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BUCHTIPP:
Zitat
Bei meiner Literatur-Recherche zu einem aktuellen Artikel über die Gesundheitsschäden des Tabakrauchens bin ich auf das Buch des US-amerikanischen Wissenschaftshistorikers Robert N. Proctor mit dem Titel „Golden Holocaust“ gestoßen. Der Untertitel des 2011 erschienenen Buches lautet „Origins of the cigarette catastrophe and the case of abolition“, was soviel bedeutet wie „Die Ursprünge der Zigarettenkatastrophe und ein Plädoyer für die Abschaffung der Zigaretten“. Das Buch umfasst insgesamt 737 Seiten mit 35 illustrativen Abbildungen und vielen instruktiven Tabellen einschließlich eines umfangreichen Anmerkungsapparates mit einem detaillierten Personen- und Sachregister.
„Golden Holocaust“ wurde ins Französische und Polnische übersetzt, aber leider nicht ins Deutsche, was den relativ geringen Bekanntheitsgrad dieses wichtigen Buches im deutschsprachigen Raum zum Teil erklärt. Bisher sind auch nur wenige Rezensionen auf Deutsch im Internet erschienen. Dazu gehört die sehr informative und auch kritische Buchbesprechung des Wirtschaftshistorikers Christopher Neumaier aus dem Jahre 2012, die mich zur Lektüre von Proctors Buch animiert hat und auf die ich mich in einigen Abschnitten meines Artikels beziehen werde. Eine weitere lesenswerte Rezension ist ebenfalls 2012 in der Berner Zeitung erschienen. Für die Mühen der Lektüre des „Buch-Ziegels“ von Proctor wurde ich mit vielen neuen Erkenntnissen, insbesondere über die empörenden kriminellen Machenschaften der US-amerikanischen und britischen Tabakkonzerne, belohnt.
Proctor beschreibt in seinem Buch die Zigarette als „deadliest artifact in the history of human civilization“
(„tödlichstes Artefakt in der Geschichte der menschlichen Zivilisation“)
und gibt an, dass den Zigaretten
im 20. Jahrhundert weltweit etwa 100 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind.
Derzeit wird die Zahl der jährlichen
Todesopfer durch Tabakrauchen auf 7 Millionen pro Jahr geschätzt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Weltnichtrauchertag 2017 bekannt gab [6]. In der Europäischen Union sterben nach Angaben der EU-Kommission derzeit jährlich etwa 700.000 Menschen vorzeitig an den Folgen des Rauchens. Allein in Deutschland fielen dem Tabak 2013 circa 121.000 Personen zum Opfer.
Aus meiner Sicht als Arzt und Rehabilitationsmediziner sei Folgendes ergänzt: Unter den zehn wichtigsten Risikofaktoren für die Krankheitslast und vorzeitige Todesfälle steht in den Ländern mit hohem Einkommen (ein Begriff der UNO), den sogenannten reichen Ländern, der Tabakkonsum vor Bluthochdruck, ernährungsabhängigen Risikofaktoren sowie körperlicher Inaktivität und Alkoholmissbrauch an erster Stelle.
Quelle zum weiterlesen: https://www.nachdenkseiten.de/?p=47523
Was mir (wieder mal) sofort in den sinn kam...
...warum verwundert es mich mal garnicht, daß das buch nicht ins deutsche übersetzt wurde ?
...warum verwundert mich die scheinheiligleit der WHO nicht mehr wirklich ?
...wenn die WHO schon eingesteht und veröffentlicht, wieviele millionen tode der tabakkonsum verursacht und weiter bekannt ist,
daß tabakrauchen der risikofaktor nummer 1 für krankheiten und tod ist, warum dann unsere alternative dermaßen verrissen bzw. bekämpft wird ?
Aber ok, auch irgendwie klar: Die antworten kennen wir ja eigentlich alle schon lange.
Edit: Einige passagen bzw. erkenntnisse des autors sind mittlerweile zwar schon überholt bzw. widerlegt...
Zitat
Weiterhin geht er ausführlich auf die Manipulationen der Tabakindustrie ein. Er betont, dass die chemische Zusammensetzung von Tabak gezielt geändert wurde, um sowohl die Wirkstärke als auch die Suchtgefahr der Zigarette zu erhöhen. Das Verhältnis von Teer zu Nikotin im Tabak wurde zum Beispiel gezielt festgelegt: Die Höhe des Nikotingehalts muss gewährleisten, dass Raucher nikotinsüchtig werden, und der Teeranteil muss so eingestellt werden, dass der bittere Geschmack des Nikotins verdeckt wird. Insofern ist Tabak kein natürliches Erzeugnis, sondern ein im Labor entworfenes und industriell gefertigtes Produkt, das heißt ein Artefakt.
Wir müssen zwar eingestehen, daß unsere liquids zwar ebenfalls "artefakte" sind, aber eben nichts grundlegend schlechtes und verdammenswürdiges.
Wir wissen mittlerweile (auch dank prof. b. mayer), daß nikotin alleine keinesfalls das suchtgift per se ist und auch nicht bitter schmecken muß.
Hoffentlich setzen sich diese erkenntnisse langsam auch in der welt der tabakkonsumenten durch.
Ein buch wie dieses fördert aber in jedem fall die sensibilisierung der öffentlichkeit mit diesen themen und hoffentlich auch einsicht.
Noch was interessantes...bereits vor über 80 (!) jahren gab es hinweise auf das, was wir heute nunmehr sicher wissen:
Zitat
Lickint hatte schon 1935 auf der Grundlage seiner Forschungen herausgefunden, dass wahrscheinlich nicht das Nikotin, sondern das im Teer enthaltene Benzpyren das krebsverursachende Agens ist (S. 340). Proctor verweist in diesem Zusammenhang auch auf das monumentale 1.200 Seiten umfassende Werk von Lickint mit dem Titel „Tabak und Organismus. Handbuch der gesamten Tabakkunde“ aus dem Jahre 1939 (S. 161). Von Seiten der industrieabhängigen, aber auch der industrieunabhängigen amerikanischen und britischen Tabakforschung wurden diese Tatsachen bisher fast immer ignoriert.
Das diese erkenntnisse von den zitierten forschern befliessendlich ignoriert wurden verwundert wiederum mal garnüscht...