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Die Wiederherstellung von vergangenen Ereignissen, um sie filmisch festzuhalten, hat im Dokumentarfilm eine lange Tradition. An der Tagung ZDOK.16 wurden unterschiedliche Spielformen von Reenactment sowohl aus der Macher/innen-Perspektive als auch aus theoretischer Sicht zur Diskussion gestellt.
Do it again – Reenactment im Dokumentarfilm
Im Einführungsreferat von Christian Iseli wurden verschiedene Spielformen des Reenactments im Hinblick auf Methodik und Wirkung untersucht. Dabei soll auch die Imagination thematisiert werden. Wie kann diese eigentlich zur Entfaltung kommen, wenn den Zuschauer/innen mit den Reinszenierungen möglichst alles gezeigt wird?
Reenactments Make History
The ways in which reenactments draw attention themselves as reenactments are often closely tied to the historical and cultural circumstances in which they were made. As consequence, their recognisability has sometimes been quite unreliable. What is recognised as acceptable for the reenactment has also continued to change over time. How can reenactments help us think about the mediated nature historical events?
Die Gretchenfrage des Reenactments
In seiner Philosophie der Geschichte (1946) bestimmt Robin G. Collingwood «die Geschichte des Denkens» – und damit alle Geschichte – als «Nachvollzug des Denkens der Vergangenheit im Geiste des Geschichtsschreibers» als: reenactment of past thought. Die Frage nach dem dokumentarischen Anspruch der Praktiken des Reenactments ist damit so etwas wie die «Gretchenfrage» des Reenactments, insofern hier zugleich die Frage nach dem Status der Nachahmung thematisiert wird und deren Praktiken zwischen dem Pol der Historiografie und jenem der Kunst aufgespannt werden.
Acting Out and Working Through
Just as all documentaries are arguably re-enactments, so all re-enactments contain elements of ‘acting out’. Using Freud’s 1914 essay ‘Remembering, Repeating and Working Through’ as a springboard, Stella Bruzzi has established how often re-enact- ment can become working through? When does a documentary re-enactment also begin to embody the understanding and resolution of a past action, and become more than ‘acting out’?
Until It Hurts
Live Video Talk: The double Oscar nominated filmmaker Joshua Oppenheimer talked with Sabine Gisiger and Christian Iseli about his films THE ACT OF KILLING and THE LOOK OF SILENCE.
Darf man dem Verräter eine Plattform geben?
In ANDERSON zeigt sich das Reenactment vorwiegend über das Szenenbild und stellt sich den Fragen: Wie begegnet man einem Hauptprotagonisten, der zeitweilig zwei Leben geführt hat? Wie begegnet man einem aalglatten Manipulator ohne selbst manipuliert zu werden? Was ist echt, was ist Legende, wie funktioniert Täuschung und Manipulation, wie enthüllt sich doppeltes Spiel?
Von der offenen Form zum Dokudrama
Der deutsche Autor und Regisseur Heinrich Breloer zeichnet in seinem Vortrag die Entwicklung des Dokudramas nach, die er in seinen Filmen seit den achtziger Jahren vollzogen hat. Der vielfache Adolf-Grimme-Preisträger brachte seine Methode unter anderem in den grossen Mehrteilern DAS TODESSPIEL (1997), DIE MANNS (2001) und SPEER UND ER (2004) zur Geltung.
Fantasmatics and the Documentary
Bill Nichols describes the most common types of re-enactments and how they are shaped by the fantasmatic. He will explain how a fantasy element generally penetrates the documentary field, shaping certain perspectives on the world, or promoting mocking and self-contradictory attitudes, as is the case with mockumentaries or other ironically narrated films.
The Authenticity Machine
Creating often means working with something that already exists. If there is an art that can hardly do without this fundamental relationship to the already existing reality, it must be the documentary film. But what can you do when reality eludes you?
Vom traumatischen Raum zum Möglichkeitsraum
Entwicklung der Arbeitsmethoden von Milo Rau: vom detailgetreuen Reenactment zu den Möglichkeitsräumen der inszenierten Gerichtsprozesse.
Praxis Podium I – Kreative Potentiale CH
Anja Kofmehl arbeitet bei CHRIS THE SWISS mit den Mitteln der Animation, Dominique Margot reinszeniert in LOOKING LIKE MY MOTHER subjektive Kindheitserinnerungen und Natalie Pfister konfrontiert in FAMILIENBRUCHSTÜCK ihre Protagonisten mit ihren eigenen Interview-Aussagen, die von Schauspielern interpretiert werden.
Praxis Podium II – Dokudrama CH
In einer Podiumsdiskussion beurteilen Stefan Haupt (DER KREIS), Nathalie Rufer (stellvertretende Bereichsleiterin Dokumentarfilm und Reportage) und Werner Schweizer (VERLIEBTE FEINDE) die Chancen des Genres und geben Einblick in Machart und Wirkung der diskutierten Filme. Nathalie Rufer wird anhand des Films DER LANDESVERRAT (Hans-Jürg Zumstein) speziell auf produktionelle Bedingungen und die Publikumswirkung von Dokudramen beim SRF zu sprechen.
Schlusspodium – Authenticity and Repetition
An der Podiumsdiskussion am Ende des zweiten Tages diskutieren Jean-Stéphane Bron, Stella Bruzzi, Bill Nichlos und Milo Rau über die wichtigsten Ansätze und Erkenntnisse, die während der Tagung ZDOK.16 zu Tage getreten sind. Folgende Fragen sollen behandelt werden: Welche Entwicklungsmöglichkeiten haben Reenactments in der dokumentarischen Form? Worin liegt das Authentische des DO IT AGAIN? Welcher Wirklichkeitsanspruch kann von ihm ausgehen? Inwiefern dienen Reenactments einem politischen Diskurs?
Redaktionsgruppe: Sabine Gisiger, Marille Hahne, Marius Born und Christian Iseli (Leitung)
©Fotos: Katrin Haunreiter