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Rolfing/Strukturelle Integration
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Rolfing oder Strukturelle Integration ist eine Form der Körperarbeit, bei der mit Hilfe von speziellen manuellen Techniken das Bindegewebe des Körpers behandelt wird. Die manuelle Behandlung wird mit Bewegungsschulung kombiniert. Durch die Rolfing-Behandlung wird der ganze Körper neu ausgerichtet und balanciert, Fehlhaltungen werden grundlegend beeinflusst und korrigiert. Die Methode hiess ursprünglich Strukturelle Integration, wurde dann aber in Anlehnung an die Begründerin „Rolfing“ genannt. Heute werden beide Begriffe parallel verwendet.
Rolfing wurde von der amerikanischen Biochemikerin Ida Rolf (1896-1979) entwickelt. Sie arbeitete in den 1920er-Jahren am renommierten „Rockefeller Institute for Medical Research“ (heute: Rockefeller University) in New York, wo sie nach Behandlungsmöglichkeiten für chronische Erkrankungen des Körpers, insbesondere des Muskel-Skelett-Systems, suchte. 1927 verliess Ida Rolf die Vereinigten Staaten und studierte in der Schweiz Mathematik und Physik. Darüber hinaus beschäftigte sie sich mit Homöopathie und verschiedenen westlichen und östlichen Methoden wie etwa Osteopathie oder Yoga. Aufgrund ihrer Studien kam Ida Rolf zu der Erkenntnis, dass der Körper über eine natürliche, durch die Schwerkraft bestimmte Symmetrie und Haltung verfügt und dass diese Körperstruktur einen erheblichen Einfluss auf die Funktionsfähigkeit und auf das geistige Wohlbefinden hat. Auf dieser Basis entwickelte Ida Rolf eine eigene Form der Körperarbeit, mit der sie in einer Serie von zehn Sitzungen Verhärtungen im Gewebe und Fehlhaltungen korrigieren konnte. Sie nannte die Methode Strukturelle Integration.
In den 1960er-Jahren arbeitete Ida Rolf auf Einladung von Fritz Perl, dem Begründer der Gestalttherapie, für einige Zeit am Esalen-Institut in Kalifornien. Ihre Arbeit wurde von dort aus immer bekannter und beeinflusste viele andere Methoden wie zum Beispiel Rebalancing oder Posturale Integration. 1973 gründete Ida Rolf in Boulder/Colorado das „Rolf Institute of Structural Integration“, welches noch heute Rolfer ausbildet. Mittlerweile gibt es weltweit etwa 1500 Rolfer.
Nach Ida Rolf stellt die Schwerkraft die übergeordnete Kraft dar, die den Körper formt und seine Bewegungen bestimmt. Rolfing zielt darauf ab, sowohl die einzelnen Körperteile als auch die gesamte Körperstruktur in die natürliche, von der Schwerkraft bestimmte Position zu bringen. Im Idealfall befindet sich der Körper „im Lot“, die Körperstruktur ist so ausbalanciert, dass eine gedachte innere Vertikallinie mit der Schwerkraftlinie übereinstimmt. Diese Position ermöglicht leichte, schmerzfreie Bewegungsabläufe, eine grössere Beweglichkeit und ein besseres Körpergefühl.
Belastungen und Fehlhaltungen im Alltag oder auch Unfälle können den Körper aus dem Gleichgewicht bringen. Dadurch werden nach Ansicht der Rolfer nicht nur die Muskeln in Mitleidenschaft gezogen, sondern vor allem die Faszien. Faszien sind zähe Häute, die zum Bindewebe gehören. Sie umhüllen Knochen, Gelenke, Muskeln und Organe und bilden ein dreidimensionales Netzwerk, das den gesamten Körper durchzieht. Die Faszien können sich dehnen und zusammenziehen und tragen durch ihre spezifische Grundspannung dazu bei, den Körper aufrecht zu halten.
Ungleichgewichte im Körper können dazu führen, dass sich die Faszien verhärten und verspannen. Dadurch kommt es zu einer eingeschränkten Beweglichkeit der betroffenen Muskeln, an die sich der Körper anpasst: Er nimmt allmählich eine chronische Fehlhaltung ein, die auch innere Organe in Mitleidenschaft ziehen kann.
Mit Hilfe der Rolfing-Behandlung sollen die Verspannungen des Fasziennetzes gelöst werden und die Körpergewebe wieder ihre ursprüngliche Elastizität und Geschmeidigkeit erlangen. Da die Faszien den ganzen Körper durchziehen, werden Fehlspannungen von einem Teil des Körpers zu einem anderen übertragen. Deshalb muss immer der ganze Körper behandelt werden, um verkürzte, verhärtete und miteinander verklebte Bindegewebsschichten zu lösen.
Mit Rolfing wird das Zusammenspiel der einzelnen Körperpartien optimiert und der Körper neu auf- und ausgerichtet. Diese körperliche Neuausrichtung beeinflusst auch den Geist, die eigene Wahrnehmung und die innere Haltung des Behandelten verändert sich, er erfährt sich auf eine neue Art und Weise und kann dadurch ein grösseres Selbstbewusstsein erlangen.
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