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Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist im Alter von 91 Jahren nach kurzer Krankheit verstorben. Der Schwede machte schon als Siebenjähriger Geschäfte mit Streichhölzern. Mit dem Rad fuhr er nach Stockholm und kaufte die Streichhölzer, weil die dort billiger waren. Den Durchbruch schaffte er mit leicht verstaubaren Möbeln in Kisten und ruhte sich bis zu seinem Lebensende nicht auf dem Erfolg aus. Ein Rückblick.
Woher er kam: Es ist ein kleiner, unscheinbarer Ort, von dem aus der Schwede Ingvar Kamprad ab 1943 mit rund 30 Euro Startkapital in der Tasche ein Möbel-Imperium aufbaut. Im südschwedischen Älmhult wäre nicht viel los – wenn es Ikea nicht gäbe. Mit der riesigen Möbelkette ist in der Stadt jeder irgendwie verbandelt. Und über ihren Gründer hat jeder, den man auf der Strasse fragt, nur Gutes zu erzählen. Schliesslich verdanken dem Mann, der «Billy» und «Knut» weltweit bekannt machte, viele ihren Job. Kamprad bewies schon als kleiner Junge kaufmännisches Geschick: Als Siebenjähriger fährt er mit dem Rad nach Stockholm und kauft Streichhölzer, weil die dort billiger sind. Zuhause verkauft er sie mit Gewinn an seine Nachbarn. Später erweitert er sein Sortiment um Blumensamen, Grusskarten und Christbaumdekorationen.
Die Anfänge von Ikea: Mit gerade einmal 17 Jahren gründet Kamprad Ikea. Das I und das K stehen für seine Initialen, E und A für den Bauernhof Elmtaryd bei Agunnaryd, wo der 1926 Geborene aufgewachsen ist. Sein Angebot: Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen. Erst 1947 kommen Möbel hinzu, die Handwerker vor Ort für ihn herstellen. Der Durchbruch kommt 1956, als das Unternehmen beginnt, die Möbel möglichst platzsparend zu verpacken. Die Idee kam Kamprad, als er einen Mitarbeiter dabei beobachtete, wie er die Beine von einem Tisch abschraubte, damit das Möbel in das Auto der Kunden passte. Er
begriff, dass Platz auch Geld sparte.
Ikea – für den kleinen Mann: Im Visier hat Kamprad von Anfang an den kleinen Mann mit schmalem Geldbeutel, denn er ist selbst unter einfachen Leuten im schwedischen Småland aufgewachsen. «Ich sah die armen Landarbeiter, die nicht im Haus, sondern im Stall essen mussten», erzählt er im Mai 2014, als er von den Lesern des «Svenska Dagbladet» zum «Besten schwedischen Unternehmer aller Zeiten» gekürt wird. Damals habe er sich eines gemerkt: «Wenn ich jemals mit meinen småländischen Ideen Erfolg haben (...) will, darf ich nie die anderen armen Menschen vergessen.»
Ikea – die Erfolgsgeschichte: Kamprads Möbel, die in handliche Pakete verstaut werden können, erobern die Wohnzimmer der Skandinavier und dann die der ganzen Welt. In über 40 Ländern kann man inzwischen Billy-Regale und den Wippstuhl Poäng kaufen, über 160'000 Menschen arbeiten für die Möbelhauskette. Das schwedische Design setzt Trends, auch wenn Ikea längst nicht mehr schwedisch ist. Um Steuern zu sparen, wandelt Kamprad die Firma 1982 in eine Stiftung mit Sitz in den Niederlanden um. Der Konzern spaltet sich inzwischen in viele Firmen auf, die in Liechtenstein, Luxemburg, Schweden und den Niederlanden registriert sind. Das Herz des Unternehmens schlägt aber immer noch in Älmhult. Derzeit erweitert Ikea angesichts der wachsenden Marktmacht von Online-Händlern sein Internetgeschäft. Als Alternative zu den grossen Häusern am Stadtrand will Ikea auch kleinere Läden in Innenstädten testen. Auch dort soll künftig die ganze Produktpalette verfügbar sein. Im vergangenen Jahr setzte Ikea 36 Milliarden Euro um. Bis 2020 sollen die Erlöse
auf 50 Milliarden Euro steigen.
Kamprad und die Schweiz: Weil er die Steuern in Schweden überrissen fand, lebte Kamprad seit den achtziger Jahren in der Schweiz – in Epalinges, einem Vorort von Lausanne. Seine drei Söhne Peter, Mathias und Jonas haben den Schweizer Pass. Eineinhalb Jahre nach dem Tod seiner Frau entschied er sich 2013, nach Schweden zurückzukehren, um näher bei der Familie zu sein. Kurz zuvor hatte er sich aus dem Aufsichtsrat der Firma, die das Ikea-Konzept vermarktet, zurückgezogen – auch aus gesundheitlichen Gründen. «Ich habe Schwierigkeiten mit meinem Rücken, und deshalb habe ich nicht die Energie, so weiterzumachen wie ich es bisher getan habe», sagte er damals.
Was Kamprad antrieb: Ausgeruht hat sich Kamprad nie auf dem Erfolg. «Mich zu setzen und zu sagen: Ich bin gut, wäre eine Katastrophe für mich», sagt er im hohen Alter. Er selbst bezeichnete sich als Geizhals, fuhr konsequent zweiter Klassen und verlangte gar, dass seine Mitarbeitenden beide Seiten eines Blattes beschreiben. Aus einfachem Grund. «Bei Ikea sollen auch Leute mit kleinem Portemonnaie einkaufen können. Deshalb müssen bei Ikea alle an die Kosten denken. Auch ich.»