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Rico Parli wurde am 2. Juni 1931 in St. Maria im Münstertal als erster von zwei Söhnen von Betta und Hermann Parli-Huder geboren. In St. Maria ist er als Bauernsohn aufgewachsen und zur Schule gegangen. Rico Parli’s Sekundarlehrer und sein Konfirmationspfarrer animierten den aufge-weckten Sekundarschüler, sich für die Aufnahme-prüfung an die Bündner Kantonsschule anzu-melden. So kam Rico für die Mittelschulzeit nach Chur. Was ihm in der Churer Zeit hin und wieder zu schaffen machte, war - wie er erzählte - das Heimweh. Aus Distanzgründen war es ihm nur möglich, dreimal pro Schuljahr nach Hause fahren zu können, nämlich an Weihnachten, Ostern und im Sommer zum Heuen. An der Universität Zürich begannen Rico und sein Freund Martin Cavegn das Theologie-Studium. Es folgten für Rico Parli weitere Semester in Rom, Göttingen, Bern und Basel. Unvergesslich für ihn blieb der Waldenser Theologe Valdo Vinai (1906-1990), der regelmässig zu den mittellosen Landarbeitern in den Süden Roms ging, sich für sie einsetzte und für sie predigte. Rico Parli erzählte immer wieder davon, wie er den Professor öfters begleiten konnte. Hier hat er gelernt, sich für eine Kirche einzusetzen, die mitten in der Welt steht. Rico Parlis Credo war eine lebendige, öffentliche, allgemein zugängliche Kirche. Ihm ging es darum, die Frage nach Gott zeitnah zu stellen, Mut zu machen, Verantwortung zu übernehmen und die Kirche in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses zu stellen. Dafür setzte er sich im Laufe seines Lebens in unterschiedlicher Weise ein. 1957 wurde Rico Parli an der Synode in Poschiavo ordiniert und in die Synode aufgenommen. Lavin und Guarda freuten sich auf den jungen romanisch sprechenden Pfarrer. Da Rico Parli selbst Bauernsohn war, lagen ihm die Sorgen und Ängste der in der Landwirtschaft Tätigen stets am Herzen. Viele Bauern hatten damals keine Lehre gemacht und bereuten dies zu tiefst.
Diese Aussagen machten den jungen Pfarrer betroffen und er gründete einen Verein mit Namen „scoula da paurs, Lavin“. So entstand 1957/58 der erste Kurs der Bauernschule im Pfarrhaus Lavin. 1961 wurde in der Weiterentwicklung dieses Bildungsprojektes die Chasa Fliana eröffnet, ein Bildungszentrum, das noch heute Weiterbildungskurse und Exkursionen anbietet. Im Jahre 1965 folgte Rico Parli einem Ruf der Kirchgemeinde Zuoz - Madulain, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1996 tätig war. Mit der Planung und der Realisierung eines Konvikts in Zuoz für die Schülerinnen und Schüler aus dem Unterengadin und dem Samnaun, aus dem Münstertal, aus dem Puschlav und aus dem Bergell, stellte sich Rico Parli neben seiner Amtstätigkeit erneut einem wichtigen Projekt im Dienst der Bildung. 1978 wurde Rico Parli zum Dekan der Evangelisch-rätischen Synode gewählt. Die zehn Dekanatsjahre waren ausgefüllt mit der Erarbeitung einer neuen Kirchenverfassung und mit den darauffolgenden Anpassungen der Gesetze und Verordnungen. Rico Parli war ein streng disziplinierter Arbeiter, unermüdlich, hellwach und kreativ. Er konnte sich intensiv für etwas begeistern, sich auch ärgern und für eine Sache streiten, wie es seinem Temperament entsprach. Dabei war ihm aber stets bewusst, im gemeinsamen Menschsein besteht das Verbindende. Und es ging ihm bei aller Leidenschaft für seine Kirche nicht um die Kirche selbst, sondern um das, was die Kirche zu dem macht, was sie ist: Christus.
Eine Aufgabe, die Rico Parli in seiner Amtszeit als Dekan jeweils mit besonderer Freude wahrgenommen hat, war die Ordination und die Aufnahme der neuen Pfarrerinnen und Pfarrer in die Bündner Synode. Im Vertrauen des Glaubens, dass Gott uns nicht am Leid vorbeiführt, sondern durch das Leid hindurch, ist Rico Parli am 2. September 2019 gestorben.
Ursina Hardegger, Pfarrerin und Kanzellarin der Synode