Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03185.jsonl.gz/1364

Der Chevrolet Camaro mischt heute ganz vorne bei den Muscle Cars mit. Das war nicht immer so, denn seine Geschichte beginnt als Mustang-Killer, als Weltrekord-Setzer und als Objekt der wohl seltsamsten Marketing-Kampagne der Autogeschichte.
Heute, im Jahre 2020, kämpfen der Ford Mustang, der Dodge Challenger und der Chevrolet Camaro um die Krone des American Muscle. Es kann zwar keinen wirklichen Gewinner in diesem Wettkampf geben, aber das hält weder FCA, General Motors oder Ford davon ab, zu kämpfen. Vor allem Chevrolet, heute eine Marke des General-Motors-Konzerns, ist sich das gewöhnt. Denn anno 1965 sehen die Charts auf dem Automarkt für Chevy zwar gut aus, aber da könnte mehr drinliegen. Die Marktsieger.
- Kleine Autos: Chevrolet Nova
- Mittelgrosse Autos: Chevrolet Chevelle
- Grosse Autos: Chevrolet Impala
Drei von drei Kategorien mit dem ersten Platz aus dem Hause Chevy? Dominiert Chevrolet absolut? Nein, denn da ist seit kürzester Zeit eine vierte Kategorie. Das Pony Car ist massentauglich, sportlich, anpassbar und sieht aus, als ob es massiv Leistung hat. Sie sind das, was wir heute generell als «American Muscle» kennen.
- Kleine Autos: Chevrolet Nova
- Mittelgrosse Autos: Chevrolet Chevelle
- Grosse Autos: Chevrolet Impala
- Pony Car: Ford Mustang
Mist. Das gefällt Chevrolet nicht. Es kann doch nicht sein, dass sie in drei von vier Kategorien den US-Markt beherrschen und nicht einmal ein Pony Car haben, das gegen den Ford Mustang antreten kann.
Der Entschluss fällt: Ein Mustang-Killer muss her.
Damit beginnt eine absurde Geschichte, an der das Auto selbst eigentlich der langweiligste Aspekt selbst ist. Denn bis die ersten Kunden in den 1960ern mit einem Camaro durch die Strassen kurven, ruft Chevrolet ein Tier ins Leben, dann eine Gesellschaft zur Auslöschung selbigen Tiers, setzt einen Weltrekord und kann kein Französisch.
Der Panther wird ausgelöscht
Der Camaro heisst nicht immer Camaro. Im April 1965 bekommt die Autofachpresse erstmals Wind davon, dass Chevrolet an einem Auto arbeitet, das dem Ford Mustang Konkurrenz machen soll. Der Codename dieses Mustang-Killers? Chevrolet Panther.
Mit einem neuen Auto geht immer eine Marketing-Kampagne einher. In der heutigen Zeit sind das meist Aufnahmen des Autos, wie es durch eine Stadt fährt. Der Zuschauer soll verstehen, dass das Auto in der Stadt fahren kann. Dann ein paar Aufnahmen aus der Luft, wie das Auto durch den Wald fährt. Freiheit bietet das Auto auch. Im Hintergrund düdelt irgendwelche Fahrstuhlmusik oder ein Popsong.
Anno 1966 aber geht das anders. Am 21. Juni wird ein Telegramm verschickt, der Inhalt rätselhaft.
……….Please save noon of June 28 for important SEPAW meeting. Hope you can be on hand to help scratch a cat. Details will follow……………….(signed) John L. Cutter – Chevrolet Public Relations – SEPAW Secretary.
Bildlegende: Bevor er Camaro hiess, hiess der Camaro Chevrolet Panther
Wer ist SEPAW? Bedeutet der Part mit dem Katzenkratzen etwa, dass der Panther kommt? Die über 200 Autojournalisten in den USA, die dieses Telegramm erhalten, rätseln gut 24 Stunden lang, bis ein weiteres Telegramm eintrifft:
„………..Society for the Eradication of Panthers from the Automotive World will hold first and last meeting on June 28. (Insert city here) chapter will meet at (insert hotel name here) and join national 14 city telephone hookup with meeting in Detroit at which national president E. M. Estes will preside. Please telephone acceptance to Frank Faraone, (Telephone # ) Delaware 7-4601……….. (signed) John L. Cutter – Chevrolet Public Relations SEPAW Secretary………
Die «Gesellschaft für die Auslöschung des Panthers in der Autoindustrie»? Erstes und letztes Meeting? Spinnt John L. Cutter komplett? Und ein Telefonanruf mit 14 Teilnehmern? Geht das überhaupt? Doch die grosse Frage bleibt: Wenn Chevrolet den Panther auslöschen will, womit will der Konzern dem Mustang Konkurrenz machen?
Doch bevor Chevy den sich wundernden Journalisten etwas erklärt, stellt die Riege um John L. Cutter einen Weltrekord auf. Denn die Telefon-Pressekonferenz war der bis dato grösste Telefonanruf der Menschheitsgeschichte. Noch nie zuvor haben 14 Personen gleichzeitig miteinander telefoniert.
Am Telefonanruf selbst vergeht nicht viel Zeit. Das neue Auto heisst nicht Panther, denn das passt nicht ins Schema Chevrolets. Alle Automodelle beginnen in den 1960ern mit einem C. Der Neue soll nicht anders sein. Kurz darauf fällt ein Wort: Camaro.
Wer oder was ist ein Camaro?
Die Autojournalisten, die gerade aufgehört haben, sich am Kopf zu kratzen, kratzen sich am Kopf. Mit Chevrolet ist es vorbei. Die Autos mögen gut sein, aber der Obrigkeit des Autoherstellers und seines Mutterkonzerns General Motors hat es komplett ausgehängt. Zuerst die ganze SEPAW-Sache, jetzt noch ein leicht spanisch klingendes Wort, das selbst die spanischsten Spanier aus Spanien noch nie gehört haben. Und das soll den Mustang besiegen? Ja, ne, is klar.
Der Camaro «soll Kameradschaft andeuten, zwischen guten Freunden. Wie das bei einem Auto und seinem Besitzer sein soll», sagt Pete Estes, General Manager bei General Motors.
Die Journalisten haken nach: Wer oder was ist ein «Camaro»? Also, wenn es nicht ein Auto ist. Ein Mustang ist ein Pferd, eine Corvette ist ein kleines Kriegsschiff. Irgendwas muss ein Camaro ja sein.
Dann aber behauptet Estes, dass «Camaro» französisch sei. Es bedeute so etwas wie «Freund» oder «Kumpel» oder «Kamerad». Nur, dass es im Französischen das Wort nicht gibt. Da ist «camarade», das mit «Kamerad» übersetzt wird. Die Journalisten haken nach und Estes spricht, wohl mit einem Lachen. Er gibt einen Satz von sich, der bis heute die Qualitäten des Camaros beschreiben soll. Ein Zitat, das in die Annalen der Autogeschichte eingehen wird. Was ist eine Camaro?
«Ein kleines wildes Biest, das Mustangs frisst.»