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Indikatoren: November 2020
Diese Indikatoren fassen die wichtigsten Resultate der KOF-Konjunkturumfrage in der Industrie und im Detailhandel zusammen. Sie bieten auch eine Übersicht über die konjunkturellen Tendenzen im Aussenhandel, Arbeitsmarkt, Bauwesen und Konsum.
Legende
Kommentar
Weltwirtschaft: die zweite Welle bremst den Optimismus
Während der Internationale Währungsfonds im Oktober noch verkündete, dass die Weltwirtschaft dabei sei, den Abgrund zu überwinden, in den sie zum Zeitpunkt des "Grossen Lockdowns" im April gestürzt war, und für 2020 einen Rückgang des globalen BIP um real 4,4% statt der im Juni prognostizierten -4,9% ankündigte, ruft die zweite Welle in Erinnerung, dass die Wirtschaftslage direkt von der Entwicklung der Pandemie abhängt und sich von Woche zu Woche verändert. Die Projektionen sind folglich hin- und hergerissen zwischen der Entwicklung der Pandemie und den von Regierungen ergriffenen Maßnahmen, den Ankündigungen von Impfstoffen oder Medikamenten, ganz zu schweigen von anderen Ereignissen wie den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten oder sonstigen Konflikten.
Angeführt von der raschen Erholung in China hat sich die Lage nach dem schwindelerregenden Tiefstand im April in den meisten Teilen der Welt dennoch schneller normalisiert als erwartet, zumindest in den Regionen, die die erste Welle eindämmen konnten. Aber diese Normalisierung ist mit öffentlichen Geldern finanziert worden, und sollte die Pandemie andauern, so hätte die Weltwirtschaft mit ernsthaften Schuldenproblemen zu kämpfen.
Schweiz: Korrektur der Perspektiven nach oben, doch was bringt das Jahresende?
Auch in der Schweiz waren das zweite und dritte Quartal nicht so schlimm wie befürchtet, was die Eidgenössische Expertengruppe dazu veranlasste, ihre Prognose vom Juni im Oktober zu revidieren. Hatte sie im Juni den Rückgang für das gesamte Jahr 2020 noch auf 6,2% geschätzt, so rechnet die Expertengruppe nun mit einer Abnahme um 3,8%. Zwar war zum Zeitpunkt der Berechnungen der Expertengruppe die zweite Welle der Pandemie bereits abzusehen, aber es war nicht damit zu rechnen, dass erneut weitgehende Schutzmassnahmen eingeführt würden, weder in der Schweiz noch bei den wichtigsten Handelspartnern. Beim derzeitigen Stand der ergriffenen Maßnahmen ist natürlich die Besorgnis in den von den Beschränkungen betroffenen und bereits durch die erste Welle stark geschwächten Sektoren gross. Das Ende des Jahres wird daher entscheidend sein, zumindest in bestimmten Bereichen wie dem Handel, der Unterhaltung und dem Tourismus.
Neben den Auswirkungen der Pandemie und den zu ihrer Bekämpfung ergriffenen Massnahmen gibt es noch weitere Risikofaktoren, die bereits vor der Krise bekannt waren: internationale Handelsstreitigkeiten, Brexit, Aufwertungsdruck auf den Franken und das Risiko einer Korrektur auf dem Immobilienmarkt.
Freiburg: die Industrie ist zwar gerettet, aber eine Erholung noch nicht sicher
Zum Zeitpunkt, als die befragten Industrieunternehmen die Fragebögen der KOF-Umfrage ausfüllten, d.h. spätestens im Oktober, waren das Ausmass der zweiten Welle und die Massnahmen zu ihrer Bekämpfung noch nicht bekannt. Der relative Optimismus der Antworten spiegelt daher eher die Erleichterung, die große Krise der ersten Welle überstanden zu haben und die Aussichten auf eine Normalisierung wider als den Eintritt in eine neue Phase der Restriktionen. Folglich ist die Interpretation sehr heikel. Dennoch kann gesagt werden, dass der Industriesektor beim derzeitigen Stand der Dinge und vorausgesetzt, dass die sanitären Bedingungen eine Normalisierung des Geschäftsgangs und des Handels ermöglichen, im Grossen und Ganzen überleben wird und bereit ist, mit voller Kapazität zu produzieren und sich den bereits vor der sanitären Krise bekannten Herausforderungen zu stellen.
Vor allem die Nahrungsmittelindustrie hat Auftragsspitzen erlebt, die wahrscheinlich auf die vorübergehende Lähmung des internationalen Handels und die Bildung von Reserven zurückzuführen sind. Die Entwicklung der Lagerbestände neigt dazu, dieses Phänomen zu bestätigen. Auch die Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie meldete während der Krise einen Anstieg der Auftragseingänge, während der Trend zuvor rückläufig gewesen war. Trotzdem blieben die Indikatoren für das Produktionsniveau und den Geschäftsgang lange Zeit relativ niedrig, bevor sie gegen Ende des Sommers wieder anstiegen, was womöglich Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Rohstoffen auf dem Höhepunkt der Krise widerspiegeln könnte.
Saisonbereinigt hat sich die Arbeitslosenquote im Sommer stabilisiert und ist sogar leicht zurückgegangen, aber nicht auf das Niveau vor der Krise. Die derzeit hängigen Gesuche für Kurzarbeit (KA) sind zurückgegangen, aber diese Zahlen berücksichtigen noch nicht die Anfragen, die infolge der Massnahmen zur Bekämpfung der zweiten Welle noch eingehen werden. Die Hotelübernachtungen haben im Verlauf des Sommers wieder zugenommen, ohne jedoch das Niveau der Vorjahre zu erreichen. In geringerem Maße gilt dies auch für die Zulassung von Neufahrzeugen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ohne die zweite Welle die - besser als erwartete - Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaft im zweiten und dritten Quartal und die gute Performance der qualitativen KOF-Indikatoren in einem nach wie vor ausserordentlich schwierigen Umfeld eine relativ gute Nachricht hätten sein können. Die Gesamtergebnisse für das Jahr 2020 hängen nun aber wieder von dem ab, was die Pandemie dem Kanton, der Schweiz und der Welt für das Jahresende bereithält.
Quellen
Internationaler Währungsfonds (IWF), SNB, Bundesamt für Statistik, Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Institut Créa d'économie appliquée de la Faculté HEC de l’Université de Lausanne, Amt für den Arbeitsmarkt des Kantons Freiburg, Amt für Statistik des Kantons Freiburg