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Brittnau war innerhalb des spätmittelalterlichen und ab 1415 bernischen Amtes Aarburg eine Besonderheit. Die Ortschaft bildete sowohl ein eigenes Gericht als auch eine eigene Kirchgemeinde mit der Pfarrkirche als Zentrum. Die meisten anderen Gemeinden – Zofingen und Aarburg ausgenommen – waren lange Zeit unter Bern noch Bestandteil des Gerichts Aarburg bzw. der Kirche Zofingen und erhielten oft erst spät eigene Gotteshäuser.
Im Wiggertal liegen meist beidseits der Wigger jeweils zwei Dörfer einander gegenüber. Für das im Kanton Aargau liegende Brittnau existiert als Gegenstück das luzernische Wikon mit seinem weit herum sichtbaren Schloss, wo zeitweise die Herren von Büttikon residiert haben. Zu ihrem weit gestreuten Güterbesitz gehörte seit dem 14. Jahrhundert auch die Gerichtsherrschaft Brittnau und das Pfarreibesetzungsrecht für die dortige Kirche. 1516 gelangte Bern kaufsweise in den Besitz von Gericht und Kirche. 1520 kamen die meisten Bodenzinse in Brittnau durch Kauf ans Kloster St. Urban, das fortan der Hauptzinsherr im Dorf war und es auch blieb bis zur allgemeinen Zinsablösung im 19. Jahrhundert.
Nachdem Brittnau 1803
zu einer politischen Gemeinde innerhalb des neu gegründeten Kantons Aargau
geworden war, wechselte der Besitzstatus der Pfarrei. Sie wurde nun zur
aargauischen Staatspfründe. Der Kanton bezog die alten Einkünfte aus der Berner
Zeit und besoldete damit den jeweiligen Pfarrherrn in Brittnau. Das seit dem
frühen 16. Jahrhundert Bern zustehende und 1803 an den Kanton Aargau
übergegangene Pfarreinsetzungsrecht (Kollatur), fiel erst 1864 an die
Kirchgemeinde. Mit der revidierten aargauischen Staatsverfassung
von 1885 wurde die Herausgabe der Pfrundgüter (Chor der Kirche ohne Schiff,
Pfarrhaus) an die Kirchgemeinden eingeleitet. In Brittnau konnte dieser Schritt
jedoch erst 1907 vollzogen werden.
Verfasst von Markus
Widmer-Dean
Das Bildmaterial stammt von Markus Widmer-Dean