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13 Jul 16
Die Bevölkerung muss einbezogen werden – Konferenz der UN-Welttourismusorganisation in Sri Lanka
Diese Woche organisiert die UN-Welttourismusorganisation (UNWTO) in Sri Lanka eine Konferenz unter dem Titel «Tourismus: ein Katalysator für Entwicklung, Frieden und Versöhnung». Der Nachkriegstourismus in Sri Lanka wird jedoch dominiert von grossen Hotelketten, Investoren und der mächtigen Militärmaschinerie. Er vertreibt die lokale Bevölkerung aus Tourismusgebieten. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert von der UNWTO, sich für die lokale Bevölkerung einzusetzen und sie bei der Entwicklung des Tourismus einzubeziehen.
«Die lokale Bevölkerung profitiert oft nicht vom Tourismus, sondern leidet unter den Folgen», sagt Yves Bowie, Kampagnenleiter bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Dies zeigt sich gerade in Passikudah, wo die UNWTO derzeit ihre Konferenz abhält. So hat die GfbV in ihrem Bericht «Schatten im Sonnenparadies» bereits aufgezeigt, dass es im ehemaligen Kriegsgebiet an der Ostküste Sri Lankas im Namen des Tourismus zu Menschenrechtsverletzungen gekommen ist.
Zugang zum Meer versperrt
Die vielen Hotels haben in Passikudah den lokalen Fischern den Zugang zum Meer stark eingeschränkt und in gewissen Fällen sogar versperrt. Dies gefährdet die Existenzgrundlage der Fischerfamilien, gewisse haben sie bereits verloren. Auch in anderen Regionen hat die lokale Bevölkerung mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. In Panaama, Kuchchaveli und Kalpitiya ist es zusätzlich zu Landenteignungen für die Tourismusentwicklung gekommen. Ein weiteres Problem ist der grosse Einfluss des Militärs im Tourismussektor. So nimmt das Militär der lokalen Bevölkerung wichtige Einkommensquellen weg, indem es selbst Hotels führt und touristische Aktivitäten anbietet. «Anstatt sich gegen die Militarisierung im Tourismus einzusetzen, nutzt die UNWTO für einen Ausflug der Konferenz-Teilnehmer sogar ein Schiff der Marine», kritisiert Yves Bowie. Wenn der Tourismus aber zu Versöhnung und Frieden beitragen solle, so müsse die Militarisierung gestoppt werden.
Treffen mit UNWTO-Generalsekretär
Die lokale Bevölkerung wurde weder vor der Konferenz einbezogen noch eingeladen. Dank der Intervention des «Roundtable Human Rights in Tourism» konnten aber Vertreterinnen und Vertreter aus Zivilgesellschaft und lokaler Bevölkerung gestern ihre Forderungen bei UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai vorbringen.
Die GfbV fordert die UNWTO auf, sich für einen ethischen und konflikt-sensiblen Tourismus einsetzen. Einerseits muss sie die lokale Bevölkerung als gleichwertigen Akteur für die Entwicklung des Tourismus wahrnehmen. Damit dieser einen Beitrag an den Versöhnungsprozess leisten kann, muss zudem die Militarisierung in diesem Sektor gestoppt werden.