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Unsere Wirbelsäule ist wie der Mast eines Segelschiffs. Im besten Fall wird sie stabil gehalten und verspannt von Muskeln und Bändern. Doch Wind, Wetter und dem Leben ausgesetzt, können die 24 Wirbel aus dem Lot geraten. Es gibt zwei Formen von Skoliose. «Bei der idiopathischen Form, die in der Kindheit auftritt, ist die Ursache nicht bekannt», so Prof. Dr. med. Kan Min, Leiter von Swiss Scoliosis. «Die degenerative Form im Erwachsenenalter entsteht durch Abnutzung der Wirbel, Gelenke und Bandscheiben.»
Korsett in der Kindheit, um der Wirbelsäulenverkrümmung entgegenzuwirken
Die Selbstverkrümmung beginnt bei der idiopathischen Skoliose im Kindesalter oder in der Adoleszenz. Sie ist nicht zu stoppen, jedoch kann ein Korsett dafür sorgen, dass die Wirbelsäule in eine bessere Form wächst als sie es von Natur aus tun würde. «Das Wachstum wird durch das Korsett geführt, es drückt die Wirbelsäule gerade», erklärt Prof. Min. Kinder tragen es circa 20 Stunden am Tag, nur zum Schwimmen oder Turnen legen sie es ab. «Solange das Kind wächst, verändert sich die Skoliose. Mit circa 18 Jahren kommt die Wirbelsäulenverkrümmung zum Stillstand», so der Experte. Mädchen sind zehnmal häufiger betroffen als Jungen. Ziel der Behandlung ist, dass die Verbiegung bei Wachstumsabschluss unter einem Winkel von 45 Grad ist.
Einknicken im Erwachsenenalter
Ist die Verbiegung stärker, sollte die Wirbelsäule operativ begradigt werden, um Folgen wie Atemprobleme, Rückenschmerzen und die Fehlbelastung der benachbarten Gelenke zu vermeiden. Die degenerative Skoliose bei Erwachsenen ist eine Folge abgenutzter Wirbel, Gelenke und Bandscheiben. «Durch die verkrümmte Wirbelsäule sind die Bandscheiben fehlbelastet», weiss Prof. Min. «Es kommt zu Verengungen im Wirbelkanal und oft zu Ischiasschmerzen.» Je nach Symptomatik wird mit schmerzstillenden Medikamenten, Cortison-Infiltrationen der Wirbelgelenke, Physiotherapie oder einer OP behandelt.
Der Wirbelsäulenverkrümmung gekonnt gegensteuern
In der Physiotherapie wird die Muskulatur gekräftigt und gedehnt, um die Haltung zu verbessern. Prof. Min rät zu regelmässigem Konditionstraining, um einen gesunden Muskeltonus aufzubauen. «Betroffene müssen in Bewegung bleiben, nicht zu viel sitzen und auf jeden Fall Übergewicht meiden und Rauchen stoppen. Und regelmässig in die Sonne gehen, denn die Vitamin-D-Produktion beugt Osteoporose vor.» Er empfiehlt Menschen mit Wirbelsäulenverkrümmung auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, ihr Bett mit einer bequemen Matratze auszustatten und eine Sportart in den Alltag zu integrieren, die Spass macht.
Aufrecht durch Bewegung
1. Thai Chi für eine aufrechte Haltung
Vielleicht hast du im Park schon mal Tai-Chi-Übende gesehen, die sich wie in Zeitlupe versunken bewegen: Die sanften, fliessenden Bewegungen in Kombination mit tiefer Bauchatmung kräftigen genau die Muskeln, die uns aufrecht halten. Das aus Asien stammende Körpertraining löst Stress und Verspannungen und schult die Körperwahrnehmung. Ziel ist eine Haltung, die aufrecht und entspannt ist.
2. Feldenkrais unterstützt funktionale Bewegungen
Mit den Jahren schleifen sich ungute Bewegungsmuster bei uns ein. Die Feldenkrais-Methode ist eine Therapie, die funktionale Bewegungen schult. Sie schafft mehr Bewusstsein dafür, was guttut und was schadet. Die bessere Haltung folgt automatisch und mit Leichtigkeit, Schmerzen werden weniger. Feldenkrais kann in Einzelsessions oder in Gruppen geübt werden.
3. Spiraldynamik-Übungen für den Alltag
Geht man dem Bauplan des Körpers auf den Grund, wird deutlich, dass vieles spiralförmig aufgebaut ist. Aus diesem Wissen sind die Übungen der Spiraldynamik entstanden, die gesunde Bewegungen in den Alltag zurückbringen. So werden Gehen, Sitzen, Kochen und Einkaufen ganz nebenbei zur Therapie. Spiraldynamik wird oft von Physiotherapeuten angeboten.