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Vor gut hundert Jahren, im Anschluss an die Feiern zum 200. Geburtstag Leonhard Eulers
im Jahre 1907, beschloss die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft (SNG), dessen
sämtliche Werke herauszugeben. Diese Edition wurde zunächst auf 43 Bände geplant, die
gesamten Kosten auf 450'000 Franken geschätzt. Gustaf Eneström erarbeitete ein
vollständiges Verzeichnis der Schriften Eulers, den sogenannten Eneström-Index,
der 866 Titel umfasst. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass der Aufwand drastisch
unterschätzt worden war; das Unternehmen durchlief in den internationalen Wirren des 20.
Jh. und auch finanziell schwierige Zeiten.
Von Anfang an war geplant, auch die Briefe und die Manuskripte Eulers in die Gesamtausgabe aufzunehmen. Die Serien I–III sollten die Werke Eulers beinhalten, Series IVA den Briefwechsel und Series IVB die Manuskripte.
Heute liegt die Herausgabe der Werke und Briefe von Leonhard Euler in den Händen der Euler-Kommission
der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT). Von den 81 vorgesehenen
Bänden in vier Reihen sind mittlerweile 76 erschienen und lieferbar. Series I
(Mathematik: 29 Bände) und Series III (Physik, Varia: 12 Bände) sind vollständig,
von den 31 Bänden der Series II (Mechanik, Astronomie) stehen noch zwei aus (II/26 und II/27 zur
Himmelsmechanik), die im
Laufe des Jahres 2017 inhaltlich abgeschlossen werden sollen. In der Series IVA (Briefwechsel)
sind von 9 geplanten Bänden bisher 6 erschienen, Band IVA/7 wird im Herbst 2017 erscheinen
(Vernissage am 17. November),
und Band IVA/8
ist so weit fortgeschritten, dass mit der inhaltlichen Fertigstellung bis Ende 2017 gerechnet werden
kann.
Seit 1975 erscheint die Series IVA, seit 1991 auch die andern Reihen beim Birkhäuser Verlag Basel (heute Springer International Publishing AG); auf dessen Website findet man auch einen Index mit einzelnen Inhaltsangaben.
In einem Grundsatzentscheid hat die Euler-Kommission im Jahre 2005 beschlossen, auf die Herausgabe der Manuskripte (Series IVB) in Buchform zu verzichten. Im Euler-Jubiläumsjahr 2007 wurde dann das Projekt "Euler Heritage" ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Manuskripte digital zu erfassen, elektronisch aufzuarbeiten und der Forschung kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich um über 30'000 Manuskriptseiten, die zu einem grossen Teil im Archiv der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg aufbewahrt werden.
Längerfristig ist geplant, Eulers gesamtes wissenschaftliches Erbe – die gedruckten Werke, den handschriftlichen Nachlass und den Briefwechsel – auf einer digitalen Plattform zugänglich zu machen. Diese Editionsplattform soll der wissenschaftshistorischen Forschung unter dem Namen "Bernoulli-Euler-OnLine (BEOL)" ein effizientes, flexibles Werkzeug zur Verfügung stellen, das aktuellen und zukünftigen Anforderungen gerecht wird.