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Kürzere Behandlungsdauer für Protheseninfekte?
Die Finnen haben eine interessante Studie bezüglich der Antibiotikadauer bei Protheseninfekten durchgeführt.
Bisher gibt es zur Dauer der antibiotischen Therapie bei Gelenkprothesen-Infekten keine randomisierten Studien. Es handelt sich um Erfahrungswerte und die meisten Spezialisten halten sich an die emfpohlene Dauer von 6 Monaten bei Kniegelenksprothesen und 3 Monaten bei Hüftgelenksprothesen.
Um zu untersuchen, ob auch eine kürzere antibiotische Behandlungsdauer ausreichend wäre, haben nun Finnische Kollegen zum ersten Mal in standardisierter Form die Resultate einer verkürzten Behandlungsdauer untersucht. Die Studie verglich die Behandlungsresultate von zwei Zeitabschnitten, vor und nach April 2006.
Historische Kontrolle
Bis zum April 2006 wurde die Therapie gemäss der aktuell weitbefolgten Empfehlungen von Zimmerli et al. durchgeführt:
- 6 Monate bei Knieprothesen und
- 3 Monate bei Hüftgelenkprothesen.
Neue Strategie
Ab April 2006 wurde weiterhin gemäss dem Algorhitmus Zimmerli die operative Therapien durchgeführt, die Dauer der antibiotischen Therapie aber verkürzt:
- 3 Monate bei Knieprothesen und
- 2 Monate bei Hüftgelenksprothesen.
Spannende Resultate
Tatsächlich unterschieden sich die beiden Ansätze in dieser Retrospektive nicht. Die Autoren schlossen Patienten aus, bei denen aufgrund klinischer Beurteilung die Behandlungsstrategie geändert wurde und eine Reoperation durchgeführt werden musste. Doch in beiden Perioden betraf dies ca. 1/3 aller Patienten. Von den restlichen 86 Patienten (38 mit langer AB-Therapie) erzielten in beiden Gruppen ca. 88% eine Infektheilung.
Mögliche Probleme
Die Studie hat einige Schwachpunkte: der retrospektive Vergleich von zwei Behandlungsstrategien ist immer schwierig zu beurteilen. Die Kollektive müssen nicht zwingend vergleichbar sein. In einer retrospektiven Analyse von Krankenakten sind auch Endpunkte schlecht definiert. Ob über die 8 Beobachtungsjahre die Frage der Infektfreiheit gleich beurteilt wurde, ist aus den Daten nicht ersichtlich. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass sich die Definition einer Protheseninfektion in den Jahren geändert hat.
Kommentar
Auf jeden Fall wird in dieser grossen Fallserie eine Frage angegangen, über die sich schon manche Infektiologen den Kopf zerbrochen haben. Die Dauer der antibiotischen Behandlung ist gerade bei Protheseninfekten ein offenes Feld. Diese Finnische Analyse könnte nun der erste Schritt zu einer Verkürzung der Therapiedauer bei Protheseninfekten sein, doch eine Änderung der Praxis sollte auf jeden Fall gut evaluiert werden, da Protheseninfekte nach wie vor zu den aufwändigeren Komplikationen der Infektiologie gehören.