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WHFF Projekt: 2019.15
Projektleiter: Thomas Wohlgemuth
Das Kurzvideo zum Projekt auf Youtube kann unter folgendem Link angesehen werden: https://youtu.be/DWs3Z9QO-Zs
Das Wichtigste in Kürze
Das Projekt untersucht welche Standorte in der Schweiz in einigen Jahrzehnten noch für die Buche geeignet sein werden bzw. auf welchen Standorten mit gravierenden Ausfällen gerechnet werden muss
Es wurde das Wachstum und die Kronenschäden der Buche unter verschiedenen Standortbedingungen untersucht
Kronenschäden waren an den trockensten Standorten mit flachgründigeren Böden und bei kleineren und langsamer wachsenden Bäumen am grössten
Die Konkurrenzfähigkeit der Buche hat auf suboptimalen Standorten im Tiefland abgenommen und die Art wird sich voraussichtlich auf Standorte mit besserem Wasserrückhaltevermögen zurückziehen.
Ein vollständiges Verschwinden der Buche ist derzeit jedoch nicht zu erwarten.
Projektbeschreibung
Die Sommertrockenheit von 2018 war auf der Alpennordseite die längste und extremste Dürreperiode ohne Niederschläge seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1864. Während der heissesten Phase dieser Dürre im Juli und August setzte in den trockensten Regionen der Schweiz bei der Buche und anderen Laubbaumarten eine verfrühte Laubverfärbung ein, die teilweise zu vorzeitigem Laubfall führte.
Im Folgejahr 2019 zeichnete sich das Ausmass der Dürreschäden insbesondere in den Kantonen Jura (Ajoie), Solothurn, Baselland und Schaffhausen deutlich ab, wo lokal Buchenbestände mit Baummortalitäten von 50 % bis 80 % bekannt wurden.
Da aufgrund des Klimawandels zu erwarten ist, dass ausgeprägte Trockenperioden wie jene im Jahr 2018 künftig häufiger auftreten werden, stellt sich zunehmend die Frage, welche Standorte in der Schweiz in einigen Jahrzehnten noch für die Buche geeignet sein werden bzw. auf welchen Standorten mit gravierenden Ausfällen gerechnet werden muss.
Im Rahmen von Modul 1 wurde in den Sommern 2020 und 2021 der Kronenzustand und der Pathogenbefall der Bäume aus dem vorangegangenen 1000-Buchen-Projekt erneut erhoben. Im Modul 2 wurden im Sommer 2020 und 2021 in neun Buchenbeständen in der Ajoie (Kanton Jura), die unterschiedlich stark von der Sommerdürre 2018 betroffen waren, der Kronenzustand von knapp 200 Buchen beurteilt.
Schussfolgerung
Buchen auf trockenen Böden waren in Gebieten mit klimatischer Trockenheit, insbesondere in den untersuchten Beständen in den Kantonen Baselland und Schaffhausen am stärksten von den Folgen der 2018er-Trockenheit betroffen. Dort sind sowohl eine vorzeitige Laubverfärbung als auch frühzeitiger Laubfall als ein Indiz für eine Schwächung der Buchen zu betrachten. Von den Bäumen mit diesen Anzeichen starben bis 2021 in Schaffhausen 10% und im Baselbiet 7% ab. Diese Prozentzahlen sind als konservativ zu werten, da weitere 20% der Bäume der Stichprobe aus Sicherheitsgründen vorzeitig gefällt wurden, darunter auch stark geschädigte. In der Region Bremgarten/Affoltern (AG/ZH) war der Anteil mit 2% deutlich geringer. Die Kronenmortalität erreichte 2020 durchschnittlich ein Maximum von 30% in Schaffhausen.
Das nasse 2020 führte im Folgejahr 2021 zu sattem Grün und zu einer geringeren Kronenmortalität, bedingt durch die Neubildung von Klebästen. Bäume mit starker Kronenmortalität wiesen 2021 auch am meisten Bohrlöcher durch Borkenkäfer auf. Ein Jahr nach der Trockenheit 2018 kulminierte der Anteil von Bäumen mit Schleimfluss am Stamm auf einen Prozentwert von 22%. In den zwei folgenden Jahren nahm Schleimfluss generell ab.
Die Untersuchung von neun Waldbeständen in der Ajoie zeigte, dass Buchenbestände auf flachgründigen Böden und innerhalb der Bestände konkurrenzschwache Buchen mit geringerer Wuchsstärke grössere Schäden aufwiesen als solche Buchenbestände auf gut mit Wasser versorgten Böden und im Bestand dominante Buchen mit grosser Wuchsstärke.
Aus den Ergebnissen dieses Projektes schliesst das Autor:innenteam, dass die Buche auf flachgründigen Böden mit begrenzter Wasserspeicherkapazität in Zukunft wahrscheinlich weniger gut mit extremen Trockenperioden im Rahmen des Klimawandels zurechtkommen wird. Regionen mit wiederholt negativer Niederschlagsbilanz im Sommer sind davon besonders betroffen, ebenso flachgründige Böden in klimatisch günstigen Buchenlagen. Kleinräumliche Unterschiede, hervorgerufen durch die Topographie und edaphische Unterschiede können zu den Mustern führen, die im Feld angetroffen wurden: stark geschädigte Buchen in unmittelbarer Nähe von beinahe unversehrten Bäumen.
Hier geht es zum vollständigen Bericht:
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf ARAMIS.
Das Projekt wurde von der Wald- und Holzforschungsförderung Schweiz WHFF-CH des Bundesamt für Umwelt BAFU und der Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft KWL der Kantone unterstützt.