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«The Distractor» ist eine Installation von James Bridle, die einen Schlüsselmoment in der Mediengeschichte nachstellt. In den 1960er Jahren erkannten Forscher der Carnegie Corporation in den Vereinigten Staaten, dass mehr Kinder Zugang zum Fernsehen als zu Kindergärten hatten, und sie machten sich daran, dieses neue Instrument zu nutzen, um eine Lücke in der frühkindlichen Bildung zu schliessen. Im Jahr 1968 gründeten sie den Children's Television Workshop (CTW), um pädagogische Fernsehprogramme für Kleinkinder zu erforschen und zu entwickeln. Die erste und bekannteste Kreation des CTW war die Sesamstrasse, eine der am längsten laufenden Fernsehsendungen der Welt.
Das CTW stellte den Harvard-Professor Edward L. Palmer ein, um seine Programme so effektiv wie möglich zu gestalten. Beeinflusst vom Behaviorismus, einer populären Bewegung in der zeitgenössischen Psychologie, entwickelte Palmer einen Apparat, der als «Ablenker» (distractor) bekannt wurde. Um zu messen, inwieweit die Kinder dem, was auf dem Bildschirm zu sehen war, ihre Aufmerksamkeit schenkten, wurden in Schulen und Kindertagesstätten Fernsehsendungen neben einer schnell wechselnden Diashow mit zufälligen Bildern gezeigt. Ein Assistent überwachte, auf welchen Bildschirm die Kinder blickten, und neue Episoden der Sesamstrasse wurden nur dann veröffentlicht, wenn die Episoden mehr als 90 % Aufmerksamkeit gegenüber den Zufallsbildern erzielten.
Bridle beschäftigt sich in seiner Arbeit häufig mit dem Einfluss neuer Technologien auf Politik, Kultur und Gesellschaft. Die von CTW in den 1960er und 70er Jahren durchgeführten Untersuchungen legten den Grundstein für bildschirmgestützte Bildungsprogramme auf der ganzen Welt, und die Sesamstrasse hat das Leben von Millionen von Kindern positiv verändert, insbesondere für viele aus benachteiligten Verhältnissen. Gleichzeitig markiert sie einen Moment, in dem technologische Lösungen über soziale Lösungen gestellt wurden und die Bildung an Bildschirme und Unternehmen ausgelagert wurde. Heute werden Techniken, die von Pädagogen in den 1960er Jahren entwickelt wurden, in automatisierten Systemen wie mobilen Apps und sozialen Medien eingesetzt und ermöglichen die globale «Aufmerksamkeitsökonomie», in der die menschliche Aufmerksamkeit als eine Ressource behandelt wird, die es einzufangen und auszubeuten gilt.
Begleitend zur Installation gibt es eine Online-Arbeit von Bridle, die die digitale Sammlung des Kunsthauses als zeitgenössischen «Ablenker» nutzt. Eine Webseite, die sich unter [hier] befindet, zeigt Informationen zu einem zufälligen Werk aus der Sammlung, sobald sie aufgerufen wird. Wenn man diese Seite als Startseite einstellt, wird jedes Mal, wenn ein neuer Tab im Browser geöffnet wird, ein neues Werk angezeigt, so dass Kunstwerke in den Fluss des täglichen Surfens integriert werden.
Bildlegende:
«Children's Television Workshop – 4 Jahre alte Vorschülerin in einem Tagesschulzentrum in Harlem sieht sich die <Sesamstrasse> an»; ihre Reaktion und Aufmerksamkeitsspanne wird von Forschern des National Education Television getestet. © Grey Villet/The LIFE Picture Collection/Shutterstock