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«Rundschau»-Beitrag «Hokus Pokus oder Heilmittel» beanstandet V
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Mit Ihrer E-Mail vom 29. April 2019 haben Sie den «Rundschau»-Beitrag «Hokuspokus oder Heilmittel» vom 17. April 2019 beanstandet. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
Es wurden alle Register gezogen um auf die Homöopathie ein schlechtes Licht zu werfen.
- Beda Stadler: Verdünnung des Mittels im Zürichsee, das ist homöopathisch unkorrekt, müsste in einem Gefäss verdünnt werden. Niemand von den homöophatischen Ärzten hatte in der Rundschau eine Chance, die Unwahrheit zu berichtigen.
- Beda Stadler schluckte ein ganzes Fläschchen mit Globuli und verspürte keine Wirkung: Schlucken eines Mittels, welches nicht in Bezug steht zur Konstitution, hier von Stadler, bleibt wirkungslos.
Die Mails von Frau Grams passen nicht in eine seriöse Sendung. Die Mails haben keinen Bezugzur Homöopathie in der Schweiz. Die Mails dienten somit nur einer primitiven Aufhetzung und Manipulation. Grams wurde als Opfer dargestellt.
Die Schminkszene von Frau Grams hat mit sachlicher Information nichts zu tun, für mich war es primitiv.
Als der Apotheker das Mittel auf dem Lederkissen verschüttelte, ging dieser Szene Beda Stadlers Verschütteln auf einem Tuch anstelle des Lederkissen bereits vor, es wurde lächerlich gemacht und als Zauberei abgetan ( Manipulation ) erst im Nachhinein folgte der seriöse Beitrag des Apothekers.
Die Sendung wurde in meinen Augen perfekt dazu verwendet, sich lächerlich über die Homöopathie zu machen.
B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Herr Mario Poletti, Redaktionsleiter «Rundschau», schrieb:
Gerne nehmen wir Stellung zur Beanstandung von Frau X.
Sie schreibt, der Rundschau-Beitrag sei «perfekt dazu verwendet worden, die Homöopathie lächerlich zu machen». Dies weisen wir zurück. Die Rundschau hat vor allem über den Glaubensstreit zwischen Befürwortern und Gegner berichtet – und insbesondere herausgearbeitet, dass dieser Streit zunehmend mit harten Bandagen geführt wird.
Die Verdünnung im Zürichsee diente als Beispiel um aufzuzeigen, wie stark eine C6 Verdünnung bei homöopathischen Mitteln ist - übrigens längst nicht die stärkste Verdünnung, die es gibt. Die gängigen Mittel in einer homöopathischen Hausapotheke haben eine D30 Verdünnung. Hätten wir das gezeigt, wäre das Beispiel noch viel extremer ausgefallen. Wir denken, dem Zuschauer ist klar, dass Homöopathen in steriler Atmosphäre verdünnen und nicht in einem See. Die Szene in der Apotheke, wo der Apotheker sogar mit Mundschutz arbeitet, unterstreicht das. Von daher zielt Ihre Behauptung, niemand von den Homöopathen habe eine Chance, die «Unwahrheit» (über das Verdünnen im See) zu berichtigen, ins Leere. Der Apotheker zeigt dem Fernsehpublikum sehr genau, wie das Verdünnen abläuft.
Es ist von der Wirkung her unerheblich, dass Stadler ein ganzes Fläschchen Globuli schluckt. Denn es befindet sich kein einziges Molekül des Ausgangsstoffes mehr darin. Dies sagen auch die Homöopathen, zum Beispiel in der Apotheke, wo es um Globuli mit dem Ausgangsstoff Salpetersäure geht.
Die Hass-Mails, die Frau Grams bekommen hat, zeigen die aufgeheizte Stimmung und untermauern unsere These, dass es einen Glaubensstreit zwischen beiden Lagern gibt. Ob die Mails aus Deutschland oder aus der Schweiz kommen, macht unseres Erachtens keinen Unterschied. Wenn die Beanstanderin von einer «primitiven Aufhetzung und Manipulation» schreibt, unterstreicht das, wie aufgeladen die Stimmung ist.
Bei der Kritik über das Verschütteln bringt die Beanstanderin etwas durcheinander. Sie moniert, erst würde Beda Stadler im Labor das Verschütteln auf einem Tuch zeigen, erst danach der Apotheker auf dem Lederbock. Es ist umgekehrt. Erst tritt der Apotheker auf, danach Stadler. Wir können nicht nachvollziehen, was das an der Aussagen ändern soll.
Zur Schminkszene folgendes: Sie unterstreicht die Nervosität von Frau Grams kurz vor ihrem Auftritt in Winterthur. Damit wird eine gewisse Anspannung dokumentiert, welche die Protagonistin Grams verspürt. Dies ist legitim unterstreicht die Kernaussage des Berichts, dass nämlich die Diskussion um die Wirksamkeit der Globuli zu einem Glaubenskrieg mutiert ist.
Fazit: In unserer Reportage zur Homöopathie lernten wir Gegner und Befürworter kennen. Pro – und Contra-Argumente wurden transparent und verständlich dargestellt. Der Reporter hat beide Positionen kritisch hinterfragt. Darum sind wir überzeugt, dass sich das Publikum zu diesem hochemotionalen Thema jederzeit eine eigene Meinung bilden konnte.
Wir bitten Sie, sehr geehrter Herr Blum, die Beanstandung abzuweisen.
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung.
In dem von Ihnen kritisierten «Rundschau»-Beitrag[1] geht es um den Glaubenskrieg bezüglich der Wirksamkeit von Globuli. Wie emotional und gehässig dieser geführt wird, zeigen u. a. die Hass-Mails, an die Homöopathiegegnerin, Dr. Natalie Grams. Sie wird in den beiden gezeigten Bespielen als «elende Dreckhure» bezeichnet und jemand möchte ihr sogar Rattengift geben, damit sie sieht, wie ihre Schulmedizin hilft. Sie monieren, dass die Mails keinen Bezug zur Homöopathie in der Schweiz hätten, dabei wird nirgends erwähnt, woher diese Hass-Mails stammen. Von einer primitiven Aufhetzung oder gar Manipulation ist nichts zu sehen. Die «Rundschau» zeigt nüchtern zwei Beispiele, wie heftig Frau Harms in persönlichen E-Mails angegriffen und verunglimpft wird. Dies hat mit einer Opferzuschreibung nichts zu tun.
Ihre Kritik über die Reihenfolge beim Verschütteln ist ausserdem ungerechtfertigt. Tatsächlich wird zuerst der eidg. diplomierte Apotheker, Guido Brun, gezeigt [Timecode: 07:45 – 08:30] und erst dann der emeritierte Professor und ehemalige Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern, Beda Stadler [Timecode: 09:05 – 09:45] gezeigt. Dass Beda Stadler diesen Vorgang als Zauberei abtut, ist seine persönliche Meinung, die er äussern darf. In der Sendung erhalten mehrere Homöopathie-Befürworterinnen und Befürworter ebenfalls Gelegenheit, sich zu äussern und ihre Meinung kundzutun.
Ich gehe mit dem Redaktionsleiter der «Rundschau», Herrn Mario Poletti, einig, dass dem Publikum völlig klar war, dass Homöopathinnen und Homöopathen beim Verdünnen steril arbeiten und keinesfalls so wie beim demonstrativen Verdünnen von Beda Stadler. Hier ging es ja vorallem darum, den Zuschauerinnen und Zuschauern zu zeigen, was denn eine «C6» Verdünnung wirklich bedeutet. Das Beispiel war eindrücklich und geeignet, um sich überhaupt eine Vorstellung davon machen zu können. Wie bereits erwähnt, hat der Apotheker dann gezeigt, wie das Verdünnen im professionellen Bereich vonstattengeht.
Im Übrigen teile ich die Antworten von Herrn Poletti bezüglich ihrer verbleibenden Kritiken. Ihren Vorwurf, der «Rundschau»-Beitrag sei «perfekt dazu verwendet worden, die Homöopathie lächerlich zu machen», kann ich nicht gelten lassen. Das Publikum wurde nicht manipuliert, sondern sachgerecht informiert und konnte sich frei eine eigene Meinung bilden. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen kann.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüssen,
Manfred Pfiffner, stv. Ombudsmann
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