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Psychodynamische Langzeittherapien sind wirksam
|m -- Leichsenring F, Rabung S. Effectiveness of long-term psychodynamic psychotherapy: a meta-analysis. JAMA 2008 (1. Oktober); 300: 1551-65 [Link]|
|Kommentator(in):|
|infomed screen Jahrgang 13 (2009), Nummer 1

Datum der Ausgabe: Januar 2009
Studienziele
Der Stellenwert von psychodynamischer und psychoanalytischer Psychotherapie wird in der Psychiatrie widersprüchlich beurteilt. Psychodynamische Langzeittherapien kommen vor allem bei komplexen psychischen Störungen, Persönlichkeitsstörungen, chronischen oder multiplen Störungen, bei denen eine Kurzpsychotherapie oft ungenügend ist, zum Einsatz. Mit einer systematischen Übersicht und einer Meta-Analyse sollte hier die Wirksamkeit von lanzeitigen psychodynamischen Psychotherapien mit derjenigen von kürzeren Therapien verglichen werden.
Methoden
In den Datenbanken Medline und PsychInfo wurden Studien zwischen 1960 bis Mai 2008 gesucht. Als langzeitige psychodynamische Psychotherapien wurden Behandlungen definiert, die mit der Interaktion zwischen Behandelnden und Behandelten arbeiteten, Übertragung und Widerstand deuteten und entweder mindestens ein Jahr dauerten oder mindestens 50 Sitzungen umfassten. Berücksichtigt wurden randomisierte Studien und prospektive Kohortenstudien.
Ergebnisse
Von über 4‘000 überprüften Artikeln genügten nur 23 Publikationen (mit 29 Studien) den Einschlusskriterien. Davon waren 13 randomisierte Vergleichsstudien und 16 prospektive Kohortenstudien. Die meisten Studien umfassten weniger als 50, die grösste 129 Teilnehmende. Zusammengenommen führte eine Langzeittherapie bei komplexen psychischen Störungen zu signifikanten Verbesserungen der psychischen Funktionen. Langzeittherapien erschienen signifikant wirksamer als kürzere Therapieformen. Subgruppenanalysen zeigten für verschiedene psychische Störungen und verschiedene Studienanordnungen ähnliche Wirkungen.
Schlussfolgerungen
Gemäss dieser Meta-Analyse sind langzeitige psychodynamische Therapien in der Behandlung von komplexen psychischen Störungen wirksam.
Zusammengefasst von Felix Tapernoux
Die sehr ausfühliche Studie leistet einen wert- und verdienstvollen Beitrag zur Psychotherapie-Evaluation. Allerdings werden die positiven Ergebnisse etwas zu optimistisch generalisiert: Die Definition «psychodynamisch » ist sehr allgemein gehalten (Übertragungs- und Widerstandsdeutung), die einbezogenen Therapien dürften darüber hinaus recht heterogen sein. Grossmehrheitlich ist von Personen mit Persönlichkeitsstörungen auszugehen. Von den 29 einbezogenen Studien umfassen gerade fünf mehr als 50 Kranke, so dass weitergehendere Subgruppenanalysen problematisch werden. Letzteres bezieht sich auch auf die Auswertung nach unterschiedlichen bzw. auch unterschiedlich gemessenen Endpunkten. Die Spannweite der Dauer wie der Anzahl Konsultationen ist beträchlich: Als Zentralwert werden 69 Wochen bzw. 74 Konsultationen genannt, als Standardabweichung 59 Wochen bzw. 159 Konsultationen. Vergleiche mit anderen Therapien werden zwar hinsichtlich des Faktors Zeit angestrebt, sind angesichts der wiederum sehr heterogenen Kontrollgruppen aber letztlich kaum möglich. Die Meta- Analyse kann zwar einige dieser Unebenheiten ausgleichen, aber nicht alle.
Eine vorsichtigere Schlussfolgerung lautet: Bei dieser Krankengruppe ist eine längerfristigere Psychotherapie im Prä-/Postvergleich wirksam, wobei nicht die Dauer der Behandlung, sondern die Anzahl der Konsultationen entscheidend ist. Ob dabei die Wirksamkeit auf die Eigenschaft «psychodynamisch» zurückzuführen ist, muss offen bleiben. (Dies auch angesichts des allgemeinen Befundes, dass nur etwa 10% der psychotherapeutischen Ergebnisvarianz auf spezifische bzw. technische Faktoren zurückzuführen sind.) Was nebenbei den Ausbildungsinstituten auch zu denken geben müsste: Das Behandlungsergebnis ist unabhängig vom Ausbildungsund Erfahrungsgrad des Therapeuten (aber wie gesagt: cave zu weit vorangetriebene Subgruppenanalysen!).
Peter Zingg-Müller
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Psychodynamische Langzeittherapien sind wirksam (Januar 2009)
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