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Gastkolumne
Autor: Simone Flüeler
Sprachstolpersteine
Letzthin im Ausgang wollte ich mir ein Bier an der Theke bestellen. Als die Serviertochter die Bestellung entgegennehmen will, kommt mir einfach nicht mehr in den Sinn, ob es nun «une» oder «un» bière heisst. Nervös durch den fragenden Blick, stammle ich: «Un café, s’il vous plaît.» Lieber nehme ich eine schlaflose Nacht in Kauf, als mich wegen des falschen Artikels zu blamieren. Zurück am Tisch fällt natürlich allen auf, dass ich nicht das bestellt habe, was ich eigentlich vorhatte. Nachdem ich erklärte, warum ich nun einen Kaffee habe und kein Bier, wissen alle gleich auch eine Geschichte zu erzählen. So bestellt ein Kollege immer zwei Bier auf einmal, um den Artikel zu vermeiden. Ein anderer wartet einfach, bis alle bestellt haben, und sagt dann «la même chose». Jemand weiss zu berichten, dass er sich einfach nicht traut «moyen» zu sagen, und deshalb beim Sandwichstand immer «le petit sandwich» nimmt, obwohl er danach noch Hunger hat. Die Mutter einer Kollegin bestellt sich jeweils einen «thé noir», obwohl sie lieber Eisenkrauttee hätte, aber das französische Wort entfällt ihr jedes Mal. Der Bruder einer Freundin wollte schon lange einmal eine Pizza mit Speck probieren. Zaghaft verlangte er dann einmal eine mit «bacon», doch die Verkäuferin schaute ihn nur fragend an. Seit diesem Vorfall begnügt er sich mit Pizza Margarita.
Auf dem Heimweg, alsl wir Richtung Bahnhof gehen, sagt eine Kollegin: «Vielleicht, wenn wir uns immer in unserer Muttersprache ausdrücken könnten und immer das kriegten, was wir wollten, wenn kein Hindernis unseren Weg versperrte, dann wären wir ganz anders geworden, wären wir ganz andere Menschen.»
Ob sie womöglich Recht hat?
Simone Flüeler wohnt in Freiburg. Sie studiert Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Freiburg.