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Der Schlosshof
Ein Haus mit Geschichte
Wer sich mit der Renovation eines alten Gebäudes befasst, beschäftigt sich unweigerlich auch mit seiner Geschichte.
Die Geschichte des Schlosshofes ist äusserts vielfältig und bildet auch ein Teil der Alpnacher Schulgeschichte.
1836 zählte Alpnach rund 180 Schüler und einen weltlichen Lehrer. Dies bewog den damaligen Bürgergemeinderat in Alpnach ein öffentliches Schulhaus zu bauen. In den Jahren 1838/39 wurde auf dem Fundament der ehemaligen Pfarrkirche das Schulhaus erbaut und eingeweiht.
Gleichzeitig diente das Haus mit dem ersten öffentlichen Rats- & Gerichtszimmer als Gemeindehaus.
Mit der Einführung der Bundesverfassung im Jahre 1848 und der daraus folgenden Kantonsverfassung 1850 mit Revision von 1867, erfolgte eine neue Aufgabeneinteilung zwischen der neu geschaffenen Einwohnergemeinde und der Bürgergemeinde (heutige Korporation).
Das Kirchen- & das Schulwesen wurden nun vollständig den Einwohnergemeinden übertragen. In Alpnach entbrannte in der Folge ein heftiger Streit um die Herausgabe der Mittel und der dazu nötigen Infrastruktur. Da die Bürgergemeinde an ihrem Schulhaus festhalten wollte, musste im Jahre 1880 das damalige Obergericht entscheiden, dass das Schul- und Gemeindehaus von Alpnach Eigentum der dortigen Einwohnergemeinde sei. Die Bürgergemeinde behielt allerdings ein Mitbenützungsrecht.
Jahrhundertwende
Um die Jahrhundertwende wurde der Platz im Schlosshof auf Grund der steigenden Schülerzahlen immer enger. Bereits 1906 wurde ein erstes Projekt für ein neues Schulhaus ausgearbeitet. Daneben wurden weitere Standorte und sogar Filialschulhäuser in Schoried und Alpnachstad geprüft. Schliesslich entschied man sich für den Standort neben dem Schmittenwald (heutiger Schulhauswald).
Das neue Schulhaus konnte 1916, nach rund zweijähriger Bauzeit, eingeweiht werden. Dies schaffte im Schlosshof etwas Platz für eine neue Nutzung. Im Erdgeschoss mietete sich die Maschinenstickerei Emmenegger ein und im Obergeschoss, sowie im Dachgeschoss wurden Wohnungen eingerichtet.
Der Name Schlosshof
Eher zufällig stiess man während den Renovationsarbeiten auf den Namen dieses alten Schulhauses. Im Lebenslauf von Herrn August Durrer, dem ersten Bahnhofvorstand von Alpnach, wurde dies nämlich folgendermassen festgehalten:
Nach seiner Pensionierung zog er in eine Wohnung des alten Schulhauses ein. Da er sich in diesem Gebäude auf heiligem Boden und an gehobener Lage wie ein Schlossherr vorkam, gab er dem Gebäude kurz und bündig den Namen Schlosshof. Somit hatte das alte Schulhaus auf ewige Zeiten seinen schmucken Namen erhalten.
Umnutzung
In den dreissiger Jahren wurde der Platz im neuen Schulhaus immer knapper und so wurden im Schlosshof, an Stelle einzelner Wohnungen, wieder Schulzimmer eingerichtet. Der Gemeinderat legte dem Stimmvolk 1956 erneut ein Projekt für ein weiteres Schulhaus vor, welches 1958 bereits eingeweiht werden konnte. Dies schaffte wiederum Platz für eine Umnutzung im Schlosshof. Im Erdgeschoss wurden zwei Kindergärten eingerichtet. Daneben war man sich klar, dass der Schlosshof für die Vereine zur Verfügung gestellt werden sollte. Es waren vor allem die kirchlichen Vereine wie der Gesellenverein, Baluring und Jungwacht, die Jungfrauenkongregation, sowie die Frauen- & Müttergemeinschaft, welche im Schlosshof ihre Tätigkeiten ausüben konnten.
Eine Zeit lang fanden im Haus Pfarreiratssitzungen statt und die Einwohnergemeinde brachte das Sozial- & Betreibungsamt unter. 1988 wollte der Gemeinderat den Schlosshof abbrechen und an seiner Stelle ein Gemeindehaus bauen. Dieses Vorhaben wurde aber von der Stimmbevölkerung klar abgelehnt. 1996 wurde ein weiteres Projekt, welches den Ausbau der Kindergärten und im Dachgeschoss ein Probelokal für die Musikgesellschaft vorsah, vom Stimmvolk abgelehnt.
Die Nutzung des Schlosshofes gestaltete sich in der Folge äusserst vielfältig. Die Wohnung im Dachgeschoss wurde beibehalten. Im ersten Stockwerk befanden sich für einige Jahre die Korporationskanzlei, sowie eine Treuhandpraxis & das Sekretariat des Schweizerischen Schiessverbandes. Im schmucken "Ratszimmer" kehrte, wie vor 160 Jahren, wieder die Korporation ein.
Nach deren Auszug wurden die Räume als Therapie-, Praxis- & Büroräumlichkeiten genutzt.
Heute kann im Parterre die sogenannte "Schulstube" von der Öffentlichkeit benützt und für Anlässe gemietet werden. Sie bietet Platz für ca. 50 Personen. Ebenfalls im Parterre befindet sich ein Büro.
Der Keller Ost wurde von verschiedenen interessierten Personen aus der Druckerbranche, u.a. von Martin Wallimann selig, gemietet. Ein kleines Druckereimuseum wurde in Folge eingerichtet, welches für die Öffentlichkeit zugänglich war.
Heute verwöhnt André Albrecht mit seiner "Schlosshof Lounge" seine Besucher mit kulinarischen Leckereien und gutem Wein.
Das geschichtsträchtige Haus ist im Inventar der schützenswerten Gebäude als Kulturobjekt von regionaler Bedeutung eingestuft und gilt als wichtiger Zeuge für das älteste Schulhaus des Kantons Obwalden aus der Biedermeierzeit.