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Stetiger Mangel an Fahrzeugen und Ersatzteilen zwangen die Betreiber des Trolleybusnetzes von Ruse wiederholt zum Kauf von gebrauchten Bussen aus Westeuropa. Der rechts im Bild sichtbare SiU-9 Nr. 54045 aus russischer Produktion wurde allerdings auf die Betriebseröffnung 1988 hin neu beschafft.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. UA/RO/BG-2009_DDA_6388)
Ruse, auch Rousse oder Russe (bul. Русе), ist mit gut 140’000 Einwohnern die fünftgrösste Stadt Bulgariens. Die im Norden des Landes an der Donau gelegene Industriestadt verfügt über ein gut ausgebautes System von Auto- und Trolleybuslinien. Der Trolleybusbetrieb wurde am 9. September 1988 eröffnet und umfasst sieben bis neun Linien.
Ursprünglich waren die staatlichen Gradski Transport (dt. Städtische Verkehrsbetriebe) für den Betrieb der Trolleybuslinien verantwortlich. 2008 wurde die Egged Ruse AD (ЕГГЕД РУСЕ АД) gegründet, an welcher neben der Stadt Ruse auch die Egged Cooperative, der führende Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel in Israel und damit eines der grössten öffentlichen Verkehrsunternehmen in der Welt, beteiligt war. 2017 fiel das Trolleybusnetz nach dem Konkurs von Egged Ruse AD wieder an die Stadt zurück.
Sämtliche Betreiber kämpften mit ständigem Mangel an Fahrzeugen und Ersatzteilen. Aus ganz Westeuropa fanden ausgediente Trolleybusse den Weg nach Ruse, so auch aus Basel.
Autobuslinien werden von privaten Firmen betrieben. Eine Sonderstellung nimmt die Waffen- und Sprengstofffabrik Dunarit AD (ДУНАРИТ АД) ein. Sie unterhält für den Personaltransport eine eigenen Busflotte, zu welcher ab 1995 auch einige ehemalige Fahrzeuge der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) zählten.
1995 übernahm Gradski Transport vier zweiachsige Trolleybusse sowie vier Gelenkwagen von den BVB. Bei den Zweiachsern handelte es sich um die betagten FBW Tr(51) Nrn. 357, 359, 360 und 363 aus dem Jahr 1957. Die vier Gelenkwagen 903, 907, 909 und 910 waren gut zehn Jahre jünger. Die Fahrzeuge erhielten neue, fünfstellige Betriebsnummern, welche sich aus der führenden Gattungsziffer 5, einer fortlaufenden, dreistelligen Fahrzeugnummer sowie einer Kontrollziffer am Schluss zusammensetzten.
Im Gegensatz zu Pazardzhik, wo die zwar robusten, jedoch vergleichsweise kompliziert aufgebauten Exoten aus der Schweiz rasch in untergeordnete Dienste verdrängt wurden, schien man in Ruse mit viel Improvisationstalent gut damit zurechtzukommen. Insbesondere die Gelenkwagen wurden bis 2010 am Leben erhalten und überaus stark gefordert. Zwei Wagen trugen gegen Ende der Einsatzzeit auch Ganzwerbungen. Die Zweiachser schieden wenige Jahre früher aus.
Mit der Einstellung des Trolleybusbetriebs in Basel im Jahre 2008 ergab sich die Gelgenheit, über einen rumänischen Zwischenhändler sieben Niederflur-Gelenktrolleybusse des Typs Neoplan N 6020 zu übernehmen. Die Wagen entstammten der zwischen 1992 und 1996 in Dienst gestellten Serie 923, 924 bis 934. Es erstaunt wenig, dass diese Fahrzeuge in Ruse keine grosse Freude bereiteten, waren sie doch schon in Basel als störungsanfällig bekannt. Fehlende Ersatzteile führten dazu, dass die Neoplan bis 2016 sukzessive abgestellt und in den folgenden Jahren höchstwahrscheinlich abgebrochen wurden.