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Meditation, Geist und mantra
von Swami Rama
Dies ist ein Auszug aus dem Buch “Die Praxis der Meditation” von Swami Rama (siehe Bücher von Swami Rama)
Sobald du weisst, wie du dich für die Meditation hinsetzen kannst, wirst du dich wahrscheinlich fragen, was du denn nun geistig eigentlich genau tun musst. Die Leute fragen sich, ob sie versuchen sollen, ganz bestimmte Gedanken zu denken oder ob sie versuchen sollen, den Geist völlig leer zu machen oder ob sie den Geist einfach nur so dahindriften und die Assoziationen in den Geist hineinfliessen lassen sollten. In Wahrheit bedeutet Meditation nichts von alledem!
Das Denken ist ein ganz anderer Prozess als die Meditation, ja, wie wir schon früher gesagt haben, ist selbst die Kontemplation eines inspirierenden Ideals, wie zum Beispiel das des Konzeptes von Frieden, ein anderer Prozess. In der Meditation irgendetwas im Geiste bewusst geschehen zu „machen”, ist fruchtlos – du wirst einfach nur enttäuscht und irritiert werden, weil der Geist die Versuche, ihn zu kontrollieren, zu bekämpfen scheint. Die Motivation, sich anzustrengen oder etwas erreichen zu wollen, ist in der Meditation von nur geringer Hilfe. Es ist gewöhnlich besser, für dich selber keinen Druck zu erzeugen, wie deine Meditation sein sollte oder was du von der Meditationsübung erwartest. Ironischerweise erlangst du eine umso grössere Stille – welche ja den „Fortschritt” in der Meditation bedeutet – je weniger du mit dir selber kämpfst und je mehr du es dir erlaubst, dich zu entspannen.
Genauso wird es nicht von Erfolg gekrönt sein, wenn du versuchst, den Geist „leer” zu machen. Seiner Natur entsprechend wandelt sich der Geist ständig, lässt Erinnerungen entstehen, bildet Assoziationen und bemüht sich darum, neue Informationen aufzunehmen. Ja, eigentlich wird dein Geist gewöhnlich nur in der Zeit des tiefen, traumlosen Schlafes annähernd still. Den Rest der Zeit neigt der Geist dazu, wie ein Segelboot ohne Anker zu treiben.
Wegen dieser geistigen Prozesse bemühen sich meditative Traditionen, den Geist dadurch zu fokussieren und zu beruhigen, dass sie ihn auf stets nur ein Objekt oder einen Reiz zur Zeit richten. Auf diese Weise ist das Ziel nicht, den Geist leer zu machen, sondern ihn dadurch zu beruhigen, dass man ihm einen Fokus gibt. In vielen meditativen Traditionen wird ein Wort, ein Satz, ein Klang oder Symbol gebraucht, um dem Geist diesen einpunktigen Fokus zu geben. Einige meditative Disziplinen bevorzugen den Gebrauch von visuellen Symbolen, während in anderen Traditionen die Betonung auf dem Gebrauch eines mantras liegt – ein Wort, ein klang oder eine Wortfolge, die man benutzt, um dem Geist ein Konzentrationsobjekt zu geben.
Konzentration ist eine bedeutsame Vorbedingung für die Meditation. Wenn wir das Wart Konzentration im umgangssprachlichen Sinne benutzen, so, klingt darin auch so etwas mit wie: sich bemühen zu denken oder zu analysieren, etwas, das ein wenig nach Anstrengung klingt. Das Wort Konzentration jedoch, das wir meinen, beinhaltet keine Anstrengung, Anspannung oder geistige Beanspruchung – es bedeutet einfach nur „auf einen Punkt gerichtete Aufmerksamkeit”. Diese fokussierte Aufmerksamkeit steht im Gegensatz zu einem zerstreuten, verwirrten Zustand des Geistes. Konzentration bedeutet wache und trotzdem entspannte, fokussierte Aufmerksamkeit, und wenn du entspannt bist und dich wohl fühlst, sollte diese Art der Konzentration nicht schwierig sein. Wenn du dich nicht konzentrieren kannst, dann bedeutet das, dass deine Fähigkeit, das Fliessen deines Geistes in eine Richtung deiner Wahl zu lenken, gestört ist. Viele yogische Methoden helfen in der Entwicklung der Konzentration und werden später im Einzelnen besprochen. Hier ist es nur einfach wichtig zu verstehen, dass Konzentration ein Vorspiel für die Meditation ist.
Viele meditative Traditionen benutzen mantras. So sind zum Beispiel die Wörter Amen, Schalom und OM mantras. Diese mantras werden innerlich, geistig gehört anstatt gesprochen oder mit dem äusseren Gehörsinn gehört. Ein mantra wird geistig während der Meditation gehört, nicht laut gesprochen. Die Wissenschaft von den mantras ist eine ganz besondere Disziplin und ein einzigartiges Studiengebiet; diese Klänge werden nicht leichtfertig oder für triviale Zwecke benutzt. Mantras sind spezielle Klänge, die ganz besondere Merkmale und Wirkungen haben, und nicht jedes Wort kann einfach ein mantra sein.
Klänge vibrieren und haben keine wörtliche Bedeutung, deshalb werden sie auch nur durch ihre Vibrationen erkannt. Wenn sie materielle Substanzen beeinflussen, schaffen diese Vibrationen Formen, und ihre Formen haben Namen. Denn eigentlich sind alle Formen und Namen aus den Klangvibrationen selber entstanden. Es gibt bestimmte Klänge, die in der Stille vibrieren und sehr mächtige und wohltuende Wirkungen auf den ganzen Menschen haben. In alter Zeit widmeten weise Menschen ihr gesamtes Leben der Meditation und hörten diese Klänge, die nun als mantras benutzt werden. Solche Klänge haben verschiedene Wirkungen auf die verschiedenen Schüler. Ein mantra ist wie ein Medikament, das ein Arzt seinem Patienten verschreibt.
Es gibt unzählige Klänge, Silben oder Wörter, die ihre Wirkung auf verschiedenen Ebenen entfalten. Was nun den Gebrauch der Wörter betrifft, so hat jedes Wort eine Bedeutung. Wenn ein Meditierender ein Wort oder ein mantra benutzt, sollte dessen Bedeutung mit der Gefühlsebene dieses Menschen verbunden sein. Wer Meditation übt, erlaubt dem Wort oder mantra zu einem Teil seines Lebens zu werden. Viele Schüler versuchen, das mantra mit der Atmung zu koordinieren, das ist jedoch nicht für alle mantras vorgesehen. Es gibt einige wenige mantras, die Unregelmässigkeiten oder einen bestimmten Rhythmus in der Atmung erzeugen können, was somit für die Bewegung der Lungen und damit für Herz und Hirn schädlich wirken könnte. Deshalb versuche nicht, alle mantras mit der Atmung zu koordinieren. Die Klänge, die mit der Atmung verbunden werden können, sind So Ham, OM und Omkara, andere mantras sollten nicht mit der Atmung koordiniert werden.
Mantras sollten nur durch einen erfahrenen, kompetenten Lehrer weitergegeben werden. Bücherlesen und das Auswählen von mantras aus Büchern wird nicht als hilfreich angesehen. Die Methode, wie ein bestimmtes mantra benutzt werden soll, wird direkt vom Lehrer an den jeweiligen Schüler weitergegeben. Der wichtigste Punkt dabei ist das Wissen darum, wie ein bestimmtes mantra übermittelt und angemessen gebraucht werden muss, weil es andernfalls geschehen mag, dass der Nutzeffekt der Übung nicht eintritt. Letztendlich ist das mantra ein mächtiges Werkzeug – ein kompaktes Gebet. Beständiges Gebet schafft Achtsamkeit, und beständige Achtsamkeit führt zur Selbsterkenntnis. In der modernen Welt ist die Wissenschaft vom mantra schwer zu verstehen, da wir glauben, dass alles, was Wert hat oder die Wahrheit ist, in Worten ausgesprochen werden kann. Mantras wirken auf einer tieferen Ebene: Ein mantra hat seine Wirkung aufgrund seiner Klang- und Schwingungsqualitäten und nicht wegen seiner wörtlichen Bedeutung. Bedeutung ist eine Eigenschaft von Wörtern. Das Ziel der Meditation ist jedoch nicht, mit den Aspekten des Geistes zu arbeiten, wie sie der normale Denkprozess oder seine Analysefähigkeit darstellen. Vielmehr geht es in der Meditation darum, uns selbst auf anderen, tieferen und grundlegenderen Ebenen zu erfahren. Diese gesamte Wissenschaft von der Meditation und den mantras ist faszinierend, und der interessierte Leser mag wünschen, seine Studien über den Gebrauch von mantras in der Meditation selbst fortzusetzen.
Zusammenfassend jedoch wollen wir aufzeigen, dass alle Klänge bestimmte Qualitäten haben – einige Klänge sind beruhigend, andere wirken energetisierend. Das Ziel der Klänge, die wir mantras nennen, ist es, dem Geist zu helfen, sich einpunktig auszurichten, damit wir zu einer tieferen Erfahrung gelangen als der, die wir durch blosses Denken erreichen können.
Viele Traditionen benutzen mantras. Schüler unserer Tradition ermutigen wir, mit dem Gebrauch des natürlichen und universalen Klanges zu beginnen, der So Ham gesprochen wird. Dieser Klang ist eine Grundübung und kann von den meisten Übenden benutzt werden. Dieser Klang wird auf ganz bestimmte Art und Weise gebraucht: Wenn du still in deiner Meditationshaltung dasitzt, bringst du deine Atmung zur Ruhe. Du lässt deine Atmung langsam, ruhig und regelmässig werden. Dann erlaubst du deinem Geist, den Klang So Ham geistig zu „hören”. Der erste, weichere Teil des Klanges, So, wird in der Einatmung gehört, während der zweite Teil, Ham, geistig in der Ausatmung gehört wird. Du sitzt einfach ruhig da, lässt den Klang sich mit jedem Atemzug wiederholen und erlaubst der Atmung, gleichmässig zu fliessen.
Ich möchte hier einige wichtige Punkte hervorheben: Der erste Punkt ist, dass das mantra nur geistig gehört und nicht laut oder mit dem Mund bzw. den Sprechorganen hervorgebracht wird. Wenn du dem mantra erlaubst, sich fortwährend selbst zu wiederholen, wirst du entdecken, dass der Geist weniger Ablenkungen schafft. In unserem gewöhnlichen Wachbewusstsein besteht die geistige Aktivität normalerweise aus Assoziationsketten oder aus miteinander verbundenen Gedanken und Gefühlen. Einige davon sind gewollt oder zielorientiert, während andere einfach so in unserem Geist aufzutauchen scheinen. In der Meditation erlauben wir dem geistigen Geschwätz, sich zu beruhigen, während wir den Geist auf den Klang So Ham gerichtet halten. Du wirst beobachten, dass trotzdem andere Gedanken in deinen Geist kommen, und deine Aufmerksamkeit wird sich anderen Themen zuwenden. Wenn das geschieht, erlaube dir als „Zeuge”, diese Gedankenkette zu beobachten, und bringe dann deine Aufmerksamkeit sanft zu dem Klang So Ham zurück.
Es ist sehr wichtig, dass du aus diesem Vorgang keinen Kampf machst: Wenn andere Gedanken im Geist auftauchen, nimmst du das bloss achtsam wahr und bringst den Geist zurück zu So Ham. Auf diese Weise wird sich deine Meditation auf die einfachste Weise vertiefen. Es ist nicht hilfreich, sich wegen unserer geistigen Abschweifung in geistigem Argumentieren zu verlieren oder ärgerlich und verurteilend mit sich selbst zu werden. Solche emotionalen Reaktionen verbrauchen nur noch mehr Energie. Es werden weiterhin Gedanken aufsteigen, die meisten aber werden verschwinden, wenn du sie auf neutrale Weise beobachtest, ohne darüber einen inneren Konflikt zu schaffen.
Dieser Prozess des „Bezeugens” unterscheidet sich vom Unterdrücken oder Zurückdrängen der Gedanken, weil du nicht versuchst, ganz bestimmte Gedanken daran zu hindern, überhaupt aufzutauchen oder ins Bewusstsein zu rücken. Wenn sie aber auftauchen, nimmst du ihre Existenz wahr, ohne dich auf sie einzulassen oder sie zu intensivieren.
Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass nicht alle mantras auf diese Weise (wie So Ham) mit dem Atem koordiniert werden können. Es ist vielmehr so, dass du zunächst die Atmung beruhigst und entspannst und danach deine Aufmerksamkeit nicht mehr darauf richtest. Es ist nicht dein Ziel, fortwährend dem Atemprozess als solchem deine Aufmerksamkeit zu schenken. Die meisten mantras werden nicht mit dem Rhythmus von Aus- und Einatmung koordiniert. Versuchst du das mantra dazu zu zwingen, dem Atemrhythmus zu folgen, wirst du eine Ablenkung für dich schaffen und die Atmung stören. So Ham jedoch kann von fast jedem als sehr wirksame Übung eingesetzt werden.
Wenn du im Laufe der Zeit in deiner- Meditationspraxis Fortschritte gemacht hast, kannst du von einem eingeweihten Lehrer ein persönliches mantra bekommen, um deine mantra- Übung zu erweitern. Diese Übung sollte dir von einem Menschen gegeben werden, der dazu qualifiziert ist – du solltest dir nicht einfach selbst ein mantra aus einem Buch auswählen. Mantras haben mächtige Wirkungen; sollen sie dem Schüler oder der Schülerin nützen, so muss die Übung auch zu dem Erfahrungs- und Entwicklungstand des jeweiligen Schülers passen. Das aber kann nur von einem kompetenten Lehrer bestimmt werden.
Das mantra So Ham hat wie alle mantras seine Wirkung durch die Art und Weise, wie der Klang uns berührt. Wir mögen zwar So Ham wörtlich mit „Ich bin Das” übersetzen, aber die Wirkung des mantras kommt nicht aus dieser Bedeutung. Es ist die Wirkung des Klanges als solchem, die dem Geist hilft, still zu werden und schliesslich über den Klang hinauszugehen und die Stille im Innern zu erfahren.
Manchmal sind Schüler, die einen ganz bestimmten religiösen Hintergrund haben, ängstlich besorgt, dass ihr mantra doch auch aus ihrer religiösen Tradition kommen sollte. Wie wir schon früher ausgeführt haben, werden mantras als Technik in vielen Traditionen benutzt, aber das mantra als solches ist kein religiöser Prozess. Ein qualifizierter Lehrer wird jedoch in der Lage sein, dir zu einer Übungspraxis zu verhelfen, die keinen Widerstand oder Konflikt in deinem Geist schafft. So Ham gehört zu keiner Religion. Es ist eine reine Technik, die hilft, den Geist zu beruhigen und auszurichten.
Wenn du am Anfang nur wenige Minuten meditieren kannst, wirst du feststellen, dass der Geist etwas abgelenkt und geschwätzig ist. Wenn du jedoch durch Achtsamkeit beim Essen, beim Atmen sowie bei geistigen Einflüssen, die du zulässt, grössere geistige und körperliche Ruhe herstellen kannst, wirst du bemerken, dass das Geschwätz im Geist und dessen Ablenkbarkeit tendenziell abnehmen. Wenn du allmählich deine Meditationszeit verlängern kannst, magst du auch beobachten, dass der Geist dazu tendiert, in dem Masse langsamer und ruhiger zu werden, wie die Meditation fortschreitet. In dem Kapitel über die Atmung werden wir noch einmal besonders auf die Verbindung zwischen geistiger Ruhe und dem Atemprozess eingehen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die eigentliche Technik der Meditation sehr einfach ist – du sitzt still, erlaubst dem Atem, ruhig und gleichmässig und dem Geist still zu werden. Du hältst dich an das mantra, das in dir aufsteigt, und wenn dein Geist wandert, bringst du ihn immer wieder zum mantra zurück. Es ist nicht schwer, diesen Vorgang zu beschreiben – aber du kannst es als Herausforderung empfinden, das alles auch zu tun. Denn der Geist ist flink und beweglich und hat die Neigung, einen gewissen inneren Geräuschpegel aufrecht zu erhalten. Oft sind wir uns gar nicht bewusst, wie laut der Geist ist, bevor wir mit der Übung der Meditation beginnen. Unser Ziel ist es, dem Krach zu erlauben, sich von selbst zu beruhigen. Teilweise tun wir das, indem wir Dinge loslassen, die Krach schaffen, wie z. B. Konflikte oder innere Aufruhr.
Das Thema „Fortschritt” in der Meditation wird für viele Menschen zu einer wichtigen Frage. Bei unseren meisten Tätigkeiten können wir uns unserer Fortschritte versichern, indem wir die äusseren Aspekte unseres Verhaltens beobachten. Wir bemerken, dass wir weiter oder schneller gehen oder irgendetwas auf intensivere oder längere Art und Weise tun können. Die Meditation bringt uns jedoch in eine neue Situation: Wir können nicht einfach das längere Sitzen gleichsetzen mit einem bedeutungsvollen Fortschritt in der Meditation. Wir mögen vielleicht manchmal lange sitzen, aber unser Geist ist zerstreut und abgelenkt und alles andere als friedlich.
Wegen dieser Unsicherheit, ob man Fortschritte macht und ob man es auch wirklich „richtig” tut, fallen manche Menschen der Vorstellung zum Opfer, dass Meditation etwas Sensationelles sein müsse. Sie denken z. B., dass sie zum Zeichen, dass mit ihrer Meditation alles einen guten Verlauf nimmt, irgendeine dramatische geistige Erfahrung machen, eine Vision haben oder Licht und Farben sehen müssten. Die einfache Wahrheit ist jedoch, dass in dem Masse, in dem man in der Meditation Fortschritte macht, ein sich vertiefendes Gefühl von Ruhe und Stille da sein sollte. Dramatische Phänomene sind nicht erwünscht.
Manche Menschen mögen körperliche Empfindungen erleben wie Zuckungen, Jucken oder Ähnliches, aber so etwas zeigt nur grundsätzlich an, dass irgendwo im Körper Spannungen sind, die bisher übersehen wurden; oder aber es sind Anzeichen für geistige und emotionale Reaktionen, die man nicht für tiefer gehende Bewusstseinszustände halten sollte. Was immer auch für Erfahrungen auftauchen sollten, der Schüler wird angewiesen, sie vorübergehen zu lassen und seine Aufmerksamkeit auf das mantra gerichtet zu halten, das ihn allmählich zu tieferen Ebenen der Erkenntnis von der eigenen inneren Natur führen wird.
Wenn deine Meditation tiefer wird, wirst du wahrscheinlich auch wahrnehmen, dass ganz bestimmte Erfahrungen zu Ablenkungen in der Meditation führen. Wenn du die verschiedenen Arten von Erfahrungen beobachtest, die deinen Geist beschäftigen, wirst du im allgemeinen feststellen, dass angenehme, glückliche Gefühle selten Probleme schaffen, wohingegen negative Emotionen oder bohrende Wünsche so viel Aufmerksamkeit fordern können, dass dein Geist nichts anderes mehr zu tun wünscht, als sich an einer solchen negativen oder unerfreulichen Erfahrung festzubeissen.
An diesem Punkt beginnen wir zu erkennen, dass die Gedanken, die wir haben, und die Erfahrungen, die wir suchen, entweder inneren Frieden oder inneres Chaos schaffen können. Das eröffnet uns ein ganz neues Feld der Beobachtung und der spirituellen Erfahrung – wir streben fortan danach, unser Leben auf eine Art zu führen, dass wir nicht fortwährend unerfreuliche Erfahrungen für uns schaffen, die dann in unserem Geist vorherrschen oder unsere geistige Energie gebunden halten. Dieses Ziel, uns Erfahrungen zu verschaffen, die zu Harmonie und Stille führen, ist ein sehr wertvoller Aspekt bei der Vorbereitung auf die Meditation. Wir nehmen immer mehr wahr, welche Art von Erfahrungen unsere Meditation später am Tag erleichtert oder stört.
In diesem Sinne wird der Meditierende zu einem wahrhaft inneren Sucher und Forscher, der die inneren Prozesse und Reaktionen seines Geistes studiert, sowohl auf der bewussten als auch auf der unbewussten Ebene. Der Meditierende ist ein innerer Erforscher, und was er hervorbringt, ist kreative Intelligenz, die in der äusseren Welt gebraucht werden kann.
Meditation hilft dir, all die Fähigkeiten deines Geistes – Gedächtnis, Konzentration, Gefühl, Verstand und Intuition – vollständig zu verstehen und zu begreifen. Wer meditiert, beginnt zu verstehen, wie alle diese Fähigkeiten koordiniert, ins Gleichgewicht gebracht, gefördert und in ihrem ganzen Potenzial gebraucht werden können. Solche Menschen gehen dann mit Hilfe der Meditation über die gewöhnlichen Bewusstseinszustände hinaus.
Wenn du anfängst, die wohltuenden Wirkungen der Meditation auf Körper, Geist und deine gesamte Persönlichkeit zu spüren, magst du für noch tiefer gehende Übungen und Techniken Interesse entwickeln. Wenn du aufrichtig und gewissenhaft deine Meditationsübung machst, wirst du mit Sicherheit so manche allmähliche Veränderungen erleben. Gib weder Ungeduld noch Trägheit nach: Wenn du in deiner Übung fort fährst, wirst du steten Fortschritt erleben.
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