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Affolter: Würdest du bitteschön diese Telefoniererei beenden!
Sieber: Es ist wichtig, wir müssen sofort ins Aussendepartement kommen.
Affolter: Will sich Bundesrat Cassis wegen unserem letzten Beitrag beschweren?
Sieber: Keineswegs. Ausserdem telefoniert ein Bundesrat sicher nicht persönlich mit uns. Also, die Kommunikationsabteilung des EDA fragt an, ob wir nach Peking fliegen möchten.
Affolter: Nach Peking? Wieso wir?
Sieber: Sie finden uns spassig.
Affolter: Spassig? Haben die Typen wirklich 'spassig' gesagt?
Sieber: Genau so haben sie sich ausgedrückt.
Affolter: Eine Beleidigung. Jetzt will ich erst recht nicht in dieses Peking reisen.
Sieber: Hör mir erst einmal zu. Weil sie uns spassig finden, wollen sie uns zwei für die Winterolympiade in Peking engagieren.
Affolter: Okay, Laurel und Hardy können sie sich ja wohl nicht leisten.
Sieber: Wir seien genau die Richtigen, um die Delegation der Schweiz 'zu bereichern'.
Affolter: Und wen genau sollen wir 'bereichern'?
Sieber: Unsere vornehmste Aufgabe besteht darin, im Flugzeug für eine gute Stimmung innerhalb der Schweizer Delegation zu sorgen. Der Einsatz von zwei alten Herren hätte sich bereits beim Startschuss zur Impfkampagne bewährt.
Affolter: Wir sollen also, so wie seinerzeit Franz Hohler und WAM im Impfzentrum, im Unterhemd durchs Flugzeug wanken und in die Kameras grinsen?
Sieber: Nein, nein, wir dürfen angezogen bleiben.
Affolter: Da haben die Fluggäste ja noch mal Glück gehabt. Und wer gehört zu dieser offiziellen Schweizer Delegation?
Sieber: Jemand vom Bundesrat kann man nicht schicken, wegen des Boykotts der Amerikaner. Die Handelsbeziehungen mit den USA würden sonst leiden.
Affolter: Natürlich, ohne das Soja von drüben müssten unsere Kühe sonst Gras fressen, eine schlimme Vorstellung.
Sieber: Die Aufgabe besteht darin, zwei ehemalige Bundesräte auf dem Flug zu unterhalten und, ähm, auseinanderzuhalten.
Affolter: Jetzt schwant mir, wer zwischen uns sitzen wird.
Sieber: Der eine war seinerzeit ein halber Bundesrat.
Affolter: Und der andere, sag jetzt nicht...
Sieber: Doch.
Affolter: Ums Gottes Willen!
Sieber: Es ist der ehemalige abgewählte Bundesrat, der den anderen als halben Bundesrat abgekanzelt hat.
Affolter: Mission Impossible.
Sieber: Dafür ist unser Job in Peking bei den Spielen bubieinfach.
Affolter: Wir dürfen im Zielraum ein Schweizerfähnli schwenken. Stimmt's?
Sieber: Exakt, wir sind nämlich die einzigen Schweizer Fans. Dafür haben wir direkten Zugang zu den Athletinnen und Athleten und dürfen mit denen über Menschenrechte diskutieren.
Affolter: Mit Beat Feuz?
Sieber: Und mit Odermatt natürlich.
Affolter: Odermatt? Der fährt noch Ski, in seinem Alter? Alle Achtung.
Sieber: Doch nicht der Karli, der Marco Odermatt.
Affolter: Ich bin raus, das verlogene Peking-Schauspiel mache ich nicht mit.
Sieber: Leider ist Peking das kleinere Übel. Der Kommunikationsfritz vom EDA hat damit gedroht, uns bei einer Absage nach Katar zur Fussball-WM zu schicken.
Affolter: Da ist es dann wenigstens schön warm an Weihnachten.
Sieber: Das schon. Aber wir wären als Begleitung für den FIFA-Präsidenten Infantino eingeplant.
Affolter: Jesses Maria, das ist ja wirklich die Höchststrafe. Ich bin sofort bereit, in Peking mit Beat Feuz und Karli Odermatt über Menschenrechte zu parlieren.
Sieber: Marco!
23. Januar 2022