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In den Trickfilmen aus dem Hause Disney kommen Frauen viel seltener zu Wort als männliche Charaktere. So lautet das Ergebnis einer Studie von Forschenden aus den USA. Sie analysierten, wie viel Sprechzeit weibliche und männliche Charaktere in den Disney-Trickfilmen von 1937 bis heute hatten.
Resultat: Bei den frühen Klassikern wie «Schneewittchen» oder «Dornröschen» war der Redeanteil zwischen Männern und Frauen noch ausgeglichen. Doch das änderte sich in den modernen Filmen ab den 1990er-Jahren. Weniger als 30 Prozent der Dialoge bestreiten die weiblichen Figuren in Filmen wie «Die Schöne und das Biest», «Pocahontas» oder «Mulan» – das, obwohl Frauen die Titelheldinnen sind. Auch das neueste berücksichtigte Werk «Frozen», das 2013 erschien, bildet keine Ausnahme. Zwar erzählt der Film die Geschichte zweier Schwestern, aber Männer sprechen 60 Prozent der Dialoge. Wie dieses Missverhältnis die Kinder im Publikum beeinflusst, sagt Michaela Schäuble im Interview.
«Mädchen sehen nur einen einzigen Frauentyp»
Frau Schäuble, sagt der Redeanteil einer Figur überhaupt etwas aus?
Natürlich. Wenn männliche Charaktere mehr reden, vermittelt das automatisch, Männer hätten eher das Sagen. Bei den Disney-Filmen widerspiegelt der Sprechanteil zudem, dass die Titelheldinnen oft eindimensional sind. Sie wollen vor allem von ihrem Prinzen erobert werden. Und ausser ihnen gibt es kaum andere Frauenfiguren. Ob Dorfeinwohner, Diener oder die obligaten Witzbolde: Praktisch alle Nebenfiguren sind männlich.
Stört Sie diese Einseitigkeit?
Ja, sehr. Denn so sehen die Mädchen im Kino immer nur einen einzigen Frauentyp. Kein Wunder, wollen alle Mädchen Prinzessin sein und dem klassischen Rollenbild entsprechen. Auch meine kleine Tochter sagt schon, ich würde sie wie einen Jungen anziehen, weil sie nicht nur Röckchen hat.
Ist es denn so schlimm, Prinzessin sein zu wollen?
An und für sich nicht. Doch wenn dieses konservative Frauenbild das Einzige ist, was Mädchen und Jungen in Filmen und Büchern vorgelebt wird, wird es zum Problem. Dann entsteht bei den Mädchen das Gefühl, dem nacheifern zu müssen, um dazuzugehören. Um normal zu sein. Das ist fatal. Ich wünsche mir deshalb vielfältigere Kinderfiguren.