Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03556.jsonl.gz/2168

Schwarznessel - Ballota nigra
Ballota nigra L. (syn. Ballota alba, B. aristata, B. borealis , B. ruderalis, B. sepium, B. silvestris, B. vulgaris, Marrubium nigrum);
Schwarzer Andorn (syn. Anderbrume, Gottvergess, Schwarznessel, Stinkandorn).
VORKOMMEN
Die Heimat der Schwarznessel ist das Mittelmeergebiet. Von dort aus hat sie sich über die ganze gemässigte Zone der Nordhalbkugel verbreitet. Man findet sie ziemlich häufig in staudenreichen Unkrautgesellschaften, an Wegen, Zäunen, Schuttplätzen. Sie bevorzugt lockeren, etwas feuchten, stickstoffhaltigen Boden.
MERKMALE
Die Schwarznessel wird bis zu 120 cm hoch, riecht unangenehm und Stängel und Blätter sind dicht behaart. Die Blätter sind gestielt, breit- eiförmig, unregelmässig grob gezähnt und runzelig. Die Blüten sind in kurz gestielten 4–10blütigen Teilblütenständen in den oberen Blattwinkeln angeordnet. Die Krone ist rosa oder weiss und etwa 10–15 mm lang. Die Oberlippe ist aufrecht, gewölbt, vorn ausgerandet und dicht behaart. Die Unterlippe ist dreiteilig mit grösserem Mittellappen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Ballotae nigrae herba (syn. Ballotae herba, Marrubii nigri herba).
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Hauptinhaltsstoffe sind Ballotenol, die Flavonoide Apigenin, Luteolin, Scutellarein, ätherisches Öl (0.01 %), das für den charakteristischen, oft als widerlich beschriebenen Geruch der Pflanze verantwortlich ist, der Bitterstoff Marrubiin und diverse phenolische Verbindungen und Gerbsäuren wie Kaffeesäure, Chlorogensäure und Ferulasäure. Betain, Stachydrin und Cholin wurden ebenfalls gefunden.
PHARMAKOLOGIE
Der Gehalt an Marrubiin, das als spasmolytisch, schmerzlindernd und gastroprotektiv gilt, könnte für die beschriebenen Wirkungen bei Verdauungsbeschwerden verantwortlich sein.
ANWENDUNG
Das Kraut der Schwarznessel wird zum Teil noch in der Volksheilkunde
angewandt. Als leichtes Beruhigungsmittel bei krampfartigem Husten und
Nervosität, wie zum Beispiel bei leichter Schlaflosigkeit. Des Weiteren
bei nervösen Verdauungsbeschwerden und Magenkrämpfen. Die Wirkung der
Droge wird als spasmolytisch und beruhigend beschrieben. Die
traditionellen Anwendungen können jedoch nicht mit klinischen Daten
belegt werden.
Die Schwarznessel wird in Fertigarzneimitteln (Dragées), kombiniert mit Baldrian, Hopfen und Passionsblume, als Schlaf- und Beruhigungsmittel angeboten. In Frankreich wird die Droge zur symptomatischen Behandlung nervöser Beschwerden von Erwachsenen und Kindern, besonders bei leichten Schlafstörungen und zur symptomatischen Behandlung des Hustens verwendet.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Auf dem deutschen und dem schweizer Markt sind keine Fertigarzneimittel im Handel, die Schwarznessel enthalten. Das Kraut kann aber gekauft werden.
Teebereitung: 2 bis 4 Gramm Droge mit kochendem Wasser übergiessen, fünf bis zehn Minuten stehen lassen und dann durch ein Teesieb filtrieren. Dreimal täglich eine Tasse trinken.
STATUS
- Kommission E: - keine Bearbeitung
- ESCOP: - positive Bewertung (Bei Angespanntheit, Unruhezustände und leichter Reizbarkeit mit Einschlafstörungen, sowie bei milden Magenkrämpfen).
- HMPC: - keine Bearbeitung
HOMÖOPATHIE
Ballota foetida, die frischen oberirdischen Teile der blühenden Pflanze.
Anwendungsgebiet: Husten und nervöse Beschwerden.
SCHWARZNESSEL IM GARTEN
Die Schwarznessel ist eine wärmeliebende Art und bevorzugt lockeren, nicht zu trockenen und stickstoffreichen Boden. Der Standort sollte sonnig oder mindestens halbschattig sein. Die anspruchslose Schwarznessel ist frosthart (kein Winterschutz nötig). Die Pflanze hat äusserlich Ähnlichkeit mit der Brennessel oder dem Andorn. Bienen und Hummeln finden in den Blüten dieser Pflanzen einen vorzüglichen Nektar, die Schwarznesseln gelten als Bienenweide.
SONSTIGES
Die Schwarznessel ist heute als Heilpflanze fast vergessen. Wahrscheinlich liegt es an ihrem unangenehmen Geruch, dass die alte Heilpflanze bis heute nur wenig angewendet wird. Die positive Bewertung der ESCOP kann vieleicht daran etwas ändern.
Letzte Änderung: 25.04.2017 / © W. Arnold