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Im Maetaeng Elefantenpark ausserhalb von Chiang Mai streicht Elefantenbesitzer und Geschäftsmann Boontha Chailert mit der Hand über Kaffeebohnen, die an der Sonne trocknen. Die Kaffeekirschen waren den Elefanten verfüttert und danach aus ihrem Dung gefischt worden. Ein aufwändiger und verlustreicher Prozess.
Von ungefähr 100 Kilogram verfütterten Kaffeebohnen bleiben nur 30 Kilogramm übrig. Denn die Elefanten lieben es, ihren Dung überall zu verteilen, im hohen Gras und im Wasser. Dann sind die Bohnen weg.
1000 Franken pro Kilogramm
Doch das Geschäft lohnt sich. Chailert verkauft das Kilo Kaffee zu 1000 Franken. Beim Verdauungsprozess werden die Bitterstoffe des Kaffees durch die Fermentierung abgemildert, ein exquisiter Kaffee entsteht.
Kanadier: Von der Katze zum Dickhäuter
Blake Dinkin war der Erste, der vor über zehn Jahre auf die Idee gekommen war, Elefanten Kaffeekirschen zu verfüttern. Sein Original heisst Black Ivory Kaffee und ist in wenigen Luxushotels erhältlich. Im Anantara, einem Fünfstern Hotel, mahlt der unternehmerische und leidenschaftliche Kanadier die Kaffeebohnen per Hand und bereitet den Kaffee in einer aufwändigen Zeremonie am Tisch zu.
Früher hatte er Civet-Katzen Kaffee aus Äthiopien verkauft. Doch Tiermissbrauch und Krankheiten unter den Katzen waren keine gute PR. Dinkin suchte nach anderen Tiermägen, um Kaffeebohnen zu fermentieren und entschied sich schliesslich für Elefanten.
«Das erste Mal als ich einen Kaffee mit ihren Bohnen trank, schmeckte dieser nach Dung und Elefant. Ich wusste, dass das erst der Anfang eines langen Experiments war», erzählt Dinkin.
Dinkin arbeitete mit Elefanten in Kanada, Indonesien und seit einigen Jahren nun im Norden Thailands. 25 bis 30 Elefanten sollen in den kommenden Monaten 150 Kilogram der Edelbohnen für Dinkin produzieren.
Ein Erlebnis will Dinkin für die Kaffeegeniesser kreieren. Der Kaffee schmeckt nicht mehr nach Dung, sondern mehr nach Elefantenfutter. «Etwas Banane, ein bisschen Grasgeschmack, Schokolade, weder bitter noch verbrannt, ein bisschen wie Tee und sicher einzigartig», beschreibt Dinkin das Erlebnis. Kostenpunkt für eine Portion, also zwei Tassen Black Ivory Kaffee: 45 Franken.
Es müssen nicht immer Elefanten sein
Im Ristr8to, dem angesagtesten Café von Chiang Mai, hält Besitzer Arnon Thitipraset wenig vom Elefantendungkaffee. Früher habe er den Black Ivory Kaffee in einer Show in Japan benutzt. Aber es gebe keinen Beweis, dass er besser ist als andere. Für ihn sei das alles ein Marketing-Gag, eine gute Geschichte.
Der 32-jährige Thailänder mit den prägnantenTattoos wurde im letzten Jahr Weltmeister in der Latte-Kunst. Er lernte sie in Australien und besitzt heute drei Cafés in Chiang Mai. Arnon war es, der die Kaffeekultur in der Stadt zu neuen Höhenflügen brachte.
«Grossmutter Mokka» oder «Satan Latte»?
Für ihn sind dabei nicht die Bohnen das wichtigste, sondern der Barista. Dieser müsse verstehen, welche Bohne und welcher Latte zu welchem Kunden passt. Im Ristr8to heissen die verschiedenen Kaffees «Grossmutter Mokka» oder «Satan Latte» und werden in Totenkopfgläsern oder mit Milchschaumverzierungen serviert.
Anders als Black-Ivory-Tüftler Dinkin wurde Arnon bereits reich mit seiner Latte-Kunst. Vor dem Café steht sein Porsche. Der Thailänder hofft, dass sich die Touristen in Zukunft nicht nur an die Tempel der Stadt erinnern, sondern an mildere und strengere Noten, versteckt unter Milchschaum.