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Mi, 23. November 2022, Daniel Schär
Die meisten von uns lernen Inhalte besser, wenn man sie auf eine Vielzahl von Sinnen erfassen kann - besonders visuell. Als Thomas Schilling vor Jahren auf guitar.ch eine umfangreiche Sammlung von Tonleitern veröffentlichte, war ich fasziniert. Dort waren die Patterns einer Vielzahl von Tonleitern für Gitarre verfügbar und mit einem Klick konnte man sie hören. Ein Problem hatten die Patterns allerdings: Sie waren alle in der gleichen Tonart. Da schafft das Guitar-Dashboard Abhilfe.
Die Kernaufgabe der Webanwendung besteht darin, musiktheoretische Inhalte auf dem Griffbrett in jeder Tonart darzustellen:
- alle Modi der Durtonleiter, der Natürlichen, Harmonischen und Jazz-melodischen Molltonleiter sowie die Ganzton und Verminderte Tonleiter
- den Quintenzirkel
- Darstellung für Gitarre, Bass, Ukulele, Banjo und Violine
Dabei interagiert das Griffbrett wiederum mit dem Quintenzirkel und man kann Noten auf dem Griffbrett anklicken, welche dann als Intervalle oben angezeigt werden. Zudem kann das Griffbrett für Linkshänder gespiegelt und für unzählige Tunings angepasst werden (Dropped-D, DADGAD, etc).
Mike Hadlow, der Entwickler des Tools, beschreibt auf einem Blogeintrag, wie er dazu kam, die Anwendung zu programmieren: Als Amateurgitarrist habe er versucht, Musiktheorie besser zu verstehen. Es habe einen Moment gegeben, wo er nicht nur Dur- und Moll-Akkorde und pentatonische Skala für Soli spielen wollte und so kam die Frage nach den 7 Modi und dem Quintenzirkel auf. Nachdem er in einer Reihe von Blog-Posts von Ethan Hein, einem Musikprofessor, recherchierte, suchte er nach einer interaktiven Visualisierung und fand eine von Rand Scullard. Gleichzeitig war er durch seine Arbeit als Softwareentwickler begeistert von den Möglichkeiten von SVG für interaktive browserbasierte Visualisierungen. Er erkannte, dass Rands Quintenzirkel, was er durch das Zeigen und Verstecken verschiedener vorgefertigter PNG-Bilder erstellt hatte, mit SVG sehr einfach zu reproduzieren ist. Seine erste Version sei ziemlich schrecklich gewesen. Er überarbeite danach den Algorithmus einige Male, bevor ihm klar wurde, dass Intervalle der Kern der Sache sind und die Notennamen ziemlich leicht herauskommen, sobald die Intervalle korrekt sind. Dieser algorithmische Ansatz habe sich ausgezahlt, da es dann sehr einfach war, dem Griffbrett alternative Stimmungen und Instrumente hinzuzufügen.
Mein Fazit: Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von musikalischen Helferlein für Gitarristen/Bassisten, die Freie Software sind, wie z.B. Nootka fürs Blattlesen und -spielen. Als interaktives Musiktheorie-Tool für Saiteninstrumente bringt es Guitar Dashboard fertig, theoretische Konzepte wie Skalen, Modi und Akkorde grafisch und verständlich mit dem Griffbrett darzustellen. Ein Wermutstropfen: Leider fehlen die Pentatonischen Tonleitern (Dur, Moll, Blues) und man kann die Tonleitern nicht hören (wie z.B. bei guitar.ch). Wünschenswert wäre auch eine Übersetzung in andere Sprachen (D, F, ES). Hadlow schrieb, dass es auch relativ einfach sei, eine Anzeige als Klaviertastatur hinzuzufügen. Es bleibt zu hoffen, dass sich in Zukunft jemand für diese Aufgabe begeistern kann.