Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03469.jsonl.gz/1834

| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

9. Buch
14. Kann der Mensch trotz seiner Sterblichkeit glücklich sein im Sinne der wahren Glückseligkeit?
Ob der Mensch glückselig und sterblich zumal sein könne, darüber besteht große Meinungsverschiedenheit. Die einen haben ihr Los in Demut betrachtet und in Abrede gestellt, daß der Mensch, solang er in diesem sterblichen Leben weilt, der Glückseligkeit fähig sein könne. Andere dagegen haben sich überhoben und zu behaupten gewagt, wer die Weisheit besitze, könne als Sterblicher glückselig sein. Warum stellt man dann nicht lieber die Weisen in die Mitte zwischen die unseligen Sterblichen und die seligen Unsterblichen, da sie die Glückseligkeit mit den seligen Unsterblichen und die Sterblichkeit mit den unseligen Sterblichen gemein haben? Denn gewiß beneiden sie niemand, wenn sie selig sind [was wäre auch unseliger als der Neid?], und verhelfen darum den unseligen Sterblichen, so gut sie es vermögen, zur Erlangung der Glückseligkeit, damit sie nach dem Tode auch unsterblich sein und sich den unsterblichen seligen Engeln beigesellen können.