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Für einmal war dem MC La Gruyère kein sommerliches Wetter vergönnt, und die Strecke präsentierte sich trotz intensiver Vorbereitung in einem schwierigen Zustand. Die zusätzlichen Regenfälle am Samstagmorgen kamen deshalb zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Rennprogramm wurde kurzerhand gekürzt, und die Änderungen trugen glücklicherweise zur Besserung bei, so dass ab Nachmittag wieder unter regulären Bedingungen gefahren werden konnte. Am Sonntagmorgen jedoch war der Boden wieder tief und verschärfte den Schwierigkeitsgrad der sonst schon anspruchsvollen Strecke weiter.
In der Kategorie Inter MX2 kam im Zeittraining Cyrill Scheiwiller (Obfelden) unter diesen Bedingungen am besten zurecht, er sicherte sich knapp vor USA-Rückkehrer Killian Auberson (Epautheyres) die Poleposition. Dessen Bruder und Gesamtleader Kevin Auberson musste sich noch hinter dem Freiburger Enzo Steffen (Onnens) und Kade Tinkler, dem jungen Gaststarter aus Kanada, mit Rang 5 begnügen.
Bruggmanns Aus
Beim Start zum ersten Lauf war es aber Mitfavorit Luca Bruggmann aus Liechtenstein, der die Führung an sich riss. Gleich im Schlepptau zog er die Auberson-Brüder und Scheiwiller mit sich; Steffen und Tinkler passierten die erste Zielpassage knapp in den Top Ten. Vorne kam es zu ständigen Führungswechseln. Zunächst tauchte Kevin Auberson an der Spitze auf, um diese Position kurze Zeit später wieder an seinen ärgsten Konkurrenten Scheiwiller abzutreten. Bruggmann fiel im Verlauf des Rennens immer weiter zurück und steuerte schliesslich unter Schmerzen die Box an. Ein Bandscheibenvorfall hatte ihn bereits seit längerer Zeit behindert, und die vielen Schläge in Broc gaben ihm den Rest. Bruggmann trat noch vor dem zweiten Lauf die Heimreise an und verabschiedete sich gleichzeitig auch aus dem Titelkampf. Scheiwiller hingegen liess nichts mehr anbrennen und brachte den Sieg ins Trockene. Hinter ihm lieferten sich Kevin Auberson und Steffen einen erbitterten Kampf um die erste Verfolgerposition, bei dem sich schliesslich Steffen hauchdünn durchsetzen konnte–trotz Feindberührung und Sturz auf der Ziellinie. Der 18-jährige Tinkler, mit einer geliehenen KTM unterwegs, setzte sich gegen Killian Auberson durch und landete auf Platz 4.
Von den Zuschauern angefeuert
Den zweiten Rennstart gewann Scheiwiller auf seiner Yamaha; gleich hinter ihm reihten sich Kevin Auberson und Steffen ein. Wie im ersten Rennlauf unterlief dem älteren der Auberson-Brüder zu Beginn des Rennens ein Fehler, er fiel auf Rang 16 zurück und konnte sich nur noch auf den 9. Schlussrang verbessern. Dass eine Aufholjagd durchaus möglich war, bewies Tinkler eindrucksvoll. Nach einem Sturz in der 2. Runde fuhr er von der 17. Position noch auf den 4. Rang. Die Podiumsplätze lagen jedoch auch für ihn ausser Reichweite. Den Sieg machten die gut gestarteten Scheiwiller und Steffen unter sich aus. Erwartete man zunächst wieder ein Durchmarschieren Scheiwillers, wurden die Zuschauer schnell eines Besseren belehrt. Ein unwiderstehlich auftretender Steffen setzte alles daran, bei seinem Heimrennen den langersehnten Sieg einzufahren. Gleichzeitig wollte Scheiwiller so viele Punkte wie möglich auf den strauchelnden Kevin Auberson gutmachen, und so steckte keiner der beiden zurück. Steffen war aber stärker, setzte sich nach mehreren Positionswechseln durch und fuhr den Sieg schlussendlich sogar mit Respektabstand ein. Der erste Laufsieg bedeutete gleichzeitig auch den ersten Gesamtsieg seiner jungen Karriere. «Auf den letzten Runden habe ich die Anfeuerungsrufe der Zuschauer mitbekommen. Das hat mich getragen.»
Der neue Gesamtleader Scheiwiller hat nun bei Saisonhälfte drei Punkte Vorsprung auf Kevin Auberson. Der drittplatzierte Steffen hat bereits 50 Punkte Rückstand auf den Führenden.
Schafer ohne Fortune
Auch in der Inter-Open-Kategorie haben die Freiburger ein Ass im Ärmel. Alain Schafer (Freiburg) konnte sich nach einem durchwachsenen Start in die Saison zuletzt steigern und hatte im letzten Rennen in Muri sogar einen Laufsieg feiern können. Entsprechend motiviert ging er in Broc an den Start. Im Zeittraining konnte Schafer jedoch nicht ganz mit den Schnellsten mithalten. Vorne distanzierte Leader Andy Baumgartner (Romanshorn) die Konkurrenz um beinahe drei Sekunden und mehr und sendete ein starkes Signal in Richtung Konkurrenz.
Schafer musste den ersten Lauf bereits in der ersten Runde wegen einem Stein in der Kette aufgeben und sich einen Nuller notieren lassen. Auch im zweiten Lauf war ihm das Glück nicht hold. Nach dem zweiten Sturz fing sein Motorrad Feuer. Nach gelungener Löschaktion startete er seine Aufholjagd, doch mehr als ein 9. Rang lag nicht mehr drin. Damit ist für ihn der Zug um die Meisterschaft definitiv abgefahren.
Den Tagessieg holte sich–nicht überraschend–der glänzend aufgelegte Baumgartner vor seinem Teamkollegen Yves Furlato (Amlikon-Bissegg) und Romain Billerey aus Frankreich. Diese drei Protagonisten bestimmten bereits während der ganzen Saison das Geschehen, und Baumgartner führt die Saisonwertung mit 11 Punkten Vorsprung auf Furlato an.