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|Abt Salomo (890-919)

Salomo
Salomo, 890-919. Salomo entstammte einer einflußreichen Adelsfamilie, er war ein Neffe Bischof Salomos II. von Konstanz, sein Bruder Waldo wurde Bischof von Freising. Bereits in seiner Jugend verlor Salomo die Eltern. Um das Jahr 871 kamen er und sein Bruder Waldo nach St. Gallen, wo sie die äußere Schule besuchten; ihr Lehrer war Notker Balbulus, der Verfasser der Briefe in den Formulae Salomonis. Um 878 dürften sie St. Gallen wieder verlassen haben. Von Bischof Salomo II. wurde Salomo zur weitern Ausbildung wahrscheinlich zu Bischof Witiger von Augsburg geschickt, später scheint er sich auch in Italien aufgehalten zu haben. Er ist 885 kurze Zeit als Notar und Kanzler am Hofe Karls des Dicken belegt. Im gleichen Jahr wird er zum Diakon geweiht. Wahrscheinlich 887 kehrte er nach St. Gallen zurück und trat ins Kloster ein. Im Oktober 889 weilte er als Kaplan am Hofe Arnulfs. Im Jahre 890 wurde er durch Arnulf zum Abt von St.Gallen und Bischof von Konstanz ernannt. Als Abt urkundet er erstmals im August 890. Neben den genannten kirchlichen Ämtern hatte Salomo sowohl am Hofe Ludwigs IV. wie auch Konrads 1. die Stellung eines Kanzlers inne. Obwohl Salomos Ernennung gegen das Recht der freien Abtwahl erfolgte, gelang es ihm bald, den Konvent für sich einzunehmen, von dem er nachträglich zum Abt gewählt wurde, wie die Privilegienbestätigung Arnulfs für St.Gallen vom 6.1.893 berichtet. Salomos Königsdienst brachte dem Kloster viele Vorteile, so erwirkte er von Arnulf, Ludwig IV. und Konrad I. sechs Diplome, welche die Immunität, die freie Abtwahl und das Inquisitionsrecht bestätigten. Dazu kamen noch einige königliche Schenkungen und viele Bestätigungsurkunden. Unter ihm erhielt St.Gallen auch erstmals eine päpstliche Bestätigung: am 8.3.904 garantierte Papst Sergius III. die freie Abtwahl und alle übrigen königlichen Privilegien. Zahlreiche Urkunden zeigen seine Bemühungen um die irdischen Güter seiner Abtei.
Gleich nach seinem Amtsantritt hat er auf einer Versammlung aller Principes der Grafschaften Thurgau, Linzgau und Currätien die Rechte des Klosters im Rheingau mit Erfolg gegen den Grafen Udalrich verteidigt. Er war bestrebt, die Stellung St.Gallens gegenüber den alemannischen Großen zu festigen. Auf seiner Romreise 904 erneuerte ihm König Berengar in Pavia am 1.6. den Besitz der Abtei Massino, welche einst Karl II. St.Gallen geschenkt hatte. Dank Salomos Beziehungen gelangten außer-dem die Abtei Faurndau am 23.9.895 und Pfäfers am 6.2.905 in seinen Besitz. Abt Salomo gilt als Gründer mehrerer Kirchen, besonders der St.-Mangen-Kirche nahe dem Kloster. Unter Salomo wurde die Klosterverwaltung gestrafft, seit 8go heißen die Inhaber der Klosterämter officiales, deren Wirkungskreis scharf umgrenzt wurde. Wegen der häufigen Abwesenheit des Abtes erhielt das Amt des Dekans größere Bedeutung. Salomo hat die Zahl der Vögte vermindert, er scheint die Vielzahl der Landvögte durch wenige, aber einflußreiche Gauvögte ersetzt zu haben, was eine bessere Garantie des Klosterbesitzes bedeutete. Salomo hat Kunst und Wissenschaft gefördert: das Evangelium Longum und das Vocabularium Salomonis, eine Enzyklopädie des 9. Jhs., sind die bekanntesten Werke aus dieser Zeit. Salomo selbst hat sich als Kunstdichter betätigt. Salomo gehörte neben Hatto I. von Mainz und Adalbero von Augsburg während mehr als drei Jahrzehnten zu den einflußreichsten Staatsmännern seiner Zeit, als Berater Arnulfs, Ludwigs IV. und Konrads I. Bereits 893 wohnte er der Wahl Karls des Einfältigen in Reims bei, 894 nahm er am Reichstag in Worms teil, 895 an der Synode von Tribur, 897 am Reichstag in Regensburg, 903 in Forchheim und 904 in Ingelheim. Er trat für die Stärkung der Zentralgewalt ein, 911 war er maßgeblich beteiligt an der Ausschaltung des Markgrafen Burkhard und dessen Bruder Adelbert, die ihre Macht über ganz Alemannien ausbreiten wollten. Dieselbe Ursache hatte auch sein Streit mit den Grafen Erchanger und Berchtold, in dessen Verlauf er 914 gefangengenommen wurde und der 916 auf der Synode zu Altheim mit der Verurteilung Erchangers und seiner Genossen zu lebenslänglicher Klosterhaft beendet wurde. Mit dem Tod Konrads I. endete die politische Lauf-bahn Salomos; Heinrichs I. Persönlichkeit und Politik standen ihm ferne. † 5.1.919
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)