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Ich öffne die Tür der Red Rock Bar und stürme hinaus in die Dunkelheit. Nasse rotverfärbte Blätter liegen überall auf dem Boden und ich muss darauf Acht geben, dass ich nicht mit meinen Absatzschuhen ausrutsche. Ich gehe zügig in Richtung meines Wagens, welches zuhinterst auf dem Parkplatz steht. Gleichzeitig wühle ich in meiner schwarzen Umhängetasche, um den Autoschlüssel herauszunehmen. Ich biege scharf hinter meinem Auto nach rechts ab und rutsche auf einem Herbstblatt aus. In letzter Sekunde kann ich mich am Türgriff meines Autos festhalten, um den Sturz zu verhindern.
Schwer atmend lasse ich mich in den Fahrersitz meines weissen VW Golfes sinken und lasse die Tür zufallen. Ich schliesse meine Augen und versuche mich zu beruhigen. Nach wenigen Sekunden öffne ich sie wieder und fahre mit meinen Händen über das Gesicht. Die Frontscheibe ist so stark beschlagen, dass ich nur schwer das rot neonleuchtende Logo der Bar wahrnehmen kann. Ich hasse solche Typen, die kein nein verstehen.
Plötzlich ertönt ein komisches Geräusch am Fenster der Beifahrerseite. Ich lasse die Scheibe auf meiner Seite wenige Millimeter herunter. Nicht schon wieder. «Was verstehst du unter einem Nein nicht, lass mich in Ruh». Wütend sehe ich ihn an. Der Mann schaut mir zornig in die Augen. In seiner rechten Hand kann ich etwas Glitzerndes wahrnehmen. Er hält es hoch und deutet damit auf mein Gesicht.
Ein kalter Schauer durchzuckt meinen Körper, ich drücke die Kupplung schalte den Rückwärtsgang ein, lasse die Kupplung langsam los und bediene gleichzeitig das Gaspedal, sodass mein Auto nach hinten fährt. Schnell wende ich gegen links und fahre vorwärts auf die neblige mit Blättern besäte Strasse. Innert Sekunden erreiche ich den Tannenwald. Aufgrund des zunehmenden Nebels schalte ich das Nebellicht ein. Zusätzlich verlangsame ich das Tempo, damit ich eine vorausschauende Fahrweise erreiche.
Ich atme ein paar Mal tief ein und wieder aus, um mich zu beruhigen. Wieso musste ich mit diesem Typen tanzen. Ich sass an der Bar und trank eine Cola. Auf einmal ist dieser gutaussehende muskulöse Typ neben mir auf den Barhocker gesessen und hat ein Gespräch mit mir angefangen. Nach ungefähr 50 Minuten ist er aufgestanden und in der Menschenmenge verschwunden. Ich bin ebenfalls aufgestanden und wollte ihm folgen. Verloren stand ich auf der Tanzfläche. Ein warmer Atemzug hüllte mein linkes Ohr ein. Ich drehte mich um und sah der Typ wenige Millimeter hinter mir stehen. Noch bevor ich etwas sagen konnte, führt er meine Arme zu seinen breiten Schultern und umfasste mich bei meiner Hüfte. Er lächelte mich an und zog mich näher an sich heran. Eng aneinander geschlungen tanzten wir im Takt der Musik. Ohne jegliche Vorwarnung küsste mich der Typ. Ich schmeckte den Whisky auf seinen weichen vollen Lippen. Seine Hände wanderten zu meinem Po und seine Küsse wurden intensiver. Seine rechte Hand liess er sanft über meinen Po, Hüfte bis hin zu meinem Oberschenkel gleiten. Mir wurde das Ganze zu viel und ich stiess ihn an seinem Brustkorb zurück. Beschämend drehte ich mich um und drängelte mich durch die tanzende Menschenmenge Richtung Bar. Ich setzte mich auf einen Barhocker und bestellte mir nochmals eine Cola. Nach ein paar Minuten tippte mir ein Finger auf meine Schulter und der braunhaarige Typ von vorhin stand hinter mir. Er begann meine nackte Schulter zu küssen. «Nein, hör auf, ich will das nicht». Ich zog meine Schulter weg und sah ihm direkt in die Augen. Er begann zu lächeln. «Ich weiss doch genau, dass du das willst».
Im Innenspiegel kann ich feststellen, dass sich ein Auto hinter mir befindet. Der Abstand zwischen diesem Auto und mir wird immer kleiner. Wieder durchzuckt mich ein kalter Schauer und ich weiss genau, dass es wieder dieser Typ ist. Ohne zu zögern, beschleunige ich das Auto von 50km/h auf 80hm/h. Das Auto hinter mir fällt leicht zurück. Ich nehme das Steuerrad in beide Hände, da die Strasse ziemlich glitschig ist. Angst steigt in mir hoch und Tränen schiessen mir in die Augen.
Immer wieder schaue ich in den Rückspiegel. Ich kann das Auto hinter mir nicht mehr sehen. Aus heiterem Himmel schiesst der Typ mit seinem Auto neben mir vorbei und überholt mich.
Die Bremslichter vor mir leuchten rot auf und ich drücke ohne zu überlegen auf die Kupplung und Bremse. Mein Wagen kommt ins Rutschen und ich verliere die Kontrolle über meinen Golf. Vor mir sehe ich dicke Stämme der Tannen und ich versuche irgendwie das Auto zu wenden. Die Stämme kommen immer näher und näher. Ich höre einen lauten Knall, fühle einen qualvollen Schmerz im Körper und danach wird alles Schwarz um mich herum.
Mein Kopf dröhnt, als hätte mich eine Walze überrollt. Mühsam öffne ich meine Augen. Zuerst sehe ich alles unscharf. Ich blinzle mehrmals und erkenne einen kleinen Raum, welcher schwach durch eine Birne beleuchtet wird. Warme Flüssigkeit fliesst über mein Gesicht. Schlagartig kommen mir die Erinnerungen wieder hoch. Meine Atmung beschleunigt sich sofort und ich fasse mir an den Kopf. Ein stechender Schmerz durchzuckt meinen ganzen Körper. Ich verkneife mir ein stöhnendes Geräusch und beisse mir auf die Lippen. Ich stütze mich mit beiden Händen am Boden ab, um auf die Beine zu kommen. Irgendetwas hält mich zurück. Ich drehe meinen Kopf so weit nach hinten wie nur möglich und sehe, dass meine Beine mit Kabelbinden gefesselt sind. Komischerweise sind meine Arme frei. Ich suche nach einem scharfen Gegenstand, damit ich mich von den Kabelbinden, die sich tief in meine Haut einritzen, zu befreien. Ein paar Meter neben mir erkenne ich etwas Glänzendes. Ich lege mich auf den Boden und strecke mich so weit wie möglich. Mit meiner Fingerspitze erreiche ich den Griff des Messers. Ich ziehe es zu mir und schneide die Kabelbinder durch.
Mühsam stehe ich auf und der Raum um mich herum beginnt sich, wie auf einem Karussell, zu drehen. Links in der Ecke des fensterlosen Raums erkenne ich einen Stuhl. Ich humple hinüber und entdecke einen weissen Brief mit meinem Namen darauf. Ich öffne den Umschlag und nehme das zerknitterte Blatt Papier heraus.
Löse das Rätsel, um zu überleben.