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Wer in der heutigen Zeit online einen Diskurs führt, wird auch schon damit Bekanntschaft gemacht haben: Meme-Argumente. Die Diskussion, ob diese sinnvoll sind oder nicht, lassen wir aussen vor – sie sind auf jeden Fall Zeitgeist. Und im Moment kursiert gerade das da:
Zum Glück gibt es Watson. Also das Watson Institute der renommierten Brown University. Das Institut unterhält das Programm «Costs of War» – im März erschien der jüngste Bericht. Es handelt sich dabei um den Versuch, zu berechnen, wie viel Geld die USA jährlich für Kriegshandlungen – also nicht einfach generell fürs Militär und die eigene Verteidigung – ausgeben. Diese Kosten zu berechnen, ist kein leichtes Unterfangen; gewisse Budgets sind intransparent – zum Beispiel bei der Terrorabwehr. Deshalb beruft sich «Costs of War» auch auf die Informationen des Wissenschaftlichen Dienstes des Kongresses. Ausserdem ist die trennscharfe Definition von «Kriegskosten» zu anderen militärischen Ausgaben schwierig. Fast die Hälfte der Gesamtsumme beansprucht aber das Budget für «Einsätze im Ausland» (Overseas Contingency Operations [OCO]). Ebenfalls grosse Posten sind Erhöhungen des Verteidigungsbudgets aufgrund von Kriegsaktivitäten, die Betreuung von Kriegsveteranen und der Kampf gegen Terrorismus.
In diesem Paper heisst es:
Daraus folgt die Milchbüechlirechnung:
Die erste Aussage des Memes stimmt somit nicht ganz. Mit weniger als 10% Abweichung befinden sich die 32 Millionen aber in der tolerierbaren Region. Wir sind uns aus den USA mittlerweile andere Verfälschungen gewohnt.
Ein Onlinetool, welches sich auf ältere Brown-Zahlen beruft, kommt übrigens auf diese 32 Millionen. Es ist anzunehmen, dass sich der oder die Erschafferin des Memes dort inspirieren liess.
Die Krux des Memes liegt *Überraschung* an seiner Simplifizierung. Es fehlt eine Definition, was mit «the U.S.» gemeint ist. Die Staatskasse in Washington? Oder grundsätzlich die öffentliche Hand in Amerika?
Die öffentliche Hand, also die Zentralregierung in Washington und die einzelnen Bundesstaaten, geben jährlich deutlich mehr als 290 Milliarden (30 Millionen pro Stunde) für das Gesundheitswesen, die Bildung und Infrastrukturprojekte aus.
Während im Gesundheitswesen der Löwenanteil der Ausgaben direkt oder indirekt von der Zentralregierung gedeckt wird, fallen die grössten Ausgaben in den Bereichen Bildung (90%) und Infrastruktur (77%) auf die einzelnen Bundesstaaten.
Der zweite Teil des Memes ist demnach zu einem Drittel falsch und zu zwei Dritteln – je nach Definition von «U.S.» ungenau.
George Carlin war ein amerikanischer Komiker und vor allem Sozialkritiker. Im Verlaufe seiner langen und erfolgreichen Karriere sagte er viele kluge Dinge. Carlin sagte derart viele kluge Dinge, dass ihm am Ende seines Lebens viele Dinge in den Mund gelegt wurden – um sie klug erscheinen zu lassen.
Dies nahm gegen Ende ein epidemisches Mass an und deshalb soll er laut einer Zitateseite einmal auf seiner Homepage geschrieben haben:
In dem Sinn: Ob George Carlin irgendwann irgendwo diesen Satz einmal gesagt haben soll, lässt sich aufgrund des enormen Umfangs seines Lebenswerkes schlecht überprüfen. Was hingegen sicher ist: George Carlin ist auch 2019, neun Jahre nach seinem Tod, immer noch sehr erhellend.