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Himachal Pradesh – Schweizer Bergimpressionen im Nordwesten Indiens
Fast wirkt er so ein bisschen wie die Schweiz – der indische Bundesstaat Himachal Pradesh. Wer sich in die Bergwelt nördlich von Indiens Hauptstadt Neu-Delhi begibt, kommt nicht nur klimatisch in besonders angenehme Zonen, sondern fühlt sich tatsächlich manchmal in die Welt der Alpen versetzt.
Himachal Pradesh gehört zwar nicht zu den weltbekannten Haupt-Touristenattraktionen des riesigen indischen Subkontinents, ist aber touristisch gut erschlossen. Denn der kleine Bundesstaat hat eine Vielzahl interessanter Ziele und wunderschöne Berglandschaften zu bieten.
Im westlichen Himalaja
Mit knapp 56’000 Quadratkilometern und einer Einwohnerzahl von rd. 6,8 Millionen erreicht Himachal Pradesh nicht ganz die Grössenordnung der Schweiz. Seine Bergwelt ist aber nicht minder eindrucksvoll. Der Bundesstaat liegt mitten in den westlichen Ausläufern des Himalajas und bietet eine sehr abwechslungsreiche Landschaft. Noch an die nordindische Tiefebene grenzend, steigt das Land nach Norden immer höher an. Typische Mittelgebirgsregionen und Hochgebirge sind hier zu finden. Im Nordosten berührt der Bundesstaat bereits das tibetische Hochland.
Weite Waldgebiete unter Naturschutz
Über zwei Drittel der Fläche sind mit geschlossenen Waldflächen bedeckt, das ist eine grosse Ausnahme in Indien. Erhebliche Teile davon stehen unter Naturschutz. Es gibt auch zwei Nationalparks: den Great Himalayan National Park und den Pin Valley National Park. Beide Parks bilden ein zusammenhängendes Gebiet innerhalb des Staates und führen mitten in die alpine Gebirgslandschaft. Die ist aber erheblich ausgedehnter als die Nationalpark-Fläche. Diese macht nur einen kleinen Teil der Bergwelt aus. Wer sich zum Beispiel im Sangla-Tal westlich davon bewegt, hat manchmal nicht den Eindruck, in Indien zu sein, sondern sich mitten in den Alpen zu befinden.
Britisches Kolonial-Flair: Shimla
Europäisch gibt sich auch die Hauptstadt des Bundesstaates, Shimla, die sehr malerisch auf einem Bergrücken liegt. Das Erscheinungsbild hat mit der Vergangenheit zu tun. Unter britischer Kolonialherrschaft diente Shimla wegen seiner angenehmen Temperaturen als Sommerresidenz der Kolonialverwaltung. Sie zog jedes Jahr vom heissen Delhi in die kühleren Höhen der Himalaja-Stadt. Dieses britische Erbe hat in der Architektur der Stadt deutliche Spuren hinterlassen.
Ein Wahrzeichen Shimlas ist die Christ Church, die eher nach England als nach Indien passt. Sie bildet das östliche Ende der Mall, der Fussgängerzone, an der sich einst vornehme Geschäfte, Banken und Teesalons für die europäischen Sommergäste befanden. Kolonialbauten gibt es noch viele in Shimla. Sie bilden einen eigentümlichen Kontrast zu den hinduistischen Tempeln und den Häusern der Einheimischen. Manchmal sind europäische und indische Stilelemente auch eine einzigartige Verbindung eingegangen. Es überrascht nicht, dass unweit der Hauptstadt Indiens ältester Golfplatz zu finden ist.
Residenz des Dalai Lama: Dharamsala
In eine ganz andere Welt führt dagegen ein Besuch im Ort Dharamsala im Nordwesten des Bundesstaates. Obwohl die allermeisten Bewohner des Bundesstaates Hindus sind, wähnt man sich hier zum Teil bereits in Tibet. Im oberen Ortsteil McLeod Ganj residiert seit seiner Flucht aus Lhasa im Jahre 1959 der Dalai Lama. Dharamsala ist auch Sitz der tibetischen Exilregierung, viele Institutionen Exil-Tibets haben sich in dem Stadtteil niedergelassen. Tibeter bilden dementsprechend einen erheblichen Anteil der Einwohnerschaft. Sonst sind tibetische Einflüsse in Himachal Pradesh nur noch im Grenzgebiet zum Nachbarland zu sehen. Ein sehr eindrucksvolles Beispiel dafür ist das Kloster Key Gompa, das sich in dieser Region markant auf einem Hügel erhebt.
In Mini-Switzerland
Am konkretesten wird die Verbindung zur Schweiz in Khajjiar. Mini-Switzerland wird nämlich scherzhaft die Bergstation im Distrikt Chamba genannt. Auf gut 2000 Metern Höhe gelegen, gibt sich hier Himachal Pradesh wie ein Teil aus der Mitte Europas. Die Bergstation ist von sattgrünen Wiesen und bewaldeten Bergen umgeben. Es gibt auch einen kleinen See. Ein Wegweiser zeigt die Entfernung zur Schweiz an. 6194 km liegen zwischen Khajjiar und der Bundesstadt Bern.
Auf Aktiv-Ferien eingestellt
Himachal Pradesh hat sich bereits seit vielen Jahren auf Aktiv-Ferien eingestellt. Die Bergwelt prädestiniert den Bundesstaat dafür. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige, wobei vor allem Inder, zunehmend aber auch Touristen aus aller Welt den Weg hierher finden. Der Reisende aus dem Abendland muss hier auf nichts verzichten, was zu typischen Bergferien gehört. Trekking-Touren sind ebenso im Angebot wie Wanderungen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades und Klettertouren. Mountainbiking, Wildwasserfahrten, Gleitschirm- und Drachenfliegen oder Skisport – all das ist in Himachal Pradesh möglich.
Mit der Kalka-Shimla-Bahn
Ein besonderes Ereignis ist die Fahrt mit der Kalka-Shimla-Eisenbahn. Es handelt sich um eine typische Schmalspurbahn, die seit dem 19. Jahrhundert Shimla mit dem indischen Eisenbahn-Netz verbindet. Wer das traditionsreiche Verkehrsmittel nutzt, erlebt eine wunderbare Tour durch die vielfältigen Landschaften Himachal Pradeshs. Auch hier kommen durchaus Schweizer Reminiszenzen bei einer Fahrt auf der alten Strecke mit ihren zahlreichen Kehren, Tunneln und Brücken auf.
Oberstes Bild: Lahul district, Himachal Pradesh (© John Hill, Wikimedia, CC)