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Update: 28.04.2014
Recht auf Gesundheit - exemplarische Beispiele
Das Recht auf Gesundheit wurde erstmals in der WHO Konstitution von 1946 verankert. Dort heisst es, dass das Recht auf den höchstmöglichen Standard der Gesundheit eines der fundamentalen Rechte des Menschen ist. In der Präambel wird die Gesundheit als ein Zustand des kompletten physischen, mentalen und sozialen Wohlbefindens definiert und nicht nur des Nichtvorhandenseins von Krankheit oder Leiden.
Gewalt und Verletzungen anderer Menschenrechte können eine verheerende Rolle für das Recht auf Gesundheit spielen, denn Folter, schädliche traditionelle Praktiken, wie Verstümmelungen an Frauen, oder Gewalt gegen Frauen und Mädchen führen auch immer zu einer Verletzung dieses in Art.12 UNO Pakt I verankerten Rechts.
- Recht auf Gesundheit
Kurzporträt des Menschenrechts auf Gesundheit auf humanrights.ch
- The right to health
Factsheet der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom November 2013 (in Englisch)
Die unabdingbare Verknüpfung mit anderen Menschenrechten
Ein nicht diskriminierender Zugang zu medizinischen Leistungen und Dienstleistungen ist das Kernstück des Rechts auf Gesundheit. Als unerlässliche Voraussetzung für die Gewährleistung des Rechts auf Gesundheit wird die Bereitstellung von sauberem Wasser und ausreichenden Sanitäreinrichtungen angesehen. Diese zwei Güter sind für Menschen aus Industrieländern eine Selbstverständlichkeit, in Entwicklungsländern dagegen ein seltenes Gut. Weltweit haben über 870 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Gesellschaftliche Faktoren wie die Trinkwasser- und Sanitärversorgung sowie die Lebensmittelhygiene oder der generelle Lebensstandard spielen ebenso wie die Geschlechtergleichbehandlung eine erhebliche Rolle bei der Einhaltung des Rechts auf Gesundheit. Wichtig ist auch der Zugang zu Information, insbesondere bei Epidemien und schweren Krankheiten. Dieser ist oft eingeschränkt, weil viele gefährdete Personen weder lesen noch schreiben können. Insofern besteht auch ein enger Zusammenhang zum Recht auf Bildung.
- Wasser
Informationen zum Thema vom deutschen Hilfswerk Misereor
Kindersterblichkeit
Trotz der positiven Entwicklung in Bezug auf die Lebenserwartung in den letzten Jahren leiden in den Entwicklungsländern noch massiv viele Menschen an schweren Krankheiten, wie Tuberkulose, Malaria und Cholera. Viele der Krankheiten sind auf fehlende Hygiene und unsauberes Wasser zurückzuführen.
Die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung leidet an Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser übertragen werden, wie etwa Cholera oder Säuglingsdurchfall. Diese miserablen Zustände treffen Kinder am häufigsten. 90 Prozent aller durch fehlende Hygiene verursachten Todesfälle sind Kinder unter 5 Jahren. Südlich der Sahara stirbt jedes neunte Kind vor seinem fünften Geburtstag.
4 Millionen Säuglinge sterben jedes Jahr in Afrika im ersten Lebensmonat, was fast 40 Prozent der gesamten Todesfälle von Kindern unter 5 Jahren entspricht. Aufgrund eines fehlenden angemessenen Gesundheitssystems und der Gesundheitsbetreuung kommt hinzu, dass täglich über 800 Frauen an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt sterben. Pro Jahr bringen etwa 60 Millionen Frauen ein Kind ohne medizinische Hilfe zu Hause zur Welt.
Zugang zu Medikamenten und Therapie
Millionen Menschen weltweit haben keinen oder nur beschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung. Besonders betroffen sind auch hier die Menschen in den Entwicklungsländern.
Schwere Epidemien wie AIDS/HIV haben sich in Afrika besonders stark ausgebreitet: 25 Millionen der weltweit 35 Millionen AIDS/HIV-Erkrankten kommen aus der Subsahara-Region, viele von ihnen sind Kinder. Ihr Zugang zu präventiven oder kurativen Massnahmen und Medikamenten wie der erfolgsversprechenden antiretroviralen Therapie ist stark eingeschränkt, konnte aber in den vergangenen Jahren dank kostengünstigen Generika und anderen Unterstützungsmassnahmen verbessert werden.
- Gesundheit in Afrika (online nicht mehr verfügbar)
Ideen und Materialen für den Unterricht der deutschen NGO Care (pdf, 36 S.)
- Gesundheit - ein Menschenrecht
Hintergrundinformationen des Deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
- HIV/AIDS-Bekämpfung
Themendossier von humanrights.ch
- Sexuelle und reproduktive Gesundheit
Informationen auf der Website der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Verletzung des Rechts auf Gesundheit: Exemplarische Beispiele
Madagaskar
Die politische Krise im Land, ausgelöst durch einen Staatsstreich im Jahre 2009, hat dazu geführt, dass eine Reduzierung des Budgets für Gesundheit erfolgte. Es mussten in der Folge einige Gesundheitszentren für Basisversorgung geschlossen werden. Eine gesicherte Gesundheitsfürsorge konnte damit nicht mehr flächendeckend gewährleistet werden. Wegen dem Geldmangel sind nicht mehr genügend Medikamente und Impfungen vorhanden.
Die Sparmassnahmen führten dazu, dass die Bevölkerung in ländlichen Gebieten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung mehr hat.
Die häufigste Todesursache vieler madagassischer Kinder ist die Infizierung mit Malaria. Es fehlen die finanziellen Mittel, die für Medikamente und andere präventive Massnahmen gegen Malaria nötig wären. Auch Durchfallerkrankungen sind ein häufiges Leid; diese werden durch mangelnde Hygiene und verschmutztes Wasser hervorgerufen.
Mit einer Todesrate von 6,2 Prozent sind Kinder unter 5 Jahren die am meisten betroffenen. Dabei wurde die Kindersterblichkeit noch von 1990 bis 2009 durch den enormen Einsatz der sogenannten Fünffachimpfung um 60 Prozent reduziert.
Die Regierung könnte die überaus misslichen Zustände bekämpfen, indem sie das nationale Gesundheitsbudget wieder erhöhen würde anstatt es zu reduzieren und in die Gesundheitspflege investieren, d.h. für angemessene präventive Massnahmen und bessere Medikamentenversorgung sorgen würde.
- Die Kinder auf Madagaskar
Informationen auf der Website der Patenschafts-NGO Humanium
- Annual Report Madagascar
Jahresbericht der Unicef in Englisch, 2012 (pdf, 44 S.)
- Madagaskar
Informationen zu Madagaskar auf dem deutschsprachigen Blog one.org
Somalia
Viele Frauen und Mädchen sind Opfer der traditionellen und schädlichen Praktik Genitalverstümmelung, die weltweit erschreckend häufig ausgeübt wird und dafür sorgt, dass die Betroffenen für ihr Leben lang an folgenschweren gesundheitlichen Problemen sowohl physischer als auch psychischer Art leiden. Global gesehen gibt es heute Schätzungen zufolge 140 Millionen genitalverstümmelte Frauen und Mädchen, wobei alleine in Afrika etwa 92 Millionen Mädchen im Alter von über zehn Jahren an den Folgen dieser ritualischen Praxis leiden. Jedes Jahr steigt die Zahl der Opfer um weitere zwei bis drei Millionen an.
Besonders häufig wird das Ritual der Genitalverstümmelung in Somalia ausgeübt. Das Land hält mit einer Beschneidungsrate von 99 Prozent einen traurigen Weltrekord. Die schmerzhafte und folgenreiche Beschneidungszeremonie trifft Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren. Nach der Zeremonie werden die Mädchen mit ihren Schmerzen und den verheerenden gesundheitlichen Auswirkungen alleine gelassen, denn die gesundheitliche Versorgung ist in den betroffenen Gebieten sehr schlecht.
Die Problematik wäre anzugehen mit einem rigorosen Verbot der Genitalverstümmelung und der strafrechtlichen Verfolgung von Eltern und Beschneiderinnen. Erfolgsversprechend sind auch Umschulungsprogramme für die angesehenen Beschneiderinnen. Wichtig ist ferner, dass die Bevölkerung über die Risiken informiert wird und für eine medizinische Versorgung und Beratung gesorgt ist. Da der somalische Staat wegen Korruption, Kriminalität und Bürgerkrieg seine grundlegendsten staatlichen Funktionen nicht erfüllen kann, und somit als failed state gilt, bleiben diese Forderungen weitgehend ungehört.
- Genitalverstümmelung - Schnitte in Körper und Seele
Informationen zum Thema von der deutschen NGO Kindernothilfe
- Tradition des Leidens
Informationen über Projekte und Länder der NGO Kindernothilfe
- Genitalverstümmelung
Themendossier auf humanrights.ch
Zimbabwe
Die sehr schlechte medizinische Grundversorgung führt dazu, dass in Zimbabwe eine Lebenserwartung von nur 49 Jahren besteht.
Aufgrund der grossen Armut im Land, fehlender Wasserversorgung und der häufigen Dürren ist ein Grossteil der Menschen von Krankheiten wie HIV/AIDS, Tuberkulose, Malaria oder auch Lungenentzündung betroffen. Daneben ist eines der gravierendsten Probleme in Zimbabwe die Mütter-und Neugeborenen-Sterblichkeit.
Die Erkrankten können sich nicht auf eine medizinische Behandlung verlassen, denn die örtlichen Spitäler sind oft in einem miserablen Zustand. Dies ist auf die fehlende Strom- und Wasserversorgung zurückzuführen. Die Versorgung der Spitäler mit dem Nötigsten ist aufgrund des Staatsdefizits und der Korruption im Land nicht gewährleistet.
Auch können sich die wenigsten die zwar vorhandenen, jedoch nur zu westlichen Preisen angebotenen notwendigen Medikamente leisten.
Die Regierung hat die Pflicht dafür zu sorgen, dass die Menschen einen gesicherten Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen haben. Zudem müssen staatliche Mittel für die Krankenhäuser gesprochen werden, damit ein angemessenes medizinisches Angebot besteht.
- Zimbabwe
Länderinformation auf solidarmed.ch
- Zimbabwe-Water and sanitation crisis
Nachricht vom 19. November 2013 von Human Rights Watsch (in Englisch)
- Doctors call for better water, health services
Information von zimbabwesituation.com, 4. November 2013 (in Englisch)
- Troubled water
Bericht von Human Rights Watch in Englisch, 2013 (pdf, 65 S.)
Fazit
Es wird deutlich, dass das Recht auf Gesundheit nur eine stabile Grundlage finden kann, wenn die finanziellen Mittel hierfür gesichert sind. Korruption und schwache Regierungsführung tragen wesentlich dazu bei, dass die Gesundheit der Bevölkerung leidet. Es sind wiederkehrende Investitionen nötig, um ein nationales Gesundheitssystem aufzubauen und zu erhalten. Es sollte dafür gesorgt werden, dass der gesamten Bevölkerung, sowohl in den ländlichen als auch städtischen Gebieten, sauberes Wasser zur Verfügung steht und mit geeigneten Massnahmen, wie sanitären Anlagen und Kanalisationen, die Bedingungen für angemessene Hygiene geschaffen werden. Daneben müssen regelmässige Impfungen vor allem für Kinder durchgeführt werden.
Zugang zu medizinischer Grundversorgung bedeutet nicht nur, dass im Land Medikamente und Ärzte vorhanden sein müssen. Es bedeutet auch, dass diese Mittel für die Betroffenen erreichbar und nutzbar sind. Nicht zuletzt müssen die Mittel bezahlbar sein.
Online-Texte und Themendossiers
- The Right to Health
Factsheet der WHO in Englisch (pdf, 52 S.)
- Das Recht des Kindes auf Gesundheit verstehen
Informationen auf der Website des Patenschafts-NGO Humanium.org
- Linkages between Health and Human Rights
Informationen der WHO in Englisch (pdf, 1 S.)
- Gesundheit - ein universell anerkanntes Menschenrecht
Informationen auf der Webseite der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
- Gesundheit - ein Menschenrecht für arm und reich
Offroadreports.ch für die DEZA-Zeitschrift «Eine Welt», Dezember 2012 (pdf, 11 S.)
- Die Gesundheitssituation in Entwicklungsländern
Informationen auf der Webseite des Deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)