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Die im Nordosten Brasiliens gelegene Metropole Recife ist die Heimat der ältesten Synagoge der westlichen Hemisphäre. Die Synagoge Kahal-Zur-Israel "Fels-von-Israel-Gemeinde" wurde zum Markstein jüdischer Kultur in der Neuen Welt. Später legten die aus Recife ausgewanderten Juden den Grundstein für die erste Synagoge Nordamerikas in der damaligen Stadt "Nieuw Amsterdam", dem heutigen New York City.
Im späten Mittelalter lebten viele Juden auf der iberischen Halbinsel. In "Sefarad", wie der biblische Name Spaniens lautete, entstand die Kultur der "sefardischen" Juden, eine der wichtigsten Gruppierungen innerhalb des Judentums. Andalusien wurde zu einem Zentrum jüdischen Lebens im europäischen Mittelalter, in dem sich eine der stabilsten und wohlhabendsten jüdischen Gesellschaften ihrer Zeit entwickelte. Eine Anzahl bedeutender jüdischer Gelehrter ging aus dieser Gesellschaft hervor.
Die sogenannten Goldenen Zeiten in Andalusien endeten 1492/96 mit der Zwangschristianisierung und der Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal, die mit der Inquisition einherging. Viele von ihnen sind nach Amsterdam oder Nordafrika geflohen.
Um 1630 haben die Niederländer den katholischen Portugiesen den Nordosten Brasilien abgetrotzt und in Recife (damals Mauritsstad) ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Sie brachten dem Land Fortschritt und Offenheit. Der Generalgouverneur Johann Moritz Fürst von Nassau-Siegen rief die Religionsfreiheit aus. Dies lockte tausende von Juden an, die hier eine Oase mit grossen Möglichkeiten sahen. Diese aus Spanien und Portugal stammenden Juden begannen 1637 mit dem Bau der "sefardischen" Synagoge in Recife. Mit der Einweihung 1642 wurde Isaac Aboab da Fonseca der erste Rabbi. In dieser Zeit zählte die jüdische Gemeinde in Recife über 1.600 Mitglieder.
Doch die liberale Zeit währte nur ein knappes Vierteljahrhundert. 1654 besiegten die Portugiesen die Niederländer, und deren Ära im Nordosten Brasiliens ging endgültig zu Ende.
Für die Juden kehrte aber damit der alte Schrecken zurück. Viele gingen zurück nach Amsterdam. 23 Juden aus Recife aber - Männer, Frauen und Kinder - segelten
einen anderen Kurs und gingen anfangs September 1654 nach neun Monaten Fahrt in "Nieuw Amsterdam" an Land. Dort wurden sie zwar vom despotischen und antisemitischen Gouverneur Peter Stuyvesant
alles andere als willkommen geheissen, doch sie blieben und erhielten Land für einen jüdischen Friedhof. Zehn Jahre später wurde Nieuw Amsterdam
von den Briten eingenommen und heisst bis heute New York City.
1695 legten sie das Fundament für die erste Synagoge in Nordamerika. Anfangs des 18. Jahrhunderts blühte die jüdische Gemeinde in New York auf und mit Gründung der New York Börse 1792 waren zwei Juden unter den ersten Mitgliedern - Benjamin Seixas und Ezekiel Hart.
Heute sind in New York City etwa 972.000 Einwohner jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung, die somit 12% der Gesamtbevölkerung ausmachen. In Manhattan beträgt der Anteil sogar etwa 20%. New York City ist damit die Stadt mit der grössten jüdischen Gemeinde der Welt, da hier mehr Juden leben, als ganz Jerusalem Einwohner hat.
Im Hafenviertel von Recife ausgerechnet an der Rua do Bom Jesus, "Strasse des Guten Jesus" steht über der Hausnummer 197 der Name "Synagoge Kahal-Zur-Israel" (Fels-von-Israel-Gemeinde). Das
Gebäude wurde im 20. Jahrhundert abgerissen und die Reste von Archäologen 1999 ausgegraben.
Nach dem spektakulären Fund eines "Bor" ist die Synagoge wieder aufgebaut worden und beherbergt heute ein jüdisches Museum, welches über die Geschichte des Judentums und der Synagoge informiert. Sie soll uns an das friedliche Zusammenleben aller Religionen ermahnen, sagt Boris Bernstein, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in der Millionenstadt Recife.
Aufgrund ihrer historischen Bedeutung wird die Synagoge von der jüdischen Bevölkerung heute für Hochzeiten und Bar-Mizwa-Feiern genutzt.
Schwach beleuchtet unter der massiven durchsichtigen Glasplatte im Boden sieht man auf den spektakulären Fund des "Bor". Ein Brunnen, aus dem Wasser geschöpft wurde für die im Judentum
vorgeschriebene rituelle Reinigung. "Männer mindestens einmal im Jahr, Frauen jeden Monat". Der Brunnen ist im Originalzustand, genauso wie der Fussboden aus der ersten Hälfte des 17.
Jahrhunderts. Nur die etwa zwei Meter entfernt liegende "Mikwe", das rituelle Tauchbad, wurde rekonstruiert.
Von einer Balustrade aus dem 1. Stock blickt man auf den Gebetsraum und den Toraschrein. Bänke stehen an beiden Seiten.
Zwischen den braunen Ziegelsteinen der aus dem 17. Jahrhundert erhaltenen Wand stecken wie an der Klagemauer in Jerusalem kleine weisse Zettel mit Gebeten.
Die Menora - (מְנוֹרָה) ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums.
Synagoge Amerikas: Juden aus Recife gehörten zu den Gründern von New York City.
Die alte Synagoge, die Mikwe und das Bor in Recife sind spannende Entdeckungen.
Das grosse architektonische Erbe und die lange Geschichte der jüdischen Gemeinde Recifes.