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Filmaufnahmen am Lago Bianco
Die gandiose Kulisse, Schnee und Eis en masse und die Nähe zur Berninabahn waren für den berühmten Regisseur Arnold Fanck gute Gründe, die Bernina-Region als Drehort für diverse Szenen zu wählen. Dabei spielte auch die Berninabahn selbst eine Rolle: Als Stromversorger für die Filmaufnahmen (Beleuchtung). In einem Film spielt die Dampfschneeschleuder R 1051 oder 1052 eine kleine Rolle.
Freundlicherweise ist sein Enkel, Matthias Fanck, auf mich zugekommen und hat mir verschiedene Bilder zur Publikation zur Verfügung gestellt - vielen Dank!
1930: "Stürme über dem Mont Blanc"
"Stürme über dem Mont Blanc" ist der erste Tonfilm des bekannten Regisseurs Arnold Fanck mit Leni Riefenstahl in der weiblichen Hauptrolle. Der Film wurde zunächst als Stummfilm gedreht und erst später im Studio nachsynchronisiert.
Er zeigt spektakuläre Hochgebirgsbilder (mit Gletscherspalten und Skifahrern) und die damals wagemutigen Flugkünste von Pilot Ernst Udet. Mehr zum Film und zur dramatischen Handlung hier
Der Film ist als DVD erhältlich.
Im Jahr 1930 wurden die Szenen der Wetterwarthütte auf dem Mont Blanc hier gedreht, in der Nähe der (südlichen) Staumauer "Scala" des Lago Bianco.
Wir sehen oben links die Strecke der Berninabahn mit den charakteristischen Masten. Im Vordergrund erkennen wir die Stromkabel, die von der Bahn zum Drehort gelegt wurden. Ist der Abgangspunkt am damals noch abzweigenden Gütergleis zur Staumauer? Wo und wie wurde wohl der Bahnstrom entnommen?
Mit einem Flugzeugmotor (links der Mitte im Bild) wurde eine Schneesturm erzeugt, der die Wetterwarthütte voller Schnee bläst.
300-026d/e: So stellten sich die entsprechenden Filmsequenzen aus dem Innern der Wetterwarthütte dem Kinobesucher dar. Der arme Wetterwart hatte nicht nur mit der Liebe zu kämpfen, sondern auch mit den "Naturgewalten"
300-026a/b: In einer kurzen Sequenz kommt auch eine der beiden Dampfschneeschleudern R 1051 oder 1052 zum Einsatz. Auf dem Bild rechts sieht man, wie schwer der nasse Schnee ist. Die Maschine schält den Schnee mit dem linken Seitenflügel aus der dichten Schneemasse. Der Schneeräumer X 31 ist noch nicht in Betrieb.
28.2.2017: Dank der Mithilfe von diversen Leuten im Bahnforum ist es mittlerweile klar geworden, dass die Aufnahme bei der östlichen Vergabelung der Scala-Schleife gemacht wurde. Das Holzhaus im Hintergrund ist eine (Bau)Baracke, die vielleicht zur Baustelle der südlichen Staumauer gehört. In deren Nähe wurden auch die Dreharbeiten gemacht.
Der Schlüsselhinweis liefert der Schneeräumungs-Film der Berninabahn aus dem Jahr 1937. Dort ist schon ganz am Anfang die Szenerie die selbe.
1933: "SOS Eisberg"
"SOS Eisberg" ist ein deutscher Spielfilm von Arnold Fanck aus den Jahren 1932/1933, in dem sich Elemente des Bergfilmdramas und des Katastrophenfilms vermischen. Auch hier ist die bekannte Leni Riefenstahl in der weiblichen Hauptrolle und Ernst Udet steuert wiederum sein Flugzeug.
Der Film wurde in Grönland gedreht und fast alle Aufnahmen wurden dort gemacht. Ein paar Sequenzen wurden am Lago Bianco gedreht.
Mehr zum Film und seiner Handlung hier
Den Film ist als DVD erhältlich. Ebenso ist 1933 ein Buch erschienen "Mit Dr. Fanck und Ernst Udet in Grönland. Die Grönland-Expedition des Universal-Films SOS Eisberg"
300-015/016: Fotos der Filmaufnahmen im südlichen Bereich des Lago Bianco. Die Temperaturen waren offenbar sehr warm, einer der Mitarbeitenden steht "oben ohne" hinter der Kamera.
300-017/018: Der Hauptteil der Aufnahmen wurden in Grönland gedreht, was für ein Abenteuer damals! Gemäss Matthias Fanck wurden hier ein paar Nachdrehs gemacht. Auf dem Bild rechts sehen wir die legendäre deutsche Schauspielerin Leni Riefenstahl etwas unterhalb der Berninabahn-Strecke.
Die weisse Hölle vom Piz Palü
Im Jahr 1929 wurden in der Nähe der Station Morteratsch ebenfalls Filmaufnahmen von Regisseur Arnold Fanck gemacht: "Die weisse Hölle vom Piz Palü".
Der Ort wurde ebenfalls wegen der Stromversorgung gewählt.
Ein paar Infos hier.
Arnold Fanck
Wer sich mit vertiefter mit der Arbeit von Arnold Fanck auseinandersetzen möchte, findet im gleichnamigen Buch aus dem AS-Verlag viel interessanten Material in Text und Bild.
Autor ist sein Enkel Matthias Fanck, der mir freundlicherweise diese Fotos zur Verfügung gestellt hat, vielen Dank!
Arnold Fanck, 1889 in der Industriestadt Frankenthal geboren, Studium der Geologie und Promotion in Zürich, anspruchsvolle Bergfahrten – besonders Winterhochtouren – zwischen 1910 und 1920, leidenschaftlicher Bücherfreund mit einer berühmten Bibliothek, autodidaktischer Fotograf, Kameramann und Filmregisseur, unermüdlicher Tüftler und Erfinder – das sind einige Facetten.
Angetrieben von eigenem Erleben und beseelt von dem Wunsch, anderen die noch unbekannte Welt des Hochgebirges zu zeigen, dreht er mit Freunden 1919 den ersten Skifilm «Das Wunder des
Schneeschuhs». Es folgt «Im Kampf mit dem Berge» – mit einer Musik von Paul Hindemith. In «Der Berg des Schicksals» hat 1924 Luis Trenker sein Filmdebüt, 1925 in «Der heilige Berg» Leni
Riefenstahl. 1927 dreht er die Skikomödie «Der grosse Sprung», 1929 «Die weisse Hölle vom Piz Palü» – immer noch einer der 100 besten deutschen Filme. «Stürme über dem Mont
Blanc» erscheint 1930, im Jahr danach der «unsterbliche» Skifilm «Der weisse Rausch». 1932 entsteht «S.O.S. Eisberg», 1934 «Der ewige Traum», die Geschichte der Erstbesteigung des Mont Blanc.
«Die Tochter des Samurai» mit Setsuko Hara in ihrer ersten Filmrolle wird 1936 in Japan gedreht, 1939 als letzter Spielfilm «Ein Robinson» in Südamerika.
Es ist das Verdienst von Arnold Fanck, die Kamera aus dem Studio «befreit» und in die Natur gebracht zu haben: Alle grossen Filme vor 1920 wurden im Studio gedreht. Das Drehen im Hochgebirge, auf Gletschern, in Gletscherspalten, auf Eisbergen, Vulkanen und aus Flugzeugen heraus bedingte Techniken, die noch nicht vorhanden waren und von Fanck und seinen langjährigen Kameraleuten erst entwickelt wurden.
«Arnold Fanck ragt als großer Pionier des Bergfilms heraus. Nicht nur lernten bei ihm Luis Trenker und Leni Riefenstahl, auch begannen unter seiner Regie eine Reihe wichtiger Kameraleute, deren Tätigkeit bis in die fünfziger Jahre hinein ihre Spuren in der deutschen Kinematographie hinterlassen hat.»
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