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von Michaela Knecht
Welchen Einfluss hat das Wetter auf unsere Leistung?
Denken Sie, bei gutem Wetter seien Sie leistungsfähiger bei der Arbeit? Mit dieser Annahme wären Sie in guter Gesellschaft. In der Umfrage bei knapp 200 Erwachsenen haben 82% gesagt, dass gutes Wetter ihre Produktivität steigern würde. 83% meinten, dass schlechtes Wetter die Produktivität verringern würde. Diese weitverbreitete Annahme beruht wohl darauf, dass man davon ausgeht, dass schlechtes Wetter die Stimmung verschlechtert und das wiederum dann zu schlechterer Produktivität führt. Eine Gruppe von amerikanischen Forscherinnen und Forschern wollte diesem Zusammenhang genauer auf den Grund gehen und führten deshalb vier Studien zu diesem Thema durch.
In einer ersten Studie in einer japanischen Bank in Tokyo wurde während zweieinhalb Jahren die Produktivität von rund 100 Angestellten erfasst. Es wurde untersucht, ob die Niederschlagsmenge mit der Produktivität zusammenhing und tatsächlich konnte gezeigt werden, dass an Tagen mit mehr Niederschlag eine höhere Produktivität zu verzeichnen war. Da in dieser Studie nur die Quantität der Produktion und nicht die Qualität erfasst wurde, haben die Forscher in eine Online-Befragung in den USA durchgeführt. Die Teilnehmenden mussten einen Text korrigieren, der viele Tippfehler enthielt. Zusätzlich mussten sie einen Fragebogen zu ihrer momentanen Gefühlslage ausfüllen und auch noch die Postleitzahl angeben, damit die aktuelle Wettersituation ermittelt werden konnte. Auch in dieser Studie zeigte sich, dass Regenwetter mit besserer Leistung zusammenhing. Bei Regen waren die Teilnehmenden schneller im Korrigieren des Textes und ausserdem machten Sie auch weniger Fehler. Also Qualität und Quantität waren besser als bei Teilnehmenden, welche die Aufgabe an einem sonnigen Tag erledigten.
Die Forscher vermuteten, dass die tiefere Produktivität bei gutem Wetter damit zusammenhängt, dass die Teilnehmenden bei gutem Wetter eher abgelenkt sind und darüber nachdenken, was sie draussen Schönes unternehmen könnten.
Um diese Vermutung zu testen, wurde eine weitere Online-Befragung durchgeführt in der sich eine Gruppe von Teilnehmenden vorstellen musste, es herrsche schönes Wetter und eine andere Gruppe, es regne. Anschliessend mussten die Teilnehmenden so viele Freizeitaktivitäten wie möglich auflisten und diese nach ihrer Attraktivität beurteilen. Es ist nicht erstaunlich, dass die Personen, die sich schönes Wetter vorstellen mussten, häufiger Aktivitäten im Freien nannten. Die Aktivitäten draussen wurden von diesen Teilnehmend auch generell als attraktiver eingeschätzt. Die Forscher deuten das als Hinweis, dass im Gegensatz zu schlechtem Wetter gutes Wetter die Auffälligkeit und Attraktivität von Aktivitäten im Freien erhöht.
In einer letzten Studie wollten die Forschenden nun ermitteln, ob dieser erhöhte Auffälligkeit und Attraktivität von Aktivitäten im Freien zu Ablenkung und im Endeffekt zu einer tieferen Produktivität führt. Dazu haben Sie eine Laborstudie durchgeführt, in der sie an Tagen mit gutem Wetter und an Tagen mit Regenwetter Teilnehmenden eine Dateneingabe-Aufgabe stellten. Mit einem Teil der Teilnehmenden sprachen sie zuerst über Aktivitäten im Freien mit dem anderen Teil der Teilnehmenden über Alltagsroutinen. Auch in dieser Untersuchung waren die Teilnehmenden, welche die Aufgabe an einen Regentag lösten im Schnitt besser. Interessanterweise waren aber nur jene Teilnehmenden produktiver, mit denen vorher nicht über Aktivitäten im Freien gesprochen wurde. Dies deutet darauf hin, dass die schlechtere Produktivität bei gutem Wetter tatsächlich mit der Ablenkung durch attraktive Aktivitäten im Freien zusammenhängt.
Alles in allem konnte gezeigt werden, dass das von den meisten Leuten ungeliebte Regenwetter also durchaus sehr positiv sein kann, weil es uns weniger ablenkt. Wenn Sie sich das nächste Mal über schlechtes Wetter ärgern, können Sie sich auch gleichzeitig über Ihre gute Arbeitsleistung freuen.
Literaturangaben:
Lee, J.J., Gino, F., & Staats B.R. (2014). Rainmakers: Why Bad Weather Means Good Productivity. Journal of Applied Psychology, 99, 504-513.
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.
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