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„Wenn der Aspirant seine Praxis der Meditation und Kontemplation stärkt und lernt, alle seine Wünsche, Gedanken und Gefühle durch die Praxis von Yoga-Nidra zu analysieren und zu reinigen, erreicht er einen Zustand, in dem er bewusst lernt, seinen Geist tief zu beruhigen.“ Swami Rama
Yoga-Nidra
Heutzutage können nur sehr wenige Menschen wirklich von sich behaupten, dass sie ohne auch nur ein gewisses Mass an Stress leben. Wir alle wissen, wie wir unseren Geist und unseren Körper anspannen, um bestimmte berufliche oder persönliche Ziele zu erreichen. Weit weniger Aufmerksamkeit wird darauf verwendet zu lernen, sich zu entspannen und tiefe Ruhe zu erreichen, wenn der Tag vorbei ist, so dass man den nächsten Tag aufs Neue beginnen kann, komplett erfrischt. Doch in der komplexen heutigen Welt benötigen wir für die erfolgreiche tägliche Auseinandersetzung mit neuen Situationen eben genau die Fähigkeit, kreativ zu denken, um neue Lösungen für neue Herausforderungen zu finden.
Die beschriebenen Probleme sind nicht wirklich neu und das Yoga-System enthält tatsächlich eine Übung, die speziell lehrt, wie man die tiefste mögliche Ruhe erreichen kann. Diese Übung heisst „Yoga-Nidra“. „Nidra“ bedeutet in Sanskrit „Schlaf“. Yoga Nidra wird oft als „bewusster Schlaf“ übersetzt. Anders ausgedrückt, der Übende schläft und ist zur gleichen Zeit bei vollem Bewusstsein. Der Widerspruch ist nur scheinbar, aber eine regelmässige, engagierte Praxis ist notwendig, um dies zu verstehen. Eine vollständige Erklärung der Philosophie, die hinter dieser Technik steht, befindet sich zum Beispiel in Swami Ramas Buch „Enlightenment without god“. Ein wirkliches Verständnis von Yoga-Nidra kann allerdings nur durch regelmässige und systematische Praxis erreicht werden.
Fortgeschrittene Yoga-Praktizierende finden Yoga-Nidra, und nicht den gewöhnlichen Schlaf, als die effizienteste und effektivste Art des Ausruhens. Die effizienteste Art, da erfahrene Praktizierende mit 10 Minuten Yoga-Nidra die gleiche Wirkung erreichen, wie mit zwei Stunden gewöhnlichem Schlaf. Die effektivste Art, weil man durch gewöhnlichen Schlaf keine komplette Ruhe erreicht und unsere Sorgen, unsere Ängste und unser Ärger wieder da sind sobald man aufwacht, während der richtige Yoga-Nidra-Prozess die negativen Emotionen reinigt, die den Geist unnötig belasten, und alle Ebenen der Psyche entspannt. So ist man nach dem Aufwachen bereit, dem Leben mit einem völlig erfrischten Geist zu begegnen. Mit anderen Worten befreit sich der Praktizierende von allem Alten und Schlechten, so dass das Neue und Frische seinen Geist betreten kann.
Diese Technik ermöglicht einem auch, tiefere Ebene des Unbewussten zu erforschen, die normalerweise unzugänglich bleiben. Der Begriff „Yoga-Nidra“ bezeichnet ursprünglich den Zustand, den man durch die richtige Methode erreicht, aber inzwischen wird der Begriff häufig verwendet, um die Technik zu bezeichnen anstatt das Ergebnis dieser Technik.
Es gibt viele Methoden, um Yoga-Nidra zu erreichen. Heutzutage werden auch viele Methoden als „Yoga-Nidra“ bezeichnet, sogar wenn deren Ziel nicht der bewusste Schlaf ist. Viele der letzteren Art nutzen Visualisierungen, Musik oder Erfahrungen ausserhalb des Körpers. Solche Methoden können hilfreich sein, sie sind allerdings nicht das richtige für Yoga-Nidra. Yogis aus dem Himalaya entwickelten diese Praktik als eine Methode, um den bewussten und unbewussten Geist von „Verunreinigungen“ zu säubern, wie Emotionen, Gedanken und Wünschen, die spirituelle Entwicklung hindern. Die Verwendung von Bildern, Klängen oder Sankalpa, selbst wenn zunächst manchmal hilfreich, verhindert letztlich, dass man tiefere Ebenen des Geistes erreicht.
Es gibt zwei Übungen, die mit Yoga-Nidra in Zusammenhang stehen, die auch sehr hilfreich sind. Die erste ist die Einundsechzig-Punkte-Entspannung. Sie ist eine der besten Übungen für Entspannung, Atmung und Meditation. Die zweite ist shitali karana.
Hier ist eine kurze, vorläufige Version des Yoga-Nidra (kein vollständiges Yoga-Nidra). Es ist eine Methode zur schnellen Ruhe für ein paar Minuten während des Tages. Sie kann im Sitzen auf einem Stuhl, auf einem Sofa oder im Liegen ausgeführt werden.
Zusammenfassung:
1. Schliesse die Augen, entspanne dich und sei deines ganzen Körpers bewusst, vom Kopf bis zu den Zehen.
2. Atme mit dem Zwerchfell, als ob der Atem vom Kopf bis zu den Zehen fliesst und von den Zehen zum Kopf
3. Wende deine Aufmerksamkeit auf das Ajna-Chakra und atme jeweils drei Mal aus und ein.
4. Wende deine Aufmerksamkeit auf Vishudda-Chakra, visualisiere dort einen makellosen Vollmond und atme jeweils drei Mal aus und ein.
5. Wende deine Aufmerksamkeit auf Anahata-Chakra und atme jeweils drei Mal aus und ein.
6. Fühle, als ob es eine Höhle im Anahata-Chakra gibt, und atme, als ob du in die Höhle einatmen würdest und durch die Zehen ausatmen.
7. Atme ohne Gedanken und ohne Mantra – das Bewusstsein nur auf den Atem und auf den Prana-Fluss gerichtet.
8. Wenn du dich ausgeruht fühlst, öffne die Augen und stehe behutsam auf.
Buchempfehlungen:
- Der Weg des Feuers und des Lichts von Swami Rama
- Enlightment without God von Swami Rama
- Yoga Nidra von Swami Satyananda Saraswati
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