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„Der Kasperli ist nicht mehr da.“ Oder, der „Kasperli ist verstummt“, titeln jetzt die Medien. Auf Social Media schreiben Menschen: „Kasperli ist tot“. Am letzten Samstag, 22. August 2015, ist Jörg Schneider gestorben.
Die „Kasperli“-Schlagzeilen hätten Schneider geärgert. Aber er sah sie kommen. „Die Vorstellung, dass mir mal etwas passiert und es dann in den Zeitungen heisst, der Kasperli sei verunfallt, macht mich sauer“, sagte er mir vor ein paar Jahren. Unermüdlich betonte er in Dutzenden von Interviews, dass er nicht der Kasperli, sondern nur dessen Stimme und Autor dessen Abenteuer gewesen sei. Dass die befürchteten „Kasperli“-Zeilen nach seinem letzten Abgang dennoch gezimmert werden, war ihm klar. Er wusste: Einen solchen Kasperli wird man nicht mehr los. Wie auch.
Werden Sie auf offener Strasse als Kasperli angesprochen?
Es kommt vor, dass ich beispielsweise von Grossmüttern mit Enkeln an der Hand angesprochen werde, wenn ich in der Migros einkaufe. Die erklären den Kleinen dann: «Lueg, das isch jetz de Chasperli.» Die Kinder verstehen jeweils die Welt nicht mehr. Denn dieser alte Mann hat nichts mit dem Kasperli aus ihrer Fantasiewelt zu tun. (Quelle)
Als ich im Frühling 2011 das unauffällige Mehrfamilienhaus betrat, in dem Schneider wohnte, hörte ich weit oben im Treppenhaus einen Hund bellen. Ich wartete unten auf den Lift, als oben jemand versuchte, den Hund in die Wohnung zurück zu komplimentieren. Die Person tat dies mit einer Stimme, die meine Kindheit über Jahre geprägt hatte. Es ging gar nicht anders: In dieser nostalgischen Sekunde hörte auch ich dort oben den Kasperli mit einem Hündchen plaudern.
Schneider nahm sich sehr viel Zeit. Er erklärte mir, was er vor mir schon zwei Journalisten-Generationen erklärt hatte: Wie das kam mit diesem Kasperli. Was die Figur für ihn bedeutet. Oder auch, weshalb er es für Mumpitz hält, in seinen Geschichten nach rassistischen Zutaten zu suchen. Es machte nicht den Eindruck, als würden ihn die ewig gleichen Themen langweilen.
Als ich Schneider meinen Text vor Abdruck zur Lektüre schickte, meldete er sich rasch und ohne jeden Änderungswunsch zurück. In dem Mail schrieb er: „Das ist etwas vom Besten, das je über den Kasperli geschrieben wurde.“ Heute vermute ich, er hat das jedem geschrieben, der sich mit seiner Kultfigur und dessen Wirkung befasste. Damals aber machte es mich glücklich. Das war wohl Schneiders Kernkompetenz.