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Die am Donnerstag in Hannover vorgestellte Untersuchung unabhängiger Wissenschaftler spricht von der «Spitze des Eisbergs». Die ermittelten Fallzahlen von 2225 Betroffenen basieren auf Akten der Landeskirchen und der Diakonie, ausserdem flossen den Landeskirchen und diakonischen Werken bekannte Fälle ein.
Die EKD hatte die Studie 2020 initiiert. Ziel war, evangelische Strukturen zu analysieren, die Gewalt und Machtmissbrauch begünstigen. Die Wissenschaftler konnten nicht die Personalakten aller Pfarrer und Diakone auswerten, sondern in erster Linie Disziplinarakten. Die Studie wurde mit 3,6 Millionen Euro finanziert. Als Dachorganisation von 20 Landeskirchen vertritt die EKD deutschlandweit 19,2 Millionen evangelische Christinnen und Christen.
Die Fallzahlen sind nicht direkt vergleichbar mit den Ergebnissen einer Studie zu sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche, die 2018 veröffentlicht wurde. Nach der Auswertung von fast 40 000 Personalakten aus der Zeit zwischen 1945 und 2014 wurden 1670 katholische Priester und Diakone beschuldigt, denen 3677 Kinder und Jugendliche als Betroffene zugeordnet werden konnten. Damals betonten die Wissenschaftler, dass die Zahl «eine untere Schätzgrösse» sei.
Die Forum-Studie nahm alle Beschäftigten im evangelischen Leben in den Blick, auch Heimerzieher, Kirchenmusiker oder ehrenamtliche Jugendleiter. Erwartet wird, dass sich weitere Betroffene melden.
Deutschland ist ein gemischt-konfessionelles Land, mit einem historisch überwiegend protestantischen Norden und Osten und einem katholischen Süden und Westen. Der katholischen Kirche gehörten zuletzt 24,8 Prozent der Bevölkerung an, den evangelischen Kirchen der EKD 23 Prozent. Die grösste Gruppe in Deutschland sind mittlerweile die Nichtkonfessionellen, vor allem im vormals kommunistischen Osten.