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Von Konrad Pauli — Gelegentlich wurde er auf eine angebliche Unfähigkeit hingewiesen: Für die Zeitung war er unterwegs in Paris, hatte einen Bericht zu schreiben über eine Modigliani-Ausstellung. Als Mann der Presse hatte er sich mühelos den Katalog und die Dokumentation beschafft. Nun zwängte er sich Schrittchen für Schrittchen durch die Zuschauermenge, die ihm nur ab und zu einen Sekundenblick auf einen Viertel eines Modigliani-Bildes gewährte. Selbst dieser kleine Ausschnitt liess ihn freilich das ganze Bild erkennen, so gut kannte er den Künstler. Dennoch verfehlte er so das Werk, das Original. Er gab auf, zog sich zurück in die Ecke eines Bistros, war hinter Glas geborgen und hatte dennoch freien und weiten Blick auf den Boulevard. Und er setzte die Ausstellungswanderung fort, Seite für Seite im Katalog. Jetzt war er den Bildern nahe. – Solche Erfahrung schrieb er für die Zeitung nieder in einer Glosse. Tage später kam er in den Genuss eines Leserbriefes – ihm wurde entgegengehalten, die Abbildung ersetze niemals das Original, das sei ein Irrtum, auch wenn dies ein Kunstkritiker so sehen mochte. Indessen hatte er, was ihm der Briefschreiber vorwarf, nie behauptet. Er wagte bloss mitzuteilen, dass er im Bistro mit dem Katalog dem Werk Modiglianis näher war als im Museum. Eben dies durfte wohl nicht sein.
Foto: zVg.
ensuite, März 2011