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Die Küken von Kaiserpinguinen haben keinen einfachen Start ins Leben. Geboren mitten im antarktischen Winter, werden die kleinen schon 5 Monate nach dem Schlüpfen gezwungen, ein eigenständiges Leben zu führen, ohne jedoch das Südpolarmeer vorher erlebt zu haben. Eine Studie von Forschern hat gezeigt, dass die Jungen härter sind als angenommen. Sie wandern weit in den offenen Ozean hinaus, um sich ein Polster anzueignen, bevor sie an die Packeisgrenze wandern, um alles über Packeis zu lernen.
Wenn das antarktische Fest- und Packeis zu Beginn des Sommers wegschmilzt, müssen die Küken von Kaiserpinguinen alleine die Tücken des Südpolarmeeres meistern. Da die Kolonien der grössten Pinguinart sehr nahe an Antarktika liegen, sind die Tiere gezwungen weite Strecken zu schwimmen. GPS-Sender, die an 15 jungen Kaiserpinguinen im Rahmen eines Forschungsprojektes befestigt worden waren, brachten Erstaunliches zu Tage. Statt nahe am Eisrand zu bleiben, wandern die Kleinen weit in den Norden in etwas wärmere Gewässer und kehren erst Monate später zurück, wenn das Wasser wieder kälter wird. Diese Erkenntnis ist überraschend, da die Wissenschaft bisher annahm, dass der offene Ozean ohne Eisschollen zum Ausruhen ein grösseres Risiko darstellen würde. «Die Tiere haben eben erst gelernt, wie man taucht und schwimmt», erklärt Sarah Labrousse, Meeresbiologin am Woods Hole Oceanographic Institute (WHOI). Doch nur einige Wochen, nachdem sie alleingelassen worden waren, können die Kleinen bereits über 100 Meter tief tauchen, wie es auch die Grossen tun, schreiben die Forscher in ihrer Veröffentlichung. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Jungen erst ihr Jugendgefieder gebildet haben und noch keine echte isolierende Fettschicht aufweisen.
Die besenderten Jungtiere wanderten mehr als 1'000 Kilometer weit nach Norden in eisfreie, offene Gewässer. Teilweise waren sie schon auf halbem Weg nach Australien. Die Sender lieferten auch Daten über die Tauchgewohnheiten der Kaiserpinguine. Über 62'000 Tauchgänge wurden aufgezeichnet im Verlauf der einjährigen Studie. Dabei zeigte sich, dass die Tiere nur flache Tauchgänge unternahmen, wahrscheinlich um Fische zu jagen, die nahe der Oberfläche sich von Algen ernähren und sich so ein Fettpolster anzufressen. Auch die Distanzen, die von den Jungtieren zurückgelegt wurden innerhalb eines Jahres, lassen erstaunen. Ein Tier legte insgesamt eine Strecke von 7'794 Kilometer zurück, der grösste Abstand vom Startpunkt betrug 3'503 Kilometer. Nach etwa 3 Monaten auf dem offenen Ozean kehrten die Tiere wieder in den Süden zurück an den Rand des sich bildenden Packeises und blieben dort für den Rest der Zeit. Warum die Tiere wieder zurück an den Eisrand gehen, ist noch nicht hinreichend geklärt. Sarah Labrousse meint, dass es wegen dem Krill sein könnte, der sich von den Algen unter dem Eis ernährt. Auf jeden Fall helfen die gesammelten Daten den Forschern zu verstehen, welchen Einfluss das Packeis und die sich abspielenden Veränderungen die Pinguine treffen werden. Im Licht des Klimawandels wird dies ein immer wichtiger werdende Aufgabe.
Der Rekordhalter bei den Kaiserpinguinen ist ein Jungtier, dass 2011 am Strand von Peka Peka, nahe Wellington, Neuseeland, gefunden worden war. Das Tier, das «Happy Feet» getauft wurde, verbrachte einige Zeit zur Erholung in Neuseeland. Danach wurde es, mit einem Sender versehen, nach Campbell Island gebracht und ausgesetzt. Doch der Sender fiel nach einigen Tagen aus und über das Schicksal des Tieres ist nichts weiter bekannt.
Quelle: Jeremy Rehm, Science News 23. Januar 2019