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„Tree“ ist das erste Objekt, welches sich dem wahrnehmenden Subjekt präsentiert. In seine physischen Bestandteile zerlegt, handelt es sich um ein vertikal aufgerichtetes, hochrechteckiges Panzerglas, welches in einen vor Ort gegossenen Sockel aus Beton eingeschlossen ist und eine aufgeklebte blaue Folie sowie eine transparent darübergelegte Fotografie trägt. Diese zeigt fragmentarisch das Geäst eines Baumes.
In seiner minimalistischen Formensprache kontrastiert dieses Objekt mit seiner zeitlichen, organischen und narrativen Bedeutung. Es handelt sich um einen „Baum“, der in der Opazität bestimmter physischer Gegebenheiten des dreidimensionalen Raumes wurzelt und sein Geäst in der Transparenz eines imaginären Raumes ausbreitet, eines Raumes, der sich erst in der Betrachtung des Werkes, im Bewusstsein des wahrnehmenden Subjektes, als überschaubare Ganzheit imaginär realisiert.
Weiter ist im Ausstellungsraum ein Z-förmig geframeter, beigefarbener Spannteppich ausgebreitet. Auf diesem verortet sich ein im Boden fest verschraubter Handlauf aus Chromstahl. In ihrer Farbigkeit, Materialität und Anordnung verweisen diese beiden Raumfragmente auf die neutrale Anonymität der institutionalisierten Lenkung menschlicher Subjekte in öffentlichen Institutionen und lassen damit, vergleichbar mit „Tree“, einen nicht weniger realen, jedoch gänzlich imaginär-ideologisch existierenden Raum wachwerden.
In diesem weiteren imaginären Raum steht auf dem realen Teppich, an das reale Geländer angelehnt, ein reales Bild. Dieses Bild ist die Fotografie einer Fotografie, die im Basler Zoo hängt, und das Abbild der als „Ausstellung“ zoologisch institutionalisierten Community von Affen zeigt. In der Betrachtung dieses Bildes realisiert sich, im Bewusstsein des wahrnehmenden Subjektes, der Blick auf einen Blick in einen Raum in einem Raum. In diesem leben ganz bestimmte Individuen, in einer ganz bestimmten Weise, bestimmt und scheinbar natürlich zusammen.
An den eigentlichen Wänden, die das Raumgeviert des eigentlichen Ausstellungsraumes definieren, hängen Bilder, die Objekte des Künstlers in seinem Atelier zeigen. Das, was diesen gezeigten Objekten, die in Tat und Wahrheit aus vergleichbaren Materialien wie die realpräsent präsentierten Objekte bestehen, gänzlich fehlt, sind ihre Körper. Es handelt sich um auf ihre Sichtbarkeit beschränkte, artifizielle Objekte, die in einem Raum jenseits ihrer Präsentation existieren. Die in den Ausstellungsraum gezogene, in einem neutralen Grauton gehaltene Wand, interveniert schliesslich auf ein vorerst letztes in die physische Gegebenheit der Schwarzwaldalle und erweitert diese, zusammen mit dem auf ihr angebrachten Bild, dem vor sie gesetzten Stuhl und der sich über die Grenzen ihres Topfes hinwegsetzenden Pflanze, auf ein weiteres.
Das, was Sylvain Baumann in der Schwarzwaldallee ausstellt, so könnten die hier angestellten Überlegungen versuchsweise zusammengefasst werden, ist ein möglicher Einzelfall der institutionalisierten Lenkung eines Betrachters im Ausstellungsraum. Diejenigen Ausstellungsbesucher, die es wagen den Teppich zu betreten, hinterlassen auf diesem Spuren, welche zum sichtbaren, jedoch gesichtslosen Stellvertreter ihrer vergangenen Existenz in Zeit und Raum werden.
Lorenz Wiederkehr