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Es gibt gute Gründe für und gegen einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking. Das Exklusiv-Interview von L’Equipe mit der Tennisspielerin Peng Shuai, die Ende 2021 durch einen Missbrauchs-Skandal und dann durch mysteriöses Verschwinden bekannt wurde, kann keinerlei Verständnis beanspruchen.
Die Journalisten von L’Equipe wollten nur sehen, wie es Peng Shuai geht. Und erhielten verblüffende Antworten: Danke, es war alles ein Missverständnis; eine Vergewaltigung habe es nie gegeben; ihr «Verschwinden» sei eine Fehldiagnose der Psychiater im Welttennisverband. Und ja, Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, habe sie zum Essen und nach Lausanne eingeladen, zum Besuch des Olympischen Museums, «ich interessiere mich für Geschichte».
Detailgenau schildert L’Equipe die Entstehungsgeschichte. Im Nachhinein allerdings rät Chefredaktor Jérôme Cazedieu, «zwischen den Zeilen» zu lesen: «Wenn sie sagt, dass es Momente gebe, in denen sie sich gestresst fühle, unter Druck stehe, ist das für mich eine subliminale Botschaft», eine unterschwellige Botschaft.
In Peking, an der Winter-Olympiade, war sie bei den Curlern und möchte zum Eiskunstlaufen. Und was, so die letzte Frage, «darf man Ihnen heute wünschen»?
«Dass die Antagonismen zwischen den Ländern, Kulturen und Systemen […] einem tiefen gegenseitigen Verständnis weichen.» Dass jeder Mensch glücklich und in Frieden leben könne. «Und natürlich hoffe ich inbrünstig auf viele Medaillen für China.»
Die einzige signifikante «subliminale Botschaft», die beim Lesen «zwischen den Zeilen» ins Auge springt: Der Welttennis-Verband (WTA) habe sie anfänglich nur über seine «cellule psychologique» kontaktiert: «Warum sollte ich psychologischen Beistand und solche Dinge benötigen? (…) Dass die Psychologen der WTA, die mich nicht erreichen konnten, daraus schlossen, ich sei verschwunden, finde ich leicht übertrieben.»
Die Empörung über das Interview hält sich in Grenzen: Die BBC sprach von einer «Propaganda»-Inszenierung. Eine Menschenrechtsorganisation verweist darauf, dass es sich bei solchen Interviews um einen «Klassiker» im Umgang mit Dissidenten handle, L’Equipe habe sich zum «nützlichen Idioten» des chinesischen Regimes gemacht.
Trotzdem: Wir freuen uns auf Peng Shuais Besuch in Lausanne – mit oder ohne Begleitung.
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