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Geduld und Zähigkeit gehören zu den hervorragendsten Eigenschaften des eigenwilligen Zürcher Filmemachers, der sich gerne in Projekte verbeißt, die unrealisierbar erscheinen. Die gleiche Ausdauer, die er selbst im Umgang mit der Bürokratie in der damals noch existierenden Sowjetunion aufbringen mußte, um seinen Film über das in Sibirien lebende Nomadenvolk der Ewenken zu drehen, muß auch der Zuschauer im Kino aufbringen. Ein guter Teil des Filmes besteht in der Schilderung der Zeit, Kräfte und Geld verschleißen den Auseinandersetzungen mit den russischen Behörden. Der VZZ-Berichterstatter, der die Dreharbeiten besucht hat, spricht von der „lähmenden Wirkung der Situation“ vor Ort. Eine ähnliche Erfahrung macht der Filmbetrachter, dem die ungeschulte Stimme des Dokumentaristen (der es sich nicht nehmen lassen will, selbst als Off-Sprecher in seinen Filmen zu amtieren) langfädig und ausführlich über die vielen vergeblichen Versuche berichtet, sein Projekt zu realisieren. Als er endlich am Ziel ist, muß er feststellen, daß er zu spät gekommen ist. Längst sind die alten Lebensformen zerstört, die Ewenken seßhaft geworden. Aus dem ursprünglich geplanten Film über die „Traumzeit“, jenen tranceartigen Zustand der Schamanen, wurde die Chronik des Untergangs einer Kultur. Gemeinsam mit den letzten überlebenden Mitgliedern des Stamms der Orotschonen leistet der Autor Erinnerungsarbeit, sein Auftauchen, sein Interesse und seine Fragen lösten bei diesen Menschen einen jahrzehntelang verdrängten Prozeß des Erinnerns aus. Wenigstens für sie hat sich die Unbeirrtheit dieses besessenen Spurensuchers gelohnt.
SELECTION CINEMA