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Langnau im Emmental
Reformierte Kirche
Die heutige Kirche wurde 1673/74 durch Abraham I Dünz, Werkmeister der Berner Münsterbauhütte und Erbauer zahlreicher Kirchen in der Berner Landschaft, auf den Grundmauern von mindestens drei Vorgängerkirchen erbaut. Der grosse nachgotische Bau mit 3/8-Chorabschluss besitzt im Inneren hervorragende barocke Bildhauerarbeiten wie den Taufstein, die Kanzel und den Abendmahlstisch sowie 16 Wappenscheiben aus der Bauzeit.
Die mittelalterlichen Vorgängerkirchen waren dem Heiligen Martin gewidmet, dessen Verehrung im Frühchristentum bis ins Mittelalter sehr populär war. Es wird vermutet, dass Langnau bereits vor der Klostergründung Trub (1125) eine eigene Kirche besass, genaue Baudaten konnten bislang jedoch nicht ermittelt werden. Man darf jedoch annehmen, dass beim Neubau des Turms 1673/74 Material aus der Vorgängerkirche verwendet wurde.
Nach dem Neubau von 1673/74 wurde die Kirche mehrfach renoviert und häufig dem Geschmack der Zeit angepasst. So verzierten verschiedenartige Malereien die Wände und die Decke, einmal als bunt wuchernde Pflanzengirlanden, einmal als Vorhangimitationen, einmal als nüchterne geradlinige Quadereinteilungen.
Ebenfalls später kamen die Kirchenfenster im Chor hinzu. Diese wurden von der «Mayer'schen Kgl. Hofkunstanstalt München» geschaffen und während der Renovation von 1897/98 eingesetzt. Weitere Sanierungsarbeiten folgten 1957/58, wobei u. a. die heutige, vierte Orgel der Firma Kuhn aus Männedorf nach einem Konzept des bekannten Berner Orgelexperten Ernst Schiess eingebaut wurde. Sie umfasst 36 Register und konnte während der letzten Renovation vollständig zerlegt, revidiert und wieder aufgebaut werden.
Schäden an Turm, Boden und am Mauerverputz machten 1997/98 wiederum eine umfassende Renovation notwendig. Dabei konnten u. a. der grosszügige Sandsteinboden im Chor, die zwei alten Chorstühle in der Chormitte, die Fensterumrahmungen aufgrund von Farbspuren an der äusseren Südfassade und die rauchschwarzen Schablonenmalereien auf der Tannenholzdecke nach dem Vorbild der Decke in der Kirche Trub wiederhergestellt werden.
Die Arbeiten ermöglichten es, die Grosszügigkeit der ursprünglichen Saalkirche von 1673/74 so weit wie möglich wieder sichtbar zu machen. So beeindrucken heute nicht nur die Spitzbogenfenster mit Masswerk, die Kanzel mit dem Wappen des Stifters Samuel Frisching (Widder) und der Taufstein mit dem Wappen seiner zweiten Frau (Familie von Bonstetten), sondern auch der Abendmahlstisch, der von der Einwohnergemeinde Langnau zur Einweihung im Jahr 1674 gestiftet worden ist.
Die Sanierungsabreiten am Turm ermöglichten es, den oberen Teil aus Tuffstein wieder sichtbar zu machen. In seinem Inneren befanden sich ursprünglich zwei Glocken von 1815 und eine von 1617, diese wurden jedoch 1922 durch neue ersetzt. Heute erklingt das Geläut in C, Es, F, G und B.
Im Kirchhof befindet sich das Denkmal für Gefallene des Sonderbundskrieges von 1847 und das Soldatendenkmal von Karl Indermühle aus dem Jahr 1921.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 567.
- Steiner, Walter, Kirche Langnau i.E. Ihre Bedeutung als Mittelpunkt der Gemeinde und ihrer Geschichte, Langnau: Verlag Emmentaler Druck AG, 1984.