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von Gregor Loepfe
Thelonious Monk gilt neben Künstlern wie Charlie Parker und Dizzy Gillespie als Erfinder des Modern Jazz. Innovation und Individualismus prägten sein Schaffen. Dem gegenüber stand ein introvertierter, exzentrischer Charakter. Monk machte sich nicht viel aus gesellschaftlichen Konventionen und folgte seinem eigenen Lebensstil, zu dem auch der Konsum von Drogen gehörte. Sein ganzes Leben lang wurde er von Baroness Pannonica de Koenigswarter gefördert und lebte mit seiner Familie in deren Haus in New York. Ihr zu Ehren komponierte Monk das Stück «Pannonica». Nach deren Ableben wurde ihre Asche zu den Klängen von «Round Midnight» auf dem Hudson River verstreut.
Ein Musiker mit Ecken und Kanten
Das Besondere an Monks kompositorischem Schaffen zeigt sich in gewagten Harmonisierungen und sprunghaften Melodien oder dann in Stücken von totaler Einfachheit, wie im Falle von «Thelonious», das auf einen einzigen Ton aufbaut. Monk hatte eine Vorliebe für prägnante Themen und verwendete oft gängige Strukturen wie die 12-taktige Bluesform oder die 32-taktige Songform. Diese verfremdete er jedoch gern mittels eingeschobener, zusätzlicher Takte. Als Pianist und Improvisator gehörte Monk nicht zu den grossen Virtuosen. Er versuchte, mit persönlichen musikalischen Mitteln eine eigene Geschichte zu erzählen. Dies tat er zum Teil in bizarrer und kantiger Weise unter dem Einsatz der ganzen Klaviatur sowie spezieller Intervalle wie der Sekunde oder der übermässigen Quart. Oft ging er bis an die Grenze zur Auflösung der Tonalität und Rhythmik.
«Round Midnight» sprengt die Konventionen
Normalerweise machen gerade die Einfachheit von Melodie, Harmonik und Form einen Evergreen aus. Bei «Round Midnight» ist ausser der für Jazzstandards typischen 32-taktigen Form nichts einfach. Die Anfangsmelodie, die als wiederkehrendes Erkennungsmerkmal bezeichnet werden kann, ist sperrig und wenig sanglich. Die Harmonik ist kompliziert und reichhaltig. Vermutlich machen aber gerade diese Elemente den Song unverkennbar und einprägsam. Auch die Tonart es-Moll ist alles andere als simpel und üblich.
Die frühesten Aufnahmen
Der erste, der «Round Midnight» aufnahm, war nicht etwa der Komponist selbst, sondern Bud Powell. Acht Jahre nach Monks ersten Skizzen zu «Round Midnight» drängte der Monk-Schüler seinen Bandchef Cutie Williams, das Stück aufnehmen zu dürfen. Dessen Band ging damit 1944 ins Studio und Williams komponierte ein 8-taktiges Intro hinzu. Texter des Songs wurde Bernie Hanighen. Noch vor Monk nahm auch Dizzy Gillespie das Stück auf Platte auf und fügte ein eigenes Intro sowie Kadenzen für sein Bigband-Arrangement hinzu. Das war 1946. Und ein Jahr später nahm es dann endlich auch Monk selbst als Single auf und übernahm dabei Gillespies Bearbeitungen.
Interpretationen im Programm von Radio Swiss Jazz
Die älteste und berühmteste Aufnahme im Repertoire von Radio Swiss Jazz ist jene des ersten Miles Davis Quintet von 1955. Aus den 1950er-Jahren stammen ausserdem noch die Versionen von Art Pepper und Wes Montgomery. Weitere traditionelle Interpretationen gibt es von Sonny Rollins, Scott Hamilton, Oscar Peterson, Giorgio Meuwly und von der Schweizer Sängerin Lisette Spinnler. Eine farbige Bigband-Version liefert die Schweizer Formation Blue Ties Big Band. Und ziemlich funkig zu und her geht’s beim Cédric Bovet Quartett.
In der gleichen Reihe bereits erschienen:
Radio Swiss Jazz Evergreens: Summertime, Autumn Leaves und Misty.