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Der Oberalppass verbindet die Ortschaften Andermatt im Kanton Uri und Disentis im Kanton Graubünden. Wie so viele Pässe dieser Region wurde auch der Oberalp schon vor sehr langer Zeit genutzt (natürlich auch von den Römern, ein kleines parallel verlaufendes Teilstück bei Sedrun wurde noch vor wenigen Jahrzehnten „Via Romana“ genannt). Vor allem im Mittelalter gewährte dieser Pass den Bündnern den Zugang zu den Märkten in den Kantonen Uri und Tessin. Von 1862 bis 1863 wurde der alte Weg durch eine Strassenkonstruktion ersetzt, die zunächst intensiv von Post- und Personenkutschen genutzt wurde, erst 1952 verschwanden die Pferdegespanne, als der Autoverkehr zunahm (Nostalgie-Kutschentouren werden aber inzwischen wieder durchgeführt). Beide Seiten des Passes wurden und werden nach wie vor vor allem touristisch genutzt, insbesondere für den Wintersport. Wenn der Pass aufgrund Schneefalls gesperrt ist, geht es hier entsprechend zu. 1923 wurde hier die erste Bahnstrecke eröffnet, seinerzeit noch mit Dampflokomotiven betrieben, die lediglich im Sommer über den Pass fuhren. Heute stehen die Matterhorn-Gotthard-Bahn und der offiziell langsamste Schnellzug der Welt, Der „Glacier-Express“, zur Verfügung, welche beide das gesamte Jahr hindurch verkehren. Auf der Passhöhe wird – wenn denn möglich – auch immer mal wieder ein „Passmarkt“ veranstaltet, auf welchem lokale Anbieter Kunsthandwerk und Lebensmittel aus den Kantonen Glarus, Uri, Graubünden und dem Tessin ihre Waren anbieten (nähere Informationen unter www.alpinavera.ch). In dieser Region gibt es sehr (!) viele Wanderwege, von denen einer auch zum nahe bei der Passhöhe gelegenen Tomasee führt, der Quelle des deutschesten aller deutschen Flüsse, dem Rhein. Mir hat sich bis zum heutigen Tage nicht erschlossen, warum der Rhein, der nun einmal in der Schweiz entspringt, der „Fluss der Deutschen“ sein soll. Meinem Verständnis nach wäre das eher die Donau, schliesslich entspringt diese in Donaueschingen in Baden-Württemberg, aber ja, bezüglich solcher Aspekte wurde von je her der „gemeine“ Bürger ja nie befragt… Wer Freund von Johann Wolfgang von Goethes Literatur ist, der sollte sich insbesondere auf der Andermatt-Seite (und noch an zahlreichen anderen Orten der Schweiz) umschauen, laut einer Inschrift an einer Hauswand mochte er, der grosse deutsche Dichterfürst diese Schweizer Region sehr. Der Pass an sich war nie von grösserer Bedeutung, er wurde vorwiegend regional benutzt. Heute ist er vor allem aus touristischen Aspekten von grösster Bedeutung, vor allem für die Bündner Seite, entsprechend erscheinen die Ortschaften bestenfalls nur noch rudimentär so, wie sie vor ein- bis zweihundert Jahren wohl ausgesehen haben dürften, „Geschmacksverirrungen“, die sich zum Teil auch noch gegenseitig überbieten, gibt es auf beiden Seiten nahezu endlos. Abgesehen von Wanderungen und der einen oder anderen Pass-Tour zieht mich jedenfalls nicht viel in diese Gegend.
Entgegen der Angaben auf dem Pass-Marker liegt der Oberalppass „nur“ 2044 Meter ü. N. N. – und nicht 2046. Auf der Passhöhe verläuft die Grenze zwischen den beiden Kantonen Uri und Graubünden. Auch hier oben gibt es das gesamte Jahr hindurch ein breites touristisches Angebot (welches derzeit – für meine Begriffswelt „erfreulicher Weise“ – sehr zurück gegangen ist, eine wirtschaftliche Katastrophe für diese ansonsten strukturschwache Region). Die Parkplätze hier oben sind gross und jeder Reisende bekommt – entsprechendes Portemonnaie vorausgesetzt – hier oben auch zu Essen und zu Trinken. Da der Oberalppass wie eine Verbindungsroute zu „den grossen Pässen“ in der Schweiz schlechthin wirkt, wird er entsprechend stark von Motorrad-Fahrern befahren (aber natürlich auch zahlreichen anderen Vehikeln, die irgendwie rollen können). Wie auch immer Sie gedenken, diesen Pass in eine längere Tour zu integrieren: Gotthard, Susten, Lukmanier, Nufenen, Grimsel und auch der Klausen sind nicht weit entfernt. Der Pass ist 32 Kilometer lang und überwindet maximal 10 Prozent Steigung / Gefälle. Auf der Seite von Andermatt ist die Strecke als „zügig befahrbar“ einzustufen, selbst die hier vorhandenen Kurven stellen keine grossen Anforderungen und können auch von blutigen Anfängern gemeistert (oder zum Training genutzt) werden. Und genau das ist das Problem: Diese Seite des Passes verleitet zu einem sehr flotten Fahrstil, zahlreiche lang gezogene Bremsspuren zeugen von gefährlichen Situationen, die sich hier ereignet haben (und tatsächlich kann man immer mal wieder lesen, dass es am Oberalppass mal wieder „gescheppert“ hat, weil das eigene Fahrvermögen gnadenlos überschätzt worden ist). Auf der Bündner Seite beginnen bereits kurz nach der Passhöhe die Spitzkehren, die ein gehobenes Fahrvermögen voraus setzen, geht man aber diese langsam und vorausschauend an, lassen auch diese sich von Anfängern bewältigen. Für Euch ein Tipp: Fahrt von Disentis nach Andermatt und nicht umgekehrt, dann ist es nicht ganz so arg. Gut gemeinter Rat: Sollten Sie ein Motorrad besitzen, welches breite Trittbretter oder weit ausladende, oder tief liegende Fussrasten hat, meiden Sie die Bündner Seite besser. Hier sind es nicht unbedingt die Bremsspuren, als vielmehr die zum Teil sehr tiefen Kratzer im Asphalt, die von entsprechenden Unglücken zeugen. Landschaftlich gibt der Oberalppass für mich persönlich nicht allzu viel her, aber das ist Geschmackssache, trotzdem ist es ein alles in allem schöner Pass, den man mal befahren haben sollte.Pässe