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Imkerei im Mittelalter
Die Honigbiene war ursprünglich ein Waldtier und lebte in hohlen Baumstämmen, Erd- oder Felshöhlen. Auf natürliche Art entstandene hohle Baumstammteile oder durch den Menschen ausgehöhlte Stämme waren die ersten künstlichen Bienenbehausungen. Diese sogenannten Klotzbeuten ermöglichten es, Bienen in der Nähe oder innerhalb der bewohnten Siedlungen und Häuser zu halten.
Im Mittelalter waren Honig und Wachs so wichtige Produkte, dass deren Herstellung und Vertrieb durch Gesetze und Verordnungen geregelt wurden. Das Salische Gesetz von 510 sah hohe Strafen für den Diebstahl von Bienen und Honig vor. Die Westgoten verankerten 643 in ihrem Gesetz den Wildbienenfang und führten auch eine Haftpflicht bei Schäden durch Bienen ein. Im Jahre 748 wurde die Waldbienenzucht erstmals schriftlich als Zeidlerei bezeichnet in einer Urkunde des Herzogs Odilo von Bayern. König Karl der Grosse bestimmte, dass auf seinen Gütern Imkereien einzurichten seien. Gewisse Herrscher erhoben auch Sondersteuern auf Bienenprodukte oder verlangten Abgaben für die Bewilligungen zur Berufsausübung als Zeidler oder Imker. Die Klöster begannen ebenfalls eigene Imkereien zu betreiben, um nebst der Honiggewinnung auch ihren grossen Wachsbedarf selber decken zu können.
Auf historischen Skizzen in Exsultet-Rollen, welche um 1000 n. Chr. in Mittelitalien aufgezeichnet wurden, sind bereits damals in Gebrauch stehende, gezimmerte Holzbeuten nachgewiesen.
Vermutlich stammt der erste Strohstülper, aus einer Art Seil aus Pflanzenfasern gefertigt, aus dem 12. Jahrhundert. Er wurde gefunden in York, England. Form und Herstellungsart ähnelten den aus einer Spiralwulst gebundenen, heute noch in der Heide-Imkerei eingesetzten Strohkörben. Das Objekt ging aber auf dem Weg zur Laboruntersuchung verloren, so dass sich die damalige Verwendung nicht mehr klären lässt.
Die Zeidlerei war im 14. Jahrhundert ein hoch angesehener Berufsstand mit eigenen Zünften. Diese besassen oft viele Privilegien und mancherorts sogar eine eigene Gerichtsbarkeit. Mit der Verlagerung von der ursprünglichen Wald-Imkerei zur siedlungsnahen Bienenhaltung wandelte sich das Berufsbild und die Berufsbezeichnung Imker wurde gebräuchlich. Es begann die Zeit, in der viele Bauern, aber auch Pfarrer und Lehrer Bienen hielten. In verschiedenen europäischen Ländern gab es für einzelne Berufsgruppen (z.B. Dorfschullehrer) sogar die Auflage, Bienen zu halten. Erst mit der Entwicklung der modernen Chemie und Physik und der Kolonialwirtschaft (Rohrzuckerproduktion in Kolonien) wurden die Bienenprodukte zurückgedrängt.