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Im hydrologischen Jahr 2009/2010 (Oktober bis September) stieg der Stromverbrauch in der Schweiz um 2,3 Prozent auf den Rekordwert von 63,5 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Von Januar bis September 2010 allein resultierte sogar ein Zuwachs um 3,6 Prozent gegenüber der gleichen Periode im Vorjahr. Das zeigen die an Weihnachten veröffentlichen Daten des Bundesamtes für Energie.
Im vierten Quartal 2010, so lässt sich aufgrund der boomenden Wirtschaft und der Kälte im Dezember abschätzen, dürfte der Stromverbrauch ebenfalls zugenommen haben (die offiziellen Daten folgen im April). Damit wird der Schweizer Stromverbrauch im Kalenderjahr 2010 den bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2008 (63,1 Mrd. kWh) um rund ein Prozent übertreffen.
Weit über dem Zielwert
Energiepolitisch bedenklich ist auch die mittelfristige Entwicklung: Im Jahr 2010 konsumierten Wirtschaft, Haushalte und Bahnen in der Schweiz rund 13 Prozent mehr Elektrizität als im Jahr 2000. Das Ziel des nationalen Programms «Energie Schweiz», den Zuwachs des Stromverbrauchs von 2000 bis 2010 auf fünf Prozent zu begrenzen, hat die Schweiz damit deutlich verfehlt.
Die Ursachen für diese Entwicklung: Seit dem Jahr 2000 wuchsen Bevölkerung (plus 8 %) und Wirtschaft (teuerungsbereinigtes BIP plus 18 %) in der Schweiz. Gleichzeitig hat die Elektrizität ihren Anteil im Wärmemarkt gegenüber dem Heizöl erhöht. Die Steigerung der Stromeffizienz vermochte diese Zunahme nur teilweise zu kompensieren. Denn der Bund führte Verbrauchsvorschriften erst spät und zaghaft ein.
Wesentlich beeinflusst wird der Stromverbrauch durch das Konsumverhalten. Das bestätigen mehrere Untersuchungen: Die sparsamsten Haushalte verbrauchen pro Kopf weniger als halb soviel Strom wie Durchschnitts-Haushalte. Bei Haushalten hingegen, die viele und ineffiziente Elektrogeräte besitzen und diese sorglos einsetzen, kann der Stromverbrauch mehr als das Doppelte des Durchschnitts erreichen, selbst wenn man den Verbrauch für Elektroheizungen und Elektroboiler ausklammert.
Weniger Produktion im Inland
Die Produktion von Strom im Inland, so zeigen die Daten des Bundesamtes für Energie weiter, schrumpfte im hydrologischen Jahr um 5,3 Prozent, weil weniger Wasser auf die Turbinen floss und die Atomkraftwerke länger stillstanden als im Vorjahr. Der Stromaustausch mit dem Ausland hingegen ist weiter gewachsen. So sind die importierten und exportierten Mengen heute nahezu gleich hoch wie der Verbrauch im Inland. Unter dem Strich führten wachsender Verbrauch und schrumpfende Inlandproduktion – im Unterschied zu den Vorjahren – zu einem leichten Importüberschuss.
Windstrom bald über ein Promille
Die Leistung aller Schweizer Windkraftwerke stieg im Lauf des letzten Jahres um 150 Prozent auf 42 Megawatt (MW). Diesen «Rekord beim Windenergiezubau» meldete Anfang Januar der Branchenverband «Suisse Eole». Den grössten Zuwachs (acht Turbinen mit zusammen 16 Megawatt Leistung ) brachte ab August 2010 die Erweiterung des BKW-Windparks auf dem Mont-Croisin im Berner Jura.
Wenn alle diese Turbinen bei durchschnittlichem Wind ein Jahr lang laufen, werden sie zusammen 74 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom produzieren, schätzt Suisse Eole. Das entspricht einem Anteil von 1,2 Promille am Schweizer Stromverbrauch. Ein wesentlicher Teil der Windkraft-Kapazität produzierte aber erst ab der zweiten Hälfte 2010. Damit deckte die Windenergie im Kalenderjahr 2010 erst 0,8 Tausendstel des Schweizer Stromverbrauchs.
Bis zum Jahr 2020 erwartet «Suisse Eole» weiterhin einen starken Zubau der Windkraft-Leistung. Die Produktion von Windstrom lasse sich damit verzehnfachen auf 750 Millionen kWh oder 1,2 Prozent des Schweizer Stromkonsums. Doch selbst mit diesem forcierten Zubau könnte die Windenergie nicht einmal das Wachstum des Schweizer Stromverbrauchs im Jahr 2010 (rund drei Prozent) decken. Woraus sich wiederum schliessen lässt: Stromsparen bringt mehr als zusätzliche erneuerbare Stromproduktion.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine