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Erdbeobachtungs-Satelliten fliegen schon seit Jahren durchs All. Sie messen das reflektierte Sonnenlicht oder senden Radiowellen aus und erfassen, wieviele dieser Wellen die Erd- und somit auch die Schneeoberfläche zurückstrahlt. Die European Space Agency ESA wollte wissen, inwiefern die Lawinenwarnung von diesen Technologien profitieren kann und beauftragte ein Konsortium unter der Leitung des SLF mit einer Machbarkeitsstudie. Die Forschenden sollten herausfinden, wo wichtige Informationslücken bestehen und wie diese mit Satellitentdaten geschlossen werden könnten.
In einem ersten Schritt ermittelte das Konsortium anhand von Interviews und eines Workshops, welche Bedürfnisse seitens der nationalen und regionalen Lawinenwarndienste und der Sicherheitsfachleute vorhanden sind. Dabei stellte sich heraus, dass sich diese v.a. Informationen wünschen zu den Fragen "Wo sind Lawinen abgegangen?", "Wie ist die Schneeoberfläche beschaffen?" und "Wie stabil ist die Schneedecke?". Unter den verschiedenen Zielgruppen bestanden jedoch grosse Unterschiede, wie hoch aufgelöst die Daten sein müssen und welche geografischer Region sie abdecken sollten.
Basiert auf den Umfragen der potenziellen Nutzer und der vorhandenen Technologie definierte das Konsortium ein modulares System: Eine Kombination eines satellitenbasierten und eines terrestrischen Radars, um abgegangene Lawinen aufzuspüren, sowie Daten von optischen und Radarsatelliten, um die Schneeoberflächenbeschaffenheit zu charakterisieren.
Satellitendaten könnten Lücke schliessen
In einem nächsten Schritt überprüften die Forschenden, ob dieses System für die Praxis auch wirklich tauglich ist. Am Dorfberg bei Davos installierten sie einen terrestrischen Radar und analysierten ausserdem Daten von optischen und radarbasierten Satelliten für dieses Gebiet. Ein Vergleich mit Webkameras, Lawinenbeobachtungen und automatischen Wetterstationen zeigte: Satelliten hätten ein grosses Potenzial, Lawinenabgänge über ausgedehnte Flächen bei jedem Wetter zu erfassen und damit die Lawinenwarnung zu verbessern. Bisher stützen sich Lawinenprognostiker vorwiegend auf Wettermodelle und Daten von automatischen Wetterstationen und Beobachtern im Gelände. In vielen Ländern stehen aber nicht genügend Wetterstationen zur Verfügung. Ausserdem hindern nicht selten schlechtes Wetter oder Lawinengefahr die Beobachter an ihrer Arbeit. Mittels Satellitendaten könnten diese Lücken in Zukunft geschlossen werden.
Kosten noch zu hoch
Die Machbarkeitstudie zeigte aber auch, dass die Daten zur Zeit noch nicht genügend gut verfügbar und zeitlich aufgelöst sind und ausserdem sehr viel kosten. Da die potenziellen Nutzer oft über wenig Geld verfügen, können sie sich solche Daten für ihren operationellen Betrieb im Moment nicht leisten. Trotzdem bleibt ihr Interesse an dieser erfolgsversprechenden Technologie bestehen. Entsprechend werden verschiedene neue Projekte dieses Thema auch in Zukunft weiter verfolgen.
Auftraggeber
Details zum Projekt
Projektdauer
2014 - 2015