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Laufen wirkt wie kiffen!
Das Runner’s High gilt als höchstes Glücksgefühl beim Laufen. Nicht jeder erlebt es. Aber wer es kennt, der möchte mehr davon. Es ist (wie) eine Droge und für manche die grösste Motivation, regelmässig zu trainieren. Beschrieben wird das Runner’s High als rauschartiger Zustand, der beim Lauf nach einer gewissen Zeit einsetzt. Man spürt die sportliche Anstrengung kaum noch, kann mühelos schneller und länger unterwegs sein. Jeder empfindet das Gefühl etwas anders, es gibt keine generellen Angaben. Man kann es nicht messen. Bis heute ist wissenschaftlich nicht einmal definitiv nachgewiesen, dass es das Runner’s High überhaupt gibt. Aber es existieren viele Thesen, Hypothesen und Spekulationen.
Nicht Endorphine bewirken das Runner’s High
Lange glaubte man, dieses «Flow»-Phänomen stehe im Zusammenhang mit der Endorphin-Ausschüttung beim Ausdauertraining. Dieses endogene Opioid wirkt ähnlich wie Morphium, es unterdrückt Schmerzen und mildert die Anstrengung beim Laufen. Also eine Art körpereigenes Doping. Wissenschaftler zweifelten diese Annahme allerdings an. Endorphin sei ein zu grosses Molekül, dass es die Blut-Hirn-Schranke überbrücken könne.
Laufen produziert mehr Cannabinoide als Schwimmen
Aktuelle These ist, dass der Körper bei ausgedehnten Läufen ein extrem hohes Level an Cannabinoiden produziert. Die Substanz wirkt ähnlich wie Marihuana, macht euphorisch, unterdrückt ebenfalls Schmerzen und kann – anders als Endorphin – die Blut-Hirn-Schranke problemlos überwinden. Französische Forscher liessen sogar Mäuse im Laufrad trainieren und stellten fest, dass Tiere, bei denen das Endocannabinoid-System funktioniert, doppelt so viel rannten.
Daraufhin untersuchte das wissenschaftliche «British Journal of Sports Medicine» den Zusammenhang zwischen Cannabinoiden und Sport. Sie liessen Studenten im Gewichte stemmen, schwimmen und laufen. Resultat:
1. Canaboinoide-Rezeptoren sind in Muskel, Haut und Lunge vorhanden.
2. Beim Laufen produziert der Körper beachtlich mehr Cannabinoide als etwa beim Schwimmen. Weshalb das so ist? Darüber kann vorläufig nur spekuliert werden.
Eine Vermutung lieferte ein kanadischer Neurowissenschaftler: Sobald der Körper sportlich aktiv ist, möchte er dafür belohnt werden. Darum produziere er Cannabinoide, welche dieses Verlangen abschwächen respektive ganz ausschalten – und das Runner’s High verursachen. Beweisen kann er das aber nicht.
Sicher ist im Moment also einzig: Laufen erhöht den Cannabinoid-Level massiv. Die endogene Substanz gelangt via Blutfluss ins Gehirn und wirkt ähnlich wie THC.
Ich finde diese wissenschaftliche Forschung spannend, aber ändern tut sie nichts. Mir ist es egal, warum ich ein Runner’s High bekomme. Hauptsache ich habe es – und muss für diesen Rausch nicht kiffen.
Ist Laufen für Sie auch eine Droge? Kennen Sie das Runner’s High – oder ist das für Sie nur Fiktion?