Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03551.jsonl.gz/778

Timothy Ridout © Kaupo Kikkas
Sie haben noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier.
Timothy Ridout © Kaupo Kikkas
20.
Aug
Donnerstag
12.15
Debut 1
Timothy Ridout | Frank Dupree
Als Soloinstrument führte die Bratsche lange Zeit ein Schattendasein: Man traute ihr nicht zu, virtuose Passagen zu gestalten, und verspottete sie lieber mit berüchtigten Witzen. Wie etwa der Dirigent Hans Knappertsbusch, der einmal lästerte: «Die Bratsche ist so überflüssig wie das Gemächt vom Papst.» Was für ein Irrtum! Das beweist eindrucksvoll der 1995 geborene britische Bratschist Timothy Ridout, der als Sieger aus dem Lionel-Tertis- und dem Cecil-Aronowitz-Wettbewerb hervorging und 2019 zum «BBC New Generation Artist» ernannt wurde. Den Mangel an älterem Repertoire kompensiert er bei seinem Luzerner Debut, indem er Beethovens herrliche Hornsonate in einer Bearbeitung vorträgt. Robert Schumann dagegen, der seine Fantasiestücke op. 73 ursprünglich für Klarinette erdacht hatte, räumte mit alternativen Fassungen von vornherein den Streichern ein Spielrecht ein. Ein Originalwerk für die Bratsche ist die c-Moll-Sonate, die Ridouts Landsmann York Bowen 1906 komponierte: schwelgerisch-romantische Musik, die das Instrument mit seinem aparten Klang ins allerbeste Licht rückt.