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Die reichste Frau der Schweiz wohnt in Genf. Die 78-jährige Reederin Rafaela Aponte ist laut der neusten «Forbes»-Reichsten-Liste mit einem Vermögen von rund 28 Milliarden Franken die Nummer eins in der Schweiz und gleichzeitig die sechstreichste Frau der Welt. Zusammen mit ihrem Mann Gianluigi besitzt sie den Logistikriesen Mediterranean Shipping Company (MSC). Von ihrem Hauptsitz in Genf aus kontrolliert MSC eine Flotte von 730 Schiffen, die mehr als 4,8 Millionen Container befördern können.
Seit 2019 profitieren die Apontes von dem durch die Corona-Pandemie ausgelösten Boom, der den Wert von Logistik- und Schifffahrtsdynastien in aller Welt um Milliarden Franken gesteigert hat. Das Vermögen der Apontes ist fast vollständig in MSC gebunden, zu dem neben der Containerschifffahrt auch die Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises, das Binnenfrachtunternehmen Medlog und der Containerterminalbetreiber Terminal Investment Limited gehören. «Forbes» schätzt das Vermögen von Gianluigi und Rafaela auf jeweils 28 Milliarden Dollar, während es im Jahr 2022 noch bei 7,6 Milliarden Franken lag. Damit ist Rafaela, die MSC 1970 gemeinsam mit Gianluigi gründete, dank ihrer 50-prozentigen Beteiligung an MSC laut «Forbes» die reichste Selfmade-Unternehmerin der Welt. Auf Platz Nr. 43 in der «Forbes»-Liste der Milliardäre 2023 ist sie auch die höchstplatzierte Gründerin aller Zeiten.
Insgesamt verdienten nur 96 Milliardärinnen ihr Vermögen selbst, wobei einige wie Aponte ihre Unternehmen gemeinsam mit ihren Ehemännern oder Brüdern aufbauten. Die anderen 241 Frauen in der Rangliste haben zumindest einen Teil ihres Vermögens geerbt. Selfmade-Unternehmerinnen machen laut Forbes nur 3,6 Prozent der weltweiten Milliardäre aus. Das ist jedoch mehr als doppelt so viel wie noch vor einem Dutzend Jahren.
Sie verliebte sich in den italienischen Fährenkapitän
Die Apontes lernten sich in den 1960er Jahren auf einer Fähre zur italienischen Insel Capri kennen. Gianluigi war ein Schiffskapitän, der Touristinnen und Touristen von der Hafenstadt Neapel – in der Nähe seines Geburtsortes, der Kleinstadt Sant'Agnello – zu den nahe gelegenen Inselresorts brachte, und Rafaela war die Tochter eines israelischen Bankiers in der Schweiz. Er zog bald zu ihr nach Genf und nahm eine Stelle als Broker bei einer Schweizer Bank an.
1970 kündigte Gianluigi seinen Job bei der Bank, und das Paar nahm einen Kredit über 200’000 Dollar auf, um sein erstes Schiff zu kaufen, ein kleines Frachtschiff namens «Patricia». Noch im selben Jahr gründeten sie MSC in Genf und wuchsen immer weiter, indem sie gebrauchte Schiffe kauften und sich auf weniger befahrene Routen wie die von Europa nach Afrika konzentrierten. Bis 1979 hatten sie bereits 17 Schiffe in ihrer Flotte und MSC entwickelte sich zu einer der grössten Reedereien der Welt.
Radikaler Schnitt in den 80er Jahren
Ein Wendepunkt war das Jahr 1980: Die Apontes erkannten, dass die Zukunft im Seetransport den standardisierten Containern gehören würde. Sie verkauften die gesamte Flotte, um mit neuen Schiffen voll auf das junge Containergeschäft zu setzen. «Ohne diesen Schritt wäre ich sicher pleitegegangen», sagte Aponte vor Jahren gegenüber der «Bilanz». Heute ist die MSC-Containerflotte hinter Maersk die Nummer zwei der Welt.
Inzwischen ist MSC die einzige grosse Containerreederei, die auch ins Kreuzfahrtgeschäft eingestiegen ist. Der Schritt erfolgte aus Zufall: Anfang der 1990er Jahre kauften die Apontes einem Freund, Achille Lauro, dessen Kreuzfahrtgesellschaft ab, um Lauro aus der Patsche zu helfen. Denn dessen Firma war in Schieflage geraten, weil ihr wichtigstes Schiff, die «Achille Lauro», 1985 von Terroristen entführt worden war. Die Apontes benannten die Gesellschaft zunächst in Star Lauro um, und daraus wurde dann MSC Cruises.
Rafaela Apontes Rolle im Unternehmen ist entscheidend
Mehr als fünf Jahrzehnte nach der Gründung von MSC hat die Familie noch immer die Kontrolle über das Unternehmen. Gianluigi und Rafaela sind die einzigen Aktionäre mit einem Anteil von jeweils 50 Prozent. Gianluigi ist geschäftsführender Vorsitzender des Unternehmens, sein Sohn Diego ist Präsident. Rafaela gehört dem Vorstand der MSC-Stiftung an und ist für die Inneneinrichtung der Kreuzfahrtschiffe zuständig.
Obwohl sie keine formelle Position im MSC-Imperium innehat, hat Rafaela laut Dominique Denat, der den Apontes das Geld für den Kauf ihres ersten Schiffes im Jahr 1970 geliehen hat, eine Schlüsselrolle beim Wachstum des Unternehmens gespielt. «Ihre Rolle ist entscheidend», sagte er gegenüber der Schweizer Zeitung «Le Matin» im Jahr 2022.