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Wenn du das hier liest, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass du Bitcoin oder andere Kryptowährungen besitzt. Die Chancen sind ausserdem ziemlich hoch, dass du noch nie darüber nachgedacht hast, was mit diesen Vermögenswerten passiert, wenn du von einem Bus überfahren wirst (ich hoffe, du liest das hier nicht auf deinem Handy beim Gehen).
Das Ziel dieses Artikels ist es, dich zu motivieren genau darüber nachzudenken. Erstelle einen einfachen Vererbungsplan, und im Anschluss haben wir noch einiges an weiterführender Literatur, wenn du es noch besser machen willst.
Digitale Vermögenswerte wie Bitcoin zu sichern ist eine faszinierende Herausforderung. Wenn du diese wirklich besitzen willst, musst du die Kontrolle über deine eigenen privaten Schlüssel haben. Wir empfehlen dafür eine Hardware-Wallet wie die BitBox02 zu verwenden, aber egal welche Wallet du wählst, es gibt immer eine Art Geheimnis (wie ein Backup, ein Passwort oder eine Seed-Phrase), das du nicht wegdelegieren kannst. Wer auch immer Zugang zu diesem Geheimnis erhält, hat die volle Kontrolle über dein Geld.
Die Versuchung ist gross, dieses Geheimnis zu zerteilen, es weniger zugänglich zu machen oder es irgendwo zu vergraben. Aber das schafft nur ein neues Problem: wird es noch zugänglich sein, wenn du nicht mehr da bist? Werden deine Liebsten in der Lage sein, es wiederzufinden? Oder wird dein Vermögen für immer verloren sein?
Niemand denkt gerne über seinen eigenen Tod nach:
Trotzdem wollen die meisten Menschen nicht, dass ihr digitales Vermögen verloren geht. Das Ziel eines Nachlassplans ist es, dass deine Erben zu gegebener Zeit auf dein digitales Vermögen zugreifen können, aber nicht vorher. Die grösste Herausforderung besteht darin, eine Balance zwischen Sicherheit und Zugänglichkeit zu finden. Sie soll für dich und deine Situation funktionieren, ohne dein Vermögen dem Risiko eines Diebstahls auszusetzen.
Eine gute Methode ist es, einen "Brief an meine Lieben" zu schreiben, wie es Pamela Morgan, Autorin von Cryptoasset Inheritance Planning, empfiehlt. Das Ziel dieses Briefes ist es, deine Liebsten darauf aufmerksam zu machen, dass du Bitcoin oder andere Kryptowährungen besitzt und dafür zu sorgen, dass diese Vermögenswerte auch ohne deine Hilfe wiedergefunden werden können. Der Brief enthält keine Geheimnisse, also wird mit dem Lesen des Briefes niemanden in der Lage sein, dein Vermögen zu stehlen. Aber er enthält private finanzielle Informationen, daher solltest du ihn trotzdem vertraulich behandeln.
Ein minimaler Plan ist besser als gar kein Plan. Warum also nicht jetzt damit anfangen?
Schritt 1: Vertrauenswürdige Personen zur Unterstützung
Stell dir vor, deine Liebsten lesen deinen Brief und stellen fest, dass es Bitcoin gibt, die wiederhergestellt werden müssen. Erinnerst du dich daran, wie du das erste Mal eine Wallet-Software installiert, eingerichtet und Transaktionen gesendet hast? Es ist ziemlich stressig und es gibt viele Dinge, die schief gehen können.
Die grösste Hilfe, die du deinen Erben bieten kannst, ist es, mehrere Personen zu benennen, die Erfahrung mit Kryptowährungen haben, die du im echten Leben kennst und denen du vertraust. Wenn deine Erben mit den von dir zur Verfügung gestellten Informationen auf dein Geld zugreifen, ist es am besten, wenn mindestens zwei vertrauenswürdige Personen anwesend sind, die sich nicht kennen und die jeden Schritt unabhängig voneinander überwachen und hinterfragen können.
Schreibe drei Personen auf, von denen du denkst, dass sie zu diesem Profil passen, inklusive Kontaktdaten wie Telefonnummer, Email- oder Twitter-Adresse.
Schritt 2: Sichere Aufbewahrung
Überlege dir, wo du Geheimnisse sicher aufbewahren kannst. Natürlich ist "sicher" relativ und sollte vom Gesamtwert der zu schützenden Werte abhängen. Mögliche Optionen reichen von einer verschlossenen Schublade, über einen Tresor zu Hause, bis hin zu Bankschliessfächern.
Um deine Vermögenswerte wiederherzustellen, solltest du dich auf ordentliche, verifizierte Backups verlassen. Wenn du bereits Backups deiner digitalen Vermögenswerte hast, ist es in Ordnung die aktuellen Standorte weiterzuverwenden und vielleicht später deine Sicherheit aufzurüsten.
Wenn du noch kein Backup von einer Wallet hast, erstelle dieses gleich wenn du die Wallet dokumentierst. Schreibe es von Hand auf ein separates Blatt Papier, bewahre es an einem sicheren Ort auf und vermerke diesen Ort in der Bestandsaufnahme (siehe Schritt 3).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Backup aufzuteilen, damit du es nicht an einem einzigen Ort aufbewahren musst und ein Dieb an mehrere Orte gelangen müsste. Wir werden uns diese Möglichkeiten am Ende ansehen.
Schritt 3: Inventar erstellen
Es ist wichtig, dass deine Erben wissen, wonach sie physisch suchen müssen. Ein Inventar stellt sicher, dass sie deine Backups finden. Es wird ihnen auch die Gewissheit geben, dass sie nicht den vermuteten grossen Bitcoin-Schatz, das irgendwo vergraben sein könnte, übersehen haben.
Lass uns nun ein schnelles Inventar deiner digitalen Assets erstellen. Der Schlüssel dabei ist, keine Geheimnisse aufzuschreiben, sondern zu notieren, wo deine Backups gespeichert sind. Schreibe auch keine Beträge auf, da diese sehr schnell veralten und falsche Beträge deine Erben verunsichern könnten.
Wichtig: Es ist ok, dein Inventar auf einem Computer zu schreiben, aber speichere keine der geheimen Zugangsinformationen elektronisch. Nimm ein Blatt Papier und schreibe die Informationen von Hand. Und keine Fotos mit deinem Smartphone!
Optional für fortgeschrittene Nutzer: Du kannst auch den erweiterten öffentlichen Schlüssel in das Inventar aufnehmen. Ich würde jedoch von Links zu Block-Explorern oder vom Erstellen von QR-Codes online abraten, da dies ein ernsthaftes Leck in der Privatsphäre wäre.
Smartphone
Hast du Wallet-Apps auf deinem Mobiltelefon installiert? Dann lass uns damit anfangen. Stelle sicher, dass du ein externes Backup von jeder Wallet hast. Am besten, indem du den die 24 Wiederherstellungswörter (den "mnemonic seed") auf einem separaten Blatt Papier per Hand notierst. Du kannst dafür unsere Backup Card zum selber ausdrucken verwenden.
Notiere die folgenden Details für jede mobile Wallet, die du hast:
- Marke und Modell deines Mobiltelefons (z.B. "Samsung Galaxy S10, blau")
- Name der Wallet-App, mit den entsprechenden Assets ("Green Wallet: BTC")
- Sicherer Speicherort der Zugangsinformationen ("zu Hause, verschlossene oberste Schublade")
Computer
Dokumentiere alle digitalen Assets, die du in Software-Wallets (wie Electrum) oder lokalen clientseitigen Browser-Wallets (wie MyEtherWallet oder Metamask) hältst und die nicht durch eine Hardware-Wallet gesichert sind.
Notiere die folgenden Informationen:
- Marke und Modell deines Computers (z.B. "Acer Swift 7 Laptop, orange")
- Name der Wallet-App, mit entsprechenden Assets ("MyEtherWallet: ETH, MKR)
- Falls zutreffend, Anzahl der Konten mit der gleichen Währung
- Sicherer Aufbewahrungsort der Zugangsinformationen ("Bankschliessfach bei XYZ")
Fremdverwaltete Wallets
Wenn du deine Gelder auf Börsen oder in Custodial-Wallets aufbewahrst, sind die Dinge ein wenig komplizierter. Während es für deine Erben in Ordnung sein kann, sich bei einer reinen Web-Wallet einzuloggen und die Gelder auf eine neue Wallet zu verschieben, kann der Verkauf deines Vermögens und die Abhebung auf ein reguläres Bankkonto unter falschen Anmeldedaten rechtliche Probleme verursachen.
Je nach deiner eigenen Einschätzung solltest du in den Zugriffsinformationen entweder die vollständigen Zugangsdaten oder die Kontaktinformationen des Verwahrers angeben:
- Name und URL der Web-Wallet oder Börse (z.B. "BTCX, www.btcx.com")
- Vermögenswerte ("BTC, ETH, USD")
- Kontakt- oder Vererbungsinformationen ("auf Support, suche nach <death>")
- Optional: Sicherer Speicherort der Anmeldedaten, wenn relevant inkl. 2FA-Details
Hardware-Wallets
Für grössere Beträge ist es für die meisten Menschen am besten, Hardware-Wallets zu verwenden. Wenn deine Erben das Gerät zur Hand haben, kann es einfach direkt verwendet werden. Dazu brauchen sie die ensprechende App und das Gerätepasswort / PIN. Zusätzlich solltest du die Wiederherstellungswörter aufschreiben, welche es ermöglichen, alle Gelder auch ohne das Gerät wiederherzustellen.
Notiere die folgenden Informationen:
- Name und Marke der Hardware-Wallet (z.B. "BitBox02")
- Vermögenswerte ("BTC, ETH, DAI")
- Falls zutreffend, Anzahl der Konten derselben Währung
- Sicherer Speicherort von Gerätepasswort / PIN ("bei Onkel Marc")
- Sicherer Speicherort des mnemonischen Seeds ("im Banktresor")
- Optional: Passphrase ("bei Tante Pam")
Benutzerdefinierte Aufbewahrungslösungen
Wenn du andere Aufbewahrungslösungen verwendest, achte darauf, dass du diese ebenfalls dokumentierst. Wenn sie nicht einem gut dokumentierten Standard folgen (z.B. dem Glacier-Protokoll), liegt es in deiner Verantwortung, diese gründlich zu dokumentieren.
Schritt 4: Finale Überlegungen (für den Moment)
Du hast nun eine Liste mit vertrauenswürdigen Kontakten, ein handschriftliches Inventar und (möglicherweise) einige neue Sicherungspapiere. Nun lass uns das alles in einem "Brief an deine Lieben" zusammenfassen.
Schau dir die folgenden Vorlagen an und verwende sie mit den vorliegenden Informationen, um deinen eigenen Brief zu schreiben, oder passe sie nach deinen Wünschen an:
- Englische Vorlage von Pamela Morgan: Letter to Loved Ones
- Deutscher Briefgenerator von Marc Steiner: Bitcoin Nachlass-Tool
Ein wichtiger Punkt, den du in dem Brief erwähnen solltest: deine Liebsten sollten schon vor dem Zugriff darüber nachdenken, was sie mit den Coins anstellen wollen:
- Wollen sie sie behalten? Dann sollten sie sich damit vertraut machen, wie man eine Hardware-Wallet einrichtet und eine bereithalten, um die Gelder zu übernehmen.
- Wollen sie sie verkaufen? Dann sollten sie bereits ein Börsenkonto einrichten, die nötige Identifikation (KYC) durchführen und das Konto mit Passwort und einem zweiten Faktor absichern.
- Sobald sensible Informationen wie die Wiederherstellungswörter wiederhergestellt sind, sollten alle Gelder sofort auf eine neue Hardware-Wallet oder Börse verschoben werden. Andernfalls könnte jede Person, die in den Prozess involviert ist, danach auf die Gelder zugreifen und sie bewegen, sogar aus der Ferne.
Lege deine verschiedenen Papiere in Umschläge, versiegle sie und unterschreibe sie, einschliesslich des Datums. Für Backups vermerke unbedingt den vorgesehenen sicheren Aufbewahrungsort auf dem Umschlag.
- Brief an Angehörige, einschliesslich der vertrauenswürdigen Kontakte: an einem privaten Ort aufbewahren, wo er gefunden wird.
- Backups: so schnell wie möglich auf die sicheren Orte verteilen.
Geheimnisse aufteilen
Vielleicht ist es dir zu heikel, die kompletten Zugangsdaten zu deinen digitalen Werten an einem einzigen Ort zu speichern. Und du hast recht, je nach Höhe der gesicherten Werte ist dies nicht ratsam. Die Sicherheit kann durch Aufteilen der Zugangsinformationen deutlich verbessert werden.
Aber Komplexität ist der Feind von Sicherheit. Dist ist in diesem Zusammenhang enorm relevant: die Gefahr kritischer Fehler ist durch die Unerfahrenheit der Leute, die deine Coins wiederherstellen, deutlich erhöht. Wie lässt sich das auf gängige Lösungen übertragen?
- Passphrase: Zusätzlich zum Aufschreiben der 12 oder 24 Wörter (dem "mnemonischen Seed"), können Wallets mit einer zusätzlichen Passphrase geschützt werden. Wenn du eine sehr lange, zufällige Passphrase verwendest (mindestens 14 Zeichen, Gross- und Kleinbuchstaben und Zahlen), ist dies wahrscheinlich die beste Option, um die Zugangsinformationen auf zwei Stellen aufzuteilen (mnemonischer Seed an einer Stelle, Passphrase an einer anderen Stelle).
- Wiederherstellungswörter aufteilen: Wenn deine 24 Wiederherstellungswörter hast (und nur dann! schau was passiert, wenn du's mit 12 Wörtern probierst), ist es sicher genug, diese auf drei einzelne Karten aufzuteilen, wobei auf jeder Karte 8 Wörter fehlen. Du kannst dies so einrichten, dass ein Minimum von zwei Karten notwendig ist, um die Wallet wiederherzustellen, während immer noch genug Zufälligkeit (~80 Bits Entropie) erhalten bleibt, damit das Backup sicher ist. Diese Sicherheitsstufe wird jedoch nicht jahrzehntelang halten, da die Effizienz des Brute-Forcing eines Backups stetig steigt.
Karte 1 XXX w02 w03 w04 w05 XXX XXX w08 XXX XXX XXX XXX w13 w14 w15 w16 w17 w18 w19 w20 w21 w22 w23 XXX Karte 2 w01 XXX XXX w04 XXX w06 w07 w08 w09 w10 w11 w12 w13 w14 XXX w16 w17 w18 XXX XXX XXX XXX w23 w24 Karte 3 w01 w02 w03 XXX w05 w06 w07 XXX w09 w10 w11 w12 XXX XXX w15 XXX XXX XXX w19 w20 w21 w22 XXX w24
- Multisignatur-Lösungen sind knifflig und müssen detailliert dokumentiert werden. Lies unseren Blogbeitrag The pitfalls of multisig when using hardware wallets und entscheide selbst, ob diese Risiken zuverlässig entschärft werden können.
- Shamir's Secret Sharing ist ein zuverlässiger und sicherer Weg, ein Geheimnis in mehrere Teile zu teilen. Es kann dazu verwendet werden, deine Wiederherstellungswörter aufzuteilen, aber das sicher zu tun ist nicht so einfach. Besonders die sichere Wiederherstellung ist knifflig und sollte komplett offline geschehen. Recherchiere und dokumentiere gründlich. Stelle sicher, dass eine geeignete Wiederherstellungsumgebung vorhanden ist, z.B. eine Anleitung und ein USB-Stick mit Tails.
Weiter geht's
Dieser Blogpost war etwas länger, aber ich wollte sicherstellen, dass jeder Schritt glasklar ist. Der Prozess an sich ist nicht kompliziert und die Zeit, die du investierst, ist es auf lange Sicht sicherlich wert. Es hilft, deine persönlichen Backups in Ordnung zu bringen. Und sicherzustellen, dass sie von dir und — zu gegebener Zeit — von deinen Angehörigen wiederhergestellt werden können. Und es wird dich hoffentlich dazu ermutigen, deine Backups von Zeit zu Zeit wieder aufzusuchen, zu überprüfen, ob noch alles in Ordnung ist und die Daten falls nötig zu aktualisieren.
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Mit der BitBox02 Hardware-Wallet hast du alles, was du brauchst, um deine Coins richtig zu sichern. Aber wie kannst du die Sicherheit deines Backups weiter verbessern? Wir haben uns ein paar zusätzliche Optionen überlegt, welche hoffentlich nützlich für deinen spezifischen Bedürfnisse sind.
Weitere Infos findest du auf unserer Backup solutions-Seite.
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