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Die Benevento Resolution
Die Internationale Kommission für Elektromagnetische Sicherheit (ICEMS) führte am 22., 23. und 24. Februar 2006 eine internationale Konferenz mit dem Titel „Der EMF-Vorsorge-Ansatz: Wissenschaftlichkeit, Gesetzgebung und Umsetzung“ durch. Gastgeberin war die Stadt Benevento, Italien.
Die Zusammenkunft war dem Wissenschafter Dr. med. W. Ross Adey (1922-2004) gewidmet. Die an der Konferenz teilnehmenden Wissenschafter billigten die Catania Resolution und beschlossen deren Erweiterung durch das, was folgt:
Dieser eminent wichtige Text wurde übersetzt und uns zur Verfügung gestellt von
Peter Schlegel, Bürgerwelle Schweiz
publiziert bei Gigaherz.ch am 13.10.06
P 1.)
Weiteres Beweismaterial hat sich angesammelt, welches nahelegt, dass gesundheitsschädigende Wirkungen infolge beruflicher und öffentlicher Exposition gegenüber elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern (EMF1) derzeit üblicher Stärke existieren. Notwendig, aber noch nicht verwirklicht, ist eine umfassende, unabhängige und transparente Untersuchung des Beweismaterials, das auf diese sich entwickelnde, potentielle Problematik für die Volksgesundheit hindeutet.
P 2.)
Die Mittel, die für eine solche Beurteilung eingesetzt werden, sind angesichts des explosiven Wachstums der drahtlosen Kommunikationstechnologien wie auch der stets enormen Investitionen für die Übertragung von elektrischer Energie in grobfahrlässiger Weise ungenügend.
P 3.)
Es gibt Hinweise, dass mit der gegenwärtigen Projektfinanzierung die Auswertung und Interpretation von Forschungsergebnissen in der Richtung einer Unterdrückung möglicher Gesundheitsrisiken beeinflusst wird.
P 4.)
Argumente, wonach schwache (niedrigintensive) EMF nicht in der Lage seien, biologische Systeme zu beeinflussen, repräsentieren nicht das gegenwärtige Spektrum der Wissenschaftsmeinung.
P 5.)
Aufgrund unserer Überprüfung des Standes der Wissenschaft können biologische Wirkungen infolge einer Exposition sowohl gegenüber extrem niederfrequenten Feldern (ELF EMF2) als auch gegenüber Hochfrequenzstrahlung (RF EMF3) vorkommen. Epidemiologische Studien sowie in vivo und in vitro durchgeführte Experimente zeigen, dass eine Exposition gegenüber gewissen ELF EMF das Krebsrisiko bei Kindern erhöhen und andere Gesundheitsprobleme bei Kindern und Erwachsenen herbeiführen kann.
Ausserdem häufen sich epidemiologische Hinweise auf ein erhöhtes Hirntumorrisiko infolge Langzeitnutzung von Mobiltelefonen – der erste RF EMF Bereich, in welchem mit umfassenden Untersuchungen begonnen wurde. Epidemiologische und im Labor durchgeführte Studien, die ein erhöhtes Risiko für Krebs und andere Krankheiten infolge beruflicher Exposition gegenüber EMF zeigen, können nicht ignoriert werden.
Laborstudien über Krebs und andere Krankheiten sagen aus, dass Hypersensitivität gegenüber EMF4 teilweise durch eine genetische Prädisposition bedingt sein könnte.
P 6.)
Wir rufen die Regierungen auf, Rahmenvorschriften für die öffentliche und berufliche Exposition gegenüber EMF zu schaffen, die das Vorsorgeprinzip5 widerspiegeln – wie es einzelne Nationen schon getan haben. Vorsorgestrategien sollten auf Gestaltungs- und Leistungsnormen basieren. Sie müssen nicht unbedingt zahlenmässige Schwellenwerte definieren. Denn es besteht die Gefahr deren irrtümlicher Interpretation, wonach unterhalb solcher Schwellenwerte keine Gesundheitsschädigung vorkommen könne. Diese Strategien sollten einschliessen:
6.1. Förderung von Alternativen zu den drahtlosen Kommunikationssystemen, z.B. Glasfaser- und Koaxialkabel; Entwurf von Mobiltelefonen, die sicherere Leistungsdaten einhalten und vom Kopf wegstrahlen; Erhaltung der vorhandenen Festnetze; unterirdische Führung der elektrischen Übertragungsleitungen in der Nähe bewohnter Gebiete und Vermeidung der Führung in Wohngebieten.
6.2. Information der Bevölkerung über die potentiellen Risiken der Benutzung von Mobiltelefonen und Schnurlostelefonen. Ratschläge an die Konsumenten, drahtlos geführte Gespräche zu beschränken und für lange Gespräche Festanschlüsse zu benützen.
6.3. Weitestgehende Begrenzung der Nutzung von Mobil- und Schnurlostelefonen durch Kinder und Jugendliche. Dringliches Verbot der Bewerbung von Kindern und Jugendlichen durch die Telekommunikationsfirmen.
6.4. Forderung an die Hersteller, mit jedem Mobil- und Schnurlostelefon eine Freisprecheinrichtung (über Lautsprecher oder Kopfhörer) zu liefern.
1 In der vorliegenden Resolution bezieht sich der Begriff EMF auf den Bereich 0 bis 300 GHz (Fussnote Original)
2 ELF EMF: Abkürzung für Extremely Low Frequency Electric and Magnetic Field (Fussnote Übersetzung)
3 RF EMF: Abkürzung für Radiation (oder Radio) Frequency Electromagnetic Field (Fussnote Übersetzung)
4 im deutschen Sprachgebrauch im allgemeinen als „Elektrosensibilität“ bezeichnet (Fussnote Übersetzung)
5 Das Vorsorgeprinzip sagt aus, dass im Falle von Hinweisen auf mögliche Gesundheitsschädigungen trotz noch bestehender Ungewissheit das Risiko der Untätigkeit bei weitem grösser ist als das Risiko des Tätigwerdens im Sinne einer Begrenzung dieser Expositionen. Das Vorsorgeprinzip schiebt die Beweislast von denen, die ein Risiko vermuten, auf diejenigen, die es bestreiten. (Fussnote Original)
6.5. Schutz der Arbeitnehmer vor EMF erzeugenden Anlagen und Geräten durch Zugangsbeschränkungen und EMF-Abschirmung von Personen und Bauten.
6.6. Planung der Senderstandorte im Hinblick auf eine Minimierung der menschlichen Strahlungsexposition.
Registrierung der Mobilfunk-Basisstationen bei den lokalen Planungsämtern und Anwendung der elektronischen Plan-Informationstechnologie zur Information der Öffentlichkeit über mögliche Expositionen. Vorschläge für flächendeckende städtische Drahtlos-Internet-Zugänge (z.B. WLAN, WIMAX, Breitband über Kabel oder Power- Line Communication PLC oder gleichwertige Technologien) sollten auf das Potential bezüglich EMF-Exposition überprüft werden, und nach ihrer Einrichtung sollten die Stadtverwaltungen sicherstellen, dass die entsprechenden Informationen allgemein zugänglich sind und periodisch aktualisiert werden.
6.7. Ausscheidung von Zonen ohne drahtlose Kommunikation in Städten, in öffentlichen Gebäuden (Schulen, Krankenhäuser), in Wohngebieten und in öffentlichen Verkehrsmitteln, um den Zugang auch für Personen zu ermöglichen, die auf EMF hypersensitiv reagieren.
P 7.)
ICEMS6 ist bereit, den Behörden bei der Entwicklung eines EMF Forschungsprogramms beizustehen. ICEMS ruft auf zur Entwicklung klinischer und epidemiologischer Programme für die Erforschung örtlicher Häufungen von Personen mit allergischen Reaktionen und anderen Krankheiten oder Sensitivität auf EMF sowie zur Erfassung der Wirksamkeit von Vorsorgemassnahmen.
ICEMS ermutigt zu wissenschaftlicher Zusammenarbeit und zur Überprüfung von Forschungsergebnissen.
6 Internationale Kommission für Elektromagnetische Sicherheit. Mehr dazu unter www.icems.eu (Fussnote Original)
Wir, die unterzeichnenden Wissenschafter, erklären uns bereit, bei der Förderung von EMFForschung und der Entwicklung von Strategien zum Schutz der Volksgesundheit durch die sinnvolle Anwendung des Vorsorgeprinzips mitzuhelfen.
Gezeichnet:
Fiorella Belpoggi, European Foundadion for Oncology & Environmental Sciences B.Ramazzini, Bologna, Italy
Carl F. Blackman, President, Bioelectromagnetics Society (1990-91), Raleigh, NC, USA
Martin Blank, Department of Physiology, Columbia University, New York, USA
Natalia Bobkova, Institute of Cell Biophysics, Pushchino, Moscow Region
Francesco Boella, National Inst. Prevention & Worker Safety, Venice, Italy
Zhaojin Cao, National Institute Environmental Health, Chinese Center for Disease Control, China
Sandro D.Allessandro, Physician, Mayor of Benevento, Italy, (2001-2006)
Enrico D.Emilia, National Institute for Prevention and Worker Safety, Monteporzio, Italy
Emilio Del Giuduice, National Institute for Nuclear Physics, Milan, Italy
Antonella De Ninno,Italian National Agency For Energy, Environment & Technology, Frascati, Italy
Alvaro A. De Sallas, Universidade Federal do Rio Grande do Sul, Porto Alegre, Brazil
Livio Giuliani, East Veneto&South Triol, National Inst. Prevention & Worker Safety, Camerino University
Yury Grigoryev, Institute of Biophysics; Chairman, Russian National Committee NIERP
Settimo Grimaldi, Inst. Neurobiology & Molecular Medicine, National Research, Rome, Italy
Lennart Hardell, Department of Oncology, University Hospital, Orebro, Sweden
Magda Havas, Environmental & Resource Studies, Trent University, Ontario, Canada
Gerard Hyland, Warwick University, UK; International Inst. Biophysics, Germany; EM Radiation Trust, UK
Olle Johansson, Experimental Dermatology Unit, Neuroscience Department, Karolinska Institute, Sweden
Michael Kundi, Head, Institute Environmental Health, Medical University of Vienna, Austria
Henry C. Lai, Department of Bioengineering, University of Washington, Seattle, USA
Mario Ledda, Inst. Neurobiology & Molecular Medicine, National Council for Research, Rome, Italy
Yi-Ping Lin, Center of Health Risk Assessment & Policy, National Taiwan University, Taiwan
Antonella Lisi, Inst. Neurobiology & Molecular Medicine, National Research Council, Rome, Italy
Fiorenzo Marinelli, Institute of Immunocytology, National Research Council, Bologna, Italy
Elihu Richter, Head, Occupational & Environmental Medicine, Hebrew University-Hadassah, Israel
Emanuela Rosola, Inst. Neurobiology & Molecular Medicine, National Research Council, Rome, Italy
Leif Salford, Chairman, Department of Neurosurgery, Lund University, Sweden
Nesrin Seyhan, Head, Department of Biophysics; Director, Gazi NIRP Center, Ankara, Turkey
Morando Soffritti, Scientific Director, Europ. Found. for Onc.& Environm. Sci. B. Ramazzini, Bologna, Italy
Stanislaw Szmigielski, Military Institute of Hygiene and Epidemiology, Warsaw, Poland
Mikhail Zhadin, Institute of Cell Biophysics, Pushchino, Moscow Region
Veröffentlicht am 19. September 2006. Weitere Informationen durch Elizabeth Kelley, Managing Secretariat, International Commission For Electromagnetic Safety (ICEMS), Montepulciano, Italien. Email: <email-pii>
Website: www.icems.eu (Deutsche Übersetzung durch Bürgerwelle Schweiz, Okt. 2006)