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Ein Derby welches die grossen Zuschauermassen lockt sucht man im Thurgau vergeblich. Nicht so wie etwa im Rheintal, wo Spiele zwischen Widnau, Diepoldsau oder Altstätten immer mal wieder 1’000 Zuschauer locken. Prestigeträchtig ist am ehesten das Thurgauer Derby zwischen den beiden erfolgreichsten Vereinen der Vergangenheit und Gegenwart, dem FC Kreuzlingen und dem FC Frauenfeld.
Doch wie oft fand dieses Duell schon statt? Gezählt wurde es offensichtlich noch nie. Der Hafetschutter hat in den Archiven gegraben. Der FC Frauenfeld meldete sich nach der Gründung 1910 sogleich beim SFV an. Der FC Kreuzlingen spielte dazumal nicht in der SFV-Meisterschaft sondern in der internationalen Bodensee-Liga unter anderem gegen Konstanz, Lustenau und Ravensburg. 1913 wechselte der FCK in den Spielbetrieb des SFV, in die damalige Serie C. Der FC Frauenfeld spielte nach deren eigenen Chronik dazumal in der zweithöchsten Serie B, diese Angabe ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen, ist die Frauenfelder Chronik doch mit zahlreichen Fehlern gespickt. Der FC Kreuzlingen stieg 1922 in die Serie B auf, hier sind sich die Vereine bis 1927 begegnet, dann stieg der FC Frauenfeld in die neu gegründete Promotionsliga auf. Während der Saison 1931/1932 spielten dann beide Vereine in der neu gegründeten 2. Liga (ersetzte die Promotionsliga). Der FC Kreuzlingen stieg im Folgejahr unter Norman Smith in die 1. Liga auf, Frauenfeld verblieb in der 2. Liga. Die Saison 1937/38 und von 1939 bis 1946 spielte man wieder gemeinsam in der 2. Liga (damals dritthöchste Liga). Vor 1945 kam es, diese Zahlen stehen teilweise auf wackligen Beinen, zu rund 26 Meisterschaftsderbys.
Nach dem Krieg spielte der FC Kreuzlingen bis 1950 in der 1. Liga, anschliessend folgte ein Niedergang bis in die 3. Liga (1954 bis 1959). Der FC Frauenfeld war bis 1966 Dauergast in der 2. Liga, dann folgten 12 Jahre in der 1. Liga und von 1978 bis 1982 spielten die Kantonshauptstädter gar in der Nationalliga B. Der FC Kreuzlingen kämpfte von 1959 bis 1981 fortwährend in der 2. Liga um Punkte, gefolgt von vier Jahren in der 1. Liga und wieder vier Jahren in der 2. Liga. Der FC Frauenfeld fühlte sich von 1982 bis 2000 in der 1. Liga zuhause, leistete sich in dieser Zeit indes zwei einjährige Gastspiele in der 2. Liga. Der FC Kreuzlingen jagte von 1997 bis 2009 in der 1. Liga recht erfolgreich nach Punkten. Von den letzten 20 Jahren verbrachte der FC Frauenfeld 6 Jahre in der 1. Liga, 11 Jahre in der 2. Liga Interregional und tauchte nebenbei noch 3 Saisons in die 2. Liga ab. Der FC Kreuzlingen wiederum spielt seit 2009 in der 2. Liga Interregional, mit einem einjährigen Abstecher in die 1. Liga (2012/2013).
Nach 1945 lassen sich die Anzahl Derbys genau ermitteln. 24 Derbys wurden in der 1. Liga ausgetragen. 11 in der 2. Liga Interregional. 26 in der 2. Liga. Macht total 61 Derbys der Nachkriegszeit. Seit 1913 spielte der FC Frauenfeld 42 Jahre in einer höheren Liga, 44 Jahre spielten die Vereine in der gleichen Liga, 18 Jahre schwang der FC Kreuzlingen obenauf.
Wer wie oft gewann wäre nun spannend – das wäre die Archivarbeit für einen nächsten Blog. Die Bilanz seit 2002 kann ich aber dank transfermarkt.ch liefern: 12 Siege, 3 Unentschieden, 6 Niederlagen aus Sicht des FCKs, wobei die Kreuzlinger die letzten vier Partien nicht gewinnen konnten. In Kreuzlingen besuchten seit 2002 im Schnitt 376 Zuschauer das Kantonsderby, in Frauenfeld waren es im Schnitt 330. Tendenz sinkend. 850 Zuschauer sahen im November 2011 den 2:1-Sieg des FC Kreuzlingen im Hafenareal – Rekordwert der letzten 20 Jahre.
Am 10. März heisst es zum Rückrundenauftakt zwischen dem FC Kreuzlingen und FC Frauenfeld im Hafenareal nun also:
Auf zum vermutlich 88. Meisterschaftsderby der Thurgauer Fussballgeschichte – oder mit Sicherheit: Auf zum 62. Kantonsderby der Nachkriegszeit!