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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Zweites Buch
13. Kapitel: Ihre Emanationen stimmen nicht
1.
Es läßt sich aber auch zeigen, daß schon ihre erste Emanationsreihe unhaltbar ist. Von dem Bythos und seiner Ennoia nämlich soll der Nous und die Aletheia ausgegangen sein — was offenkundig ein Widerspruch ist. Der Nous, der Verstand, ist nämlich das Erste und Höchste, gleichsam der Anfang und die Quelle alles Denkens. Die Vorstellung aber, die Ennoia, die von diesem ausgeht, ist irgend eine Tätigkeit des Verstandes in Betreff irgend einer Sache. Es stimmt also nicht, wenn man sagt, aus dem Bythos und der Ennoia sei der Nous ausgegangen, richtiger wäre es zu sagen, von dem Urvater und genannten Nous sei als Tochter die Ennoia ausgegangen. Denn keineswegs ist die Ennoia die Mutter des Nous, wie sie sagen, sondern der Nous ist der Vater der Ennoia. Wie soll auch der Nous, der Verstand, vom Vater ausgesandt sein, da er doch das Erste und Wesentlichste bei jedem innern und unsichtbaren Affekt bleibt, von dem das Denken ausgeht und die Vorstellung und die Überlegung und dergleichen! Sie sind nichts anders als der Verstand, sondern, wie gesagt, Tätigkeiten desselben, die sich auf irgend eine Denkfunktion erstrecken, verschieden benannt nach ihrer Dauer und Stärke, aber nicht nach ihrer Wesenheit, die da enden in einer Erkenntnis und anfangen in einem Begriff, während der Verstand selber innen verbleibt und wirkt und leitet und lenkt frei aus eigener Kraft und nach eignem Willen, wie wir oben gesagt haben.