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Gepostet 29.09.2015, Martina Schuler
Vor über 15 Jahren unterzeichnete die Schweiz das europaweite Abkommen zur Harmonisierung des Bildungs- und Forschungsbereichs. Die Rede ist von Bologna. Diese Reform hat die Schweizer Aus- und Weiterbildung auf der Tertiärstufe grundlegend verändert.
Von der sogenannten Bologna-Reform hat wahrscheinlich jeder schon gehört. Aber was ist das genau? Mehrere europäische Nationen setzten sich im Jahr 1988 zum Ziel, vermehrt Beziehungen im Bildungs- und Forschungsbereich zu pflegen und die Zusammenarbeit zu fördern. Sukzessive kamen Harmonisierungs-Abkommen zustande, bis dann 1999 an der ältesten europäischen Universität in Bologna die heute gültige Bologna-Erklärung unterzeichnet wurde. Damit legte man den Grundstein für vereinheitlichte und gegenseitig anerkannte Studienabschlüsse. Immer mehr Länder beteiligen sich.
Die Bologna-Reform schuf einen Bildungsraum, in dem europaweit auf der Tertiärstufe vergleichbare Hochschulabschlüsse abgelegt werden können. Das System ist so aufgebaut, dass man in der Regel zuerst ein dreijähriges Bachelor-Studium an einer Universität oder Fachhochschule absolviert. Anschliessend kann die Studentin oder der Student ein zweijähriges Master-Studium anhängen. Wer noch einen Schritt weiter gehen will, schliesst mit dem Doktorat ab.
All diese Ausbildungen sind an ein Leistungspunkte-System gebunden, das im Fachjargon European Credit Transfer and Accumulation System oder abgekürzt ECTS genannt wird. Ein ECTS-Leistungspunkt entspricht 25 bis 30 Stunden Lernaufwand für den oder die Studierende. Folglich verdient man sich mit einem Bachelor-Abschluss 180 ECTS-Punkte und mit einem Master 90 bis 120. Dank diesen Credits sind Lehrgänge europaweit vergleichbar und können deshalb auch international angerechnet werden. Somit werden Mobilität und Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen in Europa gefördert.
Auch im Bereich Weiterbildung ist das System vereinheitlicht worden. Ein Zertifikats-Lehrgang CAS entspricht dem bisherigen Nachdiplom-Kurs und bringt 10 ECTS-Punkte ein. Mit einem Diplom-Lehrgang DAS holt man sich mindestens 30 ECTS und der berufsbegleitende Weiterbildungs-Master (MAS) ist mit dem herkömmlichen Nachdiplom-Studium zu vergleichen. Damit erhalten die Absolventen 60 Credits.
Mittlerweile beteiligen sich rund 48 Länder am Bologna-System. Die Schweiz ist seit Beginn bei Bologna dabei, legt aber gleichzeitig Wert darauf, die bewährte Schweizer Bildungslandschaft in ihrer Vielfalt zu bewahren. Denn beispielsweise das einzigartige duale Bildungssystem der Schweiz gilt als Erfolgsmodell und bringt ebenfalls kompetente und gefragte Fachkräfte hervor.