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Text: Annina Iseli & Lisa Iseli
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffnete der Engländer Thomas Burberry sein erstes Textilgeschäft, ohne die geringste Ahnung davon zu haben, dass man noch über hundert Jahre später von ihm reden würde. Heute ist der Name «Burberry» jedermann ein Begriff und das klassische Burberry-Karo, genannt «Nova Check», weltberühmt. Die wohl grösste Erfolgsgeschichte schrieb Thomas Burberry jedoch mit der Erfindung des Trenchcoats. Diese begann damit, dass er Ende des 19. Jahrhunderts die Gabardine, einen sehr dicht gewobenen und dadurch stark wasserabweisenden Baumwollstoff, erfand. Sie gilt als einer der ersten Funktionsstoffe der Geschichte. Diesen Stoff verarbeitete Burberry zu Regenmänteln, welche aber noch ziemlich wenig mit den klassischen Trenchcoats zu tun hatten. Insbesondere fehlten den Jacken der Gürtel und die typischen Schulterklappen, die sogenannten Koller.
Während des ersten Weltkriegs erhielt Thomas Burberry den Auftrag, die Offiziere des Englischen Militärs mit Regenmänteln auszustatten. Zu diesem Zweck stattete Burberry seine Mäntel zusätzlich mit einem Gürtel und Schlaufen auf den Schultern, den sogenannten Epauletten, aus. Zusätzlich brachte er an der Schulterpartie Koller an, um die Mäntel noch regenresistenter zu machen. Somit wird auch klar, woher der Trenchcoat seinen Namen hat: Das Wort «trench» ist Englisch für «Graben» oder «Schützengraben». Doch nicht nur im Militär fanden die robusten Jacken Einsatz, sie waren auch Teil der Ausrüstung diverser wissenschaftlicher Expeditionen in die Antarktis in den 1910er Jahren. Weiter produzierte Burberry auch robuste Gabardine-Jacken im Trenchcoat-Stil für Polizisten, Piloten und Wintersportler.
Der Trenchcoat, der als Offiziersmantel auch für ein gewisses Ansehen stand, fand seinen Weg in die Mode, wie so mancher Klassiker, erst durch Hollywood. So trägt Humphrey Bogart einen Trenchcoat, als er 1942 im Film Casablanca auf dem verregneten Flugfeld zu Ingrid Bergman sagt: «Schau mir in die Augen, Kleines». Auch Audrey Hepburn und Georg Peppard tragen 1961 in ihrer berühmten Kussszene aus dem Film «Breakfast at Tiffany’s» Trenchcoats, ebenso wie Peters Sellers als Inspector Clouseau im Film «Pink Panther» von 1963. Später trug Peter Falk als Detective Columbo während der 1970er Jahre stets seinen geliebten Trenchcoat, und viele berühmte Ermittler aus Film und Roman tun es ihm bis heute gleich.
Der Trenchcoat hat nichts von seiner Popularität eingebüsst und ist bis heute im Film wie auf der Strasse so präsent wie eh und je. Jung und Alt lieben ihn gleichermassen und er wird von Modeverrückten gerade so geschätzt wie von Modemuffeln. Dies hat er vor allem dem Umstand zu verdanken, dass er zeitlos und zu gleichen Teilen elegant und funktional sowie pflegeleicht ist.
Ganz traditionell wird der Trenchcoat etwa knielang getragen, ist doppelreihig geknöpft und mit den oben erwähnten typischen Details (Koller, Epauletten, Gürtel) ausgestattet. Heute findet man fast jede erdenkliche Variation davon. In Sachen Details sind vor allem die traditionellen Marken meist noch sehr dicht am Original. Hingegen variieren Länge, Farben und auch die Trageweite mit der Saison und den jeweiligen Modetrends. Der Trenchcoat lässt sich fast beliebig kombinieren. So passt er ebenso zu High Heels und Minirock wie zum Business-Zweiteiler und Halbschuhen oder zu Jeans und Sneakers.
Nähtipps für einen Herbstschal… von der Schneiderin:
Um einen Trenchcoat sauber zu nähen, bedarf es einiger Näherfahrung. Die Tipps und Kniffe, die es zu kennen gilt, sind so zahlreich und variieren sehr stark mit den Details des jeweiligen Schnittmusters und seinen Varianten. Was aber auch für weniger Geübte sehr gut zu nähen ist und zu jedem Trenchcoat passt, ist ein schöner Herbstschal. Und so gelingt er:
Zuerst braucht man den richtigen Stoff: In Sachen Muster und Material (Wolle, Baumwolle, Seide, Synthetik oder ein Gemisch) gibt es keine Einschränkungen, jedoch sollte man darauf achten, einen schön fallenden (also insbesondere keinen steifen) Stoff auszuwählen. Zudem sollte der Stoff nicht knittern. Um schon im Stoffgeschäft zu testen, ob ein Stoff knittert, kann man die ersten paar Zentimeter Stoff von der Rolle abwickeln, mit der Hand etwas zerknüllen und schauen, ob er sich von selber wieder knitterfrei entfaltet. Vom passenden Stoff braucht man dann ein Rechteck in den folgenden Massen: Breite des Schals plus 2 cm; Länge des Schals plus entweder 2 cm (für einen Schal ohne Fransen) oder zweimal die Länge der Fransen. Wer seinen Schal mit Fransen mag, sollte direkt beim Stoffkauf darauf achten, dass sich an der Stoffkante einfach einzelne Fäden herauslösen lassen.
Hat man seinen Stoff einmal bereit, beginnt man direkt mit den Fransen. Dazu zieht man entlang der jeweiligen kurzen Stoffkante Faden um Faden aus dem Stoff, so dass die Längsfäden des Stoffs zu den kurzen Stoffkanten hin Fransen bilden. Wenn die gewünschte Länge der Fransen erreicht ist, sichert man das obere Ende der Fransen mit einer Zickzack-Naht, so können beim Tragen keine weiteren Querfäden herausgezogen werden. Der Zickzack-Stich sollte dabei etwa so breit gewählt werden, dass er über vier bis fünf Querfäden reicht.
Ob mit oder ohne Fransen, bügelt man den Stoff nun glatt. Dann werden an den beiden langen Seiten je 5 mm Einschlag eingebügelt, anschliessend noch einmal umgeschlagen und wieder eingebügelt. Danach wird dieser sogenannte Einschlag-Umschlag abgesteppt. Für einen Schal ohne Fransen wiederholt man das Ganze an den kurzen Stoffkanten.
Wer sich aber trotz des höheren Schwierigkeitsgrads einen Trenchcoat nähen möchte, dem seien folgende beiden klassischen Burda-Schnittmuster empfohlen:
Viel Spass beim Schneidern! Lisa Iseli, Couture Lui Luis, Bern
Bilder: 1: Wikimedia; 2: Zeichnung von Lisa Iseli