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1760 – Grotten von Belobaka
Die Grotten von Belobaka liegen östlich der Hafenstadt Mahajanga in der Region von Boeny und sind einzigartige geologische Formationen.
Das Höhlensystem von Belobaka liegt in der Nähe der Mahamavo-Hochebene. Eine aussergewöhnliche und abenteuerliche Tour voller spannender Erlebnisse erwartet uns bei der Erkundigung dieser Grotten in einer abgelegenen Felsenregion.
Von Mahajanga fährt man auf der Nationalstrasse Nr. 4 Richtung Antananarivo. Die Vororte werden durch Savannen und Palmen abgelöst. Nach rund zehn Kilometern nimmt man die Abzweigung Richtung den Grotten von Belobaka. Diese Höhlen liegen etwas abseits der bekannten Reiserouten. Das ganze Jahr herrscht hier zwar trockenes Westküstenklima mit durchschnittlich über 30° C. Doch diese mysteriösen Versteinerungen kann man wegen der schlechten Piste nur während der Trockenzeit zwischen April und November besuchen.
Früher hiess die Gemeinde Andavakabe, wörtlich übersetzt bedeutet dies “in der Nähe des grossen Lochs bzw. der tiefen Grotte“. In dieser Region wurde früher auf riesigen Feldern Tabak angepflanzt, daher ist der Dorfname heute im Sakalava-Dialekt Belobaka, “die Region mit viel Tabak“. Die Belobaka-Höhlen stammen aus der paläozänen Zeit. Dieser Kalkstein ist um die 65 Millionen Jahre alt und damit jünger im Vergleich zu den massiven und spektakulären, auch sehr bekannten Karstformationen der Tsingy von Bemaraha, Tsingy von Ankarana oder Tsingy von Namoroka, die ca. 160 Millionen Jahre alt sind. Diese drei letzterwähnten Tsingy sind viel schwieriger zu erreichen als die Belobaka-Grotten.
Grotten von Belobaka
Während einer Expeditionsreise zwischen 1911 und 1912 haben Höhlenforscher die Belobaka-Grotten entdeckt und dabei einige Überreste von Subfossilen gefunden, darunter den “Pachylemur insignis“. Dieser gehört zu der Gattung einer ausgestorbenen riesigen Lemurenart, die zur Lemuridae-Familie gehörte. Diese einzigartige und endemische Lemurenart ist dem schwarz-weissen Vari an der Nordostküste der Insel sehr ähnlich.
Jahre später, zwischen 2003 und 2012, haben ein französisch-madagassisches MAPPM-Team bei mehreren Fundstellen wiederum Ausgrabungen durchgeführt. Dabei wurden weitere paläontologische Fossilen von Nagetieren (Nesomyidae), Primaten (Archaeolemuridae, Megaladapidae, “Palaeopropithecus kelyus“) und auch Fossilien von Zwergflusspferden “Hippopotamus laloumena“ mit einem Alter von 18’000 Jahren entdeckt. Diese werden seither im bekannten AKIBA-Mozea an der Universität von Mahajanga aufbewahrt. Dieses interessante Naturkundemuseum beherbergt Exponate, Fossilien und Berichte über die endemische Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt der Nordküste, natürlich auch viele Dokumente über die Geschichte, Sitten und Bräuche der früheren Sakalava-Reiche und der hier angesiedelten Sakalava-Volkstämme.
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Die Ethnie der Sakalava bewohnt das extrem weitläufige Siedlungsgebiet der gesamten Nord- und Südwestküste Madagaskars und bedeckt etwa einen Viertel der Gesamtfläche der ganzen Insel. Das Gebiet reicht von Tulear an der Südwestspitze bis Morondava und weiter bis Mahajanga und Ambanja im Norden. Die Bezeichnung “Sakalava“ bedeutet “die aus dem langen Tal“. Wie die anderen Volksgruppen in Madagaskar haben die Sakalava ebenfalls eine reiche Kultur und einen tiefen Ahnenkult. Die Verehrung der heiligen Reliquien, der “Trance-Zustand“ sowie das Ritual der Blutsbrüderschaft sind afrikanischen Sitten und Bräuchen sehr ähnlich. Die Gräber der ehemaligen Könige unweit von Mahajanga-Stadt gelten als besonders heilig und tabu (fady). Man darf sie nur in Begleitung eines Lokalguides betreten.
Grotten von Belobaka
Die Höhlenforscher haben insgesamt sieben verschiedenen Höhlen mit Stalaktiten und Stalagmiten in diesem Kalkgebiet entdeckt. Bei einer Wanderung durch das Höhlensystem hat man einen geologischen Überblick der Kalksteinformationen dieser Grotten. Die meisten Höhlen erfüllen die Funktion von Kultstätten, denn die grosse Volksgruppe betrachtet sie als heilige Orte oder “Zomba“ im Sakalava-Dialekt. Dieses Wort bezeichnet sowohl den gerufenen Geist als auch das Medium und die Zeremonie selbst. Die Familien opfern dabei ein oder mehrere Zebus und während diesem regelmässigen Ritual teilen sie ihren Ahnen und Vorfahren ihre Sorgen und Nöte mit und bitten um Abhilfe. Ebenso flehen sie darum, sich für die Belange der Lebenden einzusetzen (für Segen, für Gesundheit, für die Kinder).
Für die Reisenden ist es sehr wichtig zu wissen, dass diese bestimmten Fady (Tabus) auch für sie gelten. Sie müssen diese heiligen Orte immer in Begleitung von Einheimischen besuchen, die den Ort und die Wege, sowie die Regeln sehr gut kennen. Meistens müssen sie das traditionelle Kleidungstück der Küstenbewohner, ein spezielles Tuch oder “Lamba“, um die Hüften tragen und barfuss den heiligen Platz betreten.
Die erste Höhle in Belobaka ist ca. 15m tief und gilt als ein heiliger und mystischer Ort, so dass man sich dieser sakralen Grotte nur barfuss nähern darf. Nicht weit vom Eingang der Grotte befindet sich der Opferplatz, hier rufen die Madagassen die Seelen der “Razana“ oder der Vorfahren, die sich um das Wohlergehen ihrer Nachkommen kümmern. Schamanen und Medizinmänner übernehmen die Aufgabe, den richtigen Zeitpunkt und die erforderlichen Festlichkeiten zu bestimmen.
Grotten von Belobaka
Die zweite Grotte ist ziemlich breit und hat die Form einer Kathedrale.
Die dritte wird von den Einheimischen als die Grotte von “Tarzan“ genannt, wegen der vielen Wurzeln, die hier von der Decke in den Boden wachsen, um Wasser zu finden.
Die vierte heisst die “Weibliche Grotte“, die fünfte hat einen den Namen “Grotte der Krokodile“, die sechste ist die männliche Grotte und letztendlich die siebte ist die “Grotte der Baobabs“, die von lokalen Steinbearbeitern gefunden wurde.
Die Erkundung dieser sieben Grotten dauert insgesamt etwa zwei Stunden, immer in Begleitung eines ortsansässigen Führers und die Mitnahme einer guten Taschenlampe ist zwingend erforderlich.
Die Grotten von Belobaka sind nicht zu verwechseln mit den Grotten von Anjohibe. Die Grotten von Belobaka sind rund 11 Kilometer von Mahajanga entfernt und in einem Tagesausflug sehr gut zu besichtigen.
Die eindrücklicheren Höhlen von Anjohibe hingegen liegen rund 60 Kilometer auf Naturpisten nordöstlich von Mahajanga und benötigen eine oder zwei Übernachtungen vor Ort.
Februar 2021, geschrieben von Mickael, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch