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Eva Meijer ist mit Katzen, Hunden und einem Pferd aufgewachsen. Darum hat sie früh beobachten können, dass Tiere kommunizieren.
Als die niederländische Philosophin sich dann wissenschaftlich mit sprachphilosophischen Fragen zu beschäftigen begann, staunte sie nicht schlecht: Von der Sprache der Tiere war nirgends die Rede. Das fand Eva Meijer ungerecht.
Ein Spinnennetz mit den Fingern reparieren
Als Philosophin war ihr auch klar: Wer sich mit den Sprachen der Tiere beschäftigt, begibt sich auf heikles Terrain. Denn wie kann der Mensch mit seiner menschlichen Sprache, die an die eigene Wahrnehmung geknüpft ist, überhaupt über die Sprache von Tieren nachdenken?
Das sei – hier zitiert Meijer den österreichischen Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein – wie mit Fingern ein Spinnennetz reparieren zu wollen.
Eva Meijer hat es trotzdem gewagt, mit grossem Respekt und Lesefleiss. Für das Buch «Die Sprachen der Tiere» hat sie hunderte Studien über die Kommunikation von Papageien, Mäusen, Hunden, Elefanten, Präriehunden, Walen und anderen Tieren gelesen.
Elefanten imitieren Menschenstimmen
Sie erfuhr Erstaunliches. So versuchen Elefanten, die als ausgesprochen soziale Tiere gelten, die menschliche Stimmen zu imitieren, indem sie den Rüssel in den Mund stecken und die Menschenstimme nachahmen.
Buchhinweis
Eva Meijer: «Die Sprachen der Tiere», hrsg. von Judith Schalansky, Matthes & Seitz 2018.
Präriehunde warnen sich gegenseitig nicht nur mit Lauten vor Feinden. Sondern sie können mit diesen Lauten gleichzeitig angeben, ob der Eindringling gross oder klein ist und wie schnell er sich in der Luft oder auf dem Boden bewegt.
Falls der Eindringling ein Mensch ist, geben sie Informationen weiter über die Farbe der Kleider und darüber, ob er etwas in der Hand trägt, zum Beispiel eine Tasche oder ein Gewehr.
«Tschi ka di di di»
Auch die Sprache der Schwarzkopfmeisen ist differenziert. Ihre Grundvokabel ist «tschi ka di», der sie unzählige weitere «dis» anhängen können, um über Feinde und Futter detailliert Auskunft zu geben.
In ihrem Parcours durch die Forschung über die Sprache der Tiere nimmt uns Eva Meijer beherzt an die Hand, indem sie frisch und elegant erzählt und uns eintauchen lässt in eine Welt, die noch gar nicht so alt ist.
Erst in den 1950er-Jahren haben Forscherinnen und Forscher begonnen, das Verhalten und damit die Kommunikation der Tiere systematisch zu studieren – zusehends auch ausserhalb der Labore. Vorher war die Kommunikation der Tiere eine Black Box.
Effizient und entwicklungsfähig
Erkenntnisse, Details aber auch Anekdoten verwebt sie zu einer aufregenden Erzählung, die man allenthalben mit Ahas begleitet. Man beginnt zu verstehen, dass das, was Tiere an Lauten, Körperhaltungen und Farben benutzen, tatsächlich eine Sprache ist, die Merkmale der menschlichen Sprache aufweist: Sie ist effizient, immer wieder abstrakt und entwicklungsfähig.
Zudem gibt es Kommunikationssysteme, die sich mit Zukunft und Vergangenheit oder mit anderen Orten befassen. Wale und Elefanten etwa tauschen sich über solche Dinge aus.
Radikale Denkräume
Am Schluss ihres Buches wird die Philosophin Eva Meijer dann politisch. Die Sprache, so die Philosophin, spiele in der Politik eine zentrale Rolle: in den Parlamenten, politischen Debatten und Gesetzen.
Wenn die Tiere über eine Sprache verfügen, müssten sie logischerweise auch ein Recht darauf haben, Teil unserer politischen Gemeinschaft zu sein, folgert Meijer in ihrem faszinierenden Buch – und öffnet damit radikale Denkräume.