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Was die weltbesten Holzfäller in der Echo Arena in Liverpool boten, war Stihl Timbersports vom Feinsten. Auch ein Schweizer mischte vorne mit.
Für einmal waren es nicht Shaqiri und Co., die Liverpool zum Beben brachten. Kettensägen schepperten ohrenbetäubend. Holzspäne spickten durch die Luft. Jason Wynyard, Matt Cogar und Laurence O’Toole kraxelten auf Baumstämme, hackten Holz mit ihren Äxten und sorgten für Spektakel in der Echo Arena am River Mersey in der nordenglischen Arbeiterstadt.
An der Stihl-Timbersports-Weltmeisterschaft versammelten sich die weltbesten Holzsport-Athleten, um ihren Besten zu küren. An zwei Tagen wurde sowohl im Teamwettkampf als auch im Einzel Holz am Laufmeter zersägt und zerhackt. Die Athleten zerkleinerten im Minutentakt wettkampftauglich gezüchtete Pappeln aus den Niederlanden zu Sägemehl. In sechs Disziplinen traten die zwölf axtschwingenden und kettensägenden Schränke gegeneinander an. Das Publikum war sichtlich begeistert und kam aus dem Fahnenschwenken nicht mehr heraus.
Eine Säge wie ein Formel-1-Bolide
Die stärksten Arme, den saubersten Schwung und Nerven aus Hartholz bewiesen die Australier. Nach der Goldmedaille im Teamwettkampf fällte und teilte Laurence O’Toole die Baumstämme am schnellsten. Er entschied den Wettkampf in der Sparte «Hot Saw», der Königsdisziplin im Timbersports. Dort schneiden die Kontrahenten mit einer trommelfellmalträtierenden Sportkettensäge, bis achtzig Pferdestärken potent, drei Stammscheiben innerhalb eines markierten Bereichs von fünfzehn Zentimetern. Die Schwierigkeit liegt in der Kontrolle der monströsen, fast dreissig Kilo schweren «Hot Saw», die ebenso wenig für die Forstarbeit gedacht ist wie ein Formel-1-Bolide für den Strassenverkehr. In rund sechs Sekunden flitzte die Säge von O’Toole dreimal durch den Stamm, was seine Dominanz unterstrich.
«America second» hiess es für den US-Amerikaner Matt Cogar, 31, in der Gesamtwertung. Wie bereits am Vortag im Teamwettbewerb mit seinen US-Boys wurde ihm Silber um den Stiernacken gehängt. Bemerkenswert, wie der Profi-Sportler trotz Erkältung den Baumstamm in der Runde «Standing Block Chop» mit der neuen Weltbestzeit entzweite. «Ich bin nicht 100 Prozent fit», so das Kraftpaket mit einem Händedruck wie ein Schraubstock zur Weltwoche. In nur 11,34 Sekunden entzweite der amerikanische Modellathlet stehend mit Baselballschwung den senkrechten Stamm, bis das obere Ende zu Boden fiel. Dass es nicht «America first» hiess, führte er auf die hohe Dichte an Power der weltbesten Holzfäller zurück: «Everyone can win.»
Unter den Erwartungen blieb Jason Wynyard, 44, der Michael Jordan des Holzsports und neunfacher World Champion. Die Titelverteidigung des Neuseeländers missglückte sowohl im Einzel als auch im Team mit seinen Maori-Kollegen. Sein Kontrahent Matt Cogar sah sich und den Rest des Feldes altersmässig bevorteilt: «Jasons Rücken wurde über die Jahre stark belastet.» Gleichwohl zollt er ihm Respekt, Jason sei ein Gentleman und die Legende dieses Sports.
Wieder Schweden
Auch die Schweiz war vertreten im Feld der weltbesten Timbersportler. Mit Christophe Geissler bearbeitete der amtierende und insgesamt achtfache Schweizer Meister das Holz filigran mit Axt und Säge. Der 44-Jährige brillierte in der Disziplin «Stock Saw». In dieser Sparte schneiden die Athleten mit einer handelsüblichen Kettensäge zwei Scheiben am Baumstammende, Mann gegen Mann. Präzises Geschick und fein eingesetzte Kraft entscheiden, wer zuerst innerhalb der vorgegebenen 15 Zentimeter durchzieht und die Cuts abtrennt. Geissler ballte nach seinen 10,29 Sekunden zu Recht die Siegesfaust, er war Schnellster in dieser Disziplin.
Ein Resultat unter den besten Acht sollte es werden. «Die Top-Zwölf der Welt sind derart stark, da kann jeder jeden schlagen», sagt Geissler. Markantester Unterschied gegenüber den Klassenbesten am Holzstamm sei die Trainingsintensität. Geissler betonte seinen Amateurstatus: «Am Montag gehe ich arbeiten, während die Amerikaner oder Jason Wynyard nach einem Wettkampfwochenende regenerieren und weitertrainieren.» Ihn wie auch den Rest der Schweizer Delegation trage die Leidenschaft. Finesse in Kombination mit Kraft, Arbeitsgerät und Material mache die Faszination Timbersports aus. Wenn der obere Teil des Stammes mit dem Schlusshieb wuchtig zu Boden falle, sei das ein «geiles Gefühl» – vor allem, wenn der Kontrahent noch am Hacken sei. Dass es zu einem kommerziellen Schub wie in den letzten Jahren beim Schwingsport kommen könnte, bezweifelt Geissler. Der Förster, der nebenbei Skulpturen fertigt, hofft aber auf mehr Nachwuchs und verstärkte nationale Popularität bei Timbersports.
Im Teamwettkampf scheiterten die Schweizer im Achtelfinal. Im K.-o.-System war es die «Single Buck», eine zweimeterlange Zackensäge, die knorzte und klemmte. Einem Vertreter des eidgenössischen Viererteams entglitt das Fünf-Kilo-Sportgerät sogar. Es war aus der Kerbe gesprungen. Der Schweizer musste neu ansetzen, was ihn Zeit und das Viertelfinale kostete. Enttäuscht analysierten die vier Kraftpakete: «Die Schweden waren halt schneller.»
Schweden? Achtelfinal? Schon wieder, also. Erinnerungen an die Fussballweltmeisterschaft in Russland werden wach. Dennoch wurden die Schweizer Timbersportler von Matt Cogar als «stärkste Mannen Europas» bezeichnet. Vielleicht reicht es dereinst sogar für mehr. Rookies, also Nachwuchskräfte, sind in der Pipeline, die Förderarbeit funktioniert. Und im Gegensatz zum Fussballverband war auch die Kommunikation bis zuletzt einwandfrei.