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1. Schmerzen im Bereich der Achillessehne sind häufig, insbesondere im mittleren und fortgeschrittenen Alter ab ca. 40 Jahre. In jüngeren Jahren sind Achillessehnen-Schmerzen vor allem bei hoher sportlicher Belastung häufig. Dies insbesondere beim Laufsport, Tennis und Squash, wo abrupte Stops und Richtungswechsel die Sehne stark beanspruchen. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Schmerzlokalisationen: am häufigsten treten die Schmerzen ca. 4 cm oberhalb des Ansatzes der Achillessehne an der Ferse, sowie im Ansatzbereich der Achillessehne selber, an der Ferse weiter unten auf. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielseitig. In den allermeisten Fällen wird zunächst und mit gutem Erfolg eine konservative Behandlung eingeleitet. Operative Möglichkeiten kommen dann zur Anwendung, wenn die nicht-operativen Massnahmen (vergleiche unten) nicht geholfen haben.
Auslöser ist ein Missverhältnis zwischen der mechanischen Belastung und der Regenerationsfähigkeit des Sehnengewebes.
Dies kann einerseits beim jungen gesunden Patienten eine zu hohe sportliche Aktivität sein oder auch sportliche Aktivität bei gleichzeitigem Vorhandensein einer Fehlstellung (z.B. Plattfuss, Hohlfuss), was dann zu Achillessehnen-Schmerzen führen kann.
Die häufigste Ursache ist aber degenerativ, d.h. im Rahmen des Älterwerdens. Dabei verliert der Körper die sogenannten Glukosaminoglykane, welche Wasser binden und das Gewebe, das heisst die sichtbare Haut aber auch die Sehnen im Körperinnern, elastisch behalten. Die Achillessehne wird ab einem Alter von ca. 40 Jahren etwas weniger elastisch und es kann dabei zu einer Tendinopathie (schmerzhafte Schwellung und Verdickung der Achillessehne, Abb. 1 und 2) kommen, mit auch mikroskopischen oder makroskopisch sichtbaren Teil-Rissen, bis hin zum ganzen Riss.
Zunächst können entzündungshemmende Massnahmen wie Salben, Flector-Pflaster, Eis und Schonung als erste Massnahme dienen. Als Auslöser erkannte Aktivitäten, z.B. Sportarten, sollten vorübergehend pausiert werden. Sollte dies nach ca. zwei Wochen nicht helfen, ist eine ärztliche Vorstellung sinnvoll. Oft wird dann Physiotherapie verordnet, wo mit durchblutungsfördernden Massnahmen wie Ultraschallbehandlung, Massage und auch Taping gearbeitet wird. Sollte dies nicht helfen, muss ein Fuss- und Sprunggelenkspezialist aufgesucht werden. Sollte sich eine Verkürzung der Achillessehne und der Wadenmuskulatur zeigen, wird viel Wert auf Stretching gelegt – dies wiederum meist unter Anleitung eines/r Physiotherapeuten/in. Die Regenerationsfähigkeit (Selbstheilung) der Sehne kann durch Einnahme von Chondroprotektiva wie z.B. Glukosaminoglykane, ACP-Infiltrationen (Eigenblut) und Ostenil-Tendon-Infiltration angeregt werden. Ebenfalls gut untersucht ist die Wirksamkeit der Stosswellentherapie mit dem Vorteil, dass keine schmerzhafte Infiltration mit einer Nadel gemacht werden muss und dass damit auch die tiefen Strukturen der Sehne erreicht werden können. Das vorübergehende Tragen eines Fersenkeils, zum Teil in Kombination mit einem hohen Schuh (z.B. Künzli-Stabilschuh) führt zur Ruhigstellung des Sprunggelenks (und damit auch der Achillessehne) und gibt der Sehne Zeit zur Heilung.
Neben den unmittelbaren therapeutischen Schritten wird der Fussspezialist mit Ihnen auch das sportliche Aktivitätsprofil, welches oft Auslöser der Beschwerden ist, evaluieren. Oft sind (leider) auch Anpassungen bei Umfang und Art der sportlichen Aktivitäten nicht zu vermeiden um die Sehne zu schonen und langfristig wieder beschwerdefrei zu werden.
Operative Therapien kommen dann zur Anwendung, wenn konservative Massnahmen über längere Zeit nicht zur Verbesserung geführt haben. Das Vorgehen hängt vom Ort der Degeneration ab.
Ist die Degeneration auf der typischen Höhe ca. 4 cm oberhalb des Sehnenansatzes, kann diese entfernt werden (Abb. 1). Eventuell kann eine steife Achillessehne gleichzeitig verlängert werden.
Schwieriger zu behandeln sind die Krankheitsbilder am Achillessehnen-Ansatz (Abb. 2). Dort muss dann häufig die Achillessehne abgelöst, Verkalkungen und degeneriertes Gewebe entfernt und die Achillessehne refixiert werden (typischerweise mit resorbierbaren Milchsäureankern). Dies bringt aber mit sich, dass die Achillessehne während 8 bis 12 Wochen an Stöcken in einer Unterschenkel-Orthese entlastet werden muss.
Grundsätzlich dauert die Behandlung einer Achillessehne konservativ (ohne Operation) und operativ meist sehr lange, das heisst, dass erst nach ½-1½ Jahren der Endzustand erreicht wird. Dies hat damit zu tun, dass die Achillessehne von Natur aus schlecht durchblutet ist und einen sehr langsamen Regenerationsprozess hat. Schäden heilen deshalb nur sehr langsam. Grundsätzlich ist es so, dass biomechanisch die Achillessehne, z.B. nach einem Riss, ihre volle Festigkeit nach ca. 6 Monaten erreicht. Meist kann nach 3 Monaten mit dem Sport begonnen und aufgebaut werden, sogenannte «Stop & Go»-Sportarten sind aber erst 6 Monate nach Behandlungsbeginn oder Operation erlaubt, da vorher sonst wieder ein Rückfall eintreten könnte.
Eine Operation an der Achillessehne hat verglichen mit anderen orthopädischen Eingriffen ein erhöhtes Risiko einer Wundheilungsstörung (gemäss Studien ca. 2%). Dies hängt hauptsächlich damit zusammen, dass nur Haut und sehr wenig Unterhautgewebe direkt auf der Sehne aufliegen. Schwellung und Blutergüsse haben deshalb kaum Platz und führen rasch zu Spannung im Wundgebiet, welche bis zum Absterben von Hautarealen führen kann. Es gilt deshalb eine Operation sorgfältig abzuwägen.
Weitere Informationen zur Achillessehne und den genannten Operationstechniken finden Sie unter:
Inhaltsübersicht
- Welche Probleme und Symptome treten auf?
- Was sind mögliche Auslöser/Ursachen für Achillessehnen-Entzündung und Achillessehnen-Schmerzen?
- Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
- Wie lange dauert die Behandlung einer Achillessehnen Entzündung?
- Welche Risiken hat eine Achillessehnen-Operation?
- Weitere Informationen zum Thema (tiefergehendes Wissen)