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Neulich ging es hier im Blog um Nippelklammern. Und um den Fall des Herrn Benjamin Jørgensen, der mir per Mail mitgeteilt hat, ein hier im Blog publiziertes Bild habe einen falschen Bildnachweis. Ich bin der Sache nachgegangen und habe herausgefunden, was dahintersteckt. Die Absicht von Jørgensen besteht darin, Leute wie mich dazu zu bringen, Links auf seine Website zu setzen. Auf diese Weise versucht er, diese Website in den Resultaten bei Google nach vorn zu bringen. Denn bekanntlich stuft Google häufig verlinkte Websites als wichtig ein.
Für seine Methode der Suchmaschinenoptimierung (SEO) setzt Benjamin Jørgensen bei Bildplattformen wie Pexels und Unsplash an. Dort gibt es Fotos, die man kostenlos und frei verwenden kann. Manche der Bilder sind extrem beliebt und hundertfach in Verwendung.
Solche Fotos kauft Jørgensen den Fotografen ab, löscht sie auf der Ursprungsplattform und platziert sie auf seiner eigenen Website. Und nun verschickt er seine Mails mit dem Hinweis auf den angeblich falschen Bildnachweis, der in korrekter Form einen Link auf seine Website enthalten müsse.
Ich komme auf diese Methode zurück, weil ich inzwischen zwei weitere Mails von Benjamin Jørgensen bekommen habe. (Die Dokumentation dieser Fälle findet sich als Ergänzung im Originalbeitrag). Erstens ist festzuhalten, dass die Masche von Jørgensen gegen die Lizenzbestimmungen verstösst. Bei Pexels heisst es wie folgt:
Wenn Sie Inhalte in den Dienst hochladen, gewähren Sie uns eine weltweite, nicht-exklusive, dauerhafte, unwiderrufliche und gebührenfreie Lizenz …
Bei Unsplash ist die Formulierung annähernd gleichlautend:
Unsplash gewährt Ihnen eine unwiderrufliche, nicht-exklusive, weltweite Urheberrechtslizenz …
Unwiderruflich bedeutet unwiderruflich
Unwiderruflich bedeutet, dass ein Fotograf, der seine Bilder einmal bei einer dieser Plattformen hochgeladen hat, die Lizenz nicht zurückziehen kann. Da sie nicht-exklusiv ist, darf der Fotograf seine Pexels- und Unsplash-Fotos zwar an Jørgensen verkaufen.
Doch die ursprüngliche Lizenz bleibt in Kraft, weswegen niemand gezwungen ist, einen Bildverweis abzuändern. Ich werde künftig die Bitten von Jørgensen mit einem Hinweis auf diese beiden Passagen abschlägig beantworten. Wichtig ist indes, dass man über Webarchive nachweisen kann, dass die Bilder tatsächlich unter der entsprechenden Lizenz erworben worden sind.
Mein zweiter Grund, auf den Fall zurückzukommen, ist der Mailaustausch mit Jørgensens. Er hat sich entspannt, nachdem ich ihm geantwortet habe, er gehe mir mit seinem SEO-Tricklein langsam massiv auf den Wecker. Er hat mich überrascht, indem er zu einer Verteidigungsrede ansetzte: Er schaffe eine echte Verdienstmöglichkeit für Fotografen, schrieb er. «Leute wie ich» – also solche, die bei Pexels und Unsplash kostenlose Bilder herunterladen – würden Bilder durch blosse «Anerkennung» entgelten. Doch von «Leuten wie ihm» bekämen sie echtes Geld.
Warum lässt er keine neuen Fotos machen?
Ein Argument, das ich nicht gelten liess, weil Benjamin Jørgensen Fotografen, die er ernsthaft unterstützten möchte, meines Erachtens nicht dazu bringen sollte, gegen die Nutzungsbestimmungen der Plattformen zu verstossen. Er könnte sie stattdessen dafür bezahlen, dass sie neue Fotos anfertigen und sie unter der ihm genehmen Lizenz veröffentlichen.
Daraufhin setzte Jørgensens zu einer Brandrede gegen die Plattformen an. Keiner der Nutzer von Pexels und Unsplash würde den Fotografen eine Spende oder einen Auftrag zukommen lassen. Er sei derjenige, der die Einkommenslücke schliessen würde, die von Plattformen wie Pexels und Unsplash geschaffen sei.
Die ganze Sache sei heikel, fuhr Jørgensen fort, weil er selbst eine Website mit Sexspielzeug betreibe. Trotzdem sieht er sich als Kämpfer für eine gute Sache, weil Unsplash (angeblich) jährlich über zehn Millionen Dollar Umsatz mache, aber noch nie einen Rappen an einen Fotografen überwiesen habe.
Ein echter Robin Hood würde von den Reichen klauen
Ist Benjamin Jørgensen der moderne Robin Hood, als den er sich selbst sieht? Ich finde nicht. Denn er – und das schleckt keine Geiss weg –, will Blogs wie meinen instrumentalisieren, um seine Sichtbarkeit in den Suchmaschinen zu erhöhen, ohne dafür Geld für Werbung auszugeben, Marketing oder PR zu betreiben und sich auf die Ochsentour zu begeben, die nun einmal nötig ist, um aus Millionen von Websites herauszuragen. Die gute Tat im Dienst der Fotografie ist nur ein Nebeneffekt.
Einen Punkt hat er: Fotografen in «Exposure» statt mit Geld zu bezahlen, ist eine Unsitte. Ich habe sie im Beitrag So geht die Fotografie den Bach hinunter angeprangert. Doch die Argumentation von Lovefreund-Chef Jørgensen geht nicht auf: Sein Kampf gegen Unsplash und Pexels ist nicht der Kampf fürs Gute, als der er ihn sieht. Denn kein Fotograf wird gezwungen, seine Bilder dort hochzuladen.
Schuld am Preiszerfall?
Man könnte nun argumentieren, dass Websites, die Bilder kostenlos anbieten, zu einem Preiszerfall führen. Das mag stimmen, wenn sich Leute dort kostenlos bedienen, die es sich leisten könnten, Bilder zu kaufen. Auf Blogger wie mich trifft es nicht zu. Wir haben kein Bilderbudget und würden unseren Blogposts halt ohne Bilder veröffentlichen, wenn Pexels und Unsplash inexistent wären.
Ich sehe sogar einen Gegentrend: Da diese Gratis-Plattformen den generischen Stock-Bildern weiteren Vorschub leisten, wird die gepflegte Fotografie für all jene wichtiger, die sich davon abheben wollen. Wer heute noch einen Werbeflyer mit einem kostenlosen 0815-Foto illustriert, der hat im Vorhinein verloren. Um sich von der Masse abzusetzen, braucht es ein Bild, das ein Fotograf nach Mass angefertigt hat.
Das gilt explizit auch im Web: Dank WordPress und Profi-Themes kann sich jeder Hinterwäldler den Auftritt eines Profi-Mediums leisten. (Mein Blog ist bei dieser Aussage hier übrigens explizit mitgemeint.)
Was, nebenbei erwähnt, es auch so schwierig macht, Fakenews und verschwörungsmythische Desinformationsschleudern zu erkennen – die sehen leider längst aus wie echte Newsmedien.
Doch bei den Bildern platzt die Illusion – ob die Fotos ab Stange kommen, selbst fotografiert sind oder von einer kostenpflichtigen Bilddatenbanken wie Getty stammen, macht optisch einen Unterschied und ist für medienkompetente Nutzer ein eindeutiges Signal.
Inhaltsanbieter zu sein, ist kein Zuckerschlecken
Fazit: Der Überfluss im Internet – sei es bei den Fotos, bei den Suchresultaten in Google oder bei den Sexspielzeug-Websites – ist eine Tatsache, die für Nutzer wahnsinnig toll und für Anbieter wahnsinnig frustrierend ist. Ich verstehe, dass es für einen Fotografen desillusionierend sein kann, dass er für sein millionenfach angeklicktes Foto keinen roten Rappen sieht. (Es sehen das aber nicht alle so: siehe Millionen von Klicks: Das ist der erfolgreichste Schweizer auf Unsplash von Tom Brühwiler.)
Ich erkenne auch an, dass das Verständnis sinkt, wenn kommerzielle Plattformen Geld mit Inhalten verdienen, die die Nutzer kostenlos erstellen. Der User-generated content hat in den letzten Jahren in gleichem Mass an Glanz verloren, wie die massgeblichen Plattformen immer grösser und ertragreicher geworden sind. Für mich steigt die Notwendigkeit einer neuen Dezentralisierung des Web. Aber das ist das Thema für einen anderen Blogpost.