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Der Autor hatte im Jahr 2011 die wichtigste Literaturauszeichnung der Welt, den Literaturnobelpreis, erhalten. Zuvor galt er schon seit Jahren als einer der Favoriten. Die Arbeiten des Lyrikers wurden in rund 60 Sprachen übersetzt. Das Gesamtwerk Tranströmers, der nach einem schweren Schlaganfall vor 24 Jahren sprechbehindert war, ist mit rund 100 Texten auf 500 Seiten überschaubar.
Eines der meistbeachteten Debüts des Jahrzehnts
Gemäss Literaturredaktor Markus Gasser waren Tomas Tranströmers Themen von einer «wunderbar schwebenden Allgemeinheit». Tranströmer sei nicht Psychologe gewesen, nicht Philosph und auch nicht Naturlyriker, obwohl in seinen Gedichten viele Naturbilder steckten. Er kümmerte sich auch nicht um Weltprobleme oder um menschlich allzumenschliche Gefühlsdramen. Gasser: «Es hat am ehesten etwas Meditatives, wenn man seine Gedichte liest.»
Geboren wurde Tomas Tranströmer am 15. April 1931 als Sohn einer Volksschullehrerin und eines Journalisten in Stockholm. Er widmete sich dem Studium von Literaturgeschichte und Poetik, Religionsgeschichte und Psychologie an der Uni Stockholm. Zu dieser Zeit veröffentlichte er auch seine ersten Gedichte in verschiedenen Zeitschriften.
1954 erschien dann die erste Gedichtsammlung und wurde zu einem der meistbeachteten Debüts des Jahrzehnts. Dennoch sollte es noch fast drei Jahrzehnte dauern, ehe die Kritik auch international auf Tranströmer aufmerksam wurde.
Psychologe in einer Anstalt
1958 heiratete Tranströmer Monica Bladh, mit der er ab dann in Stockholm lebte. Mit den folgenden Gedichtsammlungen Ende der 1950er- und Anfang der 60er-Jahre festigte er bei Kritik und Leserschaft den Ruf als einer der bedeutendsten Lyriker seiner Generation.
Zu dieser Zeit arbeitete Tranströmer zunächst als Anstaltspsychologe für jugendliche Strafgefangene. Von 1966 bis zu seinem ersten Schlaganfall schrieb er Gedichte, halbtags war er als Berufsberater in verschiedenen Arbeitsämtern tätig. Robert Bly machte den Dichter schliesslich in den USA bekannt.
Meister der Verknappung
Heute liegen Texte von Tranströmer in über 60 Sprachen vor. Die meisten der Arbeiten zeichnen sich durch Schlichtheit, Konkretion und treffende Metaphern aus. «Wo andere hundert Worte machen würden und zehn genügten, da gibt uns Tranströmer ein einziges», meinte der Kritiker Heinrich Detering in der «FAZ» über Tranströmers «Das grosse Rätsel».
Der schwedische Schriftstellerkollege Lars Gustafsson schrieb in «Dagens Nyheter»: «Er ist ein Mystiker, ein Dichter, der Null gesehen hat, den leeren Punkt im Zentrum, ohne den nichts ist.»
Zur Rebellion ungeeignet
Im Gefolge der 68er-Bewegung hatten sich viele Leser von Tranströmer abgewandt. Seine zuversichtliche, wenig konfrontative Poesie leiste keinen Beitrag zu den Tagesdiskussionen, lautete der Vorwurf der Kritiker damals. Tranströmer hatte gekontert, dass sein Schaffen nicht auf Ideologien, sondern auf Visionen zurückzuführen sei.
In den vergangenen Jahren war Tranströmers Grösse jedoch weitgehend unbestritten. Laut Schwedens grösster Zeitung «Aftonbladet» war er der «Poet, den alle lieben». Und bei der Bekanntgabe des Nobelpreises brandete allerorts Jubel auf.