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Jury des Internationalen Wettbewerbs – Cutting Edge
Lav Diaz
(*1958, Philippinen) Der herausragendste Vertreter des aktuellen philippinischen Kinos bezeichnet sich gerne als Geschichtenerzähler und Wahrheitssucher. Ihn interessieren die einfachen Landsleute, ihr Überlebenskampf und ihre Widerstandskraft im Spiegel der Geschichte und der Erfahrungen einer von Kolonialismus und Diktatur geprägten Gesellschaft. Ein weiterer wichtiger Bezugspunkt ist für Diaz die Literatur. So diente Tolstois Novelle «Gott sieht die Wahrheit, aber er wartet» beispielsweise als Inspiration für The Woman Who Left (2016).
Die Schönheit seiner epischen, zumeist mehrstündigen Filme entfaltet sich in der Dauer, wenn er in ruhigen Einstellungen Geheimnisse menschlicher Existenz und deren moralische Komplexität fassbar macht. Diaz arbeitet vornehmlich mit Laiendarstellern. Selber nimmt er nicht nur die Rolle des Regisseurs, sondern immer wieder auch die des Drehbuchautors, Produzenten, Cutters, Kameramanns, Komponisten, Production Designers und Schauspielers ein. Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet: jüngst The Woman Who Left mit einem Goldenen Löwen an den Internationalen Festspielen von Venedig, 2014 From What Is Before mit einem Goldenen Leoparden am Internationalen Filmfestival von Locarno.
Ilse Hughan
(* in Amsterdam) studiert Französisch und Italienisch und fasst als Übersetzerin im Filmgeschäft Fuss. Als Produktionsassistentin, Regisseurin und Editorin ist sie an zahlreichen Produktionen beteiligt, bevor sie 2002 den 1909 von ihrem Grossvater Jean Desmet gegründeten Verleih und World Sales Fortuna Films übernimmt. Hughan hat ein Gespür für visuell, starkes, eigensinniges Kino und legt den Fokus der Firma auf die Produktion unabhängigen Filmschaffens in Südamerika. Sie arbeitet eng mit Lisandro Alonso, dem formalen Erneuerer des argentinischen Kinos, zusammen. Seit 2002 produziert sie alle seine Filme – darunter die vielfach prämierten Arbeiten The Dead (2004) und Jauja (2014). Auch sein neustes Fimprojekt Sangre wird von Ilse Hughan betreut. Sie zeichnet auch für die Produktion von Filmen der beiden jungen Filmemacherinnen Paz Encina und Milagros Mumenthaler verantwortlich: Paraguayan Hammock (Paraguay) läuft 2006 in der Sektion Un certain regard in Cannes, Back to Stay (Argentinien, Schweiz, Niederlande) gewinnt 2011 am Filmfestival in Locarno den Goldenen Leoparden.
Speziell zur Förderung junger Filmschaffenden hat sie zusammen mit Violeta Bava den ersten Koproduktionsmarkt Südamerikas, das Buenos Aires Lab, BAL/Bafici gegründet. Hughan ist zudem Mitglied der Auswahlkommission des Hubert Bals Fund am Internationalen Filmfestival in Rotterdam.
Monika Willi
(*1968, Innsbruck) tritt als eine der bekanntesten österreichischen Schnittmeisterinnen mit dem Film Untitled zum ersten Mal als Co-Regisseurin in Erscheinung. Als Michael Glawogger bei den Dreharbeiten für sein letztes Filmprojekt auf tragische Weise stirbt, hinterlässt er eine klaffende Leerstelle – aber auch einen Schatz von über 70 Stunden Filmmaterial von einer Reise über den Balkan, Nordwest- und Westafrika bis Liberia. Willi nimmt sich dessen mit Zweifel und Respekt an und komponiert ein Werk, das gleichermassen die Handschrift Glawoggers wie die ihrige trägt.
Neben früheren Werken von Glawogger hat die angesehene Cutterin mit ihrer Präzision und ihrem Gefühl für den Atem der filmischen Erzählung preisgekrönte Werke von Michael Haneke, Barbara Albert oder von Josef Hader geprägt. Darunter etwa Michael Hanekes Amour (2012) oder La Pianiste (2001). Für Das weisse Band (2009) von Michael Haneke und Thank you for Bombing (2017) von Barbara Eder wird sie von der Filmstiftung NRW mit dem Preis für den besten Schnitt ausgezeichnet. Ebenfalls ist sie zweifache Gewinnerin des Österreichischen Filmpreises: im Jahr 2013 mit The Dead and the Living von Barbara Albert und 2017 mit Thank you for Bombing, Barbara Eder).