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Datierung
ca. 1968
Blattmasse
51 x 38 cm
Technik/Material
Gouache auf Papier
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Eusebio Alonso Mateo zu Ehren von Beatriz Mateo Reche
Inv.-Nr.
SK20007
Midbergen
Burhan Doğançay (1929, Istanbul, TR – 2013 ebd.) erhielt seine erste künstlerische Ausbildung in Kindesjahren von gleich zwei renommierten Malern: von seinem Vater Adil Doğançay und von Arif Kaptan. Bevor er sich ab 1964 ganz der Kunst widmete, schloss er ein Studium der Rechtswissenschaft in Ankara ab und erhielt seinen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften von der Universität Paris. Parallel zur Promotion belegte er Kunstkurse an der Académie de la Grande Chaumière. Im Anschluss an seine akademische Ausbildung war Doğançay einige Jahre im türkischen Handelsministerium tätig und reiste 1962 als Diplomat nach New York. Dieser Aufenthalt wurde zum Anstoss für seine professionelle künstlerische Karriere und New York zu seiner Wahlheimat bis kurz vor seinem Tod.
Doğançays künstlerische Praxis beinhaltete hauptsächlich die Medien Malerei, Collage, Fotografie und Skulptur. Das Fundament seines Œuvres bildete die Untersuchung und Dokumentation von Stadtmauern. Mauern vermochten in seinen Augen, die Dynamik und Identität von Städten widerzuspiegeln, sie machen gegenwärtige gesellschaftliche Diskurse anschaulich. Fragmentarisch zeichnete der Künstler sämtliche Bestandteile der urbanen Zeitzeugen auf, von Symbolen und Graffitis über Plakate, Zeitungsausschnitte, Parolen und Kritzeleien bis hin zu den Strukturen und Bruchstücken der Mauern selbst. Es sind Spuren anonymer, flüchtiger Interventionen an öffentlichen Flächen, welche er zu neuen Bildern und Objekten kombinierte.
Als Reisender nahm Doğançay über fast fünfzig Jahre hinweg Stadtmauern in den verschiedensten Ecken der Welt auf und verarbeitete die ihnen eingeschriebenen Manifestationen des Zeitgeists: soziokulturelle, politische und wirtschaftliche Umbrüche. Die Mauern bilden ein kollektives Gedächtnis, sind Chroniken bestehender und sich verändernder Lebensumstände. Doğançay erforschte, wie sie Prozesse abbilden und Inhalte kollidieren lassen, bettete das Beobachtete ein in eine serielle Arbeitsweise und übersetzte seine geradezu anthropologische Perspektive auf das städtische Leben in neue, vielfach ornamentale Wirklichkeiten. Er komponierte seine Collagen und Malereien frei, so auch die Werke «Running Ink» (1974) «Midbergen» (um 1968), «Walls V – Colophon page» (1969) und die 1969 entstandenen Lithografien in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv. Die Eindrücke, die er vor einer Mauer gewann, und die Aufzeichnungen, die er dazu anfertigte, bildeten das Rohmaterial, aus dem er schöpfte: einen Fundus aus vielfältigen Referenzen der Strassenkultur, die er mittels sorgfältiger Bildkompositionen so transformierte, dass die Grenzen zwischen Lebenswirklichkeit und Kunst verschwimmen. Burhan Doğançays Werke waren 2013 Teil der Ausstellung «Hotspot Istanbul» im Museum Haus Konstruktiv. In Istanbul wurde dem Künstler 2004 ein eigenes Museum gewidmet.
Nina Arnold