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Masinissa,
König der Massylier oder östlichen Numidier, Sohn des Gala, geboren um 238 v. Chr., verlebte seine Jugendzeit in Karthago [* 2] und verlobte sich hier mit Sophonisbe, einer Tochter des Hasdrubal, des Sohns Gisgos. An den Kämpfen der Karthager teilnehmend, griff er den auf römischer Seite stehenden Syphax, den mächtigen König der Massäsylier oder westlichen Numidier, in Gemeinschaft mit einem karthagischen Heer unter Hasdrubal an und zwang ihn zum Frieden mit Karthago.
Hierauf setzte er 212 mit Hasdrubal nach Spanien [* 3] über, wo er mit seinen numidischen Reitern viel zur Besiegung des P. und Gnäus Scipio beitrug. Er nahm auch in den folgenden Jahren auf seiten der Karthager an dem Krieg in Spanien teil. Als aber das Kriegsglück sich 210 zu gunsten der Römer [* 4] wandte, trat er auf deren Seite über, auch dadurch gereizt, daß die Karthager seine Verlobte Sophonisbe Syphax, um ihn für sich zu gewinnen, zum Weib gaben; er wurde aber, nachdem er nach Afrika [* 5] zurückgekehrt war, von Syphax geschlagen und aus dem Reich vertrieben, so daß er, als Scipio 204 in Afrika landete, nur als Flüchtling sich bei ihm einfinden konnte. Er leistete indes den Römern in dem letzten Entscheidungskampf wichtige Dienste; [* 6] namentlich trug er bei dem Überfall, durch welchen 203 die entgegenstehenden zwei feindlichen Heere vernichtet wurden, wesentlich zum Sieg bei und machte in demselben Jahr mit Lälius zusammen einen Einfall in das Reich des Syphax, bei welchem dieser völlig besiegt und gefangen genommen wurde.
Als bei dieser Gelegenheit Sophonisbe als Siegesbeute in seine Hände fiel, vermählte er sich sofort mit ihr, reichte ihr aber, als Scipio ihre Auslieferung verlangte, selbst den Giftbecher. Als Belohnung für die geleisteten Dienste erhielt er nach Beendigung des Kriegs das Reich des Syphax zu dem seinigen hinzu; außerdem wurde in dem Frieden den Karthagern 201 die Verpflichtung auferlegt, ihm alles zurückzuerstatten, was ihm oder seinen Vorfahren jemals von ihnen entrissen worden.
Diese Bestimmung wurde von
Masinissa während seiner langen
Regierung mit der rücksichtslosesten
Härte benutzt, um den Karthagern,
welchen verboten war, ohne Erlaubnis der
Römer irgend einen
Krieg anzufangen, einen Teil ihres Gebiets nach dem
andern zu entreißen, während er zugleich die Parteiungen in der Stadt nährte und steigerte. Vergebens suchten die Karthager
Schutz bei den
Römern; diese trafen entweder keine oder eine den Karthagern ungünstige
Entscheidung, so daß dieselben endlich 150 zu
den
Waffen
[* 7] griffen.
Allein ihr
Feldherr
Hasdrubal wurde völlig geschlagen und mußte einen
Vertrag eingehen, in welchem er
sich für die Karthager verpflichtete, auf alles streitige Gebiet zu verzichten
und 5000
Talente zu bezahlen; der Rest seines
Heers mußte ohne
Waffen abziehen, wurde aber auf dem Weg von
Gulussa, dem Sohn des
Masinissa, überfallen und großenteils niedergemacht.
Als jedoch die
Römer den
Vertragsbruch
Karthagos benutzten, um diesem den Vernichtungskrieg zu erklären,
erkannte
Masinissa zu spät, daß er in seinem
Haß gegen
Karthago bloß
Roms Übermacht gefördert habe zum Nachteil seines eignen
Reichs, und unterstützte die
Römer nur widerwillig, starb aber schon bei Beginn des
Kriegs 149, 90 Jahre alt.
Sein
Reich wurde
durch den jüngern
Scipio
Africanus unter seine
Söhne Micipsa,
Gulussa und Mastanabal verteilt.