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Die Frauen in der Schweiz verdienen weniger als Männer, sind weniger gut ausgebildet, leisten mehr Haus- und Familienarbeit und sind politisch untervertreten.
Bei der Gleichstellung von Mann und Frau herrscht Stillstand, so das Fazit des Bundesamts für Statistik (BFS).
Hatte sich in den 90er Jahren die Situation der Frauen verbessert, deutet seit der Jahrtausendwende vieles auf eine Verlangsamung oder gar einen Stillstand dieser Entwicklung hin. Dies ist das Fazit des 3. Berichts zur Gleichstellung von Mann und Frau des Bundesamtes für Statistik (BFS).
Kein Lohnausgleich
Vor allem im Bereich der Einkommen scheine sich kaum etwas zu bewegen, hiess es. Die Lohnschere zwischen den Geschlechtern verringerte sich in den 90er Jahren in der Privatwirtschaft von 24% auf 21%, in der öffentlichen Verwaltung von 13% auf 10%.
Seit 1998 verharren die Differenzen laut BFS-Erhebung aber praktisch auf dem selben Niveau von 21% (Privatwirtschaft) bzw. 11% (öffentliche Verwaltung). Sie bleiben durch alle Branchen und bei gleicher Ausbildung bestehen.
Tiefstlöhne fast nur für Frauen
Der Anteil jener, die nur einen niedrigen Lohn beziehen, ist bei den Frauen viel höher als bei den Männern: Im Jahr 2002 haben laut dem BFS-Bericht 11% der voll erwerbstätigen Frauen einen Lohn bis maximal 3000 Franken netto im Monat bezogen. Bei den Männern waren es dagegen nur 2%.
In der Arbeitswelt sind Frauen weiterhin schlechter gestellt als Männer. Die Erwerbsquote beträgt 74%, für Männer 88%. Die Erwerbslosenquote liegt bei 4,5% verglichen mit 3,8% bei den Männern.
Mehr als die Hälfte der Frauen arbeitet Teilzeit. 7 von 10 Frauen haben keine Führungsfunktion; bei den Männern sind es 5 von 10.
Wegen der niedrigen Löhne sind Frauen in allen drei Säulen der Altersvorsorge schlechter gestellt als die Männer. Sie können ihre Benachteiligung in der AHV und der Pensionskasse nicht durch die private Vorsorge ausgleichen.
Defizite bei der Bildung
Frauen verfügen häufiger als Männer über keine nachobligatorische Schul-Bildung. So würden 23% der 25- bis 64-jährigen Frauen und nur 14% der Männer nach der neunjährigen Schulzeit keine Ausbildung mehr machen.
Höhere Abschlüsse würden zudem mehrheitlich von Männern erworben. Von ihnen hat jeder zweite eine führende Position inne. 7 von 10 Frauen haben dagegen keine Führungsfunktion.
Obwohl die Bildungsunterschiede abnehmend und der Frauenanteil bei den Studienanfängern steigend sei, bestünden nach wie vor Unterschiede. Der Abstand zwischen den Abschlussquoten der Frauen und der Männer betrage rund 16 Prozentpunkte.
67-Stunden-Woche
Die Doppelbelastung Haus- und Familienarbeit bleibt weiterhin meist an den Frauen hängen. Sie übernehmen mit durchschnittlich 31 Stunden pro Woche den weitaus grösseren Teil als Männer mit 17 Stunden. In Familienhaushalten mit Kindern unter 15 Jahren wendet die Partnerin durchschnittlich 54 Stunden auf; Männer investieren 24 Stunden.
Trotz einseitiger Aufgabenverteilung arbeiten aber Männer und Frauen in vergleichbaren Lebenssituationen unter dem Strich etwa gleich viel. Die Gesamtbelastung durch Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit liegt für Frauen und Männer in Familienhaushalten bei rund 67 Stunden pro Woche.
Die Vertretung der Frauen in der Politik wächst nur noch wenig. Bei den jüngsten Nationalratswahlen stieg der Frauenanteil um 2,5 Prozentpunkte auf 26%; im Ständerat beträgt er 24%. In den kantonalen Parlamenten liegt er gegenwärtig bei 24% und in den kantonalen Regierungen bei 22%.
Kleiner Trost
Eine positive Nachricht bleibt dem weiblichen Geschlecht allerdings. Über die betrachteten Lebensbereiche hinweg könnten zwei eindeutige Vorteile für die Frauen ausgemacht werden: Sie haben eine durchschnittlich höhere Lebenserwartung und kommen weniger mit dem Strafrecht in Konflikt, wie das BFS schrieb.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Die Lohnschere zwischen den Männer- und Frauen-Gehältern beträgt 21% in der Privatwirtschaft, 11% in der öffentlichen Verwaltung.
23% der 25- bis 64-jährigen Frauen haben keine nachobligatorische Schulbildung, aber nur 14% der Männer.
In Familienhaushalten mit Kindern unter 15 Jahren wenden Frauen durchschnittlich 54 Stunden auf; Männer investieren 24 Stunden.
Die Vertretung der Frauen auf eidgenössischer, kantonaler wie kommunaler Ebene in politischen Ämtern stagniert oder wächst nur noch wenig.
In Kürze
Die Gleichstellung zwischen Frau und Mann in der Schweiz ist zum Stillstand gekommen.
In den 90er Jahren hatten sich die Unterschiede teilweise bemerkenswert verringert.
Ausgeprägt sind die Geschlechter-Differenzen in den Bereichen Löhne, Bildung, Haus- und Familienarbeit und politische Ämter.
Dagegen werden Frauen älter als Männer.