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Foto: Olaf Tausch
Ahmose, Sohn der Ibana, war ein Marineoffizier zu Beginn des Neuen Reiches. Er hatte unter dem thebanischen Fürsten Ahmose am Feldzug gegen die Hyksos teilgenommen, und in seinem Grab in El-Kab ist der Verlauf dieses Befreiungskrieges sowie anderer Feldzüge aufgezeichnet. Der Text gehört zu den wichtigsten Quellen in Bezug auf die Eroberung von Auaris und die Vertreibung der Hyksos aus Ägypten.
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Edition, Transliteration und Übersetzung der Inschrift auf der Grundlage der Ausgabe von Kurt Sethe: Urkunden der 18. Dynastie, Bd. 1: Historisch-biographische Urkunden, Heft 1: Zeit der Hyksosvertreiber und ihrer ersten Nachfolger, S. 1-10
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Einleitung
Die ägyptische Geschichte umfasst vier grosse Blütezeiten: das Alte Reich, das Mittlere Reich, das Neue Reich und die Spätzeit. Jeweils am Anfang einer Epoche steht eine bedeutende Herrscherpersönlichkeit: Menes (das Alte Reich), Mentuhotep II. (das Mittlere Reich) und Ahmose I. (das Neue Reich). Diese drei Epochen sind voneinander durch die sogenannten Zwischenzeiten getrennt – Zeiten der Anarchie, der Zersplitterung des Reiches und der Fremdherrschaft. Eingerahmt werden sie von der archaischen Frühzeit und der griechisch-römischen Spätzeit. Die Zwischenzeiten sind klar definiert: die staatliche Einheit ist zerbrochen, es existieren zwei oder mehrere Teilreiche, lokale Herrscher etablieren Fürstentümer und Herrscher fremder Herkunft üben die politische Gewalt im Land aus. Allerdings wird die Existenz des Königs nie infrage gestellt, denn die Figur des Pharaos ist für die Ausübung des religiösen Kults auch in Krisenzeiten unabdingbar. Die Zäsuren zwischen den einzelnen Epochen wurden von den Ägyptern selbst gesetzt.
Parallel zu dieser Einteilung wird die ägyptische Geschichte auch nach der von dem ägyptischen Priester und Geschichtsschreiber Manetho von Sebennythos (3. Jahrhundert v. Chr.) eingeführten Zählung nach Dynastien gegliedert. Manetho verfasste eine Chronik, welche die Namen sämtlicher ägyptischen Könige verzeichnet, beginnend mit Menes und endend mit der Eroberung Ägyptens durch Alexander d. Gr. im Jahre 332 v. Chr. Die Chronik ist nur in Abschriften und Bearbeitungen erhalten, gilt aber trotz einiger Ungenauigkeiten als verbindliches Standardwerk.
Das Mittlere Reich wurde geprägt durch die bedeutenden Herrschergestalten der 12. Dynastie, die einen Zeitraum von ca. 200 Jahren umfasst. Keiner der ersten sechs Könige dieser Dynastie hat weniger als 20 Jahre regiert. Der letzte König war Amenemhat IV., nach dessen Tod seine Schwester Nefrusobek Königin wurde, da er keinen männlichen Nachkommen hatte. Mit ihrem Tod endete die 12. Dynastie, ihre Regierungszeit hatte nach Manetho knapp vier Jahre gedauert. Die Könige der 13. Dynastie konnten die Stabilität und Sicherheit des Landes nicht aufrechterhalten, und die allmähliche Auflösung des Reiches begann. Die Regierungszeiten der nachfolgenden Könige waren kurz, das Land war geprägt durch innenpolitische Auseinandersetzungen und schlechte wirtschaftliche Lage, ausserdem waren die Grenzen im Norden durch das Eindringen semitischer und asiatischer Stämme bedroht. In der 14. Dynastie regierten im Delta zahlreiche Kleinkönige, mehrheitlich nebeneinander, nach Manetho waren es 76.
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts v. Chr. gelang es semitischen Stämmen aus dem asiatischen Raum ins Delta vorzudringen, dort die einheimischen Fürsten zu besiegen und die Macht an sich zu reissen. Diese fremden Eindringlinge wurden von den Ägyptern „Heka-Hasut“ – „Herrscher der Fremdländer“ – genannt, eine Bezeichnung, die von antiken Autoren als Hyksos wiedergegeben wurde. Um 1650 v. Chr. begründeten diese Fremdherrscher eine eigene Dynastie und errichteten in Auaris (heute Tell ed-Daba) ihre Residenz. Sie etablierten ihren Herrschaftssitz zwar im Norden Ägyptens, beanspruchten aber die Regierungsgewalt über ganz Ägypten. In Oberägypten hatte ein thebanisches Fürstengeschlecht die Königswürde angenommen und die 17. Dynastie begründet. Allerdings waren auch die Repräsentanten dieser Dynastie den Hyksos tributpflichtig.
Die Vertreibung der Hyksos
Das Ende der Hyksos-Herrschaft wurde durch eine Auseinandersetzung zwischen dem Hyksoskönig Apophis und dem thebanischen Fürsten Seqenenre eingeleitet, in deren Verlauf Seqenenre den Tod fand. Seqenenres Sohn Kamose führte den Kampf gegen Apophis weiter. Der Verlauf seines Feldzuges ist auf zwei Stelen erhalten, deren Text auch eine Passage enthält, in welche Kamose erklärt, dass er nicht länger nur ein „Häuptling“ neben Apophis sein will, was bedeutet, dass er das Joch der Fremdherrschaft abwerfen wollte. Kamose gelang es, auf seinem Feldzug nach Norden mehrere Festungen der Hyksos einzunehmen, auch belagerte er die Hauptstadt Auaris, kehrte aber ohne endgültigen Sieg nach Theben zurück. Nach seinem Tod – seine Regierungszeit dauerte nur 6 Jahre – übernahm sein Bruder Ahmose die Herrschaft und ihm gelang es nun, die Hyksos zu vertreiben und die thebanische Herrschaft über ganz Ägypten wieder herzustellen. Mit der Wiederherstellung der Reichseinheit wurde Ahmose zum Begründer des Neuen Reiches und der erste König der 18. Dynastie (Ahmose I). Die Herrschaft der Hyksos dauerte gemäss der Aussage des Turiner Königspapyrus’ 108 Jahre.
Der nubische Feldzug des Königs Ahmose I.
Ein weiterer Feldzug des Königs Ahmose I., an welchem Ahmose, Sohn der Ibana, teilgenommen hat, galt der Rückeroberung von Gebieten, die im Süden an Ägypten grenzten, ehemals zu Nubien gehört hatten und von Ägypten annektiert worden waren. Nubien war ein Gebiet, das heute Teile von Äthiopien und des Sudan umfassen würde. Für die Ägypter waren diese Gebiete interessant, weil sie über reiche Goldminen verfügten, und sie bestrebt waren, diese Minen auszubeuten. Auch bezog Ägypten von dort Weihrauch, Elfenbein, die Felle wilder Tiere und anderes mehr. Die Ägypter nannten das Land „Kusch“, in Texten ist immer wieder die Rede vom „elenden Kusch“. Im Mittleren Reich hatten die Könige Sesostris I. und Sesostris III. die Grenzen Ägyptens bis zum 1. Katarakt ausgedehnt und dieses Gebiet annektiert. In den Wirren der Zweiten Zwischenzeit sahen die regionalen Fürsten nun eine günstige Gelegenheit, von Ägypten wieder abzufallen und ein eigenes Machtzentrum zu etablieren. Ahmose I. vereitelte jedoch diese Pläne. Nachdem er im Norden die Hyksos vertrieben hatte, zog er nach Süden und eroberte die verlorenen Gebiete zurück. Sie wurden unter die Verwaltung eines Gouverneurs gestellt, der den Titel „Königssohn von Kusch“ erhielt. Ahmose, Sohn der Ibana, hatte sich auch in diesem Feldzug durch grosse Tapferkeit ausgezeichnet und war vom König reich belohnt worden.
Dokumentiert ist die Eroberung von Auaris und der anderen kriegerischen Ereignisse durch die Inschrift in dem Grab des Ahmose, Sohn der Ibana, in der Nekropole von El-Kab. El-Kab ist ein kleines Dorf in Oberägypten in der Nähe der Ruinen der antiken Stadt Necheb. Ausserhalb der Stadt, die von einer gewaltigen Mauer umfasst war, befinden sich Felsengräber aus dem Mittleren Reich, der frühen 18. Dynastie und der Ramessidenzeit. Im Grab des Marineoffiziers Ahmose, Sohn der Ibana, EK 5, ist die Inschrift angebracht, in welcher die Eroberung von Auaris sowie weitere kriegerische Ereignisse beschrieben werden. Ahmose, Sohn der Ibana, hatte als junger Schiffsoffizier an dem Feldzug gegen die Hyksos teilgenommen, später auch an Feldzügen unter Amenophis I. und Thutmosis I., und war bis zum Admiral aufgestiegen. In der Literatur wird die Inschrift als „Autobiographie des Ahmose“ zitiert, da der Text in der Ich-Form verfasst ist. Tatsächlich handelt es sich aber um die Biographie des Ahmose, da dessen Enkel Paheri diesen Text im Grab aufzeichnen liess.
Das Grab ist unvollendet. Die Inschrift befindet sich auf der Süd- und Ostwand des Grabes und berichtet über die Jugend des Ahmose, Sohn der Ibana, über seine militärische Laufbahn, über seine Auszeichnungen und Belohnungen. Links neben der Inschrift sind Ahmose, Sohn der Ibana, und Paheri (in kleinerem Massstab) dargestellt. Ahmose, Sohn der Ibana, war im Alter von 67 Jahren gestorben und hatte die Regierungen von sieben Pharaonen erlebt.
Einzelne Kolumnen der Inschrift sind zerstört.
Literaturnachweis:
- Abriss der Mittelägyptischen Grammatik / Hellmut Brunner .- Graz2 1967 (Brunner)
- A concise dictionary of Middle Egyptian / Raymond O. Faulkner. – Oxford4 1988 (Faulkner)
- Egyptian grammar / Alan Gardiner. – London 31982 (Gardiner)
- Grosses Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch (2800-950 v. Chr.) / Rainer Hannig. – Mainz 1995 (HWB)
- Wörterbuch der ägyptischen Sprache / A. Erman, H. Grapow (Hrsg). – Berlin und Leipzig2 1957 (WB)
- Ägypten / John Baines und Jaromir Malek. – München: Christian-Verlag, 1980 (Weltatlas der alten Kulturen)
- Lexikon der Pharaonen / Thomas Schneider. – Zürich : Artemis-Verlag, 1994
- Geschichte Ägyptens / J.H.Breasted. – Köln, 2001
- Grundzüge der ägyptischen Geschichte / Erik Hornung. – Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1992
- Egypt of the pharaos / Alan Gardiner. – London : Oxford University Press, 1964
- Das Alte Ägypten / Axel Eggebrecht. – München : Bertelsmann, 1984
- An Egyptian soldier’s story / Bill Petty. – Littleton : Museum Tours, 2014
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