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Ich war zu Besuch in Bitterfeld und wunderte mich über diesen Ort, wo es die Säurestrasse und die Chlorstrasse gab und viele abgesperrte Landstücke, auf denen nur Kies, kleine Pflanzen und geflutete Erdlöcher zu sehen waren. Eine Weile stand ich an so einer Parzelle. Hinter dem Zaun wuchsen ganz viele Kamillen und der Wind trug mir ihren herben Duft entgegen.
Später ging ich den Schwarzen Weg entlang, nahe den Bahngeleisen und zählte das Geld in meiner Hosentasche, das dabei klimperte. Ich bemerkte, dass ein Mann mir entgegenkam, der wie ein Penner aussah und erwartete, dass er mich anpumpen wird. Wie er näherkam, sah ich, dass er alt, vielleicht krank war und in abgetragenen Kleidern gebeugt daherkam. Er hielt Plastiksäcke und – einen Blumenstrauss in der Hand. Beim Vorübergehen traf mich aus seinen Augen ein trauriger Blick. Ich fühlte mich ertappt, als hätte er meine knauserigen Gedanken gelesen und schämte mich, fragte mich auch, wem er die Blumen wohl bringen würde und fand plötzlich alles derart trostlos, dass ich nur noch weg wollte.
Meine letzten Gedanken las ich vom Fenster des ausfahrenden Zuges aus, «Bitterfeld blüht», stand da, auf die Wand eines Güterschuppens gesprayt.
Als Kind dachte ich, die Bäume machen den Wind, wenn sie schwanken und ihre Äste wie Arme bewegen. Jahre später träumte ich von einem leeren Zimmer, Kerzen brannten und erhellten matt das Holz aus dem die Wände und der Boden gemacht war. Sie waren fast heruntergebrannt, deshalb blies ich ihre Flammen aus.
Ihr warmer Lichtschein aber verschwand nicht aus dem Raum, sondern blieb ton- und körperlos über dem Holz schweben.
Sie war weit gereist und schlief am Strand in einer Hütte aus Holz. Am Ende der Nacht waren die Wände bedeckt von Schmetterlingen, die sich paarten. Sie wussten nichts vom Strand und der Hütte, flogen davon, einer nach dem anderen und liessen sie zurück, im Licht des neuen Tages. So erzählte sie ihm diese Geschichte, verwandelte sich in einen Schmetterling, flog davon und liess ihn zurück, ohne Strand und ohne Hütte, aber ebenfalls im Licht eines neuen Tages.
Olga hatte es satt. Sie strickte den Strumpf zu Ende, packte ihren Koffer und machte sich auf den Weg zu ihrer Schwester, die hoch im Norden wohnte. Die Fahrkarte kostete sehr viel, und die Fahrt selber dauerte 380 Jahre, aber schliesslich sassen sie beisammen auf der Bank vor dem Haus und betrachteten die Polarlichter.