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Titel
Photographie
(vom grch. phōs, Licht, [* 2] und gráphein, schreiben, zeichnen), Lichtbildkunst, Lichtbildnerei, die Kunst, mit Hilfe der chem. Wirkungen des Lichts ein bleibendes Bild eines Objekts auf einer chemisch präparierten Fläche herzustellen.
Geschichtliches. Bereits vor Jahrhunderten war den Alchimisten die Eigenschaft des Chlorsilbers oder, wie sie es nannten, des Hornsilbers bekannt, sich im Lichte zu färben. Ein deutscher Arzt, Johann Heinrich Schultze in Halle [* 3] a. S., machte 1727 den ersten Versuch, in einer undurchsichtigen Schablone ausgeschnittene, durchsichtige Schriftzüge auf einen silberhaltigen Niederschlag mit Hilfe des Sonnenlichts zu kopieren. Die Versuche fanden keine Beachtung. 1802 versuchten Wedgewood und Davy Bilder durch chem. Wirkung des Lichts zu fertigen.
Sie badeten ein Stück Papier in Silberauflösung und legten es mit einem dunkeln Gegenstände, z. B. einer Silhouette, bedeckt in die Sonne. [* 4] Alle Stellen, die nicht durch die dunkle Silhouette geschützt waren, färbten sich dabei braun, die andern blieben weiß, und so erhielten sie ein weißes Bild der Silhouette auf braunem Grunde. Doch waren diese Bilder nicht von langer Dauer. Der hell gebliebene Teil schwärzte sich später durch weitere Einwirkung des Lichts, und so verschwand das Bild durch Einfluß desselben Agens, welchem es seine Erzeugung verdankte.
Nach der Methode von Wedgewood und Davy konnten nur flache Gegenstände, die mit dem empfindlichen Papier zusammengepreßt in die Sonne gelegt wurden, kopiert werden, z. B. Blätter, Spitzen u. s. w.: Nicephore Niepce (s. d.) ging einen Schritt weiter, indem er die Aufnahme körperlicher Gegenstände versuchte. Dies gelang ihm mit Hilfe der Camera obscura [* 5] (s. d.). Niepce benutzte ein anderes lichtempfindliches Präparat als Davy und Wedgewood, eine Auslösung von Asphalt in Lavendelöl.
Mit solcher Lösung überzog er eine Metallplatte und exponierte dieselbe in der Camera stundenlang. Alle vom Licht getroffenen Stellen des Überzugs wurden dadurch unlöslich, blieben bei nachherigem Behandeln der Platte mit ätherischen Ölen zurück und lieferten ein Bild. So erzeugte Niepce schon 1826 unvollkommene Lichtbilder, die ihm zur Anfertigung der ersten Heliographien (s. d.) dienten. 1829 verband sich Niepce mit Daguerre, und beide Männer arbeiteten gemeinschaftlich bis 1833, wo Niepce starb.
Daguerre wurde der alleinige Erbe seiner Ideen, und wenige Jahre nach Niepces Tode 1838 löste er das große Problem, mit Hilfe des Lichts auf eine einfache, leicht ausführbare Weise dauerhafte Bilder herzustellen. Durch Verwendung Aragos wurde Daguerre veranlaßt, sein Verfahren zu veröffentlichen, und ihm dafür eine lebenslängliche jährliche Pension von 6000 Frs. von seiten der Regierung ausgesetzt. Am wurde das Geheimnis der Erzeugung dieser Bilder in der öffentlichen Sitzung der Pariser Akademie der Welt offenbart.
Daguerre wandte als lichtempfindliche Substanz das Jodsilber an, welches er durch Räuchern einer Silberplatte in Joddämpfen erzeugte. Der Lichteindruck, den eine solche Jodsilberplatte in der Camera annimmt, ist anfangs nicht sichtbar; sobald aber die Platte Quecksilberdämpfen ausgesetzt wird, erscheint das Bild in allen seinen Details, indem das Quecksilber sich in feinen Kügelchen nur an den Stellen niederschlägt, auf welche das Licht gewirkt bat, und um so stärker, je kräftiger diese Wirkung des Lichts war.
Während alle Experimentatoren vor Daguerre durch Wirkung des Lichts allein sogleich ein sichtbares
Bild
zu erbalten suchten und zu diesem Zwecke stundenlang belichten mußten, machte er einen, durch eine kurze Belichtungszeit
entstandenen, an und für sich noch unsichtbaren Lichteindruck durch Einführung einer sekundären
Operation, der sog. Hervorrufung
oder
Entwicklung sichtbar. Auf diese
Weise hatte er nur nötig, ganz kurze Zeit zu belichten, um ein
Bild
zu erhalten; dadurch wurde die
Photographie erst für unruhige Gegenstände möglich.
Das entwickelte Bild wurde lichtbeständig gemacht (fixiert) durch Entfernung des lichtempfindlichen Jodsilbers mittels einer Lösung von unterschwefligsaurem Natrium. Um dieselbe Zeit, als Daguerre sein erstes Bild der Pariser Akademie vorlegte, im Frühjahr 1839, machte Talbot der Londoner Roval Society Mitteilung über eine Methode, Bilder mit Hilfe des Lichts zu vervielfältigen. Anknüpfend an Wedgewoods Versuche nahm er mit Kochsalz imprägniertes Papier, ließ dieses auf einer Silberauflösung schwimmen und legte das so mit Chlorsilber und salpetersaurem Silberoxyd getränkte Papier, das bedeutend lichtempfindlicher ist als das Wedgewoodsche, mit dem zu kopierenden Kupferstich bedeckt in die Sonne. Diese scheint durch alle weißen Stellen des Bildes hindurch, färbt die darunter liegenden Teile schwarz, und so entsteht ein weißes Bild auf schwarzem Grunde, ein Negativ, welches nach dem Fixieren (s. oben) in ganz gleicher Weise wie der Kupferstich, mit einem zweiten Stück ¶
mehr
empfindlichen Papiers in die Sonne gelegt, ein positives Bild lieferte. Dieser Prozeß konnte beliebig oft wiederholt werden,
und dadurch konnte man von einem einzigen Negativ zahlreiche positive Abzüge erhalten. Durch diese Erfindung Talbots trat die
Photographie ein in die Reihe der vervielfältigenden Künste.
Nach dem Bekanntwerden der Daguerreschen Entdeckung suchte Talbot auch Camerabilder auf Papier aufzunehmen. Er ließ Papier auf Jodkalium-, dann auf Silberlösung schwimmen und erzeugte dadurch einen Niederschlag von Jodsilber; dieses mit Jodsilber und Silbernitrat getränkte Papier belichtete er in der Camera. Dadurch erhält man schon nach kurzer Belichtung ein unsichtbares Bild, welches in ähnlicher Weise wie bei Daguerres Verfahren durch Anwendung einer Entwicklung (Talbot nahm dazu Gallussäure) sichtbar gemacht wurde.
Die Gallussäure reduziert das Silbernitrat; es schlägt sich pulveriges Silber von schwarzer Farbe nieder und dieses hängt sich seltsamerweise nur an die vom Lichte getroffenen Jodsilberstellen. Solche Bilder auf Jodsilberpapier sind, mit ihrem Original verglichen, in Bezug auf Licht und Schatten [* 7] verkehrt (negativ). Sie können aber dazu dienen, durch Auflegen auf lichtempfindliches Chlorsilberpapier nach dem oben beschriebenen Verfahren eine beliebige, ganz unbeschränkte Anzahl dem Original wirklich entsprechender, positiver Bilder zu erzeugen.
Der größte Übelstand bei den Talbotschen negativen Papierbildcrn war die rauhe Struktur des Papiers, welche, wenn auch durch Tränken mit Wachs verbessert, der feinen, glatten Oberfläche einer polierten Silberplatte nie gleichkommen kann. Um dem abzuhelfen, kam 1847 Niepce de Saint-Victor, Neffe des ältern Niepce (s. oben), auf die Idee, das Jodsilber mit einem Eiweißüberzuge auf Glasplatten zu befestigen. Dies Verfahren liefert sehr feine, kräftige Bilder, bietet aber infolge der leichten Zersetzbarkeit des Eiweißes mancherlei Unbequemlichkeiten dar.
Fry und Archer benutzten 1851 mit Erfolg das Kollodium als Träger [* 8] der lichtempfindlichen Silbersalze. Archer überzog Plangläser mit Kollodium, welches Jodsalze und Bromsalze aufgelöst enthielt, tauchte diese in eine Silberauflösung und erhielt so auf der Glasplatte ein zartes, mit lichtempfindlichem Brom- und Jodsilber getränktes Häutchen, welches in ähnlicher Weise wie das Talbotsche Papier in der Camera belichtet und mit Pyrogallussäure entwickelt ein Negativ von außer ordentlicher Schärfe und Feinheit lieferte und in folgedessen die Erzeugung trefflicher Positivbilder auf Papier nach der oben beschriebenen Weise in beliebiger Anzahl erlaubte. Jetzt wurde das Daguerresche Verfahren vollständig aus dem Felde geschlagen. Der Kollodiumprozeß verbreitete sich allgemein, wurde im Laufe der Zeit mehr und mehr vervollkommnet und blieb bis zu der Einführung der Gelatinetrockenplatten der herrschende.
Ältere Versuche von Maddor, Wortley zeigten, daß man Gelatine statt des Kollodiums als Bildträger benutzen könne,
indem man gewöhnliche Gelatine in warmem Wasser auflöst, diese Lösung mit Bromsalz, dann mit Silbersalz
versetzt, die so erhaltene «Emulsion» zur Entfernung der löslichen Salze auswäscht, auf Glasplatten trägt, erstarren läßt
und dann die Platten im Dunkeln trocknet. Anfangs schien dieses Verfahren keine Vorteile dar zubieten. 1878 machte aber Bennett
die Entdeckung, daß die Gelatineemulsion durch
längeres Erwärmen ihre Empfindlichkeit steigert und
daß man durch diese einfache Operation im stande ist, Emulsionen zu erhalten, welche Platten von zwanzigfacher Empfindlichkeit
der Kollodiumplatten liefert, die vor den Kollodiumplatten noch den Vorteil bieten, monatelang, ja jahrelang haltbar zu sein.
Jetzt werden diese Gelatinetrockenplatten in vielen Anstalten im großen fabriziert und in den Handel
gebracht; ihnen verdankt man die gegenwärtige Entwicklung der
Photographie und ihre erweiterte Anwendung in Kunst, Wissenschaft, Industrie
und auf Forschungsreisen; sie gaben auch Veranlassung zu dem großen Aufschwung, den die Liebhaber- oder Amateur
photographie
jetzt angenommen hat.
Die unbefugte Nachbildung von
Photographie ist nach dem deutschen Reichsgesetz vom
welches auch alle übrigen die
Photographie betreffenden gesetzlichen Verhältnisse regelt, verboten. (S. Nachdruck und Urheberrecht.)
Die heutigen photographischen Prozesse. Die gegenwärtigen photogr. Verfahren gliedern sich in zwei Prozesse:
1) den Negativprozeß, d.i. die Aufnahme in der photogr. Camera;
2) den Positivprozeß, d. i. die Herstellung eines positiven Bildes durch Belichtung einer lichtempfindlichen Fläche unter einem Negativ. Hierher gehören auch die Lichtpausverfahren [* 9] (s. d.). Negativprozesse werden praktisch nur zwei benutzt:
1) das Bromsilbergelatineverfahren oder der Gelatinetrockenplattenprozeß, 2) der Jodsilberkollodiumprozeß. Der letztere hat durch Einführung der Gelatineplatten bedeutende Einbuße erlitten, ist aber für das Reproduktionsfach noch unentbehrlich. Der Negativprozeß mit Gelatinetrockenplatten wird derart ausgeübt, daß man eine Trockenplatte in der photogr. Camera, welche auf den aufzunehmenden Gegenstand optisch eingestellt ist, belichtet, dann in einem rot beleuchteten Dunkelzimmer mit einem Entwickler behandelt, welcher im stande ist, Bromsilber zu pulverigem, schwarzem Silber zu reduzieren.
Solche Entwickler giebt es jetzt viele, z. B. oxalsaures Eisenoxydul, alkalische Lösungen von Pyrogallol, Hydrochinon, Amidol, Methol, Eikonogen u. a. Ist das Bild in diesen Lösungen erschienen und bis zur hinreichenden Intensität gekräftigt, so wird die Platte durch Eintauchen in eine Lösung von unterschwefligsaurem Natrium fixiert, gründlich gewaschen und getrocknet. Das so erhaltene Negativ dient zur Herstellung einer beliebigen Anzahl von Positiven (s. oben).
Der Arbeitsgang des Kollodiumverfahrens ist folgender: geputzte Glasplatten werden mit jod- und brommetallhaltigem Kollodium überzogen, in eine Höllensteinauflösung (Silberbad) getaucht, wodurch in der Kollodiumschicht Jod und Bromsilber gebildet wird, und in der Camera belichtet, das noch unsichtbare Bild durch Aufgießen einer Lösung von Eisenvitriol (an Stelle der Gallussäure) sichtbar gemacht (entwickelt), durch Überguß einer Mischung von Pyrogallussäure und Silberlösung dunkler gemacht (gekräftigt), endlich durch Entfernung der noch vorhandenen Silbersalze mittels unterschwefligsaurer Natronlösung fixiert und zum Schutze gegen mechan. Einwirkung lackiert.
Von den vielen Positivprozessen ist der Silberprozeß der beliebteste. Es wird mit Eiweiß überzogenes kochsalzhaltiges Papier in einem Silberbade lichtempfindlich gemacht, getrocknet und unter dem Negativ dem Licht ausgesetzt so lange, bis ein ¶
mehr
kräftiges Bild erscheint. Dieses wird gewaschen, in eine Goldauflösung getaucht (getont), um ihm eine bessere Farbe zu geben, endlich durch Entfernung der noch vorhandenen Silbersalze mit unterschwefligsaurem Natron fixiert, gründlich gewaschen und auf Karton geklebt. Die sog. Panotypen und Ferrotypen sind in kurzer Expositionszeit aufgenommene negative Kollodiumbilder, die auf schwarzem Untergrunde (Hyalitglas oder asphaltiertes Eisen) [* 11] positiv erscheinen. (S. Ferrotypie.)
Die Amateure bedienen sich gewöhnlich des käuflichen haltbaren gesilberten Papiers, z. B. Chlorsilbergelatinepapier (Aristo) und Chlorsilberkollodium (sog. Celloidinpapier). Der Arbeitsgang ist etwa derselbe wie oben, häufig werden aber Ton- und Fixierbäder gemischt angewendet.
Zum Vergleich eines Negativs mit dem Positiv dienen die
[* 10]
Fig. 1 u. 2 der Tafel:
Photographie I.
Ein sehr großer Übelstand der
Photographie blieb bis in die neueste Zeit die unrichtige Wirkung farbiger Körper. Viele helle gelbe
und rote Farben, wie Cbromgelb, Zinnober,
[* 12] Mennige, rote Haare,
[* 13] gelbe Hautflecke erscheinen in der
Photographie schwarz, andere dunkle Farben,
wie Blau, Violett u. s. w., werden dagegen weiß. Der Grund liegt darin, daß die photogr. Präparate, namentlich
Brom- und Jodsilber, hauptsächlich für blaue Strahlen empfindlich sind; für grüne, gelbe und rote aber nicht. Um diese Fehler
zu beseitigen, bedient man sich der Negativretouche.
Man deckt die zu schwach
photographierten Stellen des Negativs, z. B. gelbe Farben in Ölbildern, Sommersprossen
bei Gesichtern, mit Bleistift
[* 14] oder Tusche, bis sie den richtigen Ton zeigen; eine einzige retouchierte Platte der Art gestattet,
zahlreiche fehlerfreie positive Abzüge danach zu fertigen, während sonst bei der altern Positivretouche jeder einzelne Abzug
die gleiche Retouchierarbeit erforderte. Man hat auf diese Weise auch das
Photographieren von Ölgemälden
ermöglicht, welches früher wegen der abnormen Wirkung der Farben unmöglich erschien. In Kunststädten, wie Berlin,
[* 15] Düsseldorf,
[* 16] München,
[* 17] Dresden,
[* 18] bilden diese Ölreproduktionen bereits einen großartigen Handelsartikel.
Jedoch wurde die Mehrheit dieser Bilder durch Einfluß der Bearbeitung des Negativs mit der Hand
[* 19] mehr oder weniger beeinträchtigt.
H. W. Vogel beseitigte den Grundfehler der
Photographie, die falsche Wirkung der Farben. Er erkannte bereits 1873,
daß Bromsilber durch Beimischung von Stoffen, welche die gelben und roten Strahlen absorbieren (z. B. rote und grüne Anilinfarben),
empfindlich wird für gelbes und rotes Licht. Aus dieser Entdeckung entwickelten sich im Laufe der Zeit die farbenempfindlichen
(isochromatischen und orthochromatischen) Verfahren, welche Platten liefern, die für Gelb, Rot, Grün und Blau nach Maßgabe
von deren Helligkeit empfindlich sind.
Durch Einführung dieser farbenempfindlichen Verfahren trat die
Photographie in ein neues Stadium. Die Aufnahme alter Ölbilder in den
richtigen Tonverhältnissen bietet jetzt keine Schwierigkeiten mehr. Ein Übelstand der ältern farbenempfindlichen
Verfahren war die Notwendigkeit der Anwendung eines gelben Strahlenfilters, um die zu starke Wirkung der blauen Strahlen herabzumildern.
Bei dem farbenempfindlichen Kollodiumverfahren war dieses Strahlenfilter durch Anwendung eines stark mit Eosin versetzten
Kollodiums bereits eliminiert.
In dem Gelatineemulsionsverfahren gelang es Obernetter und H. W. Vogel, Emulsionsplatten zu fertigen, die auch ohne gelbes Strahlenfilter Photographie in den richtigen Tonverhältnissen lieferten, und zwar durch Anwendung des Eosinsilbers. Dasselbe ist namentlich von Bedeutung für Aufnahmen von Landschaften und farbigen Kostümen, Teppichen, farbigen mikroskopischen Präparaten u. s. w. Aus dem farbenempfindlichen Verfahren ging später der Naturfarbendruck (s. d.) hervor.
Ein Mangel der gewöhnlichen mit Silbersalz erzeugten Bilder ist ihre Neigung zum Verbleichen oder Vergilben. Dieses wird verschuldet durch ungenügendes Auswaschen des schwefelhaltigen Fixiersalzes nach dem Fixieren. Der Rückstand von Fixiersalz zersetzt sich alsdann mit der Zeit unter Ausscheidung von Schwefel und Bildung von Schwefelsilber, welches in dünner Lage gelb erscheint. Es können aber auch sehr gut ausgewaschene Silberbilder verbleichen, wenn sie an feuchten Orten aufbewahrt werden.
Hier erfolgt durch Einfluß der Feuchtigkeit eine Zersetzung des schwefelhaltigen Albuminüberzugs und Bildung von Schwefelsilber. Dieser Umstand hat Veranlassung zur Herstellung von Papierbildern ohne Anwendung von silber- und schwefelhaltigem Material gegeben. Eins der bekanntesten Verfahren der Art ist das Platinverfahren von Willis (in der Praxis oft Platindruck oder Platinotypie genannt). Willis tränkt Papier mit einer Mischung von Platinchlorürkalium und oxalsaurem Eisenoxyd in Lösung und trocknet es. Das so erhaltene Papier kommt fertig präpariert in den Handel. Es wird unter einem gewöhnlichen Negativ dem Licht ausgesetzt; dieses reduziert zunächst das Eisenoxydsalz zu Eisenoxydulsalz, welches im stande ist, wieder das Platinsalz zu metallischem, schwarzem Platin zu reduzieren, namentlich bei Einfluß der Feuchtigkeit oder beim Eintauchen in eine heiße Lösung von oxalsaurem Kalium.
Dadurch kommen die Bilder, die beim Kopieren anfangs nur schwach sichtbar hervortreten, mit großer Intensität heraus und brauchen dann nur noch mit schwacher Salzsäure und Wasser gewaschen zu werden. Tonen und Fixieren wie bei Silberbildern ist nicht nötig. Die Bilder zeichnen sich durch einen sehr schönen sammetschwarzen Ton, der an Photogravüren erinnert, und durch große Haltbarkeit aus; nach E. Vogel widerstehen sie selbst der Einwirkung des Chlors.
Es giebt aber noch eine große Reihe anderer Kopierverfahren (Pausverfahren), um ohne Anwendung von Silbersalzen positive Bilder zu liefern, einerseits wirkliche Lichtkopien, andererseits Abdruck in fette Schwärze von mit Hilfe des Lichts erzeugten Druckplatten (photogr. Pressendruck). Die Mehrzahl dieser Prozesse ist auf Anwendung von Chromaten (chromsauren Salzen resp. Mischungen derselben mit Leim) gegründet. Eine Mischung von chromsaurem Alkali und Leim in Wasser gelöst erstarrt in der Kälte und wird in der Wärme [* 20] wieder flüssig.
Wird aber die erstarrte Masse (Gallert) hinreichend lange belichtet, so wird sie in der Wärme nicht mehr flüssig. Leim in Verbindung mit chromsaurem Kalium verliert seine Löslichkeit in warmem Wasser durch Wirkung des Lichts. Von Lichtkopierverfahren, welche auf Anwendung von Leim und chromsauren Salzen beruhen, sei das Pigmentdruckverfahren (Photographie au charbon, Kohledruck) erwähnt. Belichtet man eine gefärbte Schicht von chromsaurem Kalium und Leim ¶