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Der Begriff reaktive Arthritis bezeichnet eine Gelenkentzündung, die während oder als Folge einer bakteriellen Infektion auftritt, meist nach einem Darminfekt oder einem Infekt der Harnwege und Geschlechtsorgane. Treten neben der Gelenkentzündung auch eine Entzündung des Auges und eine Harnröhrenentzündung auf, spricht man vom «Reiter-Syndrom», einer Sonderform der reaktiven Arthritis.
Falls es nach einer bakteriellen Infektion zu einer reaktiven Arthritis kommt, tritt diese meist einige Wochen nach dem Infekt auf. Nicht immer ist im Nachhinein festzustellen, was genau die reaktive Arthritis ausgelöst hat. Vor allem eine Infektion mit Darmbakterien wie Salmonellen, Yersinien und Shigellen, aber auch Geschlechtskrankheiten wie eine Chlamydien-Infektion oder Gonorrhö können eine reaktive Arthritis auslösen.
Man nimmt an, dass die reaktive Arthritis eine Reaktion des Immunsystems ist: Es erkennt Bakterien oder möglicherweise auch Bakterienpartikel in den Gelenken und greift diese an. Dadurch entstehen entzündliche Prozesse in den Gelenken, die beim Betroffenen zu Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Gelenkschwellung und -überwärmung führen (v.a. an Hüfte, Knie, Ellenbogen, Schulter). Welche Prozesse genau bewirken, dass eine reaktive Arthritis entsteht, ist jedoch noch nicht vollständig erforscht.
Im Verlauf einer reaktiven Arthritis können ausserdem weitere entzündliche Reaktionen in anderen Körperbereichen auftreten, wie zum Beispiel den Augen. Um ein Reiter-Syndrom handelt es sich, wenn neben Gelenkentzündungen zum Beispiel eine Bindehautentzündung und eine Harnröhrenentzündung auftreten – diese typische Symptom-Paarung bezeichnen Mediziner auch als Reiter-Trias.
Im Verlauf einer reaktiven Arthritis kann es zu Fieber, Gewichtsabnahme und Hautveränderungen kommen. Besonders häufig sind Personen von einer reaktiven Arthritis beziehungsweise vom Reiter-Syndrom betroffen, die ein bestimmtes Zellmerkmal besitzen – das sogenannte Histokompatibilitäts-Antigen HLA-B27. HLA-B27 reguliert Vorgänge der körpereigenen Abwehr (Immunsystem).
Die reaktive Arthritis verläuft sehr unterschiedlich. Mehr als die Hälfte der Erkrankten sind nach einem halben Jahr beschwerdefrei. Aber auch chronische Formen sind möglich.
Als Therapie verschreibt der Arzt bei einer reaktiven Arthritis beziehungsweise beim Reiter-Syndrom entzündungshemmende Medikamente und ordnet unter anderem Krankengymnastik und bei starken Entzündungen eine Kältetherapie an. Falls beim Betroffenen die bakterielle Infektion (z.B. Chlamydien-Infektion) noch aktiv ist, sollte diese mit Antibiotika behandelt werden.
Einer reaktiven Arthritis beziehungsweise einem Reiter-Syndrom lässt sich nicht direkt vorbeugen. Um das Risiko zu senken, sollte man versuchen, Infektionen mit bestimmten Darmbakterien (wie Salmonellen, Yersinien oder Shigellen) sowie bestimmte Geschlechtskrankheiten (z.B. Chlamydien-Infektion, Gonorrhö) zu vermeiden.
Eine reaktive Arthritis kann als Folge einer bakteriellen Infektion wie einem Darminfekt oder einer Infektion der Harnwege und der Geschlechtsorgane zu Gelenkentzündungen führen. Im Verlauf der Erkrankung sind häufig auch weitere Körperbereiche von entzündlichen Prozessen betroffen.
Das Reiter-Syndrom ist eine Sonderform der reaktiven Arthritis, bei der typischerweise Symptome in drei Körperbereichen auftreten. Diese sogenannte Reiter-Trias besteht aus:
Da beim Reiter-Syndrom nicht nur die Gelenke betroffen sind, sprechen Mediziner auch von einer reaktiven Arthritis mit extraartikulärer Beteiligung (extraartikulär = ausserhalb eines Gelenks gelegen). Die Bezeichnung Reiter-Syndrom geht auf den Berliner Bakteriologen Hans Reiter (1881-1969) zurück. Aufgrund seiner aktiven Beteiligung am Nationalsozialismus gilt die Benennung nach ihm als umstritten.
Die meisten Betroffenen der reaktiven Arthritis sind zum Zeitpunkt der Erkrankung zwischen 20 und 40 Jahren alt. Ein Reiter-Syndrom entwickelt sich dagegen vor allem bei jungen Männern.
Die reaktive Arthritis sowie ihre Sonderform, das Reiter-Syndrom, haben in der Regel bakterielle Infektionen als Ursachen. Vor allem Infektionen des Darms (z.B. durch Salmonellen, Yersinien, Shigellen, Campylobacter) können eine reaktive Arthritis auslösen. Aber auch bestimmte Geschlechtskrankheiten (z.B. Chlamydien-Infektion oder Gonorrhö) haben unter Umständen eine reaktive Arthritis zur Folge. Sowohl die reaktive Arthritis als auch das Reiter-Syndrom sind also eine Folgeerkrankung nach einer bakteriellen Infektion.
Im Rahmen der Infektion gelangen einige Bakterien auch in Gelenke. Als Reaktion greift das Immunsystem offenbar Bakterien oder möglicherweise auch Bakterienpartikel in den Gelenken an. Die entzündlichen Prozesse, die dabei entstehen, können schliesslich beim Betroffenen zu Beschwerden wie Gelenkschmerzen führen. Welche Abläufe im Detail dazu führen, dass eine reaktive Arthritis oder ein Reiter-Syndrom auftritt, ist noch nicht vollständig geklärt.
Bekannt ist jedoch, dass Personen, die ein bestimmtes genetisches Zellmerkmal – das Histokompatibilitäts-Antigen HLA-B27 – besitzen, ein höheres Risiko haben, an einer reaktiven Arthritis beziehungsweise am Reiter-Syndrom zu erkranken. Ein Grossteil der Erkrankten weist das Antigen HLA-B27 auf. HLA-B27 findet man auch bei einer Vielzahl von Personen mit anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen (z.B. Morbus Bechterew).
Eine reaktive Arthritis zeigt sich typischerweise durch folgende Symptome:
Bei einer reaktiven Arthritis treten die ersten Symptome meist kurze Zeit nach oder zeitgleich mit einem Darminfekt oder einer Infektion der Harnwege und der Geschlechtsorgane auf.
Beim Reiter-Syndrom, einer Sonderform der reaktiven Arthritis, treten klassischerweise drei bestimmte Symptome auf, weshalb man auch von der sogenannten Reiter-Trias spricht:
Ist auch die Haut als vierter Symptom-Bereich beteiligt, sprechen Mediziner von der sogenannten Reiter-Tetrade.
Um festzustellen, ob es sich um eine reaktive Arthritis beziehungsweise deren Sonderform, das Reiter-Syndrom, handelt, muss der Arzt eine Diagnose stellen. Hierfür befragt der Arzt den Betroffenen nach dessen Beschwerden und untersucht ihn körperlich. Ausserdem nimmt er in der Regel Blut ab und nimmt gegebenenfalls auch eine Stuhl- und Urinprobe.
Treten beim Erkrankten mehr oder weniger zeitgleich eine Gelenkentzündung, Harnröhren- und Augenentzündung sowie unter Umständen Hautveränderungen auf, spricht vieles für ein Reiter-Syndrom. Mithilfe von Blutuntersuchungen lässt sich feststellen, ob weitere Hinweise vorliegen, die für eine reaktive Arthritis beziehungsweise das Reiter-Syndrom sprechen:
Um herauszufinden, ob der Betroffene gerade eine bakterielle Infektion durchmacht oder durchgemacht hat, können zum Beispiel folgende Diagnose-Methoden Aufschluss geben:
Als weitere Untersuchungsmethoden sind unter anderem möglich:
Eine reaktive Arthritis beziehungsweise deren Sonderform, das Reiter-Syndrom, erfordert eine Therapie, die der anderer entzündlicher Gelenkerkrankungen ähnelt: Gegen die Schmerzen und die Gelenkentzündung helfen entzündungshemmende Medikamente, wie beispielsweise nicht-steroidale Antirheumatika (sog. NSAR).
Bestehen Anzeichen dafür, dass der Betroffene derzeit noch eine bakterielle Infektion durchmacht, kommen Antibiotika zum Einsatz. Häufig lassen sich jedoch zum Zeitpunkt der Diagnose keine Erreger mehr feststellen. Daher erfordert eine reaktive Arthritis beziehungsweise ein Reiter-Syndrom nicht zwangsläufig auch eine Antibiotika-Behandlung. Sofern eine bakterielle Geschlechtskrankheit (z.B. Chlamydien-Infektion, Gonorrhö) als Auslöser erkannt wurde, sollte nicht nur der Betroffene mit Antibiotika behandelt werden, sondern auch der Sexualpartner.
Zur Therapie der Gelenkentzündungen bekommen Betroffene bei einer reaktiven Arthritis beziehungsweise einem Reiter-Syndrom häufig Massnahmen wie beispielsweise Physiotherapie oder Kälteanwendungen verordnet. Dies soll die Gelenkbeweglichkeit erhalten und einem Muskelschwund oder Bänderschaden vorbeugen.
Verläuft die reaktive Arthritis besonders schwer – etwa wenn mehrere Gelenke beteiligt sind oder Beschwerden ausserhalb der Gelenke auftreten – sind zur Therapie Glukokortikoide (Kortison) sinnvoll. Sie sollen bleibende Gelenkveränderungen verhindern. Sind auch die Augen betroffen, muss diese Entzündung möglichst rasch behandelt werden, um Sehschäden zu vermeiden.
Eine reaktive Arthritis kann ebenso wie ihre Sonderform Reiter-Syndrom einen unterschiedlichen Verlauf nehmen. Mehr als die Hälfte der Erkrankten ist nach etwa einem halben Jahr beschwerdefrei. Je ausgeprägter die reaktive Arthritis ist, das heisst, je mehr Gelenke betroffen sind und je mehr andere Beschwerden vorliegen, umso langwieriger kann sich jedoch der Verlauf gestalten – insbesondere, wenn ein Reiter-Syndrom vorliegt.
Chronische Verlaufsformen sind sowohl bei einer reaktiven Arthritis als auch beim Reiter-Syndrom möglich. Beim Reiter-Syndrom sind sie jedoch deutlich häufiger und kommen in etwa 30 Prozent der Fälle vor. Etwa jeder fünfte Betroffene hat mindestens einen Rückfall. Die mittlere Verlaufsdauer beträgt 3 Jahre. In seltenen Ausnahmefällen sind Krankheitsverläufe von 10 bis 15 Jahren möglich.
Zu Komplikationen kann es kommen, wenn die Gelenkentzündung die Gelenkfunktion dauerhaft beeinträchtigt oder das Gelenk sogar zerstört. Wenn die Entzündung der Bindehaut auf angrenzende Augenstrukturen übergreift, kann unbehandelt die Sehkraft darunter leiden.
Eine reaktive Arthritis beziehungsweise ihre Sonderform, das Reiter-Syndrom, kann als Folgeerkrankung nach einer bakteriellen Infektion entstehen. Besonders häufig kommt es zu einer Erkrankung als Folge eines Darminfekts (z.B. mit Salmonellen, Yersinien oder Shigellen), aber auch nach Infektionen der Harnwege und der Geschlechtsorgane (z.B. Chlamydien-Infektion, Gonorrhö).
Einer reaktiven Arthritis oder einem Reiter-Syndrom können Sie also nur indirekt vorbeugen, indem Sie zum Beispiel versuchen, Infektionen mit Darmerregern vermeiden. Vor Geschlechtskrankheiten wie einer Chlamydien-Infektion oder einer Gonorrhö können Sie sich mit Kondomen schützen.
Direkte Massnahmen, die einer reaktiven Arthritis vorbeugen, sind nicht bekannt.