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gegen den Vater und brachte ihn 1443 in seine Gewalt, in der er bis zum Tod seines Sohns 1445 blieb. Nun bemächtigte sich Albrecht von Brandenburg [* 2] des Gefangenen, welcher ihn 1446 an seinen Todfeind Heinrich von Landshut [* 3] auslieferte. Ludwig starb in Burghausen im Kerker. Seine Schätze und Länder erbte Heinrich.
Vgl. K. v. Lang, Geschichte Herzog Ludwigs des Bärtigen von Bayern [* 4] (Nürnb. 1821).
16) Ludwig IX., der Reiche, Herzog von Bayern-Landshut, Sohn Heinrichs des Reichen, geb. folgte seinem Vater, der ihn bisher aus Geiz in engen Verhältnissen in Burghausen gehalten, Ungeheuer reich, freigebig und prachtliebend, hielt er einen prunkvollen Hof. [* 5] Sein Hochzeitsfest mit Amalie von Sachsen [* 6] und später das seines Sohns Georg mit der polnischen Königstochter Hedwig blieben wegen ihrer seltenen Pracht und des ungeheuern Luxus noch lange im Andenken der Leute.
Obwohl friedliebend, suchte er doch das Ansehen des wittelsbachischen Hauses im Reich zu heben. Mit seinem Vetter Friedrich dem Siegreichen von der Pfalz verbündet, bemächtigte er sich 1458 Donauwörths und kämpfte glücklich gegen Albrecht Achilles von Brandenburg, der sich ein Gericht über ihn anmaßte, und den er 1460 zum Vertrag von Roth zwang und, als Albrecht von neuem den Reichskrieg gegen Ludwig erregte, bei Giengen glänzend besiegte. Hierdurch erlangte er die gebührende Stellung im Reich für Bayern wieder, welches er durch eine weise Verwaltung auch in Sicherheit und Rechtspflege, Ackerbau, Handel und Industrie, endlich in geistiger Bildung zu hoher Blüte [* 7] brachte; 1472 gründete er die Universität Ingolstadt. [* 8] Er starb
Vgl. A. Kluckhohn, Ludwig der Reiche (Nördling. 1865).
17) Ludwig I. Karl August, König von Bayern, ältester Sohn des Königs Maximilian Joseph aus dessen erster Ehe mit Auguste von Hessen-Darmstadt, geb. zu Straßburg, [* 9] wo sein Vater Oberst des französischen Regiments d'Alsace war, ward in Mannheim, [* 10] wohin seine Eltern 1789 vor der Revolution geflüchtet waren, und in Rohrbach an der Bergstraße einfach und streng erzogen und genoß den Unterricht vortrefflicher Lehrer, welche seine guten natürlichen Anlagen zu hoher, vielseitiger Bildung entwickelten.
Als sein Vater 1799 Kurfürst von Bayern wurde, siedelte er mit seinen Eltern nach München [* 11] über und bezog 1803 die Universität Landshut, dann Göttingen, [* 12] um Staatsrecht, Philosophie und Geschichte zu studieren. Damals begann er zuerst sich in Gedichten zu versuchen, die zwar barock in Wort- und Satzbau und voll Verstöße gegen die Metrik sind, aber für den edlen Geist und das tiefe Gemüt des Verfassers ein schönes Zeugnis ablegen. Eine hohe Begeisterung für das Vaterland, den Genius des deutschen Volkes erfüllte ihn.
Seine erste Reise nach Italien [* 13] 1804 förderte und bethätigte seinen lebhaften Kunstsinn. 1806 mußte er Napoleon nach Paris [* 14] begleiten, und 1807 befehligte er im französischen Heer die bayrische Division. Auch im Krieg von 1809 kommandierte er unter Lefebvre eine Division des bayrischen Korps, obwohl er Napoleon haßte. Um so schmerzlicher war es ihm, daß er an dem Kriege gegen Frankreich 1813-14 nicht teilnehmen durfte. In der Zeit des Friedens widmete er sich besonders der Kunst, namentlich in Rom, [* 15] wo er sich zweimal, 1817-18 und 1820-21, längere Zeit aufhielt, und begann den Bau der Glyptothek, für deren Sammlung er schon 1804 die Ankäufe begonnen hatte.
An der Politik nahm er nur wenig Anteil; nur den Sturz Montgelas' (1817), dessen büreaukratischer Rationalismus seinen romantischen Anschauungen zuwider war, und die Einführung der Verfassung beförderte er. Seine liberalen Grundsätze bethätigte er auch in den ersten Jahren nach seiner Thronbesteigung das Zensuredikt wurde aufgehoben, der Kirche größere Freiheit gelassen, und seine erste Thronrede verkündete noch weitere Reformen.
Die arg zerrütteten Finanzen wurden durch bedeutende Ersparungen in Ordnung gebracht. Die Universität Landshut wurde reorganisiert und nach der Hauptstadt verlegt sowie die großartigen Kunstbauten und Sammlungen begonnen, deren Kosten zumeist aus den Privatmitteln des Königs bestritten wurden. Cornelius, Schnorr, Kaulbach u. a. wurden nach München berufen, um es mit Fresken und Gemälden zu schmücken; Schwanthaler schuf zahlreiche Bildwerke, die Glasmalerei [* 16] und Gießkunst wurden von Ludwig wieder belebt. 1826 wurde der Grundstein zur Pinakothek, 1830 zur Walhalla gelegt.
Lebhaft hatte Ludwig schon als Kronprinzen der Freiheitskampf der Hellenen beschäftigt; als König lieh er ihnen seine materielle und moralische Unterstützung und brachte der Einsetzung seines Sohns Otto als König von Griechenland [* 17] 1832 bedeutende Opfer aus seinem Privatvermögen (über 2 Mill. Gulden), die ihm schlecht gedankt wurden. 1835-36 bereiste er selbst Griechenland. Mehr und mehr aber wurde Ludwig seiner königlichen Rechte und seiner Pflicht für Wahrung des monarchischen Prinzips bewußt, zumal als die Stände ihm öfters opponierten oder ungeduldige Forderungen stellten, und seitdem der liberal gesinnte Minister Fürst Wallerstein 1837 seine Entlassung nahm.
Mit der Ernennung Abels zu seinem Nachfolger wuchs auch die Macht der ultramontanen Partei, der Ludwig selbst durch seine romantische Vorliebe für die katholische Kirche und ihre mittelalterlichen Einrichtungen Vorschub leistete. Zahlreiche Klöster erstanden wieder, Klagen über Beeinträchtigung der Protestanten wurden laut, die Zensur lebte von neuem auf, Unterricht und Wissenschaft wurden vernachlässigt. Die klerikalen Anmaßungen wurden endlich Ludwig selbst unerträglich; aber der äußere Anlaß, der Ludwig zum Sturz des wenig beliebten Ministeriums Abel bewog, raubte diesem Schritt seine Popularität vollständig: erst als das Ministerium sich weigerte, die Indigenatsverleihung an die Freundin Ludwigs, die abenteuerliche Tänzerin Lola Montez, gegenzuzeichnen, erhielt es seine Entlassung, und der freisinnige Staatsrat v. Maurer ward an die Spitze der Regierung berufen, dem jedoch bald Fürst Wallerstein folgte.
Die Opposition der ultramontanen Professoren und Studenten in München reizte Ludwig so, daß er mit scharfen Polizeimaßregeln dagegen einschritt und im Februar 1848 sogar die Universität schloß. Als dies, verbunden mit der Erregung der Februarrevolution, zu Unruhen in München Anlaß gab, legte er die Krone nieder; ihm folgte sein ältester Sohn, Kronprinz Maximilian. So endete seine fast 23jährige Regierung. Ludwig war zu wenig Staatsmann, um Bayern durchgreifend umzugestalten und bestimmte Ziele mit Konsequenz zu verfolgen.
Nur in der auswärtigen Politik hielt ihn seine echt deutsche Vaterlandsliebe stets ab (von seinen Bestrebungen zur Wiedererwerbung der badischen Pfalz abgesehen), mit fremden Mächten zu intrigieren; er wünschte lebhaft die Einigung Gesamtdeutschlands. Von bedeutendem Einfluß war Ludwig durch seine Beförderung der Künste auf die geistige Entwickelung Bayerns und Deutschlands; [* 18] gerade seine Vielseitigkeit war hier von Vorteil. Auch nach seiner Abdankung ¶
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verwendete er große Mittel aus seinem Privatvermögen auf Kunstwerke, Sammlungen und Bauten: die Münchener Kirchen, die Neue Pinakothek, die Befreiungshalle in Kelheim, die Propyläen wurden vollendet. Im ganzen verwendete Ludwig 21¾ Mill. Gulden für Bauten und Kunst. Er starb in Nizza, [* 20] seine Leiche wurde in der Bonifaciuskirche zu München beigesetzt. Bis zum höchsten Alter war er körperlich und geistig frisch. Er war von stattlicher [* 19] Figur, seine Haltung aber nicht straff, auch infolge seiner Schwerhörigkeit. In seinem Äußern war er höchst einfach und liebte den Verkehr mit den verschiedensten Volksschichten; wegen seiner leutseligen, witzigen Unterhaltungsgabe war er sehr beliebt, vor allem bei den Künstlern. 1860 wurde in München seine Reiterstatue errichtet. Er war seit mit der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen (geb. gest. vermählt, die ihm vier Söhne, Maximilian, seinen Thronfolger (gest. 1864), Otto, Exkönig von Griechenland (gest. 1867), Luitpold (s. d.) und Adalbert (gest. 1875), und vier Töchter, Mathilde, Gemahlin des Großherzogs Ludwig von Hessen [* 21] (gest. 1862), Adelgunde, vermählt mit dem Herzog Franz von Modena (Witwe seit 1875), Hildegard, Gemahlin des Erzherzogs Albrecht von Österreich [* 22] (gest. 1864), und Alexandra (gest. 1875), gebar. Seine »Gedichte« erschienen in 4 Bänden (Münch. 1829-47). Außerdem veröffentlichte er: »Walhallas Genossen« (Münch. 1843) und das vielfach aufgeführte Lustspiel »Rezept gegen Schwiegermütter« (nach dem Spanischen, Berl. 1866).
Vgl. Sepp, Ludwig I. Augustus (Schaffh. 1869);
Heigel, Ludwig I., König von Bayern (Leipz. 1872);
Reidelbach, König Ludwig I. von Bayern und seine Kunstschöpfungen (Münch. 1887).
18) Ludwig II. Otto Friedrich Wilhelm, Sohn Maximilians II. und der Königin Maria, einer Tochter des Prinzen Wilhelm von Preußen, [* 23] geb. zu Nymphenburg, sollte, mit 18 Jahren großjährig geworden, eine Universität besuchen und Staatswissenschaften studieren, als ihn der unerwartete Tod seines Vaters zur Herrschaft berief. Eine Änderung in der politischen Haltung Bayerns ward dadurch nicht verursacht. Mit den Staatsgeschäften befaßte sich der junge König nur so weit, als es ganz unerläßlich war; selbst 1866 hielt er sich in gänzlicher Zurückgezogenheit auf Schloß Berg am Starnberger See und der benachbarten Roseninsel auf und überließ sich ganz seiner schwärmerischen Neigung für die Kunst Richard Wagners, den er an seinen Hof zog und mit Auszeichnungen und verschwenderischer Freigebigkeit überhäufte.
Das romantische Verhältnis des königlichen Kunstjüngers zu seinem Meister war jedoch nicht von langer Dauer; Anfang 1866 wurde Wagner entlassen. Ludwig trat nun etwas aus seiner Einsamkeit heraus und verlobte sich auch 1867 mit der Herzogin Sophie von Bayern (der jetzigen Herzogin von Alençon); indes seit der Auflösung dieser Verlobung in demselben Jahr wurde Ludwig menschenscheuer denn je und hielt sich nur selten in München auf, meist auf Schloß Berg, den Sommer in Hohenschwangau und auf Linderhof.
Der Widerstand der klerikalen Partei gegen das Ludwig sehr sympathische Ministerium Hohenlohe und die Feindseligkeit derselben gegen seinen hochverehrten Lehrer Döllinger wegen dessen Opposition gegen das vatikanische Konzil drängten den König mehrfach, in den Fragen des Tags Partei zu ergreifen; doch war seine Beteiligung an den öffentlichen Dingen keine andauernde und gleichmäßig thätige. Von großer Bedeutung war sein Auftreten im Juli 1870 beim Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs, bei dem er rasch und entschlossen für Teilnahme auf seiten Preußens [* 24] eintrat.
Auch trug er im Namen der übrigen Fürsten und Freien Städte im Dezember König Wilhelm die Kaiserwürde an. Dagegen nahm er am Kriege gar nicht teil, besuchte Versailles [* 25] nie und ließ sich selbst beim Einzug seines Heers in München nur wenig sehen. Im höchsten Grad stolz und eifersüchtig auf seine königliche Würde und Souveränität, vermied er möglichst persönliche Berührungen mit dem neuen Kaiserhaus und gab seine Mißstimmung über Ovationen, die Gliedern desselben dargebracht wurden, gelegentlich in gereizter Sprache [* 26] zu erkennen.
Ebenso aber trat er im Oktober 1875, als die klerikale Kammermajorität, durch verschiedene Vorfälle siegesgewiß und übermütig gemacht, in einer Adresse das ihm genehme Ministerium Pfretzschner offen anklagte und vom König, dessen Person sogar auf unziemliche Weise in die Debatte gezogen wurde, Erfüllung ihrer Wünsche sehr entschieden verlangte, dieser taktlosen Anmaßung schroff entgegen, versicherte 1876 im Landtagsabschied das Ministerium seines unerschütterten Vertrauens und enttäuschte sehr unliebsam die ultramontanen Hoffnungen.
Dieser festen Haltung gegen die ultramontane Kammermajorität blieb er auch in den nächsten Jahren getreu. Dagegen steigerte sich seine Menschenscheu, so daß er selbst mit den Ministern nur schriftlich verkehrte und bloß Bediente und Ordonnanzen in seiner Umgebung duldete. Er lebte meist in Linderhof oder auf dem neuerbauten Schloß Neuschwanstein bei Hohenschwangau, das er mit großem Kostenaufwand erbaute. Auch auf Herrenchiemsee begann er einen großartigen Bau nach dem Muster des Versailler Schlosses und ließ dies Schloß wie Linderhof im Geschmack Ludwigs XIV., des »roi-soleil«, ausschmücken, den er schwärmerisch als sein Ideal verehrte.
Die ins Ungeheure anschwellenden Kosten der Bauten beachtete er nicht und überhäufte die Zivilliste mit immer wachsenden Schulden. Die Vorstellungen der Kabinettsräte dagegen wurden mit Entlassung beantwortet. Nachdem der Finanzminister Riedel 1884 die drückendsten Schulden durch eine Anleihe gedeckt hatte, steigerten sich nur die Bausucht und Verschwendungslust des Königs; er verlangte immer neue Millionen und erließ 1886 Verhaftsbefehle gegen die sich weigernden Minister. Um die Staatsgeschäfte kümmerte er sich gar nicht mehr.
Die Mitglieder des königlichen Hauses und die Minister mußten unter diesen Umständen eine Geisteserkrankung des Königs annehmen, und nachdem die Irrenärzte den Argwohn 8. Juni bestätigt hatten, übernahm Prinz Luitpold 10. Juni die Regentschaft, da der jüngere Bruder des Königs, Otto, gleichfalls geisteskrank war. Ludwig wurde von Neuschwanstein nach Schloß Berg gebracht, stürzte sich aber auf einem Spaziergang im Park 13. Juni den Starnberger See; sein Begleiter, der Irrenarzt Gudden, ertrank beim Versuch, ihn zurückzuhalten, gleichfalls. Die Sektion des Gehirns bestätigte die Vermutung unheilbarer Geisteskrankheit. Nomineller Nachfolger auf dem Thron [* 27] wurde sein Bruder Otto.
[Frankreich.]
19) Ludwig I., König von Aquitanien, römischer Kaiser, s. Ludwig 1).
20) Ludwig II., der Stammler (le Bègue), Sohn Karls des Kahlen und der Irmentrud, geb. 846, wurde von seinem Vater 867 zum König von Aquitanien ernannt und folgte ihm 877 in Frankreich. Er starb 10. April 879 in Compiègne. Er war vermählt mit Ansgarde von Burgund, die ihm Ludwig III. und Karlmann, sodann mit Adelheid, die ¶