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|Geschichte

|Geschichte von Heiligkreuz

Die im 11./12. Jahrhundert spürbare Bewegung für eine vertiefte evangelische und apostolische Lebensweise hat wesentlich zum Aufkommen des Zisterzienserordens beigetragen. In vorwiegend unbesiedelten Gegenden entstanden Hunderte von Klöstern, wo Gebet, Handarbeit und Armut gepflegt wurden. Es ist dokumentarisch belegt, dass sich ein paar Brüder des Zisterzienserklosters Sankt Urban im Jahr 1344 auf dem abgelegenen Ort Heiligkreuz im Entlebuch niederliessen. Dieses eigenartige religiöse Phänomen entspricht der damaligen mystischen Frömmigkeit, wie es uns von Bruder Klaus bekannt ist.
Nach rund 150 Jahren verschwanden die Zisterzienserbrüder von Heiligkreuz so unauffällig, wie sie zuvor gekommen waren. Die Luzerner Obrigkeit, welche die Vogteigewalt über das Entlebuch ausübte, verfügte, dass Kapelle, Brüderhaus mit umliegenden Land und Wald fortan durch die Pfarreien der Talschaft zu verwalten waren.
In der Folge entwickelte sich Heiligkreuz zum Wallfahrtsort, zumal der Kirchenschatz eine Kreuzreliquie aufwies, die wohl von den kreuzverehrenden Zisterziensern zurückgelassen wurde. Der dem Entlebuch gehörende Besitz trug dazu bei, dass sich die Leute nicht nur aus religiösen, sondern auch aus andern Gründen auf Heiligkreuz zusammenfanden. Erwähnt seien insbesondere die dort vereinbarten Postulate der Entlebucher 1653, die zum Bauernkrieg führten.
Die 1480 belegte Heiligkreuzkapelle wurde 1593 erweitert; 1753 barockisierte der Luzerner Baumeister Jakob Singer das Gotteshaus, wie es noch heute erhalten ist. Der national geschützte Ortskern mit Kirche, Kurhaus, Hospiz und Mehrzweckgebäude, die beeindruckend lebendig gebliebene Tradition des Wallfahrens sowie der beliebte Treffpunkt für Sportler und Touristen bringen zum Ausdruck, dass sich hier während Jahrhunderten etwas entwickelt hat, das eine ungewöhnlich starke Ausstrahlung aufweist.

Heiligkreuz Legende
Erstmals ist die Legende über den Wallfahrtsort Heiligkreuz 1692 im Druck erschienen. Spätere Versionen bereicherten das Vorhandene mit zusätzlichen Elementen, woran sich die Gläubigen erbauen mochten. Die Wundersucht trug dazu bei, dass die Legenden zum beliebtesten Lesestoff wurden.
Die Heiligkreuz Legende erzählt, dass die heilige Helena auf dem Kalvarienberg nach dem Kreuz Christi graben liess, weil ihr Sohn, Konstantin der Grosse, dank diesem hilfreichen Zeichen im Jahr 312 siegreich war. Die Echtheitsprobe sorgte sogleich für ein weiteres Wunder, indem das wahre Kreuz Christi eine Tote wieder zum Leben erweckte.
Ein Soldat, der in Jerusalem die Wunderkraft des Kreuzes erfahren hatte, zog mit einem kleinen Stück davon ins Abendland zurück. Auf dem Heimweg rettete er dank der Reliquie seinen Begleiter vor dem angreifenden Drachen. Zu Hause im französischen Arras angelangt, verlangten die Landsleute einen Beweis für die Echtheit des angeblichen Kreuzpartikels. So wurde das kleine Holzstückchen einem ungestümen Ochsen zwischen die Hörner gebunden. Danach kam das Tier rheinaufwärts bis in unsere Gegend und liess sich schliesslich am Ort des heutigen Altares auf Heiligkreuz nieder.
Das deuteten die Entlebucher als Zeichen dafür, dass an dieser Stelle eine Kirche zu erbauen war, zumal sie in der Umgebung ein glänzendes Licht und Engelsgesang wahrnahmen. In der Folge siedelten sich Einsiedler an, die das Land kultivierten und dabei „unserem gecreutzigten Heyland in frommem Einsiedler Leben beyeinander gantz gottselig gedienet haben.“ So sei, bemerkt die Legende, im Verlauf der Zeit der Wallfahrtsort Heiligkreuz entstanden, wo bisher viele Wunderzeichen geschehen seien.
Wen wunderts, dass eine solche Legende dem frommen Volk das Entstehen des Wallfahrtsortes verständlicher erklärte als historische Fakten, die längst vergessen waren?
Bemaltes Holzrelief aus der Zeit vor 1593. Ochse mit Kreuz und Kapelle im Hintergrund.