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Schangnau
Kirche Schangnau
Die kleine, aber sehr schöne Schangnauer Kirche wurde 1618 erbaut, was durch die Inschriften über der Eingangstüre und am Taufstein belegt wird. Als schlichten Schmuck weist der Innenraum an den Fenstern und am Chorbogen ein gemaltes Muster von Punkten, Linien und Quadraten auf, was viel zur freundlichen und harmonischen Atmosphäre der Kirche beiträgt. Östlich oberhalb des Ortskerns gelegen, bildet das Kirchlein zusammen mit dem nördlich stehenden Alten Schulhaus ein eindrückliches Bauensemble.
Vor der Reformation gehörte Schangnau kirchlich zum Kloster Trub. 1530 erhielt der Ort seine erste eigene Kirche, wobei die Kirchgemeinde noch bis 1594 von den Truber und Röthenbacher Pfarrern versorgt wurde. Kaum hundert Jahre später wurde 1618 die neue und noch heute bestehende Kirche gebaut. Während des Ersten Villmergerkrieges 1657 wurde an der Kirche grosser Schaden angerichtet. Es musste unter anderem eine neue Kanzel erstellt werden, die noch heute die Jahreszahl 1657 trägt. Neben geschnitzten Verzierungen zeigt sie am Hutrand die lateinische Inschrift: VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM ESA (Jesaja 40,8: Gottes Wort bleibt in Ewigkeit).
1806 wurde die Kirche ein erstes Mal restauriert. Dabei gingen die ursprünglichen Dekormalereien verloren, die jedoch bei der Restaurierung von 1965/66 wiederhergestellt werden konnten. Bei den Arbeiten von 1965/66 wurde zudem der Bau gegen Westen verlängert, der ursprüngliche Eingang durch einen Anbau im Norden ersetzt und der gesamte Bau aus dem frühen 17. Jahrhundert unter Bundesschutz gestellt.
Als eines von vielen Beispielen dafür, mit welcher Liebe und mit wie viel handwerklichem Geschick die Kirche gebaut wurde, sei noch die Eingangstüre genannt. Der Drücker ist aus einem Fisch und einer Taube geformt. Beide sind alte christliche Symbole. Wie bei zahlreichen anderen Kleinkirchen hat auch die Schangnauer Kirche statt einen Turm einen sogenannten Dachreiter. Zwei Glocken hängen darin: Die grössere Glocke aus dem Jahre 1617 läutet in AS-Dur, wiegt 610kg und hat einen Durchmesser von 990mm. Die kleinere Glocke wurde im Jahr 1888 von der Firma Rüetschi eingebaut, läutet in C-Dur, wiegt 302kg und misst 800mm im Durchmesser. Im Jahr 2012 wurden die durch die Zeit hartgewordenen Glockenklöppel von der Firma Muff AG, Triengen, ausgewechselt, um einen Schaden an den Glocken zu verhindern.
Heute befindet sich an der Westseite noch die Kirchenuhr, deren vollmechanisches Uhrwerk 1944 von der Firma Baer, Sumiswald, eingebaut wurde. Sie wird heute mit Computertechnik unterstützt. Die Orgel stammt aus dem Hause Goll, Luzern und wurde 1969 in Betrieb genommen. Im Jahr 2014 hat die Firma Goll eine Revision an der ganzen Orgel vorgenommen und erfolgreich beendet.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 577.
- Niesel, Volker, 400 Jahre Reformierte Kirche Schangnau. 1618-2018, s.l.: o.V., 2018.