Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03250.jsonl.gz/2507

Generell werden psychische Erkrankungen, wie Depression, bei MS-Betroffenen eher zu wenig erkannt und behandelt; obwohl eine Reihe wirksamer Behandlungsmöglichkeiten wie Psychotherapie oder Medikamente zur Verfügung stehen. Gleichzeitig ist es, vor allem zu Beginn der Pandemie, vermutlich besonders schwierig gewesen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Um für mögliche künftige Pandemien oder ähnliche Situationen besser gewappnet zu sein, ist es wichtig zu verstehen, ob Menschen mit MS und Depression Hilfe erhalten und behandelt werden.
Dieser Frage ist das Schweizer Multiple Sklerose Register zusammen mit den KollegInnen der Psychiatrie (PD Stegmayer und Prof Walther) und Neurologie (PD Hoepner) der Universität Bern im Rahmen einer kurzen Spezialumfrage nachgegangen. Insgesamt haben an der Befragung bereits 846 Personen teilgenommen.
Ein Aspekt dieser Umfrage erfasste, ob die MS Register Teilnehmenden mit einer Depression diesbezüglich in Behandlung waren. Dabei ist besonders eindrücklich, dass nur 40% der MS-Betroffenen mit einer Depression behandelt wurden. Demzufolge erhielt mehr als die Hälfte der Personen mit einer Depression keine Behandlung. Ausgeweitet auf alle Personen mit und ohne Depression waren insgesamt 15% aller befragten Personen aufgrund einer Depression in Behandlung. In einer zusätzlichen Auswertung wurde auch noch berücksichtigt, wie viele der Personen mit Behandlung überhaupt noch eine Depression aufwiesen. Hierbei kam zum Vorschein, dass mehr als die Hälfte (52%) der behandelten MS-Betroffenen keine Depression mehr hatten; dies ist ein starker Hinweis dafür, dass MS-Betroffene durchaus von der Behandlung profitieren.
Die Ergebnisse zeigen, dass in der aktuellen Pandemie psychische Schwierigkeiten von MS-Betroffenen nur zum Teil beachtet werden. Leider werden psychische Probleme wie Ängste oder Depression bei Menschen mit MS generell zu wenig beachtet. Die Behandlung psychischer Schwierigkeiten ist aber besonders wichtig, weil diese Probleme erheblich zur Verminderung der Lebensqualität bei MS-Betroffenen beitragen können. Oft tragen psychische Probleme wesentlich zu einem hohen Leidensdruck seitens der Betroffenen und deren Angehörigen bei. In einigen Fällen kann die Beeinträchtigung durch psychische Probleme sogar wichtiger sein als die Einschränkung durch die MS selbst. Daher ist die richtige Behandlung dieser psychischen Probleme durch geeignete Fachpersonen sehr wichtig. Leider zeigte sich in unserer Umfrage, dass dies jedoch bei der Mehrheit der Betroffenen nicht der Fall ist. Die genauen Gründe, weshalb die Mehrheit der MS Register Teilnehmenden mit einer Depression keine entsprechende Behandlung erhalten, sind noch unklar.
Ob sich diese Situation nach der Pandemie verbessert, wird das MS Register zusammen mit den KollegInnen der Psychiatrie und Neurologie der Universität Bern in den nächsten Monaten gezielt wieder für Personen mit MS aufgreifen. Das MS Register bedankt sich bei allen MS Register Teilnehmenden ganz herzlich für das grosse Interesse, die rege Teilnahme und die Beantwortung der Fragen.