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Kinder, Zink und Cholera
Eine Studie aus Bangladesh untersuchte den Effekt von Zink bei Kindern mit Cholera in Bezug auf Diarrhoe-Dauer und -Stuhlmenge und zeigt interessante Resultate.
Einleitung: Die Cholera Erkrankung ist vermutlich schon seit Jahrtausenden im Gangesdelta bekannt. Bereits im 19. Jahrhundert kam es, von Asien ausgehend westwärts, auch in Europa zu Epidemien. 1892 forderte eine Epidemie in Hamburg 8’600 Tote.
Als Erregerreservoir dienen vermutlich im Meerwasser lebende Schalentiere. Dabei scheinen Wetterphänomene wie El Niño die Ausbreitung der Erreger zu begünstigen. Kontaminiertes Wasser und Lebensmittel sind die Haupt-Infektionsquellen.
Aufgrund der Säurebarriere des Magens führt erst eine Erregermenge von > 108 bis 1010 zur Infektion. Im alkalischen Milieu des Dünndarms findet die Vermehrung der Erreger statt, Cholera-Toxin wird gebildet und bewirkt eine aktive Chlorid-Sezernierung in das Lumen. Natrium und Wasser folgen passiv. Die Menge an Elektrolyten und Wasser übersteigt das Rückresorptionsvolumen des Dickdarms, was zur sekretorischen Diarrhoe führt .
Cholera kann als asymptomatische Infektion, als milde oder als schwere Diarrhoe mit Exsikkose und Todesfolge innerhalb von wenigen Stunden verlaufen. Die asymptomatische Infektion scheint in Endemiegebieten die häufigste Form der Erkrankung zu sein.
Erreger: V. cholera O1 und O139 sind verantwortlich für Epidemien. Die Non O1 Spezies sind die Erreger von sporadischen, harmloseren Enteritiden. V. cholera O1 ist unterteilt in 2 Biotypen: klassischer Biotyp und El Tor. Beide sind wiederum unterteilt in Inaba, Ogawa und Hikojima (Serotypen). Der hauptsächliche Virulenzfaktor von V. cholera O1 und O139 ist das Cholera-Toxin.
Klinik: Viele Infizierte sind symptomlose Keimträger. In 90% verläuft die El Tor-Infektion mild und kann nicht von anderen Formen einer milden Gastroenteritis unterschieden werden. Schwere Formen haben 20 bis 30 "Reiswasserstühle" pro Tag. Der Volumenverlust beträgt 500 bis 1’000 ml pro Stunde !!
Zur Studie: Doppleblind-randomisierte, placebo-kontrollierte Studie in Bangladesh. Studiendauer November 2000 bis Juni 2002. Eingeschlossen wurden 3- bis14-jährige Kinder mit Choleraerkrankung. Alle Kinder erhielten 3 Tage lang alle 6 Stunden eine orale Erythromycin-Suspension in einer Dosierung von 12.5 mg/kg KG. Zusätzlich entweder 30 mg Zink pro Tag oder Placebo. Primärer Endpunkt in der Studie war jeweils die Zeit bis zum Ende der Diarrhoe (definiert als Zeit von Beginn der Diarrhoe bis erster geformter Stuhl oder kein Stuhl über 24h) und die Stuhlmenge.
Resultate: Die Diarrhoedauer war in der Zinkgruppe signifikant kürzer als in der Placebogruppe, so dass auch die Erholungszeit der Kinder in der Zinkgruppe kürzer war. Ausserdem liess sich eine 11%ige Reduktion im Stuhlgewicht nachweisen.
Diskussion:
Kinder mit Choleraerkrankung sollten eine Zink-Supplementierung erhalten. Wie Zink genau wirkt, weiss man nicht, aber es wird angenommen, dass es über eine Elektrolyterhöhung zu einer Transport- und Wasserreabsorptionserhöhung kommt. Ebenfalls glaubt man, dass Zink die bakterielle Proliferation und damit die Toxinproduktion indirekt über eine bessere Immunität vermindert und zu einer besseren Mukosafunktion führt.
Die Resultate dieser Studie lassen die Annahme zu, das die orale Zink-Applikation eine billige und wirksame Massnahme zur Verbesserung des Outcomes bei Kindern mit Cholera ist.