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Gerne beginne ich mit einem herzlichen Dank an die beiden Autoren von Sakrales Zürich: dem Priester Markus Weber und dem Fotografen Stephan Kölliker.
Das Werk, welches sie uns heute vorstellen, ist ein Glaubensbuch. Es ist ein Glaubensbuch eigener Art. Es ist ein Glaubensbuch, welches uns die Entfaltung des katholischen Lebens in Zürich aus der Perspektive von Gebäuden vorführt, aus dem Blickwinkel von Kirchenbauten. Es lässt uns auf diese Weise insbesondere das Zentrum unseres Glaubens erkennen. Es setzt dieses Zentrum ins Bild: Die Mitte und den Höhepunkt des ganzen Lebens der christlichen Gemeinde, wie sich das Zweite Vatikanische Konzil im Dekret Christus Dominus (30) ausdrückt. Dazu die folgende Erklärung:
1717, nachdem bekannt wurde, dass der venezianische Gesandte in seinem Haus in der Limmatstadt die heilige Messe hatte lesen lassen, lässt sich der Kleine Rat von Zürich vernehmen, dies sei in ihrer reinen Stadt unerträglich und unzulässig. Zu keiner Zeit werde geduldet, dass in dieser Stadt und in diesen Gebieten die Messe gelesen werde.
1803 wird infolge der Säkularisierung die Rheinau und ihr Benediktinerstift dem Kanton Zürich zugeteilt, ebenso das paritätische Dietikon. Das zwingt den Rat zu einer neuen Auseinandersetzung mit der katholischen Konfession.
1807 findet die Tagsatzung in Zürich statt. Der Kleine Rat wird dadurch veranlasst, Richtlinien für katholische Gottesdienste zu erstellen. In der Folge wird den Katholiken St. Anna, eine Abdankungskapelle, als Gottesdienstraum zugewiesen. Es wird auch der erste Pfarrer für Zürich (ein Mönch der Rheinau) gewählt.
1814 anerkennt die Kantonsverfassung ausdrücklich die Konfession der katholischen Gemeinden. Anderseits müssen sich die Pfarrer vor der staatlichen Kommission des Inneren mit einem Handgelübde zur Einhaltung bestimmter Regeln und Vorschriften verpflichten.
1819 wird der Bischof von Chur, Karl-Rudolf von Buol-Schauenstein, unter anderem Administrator des Kantons Zürich, Gebiet des dazumal noch bestehenden Bistums Konstanz.
1833 dürfen die Katholiken, wegen Platzmangel in der Anna-Kapelle, das Fraumünster benutzen.
1844 wird den Katholiken die Augustiner Kirche zugewiesen und als katholische Kirche geweiht.
1868 – damit erreichen wir den eigentlichen Ausgangspunkt des uns präsentierten Werkes – erfolgt die Einsegnung des ersten Neubaus einer katholischen Kirche im Kanton Zürich: St. Peter und Paul, Winterthur. Die Weihe findet jedoch erst 1897 statt.
1873 kommt es, nach dem Ersten Vatikanischen Konzil, in der Stadt Zürich im Zuge einer Spaltung innerhalb der Pfarrei zu einem Rückschlag für die papsttreuen Katholiken: der Verlust der Augustiner-Kirche.
1874 wird die Kirche St. Peter und Paul, Zürich, fertiggestellt. Daher gilt sie bis heute als Mutterkirche der Stadt.
Auf weitere Daten will ich verzichten. Sie werden uns mit dem Fachbuch über alle 117 Katholischen Kirchen im Kanton Zürich geliefert. Daran erinnern möchte ich, dass die Entfaltung eines derart starken katholischen Lebens in Zürich nicht ohne die Hilfe der katholischen Urschweiz und auch von katholisch Graubünden möglich wurde. Eigens zu nennen ist die Institution der Inländischen Mission, Zug (1863 gegründet). In diesem Zusammenhang muss auch die Bistumsleitung in Chur erwähnt werden: Den Zürcher Katholiken kam zugute, dass gerade in dieser Zeit eine Reihe von Geistlichen in der Leitung des Bistums Chur tätig waren, die in ihrer früheren Seelsorgetätigkeit die Probleme der Diaspora aus eigener Anschauung kennengelernt hatte. (MAX STIERLIN, Die Katholiken im Kanton Zürich 1862-1875 im Spannungsfeld zwischen Eingliederung und Absonderung, NZN Buchverlag 1996, S. 58, vgl. auch S.38).
Zurück zum eingangs zitierten Wort, wonach das Buch Sakrales Zürich zur Mitte und zum Höhepunkt des ganzen Lebens der christlichen Gemeinde führt. Das wird durch eine Geschichte von 150 Jahren des katholischen Kirchenbaus im Kanton Zürich eindrücklich dokumentiert. Dies hatte der Kleine Rat von Zürich denn auch 1717 sehr wohl begriffen: Katholisches Leben entfaltet sich von dieser Mitte her und auf diesen Höhepunkt hin. Es entfaltet sich durch die heilige Messe. Die heilige Messe wird in einer Kirche gefeiert. Um katholisches Leben zu verhindern, braucht es deshalb ein Verbot der heiligen Messe.
Der Kirchenbau in sich ist auf die Eucharistie ausgerichtet, weil ordentlicherweise der Altar das Zentrum einer Kirche bildet. Das wird auch in diesem Buch klar dokumentiert. Die Eucharistie, so ein weiteres Zitat aus den Verlautbarungen des Zweiten Vatikanums, enthält ja das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle, Christus selbst, unser Osterlamm und das lebendige Brot (Presbyterorum Ordinis 5). Durch dieses lebendige Brot ist die katholische Kirche im Kanton Zürich gewachsen. Für dieses lebendige Brot wurden innerhalb von 150 Jahren 117 Kirchen errichtet.
Ich wünsche dem nun vorzustellenden Buch den verdienten Zuspruch. Nochmals herzlichen Dank an die Autoren für die wertvolle Arbeit, und an alle, welche materiell und ideell zur Verwirklichung dieses Werkes beigetragen haben.