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»Hinter mir dehnte sich eine literarische Wüste aus, in deren unendlichen Weiten sich ein einziges Buch abhob: die Märchen vom Rentiermenschen von Fjodor Tynetgin. Konnte es für mich die Stütze sein, derer ich bedurfte wie all jene, die zum ersten Mal mit Hilfe ihrer Feder versuchen, den Leser in ihr Universum eintreten zu lassen?
Und nachdem ich die weite Wüste durchquert hatte, die bei anderen Völkern von zahllosen Schichten literarischer Epochen überlagert ist, führten meine Wurzeln nicht irgendwohin: Sie ruhten in der mündlichen Literatur meines Volkes. Und Fjodor Tynetgins Buch, zeigte es mir nicht auch den Weg, den ich zu gehen hatte?
Dennoch hielt mich ein einfacher Gedanke zurück: Die Gegenwartsliteratur ist so vollkommen anders als die mündliche Erzähltradition, und besonders als die Märchen und Legenden, traditionellen Erzählungen und Moralgeschichten des tschuktschischen Volkes, dass niemand mir zuhören würde, wenn ich Legenden, auch neue, sogar niedergeschriebene, erzählte! Und was hätte ich durch das Prisma der künstlerischen Vision meiner Vorfahren sehen können?
Und wenn ich wollte, dass mich mein Gesprächspartner, mein Leser versteht, musste ich auf gleicher Stufe mit ihm stehen. Es galt also, mir einen anderen Weg zu suchen, eine andere schöpferische Erfahrung, die mir helfen konnte, das auszudrücken, was ich dem Leser sagen wollte.
Was mich anbetrifft, so hatte ich – am Anfang meines Schreibens geblendet von den Gipfeln, auf denen die großen Namen der Literatur leuchteten – das Gefühl, die mündliche Erzähltradition sei nun vorbei, sie würde mir von keinerlei Hilfe sein können.«
Juri Rytchëu in: Culture, Vol. II, Nr. 4, 1975