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Mont Thabor,
Mont Tabor,
Dent de Bong oder auch Mont Tabel. Heute Dent d'Hérens geheissen, weil man sie vom obern
Val d'Hérens
aus über den
Col d'Hérens aufragen sieht und zuerst glaubte, sie erhebe sich auf diesem
Kamm selbst, während sie in Wirklichkeit
erst jenseits des obersten Zmuttthales steht. Den
Winkel zwischen Zmuttthal,
Val d'Hérens und
Valpelline
bildet die
Tête Blanche. Die Dent d'Hérens wird von der
Sohle der
WalliserThäler aus kaum gesehen und ist daher lange Zeit
unbekannt geblieben.
Seither ist die Besteigung von verschiedenen
Seiten her ausgeführt worden, bildet aber immer eine der
schwierigsten Hochtouren in den
Alpen. Von der
Staffelalp aus in 9, von Prarayé aus in 7 und von Le Breuil aus in 9 Stunden
zu erreichen. Die Aussicht vom Gipfelpunkt der Dent d'Hérens ist eine der schönsten und abwechslungsreichsten derHochalpen.
Besonders prachtvoll ist der Blick auf die benachbarten mächtigen Stöcke der
Dent Blanche und des
Matterhorns. Die Dent d'Hérens
bildet in geologischer Hinsicht ein Glied eines Glimmerschieferkammes, der zwischen zwei
Bänder von Arollagneis eingeschoben
ist und am
BecCreton von einem neuen Glimmerschieferkamm abgelöst wird. In diesen Glimmerschiefern finden sich
Einlagerungen von Amphibolschiefern und Kalksteinbänken, woraus man schliessen darf, dass sie ursprünglich nach Art der
Sedimente abgesetzt und erst durch den bei der Alpenfaltung sich auslösenden ungeheuern Druck zu krystallinen Schiefern
umgeformt worden sind.
Das Eringerthal im engern Sinne zerfällt in zwei physisch fühlbar von einander verschiedene Abschnitte. Der 10 km lange
Teil zwischen dem Dorf
Les Haudères und Villeta (1232 m mittlere Sohlenhöhe) hat eine an Breite wechselnde flache
Sohle,
die beiderseits von einem bewaldeten und hie und da mit terrassenförmig übereinander liegenden Aeckern bestandenen Hang
begleitet ist, über dem Alpweidenflächen und kleinere Hochthälchen liegen. Der untere Abschnitt zwischen Villeta u.
Brämis besteht dagegen nur aus einer einzigen Folge von tiefeingeschnittenen und steilwandigen
Schluchten, an deren Hängen
knorrige
Tannen und wildes Strauchwerk stehen, während zu unterst die
Borgne mit donnerndem Lärm von
Sprung zu
Sprung eilt.
Die dem linken Ufer folgende Fahrstrasse und der rechtsufrige Saumweg gehen hoch über dem Fluss durch,
indem sie sich stellenweise eng an die Steilwände anschmiegen, zum Teil aber auch fruchtbare und von
Dörfern und Weilern
belebte Wiesenterrassen durchziehen. Auf solchen Hochterrassen stehen rechts vom Fluss
Eison,
Suen,
Saint Martin,
Mage,
Vernamiège
und
Nax, links vom Fluss
Useigne,
Hérémence,
Villard,
Vex und, schon über demRhonethal,
Les Agettes. Von
beiden Thalseiten gehen bis zur
Borgne tiefeingerissene Wildbachschluchten herunter, die die einzelnen der genannten Siedelungen
von einander trennen.
Serpentine (3546 m), sowie endlich der Col de Bertol, der von Arolla über den Col d'Hérens nach Zermatt führt. Urkundliche
Formen im 11. Jahrhundert: Vallis Éroens; 1195: Éruens; dann Éroins, Héruens und Hérens. Der Name ist so auszusprechen,
wie wenn er französisch Érin geschrieben würde. Ueber die anthropogeographischen Verhältnisse S.
den Art. Hérens (Bezirk).
In botanischer Hinsicht wollen wir anführen, dass die Flora des untern Eringerthales durchaus derjenigen des zentralen Wallis
entspricht
und sich namentlich auch in Bezug auf die grosse Artenzahl der Xerophyten, d. h. der an trockenes Klima angepassten Pflanzen
durchaus mit derselben deckt. Die alpinen und nivalen Regionen des Thales dagegen schliessen sich im Allgemeinen
an die den penninischen Alpen überhaupt charakteristischen Florenverhältnisse an. Als eine dem Eringerthal eigene Form ist
wohl blos eine Grasnelke (Armeria plantaginea) anzusprechen. Von sonst im Wallis
nur selten auftretenden Arten sind daneben noch
Huguenia tanecetifolia und Carex ustulata zu nennen. Ferner findet sich noch eine in den Schweizer Alpen
überhaupt nicht häufige Form der Hungerblume (Draba pyrenaica).
Geologie.
Der oberste Abschnitt der Eringerthales ist im amphibolitischen sog. Arollagneis eingeschnitten, der durch Dynamometamorphose
aus einem ächt eruptiven Granit entstanden ist. Nach der Vereinigung der beiden obern Verzweigungen von Ferpècle und
Arolla tritt das Thal in kalkführende Glanzschiefer ein, in die grüne Schiefer und Serpentine eingelagert sind. Noch tiefer
unten treten Quarzite und Dolomite der Trias auf, auf die nachher wieder krystalline Schiefer, sog. Casannaschiefer, folgen.
Nach der Einmündung des Val d'Hérémence endlich treffen wir neuerdings triasische Quarzite mit dolomitischen Kalken
(sog. Pontiskalk) und Gips, die allem Anscheine nach den Casannaschiefern unmittelbar unterliegen. Diese letzteren würden
hier demnach eine auf die Trias aufgeschobene liegende Falte bilden. Mächtige Moränenablagerungen bei Vex, Useigne und Liez.
Der Thalboden zwischen Les Haudères und Lannaz endlich besteht aus rezenten Wildbachalluvionen.
Ueber die glazialen Gebilde im Eringerthal und einige andere, mit ihnen in unmittelbarem Zusammenhang
stehende Formen äussert sich F. O. Wolf (Sittenund Umgegend; Europ. Wanderbilder. 138-140) wie folgt: «Die Gletscher haben
auch hier überall Spuren ihrer frühern grossen Ausdehnung hinterlassen. Hohe Gebirgsgräte sieht man abpoliert, wie z. B.
die nackten Wände der Blava (2935 m) und der Veisivi; viele andere wurden abgetragen und durch das Thal
hinaus geschleppt. Diese Moränenablagerungen sind sehr bedeutend und bilden längs der beidufrigen Abhänge die ausgedehnten
fruchtbaren Terrassen, auf denen die zahlreichen Ortschaften mit ihren Feldern und Matten liegen. Auf den höchsten Alpen,
in einer mittlern Höhe von 2000 m, sind die Blockhalden lokaler Natur; etwas tiefer, in der Region der
Mayens (1400 m), sind sie aus den Gesteinsarten des ganzen Thales, vorwiegend aus Talkgneis, Arkesin, Gabbro und Serpentinen
zusammengesetzt, und noch tiefer, gegen das Rhonethal, treten auch diejenigen der obern Seitenthäler hinzu, wie die leicht
erkennbaren Augengneise von St. Nikolaus, die Eklogite aus Saas u. a. Diese Moränen wurden später durch
Regengüsse ausgewaschen, durch die Bäche angefressen und teilweise fortgetragen; es verblieben dann die eigentümlichen
phantastischen Gebilde, welche man Pyramiden (Erdpfeiler)
nennt». Vergl. darüber den Art. Useigne.
Im fernem weist das Eringerthal zahlreiche Höhlen, Wasserfälle und Schluchten auf, wie es auch in den
warmen Salzquellen von Combiolaz, der Gletschergrotte von Arolla u. dem prächtig blauen Alpensee der Gouille perse de Lucel
noch weitere Sehenswürdigkeiten besitzt.
Bibliographie.
Wolf, F. O. Sittenund Umgegend. (Europ. Wanderbilder. 138-140). Zür. 1888. - Solandieu. Le val d'Hérens.Sion 1900. - Monod,
J. Sion, lesMayens, Vald'Hérens.