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Polarität: Was ist das eigentlich?
Polarität ist ein Konzept aus der Physik, welches sich auf das Vorhandensein von zwei entgegengesetzten Polen oder Richtungen bezieht. In der Elektrizitätslehre können beispielsweise elektrische Ladungen positiv oder negativ sein. Diese beiden Ladungen sind entgegengesetzt polarisiert und ziehen sich aufgrund ihrer Gegensätzlichkeit an.
Aber was hat das mit dem Leben zu tun?
Auch im zwischenmenschlichen Bereich gibt es Polarisierungen. Bestes Beispiel ist die Liebe und Hass. Beides liegen zwar in unterschiedlichen Dimensionen, aber sind doch entgegengesetzte Polarisierungen. So wie auch Freude und Trauer oder Erfolg und Misserfolg. Diese Polarisierungen leben wir im Alltag, denn unser Leben ist geprägt von Gegensätzen.
Aber wie kann uns das weiterhelfen?
Wenn man sich über die Polarität im Leben bewusst wird, kann man unterschiedliche Perspektiven auf Situationen und Emotionen einnehmen. Eine Niederlage kann positiv umgedeutet werden, indem man sich auf die Erfahrungen und Erkenntnisse konzentriert, die daraus gewonnen wurden. Auch eine schmerzhafte Trennung kann im Nachhinein als Chance für eine Neuausrichtung und persönliche Weiterentwicklung gesehen werden.
Es geht also darum, die positiven Aspekte entgegengesetzter Polarisierungen zu erkennen und sie in unser Leben zu integrieren. Wir sollten uns daran erinnern, dass alle Erfahrungen wertvoll sind und uns weiterbringen. Ohne Schmerz gibt es keine Freude, ohne Dunkelheit gibt es kein Licht.
Also: Akzeptiere die Polarität in deinem Leben und nutze sie zu deinem Vorteil. Das Leben hat noch so viel für dich zu bieten, also sei offen für alle Möglichkeiten!
Wie Yin und Yang besteht alles aus polar entgegengesetzten Prinzipien oder Kräften, die sich dennoch aufeinander beziehen und sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen.
Polarität ist ein Ausdruck der universellen Dualität. Um die Polarität besser zu verstehen, muss man davon ausgehen, dass das Universum eine Einheit ist, die ständig zwei Pole hervorbringt, die nebeneinander existieren. Die Idee oder der Plan des Universums, der sich in der Schöpfung entfaltet, wird durch die ständige, dynamische Erzeugung der Gegensatzpaare ermöglicht.
In der alten chinesischen Weisheit wird das Symbol von Yin und Yang durch einen Kreis ausgedrückt, der zu gleichen Teilen in eine schwarze und eine weisse Hälfte unterteilt ist. Jede Hälfte des Kreises enthält einen Punkt in der entgegengesetzten Farbe. Das Yin, die schwarze Hälfte, und das Yang, die weisse Hälfte, stehen jeweils für unterschiedliche Qualitäten.
Dieses Symbol zeigt, dass die Gegensätze miteinander verbunden sind und nicht ohneeinander existieren können. Sie sind Teil desselben Ganzen, und die beiden gegensätzlichen Eigenschaften können in Harmonie existieren und sich gegenseitig ergänzen. Dieser letzte Aspekt wird durch die weiche "S"-Form dargestellt, die die beiden Hälften trennt, und nicht durch eine scharfe Linie. Die kleinen Kreise innerhalb jeder Hälfte zeigen, dass nichts absolut ist. In jedem Yin gibt es unweigerlich auch ein Yang und umgekehrt. Der äußere Kreis dieses Symbols steht für die Gesamtheit des Universums.
Polarität als Beispiel bei einer Trennung
Angenommen, dein Partner/deine Partnerin trennt sich von dir. Du liebst ihn/sie von ganzem Herzen, die Trennung ist für dich keine schöne Erfahrung. Du fühlst Ärger, Wut, Trauer, vielleicht auch Eifersucht oder Selbstzweifel … Aber wenn du dich selbst fragst „Ich bin traurig, weil ich ihn/sie geliebt habe, und jetzt ist er/sie weg. Aber was kann ich an dieser Situation positiv sehen? Worüber kann ich mich freuen?“
Vielleicht war dein Partner/deine Partnerin geizig, und du überhaupt nicht. Das hat dich ausgebremst und du konntest dein Geld nicht so ausgeben, wie du es gern getan hättest. Vielleicht war dein Lebensgefährte/deine Lebensgefährtin kontrollierend und sehr eifersüchtig, wodurch du dich eingeengt gefühlt hast.
Für jeden Grund, aus dem du traurig bist, gibt es auch einen Grund, glücklich zu sein. Das mag ein sehr rationaler und ungemütlicher Gedanke sein (schliesslich will man in einer solchen Situation erstmal einfach nur traurig und wütend sein, oder?). Aber wenn du das Leben aus dieser Perspektive sehen kannst, bist du viel ausgeglichener und auch deine Gefühle sind mehr in Balance.
Jedes Mal, wenn du eine extreme Emotion fühlst, schaffst du damit auch das Gegenteil in gleicher Form. Wenn du realisierst, dass Einseitigkeit lediglich eine Illusion ist, und nicht die Wahrheit, dann kannst du die Welt erkennen, wie sie wirklich ist: ein vollständig ausgeglichenes System.
Wenn du dir selbst erlaubst, beide Seiten gleichzeitig wahrzunehmen (das Ganze, also das Positive und das Negative), dann öffnest du dich dem Universum und kannst dessen perfekte Ausgeklügeltheit erkennen. Alles enthält seinen Gegensatz. Alles ist Liebe.
Das ist die Essenz des Gesetzes der Polarität.
Schöpfung und Zerstörer
Das Universum ist also Schöpfer und Zerstörer zugleich. In jeder Sekunde explodieren Sterne. Jeder Tod eines Sterns bedeutet aber zugleich, dass neue Planeten, neue Sonnensysteme und neues Leben geschaffen werden.
Harmonie von Yin und Yang
Zwar sind Yin und Yang Gegensätze, aber dennoch brauchen sie sich. Die beiden Kräfte ziehen sich an. Erst zusammen entsteht etwas Ganzes, Neues. Yin und Yang sind nicht getrennt, sondern verbunden: Im Yang befinden sich Anteile von Yin. Und umgekehrt. Wenn Yin und Yang in einer ausgewogenen Balance sind, entstehen Harmonie, Gesundheit, Zufriedenheit und Glück. Wenn die beiden Kräfte unausgeglichen sind – oder sich gar bekämpfen, führt dies zu Problemen, Störungen und später Krankheiten.
Ying und Yang ins Gleichgewicht bringen
Jeder Mensch ist anders. Es hängt stets von der körperlichen Grundkonstitution und der Persönlichkeit des Menschen ab, was er braucht, um das Ying und Yang ins Gleichgewicht zu bringen.
· Stressfreier Lebensstil
· Gesunde Ernährung
· Ruhepausen
· Gute Gedanken und Emotionen
· Geistige Entwicklung
· Bewegung
· Gesunder Schlaf
· Gute Beziehungen
· Usw.
Tantrische Sichtweise der Polarität
Im Tantra wird gesagt, dass, "alles, was existiert, ist eine Schöpfung der beiden komplementären Prinzipien: männlich und weiblich. In der Schöpfung wird das Höchste zu Shiva und Shakti, dem statischen und dem dynamischen Aspekt des transzendentalen Bewusstseins."
Das gesamte Universum wird durch den kosmischen Liebesakt zwischen Shiva, dem Bewusstsein oder dem männlichen Prinzip, und Shakti, der Energie oder dem weiblichen Prinzip, aufrechterhalten. Shiva und Shakti, das kosmische Paar, stellen archetypische polare Gegensätze dar: männlich und weiblich; Yang und Yin. Shiva wird durch den aufgerichteten Lingam symbolisiert, Shakti durch die allumfassende Yoni. Der Lingam und die Yoni sind polare Gegensätze, aber gleichzeitig ergänzen sie sich perfekt und vereinen sich leicht in liebender Ekstase.
Die bewusste Nutzung und Verstärkung der polaren Anziehung sind ein geheimer Schlüssel zum Glück in einer Paarbeziehung. Sie hält Anziehung und Leidenschaft lebendig und liefert die notwendige Energie für die Vergeistigung der beiden Liebenden.
Je stärker die männlichen und weiblichen Energien in einem Paar sind, desto stärker ist die Anziehung zwischen den beiden. Wenn also eine Frau in ihrer Weiblichkeit wirklich entspannt ist und ein Mann sich in seiner Männlichkeit wohlfühlt, ist es viel einfacher, in einer Beziehung Erfüllung zu finden. Wenn ein Mann seine männlichen Qualitäten steigert, wird er in der Lage sein, auch die wunderbaren weiblichen Qualitäten in sich aufzunehmen, und wenn eine Frau ihre Weiblichkeit steigert, kann sie gleichzeitig die männlichen, bewussten Qualitäten entwickeln, ohne ihre Weiblichkeit zu verlieren.
Wenn Yin und Yang in einem Mann oder einer Frau vollständig ausgeglichen sind, erwacht ein ganz besonderer Bewusstseinszustand, der als der glorreiche androgyne Zustand bekannt ist, der mit dem Nullpunkt oder dem neutralen Zustand verbunden ist, in dem sich Plus und Minus in perfekter Balance vereinen. Der androgyne Zustand stärkt und erweckt die spirituelle Kraft des Wesens.
Polarität in der Tantramassage
Aus der Sicht der Polarität macht es Sinn, wenn ein Mann die Frau massiert und eine Frau den Mann massiert. Der Mann ist der gebende und sendende Pol und bringt die Frau in ihre Weiblichkeit. Genau gleich ist es umgekehrt, wenn die Frau den Mann massiert. Die Frau kann die Männlichkeit im Mann stärken. In der klassischen Massage habe ich gelernt, zu den Lymphknoten zu massieren. Bei der Tantramassage geht es aber weniger um Medizin, sondern mehr um Energie. Jeder Hauch von Energie besteht aus Yin und Yang, aus dem «Weiblichen» und dem «Männlichen», aus Minus und Plus. Genauso verhält es sich mit unserem Körper, der sich zu gleichen Teilen aus Yin- und Yang-Energien zusammensetzt. Die Vorderseite unserer Körper entspricht Yin, die Rückseite Yang. Unsere rechte Seite entspricht Yang (wird von der linken Gehirnhälfte gesteuert), die linke Seite steht für Ying (wird von der rechten Gehirnhälfte gesteuert). Die Yin-Energie (vorn und innen) fliesst nach oben, die Yang-Energie (hinten und aussen) fliesst nach unten.
Deshalb wird beim Vorderkörper mehrheitlich nach oben massiert und beim Hinterkörper nach unten massiert. Danach fühlt man sich zutiefst entspannt und geborgen (Yang) und gleichzeitig kraftvoll und lebendig (Yang), weil die Polen harmonisiert sind. Besonders wirksam ist das Massieren im Energiefluss, wenn wir es mit tiefer und bewusster Atmung kombinieren und uns der dabei auftretenden Empfindungen, Gefühle und Gedanken immer mehr gewahr werden.