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Gisbert Bultmann, haben Sie Ihr Testament schon gemacht?
Ich behaupte immer, dass ich eines gemacht hätte. Tatsächlich ist nur ein kleiner Teil geregelt. Die grosse Sache steht noch aus.
Warum zögern Sie?
Da sind Notare auch nicht anders als Schuhmacher, die mit löchrigen Schuhen losgehen. Es ist unangenehm, sich mit der eigenen Endlichkeit zu befassen. Nur ein Viertel der Menschen hinterlässt ein ordentliches Testament. Sie denken, sie hätten noch Zeit.
Wie oft führt das Erbe zu Streit?
Fast immer.
Warum?
Der Urgrund der Erbstreitigkeiten ist, dass Eltern den Fehler begehen, ihre Kinder ungleich zu behandeln. Das Testament entsteht kurz vor dem Tod, oft zu einem Zeitpunkt, da die Eltern bereits auf Hilfe angewiesen sind. Das eine Kind pflegt, das andere wohnt weit weg. Der Sterbende sieht dem Kind vor Ort in die Augen und sagt: Du kriegst das Haus. Und das andere nur den Pflichtteil.
Es geht um Zurücksetzung?
Ja. Und natürlich auch um verletzte Gefühle. Schon die Bibel ist voll von solchen Geschichten. Da gibt es etwa die vom verlorenen Sohn. Der eine Sohn verlangt von seinem Vater das Erbteil, reist damit in die Welt und verprasst es. Als er dann nach Jahren als armer Mann zurückkehrt, hat der Vater Mitleid mit ihm. Er bestraft ihn nicht, sondern lässt ein Kalb für ein grosses Fest schlachten. Der andere Sohn, der immer fleissig war und seinem Vater gehorcht hat, sieht das mit Eifersucht und Zorn.