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Kali
(
Kaliumoxyd). Das Wort
Kali oder mit vorgesetztem Artikel
Alkali ist arabisch und bedeutet Pflanzenlaugensalz,
denn die Araber des 8. Jahrhunderts wußten schon, daß sich aus Pflanzenasche mit Wasser
Salz ausziehen,
sowie eine solche Lauge durch gebrannten
Kalk ätzend machen läßt. Daß es zweierlei solche
Salze, K. und Natron, gebe, wurde
erst viel später erkannt. Jetzt versteht man unter K. nur die Sauerstoffverbindung des
Kaliummetalls (s.
Kalium), das Kaliumoxyd; dieses ist eine weißgraue feste, spröde Masse, die jedoch gar nicht in
den Handel kommt.
Handelsware ist nur die Verbindung des K. mit Wasser, das Kalihydrat, Kaliumoxydhydrat, Ätzkali oder Kaliumhydroxyd, wie es neuerdings genannt wird; dasselbe kommt in verschiedner Form in den Handel, teils als weißes Pulver (K. causticum, K. hydricum), teils in größeren, weißen, durch Schmelzen erhaltenen Stücken (K. causticum fusum) und endlich in Form dünner, gegossener, runder Stängelchen (in baculis), welche letztere Form namentlich für chirurgische Zwecke zum Ätzen sehr bequem ist (lapis causticus).
Das Ätzkali schmilzt in der Hitze sehr leicht zu einer öligen Flüssigkeit und erstarrt nach dem Erkalten wieder zu einer harten, weißen Masse von kristallinischem Bruche. Das Ätzkali muß stets in sehr gut verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden, da es mit großer Begierde aus der Luft Feuchtigkeit und Kohlensäure anzieht und nach und nach ganz zerfließt. Das Ätzkali löst sich sowohl in Wasser, als auch in Alkohol; die wässerige Losung ist unter den Namen Kalilauge oder Ätzkalilauge (Lixivium causticum) allgemein bekannt; es ist eine äußerst scharfe, sich schlüpfrig anfühlende und die Haut bei längerer Einwirkung vollständig zerstörende Flüssigkeit von stark alkalischer Reaction.
Der Gehalt dieser Lauge, welche auch einen Handelsartikel bildet, wird mittels des Aräometers nach Graden Beaumé bestimmt. Solche Ätzkalilauge erhält man durch Auslaugen von Holzasche mit Wasser und Zusatz von gebranntem Kalk, welcher die Kohlensäure des in der Holzasche enthaltenen kohlensauren K. wegnimmt; solche Lauge wird in der Seifensiederei verbraucht. Die Darstellung des Ätzkali als Ware geht denselben Weg: soll dasselbe im trocknen Zustande hergestellt werden, so löst man recht reine Pottasche in Wasser und erhitzt die Lösung, damit der Prozeß rascher gehe als bei der kalten Darstellung zur Seifensiederlauge, in eisernen Kesseln bis zum Sieden, worauf die nötige Menge frisch gelöschter Kalk, etwa halb so viel als die Pottasche, portionenweise zugesetzt wird.
Die Umsetzung erfolgt rasch und man schließt die Arbeit, wenn eine Probe auf Zusatz einer Säure nicht mehr aufbraust. Die Lauge wird nach Absetzen des Kalks klar abgezogen und sofort in einen andern Kessel zum raschen Eindampfen gebracht. Ist die Verdampfung dem Ende nahe und die Lauge zähe geworden, so bläht sie sich bedeutend auf, setzt sich aber wieder, sobald alles freie Wasser fortgegangen ist und fließt ruhig wie Öl. Nunmehr gießt man die heiße Masse auf versilberte Kupfer- oder blanke Eisenplatten aus, wo sie bald erstarrt, bricht sie dann in Stücke und bringt sie sofort in Büchsen unter guten Verschluß, weil hier wie bei der ganzen Bearbeitung der Einfluß der Luft aus schon bekannten Gründen möglichst abzukürzen ist oder man gießt die Masse in Form von Stängelchen, wie schon erwähnt. -
Eine besonders reine Sorte für analytische Zwecke erhält man durch Behandlung des geschmolzenen Kalihydrates mit Alkohol, welcher nur dieses löst, die Unreinigkeiten, namentlich aber Kieselsäure zurückläßt. Das Verdampfen dieser alkoholischen Lösung und Schmelzen des Rückstandes muß dann in einer silbernen Schale vorgenommen werden, weil andrenfalls das Ätzkali wieder fremde Bestandteile aus den Gefäßen aufnehmen würde. Diese Sorte heißt K. causticum alkohole depuratum. -
Das K. ist nächst den seltenen Oxyden des Cäsiums und Rubidiums die stärkste aller bekannten Basen und bildet mit den Säuren die Kalisalze, von denen diejenigen, welche Handelsartikel bilden, teils unter ihrem gebräuchlicheren Namen, wie Pottasche, Salpeter, teils unter dem Namen der Säure beschrieben sind, die sie enthalten. - Hinsichtlich der Gewinnung der Kalisalze und des K. überhaupt war man früher ausschließlich auf die ¶
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Pflanzen angewiesen, die es aus dem Erdboden aufnehmen und in organisch saures K. (d. h. weinsaures, zitronensaures, oxalsaures etc. K.) umwandeln. Beim Veraschen der Pflanze entsteht dann wieder kohlensaures K., dieselbe Verbindung, in welcher das K. nach der Verwitterung der Feldspatteilchen im Boden zu finden ist (vgl. Pottasche). Ein Teil der im Handel befindlichen Kalisalze wird auch aus dem Wollschweiße der Wollwäschereien bereitet. Seit Entdeckung der großen Staßfurter Kalisalzlager (s. Abraumsalz) ist man nicht mehr auf die Pflanzen und den Wollschweiß allein angewiesen, sondern es werden vielmehr viel bedeutendere Mengen von Kalisalzen aus diesem Abraumsalze dargestellt, als aus Pflanzen. Man bereitet aus dem Abraumsalze namentlich Chlorkalium, Kalisalpeter (mittels Chilisalpeter) und Pottasche. Sehr bedeutende Mengen von Chlorkalium werden jetzt als Düngemittel verwendet, um das K., welches die Pflanze dem Boden entzogen hat, diesem zu ersetzen. - Einfuhrzoll: Ätzkali, Ätzkalilauge, Kalihydrat s. Tarif im Anh. Nr. 5 d;
blausaures und oxalsaures K. Nr. 5 c;
kohlensaures K. (Pottasche) Nr. 5 g;
kieselsaures K. (Wasserglas) Nr. 5 h. Die übrigen Kalisalze z. B. chlorsaures, chromsaures, salpetersaures, schwefelsaures, weinsteinsaures K. etc. sind zollfrei.