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Medizinmythen und andere Märchen
Dass Hühnerbrühe gegen Erkältungen helfe oder Pasta doch nicht dick mache, dass Handys die Spermaqualität beeinträchtigten und Honig gesünder sei als Zucker – Aussagen dieser Art findet man tagtäglich in verschiedenen Medien und vor allem im Internet. Viele dieser Aussagen werden durch Hinweise auf entsprechende Studien untermauert.
Doch es gibt auch Studien, die «zeigen, dass über die Hälfte der Gesundheitsinformationen im Internet falsch, übertrieben, kommerziell gefärbt oder überholt sind». Das steht im ebenso kurzweiligen wie informativen Buch «Schokolade macht schlau und andere Medizinmythen», das von der deutschen Stiftung Warentest herausgegeben wurde und sich auf die Analysen des belgischen Zentrums für Evidenzbasierte Medizin (CEBAM) stützt.
Oft sei es so, dass Studien mit einem gewissen Dreh publiziert würden, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Während eine Studie über «die Auswirkungen von Alkohol auf das Suchtverhalten von Mäusen in einem Labyrinth» bei der Presse kaum auf Interesse stosse, seien die gleichen Resultate eine Meldung wert, nachdem sie von einer Public-Relations-Agentur aufbereitet worden seien und der Titel letztlich laute: «Champagner ist gut für das Gedächtnis».
Interessant ist, was sich gut verkauft
Aus solchen Überinterpretationen, die oft kaum noch den effektiven Erkenntnissen der Studien entsprechen, entstehen oft Medizinmythen, die sich im Internet rasch verbreiten und lange halten. Ein weiterer Hinweis, weshalb Studien oftmals überinterpretiert werden, ist neben dem «süffigen Verkauf» die Tatsache, dass sich viele dieser Studienergebnisse nur auf eine Handvoll Probanden beziehen.
Doch lösen wir die eingangs erwähnten Beispiele aus dem Buch kurz auf:
Hühnerbrühe hilft bei Erkältung
«Mit einer Tasse dampfender Hühnerbrühe ist man eine Erkältung schneller los», sagt eine alte Volksweisheit. Es gebe «keine einzige wissenschaftliche Studie zur Wirkung von Hühnerbrühe auf Erkältungsviren», heisst es dazu. Laborexperimente hätten wohl gezeigt, dass «Hühnerbrühe in einem Reagenzglas die Anzahl weisser Blutkörperchen, die bei Entzündungsprozessen ansteigt, vermindert». Da dies aber am Menschen nicht getestet sei, sei eine positive Wirkung auf die Dauer einer Erkältung nicht bewiesen.
Pasta macht nicht dick
Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass Teigwaren gar nicht dick machen. Dies aufgrund der Daten von 23’366 Teilnehmern an einer Gesundheitsstudie. Da die Methoden zur Messung der gegessenen Nudelmengen nicht wirklich tauglich seien, könne die Studie nicht nachweisen, «dass Nudeln als Teil einer gesunden Ernährung irgendeinen negativen oder positiven Effekt auf das Körpergewicht haben». Was man vielleicht noch erwähnen sollte: Die Studie kam aus Italien.
Handys schaden der Spermaqualität
Laut einer im Buch erwähnten israelischen Studie riskieren Männer, die mehr als eine Stunde am Tag mobil telefonieren, «eine verminderte Spermaqualität und Fruchtbarkeitsprobleme». Die Studie sei jedoch «zu begrenzt für eine verlässliche Aussage über einen möglichen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung und Spermaqualität.»
Honig ist gesünder als Zucker
Honig sei ein Naturprodukt und darum gesünder als Zucker, wird oft behauptet. Doch auch natürlicher Honig besteht genau wie Zucker hauptsächlich aus sogenannten Einfachzuckern, die schnell vom Blut aufgenommen und genauso schnell wieder abgebaut werden. Daher sollte auch Honig nur sparsam verwendet werden.