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Hochverehrter Herr Präsident
Ueber Nacht sind mir doch noch Bedenken gegen Herrn Oberingenieur Jean Meyer als Mitglied des Schiedsgerichts gekommen. Was mich für ihn stimmte, waren keine hübschen Arbeiten in der «Eisenbahn» über Simplons Vorbildung der Ingenieure u. s. w. Man ersah daraus, dass der Mann fortstudirt und sich auf der Höhe der Wissenschaft halten will. Auch wurde von den anderen Ingenieuren, die Mitglieder des Comité der «Eisenbahn» sind, immer mit grosser Achtung von Meyer gesprochen. Gesehen habe ich ihn nie.
Nun aber spricht contra: es gilt so zu sagen für ausgemacht, dass Favre nach Vollendung des Gotthard-T. den Simplon bauen soll. Stockalper, ein Walliser und guter Patriot, hält desshalb bei Favre aus, um dann auch zum Simplon überzugehen. Ich fürchte daher einigermassen, dass Alles, was zum Simplon hält (und das ist mit Meyer der Fall), auch für Favre postirt ist: sie sehen darin eine Chance mehr für den Simplon, dass ein Mann, der sich am Gotthard erprobt, zu ihnen kommen wird.
Von dem von Herrn Kaufmann vorgeschlagenen Herrn Bürgi weiss ich gar nichts: denke aber, sie sollten ihn in erste Linie stellen, jedenfalls vor Meyer u. Pillichody.
Favre hat erklärt, dass für ihn die Personenfrage conditio sine qua non sei, in dem Sinne, dass wenn die Direktion und er sich nicht über die Personen einigen können, er es auch niemanden anders, ins| besondere nicht dem Bundesrathe, überlassen will, den Pertius zu ernennen (Cuénod und Bridel gelten als einverstanden).
Gestern Abend ist mir's besser geworden; ich gehe daher heute zu Bützberger nach Langenthal u. von da erst nach Lausanne. Könnte man nicht das Gutachten von Collega Treichler, nach welchem die Kreditanstalt sich für die Nicht-Einzahlung der 20 Mill. entschieden hat, erhalten? Je besser ich von den gegnerischen Argumenten unterrichtet bin, um so eher darf man hoffen, dass das Gutachten einigen Erfolg haben werde.
Puncto Nordostbahn meint auch hier, wie ich von einem bekannten Banquier erfuhr, Basler Stimmung zu herrschen: liquidiren, Aktienkapital abschreiben, auf dass die Obligationen gut werden. Ich hoffe, das sei nun glücklich abgewendet.
Hochachtungsvoll
G Vogt
Bern, Webernzunft, 18 Oct. 1877
In Eile