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Nach der Primarschule in Murten – unter Abbé Meinrad Meyer – besucht er das Kollegium St. Michael. Die beiden letzten Jahre verbringt er im Jesuitenpensionat, das als Hochburg der französischen Legitimisten gilt. Von gesunder Neugier beseelt und Autodidakt, verschlingt Louis Weck zahllose Bücher und eignet sich ausgedehnte Kenntnisse an, die später seine Mitarbeiter in Erstaunen versetzen. Er verwaltet die grossen Güter seiner Familie, insbesondere Bonnesfontaines vor den Toren Freiburgs. Politisch ist er kaum oder gar nicht tätig, übt aber erste administrative Ämter aus. So ist er Sekretär der Allgemeinen Verwaltung und der Armenpflege der Stadt Freiburg (1847).
Während des Sonderbundskriegs bekleidet Louis Weck den Rang eines Unterleutnants. Anschliessend steigt er zum Major und Kommandanten des Elitebataillons 56 auf. Von 1848 bis 1861 beschäftigt er sich mit Landwirtschaft und dem Besitz seiner Familie und gewinnt zu Recht einen guten Ruf als Agronom und Verwalter. Er wird Sekretär der Société fribourgeoise d’agriculture und ist aktives Mitglied des entsprechenden Westschweizer Verbands. Er leitet die Firma La Gruyérienne, die auf den Kauf und die Vermarktung von Käse spezialisiert ist. Des Weiteren ist er Mitglied des Aufsichtsrats der Hypothekarkasse (1854–1880) sowie Mitglied und Präsident des Aufsichtsrats der Kantonalbank.
Zum Zeitpunkt, als der Kanton den Eisenbahnbau und die Sonderbundsschulden zu verkraften hat, wird Louis Weck politisch aktiv. Er ist Staatsrat (1861–1880) und Grossrat (1861–1880). Als Vorsteher der zuvor von seinem verstorbenen Bruder geleiteten Finanzdirektion hat er eine schwere Krise zu meistern: Die (1862 eröffnete) Strecke Lausanne–Freiburg–Bern (L-F-B) kostet sehr viel mehr als vorgesehen, und die französische Gesellschaft, die sie verwaltet, steht kurz vor dem Konkurs. Weck-Reynold kann seine Kollegen überzeugen, einen neuen Kredit (7,5 Millionen) zugunsten der L-F-B zu garantieren (1863) und wenig später 44 Millionen Franken deren Aktiven und Passiven zu übernehmen. Dieser Betrag entspricht dem zwanzigfachen des Kantonsbudgets (1864)!
Er bemüht sich, die im Staatsbesitz befindliche Eisenbahngesellschaft rentabel zu machen (1864–1872). So fördert er Nebenlinien, die das Verkehrsvolumen der Hauptstrecke erhöhen: Bulle–Romont (1868), Freiburg–Payerne–Yverdon (1877) und ein erstes Projekt für die Strecke Freiburg–Murten. Er arbeitet mit Konvertierungsanleihen (1864, 1872 und 1879) und zögert nicht, sein persönliches Vermögen einzusetzen, um das Einverständnis der Banken zu finden. So gelingt es ihm, die Kantonsschuld abzubauen und den Zinsendienst zu verringern. Zudem führt er eine Registrierungssteuer ein (1862) und gründet die Tilgungskasse der Staatsschuld (1867). Als Krönung seines Werkes befreit er den Staat von der Last der Eisenbahn: Er führt die Fusion der L-F-B mit zwei anderen Gesellschaften zur «Suisse Occidentale» durch (1872), deren Aktionär der Staat wird.
Nach dem Rücktritt von Hubert Charles wird Weck-Reynold, zuerst mit Vaillant, dann mit Menoud, zum starken Mann der Regierung, die er 1872, 1874, 1876, 1877 und 1879 präsidiert. Von 1863 bis 1866 sitzt er im Ständerat, von 1866 bis 1880 im Nationalrat. Er arbeitet in mehreren wichtigen Kommissionen mit, in denen seine Kompetenzen Aufsehen erregen. Sein Einfluss wächst, und er wird Chef der Katholisch-Konservativen Fraktion. Besonderes Verdienst erwirbt er mit dem «Gotthard-Kompromiss», der die Fertigstellung des Tunnels ermöglicht und zugleich die Simplon-Anhänger zufriedenstellt, die eine ähnliche Bundeshilfe erhalten (1878). Im gleichen Jahr erhält er bei einer Bundesratswahl 52 Stimmen.
Weck-Reynold gehört zu den überzeugten Konservativen und hatte sich sogar 1848 an einer Verschwörung zum Sturz des radikalen Regimes beteiligt. Er ist jedoch Realist genug, um einzusehen, dass die liberal-konservative Koalition in Freiburg weiterbestehen muss, und setzt sich für sie ein, wobei er sogar die Kontrolle über den Chroniqueur übernimmt. Seine ausgleichende Politik erstaunt mehr als ein Mitglied der konservativen Kreise, die, wie Nationalrat François-Laurent Chaney, in Weck-Reynold eine Hürde für ihre Pläne sehen. Das Ansehen und die Autorität des Politikers, den die Freisinnigen «Weck-Pascha» nennen, sind so gross, dass niemand ihm zu widersprechen wagt.
Der Grosse Rat wählt Louis Weck-Reynold zum Staatsratspräsidenten des Jahres 1881. Er erkrankt jedoch an einer Lungenentzündung und stirbt am 28. November 1880 im Alter von 58 Jahren. Mit ihm verschwindet eine der wichtigen Persönlichkeiten der Freiburger Politik der Jahre 1860–1880. Es dauert nicht mehr lange, bis die liberal-konservative Koalition zerbricht.
Aus dem Französische übersetzt, aus: «LE CONSEIL D'ETAT FRIBOURGEOIS – 1848 – 2011 – Son histoire, son organisation, ses membres» ¦ ISBN: 978-288355-153-4 ¦ Editions La Sarine