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Während er langsam und in regelmässigen Schritten den Berg hochgeht, die Natur abseits vom alltäglichen Trubel und Lärm ganz für sich alleine hat und bei der Abfahrt durch den frischen Tiefschnee die Freiheit spürt – genau dann beﬁndet sich Oliver (35) auf einer Skitour. Trotz erheblicher Lawinengefahr hat er heute die Felle montiert und ist losmarschiert. Auf der Abfahrt an einem steilen Hang passiert es: Ein Schneebrett löst sich, eine Lawine schnellt den Berg hinunter und reisst Oliver mit. Er verletzt sich.
Oliver begeht ein Wagnis
Oliver hat das Lawinenbulletin nicht richtig konsultiert und die erhebliche Lawinengefahr, die angegeben war, ignoriert. Dies gilt als relatives Wagnis. Es bedeutet, dass sich Oliver einer besonders grossen Gefahr ausgesetzt hat, obwohl er die Risiken kannte.
Die Unfallversicherung kürzt die Taggelder
Oliver, bzw. sein Arbeitgeber, erhält bei einem Nichtbetriebsunfall für jeden Tag, den er bei der Arbeit ausfällt, ein sogenanntes Taggeld. Es entspricht 80% seines üblichen Lohnes und wird ab dem dritten Tag ausbezahlt. Da Oliver jedoch ein Wagnis begangen hat, kürzt die Unfallversicherung die Taggelder um 50%.
Gehen wir davon aus, dass Oliver einen Jahreslohn von CHF 78‘000.- (CHF 213.70 pro Tag) verdient und wegen des Unfalls 40 Tage ausfällt. Abzüglich den zwei Tagen Wartefrist erhält der Arbeitgeber noch Taggelder für 38 Tage. Die Auszahlung während seiner Abwesenheit beträgt dann im Falle des Wagnisses nur CHF 3‘248.25 statt CHF 6‘496.50.
Der Arbeitgeber trägt die Kürzung
Wenn es im Arbeitsvertrag nicht anders festgehalten ist, und der Mitarbeitende nicht grobfahrlässig oder vorsätzlich handelt, trägt der Arbeitgeber die Kürzung des Taggelds. Heisst: Er muss dem Angestellten weiterhin den vertraglich definierten Lohnausfall auszahlen, erhält selbst aber vom Versicherer nur 50% der Leistungen (siehe obenstehendes Rechenbeispiel). Die Taggeldkürzung aufgrund eines Wagnisses geschieht in der Praxis relativ selten (gemäss Suva zirka 400 Fälle im Jahr), und der ﬁnanzielle Schaden ist für mittlere und grosse Firmen überschaubar. Es gibt dennoch zwei mögliche Massnahmen, um sich gegen Wagnisse des Personals abzusichern:
1. Die Möglichkeit einer Lohnkürzung im Arbeitsvertrag oder Personalreglement festhalten. Dem Arbeitgeber würde es dann zustehen, die Taggeldkürzungen je nach Fall und Einschätzung des Verschuldens auf den Arbeitnehmer zu überwälzen, ohne die Differenz zum Lohn mitbezahlen zu müssen. Diese Möglichkeit kann für KMU sinnvoll und empfehlenswert sein.
2. Abschliessen einer UVG-Zusatzversicherung mit Differenzdeckung. Damit würden Kürzungen der Taggeldleistungen aufgrund grobfahrlässigen Verhaltens oder Wagnissen wieder ergänzt. Dieser Zusatz ist günstig und deshalb sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sinnvoll.
Was zählt denn eigentlich als Wagnis?
So deﬁniert es die Suva: „Wagnisse sind Handlungen, mit denen sich der Versicherte einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne die Vorkehren zu treffen oder treffen zu können, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränken. Es wird unterschieden zwischen den absoluten und den relativen Wagnissen.“
Alle Risikosportarten, die von der Suva als absolutes Wagnis eingestuft werden, auf einen Blick:
- Autocross-, Berg-, Rundstrecken-, Stockcarrennen inkl. Training
- Base-Jumping
- Fullcontact-Wettkämpfe (bspw. Boxwettkämpfe)
- bewusstes Zertrümmern von Glas
- Karate extrem (Zertrümmern von Back- oder Ziegelsteinen oder dicken Brettern mit Handkante, Kopf oder Fuss)
- Motocrossrennen inkl. Training auf der Rennstrecke
- Motorbootrennen inkl. Training
- Motorradrennen inkl. Training und Motorradfahren auf einer Rennstrecke (ausgenommen Fahrsicherheitskurse)
- Abfahrtsrennen mit Mountain-Bikes inkl. Training auf der Rennstrecke (sogenanntes Downhill-Biking)
- Quadrennen inkl. Training
- Rollbrettabfahrten, sofern wettkampfmässig oder auf Geschwindigkeit betrieben
- Schneemotorrad-Rennen (Snow-Cross) inkl. Training
- Ski-Geschwindigkeits-Rekordfahrten
- Speedflying
- Tauchen in einer Tiefe von mehr als 40 Metern
- Hydrospeed / Riverboogie (Wildwasserfahrt bäuchlings auf Schwimmbob liegend)