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Diversität ist die gesellschaftliche Vielfalt. Eine diverse Gesellschaft setzt sich aus individuellen Menschen zusammen, die sich in bestimmten Merkmalen unterscheiden. Konkret können das Nationalität, ethnische Herkunft, der soziale Hintergrund oder Religion sein. Doch auch das Alter, Geschlecht und die sexuelle Orientierung tragen dazu bei. Diese Unterschiede führen häufig zu Spannungen und Konflikten unter den gesellschaftlichen Gruppierungen.
Ein gemeinsames Ziel ist es, diese Unterschiede anzunehmen und sich gegenseitig zu respektieren, um eine Chance auf ein diverses und tolerantes Miteinander zu haben.
„Illusion der Vielfalt“ ist ein Phänomen, benannt nach einer Studie von Forscher:innen der Hebräischen Universität von Jerusalem, die besagt, dass die meisten Menschen dazu neigen, ihr Umfeld diverser einzuschätzen, als es eigentlich ist.
Die Studie untersucht, wie äusserliche Merkmale von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Sie kommt zum Ergebnis, dass Menschen den Anteil von Minderheiten in ihrem Umfeld deutlich höher einschätzen, als dieses in Wahrheit ist.
Die rund 900 Teilnehmenden der Studie teilten sich in eine Gruppe israelischer Jüd:innen und einer Gruppe israelischer Palästinenser:innen auf. Ziel des Experiments war es, eine Einschätzung darüber abzugeben, wie viele arabischstämmige Menschen sie in ihrer Umgebung, zum Beispiel am Universitätscampus oder auf einer Fotocollage, wahrnahmen. Überraschenderweise verschätzten sich beide Gruppen stark. Der Anteil arabischstämmiger Studierender an der Universität wurde auf 30 Prozent geschätzt, obwohl er bei unter 10 Prozent lag. Zu dieser Fehleinschätzung kam es nicht nur bei der jüdischen Mehrheitsgesellschaft, sondern auch bei der palästinensischen Minderheit.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen auch die Forschungsteams in den USA. Proband:innen sollten hier den Anteil von PoC (People of Colour) bestimmen und überschätzten sich um 40 Prozent.
Stark verzerrte Wahrnehmung
Hinter der „Illusion der Vielfalt“ steckt eine einfache Erklärung: Unsere Erstwahrnehmung ist darauf ausgelegt, ungewöhnliche und zum Teil unerwartete Umgebungsreize intensiver wahrzunehmen als das, was unserer Norm entspricht, erklärt Erstautorin Rasha Kardosh.
Ethnische Minderheiten, die sich optisch von der Mehrheitsgesellschaft abheben, werden von unserem kognitiven System als etwas Unerwartetes wahrgenommen. Es kommt zur sogenannten kognitiven Verschiebung. Weil wir Angehörige von Minderheiten intensiver und bewusster wahrnehmen als Angehörige von Mehrheiten, schätzen wir die Anzahl oft als höher ein, als sie eigentlich ist.
Dabei ist die „Illusion der Vielfalt“ unabhängig davon, ob man eine positive oder negative Einstellung gegenüber Minderheiten hat. Wer sein Umfeld also diverser wahrnimmt, tut es weder aufgrund besonderer Sympathie noch aufgrund einer besonderen Ablehnung gegenüber bestimmten Gesellschaftsgruppen.
Doch wo liegt das Problem?
Das Problem liegt in den Konsequenzen der Wahrnehmung. Die Bereitschaft vieler Proband:innen wurde als negativ bewertet, als es darum ging, das Förderprogramm für Minderheiten zu unterstützen. Aufgrund der anfänglich viel zu hohen Einschätzung, gingen sie davon aus, dass Massnahmen zur Diversitätsförderung an der Universität gar nicht nötig seien.
Übertragen lassen sich die Erkenntnisse etwa auch auf die Arbeitswelt. Gerade in Führungspositionen sind gesellschaftliche Minderheiten noch immer unterrepräsentiert. Die Bereitschaft etwas daran zu ändern setzt zunächst auch das Problembewusstsein voraus. Die „Illusion der Vielfalt“ steht dabei als Problem im Wege und gaukelt einem vor, dass gar kein Handlungsbedarf bestünde.
Man kann sich also die Diversität in der Gesellschaft anhand von konkreten Fakten vor Augen führen und seine Wahrnehmung neu konditionieren. Anstatt sich auf Gefühle zu verlassen, sollte man sich in diesem Fall auf Fakten und Zahlen stützen.