Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03304.jsonl.gz/2746

14.04.2022 - Die Sammlung der digitalisierten Zeitungen im Kanton Bern erhält Zuwachs: 555'000 Seiten der Bieler Zeitungen ab dem Erscheinungsjahr 1850 bis 1995 sind nun online frei zugänglich. Sie können gelesen, angeschaut und im Volltext durchsucht werden. Der Verein Zeitungsdigitalisierung im Kanton Bern hat die historischen Ausgaben in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Bern, der Schweizerischen Nationalbibliothek und der Bieler Tagblatt AG digitalisiert.
1850 gründete der Drucker Franz Josef Gassmann (1812–1894) die Zeitung «Seeländer Bote». Im Juni 1904 fusionierte das Blatt mit dem «Tagblatt für die Stadt Biel» und den «Seeländer Nachrichten» zum «Bieler Tagblatt», das am 7. Juni 1904 erstmals erschien. Das «Bieler Tagblatt» war politisch freisinnig orientiert und seit Ende des 20. Jahrhundert ist es unabhängig. Es befand sich bis 2020 im Besitz der Familienfirma W. Gassmann AG, die auch das «Journal du Jura» publizierte. Damit pflegte dieser Verlag in Biel die publizistische Zweisprachigkeit und förderte die Verbindungen zwischen deutscher und lateinischer Schweiz. Seit 1966 ist das «Bieler Tagblatt» die einzige deutschsprachige Tageszeitung in der Stadt Biel.
Fundgrube für die Bieler Geschichte
«Die Zeitungen sind eine wichtige Quelle für die Geschichte der Stadt Biel und des Seelandes seit 1850. Die frei zugänglichen und digitalisierten Zeitungen sind ein wichtiges Werkzeug für die historische Forschung und eine Fundgrube für private Recherchen», hält Christian Lüthi fest. Er ist selbst Historiker, Vizedirektor der Universitätsbibliothek und Leiter des Projekts Zeitungsdigitalisierungen. So umfasst die Zeitung neben der Berichterstattung über die aktuellen Ereignisse aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur auch Inserate und Leserbriefe, die einen Einblick in den Bieler Alltag geben. Hier einige Beispiele:
Bieler Ingenieure machen das Rennen
Im November 1991 gewann das Solarfahrzeug «Spirit of Biel-Bienne II» die World Solar Challenge, ein Rennen von Solarfahrzeugen in Australien. Die Strecke von über 3000 Kilometern führte vom nördlichen Darwin bis ins südliche Adelaide. Das Fahrzeug der Ingenieurschule Biel fuhr die Strecke mit durchschnittlich 63 Kilometern pro Stunde und liess Konkurrenten aus internationalen Konzernen wie Honda hinter sich.
Ungarische Fussballprofis im Rampenlicht
Die Höhepunkte des lokalen Fussballs lassen sich ebenfalls verfolgen: 1920/21 engagierte der FC Biel erstmals die Fussballprofis Fodor, Todt und Deutsch aus Ungarn, die jeweils tausende von Fans begeisterten. Als Saison der «grossen Mannschaft» markierte sie ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Vereins. 1947 wurde der FC Biel Schweizer Meister.
Die Ära des «Roten Biel»
1921 wählten die Stimmbürger Biels den Sozialdemokraten Guido Müller (1875–1963) zum Stadtpräsidenten. Er war bis 1947 im Amt und prägte damit eine Ära des «Roten Biel». Guido Müller war massgeblich bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in den Nachkriegsjahren verantwortlich. Zudem prägte er eine weitsichtige Boden-, Wohnbau- und Sozialpolitik.
Zeitungsinserate
Im Inserateteil der Zeitung stösst man auf bekannte Bieler Firmen, die ihre Produkte anpriesen. Das Warenhaus Bouldoires baute seine Räumlichkeiten 1923 und 1925 an der Nidaugasse aus pries in Zeitungsinseraten sein Angebot an modischen Kleidern, Hüten und Unterwäsche an. Zudem führte Bouldoires auch Modeschauen durch. Auch die Bieler Uhrenindustrie erscheint in Inseraten. Am 3. Juni 1994 erklärte zudem das «Bieler Tagblatt» der Leserschaft: «Wieso Rolex wirklich Rolex heisst.»
Eine weitere Million Seiten ist in Planung
Die 555‘000 Seiten stehen nun zur digitalen Wiederentdeckung bereit. Zusammen mit dem «Journal du Jura» 1876–1995, die Zeitung des frankophonen Biel und des Berner Jura, sowie den digitalisierten Zeitungen aus den Städten Bern und Thun stehen mittlerweile über zwei Millionen Seiten von digitalisierten Berner Zeitungen online, die frei durchsucht werden können. Der Verein Zeitungsdigitalisierung im Kanton Bern ist derzeit daran, mit zahlreichen Geldgebern eine weitere Million Zeitungsseiten aus dem Kanton Bern zu digitalisieren. Dazu zählen die «Berner Tagwacht» (1893–1997) und die Burgdorfer Zeitungen (1831–2004). Bis 2023 sollen auch diese Titel auf der nationalen Plattform e-newspaperarchives.ch öffentlich und frei zugänglich sein.
Digitalisierungen der Universitätsbibliothek Bern
Die Universitätsbibliothek Bern digitalisiert seit 2002 ausgewählte Drucke aus den eigenen Beständen und stellt sie ohne Zugangsbarrieren online zur Verfügung. Die meisten Digitalisate sind Bernensia. Dies gehört zum Auftrag der Universitätsbibliothek Bern als Kantonsbibliothek und verhindert, dass Publikationen weltweit doppelt digitalisiert werden. Die digitalen Daten sind auf DigiBern zugänglich oder auf den nationalen Plattformen E-Rara und E-Periodica. Seit 2016 wird auch die Sammlung Rossica Europeana der Schweizerischen Osteuropabibliothek digitalisiert. Die Universitätsbibliothek Bern baut dieses digitale Angebot laufend aus. Seit 2016 werden gemeinsam mit dem Verein Zeitungsdigitalisierung im Kanton Bern und mit Zeitungsverlagen rund drei Millionen Seiten aus den Städten Bern, Biel, Burgdorf und Thun sowie aus dem Berner Jura digitalisiert und auf der Plattform e-newspaperarchives.ch als Volltext zugänglich gemacht.