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Die wechselhafte Geschichte des Kinobetriebes im Schwanen begann vor gut 90 Jahren im Dezember 1926, als der damalige Wirt Ernst Heller-Geisser ein Baugesuch für ein Kino in dem von ihm 1922 gekauften Gasthaus Schwanen einreichte. Nach anfänglichem Widerstand des Stadtrates konnte der Kinobetrieb am 14. Oktober 1927 aufgenommen werden. Zuerst lief das Geschäft recht gut. In den 1930er Jahren - es herrschte Krise - und in den folgenden Jahren wurde jedoch kein Pächter mehr auf dem Schwanen so richtig glücklich. Erst in den 1950er und frühen 1960er Jahren erlebte das Kino unter Dante und Thea Gridelli eine nochmalige Blütezeit. Schauspieler wie Emil Hegetschweiler (Bäckerei Zürrer) und Alfred Rasser (HD Läppli) kamen zur Vorführung ihrer Filme nach Stein am Rhein. Mit der Verbreitung des Fernsehens musste 1980 der Kinobetrieb eingestellt werden.
Zwei Freilichtkinovorführungen im Strandbad Stein am Rhein in den Sommern 1993 und 1994 gaben den Anlass für die spätere Wiedereröffnung des Kinos im Jahr 1995. Das Interesse an diesen Vorführungen war dermassen gross, dass sich eine Gruppe von Kinointeressierten entschlossen hat, mit der Unterstützung des damaligen Besitzers, den Kinobetrieb im Mai 1995 wieder aufzunehmen. Das Cinema Schwanen erwachte somit vor mehr als 20 Jahren weitgehend mit den vorhandenen Einrichtungen aus dem "Dornröschenschlaf", musste aber zuerst noch renoviert werden. Mit viel Eigenleistungen und Improvisation fand eine Umbau- und Renovationsphase statt. Die alte, von der Feuerpolizei nicht mehr zugelassene Kinobestuhlung konnte durch ausrangierte, beim Umbau nicht mehr benötigte Kinostühle des Kinos Frosch in Zürich ersetzt werden. Der damals bereits fast 70 Jahre alte Ernemann Filmprojektor wurde aufgerüstet und erfreute das Publikum noch weitere 13 Jahre mit seiner Projektion. Er würde mit Sicherheit auch heute noch laufen, entspricht aber in keiner Weise mehr dem heutigen Projektionsstandard. Wahrscheinlich war das Cinema Schwanen Dank diesem Projektor bis im Sommer 2008 das älteste Nostalgiekino der Schweiz.
Wie bereits erwähnt durchlebt der Kinobetrieb seit 1995 im Schwanen eine Renaissance. An jedem Wochenende (Freitag, Samstag und Sonntag) werden wieder Kinofilme gezeigt und das vielfälltige Angebot wird von der Bevölkerung, trotz grosser Multiplexkinos in naher Umgebung, nach wie vor ausserordentlich geschätzt. Jährlich besuchen gegen 5'000 Personen die Filmvorführungen im Kino Schwanen. Der laufende Kinobetrieb ist kostendeckend, weil alle beteiligten Personen ehrenamtlich arbeiten. Die notwendige Erneuerung der Projektionstechnik, die wir im Herbst 2008 bereits vorgenommen haben, konnten wir mit den vorhandenen Mitteln und einer Erhöhung des Kinoeintrittes um CHF 2.00, (jetzt CHF 14.00), selber finanzieren.
Ab Sommer 2012 wurde es immer schwieriger aktuelle Filme in 35 mm Format zu bekommen. Immer mehr Kinos in der Schweiz rüsteten auf digitale Projektion um oder wurden geschlossen. Ein einigermassen aktuelles Kinoprogramm zu erstellen wurde langsam immer mehr zur echten Qual. Das führte schlussendlich dazu, dass nicht mehr wir das Programm gestalten konnten sondern die Filmverleiher. Anders gesagt: Man musste nehmen, was noch als 35 Millimeter-Film erhältlich war. Wir verabschiedeten die 35mm-Ära mit alten bekannten Schweizerfilmen. Der letzte dieser Art, der im Schwanen gezeigt wurde, war Rolf Lyssys lengendärer „Schweizermacher“. Weil dieser Film durch sein alter langsam spröd war, hat es den auch bei der letzten Vorführung recht „verschnetzelt“. Kurzgesagt, ein letztes Mal Nostalgiekino pur. Der „Neue“ 2008 erstandene 35mm-Projektor, (Ernemann Papagei) wurde somit bereits schon nach 5 Jahren ins Alteisen geworfen.
Im alten Lichtspielhaus, das mittlerweile auch als Theaterbühne genutzt wird, geht es neu digital weiter. Wieder einmal ist die Jakob und Emma Windler-Stiftung helfend eingesprungen. Denn eine digitale Ausrüstung ist teuer: Eine neue Anlage mit D-Projektion und Ton würde rund 130‘000 Franken kosten. Geld das die Kinobetreiber nicht hatten. Denn die Einnahmen decken gerade mal die Ausgaben für Miete, Leihgebühr der Filme etc. Weil zugleich die Anfrage an das Kinoteam kam, künftig das Kino-Theater in der Oberen Stube zu führen, wurde die Hightech-Anlage vorerst gemietet. Der Mietbetrag kommt so auf jährlich ca. 20‘000.— Franken zu stehen und wird von der Windlerstiftung übernommen. Wie bis anhin werden jeweils Freitags, Samstags und Sonntags je einen Film gezeigt, allerdings sind es stets verschiedene Filme. Im analogen Zeitalter konnte man nur einen Film zeigen, jetzt wo man mittels einer Harddisk, DCP genannt, selbst programmieren kann und per Mail eine Art Schlüssel für einen bestimmten Zeitraum erhält, kann man besser mixen. So kann ein Film Wochen später nochmals gezeigt werden – für all jene, die ihn verpasst haben.
Die Betreiber des Kino Schwanens sind fünf Paare im Alter zwischen 44 und 66, die zum Teil seit bereits mehr als 20 Jahren an den Wochenenden Filme aus allen Sparten zeigen. Alle Beteiligten haben immer noch eine grosse Motivation und Spass an ihrem Hobby. Als Entschädigung und Höhepunkt des Jahres gönnen sie sich jeweils einen zweitägigen Ausflug. Dies stärkt den Zusammenhalt und fördert den Teamgeist der 10-köpfigen Gemeinschaft.