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Uber versucht sich von Sexismus-Vorwürfen zu erholen. Ein weiblicher CEO soll dazu beitragen können. Die Suche nach einer weiblichen Führungskraft ist jedoch schwieriger als erwartet.
Der Taxi-App-Service Uber versucht momentan, den abgesetzten CEO Travis Kalanick nach einer Zeit zu ersetzen, die durch schnelles Wachstum, giftiges Branding und einem Gefühl von männlicher Überlegenheit definiert wurde. Dazu sucht man einen weiblichen CEO, um das Image der Firma zu verbessern. Was passiert jedoch, wenn keine Frau die Position des CEOs übernehmen will?
Im Zuge von Kalanicks Abgang hat eine Reihe erstklassiger weiblicher Führungskräfte deutlich gemacht, dass sie sich nicht für den Posten interessieren. Auf der Liste sind keine Frauen mehr übrig, weshalb nur noch drei männliche Kandidaten in der engeren Auswahl stehen.
Sheryl Sandberg, COO von Facebook, war die erste Wahl des Vorstands, jedoch hat sie den Job abgelehnt. Ebenso abgesagt hat Susan Wojcicki, die seit Februar 2014 CEO von Youtube ist. Berichten zufolge wurden Mary Barra, CEO von General Motors, und Carolyn McCall, CEO von EasyJet, und Meg Whitman, CEO von HP, auch vergebens angefragt.
Zu den Top-Kandidaten gehört nun Jeffrey R. Immelt, Vorsitzender von General Electric. Die Namen der anderen zwei Kandidaten der engeren Auswahl sind noch nicht bekannt.
Die Erwartung, eine einladende Kultur für Frauen zu schaffen, ist nur eine der anspruchsvollen Aufgaben, die Ubers nächster Führungskraft gegenüber stehen. Der neue CEO muss auch den verletzten Ruf des Unternehmens bei Kunden, Mitarbeitern und Fahrern in einem wettbewerbsorientierten Umfeld aufbauen.
Erst kürzlich veröffentlichte das Wall Street Journal einen Bericht darüber, dass die Firma unsichere Fahrzeuge Fahrer in Singapur vermietete.
Während eines Meetings im Juni hat Vorstandsmitglied David Bonderman zudem seine Mitvorsitzende Arianna Huffington mit einer sexistischen Bemerkung unterbrochen, indem er sagte, dass der Einsatz von mehr Frauen im Management vor allem den Lärmpegel im Büro erhöht. Diskriminierende und frauenfeindliche Kommentare sowie sexuelle Belästigung sind bei Uber jedoch keine Seltenheit, wie die Firma durch Untersuchungen nach Kalanicks Abgang veröffentlicht.
Das Unternehmen musste seine globalen Ambitionen demnach erheblich verkleinern. Sie waren gezwungen, sich in Russland und China zurückzuziehen, was Ubers grösster Konkurrenz Freude bereitete. Die Firma Lyft profitiert zurzeit ausgesprochen gut von Ubers Skandalen und deren Fahrgastzahl hat sich im letzten Jahr verdoppelt.
Auch wenn Uber weiterhin Umsatz generiert (Nettoumsatz von $ 6,5 Milliarden im vergangenen Jahr), haben sie in 2016 trotzdem einen Verlust von $ 2,8 Milliarden erlitten. Der nächste CEO von Uber wird diese Ausgaben beträchtlich kürzen müssen, wenn er die Firma wieder an die Öffentlichkeit bringen will.
Es gibt andere Möglichkeiten, wie Uber Platz für weibliche Führungskräfte schaffen könnte. Viele Führungskräfte sind im vergangenen Jahr zurückgetreten und hinterlassen das Unternehmen ohne CFO, COO, Chief Marketing Officer, Kommunikationsverantwortliche und andere leitende Positionen. Eine aktuelle Studie ergab, dass Unternehmen mit positiven Ruf überdurchschnittlich viele Frauen in Führungspositionen haben.
Erwähnenswert ist jedoch, dass Kalanick weiterhin in Ubers Vorstand bleibt und eine grosse Anzahl von Controlling-Aktien besitzt, obwohl er als CEO zurücktritt. Der nächste CEO müsste demnach mit seinem erschwerendem Einfluss zu kämpfen wissen.
Der Nachfolger wird voraussichtlich bis zum 4. September 2017 bestimmt.