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© Jari Peltomäki
Nur in zwei Regionen der Schweiz gibt es heute noch grössere Bestände der Heidelerche Lullula arborea: Einerseits in den Jurahöhen im westlichen Jurabogen und andererseits in den sonnenexponierten Lagen des Mittel- und Oberwallis. Mit einer auf die Bedürfnisse der Heidelerche ausgerichteten landwirtschaftlichen Nutzung und Habitatpflege soll das langfristige Überleben der Art in der Schweiz gesichert werden.
Untersuchungen sollen Schlüsselfaktoren ermitteln, welche zum Verständnis der Lebensraumansprüche der Heidelerche in der Schweiz beitragen. Trotz der Besiedlung unterschiedlicher Lebensräume im Jura (Weiden) und im Wallis (Rebberge) gehen wir davon aus, dass in beiden Regionen ähnliche Lebensraumfaktoren für die Art wichtig sind. Aufgrund der Untersuchungsresultate werden Massnahmen zur Verbesserung der Lebensräume umgesetzt. Sie sollen ein langfristiges Überleben der Heidelerche erlauben.
In den Jahren 2004 und 2005 wurden mit Ausnahme des Randens (SH) im ganzen Jura die bekannten Vorkommen der Heidelerche systematisch kontrolliert. Dabei wurden alle Kilometerquadrate berücksichtigt, in welchen die Heidelerche in den letzten 20 Jahren mindestens einmal nachgewiesen wurde. Im Rahmen der Atlasarbeiten 2013–16 wurde die Verbreitung der Heidelerche im Jura wieder untersucht.
Seit 2005 wurden in den Walliser Rebbergen im Rahmen von Diplomarbeiten und einer Doktorarbeit Habitatnutzungsmuster und Bruterfolg der Heidelerche ermittelt, dies insbesondere im Hinblick auf die optimale Bewirtschaftungsmethode.
Seit 2007 werden im Parc Régional Chasseral Förderungsmassnahmen in Zusammenarbeit mit den Parkverantwortlichen, dem Ökobüro Le Foyard, dem SVS/BirdLife Schweiz und dem Kanton Bern umgesetzt. 2015 wurde im Naturpark Thal die Umsetzung von Förderungsmassnahmen in enger Zusammenarbeit mit den Parkverantwortlichen und dem Kanton wiederaufgenommen.
In Walliser Rebbergen werden in Zusammenarbeit mit den Winzern Bäume und Hecken in den Rebbergen gepflanzt, um die Habitatstruktur für die typischen Vogelarten der Rebberge zu verbessern, darunter auch für die Heidelerche.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts leidet die Heidelerche unter einem stetigen Verlust an Lebensräumen. Massnahmen zur Verbesserung der Lebensräume, wie z.B. die Erhaltung locker bestockter Magerweiden im Jura oder die ökologische Aufwertung von Rebbergen im Wallis, sind für das Landschaftsbild und für viele Tier- und Pflanzenarten von grosser Bedeutung.
Im Jura konnte die Heidelerche in den Jahren 2004 und 2005 noch in 116 Kilometerquadraten nachgewiesen werden. 104 ehemals besetzte Quadrate waren verwaist. Gezielte Heidelerche-Nachsuchen während der Atlasperiode 2013–16 haben gezeigt, dass der Schwund weiter voranschreitet. Die Art konnte noch in 78 der 116 vor 10 Jahren besiedelten Kilometerquadrate bestätigt werden. Während der Atlasarbeiten wurden sechs weitere Kilometerquadrate im Jura mit Heidelerchenvorkommen entdeckt. Die grösste Dichte erreicht die Heidelerche in den Kantonen Solothurn und Bern sowie Neuenburg und Waadt. Die Heidelerche ist unterhalb 1100 m ü.M. praktisch vollständig verschwunden. Der starke Rückgang ist auf verschiedene Aspekte zurückzuführen. So werden immer mehr Magerweiden intensiver genutzt, Singwarten in Form von Einzelbäumen verschwinden und die Störungen durch menschliche Sportaktivitäten nehmen zu. In den Sömmerungsgebieten, den wichtigsten Habitaten für die Art im Jurabogen, birgt die Veränderung in der Viehwirtschaft eine zusätzliche Gefahr. Die Heidelerche ist auf traditionelle, extensive Weidebewirtschaftung angewiesen.
In den Walliser Rebbergen wurden (1) die kleinräumige Habitatnutzung bei der Futtersuche und (2) grossräumig die Verteilung der Reviere im Bezug zur Vegetationsstruktur erhoben. Die Untersuchungen zeigen, dass die Heidelerche lückig begrünte Rebberge mit einer hohen Pflanzenvielfalt besiedelt. Der Deckungsgrad der Vegetation liegt idealerweise bei 40–60 %. Noch sind begrünte Weinberge im Wallis selten. Aber gerade diese Massnahme könnte zahlreichen Vogel- und anderen Tierarten einen idealen Lebensraum sichern. Wichtige Erkenntnisse wurden im Faktenblatt "Vögel brauchen lückige Vegetation zur Nahrungssuche" zusammengestellt. Anhand von aktuellen Satellitenbildern versuchen wir momentan, die Bodenvegetation der Walliser Rebberge grossflächig zu quantifizieren und in Bezug zum Vorkommen der Heidelerche und anderer Brutvögel zu setzen.
Zigerli-Hegi-Stiftung