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Jassir Arafat, der 2004 verstorbene Präsident der palästinensischen Autonomiegebiete, kam nach Angaben seiner Witwe durch Vergiftung mit dem radioaktiven Stoff Polonium ums Leben.
«Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass er keines natürlichen Todes starb», sagte Suha Arafat der Nachrichtenagentur Reuters in Paris. Sie berief sich dabei auf Ergebnisse des Instituts für Strahlenphysik an der Lausanner Universitätsklinik, das den Leichnam Arafats untersucht hatte.
«Das ist eine grosse Überraschung»
Auch der britischen Zeitung «The Guardian» und dem katarischen TV-Sender Al-Dschasira lagen die Testergebnisse vor. Laut Al-Dschasira wurden in den sterblichen Überresten Arafats 18 Mal höhere Werte an Polonium als normal entdeckt.
Es sei daher in einem hohen Grad an Sicherheit davon auszugehen, dass Arafat mit Polonium vergiftet wurde, zitierte Al-Dschasria aus dem Bericht.
Russische Experten hatten hingegen eine Vergiftung Arafats mit Polonium ausgeschlossen. Ein französisches Gutachten steht noch aus. Arafats Witwe Suha sprach von einem «Verbrechen des Jahrhunderts».
Mit dem Befund einer Vergiftung Arafats liessen sich die Massen in Palästina wohl mobilisieren, vermutet SRF-Korrespondent Pascal Weber in «10vor10». Er ist skeptisch, ob mögliche Täter in Israel zu suchen seien. Denn zum Zeitpunkt seines Todes stellte Arafat für Israel kaum mehr eine Gefahr dar.
Der amerikanische Al-Dschasira-Reporter Clayton Swisher, der für seine Recherche «What killed Arafat» mehrfach ausgezeichnet wurde, mag über eine Täterschaft nicht spekulieren. Er sagt gegenüber «SRF News Online» aber klar: «Ich bin zu 99,9 Prozent sicher, dass sich Arafat nicht selbst umgebracht hat.» Swisher kommentiert das Resultat der Lausanner Wissenschaftler als «grosse Überraschung».
Der Palästinenserführer war vor neun Jahren in einem Pariser Krankenhaus gestorben. Bereits damals wurde gemutmasst, dass Fremdverschulden im Spiel sein könnte. Im November 2012 entnahmen Experten aus der Schweiz, Frankreich und Russland etwa 60 Proben aus Arafats Grab.