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Die 38. Tagung der Rilke-Gesellschaft fand vom 19. bis 22. September in Bremen statt. Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass die Tagung jedes zweites Jahr an einem Ort stattfindet, an dem Rilke selbst gewesen ist, wobei auch authentische Rilke-Stätten besucht werden. Die Tagung richtete sich wie immer bei der Rilke-Gesellschaft sowohl an ein akademisches Publikum als auch – insbesondere durch ihr reichhaltiges Rahmenprogramm – an eine breitere an Rilke interessierte Öffentlichkeit.
Bremen war ein Fixpunkt in Rilkes unstetem Leben von 1898 bis 1910. Er hat 1901 in Bremen geheiratet, seine Tochter lebte von 1902 bei den Schwiegereltern Westhoff in Bremen-Oberneuland. Für die Kunsthalle Bremen schrieb Rilke 1902 eine Festspielszene (die am Eröffnungsabend der Tagung von der bremer shakespeare company aufgeführt wird) und führte zum einzigen Mal in seinem Leben bei einem Theaterstück Regie. Gustav Pauli (erst Mitarbeiter, später Direktor der Bremer Kunsthalle) stand in regem Briefwechsel mit Rilke und verschaffte ihm 1902 den Auftrag zur Worpswede-Monographie. Rilkes Aktivitäten für und Beziehungen zur Kunsthalle war der erste Tagungstag gewidmet.
Am zweiten Tag standen Rilkes Rezensionen für das „Bremer Tageblatt“ im Zentrum. Zeitlebens hat Rilke für keine andere Zeitung oder Zeitschrift so viele Texte verfasst. Die zwischen 1901 und 1903 entstandenen Artikel zeigen, mit welchen Büchern er sich zu dieser Zeit befasst hat; sie sind zudem höchst aufschlussreich für Rilkes eigene Poetik, die sich in dieser Zeit endgültig gegenüber der Moderne öffnet. Wie immer, wenn Rilke über fremde Kunst schreibt, schreibt er hier auch über sich selbst.
Den Abschluss der Tagung bildete ein Panel zur aktuellen Rilke-Forschung, in welchem inbesondere Doktorandinnen und Doktoranden in Kurzform ihre gegenwärtige Beschäftigung mit Rilkes Werk vorstellen.
Auf einige Besonderheiten der Tagung sei gesondert hingewiesen:
- Am Eröffnungsabend fand ein Empfang des Bremer Senats in der Oberen Rathaushalle statt. Auch die von Heinrich Vogeler gestaltete Güldenkammer kann besucht werden. In ihrem Festvortrag berichtete die Schriftstellerin und Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe von ihrem ambivalenten Verhältnis zu Rilke.
- Am zweiten Tagungsabend konnten wir an der Eröffnung der Ausstellung „Rilke in Bremen“ im Paula-Modersohn-Becker-Museum teilnehmen.
- Der dritte Tag endete mit einer Lesung und Podiumsdiskussion über „Rilke als Nebenfigur“. Teilnehmer waren Cordula Kablitz-Post, die Regisseurin des Kinofilms „Lou Andreas-Salomé“ (2016), sowie Volker Weidermann vom SPIEGEL, Autor des Buchs „Träumer. Als die Dichter die Macht übernahmen.“ (2017)
- Am Samstagnachmittag fanden Exkursionen in Bremen statt, darunter Führungen durch die Worpswede-Bestände der Kunsthalle sowie durch die Sonderausstellung „Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker“ im Paula Modersohn-Becker-Museum. Zudem werden Einblicke ins Archiv der Paula Modersohn-Becker-Stiftung gegeben, zu deren Beständen der Briefwechsel zwischen der Malerin und Rilke sowie mehrere Widmungsexemplare Rilkes gehören.
Die Tagung wurde gefördert von den Bremer Sponsoren (Senat der Stadt Bremen, Karin und Uwe Hollweg-Stiftung, Waldmar Koch-Stiftung).