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Geschichte über Geissböcke
Silke und ihr Mann Ferdinand waren schon seit einiger Zeit dabei in ihrem Haus Renovierungen durchzuführen. Da Silke handwerklich nicht sehr begabt war und Ferdinand eigentlich genügend Stress an seiner Arbeitsstelle hatte, liessen sie das meiste von Handwerkern erledigen. Doch an diesem Samstag wollte ihr Sohn vorbeikommen und Ferdinand helfen. Silke hatte zu seiner Ankunft ein ausgiebiges zweites Frühstück vorbereitet, so war es ausgemacht worden. Anschliessend machten sich die beiden an die Arbeit. Silke beschäftigte sich mit nichts Bestimmtem, das heisst sie konnte nicht wirklich helfen und hatte auch nicht geplant etwas zu unternehmen. Nach ungefähr drei Stunden hörte sie oben im Büro, dass Vater und Sohn etwas angespannter miteinander umgingen und sie ging hinunter um zu fragen, ob sie etwas zu Essen kochen solle…aber die Antwort war NEIN, wir machen die Arbeit zuerst fertig!
Silke wusste genau, dass die beiden hungrig waren, beschloss aber schliesslich einen Spaziergang zu machen. Sie lief ihren wohlbekannten Spazierweg, als sie auf einer Wiese, nahe bei einem Wohnhaus, Ziegen sah. Sie kam näher und stellte fest, dass zwei von ihnen ihren Kopf durch den Zaun gesteckt hatten und offensichtlich weder vor noch zurück konnten. Sie ging näher und sprach mit ihnen, um sie vielleicht dabei zu unterstützen sich aus ihrer schwierigen Lage zu befreien, aber sie konnte nichts tun. Also beschloss sie bis zum nächstgelegenen Wohnhaus zu gehen, zu klingeln und zu fragen, ob man ihr sagen könne wer der Besitzer war, um ihn gegebenenfalls zu informieren. Sie lief ein paar Schritte in Richtung des Hauses und verspürte plötzlich den Drang sich noch einmal umzudrehen…und was musste sie zu ihrem Erstaunen feststellen? Beide Geissböcke hatten sich aus ihrer scheinbar misslichen Lage befreit! Wow, dachte sie und lächelte in sich hinein, denn im selben Moment wurde ihr bewusst, was dieses Erlebnis für sie selbst bedeutete…! Ihre beiden Männer konnten sich auch alleine aus ihrer misslichen/hungrigen Lage befreien, ohne dass sie die beiden dazu auffordern oder drängen musste.
Und so beschloss sie, als sie nach Hause kam – ohne nochmals nachzufragen – sich um ihren eigenen Hunger zu kümmern, und begann Salat zu waschen (natürlich für drei Personen, schliesslich befand sie sich in der Rolle der Ehefrau und Mutter) und eine Tomatensosse und Nudeln zu kochen (selbstverständlich auch für drei Personen).
Als sie fertig war, setzte sie sich ohne ein Wort, mit einem Glas Wein, an den provisorisch installierten Tisch in der Küche und fing an zu essen. Und was glaubst du geschah dann? Ferdinand kam schon nach 5 Minuten und füllte sich auch ein Glas und einen Teller, und ihr Sohn grummelte noch weitere zehn Minuten, bis er sich ebenfalls entschloss, die noch nicht vollständig beendete Arbeit niederzulegen und seinen Hunger zu stillen…!
Silke fühlte sich genährt, einerseits durch das Essen, andererseits aber auch durch ihre so tiefe Erfahrung, ausgelöst durch zwei Geissböcke…