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Firmenvertreter hätten sich unlängst mit White Tale getroffen, teilte Clariant am Freitag mit. Das Treffen wurde einberufen, nachdem White Tale mit seinem Widerstand die milliardenschwere Fusion mit dem US-Chemiekonzern Huntsman zu Fall gebracht hatte.
Doch der neue Grossaktionär präsentiere weder eine eigene Strategie noch konkrete Pläne für die Weiterentwicklung, hält Clariant fest. Letztendlich gehe es White Tale nur darum, das Unternehmen zu zerschlagen und die Vermögenswerte zu verkaufen. Das stehe aber im Gegensatz zur eigenen unternehmerischen Vision und Verantwortung.
Daher lehnte der Clariant-Verwaltungsrat die Forderung ab, eine Investmentbank mit einem strategischen Überprüfungsprozess zu beauftragen. Die kalte Schulter zeigt Clariant dem Aktionär auch mit Blick auf dessen Forderung nach drei Verwaltungsräten. White Tale wird angeboten, sich um einen Sitz zu bewerben.
White Tale will sich laut einem Sprecher zur Zeit noch nicht zu den jüngsten Ereignissen äussern.
ZUSÄTZLICHE ANSTRENGUNGEN
Die Aufgabe der Fusion mit Huntsman verlangt zusätzliche Anstrengungen, die mit erhöhter Geschwindigkeit umzusetzen seien, hielt CEO Hariolf Kottmann an einer Telefonkonferenz fest. Die Massnahmen könnten zum Beispiel M&A- Aktivitäten, kurzfristige Optionen zum Portfolio-Management, mögliche Erträge für Anleger, eine Überprüfung der Kostenbasis und die Erschliessung zusätzlicher Wachstumsmöglichkeiten umfassen.
Ein unmittelbarer Verkauf der grössten Sparte Plastics & Coatings ist jedoch nicht zu erwarten, hielt Kottmann fest. Der Grossaktionär White Tale hatte den Verkauf der Sparte angeregt. "Es ist fast unmöglich, die gesamte Sparte zu veräussern", sagte der Clariant-Lenker. Es sei ohnehin "viel zu früh", um über die aktualisierte Strategie zu spekulieren.
Clariant hat laut eigenen Aussagen den Support der ehemaligen Süd-Chemie-Aktionäre, die rund 15% der Aktien halten, sowie einer "grossen Mehrheit" der institutionellen Anleger. Trotzdem mochte Kottmann nicht seine Erfolgsaussichten abschätzen, sollte White Tale wie angedroht eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen.
ESKALIERENDE SITUATION
Die Aktien von Clariant fielen am Freitag leicht hinter die Vortageskurse zurück und büssten am Ende 0,3% tiefer. Die Aktien liegen damit aber immer noch in Griffweite des Jahreshochs (27,04 CHF), das gerade erst vor zwei Tagen erreicht wurde.
In der Vergangenheit hatten spekulationsbedingte Käufe die Papiere immer weiter nach oben getrieben. Dass das Treffen zu keiner Einigung geführt hat, überrascht aber Beobachter nicht. Die Situation wird als zusehends eskalierend wahrgenommen, was dem Unternehmen schaden könnte.
ra/cf
(AWP)