Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03137.jsonl.gz/34

Marine Le Pen, Rassemblement National (RN)
Kurz-Bio: Marine Le Pen ist die jüngste von drei Töchtern von Jean-Marie Le Pen, dem Gründer und langjährigen Chef des rechtsextremen Front National. Anfang 2011 übernahm die heute 53-Jährige von ihrem Vater die Führung und kandidierte 2012 erstmals für die Präsidentschaft. Fünf Jahre später, 2017, gelang ihr der Einzug in die Stichwahl, die sie gegen Emmanuel Macron mit 33.9 % der Stimmen deutlich verlor.
Wofür sie steht: Marine Le Pen versucht, den Front National aus der rechtsextremen Ecke zu führen. Sie verzichtet auf die provokative Rhetorik ihres Vaters und setzte den Namenswechsel zu «Rassemblement National» durch. Die Themen ändern sich dagegen kaum. Migration bleibt für Le Pen die Quelle der Misere. Sie verlangt eine aktivere Sozial- und Familienpolitik – für Franzosen: Der Leitsatz «Les Français d’abord» (Franzosen zuerst) aus der Zeit von Vater Jean-Marie Le Pen gilt noch immer.
Wahlchancen: Nach Meinungsumfragen hat Marine Le Pen gute Chancen für den Einzug in den zweiten Wahlgang am 24. April. Die Stichwahl gegen Emmanuel Macron dürfte sie jedoch erneut klar verlieren.
Ich bin gereift wie ein guter Wein.
Éric Zemmour, La Reconquête!
Kurz-Bio: Geboren 1958, stammt aus einer jüdischen Familie algerischer Herkunft. Bewarb sich nach Abschluss des Studiums zweimal erfolglos für die Verwaltungshochschule ENA. Seit Mitte der 1980er-Jahre als Journalist bei diversen Medien tätig, zuletzt als «Polemiker» beim privaten TV-Sender C-News.
Wofür er steht: Éric Zemmour lancierte seinen Wahlkampf im Herbst 2021 mit dem Essay «La France n’a pas dit son dernier mot». Auflage: bisher deutlich mehr als eine Million Exemplare. Zemmour schreibt gegen Immigration, gegen Islamismus und warnt vor dem «grand remplacement», dem Austausch der Bevölkerung beziehungsweise der Überfremdung. Zemmour hat RN-Chefin Marine Le Pen rechts überholt. Er wurde wegen Diskriminierung verurteilt, mehrere Verfahren wegen Aufrufs zum Rassenhass sind hängig.
Wahlchancen: Éric Zemmour liegt nach Meinungsumfragen konstant über 10 % der Stimmen und gilt als möglicher Teilnehmer für die Stichwahl vom 24. April.
Man muss Frankreich nicht reformieren, sondern retten, darum kandidiere ich für die Präsidentschaft.
Valérie Pécresse, les Républicains (LR)
Kurz-Bio: Seit 2015 Präsidentin der Hauptstadtregion Île de France. 1967 im Pariser Vorort Neuilly geboren. Besuchte die Verwaltungs-Eliteschule ENA, die sie als Zweitbeste ihres Jahrgangs abschloss. War Beraterin von Präsident Jacques Chirac und unter Präsident Nicolas Sarkozy (2007-2012) zweimal Ministerin. Setzte sich bei der parteiinternen Vorwahl der bürgerlichen Rechten überraschend durch.
Wofür sie steht: Pécresse steht für eine liberale Wirtschaftspolitik und «Law and Order». Sie will die Kriminalität im Land mit härteren Strafen bekämpfen und die Einwanderung per Quote regulieren. In Programm und Rhetorik hat sie sich der Konkurrenz rechts aussen angenähert. Die Familienpolitik hat sie zu einer ihrer Prioritäten erklärt, sie will Familien finanziell stärker unterstützen. Die verstorbene frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher und die deutsche Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel zählt sie zu ihren Inspirationsquellen.
Wahlchancen: Ihr Start in den Wahlkampf geriet mit einer schlechten Rede zum Fiasko. Geringe Chancen, die Stichwahl zu erreichen. Seit Pécresses Nomination haben prominente Mitglieder ihre Partei verlassen – in Richtung Emmanuel Macron oder Éric Zemmour.
Ich bin 2/3 Merkel und 1/3 Thatcher.
Jean-Luc Mélenchon, « La France Insoumise » (LFI)
Kurz-Bio: War 30 Jahre lang Mitglied der sozialistischen Partei, verpasste bei der Präsidentenwahl 2017 mit fast 20 Prozent der Stimmen die Stichwahl nur knapp, seine Partei aber zog unter dem Namen «La France Insoumise» ins Parlament ein. Tritt zum dritten und wohl auch letzten Mal für die Präsidentschaft an. Der 70-Jährige bewegt sich virtuos in den sozialen Medien. Kommt besonders bei den unter 35-Jährigen gut an.
Wofür er steht: Mélenchon ist ein Linker durch und durch, will Frankreichs Ausstieg aus der Nato genauso wie aus der Atomenergie. Er fordert Rentenalter 60 und einen höheren Mindestlohn. Vom Vorwurf der Gefälligkeit gegenüber Russland hat er sich seit Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine zu distanzieren versucht, hat einen «Fehler» eingestanden und wirbt nun für den Frieden. Mélenchon träumt noch immer von einer VI. Republik mit einer Verfassung, in der der Präsident weniger Macht hat.
Wahlchancen: Intakt. Linkspopulist Mélenchon ist der einzige linke Kandidat, der Chancen hat, in die Stichwahl zu kommen. Doch die Konkurrenz von rechtsaussen ist stark (Zemmour, Le Pen).
Ein zweiter Wahlgang Macron-Mélenchon ist im Interesse des Landes.
Anne Hidalgo, Sozialistische Partei (PS)
Kurz-Bio: Seit 2014 Bürgermeisterin von Paris. 1959 in Spanien geboren. Emigrierte 1961 während der Zeit der Franco-Diktatur mit ihrer Familie nach Frankreich, wo sie in einem Arbeiterviertel in Lyon aufwuchs. Studierte Sozialrecht und Sozialwissenschaft. Begann ihre politische Karriere in den 1990er-Jahren als Beraterin unter anderem im Arbeitsministerium unter Martine Aubry, die als ihre Mentorin gilt.
Wofür sie steht: Als Bürgermeisterin von Paris hat Hidalgo vor allem mit ihrer grünen Verkehrspolitik von sich reden gemacht, mit dem Ausbau von Fahrradwegen, dem Kampf gegen Autos und für Tempo 30. Auch als Präsidentschaftskandidatin zählen Umweltthemen zu ihren Prioritäten, etwa der verstärkte Ausbau erneuerbarer Energien. Atomenergie will sie weiter nutzen, aber keine neuen AKW bauen. Hidalgo setzt zudem auf soziale Gerechtigkeit, sie stellt unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns um 15 % in Aussicht.
Wahlchancen: Chancenlos. Steht in Umfragen zwischen 2 und 5 % und wird den zweiten Wahlgang nicht erreichen. Das bestätigt den Eindruck, dass die Sozialdemokratie in Frankreich auf nationaler Ebene am Ende ist.
Ich gehöre nicht zu den Menschen, die in das Milieu der Macht hineingeboren wurden. Aber ich hatte das Glück, von diesem republikanischen Versprechen zu profitieren, dass Bildung Chancengleichheit schafft
Fabien Roussel, Kommunistische Partei (PCF)
Kurz-Bio: Ist der kommunistischen Partei seit Geburt verbunden. Seine Eltern sind engagierte Parteimitglieder. Den Vornamen ihres Sohnes wählten sie nach einem Helden der kommunistischen Résistance: Colonel Fabien.
Roussel (Jg. 1969) wird Journalist, arbeitet ab 1997 als Mitarbeiter für diverse Parlamentarier. Seit 2017 in der Nationalversammlung, seit 2018: Präsident des PCF, Sitz: Place Colonel Fabien.
Wofür er steht: Roussel will mehr Kaufkraft für tiefe Einkommen, die Erhöhung des Netto-Mindestlohns von 1269 auf 1500 Euro. Die Wochenarbeitszeit soll von 35 auf 32 Stunden sinken, das Rentenalter von bisher 62 auf neu 60 Jahre.
Roussel ist der erste Präsidentschaftskandidat des PCF seit 2007. Bei den Wahlen 2012 und 2017 unterstützte der PCF Jean-Luc Mélenchon. Mit einer eigenen Kandidatur will Roussel seiner Partei mehr Profil geben, vor allem mit Blick auf die Parlamentswahl im Juni.
Wahlchancen: Keine. Nach aktuellen Meinungsumfragen darf Roussel mit einem Stimmenanteil von 4 bis 5 % rechnen.
Ich verteidige das Steak für die Franzosen – dafür braucht es anständige Löhne und Renten.
Yannick Jadot, Grüne (EELV)
Kurz-Bio: Yannick Jadot (Jg. 1967) studierte Wirtschaftswissenschaften in Paris und arbeitete anschliessend in der Entwicklungszusammenarbeit. Das politische Handwerk lernte Jadot als Kampagnenleiter bei Greenpeace, bevor er 2009 für die Grünen ins Europäische Parlament einzog. Bei der Europawahl 2019 wurden die Grünen unter Führung Jadots mit einem Stimmenanteil von 13.4 % zur stärksten linken Kraft.
Wofür er steht: Yannick Jadot gilt als grüner Pragmatiker. Klimapolitik und Schutz der Biodiversität stehen im Zentrum seines Programms. Dazu mehr soziale Gerechtigkeit. Jadot verlangt den Ausbau erneuerbarer Energieträger. Den Ausstieg aus der Atomenergie hält er für weniger dringend: Bis 2035 sollen 10 der heute über 50 Atomkraftwerke abgeschaltet werden – falls die Stromversorgung Frankreichs gesichert ist.
Wahlchancen: Keine. Yannick Jadot hat ein ähnliches Profil wie PS-Kandidatin Anne Hidalgo. Nach aktuellen Meinungsumfragen liegt Jadot mit rund 6 % deutlich vor Hidalgo.
Ich will den Umweltschutz ins Zentrum der Macht stellen.
Nicolas Dupont-Aignan, Debout la France
Kurz-Bio: Nicolas Dupont-Aignan begann seine politische Karriere bei der gaullistischen Bewegung RPR (später UMP) von Jacques Chirac. Ab 1995 22 Jahre lang Gemeindepräsident der Kleinstadt Yerres (Île de France); seit 1997 sitzt er in der Nationalversammlung. Bei den Gaullisten war Dupont-Aignan eine der treibenden Kräfte gegen die Abstimmung zur EU-Verfassung. 2007 gründete er seine eigene Partei: Debout la France.
Wofür er steht: Nicolas Dupont-Aignan will mehr Frankreich und weniger Europäische Union. Die EU möchte er ersetzen durch eine lockere Allianz von Nationen, die nur von Fall zu Fall zusammenarbeiten. Er will die europäischen Verträge neu aushandeln – andernfalls soll Frankreich aus der EU austreten. Austreten soll Frankreich auch aus dem integrierten Kommando der Nato.
Wahlchancen: Bei den Wahlen 2017 schied Dupont-Aignan im 1. Wahlgang mit einem Stimmenanteil von 4.7 % aus. Darauf schloss er eine kurzlebige Allianz mit Marine Le Pen für den zweiten Wahlgang. Nach aktuellen Meinungsumfragen verliert Dupont-Aignan bei dieser Wahl viele Wählerinnen und Wähler an Éric Zemmour und kann derzeit mit einem Stimmenanteil von noch 1 % rechnen.
Éric Zemmour ist nicht patriotisch – er spielt Jean-Marie Le Pen,
Ohne Chance, aber stets dabei: Nathalie Arthaud (LO), Philippe Poutou (NPA), Jean Lassalle
Sie gehören fast zum Inventar der Präsidentenwahlen in Frankreich: Nathalie Arthaud (Lutte ouvrière) und Philippe Poutou (Nouveau Parti anticapitaliste) kandidieren beide zum dritten Mal und vertreten rivalisierende, trotzkistische Parteien.
Jean Lassalle vertritt seinen Wahlkreis im Département Pyrénées-Atlantiques seit 20 Jahren in der Nationalversammlung. Dort macht Lassalle regelmässig mit besonderen Einlagen auf sich aufmerksam: Zum Beispiel mit einem wochenlangen Hungerstreik oder dem Singen von Liedern in seinem heimatlichen Dialekt, dem Béarnais. Bis 2017 gehörte Jean Lassalle zur Partei MoDem. Darauf gründete er seine eigene Partei «Résistons!». Sein politisches Programm skizzierte Lassalle im Buch «Un Berger à l’Élysée» (Ein Schäfer im Élysée-Palast).
Bei den Wahlen von 2017 von erzielten Nathalie Arthaud 0.6 % der Stimmen, Philippe Poutou 1.09 % und Jean Lassalle 1.2%.
Wahlchancen: Keine. Alle drei nutzen die Präsidentenwahl als Podium für ihre politischen Anliegen: Kampf gegen Ausbeutung und Kapitalismus (Arthaud und Poutou); Lebensbedingungen der Bevölkerung auf dem Land (Lassalle). Denn allen Kandidatinnen und Kandidaten steht in den Medien die genau gleiche Sendezeit zur Verfügung.