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Eberhard Kornfeld schwieg jahrelang über seine Beziehung zum exzentrischen Sammler aus München. Bis heute ist der 94-Jährige als Kunsthändler und Auktionator in Bern aktiv. Nun gab er «10vor10» ein exklusives Interview.
Nach dem Sensationsfund von hunderten von bedeutenden Werken in den Wohnungen von Cornelius Gurlitt in München, zeigten die Untersuchungen, dass der deutsche Sammler immer wieder Werke über die Berner Galerie Kornfeld verkauft hatte. Mit dem Erlös finanzierte Gurlitt seinen Lebensunterhalt.
«Er war sehr interessiert an Bern»
Eberhard Kornfeld war empört über die Behandlung seines Geschäftspartners durch die deutsche Polizei und hielt die Beschlagnahmung der Sammlung für ungerechtfertigt. Er weigerte sich deshalb öffentlich, zum Fall Gurlitt Stellung zu nehmen. Wenn überhaupt äusserte er sich nur bruchstückhaft.
Im Interview redet Eberhard Kornfeld nun erstmals über seine Beziehung zum exzentrischen Sammler aus München. Gurlitt sei immer wieder in Bern gewesen. Der Berner Kunsthändler zeigte dem Deutschen damals die Stadt. Eberhard Kornfeld: «Wir waren verschiedentlich im (Kunst-)Museum. Wir waren auch im Münster, in der Altstadt. Er war sehr interessiert an Bern.»
Kornfeld berichtet, wie der deutsche Sammler jeweils in Bern den Erlös aus dem Verkauf seiner Bilder abholte: «Wir haben ihn meistens mit einem Check entschädigt, oder ihn auch bar ausbezahlt. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat er mit diesen Erträgen sein Konto in Zürich eingerichtet. Er ist danach alle vier bis sechs Wochen nach Zürich gereist und hat seine 9000 Euro abgeholt, um sein tägliches Leben zu bestreiten.»
Wie erlebte Eberhard Kornfeld den Mann, der von vielen als verschrobener Sonderling beschrieben wurde? «Er hatte ja keinen Beruf. Er hat vom Verkauf von Werken dieser Sammlung gelebt. Er hatte sonst kein Einkommen.» Sonderling? Kornfeld macht eine Pause und sagt dann, Gurlitt habe alleine, ohne Haushälterin gelebt und sich selber um den Haushalt gekümmert. «Sonderling war das Eine», sagt Kornfeld. Gurlitt sei aber schlussendlich einfach ein Mann mit einem gewissen Vermögen gewesen, der von diesem Vermögen ein wenig verkaufen musste, um seinen täglichen Lebensunterhalt zu bestreiten.
«Die Sammlung sollte nicht in Deutschland bleiben»
Seinen Kunden hatte Kornfeld mehrmals in der inzwischen legendären Wohnung in München besucht: «Das war eine normale Wohnung. In einzelne Zimmer konnte man nicht gehen. Das war vermutlich der Aufbewahrungsraum für die Sammlung. Er erinnere sich aber an ein grosses Gestell, in dem Bilder drin standen.
Auf die Frage, ob seine Kontakte zur Erbschaft des Berner Kunstmuseums geführt haben, gibt sich der Kunsthändler zurückhaltend: «Also das würde ich nicht überbetonen. Aber der gute Gurlitt ist dermassen von Deutschland behandelt worden, dass er primär im Kopf hatte, dass dies (die Sammlung) sicher nicht primär in Deutschland bleiben sollte.»
Oliver Meier, Gurlitt-Experte und Buchautor («Der Gurlitt Komplex») glaubt, dass Eberhard Kornfeld keine «unwesentliche Rolle» beim Testament-Entscheid für Bern gespielt hat. Dies wir nun durch das Interview bestätigt.
Die Gurlitt-Sammlung
|2012 wurden bei einer Polizeiaktion in einer Münchner Wohnung rund 1500 Kunstwerke gefunden, darunter viele bedeutende. Bei den meisten Werken handelte es sich Bilder, die von den Nazis als «entartet» gebrandmarkt und aus den deutschen Museen entfernt wurden. Der Besitzer der Sammlung war Cornelius Curlitt, der die Bilder von seinem Vater, einem deutschen Kunsthändler geerbt hatte. Dieser hatte im dritten Reich vor allem mit «entarteter» Kunst gehandelt. Die Behörden beschlagnahmten die Bilder. Als Cornelius Gurlitt 2014 verstarb, vermachte er die Sammlung dem Kunstmuseum Bern. Sein Testament wurde seither mehrmals vergeblich angefochten. Ab dem 2. November werden nun die Gurlitt-Bilder zum ersten Mal im Berner Kunstmuseum gezeigt.|