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Den Schwingerkönig 2001 in Nyon werden die Nordostschweizer, angeführt von Titelverteidiger Jörg Abderhalden, und die Innerschweizer wohl unter sich ausmachen. Die Berner, die 23 von 40 Schwingerkönigen der Geschichte stellten, haben diesmal keinen Siegesanwärter in ihren Reihen.Dieser Inhalt wurde am 24. August 2001 - 13:03 publiziert
Sieben Athleten haben sich nach der bisherigen Saison als mehr oder minder gleichwertige Favoriten in den Vordergrund geschwungen: die drei Nordostschweizer Jörg Abderhalden, Arnold Forrer und Thomas Sutter, die drei Innerschweizer (und Schwyzer) Martin Grab, Adrian Laimbacher und Heinz Suter sowie der Freiburger Hans-Peter Pellet. Sollte am 39. Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest ein anderer triumphieren, so wäre dies eine Sensation.
Obschon mit sechs Kranzfest-Siegen im eigenen Verbandsgebiet Rekordgewinner der Saison, hat Pellet von den Favoriten die schlechtesten Karten in der Hand: Er ist mit 31 Jahren der Älteste - seit 1940 hat nie mehr ein über 30-Jähriger gewonnen -, ist mit 175cm der klar Kleinste und hat im Gegensatz zu den Innerschweizern und den Nordostschweizern keinen starken Verband im Rücken.
Fragezeichen um Abderhalden und Sutter
Die letzten Schwingerkönige Jörg Abderhalden und Thomas Sutter werfen je auf ihre Weise Fragen auf. Für den 22-jährigen Abderhalden könnte der Dopingfall seines Bruders Beat zur psychischen Belastung werden, wenngleich er stets darauf hingewiesen hat, dass er selber nicht betroffen sei und ihn dies auch nichts angehe. Schwingerisch überzeugte der Toggenburger. Wie vor seinem Coup von Bern 1998 gewann er auch heuer auf dem Stoos und errang am Berner Kantonalen einen weiteren beeindruckenden "Auswärtssieg".
Thomas Sutter, der Triumphator von Chur 1995, startete mit dem Sieg am Zürcher Kantonalen gut in die Saison, verletzte sich aber Ende Juni am Nordostschweizer Teilverbandsfest am rechten Knie und bestritt seither keinen Wettkampf mehr. Für Nyon ist er jedoch fit. Mit 28 Jahren gehört er mittlerweile bereits zu den älteren Spitzenschwingern.
Arnold Forrer, Abderhaldens ein Jahr älterer Trainingskollege vom Schwingklub Wattwil, ist für viele Experten nach den Siegen am Nordostschweizerischen (mit 59,75 Punkten!) und auf der Schwägalp (im Schlussgang gegen Jörg Abderhalden) sogar der Favorit Nummer 1.
Innerschweizer Triumvirat
Auch in der Innerschweiz hat sich ein starkes und in sich ausgeglichenes Triumvirat hervorgetan. Heinz Suter, der vor drei Jahren in Bern zum Auftakt Jörg Abderhalden bezwang und im vorletzten Duell von Beat Abderhalden von der Schlussgang-Teilnahme abgehalten wurde, bekommt mit 26 Jahren eine der letzten Chancen auf den grossen Erfolg. Der Co-Sieger des Innerschweizer Festes verletzte sich zuletzt im Höhen-Trainingslager in Arosa am Fuss, sollte aber in Nyon in bester Verfassung antreten können.
Hinter Heinz Suter drängen zwei junge Schwyzer nach - wenn sie sich nicht sogar schon auf gleiche Höhe gebracht haben. Der 22- jährige Martin Grab gewann die Kantonalfeste von Schwyz und Zug sowie - es war sein bisher grösster Triumph - am Brünig. Der ein Jahr jüngere Adrian Laimbacher verpasste in dieser Saison noch den einen oder anderen Kranz, wurde aber mit den Siegen am Innerschweizer Fest und auf der Rigi innerhalb einer Woche zum Aufsteiger des Jahres.
Von den Favoriten kam keiner ungeschoren durch die Saison, jeder lag - oft in Direktbegegnungen - mindestens zweimal auf dem Rücken.
Berner Niederlagen
Die Berner, die zuletzt 1989 (Adrian Käser) und 1992 (Silvio Rüfenacht) den König stellten, sind ins Mittelmass zurückgefallen. Sowohl am eigenen Verbandsfest als auch auf der Schwägalp (gegen die Nordostschweizer) und am Brünig (gegen die Innerschweizer) zogen sie in fast allen Spitzenduellen den Kürzeren.
Siege wie jener von Daniel Lüthi gegen Jörg Abderhalden oder von Roger Brügger gegen Arnold Forrer blieben die Ausnahme. Silvio Rüfenacht strebt seinen sechsten eidgenössischen Kranzgewinn an. Mit 33 Jahren hat er aber den Zenit überschritten; überdies ist die Achselverletzung, die ihn seit dem letzten Jahr plagt, immer noch nicht ganz ausgeheilt. Als einziger Berner gewann Urs Matter zwei Gauverbandsfeste, Siege gegen Topfavoriten glückten ihm aber nicht. Roger Brügger kann zwar jedem Gegner gefährlich werden, lässt aber meistens die Konstanz vermissen.
Älter geworden sind auch Matthäus Huber (34) und Rolf Klarer (33), die im Nordwestschweizer Verband nach wie vor die Protagonisten sind. Ihnen ist es ebenfalls nicht mehr zuzutrauen, dass sie am einzigen zweitägigen Schwingfest gegen die aufstrebenden Jungen das nötige Stehvermögen aufbringen.
swissinfo und Peter Lerch (Si)
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