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Der Vintage-Sound der Blues
Neben dem Instrument selbst ist der Gitarrenverstärker das wichtigste Arbeitsgerät des E-Gitarristen. Vor allem in den Pionierzeiten der Rock’n’Roll und Rockmusik in den 1950er und 60er Jahren waren Gitarristen unablässig auf der Suche nach dem perfekten Sound. Herauskristallisiert haben sich die Sound der Britischen Amps wie Marshall oder VOX, die stark verzerren und die den Sound für Jimi Hendrix, aber auch für Led Zeppelin oder Brian May von Queen lieferten. Daneben gibt es den amerikanischen Sound, der vor allem in den Verstärkern von Fender schlummerte. Leo Fender war bekanntlich nicht interessiert an Overdrive-Verzerrung, seine Gitarren und Amps waren ursprünglich für Country-Musiker gedacht, deshalb ist die Verzerrung sanfter und der übersteuerte Ton der Amps weniger brachial als bei den britischen Konkurrenten.
Auf ihrer Suche nach dem perfekten Sound haben sich unter den amerikanischen Verstärkern einige Modelle beliebt gemacht, die den klassischen Sound der Rockmusik lieferten, aber eben auch den Sound des Blues. Das älteste dieser Geräte ist der 1959 herausgebrachte Fender Bassmann. Der Bassmann wurde seit 1951 als Begleitung des Fender Precision Bass verkauft, aber die Gitarristen fanden sehr bald auch Verwendung für den einfachen 50-Watt Amp mit vier 10-Zoll Lautsprechern. Der 59 Bassmann verfügt über keinen Master-Volume Regler, deshalb ist es ein lauter Amp, der erst anfängt zu zerren, wenn die Nachbarn schon die Polizei benachrichtigt haben.
In den 1960er Jahren wurde die hellbraune Tweed-Bespannung der Verstärker dann durch eine silbergrau-schwarze Optik abgelöst. Weil das Blech unter den Regelknöpfen schwarz war, spricht man von den Blackface-Amps. In dieser Reihe brachte Fender 1963 dann den Fender Reverb heraus. Dieser Sound, den wir alle von Country- und Blues-Aufnahmen im Ohr haben. Der 1963er Fender Reverb ist vielleicht DER klassische Fender-Sound überhaupt. Es gibt den Amps in unterschiedlichen Stärken, aber der Sound bleibt unverkennbar derselbe: von cleanen Country-Sounds für Picker bis zu fettem Crunch für Blues-Soli Stil der 60er Jahre.
1965 schliesslich kam der wunderbare Deluxe Reverb dazu, der mit 22 Watt schon bei weniger ohrenbetäubenden Lautstärken zu verzerren begann. Der Amp verfügte neben der Hallspirale noch über ein Vibrato, das sich mit einem Speed-Regler einstellen liess, und das etwas der König des Surf-Sounds, Dick Dale ausgiebig verwendete. Der Deluxe Reverb und der 63 Fender Reverb sind die Definition von Vintage Sounds.
Das ist alles schön und gut, aber weder schleppt man diese schweren Vollröhrenverstärker gerne von Gig zu Gig, noch gibt es eine Möglichkeit, im trauten Heim diese Sounds zu geniessen, denn Zimmerlautstärke und Fender-Verzerrung vertragen sich nicht sehr gut. Schliesslich sind die Amps ja doch in der Anschaffung ziemlich teuer und wer sich in den Kopf setzt, ein Original zu erstehen, muss sehr tief in die Tasche greifen.
Aus diesen Gründen sah die Firma Boss eine Marktlücke und sie hat nun diese drei Pedale entwickelt: das Boss FBM-1, das den Bassmann-Sound nachmacht, den FRV-1 für den Fender Reverb und den FDR-1 für den Fender Deluxe Reverb. Jedes dieser Pedale der sogenannten «Legend-Series» emuliert den Sound der Original-Amps in beeindruckender Weise. Für eine Website, auf der die cleanen wie auch verzerrten Sounds zu hören sind, hier klicken.
Mit diesen Pedalen kann man den Ton nachmachen, den Stevie Ray Vaughan auf Riviera Paradise oder Lenny verwendet, aber auch den brüllenden Sound von Buddy Guys Soli. Boss hat Videos auf seiner Homepage, in denen der Sound demonstriert wird.
Das FRV-1 ermöglicht einen Ton wie ihn Albert King (Crosscut Saw) oder Otis Rush (All Your Love (I Miss Lovin)) verwendet. Für ein wirklich schönes Demo-Video ist schliesslich ein Demo-Video für den 65 Deluxe Rebverb.
Selbstverständlich gibt es jede Menge anderer Simulatoren dieser berühmten Amps. Modelling Guitars wie die Produkte von Line 6 sind schliesslich eine ganze Sparte des Gitarrenmarkts. Aber diese Pedale klingen wirklich gut, sie haben den Vorteil, die sehr einfache Bedienung und solide Bauweise der Boss-Pedale für sich ins Feld zu führen. Und wie eingangs gesagt: Fender hat sich bereit erklärt, den Originalschriftzug der Amps auf dem Pedal abzubilden. Die Pedale sind sicherlich so gut, dass es sich lohnt, diese im Gitarrengeschäft in der Nähe mal anzutesten. Die Pedale kosten zwischen 200 und 290 Franken pro Stück.