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Myofasziale Schmerzen
Was sind myofasziale Schmerzen?
In den Muskelfasern bilden sich kleine verhärtete Knötchen, welche typischerweise im Muskelbauch liegen. Diese Knötchen können spontan oder nur unter Druck schmerzhaft sein. Wenn diese Knötchen gedrückt werden, lösen sie reflexartig eine schmerzhafte Spannung im betroffenen Muskel aus. Der Muskel wird durch die Knötchen verkürzt und Dehnungsübungen sind schmerzhaft und oft kaum möglich. Die Muskulatur von Arme, Beine und Rücken kann gleichermassen betroffen sein. Solche Muskelknötchen werden auch myofasziale Triggerpunkte genannt (aus dem Englischem „the trigger“ = der Auslöser), weil sie eine reflexartige Muskelkontraktion auslösen. Myofasziale Schmerzen können auch dauerhaft auftreten.
Myofasziale Schmerzen in kontrahierten Muskelabschnitten
Myofasziale Schmerzen entstehen durch lokal zusammengezogene Muskelfasern. Diese nehmen an Volumen zu und drücken auf die Blutgefässe der Muskulatur. Das führt zu einer lokalen Durchblutungsstörung und zu einem Sauerstoffmangel (= Hypoxie), was wiederum zu einer Ausschüttung von Entzündungsmediatoren führt. Aufgrund der Muskelfaserverhärtung und der lokalen Entzündung ist der Muskel schmerzhaft. Nicht-steroidale Entzündungshemmer können helfen, aber der Teufelskreis der Schmerzen kann nur durch die Lösung des Muskelkontrakur behoben werden (siehe Behandlung von myofaszialen Triggern).
Durchblutungsstörungen und Schmerzen um den Triggerpunkt
Als Ursachen für das Auftreten von myofaszialen Triggerpunkten werden eine Überbeanspruchung einzelner Muskelabschnitte und ehemalige Muskelverletzungen vermutet. Die punktuell in Form von kleinen Knötchen auftretenden Muskelverhärtungen (Trigger) sind schmerzhaft, wenn sie gedrückt werden. Durch die Verspannung einzelner Muskelfasern werden benachbarte Blutgefässe durch die Volumenzunahme der verspannten Muskelfasern komprimiert. Die Durchblutung wird gedrosselt und es kommt zu einem lokalen Sauerstoffmangel, der zu einer Entzündung des Gewebes und damit zu Schmerzen führt. Schmerzhafte myofasziale Trigger treten nicht nur an Arme und Beine auf. Sie können auch in anderen Muskeln, wie zum Beispiel im Bereich der Rückenmuskulatur, auftreten. Bereits schlechte Sitzgewohnheiten können die Rückenmuskulatur lokal überbeanspruchen und so, aufgrund der Bildung von myofaszialen Triggern, zu Rückenschmerzen führen.
Aktive oder passive Triggerpunkte
Die myofaszialen Trigger können spontan schmerzhaft sein (aktive Trigger) oder sie können nur dann Schmerzen auslösen, wenn sie gedrückt werden (passive Trigger). Der Muskel weist einen oder mehrere kleine Knötchen auf. Ausgehend von diesen Knötchen kann sich ein grösserer Muskelabschnitt verhärten bzw. verkrampfen. Der betroffene Muskel ist aufgrund der Kontraktur verkürzt, weniger beweglich und selbstverständlich bei der Dehnung schmerzhaft. Die Lokalisation der schmerzhaften Punkte kann sich durch übertragene Schmerzen noch verkomplizieren. Das hat auch einen Einfluss auf die Therapie, die nicht erfolgreich sein kann, wenn die falschen Punkte behandelt werden.
Diagnose und Lokalisation der Triggerpunkte
Für den Arzt ist das Erkennen dieser Triggerpunkte im Rücken nicht einfach, weil die Rückenmuskulatur vielschichtig ist. Nach einer Röntgenaufnahme lassen sich Verletzungen an der Wirbelsäule als Schmerzursache ausschliessen, jedoch kann damit keine Muskelkontraktur diagnostiziert werden. Ein myofaszialer Trigger in der Muskulatur kann durch eine manuelle Untersuchung diagnostiziert werden. Die korrekte Lokalisation des Triggers wird aber durch die Tatsache erschwert, dass die Schmerzen auch ausserhalb des Triggerpunktes auftreten können (Referenzschmerzen). Ohne Kenntnis der Triggerpunkte und ihrer möglichen Referenzschmerzen lässt sich keine erfolgreiche Therapie einleiten.
Behandlung von myofaszialen Triggern
Myofasziale Triggerpunkte lassen sich nicht ohne Weiteres wie eine einfache Muskelverhärtung behandeln. Die Applikation von Wärme ist nützlich, weil sie vorübergehend die Muskeldurchblutung fördert, aber eine eigentliche Lösung der myofaszialen Trigger wird damit nicht erreicht. Diese bleiben in der Muskulatur meistens über längere Zeit bestehen. Mit nicht-steroidalen Entzündungshemmern, lokal appliziert oder oral verabreicht, können die Schmerzen teilweise sehr gut kontrolliert werden, da um den Triggerpunkt, bedingt durch die mangelhafte Durchblutung, eine Entzündung vorhanden ist. Für die Lösung der myofaszialen Trigger gibt es heute verschiedene Massnahmen: Die Infiltration des Muskel-Triggers mit einem Anästhetikum (meistens Lidocain) ist die von Ärzten am häufigsten angewendete Methode, die jedoch gleichzeitig eine invasive und schmerzhafte Behandlung darstellt. Wichtig ist nach dieser Behandlung die regelmässige Bewegung und Dehnung der betroffenen Muskeln. Ein regelmässiges Training der betroffenen Muskulatur ist genauso wichtig wie die lokale Behandlung.
Weitere Therapiemöglichkeiten bei myofaszialen Triggerpunkt-Schmerzen
Physiotherapeuten und Ärzte bieten hier gleichwertige Behandlungen an, wie beispielsweise das Dry Needling, die Triggerpunkt-Massagetechniken oder die „Spray & Stretch“-Techniken. Diese Techniken werden einzeln oder in Kombination angewendet.
Manuelle Therapie
Bei der manuellen Therapie werden die schmerzhaften myofaszialen Trigger durch sorgfältiges Abtasten der Muskulatur erspürt. Myofasziale Trigger können aktiv oder passiv sein. Aktive Trigger sind bereits ohne Druck spontan schmerzhaft, während passive Trigger erst bei Druck zu Schmerzen führen. Zur Therapie werden die Triggerpunkte entweder gedrückt oder regelmässig durch die Massage ausgestrichen. Die übermässige Reizung dieser harten Knoten bewirkt reflektorisch eine Relaxation der Muskelfasern. Diese erschlaffen und der Muskel kann wieder gedehnt werden. Schmerzfrei ist eine solche manuelle Therapie aber nicht. Auch nach der manuellen Therapie kann der Triggerpunkt schmerzhaft sein. Bewegung und Dehnung (= Stretching) des betroffenen Muskels gehören ebenso zur Therapie wie die manuelle Manipulation.
Mit der manuellen Therapie können die Muskelknötchen (Triggerpunkte) in der Muskulatur lokalisiert und anschliessend mit Massagetechniken gelöst werden. In der Regel braucht es mehrere Behandlungen (1 bis 2 mal pro Woche), bis die Muskelkontraktur gelöst ist. Wichtig bei der Therapie ist ein erfahrener Therapeut und die aktive Mitarbeit des Patienten, da Dehnungs- und Kräftigungsübungen nach Anweisung des Therapeuten zwischen den Behandlungen regelmässig durchgeführt werden müssen.
Dry Needling
Das Dry Needling wird mit sehr feinen Nadeln durchgeführt. Das Prinzip des Dry Needlings beruht auf dem Anstechen der Triggerpunkte mit diesen Nadeln. Durch das Einführen der Nadelspitze in die kontrahierten Muskelfasern wird der Muskel so stark gereizt, dass er reflektorisch erschlafft. Dadurch kann der Muskel wieder gedehnt werden. Auch in diesem Fall gehören Bewegung und Stretching zur Therapie dazu. Dry Needling kann ohne Weiteres mit einer manuellen Therapie kombiniert werden.
Das Dry Needling ist eine der Techniken, mit der myofasziale Triggerpunkte behandelt werden können. Die schmerzenden Stellen werden durch Abtasten des Muskels lokalisiert und anschliessend mit den feinen Nadeln angestochen. Durch das mechanische Anstechen der betroffenen Stellen können die kontrahierten Muskelfasern gelöst werden. Der Muskel gewinnt dabei wieder seine volle Dehnbarkeit zurück. Wie bei der manuellen Therapie braucht es mehrere Behandlungen.
„Spray & Stretch“-Technik
Mit der „Spray & Stretch“-Technik wird die schmerzende Muskelstelle mehrmals mit einem Kältespray besprüht. Anschliessend wird der Muskel durch den Therapeuten passiv gedehnt. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt. Mit dem Kältespray kontrahiert der Muskel dermassen stark, dass er – wie bei einer manuellen Therapie – reflektorisch erschlafft. Folglich ist eine Dehnung der zuvor kontrahierten Muskelfasern möglich.
Stosswellentherapie
Eine relativ neue Behandlungsmethode zur Lösung von kontrahierten Muskeln ist die Stosswellentherapie. Stosswellen sind in der Regel mechanisch erzeugte Wellen, welche auf den kontrahierten Muskelabschnitt mittels einer Pistole übertragen werden. Die Stosswellen werden in einer Pistole mit einem Projektil erzeugt, das an die Spitze der Pistole geschossen wird. Die Stosswelle, die durch den Aufprall des Projektils an der Spitze des Gerätes erzeugt wird, wird auf das darunter liegende Gewebe übertragen. Sie kann bis zu einige Zentimeter tief in das Gewebe eindringen. Kontrahierte Muskelfasern werden durch die Stosswellen angeregt und lösen sich mit der Zeit. Stosswellen haben auch einen positiven Effekt auf die Durchblutung des Gewebes.
Die Stosswellentherapie ist ebenfalls eine Möglichkeit, schmerzhafte Triggerpunkte zu behandeln. Die Stosswellen werden mechanisch durch die Beschleunigung und den Aufprall eines Projektils in der Pistole erzeugt. Die Stosswellen dringen bis zu einer Tiefe von mehreren Zentimetern in das Gewebe ein. Myofasziale Schmerzen und Muskelverhärtungen können damit behandelt werden. Die Behandlung mit den Stosswellen ist in der Regel nicht schmerzhaft.
Bewegung und Stretching sind wichtige Mittel zur Prävention
Ein sofortiger Erfolg bei einer Behandlung der Triggerpunkte mit den oben beschriebenen Techniken ist kaum zu erwarten. Es sind in der Regel mehrere therapeutische Sitzungen notwendig, um einen bleibenden Erfolg zu erzielen. Falls myofasziale Triggerpunkte durch schlechte Sitzgewohnheiten (z. B. im Büro) verursacht wurden, müssen mit der Behandlung des Triggers auch die Sitzgewohnheiten des Patienten korrigiert werden, damit sich ein bleibender Erfolg einstellt. Dehnungsübungen und das Trainieren spezifischer Muskelgruppen ist wichtig, um dem Auftreten von myofaszialen Triggerpunkten vorzubeugen. Unter www.imtt.ch finden Sie weitere nützliche Informationen und Adressen für eine kompetente Behandlung.