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Die Parallelen zwischen Bob Dylan und Amnesty International sind augenfällig. 1961 startete Dylan seine Karriere; im selben Jahr wurde Amnesty gegründet. In frühen Liedern wie «The Times They Are a-Changin» oder «Blowin’ in the Wind» sang Dylan gegen die Mächtigen an; gleichzeitig schrieben Amnesty-Freiwillige zugunsten von ungerechtfertigt Inhaftierten. Seither ist Bob Dylan vom Folk- und Protestsänger zum einflussreichen und vielschichtigen Rockpoeten geworden, Amnesty von der Gefangenenhilfs- zur umfassenden, weltweit aktiven Menschenrechtsorganisation.
Nun haben zum gemeinsamen 50-jährigen Jubiläum prominente Bands und SolistInnen über 70 Dylan-Songs neu interpretiert. Der Stil reicht von Jazz bis Folk, von Klassik bis Rap, von Country bis Punkrock (Anspieltipp: The Gaslight Anthem, «Changing of the Guards»). Beteiligt sind KünstlerInnen aus vier Generationen: von der 19-jährigen Miley Cyrus, die eine beschwingte Country-Version von «You’re Gonna Make Me Lonesome When You Go» vorlegt, bis zum 92-jährigen Pete Seeger. Die Protest-Folk-Legende rezitiert ein herzzerbrechendes «Forever Young» (mit den Zeilen: «Mögest du immer mutig sein, aufrecht stehen und stark sein»).
Von Kravitz bis Kesha
Zu den bekanntesten InterpretInnen auf dem Album gehören Lenny Kravitz, Patti Smith, Elvis Costello, Marianne Faithfull oder Mark Knopfler. Viele setzen sich seit Langem für Menschen- und Bürgerrechte ein, so der Countrymusiker Steve Earle, Sting, der schon in den 1980er- Jahren für Amnesty tourte, der englische Arbeitersänger Billy Bragg (mit einem hymnischen «Lay Down Your Weary Tune») oder die Folk-Ikone schlechthin, Joan Baez.
Aber auch KünstlerInnen ohne «Meriten» in der Menschenrechtsbewegung wurden berücksichtigt, etwa Grammy-Abräumerin Adele oder Glitzer-Sängerin Kesha. «Wir wollten keine Snobs sein», begründet Produktionschef Jeff Ayeroff die Auswahl. Das Risiko hat sich gelohnt. Die jungen Sängerinnen machen eine Teenagergeneration mit Amnesty bekannt, gehen unverbraucht mit Dylans Material um – Keshas erstaunliche A-Cappella-Version von «Don’t Think Twice, It’s Alright» stösst auf ebenso grosse Begeisterung wie Ablehnung – und scheinen auch persönlich betroffen: «Alles hat sich verändert», so Kesha nach der Aufnahmesession.
So logisch, wie das Album beginnt – der verstorbene Johnny Cash, der höchstpersönlich in Gefängnissen vor Inhaftierten auftrat, singt das Abschiedslied «One too many mornings» –, so logisch endet es: mit dem Original von «Chimes of Freedom» aus dem Jahr 1964. Bob Dylan singt darin: «Sie läuten für die Leidenden, deren Wunden nicht gestillt werden können / Für die unzähligen Verwirrten, Beschuldigten, Misshandelten, Betäubten / Und für jede gestrandete Person im ganzen weiten Universum / Und wir starrten hoch zu den funkelnden Glocken der Freiheit.»
Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von März 2012
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion