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Im Mai 2000 wird an der Pariser Akademie der Wissenschaften ein versiegelter Umschlag geöffnet. Er enthält unbekannte Forschungsergebnisse des Mathematikers Wolfgang Döblin, die diesen als bedeutenden Erneuerer der modernen Wahrscheinlichkeitstheorie ausweisen.
Wolfgang Döblin, der seit 1933 mit seiner Familie im Pariser Exil lebte, wurde 1915 als Sohn des deutschen Schriftstellers Alfred Döblin geboren. Nach Erlangen der französischen Staatsbürgerschaft wird er 1938 zum Militärdienst einberufen. Den Kriegsausbruch 1939 erlebt er als einfacher Soldat. Stationiert in den Ardennen und in Lothringen widmet er sich, wann immer möglich, seinen wegweisenden Arbeiten zur Berechnung von „Zufallsbewegungen“. Am 21. Juni 1940 nimmt er sich, 25-jährig, in dem Vogesendorf Housseras das Leben, um nicht als Kriegsgefangener den heranrückenden deutschen Truppen in die Hände zu fallen. Das mathematische Genie und die tragische Lebensgeschichte von Wolfgang Döblin sollen erst Jahrzehnte später in ihrer ganzen Tragweite erkannt werden...
Mit den Mitteln des Radiofeatures haben Jürgen Ellinghaus und Aldo Gardini ein Werk geschaffen, das ein Stück Geschichte dokumentiert und zugleich das Eintauchen in das kurze und intensive Leben eines einzigartigen Menschen ermöglicht. Originaltonaufnahmen von zwei Brüdern des Mathematikers, von Zeitzeugen aus den Ardennen und dem Dorf Housseras im Wechsel mit Auszügen aus wissenschaftlichen Arbeiten, Aufzeichnungen und Briefen Wolfgang Döblins sowie das leichthändige Spiel mit Geräuschen, Musik und Zweisprachigkeit machen die Dokumentation zu einem bewegenden Hörerlebnis.
«Die Irrfahrt des Soldaten Döblin» wurde mit dem internationalen Featurepreis 2007 der Stiftung Radio Basel ausgezeichnet.