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Der Dichter und Erzähler Johann Peter Hebel berichtet von einem sinnreichen Bettler und schreibt: «Sonst bemessen die Bettler ihre dankbaren Wünsche nach dem Wert der Gabe, die ihnen gereicht wird. Derjenige, von welchem hier die Rede ist, sagt, das sei grundfalsch. Wer ihm viel gibt, dem wünscht er eine hundertfältige Vergeltung von Gott. Wer ihm aber wenig gibt, dem wünscht er eine tausendfältige, oder wenn es noch weniger ist, eine hunderttausendfältige Vergeltung. Denn er sagt: ‘Ich muss einen gleich guten Willen bei allen voraussetzen. Wer wenig reicht, wird wenig haben. Ich muss ihm also mehr wünschen. Soll ich das Meinige auch noch dazu beitragen, dass zuletzt die Reichen alles bekommen?’»
Als Jesus und seine Jünger im Tempel waren, beobachteten sie, wie die Leute spendeten. Dann heisst es im 21. Kapitel des Lukasevangeliums: «Er blickte auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten. Er sah aber auch eine arme Witwe, die dort zwei kleine Münzen hineinwarf. Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, der es am Nötigsten mangelt, hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben.»
Wir neigen dazu, Freigiebigkeit an der Höhe der gespendeten Beträge zu bemessen. Und eine gebende Person erhält umso mehr Anerkennung, je grösser ihre Gabe ist. Der sinnreiche Bettler und Jesus bieten uns eine andere Perspektive an: Wahre Freigiebigkeit ist unabhängig vom Geldwert und liegt vielmehr in der rückhaltlosen Handlungsbereitschaft des Herzens. Diese Sicht bewahrt uns davor, eine kleine Gabe und deren Spender gering zu achten.