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Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft
Dresden,
[* 16] 355 m ü. M., an der
RotenWeißeritz und der
Hainsberg-KipsdorferEisenbahn, hat 2
Kirchen, Strohhut- und Pappenfabrikation und (1880) 3321 meist evang.
Einwohner. Dippoldiswalde ist Sitz einer Amtshauptmannschaft und eines Amtsgerichts. Am Westrand der
Stadt steht das nach dem Dreißigjährigen
Krieg neugebaute
Schloß, in welchem das sogen. DippoldiswalderMandat über die
Prozeßordnung (1691) entstand.
Ein unterirdischer
Gang
[* 17] führt nordwärts zu einer Sandsteinklippe in der
Heide, wo in einer Höhlung nahe am Einsiedlerbrunnen
der Heidenapostel Dippold
(Adalbert,
Apostel der
Preußen)
[* 18] gelebt
und einen böhmischenPrinzen getauft haben
soll. Jenem
Einsiedler soll der
Legende nach Dippoldiswalde seinen
Namen verdanken. Die Stadt ward sehr wahrscheinlich im 10. Jahrh. von
böhmischen
Bergleuten angelegt, gewann bald durch die nahen
Bergwerke Bedeutung und erhielt 1363
Mauern.
(Kardengewächse), dikotyle Pflanzenfamilie aus der
Ordnung der
Aggregaten unter den Sympetalen,
Kräuter oder
Stauden mit meist gegenständigen Blättern und kopfigen, behüllten Blütenständen. Der
Boden des
Köpfchens ist entweder
nur mit den
Blüten oder zugleich auch mit borstigen oder spreublattartigen Deckblättern besetzt; auch ist jede einzelne
Blüte
[* 19] mit einem besondern kelchartigen, einblätterigen
Hüllchen
(Außenkelch)
[* 20] umgeben, welches an der Mündung verengert
und am
Rand entweder ganz oder in
Zähne
[* 21] geteilt ist.
Der
Fruchtknoten ist unterständig; an seinem obern Ende trägt
er den Kelchsaum, der gewöhnlich über dem
Fruchtknoten eingeschnürt
und am
Rand entweder ganz, oder gezahnt, oder in borstenförmige Zipfel zerteilt ist, welche bisweilen federartig gebartet
sind. Die dem
Kelch eingefügte röhrenförmige
Blumenkrone hat einen aus vier oder fünf
Abschnitten bestehenden,
oft ungleichen
Saum und trägt vier im
Grunde der
Röhre entspringende, mit den
Abschnitten des
Saums abwechselnde
Staubgefäße,
[* 22] von denen die zwei vordern bisweilen kürzer oder antherenlos sind.
Sie verlangt einen thonigen, bindenden, wasserhaltenden
Boden und wird breitwürfig oder besser in
Reihen gesäet, vorteilhafter
aber auf besondern Pflanzbeeten erzogen und im
Sommer wie
Runkelrüben in
Entfernungen von etwa 60
cm verpflanzt.
Die
Karde blüht im zweiten Jahr, und die
Ernte
[* 28] beginnt gewöhnlich Ende Juli oder Anfang
August vor dem völligen Abblühen,
dauert aber wegen der ungleichmäßigen
Entwickelung der Blütenköpfe oft mehrere
Wochen. Ein
Hektar liefert durchschnittlich
240,000 Kardenköpfe von allen
Größen. Diese dienen zum Aufkratzen und
¶
mehr
Appretieren wollener Gewebe.
[* 30] Man bevorzugt die französischen (Rouener, Avignoner) wegen ihres vorzüglich festen Gehäkes,
welches sie einer sehr sorgfältigen Kultur und den klimatischen Verhältnissen verdanken. Beim Anbau leidet die Weberkarde
durch Frost, Meltau, Regen bei der Ernte und durch ein Aaltierchen (s. d.), welches die Kernfäule verursacht und durch rechtzeitiges
Ausbrechen und Verbrennen der kernfaulen Köpfe vertilgt werden kann. Dipsacus sylvestrisL. (wilde Kardendistel), 1 m
hoch, mit am Rand kahlen oder zerstreut-stachligen Blättern und nicht hakig gekrümmten Spreublättchen, wächst auf wüsten
Plätzen, Wegrändern etc. Die gegenüberstehenden Blätter bilden durch Verwachsung ihrer Ränder kleine Becken, in welchen
sich Regenwasser sammelt (Venuswaschbecken, daher auch der griechische Name »die Durstige«). Aus Drüsen
der Blätter schießen von Zeit zu Zeit Protoplasmafäden bis in das Wasser hervor, um aus diesem, wie es scheint, Ammoniak
oder andre Pflanzennahrungsstoffe aufzunehmen.
Dipteryx odorataWilld., ein Baum in
den Wäldern von Guayana, liefert in seinen Samen die holländischen Tonka- (Tonga-, Tonko-) Bohnen. Diese riechen stark und
angenehm aromatisch, etwas meliloten- oder auch heuartig, schmecken bitter aromatisch und enthalten außer fettem Öl in reichlicher
MengeKumarin (s. d.), welches sich bei alten Samen bisweilen in kleinen, weißen Kristallen ausscheidet.
Die Tonkabohnen sind länglich, plattgedrückt, bis 5 cm lang und bis 1 cm breit, glatt, netzrunzelig, fettig anzufühlen, glänzend
schwarz oder schwarzbraun.
(griech.), eine aus zwei zusammengelegten Blättern bestehende Schreibtafel,
die ursprünglich aus Holz gefertigt und mit Wachs überzogen war, bis sie der steigende Luxus aus Silber, Gold
[* 40] und Elfenbein verfertigte.
Bestanden diese Schreibtafeln aus drei und mehreren Blättern, so nannte man sie Triptycha, Polyptycha
etc. Prätoren, Ädilen und Konsuln bedienten sich der Diptychen zu öffentlichen Geschenken, was später nur noch den letztern
gestattet wurde.
In der alten christlichen Kirche wurden zunächst die Namen der Wohlthäter der Kirche in sie eingetragen und
bei dem der Konsekration vorangehenden Gebet vom Diakon vorgelesen, während gegenwärtig der Priester bei dem »Memento Domine
etc.« im Meßkanon sie nur noch leise nennt oder auch ihrer nur gedenkt oder, die Diptychen auf den Altar
[* 41] niederlegend, in
allgemeinen Worten auf sie hindeutet. Nur die griechische und armenische Kirche haben den Gebrauch der vom
Diakon zu rentierenden Diptychen bis jetzt beibehalten. Aus den Diptychen gestrichen zu werden, galt als gleichbedeutend
mit der Exkommunikation. Nicht selten sind die Diptychen auch mit bildlichen Darstellungen geschmückt, die sie kunstgeschichtlich
interessant machen; sie wurden vielfach als Buchdeckel der Ritualbücher benutzt.
Auch veröffentlichte er die Novelle »JosephAnstey« (1863) sowie »Nature-study as applicable to
the purposes of poetry and eloquence« (1869, 2. Aufl. 1870) und »Naturalistic
poetry« (1872). Er starb 1873.
Rede (lat. oratio directa), Redeweise, bei welcher die Worte eines Dritten geradezu, wie er sie gesprochen,
also unabhängig von einem andern Satz, angeführt werden (z. B. Cäsar sagte: ich kam, sah und siegte),
im Gegensatz zur indirekten Rede (Cäsar sagte, daß er ... gesiegt habe).
Sein Hauptwerk, welches in der juristischen Lexikographie Epoche gemacht hat, ist das »Manuale latinitatis fontium
juris civilis Romanorum« (Berl. 1837-39). Dirksens »Hinterlassene
Schriften« wurden herausgegeben von F. Dirksen Sanio (Leipz.
1871, 2 Bde.).
Vgl. Sanio, Zur Erinnerung an H. E. Dirksen (Leipz. 1870).
(lat.), die im 12. Jahrh. aufkommende Art der
Mehrstimmigkeit, deren Prinzip im Gegensatz zu der vorher üblichen Parallelbewegung des Organums (s. d.)
streng durchgeführte Gegenbewegung war (franz. Déchant). Aus der Verschmelzung beider zunächst einander gegenübertretender
Satzweisen entwickelte sich der eigentliche Kontrapunkt. Der Discantus war anfänglich durchaus nur zweistimmig; der Melodie des Cantus
planus wurde Note gegen Note eine abweichende höhere (!) gegenübergestellt und zwar ohne vorgängige Aufzeichnung
von den Sängern improvisiert. Später stellte man zwei und drei diskantierende Stimmen auf, und nun wurde die schriftliche
Bearbeitung unerläßlich. Die nach den ältesten Regulae discantandi einzig zulässigen Intervalle waren die Oktave, Quinte
und der Einklang. - Discantus oder Diskant, auch s. v. w. Sopran (franz. Dessus).
clericalis (lat.), eine Sammlung von 39 aus orientalischen Quellen, besonders aus
Syntipas, geschöpften
Erzählungen, von Moses aus Huesca im 12. Jahrh. für Geistliche mit moralischen Betrachtungen und Lebensregeln
ausgestattet.
con discrezione, musikalische Vortragsbezeichnung, besonders für die
Begleitungsart der Gesangs- und der Solostücke, fordert Unterordnung der Begleitung (die übrigens selbstverständlich ist),
besonders hinsichtlich der Tonstärke.
(Disco), Insel an der Westküste von Grönland, unter 70° nördl. Br., im N. der gleichnamigen
Bai, ist etwa 160 km lang, durchweg ziemlich hoch (975 m) und enthält ausgezeichnete Kohlenlager. An ihrer Südküste liegt
der Hafenplatz Godhavn. Nördlich von Disko, durch den Meeresarm Vaigat von dieser Insel geschieden, erstreckt sich die Halbinsel
Nugsuak, dann jenseit des Umanak- (Omenak-) Fjords die Halbinsel Swartenhuk. Das Ganze bildet einen der
wichtigsten Teile der westgrönländischen Küste.
Die Bezeichnung Diskont rührt von der eigentümlichen Art der Berechnung her. Man bezeichnet
ihn, wie auch sonst die Zinsen, in Prozenten, aber nicht in Prozenten der vom Gläubiger gegebenen Summe, also des Kaufpreises
des Wechsels, sondern von der rückzuzahlenden Summe vom Betrag des Wechsels. Nach dem in der kaufmännischen Rechenkunst üblichen
Ausdruck kann man sagen, daß der Diskont nicht »auf 100«, sondern
»im 100« berechnet wird, so daß gleichsam beim Verkauf eines Wechsels die Zinsen schon im voraus am Diskontotag (Verkaufstag)
entrichtet werden.
Wenn z. B. ein in drei Monaten fälliger Wechsel auf 500 Mk. zu 4 Proz. diskontiert wird, so erhält
der Wechselinhaber nur 495 Mk.; es werden ihm ¼ (drei Monate) × 4 × 5 Mk. abgezogen.
Derjenige, der diskontieren läßt,
ist von dem Interesse geleitet, durch thunlichst rasche Versilberung seines Wechselversprechens neue Kapitalien für den Weiterbetrieb
seines Geschäfts zu gewinnen. Indem so das Diskontieren mit Hilfe von augenblickliche Verwendung suchenden
Mitteln einen ununterbrochenen Betrieb ermöglicht, gewinnt es auch eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung.
Dasselbe wird natürlich nicht vom Wechselschuldner selbst, sondern von einer Mittelsperson besorgt, die ein Geschäft daraus
macht. Als Nebengeschäft betreiben es zuweilen Unternehmungen, die vorübergehend große Geldsummen einnehmen, für die sie
in kürzerer Zeit wieder Verwendung haben, um in der Zwischenzeit die Zinsen nicht zu verlieren (Eisenbahn-
und Versicherungsgesellschaften), als Hauptgeschäft Bankiers, Bankanstalten (Diskonto-, Eskomptebanken); letztere besonders,
um ihre kurz befristeten Depositen nutzbar zu machen. Zu diesem Behuf wird von den größern Instituten an bedeutenderen Bankplätzen
von Zeit zu Zeit ein bestimmter Satz aufgestellt, zu welchem diskontiert zu werden pflegt (Platzdiskont,
der an einem Börsenort gerade herrschende Diskontsatz). Je sicherer der eigentliche Wechselgläubiger (Acceptant) ist, desto
leichter können Wechsel auch unter diesem Satz, Diskontsatz oder Diskont schlechtweg, angebracht werden.
Der Diskontsatz, dem andre als die großen Bankanstalten zu folgen pflegen, und der in der Regel ⅛ oder
¼ niedriger als der Bankdiskont zu sein pflegt, heißt Privatdiskont. Die Ausnutzung des Unterschieds in dem Bankdiskont
verschiedener Plätze heißt Diskontarbitrage. Die Diskonthöhe hängt im allgemeinen von den Umständen ab, welche den Zinsfuß
bestimmen, dann von der augenblicklichen Dringlichkeit des Begehrs und des Angebots von Bargeld. In normalen Fällen ist
der Diskont niedriger als der landesübliche Zinsfuß, was im wesentlichen auf die Wechselstrenge und die dadurch gebotene Sicherheit
sowie darauf zurückzuführen ist, daß der Wechsel verfügbare Geldbestände auf kurze Zeit zinstragend anzulegen gestattet.
In Fällen der Geldknappheit jedoch, in welchen anderweit nicht zu erlangendes Bargeld zum unerläßlichen Mittel wird, die
wirtschaftliche Existenz zu behaupten, oder wenn augenblicklich günstige Konjunkturen rasch ausgenutzt werden sollen, kann
der Diskont sehr stark in die Höhe gehen. So kann denn auch der Diskont sehr stark je nach dem Wechsel derKonjunkturen schwanken.
Aus gleichenGründen ist seine Höhe von Land zu Land mehr verschieden als die des landesüblichen Zinsfußes.
Der Diskonteur, d. h. also der Diskontierende (Diskontgeber), diskontiert oft nur Wechsel, damit dieselben durch Hinzufügung
seines Indossaments die dritte Unterschrift erhalten, ohne welche Wechsel in der Regel bei größern Bankanstalten nicht diskontiert
zu werden pflegen. In diesem Fall muß sich der Wechselinhaber entweder einen etwas höhern als den gewöhnlichen
Diskontsatz oder eine besondere Vergütung an denselben gefallen lassen.
Größere Bankanstalten nehmen eine geringere Provision (½ Proz. bei Wechselschuldnern über See, sonst ¼, ⅛ Proz., oft
nur 1 pro Mille), stellen aber höhere Anforderungen an den Wechsel, indem etwa der diskontable, d. h. der statutengemäß
zur Diskontierung zulässige, Wechsel wenigstens 2-3 gute Unterschriften tragen, nicht über eine bestimmte
Zeit (meist drei Monate) laufen darf. Der Diskonteur kann nicht immer die diskontierten Wechsel, die man kurzweg auch Diskonten
nennt, bis zum Fälligkeitstermin liegen lassen; er gibt wieder Diskonten, oder er
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