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Anita Erni, Präsidentin der Schweizerischen Restless-Legs Selbsthilfegruppe, zum Thema Restless-Legs-Syndrom.
Frau Erni, was versteht man unter dem Begriff Restless-Legs-Syndrom (RLS)?
Das Restless-Legs-Syndrom ist eine häufige chronisch neurologische Erkrankung, charakterisiert durch schwer zu beschreibende unangenehme Sensationen in den Beinen und seltener in den Armen. Die Beschwerden machen sich vorwiegend gegen Abend, beim ruhigen Sitzen oder im Bett liegend bemerkbar und zwingen den Patienten wieder aufzustehen und herumzugehen – in schweren Fällen fast die ganze Nacht! Man unterscheidet zwischen zwei Erkrankungsformen: die idiopatische Form, welche vererbt wird und die komorbide Form. Bei der komorbiden Form kann der Auslöser eine andere Erkrankung wie beispielsweise Diabetes, Eisenmangel, rheumatoide Arthitis, Polyneuropathie sein. Hierbei können die Symptome bei falscher Einstellung der Medikamente auftreten, verschwinden aber wieder, sobald die Medikation richtig eingestellt wurde.
Wodurch wird der Bewegungsdrang ausgelöst?
Die Ursache des Restless-Legs-Syndrom liegt in einem Mangel an Dopamin im zentralen Nervensystem.
Mit welchen Symptome zeigt sich die Krankheit?
Die Erkrankung charakterisiert sich durch den unaufhörlichen Zwang seine Beine oder manchmal auch die Arme zu bewegen. Betroffene Personen beschreiben die Empfindung der Symptome jedoch meist unterschiedlich. Es kann von einem Kribbeln in den Beinen, einem Ziehen oder allgemeinen Beinschmerzen bis hin zu Wadenkrämpfen gehen.
Wie wirkt sich die Krankheit auf den Alltag der Betroffenen aus?
Nebst dem ständigen Drang, vor allem in den Abend- und Nachtstunden, sich zu bewegen, leiden Betroffene meist unter einem erhöhten Schlafmanko was zur Übernächtigung führt. Dies liegt daran, dass die Symptome im Ruhezustand verstärkt auftreten und einen ruhigen Schlaf, durch etliche Wachphasen, verhindern.
Gibt es Möglichkeiten die Symptome zu minimieren?
Das Minimieren der Symptome erfolgt durch die Einnahme von Medikamenten wie beispielsweise Dopamin-Agonisten oder Antieleptikas. In ganz schlimmen Fällen wird teils sogar auf Opiate ausgewichen. Es gibt jedoch Betroffene, welche für sich Methoden entdeckt haben, welche eine Minderung herbeiführen. Dies kann zum Beispiel der Verzicht auf Kaffee oder Schokolande sein sowie das kalte Abduschen der Beine. Solche Tricks sind aber sehr individuell und werden von jeder Person anders wahrgenommen.
Wann sollte man zum Arzt?
Wird man beim Schlafen immer wieder durch Unruhe in den Beinen wach, welche sich nur mit Aufstehen und Bewegung verbessert, sollte man einen Termin beim Neurologen vereinbaren. Zusätzlich sollten die Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte sowie der Eisenwert überprüft werden. Die Diagnose Restless-Legs-Syndrom kann nur durch ein Ausschlussverfahren von anderen Erkrankungen gestellt werden.
Ist das Restless-Legs-Syndrom vererbbar?
Ja, die Krankheit kann genetisch vererbt werden. Hierbei sprechen wir vom idiopatischen Restless-Legs-Syndrom.
Kann die Erkrankung ein Auslöser für weitere Krankheitsbilder sein?
Folgeerkrankungen, welche durch das Restless-Legs-Syndrom ausgelöst werden, sind nicht direkt bekannt. Betroffene leiden aber vermehrt unter Depressionen sowie Spannungskopfweh.
Wie therapiert man das Restless-Leg-Syndrom?
Nicht medikamentöse Behandlungen wie Bewegungen der Gliedmassen vor dem Schlafengehen, warme oder kalter Bäder, Massagen oder Dehnungsübungen werden von den meisten Patienten über viele Jahre ausprobiert. Ein möglichst regelmässiger Tag-Nacht-Rhythmus mit einem konstanten Bettgeh-Ritual und das Vermeiden von Schlafmangel helfen ebenso wie Psychotherapie, mit dem Ziel, die Krankheit nicht zu bekämpfen sondern zu lernen, mit ihr zu leben. Der Beginn der medikamentösen Therapie ist vom individuellen Leidensdruck des Patienten abhängig. Die Erstewahl an Medikamenten sind Dopamin-Agonisten sowie gewisse Antiepileptikas. In schweren Fällen werden auch Dodeine und Opiate eingesetzt . Damit können die Beschwerden in den meisten Fällen deutlich gelindert werden, wenn auch keine Heilung möglich ist.
Stimmt es, dass die Symptome im Sitzen oder Liegen zunehmen?
Ja, das stimmt. Sobald Betroffene sich setzten oder hinlegen, werden die Symptome meist stärker. Es baut sich eine Unruhe mit einem unangenehmen Gefühl in den Beinen auf, was sich durch erneute Bewegung vermindern lässt.
Häufig sind auch Schwangere vom Restless-Leg-Syndrom betroffen, klingen die Symptome nach der Geburt wieder ab?
In den meisten Fällen verschwinden die Symptome nach der Geburt tatsächlich wieder, da sie durch den veränderten Hormonhaushalt in der Schwangerschaft ausgelöst wurden. Es gibt aber durchaus auch Ausnahmefälle, bei denen die Beschwerden von RLS bleiben.
Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.
Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch
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