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Alles wird gut. Wir ziehen jetzt doch um. In ein grosses Haus am See. Mit Umschwung. Und Tieren. Und vielleicht leiste ich mir, unvernünftig, gar noch einen Fünfzigerjahre-Chevrolet, einen «Bel Air» oder so. Ich verspreche, dass ich damit nicht allzu weit fahren werde, nur so ein bisschen auf dem Gelände herum, und dazu lasse ich Elvis aus den Boxen dröhnen: «One for the money, two for the show …»
Vielleicht leiste ich mir einen Chevrolet.
Manchmal ist man schon ein Glückspilz. Letzte Woche zum Beispiel wurde ich gleich viermal Millionär, mir nichts, dir nichts. Zunächst war da ein James Paul aus Dublin, der mit mir ins Immobiliengeschäft steigen und zu diesem Behulf 21 Millionen US-Dollar auf mein Konto transferieren wollte. Er hatte mich im «Internet-Adressbuch» gefunden und bat mich, ihm meine Kontoangaben samt Passwort an eine argentinische Mailadresse zu schicken. Schon tags darauf wurde ich noch reicher. Ein Mervyn King — welch Name! — kontaktierte mich wie folgt: «Obwohl Sie vielleicht nervos uber meine E-Mail, da wir nicht getroffen haben, bevor. Ich bin Sir Mervyn King, ich mit der Bank of England zu arbeiten, es ist die Summe von £ 20,600,000.00 (zwanzig Millionen, sechshunderttausend Britische Pfund) in meiner Bank, gab es keine Begunstigten erklarte im Zusammenhang mit diesen Fonds, die kein Individuum jemals nach vorne kommen, um Anspruch geltend machen.» Er schien mich zu mögen: «Ich werde begeistert zu sehen, wenn Sie mir helfen konnen und auch eine gute und vertrauenswurdige Person sein werden.» Und versprach: «Sofort das Geld Ihrem angegebenen Bankkonto verlagert wird!»
Und es kam noch besser: «Facebook Team informiert Sie herzliche Glückwunschung!» Ich sei «nach der Zufallsprinzip aus dem Internet-Lotterie ausgewählt» worden, bräuchte nur ein kleines Formular auszufüllen und erhielte, schwupps, eine Million Dollar «Preisgeld». Damit war mein Nostalgie-Chevrolet so gut wie im Trockenen. Doch Sie ahnen: Es kam noch besser! Eine Rose Shuller erzählte mir anderntags die bewegende Geschichte vom Tod ihres Gatten Prinz Thomas Shuller: «Verstarb er in bedauerliches Vorfall, Opfer des Bombenanschlags während seiner Geschäftsreise in den Irak.» Nun habe auch sie nur noch wenige Wochen zu leben: Krebs! «Es ist schmerzhaft, dass nach uber 24 Jahre friedlicher Ehe wir kein Kind unserer eigenen, die unsere zahlreichen Reichtum erben werden musste.» Weshalb nun ich der Auserkorene sei. «Ich möchte, dass Sie folgenden Fragen beantwortet: 1. Sie sind eine gottesfurchtige Person? 2. Wenn ich sechs Millionen achthunderttausend Britische Pfund Sie spenden, können Sie in der Lage sein, sie weise zu nutzen?» Hmm … Gute Frage!
Alle wollen sie plötzlich mein Bestes.Per Mail, per Post, am Telefon. Und seit die Werbeanrufe — sofern man im Verzeichnis ein Sternchen für «Wünscht keine Werbung» hat — verboten sind, haben sie … nicht merklich abgenommen, nein. Es wird jetzt einfach aus Frankreich, Luxemburg, Italien angerufen: «Wolle Sie degustare wunderbare Olio von Olive?» Natürlich ruft der Kerl zur Essenszeit an.
Ich bin übrigens auf keines der Fangmails reingefallen, die mich reich machen wollten. Und die Villa am See? Die möchte ich sowieso nicht. Stellen Sie sich mal vor, was das zu putzen gäbe!
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Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.
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Autor: Bänz Friedli
Fotograf: Bänz Friedli