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Wer jemals über den Gotthardpass gefahren ist, kennt sie: Die Teufelsbrücke. In roter Farbe prangt dort - an einer Felswand der Schöllenenschlucht - das Bild eines Teufels. Die Darstellung des Teufels stammt von Heinrich Danioth.
Das Motiv erinnert an die Sage zur Teufelsbrücke, nach welcher der Teufel den Urnern die erste Brücke in der Schöllenen gebaut haben soll. Wie auch immer es wirklich war: Das Bild hat dem Urner Heinrich Danioth (1898 bis 1953) den Titel des «Teufelsmalers» eingebracht.
Ein expressionistischer Maler – das war der Danioth hauptsächlich. Danioth war aber auch Autor. Er verfasste Hörspiele, griff in satirischen Zeitschriftentexten Nazi-Deutschland an und schrieb ein Theaterstück.
Dieses hat eine spezielle Geschichte: Es heisst «Urner Revue» und wurde von Danioth 1928 verfasst. Zwar wusste man, dass es dieses Stück gibt – gesehen hat man es aber seit fast hundert Jahren nicht mehr. Das Stück galt als verschollen.
Ungeordnet und unvollständig in einer Kiste
Dies, bis der Zürcher Konzeptkünstler und Regisseur Livio Beyeler ins Urnerland kam. Er hatte sich intensiv mit Heinrich Danioth befasst und in einer Doktorarbeit gelesen, dass Danioth auch ein Theaterstück geschrieben hat. Beyeler: «Das Stück galt als verschollen und so machte ich mich auf die Suche.»
Fündig wurde Beyeler weit unten in einer Kiste im Urner Staatsarchiv - ungeordnet und unvollständig kamen Fragmente des Stücks zum Vorschein. Beyeler musste die einzelnen Teile richtiggehend zusammensuchen.
Heimatbegriff prägte Danioth
Dass nicht ganz alle Fragmente vorhanden waren, gibt dem Künstler auch gewisse Freiheiten. Diese nutzt er nun gerne. Das Stück heisst neu «Welcome home» und ist ziemlich modern. Es geht um einen Auslandschweizer, der in seine alte Heimat zurückkehrt und sie nicht wiedererkennt. Eine spannende Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff,
Was genau ist Heimat? Für Theaterregisseur Beyeler keine einfache Frage, da der Begriff sehr individuell sei: «Essen, Räume, Gefühle, Freundschaft: Ganz unterschiedliche Facetten führen zum Heimatgefühl.»
Ganz unterschiedliche Facetten führen zum Heimatgefühl.
Mit dem Begriff Heimat haderte zeitlebens auch Heinrich Danioth, der nicht «nur» der Urner Heimatmaler sein wollte. Beyeler: «Danioth ist eine vielschichtige Person, die sich zur Heimat, aber auch zu vielen andern Themen tiefsinnige Gedanken gemacht hat.»
Moderner Kopf in traditionellem Umfeld
In der konservativen und traditionalistischen Innerschweiz war er teilweise auch umstritten, mit seinem damals sehr modernen Lebensstil. Und doch ist Danioth auch 70 Jahre nach seinem Tod unvergessen. Vor allem wegen seiner Bilder: Neben der Schöllenen ist er auch am Bundesbriefmuseum in Schwyz verewigt.
Das Stück «Welcome home» ist im Haus der Kunst in Altdorf noch bis zum 29. April zu sehen. Neben dem Theater läuft auch eine Ausstellung zum Thema.