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Im folgenden Text tauchen einige, zum Teil auch verwirrliche, Fachbegriffe auf. Du musst diese nicht zwingend kennen um mit deinem Pferd zu arbeiten. Wichtig ist, dass du das Prinzip verstanden hast. Zum Thema Lernverhalten und Training gibt es ganze Bücher. Ich beschränke mich hier auf die grundlegenden Dinge. Wenn du mehr wissen möchtest, findest du vor allem auf Websites zum Thema «Clickertraining» ausführliche Informationen, die sich auch vollständig auf die Arbeit ohne Clicker übertragen lassen.
Wenn ein Pferd (oder auch ein anderes Tier) etwas lernt, unterscheidet man zwischen klassischer und operanter Konditionierung. Klassische Konditionierung heisst, dass das Pferd ein bestimmtes Verhalten auf ein neues Signal hin zeigt. Das Pferd zeigt also auf einen beliebigen Reiz schon eine bestimmte Reaktion. Beispielsweise trabt es an der Longe auf ein Anheben der Peitsche an. Nun wird der Reiz mit einem Signal verknüpft. Der Longenführer gibt jedes Mal das Kommando «Te-rab» bevor er die Peitsche anhebt. Das Pferd wird merken, dass auf das Signal «Te-rab» immer die Peitschenhilfe folgt. Schon bald trabt es auf das Signal, das Stimmkommando, an. Das Anheben der Peitsche ist nicht mehr notwendig. Klassische Konditionierung ist also ein Lernen durch Gewohnheit und funktioniert auch ohne Lob.

Merke

Das Signal muss immer vor dem Reiz erfolgen, auf den das Pferd reagiert. Umgekehrt funktioniert es nicht.
Operante Konditionierung liegt vor, wenn das Pferd etwas Neues lernt. Was es lernt, hängt von den Folgen seines Verhaltens ab. Hatte ein Verhalten Folgen, die das Pferd als angenehm empfand (Belohnung), wird es das Verhalten wahrscheinlich öfter zeigen. Wurde das Pferd hingegen für ein Verhalten nicht belohnt, wird es dieses Verhalten eher nicht mehr zeigen und etwas anderes versuchen. Mit der operanten Konditionierung kann man das Verhalten eines Pferdes sehr genau formen, je nachdem, was man belohnt und was nicht. Man unterscheidet hier zwischen positiver und negativer Verstärkung. Die Begriffe «positiv» und «negativ» haben aber nichts damit zu tun, wie das Pferd die Verstärkung empfindet. Sie beziehen sich stattdessen darauf, wie ein Lob erfolgt.
Negative Verstärkung liegt vor, wenn auf ein bestimmtes Verhalten hin etwas Unangenehmes weggenommen wird. Negative Verstärkung ist also beispielsweise eine Zügelhilfe. Gibt das Pferd auf das Annehmen des Zügels nach, wird ein guter Reiter ebenfalls nachgeben und der Druck im Pferdemaul fällt weg. Das Pferd konnte durch sein Verhalten (nachgeben) seine Lage angenehmer machen.
Bei der positiven Verstärkung wird der
Ausgangssituation durch ein bestimmtes Verhalten
des Pferdes etwas hinzugefügt. Im Fall
erwünschten Verhaltens bekommt das Pferd etwa
eine Karotte. Die positive Verstärkung wird
also als Lob empfunden und das Pferd wird das
Verhalten wahrscheinlich erneut zeigen um wieder an
eine Karotte zu gelangen.
Die Belohnung muss sorgfältig ausgewählt werden. Es gibt Pferde, die Berührungen als unangenehm empfinden. So ein Pferd fühlt sich durch Streicheln und Kraulen keinesfalls geschmeichelt, sondern im Gegenteil gestraft.

Merke

Ob etwas ein Lob oder eine Strafe ist,
Wichtig ist des weiteren, dass der angewandte Verstärker für das Pferd genügend attraktiv bzw. unattraktiv ist. Ein hungriges Pferd, das erst seit fünf Minuten auf der Wiese steht, wird sich kaum für ein paar Streicheleinheiten anstrengen, irgendetwas zu tun. Ein Pferd, das in die Futterkammer «eingebrochen» ist, wirst du kaum mit einer Karotte von da weglocken können. Eine Handvoll Gras ist keine besonders attraktive Belohnung, wenn das Pferd schon auf der Wiese steht und nach Herzenslust grasen kann.
Die Wirkung einer Belohnung bleibt nicht nur aus, wenn sie zu schwach ist, sondern auch, wenn sie zu häufig erfolgt. Angenommen dein Lieblingsessen ist Schnitzel. Wenns nach langer Zeit wieder mal Schnitzel gibt, freust du dich natürlich besonders. Auch zwei Tage hintereinander Schnitzel essen findest du wohl noch gut. Aber stell dir vor, es gibt eine ganze Woche lang nichts anderes als Schnitzel – da verleidet es dir schliesslich. Selbst wenn das Schnitzel dann an einem Tag besonders gut zubereitet wäre, würdest du zu diesem Zeitpunkt sicher etwas anderes essen, wenn du die Wahl hättest. Ähnlich ist es mit dem Lob. In der ersten Klasse wurdest du noch dafür gelobt, wenn du einen einzelnen Buchstaben schön geschrieben hattest. Heute käme dir das wohl eher seltsam vor und du würdest dir allenfalls noch dann besondere Mühe geben, wenn du wüsstest, dass dafür eine Belohnung winkt. Dasselbe passiert bei Tieren.
Ein Verhalten wird hingegen sehr zuverlässig gefestigt, wenn es nur hin und wieder unvorhergesehen eine Belohnung dafür gibt. Wenn dein Pferd eine Übung beherrscht, belohnst du es nun nur noch hin und wieder dafür. So stellst du sicher, dass es die Lektion nicht vergessen wird.
Leider gilt das natürlich nicht nur für erwünschte Verhaltensweisen sondern auch für unerwünschte. Ein unerwünschtes Verhalten wird sehr sicher vor Auslöschung bewahrt, wenn das Pferd auch nur einmal (womöglich auch unabsichtlich) dafür belohnt wird. Manche Pferde scharren etwa oder poltern mit den Hufen gegen die Wand um Aufmerksamkeit zu bekommen. Oft dauert es nicht lange, bis jemand angerannt kommt und das Pferd anbrüllt. Einige besonders eifrige Leute stellen sich auch gleich in Wachposition zum Pferd, damit es nicht noch mal scharrt, streicheln es aber womöglich in der Zwischenzeit auch noch. Was lernt das Pferd dabei? Sobald es scharrt, bekommt es Aufmerksamkeit. Und da es immer auf dieselbe Art «bestraft» wird, gewöhnt es sich vielleicht auch daran, angebrüllt zu werden und macht sich nicht viel daraus. Immerhin hat es jetzt Aufmerksamkeit.
Am besten löscht man ein Verhalten aus, indem man es komplett ignoriert. Das Pferd wird für unerwünschtes Verhalten also weder belohnt noch bestraft. Aber Achtung: Das Verhalten kann im Verlauf der Auslöschung verstärkt oder in einer exotischeren Form auftreten! Ein Pferd, dass sich bisher immer die Aufmerksamkeit durch Scharren holen konnte, wird also wahrscheinlich versuchen, durch intensiveres Scharren wieder Aufmerksamkeit zu bekommen. Das Pferd wird zuerst alles versuchen, um wie gewohnt belohnt zu werden, bevor das Verhalten allmählich verschwindet. Es ist in dieser Zeit von allergrösster Bedeutung, dass das Verhalten von allen, die mit dem Pferd zu tun haben, ignoriert wird. Sonst lernt das Pferd, dass es nur genug Ausdauer haben muss, und wird das Verhalten erst recht nicht ablegen.