Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03377.jsonl.gz/97

< zurück
Weinbau in der Bündner Herrschaft im 20. Jh.
1999 bis 1900
1999
Gründung der «Delikat Essig Manufaktur». Die ersten Essige werden aus Blauburgunder Traditionell und aus Himbeeren gewonnen. Verschiedene Gärverfahren werden ausprobiert, sind aber unbefriedigend und äusserst aufwendig.
1996
Nach über 100 Jahren reinem Blauburgunder Anbau werden die ersten Stöcke Chardonnay im Rebberg Carschluns angepflanzt.
1993
Die Erntemengenbeschränkung wird in der Schweiz bundesweit eingeführt. Im Kanton Graubünden wird die Menge beim Blauburgunder auf 900 g/m2 beschränkt. Schloss Salenegg geht mit der Beschränkung noch einen Schritt weiter auf 750 g/m2.
1984
Dauerbegrünung in allen Rebbergen und konsequentes Auslauben nach der Blüte sind die Regel auf Schloss Salenegg.
1977
Wird beim Torkel ein mit einer Kühlanlage versehener Flaschenkeller gebaut, der es in Zukunft gestattet, den Flaschenwein im richtigen Zeitpunkt abzufüllen und bei geeigneter Temperatur zu lagern. Die Kapazität des Flaschenkellers umfasst 40‘000 bis 50‘000 Flaschen.
1974
Wird zum letzten Mal die Frostheizung im Rebberg in Betrieb genommen.
Im Herbst fällt sehr früh Schnee und es braucht gute Nerven, um keinen «Notwimmlet» abzuhalten. Die Ernte findet schliesslich vom 1. bis zum 7. November statt.
Die Kapazität des Gärlokals von Salenegg wird durch den Einbau von sechs Lagertanks von 20‘000 Liter auf 40‘000 Liter höht. Diese Erhöhung bringt für die Lagerung von Offen- und Flaschenwein eine Vereinfachung mit sich. Ein Ziel besteht darin, so grosse Weinvorräte zu haben, dass die Abfüllung jedes Jahrgangs nicht vor dem darauffolgenden Herbst notwendig ist.
Auch wird der Torkel insofern umgestaltet, dass die Zwillingspresse der Firma Rauschenbach (1926-1974) zum Museumsstück erklärt und auf die linke Seite des Torkels transportiert wird. Als neue Presse dient nun eine vollautomatische Presse der Firma Sutter in Uzwil. Damit sind im Torkel drei Pressegenerationen vorhanden: Torkelbaum von 1658 - 1926, Zwillingspresse von 1926 - 1974 und die vollautomatische seit 1974.
1973 - 1970
War quantitativ und qualitativ ein hervorragendes Weinjahr. Der Trübweinertrag erreichte ca. 67‘000 Liter, was beinahe 10‘000 Liter pro Hektare entspricht.
Im Jahr 1970/71 wird der Torkel völlig erneuert und mit vorerst 10 Gärtanks mit einer Kapazität von insgesamt 50‘000 Liter versehen.
Ein neuer Anbau führt gegen die Strasse zur Luziensteig. Er ist mit einem elektrischen Aufzug versehen, um die Fuhrzuber mit einem Inhalt von ca. 400 – 500 Litern elektrisch aufzuziehen und die Trauben direkt in einen grossen Trichter zu kippen. Von diesem Trichter fallen sie in die Traubenmühle und gelangen von dort über eine Maischenpumpe direkt in die entsprechenden Gärtanks. Bis anhin wurde diese Arbeit mit Schaufeln von vier bis fünf Männern erledigt, jetzt müssen nur noch zwei Schalter betätigt werden.
1969
Die Mechanisierung im Rebberg nimmt weiter zu. Seit 1964 wird mit grossem Einsatz an der Bodenverbesserung gearbeitet. Mit Hilfe eines Zetters kann nun der dafür nötige Kompost in den Weinbergen leichter verteilt werden. Auch werden die «Gretzen» (abgeschnittene Rebschosse) im Rebberg geschreddert und müssen nicht länger von Hand hinaus getragen werden.
1968
Exakt 900 Jahre nach dem ersten Wimmlet in diesem Rebberg sind zum letzten Mal die Pferde von Abraham Zindel im Einsatz.
1967
Der erste Humuskrümler kommt auf den Markt und wird auf Schloss Salenegg ausprobiert. Im Rebberg wird «auf saubere Reben» Wert gelegt. Dies bedeutet, dass kein Grün zwischen den Rebzeilen spriessen darf und dass die Veredelungsstellen der Reben vor Wintereinbruch sogenannt angehäufelt, sprich mit Erde bedeckt, werden. Diese Haufen werden im Frühjahr wieder eingeebnet. Ein riesiger Arbeitsaufwand.
Die Stiellähme bereitete den Weinbauern immer grössere Sorge. Bei einer Begehung stellt Kellermeister Komminoth fest, dass in einem an herkömmlichen Massstäben gemessenen, unordentlichen Rebberg sehr viel weniger stiellahme Trauben waren als im eigenen Rebberg. In Zusammenarbeit mit dem Rebbaukommisär werden auf Schloss Salenegg Versuche mit der Einsaat von Grasmischungen gemacht.
In den Folgejahren schneidet der Versuch «jede Reihe eingesät» besser ab als «jede zweite Reihe eingesät». Allerdings ist der Zuckergehalt der «jede Reihe eingesät»-Trauben 5 – 8° Oechsle geringer.
1966
Im Büttengmach wird eine Zentralheizung installiert. Dies unterstützt den biologischen Säureabbau und gibt dem Wein die Möglichkeit sich über den Winter «selber vorzufiltrieren», wie es Kellermeister Komminoth in seinen Memoiren bezeichnet.
1964
Im Keller kommt es ebenfalls zu einer grossen Wende: Es werden vier 5‘000 Liter Tanks angeschafft sowie eine Maischenpumpe und Schläuche, um diese zu befüllen. Auf diese Weise konnten zwei Mann im Torkel eingespart werden. Der «Schloss Salenegg Blauburgunder» gewinnt erneut eine Goldmedaille an der Landesaustellung in Lausanne. Der Kellermeister Hanspeter Komminoth bekommt für seine Leistung eine Armbanduhr.
1963
Der Beginn der Mechanisierung im Rebbau von Schloss Salenegg: Es wird ein 1 Zylinder-Traktor Same angeschafft. Allerdings müssen die Geräte dazu selber entworfen und durch den Schmied angefertigt werden.
1961
Die Umstellung auf Drahtbau auf Schloss Salenegg ist abgeschlossen. Ein nachträglicher Vergleich der Ernteerträge in Perioden von jeweils 15 Jahren zeigt, dass der Drahtbau gegenüber dem Stickelbau, und wurzelechte Reben im Vergleich mit veredelten Reben gleichmässigere Erträge mit höherer Qualität liefern.Ernteerträge Schloss Salenegg 1906 – 2020
1960
Beim Abberen und Einmaischen ist noch viel Muskelkraft nötig
1959
Der Salenegger wird nur noch in 7/10 Flaschenqualität verkauft.
1956
Neben dem Frost wird der Dickmaulrüssler in der Herrschaft zum Problem. Zu dieser Zeit waren noch ca. 80 Prozent der Reben wurzelecht, diese wurden viel stärker befallen als die veredelten. Im Februar 1956 sinken die Temperaturen auf -27°C. In diesem Jahr wird auf Schloss Salenegg 0,3 Liter Wein trüb pro Are geerntet, was bei 560 Aren lediglich 168 Liter Wein ergibt.
Aus den Aufzeichnungen von Hans Luzius Gugelberg von Moos geht hervor, dass es sich bei dieser Ernte um die zweit kleinste Erntemenge seit 1906 handelt, kleiner war nur die Ernte von 1913 mit 0,1 Liter pro Are wegen Spätfrösten und Fäulnis im Herbst.
Annus horriblis 1956
1954
Beginn der Umstellung vom Stickel- auf Drahtbau. Dahinter steht die Erkenntnis, dass veredelte Reben eine grössere Resistenz gegenüber den «eingeschleppten amerikanischen Krankheiten» aufweisen als wurzelechte. Ab 1963 nimmt diese Umstellung richtig Fahrt auf, dies auch dank der besseren Verfügbarkeit von Unterlagen-Holz und der Erfahrung, dass Reben im Drahtbau weniger anfällig sind für Pilzkrankheiten.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung kann auf Schloss Salenegg bis 1955 der Weinbau vollständig reorganisiert werden. Alle Weinberge sind von der Stockerziehung auf den Drahtbau umgestellt worden. Diese Methode erlaubt die weitgehend mechanische Bearbeitung der Weinberge und eine entsprechende Reduktion der Handarbeiten. Weitere Neuerungen stehen bevor, u. a. die chemische Bekämpfung der Traubenfäulnis durch sogenannte systemische Mittel.
1949
Im wichtigsten Rebberg von Schloss Salenegg, dem Gut vor dem Haus, wird eine Spritzanlage eingebaut. Im sogenannten Spritzenhaus wird die Bordeaux-Brühe gemischt und mittels Pumpe über nahezu zwei Kilometer Kupferrohrleitungen in den Rebberg gepumpt. Dort werden Schläuche an den gleichmässig verteilten «Zapfstellen» angehängt, damit der Rebberg effizient gespritzt werden kann. Dies ist eine grosse Arbeitserleichterung, wenigstens für einen Rebberg.
1946
Die obligatorische Weinlesekontrolle wird schweizweit eingeführt.
1942
Da in den Kriegsjahren keine Pferde zur Verfügung standen musste die Ernte mit dem Ochsen Gespann der Familie Bantli eingebracht werden.
1937
Der «Angstwimmlet» von 1936 schadet dem guten Ruf der Weine aus der Herrschaft. Seitdem wird die Weinlese anhand von handfesten Werten, wie dem Zuckergehalt und nach Rücksprache mit Sachverständigen der Beginn der Lese anlässlich einer Versammlung der Weinbauern (Wimmelgemeinde) festgelegt. Wer sich nicht an den festgelegten Termin hält, wird verzeigt, wer einen guten Grund für eine frühere Lese hat, muss eine Bewilligung einholen.
1935
Der Schweizerische Weinbauverein beschliesst die Einführung der Weinlesekontrolle in der Ostschweiz und empfiehlt eine gute Sönderung, Überwachung der Weinlese, genaue Kontrolle der ausgeführten Traubenmenge und Bezahlung der Ernte in Abstufung nach Öchslegraden.
1930
Das Wein Lexikon von Paul Parey, Berlin, weiss fogendes über die Herrschaft zu berichten:
«Eines der schönsten ostschweizerischer Rotweinanbaugebiete mit ca. 260 ha liegt im Kanton Graubünden. Mehr als 95% der Fläche sind mit dem blauen Burgunder bepflanzt. Die dort angebaute Spielart ist sehr ausgeglichen, die Reben meist alter Kultur werden in verhältnismässig kurzen Intervallen verjüngt. In diesem Gebiet hat Bodenbearbeitung durch Gespann weitgehend Eingang gefunden. Die Lese erfolgt allgemein spät, nicht selten bringt der Föhn die Trauben erst in der zweiten Hälfte Oktober zur vollen Reife. Der Weinbau wurde in neuerer Zeit besonders durch das Beispiel der landwirtschaftlichen Schule Plantahof, dann einiger Privatbetriebe wie Schloss Salenegg (von Gugelberg) und von Sprecher in Maienfeld sehr gefördert.»
1929
Weinlese
1922
Der erste veredelte Blauburgunder wird auf Schloss Salenegg angebaut.
1920
Der Begriff «Beerliwein» wird als Qualitätsbezeichnung eingeführt. Er besagt, dass ein Wein aus zu 100% abgebeerter Maische gewonnen wird. Dies ergibt einen sehr reintönigen Wein.
1910
Schloss Salenegg um 1910 vor der Umstellung von Stickelbau auf Drahtbau
1906
Hans Luzius Gugelberg von Moos, 1847 - 1946, Ingenieur, übernimmt Schloss Salenegg und beginnt mit einer umfassenden Modernisierung des Weinbaubetriebes. Als Erstes wird eine Abbeermaschine angeschafft. Diese wird noch mit einem Handrad angetrieben.