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Donald Trump ist viele Dinge: Kandidat für die republikanische Präsidentschafts-Nomination, Immobilien-Mogul, Reality-TV-Entertainer. Vor allem aber ist er eine sehr erfolgreiche Marke – da hilft ein Name wie Trump. Kurz, knackig und zu deutsch «Trumpf». Was viele nicht wissen: «Trump» ist ein deutscher Name und aus Deutschland stammen auch seine Vorfahren. Genauer gesagt aus dem pfälzischen Kallstadt. Es gab eine Zeit, da versuchte «The Donald» das zu verheimlichen. Und das kam so:
1885 wanderte ein gewisser Friedrich Trump aus Kallstadt in die USA aus, vermutlich um dem Wehrdienst zu entgehen. Zunächst arbeitete der 16-Jährige als Friseur in New York, später eröffnete er ein Restaurant in einer Bergbaustadt im äussersten Nordwesten der USA, wo er den Arbeitern währschaftes Essen, hochprozentigen Alkohol sowie Prostituierte anbot. Mit seinen Ersparnissen reiste er nach Deutschland, heiratete die Nachbarstochter Elisabeth Christ und kehrte mit ihr in die USA zurück. Doch seine Frau litt unter Heimweh, weshalb das Paar erneut nach Deutschland umzog. Weil Trump inzwischen Amerikaner war und keinen Militärdienst in Deutschland geleistet hatte, wurde ihm die Einreise verweigert. So siedelten sie endgültig nach New York um. 1905 kam dort Frederick «Fred» zur Welt, Donald Trumps Vater.
Vielleicht abgesehen von der Zuhälterei gibt es in Friedrich Trumps Biografie nichts, wofür man sich schämen müsste. 1923 starb er und hinterliess seiner Frau und seinem Sohn eine beachtliche Summe Geld, womit diese die Immobilienfirma E. Trump & Son gründeten. Dann brachen für die deutschen Einwanderer schwere Zeiten an. Die beiden Weltkriege führten zu einem ausgesprochen deutschfeindlichen Klima. Deutsche Bücher wurden verbrannt, Sauerkraut wurde in «Liberty Cabbage» und Frankfurter in «Hot Dogs» umbenannt.
Frederick Trump merkte schnell, dass seine deutschen Wurzen schlecht fürs Geschäft waren: «Er hatte viele jüdische Mieter und es war damals nicht gut, Deutscher zu sein», sagte sein Neffe und Familienhistoriker John Walter einmal gegenüber der «New York Times». Er behalf sich mit einer Lüge: Fortan behauptete er, seine Eltern seien aus Schweden, genauer aus Karlstad, das wie Kallstadt klang. Seine Mutter allerdings sprach immer noch mit einem typisch deutschen Akzent und bei Familienzusammenkünften buk sie weiter pfälzischen Apfelkuchen.
1946 kam Donald Trump zur Welt. Er pflegte ein sehr enges Verhältnis zu seinem Vater, der ihn in die Geschäftswelt einführte. Dabei muss auch der junge Donald die Deutschland-Lüge verinnerlicht haben, denn noch vierzig Jahre später schrieb er in seinem Bestseller «The Art of the Deal»:
Auch wenn es heute keinen Grund mehr gibt, seine deutsche Abstammung zu verheimlichen, ist Trump immer noch vorsichtig. Als ihn die Kallstädter Filmemacherin Simone Wedel vor ein paar Jahren in New York besuchte und von ihrem geplanten Dokumentarfilm «Kings of Kallstadt» erzählte (auch Johann Heinrich Heinz, dessen Sohn den Grundstein für das Ketchup-Imperium legte, stammt aus dem Städtchen) war der Milliardär zunächst sehr zurückhaltend. Erst im weiteren Verlauf des Treffens taute er auf und wurde sehr nachdenklich, als Wendel ihm Fotos vom bescheidenen Elternhaus seines Grossvaters in Kallstadt zeigte.
Von seinem Cousin und Familienhistoriker John Walter erfuhr Trump anlässlich dieses Treffens, dass der Grossvater eigentlich zurück nach Deutschland gehen wollte, aber aufgrund der Wehrdienstverweigerung nicht mehr durfte. Darin liegt eine gewisse Brisanz: «Der hat nicht nur die Staatsbürgerschaft aufgegeben, er hat sich weggeschlichen», sagt Roland Paul, Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde, gegenüber der «Nordwest-Zeitung». Das mache Donald Trump, der Barack Obamas US-Staatsbürgerschaft anzweifelt, zum Enkel eines «illegalen Auswanderers».
In Trump steckt mehr Kallstadt, als ihm vielleicht bewusst ist. Seine Bewohner werden im pfälzischen Dialekt «Brulljesmacher», oder Prahler, genannt. So oder so scheint Donald Trump seinen Frieden mit seinen deutschen Wurzeln gemacht zu haben. In Wendels Dokumentarfilm erklärt er:
In Kallstadt erinnert heute nicht mehr viel an die Trumps. Einzig ein blaues Schild über dem Briefkasten des mehrfach renovierten Elternhauses ist aus jenen Tagen erhalten geblieben. Dort steht: «Gott sieht alles, mein Nachbar noch viel mehr.» Derzeit scheint der Stolz auf die Erfolge der Heinz-Familie zu überwiegen, nicht zuletzt auch wegen einiger Aussagen Trumps, die in Deutschland nicht mehrheitsfähig sind. «Aber wenn er Präsident wird, könnte sich das ändern und dann ist die Trump-Familie wichtiger für Kallstadt», sagt Bürgermeister Thomas Jaworek gegenüber NPR.