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Verkehrsprobleme – und eine Strategie
Die Hauptstrasse weist einen durchschnittlichen täglichen Verkehr (DTV) von 10‘000 Fahrzeugen auf. Egal wie oder wohin wir den Verkehr lenken, wir vernichten ihn nicht. Es kann also nur darum gehen, mit dem Verkehr – übrigens der grösste Teil hausgemacht – möglichst gut umzugehen.
Dass der Bahnhof im Zentrum von Goldach liegt, ist ein grosser Vorteil. Lei-der gibt es keinen Bahnverkehr ohne Geleise und Übergänge. Das ist die Kehrseite der Medaille.
Lösungsvarianten
Seit Jahrzehnten diskutieren die Behörden auf Gemeinde- und Kantonsebene verschiedenste Lösungsansätze. Mit der Verkehrsrichtplanung machte der Gemeinderat eine Auslegeordnung aller Möglichkeiten. Dabei verwarf er beispielsweise folgende Varianten:
Unterführung Bahnübergang
Eine Unterführung wäre technisch machbar, allerdings nicht ganz einfach, weil der Dorfbach in der Hauptstrasse verläuft. Die Strasse müsste im Zentrum abtauchen, bei der Kirche und vor der Landi käme sie wieder zum Vorschein. Es bräuchte einen unterirdischen Kreisel. Diese riesigen Betonmauern, diese Löcher im Dorfzentrum sind unvorstellbar. Mit Sicherheit wäre das der Tod des Dorfes. Dazu kommt, dass der DTV schlagartig massiv anstiege. Damit würde das ganze Verkehrsproblem noch verschärft, allerdings von der Barriere an die Kreuzung Bruggmühlestrasse-St. Gallerstrasse verlagert.
Grossumfahrung
Auch für eine Grossumfahrung gab es schon Ideen. Eine solche würde das Dorf vom Durchgangsverkehr entlasten, indem sie diesen in einem Tunnel ab der Sulzstrasse aufnehmen und zum Autobahnkreisel führen würde. Je grossräumiger eine Umfahrung ist, desto weniger wird der Binnenverkehr abnehmen. Im Übrigen wäre eine Tunnellösung nicht finanzierbar.
Kleine Umfahrung Mühlegutstrasse
Eine kleine Umfahrung ist möglich von der Sulzstrasse via Untereggerstrasse-Blumeneggstrasse-Durchstich durch den Bahndamm zur Mühlegutstrasse. Mit dieser Lösung wird das Problem wie bei der Unterführung auf die Bruggmühlestrasse verlagert. Zudem würde die neue Strasse eine der letzten Baulandreserven der Gemeinde zerschneiden.
Kleine Umfahrung Florastrasse
Eine weitere Umfahrungsmöglichkeit wäre die Verbindung zwischen Sulzstrasse und Florastrasse mit einem Durchstich beim «Künzlerpass». Diese Variante wäre wohl am schnellsten zu realisieren. Das Dorfzentrum würde entlastet, allerdings zulasten eines heute recht ruhigen Wohngebietes mit dem zusätzlichen Problem der Einfahrt in die stark befahrene St. Gallerstrasse.
Strategie des Gemeinderates
Der Gemeinderat hat sich deshalb im Rahmen der Verkehrsrichtplanung – nicht im stillen Kämmerlein, sondern nach verschiedenen Workshops mit rund 50 Beteiligten – für folgende Strategie entschieden:
Die Region braucht einen direkten Autobahnanschluss. Damit können die Zentren von Rorschach und Goldach massiv vom Verkehr entlastet werden. Im Dorfzentrum Goldach ist die Hauptstrasse so zu gestalten, dass sie die Zentrumsfunktion mit den verschiedenen anstossenden Geschäften auch wahrnehmen kann. Nur für den Fall, dass der Autobahnanschluss definitiv nicht machbar ist oder der Leidensdruck vorher zu gross wird, gibt es als «Rückfallebene» die Südumfahrung mit einer Linienführung über Tellstrasse (bei der AVD) – Neumühlestrasse – Untereggerstrasse – Dammweg – Bruggmühle – Autobahnkreisel.
Stand Autobahnanschluss
Als erstes prüfte der Kanton in einer Machbarkeitsstudie, wo überhaupt ein Anschluss möglich ist. Es gibt drei Möglichkeiten: Witen, Sulzberg und Neuhaus (beim Friedhof Rorschach-Rorschacherberg). In einem zweiten Schritt untersuchte wiederum der Kanton die Zweckmässigkeit dieser Varianten. Es schliessen alle sehr gut ab, am besten Sulzberg. Neuhaus ist zu weit östlich. Die Gemeinden Rorschach und Rorschacherberg lehnen die Variante Sulzberg ab. Sie würde durch recht dicht besiedeltes Gebiet führen. Also liess der Gemeinderat die Auswirkungen der Variante Witen allein aus Goldacher Sicht untersuchen mit dem Resultat, dass diese Lösung für unsere Gemeinde am meisten Vorteile bringt. Logisch, denn je näher der Anschluss beim Zentrum liegt, desto mehr wird dieses entlastet. Ausserdem kann der Schwerverkehr aus dem Industriegebiet Blumenfeldstrasse direkt auf die Autobahn geführt werden. Die Räte der drei Gemeinden legten sich deshalb auf den Anschluss Witen fest, ein Meilenstein, der bisher in weiter Ferne lag.
Das Projekt ist zum ersten Mal im Strassenbauprogramm des Kantons enthalten, und zwar unter dem Titel «Umfahrungsstrassen, Priorität 1». Der Kantonsrat verabschiedete das Strassenbauprogramm, was für die Kantonsverwaltung einem verbindlichen Auftrag gleichkommt. Anfang dieses Jahres nimmt das Baudepartement die Projektierung in Angriff. Ein nächster Meilenstein wird dann der Entscheid des Bundes sein, ob er einen zusätzlichen Anschluss überhaupt zulässt. Dazu war die Praxis früher sehr restriktiv. Heute sind die Vertreter des Baudepartementes recht optimistisch, sonst würden sie mit der Planung nicht beginnen.
Bei der Projektierung wird sich der Gemeinderat dafür einsetzen, dass nicht einfach eine Strasse gebaut, sondern diese so verträglich wie möglich gestaltet wird. Und es wird später auch ganz entscheidend sein, wie die Gemeinden in der Region mit weiteren Massnahmen sicherstellen, dass möglichst viel Verkehr auch direkt auf die Autobahn geleitet wird.
Noch ein langer Weg
Natürlich ist es noch ein langer Weg, aber immerhin, so weit wie heute war das Projekt noch nie und es kommt jedes Jahr ein Stück voran. Keine andere Variante wäre schneller zu realisieren. Dazu kommt, dass der Kanton als Eigentümer der Hauptverkehrsachse durch unsere Gemeinde für eine andere Lösung im Moment weder Hand bietet noch im Strassenbauprogramm einen einzigen Franken vorgesehen hat. Weiter ist zu beachten: Würde die Gemeinde Goldach jetzt selber eine Umfahrungslösung bauen, wäre dies für den Autobahnanschluss, welcher der ganzen Region dienen würde, kontraproduktiv.
Zum Schluss noch dies
Eine Wartezeit von 3-8 Minuten ist zwar lästig. Irgendeine Umfahrung für 10 - 20 Mio. als «Goldacher Lösung» rechtfertigt sie aber nicht. Eine solche Umfahrung müsste die Gemeinde zumindest nach dem heutigen Stand allein realisieren. Massive Steuererhöhungen wären die Folge.
Thomas Würth