Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/54441

<h2>SubmittedText<h2><p>Gemäss Artikel 14 der Verordnung vom 19. November 2003 über die Berufsbildung (BBV) ist es möglich, einen so genannten Lehrbetriebsverbund einzugehen.</p><p>Ich ersuche den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Erkennt er die Chance, dass bisher nicht ausbildende Betriebe im Lehrbetriebsverbund ein höheres Kosten-Nutzen-Verhältnis erreichen könnten?</p><p>2. Teilt er die Meinung, dass mit diesem Lehrbetriebsverbund auch für Kleinstbetriebe die Möglichkeit geschaffen wird, künftig in der Lehrlingsausbildung eine aktive Rolle zu übernehmen?</p><p>3. Wie will er solche Lehrbetriebsverbünde konkret fördern, damit einerseits das Kosten-Nutzen-Verhältnis für bisher nicht ausbildende Betriebe attraktiver wird und sich andererseits auch Kleinstbetriebe an der Grundausbildung beteiligen?</p><p>4. Ist er bereit, für die Verbundsbetriebe, vor allem aber auch für Leitbetriebe solcher Verbünde gemäss Artikel 14 Absatz 2 BBV, konkrete Anreize zu schaffen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bund setzt sich zusammen mit den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt für optimale Rahmenbedingungen für ausbildende Unternehmungen und für ein ausreichendes Lehrstellenangebot ein. In Anbetracht der aktuellen Lehrstellensituation fördert er zusätzlich drei bewährte Massnahmen: die Schaffung von Lehrbetriebsverbünden, die Einsetzung von Lehrstellenförderinnen und -förderern und die Vermittlung und individuelle Begleitung (Mentoring) von Jugendlichen.</p><p>Die Wirtschaft hat ein Interesse, den Jugendlichen attraktive Berufsperspektiven anzubieten. Sie sichert sich mit zukunftsfähigen Ausbildungsplätzen ihren Nachwuchs an qualifizierten Fachkräften. Die dynamische Entwicklung in der Arbeitswelt beeinflusst jedoch die Ausbildungsfähigkeit: Strukturelle Veränderungen wirken sich auf das Lehrstellenangebot aus. Konjunkturelle Schwankungen haben insofern einen Einfluss, als dass es in der dualen Berufsbildung auch Aufträge braucht, um Lehrlinge ausbilden zu können. Ausserdem sind Unternehmungen mit einer hohen Spezialisierung nicht in der Lage, die ganze Ausbildung anzubieten.</p><p>Um weiterhin ein ausreichendes betriebliches Lehrstellenangebot sicherzustellen, ist die klassische Ausbildung in einem Betrieb mit weiteren Ausbildungsmodellen - z. B. mit Basislehrjahren (ein Jahr schulische Vollzeitausbildung, danach Ausbildung im Lehrbetrieb) oder Lehrbetriebsverbünden - ergänzt worden. Das neue Berufsbildungsgesetz als offenes Rahmengesetz ermöglicht es, weitere praxisorientierte Ausbildungsmodelle zu entwickeln.</p><p>1. Die Wirtschaftlichkeit ist das eine, betriebliche Überlegungen sind das andere. Lehrbetriebsverbünde eignen sich besonders für Unternehmungen, die über beschränkte personelle Kapazitäten verfügen oder die aufgrund ihrer Spezialisierung nur einen Teil der Ausbildung anbieten können. Lehrbetriebsverbünde weisen auch Vorteile für die Lernenden auf: Diese erhalten dank dem Einblick in mehrere Unternehmungen ein breites Ausbildungsspektrum und lernen, sich auf neue Situationen einzustellen. Auch sind die Kontakte während der Zeit der beruflichen Grundbildung förderlich, um nach Ende der Ausbildung eine Anstellung zu finden.</p><p>2. Die Beteiligung an einem Lehrbetriebsverbund hängt von der betrieblichen Struktur und der Art der Arbeit ab. Lehrbetriebsverbünde kommen als Ausbildungsmodell vor allem für Klein- und Mittelbetriebe infrage.</p><p>3. Die Berufsbildung ist eine Verbundaufgabe des Bundes, der Kantone und der Organisationen der Arbeitswelt. Die bundesstaatliche Aufgabe ist auf der strategischen Ebene angesiedelt: die Qualität und die Weiterentwicklung des Gesamtsystems sowie die Vergleichbarkeit und die Transparenz der Angebote im gesamtschweizerischen Rahmen. Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie baut zurzeit eine Koordinationsstelle zur Förderung von Lehrbetriebsverbünden auf. Im Vordergrund steht der Wissenstransfer. Ein Netzwerk von Beraterinnen und Beratern unterstützt die Kantone und die Organisationen der Arbeitswelt bei der Gründung und beim Aufbau von solchen Verbünden. Für die Mitfinanzierung dieser Massnahmen stehen dem Bund Gelder im Rahmen des Innovationskredites des neuen Berufsbildungsgesetzes zur Verfügung.</p><p>Es bewährt sich, dass die konkrete Schaffung von Lehrbetriebsverbünden auf kantonaler Ebene erfolgt. Die Berufsbildungsämter und regionalen Organisationen der Arbeitswelt sind mit den Verhältnissen vor Ort vertraut und pflegen den Kontakt mit den Unternehmungen. Die Schaffung von solchen Verbünden erfolgt zudem nicht isoliert, sondern ist in die kantonalen Lehrstellenmarketingmassnahmen eingebettet. Beispielsweise schaffen die kantonalen Lehrstellenförderinnen und -förderer zusätzliche Lehrstellen, indem sie Unternehmungen - gegebenenfalls in einem Lehrbetriebsverbund - für die Beteiligung an der Ausbildung gewinnen.</p><p>4. Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz sind die Voraussetzungen gegeben, um Lehrbetriebsverbünde gezielt zu fördern. Die gesetzliche Lösung ist praxisorientiert ausgestaltet und stellt zugleich eine hohe Bildungsqualität sicher. Die administrative Arbeit wird von einer Leitorganisation - einem Betrieb oder einer Interessengemeinschaft (zum Teil in Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand) - übernommen. Über den Innovationskredit des neuen Berufsbildungsgesetzes stehen dem Bund Mittel für Anschubfinanzierungen von Lehrbetriebsverbünden und für die Weiterentwicklung des Ausbildungsmodells zur Verfügung.</p>  Antwort des Bundesrates.