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Die Vereinigung
Beim Heranrücken der französischen Truppen gaben die Zünfte die politische Führung preis. Am 13. März 1798 dankte die alte Regierung endgültig ab und am 26. April marschierten die französischen Truppen ein. Am gleichen Tag beschlossen die Schuhmacher, ihr Zunftvermögen zu liquidieren.
Mit der Mediationsverfassung 1803 kam die Rekonstituierung der Zünfte als Wahlgremien. Die Regierung setzte diese «blossen» Wahlkörper ein, 52 für die Landschaft, 13 für die Stadt, und sie stellte klar, «dass zwischen den neuen Wahlzünften und den ehemaligen Zünften kein innerer Zusammenhang mehr bestehe».
Die Handwerke überlebten das Verbot der politischen Zünfte und führten weitgehend ein Eigenleben, bis sie, bedingt durch die Gewerbefreiheit, sich 1838 auflösten. Die am 20. März 1831 angenommene Verfassung gewährte den stimmfähigen Stadtbürgern das Recht, ihre Wahlzunft unabhängig von Stand und Beruf frei zu wählen und am 26. September 1837 wurde der gewerbliche Zunftzwang beseitigt, am 1. Januar 1838 die Gewerbefreiheit eingeführt und die Stadt bildete nur noch einen Wahlkreis.
Eine frische, junge Generation wuchs nach, die neuen politischen Voraussetzungen mussten akzeptiert werden. Das Sechseläuten erfuhr neue Formen. Die gegenseitigen nächtlichen Zunftbesuche wurden wieder aufgenommen und mit ersten nächtlichen fröhlichen Umzüglein ergänzt. 1839 war der erste gemeinsame Umzug aller Zünfte bei Tag mit dem Ziel Lindenhof, der für viele nächste Jahre auch Ziel blieb. Es folgten die farbenprächtigen, fröhlichen Umzüge, geschaffen von Heinrich Cramer und einer treuen Helferschaar, die dem Sechseläuten bis heute neue Dimensionen gab.
Die Zünfte zur Gerwe und zur Schuhmachern als «heimatlose» Zünfte feierten ihre Anlässe auf den verschiedensten Stuben. 1831 hatten die Gerber im (alten) Storchen 54 Gedecke, 1835 sogar 62, davon aber 17 Gäste. 1847 weihten sie in einer kleinen Feier den neuen prachtvollen, grossen Becher, die Gerber-Eiche. Ab 1850 feierten die Gerber und die Schuhmacher gemeinsam das Sechseläuten in der «Krone» am Sonnenquai bei der Schifflände, die dann 1862 in «Zürcherhof» umgetauft wurde. 1858 zügelten die beiden Zünfte ins «Bellevue», das auf der anderen Strassenseite lag.
1872 feierten im «Bellevue» die beiden Zünfte das Sechseläuten mit einem Musikkorps aus Konstanz, das den «Alten deutschen Jägermarsch» spielte, der unglaublich Anklang fand und heute noch als «Sechseläutenmarsch» unser liebstes Musikstück am Sechseläuten ist. Allerdings stammt dieser Marsch nicht aus Deutschland, sondern aus dem 17. Jahrhundert von Jean Baptiste Lully, einem Italiener in Paris. Der Marsch war vor allem gern gehört vom Preussenkönig Friedrich II., der Zarenfamilie in St. Petersburg und auch den russischen Machthabern nach der Revolution bis heute.
Nach 27-jähriger Verlobungszeit vermählten sich die Gerber- und Schuhmacherzunft am 9. November 1877 zu den Vereinigten Zünften zur Gerwe und zur Schuhmachern und publizierten ein Hochzeitsgedicht.
1890 wurde das alte Hotel Bellevue durchgreifend umgebaut, verändert und modernisiert. Es wurde ein repräsentatives Haus daraus gemacht.
Beim Wiedereinzug ins «Bellevue» bezogen die Vereinigten Zünfte den gegen die Limmat gelegenen Festsaal; die Rotonde, das heutige Restaurant Terrasse, war damals noch eine unverglaste offene Veranda. Der Festsaal im «Bellevue», war dann Zunftsaal bis 1908.
Von 1908 bis 1924 waren die Vereinigten Zünfte in der Tonhalle und am 28. November 1924 feierten die Vereinigten Zünfte ihr erstes Rechenmahl im «Savoy Baur en Ville». Seit diesem Zeitpunkt freuen sich die Zünfter, mit Ausnahme zur Zeit des Neubaus 1975–77, als sie im ersten Stock des Bahnhofbuffets Gast waren, im «Savoy» über das stimmungsvolle Zunftzimmer und vor allem über den schönen Festsaal.
Pit Wyss, Januar 2007