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Die Reichhaltigkeit und der Wert dieser Sammlungen verdeutlichen die Intensität der in der Region durchgeführten Forschungen. Zahlreiche Neuenburger Gelehrte, oft fremder Herkunft, haben zur methodologischen Behauptung der archäologischen Wissenschaft beigetragen — wie es insbesondere die Gründung des Internationalen Kongresses der Vorgeschichte 1866 in Neuenburg belegt. Die hohe soziakulturelle Aufwertung der Archäologie im Kanton Neuenburg hat übrigens auch eine sehr frühe öffentliche Bewusstseinsbildung für den Heimatschutz gefördert und Privatpersonen dazu animiert, dem Museum unzählige Entdeckungen zu signalisieren und zu übergeben. Das langfristige Engagement der Laienarchäologen hat es so ermöglicht, die bemerkenswerte Repräsentativität der Sammlungen des Laténiums zu sichern.
Aus forschungsgeschichtlicher Sicht wurde der Aufschwung der Regionalarchäologie durch das «Pfahlbaufieber» ausgelöst, das die Schweiz in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erfasste und dessen Auswirkungen durch die «Juragewässerkorrektion» (1868-1879) verstärkt wurden. Das künstliche Absenken des Wasserspiegels um 3 Meter des Neuenburger-, Bieler- und Murtensees zog in der Tat ein Wiederaufflammen der Prospektionen und Erkundungen auf den nunmehr trockengelegten Ufern nach sich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeichnete sich die Neuenburger Archäologie durch die systematische und umfassende Ausgrabung der berühmten Fundstelle von La Tène (1907-1917) aus, sowie durch die wissenschaftliche Erforschung der Moustérien-Höhle von Cotencher (1916-1918), die die Hauptreferenzfundstelle für die Zeit des Neandertalers in der Schweiz bildet.
Ab 1964 führte der Bau der Autobahn A5 zur anspruchsvollen und bahnbrechenden Umsetzung der Präventivarchäologie in der Schweiz. Grossangelegte, von der Eidgenossenschaft geförderte und in Höhe von bis zu 200 Millionen Schweizer Franken finanzierte Forschungsprogramme ermöglichten die Identifizierung und wissenschaftliche Dokumentation von unzähligen Siedlungen an den Ufern des Neuenburgersees. Diese äusserst umfangreichen Arbeiten, an denen interdisziplinäre und internationale Arbeitsgruppen von bis zu 200 Forschern beteiligt waren, wurde mit der Schaffung eines Museums, das zum grössten Archäologiemuseum der Schweiz werden sollte, die gebührende Anerkennung gezollt.
Das am 7. September 2001 eröffnete Laténium ist das Ergebnis jahrzehntelanger intensiver archäologischer Forschungen auf dem Gebiet des Kantons Neuenburg. Dieses von der Neuenburger Bevölkerung anlässlich einer 1996 erfolgten Volksabstimmung beschlossene Museum mit internationaler Reichweite ersetzte das kantonale Archäologiemuseum, das 1962 infolge der ‘Kantonalisierung’ der archäologischen Sammlungen des Neuenburger Museums gegründet worden war.
Die Sammlungen des Laténiums werden kontinuierlich durch Funde aus den auf dem Gebiet des Kantons Neuenburg durchgeführten archäologischen Ausgrabungen erweitert.
Das Laténium, Erbe der Sammlungen des alten Neuenburger Museums, beherbergt also auch ausländische Fundsammlungen, die grösstenteils von hochgestellten Neuenburger Persönlichkeiten aus dem 19. Jahrhundert stammen: so die Sammlungen Clément (Griechenland, Italien), Schneider (antike Gläser aus Palästina), Clerc (Russland), Berthoud (Italien) und Russ-Suchard (Tunesien). Ebenso findet sich eine grosse Anzahl von Einzelobjekten, die im Lauf der Jahrzehnte von Privatpersonen übergeben wurden.
In diesen Sammlungen fallen mehrere Fundensembles aus dem französischen Jungpaläolithikum auf (Ausgrabungen Emile Rivière), die herausragende Kleinkunstwerke aus der Dordogne enthalten. Zu den bemerkenswerten Sammlungen gehört auch diejenige des Colonel de Bosset (1773-1845). Als Gouverneur der Insel Kefalonia hat dieser Neuenburger seiner Heimatstadt die Ausbeute seiner archäologischen Forschungen geschenkt – darunter das älteste bekannte Fundensemble mykenischer Stücke, das mehr als 50 Jahre vor den berühmten Ausgrabungen Heinrich Schliemanns in Troja gefunden wurde.
Im Wesentlichen spiegeln diese ausländischen Sammlungen die zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestehenden Fachgrenzen wieder. So wurden dem Ethnografischen Museum von Neuenburg ab seiner Begründung im Jahr 1904 die meisten Überseesammlungen, die damals als «exotisch» betrachtet wurden, zugeteilt (namentlich die altägyptischen Sammlungen).
Die Sammlungen des Laténiums werden kontinuierlich duch Funde aus den auf dem Gebiet des Kantons Neuenburg durgeführten archäologischen Ausgrabungen erweitet. Aber das Museum lehnt strikt jegliche Aktivität auf dem Antiquitätenmarkt ab. Entsprechend den geltenden Ethikgrundsätzen und mit der Unterstützung des Bundesamtes für Kultur führt das Museum regelmässig Forschungen durch. Mit dem Ziel, die Aufnahmebedingungen gewisser Fundensembles ausländischer Herkunft zu klären.