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Wir verwenden das Wort «nobel», wenn wir die Grosszügigkeit oder hohe Würde einer Person meinen. Attribute, die auch im Zusammenhang mit dem Nobelpreis stehen. Zufall. Alfred Nobel, der den inzwischen weltberühmten Preis stiftete, hat mit der Wortherkunft nämlich nichts zu tun. Vielmehr geht es zurück auf den lateinischen Begriff «nobilis» für hochgeboren.
Zu seiner Lebzeit hätte wohl auch kaum jemand gesagt, Alfred Nobel sei ein nobler Mann. Zwar wurde er 1833 in eine wohlhabende Familie geboren, doch sein Vater hatte sein Vermögen als Rüstungsfabrikant gemacht, u.a. erfand er die Seemine und stellte Schnellfeuerwaffen für das zaristische Russland her.
Indem er die Initialzündung und in der Folge das Dynamit erfand, führte Alfred Nobel das Erbe fort – ohne es zu wollen. Denn ungeachtet dessen, dass er den Sprengstoff für die industrielle Nutzung entwickelt hatte, zum Beispiel für Sprengungen beim Tunnelbau, wurde das relativ handhabungssichere Dynamit weltweit in Kriegen und für Terrorattentate gegen die Regierenden eingesetzt.
Als Alfred Nobels Bruder Ludvig 1888 verstarb, erschien in einer französischen Zeitung ein Nachruf mit dem Titel: «Der Kaufmann des Todes ist tot». Doch die Redaktion hatte Ludvig mit Alfred verwechselt. Alfred war so erschüttert von dieser Sichtweise auf ihn, dass er sich intensiv mit der Frage auseinandersetzte, wie er von der Nachwelt in Erinnerung behalten werden möchte.
Ein Jahr vor seinem tatsächlichen Tod setzte er ein Testament auf: Sein Vermögen führte er fast vollumfänglich einer Stiftung zu. Diese sollte fortan jährlich jeweils ein Preisgeld an diejenigen auszahlen, die auf den Gebieten der Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden der Menschheit den grössten Nutzen erbracht hatten. Die Gewinner sollten von unabhängigen Institutionen und Akademien erkoren werden.
Das Preisgeld würde sich aus dem jährlichen Zinsgewinn auf das Vermögen ergeben. So ist die Nobelstiftung heute eine Profit orientierte Investmentgesellschaft. Einerseits ist sie aufgrund ihrer internationalen Bedeutung und des edlen Zwecks steuerbefreit, andererseits hat der Stifter aber ein enges Regelkorsett aufgestellt, wie das Erbe anzulegen sei.
Erlaubt sind nur sichere Investitionen. Zu Nobels Zeiten waren es Anleihen und andere festverzinsliche Wertpapiere. Die Soll-Rendite von 3.5 Prozent wäre damit aktuell kaum erreichbar. Inzwischen sind die umgerechnet 400 Millionen Franken der Nobelstiftung mehrheitlich in amerikanische und europäische Aktien investiert, zudem in Immobilien- und Hedgefonds.
Den Fokus auf Aktien und andere prinzipiell volatile Anlagen hat die Nobelstiftung nach der Banken- und Börsenkrise im 2007 allerdings negativ zu spüren bekommen. Damals verlor sie fast einen Fünftel des Vermögens und musste die Höhe der jährlichen Preisgeldausschüttungen zum ersten Mal seit 1949 reduzieren – auf etwas unter eine Million Franken pro Preisträger.