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Klopstock,
Friedrich
Gottlieb, der frühste unter den klassischen deutschen Dichtern des 18. Jahrh., durch
sein poetisches Auftreten bahnbrechend und epochemachend, wurde als das älteste unter 14
Kindern des
Kommissionsrats und
Advokaten
Klopstock zu
Quedlinburg
[* 2] geboren. Die
Ausbildung des Dichters, vom
Vater früh vorzugsweise auf körperliche
Entwickelung gerichtet, fand in dieser Hinsicht besondere
Forderung durch den Umstand, daß die
Familie um 1735 auf das in
Pacht
genommene Amtsgut Friedeburg bei
Quedlinburg zog.
Seit 1737
Schüler des
Gymnasiums in letzterer Stadt, verriet
Klopstock, angeregt durch die Bekanntschaft mit Vergils
»Äneide«, die
ersten
Spuren poetischer Begabung, und seine jugendliche
Phantasie faßte den
Gedanken einer epischen Verherrlichung
des Städtegründers
Heinrich I. Seit 1739 Zögling der
Schule zu
Pforta, machte er sich innig vertraut mit den altklassischen
Schriftstellern. Die
Notwendigkeit eines nationalen
Heldengedichts war herrschender litterarischer Glaubenssatz; der
Instinkt
des
Genius verriet sich bei
Klopstock darin, daß er von dem weltlichen
Stoff absah und unter dem
Eindruck des
»Verlornen
Paradieses« von
Milton den
Plan zur
Epopöe »Der
Messias« faßte.
Die religiöse
Gesinnung und
Empfindung, die gerade damals milder, unkirchlicher, poetischer ward, war die einzige in den bürgerlichen
Kreisen
Deutschlands
[* 3] allgemein vorhandene Gemütsstimmung, und
Klopstock traf mit seiner Stoffwahl
durchaus das
Rechte. Zu
Jena,
[* 4] wohin sich
Klopstock 1745 begab, um
Theologie zu studieren, entstanden die drei ersten
Gesänge der
»Messiade«
und zwar in
Prosa. Die anfängliche Absicht, das Gedicht überhaupt in ungebundener
Rede abzufassen, welche besonders in dem
Widerwillen des Dichters gegen den hölzernen Modevers, den
Alexandriner, wurzelte, wurde erst während
Klopstocks Studienzeit in
Leipzig
[* 5] (schon nach dem ersten
Semester war er mit seinem
Vetter
Schmidt aus
Langensalza
[* 6] dorthin übergesiedelt)
aufgegeben. An einem Sommernachmittag 1746 formte
Klopstock den Anfang seines Gedichts, zuerst am Erfolg zweifelnd,
in
Hexameter um, und dieser Übergang zu dem antiken
Metrum sollte für die moderne
Dichtung höchst bedeutsam
werden. In
Leipzig trat in
Verbindung mit dem
Kreis
[* 7] junger
Poeten, die, von der Gottschedschen
Richtung abgefallen, in
Klopstock
Chr.
Gärtner (s. d.) ihren kritischen
Führer, in den sogen.
»Bremer Beiträgen« ihr litterarisches
Organ hatten. Die letztern brachten
denn auch (1748 im 4.
Band)
[* 8] die drei ersten
Gesänge von
Klopstocks
»Messias« in die
Öffentlichkeit.
Bodmer
erkannte sofort im
Sänger des
»Messias« den Geistesverwandten
Miltons und weissagte ihm in aufrichtiger
Begeisterung eine große
Zukunft.
Klopstock, der auch als
Lyriker bereits in
Leipzig produktiv gewesen war und dort einige seiner schönsten
Oden (»Der
Lehrling
der Griechen«,
»Wingolf«, »An
Giseke«, »Die künftige Geliebte«) gedichtet hatte, war inzwischen
als
Hauslehrer in eine angesehene
Familie nach
Langensalza gegangen.
Dort faßte er leidenschaftliche, doch unerwiderte
Neigung zu der
Schwester des
oben genannten
Vetters
Schmidt,
Marie
Sophie, in
Klopstocks
Dichtungen unter dem
Namen
»Fanny« verewigt. Die Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen, die Gegenliebe des Mädchens
zu erwerben, bewog neben andern Umständen den Dichter, einer Einladung
Bodmers nach Zürich
[* 9] zu folgen. Im Juli 1750 traf
er hier ein. Unterdessen war das anfängliche Schweigen über das Messiasfragment in
Deutschland
[* 10] dem lauten Lärm eines heftigen
litterarischen Streits gewichen.
Der Professor der Philosophie, Meier zu Halle, [* 11] hatte 1749 eine lobpreisende Beurteilung des Gedichts veröffentlicht. Gottsched, anfänglich bemüht, durch die Schilderhebung von Dichterlingen kläglichsten Schlags, wie des Freiherrn v. Schönaich, den neuen »Messias« zu beseitigen, trat endlich selbst in die Schranken, als auch von seiten der eigentlichen Gelehrtenwelt, wie durch den Gothaer Rektor Stuß, die Aufmerksamkeit der Lesewelt auf das verhaßte Phänomen gelenkt wurde. Gottsched bekämpfte energisch, aber völlig ¶
mehr
fruchtlos, die Begeisterung für den »Messias«; er isolierte sich durch seinen Widerstand mehr und mehr. In Zürich
enttäuschte
Klopstocks
jugendliches, genußfrohes Auftreten und Verhalten Bodmer und dessen alte Freunde, die einen »heiligen« Dichter erwartet hatten.
Bodmer zürnte in unfreundlichster Weise;
Klopstock aber ging in seinem überreizten Selbstgefühl einen Schritt zu
weit, so daß ein Bruch erfolgte, welcher vor
Klopstocks Weggang aus Zürich
nur notdürftig geheilt werden konnte.
Inzwischen hatte
Klopstock 1751 durch Vermittelung des Ministers v. Bernstorff vom König Friedrich V. von Dänemark
[* 13] einen Gnadengehalt
von 400 Reichsthaler erhalten, damit er in Kopenhagen
[* 14] die »Messiade« mit guter Muße und »ohne Distraktion«
beendigen könne. Auf der Hinreise lernte in Hamburg
[* 15] die für sein Gedicht begeisterte Meta Moller kennen, die im Juni 1754 seine
Gattin wurde. Die ersten Jahre seiner sehr glücklichen Ehe sahen den Dichter auch auf dem Höhepunkt seines dichterischen
Schaffens. 1755 war der »Messias« bis zum zehnten Gesang beendigt und in doppelter Ausgabe erschienen. Um
dieselbe Zeit entstanden
Klopstocks frühste prosaische Abhandlungen; 1757 machte der Dichter mit dem »Tod Adams« den ersten
dramatischen Versuch, und gleichzeitig war er besonders fruchtbar in der Gattung des geistlichen Liedes. 1758 nahm der Tod seine
treue Meta (Cidli nannte sie der Dichter in den schönen an sie gerichteten Oden) während eines Besuchs
in Hamburg ihm von der Seite, und mit diesem Ereignis schließt
Klopstocks glücklichlichster ^[richtig: glücklichster]
Lebensabschnitt.
In den Jahren 1759-62 verweilte der Dichter in Dänemark, 1762-64 in Quedlinburg und Halberstadt [* 16] im Familienkreis; 1763 wurde er zum dänischen Legationsrat ernannt. Neben der Fortführung des »Messias« entstand in der nächstfolgenden Zeit das Trauerspiel »Salomo«, etwas später das Bardiet »Die Hermannsschlacht«, von dem angeregt sich das wesenlose, bombastisch-rhetorische Bardenwesen in der deutschen Litteratur des vorigen Jahrhunderts üppig ausbreitete.
Die Hoffnungen, welche der Dichter in den letzten 60er Jahren auf den neuen Kaiser, Joseph II., setzte, erfüllten
sich in keiner Weise. 1771 veranstaltete
Klopstock, veranlaßt durch die Sammlung seiner Oden, welche die Landgräfin Karoline von
Darmstadt,
[* 17] und die inkorrekte, welche der Dichter Dan. Schubart kurz vorher veröffentlicht hatten, eine selbständige Ausgabe
derselben, die bei Bode zu Hamburg erschien. Nach Bernstorffs Tod wohnte Klopstock eine Zeitlang im Haus von dessen
Gemahlin zu Hamburg; dann bezog er das Haus eines Herrn v. Winthem daselbst, dessen Witwe später (1791) seine zweite Frau und
die treue Pflegerin seines Alters wurde. 1772 ward das Trauerspiel »David« beendigt, 1773 der »Messias« endlich abgeschlossen.
In der herrlichen Ode »An den Erlöser« ward des Dichters inniger Dank gegen Gott ausgesprochen, daß er ihm die Vollendung des großen Werkes vergönnt habe. Weit über Deutschlands Grenzen [* 18] hinaus war der Ruhm des Gedichts erschollen. Übertragungen in die italienische, französische und englische Sprache hatten es dem Ausland zugänglich gemacht. In das Jahr 1773 fällt auch die Beendigung der prosaischen Schrift »Die deutsche Gelehrtenrepublik«, unter deren wenigen Bewunderern sich merkwürdigerweise Goethe befand.
Wie tief und stark die Verehrung und Begeisterung für Klopstock im allgemeinen, besonders aber bei der damaligen Jugend, war, zeigt am deutlichsten das Verhältnis, in welchem die Mitglieder des Göttinger Dichterbundes (s. d.) zu dem Dichter der »Messiade« standen. Sie sahen in Klopstock ihr Ideal und unbedingtes Vorbild; bei den Versammlungstagen lagen stets seine Oden, meist bekränzt, auf dem Tisch. Klopstock trat auch in persönliche Beziehung zu den Hainbündlern, und als er 1774 der Einladung, die Markgraf Karl Friedrich von Baden [* 19] an den »Dichter der Religion und des Vaterlandes« zum dauernden Besuch an seinem Hof [* 20] hatte ergehen lassen, folgte, verweilte er in Göttingen [* 21] im Kreis der begeisterten Verehrer.
Von des Dichters damaliger Einkehr in Goethes Wohnhaus [* 22] berichtet »Wahrheit und Dichtung«. Schon im Frühjahr 1775 verließ Klopstock, des Hoflebens müde, Karlsruhe [* 23] und traf nach einer Reise in die Schweiz, [* 24] die ihn mit Goethe und den Stolbergs zusammenführte, im Juni wieder in Hamburg ein. Das gute Verhältnis zu Goethe verwandelte sich übrigens bald in dauernde Entfremdung, als Klopstock 1776 sich beikommen ließ, durch unberufene und ziemlich unmotivierte Einmischung in das weimarische Treiben den Herzog Karl August und Goethe tief zu verletzen.
Die letzten 28 Jahre seines Lebens verbrachte in zunehmender Stille und Zurückgezogenheit. Von der Entwickelung, welche die deutsche Poesie vornehmlich seit dem Erscheinen des »Götz von Berlichingen« genommen, sich abwendend, verdrossen durch die kühle Ausnahme der »Gelehrtenrepublik« und seiner seltsamen linguistischen Versuche (»Fragmente über Sprache [* 25] und Dichtkunst«, 1779 und 1780), spann sich der Dichter immer mehr in seiner Sonderstellung ein.
Der Odendichtung blieb er bis wenige Jahre vor seinem Tode treu, doch litt seine spätere Lyrik großenteils an Unverständlichkeit und Schwerfälligkeit des Ausdrucks. Mehr und mehr der deutsch-patriotischen Richtung sich ergebend (die Dramen: »Hermann und die Fürsten« und »Hermanns Tod« sind Zeugnisse hierfür), nahm Klopstock auch lebhaften Teil an den damaligen großen weltgeschichtlichen Vorgängen im Ausland. Schon der nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg hatte ihn hoch begeistert, die Einberufung der französischen Reichsstände (1787) feierte er durch eine Ode.
Ein Diplom, das ihn zum französischen Bürger ernannte, war die Anerkennung für diese und ähnliche Kundgebungen. Seiner Enttäuschung, welche nicht lange auf sich warten ließ (den Entwickelungsgang der Revolution mißbilligte er in einem Schreiben an den Präsidenten des Konvents sehr nachdrücklich), gab er gleichfalls poetischen Ausdruck (Ode »Mein Irrtum«). Die an äußern Ehren reichen letzten Lebensjahre des Dichters verflossen unter eifriger Beschäftigung mit Ausfeilung seiner Schriften. Im Winter 1801 begann er zu kränkeln, seit Februar 1803 verließ er sein Lager [* 26] nicht mehr. Er starb, im Geist mit seinem großen Epos beschäftigt, Das Leichenbegängnis (22. März) war fürstlich großartig. Zur Ruhestätte hatte sich Klopstock den Friedhof des Dorfs Ottensen bei Altona [* 27] gewählt, wo seine erste Gattin begraben war. Dort trägt ein weißer Marmorstein die Inschrift: »Saat von Gott gesäet, am Tage der Garben zu reifen. Bei seiner Meta und seinem Kind ruhet Friedrich Gottlieb Klopstock«. Am ward zu Quedlinburg und Altona Klopstocks Säkularfeier begangen und ihm in ersterer Stadt ein Denkmal errichtet, in Quedlinburg, Schulpforta und anderwärts das 150jährige Jubiläum des Dichters gefeiert.
Will man Klopstocks Bedeutung für die deutsche litterarische Entwickelung und das geistige Leben unsrer Nation überhaupt gerecht würdigen, so ist vor allen Dingen der absolute ästhetische Wert seiner Schöpfungen bei der Beurteilung streng zu ¶
mehr
unterscheiden von dem relativen Wert und der Wichtigkeit, welche die Werke des Dichters in der Zeit ihres Erscheinens gehabt haben. Klopstock darf weder zu den mustergültigen Dichtern noch zu denjenigen gerechnet werden, in deren Werken die bleibenden Elemente die zeitlichen überwiegen. Dagegen muß er entschieden als der Anfänger, Begründer, ja als der Schöpfer der zweiten Blütezeit deutscher Poesie bezeichnet und geehrt werden. Man kann ganz kurz den Unterschied der neuen mit Klopstock beginnenden Poesie und der frühern in das Eine Wort »Genialität« fassen.
Seit dem Auftreten Klopstocks ist es zum unumstößlichen Erfordernis für den Poeten geworden, daß ihm die dichterische Gabe etwas Angebornes, daß er ein Dichter »von Gottes Gnaden« sei, daß ihm das Schaffen in ursprünglicher Unmittelbarkeit tief aus dem innersten Seelenquell dringen müsse, nicht künstlich heraufgepumpt und durch das Röhrenwerk nüchterner Verstandsreflexion zu Tage geleitet. Erst durch Klopstock ward es mit einem Male an einem überwältigenden Phänomen deutlich, wie nur der Poet die Menschenseele in allen ihren Tiefen zu bewegen und zu ergreifen vermöge, der selbst bis zur innersten Tiefe seiner Seele von seinem Stoff ergriffen, demselben mit seiner ganzen ungeteilten Persönlichkeit hingegeben sei; wie auch die äußere Gestalt, die Form, die Sprache, der Rhythmus, der Vers, wie durch unwiderstehliche Notwendigkeit hervorgetrieben, von innen nach außen herauswachsen müsse.
Gegen die hohe Bedeutung dieser von Klopstock hervorgebrachten Wirkung gehalten, schwinden die Wichtigkeit und der Wert seiner dichterischen Leistungen, wenn wir sie vom rein ästhetischen Gesichtspunkt aus beurteilen, unverhältnismäßig zusammen. Der Grundzug der Klopstockschen Dichtung ist der des äußersten Subjektivismus. Das individuellste Gefühl, die persönlichste Empfindung herrscht in sämtlichen Werken des Dichters und in den besten zumeist. Es ergibt sich hiernach von selbst, daß die Begabung Klopstocks in keinem dichterischen Gebiet so rein und glücklich zur Erscheinung kommen konnte wie in der Lyrik. Klopstock war durchaus Lyriker; er war es selbst da, wo er es nicht sein wollte.
Weitaus am wertvollsten bleiben darum unter seinen Gedichten die schon ihrer Art nach lyrischen und unter diesen wiederum die Oden. Seine geistlichen Lieder, auch die gelungensten, verlieren entschieden im Vergleich mit den besten unter jenen. Denn die unendliche Gefühlsinnigkeit, die überströmende Empfindung des Dichters mußte dann am freiesten und natürlichsten sich ausnehmen, wenn sie, durch äußerliche Schranken am wenigsten gehemmt, in gewaltigen Rhythmuswogen einherfluten durfte, und das eben vermochte sie am besten in der Hymnen- und Odenform.
Klopstocks tiefe Abneigung gegen den Reim, welchen er »den bösen Geist mit plumpem Wörtergepolter« nannte, wurzelte in der Schrankenlosigkeit seines Empfindungslebens, und nicht minder läßt sich seine Vorliebe für die unklaren Nebelgebilde der nordischen Mythologie, die er in unsre Dichtung mit der Absicht, die antike zu verdrängen, einführte, auf jene Eigentümlichkeit seiner Natur zurückführen. Was den schönsten Oden Klopstocks ihren bleibenden Wert verleiht, ist ihre hohe Wahrhaftigkeit.
Der Dichter war ganz bei seiner Sache; das Dichten war ihm kein äußerliches Geschäft, sondern ein heiliges, weihevolles Thun, und die Thränen innigster Entzückung füllten ihm die Augen, wenn er Herzbewegendes sang, zum Zeichen, daß sein eignes Herz von lebendigster Bewegung ergriffen war. Der »seraphische« Flug, den seine Seele nahm, war sprichwörtlich geworden. Was Klopstocks großes Epos angeht, so leidet es an allen den Mängeln, die eben in der Individualität des Dichters naturnotwendig begründet waren.
Sein durchweg in Gefühlsergüssen thätiges schöpferisches Vermögen widerstrebte der Darstellung einer plastisch geschlossenen Gestaltenwelt. Der erzählende, also eigentlich epische Teil der »Messiade« ist daher auch unbedingt der schwächste; der Dichter ist vielmehr auch im »Messias« nur als Lyriker groß, und die »lyrisch-deskriptiven« Partien überwiegen denn auch immer mehr, je weiter das Gedicht fortschreitet. Von den übrigen Werken Klopstocks weiß gegenwärtig nur noch der Litterarhistoriker etwas, und sie gehören auch ganz eigentlich der Gattung der litterarischen Kuriositäten an. Nichts kann begreiflicher sein, als daß eine Natur wie die Klopstocks in der dramatischen Produktion durchweg unglücklich sein mußte, und Klopstocks sogen. Dramen haben denn auch kaum in der Zeit ihres Erscheinens Wohlgefallen erregt.
Sie sind arm an Handlung, aller Charakteristik und dramatischen Entwickelung bar, aus lyrisch-sentimentalen Dialogen zusammengesetzt. Die »Deutsche [* 29] Gelehrtenrepublik« stellt das Litteraturwesen unter dem Bild einer Druidenrepublik dar, die mit Ober- und Unterzünften, mit Meistern und Gesellen, mit wunderlichen Belohnungen und Bestrafungen ausgestattet ist; das seltsame Gemisch von allegorischer Spielerei und patriotischem Ernst läßt auch die guten Gedanken, die darin, wenn auch in dunkelster Sprache ausgedrückt, nicht fehlen, sowenig wie die tüchtige vaterländische Gesinnung zu einer Wirkung kommen, welche den allgemeinen Effekt des Sonderbaren aufhöbe.
Endlich gehören auch die sprachwissenschaftlichen Versuche Klopstocks, unter andern seine Bemühungen um die deutsche Rechtschreibung, zu den Schrullen, an denen der große Mann in ungewöhnlichem Maß litt. In der Art, wie er ihnen Geltung zu verschaffen suchte, tritt ein gewisser despotischer Zug des Dichters hervor. Dieser Zug neben viel kleinlicher Eitelkeit, wovon nicht seltene Symptome im Leben Klopstocks anzutreffen sind, macht den wesentlichsten Teil der menschlich-dürftigen Elemente in des Dichters Persönlichkeit aus. Weit überwogen wurden diese aber durch die Reinheit seines Charakters, durch die Festigkeit [* 30] und mannhaft-mutige Artung seiner Seele, durch die tiefe, wenn auch ebenfalls in subjektivistischer Form erscheinende Frömmigkeit seines Herzens, welche Eigenschaften dem Ruhm des Dichters auch den eines echt deutschen Mannes, eines edlen Menschen für alle Zeit hinzugefügt haben.
Die Hauptausgaben von Klopstocks gesammelten Schriften sind folgende: Werke, Ausgabe in 7 Bänden (Leipz. 1798-1810), Ausgabe in 12 Bänden (das. 1798-1817);
Sämtliche Werke in Einem Bande (das. 1839);
Stereotypausgabe in 9 Bänden (der letzte enthält den Nachlaß von Meta Klopstock, das. 1839) und in 10 Bänden (das. 1844);
Ergänzung der Sämtlichen Werke durch 3 Bände, Briefwechsel, Lebensgeschichtliches und andre Beiträge enthaltend (hrsg. von H. Schmidlin, Stuttg. 1839-40);
»Poetische Schriften« (hrsg. von Back, das. 1876, 6 Bde., und von Boxberger, Berl. 1879, 6 Bde.).
Eine Auswahl in 6 Bänden erschien Stuttgart [* 31] 1869, in 4 Bänden das. 1886.
Vgl. Cramer, in Fragmenten aus Briefen von Tellow an Elisa (Hamb. 1777, fortgesetzt 1778);
Derselbe, Klopstock. Er und über ihn (Leipz. 1782-93, 5 Bde. nebst Beilagen);
Klamer-Schmidt, Klopstock und seine Freunde; Briefwechsel der Familie Klopstock unter sich und mit Gleim, Schmidt, Fanny etc., aus Gleims brieflichem ¶