Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03388.jsonl.gz/446

Orgelbau Th. Kuhn AG, 1995
Restaurierung
www.orgelbau.ch/op=801030
II/P/38
Österreich, Oberösterreich
Stadtpfarrkirche
Orgelbau Th. Kuhn AG, 1995
Restaurierung
Authentisches Klangdokument
Die Josef Mauracher Orgel aus dem Jahr 1905 in der katholischen Stadtpfarrkirche zum Hl. Michael in Schwanenstadt (Oberösterreich) ist ein authentisches Klangdokument für die kirchenmusikalische Praxis an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Die 38 Register verteilen sich auf zwei Manuale und Pedal und stehen auf pneumatisch gesteuerten Hängeventilladen. Die Pfarrchronik berichtet, dass während der Aufstellungsarbeiten am neuen Instrument der Wagner Wirt noch eine zusätzliche Stimme spendierte, die Oboe im Oberwerk als 38. Register. Auf eine eigene Windlade gestellt ist sie die einzige Zungenstimme in den Manualen. Die Register der beiden Manuale sind je auf zwei übereinander liegenden Windladen platziert. Die beiden Manualwerke sind nebeneinander angeordnet. Nebeneinander platziert sind auch die beiden Pedalladen an der Rückwand der Orgel.
Die Pedalregister sind durchwegs als Auszüge konzipiert mit gemeinsamen Pfeifen für die 16- und 8-Lage (bzw. 8 und 4 bei Cello und Fugara). Auffallend ist, dass das Konzept, ein kräftiges und ein schwaches Streicherregister in jedes Manual zu setzen, auch im Pedal durchgezogen wurde. In der 4 ' - Lage finden sich jeweils ein Principal, eine Flöte und ein Streicher in beiden Manualen. Die Pfeifenreihen sind auf den Windladen chromatisch aufgestellt.
Die Charakteristik und Kombination der einzelnen Stimmen zählt die zeitgenössische Schildknecht-Orgelschule ausführlich auf: Man könnte fast meinen, das Schwanenstädter Instrument wäre als exemplarisches Demonstrationsobjekt für die dortigen Beschreibungen erbaut worden.
Aufgrund ihres guten Erhaltungszustands - die Pneumatik war verlässlich, Pfeifen und Windladen waren nicht vom Holzwurm befallen - bestand in der Folge keine Notwendigkeit, das Instrument zu entfernen, und so überstand die Orgel die Jahre der Barock-Euphorie nahezu unbeschadet. 1986 empfahl OBM Wolfgang Rehn, Orgelbau Th. Kuhn AG, in einer Expertise eindringlich, das Instrument zu erhalten.
1995 wurde die Orgel durch die Firma Kuhn vollständig zerlegt, generalüberholt und gereinigt. Dabei wurden frühere Umbauten wieder rückgängig gemacht: die Gambe im II. Manual, die Prospektpfeifen des Principals aus beiden Manualen mit Zinn-Pfeifen und der zweite Doppelfaltenbalg wurden rekonstruiert, sowie ein neuer Motor eingebaut. Die stillgelegte Balg-Tretanlage wurde jedoch nicht wieder in Betrieb genommen. Der Ersatz der Membranen bei den Winkeln zur Steuerung der Tonventile durch Keilbälgchen verbesserte die Pneumatik deutlich. Die Intonation im Sinne des romantischen Klangbildes nahm der Intonateur Raymond Petzold, Orgelbau Th. Kuhn AG, vor. Die Stimmung ist nun 435 Hz bei 16° C.
Text: Markus Himmelbauer, Schwanenstadt
Bild: Franz Pucher