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Alex Salmond ist vielleicht der Politiker in Grossbritanniens Gegenwart, der das meiste Talent für seinen Job mitbekommen hat. Der Mann, der Schottland in die Unabhängigkeit von Grossbritannien führen will, wird von Medien, politischen Freunden und auch von Gegnern als klug, schlitzohrig und strategisch brillant beschrieben.
Salmond kann reden und hat Witz. Der leicht untersetzte 59-Jährige mit der hohen Stirn gilt aber auch als Polterer und muss sich manchmal vorwerfen lassen, sein Fähnchen arg nach dem Wind zu hängen.
So galt Salmond etwa lange Zeit als grosser Kritiker der NATO. Den Jugoslawien-Einsatz in den 1990er Jahren stempelte er als völkerrechtswidrig und unsinnig ab. Die Unabhängigkeit seines Landes vor Augen, drehte er nun seine Partei so in den Wind, dass eine künftige NATO-Mitgliedschaft durchaus möglich erscheint.
Wie bei vielen seiner Landsleute schlägt auch Salmonds Herz für Golf und Pferderennen. Sein Privatleben um seine kinderlose Ehe mit Gattin Moira hält er aber weitgehend abgeschirmt von der Öffentlichkeit.
Salmond wurde an der schottischen Elite-Universität St. Andrews ausgebildet. Er hat aber auch den beruflichen Hintergrund einer Karriere als Banker, während derer er sich vor allem mit der für Schottland so wichtigen Ölindustrie beschäftigte.
In dieser Zeit wuchs für Salmond die Überzeugung, dass es starke wirtschaftliche Argumente für eine Unabhängigkeit gibt. Am 18. September wird nun darüber abgestimmt.
Am Silvestertag 1954 in Linlithgow bei Edinburgh auf die Welt gekommen, wuchs Salmond in einer christlich orientierten Beamtenfamilie auf. Sein Vater war ein Wähler der konservativen Tories, eine Seltenheit im politisch eher links orientierten Schottland. Die Mutter stand für die Labour-Partei ein.
Der junge Alex kam in einer Zeit zur SNP, als es für die Partei nicht viel zu holen gab. 1979, Margaret Thatcher hatte gerade begonnen, in Grossbritannien so richtig politisch aufzuräumen, waren die Nationalisten auf zwei Sitze im Westminister-Parlament geschrumpft. Salmond arbeitete an den Wurzeln und holte 1987 das Direktmandat in seinem Wahlkreis für die SNP.
Aus welchem Holz der Schotte geschnitzt ist, bekamen die feinen Londoner Herren nicht sehr viel später zu hören. In Westminster wurde Salmond gleich für eine Woche aus dem Parlament ausgeschlossen, weil er Finanzminister Nigel Lawson bei seiner Budget-Rede unsanft ins Wort fuhr.
1990 übernahm der so Gestählte den Vorsitz der SNP, deren erklärtes politisches Ziel stets die Unabhängigkeit Schottlands war. Nach mehreren Führungskämpfen und einem Rücktritt übernahm Salmond das Amt 2004 nochmals – und führte die Partei zu einem nicht gekannten Höhenflug.
2007 wurde die Unabhängigkeitspartei stärkste Kraft und Salmond Ministerpräsident in der neu geschaffenen schottischen Regionalregierung. Vier Jahre später reichte es – dem Frust über die Sparpolitik der Tories in Westminister sei dank – sogar zur absoluten Mehrheit – sein bislang grösster politischer Erfolg.
Statt sich auf dem Erreichten auszuruhen, erkannte Salmond sofort die bisher nicht da gewesene Chance für das grosse Ziel seiner Partie. «Jetzt oder nie», lautete die Devise in Sachen Unabhängigkeit. Salmond sprach seit dem Beginn der Kampagne mehrmals von einer «historischen Möglichkeit». (wst/sda/dpa)