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wohl Elsass
letztes Viertel des 18. Jahrhunderts
(Kästchen im 19. Jahrhundert
teilweise erneuert)
bemalte Tonfiguren, Seidenband, bedruckte
Baumwolle, Glas
Papier, bedruckt und geprägt
H. 18,2 cm, B. 25,2 cm, T. 13,2 cm
Inv.Nr. 1896.97.
Besuch am Wochenbett
Das Kästchen gehört zu einer Gruppe recht ähnlicher Objekte, die vor allem in Museen des Oberrheingebietes zu finden sind. Sie entsprechen einander weitgehend in Grösse und Gestaltung. Himmelbett, Wiege, Wandspiegel, Standuhr und oft auch ein grosser Ofen bilden die Ausstattung des Raumes. Am reich gedeckten Tisch sitzen meist zwei Männer und zwei Frauen, welche die Wöchnerin besuchen. Diese liegt im Himmelbett, das Kind im Arm, und ist mit einer voluminösen Haube, der sog. Dormeuse, geschmückt, die um 1770/90 zur üblichen Hauskleidung gehörte. Ein sehr junges Kindermädchen, selbst noch ein Kind, steht neben dem Bett. Auf der Bettdecke sieht man hoch aufgetürmtes Backwerk, wie es – neben anderen Geschenken – der Wöchnerin zum Geschenk gemacht wurde.
Die so detailliert geschilderte Situation hielt mehrere Wochen an, wie man aus einem Lexikon von 1743 erfährt: «Sechswöchnerin, Kindbetterin, purpera, ist dasjenige Weibsbild, so nach geschehener Entbindung der Frucht, und Niederkunft sich drey Wochen lang in dem Wochenbette, drey Wochen aber ausser demselbigen und also zusammen sechs Wochen in ihrer Wochen-Stube reinlich und nette ausgeputzt und angekleidet aufhält, den Gevatter- und Wochen- Besuch binnen solcher Zeit annimmt und gebraeuchlichermaassen abwartet.» Auch in den grossen Puppenhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts findet sich gelegentlich ein Raum, der als Wochenstube ausgestattet ist. Die verglasten Kastenbilder hingegen erlaubten keinerlei Spielen mit den Figuren, sondern boten einen reinen, heiteren Augenschmaus. Man darf daher vielleicht vermuten, dass sie als Geschenk an die junge Mutter gedacht waren.