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Serien
Für Florio Puenters „Brünig“ führte Wilhelm Lother eine vom Fotografen gefundene Aufnahme über die Reproduktion des Bildes in mehrmaliger Retusche zu den Extremwerten der Fotografie: Entstanden ist ein Abzug in Schwarz und Weiss, der stärker auf das Medium der Fotografie verweist, als auf die idyllische Landschaft, deren Ursprung das Bild ist. Florio Puenters künstlerische Arbeit ist vom Transfer geprägt: Mit der Grossbildkamera analog aufgenommene Bilder von Landschaften digitalisiert und retuschiert der Künstler, belichtet das Ergebnis wiederum aus, damit Wilhelm Lother von diesem Abzug eine Reprofotografie machen kann, die hernach grossformatig auf Cibachrome ausbelichtet wird. Die so entstehenden Fotografien erinnern an Sujets aus Werbeprospekten oder an historische Landschaftsaufnahmen. Sie entziehen sich jedoch einer klaren Zuordnung: Zu stark ist bei der genauen Betrachtung die Irritation, die die Eingriffe des Künstlers in die Landschaft zu erzeugen vermögen.
Cibachrome-Mappe 3)/2015
Die Geschichte des Fototrägers „Cibachrome“ beginnt in den 1960er Jahren mit einem Forschungszentrum der Basler Ciba in Marly bei Fribourg. Lanciert in den 1970er Jahren, ebnete Cibachrome der Farbfotografie den Weg in die Museen. Denn bis in die 1990er Jahre hinein hatte die Fotografie als Kunst einen schweren Stand und als künstlerische Fotografie galten sowieso nur die schwarz-weissen Barytabzüge. Erst als sich eine neue Generation von Fotografinnen und Fotografen ab den 1980er Jahren für die Farbe im Bild und die Auseinandersetzung mit populären Bildsprachen zu interessieren begann, fand die Farbfotografie langsam den Weg in die Kunst. Bis heute steht Cibachrome als fester Begriff für überragende Farbsättigung, auch die Brillanz des Bildträgers ist unübertroffen. Weiter garantiert das Verfahren langfristig lichtechte Farben. Dies, da beim Cibachrome die Farbstoffe (Gelb, Purpur, Blaugrün) und das Bildsilber (Silberhalogenide) direkt in Polyester eingegossen sind und über ein Silberfarbstoff- Bleichverfahren oxidiert, bzw. fixiert werden. Doch 2011 wurde die Cibachrome-Produktion aufgrund sinkender Nachfrage eingestellt, die Ilford Imaging Switzerland SA, die das Verfahren ab 1996 unter dem Namen «Ilfochrome» verkauft hatte, musste Ende 2013 Konkurs anmelden. Denn auch wenn bei Cibachrome auf digitalem Weg belichtet werden kann: Heute verfügen die meisten Fotografinnen und Fotografen über eine rein digitale Infrastruktur, die es ihnen ermöglicht, ihre Abzüge im eigenen Atelier einfach selbst zu produzieren. Dem gegenüber steht Cibachrome als ein äusserst anspruchsvolles Bildmedium, das die Fähigkeiten einer versierten Laborantin, eines versierten Laboranten benötigt und entsprechend teuer ist. Auch wandeln sich ästhetische Moden – so folgte dem gesättigten, dem Zeitgeist der 1970er und 1980er Jahre entsprechenden Cibachrome-Look die Ästhetik der Knipsfotografie. Mit dieser Entwicklung kamen blassere Farben auf. Dem konnte oder mochte Ilford nicht folgen: In der Farbgestaltung wurden keine Anpassungen vorgenommen, leuchtende Farben blieben das Markenzeichen von Cibachrome. Es sind die Farben, die wir heute mit der Werbung und der Kunst der 1980er Jahre verbinden. Dennoch arbeiten bis heute eine Reihe von Künstlerinnen und Künstlern genauso wie einzelne hochspezialisierte Fotolabore mit den Restposten der letzten Cibachrome-Produktion. In Zürich ist dies der Fotolaborant Wilhelm Lother (*1935), ausgebildeter Retuscheur mit eigenem Labor in Adliswil. Lother, der 1954 für eine Stelle bei Conzett & Huber von Deutschland in die Schweiz migrierte, ist seit Anfang der 1960er Jahre mit dem Verfahren vertraut. Während seiner Karriere arbeitete er sowohl für die Fremdenverkehrsagentur der UdSSR, wie auch über sein Handwerk der Bildtransformationen (so in der Übertragung von Polaroids auf Dia) für diverse Künstlerinnen und Künstler. Wilhelm Lother wird sein Fotolabor im Frühling 2015 auflösen. - Text: Hili Leimgruber & Mara Züst.