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Die verschiedenen Varianten der Ökosysteme des Atlantischen Regenwaldes, in den einzelnen Regionen seiner Verbreitung, haben einstmals unzählige kulturelle Gruppen angelockt, sich dort niederzulassen, heute sind sie die Begründer einer gesellschaftlichen Diversifikation unter den gegenwärtig 120 Millionen Einwohners dieses Bioms. “Praieiros“ (Strandbewohner), “Jangadeiros“ (Flossfischer), “Caipiras“ (Inlandbauern), “Sitiantes“ (Gutsbesitzer), “Pescadores artesanais“ (Artesanale Fischer), “Caiçaras“ (Mischlinge zwischen Indios und Portugiesen), “Açorianos” (Einwanderer von den Azoren), “Ribeirinhos” (Flussbewohner), Quilombolas“ (Mitglieder von Kommunen entflohener Sklaven), “Índios“ (Indianer) sind die bekanntesten Protagonisten jener alteingesessenen Volksgruppen, die eine intime Verbindung zur Natur und dem harmonischen Umgang mit ihr, in ihrer Kultur und in ihrer eigenen Art der Lebensgestaltung, demonstrieren. Es folgen ein paar Informationen über die bedeutendsten Gruppen:
Quilombolas
Ländliche Kommunen, die aus ehemaligen “Quilombos” hervor gegangen sind, Siedlungen von entflohenen, losgekauften und befreiten Sklaven aus der Zeit der “Abolição“ (Sklavenbefreiung von 1888) – man nennt sie auch “Mocambos“, “Terras de Pretos“ (Land der Schwarzen), “Comunidades negras isoladas“ (isolierte Kommunen Schwarzer Sklaven) oder “Remanescentes de Quilombos“ (Überreste von Quilombos). In Brasilien gibt es zirka 500 solcher Kommunen – davon 375 im Atlantischen Regenwald. Innerhalb dieser Gruppen besitzt jede Familie ein demarkiertes Stück Land, mit “im Gebrauch befindlichen Feldern“ und so genannten “Capuavas“ (deren Boden sich von der Bearbeitung ausruht), sowie einem Areal, auf dem die natürliche Vegetation sich ungestört entwickeln kann, eventuelle Früchte werden gesammelt.
Seit der Zeit der ersten “Quilombos“ haben wirtschaftliche Aktivitäten und die illegale Besetzung durch Viehzüchter, Holzfäller, Minenunternehmen und Goldsucher jenen verbliebenen Kommunen immer mehr von ihrem Land entrissen. Diese Situation motivierte im Jahr 1988 eine Bewegung der schwarzen Bevölkerung, die das Recht auf Landbesitz für die “Quilombos“ von der Regierung einforderte – was dann durch den Artikel 68 in der Brasilianischen Verfassung abgesegnet wurde. Die politische Organisation der “Quilombolas“ wurde zu einem fundamentalen Instrument in der Verteidigung ihrer Rechte.
Índios
Die ältesten Besetzer des Atlantischen Regenwaldes erreichten eine Bevölkerung in Millionenhöhe, vor der Kolonisierung Brasiliens. Gegenwärtig sind nur noch 370.000 von ihnen im ganzen Land übrig geblieben, verteilt auf wenig mehr als 200 Völker, davon zirka 70 in Indianer-Territorien (ITs) im Atlantischen Regenwald – verteilt auf zahllose Dörfer.
Die zahlreichste indigene Gruppe in diesem Biom bilden die Guarani – in den Bundesstaaten Espírito Santo, Mato Grosso do Sul, Paraná, Rio de Janeiro und in São Paulo. Die Kaingang leben in Paraná, Santa Catarina, São Paulo und in Rio Grande do Sul. Darüber hinaus gibt es viele weitere Gruppen im Atlantischen Regenwald, wie die Krenak, die Pataxó, die Terena und die Xocleng.
Obwohl sie unterschiedliche Sprachen sprechen und nach ihren eigenen Sitten und Gebräuchen leben, ist es diesen indigenen Völkern gelungen, die fallende Kurve ihres Bevölkerungsrückgangs ab der 70er Jahre umzudrehen – und sie haben eine Reihe von kollektiven Rechten durchsetzen können, wie zum Beispiel die Demarkierung ihrer Ländereien und eine Beteiligung an politischen Entscheidungen die ihre realität betreffen.
Caiçaras
Sie leben auf dem Küstenstreifen zwischen dem Bundesstaat Rio de Janeiro und dem Bundesstaat Paraná und gehören einer der ersten kulturellen Gruppen an, die aus dem Prozess der Völkermischung in Brasilien entstand – auf der einen Seite Indianer, die vor den europäischen Eroberern flüchteten, auf der andern Portugiesen, die vom offiziellen Prozess der Besetzung ausgeschlossen waren. Diese Verbindung resultierte in isolierten Kommunen, kulturell und wirtschaftlich abgeschnitten von der kolonialen Struktur.
Die Mischung von europäischen und indigenen Kenntnissen und Techniken bildete die Basis zur Besetzung ihres Lebensraumes und der Nutzung der dortigen natürlichen Ressourcen, in Form einer selbsterhaltenden Feldbearbeitung, der Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe, dem Sammeln von Waldfrüchten, der Jagd und dem Fischfang. Alles in einem naturschonenden Verfahren, dank ihrer geringen Bevölkerungszahl, der Art und Weise ihrer Ausbeutung, ihrer besonderen Nutzung und Kenntnis der Natur.
Die Entwicklung der Industrie, der Landwirtschaft, des Tourismus und der zunehmenden Urbanisierung in den Gebieten der Caiçaras – und vor allem die Schaffung von Naturschutzzonen, die eine Nutzung ihres gewohnten Lebensraumes plötzlich verringerten und eingrenzten – führten zu einem kritischen Prozess der Verarmung und dem Verlust der Identität dieser Gruppe, deren Mitglieder notgedrungen dazu übergehen mussten, sich nunmehr als Arbeiter für jene neuen wirtschaftlichen Aktivitäten anzubieten.
Erst in den letzten Jahren haben sich die Caiçaras mit Unterstützung von seiten nicht-gouvernamentaler Organisationen (GNOs) sich selbst organisiert und zu einem gemeinsamen Kampf entschlossen, der sich um ihre Rechte und die Einführung von Modellen für eine naturerhaltende Entwicklung und die Wiedererlangung ihrer Identität dreht.