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Über den Postflug oder Balkanflug von Walter Mittelholzer vom 28. Juni 1934 wurde im Rahmen des Bilderrätsels vom 28.06.2013 bereits berichtet. Der achtzigste Jahrestag dieses legendären Flugs bietet nun Gelegenheit zur näheren Betrachtung seines unglücklich – glücklichen Ausgangs.
So gut nämlich das ganze Unterfangen der Flugreise von Zürich nach Istanbul und zurück mit Stopps in Neapel, Athen und Belgrad gelungen war, verlief die letzte Teilstrecke von Belgrad nach Zürich eher glimpflich. Die Mittagsausgabe der NZZ vom 29. Juni 1934 beschreibt die Stimmung in Zürich am Abend der erwarteten Rückkehr des Flugpioniers:
Eine grosse Menschenmenge erwartete am Donnerstagabend in Dübendorf die Rückkehr Walter Mittelholzers, der am Donnerstagfrüh bei günstigsten atmosphärischen Bedingungen zu seinem Eintag- Orientflug aufgestiegen war, mit etwelcher Sorge; hatte sich doch das Wetter im Laufe des Nachmittags zusehends verschlimmert, und zahlreiche Gewitter zogen sich über das nordöstliche Europa. […] Nach 21 Uhr – die Leitung des Zivilflugplatzes war ohne jegliche Nachricht – wurde die Flugplatzbeleuchtung in Funktion gesetzt, um dem Piloten bei der wegen der tiefhängenden Wolken vorhandenen schlechten Sicht die Landung zu erleichtern. Vergebens spähte man in die dunkle Nacht, vergebens strengte man sein Ohr an, um ein allfällig sich näherndes Motorengeräusch wahrzunehmen.
In der Morgenausgabe der NZZ vom 30. Juni 1934 erfahren wir dann, was jenseits des Bodensees geschah:
Um 17 Uhr 29 wurde zur letzten Etappe gestartet und südlich am Plattensee vorbei dem Semmering zugesteuert. Nach Dachstein herrschten im Bayrischen Gebiet heftige, blitzreiche Gewitter, so dass Mittelholzer genötigt war, stark nördlichen Kurs zu halten. Zweimal versuchte er vergeblich, irgendwo gegen die Schweiz hin durchzustechen; aber die Blitzgefahr war zu gross und so blieb nichts anderes übrig, als irgendwo jenseits des Bodensees niederzugehen. So setzte Mittelholzer seinen roten Vogel [eine Lockheed 9 B Orion] um 21 Uhr 10 auf einer grossen Wiese in Pfullendorf bei Ravensburg nieder. Beim Ausrollen geriet er in einen kleinen, in der Dunkelheit nicht sichtbaren Graben, was die geringfügige Strebenbeschädigung […] zur Folge hatte.
Die Lockheed Orion nach der Landung in Pfullendorf (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, LBS_MH02-27-0006)
Die Lockheed Orion wird repariert (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, LBS_MH02-27-0009)
Ende gut, alles gut: Walter Mittelholzer schreibt in seinem Reisebericht in der NZZ vom 8. Juli 1937, Blatt 7:
In Pfullendorf selbst fanden wir bei den Behörden und der Bevölkerung die freundlichste Unterstützung. Die Post wurde gleich der Bahn nach Zürich übergeben, und gegen Mittag langten auch die Ersatzbestandteile aus der Schweiz ein. Die kräftigen Arme der S.A.-Mannschaft von Pfullendorf hoben unsern immerhin über 1200 kg schweren Vogel aus dem verhängnisvollen Graben, und um 18 Uhr starten wir zum letztenmal, uns mit einigen Ehrenrunden von der zahlreich erschienenen Bevölkerung des kleinen Städtchens verabschiedend. Eine Viertelstunde später hatte unsere Fahrt über 4500 km. in Dübendorf ihren Abschluss gefunden.
Link:
Bilderrätsel vom 28.06.2013: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2013/06/28/bilderratsel-3/