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Entomologie
Die SFAR im Dienste der wissenschaftlichen Forschung
Auszug aus: Schweizerische Stiftung für Alpine Forschungen 1939 bis 1970. Erschienen in Zürich 1972
Im Rahmen der von der Stiftung für Alpine Forschung unterstützten Forschung sind die Kleinexpeditionen des Lausanner Insektenforschers Fernand Schmid in verschiedener Hinsicht als Sonderfall zu werten. Mit ungewöhnlicher Zähigkeit und Ausdauer hatte sich Fernand Schmid während seiner Studienjahre in ein umfangreiches Spezialgebiet der Insektenkunde eingearbeitet und sich den Ruf eines gewiegten Kenners der artenreichen Gruppe der Köcherfliegen erworben.
Als sich in den Nachkriegs Jahren für den schweizerischen akademischen Nachwuchs die Grenzen öffneten, setzte sich Fernand Schmid zum Ziel, in einer Reihe von Kleinexpeditionen die Himalaya-Kette in ihrer ganzen Länge von Afghanistan bis Assam zu bereisen, um Insekten aus den ihn interessierenden Artengruppen zu sammeln. Allein oder mit einem einzigen Begleiter (W. Billiger) zog er mit einem Minimum an Ausrüstung durch die Täler auf der Südabdachung der Himalaya-Kette. Er passte sich den Lebensgewohnheiten der einheimischen Bevölkerung an und lebte allen Entbehrungen und Widerwärtigkeiten zum Trotz unbeirrt seiner Forscher- und Sammlertätigkeit. Finanziert wurden seine Feldarbeiten durch den Schweizerischen Nationalfonds; die Stiftung für Alpine Forschung half ihm bei der Beschaffung der bescheiden anmutenden Expeditionsausrüstung und hielt mit ihm während seiner Expeditionen den Kontakt aufrecht.
Im Sommer 1961 erfuhr man, dass Fernand Schmid in Bengalen erkrankt sei und sich vergeblich bemühe, ein Einreisevisum für die zum militärischen Sperrgebiet erklärte NEFA (North Eastern Frontier Area) zu erwirken. In dieser Notlage veranlasste die Stiftung für Alpine Forschung den Forscher zur Rückkehr in die Schweiz, nachdem Interventionen bei hohen indischen Regierungsstellen die Aussichtslosigkeit gezeigt hatten, bei der sich zuspitzenden Auseinandersetzung zwischen China und Indien ein Einreisevisum für das Grenzgebiet zu erwirken. Nach der Heimkehr suchte Schmid an einer Universität oder an einem naturhistorischen Museum eine Stelle, die ihm erlauben sollte, an der Sichtung und Auswertung seiner ungewöhnlich reichen Insektensammlung zu arbeiten. Leider war es nicht möglich, ihm in der Schweiz einen Arbeitsplatz zu verschaffen. So meldete er sich für eine Stelle in einem kanadischen Forschungsinstitut; doch wurde ihm das Einreisevisum vorerst verweigert, da er während seines langen Aufenthaltes im feucht-heissen indischen Tiefland schwer erkrankt war. Mit einem Forschungsstipendium half die Stiftung für Alpine Forschung ihm über die Schwierigkeiten hinweg. Seine Krankheit heilte überraschend schnell aus, so dass ihm die kanadischen Behörden Einreisevisum und Arbeitsbewilligung erteilten. Mit der Auswanderung Schmids ging der Schweiz die einmalige Insektensammlung aus dem Himalaya verloren.