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Sie hat Deutschschweizer Eltern, neben dem Schweizer auch einen italienischen Pass, und sie träumt und denkt auf Französisch. Jacqueline de Quattro ist die Vielsprachigkeit in Person. Auf die Frage, ob sie nun eher Deutschschweizerin oder eine Romande sei, meint sie: «Ich fühle mich als Schweizerin».
Auf den Mund gefallen ist die 57-jährige Waadtländer Regierungsrätin nicht. Schon als Kind habe sie sich durchsetzen müssen, sagte sie einmal im «Tagesgespräch» von Radio SRF. Als 11-Jährige zog sie mit ihren Eltern von der Deutschschweiz in die Romandie. Kein Schleck.
Durchbeissen musste sie sich auch, als die Eltern sie ins Tennis schicken wollten. Doch sie wollte kein weisses Röckchen tragen. Japanische Kampfsportarten gefielen ihr besser. Gegen den Willen der Eltern ging sie ins Training. Der Lohn: Ein Schweizermeistertitel im Ju-Jitsu.
Ich konnte schon als Kind Ungerechtigkeiten nicht ertragen.
Nach der Matura studierte sie an der Universität Lausanne Rechtswissenschaften. Als Juristin arbeitete sie sich hoch bis zur Justizbeamtin im Bundesgericht.
Noch nicht lange als Anwältin tätig, stieg sie für die FDP in die Politik ein. Eigentlich wollte de Quattro Richterin werden. Denn: «Ich konnte schon als Kind Ungerechtigkeiten nicht ertragen.» Es kam anders. Als im Kanton Waadt ein Regierungsratssitz frei wurde, motivierten sie die Frauen der FDP, sich zu bewerben.
Der Wahlkampf sei alles andere als ein Spaziergang gewesen, erinnert sich de Quattro im «Tagesgespräch». Einmal habe ein Herr geschrieben, mit so dicken Beinen sollte sie keine Röcke tragen. Da habe sie ihm geantwortet: «Das sind die einzigen Wädli, die ich habe, und ich trage Röcke, wenn es mir passt.»
Es ist ein Ziel, im Spiel zu sein, ernst genommen zu werden.
Und sie gewann. 2007 wurde sie Regierungsrätin, Vorsteherin des Departements für Sicherheit und Umwelt. Kaum im Amt, sagte sie den Drogendealern in Lausanne den Kampf an. Derart rigoros, dass Karikaturist Raymond Burki sie als Putzwagen-Fahrerin darstellte, die Drogenhändler wegwischt und aufsaugt.
Auch nach den Morden an Adeline und Marie machte sie von sich reden. Sie kritisierte die Justiz, machte aufgrund der Tatsache, dass Marie und Adeline von Tätern im Hafturlaub ermordert wurden, einen Fehler im System aus. Das brachte ihr Kritik ein – und Respekt.
De Quattro ist eine Frau, die man beim Wort nehmen darf, schrieb der «Tages-Anzeiger», mit der FDP-Regierungsrätin lege man sich besser nicht an. Und «Der Bund» sprach von der «eisernen Lady in Samthandschuhen».
So oder so, sie dürfte eine ernstzunehmende Gegnerin für den Tessiner FDP-Nationalrat Ignazio Cassis sein: Es sei nicht unbedingt das Ziel, immer zu gewinnen, sagte sie vor einem Monat.
«Aber es ist ein Ziel, im Spiel zu sein, ernst genommen zu werden und zu zeigen, es gibt Kompetenzen bei Herren und bei Damen und zwar auf beiden Seiten der Saane.»