Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03538.jsonl.gz/2448

Warum werden die Blätter im Herbst bunt?
Blätter sind die Nahrungsmittelfabrik der Bäume. Sie nutzen die Energie des Sonnenlichts, um aus Wasser und Kohlendioxid Sauerstoff und Glukose (Zucker) herzustellen. Dieser Vorgang heisst Photosynthese und wird ermöglicht durch die grüne Chemikalie Chlorophyll (deutsch: Blattgrün) in den Blättern. Dank der produzierten Glukose kann der Baum wachsen. Ein Teil der Glukose wird auch als Wintervorrat eingelagert. Mit dem Sauerstoff verbessert der Baum die Waldluft.
Im Herbst signalisieren die kürzer werdenden Tage den Laubbäumen, dass bald nicht mehr genug Sonnenlicht für die Photosynthese zur Verfügung stehen wird. Nun wird das wertvolle Chlorophyll in seine Bausteine zerlegt und bis zum Frühling in den Ästen und im Stamm eingelagert, um im Frühling die neue Blattgeneration aufzubauen.
Im Sommer überdeckt das viele Chlorophyll die andern Farbstoffe in den Blättern. Im Herbst aber kommen die andern Farbpigmente zum Vorschein, z.B. gelbes Xanthophyll und oranges Carotin, deshalb werden die Blätter bunt.
Da die Bäume auch aufhören, Wasser in die Krone zu transportieren, trocknen die Blätter aus. Die meisten Bäume bauen zwischen Blattstiel und Ast ein Trenngewebe auf, das verkorkt und so Infektionen verhindert. Schon ein leichter Windstoss genügt nun, dass die Blätter zu Boden fallen. Eichen und Buchen hingegen machen kein Trenngewebe, sondern verstopfen mit speziellen Zellen die Wasserbahn zwischen Zweig und Blatt. Deshalb bleiben die trockenen Blätter bei diesen Baumarten länger hängen und es braucht starke Winde, um sie hinunter zu fegen.
Die abgefallenen Blätter sind aber für den Baum nicht etwa verloren. Sie werden am Boden von Kleinlebewesen und Pilzen weiter abgebaut und unterstützen schlussendlich als Humus das zukünftige Baumwachstum. Fazit: Bäume produzieren keine Abfälle, alles wird wieder verwendet.
Als Ergänzung noch ein Wort zu den immergrünen Nadelbäumen und Sträuchern. Immergrüne Nadeln und Blätter sind eher klein und zäh. Mit ihrer dicken Wachsschicht, ihrer geringen Oberfläche und ihren engen Spaltöffnungen («Nasenlöcher») minimieren sie den Wasserverlust des Baumes im Winter. Deshalb findet man Nadelbäume auch in höheren Lagen, die für Laubbäume zu kalt sind.
Eicheln haben diesen Herbst Hochsaison!
Wenn sie kürzlich im Wald unterwegs gewesen sind, ist ihnen sicher aufgefallen, dass unter den Eichen viele Eichelfrüchte liegen. Wenn fast alle Eichen Samen produzieren, sprechen die Fachleute von einer Vollmast. Wenn die meisten Bäume an Waldrändern und einzelne grosse Bäume im Waldinnern Eicheln produzieren, wird von einer Halbmast gesprochen. Viele Eicheln zu produzieren, ist für den Baum aufwendig und beansprucht seine Reserven. Deshalb folgen auf ein Mastjahr oft mehrere Jahre, in denen der Baum sich erholen muss und fast keine Eicheln produziert (sog Fehlmast). Interessant ist, dass ausgerechnet die Schlattwaldeiche dieses Jahr praktisch keine Eicheln produziert hat. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.
Nicht jede Eichel schafft es, zu keimen. Viele Gefahren lauern, z.B. der Eichelbohrer, der sich in den Samen bohrt und das Innere frisst. Aber auch Schimmelpilze reduzieren die Keimfähigkeit. Zudem sind die Eicheln Nahrung für viele Tiere, v.a. die Wildschweine und die Mäuse lieben sie. Der Eichelhäher versteckt für seine eigene Vorratshaltung Eicheln im Wald. Da er nicht alle Verstecke wieder findet, trägt er zur Verbreitung der Eiche bei. Aber auch die aus Eicheln gewachsenen jungen Bäumchen leben gefährlich, z.B. sind ihre Knospen für Rehe Delikatessen. Weil von 1000 Eicheln nur 1 bis 2 zu grossen Bäumen heranwachsen, ist es nötig, dass die Eichen periodisch sehr viele Samen produzieren.
Erich Oberholzer, alt Kreisforstmeister Weinland