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1970 startete die Zürcher Kantonalbank einen ersten zaghaften Versuch, vertrauenswürdige Personen ohne Betreibungen beim Start in die Selbstständigkeit oder zur Erweiterung ihres Betriebs zu unterstützen. Dazu vergab sie Blanko-Kleinkredite bis zu 10’000 Franken, die nach Bankgesetz neuerdings erlaubt waren. Neben einer soliden beruflichen Ausbildung und einem «guten Leumund und Charakter» als Basis musste der Jungunternehmer der Bank auch Einblick in seine finanzielle Situation und das Geschäftsergebnis gewähren. Motivation für die versuchsweise Einführung war einerseits eine «bessere Kundendienstleistung», andererseits aber auch die Angst, diese Kunden ansonsten an andere Banken zu verlieren. Ende 1977 zählte man 294 Kredite im Umfang von rund 1,5 Millionen Franken. 1978 wurde die Limite auf 30’000 Franken erhöht und die Bezeichnung «Geschäftskredit» eingeführt. Die Direktion begründete ihren Antrag vor dem Bankrat damit, dass die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen, der Landwirtschaft und der freien Berufe (Anwälte, Ärzte etc.) ihre volkswirtschaftliche Aufgabe sei. Zudem sei die «frühzeitige Erfassung dieser Zielgruppe für das Anknüpfen umfassender Geschäftsbeziehungen äusserst wichtig».
Die anspruchsvolle Finanzierung von Start-ups
Die ersten Kredite für Jungunternehmer waren noch ganz in der Tradition der vorsichtigen Geschäftspolitik: relativ kleine Beträge an Personen mit gutem Leumund. Für Start-ups mit kapitalintensiven Technologien genügte dieses Schema aber nicht mehr. Die Bank musste umdenken und sich in die Welt des Risikokapitals einleben. Heute ist sie bei der Start-up-Förderung an vorderster Front dabei.
Allein, es fehlte der Glaube
In der wirtschaftlichen Strukturkrise ab Mitte der 1970er Jahre vermutete die Bank, dass der Schlüssel zur Bewältigung des Stillstands bei Innovationen im Bereich der kapitalintensiven Technologien liege. Dafür genügten die Geschäftskredite trotz nochmals erhöhter Limite jedoch bei Weitem nicht. Es wurden deshalb ab 1985 in Zusammenarbeit mit einer Managementgesellschaft auch Risikofinanzierungen in grösserem Stil angeboten, die sich insbesondere an «Innovationsprojekte einschliesslich Neugründungen [Start-ups]» richteten, wie es im Antrag an den Bankrat hiess. Um die Risiken abzusichern, äufnete man einen Fonds für Risikofinanzierungen mit einer Einlage von 10 Millionen Franken, womit eine klare Limite gesetzt wurde. Die Erfahrungen in den Folgejahren waren allerdings ernüchternd – das gilt auch für die Konkurrenz. Nur sehr wenige Jungunternehmen überlebten die Startphase. Trotzdem wollte man weitermachen, wie die Generaldirektion im März 1997 bei der Vorstellung des neuen Konzepts «Start- und Aufbaufinanzierungen» dem Bankrat eröffnete. Offenbar war aber bisher das Verständnis für die besondere Charakteristik von Start-up-Vorhaben noch wenig verbreitet, weil Investitionen in riskante Geschäfte den bisher gepflegten, auf Sicherheit bedachten Geschäftspraktiken der Kantonalbank widersprachen. Ein Generaldirektor sagte dazu, dass er sich in diesem Bereich nicht als Kompetenzträger sehe, weil er aus seiner langjährigen Erfahrung gewisse Finanzierungen vielleicht zu negativ beurteile. «Dafür werden junge qualifizierte Mitarbeiter benötigt, die an die Zukunft innovativer Jungunternehmer glauben.»
Umfassende Fördermassnahmen für Pioniere
Heute bietet die Zürcher Kantonalbank dank dem Kompetenzaufbau im Bereich Gründung und Start-up-Finanzierung umfassende Fördermassnahmen, die über das klassische Finanzierungsgeschäft hinausgehen. Beratung und Betreuung in umfassender Form werden grossgeschrieben. Die Finanzierungen wurden dabei weiter differenziert: Mit der 2005 gestarteten Initiative «Pionier» verstärkte die Bank die Risikofinanzierung für Jungunternehmer mit innovativen Geschäftsideen nochmals. Seither hat sie rund 200 Start-ups mit über 125 Millionen Franken unterstützt und sich als wichtige Drehscheibe zwischen Wissenschaft und Wirtschaft etabliert. Die Bank sieht die risikobehafteten Starthilfen als Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung des Kantons im Rahmen ihres Leistungsauftrags und als mögliche Basis für langfristige Kundenbeziehungen. Mit der Verleihung des «ZKB Pionierpreises Technopark», hilfreichen Informationsplattformen für Gründer und der Pflege eines engen Netzwerks mit Partnerorganisationen wie den Technoparks Zürich und Winterthur sowie dem Innovationspark Dübendorf verfestigt die Zürcher Kantonalbank ihre Stellung als wichtige Start-up-Supporterin. Ende 2018 ist sie noch einen Schritt weiter gegangen: Sie hat mittels Swisscanto Invest als erste Schweizer Bank einen Wachstumsfonds für institutionelle Anleger geschaffen. Die dafür geäufneten 150 Millionen Franken werden direkt in erfolgreiche Start-ups in der Wachstumsphase investiert. Ausserdem werden solche Unternehmen im Rahmen einer geografischen Öffnung nun vermehrt auch schweizweit unterstützt.
Paradebeispiel Get Your Guide
Das wohl bekannteste von der Zürcher Kantonalbank geförderte Start-up- Unternehmen heisst Get Your Guide. Die 2008 in Zürich gegründete Buchungsplattform zählt inzwischen über 600 Mitarbeitende und gilt auf dem Markt als Unicorn. Darunter wird ein
junges, innovatives Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar verstanden. Daniel Schoch, Leiter Start-up-Finance bei der Zürcher Kantonalbank, nennt Get Your Guide ein Paradebeispiel für die Arbeit seiner Abteilung und ist stolz auf das Erreichte. «Es ist die grösste Firma, die wir im Portfolio haben», betont er. Umso schöner, sei man in der Gründungszeit aktiv auf das Unternehmen zugegangen und als erste Investorin eingestiegen – bis heute ist die Zürcher Kantonalbank an Get Your Guide beteiligt.
Für zinsgünstige Mikrokredite zwischen 5000 und 40’000 Franken zum Start in die Selbstständigkeit kann man sich seit 2009 an den Verein «GO! Ziel selbstständig» wenden. Die Zürcher Kantonalbank ist bei dieser Non-Profit-Organisation als Partnerbank engagiert und wickelt die Auszahlung und die Amortisation der Kredite ab. Mit der Eröffnung eines dafür notwendigen Geschäftskontos ist auch hier ein erster Grundstein für eine mögliche langjährige Kundenbeziehung gelegt.
Titelbild: Gewinner des «ZKB Pionierpreises Technopark» von 2019.