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Die Adventszeit ist eine Zeit der Geschichten und Erzählungen, insbesondere für die Kinder. Mit den Schweizerischen Erzählungen erhob das Werk von Leonhard Meister zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Anspruch „eine Anzahl, für Kinder von 6 bis 12 Jahren berechneter Erzählungen aus der vaterländischen Geschichte zu liefern“ , da es bisher hierzu „sehr wenig Brauchbares“ gab.
Die ausgewählten Erzählungen umfassen grösstenteils für Kinder wohl nur bedingt geeignete, da sehr detaillierte Berichte und Darstellungen historischer Schlachten sowie Portraits bedeutender Persönlichkeiten, aber auch Besonderheiten, welche den aufklärerischen Charakter Leonhard Meisters unterstreichen.
Abb. 1: [Bannfluch gegen Ungeziefer, Tafel 18]
So beispielsweise das Kapitel zu Kriegsmaassregeln gegen Ungeziefer, welche sich der Schattenseite „jeder Zeit“ widmet: dem Aberglauben und der Unwissenheit. Der Bischof von Lausanne, Georg von Saluzzo, habe um 1479 Blutegel, Engerlinge und Laubkäfer mittels Bannsprüchen vertrieben und vernichtet. Dass das “Endurtheil” jeweils auf Jahreszeiten fiel, in welchen die Population auf ganz natürliche Art abnahm schien dem Volke nicht aufgefallen zu sein. Aber heute sei man “besser und weiser”, so das Fazit des Verfassers. Leider war diesem selbst nicht aufgefallen, das Bischof Georg von Saluzzo bereits 1461 verstorben war und somit in der gegebenen Zeitlinie der Erzählung die Bannflüche gar nicht selbst hätte sprechen können.
Ebenfalls unerkannt geblieben sind gewisse Ungenauigkeiten und Fehler bei der Veröffentlichung des Werkes. Es fehlen beispielsweise die beiden letzten Kupfertafeln, obwohl diese im Index aufgeführt sind – es existieren scheinbar nur wenige wirklich vollständige Ausgaben. Die Kupfertafeln wurden mehrheitlich von Johann Rudolf Schellenberg gezeichnet und gestochen, einem um 1800 sehr bekannten Künstler und Kupferstecher aus Winterthur. Die Drucke sind wunderbar angefertigt, aber allesamt gespiegelt.
Abb. 2: [Ritter Münch büsst seinen Hohn mit dem Tode, Tafel 17]. Gespiegelte Adresse am unteren Rand.
Interessant ist, dass die Kupferstiche bereits in einem früheren Werk (Leonard Meisters Helvetische Galerie grosser Männer und Thaten für die vaterländische Jugend) von Leonhard Meister um 1786 Verwendung fanden, und ebenfalls gespiegelt abgedruckt wurden. Ergänzt wurden die 24 durch Schellenberg angefertigten Kupferstiche durch sechs weitere Tafeln, gezeichnet von Johann Balthasar Bulliger und gestochen von Daniel Ehrenzeller, datiert mit 1826. Von diesen sechs Tafeln sind wiederum deren Vier gespiegelt abgedruckt.
Abb. 3: [Die Wallgauer bitten die Eidgenossen um Gnade, Tafel 25]. Korrekter Druck.
Weiter bleibt auch beim Datum der Veröffentlichung und eigentlichem Autor ein Fragezeichen stehen: Leonhard Meister verstarb 1811, die den ursprünglichen Tafeln von 1786 ergänzten Kupferstiche datieren von 1826. Genauere Angaben sind keine zu finden.
Bieten die Schweizerischen Erzählungen also eine zwar schöne, wenn auch teilweise unsauber recherchierte Auswahl an nicht ganz kindergerechten Erzählungen, so machen erst die detaillierten Kupferstiche in Verbindung mit den erwähnten Ungenauigkeiten den Band zu einem bemerkenswerten Exemplar.