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Geschlechter-Klischees
Fakten-Check: Haben Frauen wirklich länger im Bad?
Laut einer neuen Studie sind die Denkzentren von Frauen gesünder und beschäftigter als die des männlichen Geschlechts.
Wie war das noch? Das männliche Gehirn soll im Schnitt acht bis 13 Prozent grösster sein als das von Frauen. Doch wie so oft im Leben kommt es eben nicht immer auf die Grösse an - mehr Hirn macht nicht automatisch schlauer. Ein Forscherteam aus Kalifornien fand nun zudem heraus, dass das weibliche Gehirn wesentlich aktiver als sein männliche Äquivalent sein soll.
In der bis dato grössten Studie über die Funktionsweise des Gehirns verglichen Wissenschaftler der Amen Clinics 46'034 sogenannte SPECT-Bilder (Single Photon Emission Computed Tomography, auf dt.: Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie) des Gehirns miteinander, die ihnen von neun Kliniken zur Verfügung gestellt wurden. Dabei analysierten sie 119 gesunde Freiwillige und über 26'600 Patienten mit einer Vielzahl von psychiatrischen Krankheitsbildern, darunter Hirntrauma, bipolare Störung, Schizophrenie und ADHS. Insgesamt wurden 128 Hirnregionen genauer unter die Lupe genommen, während die Probanden Konzentrationsübungen durchführen mussten.
Man fand heraus, dass die Gehirne von Frauen im Vergleich zu Männern bedeutend aktiver in vielen Bereichen waren, vor allem im Präfrontalen Cortex. Dieser Bereich ist unter anderem für die Konzentrationsfähigkeit und Impulskontrolle verantwortlich. Auch in den limbischen und emotionalen Bereichen des Hirns, die Stimmung und Anspannung steuern, zeigte sich eine höhere Aktivität. Allerdings waren die Zentren für das Sehen und die Koordinationsfähigkeit bei Männern lebhafter.
Laut Studienleiter Dr. Daniel G. Amen können diese Ergebnisse dabei helfen, die Unterschiede der Gehirne von Frauen und Männern besser zu verstehen. Das sei vor allem in der Alzheimer-Forschung interessant. «Werkzeuge wie SPECT zu verwenden, wird in der Zukunft essentiell wichtig sein, um eine präzisere medizinische Behandlung von Hirnerkrankungen zu entwickeln», erläutert er seine Ergebnissen, die im 'Journal of Alzheimer's Disease' vorgestellt wurden.
Dass bei Frauen der präfrontale Cortex besser durchblutet ist, könnte erklären, warum sie besser auf den Gebieten Empathie, Intuition, Zusammenarbeit, Selbstkontrolle und dem Äussern von Besorgnis sind. Dagegen liefere der höhere Blutfluss im limbischen System auch eine Erklärung, warum Frauen anfälliger für Angstzustände, Depressionen, Schlaflosigkeit und Essstörungen sind.