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Jubel und Tränen der Freude – damals vor rund acht Jahren, als die Olympischen Sommerspiele an Tokio vergeben wurden. Die Vorfreude auf die Spiele ist den Japanerinnen und Japanern inzwischen längst vergangen.
Tokio 2020 könnte zu den teuersten Olympischen Sommerspielen in der Geschichte werden, sagt die japanische Ökonomin Sayuri Shirai von der Keio Universität in Tokio: «Nicht alle Kosten wurden im ursprünglichen Budget berücksichtigt. Das damalige Budget betrug rund 7.5 Milliarden US-Dollar, aber nun könnten die Kosten mindestens dreimal so hoch sein.»
Shirai rechnet mit 20 bis 30 Milliarden US-Dollar: «Allein die Verschiebung kostet zwischen drei und vier Milliarden, und die Massnahmen gegen die Ausbreitung von Covid während den Spielen werden rund eine Milliarde kosten.»
Dazu kommen die Ausfälle von Ticketverkäufen. Mit dem Notstand, der für Tokio bis zum 22. August gelten soll, wird nicht nur das ausländische, sondern auch das inländische Publikum aus den Stadien verbannt.
Die Pandemie sei aber nicht der einzige und auch nicht der gewichtigste Grund für die hohen Kosten, sagt Shirai. Die Organisatoren hätten in ihrem ursprünglichen Budget nämlich einiges nicht berücksichtigt, etwa Reparaturkosten und Instandhaltung der Infrastruktur.
Kosten bewusst tiefer veranschlagt?
Und: «Seit der Vergabe ist der Kurs des japanischen Yens signifikant gesunken. Damit stiegen folglich die Kosten für Baumaterial, von dem viel importiert werden musste. Und es stiegen auch die Löhne im Bausektor, wegen Engpässen auf dem Arbeitsmarkt.
Hätte man dies nicht zumindest teilweise vorhersehen und im Budget berücksichtigen müssen? Ja, sagt die Ökonomin Shirai. Aber dies habe man wahrscheinlich bewusst nicht getan: «Jedes Land, das die Spiele austragen möchte, hat die Tendenz, die Kosten bei der Bewerbung tiefer anzugeben. Man will zeigen, dass man die Spiele kosteneffizient austragen kann.»
Von einer Absage der Sommerspiele, wie sie zuletzt viele Japanerinnen und Japaner in Umfragen forderten, hält Shirai dagegen nichts: «Es besteht sehr viel Unsicherheit darüber, wie viel Japan dem Internationalen Olympischen Komitee als Kompensation zahlen müsste. Ausserdem haben so viele Menschen so hart daran gearbeitet, um die Spiele zu ermöglichen.»