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Vom Papierhaus zum Museum: Das breite Spektrum des Shigeru Ban
Der japanische Architekt Shigeru Ban bewegt sich in zwei unterschiedlichen Welten. Bekannt wurde Ban durch seine einfachen Unterkünfte für Flüchtlinge in fast allen Krisenregionen der Welt. Gleichzeitig entwarf er monumentale Gebäude für Shiseido und Swatch sowie das Aspen Art Museum und das Centre Pompidou in Metz.
Als Shigeru Ban 2014 mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, lobte ihn die Jury für seine kreative Verwendung von Baumaterialien. Ban verwertet in unkonventioneller Weise Bambus, Papier oder Kunststoff und kombiniert diese mit aussergewöhnlichem Design. Seine Projekte zeichnen sich durch eine experimentelle Herangehensweise aus, egal, ob es sich um Notunterkünfte oder einen neuen Wohnturm in New York handelt, jedes Design von Ban ist das Ergebnis von Forschung, Prototyping und Tests.
Ban ist für die Wirtschaftlichkeit und Genialität seiner Werke bekannt, weniger für die Form seiner Gebäude. «Meine Designs lösen immer Probleme», sagt Ban über seine Projekte. Er stellt die Form seines Gebäudes hinter dessen Nutzen. Toyo Ito, ein weiterer japanischer Pritzker-Gewinner, vergleicht Ban mit den gängigen Architekten unserer Zeit: «Viele Architekten konkurrieren nur um die Schönheit der architektonischen Form. Ban repräsentiert ein neues Modell eines sozialverantwortlichen Architekten.»
Recycelbare Unterkünfte und Kirchen
Im Folgejahr entwickelte Ban das «Paper Log House» für die Opfer des Erdbebens von Kobe. Im selben Jahr gründete er das Voluntary Architects Network, um mit Einheimischen und Studenten würdevolle, kostengünstige und recycelbare Unterkünfte für die Opfer von Erdbeben, Tsunami, Tropenstürmen und Krieg in zahlreichen Regionen der Welt zu bauen.
Bans Notunterkünfte wirken temporär. Hiermit erfüllt Ban in den Flüchtlingsregionen eine wichtige Anforderung der örtlichen Behörden, denn diese versuchen, dauerhafte Unterkünfte auf ihrem Gebiet zu vermeiden. «Bans Arbeit mit Papier und Pappe schafft eine Ästhetik der Zeitlichkeit», erklärt Alexander Betts, Professor am Refugee Studies Centre in Oxford. In Wirklichkeit sind Bans Konstruktionen jedoch derart beliebt, dass sie auch Jahre nach den Erdbeben weiterhin existieren, wie die beiden aus Pappe und Papier errichteten Kirchen in Taomi, Taiwan und Christchurch, Neuseeland.
Mit seiner humanitären Arbeit konnte Ban auch Materialien und Konstruktionssysteme testen, die ausserhalb von Katastrophengebieten nicht zugelassen sind. Die Erfahrungen, die Ban mit ungewöhnlichen Baumaterialien bei seinen Flüchtlingsunterkünften sammelte, konnte er im Jahr 2000 beim Japan-Pavillon auf der Hannover Expo umsetzen, auf der Umwelt das zentrale Thema war. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Architekten und Ingenieur Frei Otto konstruierte er die fast vollständig recyclebare Ausstellungshalle aus Papierrohren, Holzleitern und mit Sand gefüllten Stahlfundamenten.
Das bekannteste Gebäude von Ban ist das Centre Pompidou in Metz, das im Mai 2010 von Präsident Nicolas Sarkozy eröffnet wurde. Die Stadt Metz war bemüht, ein neues Wahrzeichen zu schaffen, ganz nach dem Prinzip der spanischen Stadt Bilbao, wo das von Frank Gehry entworfene Guggenheim Museum jährlich über eine Millionen Touristen anlockt. Inspiriert durch das luftige Bambusgewebe eines chinesischen Hutes, schuf Ban eine komplizierte sechseckige Holzrasterhülle und deckte diese mit Membranen ab.
Für das Konzerthaus «Seine Musicale» in Paris-Boulogne hat Ban eine Konstruktion aus über 3000 Teilen aus Fichtenholz mit 2800 unterschiedlichen Kreuzungspunkten entworfen. Ausserhalb des Gebäudes befindet sich ein 45 m hohes Metallsegel, das mit 800 m² Photovoltaikzellen bestückt ist. Das «Sonnensegel» folgt dem Lauf der Sonne: es fährt auf einer 100 Meter langen Schiene und produziert dabei Strom und schützt gleichzeitig die Glasfassade vor direkter Sonneinstrahlung, was im Sommer den thermischen Komfort im Gebäudeinnern erhöht und den Kühlbedarf verringert.
Shigeru Ban wird am 28. Oktober 2019 die Keynote zur Eröffnung der internationalen Conference on Advanced Building Skinshalten, die am 28. + 29. Oktober im Kursaal von Bern stattfindet. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.abs.green.