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Legasthenie/Dyslexie, Lese-Rechtschreibstörung
Dyslexie in der französischsprachigen Schweiz und Legasthenie in der deutschsprachigen Schweiz sind zwei gleichwertige Begriffe, welche allgemein verwendet werden. Diese sind allerdings von den derzeit gestellten Diagnosen durch Logopäden veraltet und werden stattdessen als eine Lese- Rechtschreibstörung nach der Terminologie der ICD-11* oder des DSM-V** bezeichnet. Sie gehört zu den neuro-entwicklungsbedingten Störungen, ebenso wie die Aufmerksamkeitsdefizitstörung, die Entwicklungsstörung der Koordination oder die Autismus-Spektrum-Störung.
Legasthenie/Dyslexie, Lese- Rechtschreibstörung: Worum handelt es sich?
Bei Kindern mit einer Lese- Rechtschreibstörung können mehrere Bereiche beeinträchtigt sein: das Entziffern (Zuordnung von Buchstaben und Lauten), das Merken unregelmässiger Wörter, die auditive Verarbeitung (Verwechslung von Lauten, Umkehrungen...), die visuelle Verarbeitung (visuelle Verwechslungen, Auslassungen, Überspringen von Zeilen...).
Beim Lesen kann eine erhebliche Verlangsamung beobachtet werden und das Kind hat oftmals Mühe, den Sinn des Gelesenen zu verstehen.
Die Defizite wirken sich stark auf die schulische oder berufliche Funktion des Einzelnen aus und sind nicht durch eine geistige Behinderung, eine Sinnesbeeinträchtigung (Taubheit, Blindheit), ein genetisches Syndrom oder einen Ausbildungs- oder Schulmangel zu erklären.
Die Symptome und ihre Intensität können von Kind zu Kind unterschiedlich sein, aber sie müssen eine erhebliche Abweichung von dem darstellen, was in dem entsprechenden Jahrgang des Kindes zu erwarten ist, damit eine Diagnose gestellt werden kann. Da das Lesen in der Schule erlernt wird, ist es ausserdem wichtig, dem Kind Zeit zu geben, es zu erlernen und zu automatisieren, bevor eine Diagnose gestellt wird.
Legasthenie/Dyslexie, Lese- Rechtschreibstörung: Wie kann man dem Kind helfen?
Nachdem ein Defizit diagnostiziert worden ist, wird häufig eine logopädische Behandlung vorgeschlagen, welche mit einer pädagogischen Betreuung einhergeht. Das Ziel einer logopädischen Behandlung besteht darin, dem Kind Hilfen und Strategien zur Verbesserung seiner Lesefähigkeiten zu geben und gemeinsam mit den Eltern und Lehrern zu überlegen, wie das Kind am besten unterstützt werden kann.
Die Schwierigkeiten sind dauerhaft. Es gibt keine definitive Heilung der Lese-Rechtschreibschwäche***. Dank seiner persönlichen Ressourcen und der Unterstützung durch sein familiäres und schulisches Umfeld lernt das Kind jedoch, mit seinen Defiziten zu leben und sie zu kompensieren, sodass sie weniger benachteiligt sind. In der Schule sind Massnahmen zum Nachteilsausgleich möglich oder bei Bedarf können Hilfsmittel wie ein Tablet oder ein Computer eingesetzt werden.
Wenn du dir Sorgen um die Lese-Rechtschreibstörung deines Kindes machst, spreche darüber mit der Lehrerin, dem Lehrer oder dem Kinderarzt/ärztin, welche dich über die notwendigen Schritte informieren können. Auf der Webseite logopaedie.ch findest du ebenfalls wertvolle Informationen.
*Internationale Klassifikation der Krankheiten durch die Weltgesundheitsorganisation - WHO
**Diagnostic and Statistical Manual durch die American Psychiatric Association
***wie bei allen entwicklungsneurologischen Störungen