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Glasbläser/in
Der Glasbläser[1] stellte in Glashütten aus Röhren und Stangen unteranderem Hohl- und Flachglas her. Dabei wurde das Glas sobald es die entsprechende Verarbeitungskonsistenz aufwies mit Hilfe der Glasmacherpfeife (ein etwa ein bis zwei Meter langes Eisenrohr mit Mundstück und Holzhandgriff) entnommen und unter ständigem Drehen, Schwenken und Wälzen zu einem tropfenförmigen Kölbel aufgeblasen. Unter mehrfachem Anwärmen wurde dann der Kölbel mit Hilfe diverser Werkzeuge (z.B. anhand von Heft- und Plätteisen, Scheren und Zangen) in die gewünschte Form gebracht (auch Stuhlarbeit genannt). Um den Gefässen eine Form zu geben, bestand des Weiteren die Möglichkeit das Gals in entsprechende Holzformen einzublasen.
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Das Mondglas- und das Streckglasverfahren stellten weitere Möglichkeiten der Glasformung dar und wurden insbesondere zur Gewinnung von Flachglas eingesetzt. Beim Ersteren bläst der Glasbläser eine Hohlkugel, die er dann flachdrückt und mit schnellen Drehungen in eine gleichmässig dicke runde Scheibe verwandelt. Nach dem Streckverfahren wird die Glasmasse zunächst zu einem Zylinder geformt und danach in Stecköfen mittels speziellen Hölzern flachgeebnet. Beide Verfahren, die insbesondere bei der Produktion von Fensterglas eingesetzt wurden, erforderten grosse Geschicklichkeit sowie erhöhte Muskel- und Lungentätigkeit. Es erstaunt daher nicht, dass die Glasbläser zumeist unter Lungen- und Augenkrankheiten litten. Der Umgang mit dem glühenden Glas, die Überanstrengung der Lunge sowie der übermässige Arsenik- und Bierkonsum hatten erheblich Auswirkungen auf die Gesundheit der Glasbläser und führten auch zu einer geringen Lebenserwartung der Berufstätigen.
Im Verlaufe der Zeit vermochten neue technische Errungenschaften das Schaffen der Glasbläser grundlegend zu verändern. Das Handwerk der Glasbläser lässt sich in der heutigen Zeit wie folgt beschreiben: „Stellt manuell (z.B. durch Mundblasen) Glasartikel in vielfältiger Form und erlesener Qualität her, deren maschinelle Produktion wegen vielseitiger Form oder zu geringer Stückzahlen nicht möglich oder nicht wirtschaftlich wären. Hierzu gehören Trinkgläser aller Art wie Becher, Kelchgläser, Vasen, Bowlengefässe, Kerzenhalter, Schalen, Glasteller und Beleuchtungsglas“ (www. Berufsberatung.ch, 2017).
Trinkgläser aus Kristall hingegen und Behältergläser wie Getränkeflaschen, Verpackungsglas, Glasutensilien für Beleuchtungszwecke, Solareinsätze und auch technisch-medizinische Produkte werden weitgehend mit vollautomatisch arbeitenden Maschinen hergestellt. Obschon es in der Schweiz im Gegensatz zu Deutschland[2] keine reglementierte Ausbildung zum Glasbläser gibt, sind hierzulande Mundglasartikel dennoch gefragt und aufgrund der Geschicklichkeit, Vielseitigkeit, Anpassungsfähigkeit und des Ideenreichtums der praktizierenden Glasbläser weiterhin gegenüber Maschinenglasartikeln konkurrenzfähig.
Die Arbeit in den Glashütten
Im 13. Jahrhundert mit der Ausbreitung der Städte in Mitteleuropa und der steigenden Nachfrage an Hohl- und Flachglas wurden in sämtlichen grossen Waldgebieten, die über die nötigen Rohstoffe zur Glasherstellung (Quarz, Kies, Kalk und Ton) sowie eine ausreichende Verkehrslage und Versorgung mit fliessendem Wasser verfügten Glashütten gebaut. Diese besassen in der Regel einen Werkhof für die Erzeugung von Hohlglas, einen Streck- oder Tafelofen für die Herstellung von Flachglas und einen Kühlofen zum Abkühlen der Gläser und zum Kalzinieren der Pottasche sowie des Quarzsandes. Zum Abzug der Ofenabgase wiesen die Glashütten, die zumeist aus grossen Holzstadeln bestanden und auf steinernen Grundmauern errichtet wurden, eine Öffnung im Satteldach.
Die Glashütten verfügten zudem über ausreichend Belegschaft. Neben dem Hüttenmeister, der Besitzer oder Pächter der Glashütte war, gab es noch zahlreiche Glasschmelzer[3] und Glasbläser sowie deren Gehilfen wie zum Beispiel die Eintragbuben, die für das Eintragen der fertigen Gläser in den Kühlofen zuständig waren. Für den Unterhalt des Feuers im Glasofen und die Feuerung des Kühlofens waren des Weiteren die Schürer und die Einwärmbuben besorgt. Bei den Glashütten ansässig waren auch noch die Glasmaler, Glasschleifer und Glaser, die sich insbesondere der Ver- oder Bearbeitung von Glas[4] widmeten.
[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.
[2] In Deutschland besteht die Möglichkeit eine dreijährige Ausbildung mit den Fachrichtungen Glasgestaltung, Christbaumschmuck und Kunstaugen in einer Berufsfachschule oder in einem Betrieb des Glashandwerks oder der Glasindustrie zu absolvieren
[3] Waren für die Schmelze zuständig und gaben ihr Wissen zumeist innerhalb der Familie weiter. Die Glasschmelze wurde in der Regel in kuppelförmigen Schmelzöfen vorgenommen, in denen sich Tongefässe als Schmelztiegel, die Häfen, befanden. Heute betragen die dafür benötigten Temperaturen je nach Glaszusammensetzung mindestens 1400 Celsius (vgl. Sauer, 2012, S. 148).
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Literatur
Bernert Helmut: Der Gläsner. Glasherstellung und damit verbundene Gewerbe, in: Sauer Christine (Hg.): Handwerk im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 147-158.
Mielke Heinz-Peter: Glasmacher und Glaser, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 89-94.
Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2010, S. 74-79.
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