Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/157576

<h2>SubmittedText<h2><p>Für die Bildung der Jugendlichen ist die Kenntnis der Landessprachen sehr wichtig. Sie erleichtert die Verständigung und den Austausch zwischen den Sprachregionen, und sie stärkt die Mehrsprachigkeit unseres Landes und wertet diese auf. Eine entscheidende Rolle nimmt dabei die Schule ein: Sie schafft die Grundlagen, auf denen später aufgebaut werden kann. In den letzten Monaten wurde zu Recht viel diskutiert über den Unterricht in einer zweiten Landessprache auf Primarschulstufe und über die Kompetenzen, über die die Schülerinnen und Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit verfügen sollen. Der Sprachenunterricht muss aber auch in den weiterführenden Schulen fortgesetzt werden. Während die Lehrpläne auf Gymnasialstufe in der Regel den Unterricht in den Landessprachen vorsehen, weiss man wenig darüber, wie es bei den Berufsfachschulen aussieht - dem Ausbildungszweig wohlgemerkt, den die meisten Jugendlichen in der Schweiz nach der obligatorischen Schulzeit wählen. Der Bund ist für die Berufsbildung zuständig; er arbeitet dabei eng mit den Kantonen zusammen. Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten, um zu klären, inwieweit die Landessprachen im äusserst wichtigen Bereich der Berufsbildung tatsächlich unterrichtet werden:</p><p>1. Welche gesetzlichen und sonstigen Bestimmungen regeln den Unterricht in der Sprache des Schulortes und in den anderen Landessprachen an den Berufsfachschulen?</p><p>2. Welche Kompetenzen haben Bund und Kantone in Bezug auf das Angebot und den Unterricht in den Landessprachen?</p><p>3. Haben die Schülerinnen und Schüler an den Berufsfachschulen die Möglichkeit, die Landessprachen zu erlernen? Wenn ja, welche Sprachen?</p><p>4. Gibt es Informationen zum Unterricht in den Landessprachen, der von den Kantonen in deren Schulen angeboten wird, und Statistiken zur Zahl der Schülerinnen und Schüler, die neben der Sprache des Schulortes, (obligatorisch oder als Freifach) Kurse in den anderen Landessprachen besuchen?</p><p>5. Gibt es an den Berufsfachschulen Erfahrungen mit zweisprachigen Klassen, in denen der Unterricht in zwei Landessprachen erteilt wird (vgl. Motion Semadeni 14.3143)?</p><p>6. Wie beurteilt er das gegenwärtige Angebot beim Unterricht in den Landessprachen an den Berufsfachschulen?</p><p>7. Gäbe es nach seiner Einschätzung zusätzliche Massnahmen, die ergriffen werden könnten, um den Unterricht in den Landessprachen im Berufsbildungsbereich weiter zu fördern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1.-3. Der Unterricht in der Sprache des Schulortes ist Teil des allgemeinbildenden Unterrichts (ABU) an den Berufsfachschulen. Die Bildungsziele für diesen Unterricht sind im Rahmenlehrplan für den ABU festgelegt und vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) erlassen. Die Schullehrpläne der Berufsfachschulen konkretisieren die Bildungsziele. Eine zweite Landessprache ist im ABU nicht vorgesehen, kann aber über den berufskundlichen Teil des Unterrichts vermittelt werden.</p><p>Gemäss Artikel 12 Absatz 2 der Verordnung über die Berufsbildung (BBV) ist in den Bildungsverordnungen der beruflichen Grundbildung "in der Regel eine zweite Sprache vorzusehen". Der Bund hat damit die rechtliche Voraussetzung für den Unterricht in einer anderen Landessprache oder einer sonstigen Fremdsprache festgelegt. Ob eine zweite Sprache in die Bildungsverordnung eines Berufs aufgenommen wird und welche Sprache dies ist, regeln die Organisationen der Arbeitswelt entsprechend ihren Bedürfnissen. Grundsätzlich fokussiert der Unterricht der zweiten Sprache auf ihre Anwendung im jeweiligen Berufsalltag. </p><p>4. Von den 211 Bildungsverordnungen, die seit der Inkraftsetzung des Berufsbildungsgesetzes im Jahr 2004 erlassen wurden, sehen sieben den Unterricht in einer zweiten Landessprache vor. Dies betraf 2013 knapp 35 000 Jugendliche (16 Prozent aller Lernenden). Zehn Bildungsverordnungen lassen den Kantonen und ihren Berufsfachschulen die Wahl zwischen einer zweiten Landessprache und einer sonstigen Fremdsprache, in der Regel Englisch (34 000 Jugendliche im Jahr 2013 bzw. fast 16 Prozent der Lernenden). Welche Sprachen die Berufsfachschulen im Fall einer Wahlmöglichkeit tatsächlich unterrichten, ist beim Bund nicht bekannt. Der Bund sammelt auch keine Daten zu den sprachlichen Freikursen, die Lernende an der Berufsfachschule besuchen können.</p><p>Ausserdem sieht der Berufsmaturitätsunterricht den Unterricht in einer zweiten Landessprache und einer dritten Landessprache oder Englisch vor. Davon profitieren pro Jahr rund 12 Prozent der Lernenden.</p><p>5./7. Bund und Kantone fördern den Fremdsprachen- und den zweisprachigen Unterricht auf Basis von Artikel 6 des Bundesgesetzes über die Berufsbildung (BBG) und von Artikel 15 des Bundesgesetzes über die Landessprachen und die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften (SpG). In diesem Rahmen fördern Bund, Kantone und Wirtschaft Mobilitätsaktivitäten wie z. B. Austausche und Praktika in anderen Sprachregionen, die zur Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten und der interkulturellen Kompetenzen beitragen. Ausserdem haben mehrere Kantone - wie in den jeweiligen Bildungsverordnungen empfohlen - Projekte mit bilingualem Unterricht an Berufsfachschulen lanciert. Dabei werden fachliche Inhalte oder Themen in einer Fremdsprache vermittelt: Teilweise handelt es sich hier um eine zweite Landessprache, öfter aber um Englisch. Die Erfahrungen sind positiv. Das SBFI hat 2014 das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) beauftragt, ein Kompetenzzentrum für bilingualen Unterricht aufzubauen mit dem Ziel, die Berufsfachschulen bei der Implementierung zu unterstützen.</p><p>6. Der Fremdsprachenerwerb in der beruflichen Grundbildung steht im Zeichen der Arbeitsmarktfähigkeit. Dies erklärt auch, warum Englisch neben den Landessprachen unterrichtet wird. Für die Förderung einer zweiten Landessprache besteht noch Potenzial. Dieses ist jedoch durch die zur Verfügung stehende Anzahl Lektionen und die zu bewältigenden Lerninhalte beschränkt.</p>  Antwort des Bundesrates.