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Der Öl-Markt dürfte in nächster Zeit weiter unter Druck geraten. Als Folge könnten sich einige Produzenten dazu gezwungen sehen, ihre Ölproduktion einzustellen. Der Preiskrieg zwischen den führenden Öl-fördernden Staaten sollte in den kommenden Monaten jedoch ein Ende finden, meint Michel Salden von Vontobel AM.
31.03.2020, 05:00 Uhr
Redaktion: rem
"Die gegenwärtigen Ölpreise werden angesichts der Überversorgung des Marktes und der begrenzten Lagerkapazitäten noch weiter einbrechen", sagt Michel Salden, Senior Portfolio Manager bei Vontobel Asset Management. Es werde einfach keine Käufer auf dem Spotmarkt geben, selbst wenn Saudi-Arabien sein Öl zu stark vergünstigten Preisen verscherbelt. Der Grund dafür ist, dass die globale Lagerhaltung bald seine maximale Kapazität erreicht haben wird, was es unmöglich macht, Öl selbst zu stark reduzierten Preisen zu kaufen, zu lagern und in drei bis sechs Monaten wieder zu verkaufen", so Salden. Daher müssten Saudi-Arabien und Russland erkennen, dass das Fluten des Markts mit Öl einfach nur Druck auf das vordere Ende der Futures-Kurve ausübt, ohne dass dies für sie von Vorteil wäre. Jetzt, da die verkauften Mengen zurückgehen, wird der Druck auf die saudischen und russischen Finanzhaushalte weiter zunehmen. "Aus diesem Grund denken wir, dass der Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien, Russland und den USA in den kommenden Monaten ein Ende finden wird."
Es gibt nicht nur einen Ölpreis
Kurzfristig sei es nach wie vor schwierig, den Verlust der Öl-Nachfrage zu quantifizieren. Die USA, Europa und die Schwellenländer sind alle weitgehend zum Stillstand gekommen, was die Öl-Nachfrage in noch nie dagewesenem Ausmass zum Erliegen bringt. Derzeit gibt es Schätzungen, die von einem Rückgang der Öl-Nachfrage im 2. Quartal um 10 bis 20% ausgehen. Dies erhöht den Druck auf die Lagersituation.
Es ist laut Salden jedoch wichtig darauf hinzuweisen, dass es nicht einen einzigen Ölpreis gibt. Am vorderen Ende befinden sich die Kurven tief in Contango, was die rasch steigenden Lagerkosten widerspiegelt. Diese Contango-Situation, die negative Rollrenditen von mehr als 10% pro Monat nach sich zieht, wirkt sich vor allem auf die Performance von Anlegerrenditen aus, die an traditionelle Benchmarks und ETFs gebunden sind. Short-Positionen oder Untergewichtungen am vorderen Ende der Futures-Kurve können dies jedoch verhindern.
Umgekehrt sind am langen Ende, wie zum Beispiel bei den Kontrakten vom 21. oder 22. Dezember, seit Anfang bis Mitte März täglich Ölpreisgewinne zu beobachten. Die langfristigen Ölpreise sind weniger betroffen, da der Preiskrieg unwirtschaftliche Ölproduktionen, die hohe Finanzierungskosten haben und nur über begrenzte Lagerkapazitäten in der Nähe verfügen, dauerhaft zunichte machen wird.
Massiver Preisdruck auf Produzenten
Tatsächlich nähern sich Russland und Saudi-Arabien dem Punkt, an dem Produzenten sich gezwungen sehen werden, ihre Ölproduktion einzustellen. Für die meisten Ölfelder bedeutet dies, dass der Wiederanlauf nach der Schliessung mindestens 12 bis 24 Monate dauern wird. Die Schieferölförderung ist eine Ausnahme, da sie relativ schnell wiederaufgenommen werden kann. Sie ist jedoch bei Preisen unter 50 US-Dollar pro Barrel unrentabel.
"Kurzfristig werden die Ölpreise zwar weiterhin unter Druck kommen, allerdings sollten sich Anleger darüber im Klaren sein, dass sich die Öl-Nachfrage Ende dieses Jahres oder im Jahr 2021 stark erholen wird, dass einige Produzenten aus dem Markt gedrängt werden und die Zentralbanken in den kommenden Jahren einen Anstieg der Inflation erleben werden", erwartet Michel Salden. Wie bei vielen zyklischen Korrekturen führe eine zu starke Unterbewertung auf dem Spotmarkt zu Preiserhöhungen, sobald sich die Wirtschaft stabilisiert hat. Dies erklärt die Dichotomie, dass Öl auf kurze Sicht sogar noch weiter fallen kann, während es auf längere Sicht in den Jahren 2022 bis 2025 wieder knapper und teurer wird.
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