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Sieg ist Sieg, werden sich die Republikaner heute gesagt haben. Selbst wenn die Demokraten im Senat vorne bleiben, im Repräsentantenhaus stellen die Herausforderer die Mehrheit.
Gemäss den letzten Hochrechnungen von CNN gewinnen die Republikaner im Repräsentantenhaus 61 Sitze. Sie kommen damit auf 239 Mandate. Im Senat konnten sie voraussichtlich 6 Sitze gut machen, was zu 47 Mandaten führen würde. Ersteres genügt für das absolute Mehr von 218 komfortabel, zweites wird nicht ausreichen, selbst wenn die zwei noch nicht vergebenen Sitze an die GOP gehen sollten.
Der Erdrutschsieg der Republikaner im Repräsentantenhaus sucht in der amerikanischen Nachkriegsgeschichte seinesgleichen. Der bisher grösste Einschnitt stammt aus dem Jahre 1946, als die Republikaner 56 Sitze zulegen konnten.
Der Wert liegt auch etwas höher als von den Wahlprognostikern bei PollyVote erwartet. Sie rechneten in der finalen Projektion mit 53 Sitzverschiebungen in der grossen und 8 Veränderungen in der kleinen Kammer.
Das mag an der Neuartigkeit der Instrumente liegen. Ihnen ist eigen, dass sie die aktuellen Vorhersagen auf bisherigen Erfahrungen machen. Das hat eine Tücke: Neuentwicklungen sind nur schwer erkennbar, können aber angesichts der finanziell aufwendigsten midterm-Wahlen in den USA erwartet werden.
Dafür spricht auch, dass erst in den letzten vier Wochen vor den Wahlen wirklich Bewegung in die Wahlvorhersagen kamen. Bis dann sah es nach einem Patt zwischen den beiden Parteien aus, was sich dann je nach Tool mehr oder weniger schnell und deutlich zu ändern begann.
Von dieser Bewegung profitierte auch die populistische Tea Party, die von der Enttäuschung gegenüber beiden grossen Parteien gerade in Wirtschaftsfragen leben, nun in beide Kammern einziehen wird, wo sie die Grand Old Party verstärken intern aber auch bedrängen wird.
Eine Frage stellt sich mir am Tag nach der Wahl: Wie nur ist es möglich, dass aus dem phänomenalen Sieg von Präsident Barack Obama vor 2 Jahren eine solche Niederlage möglich wurden? Spekulationen hierzu sind durchaus erwünscht.
Claude Longchamp
PS:
Am genausten waren diesmal die Wahlbörsen, wie jene von Intrade, die kurz vor der Wahl auf 62 Sitzverschiebungen gewettet hatten. Am schlechtesten schnitten die Modellierungen ab. Genau war da nur Alan I. Abramovitz. Aufgrund modifizierter Gallup-Umfragen kam er auf 62 Veränderungen als wahrscheinlichste Variante. Von den politischen Reports schnitt der von Rothenburg Political Report, ein parteiunabhängiger elektronischer Newsdienst, am besten ab. Er hatte 60 Sitzverschiebungen vorausgesagt.