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Winterthur (awp) - Der Industriekonzern Sulzer setzt seine Einkaufstour fort. Die angekündigte Übernahme der Mehrheit des Gasturbinen-Servicegeschäfts der russischen Rotec ist zwar eher klein. Das Geschäft verfügt aber über eine starke operative Gewinnmarge und der bezahlte Preis ist gemäss Analysten nicht zu teuer oder gar günstig. Ausserdem verringert sich die Abhängigkeit vom Öl- und Gasmarkt weiter. Die Aktie reagiert in einem schwachen Gesamtmarkt positiv.
Rotec GT mit Sitz in Moskau wurde bisher mehrheitlich von der Beteiligungsgesellschaft Renova von Viktor Vekselberg kontrolliert, der Hauptaktionärin von Sulzer. Diese behält einen Anteil von 49% am kombinierten Geschäft. Im Jahr 2015 erzielte das Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitenden einen Umsatz von ungefähr 35 Mio CHF sowie eine EBITDA-Marge von etwas über 20%, wie Sulzer am Donnerstag mitteilt.
Sulzer erwirbt die Kontrolle über die Vermögenswerte von Rotec GT, die Gasturbinen-Servicedivision der Rotec-Gruppe. Obwohl Renova mit einem Anteil von 49% am kombinierten Geschäft beteiligt bleibt, obliegt Sulzer die alleinige Unternehmensführung. Das Geschäft wird unter der Marke Sulzer geführt und von Sulzer vollständig konsolidiert.
Sulzer wird Rotec GT mit den eigenen Serviceaktivitäten in Russland, welche bereits einen Umsatz von rund 5 Mio CHF erzielen, zusammenlegen. Damit wird für Russland und die GUS-Länder ein unabhängiger Serviceanbieter für Gasturbinen mit einem Umsatz von rund 40 Mio CHF geschaffen. Rotec GT verfügt über ein Servicezentrum für Gasturbinenbauteile in Jekaterinburg.
Die Transaktion sei zu marktüblichen Bedingungen vereinbart worden, heisst es weiter. Der Unternehmenswert von Rotec GT entspreche vier Mal dem EBITDA, was durch eine unabhängiges Bewertungsgutachten bestätigt worden sei. Die übrigen Aktivitäten der Rotec-Gruppe, wie Dampfturbinenherstellung oder Projekte im Bereich Engineering, Einkauf, und Konstruktion sind nicht Teil der Transaktion.
Geht von man von einem EBITDA von etwas über 7 Mio CHF aus, was sich aus der Marge von gut 20% ergibt, käme der Wert von Rotec GT damit auf gegen 30 Mio CHF zu liegen. Der Anteil von Sulzer für gut die Hälfte dürfte damit knapp 15 Mio CHF kosten.
Sulzer hatte vor wenigen Tagen bereits die Übernahme des in Frankreich und Belgien aktiven Pumpenherstellers Ensival Moret mit einem Umsatz von 123 Mio CHF bekanntgegeben sowie im August die Akquisition der deutschen Geka mit einem Umsatz von rund 150 Mio EUR.
In Marktkreisen wird die Transaktion grundsätzlich wohlwollend beurteilt. Nach der Geka-Akquisition expandiere Sulzer weiter in Bereiche, welche gut zum Geschäft passen würden, heisst es in einer Einschätzung von Kepler Cheuvreux. Das Institut geht davon aus, dass das Exposure von Sulzer gegenüber dem Öl- und Gasmarkt 2017 auf rund 42% zurückgehe. Den Preis für die Akquisition bezeichnet Kepler als günstig. Für die Zürcher Kantonalbank ist der Preis zumindest "nicht überhöht", sie bezeichnet den Deal allerdings von der Transaktionsgrösse her gesehen als immateriell.
Die Bank Vontobel schreibt dazu ebenfalls, dass der Preis vernünftig erscheine. Weiter verweist die Bank auf den Umstand, dass erstmals Hauptaktionärin Renova offen in eine Transaktion von Sulzer verwickelt sei und dabei Sulzer Zugang zum russischen Markt gewähre.
Die Aktie steht im frühen Geschäft 0,7% höher, dies in einem klar rückläufigen Gesamtmarkt.
cf/cp
(AWP)