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Der Erste Weltkrieg fand nicht nur in den Schützengräben statt, er erfasste auch Amtsstuben und Regierungsgebäude. Der Konflikt stellte die Staatenwelt vor neue Herausforderungen. Armeen mussten unterhalten, Wirtschaften auf die Produktion von Rüstungsgütern umgestellt, Engpässe bei der Versorgung bewältigt und die Moral aufrechterhalten werden. Dies führte an vielen Orten zu einer geradezu revolutionären Umschichtung der politischen Entscheidungsprozesse: Exekutiven und Militärs trafen in der Folge Entscheide ohne parlamentarische Kontrolle. Die Schweiz bildete hierbei keine Ausnahme. Während im August 1914 die Kriegsmaschinerie in Gang kam, übergaben die National und Ständeräte das Recht der Gesetzgebung in einem bislang beispiellosen Akt an den Bundesrat. Sie legten so den Grundstein für das sogenannte Vollmachtenregime, eine zwischen Demokratie und Diktatur angesiedelte Regierungsform, welche die Schweiz in den folgenden Jahrzehnten prägen sollte. Neben den Parlamentariern und dem Volk machten nun Beamte die Gesetze, Militärgerichte dehnten ihre Befugnisse in die Zivilgesellschaft aus und staatliche Institutionen griffen in Wirtschaft und Alltag ein.
Diese Publikationsreihe umfasst sechs Dissertationen zur Geschichte der Schweiz im Ersten Weltkrieg. Die Arbeiten verbindet ihre transnationale Perspektive, welche auf die vielfältigen Austausch- und Interaktionsprozesse zwischen der Schweiz und den kriegführenden Ländern fokussiert. Obwohl die Folgen des Ersten Weltkriegs für die weitere Entwicklung des Landes ausgesprochen wichtig waren, stand seine Erforschung lange im Schatten des Zweiten Weltkriegs und machte erst nach der Öffnung zahlreicher Archive seit den 1970er-Jahren Fortschritte. Hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs findet dieser Zeitraum nun auch in der Schweiz die ihm gebührende Aufmerksamkeit.