Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03451.jsonl.gz/267

Schweizweit werden rund 350 000 Schafe gehalten. Die Zahl ist seit ungefähr fünf Jahren konstant. Rund ein Drittel der Schafe gehört den Kategorien «Weidelämmer Mast unter sechs Monate alt» und «Jungschafe unter ein Jahr alt» an. Die Anzahl Schafhalter hat sich im Zeitraum von 2000 bis 2020 um einen Viertel verringert und ist auf 8000 gesunken. Rund 20 Prozent der Betriebe halten zwei Drittel aller Schafe. Die Alpwirtschaft ist in der Schafhaltung ein wichtiger Bestandteil für viele Betriebe. Die Präsenz der Grossraubtiere ist allerdings auch ein Grund, warum im Jahr 2021 rund ein Viertel weniger Schafe gesömmert wurden als im Jahr 2000. Dennoch gehen jährlich mehrere Zehntausend Schafe auf die Alp. Darunter sind viele Lämmer, welche eine hohes Potenzial für einen marktgerechten Schlachtkörper haben. Dieses Potenzial kann mit einer gezielten Ausmast im Herbst genutzt werden. Nebst dem Potenzial der Lämmer müssen Fütterung und Haltung sowie das Management stimmen.
Wachstum kompensieren
«Meist ist der erst limitierende Faktor für die Anmeldung das Schlachtgewicht.»
Wiederkäuer sind in der Lage, einen Wachstumsstillstand bei restriktiver Nährstoffversorgung später zu kompensieren, um an den genetisch bestimmten Wachstumsverlauf anzuschliessen. Die Sömmerung ist eine extensive Haltungsform, bei der es zu einem verzögerten Wachstum des Tieres kommen kann. Wird die Fütterung wieder intensiver, beispielsweise auf dem Talbetrieb, setzt das kompensatorische Wachstum ein. Bei Tieren, die von einer extensiven auf eine intensive Fütterung umgestellt werden, ist ein um zehn Prozent höherer Verzehr zu beobachten als bei Tieren, die durchgehend intensiv gefüttert werden. Ein weiterer Faktor, der Einfluss auf das kompensatorische Wachstum hat, ist die Art der Restriktion. Bei einer Energierestriktion ist das kompensatorische Wachstum stärker ausgeprägt als bei einer Protein restriktion. Je intensiver die Fütterung nach der extensiven Phase ist, desto grösser ist auch das Kompensationsvermögen. Darum gilt es, mit einer angepassten Fütterung der Alplämmer die Kompensation optimal auszunutzen. Studien aus den 80er-Jahren zeigen, dass speziell bei Schaflämmern die Phase der Kompensation kürzer ist als bei anderen Wiederkäuern. So ist das Wachstum nur in den ersten vier Wochen nach Beginn der intensiven Fütterung statistisch besser als bei Tieren, die immer intensiv gefüttert wurden. Dazu meint Pirmin Thalmann, Schafspezialist bei der UFA AG: «Aktuelle Praxiserfahrungen zeigen ein ähnliches Bild. Die Ausmast der Lämmer sollte maximal ein bis zwei Monate dauern.»
Lämmer müssen sich eignen
Nicht jedes Lamm eignet sich für die Ausmast. Es sollten vorzugsweise nicht zu alte Lämmer sein (am besten Frühlingslämmer). Diese müssen gesund sowie wurmfrei sein und sollten eine optimale Klauengesundheit aufweisen. Ein Klauen- und Räudebad beim Einstallen hilft, dies zu unterstützen. Zudem sollten die Lämmer auf Atemwegserkrankungen kontrolliert werden. Die Biosicherheit und die Betriebs hygiene sind auch wichtige Einflussfaktoren für die Ausmast von Alplämmern. Weiter sollten die Lämmer das genetische Potenzial zur Ausmast mitbringen.
Lämmer für den Markt
Schweizer Lammfleisch ist gefragt, und das Ziel sollte sein, dass sich Schweizer Lammfleisch bezüglich Qualität von importiertem Lammfleisch abhebt. Nur so hat die Schweizer Lammfleischproduktion in Zukunft die Chance, ein wirtschaftlich interessantes Standbein eines Betriebs zu sein. Deshalb ist die optimale Schlachtkörperqualität, die der Betrieb durch Haltung und Fütterung beeinflussen kann, wichtig. Entspricht der Schlachtkörper den Marktbedürfnissen, wird auch der beste Preis erzielt. Hier sind Fleischigkeit, Fettabdeckung und Schlachtgewicht (SG) entscheidend. «Meist ist der erstlimitierende Faktor für die Anmeldung das Schlachtgewicht», weiss Pirmin Thalmann. Bis zu einem Schlachtgewicht von 20,5 kg gibt es keinen Abzug. Je nach Fleischigkeit beziehungsweise Ausbeute unterscheidet sich das Lebendgewicht (LG) für das optimale Schlachtgewicht. Ein Lamm mit Taxierung T und einer Ausbeute von 45 Prozent sollte nicht schwerer als 45 kg LG sein, um die 20,5 kg SG nicht zu überschreiten. Ein C-Lamm mit einer Ausbeute von 50 Prozent sollte maximal 41 kg LG wiegen, um das SG von 20,5 kg nicht zu überschreiten. Grössere finanzielle Verluste aufgrund des Gewichts sind bei über 22 kg SG mit einem Abzug von 85 Rappen pro kg SG zu vermeiden. Regelmässiges Wägen und vorzeitiges Anmelden beim Vermarkter zahlen sich aus. Wer die Lämmer regelmässig wiegt, hat auch einen Überblick über die Tageszunahmen. Hier rät der Schafspezialist Pirmin Thalmann: «Sobald sich der Tageszuwachs der Lämmer verringert, sollten die Lämmer beim Vermarkter angemeldet werden. Denn bei diesen Tieren ist das Wachstumspotenzial ausgeschöpft, und die Bruttomarge pro Tag verringert sich.»
Die Fleischigkeit ist vor allem von der Genetik, jedoch auch von der Nährstoffversorgung in den ersten ein bis zwei Lebensmonaten (metabolische Programmierung) abhängig. Hier gilt es, nach dem Alpabtrieb abzuwägen, welche Lämmer das genetische Potenzial haben, eine optimale Fleischigkeit aufzubauen.
Die Fettabdeckung ist einerseits genetisch, aber auch fütterungsbedingt. Sie kann ein weiterer Grund für eine vorgezogene Schlachtung sein. Haben Lämmer eine Fettabdeckung von 5, beträgt der Abzug 3 Franken pro kg SG. Bei einem Lamm mit 20 kg SG macht dies 60 Franken Abzug aus. So kann es sich lohnen, ein Lamm früher, mit 17 kg SG, zu schlachten, um einen Abzug bei der Fettabdeckung zu verhindern. Die Abzüge für ungedeckte Lämmer (2) betragen 40 Rappen. Wird ein Lamm aufgrund der ungenügenden Fettabdeckung länger gemästet und auf ein SG von 21 bis 21,5 kg aufgemästet, frisst der Gewichtsabzug von 40 Rappen pro kg SG den vermiedenen Abzug beim Fett gleich wieder weg.
Fütterung
Ein Lamm im kompensatorischen Wachstum frisst durchschnittlich 1,5 kg Trockensubstanz pro Tag. Um eine erfolgreiche und wirtschaftliche Ausmast zu erzielen, ist bestes Grundfutter und das Ausgleichen der Ration mit Ergänzungsfutter wichtig. Eine Ausmast einzig bestehend aus Weideoder Dürrfutter bietet eine ungenügende Nährstoffdichte, um das kompensatorische Wachstum anzukurbeln. Für einen angestrebten Tageszuwachs von über 350 g muss die Energie- und Proteinversorgung hoch sein. Studien aus Deutschland haben den optimalen Rohproteingehalt von Lämmermastrationen untersucht. Bei genügender Energieversorgung von mindestens 6 MJ NEV / kg TS reichen 140 g RP / kg TS aus, um hohe Tageszuwachsraten zu erreichen und das Protein effizient zu nutzen. Beim Blick auf die Tabelle wird ersichtlich, dass Dürrfutter und Weide diese Nährstoffgehalte nicht erreichen. Für die erfolgreiche Ausmast von Lämmern braucht es Grundfutter von bester Qualität. Mischrationen aus hervorragenden Mais- und Grassilagen ergänzt mit Dürr- und Ergänzungsfutter bieten beste Voraussetzungen für die Ausmast von Alplämmern.