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Der Badische Bahnhof nach 1933, undatierte Aufnahme. Staatsarchiv Basel-Stadt, Konvolut 62 (in Bearbeitung)
Der Badische Bahnhof ist seit seiner Errichtung am jetzigen Standort 1909-1913 eine deutsche Zoll-Enklave, d.h. es handelt sich rechtlich um deutsches Territorium auf Schweizer Boden. Dementsprechend hing am Bahnhofsturm weitherum sichtbar die deutsche Flagge. Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wehte dort neben der schwarz-weiss-roten Flagge des Deutschen Reiches auch die Hakenkreuzfahne, wie diese undatierte Aufnahme von Carl Hoffmann zeigt.
Das war von hohem Symbolgehalt, aber durchaus rechtens, es geschah ja auf deutschem Territorium. Mit Kriegsausbruch wurden die 650 Reichsbahnangestellten, die hier im Badischen Bahnhof im Kleinbasel wohnten und arbeiteten, plötzlich zu Bürgern einer bedrohlichen Feindesmacht. Dazu konnten sich auch militärische Vertreter und Mitglieder der NSDAP im Bahnhof aufhalten und in den Dienstwohnungen hinter dem Bahnhof logieren. (Seit kurzen wissen wir auch, dass der Bahnhof über ein geheimes System unterirdischer Gänge und Katakomben verfügte, das Kleinbasel von der Solitude bis zur Wiese diagonal durchquerte! Im Fall einer deutschen Invasion wäre zumindest Kleinbasel handstreichartig zu nehmen gewesen.)
Die Kinder der deutschen Reichsbahnangestellten gingen in Basler Schulen, was unter den Schülern zu Spannungen führte. Einmal, wohl Anfang der 1940er-Jahre, haben sich die Basler Buben des Rosenthalschulhauses (an der Stelle des heutigen Messeparkhauses) mit denen des sonst «verfeindeten» Rheinschulhauses am unteren Rheinweg zusammengetan, um den deutschen Buben eine Abreibung zu verpassen. Mit dabei waren auch mein damals etwa 12 Jahre alter Vater Felix Hoffmann und sein drei Jahre älterer Bruder Hans-Peter. Die deutschen Knaben trafen sich regelmässig auf der Exerziermatte bei den Langen Erlen und machten paramilitärische Sportübungen (möglichweise sogar als mehr oder weniger verdeckte Veranstaltungen der Hitlerjugend). Bei einer dieser Übungen wurden sie plötzlich von den Basler Buben überfallen und in eine üble Schlägerei verwickelt. Einer der Deutschen kam mit einem gebrochenen Arm nach Hause. Dieser Überfall hat zu heftigen Protesten der deutschen Eltern und zum Einschalten der Polizei geführt. Die Sache wurde allerdings nicht weiterverfolgt, der Basler Rektor rief die beteiligten Schüler lediglich zu sich, rügte sie scharf und erklärte, dass man so etwas nicht machen dürfe – um sie danach «off the record» für ihre mutige Tat zu loben.
David Marc Hoffmann ist der Sohn von Felix Hoffmann, der das Fotoarchiv Hoffmann dem Staatsarchiv übergeben hat.
Dieses Bild ist nur eines von unzähligen, das von der Basler Fotografendynastie Hoffmann festgehalten wurde. Deren Geschäftsarchiv wird derzeit im Staatsarchiv zugänglich gemacht.