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Die in der föderalistischen Schweiz in regelmässigen Abständen durchgeführten gesamtschweizerischen Inventare der Einrichtungen des Freiheitsentzugs enthalten wichtige Daten zur Darstellung des Angebots an Haftplätzen.
Die hier graphisch aufbereitete Auswertung der gesamtschweizerischen - von verschiedenen Bearbeitern - durchgeführten Inventare der letzten 20 Jahre machen es möglich, verschiedenste Fragestellungen zu bearbeiten. Die neueren Anstaltenkataloge (1980, 1995, 1998, 2010, jährlich seit 2012) und die Statistiken zum Freiheitsentzug des Bundesamtes für Statistik (seit 1988 resp. 1984) erlauben weitere Darstellungen zu den Haftplätzen und zu ihrem Einsatz.
Bild links: Prison de Neuchâtel, gebaut 1828, ausser Betrieb gesetzt: 1995. Heute als Büroräumlichkeiten genutzt.
Haftplätze in der Schweiz - absolut
Dank den zur Verfügung stehenden Inventaren kann in regelmässigen Abständen die absolute Zahl der vorhandenen Haftplätze dargestellt werden. Es zeigt sich, dass deren Anzahl von rund 5800 Plätzen im Jahre 1980 auf rund 7300 Plätze um 2020 angestiegen sind.
Seit den 1995er Jahren wurden die Einrichtungen des Freiheitsentzugs umfangreich modernisiert, so dass heute rund zwei Drittel der Plätze nach 1995 erbaut wurden. Viele alte, sehr alte Kantonal-, Zentral- und Bezirksgefängnisse wurden geschlossen und an deren Stelle meist grössere Zentral- oder Regionalgefängnisse erbaut. Gemäss Bundesamt für Statistik, nach einer kürzlichen Überarbeitung der einzubeziehenden Einrichtungen, zählt man heute 7400 Haftplätze für 92 Institutionen. Zu bedenken ist, dass in den 1940er Jahren die Schweiz eine Wohnbevölkerung von etwas über 4 Millionnen Personen zählte; heute übersteigt sie 8,5 Millionen - insofern ist die relative Zahl der Haftplätze von Bedeutung, d.h. nachdem die Zahl der Haftplätze in Bezug zur Wohnbevölkerung gesetzt wurde.
Die Inventare machen es möglich, die absolute Zahl der vorhandenen Haftplätze in Zusammenhang mit der Bevölkerungsentwicklung darzustellen. Es zeigt sich, dass letztere von rund 6,3 Millionen auf 8,6 Million Personen zunahm, d.h. ein Zuwachs von 36,5%.
Wàhrend zwischen dem Inventar von 1980 mit nahezu 6000 Plätzen und dem Jahr 2020 mit 7300 Plätzen ein Anstieg von 1300 Plätzen (+25%) beobachtet werden kann, handelt es sich, werden die Zahlen mit denen der Bevölkerung gewichtet, in der Tat um eine weitgehend stabile Anzahl von rund 90 Plätzen pro 100'000 Personen der Wohnbevölkerung.
Haftplätze in der Schweiz - absolut - Langzeit
Dank den zur Verfügung stehenden Inventaren kann die Entwicklung des Haftplatzangebots in der Schweiz in der Langzeit aufgearbeitet werden. Hier werden die wichtigsten vorliegenden Daten seit 1800 präsentiert.
Sie zeigen einen massiven Anstieg des Platzangebots bis in die 1940er Jahren; seither ist eine grosse Stabilität in den Daten zu beobachten.
Haftplätze in der Schweiz - relativ - Langzeit
Die mit den Bevölkerungszahlen gewichteten Haftplatzzahlen zeigen einen Abwärtstrend in der Langzeit.
Zählte man kurz vor der Jahrhundertwende, um 1900, rund 220 Plätze pro 100'000 Personen der Wohnbevölkerung, sind es heute noch 90, wobei diese Anzahl seit 1980 relativ stabil geblieben ist.
Haftplätze in der Schweiz - kartographisch 1900
Die geographische Darstellung der Daten um 1900 und 2000 belegt einen Konzentrationsprozess, der besonders eindrücklich in der Westschweiz zu beobachten ist. So besass der Kanton Genf zwei Einrichtungen um 1900, heute sind es - nahezu alle an demselben Standort in Pubplinge - deren sechs Einrichtungen. Umgekehrt im Kanton Waadt. Dort bestanden um 1900 knapp 30 Einrichtungen, während es ums Jahr 2000 bereits unter 10 waren; in Kürze werden nahezu alle Einrichtungen und Haftplätze im Raume der Plaine de l'Orbe konzentriert sein.
Die Bezeichnungen der Einrichtungen des Freiheitsentzug waren nachezu zwei Jahrhunderte stabil: Zuchthaus, Strafanstalt und Gefängnis - differenziert nach Kantonal- oder Zentral-, Regional- oder Bezirksgefängnis, gelegentlich auch noch als Untersuchungsgefängnis oder Haftlokal kategorisiert - stellten die gängigen Bezeichnungen dar.
Die Schnelllebigkeit der jüngeren Kategorisierungen zeigt sich an der Tatsache, dass es im Jahre 2000 noch geschlossene Anstalten, offene Anstalten sowie Gefängnisse - immer differenziert nach oben erwähnten Kategegorien - gab, während in den Folgejahren die meisten Einrichtungen den neudeutschen Begriff der Justizvollzugsanstalt verwenden.
Die vorhandenen Daten machen es möglich, den Rückgang der Anzahl Einrichtungen zu dokumentieren. Seit 1995 wurden Dutzende von kleineren - v.a. von veralteten, mit einem moderen Freiheitsentzug nicht mehr vereinbare - Einrichtungen, die in Schlössern, Burgen, früheren Klöstern, Spitälern oder Schulen untergebracht worden waren, geschlossen. In jüngster Zeit wurden auf Grund einer Revision des Erhebungsperimeters weitere niederschwellige Einrichtungen des Arbeits- und Wohnexternats oder Übergangsheime aus der Erhebung ausgegrenzt.
Einrichtungen des Freiheitsentzugs nach Einsatzart
In der Schweiz werden Polizei-, Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie Kurz- oder Ersatzfreiheitsstrafen vornehmlich in den Gefängnissen durchgeführt, während Strafen und Massnahmen in erster Linie in den Justizvollzuganstalten vollzogen wird. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden die Plätze in den geschlossenen Einrichtungen erhöht, die in den offenen tendenziell reduziert.