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Streichquartett Nr. 14
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf das Streichquartett Nr. 14 in cis-Moll.
Ob das Quartett auch keine Bearbeitung sei, wollte 1826 der Schott-Verlag vor Abschluss des Vertrages über die Drucklegung wissen. Beethoven, darüber ein wenig verärgert, notierte auf die Stichvorlage: «zusammengestohlen aus verschiedenem diesem u. jenem.» Aus Sorge, man könnte ihn am Ende beim Wort nehmen, folgte nur wenig später in einem Brief aufklärend: «sie schrieben, daß es ja ein original quartett seyn sollte, es war mir empfindlich, aus Scherz schrieb ich daher bey der Aufschrift, daß es zusammen getragen. Es ist unterdeßen Funkel nagelneu.»
Abgesehen von dem Sprachwitz und der hintersinnigen Wortwahl dieser Bemerkung verweist sie auf ein Werk, das gleich in mehrerlei Hinsicht neu ist: Mit insgesamt sieben Sätzen (Beethoven sprach indes von «Stücken»), von denen sich vier zu zwei Paaren zusammenziehen lassen, stösst die Komposition schon rein äusserlich in neue Dimensionen vor. Doch auch die einzelnen Satzcharaktere weisen weit über den zeitgenössischen Horizont hinaus und bis in das 20. Jahrhundert hinein: das schwermütige Fugato des ersten Satzes, der auf feine Art in sich kreisende zweite, der rezitativische dritte, der zu den zentralen Variationen überleitet, das vorwitzige Presto sowie der kurze, elegische sechste Satz, der dem kantig-subjektiven Finale vorangeht. Auch wenn Beethoven keine öffentliche Darbietung des Werkes mehr erlebte, verlangte er doch eine Aufführung nahezu ohne Pausen. So fragte Karl Holz, der Cellist des Schuppanzigh-Quartetts, bereits Ende August 1826 in einem Konversationsheft: «Muß es ohne aufzuhören durchgespielt werden? – Aber dann können wir nichts wiederholen! – Wann sollen wir Stimmen? […] Wir werden uns verlässliche Saiten bestellen.» Die entsprechenden Antworten kann man sich mühelos vorstellen.
Vertraut man den später von dritter Hand aufgezeichneten Erinnerungen von Holz, so war es auch dieses Streichquartett, das zur letzten Musik wurde, die Franz Schubert hörte. Ein paar Tage vor dessen Tod soll es zu einer privaten Aufführung gekommen sein; möglicherweise übernahm Schubert gar selbst den Viola-Part. Ludwig Nohl berichtet darüber: «Die Herren Holz, Karl Groß, Baron König spielten es ihm zu liebe, es war nur noch Doleschalek, Clavierlehrer, zugegen. Schubert kam in solche Entzückung, Begeisterung und ward so angegriffen, daß alle für ihn fürchteten. Ein kleines Uebelbefinden, das vorhergegangen und noch nicht gründlich gehoben war, steigerte sich riesig, ging in Typhus über, und Schubert war nach fünf Tagen todt.» (Beethoven, Liszt, Wagner. Ein Bild der Kunstbewegung unseres Jahrhunderts, Wien 1874, S. 111 f.)
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