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Weisstannen (Abies alba) sind in den Gebirgswäldern wichtig für die Gewährleistung der Schutzfunktion (z.B. Steinschlag, Lawinen). Die Weisstanne gehört aber zu den am meisten durch Schalenwild (Rothirsch, Reh und Gämse) verbissenen Baumarten, und der Mangel an Weisstannen in der Baumverjüngung wird heute oft auf den Triebfrass durch Schalenwild zurückgeführt.
Es ist aber wenig bekannt
über die Reaktion der Weisstanne auf Triebfrass unter verschiedenen
Umweltbedingungen. Insbesondere ist unklar, ob verbissene Weisstannen
unabhängig von den Standortsbedingungen kleiner sind und schlechter wachsen als
unverbissene Bäume (wie dies von Prof. Eiberle postuliert wurde), oder ob sie
durch spezielle Reaktionen unter günstigen Umweltbedingungen den durch Verbiss
verursachten Höhenverlust wenigstens teilweise wettmachen können (u.a.
Ergebnisse eines eigenen Triebschnittexperimentes, siehe Triebschnittversuch an
Weisstannen).
Es gibt Hypothesen, wonach die Art der Reaktion auf Verbiss von der Vitalität des Baumes abhängt. Falls dies stimmt, so wäre die Reaktion und damit die Fähigkeit der Weisstanne, einen Verlust der Baumhöhe zu kompensieren, bei hoher Lichtverfügbarkeit (z.B. in Windwurfflächen und Verjüngungsflächen) anders als bei wenig Licht (z.B. in teils oder ganz geschlossenen Waldbeständen). Wenn wir die Reaktion in Funktion der Umweltbedingungen besser kennen würden, so könnten die Auswirkungen des Verbisses auf die Weisstanne mit waldbaulichen Massnahmen gezielt reduziert werden.
In diesem Projekt wird abgeklärt, wie Weisstannen auf Triebfrass reagieren und wie häufig diese Reaktionstypen unter verschiedenen Standortsbedingungen sind. Insbesondere quantifizieren wir, inwieweit die Verfügbarkeit von Licht bei sonst gleich bleibenden Standortsbedingungen die Reaktion beeinflusst, und ob es einen Schwellenwert gibt oder ob die Reaktionstypen sich entlang eines Lichtgradienten kontinuierlich ändern.
Entlang von Lichtgradienten (geschlossener Wald bis Freiland) wird an 4 verschiedenen Standorten aufgenommen, welche Weisstannen der Naturverjüngung verbissen werden, wie die Bäume auf den Verbiss reagieren (Aufstellen von Seitentrieben, Austreiben schlafender Knospen, etc.) und wie sie wachsen (Höhenwachstum).
Zusätzlich wurden im Jahre 2001 in vier 5 x 5 m Zäunen je ca. 30 Weisstannen gepflanzt. Diese waren im Jahr 2009 durchschnittlich 50 cm hoch (17 cm bis 1 m). Die Zäune wurden so platziert, dass jeweils in einer Ecke eine grosse Fichte steht und somit einige der Verjüngungspflanzen sich unter Schirm befinden, einige im Traufbereich und einige ausserhalb des Traufes liegen. Im Frühling 2008 wurden zusätzlich zu diesen bereits etwas grösseren Verjüngungspflanzen (Aufwuchs) noch ca. 700 kleine 1/0 Tännchen in zwei grössere (5 x 25 m) Zäune gepflanzt. Diese Zäune weisen einen klaren Lichtgradienten von unter Schirm bis Freilandbedingungen auf.
Die Hälfte aller Zäune wurde entfernt, und nach erfolgtem Verbiss durch Rehe, Gämsen und Hirsche werden die Mortalitätsrate, die Reaktionsform und das weitere Wachstum dieser Weisstannen untersucht. Insbesondere wird quantifiziert, wie viel von jedem Baum abgefressen wurde, und die Reaktion des Baumes wird in Bezug gesetzt zu seiner Höhe, zur Frassmenge in Prozent der Baum-Biomasse und zum verfügbaren Licht.
1. Film: Verbiss von Gamswild und Hirsch an einer gepflanzten Weisstanne vom Oktober 2009 bis Januar 2010
(LINK Film Verbiss an einer Weisstanne)
2. Film: Reh, Gams und Hirsch fressen Brombeere und Heidelbeeren und sobald es Schnee hat auch die gepflantzen Weisstannen
(LINK Film Grasen und Verbiss)
3. Film: Fegen von Rothirsch an Weisstannen und Vogelbeere
(LINK Film Fegen eines Hirsches)
Die Erkenntnisse aus diesem Projekt leisten einen Beitrag zur Quantifizierung des Einflusses von Schalenwild auf die Weisstannenverjüngung unter verschiedener Lichtverfügbarkeit. Daraus können Empfehlungen für die Forstpraxis formuliert werden, welche Lichtverfügbarkeit optimal (und somit anzustreben) wäre, damit möglichst geringe Schalenwildschäden auftreten und die Verjüngung der Weisstanne möglichst gut wächst.
Bereits jetzt empfehlen wir, in Verbisserhebungsverfahren das Ausmass des Endtriebverbisses zu quantifizieren (d.h. welcher Anteil des Endtriebs gefressen wird). Der Grenzwert von 9% jährlichem Endtriebverbiss („Eiberle“-Grenzwert für Tanne) kann nämlich auf wüchsigen Standorten überschritten werden, sofern nur der oberste Teil des Endtriebes (die Knospen) abgefressen wird. Wenn hingegen der ganze Endtrieb verbissen wird (oder zumindest so tief, dass keine regulären Seitenknospen mehr am Reststück des Endtriebes übrig bleiben), dann sollte der Eiberle-Grenzwert nicht dauerhaft überschritten werden.
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