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Heute ist der Tag der Rückengesundheit. Das Motto 2020 lautet "Achtsam durch den Tag - Rückenbelastungen gesund meistern!" Hier ist unser Beitrag für einen stabilen Rücken - die ESP-Rückenkarten.
In den Rückenkarten wird das Prinzip der gestaffelten Aktivität angewendet; die mechanische Belastung wird dabei stufenweise erhöht.
Man unterscheidet fünf aufeinander aufbauende Rehabilitationsstufen: von lokaler segmentaler Stabilisation bis hin zur funktionellen Bewegung (Handlung).
Jede Rehabilitationsstufe kennt unterschiedliche Rückenkarten. Diese Rückenkarten korrespondieren mit den unterschiedlichen Bewegungsmustern, die Peter O’Sullivan anwendet, um die Aktivitätseinschränkungen einer Person zu klassifizieren. Jede Rehabilitationsstufe bereitet unterschiedliche Partizipationsebenen des Patienten vor; die letzte Stufe ist die funktionelle Bewegung.
- Reorientierung von Gelenk- und Muskelketten durch funktionelle, gestaffelte Aktivität (graded activity) bzw. progressiven Aufbau
- Steigerung der «allgemein - vielseitig zielgerichtet – spezifischen» Stabilität
- Steigerung der «allgemein - vielseitig zielgerichtet – spezifischen» Belastbarkeit
- Erkennung und Training von Schwachstellen
- Vermeidung von Rezidiven, Prävention
Das Konzept der Rückenkarten wurde durch das ESP Education Network weiter entwickelt; seit 2017 liegt eine überarbeitete Version vor.
Die Stufe 1 beginnt mit der lokalen segmentalen Stabilisation (allgemein). Ziel ist die Aktivitätszunahme der lokalen gewichttragenden Muskulatur. Mit der Rekrutierung möglichst vieler motorischer Einheiten und einer Zunahme des Tonus der lokalen Muskulatur verbessert sich die «Stiffness» der Wirbelsäule. Segmentale translatorische Bewegungen werden verringert und folglich die lokale Stabilität verbessert. In dieser Phase der Rehabilitation geht es um segmentale Flexions-, Lateralflexions-, Extensionsstabilität und Beckenbodenstabilität.
In Stufe 2 – der regionalen Stabilisation (vielseitig zielorientiert) – wird die Neu-/Reaktivierung und das Zusammenspiel der lokalen gewichttragenden Muskulatur mit Aktivitäten der globalen gewichttragenden Muskulatur (M. Iliocostalis und M. Longissimus dorsi) kombiniert. Um dies zu erreichen, wird die Rehabilitation in geschlossener Muskel- und Gelenkkette durchgeführt. In dieser Phase steht die regionale Stabilität im Vordergrund, also die statische Stabilität nach Flexion, Lateralflexion und Extension der Wirbelsäule.
Die Stufe 3 bezeichnen wir als die totale Stabilisation (vielseitig zielorientiert). Im Unterschied zur Stufe 2 wird nun in offener Kette die Aktivität des globalen multi-artikulären Systems akzentuiert. Die statische Stabilität der Wirbelsäule wird in Kombination mit Bewegungen der unteren oder oberen Extremität verbunden. Die entsprechenden Rückenkarten sind die regionale Flexions-/Extensionsstabilität, laterale Stabilität und Flexions-/Extensionsstabilität mit Rotationsstabilität.
In der Stufe 4 – totale Bewegung (vielseitig zielorientiert) – wird wie schon in den Stufen zuvor die lokale gewichttragende Muskulatur, die globale monoartikuläre gewichttragende Muskulatur und die globale multiartikuläre gewichttragende Muskulatur trainiert. Die Betonung liegt aber nun nicht in der statischen Stabilisation, sondern in der Stabilisierung der dynamischen Bewegungsabläufe der Wirbelsäule. Dies geschieht zunächst in der geschlossenen Kette mit Betonung auf der Wirbelsäule. Im zweiten Schritt wird in der offenen Kette und mit der Integration von Übungen der unteren und oberen Extremität trainiert. Dies wird mithilfe der Rückenkarten Flexions-/Extensionsbewegungen, Flexions-/Extensionsbewegungen mit Rotationsstabilisation und Flexions-/Extensionsbewegungen mit Rotationsbewegungen realisiert.
Die Stufe 5 unseres Rückenkartensystems widmet sich der funktionellen Bewegung oder spezifischen Training. Die Betonung liegt auf spezifischen dynamischen Bewegungsabläufen der Wirbelsäule, welche mit Bewegungen der oberen und unteren Extremität kombiniert werden. Die Bewegungsabläufe sind so funktionell wie möglich und berücksichtigen in besonderem Mass die persönlichen und externen Faktoren (physische und soziale Umgebungsfaktoren) des Patienten. Hier liegt die Betonung auf Partizipationsebene in Alltags-, Arbeits- oder Sportsituationen.
Weitere Informationen bei
Guido Perrot
Präsident der SART
Leiter Therapien
Universitätsspital Basel