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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

1. Vortrag.
7.
Also, Brüder, dazu möchte ich dies hervorgehoben haben, damit ihr, da ihr euer Herz zu den Schriften erhebet beim Verlesen der Stelle des Evangeliums: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“, und was sonst noch vorgelesen wurde, einsehet, daß ihr eure Augen zu den Bergen erhoben habt. Denn wenn die Berge dies nicht sagen würden, so fändet ihr nicht, worüber ihr überhaupt nachdenken solltet. Also von den Bergen kommt euch die Hilfe, daß ihr dies auch nur hörtet; allein ihr könnt noch nicht verstehen, was ihr gehört habt. Rufet die Hilfe des Herrn an, der Himmel und Erde gemacht hat; denn die Berge konnten nur so reden, daß sie nicht zugleich erleuchten können, weil auch sie beim Hören erleuchtet wurden. Von daher empfing auch der, welcher dies gesagt hat, jener Johannes, meine Brüder, welcher an der Brust des Herrn lag1 und von der Brust des Herrn trank, was er uns darbieten sollte. Er bot aber Worte dar, das Verständnis jedoch mußt du daher nehmen, woher auch derjenige getrunken hatte, der dir darbot, damit du so die Augen zu den Bergen erhebest, woher die Hilfe kommen wird, und von dorther gleichsam den Kelch d. i. das Wort dargereicht empfangest, und dennoch, weil deine Hilfe vom Herrn ist, der Himmel und Erde gemacht hat, von daher das Herz erfüllest, woher es auch jener erfüllt hat, weshalb du ja gesagt hast: „Meine Hilfe ist vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“: wer also kann, der fülle es. Brüder, ich habe damit gesagt: ein jeder erhebe sein Herz, so wie er es fähig findet, und fasse, was gesagt wird. Aber [S. 7] vielleicht werdet ihr sagen, daß ich euch näher sei als Gott. Das sei ferne. Viel näher ist jener, denn ich erscheine bloß euren Augen, jener aber ist eurem Gewissen gegenwärtig. Auf mich richtet die Ohren, auf jenen das Herz, damit ihr beides erfüllet. Siehe da, eure Augen und die Sinne des Leibes erhebet ihr zu uns, und doch nicht zu uns, denn wir gehören nicht zu jenen Bergen, sondern zum Evangelium selbst, zum Evangelisten selbst, das Herz aber, das erfüllt werden soll, zum Herrn. Und ein jeder erhebe es so, daß er sehe, was er erhebe und wohin er es erhebe. Wie habe ich das gemeint: Was er erhebe und wohin er es erhebe? Was für ein Herz er erhebe, mag er zusehen, weil er es zum Herrn erhebt, damit es nicht, durch die Last fleischlicher Lust beschwert, niedersinke, noch ehe es erhoben wurde. Sieht aber einer, daß er die Last des Fleisches trägt, so gebe er sich Mühe, durch Enthaltsamkeit zu reinigen, was er zu Gott erheben soll. Denn „selig sind, die ein reines Herz haben, weil sie Gott anschauen werden“2.
1: Joh. 13, 25.
2: Matth. 5, 8.