Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03256.jsonl.gz/2089

November 2016
Kriminalstück in drei Akten
von Agatha Christie
Bühnenbearbeitung: Leslie Darbon
Deutsch: Ruth Müller-Eisler; Dialektfassung und Regie: Susan Saladin
Eine seltsame Anzeige erscheint in der Wochenzeitung des kleinen englischen Dorfes Chipping Cleghorn: «Ein Mord wird hiermit angekündigt. Er wird am Freitag, den 13. Oktober, um 19.30 Uhr in Little Paddocks verübt. Freunde und Bekannte sind herzlichst eingeladen, daran teilzunehmen. Eine weitere Aufforderung erfolgt nicht.»
Letitia Blacklock, die Besitzerin von Little Paddocks, versucht, ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner davon zu überzeugen, dass es sich bei der Annonce um einen bösen Scherz handeln müsse. Da sich solche Nachrichten in Chipping Cleghorn üblicherweise wie ein Lauffeuer verbreiten, richtet sie sich darauf ein, am Abend einige Gäste zu empfangen.
Alle versammeln sich im Wohnzimmer. Um Punkt 18.30 Uhr geht das Licht aus, die Tür wird aufgerissen und jemand fuchtelt mit einer Taschenlampe herum. Dann fallen Schüsse. Am Boden liegt die Leiche eines dunkel gekleideten Mannes und Letitia hat eine Verletzung am Ohr. Der Schütze wird von Dora Bunner, Letitias Freundin und Gesellschafterin, als Rudi Schwarz identifiziert. Schwarz arbeitete im Royal Spa Hotel in Cartland und hatte Letitia bereits einige Tage zuvor besucht und um Geld gebeten.
Die Polizei wird gerufen. Alle Spuren deuten auf einen Tod durch Selbstmord oder auf einen Unfall. Inspektor Craddock ist aber nicht hundertprozentig zufrieden mit dieser Lösung.
Zum Glück ist Miss Marple in Chipping Cleghorn zur Kur. Craddock beschliesst, mit ihr zusammenzuarbeiten. – Und tatsächlich … durch ihre eigene Art zu recherchieren, kann Miss Marple den Fall aufklären.
Pressestimme
Munteres Mörderraten
Mit «Ein Mord wird angekündigt» bringt das Theater Gempen zum dritten Mal ein Stück von Agatha Christie auf die Bühne. Trotz einiger Längen mag die Mördersuche gut zu unterhalten.
Thomas Brunschwiller
Die Aufführung «Ein Mord wird angekündigt» besticht bereits durch das sorgfältig gestaltete Bühnenbild und die epochengetreue Kostümierung. Beides führt uns in die 1950er Jahre zurück, in das Dorf Chipping Cleghorn in England. Dort wird in der Wochenzeitung bekannt gemacht, dass am Freitag, den 13. Oktober, um 18.30 Uhr in Little Paddocks ein Mord stattfindet. Ein Scherz? Verschiedene Einwohner versammeln sich im Wohnzimmer. Das Licht geht aus. Schüsse fallen. Auf dem Boden liegt die Leiche von Rudi Schwarz. Miss Marple ist gleich zur Stelle und auch die Polizei nimmt die Suche nach dem Mörder auf. Im zweiten Akt glaubt man, den Mörder zu kennen, aber schliesslich kommt alles anders als gedacht.
Solide Ensembleleistung
Von den zehn Spielern standen zwei, nämlich Trudy Vögtli und Sylvia Marcionelli, schon 1978 auf der Bühne. Jacqueline Basler, Alexa Schweizer, Nicole Heller und Patrik Brändle gaben ihr Debut, was zeigt, wie attraktiv die Theatergruppe unter der Regie von Susan Saladin ist. Im Gegensatz zu den Komödien der Vorjahre bietet das Kriminalstück den Schauspielerinnen und Schauspielern weniger Möglichkeiten, ihr mimisches Potenzial auszuschöpfen. Ausser der Rolle der ungarischen Köchin Mitzi, glänzend gespielt von Stephanie Stadler, und jener der etwas schusseligen Dora Bunner (Jacqueline Basler) gibt es keine komischen Rollen. Heinz Röllin spielt Inspector Craddock glaubwürdig, wirkt aber wie Christoph Vögtli als Pat Simmons im Vergleich zu anderen Jahren etwas verhalten. Perfekt besetzt ist Miss Marple mit der resolut agierenden Trudy Vögtli. Neben der routineerprobten Sylvia Marcionelli als zwielichtige Letitia Blacklock erscheinen die beiden gut spielenden Neuen Alexa Schweizer als Julia Simmons und Nicole Heller als Philippa Haymes etwas blass. Auch Lorenz Meier als Schriftsteller Ed Swettenham trägt zur insgesamt soliden Ensembleleistung bei.
Der Dreiakter von Agatha Christie hat gewisse Längen und die Dialoge verlieren sich oft in komplizierten Vorgeschichten. Dennoch bietet das Stück auch Überraschungen, etwa das unvorhersehbare Ende des zweiten Akts oder die ganze Aufklärung des verzwickten Falls im dritten Akt. Die Regie von Susan Saladin ist wie immer sorgfältig.