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Das paradoxe Dogma des Fortschritts: Industrialisierte Effizienz im Konflikt mit der Eigenlogik der Tiere, 1950-1990
Ohne den festen Glauben an einen biologischen, wirtschaftlichen und technischen Fortschritt hätte die Massentierhaltung nicht realisiert werden können. Dieser Glaube ist erklärungsbedürftig. Widerständige Eigenlogiken der Tiere forderten deren Einpassung in lineare und serielle Produktionsprozesse kontinuierlich heraus. Die angestrebten Abläufe industrialisierter Effizienz gerieten in Konflikt mit der Zeit- und Raumwahrnehmung der Tiere: Schweine starben vor Stress, wenn sie in für sie zu schnellem Tempo den Stall wechseln sollten. Hühner pickten sich in der verdichteten Massenhaltung gegenseitig die Federn heraus, wenn sie sich und ihren Rang in der Hackordnung nicht mehr erkannten. Kühe «spielten» mit teurem Futter, warfen es hoch und zertrampelten es anschließend. Die Arbeit mit Rindern, Schweinen und Hühnern in der Zeit ihrer Industrialisierung war ein beständiges Nachjustieren entlang von Herausforderungen, die unvorhergesehenes Tierverhalten hatte entstehen lassen. Das Paper untersucht, warum die «trial and error»-Praxis im Stall das Dogma des Fortschritts nicht zu Fall brachte. Ein Wahrnehmungswandel der Tiere in ihrem zunehmend industriellen «Produktionsprozess» war entscheidend für die paradoxe Persistenz des Fortschrittsglaubens im Stall.