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Kiebitze (Vanellus vanellus) fallen schon von weitem auf: Ihre lange, abstehende Holle – der Federfortsatz am Hinterkopf - ist typisch. Die Oberseite der Vögel schillert grün-grau; auf ihren Schultern glänzt ein violetter Fleck. Ihre Unterseite dagegen ist weiss gefärbt. Mit 28 bis 31 Zentimetern Körperlänge ist der Kiebitz etwa so gross wie die Taube. Er gehört zur Gattung der Kiebitze innerhalb der Familie der Regenpfeifer und bewohnt vor allem Eurasien. Der Kiebitz ist ein Zugvogel. Meist überwintert er am Mittelmeer oder in Nordafrika und kehrt im Februar zur Paarung wieder in die Schweiz zurück.
Spektakuläre Balztänze
Mit akrobatischen Balzflügen versucht das Männchen das Weibchen zu beeindrucken: Es fliegt in Bögen auf und ab und singt dabei eine Melodie, die klingt wie „kiwit it it kiwit“ - diesem Gesang haben die Kiebitze ihren deutschen Namen zu verdanken.
Brutzeit ist von März bis Juni. Kiebitze brüten in Kolonien, sie legen ihre Nester also nahe beieinander an. Dafür bereiten die Männchen je sechs bis neun Nistmulden vor. Die Weibchen suchen sich dann eine davon aus, in die sie ihre drei bis vier Eier legen. Nach ca. vier Wochen schlüpfen die jungen Kiebitze und verlassen sofort das Nest. Die Jungen suchen selbst nach Nahrung, während die Eltern sie vor Feinden schützen und bei Bedarf wärmen. Kiebitze ernähren sich von Insekten, Spinnen, Würmern und gelegentlich von Samen. Sie spüren ihre Beute auf, indem sie innehalten, lauschen und ihr Opfer schnell aufpicken. Charakteristisch ist auch ihr Fusstrillern: Die Vögel stehen auf einem Bein und bewegen das andere vibrierend auf und ab. Es bleibt dabei stets auf dem Boden. Damit simulieren sie Regentropfen, die auf den Boden fallen – und locken Regenwürmer aus dem Boden.
Bedroht durch Landwirtschaft
Kiebitze brüten bevorzugt auf Feuchtwiesen und Mooren. Als im 19. und 20. Jahrhundert viele Feuchtgebiete für die landwirtschaftliche Nutzung trockengelegt wurden, nahm die Zahl der Kiebitze in der Schweiz drastisch ab. Der Bestand erholte sich etwas, nachdem die Vögel auf die Kulturflächen umgesiedelt waren. In den letzten Jahrzehnten wurden sie jedoch auch dort verstärkt gestört: Mit der Intensivierung der Landwirtschaft werden die Ackerflächen stärker bewirtschaftet. Die landwirtschaftlichen Maschinen bedrohen speziell die Jungvögel, die sich ducken, statt zu fliehen. Ausserdem werden die Nester der Kiebitze überfahren und zerstört. Pestizide machen des Weiteren die Insekten - und damit ihre Nahrungsgrundlage - zunichte. Der Bestand ging dadurch von schätzungsweise 1000 Paaren im Jahr 1975 auf einen Tiefpunkt von 83 Paaren im Jahr 2005 zurück. In der Roten Liste der Schweiz ist der Kiebitz heute als vom Aussterben bedroht aufgeführt. Andere Wiesenbrüter wie Braunkehlchen, Feldlerchen oder Wachtelkönige sind laut BirdLife Schweiz ebenfalls gefährdet.
Naturschutz und Landwirtschaft müssen zusammenarbeiten
2018 gab es in der Schweiz wieder 206 Brutpaare. Das ist Schutzprojekten zu verdanken, die seit rund 15 Jahren für Kiebitze durchgeführt werden. Daran beteiligt sind BirdLife Schweiz, die Vogelwarte Sempach und verschiedene Ehrenamtliche. Um die Nester zu schützen, werden auf Wiesen rundherum Elektrozäune aufgebaut. Ausserdem wird mit Landwirten zusammengearbeitet: Diese informieren die Naturschützer, bevor sie mit Arbeiten auf Kulturflächen beginnen. Die Nester können so rechtzeitig beispielsweise mit Plastikkübeln bedeckt und die Jungvögel in Sicherheit gebracht werden. Durch Massnahmen vergrössert sich der Bruterfolg der Kiebitze um etwa das Siebenfache.
Landwirte lassen auch einige Wiesenabschnitte bewusst ungeschnitten. Diese Flächen sind wichtig für die Nahrungssuche und als Schutz der Jungvögel gegen Beutegreifer. An einigen Orten werden ausserdem Feuchtstellen geschaffen, auf die Kiebitze ebenfalls angewiesen sind.
Mit diesen Massnahmen konnte sich der Kiebitz-Bestand in der Schweiz etwas erholen. Ohne den Schutz würde er jedoch sofort wieder zurückgehen. BirdLife Schweiz betont, dass die Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und Landwirten noch verbessert und intensiviert werden muss, um das Überleben der Kiebitze in der Schweiz zu sichern.