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Hoher Blutdruck ist tückisch, denn zu Beginn macht er kaum Symptome. Die langfristigen Auswirkungen sind jedoch fatal: Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Nierenschwäche können die Folgen sein. Zu den Risikofaktoren, die zu Bluthochdruck führen, gehört Fruktose (Fruchtzucker). Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Zucker die Zusammensetzung des Darmmikrobioms stört. Bereits in früheren Studien konnte nachgewiesen werden, dass Bluthochdruck durch Probiotika gesenkt werden kann, indem die Bakterien das Darmmikrobiom verändern. Bislang war jedoch nicht klar, wie der blutdrucksenkende Effekt von Probiotika genau funktionierte. Eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift mSystems veröffentlicht wurde, liefert neue Antworten.
Zuckerdrink für Mäuse
Die Forschenden der City University of Hong Kong und der Inner Mongolia Agricultural University untersuchten die Wirkung der Bakterienstämme Bifidobacterium lactis M8 (B.lactis) und Lactobacilllus rhamnosus M9 (L.rhamnosus) bei Mäusen.
Für den Versuch teilten die Wissenschaftler die Mäuse in vier Gruppen: Die erste Gruppe erhielt mit Fruktose gesüsstes Wasser, die zweite dasselbe Fruktosewasser inklusive eines Probiotikums mit B.lactis. Die dritte Gruppe erhielt ebenfalls Zuckerwasser. Zusätzlich nahmen diese Mäuse den anderen Bakterienstamm L.rhamnosus ein. Eine Kontrollgruppe von Mäusen trank reines Wasser.
Nacht 16 Wochen zeigte sich, dass die Mäuse, die reines Zuckerwasser tranken, Bluthochdruck aufwiesen. Bei Mäusen, die zusätzlich Probiotika eingenommen hatten, stellten die Wissenschaftler jedoch einen signifikant tieferen Blutdruck fest: Sie fanden keinen Unterschied zwischen den Blutdruckwerten von mit Fruktose gefütterten Mäusen, die Probiotika erhielten, und der Kontrollgruppe von Mäusen, die nur Wasser tranken. Laut Prof. Jun Li, Mitautor der Studie, deutet dies darauf hin, dass probiotische Interventionen den Blutdruck trotz hohen Zuckerkonsums auf einem normalen Niveau halten würden.
Bluthochdruck mit Probiotika senken – auch bei Menschen?
In einem weiteren Schritt untersuchten die Wissenschaftler die Zusammensetzung von Darmbakterien bei normalem Blutdruck sowie bei Bluthochdruck. Sie fanden heraus, dass Probiotika das Gleichgewicht des Darmmikrobioms verändern, indem sie die Menge der Bakterien erhöhen, die mit einem niedrigen Blutdruck in Verbindung gebracht werden. Zusätzlich verringern sie die Anzahl der Bakterien, die für Bluthochdruck typisch sind. Die Studie konnte also zu einem besseren Verständnis beitragen, welche Darmbakterien mit der Entstehung von Bluthochdruck assoziiert sind und welche nicht.
Ob auch beim Menschen Bluthochdruck mit Probiotika gelindert werden kann, lässt sich allein durch Tierversuche nicht belegen. Die Wissenschaftler möchten deshalb die Studie auch an Menschen durchführen. Sie betonen allerdings, dass die Zusammensetzung des menschlichen Darmmikrobioms und die Wirksamkeit von Probiotika von Person zu Person unterschiedlich sind. Etwa spielen Alter und Geschlecht eine Rolle.
In einer Pressemitteilung der City University of Hong Kong gibt sich Co-Studienautor Prof. Zhihong Sun jedoch zuversichtlich: «Probiotika sind ein vielversprechender Ansatz in der präventiven Medizin.» Er hofft, dass Präparate mit Probiotika in der Zukunft die Behandlung von Bluthochdruck unterstützen und somit zur Prävention von diversen Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen könnten.