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Siedlungsentwicklung Büren a.A. zwischen 1800 - 1918
Inhaltsverzeichnis
Entfestigung der Stadtmauer und Stadttore 1839 - 1906
Die Entfestigung der Stadtmaueranlage wurde 1839 mit dem Abbruch des südwestlichen Eckturmes vergleichsweise früh mit anderen Schweizer Städten begonnen. Dies mag allenfalls politisch mit der Berner Regierung zusammenhängen, da die Entfestigung in der Stadt Bern bereits 1807 mit dem Abtragen des Obertors vor dem Christoffelturm begann. 1842 wurde unter hoheitlicher Anordnung der Regierung zu Bern das Rütitor abgerissen. Die ganze Entfestigung wurde den Bürener Stadtbewohner verordnet und aufgezwungen. Aus verschiedenen Quellen und Zeitdokumenten ist zu entnehmen, dass sich die Stadtbewohner nur widerwillig den behördlichen Anordnungen beugten. Da Büren als Kleinstädtchen nicht unbedingt aus allen Nähten zu platzen drohte und die Infrastrukturanlagen und Verkehrswege vorallem über die Aare vollends genügten, sah man die Notwendigkeit der Entfestigung nicht ein. Die Niederlegung der Befestigungsanlagen kam nicht aus einem zwingenden Bedürfnis der Stadtbewohner heraus und die Anordnungen der Regierung wurde als "Zwängerei" und Bevormundung empfunden. Dies führte auch dazu, dass sich die Bürener relativ lange und mehr oder weniger gegen eine weitere "Entfrämdung" des Stadtbildes, wenn auch mit mässigem Erfolg, wehrten. Die Berner Regierung setzte sich schlussendlich durch. Nachdem 1895 der Ergelturm abgebrochen wurde, bäumte sich der Widerstand der Bürener nochmals vehement auf. Trotz grossen Protesten erfolgte schlussendlich der Abbruch des Dotzigentores um 1906 !
Rückwirkend betrachtet, fällt auf, dass die Entfestigung im Vergleich mit anderen, jedoch grösseren Städten, vergleichsweise früh begann, aufgrund der Protesten der Bevölkerung aber auch lange dauerte. Die Stadtbefestigung bestand wie bereits erwähnt aus 4 Türmen, 2 Toren und einer zum grossen Teil aus Gebäuderückwänden bestehenden Stadtmauer. Diese relativ bescheidenen Anlagen (keine Schanzen, Bollwerke, Brustwehren, Festungsgräben- und Wällen) im Vergleich zu grösseren Stadtbefestigungen, wären bautechnisch in viel kürzerer Zeit zu entfernen gewesen. Den Bürener fehlte jedoch ein innerer Handlungsbedarf. Büren hatte trotz wirtschaftlicher Blütezeit infolge des Schiffsverkehrs auf der Aare nur ein äusserst bescheidenes Bevölkerungswachstum. Auch die immer wieder heimkehrenden Überschwemmungen der Aareebene brachten Zerstörung und Not bei der Bevölkerung, welche zu grösseren Auswanderungswellen nach Übersee führten. Somit war der Nutzungsdruck auf die befestigte Stadtanlage auch kaum vorhanden. Dies ist auch deutlich an der einzigartigen, äusserst lebhaften Dachlandschaft mit vielen Quergiebeln im Städtchen abzulesen. Aufstockungen im 19. Jahrhundert wurden in der Altstadt von Büren kaum vorgenommen.
Aufgrund der vielschichtigen und emotionsvollen Zeitdokumenten über die Entfestigungszeit, darf aber auch abgeleitet werden, dass sich die Bürener Bevölkerung stark mit dem Städtchen und dessen mittelalterlichen Stadtstrukturen und Bauten identifizierte.
Neben der Entfestigung hatten die verschiedenen Stadtbrände noch Einfluss auf die ursprüngliche Stadtstruktur. Neben den bereits erwähnten Bränden im Mittelalter führten insbesondere die letzten Stadtbrände von 1920 und 1925 zum definitiven Verschwinden der Landwirtschaft aus dem Altstadtbild. Die letzten Ökonomiegebäude auf dem heutigen hinteren Marktplatz sowie ein grosser Teil der Südmauer fielen dem Feuer zum Opfer. Die übrige Baustruktur mit dem Brandmauern und Bausubstanz ist jedoch bis heute gut erhalten geblieben.
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