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Als die 3. Division im Aktivdienst den Reduiteingang am Thunersee bezog, bildete sie als «Kampfgruppe Thunersee» mehrere einzelne Kampfgruppen. Die Südgrenze des Raumes, für den diese Division verantwortlich war, wurde als «Kampfgruppe Hochalpen» bezeichnet und dem Territorialregiment 87 zugeteilt. Das Schwergewicht hatte das Ter. Bat. 175 zu tragen.
Die Gruppe Hochalpen wurde in mehrere Abschnitte unterteilt: Gemmi, Lötschenpass, Mutthorn und Jungfrau.
Da im südlichen Vorfeld der Stellung die starke Gebirgsbrigade 11 stationiert war, wurden nur wenige feste Verteidigungsstellungen an dieser auf dem Alpenkamm an der Grenze der Kantone Bern und Wallis entstehenden Linie erstellt. Zumeist wurden Unterkunftsbaracken und Schutzhütten gebaut. Dazu kamen etliche Seilbahnen zum (temporären) Einsatz.
Bekannt ist im Abschnitt Gemmi die Waffenstellung Gemmi. © BAR
Die Planung der Transport- und Verbindungswege auf den Lötschenpass. © BAR
Skizze eines nicht realisierten Infanteriewerkes in der Klus (Eingang Gasterntal/Kandersteg). © BAR
Ein Buchtipp: Wunderwaffen – Ergänzungsband – Leider hat es der Verlag VSAM noch immer nicht geschafft, seinen Shop mit diesem Buch zu aktualisieren. Also Bestellungen wohl am besten per Mail machen -> <email-pii> (am bestem mit Hinweis auf festung-oberland.ch als Quelle 😉
Das Buch «Die Wunderwaffen der Schweizer Armee» hat grosses Interesse an diesen unbekannten und oft auch wenig beachteten Sperrsystemen geweckt. In der Folge tauchten viele neue Fragen auf, und neue Dokumente wurden entdeckt. Daraus entstand ein Ergänzungsband mit 200 Seiten.
Im neuen Buch – herausgegeben vom Verein Schweizer Armeemuseum – sind als Hindernisse die geplanten Überflutungen im Detail abgehandelt, mit denen ein Feind gestoppt werden sollte. Das ganze Spektrum der Unbrauchbarmachungen wurde neu integriert und auch das Kapitel Hindernisse mit zahlreichen «Trouvaillen» vervollständigt. Das Kapitel der Sprengobjekte konnte mit einem Bericht über die Sprengversuche 1970 im Gasterntal mit dem Permanenten Sprengdispositiv PSD 75 ergänzt werden. Ein echtes Bedürfnis wird zudem mit der vollständigen Liste der Sprengobjekte, die nach 1975 gebaut wurden, inklusive Koordinaten, abgedeckt.
Im 600-seitigen Hauptband ist die Geschichte der permanenten Zerstörungen der Armee zusammengefasst. Die Vorbereitungen für gezielte Sprengungen, um so einen feindlichen Vormarsch zu stoppen, beeindruckten und stärkten das Bild der abwehrbereiten Schweiz in den ausländischen Köpfen. Dass in diesem Zusammenhang von «Wunderwaffen» gesprochen wird, ist kein Zufall. Das System war relativ kostengünstig, effizient, der Einsatz wäre für einen möglichen Gegner meist überraschend gekommen und hätte dessen Vormarsch empfindlich verzögern können. Im Inland waren die Sprengstoffstollen in Brücken und unter Strassen hingegen kaum ein Thema – die Geheimhaltung funktionierte. Der Autor hat die Geschichte der militärischen Zerstörungsvorbereitung in allen Facetten zusammengetragen und in eine geordnete Form gebracht.
Mit künstlichen Hindernissen wurde starkes Gelände noch zusätzlich verstärkt. In einem zweiten Teil des Buches sind diese Typen und deren Einsatz und Wirkung beschrieben. Von den einfachen Betonröhren über eingerammte Stahlträger geht die Liste bis zu speziell in die Landschaft eingepassten Höckersperren («Tobleronen»).
Der Autor: Jürg Trick aus Muri bei Bern – auch Autor des immer noch lieferbaren Buches «Übersetzmittel der Schweizer Armee ab 1815» – war als Bauingenieur HTL in der Abteilung und später im Bundesamt für Genie und Festungen bei der Planung und Ausführung von Geländehindernissen und militärischen Bauten beteiligt.
Um die Übersicht zu wahren, wurde die Anlagen der Schweizer Armee mit Buchstaben-Nummern-Kombinationen versehen. Diese so genannte AGFA-Nummern kennzeichnen ein Objekt eigentlich eindeutig, es gab aber auch Doppel-Nummern und Fehler.
AGFA bedeutet übrigens Abteilung für Genie und Festung A = erstes EDV-Projekt. Die neue Nummerierung wurde in der Westschweiz angefangen und dann im Uhrzeigersinn abgearbeitet. Wann genau diese Nummerierung begonnen wurde, ist noch immer nicht klar. Es gibt verschiedene Hauptkategorien mit einigen Unterkategorien.
Anlagen mit militärischen Nutzen im Kriegseinsatz
1: Anlage, die betreffend Schutzgrad beziehungsweise Wirksamkeit vollständig den neusten Erkenntnissen entspricht.
2: Anlage, die betreffend Schutzgrad beziehungsweise Wirksamkeit nicht vollständig den neusten Erkenntnissen entspricht.
3: Anlage mit reduzierter Bereitschaft
4: Anlage, die nur behelfsmässig verwendet werden kann.
(5): Hilfsanlage ohne speziellen Kampfwert
Anlagen ohne militärischen Nutzen im Kriegseinsatz
6: Anlage in Projektierung oder Bauausführung
7: Anlage dient ausschliesslich der Ausbildung
8.0: Anlage dient ausschliesslich der Verwaltung
8.9: Anlage, die überzählig ist. Weiterverwendung offen
9.0: Anlage mit historischem Wert
9.1: Anlage, die mit minimalem Aufwand erhalten werden kann
9.2: Anlage, die zum Abbruch freigegeben wurde und nach Abbruch der Bundesboden verkauft werden kann
9.3: Anlage, die zum Verkauf freigegeben wurde
Die Protokolle der Räumungsdetachemente geben Auskunft, wie die mühsame und gefährliche Arbeit nach der Explosion im Munitionslager Mitholz ablief.
(Download PDF 2018-2408-Mitholz )
Am Samstag, 20. Oktober 2018, findet im Raum Interlaken ein Tag der offenen Bunkertüre statt – alle drei Anlagen des Vereins IG Bödeliwerke können besichtigt werden. Weitere Infos im Flyer (2018-Flyer-Bunkertuere).
Der diesjährige Tag der offenen Bunkertüren auf der Challhöchi oberhalb von Hauenstein-Ifenthal findet am Samstag, 22. September statt. Von 13.30 bis 16.30 Uhr sind die Bunker A3574 Challhöchi Ost «Chalet» und A3575 Challhöchi West für alle Interessierten offen. Organisiert wird der Anlass vom Verein Festungswerke Solothurner Jura.
Weitere Infos unter www.fw-so.ch
Bis am 14. Oktober 2018 ist die Festung Sasso San Gottardo in diesem Jahr noch offen. Anschliessend wird sie für den bevorstehenden Winter vorbereitet. Bis dahin sind die Wunderkammer, die grössten je gefundenen Riesenkristalle, die Bildmaschine Gotthard – das Reduit, die Tessinerausstellung noch zu besuchen und die geführten Rundgänge, Abenteuerführungen, die Familien-Schatzsuche oder die Festungswächtertouren noch zu buchen.
Zudem wird zu zwei einzigartigen Veranstaltungen eingeladen: Am 23. September findet das Klavierkonzert mit Anna Zassimova statt und am 7. Oktober der Vortrag über den Fund der Bergkristalle. LINK zu den Informationen.
Seit 20 Jahren kann die Festung Vitznau besichtigt werden. Die Jubiläumstage werden am 19. und 20. Oktober stattfinden. Vorgesehen sind Tage der offenen Türen mit Gratisführungen jeweils von 13 bis 17 Uhr. Info dazu auf der Website
2012 versicherte der Bundesrat, dass keine Liquidationen von modernen Systemen geplant sei. Die Ausserdienststellung der Festungsminenwerfer wurde gestoppt. In der Armeebotschaft 2018 beantragt der Bundesrat nun die ersatzlose Liquidation dieses Waffensystems in den Jahren 2019-24. In der aktuellen Ausgabe der ASMZ beleuchtet Oberst Markus Oetterli – Präsident der Offiziersgesellschaft der Artillerie – dieses Vorhaben.
Er listet die Vorteile der rund 100 je erstellten Monobloc-Bunker mit je einem 12 cm Fest Mw auf: Rasche Bereitschaft, bewährtes System, Standardkaliber, Integration ins Artilleriesystem, Feuerkadenz entsprechend sechs kampfwertgesteigerten Panzerhaubitzen innerhalb des Wirkungsradius von 10 Kilometer und Versorgungsautonomie.
Neben dem Argument der heutigen mobilen Kampfführung werden die jährlichen Einsparungen von 1,5 Millionen Franken Betriebsaufwand von der Regierung ins Feld geführt – die Beschaffungskosten des Systems beliefen sich auf etwa eine Milliarde Franken. Die einmaligen Kosten für die Ausserdienststellung werden mit 25 Millionen Franken beziffert.
Sein Fazit nach Abwägung von Kosten sowie einsatztaktischer Aspekte lautet: Minimal 10 Prozent aller Werfer seien in tiefer Bereitschaft zu erhalten, damit sie bei Bedarf aktiviert werden könnten. Die modernen und präzisen Werfer würden eine artilleristische Grundlast abdecken, mit der mobilen Artillerie könnten dann Schwergewichte gebildet werden. Die Betriebskosten berechnet Oetterli pro Jahr mit 2 Millionen Franken in einem Verteidigungsbudget von 5 Milliarden Franken.
Kommentar: Ich kann dieser Ansicht nur zustimmen. Das System ist rasch einsatzbereit, heute noch modern, präzise, bietet ein kleines Ziel und auch die heute fehlenden Mannschaften können in kurzer Zeit ausgebildet werden. Das haben eigene Erfahrungen bei der Umschulung von Radfahrer-Soldaten auf den Fest Mw gezeigt. Mit Artilleristen wäre das noch einfacher. Bei aller Begeisterung für mobile Kampfführung kann ein Gerüst aus festen Waffenstellungen in unserem kleinen Land ohne grosse Rückzugsmöglichkeiten für motorisierte Truppen ein starker Rückhalt sein. Zudem sind 24 Schuss/Minute mit Kaliber 12 cm nicht zu verachten…