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Das Hôtel de Crillon am Place de la Concorde wird gerne als das französischte Grandhotel in Paris bezeichnet. Tatsächlich steht es an einem geschichtsträchtigen Ort und spiegelt die jüngere französische Geschichte gut wieder. Als nördlicher Gebäudeabschluss eines Königsplatzes von Architekt Ange-Jacques Gabriel geplant, verlieh ihm der spätere Besitzer Herzog von Crillon seinen Namen. Als die Revolution kam, wurde der grösste Platz von Paris zur Showbühne für die berüchtigte Guillotine und der Herzog enteignet. Und als der benachbarte Elysee-Palast ab 1873 zum offiziellen Amtssitz des Präsidenten erklärt wird und sich gleich um die Ecke die US-Botschaft ansiedelt, verwandelt sich der ehemalige Adelspalast 1909 in das Hôtel de Crillon und wird seitdem als Domizil für Staatsgäste reserviert. Hier gehen Politiker ein und aus, werden internationale Konferenzen abgehalten. Aber auch Schriftsteller und Schauspieler schätzen diesen luxuriösen Palast.
Nachdem in den letzten Jahren die Fassade des Crillon renoviert worden ist, hat das Hotel seit Ende März 2013 ganz geschlossen. Die neuen Besitzer aus Saudi-Arabien renovieren das Haus. Nur die historischen Räumlichkeiten im ersten Stock werden nicht einem Interior Designer zum Opfer fallen. Die Möbel des Erdgeschosses und der Zimmer und Suiten sind versteigert. Die kleine und charmante Bar wird es nach der ungefähr zweijährigen Renovation nicht mehr geben. Schade.
Zielstrebig marschieren wir in die Crillon-Bar, in der das Manna in Form von Martini vom laliquebestrahlten Himmel fällt. Wir wählen ihn als Beefeater 24 (EUR 29.-) und freuen uns auf Brezel, Chips und grosszügig gereichte sehr feine grüne Oliven. Und so kommt der sehr kalte und trockene Cocktail auf den Tisch: himmlisch! Im Hintergrund läuft leise Loungemusik. Vis-à-vis sitzt ein Martini-Drinker von Gottes Gnaden. Als wir nach einer Stunde die Bar verlassen, hat sich der gute Mann bereits drei davon verabreicht …
Am Abend unseres ersten Besuches der Bar im Hôtel de Crillon müssen wir uns vor dem Hotel bei einem Sicherheitsmann als Gäste ausweisen, damit wir vorgelassen werden. Im Hoteleingang ist ein roter Teppich ausgerollt, den wir abschreiten um dann in die prächtige Eingangs-Halle einzutreten. Rechter Hand liegt der gediegene Wintergarten mit dem lauschigen Innenhof. Le Bar du Crillon befindet sich im hinteren Teil des Gebäudes. Die Bar wurde von der französchen Modeschöpferin Sonia Rykiel bei der Renovation von 1981 ausgestattet. Die Kristallleuchter stammen von Lalique. Wir nehmen auf einem freien Sofa Platz. Die Bedienung ist sehr aufmerksam. Wir bestellen zwei Martini-Cocktails. Der Bartender fragt nach unseren Gin-Vorlieben. So ordern wir den Tanqueray, überhören aber das Ten, wie uns dann später die Rechnung aufklärt.
Der exklusive Tanqueray Ten verfügt über ein sehr ausgewogenes Bouquet, das mit verschiedenen Kräutern dem Martini einen perfekten Auftritt verschafft. Wir sind glücklich über diese Entdeckung und geniessen den perfekt gemixten Cocktail. Dazu werden Oliven, Nüsschen, Chips und als Besonderheit Laugenbrezel gereicht. Ohne angefragt zu werden, stellt sich der freundliche Chefbartender als Fotograf zur Verfügung. Wir fühlen uns in der Bar des Crillon sehr wohl und können uns vorstellen, hier einmal einen längeren Abend zu verbringen. Dies haben wir uns eigentlich bei unserem zweiten Besuch vorgenommen. Zufällig finden wir auf dem gleichen Sofa wie vor zwei Jahren Platz. Schnell stellen wir beim Studium der Getränkekarte fest, dass es hier den neuen Beefeater 24 Gin gibt, den wir vor zwei Jahren erstmals in London getrunken haben. So ordern wir zwei Martinis mit Beefeater 24 (EUR 29.- das Stück).
Keines der anderen von uns besuchten Hotels in Paris hat diesen Gin auf der Karte. An diesem Abend ist der Chefbartender nicht anwesend. Die Bedienung ist zwar freundlich und durchaus kompetent, doch der Martini wird uns zuwenig gekühlt serviert. Schade! Ansonsten erhalten wir wieder die Brezel, von der wir dieses mal eine probieren und als sehr delikat empfehlen können. Weiter erhalten wir viel Chips, eine Nussmischung und je drei Oliven zum Cocktail. Im Hintergrund läuft dezente Loungemusik, bis um halb Neun der Barpianist den Flügel zum Erklingen bringt. Die Bar ist sehr klein und so sind die Besucher sehr nahe beim Pianisten, was dieser charmant und freundlich zu nutzen weiss. So spricht er mit seiner Pianomusik zu den Gästen.
Wir entschliessen uns, doch nur bei einem Cocktail zu bleiben und bezahlen unsere Rechnung. Die teuersten Drinks in Paris verbucht das Ritz, dicht gefolgt vom Hôtel de Crillon! Als Gegenleistung erhält man eine Stunde Gastrecht an legendenumwobenen Ort. Bei unserem Weg zum Ausgang treffen wir auf ein russisches Paar aus St.Petersburg. Wir fotografieren uns gegenseitig vor dem herrlichen roten Rosenstrauss.
Sowohl die Pläne für den Place de la Concorde wie für die Fassaden der nördlichen Gebäude an dem Platz, zu denen auch das heutige Hôtel de Crillon gehört, zeichnete Ange-JacquesGabriel (1698-1782), der Hofarchitekt von Louis XV. Gabriel stammt aus einer bedeutenden Architektenfamilie und baute in Paris u.a. die École Militaire. Er gestaltet die Fassaden im Louis XV-Stil. Die Kolonaden haben die Louvre-Gebäude zum Vorbild. Im linken Palais befindet sich das spätere Hôtel de Crillon, im rechten das Marineministerium. Getrennt werden sie durch die Rue Royale, welche zur Madeleine führt. Ab 1758 baut der Architekt Louis François Trouard (1729-94) den Gebäudeteil des Crillon hinter der markanten Fassade. 1788 kauft der Herzog von Crillon das Stadtpalais. Während der französischen Revolution wird das Gebäude konfisziert, aber 1820 an die Herzogin von Crillon zurückgegeben.
Bis 1907 bleibt es in Familienbesitz und wird auch von dieser bewohnt. 1907 erwirbt die Société des Grands Magasins et des Hôtels du Louvre das Gebäude. Die neuen Besitzer kaufen an der Rue Boissy d'Anglas zwei angrenzende Häuser dazu und engagieren den Architekten Walter-André Destailleur (1867–1940), um in zweijähriger Arbeit den ganzen Komplex in ein luxuriöses Grandhotel umzubauen. Am 11.März 1909 öffnet das Hôtel de Crillon mit einem grossen Gala-Diner seine Pforten für Gäste. Nicht nur dank den prächtigen Sälen und Salons im ersten Stock, sondern auch dank seiner Nähe zu den Ministerien und zum Elysée-Palast profitiert das Hotel von Staatsbanketten, Konferenzen und den Gästen der Regierung. Bereits 1778 wurde in diesem Gebäude im Beisein von Benjamin Franklin ein Dokument unterzeichnet, das die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anerkannte.
Der „Salon des Batailles“ im ersten Stock ist in grau und gold gehalten, das Parkett erinnert an Versailles und die Möblierung im Louis XV-Stil erinnert nicht zuletzt daran, dass der Place de la Concorde ehemals Place Louis XV hiess und als Königsplatz natürlich eine Reiterstatue des Königs in seiner Mitte willkommen hiess. Das Foto rechts stammt aus den 1950er Jahren. Die Bilder hangen heute nicht mehr im „Salon des Batailles“.
Wenden wir uns nun dem nächsten König und seiner bekannten Frau zu. Der „Salon Marie-Antoinette“ ist, wie könnte es anders sein, im Stil Louis XVI möbliert und erinnert an die Gattin des Königs, die hier Musikunterricht genommen haben soll. An der Wand hängt ein Gobelin-Teppich aus dem 18.Jahrhundert, der in Savona hergestellt wurde. Der „Salon Marie-Antoinette“ darf für sich in Anspruch nehmen, auf der klassizistischen Terrasse einen wunderschönen Blick vorbei an den korinthischen Säulen auf den grandiosen Place de la Concorde zu bieten. Hier konnte die Königin nach dem Musikunterricht ihre Seele baumeln lassen. Hätte sie geahnt, dass die nahende Revolution nicht nur ihrem Gemahl, sondern auch sich selber den Kopf kosten würde, wären ihre Gedanken wohl weniger rosig gewesen. 1792 wurde der Platz in Place de la Révolution umbenannt, ein Jahr später konnte die Guillotine dem Kopf von Marie-Antoinette nicht widerstehen.
Wenden wir uns nun noch dem „Salon des Aigles“ zu: französisches Parkett mit ungarischem Muster, Böhmisches Kristall, Wedgwood-Porzellan, goldverzierte Stuckatur und militärische Trophäen schaffen den internationalen Rahmen, wo der kleinste Minister sich als grosser König fühlen kann. Gefahr vom Revolutionsplatz besteht für ihn spätestens seit der Julirevolution von 1830 nicht mehr. Seit dann heisst er Place de la Concorde und beherbergt einen ägyptischen Obelisken, der 3200 Jahre alt sein soll. Die Eröffnungssitzung des Völkerbundes fand 1919 im „Salon des Aigles“ statt.
Während der deutschen Besetzung ist das Crillon ein Opfer seiner strategischen und privilegierten Lage und wird durch den Feind okkupiert, im ersten Stock die Büros der Militärregierung eingerichtet. Am 24.August 1944 kann das Hotel durch General Leclerc befreit werden, nachdem eine Bombardierung und Feuer Schäden an der Fassade angerichtet haben. Zweihundert deutsche Offiziere, die sich noch im Gebäude befinden, werden verhaftet. Bis zu seinem Tod wählt Leclerc das Hôtel de Crillon als Domizil während seinen Aufenthalten in Paris.
Als im Winter 1953/54 eine Kältewelle Frankreich heimsucht, appelliert Abbé Pierre im Radio, die Obdachlosen zu unterstützen. Dieser Appell löst neben einer landesweiten Hilfswelle auch ein staatliches Wohnungsbauprogramm aus. Zu den prominenten Spendern gehört neben Charles de Gaulle auch Charles Chaplin, der Abbé Pierre im Februar 1954 im Hôtel de Crillon trifft.
Im Jahr 1981 findet eine grosse Renovation unter der Direktion des Architekten Jean-Loup Roubert (1932), der sich intensiv für die Renovation der Opéra Garnier einsetzte, statt. Für die Innendekoration wird Sonia Rykiel engagiert. Für die Bar baut der Bildhauer César (Baldaccini) eine Mosaik-Theke. Auf der Foto rechts der grosse Salon (heute Le Jardin d'Hiver) und unten der Innenhof, aufgenommen in den 1950er Jahren.
Der Wintergarten wurde kürzlich von der Innendesignerin Sybille de Margerie vollkommen neu mit Purpur und Gold dekoriert. Sanftes Licht überflutet die einladenden tiefen Sofas und bequemen Armsessel. Sybille de Margerie renovierte bereits im Jahr 2001 die Präsidentensuiten und im Jahr 2004 in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege das Gourmet-Restaurant Les Ambassadeurs.
Restaurants: Les Ambassadeurs - kreative und raffinierte Gourmet-Küche, L'Obé - flexibel und leicht, Jardin d'Hiver mit Innenhof, Le Bar du Crillon; Zimmer: 103 Zimmer & 44 Suiten; Adresse: Hôtel de Crillon, 10, Place de la Concorde, F-75008 Paris / http://crillon.concordehotels.de/de/