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Ein halbes Jahrtausend alt ist eines der ältesten Schweizer Unternehmen im Jahr 2019 geworden: Die Firma Orell Füssli geht auf eine Druckerei in Zürich zurück, die 1519 von dem bayrischen Immigranten Christoph Froschauer übernommen wurde. Mit diesem ehrwürdigen Alter reiht sich Orell Füssli in die Rangliste der weltweit ältesten heute noch bestehenden Firmen ein. Unter diesen Wirtschafts-Methusalems befinden sich übrigens nicht wenige Brauereien und Gaststätten – Alkohol konserviert offenbar.
Die Whitechapel Bell Foundry ist die älteste Glockengiesserei Englands. Das berühmteste Produkt der 1570 in London gegründeten Firma ist die 1858 gegossene Glocke «Big Ben» – die eigentlich «Great Bell» heisst und im meist ebenfalls «Big Ben» genannten Uhrturm des Westminster Palace hängt. Auch die «Liberty Bell» (Unabhängigkeitsglocke) in der Independence Hall in Philadelphia stammt aus den Werkstätten der Whitechapel Bell Foundry.
Heute ist die Glasmanufaktur von Poschinger in Frauenau im Bayrischen Wald domiziliert. Dies war in den ersten drei Jahrhunderten ihres Bestehens nicht der Fall: Das 1568 gegründete Familienunternehmen wechselte seinen Standort zu Beginn etwa alle 50 Jahre, dann waren die Holzbestände der Umgebung jeweils erschöpft und ein Umzug an einen anderen waldreichen Ort angezeigt. Einst umfasste die Produktpalette der ältesten Glasmanufaktur Deutschlands Kirchenfenster, Kelche und Trinkgläser; seit 2001 werden nur noch Sonderanfertigungen hergestellt.
Heinrich VIII. erteilte dem weltweit ältesten Universitätsverlag 1534 das Recht zum Drucken von Büchern. Neben der Oxford University Press ist er der einzige Verlag, der die berühmte King-James-Bibel – die wichtigste englischsprachige Übersetzung der Heiligen Schrift – herausgeben darf. Heute hat die Cambridge University Press über 60 Standorte rund um die Welt und beschäftigt 1800 Mitarbeiter.
Das älteste heute noch bestehende Industrieunternehmen Deutschlands wurde 1530 vom Goldschmied Wilhelm Prym in Aachen gegründet. Der Betrieb stellte Kupfer und Messing her. Im 17. Jahrhundert wurde der protestantischen Familie Prym im katholischen Aachen das Zunftrecht entzogen. Die Pryms verliessen Aachen und siedelten sich in Stolberg an – seither der Hauptsitz des Unternehmens, das heute weltweit über 40 Produktions- und Vertriebsstätten verfügt. Die Prym Group stellt Kurzwaren wie Druckknöpfe und Stricknadeln, aber auch elektronische Bauteile her.
Das älteste Rüstungsunternehmen der Welt befindet sich nach wie vor im Besitz derselben Familie: 1526 erhielt der Büchsenmacher Bartolomeo Beretta einen Auftrag der Stadt Venedig zur Herstellung von Arkebusenläufen. Heute beschäftigt die Fabricca d’Armi Pietro Beretta 2600 Mitarbeiter und beliefert Behörden und Armeen in aller Welt mit Waffen – beispielsweise mit dem Modell M9, das viele Armeen als offizielle Dienstwaffe einsetzen.
Am 9. November 1519 erhielt der gelernte Drucker Christoph Froschauer aus Bayern das Zürcher Bürgerrecht – Grundlage für den Verlag, der heute unter dem Namen Orell Füssli bekannt ist. Im gleichen Jahr übernahm Huldrych Zwingli das Amt des Leutpriesters am Zürcher Grossmünster. Froschauer wurde der Verleger des Reformators, mit dem er sich angefreundet hatte. Sein verlegerisches Geschick machte aus dem Betrieb bald eine Druckerei von europäischer Bedeutung. 1531 erschien die prachtvolle «Zwingli-Bibel». Heute ist der Verlag nur noch eine von vier Geschäftsdivisionen Orell Füsslis. Zu den Kerngeschäften des Unternehmens, das rund 80 Mitarbeiter zählt, gehören auch Banknoten- und Sicherheitsdruck, Industriesysteme zur Serialisierung von Banknoten und Wertdokumenten sowie der Buchhandel.
Dieser Hinweis erreichte uns per Mail: Das älteste noch bestehende Druck- und Verlagshaus der Welt befindet sich in Basel. Hier erlangte 1488 Johannes Petri das Bürgerrecht und legte damit den Grundstein für seine Offizin («Officina Petri»), aus der in lückenloser Tradition das unabhängige Schweizer Familienunternehmen Schwabe hervorging. Heute sind Druckerei und Verlag in eigenständigen Firmen der «Schwabe Verlagsgruppe AG», mit dem in den Geisteswissenschaften beheimateten Schwabe Verlag Basel und Berlin, Zytglogge Verlag, NZZ Libro und Bergli Books sowie der «Medienmacher AG», der Produktionsfirma für Print- und digitale Medien, unter dem Dach der in Familienbesitz (Heuss und Bienz) befindlichen Officina Petri 1488, Petri Holding AG, organisiert.
1472 in Siena unter dem Namen Monte Pio gegründet, ist die Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) heute die drittgrösste Bank Italiens – und zugleich die älteste noch existierende Bank der Welt. Den aktuellen Namen erhielt sie 1624 im Zuge einer Statutenänderung. Das traditionsreiche Kreditinstitut, das etwa 25'000 Mitarbeiter beschäftigt, musste Ende 2016 vom italienischen Staat mit einer Finanzspritze vor der Insolvenz gerettet werden.
Das Unternehmen führt seinen Ursprung auf den Genfer Uhrmacher Humbertus Gallet zurück, der 1466 in der Rhonestadt eingebürgert wurde. Folgerichtig feierte Gallet & Co. 2016 als älteste Uhrenfirma ihr 550-jähriges Bestehen – obwohl die Firma erst 1825 in La-Chaux-de-Fonds unter diesem Namen registriert wurde, als Julien Gallet den Firmensitz von Genf dorthin verlegte. Zuvor hatte das Unternehmen den Namen des jeweiligen Patrons getragen.
2013 erklärte die Schweizer Post die Kantonshauptstadt Aarau in einer Briefmarkenserie zur «Glockenstadt». Nicht ohne Grund, denn seit spätestens 1367 werden hier Glocken gegossen. So stammt die Barbara-Glocke im Turm der Freiburger Kathedrale Saint-Nicolas aus Aarau. Die wohl älteste Glockengiesserei der Schweiz wurde zunächst von einer Familie Reber betrieben; später folgten andere Familiennamen. 1607 verlegte Hans-Jakob Stalder die Giesserei an ihren heutigen Standort am «Rain». Die Gebrüder Rüetschi übernahmen den Betrieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Familie starb 1917 aus und das Unternehmen wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Per Mail sind wir darauf aufmerksam gemacht worden, dass auch die St.Niklausen Schiffgesellschaft Genossenschaft (SNG) in Luzern das Recht auf einen Platz auf dieser Liste hat. Diese Reederei kann ihre Anfänge bis ins Jahr 1357 zurückführen, als das Schifffahrtsverhältnis zwischen Luzern und Uri urkundlich geregelt wurde. In ihrer modernen Form entstand die SNG um 1830. Die Tätigkeit verlagerte sich mit der Zeit vom Warentransport zum Transport von Passagieren, namentlich von Touristen. Heute zählt die Firma, die Boote und Yachten vermietet und Seefahrten anbietet, etwa 25 Mitarbeiter und zusätzliche Aushilfskräfte.
In Skyllberg in der schwedischen Gemeinde Askersund ist die nach dem Ort benannte Firma Skyllberg bruk ansässig, die bereits 1346 erstmals erwähnt wurde und deshalb zu den ältesten Unternehmen Schwedens gehört. Damals schenkte König Magnus IV. der Abtei Riseberga mehrere eisenverarbeitende Betriebe, darunter auch jenen in Skyllberg. Die Krone enteignete die Abtei während der Reformation und übergab 1646 die Eisenwerke in Skyllberg Louis Fineman. Seit 1888 befindet sich die Firma im Besitz der Familie Svensson, sie beschäftigt heute rund 150 Mitarbeiter.
Der französische Cognac-Hersteller Frapin destilliert den edlen Weinbrand schon seit dem Jahr 1270. Das in der Stadt Segonzac ansässige Unternehmen ist seit 20 Generationen in Familienbesitz; die Basisweine für die Cognacproduktion stammen alle seit jeher aus denselben Weinbergen der Grande Champagne. Die rund 240 Hektar Rebfläche sind als «Premier Grand Cru» klassifizierte Spitzenanlagen.
Die älteste Sake-Brauerei der Welt befindet sich – kaum verwunderlich – in Japan. Sudo Honke in Obara in der Präfektur Ibara wurde im Jahr 1141 gegründet; mittlerweile ist im Betrieb die 55. Generation der Sudo-Familie am Ruder. Das verheerende Tohoku-Erdbeben von 2011 richtete in der Brauerei keine direkten Schäden an, doch der damit verbundene Störfall im rund 130 Kilometer entfernten Atomkraftwerk Fukushima liess Befürchtungen aufkommen, dass die uralten Quellen radioaktiv verseucht worden sein könnten. Tests zeigten später, dass dies nicht der Fall war.
Englische Benediktinermönche, die der dänische König Erik I. ins Land geholt hatte, gründeten 1135 in Odense die Wassermühle Munke Mølle («Mühle der Mönche»), die heute das älteste dänische Unternehmen ist. Die Mühle an der Odense Å, dem längsten Fluss auf der Insel Fünen, war Hoflieferant von bisher 38 Königen und zwei Königinnen. Sie liefert Mehl und Kuchenbackmischungen an Bäckereien und die Nahrungsmittelindustrie.
Das heute noch von Benediktinermönchen bewirtschaftete Kloster Weltenburg in Kelheim an der Donau in Niederbayern beherbergt die älteste Klosterbrauerei der Welt. Dieser Anspruch gründet auf der Tatsache, dass dort im Jahr 1050 erstmals nachweislich Bier gebraut wurde. Heute produziert die Klosterbrauerei Weltenburg GmbH jährlich rund 30'000 Hektoliter Gerstensaft. Im Klosterhof der Abtei gibt es nun einen Biergarten, in dem unter anderem das «Weltenburger Kloster Barock Dunkel» ausgeschenkt wird, das mehrmals als bestes Dunkelbier der Welt ausgezeichnet wurde.
Möglicherweise noch älter ist die Brauerei Weihenstephan im bayrischen Freising. Bei einer Urkunde aus dem Jahr 1040, die dem Kloster das Braurecht zuspricht, handelt es sich vielleicht um eine Fälschung aus dem 17. Jahrhundert. Falls das Dokument jedoch echt ist, wäre Weihenstephan die älteste noch aktive Brauerei der Welt. Die Bayrische Staatsbrauerei in den ehemaligen Gebäuden des Klosters gehört heute dem Freistaat Bayern. Sie ist besonders bekannt für ihr Hefe-Weissbier, das Weihenstephaner.
Die Pontificia Fonderia Marinelli ist eine italienische Glockengiesserei, deren Ursprünge bis ins Jahr 1000 zurückgehen. Die Giesserei in Agnone in der süditalienischen Region Molise ist seit 1339 im Besitz der Familie Marinelli und gilt als ältester italienischer Familienbetrieb sowie als einer der ältesten weltweit. Sie stellte die letzte Glocke für den Schiefen Turm von Pisa her. 1924 erhielt die Fonderia Marinelli vom Vatikan den Titel «päpstlich»; heutzutage produzieren ihre rund 12 Angestellten bis zu 50 Glocken im Jahr. 90 Prozent der Aufträge kommen von der katholischen Kirche.
Die Spezialität dieser uralten Baufirma aus der Präfektur Aichi in Japan ist die Errichtung von buddhistischen Tempeln und Shinto-Schreinen. Nakamura Shaji wurde im Jahr 970 gegründet und verfügt mittlerweile über mehr als tausend Jahre Erfahrung im Bau von Holzkonstruktionen und in der Holzbearbeitung. Nachdem die über 1400 Jahre alte Baufirma Kongo Gumi 2006 von einem anderen Unternehmen übernommen wurde, ist Nakamura Shaji die älteste japanische Baufirma, die heute noch eigenständig ist.
Seit 2004 ist sie dank dem «Guiness-Buch der Rekorde» offiziell die älteste Bar Europas: Sean's Bar in Athlone am Ufer des Shannon und nahe am geographischen Mittelpunkt Irlands. Die Bar wurde im Jahr 900 unter dem Namen Luain's Inn gegründet. Ihr Alter ist durch archäologische Funde verbürgt – bei Renovierungsarbeiten wurden die ursprünglichen Lehmwände des Gebäudes freigelegt und zeitgenössische Münzen gefunden.
Der Stiftskeller St.Peter in Salzburg ist im Jahr 803 urkundlich erstmals bezeugt. Damals erwähnte ihn Alkuin, Gelehrter aus York und Berater Karls des Grossen, in einer seiner Schriften. Dies macht den Gasthof zum ältesten Restaurant Europas. Heute bietet das Etablissement in elf thematisch unterschiedlich ausgerichteten Räumen und einem Arkadenhof Platz für 850 Gäste. Auf der Speisekarte stehen unter anderem österreichische Klassiker wie Salzburger Nockerln oder Tafelspitz.
Der älteste Unternehmen der Welt ist ein Hotel in Japan. Das Nisiyama Onsen Keiunkan in Hayakawa in der Präfektur Yamanashi wurde im Jahr 705 von Fujiwara Mahito gebaut und ist damit über 1300 Jahre lang in Betrieb – Grund genug für einen Eintrag im «Guinness Buch der Rekorde», in dem es seit 2011 als ältestes Hotel der Welt geführt wird. Die Gründerfamilie führt den Betrieb mit Thermalbad und 37 Räumen in der mittlerweile 52. Generation.
(dhr)