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Perceptual Maps
Die Erstellung von „perceptual maps“ ist eine diagramatische Praxis zur Erschließung der ästhetischen Dimension eines Gegenstands. Mit „ästhetischer Dimension“ eines Gegenstands ist die Form gemeint, die ein Gegenstand annimmt, wenn er ästhetisch wahrgenommen wird. Diese Form besteht aus einem systemischen Netzwerk von Qualitäten. (Für eine ausführliche Klärung des konzeptuellen Hintergrunds dieser Formulierungen siehe Ästhetik.)
Das graphische, zweidimensionale Objekt, das aus der Durchführung dieser Praxis entsteht – die „map“, der Plan bzw. die Karte – bildet eine Stabilisierung zwischen zwei transformativen Momenten. Es handelt sich um zwei Phasen von Formemergenz des erforschten Gegenstands durch die Ausübung ästhetischen Wahrnehmens.
Der erste Moment erfolgt in unmittelbarem Kontakt mit dem erforschten Gegenstand. Die sprachliche Formulierung und Fixierung – die Artikulation – der wahrgenommenen Qualitäten, die aus der Interaktion mit dem Wahrgenommenen emergieren, hilft einerseits ihrer Feststellung und andererseits der Festlegung und Prüfung Ihrer Zwischenbeziehungen, d.h. der Relationen, welche die Qualitäten in einem kohärenten, sinnvollen Zusammenhang miteinander setzen.
Der zweite Moment erfolgt nicht in unmittelbarem Kontakt mit dem erforschten Gegenstand, sondern durch die Erinnerung seiner Wahrnehmung. Wenn der erste Moment „enactment“ – Hervorbringung – der ästhetischen Realität des Gegenstandes genannt werden kann, kann der zweite als „re-enactment“– Reaktivierung – gekennzeichnet werden. Dabei wird versucht, die Aktualität der emergierten Qualitätsgefüge wiederherzustellen, d.h. sie sich wieder „vor Augen“ zu führen.
Die „map“ unterstützt die Durchführung beider Momente und bildet zugleich ein Interface, d.h. eine operative Verbindung zwischen beiden.
In diesem Projekt wurden „perceptual maps“ für die Erschließung der Transformation der ästhetischen Dimension von Schlieren in zwei Projektphasen praktiziert. Zuerst im zweiten Workshop, um die vergangene und die aktuelle ästhetische Konfiguration der Stadt zu erschließen – „enactment“ – und dann in der Transfer-Phase, um die festgestellte Konfigurationen als Basis für die Evaluation der Veränderungen in der Stadt, erneut hervorzubringen – „re-enactment“.
Die Erstellung der perceptual maps im zweiten Workshop wurde Bestandteil der Arbeit mit den Wahrnehmungsdispositiven. Dabei wurde ein percetual map jeweils für Schlieren 2005 und Schlieren 2011 in verschiedenen, aufeinander aufbauenden Schritten erarbeitet. In einem ersten Moment wurden Qualitäten als eine Liste notiert. Sie bildeten den Materialpool für die weitere Bearbeitung. Anschließend wurde die Präsenz ausgewählter Qualitäten durch verschiedene Schriftgrößen dargestellt. Es folgte die Verteilung der Wörter auf der Fläche und dadurch die Bildung von Sinnzusammenhängen, indem Nähe und Distanz zwischen den Begriffen wahrgenommene Relationen ausdrückten. Auf dieser Basis wurden zwei Strategien verwendet um den Übergang zwischen Qualitäten und qualitativ erschließbaren Werten zu gestalten. Erstens wurden Oberbegriffe – als eingerahmte Wörter notiert – für die als Cluster dargestellten Sinnzusammenhängen gefunden. Zweitens wurde eine basale Valenz auf bestimmten Qualitäten geprägt: Sie wurden als positiv, d.h. als diejenige, die an Präsenz gewinnen sollten – in Grün geschrieben – und als negativ, d.h. als diejenige deren Präsenz reduziert werden sollte – in Rot geschrieben – differenziert. Abschließend wurden diejenige Qualitäten, die als Werte verstanden werden können mit einem blauen Hintergrund markiert.
Für die Reaktivierung der im Workshop erschlossenen ästhetischen Realitäten von Schlieren in der Transfer-Phase wurden die Endfassung der perceptual maps von Schlieren 2005 und 2001 sowie mehrere Fragmente, die durch fünf Operationen – Isolierung einzelnen Qualitäten, Isolierung einzelnen Begriffsgruppen, Markierung von Begriffsgruppen, Neugruppierung von Qualitäten, Verbindung zwischen einzelnen Qualitäten – bearbeitet wurden, erstellt und den Workshopteilnehmern zur Verfügung gestellt. Das Zusammenwirken der ganzen maps und ihrer Fragmente verfolgte das Ziel, die Reaktivierung durch neue Perspektivierungen zu vereinfachen.
„Perceptual maps“ sind keine normierte bzw. standarisierte Praxis. Sie wurden ursprünglich im Projekt „Klangumwelt Ernst-Reuter-Platz“ der Auditory Architecture Research Unit entwickelt und im Rahmen der hier dargestellten Forschung weiterentwickelt.
A.A.