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Wie ich bereits mündlich in Bern Sie versichert habe, werden wir mit aller Energie und als pièce de résistance unserer Verhandlungen die Blockadefrage zur Besprechung bringen. Wir haben auch diesbezüglich schon bei Frankreich, England und gestern nun auch bei Amerika Fühler ausgestreckt. Das Résumé unserer Eindrücke ist folgendes:
Frankreich möchte die Blockade der Zentralmächte so lange durchführen, bis seine Industrie sich genügend erholt hätte, um der deutschen die Spitze bieten zu können.
England möchte so rasch als möglich die Blockade aufheben, um seinen Industrien die weitgehendste Bewegungsfreiheit wiederzugeben.
Amerika besitzt ebenfalls industrielle Scharfmacher, welche die Regierung dahin bringen möchten, die Blockade Deutschlands einstweilen zu ihren Gunsten allein mit Einfuhrprivileg bestehen zu lassen. Immerhin scheint aber doch diese Bewegung nicht allgemeiner Natur zu sein.
Italien arbeitet in gleicher Richtung wie wir, - aus Gründen. - [!
Dieser Zustand ist ein weiterer Ansporn für uns, so rasch als möglich nun mit sämtlichen Alliierten am grünen Tisch zusammenzukommen, denn es hätte keinen Zweck sie im Glauben zu lassen, dass wir mit dem gegenwärtigen Zustand zufrieden seien. Ich möchte allerdings hier schon bemerken, dass es selbstverständlich ausgeschlossen ist, heute die Maximalforderungen der schweizerischen Spinner, Zwirner und Weber und der Stickerei-Industrie durchzubringen. Das industrielle Privileg, welches die Schweiz während des Krieges genossen hat, hinsichtlich seiner Ausfuhren bis Mitte 1917, ist vorläufig, d.h. bis zu den Friedenspreliminarien, nicht im gleichen Umfange erhältlich. Das Maximum dessen, was wir zu erreichen hoffen, ist die Fassung des SSS Reglements Ausgabe 1916, evtl. sogar mit Ausfuhrkontingentierung. Was in dieser Hinsicht namentlich von St. Gallen verlangt wird, ist geradezu verrückt. Die sehr grosse Ausfuhr St. Gallens während 1917 erreichte nicht einmal 20.000 q. und dabei verlangt man jetzt für diese ausserordentlich schwierige Übergangszeit 50.000 q. Wenn die Herren St. Galler glauben, dass derartige Forderungen Gegenliebe finden, so wäre es am besten, sie kämen hieher, um sich über die Stimmung, welche über unsern Verhandlungen schwebt, Klarheit zu schaffen.
Entschuldigen Sie, sehr geehrter Herr Bundesrat, wenn ich mir hier erlaubte sofort etwas Luft zu machen, aber unsere diesmalige Aufgabe gehört zu den allerschwersten, welche uns seit 2 Jahren gestellt worden sind. Das hiesige Chaos scheint sich gegenwärtig eher noch zu vergrössern und die Transportkrisis wird, fürchte ich, noch zur Transportkatastrophe werden. Man hat beinahe den Eindruck, dass die Eisenbahngesellschaften absichtlich die Instandstellung ihrer Betriebe hintanhalten, um die Befreiung von der militärischen Vormundschaft durchzusetzen. Ich fürchte, hier werden die Dinge noch so schlimm, dass Herr v. Goumoëns froh sein wird, seine 3200 Wagen nicht rationierter Mehle in der Schweiz zu besitzen.
An der Spitze der Fero2 sollte aber jetzt der aller energischste Mann der ganzen Eidgenossenschaft stehen.
Gestatten Sie mir, sehr geehrter Herr Bundesrat, hier noch eine Bemerkung anzubringen, welche m. E. nicht länger verschwiegen werden darf:
Die Zahl der in offizieller Mission hiehergesandten Herren wächst in den letzten Tagen in bedenklicher Weise an. Nicht nur befinden sich hier Delegationen Ihres Departements (Grobet, Heer, Gorjat, Butticaz, Godard, welcher heute, im denkbar ungünstigsten Moment, mit Loucheur sprechen will betreffend unserer Kohlenversorgung!!!!), sondern Herr Goumoëns annonciert einen Herrn Ritter und das Politische Dept. schickt neuerdings Rappard begleitet von Prof. Gautier, und schon wird wieder ein weiterer Herr gemeldet für Elsass-Lothringen. Ich merke, dass Herr Dunant die grosse Zahl dieser Missionen empfindet, nicht sowohl weil er darin eine Demütigung für sich selbst sähe, sondern weil er jedesmal Schritte zu tun hat für diese Herren, welche eine Geschäftigkeit seitens der Schweiz verraten, die im gegenwärtigen Moment unpolitisch erscheint (siehe Aussage Haguenin3).Wir müssen ihm leider etwas recht geben, denn auch wir empfinden gerade die Anwesenheit des Herrn Godard eher als störend, anstatt dass sie unsere Bestrebungen fördern würde. Ich bitte um Entschuldigung für diesen Excurs in eine entlegenere Gegend; ich glaubte aber im Interesse des eifrigen, tätigen und gewissenhaften Herrn Dunant davon sprechen zu müssen; er weiss selbstverständlich nichts davon.
- 1
- Lettre: EVD Zentrale 1914-1918/1-2. Paraphe: KW.↩
- 2
- Office suisse des transports extérieurs, créé par l’arrêté du Conseil fédéral du 6 mars 1917.↩
- 3
- Dans son Spezialbericht 3 du 17 février, Heer rapportait les propos que lui avait tenus Haguenin, lequel conseillait à la Suisse très préoccupée par la situation économique et par les dangers de nouvelles vagues protectionnistes gegenwärtig sich möglichst wenig bemerkbar zu machen. Nicht gegen Sie richtet sich die protektionistische Tendenz, sie könnte aber noch unangenehmer werden, wenn schweizerischerseits allzu sehr gedrängt würde. Haguenin laissa aussi à entendre, dass man hier die Neutralitätserklärung der Schweiz als ein nicht gerade geschicktes Manöver im gegenwärtigen Moment empfunden habe. (EVD KW Zentrale 1914-1918/10-11).↩
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