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Die Tuareg sind vorwiegend eine nomadische oder halb-nomadische Gesellschaft. Ihr natürlicher Lebensraum sind die Wüsten- und Steppengebiete der Sahara und Sub-Sahara-Zone, welche sich über Mali, Niger, Nigeria, Burkina Faso, Algerien und Libyen erstrecken.
Das Recht auf Selbstbestimmung ist der wichtigste Grundsatz des Völkerrechts und zielt darauf, dass alle Völker frei sein sollten, ihren eigenen Staat zu gründen. Leider gehen heute viele Grenzen zurück auf die Kolonialzeit und wurden oft von den europäischen Kolonialmächten gezogen. Dies gilt auch für die Tuareg. Diese leben heute in den Nachfolgestaaten von Französisch-Westafrika, wo die Franzosen für zwei Jahrhunderte oder sogar mehr regierten. Während in der Kolonialzeit innerhalb von Französisch-Westafrika keine eigentlichen Staatsgrenzen vorhanden waren, konnten sich die Tuareg damals in ihren Stammesgebieten frei bewegen, was heute nicht mehr möglich ist.
Landesgrenzen trennen den Lebensraum der Tuareg
Nach der Unabhängigkeit der Kolonien wie Niger, Algerien oder Mali wurden deren ganze Territorien unabhängige Nationen und niemand dachte über deren interne ethnische Struktur nach. Auf diese Weise wurden ethnische Minderheiten wie die Tuareg durch neue Grenzen getrennt. Da die Tuareg ein nomadische oder halb-nomadische Gesellschaft sind, konnten sie nunmehr nicht mehr frei durch ihr Land reisen. Dazu muss man bedenken, dass ihr Lebensumfeld sehr trocken ist und die Tuareg dadurch gezwungen sind, dem Regen zu folgen, um genügend Weideflächen für das Vieh zu finden.
Die gesamte Tuareg-Bevölkerung wird auf rund 2 Millionen geschätzt. Eine Mehrheit von rund 750.000 Personen leben im Niger und 550.000 in Mali. In Algerien wird ihre Anzahl auf etwa 40.000 Personen geschätzt, die ca. 100.000 Tuareg-Flüchtlinge aus Mali und Niger nicht mit gezählt. Nach offiziellen Angaben leben in Burkina Faso gleich viele Tuareg wie in Algerien. Von Libyen und anderen Westafrikanischen Staaten sind keine Zahlen bekannt.
Vor der Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten waren die Tuareg in Konföderationen (Kel genannt) organisiert und lebten traditionell in einer übersichtlichen hierarchischen Gesellschaft1 (vgl. Abb. 2)
Der Fluch der natürlichen Ressourcen
Algerien, Mail, Burkina Faso und Niger „erbten“ die von den Tuareg bewohnten Regionen vom französischen Kolonialreich und damit auch die natürlichen Ressourcen dieser Länder. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass von den Zentralregierungen der neuen Territorialstaaten den Tuareg weder Autonomie noch die Selbstbestimmung in einem eigenen Staat gewährt wird. So ist beispielsweise im Niger Uran das wichtigste Exportgut, welches nach einigen Quellen bis zu 80% von Nigers Exporte ausmachen2. Im Süden von Algerien gibt es Gas-und Ölfelder, die von der Regierung und den internationalen Öl-und Gasunternehmen ausgebeutet werden. Neben Ressourcen von internationalem Interesse gibt es auch lokale Ressourcen, die knapp werden. Wahrscheinlich durch den Klimawandel hervor gerufen, wird der Sahel immer trockener und Weideland für die Viehzucht der Tuareg wird knapper. Dadurch entsteht ein neuer Verteilkampf zwischen den Tuareg und den anderen ethnischen Gruppen um diese Ressource.
Konflikte
Seit den 1990er Jahren haben die Tuareg begonnen, konkrete politische und institutionelle Rechte einzufordern. Unterrepräsentiert und marginalisiert durch die entsprechenden Mehrheiten der dominanten Völker der Bambara in Mali und der Djerma in Niger, begannen sich die Tuareg aufzulehnen. 1991 und später 1997/98 entzündete sich der Widerstand der Tuareg gegen die Behörden. Sie forderten Föderalismus, mehr Autonomie und letztlich Sezession. Eine neue Bewegung begann anfangs 2007, als das „Niger Movement for Justice“ (MNJ) gegründet wurde. Dieses nahm die alten Forderungen der 90er Jahre wieder auf. Ihr Ziel war der Erhalt eines größeren Anteils an der Urangewinnung, umfassende Programme zur Entwicklung und ebenso föderalistische Strukturen im Niger. Später im Jahr 2012 ist die Situation in Mali eskaliert, als die neue Nationale Bewegung für die Befreiung Azawads (National Movement for the Liberation of Azawad MNLA) die malische Armee aus dem Norden Malis vertrieb und die Unabhängigkeit für den Norden Malis in Form eines neuen Staates namens Azawad erklärte.
Heute macht es das Drama der Tuareg in Mali und Niger notwendig, dringend nach Lösungen zu suchen. Dies sowohl politisch, administrativ, wirtschaftlich und kulturell mit dem Ziel, die Probleme ethnischer Gruppen und Minderheiten innerhalb einzelner Staaten zu lösen aber auch die Problem anzugehen, welche Völker wie die Tuareg haben, die über mehrere Staaten verteilt leben3.
Fussnoten:
1,2,3 Mohand Salah Tari: http://www.amazighworld.org/studies/articles/forgotten_poeple.php
Literatur: