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Erfolg hatte der mögliche neue Schweizer Nationalcoach Glen Hanlon (57) als Trainer eigentlich nie – aber er kennt wenigstens die Hockeywelt. Ein Ralph Krueger ohne Charisma, der defensives Steinzeithockey spielen lässt.
Finnlands Weltmeister-Nationaltrainer Jukka Jalonen und sein Agent haben von Ueli Schwarz zwar noch keine Absage bekommen und stehen offiziell immer noch in Verhandlungen. Jukka Jalonen sagt jedoch, er gehe inzwischen davon aus, dass nicht er, sondern Glen Hanlon den Job bekomme.
Glen Hanlon? Eine interessante Variante. Der langjährige NHL-Torhüter (Vancouver, St. Louis, NY Rangers und Detroit) begann seine Trainerkarriere 1991 in Vancouver als Goaliecoach und Scout. Er brachte es bis in die NHL (Washington Capitals), wo er zweimal Cheftrainer war und wegen Erfolglosigkeit zweimal entlassen wurde.
Auch in der KHL (Minsk) wurde er wegen ausbleibendem Erfolg gefeuert. In Finnland reichte es beim Kultklub Jokerit Helsinki mit einer grossen Mannschaft auch nur bis ins Viertelfinale und er musste nach einer Saison gehen. Als Trostpreis ist er wenigstens einmal AHL-Trainer des Jahres geworden (2000).
Aber Glen Hanlon kennt die Hockeywelt nicht nur als Klubtrainer. Mit den Weissrussen hatte er bei den drei WM-Turnieren 2005 (10.), 2006 (6.) und 2009 (8.) seine beste Zeit und schaffte mit Sean Simpson als Assistenten 2006 die Viertelfinals auf Kosten der Schweiz und mit dem 6. Schlussrang die bis heute beste WM-Klassierung der Weissrussen.
2010 bekam er in der Slowakei einen Vierjahresvertrag als Nationaltrainer. Nach miserabelsten Resultaten – einem 12. und 11. WM-Schlussrang – wurde er nach der missglückten Heim-WM 2011 gefeuert. Ein Jahr später erreichten die Slowaken 2012 bereits das WM-Finale. Glen Hanlon kehrte nach Nordamerika zurück, arbeitete zwei Jahre als Assistent im Juniorenhockey und coacht nun zum vierten Mal an einer WM die Weissrussen.
Glen Hanlon ist also keine grosse Nummer und mit seiner Erfahrung und allen möglichen Positionen und seinem permanenten Scheitern auch so etwas wie ein Ueli Schwarz des kanadischen Hockeys. Er gilt als passiver, jedes Risiko meidender Coach, der ein defensives Steinzeithockey bevorzugt.
Sozusagen ein Ralph Krueger ohne Mut zum Risiko und Charisma. Seinen grössten Erfolg (WM-6. mit Weissrussland 2006) feierte er mit Assistent Sean Simpson. Die spielerische Perestroika, die offensivere Ausrichtung und das kreative Spiel, das uns unter Sean Simpson bis ins WM-Finale gebracht hat, dürften unter einem Coach wie Glen Hanlon einer defensiven Eiszeit weichen.
Bei der Wahl des Nationaltrainers hat die sogenannte Nationalmannschafts-Kommission ein Mitsprache- aber kein Entscheidungsrecht. Sie kann also nur Empfehlungen abgeben. Nicht nur Verbandsdirektor Ueli Schwarz und der Verwaltungsrat, sondern auch die Nationalliga mit den beiden Vertretern Sven Leuenberger und Peter Zahner steht bei der Anstellung des Nationaltrainers in der Verantwortung.
Es gibt einen Lichtblick. Glen Hanlon kennt das internationale Hockey aus langjähriger Erfahrung und gemäss «Blick» bekommt er mit John Fust einen Assistenten, der die Schweizer Mentalität als Spieler und Trainer kennt und als Trainer mit Langnau (Playoffs 2011) und Lausanne (Playoffs 2014) mit grossem Erfolg gearbeitet hat.
Wenigstens wüsste dann doch noch einer an unserer nationalen Bande, wie man irgendetwas gewinnt. Und mit seinem defensiv-bürokratischen Führungsstil würde der freundliche Kanadier sehr gut zu unserem Bundesamt für Eishockey und zu Sportdirektor Ueli Schwarz passen.
Unsere Nationalmannschaft hat mit nordamerikanischen Trainern seit 1998 (Ralph Krueger, Sean Simpson) beste Erfahrungen gemacht. Es ist also doch nicht ganz auszuschliessen, dass Glen Hanlon, so er offiziell sein Amt antritt, als Schweizer Nationaltrainer Erfolg haben kann.