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Helen Keller? Gibt man den Namen bei Wikipedia ein, stösst man zuerst auf die amerikanische Schriftstellerin (1880-1968), die durch Krankheit als Kind taub und blind geworden war und nach intensiver Betreuung mehrere Fremdsprachen in der Brailleschrift erlernte und einen Hochschulabschluss erwarb. Helen Keller schrieb Bücher (darunter «Mein Weg aus dem Dunkel»), setzte sich für die Rechte der Schwarzen in den USA ein, engagierte sich als Pazifistin und Sozialistin.
Jene Helen Keller, die ich suche, ist Rechtswissenschaftlerin, Professorin für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht an der Universität Zürich. Helen Keller spricht am Montag im Casino Bern über Klimaschutz als Grundrecht.
«Die Alpen brauchen Klimaschutz», fordert die Alpeninitiative. Doch es sind die Menschen, wir alle, die Klimaschutz brauchen. Konkret: Schutz vor einem Klima, das sich um 1 ½, um 2 oder mehr Grad erwärmt, das unwirtlich, schädlich, gefährlich wird für uns Menschen, wenn wir nicht entschieden, konsequent und sofort damit aufhören, Erdgas und Erdöl zu verbrennen. Erdgas und Erdöl, die über Millionen von Jahren im Erdinneren entstanden sind, durch die Zersetzung und Umwandlung von Pflanzen in Hitze und unter Druck.
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Können wir uns individuell und kollektiv gegen die belastende Veränderung des Klimas rechtlich wehren, nicht ausschliesslich politisch? Aus welchen Gründen? In welchem Verfahren? Bei wem? Mit welcher Aussicht auf Erfolg? Mit welchen Konsequenzen? Diesen Fragen geht Helen Keller nach. Helen Keller ist eine Kapazität. Ihre Dissertation befasste sich mit Umwelt und Verfassung. Sie leitete das Projekt eines Kommentars zum Umweltschutzgesetz. 2005 wurde sie in den Menschenrechtsausschuss der UNO gewählt. Von 2011-2020 war sie Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg. Seit 2020 amtet sie am Verfassungsgericht von Bosnien-Herzegowina.
Menschenrechte, Umwelt, Verfassung – diese Themen beschäftigen Helen Keller seit langem. Am Montag breitet sie ihre Zeitgedanken im Casino aus. Es geht um uns.
Die Reihe «Zeitgedanken», eine Kooperation von Uni und Burgergemeinde Bern, geht damit in die zweite Runde. Nach einem fulminanten Start mit Joachim Gauck, dem ehemaligen Bundespräsidenten Deutschlands und Verantwortlichen für die Stasi-Akten, nach einem atemberaubenden Akkordeonspiel Marco Batkovics ist jetzt die Reihe an Helen Keller und dem Duo Cécile Grüebler (Cellinstin / Tamara Chitadze (Pianistin). Es wird ganz anders werden. Und, hoffentlich, gleich in der Tiefe und Weite der Gedanken und Klänge.