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Missinterpretationen des Ersten Testaments und die Bestimmung des Verhältnisses beider Testamente beginnen oft bei der Übersetzung, wie Varianten zu drei Stellen unseres Textes zeigen.
Menschensohn
Menschensohn, hebr.: ben adam, aram.: bar änasch, gr.: hios anthropou, kommt im Ersten Testament ausser einmal in Ps und Ijob, 93-mal bei Ez und 1-mal bei Daniel vor. Im Neuen Testament ist es in den Evangelien ein häufig verwendeter Begriff (für Jesus), Die Interpretationslinie für das NT geht entgegen dem statistischen Befund ganz auf die Vorstellung in Dan 7,13 zurück, jener endzeitliche Menschensohn, der auf den Wolken des Himmels. Ezechiel wird kaum adaptiert. Die Lutherübersetzung stützt dies: Dan und NT werden als «Menschensohn» übersetzt, Ez als «Menschenkind», der Zusammenhang von Ez und NT sprachlich zerstört. Die Neue Zürcher Bibel und die Bibel in gerechter Sprache gehen weiter, übersetzen in Dan und Ez «Mensch» und im NT «Menschensohn» bzw. «erwählter Mensch»; die Verbindung ist komplett aufgehoben. Einzig die Einheitsübersetzung bleibt konsequent bei Menschensohn.
Gottesname
Dass die Bibel eine ganz andere wäre, weniger herrschaftlich hierarchisch, sondern mehr personal gegenwärtig, wenn statt der griechischen Übersetzung «Herr» das Tetragramm 7000x in seiner Bedeutung «Ich-Bin-Da» gelesen würde, ist bekannt. Bei Ez kommt etwas hinzu: 434x steht das Tetragramm, und 217 wird es in der Kombination adonai YHWH verwendet. Da adonai auch die Ersatzlesart für das Tetragramm ist, übersetzt LXX teilweise mit kyrios kyrios und veranlasst so die deutschen Übersetzer zu hilflosem «Herr Herr» oder phantasievollem «Gott, der Herr». Eine Herrschaftsaussage über Gott steht aber definitiv nicht im hebräischen Text. Die Anrede durch den Namen YHWH ist eine Beziehung zu einem personalen Gegenüber, nicht zu einem Amtsinhaber. Martin Buber übersetzt (mit einer Veränderung in der Punktierung adoni) «mein Herr YHWH». Wie immer man das Tetragramm wieder gibt – wichtig nur: es ist ein Name und keine Gattungs- oder Berufsbezeichnung – zeigt diese Formulierung ein sehr persönliche Beziehung und Erfahrung Ezechiels, keine theologische Theorie.
Auslassungen
In Ez 2,3 werden in vielen Übersetzungen zwei Wörter «zu den Nationen/Völker» ausgelassen und das folgende Partizip falsch bezogen, z. B. Einheitsübersetzung: «zu den abtrünnigen Söhnen Israels». Richtig dagegen die Neue Zürcher Bibel: «zu den Israeliten, zu Nationen, die sich auflehnen». Die antiisraelitische Tendenz der ersten Übersetzung ist damit weg, und gleichzeitig der universale Blick über das erwählte Volk hinausgerichtet.
Evangelien – AT-Lesungen – NT-Lesungen – Lesejahre A,B,C
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