Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03116.jsonl.gz/268

Allgemein
Dies und das zum Design Sprint, alles, was Eure Stakeholders sicher fragen werden...
Was genau ist ein Design Sprint?
Ein Desing Sprint ist ein klarer, sehr detaillierter Prozess, mit dem Ideen, Probleme etc, die am Anfang eines Projektes stehen, schnell und eindeutig verifiziert werden können. Ein Sprint ist der erste Schritt eines Projektes, die weiteren Schritte wie Entwicklung, Implementierung und Release etc. folgen dann - aber in der Gewissheit, dass das Projekt-Resultat von den Nutzern gewollt, gebraucht und akzeptiert wird.
Damit kann das Risiko eines Projektes erheblich minimiert werden, die Innovation innerhalb des Unternehmens wird erleichtert.
Welche Art von Problemen/Challenges können mit einem Design Sprint angegangen werden?
Die kurze Antwort darauf lautet: alle Challenges, für die man einen Prototyp - oder eben eine "Simulation" - bauen, erfinden, zusammenstellen oder kreieren kann, der nachher mit Usern getestet werden kann, können ge-"sprintet" werden.
Zur längeren Antwort folgendes: der Design Sprint ist im Umfeld der Google Ventures "erfunden" worden, also in einem sehr schnell agierenden, volatielen Start-Up Umfeld, oft dominiert von Tech-StartUps. Deshalb sind Apps oder andere Software-Produkte die üblichen Beispiele, wenn von Design Sprints geredet wird.
Seit das Buch von Jake Knapp herausgegeben wurde und die Methode immer öfter verwendet wird - nur schon Tetrapak in Lausanne hat intern mehr als 75 Design Sprints durchgeführt! -, werden immer neue Geschäftsfelder gesprintet: von Brand zu Content Sprints, Strategy zu Business Model Sprints ist alles möglich! Wichtig ist einzig, dass das Problem "gross" und "risikoreich" genug ist, dass sich ein Prototyp erstellen lässt und dass es sich testen lässt.
Wie unterscheidet sich ein Design Sprint von Design Thinking und Agile?
Design Thinking ist ein Mindset, ein Kreativprozess, ein Art, Probleme zu lösen und neue Ideen zu generieren. Ziel ist dabei ein auf den Nutzer und Anwender ausgerichtete, nicht-lineare, iterative und interaktive Denkweise.
"Agile" beschreibt die Art, wie im Team gearbeitet wird: vom Kickoff zu Design, von Kommunikation zu Meetings und Implementation - alles läuft nach sehr klaren Guidelines ab. Es sind also die Prozesse, die hier beschrieben werden.
Ein "Design Sprint" steht als Anfang eines Projektes, es ersetzt den Kick-off. Über eine sehr genau festgesetzte Methodologie während eines vier-tägigen Workshops werden im interdisplinären Team Ideen generiert, validiert, in einen UI-Prototypen umgesetzt und am letzten Tag mit Usern getestet. Als Resultat des Design Sprints wird klar, ob sich die Projektentwicklung lohnt oder ob am Kunden vorbeientwickelt wird.
Welche anderen Arten von Sprints gibt es?
Auch wenn Sprints ursprünglich aus dem Umfeld der Tech Start-Ups kommen, kann tatsächlich mit einem Sprint so ziemlich alles, was es an offenen Fragen, Challenges und Problemen im Geschäftsumfeld gibt, ge-"sprintet" werden.
Speziell in unserem Bereich werden Brand oder Business Model Sprints mit grossem Erfolg durchgeführt. Momentan werden Strategy Sprints erforscht und erarbeitet, Jake Knapp selber arbeiten zur Zeit an seiner Version davon und nennt es einen "Opportunity Sprint"!
Des weiteren gibt es Content und Vision Sprints, App Sprints, Concept und Brain Sprints -- und ganz sicher noch viele mehr!
Ist mein Thema für einen Sprint geeignet?
Tatsächlich ist es enorm wichtig, die richtige Art von "Problemen" in einen Sprint zu bringen. Falls die "Checkliste" nicht erfüllt ist, besteht die Gefahr, dass der Sprint zur Zeitverschwendung verkommt, keine Resultate liefert und die Methode selber angezweifelt wird.
Die Challenges oder Projekte, die ge-"sprintet" werden können, sollten:
- gross und wichtig genug sein, um mehrere Leute, Key Players innerhalb der Firma und der Abteilungen, über mehrere Tage komplett zu blockieren.
- risikoreich und teuer genug, um den Aufwand eines Sprints, sowohl finanziell als auch aufwandmässig, zu rechtfertigen.
- idealerweise am Anfang eines grossen und langwierigen Projektes stehen, das davon profitiert, wenn die Marschrichtung schon zu Projektbeginn verifiziert werden kann.
- massiv davon profitieren können, das ein Team mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen fachübergreifend am Problem arbeiten.
- Und: kleine Problem, die durch ein kurzes Meeting von zwei, drei Personen gelöst werden können, sollten nicht ge-"sprintet" werden.
Ist meine Firma zu klein oder zu gross für einen Sprint?
Nicht die Grösse oder die Art des Unternehmens ist entscheidend, es gibt kein zu klein oder zu gross. Einzig die Art, Grösse und Wichtigkeit des Problemes, das gelöst werden soll, ist wichtig!
Sprints werden global von allen möglichen Unternehmen durchgeführt, von 2-Personen-Start-Ups zu NGO's, von Global Players bis sogar zu Museen!
Was geschieht, falls das User Testing negativ ausfällt?
"When you participate in a Design Sprint, you either win or learn"
- Cordell Retzlaff, Head of UX Google"
Auch wenn das Resultat eines Sprints, der "Prototyp", am vierten Tag bei den Usern durchfällt, war der Sprint ein Erfolg.
Gemäss der Harvard Business School sind 80% der neue lancierten Produkte ein Misserfolg. Andere Quellen zitieren einen Prozentsatz von 70 bis 95% für verschiedenste Sektoren. Der Grund für viele dieser Fails ist, dass am Markt vorbeientwickelt und -produziert wurde, dass die Value Proposition dem User gegenüber nicht sorgfältig genug formuliert und getestet wurde.
Vor diesem Hintergrund wird es klar, wieso auch ein negatives Resultat auf eine Sprint-Prototypen für ein Unternehmen positiv ist: ganz im Sinne eines innovativen Unternehmens werden verschiedenste Idee entwickelt und validiert, bis diejenige gefunden ist, die die grösste Aussicht auf Erfolg an, sowohl am Markt wie auch finanziell.
Organisation
Details und Vorbereitungen auf den ersten Design Sprint...
Wer muss für den Sprint anwesend sein?
äein Sprint-Team besteht aus 4 bis 7 Leuten maximal aus dem Unternehmen, plus einem Sprint Facilitator oder zwei - also wir! - und ev. für den dritten Tag einen Designer, der den High-Fidelity Prototpyen baut.
Für das Firmen-Kernteam ist es wichtig, dass dies aus Mitgliedern aus verschiedenen Abteilungen und Disziplinen besteht. Sicher dabei sein müssen sowohl die Produktverantwortlichen als auch die User innerhalb des Unternehmens. Je nach Projekt sollten Experten entweder für die ganzen vier Tage oder mindestens für die ersten zwei dabeisein. Und entscheidend für den Erfolg des Projektes: der Entscheider, der während des Sprints falls nötig Stichentscheide treffen kann. Je höher in der Unternehmenshierarchie dieser angesiedelt ist, desto besser.
Kann ein Sprint auch 3 oder 7 Tage dauern?
Der ursprüngliche, von Jake Knapp entwickelte Design Sprint, das Ur-Rezept, sieht fünf Tage für den Sprint vor. Zusammen mit der Agentur AJ&Smart in Berlin hat er für den Design Sprint 2.0 die Formel auf vier Tage reduziert und dadurch unter anderem eine höhere firmentinterne Akzeptanz ermöglicht, ohne die Erfolgschancen zu schmälern.
Es hat sich gezeigt, dass ein kürzerer Sprint zu wenig Zeit ist, um das Problem in einer angemessenen Tiefe zu behandeln. Gleichzeitig ist ein Sprint von mehr als fünf Tagen sehr ermüdend - auch die vier Tage sind es schon btw! -, die Konzentration geht verloren, der rote Faden versandet.
Vier oder fünf Tage, je nach Problem und Umständen - die ideale Länge für einen Sprint!