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Aktualisiert: 18. Juni 2020
Die Röhre ist wohl das am meisten kontrovers diskutierte Thema in der HiFi-Szene.
Auf der einen Seite stehen die Röhrenanhänger, für die es nichts Besseres gibt als ein Röhrenverstärker und Ergebnisse aus dem Messlabor einfach negiert werden. Auf der anderen Seite die analytisch denkenden und datenfixierten Technikfreaks, die beim heutigen hohen Stand der Halbleitertechnik die Röhrenanhänger als Euphemisten(Schönredner) betiteln.
Und trotzdem, im Vergleich der technischen Daten mit ihren halbleiterbasierten Konkurrenten in vielen Bereichen hoffnungslos unterlegen, erzielen Röhrenverstärker bei subjektiver Bewertung ihrer klanglichen Eigenschaften, häufig bessere Ergebnisse beim Hörpuplikum.
Die Geschichte der „Röhre“ hatte seine Anfänge bei der Telefonie um das Jahr 1900. Um Ferngespräche über weite Distanzen führen zu können, musste man die analogen Signale verstärken, aufgrunddessen war die Erforschung nach effektiven Verstärkern für die Telephoniesignale, aber auch für die Empfangssignale der neu geschaffenen drahtlosen Telegraphie dringend notwendig geworden.
Der österreichische Erfinder Robert von Lieben und seine Mitarbeiter leisteten einen wesentlichen Beitrag dazu, durch die Erfindung des elektronischen Verstärkers (1906) mittels eines elektrostatisch gesteuerten veränderlichen Widerstandes, in einer mit Quecksilberdampf gefüllten Verstärkerröhre, die sogenannte "Liebenröhre".
Eine dazu parallele Entwicklung wurde in den USA durch die Erfindung der Audionröhre durch Lee de Forest (1906) eingeleitet.
Durch die Zusammenarbeit mit Western Electric und General Electric gelang es den "Röhrenverstärker" marktauglich zu machen, indem ein Hochvakuum in den Röhren erzeugt wurde. Diese Entdeckung führte zu den Röhrenverstärkern, die z.B. bei Audio-Leistungsverstärkern bis heute eine Bedeutung haben.
Die Elektronenröhre war in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg, genauer ab dem Jahre 1922, die Erfindung die das Radio zum Leben erweckte. Sowohl in Radio-Sendern als auch im besonderen in Radio- Empfangsapparaten wurde die Elektronenröhre zur Verstärkung gebraucht.
Erst um die siebziger Jahre herum vollzog sich eine Wende in der Elektrotechnik und der Transistor wurde geboren. Das kleine Halbleiterelement konnte ebenfalls verstärken und tat dies in Schaltungen die weniger Platz brauchten und dazu noch mit weniger Energie auskamen als vorher die Röhre.
Der Elektronikmarkt wurde in Folge dessen mit günstigen wirtschaftlich arbeitenden, leistungsstarken und platzsparenden Transistorverstärkern regelrecht überschwemmt. Ab diesem Moment gerieten die Audio-Röhrenverstärker immer mehr in den Hintergrund. Die Nachfrage nach leistungsstarken Transistorverstärkern wurde so groß, dass der Röhrenverstärker schlichtweg “aus der Mode" kam. Lediglich in einigen wenigen Anwendungsbereichen wie beispielsweise in der Sendetechnik und im Audiobereich konnten sich die Röhrenverstärker noch behaupten. Zum Beispiel in der Sendetechnik sind Röhrenschaltungen bis heute noch üblich. Die hier oft geforderte hohe Sendeleistung ist mit Transistoren mit vertretbarem Aufwand kaum umzusetzen.
Im Audiobereich attestiert man dem Röhrenverstärker heute wie damals einen “wärmeren” und angenehmeren Klang, als dem meist analytisch und “kalt” klingenden Transistorverstärker. Gerade im Audiobereich war diese Einschätzung vieler Kunden der Anstoß für manchen Verstärker-hersteller ihre Aufmerksamkeit auch weiterhin auf die Röhrentechnik zu richten. Manche Schaltungskonzepte mit Röhren wurden weiter verbessert und boten der Halbleitertechnik tapfer die Stirn.
Gegenwärtig wird beobachtet, dass renommierte High End Magazine wieder verstärkt hochwertige Röhrenverstärker vorstellen und testen, die Analogtechnik (allgemein) erlebt einen zweiten Frühling.
Der Röhrenverstärker, nimmt nach und nach wieder einen hohen Stellenwert in der HiFi-Szene ein, besonders bei High-End Konsumenten. Bei der Musikwiedergabe und Produktion gehören Röhrenverstärker klanglich wieder zur absoluten Weltspitze.