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Hightech-Rating: Welcher Smartphone-Hersteller handelt ethisch korrekt?
Veröffentlicht am Freitag, 12. September 2014, um 13:08 Uhr von Patrick Bieri
Das Umwelt-Engagement und der Umgang mit den Mitarbeitenden bei den IT-Konzernen ist Gegenstand einer Studie, welche die beiden Organisationen Brot für alle und Fastenopfer in Auftrag gegeben haben. Kein Unternehmen erhielt von den Studien-Autoren ein gutes Ergebnis.
Trotz grossen Anstrengungen von Apple sehen die beiden Organisationen auch beim iPhone-Hersteller noch ein grosses Verbesserungspotential.
Die beiden Entwicklungsorganisationen Brot für alle (evangelisch) und Fastenopfer (katholisch) haben in einer gemeinsamen Studie untersucht, welche Standards die IT-Konzerne im Bezug auf die Arbeitnehmerrechte, die Umwelt und die Konflikt-Mineralien erfüllen.
Im sogenannten Hightech-Rating der beiden Organisationen erreicht HP den Spitzenplatz. Mit einer Gesamtwertung von 76 Prozent erhielt das Unternehmen die Bewertung «auf gutem Weg». Auch Nokia ist mit einer Bewertung von 67 Prozent «auf gutem Weg».
Apple kommt auf den dritten Platz und wird dort als «mittelmässig» bewertet.
Positives Monitoring-System und Kritik an Ausbildungsprogrammen
Auf einer Skala von 1 bis 100 erreichte Apple gemäss den beiden NGOs einen Wert von 61 Prozent. Im Bezug auf das Umwelt-Engagement erzielte Apple einen Wert von 54 Prozent, im Bereich der Arbeitsrechte von 64 Prozent und im Bereich der Konfliktmineralien von 68 Prozent.
Im Bericht wird das Audit- und Monitoringsystem von Apple positiv bewertet. Apple hat in den letzten Jahren ein ausgedehntes Kontroll-System aufgebaut, um die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu überwachen. Apple veröffentlicht zudem die Liste der Zulieferbetriebe. Dank dieser Massnahme ist es auch Organisationen, die nicht mit Apple zusammenarbeiten, möglich, sich ein Bild über die Arbeitsbedingungen zu machen.
Die NGOs kritisieren allerdings die unzureichenden Informationen auf der Apple-Webseite. Unabhängige Prüfer können laut den NGOs nicht nachvollziehen, ob arbeitsrechtliche Argumente bei der Beschaffungs-Politik von Apple eine Rolle spielen.
In der Studie wird ausserdem kritisiert, dass Schulungen von Arbeitnehmern über diese Themen von Apple und den Zulieferern selbst durchgeführt werden — diese Schulungen müssten gemäss den NGOs aber von unabhängigen Organisationen und von Gewerkschaften durchgeführt werden.
Kritik an zu tiefen Löhnen
Die NGOs kritisieren Apples Bekenntnis zum gesetzlichen chinesischen Mindestlohn. Die Organisationen erachten die Zahlung des Mindestlohnes als unzureichend. Mit den hohen Gewinnmargen von Apple wäre es dem Unternehmen möglich, höhere Löhne durchzusetzen.
Nach einer Reihe von Selbstmorden vor ein paar Jahren hat Apples wichtigster Zulieferer Foxconn reagiert: Das Unternehmen hat die Arbeitsbedingungen verbessert und zahlt nun höhere Löhne.
Im Visier der NGOs ist nun Apples zweiter grosser Auftragsfertiger Pegatron. Das Unternehmen bezahlt den Angestellten angeblich nicht alle Löhne und die Arbeitszeiten werden massiv überschritten. Apple hat in den letzten Jahren einen Teil der Produktion an Pegatron verlagert. Ein wichtiger Grund sollen angeblich die tieferen Preise sein, die Pegatron anbietet.
Apple als Vorreiter bei den Konfliktrohstoffen
Im Bericht wird Apples Engagement im Bereich der Konflikt-Mineralien gelobt. Apple kann als erstes Unternehmen der IT-Industrie den gesamten Tantal-Bedarf aus kontrollierten Quellen decken. Mit einer Liste der Schmelzereien, die Apple beliefern, sorgt das Unternehmen für Transparenz.
Die NGOs erwarten in ihrem Bericht allerdings ein weitreichenderes Engagement: Apple müsse sich in den Schmelzereien und den Abbaugebieten selbst engagieren. Zudem müssten noch mehr Rohstoffe aus konfliktfreien Quellen stammen, wie die Organisationen fordern.
Apple muss Umweltbelastung bei der Produktion reduzieren
Im Bericht positiv hervorgehoben wird, dass Apples Produkte den Energy Star Standard erfüllen. In Apples eigenen Betrieben wird 73 Prozent der genutzten elektrischen Energie aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Apples eigene Server-Farmen werden beispielsweise komplett mit erneuerbaren Energien versorgt.
Apple veröffentlicht für alle Produkte einen Bericht über die Umweltbelastung. Gemäss den NGOs sei es für externe Prüfer aber nicht nachvollziehbar, ob diese Daten tatsächlich stimmen.
Die NGOs kritisieren auch das fehlende Reduktionsziel bei den Treibhausgasemissionen. Auch müsste sich Apple dafür einsetzen, Gefahrenstoffe aus den Produkten zu entfernen. Der komplette Verzicht auf PVC und BFR reicht gemäss den Organisationen nicht aus.
Apple grosse Konkurrenten auf den hinteren Plätzen
Auf dem vierten Platz des Rankings landete Dell. Auch Dell erhielt von den Nichtregierungsorganisationen des Prädikat «mittelmässig».
Auf den weiteren Rängen folgen mit dem Prädikat «ungenügend» Lenovo, Acer, Samsung und Sony. Als «Inakzeptabel» wurden die beiden Hersteller Asus und HTC eingestuft.
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