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In der Frage, wer das Rennen bei der Privatisierung der staatlichen italienischen Fluggesellschaft ITA Airways das Rennen macht, gab es am Mittwochabend (31. August) eine von vielen Seiten erwartete Vorentscheidung: Das Gespann aus Lufthansa und MSC Cruises, welches sich früh als Interessent hervortat (Travelnews berichtete) und ein spannendes Konstrukt auf die Beine stellen wollte, wurde wenig überraschend übertrumpft. Die schweizerische Reederei und ihr deutscher Verbündeter konnten die italienische Regierung offenbar nicht überzeugen. Das italienische Wirtschaftsministerium gab nämlich bekannt, dass es das Angebot des amerikanischen Investmentfonds Certares - der mit Air France-KLM und Delta Air Lines verbunden ist - für die Aufnahme exklusiver Verhandlungen ausgewählt hat.
Damit setzt Italien auf Bewährtes. Die Vorgängerin der ITA Airways, Alitalia, war schon jahrelang Partnerin von Air France-KLM, etwa in einem transatlantischen Joint Venture. Und wie ihre Vorgängerin setzte auch ITA Airways auf die Mitgliedschaft in der Luftfahrt-Allianz Skyteam, zu wqelcher auch Air France-KLM sowie Delta gehören.
Das italienische Ministerium begründete die Absage an MSC und Lufthansa - Indigo Partners, ursprünglich ein weiterer Bieter, hatte sich bereits zurücklgezogen - damit, dass das Angebot des amerikanischen Fonds «den Zielen besser entspricht», was auch immer das heisst. Wie genau der Deal mit Certares aussieht, wurde nicht bekannt gegeben. Das italienische Wirtschaftsministerium gab lediglich bekannt, dass am Ende der exklusiven Verhandlungen verbindliche Vereinbarungen nur dann unterzeichnet werden, «wenn deren Inhalt für den öffentlichen Aktionär voll und ganz zufriedenstellend ist.»
Auch wenn nicht viel bekannt gegeben wurde, so haben der US-Fonds und seine Airline-Partner laut italienischen Medienberichten ein Angebot für fast 56 Prozent von ITA im Wert von rund 600 Millionen Euro abgegeben, welche vollständig von Certares gezahlt würden. Air France-KLM und Delta betonten in einem separaten Statement, dass ihre Beteiligung an der Transaktion zumindest vorläufig «rein kommerziell» bleiben werde, also keine eigene Beteiligung am Kapital von ITA Airways erworben wird. Sprich: Air France-KLM sowie Delta wären operative und kommerzielle Partner von ITA in einem von Certares geführten Konsortium; eine finanzielle Beteiligung als Minderheitsaktionär ziehe man allenfalls mittelfristig in Betracht.
In diesem Zusammenhang ist wichtig zu erwähnen, dass Air France-KLM nicht mehr als 10 Prozent des Kapitals eines Unternehmens erwerben darf, solange nicht mindestens 75 Prozent der von Frankreich erhaltenen Covid-Staatshilfe zurückgezahlt sind. Die französisch-niederländische Airline hat bislang nur 60 Prozent der staatlichen Beihilfen zurückgezahlt. Der Konzern muss seine Bilanz noch vollständig sanieren, bevor er sich an externen Wachstumsoperationen beteiligen kann. Mittelfristig ist es aber durchaus denkbar, dass der Certares-Fonds zumindest einen Teil seiner Beteiligung an ITA Airways an Air France-KLM und Delta weiterverkaufen könnte. Denn die europäischen Vorschriften schreiben vor, dass eine Fluggesellschaft zu mindestens 50 Prozent aus europäischem Kapital bestehen muss.