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Denis Villeneuves «Blade Runner 2049» kann ebenso als Nachfolger wie auch als Neuinterpretation von Ridley Scotts Klassiker «Blade Runner» interpretiert werden. In einem Punkt sind sich die Kritiker jedoch einig: Das epochale Aufeinanderteffen von Ryan Gosling und Harrison Ford ist eines der grössten Sci-Fi-Meisterwerke aller Zeiten.
Wir schreiben das Jahr 2049. Das Ökosystem der Erde ist nach Naturkatastrophen weitgehend zusammengebrochen. Moderne Technologien wie fliegende Autos und animierte Hologramme stehen im Kontrast zur urbanen Verwahrlosung. Einzig grossformatige Neonbanner bringen ein wenig unterkühlte Farbe in den sonst so grauen Alltag von Los Angeles. Überwachungsdrohnen kreisen über den Köpfen der Einwohner, der sogenannten Replikanten, die den Grossteil der Bevölkerung ausmachen.
Die von der mächtigen Tyrell Corporation entworfenen Replikanten sind künstliche Menschen oder fleischgewordene Roboter – je nach Sichtweise. Die neueste Generation ist mit einer begrenzten Lebensdauer ausgestattet. Der Polizeibeamte K vom Los Angeles Police Department, gespielt von Ryan Gosling, ist selbst ein hochentwickelter Replikant. Seine Aufgabe ist es, die älteren, aufmüpfigeren Modelle auszulöschen.
Ein Fund, der alles ändert
Die Geschichte handelt von einer zufälligen Entdeckung durch K. Diese wirft neue Fragen zu seiner eigenen Existenz sowie dem «Leben» aller Replikanten auf. Auf der Suche nach Antworten findet K den seit 30 Jahren verschollenen Rick Deckard, gespielt von Harrison Ford, der vom einstigen Jäger zum Gejagten wird.
«Blade Runner 2049» ist einerseits eine Fortsetzung, anderseits aber auch eine Neuinterpretation des 1982 erschienenen Films «Blade Runner» des britischen Regisseurs Ridley Scott. Der Roman «Träumen Androiden von elektrischen Schafen?» des US-amerikanischen Science-Fiction-Autors Philip K. Dick gilt als Vorlage. Ryan Gosling hat in «Blade Runner 2049» die gleiche Aufgabe wie damals Harrison Ford in der Version von 1982.
Viele kritische Stimmen äusserten sich im Vorfeld zu «Blade Runner 2049». Eingefleischte Genre-Fans des Neo-Noir-Klassikers wollten keine neue Version der Geschichte. Sie sahen die Integrität des ersten Films in Gefahr. Eine Befürchtung, welche sich nicht bewahrheitet hat: Fast vier Jahrzehnte nach Ridley Scotts Interpretation kreierte der frankokanadische Regisseur Denis Villeneuve einen ebenbürtigen Nachfolger und zugleich eine neue Sichtweise auf die Existenzberechtigung der menschgewordenen Maschinen.
Die Kernfragen der beiden Filme bleiben jedoch gleich: Was macht den Menschen aus? Wie kann man ihn von Replikanten unterscheiden? Hat der Mensch überhaupt noch eine Bestimmung?
Die Suche nach der Humanität ist somit der rote Faden im Film, der in einer Welt spielt, in der der Mensch nicht mehr Mensch ist, sondern ein von einem grossen anonymen Konzern industriell entworfenes Produkt mit vordefiniertem Verfallsdatum. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine und das daraus resultierende Verwirrspiel sind Kernelemente von «Blade Runner 2049».
Alpträume in Orange und Blau
Visuell ist das Werk eine Offenbarung. Villeneuve begeistert mit einer beeindruckenden Ästhetik und schockiert mit einem alptraumhaften Urbanismus. Die dominierenden Komplementärfarben Orange und Blau übermitteln eine ganz eigene Nachricht – wenn man sie vermischt, beseitigen sie sich selber und ergeben ein neutrales Grauschwarz. Musikalisch schliesst Hollywood-Filmkomponist Hans Zimmer emotional an den Vorgänger an: Seine Stücke untermalen das Unbehagen der Charaktere.
Wer sich «Blade Runner 2049» ansehen möchte, sollte genügend Zeit mitbringen. Mit 152 Minuten lässt er sich sicherlich nicht als pure Abendunterhaltung kategorisieren. Vielmehr kann der Film als Erlebnis wahrgenommen werden.
Blade Runner 2049
Regie: Denis Villeneuve
Besetzung: Ryan Gosling, Jared Leto, Harrison Ford, Ana de Armas
Genre: Science-Fiction, Drama
Dauer: 152 Min.
Verleiher: Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH
Erhältlich als DVD und Blu-ray: 15. Februar 2018