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<h2>SubmittedText<h2><p>Im Jahr 2017 untersuchte Agroscope die Bedeutung der Bestäuberleistung von Honig- und Wildbienen für die landwirtschaftliche Produktion in der Schweiz. Sie schätzte den direkten Wert der Bestäuberleistung für die Landwirtschaft auf 341 Millionen Franken jährlich ein. Auf den indirekten Wert der Bestäuberleistung für die Landwirtschaft oder auf deren Gesamtwert für alle gesellschaftspolitischen Bereiche, ging die Untersuchung damals nicht ein. Nunn hat Agroscope kürzlich eine Studie zur Bedeutung von Wild- und Honigbienen publiziert, die zum Teil signifikante Produktionssteigerungen durch verbesserte Insektenbestäubung beschreibt, insbesondere auch auf Grund der Zahl und Diversität von Wildbienen.</p><p>Angesichts des fortschreitenden Insektensterbens und seiner sozioökonomischen Bedeutung bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Kulturen profitieren in der Schweizer Landwirtschaft von der Bestäubung durch Insekten oder sind auf sie angewiesen? Auf jeweils wie vielen Hektaren?</p><p>2. Wie hoch ist der jährliche Verkaufswert der Erzeugnisse aus diesen Kulturen?</p><p>3. Wie gross ist die Differenz, zwischen dem jährlichen Verkaufswert dieser Kulturen und dem von Agroscope berechneten Wert der Bestäuberleistung? Wie ist eine allfällige Differenz zu erklären?</p><p>4. Was genau wird als indirekte Bestäuberleistung für die Landwirtschaft bezeichnet und als wie hoch kann deren Wert für die Landwirtschaft beziffert werden?</p><p>5. Haben Honigbienen und Wildbestäuber - nebst der Bestäubung - für die Landwirtschaft auch noch weitere spezifische Funktionen? Wenn ja, welche und wie hoch ist deren Wert?</p><p>6. Fällt der Beitrag der Wildbestäuber zur Bestäuberleistung in der Landwirtschaft ungefähr gleich hoch aus, wie der der Honigbienen? Sind Wildbienen für gewisse Kulturen sogar die effizienteren Bestäuber? Wenn ja, was bedeutet dies für die Landwirtschaft? Können Wildbienen durch Honigbienen ersetzt werden?</p><p>7. Stellen der Schutz und die Förderung von Insekten einen signifikanten Beitrag an die Ernährungssicherheit in der Schweiz dar und - angesichts des fortschreitenden Insektensterbens - sind sie wichtige strategische Ziele der Agrarpolitik? Wenn nein: Warum nicht? Wenn ja: Wird die nächste Agrarpolitik ambitionierte, überprüfbare und terminierte Ziele und Massnahmen zum Schutz und zur Förderung der Insekten enthalten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. - 3. Folgende Kulturen profitieren von der Bienenbestäubung (Stand: 2020): Äpfel (3657 ha), Birnen (742 ha), Aprikosen (734 ha), Kirschen (523 ha), Pflaumen (299 ha), Kastanien (341 ha), Kiwis (21 ha), Quitten (12 ha), Erdbeeren (520 ha), Himbeeren (171 ha), Brombeeren (33 ha), Heidelbeeren (108 ha), Johannisbeeren (34 ha), Stachelbeeren (6 ha), Ackerbohnen (957 ha), Raps (24391 ha), Sojabohnen (2031 ha), Sonnenblumen (4472 ha), Bohnen (1346 ha), Kürbis (399 ha), Zucchetti (304 ha), Gurken (95 ha) und Tomaten (181 ha). Gemäss der Schätzung von Agroscope aus dem Jahr 2017, die die oben erwähnten Hauptkulturen berücksichtigt, beläuft sich der Gesamtwert auf rund 714 Millionen Franken. Zieht man den direkten Wert der Bestäubungsleistung (341 Millionen Franken) ab, so ergibt sich ein Unterschied von rund 373 Millionen Franken. Dieser Unterschied erklärt sich aus der Tatsache, dass ein Teil der Bestäubung durch Wind oder Selbstbestäubung erfolgt.</p><p>4. und 5. Der geschätzte direkte Wert der Bestäubung (341 Millionen Franken) ist eine Unterschätzung. Darin sind andere Aspekte, die schwieriger abzuschätzen sind, nicht berücksichtigt. So wird beispielsweise der Einfluss der Bestäubung auf die Produktequalität nicht berücksichtigt. Darüber hinaus bestäuben Bienen Wildpflanzen, die für die langfristige Erhaltung der Funktionsfähigkeit von Agrarökosystemen unerlässlich sind. Die spezifische und genetische Vielfalt der Wiesen ist von der Leistung der Bestäuber abhängig. Die Vielfalt der Bestäuber ist wichtig, um sicherzustellen, dass die Bestäubungsleistung während der gesamten Vegetationsperiode und unter verschiedenen Witterungsbedingungen erbracht wird und die spezifischen Bedürfnisse jeder Kultur- oder Wildpflanze erfüllt werden. Schliesslich darf nicht vergessen werden, dass die Honigbienen Honig produzieren, dessen direkter Wert je nach Jahr zwischen 36 und 78 Millionen Franken schwankt.</p><p>6. Gemäss wissenschaftlichen Erkenntnissen leisten Wildbienen etwa die Hälfte der Bestäubungsleistung. Wildbienen können aber mit der gleichen Zahl von Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie Honigbienen erreichen. Forschende haben zudem herausgefunden, dass die einzelnen Blüten häufiger besucht werden, je mehr Wildbienenarten vorhanden sind. Ausschliesslich langrüsselige Hummeln sind in der Lage, Pflanzen mit langen, engen Blütenröhren zu bestäuben und dadurch deren Fortbestand zu sichern. Solche Pflanzen werden von Honigbienen nicht bestäubt, da ihr Rüssel zu kurz ist. Ausserdem sind Hummeln dafür bekannt, dass sie bei niedrigen Temperaturen und schlechtem Wetter effiziente Bestäuber sind. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt von Ökosystemdienstleistern, d.h. auch der Wildbienenvielfalt, ist daher von entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung des ungehinderten Funktionierens von Agrarökosystemen für die Gesellschaft und für die Wirtschaft.</p><p>7. Insektenschutz- und -fördermassnahmen tragen zur Erhaltung der Ernährungssicherheit bei. Die Förderung der biologischen Vielfalt (einschliesslich Insekten) bleibt ein strategisches Ziel der Agrarpolitik. Agrarpolitische Massnahmen spielen eine wichtige Rolle beim Schutz der Insekten, können aber ihren Rückgang nicht alleine aufhalten, sondern müssen durch Massnahmen in anderen Politikbereichen ergänzt werden.</p>  Antwort des Bundesrates.