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Über den Käsefreihandel mit der EU, der seit 2007 in Kraft ist, wird schon seit Jahr und Tag gestritten: Ist die Bilanz positiv oder negativ? Die Kritiker monieren, die Importmengen seien stärker gewachsen als die Exportmengen, Käser und Bauern hätten durch stärkere Konkurrenz und sinkende Käse- und Milchpreise nur gelitten. Die Befürworter halten dem entgegen, dass die Bilanz, nach Franken betrachtet, gar nicht so schlecht sei, und dass vor allem die Käsevielfalt und der Käsekonsum angestiegen seien. Zum Thema gab es auch schon verschiedene Studien, die je nach Auftraggeber zu unterschiedlichen Antworten kamen.
Umso gespannter ist man, wenn Agroscope eine Studie zu den «Auswirkungen des Käsefreihandels mit der EU» (so lautet der Titel) vorlegt. Der Autor Andreas Kohler argumentiert, es sei wenig aussagekräftig, einfach die Entwicklung von Käseimporten und -exporten vor und nach der Einführung des Freihandels zu vergleichen, wie es häufig gemacht wird. Sinnvoller sei es, den Handel mit 15 EU-Ländern (EU vor der Osterweiterung) mit dem Handel mit einer ähnlichen Anzahl von «Rest-der-Welt»-Ländern zu vergleichen.
Bloss: Diese Entwicklung verlief, wenn Wechselkurseffekte im Auge behalten werden, in EU-Ländern und in Nicht-EU-Ländern tendenziell ähnlich. Der Autor schreibt in seinem Fazit: «Es kann ein positiver kausaler Effekt des Käsefreihandels mit der EU auf die Wachstumsrate der Schweizer Käseexporte festgestellt werden, es kann aber statistisch nicht ausgeschlossen werden, dass dieser Effekt null ist.» Der errechnete Effekt ist statistisch nicht signifikant, weil zu wenig Daten vorhanden sind – also eigentlich, weil noch zu wenig Jahre vergangen sind. Schade! In 50 Jahren werden wir vermutlich sehr genau Bescheid wissen, bloss was nützt es uns dann? In der Zwischenzeit darf also munter weiter gestritten werden.
Roland Wyss-Aerni