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Heute zählt die Universität Basel rund 13’000 Studierende aus über hundert verschiedenen Nationen und kann aufgrund von guten Forschungsleistungen regelmässig in internationalen Rankings mit den besten hundert Hochschulen der Welt konkurrieren. Doch jeder fängt mal klein an – auch die Universität Basel. Stell dir vor, du wärst vor einem halben Jahrtausend geboren und hättest im Herbst an der neu gegründeten Universität Basel angefangen zu studieren. Wie würde dann dein Leben ausschauen?
Die wirtschaftsgeografisch günstige Lage Basels als Etappenpunkt vieler Reisender führte einen belebten Austausch von interessanten Gütern, anregenden Gedanken und neu erlangten Kenntnissen mit sich. Die Stadt war also schon immer sehr neugierig und offen. Nachdem die Konzilsuniversität achtzehn Jahre lang der Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung erbracht und das Wissen der Gelehrten vermehrt hatte, wollte man diese Blütezeit mit der Gründung einer verbleibenden Universität aufrechterhalten.
Mit der Unterstützung von Papst Pius II und mit einem Appell an die ganze Stadt Basel, ‚etwas Tapferes zu tun und die Zaghaftigkeit hinter sich zu lassen,‘ wurde die Gründung der Universität in Angriff genommen und am 4.April.1460 in der Münsterkirche eröffnet.
Das Studentenleben, wie es hätte sein können
Der Schalerhof am Rheinsprung, die heutige alte Universität, an der immer noch Vorlesungen gehalten werden, war das Domizil der neu gegründeten Hochschule. Dort befanden sich die Hörsäle, eine kleine Aula, Wohnungen für Dozenten und den Pedell (dem administrativen Assistenten des Rektors) sowie Bursen für die Studenten und ein Karzer (Gefängnis). Als Bursen wurden die Wohngemeinschaften von Studenten bezeichnet, die sozusagen aus demselben ‚Geldbeutel‘ (= Bursa) lebten.
In den Bursen herrschten strenge Regeln: Man nahm gemeinsam die Mahlzeiten ein und durfte das Gelände nach acht Uhr im Winter und neun Uhr im Sommer nicht mehr verlassen. Zechgelage, den Umgang mit liederlichen Frauen sowie Würfelspiele, das Besitzen von Waffen, Falken und anderen Vögeln waren verboten und das Verursachen von sowohl Lärm wie auch Musik nicht erwünscht.
Ausserdem mussten sich die Studenten anständig anziehen, also keine zerrissene Kleidung. Das scheint bei Studierenden bis heute beliebt geblieben zu sein. Hinzu kommt, dass alle ihren Kopf mit einer Kapuze bedecken mussten. Wenn du dich jetzt schon innerlich freust, dass du im 21. Jahrhundert lebst – es wird noch schlimmer: In den Bursen war es nämlich nur erlaubt, Lateinisch zu sprechen, um den Lerngehalt noch weiter zu steigern. Damit diese Vorschrift durchgesetzt werden konnte, wurden sogenannte Wölfe, spionierende Mitstudenten, damit beauftragt, jeden Regelverstoss dem Rektor zu melden. Favete linguis!
Damalige Studenten konnten durch die Immatrikulation aber auch profitieren, denn sie waren von Zöllen und Warensteuern befreit und standen unter besonderem Rechtsschutz. Niemand durfte sich also mit ihnen anlegen. Ausserdem hatte der Rektor der Universität die volle Gerichtsbarkeit über seine Zöglinge. Nur er konnte sie verurteilen und nur unter Anweisung des Rektors konnten die Studenten eingesperrt und gefoltert werden. Dafür wurde oftmals der Karzer, das hauseigene Gefängnis, genutzt. Den Umstand, dass der Rektor seine Studenten behalten und nicht durch zu harte Denkzettel an andere Universitäten verlieren wollte, liessen ihn oft bei den Bestrafungen das eine oder andere Auge zudrücken.
Fachrichtungen und Zusammensetzung der Studenten
Die Universität bestand im Gegensatz zu unseren heutigen sieben nur aus vier Fakultäten. Diese setzten sich aus der juristischen, theologischen, medizinischen sowie der speziellen Artistenfakultät zusammen. In letzterer erwarb man das Grundlagenstudium, das für die Vertiefung in die drei anderen Richtungen vorausgesetzt wurde. 90% der Studenten waren folglich in der Artistenfakultät eingeschrieben. Man legte viel Wert auf das gesprochene Wort und übte sich oft in Diskussionen, da der Buchdruck noch nicht so weit fortgeschritten war und das Sprechen somit der meist genutzte Weg des Informationsflusses darstellte.
Die durchschnittliche Anzahl Studenten in den ersten Jahren nach der Gründung betrug 260 Immatrikulierte, das sind 0.02% der Studenten, welche die Universität im Jahr 2016 besuchten. Es gab keine Altersbeschränkung für die Immatrikulation an der Universität, weshalb bereits Knaben im Alter von zwölf Jahren studieren konnten. Heutige Schätzungen behaupten, dass zwei Drittel der damaligen Studenten das zwanzigste Lebensjahr noch nicht erreicht hatten.
Doch nicht nur das Alter unterschied die Studenten, sondern auch das Geld. Wer es sich leisten konnte, besondere Gebüren an die Universität zu bezahlen, durfte während der Vorlesungen in den vordersten Reihen sitzen, inklusive Diener, während sich die ärmeren Kommilitonen mit den hinteren zufrieden geben mussten, die sogenannten billigen Plätze!
Rückblick und Ausblick
Seit der Gründung der Universität sind fast 557 Jahre vergangen und vieles hat sich geändert: Es gibt mehr Studierende, mehr Fakultäten und auch mehr Bücher in den Regalen der Bibliotheken. Der Schwerpunkt der Universität liegt nicht mehr bei der juristischen und theologischen Fakultät, sondern richtet sich eher nach Life Sciences, Bildwissenschaften, Nanowissenschaften, Nachhaltigkeits- und Energieforschung sowie European und Global Studies.
1890 durften Frauen erstmals an der Universität Basel studieren und stellen heute mit 54% die Mehrheit in der Studierendenschaft. Die Universität geht mit dem Wandel der Zeit und hinterlässt nicht nur intellektuelle Spuren, sondern trägt auch zur Gestaltung der Stadt bei. Plötzlich läuft man in der Stadt einer Schönbein-, Euler-, oder Bernoullistrasse entlang und wird an die Erfolge jener Personen erinnert. Mir schenkt das immer Mut. Man muss es eben wagen, das Zaghafte hinter sich zu lassen und etwas Tapferes zu tun.