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Im Unterengadin berühren sich fast alten kolonisierten Gegenden an der linken Seite des Tales. Die Hänge am rechten Ufer der Inn sind von ausgedehnten Wäldern bedeckt, die hier und dort durch Agglomerationen, die auf Terrassen stehen, unterbrochen werden. Von dieser Seite her ist die grösste Konstruktion diejenige von Tarasp, heute eine aufgeteilte Gemeinde, die in ihrem Zentrum die Festung desselben Namens schützt. Das Schloss Tarasp, das auf einem felsigen Steiltablett steht, zählt zu den berühmtesten Verteidigungswerken Rhätiens. Von allen noch bewohnbaren graubündnerischen Schlössern ist Tarasp dasjenige, das die meisten Elemente seiner mittelalterlichen Substanz bewahrt hat.
Gegen 1900 befand es sich in einem so bedauernswerten Zustand, dass die zwischen 1910 und 1914 unternommenen Restaurierungsarbeiten unausweichlich ernste Beschädigungen an den verschiedenen Gebäuden und auch an sein Inneres verursachten. Dennoch versuchten die Restauratoren das Möglichste, um das äussere Erscheinungsbild des Schlosses beizubehalten, ausgenommen das eingestürzte Dach, das sie völlig erneuern mussten. Vor Beginn ihrer Arbeiten gaben sie sich mehr Mühe, sich an die Zeichnungen der Originalkonstruktionen zu halten.
Die Lage des Schlosses auf einem isolierten felsigen Hügel, entspricht nicht den Geländeformen, die im allgemeinen in Graubünden für Festungskonstruktionen gewählt wurden so unterscheidet sich die architektonische Struktur von Tarasp ziemlich stark von den gängigen rhätischen Grundrissen. Es ist selbstverständlich, dass die Hauptelemente - Eingang, Vorderschloss, zentrales Schloss und Behausungskörper - an Tarasp auch vorhanden sind, doch ist Ihre Disposition an die Geländeart angepasst worden. Die architektonische Vorstellung entspricht gewissermassen einer Spirale, die sich von der ersten Tür, die auf halber Höhe an der Flanke des Hügels eingerichtet wurde, unregelmässig bis zum Wohnungsgebäude führt, das auf dem Gipfel des felsigen Kaps errichtet wurde. Das Vorderschloss und das Hauptschloss teilen die Gesamtheit in drei Bereichen, deren heutiges Erscheinungsbild das Produkt einer Entwicklung von mehreren Jahrhunderte ist. Die Befestigungen des Eingangs, die eine äusserliche Türe, die heute verschwunden ist, und einen langen Gang mit Schiessscharten und von zwei Türmen flankiert, die sich zur Schlucht öffnen, datieren vermutlich aus einem späten Zeitalter, wahrscheinlich um das Jahr 1600. Dieser verstärkte Eingang sollte zweifellos als Hindernis für die damals so häufigen Angriffe in Rhätien dienen. Das Vorderschloss dehnt sich auf der Terrasse im Norden des Hügels aus. Von der Talseite wird es durch einen schroffen felsigen Hang abgegrenzt, dessen unregelmässige Gräte durch die Umfriedungsmauer entlangführen. Wenn man das Schloss durch die Aussentür im Westen des Geländes verlässt, erhebt sich ein Querbalken, der mit Schiessscharten für Feuerwaffen ausgestattet wurde, bis zum Komplex der Gebäude des zentralen Schlosses.
Das Vorderschloss war vermutlich durch eine Mauer im hohen Mittelalter umgeben, doch die derzeitige architektonische Struktur dieses Bereichs reicht nur bis zum Anfang der modernen Zeiten: das Schilderhaus, das neben dem Tor steht, stammt aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, und das massive Pulvermagazin um das Jahr 1716. Was die anderen Gebäude betrifft, wurden sie entweder in der heutigen Zeit errichtet oder umgestaltet.
Das ist insbesondere der Fall bei der Kapelle, dessen Apsis in die Ringmauern eingefügt wurde. Obwohl seine innere Einrichtung aus dem 17. Jahrhundert stammt, könnten die Mauern dem 12. Jahrhundert zugeteilt werden. Die Malereien, die die Wände der Apsis schmückten, und von denen leider nur noch Fragmente übrig sind, wurden gegen 1100 ausgeführt. Das Zwischentor, das im Westen des Heiligtums verschont blieb, verdankt sein derzeitiges Aussehen den Arbeiten, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts durchgeführt wurden. Was den Kirchturm betrifft ist er in seiner Art wirklich einmalig. Mit seinen fünf Stockwerken und seinem barocken Zwiebeldach steht er höher als das zentrale Schlosses, an dem er angebaut wurde. Die Dicke seiner Mauern und die Dimensionen des Grundrisses sind in erstaunlichem Missverhältnis mit jenen der bescheidenen Kapelle. Vermutlich hat dieser Turm, der wie die Kappelle wahrscheinlich aus dem 11. Jahrhundert stammt, vom Anfang an als Verteidigungs- und Kirchturm gedient hat. Das zentrale Schloss, das heute wie eine kompakte Masse aussieht, ist von einer hohen Umfriedungsmauer umgeben, deren Verlauf von der unregelmässigen Gräte des Hügels bestimmt ist. Wenn man vom Osten durch das Tor schreitet, gelangt man in einen Gang, der von einem Gewölbe seit dem Mittelalter bedeckt wurde, zum zentralen inneren Hof, von wo die der Mauer angeschlossenen Gebäude zugänglich sind. Hier liegen vermutlich die ältesten Elemente der niedrigeren Umfriedungsmauer. Sie könnten bis ins 11. Jahrhundert zurückdatieren, wie jene von Sagogn und von Nivagl, deren Zeitbestimmung dank archäologischen Ausgrabungen möglich war.
Der Gebäudekomplex, oder das zentrale Schloss, der mehrmals im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts renoviert und vergrössert wurde, stammt vermutlich aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Das gilt auch vor allem für die alte Wohnung, die auf dem Gipfel des Hügels errichtet wurde, ein massiver und defensiver Behausungskörper, dessen Ursprung aus verschiedenen Gründen nicht vor dem 13. Jahrhundert festgelegt werden kann. Trotz seines Aussehens ist das bescheidenere und einfachere Schloss als jenes von heute, das durch seine Grossartigkeit und seine Kompaktheit besticht, ein Werk des 13. Jahrhunderts. Das zentrale Schloss von Tarasp erfuhr zahlreiche Renovationen am Ende des Mittelalters und anfangs der modernen Zeiten. Erst im Laufe dieser Arbeiten wurden die Säle der unteren Stockwerke mit Gewölben ausgestattet, die Fenster trichterförmig durchbohrt, und die Holztäfelung in den erhöhten Gebäuden aufgerichtet. Nach zwei alten Zeichnungen von 1520 wurden bestimmte Teile der Ringmauer früher von hervorstehenden Wegen überwunden.
Die Versorgung mit Trinkwasser, war ein schwerwiegendes Problem für die Mehrzahl der Schlösser, die auf Felsen aufgerichtet wurden. Doch in Tarasp wurde dies durch eine Zisterne gewährleistet, die sich im zentralen Schloss befand. Im 18. Jahrhundert musste diese ersetzt werden. Eine andere ausserhalb der Ringmauer gegrabene Zisterne am Fuss der Felsen konnte nur in Friedenszeiten ohne Gefahr benutzt werden. Die weiss verputzten Fassaden wurden früher reichlich mit Wappenmalereien geschmückt. Was davon im Jahr 1900 noch sichtbar war, datiert vermutlich nicht vor dem Ende des 15. Jahrhunderts. Einige dieser Malereien wurden bei Sanierungsarbeiten restauriert und verzieren heute glücklicherweise die eher kalten und kahlen Fassaden.
Im Widerspruch zu anderen rhätischen Schlössern, die auf archäologischer Ebene oder aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte zu den ältesten Schlössern dieser Art zählen, aber nur spät in den Texten erscheinen, wurde Tarasp bereits im 11. Jahrhundert erwähnt. Jedoch ist das Konstruktionsdatum noch ungewiss. Es ist nicht unmöglich, dass es bereits im 10. Jahrhundert errichtet wurde. Der Name von Tarasp wird von "terra aspera" (wilde Erde) abgeleitet, was dazu beiträgt zu glauben, dass das Schloss in einer vor kurzem gerodeten Stelle gebaut wurde. Das entspricht dem, was wir den ältesten Dokumenten entnehmen können, in denen es heisst, dass Tarasp von einer reichen aus dem Venosta-Tal und vielleicht auch aus Norditalien stammenden Baronenlinie gebaut wurde. Der Zeitpunkt, an dem diese Familie, deren Ländereien sich mehrheitlich ursprünglich im Venosta-Tal befanden, den Namen der Festung annahmen - gegen das Ende des 11. Jahrhunderts - markiert zweifellos den Beginn ihrer kolonisierenden Aktivität im Engadin. Ihre Absicht war es zweifellos, in dieser wenig bevölkerten Region eine Herrschaft von gewisser Bedeutung zu erschaffen. Während der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erreichten die Tarasp ihren Höhepunkt. Sie verfügten über Ländereien, die sich im Venosta-Tal und im Rest von Südtirol, in Mittel-Graubünden und in Valteline erstreckten, und besassen sogar einige Ländereien in Bayern. Um ihre Beherrschung zu konsolidieren, nahmen sie zahlreiche Ministerielle in Anspruch. Wir finden unter diesen die Barone von Marmels, die später zu den mächtigsten rhätischen Familien angehörten. Das patrimonische Kloster, das gegen 1090 von Eberhard von Tarasp in der Nähe von Scuol gegründet wurde, wurde in der Mitte des 12. Jahrhunderts an Marienberg in der Nähe von Burgeis (Venosta-Tal) übertragen.
Im gleichen Zeitalter wurde die Herrschaft von Tarasp hin und her gerissen in den Kämpfen der Bischöfe von Chur, die ihren Einfluss von Oberengadin bis ins Unterengadin zu vergrössern versuchten, und die Grafen von Tirol, die auch ihre Macht im umgekehrten Sinne auszudehnen versuchten, ausgehend vom niedrigeren Tal der Inn. In 1160, übergab Ulrich de Tarasp, der manches Mal schon seinen Glauben an die Kirche durch grosszügige Spenden bestätigte, dem Bischof von Chur seinen Anteil am Schloss von Tarasp. Sein Neffe Gebhard, der dies als Verschwendung der Familiengüter sah, bemächtigte sich der Festung und liess die Bischofsgarnison abreissen. Der Bischof wurde von Ulrich von Tarasp und seinem Vetter Egino von Matsch geholfen und belagerte dann das Schloss und zwang Gebhard, dieses aufzugeben. Schliesslich wurde ein Kompromiss gefunden; das Schloss wurde Gebhard als Lehen zugestanden, aber dieser musste versprechen, seinen Teil dem Bischof zu hinterlassen, falls er ohne Kinder sterben würde. Die Rechte des Bischofs blieben allerdings nicht unumstritten.
Nach dem Verschwinden der Barone von Tarasp gegen 1170 gelangte das Schloss aus unklaren Gründen, aber wahrscheinlich gemäss bestimmten erblichen Rechten, an den Herren von Reichenberg, die sich damals im Venosta-Tal etabliert hatten. In Missachtung der Rechte, die dem Bischof zustanden, wurde das Schloss in 1239 an den Grafen von Tirol übertragen, der es ihnen als Lehen zurückgab. Die Reichenberg residierten nur kurz in Tarasp. Auch die Grafen von Tirol konnten nicht lange ihren Erwerb geniessen, denn am Ende des 13. Jahrhunderts, gelangte Tarasp in die Hände der Barone von Matsch - wahrscheinlich infolge eines Ländereienaustausches. Die Matsch entsprangen einem Seitenzweig des überlieferten Stammes Tarasp, der zwischenzeitlich ausstarb. Zu Beginn besassen Egino und Ulrich von Matsch zusammen ihr patrimonisches Eigentum. Sie installierten einen Schlossherren in Tarasp und beauftragten ihn, die Herrschaft in ihren Namen zu verwalten. Es wurde auch vereinbart, dass, falls einer der zwei Vetter seinen Vertrag brechen würde, sein Teil zum anderen zurückfallen würde. Das gegenseitige Misstrauen zwischen Ulrich und Egino, führte allerdings bereits in 1297 zu einer Teilung. In 1625 starb die Tochter des Schlossherren in einem Feuer. Während des 16. und 17. Jahrhunderts, hörten die österreichischen Intendanten nicht auf, sich über die Überalterung der Gebäude zu beklagen. Peinlich genaue Renovierungen und Vergrösserungen wurden zu Beginn des 13. Jahrhunderts unternommen.
In 1803 wurde Tarasp dem neuen Kanton Graubünden zugeteilt, und das fast zerstörte Schloss ging in die Hände von Privatperson über. In 1856 wurde das Schloss von Planta von Samedan gekauft zu einer Summe von Fr. 1200. -. Er führte zahlreiche Reparaturen insbesondere am Dach durch. Im Jahre 1900 wurde das Schloss von einem deutschen Unternehmer aus Dresden gekauft, Dr. Lingner. Dieser restaurierte das Schloss von 1906 bis 1916. Nach seinem Tod ging das Schloss in die Hände des Grossherzogs Ernest Ludwig von Hessen und bei Rhein von Darmstadt über. Das Schloss gehört immer noch dieser Familie.
Pour en savoir plus consulter le site officiel du château: www.schloss-tarasp.ch. On y apprend en particulier qu'une Fondation est en oeuvre pour racheter le château et le maintenir ouvert au public.
Les photos d'intérieur du château que j'ai placées ci-dessous proviennent du site internet du château de Tarasp:
Tarasp par Rohbock en 1860 (graphica-antiqua.ch)
Bibliographie