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Die Zusammenarbeit zwischen dem ehemaligen Federer-Coach und dem dänischen Top-Ten-Spieler endet überraschend schnell. Eine Rolle könnte Runes dominante Mutter gespielt haben.
Im Dezember überraschten Holger Rune und sein Team den Tennis-Zirkus mit der Nachricht, dass Severin Lüthi sich dem Betreuerstab des 20-jährigen Dänen anschliesst. Unmittelbar vor den Swiss Indoors hatte dieser bereits Boris Becker in sein Team geholt.
Nur gut einen Monat später ist diese Meldung bereits überholt. Rune und Lüthi einigten sich am Sonntag darauf, die Arbeit mit sofortiger Wirkung zu beenden. Gegenüber der NZZ sagte Severin Lüthi am Mittwoch: «Es gibt eigentlich gar nicht viel zu sagen. Wir haben es versucht, und beide Seiten haben relativ schnell gesehen, dass es nicht funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Dann ist es besser, einen Strich zu ziehen, als noch drei, vier Monate weiterzumachen.»
Zur schnellen Trennung beigetragen haben dürfte der enttäuschende Verlauf des Australian Open. Das erste Grand-Slam-Turnier der Saison endete für den Weltranglisten-Siebenten bereits in der zweiten Runde gegen den Franzosen Arthur Cazaux (ATP 122). Es war eine herbe Enttäuschung für den ambitionierten, selbstsicheren Dänen, der von sich selber sagt: «Wenn ich gut spiele, dann bin ich besser als alle anderen.»
Rune hat den Ruf, auf und neben dem Platz unbeherrscht zu sein
Nach seinem Sieg am Master-1000-Turnier im Oktober 2022 in Paris-Bercy war Rune erstmals in die Top Ten vorgestossen. Bis zum Spätsommer 2023 verbesserte er sich im Ranking bis auf Platz 4. Runes Talent ist unbestritten. Gleichzeitig verfolgt ihn aber der Ruf, auf und auch neben dem Platz unbeherrscht zu sein. In einem Interview vor den Swiss Indoors in Basel sagte er der NZZ im vergangenen November: «Ich brauche jemanden, der mich in die richtige Richtung lenkt.»
Die Erfahrung von Becker und Lüthi sollte ihm helfen. Der ehemalige Wimbledonsieger, der zuvor bereits Novak Djokovic während drei Jahren betreut hat, hatte sich persönlich dafür stark gemacht, Lüthi und dessen Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Roger Federer ins Team zu holen. Während des Australian Open sagte der 56-Jährige auf Eurosport: «Wenn man Lüthi haben kann, dann muss man zugreifen. Er ist als Trainer wahrscheinlich mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als ich.»
Es waren denn auch nicht Kompetenzprobleme zwischen Becker und Lüthi, die zum schnellen Ende der Zusammenarbeit zwischen dem Berner und dem dänischen Topspieler führten. Offensichtlich tat sich Runes Mutter Aneke schwer, sich zurückzuziehen. In der Tennis-Szene verfolgt sie der Ruf, ihren Sohn übertrieben zu beschützen und abzuschirmen. Rune selber bezeichnet sie auf der Webseite der ATP zusammen mit seinem Jugendcoach Lars Christensen als «grösste Inspiration» in seiner Karriere.
Im erwähnten NZZ-Interview sagte er über sie: «Sie begleitete mich seit meiner frühen Jugend auf den Reisen und ist auch heute fast überall dabei. Sie hat ein sehr gutes Auge und sieht Dinge auf dem Platz, die anderen nicht auffallen.»
Es ist nicht unnatürlich auf der Tennis-Tour, ein Elternteil als enge Bezugsperson in seinem Umfeld zu haben. Die ehemalige Schweizer Topspielerin Martina Hingis wurde weit in ihre Karriere hinein von ihrer Mutter Melanie Molitor begleitet. Ivan Bencic war lange der engste Vertraute seiner Tochter Belinda. Und auch andere Topspieler wie Stefanos Tsitsipas behalten ein oder sogar beide Elternteile in ihrer Nähe. Sein Vater Apostolos ist offiziell immer noch der erste Coach des mittlerweile 25-jährigen Griechen.
Dass es für die Eltern schwierig ist, ihre Kinder loszulassen, ist kein tennisspezifisches Phänomen. Wenn sie sich aber wie Spitzensportler in der Öffentlichkeit bewegen, macht es das wohl doppelt schwierig, sich zurückzuziehen.
Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die Rede des Italieners Jannik Sinner zu sehen, der am Sonntag nach dem Gewinn des Australian Open in Melbourne seinen Eltern auf dem Platz dafür dankte, ihn immer unterstützt zu haben. «Ich wünschte, alle könnten Eltern wie die meinen haben. Sie haben mich immer selber entscheiden lassen, was ich tun will. Sie haben mich nie unter Druck gesetzt.»
Rune ist bekannt für seinen regen Trainer-Verschleiss
Aneke Rune gilt in der Tennis-Szene als ausgesprochen dominant. Ihr wird zugeschrieben, dass es im Umfeld ihres Sohnes immer wieder zu personellen Rochaden kommt. Im letzten Jahr arbeite Rune zweimal mit dem Franzosen Patrick Mouratoglou zusammen, der zuvor unter anderen auch Serena Williams betreut hatte. Nach der zweiten Trennung sagte Aneke Rune dem dänischen «Ekstra Bladet»: «Es hat einfach nicht geklappt. Jetzt ist es wichtig, dass Holger das richtige Team findet, das er für eine lange Zeit hat. Er hat entschieden, dass das nicht mit Patrick ist.» Zwischen Mouratoglou und Holger Runes Langzeit-Trainer Lars Christensen sei es zu «Ego-Konflikten» gekommen.
Christensen ist weiterhin im Team des Dänen, Becker bis auf weiteres auch. Für Severin Lüthi ist die Zeit beim Dänen nach nur ein paar Wochen abgelaufen. «Ich verlasse Holger nicht im Groll. Er hat unzweifelhaft grosses Potenzial. Doch das Timing war nicht ideal und dadurch hat es einfach nicht gepasst.»
Für den 48-jährigen Berner muss die Arbeit mit Rune wie ein Schock gewesen sein. Von 2007 hatte er treu im Schatten von Federer und wechselnden Trainern wie Stefan Edberg, Paul Annacone oder zuletzt Ivan Ljubicic gearbeitet. Federers Eltern Lynette und Robert hatten sich stets aus der Arbeit herausgehalten.
Lüthi ist weiterhin Coach des Schweizer Davis-Cup-Teams, das am kommenden Wochenende auf Holland trifft. Ob er noch einmal mit einem anderen Spieler auf die Tour zurückkehren wird, lässt er offen. Nach den Erfahrungen, die er mit Holger Rune gemacht hat, wird er es sich zumindest zweimal überlegen.