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Winfried Bader und Peter Zürn zum neuen Lesejahr A und zur Auslegungsreihe in der SKZ
Im neuen Lesejahr steht das Matthäusevangelium im Zentrum der Leseordnung. Als der Evangelist Matthäus – um wen es sich dabei historisch auch immer gehandelt haben mag – daran geht, seine Geschichte von Jesus Christus, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams (Mt 1,1) zu schreiben, tut er das, indem er in der Bibel liest. Er liest in seinen Heiligen Schriften, der jüdischen Bibel in der Form der Hebräischen Bibel oder deren Übersetzung ins Griechische, der sogenannten Septuaginta, die wir Christinnen und Christen als Altes Testament bezeichnen und die heute der erste Teil unserer Bibel ist. Matthäus gestaltet sein Evangelium durchgehend mit Verweisen auf die Bibel/das Alte Testament und zitiert intensiv daraus. Die Einheitsübersetzung führt im Matthäusevangelium insgesamt 282 Verweisstellen auf das Alte Testament an. Die Neue Zürcher Bibelausgabe nennt bereits für den Stammbaum zu Beginn des Evangeliums 22 Verweise. Und das sind nur die offensichtlichsten. Es lassen sich noch viel mehr finden. Am bekanntesten ist der Bezug zum Alten Testament bei Matthäus wohl in der Form der sogenannten Erfüllungszitate. Insgesamt zehnmal schreibt Matthäus, dass das, was er vom Leben und der Praxis Jesu verkündet, geschehen ist, «damit sich erfüllt, was durch den Propheten gesagt worden war». Dabei zitiert er aus den prophetischen Schriften. Die Erfüllungszitate ziehen sich durch das ganze Evangelium (Mt 1,22–27,9). Gehäuft treten sie im Prolog des Evangeliums auf (Mt 1–2). Sie haben dort eine programmatische Funktion. Ulrich Luz formuliert: «Im Prolog setzt Mt seinen Leser/innen durch die dichte Folge der Erfüllungszitate ein ‹Licht› auf. Die im übrigen Evangelium verstreuten Erfüllungszitate sind dann Erinnerungen daran.»1
Das jüdische Neue Testament
Matthäus liest also intensiv und genau in der Bibel. Er legt in seinem Evangelium die Schrift aus. Matthäus ist ein Schriftgelehrter. Er schreibt einen jüdischen Text im Kontext anderer jüdischer Texte und anderer Formen jüdischer Bibelauslegung. Jüdische Texte und die jüdische Heilige Schrift (auf Hebräisch oder Griechisch) stellen ihm die Sprachspiele und Denkkategorien bereit, die auch seinen Leserinnen und Lesern vertraut waren. Ohne diese gemeinsamen, allen bekannten Sprachspiele, Gedankenwelten und Formulierungen wäre der neue Gedanke von Jesus, dem Christus, nicht zu vermitteln gewesen. Matthäus muss auf die vertrauten Formulierungen und bekannten Assoziationen zurückgreifen, um seine Botschaft verständlich zu machen.
Ohne Kenntnis der alttestamentlichen Verweisstellen und des jüdischen Kontextes ist das Matthäusevangelium nicht angemessen zu verstehen. Das gilt für alle Texte des Neuen Testamentes. Hubert Frankemölle hat das in seinem Grundlagenwerk für den jüdisch-christlichen Dialog – «Das jüdische Neue Testament und der christliche Glaube»2 – überzeugend dargestellt.
Genau hier haben wir Christinnen und Christen und auch wir Theologinnen und Theologen aber Nachholbedarf. Wir kennen das Alte Testament nicht gut genug, und wir wissen wenig von jüdischer Bibelauslegung. Eine Schriftgelehrte bzw. ein Schriftgelehrter zu sein, ist bei uns keine positiv besetzte Bezeichnung. Es ist aber nie zu spät, das zu ändern. Ein Projektteam der Bibelpastoralen Arbeitsstelle hat sich vor vier Jahren auf den Weg gemacht und begonnen, Bibeltexte im Kontext des Judentums wahrzunehmen und auszulegen. In den ersten drei Jahren standen dabei die alttestamentlichen Sonntagslesungen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Daraus entstanden die Auslegungen zum Lesejahr in der «Schweizerischen Kirchenzeitung», die sich in zwei Schritten an die alttestamentlichen Texte annäherten: das Hauptgewicht lag im Versuch, die Texte «mit Israel [zu] lesen». Erst danach ging es darum, sie «mit der Kirche [zu] lesen».3
Seit einem Jahr nun legt das Projektteam in erweiterter Besetzung die Sonntagsevangelien aus. Für das kommende Lesejahr besteht das Team aus neun Personen: Franz Annen, Winfried Bader, Dieter Bauer, Hanspeter Ernst, Ursula und Hans Rapp, Simone Rosenkranz, Katharina Schmocker und Peter Zürn.4 Bei jedem Artikel wird die Autorin bzw. der Autor mit Bild kurz vorgestellt.
In der aktuellen Auslegungsreihe in der SKZ geht es grundsätzlich darum, die Evangelien als jüdische Texte wahrzunehmen und sie in den Kontext des Judentums der damaligen Zeit zu stellen. Das setzen wir um, indem wir von jeder Evangelienperikope aus nach Verweisen und Bezügen auf andere Texte suchen, vor allem auf biblische Texte im Alten Testament, aber auch auf ausserbiblische Schriften des Judentums. Dieser Schritt trägt in den Auslegungen, den Titel: «Was in den Schriften geschrieben steht». In diesem Schritt wird in einer Art Auslegeordnung ein bunter Strauss von Verweisstellen und thematischen Bezügen gebunden. Ein besonders wichtiges Thema wird dann im zweiten Schritt unter dem Titel «Mit [dem Evangelisten] im Gespräch» intensiver verfolgt, diskutiert und möglichst in seiner Aktuali tät bis heute aufgezeigt. Diese Struktur ist natürlich idealtypisch. Je nach Text und Thema kann es auch zu Abweichungen kommen.
Mehrwert für das Bibellesen
Was bringt eine solche Auslegung an Mehrwert? Was lernen Sie als Leserin, als Leser, was es nicht auch anderswo zu lesen gibt?
Das Grundlegende ist, dass der Blick aufs Judentum uns zu unseren Wurzeln führt. Evangelien als jüdische Erzählungen wahrzunehmen heisst, Juden als Geschwister zu betrachten und aus der Gemeinschaft zu leben. Das relativiert manche scheinbare Antijudaismen, die wir in den Evangelien finden, als Ausdruck eines innerjüdischen Diskurses, des Ringens um einen Weg. So wurden ja das Christentum anfangs einfach als «der neue Weg» bezeichnet.
Der eigentliche Gewinn aber bei dieser Art der Auslegung ist es, von der jüdischen Weise mit Texten und der Heiligen Schrift umzugehen, zu lernen. Jüdische Ausleger beginnen nicht bei systematischen Überlegungen und Theorien über den Text, sondern sie lesen den Text selbst. Die Lesenden (mehrheitlich sind es Rabbiner) selbst sind das Subjekt der Auslegung. Sie beginnen mit den eigenen Beobachtungen zum Text. Bei Verständnisschwierigkeiten, bei mangelnden Hinweisen für eine Interpretation und bei Auffälligkeiten befragen sie zuerst andere Texte der Heiligen Schrift, die über Stichworte (Konkordanz) oder Assoziationen herbeizitiert werden. Zwar mutet uns das, wenn wir rabbinische Kommentare lesen, oft sehr fantasievoll an. Das mag sein, aber das Grundanliegen dahinter ist sehr nüchtern, richtig und wichtig: Texte legen sich in ihrem Kontext selbst aus, sprich: Evangelientexte erklären sich selbst im Kontext der Bibel. Diese Methode findet sich unter dem Stichwort Intertextualiät oder Kanonische Schriftauslegung in der exegetischen Wissenschaft (siehe dazu den Literaturhinweis unten).
Dieses Verfahren gilt auch als Hermeneutik für eine christliche Bibelauslegung. Vor jeder theologischen Systematik spricht der einzelne Text zum Leser, zur Leserin als die für die Auslegung verantwortliche Instanz. Der Bibeltext ist massgebender Gesprächspartner für die Interpretation. Lesende müssen durch genaue Textbeobachtungen und Textwahrnehmung am Text selber Mass nehmen. Ihre Selbstständigkeit liegt darin, dass sie ausser dem Text zunächst niemandem verpflichtet sind. Sie dürfen ihr eigenes Denken in das Gespräch mit dem Text einbringen und so in einer wirklichen Begegnung mit dem Text eigene Erfahrungen machen. Sie können dann ihre Erfahrung mit dem Text (z. B. in der Predigt) weitererzählen. Denn das Christentum ist nicht in erster Linie eine Buchreligion, sondern zu allererst wie seine Mutter und Schwester, das Judentum, eine Erzählreligion. Von Anfang an besteht die Religion des Judentums und Christentums darin, dass eigene Erfahrungen mit Gott, Erfahrungen aus der Begegnung mit Jesus, später bei den Kirchenvätern die eigene Erfahrung beim Lesen der biblischen Texte, deutend weitererzählt werden. Daher kennt das Christentum ursprünglich auch keine einheitliche systematische Theologie, sondern genuin ist ihm die Vielfalt der erzählerischen Stoffe und Möglichkeiten. Um heute nun (als Prediger oder Predigerin) nicht irgendeine Erfahrung, sondern die Erfahrung mit unseren Wurzeln, den biblischen Texten, weitererzählen zu können, ist eine intensive Textarbeit für ein echtes eigenes Verständnis des Textes notwendig.
Wie es die jüdischen Rabbinen vormachen, sind dann bei Unverständlichkeiten zuerst andere Texte der Heiligen Schrift zu befragen. Das ist wie oben bereits gesagt, das Verfahren der Auslegungsreihe jeweils im ersten Schritt unter der Überschrift: «Was in den Schriften geschrieben steht». Es geht darum, die ganze Heilige Schrift als Auslegungshintergrund und Verstehensfolie wahr zu nehmen. Der Leser/die Leserin ist dabei eingeladen, in das Gespräch der Texte mit einzusteigen, sorgfältig auf die vielen Stimmen, die von dort aus entgegenkommen, zu hören, um sich dann in das Gespräch einzubringen und mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen daraus hervorzugehen.
Eine solche Art der textbasierten Auslegung ist zutiefst antihierarchisch. Jeder kann lesen! Jede kann beobachten! Und alle können auf die Vielfalt der Texte hören! Da braucht es keine Macht, die ein Textverständnis vorgibt. Zu lesen und auf die Texte zu hören, ist die demokratische Kompetenz des ganzen Volkes Gottes.
Eine vorweihnachtliche Wunschliste
Schon mit den Auslegungen der alttestamentlichen Texte im Projektteam der Bibelpastoralen Arbeitsstelle haben wir immer wieder Neuland betreten. Wir haben zuweilen erst im Tun erkannt, was wir da eigentlich unternehmen, und wir haben ständig Neues und dazugelernt.5 So ist es auch jetzt in der neuen Reihe der Evangelienauslegung. Wir haben einen intensiven Weiterbildungsprozess mit offenem Ende begonnen, der unsere bibeltheologische Kompetenz fördert. Die Erarbeitung der meisten Auslegungen verschafft uns selbst lustvolle Erkenntnisgewinne.
Wir gestalten diese Auslegungsreihe aber nicht nur für uns, sondern in erster Linie für Sie, die Leserinnen und Leser der SKZ. Sie sollen in erster Linie für Ihre Predigten Anregungen und Hilfestellungen bekommen. Die Rückmeldungen, die wir dazu bekommen, sind überwiegend positiv. Dabei ist sicher wichtig zu betonen, dass wir mit unseren Auslegungen keine fertigen Predigtvorlagen liefern wollen und können. Wir verstehen die Auslegungen vielmehr so, dass wir Ihnen Anwege zum Evangeliumstext und seiner Auslegung aufzeigen, sie gangbar machen und exemplarisch gehen.
In diesem Artikel sollen die Anregungen und Hilfestellungen weitergeführt werden. Sie, die Leserinnen und Leser der Auslegungen, sollen ermutigt und befähigt werden, selbst an biblischen Texten zu arbeiten, um sie als jüdische Texte zu verstehen und im Kontext ihrer Beziehungen zu anderen biblischen Texten auszulegen. Vielleicht rennen wir mit den folgenden Empfehlungen offene Türen ein und nennen nur das, womit Sie sowieso schon arbeiten. Vielleicht sind Sie aber auch froh über die Auflistung.
Wir verstehen sie durchaus als vorweihnachtliche Wunschliste. Wir wünschen uns und Ihnen, dass die hier genannten Hilfsmittel für die Arbeit mit der Bibel in jedem Pfarramt vorhanden sind. Was kann also dabei helfen, die Evangelientexte im nächsten Lesejahr genau und in ihrem innerbiblischen Kontext wahrzunehmen, welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung und wie setzt man sie ein?
Bibelausgaben
Als Erstes ist die Verwendung der Griechischen Bibel zu nennen. Den Grundtext selbst, im Griechischen, Wort für Wort wahrzunehmen, hilft, genauer zu lesen, Schlüsselworte mit ihren Bedeutungsvarianten, Wortfelder und sich wiederholende Ausdrücke wahrzunehmen. Im Grunde geht es vor allem darum, die Zeit der Textwahrnehmung zu verlängern, um die eigne Erfahrung mit dem Text länger und reicher zu machen. Ein gutes Hilfsmittel dabei ist eine Interlinearübersetzung.6 Diese Übersetzung findet für jedes griechische Wort eine deutsche Übersetzung und druckt sie jeweils direkt unter das griechische Wort. So kann der Verlauf des griechischen Textes genau nachvollzogen werden. Ausserdem übersetzt die Interlinearübersetzung konkordant, d. h. das griechische Wort an jeder Stelle, an der es auftaucht, mit dem gleichen deutschen Wort. So können Texte, die sich über die Verwendung gleicher Worte aufeinander beziehen, wahrgenommen werden.
Wertvolle Dienste leistet auch die Verwendung verschiedener deutschsprachiger Übersetzungen nebeneinander. Ausgangspunkt ist im liturgischen Bereich meist die Einheitsübersetzung, eine philologisch verantwortete Übertragung in modernes flüssiges Deutsch. Eine andere Übersetzung ist die ökumenische Gute Nachricht Bibel. Sie ist wertvoll, weil sie Bilder und historisch bedingte Formulierungen im Text in moderne Umschreibungen auflöst und dabei dem Mainstream der exegetischen Interpreten folgt.
Um genauer am Urtext zu arbeiten, hilft aber die Elberfelder Übersetzung mehr. Dabei handelt es sich um eine Übersetzung, die von bibeltreuen evangelischen Kreisen am Ende des 19. Jahrhunderts im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld angefertigt wurde. Diese Übersetzung fühlt sich den biblischen Originalsprachen verpflichtet, manchmal auf Kosten der deutschen Verständlichkeit. Gerade aber wenn es um genaue Sprache geht, um langsames Begreifen, darum, was denn mit den einzelnen Wörtern gemeint sein könnte, ist diese Übersetzung sehr hilfreich, weil sie das Lesen bremst und beim Verstehen Mühe bereitet. Das ist in diesem Fall hilfreich.
Die letzten Jahre haben im Bereich der Bibelübersetzungen eine neue Fülle an Möglichkeiten gebracht. Die Bibel in gerechter Sprache (BigS) und die Neue Zürcher Bibelübersetzung sind erschienen. Als besonders hilfreich für die genaue Textarbeit sind bei der BigS die fortlaufenden Verweise am Rand auf zentrale Begriffe im Text in ihrer hebräischen oder griechischen Form. Im Anhang sind diese Worte dann ausführlich erklärt. Die Bibelausgabe bietet also zugleich ein kleines bibeltheologisches Wörterbuch.
Bisher haben wir sogenannte Vollbibeln vorgestellt, also Bibelausgaben, die Altes und Neues Testament umfassen. Solche Bibelausgaben ermöglichen ja erst die Suche nach intertextuellen Verweisen innerhalb der ganzen Bibel. Für die genaue Textarbeit an Texten des Neuen Testamentes seien aber noch zwei Übersetzungen des Neuen Testamentes besonders empfohlen, und zwar die Übersetzung von Fridolin Stier und das Münchener Neue Testament.
Kurz zusammengefasst lässt sich sagen: Die beste Bibelübersetzung sind fünf verschiedene Bibelübersetzungen!
Intertextuelles Lesen
Wie sucht und findet man nun, ausgehend von einem Evangelientext, die Verweise auf das Alte Testament in Form von Zitaten oder Anspielungen?
Das Einfachste ist, die Querverweise zu beachten, die in den verschiedenen Bibelausgaben am Rand, in den Fussnoten oder jeweils am Ende von Abschnitten angegeben sind. Diese Verweisstellen sind in den einzelnen Bibelausgaben verschieden reich. Wer genauer damit arbeitet, erkennt in ihrer Auswahl durchaus auch Tendenzen und Absichten der Herausgeber. Sie führen aber in der Summe in jedem Fall auf einige Stellen im ersten Testament, auf die der Evangelientext anspielt oder sogar direkt zitiert.
Die andere Möglichkeit ist, selbst auffallende Stichworte in Konkordanzen nachzuschlagen. Auch hier empfiehlt es sich, verschiedene Konkordanzen zu verschiedenen Übersetzungen zu verwenden. Eine deutsche Bibelkonkordanz gibt immer nur den Sprachbestand einer deutschen Übersetzung wieder, und es ist nun einmal so, dass die verschiedenen Übersetzungen Begriffe der Originalsprachen verschieden wiedergeben und dabei oft – als scheinbares Zugeständnis an die Verständlichkeit – für einen Begriff verschiedene deutsche Worte verwenden. Aber man kommt bei der Arbeit mit Konkordanzen in jedem Fall viel weiter als nur mit den Verweisstellen der Bibelausgaben. Für die Einheitsübersetzung ist seit kurzem eine Konkordanz im Taschenbuchformat7 auf dem Markt. Wer nicht nur mit Hilfe von Büchern am Buch der Bücher arbeitet, sondern auch digitale Medien verwendet, bekommt die verschiedenen beschriebenen Hilfsmittel noch leichter angeboten. So erhält die Quadro-Bibel eine CD-ROM für den PC mit Bibelausgaben und Suchprogrammen, die es inzwischen in 5. Version gibt, mehrere der bisher genannten Hilfsmittel: verschiedene Übersetzungen, Querverweise und Konkordanzsuche. Fünf Übersetzungen stehen parallel zur Verfügung – die Einheits-, die Luther- und die Elberfelder Übersetzung, die Gute Nachricht Bibel und die neue Zürcher Übersetzung (weitere Übersetzungen sind ergänzbar) – sodass bereits am Bildschirm ein schneller Textvergleich möglich ist. Die Querverweise der jeweiligen Bibelausgaben lassen sich mit Mausklick wie ein Internetlink leicht und schnell verfolgen. Die Konkordanzarbeit wird durch eine Volltextsuche (in lemmatisierter Form) ermöglicht. Wer mit deutschen Bibeltexten arbeitet, findet für die vorgeschlagene Art der Bibelarbeit in der Quadro-Bibel das beste Hilfsmittel (www.quadro-bibel.de). Wer mit originalsprachlichen Texten arbeitet, dem/der leistet die Stuttgarter Elektronische Studienbibel (SESB) die gleichen hervorragenden Dienste.8
Manchmal hilft über all das bisher Empfohlene hinaus auch ein biblisches Wörterbuch weiter, wenn es darum geht, das Bedeutungsspektrum eines Wortes, seine historischen und theologischen Bedeutungen, zusammenfassend und überblicksartig zu erfassen. Und auch Bibellexika sind ein wertvolles Hilfsmittel, um Zusammenhänge zwischen Texten zu erkennen. Besonders empfehlenswert sind in Buchform Herders Neues Bibellexikon, das vom Bibelwerk der Diözese Linz massgeblich gestaltet wurde und bei der Bibelpastoralen Arbeitsstelle erhältlich ist (www.bibelwerk.ch), und als Internetlexikon www.wibilex.de, ein biblisches Lexikon, das sich noch im Aufbau befindet, bereits jetzt aber über 850 Einträge verfügt.
Da innerhalb der Leseordnung der Sonntagsevangelien die Gleichnisse Jesu eine besondere Rolle spielen, sei noch ein weiteres Grundlagenwerk empfohlen und in die Weihnachtswunschliste aufgenommen: das Kompendium der Gleichnisse Jesu.9 Zu allen Gleichnissen und Parabeln aus den verschiedenen Evangelien (inklusive der Spruchquelle Q und des Thomasevangeliums) finden sich hier verschiedene Zugänge zum Text. Neben der sprachlich-narrativen und der sozialgeschichtlichen Analyse gibt es auch ausführliche Hinweise auf Parallelüberlieferungen im Judentum und auf die Auslegungs- und Wirkungsgeschichte des Gleichnisses.
Noch einmal Matthäus
Kommen wir zum Schluss noch einmal auf das Matthäusevangelium zurück, das im kommenden Lesejahr im Zentrum stehen wird. Mit dem Matthäusevangelium können nicht nur Sie als Predigerin oder Prediger genau und intertextuell Bibellesen lernen. Sie können ausgehend vom Matthäusevangelium auch Bibelarbeiten in Ihrer Gemeinde anbieten, bei denen die Teilnehmenden sich im kanonischen Bibellesen üben. Ganz im Sinne der Förderung der demokratischen Kompetenz des Volkes Gottes beim Auslegen der Bibel. Sechs ausgearbeitete kanonische Bibelarbeiten liegen im neuen Band der WerkstattBibel vor. Der Band trägt den Titel «Damit sich erfüllt …» Mit Matthäus die Bibel lesen.10 Bei den sechs Bibelarbeiten des Bandes werden 27 Bibeltexte aus 14 verschiedenen biblischen Büchern miteinander ins Gespräch gebracht. Ausgangspunkt ist jeweils das Matthäusevangelium. Mit Matthäus und seiner Gemeinde wird dann die Bibel gelesen. Der Band bietet ausserdem eine Einführung in die kanonische Bibelauslegung und beschreibt dafür geeignete Methoden.
Ein letzter Hinweis: 2011 werden die Auslegungen der Alttestamentlichen Sonntagslesungen der Lesejahre A, B und C, die zwischen 2006 und 2009 in der SKZ erschienen sind, in Buchform vorliegen. Herausgeberin wird Dr. Katharina Schmocker sein, die auch zum Projektteam der aktuellen Auslegungsreihe gehört. Geplanter Erscheinungstermin ist Herbst 2011.
1 Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus (= EKK Band I/1). Neukirchen-Vluyin 52002, 197.
2 Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2009.
3 Grundsätzliches zur Reihe: Dieter Bauer: Die Bibel Jesu ernst nehmen. Zu den alttestamentlichen Lesungsauslegungen der kommenden Lesejahre, in: SKZ 174 (2006), Nr. 47, 783–784.789–791.
4 Wir danken an dieser Stelle Andrea Moresino Zipper und Ursula Rudnick ganz herzlich, die im letzten Jahr mitgeschrieben haben, jetzt aber aus Zeitgründen aufhören.
5 Mehrmals haben wir uns in speziellen Veranstaltungen im Zürcher Lehrhaus in jüdischer Bibelauslegung weiterbilden lassen und sind dankbar für die Impulse, die wir erhalten haben. Es ist erfreulich, dass das Lehrhaus im Projektteam der neuen Reihe direkt vertreten ist.
6 Das Neue Testament Interlinearübersetzung Griechisch-Deutsch gibt es in einer Ausgabe des Hänssler-Verlages, Holzgerlingen, in der 7. Auflage 2003.
7 Hrsg. Michael Hartmann, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009.
8 Die Stuttgarter elektronische Studienbibel wird in der Schweiz von der Schweizer Bibelgesellschaft in Biel vertrieben (www.die-bibel.ch).
9 Hrsg. Ruben Zimmerman, Gütersloher Verlagsanstalt, Gütersloh 2009.
10 WerkstattBibel Band 14, Hrsg. Peter Zürn und Michael Nuber, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010, 96 Seiten, 21.90 Franken. Erhältlich bei der Bibelpastoralen Arbeitsstelle, Bederstrasse 76, 8002 Zürich, Telefon 044 205 99 60, E-Mail <email-pii>, www.bibelwerk.ch/shop.