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Blauweisser Delfin
Stenella coeruleoalba
© 2011 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork © Owen Bell
Es gehört heute zum Allgemeinwissen, dass Wale und Delfine zwar oberflächlich betrachtet grossen Fischen ähneln und wie diese im Wasser leben, jedoch Säugetiere sind und alle kennzeichnenden Merkmale derselben aufweisen - also Warmblüter sind, durch Lungen atmen und lebende Junge zur Welt bringen, die mit Muttermilch ernährt werden. Das war nicht immer so: Jahrtausendelang galten die Waltiere als Fische.
Erst im 17. Jahrhundert erkannten die Naturforscher, dass diese Meeresbewohner Säugetiere sind. Es fiel ihnen jedoch aufgrund der erheblichen körperbaulichen Unterschiede zwischen den Waltieren und den anderen heutigen Säugetieren nicht leicht, ihre stammesgeschichtliche Verwandtschaft und somit ihren Platz innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) festzulegen. Mit Hilfe von vergleichenden anatomischen Untersuchungen liessen sich die Waltiere einfach nicht eindeutig in die verwandtschaftliche Nähe einer bestimmten Säugetiersippe rücken, weshalb es diesbezüglich recht verschiedenartige Einschätzungen gab. Lange Zeit wurden die Waltiere - unter anderem aufgrund ihrer beutegreifenden Lebensweise - als Nachfahren längst ausgestorbener Insektenesser oder Raubtiere betrachtet.
Heute wissen wir es besser, und zwar dank vergleichenden molekulargenetischen Untersuchungen (DNS-Analysen). Diese haben ergeben, dass die Waltiere in Wirklichkeit von einer nicht näher bekannten Urhuftiersippe abstammen, welche vor 60 bis 50 Millionen Jahren gelebt haben muss. Aus dieser entstanden zum einen die entfernt an Schweine erinnernden Pakicetiden (Familie Pakicetidae), welche in der Region des heutigen Pakistans an Gewässern lebten; sie gelten als die direkten Vorfahren der Waltiere. Zum anderen gingen aus ihr die weit verbreiteten Kohlentiere (Familie Anthracotheriidae) hervor, deren letzte überlebende Nachfahren die Flusspferde (Familie Hippopotamidae) sind. Die Waltiere sind somit unter den heutigen Säugetieren am nächsten mit den Flusspferden aus der Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) verwandt.
Die frühesten Waltiere waren ziemlich sicher pflanzenessende Süsswasserbewohner wie die heutigen Flusspferde. Wann sie zu Beutegreifern wurden und wann sie sich ins offene Meer vorwagten, ist nicht klar. Sicher ist aber, dass sich die Waltiere gegen Ende des Oligozäns, vor 30 bis 25 Millionen Jahren, bereits in die beiden heutigen Unterordnungen, die Zahnwale (Odontoceti) und die Bartenwale (Mysticeti), aufgegliedert hatten. Erstere spezialisierten sich auf den Fang von Fischen und Tintenfischen und entwickelten sich zu schnittigen Unterwasserjägern, Letztere wurden zu gemächlichen Planktonfilterern, verlegten sich also auf den Verzehr grosser Mengen sehr kleiner Beutetiere. Etwa 70 Arten umfasst die Sippe der Zahnwale heute, etwa 12 Arten die Sippe der Bartenwale.
Oben blaugrau, unten weiss
Der Blauweisse Delfin (Stenella coeruleoalba), von dem hier berichtet werden soll, gehört innerhalb der Ordnung der Waltiere zur Unterordnung der Zahnwale und da zur Familie der Eigentlichen Delfine (Delphinidae). Sie bildet mit etwa 33 Arten die grösste der 7 Zahnwalfamilien. Hinsichtlich der Körpergrösse ist das Spektrum innerhalb der Familie gross: Es reicht vom zierlichen, höchstens 1,5 Meter langen und 40 bis 60 Kilogramm schweren Hector-Delfin (Cephalorhynchus hectori) bis hin zum mächtigen, in Ausnahmefällen über 9,5 Meter langen und 6,5 Tonnen schweren Eigentlichen oder Grossen Schwertwal (Orcinus orca).
Mit einer Länge von durchschnittlich 2,4 Metern bei den erwachsenen Männchen bzw. 2,2 Metern bei den erwachsenen Weibchen und einem Gewicht von zumeist 100 bis 130 Kilogramm gehört der Blauweisse Delfin zu den kleineren Mitgliedern der Delfinfamilie. Das längste Männchen, das jemals verlässlich untersucht worden ist, wies eine Länge von 2,56 Metern auf, das schwerste 156 Kilogramm. Im Ober- und im Unterkiefer befinden sich je 36 bis 45 Paar Zähne. Gekennzeichnet ist der oberseits blaugraue, unterseits weisse Delfin durch zwei auffällige dunkle Seitenstreifen, die vom Auge ausgehen und von denen der eine entlang der hellgrauen Flanke bis zur Analregion verläuft, der andere hinunter zu den Vorderflossen. Der Blauweisse Delfin wird deshalb auch «Streifendelfin» genannt.
Nacktaugenkalmare und Laternenfische
Das Verbreitungsgebiet des Blauweissen Delfins erstreckt sich über die tropischen, subtropischen und gemässigten Klimazonen sowohl des Atlantischen als auch des Indischen und des Pazifischen Ozeans und umfasst zudem die meisten Randmeere wie das Karibische und das Mittelmeer. Grob gesagt kann man der Art also in sämtlichen Salzgewässern rund um den Globus herum ungefähr vom 50. Breitengrad auf der nördlichen Hemisphäre bis zum 40. Breitengrad auf der südlichen Hemisphäre begegnen.
Im Allgemeinen bewegt sich der Blauweisse Delfin küstenfern im offenen, tiefgründigen Wasser umher. In Küstennähe ist er höchstens dort anzutreffen, wo der Meeresboden steil in die Tiefe abfällt. Er ist ein schneller und wendiger Unterwasserjäger, der gewöhnlich in Tiefen von 0 bis 200 Metern, manchmal aber auch bis 500 oder gar 700 Metern auf Beutefang geht und dabei bis zu 8 Minuten unter Wasser bleiben kann. Seine normale «Reisegeschwindigkeit» liegt bei ungefähr 20 Knoten (37 km/h); bei Bedarf kann er bis auf etwa 28 Knoten (52 km/h) beschleunigen.
Aufgrund der Untersuchung des Mageninhalts erlegter Individuen wissen wir, dass sich der Blauweisse Delfin hauptsächlich von freischwimmenden, schwarmbildenden Fischen und Tintenfischen ernährt, gewissermassen als «Beikost» aber auch frei im Wasser schwimmende Krebstiere zu sich nimmt. Die Länge der Beutetiere liegt im Allgemeinen zwischen 5 und 30 Zentimetern.
Die Anteile der Fische und der Tintenfische an der Gesamtkost und ihre Artzugehörigkeit unterliegen regionalen und saisonalen Schwankungen. Im Nordostatlantik wurden bei Magenanalysen beispielsweise 56 Prozent Tintenfische, 39 Prozent Knochenfische und 5 Prozent Garnelen festgestellt, im Mittelmeer mehrheitlich (50-100%) Nacktaugenkalmare (Oegopsida), bei Japan mehrheitlich (75-80%) Laternenfische (Myctophidae). Bei den im Mittelmeer erbeuteten Kalmaren handelt es sich beispielsweise um Abralia veranyi, Onychoteuthis banksii und Todarodes sagittatus, bei den Knochenfischen beispielsweise um die Gelbstriemenbrasse (Boops boops), die Europäische Sardelle (Engraulis encrasicholus) und den Hechtdorsch (Merluccius merluccius).
Lebensdauer bis 57 Jahre
Die Blauweissen Delfine sind wie alle Delfine gesellige Wesen. Sie streifen in Gruppen («Schulen») unterschiedlicher Grösse umher. Im Bereich von Japan beträgt die mittlere Gruppengrösse rund 100 Individuen; es gibt aber auch Gruppen mit bis zu 500 Individuen. Im Gegensatz hierzu setzen sich die Gruppen im östlichen Nordatlantik meistens aus 10 bis 30 Individuen zusammen, während solche mit 100 und mehr Individuen sehr selten sind. Hinzu kommt, dass die Blauweissen Delfine nicht allein Gruppen mit ihresgleichen bilden, sondern sich zeitweilig auch gern mit anderen Delfinarten vergesellschaften, insbesondere mit Gemeinen Delfinen (Delphinus delphis), Rundkopfdelfinen (Grampus griseus) und Grossen Tümmlern (Tursiops truncatus).
Wie bei vielen auf hoher See schnell und weit umherstreifenden Tierarten fehlen längerfristige Studien zur Gesellschaftsstruktur, zum Fortpflanzungsverhalten und zu anderen Aspekten des Sozialverhaltens. Unser diesbezügliches Wissen basiert mehrheitlich auf Zufallsbeobachtungen und ist entsprechend lückenhaft. Eine Untersuchung zur Gruppenzusammensetzung beim Blauweissen Delfin im Westpazifik hat immerhin gezeigt, dass die Gruppen nicht alle gleich zusammengesetzt sind. Es gibt reine Erwachsenengruppen und reine Jugendgruppen, aber auch gemischtaltrige Verbände. Die Fortpflanzung innerhalb der Erwachsenengruppen dürfte promiskuitiv sein, das heisst es paart sich wahrscheinlich jedes Männchen mit verschiedenen Weibchen in der Gruppe und umgekehrt.
Die Weibchen erreichen die Geschlechtsreife gewöhnlich im Alter von ungefähr 10 Jahren. Bei Japan scheinen sie in jüngerer Zeit allerdings oft schon früher, teils schon mit 7 Jahren, geschlechtsreif zu werden. Vermutlich ist dies darauf zurückzuführen, dass die dortigen Bestände durch Bejagung stark ausgedünnt sind und das Nahrungsangebot für das einzelne Individuum daher sehr gross ist. Im Unterschied hierzu scheinen die Weibchen im Mittelmeer heute erst mit etwa 12 Jahren fortpflanzungsfähig zu werden, was vermutlich mit dem regional mageren Nahrungsangebot aufgrund der Übernutzung der mediterranen Fisch- und Tintenfischbestände zusammenhängt. Tatsächlich werden im Mittelmeer fast 70 Prozent der Fische und Tintenfische, welche auf dem Speiseplan der Delfine stehen, vom Menschen für den Verzehr kommerziell befischt.
Die Tragzeit dauert beim Blauweissen Delfin 12 bis 13 Monate. Bei der Geburt sind die jungen Delfine ungefähr 100 Zentimeter lang und wiegen um 11 Kilogramm. Im Alter von zwei Jahren weisen sie bereits eine Länge von etwa 180 Zentimetern auf. Rund 16 Monate lang werden die Jungdelfine von der Mutter gesäugt. Nach der Entwöhnung bleiben sie noch ein oder zwei Jahre in ihrer Geburtsgruppe mit den erwachsenen Tieren zusammen. Danach schliessen sie sich für ein paar Jahre einer Jugendgruppe an.
Im Mittelmeer bringen die erwachsenen Weibchen ungefähr alle vier Jahre ein Junges zur Welt. In Japan hat sich der Zyklus in jüngerer Zeit von vier Jahren auf drei Jahre verringert, wahrscheinlich ebenfalls als Folge des regional reichlichen Nahrungsangebots. Bei mehr als 30 Jahre alten Weibchen werden die Intervalle zwischen zwei Geburten deutlich länger. Männchen wie Weibchen haben eine Lebenserwartung von 35 bis 50 Jahren. Das älteste bisher gefundene Individuum war geschätzte 57 Jahre alt.
Magere Datengrundlage
Der Blauweisse Delfin ist weit verbreitet, gilt in verschiedenen Regionen als häufig und wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als «nicht gefährdet» eingestuft. Es ist allerdings sehr schwierig, sich einen wirklich verlässlichen Eindruck von seiner Gefährdungssituation zu verschaffen, da sowohl regional als auch global keine fundierten Einschätzungen der Grösse und Entwicklung seiner Bestände vorliegen.
Gewiss ist, dass der Blauweisse Delfin - wie alle Delfine ausserhalb der antarktischen Gewässer - vielfältigen, vom Menschen ausgehenden Gefahren ausgesetzt ist. Eine davon ist die direkte Verfolgung. Vor allem im Bereich von Japan werden zahlreiche Blauweisse Delfine wegen ihres in der lokalen Küche sehr geschätzten Fleischs erlegt. Früher waren es jährlich bis zu 20000 Delfine; 1981 wurde die Fangquote auf maximal 1000 Individuen gesenkt. Andere Orte, wo Blauweisse Delfine für den Verzehr bejagt werden, sind Taiwan, die Salomonen, Sri Lanka und St. Vincent.
Eine erhebliche Gefahr bildet sodann der unbeabsichtigte Beifang in Fischernetzen. Tatsächlich verunfallen zahlreiche Blauweisse Delfine in Netzen, die gar nicht für sie ausgelegt worden sind. Beispielsweise verwenden die Schwertfischfänger im Mittelmeer Nylonwandnetze mit einer Länge von 6 bis 7 Kilometern. Schätzungen zufolge verenden in diesen Netzen jedes Jahr 3000 bis 4000 Gemeine Delfine und Blauweisse Delfine. Ähnlich sieht es bei den Tunfischfängern im nordöstlichen Atlantik aus. Solcher «Beifang» erfolgt an ungezählten weiteren Orten weltweit und kann einen merklichen Einfluss auf regionale Bestände haben.
Als Gefahr zu nennen ist ferner die Anreicherung von schwer abbaubaren Pestiziden und Schwermetallverbindungen in den Körpergeweben des Blauweissen Delfins, was bei ihm wie bei vielen anderen Endgliedern von Nahrungsketten nachweislich der Fall ist. Solche Giftstoffe können beispielsweise eine Schwächung des Immunsystems und eine Verminderung der Fortpflanzungsfähigkeit hervorrufen. In den frühen 1990er-Jahren starben weit über 1000 Blauweisse Delfine im Mittelmeer. Zwar wurde als direkte Ursache ein Morbillivirus festgestellt. Viele der verendeten Tiere wiesen jedoch hohe Konzentrationen an Chlorierten Kohlenwasserstoffen wie Dichlordiphenyltrichloräthan (DDT) und Chlordiphenyl (PCB) in ihrem Körper auf, weshalb anzunehmen ist, dass diese die Abwehrkräfte geschwächt hatten und die eigentliche Todesursache waren.
Nach Schätzung der IUCN existieren gegenwärtig mehr als zwei Millionen Blauweisse Delfine weltweit, und gemäss den ihr vorliegenden Informationen gibt es derzeit keinen Hinweis auf einen weltweiten Bestandsschwund. Zu Bedenken ist aber, dass bei Tierarten, welche eine geringe Fortpflanzungsrate haben - und dazu zählt der Blauweisse Delfin -, kaum mehr zu bremsende Bestandsabnahmen einsetzen können, lange bevor sie für den Menschen offenkundig werden. Es gilt darum, die Bestandssituation des eleganten Meeressäugers mit wachsamen Augen zu verfolgen.
Legenden
Mit einer Länge von durchschnittlich 2,4 Metern bei den erwachsenen Männchen bzw. 2,2 Metern bei den erwachsenen Weibchen und einem Gewicht von zumeist 100 bis 130 Kilogramm gehört der Blauweisse Delfin (Stenella coeruleoalba) zu den kleineren der rund 33 Mitglieder der Delfinfamilie (Delphinidae). Ein gutes Artkennzeichen ist der dunkle Seitenstreifen, der vom Auge ausgeht und entlang der hellen Flanke bis zur Analregion verläuft. Der Blauweisse Delfin wird deshalb auch «Streifendelfin» genannt.
Das Verbreitungsgebiet des Blauweissen Delfins erstreckt sich über die tropischen, subtropischen und gemässigten Klimazonen sowohl des Atlantischen als auch des Indischen und des Pazifischen Ozeans und umfasst zudem die meisten Randmeere wie das Mittelmeer. Im Allgemeinen bewegt sich der zierliche Meeressäuger küstenfern im offenen, tiefgründigen Wasser umher. In Küstennähe - wie hier bei den Azoren - ist er nur dort anzutreffen, wo der Meeresboden steil in die Tiefe abfällt.
Die Blauweissen Delfine sind wie alle Delfine gesellige Wesen. Sie streifen in Gruppen («Schulen») unterschiedlicher Grösse umher. Im Bereich von Japan beträgt die mittlere Gruppengrösse rund 100 Individuen; es gibt aber auch Gruppen mit bis zu 500 Individuen. Im Gegensatz hierzu bestehen die Gruppen im östlichen Nordatlantik meistens aus 10 bis 30 Individuen, während solche mit 100 und mehr Individuen selten sind. Soweit wir wissen, sind die Gruppen nicht alle gleich zusammengesetzt. Es gibt reine Erwachsenengruppen und reine Jugendgruppen, aber auch gemischtaltrige Verbände.
Die Tragzeit dauert beim Blauweissen Delfin 12 bis 13 Monate. Bei der Geburt sind die jungen Delfine etwa 100 Zentimeter lang und wiegen um 11 Kilogramm. Rund 16 Monate lang werden sie von der Mutter gesäugt. Nach der Entwöhnung bleiben sie noch ein oder zwei Jahre in ihrer Geburtsgruppe mit den erwachsenen Tieren zusammen. Danach schliessen sie sich für ein paar Jahre einer Jugendgruppe an. Die Geschlechtsreife erreichen Männchen wie Weibchen im Alter von 7 bis 12 Jahren.
Der Blauweisse Delfin ist ein schneller und wendiger Unterwasserjäger, der gewöhnlich in Tiefen von 0 bis 200 Metern, manchmal aber auch bis 500 oder gar 700 Metern auf Beutefang geht und dabei bis zu 8 Minuten unter Wasser bleiben kann. Seine normale «Reisegeschwindigkeit» liegt bei ungefähr 20 Knoten (37 km/h); bei Bedarf kann er bis auf etwa 28 Knoten (52 km/h) beschleunigen. Oft springt er hoch aus dem Wasser oder «reitet» auf der Bugwelle von Schiffen.
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