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Schon vor dem Ausbruch der Finanzkrise stand Belém als Durchführungsort des Weltsozialforums 2009 fest. Damit war auch einer der Schwerpunkte festgelegt: Die Ausbeutung und Zerstörung des Urwaldes im Amazonasgebiet und seine ökologischen und sozialen Auswirkungen.
Der zweite Tag des Forums war denn auch ganz dem Thema Amazonien gewidmet. Er begann mit einer Eröffnungsfeier und zahlreichen Workshops, die alle Themen rund um die Zerstörung des Urwaldes behandelten.
Ich hatte schon im Vorprogramm unserer Gruppe Gelegenheit, 500 Kilometer südlich von Belèm ein Gebiet zu besuchen, wo der Regenwald abgeholzt ist. Wo noch vor zehn bis fünfzehn Jahren Urwald stand, sieht man jetzt riesige Zuckerrohrfelder, die zum grössten Teil der Produktion von Ethanol dienen. Daneben stehen Viehweiden, es gibt aber auch viel brach liegendes Land.
Viele Familien von KleinbäuerInnen haben sich in den letzten 25 Jahren, mit der Unterstützung des MST (Bewegung der Landlosen), in diesen Gegenden ansiedeln können. Sie betreiben heute eine angepasste Landwirtschaft, die grössten Teils dem Eigenbedarf dient. Ein Programm, das unter der Regierung Lula eingeführt worden ist, nimmt ihnen Überschüsse für lokale Schul- und Spitalküchen ab und erlaubt ihnen dadurch, ein kleines Einkommen zu erzielen.
Auch am Forum sind die KleinbäuerInnen mit ihren Produkten anwesend. Eine besondere Bedeutung hat die Vermarktung von Handarbeiten und landwirtschaftlichen Produkten für die Frauen, die dadurch eine gewisse ökonomische Selbstständigkeit gewinnen. Die Frauen sind am Forum stark vertreten und spielen innerhalb der sozialen Bewegungen Brasiliens und der Amazonas-Region eine wichtige Rolle. Die vielen Stände, an denen die Frauen ihre Produkte ausstellen, zeigen auch eine grosse Vielfalt von Frauengruppen und Organisationen, die im Amazonasgebiet tätig sind.
Energie- und Umweltkrise sind wichtige Themen an diesem Pan-Amazonien-Tag. Die Zerstörung des Regenwaldes hat verheerende Auswirkungen auf das Weltklima. Ein weiteres wichtiges Thema an diesem Pan-Amazonien-Tag ist die Gewalt: Die Zerstörung und Aneignung von Waldflächen geschieht meistens illegal durch grosse Konsortien. Es geht um riesige Profitmöglichkeiten durch den Holzverkauf, den Bau von Staudämmen und der Gewinnung von Land für Zuckerrohrplantagen und Weideland für Viehherden. Weder die brasilianischen Grossgrundbesitzer, noch die internationalen Geldgeber und Konzerne scheuen vor der Anwendung roher Gewalt zurück. Hunderte von Campesinos und Campesinas, die für ihr Land kämpften und hunderte von Umwelt- und MenschenrechtsaktivistInnen haben im Kampf gegen die Zerstörung des Amazonas-Urwaldes schon ihr Leben verloren. Auch daran erinnern die AktivistInnen der sozialen Bewegungen an ihren Veranstaltungen und an den zahlreichen Ständen, wo man auch Bücher über die Märtyrer dieses Kampfes finden kann.
Trotz der Härte des Kampfes strahlen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Forum viel Optimismus aus. Sie glauben daran, dass jetzt, wo der Kapitalismus und die neoliberale Ideologie schwer angeschlagen sind, eine andere, bessere Welt erst recht möglich ist!