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Raphael Diaz (28) ist als erster Schweizer in einem Stanley-Cup-Finalspiel eingesetzt worden. Der Eintrag im Geschichtsbuch ist ihm sicher. Als René Botteron des Eishockeys.
Die Torhüter David Aebischer (Colorado) und Martin Gerber (Carolina) haben zwar den Stanley Cup gewonnen. Aber im Finale kamen sie nicht zum Zuge. Raphael Diaz ist der erste Final-Schweizer in der Stanley Cup-Geschichte. Er hat soeben die erste Partie in Los Angeles mit den New York Rangers in der Verlängerung (2:3) verloren.
Der Glarner war der auffälligste Schweizer Spieler der 1970er Jahre. Lange, wehende Haare, Stirnband und das Trikot flatternd über der Hose - so stürmte er aus dem Mittelfeld heraus auf der linken Seite nach vorne und wirbelte die gegnerischen Verteidigungen auf. Schmächtig (178 cm/71 kg), schnell, stürmisch, unbezähmbar. Er spielte nicht für die Galerie. Sondern für die Herzen. Ein Rebell wider Willen, der die Massen elektrisierte. («Bo-Bo-Botteron»). Er wollte nicht auffallen. Es war einfach seine Art, Fussball zu spielen. Mit seiner Art wäre im 21. Jahrhundert ein Superstar geworden wäre. Die Schweizer Antwort auf David Beckham.
René Botteron war 1973 vom Zweitligisten Glarus im Alter von 19 Jahren direkt zum FC Zürich in die NLA gekommen. Ein Jahr später debütierte er bereits im Nationalteam (65 Länderspiele) und mit 23 war er als Nachfolger von Köbi Kuhn Captain.
Abgesehen davon, dass Raphael Diaz auch früh in der NLA gespielt hat (mit 17), gibt es scheinbar keine Parallelen zu René Bottéron. Denn er ist kein Rebell wider Willen und kein spektakulärer Offensivspieler. Eher der Gegenentwurf zu René Botteron. Ein seriöser Facharbeiter der Hockeydefensive. Sein Spiel ist effizient aber eher unspektakulär.
Aber wie René Botteron ist er in seiner Sportart der erste Schweizer, der auf allerhöchster Klubebene zum Zuge kommt: Letzte Nacht spielte Raphael Diaz als erster Schweizer in einem Stanley Cup-Finalspiel.
Und es gibt weitere Parallelen. So wie der Künstler René Bottéron im eher rauen und auf der Offside-Falle basierenden Spiel von Standard Lüttich keine dominierende Rolle spielte, so ist auch Raphael Diaz bei den New York Rangers lediglich ein Rollenspieler. Er kam in seinem ersten Stanley Cup-Finalspiel auf 10:15 Minuten Einsatzzeit und machte seine Sache wie immer gut (kein Gegentreffer).
Es gibt noch weitere Parallelen. Schweizer Fussball-Karrieren im Ausland waren in den 1970er Jahren so wenig eine Selbstverständlichkeit wie heute Schweizer Hockey-Karrieren in der NHL. Und so wie Raphael Diaz im Laufe dieser Saison «herumgeschoben» worden ist – erst von Montréal nach Vancouver und schliesslich nach New York – so ist auch René Botteron durch Klubwechsel während der Saison zu seinem historischen Finaleinsatz gekommen. Während der Saison 1981/82 wurde der Glarner von Köln an Standard Lüttich ausgeliehen. Mit den Belgiern hat er dann am 12. Mai 1982 den Final des Europacups der Pokalsieger gegen Barcelona in Barcelona 1:2 verloren.
Es gibt noch eine Parallele. Für Raphael Diaz und René Bottéron ging der erste Finaleinsatz nach gutem Start verloren. Standard Lüttich führte gegen Barcelona 1:0 und verlor doch 1:2. Die Rangers führten letzte Nacht in Los Angeles 2:0 und verloren doch 2:3 n.V. Und schliesslich und endlich sind René Bottéron und Raphael Diaz bei ihrem Debüt auf höchster Klubebene gleich alt.
René Botteron blieb nicht in Lüttich. Er spielte noch eine Saison in Nürnberg und kehrte 1983 in die Schweiz zurück. 1987 hat er seine Karriere beim FC Basel beendet und arbeitet seither bei einer Basler Privatbank.
Also noch einmal eine Parallele. Es ist offen, ob Raphael Diaz in New York bleibt. Sein Vertrag (1,250 Millionen Dollar) läuft Ende Saison aus. Er hat gute Chance auf einen neuen NHL-Vertrag. Dass Raphael Diaz bei einer Rückkehr in die Schweiz dereinst wie René Botteron (FC Basel) beim wichtigsten Schweizer Klub landet (SC Bern), ist keineswegs auszuschliessen. Es wäre dann die letzte Parallele in den Karrieren von Raphael Diaz und René Botteron.