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Für – auf Englisch – Czechoslovakia entschied sich kürzlich in einem Interview der Chef des britischen Auslandgeheimdienstes. Das ist natürlich Unsinn. Denn Tschechoslowakei kann Tschechien seit der Trennung von der Slowakei im Jahre 1993 gar nicht mehr heissen. Und trotzdem hat Nick Archer, der britische Botschafter in Prag, Verständnis für den Geheimdienstchef.
Die Tschechen hätten ein Problem mit ihrem Namen, twitterte er. Das hat dem Diplomaten geharnischte Reaktionen eingebracht. Dabei hat er recht: Die Verwirrung muss gross sein, wenn nicht einmal der Regierungschef weiss, wie sein eigenes Land heisst. Mitten in einem Interview mit dem «Wall Street Journal» wies jemand den tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš darauf hin, dass Tschechien auf Englisch Czechia heisse. Babis reagierte entrüstet und sagte, das sei doch verrückt. «Das klingt wie Tschetschenien!»
Verwechslung mit Tschetschenien
«Exactly», würde zumindest ein Kommentator des US-Senders CNN dazu sagen. Denn in einem Bericht über die beiden tschetschenischen Bombenleger am Bostoner Marathon vor acht Jahren sagte dieser: «Der jüngere der beiden Attentäter heisst wie der erste Präsident der Tschechischen Republik, der Islamischen Republik.» Die Empörung war gross.
Die tschechische Botschaft in Washington veröffentlichte eine Richtigstellung, und in Prag wurde erneut heftig debattiert, wie das Land denn nun heissen soll: Czechia, oder wie es Regierungschef Babiš gefällt: Czech Republic?
Eigentlich ist der Fall ja klar: Nach ISO 3166, dem internationalen Standard für die Kodierung von geografischen Einheiten, ist der tschechische Kurzname der Tschechischen Republik Česko und die englische Übersetzung davon ist eben Czechia. So hat es das tschechische Parlament 2016 beschlossen.
Pro und Kontra von «Czechia»
Für Czechia statt Czech Republic spricht vieles. Czechia ist beispielsweise kürzer und taugt als Bezeichnung auch für die Zeit, als das Land der Tschechen zwar existierte, aber noch keine Republik war. Kommt hinzu: Auf die Bezeichnung Republik im offiziellen Kurznamen bestehen fast nur Länder, deren Nähe man nicht unbedingt sucht; etwa die bürgerkriegsgeplagte Zentralafrikanische Republik oder die diktatorische Volksrepublik Nordkorea.
Die Gegner des englischen Kurznamens Czechia beklagen, die Wurzeln des Wortes Czech lägen in der tschechischen Bezeichnung für Böhmen, dem grössten und mächtigsten Landesteil. Und sie argumentieren, das benachteilige Mähren und Schlesien, die beiden anderen Landesteile. Das mag sein. Aber dieses Problem löst die Bezeichnung Czech Republic auch nicht.
Beim Sport ist der Fall klar
Es spricht also nicht viel gegen Czechia, ausser die Fakten: Bei den Englischsprachigen setzt sich die Kurzform schlicht nicht durch. Eine Internetsuche mit Czech Republic bringt zigmal mehr Resultate als eine mit Czechia. Und auch die Tschechinnen und Tschechen selbst hängen am Begriff Republik. Sogar auf dem Trikot der Eishockey-Nationalmannschaft steht Czech Republic. Aber: Gewinnt das tschechische Team mal wieder, dann sind sich alle einig. In der Nationalhymne besingen sie dann nämlich nicht Česko und auch nicht die Česká republika, sondern das Land der Tschechen.