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Der Turbenthaler Werner Mohr könnte dieses Jahr das Double schaffen. Europameister im Motocross der über 70-Jährigen ist er bereits, Schweizermeister kann er noch werden.
Er wirkt sehr drahtig und hat volles, dunkles Haar. Keine Selbstverständlichkeit, denn Werner Mohr feierte Mitte August seinen 70. Geburtstag. Aber er ist offenbar noch sehr fit und beherrscht seine Motocross-Maschine bestens. Das beweist sein eindrücklicher Sieg an der Motocross-Europameisterschaft der Veteranen.
Die internationalen Titelkämpfe der älteren Herren werden in verschiedenen Kategorien ausgetragen. Massgebend für die Klasseneinteilung ist dabei das Alter, angefangen bei den Sportlern, die das 50. Altersjahr erreicht haben. Gewertet werden drei Rennen mit jeweils zwei Läufen. Das schlechteste Ergebnis wird dabei als Streichresultat verwendet. Das bedeutet, dass fünf Läufe über den Titel entscheiden. Die Läufe dauern dabei zwölf Minuten plus eine Zusatzrunde, diesen voraus gehen zwei Trainings. Die drei Rennen, die dieses Jahr über den Titel entschieden, wurden im Mai in Tschechien, anfangs Juni in Deutschland und Ende Juni in Holland ausgetragen.
Aufgrund seines Jahrgangs wurde Werner Mohr in die älteste Klasse (Fahrer über 70 Jahre) eingeteilt. Eingeschrieben waren hier sage und schreibe 43 Fahrer aus vielen Ländern Europas, davon drei 80-jährige! Der Tösstaler konnte die vier ersten Läufe für sich entscheiden. Beim Finale in den Niederlanden genügte ihm ein 5. Rang zum erstmaligen Titelgewinn. Diese Vorgabe erfüllte Mohr im ersten Lauf mit dem 2. Platz. Da spielte es auch keine grosse Rolle mehr, dass er sich im allerletzten EM-Rennen dieses Jahres mit Getriebeproblemen herumschlagen musste.
Dies ist sein erster internationaler Titel. Letzte Saison beendete er die EM der Kategorie Ü66 als Vierter. In der Schweizer Oldtimerszene konnte Mohr dagegen schon mehrere Titel einfahren.
Aufgebot für Nationencross
Ansonsten bestreitet Werner Mohr kaum noch Rennen im Ausland: «Ich bin nicht mehr so motiviert.» An den EM-Rennen herrsche jeweils eine friedliche Stimmung, bei den anderen Anlässen habe es oft «vergiftete» Teilnehmer. Sein Motorrad wird in einen Mercedes Viano verladen. Zusammen mit seiner Frau Elsbeth, die ihn immer begleitet, sucht er sich vor Ort jeweils ein Hotelzimmer. Die Frauen sind am Freitagabend meistens zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Die Rennen werden am Samstag ausgetragen, am Sonntag geht es dann zurück ins Tösstal.
Ein weiterer Grund, weshalb Mohr weitgehend auf Auslandrennen verzichtet, ist die oftmals lange Anreise. Deshalb wollte er auch nicht am Nationencross teilnehmen, das am 9. September im dänischen Randers ausgetragen wird. Da aber einer der vorgesehenen Fahrer ausfällt, springt er nun in die Lücke und nimmt die lange Autofahrt durch Deutschland auf sich.
Führungsposition verteidigen
Werner Mohr pilotiert eine tschechische CZ-Zweitaktmaschine mit 380 Kubikzentimeter und Jahrgang 1964. «Damit habe ich oftmals einen Vorteil gegenüber den damals noch schweren Viertaktern.» An der EM muss das Motorrad älter sein als Jahrgang 1965. Bei den Rennen in der Schweiz (Oldtimer Motocross Club Schweiz) ist nur das Alter des Töffs massgebend für die Klasseneinteilung. Es können also auch junge Piloten mitmischen, jedoch gibt es für ältere Semester einen Altersbonus.
Hier bestreitet der 70-Jährige die Meisterschaft Pre-68, die Maschine muss also vor 1968 produziert worden sein. Zurzeit führt er die Jahreswertung an. Die endgültige Ent-scheidung fällt Ende September in Escholzmatt im Kanton Luzern. Nicht undenkbar, dass Werner Mohr dort das Double in dieser Saison schafft.