Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03427.jsonl.gz/9

Universitätsabschlüsse sind das Gesprächsthema Nummer eins an Familienfeiern: Dauernd reden die Erwachsenen darüber, wer wo welche Fächer studiert und welche Leistungen erbringt. Seltsam nur, dass die Namen der Universitäten nie genannt werden. Wenn die elfjährige Lea nachfragt, was mit B. oder S. gemeint sei, kriegt sie bloss ausweichende Antworten.
Lea Ypi, Professorin für Politische Theorie an der London School of Economics, schildert in ihren Erinnerungen «Frei. Erwachsenwerden am Ende der Geschichte», wie sie im sozialistischen Albanien aufwächst, im Sommer 1990 als Pionierin stolz ihr rotes Halstuch trägt und im Dezember desselben Jahres die Beine einer enthaupteten Stalinstatue umarmt. Zu dieser ist sie vor den donnernden Stiefelschritten der Demonstrant:innen geflohen, die «Freiheit, Demokratie» rufen. Aber welche Freiheit? Hat die Lehrerin nicht erzählt, dass im Sozialismus alle längst frei sind? Und was ist eigentlich mit Stalins Kopf passiert?