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Wie dem auch sei, uns gefällt die Insel und deren Hauptort Angra do Heroismo sehr gut; kein Kommentar zu diesem Namen. Die Bauweise der schwarz-weissen Häuser ist im Renaissance-Stil gehalten, die meisten stammen aus dem 16. Jahrhundert. Spätere haben sehr bunte Fensterrahmen und oft auch Fassaden. Als die Spanier Portugal und die Azoren kontrollierten, war dies ihr wichtigster Azorenhafen. Hier machten die Gold- und Silber-beladenen Galleonen aus Mittel- und Südamerika fest, bevor sie weiterfuhren ans Festland.
Im Buch ‚Indian Givers‘ habe ich mal gelesen, dass die Spanier alleine aus Bolivien so viel Silber geraubt haben, dass man damit eine Brücke über den Atlantik von Bolivien nach Spanien bauen hätte können! Diese Liquidität hätte schliesslich die Bildung eines Bürgertums und die Demokratisierung in Europa überhaupt erst ermöglicht, weil sich mit dem Geld auch die Macht verteilte. Interessanter Gedanke.
Zusammen mit einem französischen Seglerpaar machen wir einen Ausflug zum Algar do Carvao mit dem Taxi. Das ist ein spektakulärer Schlot eines erloschenen Vulkans, in den man hinabsteigen kann. Durch die hohe Feuchtigkeit ist der Schlot innen grün, aber in den Tiefen kann man in den Rissen und verschiedenen Gesteinsfarben die Wucht des Vulkans erahnen. Auf dem Rückweg ist die Windschutzscheibe des Taxis plötzlich nass, ohne dass man Regentropfen gesehen hätte. ‚Das ist kein Regen, wir nennen das Himmels-Champagner‘ witzelt der Taxifahrer erst noch, dann stimmt er in das allgemeine Lamento der Portugiesen über diesen viel zu kühlen, viel zu nebligen, viel zu verregneten Sommer mit ein, hupt laut damit die gemächlich dahintrottende Kuhherde endlich von der Strasse geht und fährt stumm weiter.
An einem dieser grauen Tage segeln wir zur nächsten Insel, Sao Jorge. Unterwegs beobachten wir einen Wal der mehrmals aus dem Wasser springt und jedes Mal eine riesige Wasserfontäne verursacht. Sao Jorge selbst erhebt sich wie ein riesiger Walrücken aus dem Meer: Oben flach und grün, an den Seiten steil und felsig, mit der Ausnahme der Faias. Flache Ausbuchtungen fast auf Meereshöhe verursacht durch Lavaflüsse, die im Wasser erstarrt sind. In steilen Serpentinen führt die Strasse zu ihnen hinunter, andere sind sogar nur zu Fuss erreichbar. Unten befindet sich eine handvoll Häuser von Fischern oder Bauern.
Auf Sao Jorge gibt es mehr Kühe als Einwohner und der Käse ist berühmt. Die Leute leben hier vor allem von der Viehzucht und Milchwirtschaft. Alles ist sehr einfach, im Hauptort gibt es nur eine Handvoll Restaurants und die Touristenunterkünfte auf der Insel sind dünn gesäht. Die wenigen Touristen, die wir auf unserer Mietwagentour sehen, sitzen entweder auch in Autos, auf Rollern oder sind in Wanderschuhen unterwegs.
Von Sao Jorge kann man immer wieder zwischen den Wolken Blicke auf den pyramidenförmigen Vulkan Pico auf der Insel Pico (nicht schwer zu merken) erhaschen. Wir segeln an ihm vorbei nach Horta, dem Hauptort der Insel Faial. In der Hafeneinfahrt begegnen wir SV Delos, den YouTube-Stars, die seit acht Jahren um die Welt segeln und damit Geld verdienen. Leider haben wir keine Zeit, um uns bei einem Bier kennenzulernen und deren Tricks zu erfahren.
Jeder Muslim sollte in seinem Leben einmal nach Mekka pilgern und jeder Hochseesegler muss einmal in Peter’s Café in Horta, dessen Wände und Decke tapeziert sind mit lauter Wimpeln und Fahnen von Segeljachten, die hier vorbeigekommen sind. Mittlerweile gibt es daneben auch noch einen Kleider- und Geschenkladen, wo man alles mögliche mit dem Aufdruck des Cafés erstehen kann. Branding nennt sich das.
Wir mieten einen Roller und machen eine Tour zur Vulkancaldera und höchsten Punkt der Insel, inklusive kleiner Wanderung. Entlang der Strassen blühen kilometerweise blaue Hortensien und die Wiesen sind saftig grün. Doch fährt man in den Westen der Insel wird es allmählich braun und schwarz. Man wähnt sich auf einem fernen Planeten. Hier ist erst 1957 im Meer ein Vulkan ausgebrochen und hat eine neue Insel vor der Küste entstehen lassen. Bereits hat das Meer wieder den grössten Teil davon abgetragen. Auf dem alten Teil steht noch die Ruine des alten Leuchtturms und im architektonisch sehr reizvollen unterirdischen Besucherzentrum kann man mehr über dieses brachiale Ereignis erfahren.
Auf dem Rückweg besuchen wir eines der hier zahlreichen natürlichen Schwimmbecken zwischen den Lavafelsen. Hier tummelt sich die örtliche Jugend und auf dem Parkplatz grillen und picknicken die Alten. Auf den Azoren gibt es nicht viele Strände, darum sind diese Badeorte besonders beliebt. Zurecht, denn das Wasser ist sehr klar und die Wucht des Ozeans ist trotz vorgelagerten Felsen immer noch spürbar.
Wir müssen weiter, denn bald kommt Nordostwind auf und in diese Richtung müssen wir segeln. Es wird Taras vorläufig letzter Nachttörn sein nach Ponta Delgada auf Sao Miguel, der Hauptinsel mit internationalem Flughafen. Sie muss bald zurückfliegen, denn die Schulferien sind um.