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Wir führen unser Gespräch anlässlich der Ausstellung «Bilderbücher: illustriert & inszeniert» im Gewerbemuseum Winterthur. Du hast selbst einen Abstecher als Bilderbuch-Illustrator gemacht. Wie kam es dazu?
Die Verlage haben mich angefragt. Das erste Buch war «Der kleine See und das Meer», das 2001 im Sauerländer Verlag erschienen war. Geschrieben hatte es Gardi Hutter. Lief aber nicht. Bei «Wer ist der Größte?» (2004) von Paul Maar fragte mich der Oetinger Verlag an, für den ich davor schon Buchcovers zeichnete. Ich finde aber meine Zeichnungen nicht geeignet, zu wenig locker. Heute würde ich wohl anders vorgehen. «Der Bär auf dem Försterball» (2006) von Peter Hacks hatte in den Siebzigerjahren der österreichische Künstler Walter Schmögner in Comicsprache illustriert. Das war ein totaler Hammer. Der Verlag Kein & Aber wollte es nochmals machen, aber ganz anders. Mit dem Peter Gut. Das Ergebnis war nicht schlecht.
Warum ist es bei den drei Büchern für Kinder geblieben?
Ich habe mich nicht mehr um diese Arbeit bemüht. Bei Oetinger hatte ich auch einmal ein Projekt abgesagt und wurde danach nicht mehr angefragt. Das war mir aber egal. Ich musste schliesslich Geld verdienen. Ich hatte eine Familie. Mein Geld verdiente ich mit meinen Karikaturen.
Wie kam es dazu? Wie wurde Gut zum Karikaturisten?
1983 hat mich ein Redaktor vom «Landboten» gefragt, ob ich zum Jubiläum von «50 Jahre Machtergreifung durch Adolf Hitler» eine Karikatur zeichnen wolle. Das war mein Einstieg. Meine erste Karikatur in einer Zeitung. Vorher hatte ich ab und an für kleine Werbeagenturen Zeichnungen gemacht.
Wie ging es weiter?
Irgendwann kam die Schweizer Bildagentur Keystone. Ich könne für sie zeichnen. Die Vorgabe war nur, dass ich Aktuelles bebildere, in meinen Gedanken. Und ich zeichnete. Legte richtig los und meine Zeichnungen wurden dadurch in der ganzen Schweiz in verschiedensten Zeitungen veröffentlicht.
Warst du fest angestellt oder bliebst du immer selbstständig?
Ich war nie angestellt. Ich hatte in meinem Leben noch nie einen Arbeitsvertrag. Auch beim «Sonntagsblick» nicht, bei dem ich Ende der 1980er-Jahre begann. Eine interessante Zeit auch das. Mit guten Journalisten. Einem sehr kompetenten Chefredaktor. In dieser Zeit habe ich zudem für den «Nebelspalter» ein paar Titelblätter gezeichnet. Auf eines dieser Titelblätter hat die «Bilanz» reagiert. Sie fragten mich an, ob ich für sie regelmässig zeichnen könne: Seite Drei. Dann zog es an. Das «Facts» fragte an, «Die Zeit» in Deutschland. Ich habe schon für ziemlich viele Medien gearbeitet.
Heute arbeitest du noch immer für die «Bilanz», immer noch Seite Drei. Und für die «Neue Zürcher Zeitung».
Die «NZZ» reizte mich schon immer. Nur hatten die keine Karikaturen. Für mich war das die Zeitung schlechthin. Es war bei mir immer so, dass wenn etwas verschwunden war, etwas Neues kam. Als das «Facts» vom Markt verschwand, kam die «NZZ». Eine Tür ging zu, eine andere auf.
Wie kamst du zur «NZZ»?
Sie hatten einen amerikanischen Karikaturisten angeheuert, der jede zweite Woche eine Karikatur liefern sollte. Für die alternierende Woche wollten sie einen Karikaturisten aus dem deutschsprachigen Raum. Dafür lancierte die «NZZ» einen Wettbewerb mit acht oder neun ausgewählten Karikaturisten, darunter ich. Nach einem Monat fanden sie: Wir nehmen den Gut. Als mir der Redaktor das Honorar sagte, wurde es mir schlecht. Der Manager des Amerikaners hatte ein hohes Honorar ausgehandelt, das sie daraufhin auch mir bezahlten. Das war eine neue Dimension. Von da an konnte ich sehr gut vom Zeichnen leben.
Hast du ausschliesslich für Zeitungen und Magazine gearbeitet?
Nebenbei zeichnete und malte ich immer auch anderes. Zum Beispiel «Strom-Tiere» für einen Kalender der Berner Elektrizitätswerke. Zuerst dachte ich, dass Strom ein langweiliges Thema sei. Bis ich merkte, dass ich es so machen muss, wie ich es will. Dann wird es gut. Die «Strom-Tiere» waren nachhaltig. Daraus ist ein Buch entstanden. Postkarten. Ich habe gedacht, dass ich viel mehr in diesem malerischen Stil mache. Habe ich aber nicht.
Für den «Landboten» hast du auch Comic-Strips gemacht: den «Alphons».
Den «Alphons» habe ich einfach gemacht. Ich dachte erst, das sei eine kurze Sache. Dann wurden es drei Jahre. Aber Comic, das ist gar nicht mein Ding. Ich will immer reduzieren. Ein Bild lebt vom Wenigen. Runterkochen, dann stimmt’s.
Was ist der Kern einer guten Karikatur?
Ohne Worte. Nur Mimik. Alles auf den Punkt. Oder dann einen gedanklichen Haken schlagen.
Wie läuft heute bei der «NZZ» ab? Bist du so frei in deiner Arbeit wie bei der Keystone?
Bei den Karikaturen habe ich eine Carte blanche. Bei den Zeichnungen zu Texten bekomme ich das Manuskript, lese es und lasse mich von den Gedanken leiten, die bei der Lektüre in meinem Kopf auftauchen. Es geht nicht darum, dass ich den Text direkt umsetze. Vielmehr setze ich meine Gedanken dazu zeichnerisch um, und die können sich sehr verselbständigen. Ich sehe mich darum auch nicht als Illustrator.
Als was siehst du dich?
Der Illustrator ist für mich einer, der bildlich so gut zusammenfasst, dass die Betrachterinnen und der Betrachter auf einen Blick verstehen. Das ist für mich nicht erstrebenswert. Spannend finde ich, wenn ich zwar ein Thema habe, es aber auf meine Art interpretiere. Die beste Bezeichnung für mich ist darum: Zeichner. Das ist das, was ich mache. Karikaturist, Cartoonist …, alles ungenauer. Zeichner, das ist für mich stimmig.
Führe uns durch deinen Arbeitsprozess.
Ich denke am besten mit dem Stift und mit dem Block. So beginne ich. Oder ich spreche mit jemandem, der das Heu auf der gleichen Bühne hat. Das kann ein befreundeter Journalist sein oder auch ein Freund. Eine Art lautes Denken, hochklettern am Satz des anderen. Manchmal horche ich nur in mich hinein und suche. Oft wache ich dann am Morgen auf und ich mache etwas ganz anderes. Die Skizzen fertige ich schon auf einem qualitativ hochwertigen Papier und ich zeichne immer mit Farbstift, mit meinem endgültigen Stift: «Dark Sepia» von Faber-Castell, nicht schwarz und schön weich. Wenn ich meine Skizzen ansehe, merke ich, was eigentlich wichtig ist. Dann wird es immer deutlicher.
Wie gelingt es dir, den Schwung der Skizze in der Reinzeichnung zu erhalten?
Die Skizzen zeichne ich an einem kleinen Leuchtpult oder auch mal am Fenster auf ein noch besseres Papier durch. Beim Durchzeichnen muss ich extrem locker sein, damit die Striche stimmen. Ein zweites Mal bringe ich es oft nicht mehr hin. Wenn ich eine Figur wie Berset auf dem Entwurf perfekt erwischt habe, dann ärgere ich mich, dass ich ihn auf Entwurfspapier gezeichnet habe. Beim Durchzeichnen können kleinste Verschiebungen, ein Zehntelmillimeter, den Charakter verändern. Für mich ist es darum das Grösste, wenn eine Redaktion sagt: Wir drucken die Skizze!