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Arbeiterhaus Pflanzschulstrasse 20-22
Das Mehrfamilienhaus ist Teil der Überbauung des Mühlebrückequartiers, welches von der Gesellschaft zur Erstellung billiger Wohnhäuser 1888-1893 erstellt und später erweitert wurde. Die Backsteinbauten weisen eine einfache Fassadengestaltung auf, die von roten Backsteinelementen geprägt wird. Die als Arbeiterhäuser erstellten Gebäude sind weitgehend in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben.
Das Arbeiterhaus an der Pflanzschulstrasse 22 ist Bestandteil der Arbeitersiedlung Mühlebrücke, die von Ernst Jung in den Jahren 1883/1884 erstellt wurde. Bauherrschaft war die Gesellschaft zur Erstellung billiger Wohnbauten, die sich seit 1873 für den sozialen Wohnungsbau einsetzte.
Ernst Jung war selbst eines der Gründungsmitglieder und einer der Initianten. In Winterthur herrschte damals Wohnungsnot und viele Arbeiter wohnten in unwürdigen Verhältnissen. Jung hatte in seiner Berliner Zeit die Mietskasernen mit den dunklen und schlecht belüfteten Innenhöfen erlebt, in denen Arbeiterfamilien dahin vegetierten. Das bewog ihn dazu, sich für ein anderes Wohnkonzept einzusetzen: Freistehende Häuser sollten es sein, die gut belichtet und belüftet werden konnten, kombiniert mit Gärten, wo die Arbeiter zur Selbstversorgung Gemüse anbauen konnten.
Damit leistete Jung nicht nur einen bedeutenden Beitrag zum sozialen Wohnungsbau, sondern auch zur Gartenstadt Winterthur lange bevor es den Begriff „Gartenstadt" überhaupt gab. Dieser wurde erst in der Zwischenkriegszeit aktuell.
Jungs Arbeiterhäuser sind nach praktischen und zweckmässigen Gesichtspunkten erstellt: die Backsteinfassade reduziert den Unterhaltsaufwand gegenüber einer verputzten Fassade. Desto weniger ist zu verstehen, weshalb in späterer Zeit manche von Jungs Häusern mit einem Verputz überzogen wurden. Die Anwendung von gelbem und rotem Backstein ermöglichte aber auch eine dekorative Gestaltung der Fassaden.
Die Wohnungen sind für damalige Verhältnisse grosszügig gestaltet: Eine Stube, ein Elternschlafzimmer, zwei Kinderzimmer und eine Küche. In den Zimmern sollten soviele Betten wie nur möglich Platz haben, da die Familien in der Regel kinderreich waren.
Die Häuser haben ihre Wohnqualität bis heute bewahren können. Dennoch haben sich Wohn- und Lebensgewohnheiten seit dem Bau der Häuser verändert: Die Zimmer werden für heutige Bedürfnisse oft als zu klein empfunden. Badezimmer gab es keine.
Im Haus an der Pflanzschulstrasse 22 sind aber viele ursprüngliche Elemente der Ausstattung erhalten geblieben: die Bretterböden, die Kachelöfen, die Einfeuerungen und das Wandtäfer.
Es war der Denkmalpflege von grosser Bedeutung, dass die Grundstruktur der Häuser mit ihrer Innenausstattung erhalten werden konnte, ohne die Anpassungen an moderne Wohnbedürfnisse zu verhindern. Um dem Bedürfnis nach einem grosszügigeren Raumerleben entgegenzukommen, wurde eine Wand im ersten Obergeschoss zwischen den strassenseitigen Zimmern teilweise entfernt. Die Badezimmer mussten neu eingebaut werden.
(Text der Denkmalpflege Winterthur zur Pressefahrt am 1. April 2005)