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Ernst möchte wieder einmal completely unbeschwert und easygoing Nüsse und Feigen essen. Doch dann nimmt Ernst Ernst zusammen und trägt Ernsts Essen auf Ernsts Balkon. Weil Ernsts Bauch hungrig war, meint Ernst, nach dem Hauptgang noch 3 Feigen essen zu dürfen und dann gestattet Ernst Ernst auch noch 1 Streifchen von der sünd- und traumhaft guten Cotognata, die Ernst an die Pasticceria Natale in Lecce erinnert. Um Ernsts Gewissen zu beruhigen, sagt Ernst nonchalant: «Un regalo della casa!» Aber das ruft Dr. phil. Fill auf den Plan. Er bittet Ernst, endlich Vernunft anzunehmen. Auch ist Ernst plötzlich so heiss, als ob Ernst im Klimakterium ? Ernst nennt dieses Symptom Madame Surchauffeur.
Nachdem Ernst Ernst wieder erholt hat, fragt Ernst Ernst, was jetzt in Ernsts Bauch vor sich geht. Da Ernst ernstselbst nicht in Ernsts Bauch blicken kann, begibt Ernst Ernst in die Klosterbibliothek. Lagern da Bücher, die Ernsts Bauch transparent machen? Ernst steigt auf eine Leiter und liest, dass die Flora von Ernsts Darm 10 bis 100 Billionen Bakterien ausmacht (die insgesamt immerhin an die 2 Kilogramm schwer sind) und dass man anstelle von Flora auch von Individuen spricht. 100’000’000’000’000’000’000 Individuen, die in Ernsts Darm hausen und rumoren!
Und während sie sprach, hauchte sie Frühlingsrosen aus ihrem Munde: Chloris war ich, die ich Flora genannt werde. Auf meinen zur Mitgift gehörigen Äckern habe ich einen fruchtbaren Garten: Die Luft wärmt ihn, von einer Quelle hellen Wassers wird er benetzt. Ihn füllte mein Gatte mit edlen Blumen und sagte: «Habe du, o Göttin, die Entscheidung über die Blumen!» Oft wollte ich die Farben ordnen und zählen, aber ich konnte es nicht: die Menge war grösser als die Zahl.[1]
Erst jetzt, da Ernst die 20 Nullen von Ernsts Darmflora auf Ernst wirken lässt, begreift Ernst, was es heisst, wenn Ovid sagt, die Menge war grösser als die Zahl. Aber was geschieht, wenn Ernst im Herbst ein paar Kastanien oder an Ostern 1 Nugatei isst? Kommt da Ernsts Flora mit all den 100’000’000’000’000’000’000 Individuen in Wallung oder nur diejenigen, die für Kastanien, bzw. für das Nugatei zuständig sind? Und: Kennen alle ihren Ernst? meinen sie es gut oder sind da auch 2, 3 Myriaden schwarze Schafe darunter, die Ernst nicht wohlgesinnt sind? Ernst ist bewildered und verwirrt. Und wenn Ernst Ernst vorstellt, dass Ernst bis jetzt nur die Völker in Ernsts Gastrointestinaltrakt in Erwägung gezogen hat, dann ist Ernst nahe daran Ernsts Geist aufzugeben. Wie viele Duzentilliarden Völker leben sonst noch in Ernst? In Ernsts Nasennebenhöhlen? in Ernsts Ohrmuscheln? in Ernsts Lungenkapillaren?
Tief in der Nacht wacht Ernst auf und blickt ins Dunkle. Gibt es in Ernsts Bauch ebenso viele Bakterien wie Sterne am Himmel? Ernst sinnt und sinnt und findet nicht mehr zurück in Ernsts Schlaf. Was tun? Ernst fackelt nicht lang und greift auf die altbewährte Methode des Schäfchenzählens zurück. Und tatsächlich! Da springt schon das erste über den Zaun und dann das zweite und das dritte – Ernst ruft: «Eene, meene, mu und drüben bist auch du!» – und dann springt das vierte, das fünfte, das sechste und das achte. Halt! Hat Ernst da nicht eines übersprungen? Ernst beginnt also noch einmal: «1, 2, 3, 4, 5, 6, sieben, 8, 9, 10.» Aber Ernst schläft auch beim 93. Schaf noch nicht und auch beim 1’939. Schaf ist Ernsts Schlaf noch ausser Sicht. Also zählt Ernst (ohne auch nur 1 Schaf zu überspringen) weiter: «1’940, 1’941, 1’942.» Doch auch bei Schaf 80’989 ist Ernst noch hellwach und auch beim millionsten Schaf ist Ernsts Schlaf noch weit weg. Aufgeben? Ernst wie ein Omelett auf dem Futon hin- und herwenden? Nein! Denn Ernst ist fest entschlossen, bis zur ersten Quinquagintilliarde weiterzuzählen oder notfalls hinauf bis zur Oktillioktooktogintaoktingentillion und wieder hinab zur ersten Millinillion und weiter hinab bis zur höllischen Siedehitze der Millinillinillionen, und so hat Ernst bald einmal die erste Billion von Ernsts Darmbakterienvolk durchgezählt, dito die zweite und ditodito die dritte und Ernst sagt nicht ohne Stolz: «Es springt das drittbillionunderste Schäfchen über den Zaun.» Und genau da sieht Ernst die weissarmige Flora durch ihren Garten schreiten. Bald fährt sie mit ihrer niedlichen Zeh über das glasklare Wasser einer Quelle, bald bückt sie sich und grüsst hier eine cupidorote Lilie und dort eine vierblättrige Zierlupine oder eine einzellige Bakterie vom Abermyriadenvolk der Archaeen. Ernst ruft [quasi morendo]: «O charming Flora! Wait 1 Weilchen! Ernst ist’s!» Aber Flora geht weiter ihres Wegs und scheint Ernst nicht zu beachten. Da flüstert Ernst in einem intensiven Moderato cantabile:
Wen suchet ihr,
O Königinn der schönen Frawen?
Wollt ihr nach Rosen schawen,
Nach Lilien, zu ewres Häuptes Zier?[2]
Ernsts well-meant Chant ist nicht umsonst, denn schon dreht sich die Göttin um und ruft wohltimbrig: «Wan, twan, tethera, methera, pimp, sethera, lethera, hovera, dovera, dick, wanadick, twanadick, tetheradick, metheradick, pimpdick, setheradick, letheradick, hoveradick, doveradick, bumfit!» Dann drückt sie Ernst mitsamt Ernsts wollweisser Schäfchenschar zärtlich an ihren Busen und wanabumfit! Ernst sleeps in, sleepsdeepndeepndeeperin.
[1] Sic ego, sic nostris respondit diva rogatis / dum loquitur, vernas efflat ab ore rosas. / Chloris eram, quae Flora vocor. […] Semper nitidissimus annus, / arbor habet frondes, pabula semper humus. / Est mihi fecundus dotalibus hortus in agris: / Aura fovet, liquidae fonte rigatur aquae. / Hunc meus implevit generoso flore maritus / atque ait: Arbitrium tu, dea, floris habe. / Saepe ego digestos volui numerare colores / nec potui: Numero copia maior erat. Ovid, Fasti 5, 195 ff.
[2] Dr. O. L. B. Wolff, Poetischer Hausschatz des deutschen Volkes