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Mein liebstes Musikinstrument ist die elektronische Orgel. Für Live-Auftritte ist sie nicht zu übertreffen. Heute verwende ich andere elektronische Instrumente wie Keyboards, Expander, EWI, Effektgeräte, Computer usw. (siehe Mein Musikstudio). Meine musikalische «Karriere» hat aber mit Blasinstrumenten begonnen:
Als ich mit der Blockflöte ohne Noten die zweite oder dritte Stimme eines Stückes aus dem Kopf spielen konnte, hat man bei mir das musikalische Talent entdeckt. Auch rhythmisch war ich damals schon begabt. Meine Musikalität wurde mir gewissermassen in die Wiege gelegt.
Dank unserer Begabung wurden mein Bruder Beat und ich in der Knabenmusik St.Gallen aufgenommen. Dort erhielten wir eine solide musikalische Grundausbildung und lernten im Takt marschieren (soll gut für die Karriere sein, ha). Zuerst drückte man mir ein Es-Horn in die Hand. Damit spielt man fast ausschliesslich das 'Ta' von 'Um - Ta - Um - Ta - Um - Ta - Ta - Ta - Ta'. Die einzige Schwierigkeit dabei ist, beim Marschieren nicht aus dem Takt zu geraten. Nach meiner Bewährungsprobe durfte ich dann auf Trompete wechseln, was eher meinen Wunschvorstellungen entsprach.
Am Radio hörte ich zufällig ein Stück von Klaus Wunderlich, einem der berühmtesten Interpreten auf der elektronischen Orgel. Er spielte ganze Stücke allein mit seiner Orgel, ohne andere Instrumente, ausser einem Schlagzeug, das er auch noch selber spielte. Das faszinierte mich derart, dass ich mich näher mit E-Orgeln zu befassen begann.
Ich spürte, dass dieses Instrument wie für mich geschaffen war. Nachdem ich jedes Wochenende in einem Orgel-Shop verbrachte, sahen meine Eltern schliesslich ein, dass ich es ernst meinte. Sie kauften eine gebrauchte Orgel der Marke Farfisa und ich durfte 10 Stunden Unterricht nehmen. Die Orgel hatte zwei Manuale, 13 Basspedale und einen eingebauten Rhythmus- und Begleitautomaten.
Die 10 Stunden Unterricht waren für mich ein Klacks. Die Stücke aus dem ersten Übungsheft spielte ich bereits auf Tasten, die ich auf Papier gezeichnet hatte, weil die Orgel noch nicht geliefert worden war. Nach dem Kurs kannte ich alle wichtigen Akkorde und beherrschte das Bassspiel mit dem Fuss. Von da an brachte ich mir alles selber bei. Ich konnte schon das Meiste nach Gehör ohne Noten nachspielen. Ich spielte jeden Tag, solange ich Zeit hatte, oft mehrere Stunden. Es hatte mich richtig gepackt. Meine Geschwister und Eltern mussten manchmal ganz schön Geduld aufbringen.
Klaus Wunderlich gab Schallplatten mit Noten zum Nachspielen heraus. Ich kaufte alle diese Platten und übte wie ein Verrückter. Für manches fingerbrecherische Stück brauchte ich Monate, bis ich es einigermassen beherrschte. Einige Stücke zeigen mir auch heute noch meine Grenzen auf. Mit einem echten Profi kann ich mich wohl nie messen.
Inzwischen bin ich virtuos genug, um zu Improvisieren und Fehlgriffe hört man kaum noch heraus. Wenn ich etwas neues einstudiere, greifen meine Hände oft unbewusst automatisch die richtigen Akkorde, obwohl ich nicht mal deren Bezeichnung kenne. Ich muss dann selber Staunen ab den Fähigkeiten, die ein Gehirn so entwickeln kann.
Während meiner Lehrzeit wurde an meinem damaligen Wohnort in Bruggen-St.Gallen von ein paar begeisterten Fastnächtlern eine Guggenmusik gegründet. Ein paar Kollegen aus der Knabenmusik gehörten auch zu den Gründern. Auf deren Anfrage trat ich auch bei. Für mich war es das erste mal, dass ich mit anderen Erwachsenen etwas unternehmen durfte: Proben, Kostüme schneidern, Hüte basteln, bis in alle Nacht auf Beizentour gehen an der Fastnacht usw. Weil ich handwerklich nicht ungeschickt bin, hat man gerne meine Hilfe beim Basteln in Anspruch genommen.
Während dem Studium hatte ich nicht mehr viel Zeit und keine eigene Orgel zur Verfügung. So entdeckte ich die alte Handorgel meiner Mutter. Mutter hatte noch die Lehrbücher und alle Noten dazu aufbewahrt. Es dauerte nur zwei Wochen und ich konnte fast alle Stücke fliessend spielen. Aber nur nach Noten, da es sich um eine diatonische Handorgel handelt. Diese Modelle klingen beim Ziehen und Stossen unterschiedlich (dia-tonisch = zwei-tonig), selbst wenn die gleichen Knöpfe gedrückt werden (im Gegensatz zu den chromatischen Handorgeln). Mit diatonischen Handorgeln kann man leider nicht alles spielen. Es fehlen immer ein paar Töne und Akkorde. So war das für mich nur eine Übergangslösung.
Ein 13 jähriger Bub aus der Nachbarschaft meiner Grosseltern, wo ich während des Studiums wohnte, durfte sich eine E-Orgel von Wersi bauen, Modell Helios. Die Orgeln von Wersi gibt es als Bausatz. Ich half ihm beim Bau. Dafür durfte ich oft bei ihm darauf spielen. Einmal machte ich mit Hilfe von zwei Tonbandgeräten Mehrspur-Aufnahmen. Alles ohne Noten, nur nach Gehör. Diese Aufnahmen sind mir so gut gelungen, dass meine Eltern sie auch heute noch manchmal geniessen. Mein Vater verwendete die Musik als Background für seine Videos.
Nach dem Studium kam ich nach Zürich in meine erste eigene Wohnung. Am meisten vermisste ich meine Heimorgel. Aber für so ein Instrument hatte ich anfangs noch kein Geld. So kaufte ich auf Raten erst mal ein kleines Keyboard von Casio, das schon erstaunliche klangliche Möglichkeiten bot. Aber nach ca. einem Jahr hatte ich genug gespart, so dass ich mich an das grosse Projekt wagen konnte:
Ich baute mir selbst eine Orgel, das Modell Beta DX 400 von Wersi. Das war damals eines der Top-Modelle und wohl die erste voll digitalisierte Orgel. Selbst als Bausatz war sie horrend teuer (ca. 28'000 Fr.). Aber man kann diese Orgeln zum Glück in mehreren Stufen ausbauen. Man kauft zuerst das Gehäuse und die Grundelektronik. Dann kann man weitere Stimmen und Effekte einbauen, bis am Ende die volle Pracht erklingt.
Der Bau dauerte um die hundert Stunden, verteilt über mehrere Monate. Die Orgel hat zehntausende von Lötstellen. Dank der Digitaltechnik funktioniert sie auch heute noch wie neu. Mit dieser Orgel hatte ich manchen Auftritt als Alleinunterhalter bei Hochzeiten von Freunden und Bekannten.
Mit Einzug der Digitaltechnik in die elektronischen Instrumente wurde der Klang der kleinen Keyboards immer authentischer. In immer mehr Musikstudios werden ganze Orchester durch solche Instrumente ersetzt. Mich interessierte das sehr, da ich durch mein Studium die Technik dahinter kannte.
Diese Instrumente kann man mit einem Computer koppeln. Der Computer übernimmt dabei die Rolle eines Mehrspur-Tonbandgerätes und zeichnet alles Spur für Spur auf, was man spielt. Alle Spuren zusammen kann man dann abspielen lassen, so dass man den Klang eines ganzen Orchesters erhält. Spielfehler kann man direkt am Computer korrigieren, ohne dass man Teile der Spur neu einspielen muss. Heute kann man tausende solcher Musikstücke gratis aus dem Internet laden.
Also kaufte ich mir mein erstes Profi-Keyboard, eine Korg M1 Workstation. Ich war vom Klang sehr beeindruckt. Ab sofort stellte ich das Keyboard auf meine Orgel und hatte nun drei Manuale zum Spielen und neue, sehr echt klingende Instrumentalstimmen zur Verfügung.
Als die Computertechnik weiter fortschritt, konnte man alle Funktionen eines PC in das Keyboard integrieren. Solche Keyboards bieten ein Mehrfaches an Möglichkeiten als meine 'alte Wersi', brauchen aber nur einen Bruchteil des Platzes und sind viel leichter zu transportieren. Nachdem ich mir ein Keyboard Technics KN3000 gekauft hatte und Platz in meiner Wohnung für einen grossen Arbeitstisch brauchte, habe ich die Wersi verschenkt.
Nach und nach habe ich weitere Geräte dazugekauft, sodass ich jetzt ein kleines Musikstudio besitze.
Eigentlich hatte ich kein starkes Bedürfnis mehr nach einem Blasinstrument, schon gar nicht nach Trompete. Das ist viel zu anstrengend und man muss sehr viel üben, damit einem die Puste nicht schon nach Minuten ausgeht. Trotzdem hatte ich mich überreden lassen, in einer Guggenmusik in Zürich mitzumachen. Ich hoffte dadurch auch mehr Leute kennen zu lernen. Aber es erwies sich, dass die Leute in dieser Guggenmusik nicht sehr gesellig waren!? Alle fuhren nach den Proben gleich wieder nach Hause und alle wohnten viel zu weit weg von Zürich, als dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln bequem zu erreichen wären. Als mir dann meine Panikattacken während der Fastnachtumzüge immer mehr zu schaffen machten, trat ich wieder aus.
Durch einen Artikel in einer Musikzeitschrift wurde ich auf ein neuartiges elektronisches Blasinstrument aufmerksam. Es wird als EWI (Electronic Wind Instrument, zu deutsch: Blaswandler) bezeichnet und sieht etwa aus wie eine Klarinette und ist auch ähnlich zu spielen. Weil ein EWI mehr Ausdrucksmöglichkeiten bietet als eine Klaviatur habe ich mir für mein Musikstudio ein solches EWI zugelegt. Ich bin fasziniert von den Möglichkeiten und habe jetzt wieder ein Blasinstrument, welches aber nicht so anstrengend zu spielen ist.
Nach einer längeren Pause habe ich mir am 3.11.2007 wieder ein neues Keyboard geleistet: Das Yamaha Tyros 2 für 5'589.50 CHF inklusiv Boxen Sustain-Pedal, Fusstaster und Expression-Pedal. Dieses Keyboard klingt derart unverschämt gut und hat so viele Möglichkeiten, dass mir mein altes Technics KN3000 dagegen wie ein Spielzeug vorkommt. So spiele ich jetzt also wieder auf einem Keyboard...