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Der Energiekonzern Groupe E hatte vor rund drei Jahren ein Millionenprojekt vorgestellt: eine unterirdische Verbindung zwischen dem Schiffenen- und Murtensee mit einem Wasserkraftwerk. Die Arbeiten hätten 2019 aufgenommen werden sollen. Am Freitagabend nun räumten Vertreter des Konzerns vor den Delegierten des Gemeindeverbandes des Seebezirks in Misery ein: Vor 2024 läuft nichts, und vor 2030 ist nicht mit einer Inbetriebnahme zu rechnen – falls das Projekt überhaupt durchstartet.
Denn Groupe E sei angesichts des tiefen Strompreises auf eine Finanzspritze aus der Bundeskasse angewiesen. Für geschätzte 350 Millionen Franken und mit einer Kapazität von 283 Gigawatt pro Stunde würde die grösste Anlage des Konzerns entstehen. «Das ist viel zu teuer für die heutigen Verhältnisse», sagte Lionel Chapuis, Chef Wasserkraftwerke bei Groupe E.
Das Projekt sei unterirdisch angelegt. Das Wasser werde im Schiffenensee bei Bärfischen gefasst. Vorgesehen sei ein Stollen mit einem Durchmesser von 7,2 Metern und einer Länge von neun Kilometern. Er führe unter Cressier und Courlevon vorbei nach Courgevaux. «Die Linie tangiert die Wohngebiete nicht», so Chapuis. Der Stollen verlaufe bis zu 110 Metern unter der Oberfläche. Auch umgehe er Wärmepumpensonden und Schutzzonen, etwa für Trinkwasser oder archäologische Stätten.
Der Stollen führe zu einem Kraftwerk unter dem Boden südlich von Gurwolf. Dieser sei über einen Spiraltunnel mit einem Eingang an der Oberfläche verbunden. Vor und nach dem Kraftwerk würde ein Reservoir gebaut, um Schwankungen zu kompensieren. Durch den Tunnel werde eine Stahldruckleitung mit fünf Metern Durchmesser gelegt. Sie ende in einem Rückgabeturm 300 Meter vom Ufer entfernt östlich des Grengspitzes in Merlach, weit ausserhalb der archäologischen Zone.
Die Ingenieure kennen zwar die Geologie, so Chapuis, nicht zuletzt auch aus Sondierungen für Wärmepumpen. Sie müssten durch Molasse bohren, die dafür gut geeignet sei. Doch vieles bleibe unklar. Groupe E habe die weiteren Kraftwerksbetreiber in der Region, BKW und Bielerseekraftwerke, in die Planung einbezogen und hoffe nun auf den Geldsegen aus Bern. Die Chancen stünden gut: Das Projekt erfülle die Forderungen der Energiestrategie 2050 und sei eine Lösung für die starken Schwankungen der Wassermenge der Saane. Und: «Wir wissen, dass der Murtensee einen Sauerstoffmangel hat und können das kompensieren.» Die tiefere Wassertemperatur und der höhere Sauerstoffgehalt würden zudem das Forellenwachstum fördern.
Rückschlag bei Arbeitszonen
Im offiziellen Teil hatte der Präsident des Gemeindeverbandes, Daniel Lehmann, ernüchternde Nachrichten für die Delegierten. Eine Umfrage habe ein unerwartetes Ergebnis gezeitigt: Die Gemeinden wollen die Arbeitszonen im Bezirk, darunter das grosse Projekt im Murtner Löwenberg, nicht über eine gemeinsame Trägerschaft erwerben, gestalten und managen. Der Verband hätte diese bezirksübergreifende Lösung vorgezogen. Dafür würden lokale Lösungen unter Einbindung von Privaten angedacht. Eine Arbeitsgruppe beschäftige sich nun mit der Frage, wie eine Aufteilung des grossen Projekts in mehrere kleinere vonstattengehen kann. So könne man sich vorstellen, so Lehmann auf Nachfrage, dass die Zone Löwenberg von den Standortgemeinden Murten und Muntelier, angrenzenden Gemeinden und privaten Grundeigentümern wie der SBB gemeinsam bewirtschaftet werden könnte.
Wie Lehmann schloss, werden die Gemeinden über das weitere Vorgehen informiert. Die Planung der Arbeitszonen sowie ihre juristische Bearbeitung gehen weiter – allerdings werde die Verantwortung nach und nach den regionalen Trägerschaften übergeben.
Eine gute Nachricht hatte der Verband dann doch noch parat: Der Staatsrat habe den lokalen Richtplan für den Seebezirk kürzlich gutgeheissen. Das Dossier werde nun verteilt.
Zahlen und Fakten
Verbandsbudget 2018 ist kleiner
Die Jahresrechnung 2016 des Gemeindeverbandes See schloss bei einem Aufwand von 458 000 Franken mit einem Plus von 2000 Franken. Die grössten Ausgabenposten waren die Planungsarbeiten für die Arbeitszone Löwenberg und der Beitrag an den Regionalverband See. Das Budget 2018 ist bedeutend kleiner: Die Zahlungen für die Planung der Arbeitszone und für den regionalen Richtplan nehmen ab. Laut Verbandspräsident und Oberamtmann Daniel Lehmann war von Beginn an geplant, dass sich der Verband aus der Finanzierung der Planungsarbeiten zurückzieht.