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Behandlung bei Eisenmangel und Eisenmangelanämie
Die Symptome eines Eisenmangels ohne Anämie (Müdigkeit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Wärmeregulation, Haarausfall, Verlust der geistigen Fitness) sowie der verminderte rote Blutfarbstoff bei Eisenmangelanämie sprechen nachgewiesenermassen auf eine Eisentherapie an.
Bei einem Ferritin <30 µg/l und Klagen einer Patientin oder eines Patienten über entsprechende Symptome eines Eisenmangels ist eine Behandlung gerechtfertigt, wenn keine Anhaltspunkte für eine andere Ursache der Beschwerden vorliegen.
Ferritinwerte zwischen 30 und 50 µg/l entsprechen einer Grauzone, wo individuell über einen Therapieversuch mit Eisen entschieden werden muss. Bei einem Ferritin > 50 µg/l wird bei fehlenden begleitenden Entzündungszeichen von einem genügend grossen Eisenspeicher ausgegangen. Ohne nachgewiesenen Mangel darf keine Eisengabe erfolgen, da der Körper über keine Regulationsmechanismen verfügt, um überschüssiges Eisen auszuscheiden und eine potentielle Eisenüberladung gefährlich ist.
Die Substitution des Eisens erfolgt entweder durch Tabletten oder direkt in die Vene, je nach Verträglichkeit und Begleitumständen. Mittels Ernährung kann nur etwas erreicht werden, wenn der Eisenmangel die Folge einer unausgewogenen Diät war.
Der Eisenbedarf hängt vom Blutfarbstoff- (Hämoglobin-) sowie vom Ferritinwert ab.
Formen der Eisenbehandlung
Eisen in Tablettenform, als Tropfen oder als Sirup
Eisentabletten, -tropfen und -sirup lassen sich problemlos einnehmen.
Man unterscheidet zwischen zwei- und dreiwertigen Eisenpräparaten.
Empfohlen wird ein Beginn mit 80-100 mg Eisen pro Tag und eine Steigerung der Tagesdosis auf 200 mg Eisen ab der zweiten Therapiewoche. Eine optimale Resorption des Eisens besteht bei zweiwertigen Eisenpräparaten ca. eine Stunde vor der Mahlzeit. Um eine optimale Wirkung zu erreichen sollen die Tabletten bei dreiwertigem Eisen mit den Mahlzeiten geschluckt werden. Meistens ist eine Therapiedauer über 3-6 Monate erforderlich. Bei dreiwertigem Eisen werden - im Gegensatz zu zweiwertigem Eisen - keine Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln oder Medikamenten festgestellt.
Die Entscheidung, ob ein Präparat mit zweiwertigem oder dreiwertigem Eisen zum Einsatz kommt, muss individuell gefällt werden. Die Verträglichkeit von dreiwertigem Eisen ist besser als diejenige von zweiwertigem. Häufigste Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung oder Krämpfe. Zweiwertiges Eisen hingegen soll besser resorbiert werden als dreiwertiges, was im Praxisalltag jedoch kaum Bedeutung hat. Da dreiwertiges Eisen in der Regel besser vertragen wird ist meistens auch der Therapieerfolg besser.
Eisen intravenös
Die derzeit erhältlichen Eisenpräparate erlauben die intravenöse Verabreichung von hohen Eisendosen in einer begrenzten Zeit in der Hausarztpraxis.
Dank der vereinfachten Verabreichung ist auch die Belastung für die Patienten deutlich zurückgegangen.
Wann intravenös?
Intravenös appliziertes Eisen kommt vor allem in folgenden Situationen zur Anwendung:
- Unverträglichkeit der oralen Therapie oder unverlässliche Einnahme
- Schwere Blutung bei Geburt oder Operationen
- Eisenverlust (z.B. starke Monatsblutung oder wiederkehrende Magendarmblutungen) übersteigt die durch Tabletten mögliche Eisenaufnahme
- Chronische Magen-Darm-Erkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), nach grösseren Magen- oder Dünndarmentfernungen
- Fortgeschrittenes Nierenversagen
- Eisenmangelanämie bei Krebspatienten, vor allem unter Chemotherapie
- Blutarmut bei schwerer Herzschwäche
Bei chronischem Nierenversagen, Krebs, Polyarthritis und Herzschwäche kann ein funktioneller Eisenmangel bestehen. Bei diesen Patienten ist das Ferritin normal oder hoch, das Eisen kann jedoch für die Blutbildung ungenügend genutzt werden. Eisentabletten sind in dieser Situation unwirksam, im Gegensatz zu intravenösem Eisen, welches helfen kann, die Bluttransfusionshäufigkeit zu reduzieren. In diesen Fällen wird die intravenöse Eisentherapie häufig mit Erythropoetin (EPO), einem Hormon, das die Blubildung anregt, kombiniert.
Kontrollen/Nachsorge
Das Ziel der Eisentherapie bei Eisenmangel ist die Verbesserung der Symptomatik und das Auffüllen der Speicher. Bleiben die Symptome nach mehrwöchiger Eisenbehandlung mit Tabletten, Tropfen oder Sirup oder nach intravenöser Eisengabe bestehen, wird der Patient erneut untersucht:
- Kontrolle der Diagnose
- Besteht eine verminderte Aufnahme (die Eisenaufnahme hemmende Medikamente oder Ernährung, Zöliakie, Helicobacter pylori, Autoimmun-Magenentzündung)?
- Weiter bestehender, die Eisengabe überwiegender Eisenverlust?
- Kooperation des Patienten?
Laborchemisch ist ein Ziel-Ferritin von ≥100 µg/l anzustreben. Die Kontrolle des Ferritins erfolgt bei mit Tabletten behandelten Patienten nicht vor 3 Monaten. Dabei soll die Eisentherapie während 2 Wochen vor der Messung ausbleiben, um einen verlässlichen Wert für das Speichereisen zu erhalten. Die Kontrolle des Ferritins macht bei intravenös therapierten Patienten erst nach 8-12 Wochen Sinn, da das Ferritin im Blut durch die Eiseninfusion kurzfristig stark ansteigt und nicht mit dem Speichereisen korreliert.