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Die Lymphangioleiomyomatose (LAM) ist eine seltene, chronische Lungenerkrankung – und eine Frauenkrankheit. Die Ursachen liegen in den Genen, wobei die Veränderungen vererbt oder erworben sein können. Die Hauptsymptome sind Atemnot und sinkende körperliche Belastbarkeit. Die LAM ist zwar nicht heilbar, lässt sich aber mit Medikamenten meist gut behandeln.
Die Lymphangioleiomyomatose – abgekürzt LAM – ist eine sehr seltene Lungenerkrankung, die fast nur Frauen betrifft. In den Wänden der Bronchien und Lungengefässe bilden sich untypische glatte Muskelzellen, die sich übermässig vermehren und Bindegewebe bilden. Die benachbarten Strukturen in der Lunge verdicken und vernarben dadurch zunehmend und können die Bronchien und Gefässe blockieren. Zudem verdrängt und zerstört das vernarbte Gewebe immer mehr gesundes Lungengewebe und es bilden sich Hohlräume (Zysten). So mangelt es den betroffenen Personen schliesslich an lebenswichtigem Sauerstoff.
Forschende bringen einen Defekt im sogenannten TSC-Gen mit LAM in Verbindung. Diese Genveränderung erwerben betroffene Personen entweder sporadisch im Lauf des Lebens oder sie bekommen diese vererbt. Im letzten Fall entwickelt sie sich im Rahmen einer anderen Erbkrankheit, der Tuberösen Sklerose.
Frauen mit einer LAM leiden unter zunehmender Atemnot und sinkender körperlicher Leistungsfähigkeit. Mit der Zeit kann die Lungenkrankheit zu einem Sauerstoffmangel führen. Es gibt jedoch Behandlungen, welche die Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern. In seltenen Fällen hilft nur noch eine Lungentransplantation.
Die LAM ist eine chronische Erkrankung, die während der fruchtbaren Phase der Frau weiter fortschreitet und nach der Menopause deutlich milder verläuft. Heilbar ist sie derzeit noch nicht, aber behandelbar. Allerdings forschen Wissenschaftler/-innen seit einigen Jahren intensiv an der Lungenerkrankung, um mehr Erkenntnisse über sie zu gewinnen und neue Therapien zu entwickeln.
Die LAM ist eine sehr seltene Krankheit, die nahezu ausschliesslich bei Frauen vorkommt. Fachleute vermuten daher auch hormonelle Ursachen, bei denen die weiblichen Geschlechtshormone eine Rolle spielen.
Die sporadische Form der LAM betrifft etwa drei bis fünf von einer Million Frauen. Etwa viermal häufiger ist dagegen die vererbte Form der Lungenerkrankung, die im Rahmen der Tuberösen Sklerose auftritt: Sie betrifft etwa 19 von einer Million Frauen. Die Tuberöse Sklerose ist ein sehr vielschichtiges Krankheitsbild, das unter anderem mit Tumoren an verschiedensten Organen, Hautveränderungen und Epilepsie einhergehen kann. Weltweit gibt es etwa 200.000 Frauen mit Tuberöser Sklerose, die gleichzeitig an einer LAM erkrankt sind. Dagegen haben nur rund 30.000 Frauen eine sporadische LAM.
Die Lymphangioleiomyomatose zeigt sich meist erstmals im mittleren Lebensalter mit etwa 35 Jahren. Allerdings ist die Diagnose der LAM schwierig und langwierig. Weil die Lungenerkrankung so selten ist, kommt sie kaum im Alltag der Ärzte und Ärztinnen vor, weshalb sich die Erstdiagnose oft um Jahre verzögert.
Die Ursachen der Lymphangioleiomyomatose sind noch nicht genau geklärt. Aber vermutlich liegen sie in einem defekten Gen, genauer gesagt im TSC1- oder TSC2-Gen. Diese Gene sind für die Herstellung zweier Eiweisse zuständig, welche die „Bauanleitung“ für das Hamartin bei TSC1 und für das Tuberin bei TSC2 liefern. Die Genveränderung hat zur Folge, dass eines der beiden Eiweisse, Tuberin oder Hamartin, im LAM-Gewebe nicht normal ausgebildet ist. Diese Proteine bremsen normalerweise das Wachstum der LAM-Zellen.
Ärzte und Ärztinnen kennen zwei Formen der Lymphangioleiomyomatose: Ein Mensch kann LAM ohne eine andere Erkrankung (sporadisch) oder im Zusammenhang mit einer anderen Krankheit bekommen – der Tuberösen Sklerose (vererbt).
Die Veränderung (Mutation) in einem TSC-Gen tritt spontan auf und ein Mensch erwirbt sie im Laufe seines Lebens. Sie wird also nicht vererbt und auch nicht an den Nachwuchs weitergegeben. Die gutartigen Zellwucherungen betreffen nur die Lunge. Zudem treten gutartige Nierentumore (Angiomyolipome) gehäuft auf.
Eine Rolle spielen vermutlich auch Hormone. Die „kranken“ LAM-Zellen tragen auf ihrer Oberfläche Andockstellen (Rezeptoren) für weibliche Geschlechtshormone, die Östrogene. Binden sich die Hormone an diese, werden Wachstumsreize an die Zellen vermittelt. Sie vermehren sich übermässig und die LAM nimmt ihren Anfang. Dies ist womöglich auch der Grund, warum fast nur Frauen davon betroffen sind.
Die LAM tritt im Rahmen einer anderen Erkrankung auf, der Erbkrankheit „Tuberöse Sklerose“. Kinder bekommen das veränderte TSC-Gen von ihren Eltern vererbt. Für den Krankheitsausbruch genügt es, wenn eine der beiden Genkopien (mütterlich oder väterlich) die Mutation trägt (Erbgang autosomal-dominant). Ist ein Elternteil erkrankt, liegt das Erkrankungsrisiko für das Kind bei 50 Prozent. Sind beide Eltern betroffen, beträgt die Erkrankungswahrscheinlichkeit 75 bis 100 Prozent.
Die gutartigen Zellwucherungen betreffen in diesem Fall nicht nur die Lunge, sondern zusätzlich andere Organe wie die Haut, Nieren und das Gehirn. Etwa 30 Prozent der Patienten und Patientinnen mit Tuberöser Sklerose entwickeln eine LAM der Lunge.
Daneben sind noch einige allgemeine Risikofaktoren bekannt, die den Verlauf der LAM ungünstig beeinflussen können. Dazu gehören Rauchen und Infektionen der Lunge mit Viren oder Bakterien.
Die Symptome der Lymphangioleiomyomatose sind unterschiedlich und nicht bei jeder Frau gleich intensiv ausgeprägt. Ausserdem sind die Beschwerden wenig charakteristisch und können auch bei anderen Lungenerkrankungen vorkommen, etwa Asthma bronchiale, Bronchitis oder einer Lungenüberblähung (Lungenemphysem). Daher ist die LAM auch für uns nicht ganz leicht zu diagnostizieren.
Am häufigsten kommen folgende Symptome bei der LAM vor:
Später können einige Komplikationen hinzukommen:
Entwickelt sich die LAM im Rahmen der Tuberösen Sklerose, beschränken sich Gewebeveränderungen und die Beschwerden nicht nur auf die Lunge. Folgende weitere Symptome sind möglich:
Die Diagnose der LAM ist auch für uns eine Herausforderung. Denn die LAM kommt selten vor und wir haben bei uns kaum mit der Lungenkrankheit zu tun. Zudem sind die Symptome oft so unspezifisch, dass auch andere Erkrankungen der Lunge dahinterstecken können. Dazu gehören Asthma bronchiale, die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD oder eine Bronchitis. Daher verstreicht oft einige Zeit, bis betroffene Personen die korrekte Diagnose LAM erhalten. Wir stellen Ihnen anfangs einige Fragen zur Krankengeschichte (Anamnese), zum Beispiel:
Ihre Antworten auf diese und andere Fragen helfen uns schon, eine erste Einschätzung zu treffen. Dann folgen weitere Untersuchungen zur Diagnose der LAM.
Darüber hinaus suchen wir noch nach anderen Auffälligkeiten sowie Hinweisen auf eine Tuberöse Sklerose, etwa:
Dafür setzen wir bei Bedarf weitere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT = Kernspintomografie) oder die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) ein.
Laut den Leitlinien der European Respiratory Society (ERS) müssen für die Diagnose der LAM folgende Kriterien vorliegen:
Fachkräften verschiedener Kliniken des Universitätsspitals und des Kinderspitals Zürich, des Instituts für Medizinische Genetik der Universität Zürich sowie des Schweizerischen Epilepsiezentrums Zürich an der Klinik Lengg haben sich zu einem Kompetenzzentrum für Tuberöse Sklerose, dem TSC-Zentrum Zürich, zusammengeschlossen, um die medizinische Versorgung der betroffenen Patientinnen und Patienten zu verbessern. Das Zentrum wurde 2013 als erstes TSC-Zentrum in der Schweiz anerkannt.
In der Klinik für Pneumologie werden etwa 25 Patientinnen mit LAM von PD Dr. med. Christian Clarenbach betreut. Es besteht eine internationale Vernetzung mit europäischen und internationalen Experten und Expertinnen, die bei Bedarf um zusätzlichen Rat gefragt werden können.
Die Ursachen der Lymphangioleiomyomatose scheinen vor allem in den Genen zu liegen. Zudem spielen vermutliche weibliche Geschlechtshormone wie die Östrogene eine Rolle, weil fast ausschliesslich Frauen an LAM erkranken. Auf beides – die Gene und Hormone – haben Sie keinen beziehungsweise kaum Einfluss. Deshalb gibt es auch keine Massnahmen zur Früherkennung und Vorbeugung einer Lymphangioleiomyomatose. Allgemein gilt: Suchen Sie uns bei Atemwegsbeschwerden grundsätzlich zeitnah auf.
Die LAM ist eine chronische Erkrankung, die ohne Behandlung immer weiter fortschreitet. Sie schränkt die Atmung zunehmend ein und vermindert die körperliche Belastbarkeit. Allerdings lassen sich der Verlauf und die Prognose der LAM nicht allgemein vorhersagen – sie sind individuell verschieden. Manche Frauen entwickeln nur milde Symptome und haben über viele Jahre eine gute Lebensqualität, auch ohne Behandlung. Sie können ihren Alltag und Beruf gut meistern. Andere „erwischt“ die LAM dagegen stärker und die Lungenfunktion nimmt kontinuierlich ab. Auch die Lebensfreude leidet meist darunter.
Ausserdem sind Komplikationen im Verlauf der LAM möglich. Dazu gehören der Lungenkollaps (Pneumothorax) oder der Chylothorax – eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Pleuraspalt.