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Das Pferd als „Nutztier“ der Naturvölker versus Pferd als „Heimtier“
(Beitrag Anfangs2015 veröffentlicht auf der Webseite www.doubleforestranch.ch)
Das Pferd im Kulturerbe der Naturvölker:
Im Kulturgut der berittenen Naturvölker wie den Mongolen, Indianern, Arabern etc. war das Pferd ein integrierter Bestandteil ihres täglichen Lebens. Sie waren für ihr Überleben darauf angewiesen – Nahrungsbeschaffenheit, Territorialauseinandersetzungen und Landeseroberungen, Kriege, Transport von Hab und Gut, Ansehen und Vermögen, Nahrung (z.B. Stutenmilch), Bekleidung, Werkzeuge usw.
Das Pferd war ihren jeweiligen Lebensumständen angepasst; ein zähes, kleines, „zottiges“ Pferd bei den Mongolen, ein schnelles, ausdauerndes „Weite offene Flächen“ Pferd bei den Arabern, ein gut getarntes, wendiges, ausdauerndes Pferd bei den Nez Percé Indianern…
Das Pferd im Leben der Naturvölker war integrierter, grosser Bestandteil ihres täglichen Lebens. Die Menschen lebten ständig um und mit diesen Pferden, züchteten sie, zogen sie im Bereich und in unmittelbarer Nähe ihrer Behausungen auf und bildeten sie ihren Bedürfnissen entsprechend aus.
Deswegen sagt man den berittenen Naturvölkern nach, dass sie hervorragende Pferdekenner und Pferdemenschen waren.
Die Ausbildung der Pferde erfolgte integriert im täglichen Leben der Menschen.
So war es üblich, dass z.B. bei den Blackfoot Indianern schon zehnjährige Knaben das erste Mal auf den Jährlingspferden ritten, die Zweijährigen Pferde von den Teenagern weiter ausgebildet wurden und danach erwachsene Reiter deren Ausbildung in Angriff nahmen. Bekanntlich konnten die hervorragend ausgebildeten Pferde der Blackfoot ohne Zügel geritten werden (siehe dazu unter Anderem auch „unsere Philosophie“).
Wir auf der Double Forest Ranch streben in der Haltung und im Umgang mit unseren Indianer-Appaloosa eine ebensolche naturnahe Aufzucht und Ausbildung, wie sie die Indianer kannten, an. Siehe dazu den FAQ Beitrag auf der Webseite www.doubleforestranch.ch : „Anreiten/Einreiten“, wann ist der richtige Zeitpunkt und „berittenens Bogenschiessen“.
Seit der Domestizierung des Pferdes machten sich die Menschen den Nutzen des Pferdes in vielen Beriechen zu Eigen. Lange wurde das Pferd alleine wegen seinem Nutzen im täglichen Leben des Menschen gehalten; so bei den berittenen Naturvölkern, aber auch als Arbeitstier in der Landwirtschaft, in der Forstwirtschaft und anderen Bereichen.
Das Pferd als „Heimtier“
Im Mittelalter zum Beispiel kam ein anderer Aspekt hinzu: der „Pöbel“ nutze weiterhin die Pferde für ihre tägliche Arbeit auf dem Felde, aber alleine der ADEL durfte das Pferd als Reittier, als Vergnügen, zur „Belustigung“ besitzen. Das Pferd wurde bei einzelnen Bevölkerungsschichten nicht mehr als Nutztier gehalten, sondern sozusagen als Heimtier, zum persönlichen Vergnügen (Pferderennen, Fuchsjagden…).
Der Wandel von Haltungsarten, wie man sie hierzulande über Jahrhunderte kannten (und noch heute vielerorts sehen), nahm gegenüber der Haltung-, Aufzuchts- und Ausbildungsart von Pferdehaltenden Naturvölkern ihren Wandel. Das Pferd wurde als Nutztier in unserer Gesellschaft weitgehend verdrängt. Andere Haltungsarten, fernab des täglichen Lebensbereiches der Zweibeiner, andere Ausbildungsmethoden, andere Verwendungsarten prägten die Welt des Pferdes.
Eine Entfremdung zum Pferd setzte ein. Das Pferd als lebensnahes Nutztier, wie es die berittenen Naturvölker noch kannten, gibt es nicht mehr und damit ist das Wissen dieser Pferdemenschen auch allmählich mehr und mehr verloren gegangen.
Beim Adel im europäischen Mittelalter wurde das Reiten zu einer „Kunst“ entwickelt; entsprechend „künstlich“ sind auch viele seit dieser Zeit übliche Haltungs- und Umgangsformen, inklusive die „klassische Reitweise“.
Wir werten es aber als gutes Zeichen, dass sich vermehrt Menschen daran zurückerinnern wollen, wie eine naturnahe, pferdegerechte Haltungs-, Ausbildungs- und Reitart aussehen kann; dass sich doch wieder einige Menschen auch hierzulande die Pferdemenschen der Naturvölker als Vorbild für ihre eigene Pferdehaltung nehmen.
Wir hoffen auch mit unseren Visionen, Kursen, Programmen und natürlich mit unserer auf naturnahen Praktiken basierenden Zucht (in Haltung und Bedeckung) der authentischen Foundation Appaloosa einen grossen Beitrag dazu zu leisten.
Anmerkung der Double Forest Ranch: die nicht wertende Differenzierung zwischen Pferd als „Nutztier“ und Pferd als „Heimtier“ bezieht sich in diesem Artikel auf kulturhistorischen Aspekten und nicht auf die heutig gültige Differenzierung dieser zwei Begriffe in der Landwirtschaftspolitik der Schweiz. Im Kurs „Pferdehalter Sachkundekurs“ wird auch auf diese zwei Pferde-Registrierungs-Begriffe, ihre vor-/Nachteile, die möglichen Konsequenzen etc. eingegangen.