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Die Frage nach den Schwächen lässt viele Bewerbende stolpern im Jobinterview. Zu grosse Offenheit und Ehrlichkeit kann im Vorstellungsgespräch schnell schaden – und trotzdem sollten Sie authentisch und einigermassen bei der Wahrheit bleiben.
Nachfolgende Tipps können Ihnen helfen, dass Sie auch bei den Schwächen-Fragen im Bewerbungswinterview auf sicherem Boden bleiben. Ganz wichtig ist, dass Sie im Bewerbungsgespräch abschliessend aufzeigen, dass Sie bereits an Ihren Schwächen gearbeitet haben oder Schritte unternommen haben, um die Schwächen sogar in Stärken zu verwandeln.
Vorbereitende Fragen für Sie zu Ihren Schwächen
- Nennen Sie vier oder fünf Schwächen, welche Sie haben (im Moment irrelevant, wie sich diese im Bewerbungsgespräch auswirken könnten).
- Für jede Schwäche separat: In welchen beruflichen Situationen und bei welchen Aufgaben haben sich diese Schwächen gezeigt?
- Zu welcher Schwäche oder geschilderten Praxissituation könnte es Nachfragen seitens des Personalverantwortlichen geben? Warum? Wie könnten Sie diese Nachfragen entkräften?
- Die im Bewerbungsgespräch genannten Schwächen sollen möglichst harmlos sein und wenig Anlass zum Nachfragen geben. Beurteilen Sie nun alle genannten Schwächen aus Sicht eines Personalverantwortlichen auf einer Skala von 1 bis 6 (1 = harmlos, 6 = gravierend).
- An welcher der genannten Schwächen haben Sie bereits gearbeitet? Welche Schritte haben Sie unternommen, um die jeweilige Schwäche zu minimieren bzw. in eine Stärke zu verwandeln?
- Entscheiden Sie sich für eine (max. zwei, aber nur bei Nachfrage) Schwäche, welche Sie gut präsentieren könnten im Bewerbungsgespräch.
Beispiele für persönliche Schwächen/Entwicklungsfelder
Nachfolgend finden Sie einige Beispiele für mögliche persönliche Schwächen/Entwicklungsfelder, die im Vorstellungsgespräch genannt werden könnten. Beachten Sie auch, dass eine bestimmte Eigenschaft in Berufsbild A eine Stärke sein kann, währenddem dieselbe Eigenschaft in Berufsbild B eine Schwäche sein könnte.
- Probleme, vor Publikum zu sprechen: ‘Ich habe manchmal Probleme damit, vor einer Gruppe/ vor grösserem Publikum zu sprechen. Ich bin dann meist nervös und fühle mich etwas unwohl. Aber ich bin daran, dies immer besser in den Griff zu bekommen. So habe ich begonnen, einen Rhetorikkurs zu belegen, und ich mache vor jeder Präsentation eine Meditationsübung.‘ (Problematisch wäre diese Schwäche natürlich dann, wenn Sie im neuen Job tatsächlich oft vor Gruppen referieren müssten - etwa als Pressesprecher.)
- Überzeugungskraft: ‚In Diskussionen habe ich oft ganz gute Ideen, schaffe es aber nicht immer, diese so richtig überzeugend rüberzubringen. Das stört mich schon seit einiger Zeit, nicht nur im Berufsleben. Daher besuche ich seit einem halben Jahr regelmässig den Kurs ‘Convincing others easily’. Da der Kurs auf Englisch ist, kann ich gleich auch noch meine Sprachkompetenz verbessern’.
- Bedürfnis nach Ruhe für konzentriertes Arbeiten: ‚Ich kann wunderbar im Team arbeiten, aber um kreativ zu werden oder neue Ideen zu entwickeln, brauche ich etwas Ruhe und ziehe mich gerne zurück. So erreiche ich optimale Resultate und finde kreative Lösungen. Das Ergebnis bespreche ich aber natürlich wieder gerne mit den Kollegen und bin dann auch offen für Kritik.‘
- Zeitbedarf beim Schreiben: ‚Wenn ich Emails schreibe, ist mir sehr wichtig, dass die Struktur, Formulierungen und die Rechtschreibung 100% korrekt sind. So brauche ich manchmal etwas mehr Zeit als andere. Dafür ist von den Mitarbeitenden auf Executive Level auch noch nie eine Reklamation gekommen, im Gegenteil.‘
- Nein sagen: ‚Ich bin sehr hilfsbereit, weil ich einfach Freude daran habe, andere Menschen zu unterstützen, damit wir gemeinsam ein tolles Resultat erreichen. Das hat ab und zu dazu geführt, dass ich im Beruf etwas viele Aufgaben übernommen habe. Mittlerweile gelingt es mir aber, auch Nein zu sagen. Wenn ich heute um Hilfe gebeten werde, bitte ich immer um einen Tag Bedenkzeit, damit ich anhand meiner Pendenzenliste überprüfen kann, ob ich überhaupt noch Kapazität habe.‘
- Fehlende Erfahrung: ‚Ich habe in der Arbeit mit (…) (z.B. Microsoft Access) noch nicht allzu viele Erfahrungen sammeln können‘ / ‚Mir fehlt im Bereich (…) noch etwas die Praxiserfahrung.‘ Hier kann man dann die Schwäche abschwächen: ‚Aber ich besitze eine hohe Eigenmotivation und Lernbereitschaft, um mir fehlende Kenntnisse sehr schnell anzueignen’.
- Fremdsprachen: ‚Ich wollte schon lange eine zweite Fremdsprache lernen, bin aber bis heute nie dazu gekommen. Ich habe mich nun aber für einen Abendkurs im Englisch eingeschrieben und freue mich auf den Kurs.‘
- Perfektionist: ‚Ich bin manchmal etwas perfektionistisch. Allerdings habe ich den Umgang mit dieser Schwäche mittlerweile recht gut gelernt. Ich versuche, mich je länger je mehr der 80/20 Regel anzunähern, und ich kann immer öfters ab einem bestimmten Zeitpunkt auch einen Schlussstrich ziehen bei laufenden Aufgaben’.
- Selbstkritik: Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst und bin mir selbst gegenüber eher kritisch eingestellt. Der Vorteil für ein Unternehmen ist, dass ich eine sehr hohe Qualität abliefere. Der Nachteil für mich ist, dass ich dann ab und zu abends auch etwas länger bleibe (was mir aber nichts ausmacht). Im letzten Jahr habe ich ein Coaching gemacht, um in diesem Punkt weiterzukommen. Ich habe enorm viel profitiert und kann die Ansprüche an mich selbst heute viel besser regulieren.
- Auswendig lernen: ‚Es fällt mir nicht leicht, Dinge wie Formeln oder Tabellen auswendig zu lernen; ich muss sie immer direkt anwenden, damit ich mir die Details merken kann. Aber ich bin in der Lage, die benötigten Informationen zu finden und dann auch zu nutzen.‘
In Bewerberinterviews werden Schwächen oft auch mit der indirekten Fragetechnik abgefragt:
- ‚Welche drei Eigenschaften würde Ihr letzter Chef an Ihnen kritisieren?‘
- ‚Welche Ihrer Eigenarten stört Sie am meisten/wenigsten?‘
- ‚Welche Eigenschaft würden Sie gerne an sich ändern?‘
- ‚Wenn Sie daran denken, wie Sie einmal eine Auseinandersetzung mit einem Kunden hatten - was würde der Kunde an Ihrem Auftritt kritisieren?‘
Lassen Sie mich raten: Sie werden bzgl. der Schwächen-Fragen nun etwas gelassener in Ihr nächstes Bewerbungsinterview gehen. Oder sind Sie nach wie vor etwas unsicher und wären froh um ein paar persönliche Tipps? Dann melden Sie sich gerne bei mir oder einem Bewerbungscoach Ihrer Wahl. Sie werden nach einem Interviewtraining top vorbereitet ins Bewerbungsgespräch gehen und Ihre Chancen auf Ihre Traumstelle deutlich erhöhen.