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Projekt Beschreibung
2008 – Max-Havelaar-Seminar (Schaffhausen/ CHE)
Themen: Faire Arbeitsbedingungen in einem globalen Markt
Dienstag, 13. und Mittwoch, 14. Mai 2008
Traditionell geben wir unseren internationalen Forschungsseminaren einen Namen: Diesmal ist Max Havelaar unser Namenspatron. Max Havelaar ist eine Romanfigur, eine Erfindung von Eduard Douwes Dekker, der 1859 seinen Roman „Max Havelaar of de koffieveilingen der Nederlandsche Handel-Maatschappij“ (Max Havelaar oder die Kaffeeauktionen der Niederländischen Handelsgesellschaft) veröffentlichte. Max Havelaar steht für Menschlichkeit und Rechtschaffenheit („En alweder vraag ik niet voor mij, maar voor de zaak die ik voorsta, de zaak van rechtvaardigheid en menselijkheid, die tevens de zaak is van welbegrepen politiek …“). Aber ist Max Havelaar nicht letztlich eine Fiktion?
Denken könnte man an eine Anekdote des österreichischen Satirikers Karl Kraus: Kommt ein Student zu einem Professor und sagt, er wolle Wirtschaftsethik studieren. Die Antwort des Professors lautet, er müsse sich schon entscheiden, entweder Wirtschaft oder Ethik.
Doch hinter der Maxime des Max Havelaar verbirgt sich eine handfeste, ökonomische Strategie, man könnte sie „hanseatisches Prinzip“ nennen. Mir wurde sie erstmals zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn als Rechtsanwalt in einer Hamburger Kanzlei deutlich, als mir ein hanseatischer Kaufmann vom hanseatischen Ehrenkodex erzählte und seine Ausführungen mit dem Satz abschloss: „Man trifft sich immer wieder!“ Es war ein Kaufmann, der ein Unternehmen führte mit dem Firmenzusatz „und Konsorten“, ein Zusatz der für Tradition steht. Dem „hanseatischen Prinzip“ wollen wir in unserem schweizerisch-deutschen Forschungsseminar nachspüren. Dazu übernehmen einerseits hochschulübergreifende Studententeams Arbeitsaufträge, andererseits referieren Praktiker und Hochschullehrer verschiedener Hochschulen.
In unserer Wirtschafts- und Arbeitswelt werden zu Recht immer flexiblere, differenziertere und betriebsspezifische Lösungen gefordert. Mittelbare Folge ist, dass Verantwortung für die moralische Begründung ökonomischer Entscheidungen von der Politik, die für die staatliche Rahmenordnung verantwortlich zeichnet, zunehmend auf die Unternehmensebene selbst verlagert wird. Dieser Verantwortung nicht gerecht zu werden, kann sich heute kaum noch ein bedeutendes Unternehmen leisten.
Programmsätze sind in diesem Zusammenhang nicht hilfreich. Jedes Unternehmen macht seinen Kunden ein Leistungsversprechen, es sind jedoch die Mitarbeiter, die in dem Unternehmen arbeitenden Menschen, die dieses Leistungsversprechen einlösen. Ihnen gilt es „gerecht zu werden“. Der Anspruch eines Unternehmens muss glaubwürdig sein, denn nur auf der Grundlage einer Vertrauen erweckenden Unternehmenskultur wird sich nachhaltiger Erfolg einstellen. Wenn ein Kunde weiß, dass er fair behandelt wird, weil er schon in der Vergangenheit immer fair behandelt wurde, wird er seinem Lieferanten treu bleiben, wenn Preis und Leistung stimmen.
Sie sind eingeladen, sich mit uns auf den Pfad der Erkenntnis zu begeben und völkerrechtlichen und gesetzlichen Vorgaben, Sozialstandards, Verhaltenskodizes, Best Practices, Unternehmensmodellen oder interkulturellen Erfahrungen etc. in einem hochschulübergreifenden, internationalen Seminar nachzuspüren.
Publikation von Dr. Reinhold Mauer
Dr. Reinhold Mauer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht in Bonn, stellte am Max-Havelaar-Seminar in Schaffhausen/Schweiz im Kontext mit dem internationalen Einsatz von Fach- und Führungskräften bei konzernzugehörigen Unternehmen oder Niederlassungen im Ausland die nicht einfach zu beantwortende Frage: kann ein (sehr) ungleicher Lohn für ein und dieselbe Arbeit gerecht sein?
Sein Beitrag in der Zeitschrift Arbeit und Arbeitsrecht – Personal-Profi – 6/09, beleuchtet diese Herausforderungen bei einer Auslandsentsendung.
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