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Dammbruch in der Ukraine Wer war's? Wem schadet's, wem nützt's? Ist das AKW noch sicher?
Nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms im Süden der Ukraine stehen bereits mehrere Siedlungen unter Wasser. Die wichtigsten sieben Fragen und Antworten zu dem Vorfall findest du hier.
Im von Russland besetzten Teil der Südukraine ist nach Angaben beider Kriegsparteien ein wichtiger Staudamm nahe der Front schwer beschädigt worden. Kiew und Moskau machten sich am Morgen des 6. Juni gegenseitig für den Vorfall verantwortlich.
Was passiert jetzt?
Ein Grundproblem: Der Stausee war bis vor diesem Vorfall bis zum Rand gefüllt, nachdem das Reservoir zuvor einen historischen Tiefststand erreicht hatte.
Der ukrainische Militärgouverneur des Gebiets, Olexander Prokudin, warnte, innerhalb von fünf Stunden könne der Wasserstand eine kritische Höhe erreichen. Das wird gegen 10 Uhr MESZ sein. Ein grosses Gebiet flussabwärts am Dnjepr wird überschwemmt werden – inklusive der Stadt Cherson.
Wie viele Menschen sind in Gefahr?
Allein am rechten, also dem westlichen Ufer des Dnjepr, leben laut Produkin 16'000 Menschen in der Gefahrenzone. Die Evakuierung gewisser Bezirke sei angelaufen. In Cherson dürften der Hafen, die Werft und die vorgelagerten Inseln überschwemmt werden. Am linken, östlichen Ufer sind in Cherson laut dem von Russland eingesetzten Offiziellen Andrej Aleksejenko bis zu 22'000 Menschen betroffen. Alles sei «unter Kontrolle», teilt er auf Telegram mit.
Wer ist noch betroffen?
Neben den Wassermassen sind Minen, die mitgeschwemmt werden, ein Problem. Die Überschwemmungen werden weiterhin schwerwiegende ökologische Folgen haben. Sie zerstören Lebensräume der Tier- und Pflanzenwelt. Aus gefluteten Häusern und Tanks werden Öl und Brennstoffe austreten.
Gibt es einen militärischen Kontext?
Durch die Flutung der tiefliegenden Gebiete wird eine ukrainische Offensive im Süden der Ukraine stark erschwert. Truppen von der rechten, westlichen Seite auf die linke Seite überzusetzen, dürfte angesichts der künftigen Breite des Dnjepr deutlich schwerer werden. Die Wassermassen werden neue natürliche Barrieren bilden. Dort, wo der Boden aufgeweicht ist, werden schwere Fahrzeuge nicht durchkommen.
Was ist mit dem Kernkraftwerk?
Das AKW Saporischschja bezieht sein Kühlwasser aus dem Stausee. Laut ukrainischer Energoatom sinke der Wasserspiegel schnell, doch das Kühlbecken des Kernkraftwerks sei voll. Die Situation werde gemeinsam mit der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA beobachtet.
Wieso ist die Krim betroffen?
Der 30 Meter hohe und 3,2 Kilometer lange Damm wurde 1956 gebaut, um die Wasserversorgung der Krim sicherzustellen. Durch die Zerstörung stehen die Landwirte der Halbinsel vor dem Ruin. Bis ein Ersatz gebaut ist, werden Jahrzehnte vergehen. Die Krim muss mit Dürren rechnen.
Wer steckt dahinter?
Die russische Seite stellt es so dar, als habe ukrainischer Beschuss im Mai die Schleusen des Damms blockiert, weshalb angeblich kein Wasser abgelassen werden konnte. Kiews Militärgeheimdienst kontert laut «Reuters»: «Die Besatzer haben den Damm des Kachowka-Reservoirs in Panik gesprengt. Das ist offensichtlich ein Akt von Terrorismus und ein Kriegsverbrechen, das Gegenstand eines internationalen Tribunals sein wird.»
Mit Agentur-Material.