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Bilder: Fabrice Umiglia
Das Parkett und der erste Balkon waren am Donnerstag gut besetzt, trotzdem wirkte der weisse Saal etwas verwaist, wenn man den Blick über die oberen Stockwerke schweifen liess. Dabei war dieses Konzert ein symbolträchtiges: Die Festival Strings Lucerne wurden vor 57 Jahren von Wolfgang Schneiderhan (1915 – 2002) – einer der bedeutendsten Violinvirtuosen Österreichs – und Rudolf Baumgartner (1917 – 2002) – einem Schweizer Violinisten und Mitbegründer des Zürcher Kammerorchesters – gegründet. Und jetzt, fast sechs Jahrzehnte später, befanden sich die Stradivaris des Gründerduos in den Händen von Arabella Steinbacher und Daniel Dodds.
Eine erdrückende Verwandlung
Richard Strauss‘ aufrichtige Bewunderung gegenüber Wolfgang Schneiderhan wurde unter anderem in einem Brief an Karl Böhm festgehalten, in dem die Entstehung der «Metamorphosen für 23 Solostreicher» erwähnt wird: «Ich arbeite schon seit einiger Zeit, um das Handgelenk auch Schneiderhan gegenüber in Übung zu erhalten, an einem Adagio für etwa 11 Solostreicher, das sich wahrscheinlich zu einem Allegro entwickeln wird.»
Der Beginn der Metamorphosen von Richard Strauss war im heutigen Luzern zaghaft, die daraus resultierende Unsicherheit und Frustration war deutlich zu spüren. Das ursprünglich für eine kleinere Besetzung konzipierte Werk weist mit seinem Titel auf die andauernde Verwandlung des erst zuletzt deutlich erkennbaren Zitats aus Ludwig van Beethovens langsamen Satz der «Eroica» (Sinfonie Nr. 3 op. 55) hin. Die Anspielung auf den Trauermarsch Beethovens bezieht sich auf die Ruinen der Nachkriegszeit in Deutschland und insbesondere auf die vollkommene Verwüstung der Kunstmetropole Dresden, wenige Tage vor Kriegsende. Die in der Luft liegende Melancholie und Düsterkeit des Stücks liess die von der Musik erdrückte Zuhörerschaft nur widerwillig in einen Applaus einstimmen.
Ein verliebtes Vogelpaar
Wolfgang Amadeus Mozarts erstes Violinkonzert in B-Dur KV 207 entstand auf einer Italienreise im Jahr 1773 und versprach nach den musikalischen Eindrücken der Nachkriegszeit die Stimmung mit «La Bella Vita» wieder zu heben. Die Münchner Mozart-Expertin und Violinistin Arabella Steinbacher betrat dafür die Bühne. Die werdende Mutter trug eine Garderobe in den Farben der Hoffnung und ein luftiger Schleier deutete auf das zu enthüllende Wunder hin. Diese Versinnbildlichung des «schönen Lebens» in Kombination mit ihrem makellosen Auftritt war dermassen vollkommen, dass die vorangegangene Tristesse sich in Luft auflöste.
Wie ein verliebtes Vogelpaar sangen Arabella Steinbacher und Daniel Dodds auf den über 300 Jahre alten Instrumenten, als sie zusammen eines der berühmtesten Instrumentalkonzerte Johann Sebastian Bachs aufführten. Dem Doppelkonzert für zwei Violinen in d-Moll wurde mit süssen Vibrati eine romantische Note verpasst, die der Entstehungszeit des Werks weniger entsprechen mochte. Kurz bevor die Singvögel sich einer Parodie von Mozarts türkischem Marsch widmeten, die von Aleksey Igudesman komponiert wurde, witzelte Daniel Dodds über den Titel des Werks «Kauft einen Vogel», den er zu «Kauft eine Strad» umtaufte.
In Tschaikovskys «Souvenir de Florence» blühten die Festival Strings Lucerne nochmals in allen Farben auf, die ersten Violinen liessen eine italienisch angehauchte Melodie über den Begleitpizzicati erklingen. Tänzerisch und energetisch bewegt sich das Orchester zu den Phrasen des Werks. Die geschichtsträchtige Stadt, durch die das Werk inspiriert wurde, wird auf vielschichtige Weise musikalisch dargestellt. Die Genialität des Komponisten löst einen begeisterten Schlussapplaus aus, der mit einer fast rockähnlichen Performance des ersten rumänischen Tanzes von Béla Bartók belohnt wird.
Weitere Konzerte der Festival Strings:
Birthday Gala – Sir James Galway at 80
10. Januar 2020, 19.30 Uhr
KKL Luzern
Beethoven zelebriert
1. März 2020, 18.30 Uhr
KKL Luzern
Feierliche Serenade
8. Mai 2020, 19.30 Uhr
KKL Luzern
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