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Bandwurm-Finnen in der Kaumuskulatur
Bildbeschreibung und Interpretation
Im Anschnitt der Kaumuskulatur während der Schlachttier-Untersuchung findet der amt. Fachassistent Fleischuntersuchung ein erbsengrosses weisses Körnchen: die abgekapselte Finne des Rinderbandwurms. Solche Larvenstadien setzen sich in der anderen Muskulatur, häufig im Herzmuskel oder im Zwerchfell, fest und werden dann am Schlachtkörper gesehen. Findet der amt. Fachassistent Fleischuntersuchung nur eine einzelne Finne an den typischen Stellen, wird der Schlachtkörper genusstauglich, wenn der Schlachthof ihn für fünf Tage tiefgefriert. Bei einem hohen Befall mit Finnen, stempelt ihn der Veterinärdienst genussuntauglich.
Der Landwirt bekommt dieses Anzeichen der Infektion mit dem Rinderbandwurm nur in Ausnahmefällen, z.B. im Rahmen einer Hausschlachtung, selbst zu Gesicht. Stattdessen erhält er eine Information des kantonalen Veterinärdienstes und in der Regel ein Informationsblatt der Schweizer Rindviehproduzenten SRP.
Beim infizierten Rind selbst kommt es selten zu Symptomen. Am ehesten erkranken stark befallene Kälber, jedoch eher unspezifisch (Fieber, struppiges Fell, Kümmern etc.).
Ursachen
Bandwurm-Finnen (Cysticercus bovis) in der Muskulatur des Rindes sind die Larven des Menschen-Bandwurms (Taenia saginata). Der Mensch ist alleiniger Endwirt und Verbreiter. Ein Infizierter scheidet mit jedem Stuhlgang bis zu einer Million Bandwurm-Eier aus. Gelangen Fäkalien auf Felder, die beweidet werden oder zur Futtergewinnung dienen, können Rinder die Eier aufnehmen. Der Mensch wiederum infiziert sich über rohes (z.B. Steak tartare) oder wenig erhitztes («saignant») Fleisch.
Gefährdet für Bandwurm-Finnen sind daher insbesondere Betriebe, bei denen:
- die häuslichen Abwasser in die Jauchegrube geleitet werden;
- Parzellen entlang von Bahndämmen, Campingplätzen, Wanderwegen ohne Zugang zu Toiletten usw., geweidet werden;
- das Wies- oder Weideland regelmässig von einem Vorfluter überschwemmt wird.
Ziel
Wirtschaftliche Schäden durch genussuntaugliche Schlachttiere vermeiden und Menschen im Umfeld der Finnentiere auf eine Infektion mit Bandwürmern untersuchen.
Massnahmen
Den Infektions-Kreislauf unterbrechen:
- Die häuslichen Abwasser (inkl. WC beim Stall) ausnahmslos in die öffentliche Kanalisation leiten.
- Das Gras aus der Umgebung von gefährdeten Parzellen (siehe oben) wenn möglich silieren und erst nach ca. acht Wochen verfüttern.
- Bereits beim ersten Fall im Bestand überlegen, wie und wo die Ansteckung erfolgt sein könnte.
- Spätestens wenn sich das zweite Tier des Betriebs angesteckt hat, muss der menschliche Träger des Bandwurms mittels einer Stuhlprobe ermittelt und therapiert werden. Untersucht werden müssen alle im Haushalt lebenden Personen, inkl. Angestellte und regelmässige Besucher. Zur Behandlung eines allfälligen Bandwurmbefalls ist ein koordiniertes Vorgehen zusammen mit dem Hausarzt und dem Bestandestierarzt notwendig.
Weitere Informationen
Ausführlichere Informationen zur Infektion mit dem Rinder-Bandwurm findest Du in unserem Beratungsartikel (pdf) «Wenn der Mensch das Rind ansteckt» (Toro 04/2020)