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Forschende der University of Columbia haben herausgefunden, dass Flaschenwasser weitaus mehr Plastik enthält, als bisher angenommen. In ihrer im Januar im Magazin «PNAS» publizierten Studie untersuchten die Forschenden das Wasser dreier gängiger US-Wassermarken aus Plastikflaschen.
Pro Liter Wasser fanden sie durchschnittlich 240’000 Plastikteilchen. Der grösste Teil davon war Nanoplastik aus PET (Polyethylenterephthalat). Das sind PET-Stückchen, die weniger als ein Mikrometer (0,001 Millimeter oder 1000 Nanometer) gross sind. Die Nanoplastik-Partikel stammen wahrscheinlich aus Abrieb von Deckel und Flaschenhals, der beim Öffnen und Wiederverschliessen entsteht. Damit hat sich 2021 schon einmal eine Studie beschäftigt.
Ein Zehntel der ultrakleinen Teilchen waren aus PA (Polyamid), PS (Polystyrol), PVC (Polyvinylchlorid) und PMMA (Polymethylmethacrylat). Ein Teil davon könnte aus Wasserfiltern stammen.
Warum fällt das erst jetzt auf?
240’000 Plastikteilchen – das sind deutlich mehr als bisher bekannt. Was teilweise daran liegt, dass noch niemand nach so kleinen Plastikstücken im Flaschenwasser gesucht hat. Das Forschenden-Team nutzte eine neue Messtechnik, die auch kleinste Plastikpartikel zuverlässig von anderen Stoffen unterscheiden kann.
Bisherige Analysen beschränkten sich auf Mikroplastik in der Grössenordnung von 5 Millimetern (5000 Mikrometer) bis etwa einem Mikrometer. Zum Vergleich: Ein Sandkorn hat einen Durchmesser von etwa 90 Mikrometern, ein menschliches Haar ist 50 bis 80 Mikrometer dick (0,05 bis 0,08 Millimeter).
Wir produzieren Plastikschüsseln für die Ewigkeit
Dass sich Plastik in kleinsten Mengen überall findet, ist nicht weiter verwunderlich. Die Menschheit produziert seit den 1950er-Jahren tonnenweise Kunststoffe, die irgendwo bleiben müssen. Deren Zerfallsprodukte finden sich an den abgelegensten Orten des Planeten und auch im menschlichen Körper. Wir essen sie, trinken sie und atmen sie ein.
Nach einer populären Faustregel nehmen wir pro Woche etwa Plastik mit dem Gewicht einer Kreditkarte zu uns. Diese Aussage beruht auf einer Schätzung von 2019 und entspricht ungefähr fünf Gramm Plastik. Die Plastikfragmente wandern in innere Organe und können die Blut-Plazenta- und die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
Wie gefährlich ist das?
Wir haben uns mehr oder weniger damit abgefunden, dass wir von Plastikfusseln und -krümeln umgeben sind. Die schiere Menge von 240’000 nicht sichtbaren Plastikteilchen in einem Liter Wasser hört sich dennoch besorgniserregend an. Ob und wie gesundheitsschädlich sie sind, ist allerdings noch kaum erforscht.
Mikroplastik steht im Verdacht, das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen zu erhöhen sowie ADHS und Autismus zu verstärken. Belegt ist das nicht. Es gibt aber Hinweise darauf, dass Plastikteilchen im Körper Entzündungen fördern und so eine ganze Reihe von Krankheiten begünstigen können (Infosperber berichtete).
Nanoplastik sei potenziell schädlicher für die menschliche Gesundheit als Mikroplastik, sagt Wei Min, einer der Autoren der Studie. «Was auch immer Mikroplastik mit der menschlichen Gesundheit anrichtet: Ich würde sagen, dass Nanoplastik gefährlicher ist», sagte der Chemieprofessor an der Columbia University gegenüber der «Washington Post».
Sind Glasflaschen besser?
Also nur noch Wasser aus Glasflaschen? Im Prinzip schon, aber so einfach ist es leider nicht. Darena Schymanski, Doktorandin an der Universität Münster, untersuchte 2018 Wasser in Ein- und Mehrwegbehältern aus PET, Glas und Karton. Die Lebensmittelchemikerin fand in Mehrweggefässen durchweg mehr Plastikteilchen als in Einwegflaschen – egal, ob diese aus Plastik oder Glas bestanden. Sie vermutete, dass die Partikel beim Reinigen dort zurückbleiben. «Öko-Test» fand 2020 in einer Stichprobe aus PET- und Glasflaschen in den Glasflaschen allerdings kein Plastik.
Vielleicht sollten Sie sich mit Leitungswasser anfreunden, dieses wird zumindest streng kontrolliert. Pech allerdings, wenn Ihnen dabei die Blöterli fehlen: Wasser aus Sprudel-Geräten wie Soda Stream hat noch niemand auf Plastikpartikel untersucht.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.