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Eine der häufigsten Probleme bei Läufern ist der vordere Knieschmerz. Woher kommt er? Wie geht man am besten damit um? Lesen Sie, was Sie in dieser Situation tun können und welche therapeutischen Möglichkeiten es gibt.
Das Knie, eines der wichtigsten Gelenke im unteren Körperbereich, ist oftmals anfällig für Schmerzen, vor allem bei Menschen, die häufig laufen. Die Schmerzen treten vielleicht nur gelegentlich auf, halten dann im Laufe der Zeit aber länger an. Dadurch ist das sportliche Training beeinträchtigt und die eigenen Ziele sind nur noch schwer zu erreichen. Im folgenden Artikel widmen wir uns einem speziellen und häufigen Problem, das vor allem Läufer betrifft, aber auch in vielen anderen Sportarten auftritt: der vordere Knieschmerz.
Die anatomische Situation und die Problematik des femoropatellaren Schmerzsyndroms (FPS)
Das femoropatellare Schmerzsyndrom, der medizinische Fachbegriff für frontale Schmerzen im Knie, betrifft zwei Knochenstrukturen des Knies: den Femur (Oberschenkelknochen) und die Patella (Kniescheibe). Beim Beugen und Strecken des Knies gleitet die Patella in einer Art «Umlenkrolle» (Trochlea) im Femur. Eine fehlende Stabilität im Gelenk (oftmals winzig klein und nicht wahrnehmbar) und ein übermässiger Druck zwischen den beiden Knochen können Schmerzen verursachen. Knochenfehlstellungen oder ein falsches Gangbild, das Gewicht, eine Ungleichheit der Muskelkraft im Bereich Oberschenkel und Gesäss, das Lauftempo und die Laufstrecke, die Schuhauswahl, die Art, wie der Fuss aufgesetzt wird, eine zu hohe Trainingsbelastung oder eine Trainingsumstellung sind Ursachen, die ein solches Problem mitauslösen können.
Das Syndrom ist eine der häufigsten Beschwerden bei Läufern: Bis zu 25 Prozent von ihnen kennen es. Vor allem Langstreckenläufer, aber auch Laufanfänger oder Läufer, die nach einer Pause wieder neu mit dem Training beginnen, haben damit zu kämpfen. Stärker davon betroffen sind Heranwachsende oder junge Erwachsene, ein Grossteil davon Frauen. Halten wir uns einmal vor Augen, dass die Krafteinwirkung während einer solchen Bewegung beim Gehen dem 0,5-Fachen des eigenen Körpergewichtes, beim Treppensteigen schon dem 3-Fachen und bei sportlichen Aktivitäten, insbesondere beim Abwärtslaufen, sogar mehr als dem 7- bis 10-Fachen des eigenen Körpergewichtes entsprechen kann.
Darstellung der Schmerzen und Untersuchungen:
Die Schmerzen zeigen sich meistens im frontalen Bereich des Knies, können aber auch diffus und vage rund um oder «hinter» der Kniescheibe auftreten und betreffen sowohl die mediale als auch die laterale Seite ober- oder unterhalb des Kniegelenks. Die Schmerzen beginnen schleichend beim Sport. Sie werden während des Laufens selbst oder beispielsweise beim Treppensteigen, vor allem wenn es hinunter geht, grösser, klingen dann aber wieder ab. Im Ruhezustand kann auch langes Sitzen mit stark gebeugten Knien, zum Beispiel im Kino, schmerzhaft sein. In anderen Situationen handelt es sich eher um sekundäre Schmerzen nach einem Unfall, einer Operation (Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes als typisches Beispiel) oder einer anderen Knie- oder Beinverletzung.
Oftmals zeigen sich bei der Bewegung des Knies selbst keine merklichen Einschränkungen (ausser bei einer fortgeschrittenen Arthrose) und das Knie lässt sich normal beugen und strecken, auch wenn dies manchmal schmerzhaft sein kann. Eine klinische Untersuchung kann Bewegungseinschränkungen im Bereich der Hüfte, der Beine oder der Füsse sowie muskuläre Probleme, wie zu wenig Kraft, eine muskuläre Ungleichheit oder fehlende Beweglichkeit, aufdecken.
Manchmal, wenn auch nicht sehr oft, können zahlreiche andere Probleme um das Knie herum die Ursache sein und sollten ausgeschlossen werden, bevor ein femoropatellares Schmerzsyndrom diagnostiziert wird. Ihr Arzt muss dies unterscheiden können und Sie auf die bestmögliche Behandlung hinweisen.
Ein radiologischer Befund ist meistens nicht sehr aufschlussreich und liefert oft keine genaue Antwort darauf, wo die Schmerzen herkommen. Im Allgemeinen wird bei einer komplementären Untersuchung eine Röntgenaufnahme gemacht, um vor allem Fehlstellungen des Oberschenkelknochens oder des Kniegelenks auszuschliessen, und zur Bestätigung folgt eventuell noch ein MRT (Magnetresonanztomographie).
Behandlungsmöglichkeiten bei einem femoropatellaren Schmerzsyndrom
Zuallererst geht es darum, den Schmerz zu lindern, um anschliessend gezielt an den verschiedenen möglichen Ursachen im Bereich Knochenstruktur und Muskulatur zu arbeiten. Oftmals ist eine gewisse Ruhezeit oder eine entsprechende Pause vom Sport erforderlich, um die mechanische Beanspruchung des Kniegelenks zu verringern. Sind die Schmerzen weg, kann das Laufen (manchmal weniger intensiv) fortgesetzt werden. Übergangsweise sind – bevor wieder mit dem Laufen begonnen werden kann – auch andere Sportarten (Schwimmen, Radfahren usw.) möglich, um das Herz-Kreislauf-System weiter zu trainieren.
Grundlage für die Behandlung ist neben der Anpassung des Trainings und der Trainingsbelastung eine gezielte Physiotherapie und ein regelmässiges Übungsprogramm während mehr als zwei bis drei Monaten, bei dem die komplette Oberkörpermuskulatur, die Gesässmuskulatur, die Hüftstabilisatoren, die Oberschenkelmuskulatur und die rückseitige Oberschenkelmuskulatur, aber auch eine bessere dynamische Beinfunktion trainiert werden. Medikamente, oftmals Schmerzmittel oder Entzündungshemmer, helfen meist nur bedingt. Das sogenannte «Tapen» erfolgt individuell und kann dabei unterstützen, die Belastung des Kniegelenks zu verringern. Eine Operation bleibt die Ausnahme und hilft nur bei zugrunde liegenden anatomischen Strukturverletzungen.
Letztendlich darf man auch die mechanische Belastung der Beine und vor allem der Knie beim Laufen nicht vergessen und eine entsprechende Trainingsplanung ist unumgänglich. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine schlechte Trainingsplanung, ein zu früh aufgenommenes Training nach einer Verletzungspause oder einer Ruhezeit, ein nicht angepasster Trainingsablauf oder eine zu schnelle Steigerung der Trainingsbelastung schwerwiegende Auswirkungen haben kann. In der Regel können mehr als 80 Prozent aller Läufer ihre sportlichen Aktivitäten ohne Probleme wieder aufnehmen, doch die Dauer der Schmerzen kann je nach Person und individuellen Eigenschaften erheblich variieren.