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Dekabristen
(Dezembermänner, v. russ. dekaber, Dezember), die Teilnehmer jenes Aufstandes, welcher im Dezember 1825 unter mehreren Offizieren der russischen Armee zum Ausbruch kam, die den vergeblichen Versuch machten, den damals erfolgten Thronwechsel zu einer eingreifenden Staatsveränderung zu benutzen. Seit dem längern Aufenthalt russischer Offiziere in Deutschland [* 2] und in Frankreich während der letzten Napoleonischen Kriege und der dreijährigen Okkupation Frankreichs hatte sich dieser Kreise, [* 3] besonders der Gardeoffiziere, Unzufriedenheit mit den heimischen Zuständen bemächtigt.
Eine Umgestaltung der russischen Staatsverhältnisse war das Ziel dieser Männer, welches einige Zeit selbst dem Kaiser Alexander nicht fern lag. Aber der Abschluß der Heiligen Allianz und die darauf folgende, fast ganz Europa [* 4] beherrschende Reaktion stempelte die Beschäftigung mit solchen Zielen zu einem Staatsverbrechen, und aus den jungen militärischen Reformatoren wurden Verschwörer. Dieselben bildeten verschiedene geheime Gesellschaften, welche sich in zwei große Gruppen teilten, den nördlichen und den südlichen Bund.
Jener, dessen Hauptquartier in Petersburg [* 5] war, hatte an seiner Spitze den hierfür untauglichen Fürsten Sergius Trubezkoi; dieser, dessen Leiter sich in Kiew [* 6] befanden, stand unter dem fähigen und entschlossenen Obersten Paul v. Pestel, dem Adjutanten des Generals Grafen von Wittgenstein. Pestel hatte bereits eine russische Verfassung ausgearbeitet und darin die Verhältnisse in der Schweiz [* 7] und in Nordamerika [* 8] zum Muster genommen. Die Ausführung solcher idealistischer Pläne setzte den Sturz des russischen Kaisertums voraus, und es wurde auch beschlossen, eine Truppenmusterung, welche Kaiser Alexander im Mai 1826 in Südrußland veranstalten wollte, zur Ermordung des Kaisers und zum Umsturz der Regierungsform zu benutzen.
Aber Alexander starb in Taganrog, und nun mußten die noch nicht gehörig vorbereiteten Verschwörer rasch handeln, um zu verhindern, daß eine neue kaiserliche Regierung sich festsetze. Sie benutzten daher den Umstand, daß man von der Thronentsagung des ältesten kaiserlichen Bruders, des Großfürsten Konstantin, damals Vizekönigs in Polen, unter dem Volk nichts wußte, und stellten denselben als den rechtmäßigen Thronfolger, den zweiten Bruder Alexanders, Nikolaus, aber als Usurpator hin.
Unter dem Vorwand, die
Rechte des erstern zu verteidigen, erregten die
Dekabristen einen Militäraufstand in
Petersburg gegen
den neuen
Kaiser
Nikolaus. Der
Aufstand, welchem es vollständig an der Leitung fehlte
(Fürst Trubezkoi
war nirgends zu sehen), wurde von
Nikolaus mit
Kartätschen niedergeschlagen, der
Bund im
Süden gleichfalls unterdrückt. Oberst
Pestel wurde infolge einer
Denunziation gefangen genommen und aufgehängt, ebenso der tüchtige Oberst
Murawjew-Apostol,
Rylejew
u. a., die übrigen Verhafteten, gegen 120, meist nach
Sibirien geschickt.
Vgl. die anonym erschienene
Schrift des
Barons
Andreas v.
Rosen (s. d.): »Aus den
Memoiren eines russischen
Dekabristen« (2. Aufl., Leipz.
1874).