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Letzte Woche stiess ich auf folgenden Tweet von Martin Weigert:
— Martin Weigert (@martinweigert) April 11, 2014
In relativ jungen Jahren – kurz nach Abschluss meiner Lehre – lebte ich ein halbes Jahr lang in Kanada und bereiste dieses Land auch für mehrere Monate. Schon damals fiel mir auf, was auch im Zeit-Artikel explizit erwähnt wird, nämlich wie gut namentlich Skandinavier und Holländer Englisch sprachen. Als ich die Frage nach dem Grund dafür einem Norweger stellte, antwortete dieser, natürlich lernten Sie in der Schule auch Englisch, aber ihre Fertigkeiten in dieser Sprache hätten sie in erster Linie deswegen, weil in Norwegen (wie auch in den anderen genannten Ländern) sämtliche Filme in Fernsehen und Kino im Originalton gezeigt würden. Für diese bevölkerungsmässig kleinen Sprachgruppen lohnte es sich nicht, Synchronfassungen zu produzieren, weshalb man sich auf Untertitel beschränkt.
Mein subjektiver Eindruck wird nun auch wissenschaftlich untermauert. So beruft sich der Zeit-Artikel auf eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Studie mit der Feststellung:
Deutschland gehört wie Frankreich, Italien und Österreich [und die Schweiz – Anm. iScoutblog] zur Gruppe der Länder, in denen die Synchronisation vorherrscht. In Ländern, in denen besonders gut Englisch gesprochen wird wie den Niederlanden, in Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Estland wird der Untertitelung der Vorzug gegeben.
Schon damals – lange vor Beginn meiner Karriere als Primarlehrer – vertrat ich die politisch nicht opportune Meinung, man könne auf Englisch in der Volksschule (damals bei uns erst ab der Sekundarschule) verzichten, wenn man stattdessen englischsprachige Filme in der Originalfassung ausstrahlen würde.
Schüler schauen sich bestimmte Filme ja oft weit mehr als nur einmal an. Diesen gebe ich dann jeweils den Tipp, ihre Lieblingsfilme spätestens ab dem dritten Mal in Englisch zu schauen. Da sie die Handlung ja bereits kennen, würden sie nichts verpassen, darüber hinaus aber – und davon bin ich überzeugt – sehr viel für ihre Englisch-Kompetenzen tun. Leider tun das dann aber doch nur die allerwenigsten. Sie finden ihre Lieblingsfilme in der Synchronfassung offenbar besser, oder aber sie wollen nicht auch noch in ihrer Freizeit von dem mühseligen Fremdsprachen-Unterricht belästigt werden. Denn mühselig ist dieser – ob auf Französisch oder Englisch – für sehr viele von Ihnen. Die frühen Fremdsprachen sind, entgegen aller Versprechungen von Politikern und Bildungsdirektoren, längst zu knallharten Leistungsfächern „avanciert“.
Das ist schade – in vielerlei Hinsicht. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Filme in ihren Synchronfassungen sehr viel von der Qualität ihres Originals einbüssen.