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Manche Liberale äussern erstaunlich oft Neid oder Anerkennung gegenüber autoritären Staaten wie Singapur: Entscheidungen würden dort von oben eindeutig bestimmt und rasch vollzogen. Im Gegensatz zum «Parteiengezänk» in Demokratien seien klare und schnelle Lösungen möglich. Das gilt etwa für drängende Umweltprobleme, Infrastrukturmassnahmen, Gesundheitseinrichtungen oder die Terrorbekämpfung. Allerdings: Bei Singapur handelt es sich um einen Stadtstaat, der starkem Wettbewerb von aussen ausgesetzt ist und deshalb sinnvoll regiert werden muss. Doch häufig wird sogar die rasche wirtschaftliche Entwicklung der Volksrepublik China als gutes Beispiel angeführt. Dabei werden deren gewaltige menschliche und ökologische Kosten übersehen.
In aller Regel werden Politikerinnen und Politiker, die nicht durch politische Konkurrenz eingeschränkt werden, nach einiger Zeit zu grössenwahnsinnigen Herrschern: Nur ihre eigene Meinung gilt; sie verfolgen rücksichtslos ihre eigenen Interessen. Diese Entwicklung lässt sich leider in allzu vielen afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Staaten beobachten.
Eine Demokratie veranlasst hingegen die Politikerinnen und Politiker, die Wünsche der Bevölkerung bestmöglich zu erfüllen. Sind sie dazu nicht bereit oder fähig, werden sie in den regelmässig stattfindenden Wahlen abgewählt. Die Bürgerinnen und Bürger müssen frei entscheiden können, wem sie ihre Stimme geben. Eine Regierung darf nicht die alleinige Macht ausüben; die Rechte der Legislative und der Judikative müssen gewahrt bleiben. Der Wettbewerb zwischen Parteien und Politikern muss offen und ungehindert sein.
Die Glücksforschung hat zudem empirisch untermauert: Wer in einer Demokratie lebt, ist im Durchschnitt glücklicher als unter ansonsten gleichen Bedingungen in einem autoritären oder gar diktatorischen Regime. Demokratie ist das System, das unsere materiellen und sozialen Bedürfnisse am besten erfüllt. Darüber hinaus erhöht die mit der Demokratie einhergehende Möglichkeit zur Partizipation per se unser Glück. Daher ist die Demokratie die Staatsform der Zukunft, und keineswegs autoritäre Regime.