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Unrealisierte Tramlinie Basel - Liestal

Herr U. / 18. Dezember 2015:
Der Landrat in Liestal hat gestern beschlossen, die Spurbreite der Waldenburgerbahn von 75 auf 100 Zentimeter zu verbreitern. Dies würde es auch möglich machen, dass irgendwann Trams der BLT ins Waldenburgertal fahren könnten. Wenn ich mit recht erinnere, gab es schon einmal Pläne, das Tram bis Liestal und weiter fahren zu lassen. Was wurde aus diesen Plänen?
Antwort von altbasel.ch:
Schon vor dem Ersten Weltkrieg gab es Projekte, die eine Tramverbindung von Basel nach Liestal und darüber hinaus vorsahen. Die Vorhaben wurden von verschiedenen Interessensgruppen formuliert und dem Kanton Basel-Landschaft vorgelegt. Alle scheiterten daran, dass der Kanton die Genehmigung zur Mitnutzung seiner Strassen nicht erteilte. Am 27. Dezember 1913 wurde der Baselbieter Regierungsrat selbst aktiv.
Er reichte beim Bund in Bern ein Konzessionsgesuch zum Bau einer elektrischen Schmalspurbahn ein, die von St.Jakob nach Liestal führten sollte. Als zusätzliche Option war eine Zweigstrecke nach Muttenz/Neue Welt in Gespräch. Der Bundesrat empfahl den eidgenössischen Räten im März 1914, die Konzession zu erteilen. Die SBB böte zu wenig Kapazitäten für den Personentransport, und bräuchten auf dieser Strecke Entlastung.
Die Konzession wurde am 4. April 1914 von National- und Ständerat erteilt. So stand dem Tram von Basel nach Liestal eigentlich nichts mehr im Weg. Doch im August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, der die Prioritäten änderte. Die Ressourcen wurden anderweitig gebraucht. An Stelle des Tramtrassees im Unterbaselbiet wurden nun Militärstrassen und Armeestellungen zur Landesverteidigung am Hauenstein gebaut.
Der Regierungsrat in Liestal holte 1916 in Bern die Erlaubnis ein, die Strecke anstatt in einem Zug nun nur abschnittsweise zu bauen. Vorerst sollte Sektion I von St.Jakob nach Muttenz angegangen werden. Sektion II von Muttenz nach Liestal sollte später folgen, wenn die kriegswirtschaftliche Lage es zuliess. So entstand erst die Strecke nach Muttenz, die 1922, nach dem Krieg, bis Pratteln verlängert wurde.
Das Projekt war eigentlich eine Basellandschaftliche Überlandbahn, mit einer Stammlinie von Basel nach Liestal. Das Liniennetz hätte später bis Reigoldswil, Waldenburg und Rothenfluh ausgebaut werden sollen. Im Raum stand sogar die Vision einer Weiterführung bis Möhlin und Rheinfelden. Doch all dies sollten nur Wünsche bleiben. Im Juni 1937 wurden die Pläne definitiv begraben, und es blieb bei der Linie nach Pratteln.
Ein Relikt des Streckenprojekts ist übrigens der ehemalige BVB-Motorwagen Ce 4/4 450, auch bekannt als"Dante Schuggi". Der von der SIG Neuhausen 1914 gebaute Tramwagen, war eigens für den Einsatz auf der nie realisierten Überlandstrecke nach Liestal bestellt worden, weil die zweiachsigen Trams des Stadtnetzes dafür nicht ideal waren. Schliesslich befuhr die Dante Schuggi dann hauptsächlich die 11er Strecke nach Aesch.
Beitrag erstellt 18.12.15
Quellen:
Dominik Madörin, Das Rollmaterial der Basler Verkehrsbetriebe, EK-Verlag, Freiburg/D, 2003, ISBN 3-88255-843-1, Seite 56
Rudolf Pleuler, 75 Jahre Basler Verkehrsbetriebe, 148. Neujahrsblatt der GGG, Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1970, Seiten 51 bis 54