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Guillaume Lasceux (1740–1831) begann seine Laufbahn als Organist im Jahr 1758 an der Pfarrkirche Saint-Martin de Chevreuse in Paris. Ab 1762 studierte er fünf Jahre Komposition bei Charles Noblet, dem Organisten und Clavecinisten der Pariser Oper. Er versah in der Folge verschiedene Organistenstellen in Paris. Ab dem Jahr 1769 hat er auch Claude-Nicolas Ingrain an der Pariser Kirche Saint-Étienne-du-Mont vertreten; 1774 wurde er dort der offizielle Stelleninhaber.
Mit Ausbruch der Französischen Revolution 1789 verlor er die meisten seiner Ämter. Nachdem im Jahr 1803 die katholischen Gottesdienste wieder eingeführt worden waren, setzte er hier seine Tätigkeit fort. Nach 50 Jahren Dienst in der gleichen Pfarrei nahm er am 2. Januar 1819 von seinem Beruf als liturgischer Organist Abschied.
Guillaume Lasceux gilt in der französischen Orgel- und Kirchenmusik durch sein langes Leben als ein Bindeglied zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert. Die meisten seiner Orgelwerke sind der klassischen Tradition verpflichtet (Plain-chant, Duo, Récit de flûtes ou de hautbois, Grands jeux etc.), belegen jedoch auch die Orgelmusikpraxis des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts (Grand Jeu Chasse, Symphonie concertante usw.).
Besondere Bedeutung hat Guillaume Lasceux‘ Lehrwerk Essai théorique et pratique sur l’art de l’orgue aus dem Jahr 1809. Er beschreibt darin ausführlich die Registrierungen der typisch französischen Satztypen anhand von vielen eigens komponierten Beispielen. Das Werk umfasst 26 Stücke, von kürzeren liturgischen Stücken (Pleint Chant, Fugue, Duo, Trio etc.), bis hin zu ausgedehnten Konzertstücken (Concertos, Sinphonies etc.). Leider erreichen vor allem die längeren Werke keineswegs die Originalität und Frische seiner Kompositionen aus der ersten Schaffensperiode. Trotzdem gilt das Essai als wertvolles Zeugnis für die Entwicklung der französischen Orgelmusik seiner Zeit.
Orgelmusik von Guillaume Lasceux
- Journal de pièces d’orgue contenant des Messes, Magnificat et Noëls (1771/72)
- Nouveau Journal de pièces d’orgue contenant des Messes, Magnificat et Noëls à l’usage des paroisses et Communautés religieuses (1783), darin enthalten eine sowie ein Magnificat F-Dur mit einer Chasse C-Dur
- Messe des Grands solemnels mit einem Offertoire als Symphonie concertante (1783)
- Te Deum (1786)
- Nouvelle Suite de pièces d’orgue (1810)
I Messe des annuels et grands solemnels
II Hymnes, proses et répons de la Fête-Dieu
III Messe des solemnels mineurs
- Annuaire de l’organiste (1819), enthält 4 Messen, 8 Magnificat und ein Te Deum
- Douze Fugues (1820)
Die meisten Werke aus der Zeit vor der Revolution enthalten ansprechende kurze Stücke im frühklassischen Stil. Die Satzbezeichnungen erinnern an die liturgischen Werken der französischen Barockkomponisten (Fuge, Cromorne avec les fonds, Flûtes, Grand Jeu, Duo de Cornet et de positif, Dialogue de Voix humaine et de Hautbois, etc.). Die späteren Werke in seinem umfangreichen Annuaire de l’Organiste unterscheiden sich bis auf die Offertoires wenig von den früheren. In seinen z. T. ausgedehnten Offertoires der späten Messen und Concertos im Te Deum von 1819 versuchte er sich wie viele seiner Zeitgenossen an musikalischen Naturschilderungen (Jagd- und Gewitterszenen). Auch im Annuaire de l’organiste sind die kürzeren Stücke interessanter und reizvoller als die längeren.
Über 200 Orgelstücke, auch bisher unveröffentlichte, wurden in jüngster Zeit von Pierre Gouin in der Éditions Outremontaises neu herausgegeben und stehen in der Petrucci-Musikbibliothek kostenlos zum Download: imslp.org/wiki/Category:Lasceux,_Guillaume
Im Verlag Harmonia sind zwei Hefte mit Orgelstücken erschienen (1980 und 1995). Der erste Band enthält kurze Stücke im eher traditionellen Stil, die meisten manualiter. Der zweite Band enthält Morceau de flutes und Récit de hautbois aus dem Annuaire de l’organiste und die Symphonie concertante aus der Messe des Grand solemnels.
Klangbeispiele aus der Messe des Grands solemnels 1783
Aufnahmen: Johannus Rembrandt 2014