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"Die unglaublich schnelle parallele Expansion der Golf-Carrier seit mehr als zehn Jahren hat den europäischen Netzwerk-Fluglinien grossen Schaden zugefügt", schrieb Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem Brief an EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc.
Mitunterzeichner des Schreibens ist Air France/KLM. Untätigkeit angesichts der Marktverschiebung Richtung Naher Osten wäre kurzsichtig, da vorübergehende Vorteile für Konsumenten, wie niedrigere Flugpreise, nur so lange angeboten würden, bis die hiesigen Airlines vom Markt gedrängt würden. Deshalb solle die Kommission definieren, wann Wettbewerbsverstösse vorliegen und wie stark diese bestraft werden.
Mit dem Warnbrief schalten sich die beiden Gross-Airlines in die Vorbereitung eines neuen Gesetzes ein, mit dem die Kommission härter gegen Wettbewerbsverzerrungen durch nicht-europäische Fluglinien vorgehen will.
Mit der Kritik an den Herausforderern - also Emirates, Qatar Airways sowie Etihad - wagt die Lufthansa einen Drahtseilakt. Die Kranich-Fluglinie arbeitet seit kurzem nämlich punktuell mit Etihad aus dem Öl-Emirat Abu Dhabi zusammen, spricht sich gleichzeitig aber gegen angeblich staatliche Subventionen der Heimatländer für ihre Airlines aus.
"Unsere neue Kooperation mit Etihad ändert an dieser Haltung nichts", hatte Spohr Ende vorigen Monats dem "Manager Magazin" gesagt. Zudem hätte der neue Partner nicht, wie andere Fluglinien vom Golf, auf blindes Wachstum gesetzt, sondern die Kapazitäten massvoll erweitert. Die Golf-Fluglinien widersprechen dem Vorwurf, von ihren Herrscherhäusern über die Massen unterstützt zu werden.
Die Kommission verhandelt derzeit auch ein Luftverkehrsabkommen zwischen der EU und Katar. Darin soll festgelegt werden, wie häufig Fluglinien aus dem Golf-Emirat in die EU fliegen dürfen.
Im Rahmen der Verhandlungen müsse sichergestellt werden, dass der Abbau von staatlichen Subventionen und eine höhere finanzielle Transparenz Teil des neuen Vertrags werden, schreiben die Lufthansa und Air France/KLM weiter.
Bis solch eine Vereinbarung zustande kommt, gelten die bestehenden Verkehrsabkommen zwischen den einzelnen EU-Ländern und Katar.
(AWP)