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Jane Birkin als Werbeträgerin für altes Handwerk im Seebezirk
Das Haar ist zersaust, hinter der Sonnenbrille ein verschlafener Blick, eine lange Wolljacke bedeckt einen schwarzen Pullover, die Ellbogen gegen hinten, die Hände in den hinteren Hosentaschen der zerknitterten schwarzen Jeans, die kleine Lücke zwischen den Zähnen – Jane Birkin.
Ihr Auftritt ist genauso, wie man sich sie vorstellt, wie wenn sie soeben das legendäre «Je t’aime… moi non plus» mit Serge Gainsbourg gestöhnt hätte. Doch Jane Birkin tritt aus einer biederen Stube die Treppe hinunter und betritt die Cordaster Schmiede. Eingeladen ist die Französin durch Bernard Quiquerez, Präsident der Vereinigung FRAM, die, wie es der französische Name (Faisons Revivre les Anciens Métiers) besagt, altes Handwerk erhalten will.
Quiquerez traf Jane Birkin vor zehn Tagen, als sie als Patin für die kleinste Rebe der Welt im Walliser Dorf Farinet Winzerin spielte, und Quiquerez den Anlass musikalisch auf einer Säge untermalte. Birkin und Quiquerez kamen ins Gespräch, begannen sich über altes Handwerk zu unterhalten, und schon konnte er die Schauspielerin zu einem Besuch in der alten Cordaster Schmiede überreden.
So trat sie also gestern in den Raum mit Lehmboden und verschmierten Fenstern, wo der Hammer auf dem Amboss lag. Doch schreckt sie zurück und sagt empört: «Stellt das ab.»
Aus dem Radio ertönte etwas von einem «rocking chair», gesungen von niemand anderem als Jane Birkin selber. Man versichert ihr, dass das Stück tatsächlich gerade im Radioprogramm lief und nicht etwa wegen ihr vom Tonband gespielt wurde.
Jane Birkin ist sowieso nicht wegen des Singens gekommen. Zwei Handwerker zeigten ihr, wie man mit Handarbeit ein Blech zu einer Treichel oder einen Eisenstab an einem Ende aufrollt. Sie zeigt sich beeindruckt, wie ein riesiger Balsbalg das Feuer von unten immer wieder anfacht; sie bemerkt, wie der Handwerker bei der Metallbearbeitung ins Schwitzen kommt; sie staunt, dass dafür eine Temperatur von 1200 Grad nötig ist.
Ihre Hommage an die traditionellen Handwerker hat sie zuvor ins Gästebuch der Vereinigung geschrieben. Solche Widmungen sind für Präsident Bernard Quiquerez der Antrieb, sich dermassen für altes Handwerk einzusetzen. Als das alte Handwerk vor anderthalb Jahren in 13 Städte auf Tournee mit Start in Murten und Ende in Freiburg ging, da hatte im Gästebuch eine Frau für den «Dienst an der Menschheit» gedankt.
FRAM – seit einem
halben Jahr in Cordast
FRAM, die Vereinigung alter Handwerker, umfasst momentan rund 30 Mitglieder. Es sind alles aktive Handwerker, und die Vereinigung ist für sie fast etwas wie ein Label.
Seit sechs Monaten unterhält FRAM die Schmiede in Cordast. Derzeit arbeiten zwei Handwerker dort, dereinst sollen es vier sein, auch Holzhandwerker. Als Atelier für altes Handwerk soll die Schmiede in erster Linie durch Schulklassen regelmässig besucht werden können.
Die Schmiede ist von Privat gemietet, Ziel der Vereinigung aber ist es, später einmal selber Besitzerin zu werden. Derzeit beansprucht FRAM ein Budget von jährlich 300000 Franken. Nebst dem Verkauf der gemachten Produkte, ist man auch auf Sponsoren angewiesen. Im Mittelpunkt steht ein Hunderterklub mit nicht mehr als 100 Mitgliedern.
Zur Mitgliederwerbung für den Hunderterklub eignet sich so ein Besuch von Jane Birkin natürlich bestens.