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Seit dem 11. Dezember 2020 hat Jambolina im Arosa Bärenland ein neues Zuhause
Jambolinas Vergangenheit in der Ukraine
Eine Braunbärin balanciert in einem roten Röckchen auf dem Seil, läuft im Kopfstand und fährt Trottinett in der Manege. In der Ukraine präsentierte Jambolina zusammen mit ihrem Dompteur ihr Leben lang Kunststücke zur Belustigung der Zuschauer. Im Alter von nur fünf Wochen wurde die in einem Zoo geborene Bärin Jambolina von einem ukrainischen Dompteur gekauft, von Hand aufgezogen und trainiert. Es folgten unzählige Zirkusauftritte, die mit langen Reisen unter nicht artgemässen Haltungsbedingungen verbunden waren. Nach den Auftritten in der Manege lebte sie in einem kleinen Käfig. Mit dem Ausbruch von Covid-19 konnte der Besitzer keine Auftritte mehr machen und er hielt Jambolina in seiner Garage in einem 4m2 grossen Käfig gefangen. Ab und zu ging der Dompteur mit Jambolina angeleint in den Wald spazieren. Aus wirtschaftlichen Gründen sah sich der Dompteur im Jahr 2020 gezwungen, Jambolina abzugeben. Erfreulicherweise übergab er sie freiwillig der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN, welche Jambolina am 11. Dezember 2020 ins Arosa Bärenland brachte (Jambolina’s Transfer).
- Geboren am 15. Januar 2009 in der Ukraine
- Ehemalige Zirkusbärin
- Vom Dompteur handaufgezogen
- Gewicht: Spätherbst 160 kg / Frühsommer 100 kg
- Charakter: aktiv und neugierig
Aus der Ukraine in die Aroser Bergwelt
Wie Jambolina zurück zu ihren natürlichen Instinkten findet
Während der Gefangenschaft hatte Jambolina nie die Gelegenheit, sich wie ein Wildtier zu verhalten und sie entwickelte ausgeprägte Verhaltensstörungen. Das soll nach ihrer Befreiung anders werden. In der natürlichen Umgebung des Arosa Bärenlandes sind die Voraussetzungen geschaffen, dass sie ihre angeborenen Bedürfnisse (Instinkte) ausleben und das natürliche Verhalten lernen kann. Die Tierpfleger*innen und Tierpfleger verfolgen das Ziel, dass Jambolina ihre Verhaltensstörungen vollständig ablegen kann. Diese Entwicklung kann aufgrund ihrer schweren Vergangenheit Monate und Jahre dauern.
Nach der Ankunft im Arosa Bärenland erkundete Jambolina ihre neue und unvertraute Umgebung vorsichtig und beschnupperte alles. Ab dem zweiten Tag begann sie bis zu 10 Stunden am Tag verhaltensgestört im Kreis herumzulaufen. Der Kreis war etwas grösser als ihr ehemaliger Käfig. Dieses Verhaltensmuster ist ein klares Zeichen dafür, dass die Käfighaltung bei Jambolina schwere psychische Spuren hinterlassen hat. Doch Jambolina fand im Arosa Bärenland zur Ruhe. Sie scharrte Langstroh sowie Tannenzweige in ihre Höhle und zog sich zurück. Ende Dezember konnte sie endlich das tun, was ihr jahrelang verwehrt blieb: Sie hielt ihre erste und wohlverdiente Winterruhe ihres Lebens (Jambolina’s erste Winterruhe). Angeborenes Verhalten geht nicht verloren.
Jambolina verbrachte eine ganz normale Winterruhe. Zwischendurch stand sie in der Höhle auf und richtete sich das Nestmaterial zurecht, um sogleich wieder abzuliegen. Bei dieser Gelegenheit verlies sie manchmal die Höhle, um lediglich die Umgebung direkt vor der Höhle zu erkunden, um danach gleich wieder zurückzukehren. Alle zwei bis drei Wochen konnten wir beobachten, wie sie wenig Kot absetzte und urinierte. Mitte April 2021 wurde sie zunehmend aktiver und begann, ein wenig zu fressen.
Da sich Jambolina während ihrer Gefangenschaft nie mit anderen Bären auseinandersetzen konnte, musste die erste Begegnung mit Meimo und Amelia zu einer grossen Herausforderung für sie werden. Am 23. April 2021 war es soweit. Meimo verliess sein Winterquartier in der Aussenanlage und betrat die Innenanlage. Als ihn Jambolina durch das Gitter entdeckte, erschrak sie, sie zog sich in ihren Stall zurück und begann wie nach der Ankunft, täglich bis zu zehn Stunden im Kreis herumzulaufen. Jambolina war offensichtlich stark verunsichert. Danach kamen Meimo sowie auch Amelia täglich in das Innengehege und die drei Bären konnten sich durch das Gitter sehen, riechen und hören. Jambolina lernte schrittweise, wie sie sich bärentypisch zu verhalten hat. Sie begann, Meimo durch das Zwischengitter hindurch zu beschnuppern und Meimo nahm dies gelassen an. Amelia und Jambolina gingen bärentypisch auf Distanz. Sie imponierten auf Bärenart gegenseitig mit Kieferklappern, Schnauben und zurückgelegten Ohren. Das verhaltensgestörte Kreislaufen von Jambolina nahm stark ab. Diese Verhaltensentwicklung zeigte, dass Jambolina im Umgang mit Meimo und Amelia die anfängliche Verunsicherung ablegen und soweit kam, dass sie entspannt neben ihnen fressen konnte.
Im Hinblick auf das Zusammenlassen der drei Bären im Sommer 2021 meisterte Jambolina die ersten Herausforderungen. Sie lernte, sich gegenüber Artgenossen artspezifisch zu Verhalten. In den nächsten Wochen werden wir Jambolina allein in die Aussenanlage lassen, damit sie das natürliche Gelände im Arosa Bärenland kennen lernt. Wenn sie damit vertraut ist, lassen wir sie zuerst mit Meimo zusammen. Es darf erwartet werden, dass sie sich verstehen, da Männchen und Weibchen gegenseitige Interessen haben. Wenn wir Jambolina später mit Amelia auf die Aussenanlage lassen, darf erwartet werden, dass die beiden Weibchen eine bärentypische Hierarchie ausmachen und sich fortan als Einzelgänger aus dem Weg gehen.
Dieses Sozialverhalten gehört zum natürlichen Verhalten der Bären und das wollen wir im Arosa Bärenland ermöglichen. Würden wir das unterbinden, müssten wir alle Bären einzeln halten, was vom Tierschutzgedanken her sehr fragwürdig wäre. Falls ein Bär mit der Gemeinschaftshaltung nicht umgehen könnte, haben wir vorgesorgt. Wir können im Arosa Bärenland die Aussenanlagen unterteilen und Abtrennungen vornehmen.
Es bleibt spannend für die Bären und die interessierten Bärenfreund*innen. Gerne halten wir Sie auf unserer Webseite auf dem Laufenden.