfreude, gute Ideen, mehr Anerkennung und jeden Tag ein nettes Geschenk auf meinem Schreibtisch.
Manchmal legen wir uns mit unseren Erwartungen auch eine Last auf. Das Problem ist, dass wir die Erwartungen eigentlich an uns und an unsere eigene Kraft stellen. Wir erwarten zu viel von uns selbst.
Für alle die, die unter ihren Erwartungen an sich selbst und den Erwartungen an Gott, die Menschen und das Leben im allgemeinen leiden, kommt am Schluss des elften Kapitels im Matthäusevangelium eine gute Botschaft von Jesus: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Lasst euch von mir in den Dienst nehmen, und lernt von mir! Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Bei mir findet ihr Ruhe für euer Leben. Mir zu dienen ist keine Bürde für euch, meine Last ist leicht.“
Erwartungen formulieren – und dann enttäuscht sein, wenn sie nicht erfüllt werden. Das kann ich gut. Aber wirklich glücklich macht das nicht. Jesus schlägt einen anderen Weg vor. In Matthäus 11.29 sagt er: „Lasst euch von mir in den Dienst nehmen, und lernt von mir! Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Bei mir findet ihr Ruhe für euer Leben. Mir zu dienen ist kein Bürde für euch, meine Last ist leicht.“
Was wäre, wenn ich nicht länger von Gott erwarten würde, dass er mir meine Wünsche erfüllt? Wenn ich anfangen würde, von Gott zu erwarten, dass er mich in seinen Dienst nimmt?
Johannes Rau hat einmal gesagt: „Dies ist eine verbesserliche Welt. Weil Gott diese Welt liebt, dürfen wir sie nicht lassen, wie sie ist.“
Bist du bereit, von Gott zu erwarten, dass er dich dazu braucht?
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Bild: Wikimedia Commons/Tomasz Sienicki