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| Tertullian († um 220) - Über die Monogamie. (De monogamia)

8. Cap. Im neuen Bunde begegnen uns gleich an der Schwelle desselben Zacharias, Simeon, Anna und Johannes als Belege für die Monogamie sowohl als die Enthaltsamkeit. Die Apostel mit Ausnahme des Petrus erscheinen als Unverheiratete.
[S. 464] Wenden wir uns nun zu unserem eigenen Gesetze, d. h. zum Evangelium, was für Beispiele warten unser da erst, wenn wir zu den Entscheidungen vorgedrungen sind! Siehe, sogleich auf der Schwelle begegnen sich die beiden Vertreterinnen der christlichen Heiligkeit, die Monogamie und die Enthaltsamkeit, die eine in ihrer Ehrbarkeit an dem Priester Zacharias, die andere schon vollendet an Johannes, dem Vorläufer; die eine versöhnt Gott, die andere verkündet Christum; die eine verkündet den vollkommenen Priester, die andere stellt den vor, der mehr ist als ein Prophet, indem er nämlich Christum nicht bloss verkündete und in Person zeigte, sondern auch taufte. Denn wer wäre würdiger gewesen, dem Leibe des Herrn jene Weihe zu erteilen, als ein Leib, der demjenigen glich, der ihn empfing und gebar! Und Christum zwar gebar die Jungfrau, die sich nach seiner Geburt nur einmal vermählte, so dass beiden Titeln von Heiligkeit in der Abstammung Christi Genüge geleistet wurde durch eine Mutter, die Jungfrau war und einmal Vermählte.1 Und bei der Darstellung des Kindes im Tempel, wer nimmt es in seine Hände? Wer erkannte es im Geiste zuerst? Ein gerechter und keuscher Mann, der gewiss kein Digamus war und es schon um deswillen nicht sein durfte, damit nicht Christus gleich darauf von einem Weibe in würdigerer Weise gepriesen werde, die eine alte und eingattige Witwe war, die, ganz dem Tempel hingegeben, genugsam an sich zu erkennen gab, wie wir dem geistigen Tempel, d. i. der Kirche, anhänglich sein müssen.
Solche Augenzeugen fand der Herr als Kind; als Erwachsener hatte er keine andern. Nur von Petrus finde ich, dass er verheiratet gewesen, monogamisch, wie ich vermute, wegen der Kirche, die, auf ihn erbaut, alle Grade ihrer Weihen aus Monogamischen errichten sollte. Da ich nicht finde, dass die übrigen verheiratet gewesen seien, so muss ich sie entweder für Eunuchen oder für Enthaltsame halten. Denn wenn auch die Weiber und die Frauen bei den Griechen unter einem gemeinschaftlichen Namen klassifiziert werden, entsprechend dem geläufigem Sprachgebrauch — übrigens gibt es auch eine eigene Bezeichnung für Gattin, — so werden wir darum Paulus doch so verstehen, als wolle er andeuten, die Apostel hätten Gattinnen gehabt. Denn wenn er von ehelichen Verhältnissen sprechen wollte, was er im folgenden thut, wo er eher ein Beispiel hätte namhaft machen können, so hätte er sich, wie es scheint, richtig so ausdrücken müssen: „Hätten wir übrigen Apostel nicht auch das Recht, Gattinnen mit uns umherzuführen, so gut wie Kephas?”2 Aber da, wo er die Bemerkung hinzufügt, die auf seine Enthaltsamkeit [S. 465] hinsichtlich des Lebensunterhaltes hinzielt und sagt: „Haben wir nicht auch Erlaubnis, zu essen und zu trinken”, da zeigt es sich, dass die Apostel keine Ehefrauen mit sich herumgeführt haben; denn die Erlaubnis, zu essen und zu trinken, haben auch Leute, welche deren keine besitzen, sondern dass es nur Weiber schlechthin waren, welche ihnen in derselben Art wie die Begleiterinnen des Herrn dienten.
Vollends aber, wenn Christus gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer, die auf dem Lehrstuhl des Moses sassen und nicht handelten, wie sie lehrten, seine Missbilligung ausspricht, in welchem Lichte würde er uns erscheinen, wenn er auf seinen eigenen Lehrstuhl Leute setzte, welche mehr darauf bedacht wären, die Heiligkeit des Leibes vorzuschreiben, als sie zu üben, da er ihnen auf alle Weise eingeschärft hatte, sie zu lehren und zu bethätigen, zuerst durch sein eigenes Beispiel, sodann durch die übrigen Ausführungen, wie z. B. wenn er das Reich Gottes den Kleinen zuspricht,3 wenn er ihnen nach der Hochzeit andere, die Kinder, zu Gefährten ihres Loses gab,4 wenn er sie zur Einfalt der Tauben auffordert,5 eines nicht bloss unschuldigen, sondern auch keuschen Vögleins, welches immer nur ein Männchen annimmt; wenn er es in Abrede stellt, dass die Samariterin einen Ehemann habe, um jeden ihrer zahlreichen Ehemänner als Ehebrecher hinzustellen; wenn er bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit von all' den vielen Heiligen lieber den Moses und Elias bei sich sehen wollte, wovon der eine nur einmal, der andere keinmal vermählt war, — denn Elias war nichts anderes als Johannes, der ja in der Kraft und im Geiste des Elias kam; — wenn er, von dem es hiess, „dieser Mensch ist ein Fresser und Säufer”, der die Frühmahle und Gastereien bei den Zöllnern und Pharisäern so häufig besucht, doch nur einmal bei einer einzigen Hochzeit mitisset, obwohl jedenfalls noch viele andere Leute Hochzeit hielten. Denn es war sein Wille, dass man nur so vielmal Hochzeiten feiere, als welche stattfinden dürfen.
1: Hieron adv. Helvid. p. 141 spricht sich über diese Stelle missbilligend aus. Öhler hat die besser bezeugte Lesart post partum wieder aufgenommen, andere haben ob partum.
2: I. Kor. 9, 4.
3: Matth. 18, 3.
4: Ebend. [Matth.] 19, 12.
5: Ebend. [Matth.] 10, 16.