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Nach der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug (1812) und in der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) beginnt der Stern Napoleons zu sinken. Viele Länder, die einst unter seinem Diktat gestanden sind, beginnen sich von Frankreich zu lösen. So auch die Schweiz. Mit dem Ende Napoleons kommt auch das Ende der Mediation. 1813 wird diese Verfassung aufgehoben. Die Vertreter der alten Ordnung sehen die Zeit gekommen, die alten Herrschaftsstrukturen inklusiver der Untertanenverhältnisse wiederherzustellen. Was eine Wiedereinführung der alten Rechtszustände für die Schweiz bedeutet hätte, kann sich jeder selber ausmalen. Die Schweizer Restauration läuft weitgehend parallel zur europäischen Restauration, die wir in einem eigenen Kapitel behandeln werden.
Aber die Schweiz steht als ehemalige Verbündete Napoleons unter Beobachtung der alliierten Mächte. Besonders Russland drängt darauf, dass in der Schweiz Frieden einkehrt und der Frieden erhalten bleibt. So wird in der „Langen Tagsatzung“ 1815 ein neuer Bundesvertrag aufgesetzt und das Wallis, Neuenburg und Genf werden in den Bund der Eidgenossen aufgenommen, der jetzt aus 22 weitgehend selbständigen Kantonen besteht. Kantonsübergreifend ist die Tagsatzung (Bundesbehörde) zuständig für die Aussenpolitik und die Landesverteidigung. Die Schweiz auferlegt sich selber eine bewaffnete Neutralität, was ihr in den späteren Restaurationsverhandlungen in Wien zu Gute kommen wird. Vorerst scheinen die Befürworter der alten Ordnung weitgehend gewonnen zu haben, auch wenn diese „alte Ordnung“ nicht mehr die gleiche ist wie vor Napoleon.
Der Wiener Kongress, der 1815 nach einem Unterbruch (Flucht Napoleons von Elba, Herrschaft der 100 Tage) erneut einberufen wird, will ebenfalls die alte Ordnung und das Gleichgewicht der Grossstaaten wiederherstellen (europäische Restauration). Auf Kleinstaaten und ihre Interessen wird dabei in der Regel keine Rücksicht genommen. Es ist ein grosser Glücksfall für die Schweiz, dass sie in gesicherten Grenzen weiterbestehen darf und nicht unter den Nachbarstaaten aufgeteilt wird. Wieder sind es vor allem die Russen - vorab Zar Alexander I. - die sich für ein Weiterbestehen der Schweiz einsetzen. Die einzige Bedingung: Verpflichtung zu immerwährender bewaffneter Neutralität (Nichteinmischung in fremde Konflikte, keine eigenen Kriegshandlungen, kein Durchzug fremder Heere durch Schweizer Gebiet). Die Schweiz verliert endgültig die Gebiete Veltlin, Bormio und Chiavenna, sowie die zugewandten Orte Mulhouse (Elsass) und Rottweil (Deutschland). Dafür werden als gleichberechtigte Gebiete Genf, Wallis und Neuenburg (das bis 1857 gleichzeitig preussisches Fürstentum ist) bestätigt. Bern wird für die verlorene Waadt mit dem Jura abgefunden, was bis 1979 (Gründung des Kantons Jura) zu Spannungen führen wird.
1830 findet in Bern ein gesamtschweizerisches Schützenfest statt. Aber der äussere Friede trügt. Der Graben zwischen Anhängern der alten Ordnung (Föderation) und der neuen Ordnung (Republik) ist noch nicht geschlossen. Die Restauration in der Schweiz wird von der Regeneration (Wiederherstellung der republikanischen Volksrechte) abgelöst. Und die Bürgerrechte werden auch mit Gewalt eingefordert, was in Basel zur Abtrennung von Basel-Land von der Stadt führt. In den fortschrittlichen, industrialisierten Kantonen sind die Liberalen auf dem Vormarsch, in den eher rückständigen Landkantonen die Konservativen. Ein Graben zieht sich durch die Schweiz, der jederzeit in einen Bürgerkrieg ausarten kann. In diesen politischen Graben mischt sich fatalerweise auch ein religiöser. Die spätere (1841) Aufhebung der Klöster im Aargau durch die Liberalen zieht weitere Verletzungen des Landesfrieden nach sich. Die 7 konservativen Kantone werden sich in einem „Sonderbund“ verbünden. Die Einheit der Schweiz wird erneut vor einer Zerreissprobe stehen.
Den frühindustriellen Aufschwung der Schweiz durch die Kontinentalsperre gegen England haben wir schon erwähnt. Die Industrielle Revolution, von der wir noch reden werden, gibt der Schweiz neue Verdienstmöglichkeiten, zuerst in der Heimarbeit (Bild rechts), später in den Fabriken. Das löst ein neues wirtschaftliches Zeitalter aus, das auch politisch und sozial weitreichende Folgen haben wird. Neben der Fertigung von Textilien erlangt die Schweiz auch in der Herstellung von Maschinen eine grosse Fertigkeit. Beim Betrieb der Maschinen kann die Schweiz auf reichlich Wasserkraft setzen. Die Industrialisierung fördert auch den Strassen- und Brückenbau. Dann folgen neue Verkehrsmittel (Dampfschiffe und –bahnen). Ein einheitliches Münzsysten (Schweizer Franken) lässt noch bis 1850 auf sich warten, eine einheitliches Masssystem (metrisches Mass) bis 1877 (legalisiert 1868).
Aufgaben und Recherchen
Du musst wissen, warum die Helvetik gescheitert ist (steht auf Blatt GS 3/1206)! Warum scheitert auch die Mediation?
Wie nennt man in der Schweiz und in Europa die Zeit nach Napoleon und was ist damit gemeint?
Die „Lange Tagsatzung“ ordnet die Schweiz nach der Ära Napoleon. Wie sieht diese Ordnung aus?
Wieso werden die alten Herrschaftsverhältnisse (z.B. Untertanengebiete) letztlich doch nicht wiederhergestellt?
Der „Wiener Kongress“ hat schon 1813 nach der Völkerschlacht von Leipzig begonnen, wurde dann durch die „Herrschaft der 100 Tage“ unterbrochen und 1815 nach Napoleons Niederlage bei Waterloo wieder aufgenommen. Welche Funktion hat er (2 Dinge)?
Die Restauration des Wiener Kongresses ist keine vollständige. Ein anderes Prinzip hat Vorrang. Dem fallen vor allem die Kleinstaaten zum Opfer. Der Rheinbund wird nicht mehr erneuert und auch die Schweiz wäre fast unter die Grossmächte aufgeteilt worden. Welches Prinzip hat absolute Priorität (Vorrang?)
Wem bzw. was verdankt die Schweiz letztlich ihr Weiterbestehen?
Was verliert die Schweiz im Wiener Kongress, was gewinnt sie?
Die Restauration löst in der Schweiz (und auch anderswo) eine Gegenbewegung aus. Wie heisst diese und was sind ihre Ziele?
Wie sieht die Situation in der Schweiz 1830 aus?