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DMZ – WISSENSCHAFT/GESUNDHEIT ¦ Patricia Jungo ¦
Streitbare Professoren sind an sich keine neue Erscheinung. Dabei ist Paracelsus bestimmt jener, der am weitesten ging; und dies an der Uni Basel. Der Name Paracelsus wirft immer wieder etliche Fragen auf hinsichtlich seines Doktortitels, seiner sexuellen Orientierung und seines Heilens.
Sicher weiss man, dass Theophrastus Bombastus von Hohenheim um 1493 in Egg bei Einsiedeln geboren wurde und noch als Kind mit seinem Vater nach Villach (Ö) zog. Nach seinem Studium (irgendwo) verbrachte er zehn Jahre auf Wanderschaft zwischen Schweden, Portugal und Griechenland.1526 weilte er in Strassburg, wo ihn ein Hilferuf aus Basel erreichte. Johannes Froben, der berühmte Drucker, litt an einem kranken Bein und Paracelsus konnte ihn heilen. Da der Stadtarzt von Basel gestorben war, bot man Paracelsus den Posten an und er wurde so auch Dozent an der Universität. Er lehrte auf Deutsch und verwarf auch alles, was in der Medizin bisher Gewissheit war. Er ging sogar soweit, am 21. Juni 1527 die bislang unantastbaren Bücher von Galen und Avicenna öffentlich zu verbrennen. Das Feuer loderte auch in seiner Worten und er scheute nicht davor zurück, andere Ärzte als Hundemetzger, Hodenschneider, Sirupgeber, Büffeldoktoren, Seichseher, Schmierer, Apothekeresel, Hornochsen, Lügner, Mörder und Bescheisser zu betiteln.
Als Arzt konnte er überaus viele Erfolge verzeichnen und er war seiner Zeit weit voraus. So brauchte er auch als Erster den Begriff „Chemie“. Als wissenschaftlichen Denker konnte man ihn jedoch nicht bezeichnen. Alchemist Paracelsus stellte absurde astrologische Theorien auf die Beine und warb auch für Heilmethoden, die zu der Zeit bereits als veraltet galten. Er war bekannt für seine Rhetorik, die polemisch, radikal und wiederholt auch antisemitisch war. Schon zu Lebzeiten gab es unzählige Legenden um Paracelsus. Manche trauten ihm sogar die Herstellung von Gold zu und auch das Erwecken von Toten. In Basel war Streit zwischen Theophrastus Bombastus mit den Professoren an der Tagesordnung. Er wollte die letzten Geheimnisse der Medizin entlarven und präsentierte dazu dem übervollen Auditorium der Universität Basel eine Schüssel vor Kot.
Nachdem er Basel verlassen hatte, weilte er in St. Gallen und beschäftigte sich mit religiösen Wahnvorstellungen. In Nürnberg bekam Paracelsus ein Publikationsverbot. Leider konnte er jedoch nicht mehr von dieser einmaligen Werbung profitieren, da er 1541 verstarb. Seinen grössten Erfolg verzeichnete er mit seiner Idee über die Verdauung. Bisher hatte man sich diese als eine Art Kochtopf vorgestellt. Paracelsus verglich die Verdauung mit der Fermentierung von Alkohol und betonte, die süssen Speisen müssten am Ende des Menüs folgen. Dies war auch der Anfang einer neuen Mode an den Fürstenhöfen Europas; jene des Desserts.
Quelle: higgs.ch
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