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Lead
Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, Wissen über die Rolle der Ästhetik (allgemein verstanden als Empfindung oder Sinneswahrnehmung als Quelle für den Ausdruck und die Herausarbeitung von Werten) in der demokratischen Politik zu entwickeln, um damit die Natur des demokratischen Handelns und Reflektierens zu erforschen.
Lay summary
Eine weit verbreitete Annahme behauptet, dass Demokratie möglichst ohne ästhetische Elemente auskommen sollte, um den Idealen entsprechen zu können, die ihr zugrunde liegen. Gemäss dieser Annahme sind alle ästhetische Objekte und Erscheinungen auf bloße subjektive Empfindung reduzierbar, und so muss die demokratische Theorie und Praxis skeptisch gegenüber diesen Dingen sein und soll sie durch kritisches Denken überwinden. Wenn wir das nicht tun, so die Annahme, kann demokratische Politik und deren Reflexion nicht mehr sein als eine Bestätigung der politischen Verführungskraft und der moralischen Oberflächlichkeit.
Dieses Forschungsprojekt stellt diese Annahme in Frage. Es geht davon aus, dass Ästhetik nicht so leicht in einen Gegensatz mit der Demokratie gebracht werden kann. Ästhetik ist vielmehr ein integraler Bestandteil und kein Hindernis für eine demokratische Politik, denn demokratische Politik beinhaltet zwangsläufig ästhetische Urteile, die in unserer Bewertung von Erscheinungen und Wahrnehmungen, Akteuren und Zielgruppen, Empfindlichkeiten und Bewertungen bestehen. Anstatt die Demokratie wegen ihrer ästhetischen Elemente zu verurteilen oder die Ästhetik einfach als Teil der Demokratie zu meiden, sollten diejenigen, die an der Förderung der Demokratie interessiert sind, die tatsächlichen und denkbaren Beziehungen von Demokratie und Ästhetik sorgfältig prüfen. Entscheidend ist die Art und Weise, wie demokratische Politik ästhetisiert wird, d.h. wie sich politische Akteure präsentieren und politische Themen, wie und wo sie sprechen und auftreten, wie Menschen mit dem umgehen, was sie als politisch wahrnehmen und werden, etc.
Das Projekt ist relevant für das Verständnis und die Bewertung aktueller Transformationen und Herausforderungen demokratischer politischer Ordnungen wie technologischer Wandel, globale (Des-)Integration, kulturelle Identitätskämpfe etc., bei denen Bilder, Spektakel und das Zuschauen politisch immer relevanter werden. Wir stellen uns Politik immer noch primär in den Begriffen von Lesen und Schreiben vor, doch zeitgenössische demokratische Subjekte sind beobachtende Wesen, die sowohl durch Film, Fotos und andere Wahrnehmungsreize als auch durch Text beeinflusst werden. Die philosophische Reflexion muss sich diesen Veränderungen und Herausforderungen stellen und eine konzeptionelle und normative Orientierung dazu bieten, wie das Projekt der Demokratie unter diesen Umständen in Zukunft weitergeführt werden kann.