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Anny Roth-Dalbert wurde am 12. Oktober 1900 in Bern als Tochter des Bauunternehmers Carlo Paglia geboren. Die Familie übersiedelte 1912 nach Zürich, wo Anny Klavierstunden von Czeslaw Marek und Johann Baptist Hilber erhielt. 1917 begann sie als erste Frau ihr Studium am dortigen Konservatorium. Neben Gesang und Klavier belegte sie die Fächer Theorie, Kontrapunkt und Dirigieren. Stilprägend war der Unterricht bei Ferruccio Busoni. Bereits mit 16 Jahren war sie Organistin an der Kirche Wipkingen und stellvertretende Leiterin des Kirchenchors. 1922 heiratete sie den Dolmetscher Christian Dalbert und wurde Mutter von zwei Töchtern. 1930, nach dem Umzug ins Engadin, begann sie regelmässig zu komponieren. Nach der Trennung von ihrem Mann verdiente sie ihr Leben als Chordirigentin und Klavierlehrerin in St. Moritz und Umgebung. In zweiter Ehe (1945)
war Anny Roth-Dalbert mit dem Architekten und Schriftsteller Hermann Roth verheiratet.
Das Oeuvre von Anny Roth-Dalbert umfasst geistliche Werke, Chor- und Klavierlieder, Klavierliteratur und Kammermusik. Gemeinsam gründeten Anny Roth-Dalbert und Hermann Roth die Vereinigung Pro Arte und organisierten Konzert- und Theaterabende in St. Moritz. Mit Hannes Reimann war sie Mitbegründerin der Musikschule Oberengadin. Für ihr reiches musikalisches Schaffen erhielt Anny Roth-Dalbert 1985 den Anerkennungspreis des Kantons Graubünden und im August 2000 den Kulturpreis von St. Moritz. Die Komponistin hat sich in ihrem 100jährigen Leben nie um Modeströmungen gekümmert, sondern ist in der Abgeschiedenheit des Engadins ihren eigenen Weg gegangen, den man am ehesten mit neoklassizistischer Einfachheit umschreiben könnte. Ab 1994 lebte die St. Moritzer Ehrenbürgerin mit ihrer jüngeren Tochter in Sent, wo sie am 16. Mai 2004 starb.