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FRANCES McDORMAND & STRONG WOMEN
18/08 - 20/09/2022
Den Sommer lässt das Filmpodium mit einer Filmreihe voller Frauenpower ausklingen und widmet der Meisterin des virtuosen weiblichen Schauspiels, Frances McDormand, eine grosse Werkschau.
Drei Oscars als «Beste Hauptdarstellerin» hat Frances McDormand bislang gewonnen – nur Katharine Hepburn hat einen mehr erhalten. Für FARGO (1997), THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI (2018) und NOMADLAND (2021) erhielt sie den Academy Award, für viele ihrer weiteren rund 50 Rollen wurde sie mit Preisen und Nominierungen geehrt. Damit ist die 1957 in Chicago geborene Schauspielerin eine der herausragenden Charakterdarstellerinnen und eine Ikone des US-Independent-Kinos, doch kein Hollywood-Star. Ein Glamour-Etikett, auf das die für ihre sorgfältige Rollenwahl bekannte McDormand, gerne verzichtet. Die eher publikumsscheue Schauspielerin ist keine, die öffentliche Auftritte sucht. Es sei denn, sie hat mehr als Dankesworte zu sagen, wie an der Oscar-Verleihung 2018. Damals bat sie alle nominierten Frauen im Saal aufzustehen, um auf das Missverhältnis zwischen Männern und Frauen hinzuweisen.
Gleich ihre erste Filmrolle, 1984 in BLOOD SIMPLE, lenkte ihr zuvor unstetes Leben in neue Bahnen. Ihre Rolle im Debüt von Joel und Ethan Coen machte sie bekannt und führte zur Heirat mit Joel Coen. In acht weiteren Filmen der Regiebrüder wirkte sie mit. Die Rolle der schwangeren Polizistin Marge Gunderson in FARGO, die im winterlichen Provinzkaff einen Entführungs- und Mordfall aufklärt, sticht unter ihren Coen-Arbeiten heraus. In dieser emphatischen Polizistin, die mit unaufgeregter Hartnäckigkeit die Untersuchung leitet, finden sich alle Qualitäten, die die wandlungsfähige, unangepasste Schauspielerin ausmachen. Ihr Spiel ist nuancenreich und uneitel. Sie liebt komplexe Charaktere, Frauen, die selbstbewusst und verletzlich, hartnäckig und widersprüchlich sind. Die verbitterte Mildred in THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI ist ein Paradebeispiel. Aber Frances McDormand geniesst es ebenso, schräge und kuriose Figuren zu verkörpern. In Rollen wie in BURN AFTER READING oder MOONRISE KINGDOM spielt sie ebenso virtuos ihr komödiantisches Talent aus. Andreas Stock
Eingerahmt wird die Werkschau von weiteren starken Frauen wie ALICE SCHWARZER, die immer eine polarisierende Kraft war. Als bekannte Fernsehpersönlichkeit hat sie im deutschsprachigen Raum Ehepaare auf dem Sofa entzweit und Frauen zur Emanzipation ermutigt. Der Film zeigt eine Seite von Schwarzer, die über die einflussreiche Feministin und Journalistin hinausgeht, die wir aus ihrer Autobiografie kennen.
Eine starke Frau ohne Zweifel: LAURENCE DEONNA LIBRE. Während fast 50 Jahren riskierte die Reporterin, Schriftstellerin und Fotografin Laurence Deonna ihr Leben, um den Lärm und die Wut unserer Zeit einzufangen. Sie wollte Frauen eine Stimme geben, überall dort, wo sich der Schleier des Schweigens über ihre Träume von Freiheit und Emanzipation gelegt hatte.
Und die Geschichte der Frau, die seit nunmehr 70 Jahren auf dem Thron des Vereinigten Königreichs Grossbritannien sitzt: ELIZABETH: A PORTRAIT IN PARTS. Eine wahrhaft filmreife Entdeckungsreise, auf und ab durch die Jahrzehnte, verspielt, poetisch und witzig, widerspenstig und unberechenbar, liebevoll, unangepasst und schelmisch, aber voller Ehrfurcht und Bewunderung, eine feierliche Hommage.
Am Sonntag 04/09 findet der alljährliche und beliebte ALLIANZ TAG DES KINOS statt. Das Filmpodium bietet dem Publikum gleich drei musikalische Filme über starke Frauen zum starken Preis von nur gerade 5.- an.
Um 10h30 hat man die einmalige Gelegenheit, den neusten Film von Heidi Specogna
STAND UP MY BEAUTY (nochmals) zu sehen.
Um 18h00 geht es weiter mit einer Berliner Biografie zwischen Ost und West, über das Leben einer Widerständigen, die mit der Poesie ihrer Liedtexte das Politische und das Private vereint: BETTINA WEGNER im gleichnamigen Film BETTINA.
Den Abschluss des Abends um 20h30 macht die Pop-Ikone Tina Turner, die weit mehr ist als der voluminöse Lockenkopf mit Wahnsinnsstimme: Der Lebensweg dieses Energiebündels ist mehr als erstaunlich und wird in der neuen Dokumentation TINA porträtiert.
Freuen können wir uns auf die Bieler Vorpremiere von L'AFRIQUE DES FEMMES am Sonntag 18/09 10h30: Senegal, Ruanda, Mosambik, Kenia, Elfenbeinküste und Burundi sind die Geburtsorte von Frauen, die in Mohammed Soudanis Film als Symbol für die Wiedergeburt eines Kontinents stehen, der von Völkermord, Hunger und Krieg zerrissen wurde. Die Rache der Gesellschaft ist keine Männergeschichte, sondern eine von Frauen, die trotz Druck, Hindernissen und wachsenden Herausforderungen ihre Erfolge in der gescheiterten Geschichte der letzten 70 Jahre des Kontinents nacherzählen.