Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03653.jsonl.gz/2627

Der Schweizer Degenfechter Marcel Fischer gewinnt in Athen Olympia-Gold. Der 26-Jährige schlug im Final den Chinesen Wang Lei mit 15:9 und holte das erste Edelmetall für die Schweiz.
Zwei weitere Schweizer Hoffnungen blieben dagegen auf der Strecke: Sergei Aschwanden und Roger Federer.
Marcel Fischer schrieb mit seinem Exploit in Athen Schweizer Sportgeschichte. Er gewinnt die erste Schweizer Einzel-Olympia-Medaille im Fechtsport der Männer seit 52 Jahren, als Oswald Zappelli in Helsinki Bronze geholt hatte.
Drei Tage nach seinem 26. Geburtstag trat Fischer im Final genau gleich souverän auf wie in den Gefechten zuvor.
Gegen den Chinesen Wang Lei, einen international wenig bekannten Mann, der überraschend weit vorgestossen war und schon gelegentlich mit Fischer trainiert hat, sorgte der Schweizer im zweiten Drittel für die Vorentscheidung: Nach zunächst eher vorsichtigem Beginn zog Fischer im Mitteldrittel von 3:2 auf 7:2 davon. Der Chinese hatte nie eine Chance.
Stark bis in den Final
Schon auf dem Weg in den Final hatte Fischer einen unwahrscheinlich starken Eindruck hinterlassen. Unter anderem räumte er den mehrfachen ungarischen Weltmeister Ivan Kovacs und im Halbfinal auch den dreifachen Weltcupsieger Eric Boisse aus Frankreich aus dem Weg.
Medizinstudent Fischer nahm eindrücklich Revanche für Sydney, wo er vor vier Jahren nicht zuletzt wegen umstrittenen Schiedsrichter-Entscheiden undankbarer Vierter geworden war.
Medizinprüfung bestanden
Eine bedeutende "Nebenhürde" auf dem Weg zu einer Olympia-Medaille nahm der Vierte von Sydney bereits am 12. August. An diesem Tag klingelte während dem Training in Athen sein Handy.
Am anderen Ende war seine Mutter, die ihm das erfolgreiche Bestehen der Sommersemester-Prüfungen im Medizin-Studium mitteilte.
Immer aufs Ganze gehen
Zwei Jahre Studium stehen für Fischer nun noch im Programm, im nächsten Jahr wird er in diversen Spitälern auf verschiedenen Abteilungen hospitieren.
Auf der Fechtbahn ist er trotz seiner erst 26 Jahre kein Hospitant mehr, sondern bereits eine anerkannte Grösse, was er mit dem Gewinn der Goldmedaille erneut unter Beweis gestellt hat.
"Ich gehe immer auf tutti, ob im Training oder Wettkampf. Nur dadurch habe ich dieses Niveau erreicht", sagte Fischer kürzlich in einem Interview.
Aschwanden: Verkrampft ins Verderben
Der Judoka Sergei Aschwanden ist bei Olympia zum zweiten Mal in Folge in der ersten Runde ausgeschieden. Die Schweizer Medaillenhoffnung in der Klasse bis 81 kg unterlag dem argentinischen WM-Siebten Ariel Sganga durch einen Festhalte-Ippon vorzeitig.
Sergei Aschwanden hatte nach dem missratenen Auftakt noch Chancen, via Hoffnungsrunde die Bronzemedaille anzuvisieren, doch hätte hiefür sein Bezwinger Sganga die Halbfinals erreichen müssen.
Da aber Sganga schon in der zweiten Runde seinerseits dem nachmaligen Sieger Iliadis unterlag, stand das vorzeitige Aus des Schweizers fest.
"Er hat sich selbst geschlagen"
Zum Zeitpunkt der Entscheidung lag Aschwanden noch mit zwei Kokas in Führung. Doch der 28-jährige Romand mit Urner Wurzeln und Berner Kindheitserinnerungen war gegen einen berechenbar wirkenden Gegner von Beginn an verkrampft aufgetreten und vermochte sein Leistungsvermögen nicht abzurufen.
Für Nationaltrainer Held ist klar, dass sich Aschwanden in Athen selbst geschlagen hat. "Er hat mehr gegen sich selbst als gegen den Gegner gekämpft. Für mich und uns ist aber klar: Wir werden nicht aufgeben und weiter versuchen, erfolgreich zu sein."
Aschwandens bislang grösste Erfolge waren die EM-Titel 2000 und 2003 sowie die WM-Medaillen 2001 (Bronze) und 2003 (Silber) gewesen. In Sydney war Aschwanden in der Startrunde an Alexej Budolin (Est) gescheitert, der anschliessend Bronze holte.
Federer enttäuschte gewaltig
Die Schweiz hat zudem am Dienstag den als sichersten Medaillenkandidaten gehandelten Athleten verloren. Roger Federer, die Nummer 1 im Welttennis, scheiterte in der 2. Runde des Einzels sensationell 6:4, 5:7, 5:7 am Tschechen Tomas Berdych (ATP 74).
Für den mit grossen Ambitionen angereisten Federer ist dies eine der bittersten Niederlagen seiner Profikarriere. Konsternation herrschte denn auch bei den Fans auf der Tribüne.
Der Baselbieter, der schon im Startspiel gegen Nikolai Dawidenko nicht restlos überzeugt hatte, erwischte auf dem zweitgrössten Platz der Anlage einen schwarzen Tag, wie er ihn in wichtigen Partien nur ganz selten erlebt.
Federer hatte mit jenem Tennisspieler, der in diesem Jahr acht Titel gewonnen hat, darunter zwei Grand Slams, und die Nummer-1-Position seit Januar souverän verteidigt, gar nichts gemeinsam.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Name: Marcel Fischer
Geburtsdatum: 14. August 1978
Zivilstand: ledig
Wohnort: Basel
Hobbys: Squash, Tennis, Wandertouren
Lieblingsmusik: Züri West und Patent Ochsner
Aktuell:
Marcel Fischer hat sich als einziger Schweizer Degenfechter für die
Olympischen Spiele in Athen qualifiziert.
Der Bieler hat bereits im Juli mit dem Schweizer Fecht-Nationalteam an der Europameisterschaft in Kopenhagen die Goldmedaille gewonnen.