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THQ wurde 1989 in den USA gegründet. Der Name der Firma stand ursprünglich für "Toy Head-Quarters", also "Spiele-Hauptquartier".
THQ hat sich damals nämlich nicht nur mit Games beschäftigt, sondern auch Spielzeug hergestellt. Bekannt war die Firma unter Gamern aber vor allem für ihre katastrophal miserablen Videospiele.
Vor THQ
Aber dazu muss man vielleicht noch ein paar Jahre weiter in die Vergangenheit schauen — zum Atari VCS 2600. Ataris Spielkonsole kam 1977 auf den Markt. Sie war zunächst extrem erfolgreich. Bald wurden aber viel zu viele Spiele für die Konsole produziert. Die Qualität dieser Spiele war derart mies, dass die Gamer das Vertrauen in die Konsole verloren, und der ganze Videospiele-Markt in kürzester Zeit implodierte. Tausende von Spielen wurden unverkauft direkt von der Fabrik in die Müllhalden geliefert.
Es dauerte bis 1983, bis der Videospiele-Markt wieder zum Leben erweckt wurde. Nintendos NES wurde dann auch nicht als Videogame verkauft, sondern als Spielzeug, mit einem Plastik-Roboter, den man mit der Konsole steuern konnte. Um Ataris Schicksal zu vermeiden, führte Nintendo eine Regel ein: jeder Games-Entwickler durfte nur eine bestimmte Anzahl Videospiele pro Quartal verkaufen. So wollte Nintendo verhindern, dass der Markt mit miesen Games überflutet wurde.
Vielen Entwicklern passte das überhaupt nicht. Sie gründeten oder kauften zusätzliche Firmen, welche Spiele unter einem anderen Namen publizierten. So konnten sie mehr Spiele auf den Markt bringen, als Nintendo offiziell zuliess.
Konami beispielsweise hatte eine solche Firma namens Ultra. Eine andere dieser Firmen war LJN. Acclaim kaufte LJN auf und verwendete die Firma, um Spiele unter ihrem Namen zu verkaufen. LJNs Spiele waren durchwegs miserabel; Acclaim verwendete die Firma vor allem, um miese Spiele zu publizieren, die Acclaim's eigenen Namen beschmutzt hätten.
THQs Crap-Era
Einer der Gründer von LJN war Jack Friedman. Nach seiner Zeit bei LJN gründete er THQ, eine Firma, die dem selben Schema folgte wie LJN: miese Spiele publizieren. Damit sich die Spiele trotzdem verkauften, verwendete THQ oft Film- oder Arcade-Lizenzen.
Zu den "Meisterwerken" von THQ gehören absolute Knaller wie Home Alone, eine absolut unspielbare Version vom damals ultrapopulären Film mit Maculay Culcin. Pit-Fighter, eine der miesesten Arcade-Umsetzungen, die je für eine Heimkonsole produziert wurde.
Oder Swamp Thing, ein Spiel das so mies ist, dass damalige Reviewer zum Schluss kamen, dass das Ding wieder im Schlamm zurückverschwinden sollte.
Reviewer gaben den THQ-Spielen aus dieser Era oft Review-Bewertungen im Bereich von 10-20%.
Viele der damaligen THQ-Spiele verwendeten die selbe Engine (The Flash, Attack of the Killer Tomatoes, Swamp Thing und andere THQ-Spiele dieser Era fühlen sich an wie das exakt selbe Spiel mit leicht angepasster Grafik). Diese Engine zeichnete sich durch folgende Features aus:
Insbesondere das langsame Scrolling war problematisch, als THQ eine Spiele-Adaption vom Superhelden Flash herausbrachte —Â ein Superheld, dessen einzige Fähigkeit es ist, extrem schnell zu rennen.
THQ Verbessert Sich
Während den späteren 90ern und frühen 00ern passierte etwas Seltsames. THQ verbesserte sich langsam. Das erste mal fiel mir das auf, als THQ 1998 Redjack auf den Markt brachte. Zugegeben. Niemand würde das Spiel aus gut bezeichnen. Aber erreichte durchwegs solide Reviews. Statt mit 20% war hier plötzlich ein Spiel, welches mit 60% oder gar 70% bewertet wurde.
Und das war nur der Anfang. THQ brachte ein ganz gutes Micro Machines auf den Game Boy Color. Ein paar witzige Wrestling-Spiele für verschiedene Konsolen. Und THQ publizierte Star Wars: Episode I: Battle for Naboo für den N64. Zugegeben, entwickelt wurde das Spiel von den Genies von Factor 5, aber trotzdem. Hier stand ein wirklich gutes Spiel in den Läden, auf dem der Name "THQ" stand.
Und THQ machte weiter. 2001 kam Red Faction. 2002 MX Superfly und Red Faction II. 2003 MX Unleashed, WWE SmackDown! Here Comes the Pain und Yager. Natürlich gab es auch weiterhin ab und zu einen echten Tiefflieger (z.B. Star Wars: Flight of the Falcon), aber alles in allem ging der Trend definitiv nach oben.
THQ machte sich nicht nur als solider Spieleentwickler einen Namen, sondern publizierte auch richtig gute Games von anderen Entwicklern. So wurde Pandemics Full Spectrum Warrior von THQ publiziert.
Neuzeit
In den letzten Jahren war THQ für eine ganze Reihe von tollen Games verantwortlich. Metro 2033, de Blob, Red Faction: Armageddon, Saints Row: The Third und Darksiders I + II sind nur einige davon.
Leider waren nicht alle Spiele von THQ erfolgreich. Besonders in die uDraw-Spiele für die Wii wurde extrem viel Geld investiert. Die Games blieben in den Läden liegen. Das war ein Schlag, von dem sich THQ nie recht erholen konnte. Dazu kommt der Misserfolg von den neueren Red Faction-Spielen.
Grössere Konsolenspiele haben mittlerweilen ein Budget von mehreren Millionen. Killzone 2 soll beispielsweise 45 Millionen US$ gekostet haben. LA Noire kostete Rockstare 50 Millionen. Für Halo 3 liess Microsoft 55 Millionen springen. Gran Turismo 5 kostet ganze 80 Millionen, und GTA IV soll sogar über 100 Millionen gekostet haben. Die Spiele von THQ waren zwar nicht ganz in dieser Preisklasse, benötigten aber trotzdem enorme Investitionen.
Ein Publisher wie THQ kann ab und zu einen Misserfolg verkraften. Aber wenn gleich mehrere Spiele gleichzeitig erfolglos vom Markt verschwinden, geht das ganz schön in's Geld. THQ ist das bisher grösste Opfer dieses Problems, aber nicht das erste. Disney hat aus dem selben Grund Split/Second-Entwickler Black Rock geschlossen. Ein tolles Studio mit tollen Spielen — aber einfach nicht erfolgreich genug, um die enormen Budgets zu rechtfertigen. Pandemic, Factor 5 und Free Radical waren andere Opfer dieser Entwicklung: tolle Studios, die wegen einem einzelnen Misserfolg aufgeben mussten.
Nun ist THQ nach einer langen, farbenfrohen Geschichte im Games-Markt also am Ende. Viele von THQs besten Games werden weiterleben:
Ohne neue Heimat steht Vigil da. Der Entwickler der Darksiders-Spiele wird deshalb leider geschlossen —Â ein echter Verlust für die Spiele-Welt (Ars Technica hat mehr Infos).
Ob mit guten oder absolut miesen Games, THQ hat die Game-Welt seit den 90ern immer wieder überrascht. Wir werden die Firma vermissen, und wünschen ihren Mitarbeitern —Â vor allem denen, die noch ohne neuen Job dastehen — alles Gute auf ihrem weiteren Weg.
Du kannst LKM, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.