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Er gilt nicht nur für die Süddeutsche Zeitung als «einer der kritischsten, scharfsinnigsten und humorvollsten Geister der Republik. Seit Jahren teilt er als Erbe der grossen Satiriker von Tucholsky bis Karl Kraus in Titanic, TaZ und Co. aus: mal mit dem Florett, mal mit dem schweren Säbel, mal bitterböse polemisch, mal feingeistig-poetisch»:
Wiglaf Droste hatte schon eine beträchtliche Anzahl Werke veröffentlicht, und war stolzer Herausgaber der vierteljährlich erscheinenden kulinarischen Kampfschrift «Häuptling Eigener Herd», als ihm das Spardosen Terzett, welches sich vorsorglich schon 1990 schwarze Anzüge und teure Schuhe besorgt hatte, 1998 mit der Idee einer Zusammenarbeit nahetrat.
Ursprünglich gegründet 1989 von einem exmatrikulierten Musikstudenten, einem übergewichtigen Tennislehrer, und einem arbeitslosen Postboten, um gemeinsam Strassenmusik zu machen, hatte die Band, deren musikalisches Fundament aus einem Kontrabass und einem Baby-Schlagzeug bestand, ihr Indoor-Debut in der Essener Kneipe «Zur Spardose», daher der Name.
Dank ihrer gepflegten Erscheinung, und dem Abwechslungsreichtum, den der dritte im Bunde immer wieder gewährte, indem er gleich mehrere Instrumente zu beherrschen gelernt hatte, mehrten sich bald auch ernstzunehmende Engagements bei Jubilaren, Autokonstrukteuren, Brautvätern, auf erst kleineren und immer wie grösseren Jazz-Bühnen, Politik und Grossunternehmen entdeckten das Spardosen Terzett für werbewirksame Aktionen, das Fernsehen begann sich für das Unternehmen zu interessieren.
Überdies wurden 1998 auch die Spardosen-Studios eingerichtet, und so lag denn eine Zusammenarbeit mit Wiglaf Droste in der Tat nahe, sassen doch alle irgendwie auf dem selben untergehenden Dampfer. Das Orchester orchestrierend, der Autor kommentierend, würden die vier fortan das Publikum des unglückseligen Schiffes zumindest unterhalten.
Dabei wurden, im neuen eigenen Studio, zuerst in der 1999 erschienen «Conny Kramer Story», welche ausnahmslos eigene Lieder enthielt, später zusammen mit Wiglaf Droste mit «Für Immer», kleine Archen des Humors in den Ozean der Zeit gesetzt, diesen in der Form von Tonträgern für die Nachwelt bewahrend.
Darüberhinaus, und neben einigen inzwischen veröffentlichten Perlen mehr, haben die vier auch schon auf zahlreichen und ausgedehnten Touren die Härten des Gewerbes reisender Musikanten an den eigenen Leibern erfahren, vom übermässigen Alkoholkonsum über die Orientierungssuche in der fremden Stadt, eingepfercht in einen zu kleinen Bus zusammen mit den Instrumenten, hin zur schmerzhaft grossen Entfernung vom eigenen Herd; immer wieder haben sie jedoch als Lohn mit sich nehmen können, auch anderswo, gar ausserhalb der heimatlichen Republik, das geneigte Publikum mit einem noch breiteren Grinsen von ihren Konzerten gehen zu sehen, als sie es dahin mitgebracht haben.
Sei es, dass gewichtige politische Themen aufgegriffen werden, wie die «mediale, multiple Ölpfütze von Mann» in «Basta, Berlusconi!», sei es, dass mittels der Schilderung des harten Tourlebens, wie im Stück «Vogelheim», Rätsel aus der Welt der populären Musik geklärt werden: Immer sind ihre Auftritte von einem wohltuend abgrundtiefen Unterhaltungswert, wie ihn keine Fernsehstation zu keiner Sendezeit zustandebringt, und beweisen, dass ernsthaft Musik zu machen nicht unbedingt bedeuten muss, ernsthafte Musik zu machen.