Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03273.jsonl.gz/2896

Multiples Myelom:
Anzeichen, Lebensdauer und Therapie
Hinter einem Multiplen Myelom steckt eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks. Sie entsteht durch Plasmazellen, die entarten und dann Tumore bilden. Eine vollständige Heilung können Betroffene nicht erwarten. Es ist jedoch möglich, mit einer geeigneten Therapie die Lebensdauer zu verlängern.
Das Multiple Myelom (auch: Plasmazellmyelom oder Plasmozytom) ist eine Blutkrebsart, die mit einer bösartigen Veränderung der Plasmazellen im Knochenmark einhergeht. Daher wird diese Form von Krebs häufig auch als Knochenmarkkrebs bezeichnet. Den Zusatz „multiple“ hat die Bezeichnung erhalten, da der Krebs meist von mehreren, also multiplen Tumoren ausgeht. Ist nur ein Tumorherd vorhanden, spricht man von einem solitären Plasmozytom. Das Myelom ist eine Erkrankung des lymphatischen Systems, das zum Immunsystem gehört.
Plasmazellen werden aus weißen Blutkörperchen gebildet. Sie sind für die Abwehr von infektiösen Erregern zuständig, indem sie Antikörper bilden, um diese eliminieren. Im Fall eines Myeloms sind diese Plasmazellen entartet oder so verändert, dass sie sich stark vermehren und eine Vielzahl unnötiger Antikörper produzieren. Infolgedessen wird die körpereigene Immunabwehr geschwächt und Krankheiten können nicht mehr so leicht bekämpft werden.
Außerdem bilden diese bösartig gewordenen Plasmazellen Wucherungen im Knochenmark, wodurch normale und gesunde Zellen immer mehr verdrängt werden. Das zeigt sich anhand verschiedener Symptome.
Das Multiple Myelom ist eine eher seltene Krebsart. In der Schweiz erkranken daran rund 620 Menschen pro Jahr, wobei der Großteil 70 Jahre und älter ist.
Wie sich ein Multiples Myelom äußert, ist individuell verschieden. Anfangs treten oft kaum Anzeichen auf. Es gibt aber auch akute Fälle mit starken Beschwerden.
Die ersten Symptome sind eher diffus:
- Müdigkeit
- Gewichtsverlust
- Infektanfälligkeit
In einem fortgeschrittenen Stadium kommen meist noch weitere Beschwerden hinzu:
- Knochenschmerzen
- Blutarmut (Anämie)
- eingeschränkte Nierenfunktion
- veränderter Urin
- erhöhte Kalziumwerte im Blut
Was die Bildung von Myelomen begünstigt, konnte wissenschaftlich bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. Umweltgifte, Pestizide, Schwermetalle oder Lösungsmittel gelten als mögliche Ursachen.
Auch ein geschwächtes Immunsystem könnte eine Rolle spielen. So ist ein Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit (Adipositas), bestimmten Virusinfektionen wie HIV oder Hepatitis und Knochenmarkkrebs festgestellt worden. Eine bestimmte Vorstufe des Multiplen Myeloms, MGUS (monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz) könnte ebenfalls ein Multiples Myelom auslösen.
Weitere Risikofakten sind das Alter und Geschlecht. Männer in höherem Alter scheinen häufiger von einem Multiplen Myelom betroffen zu sein. Woran das liegt, ist jedoch unklar. Eine genetische Veranlagung konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
Spätestens bei Beschwerden wie Knochenschmerzen, einer höheren Anfälligkeit für Infektionen sowie verfärbtem bzw. schäumendem Urin und Gewichtsverlust sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Diesem stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, um eine Diagnose zu stellen:
- Blut- und Urinuntersuchung: Können erhöhte Kalziumwerte im Blut nachgewiesen werden? Wie ist der Eiweissanteil (entartete Antikörper lassen sich darüber feststellen)? Besteht eine Blutarmut?
- Knochenmarkpunktion: Entnahme von Knochenmark aus einem Knochen, Untersuchung auf eine Chromosomenveränderung der Zellen
- bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT)
Nicht immer ist es bei einem Multiplen Myelom nötig, sofort eine Therapie einzuleiten. Solange noch keine Beschwerden aufgetreten sind, ist es ausreichend, den Krankheitsverlauf ärztlich beobachten zu lassen.
Der Arzt empfiehlt eine passende Behandlung, sobald er dies für notwendig erachtet, z. B. wenn der Anteil der Plasmazellen im Knochenmark bereits zehn Prozent beträgt oder wenn mehrere Tumore die Größe von fünf Millimetern erreicht haben.
Therapeutische Maßnahmen umfassen dann:
- eine medikamentöse Gabe von Proteasom-Inhibitoren, immunmodulierenden Substanzen (z. B. Thalidomid), (Melphalan, Bendamustin), Glukokortikoiden (Dexamethason, Prednisolon)
- Chemotherapie, auch eine Kombination aus Chemo- und medikamentöser Therapie ist möglich. Ziel ist die Zerstörung der Tumorzellen.
- Immuntherapien mit Antikörpern, die sich gegen die Oberflächen der Myelomzellen richten
- autologe Blutstammzelltransplantation: Der Patient erhält körpereigene Stammzellen.
- Allogene Blutstammzelltransplantation: Der Patient erhält gespendete Stammzellen.
Bei einem einzigen Tumor (Plasmozytom) bietet sich eine Strahlentherapie an. Sind die Knochen befallen, kann sich dies in starken Schmerzen äußern. In solchen Fällen ist auch der Einsatz von Schmerzmitteln notwendig. Bisphosphonate stärken die Knochen und können Brüchen entgegenwirken.
Eine vollständige Heilung des Multiplen Myeloms ist derzeit nicht möglich. Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahren durch wirksame Therapien aber stark erhöht. Eine Pauschalaussage lässt sich nicht treffen, da die Lebenserwartung beispielsweise stark vom Verlauf der Krankheit, vom Tumorstadium sowie von möglichen Begleit- bzw. Folgeerkrankungen abhängt.
Grundsätzlich gilt: Je früher der Knochenkrebs erkannt und behandelt wird, desto besser stehen die Chancen auf eine längere Überlebensdauer. Diese liegt bei einem Großteil der Betroffenen dann bei mindestens fünf Jahren, in vielen Fällen auch darüber. Je weiter fortgeschritten der Krebs ist, desto schlechter fällt die Prognose aus.
Im Endstadium ist das Immunsystem häufig so geschwächt, dass der Körper von Betroffenen sehr anfällig für Infektionen ist. Diese in Verbindung mit Komplikationen ist dann in den meisten Fällen die eigentliche Todesursache.
Menschen, die an einem Multiplen Myelom erkrankt sind, können dank guter Therapiemöglichkeiten ein weitestgehend normales Leben führen. In den meisten Fällen gelingt es Medizinern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und somit die Erkrankung länger in Schach zu halten.
Helfen kann Betroffenen zudem, ihren Optimismus beizubehalten und bewusst Aktivitäten zu unternehmen, die positive Gefühle hervorrufen. Darüber hinaus kann das familiäre Umfeld Kraft geben und unterstützen, wenn die krebskranke Person über ihre Sorgen und Nöte sprechen möchte. Eine psychotherapeutische Therapie hilft, mit der Diagnose und Krankheit besser umgehen zu lernen.
Weitere Hilfe und Informationen zu Selbsthilfegruppen gibt es bei dem Verein MPS – Myelom Patienten Schweiz.
Weitere Informationen und unterstützende Angeboten finden Sie bei:
- Informationen zu den Krebsarten
- Das Krebstelefon unterstützt Betroffene, Angehörige und Fachpersonen bei Fragen zu Krebs (Email, Chat und Krebsforum)
- Betroffene begleiten Betroffene auf der Peerplattform
- Beratung und Unterstützung vor Ort durch die kantonalen und regionalen Krebsligen
- Krebs: Zahlen und Fakten
- Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.: Leitlinie Multiples Myelom, unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@guideline/html/index.html (Stand: 2018), (Abrufdatum: 29.11.2022)
- USZ – Universitätsspital Zürich. Multiples Myelom, unter: https://www.usz.ch/krankheit/myelom (Abrufdatum: 29.11.2022)
- Krebsliga. Mutiples Myelom (Plasmazellmyelom), unter: https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/multiples-myelom-plasmazellmyelom (Abrufdatum: 29.11.2022)
- Deutsche Krebsgesellschaft. Multiples Myelom, Morbus Kahler, unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/multiples-myelom-plasmozytom-morbus-kahler.html (Abrufdatum: 29.11.2022)
- MPS – Myelom Patienten Schweiz. Leben mit Multiplem Myelom „Ein Optimist trotz allem“, unter:
- https://multiples-myelom.ch/de (Abrufdatum: 29.11.2022)
- Amboss. Multiples Myelom, unter: https://www.amboss.com/de/wissen/Multiples_Myelom (Abrufdatum: 29.11.2022)