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Erst mit der Französischen Revolution 1796 fand das mittelalterliche Herrschaftsgefüge ein Ende. Die Forderungen nach "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" hatten einen neuen Zeitgeist heraufbeschworen und verlangten am Ende des 18. Jahrhunderts die Abschaffung adeliger Vorrechte, den Wegfall von Bodenzinsen, Zehnten und allen übrigen Lasten. Am 28. März 1798 erklärten die provisorischen Standesregierungen die freien Ämter als frei und entliessen sie aus der Untertanenpflicht. Mit dem Einmarsch Napoleons 1798 erfolgte der Zusammenbruch der bisherigen Rechtsordnung und die Aufhebung der klösterlichen (niederen) Gerichtsbarkeit.
In der Zeit der Helvetik 1798 bis 1803 wurde in Beinwil eine "Municipalitätsgemeinde" errichtet, die dem zentral verwalteten "Canton Baden " unterstand. Das neue Gebilde setzte sich anfänglich aus fünf selbständigen Ortsbürgerschaften zusammen. Es war damals sicher nicht leicht, innert kurzer Zeit aus dem Nichts eine öffentliche Verwaltung zu schaffen. Die Anrede unter den Einwohnern erfolgte mit "Bürger"! Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Schule, das Armen- und das Vormundschaftswesen gerichtet. Das Distriktgericht in Muri wurde mit fünf einheimischen Richtern bestellt.
Mit der Gründung des Kantons Aargau 1803 entstand auch die politische Gemeinde Beinwil (Gemeindsbezirk Beinwil). Anstelle der Amts- und Dorfgerichte mit ihren Fürsprechern leitete nun ein fünfköpfiger Gemeinderat in Vertretung der Gemeindeversammlung die Geschicke der Gemeinde. Jedes Dorf stellte ein Mitglied in den Gemeinderat. Das Armen-, Strassen- und Feuerwehrwesen fielen in die Obliegen-heiten der einzelnen Dörfer – der Bürgergemeinden – die ihre Allmenden noch heute durch Gerechtigkeitsvereine verwalten. Die Höfe Tschöpli, Brand und Mariahalden wurden von Wiggwil abgetrennt und dem Dorfe Brunnwil einverleibt. Zur Bürgergemeinde Brunnwil gehörte auch die Oberillau. Der Gemeinderat verfügte über beachtliche Kompetenzen. Bei Vergehen "wider die anerkannte Ordnung" konnte er drakonische Strafen und saftige Frevelbussen verhängen.
Laut Dekret des Grossen Rates vom 24. Mai 1899 wurden die Armen- und Ortsbürgergüter aller fünf ehemaligen Dörfern Beinwil, Brunnwil, Wallenschwil, Wiggwil und Winterschwil zusammengeschmolzen und ab 01. Januar 1900 zur neuen Ortsbürgergemeinde Beinwil (Freiamt) vereinigt. Bei dieser Organisationsform ist es im Wesentlichen bis heute geblieben.
Huwyler-Frei Erhard, Gemeindeschreiber
1987 / 1999 / 09.2006