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(CerasusTourn.), Untergattung der GattungPrunus (Familie der Rosaceen), Bäume oder Sträucher
mit ganzen, elliptischen, gesägten Blättern, kurz vor oder mit diesen sich entwickelnden, in zwei- oder mehrblütigen Dolden
von Laubblättern gestützt oder ohne solche stehenden, langgestielten Blüten, rundlichen, nicht bereiften Früchten ohne
Längsfurche und glatten, rundlichen Steinen. Der Süßkirschenbaum (Holz-, Wald-, Bauern-, Haferkirsche, Zwiesel, PrunusaviumL., C. nigra Mill.) ist ein ziemlich hoher Baum mit gedrängt stehenden, steifen, aufrechten Ästen, ziemlich
lang gestielten, schlaffen, länglich-spitzen, gesägten, hell- und mattgrünen, auf der Unterfläche behaarten Blattern,
meist zwei Drüsen am Blattstiel, stets aus zweijährigem Holz
[* 3] kommenden Blüten, süßer Frucht und rundem Stein ohne scharfe
Kante.
Hierher gehören die Herzkirsche (Maikirsche, C. julianaDec.), mit herzförmiger, roter, gelblicher oder schwarzer, weichfleischiger
Frucht, und die hartfleischige Knorpelkirsche (C. duracinaDec.) Ehrhardt nennt die Varietäten mit dunkelm FleischPrunus nigricans,
die mit hellem P. varia (P. rubicundaBechst.). Der Forstmann sieht den Vogelkirschbaum in den Mittelwaldbeständen
gern, thut aber in der Regel nichts für seine Vermehrung, da sich der Baum durch Vermittelung der Vögel
[* 9] sehr leicht selbst
ansäet.
Die aus Samen
[* 10] erzogenen Stämmchen dienen zur Unterlage von Edelreisern. Zur Erzielung kräftiger Wildlinge säet man die
vollkommen reifen Früchte mit dem Fleisch und bedeckt sie nur sehr wenig. Die Baumweichsel (Sauerkirschbaum, P.CerasusL., C.
vulgaris Mill., C. acidaGärtn.), ein Baum von geringen Dimensionen und minderer Dauer als der vorige, mit mehr zerstreut stehenden,
steifen, aufrechten Ästen, steif abstehenden, länglich-spitzen oder elliptischen, dunkeln, glänzenden, fast
doppelt gesägten, unbehaarten Blättern, nur ausnahmsweise mit Drüsen am Blattstiel, kürzer gestielten, oft auf einem gemeinschaftlichen
Stiel mit kleinen Blättern stehenden Blüten, sauren Früchten und runden Steinen ohne scharfe Kanten, stammt aus Vorderasien,
wächst so gut wie wild in der Krim,
[* 11] in Bithynien und
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Makedonien, verwildert in Litauen, Polen, Schottland, wird in vielen Varietäten und in derselben Verbreitung wie die vorige
kultiviert. Hierher gehört die Glaskirsche (C. acidaEhrh.), mit farblosem Fruchtsaft, und die Morelle(C. austeraEhrh.),
mit rotem Fruchtsaft. Die Strauchweichsel(P. acidaDum., C. collina Lej. et Court.)
ist in allen Teilen kleiner als die vorige und nur künstlich zu einem Baum heranziehbar, mit schwachen,
meist übergebogenen Ästen, steif abstehenden, breit-elliptischen oder länglichen, stets spitzen, dunkelgrünen, kahlen
Blättern, meist kleinen Drüsen am Blattstiel, sauren Früchten und runden Steinen ohne scharfe Kanten.
Das Vaterland dieser Art ist unbekannt, nach einigen soll sie aus Südspanien eingeführt sein; in der
Rhön und im Saalthal kommt sie verwildert vor; sie zeichnet sich besonders durch die Neigung zur Bildung von Wurzelbrut und
Ausläufern aus. Man unterscheidet Weichseln mit hellem, wässerigem Saft als Amarellen und solche mit gefärbtem als echte
Weichseln und Natten. Botanisch lassen sich ebenfalls zwei Abarten unterscheiden, von denen die eine (Ostheimer
Kirsche, fränkische Wucherkirsche) stets niedrig und buschig bleibt und kleine Früchte trägt, während die andre leicht
zu einem Stamm herangezogen werden kann. Zu letzterer gehört C. MarascaHost., aus deren Früchten der Maraskino bereitet wird.
Bei P. semperflorensEhrh. (Allerheiligenkirsche, immerblühender Kirschbaum, C.serotinaRth.) entwickeln sich
die Blütenknospen zu Zweigen, die Blüten stehen einzeln oder gepaart in Blattwinkeln und erscheinen bei allmählicher Entwickelung
des Zweigs bis in den Herbst. Der Zwergkirschbaum (P. fruticosaPall., C. Chamaecerasus Lois.),
ein niedriger, bisweilen aus dem Boden sich ausbreitenderStrauch, der vorigen sehr ähnlich, mit kurzgestielten, länglichen
oder breit-elliptischen, gekerbten, unbehaarten Blättern, kleinen Blüten, säuerlichen Früchten und spitzem, aus beiden
Seiten mit Kanten versehenem Stein, stammt wohl aus Ungarn,
[* 13] Südrußland und Sibirien und wird als Zierpflanze in mehreren Formen
gezogen.
In denVogesen, besonders in der Nähe des Klosters der heil. Lucie bei Michel, verarbeitet man das Holz namentlich zu Pfeifenrohren,
Schnupftabaksdosen etc. Die Felsenkirsche hat ein großes Ausschlagsvermögen,
besonders am Stock, und liefert schöne gerade Stockloden. Von großer Wichtigkeit ist ihre Kultur zu Pfeifenrohren, welche
in großem Maßstab
[* 14] in Baden
[* 15] bei Wien
[* 16] betrieben wird. Hauptzweck derselben ist die Erziehung gerader Stämmchen, an welchen man
die Bildung von Zweigen möglichst zu verhindern sucht, um Rohre ohne Schnittstellen zu erhalten. Man gewinnt
jährlich 400,000 Stämme, welche zur Erhöhung desGlanzes und behufs größerer Dauer der Farbe eigentümlich präpariert werden
und dann 2 Mill. Rohre geben.
Nach dem von Lucas erweiterten Truchseßschen System teilt man die Kirschen in 12 Klassen: A. Süßkirschen.
11) Halbkirschen oder hybride Süßkirschen: Wuchs süßkirschenartig, Frucht weichselartig.
12) Halbweichseln oder hybride Sauerkirschen: Wuchs sauerkirschenartig, Frucht süßkirschenartig. Jede Klasse wird in drei
Ordnungen geteilt, je nachdem der Stein rundlich, eiförmig oder länglich-oval ist. Innerhalb der Ordnungen
werden die Sorten nach der Reifezeit angeordnet.
Die Kirschen finden hauptsächlich Verwendung als Obst, frisch, eingemacht und getrocknet (entkernte,
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getrocknete Kirschen heißen Kirschrosinen); ferner verarbeitet man sie auf Kirschsaft, Kirschwein, Kirschbranntwein (Kirschwasser
und Maraskino); aus den Samen kann man ein fettes Öl pressen, und da sie Amygdalin enthalten, geben sie, zerstoßen, mit Wasser
angerührt und destilliert, ein Bittermandelöl- und blausäurehaltiges Destillat, welches wie Bittermandelwasser zu benutzen
ist. Das Holz des Vogelkirschbaums ist gelb oder gelbrot, gestreift, geflammt, mit zahlreichen Markstrahlen
und deutlichen Jahresringen, grob, aber glänzend, ziemlich hart, schwer spaltbar, läßt sich leicht bearbeiten und durch
Beizen dem Mahagoniholz ähnlich machen; es wird von Tischlern, Drechslern und Instrumentmachern sehr gesucht, liefert dauerhafte
Wein- und Essigfässer und wird auch verkohlt.
Das rötliche, wohlriechende Holz derMahalebkirsche ist sehr hart, nimmt schöne Politur an, springt wenig, widersteht der
Fäulnis und wird zu feinen Tischler- und Drechslerarbeiten, namentlich auch zu Messerheften, verwendet. Die jungen dünnen
Stämme liefern, wie erwähnt, Pfeifenrohre, die als türkische in den Handel kommen. Der Sauerkirschbaum liefert unechte Rohre;
sein rötlichbraunes Holz zeichnet sich durch Härte, Feinheit und schöne Farbe aus und ist ebenfalls als Werkholz geschätzt.
Aus dem Stamm des Kirschbaums schwitzt bisweilen in großer MengeKirschgummi (s. d.) aus.
Anbau. Der Kirschbaum verlangt zu gutem Gedeihen einen mehr warmen, nicht feuchten, sandhaltigen Boden mit Kalk und wächst gut
in lockerm Boden, dessen Untergrund aus Kalkmergel besteht. Nur wenige Sorten sind in Bezug auf eine freie Lage empfindlich, die
meisten ertragen sie gut. Noch weniger eigen in Bezug auf Boden und Lage als der Süßkirschbaum ist der Sauerkirschbaum, welcher
selbst auf feuchterm Standort noch gedeiht. Ersterer verlangt einen Standort, wo die Wurzeln tief eindringen
können, sei es auch nur zerklüfteter Fels; die schwachen Wurzeln des letztern dagegen dringen nicht tief ein.
Süßkirschbäume sind nur dauernd ergiebig, wenn man sie zuweilen düngt, oder wenn sie auf bearbeitetem, gedüngtem Boden
stehen. Die Ostheimer Kirsche ist höchst empfehlenswert für Obstgärten sowie für das freie Feld und
eignet sich besonders für sonnige, warme Abhänge in sandigem Lehmboden und in Kalkboden, mag er auch steinig und schlecht
sein, wie z. B. bei Ostheim in Franken. Zur Vermehrung des Süßkirschbaums erzieht man durch Aussaat der Steine derVogelkirschen
oder andrer gewöhnlicher Sorten die Wildlinge, welche meist in Kronenhöhe, selten niedriger, veredelt
werden.
Die Vogelkirsche war als europäischer Baum den alten Römern bekannt, wurde aber mit dem Kornelkirschbaum
zusammengestellt und war noch nicht veredelt, während man, wie es scheint, auf kleinasiatischem Boden am Idagebirge und bei
Milet veredelte Süßkirschen schon zur Zeit des KönigsLysimachos kannte. Plinius erzählt, der römische FeldherrLucullus
habe die Kirsche (wohl die Sauerkirsche) aus der Stadt Kerasos an der pontischen Küste nach Italien
[* 33] verpflanzt.
Plutarchos erwähnt dies in seinem Leben des Lucullus nicht; doch deutet der Name der sinopischen Kolonie allerdings darauf hin,
daß dort Kirschen (griech. kerasos) in großer Menge kultiviert wurden. Der neueingeführte Kirschbaum gedieh in Europa
vortrefflich, und schon nach 120 Jahren, zur Zeit des Plinius, wurde er in Britannien angepflanzt und wuchs an den Ufern des
Rheins und im heutigen Belgien.
[* 34] In der Folge veredelte er sich gerade diesseit der Alpen
[* 35] in höherm Grad als am Mittelmeer, wo
ihm unter der Einwirkung der See das Klima
[* 36] zu gleichmäßig mild ist. Der griechische Name Kerasos ist in
fast alle Sprachen übergegangen, und auch unser deutsches Kirsche leitet sich davon ab. Außerdem ist aber durch ganz Europa
als zweiter Name, besonders der sauren Kirsche, Weichsel verbreitet, dessen Herkunft dunkler ist. Das deutsche Weichsel erscheint
in vielen Sprachen wieder, aber über seine Bedeutung ist nichts bekannt.