Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03350.jsonl.gz/784

Seit den Olympischen Spielen in London nennt sich Sprinter Usain Bolt ganz unbescheiden eine Legende. Natürlich hat er damit nicht unrecht und ein gesundes Selbstvertrauen ist beileibe nichts Verwerfliches. Sich aber für ein Probetraining bei seinem Lieblings-Fussball-Club Manchester United zu empfehlen–wie dies die britische Boulevardzeitung «The Sun», ein Revolverblatt allererster Güte, unlängst berichtete–, grenzt nun wirklich an Grössenwahn. «Ich würde mich der Herausforderung nicht stellen, wenn ich nicht dächte, ich wäre gut genug. Ich bin ein sehr guter Fussballer und ich weiss, dass ich etwas beitragen könnte», zitiert «The Sun» den sechsfachen Goldmedaillengewinner an Olympischen Spielen. Na dann. Obwohl, der für einen Fussballer zwar überdurchschnittlich schnelle, dafür aber technisch umso untalentiertere David Odonkor hatte es mit Deutschland auch bis in den WM-Halbfinal 2006 gebracht. Und zu behaupten, Beni Huggel sei ein Ballkünstler gewesen, wäre ebenfalls an den Haaren herbeigezogen. Was uns wiederum zu ManU-Stürmer Wayne Rooney (der dank der Medizin wieder eine Tolle statt des erblich bedingten Kahlkopfs zur Schau trägt) und zur Frage bringt, ob der kleine Weisse und der grosse Schwarze nicht ein illustres Angriffsduo abgeben würden. Kann das Fazit, und sei es einzig im Namen des Entertainments, also doch nur «Gebt Usain Bolt einen Ball!» lauten?
Muss es denn zwangsläufig so enden wie bei anderen prominenten Sportlern, die sich im Spätherbst ihrer Karrieren aus Selbstüberschätzung, Verzweiflung, Langeweile oder Geldnot in neuen Sportarten versuchten? Man denke etwa an Michael Jordan, der mit dem Baseballschläger wohl nicht einmal sein liebstes Spielzeug, einen Basketball, getroffen hätte. Obwohl einst die schnellste Frau der Welt gewesen, konnte selbst Sprinterin Marion Jones ihrem schlechten Gewissen nicht davonrennen und wollte nach ihrem Doping-Geständnis an ihre erfolgreichen Basketballzeiten im College anknüpfen. Auf neuem Terrain kam die Geläuterte indes nur langsam aus den Blöcken und wurde vom amerikanischen Profi-Verein Tulsa Shock nach zwei Spielzeiten gefeuert. Und der siebenfache Tour-de-France-Gewinner Lance Armstrong konnte selbstredend weder im Marathon noch im Triathlon mit der Weltspitze mithalten. Blut-, Gen- oder Was-auch-immer-Doping hin oder her.
Schuster, bleib bei deinen Leisten. Das gilt insbesondere für Sportler. Und obwohl Bolt an der alten Fussballer-Weisheit, dass der Ball schneller ist als der Spieler, kratzen würde, möchte man ihm deshalb zurufen «Lauf Forrest, lauf!»–so wie heute in Lausanne und hoffentlich noch lange.