Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03293.jsonl.gz/1318

Im Rahmen des Zürcher Theater Spektakels wurden der Zürcher Kantonalbank Förderpreis sowie der Zürcher Kantonalbank Anerkennungspreis heute von Stadtpräsidentin Corine Mauch und Dr. Jànos Blum, Mitglied des Bankpräsidiums der Zürcher Kantonalbank, verliehen. Nach intensiven Diskussionen war der Entscheid der Jury einstimmig ausgefallen: Der mit 30 000 Franken dotierte Förderpreis geht an den argentinischen Schauspieler, Tänzer, Regisseur und Choreografen Luis Biasotto für seine «dadaistische», gegen alle Bühnenkonventionen verstossende Revue «África», in der er das Publikum auf intelligente und komische Weise «dazu auffordert, über vermeintliche Gewissheiten nachzudenken».
Den mit 5000 Franken dotierten Zürcher Kantonalbank Anerkennungspreis erhält die philippinische Performerin und Tänzerin Eisa Jocson für ihr «rigoros konzipiertes und exzellent ausgeführtes» Solo «Macho Dancer», in dem sie «die Grenzen zwischen Performance, Verführung und populärer Unterhaltung erforscht».
Es war im Vorfeld des Zürcher Theater Spektakels 1996, als der im Sommer 2009 allzu früh verstorbene Theatermann Markus Luchsinger, Mitglied der Festivalleitung von 1990 bis 2001, mit der Idee eines Förderpreises an die Zürcher Kantonalbank gelangte. Keine ehrende Anerkennung für ein Lebenswerk, keine Würdigung vollbrachter Leistungen sollte es sein. Sondern ein Förderpreis, mit dem die Produktion einer jungen, innovativen, noch unbekannten Gruppe oder eines Einzelkünstlers aus dem Festivalprogramm ausgezeichnet werden sollte. Der Preis würde jährlich im Rahmen des Festivals verliehen werden und müsste so hoch dotiert sein, dass er einen substanziellen Beitrag zu einer weiteren Produktion der Preisträger darstellte. Kurz: Es sollte ein Preis sein, der über den Tag hinaus Wirkung hat.
Die Idee fand bei den Verantwortlichen der ZKB offene Ohren, entsprach ein solcher Preis doch in geradezu idealer Weise den Grundgedanken des nachhaltigen kulturellen Engagements dieser Bank, die bereits seit mehreren Jahren das Festival als einer der drei Hauptsponsoren unterstützte. Unbürokratisch wurden Nominationskriterien und das Prozedere von Jurierung und Preisverleihung diskutiert und festgelegt, und noch im selben Jahr konnte der damals mit 20 000 (heute 30 000) Franken dotierte ZKB Förderpreis von einer hochkarätigen Fachjury erstmals verliehen werden.
Heute blicken wir mit Freude, Dankbarkeit und auch etwas Stolz zurück. Da ist zum einen die Kontinuität: Ein derart langfristiges Engagement im Kulturbereich, wie es der ZKB Förderpreis darstellt, ist alles andere als selbstverständlich und ermöglicht es der Festivalleitung, im Bereich Nachwuchsförderung eine über das aktuelle Festival hinausreichende Perspektive zu entwickeln. Da ist zum anderen die Nachhaltigkeit: Die Liste der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger belegt eindrücklich, dass der dem Preis zugrunde liegende Fördergedanke Früchte getragen hat: Ob Stefan Pucher, 400asa, Marco Berrettini, Sarah Michelson, The Living Dance Studio oder Young Jean Lee – sie alle haben das Vertrauen in ihre innovative Kraft gerechtfertigt und haben auch mit ihren Folgearbeiten künstlerisch überzeugt. Davon konnte sich auch das Publikum überzeugen: Von den meisten dieser als förderungswürdig erachteten Künstlerinnen und Künstlern war an einem der nächsten Festivals eine weitere Produktion zu sehen. Und da ist zum Dritten die Wirkung: Die Schaffung des Förderpreises hat zur Profilierung des Festivalprogramms beigetragen, hat sich doch der Vermerk «Nominiert für den ZKB Förderpreis» im Laufe der Jahre als eigentliches Label für spannende eigenständige Nachwuchs-Produktionen etabliert, das die Aufmerksamkeit eines interessierten Publikums auf die Arbeiten dieser noch unbekannten Künstler und Künstlerinnen lenkt. Schenken Sie also den nominierten Produktionen ein ganz besonderes Augenmerk. Sie verdienen es.
Der ZKB Förderpreis
Der Förderpreis versteht sich als Auszeichnung für eine Gruppe, einen Einzelkünstler oder eine Einzelkünstlerin aus den Bereichen Theater, Tanztheater oder Performancekunst, der/die einen innovativen und unverwechselbaren Umgang mit neuen Theaterformen pflegt. Der Preis ist dazu bestimmt, eine Gruppe oder einzelne ihrer Mitglieder bei einer geplanten Arbeit zu unterstützen. Er wird einer Aufführung zugesprochen, deren Uraufführung nicht länger als zwei Jahre zurückliegt und die das freie Theaterschaffen auf besondere Weise repräsentiert. Der Förderpreis ist mit CHF 30 000.- dotiert.
Neben dem Preisgeld erhalten die Preisträger eine Bronzeskulptur des Zürcher Künstlers Max Grüter, die «das Kulturengagement der ZKB symbolisiert».
Die Festivalleitung nominiert aus dem Programm des Zürcher Theater Spektakels fünf bis sieben Produktionen, die den genannten Kriterien entsprechen. Bevorzugt werden Produktionen von KünstlerInnen, deren Arbeit noch nicht auf allgemeine Anerkennung stösst. Frühere Gewinner des Preises sind von einer erneuten Nominierung ausgeschlossen.
Der ZKB Anerkennungspreis
Der Anerkennungspreis erlaubt eine zusätzliche Würdigung oder Förderung eines der Nominierten. Er wird einer Gruppe, einem Einzelkünstler oder einer Einzelkünstlerin für eine ausserordentliche Leistung verliehen, zum Beispiel im Bereich Choreografie, Dramaturgie, Publikumseinbezug oder Schauspielkunst. Der Anerkennungspreis ist mit CHF 5000.- dotiert.
Wie bereits vergangenes Jahr sind in Abweichung vom bisherigen Prozedere auch 2013 alle im Rahmen des Schwerpunktes Short Pieces gezeigten Produktionen für den Anerkennungspreis nominiert, sofern die KünstlerInnen nicht bereits einmal PreisträgerInnen des Förderpreises oder des Anerkennungspreises der Zürcher Kantonalbank waren.
Eine unabhängige Jury, bestehend aus fünf Fachpersonen, entscheidet über die Vergabe der Preise. Die Jury wird von der Festivalleitung bestimmt und von einem ihrer Mitglieder präsidiert. Diese Person übt kein Stimmrecht aus. Die Beratungen der Jury sind nicht öffentlich; begründet wird lediglich der Entscheid für die ausgezeichnete Produktion. Die Jury gibt ihre Entscheide am Samstag vor Festivalende im Rahmen einer Preisverleihungsfeier bekannt.
Ntando Cele DURBAN
(*1980) Die südafrikanische Performance-Künstlerin und Slam Poetin arbeitet multidisziplinär und hat verschiedene Projekte im Bereich Tanz, Theater und Slam Poetry realisiert. 2010 war ihre Performance «Cypher Session» am Theater Spektakel zu sehen. Sie hat eben ihren Master in Theater an der Hochschule der Künste DasArts in Amsterdam gemacht und tourt zurzeit in Europa mit ihrem Solo «Face off», das sie 2012 im Rahmen der Short Pieces am Theater Spektakel zeigte.
Cynthia Edul BUENOS AIRES
(*1979) Die Theaterautorin und Regisseurin hat an der Universität von Buenos Aires Literatur studiert. Sie hat mehrere Theaterstücke veröffentlicht und ist seit 2010 Ko-Leiterin von Panorama Sur, einer internationalen Plattform für Performing Arts in Lateinamerika. 2012 erschien ihr erster Roman «La sucesion» und zwei ihrer Stücke «The Excursion» und «Where do broken hearts go» wurden Buenos Aires uraufgeführt.
Lorenz Langenegger ZÜRICH, WIEN
(*1980) Der Autor hat während seines Studiums der Theater- und Politikwissenschaften an der Universität Bern erste Arbeiten für das Theater geschrieben. Seit 2004 realisierte er Auftragsarbeiten unter anderem für das Nationaltheater Mannheim und das Schauspielhaus Zürich. 2009 erschien sein Roman «Hier im Regen». Seine Theaterstücke wurden mehrfach ausgezeichnet, so gewann «Rakows Dom» den Stückewettbewerb der Schaubühne Berlin.
Martin Schick BERLIN
(*1978) Der in Fribourg geborene Performer und Choreograf hat nach einer Tanzausbildung an einer privaten Ballettschule Theater an der Hochschule der Künste in Bern studiert. Seit 2007 realisiert er eigene Bühnenstücke, Ausstellungen, spartenfreie Projekte und Workshops. Mit der Performance «Title», die er mit der argentinischen Performerin Laura Kalauz kreierte, hat er 2009 den Zürcher Kantonalbank Förderpreis gewonnen.
Louise Tu’u AUCKLAND
(*1978) Die samoische Autorin, Schauspielerin, Regisseurin und Kuratorin wurde für ihre schriftstellerische Arbeit und ihre Tätigkeit im Bereich Theater und Kulturförderung mehrfach ausgezeichnet. 2013 wurde ihr bekanntestes Stück «Horses and other animals» am Auckland Fringe Festival aufgeführt. Neben ihrer künstlerischen Arbeit lehrt Tu’u an verschiedenen Kunsthochschulen und ist Leiterin von We Should Practice, einer Plattform und Produktionsstätte für Performance, Film und Kunst im öffentlichen Raum.
Miss Revolutionary Idol Berserker JAPAN: Ms Berserker ATTTTTACKS!! Electro☆Shock☆Luv☆Luv☆Luv Shout!!!!!
Marjolijn van Heemstra & Frascati Producties NIEDERLANDE, INDIEN: Mahabharata
Agostina López ARGENTINIEN: La Laguna
Luis Biasotto ARGENTINIEN: Africa
Selma & Sofiane Ouissi TUNESIEN: Laaroussa
Surjit Nongmeikapam INDIEN: OneVoice
Sung-Im Her & Su-Mi Jang SÜDKOREA: Philia
Venuri Perera SRI LANKA: Thalattu
Moe Satt MYANMAR: Face and Fingers
Chuma Sopotela SÜDAFRIKA: Inkukhu ibeke iqanda
Mamela Nyamza SÜDAFRIKA: Isingqala
Ali Moini IRAN: My Paradoxical Knives
Eisa Jocson PHILIPPINEN: Macho Dancer
Sonya Levin RUSSLAND: The Day Before
Förderpreis 2012: Arco Renz & Amrita Performing Arts, Kambodscha: Crack
Anerkennungspreis: Naoko Tanaka, Japan, Deutschland: Die Scheinwerferin.
Förderpreis 2011: Lagatijas tiradas al sol, Mexico: El Rumor del Incendio
Anerkennungspreis: Aly Sobhy und Omar Mostafa, Ägypten, für ihren Beitrag zu «Lessons in Revolting» von Laila Soliman & Ruud Gielens.
Frühere Preisträger
Eine Übersicht über die Preisträger 1996-2010 finden Sie hier