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Die Gangbeurteilung hat zum Ziel, das Potenzial des Fortbewegungssystems
junger Pferde im Hinblick auf ihre unterschiedlichen späteren Nutzungsformen
abzuschätzen.
Beim Beobachten der Gänge
sollte nie vergessen werden, dass das Pferd entweder einen Reiter tragen oder eine
Last ziehen können sollte ohne dabei aus dem Gleichgewicht zu geraten. Die
Fortbewegung des Pferdes wird durch mehrere muskuläre Hebelwirkungen induziert.
Unterschieden wird hauptsächlich zwischen der Vor- und der Hinterhand. Jede
Muskelgruppe verursacht eine Hebelwirkung, die unterschiedliches hervorruft.
Kurze Muskeln sind langsam und bringen eine geringe Hubhöhe, dafür besitzen sie
eine starke Hebelwirkung. Lange Muskeln hingegen sind schneller, dafür weniger
kräftig. Sie entwickeln jedoch eine grosse Hubhöhe. Aus diesem Grund sind
langlinige Pferde im Warmbluttyp schneller aber weniger kräftig als Pferde, die
dem schweren Typ angehören.
Gangbeurteilungstechnik:
Bis ungefähr 1990 war es in der Schweiz üblich, Pferde auf einer geraden
Strecke vorzuführen. Die Pferde wurden dabei lediglich von vorne und von hinten
begutachtet. Zu dieser Zeit legte man grossen Wert auf die Korrektheit der Gänge.
Geschmeidigkeit, Raumgriff und das Untertreten der Hinterhand waren kaum von
Bedeutung. Als diese Punkte an Priorität gewannen, musste auch der Vorführbereich
überdacht werden. Daher werden Pferde heute in einem Dreieck präsentiert, damit
die Richter die Tiere von hinten, von der Seite und von vorne beurteilen
können.
Die Pferde sollten in einer möglichst natürlichen und freien
Haltung im Schritt und im Trab vorgeführt werden. Das Tier muss ruhig und
entspannt sein, um korrekt beurteilt werden zu können. Daher sollte auf zu
starkes fuchteln mit der Peitsche verzichtet werden.
Schritt:
Im Schritt werden folgende Punkte bewertet:
Raumgriff: Dieser wird beurteilt, in dem man die Stelle betrachtet, an der der
Hinterhuf im Vergleich zum gleichseitigen Vorderhuf auffusst. Wünschenswert
sind Pferde, die deutlich über den Abdruck des Vorderhufs hinaus auffussen.
Pferde mit einem kurzen Schritt sind oft steif. Ihnen fehlt es an
Geschmeidigkeit und Losgelassenheit.
Schwung: Damit sind die Aktivität und der Schub der Hinterhand, sowie das
Untertreten der Hintergliedmassen unter den Schwerpunkt des Pferdes gemeint.
Geschmeidigkeit und Losgelassenheit: Hier möchte man, dass das Pferd die Kraft
seiner Hinterhand geschmeidig, entspannt
und mit Leichtigkeit nutzt. Sehen möchte man hier das Pendeln des Schweifes,
das der Bewegung der aktiven Hüften, des geschmeidigen Rückens und der Schulter
folgen soll. Ebenfalls wird das unverkrampfte Nicken des Halses beurteilt,
welches der Balance dient.
Gleichmässigkeit: Bei diesem Punkt wird beurteilt, ob die Fussungen denselben
Raumgriff aufweisen, fliessend sind und denselben Rhythmus aufweisen.
Trab:
Von Trab erwünscht man sich Raumgriff, Geschmeidigkeit, Eleganz, Harmonie und
Regelmässigkeit. Ebenfalls sollte die Hinterhand gut untertreten. Spektakuläre
Vorhandbewegungen sind nicht zu überbewerten, denn sie können auf der Aufregung
des Pferdes beruhen. Ein Merkmal dafür wäre der aufgestellte Schweif.
Im Speziellen werden folgende Punkte beim Trab gewertet: Raumgriff, Schwung, Geschmeidigkeit und
Elastizität. Beachtet werden hier die gleichen Grundlagen wie beim Schritt.
Der Galopp wird im Rahmen von Exterieur- und Gangbeurteilungen
üblicherweise nicht beurteilt. Mehrere Zuchtverbände beurteilen diese Gangart
jedoch im Freilauf anlässlich der Selektion von Zuchtstuten und Zuchthengsten.