Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03131.jsonl.gz/319

Station G − Neustadt Walking Route
Auf der Zentralmatte – oder dem „Zentralmätteli“, wie die Luzerner damals sagten – bauten Alfred Möri und Karl-Friedrich Krebs eines der markantesten Bauwerke des Hirschmattquartiers – die Lukaskirche. Dabei ging dem Bau, der am 21. September 1935 mit dem imposanten Glockenaufzug seinen Abschluss fand, eine lange Geschichte voraus.
Die Reformierte Kirchgemeinde hatte die Zentralmatte, die bei der Mobilmachung für den Ersten Weltkrieg als Versammlungs- und Paradeort diente, bereits 1904 gekauft. Sie wollte nach der Matthäuskirche, die 1861 hinter dem Hotel Schweizerhof vor allem für die deutschen und englischen Touristen gebaut worden war, eine zweite Kirche errichten. Wie sehr die Reformierten als Minderheit behandelt wurden, zeigt die Tatsache, dass der erste reformierte Gottesdienst in Luzern erst am Ostersonntag, 15. April 1827, stattfand – mehr als 300 Jahre nach der Reformation, in der Kapelle der ehemaligen päpstlichen Nuntiatur an der Rössligasse 14.
Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren erst 8 Prozent der Luzerner Bevölkerung reformiert, doch der Anteil stieg stetig, und die Matthäuskirche platzte aus allen Nähten. Zunächst wurde die Lukaskirche mit einem Kirchenraum für mindestens 2000 Personen geplant. Anfang der Zwanzigerjahre wurde ein Projektwettbewerb ausgeschrieben, doch es dauerte zehn Jahre, bis genügend Geld im Baufonds war, um an eine Realisierung zu denken. Schliesslich, auch als Folge der Wirtschaftskrise, entschied man sich für ein zweckmässiges und schlichtes Projekt – den Stahlbetonbau von Möri und Krebs, der sich durch eine klare Architektursprache auszeichnet und der sich stilistisch auf die ein Jahr zuvor eingeweihte Kirche St. Karl bezieht. Möri und Krebs waren auch die Erbauer des Hotels Montana in Luzern (1909/10) und der Rachmaninow-Villa Senar in Hertenstein (1931–1933). Im Hirschmattquartier erstellten sie den „Bärenhof“, in unmittelbarer Nachbarschaft der Lukaskirche, an der Murbacherstrasse 3 (1926).
Heute fällt die Lukaskirche vor allem durch ihre gedrungene Form auf. Der Kirchturm scheint nicht nur zu kurz, er ist es. In der Planungsphase kam es zu verschiedenen Einsprachen. Beanstandet wurde die Höhe des Turms. Damit ein reformiertes Gotteshaus nicht die katholischen Kirchen überragte und damit das Glockengeläut nicht über das Quartier hinaus zu hören war, wurde der Turm um ein Stockwerk gestutzt. Allerdings waren die sechs Glocken – konzipiert für einen höheren Turm – bereits gegossen, was die Anwohner auf den Plan rief. Sie befürchteten eine übermässige Lärmbelastung. Erst kurz vor dem Einweihungsgottesdienst am 10. November 1935 wurde der „Glockenstreit“ beigelegt.
Architektonisch fällt die Lukaskirche – trotz ihrer Schlichtheit und der gedrungenen Form – durch ihre monumentale Turmfront auf. Sie ist das Resultat einer damals neuen Idee im Kirchenbau. Das eigentliche Gotteshaus wurde von Möri und Krebs auf die Pfarreiräume und den grossen Gemeindesaal gebaut. Dadurch wirkt die Kirche, als stände sie auf einer Erhöhung. Dadurch gewinnt auch die Freitreppe mit ihren 29 Granitstufen an formaler Bedeutung.
2014 wurde die Lukaskirche in das kantonale Denkmalverzeichnis aufgenommen. Heute steht sie vor einer umfassenden Sanierung, bei der auch der Aussenbereich in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden soll. So soll der Vorplatz neben dem Kircheneingang von den später hinzugefügten Hecken befreit werden.
Im Innern der Kirche sind vor allem die Glasmalereien sehenswert. Sie wurden von Louis Moilliet entworfen.
Die ausdrucksstarken Glasmalereien in der Lukaskirche wurden von Louis Moilliet (1880–1962) entworfen. Moilliet war ein bekannter Maler und Glasmaler aus Bern. Seinen expressionistischen Malstil entwickelte er unter anderem, als er mit Paul Klee zusammenarbeitete und als er die Maler des Blauen Reiters, Wassily Kandinsky und Franz Marc, kennenlernte.
Moilliet begann mit Öl- und Aquarellmalerei, erst in den Dreissigerjahren wechselte er zur Glasmalerei. Nach seinem Auftrag für die Fenster der Lukaskirche wurde die Glasmalerei zu seiner bevorzugten Arbeit und beherrschte seine späte Schaffenszeit.
Für das monumentale, dreiteilige Chorfenster der Lukaskirche übernahm Moilliet die Grundgedanken der alt- und neutestamentlichen Überlieferung. Mit der überhöhten Darstellung einer zentralen Christusgestalt – als der Auferstandene mit weisser Fahne – bringt er aber eine zusätzliche Dimension in die Bildaussage. Der aufsteigende Christus symbolisiert den Anbruch einer neuen Welt, das Kommen der „Letzten Dinge“. Moilliet schrieb später in einem Brief: «Der lehrende Christus, hinweisend nach oben und unten zugleich, verkörpert den Gedanken der Allgegenwart Gottes. Dass das Oben und das Unten in der Gottesnähe dasselbe sind, die göttliche Kraft überall tätig, lebendig ist.» (Brief vom 24. Juli 1944)
Die Darstellung ist zweigeteilt, in eine obere und eine untere Zone. Damit trennt er das Himmlische vom Irdischen. Oben ist Christus umgeben von Engeln, die ihre Häupter ins Halbprofil gedreht haben und in der Bildkomposition lediglich als Assistenzfiguren von tänzerischer Leichtigkeit dargestellt werden. Unten wird die Symmetrie von den Gruppen der Gläubigen und der Ungläubigen aufgenommen. Sie gruppieren sich um den schreibenden Lukas; in ihren Gesichtern ist die Freude oder die Angst vor den „Letzten Dingen“ abzulesen, die auch der Betrachter empfinden soll. Die Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen bildet das Kreuz, das Moilliet als helles Lichtband über die ganze Höhe des Bildes zieht.
Für die Lukaskirche schuf Louis Moilliet auch 14 Seitenlichtfenster. Diese haben ornamentalen Charakter.