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Der Klimawandel ist eine, wenn nicht die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Die klimatischen Veränderungen haben weitreichende Auswirkungen und kennen keine geografischen Grenzen. Die Lebensgrundlagen von Milliarden Menschen sind gefährdet – insbesondere dort, wo diese direkt von der Natur abhängen. Der Klimawandel verschärft die Armut und versetzt bereits gefährdete Bevölkerungsgruppen in eine noch prekärere Lage.
Der Klimaschutz und der Umgang mit dem Klimawandel sind bedeutende Themen in der Entwicklungszusammenarbeit und im 13. Ziel der UNO-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (SDG) reflektiert:
Ziel 13: Umgehend Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen
Das bedeutet unter anderem, die Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit gegenüber klimabedingten Gefahren und Naturkatastrophen zu stärken – aber auch aufzuklären und zu sensibilisieren.
Aufgefordert wird aber auch dazu, «Mechanismen zum Ausbau effektiver Planungs- und Managementkapazitäten im Bereich des Klimawandels in den am wenigsten entwickelten Ländern […] zu fördern, unter anderem mit gezielter Ausrichtung auf Frauen, junge Menschen sowie lokale und marginalisierte Gemeinschaften.» (Quelle: UNO)
Klimawandel ist nicht geschlechtsneutral. Frauen und Mädchen, insbesondere aus ländlichen Gebieten des sogenannten globalen Südens, sind spezifischen negativen Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt – nicht aufgrund ihres biologischen Geschlechts, sondern wegen ihres sozioökonomischen Status und der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen.
Frauen arbeiten häufiger in der Landwirtschaft, im Haushalt, in der Pflege und kümmern sich um die Familie. Sie sind bisweilen rechtlich benachteiligt und haben eingeschränkten Zugang zu Ressourcen und Informationen. Ihre Mobilität und Besitz sind geringer, genauso wie ihre Einbindung in soziale, politische und ökonomische Entscheidungsprozesse.
«Die Folgen des Klimawandels, wie etwa vermehrte Dürren und Seuchen, haben daher schlimmere Konsequenzen für Frauen. In Trockenzeiten müssen sie weitere Wege zurücklegen, um an Wasser zu gelangen. Nicht selten brechen junge Mädchen die Schule ab, um ihren Müttern dabei zu helfen. Wenn Hitze und starke Regenfälle mehr Malariainfektionen hervorrufen, müssen sich vor allem Frauen um die Krankenpflege kümmern. Und wenn klimabedingte Veränderungen zu Migration führen, bleiben meist die Frauen zurück – ohne die finanziellen und rechtlichen Ressourcen zu haben, um für ihre Familien zu sorgen. Vor extremen Naturkatastrophen […] sind sie zudem oft schlechter geschützt, auch weil sie sich weniger präventive Massnahmen leisten können. Im Nachgang solcher Ereignisse werden sie häufiger Opfer sexueller Gewalt.» (Quelle: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen DGVN)
Der Klimawandel verschärft daher bestehende Diskriminierungen – nicht nur hinsichtlich der Geschlechter – und gefährdet grundlegende Menschenrechte.
Frauen sollten jedoch nicht ausschliesslich als Opfer des Klimawandels betrachtet werden, sondern als Akteurinnen gegen ebendiesen und für wirksame Anpassungs- und Schutzmassnahmen. Gerade Frauen bringen spezifisches Wissen und Fähigkeiten mit sich. Beispielsweise verfügen Frauen über ein umfassendes Wissen hinsichtlich der Pflege von Saatgut, über Böden und über traditionelle Landwirtschaft. Es wäre fahrlässig, dieses Wissen und die damit einhergehenden vielfältigen Ideen und Lösungsansätze nicht zugunsten gesunder Ökosysteme zu nutzen.
Viele Umweltfeministinnen und -feministen kritisieren, «dass der Klimawandel zu einseitig naturwissenschaftlich und damit stereotyp männlich diskutiert wird. Soziale Komponenten und damit auch geschlechtsspezifische Auswirkungen werden vernachlässigt. Nur mit Geschlechtergerechtigkeit lässt sich jedoch Klimagerechtigkeit schaffen.» (Quelle: DGVN)
Biologische Landwirtschaft
Im Zuge der «grünen Revolution» wurde in Indien vielerorts der massive Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden populär. Nachdem anfänglich Erträge gesteigert werden konnten, wurde später immer deutlicher, wie viel Schaden diese Form der Landwirtschaft anrichtet. Heute ist die Bodenqualität schlecht und die Fruchtbarkeit stark in Mittleidenschaft gezogen. Eine Folge davon ist, dass sich viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern wegen der immer geringer werdenden Erträge verschulden und letztlich die Ernährungssicherheit gefährdet ist.
Die St. Anna-Schwestern bewerben und unterstützen deshalb den Umstieg auf biologische Landwirtschaft. Aufbauend auf positiven Erfahrungen sollen dabei gezielt Frauen eine Führungsrolle in diesen Transformationsprozessen einnehmen. Sie werden thematisch sensibilisiert und in der Bio-Landwirtschaft angeleitet und begleitet. In einem nächsten Schritt werden die Bäuerinnen auf Wunsch beim Verkauf ihrer biologischen Produkte unterstützt.
300 Bäuerinnen sind auf biologische Landwirtschaft umgestiegen und arbeiten ohne Pestizide.
Gesunde Ökosysteme
In vielen Teilen Indiens sind Folgen des Klimawandels bereits gut sicht- und spürbar. Sowohl Dürren als auch Überschwemmungen sind keine Seltenheit. Teilweise sind Grundwasservorkommen massiv zurückgegangen oder komplett versiegt. Starker Pestizid- und Düngemitteleinsatz sowie mangelhafte Abfallentsorgung machen Ökosystemen zusätzlich zu schaffen.
Neben den oben beschriebenen Bio-Landwirtschaftsprojekten tragen auch diverse von den St. Anna-Schwestern initiierte Frauen-Empowerment-Gruppen mit ihrem Engagement zu gesunden Ökosystemen bei. So wurden etwa Projekte umgesetzt, bei denen gesamte Dörfer «plastikfrei» wurden. Andere Massnahmen zielen durch die gezielte Bestellung von Feldern und das Pflanzen von Bäumen auf die Regeneration von Böden und des Grundwassers ab.
Allein im Jahr 2020 wurden 20’000 Bäume von den St. Anna-Schwestern und den Frauen-Empowerment-Gruppen gepflanzt.