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28.06.2019 Chmelnyzky
Einmal mehr laufe ich frühmorgens in die Stadt. Ein starker, kalter Wind bläst. Ich friere. Der Himmel ist aber klar. Am Unabhängigkeitsplatz komme ich zum Denkmal für die Gefallenen im 2013 Krieg. Dahinter ist das stalinistische Gebäude, in dem der Sowjet untergebracht war, nun ist es der Oblast-Rat. Ich laufe nun hinunter zum Stadtzentrum, das sich wohl in der Kreuzung Podylska und Kamianetska Strasse befindet. Das ehemalige Feuerwehrdepot mit seinem Turm wurde nun als Kino umgenutzt, rundherum stehen moderne Shopping Centers. Ich laufe die Fussgängerzone Provskuriska-Strasse, die jetzt am Morgen noch menschenleer ist, hinauf und gelange zum T. Shevchenko Park. Skurille Kletterskulpturen für die Kinder wurden aus Schrott zusammengeschweisst. Weiter oben, auf der anderen Seite der Strasse, gibt es ein Denkmal für die Gefallenen in Afghanistan. Zurück im Shevchenko Park laufe ich zum Taras Shevchenko Denkmal, wo er mit seinem mächtigen Schnauz steht. Ich laufe wieder die Provskuriska-Strasse weiter und gelange zum „I love Khmelnytsky“ Schriftzug vor dem ZUM Shopping Center. Da es mir jetzt zu kalt geworden ist, laufe ich zurück ins Hostel und hole meinen Faserpelz. Dabei besuche ich noch kurz die Sviato Pokrovskyi Kathedrale, die – für orthodoxe Kirchen ungewöhnlich – eine flache Decke hat (es findet gerade ein Gottesdienst statt) und finde ein Haus, das mit „Hesed Besht“ in Ivrith angeschrieben ist (Khmelnitsky Jewish Welfare Fund “Hesed Besht”). Mit dem Faserpelz warm angezogen laufe ich zurück ins Stadtzentrum. Beim Skver Skorboty hat es eine grosse Engelsstatue. Leider sind heute alle Museen geschlossen, obwohl sie eigentlich offen sein müssten. So laufe ich zum Markt (Rynok), wo ich mir nur zum Probieren ein kleines Stückchen Wurst kaufe. Dann laufe ich herunter zum südlichen Bug (Fluss), laufe etwas dem Bug entlang. Viele Leute sind am Fischen. Die Uferzone ist furchtbar vermüllt. Von der Brücke aus kann man sehen, dass auf der Bug-Insel ebenfalls ein „I love Chmelnyzky“ angebracht worden ist. Kinder sind am Kayakfahren. Auf einem Container ist Mona Lisa als Sprayerin aufgesprayt worden, und zwar recht gekonnt. Ich gelange zum Park Kulʹtury I Vidpochynku Imeni Mykhayla Chekmana (Kulturpark Michail Chekman). Es gibt hier auf der Parkinsel einen grossen Lunapark, der sogar jetzt, untertags, in Betrieb ist. Im Rest des Parks finde ich wieder dieselben skurrilen Kletterskulpturen wie im Shevchenko Park, sowie einen Springbrunnen, eine gedeckte Skaterbahn und eine offene Ko-Kart-Bahn, die sogar in Betrieb ist. Ich laufe zurück zum Markt, kaufe mir etwas zum Essen (Wurst und Brot), im Supermarkt noch eine Flasche Wasser und kehre nochmals in den Park zurück, wo ich auf einem Bänkli sitzend mein riesengrosses und diesmal spottbilliges Mittagessen verzehre. Danach laufe ich nochmals die Provskuriska-Strasse hinunter, gelange wieder zum Shevchenko-Park, wo unterdessen die Springbrunnen eingeschaltet wurden, zum Skver Skorboty, zum Pioniersky Skver mit dem Weltkriegsdenkmal, zum anschliessenden Ivan Franko Skver und dem gegenüberliegenden Stadion. Bis zum einige Kilometer entfernten Hauptbahnhof laufe ich, nur wegen der Bogdan-Chmelnyzky-Statue, die hier steht und im Gegensatz zu derjenigen bei meiner Unterkunft, wo er hoch auf dem Ross sitzt, steht er hier. Der Hauptbahnhof ist sozialistischer Utilitätsstil der 1950er Jahre. Zurück laufe ich auf der Shevchenko-Strasse und gelange nochmals zum Markt, wo mir die lebenden Fische, die in grossen Zubern sind, auffallen. Ich kaufe mir Gurken, Tomaten, Frischkäse und noch ein paar Geschenke (es ist mein drittletzter Tag in der Ukraine) und kehre dann zum Hostel zurück, wobei mir noch ein Denkmal für Viacheslav Chornovil, ein wenig erfolgreicher Politiker, und die gegenüberliegende Wandmalerei von Wasserkraft, auffallen. Noch einmal plaudere ich beim Nachtessen lange mit Alexander.