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Als Jérôme Valcke 2012 das Kugel-Gürteltier als Maskottchen der WM präsentierte, erzählte er begeistert, dass dieses Tierchen mehr sei, als ein Symbol des WM-Fussballs – es repräsentiere das “Vermächtnis zum Schutz der Natur“. Ein und ein halbes Jahre später, hat die FIFA keinen Cent dazu vorgesehen, das Tier zu schützen. Zufall oder nicht, das possierliche Tier, dem man den Namen “Fuleco“ (aus Fussball und Ökologie) gegeben hat, ist aus den WM-Stadien verschwunden und war nicht einmal bei der Eröffnungsfeier anwesend.
Der Leiter des Vereins “Associação Caatinga“, der Regierungs-Organisation, die den Vorschlag des Gürteltiers als WM-Maskottchen gemacht hat, sagt, dass die FIFA jenen Gruppen, die den Schutz des Tieres verteidigen, in letzter Minute einen Vorschlag gemacht hat, aber die gebotene Summe war “ein empörendes Angebot“, so Rodrigo de Castro. Die milliardenschwere, höchste Instanz des Weltfussballs, die allein in den vier Vorbereitungsjahren auf die WM 2014 einen Gewinn von 2,4 Milliarden US-Dollar eingefahren hat, stellte die Verhandlungen ein, nachdem die NGO ihre angebotenen 300.000 US-Dollar nicht akzeptiert hat – und dieses Geld sollte auch noch auf zehn Jahre verteilt werden!
Die Glückseligkeit der Wahl vom September 2012 hat sich in Trauer verwandelt durch die negative Haltung der FIFA angesichts der Unterstützung jenes Tierchens der Caatinga, das vom Aussterben bedroht ist. Nach der Präsenz der gesamten hohen FIFA-Hierarchie in Brasilien während der letzten Tage, inklusive des Chefs der sozialen Verantwortung der FIFA, Federico Addiechi, kam ein offizielles Angebot nach 16 Monaten Verhandlung.
“Sie boten uns ein Trinkgeld, ein Sümmchen, das bei denen vom Programm der Neutralisierung des Kohlendioxyd-Ausstosses übrig geblieben war. Wir haben einen Gegenvorschlag unterbreitet und erwarten eine Antwort bis zum Ende der WM“, sagt Castro.
Wie die FIFA behauptet, war der angebotene Betrag viel höher als 300.000 Dollar – die “Associação Caatinge“ beharrt darauf, 300.000 Dollar angeboten bekommen zu haben. Auf jeden Fall liegt eine solche Summe weit unter denen anderer Sponsoren der NGO für den Tierschutz und hätte überhaupt keine Bedeutung im angestrebten Tierschutzprogramm des “Tatu bola“ (brasilianisch für Kugelgürteltier).
Heutzutage kennt man, zum Beispiel, nicht einmal die Grösse der verbliebenen Population des Gürteltiers, und es fehlen viele Erkenntnisse und Daten bezüglich seiner Lebensweise. Sogar seine Haltung und Reproduktion in Gefangenschaft bedeutet eine Herausforderung, denn nicht ein einziges Exemplar der Caatinga ist in einem Zoo zu finden – nur der Typ “Mataco“, das Gürteltier des Cerrado, kann man in wenigen Zoos der Welt entdecken. Viel Forschungsarbeit und viel Geld muss investiert werden, um etwas effizientes tun zu können.
Während der Präsentation des “Fuleco“ vor knapp zwei Jahren, sagte Valcke, dass das Kugelgürteltier “Perfekt“ als Maskottchen sei. “Eins der bedeutendsten Ziele ist es, die WM als Plattform zu nutzen, um den Menschen die Bedeutung der Umwelt und der Ökologie klarzumachen“, sagte damals der Generalsekretär der FIFA. “Alle haben einen Ara erwartet. Aber das Kugelgürteltier hat eine grössere Bedeutung. Es ist nicht nur das Symbol eines Turniers, sondern repräsentiert das Vermächtnis zum Schutz der Natur“. Die Namenswahl, eine Mischung aus “Futebol“ (Fussball) und “Ecologia“ (Ökologie) stammte ebenfalls aus Zürich, dem Sitz des Weltfussballs.
Heute summiert sich jenes “ökologische Vermächtnis“ zu allen anderen Frustrationen der WM – von der Funktion verschiedener Stadien angefangen, bis zu den Verbesserungen der urbanen Mobilität, die vom Reissbrett nicht weggekommen sind. In der internationalen Presse, besonders in der europäischen und brasilianischen, hat dieses leere ambientale Versprechen dem Ansehen der FIFA geschadet.
In den sozialen Netzwerken wurden Foren promoviert, Kampagnen und Unterschriftssammlungen, um die FIFA aufzufordern, sich mit der versprochenen Rettung des bedrohten Maskottchens zu kompromittieren, dessen exklusiver Lebensraum die brasilianische Caatinga ist, von der lediglich 1% ihrer ursprünglichen Fläche durch Reservate geschützt sind. Die Regierung von Pernambuco versprach, einen “Parque Estadual do Tatu-Bola“ zu gründen – in der Region von Petrolina.
Ihrerseits scheint die FIFA es vorzuziehen, das Maskottchen “Fuleco” während der WM zu verstecken – ein Beweis dafür war seine Abwesenheit bei der Eröffnungszeremonie der WM. Nachbildungen des Maskottchens entdeckt man zwar noch an Ständen der WM-Sponsoren – wie VISA und Coca-Cola – aber sie sind aus den von der FIFA dominierten Arealen verschwunden. “Wir sind zufrieden, dass wir das Maskottchen in Brasilien und der ganzen Welt beliebt machen dürfen“, sagte Valcke noch im Jahr 2012. Aber die Geschichte entwickelte sich ganz anders. Schon die Wahl des Namens führte zu einer Polemik – durch den Klang des Namens, der leicht Wortspielereien und schmutzige Witze provoziert.
Die FIFA streitet jedenfalls ab, dass sie das Maskottchen versteckt. Die Institution behauptet, dass es sehr wohl präsentiert werde – in allen Stadien, inklusive bei der Eröffnung der WM im Stadion Itaquerão und bei den FIFA-Fan-Festen, die in allen WM-Städten durchgeführt werden. Die FIFA behauptet weiter, dass es keinerlei Änderungen zur Präsentation des “Fuleco“ gegeben hätte.
Während des Confederations-Cup 2013 hat das Maskottchen eine grosse Promotion bekommen, aber seine aufgeblasenen Puppen, in Porto Alegre und Brasília, wurden während der Proteste gegen die verschwendeten Milliarden für die Fussball-Weltmeisterschaft, attackiert und zum Platzen gebracht. Um den Sinn der ganzen Kampagne völlig zu verdrehen, packten die Drogenhändler von Rio Pakete mit seinem Konterfei, in den sie Maruhuana (Maconha) und Kokain (Cocaina) anboten – es entstanden die Spitznamen “Fumeco“ (aus Fumo = Tabak) und “Fuleconha“ (aus Maconha).
“In vierzig Jahren werden sich die Menschen vielleicht an diese WM und ihren Champion erinnern, vielleicht erinnern sie sich sogar an das Maskottchen “Fuleco”. Aber dann wird das Kugelgürteltier bereits ausgestorben sein, und die Menschen wissen vielleicht gar nicht mehr, wie es in der Natur ausgesehen hat“, philosophiert Castro, der immer noch mit der Hoffnung spielt, dass die FIFA vielleicht am Ende der WM ein besseres Angebot machen wird, um das seltene Tierchen zu retten.