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Mantasoa lädt einerseits ein zu einer geschichtlichen Exkursion in die Anfänge der madagassischen Industrialisierung und andrerseits ist es eine Oase der Erholung. Es gibt hier einige Hotels, die zum Verweilen einladen und der weitverzweigte See lädt ein zu vielen Freizeitbeschäftigungen.
Viele Reisende, aber auch betuchte Städter aus Tana möchten der lärmenden Stadt entfliehen, einige ruhige Tage in einem Vorort von Antananarivo verbringen und die Kulissen von Madagaskar sehen. Mantasoa gehört zu einem dieser idyllischen Orte. Die viel befahrene RN2 führt in östlicher Richtung. Sie ist die Hauptverbindungstrasse nach Tamatave, der grössten Hafenstadt Madagaskars.
Heute fahren wir aber nur rund 70 km auf dieser Nationalstrasse und zweigen beim grossen Dorf Manjakandriana nach Süden ab auf eine holprige Piste bis zum verzweigten Stausee (ca. 15 km).
Bis zur Ortschaft Mantasoa mit ca. 15’000 Einwohnern fahren wir durch malerische Dörfer, über Hügel und durch Täler und gelangen zum Mantasoa-See. In den Tälern befinden sich Reis- und Gemüsefelder und die grasbewachsenen Hänge bieten den Zebus Nahrung. Die Erhabenheit der Landschaft an sich macht diese Region mit Aufforstungsflächen mit Eukalypten und Kiefern zu einem beliebten Ausflugsziel im Hochland sowohl für die Touristen wie auch für die Stadtbewohner.
Mantasoa
Die Legende erzählt, dass der Name „Mantasoa“ von dem madagassischen Spruch „ny manta no mahasoa an’ireto sakafo ireto” stammt. “Manta“ heisst auf madagassisch roh, ungekocht und “soa“ bedeutet gut und schmackhaft, insgesamt bedeutet dieser lange Ausdruck “das Essen sollte man besser roh verzehren“. Die Geschichte erzählt nämlich von den schlechten Arbeitsbedingungen der Madagassen während der Kolonialzeit. Die Zwangsarbeiter hatten nicht einmal die Gelegenheit oder auch die Möglichkeit, das Essen richtig vorzubereiten, und mussten die Nahrung roh essen.
Die zweite mündliche Überlieferung berichtet, dass der Name „Mantasoa“ aus der Königszeit stammt. Die starken Männer im Dorf mussten grosse und hohe Mauer rund um den Hügel Andohariana errichten, um die Adligen vor den Feinden oder den Plünderern zu schützen. Diese mächtige Mauer heisst auf madagassisch “Manda soa“ oder auf Deutsch “schöne Festung“ und im Laufe der Zeit hat sich die Phonetik / die Aussprache in „Mantasoa“ verwandelt.
Mantasoa
Die interessante Geschichte dieser Ortschaft beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts während der Königszeit der Königin Ranavalona I. Sie beauftragte den Franzosen Jean Laborde, der in ihrer Gunst stand, einen grossen Industriekomplex zu errichten. Dieser 27-jährige Franzose war ursprünglich auf Schatzsuche in Mozambique unterwegs und im Jahre 1832 als Schiffbrüchiger an die Küste Madagaskars gespült worden.
Ca. 20’000 Sklaven und Zwangsarbeiter mussten am Bau dieser ersten Industriestadt in Madagaskar ab dem Jahre 1837 teilnehmen, um dann hier Schwerter und andere Waffen wie Gewehre oder Kanonen, aber auch Schiesspulver herzustellen. Dieser geniale Ingenieur entwickelte in dieser Zeit auch Wasserleitungen, Blitzableiter… praktisch alles, was ein blühendes Land im 19. Jahrhundert benötigte. Seine Initiative und sein Erfinderreichtum waren äusserst erstaunlich, so lag dort um diese Zeit eine grosse Industrieanlage mit eisenverarbeitenden Betrieben wie Schmieden und Sägewerke und vieles andere mehr…
Nach fast einem Vierteljahrhundert musste dieser geniale Konstrukteur nach einem Komplott gegen die Königin Ranavalona I. im Jahre 1857 aus Mantasoa flüchten und das Land verlassen. So wurden die Teile des Industriekomplexes in den Fluten versenkt. Die erste Industrialisierung Madagaskars war dann abrupt beendet. Von der gigantischen Industrieanlage zeugen zurzeit nur noch wenige verfallene Steinbauten.
Heute kann man aber immer noch auf den Spuren von Jean Laborde wandeln. Einige historische Relikte wie zum Beispiel die Ruine des Hochofens und das ehemalige Wohnhaus von Jean Laborde (jetzt Informationszentrum und Museum) gehören zu den Hauptattraktionen des grossen Dorfes Mantasoa.
Auch die noch in heutiger Zeit in Madagaskar gebräuchlichen Zebu-Karren mit ihren wuchtigen Holzrädern, entstammen wohl den Konstruktionsplänen von Laborde.
Mantasoa
Der Mantasoa-See wurde im Jahre 1936 wieder neu aufgestaut, um den Ikopa-Flusse zu regulieren und die Betsimitatatra- Ebene, den Reisspeicher der Stadt Antananarivo zu bewässern. Ebenso wurde die Wasserkraft für die Stromgewinnung in Mandraka genutzt. Mit einer Fläche von ca. 2’000 ha und mit einer durchschnittlichen Tiefe von 8 bis 12 m hat der See die Form einer Hand mit ihren Fingern und ist von einem riesigen Wald hauptsächlich mit Eukalypten und Pinien umgeben.
Zurzeit gilt der Ort Mantasoa nicht nur als historisch interessant, sondern ist auch sehr beliebt als idyllisches Naherholungsgebiet und Wochenendresort mit vielfältigen Wassersportmöglichkeiten.
Der See verleiht der Region ein neues Image, hat einen unvergesslichen Charme und ist ein Treffpunkt für Wassersportler, denn Tretboote, Wasserski, Bootsfahrten werden auf diesem weitverzweigten See ausgeübt. Eine Radtour oder eine Wanderung ins umliegende Gebirge lädt zum Verweilen ein und man schätzt die Schönheit der Region.
Will man von Ampefy weiter Richtung Süden fahren, kehrt man besser nicht nach Tana zurück, sondern nimmt den direkten Weg über die RN43. Damit sichert man sich eine abwechslungsreiche Fahrt mit wenig Verkehr und kaum Touristen.
Die 153 km lange Strecke zwischen Ampefy und Antsirabe ist teilweise asphaltiert, teilweise eine staubige Piste und gehört zu den abenteuerlichen aber auch eindrucksvollen Routen auf der westlichen Seite Madagaskars.
Die Landschaft ist spektakulär und sehr vielfältig, denn man findet eine ganze Reihe von Reisebenen, Gemüse- und Obstfelder und Reste von Eukalyptuswäldern…
Die Strecke ist als “Strasse der Ochsenkarren“ bekannt und darum sehr wenig befahren. Lange Zeit war dieser Abschnitt zwischen diesen beiden wichtigen Städten unbefahrbar, da der Zustand der Piste sehr schlecht und mit vielen Schlaglöchern durchsetzt war. In den letzten Jahren wurde glücklicherweise die kurze Strecke zwischen Soavinandriana und Faratsiho (etwa 56 km) erneuert, so dass die zahlreichen, abgelegenen Dörfer nicht mehr vom Rest der Welt abgeschlossen sind.
Ampefy – Soavinandriana – Faratsiho – Antsirabe
Die Nationalstrasse 43 führt über weite Hügellandschaften und zeigt viele interessante Facetten des Landlebens: Reisfelder, Zebus und eben auch die vielen selbstgebauten Holzkarren in allerlei Ausführungen begegnen den Reisenden auf dieser ruhigen und erlebnisreichen Fahrt. Die Zebukarren sind besonders während der Reisernte unterwegs und sind Wahrzeichen der Insel. Sie sind die üblichen Transportmittel für Waren zwischen den vielen weit auseinander liegenden Dörfern. Für die Bauern der Region sind die Ochsenkarren noch immer wichtige Arbeitsinstrumente. Die harten Pisten beschädigen aber die robusten Gefährte immer wieder.
Unterwegs sieht man oft Werkstätten für die Herstellung oder für die Reparatur dieser Karren und am Strassenrand stehen oft Hütten von Schmieden, welche die Reifen der Karren, die Ackergeräte oder die vielen Fahrräder reparieren.
In diesen abgelegenen Orten entlang der Strasse der Ochsenkarre sind natürlich viele auf den Beinen: die Schüler, die den Reisenden freundlich zuwinken, die korbbepackten Frauen auf dem Weg zur Feldarbeit, oder auch die spielenden Kinder beim Zebu-Hüten … viele Fotomotive sind garantiert!
Die Stadt Soavinandriana erreicht man nach ein paar Kilometern. Die ländliche Stadt hat mehr als 120 Ortsteile, jedes Viertel hat zwischen 100 und 600 Menschen und insgesamt leben im Kleinstädtchen mehr als 50’000 Einwohner.
Während der Königszeit mussten sich die Jungen ab 18 Jahren der Armee anschliessen.
Das Motto des Königs in dieser Region war “Hunger ist mein Feind“, so hat der König den Jungen damals befohlen, an den Bewässerungsarbeiten der weit verstreuten Reisfelder mitzuarbeiten. Er war von dieser Idee sehr begeistert, weil er die Reisproduktion steigern konnte und so bekam die Stadt den Namen “Soavinandriana“, was wörtlich bedeutet “die Stadt, die vom König bzw. von den Adligen begnadigt ist“.
Der Markttag findet hier jeden Montag statt, hier gönnt man sich dann auch eine kurz Fotopause gönnen: Auf dem Marktplatz sieht man viele Produkte aus den umliegenden Dörfern: das frische Gemüse wie Karotten, Kartoffeln, Kürbis, Bohnen, Soja usw. Es wird auch verschiedener Spinat, Chinakohl und Kresse auf den bunten Markständen angeboten.
Ausser diesen vielen Gemüsearten wird hier auch der „Coffea Arabica Elita“ angepflanzt. Dieser Kaffeestrauch wächst auf etwa 1’800 m über dem Meeresspiegel. Er stammt aus Afrika und gilt als einer der besten und aromatischsten Kaffees Madagaskars.
Ampefy – Soavinandriana – Faratsiho – Antsirabe Der 56 km lange Streckenabschnitt zwischen Soavinandriana und Faratsiho ist asphaltiert und gut zu befahren, ab dem Kleinstädtchen Faratsiho fängt leider die staubige und holprige Piste bis zur Einmündung in die RN7 an, sie ist darum nur mit dem Geländewagen zu bewältigen.
Nassreisanbau dominiert die Landschaft in der Region von Ambohibary Sambaina. Ambohibary bedeutet “das Dorf mit viel Reis“ und der Name trifft zu, denn dieses grosse Dorf ist von weiten Reisfeldern umgeben. Die Madagassen sind ja schliesslich die Meister im Anbau dieses Grundnahrungsmittels und der Reis hat eine grosse kulturelle Bedeutung auf der ganzen Insel. Man merkt auch auf der gesamten Strecke, dass die typischen Hochlandhäuser eine identische Architektur haben: meistens ein einstöckiges Haus aus Lehm oder Backsteinen, gedeckt mit Blech oder Ziegeln. Auf der Frontseite liegt die bunte Veranda, die sofort in die Augen sticht. Traditionell werden die Häuser immer in Nord-Süd-Richtung gebaut.
Die schönen Häuser in den kleinen Weilern sind im Nachmittagslicht so dekorativ, dass auch Nichtprofis gute Fotos schiessen können. Vielleicht spricht der Fahrer spontan mit einer Familie, so dass die Reisenden ein Haus betreten können und einen Einblick erhalten in die recht bescheidenen Räume mit gestampftem Lehmboden und mit selbstgeflochtenen Reisstrohmatten.
Ampefy – Soavinandriana – Faratsiho – Antsirabe
Endlich sieht man vom weitem die Stadt Antsirabe, wortwörtlich heisst das “wo es viel Salz gibt“. Antsirabe wurde einst von norwegischen Missionaren gegründet. Die Stadt ist bekannt als die kühlste Stadt auf der ganzen Insel, eine willkommene Abwechslung für die Reisenden, nach der beeindruckenden Entdeckungsreise durch die heisse Vulkanlandschaft.
Die “Stadt des heissen Wassers“ ist auch bekannt als “die Stadt der Rikschas“. Bei einem Sparziergang durch die breite Avenue werden die Besucher von einem Heer von Pousse Pousse-Fahrern angesprochen, die voller Enthusiasmus versuchen, sie für eine Stadtrundfahrt mit einem dieser Gefährte zu überreden. Antsirabe liegt im Herzen einer der produktivsten Regionen im Hochland und die Atmosphäre der Stadt hat wirklich eine entspannende Wirkung auf die Seele.
Das Mozea Akiba Museum der Universität in Mahajanga an der Nordwestküste von Madagaskar greift Regionalgeschichte auf und vermittelt zudem erdgeschichtliche Fakten
Madagaskar hat nur wenige Museen und kaum welche, die ihren Namen wirklich verdienen. In der Küstenstadt Mahajanga, die auch Majunga oder Mahajunga geschrieben wird, unterhält die dortige Universität ein kleines Museum, das bestimmt einen Besuch lohnt.
Das Museum blickt weit zurück in die Urgeschichte, als Dinosaurier in der Region lebten und eine der gefundenen Arten wurde sogar in Ehrung der Stadt mit Majungasaurus atops benannt. Nicht weit von Mahajanga entfernt befindet sich im Ort Berivotra in einer Sedimentschicht eine grosse Ansammlung an gut erhaltenen Dinosaurierknochen. Versteinerte Knochen sind im Museum zu finden, wie auch versteinertes Holz.
Madagaskar ist eine geologische Perle mit vielfältigem Vorkommen an Edelsteinen und Halbedelsteinen. Nicht nur Geologen fasziniert der alte Teil von Gondwanaland, sondern auch Händler aus aller Welt. In der Gegend um Mahajanga finden sich begehrte Abbaustellen. Das Museum berichtet davon und macht die Besucher aufmerksam auf die verborgenen Schätze des Bodens. Auch das bei Weitem noch nicht erforschte Höhlensystem von Anjohibe, ein weitverzweigtes Netz an unterirdischen Schluchten, Kathedralen und Ablagerungen, findet im Museum Erwähnung.
Über die Geologie führt das Museum in die Geschichte der Region und in ihre kulturelle Dimension. Mahajanga stand immer im Focus des transmaritimen Handels im westlichen Indischen Ozean. Daraus entstanden Handelsposten und gar Städte mit swahilisch-arabischem Flair. So erinnert die Altstadt von Mahajanga mit ihren schweren Holztüren, verziert mit Schnitzereien und Metallknöpfen an Zanzibar. Diese Episode von ein paar hundert Jahren ist noch nicht aufgearbeitet.
Das Mozea Akiba Museum gibt ethnologische Einblicke in die Volksgruppe der Sakalava, der vorherrschenden Ethnie der Region. Diese musste sich aber vor 200 Jahren dem Volk der Merina aus dem Hochland unterwerfen. Das Museum zeigt historische Fotos von Merina-Festungen entlang der Westküste.
Dieses Universitätsmuseum ist das einzige Museum in Mahajanga und versucht daher, die Region ganz breit zu betrachten. Museumsdidaktik ist in Madagaskar noch ein kleines Wort. Zudem ist das Budget schmal und daher muss der Anspruch an Unterhalt und Präsentation tiefer geschraubt werden. Doch der Ort auf dem Gelände der Universität wird gern von Schulklassen besucht. Für viele Schüler und Schülerinnen öffnet das Museum ein neues Fenster zu Ihrer Umwelt.
Während Ihres Besuchs der Küstenstadt Mahajanga können sie gerne das Mozea Akiba Museum besuchen. Die Infotexte sind in französischer Sprache geschrieben.
Erfahrene Schuhmacher fertigen Schuhe in der Schuhmanufaktur in Madagaskar an
In Madagaskar fand ein junger Unternehmer nicht jene Schuhe für sich, die er sich wünschte. Nun stellt er sie selber her. Seine Schuhfabrik mitten in der Hauptstadt Antananarivo ist ein Zimmer gross, beschäftigt aber vier Leute. Alles erfahrene Schuhmacher.
Madagaskar hat eine lange Tradition in der Herstellung von Schuhen. Es gab sogar noch bis in die 1980er-Jahre eine Schuhfabrik des tschechischen Herstellers Bata. Nur ein einziger etwas grösserer Betrieb hat überlebt und ein paar einzelne Schuhmacher, die auf Bestellung Schuhe anfertigen. Oft Luxusmodelle aus Krokodilleder in der Höhe eines Jahresgehalts eines Lehrers. Derweil wird der Markt überschwemmt mit billigem Schuhwerk aus China, oft Plastikware.
Zu sagen ist, dass auch heute noch die Mehrheit der Landbevölkerung barfuss geht. Falls auf dem Land jemand Schuhe trägt, dann sind es meist Plastiksandalen ‘made in China’ oder selbstgefertigte Sandalen aus Autoreifen. Dabei verfügt Madagaskar mit seinem Reichtum an Rindern über ausgesprochen gutes Leder. Das madagassische Zebuleder ist auf dem Weltmarkt gefragt und wird exportiert, so auch nach Italien, um Schuhe herzustellen.
Gegen den Trend der Importware produziert Mparany Ratsimbazafy mit einem kleinen Team zwar auch Schuhe nach Mass und dies mit Maschinen des letzten Jahrhunderts. Doch seine Preise sind erschwinglich.
‘Ich produziere meine Schuhe so, wie ich es für mich selbst wünsche. Qualität und Handwerk sind mir wichtig’, sagt er stolz und hat daher seine Marke ‘Liberty’ genannt.
Der Betriebsökonom arbeitete nach seinem Studium in verschiedenen Branchen und traf dann – Zufall – einen ehemaligen Schuhmacher der alten Bata-Fabrik. Mit einer Minimalinvestition begannen sie 2015, Schuhe herzustellen: viel Handarbeit, betagte Maschinen, aber mit der Qualität von hochwertigem Leder und Meisterhänden. Ein paar Schuhe anzufertigen dauert normalerweise etwa eine Woche bis zur Lieferung. Potentielle Kunden finden das Atelier kaum im Gewirr der innerstädtischen Gassen von Antananarivo. Natürlich wäre ein richtiger Showroom an einem frequentierten Ort ein gravierender Vorteil. Doch derweil begnügt sich der Schuhfabrikant mit einer Holzwand, die das Atelier von der Schuhausstellung trennt.
Der Firmenchef Mparany agiert als Unternehmer, Arbeitgeber, Webmaster, Verkäufer. Multitasking gehört für den 30-Jährigen zum Alltag. Mparany Ratsimbazafy wurde als junger Start-up-Unternehmer bereits ausgezeichnet – in Konkurrenz zu 34 anderen Kandidaten.
Im Rahmen eines Aufenthalts mit PRIORI können Sie die Schuhmanufaktur in Madagaskar zu Beginn Ihrer Reise besuchen. Auf Wunsch fertigt das Mikrounternehmen auch Schuhe nach Mass für Sie an. Am Ende Ihrer Reise sind die Schuhe fertig: ‘vita gasy’ (in Madagaskar hergestellt).
Eine Reise durch Madagaskar verursacht Schweiss und Staub. Also Wäsche. In so gut wie allen Hotels kann man seine Wäsche zur Reinigung geben. Allerdings sind dazu meist zwei Nächte Aufenthalt nötig. Am Abend ankommen und morgens seine gewaschenen Kleider entgegennehmen geht nicht.
Zwei Tipps sind wichtig:
Nehmen Sie Waschmittel in Tubenform mit für Ihre Handwäsche. Die Kleider sind ja meist einfach verschwitzt und nur etwas staubig. Am Abend handgewaschen sind sie morgens trocken. Im Hotelzimmer. Ein mitgebrachter (aufblasbarer) Kleiderbügel erleichtert den Trocknungsvorgang. Auf dem Hochland wird im Juli ein Hemd über Nacht kaum trocken, im Oktober hingegen schon.
Bei einem Aufenthalt von zwei Nächten im gleichen Hotel ist es so gut wie immer möglich, seine Wäsche abzugeben und vor der Weiterreise wieder in Empfang zu nehmen. Draussen im Land hat so gut wie keines der Hotels eine Waschmaschine oder gar einen Tumbler. Gewaschen wird von Hand und getrocknet wird die Wäsche an der Sonne und im Wind.
Das Waschen der Kleider ist in den Hotels relativ teuer und die Wäscherinnen kriegen nur einen mageren Anteil davon. Daher mag es sein, dass die Waschfrau Ihnen die Wäsche direkt übergeben will und das Geld gleich einkassieren möchte. In Umgehung der Hotelverwaltung ergibt dies auch die Möglichkeit einer Preisreduktion. Seien Sie hier gnädig mit der Waschfrau und bezahlen Sie, was sie verlangt.
Bedenken Sie auch, dass an vielen Orten Wasser ein kostbares Gut und Seife teuer ist.
Gehen Sie davon aus, dass Sie sowieso zuviel Kleider für Ihre Tour durch Madagaskar mitnehmen. Für einen Mann reichen zwei oder drei Hemden, die unterwegs gewaschen werden. Eine Frau mag zwar etwas mehr Kleidung veranschlagen, aber tatsächlich mit etwas Waschplanung auch mit weniger Kleidervolumen auskommen. Gut zu wissen ist, dass in Madagaskar die Kleidungsvorschriften sehr locker sind.
Die Kleiderwahl hängt natürlich von der Jahreszeit und der Reiseroute ab.
Die Jahreszeiten sind gegenläufig zu den europäischen. Im Juli ist es kalt und im Januar sehr heiss.
In Madagaskar sind drei Höhenlagen zu beachten:
Meereshöhe, Hochland und alpine Zonen. Im Juli ist es auf Meereshöhe tagsüber um die 20 Grad warm, auf dem Hochland (Antananarivo – Fianarantsoa) um die 10-15 Grad und in alpinen Regionen (Pic Boby) auf Nullgradniveau. Nachts jeweils 10 bis 15 Grad kälter. Im Januar hingegen bewegen sich die Temperaturen überall 10 und mehr Grad höher. Im Januar ist auf Meereshöhe mit 35 Grad und mehr zu rechnen. Die Temperaturschwankungen tagsüber werden von Reisenden oft übersehen und führen zu Erkrankungen. Ein typischer Tag im August in Antananarivo beginnt morgens um 7 Uhr mit 18 Grad, mittags mit 24 Grad und um 17 Uhr mit 25 Grad. Sobald aber die Sonne um 17 Uhr 30 untergeht, fällt die Temperatur schnell auf 15 Grad. Um 20 Uhr mag es dann empfindlich kalt sein — und man ist noch im T-Shirt. Entscheidend ist immer, ob und wie stark es windet.
Was krank macht ist meist nicht die Tagestemperatur, sondern der Wind, respektive der Durchzug. Die Häuser sind meist nicht „windgeschützt“ gebaut. Im Auto neigt man zu Frischluft = Durchzug.
Typischerweise erkälten sich viele Reisende auf dem Rückflug: sie steigen mit leichter Kleidung ins Flugzeug und während des zehnstündigen Fluges führt die Dauerventilation zur Erkältung.
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Infoabend zur PRIORI-Kleingruppenreise „Quer durch den Norden“ am Mittwoch 20. März von 18 bis 20 Uhr: Madagaskar im Madagaskarhaus (Holeestrasse 3) zu Basel
Reiseleiterin und Buchautorin Ellen Spinnler berichtet über diese Tour und untermalt ihren Kurzvortrag mit eindrücklichen Bildern. Während des Infoabends können Sie sich ausführlich zur Kleingruppenreise in den hohen Norden von Madagaskar beraten lassen.
Unsere Reise „Quer durch den Norden“ beginnt in Diégo-Suarez und führt uns durch vielfältige Landschaften eindrücklich zurück in die Hauptstadt Antananarivo im Herzen der grossen Insel im Indischen Ozean. Unterwegs besuchen wir die seltsame Steinlandschaft der Tsingy, wir wandern in tropenfrischen Wäldern und durchqueren Savannen voll von Palmen und meereswogenden Gräsern. Wir fahren auch hinaus auf den Kanal von Mosambik, wo wir eine seinerzeit gefürchtete Gefängnisinsel mit ihren zerfallenen Mauern sowie verrosteten Türen besuchen.
Termine der Kleingruppenreise „Quer durch den Norden“
Kleine Salzseen liefern in Madagaskar Natursalz, das trotz seiner Heilwirkung nicht vermarktet wird. Dabei könnte das Tote Meer in Madagaskar Lieferant von natürlichen Salzen aller Art sein.
Der tiefe Süden Madagaskars ist zumeist eine hügellose, heisse und wasserlose Landschaft namens Androy. Doch in einer Niederung östlich der verschlafenen Verwaltungsstadt Tsiombe befinden sich ein paar kleine Seen, aus denen auf natürliche Weise Salz gewonnen wird. Die Gewässer von insgesamt rund 4 qkm Grösse weisen nur etwa zwei bis sechs Meter Tiefe auf. Sie liegen eingebettet zwischen flachen, von Kakteen bestandenen Anhöhen und ihre Ausdehnung wird beeinflusst von den sehr seltenen Niederschlägen. Im ariden Süden Madagaskars fällt zuweilen während mehreren Jahren kein einziger Regentropfen. Der nur etwa einen Kilometer lange Ihodo-See ist jedoch ganzjährig mit Wasser bedeckt, ebenso der kleinere Sihanapotsy-See. In der abflusslosen Zone haben sich die wenigen stehenden Gewässer infolge der sehr hohen Hitze zu Salzseen entwickelt. Die Tropensonne lässt Salzkristalle mitsamt Schwebestoffen zu Boden sinken. Diese fisch- und pflanzenlosen Wasserflächen waren der Bevölkerung seit jeher heilig. Salz durfte traditionell nicht abgebaut und gehortet werden. Das Kultprodukt Salz durfte auch nicht gehandelt oder als Zahlungsmittel benutzt werden.
Das hat sich inzwischen geändert. Am Rand des Ihodo-Hauptsees leben ein paar Dutzend Menschen, meist Frauen, vom Abbau und Verkauf des Salzes. Die traubengrossen Salzkristalle lagern sich im Schlick dieser natürlichen Verdunstungsbecken ab und werden von den Frauen von Hand an die Oberfläche geholt. In trogartigen Einbaumbooten wird das Salz an Land gebracht. Eine maschinelle Verarbeitung oder Raffinierung des Rohsalzes findet nicht statt. Das gewonnene, ungewaschene Salz wird einfach zu hüfthohen Pyramiden aufgehäuft, aus denen danach ein Grossteil des Wassers abfliesst.
Die flache und mineralienreiche Region produziert pro Jahr 1000 bis 2000 Tonnen naturbelassenes Salz, wobei über die Hälfte aus dem permanenten See Ihodo stammt.
Anders als in anderen salzhaltigen Binnengewässern, sind die pfannenflachen Seengebiete von Ihodo nicht rotviolett von salzliebenden Bakterien verseucht. Diese uralte Salzquelle ist nur regional bekannt. Unregelmässig machen sich Händler auf den schwer befahrbaren Pisten auf, um mit Lastwagen ein paar Tonnen Salz zu kaufen. Das grobkörnige Salz wird nur im tiefen Süden Madagaskars vertrieben. Wahrscheinlich würde dieses reine Natursalz keinen TÜV-Test bestehen oder keine Analyse der Stiftung Warentest überstehen. Nichtsdestotrotz wird dieses Salz ohne Lobby im Süden von Madagaskar benutzt und geschätzt. Der Anteil an Mikroplastik, der üblicherweise in Meersalzen inzwischen hoch ist, ist beim Ihodo-Salz gleich Null.
In Madagaskar wird Salz von mehreren halbindustriellen Betrieben aus Meerwasser produziert, so in Salzgärten in der Region von Tulear, Morondava und im Norden bei Diégo-Suarez. Das dortige Salz wird in fussballfeldgrossen Verdunstungsbecken unter der brütenden Sonnenhitze gewonnen. Die Verdunstungskruste wird im nachfolgenden Prozess gesäubert und das Rohsalz raffiniert. Speisesalz ist sogar eines der wenigen halbindustriellen Exportprodukte Madagaskars. Das madagassische ‘Fleur de sel’, die hauchdünne oberste Schicht, ist sogar ein weltweit gesuchtes Kulinarikprodukt.
Madagaskar hat etwa 1300 Seen, Lagunen und Sumpfgebiete. Doch nur gerade in dieser geologisch speziellen Zone von Androy ist eine Salzgewinnung aus stagnierendem Süsswasser möglich. Diesem Salz wird von der Lokalbevölkerung eine nachweisbare Heilwirkung zugesprochen. Gelenkschmerzen sollen damit behandelbar sein und insbesondere eine heilende Wirkung bei Hautirritationen bewirken. Dieses traditionelle Medizinwissen wird im Süden Madagaskars nur gerade von der ortsansässigen Bevölkerung genutzt. Abgesehen davon beklagen sich die Salzarbeiterinnen nicht über Asthma.
Anders als im Toten Meer werden die natürlichen Salzlagunen von Ihodo nicht vermarktet. Es gibt weder ein Label noch eine Vertriebsorganisation. Nicht eine Handvoll Touristen besucht diese Zone pro Jahr und vor Ort existiert keinerlei touristische Infrastruktur. Die Arbeiterinnen kommen jeden Tag von weither zu Fuss, um stundenlang knie- oder hüfttief im Wasser zu stehen und Schlammsalz auf kleine Holzboote zu hieven. Oder sie sitzen neben ihren austrocknenden Salzpyramiden und warten, bis das Geräusch eines fernen Motorfahrzeugs einen möglichen Käufer ankündigt.
Die Eisenbahnlinie FCE (Fianarantsoa-Cote-Est Railway) verbindet die Hochlandstadt Fianarantsoa mit der Küstenstadt Manakara
Schon 1896, ganz zu Beginn der Kolonialzeit der Franzosen, hat man über die Planung dieser Bahn gesprochen. Von 1926 bis 1936 wurde sie dann mit erheblichem Aufwand gebaut. So sollen zeitweise 5‘000 Zwangsarbeiter an der Arbeit beteiligt gewesen und mehrere Tausend bei den Bauarbeiten ums Leben gekommen sein. Es ist eine Bahnstrecke in Meter-Spur. Mit 67 Brücken und 48 Tunneln und gut 163 Kilometern Länge, wurde die Bahn gleichzeitig mit dem Hafen von Manakara eingeweiht. Damit war, für damalige Verhältnisse, eine leistungsfähige Verbindung von der Ostküste ins Hochland entstanden.
Heute entspricht die Bahn nicht mehr den Vorstellungen einer „westlich“ modernen Eisenbahn. Die Einheimischen sprechen somit auch etwas ironisch von ihrem TGV (Train à Grandes Vibrations). Die Dieselloks stammen noch aus der Anfängerzeit dieser Bahnlinie. Das Wagenmaterial wurde mehrmals ausgetauscht. Viele Wagen stammen aus der Schweiz, so z. B. von der Brünigbahn, der Chemin de fer Yverdon-St. Croix oder den Berner Oberland-Bahnen. Für uns verströmen diese Wagen einen Duft von Nostalgie, denn sie stammen alle aus den 60er-Jahren. Hier erhalten sie einen neuen Anstrich und werden auch im Innern etwas restauriert und sind somit noch gut erhalten.
Für die Einheimischen ist diese Bahn sehr wichtig, ist sie doch die einzige Verkehrsverbindung in ihrer Region. Die Strasse vom Hochland über Ranomafana nach Manakara verläuft, in Luftlinie gesehen, 30 Kilometer nördlich der Bahnlinie.
Die Bahnstrecke verläuft, gemäss bahntechnischen Bedingungen, mit einer möglichst ausgeglichenen Steigung in vielen Windungen in einem schwierigen Gelände. An einigen Stellen wird die maximale Steigung ausgereizt und der Zug hat dann Mühe diese Stellen zu passieren. Erst unten in der Küstenebene verläuft sie zum Teil eben und schnurgerade.
Aus Mangel an Rollmaterial verkehrt der Zug nur noch zweimal wöchentlich in jeder Richtung.
Die Abfahrtszeit, sei es in Fianarantsoa oder in Manakara, ist immer auf 7 Uhr angesetzt. Ob diese eingehalten werden kann, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Oft ist die Lok noch in Reparatur oder der Zug muss noch in die richtige Formation rangiert werden. Nach Fahrplan würde die Fahrt etwa 10 Stunden dauern. Aber die Halte an den 16 Zwischenstationen dauern immer etwas länger als geplant. Da müssen Waren aus- und eingeladen werden oder man wartet noch auf einen Patienten, der dringend transportiert werden muss oder …
Neben der wundervollen Aussicht während der Fahrt (am besten man besetzt bei einer Talfahrt einen Platz auf der, in Fahrtrichtung gesehen, linken Seite), sind die Halte an den Stationen ganz besonders interessant. Die halbe Dorfbevölkerung ist dann anwesend und versucht alles zu verkaufen, was Haus und Hof hergibt.
Meist wird es spät am Abend bis man am Endbahnhof ankommt.
Die Eisenbahnstrecke vom Hochland zur Küste steht im Zentrum unserer Reise „Bahnwanderung entlang der Dschungelbahn“. Wir wollen einem Teil des Schienenstrangs folgen. Zu Fuss und so vom Hochland bis zur Küstenebene gelangen. Zum Schluss fahren wir dann mit dem Zug zurück und erleben die Strecken nochmals vom Zug aus.
Famadihana ist wohl für uns Europäer einer der ungewöhnlichsten Bräuche, die wir bei einer Reise in Madagaskar kennenlernen können.
Es handelt sich um eine rituelle Umbettung der Toten und – je nach Region und Ethnie – wird diese Zeremonie ganz anders ausgeübt.
Im Hochland von Madagaskar werden die Toten generell in Familiengräbern aufbewahrt. In diesen Gräbern befinden sich «Wandregale»
Bei jeder Famadihana werden die in neue Lambas (Tücher) eingewickelten Toten eine Stufe höher gelagert. Wenn die Toten nach mehreren Umbettungen, also nach rund zwei Dutzend Jahren, die oberste Stufe erreicht haben, sind sie bei den Ahnen angekommen und mithin selber Ahnen. Und gerade dies ist der eigentliche Grund, warum diese Umbettungen gemacht werden. Nach traditionellem Glauben brauchen die Menschen die Hilfe der Toten, um selber die für sie sehr wichtige Ahnenwelt zu erreichen. Wenn man die Madagassen fragt, sagen sie, dass ihre Liebsten 6-7 Mal umgebettet werden müssen, bis sie bei den Ahnen angekommen sind. Ab diesem Zeitpunkt ruhen sie auf der obersten Stufe im Familiengrab und werden nicht mehr umgebettet.
Beim Herumreisen im Hochland von Madagaskar sieht man viele Familiengräber. Sie werden je nach finanziellen Möglichkeiten gross oder klein gebaut und manchmal muss die Familie jahrelang sparen, bis sie ein eigenes Familiengrab bauen kann. Es sind meistens die Kinder, die sich entscheiden, ein neues Familiengrab für Ihre Eltern zu bauen.
Bei der Einweihung werden die Eltern von ihren alten Familiengräbern «nach Hause» geholt. Darum sieht man immer wieder viele der Taxi-Brousse (Langstreckenbusse) mit einem Sarg auf dem Dach. Als Zeichen, dass ein Toter mitfährt, wird die madagassische Fahne oben (vorne auf der rechten Seite) befestigt. Wenn die Fahne auf der linken Seite befestigt wird, ist dies ein Zeichen, das ein gerade Verstorbener nach Hause gebracht wird.
Die zwei- bis dreitägige Famadihana im Hochland wird mit viel Musik, Essen, Alkohol und Tanz gefeiert.
Ein kleiner Film zeigt eine Famadihana im Hochland von Madagaskar: ein grosses Fest für die ganze Familie und das Dorf.
Nicht in allen Teilen von Madagaskar wird die Famadihana auf gleiche Art praktiziert.
Hier das Ritual, wie es in dem kleinen Dorf Anjia, an der Nordostküste von Madagaskar, abläuft:
Jia ist das madagassische Wort für Sand und Anja bedeutet «der Ort mit viel weissem Sand». Die Dorfbewohner von Anjia gehören zu der Ethnie Makoa und feiern traditionell ihre Famadihana meisten kurz vor Schulbeginn in September/Oktober.
6 – 7 Jahre nachdem sie gestorben sind, melden sich die Ahnen im Traum eines der engsten Familienmitglieder und sagen, dass es kalt sei und sie neue Kleider benötigten.
Es kann gut sein das sie sich dabei an die Grosskinder wenden, statt nur an die Ältesten. Im Gegensatz zum Hochland, wo ein Astrologe mit Hilfe der Sterne das geeignetste Datum für eine Famadihana bestimmt, beschliessen die Makao selber, wann sie ihre Rituale starten.
Drei Tage vor dem grossen Fest gehen die engsten Familienmitglieder zum Grab und informieren den Verstorbenen, dass er/sie sich auf eine Reise vorbereiten muss.
Während meines Sprachaufenthalts in Antalaha im letzten Herbst, hat mich mein Lehrer Rado eingeladen, an einer Famadihana teilzunehmen. Er ermunterte mich, das Ereignis mit meiner Kamera festzuhalten. Mich musste man nicht zweimal fragen. Ich hatte früher ein paar Mal an Famadihanas im Hochland teilgenommen und war von Anfang an nicht nur dankbar für diese Einladung, sondern auch sehr neugierig, wie dieses Ritual wohl an der Ostküste umgesetzt wird.
Am ersten Festtag, einem Freitag, hatte man früh am Morgen schon das erste Zebu für ein grosses, gemeinsames Mittagessen geschlachtet. Bei meiner Ankunft halfen die meisten Frauen beim Kochen mit, während die Männer mit den letzten Vorbereitungen für den Nachmittag beschäftigt waren.
Wie alle anderen Gäste hatte auch ich ein Couvert mit Geld dabei. Es ist Fomba (Tradition), dass die Teilnehmer Geld bringen, als Hilfe für die Gesamtkosten, auch wenn dies die Auslagen nie ganz deckt. Jeder gibt so viel wie er kann und dies hilft der Familie, mindestens einen Teil der Kosten für diesen grossen Fest zu bewältigen. Es ist ebenfalls Tradition, dass alle Geldbeträge aufgeschrieben werden. Daher wissen die Familien auch Jahre später, wieviel sie selber (zurück)zahlen sollten, wenn sie eine Einladung zu einer Famadihana erhalten.
Rado klärte mich von Anfang an auf und es wurde mir schnell klar, dass diese Famadihana ganz anders sein würde, als jene, die ich bis jetzt erlebt hatte.
Hier ein paar Bilder von den Vorbereitungen am ersten Tag:
Wir assen alle gemeinsam am Boden und auch wenn es schmeckte, war ich froh, dass ich nur Reis gewählt hatte. Für die Kinder war es ein extra Highlight, mich als Vazaha (Fremde) beim Essen zu beobachten und sie wunderten sich ganz sicher, wie wenig vom Reis ich – für ihre Verhältnisse – ass.
Während des Mittagsessens sah ich, wie ein kleiner Lastwagen mit dem Sarg ankam. Dass es sich um einen leeren Betonsarg handelte, habe ich erst später erfahren.
Nach dem Essen gingen wir alle gemeinsam zum Friedhof. Vor dem Betreten des Friedhofs mussten wir unsere «Lambas» anziehen – dies aus Respekt gegenüber den Toten.
Jetzt war es an der Zeit, die Nenibe (Grossmutter), die seit sechs Jahren tot war, nicht nur auszugraben, sondern auch zu waschen und anschliessend in ihren neuen Betonsarg zu legen.
Die Verstorbene wurde vor sechs Jahren in einem normalen Holzsarg im Sand beerdigt und die Familie war jetzt recht neugierig, in welchem Zustand sich der Sarg befand.
Da die Familie selber die Überreste nicht anschauen oder anfassen darf, hatte sie einen befreundeten Nachbarstamm (es muss jemand von einer anderen Ethnie sein) eingeladen, um diesen Teil des Rituals zu übernehmen. Frauen waschen Frauen und Männer waschen Männer.
Das Ausgraben des Sargs ging recht rasch und ich spürte, dass sich alle freuten zu sehen, dass der Sarg immer noch ganz war. Der Sarg wurde hochgehoben und bevor der Deckel weggenommen wurde, stellten sich die Frauen mit Tüchern wie eine farbige Wand rings um den Sarg und um jene Frauen, die die Knochen säubern sollten. Mich hat man ganz nah an das Geschehen gebracht und es war mir ein bisschen mulmig zumute, da ich nicht ganz wusste, wie ich reagieren würde, wenn sie anfingen, die Knochen zu säubern. Der ganze Friedhof war voll von singenden und tanzenden Menschen, die sich alle sehr freuten, die Grossmutter jetzt auf ihre letzte grosse Reise zu schicken.
Die Frauen, die die Knochen säuberten, arbeiteten sehr genau, um sicherzustellen, dass keine Knochen im Sarg liegenblieben. Ringsum wurde laut gesungen und getanzt. Tokogasy/Beza (selbstgebrauter Alkohol) wurde herumgereicht und ebenso Limonade. Am Ende ergaben die in viele Tücher eingewickelten Überreste ein kleines Paket, das auf eine neue Matte auf den Boden gelegt wurde. Der alte Hut, der die letzten sechs Jahre auf dem Grab gelegen hatte, wurde durch einen neuen ausgewechselt. Nur wenn der Tote Hut getragen hat,, bekommt er für die Reise einen neuen Hut.
Jetzt gab es plötzlich sehr viel Gelächter, da die Verantwortlichen vergessen hatten, Wasser fürs Händewaschen mitzunehmen und die Frauen ihre Hände jetzt in sprudelnder Limonade waschen mussten.
Das Loch, wo vorher der Sarg vergraben gewesen war, wurde wieder zuschaufelt. Der neue Sarg, wie alle andere Betonsärge, wurde oben im Freien aufbewahrt. Aber bevor der neue Sarg mit den Überresten der Grossmutter geschlossen wurde, kamen alle engsten Familienmitglieder mit neuen Lambas (Kleider) als Geschenk für die letzte Reise.
Während ich dies alles beobachtete, sah ich, wie plötzlich eine Frau zu einer anderen Frau eilte und sie zweimal am Ohrläppchen zog. Komisch, dachte ich, doch Rado erklärte dies so:
Wenn jemand auf dem Friedhof niesen muss, ist das eine von den Ahnen gestellte Frage, die erfragen möchten, ob die/der Niesende startbereit für die Reise nach dem Tod ist.
Man muss sich (oder jemand anders macht es für einen) sofort zweimal am Ohrläppchen ziehen, um den Ahnen mitzuteilen, dass man noch nicht bereit ist, ins Jenseits zu gehen.
Nach diesen Stunden auf dem Friedhof gingen alle zurück ins Dorf und feierten gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden.
Zweiter Tag:
Bei meiner Ankunft am zweiten Tag waren ein paar der jüngeren Dorfbewohner deutlich gezeichnet von der nächtlichen Feier. Gleichzeitig war klar zu sehen, dass die engsten Verwandten nicht viel Alkohol konsumiert hatten, um den Überblick über das Geschehen zu behalten.
Gemeinsam gingen wir am Vormittag wieder zum Friedhof, wo die Vorbereitungen für den heutigen Tag schon begonnen hatten.
Heute war der Tag, an dem die engsten Familienmitglieder durch ein Zebu Kontakt aufnehmen würden mit den Ahnen. Normalerweise kann nur der Ombyaza (Medizinmann) mit den Toten reden, doch er ist während der Famadihana nicht anwesend. Die Angehörigen vollzogen dann ein Ritual, bei dem sie das Tier anfassen und die Ahnen rufen, aber nicht mit ihnen reden. Sie hofften stark, dass sich das Zebu während dieses Rituals ruhig verhalten würde, da dies als Zeichen gilt, dass die Ahnen mit ihnen zufrieden sind.
Das Zebu wurde auf den Boden gelegt und wie es mit vielen Tieren so ist, kapitulieren sie, wenn ihre Füsse zusammengebunden werden. So lag das Zebu schon von Anfang an sehr ruhig auf dem Boden, während der Rest der Opfergaben, Honig, Geld und Beza (Alkohol) parat gestellt wurde.
Das erste Teil des Rituals war, dass das Zebu gewaschen wurde. Wichtig ist, dass bei demjenigen, der das Wasser für diese Waschung holt, immer noch beide Eltern am Leben sein MÜSSEN.
Anschliessend sassen alle nächsten Angehörigen neben dem Tier und nahmen durch es Kontakt mit den Ahnen auf. Eins der Grosskinder schrie sogar einmal sehr laut, um die Ahnen zu rufen.
Das Tier verhielt sich sehr ruhig und die Familie war sichtlich berührt. Das Tier wurde dann im Beisein von uns allen geschlachtet und direkt vor Ort aufgeteilt. Selten dürfen wohl die Tiere, die wir in der westlichen Welt konsumieren, so lange leben. Und selten werden sie mit so grossem Respekt geschlachtet. Ich habe in den Augen des Schlachters sehr grosse Ehrfrucht dem Tier gegenüber gesehen und das, was ich von Anfang an am stärksten befürchtet habe, war am Ende nicht grausam, sondern eine der berührendsten Episoden in diesen zwei Tagen Famadihana.
Wenn das Zebu zerteilt und gekocht ist, bleiben die Ältesten auf dem Friedhof und essen. Der Rest der Leute isst gemeinsam im Dorf. Anschliessend wird bis zum Abend getanzt und gefeiert… …und auch Kassensturz gemacht, um zu sehen, wie gross die Ausgaben sind und wie die Kosten zwischen den Familienmitgliedern aufgeteilt werden können.
Ich habe mich an dieser Stelle verabschiedet und kurz bevor ich gegangen bin, habe ich nochmals mit Rado geredet und einen Termin für die Fotoübergabe abgemacht. Er hat mich gefragt, wie ich diese zwei Tage erlebt habe und sich bedankt für meine Teilnahme. Er hat auch erzählt, dass die ganze Familie jedes Jahr am 1. November den Friedhof aus Respekt mit Blumen schmückt und bewacht. Dies hat sich dann für mich wie eine kleine «Brücke» zwischen den Traditionen in Madagaskar und hier in Europa angefühlt.
Einen grossen Dank an meine madagassischen Freunde, die mich immer wieder ganz nah an ihrem Leben teilnehmen lassen. Ich bin nicht nur dankbar, sondern auch sehr geehrt, ihre Kultur kennenlernen zu dürfen. Und ich merke, dass mein eigenes Verhältnis zum Thema Leben und Tod bei jeder Begegnung dieser Art entspannter wird.
Die Hauptstadt Madagaskars, Antananarivo, liegt quasi ‘in der Mitte’ der grossen Insel. Auf einer längeren Tour durch die verschiedenen Regionen in Madagaskar kommt man zwangsläufig immer mal in Tana, wie die Stadt kurz genannt wird, vorbei.
Dabei kann es vorkommen, dass man sogar ein Wochenende in Tana verbringt und dann ergeben sich auch für Individualreisende interessante Aktivitäten. So organisiert das regionale Tourismusbüro regelmässig Wanderungen in der Umgebung. Die Touren finden jeweils samstags statt und beinhalten immer einen Mix zwischen wandern und Kultur erleben.
Antananarivo liegt ja ebenfalls mitten in Imerina. Dieses alte Königreich begann sich im 16. Jahrhundert zu bilden und erreichte im 19. Jahrhundert seine Blüte. Obwohl straff zentralistisch organisiert, bildeten sich Subzentren mit starker Spezialisierung (Töpferei, Eisenverarbeitung etc). Ebenso ist die Hügelwelt von Imerina durchzogen von Geschichten und Mythen, von von Sagen und Erinnerungen. Während den ORTANA-Wanderungen werden diese unsichtbaren Marksteine der madagassischen Kultur sichtbar gemacht. So ist jede Wanderung auch ein Gang durch die Seele Madagaskars.
An diesen Wanderungen finden sich jeweils zwanzig bis vierzig Teilnehmer ein. Die Gruppen sind sehr heterogen: städtische Madagassen, die auch mal die rurale Umgebung der Stadt erkunden wollen, ansässige Europäer, die etwas Neues kennenlernen möchten. Die Gruppe wird jeweils begleitet von ORTANA-Reiseleitern, die sogar mehrere Sprachen sprechen.
Normalerweise startet die Gruppe jeweils samstags um sieben oder acht Uhr. Mittags wird die Gruppe verpflegt, oftmals mit landestypischen Gerichten. Mitte nachmittags ist man wieder zurück in der Hauptstadt.
Wer sich für diese Touren mitmachen möchte, kann sich jeweils – auch kurzfristig – bei ORTANA anmelden. Das Büro befindet sich im Garten von Antaninarenina mitten in der Hauptstadt.
Anfangs Jahr wird jeweils der ‘Fahrplan’ für das kommende Jahr veröffentlicht. Für 2019 sind folgende Tageswanderungen geplant:
09 März : ISOAVINA « La bonne Vision »
23 März: ANTSAHADINTA – AMBATOMALAZA « La région d’Ambodirano »
13 April : BABAY « Au pays du Vonizongo »
27 April : AMBOHITROLOMAHINTSY – AMBOHIBEMASOANDRO « Village du soleil, lieu de refuge »
11 Mai : AMBOHIMANOA « Dans le Marovatana »
25 Mai : AMBOHITANTELY – AMBIHIBORONA « Les collines du Vakiniadiana »
08 Juni : ANOSIVOLA – AMPANANINA « Les crêtes de l’Ouest »
13 Juli : SAMBAINA « Le fief de Tsimidama »
27 Juli : SOAMANANDRAY – AMBATOMANOINA « Village natal des reines »
10 August : ANTSHALALINA « Les richesses du Vakinankaratra »
24 August : ANKADINADRIANA « Au pays des fleurs »
14 September : ANDRAMASINA « Au bord de la Sisaony »
28 September : ANKAFOBE « Le havre du Tampoketsa »
12 October : IFANDANA « Anjeva et ses environs »
26 October : ANDRIGITRA AVARATRA « Challenge ligne de crête »
09 November : AMBOHIMIADANA – AMBOHITSILEO « La colline des invincibles »
23 November : ANOSIVATO « La plaine de Betsimitatatra »
14 Décember : AMBATOMANGA – ANKADIMANGA « La vallée de l’Iadiana »
Wir von der PRIORI sind seit 1994 vor Ort und können Ihren Samstagsausflug bei ORTANA ebenso buchen, sowie wir auch eigene Wandertouren in der Umgebung von Antananarivo und ebenso auf der ganzen Insel Madagaskar durchführen.