Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03097.jsonl.gz/2076

Beim Vergleich der KSDS-Karte 14 mit der Karte 20 fällt auf, dass sich in der deutschen Schweiz zunehmend vier grosse Wortlandschaften herausbilden, die sich voneinander abgrenzen: In der mittleren Zone herrscht auf der Karte 20 die Wortform rüere vor, im Westen schiesse, im Süden sowohl schiesse als auch ggufru und im Osten Varianten von wörffe. Die Bezeichnung rüere konnte ihr Verbreitungsgebiet vor allem zulasten der an die Wortlandschaft angrenzenden Wortvarianten weiter ausbauen. Dies zeigt sich an den östlichen Rändern der Wortlandschaft rüere in den Kantonen Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen, in welchen auf der Dominanzkarte 20 neben Varianten von wörffe häufiger auch rüere als vorherrschende Bezeichnung erscheint, sowie an den westlichen Rändern in den Kantonen Aargau und Luzern, in denen rüere vermehrt der einzige dominante Worttyp ist. Interessanterweise konnte sich die Wortform rüere in diesen Grenzgebieten weiter ausbreiten, während in der mittleren Zone – anders als noch auf der KSDS-Karte 14 – lokal Varianten von wärffe, schmeisse und schiesse die dort angestammte Bezeichnung rüere überlagern.
Eine weitere Entwicklung lässt sich im westlichen Gebiet der Deutschschweiz feststellen. Während die KSDS-Karte 14 dort noch einen bunten Flickenteppich von unterschiedlichen vorherrschenden Bezeichnungen aufweist, sind es auf der aktuellen Karte 20 deutlich weniger. Besonders die Bezeichnung schiesse konnte ihr Geltungsgebiet im Westen im Vergleich zur älteren KSDS-Karte 14 weiter ausdehnen. Auf der KSDS-Karte 14 wurden im westlichen Teil der deutschen Schweiz regional Varianten von schlaa kartiert, welche aufgrund der selteneren Nennung bei der Online-Umfrage auf der Karte 20 nicht mehr als dominante Wortformen erscheinen. Im Gegensatz zum Rückgang der regionalen Wortform schlaa im Westen hat interessanterweise der kleinräumige Worttyp schmiize u. Ä. vor allem in den Kantonen Freiburg und Bern, aber auch in der restlichen Deutschschweiz – hier meist in der Lautung schmiisse – sein Geltungsgebiet vergrössert.
Die Situation im Kanton Wallis ähnelt der eben beschriebenen Situation im westlichen Teil der Deutschschweiz. Auch in der südlichen Sprachlandschaft lässt sich ein Rückgang verschiedener dominanter Wortformen feststellen. Vor allem im Matter- und im Saastal wurden die erstaunlich zahlreichen dominanten Wortformen von denen im übrigen Wallis vorherrschenden Bezeichnungen schiesse und ggufru zurückgedrängt.
Bei den dialektalen Ausdrücken für den Begriff Steine werfen lässt sich ein Rückgang unterschiedlicher vorherrschender Worttypen feststellen. Einige noch auf der KSDS-Karte 14 vorherrschende Wortformen wurden von den sich ausbreitenden Mundartausdrücken wörffe, rüere, schiesse und ggufru überlagert. Der Blick auf eine Verbreitungskarte würde jedoch zeigen, dass die meisten Wortformen – auch wenn sie nicht mehr dominant sind – von den Teilnehmenden an der Online-Umfrage noch genannt werden und weiterhin Teil des heutigen Sprachwortschatzes sind. Wenige Ausdrücke jedoch wie spigge, pelze und trääje, welche zur Zeit der SDS-Datenerhebung vereinzelt erwähnt wurden, gaben die Befragten bei der Online-Umfrage nicht mehr an. ◆ JH