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«The Corrections» (2012)
Keinem Geringeren als Noah Baumbach («Marriage Story»), dem «neuen Woody Allen», oblag es, Jonathan Franzens Jahrhundertwerk in Serienform zu giessen; Ewan McGregor, Greta Gerwig, Maggie Gyllenhaal, Dianne Wiest und Chris Cooper waren an Bord gekommen, um den grossen Familienroman für den Qualitätssender HBO zu bewegten Bildern zu erwecken. Dass das Projekt, in das auch Franzen selbst involviert war, trotzdem Schiffbruch erlitt, ist eigentlich kaum zu glauben. TV-Novize Baumbach begründete es Jahre später damit, dass der Roman einfach zu komplex sei und HBO die Sache angesichts von «Game of Thrones»-mässigen Produktionskosten schlicht zu teuer geworden sei. Offenbar hat es nicht einmal für eine vollständige Pilotepisode gereicht. Mal schauen, ob es der nächsten TV-Adaption eines Franzen-Romans besser ergeht. Zweifel sind angebracht: «Purify», potenziell mit Daniel Craig in der Hauptrolle, wurde schon vor über vier Jahren angekündigt, ohne dass seither etwas geschehen wäre.
«The Judge and Jake Wyler» (1972)
Auch wahre Fernsehprofis bringen nicht jeden Piloten zum Fliegen: Richard Levinson und William Link, die Männer hinter «Columbo» und «Murder, She Wrote», hatten bei dieser Krimiserie nicht nur ein flottes Konzept, sondern auch eine Leinwandgöttin am Start: Die elffach Oscar-nominierte Diva Bette Davis gab hier eine so einflussreiche wie resolute Ex-Richterin, die mithilfe eines vorbestraften Hallodris (Doug McClure) und weiterer bedingt Entlassener publicityträchtige Detektivaufträge erledigt. Der Pilot lässt sich beim famosen kalifornischen Händler Modcinema beziehen; und ganz ehrlich: Keine Ahnung, warum es dieser humoresk unterfütterte Spass nie zur Serienreife brachte.
«The Chinese Typewriter» (1979)
Tom Selleck als Privatdetektiv auf Hawaii? Da war doch mal was... Ein Jahr bevor es mit «Magnum P.I.» dann so fulminant klappen sollte, versuchte es der fescheschte Oberlippenbartträger der Fernsehgeschichte hier schon einmal: Zusammen mit einem komplett gegensätzlichen Kollegen soll er im Auftrag einer Flugzeugfirma einen geklauten Jet wiederbeschaffen. Nicht der einzige Bruchpilot, den Selleck in den Siebzigern drehte. Dieser hier aber wurde teils auf jenem Anwesen auf Hawaii gefilmt, auf dem später dann Magnum herumlümmeln und Higgins zur Weissglut treiben sollte.
«Bunco» (1977)
Gleich nochmals eine versandete Tom-Selleck-Serie. Noch schnauzlos bildet er hier mit Robert Urich ein Cop-Team, das Hochstaplern und sonstigen Schwindler auf den Lieb rücken will. Wie für Selleck war es auch für seinen Co-Star kein Drama, dass nichts wurde aus dieser Krimiserie aus der Feder der «Dallas»-Produzenten Lee Rich und Philip Capice. Auch er sollte kurz darauf eine erfolgreiche Fernsehdetektiv-Karriere einschlagen und als Dan Tanna in «Vega$» ermitteln.
«About a Boy» (2003)
Kaum war Nick Hornbys Roman über einen unreifen, zynischen Schwerenöter mit Hugh Grant in der Hauptrolle verfilmt, gediehen schon Pläne für einen Serienableger: Patrick Dempsey schlüpfte in die – amerikanisierte – Hauptrolle; Ken Kwapis («The Office») führte Regie. Über einen Pilotfilm kam das Projekt freilich nicht heraus. Elf Jahre später dann der zweite Versuch: Die von «Friday Night Lights»-Produzent Jason Katims verantwortete Sitcom-Version mit David Walton und Minnie Driver brachte es immerhin auf zwei Staffeln und zu moderater Popularität.
«Fargo» (2003)
Bereits 1997, also nur ein Jahr nach dem Kinotriumph der Coen-Brüder, schrieben Bruce Paltrow (Gwyneths Vater) und Robert Palm («Law & Order») diesen Piloten. Die Kleinstadtpolizistin Marge Gunderson, die den Mord am örtlichen Apotheker aufklären soll, ist hier noch immer schwanger, wird nun aber von «Sopranos»-Star Edie Falco verkörpert; Regie führte Kathy Bates. Es dauerte dann aber sechs Jahre, bis das Werk das Licht der Welt erblickte – und nochmals weitere elf Jahre, bis «Fargo» unter Leitung von Wunderknabe Noah Hawley zu einer erfolgreichen und gefeierten Fernsehserie werden würde.
«Suspect» (2007)
Die Karriere von Guy Ritchie war Mitte der Nullerjahre bereits übelst ins Stocken geraten – wegen des Madonna-Megaflops «Swept Away» natürlich, aber auch weil seine Gangster-Masche bereits ein bisschen abgestanden wirkte, wie der Rohrkrepierer «Revolver» gezeigt hatte. Also strebte der britische Bad Boy ins Fernsehen. Und die Prämisse seines Projekts klang auch gar nicht mal schlecht und ein bisschen nach dem Kurosawa-Klassiker «Rashomon»: Alle Verdächtigen in einem kürzlich begangenen Verbrechen erhalten die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge zu schildern, bis der Täter entlarvt ist. Es steht freilich zu befürchten, dass der damals so formschwache Ritchie auch diesem Projekt – mit «Matrix»-Star Carrie-Anne Moss als Polizistin in der Hauptrolle – eher nicht die nötige Aufmerksamkeit hat angedeihen lassen.
«Viva Laughlin» (2007)
Auch Gabriele Muccino, ein anderer europäischer Regie-Hotshot der frühen Nullerjahre, wurde im TV nicht glücklich. Sein Pilot zur Neuauflage der BBC-Mystery-Musical-Serie «Blackpool» wurde aber immerhin ausgestrahlt, ebenso wie noch eine weitere Folge. Danach zog der Sender aber den Stecker. Der eine oder andere US-Kritiker bezeichnete diesen Riesenflop als «die vielleicht schlechteste Serie aller Zeiten». Und das, obwohl die Besetzung mit Hugh Jackman, der auch als Produzent wirkte, Melanie Griffith und «Twin Peaks»-Star Mädchen Amick durchaus aufhorchen lässt.
«The Vatican» (2013)
Ridley Scott als Regisseur, «Friday Night Lights»-Star Kyle Chandler als fortschrittlicher New Yorker Erzbischof und Bruno Ganz als Papst: Was ein provokativer Thriller über Spiritualität, Macht und Politik hätte werden sollen, landete auf Nimmerwiedersehen im Giftschrank. Schuld daran sollen die hohen Produktionskosten und die Allüren von Showrunner Paul Attanasio («House M.D.») gewesen sein.
«Happyish» (2014)
Diese schwarzhumorig-satirische Comedyserie kam am Ende zwar zustande und lief über eine ganze Staffel; trotzdem gibt es eine Pilotepisode, die nie ausgestrahlt wurde. Und das hat tragische Hintergründe. Denn anstelle von Steve Coogan, der schliesslich an der Seite von Kathryn Hahn die Hauptrolle spielte, ist hier Philip Seymour Hoffman zu sehen, den der Sender Showtime mehr als ein Jahr lang heftig umgarnt hatte, der aber kurz nach Fertigstellung der Dreharbeiten an einer Heroinüberdosis starb.
«The Night Of» (2013)
Dasselbe Schicksal wie «Happyish» ereilte dieses US-Remake der britischen Miniserie «Criminal Justice». Nach Fertigstellung der Pilotepisode verstarb mit James Gandolfini einer der Hauptdarsteller. Ursprünglich sollte die Serie mit Robert De Niro fortgesetzt werden; schliesslich übernahm John Turturro den Part von Gandolfini.
«Tilda» (2011)
Diese Comedy über eine mächtige Hollywood-Journalistin (Diane Keaton) und eine aufstrebende Creative-Assistentin (Ellen Paige) war eines der heissesten Vehikel zu Beginn des letzten Jahrzehnts. Ein öffentlicher Streit zwischen den Serienmachern Bill Condon («Kinsey») und Cynthia Mort («Will & Grace») bereits während der Pilotepisode verdammte das Projekt aber zum Scheitern; als man unter anderem mit «Six Feet Under»-Schreiber Alan Poul neue Leute auf die Kommandobrücke geholt hatte, waren die Verträge mit den Stars bereits ausgelaufen.
«Heat Vision and Jack» (1999)
Der Pilot von Ben Stiller mit Jack Black und Owen Wilson um einen Astronauten mit Superpowers und sein sprechendes Motorrad brachte es zwar nie zur Serienreife; weil er aber geleakt wurde und seither auf Youtube zu sehen ist, erreichte er immerhin so etwas wie Kultstatus.
«Game of Thrones» (2009)
Hm... Die Erwähnung der Jahrhundertserie mutet vielleicht etwas deplatziert an, doch irgendwo in einem Giftschrank von HBO schlummert tatsächlich eine nicht ausgestrahlte Pilotepisode des Epos. Gedreht wurde sie im Herbst 2009 von «Spotlight»-Regisseur Tom McCarthy, Jennifer Ehle ist nebst vielen vertrauten Gesichtern auch mit von der Partie – und dem Vernehmen nach soll das Ganze ein wenig geschwätziger und uneleganter sein als der längst legendäre Startschuss von Fernseh-Haudegen Tim Van Patten. Immerhin wurde McCarthy dort noch als «Consulting Producer» kreditiert.
«The Miraculous Year» (2011)
Gerade mal zwei Jahre war es her, dass Kathryn Bigelow als erste Frau den Regie-Oscar gewonnen hatte. Susan Sarandon, Frank Langella und der nachmalige Oscar-Gewinner Eddie Redmayne waren mit von der Partie. Und trotzdem erlitt dieser Pilot, der obendrein von Starschreiber John Logan («Skyfall», «The Aviator») verfasst wurde, totalen Schiffbruch. Erzählt werden sollte die Chronik einer New Yorker Familie aus der Sicht eines charmanten, aber selbstzerstörerischen Broadway-Komponisten («Bloodline»-Star Norbert Leo Butz). Dem Vernehmen nach soll HBO zum Schluss gekommen sein, dass diese doch recht reizvolle Geschichte einen zu kleinen Kreis von Interessierten angesprochen hätte.
«All Talk» (2012)
Dieses Projekt von HBO, bei dem Jonathan Safran Foer und Ben Stiller federführend sein sollten, schaffte es nicht einmal bis zur Pilotfolge. Insofern muss man die verhinderten Macher schon beim Wort nehmen, wenn sie die Sache als «politisch, religiös, kulturell, intellektuell und sexuell respektlos» bezeichnen. Mittlerweile, nachdem niemand je wieder davon gesprochen hat, ist nicht mal ganz klar, ob es dieses Projekt überhaupt gegeben hat.
«Utopia» (2015)
Für das US-Remake der gefeierten englischen Sci-Fi-Mystery-Serie besteht immerhin noch ein bisschen Hoffnung. Aber so grossartig wie ursprünglich angedacht wird es bestimmt nicht werden. Warum? Weil David Fincher aus dem Projekt ausgestiegen ist, nachdem er sich mit HBO nicht auf ein Budget hatte einigen können. 100 Millionen soll der «Se7en»-Regisseur gefordert haben; der Sender wollte ihm offenbar nur 95 Millionen geben... Noch nicht abgeschlossen mit diesem televisionären Cineastentraum hat derweil Starautorin Gillian Flynn, die mit Fincher bereits bei der Adaption ihres Bestsellers «Gone Girl» zusammengearbeitet hat. Sie hat das Projekt, bei dem Finchers Lisbeth-Salander-Darstellerin Rooney Mara ursprünglich eine Hauptrolle übernehmen sollte, offenbar Amazon schmackhaft gemacht. John Cusack und Rainn Wilson figurieren auf der Besetzungsliste; ein Veröffentlichungstermin steht aber noch aus.
«Videosynchrazy» (2015)
2015 wird als Jahr in die Fernsehgeschichte eingehen, in dem nicht ein, sondern zwei Kollaborationen von HBO mit David Fincher gescheitert sind. Von dieser Comedy-Serie, angesiedelt in der Fincher bestens bekannten Musikvideo-Welt der Achtzigerjahre, sollen freilich bis zu fünf Folgen abgefilmt worden sein.
«Beverly Hills Cop» (2013)
Typischerweise läuft oder zumindest lief das bis vor einigen Jahren ja umgekehrt: Erfolgreiche Serien aus den Siebzigern und Achtzigern werden als Kinofilme neu aufgelegt, siehe «Charlie’s Angels», «Miami Vice» oder «21 Jump Street». Hier nun versuchte «The Shield»-Schöpfer Shawn Ryan den umgekehrten Weg zu gehen. Barry Sonnenfeld («Men in Black») drehte die Pilotepisode, Eddie Murphy schaute in einem Cameo als Axel Foley kurz vorbei, und Brandon T. Jackson spielte dessen Sohn. Glaubt man Jackson, war die Serie für den Sender CBS zu wild; glaubt man Ryan, lag es daran, dass hier zu viele starke Persönlichkeiten aufeinandertrafen; und glaubt man Murphy, war es sein Kurzauftritt, der das Ende der Serie einläutete: Das Testpublikum habe derart enthusiastisch auf diesen reagiert, dass die Verantwortlichen des Senders ihr Okay davon abhängig gemacht hätten, dass er regelmässig in der Serie auftrete – worauf Murphy allerdings keinerlei Lust verspürte.
«Members Only» (2014)
Noch bevor die Pilotepisode produziert wurde, hatte mit «Silver Linings Playbook»-Regisseur David O. Russell die Hauptattraktion dieser tragikomischen Soap-Opera über eine reiche Familie in Connecticut und ihre Bediensteten das Projekt bereits verlassen. Natalie Zea und John Stamos spielten die Hauptrollen, «Erin Brokovich»-Autorin Susannah Grant schrieb das Skript, und R.J. Cutler («Nashville») führte Regie – doch gesehen hat all das nie jemand ausserhalb des innersten Zirkels.
«Manchester Prep» (1999)
Kaum war die jugendlich-poppige «Liaisons dangereuses»-Adaption «Cruel Intensions» aus dem Kino raus, wollte man bei Fox deren Erfolg im TV kapitalisieren. Ein Prequel sollte die Serie werden, drei Folgen wurden abgedreht – doch dem Sender wurde die relativ schlüpfrige Sache dann wohl einfach zu heiss. Die drei abgedrehten Episoden wurden unter Hinzufügen einiger nackter und erwachsener Tatsachen am Ende zum Videopremieren-Trash «Cruel Intensions 2» verwurstet; der indes hat eine gewisse kinogeschichtliche Relevanz: Amy Adams hat darin ihre erste nennenswerte Rolle.
«Confederate» (2020)
Eine neue Serie der «Game of Thrones»-Schöpfer David Benioff und D.B. Weiss, und der Sender sagt «Nein, danke»? Kann tatsächlich passieren, Social Media sei Dank. Dort entfachte deren Konzept nämlich einen gewaltigen Shit-Tsunami: Die Idee einer alternativen Geschichtsschreibung, in welcher der Amerikanische Bürgerkrieg in einem Patt endet, empfanden offenbar gar nicht mal so wenige als «Sklaverei-Fan-Fiction»; Mitte 2017 war der Hashtag #NoConfederate sodann jedenfalls schwer im Trend auf Twitter, was den Sender HBO zunächst freilich noch nicht den Stecker ziehen liess. Das geschah erst, als Benioff und Weiss beim Konkurrenten Netflix einen Multimillionen-Deal abschlossen. Vielleicht war HBO aber durchaus ein bisschen erleichtert, als man Anfang Jahr das offizielle Ende dieses einstigen Prestigeprojekts verkünden «musste».
«Bastards» (2019)
Noch bevor es Apples Streamingservice überhaupt gab, hatte sich der iPhone-Hersteller mit diesem achtteiligen Remake einer israelischen Serie bereits ein vermeintliches Bijou gesichert. Richard Gere sollte darin in seiner ersten grossen TV-Rolle einen Vietnam-Veteranen spielen, der aus seiner Lethargie gerissen wird, als eine ehemalige Liebe von ihm getötet wird. Serienmacher Howard Gordon («24», «Homeland») interessierte sich dabei vor allem für die düsteren Seite der Geschichte, während Apple sein Auge mehr auf das Emotionale, das Herzliche gerichtet haben soll. Ein unüberwindbarer Konflikt, der den Techgiganten am Ende gegen eine stattliche Strafzahlung aus dem Projekt aussteigen liess. Gordon sucht derweil weiterhin nach einem Abnehmer für die Serie.
«Hobgoblins» (2011)
Eine Art «Inglourious Basterds» mit Zauberern sollte dieses Zweitweltkriegsdrama werden, in welchem eine Bande von Hochstaplern Adolf Hitler mit magischen Tricks zu Fall bringen will. Starregisseur Darren Aronofsky («Requiem for a Dream») sollte Regie führen, verlor nach Jahren des Stillstands dann aber entweder die Geduld oder das Interesse.
«How and Why» (2014)
Hollywood-Exzentriker Charlie Kaufmann («Being John Malkovich», «Eternal Sunshine of the Spotless Mind») führte hier Regie und schrieb natürlich auch das Drehbuch; mit John Hawkes, Sally Hawkins, Catherine Keener und Michael Cera verfügte das Projekt über eine imposante Besetzung. Doch mehr als eine halbe Stunde wurde nicht gedreht von dieser Komödie über einen abgehalfterten Fernsehmoderator, der zu neuen Ufern aufbrechen will und dabei auf ein Portal in eine übernatürliche Welt stösst. Der Sender soll den eher ungewöhnlichen Ton der Serie nicht allzu sehr geschätzt haben.
«M.O.N.Y.» (2007)
Der 11. September war dem Vernehmen nach noch zu frisch im Gedächtnis der amerikanischen Gesellschaft, als dass sie eine Serie mit einer muslimischen Geschichte im Zentrum akzeptiert hätte. Das ist wenigstens eine halbwegs plausible Erklärung dafür, dass dieses Projekt von TV-Veteran Tom Fontana («Oz») nie über die Pilotphase hinauskam. Kaum vorstellbar ist derweil, dass das Drehbuch von Barry Levinson («Rain Man») oder die Regie von Spike Lee ungenügend gewesen sein könnte. Oder dass Bobby Cannavale als Bürgermeister von New York und Amy Ryan als dessen Assistentin die Sache in den Sand gesetzt haben.
«Da Brick» (2011)
Von John Boyega («Star Wars») hatte vor knapp zehn Jahren noch kaum wer je gehört – Spike Lee indes hatte den Jungspund aus «Attack the Block» damals schon auf dem Zettel. In dieser Serie, die lose auf der Jugendzeit von Mike Tyson beruht, wollte er ihn herausfinden lassen, wie das Leben eines jungen Schwarzen im «postrassistischen» Amerika ausschaut. «Entourage»-Schöpfer Doug Ellin war ebenso mit von der Partie wie Mike Tyson höchstselbst, der als Produzent amtete. HBO senkte auch hier den Daumen.
«Popeye Doyle» (1986)
Für die Titelrolle hatte Gene Hackman Anfang der Siebziger den Oscar gewonnen; anderthalb Jahrzehnte später spielte tatsächlich Ed O’Neill den kernigen Drogencop des NYPD. Für ihn freilich erwies es sich als Glücksfall, dass die Serie schon in der Pilotphase Schiffbruch erlitt. Im selben Jahr landete O’Neill nämlich jene Rolle, die ihn weltberühmt machen sollte: die des Al Bundy in «Married with Children». Dies freilich erst im zweiten Anlauf: Auch von der Sitcom existiert eine nicht ausgestrahlte Pilotepisode, in der die Bundy-Sprösslinge noch nicht von Christina Applegate und David Faustino gespielt wurden. Auf Drängen von O’Neill wurde das Ganze mit identischem Skript, aber eben neuer Besetzung nochmals neu abgedreht.
«Calhoun» (1964)
Anfang der Sechziger war die Kinokarriere der vierfach Oscar-nominierten Leinwandlegende Barbara Stanwyck («Double Indemnity») bereits Geschichte. Wie andere vor und nach ihr fand auch sie freilich im Fernsehen ein neues Zuhause. Nicht jedoch in dieser gescheiterten Abenteuerserie unter der Regie von Stuart Rosenberg, der wiederum kurz darauf zum Sprung nach Hollywood ansetzte und schliesslich mit Paul Newman («Cool Hand Luke») oder Robert Redford («Brubaker») filmen sollte. Jackie Cooper spielt hier einen Bundesbeamten, der sich um kranke Bäume kümmert, Stanwyck – ausnahmsweise nicht in der Hauptrolle – seine Chefin. Obwohl der Pilot wie so viele von Stanwycks Fernsehversuchen eine Bruchlandung hinlegte, brachte er es zu einer gewissen Berühmtheit: Er ist der Fokus eines Bestsellers über die TV-Industrie, den Serienschöpfer Merle Miller noch im selben Jahr verfasste.
«Murder in Music City» (1979)
Sonny Bono spielt hier Sonny Hunt, einen Songwriter in Nashville, der zu Steuerzwecken eine Detektei kauft und diese schliesslich auch operativ übernimmt, als deren Leiter umgebracht wird. Stets zu Diensten ist ihm dabei seine Frischangetraute (Lee Purcell), die eigentlich Model ist. Leo Penn, Seans Vater, führte Regie, einige Country-Music-Grössen winkten kurz in die Kamera, aber gegen das ziemlich verkorkste Skript konnte das nicht allzu viel ausrichten.
«North Hollywood» (2001)
Dies ist einer von fünf (!) Bruchpiloten, die Comedy-Guru Judd Apatow fabriziert hat. Und es ist jenes Scheitern, das ihn anscheinend am meisten schmerzt. Die Serie um eine Gruppe von angehenden Schauspielern war als Plattform für die damals noch wenig bekannten Comedy-Asse Amy Poehler, Jason Segel und Kevin Hart angedacht, doch dem Sender ABC sei das Ganze zu wild, zu experimentell gewesen, klagte Apatow erst unlängst wieder.
«Madame Sin» (1972)
Das soll jetzt mal gefälligst einer beantworten: Eine teuflisch böse Schurkin, die eine «Gedankenkontrollfabrik» in den schottischen Highlands betreibt, entführt einen Ex-CIA-Agenten, der ihr in ihrem Streben nach Weltherrschaft dabei helfen soll, die Kontrolle über eine geheime nukleare Waffe zu erlangen – wie kann so etwas die Senderbosse nicht in Verzückung versetzen? Zumal die beiden Hauptrollen auch noch von Bette Davis (sie schon wieder!) und Robert Wagner gespielt wurden. Allen exotischen Schauplätzen und fiesen Bonmots zum Trotz brachte es dieser televisionäre James-Bond-Verschnitt nur zu einem «ABC Movie of the Week». Und als solches ist er immerhin auf DVD erhältlich.
«Mulholland Dr.» (1999)
Und manchmal ist es sogar ein Segen, dass es ein Pilot nicht zur Serienreife schafft. Die Idee zu diesem Meisterwerk hatte David Lynch bereits in den frühen Neunzigern. Angedacht war die Sache da noch als Spin-off von «Twin Peaks» mit Sherilyn Fenn in der Hauptrolle. Deren Figur Audrey Horne sollte am Ende der zweiten Staffel nach Los Angeles aufbrechen, um es in Hollywood zu packen. Nach einigen frustrierenden Fernseherfahrungen liess Lynch das Projekt dann aber fast ein Jahrzehnt ruhen. Als der Maestro schliesslich aber so weit war und seine zweistündige Rohfassung ablieferte, kamen dem Sender ABC prompt Bedenken. Er machte rund 30 Änderungsvorschläge, die Lynch zwar zunächst alle rundweg ablehnte, am Ende dann aber doch befolgte. Trotzdem senkte ABC den Daumen, was für Lynch aber eine regelrechte Befreiung gewesen sein soll, da er mit der zusammengeschusterten 90-minütigen Version sowieso nicht wirklich hätte leben können. Das Happy End der Geschichte ist bekannt: Lynch erhielt kurz darauf den Auftrag und die Mittel, aus dem Piloten einen Spielfilm zu machen, der schliesslich in Cannes ausgezeichnet wurde und ihm eine Oscar-Nominierung bescherte – und der in einer BBC-Umfrage unter 177 Kritikern im Jahr 2016 zum bisher besten Kinofilm des Jahrtausends gewählt wurde. Übrigens: Lynch hatte da bereits Erfahrung darin, einen Pilotfilm mit einem Ende zu versehen. Bevor ihm und Mark Frost damals Ende der Achtziger grünes Licht für «Twin Peaks» gegeben wurde, mussten sie sich verpflichten, eine Spielfilmversion der Premierenepisode für den europäischen Markt zu drehen. Gott sei Dank war diese dann aber nicht so brillant, dass jemand auf die Idee gekommen wäre, «Twin Peaks» als Serie zu versenken...