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Vor 50 Jahren brannte der Bahnhof Luzern komplett ab - GALERIE
Am 5. Februar 1971 um 8.18 Uhr war der Stadtpolizei Luzern ein Feuer im Dachstock des Bahnhofs Luzern gemeldet worden. Die SBB manövrierte die Züge aus dem Bahnhof. Um 9.03 Uhr blieb die Uhr über dem Portal stehen. Drei Minuten später krachte die Kuppel ein, dies unter den Blicken hunderter Schaulustiger.
Der Brand dürfte bei Lötarbeiten entfacht worden sein. Viel mehr retten als die Perronanlagen konnte die Feuerwehr vom 1896 erbauten Bahnhof nicht. Die Bevölkerung erwartete zunächst, dass der Bahnhof von Architekt Friedrich Keck und seine Kuppel, die zum Stadtbild der Touristenstadt gehörten wie die Hotels auf der gegenüberliegenden Seeseite, wieder aufgebaut werden. Doch es kam anders: Luzern erhielt ein modernes Bahnhofgebäude, in das auch Schulen und eine unterirdische Ladenpassage integriert wurden.
Während zwei Jahrzehnten Provisorien
20 Jahre wurde am neuen Bahnhof und seiner Umgebung geplant und gebaut. Die Bahnreisenden mussten jahrelang mit Provisorien und Unannehmlichkeiten leben. Ein Journalist der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) beschrieb den Bahnhofplatz 1985 als «Robinson-Spielplatz». Ein WC stand den Reisenden nicht zur Verfügung, genauso wenig ein Buffet, wie es damals noch zur Grundausstattung eines richtigen Bahnhofs gehört hätte.
Entworfen wurde der neue Bahnhof von den Luzerner Architekten Hans Peter Ammann und Peter Baumann. Die Fassade wurde mit dunkelgrünem Naturstein verkleidet, die gläserne Vorhalle entwarf der spanische Architekt Santiago Calatrava, der damals für Ammann und Baumann arbeitete.
Vom alten Bahnhof übrig geblieben war im Wesentlichen nur die Perronhalle aus der Dampfeisenbahnzeit. Die Denkmalpflege sorgte dafür, dass die Westfassade nicht zu stark an ein Geschäftshaus erinnert: An die Aussenwand wurde das Monumentalgemälde «Nord und Süd» montiert, das die Haupthalle des Bahnhofs geschmückt hatte.
Auf dem Bahnhofplatz steht ein zweites Versatzstück des abgebrannten Gebäudes: 30 Meter von seinem früheren Standort entfernt, wurde wie ein Triumphbogen das alte Bahnhofportal postiert. Auf diesem thront die zwei Tonnen schwere Figurengruppe «Zeitgeist» aus dem frühen 20. Jahrhundert. In das Portal diskret integriert sind Abluftröhren.
Geprägt wird der mit dem Neubau geschaffene Bahnhofsplatz indes von Busperrons. Dort, wo früher Kinder, Mütter und Betagte ihre Nachmittage in einer Gartenanlage verbracht hätten, mache sich nun grauer Asphalt breit, heisst es im SDA-Bericht «Abschied vom schönsten Bahnhofplatz der Welt» von 1990.
Heutiger Bahnhof ohne internationale Züge
Luzern hatte früher einen Bahnhof mit Direktverbindungen nach Rom, Amsterdam, Hamburg oder Calais. Bei der Neueröffnung 1991 befürchteten Stadt und Kanton zu Recht, dass der Kopfbahnhof diese Funktion verlieren könnte. Schon damals gab es Forderungen nach einem unterirdischen Durchgangsbahnhof. Entsprechende Vorarbeiten wurden mit dem Bahnhofneubau bereits geleistet.
Einen unterirdischen Durchgangsbahnhof dürfte Luzern tatsächlich erhalten –aber voraussichtlich erst in rund 20 Jahren. Für das Milliardenprojekt wird das Vorprojekt ausgearbeitet. Die Inbetriebnahme ist 2040 vorgesehen. Die Initianten hoffen, dass mit dem viergleisigen Durchgangsbahnhof, der die Achsen Bern/Basel–Luzern und Luzern–Zürich/Gotthard verbindet, die internationalen Züge nach Luzern zurückkehren. Die Verbindung Deutschland–Italien via Luzern soll dann schneller sein als die via Zürich.
Für den Pendler wichtiger sein dürfte, dass mit dem Durchgangsbahnhof das Angebot ausgebaut werden kann. Die Zufahrt ist heute bloss zweigleisig und zu Stosszeiten voll ausgelastet. Zudem will die Stadt den Bau dafür nutzen, das Bahnhofsviertel neu zu gestalten (Ausgabe vom 2. Februar). So könnte der Bahnhofplatz wieder zur Visitenkarte Luzerns aufgewertet werden. Luzern bietet sich somit die Chance, wieder den «schönsten Bahnhofsplatz der Welt» zu haben.
Eine weitere Bildergalerie des Stadtarchivs Luzern