Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/167810

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird gebeten, in einem Bericht folgenden Fragen vertieft nachzugehen:</p><p>1. Wie verändert sich infolge der Akademisierung der Pflegeberufe die Lohn- und Kostenstruktur im Gesundheitswesen? Hierbei soll darauf eingegangen werden, dass höhere Titel zu höheren Lohnanforderungen führen.</p><p>2. Wie wirkt sich die Ausdifferenzierung der Pflegeberufe auf die Hierarchie- und Verantwortungsstrukturen aus? Gibt es beispielsweise vermehrt Konflikte, wie in anderen Berufsfeldern, dass Personen mit höheren Titeln in der Hierarchie schneller aufsteigen und die praxisbezogenen Pflegenden karrieremässig stehen bleiben und so zur Erlangung von höheren Titeln gezwungen werden, obwohl sie das nicht unbedingt bräuchten? Gibt es die Tendenz, dass für Führungsfunktionen höhere Abschlüsse verlangt werden?</p><p>3. Der Bundesrat wird gebeten, eine Übersicht über kantonale Vorgaben und Auflagen bezüglich Ausbildungsstand der Pflegenden bereitzustellen. Insbesondere sollen jene Auflagen berücksichtigt werden, welche Pflegeinstitutionen zwingen, Personen mit höheren Titeln einzustellen. Gibt es Rückmeldungen, dass solche Vorgaben unnötig und kostentreibend seien?</p><p>4. Er soll weiter aufzeigen, wie ein Mangel an Fachkräften in der Pflege durch die Akademisierung beseitigt werden soll, werden doch in der Gesundheitsversorgung aktuell und künftig vor allem die Fachpersonen Gesundheit nachgefragt. Gleichzeitig wird scheinbar beobachtet, dass Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen die Tendenz zeigen, sich akademisch, d. h. auf Masterstufe, weiterzubilden, anstatt in der Praxis zu bleiben. Welche Aufgabenbereiche werden diesen neuen Fachleuten mit höheren Titeln zugeordnet?</p><p>5. Wie kann der Gefahr der Bildung eines Overheads begegnet werden, da akademisch ausgebildetes Personal immer weniger bereit sein wird, "einfache" Arbeiten zu verrichten?</p><p>6. Gibt es Tendenzen, dass eine Verlagerung in administrative Bereiche und Tätigkeitsfelder stattfindet?</p><p>7. Wie sehen die Abbruchquote bei der Ausbildung und die Quote der Berufswechsel bei Absolventinnen und Absolventen der verschiedenen Stufen aus?</p><p>8. Gibt es vermehrt Kompetenzkonflikte zwischen Pflegenden mit Hochschultiteln und der Ärzteschaft? Dies ist im Hinblick auf die Sicherheit und Qualität der Behandlung sehr relevant.</p><p>9. Wie wird garantiert, dass der Pflegebereich sich nicht zu sehr von den Patienten entfernt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die demografischen Veränderungen und die Zunahme von chronischen Erkrankungen stellen das Gesundheitswesen vor grosse Herausforderungen. Deshalb hat der Bundesrat in seiner Strategie Gesundheit 2020 einen besonderen Akzent auf die Ausbildung von ausreichendem und gut qualifiziertem Gesundheitspersonal gesetzt. Das neue Gesundheitsberufegesetz, das voraussichtlich noch 2016 verabschiedet werden dürfte, legt einheitliche Anforderungen an die Ausbildung auf Fachhochschulebene und Berufsausübung in eigener fachlicher Verantwortung der Gesundheitsberufe fest. Der Bundesrat wird demnach die berufsspezifischen Kompetenzen für die Pflege regeln. Wie vom Bundesrat vorgeschlagen, wurde auf eine zusätzliche Regelung des Masterabschlusses in Pflege im Gesundheitsberufegesetz verzichtet. Mit diesem Gesetz werden keine neuen Ausbildungen geschaffen. Die berufsspezifischen Kompetenzen, die der Bundesrat festzulegen hat, werden unter Einbezug der betroffenen Hochschulen und der Organisation der Arbeitswelt definiert werden.</p><p>Um den unterschiedlichen Bedürfnissen im Gesundheitswesen gerecht zu werden, hat sich der Pflegeberuf zunehmend ausdifferenziert, allen Profilen gemeinsam ist ein hoher Bezug zur Praxis in der Ausbildung und in der Berufsausübung. Der Bundesrat begrüsst diese Ausdifferenzierung für eine optimierte Versorgung, stellt hingegen keine Tendenz zur Akademisierung fest. 2014 wurden im Pflegebereich rund 7000 Abschlüsse auf allen Bildungsstufen vergeben. Davon wurden rund 850 Bachelorabschlüsse und knapp 50 Masterabschlüsse an Hochschulen erworben. Der überwiegende Teil der Ausbildungen erfolgt also im Rahmen der beruflichen Grundbildung (Fachfrau/Fachmann Gesundheit, Assistentin/Assistent Gesundheit und Soziales) und der höheren Berufsbildung (Höhere Fachschule in Pflege: dipl. Pflegefachmann HF, dipl. Pflegefachfrau HF).</p><p>Eine gute Zusammenarbeit von Pflegepersonen mit unterschiedlichen Kompetenzprofilen und allen Gesundheitsberufen, namentlich den universitären Medizinalberufen, ist auch dem Bundesrat ein wichtiges Anliegen. Deswegen hat er am 4. März 2016 das Förderprogramm Interprofessionalität im Gesundheitswesen 2017-2020 im Rahmen der Fachkräfte-Initiative plus (FKI plus) lanciert. Ziel dieses Förderprogramms ist es, innovative Projekte in der Bildung und in der Berufsausübung zu unterstützen. Mit der Förderung der Interprofessionalität soll die Effizienz der Gesundheitsversorgung gestärkt werden. In interprofessionellen Teams arbeiten die verschiedenen Fachleute koordiniert und eng aufeinander abgestimmt. Damit können Spitalaufenthalte verkürzt und kann die Zahl der Konsultationen reduziert werden.</p><p>Weitere Massnahmen im Rahmen des 2015 beendeten Masterplans Bildung Pflegeberufe zielten auf die Bereitstellung einer bedarfsgerechten Zahl an Ausbildungs- und Praktikumsplätzen: Seit 2007 haben sich die jährlichen Abschlüsse Fachfrau/Fachmann Gesundheit EFZ mehr als verdoppelt; sie decken nun über 84 Prozent des geschätzten Nachwuchsbedarfs. Im Tertiärbereich wird der Bedarf aber nur unzureichend erfüllt. Die Anstrengungen, um die Eintritte in die Pflegestudiengänge der höheren Fachschulen und der Fachhochschulen zu erhöhen, werden fortgesetzt. Der Bundesrat hat zudem das EDI und das WBF beauftragt, zusammen mit den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt (OdA) weitere Möglichkeiten zu prüfen, um im Bereich Pflege die Verbleibdauer im Beruf zu erhöhen sowie die Spätrekrutierung und den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern. Voraussichtlich Ende 2016 wird der Bundesrat über einen entsprechenden Massnahmenplan entscheiden.</p><p>Das Postulat wirft weitere Fragen auf, die nicht in der Bundeskompetenz liegen. Stellenpläne, Funktionen/Hierarchien und Lohneinstufungen von Pflegefachkräften liegen in der Verantwortung der Kantone und der einzelnen Gesundheitsinstitutionen. Die Publikation des Nationalen Versorgungsberichtes für die Gesundheitsberufe 2016 der Gesundheitsdirektorenkonferenz und der Oda Santé, voraussichtlich im September 2016, wird den Kantonen und den Institutionen eine aktuelle Datengrundlage und Erkenntnisse liefern, auf welchen diese in diesem Bereich ihre weiteren Massnahmen aufbauen können.</p><p>Der Bundesrat arbeitet an den Anliegen dieses Postulates. Er legt den Fokus jedoch auf die Umsetzung des Gesundheitsberufegesetzes sowie der Fachkräfte-Initiative und des obengenannten Massnahmenplans. Den zusätzlichen Erkenntnisgewinn eines weiteren Postulatsberichtes schätzt er als gering ein.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.