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Die Diagnosekriterien für eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung wurden entwickelt, um ADHS bei Kindern zu erkennen – nicht bei Erwachsenen. Kriterien wie «rennt oft herum oder klettert auf Möbel herum» und «schafft es oft nicht, Schularbeiten zu beenden» helfen nicht, ADHS bei Erwachsenen zu diagnostizieren, die kluge, fleißige Problemlöser sind und/oder eine erhöhte Sensitivität zeigen, die clevere Wege gefunden haben, um ihre Symptome zu umgehen, wie z. B. zu lernen, sich auf ein Stichwort hin zu konzentrieren.
Die meisten ADHS-Diagnosen werden gestellt, wenn Kinder sich auffällig verhalten oder auf Lernschwächen untersucht werden. Die Diagnose der ADHS bei Erwachsenen wurde erst 2013 in den DSM-Katalog und im ICD 11 sogar erst 2022 aufgenommen.
Es gibt einem schon zu denken, aber die meisten Ärzte glauben immer noch nicht an die Existenz von ADHS, insbesondere bei Erwachsenen. Mehr noch: 93 % der befragten Erwachsenenpsychiater geben an, dass sie weder in ihrer Facharztausbildung noch in ihrer medizinischen Fortbildung etwas über ADHS gelernt haben, weder bei Kindern noch bei Jugendlichen noch bei Erwachsenen. Daher wissen die meisten nicht, wie sie ADHS-Symptome bei Erwachsenen erkennen können. Sie halten an dem Archetyp des störenden kleinen Jungen fest und erkennen nicht, dass Erwachsene mit ADHS Nachteulen sind und Schlafschwierigkeiten, Enttäuschungen in Beziehungen, erhöhte Sensitivität und ablehnungsempfindliche Dysphorie erleben, neben anderen Symptomen, die bei Kindern nicht vorkommen oder in den diagnostischen Manualen des ICD oder DSM enthalten sind.
Das Bild des Patienten ist zwangsläufig eine Landkarte und nicht das Territorium: Patienten verhalten sich in der Sprechstunde oft unauffällig und berichten von ihren Erfahrungen. Kliniker können Fragen stellen und Empfindungen bezüglich des Geschehens haben, welche aber aus dem eigenen subjektiven Erleben heraus interpretiert werden.
Erwachsene mit ADHS haben ihr ganzes Leben lang mit ihrer subjektiv empfundenen Unzulänglichkeit zu kämpfen gehabt. Sie haben es unzählige Male zu hören bekommen, dass sie die Erwartungen nicht erfüllen oder dass sie ein «schlechtes Hirn» haben. Dies wird oft auf katastrophal schmerzhafte Weise erlebt. Diese Scham kann dazu führen, dass selbst der morgendliche Gang vor die Tür zu einem Akt des Mutes wird; medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, kann sich unmöglich anfühlen.
Sogenannte Fachpersonen verwechseln die ADHS-Symptome bei Erwachsenen häufig mit Stimmungsstörungen, Angstzuständen, Zwangsstörungen und anderen Erkrankungen mit sich überschneidenden Symptomen. Bei Erwachsenen kann sich die Hyperaktivität nach innen wenden. Sie denken vielleicht, dass Ihre rasenden Gedanken von Ängsten herrühren, obwohl sie in Wirklichkeit von einer durch ADHS verursachten Überaktivität des Gehirns verursacht werden. Diese internen Verhaltensweisen sind schwieriger zu erkennen und zu diagnostizieren. Fachpersonen brauchen Zeit, um in einem gründlichen klinischen Gespräch die verschiedenen ADHS-Symptome zu erkennen und zu einem Ganzen zusammenzusetzen. neue Erkenntnisse legen es nahe, der subjektiven Perspektive eine objektive Evidenz mittels EEG und Evozierten Potenzialen beizufügen.
Diese internen Verhaltensweisen sind schwieriger zu erkennen und zu diagnostizieren. Oft sind Erregungsprobleme wie Hypervigilanz und ein erhöhter Arousal die Grundmechanismen. Diese muss man aber auch erfassen können, um eine zuverlässige ADHS Diagnose zu stellen.
Menschen mit ADHS sind oft kreativer als durchschnittliche neurotypische Menschen. Aus diesem Grund finden sie im Laufe der Zeit viele Möglichkeiten, die ADHS-Symptome zu kompensieren und sich im Leben zurechtzufinden. Die Diagnose wird in der Regel gestellt, wenn ein Erwachsener ein Kind hat, bei dem ADHS diagnostiziert wurde, wenn ein neues Familienmitglied hinzukommt oder wenn er sich beruflich weiterentwickelt und der zusätzliche Stress zu groß für ihn wird.
Menschen mit Angst- und Stimmungsstörungen sind oft besorgt über die Behandlung von ADHS, weil sie glauben, dass ADHS-Medikamente ihre Symptome verschlimmern oder mit anderen Medikamenten wie SSRIs in Konflikt geraten. Studien haben jedoch gezeigt, dass Stimulanzien die Angstzustände nicht verschlimmern, wenn die Dosis und das Medikament richtig gewählt werden. Wenn Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und andere Störungen stabilisiert und behandelt werden, ist die Medikation sicher. Stimulanzien erhöhen den Blutdruck nicht, es sei denn, die Dosis ist zu hoch. Dazu braucht es aber klare diagnostische Hinweise, wie die verschiedenen Medikamente auf bestimmte neurobiologische Konstellationen reagieren. Dies gilt sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Die GTSG will sich in den nächsten Jahren zusammen mit universitären Instituten für mehr diagnostische Sicherheit einsetzen.