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Fünfzehn Jahre ist es her, dass der Tivoli-Neubau von Hans Kollhoff in Luzern unter Fachleuten für Gesprächsstoff sorgte. Der eben fertiggestellte Brunnhaldepark zeigt, dass die Diskussion damals offenbar zu wenig gründlich geführt wurde. Der stolze Neubau neben dem Hotel Europe konfrontiert die historische Nachbarschaft mit einer abweisenden Rückfassade, obwohl die Architekten ihr Gebäude aus der Situation heraus entwickelt haben.
Vom See her kaum zu erkennen, liegt der Brunnhaldepark etwas zurückversetzt von der Haldestrasse an der Brunnhalde 4, auf der gegenüberliegenden Strassenseite des Hotels Europe. Die Eigentümerin des Hotels Europe ist auch die Investorin des neuen Wohnhauses, das auf sechs Geschossen zehn grosszügige Wohnungen anbietet.
Doch der Neubau tritt weniger mit dem Hotel Europe in Dialog als mit der vorgelagerten Villa Halde, die 1867 für einen Weinhändler erstellt und von Emil Vogt erweitert wurde. Von dieser übernimmt der Neubau die Gebäudevolumetrie und verankert, in Analogie zur spätklassizistischen Villa, mit einem zweiten Eckturm den Neubau an der Haldestrasse.
Neubau besteht nicht im Kontext
Während die Villa Halde den Strassenraum fasst, nimmt der Solitär die Mitte des Grundstücks ein und steht auf einem zweigeschossigen Garagensockel, der im Erdreich verborgen bleibt. Trägt an der Haldestrasse das Spiel mit den beiden versetzten und unterschiedlich hohen Gebäudevolumen zur angemessenen Erscheinung bei, verliert die Komposition an der Brunnhalde ihre Berechtigung. Denn hier zeigt das Volumen seine plastischen Qualitäten nicht.
Der Erkerturm ist zu niedrig, um auf dieser Seite die Gebäudeansicht zu prägen. Im Gegenteil: Die Baumasse wirkt sogar gedrungen. Eine Adressbildung bleibt aus. Obwohl sorgfältige Details und eine edle Materialisierung dem Gebäude einen noblen Charakter geben, vermag der Neubau im Kontext nicht zu bestehen. Er bildet von der Brunnhalde aus betrachtet weder mit dem Hotel Europe noch mit der Villa Halde ein Ensemble.
Gut für Luzern, dass der Brunnhaldepark nur im zweiten Glied und nicht direkt an der Haldestrasse steht.
Gerold Kunz, Architekt ETH SIA BSA
Vor dieser Aufgabe standen verschiedene Architekten schon 2002 beim Ersatzneubau für das Hotel Tivoli. Kollhoffs Vorschlag überzeugte, weil er nicht nur die grossmassstäbliche Volumetrie von den Hotelbauten übernahm, sondern auch die Gliederung der Fassaden. Obwohl er auf den Mittelrisaliten verzichtete und nur die beiden Gebäudeecken betonte, setzte Kollhoff mit dem Neubau die Stadtstruktur fort. In diesem Sinne scheint die Strategie auch beim Brunnhaldepark zu sein, indem die Gebäudekomposition von der Villa Halde übernommen wird.
Weil die Architekten auf eine abstrakte Fassade setzen, die nichts von der geforderten Feingliedrigkeit übernimmt, und weil sie ein deutlich grösseres Volumen ausbilden, geht die Bezugnahme sowohl zur Villa Halde wie auch zum Hotel Europe verloren. Gut für Luzern, dass der Brunnhaldepark nur im zweiten Glied und nicht direkt an der Haldestrasse steht.