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Gemeinsam mit dem Pianisten Teo Gheorghiu stellen die Stimmführer des ZKO Kammermusik-Höhepunkte von Mozart, Schubert und Mahler vor.
Kammermusik ist für viele Komponisten die beste Möglichkeit, etwas vollkommen Neues auszuprobieren. Sie ist quasi das Skizzenbuch der Musik. Der Pianist Teo Gheorghiu, der im schweizerischen Freiburg wohnt, und die Stimmführer des Zürcher Kammerorchesters, Willi Zimmermann (Violine), Ryszard Groblewski (Viola), Nicola Mosca (Violoncello) und Seon-Deok Baik (Kontrabass), stellen in ihrem Programm drei Kompositionen von Musikern unterschiedlicher Epochen vor und machen den Innovationsdrang von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert und Gustav Mahler hörbar.
Der Quartettsatz in a-Moll für Violine, Viola, Violoncello und Klavier von Gustav Mahler ist nicht nur das einzige kammermusikalische Werk des Komponisten, das noch erhalten ist. Es ist auch ein zehnminütiges musikhistorisches Rätsel: Es ist nicht bekannt, in welchem Jahr Mahler es genau geschrieben hat oder für wen – und schon gar nicht, warum nur ein Satz dieses frühen Werkes überlebt hat. Vermutlich stammt es aber aus Mahlers Studienjahren am Wiener Konservatorium zwischen 1875 und 1878. Mahler war bereits damals sehr erfolgreich; mindestens zwei seiner frühen kammermusikalischen Stücke wurden zu dieser Zeit mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Unter Mahler-Forschern ist die populärste Theorie, dass der a-Moll-Satz Teil eines Quartetts ist, das bei einem Wettbewerb im Hause des Mediziners Theodor Billroth erstmals aufgeführt wurde. Doch die Spur verliert sich schnell …
Heute liegt das Autograf, das zum Vermächtnis von Mahlers Frau Alma gehörte, in einer Bibliothek in New York, wo der Dirigent und Komponist Peter Ruzicka es 1973 wiederentdeckt und sich für eine Drucklegung eingesetzt hatte. Ruzicka geht davon aus, dass Mahler den Satz mit nur 16 Jahren komponiert hatte, und notierte einst entsprechend beeindruckt: «So negiert der in düsterem a-Moll versinkende Schluss des Sonatensatzes jede Konvention von Äusserlichkeit, die bei einem Sechzehnjährigen wohl zu erwarten gewesen wäre. Überhaupt darf diese Tonart, die im Werk Mahlers (und auch in einer der Jugend-Symphonien) eine bedeutsame Rolle spielte, durchaus als unbewusstes Antizipando des Kommenden gewertet werden.»
Eine neue Radikalität und die Suche nach Neuem ist schon in den ersten Takten von Mozarts erstem Quartett in g-Moll zu hören: ein schroffes Hauptthema, das ohne Vorbereitung eintritt – mit einer Energie, die Beethovens grosse Sinfonien vorwegnimmt. Mozart schrieb dieses Kammermusikstück auf Anfrage des Verlegers Franz Anton Hoffmeister, der es als Subskription an das Wiener Bürgertum verkaufen wollte. Die Hausmusik von Laien war damals sehr gefragt, und Klavierquartette in der Regel so angelegt, dass die Streicher dem Pianisten einen Klangteppich ausbreiteten, auf dem er sich profilieren konnte. Aber das war nicht nach Mozarts Geschmack. Gerade mit seiner Oper «Le nozze di Figaro» beschäftigt, wollte er auch in der Kammermusik neue Wege gehen: Er frönte der Gleichberechtigung aller Stimmen und schrieb Musik, die jeden Salon-Laien überforderte. Das Ergebnis war künstlerisch wertvoll, finanziell aber ein Fiasko. Das Quartett verkaufte sich schlecht, und Hoffmeister löste seinen Vertrag mit Mozart auf.
Wie sehr das g-Moll-Klavierquartett das Leistungsvermögen und den Horizont der damaligen Musikliebhaber überstieg, ist in Berichten von Zeitgenossen nachzulesen. So schrieb ein Reisender, der einer Aufführung des Quartetts beiwohnte: «Beinahe wo ich auf meyner Reise nur hinkam, und in einige Concerte eingeführt wurde, kam ein Fräulein, oder eine stolzirende bürgerliche Demoiselle, oder sonst ein naseweiser Dilettante mit diesem Quadro angestochen, und prätendierte, dass es goutirt würde. Es konnte nicht gefallen; alles gähnte vor Langerweile über dem unverständlichen Tintamarre von 4 Instrumenten, die nicht in vier Takten zusammen passten … Welch ein Unterschied, wenn dieses vielbemeldete Kunstwerk von vier geschickten Musikern höchst präcis vorgetragen wird! Aber freylich ist hiebey an keinen Eclat, an keinen glänzenden Mode-Beyfall zu denken.» Heute gilt Mozarts Quartett als Meilenstein des Genres – gerade weil es sich nicht an die Konventionen seiner Zeit hielt.
Das ist im ersten Satz von Franz Schuberts «Forellenquintett» ganz anders. Schubert komponierte das Werk im Auftrag des Hobby-Cellisten Sylvester Paumgartner,
der bei ihm kammermusikalische Variationen auf Schuberts Lied «Die Forelle» bestellt hatte. Das Quintett beginnt eher konventionell, im Stile eines Klavierkonzerts mit modischen Reminiszenzen an die Musik Rossinis. Wesentlich innovativer ist das Andante mit seinen drei Themen in entfernten Tonlagen (F, Fis und D), das durch seine spektakulären Harmoniewechsel einen ureigenen Sog entwickelt. Das Scherzo stellt schliesslich das Motiv der Forelle in fünf Variationen vor, in denen Schubert all sein kreatives Können entfaltet und dem Auftraggeber, dem Cellisten Paumgartner, mit einem grossen, lyrischen Cello-Solo huldigt. ab
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