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Geschichte » Mittelalter
Pest
Im Jahm 1346 nach Christi Geburt erhob sich jenseits des Meeres ein grosses Leutesterben, wie es seit Anfang der Weit kein gleiches gegeben hatte ... Da ward auch zu Basel gestorben, dass vom Aschentor bis an das Rheintor und diese Gasse hinunter nirgends zwei Ehegatten beieinanderblieben, ausser drei Paare.
1354 berichtet der italienische Dichter Giovanni Boccaccio über den Schwarzen Tod in Florenz:
Bilder: Totentanz. Holzschnitte nach Zeichnungen von Hans Holbein dem Jüngeren, 1526
(Zentralbibliothek Zürich)
Um so verheerender aber ward die Seuche, weil die Kranken, die Gesunden ansteckend, sie täglich weiter ausbreiteten. Sie übertrug sich nicht nur, wenn ein Gesunder mit dem Kranken sprach oder ihm nahekam, sondern schon, wenn er nur seine Kleider oder irgend etwas, was der andere angefasst hatte, berührte... Nur von der Sorge um ihr eigenes Leben getrieben, flohen Männer und Frauen in grosser Zahl aus der Stadt, verliessen ihre Häuser, ihre Habseligkeiten und flüchteten aufs Land. Die allgemeine Angst war so gross, dass ein Bruder den Bruder floh, dass ein Weib den Mann verliess und dass die Eltern ihre Kinder im Stich liessen... Manche hauchten ihr Leben auf den Strassen aus, andere schlossen sich in ihren eigenen Häusern ein, bis der herausdringende Gestank den Nachbarn die erste Kunde von ihrem Tode brachte.
Niemand gab den Toten das Geleit und weinte ihnen eine Träne nach, denn die Dinge waren jetzt so weit gediehen, dass das menschliche Leben nicht mehr galt, als wenn eine Ziege verreckte.
Bei der grossen Menge von Toten reichte die geweihte Erde nicht mehr hin, wenn man nach alter Sitte einem jeden einen besonderen Platz hätte geben wollen; so warf man denn auf den Friedhöfen, als alles voll war, Gruben auf und legte die Leichen zu Hunderten hinein, dicht an dicht, jede Schicht nur mit ein wenig Erde bedeckt, bis endlich die Grube bis an den Rand gefüllt war.
Aus "Die schwarze Spinne" von Jeremias Gotthelf
"So war die Spinne bald nirgends, bald hier, bald dort, bald im Tale unten, bald auf den Bergen oben; sie zischte durchs Gras, sie fiel von der Decke, sie tauchte aus dem Boden auf. Am hellen Mittage, wenn die Leute um ihr Habermus sassen, erschien sie glotzend unten am Tisch, und ehe die Menschen den Schrecken gesprengt, war sie allen über die Hände gelaufen, sass oben am Tisch auf des Hausvaters Haupte und glotzte über den Tisch, die schwarz werdenden Hände weg... Das Kind in der Wiege, den Greis auf dem Sterbebette schonte sie nicht; es war ein Sterben, wie man noch von keinem wusste, und das Sterben daran war schrecklicher, als man es je erfahren, und schrecklicher noch als das Sterben war die namenlose Angst vor der Spinne, die allenthalben war und nirgends, die, wenn man sich am sichersten wähnte, einem todbringend plötzlich in die Augen glotzte."