Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03317.jsonl.gz/42

Der Strassengüterverkehr ist in Europa die dominante Transportform. Polnische Spediteure fahren das grösste Transportvolumen. Langfristig ist jedoch vorgesehen, Eisenbahn und Wasserwege auf manchen Strecken stark zu fördern.
(as) Dies ist eine grosse Zahl: Auf 2,3 Billionen Tonnenkilometer belief sich das gesamte Güterbinnenverkehrsaufkommen in den Staaten der EU-27 im Jahr 2010. Davon wurden 76,4 Prozent über die Strasse und 17,1 Prozent auf dem Schienenweg befördert. Weitere 6,5 Prozent der Transportleistung erfolgten über Binnenwasserstrassen. Nicht eingerechnet sind dabei weitere Gütermengen, welche die Seewege rund um Europa nutzten, per Luftfracht flogen oder durch Rohrfernleitungen flossen. Die beförderte Tonnage des Strassentransports erreichte 12 Milliarden Tonnen, die des Schienentransports 1,6 Milliarden Tonnen.
Investitionen geplant
Die in der EU-27 zusammengeschlossenen Länder verfügen über fünf Millionen Kilometer Strassen, von denen 65 000 Kilometer Autobahnen sind. Frankreich hat mit 951 000 Kilometern das längste Strassennetz aller Staaten, Deutschland folgt auf Rang zwei. Das Schienennetz in der EU-27 umfasst 213 000 Kilometer, davon ist etwa die Hälfte elektrifiziert. Ausserdem gibt es 43 000 Kilometer an schiffbaren Inlandwasserstrassen. In den kommenden Jahren bis 2020 sind für diese Transportinfrastruktur seitens der EU Ausgaben von total 26 Milliarden Euro vorgesehen. Mittlerweile sind polnische Spediteure die aktivsten der ganzen EU. Der Anteil ihrer Fahrzeuge an der Strassentransportleistung erreichte 19 Prozent und lag noch vor dem der deutschen, spanischen und holländischen Unternehmen. Zusammen erreichten die Spediteure dieser vier Länder einen Anteil von 50 Prozent am internationalen Verkehrsaufkommen. 25 Prozent der internationalen Strassentransporte in der EU führen über deutsche Strassen, da das Land geografisch eine zentrale Lage einnimmt. Lastwagen aus Polen, Holland, der Tschechei, Ungarn und der Slowakei fahren über 70 Prozent der auf deutschen Strassen erbrachten Transportleistung.
Was Zypern die Strasse, ist Lettland die Eisenbahn
Ganz auf Strassentransport setzen Island, Zypern und Malta, da es dort weder Bahngleise noch Binnenschifffahrt gibt. In Irland, Griechenland, der Türkei, Spanien, Portugal, Luxemburg und Italien werden mehr als 90 Prozent der Güter über die Strasse befördert. In Lettland, Estland und Rumänien dagegen entfällt weniger als die Hälfte des Güterbinnenverkehrs auf die Strasse. Dort dominiert die Eisenbahn den Gütertransport und zwar sowohl im Binnenverkehr (Lettland 61,9 Prozent und Estland 54,2 Prozent) als auch im internationalen Verkehr. Da die beiden Staaten zwischen Russland und Europa liegen, machen internationale Transporte 91 respektive 89 Prozent des Gesamttransportvolumens auf ihrem Gebiet aus. In Schweden und Österreich wird mehr als ein Drittel des Güterbinnenverkehrs über die Schiene abgewickelt, die Schweiz erreicht einen ähnlichen Wert. Nennenswerte Anteile am Transportvolumen erreichten die belgischen und deutschen Binnenwasserstrassen: Sie nahmen mehr als zehn Prozent des gesamten Güterbinnenverkehrsaufkommens auf. In Bulgarien waren es knapp mehr als 20 Prozent, in Rumänien mehr als 25 und in Holland mehr als 33 Prozent.
Strassengüterverkehr mit hohen Wachstumsraten
In den Jahren zwischen 2000 und 2010 stieg die Bedeutung des Strassengüterverkehrs, gemessen als Anteil des gesamten Güterbinnenverkehrs in der EU-27, um 2,7 Prozentpunkte an. Der Eisenbahnverkehr verlor einen ähnlichen Anteil. Besonders in Polen und der Slowakei baute der Strassengüterverkehr seine Position aus und legte um mehr als 20 Prozentpunkte zu. Zweistellige Wachstumsraten waren in Bulgarien, Litauen, Lettland, der Tschechischen Republik und Slowenien zu verzeichnen. Einen rückläufigen Strassenverkehrsanteil verbuchten dagegen Österreich (–8,5 Prozentpunkte) und Belgien (–7,9 Prozentpunkte). In den meisten EU-Mitgliedstaaten ging mit der Veränderung des Anteils des Strassengüterverkehrs eine in ähnlicher Höhe gegenläufige Veränderung beim Anteil des Eisenbahnverkehrs einher.
Die Flughäfen im Gebiet der EU-27 schlugen im Jahr 2011 rund 14,5 Millionen Tonnen Fracht um. Auf Platz eins lagen mit 4,3 Millionen Tonnen die deutschen Flughäfen, gefolgt von Englands Airports (2,4 Mio. Tonnen). Dank einer Spezialisierung auf Luftfracht konnten ferner die Benelux- Länder und unter diesen besonders Luxemburg hohe Frachtmengen ausweisen: Luxemburg hat das siebthöchste Luftfrachtaufkommen der EUStaaten. Die Seehäfen aller Staaten schlugen 2010 rund 3,6 Milliarden Tonnen Waren um. Die grössten Mengen laufen über England, die Niederlande und Italien. Auf diese drei entfielen mehr als zwei Fünftel (42,4 Prozent) des Güterumschlags in den Seehäfen der EU-27. Im Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerungszahl verzeichneten Estland, die Niederlande, Lettland, Belgien, Finnland und Schweden besonders hohe Güterumschlagsleistungen ihrer Seehäfen.
Einheitlicher europäischer Verkehrsraum geplant
Das künftige Gesicht der europäischen Transportinfrastrukturen wird vom 2011 beschlossenen Weissbuch «Fahrplan zu einem einheitlichen europäischen Verkehrsraum – Hin zu einem wettbewerbsorientierten und ressourcenschonenden Verkehrssystem» beschrieben. Das Weissbuch liefert eine umfassende Strategie und beinhaltet 40 einzelne Initiativen, welche die Wettbewerbsfähigkeit des Verkehrssystems verbessern sollen. Einige dieser Initiativen zielen auf bestimmte Verkehrsträger ab, beispielsweise die Entwicklung eines echten internationalen Markts für Eisenbahnverkehrsleistungen oder geeigneter Rahmenbedingungen für die Binnenschifffahrt. Andere befassen sich mit Terminals, insbesondere mit der Kapazität und Qualität von Flughäfen, und dem Marktzugang zu Häfen. Der Güterverkehr steht im Mittelpunkt vieler Initiativen, die den Strassengüterverkehr, den multimodalen Güterverkehr, die Ladungssicherheit, den Transport gefährlicher Güter sowie multimodale Güterverkehrskorridore für nachhaltige Verkehrsnetze zum Gegenstand haben. Die Vorschläge sollen ferner die Abhängigkeit von Ölimporten reduzieren und die Kohlenstoffemissionen im Verkehr bis 2050 um 60 Prozent verringern. In den Städten sollen keine konventionell getriebenen Fahrzeuge mehr fahren. Die Schifffahrt soll 50 Prozent weniger Emissionen verursachen und der Flugverkehr mit einem Anteil von 40 Prozent CO2-emissionsarmer Treibstoffe erfolgen. Ferner will man den Modalsplit ändern: Auf Mittelstrecken von Stadt zu Stadt soll eine 50-prozentige Verschiebung des Personenund Güterverkehrsvolumens von der Strasse hin zu Schiene und Wasser erfolgen.
Alexander Saheb