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Nur wenige drehen allein im stillen Kämmerchen durch. In der Regel geschieht das im Beisein von Menschen, was Irritationen auslöst, die zu grossem Bedauern führen. Besser ist es deshalb, zu verhindern, dass unkontrollierte Emotionen die Oberhand gewinnen.
von Anton Ladner
Während der Pandemie hatte das Kabinenpersonal vieler Fluglinien besonders häufig mit Passagieren zu tun, die ausflippten. In den Vereinigten Staaten gibt es im Jahr im Schnitt 150 Fälle von sogenannten Wut-Passagieren, die in Flugzeugen gewalttätig werden. Im Jahr 2021 waren es mehr als 5700 Fälle, von denen gut 4100 mit dem Maskentragen zu tun hatten. Das Problem mit den Masken war aber nicht auf den Luftraum beschränkt. Die Menschen flippten unter dem zusätzlichen Stress durch die Pandemie öfter aus. Im sozialwissenschaftlichen Jargon handelt es sich dabei um eine emotionale Überflutung. Der Psychologe John Gottman definierte diesen Terminus als eine automatische körperliche und geistige Reaktion auf eine unerwartete negative Reaktion einer anderen, meist nahestehenden Person. Das Gehirn löst ineffektive und desorganisierte Reaktionen aus, die sehr wahrscheinlich von der Amygdala ausgehen. Sie ist der Teil des Gehirns, der automatisch grundlegende emotionale Reaktionen auf äussere Gefahren wie Feuer oder Wasser hervorruft. Wenn die Amygdala stark stimuliert wird, übernimmt sie die Kontrolle, was bei Feuer oder einer Bärenattacke gut sein kann. Aber das ist die Ausnahme.
Heute führt sie dazu, dass man Dinge tut und sagt, die man später sehr bereut. Denn die emotionale Überflutung ist im modernen Leben für die meisten sozialen Interaktionen nachteilig. Es gilt also, die Amygdala zu beherrschen. Aber wie? Durch drei Mal tief atmen zum Beispiel. Das hilft, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Metakognition bedeutet, sich seiner eigenen Gefühle bewusst zu werden und sie so unvoreingenommen wie möglich zu beobachten. Tiefes und bewusstes Atmen begünstigt diesen Prozess. Natürlich braucht das etwas Übung, zwischen dem Auftreten der Gefühlswallung und der Reaktion etwas Zeit verstreichen zu lassen. Wenn man drei Mal tief atmet, bekommt das Gehirn die Möglichkeit, eine Reaktion zu wählen, anstatt im Affekt zu handeln. Hilfreich ist bei Mails oder SMS auch, bis 30 zu zählen oder sich vorzunehmen, erst in zwei Stunden zu antworten.