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Lebensmittelkonzerne agieren wie Tabakindustrie
Die Anschuldigungen sind hart: Mehrere Wissenschaftler haben in der angesehenen Fachzeitschrift «The Lancet» behauptet, dass die Lebensmittelkonzerne heute dieselben Methoden anwenden wie früher die Tabakindustrie.
Sie manipulieren die Wissenschaft mit Sponsorings von Studien und Wissenschaftlern, nehmen Einfluss auf die Gesetzgebungen, unterwandern die angeblich unabhängigen Kontrollbehörden und andere einflussreiche Personengruppen (Ernährungsberater, Ärzte etc.). Ausserdem beeinflussen sie die Öffentlichkeit, damit diese in ihrem Sinne abstimmt. Dies geschieht unter anderem mit scheinbar neutralen Konsumentenschutzgruppen, die zu diesem Zweck gegründet wurden.
Sie blockieren alle Anstrengungen, die Öffentlichkeit besser über die Schädlichkeit vieler ihrer Produkte zu informieren.
Um Kritikern etwas entgegnen zu können, unterstützen die Konzerne Projekte, die nicht zu ihrem Bereich gehören. Zum Beispiel, indem sie Sportanlässe fördern und sich so als gesundheitsbewusst darstellen.
Die Parallelen zwischen der Tabak-, Alkohol- und Nahrungsmittelindustrie erstaunen nicht, wenn man weiss, dass viele Konzerne auf oberster Ebene zusammengehören und oft sogar dieselben Werbefirmen ihre weltweiten Kampagnen ausarbeiten.
Die Kernaussagen der Wissenschaftler lauten:
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Die Produzenten von alkoholischen Getränken und stark verarbeiteten Nahrungsmitteln und Getränken benutzen ähnliche Strategien wie die Tabakindustrie, um die effektiven Gesundheitsprogramme der öffentlichen Hand zu unterwandern.
- Entgegen dem allgemeinen Vertrauen in eine selbst regulierende Wirtschaft und in öffentlich-private Partnerschaften zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit gibt es keine Beweise, welche dieses Vertrauen rechtfertigen würden – ganz im Gegenteil
Die Autoren fordern deshalb eine starke gesetzliche Regulierung der transnationalen Lebensmittelkonzerne. Immerhin geht es dabei um über 30 Millionen Menschen, die durch ihren ungesunden Lebensstil jedes Jahr sterben. Und das krankhafte Übergewicht, das durch die Fehlernährung (und mangelnde Bewegung) epidemieartige Ausmasse angenommen hat.
Renato Pichler
Quellen:
- Nicolai Kwasniewski: «Lancet»-Studie: Lebensmittelkonzerne übernehmen Methoden der Tabaklobby,www.spiegel.de/wirtschaft/service/ studie-a-882971.html
- Rob Moodie, David Stuckler, Carlos Monteiro, Nick Sheron, Bruce Neal, Thaksaphon Thamarangsi, Paul Lincoln, Sally Casswell im Namen der «Non-Communicable Diseases» Aktionsgruppe von The Lancet: «Profits and pandemics: prevention of harmful effects of tobacco, alcohol, and ultra-processed food and drink industries», online veröffentlicht: 12. Februar 2013