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Am Anfang war eine Trotzreaktion. Wächter, damals ein freischaffender und umtriebiger Fotoreporter auf dem Platz Luzern, unterbreitete seine Idee 1984 dem Nachrichtenchef jener Luzerner Tageszeitung, für die er arbeitete. Der Nachrichtenchef schmetterte das Ansinnen mit Hinweis auf die Vibrationen als unmöglich ab.
"Diese Reaktion hat mich angespornt zu beweisen, dass es dennoch geht", sagt Niklaus Wächter heute. Langjährige Erfahrungen mit Modellflugzeugen brachte er mit. Während seiner Jugendzeit hatte er an die 60 Modellflugzeuge durch die Lüfte sausen lassen.
Aus den Tests mit Modellflugzeugen, in denen eine Fotokamera eingebaut war, resultierten auf Anhieb taugliche Bilder. Aber: Es brauchte mehrere Modelle, bis Wächter die wichtigen Komponenten für ein taugliches Fotoflug-Modell erkannt und erprobt hatte.
Dabei musste er jeweils die Baukasten-Modelle für seine Zwecke abändern. Er ersetzte Fahrwerke, vergrösserte Seitenruder und baute Kameraschächte ein.
Vor allem aber musste er die Balance neu herstellen, weil die schwere Profilkamera das Flugzeug stark hecklastig machte. Er verlängerte den Rumpf nach vorne. Die Lehrlingswerkstatt des Liftherstellers Schindler fertigte für Wächter eigenes eine Propellernabe aus schwerem Metall an.
Die von Wächter eingesetzten Modellflugzeuge wiesen eine Spannweite von bis zu 2,5 Metern auf und wogen 14 Kilo. Normalerweise heben solche Grossmodelle nach 10 Metern ab. Die mit Kameras bestückten Flieger aber benötigten einen Startlauf von rund 50 Metern. Die Ausrollstrecke war noch länger. Das hatte zur Folge, dass Landungen für Testflüge auf Flugplätzen für Modellflieger oft nach der Piste im Gras endeten.
Um 1988 folgten dann erste Versuche mit Videokameras, die seitlich unter einem Flügel an Gummibändern aufgespannt waren. Einer dieser Flüge endete abenteuerlich. Nach dem Start vom Dietschiberg oberhalb von Luzern liess sich Wächter, sein Flugzeugmodell steuernd, als Beifahrer zum Verkehrshaus hinunter chauffieren.
Dort angekommen stellte er mit Schrecken fest, dass sich der Propeller seiner Maschine nicht mehr drehte. Wächter schaffte es, seinen Flieger im Gleitflug in diesem dicht besiedelten Gebiet an einem Wohnblock vorbei in eine Hecke zu steuern, wo das Flugzeug die Notlandung mit einem minimalen Schaden überstand.
Der zweite Versuch, das Verkehrshaus von oben zu filmen, gelang dann ohne Zwischenfälle. Wächter startete sein Modell auf der Luzerner Aufschütte, steuerte es von einem Boot aus ans andere Seeufer, durchflog mehrere Male den Innenhof des Verkehrsmuseums und liess das Flugzeug im benachbarten Park zwischen den Bäumen landen. Das nahezu wackelfreie Video kann heute im Dokumentationszentrum des Verkehrshauses betrachtet werden.
Mit den damaligen technischen Möglichkeiten standen Aufwand und Ertrag von Luftaufnahmen auf diese Art in keinem Verhältnis zueinander. Der vielbeschäftigte Medienmann verzichtete auf Weiterentwicklungen. In Anbetracht des derzeitigen Drohnen-Booms hat das Verkehrshaus Luzern zwei dieser Proto-Drohnen in seine Sammlung aufgenommen. Wächter übergab seine Modelle letzte Woche an Diego Amstutz, den Kurator Luft- und Raumfahrt.
Die offizielle Übergabe und eine Präsentation für die Besucher erfolgen am kommenden Samstag im Rahmen der Space & Air Days, die zwischen dem 12. und 14. Oktober im Verkehrshaus stattfinden.
Die Verbindung von Fliegerei und Fotografie hat den inzwischen pensionierten Niklaus Wächter nie losgelassen. 1990 begann er mit dem Gleitschirmfliegen, ab 2000 stieg er in Segelflugzeuge - beides vorerst ohne Kamera. Seit er 2007 mit einem eigenen Motorsegler unterwegs ist, sind gegen 100'000 Luftbilder entstanden.
Zu seinen Auftraggebern gehören Medien, Grossbanken, Grossverteiler, Kantonsverwaltungen, Buchverlage, Organisationen und andere. Auch die Swisscom verwendet als Titelbilder ihrer neusten Telefonbücher Bilder von Niklaus Wächter. Vor kurzem ist das fast 200-seitige Buch "Eisenbahn von oben - Die Schweiz" erschienen, für das Wächter fast alle Fotos lieferte.
(sda)