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Der Debütroman der 1983 in Goa geborenen und in Scuol aufgewachsenen Schriftstellerin Gianna Olinda Cadonau spielt in einem abgelegenen Bündner Bergdorf. Vera – eine Journalistin, die einen Artikel über romanische Literatur schreibt – kehrt in jene Umgebung zurück, in der sie ihre Kindheit mit ihrer grossen Schwester Sophia verbrachte, bis diese in eine Psychiatrie eingeliefert wurde. Sie lernt den zugezogenen Kálmán kennen, der ein Haus am oberen Dorfrand geerbt hat und aufgrund seines hinkenden Ganges und der narbigen Haut nicht in das gewohnte Dorfbild passt. Von den Erlebnissen eines nicht weiter benannten Krieges traumatisiert, versucht er, sich in diesem neuen und sicheren Umfeld zurechtzufinden. Nach und nach beginnt er, seine Geschichte mit Vera zu teilen, die ihm dafür aus ihrer Vergangenheit berichtet: Die beiden «sprechen fast nur über Unsichtbares, obwohl sie einander nach Sichtbarem fragen, von Sichtbarem erzählen», und verarbeiten so ihre Erlebnisse.
Als Vera ihre Schwester in der Klinik besucht, erzählt sie ihr von Kálmán. Von diesem fasziniert, kann Sophia nicht mehr aufhören, an ihn zu denken, und entscheidet sich, ins Bergdorf zu fahren. Dort entsteht eine intensive Bindung zwischen der psychisch instabilen Frau und dem traumatisierten Mann. Sie helfen einander, klarer zu sehen und besser mit ihren Ängsten und Zwängen umzugehen. Kálmán vermag es, Vergangenes zu verarbeiten, und fasst den Entscheid, im Bergdorf zu bleiben, während Sophia in die Klinik zurückkehrt und Vera arbeitsbedingt aus dem Bergdorf abreist.
Gianna Olinda Cadonau schafft es mit wenigen, dafür umso bewusster gewählten Worten, eine Geschichte vom Aufeinandertreffen verschiedener Charaktere zu erzählen, die sich gegenseitig dabei helfen, Türen zu öffnen, und sich so behutsam ihren eigenen Ängsten stellen. Vor der Kulisse der Bündner Bergwelt, die auf den rund 170 Seiten stimmungsvoll beschrieben wird, verleiht dies der Erzählung eine besonders eindrückliche Atmosphäre.