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«Worauf kannst du als Vollzeit-Hausfrau verzichten?»
«Auf die Frage ‹Schaffsch du?›»
Seme Kaba (36) beschreibt ihr Karriereziel so: «Kinder heranzuziehen, die sich ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung bewusst sind und kreativ und mit viel Enthusiasmus ihren Beitrag zum Gemeinwohl leisten.» Seme Kaba lebt mit Mann und drei Söhnen (5, 7 und 9) in Biberist SO.
«Warum hast du überhaupt Kinder?»
«Hättest du mich das auch gefragt, wenn ich ein Mann wäre?»
Jill Altenburger (41) hat drei Kinder und arbeitet 80 Prozent als Chief Marketing Officer bei einem digitalen Finanzdienstleistungsunternehmen. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.
«Sind Kunst und Kind vereinbar?»
Arbeit mit Kind ist anspruchsvoller als ohne, egal um welche Arbeit es sich handelt. Ich bin gezwungen, effizienter zu arbeiten. Meine Tochter ist mir auch eine Hilfe: Sie bringt mich dazu, über meine Tätigkeit als Schriftstellerin zu reflektieren. Ich versuche, künstlich eine Perspektive einzunehmen, die sie natürlich hat. Unvoreingenommen fasst sie ihre Beobachtungen in Worte. Sie sucht nach den treffenden Begriffen und freut sich, wenn sie verstanden wird. Vor allem zeigt sie mir, wie befreiend es sein könnte, nichts zu unterdrücken.»
Meral Kureyshi (39) ist Schriftstellerin und lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter (1) in Bern.
«Was fehlt?»
«Fehlen tut mir an sich nichts, da ich es nie anders hatte. Aber sehr cool wäre zum Beispiel ein zweites Einkommen oder jemand, der die Katze füttert.»
Naydin Font Palma (27) ist Leiterin Berufsbildung und wohnt in Worben BE. Sie hat eine Tochter (6), die sie seit deren erstem Lebensjahr allein erzieht – «manchmal hilft mir die Katze dabei».
«Räumst du die Zimmer deiner Kinder auf?»
«Nein, das machen sie selber. Meine Tochter hat es von mir gelernt, mein Sohn hat es bei seiner Schwester abgeschaut: Kleider und Schuhe ordnen, Spielsachen aufräumen, Möbel abstauben. Inzwischen probiert mein Sohn sogar seine Kleider durch, sortiert sie aus, platziert sie um. Chaos geht bei mir gar nicht.»
Emilia Carvalho (48) ist Reinigungsfachfrau und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern (15 und 10) in Zürich.
«Vermisst du deinen Körper, wie er vor der Geburt war?»
«Bevor ich meine zwei Kinder bekam, hatte ich ein hundsmiserables Körpergefühl, ich habe mich kaum in die Badi gewagt. Heute bin ich so schwer wie noch nie und fühle mich am allerwohlsten im Bikini. Das Schwangersein und die Geburten haben meinen Blick auf meinen Körper total verändert: Ich mein, ich habe Knochen heranwachsen lassen! Wie surreal es ist, dass mein Körper zwei kleine Menschen erschaffen und sie dann auch noch geboren hat. Ich kann nicht anders, als ihn dafür zu bewundern.»
Nathalie Sciarrone (30) ist selbständige Grafikerin und begleitet als Doula werdende Mütter. Sie ist Mutter von zwei Buben (3 und 6) und lebt mit ihrer Familie am Stadtrand von Zürich.
«Wie sehr schmerzt es, wenn das Kind verliert?»
«Ein verlorener Match ist für mich nicht wichtig. Aber als Verteidiger-Mami leide ich immer wahnsinnig fest mit. Furchtbar. Es bricht mir das Herz, wenn mein Sohn enttäuscht über sich selber ist.»
Tanja Gysi (48) ist Medizinische Praxisassistentin und lebt mit ihrer Familie in Galgenen SZ. Ihr jüngerer Sohn ist Verteidiger bei den Rapperswil Jona Lakers in der höchsten Juniorenliga.
«Was ist eine gute Mutter?»
«Ich fühle mich wie eine gute Mutter, wenn meine Töchter mich beim Nichtstun sehen. Am liebsten in der Hängematte oder in der Badewanne. So lernen sie von mir Selbstfürsorge und Erholung statt Aufopferung und Erschöpfung.»
Ellen Girod (38) ist Journalistin und digitale Unternehmerin. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter (7) entschied sie sich, vorerst zuhause zu bleiben und sich primär der Care-Arbeit zu widmen. Unterdessen ist sie zurück im Erwerbsarbeitsleben (70 Prozent), hat eine Firma gegründet und verdient Geld mit ihrem Podcast «Go Hug Yourself!»
«Kannst du blind vertrauen?»
«Als Sehbehinderte finde ich diese Redewendung eher schwierig. Ich musste mir meine Selbstständigkeit im Leben erkämpfen. Mit 26 Jahren wurde ich zum ersten Mal Mutter, ein Jahr später kam mein zweiter Sohn auf die Welt – und bald danach war ich alleinerziehend. Dass die Kinder sicher aufwachsen, hat mein Vertrauen vor allem in mich selbst gestärkt. Es gab lange Zeit nur mich und meine Jungs. Mit meinem neuen Partner, dem ich zu hundert Prozent vertraue, sind wir nun ein eingespieltes Team.»
Bei Luana Maione (36) wurde als Baby der Grüne Star diagnostiziert; auf dem linken Auge sieht sie noch fünf Prozent, auf dem rechten nichts mehr. Sie lebt mit ihren Söhnen (9, 10) und ihrem Partner in Lenggenwil SG.
«Wie teilt sich Mutterliebe auf?»
«Anders, als man denken könnte. Mutterliebe wird nicht in Tranchen aufgeteilt, gerecht portioniert. Vielmehr ist es so, dass ich meine Kinder von Anfang an als individuelle Spezialitäten angesehen habe. Jedes ist mit einem eigenen Charakter auf die Welt gekommen, eine Bereicherung für die Welt und für mich persönlich. Es ist, als würde meine Liebe zwischen den Kindern und mir auf einer Schiene hin- und herlaufen, immer dahin, wo sie am meisten gebraucht wird. Sie durften sich mit meiner mütterlichen Unterstützung stets selbst entwickeln.»
Heide-Dore Bertschi-Stahl (66) hat ihre sechs Kinder weitgehend alleinerziehend aufgezogen. Die Naturheilpraktikerin mit eidg. Diplom TEN bildet in ihrer eigenen Akademie in Gais AR, Hettlingen ZH und im Tessin Fachnachwuchs aus.
«Was bleibt, wenn alle Kinder weg sind?»
«Manchmal fühle ich mich tatsächlich einsam, weil ich allein in meiner Wohnung lebe. Aber meine Kinder besuchen mich mit ihren Kindern. Sie sind gross und erwachsen geworden und leben einfach ihr Leben. So sollte es auch sein.»
Margherita Simeone (80) ist pensioniert und wohnt in Staufen AG. Sie hat drei Kinder, fünf Enkel:innen und zwei Urenkel:innen. Mit ihr auf dem Bild sind: Vittoria (53), Brigida (33), Lya (20), Aylin (11) und Maria (2).
«Was nimmst du mit in den Gebärsaal?»
«Vertrauen in meinen Körper und in das mich begleitende Team – und grosse Vorfreude auf mein Kind.»
Andrea, Gynäkologin (31), Bern. Ende Oktober wurde ihr erstes Kind geboren.
«Wie bestraft man Kinder richtig?»
«Wenn ich ein Rezept dafür hätte, wäre unser Alltag mit unseren zwei kleinen Jungs sicher viel einfacher. Bestraft wird meist aus Überforderung der Erwachsenen und es liegt im Grunde in ihrer Verantwortung, den Alltag so zu gestalten, dass möglichst eine bejaende Atmosphäre entsteht. Dafür braucht es wenige, aber klare Regeln, die konsequent eingefordert werden – und viel Humor.»
Sara Rossi (40) ist Berufsschullehrerin, Kindheitspädagogin und engagiert sich in der Eidgenössischen Kommission dini Mueter EKdM. Sie lebt mit Partner und zwei Buben (3 und 6) in Bern.
«Was hilft dir, dich im Lot zu halten?»
«Das Muttersein. Meine Kinder geben mir Kraft, Halt und Liebe, das hilft mir, ja, zwingt mich sogar, auf dem Boden zu bleiben. In meiner Praxis bin ich natürlich ganz für meine Patient:innen da, aber ich muss darauf achten, dass ich mich nicht verausgabe und meine Arbeitszeiten nicht überziehe. Ich will pünktlich bei meinen Kindern sein.»
Fana Asefaw (52) ist Kinder- und Jugendpsychiaterin und Mutter zweier Kinder im Teenageralter. Ihr Spezialgebiet ist die Behandlung von traumatisierten Kindern und Jugendlichen nach Flucht und Migration. Sie lebt in Zürich.
«Gibt es in eurer Familie so was wie eine Mutterrolle?»
«Nein. Als gleichgeschlechtliches Paar teilen wir Care-Arbeit mit einem anderen Selbstverständnis auf als verschiedengeschlechtliche Paare. Uns kommen dabei nicht tief verankerte Rollenverständnisse in die Quere, das macht uns diesbezüglich viel freier und stärkt enorm unser Gefühl, ein Team zu sein. Die Möglichkeit, dass wir beide unser Kind hätten austragen können, verstärkt zudem unsere Nähe in der Partnerschaft noch mehr. Das Mitfühlen und Mitdenken auf körperliche und seelische Zustände der Partnerin bezogen, ist in unserem gemeinsamen Elternsein sehr ausgeprägt.»
Ledwina Siegrist (33) und ihre Frau Müriel (35) gehören zu den ersten verheirateten gleichgeschlechtlichen Paaren der Schweiz. Im Winter 2021 kam ihr Kind zur Welt. Sie leben in Basel.
«Ist man als Stiefmutter immer nur Mutter zweiter Klasse?»
«Nein, weil ich mich nie als Mutter gesehen habe. Ich bin Partnerin eines Mannes mit zwei Kindern und etwas anderes wollte ich auch nie sein. Ich werde nie konkurrieren können mit all den Erinnerungen der leiblichen Mutter an die Geburt und die frühe Kindheit. Und das ist auch vollkommen in Ordnung für mich. Der Stiefvater und ich, wir haben uns immer als ‹die Angeschwemmten› bezeichnet, hatten eine andere Aufgabe als die Eltern. Die Kinder wussten, dass wir für sie da sein würden, aber eben immer an zweiter Stelle. Mir war wichtig, dass mein Mann, der sich leidenschaftlich um seine Kinder kümmert, nicht meinetwegen seine Familie verpassen muss.»
Cristina Arrigucci (58) lebt in Winterthur und arbeitet als Complaint Managerin und Künstlerin. Vor rund dreissig Jahren wurde sie Stiefmutter von zwei Kindern, damals im Alter von vier und sechs.
«Wie viel Zeit gönnst du dir selbst?»
«Zwei bis drei Stunden pro Woche. In dieser Zeit versuche ich mir Gutes zu tun, mich auszuruhen oder etwas zu dekorieren. Aber Ausruhen ist nicht mein Ding. Mein Mann sagt mir immer: ‹Setz dich doch mal für ein paar Minuten!› Einmal im Monat fahre ich zu meiner Ernährungsberaterin nach Zug, gehe ein bisschen shoppen und bin zum Zvieri wieder auf dem Hof zurück. Im letzten Dezember zog ich die Notbremse. Ich nahm immer mehr zu, stiess psychisch an meine Grenzen. Mir wurde klar, dass ich mir Sorge tragen muss, um für meine Familie und den Hof da sein zu können. Seither ernähre ich mich bewusster, was letztlich allen zugutekommt. Und ja, ich hoffe, dass wir es schaffen, wieder einmal in die Ferien zu fahren. Die letzten liegen zwölf Jahre zurück.»
Nicole Zehnder (45) ist Bäuerin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Töchtern (16, 14 und 6) in Cham ZG. Ihr Arbeitstag beginnt um 5.15 Uhr im Stall und endet um 21.30 Uhr, wenn die jüngste Tochter im Bett ist.