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Gewöhnlich wird das Leben in vier Alter geteilt, nämlich in das Kindesalter (infantia), die Jugend (adolescentia), das Mannesalter
(virilitas) und das Greisenalter (senectus). Jedes dieser Alter zerfällt wieder in verschiedene Abschnitte: das Kindesalter nämlich
in das Fötusleben, die frühere Kindheit und das Knabenalter;
die Jugend erstreckt sich bis zur Beendigung
des Wachstums;
das Mannesalter begreift in sich das junge, reife und abnehmende, das Greisenalter aber das beginnende und das
hohe Alter. Das Fötalleben legt der Mensch im Mutterleib zurück.
Die willkürlichen Bewegungen sind ungeschickt, nur ganz allmählich lernt das Kind seine Muskeln
[* 6] in zweckmäßiger Weise gebrauchen.
Das Herz arbeitet sehr lebhaft, durchschnittlich macht es 140 Schläge in der Minute. Mit dem Durchbruch der ersten Zähne
[* 7] wird
das Säuglingsalter abgeschlossen, zum Kauen aber wird das Kind erst geschickt mit dem Eintritt der Backenzähne;
dann erst erwacht das Bedürfnis, andre Nahrung zu sich zu nehmen als die Muttermilch. Mit dem Hervorbrechen der sogen. Milchzähne
beginnt auch die regere Entwickelung des ganzen Knochensystems.
Die Verdauungsorgane werden kräftiger, das Kind verträgt und verdaut bald jede Art von Nahrung. Die sinnlichen Wahrnehmungen
werden schärfer und bestimmter, es zeigen sich die ersten intellektuellen Regungen, namentlich aber lernt das Kind, sobald
es etwa 1½ Jahr zurückgelegt hat, allmählich auch seine Sprachwerkzeuge gebrauchen. Die Grenze des
frühern Kindes- und Knabenalters wird bezeichnet durch den Ausfall der Milchzähne und den beginnenden Durchbruch der bleibenden
Zähne, der in das 7. Lebensjahr zu fallen pflegt. Im Knabenalter, welches bis zum Eintritt der Mannbarkeit dauert, tritt die
runde Form des Körpers mehr zurück und wird schlanker;
die Sprache
[* 10] bildet sich mehr und mehr aus, und der Gesang fängt an, sich zu entwickeln;
die Geistesthätigkeit
gewinnt eine bestimmtere Richtung;
das unbewußte Auffassen der äußern Eindrücke verwandelt sich in
ein beabsichtigtes Lernen;
der Geist richtet sich mit Selbstbestimmung auf die Objekte und sucht sie sich anzueignen, unterstützt
durch Neugierde und Wißbegierde, durch den Trieb, sich zu beschäftigen und es den Erwachsenen nachzuthun, wozu sich dann
später auch die Freude am Wissen gesellt;
das Ehrgefühl steigert sich, das Gedächtnis
erreicht nach und nach einen immer höhern Grad, es erfaßt leicht und behält das Erfaßte für das ganze Leben, so daß in
diesem Alter die Grundlage für alles künftige Wissen gelegt wird.
Infolge des schnellern Wachstums des
Körpers steigert sich auch das Bedürfnis der Nahrungsaufnahme. Der Puls nimmt an Schnelligkeit ab und hat nur 80-90 Schläge
in der Minute. Das Jünglingsalter reicht von der beginnenden Entwickelung der Zeugungskraft (Pubertät) bis zur Beendigung
des Wachstums, also beim männlichen Geschlecht vom 17. bis zum 23., beim weiblichen vom 14. bis zum 20. Jahr.
Das Wachstum geht im Anfang dieses Lebensalters meist schnell vorwärts und macht, besonders wenn es zuvor nicht bedeutend
vorgerückt war, einen neuen Schuß, bisweilen 10-16 cm in einem Jahr.
diesem Zeitalter zur vollen Entfaltung gekommen. Mit dem 28.-36. Jahr tritt die eigentliche Höhe des Lebens ein und mit ihr
das reife Mannesalter. Alle physischen und psychischen Verrichtungen gehen in dieser Periode mit voller Kraft vor sich. Im spätern
Mannesalter treten dann Zeichen der Abnahme des Körpers ein, das Gedächtnis und das Vermögen der Rezeption
werden schwächer, es stellt sich ein gewisses Bedürfnis nach Bequemlichkeit ein, die Bewegungen geschehen nicht mehr mit
der Leichtigkeit wie früher, es besteht Neigung zur Fettleibigkeit.
Bei Frauen erlischt in der Mitte der 40er Jahre die Menstruation und damit das Zeugungsvermögen; beim Mann bleibt letzteres
bis in die 50er Jahre erhalten. Ungefähr mit dem neunten Lebenscyklus endlich beginnt das Greisenalter, welches man wieder
in das beginnende und höhere unterscheidet. Beide sind jedoch nicht durch scharfe Grenzen
[* 15] getrennt. In diesem Lebensabschnitt
beginnen die Körpergewebe zu schrumpfen. Die Zahnhöhlen werden eingezogen und daher die Zähne selbst lockerer;
sie nutzen sich ab, fallen aus, wodurch die Höhe des mittlern Teils des Unterkiefers abnimmt und, wenn alle Zähne ausgefallen
sind, nur ein knöcherner Bogen
[* 16] übrigbleibt.
Nur
verhältnismäßig wenige Menschen durchlaufen alle Cyklen von der Kindheit bis ins hohe Alter; die meisten werden früher infolge
von Krankheiten eine Beute des Todes. Das menschliche Durchschnittsalter beträgt nur 34 Jahre.
Die kaukasische Rasse scheint eine größere Lebensdauer zu haben als die mongolische und malaiische. Hinsichtlich
der beiden Geschlechter werden in der Mehrzahl die Weiber älter als die Männer. Im allgemeinen kann man annehmen, daß im Durchschnitt 178 Frauen
auf 100 Männer über 90 Jahre und 155 Frauen auf 100 Männer über 100 Jahre alt werden. Von sehr hohem
Alter bei unverheirateten Menschen ist kein Beispiel vorhanden, und die, welche ein ungewöhnlich hohes Alter erreichten, zeichneten
sich meist auch durch eine ungewöhnlich lange Dauer der Zeugungskraft aus. In vielen Familien erbt die Fähigkeit, ein hohes
Alter zu erreichen, jahrhundertelang fort.
2) Rechtliche Bedeutung des Alters. Der Einfluß des Alters auf die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Menschen
wird auch im Recht und im Rechtsleben anerkannt. Nach dem Vorgang des römischen Rechts werden in Ansehung
der Handlungsfähigkeit einer Person in allen Gesetzgebungen zwei Altersstufen unterschieden, indem man der Groß- oder Volljährigkeit
(Majorennität, aetas legitima) die Minderjährigkeit oder Minorennität gegenüberstellt. Zur Bezeichnung dieses Unterschieds
werden wohl auch die AusdrückeMündigkeit und Unmündigkeit gebraucht.
Das römische Recht unterschied aber innerhalb der Minorennität wiederum verschiedene Stadien. Zunächst
wird das Kindesalter (infantia) oder das Alter bis zu sieben Jahren als dasjenige Lebensalter aufgefaßt, in welchem der Mensch
absolut willens- und handlungsunfähig ist und seine Handlungen jeglicher rechtlichen Bedeutung entbehren. Zwischen dem Kindesalter
und der Pubertät (pubertas, Mündigkeit im eigentlichen Sinn) liegt das der Unmündigkeit (impubertas)
vom 7. bis zum vollendeten 14. Lebensjahr bei dem männlichen und bis zu dem vollendeten 12. Lebensjahr bei dem weiblichen
Geschlecht.
Der Unmündige kann Rechte erwerben, aber nicht solche aufgeben; er kann sich nur durch seinen Hausvater oder Vormund verpflichten.
Das römische Recht unterschied dann ferner das der Minorennität von der Mündigkeit an bis zum vollendeten 25. Lebensjahr,
indem auch die Minderjährigen (minores viginti quinque annis) manchen rechtlichen Beschränkungen unterworfen waren, während
sie auf der andern Seite eine beschränkte Handlungsfähigkeit hatten, namentlich als ehemündig galten und Testamente errichten
konnten.
Eine ähnliche Unterscheidung findet sich auch im alten sächsischen Recht vor, nach welchem man mit dem
vollendeten 12. Lebensjahr mündig ward oder, wie man zu sagen pflegte, »zu seinen
Jahren kam«, während mit dem vollendeten 21. Jahr die Großjährigkeit oder das »zu seinen Tagen Kommen« eintrat. Mit dem 16. Jahrh.
bildete sich aber, unterstützt durch die Notariatsordnung von 1577, die gemeinschaftliche Praxis dahin
aus, daß jener römisch-rechtliche Unterschied zwischen Minderjährigen und Unmündigen beseitigt ward. Für Minderjährige
überhaupt, welche nicht unter väterlicher Gewalt stehen, muß unter öffentlicher Autorität ein Altersvormund bestellt werden,
welcher für deren körperliche, geistige und sittliche Ausbildung Sorge zu tragen hat, und welchem die
Verwaltung des Mündelvermögens unter obervormundschaftlicher Kontrolle obliegt. Partikularrechtlich wurde jedoch der Termin
der Großjährigkeit¶
Besondere Vorschriften gelten ferner bezüglich der Ehemündigkeit, welche nach dem deutschen Personenstandsgesetz vom bei
dem männlichen Geschlecht mit dem vollendeten 20. und bei dem weiblichen mit dem vollendeten 16. Lebensjahr eintritt. Dispensationen
sind zulässig. Eheliche Kinder bedürfen, solange der Sohn das 25., die Tochter das 24. Lebensjahr nicht
vollendet haben, der Einwilligung des Vaters, nach dem Tode des letztern der Einwilligung der Mutter und, wenn sie minderjährig
sind, auch der des Vormunds.
Sind beide Eltern verstorben, so bedürfen Minderjährige der Einwilligung des Vormunds. Uneheliche Kinder werden wie vaterlose
eheliche behandelt. Aber auch sonst nimmt die Gesetzgebung vielfach auf das Alter Rücksicht, so in Ansehung der Fähigkeit,
einen Eid zu leisten (Eidesmündigkeit), welche nach den neuen deutschen Justizgesetzen bei Minderjährigen mit dem vollendeten 16. Lebensjahr
eintritt, ferner bei der Verpflichtung zum Kriegsdienst, welche im DeutschenReich in der Regel mit dem 1. Januar desjenigen
Kalenderjahrs beginnt, in welchem der Wehrpflichtige das 20. Lebensjahr vollendet, sowie bei der Fähigkeit zum Amt eines
Schöffen oder Geschworenen (30. Lebensjahr), ferner bei der aktiven und passiven Wahlfähigkeit, die z. B.
für den deutschen Reichstag mit dem vollendeten 25. Lebensjahr beginnt, bei der Befugnis zur Ablehnung
gewisser öffentlicher Ämter und zur Ablehnung von Vormundschaften, welche in der Regel 60jährigen Personen zusteht, etc. Im
Gewerbewesen sind für jugendliche Arbeiter besondere Normen gegeben.
Die deutsche Gewerbeordnung faßt unter dieser Bezeichnung Kinder von 12 bis 14 und junge Leute von 14 bis 16 Jahren zusammen.
Aber auch für Arbeiter von 16 bis 21 Jahren bestehen besondere Vorschriften, namentlich der Arbeitsbuchzwang
(vgl. Gewerbeordnung, § 107 ff., § 135 ff.). Auch
im Strafrecht ist das von besonderer Bedeutung. Hier gilt namentlich die Jugend als ein Strafmilderungsgrund, ja es kann sogar
gegen Kinder unter 12 Jahren nach den meisten Strafgesetzgebungen ein strafrechtliches Verfahren gar nicht
stattfinden.
Nach dem deutschen Strafgesetzbuch (§ 55) kann jedoch ein noch nicht zwölfjähriger Verbrecher in eine Erziehungs- oder sonstige
Besserungsanstalt untergebracht, auch können gegen ihn andre zur Besserung und Beaufsichtigung geeignete
Maßregeln
ergriffen werden. Verbrecher, welche zwar das 12., nicht aber das 18. Lebensjahr zur Zeit der That vollendet
hatten (jugendliche Verbrecher), sind freizusprechen, wenn sie bei Begehung der strafbaren Handlung die zur Erkenntnis ihrer
Strafbarkeit erforderliche Einsicht nicht besaßen.