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Die Lawinensituation wurde weiterhin von einem ausgeprägten Altschneeproblem bestimmt. Dieses war vor allem am westlichen Alpennordhang und in den inneralpinen Gebieten vorhanden. Es fiel immer wieder wenig Schnee. Gegen Ende der Periode regnete es unter Einfluss einer Warmfront bis in hohe Lagen. Vor allem am Freitag und Samstag ereigneten sich einige Lawinenunfälle, bei denen 2 Personen ums Leben kamen.
Die Lawinensituation war während dieser Berichtsperiode vielschichtig und komplex. Einerseits hatte wie immer das aktuelle Wetter einen Einfluss auf die Lawinengefahr, aber auch das Wettergeschehen der vergangenen Monate wirkte sich in Form eines ausgeprägten Altschneeproblems weiterhin auf die Lawinensituation aus.
Am Freitag fielen mit dem Durchzug einer Kaltfront am Alpennordhang 10 bis 20 cm Neuschnee (Abbildung 1).
Am Samstagvormittag wurde dieser Neuschnee vor allem am östlichen Alpennordhang mit teils mässigem Südföhn verfrachtet und es bildeten sich meist kleine, aber sehr leicht auslösbare Triebschneeansammlungen. In diesen Schichten wurden einige Lawinen ausgelöst (Abbildung 2).
Von Sonntag bis Montag nahm der Föhn noch etwas zu und blies in den typischen Föhngebieten des Alpennordhanges mässig bis stark. Viel Schnee wurde dabei jedoch entgegen den Erwartungen nicht mehr verfrachtet. Im Lawinenbulletin war der Einfluss des Föhns rückblickend wohl etwas überschätzt worden.
Mit der Südströmung fiel im Süden ab Montagabend etwas Niederschlag. Am Dienstag endete die kurze Südstaulage und eine Kaltfront brachte auch im Norden Niederschlag. Insgesamt fielen von Montag bis Dienstag verbreitet 10 bis 20, in Graubünden lokal bis 30 cm Neuschnee. Vom zentralen Wallis bis ins Gotthardgebiet fielen nur wenige Zentimeter. Neu- und Triebschnee führten in den Niederschlagsgebieten zu einem leichten Anstieg der Lawinengefahr.
Während das Wetter bis am Dienstag, 15. Februar vor allem einen Einfluss auf die oberflächennahen Lawinenprobleme hatte, blieben die Folgen des Wettergeschehens der vergangenen Monate auch in dieser Berichtsperiode offensichtlich. Im Bereich der Regenkruste von Ende Dezember hatten sich während der langen Schönwetterperiode im Januar verbreitet ausgeprägte Schwachschichten gebildet, die in der Folge eingeschneit wurden. Abbildung 4 zeigt ein Profil aus den Friburger Voralpen, welches exemplarisch den schwachen Schneedeckenaufbau der westlichen Voralpen zeigt. Es zeigt eine für Schneebrettlawinen «perfekte» Schichtabfolge: Auf eine harte Basis folgt eine sehr weiche Schicht (die Schwachschicht), die wiederum von kompakteren Neu- und Triebschneeschichten (dem Schneebrett) überlagert ist. In dieser Schwachschicht wurden Lawinen ganz in der Nähe dieses Schneeprofils (Märe, FR), aber auch zum Beispiel in den Waadtländer Alpen (Abbildung 5) ausgelöst.
Schwachschichten wie in Abbildung 4 hatten sich im Januar vielerorts gebildet. Ob und wie häufig Lawinen in diesen weichen Schichten noch ausgelöst werden konnten, lag vor allem an der Überdeckung dieser Schichten (Abbildung 6). Am zentralen und östlichen Alpennordhang sowie am nördlichen Alpenkamm waren seit Ende Dezember in Summe verbreitet insgesamt 2.5 bis 3.5 m Neuschnee gefallen. Damit waren die tiefen Schwachschichten dort so mächtig überdeckt, dass es nur noch sehr vereinzelt möglich war, diese als Skifahrer zu stören. Zwei Tourengeher hatten in der Gemeinde Sachseln (OW) am Samstag, 11.02. leider eine solche Gefahrenstelle angetroffen, lösten eine Lawine aus, die vermutlich im Altschnee anbrach, wurden ganz verschüttet und verstarben in der Folge. Dies war seit langem die einzige Lawine dieser Art in diesen Regionen.
In den Vispertälern, im Simplongebiet, am Alpensüdhang und im Puschlav, fiel seit dem Jahreswechsel nur wenig Neuschnee. In diesen Gebieten war die Schneedecke jedoch insgesamt oft dünn und stark vom Wind geprägt (Abbildung 7). Ein flächiges Altschneeproblem war somit kaum denkbar.
In den übrigen Gebieten, sprich am westlichen Alpennordhang, in den übrigen Gebieten des Wallis und in grossen Teilen Graubündens waren die Schwachschichten in tiefen Schichten der Schneedecke noch zu wenig überdeckt und stellenweise noch immer störanfällig. War das Problem in der vorherigen Berichtsperiode vor allem in Graubünden und im zentralen Wallis sehr ausgeprägt, schien sich die Situation dort langsam etwas zu beruhigen. Die Anzahl der Gefahrenstellen nahm etwas ab und zudem breiteten sich die Lawinen meist nicht mehr ganz so flächig aus. Sie konnten zwar immer noch gross werden, sehr grosse Lawinen wurden aber nicht mehr ausgelöst. Wenn die Schneedecke jedoch am «richtigen» Ort belastet wurde, waren Lawinen immer noch leicht auslösbar; es kam erneut zu einigen Fernauslösungen.
Am westlichen Alpennordhang hingegen hat sich das Altschneeproblem in dieser Berichtswoche eher akzentuiert. In der Vorwoche gab es nur vereinzelt Anzeichen, dass auch hier der schwache Altschnee störanfällig war. Dies bestätigte sich in der aktuellen Periode mit nahezu täglichen Lawinenabgängen im Altschnee.
Während die eher niederschlagsarmen, inneralpinen Gebiete (zentrales Wallis, Mittelbünden, Engadin) häufig mit dem Altschneeproblem zu kämpfen haben, ist die Situation am westlichen Alpennordhang eher aussergewöhnlich. Zuletzt war ein Altschneeproblem in diesen Regionen im Winter 2018/19 so ausgeprägt.
In der Nacht auf Mittwoch setzte aus Westen Niederschlag ein. Zum Niederschlagsbeginn lag die Schneefallgrenze noch kurzzeitig bei rund 1000 m. Doch wie so häufig bei Westströmungen, stieg die Schneefallgrenze rasch an: verbreitet bis auf rund 2200 m (Abbildung 8). Beobachter meldeten lokal sogar Regen bis auf 2600 m.
Dabei blies am Mittwoch und Donnerstag ein starker bis stürmischer Westwind. Insgesamt fielen oberhalb 2500 m am westlichen Alpennordhang und im nördlichen Wallis 15 bis 30 cm Neuschnee, im übrigen Wallis und am Alpennordhang 10 bis 20 cm, sonst weniger. Im Jura fiel beinahe der gesamte Niederschlag, ca. 40 mm, als Regen. In der Höhe entstanden mit Neuschnee und Wind teils grosse Triebschneeansammlungen. Durch den Regen wurde die Schneedecke bis in hohe Lagen angefeuchtet.
Wärme, Regen, Neuschnee und Wind führten in vielen Gebieten zu einer angespannten Lawinensituation. Es wurde am Alpennordhang und in den inneralpinen Gebieten verbreitet vor erheblicher Lawinengefahr gewarnt. In der Höhe ging die Gefahr vor allem vom Neu- und Triebschnee aus. Aber auch das Altschneeproblem war weiterhin ein Thema. Mit dem Regen und der Wärme wurde dieses nochmals aktiviert und es gingen spontane Lawinen ab, die zum Teil im Altschnee anrissen. Zudem gingen vor allem am Alpennordhang auch zahlreiche Gleitschneelawinen ab. Da die Sicht bis zu Redaktionsende sehr trüb war, konnte die Bilanz dieses Niederschlagsereignisses noch nicht abschliessend gemacht werden, es wurden aber bereits einzelne grosse Schneebrett- und Gleitschneelawinen gemeldet.
Vor allem zu Beginn der Berichtsperiode ereigneten sich wiederum zahlreiche Lawinenunfälle. Es wurden 61 Lawinen von Personen ausgelöst. Dabei wurden 16 Personen mitgerissen, wovon 8 Personen ganz verschüttet wurden. 2 Personen kamen bei einem Unfall am Wandelen (Sachseln, OW) ums Leben.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.