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Das Zürcher Theater Neumarkt hat von Mitte April bis Ende Juni eine zweite Spielstätte: Den Club "Saint Germain" an der Bahnhofstrasse. Dessen Betreiber, der umstrittene Jetsetter Carl Hirschmann, zog sich Ende 2010 aus dem Nachtleben zurück.
Seither steht das Lokal im obersten Stock der Bahnhofstrasse 66 leer. Für zweieinhalb Monate werden nun die Theatermacher dort einziehen und "für einmal richtig Lärm machen", wie Rafael Sanchez, Kodirektor des Theaters, am Montag vor den Medien ankündigte.
Grund für die temporäre Aussenspielstelle ist das Stück "A.N.D.Y.", das von Leben und Werk Andy Warhols handelt. Da dieser regelmässiger Besucher des legendären New Yorker Clubs "Studio 54" war, suchte das Theater einen passenden Spielort - und fand diesen im stillgelegten "Saint Germain".
Auch das zweite geplante Stück, "Die Nackten kleiden" von Luigi Pirandello, passt gut in den ehemaligen Club, mit dem sich auch schon Polizei und Staatsanwaltschaft befassen mussten. Das Melodrama behandelt laut Kodirektorin Barbara Weber vom Funktionieren der Boulevardmedien, die keine Wahrheit mehr abbilden, sondern eine Auswahl von Versionen.
Carl Hirschmann: "Carl Hirschmann ist tragbar"
Miete muss das Theater nicht bezahlen. "Carl sagte uns, dass wir uns das sowieso nicht leisten können. Deshalb hat er uns die Räume kostenlos überlassen", sagte Sanchez. Bei der Verwendung der Räume seien sie völlig frei: In der Küche, in der einst Teures für Gutbetuchte zubereitet wurde, wird eine Suppenküche eingerichtet.
Hirschmann selber äusserte sich vor den Medien nur mit einer knappen Stellungnahme. Er sei sich bewusst, dass das Projekt wegen des Rufs des "Saint Germain" als kontrovers angesehen werden könne, sagte er. Natürlich könne man sich die Frage stellen, ob Carl Hirschmann überhaupt tragbar sei. "Ja, das ist er", beantwortete er die Frage gleich selber.
Für die Zeit nach der Theater-Nutzung hat Hirschmann noch keine definitiven Pläne für die Räume. Er will sie weiter nutzen, da der Mietvertrag noch bis Ende 2014 weiterläuft. Einen Club soll es jedoch nicht mehr geben.
SDA-ATS