Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/319

Ort des Geschehens war Grenzach. Hier, wo heute die BASF ihre Produktion für Kosmetika betreibt, hatte die Basler Chemiefirma J. R. Geigy AG ihre Fabrikationshallen für Farbstoffe. Und hier wurden auch die Farbstoffe Polarrot für die Hakenkreuzfahnen sowie Säurechromblau für SS-Gala-Uniformen hergestellt.
Die offizielle Berechtigung dazu stellte die Reichszeugmeisterei der NSDAP dem Geigy-Werk am 8. November 1934 aus. Wegen der speziellen Vorschriften für die Herstellung von Textilien für Parteiorganisationen war diese Genehmigung an die Auflage geknüpft, dass die Aktionäre der Geigy AG keine Juden waren. Ein Anliegen, das der Basler Farbstoff-Unternehmer Carl Koechlin umgehend beantwortete, verbunden mit der Versicherung, «dass die Aktionäre unserer Firma rein arischer Abstammung und keine Juden sind».
Dank dem Verkauf dieser Farbstoffe stieg der Umsatz der Geigy AG bis 1939 auf ein Maximum von 10,3 Millionen Franken pro Jahr.
Im Roman von Patrick Tschan ist es der Abenteurer Jacques Breiter, der zum Star-Verkäufer dieser Farben wird, allerdings heisst die Firma im Roman statt Geigy Gugy AG. Und dank seiner Beziehungen schmuggelt Breiter für einen jüdischen Textilhändler auch gleich noch Gold in die Schweiz. Dabei wird er jedoch erwischt und muss für zwei Jahre ins Gefängnis.
(Regionaljournal Sommerserie, 07:32 und 17:30 Uhr)
«Polarrot» - Das Buch
Von Patrick Tschan. Erschienen 2012 im Braumüller-Verlag, Wien.