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Und ja, Claude Goretta interessierte sich für das Kleine und tendierte zum Grossen. Lange Jahre arbeitete er als Regisseur fürs Fernsehen und produzierte eine Reihe äusserst einfühlsamer und ruhiger Dokumentationen. Der Blick hinter die Kulissen einer Gesellschaft, die zunehmend die Einzelschicksale aus dem Blick verliert, interessierte ihn, die Aufmerksamkeit für das einzelne Leben war ihm wichtig.
Obwohl Cinéphiler im besten Sinne seit den 50er Jahren, wo er am British Film Institute in London arbeitete, entwarf er erst ab den 70er Jahren auch für die Kinoleinwand. Sein erster abendfüllender Spielfilm „Le fou“ (1970) war denn eine Fortschreibung seiner Themen im Kinoformat: Der gewissenhafte Lagerist Georges Plond erkrankt und sieht seiner frühen Pensionierung entgegen, vermehrt will er sich um seine ebenfalls kranke Frau kümmern. Doch der so genannte Ruhestand erlaubt ihm vor allem auch einen veränderten Blick auf die Gesellschaft. Gewissermassen aus der Untätigkeit und Enttäuschung heraus wird er zum Einbrecher, der Ausstieg aus dem eingeübten Arbeitsalltag wird zu einem unaufhaltsamen Abstieg, der ihn zerstören wird. (Ciné-Portraits, Swiss Films).
Dass es „Le fou“ nicht in die Kinos schaffte, mag erstaunen, wurde der Film doch von Swiss Films zum besten Film für das Jahr 1970 gewählt. Umgekehrt spiegelt sich darin auch eine gewisse Ironie, die eine Geschichte erzählt. Mit ihrer Produktionsgemeinschaft Le Groupe 5 versuchten Anfang der 70er Jahre fünf Filmschaffende um Claude Goretta, Jean-Louis Roy und Alain Tanner den Spagat zwischen Fernsehen und Kino – mit Verträgen sollte gesichert werden, dass die in Eigenproduktion realisierten Filme nach der Kinoauswertung im Fernsehen einen Abnehmer fänden. Dies gelang nur bedingt, doch schafften es die fünf jungen Romands zumindest, die Schweizer Filmlandschaft gehörig auf den Kopf zu stellen und zu eigenen Bildsprachen zu finden.