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Josef Winkler. Die Verschleppung
In den frühen achtziger Jahren hat der österreichische Schriftsteller Josef Winkler, Georg-Büchner-Preisträger 2008, die Lebenserzählung der 1928 in der Ukraine geborenen und 1943 von den Nationalsozialisten als Zwangsarbeiterin aus der Ukraine nach Kärnten verschleppten Valentina Iljaschenko aufgeschrieben. Daraus wurde das Buch «Die Verschleppung». Der Suhrkamp-Verlag bringt jetzt das Buch neu heraus, unter dem Titel «Die Ukrainerin», weil sich dieses zutiefst berührende biografische Dokument unfreiwillig aktualisiert hat.
Josef Winkler hat Valentina Iljaschenko kennengelernt, als er für seine Arbeit ein Schreibrefugium suchte und auf ihren Kärntner Bergbauernhof kam. Sie hatte den Sohn des Bauern geheiratet, der sie als Zwangsarbeiterin auf seinen Hof geholt hatte. Als Erwachsene erinnert sich Valentina Iljaschenko an die Bilder, die sie mit Kinderaugen gesehen hat. Winkler schreibt die Geschichte, die sie ihm aufs Tonband spricht, nieder; er lässt die Färbungen ihrer Sprache und ihrer Bilder, so wie sie sind. Sie erzählt von Zeiten, die weit vor dem liegen, was dem Land heute widerfährt. Trotzdem scheint darin der heutige Wahnsinn gespiegelt: die von Stalin auf dem Gebiet der Ukraine strategisch geplante Hungersnot, die Brutalität der aus Moskau befohlenen Kollektivierung der Landwirtschaft, die Invasion von Hitlers Truppen.
Die Verschleppung (1983) ist der gelungene Versuch, sich vom eignen Menschenjammer zu distanzieren, ihn zu relativieren, objektivierenden Abstand zu gewinnen, indem man das Leid anderer zur Kenntnis und ernst nimmt. Ich will, so sagte die Ukrainerin öfter, zeigen, dass man, auch wenn man in einer noch so aussichtslosen Situation ist, die letzte Kraft und Hoffnung aktivieren soll, damit es doch noch weitergeht, sonst hätte ich das alles nicht überlebt.
Ein zutiefst bewegendes Buch!
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