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Mitten in der Stadt liegt, wie ein grosser, rechteckiger Teich, der Hafen von Port-Louis. Seine Anlage geht vermutlich auf das 17. Jahrhundert zurück – oft heisst es auch, er sei nach Plänen des Architekten Piero da Marsiglia (1615-1704) errichtet worden. Flanke an Flanke schaukeln in dem grossen Becken Fischerboote und Jachten. Auch Passagierboote und kleinere Transporter legen hier an – nur die grössere Frachter laden und löschen an Docks etwas weiter im Norden der Hauptstadt.
Östlich des Hafenbeckens, ungefähr begrenzt durch den Beginn des Boulevard Poissonnière im Norden und die Rue de la Mer im Süden, liegt das Quartier du Port. Die meisten Strassen und Plätze tragen hier die Namen von Speisefischen – denn bis heute ist die Fischerei, allen Veränderungen zum Trotz, eine wichtige Einnahmequellen der Hauptstadt. Pulsierendes Zentrum des ganzen Quartiers ist der Quai des Italiens, aus naheliegenden Gründen auch oft Place du Marché aux Poissons genannt. Früh am Morgen tuckern hier die Fischer mit ihren kleinen Booten an den Quai heran und wuchten mit Wasser gefüllte Tonnen ans Ufer, in denen Fischleiber in allen Farben und Formen zucken. Sie schleifen diese Fässer zu ihren kleinen Ständen und giessen die ganze tierische Pracht dort in bläuliche Becken – meist warten dann schon die ersten Kunden, gierig auf die frische Ware.
Es sind nicht die grossen Fischer, die ihren Fang auf dem Quai des Italiens feilbieten. Hier trifft man auf kleine Boote mit zwei oder drei Mann Besatzung, die ihre Netze vor der felsigen Küste der Côte Chimerik oder im Norden der Insel an der Côte Blanche auslegen. Entsprechend besteht ihre Beute oft zu einem grossen Teil aus kleineren Fischen. Doch gerade die sind ideal für eines der Nationalgerichte von Santa Lemusa: die «Buiepe», die lemusische Version der berühmten Marseiller Fischsuppe Buillabaisse.
Wer sich in einem der Cafés am Hafen niederlässt, kann in aller Ruhe über den Rand seines Rumglases oder seiner Kaffeetasse hinweg das farbenprächtigste Leben beobachten: da laufen die Fischerkutter in den Hafen ein, dort versuchen Jachttouristen ihren Spinnaker zusammenzulegen. Aus einem kleinen Transportkahn werden Ballen mit Waren ans Ufer geschleift, wo sie sich alsbald zu einem riesigen Haufen türmen. Da gibt es ältere Herren mit sonnengegerbter Haut und furchterregenden Tätowierungen, die sich mit Silk und Haken als Hobbyfischer im Hafenwasser versuchen. Junge Männer mit Handwagen bieten ihre Dienste hier ebenso an wie junge Damen mit eindeutig zweideutigem Lächeln. Es gibt Geschäfte für Fischerei- und Bootsartikel – Bars für Matrosen, für die Nacht oder für Frühaufsteher.
Spezialitäten aus aller Welt. Restaurants bieten Fisch- und Meeresfrüchte an - oder auch Spezialitäten aus aller Welt: nebst kreolischer Küche findet man ein chinesisches, ein vietnamesisches, ein italienisches und ein marokkanisches Etablissement. Ja es gibt sogar ein Sushi-Lokal, wo allerdings ein Meister aus Santa Lemusa die Reisbällchen formt – er hat, als Japan-Fan, das Handwerk am Fusse des Fujiyama gelernt und frischen Fisch gibt es vor Ort ja in jeder beliebigen Form.
First Publication: 5-2006
Modifications: 18-2-2009, 30-9-2011