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Als P. wird ein Wirtschaftssystem bezeichnet, in welchem die wirtschaftl. Abläufe nicht über den Markt, sondern nach einem zentralen, von der staatl. Bürokratie erarbeiteten Plan gelenkt werden. Während des Kalten Kriegs stand die weit entwickelte P. der kommunist. Staaten im Vordergrund des Interesses. Sie galt als Gegenmodell zur kapitalist. Marktwirtschaft der westl. Staaten. Bei der Gegenüberstellung der beiden Wirtschaftssysteme übersah man oft, dass die P. nicht zwingend an den Sozialismus gebunden ist, sondern auch in privatwirtschaftlich organisierten Gesellschaften, besonders in Kriegs- und Krisenzeiten, in unterschiedl. Masse verwirklicht werden kann.
Im 19. Jh. geriet die erhöhte Wertschätzung des Begriffs der Planung als zweckrationale Organisation der Wirtschaftsprozesse noch kaum in Konflikt mit der liberalen Vorstellung einer spontanen Ordnung des Markts. Seit der Krise des Liberalismus vor und nach dem 1. Weltkrieg und in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wurde die angeblich nur um einzelbetriebl. Rentabilität besorgte liberale Ökonomie einer öffentl. Kritik unterzogen. In den 1930er Jahren forderten technokrat. Bewegungen in den USA und in Europa die Übertragung der Wirtschaftslenkung von Ökonomen auf naturwissenschaftlich ausgebildete Ingenieure (Technokratie). In der Schweiz begannen 1935 im Abstimmungskampf um die Kriseninitiative, in der Bewegung des Plans der Arbeit und später auch in der Richtlinienbewegung sozialpolitisch motivierte Konzepte einer Krise und Arbeitslosigkeit überwindenden Konjunkturpolitik Gestalt anzunehmen, die später im Rahmen des Keynesianismus grossen Widerhall gefunden haben. Die nach dem 2. Weltkrieg auch in der Schweiz zeitweise ausgebrochene Planungseuphorie brachte u.a. einen Schub wissenschaftl. Politikberatung und neuer Planungsmethoden in Wirtschaft und Verwaltung, aber abgesehen von den revidierten Wirtschaftsartikeln keinen nachhaltigen Ausbau staatl. Wirtschaftslenkung (Etatismus).
Autorin/Autor: Pietro Morandi
Der wesentl. Unterschied zwischen P. und Marktwirtschaft macht nicht die vollständige Verstaatlichung der Produktionsmittel aus, sondern der Verzicht auf das Steuerungsmittel spontan gebildeter relativer Preise, an dessen Stelle die staatl. Planung tritt. Die Realisierung maximaler Mittel-Effizienz in techn.-ökonom. Prozessen ist in der zentralverwalteten P. ein wichtiges, aber nachgeordnetes Ziel. Planwirtschaftl. Steuerung erfolgt im Namen polit. oder militär. Ziele und Visionen, die rein wirtschaftl. Überlegungen ausdrücklich übergeordnet werden.
In der P. der kommunist. Staaten - in der UdSSR ab Ende der 1920er Jahre, in den osteurop. Staaten nach dem 2. Weltkrieg - kontrollierte der Staat auch die sozialisierten und kollektivierten Produktionsmittel, weshalb die Lenkung des Wirtschaftsgeschehens durch die staatl. Bürokratie sehr stark war. Eine solche bürgerl. Freiheitsrechte einschränkende Kommandowirtschaft wurde in der Schweiz von allen grossen polit. Kräften abgelehnt; die Hervorhebung ihrer Defizite war während des Kalten Kriegs fester Bestandteil des vorherrschenden Antikommunismus.
In europ. Staaten mit liberaler Verfassung wurde eine im engeren Sinne politisch motivierte planwirtschaftl. Einschränkung der Steuerungsfunktion des Markts am ausgeprägtesten im Rahmen der Kriegswirtschaft betrieben. Während des 2. Weltkriegs wurden auch in der Schweiz Nahrungsmittelproduktion und -zuteilung, Rohstoffversorgung, Arbeitsmarkt, Erwerbsersatz für die Wehrmänner, Preisbildung und Aussenhandel teilweise staatlich reguliert. Die Eingriffe des Staats waren allerdings weniger einschneidend als in den Krieg führenden Ländern. Die in der Schweiz nach dem 2. Weltkrieg entstehende Agrarpolitik, im Grunde eine Fortsetzung der Wirtschaftlichen Landesversorgung, trug stark planwirtschaftl. Züge. Seit dem Ende des Kalten Kriegs wurde die wirtschaftl. Sonderstellung der Landwirtschaft wieder reduziert, aber nicht beseitigt.
Autorin/Autor: Pietro Morandi
Die politisch und gewerkschaftlich organisierte Arbeiterbewegung gab im 19. und 20. Jh. auch in der Schweiz den Anlass, dass in den verschiedenen polit. Lagern Lösungsvorschläge für die soziale Frage entwickelt wurden. Das sozialpolit. Verständnis, das sich schliesslich durchsetzte und auf dem der nach dem 2. Weltkrieg Gestalt annehmende Sozialstaat beruhte, gründete weniger auf karitativen Motiven oder solidar. Umverteilung, sondern v.a. auf planvoller staatl. Konjunktur- und Vollbeschäftigungspolitik in der national verfassten Arbeits- und Industriegesellschaft sowie der Vorstellung von der Sozialpflichtigkeit des Eigentums. Ein Recht auf Arbeit existiert dabei zwar nicht im jurist., wohl aber im moral. Sinne.
Bis in die 1990er Jahre bestand grundsätzlich ein breiter polit. Konsens darüber, dass Ungleichheiten in Einkommen und Vermögen durch eine -- in ihrem Umfang allerdings immer umstrittene -- Umverteilung auf ein politisch akzeptables Mass reduziert werden müssten (Steuern, Sozialpolitik). Es war anerkannt, dass eine planvoll eingerichtete Sozial- und Wirtschaftsordnung das über die Leistungsgerechtigkeit hinausgehende Ziel der sozialen Gerechtigkeit anzustreben habe. Durch die wachsende Kritik am Sozialstaat und Forderungen nach Steuerabbau von Seiten der Wirtschaft und rechtsbürgerl. Politiker wurde dieser Konsens am Ende des 20. Jh. in Frage gestellt, aber nicht grundsätzlich erschüttert.
Autorin/Autor: Pietro Morandi