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Die Geschichte der Medizin ist gespickt mit Placebo-Anwendungen wie der Rücken eines homöopathischen Patienten mit Akupunktur-Nadeln. Zeit, einen Blick zu werfen auf die Geschichte der Möchtegern-Arzneien.
Die erste geschichtliche Überlieferung des Placebo-Effekts stammt von Platon: Er war überzeugt, dass Worte die Kraft haben, Kranke zu heilen. Bundesrat Alain Berset versucht dies jedes Jahr aufs Neue mit seinen warnenden Worten: «Die Prämien steigen!» Ärzte sind sich heute einig, dass die Rechnung genauso hoch sein muss wie bei einer wirklichen Behandlung, damit die Wirkung einer Placebo-Behandlung anhält. Studien zeigten, dass die Farbe der Tabletten Einfluss nimmt, und Kapseln als wirksamer empfunden werden als Tabletten. Rektal verabreichte Kapseln sind nochmals wirksamer als oral eingenommene – je grösser also die rektale, bunte und teure Kapsel ist, desto grösser das Placebo. Der Name spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle: um als Arznei glaubwürdig zu sein, ist die Bezeichnung zwingend lateinisch, mit mindestens einem Grossbuchstaben und einem Sonderzeichen. Zu all diesen heilsamen Erkenntnissen führte diese jahrelange Forschungsgeschichte:
1,7 Mio v. Chr.: Der Homo erectus beginnt, aufrecht zu gehen. Nachdem ein Schamane ihm Physio-Dehnungsübungen verordnet hat.
14 000 v. Chr.: In einer Felshöhle in Norditalien wird die erste Zahnarztpraxis eröffnet. Gefunden wird 1988 ein kariöser Backenzahn, der ohne Betäubung gezogen wurde. Der Patient wurde im Wartezimmer durch die Lektüre des ‹Nebelspalter› schmerzunempfindlich gemacht.
30 000 v. Chr.: Die ersten Jäger gehen auf Jagd. Bald kommt es zu ersten Jagdunfällen. Bis heute tragen Jäger als «Medizin» Alkohol auf sich, den sie prophylaktisch zu sich nehmen.
3200 v. Chr.: «Ötzi» macht sich auf. Als er 5200 Jahre später gefunden wird, trägt er noch die Katzen-Rheumadecke, die ihm von einem Appenzeller Naturheilarzt verkauft wurde.
2800 v. Chr.: Im alten Ägypten wird die erste Augenprothese eingesetzt. Historiker gehen davon aus, dass die OP nicht notwendig war, sondern es sich um plastische Chirurgie handelte: Hochglanzmagazine suggerierten der Bevölkerung, der hölzerne Augapfel sei ein Schönheitsideal.
1800 v. Chr.: Erstmals wird der Zahnwurm als Verursacher von Karies belegt. Nachfolgenden Generationen wird weisgemacht, dass nachts der Zahnwurm kommt, wenn sie die Zähne nicht sauber putzen. Leider wird erst 900 Jahre später in China die erste Zahnbürste aus Schweineborsten hergestellt. Mit dem unerwünschten Nebeneffekt, dass der Mundgeruch nach dem Putzen kommt.
490 v. Chr.: In der Schlacht von Marathon siegen die Griechen über die Perser, weil sie den Marathonläufern mit Kältesprays vorgaukeln, dass der Wadenkrampf gar nicht weh tut.
400 v. Chr.: Gemäss Hippokrates enthält der Körper Säfte, die den Gesundheitszustand bestimmen. Von ihm stammt der aufbauende Satz: «Du bist doch noch voll im Saft!»
1663: Johann Sigismund Elsholtz führt in Berlin an drei kranken Soldaten die ersten intravenösen Injektionen durch. Er prägt den Begriff: «Jetzt kommt ein kleiner Piks.»
1728: Pierre Fauchard entwickelt den hand-betriebenen Bohrer zur Zahnbehandlung. Da viele Patienten sich fürchten, entwickelt er die Betäubungsspritze. Er übernimmt dazu Elsholtz’ Ausspruch: «Jetzt kommt ein kleiner Piks.» Da viele Patienten sich auch vor dem Piks fürchten, muss die Hypnose erfunden werden.
1747: Schiffsarzt James Lind belegt, dass Zitrusfrüchte ein wirksames Mittel gegen Skorbut sind. Seither putzen sich Schiffsbesatzungen die Zähne nicht mehr mit chinesischen Zahnbürsten, sondern Zitrusfrüchten.
1793: Marie Antoinette verliert auf der Guil-lotine den Kopf. Ihr Arzt hatte ihr geraten, dies sei das beste Mittel gegen ihr lästiges Kopfweh.
1812: Im Russland-Feldzug lügt Napoleon seinen erfrierenden Soldaten vor, Marschieren sei das beste Mittel gegen die Kälte.
1819: René Laënnec entwickelt das Stetho-skop. Um den Hals getragen ist es unverzichtbares Requisit für alle Ärzte, obwohl sie damit nur den Herzschlag abhören können.
1874: Karl Erhardt setzt zur Kariespräventi-on erstmals Fluoridpastillen ein. Damit die Kinder diese auch nehmen, versetzt er sie mit Zucker.
1881: Johann von Mikulicz entdeckt die Gastroskopie. Ganze Restaurantketten basieren seither auf dem Prinzip der Kopie von erfolgreichen Gastromodellen.
1883: Der Berner Theodor Kocher führt die erste Transplantation durch. Er transplan-tiert einen grossen Betrag vom Konto seines Patienten auf sein eigenes.
1986: Dank Tschernobyl kann erstmals die Placebo-Wirksamkeit der Jod-Tabletten erprobt werden. Tatsächlich behaupten Einwohner nach der Einnahme, sie hätten die radioaktive Wolke gar nicht gesehen.
1890: Appenzeller Naturheilärzte einigen sich, dass Wirksamkeit davon abhängt, wie eklig eine Behandlung ist. So sollen etwa Schnecken über Warzen kriechen. Was viele Schnecken als zu eklig ablehnen.
1894: Als PR-Aktion für einen Ledersofa-Hersteller erfindet Freud die Psychoanalyse.
1897: Nachdem Frauen Jahrtausende mit dem Satz «Heute nicht, Schatz, ich habe Kopfweh» davongekommen sind, erfindet Arthur Eichengrün das Aspirin.
1902: William Bayliss verwendet erstmals den Begriff «Hormon». Seither findet dieser als Pauschalerklärung «die Hormone spielen halt verrückt» Verwendung.
1911: Casimir Funk führt den Begriff «Vita-min» ein. Seither wird dieser Zusatz auf zahlreiche Kindernahrungen gedruckt.
1916: Als im 1. Weltkrieg das Morphium ausgeht, entwickelt Feldarzt Henry Beecher das Placebo der «Holzhammer-Methode»: Verwundeten wird weisgemacht, sie würden durch einen Holzhammer anästhesiert.
1998: Bis zur Erfindung von Viagra werden Placebos in Papierform eingesetzt: ‹Schlüsselloch› oder ‹Nebelspalter›.
2018: Die SP verlangt eine Obergrenze für die Krankenkassen-Prämie, in Fachkreisen «Augenwischerei für Menschen mit hölzernen Augäpfeln» genannt. Mit den Skandalen von Genfer Staatsräten und anderen Politikern beginnt in der Schweiz das Zeitalter der Aufhebung der Immunität.