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Ist in einem See zu viel Phosphor drin, bilden sich vermehrt Algen. Sterben diese Algen ab, verbrauchen sie Sauerstoff und nehmen diesen den anderen Lebewesen im Wasser weg. In Sachen Phosphorgehalt präsentiert sich der Murtensee nicht schlecht: Die Zufuhr dieses Nährstoffs wurde in den letzten Jahrzehnten drastisch reduziert. Betrug er in den Achtzigerjahren noch um die 60 Mikrogramm pro Liter Wasser, pendelt er heute um die 20 Mikrogramm. «20 Mikrogramm pro Liter ist das Qualitätsziel», sagte Marc Chardonnens, Leiter des kantonalen Umweltamts, am Donnerstag an einem Vortrag in Murten. Den Anlass organisiert hat der Verein Standortentwicklung Murtenseeregion. Der Vortrag drehte sich um die Frage, wie es um die Gesundheit des Murtensees steht.
Wie viel Phosphor im Murtensee ist, hängt davon ab, wie viel Phosphor im 700 Quadratkilometer grossen Einzugsgebiet des Sees in den Boden und somit in die Flüsse gelangt, die schliesslich in den See fliessen. Auf Freiburger Boden befinden sich zwölf Abwasserreinigungsanlagen, deren gereinigtes Abwasser in den Murtensee gelangt. Um den Phosphorgehalt im See künftig weiter zu senken, müssen laut Chardonnens die ARA optimiert werden (siehe Kasten). Auch sind laut Chardonnens die Landwirte im Einzugsgebiet des Sees in der Pflicht. So dürfen sie die Gülle etwa nur dann austragen, wenn der Zeitpunkt günstig ist, und die Wände der Güllelager müssen dicht sein, damit kein Phosphor in den Boden entweicht.
Der See «dreht» einmal
Obwohl der Phosphorgehalt im Murtensee abgenommen hat, hat der See noch immer zu wenig Sauerstoff–insbesondere in den Sommermonaten, und insbesondere an seinen tiefen Stellen. Ein Liter Seewasser sollte mindestens vier Milligramm Sauerstoff enthalten. Der Sauerstoffgehalt schwankt im Murtensee zwischen zwölf und null Milligramm pro Liter, erklärte Chardonnens. «Während vier bis sechs Monaten pro Jahr sind wir unter dem Wert von vier Milligramm.»
Frischer Sauerstoff gelangt jeweils ab Ende Herbst wieder in den See, wenn dieser «dreht»: Ist es genügend kalt und windet es stark genug, werden die Wasserschichten durcheinandergewirbelt. Das sauerstoffreiche Wasser an der Oberfläche gelangt nach unten, und der Sauerstoffgehalt klettert wieder nach oben. Zum Glück hilft die Natur bei der Sauerstoffumverteilung, denn ohne diese «Drehung» wäre der Murtensee «fast ein toter See», sagte Chardonnens.
Obschon mit der Reduktion des Phosphorgehalts in einem See zwangsläufig auch das Algenwachstum gebremst wird, gibt es im Murtensee paradoxerweise immer noch viele Algen, wie Chardonnens erklärte. «Zwar ging die gesamte Population tatsächlich zurück, aber weil sich andere Algenarten entwickelt haben, sind immer noch viele Algen im See.»
ARA Kerzers: «Da muss etwas passieren»
J e besser in einer Abwasserreinigungsanlage (ARA) der Phosphor aus dem Abwasser entfernt wird, desto weniger Phosphor gelangt logischerweise mit dem gereinigten Wasser in den See. Deshalb ist es dem kantonalen Amt für Umwelt ein Anliegen, die zwölf Freiburger ARA im Einzugsgebiet des Murtensees auf dem neuesten technischen Stand zu halten.
Keine Kapazitäten mehr
Nicht mehr ganz befriedigend ist die ARA Kerzers: Sie läuft an der Kapazitätsgrenze. Für Amtsleiter Marc Chardonnens ist deshalb klar, dass mit der ARA Kerzers etwas passieren muss. «Das Entwicklungspotenzial der Gemeinde Kerzers ist durch die zu kleine ARA grundsätzlich reduziert», sagte Chardonnens am Donnerstagabend. So sei es für die Gemeinde unmöglich, eine neue Firma anzusiedeln, die viel Wasser verbrauche und dieses biologisch stark belaste.
«Vernünftige Lösung»
Dass die Situation bald entschärft werden kann, ist nicht absehbar. Zwar wird ein Zusammenschluss der ARA Kerzers und der ARA Murten seit längerem diskutiert. «Aber wir wissen noch nicht, ob es möglich ist, die ARA Murten zu erweitern», sagte Chardonnens. Die ARA ist vom Chablais umgeben, der als Auenwald gesetzlich auf Bundesebene unter Schutz steht. Man müsse noch einiges lösen, bevor ein Zusammenschlussprojekt ausgearbeitet werden könne.
Obschon der Ausbau der ARA Murten derzeit noch nicht absehbar ist, ist für Chardonnens dieser Weg der beste. «Es ist eine vernünftige Lösung für die Zukunft.» hs
Zahlen und Fakten
Das Wasser bleibt 1,6 Jahre im See
Der Murtensee bedeckt eineFläche von 23 Quadratkilometern. Mit einer durchschnittlichenTiefe von 23 Meternist der See nicht sehr tief. DieBroye ist der grösste Wasserlieferant: Knapp zwei Drittel des Wassers fliesst von der Broye bei Salavaux in das Seebecken. Bis es am anderen See-Ende in Sugiez ankommt, dauert es rund 1,6 Jahre. Dies ist eine relativ kurze Zeit; im Genfersee etwa braucht das Wasser rund zwölf Jahre, bis es durch den See geflossen ist. In den Murtensee fliesst das Grund- und Flusswasser aus einemEinzugsgebiet von 700 Quadratkilometern; dieses reicht von Fräschels im Nordosten bis zu Châtel-Saint-Denis im Süden.65 Prozent des Einzugsgebiets ist Landwirtschaftsland.hs