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Gold für Aurelia-Maxima Janzen / Bronze für Olivia Roth/Thalia Ahumada
Artikel - Gold für Aurelia-Maxima Janzen / Bronze für Olivia Roth/Thalia Ahumada
Ein seitlicher Schiebewind begrüsste am Sonntagmorgen, dem letzten von fünf Wettkampftagen, die Athletinnen und Athleten auf der Regattastrecke in Plovdiv (Bulgarien). 13 Medaillenentscheidungen standen auf dem Programm. Erneut war es sehr warm, wenn auch die grösste Hitze vom Samstag nicht mehr ganz erreicht wurde. Acht Schweizer Boote standen am Sonntag im Einsatz und kämpften entweder um Medaillen oder bestmögliche Platzierungen.
Aurelia-Maxima Janzen ruderte zum U23-Weltmeistertitel
Nach jeweils Silber in den Jahren 2021 und 2022 war es das erklärte Ziel von Aurelia-Maxima Janzen (SC Caslano e Malcantone), in diesem Jahr den U23-Weltmeisteritel zu holen. Mit einer eindrücklichen Entschlossenheit startete die Bernerin in das Finalrennen. Der Schiebewind vom Vormittag hatte mittlerweile in einen Seitenwind gedreht, doch auch dieser Umstand konnte Aurelia-Maxima Janzen nicht vom Start-Ziel-Sieg abhalten. Mit 19 Jahren die jüngste Athletin im Medaillenrennen, gab sie die Führung nie aus den Händen und ruderte der Goldmedaille entgegen. Mit gewohnt langen Ruderschlägen und einem grossen Vortrieb pro Ruderschlag hatte Aurelia-Maxima Janzen jederzeit den Überblick über ihre Konkurrentinnen. Auch wenn die Irin Alison Bergin auf den zweiten tausend Metern wie erwartet zur Aufholjagd ansetzte, war der Abstand bereits zu gross. Im Ziel betrug der Vorsprung von Aurelia-Maxima Janzen 3,72 Sekunden auf Bergin, welche sich den zweiten Platz vor Griechenland sicherte. Trainer Klaus-Dieter Stecker zeigte sich nach dem Rennen sehr zufrieden: «Aurelia-Maxima hat genau umgesetzt, wie wir das vorbesprochen hatten.» Nach der EM-Silbermedaille bei der Elite Ende Mai in Bled ist der Gewinn der Goldmedaille an der U23-WM in Plovdiv bereits die zweite Medaille an einer internationalen Meisterschaft. «Ich bin zufrieden mit meiner heutigen Leistung. Wie viel war mein Vorsprung auf die zweitplatzierte Irin?», wollte Aurelia-Maxima Janzen direkt nach dem Rennen wissen.
Bronzemedaille im Doppelzweier für Olivia Roth und Thalia Ahumada
«Es war ein richtig hartes Rennen. Wir haben uns zurückgekämpft und freuen uns sehr über die Bronzemedaille», sagte Olivia Roth nach dem Rennen. Olivia Roth (RC Zürich) und Thalia Ahumada (FW RC Morges) hatten sich am Donnerstag mit einem Vorlaufsieg direkt für den A-Final qualifiziert. Im Finalrennen meldeten die amtierenden U23-Weltmeisterinnen aus Rumänien auf Bahn 5 ihre Ambitionen zur Titelverteidigung an, und mit Grossbritannien reihte sich auf Bahn 3 das Boot mit der schnellsten Vorlaufzeit auf. Es durfte ein hochklassiges und spannendes Rennen um die Medaillen erwartet werden. Olivia Roth und Thalia Ahumada erwischten einen mässigen Start, während vor allem Deutschland auf der Aussenbahn sein Glück versuchte. Die Rumäninnen übernahmen von Beginn weg die Führung und liessen keinen Zweifel daran, dass sie sich nicht einfach als U23-Weltmeisterinnen entthronen lassen wollte. Grossbritannien und Deutschland wurden bei 500 Metern auf den Verfolgerplätzen notiert, während das Schweizer Boot auf dem vierten Zwischenrang ruderte. Danach setzten Roth / Ahumada zur Aufholjagd an. Mit der drittbesten Abschnittszeit auf dem zweiten Streckenviertel überholten sie Deutschland und etablierten sich auf dem dritten Zwischenrang. Auf den dritten 500 Metern fuhren Roth / Ahumada erneut eine gute Abschnittszeit und konsolidierten den dritten Platz. Dank der schnellsten Zeit auf den letzten 500 Metern schlossen sie immer näher an Grossbritannien auf, an der Reihenfolge aber änderte sich nichts mehr. Rumänien verteidigte den U23-Weltmeistertitel erfolgreich. Grossbritannien holte Silber. Die Schweiz gewann Bronze. Für Olivia Roth und Thalia Ahumada ist der Regattakanal von Plovdiv ein erfolgreiches Gewässer, zumal die beiden Athletinnen vor zwei Jahren an den U19-Weltmeisterschaften an selber Stelle die Goldmedaille im Doppelvierer gewannen.
Gian Struzina auf dem undankbaren 4. WM-Rang
Gian Struzina (SC Zug) startete ungeschlagen zu diesem Finalrennen. Der letztjährige Zweite in dieser Bootsklasse gehörte auch dieses Jahr wieder zu den Medaillenanwärtern. Und das Rennen begann gut und vielversprechend. Er hatte den besten Start und führte das Rennen bei allen Zwischenzeiten in souveräner Art und Weise an. Zwischenzeitlich betrug der Vorsprung etwas über eine Bootslänge. Vor der dritten Zwischenzeit attackierten die Ruderer aus Italien und Neuseeland und kamen Gian Struzina wieder etwas näher. Die letzten 500 Meter mussten entscheiden. Angestachelt von den Angriffen aus Italien und Neuseeland, nahm auch der Däne auf der Aussenbahn immer mehr Fahrt auf. Zu dritt schlossen die Verfolgerboote zu Gian Struzina auf, der sich auf den letzten 250 Metern nicht mehr wehren konnte und auf den vierten Platz zurückfiel. Der vierte Platz von Gian Struzina ist sehr undankbar nach einem tollen ersten Teil dieses Finalrennens.
Marion Heiniger auf dem 5. WM-Rang
Das Erreichen des A-Finals war für Marion Heiniger (SC Biel) im Skiff der Leichtgewichte bereits ein schöner Meilenstein. Im heutigen A-Final konnte sie sich von Rennbeginn weg auf dem fünften Platz etablieren und die Ruderin aus Spanien in Schach halten. An der Spitze des Rennens ruderte die favorisierte Elis Ozbay (Türkei) einem eindrücklichen Start-Ziel-Sieg entgegen. Da die schnellsten vier rasch einen deutlichen Vorsprung auf Marion Heiniger herausrudern konnten, wurde es zu einem etwas einsamen Rennen für die Bielerin. Der U23-Weltmeistertitel ging an die Türkei vor Italien und Kanada. Marion Heiniger beendete das Rennen auf dem guten fünften Rang.
Bojan Reuffurth ruderte auf den 6. WM-Rang
Nach dramatisch verlaufenen Halbfinals am Samstag durfte Bojan Reuffurth (SC Zug) am Sonntag im A-Final der sechs besten U23-Skiffiers antreten. Bojan Reuffurth startete entschlossen in das Finalrennen, in welchem der Pole Piotr Plominski eine riskante Strategie gewählt hatte. Dieser setzte sich sofort vehement an die Spitze und schaffte viel Raum zu den Verfolgern. Lange war offen, ob seine Strategie aufgehen würde, betrug der Vorsprung doch mehrheitlich zwei Bootslängen auf die Verfolgerboote. Bojan Reuffurth hielt den Kontakt zum Lokalmatadoren Emil Neykov, der jedoch für seinen starken Endspurt bekannt ist und diesen auch im Finalrennen unter Beweis stellte. Piotr Plominski verteidigte die Führung bis ins Ziel in extremis und wurde U23-Weltmeister vor Irland und Bulgarien. Bojan Reuffurth zeigte ein solides und entschlossenes Rennen und klassierte sich im sechsten Rang.
Drei Schweizer Boote hatten zuvor die B-Finals um die Ränge 7 bis 12 bestritten:
Leonardo Salerno und Alexander Bannwart in Führung liegend ausgebremst
Im B-Final des Männer-Doppelzweiers führten Leonardo Salerno (CC Lugano) und Alexander Bannwart (SC Stansstad) das Rennen auf den ersten 1500m in überzeugender Manier an. Der Doppelzweier hatte sich an dieser U23-WM von Rennen zu Rennen beachtlich gesteigert und schien im starken Mitwind sein bestes Rennen zu zeigen. Dicht gefolgt von den beiden Booten aus Griechenland und Belgien war alles angerichtet für einen spannenden Rennfinish. Doch dann geschah das Malheur im Schweizer Boot. Kurz nach der 1500-Zwischenzeit kam es zu einem kompletten Stillstand des Schweizer Bootes aufgrund eines «Krebses». Das Boot stand quer in der Bahn und erst nach komplettem Stillstand konnten die Ruderer das verlorene Skull wieder greifen und das Rennen in aufopfernder Manier beenden. Das Schweizer Boot belegte den sechsten Platz, was dem 12. WM-Rang entspricht.
Sieg im B-Final für den U23-Doppelvierer
Auch im B-Final des Männer-Doppelvierers führte das Schweizer Boot vom Start weg. Nicolas Berger, Shamall Suero Santana (beide RC Bern), Donat Vonder Mühll (Basler RC) und Gian Luca Egli (SC Stansstad) führten das Rennen vor den Booten aus Tschechien und China an. Das starke polnische Boot hatte vor dem Start aufgrund Erkrankung eines Ruderers abgemeldet. Der Schweizer Doppelvierer lief gut im starken Mitwind von Plovdiv. Tschechien setzte aber früh und unerbittlich zum Endspurt an und kam dem Schweizer Boot immer näher. Die Schweizer verteidigten ihre Führung und der Vorsprung war ausreichend gross, um den Start-Ziel-Sieg über die Ziellinie zu bringen. Dieser Sieg entspricht dem 7. WM-Rang. Ein schöner Abschluss der Regatta für den Schweizer Doppelvierer.
Leichtgewichts-Doppelzweier auf Schlussrang 11
Im B-Final des Leichtgewichts-Doppelzweiers ruderten Tommaso Fassone (SC Biel) und Dorian Rosenberg (SA Fribourg) nach 500 Metern auf dem dritten Zwischenrang, fielen dann aber bis zur Streckenhälfte auf den vierten Rang zurück. Der Rückstand auf die vor ihnen rudernden Boote betrug aber nicht mehr als eine Bootslänge. Als auf dem dritten Streckenabschnitt das Boot aus Ungarn an den Schweizern vorbeizog, machten die beiden Schweizer einen unentschlossenen Eindruck. Die Ziellinie querte das Boot aus China zuerst. Für das Schweizer Boot blieb der fünfte Rang, was dem 11. WM-Rang entspricht.
Fazit des Verbandsdirektors Christian Stofer:
«Es ist fantastisch, an der U23-WM zwei Medaillen zu gewinnen. Aurelia-Maxima Janzen setzte ihre eindrückliche Serie an Medaillengewinnen an internationalen Meisterschaften auf beeindruckende Manier fort. Sehr erfreulich ist auch die Bronzemedaille im Frauen-Doppelzweier mit Olivia Roth und Thalia Ahumada. Sie konnten die guten Trainingsleistungen in den Wettkämpfen umsetzen. Mit insgesamt fünf Finalplatzierungen sowie dem Sieg im B-Final des Männer-Doppelvierers haben wir mit sechs Platzierungen in den Top Sieben auch in der Breite gut abgeschnitten. Die Rudersaison ist für das U23-Kader indessen noch nicht fertig, denn Ende August stehen die U23-Europmeisterschaften in Krefeld auf dem Programm. Das Trainierteam unter der Leitung von Nachwuchschefin Anne-Marie Howald wird die Ergebnisse analysieren und dann die Selektionsvorschläge für die U23-EM vorbereiten.»
Resultate U23-WM Plovdiv (Bulgarien), 19.-23.07.2023 (5. Wettkampftag, Sonntag, 23.07.2023)
Frauen U23
Skiff (Final A): 1. Aurelia-Maxima Janzen (Schweiz) 7:34,00. 2. Alison Bergin (Irland) 7:37,72. 3. Evangelia Fragkou (Griechenland) 7:41,18. 4. Mazarine Guilbert (Belgien) 7:44,77. 5. Courtney Westley (Südafrika) 7:46,61. 6. Anna Santruckova (Tschechien) 8:15,22.
Skiff Leichtgewichte (Final A): 1. Elis Ozbay (Türkei) 7:36,92. 2. Ilaria Corazza (Italien) 7:38,47. 3. Karissa Riley (Kanada) 7:40,64. 4. Grace Sypher (Australien) 7:44,23. 5. Marion Heiniger (Schweiz) 7:49,14. 6. Amanda Gil Camacho (Spanien) 7:56,73.
Doppelzweier (Final A): 1. Andrada-Maria Morosanu/Iulia-Liliana Balauca (Rumänien) 6:48,50. 2. Vwaire Obukohwo/Katherine George (Grossbritannien) 6:51,33. 3. Thalia Ahumada Ireland/Olivia Roth (Schweiz) 6:53,98. 4. Harriet Wappler-Niemeyer/Chatlotte Luster (Deutschland) 7:03,22. 5. Milla Massemin/Chloe Raymond (Frankreich) 7:06,64. 6. Sofia Dalidou/Gavriela Lioliou (Griechenland) 7:18,13.
Männer U23
Skiff (Final A): 1. Piotr Plominski (Polen) 6:54,79. 2. Andrew Sheehan (Irland) 6:55,51. 3. Emil Neykov (Bulgarien) 6:55.60. 4. André Pinto (Portugal) 6:59,29. 5. Paul Berghoff (Deutschland) 7:01,47. 6. Bojan Reuffurth (Schweiz) 7:03,49.
Skiff Leichtgewichte (Final A): 1. Giovanni Borgonovo (Italien) 6:48,04. 2. Finlay Hamill (Neuseeland) 6:48,76. 3. Rasmus Lind (Dänemark) 6:49,10. 4. Gian Struzina (Schweiz) 6:52,41. 5. Moritz Küpper (Deutschland) 6:57,83. 6. Konrad Hultsch (Oesterreich) 7:00,90.
Doppelzweier (Final B, Plätze 7-12): 1. Boris Taeldeman/Savin Rodenburg (Belgien) 6:18,27. 2. Nikolaos Cholopoulos/Dimitrios Pazoglou (Griechenland) 6:18,82. 3. Xingqian Zhang/Linfu Li (China) 6:20,97. 4. Breno Felix/Tomas Levy (Brasilien) 6:22,09. 5. Mihaly Ujhelyi/Bence Szklenka (Ungarn) 6:23,90. 6. Alexander Bannwart/Leonardo Salerno (Schweiz) 6:24,73 (=> 12. WM-Rang).
Doppelzweier Leichtgewichte (Final B, Plätze 7-12): 1. Yewen Han/Zhaiyun Xiao (China) 6:23,13. 2. Piedro Tuchtenhagen/Marcelo Barbosa de Almeida (Brasilien) 6:23,62. 3. Joao Santos/Duarte Castro (Portugal) 6:29,12. 4. Henry Egon Bridge/Balazs Szollosi (Ungarn) 6:29,48. 5. Tommaso Fassone/Dorian Rosenberg (Schweiz) 6:32,19 (=> 11. WM-Rang). 6. Sefik Cakmak/Ahmet Ali Kabadayi (Türkei) 6:50,25.
Doppelvierer (Final B, Plätze 7-12): 1. Schweiz (Nicolas Berger, Shamall Suero Santana, Donat Vonder Mühll, Gian Luca Egli) 5:44,18 (=> 7. WM-Rang). 2. Tschechien 5:44,83. 3. China 5:47,40. 4. Litauen 5:47,74. 5. USA 5:57,82. Polen nicht am Start.
Resultatblätter:
Plovdiv, 23. Juli 2023 / cs/vdg