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Ethik und Poetik
Herausgegeben von Alexandru Bulucz und Michael Krüger
Beschreibung
»Das Buch – eine Legende, eines der bedeutendsten Bücher seiner Epoche.« Krzysztof Biedrzycki
Die ethische Integrität von Literatur scheint immer dann am stärksten gefährdet zu sein, wenn Schriftsteller in die Klauen der Geschichte geraten. Bald sollen sie sich für oder gegen das herrschende System entscheiden: entweder für Gehorsam oder für Widerstand: Selten gibt es eine weitere Alternative.
In einem solchen Klima der Gefahr sind auch die Essays aus „Ethik und Poetik“ entstanden. Stanisław Barańczak verfasste sie in den Jahren 1970 bis 1978. In Polen durften sie nicht erscheinen, in Frankreich schon. Sie sind das leidenschaftliche Zeugnis eines literarischen wie kritischen Ringens mit den Totalitarismen des 20. Jahrhunderts – eines Ringens also um die Literatur und deren potenzielle Rolle bei der Wiederherstellung eines ethischen Wertesystems. An Texten von Ossip Mandelstam und Dietrich Bonhoeffer, aber aber auch an solchen von Zeitgenossen und Freunden wie Czesław Miłosz, Miron Białoszewski, Wisława Szymborska, Zbigniew Herbert u.a.m. zeichnet Barańczak jene poet(h)ischen Überzeugungen nach, für die deren Autoren wirklich jeden Preis, jeden Lebenspreis, zu bezahlen bereit waren.
Stanisław Barańczak wurde 1946 in Posen geboren, wo er den Posener Aufstand (1956) miterlebte und an der Adam-Mickiewicz-Universität studierte, an der er sich 1973 in der Polonistik promovierte. 1977, nach acht Jahren, musste er aus politischen Gründen seine Assistenzprofessur am selben Institut aufgeben. Er gehörte zu den Gründern des KOR (Komitee zur Verteidigung der Arbeiter) und gab die Zeitschrift „Zapis“ sowie andere unzensierte Literaturmagazine mit heraus. Im Ausland und in der polnischen künstlerischen Untergrundszene erschienen von ihm mehrere unzensierte Bücher. Im September 1980 durfte er im Zuge des wachsenden Drucks durch die Solidarność-Bewegung seine Posener Universitätsstelle wiederaufnehmen, die er aber nach nur sechs Monaten wieder aufgab, um in die USA zu emigrieren, wo er kurz danach Professor am renommierten Alfred-Jurzykowski-Lehrstuhl für Slawistik an der Harvard-Universität wurde. Der prominente Vertreter der polnischen „Neuen Welle“/“Generation 68“ gilt als einer der bedeutendsten Lyriker, Übersetzer und Essayisten der polnischen Gegenwartsliteratur und wurde mehrfach national wie international prämiert. Stanisław Barańczak ist 2014 an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung gestorben.
Alexandru Bulucz wurde 1987 im rumänischen Alba Iulia (dt. Karlsburg) geboren, Studium der Germanistik und Komparatistik. Autor und Übersetzer aus dem Französischen und dem Rumänischen. Seit Frühjahr 2015 Herausgeber der philosophischen Gesprächsreihe „Einsichten im Dialog“ in der Edition Faust.
Michael Krüger war viele Jahre Geschäftsführer des Münchner Carl Hanser Verlags und Herausgeber der Literaturzeitschrift „Akzente“