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Werden im Gerichtsentscheid oder im Unterhaltsvertrag Unterhaltsbeiträge festgelegt, so ist nach Art. 301a ZPO bzw. Art. 287a ZGB darin anzugeben
- von welchem Einkommen und Vermögen jedes Elternteils und jedes Kindes ausgegangen wird;
- welcher Betrag für jedes Kind bestimmt ist;
- welcher Betrag zur Deckung des gebührenden Unterhalts jedes Kindes fehlt;
- ob und in welchem Ausmass die Unterhaltsbeiträge den Veränderungen der Lebenskosten angepasst werden.
Diese Angaben sind nicht nur wichtig, wenn eine Abänderung des Kindesunterhalts im Sinne von Art. 286 ZGB im Raum steht (vgl. vorstehend Ziff. 7). Auch für eine allfällige Nachforderung (Art. 286a ZGB) wird vorausgesetzt, dass der zur Deckung des gebührenden Unterhalts fehlende Betrag ausdrücklich im Entscheid oder im Unterhaltsvertrag beziffert wird.
Nach Art. 286a ZGB hat das Kind bei einer ausserordentlichen Verbesserung der Verhältnisse des unterhaltspflichtigen Elternteils Anspruch darauf, dass dieser Elternteil diejenigen Beträge zahlt, die während der letzten fünf Jahre, in denen der Unterhaltsbeitrag geschuldet war, zur Deckung des gebührenden Unterhalts fehlten.
Ob eine ausserordentliche Verbesserung der Verhältnisse vorliegt, ist im Einzelfall zu prüfen. In der Regel werden wohl blosse Einkommenssteigerungen nicht genügen für eine Nachforderung nach Art. 286a ZGB. Zu beachten ist nämlich, dass zuerst der laufende bzw. künftige Unterhalt gesichert sein muss, bevor eine Nachforderung im Sinne von Art. 286a ZGB in Frage kommt. Das bedeutet, dass bei einer Verbesserung der Verhältnisse des unterhaltspflichtigen Elternteils zunächst der laufende Unterhaltsbeitrag, notfalls mit einer Abänderungsklage nach Art. 286 Abs. 2 ZGB, so erhöht werden muss, dass er den gebührenden Unterhalt des Kindes deckt. Erst danach kann eine Nachforderung in Frage kommen. Eine Einkommenssteigerung müsste also derart hoch sein, dass damit nicht nur eine Nachzahlung für die vergangenen fünf Jahre, sondern auch der laufende und künftige Unterhalt ohne grosse Schwierigkeiten geleistet werden kann. Eine ausserordentliche Verbesserung der Verhältnisse im Sinne von Art. 286a ZGB wird daher in aller Regel wohl nur im Falle eines Vermögenszuwachses (z.B. durch Erbschaft, Schenkung oder Lotteriegewinn) vorliegen.
Für das Verfahren gilt der Untersuchungs- und der Offizialgrundsatz (Art. 296 ZPO). Der Anspruch muss innerhalb eines Jahres seit Kenntnis der ausserordentlichen Verbesserung geltend gemacht werden (Art. 286a Abs. 2 ZGB). Er geht mit allen Rechten auf den anderen Elternteil oder auf das Gemeinwesen über, soweit dieser Elternteil oder das Gemeinwesen für den fehlenden Anteil des gebührenden Unterhalts aufgekommen ist (Art. 286a Abs. 3 ZGB).