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Konfuzianismus ist die ethisch-politische Lehre des Konfuzius. Sie wurde unter den Herrschern des alten China zur Staatslehre entwickelt. Mit ihr konnten sie über 2000 Jahre lang ihre herrschende Stellung in China behaupten.
Konfuzius, einer der grossen Denker des alten China, wird in China K'ung fu-tzu genannt. Dabei ist K'ung der Nachname und fu-tzu eine ehrende Anrede, wie etwa "Meister". Er lebte in einer Zeit, in der die feudale und soziale Ordnung zerfiel und die Herrscher nach Erweiterung von Macht und Territorium strebten. Konfuzius sah in der Vernachlässigung des Zeremoniells und der Ethik den Grund für die Wirren seiner Zeit. Er strebte die Wiederherstellung einer auf Menschenliebe und Achtung vor der Autorität fussenden Feudalordnung an. Im Alter von 50 Jahren wurde er zum Justizminister ernannt und fünf Jahre später zum Premier. Doch seine Ideale konnte er nicht verwirklichen. Später widmete er sich ganz der Lehre, wobei bemerkenswert war, dass er auch Menschen aus dem einfachen Volk unterrichtete und so das bisherige Privileg der Adligen auf Bildung aufhob.
Konfuzius starb 479 v. Chr. im Alter von 72 Jahren. Zu seinen Lebzeiten fanden seine Gedanken wenig Beachtung. Erst viele Jahre später wurde die konfuzianische Lehre zur Staatslehre erhoben, denn mit ihr liess sich die autokratische Herrschaft rechtfertigen. Konfuzius wurde daraufhin von vielen Herrschern verehrt. Mit der Instrumentalisierung des Konfuzianismus wurde auch sein Inhalt verändert.
Heute wird mit dem Konfuzianismus der erstaunliche Wirtschaftsboom in den asiatischen Ländern erklärt, während Max Weber in ihm vor einiger Zeit noch einen der Hauptgründe für das Zurückbleiben Chinas im internationalen Wettbewerb sah. Hans van Ess legt in seiner Darstellung besonderes Gewicht auf das selbständige Wirken der konfuzianischen Gedanken und der Tradition des Konfuzianismus und bietet damit eine kurze Gesamtdarstellung aus einem Zeitraum von 2500 Jahren. Dabei wird deutlich, dass die gesamte Bandbreite des Konfuzianismus die Gedanken des Gründers weit hinter sich lässt und dass Konfuzianismus nicht ohne weiteres definiert werden kann.