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Einige der weltweit grössten Unternehmen haben ihren Sitz in der Schweiz. Mehrere der 500 umsatzstärkstenexterner Link Unternehmen der Welt haben sich hier niedergelassen, nämlich fast zwei pro Million Einwohner.
Niedrige Steuern, qualifizierte Arbeitskräfte und eine stabile Wirtschaft machen die Schweiz attraktiv für einige der grössten multinationalen Unternehmen. Aber was ist deren ökonomischer Wert, und was geben diese der Gesellschaft zurück?
Knapp 25'500 ausländische und schweizerische multinational tätige Firmen gibt es in der Schweiz, was rund 5% der mehr als 580'000 registrierten Firmenexterner Link entspricht.
Geschätzte 14'000 davon sind laut einer Quelle der Nationalbank schweizerisch mit einer ausländischen Aktienmehrheit. Die restlichen 11'500 sind Niederlassungen ausländischer Firmen. Die grosse Mehrheit davon sind deutsche, nordamerikanische und französische Firmen, und rund 20% sind Verwaltungseinheiten oder Briefkastenfirmen ohne Angestellte.
25-30% der Stellen
Multinationale Betriebe in allen Grössen sind für die Beschäftigung von rund 1,3 Millionen Personen verantwortlich. Das entspricht etwa einer von vier Stellen im Land. Allerdings sind die meisten Arbeitnehmenden vieler grossen Firmen im Ausland beschäftigt.
Gemäss einem Bericht der Schweizerischen Nationalbank externer Linkbeschäftigen die Schweizer Multis direkt 850'000 Personen. Die restlichen 470'000externer Link arbeiten bei ausländischen Niederlassungen, was rund 10% der Beschäftigung in der Marktwirtschaft entspricht. Der Grossraum Zürich profitiert mit 27% am stärksten von den Stellen der ausländischen Niederlassungen. Swissholdingsexterner Link, der Wirtschaftsverband der Multinationalen in der Schweiz, schätzt, dass ausländische Multinationale zwischen 2000 und 2010 insgesamt 168'000 neue Jobs schufen.
Laut dem Consortium of Multynational Enterprisesexterner Link, das Multinationale in der Region Genf vertritt, sind ausländische und Schweizer Multis für das Angebot von 76'000 Stellen im Kanton Genf und 88'000 im benachbarten Kanton Waadt verantwortlich. In den letzten zehn Jahren schufen Multinationale zwei von drei neuen Stellen in der Region.
Multinationale haben einen ausgesprochenen Multiplikatoreffekt auf die Beschäftigung und Geschäftsführung. Ein Beispiel: Für jede in der Pharmaindustrie geschaffene Stelle entstehen 3,2 Vollzeitstellen in anderen Sektoren. Die 43'000 Stellen der Pharmaindustrie in der Schweiz führen also zu 138'000 weiteren Jobs.
Wichtigster Wirtschaftsmotor
Gemäss verschiedener Quellen generieren Multinationale rund einen Drittel des Bruttoinlandprodukts (BIP) und der Steuereinnahmen. Ausserdem haben die Angestellten der MNC einen grossen Anteil am Total der Einkommenssteuern.
Global tätige Firmen spielen auch als Wirtschaftsmotor eine Schlüsselrolle. GEM schätzt, dass Multinationale mehr als 40% zum BIP in den Kantonen Genf und Waadt beitragen. Die Pharmaindustrieexterner Link trägt in Basel angeblich 40% und in der Region Genfersee 20% zur Gesamtwirtschaftsleistung bei. Eine Studie von BAK Economicsexterner Link kommt zum Schluss, dass für jeden Franken Mehrwert, den die Pharmaindustrie generiert, zusätzliche 70 Rappen durch Zulieferer in anderen Sektoren anfallen.
Dass die Schweiz zu den innovativsten Ländern gehört, verdankt sie zum Teil den Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) durch globale Unternehmen. Diese sind in der Region Genfersee für 75% aller Investitionen für F&E verantwortlich. Laut einer Studie von Ernst & Young sind 11 der 500 weltweit grössten F&E-Inverstoren Schweizer Multinationale. Firmen wie Roche, Novartis und Nestlé liegen sogar in den Top 100. Die Studie hält fest, dass Schweizer MNCs 2017 insgesamt 36 Milliarden Franken in F&E investierten.
Einfluss auf soziale und kulturelle Landschaft
Global tätige Firmen haben auch einen bedeutenden Einfluss auf die Lebensqualität, den Ruf sowie die soziale und kulturelle Struktur der Schweiz. Zusätzlich zu ihren gemeinnützigen Spenden zugunsten von Gemeindeorganisationen investieren Multinationale in lokale Infrastrukturen, Universitäten und berufliche Ausbildungsprogramme.
Aber die Geschichte ist nicht nur positiv. Weil die globalen Firmen mithelfen, dass die Löhne zu den weltweit höchsten gehören, tragen sie auch zu den höchsten Lebenshaltungskosten bei. Die Einwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus EU-Staaten erhöhen die Nachfrage nach Wohnraum. Zwischen 2007 und 2016 stiegen die Mietzinsen in Zürich um 55%, während der Leerwohnungsbestand unter 1 Prozent sank.
Eine Volksabstimmung von 2014 zur Beschränkung der Zuwanderung und die Unterstützung der Konzernveranwortungs-Initiativeexterner Link sind Zeichen dafür, dass sich die Öffentlichkeit der Risiken global tätiger Firmen für die Schweiz und für den Schutz der Löhne stärker bewusst wird.
Was ist ein multinationales Unternehmen?
Laut der Internationalen Arbeitsorganisationexterner Link (ILO) besitzt oder kontrolliert ein multinationales Unternehmen Produktion, Vertrieb, Dienstleistungen oder andere Einrichtungen ausserhalb des Landes, in dem es ansässig ist. Es kann ein öffentliches oder privates Unternehmen sein und umfasst in der Regel eine Muttergesellschaft oder -gruppe in einem Land mit Tochtergesellschaften oder Zweigniederlassungen in einem oder mehreren anderen Ländern.
Das Bundesamt für Statistik gibt an, dass eine Gesellschaft die Kontrolle über eine andere hat, wenn sie Mehrheitsbeteiligungen an dieser Gesellschaft hält (mehr als 50% der Stimmrechte) oder wenn sie die Möglichkeit hat, Unternehmensrichtlinien zu bestimmen.
In der Schweiz gibt es zwei Kategorien von multinationalen Unternehmen:
Ausländische multinationale Unternehmen: Unternehmen (typischerweise Tochtergesellschaften, Zweigstellen oder Forschungszentren), die sich im Besitz oder unter der Kontrolle eines Unternehmens oder einer Gruppe befinden, die ihren Sitz ausserhalb der Schweiz haben. Das Bundesamt für Statistik führt eine Liste der ausländischen Tochtergesellschaften in der Schweiz. Beispiele hierfür sind Google, Procter & Gamble, L'Oréal, BMW und Caterpillar.
Schweizer multinationale Unternehmen: Unternehmen, die andere Unternehmen ausserhalb der Schweiz kontrollieren oder besitzen, deren wirtschaftlicher Eigentümer jedoch Schweizer ist. Gemäss Schweizer Rechtexterner Link bedeutet dies, dass eine Schweizer Person die juristische Person letztlich kontrolliert, indem sie direkt oder indirekt, allein oder gemeinsam mit Dritten, mindestens 25% des Kapitals oder der Stimmrechte an der juristischen Person hält oder diese anderweitig kontrolliert. Dazu gehören grosse Unternehmen wie Glencore, Novartis, Roche und Nestlé sowie kleinere Unternehmen wie Doodle.
Da immer mehr Unternehmen ihren Sitz in mehreren Regionen haben oder von ausländischen Unternehmen übernommen werden, kann es schwieriger sein, Unternehmen zu klassifizieren. Während beispielsweise Unternehmen wie Syngenta, Swissport und Sigg in der Schweiz ansässig sind, gehören sie chinesischen Muttergesellschaften.
(Übertragung aus dem Englischen: Peter Siegenthaler)