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Demnächst steht in den USA ein erster Gerichtsentscheid an, den der Spielentwickler Epic Games gegen Apple angestrebt hat.
Beim Streit geht es im Kern um die 30% des Verkaufspreises, die Apple bei In-App-Käufen einbehält. In Europa hat der Musikdienst Spotify eine ähnliche Beschwerde bei Regulierungsbehörden eingereicht.
Zu den Kritikern von Apple und Google und deren App-Store-Praktiken gehört auch das Genfer Unternehmen Proton Technologies, das unter anderem Protonmail anbietet. "Konzerne wie Apple und Google haben die Macht über Leben und Tod von praktisch jedem Tech-Unternehmen, uns eingeschlossen", erklärte Andy Yen, Gründer und CEO von Proton Technologies in einem aktuellen Interview mit 'The Information'. "Wenn man eine gewisse Dominanz über den App-Vertrieb hat, muss es bestimmte Regeln und Vorschriften geben, die man einhalten muss."
Protonmail kann kostenlos genutzt werden oder man bezahlt ein Monatsabonnement, um mehr Speicherplatz und erweiterte Funktionen zu nutzen. Diese Abo-Einnahmen sind der Kern von Yens Kampf gegen Apple und Google. Beide Konzerne verlangen 30% an den meisten In-App-Käufen und einen Anteil von 15% an wiederkehrenden Abo-Einnahmen. "Stellen Sie sich vor, es gäbe drei oder vier andere Zahlungsanbieter auf mobilen Geräten", sagte Yen gegenüber 'The Information'
weiter. "Der Preis wird nicht auf null sinken, aber ich kann Ihnen mit Sicherheit sagen, dass er nicht bei 30% liegen wird."
Online-Plattformen werden untersucht
Apple wie Google stehen unter kartellrechtlicher Beobachtung von Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt. In den USA laufen Verfahren, die das US-Justizministerium und Generalstaatsanwälte eingeleitet haben. Yen sagte nun, dass Proton auf Informationsanfragen sowohl des Justizministeriums als auch der US-Behörden bei ihren Untersuchungen von Apple und Google reagiert habe.
Proton habe im vergangenen Jahr auch mit den Ermittlern des Unterausschusses für Kartellrecht des Repräsentantenhauses zusammengearbeitet. Diese haben inzwischen einen über 400-seitigen Bericht "Investigation of competition in digital markets" veröffentlicht, der sich auch mit den Online-Plattformen von Apple, Google, Amazon und Facebook sowie deren Marktstellungen befasst. Darin wird Proton mehrfach zitiert.
Apple setzte Proton unter Druck
Proton habe dem Unterausschuss berichtet, heisst es, dass seine auf den Schutz der Privatsphäre ausgerichtete E-Mail-App mit der E-Mail-App von Apple konkurriere. Nachdem Protonmail zwei Jahre lang als Gratis-Version im App Store verfügbar gewesen sei, habe Apple plötzlich verlangt, dass Proton erweiterte Funktionen als In-App-Käufe implementieren müsse – was Apple einen 30%igen Anteil an diesen Abonnements einbrachte. Ansonsten würde Protonmail aus dem App Store entfernt werden. Proton sei dieser Aufforderung nachgekommen, um Schaden für sein Geschäft zu vermeiden.
"Wenn Sie Ihrer Konkurrenz 30% Ihrer Einnahmen zahlen müssen, ist das die Definition von unlauterem Wettbewerb", sagte Yen. Um die Interaktionen mit der US-Regierung zu managen, habe Proton eigens ein fünfköpfiges Team für Recht und Politik unter Leitung der Anwältin Jurgita Miseviciute eingerichtet, die auf Regulierungsverfahren spezialisiert ist. "Wir werden trotzdem nicht mit der Armee von Anwälten von Apple mithalten können", so der Proton-Gründer.