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Protest gegen das Narmada-Projekt
19. Oktober 2000
Das oberste Gericht Indiens hat gestern beschlossen, den Weiterbau des Sardar-Sarovar-Staudamms am Narmada-Fluss von 88 auf 90 Meter und anschliessend bis in Stufen bis auf 138 Meter zuzulassen. Die Erklärung von Bern ist enttäuscht und schockiert über diesen Entscheid. Wie die Entwicklungsorganisation dem indischen Botschafter in der Schweiz am Donnerstag in einem Brief mitteilte, widerspricht der Bau des Narmada-Projekts sämtlichen international anerkannten Standards, inklusive des unterdessen erreichten Konsenses in der Weltstaudammkommission. Der Staudamm könne seine offiziellen Ziele nie erreichen. Das Bündnis zur Rettung des Narmada habe sinnvollere alternative Bewässerungsprojekte vorgelegt. Die gesetzlich notwendigen Umweltabklärungen seien nie vorgenommen worden. Vor allem sei die Umsiedlung und Entschädigung der mehreren 100'000 betroffenen Menschen nicht möglich.
Die indische Bewegung zur Rettung des Narmada hat unterdessen angekündigt, weiterhin “mit Zähnen und Klauen” gegen den Bau des Staudamms zu kämpfen. Sie forderte zudem den indischen Präsidenten auf, seine verfassungsmässige Verpflichtung wahrzunehmen und gegen den Staudamm zu intervenieren, um die betroffene Adivasi-Bevölkerung zu schützen. In ihrem Brief an den indischen Botschafter unterstützt die Erklärung von Bern diese Forderung.
Der Sardar-Sarovar-Staudamm ist das grösste Projekt eines gigantischen Staudammprogramms am indischen Narmada-Fluss. Die ersten Bauarbeiten begannen 1985. Nach der Veröffentlichung eines kritischen Untersuchungsberichts der so genannten Morse-Kommission zog sich die Weltbank 1993 unter dem Druck der öffentlichen Proteste von der Finanzierung zurück. Im Januar 1995 erreichte die Bewegung zur Rettung des Narmada, dass das oberste Gericht Indiens die Einstellung der Bauarbeiten verfügte. Die Erklärung von Bern engagiert sich seit 1992 - unter anderem in Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin Arundhati Roy - gegen den Bau des Sardar-Sarovar-Projekts und anderer Staudämme am Narmada-Fluss.