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Im November 2023 erobert der BYD Seagull den zweiten Platz der meistverkauften Elektroautos in China, direkt hinter dem Tesla Y. In diesem Jahr wurden davon dort bereits 185’000 Stück verkauft. Die Enthüllung dieses batterieelektrischen Stadtautos, im April, könnte einen Wendepunkt in der Elektroauto-Revolution markieren. Historiker könnten später auf dieses Ereignis als den Moment verweisen, in dem die Welt des Transports vom Verbrennungsmotor zu batterieelektrischen Fahrzeugen als neue Normalität überging.
Ein Elektroauto für den Alltag
Der BYD Seagull ist ein echtes Elektroauto für Menschen, die ein Fahrzeug für den täglichen Arbeitsweg, den Einkauf von Lebensmitteln, einen Ausflug zum Strand an einem sonnigen Tag und generell für die Aufgaben eines Personenkraftwagens benötigen, ohne dabei schädliche Emissionen zu hinterlassen. Bisher waren fast alle Elektroautos entweder Luxusmodelle oder winzige Vierräder.
Erschwinglichkeit als Schlüssel zum Erfolg
Der BYD Seagull setzt sich von der Masse ab. Als 4-Personen-Kleinwagen, etwas grösser als ein Fiat 500 und etwas kürzer als ein MINI Cooper, startete er in China zu einem Preis unter 11.000 US-Dollar. Damit ist er günstiger als ein benzinbetriebener Honda Fit. Dies macht ihn zu einem der ersten Elektroautos, die sich nicht für ihren Verkaufspreis entschuldigen müssen.
Technische Daten und Leistung
Laut meinen Informationen basiert der Seagull auf BYDs e-Plattform 3.0 und gehört zur Ocean-Serie, zu der auch der Dolphin und der Seal gehören. Mit einem einzelnen Elektromotor von 75 PS (55 kW) und 135 Nm Drehmoment, der die Vorderräder antreibt, erreicht er eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Die Beschleunigung von 0 bis 50 km/h dauert beeindruckende 4,9 Sekunden. Zwei BYD Blade Batteriepakete stehen zur Auswahl – 30,08 kWh oder 38,88 kWh.
Die kleinere Batterievariante ermöglicht eine Reichweite von 305 km (190 Meilen), während die grössere Batterie eine Reichweite von 405 km (251 Meilen) bietet. Beide Reichweiten basieren auf dem optimistischen CLTC-Standard, der von asiatischen Herstellern bevorzugt wird. Die Zahlen wären unter Verwendung des in Europa üblichen NEDC-Standards und erst recht des EPA-Standards niedriger. Beide Batteriepakete können an Schnellladestationen in 30 Minuten von 30 % auf 80 % aufgeladen werden. Trotzdem sind sie für einen Stadtflitzer und vergleichbaren Modellen grosszügig.
Marktaussichten in den USA
Der BYD Seagull könnte in den USA aufgrund verschiedener Gründe von den Verbrauchern wahrscheinlich gemieden werden. Amerikanische Kunden erwarten, dass jedes Auto mindestens 7 Passagiere plus Gepäck für eine Woche transportieren kann, während es einen Ski-Boot den Berg hinauf zum See im Sommerurlaub zieht. Kleinere, effiziente Autos sind in den USA nicht besonders beliebt, insbesondere wenn es sich um Stadtautos handelt.
Amerikanische Vorlieben und die Ausnahme
Die Vorliebe der Amerikaner für SUVs und Pickup-Trucks könnte dazu führen, dass ein Fahrzeug wie der Seagull nicht gut angenommen wird. Aber hier arbeitet die amerikanische Ausnahme gegen die US-Kunden. Kleine, effiziente Autos sind in Europa, dem Nahen Osten, Afrika, Süd- und Mittelamerika, Indien, Japan, Australien und Asien sehr gefragt.
Potenzial in Europa
Forbes hat Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center for Automotive Research (CAR) in Deutschland, um seine Meinung zur Akzeptanz des Seagull unter europäischen Fahrern gebeten. Dudenhöffer glaubt, dass europäische Fahrer nicht an sparbetonten Fahrzeugen interessiert sind. Er weist darauf hin, dass kleine Autos wie der Microlino und der Citroën Ami in Europa wenig Interesse gefunden haben.
Er betont, dass Sicherheit bei kleinen Autos in Europa ein grosses Thema ist, mit Airbags, Türverstärkungen, computergesteuerter Sicherheit und Ähnlichem. Dudenhöffer prognostiziert, dass Einstiegs-EVs mit 350 km Reichweite und echter Autotransport-Sicherheit, Konnektivität und Komfort zwischen 15.000 und 20.000 Euro liegen werden.
Angriff auf den europäischen Markt
Patrick Koller, CEO des französischen Autozulieferers Faurecia, glaubt, dass der Einstiegs-EV-Markt in Europa für chinesische Hersteller attraktiv ist. Er schätzt, dass China hier bis zu 1 Million Elektroautos pro Jahr verkaufen könnte, was etwa 8 % des Gesamtmarkts für Neuwagen in Europa ausmacht.
Schlussfolgerung und Herausforderung an Tesla
Der BYD Seagull könnte perfekt für etwa 90 % dessen sein, wofür Menschen ein Auto verwenden. Ob er jemals in den USA eingeführt wird, ist zwar unwahrscheinlich, aber BYD muss ihn nicht in den USA verkaufen, um anderswo einen enormen Erfolg zu erzielen. BYD hat Elon Musk und Tesla in gewisser Weise die Herausforderung gestellt: Baut ein preiswertes Elektroauto, oder wir werden es tun! Tatsächlich haben sie es bereits getan. Die Antwort liegt jetzt bei Elon Musk. Alle warten gespannt, auf den längst angekündigten Tesla 2!