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Joe Haider Trio
tg. Die Erinnerung ist bekanntlich das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Im Titelstück seines neuen Albums erinnert sich der 1936 geborene Joe Haider an die "unzählbaren Stunden, die ich in meiner Kindheit mit meinen Geschwistern in Grossvaters prachtvollem Garten verbracht habe": Für den Pianisten ist "Grandfather's Garden" (JHM Records/Plainisphare) eine Art Comeback, mit dem er sich auf der Schweizer Jazzszene zurückmeldet. Als langjähriger Leiter der Berner Swiss Jazz School hat Haider diese Szene mitgeprägt, für sein neues Trio hat er sich mit zwei jungen Absolventen dieser Schule zusammengetan: Georgios Antoniou (Bass) und Daniel Aebi (Drums). Der Veteran und die Newcomer bilden ein kompaktes Trio, das sich beherzt durch die Gefilde des modernen Mainstream manövriert. Das kleine Wunder des relaxten Albums ist der Ideenfluss in Haiders Spiel. Die neue Frische hängt zweifellos mit Haiders Abschied vom Alkohol zusammen.
Lee Konitz
tg. Auf seine improvisatorischen Streifzüge begibt er sich mit der Ruhe und Gelassenheit eines Flaneurs, wobei er stets darauf bedacht ist, neue Entdeckungen zu machen. "Sobald ich mich ein melodisches Segment spielen höre, das ich bereits kenne, nehme ich das Instrument aus dem Mund", sagt der weise, 73-jährige Altsaxofonist Lee Konitz. Ende der Vierzigerjahre war er der erste Altist, dem es gelang, aus dem Schatten des heiligen Monsters Charlie Parker herauszutreten. Seither verfolgt er konsequent eine improvisatorische Haltung, die auf das Vermeiden von Klischees aus ist und nach Reinheit und Klarheit strebt. Auf der 1999 eingespielten CD "Sound Of Surprise" (BMG) wird er von brillanten Mitmusikern begleitet: John Abercrombie (Gitarre), Marc Johnson (Bass) und Joey Baron (Drums) -, und auf einem Drittel der 12 Nummern stösst mit dem Tenorsaxofonisten Ted Brown ein Freund aus alten Tagen dazu, auch er ein Schüler des Pianisten Lennie Tristano.
Andrew Hill
tg. In den Sechzigerjahren nahm er eine Reihe bahnbrechender Alben für das Label Blue Note auf, um danach mehr und mehr von der Bildfläche zu verschwinden. Nun ist er wieder da: der 1937 geborene Pianist Andrew Hill, den der Kritiker Don Heckman als Kreuzung aus Thelonious Monk, Bill Evans und Cecil Taylor beschrieben hat. Hill ging bereits in jungen Jahren auf Kollisionskurs mit Jazzkonventionen. Sein neues Album "Dusk" (Palmetto/ MV) kann auch als Manifest wider den neokonservativen Zeitgeist verstanden werden. Aber Achtung: Hill ist kein rabaukenhafter Freitöner, er schreibt komplexe Kompositionen, die die Interpreten ganz schön ins Schwitzen bringen können. Der langjährige Hill-Bewunderer Greg Osby: "Man muss beweglich und schnell sein, um den Beat nicht zu verlieren. Hill hat ein vollkommen elastisches Zeitgefühl." Auf "Dusk" präsentiert der hellwache Veteran ein brillantes Sextett, zu dem u.a. Marty Ehrlich und Billy Drummond gehören.