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Beat Jäggis Gedichte sind noch heute eine Inspirationsquelle
- Aktualisiert am Mittwoch, 2. Dezember 2015, 9:58 Uhr
Der Name Beat Jäggi ist vielen Jodlerinnen und Jodlern ein Begriff. Seine Gedichte haben unzählige Komponisten inspiriert. Praktisch jede Jodelformation hat in ihrem Repertoire Lieder mit Jäggi-Texten. Am 4. Dezember 2015 würde der Solothurner Mundartdichter 100-jährig.
Auf Beat Jäggis Texte wurde man in der AKV, der Schweizerischen Gesellschaft volkstümlicher Autoren, Komponisten und Verleger schon früh aufmerksam. Jäggi war dort als Mitglied und später auch viele Jahre als Präsident aktiv.
Der Zürcher Musiker und Radioredaktor Hans-Walter Schnelle hat 1945 als Erster einen Text von Jäggi vertont.
Es enstand das Lied «Bim Stundeschlo». Viele weitere folgten in den Jahren darauf - und es entstehen sogar heute noch neue Lieder mit Jäggi-Texten.
Komponisten von Sommer bis Valotti
Begeistert von den Texten Beat Jäggis war auch der Berner Seeländer Jodler und Komponist Ernst Sommer. Dieser vertonte etliche Texte von ihm. So entstand unter anderem das patriotische Lied «Schwyzerbode». Dieses bezeichneten Sommer und Jäggi später als eigentliche «Jodler-Nationalhymne».
Ernst Sommer schätzte an Jäggis Texte die «absolute Dialektreinheit, ohne Anleihe aus dem Hochdeutschen», wie er einmal in einem Interview sagte. Wenn er ein Gedicht von ihm lese, so komme die Melodie praktisch von alleine, da die Texte einen ausgeprägten Sprachrhythmus hätten, erzählte Ernst Sommer weiter.
Dies erging viele Jahre später auch dem Toggenburger Komponisten Willi Valotti so. Als er die Anfrage bekam, ob er nicht ein paar Jodellieder komponieren könnte, machte er sich auf die Suche nach geeigneten Texten.
In einer Papeterie stiess er dann auf die Mundartgedichte von Beat Jäggi, und war sofort begeistert. Innert Kürze komponierte Willi Valotti seine ersten sechs Jodellieder, allesamt zu Jäggi-Texten.
Bundeshausredaktor und Partei-Sekretär
Beat Jäggi wird 1915 in Fulenbach geboren. Er fällt schon in der Primarschule wegen seiner Texte und Gedichte auf. Er widmet sich von Anfang an ausschliesslich der Mundart. Ein sinniger Ausspruch von ihm lautet: «I dr Mundart cha me nid lüge.»
Jäggi schreibt schon früh für verschiedene Zeitungen Plaudereien und Gedichte. Sein Schaffen umfasst Novellen, Lyrik, Kindergedichte und Kindergeschichten. Ernstes und Heiteres, teils zum Nachdenken, teils zum Schmunzeln, Märchen für die Kleinen sowie Verslein zum Lernen und Aufsagen. Insgesamt veröffentlicht Beat Jäggi 36 Bände mit seinen Texten und betreut jahrelang die Mundartzeitschrift «Schwyzerlüt».
Nach seiner kaufmännischen Lehre arbeitet Beat Jäggi als Bundeshausjournalist und später als Generalsekretär der Schweizerischen FDP. Danach wechselt er zum Beruf eines Aussendienstmitarbeiters im Schweizerischen Seruminstitut Bern, von wo aus er während Jahrzehnten Hunderte von Tierärzten betreut, besucht und sehr persönliche Kontakte pflegt.
Mehrfach ausgezeichnet
Beat Jäggi ist auch bei öffentlichen Veranstaltungen ein gefragter Mann. Bis zu einem ersten Herzinfarkt tritt er jährlich als 1. August-Festredner auf. Zudem absolviert er jährlich zwischen 50 und 100 Auftritte als Rezitator.
Höhepunkte in der Anerkennung seines schriftstellerischen Wirkens sind grosse Auszeichnungen: Literaturpreis der Stiftung Pro Libertate (1976), Kulturpreis des Kantons Solothurn (1979), Literaturpreis des Athenaeum Clubs der Schweiz (1984) sowie der 1. Rang auf der Bestsellerliste im Juli 1980.
Am 6. Februar 1989 stirbt Beat Jäggi an den Folgen eines weiteren Herzinfarktes.