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Besteht somit Hoffnung, dass die Nacht doch zu Studienzwecken genutzt werden kann?
Die Arbeiten von Dr. Simon Ruch und Kolleginnen und Kollegen zeigen, dass Menschen im Schlaf tatsächlich völlig neue Dinge, wie beispielsweise Vokabeln, lernen können. In ihren Studien haben sie den Teilnehmenden im Tiefschlaf Wörter einer Fantasiesprache, gepaart mit der deutschen Übersetzung (z. B. Guga – Vogel), über Kopfhörer dargeboten. Die Studienteilnehmenden konnten nach dem Erwachen tatsächlich korrekte Angaben über die im Schlaf gehörten Fantasiewörter machen. Dies, obwohl sie sich nicht an die Wörter erinnern konnten und überzeugt waren, die Ausdrücke noch nie zuvor gehört oder gesehen zu haben.
Beispielsweise konnten die Personen korrekt erraten, ob es sich bei den Fantasiewörtern (z. B. Guga), um ein grosses oder ein kleines Objekt handelt, oder ob die Wörter ein Werkzeug, ein Tier oder einen Ort bezeichnen.
Allerdings wurde der anfängliche Enthusiasmus über die entdeckte Lernfähigkeit des schlafenden Gehirns durch einige ernüchternde Einsichten getrübt:
- Das im Schlaf erworbene Wissen ist nicht bewusstseinsfähig, d. h. die Personen sind sich ihrem Wissensgewinn nicht bewusst.
- Lernen im Schlaf scheint nur in bestimmten kurzen Zuständen des Gehirns zu funktionieren, wenn das Gehirn gerade aufnahmefähig ist. Diese Zustände dauern nur ca. ½ Sekunde an und können ausschliesslich mittels Hirnstrommessungen erkannt werden. Eine Anwendung zu Hause ist daher schwierig zu verwirklichen.
- Die Lerneffekte sind klein. So werden unter optimalen Bedingungen nur ca. 10 % der im Schlaf gehörten Informationen abgespeichert.
- Unter gewissen Umständen kann das Lernen im Schlaf sogar das bewusste Neu-Lernen derselben Information nach dem Erwachen hemmen; als ob das Gehirn die zuvor im Schlaf gelernten Informationen unterdrücken würde. Der Versuch, sich schlafend einen Lernvorteil zu verschaffen, könnte demnach sogar das Gegenteil bewirken: eine schlechtere Lernleistung am nächsten Tag.