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"Snowden": Das Interview mit Shailene Woodley
Mit "The Descendants" und der "Divergent"-Reihe wurde sie berühmt. In ihrem neusten Film spielt Woodley Linday Mills, die Freundin von Whistleblower Edward Snowden. Wir trafen sie zum Gespräch.
In Oliver Stones Snowden geht es natürlich um den gleichnamigen Whistleblower, welcher mit seinen Enthüllungen im Jahre 2013 die Welt über die Überwachungstaktiken der US-Geheimdienste aufklärte. Die US-Regierung ist darüber nicht erfreut, und deshalb lebt Snowden zusammen mit seiner Freundin Lindsay Mills in Moskau. Im Film wird Mills von der hochgelobten 24-jährigen Shailene Woodley gespielt. Im Interview mit OutNow.CH spricht sie über ihre Rollen-Vorbereitungen, die Zukunft der Divergent-Reihe und darüber, wie sie die Diskussion "Snowden: Held oder Verräter" sieht.
Inwiefern änderte Edward Snowden dein persönliches Leben?
Ich habe 2013 zwar das Geschehen rund um Snowden mitbekommen und gespannt verfolgt. Durch den Film habe ich schliesslich mehr über sein Leben erfahren. In Bezug auf das Technische finde ich es aufregend, eine Koexistenz von Privatsphäre und technischem Fortschritt zu erreichen. Beides ist mir wichtig.
Hat sich dein Verhalten, beispielsweise zu deinem Bruder, in Bezug auf Smartphones geändert?
Mein Bruder ist zum Glück intelligent genug, um zu wissen, was technisch möglich ist. Aber wir diskutieren natürlich über die Themen, die in Snowden angesprochen werden.
Snowden sagt im Film, dass jeder, der behauptet, nichts zu verheimlichen, Quatsch erzählt. Lindsey, seine Freundin, ist damit nicht einverstanden. Wie stehst du dazu?
Zu behaupten, wir hätten nichts zu verstecken in Bezug auf die Privatsphäre, wäre das gleiche, wenn man sagen würde "Oh, mir ist mein Meinungsäusserungsrecht egal, weil ich nichts zu sagen habe." Wir sollten Momente, in denen wir im privaten Rahmen über die Welt denken und sprechen, nicht in die Aussenwelt lassen.
In der Schweiz wird ja gerade über das Nachrichtendienstgesetz abgestimmt. Das ist genau das, was Snowden wollte, dass man darüber spricht. Wie siehst du das?
Ich sehe es genau so. Unabhängig davon, welche Meinung ich vertrete, glaube ich, dass die Möglichkeit, offen darüber zu diskutieren und abzustimmen, der richtige Weg ist.
Der Film ist auch eine schöne Liebesgeschichte. Es heisst ja, Geheimnisse vor seinem Partner zu haben, wäre der Tod einer jeden Beziehung. Bei Snowden und Lindsey klappt es dennoch...
Das ist das interessante an Liebe. Sie macht keinen Sinn. Wenn man jemanden liebt, macht man Dinge, die keinen Sinn ergeben. Zudem waren die Geheimnisse bei Snowden auf seine Arbeit bezogen, nicht auf sein Privatleben.
Wie geht Lindsey mit der gesamten Situation um?
Sie reist sehr viel, auch ohne Snowden. Ich glaube, das ständige Reisen (im Film) von einem Ort zum anderen ist für sie einerseits anstrengend, andererseits auch aufregend. Sie ist ja auch eine Künstlerin und erlebt so viele neue Eindrücke.
Vor einigen Jahren hast du auf dein Smartphone verzichtet. Aber jetzt hast du wieder eines. Weshalb?
Ich hatte keine Lust mehr auf das Smartphone, weil ich nicht von Unnötigem abhängig sein wollte. Aber Lionsgate möchte, dass ich erreichbar bin, somit ist das eigentlich ihr Smartphone.
Apropos Lionsgate: Wie sieht es mit dem letzten Teil von Alliegant aus?
Wenn es ein Film wird, mache ich es. Wird es eine TV-Serie, dann nicht.
Wie wählst du deine Rollen aus? Überlegst du dir, ob dir eine Rolle schaden kann?
Ich bin eine Künstlerin. Schauspielern ist eine Kunst. Im Endeffekt bin ich eine Frau, die sich um die Welt sorgt und darüber sprechen möchte. Bei einem Film wie Snowden, der ein so kontroverses Thema behandelt, besteht die Möglichkeit, die Diskussion in der Gesellschaft neu zu entfachen.
Hast du deshalb auch Bernie Sanders unterstützt?
Ich habe an seine Ehrlichkeit und Transparenz geglaubt. In Amerika gibt es leider wenig Menschen, die vor eine Kamera stehen wollen und sagen, was sie denken. In Bezug auf Trump versuche ich natürlich mitzuverhindern, dass er es nicht ins Büro des Weissen Hauses schafft.
Wie war es, Lindsey zu spielen, eine Frau, die noch lebt und deine Leistung beurteilen kann?
Extrem einschüchternd. Ich traf sie. Sie besuchte das Set während den Dreharbeiten. Sie war sehr liebenswürdig und nett. Sie ertrug während der Enthüllung viele Negativschlagzeilen und liess sie kommentarlos über sich ergehen. Darum bewundere ich sie. Und ich glaube, ohne sie wäre es nie so weit gekommen.
Hat sie den Film schon gesehen? Was hat sie gesagt?
Sie ist vor allem froh, dass die Story draussen ist und wieder darüber gesprochen wird. Das Coole war, dass Snowdens ganze Familie an die Premiere nach New York gekommen ist und Jo (Gordon-Levitt) zum Film gratuliert haben.
Worin unterscheidet sich das Spielen einer fiktiven zu einer realen Person?
Ich war jeden Tag sehr vorsichtig, Lindsey gut zu spielen, da ich sie und Jo, von einem menschlichen Standpunkt gesehen, extrem bewundere. Ein Unterschied besteht darin, dass eine fiktive Person einem nicht sagen kann, dass man sie schlecht gespielt hat. Lindsey hätte das gekonnt. Hat es aber glücklicherweise nicht getan.
Vor allem in den Medien gibt es in Bezug auf Snowden (den Menschen) fast nur Schwarz-weiss: Verräter oder Held. Wie kann man dem entgegenwirken?
Das ist wieder eine grosse Ablenkung. Es gibt so viele Dinge, die uns ablenken, so dass die Regierungen mehr und mehr Macht erlangen können. Mir spielt es keine Rolle, wer ihn als Held oder Verräter sieht. Mir geht es darum, ob es den Menschen egal ist, dass sie von der Regierung zum Beispiel beim Duschen beobachtet werden, wenn das Smartphone im Badezimmer steht. Aktuell können wir über die Überwachung noch schlecht beurteilen. Aber in zehn Jahren sehen wir rückblickend, ob es gegen den Terror genützt hat oder nicht.
Du könntest in die Politik gehen...
Im Endeffekt spielt es keine Rolle, ob man Schauspieler, Arzt oder Journalist ist. Im Grossen und Ganzen geht es uns gut. Vielen anderen Menschen aber nicht. Es ist unsere Pflicht diesen zu helfen. Und es ist wichtig, dass dies gesagt wird.
Snowden mit Joseph Gordon-Levitt, Rhys Ifans, Melissa Leo, Scott Eastwood, Nicolas Cage, Timothy Olyphant, Zachary Quinto, Tom Wilkinson und natürlich auch Shailene Woodley läuft ab dem 6. Oktober 2016 in den Kinos.