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Wenn über Sammlungen von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten gesprochen wird, kommt immer wieder ein und dieselbe Frage auf: Wie viele davon befinden sich im Besitz Schweizer Museen? Und bei wie vielen dieser Objekte handelt es sich um Raubkunst und Kriegsbeute, oder andere wichtige Objekte, die an deren Herkunftsstaaten zurückgegeben werden sollten? Diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten — ausser man würde schlicht und einfach sagen, man wisse es nicht. Um eine solche Zählung durchführen zu können, müssten alle Sammlungen erstmals umfassend digitalisiert werden und die Provenienzangaben der Sammlungsobjekte müssten in einem maschinenlesbaren Format erfasst sein. Zusätzlich müsste eine ebenfalls maschinenlesbare Definition von kolonialen Kontexten bestimmt werden. Die Frage nach den Objekten, welche aus kolonialen Unrechtskontexten stammen, bedarf ebenfalls einer vertieften Analyse, die in den nächsten Jahrzehnten wohl schwer durchzuführen sein wird, falls die Kapazitäten für Provenienzforschungsprojekte in den Institutionen nicht drastisch erhöht werden. Was hingegen gezählt werden kann, ist die Anzahl aussereuropäischer Sammlungsobjekte, die in den Inventaren der Museen erfasst sind. Gekoppelt mit der Annahme, dass ein grosser Teil dieser Sammlungen aus kolonialen Kontexten stammen, lässt sich so wenigstens eine Grössenordnung des Ausmasses der kolonialen Sammlungen in der Schweiz erörtern.
In den 70er und 80er Jahren wurde bereits einmal ein Übersichtsinventar der Völkerkundlichen Sammlungen in der Schweiz erstellt und veröffentlicht. In einem jahrelangen und enorm arbeitsintensiven Prozess haben damals Kurator:innen und Forscher:innen der grösseren völkerkundlichen Museen Objekte und Karteikarten gezählt, diese einheitlich erfasst (ein ebenfalls sehr kompliziertes Unterfangen), und danach die daraus entstandenen Listen in Buchform veröffentlicht. Diese wurden ergänzt durch weitere detaillierte Angaben zu den Museen, unter anderem einem Kurzportraits über die Institutionen und deren Geschichte, nützlichen Informationen (die man damals nicht einfach im Internet finden konnte) wie Adressen, Telefonnummern, Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Kontaktpersonen, Bestände der Bibliotheken und Archive, sowie Listen der Projekte, Publikationen und Ausstellungen. Die Inventarlisten enthalten abgesehen von der Anzahl der Objekte zahlreiche weitere Metadaten: Eingangsjahr, Herkunftsregion, ethnische Einheit, Sammler:innen und weitere Bemerkungen. Die Verfasser:innen des Inventars widmeten dieses auch explizit den Vertreter:innen der Herkunftsgemeinschaften der Objekte:
An uns liegt es, die Sammlungen von einzigartigen Dokumenten, die unsere Völkerkundemuseen beherbergen, am Leben zu erhalten, einmal rein physisch, dann aber auch, indem wir laufend das zugehörige Wissen aufarbeiten und weitergeben. Dabei sollen gerade auch die Nachfahren jener eingeschlossen sein, deren Originalwerke einst in die Sammlungen Eingang gefunden haben — wahrlich kein bescheidenes Programm. (Kaufmann et al. 1979, S. 7)
Die vorliegende Datenvisualisierung hat einen bei weitem geringeren Komplexitätsanspruch, und bildet im Vergleich zum Übersichtsinventar von 1979 ein sehr reduziertes Spektrum an Informationen über die Institutionen ab. Dabei konzentriert sich die Arbeit auf eine Kategorisierung nach geografischer Herkunft der Objekte nach Kontinenten, einer Kategorisierung der Sammlungsbestände nach Medium, und einer Darstellung des aktuellen Standes der Digitalisierungsprozesse in den beteiligten Museen.