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Foto Karin Lehmann
Technische Daten
Typ
Spyr IV
Konstrukteur
August Hug
Konstruktionsjahr
1941
Baujahr
1941 G.B.M.Z. Zürich
Spannweite
16,4 Meter
Gewicht
219 Kg
Sitzplätze
1
Anzahl produzierter Flugzeuge
2 Stk.
Vorgeschichte Fliegen, reparieren, fliegen, reparieren
Mit dem Spyr IV wollte August Hug 1941 ein Leistungssegelflugzeug konstruieren, welches seiner Konkurrenz weit überlegen ist. Daher ist der Spyr IV keine Weiterentwicklung des erfolgreichen Thermikseglers Spyr III ( Hochdecker mit geraden Flügeln ), sondern zu einem grossen Teil eine Neuentwicklung. Die vorgepfeilten Knickflügel, welche sehr spitz auslaufen, geben dem Spyr IV ein unvergleichlich schönes Flugbild.
Es wurden vom Spyr IV 2 Stk. gebaut. Der HB-328 ging an Marcel Godinat und der HB-336 an Eduard Lauber.
Der Erstflug des HB-336 fand am 18.01.1942 durch Hermann Schreiber statt. Es zeigte sich schnell, dass der Spyr IV kein einfach zu fliegendes Flugzeug ist.
Der HB-328 von Godinat erlitt bereits 1949, nach diversen kleineren Schäden, bei einem Startunfall definitiv Bruch und wurde aus dem Luftfahrzeugregister gelöscht.
Der HB-336 bereitete E. Lauber gemäss Bordbuch ebenfalls Probleme. Bereits im Frühling 1943, nach einem Jahr, war eine Revision mit diversen Reparaturen fällig. Im Frühling 1944 stand eine «Totalrevision» an. Bei dieser Grundüberholung erhielt der Spyr IV seine «Diana-Creme» Farbe.
Am 26.10.1949 übernahm die Segelfluggruppe Oberaargau das Flugzeug, welche 1952 wiederum eine Gesamtrevision ausführen musste.
Am 15.02.1961 wechselte der Spyr IV erneut den Eigentümer. Eugen Aeberli nahm noch 1962 mit seinem 20 Jahre alten Spyr an den Schweizermeisterschaften teil. Gegen die Leistungssegelflugzeuge der neusten Generation hatte er jedoch keine Chance.
1964 kaufte Fredy Gulz das Flugzeug und 1974 wechselte der Spyr IV zu Martin Brülisauer, welcher ihn bereits ein Jahr später, nach dem internationalen Oldtimertreffen in Gruyère, an Urs Villiger verkaufte. Es stand erneut eine Generalüberholung an.
Die Gesamtsanierung des bereits etliche Male reparierten Flugzeuges erwies sich als schwierig und zog sich in die Länge. Nach 25 Jahren, unzähligen investierten Stunden und einigem an Kosten kippte
am 26.12.1999 der Sturm Lothar den Hänger mitsamt dem eingelagerten Spyr auf die Seite und gab dem Restaurationsprojekt den Todesstoss.
Restauration Was lange währt……….
Am 1.11.2005 konnte ich von Urs Villiger das Restaurationsobjekt mitsamt dem beschädigten Anhänger erwerben. Ich war überglücklich und top motiviert.
Genauere Untersuchungen zeigten jedoch, dass der erwartete, verbleibende Restaurationsaufwand mehr Zeit beanspruchen sollte, als ich im ersten Moment geschätzt hatte. Ich stiess definitiv an meine Grenzen, zumal ich noch andere Projekte am Laufen hatte.
Zu meinem grossen Glück erbarmte sich Willy Fahrni, der damalige Präsident der Oldtimer- Segelflug-Vereinigung Schweiz. Er sagte mir zu, mich bei der Restauration zu unterstützen. Im Spätsommer 2009 durfte ich den Spyr IV in die schöne, gut eingerichtete Werkstatt in Wald ZH überführen.
Wer Willy Fahrni kennt, der weiss, dass es für ihn keine halben Sachen gibt.
Zuerst konstruierte er neue, praktische Einbauten für den Hänger; schliesslich muss ein neu restauriertes Flugzeug auch fachgerecht gelagert werden. Diese Einbauten erleichterten uns später das x-fache Ein- und Ausladen der Flügel und des Rumpfes.
Anschliessend wurde beim Rumpf die ganze Oberfläche entfernt, da sich die Farbe teilweise zu lösen begann. Der Rumpf erhielt eine neue Klinke und mein neues Instrumentenbrett in Ulmenmaser wurde eingebaut. Das Seitenruder musste teilweise neu aufgebaut und der ganze Rumpf mit Baumwolle überzogen und lackiert werden. Nun konnte ich den Rumpf neu spritzen.
Der Rumpf war so perfekt gelungen, dass Willy darauf drängte, die Flügel ebenfalls neu einzutuchen.
Der Entscheid fiel mir leicht, wusste ich doch, dass Willy nicht nur redet, sondern vor allem handelt.
Wenn immer mehrere Hände gebraucht wurden, war Erwin Flammer zur Stelle.
Am 18.09.2014 konnten wir den Spyr IV nach einem Arbeitsaufwand von mehr als 3’000 Stunden in Bettlach durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) prüfen lassen.
Am 15.4.2015, fast 40 Jahre nach seinem letzten Flug, konnte ich den Spyr IV in Grenchen neu einfliegen. Dank der hervorragenden Arbeit von Willy mussten nur einige kleine Anpassungen vorgenommen werden, was bei einer so langen Sanierungszeit mit diversen Anläufen und so tiefgreifenden Arbeiten nicht selbstverständlich ist.
Wie erwartet, hat der Spyr IV beim Starten und Landen, wie auch im Flug einen eigenen (etwas eigenwilligen) Charakter. Nach 3 Jahren, 29 schadenfreien Flügen und 38 Flugstunden habe ich mich dem Spyr IV angepasst und wir harmonieren sehr gut zusammen.
Text: Thomas Fessler