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Bild: Martin Zeller
Ein Beitrag von Jonas Bühler.
Der Herbst ist die Zeit der Weinlese. In den Rebbergen rund um Feldbach herrscht in dieser Zeit rege Betriebsamkeit. Die Weinbäuerinnen und Weinbauern ernten die reifen Trauben und beginnen sie zu Wein zu verarbeiten.
Auch auf dem Oberhaushof wurde früher Wein gewonnen. Davon zeugt das Riegelhaus direkt neben dem Oberhaus, die Alte Trotte. Das Gebäude wurde 1719 erbaut, im grossen Trottenraum im Erdgeschoss stand die Presse (die «Trotte»). Diese wurde zum Pressen verschiedener landwirtschaftlicher Produkte genutzt, insbesondere zur Herstellung von Wein und Most. Heute ist davon leider nicht mehr viel zu sehen. Die Presse wurde vor Jahrzehnten abgebaut, geblieben sind nur die Steinsockel. Mittlerweile steht zwar wieder eine Presse im Trottenraum, diese ist jedoch wesentlich kleiner und wurde wahrscheinlich zum Pressen von Nussöl verwendet.
Spuren der Weinbauvergangenheit lassen sich jedoch nicht nur in der Alten Trotte finden: Im Keller des Oberhauses stehen noch mehrere alte Weinfässer, auch alte Weinflaschen lagern hier. In anderen Räumen des Hauses finden sich Körbe und Werkzeug für die Weinlese sowie diverse schriftliche Zeugnisse in Bezug auf den Weinbau.
Über Jahrhunderte besass die Familie Bühler diverse Rebberge in und um Feldbach, beispielsweise in der «Gamsten» westlich des heutigen Bahnhofs. Um die Weinlese zu bewältigen, mussten jedes Jahr saisonale Helfer eingestellt werden, die die Trauben ablasen, zur Trotte transportierten und dort zu Wein kelterten. Wein war lange das lukrativste Landwirtschaftserzeugnis der Familie Bühler.
Mit der Agrarkrise und der Verbreitung des falschen Mehltaus und der Reblaus gegen Ende des 19. Jahrhunderts brachen die Erträge jedoch ein und erholten sich nicht mehr. Einer der schönsten Rebberge direkt oberhalb des Hofs wurde zudem mittig durch die Eisenbahnlinie zerschnitten. Nach dem Tod von Johann Jakob Bühler-Rebmann im Jahr 1887 verkaufte dessen Adoptivsohn Albert Bühler-Reichling den Betrieb in der Gamsten und richtete den Oberhaushof voll auf die Rinderzucht und die Milchwirtschaft aus. 1893 baute er eine neue Scheune mit modernem Kuhstall, der überregional zu einer Referenz wurde. Die verbliebenen Rebberge veräusserte er nach und nach. 1916 wurde der Weinbau auf dem Oberhaushof definitiv aufgegeben.
Lediglich im Garten sind noch einige Reben verblieben. Sie ranken sich um das Laubengerüst, das an die Freitreppe des Oberhauses anschliesst, und bescheren uns jeden Herbst eine leckere Ablese.