Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03581.jsonl.gz/532

Lesung quasi am Tatort
GISIKON – Der letzte Schweizer Bürgerkrieg fand sein Ende in Gisikon. General Guillaume Henri Dufour, Held wider Willen, hatte den Auftrag, den Sonderbund zu zerschlagen. Der Historiker Michael van Orsouw las aus der fiktiven Autobiografie des Helden, den die Dufour-Spitze bekannter machte als sein Einsatz als General.
Dufourstrasse, Dufour-Gasse, Dufour-Platz, Dufour-Schulhaus, Dufour-Uni, Dufourspitze, Dufourkarte, Dufour-Quai. Schön und gut, aber wer um Himmels Willen war Dufour? Jedes Schulkind kennt die Schlacht bei Morgarten oder jene von Sempach, kaum eines aber den Sonderbundskrieg, obwohl dies der letzte Bürgerkrieg in der Schweiz war und vor gut 150 Jahren sein Ende in Gisikon fand. Die Tagsatzung, sie war in der Schweiz bis 1848 die Versammlung der Abgesandten der Kantone der Alten Eidgenossenschaft, berief den gebürtigen Genfer, Guillaume Henri Dufour, an die Spitze des Sonderbundkrieges, das heisst, er sollte den Sonderbund, ein Zusammenschluss der katholischen Kantone, zerschlagen. Was sich alles zugetragen hat und wie man sich das Geschehen und die Befindlichkeit des Generals vorstellen kann, hat der Historiker Michael van Orsouw in seiner fiktiven Autobiografie «Held wider Willen» zusammengefasst. In seiner Lesung vom vergangenen Freitag hat der Autor an einem Ort des Geschehens, nämlich in Gisikon, wo das letzte Gefecht des Sonderbundskrieges stattfand, fast mitten auf dem Kampfplatz notabene, die Tagebucheintragungen vorgetragen.
Die zahlreich erschienen, sehr interessierten Zuhörer, zumeist Leute, die an diesem geschichtsträchtigen Ort oder in der Nähe wohnen, liessen sich diesen Anlass nicht entgehen. Das Büchlein «Dufour, Held wider Willen», kann man in jeder Buchhandlung für 25 Franken erstehen. Nur die Zutaten, die Michael van Orsouw der Lesung beigab, die lassen sich nicht wiederholen. In kurzen Filmsequenzen erlebten die Gäste eine Umfrage darüber, wer wohl Dufour war, eine ebenfalls fiktive Tagesschau von 1847, und Bilder über das Vorkommen des Namens Dufour auf Schildern, Restaurants und öffentlichen Gebäuden. Daneben auch noch einige Abfolgen von wehenden Schweizerfahnen. Dufour hatte die Idee, das weisse Kreuz auf dem roten Grund zum schweizerischen Erkennungszeichen zu machen. Er kreierte das Symbol (damals fünf gleich grosse Quadrate) und setzte die erste schweizerische Anwendung an den Militäruniformen durch.
Dank gebührt der Gemeinde Gisikon und der Rooter Gemeindebibliothek unter der Leitung von Regula Roggenbach für die Organisation des Anlasses. Schön, wenn eine Gemeinde und eine Bibliothek zusammen Geschichte aktuell werden lassen und dies von der Bevölkerung entsprechend gewürdigt wird.
Ruth Kocherhans