Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03533.jsonl.gz/1299

'Der Stift und das Papier' ist ein autobiografischer Roman des deutschen Schriftstellers Hanns-Josef Ortheil. Darin erzählt der Autor seine ganz persönliche Geschichte des Schreibens. Nachdem seine Mutter vier ihrer Söhne verloren hatte (zwei im Krieg, zwei direkt nach der Geburt), hörte sie für eine sehr lange Zeit auf zu... 'Der Stift und das Papier' ist ein autobiografischer Roman des deutschen Schriftstellers Hanns-Josef Ortheil. Darin erzählt der Autor seine ganz persönliche Geschichte des Schreibens. Nachdem seine Mutter vier ihrer Söhne verloren hatte (zwei im Krieg, zwei direkt nach der Geburt), hörte sie für eine sehr lange Zeit auf zu sprechen und kommunizierte nur noch über beschriebene Zettel. Als der junge Ortheil drei Jahre alt war, machte er es ihr nach, er wurde ebenfalls stumm. Durch seine sprachliche Barriere tat er sich nicht nur in alltäglichen Situationen schwer, Mitmenschen zu verstehen und deren gesprochene Worte einzuordnen, sondern auch in der Schule. Mit acht Jahren musste er dann eines Herbstes zur Nachprüfung antreten, um in die nächsthöhere Volksschulklasse aufzusteigen. Im Sommer zuvor entwickelte sich daraus ein Unterricht der ganz besonderen Art zwischen Vater und Sohn. In der Jagdhütte des Vaters in der Nähe des elterlichen Ferienhauses im Nordrhein-westfälischen Westerwald lernte der junge Ortheil durch seinen Vater das Schreiben und entdeckte dabei dieses als seine ganz große Passion. Hanns-Josef Ortheil, Autor unzähliger Romane, begibt sich in seinem neuesten Werk auf eine Reise weit zurück in die Vergangenheit zu den Ursprüngen seines Schreibtalents. In der ehemaligen Jagdhütte seines Vaters befindet sich bis heute eines der größten Archive seiner Kindheit. Zwei Jahre setzte sich Ortheil damit jetzt auseinander und verfasste daraus ein neues Meisterwerk. Angefangen mit einfachen Zeichenübungen über alltägliche Kurzgeschichten bis hin zu Reisetagebüchern (vgl.: 'Die Moselreise.' München 2010 & 'Die Berlinreise.' München 2014), schildert Ortheil, aus Sicht des kleinen Jungen, welcher er damals war. Obwohl als Erwachsener verfasst, ist das gesamte Buch ein im Präsens geschriebener innerer Monolog des jungen Ortheil. Seine Entwicklung vom stummen, introvertierten Außenseiter hin zum Beginn seiner ganz großen Schriftstellerkarriere. Auf eine wundervolle Art und Weise nimmt der Autor den Leser mit auf eine Reise in die Welt seines damaligen Ichs, wie dieses seine Umgebung wahrnimmt und gleichzeitig künstlerisch verarbeitet. 'Der Stift und das Papier' ist die Vorgeschichte aller bisherigen autobiografischen Werke Ortheils und könnte genauso 'Wie alles begann' heißen. Ich war ein Jahr lang in Berlin beruflich tätig. Mit einer deutschen Kollegin von damals pflege ich bis heute eine sehr enge Freundschaft. Bei unserem letzten Treffen schenkte sie mir das Buch 'Die Berlinreise' von Hanns-Josef Ortheil. Dies ist das Reisetagebuch des jungen Ortheils von damals, der als Zwölfjähriger 1964 das erste Mal mit seinem Vater in das geteilte Nachkriegsberlin fährt. Es ist eine Spurensuche oder besser gesagt, eine – wie Ortheil selbst schreibt – Reise in die Vergangenheit seiner Eltern. Diese heirateten nämlich 1939 und zogen dann nach Berlin. Nach Kriegsende sind sie nie wieder dorthin zurückgekehrt. Die Art und Weise wie Ortheil in diesem Werk all seine Eindrücke und Beobachtungen schildert, war für mich so beeindruckend und faszinierend, dass ich mich schon fragte, ob möglicherweise bald ein weiteres Buch aus Sicht des jungen Ortheils nachfolgen wird und siehe da, es kam eines: 'Der Stift und das Papier' – die Geschichte seines Schreibens.