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Die Psychologin und Psychoanalytikerin Dr. Manuela Torelli widmet sich in ihrem neuen Buch der Psychoanalyse lesbischer Sexualität ...
Frau Torelli, es heisst, lesbische Frauen hätten am wenigsten Sex. Ist das wirklich so oder nur ein Vorurteil aus vergangenen Zeiten?
Nach sexualwissenschaftlichen Studien haben lesbische Frauen von der Frequenz der sexuellen Kontakte die niedrigste Rate aller Paarkonstellationen (schwule Paare die höchste, gefolgt von unverheirateten heterosexuellen und schliesslich verheirateten heterosexuellen Paaren). Diese Ergebnisse sind aber bereits 15 Jahre alt und es gibt leider keine neueren Untersuchungen zu diesem Thema.
Was denken Sie, würde eine aktuelle Studie ergeben?
Ich persönlich glaube, dass sich bei jungen Frauen, die in einer urbanen Umgebung aufgewachsen sind, mittlerweile einiges lockert. Allerdings ergibt sich bei allen Paarkonstellationen nach circa sieben Jahren monogamer Beziehung insgesamt eine Verminderung der sexuellen Kontakte in der Beziehung. Vertrautheit, Freundschaft und Kooperation wachsen dafür. Lesbische Frauen wünschen sich und leben auch mehr monogame Beziehungen, als z.B. schwule Männer, so dass sie schneller in diese Gruppe fallen.
Lesben haben also nicht mehr Probleme mit ihrer Sexualität als heterosexuelle Frauen oder Schwule?
Nein, lesbische Frauen haben gleich viele sexuelle Störungen, wie heterosexuelle und schwule Menschen. Sie haben aber wohl mehr Möglichkeiten, konstruktiv damit umzugehen, da kein Mann dabei ist und damit der männliche Narzissmus, also dass Muss zur Sexualität, keine Rolle spielt. Meine Studie bezog sich auf Einzelfälle, die ich tiefenhermeneutisch untersucht habe; d.h. ich habe die Interviews, die ich frei mit den Frauen geführt habe, einer psychoanalytischen Untersuchung unterzogen.
Die "GfK Bevölkerungsstrukturdaten" zeigen: in 38 Prozent der deutschen Haushalte wohnen Singles. Wie wichtig ist eine feste Partnerschaft?
Das kommt ganz auf den einzelnen an. Die Mehrheit der Menschen wünscht sich aus verschiedenen Gründen eine feste Partnerschaft: 1. wegen des Kinderwunsches und der damit verbundenen Abhängigkeit von einer Partnerin oder einem Partner, um diese Aufgabe nicht allein bewältigen zu müssen. 2. leben die meisten Menschen nicht gerne allein, weil wir soziale Wesen sind und sehr von zwischenmenschlichen Bindungen abhängig sind. 3. ist es gesellschaftlich immer noch angesehener, in einer Partnerschaft oder Familie zu leben.
Warum gibt es dann so viele Alleinstehende?
Es gibt viel mehr Singles als früher, da die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frauen und Männern sich auf Seiten der Frauen sehr gelockert hat. Ausserdem hat die Emanzipationsbewegung die Gesellschaft verändert und die Rollenbilder sind lockerer geworden. Aus verschiedenen biografischen Gründen gibt es aber auch Frauen, denen eine Partnerschaft zu nah erscheint und die deshalb lieber allein leben. Wie "neurotisch" das ist, kann man nur im Einzelfall entscheiden. Wichtig aber ist, ob die jeweilige lesbische Frau darunter leidet.
Wie wichtig ist ein Forum für Lesben?
Es gibt viele Internet-Foren für Lesben, die ich für wichtig halte. Ob es Plattformen sind, die aus lesbischer Initiative kommen oder professionelle ist dabei egal. Die lesbische Gemeinschaft ist zum Glück so heterogen, dass für jede Frau etwas dabei sein sollte.
Ist es für Lesben schwieriger, eine Liebe zu finden, als für andere?
Nein. Für Lesben ist es, glaube ich, ähnlich leicht oder schwer, eine Liebespartnerin zu finden. Mittlerweile gibt es ja viele Möglichkeiten, ob real in der Szene oder virtuell über das Internet Kontakte zu knüpfen.
Kann eine Internet-Plattform zur Partnersuche Frauen bei der seriösen Suche nach einer Partnerin helfen?
Es freut mich, dass Internet-Plattformen wie gayParship auch für lesbische Frauen die Möglichkeit bietet, in einem gut strukturierten und ansprechenden Rahmen gezielt auf Partnersuche zu gehen. Auf den Parship-Seiten ist die Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren ja erreicht, was sehr zu begrüssen ist.
Das Buch "Psychoanalyse lesbischer Sexualität" von Manuela Torelli ist im Psychosozial Verlag (http://www.psychosozial-verlag.de) erschienen.