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Im August wird sie 87 Jahre alt: Luciana Castellina, italienische Kommunistin, Journalistin, von 1979 bis 1999 Abgeordnete im Europäischen Parlament. Auch im hohen Alter veröffentlicht sie immer noch lesenswerte Kommentare zum Zeitgeschehen, vorzugsweise in der 1969 von ihr mitgegründeten Zeitung «Il Manifesto». Was ihr damals – wie auch ihren GenossInnen Rossana Rossanda, Luigi Pintor und Lucio Magri – den Ausschluss aus dem Partito Comunista Italiano (PCI) einbrachte.
Ihre 2011 erschienenen und jetzt ins Deutsche übersetzten Erinnerungen «Die Entdeckung der Welt» sind keine klassische Bilanz eines politischen Lebens – sie beschränken sich auf die Zeit ihres Erwachsenwerdens, die sie anhand alter Tagebücher rekonstruiert. Die Rückschau beginnt an einem historischen Tag, dem 25. Juli 1943: Luciana ist fünfzehn und spielt gerade mit Mussolinis Tochter Anna Maria Tennis, als die Nachricht vom Sturz des Duce ihren Ferienort Riccione erreicht. Der Krieg geht dennoch weiter; auch der Faschismus organisiert sich, gestützt auf die deutsche Besatzungsmacht, noch einmal neu. Was vorgeht, ist schwer zu verstehen für eine Tochter aus gutem Hause, die patriotisch fühlt und bislang linientreue Schulaufsätze geschrieben hat. Immer wieder, auch nach Kriegsende, gesteht sie ihre Unwissenheit, ihren «naiven Enthusiasmus». Nur langsam und mit innerem Widerstand nähert sie sich der Linken.
Im Oktober 1947 tritt sie in die Kommunistische Partei ein. «Lange Zeit war ich ein unkritisches Parteimitglied. Ich habe Entscheidungen der Partei akzeptiert, ohne zu diskutieren, weil die Partei mein Moralkodex war. Wir alle vergossen Tränen, als Stalin 1953 starb.» Ihre «Ketzerei» beginnt erst später, unter dem Eindruck der 1968er-Revolte und des Prager Frühlings. Die jetzt vorliegenden Jugenderinnerungen zeigen die Ernsthaftigkeit ihrer politischen Lebensentscheidungen. «Die Entdeckung der Welt» ist ein «antiheroischer Bericht» («La Repubblica»), erzählt von einer ebenso mutigen wie selbstkritischen Protagonistin.