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Fabio Federici hatte eine Idee und etwas Glück. Er hat von einem Start-up-Förderer 100‘000 US-Dollar erhalten und ist damit ins Silicon Valley gezogen. Dort erlebt er eine Geschäftskultur, die sich deutlich von der schweizerischen unterscheidet.
So hört er etwa von einem Coach: «Dein Problem ist, dass Du beim Präsentieren manchmal etwas langsam oder langweilig wirkst.» Beim Verkaufen seiner Idee müsse man selbstsicher, laut und begeistert auftreten – «so begeistert, dass es nervt».
Bei Fabio Federici ist es besonders wichtig, dass er seine Geschäftsidee möglichst gut verkauft. Denn sie ist kompliziert. Der 24-Jährige hat eine Software entwickelt, die die Preisentwicklung der Internet-Währung Bitcoin vorhersagen können soll. «ECO» begleitet ihn zu einer ersten grossen Präsentation vor potenziellen Investoren.
Amerikanische «Why not?»-Einstellung
«Die Amerikaner sind sehr gut im Marketing», weiss Christian Simm. Er leitet die Handelskammer Swissnex in San Francisco. Dank der US-amerikanischen «Why not?»-Einstellung fänden Geschäftsmodelle ihren Weg zur Realisierung, die man ansonsten vielleicht verworfen hätte. Er glaubt aber auch an die Stärken der weniger aufs Verkaufen fokussierten europäischen Art: «In Europa sollte man nicht vergessen, dass man sehr gut im Engineering ist. Ich glaube, man hat eine kritischere Art und Weise, Dinge anzugehen.»
Ein kritischere, aber auch eine vorsichtigere Art. Scheitern wird in hiesigen Kulturkreisen als persönliche Niederlage empfunden. Nicht so in den USA, wie der mehrfache Start-up-Gründer Steve Blank erklärt. «Wir haben ein spezielles Wort für einen gescheiterten Unternehmer: ein ‹erfahrener› Unternehmer. In den meisten Kulturen ist es peinlich zu scheitern. Hier fragen sie dich eine Woche später: Welches wird dein nächstes Start-up? Das symbolisiert die Silicon-Valley-Kultur.»
«Wir sind nicht klüger. Wir erhalten nur mehr Gelegenheit.»
Auch er selbst sei mit einem Computerspiel-Unternehmen gescheitert und habe 35 Millionen US-Dollar verloren. Dennoch habe er von seinen Geschäftsfreunden erneut Millionen erhalten, um eine nächste Firma zu gründen. «Du bekommst mehrere Schüsse aufs Tor», so Steve Blank. «Wir sind nicht klüger. Wir erhalten nur mehr Gelegenheit.» Heute wohnt Steve Blank in einer Villa am Meer in Kalifornien.
Aus den Gelegenheiten entstehen immer wieder Grosserfolge. Apple, Google, Facebook. Die Digital-Giganten bestimmen heute den Alltag von Milliarden Menschen. Oder es entwickeln sich Schnell-Erfolge wie jener der Taxi-App Uber: Vor wenigen Jahren noch nicht existent, ist sie inzwischen dabei, in zahlreichen Ländern eine gesamte Branche umzukrempeln.
Investor Mike Maples glaubt, dass das keine Ausnahme ist. «Ich bin überzeugt, dass einige dieser Firmen so schnell wachsen werden, wie wir es noch nie gesehen haben.» Er rechnet damit, dass so etwas auch in ganz anderen Branchen geschehen kann: im Gesundheitswesen, in der Immobilienbranche. Oder im Finanzwesen.
In dieser Branche will es Fabio Federici schaffen. Aber er ist noch an dem Punkt, an dem die Idee aus seinem Kopf in die Köpfe möglicher Geldgeber gelangen muss. Nach einer ersten grossen Präsentation kann er von mehreren Gesprächen berichten. Allerdings von keinen Zusagen.
Er nimmt es auf die schweizerische Art: «Es ist ein Marathon und kein Sprint. Das hier war gerade der Start.» Fabio Federici denkt nicht daran, dem Silicon Valley den Rücken zu kehren.