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Im Dischmatal bei Davos, auf der gegenüberliegenden Seite des Chaiserenwaldes, liegt der "Stillberg", eine der am intensivsten untersuchten Versuchsflächen der Eidg. Forschungsanstalt WSL. Der im Jahr 1975 mit mehr als 92'000 Arven, Bergföhren und Lärchen bepflanzte Hang gibt heute Auskunft darüber, wie sich Umweltfaktoren wie Schnee, Frost und CO2 langfristig auf Bäume an der alpinen Waldgrenze auswirken.
Die Forschungsfläche Stillberg liegt in einer Höhenlage von 2000 bis 2230 m ü. M.. Hier ist das Wachstum der Bäume infolge Wärmemangel begrenzt. Zahlreiche Wissenschaftler erheben seit bald 40 Jahren Daten über die aufgeforsteten Bäume, wie auch über Mikroklima und Boden, Pilze und Fauna, sowie über Schnee und Lawinen.
Bäume an der Waldgrenze wachsen langsam
Schon wenige Jahre nach der Pflanzung bildete sich ein interessantes Muster von überlebenden Bäumen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse führten zu Anleitungen für die Praxis zur Pflanztechnik und Pflege von Aufforstungen in Hochlagen. Von den ursprünglich gepflanzten Bäumen leben heute nur noch weniger als 30%. Im unteren Teil der Fläche sind sie unterdessen über 6 Meter hoch, in höheren Lagen deutlich kleiner. Vor allem Lärchen prägen das Bild. Die beiden immergrünen Baumarten Bergföhre und Arve wurden in den 1980-er Jahren zunehmend von Schneepilzen befallen und kommen nur auf Geländerippen und gut besonnten Stellen vor.
Experimente zu Waldgrenze und Klimawandel
In einem 2001 begonnen Experiment untersuchen Forschende, wie sich der Klimawandel auf die Ökosysteme an der Waldgrenze auswirkt. Wissenschafter simulieren hierbei die atmosphärischen CO2-Konzentrationen und Temperaturen des Jahres 2070. Über perforierte Schläuche wurden während acht Jahren je zehn Lärchen und Bergföhren erhöhten CO2-Konzentrationen ausgesetzt. Unter jeweils der Hälfte der Bäume wird der Boden mittels Heizkabeln um 3°C erwärmt.
Der simulierte Klimawandel wirkt sich unterschiedlich auf die verschiedenen Arten aus. Lärchen werden bei erhöhtem CO2-Angebot höher und dicker als in normaler Umgebungsluft, Bergföhren hingegen nicht. Diese profitierten aber vom erwärmten Boden. Viele Lärchen trieben im Frühjahr eine Woche früher aus und wiesen aufgrund des erhöhten Kohlendioxids Frostschäden auf.
Stillberg auch in Zukunft wertvoll für die Forschung
Der Stillberg ist nicht nur eine langfristige Beobachtungsfläche, sondern auch ein wichtiges Experimentierfeld für die Beantwortung von Fragen rund um den Klimawandel. Wie der Stillberg in 25 Jahren aussieht und ob die Bäume bis dahin Schutz vor Lawinen bieten, lässt sich wegen der extremen Wachstumsbedingungen kaum vorhersagen.