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Q&A Arbeitsrecht - Mehrfachbeschäftigung
Sie denken darüber nach, bei zwei Arbeitgebern gleichzeitig tätig zu sein? Kein Ding der Unmöglichkeit, aber einige Aspekte sollten Sie auf jeden Fall berücksichtigen! Welche Möglichkeiten und welche Einschränkungen durch eine Mehrfachbeschäftigung entstehen, erfahren Sie hier.
F: Ich habe eine 50-Prozent-Stelle und würde gern mehr arbeiten. In unserer Firma ist das aber leider nicht möglich. Kann mir mein Arbeitgeber verbieten, eine zusätzliche Stelle zu suchen?
A: Grundsätzlich nicht, denn es ist erlaubt, mehrere Jobs zu haben. Allerdings haben Sie gegenüber dem jetzigen Arbeitgeber gemäss OR Art. 321a Abs. 3 eine Treuepflicht. Sie dürfen also keine zusätzliche Tätigkeit ausüben, die ihn konkurrenziert oder seine wirtschaftlichen Interessen verletzt. Sie sollten es also tunlichst unterlassen, sich beim Konkurrenten zu bewerben. Ausserdem sollt eine Mehrfachbeschäftigun¬g die Erfüllung der vertraglichen Pflichten bei den jeweiligen Arbeitgebern nicht beeinträchtigen. Das heisst, Sie müssen in der Lage sein, die verschiedenen Jobs voneinander zu trennen und an jedem Ort die volle Leistung abzuliefern.
F: Ich arbeite Vollzeit und könnte nun zusätzlich an drei Abenden in der Woche in einer Bar aushelfen, da ich das Geld brauche. Ich bin aber unsicher, ob es mir erlaubt ist, mehr als 100 Prozent zu arbeiten.
A: Ausschlaggebend sind nicht die Stellenprozente, sondern die Höchstarbeitszeit. Artikel 9 des Arbeits¬gesetzes definiert die zulässigen Höchstarbeitszeiten, welche ein¬zuhalten sind – auch wenn man mehrere Arbeitgeber hat. Der Artikel besagt, dass Arbeitnehmende maximal zwischen 45 und 50 Stunden pro Woche arbeiten dürfen, abhängig von ihrer Tätigkeit. Ausserdem ist eine tägli¬che Ruhezeit von elf Stunden vorgeschrieben. Abgesehen davon darf die Leistung bei Ihrem Hauptarbeitgeber unter der abendlichen Zusatzbeschäftigung nicht leiden. Beispielsweise dadurch, dass Sie am Morgen erschöpft und unausgeschlafen zur Arbeit erscheinen.
F: Ich arbeite jeweils von Montag bis Mittwoch in einer Bäckerei im Verkauf und am Donnerstagnachmittag und Freitag in einer Arztpraxis. Nun will mein Chef in der Bäckerei, dass ich in Zukunft auch an anderen Tagen einspringe. Was kann ich tun?
A: Wenn Sie in der Bäckerei an anderen als den vertraglichen Einsatztagen arbeiten sollen, handelt es sich um Überstunden. Diese müssen Sie leisten, wenn es laut OR Art. 321c Abs. 1 «notwendig und zumutbar» ist. In Ihrem Fall wären solche Überstunden – abgesehen vom Donnerstagmorgen – jedoch nicht zumutbar, da Sie anderweitige Verpflichtungen haben. Sie können daher ablehnen. Will der Arbeitgeber die festen Arbeits¬tage dauerhaft ändern, kann er das nur unter Einhaltung der Kündigungsfrist, um anschliessend einen neuen Arbeitsvertrag mit Ihnen abzuschliessen.
F: Statt in der Sonne zu liegen, will ich meine fünf Wochen Ferien dazu nutzen, noch etwas dazuzuverdienen. Dagegen ist ja wohl nichts einzuwenden, oder?
A: Doch, denn gemäss dem Obligationenrecht kann der Arbeitgeber den Ferienlohn verweigern respektive zurückverlangen, wenn ein Angestellter während seinen Ferien bezahlte Arbeit für einen Dritten leistet. Denn der Zweck von Ferien dient der Erhaltung der Gesundheit und der Bewahrung der Arbeitskraft des Arbeitnehmers – etwas was nur schwer durch einen Ferienjob erlangt werden kann.
F: Ich arbeite zu 60 Prozent in einem Altersheim. Daneben bin ich als selbständige Ernährungsberaterin tätig. Nun hat mich der Arzt wegen eines Bandscheibenvorfalls 100 Prozent krankgeschrieben. Die selbständige Tätigkeit könnte ich gemäss Arzt jedoch weiterhin ausüben. Ist das erlaubt?
A: Ja, das ist möglich. Das Bundesgericht hat in einem Entscheid festgehalten, dass sich ein Arztzeugnis, das einem Beschäftigten eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, immer auf die Tätigkeit an einer bestimmten Stelle bezieht. Es sei aber gut möglich, dass man für eine andere Arbeit ganz oder teilweise arbeitsfähig ist. Um allfällige Zweifel auszuräumen: Bitten Sie Ihren Arzt, im Zeugnis zu präzisieren, für welche Tätigkeiten Sie arbeitsunfähig sind.
F: Hauptberuflich arbeite ich als Monteur. Zudem helfe ich stundenweise in einem Restaurant aus und verdiene dabei ein paar hundert Franken monatlich. Ist dieser Nebenerwerb AHV-pflichtig?
A: Entscheidend ist, wie viel Sie pro Jahr verdienen. Prinzipiell sind von jeder Lohnzahlung AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge abzuziehen. Eine Ausnahme gibt es, wenn der Jahreslohn beim selben Arbeitgeber nicht über 2300 Franken liegt. Dabei darf es sich jedoch nicht um eine Anstellung in einem Privathaushalt oder eine künst¬le¬rische Tätigkeit handeln. Sind diese Merkmale erfüllt, kann auf den AHV-Abzug verzichtet werden.
F: Ich habe zwei 50-Prozent-Stellen. Jetzt habe ich für eine davon die Kündigung bekommen. Erhalte ich nach Ablauf der Kündigungsfrist Arbeitslosengeld?
A: Ja, Sie haben Anspruch auf eine Arbeitslosenentschädigung. Dazu müssen Sie allerdings eine neue Stelle suchen. Zudem müssen Sie allenfalls auch bereit sein, Ihre verbleibende Stelle für eine unbefristete Vollzeitstelle aufzugeben. Dabei wird die Höhe des Taggelds aufgrund der Einkommen von beiden bisherigen Jobs zusammen berechnet. Während höchstens eines Jahres bekommen Sie zusätzlich zum Einkommen der verbleibenden Stelle eine sogenannte Kompensationszahlung von der Arbeitslosenversicherung. Während des zweiten Jahres der Teilarbeitslosigkeit erhalten Sie dann eine sogenannte Differenzzahlung. Mit anderen Worten: ein Taggeld, das die Differenz des Lohns Ihres verbleibenden Jobs bis zur Höhe der Entschädigung deckt, die Sie bei einer 100-prozentigen Arbeitslosigkeit erhalten würden.
F: Ich arbeite 50 Prozent in einer Marketingagentur, zudem erledige ich seit vier Monaten Schreibarbeiten bei einem Anwalt – rund sechs Stunden pro Woche. Nun habe ich mir beim Sport die Hand gebrochen. Wie sieht es bezüglich der Unfallversicherung aus?
A: Bei der Marketingagentur sind Sie obligatorisch bei Freizeitunfällen versichert, weil Sie mehr als acht Stunden wöchentlich dort arbeiten. Deren Unfallversicherung hat für die Heilungskosten aufzukommen. Zudem deckt sie 80 Prozent Ihres dortigen Lohnausfalls. In der Anwaltspraxis arbeiten Sie hin¬gegen weniger als acht Stunden und sind daher bei Freizeitunfällen nicht versichert. Dieser Arbeitgeber muss Ihnen aber aus der eigenen Tasche den Lohn weiterbezahlen. Da Sie noch im ersten Dienstjahr sind, allerdings nur während dreier Wochen.
F: Die Pensionskassenversicherung ist obligatorisch, wenn man mehr als 21’150 Franken im Jahr verdient. Ich bin bei zwei Arbeitgebern angestellt und verdiene jeweils 18’000 Franken, beziehungsweise 13’000 Franken. Wie sieht es da mit der Pensionskasse aus?
A: Grundsätzlich sind Sie bei keinem Arbeitgeber versichert, weil Sie an beiden Orten weniger als 21’150 Franken verdienen. Da Sie aber zusammen mehr verdienen, können Sie sich freiwillig einer Pen¬sionskasse anschliessen, sofern das PK-Reglement eines Ihrer Arbeitgeber diese Möglichkeit vorsieht. Ist dies nicht der Fall, bleibt die Möglichkeit, sich der Stiftung Auffangeinrichtung BVG anzuschliessen.
Quelle: OR
22.05.2018