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Datierung
1972
Objektmasse
87 x 52 x 3 cm
Technik/Material
Acryl auf Pavatex
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Margit und Rolf Weinberg
Inv.-Nr.
SK98009
Objektstudie III
Ulrich Elsener (1943, Biel/Bienne, CH) gehörte in den 1970er-Jahren dem Kreis der Winterthurer Konkreten an, welcher sich um Künstler wie Willy Müller-Brittnau, Rainer Alfred Auer oder Manfred Schoch bildete. Elsener hatte kurz nach seinem Studium des Chemieingenieurwesens seine berufliche Tätigkeit aufgegeben und etablierte sich in Winterthur als freischaffender Maler. Inspiriert von den „Shaped Canvases“ von Frank Stella, entstanden erste geometrische Abstraktionen mit geformten Leinwänden. Objekte und Reliefs, deren Format vom Bildinhalt bestimmt ist und die oft in Grundfarben gehalten sind, kennzeichneten seinen Stil der 1970er-Jahre. Ab 1973 nimmt Elsener an unzähligen Ausstellungen teil, so 1971 im Kunstmuseum Winterthur an «7 Winterthurer Konkrete» mit Willy Müller-Brittnau, Heinz-Müller-Tosa und anderen.
Das in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv vorhandene Werk «Objektstudie III» (1972) zeigt eine spitzwinklige, schwarzgraue Raute, deren Zentrum von einem milden Licht erleuchtet zu sein scheint. Im Innern wiederholt sich die Rautenform in einer regelmässigen Staffelung, wobei von den Rändern bis ins Zentrum eine immer hellere Graunuance das Bildgeschehen graduell aufhellt. Die beiden spitzen Winkel sind minimal voneinander verschoben, dass der Eindruck entsteht, als würden zwei gleich grosse Rauten übereinander liegen. Das durch die Binnenstruktur gebrochene Licht wirkt wie eine Symbiose aus kristalliner Form und ephemerem Licht.
Seit Längerem hinterfragt Ulrich Elsener Sehgewohnheiten und Konventionen und erkannte im «Bild den Kondensationskern neuer Gedanken». Neben der Lust an der Figuration mochte dies ein Grund gewesen sein, weshalb der Künstler sich in den 1980er-Jahren definitiv der figurativen Malerei zuwandte. Anfänglich entstehen zeichen- und schemenhaft wirkende, abstrakt-figurative Figurenbilder. Unter dem Eindruck von Walter Benjamins (1892–1940) wirkungsmächtiger Schrift «Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit» (1935/36), der den Verlust der Aura des Kunstwerks durch seine Reproduzierbarkeit analysierte, kombiniert Elsener fotokopierte Bilder mit gestisch gemalten Bildern. Seine neueren Serien von «Landkarten-Bildern», «Seekarten», «Inseln/Kontinenten» und «Stadtplänen» zeigen Porträts und menschliche Figuren mit der landschaftlichen Topografie und geografischen Karten verschmolzen. Wenn bei diesen Übermalungen nicht der Malakt im Vordergrund stünde und mit der Reproduktion kontrastieren würde, könnte man meinen, dass darin die ökologische Botschaft einer Lebensweise im Einklang mit der Natur anklingt.
Dominique von Burg