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Puschkin – wo Zaren residierten
Etwa 25 Kilometer südlich von Sankt Petersburg liegt die Stadt Puschkin. Historisch Interessierten ist sie besser unter dem Namen Zarskoje Selo (Zarendorf) bekannt – so hiess Puschkin bis 1937 nicht ohne Grund.
Hier war über lange Zeit ein bevorzugter Aufenthaltsort der russischen Zaren und des Adels. Noch heute lebt die Stadt von dem Glanz dieser Zeit. Unter Stalin wurde Zarskoje Selo nach dem berühmten Dichter Alexander Puschkin umbenannt.
Ein vornehmer Rückzugsort
Schlösser und Parks bestimmen das Bild der Stadt, die seit 1998 zum Verwaltungsbereich von Sankt Petersburg gehört, sich aber ihren eigenständigen Charakter bewahrt hat. In gewisser Weise ähnelt sie in ihrer historischen Funktion Potsdam vor den Toren Berlins. Während in der Hauptstadt die Regierungsgeschäfte und die Administration ausgeübt wurden, diente Zarskoje Selo als Wohn- und Rückzugsort der Zaren. Viele Adlige folgten ihrem Herrscher nach. So ist es zu erklären, dass hier neben den Hauptschlössern eine Vielzahl von Villen und kleineren Schlössern entstanden. Auch bei den rein funktionalen Bauten der Stadt wurde auf Repräsentativität geachtet.
Blau-Weiss-Gold – der Katharinenpalast
Der prächtigste Bau Puschkins ist zweifelsohne der Katharinenpalast. Er befindet sich auf dem über hundert Hektar grossen Gelände des Katharinenparks – einem Landschaftsgarten, der sich in einen klassischen Barockpark und einen Englischen Park gliedert. Der Katharinenpalast überwältigt Besucher schon von aussen mit seiner gut dreihundert Meter langen Fassade, die sich durch ihre blau-weiss-goldene Gestaltung auszeichnet. Blaue Wände werden durch weisse Säulen und Fenster mit vergoldeten Rahmen und Atlanten unterbrochen. Der Bau überzeugt durch seine ästhetische Gliederung.
Nach einem zunächst bescheidenen Vorläuferbau unter Zarin Katharina I. erhielt der Katharinenpalast sein heutiges Erscheinungsbild im Wesentlichen unter Elisabeth I. Sie beauftragte den Baumeister Bartolomeo Francesco Rastrelli – einen Russen mit italienischen Wurzeln – mit einer grundlegenden Neugestaltung. Sie erfolgte 1752 im Stil des Barock. Unter Katharina II. wurde die Ausschmückung und Vervollkommnung fortgesetzt. Im Inneren hielt dabei der Klassizismus Einzug. Die als Katharina die Grosse in die Geschichte eingegangene Zarin bevorzugte den Katharinenpalast als ihre Lieblingsresidenz.
Leider ist vieles der kostbaren Innenausstattung durch Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Was heute zu sehen ist, gibt daher nur einen unvollkommenen Eindruck der einstigen Pracht wieder. Es ermöglicht dennoch einen Einblick in den Reichtum der Zaren. Zu den Glanzstücken gehört die Schlosskirche. Mit ihren fünf goldenen Kuppeln stellt sie eine einzigartige Verbindung aus klassischer russischer Kirchenbautradition und barockem Baustil dar.
Wiedererstanden – das Bernsteinzimmer
Das Highlight der Innenausstattung ist zweifelsohne das berühmte Bernsteinzimmer. Es handelt sich um eine Rekonstruktion, denn das Original ist nach wie vor verschwunden. Das Zimmer war ein Geschenk des preussischen Königs Friedrich I. an den russischen Zaren Peter den Grossen, das im Katharinenpalast eingebaut wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde es von Deutschen nach Königsberg in Ostpreussen gebracht und dort ausgestellt. Aufgrund der Kriegswirren Anfang 1945 ist sein Verbleib ungeklärt. Seit 2003 befindet sich im Katharinenpalast eine originalgetreue Nachbildung.
Das Bernsteinzimmer löste bereits zu seiner Zeit Erstaunen und Bewunderung aus. Manche bezeichneten es als das achte Weltwunder. Es verbindet in einzigartiger Weise die goldbraune Färbung des Bernsteins mit überreichem Golddekor und Licht. Auch heutige Betrachter sind von der Wirkung des seltenen Materials fasziniert.
Im Katharinenpark
Zum Katharinenpalast gehören auch noch einige weitere Bauten, die auf dem Gelände des Parks errichtet wurden. Die Eremitage (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bau in Sankt Petersburg) ist ein pavillonartiges kleines Schlösschen, das den blau-weiss-goldenen Stil des Hauptschlosses fortsetzt. Einen weiteren Pavillon bildet die sogenannte Grotte. Teil des Schlosskomplexes ist auch das ehemalige Kaiserliche Lyzeum, einst Eliteschule der Zaren.
Letzter Zarensitz – der Alexanderpalast
Im Vergleich zum Katharinenpalast nimmt sich der Alexanderpalast geradezu bescheiden aus. Der von Katharina der Grossen für ihren Lieblingsenkel und späteren Zar Alexander erbaute Palast präsentiert sich in Ockergelb und ist eindeutig ein Werk des Klassizismus. Er stellt einen typischen Flügelbau dar. Schmuckstück sind die zehn mächtigen korinthischen Säulen zur Begrenzung des Ehrenhofs. Der letzte russische Zar und seine Familie lebten hier seit 1905 und blieben auch nach der Abdankung bis zu ihrer Deportation und anschliessenden Ermordung. Der Alexanderpalast liegt im gleichnamigen Park– einer 120 Hektar grossen, überwiegend als Landschaftsgarten gestalteten Anlage mit Pavillons und einem chinesischen Dorf.
Repräsentatives in Puschkin
Im Stadtbereich von Puschkin gibt es noch mehrere grosse Parkanlagen und eine Vielzahl von klassizistischen oder neoklassizistischen Bauten. Darunter befinden sich auch einige Kirchen, die im 19. Jahrhundert und in den letzten Jahren der Zarenherrschaft entstanden sind. Zu nennen sind zum Beispiel die Fjodorowskikathedrale, früher Hauskirche der Zarenfamilie, oder die Sophienkathedrale, ein schneeweisser Bau im klassischen Stil.
Das Puschkinmuseum
Dem Andenken des heutigen Namensgebers der Stadt ist das Puschkinmuseum gewidmet. Alexander Puschkin gilt als Nationaldichter und Begründer der modernen russischen Literatur. Im heutigen Museum verbrachte er 1831 den Sommer. Die Ausstellung konzentriert sich auf sein Wirken während dieser Zeit.
Oberstes Bild: Im Katharinenpark (© Alex Florstein, Wikimedia, CC)