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Was Japan über China lehrt
In China läuft zur Zeit ein grosses Währungsexperiment, wie der Tages-Anzeiger unlängst berichtete. Seit Juli 2010 ist es in Hongkong erlaubt, die chinesische Währung Renminbi frei zu benutzen, während im restlichen China weiterhin starke Einschränkungen bestehen. Mit dieser Teilliberalisierung versucht China, den Renminbi langsam in eine internationale Währung zu verwandeln, ohne die Kontrolle zu verlieren. Das Ziel der chinesischen Führung ist es, die Abhängigkeit vom Dollar schrittweise zu lockern.
Warum geht China so zögerlich vor? Warum löst sich das Land nicht schneller vom Dollar? China sitzt auf einem grossen Berg von US-Staatsanleihen, die mit dem fallenden Dollar ständig an Wert verlieren. Auf die Dauer ist das ein grosses Verlustgeschäft.
Die Antwort auf diese Frage liegt einmal mehr in den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit. Einige asiatische Länder haben in den 1990er Jahren zu ungestüm liberalisiert, so dass sie am Ende des Jahrzehnts in eine grosse Krise gerieten. In den 1980er Jahren haben einige nordische Länder (Finnland, Norwegen, Schweden) unvorsichtig liberalisiert, was schwere Bankenkrisen zur Folge hatte.
Aufgrund der zahlreichen gescheiterten Versuche gehen viele Beobachter davon aus, dass auch die chinesische Liberalisierung mit Rückschlägen verbunden sein wird (hier eine gute Übersicht). Ich teile diese Skepsis und bin eher zurückhaltend, was die grosse China-Begeisterung anbelangt. Das Land ist jetzt schon eine wirtschaftliche Super-Macht, keine Frage, aber die unkritische Bewunderung erinnert mich an die 1980er Jahre, als die Rede vom japanischen Wunder keine Grenzen mehr kannte. Bald folgte die grosse Ernüchterung, und heute gilt Japan als Sanierungsfall.