Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03329.jsonl.gz/1357

50 Jahre Pro Ciné, 1938-1988
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1989 von Peter Ziegler
Vom Fotogeschäft zur Firma Pro Ciné
Nach einer Reihe von Ausbildungs- und Wanderjahren eröffnete Robert Thévenaz
, der im Kanton Solothurn den Beruf des Fotografen erlernt hatte, im Oktober 1936 an der Seestrasse 107 in Wädenswil ein Fotofachgeschäft. Der Anfang in der Zürichseegemeinde war schwer. Mit Tageseinnahmen von mitunter ein bis zwei Franken liess sich auf die Dauer schlecht leben. Doch der ideenreiche Geschäftsmann wusste sich zu helfen: Im Schaufenster seines Ladens führte er am Abend Unterhaltungsfilme vor und machte so die Bevölkerung auf sein Fotogeschäft aufmerksam. Mit dem Einstreuen von Werbetexten in die Filme hatte er zudem eine Möglichkeit der Filmbearbeitung entdeckt.
Dem Laden an der Seestrasse, mit grosser Auswahl an Apparaten, Zubehör und Filmen, war ein eigenes Schwarz-Weiss-Labor angeschlossen. Während Frau Louise Thévenaz hier Filme entwickelte und Bilder kopierte und vergrösserte, widmete sich Robert Thévenaz bald nach der Geschäftseröffnung neuen Ideen: Er konstruierte Kinofilm-Entwicklungsmaschinen für 8-, 16- und 35-Millimeter-Filme und gründetet 1938 die Firma Pro Ciné. Die gegenüber heute monströsen Maschinen hatten eine Länge von sieben Metern und eine Höhe von drei Metern und waren in einem Labor im Oberschoss des Hauses Seestrasse 107 installiert. Eines Tages im Jahre 1945 war eine der Maschinen undicht geworden. Man fing das Wasser mit einer Schale auf und glaubte, die Sache im Griff zu haben. Doch weit gefehlt! Schon nach kurzer Zeit schwappte das Wasser unbemerkt über und fand durch den Boden einen bequemen Abfluss. Der eben vom Barbier Raible im Erdgeschoss eingeseifte Kunde bekam auf diese Weise eine kalte Dusche verpasst!
Bald wurde Pro Ciné Lizenzlabor von Ferrania- und Perutz-Kinofilmen. Anfänglich arbeitete man für den Filmamateur wie für den Filmprofi. So wurden in Wädenswil viele Beiträge für die Tagesschau des Schweizer Fernsehens und für die Schweizer Kinowochenschau entwickelt. Ein vielversprechender, zukunftsträchtiger Weg!
Doch es kam anders. Das Schweizer Fernsehen richtete ein eigenes Entwicklungslabor ein; die Kinowochenschau wurde aufgegeben, und der Kodachrome-II-Film begann dem Schwarz-Weiss-Schmalfilm den Rang abzulaufen. Die Firmen Ferrania und Perutz waren zudem nicht sehr erfolgreich. Pro Ciné musste sich daher in den frühen 1950er Jahren nach einer weiteren Tätigkeit umsehen.
Durchbruch zum Color-Grosslabor
Über das Geschehen auf dem Fotomarkt immer bestens im Bild, passte sich der weitsichtige Unternehmen Robert Thévenaz rasch den neusten Tendenzen in seiner Branche an. Er stellte die Entwicklung von Schmalfilmen ein und spezialisierte sich zukunftsorientiert auf das Verarbeiten von farbigen Papierbildern.
Die Ablösung der Schwarz-Weiss-Fotografie leitete den entscheidenden Schritt zum Foto-Grosslabor ein. 1956 bezog Robert Thévenaz mit 25 Mitarbeitern an der Glärnischstrasse 4 in Wädenswil neue Laborräume in einer eigenen Liegenschaft, der 1962 ein Neubau angegliedert wurde. 1965 begann er mit Kodakgeräten auf Original-Kodak Papier Kodak Filme zu verarbeiten. Einen nächsten wichtigen Schritt vollzog der Firmengründer im Jahre 1971. Im Neubau an der Holzmoosrütistrasse 48 in Wädenswil konnte ein modernes Colorlabor in Betrieb genommen werden. Damit war in der Geschichte des Unternehmens eine neue Etappe eingeleitet.
Die zweite Generation
Nach gründlicher Mitarbeit in allen Abteilungen des Betriebes und nach mehrjähriger Ausbildung im In- und Ausland übernahm im Jahre 1974 René Thévenaz, der Sohn des Gründers, das väterliche Unternehmen. 1980 steigerte er die Produktionskapazität durch eine Erweiterung des Laborgebäudes, 1981 durch den Erwerb des Schwarzweiss-Labors Superprint in Zürich-Oerlikon mit zwanzig Mitarbeitern, 1984 durch den Bezug eines neuen Lager- und Schulungsgebäudes an der Rütibüelstrasse 17 in Wädenswil. Eine weitere Vergrösserung erfuhr die Firma Pro Ciné 1986 durch den Erwerb des Agfa-Gevaert Umkehrlabors in Affoltern am Albis und 1987 durch die Eröffnung des ersten Expresslabors an der Bederstrasse 119 in Zürich.
Belegschaft der Firma Pro Ciné, Colorlabor AG Wädenswil im Jubiläumsjahr 1988.
Aufgeschlossen in die Zukunft
Heute ist das Colorlabor Pro Ciné, das im September 1988 das 50-Jahr-Jubiläum feiern konnte, das bedeutendste Partnerlabor des schweizerischen Fotohandels und mit rund 360 Mitarbeitern der zweitgrösste Arbeitgeber in Wädenswil. Klares Bekenntnis zur Fachhandelstreue, Qualität, breite Produktionspalette, kurze Lieferfristen, gezielte Verkaufsförderung und fachhandelsorientiertes Marketingkonzept sind Säulen der klaren, erfolgreichen Geschäftsphilosophie. Übrigens Die Pro Ciné Colorlabor AG Wädenswil verhält sich auch umweltbewusst. Als erstes derartiges Unternehmen in Europa hat sie eine Entwickler-Recycling-Anlage installiert. Das neue fotografische Entwicklungsverfahren RA-4 von Kodak vermindert den Verbrauch von Chemikalien und entlastet die Abwässer durch die Wiederverwendung der Farbentwickler ganz wesentlich.