Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03571.jsonl.gz/1850

Die Fortsetzung des 1977er Zeichentrickfilms The Rescuers („Bernard & Bianca“) wurde 1990 produziert und spielt, wie es der Titel verrät, in Australien. Nicht gerade erfolgreich in den Kinosälen (es scheint als sei damals das Konzept ein Sequel zu einem Disney Zeichentrick zu machen, eine Premiere für das Studio, nicht angekommen), verschwand auch die 35 Minuten Disney CD schneller als viele zugreifen konnten und wurde wie einst Shipwrecked von Patrick Doyle zu einer der gesuchtesten Scheiben. 2002 erschien eine Neuauflage mit 44 Minuten Dauer, wobei 9 Minuten davon Songs waren, somit nichts Neues von Bruce Broughton. Jetzt aber machte es Intrada richtig und brachte Ende Februar den gesamten Score inklusive drei Bonusstücken heraus.
Die CD beginnt nach dem dschungelhaft zünftigen, eher afrikanischen, denn australischen Einstieg („Main Title“) gleich mit dem verspielten Hauptthema („Answering the Call“, später zum ersten Mal richtig ausgebaut für das ganze Orchester in „Cody Rescues Marahute/At the Nest“), sehr Bruce Broughton’isch und einem Touch Homeward Bound. Hie und da war zu lesen, seine Komposition würde recht viel mickey mousing bedienen. Natürlich gibt es Stücke, die Richtung der Tradition à la Carl Stalling gehen, aber meist kleidet Broughton diese mit dramatischen und ausdrucksstarken Färbungen. Wenn man so sagen kann, hat Rescuers Down Under die Leichtigkeit von Homeward Bound und nicht den weitaus cartoonesquen Approach eines Honey I Blew Up the Kid -wenn auch Parallelen dazu dem Bösewicht in „McLeach’s Arrival“ zugedacht wurden, ein Teil der Komposition, der auf der alten CD kaum präsent war. Um dem Wunsch der Produzenten, allen voran Jeffrey Katztenberg, der damals von Paramount zu Disney gestossen ist, nachzukommen und einen möglichst „ethnischen“ Score zu fabrizieren, griff Broughton auf „fast alles zurück, auf das man schlagen konnte“, wie er im Booklet ausführt. Da aber Australien einer der Kontinente mit kaum einheimischem Instrumentarium sei, habe er sich von Afrika bis Südamerika beholfen. Ausserdem setzt Broughton das elektronisch gesteuerte EVI Blasinstrument prominent ein, so etwa als Farbe für Bernard und Biancas aufkeimende Beziehung.
Eine wirklich gelungene Produktion mit 63 Minuten Filmscore und eine Wohltat gegenüber den zu kurzen Vorgängern. Die drei Bonusstücke hat Broughton übrigens in einem anderen Studio aufgenommen, als die Macher hören wollten, wie es mit der Musik voranging. Diese fanden den Weg in den Film nicht, anders als der ebenfalls zuvor eingespielte „Frank’s Out!“.