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Hier ist noch alles möglich
Aufbau Verlag, 2018
Eine junge Frau heuert als Nachtwächterin in einer Fabrik an. Sie soll das Gelände vor dem mutmasslichen Eindringen eines Wolfs bewachen und erfährt dabei von einem Mann, der offenbar ausserhalb des Fabrikzauns vom Himmel gefallen ist. Akribisch genau registriert die Erzählerin, wie aus Angst vor dem Fremden Grenzen gezogen werden und wie die Sehnsucht nach dem Anderen sie selbst zur Grenzgängerin macht. Eine poetisch verdichtete Parabel über die drängenden politischen Fragen unserer Zeit.
Aus: Gianna Molinari. Hier ist noch alles möglich. Aufbau Verlag, 2018
Ich werde den Koch fragen, wie der Wolf aussah, wie groß er war, was er tat, wie er schaute oder nicht schaute, wie er sich bewegte.
Ich werde in die Kantine gehen, vielleicht eine Suppe essen und den Koch fragen, wie er reagiert habe, ob der Wolf ihn erschreckt habe, ob er Angst gehabt habe, ob er sich nicht habe bewegen können, wer von beiden sich zuerst bewegt habe, der Koch oder der Wolf, in welche Richtung der Wolf verschwunden sei, ob er zurückgeschaut habe, ob der Koch das habe sehen können.
Mitten in der Stadt, auf der Aussenbühne am Landhausquai, finden täglich zehnminütige Open-Air Lesungen der eingeladenen Autor*innen statt.
Gianna Molinari, geboren 1988 in Basel. Sie studierte Literarisches Schreiben in Biel und Germanistik in Lausanne. Sie ist Mitbegründerin des Autorinnenkollektivs «Rauf». «Hier ist noch alles möglich» ist ihr Romandebüt. Sie lebt in Zürich.