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Verlust an Licht vermieden bis auf den Teil, welchen das Glas [* 2] verschluckt, und man erhält einen Strahlenbüschel von 2,25 m Durchmesser an jedem Punkte des Horizonts. Steht der Leuchtturm an der Küste, so wird der Linsenapparat nach der Landseite hin durch einen kugelförmigen Metallspiegel ersetzt, welcher das sonst verlorne Licht [* 3] durch den Mittelpunkt der Flamme [* 4] reflektiert und so die Stärke [* 5] des aufs Meer geworfenen Lichts vermehrt. Statt des prismatischen Hilfsapparats wendet man bisweilen einen aus parabolischen Spiegelringen zusammengesetzten Apparat an, bei dem die Lampe [* 6] der gemeinschaftliche Brennpunkt aller derjenigen Parabeln ist, von denen die Krümmung der Spiegel [* 7] einen Teil bildet.
Da der Leuchtturm nicht nur im allgemeinen irgend eine Gefahr anzeigen, sondern den Schiffer auch genau darüber unterrichten soll, an welcher Stelle er sich befindet, so müssen namentlich die Leuchttürme benachbarter Orte schnell und sicher voneinander zu unterscheiden sein. Die Eigentümlichkeiten der einzelnen Leuchttürme bestehen nun in der Anwendung irgend eines der erwähnten Systeme, und es ist klar, daß sich durch geringe Modifikationen bedeutende Verschiedenheiten hervorbringen lassen.
Die Engländer suchen ihre Leuchttürme durch farbige Linsen oder Cylinder kenntlich zu machen; man kann indes nur rotes Glas anwenden, und man scheint auch hiervon wieder abzugehen, weil das gefärbte Glas zu viel Licht absorbiert und in einiger Entfernung unsichtbar wird. Nur an Küsten, welche reichlich mit Leuchttürmen ausgestattet sind, ist es kaum zu entbehren, weil sich mit weißem Licht allein nicht hinreichend scharfe, charakteristische Merkmale herstellen lassen.
In der kaiserlich deutschen Marine unterscheidet man folgende acht Arten von Leuchtfeuer: festes Feuer zeigt ein einfarbiges Licht von gleichmäßiger Stärke;
festes Feuer mit Blinken, festes Feuer, welches in gleichmäßigen Zeitabschnitten von wenigstens 5 Sekunden Dauer lichtstärkere Blinke zeigt, welche auch eine von dem festen Feuer verschiedene Farbe (oder Farben) haben können;
Blinkfeuer, weiße oder farbige Feuer, welche durch gleichlange Dunkelpausen geschiedene Blinke von allmählich zu- und abnehmender Lichtstärke zeigen;
Funkelfeuer, Blinkfeuer, dessen Blinke von kurzer Dauer in sehr kurzen Pausen oder ohne jede Verdunkelung aufeinander folgen;
Gruppen-Blinkfeuer zeigen zwei oder mehrere durch kurze Pausen geschiedene, allmählich zu- und abnehmende Blinke, denen eine längere Dunkelpause folgt;
Blitzfeuer (Blinkfeuer) zeigen entweder durch gleichmäßig kurze Pausen geschiedene, plötzlich auftauchende Blitze von gleichmäßiger Stärke oder mehrere schnell aufeinander folgende Lichtblitze, denen eine längere Dunkelpause folgt;
unterbrochenes Feuer, festes Feuer, welches in gleichen längern Zeitabschnitten durch eine oder mehrere kurze Verdunkelungen unterbrochen wird;
Wechselfeuer, festes Feuer von annähernd gleicher Stärke, welches abwechselnd verschiedene Farben zeigt.
Die zur Erläuterung der Charakteristik der Feuer angegebenen Zeiträume umfassen stets die ganze Periode vom Beginn der einen Lichterscheinung bis zum Beginn der nächsten, einschließlich der zwischen beiden liegenden Verdunkelungen.
Seezeichen am Tage, Leuchter in der Nacht sind wie die Leuchttürme auch die Leuchtschiffe (Feuerschiffe) für den Schiffsverkehr. Die Leuchtschiffe sind stark gebaute Fahrzeuge von plumpen Formen, welche auf flachen Stellen im Fahrwasser dort verankert werden, wo die Anlage von Leuchttürmen unthunlich oder zu kostspielig ist. Wie die Bauart des Leuchtschiffs, so ist auch die Form und Stärke seiner Anker [* 8] auf starken Widerstand gegen Wind und Wellenschlag berechnet; die Anker sind pilzartig gestaltet.
Mit 1-3 Pfahlmasten ausgestattet, welche zur Unterscheidung am Tage Bälle, Dreiecke etc. aus Korbgeflecht, nachts und bei trübem Wetter [* 9] jedoch Laternen tragen, führen auch diese Schiffe [* 10] besondere Namen, die auf beiden Breitseiten in möglichst großen weißen Buchstaben auf rotem, grünem oder schwarzem Anstrich sichtbar sind. Die Lichter benachbarter Leuchtschiffe treten, wie die der Leuchttürme, absichtlich verschieden in die Erscheinung. Außer den Signalkörpern und Lichtern führen die Leuchtschiffe noch Rettungsboote und kräftige Nebelsignale, auch hat man sie mit dem Strand auf elektrischem Weg verbunden, um Hilfsleistung von dort aus herbeirufen zu können.
Die schwächste Seite der Leuchtschiffe ist in nordischen Gewässern der Umstand, daß sie bei Eisgang, also gerade zu der Zeit, wo sie am notwendigsten und nützlichsten sind, ihre Station verlassen müssen, um gegen die Gefahr des Untergangs samt ihrem Wächter geborgen zu werden. Die den auf der Station liegenden Leuchtschiffen drohende Hauptgefahr ist der Zusammenstoß mit andern Schiffen; im J. 1882 ereigneten sich 20 solcher Fälle, welche teilweise sehr starke Beschädigung der Feuerschiffe verursachten.
Die älteste Leuchtschiffstation ist die Nore, seit 1732 am Eingang in Thames und Medway bei Nore Sand. Das auf tiefstem Wasser (42 Faden) [* 11] liegende Feuerschiff ankert zwischen Landsend und den Scillies (bekannter durch die Katastrophe des Dampfers Schiller), nahe den »Sevenstones« (Siebensteine), das am meisten vom Land (43½ engl. Meilen von Spurn Point in Yorkshire) abliegende Feuerschiff liegt in der Nordsee bei Dowsing Shoal. Die deutsche Ostseeküste besaß 1879 von Memel [* 12] bis Schleimünde unter ihren 80 Leuchtfeuern nur 5 Feuerschiffe, welche auf Pommern [* 13] entfallen.
Die deutsche Nordseeküste weist (1879) von Büsum bis Nesseland 15 Feuerschiffe auf (Elbe 7, Weser 2, Jade 3, Borkumriff 1, Schleswig-Holstein [* 14] 2). Die übrigen Staaten des Nordseestrandes sind durch Feuerschiffe wie folgt beleuchtet: Niederlande [* 15] 3, Belgien [* 16] 3, Jütland 1, England 30, Schottland 1, Frankreich wie Norwegen [* 17] 0. Unter den 666 Seelichtern, welche den Strand des Deutschen Meers beleuchten, waren demnach 52 Leuchtschiffe, während sich die übrigen Lichter auf Leuchttürme, Kirchtürme, Gebäude, Gerüste und Laternenpfähle verteilen.
Der von 324 Lichtträgern (121 englischen, 203 französischen) beleuchtete Strand des »Kanals«, die lebhafteste Seestraße der Erde, besitzt an der französischen Küste 4, an der englischen 9, insgesamt 13 Feuerschiffe.
Die Themse, in ihrem Unterlauf London [* 18] bis Mündung das verkehrsreichste Fahrwasser, dem nur der Unterlauf des Hudson an die Seite zu stellen ist, besitzt unmittelbar vor der Themse 4 Leuchtschiffe auf den Goodwin Sands, in der Themse bis London 11, also 15 Feuerschiffe, außerdem aber 7 Leuchttürme und 17 andre Lichter, zusammen also 39 Lichtträger auf einem Wasserweg von 40 km.
Leuchtfeuer werden schon von Homer erwähnt. Zu den sieben Wunderwerken der Alten Welt gehörte der auf Befehl des Ptolemäos I. Lagi errichtete Pharos auf der gleichnamigen Insel bei Alexandria (s. d.). Dieser Leuchtturm wurde 283 v. Chr. vollendet, soll ca. 160 m hoch gewesen sein und hat sich bis etwa 1317 n. Chr. erhalten. Ein Zeitgenosse dieses Leuchtturms war der Koloß von Rhodos (s. d.). Der berühmte Leuchtturm von ¶
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Cordouan wurde unter König Heinrich II. erbaut. Der Turm [* 20] von Eddystone, 1696 errichtet, bestand zuerst aus Holz [* 21] und war mit Eisenstangen befestigt; ein furchtbarer Orkan verschlang 1703 das Gebäude mit seinen Wärtern, und ein neuer, 1706-1708 errichteter Turm wurde 1755 ein Raub der Flammen. Der jetzige massive Turm ist von John Smeaton erbaut und hat mit seiner in sanfter Krümmung nach innen verjüngt zulaufenden Form vielfach als Modell für andre Leuchttürme gedient.
Der neueste deutsche und gleichzeitig der erste, welcher bei weit ins Meer vorgeschobener Lage nicht auf Felsenriffen, sondern direkt auf dem Meeresboden aufgebaut ist, ist der Rothersand-Leuchtturm, welcher ungefähr in der Mitte zwischen Bremerhaven und Helgoland [* 22] errichtet ist (s. Tafel, [* 19] Fig. 1 u. 2). Der Leuchtturm ruht auf einem eisernen Caisson von 30 m Höhe, 11 m Breite [* 23] und 14 m Länge, welches 22 m unter Niedrigwasser versenkt und mit Beton und Mauerwerk ausgefüllt ist; er ist 10 m in den Sandboden eingelassen und über demselben noch durch eine Faschinenpackung und Steinschüttung gesichert.
Der darüber befindliche eigentliche Turm hat eine Höhe von 34½ m über Niedrigwasser und ist in vier Etagen geteilt, über welchen sich die kuppelförmige Laterne mit dem Leuchtapparat erhebt. In derselben befindet sich das Hauptfeuer, welches nach See wie nach der Landseite nur über einen kleinen Sektor leuchtend den Schiffen den Weg zum Turm und von hier in die Weser zeigt; neben jedem Sektor dieses festen Feuers liegt ein Blitzfeuer. Um die Nähe des Leuchtturms oder den Punkt der Richtungsänderung den Schiffen kenntlich zu machen, ist unter den festen Sektoren in den Ausguckerkern noch je ein Feuer von nur 2½ Seemeilen Sichtweite placiert und schließlich im Treppenerker noch ein festes Feuer zur Beleuchtung [* 24] des Raums zwischen Helgoland und der Elbemündung.
Vgl. Stevenson, Die Illumination der Leuchttürme (deutsch von Nehls, Hannov. 1877);
»Verzeichnis der Leuchtfeuer u. Nebelsignalstationen aller Meere« (amtlich, Berl. 1886).