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Hochgeachteter Herr!
In Erwiederung Ihrer verehrl. Zuschrift v. 4ten dß bin ich ganz damit einverstanden, daß die Theilnahme des Herrn Ratsherr Geigy an einer freien Conferenz, wie ich sie in meiner Zuschrift v. 18t. v. M. in Anregung gebracht, als sehr wünschbar erscheint. Leider bin ich nun aber in Zürich, wie Hr. Geigy in Basel, in nächster Zeit durch wichtige Geschäfte (Vereinbarung der Conzession für die Sihlthalbahn mit der hiesigen Regierung, Generalversammlung der N.O.bahngesellschaft für Ratification des Fusionsvertrages mit der Rheinfallbahngesellschaft, Sitzung des Großen Rathes, in welcher die Conzessionsfrage für die Sihlthallinie behandelt werden dürfte, u. s. f.) dermaßen festgehalten, daß ich zur Zeit fast nicht vorsehe, mich für einige Tage von hier entfernen zu können.
In meiner Zuschrift v. 18ten v. M. habe ich unter Hinweisung auf die in Ihrem Schreiben v. 8ten v. M. enthaltene Erklärung, daß Sie Ihrerseits bereit seien, zu einer genauen Prüfung der Baukosten & der Fi| nanzlage der beiden Gesellschaften Hand zu bieten, das Ansuchen an Sie gestellt, mir eine Abschrift des umständlichen Berichtes, den das Directorium der Centralbahn dem Verwaltungsrathe in seiner letzten Sitzung als Grundlage für eine Berechnung der Baukosten der in Angriff genommenen Linien der Centralbahn vorgelegt hat, übermitteln zu wollen, wobei ich im weitern bemerkte, dass mir auch nähere Nachweisungen über die Kosten derjenigen Linien erwünscht wären, welche die Centralbahn zu bauen nicht verpflichtet, aber berechtigt ist. Da Sie in Ihrer verehrl. Zuschrift v. [4ten ?] dß. diesen Punct mit Stillschweigen übergehen, so erlaube ich mir, Ihnen denselben anmit in Erinnerung zu bringen.
Ich höre, daß von Seite der Freunde der Ostfusion intriguirt werde, um in der künftigen Samstag Statt findenden Generalversammlung der Nordostbahngesellschaft eine Verwerfung des Fusionsvertrages mit der Rheinfallbahngesellschaft zu bewirken. Zur Annahme desselben sind statutengemäss ⅔ der anwesenden Stimmen erforderlich. Ich hoffe zwar, daß wir, wenn wir in allen Beziehungen bei der Hand sind, obsiegen werden: es bedarf aber des Zusammenwirkens| aller derer, welche nicht ohne weiters der Rothschild'schen Parole folgen. Ich möchte Sie daher ersuchen, etwa in Verbindung mit den Banquiers der Centralbahn in Basel die erforderlichen Vorkehren zu ergreifen, daß mir für möglichst viele in Basel befindliche Actien der N.O.bahn en blanc ausgestellte Vollmachtscheine zur Vertretung in der bevorstehenden Generalversammlung zugestellt werden. Die Vollmachtscheine können nicht auf meinen Namen gestellt werden, weil ich ohnehin viele Actien zu repräsentiren habe & nicht mehr als 100 Stimmen abgeben kann. Ich werde die Vollmachten dann schon zuverlässigen Personen übertragen. – Angesichts der gegenwärtigen Machinationen in unserm Eisenbahnwesen ist es im wohlverstandenen Interesse derer, welche eine solide Entwicklung desselben wünschen, sich gegenseitig unterstützend zur Seite zu stehen.
Ihren weitern gef. Berichten entgegensehend, zeichnet mit freundschaftlicher Hochachtung
Ihr ergebene
Dr A Escher
Zürich
7 Dezember 1856.
Herrn Nationalrath Trog, Vicepräsidenten des Directoriums der Centralbahn.