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Mittelalterliche Steinbauten im Dorfkern von Saanen
Bei Rettungsgrabungen an der Dorfstrasse in Saanen ist der Archäologische Dienst des Kantons Bern auf Überreste eines grossen Steingebäudes aus dem 13./14. Jahrhundert gestossen. Noch ist offen, in welcher Form das turmartige Gebäude genutzt wurde. Teile davon sollen im Erdgeschoss des geplanten Neubaus erhalten bleiben.
Die Archäologen am Freilegen des turmartigen Gebäudes aus dem Mittelalter. Sichtbar ist die schwarze Schicht mit verkohlten Brettern vom Dorfbrand von 1575. (Bild zvg)
kkb/bns. In den letzten zwei Monaten hat laut einer Medienmitteilung der Archäologische Dienst im südlichen Teil einer Liegenschaft an der Dorfstrasse in Saanen Rettungsgrabungen und Untersuchungen am erhaltenen Mauerwerk durchgeführt. Dabei zeigte es sich, dass im bestehenden Gebäude Überreste eines mächtigen Steinhauses des 13./14. Jahrhunderts stecken. Der Bau wies Aussenmasse von elf mal elf Meter bei einer Mauerstärke von 1,25 Meter auf. Seine einstige Höhe war beträchtlich. Die erhaltene Westmauer erreicht noch immer zehn Meter. Dort befindet sich eine Abbruchkrone. Diese zeigt, dass der Bau einst noch höher gewesen sein muss. Vier bis fünf Geschosse sind denkbar. Zum ursprünglichen Bestand zu rechnen sind ein Fenster und die Erschliessung von der Strassenseite sowie ein zweites, später vermauertes Tor in der Mitte der Ostseite. Zu einem noch nicht genau bestimmten Zeitpunkt muss das Innere des Steinbaus um einen guten halben Meter angehoben worden sein. Möglicherweise wollte man so dem hohen Grundwasserspiegel entkommen. Das Innere war durch Balkenlagen, Bretterböden und Holzdecken gegliedert. Diese verkohlten und stürzten in einem gewaltigen Feuer ein. Vermutlich war der Dorfbrand von 1575 die Ursache.
Noch ist offen, welche Funktion der Steinbau hatte. Typologisch handelt es sich um ein turmartiges Gebäude. Eine Deutung wird durch die Tatsache erschwert, dass dieses Gebäude nicht allein für sich steht, sondern westlich ein weiteres Haus, das Alte Landhaus', anschliesst. Dieses ist, wie die Archäologen seit einer Ausgrabung im Jahr 2008 wissen, ebenfalls ein mächtiger Steinbau aus dem Mittelalter, eine Art Palas aus der Zeit um das Jahr 1400 mit einem Saal im Obergeschoss. Man vermutete damals, es müsse sich um die Niederlassung des örtlichen Vertreters der Grafen von Greyerz handeln.
Noch können sich die Archäologen den neuen, turmartigen Steinbau nicht erklären. Was sollen zwei aneinander gefügte Steinbauten dieser Dimension? Ist der eine die Residenz des Vertreters des klösterlichen Kirchherrn, des Cluniazenser Priorates Rougemont und der andere Bau das bereits erwähnte Sässhaus des weltlichen Grundherrn? Oder handelt es sich um zwei Bauten eines Ensembles, einer gewaltigen Burg mitten im Dorf? Antworten auf diese Fragen sollen die Auswertungsarbeiten von Funden, Befunden und eine erneute Sichtung der Schriftquellen – oder auch weitere archäologische Aufschlüsse – liefern: «Der Archäologische Dienst ist erfreut, dass der Eigentümer der Liegenschaft zusammen mit seinem Architekten, dem Archäologischen Dienst des Kantons Bern und den Gemeindebehörden nach Möglichkeiten suchen will, im Erdgeschoss des Neubaus die wichtigsten Zeugnisse des mächtigen Steinbaus zu integrieren und damit der Nachwelt zu erhalten.»