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S`Dörfli
Wie aus der vorangegangenen Chronologie zu ersehen ist, übernahm die Genossenschaft im Laufe der Jahre neben der Lieferung von Wasser noch zusätzliche Aufgeben. Obwohl sie nicht den Status einer öffentlich-rechtlichen Korporation besass, unterschied sie sich in ihrer Tätigkeit nicht wesentlich von derjenigen einer solchen Organisation. Wegen der bescheidenen Grösse unseres Dorfes waren die Genossenschafter zum grossen Teil auch bei den übrigen örtlichen Vereinigungen engagiert (Lehmgrube, Käserei, Männerchor). Deshalb gebrauchten die Bewohner selten den Ausdruck Wasserversorgung oder Genossenschaft, sondern sprachen ganz einfach vom Dörfli (s`Dörfli hätt, s`Dörfli mues, d`Dörflikommission sött halt…).
So möchte wir denn in zwangloser Weise einiges über Vergangenes (zum Teil auch Gegenwärtiges) aus dem Geschehen in Erinnerungen rufen. Erste schriftliche Zeunisse lassen den Schluss zu, dass unser Dorf mit zu den ältesten in der Gemeinde Kirchberg gehört und bereits im ausgehenden Frühmittelalter existiert hat. J. H. Dietrich schreibt dazu:
Ums Jahr 900 besass ein Arnold von Sidwald ein Gut in Schalkhausen; dieses vermachte er dem Kloster Fischingen. Das Jahrzeitbuch von Maggenau nennt (ums Jahr 1440) einenUoli von Schalkhausen. In einem Lehensvertrag vom Jahre 1442 sind der Kupferschmiedhof und der Mutthartz hof genannt. Herkunft und Bedeutung des Namens Schalkhausen sind umstritten. J.H. Dietrich werweisst: … war Schalkhausen ein Ort der Schalken (Knechte Zinsleute)? Nach anderer Deutung weist der Name Schalkhausen auf einen Galgen hin. Wie ist das Adjektiv schalkaft (spotthaft) in Beziehung zu Schalkhausen zu bringen? In der unserem ältesten Jahrzeitbuch heisst der Ort auch Schalzhusen und Stalchhusen. Und die richtige Deutung?
Soweit Dietrich.(Die Ältesten unter uns erinnern sich, wie ihre Grosseltern davon gesprochen haben, dass ich früher im Grond obe ein Galgen befunden haben soll. Ob es isch dabei wohl um eine Überlieferung aus früheren Jahrhunderten handeln ma?
Neubauten in den letzten 100 Jahren
Gebäude
Nach einer Statistik aus dem Jahre 1739 zählte Schalkhausen 14 Gebäude, Häuser und Wohnungen. Albikon wird ums Jahr 1800 als Ort mit 11 Häusern (Bauten) erwähnt. Vor hundert Jahren hatte unser Dorf ungefähr die gleiche Grösse wie heute. Die meisten der gegenwärtig benützten Gebäude stammen aus dem letzten oder vorletzten Jahrhundert; einige aber sind neueren Datums. So wurden nach dem Brand im 1904 bei Leutnant Häne Haus und Scheune neu aufgebaut (heute Agnes und Andreas Herger).
Das schöne Bachsteinhaus am westlichen Ende unseres Dörfchens wurde 1905 von Jakob Scherrer erbaut und 1906 an Albert Holenstein verkauft. Es ist heut im Besitz von Hilda Zünd, Küsnacht.
Wieder aufgebaut wurden die beiden 1925 abgebrannten Häuser des Johann Keller-Buomberger (heute Familie Martig) bzw. des J.A. Stolz (heute Familie Räbsamen) sowie die Remise, welche der Folge unter anderem als Milchsammelstelle und Depot für die Feuerwehrgerätschaften diente und 1994 durch Kauf in den Besitz der Familie Martig überging. Diese liess Gemäldegalerie ein. (Zur Orientierung für die Unterdorf bildeten Scheune und Häuser von unterhalb der heutigen Liegenschaft Martig bis hinauf zur Gemeindestrasse eine zusammenhängende Zeile.)
Anstelle des ein halbes Jahr früher abgebrannten Heimwesens von Alois Sennhauser wurde nur noch die Scheune wieder aufgebaut (heute alter Scheune von Alois Graf).
1909 erstellten die Gebrüder Holenstein das Stickereigebäude an der Gemeindestrasse.
Mit dem Einzug der Elektrizität in die verschiednen Weiler unserer Umgebung kam es 1911 zum Bau der Trafostation am oberen Dorfrand. Die heutige Generation kann sich kaum mehr vorstellen, dass damals derartige Türme für die Stromverteilung nötig waren. 1988 wurde der Transformer abgebrochen und durch eine neuzeitliche Station, etwas weiter oben, ersetzt.
1926 errichtet Fridolin Scherrer eine freistehende Scheune, weil die bestehende, ans Haus angebaute, den Erfordernissen nicht mehr genügte.
Die zusammengebauten Häuser Rutz / Lips / Widmer hatten ursprünglich alle drei die gleiche Firsthöhe. Im Jahre 1927 baute Johann Widmer sein Haus neu auf.
Die Scheune von Laurenz Schildknecht, die im oberen Dorfteil, westlich des Hauses Georg Häne (heute Bick / Gabathuler) stand, wurde 1923 abgebrochen und bei Jacob Huber (heute Huber-Nüssli) wie der aufgebaut. 1928 erstellte Johann Hollenstein einen Stickereianbau.
Die Wasserversorgungs-Genossenschaft baute 1948 in der Hofwiese das Pumpenhaus, das 1997 wieder abgebrochen wurde.
Käser Erwin Fraefel errichtete 1961 ein neues Milchhüsli (Milchsammelstelle), und im gleichen Jahr ersuchte Jakob Wenk um die Bewilligung zum Wasserbezug für einen Hausbau auf dem Löhli (heute Erika und Curt Heer). Früher stand bei Hubers ein grosses Bienenhaus, das damals von Jacob Huber mit einer grossen Zahl von Bienenvölkern belegt war. Gleichzeitig hatte dort ein Lehrer Kägi aus Zürich seine Bienenstöcke platziert. Im Zuge der Zeit, d.h. anno 1966, musste das Bienenhaus einer Schweinestallung weichen, die von Hans Huber (Enkel von Jacob Huber) erbeut wurde.
Ein neues Oekonomiegebäude entstand 1978 auf der Liegenschaft Alois Graf. Und 1993 vom Sturm zerstörte alte Scheune zwischen Schalkhausen und Albikon (früher s`Lehnherrè Schüür) einen Anbau an das oben erwähnte landwirtschaftliche Gebäude errichten. Total abgebrochen und wieder aufgebaut wurde 1978/79 durch Marianne und Hans Schnelli das Haus zur Arche.
Auch Josef Schönenberger liess im Jahre 1986 am Schallenberg ein Oekonomiegebäude erstellen, und 1988 bezog Clemens Widmer in der Langforren die landwirtschaftliche Siedlung, bestehend aus einem Zweifamilienhaus, Scheune, Stall und Remise.
Nach dieser Aufzählung der Neubauten während der letzten hundert Jahre wollen wir doch auch noch kurz registrieren, was in unseren beiden Nachbarweilern an Bautätigkeiten passierte.
Im Hof baute Edwin Keller jun. in den Jahren 1964/68 fünf Einfamilienhäuser, 1977 und 1987 je ein Werkstattgebäude, und 1998 vergrösserte er den Betrieb um einen weiteren Neubau, in dem zusätzlich noch ein öffentlicher Schutzraum für 100 Personen integriert ist.
Walter Kunz erweiterte sein Haus 1967 durch den Anbau von Geschäftsräumen zum Babyhaus Kunz. Eine weitere Vergrösserung des Betriebs unternahm 1986/87 Georg Kunz-Büchel. Nachdem aus gesundheitlichen Gründen eine Aufgabe des Geschäftes nötig wurde, richtete sich dort die Firma Martin Räbsamen AG, Heizung und Sanitär ein.
Somit ist der Weiler Hof in den letzten vier Jahrzehnten auf mehr als die doppelte Grösse angewachsen.
Auch Albikon vergrösserte sich, indem Martin Marty 1992 ein Einfamilienhaus erstellen liess.
Bedingt durch die Melioration (Güterzusammenlegung) verlegte 1989 von Schalkhausen nach Albikon. Seinen Wohnsitz behielt er aber weiterhin in Schalkhausen.
Weil in der Käserei Brühwiler infolge steigender Nachfrage nach ihren Rohmilchprodukten mehr Angestellte zum Einsatz kamen, genügten die Unterkunftsmöglichkeiten im alten Käsereigebäude nicht mehr. Daher wurde 1970 der Wohntrakt abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt.
Grotte und Kloster
Zum Abschluss unserer baugeschichtlichen Notizen wollen wir uns noch hinauf zum Grund gegeben. 1932 hatte dort unser Dorfgenosse, Kunstmaler Jakob Häne, am Waldrand ein von ihm geschaffenes Bildstöckli angebracht. Im Laufe der Jahre wurde jedoch das Material stark abgenützt und mehrmals mutwillig beschädigt. Daher beschlossen 1996 die Mitglieder der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) Kirchberg, das Bildstöckli durch etwas Neues zu ersetzen. In vielen Stunden gemeinsamer Fronarbeit schufen die Arbeiter des KAB dann eine gefällige Grotte. In dieser befindet sich nun eine restaurierte Marienstatue, die früher ihren Platz in der Heiligkreuzkirche Kirchberg hatte. So entstand durch die Initiative der KAB-Männer in der Stille des Waldes ein Ort, der zu besinnlichem Verweilen einlädt.
Soviel über die Neubauten innert der letzten hundert Jahren. Das Dorfbild wird wohl am meisten geprägt von den zusammengebauten Häusern im oberen Dorteil (Casanova / Braunwalder / Karer /Kocher). Bis etwa in die Vierzigerjahre war es unter den Dorfbewohnern selbstverständlich, diese Häuserzeile als Kloster zu bezeichnen (z.B. de Egli im Chloschter obe). Auf einer alten Ansichtskarte ist noch der Riegelbau an der Südseite des Hauses Casanova deutlich zu erkennen (heute überdeckt). Die alte Scheune bei Josef Schönenberger gehörte bis in die Vierzigerjahre vier verschiedenen Besitzern gleichzeitig. Sie wurde 1987 abgebrochen. Heute steht dort eine Garage. Dann sind da noch zwei originelle Gebäude aus der Zeit der Handstickerei zu nennen, die den anspruchsvollen Namen Fabrikli trugen. Es waren dies s, Aloisé Fabreggli und s,Wilheme Fabreggli. Das erstere, freistehende, ist heute noch in seiner ursprünglichen Form erhalten (bei Familie Häne). Das andere, seinerzeit angebaut an den Stall, ist umgebaut und nicht mehr erkennbar (bei Familie Herger).
Dorfwirtschaft zum Frohsinn
Eine nicht unwichtige Bedeutung im Leben eines Weilers hat die Dorfwirtschaft. Dort können sich die Einwohner in gefälligen Räumen zum geselligen Zusammensein, zu Familienanlässen, zu Sitzungen und Versammlungen usw. treffen.
Die Liegenschaft zum Frohsinn umfasste früher Restaurant, Bäckerei und Landwirtschaft. Als Besitzer wird 1898 Johann Georg Schönenberger genannt nach desen Tod (1931) führte seine Ehefrau Martina mit ihrem Sohn Josef und ihrem Bruder August Zuber den Betrieb in Erbengemeinschaft weiter, bis im Jahre 1945 der Sohn Josef Schönenberger-Moser das Geschäft übernahm.
1948 kaufte er den nachbarlichen Bauernhof und verkaufte 1950, nachdem der landwirtschaftlich Teil des Frohsinn dem erwähnte Gut angefügt worden war, Bäckerei und Restaurant an die Familie Tschümperlin-Eigensatz.
Diese erweiterte das Geschäft dahin, dass sie der Kundschaft zusätzlich zu den Backwaren aus dem Holzkohleofen auch noch ein ansehnliches Sortiment an Lebensmitteln und weitere Artikel für den Haushalt anbieten konnte. Im Jahre 1960 verkauften Tschümperlines den Frohsinn, und die Liegenschaft wurde darauf in die Frohsinn Immobilien AG umgewandelt.
Die neue Besitzerin liquidierte den Bäckereibetrieb und unterzog das Restaurant einer Renovation.
Anschliessend führten Cornelia und Walter Streule den Betrieb als Geranten. Ein neuer Wechsel erfolgte 1983, indem Fini und Fredi Willi den Frohsinn käuflich erwarben und erfolgreich weiterführten.
Sechs Jahre später, am 1. Januar 1989 erwarb Monika Graf die Liegenschaft, und heute zeichnet Familie Stolz-Graf als Besitzerin.
Stickerei Blüte und Krise
Mitte letzten Jahrhunderts bildete sich ein Konsortium Huber (Bruggbach), Wiget (Rupperwil) und Häne (Schalkhausen), das die ersten vier Hanstrickmaschinen im Bruggbach aufstellte. Schon 1859 gründeten in unserem Dorf die Gebrüder Häne ein eigenes Unternehmen. Sie dürften die Pioniere für die Einführung der Stickereiindustrie in Schalkhausen gewesen sein.
Ums Jahr 1900 standen in neun Zehnteln der Häuser Handstrickmaschinen von je fünf Yards Länge. Diese nahmen nun den Platz ein, den früher die Webstühle belegt hatten.
Neben der Stickerei betrieben die meisten Einwohner in bescheidenem Masse noch etwas Landwirtschaft. Laut Aufzeichnung im Kassabuch der WVGS besassen anno 1900 drei Mitglieder je 1 Stück Vieh, drei je 2 Stück, drei je 3 Stück, drei je 4 Stück und zwei je 5 Stück. Die Kombination Jahre eine gute Lösung für die damaligen Bewohner unserer Region.
Um 1910 herum befand sich die Stickerei in Hochblüte, aber gegen 1920 und vor allem während der weltweiten Krise der Dreissigerjahre gingen die Aufträge massiv zurück. Durch das Aufkommen der Schifflistickmaschine gerieten die Familienbetriebe zusätzlich in Bedrängnis, so dass bis 1940 der grösste Teil der Handstickmaschinen verschrottet und die betreffenden Räumlichkeiten nun für andere Zwecke verwendet wurden. In der Folge sahen sich viele jungen Leute gezwungen, das Dorf zu verlassen und anderweitig ihr Brot zu verdienen.
In gleichem Masse wie die Heimindustrie nun zurückging, nahm die Entwicklung in langsam aber stetig zu. Durch Tausch und Kauf konnte die Bewirtschaftung der ehemals zerstückelten Heimwesen verbessert werden, und innert der ersten dreissig Jahren unseres Jahrhunderts verdoppelte sich der Viehbestand.
Über die allgemeine wirtschaftliche Situation können nachstehende Zahlen einiges aussagen. (diese basieren zum einen auf den Aufzeichnungen der Wasserversorgungs-Genossenschaft und zum andern auf Aussagen noch lebender ehemaliger Dorfbewohner.)
Steigender Viehbestand
|Schalkhausen||1900||1920||1930||1997|

Einwohner
|ca.140||121||93|
|Wohnungen||30||32||30||40|
|Stickmaschinen ca.||28||23||17||3*|
|Landwirte||15||16||13||6|
|Vieh-Einheiten||40||48||77||153|
Laut öffentlichem Steuerregister waren 1920 in unserem Dorfe 38 Steuerpflichtige.
Alle zusammen versteuerten an Einkommen Fr. 15`200.— und Fr. 152`500.— an Vermögen. Für 1930 betrugen die entsprechenden Zahlen für 36 Steuerpflichtige Fr. 16`100.— und Fr. 118`300.—.
Eine Notiz, die sich (wahrscheinlich) auf das Jahr 1911 bezieht, meldet für Schalkhausen 29 Firste und eine Assekurranzsumme von total Fr. 149.00.—.
Heute beträgt die Summe bei gleicher Anzahl Grundbesitzern rund Fr. 18.5 Mio.
Namen
Bis auf den heutigen Tag leb(t)en in unserem Dorf ohne Unterbruch Nachkommen der folgenden Gründerfamilien: Häne Alois (3. und 4. Generation, Hollenstein Josef Anton (3. und 4. Generation), Huber Jacob (4. und 5. Generation), Scherrer Jakob (3. Genertion), Schönenberger Johann (3. und 4. Generation), Wenk Jakob (4. Generation).
Im Verzeichnis der Genossenschaftsmitglider dominierten die Namen Häne, Egli und Holenstein. Diese Familien waren fast alle im oberen Dorfteil angesiedelt. So ergab es sich, dass unter Insidern eigentlich nur der Vorname verwendet wurde: s`Aloisé, s`Georgé, sÀlbertè, (s`Lütenatè), s`Wilhelms, s`Johanns, Weiter waren das sBeggè, s`Schuemaches, s`Chäs-Chellers, sÈdmudé, s`Fredlis und s`Franzè. Heute sind diese Adressen nur noch den Älteren präsent. Es finden sich aber auch ein paar Namen, die in gebracht haben möge, z.B. Bernabe, Lee, Dentez, Köb.
In den alten Protokollen sind die Namen aller Häne mit i geschrieben. Im Steuerregister der Gemeinde wurden 1920 alle als Häne, 1920 aber wieder alle als Häni aufgeführt.
Die Präsidenten der WVGS von 1989 bis 1998
1898 – 1903 Stadler Johann
1903 – 1932 Huber Jacob
1932 – 1950 Scherrer Fridolin
1950 – 1962 Häni Josef
1962 – 1975 Keller Edwin
1975 – 1996 Hollenstein Paul
seit 1996 Herger Andreas
Feuerwehr noch in den Kinderschuhen.
Brände
Wir wissen von vier schriftlichen vermerkten Bränden in unserem Dorf; aber es ist denkbar, dass sich in früheren Zeiten noch weitere ereignet haben. Noch vor 90 Jahren dienten Petrollampen, Kerzen und Stalllaternen zur Beleuchtung von Haus, Stall und Stickereilokal. Auch waren die Räume – meistens nur ein einziger pro Wohnung – oft mit fragwürdigen Heizeinrichtungen versehen. So bargen diese Licht- und Wärmequellen häufig die Gefahr von Brandausbrüchen in sich. Dann aber gab es auch Fälle, wo Böswilligkeit oder Versicherungsbetrug im Spiele waren. Und weil die Feuerwehr in jenen Zeiten nur über eine wenig wirksame Ausrüstung verfügte, brannten die betroffenen Objekte meistens bis auf die Grundmauern ab.
1445
Die erste hier angeführte Brandkatastrophe liegt allerdings schon Jahrhunderte zurück, verdienst es aber doch, in Erinnerung gerufen zu werden. J.H. Dietrich schreibt dazu:
Es war am 21. Mai 1445, als unter österreichischer Führung stehende Kriegerscharen das stark befestigte Wil gerannten; schon hatten sie die Vorstadt in Brand gesteckt. Da eilten die Toggenburger herbei und rettenten die Stadt. Die Feinde schwuren blutige Rache. Am 11. Juni darauf da zugend die von Winterthur, die von Frowenfeld, die uss Kyburger Ampt und uss dem niederen Thurgöw, iro aller bi 600 über Fischingen - durch die letzi und verbrandend Oetwil und Schalkhusen.
1904
Kurz ist die Notiz im Protokoll der WVGS von 31. Dezember 1904, wo vermerkt ist: Am 30. November brannte Haus und Scheune von Familie Häni ab. Da wahrscheinlich wieder gebaut wird, bleibt die Leitung bestehen.(Ursache: Kaminbrand).
Unter Datum vom 31. Dezember 1905 ist zu lesen. Im Laufe des Sommers wurde auch Haus- und Stallleitung im neuen Gebäude der Familie Häni wieder erstellt.
(Bei der genannten Familie Häni handelt es ich um Familie Johann Häni, im Dorf`s Lütnant Hänis genannt.)
1925 (1.Brand)
Im Protokoll der WVGS vom 25.Juni 1925 ist von grosser Trockenheit die Rede. Mitte Juni betrug der Wasserzufluss ins Reservoir nur noch 3,5 I/min., so dass ein Füllen des Reservoirs bei gleichzeitiger Wasserabgabe an die Abonnenten unmöglich war.
Und so schreibt der Aktuar Wilhelm Holenstein: Es brach dann am Abend des 23. Juni in der Scheune des Herrn Alois Sennhauser, der im Frühling 1925 die Liegenschaft käuflich erworben hatte, Feuer aus, das sich mit unheimlicher Schnelligkeit des ganzen Gebäudes bemächtigte.
Das Reservoir war leer, und man stand dem verheerenden Elemente machtlos gegenüber bis die Feuerspritze beim oberen Dorfbrunnen das Wasser auf die Brandstelle leitete und so, dank des günstig wehenden Windes, eine weiter Ausdehnung des Brandes verhütete. Auf dieses Ereignis hin konnte von der Beibehaltung dieser Zustände bezüglich der Wasserversorgung nicht mehr die Rede sein und deshalb versammelte sich die Kommission unter obigen Datum, um über diese wichtige Fragen zu tagen und zu beraten.
In Zusammenhang mit dem Brand vom 25. Juni
An der Genossenschaftsversammlung 12. Juli 1925, also zweieinhalb Wochen nach dem Brand, offerierte ein Mitglied den Genossenschaftern gratis eine Quelle aus seinem Grundstück in der Rieden, Bedingung des Gebers: Die Quelle müsse bis Ende August 1925 gefasst und abgeleitet sein. Dieses Angebot wurde von Versammlung gerne entgegengenommen und vom Präsidenten verdankt. In der Schlussabstimmung wurde beschlossen, es sei das Wasser in der Rieden auf den 31. August 1925 auszugraben und zweckmässig abzuleiten.
Unter dem 19. Juli 1925 ist u.a. zu lesen, dass diese Arbeit im Auftrag der WVGS von Johann Keller-Buomberger ausgeführt wurde.
1925 (2. Brand)
Zitat aus dem Protokoll der WVGS: Am 6. November 1925 abends 8 Uhr brach über das Dörfchen Schalkhusen ein von Frevlerhand gestiftetes Brandunglück herein. In der Scheune des Johann Keller-Baumberger, welche von verschiedenen Nachbarn zu Unterbringen von Heu, Emd und Wagen benutzt wurde, sowie auch der Milchsammelstelle ein geeignetes Lokal bot, war Feuer gelegt worden und als die ersten Stösse des Feuerhorns in die Nacht hinaus tönten, war das Feuer schon so stark verbreitet, dass an eine Rettung des Brandobjetes nicht mehr gedacht werden konnte. Mit rasender Schnelligkeit bemächtigte sich das Feuer der Wohnung Johann Keller und auch derjenigen von Wagnermeister Eduard Keller. Das Brandobjekt musste seinem Schicksal überlassen werden, um die nächststehenden Gebäude zu retten. Zum Unglück schlug in der Nacht der Wind nach Osten um, welcher die Hitze ostwärts gegen das Haus des Jos.-Ant. Stolz sowie auch gegen das, welches von Ludwig Scherrer bewohnt wurde, trieb. Es war ein tiefschmerzender Anblick, wie das Feuer innert vier Stunden vier Wohnungen und eine Scheune vernichtete. Nachts 12 Uhr lag alles in Schutt und Asche. Wenn auch unsere Wasserversorgung in dieser Schreckensnacht nicht entscheidend eingreifen konnte, hat dieselbe doch ihre Dienste an verschiednen Punkten, wo man Wassers bedurfte, geleistet. Es hat sich wieder gezeigt, wie ohnmächtig eine Einwohnerschaft in einem Brandfall dasteht, wenn man auf Hilfe wartet, die erst aufgeboten werden muss.
Eine erste Sorge der Com. war nach dem Brand, die Hahnen in den Brandstellen zu untersuchen. Dieselben wurden alle intakt befunden. Sonntag den 8. Nov. wurde auf der Brandstelle mit den brandgeschädigten Hahnenbesitzern gesprochen, welche die Obsorge ihrer Hausleitung auf weiteres übernahmen.
Der Präsident: Jac. Huber
Der Aktuar: Wilh. Holsenstein
Was in keinem Protokoll vermerkt ist:
Jener Genossenschaft, der in grosszügiger Weise der WVGS die Rieden-Quelle geschenkt hatte, wurde später als Brandstifter dieser beiden Brände von 1925 überführt. (Beabsichtigt war Versicherungsbetrug.) Etwas unheimlich mutet an, dass der Täter den ersten Brand am eigenen Gebäude und den zweiten dann am Objekt des Nachbarn Johann Keller gelegt hatte.