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Im England wird der Anzug vom Herrenschneider als „bespoke suit“ bezeichnet, Masskonfektion heisst dagegen „made to measure“. Auf Französisch wird zwischen „grande sur-mesure“ (Schneideranzug respektive „bespoke“) und „demi-mesure“ oder „sur-mesure industrielle“ (Masskonfektion) unterschieden. In Deutschland erinnern die Begriffe „Vollmass“ und „Halbmass“ an diese Bezeichnungen. Seit einigen Jahren wird auch im deutschen Sprachraum immer häufiger von „bespoke“ gesprochen. Das sollte nicht in dem Sinne verstanden werden, dass der Anzug bei der Bestellung „besprochen“ wird. Der Begriff drückte ursprünglich vielmehr aus, dass ein bestimmtes Stück Stoff dem Kunden zugesagt – versprochen – war.
Als „bespoke“ gilt ausschliesslich, was von einem handwerklich ausgebildeten Schneider nach einem individuell erstellten Schnittmuster und in bestimmten Bereichen von Hand genäht und als Einzelstück angefertigt worden ist. Schnitt und Passform müssen in mehreren Anproben optimiert werden – und zwar auch dann noch mindestens einmal, wenn bereits ein erprobtes Schnittmuster vorliegt. Denn jeder Stoff fällt anders und vielleicht hat sich auch die Figur des Kunden verändert.
Im Gegensatz zur Bespoke-Kleidung wird „Made-to-measure“, also die Masskonfektion, nicht nach einem eigens für den Kunden konstruierten Schnitt zugeschnitten, vielmehr wird ein vorhandener Standardschnitt an die Masse und die Haltung des Kunden angepasst. In vielen Fällen funktioniert das auch sehr gut, da unproblematische Figuren meistens mit geringen Änderungen am Grundschnitt passend eingekleidet werden können. Anproben sind bei Masskonfektion in aller Regel nicht vorgesehen. Stattdessen wird das fertige Kleidungsstück geändert. Im Idealfall sind aber kaum Änderungen nötig, da sie durch die Anpassung des Schnitts an die Figur des Kunden vorweggenommen werden.
Der Grossteil der Masskonfektion wird industriell gefertigt, also arbeitsteilig und unter maximalem Maschineneinsatz. Vor allem werden bei industriell gefertigter Masskonfektion die Einlagen an der Brust des Sakkos mit dem Oberstoff verklebt. Die Einlagen sind Verstärkungen, die aus einer oder mehreren Schichten verschiedener Stoffe bestehen können, sie dienen dazu, dass die Brust eine bestimmte Wölbung bekommt, sie sorgen für ein rollendes Revers und als Polster an den Schultern. Bei unstrukturiert verarbeiteten Sakkos wird eine sehr dünne und leichte Einlage aus Leinen oder Vliesmaterial verwendet.
Traditionell verarbeitete Sakkos bekommen eine feste Einlage, die aus Vliesmaterial, Leinen und eventuell Leinen mit eingewebtem Rosshaar besteht. Schneider vernähen die Einlage von Hand mit feinen, kaum sichtbaren Stichen, mit dem Oberstoff. Der Fachausdruck dafür lautet „pikieren“. Bei der sehr hochwertigen, handgemachten Masskonfektion wird das auch gemacht, allerdings meistens mit Hilfe von Pikiermaschinen. Handgemachte Masskonfektion wird insgesamt eher wie der Schneideranzug gefertigt, allerdings arbeitsteiliger und in aller Regel ohne die zeitraubenden Anproben. Weitere Merkmale des Bespoke-Anzugs sind z. B. von Hand umsäumte Knopflöcher und die von Hand durchgenähte Kante.