Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03456.jsonl.gz/1626

Die US-Börsenaufsicht SEC hat Robert Allen Stanford angeklagt, Betrug in Höhe von 8 Mrd Dollar mit dem Verkauf von Einlagenzertifikaten begangen zu haben. Die Behörde wirft dem texanischen Geschäftsmann vor, Investoren mit hohen und scheinbar sicheren Gewinnen geködert zu haben. Es handelt sich um den grössten mutmasslichen Betrugsfall innerhalb von drei Monaten nach der Anklage gegen Bernard Madoff im Dezember 2008. Madoff hat gegenüber der SEC zugegeben, ein Schneeballsystem im Volumen von 50 Mrd Dollar betrieben zu haben.
Die Stanford International Bank mit Hauptsitz auf der kleinen Karibikinsel Antigua bot Anlegern ungewöhnlich hohe Renditen mit sogenannten Certificates of Deposits; dabei handelt es sich um verbriefte Termineinlagen, die US-Bürger als sichere und liquide Anlageform kennen. Die Firma sammelte über die Bank und andere Firmen der Gruppe Milliarden von Dollar ein. Unter den Anlegern sind viele Lateinamerikaner.
Die SEC sagt, die Stanford International Bank habe den Anlegern versichert, dass das Geld in liquide Finanzinstrumente investiert werde, die von einem Team von mehr als 20 Analysten überwacht werden. Tatsächlich jedoch wurde das Geld zu grossen Teilen in schwer handelbare Assets wie Immobilien und Private Equity investiert. Nach Angaben der SEC hätten nur Stanford und dessen Finanzchef James Davis gewusst, wohin ein Grossteil des Geldes floss.
«Wie wir in unserer Anklage ausführen, verübten Stanford und ein kleiner Kreis von Familienmitgliedern und Freunden einen massiven Betrug, basierend auf falschen Versprechungen», sagte SEC-Vollzugsdirektorin Linda Thomsen. Eine Reihe von Anlegern befürchtet nun den Verlust ihres Geldes. «Ich bin selbst schuld, dass ich die Offenlegungspflichten nicht gelesen habe», sagt beispielsweise Investorin Brett Zagone. «Ich habe einfach geglaubt, was mir erzählt wurde.»
Vor der Bank of Antigua, die ebenfalls von Stanford kontrolliert wird, aber nicht direkt in die SEC-Anklage involviert ist, sammelte sich einen Tag nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine riesige Menschenmenge, die ihr Geld abheben wollte.
15 Jahre lang Traumrenditen
Stanford und seine Unternehmen haben stets behauptet, sie hätten in den vergangenen 15 Jahren zweistellige Renditen erzielt. Nach Angaben der SEC waren die Gewinnangaben jedoch unrealistisch und ohne Grundlage. Die SEC erklärte, sie habe eine einstweilige Verfügung erlangt, wonach die Vermögenswerte von Stanford, der Stanford International Bank und zweier weiterer Unternehmen eingefroren werden. Die Stanford International Bank verkaufte laut SEC für etwa 8 Mrd Dollar Einlagenzertifikate. Die SEC hat die Stanford-Gruppe darüber hinaus angeklagt, durch den Verkauf eines Investmentfondsprogramms, das sich auf Assets in Höhe von über 1,2 Mrd Dollar bezog, betrügerisch gehandelt zu haben.
Die SEC sagte, die Stanford International Bank habe im Zuge des Madoff-Betrugs Verluste erlitten - entgegen der Versicherungen der Bank an ihre Investoren, davon nicht betroffen zu sein. Laut SEC wurde Stanford und seinem Finanzchef Davis am 15. Dezember 2008 mitgeteilt, dass die Bank wegen des Madoff-Falls 400000 Dollar verloren habe.
In den USA ist Robert Allen Stanford wohl am bekanntesten als Sponsor des Golfturniers Stanford St. Jude Championship in Memphis. Im Ausland unterstützte der Geschäftsmann Kricketwettbewerbe.
Die Anklagen der SEC legen nahe, dass Stanford Schwierigkeiten aufgrund der Krise auf dem Immobilienmarkt hat. Im «Black Box»-Teil des Bankportfolios «waren immer Immobilieninvestments enthalten», teilte Laura Pendergast-Holt, Chief Investment Officer der Stanford-Gruppe, der SEC mit. Laut Unterlagen der Börsenaufsicht war die Stanford International Bank vor allem im Immobilienmarkt von Florida investiert, der zuletzt einen harschen Rückgang erlitt. Dort hatte die Bank an Immobilienunternehmen Kredite vergeben.