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"Wir brauchen eine Diversifizierung der Wirtschaft, um die Abhängigkeit von Öl und Gas zu verringern", betonte der Bankchef. Der Reformer und frühere Wirtschaftsminister (52) forderte zugleich tiefgreifende Veränderungen der staatlichen Verwaltung. Die Sberbank leide zwar unter Wirtschaftskrise und Finanzsanktionen. Sie habe aber gelernt, damit zu leben, sagte Gref.
"Das vergangene Jahr war das schwerste für uns", sagte er zur Lage der Sberbank, die knapp ein Drittel des russischen Bankensektors ausmacht. Der Gewinn sei 2015 um ein Viertel auf 222,9 Milliarden Rubel (3,4 Mrd. Fr.) geschrumpft. "Wir haben aber gelernt, in einer Situation zu leben, in der es kein westliches Geld gibt."
Die Finanzsanktionen der EU und USA - verhängt wegen des russischen Vorgehens gegen die Ukraine - unterbinden alle Geschäfte mit westlichen Banken, die länger als 30 Tage laufen. Im ersten Quartal 2016 verdiente die staatlich kontrollierte Sberbank 117,7 Milliarden Rubel (1,8 Mrd. Franken).
KRISE NICHT NUR WEGEN TIEFER ÖLPREISE
An Russlands derzeitiger Wirtschaftskrise seien nicht nur niedrige Ölpreise und westliche Sanktionen schuld, sagte Gref. "Es ist klar, dass wir Reformen zu lange hinausgezögert haben."
Er zielt dabei direkt auf die Politik: "Das Wichtigste wäre, dass die Staatsmacht sich selbst reformiert und effektiver wird." Erst dann könnten andere Reformen in der Justiz, bei der Sicherung von Eigentumsrechten, beim Abbau von Bürokratie und im Rentensystem gelingen.
Allerdings hat Präsident Wladimir Putin die Diversifizierung auch in den ersten Amtsjahren nicht angepackt, als der Ölpreis noch hoch war. Gref war von 2000 bis 2007 als Minister für wirtschaftliche Entwicklung und Handel verantwortlich. Gref will nach eigener Aussage nicht in die Politik zurückkehren.
(AWP)