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«Überall hier hat es Kohle», sagt Gewerkschafter Sam Lukhuleni. «Selbst wenn man diese Strasse aufreissen würde, darunter ist Kohle.» Die Kohle ist in der Provinz Mpumalanga überall sichtbar: Kohleminen, Lastwagen und Züge, die Kohle transportieren, Förderbänder, die die Kohle von den Minen direkt zu den Kraftwerken liefern. Und über Mpumalanga liegt ein permanenter Kohleduft.
Rund eine halbe Million Menschen würden hier direkt oder indirekt von Kohle oder Strom leben, sagt Sam Lukhuleni, der bei der Gewerkschaft NUMSA die Mineure vertritt. Südafrika ist weltweit eines der Länder, das am meisten Kohle produziert und konsumiert.
«Das ist eine Glencore-Mine im Tagebau», sagt der Gewerkschafter und zeigt auf einen Hügel. Glencore, das Rohstoffunternehmen mit Sitz in der Schweiz, verdient Milliarden mit südafrikanischer Kohle. Besonders seit die Preise für Kohle wegen des Ukrainekriegs zeitweise regelrecht explodiert sind.
In der Glencore-Mine arbeitet ein Mann, der seinen Namen nicht nennen will. Der 42-Jährige fürchtet, seinen Job zu verlieren, wenn er mit den Medien spricht. «Die Kohleminen sind der Ort, wo du genug verdienen kannst, um deinen Kindern die Schulgebühren zu bezahlen.»
Im Kohlesektor würde er besser verdienen als in einem Supermarkt. In Südafrika ist rund ein Drittel aller Menschen arbeitslos. Darum schätzt sich der Mineur glücklich, seit 15 Jahren in der Kohlemine zu arbeiten und dafür zu sorgen, dass Südafrika Strom hat.
Ich hole Tausende Tonnen Kohle aus dem Boden. Und wenn ich nach Hause komme, haben wir trotzdem keinen Strom.
Südafrika steckt in der tiefsten Stromkrise seiner Geschichte. Jeden Tag fällt der Strom stundenlang aus. Der Grund: Die Nachfrage nach Strom übersteigt seit Jahren das Angebot. Damit das nationale Stromnetz nicht zusammenklappt, wird derzeit jeden Tag der Strom mehrere Stunden abgestellt – man nennt das «Load Shedding».
Mit der Stromkrise frustriere ihn seine Arbeit vermehrt, so der Mineur: «Ich hole Tausende Tonnen Kohle aus dem Boden. Und wenn ich nach Hause komme, haben wir trotzdem keinen Strom.» Das sei frustrierend. Aber es gibt Menschen, die bezahlen noch einen höheren Preis.
Gesundheitlicher Preis
Laut Studien sterben jedes Jahr bis zu 5000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke. Die Gegend um Mpumalanga gilt weltweit als eine, die am meisten verschmutzt ist.
Das weiss keiner besser als Sam Lukhuleni. Bei NUMSA ist er für Arbeitssicherheit und Gesundheit zuständig. «Das Wasser, das die Menschen hier trinken, ist verseucht mit Chemikalien. Der Kohlestaub führt zu Atemwegserkrankungen», sagt Lukhuleni vor dem Kohlekraftwerks Duvha.
Der Kraftwerkslärm hört sich an, wie wenn permanent ein Düsenflugzeug über dem Himmel kreisen würde. «Die Leute, die neben dem Kraftwerk leben, sind betroffen vom Lärm, vom Staub, von allen Emissionen.» Das sei ein Problem. Umso mehr, als dass trotz des hohen Preises, den die Menschen hier im Kohlegürtel für die Stromproduktion bezahlen, am Ende des Tages die Lichter wegen der Stromausfälle dennoch nicht angehen.