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Lerntheoretische Modelle
Lerntheoretische Verhaltenstherapie
Verhaltenstherapie ist nicht die Bezeichnung für einen einzelnen therapeutischen Ansatz, sondern bezeichnet eine grosse Gruppe von heterogenen Ansätzen, die sich teilweise stark unterscheiden. Die wesentliche Gemeinsamkeit der Verhaltenstherapien ist die Grundlage der Lerntheorien für das Verständnis von «Störungen», anfänglich weitgehend reduziert auf das beobachtbare Verhalten (Kriz, 2007).
In der lerntheoretischen Verhaltenstherapie werden die oben beschriebenen theoretischen Konzepte der klassischen und operanten Konditionierung praktisch angewendet. Dadurch verschiebt sich der Fokus, einerseits auf die Anwendung an Menschen statt an Tieren, andererseits auf die Nützlichkeit der Denk- und Handlungsmodelle hinsichtlich therapeutischer und auch pädagogischer Aufgaben.
Mit der so genannten Zwei-Faktoren-Theorie präsentierte Orval Hobart Mowrer 1947 eine Erklärung für die Entstehung und die Aufrechterhaltung von Phobien, vor allem bezogen auf Angststörungen. Er kombinierte in seiner Theorie die Prinzipien des klassischen und des operanten Konditionierens. Dabei wird ein unkonditionierter Reiz durch Assoziation mit einer Angstreaktion zu einem konditionierten Stimulus, also zum Angstauslöser. Dieser wird durch operante Konditionierung negativ verstärkt, wobei der Betroffene lernt, die Angst durch Vermeidung des Angstauslösers zu schwächen.
Ein oder mehrere Bienenstiche führen zu einer Angst vor Bienen (klassische Konditionierung). In der Folge werden Situationen mit Bienen vermieden, was die Angst beibehält und zu einer Bienenphobie führt (operante Konditionierung).
Weitere Konzepte, wie das Diathese-Stress-Modell und das SORCK-Modell werden auf den folgenden Seiten besprochen.
Unter Diathese versteht man die Disposition für eine bestimmte Krankheit. Diese Disposition kann z. B. genetische oder auch lerngeschichtliche Hintergründe haben und wird als Neigung eines Menschen verstanden, auf eine bestimmte Weise auf Belastungen zu reagieren. Stressoren sind belastende Umweltereignisse oder Lebenssituationen.
Sind die Belastungen (Disposition und Stressoren) zu gross und treten über eine bestimmte Schwelle, kommt es zur Symptombildung bzw. zum Krankheitsausbruch. Zentral ist die Annahme, dass zur Entwicklung einer Störung sowohl Diathese als auch Stress nötig sind.
Das Diathese-Stress-Modell ist auch unter der Bezeichnung Vulnerabilitäts-Stress-Modell bekannt.
Im folgenden Videoausschnitt demonstriert Prof. Dr. Guy Bodenmann das Diathese-Stress-Modell (Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014).
Als Beispiel eine alltägliche Situation aus einer Zahnarztpraxis mit folgenden Variablen:
S: Stimulus oder Reiz (Praxisräume, Zahnarztbohrer etc.);
O: Organismusvariablen (Kind, Angstbereitschaft etc.);
R: Reaktion (Kind weint);
K: Konsequenz (der Zahnarzt hört auf zu bohren);
C: Contingenz (das Kind stellt einen Zusammenhang zwischen seiner eigenen Reaktion und der darauf folgenden Konsequenz her und wird beim nächsten Zahnarztbesuch noch lauter schreien).
(Quelle: http://www.medpsych.uni-freiburg.de/OL/body_sorck.html)
(nach Dorsch, Friedrich, Wirtz, Markus & Strohmer, Janina. (2013). Lexikon der Psychologie (16. Aufl.). Bern: Huber.)
[1] Das SORCK-Modell wird auch als SORKC-, SORK- oder SORC-Modell bezeichnet. Dies rührt daher, dass die Konzepte Konsequenz und Kontingenz auf unterschiedliche Weise den Buchstaben K und C zugeordnet werden, und dass die Reihenfolge von Konsequenz und Kontingenz nicht einheitlich gehandhabt wird. Letzteres stellt man sich am besten so vor, das zwischen Reaktion, Konsequenz und Kontingenz eine zirkuläre Abhängigkeit besteht, wie dies in der nebenstehenden schematischen Darstellung veranschaulicht wird.
Achtung: Die folgenden Videos zum SORCK-Modell von Bodenmann und Borg-Laufs verwenden unterschiedliche Variationen des SORCK-Modells:
- Version Bodenmann: Stimulus – Organismus – Reaktion – Contingenz – Konsequenz
- Version Borg-Laufs: Stimulus – Organismus – Reaktion – Consequence – Kontingenz
Video: Das SORCK-Modell
Video: Funktionale Verhaltensanalyse
Das folgende Video (youtube) zum SORCK-Modell zeigt eine stark verkürzte Einführung in die funktionale Verhaltensanalyse zur Erklärung menschlichen Verhaltens am Beispiel klassisch konditionierter Angst und operant aufrechterhaltener unerwünschter Verhaltensweisen bei einem aufmerksamkeitsgestörten Kind.