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EVERYTHING WE DO IS MUSIC
15 April – 10 Juni
EVERYTHING WE DO IS MUSIC
15.4.-10.6.2018
SARNATH BANERJEE, CLAUDIO CALDINI, FRANCESCO CLEMENTE, SABAH HUSAIN, PRABHAVATHI MEPPAYIL, NASREEN MOHAMEDI, TANIA MOURAUD, LEE MULLICAN, MICHAEL MÜLLER, HETAIN PATEL, LALA RUKH, VIDYA SAGAR, MOHAN SAMANT, SHAHZIA SIKANDER, DAYANITA SINGH, MARIAN ZAZEELA
Die Ausstellung Everything we do is music beleuchtet, wie klassische indische Musik bildende Kunst über Generationen und Grenzen hinweg beeinflusst. Frühe indische Miniatur-Malereien (Ragamalas), aktuelle Arbeiten von Sarnath Banerjee, Prabhavathi Meppayil oder Michael Müller sowie Werke einer älteren Generation von Kunstschaffenden aus Indien, Pakistan, Argentinien oder den USA werden in der Ausstellung zusammengeführt. In den Ragamalas aus dem 17. Jahrhundert ist die Darstellung des Raga, die melodische Grundstruktur der indischen Musik, ein zentrales Motiv. Ragas bestehen aus einer Auswahl von fünf bis sieben Noten, eröffnen Spielraum für Improvisa-tionen und enthalten eine Hauptnote, zu welcher der Sänger immer wieder zurückkehrt. Dieser Tradition folgend bringen Kunstschaffende in Zeichnung, Performance oder Animation die Eigenschaften indischer Musik zum Ausdruck und machen dadurch die Verbindung zwischen Musik und Gegenwartskunst erfahrbar. Der Rhythmus in Bild und Ton geht über in figurative und abstrakte Bildsprachen. Werke, die zeitlich und geografisch unterschiedlichste Ursprünge haben, treten in einen gegenseitig verstärkenden Dialog.
Im April 1955 überträgt das amerikanische Fernsehen eine Aufführung des Sarod-Spielers Ali Akbar Khan und bringt ein Millionenpublikum mit den indischen Klängen in Berührung. Zehn Jahre später veröffentlichen die Beatles auf dem Album Rubber Soul den Song Norwegian Wood. Darin ist zum ersten Mal in der Geschichte der Popmusik eine Sitar zu hören. Indische Musik ist seither aus Film oder Popmusik nicht mehr wegzudenken und inspirierte eine Vielzahl von Kunstschaffenden. Der Komponist und Künstler John Cage übernahm beispielsweise Regeln der Improvisation. Strategien, die in den 1950er und 1960er Jahren auch unter bildenden Künstlern populär wurden. Darüber hinaus gelangte Cage durch den Einfluss der indischen Musikerin Geeta Sarabhai zur Erkenntnis, dass der Sinn dieser Musik darin besteht, «den Geist zu reinigen und zu beruhigen, damit er empfänglich wird für göttliche Einflüsse». Ein Bewusstsein, das auch im Zusammenhang mit dem Zitat von Cage «Everything we do is music» steht und suggeriert, dass das Ziel der Kunstschaffenden der Ausstellung nicht ist, die indische Musik zu entschlüsseln, sondern in ihr zu verweilen.
Die Ausstellung baut auf den figurativen Konzepten der Ragamalas auf, welche bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstehen. Die musikalischen Motive lassen sich in die Darstellung von MusikerInnen und Tänzer-Innen oder in die Visualisierung einer assoziierten Stimmung des Raga unterteilen. Das Vermächtnis dieser musikalischen Bilder ist besonders in den Werken von Mohan Samant (1924 – 2004, IN) ersichtlich. Seine lebendigen Zeichnungen zeigen ineinander übergehende Figuren und werden so zum Inbegriff einer Aufführung von klassischer indischer Musik. Dieser Aspekt wird in den filmischen Inszenierungen von Shahzia Sikander (*1969, PK) noch verstärkt. Die Aquarelle von Francesco Clemente (*1952, IT) haben als übergreifendes Thema die Metamorphose und sind durchdrungen von einer Atmosphäre, die den Übergang zwischen verschiedenen Bewusstseinszuständen einfängt. Sarnath Banerjee (*1972, IN) stellt in seinen Zeichnungen die emotionalen Wechselhaftigkeiten des Raga dar und wählt dafür einen eher figurativen als abstrakten Ansatz.
Die unmittelbare Übersetzung von Musik und ihren Rhythmen in eine persönliche Form der Zeichensetzung ist bei Kunstschaffenden wie Hetain Patel (*1980, GB), Claudio Caldini (*1952, AR), Vidya Sagar (1938 – 2016, PK), Dayanita Singh (*1961, IN) und Sabah Husain (*1959, PK) zu beobachten. Der Film von Claudio Caldini mündet in stroboskopisch flackernde Sequenzen, die sich zu einem Raga-Soundtrack aneinanderreihen. In der filmischen Performance von Hetain Patel kommt der Rhythmus der Tabla zum Ausdruck. Auf seinen nackten Oberkörper malt er mit improvisierten Bewegungen bei jedem Tabla-Schlag mit rotem Kanku-Pigment Zeichen auf seine Haut. Er lässt damit ein eigentümliches Ritual entstehen, das gänzlich von der Musik inspiriert ist.
Die Ausstellung vereint auch Werke, die keine Darstellungsformen indischer Musik erkennen lassen, aber impro-visatorische Grundsätze der Musik visuell verarbeiten, wie die Zeichnungen von Nasreen Mohamedi (1937 – 1990, IN), Lala Rukh (*1948 – 2017, PK) oder die Gesso-Arbeiten von Prabhavathi Meppayil (*1965, IN).
Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die klassische indische Musik auf bedeutende amerikanische KünstlerInnen wie Lee Mullican (1919 – 1998, US) und Marian Zazeela (*1940, US) oder die französische Künstlerin Tania Mouraud (*1942, FR) hatte. In diesem Zusammenhang kreierte Mouraud eine Serie von weissen, sensorisch beleuchteten Räumen, in welchen die Musiker Pandit Pran Nath und Terry Riley sowie die Kunstschaffenden La Monte Young und Zazeela eingeladen wurden, zu performen.
In Everything we do is music setzen die Kunstschaffenden ihren Werken einen Rahmen, in welchem sich vielgestaltige Improvisationsspiele entfalten. Es geht ihnen nicht darum, die klassische indische Musik festzuhalten, sondern sie als Anregung zu begreifen, um durch die Aktivierung der Sinne eine Art Einsicht herbeizuführen. Das Anfertigen eines Kunstwerks oder die Erzeugung eines Klangs scheinen als konzeptuelle Tätigkeiten auf geradezu beeindruckende Weise verwandt zu sein.
Im Rahmen dieser Begegnung zwischen Kunst und indischer Musik ermöglicht das Kunsthaus Pasquart die Premiere des Musikstücks Raga Moulali Todi for Michael Anthony Müller (Do 24.5.2018). Hierbei handelt es sich um eine Komposition des Musikers Matyas Wolter, der sich von Michael Müllers (*1970, DE) Werken inspirieren liess, die wiederum entstanden, als der Künstler Raga-Musik hörte. Auch das Ensemble Phoenix aus Basel erweitert das Spektrum der Ausstellung mit der Aufführung von Raga-Interpretationen (Fr 18.5 und Mo 28.5.2018).
Kurator der Ausstellung
Shanay Shaveri, Assistenzkurator für die Kunst Südasiens, Metropolitan Museum of Art, New York
Produktion der Ausstellung
Drawing Room, London
Publikation zur Ausstellung
Zur Ausstellung erscheint eine reichbebilderte Publikation mit Texten von Kate Macfarlane, Shanay Jhaveri (DT/FR/ENG), Alexander Keefe und Saira Ansari (ENG).
Öffentliche Führungen
Do 3.5.2018, 18:00 (dt) Felicity Lunn, Direktorin Kunsthaus Pasquart
Do 17.5.2018, 18:00 (fr) Kathleen Vitor, historienne de l’art
Gespräch
So 15.4.2018, 18:00 (eng) Kate Macfarlane, Co-Direktorin von Drawing Room im Gespräch mit Felicity Lunn