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Strafrechtstheorien.
Die Untersuchung der Frage nach Ursprung und Zweck der Strafe hat zur Aufstellung verschiedener S. geführt. Man unterscheidet:
1) Absolute Theorien (Rechtfertigung der Strafe aus ihrem Grunde).
2) Relative Theorien (Rechtfertigung der Strafe aus ihrem Zwecke).
3) Vereinigungstheorien (Rechtfertigung der Strafe aus Grund und Zweck).
1)
Absolute S.
Ihre hervorragendsten
Vertreter sind Kant,
Hegel und Herbart. Nach Kant ist das
Strafgesetz ein kategorischer Imperativ,
das einzig richtige Strafmaß das Wiedervergeltungsrecht. Nach
Hegel ist Verbrechen die Negation des
Rechts,
Strafe die Negation
der Negation des
Rechts, also
Position des
Rechts, Wiederherstellung des
Rechts. Neuere
Vertreter dieser S.
sind
Berner, Hälschner; auf viele andere und bedeutende
Strafrechtslehrer ist sie von erheblichem Einfluß gewesen. Hierher
gehört auch die
Strafrechtstheorie, welche die
Strafe unmittelbar von Gott ableitet, ihre Vollziehung als Vollziehung eines
göttlichen
Befehles auffaßt (Friedr. Jul.
Stahl, s. d.). - 2) Relative S.:
Abschreckung;
die alte
Theorie
der
Abschreckung oder Generalprävention rechtfertigt die Strafvollstreckung durch den Schrecken, welcher dadurch den andern
vor Verübung von Verbrechen eingeflößt wird;
während Feuerbach mit seiner Theorie des psychol.
Zwangs und Bauer mit seiner Warnungstheorie das Strafgesetz mit seiner Androhung der Strafe, die natürlich dann auch vollstreckt werden muß, wenn die bloße Androhung nichts geholfen hat, abschreckend wirken läßt. Die Specialpräventionstheorie rechtfertigt den Strafvollzug damit, daß der Verbrecher entweder dadurch an weiterer Verübung von Verbrechen thatsächlich (durch die Todesstrafe, Einsperrung u. s. w.) verhindert oder von weiterer Begehung von Verbrechen abgeschreckt wird. Dasselbe Resultat will die Besserungstheorie durch die sittliche Erziehung des Verbrechers mittels der Strafvollstreckung erreichen.
3) Vereinigungstheorien. Sie haben unter den jüngern Kriminalisten viele
Anhänger. Man geht davon aus, daß mit der
Aufstellung
einer bestimmten
Strafrechtstheorie etwas Greifbares für die Lösung der fragwürdigen Probleme heutigen Rechtslebens nicht
zu gewinnen ist (Mittelstadt). Die
Strafe soll den
Bedingungen, aus denen das Verbrechen entsprang, nach
Möglichkeit angepaßt sein. Danach wird, je nach
Lage des Einzelfalles, dieser oder jener Strafzweck (
Abschreckung, Warnung,
Besserung, Unschädlichmachen) in den Vordergrund treten. Insbesondere ist es die beabsichtigte Wirkung auf den Verbrecher
(Gelegenheitsverbrecher, Gewohnheitsverbrecher), welche
Inhalt und Umfang der
Strafe bestimmt. (S. auch Kriminalanthropologie
und
Internationale kriminalistische
Vereinigung.) - Litteratur s.
Strafrecht.