Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03142.jsonl.gz/1742

RSV Indikationen InfektionskrankheitenDas Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein RNA-Virus aus der Familie der Pneumoviren, das eine Atemwegsinfektion mit Schnupfen, Halsschmerzen, Husten und Fieber verursacht. Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder. Die Infektion kann zu einer gefährlichen Bronchiolitis und einer Lungenentzündung führen und ist eine häufige Ursache für eine Krankenhauseinweisung. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Tröpfchen, aber auch beim Kontakt mit kontaminierten Gegenständen und Oberflächen sowie durch Körperkontakt. Für die symptomatische Therapie stehen Erkältungsmittel zur Verfügung. Im Krankenhaus wird Sauerstoff und intravenöse Flüssigkeit verabreicht. Für Risikogruppen sind für die medikamentöse Prophylaxe Antikörper zugelassen, die intramuskulär gespritzt werden. Ein Impfstoff wurde in den USA im Jahr 2023 für ältere Menschen freigegeben.Symptome
Zu den möglichen Beschwerden im Zusammenhang mit einer RSV-Infektion gehören Erkältungssymptome wie:
- Schnupfen
- Unproduktiver Husten (Reizhusten), Keuchen, Pseudokrupp, Geräusche beim Atmen
- Fieber, Kopfschmerzen
- Halsschmerzen
- Krankheitsgefühl, Müdigkeit
- Appetitverlust
Das Virus kann die unteren Atemwege befallen und als Komplikationen eine Bronchiolitis und eine Lungenentzündung mit einem Sauerstoffmangel (Hypoxie) und einer Zyanose, Atemstörungen und einer raschen Atmung (Tachypnoe) auslösen. Dadurch wird eine Hospitalisation erforderlich. Die Krankheit kann im schlimmsten Fall einen tödlichen Ausgang nehmen, insbesondere beim Vorliegen von Risikofaktoren und bei einer unzureichenden Therapie. In der Schweiz sind Todesfälle aufgrund der guten Versorgung sehr selten. Zwei weitere häufige Komplikationen sind eine Mittelohrentzündung und eine Dehydratation.
Die Infektion kommt häufig bei Frühgeborenen, Säuglingen und Kleinkindern vor, aber auch bei grösseren Kindern. Die meisten Fälle werden im Spätherbst und im Winter beobachtet. Keine andere Atemwegserkrankung führt bei Kindern so häufig zu einer Krankenhauseinweisung. Im Alter von drei Jahren haben praktisch alle Kinder die Erkrankung durchgemacht. Eine Reinfektion kann jedoch auftreten, weil die Immunität unzureichend ist.Ursachen
Die Ursache der Erkrankung ist eine Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), ein behülltes, einsträngiges RNA-Virus aus der Familie der Pneumoviridae, das sich in den Epithelzellen (Flimmerepithel) der Atemwege vermehrt und die Zellen und das Gewebe schädigt. Das Virus wurde erstmals im Jahr 1956 bei Schimpansen mit Schnupfen entdeckt.
Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Tröpfchen, die von den Erkrankten zum Beispiel beim Niesen oder Husten ausgeschieden werden. Auch über kontaminierte Gegenstände, Oberflächen und beim Körperkontakt ist eine Ansteckung möglich. Die Inkubationszeit beträgt wenige Tage bis etwa eine Woche und die Dauer der Ansteckungsfähigkeit etwa 3 bis 8 Tage. Eine Übertragung von Menschen ohne Symptome wird ebenfalls beobachtet.Diagnose
Die Diagnose wird in ärztlicher Behandlung anhand der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und mit Labormethoden gestellt. Das Virus kann mit einem nasopharyngealen PCR-Test oder einem Antigen-Schnelltest nachgewiesen werden.
Bei der Diagnose müssen anderen Ursachen wie beispielsweise eine einfache Erkältung, eine Grippe, Bakterieninfektionen und Covid-19 ausgeschlossen werden. Dies ist alleine aufgrund der Symptome nicht möglich.Nicht medikamentöse Behandlung
Die meisten Infektionen sind selbstlimitierend und gehen innert einer bis zwei Wochen von alleine vorbei. Wie bereits erwähnt, ist aber auch ein schwerer Verlauf möglich. Es wird Bettruhe und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr empfohlen.Medikamentöse Behandlung
- Für die Vorbeugung schwerwiegender Erkrankungen steht für Kinder mit definierten Risikofaktoren der Antikörper Palivizumab (Synagis®) zur Verfügung. Er bindet an das Virus und neutralisiert es. Das Arzneimittel wird während der kritischen Zeit einmal pro Monat intramuskulär gespritzt.
- Ein weiterer Antikörper ist Nirsevimab (Beyfortus®), der in der EU im Jahr 2022 für die Vorbeugung freigegeben wurde. Er wird ebenfalls intramuskulär gespritzt, hat aber eine lange Halbwertszeit von 69 Tagen und wird als Einmaldosis verabreicht.
- Ribavirin (umstritten)
Medikamente für die symptomatische medikamentöse Therapie leichter Infektionen:
- Paracetamol oder NSAR wie Ibuprofen für die Behandlung von Fieber und Schmerzen.
- Nasensprays für die Behandlung des Schnupfens.
- Antitussiva gegen den Hustenreiz.
- Weitere Erkältungsmittel, z.B. Pelargonium sidoides
Im Krankenhaus wird unter anderem Sauerstoff verabreicht und eine Intubation und Beatmung kann erforderlich sein. Flüssigkeit und Elektrolyte werden intravenös oder über eine Magensonde gespritzt. Antibiotika sind nicht gegen Viren wirksam und nur angezeigt, wenn eine Superinfektion vorliegt. Die Wirksamkeit inhalativer Glucocorticoide und Sympathomimetika wird in der Literatur unterschiedlich bewertet.Vorbeugung
- Erkrankte sollen zu Hause bleiben.
- Die Hände mit Wasser und Seife waschen oder mit einem Händedesinfektionsmittel desinfizieren.
- Eine Hygienemaske oder FFP2-Maske tragen.
- Abstand halten, Körperkontakt vermeiden.
- Husten und Niesen in die Ellenbeuge oder in ein Einwegtaschentuch.
- Keine Gegenstände miteinander teilen, also beispielsweise Handtücher.
- Spielzeuge reinigen.
- Desinfektion von Oberflächen.
- In der Umgebung von Kindern nicht rauchen.
Im Jahr 2023 wurde in den USA ein Impfstoff für Menschen ab einem Alter von 60 Jahren zugelassen.siehe auchLiteratur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH, EMA)
- Barr R., Green C.A., Sande C.J., Drysdale S.B. Respiratory syncytial virus: diagnosis, prevention and management. Ther Adv Infect Dis, 2019, 6 Pubmed
- Borchers A.T. et al. Respiratory syncytial virus - a comprehensive review. Clin Rev Allergy Immunol, 2013, 45(3), 331-79 Pubmed
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC)
- Chatterjee A., Mavunda K., Krilov L.R. Current State of Respiratory Syncytial Virus Disease and Management. Infect Dis Ther, 2021, 10(Suppl 1), 5-16 Pubmed
- Domachowske J.B., Anderson E.J., Goldstein M. The Future of Respiratory Syncytial Virus Disease Prevention and Treatment. Infect Dis Ther, 2021, 10(Suppl 1), 47-60 Pubmed
- Piedimonte G., Perez M.K. Respiratory syncytial virus infection and bronchiolitis. Pediatr Rev, 2014, 35(12), 519-30 Pubmed
- Robert Koch Institut (RKI-Ratgeber)
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.