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Mammografie ja oder nein?
Behandlung Jährlich erhalten 5700 Frauen in der Schweiz die Diagnose Brustkrebs, rund 80 Prozent der betroffenen Frauen überleben ihre Erkrankung längerfristig. Es gilt: Je früher der Brustkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Inwieweit die Mammografie dazu einen Beitrag leisten kann, erklärt der Onkologe Dr. Andreas Müller im Interview.
Herr Dr. Müller, der Nutzen einer Mammografie wird immer wieder in Frage gestellt. Welches ist Ihre Meinung dazu?
Einerseits gibt es die diagnostische Mammografie zur Abklärung eines tastbaren Knotens in der Brust: Hier ist die Methode absolut unbestritten. Andererseits gibt es die Screening-Mammografie, die regelmässig alle zwei Jahre bei gesunden Frauen durchgeführt wird, um eine allfällig vorhandene Brustkrebserkrankung möglichst früh zu entdecken und damit die Behandlungs-Aussichten zu verbessern. Im Screening ist der Nutzen der Mammographie weniger eindeutig.
Viele Argumente sprechen aber deutlich für eine Mammografie. Wie sehen Sie das?
Für die Screening-Mammografie spricht, dass sie tatsächlich in der Lage ist, Brustkrebs-bedingte Todesfälle zu reduzieren: Etwa jeder fünfte solcher Todesfälle könnte verhindert werden, in der Schweiz wären dies circa 280 von 1'400 Brustkrebs-Todesfällen jährlich.
Das ist eine beachtliche Zahl. Wo sehen Sie denn die Nachteile?
Damit dieser Effekt erzielt werden kann, braucht es ein Screening bei sehr vielen Frauen: Um einen Brustkrebs-bedingten Todesfall zu verhindern, müssen circa 1000 Frauen alle zwei Jahre untersucht werden.
Etwa jeder fünfte solcher Todesfälle könnte verhindert werden
Ausserdem kommt es bei rund 200 dieser Frauen einmal zu einem «falschen Alarm», der mit gezielten Aufnahmen und bei etwa 80 Frauen mit einer Biopsie abgeklärt werden muss.
Zudem kommt es durch das Screening zu einer gewissen Überdiagnose und Übertherapie: Bei 4 dieser 1000 Frauen wird ein Brustkrebs gefunden, der sonst zu Lebzeiten nie Beschwerden verursacht hätte, aber nun doch zu einer Behandlung mit Operation, Bestrahlung und eventuell mit Chemotherapie führt.
Wem empfehlen Sie eine Mammografie?
In Abwägung der oben genannten Vor- und Nachteile eines Screenings empfehle ich allen Frauen zwischen 50 und 70 Jahren, alle zwei Jahre zur Mammografie zu gehen, ausser sie haben eine schwere Begleiterkrankung, die ihre Lebenserwartung auf weniger als zehn Jahre einschränkt.
Für Frauen mit erhöhtem familiärem Brustkrebs-Risiko kann ein früherer Screening-Beginn sinnvoll sein.
Einige Kantone führen systematische Brustkrebs-Screening-Programme. Welche Vorteile haben diese?
Der Hauptvorteil ist, dass in einem Programm die Qualität garantiert wird. Dies ist bei einem «wilden» Screening nicht gegeben. In einem Programm ist die Untersuchung eine Pflichtleistung für die Krankenkassen, was den Zugang unabhängig vom sozialen und finanziellen Status ermöglicht. Leider bieten nicht alle Kantone solche Programme an.