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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Siebtes Buch
40. Sie sind nichts Wesens-anderes, nicht einer; denn der Sohn spricht, aber nicht von sich aus, und der Vater handelt, aber durch den Sohn, in dem er auch bleibt.
Damit aber der Glaube der Evangelien dieses Geheimnis nicht als zweifelhaft und mehrdeutig hinnähme, deswegen hat der Herr diese Aufeinanderfolge für seine Lehre innegehalten: „Ihr glaubt mir nicht, daß [S. 384] ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich spreche, spreche ich nicht von mir aus. Sondern der Vater, der in mir bleibt, der tut seine Werke.”1 Womit anders, frage ich, war und ist es möglich, den gleichen Wesensbesitz des Vaters und des Sohnes zu beweisen, als mit diesen Worten, da doch in allem die Geburt ausdrücklich hervorgehoben wird? Wenn er nämlich sagt: „Die Worte, die ich spreche, spreche ich nicht von mir aus”, so hat er damit sein Person-sein nicht aufgehoben, noch seine Sohnschaft abgestritten, noch das Wesen der ihm eignen väterlichen Kraft verborgen. Denn wenn er spricht, so tut er es, indem er in seinem selbständigen Für-sich-sein bestehen bleibt; wenn er aber nicht von sich aus spricht, so bezeugt er damit seine Geburt als Gott aus Gott dem Vater. Er ist von ihm untrennbar und (mit ihm) geeint in der Nicht-unterschiedenheit des Wesens, weil er zwar von ihm her, aber dennoch selber spricht. Denn wer nicht von sich aus spricht und dennoch spricht, vermag nicht während seines Sprechens nicht zu sein; und wenn er nicht von sich aus spricht, dann zeigt er damit, daß seine Worte nicht nur sein Eigentum sind. Er fügte nämlich hinzu: „Aber der Vater, der in mir bleibt, er tut seine Werke.”
Das Bleiben des Vaters im Sohn eignet aber nicht einem Vereinzelten und Einzigen; das Handeln des Vaters durch den Sohn kommt aber keinem zu, der verschieden oder außerhalb ist. Wie es auch nicht Zeichen für einen Nur-einzelnen ist, nicht von sich aus zu sprechen, was er spricht; wie es auch anderseits nicht einem Fremden und Trennbaren zukommt, durch einen Sprecher zu sprechen: so ist dies vielmehr das Geheimnis derer, die eins sind. Die beiden sind nicht wechselseitig etwas Andersartiges, die durch den Eigenbesitz des Wesens einander inne-sind. Ihre Einheit ist diese, daß, wer spricht, nicht von sich aus spricht, und anderseits derjenige nicht schweigt, der nicht von sich aus spricht. [S. 385] Weil er gelehrt hatte, daß der Vater in ihm spreche und handle, so hat er damit den Glauben an diese vollkommene Einheit festgelegt: „Aber der Vater, der in mir bleibt, er tut seine Werke. Glaubt mir, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist. Wenn aber nicht, glaubt mir wenigstens wegen meiner Werke.”2 Der Vater handelt im Sohn, aber auch der Sohn wirkt das Werk des Vaters.
1: Joh. 14, 10.
2: Joh. 14, 10 f.