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In schwachen Momenten kann ich erschreckend verfressen sein. Im «Starbucks» bahnte ich mir mit meinem dampfenden Becher einen Weg durch das überfüllte Café zu einem der Tische, wo sich noch die Abfälle der letzten Gäste türmten. Dies störte mich jedoch nicht weiter, ich nahm ein Buch heraus und vertiefte mich. Nach einer Weile hob ich kurz den Kopf und mein Blick fiel zufällig auf die Papiertüte meiner Vorgänger. Ich schob das Papier etwas zu Seite und linste vorsichtig hinein. Ein wunderschöner Schokobrownie lachte mir entgegen – oder besser gesagt die eine Hälfte davon. Mir lief das Wasser im Mund zusammen. Ich betrachtete meinen Becher, noch bis zu zwei Dritteln gefüllt, und begann abzuwägen. Ich zögerte. Ich schalt mich, dass man ein Kind ausschimpfen würde, wenn…. Ich dachte sogar an den Witz des Arbeitskollegen vom Vortag: «Du darfst aus meiner Flasche trinken – aber ich habe Hepatitis A, B und C.» Und dann tat ich es. Ich langte in die Tüte und liess mir den schokoladigen, süssen, fettigen Brownie schmecken. In Wellen ergriff die Paranoia Besitz von mir, weil ich fürchtete, der ursprüngliche Besitzer des Brownies könnte zurückkehren. Was würde ich ihm sagen? Wie um alles in der Welt würde ich ihm das erklären? Kaum hatte ich den letzten Krümel verdrückt, putzte ich mir mit der Serviette zufrieden die Krümel aus dem Mundwinkel. Ich atmete erleichtert auf. Den Moment eines Schmetterlingflügelschlags lang schämte ich mich. Bis ich mich mit dem Gedanken darüber hinwegtröstete, dass es schliesslich auch Menschen gibt, die Katzenfutter f.. essen.
Erschienen am 15.09.2009 im Winterthurer Stadtanzeiger