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Nepomuk heisst dieser junge Herr. Wenn er erwachsen ist, hat er eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern. Bartgeier gehören zu den grössten Greifvögeln und haben einen schaurigen Ruf, zu Unrecht. In Europa wurden sie fast ausgerottet. Im Nationalpark bei Berchtesgaden wurden nun zum dritten Mal zwei junge Tiere ausgewildert.
Vieles, was über diese Riesenvögel erzählt wird, sind Legenden. Es wurde behauptet, dass Bartgeier, die früher auch «Lämmergeier» genannt wurden, Schafe, Haustiere und sogar Säuglinge angreifen und davontragen. Doch Bartgeier fressen nach Angaben von Ornithologen vor allem Aas. Dass sie sich an Hasen, Hühnern, Murmeltieren und Neugeborenen vergreifen, sei eine Mär.
Neugeborene, Säuglinge und Babys waren vor allem für ärmere Familien in ärmeren Gegenden eine wirtschaftliche Last. Deshalb kam es vor, dass sich einige ihrer entledigen wollten. Bartgeier mussten da in der Öffentlichkeit als Täter für ihr Verschwinden hinhalten.
Wegen des schlechten Rufs und der Schauergeschichten wurden die Bartgeier im Alpenraum bis ins 20. Jahrhundert hinein fast vollständig ausgerottet. Ab den 1980er Jahren dann wurden sie in Europa wieder angesiedelt. Doch noch heute trauen ihnen schlecht informierte Bauern und Jäger nicht; noch heute werden in Europa Bartgeier abgeschossen. In der Schweiz wurde 1997 ein Jäger zu zehn Tagen Haft auf Bewährung und einer Busse von 20’000 Franken verurteilt, weil er eines der streng geschützten Tiere abschoss. In ganz Europa gibt es zur Zeit nur noch rund 200 bis 250 Brutpaare.
Bartgeier leben vor allem oberhalb der Baumgrenze und gelten als «Knochenfresser». Sie können bis zu 15 Zentimeter grosse Knochen verschlingen. Normalerweise nehmen sie tote Tiere in den Schnabel und lassen sie von hoher Höhe auf den Boden fallen, damit die Knochen zersplittern. Dann stürzen sie auf das Aas nieder und fressen es.
Der Bartgeier bedarf einer Rehabilitierung, erklären Ornithologen.
(J21/hh)