Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03209.jsonl.gz/1156

kommen in Kanada nicht selten vor; selten dagegen sind hellgelbe, ganz weiße und schwarze. Die
Felle junger
Tiere sind überall
die teuersten, da ihr
Haar am feinsten und glänzendsten ist und sie sich am leichtesten färben lassen. Neuerdings hat man
für die B. eine neue Art der Verwendung gefunden; es wird nämlich auf einer besondern
Maschine das Oberhaar
gänzlich entfernt und so gleichsam das
Fell eines neuen
Tieres erhalten, das ein schönes leichtes und seidenartiges Pelzwerk
für Frauentracht gibt, woran morgen- wie abendländische Damen Gefallen finden. Die
Felle ausgewachsener Biber sind bis zu 1 m
lang. Am besten ist die Ware, wenn die
Tiere im Winter gefangen wurden (Winterbiber). Gefangen werden
jährlich circa 30000 Stück in Asien und Alaska und 130000 Stück in Nordamerika. - Zollfrei.
(Castoreum); Artikel des Droguenhandels, besteht aus den getrockneten Beuteln, welche zu je zwei, sowohl
beim männlichen, als auch beim weiblichen Biber sich in der Nähe der Geschlechtsteile unter der Haut
finden und im frischen Zustande eine weiche und schmierige Masse enthalten, die ausgetrocknet hart, braun und zerreiblich
ist und einen durchdringenden, starken Geruch besitzt. Die Beutel sind aus vier übereinander liegenden
Häuten gebildet.
Das B. wird nur medizinisch verwendet, jetzt aber viel weniger als früher.
Man unterscheidet zwei Sorten, das B. der alten Welt, vom europäischen Biber (Castor Biber) und das der neuen Welt vom nordamerikanischen
Biber (Castor americanus); beide zeigen einen sehr bedeutenden Preisunterschied, während das letztere, gewöhnlich kanadisches
B. (Castoreum canadense) genannt, je nach Qualität bei uns 40-90 Mark pro Kilo kostet, ist der Preis
des europäischen 1100 M. pro Kilo. Letzteres führt allgemein den Namen sibirisches oder russisches B. (Castoreum sibiricum
oder moscoviticum), da Deutschland jetzt so gut wie nichts mehr liefert, sondern hauptsächlich Rußland und Sibirien.
Beide Sorten unterscheiden sich durch folgende Merkmale: Während die Beutel des sibirischen B. oval
und wenig zusammengedrückt erscheinen, auch nicht runzelig und zusammengeschrumpft sind, besteht das kanadische B. aus mehr
birnförmigen, flachgedrückten Beuteln mit runzeliger Haut;
bei dem sibirischen lassen sich die beiden äußeren
Häute bequem
ablösen und in der Mitte des Inhalts ist eine Höhlung, welche bei dem kanadischen fehlt, bei dem sich
auch die
Häute nicht ablösen lassen.
Der Inhalt der sibirischen Beutel ist braun, niemals glänzend oder harzig, sondern
fast erdig, während derjenige der kanadischen Beutel rotbraun und auf dem Bruche harzartig glänzend ist; auch ist der Geruch
des letzteren bedeutend schwächer. Die Menge des kanadischen B., welche durch die Hudsonbay-Gesellschaft
alljährlich auf den Londoner Markt gebracht wird, beträgt immer noch 500 bis 2500 k; dasselbe wird in jährlich zwei Auktionen
(August und Dezember) verkauft. - Zollfrei.
(lat. cerevisia, franz. bière, engl.
beer, ital. birra); ein aus gemalztem
Getreide bereitetes, der
geistigen Gärung unterworfen gewesenes und noch sehr langsam
fortgärendes Getränk, welches in großem Maßstabe in den Brauereien erzeugt und oft weithin versendet wird. Die Materialien,
aus denen man das B. herstellt, sind Wasser,
Getreide und
Hopfen. Am geeignetsten zum Bierbrauen ist die
Gerste und diese wird
auch am häufigsten hierzu verwendet; für manche Sorten setzt man nochWeizen,
Hafer oder etwas
Reis zu.
Die
Gerste wird zunächst in
Malz umgewandelt, indem man sie nach dem Einquellen in Wasser auf der Keimtenne ausbreitet und
hier so lange liegen läßt, bis die Würzelchen hervorbrechen und ungefähr die 1½ fache Länge des Kornes erreicht haben.
Hierauf unterbricht man die Keimung und trocknet die Körner, welche nun
Malz heißen, zunächst an der
Luft ab (Luftmalz); nicht immer, aber gewöhnlich wird das
Malz dann noch einer höheren Temperatur ausgesetzt (Darrmalz),
wodurch es haltbarer und aromatischer wird. Für dunkele B. wird ein Teil des
Malzes so stark wie
Kaffee geröstet, es ist
dies das Farbmalz. Die Umwandlung der
Gerste in
Malz hat den Zweck, das darin enthaltene Stärkemehl bei
dem nun folgenden Einmaischen mit Wasser in
Dextrin und
Zucker zu verwandeln.
Zuvor wird das
Malz noch grob gemahlen (geschroten). Da die
Gerste sich am besten zum
Malzen eignet und schon eine geringe Menge
davon hinreichend ist, um eine große Menge
Stärke in der angegebenen Weise umzuwandeln, so wird gewöhnlich
nur
Gerste gemalzt und das übrige
Getreide, falls man solches verwendet, in ungemalztem Zustande zugesetzt. Das Einmaischen
muß so geleitet werden, daß sämtliche
Stärke in
Dextrin, aber nur ein Teil des letzteren in
Zucker verwandelt
wird.
Der hierbei sich bildende
Zucker wird Maltose genannt und der Stoff, welcher beim Keimen der
Gerste sich bildet und beim Maischen
diese Umwandlung bewirkt, Diastase. Die Maische wird dann von den Trebern getrennt und im Braukessel gekocht, wobei zugleich
der
Hopfen zugesetzt wird; die so erhaltene Flüssigkeit heißt nun Würze. Die Methoden des Maischens
und Würzekochens sind sehr verschieden und lassen sich in zwei Hauptmethoden, das Infusions- und das Dekoktionsverfahren
zusammenfassen.
Die gekochte Würze muß möglichst schnell und gut abgekühlt werden; dann bringt man sie in die Gärbottiche, setzt
Hefe
zu und leitet so die Gärung ein. Die gegorene Würze heißt dann Bier. Durch die Gärung wird der vorhandene
Zucker (Maltose) zum größten Teile in
Alkohol und Kohlensäure zersetzt. Je nachdem die Gärung geleitet wird, unterscheidet
man untergärige und obergärige Biere; bei ersteren setzt sich die
Hefe, welche während der Gärung neu gebildet wird und
durch deren Wachstum die Gärung überhaupt eingeleitet und fortgeführt wird, hauptsächlich unten am
Boden ab, bei letzteren, den obergärigen B. dagegen scheidet sie sich oben ab. Selbstgärende Biere - ohne Hefezusatz
- werden nur in Belgien gebraut, sie haben stets einen säuerlichen Geschmack. Nach der Hauptgärung hat das B. noch eine
langsamer und ruhiger verlaufende Nachgärung durchzumachen; dieselbe
¶
mehr
findet bei untergärigem B. auf möglichst großen Lagerfässern statt (Lagerbier). - Die verschiedenen Sorten von B. werden
teils nach den Ländern oder Städten benannt, aus denen sie stammen, so z. B. Bairisch B., Böhmisch
B., Nürnberger B., Berliner Weißbier u. s. w. teils führen sie besondre Namen, wie: Bockbier, Salvatorbier, Porter, Ale,
Gose u. s. w. - Das fertige Bier enthält außer Wasser Alkohol, Kohlensäure, Dextrin, gebräunte Eiweißstoffe,
die Extraktivstoffe des Hopfens, sowie kleine Mengen von Zucker, Glycerin, organischen Säuren und anorganischen Salzen.
Der Alkoholgehalt schwankt gewöhnlich zwischen 2 und 5 Proc., steigt bei Ale und Porter bis zu 8 Proc. Der Extraktgehalt,
d. h. die Menge aller nichtflüchtigen Bestandteile, welche beim Verdampfen
einer Probe B. zurückbleiben, beträgt meistens 5 bis 6 Proc., bei Bock und Salvator circa 9 Proc., bei manch anderen B. noch
mehr. Ein gutes B. muß eine vollständig klare, schäumende Flüssigkeit sein, die, wenn nur aus gewöhnlichem Darrmalz
dargestellt, eine hellgelblich-braune Farbe besitzt.
Die obergärigen Weizenbiere sind noch heller und werden Weißbier genannt. Dunkelbraunem B. erteilt man diese Farbe durch
Zusatz von Farbmalz, häufiger aber noch durch Zuckerkouleur (gebranntem Zucker). Malzsurrogate, außer Kouleur, wie z. B.
Stärkezucker, Stärkesyrup, werden jetzt sehr wenig noch verwendet, da sie mit versteuert werden müssen. Ebenso dürfte
der Zusatz fremder Bitterstoffe an Stelle des Hopfens jetzt bei weitem seltener vorkommen, als früher.
Das B. muß in Kellern aufbewahrt werden, die eine möglichst gleichmäßige Temperatur von 4 bis 5° R. besitzen. - Bier
ist im Laufe der letzten Jahrzehnte ein sehr bedeutender Handelsartikel geworden und die Produktion hat sehr
zugenommen, dagegen hat sich die Zahl der Brauereien vermindert, indem viele kleinere eingegangen sind.
Die größte Brauerei auf dem Kontinente ist die in Schwechat bei Wien, nächstdem einige andere große Brauereien in Wien
und München. Die größten Brauereien sind jedoch in England. In dem Gebiete der deutschen Brausteuergemeinschaft (hierzu
gehören nicht mit: Baiern, Würtemberg, Baden, Elsaß-Lothringen und Luxemburg) waren 1879 überhaupt 12742 Brauereien
vorhanden, von denen 10117 gewerbliche und 1750 nicht gewerbliche, zusammen also 11867 in Betrieb waren, während 875 ruhten.
Während im Jahre 1872 in 14157 Brauereien 16102179 Hektol. Bier erzeugt wurden, so wurden
im Jahre 1878/79 in nur 11867 Brauereien 20371925 Hektol. B. gebraut. Für
das gesamte deutsche Reich wird das erzeugte Bierquantum in jenem Jahre auf 38464000 Hektol.
angegeben. Österreich-Ungarn produzierte 1879 in 2297 Brauereien 11180681 Hektol. Bier, gegen 1878 um 142763
Hektol. weniger. Was die übrigen Länder anlangt, so produzieren in Hektol.
Großbritannien und Irland: 45000000, Belgien: 7866000, Frankreich: 7500000, Rußland: 2214000, Holland: 1528000
Hektol. In den Vereinigten Staaten, wo man sich bisher nur auf die Erzeugung von Porter und Ale beschränkte, verbreitet sich
seit mehreren Jahren
schon die Brauerei von bayrischen und österreichischen Biersorten immer mehr; es waren dort 1875 schon 2783 Brauereien
thätig. - Auch in Brasilien und in Japan existieren schon einzelne Brauereien. - Im Deutschen Reiche
belief sich die Ausfuhr von B. im Jahre 1878 auf 2017129 Zentner, gegen 1688362 Zentn. in 1877, die Einfuhr
dagegen auf 290154 Zentn. gegen 307514 Zentn. in 1877. - Die größeren Brauereien, welche B. oft weithin
versenden, haben auf den Eisenbahnen jetzt fast alle ihre eigenen verschlossenen Biertransportwagen, im Sommer mit Eiskühlung;
man gibt ihnen gewöhnlich einen weißen Anstrich, weil die weiße Farbe die Sonnenstrahlen nicht so absorbiert, wie die
dunkeln. Eine ganz bedeutende Ausdehnung hat seit dem letzten Jahrzehnt das Flaschenbiergeschäft genommen; man erhält jetzt
in allen größeren und mittleren Städten verschiedne Sorten Lagerbier, bayrisch und böhmisch Bier in Flaschen in das Haus
geliefert. B. aller Art zahlt 4 M. Eingangszoll. S. Tarif im Anh. Nr. 25 a.
(Quincaillerien, Kurze Waren, frz. Bijouteries, Ioailleries, Schmucksachen;
engl. Jewelry); so heißen metallene kleinere Schmuckwaren aus edeln wie
aus unedeln Metallen und Legierungen, zum Teil in Verbindung mit Edel- oder Halbedelsteinen, Emaille, Glasflüssen u.
dgl. In Frankreich werden zur B. auch Gebrauchswaren größern Formats, wie Dosen,
Leuchter, Uhrgehäuse u. dgl. gerechnet. Die echte
B., sonst die Arbeit des Juweliers, ist jetzt ebensowohl Gegenstand des Fabrikbetriebs geworden als die
unechte, die letztere allerdings in noch bedeutendem Maßstabe.
Das Bijouteriefach verbindet wie kaum ein anderes eine Menge von Arbeitsbranchen zu seinen Zwecken, wie Gießen, Walzen,
Prägen, Ausschlagen, Treiben, Löten, Schleifen, Polieren, galvanische Vergoldung und Versilberung, Verkupferung und Vernickelung,
kurz alle Art galvanischen Niederschlags auf den metallenen Kern, Schmelzarbeit und Malerei, Gravieren,
Guillochieren, Nielliren und Filigran wie Drahtarbeit, Steinschleifen und -Fassen, verschiedene Arbeiten um die Farben der
Metalle zu erhöhen oder zu verändern u. s. w. Die Fabrikation echter B. verwendet als
Hauptmaterial Gold, indes das Silber wegen der geringen Haltbarkeit seines Glanzes eine untergeordnete Rolle spielt.
Die unechten Waren suchen auch meistens das Gold nachzuahmen, indem sie Legierungen wie Messing und Bronze
zur Grundmasse verwenden und diese mit einem Häutchen von Gold überkleiden. In Frankreich hat man ein neues und schönes
Material die Aluminiumbronze. Der Stoff der unechten Schmuckwaren ist oft sehr geringwertig und der größte Teil ihres Preises
besteht aus Arbeitslohn. Spezialitäten von B. sind solche von Stahl und Gußeisen. Der Stahl empfiehlt
sich zur Schmuckware in der einen Hinsicht, daß ihm durch Polieren ein außerordentlich hoher Glanz gegeben werden kann,
freilich von wenig Dauer. Die Mode hat diesen Putz zu verschiedenen Malen in den Vordergrund gerückt und wieder fallen
lassen. Neuerdings hat ihn Italien wieder
¶
mehr
aufgenommen. Der Eisenschmuck, der sich etwas dauernder in Gunst zu halten scheint, hat in Berlin seinen Ursprung genommen
und eine vorzügliche Ausbildung erhalten. Die gewöhnlichen echten und unechten Schmuckwaren werden in Frankreich, richtiger
nur in Paris in großer Menge und sehr geschmackvoll fabriziert; in England zeichnen sich London und Birmingham
in diesem Artikel aus, während in Deutschland die Industrie in echten und unechten Waren sich hauptsächlich in Pforzheim,
Hanau, Stuttgart, Schwäb. Gmünd, Nürnberg, Fürth konzentriert. Die deutsche Industrie hat gute Fortschritte gemacht und
steht in manchen Zweigen hinter der französischen durchaus nicht zurück. Namentlich im letzten Jahrzehent hat Deutschland
einen großen Fortschritt in der Erzeugung von B. gemacht. - Zoll: B. aus Eisenguß s.
Tarif im Anh. Nr. 6 e 3 a, aus Stahl Nr. 6 e 3 β;
aus Messing und ähnl. Kupferlegierungen Nr. 19 d 3; fein gearbeitete aus Nickel Nr. 20 b 2; aus echt vergoldetem oder
versilbertem unedlem Metall Nr. 20 b 1, aus Gold oder Silber Nr. 20 a.
(Totenblumenkraut, Teufelsauge, Gichtkraut; Hyoscyamus niger, franz. la
hannebane, jusquiane, engl. Henbane, Hog's-Bean); die von zweijährigen Pflanzen zu Anfang der
Blütezeit gesammelten und getrockneten Blätter von Hyoscyamus niger, einer in ganz Mitteleuropa wildwachsenden Giftpflanze.
Die großen, schlaffen, weichen, zottigen Blätter sind buchtig gezahnt, graugrün, besitzen einen widerlich
betäubenden Geruch und scharfen, bittern Geschmack. Die Bilsenkrautblätter müssen alle Jahre erneuert werden und sind
an dunkeln und trockenen Orten aufzubewahren. Der wirksame Bestandteil ist das giftige AlkaloidHyoscyamin. Das B. wird in
Apotheken verwendet, man stellt daraus ein Extrakt(ExtractumHyoscyami) dar; an das Publikum darf B. von
den Droguisten im Kleinhandel nicht abgegeben werden. - In der Gegend von Gernrode, Quedlinburg, Ballenstädt wird das B. für
medizinische Zwecke angebaut. - Zollfrei.
(lat. lapis pumicis oder pumex, franz. pierre-pouce,
engl. pumice-stone); äußerst poröses und daher leichtes vulkanisches Gestein,
welches durch Erstarrung von geschmolzenen, von Dämpfen und Gasen schaumig aufgetriebenen Obsidian entstanden ist; gewöhnlich
von weißer oder grauer Farbe. Das Vorkommen von B. ist an die Vulkane gebunden, wo er sich teils in Form loser Auswürflinge,
teils in Verbindung mit Obsidian- und Perlitströmen findet. Der meiste kommt von den Inseln Lipari in
Italien und Santorin in Griechenland. Der B. wird teils in ganzen Stücken, teils als Pulver zum Schleifen und Polieren verwendet;
Bimssteinpulver benutzt man ferner zur Bereitung der Bimssteinseife für Arbeiter. B. ist zollfrei. - Man macht auch sogenannten
künstlichen B.
eine braunschwarze, ziemlich
dickflüssige Masse von eigentümlichem Gerüche, wird in Rußland in großer Menge durch trockene Destillation der Birkenrinde
bereitet und bei der Herstellung des Juchtenleders verwendet,
welches hierdurch seinen aromatischen Geruch erhält.
Aus dem
B. erhält man durch Destillation das Birkenteeröl, welches frisch bereitet gelblich und klar ist, sich
aber bald braun färbt. - Zollfrei, ebenso das B.öl.
Das Ondatra oder die kanadische Bisamratte, nach Gestalt und Lebensweise einer großen Wasserratte gleichend,
lebt in Nordamerika, besonders im englischen, in allen Gewässern und wird an den Seen ihres Pelzes willen jährlich zu Millionen
gefangen. Vor einem Menschenalter waren die 30 cm langen, hellbraunen, rotgrauen bis schwarzen Felle noch
kein eigentlicher Pelzartikel, sondern die Haare wurden mit denen von Hasen und Bibern zu Hüten verarbeitet. Nachdem die
Seidenhüte die filznen verdrängt und die B. dadurch fast wertlos geworden, suchte man dieselben als Pelzwerk in Aufnahme
zu bringen, was anfangs wegen ihres Moschusgeruches etwas schwierig war. Jetzt ist man dessen gewöhnt
und der Bisam ist in Deutschland wie außerhalb ein vielgebrauchter Artikel zu Pelzen, Kragen und Muffen. In Leipzig werden
jährlich über 3 Mill. Felle umgesetzt, zu 75-300 Mark die 100 Stück. - Aus Rußland (Sibirien) kommen von einer
kleinem Wasserratte schön schwarze Fellchen mit silbergrauem Bauch, die besonders geschätzt sind. - Zollfrei. Waren daraus
gemäß Tarif im Anh. Nr. 28 a bezw. Nr. 28 b.
(Oleum Amygdalarum amararum aethereum, frz. Essence d'Amandes amères, engl.
oil of almonds). Unter diesem Namen versteht man im Handel immer das aus den bittern Mandeln gewonnene,
stark riechende ätherische Öl, während das geruchlose fette Öl der bittern Mandeln stets als süßes Mandelöl verkauft wird.
Das B. ist in den bittern Mandeln nicht fertig gebildet enthalten, sondern entsteht erst aus dem darin enthaltenen Amygdalin
(s. d.) beim Zusammenbringen der Mandeln mit einer genügenden Menge Wasser. Man preßt zunächst das
fette Öl ab, rührt den Rückstand mit kaltem Wasser an und destilliert dann mit Dampf das entstandene Öl ab. Nebenbei erhält
man Bittermandelwasser, welches den Geruch des B. besitzt, da sich eine kleine Menge von demselben in den mit
¶
mehr
übergehendem Wasser löst. Sowohl das B., als auch das Bittermandelwasser sind blausäurehaltig und daher giftig; die Blausäure
stammt aus dem Amygdalin, die Menge derselben ist schwankend. Der Hauptbestandteil des B. ist das Benzaldehyd oder der Benzoylwasserstoff.
- 1000 Teile bittere Mandeln geben 7 bis 8 Teile ätherisches Öl. Dasselbe ist anfangs farblos, wird aber
bald gelb, es bricht das Licht stark, ist schwerer als Wasser, siedet bei 180° C. und löst sich leicht in Alkohol; vom Wasser
braucht es ungefähr 300 Teile zur Lösung.
Man bezieht das B. gewöhnlich aus Oberitalien und dem südlichen Frankreich; sehr häufig ist es mit
Pfirsichkernöl vermengt, das sich chemisch von dem B. nicht unterscheiden läßt. Man muß das B. in gut verschlossenen
und möglichst voll gefüllten Flaschen aufbewahren, da es bei Zutritt der Luft Sauerstoff aus dieser aufnimmt und sich in
eine weiße kristallinische Masse von Benzoesäure verwandelt. Verwendung findet das B. zum Parfümieren
von Seifen (Mandelseife) und zu medizinischen Zwecken; zur Bereitung von Likören darf nur blausäurefreies B. benutzt werden,
d. h. solches B., aus welchem man durch passende Behandlung die Blausäure entfernt hat.
Der Hauptbestandteil des B., das Benzaldehyd, läßt sich auch auf verschiedene Weise künstlich erzeugen, und kommt auch
solches künstliches B., aus Toluol (s. d.) bereitet, seit längerer Zeit schon in den Handel. Im Gerüche
unterscheidet es sich von dem echten gar nicht, doch ist der Geschmack verschieden. Nicht zu verwechseln mit diesem künstlichen
B. ist das Mirbanöl (s. d.), welches häufig auch mit diesem Namen belegt wird, aber
eine ganz andere Zusammensetzung hat. Verfälschungen des B. mit Mirbanöl kommen zuweilen vor, lassen
sich aber chemisch nachweisen. - Eingangszoll: S. Tarif im Anh. Nr. 5 a.
Das Mirbanöl ist zollfrei. Fettes Mandelöl (süßes) Nr. 26 a 1 bezw. 26 a 4.
(SchwefelsaureMagnesia, Magnesiumsulfat, Englischsalz, Epsomersalz, lat. Magnesiasulfurica); ein aus Magnesia,
Schwefelsäure und Kristallwasser bestehendes Salz, findet sich schon in der Natur als Epsomit (mit 51% Wasser) in Spanien,
Sibirien etc. und mit weniger Wasser (13%) als Kieserit in dem Staßfurter Abraumsalzlager. Früher stellte man das B. durch
Verdampfen der natürlichen Bitterwässer bis zur Kristallisation dar; jetzt liefern die Mineralwasser- und
Sodawasserfabriken genug von diesem Salze, welches sie bei Entwickelung der Kohlensäure aus Magnesit und Schwefelsäure als
Nebenprodukt erhalten. Das B. erscheint in kleinen nadeiförmigen, durchsichtigen, in Masse weißen Kristallen von bitterlichem
Geschmack; in Wasser ist es leicht löslich. Verwendung findet es in Apotheken und zur Bereitung anderer Magnesiasalze; neuerdings
hat man es auch in England betrügerischerweise zum Beschweren baumwollener Gewebe unter die Appreturmasse
gemischt. - Zollfrei.
(Alpranke, Hirschkraut, lat. Solanum Dulcamara, franz.
douce-amère, engl. Bitter-sweet, Wood-night-shade). - Von dieser, an
den Flußufern Mitteleuropas
häufig vorkommenden kleinen strauchartigen Pflanze werden die langen, federkieldicken eckigen und runzligen Stengel im Frühjahre
oder Herbste gesammelt und getrocknet als Stipites Dulcamarae in den Droguenhandel gebracht. Diese Stengel
haben im frischen Zustande einen unangenehmen, narkotischen Geruch, der aber beim Trocknen verschwindet; der Geschmack ist
erst bitter, dann süß und kratzend; als charakteristische Bestandteile finden sich zwei Alkaloide, das Dulcamarin und das
Solanin. Verwechselungen mit den Stengeln von Clematis vitalba sollen zuweilen vorgekommen sein, diese
Stengel sind nicht runzelig, sondern glatt, holzig und sehr zähe. - Zollfrei.
sind weiße Wolldecken in verschiedener Feinheit und Ausstattung, in allen Industrieländern häufig erzeugte
und in großen Mengen ausgeführte Artikel, da sie fast in allen Strichen und Klimaten der Erde und von
Völkern der verschiedensten Bildungsgrade gewürdigt und gern gebraucht werden.
Sie bilden daher im Tauschhandel häufig
den Wertmesser, nach welchem andere Artikel veranschlagt werden. - Zoll: Gemäß Tarif im Anh.
Folien; es sind dies Metalle und Metalllegierungen, die durch Walzen, zum Teil auch durch nachfolgendes
Schlagen in Form sehr dünner Bleche oder Blätter gebracht worden sind. Nicht alle Metalle eignen sich hierzu, sondern nur
die geschmeidigen und sehr dehnbaren. Am meisten wird Gold in diese Blattform gebracht und aus diesem, sowie auch aus Silber
lassen sich die dünnsten Blättchen herstellen; man bezeichnet die Erzeugung von echtem Blattgold und
Blattsilber speziell mit dem Namen Goldschlägerei, dieselbe Arbeit auf unechte Metalle ausgedehnt mit Metallschlägerei.
Nächst dem Golde wird wohl Zinn am meisten in Blattform übergeführt (vgl. Stanniol), dann Blei, Kupfer, Aluminium und verschiedene
Legierungen (unechtes Blattgold und unechtes Blattsilber). Das echte Blattgold wird hauptsächlich
zum Vergolden der Spiegel- und Bilderrahmen, sowie zum Goldschnitt und zum Bedrucken der Büchereinbände verwendet. Die
bei Herstellung des echten Blattgoldes entstehenden Abfälle heißen Schawine oder Schabine, sie bilden zerrieben die echte
Goldbronze. Einfuhrzoll: Echtes Blattgold u. Blattsilber gemäß Tarif im Anh. Nr. 20 a,
unechtes Nr. 20
c 1;.
(Campecheholz, Blutholz, lat. ligmim campechianum, franz.
bois de campêche, engl. Log-wood); das wichtigste von allen Farbhölzern, stammt von Haematoxylon campechianum,
einem großen, zur Familie der Cäsalpineen gehörigen, in Zentralamerika und dem nördlichen Teile von Südamerika heimischen
Baume. Man hat in neuerer Zeit angefangen, denselben auch in den niederländischen Kolonien Ostindiens zu kultivieren. Die
vom weißlichen Splinte befreiten großen Blöcke haben außen
¶
mehr
eine dunkelblutrote bis braunrote Farbe, innen sind sie heller, rötlichbraun bis gelblichbraun gefärbt, werden aber an
der Luft ebenfalls nach und nach dunkel. Das Holz ist hart und dicht, läßt sich schwer spalten und besitzt einen schwachen,
entfernt veilchenähnlichen Geruch und zusammenziehenden Geschmack. Man unterscheidet das eigentliche Campecheholz oder Laguna-Campeche,
Jamaikablauholz und Domingoblauholz; von letzterem wieder mehrere Sorten, nämlich Monte-Christo-Blauholz, Fort Liberté
und Aux Cayes.
Martinique- und Guadeloupe-Blauholz sind nur geringwertige Sorten. Der das Färbevermögen bedingende Stoff des B. ist das Hämatoxylin;
es bildet im reinsten Zustande fast farblose Kristalle, die aber an der Luft bald rötlich werden und schließlich
in den eigentlichen Farbstoff, das Hämateïn übergehen. Weil dieser Farbstoff in dem frisch geraspelten B. nur in geringer
Menge entwickelt ist, so läßt man dasselbe an der Luft fermentieren, wodurch es die gewünschte Farbe erst erhält; die
Späne der besseren Qualitäten zeigen dann einen eigentümlichen metallischen gelblichgrünen Glanz. - Einen
wichtigen Handelsartikel bildet auch das aus dem B. bereitete Blauholzextrakt, man hat es teils fest, teils flüssig (vergl.
Farbholzextrakte), das feste kommt von New-York in Kisten von 50 bis 100 k. Die beliebtesten Marken sind: Sanford, Aromamills,
Boston und Gravesend mills. Verwendung findet das B. in der Färberei und Tintenfabrikation, zuweilen
auch in der Medizin und als Nutzholz in der feinen Tischlerei. Vergl. ferner: Farbhölzer. Im Jahre 1880 wurden für 5652000
Mk. Blauholz in das deutsche Zollgebiet eingeführt, während der Wert der Ausfuhr sich auf 1322000
Mk. belief. - Zollfrei. Blauholzextrakt s. Tarif im Anh. Nr. 5 e.
(franz. plaque, feuilles: engl. plate, sheets).
Die Metallbleche sind Halbfabrikate und bilden einen bedeutenden Handelsartikel. Die dünnsten aus Edelmetallen.
Zinn, Tombak u. s. w. hergestellten Bleche führen die Bezeichnung Blätter oder Folie; alle Bleche stärker als 25 mm werden
Platten genannt. - Das B. wird entweder durch Ausschmieden von Stäben oder Platten unter Wasser- und Dampfhämmern oder
durch Ausstrecken unter Walzen hergestellt. Die erstere älteste Fabrikationsweise liefert das geschlagene
Blech.
Sie wird jetzt nur ausnahmsweise noch geübt, da die Herstellung ebener und glatter Bleche dabei sehr schwierig ist. Gegenwärtig
ist fast alles im Handel befindliche B. Walzblech. Zur Herstellung desselben dienen zwei genau cylindrische in einem Gerüst
untergebrachte Walzen, welche durch Dampfmaschine in Drehung versetzt werden. Die Unterwalze kann ihre
Höhenlage nicht ändern; die Oberwalze wird gegen dieselbe nach Bedarf
durch das Stellzeug angestellt, so, daß der verbleibende
Zwischenraum immer von zwei Parallellinien begrenzt ist.
Schiebt man einen Stab in natürlichem Zustande dehnbaren oder durch Erhitzung dehnbar gemachten Metalles zwischen
die umlaufenden Walzen, so wird derselbe gefaßt und hindurchgeführt, wobei er eine starke Streckung in der Bewegungsrichtung
erfährt. Die Streckung nach der Breite (Breitung) ist im Verhältnis dazu sehr gering. Werden die Walzen vor einem zweiten
Durchgange des Arbeitsstückes einander genähert, so findet eine abermalige Streckung statt. Durch mehrfache Wiederholung
geht die dicke Schiene in Blech über.
Die Arbeitsbreite oder Länge der Blechwalzen ist eine sehr verschiedene. 0,5 bis 1 m für kleinere Blechsorten; 1 bis 2 m
für größere; 2,5 m für die größten Kesselbleche. Diesen gegenüber stehen die kleinen von Gold- und Silberwarenfabrikanten
benutzten Walzwerke mit Walzen von 80 bis 150 mm, ja selbst von 30 bis 50 mm Länge. Diese Walzen dienen
zum Ausstrecken dünnen Bleches oder zum Plattwalzen von Drähten und führen letzterer Verwendung wegen den Namen Plättwerke.
Die größeren Walzen sind aus Gußeisen hergestellt und meist an der Arbeitsfläche hart gegossen, wodurch eine größere
Widerstandsfähigkeit der Walze und bessere Glätte des B. erzielt wird; die Walzen der Plättwerke werden
aus Stahl angefertigt, gehärtet, genau cylindrisch mit der Schmirgelscheibe bearbeitet und dann poliert. - Aus gutem Materiale
und mit der nötigen Sorgfalt hergestelltes Blech muß folgende Eigenschaften besitzen: vollkommen ebene d. h. beulen- und
faltenfreie Oberfläche;
durchaus gleiche Dicke;
große Glätte;
Risse, Löcher, oder unganze (durch
eingesprengte Schlacke oder Oxyd entstandene) Stellen dürfen nicht vorhanden sein;
Zähigkeit (das Blech muß sich, ohne
zu brechen, biegen lassen). - Eisenblech: Das weichste und zäheste Schmiedeeisen (Schweiß- und Flußeisen) findet in Form
breiter wenig dicker Stäbe zur Blechdarstellung Verwendung. Diese werden in Stücke (Stürze), deren
Länge nahezu gleich der Breite der herzustellenden Blechtafel ist, geschnitten. Die glühend gemachten Stürze schiebt man
so zwischen die Walzen, daß ihre Breite schließlich zur Länge des B. wird.
Hat der Sturz nach mehrmaligem Durchgang durch immer enger gestellte Walzen Blech-form angenommen, so faltet man
denselben in der Mitte zusammen, steckt zwei oder mehrere ineinander und walzt dies Packet nach erneuter Erhitzung fertig.
Damit die aufeinanderliegenden Bahnen nicht zusammenschweißen, wird jede Tafel vor dem Glühen in Lehmwasser getaucht. Die
beschriebene Fabrikation wird meist in zwei Walzwerken ausgeführt; das erste dient zum Auswalzen der einzelnen Stürze
(Sturzwalzwerk), das zweite zum Fertigwalzen der ineinander geschobenen (Schichtwalzwerk). Die Stürze werden nach jedem
Glühen, bevor sie unter die Walzen kommen, mit Holzhämmern sorgfältig von dem Glühspan (Zunder) gereinigt. Geschieht
dies nicht, so walzt sich der Zunder ein, springt bei der späteren Verarbeitung des B. ab und läßt eine
¶
mehr
rauhe, narbige Oberfläche zurück. Die fertigen B. werden unter großen Scheren auf Format geschnitten, dann nochmals geglüht,
um alle vom Walzen etwa vorhandenen inneren Spannungen zu beseitigen, und unter mächtigen Pressen gepreßt, wenn völlige
Ebenheit noch nicht erreicht war. Etwas abweichend hiervon gestaltet sich die Herstellung dickerer Bleche (zu Dampfkesseln
etc.). Hier wird jede Tafel für sich aus einem entsprechend dicken Stabe (Bramme) ausgewalzt.
Starke Bleche (Panzerplatten) entstehen durch Zusammenschweißen von schwächeren Blechen unter den Walzen. - Das Eisenblech
kommt als Schwarzblech oder Weißblech in den Handel.
Letzteres ist Eisenblech mit einem Überzug von Zinn. A. Schwarzblech. Je nach der Dicke werden hier folgende
Sorten unterschieden. Sturz- oder Schloßblech: Kleinere Tafeln von 0,5 bis 4 mm Dicke. Doppelblech: von gleicher Dicke aber
doppelter Größe. Verwendung zu den verschiedensten Schlosserarbeiten. Rohrblech: 0,5-0,7 mm dick; Verwendung zu Ofenröhren.
Die verschiedenen Dickenabstufungen der B. werden durch Nummern bezeichnet. Die deutsche Blechlehre hat 26 Nummern.
Von Blech Nr. 1 wiegt 1 □m bei einer Dicke von 5,50 mm 44 kg; von Blech Nr. 26 bei
0,37 mm Dicke 3 kg. Kesselblech (zu Dampfkesseln, Salzpfannen, Malzdarren), 6 bis 18 mm dick,
bildet das stärkste Schwarzblech. Die dünnsten Schwarzblechsorten, welche nur zur Herstellung von Weißblech verwendet
werden, führen die Handelsbezeichnungen Kreuzblech, Vorder- oder Forderblech, Senklerblech. Die Dicke ist bei allen geringer
als bei Schloßblech. - B. Weißblech: Die Sorten führen mit der dünnsten beginnend folgende Bezeichnungen: Tellerblech,
Schüsselblech, Tassenblech, Pontonblech.
Die Tafeln sind meist kleiner als bei Schloßblech. Das Verzinnen der Schwarzbleche ist ziemlich umständlich. In
England, welches Weißblech von großer Schönheit fabriziert, wird folgender kurz skizzierter Weg eingeschlagen. Die Schwarzblechtafeln
werden, nachdem sie mit verdünnter Salzsäure blankgebeizt sind, in einem Flammofen geglüht und nach dem Erkalten durch
Überhämmern mit einem Holzhammer vom Glühspan befreit. Durch Überwalzen (kalt) erhalten sie Glätte und werden eben.
Dann folgt Abbeizen in Kleienbeize und verdünnter Schwefelsäure, Scheuern mit Werg und Sand und Aufbewahrung
unter reinem Wasser bis zum Verzinnen. Eine Stunde vor dem Verzinnen stellt man die abgetrockneten Bleche in einen Trog mit
geschmolzenem Talg. Das Verzinnen erfolgt zuerst durch 1½ bis 2stündiges Einstellen in einen Kessel mit flüssigem stark
erhitzten Zinn, welches durch eine Talgschicht vor Oxydation geschützt wird. Die herausgenommenen Tafeln läßt man abtropfen
und taucht sie sogleich in einen mit möglichst reinem Zinn gefüllten zweiten Kessel.
Ist die Verzinnung hier vollendet, so nimmt man die Tafeln heraus, wischt sie auf beiden Seiten rasch mit Werg ab, um
das Zinn gleichmäßig zu verteilen, und taucht sie hierauf nochmals kurze Zeit in Kessel Nr.
2, um die durch das Abwischen entstandenen
Streifen zu beseitigen. Hierauf kommen die Tafeln in ein Bad von geschmolzenem
Talg. Die Zinnschicht breitet sich gleichmäßig aus und wird stark spiegelnd; der Überfluß schmilzt ab. Die
aus der Talgpfanne genommenen Bleche stellt man zum Abtropfen und Erkalten auf. Dabei bildet sich an der Unterkante jeder
Tafel aus Zinn die wulstartige Abtropfkante, welche entfernt wird durch Eintauchen derselben in geschmolzenen Talg. Gibt man
der Tafel einen leichten Schlag, sobald die Zinnwulst geschmolzen ist, so fällt dieselbe ab und hinterläßt
nur am Rande der Tafel einen schmalen nicht spiegelnden Streifen. Reibt man die Bleche zur Entfernung des Talges noch mit
Kleie ab und sortiert sie, so sind sie für die Verpackung fertig. - Verpackung der Eisenbleche: Kesselbleche etc., die stärkeren
Schloß- und Doppelbleche werden unverpackt in den Handel gebracht;
die dünneren Bleche vereinigt man
durch Binden mit Bandeisen oder Holz zu Bunden von 25 oder 50 k. Ganz dünne B. werden in Fässer oder wie das Weißblech
in Kisten verpackt. - Stahlblech.
Herstellung wie bei Eisenblech. Hauptsächliche Sorten sind Kesselblech aus zähem Stahl
zu Dampfkesseln. Uhrfederblech in sehr langen höchstens 100-150 mm breiten Streifen; Stahlfederblech
in Streifen von 60-70 mm Breite; Blech zu Stahldruckplatten. Nummern und Größen der Stahlbleche sind sehr wechselnd. -
Bleche, welche durch Zusammenschweißen einer Stahlblech- mit einer Eisenblechtafel entstanden und auf der Stahlseite sehr
hart sind, werden neuerdings in den Handel gebracht und dienen zur Panzerung der Geldschränke. - Kupferblech
entsteht durch Auswalzen gegossener Platten.
Man walzt Kupferblech so viel als möglich kalt; dadurch wird dasselbe dichter und die durch den beim Glühen entstehenden
Abbrand unvermeidlichen Verluste an wertvollem Material sind geringer. Flickkupfer- und Zündhütchenblech bilden die dünnsten
nur 0,2-0,5 mm dicken Kupferbleche, welche gerollt in den Handel kommen (Rollkupfer). Dann folgen Dachblech
0,7-2 mm dick (zu Dacheindeckungen) Rinnenblech, Schiffblech zum Kupfern der Seeschiffe 0,5-1,5 mm stark; Emaillierblech;
Münzblech. Kupferbleche von 15-25 mm Dicke werden verwendet zu den Feuerbüchsen der Lokomobil- und Lokomotivkessel. - Kupferblech
wird häufig auf einer oder beiden Seiten mit einem dünnen Silber- oder Gold- oder Platinblech belegt
(PlattiertesKupfer) und dient zur Herstellung von Gefäßen, Leuchtern etc. Die Vereinigung beider Metalle
geht in der Hitze unter Druck bei metallisch reinen Oberflächen so vollkommen vor sich, daß die anfänglich dickeren Platten
ausgewalzt werden können. Die Stärke der Plattierung bezeichnet man durch die Angabe, den wie vielsten
Teil des Gesamtgewichtes das Edelmetall ausmacht. Silberplattierung 1/20 heißt also: 1/20 des Totalgewichtes ist Silber;
gleichgültig ob der Belag auf einer oder beiden Seiten erfolgt ist. Ein Schluß auf die Dicke der Edelmetallschicht ist
hieraus nur mit Berücksichtigung
¶