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Wir erinnern uns an das Warenhaus «Cheesmeyer» an der Hauptstrasse in Sissach. Die zweiseitige Ausrichtung zur Hauptstrasse und zum Bahnhof eröffnete dem Geschäft ganz neue Möglichkeiten. Heute widmen wir uns drei Getränkehandlungsbetrieben, die sich um 1900 ebenfalls an dieser wichtigen Strasse angesiedelt haben und die Wichtigkeit dieser Verkehrsachse nochmals unterstreichen.
Weinhandlung Buess
Das mit seiner gelben Fassade wohl farbenprächtigste und noch sehr gut erhaltene Gebäude an der Hauptstrasse 35 wurde 1896 als Erweiterung der zwei Hausnummern weiter gelegenen «Weinstube Buess» errichtet, ihrerseits bereits seit 1855 in Sissach zuhause. Damit gehörte sie zu rund zwei Dutzend Weinhandlungen im Dorf, so zumindest die Publikation «Bauten im Baselbiet», die Heimatkunde Sissach listet neben Drechslern, Seilern, Uhrenmachern, Eisenbahnangestellten und Küfern, etc… konkret fünf Weinhändler auf. Beauftragt mit dem Bau des Repräsentationsbaus wurde L. Däniker. Während die Fassade zur Hauptstrasse mit dem Neobarock und Jugendstil liebäugelt, gibt sich das bis 1915 rückwärtig von Wilhelm Brodtbeck angebaute längliche Lagergebäude trotz einiger dekorativer Elemente und einem erhöhten Mittelteil wesentlich funktionaler. Die Fassade besteht aus gelbem und rotem Sichtbackstein. Gegen den Bahnhof erfolgte die Anlieferung über zwei grosse Holztore. 2005 erfolgten schliesslich einige Umbauten. Die Nutzung blieb die letzen 160 Jahre dieselbe.
Ehemalige Weinkellerei Tschudy
Die 1924 von Hermann Neukomm gebaute Anlage aus Repräsentations- und Lagergebäude der 1879 gegründeten Weinkellerei Tschudy verfolgt ein städtebaulich konträres Konzept. Im Gegensatz zur Weinhandlung Buess mit hauptsächlicher Ausrichtung zur Hauptstrasse, orientiert sich der Repräsentationsbau bei Tschudys südlich zur Bahnlinie. Optisch sticht das Wohn- und Geschäftshaus vorallem durch sein grosses Mansardwalmdach hervor. Obschon das rückwärtige Lager- und Produktionsgebäude auch hier wesentlich schlichter daherkommt, ist der Werbeschriftzug zur Hauptstrasse nicht zu übersehen.
Während der Kopfbau auf der Fotografie von 2009 noch gepflegt daherkommt, zeigt sich heute ein etwas anderes Bild. Der gesamte Gebäudekomplex wirkt verlassen und heruntergekommen.
Ehemaliges Lagerhaus Eptinger
Vis à vis des Lagergebäudes der Weinkellerei Tschudy fällt dem aufmerksamen Spaziergänger eine Gebäudeanlage in einheitlichem Heimatstil und ausladenden Krüppelwalmdächern ins Auge. 1908 erstellte Rudolf Sandreuter für die damals neu erstellte Aktiengesellschaft des Eptinger Mineralwassers ein abgewinkeltes Büro- und Lagergebäude mit einem Kopfbau zur Hauptrasse. 1925 wurde das Gebäude durch einen zusätzlichen Bau ergänzt, nun aber mit seiner Längsseite zur Hauptstrasse. Besitzt der erste Bau noch einen Sockel und hochgezogene Gebäudeecken aus bossierten Steinen, so präsentiert sich der neuere Baukörper mit schlichtem abgesetztem Sockel, dafür aber mit wesentlich repräsentativerem grün gestrichenem Sichtfachwerk.
Das erste Gebäude wird heute noch immer durch die Mineralquelle Eptingen bewirtschaftet, im zweiten gibt es heute Lampen zu kaufen.
Sowohl das Warenhaus Cheesmeyer, als auch die Weinhandlung Buess zeigen, dass Kernzonen auch heute noch gut bewirtschaftet werden können. Ob und wie gross der Einfluss der Fussgängerzone auf den Erfolg dieser Geschäfte ist, kann von Aussen schlecht abgeschätzt werden. Zumindest für die ehemalige Weinkellerei Tschudy, die sich nicht mehr in der verkehrsberuhigten Zone befindet, gelten wohl andere Massstäbe, was den Unterhalt und Erhalt des Ensembles anbelangt.
Weinhandlung Buess
Funktion: Büro-, Lager- und Produktionsgebäude
Adresse: Hauptstrasse 35
Baujahr: 1896
Erweiterung Lagergebäude: 1914/15 (Umbau 1918)
Neuster Umbau: 2005
Architektur: L. Däniker (1914-18: Wilhelm Brodtbeck)
Konstruktion: Gemauert (Kopfbau mit bossiertem Sockel)
Material: Sichtbackstein rot und gelb gestrichen (Lagergebäude) gelb verputzt mit umlaufenden Gesimsen (Kopfbau)
Ehemalige Weinkellerei Tschudy
Funktion: Büro-, Lager- und Produktionsgebäude
Adresse: Güterstrasse 17
Baujahr: 1924
Architektur: Hermann Neukomm
Ehemaliges Warenhaus Eptinger
Funktion: Büro- und Lagergebäude
Adresse: Hauptstrasse 16-20
Baujahr: 1908
Architektur: Rudolf Sandreuter
Konstruktion: Gemauert, grünes Sichtfachwerk, Sockel teils mit bossierten Steinen, Fassaden verputzt.
Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– © Börje Müller Fotografie
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Arbeitsgemeinschaft zur Herausgabe von Baselbieter Heimatkunden (1998), Heimatkunde Sissach, J. Schaub-Buser AG, Sissach. ISBN: 3-85673-529-1