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Werdegang
Er wird am 4. Mai 1679 in Freiburg im Breisgau geboren. Mit dem Theologen und Gegenspieler Martin Luthers, Johannes Eck ist er nicht verwandt.[1] Mit 18 Jahren tritt er ins Kloster Ettenheimmünster ein, wo der Konvent der Benediktinerabtei soeben aus dem kriegsbedingten Exil zurückgekehrt ist. Regierender Abt bis 1704 ist Maurus Geiger. Unter ihm legt er Profess ab und nimmt den Klosternamen Johannes Baptist an. 1703 feiert er in der Dominikanerkirche Freiburg Primiz. Er ist Prior, als er am 3. März 1710 zum Nachfolger des nur sechs Jahre regierenden Abtes Paulus Vogler gewählt wird.
Ettenheimmünster gegen Strassburg
Er tritt keine einfache Regentschaft an. Ettenheimmünster ist Teil des Hochstiftes Strassburg. Der Krieg des Reiches und seiner Verbündeten gegen Frankreich und Bayern hat das Territorium der Strassburger Fürstbischöfe zwar nie im Visier, sodass der neue Abt, anders als die unter vorderösterreichischer Herrschaft stehenden befreundeten Klöster im Strassburger Bistum, keine Truppendurchzüge und Besetzungen mehr befürchten muss.[2] Mit den französisch dominierten Strassburger Fürsten wird er aber auf Dauerkriegsfuss stehen und in muss in unzähligen Prozessen für alte Klosterrechte gegen den Kardinal und Fürstbischof aus dem Hause Rohan kämpfen.[3] Dieser versucht die Landeshoheit Strassburgs auch im Klostergebiet durchzusetzen und kann dabei auf willige Helfer bei den Klosteruntertanen zählen, welche auf Vergünstigungen bei Fron und Zins hoffen und diese Lasten der Abtei verweigern. Speziell feindselig verhalten sich die Bürger von Münchweier. Der Abt führt in diesem Kampf einen Zweifrontenkrieg. Denn wo die Klosterherrschaft auf vorderösterreichischem Boden liegt, können die Untertanen auf das Reichskammergericht zählen, das in solchen Angelegenheiten gerne gegen das Kloster im Hoheitsgebiet der Rohan entscheidet. In seiner für uns heute unverständlichen barocken Prozessfreudigkeit geht der Abt dann 1734 zu weit, als er Strassburg die Kriminalgerichtsbarkeit aufkündet und mit dieser Machtdemonstration sich und dem Kloster einen schlechten Dienst erweist.
Blühender Konvent
Die grossen Leistungen des Abtes liegen deshalb nicht in den juristischen Auseinandersetzungen, die immerhin 1734 im Druck erscheinen,[4] sondern im zielstrebigen weitern Aufbau der Abtei selbst. Unter seiner Herrschaft erlebt das Kloster die grösste Blüte. Er kann 24 Neueintritte verzeichnen, allein bis 1714 sind es schon zehn. Darunter sind bedeutende Literaten und Musiker, die mit ihren Werken ein bleibendes Zeugnis dieser Blüte geben.[5] Abt Johannes soll die Bibliothek um 15 000 Bände bereichert haben. Auch wenn diese Zahl vielleicht übertrieben ist und die Vergrösserung nur mit Hilfe eines nicht geringen Teils der Gengenbacher Bibliotheksbestände entsteht, ist es doch ein Hinweis auf die Interessenschwerpunkte des Abtes.[6]
Bauabt
Die Blüte zeigt sich auch in den Bauvorhaben. 1718 schliesst der Abt einen Generalakkord über 28 400 Gulden mit dem Baumeister Peter Thumb für den Neubau des Klosters, den Umbau der Stiftskirche aus 1683 sowie einen neuen Kirchturm anstelle der zwei mittelalterlichen Westtürme. 1721 ist der 400 Fuss lange Südflügel unter Dach. 1724 bricht Thumb die Türme ab und beginnt mit dem Kirchenumbau. 1730 wird der östliche Abteiflügel erstellt. 1735 ist das neue Kloster vollständig fertig. Es ist eine stattliche dreigeschossige Anlage mit zwei Höfen, ähnlich, aber grösser als das vom gleichen Baumeister wenige Jahre später begonnene St. Peter im Schwarzwald. Der mächtige Turm mitten im Nordflügel gibt Ettenheimmünster die spezielle Note.[7] In der umgebauten Kirche sind noch bis 1738 Bildhauer, Stuckateure Freskanten und Fassmaler am Werk.[8]
Die Wallfahrtskirche St. Landelin westlich des Klosters mit den vier wunderheilsamen Quellen ist ein Besuchermagnet. Hier verbringt die Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden 1711 schon das fünfte Mal einen Badeaufenthalt in den Bädern unterhalb der Quellen. Abt Johannes will den Ort aufwerten. Im Generalakkord mit Peter Thumb vereinbart der Abt auch den Neubau des Bade- und Gästehauses. Die Vierflügelanlage wird 1727 gebaut.[9]
Der Abt im Urteil der Zeitgenossen
Abt Johannes ist nicht pflegleicht. Er gilt bei seinen Gegnern als stolz und herrschsüchtig. Unerschrocken nimmt er zielstrebig vieles in Kauf, immer das Wohl der Abtei vor Augen. 1723, während des Neubaus, sind auch Spannungen mit dem Konvent vorhanden, er will resignieren, wird dann aber von den Äbten der Strassburger Kongregation daran gehindert. Sein Biograph beschreibt ihn als hager und von hoher Statur. Ein schlecht erhaltenes Porträt des Abtes trifft auf diese Beschreibung zu. Es zeigt als vielleicht zeitgenössisches Gemälde den Abt im Alter von ungefähr 50 Jahren. Unter dem nicht mehr lesbaren Schriftband rechts des Hauptes ist das persönliche Wappen des Abtes zu sehen. Es stellt in Blau ein goldenes Dreieck dar, das von drei goldenen Sternen begleitet wird. Im Dreieck ist eine Sonne eingezeichnet. Zusätzlich zur Inful und dem Krummstab in der Schildbekrönung ist mittig eine siebenzackige Rangkrone angebracht. Er ist der einzige bürgerliche Abt der Barockzeit, der diese sonst von Freiherren benutzte Krone übernimmt. Deutlich malt sie der Konventuale P. Carolus Will in seinem Äbtekatalog, den er zu Lebzeiten des Abtes Johannes beginnt. Ihre Bedeutung wird aber nicht erläutert.
Tod in Wien
Der Kampfansage an den Strassburger Fürsten um die Übernahme der Kriminalgerichtsbarkeit gemäss alten Rechten folgt 1737 ein Todesurteil des Abtes über eine Kindsmörderin. Damit läuft er ins offene Messer der Strassburger Gegner, die mit Strafforderungen gegen Kloster und Abt beim kaiserlichen Reichshofrat vorstellig werden. 1740 reist der Abt deswegen nach Wien. Er erkrankt dort und stirbt am 24. April 1740. Seine letzte Ruhestätte findet er im Schottenstift der Benediktiner an der Freyung im Zentrum von Wien.
Pius Bieri 2011
Literatur:
Kürzel, Albert: Beiträge zur Geschichte des Klosters Ettenheim-Münster, in: Freiburger Diöcesan-Archiv, Band 15, Freiburg im Breisgau 1882.
[2] Im Spanischen Erbfolgekrieg, der von 1701–1714 dauert, wird noch 1713 Freiburg von den Franzosen gebrandschatzt, die Ortenau mit den Klöstern Schwarzach, Gengenbach und Schuttern wird mit Kontributionen erpresst und muss sich Plünderungen der Franzosen aus Strassburg und dem eroberten Kehl gefallen lassen. Das Herrschaftsgebiet der Strassburger Fürstbischöfe ist von 1704 bis zur Französischen Revolution in den Händen der nach Paris orientierten Familie Rohan, nachdem es schon 1663 in die Hände der zur französischen Partei gehörenden Fürstenberger gefallen ist. Seither ist die Strassburger Herrschaft rechts des Rheins eine Exklave der französisch dominierten Strassburger Fürsten.
[3] Armand Gaston Maximilien, Prince de Rohan-Soubise (1674–1749) Fürstbischof von Strassburg, Kardinal und Grosskaplan von Frankreich. Er residiert in Saverne und ist Bauherr des Palais Rohan in Strassburg.
[4] Das Werk «Replicae Apologetica» wird vom Strassburger Fürstbischof unter dem Untertitel «Missbrauch der landesfürstlichen Milde» in Druck gegeben und enthält eine Sammlung von Klagen und Gegenklagen.
[5] Unter den Professen bis 1713 sind: P. Carolus Will (1693–1748) und P. Fortunat Weber (1689–1748) aus Freiburg, beide Verfasser auch geschichtlicher Schriften und Musiker. P. Germanus Cartier (1690–1749) und P. Gallus Cartier (1693–1777) aus Pruntrut, beide Verfasser bedeutender theologischer und philosophischer Schriften. Isidor Montfort (1692–1739) aus Hagenau,ist Komponist, Musiker und Verfasser philosophischer Schriften.
[6] Bedeutende Handschriften und Frühdrucke aus dieser Gengenbacher «Überlassung» kommen bei der Säkularisation Ettenheimmünsters an die Landesbibliothek Karlsruhe. Ist der Grund für die Überlassung vielleicht die Finanzsituation der Abtei Gengenbach, der Ettenheimmünster zu dieser Zeit regelmässig Lehrkräfte zur Verfügung stellt?
[7] Die ganze Klosteranlage wird im 19. Jahrhundert abgebrochen.
[8] Es sind die gleichen Künstler, die vorher in den Konventgebäuden tätig sind. Der Vorarlberger Jakob Felder aus Schoppernau und der Wessobrunner Franz Joseph Vogel (1684–1756) erstellen den Stuck. Für die Ausmalung 1737 ein Akkord mit Johann Baptist Stöber abgeschlossen. Der Bildhauer Michael Winterhalder und der Fassmaler Johann Michael Schmadel erstellen die Altäre.
[9] Drei Flügel sind noch vorhanden, aber durch unsachgemässe moderne Renovationen kaum mehr als barocke Gebäude erkennbar.
|Abt OSB Johannes Eck (1679–1740) von Ettenheimmünster|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|4. Mai 1679||Freiburg im Breisgau D||Vorderösterreich|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OSB der Benediktinerabtei Ettenheimmünster||1710–1740|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|24. April 1740||Wien A||Erzherzogtum Österreich|
|Kurzbiografie|

Abt Johannes Eck ist der bedeutendste Abt des 18. Jahrhunderts in Ettenheimmünster. Er steht einem blühenden Kloster vor, das unter seiner Regierung 24 Neueintritte verzeichnet, darunter später berühmte Literaten und Musiker. Er beginnt schnell nach seiner Wahl mit dem Klosterneubau durch Peter Thumb und lässt von ihm auch die Kirche umbauen. Thumb baut auch das neue Bad- und Gästehaus bei St. Landelin, das zu einem wahren Besuchermagnet wird. Abt Johannes ist nicht pflegeleicht, mit den Strassburger Fürstbischöfen aus dem Hause Rohan ist er wegen Wahrung alter Klosterrechte im Dauerstreit. Bei der Verteidigung gegen eine Strassburger Klage am Reichshofrat stirbt er in Wien.
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