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Was ist der therapeutisch aktive Bestandteil von homöopathischen Potenzen?
Dr. Wilhelm Otto Weingärtner, Department of Basic Research, Dr. Reckeweg & Co. GmbH, Berliner Ring 32, D-64825 Bensheim, Germany
Forschung mit homöopathischen Hochpotenzen kann gemäss Meinung des Autors in drei Bereiche gegliedert werden. Der erste Teil betrifft die homöopathische Praxis und enthält daher Forschung über klinische Praxis, Prüfungen, Fallstudien etc.. Der zweite Bereich beinhaltet auf statistische Grundlagen basierende Forschung zu Hochpotenzen, wie zum Beispiel die Methodik von Arzneimittelprüfungen und klinischen Studien, die Durchführung von Studien sowie die statistische Interpretation von Daten. Ein Problem der Methodik ist beispielsweise, Forschungsdesigns zu entwickeln, die die weit verbreitete Meinung widerlegen, dass in placebo-kontrollierten Prüfungen mit Hochpotenzen lediglich ein Placebo (1) mit einem anderen Placebo verglichen wird. Dieser Problematik könnte man entgegentreten, indem man herausfindet, was genau der aktive Bestandteil von Hochpotenzen ist. Genau das ist der dritte Bereich der Forschung mit Hochpotenzen: der Versuch, den aktiven Bestandteil in den homöopathischen Hochpotenzen zu identifizieren.
Weingärtner’s Arbeit ist vor allem eine Arbeitshypothese zum aktiven Bestandteil in homöopathischen Hochpotenzen. Er geht davon aus, dass sich Hochpotenzen aus verschiedenen Zuständen zusammensetzen, welche das homöopathische Mittel als molekulares System annehmen kann. Zustände, welche Ähnlichkeiten zu den Zuständen in Quantensystemen aufweisen. Solche Zustände sind miteinander verbunden, nicht aber kausal voneinander abhängig. Weingärtner geht davon aus, dass magnetische Resonanzspektroskopie (NMR) eine geeignete Methode sei, um den aktiven Bestandteil zu messen.
Weingärtner’s ganze Argumentation begründet sich auf der Tatsache, dass die Quantenphysik das genauste Bild der Natur wiederspiegelt, obwohl die dafür zugrunde liegenden Daten oft nicht eingängig sind. Vor allem Korrelationen zwischen den Partikeln in Quantensystemen sind von grossem Interesse. Nicht zuletzt deshalb, weil sie Eigenschaften und Verhaltensweisen zeigen, die nie als Korrelationen im makroskopischen Bereich anerkannt worden sind. Weingärtner bezieht sich in seinem Artikel auf Bergholz (2). Bergholz’s Hypothese war, dass homöopathische Potenzen über der Avogadroschen Zahl einen „therapeutischen aktiven Bestandteil” enthalten müssen, welcher nicht auf Atome oder Moleküle der Ursubstanz zurückzuführen ist. Bergholz ging davon aus, dass veränderte physikalische Strukturen durch die Potenzierung entstehen. Obwohl Bergolz Experimente zu seiner Arbeitshypothese vorschlug, wurden diese nie bzw. unvollständig ausgeführt. Seine Publikation sowie diejenige von Smith und Boericke (3) führten zur Idee, dass durch den Prozess der Potenzierung ein Transfer von Strukturen möglich wird. Man war der Ansicht, dass diese Strukturenübernahme experimentell bestätigt werden könnte. Das Problem der eindeutigen Interpretation der Daten blieb aber auch nach weiteren Experimenten bestehen. In letzter Zeit häuften sich nach weiteren Experimenten mit NMR aber die Hinweise, dass in den Daten von Bergolz, Smith und Boericke Messartefakte (4) zu finden sind, die unter Umständen keine Messartefakte sondern reale Beobachtungen sind. In einem weiteren Abschnitt geht Weingärtner auf das „Sequential Box Model” (SBM) ein. Dieses Modell wurde 1997 eingeführt. Es beruht auf der Annahme, dass es theoretisch möglich ist, in einem konstanten Volumen einen physikalischen Teil der Urtinktur zu erhalten, unabhängig von der Potenz. Die genaue Beschreibung dazu ist im Originaltext ausführlich dargelegt. Des Weiteren beschreibt Weingärtner in seinem Artikel die Korrelation in Quantensystemen und er geht ebenfalls detailliert auf die Unterschiede zwischen der Quantentheorie und der verallgemeinerten Quantentheorie (weak quantum theory, WQT) ein.
Weingärtner ist nicht nur Grundlagenforscher sondern auch Mathematiker. So findet man in seinen Artikeln mitunter sehr viele mathematische Formeln, die man als Laie oft nur schwer versteht. Zusammenfassend kommt Weingärtner aber zu folgendem Schluss: Seine Beobachtungen erfüllen alle Voraussetzungen, dass ein System „nicht-lokal” (5) sein kann. Trotzdem ist er der Ansicht, dass aus experimenteller Sicht seine Ergebnisse weiteren Prüfungen und Experimenten unterzogen werden sollen. Er schlägt vor, zuerst zu ermitteln, unter welchen Bedingungen Partikel oder Partikelgruppen von homöopathischen Mitteln von den Lösungsmitteln unterschieden werden können und so zu bestimmen, in welcher Beziehung sie bezüglich ihres Spins (6) stehen. Diese zusätzliche Forschung könnte ein weiterer Schritt zur Klärung der Wirkungsweise der Homöopathie sein.
Flavia Leimbacher
Wissenschaftsgruppe
Literatur
– „What is the therapeutically active ingredient of homeopathic potencies?”, Otto Weingärtner, Department of Basic Research, Dr. Reckeweg 6 Co. GmbH, Berliner Ring 32, D-64625 Bensheim, Germany, Homeopathy (2003) 92, 145-151
– Wikipedia (1) Der Autor führt dies nicht weiter aus, meint aber damit homöopathische Mittel, die von Homöopathiegegnern häufig als Placebo bezeichnet werden, da statistisch gesehen in Hochpotenzen kein materielle Wirkstoff mehr enthalten ist.
2 Bergholz W, Homeopathic dilutions – high potencies, a physicist’s dilemma, Br Hom Res Group Comm 1985; 13: 23-36
3 Smith RB, Boericke GW. Modern instrumentation for the evaluation of homeopathic drug structure. J Am Inst Hom 1966; 14: 263-280
4 Als Artefakt bezeichnet man in der Messtechnik und anderen Gebieten ein unechtes, durch Eigenschaften der Methode hervorgerufenes Ergebnis.
5 In der theoretischen Physik gibt es das Phänomen der “Nichtlokalität”. Messungen in einem mikroskopischen Bereich widersprechen den Auffassungen der sogenannten “lokalen Realität”, die man in der klassischen Mechanik als wahr und zutreffend ansieht.
6 Spin ist in der Teilchenphysik der Eigendrehimpuls von Teilchen. Bei den fundamentalen Teilchen, die als punktförmig und nicht zusammengesetzt angesehen werden, kann er nur quantenmechanisch verstanden werden. Hier hat er alle Eigenschaften eines mechanischen Drehimpulses, nur wird er nicht durch die Bewegung einer Masse hervorgerufen.