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Krönung zu Ostern
Im Rahmen der Osterfeierlichkeiten führt der Chor der Nikolauskirche mit Wolfgang Amadeus Mozarts «Krönungsmesse» ein sehr bekanntes und zentrales Werk der Kirchenmusik auf.
Was es allerdings mit der im Namen erwähnten «Krönung» auf sich hat, ist bis heute Gegenstand zahlreicher Diskussionen und stiftet immer wieder Verwirrung: Die Vermutung, Mozart habe die Messe zur Krönung eines Gnadenbildes von Maria Plain bei Salzburg geschrieben, lässt sich nicht beweisen. Mozart war just Anfang des Jahres 1779, in das die Arbeit an dieser Messe fällt, als Hoforganist am Salzburger Dom verpflichtet worden.
So erscheint es wesentlich wahrscheinlicher, den Zusammenhang mit dieser Berufung und dem damit verbundenen Auftrag zur Komposition geistlicher Musik zu suchen. Dass er sich auch als Kirchenkomponist auszeichnen wollte, dafür sprechen verschiedene Faktoren, wie z.B. die sehr kunstvoll gehaltene, «gelehrte» Kontrapunktik v.a. der textreichen Sätze «Gloria» und «Credo», die Erweiterung der instrumentalen Besetzung und der generell vorherrschende sehr feierliche, symphonische Gesamtcharakter des Werkes. Der Name «Krönungsmesse» - er taucht bereits im 19. Jahrhundert erstmals auf – hat sicherlich ebenfalls grossen Anteil an der Popularität dieser Komposition gehabt.
Das Werk allerdings in Verbindung mit der Krönung für Leopold II. oder Franz II. in Prag zu bringen, ist rein biografisch nicht haltbar, war der Komponist zu der Zeit bereits einige Monate tot und die Messe über 10 Jahre alt. Mozart war ausserdem ein ausgesprochener Auftragskomponist, der Werke äussert selten nochmals benutzte, wenn für eine Gelegenheit spezifische Musik gebraucht wurde. Die erste nachweisliche Aufführung der Komposition erfolgte zu Ostern 1779 in Salzburg, also – Ironie der Geschichte – vor genau 140 Jahren! Es ist denn also eigentlich eher eine «Oster»- denn eine «Krönungsmesse». Meisterhaft in seiner Gesamtarchitektur, verwendet Mozart im «Kyrie» nach einer gewichtigen Einleitung durch den Chor ein Motiv im Solosopran, welches später im «Dona nobis pacem» des «Agnus Dei» wiederkehrt und somit einen grossen Bogen spannt. Die mittleren Sätze «Gloria», «Credo» und «Sanctus» sind ausgesprochen feierlich gehalten und zeichnen sich gegenüber den anderen Messen des Komponisten aus der Salzburger Zeit durch eine deutlich gesteigerte formale Komplexität (mehrere Formteile, grössere Abschnitte, zahlreiche Tempowechsel) aus. Ein Kleinod in sich ist das «Agnus Dei», von berückender Schlichtheit und Intimität (Violinen mit Dämpfer, Oboensolo) geprägt führt der Solosopran in den Chorruf «Dona nobis pacem» über, der das Werk abrundet.
Reto Schärli, Dirigent Chor St. Nikolauskirche