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22 Jahre. Ab 1979 erteilt Claus Ogerman 22 Jahre lang eine Abfuhr nach der anderen. Prince klopft an, Ogerman winkt ab. Die grosse Jazz-Diva Ella Fitzgerald klopft an, Ogerman winkt ab.
Natalie Cole, die Tochter des berühmten Crooners Nat King Cole, fragt an – und Claus Ogerman meint: «Dir ist sicher bewusst, dass du einen Bestseller in den Händen hältst. Egal, wer die Streicherarrangements schreibt.» Und sagt ab.
Mit gutem Grund
Dass trotz all dieser Absagen der Strom an Anfragen nie abriss, kann natürlich nur einen Grund haben: Die Arbeit, die Claus Ogerman in den 20 Jahren von 1959 bis 1979 lieferte, war brillant.
So brillant, dass einfach jeder und jede im Jazz-, Rock- und Pop-Musikbusiness mal ein Arrangement von Claus Ogerman haben wollte. Oder zwei.
Mit Klängen zaubern
Die erste, die mit einem Arrangement von Claus Ogerman an die Spitze katapultiert wurde, war Lesley Gore. Ihr Sommer-Hit «It’s My Party» ist von Ogerman arrangiert. Hätte jeder gekonnt, meinte Ogerman später dazu.
Die Arbeit mit den ganz Grossen dann, mit «The Voice» Frank Sinatra, mit dem Bossa-Nova-König Antonio Carlos Jobim, mit dem Superstar Barbra Streisand – die hätte nicht jeder gekonnt. Wie Claus Ogerman die Streicher in der musikalischen Landschaft verteilte, wie er die Klänge vermischte und Dissonanzen zu Wohlklängen verzauberte: Das war einmalig.
Sprung nach New York
Anlauf zu seiner Weltkarriere nahm Claus Ogerman in Bayern, als Flüchtlingskind Klaus Ogermann. Als die Russen im damals preussischen Ratibor einmarschierten, wurden alle Deutschen vertrieben, der Vater war im Krieg verschollen, die Mutter starb auf der Flucht. Mit seinen Geschwistern zusammen baute sich Ogermann in der Nähe von Nürnberg eine neue Zukunft auf.
Er übte und studierte wie ein Berserker und gehörte schon als Teenager zur Kurt Edelhagen-Big Band, einer wichtigen Unterhaltungsband der Zeit. Mit 29 dann wagte er den Sprung nach New York und war innert Kürze ein gesuchter Mann.
Champagner jeden Tag
Nach 20 Jahren Qualitätsarbeit befand Ogerman, er habe jetzt «genug Geld für ein Glas Champagner und ein Steak jeden Tag». Er konzentrierte sich auf seine eigene Musik. Grossartige symphonische Gebilde, in denen sich Ogerman keinen Deut schert um die Grenze zwischen klassischer Musik und anderen Stilen.
Vielleicht war es die nicht allzu grosse Resonanz auf seine eigene Musik, vielleicht auch einfach Altersmilde: Nach zweiundzwanzig Jahren sagte Claus Ogerman dann wieder zu. Wie ein Sechser im Lotto muss das gewesen sein – und den Jackpot für sich in Anspruch nehmen durfte Diana Krall, die Sängerin und Pianistin.
Musik an erster Stelle
Gestorben ist Claus Ogerman im März dieses Jahres – und bekannt geworden ist es erst im Herbst. Auch das passt zu Claus Ogerman. Die Musik war immer zuerst. Er war the man behind.