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Geschichte
Zur Entstehung und Gründung des Turnvereins Schlatt sind leider keine schriftlichen Aufzeichnungen vorhanden. Fest steht jedoch, dass er im Jahre 1920 gegründet wurde. Das untenstehende Gründungsfoto dürfte jedoch die abgebildeten ehrenwerten Herren in der ersten Reihe als Vereinsgründer ausweisen. Die treibende Kraft war offenbar der damalige Direktor der Ziegelei Paradies, Herr Hausin (wie er im Protokollbuch jeweils respektvoll genannt wird), der als Zugezogener offenbar der Meinung war, dass ein Sportverein dem verschlafenen Dorf im Schlattertal gut zu Gesicht stehend würde. Zusammen mit dem Metzger und Wirt des Restaurants „Lamm“, Heinrich Hintermülller, bemühte er sich um die Bestellung des ersten Vorstands und die Rekrutierung der jungen Turner. Weiter dürften die Herren W. Reiffer (Zimmermann), Karl Lüthi (Lehrer), und Jakob Gerber (Molkerei) wesentlich daran beteiligt gewesen sein.
Der Vorstand, wie er sich 1922 konstituierte, präsentierte sich laut Protokollbuch folgendermassen: Heinrich Hintermüller, Präsident; Hr. Hausin, Oberturner und Vizepräsident; Julius Möckli, Aktuar; Albert Monhart, Kassier; Konrad Benz, Vizeoberturner und Jugileiter; sowie die Lehrer Rüttimann und Lüthi als Mitglieder des OK Schlussturnen. Ende 1922 umfasste der Verein immerhin schon 14 Aktivmitglieder, 57 Passivmitgliede, 20 Jugendriegler und auch schon 2 Ehrenmitglieder.
Probleme
Der erste Eintrag in den erhalten gebliebenen Protokollbüchern datiert vom 19. August 1922 und offenbart, gleich zu Beginn der Aufzeichnungen, die immer wiederkehrenden Probleme dieses und wohl auch der meisten anderen Sportvereine. Der Personalmangel bei der Betreuung des Vereinsnachwuchses ist nicht nur heute, er war auch damals ein ständiges Problem. So konnte laut Aufzeichnungen während der Sommerferien ohne Leiter, wegen dem „Heuet“, keine Jugendriege durchgeführt werden. Aber immerhin ein gutes Zeichen. Der junge Verein bemühte sich gleich zu Beginn um seine Nachwuchsförderung; wenn auch nicht immer mit durchschlagendem Erfolg. Es wurde ihm ja auch wirklich nicht leicht gemacht. Die notwendigen Räumlichkeiten waren einfach nicht vorhanden. Die Jugendriege und auch die regulären Turnstunden konnten wenigstens im Winter im Gemeindesaal Unterschlatt stattfinden.Stundenlange Märsche, durch die Dörfer im militärischem Taktschritt; man hatte ja das Bild einer rassigen, disziplinierten Turnerschar zu wahren. „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ waren damals keine leeren Schlagworte.1922 kam der Verein unerwartet zu einem Gerätehaus. Ein abgebranntes Bienenhaus konnte in Fronarbeit für Vereinszwecke umgebaut werden. Grosszügig waren sie schon damals. Dem Oberturner wurde als Hochzeitsgabe ein, für die damaligen Verhältnisse beachtlicher, Betrag von Fr. 50.— aus der Vereinskasse übergeben. Im Protokollbuch speziell hervorgehoben ist auch eine Spende von Fr. 4.— an den TV Hubertsdorf (wo immer das auch liegen mag), als Anteil für den Bau einer Turnhalle. Bemerkenswert daran ist vor allem der bedauerliche Umstand, dass der Turnverein Schlatt selbst noch 55 Jahre auf eine Turnhalle im Dorf warten musste.Schon sehr früh führte der Turnverein eigene Abendunterhaltungen durch, die sich üblicherweise aus Theater, Kunstturnerriege, gemischtem Reigen und Pyramiden zusammensetzten. Den ersten grösseren Auftritt in turnerischer Hinsicht dürfte der Verein jedoch 1922 am Eidgenössischen Turnfest in St. Gallen gehabt haben.
Krisen
Ende 1923 bahnte sich dann die erste Krise des jungen Vereines an, hervorgerufen durch Disziplinlosigkeit in den Turnstunden und finanzielle Schwierigkeiten. Dies waren Probleme, die den Verein jahrelang nicht mehr zur Ruhe kommen liessen. An der Generalversammlung 1923 traten der Präsident und der Oberturner zurück du übergaben die Leitung des Vereins in noch relativ junge Hände. Die Vorstandsmitglieder wechselten jedoch wieder in rascher Folge. Erstmals konnte der Verein 1923 ein eigenes Turnlokal beziehen, das ihm von Jakob Vetterli zur Verfügung gestellt wurde. Der Verein übernahm selbst die Installation des elektrischen Lichts. Bald kam jedoch der Wunsch nach einer Turnhalle auf, da sich der Besitzer, wohl zu Recht, über den überhöhten Stromverbrauch beschwerte. Aus der Benützung des Gemeindehaussaales im Winter ergaben sich auch immer wieder Reibereien mit der Behörde. Zur Gründung des Turnvereins Basadingen 1925 wurde dieser mit der grosszügigen Spende von Fr. 4.—unterstützt, die der Ausstattung des Basadingen Tambours zu Gute kam. Zwischen den beiden Dorfturnvereinen entwickelte sich mit den Jahren eine (manchmal nicht nur) sportliche Rivalität, die bis nahezu in die heutige Zeit erhalten blieb.Die Mitgliederversammlung im November des Jahres 1925 führte zu einem Eklat. Als der damalige Jugileiter beschuldigt wurde, bei einer Sammlung zugunsten 1926 wieder die Führung des Vereins in seine erfahrene Hände.
Bessere Zeiten
1926 wurde der von den Turnvereinen obligatorisch durchzufürende „Vorunterricht“ eingeführt, der Vorläufer des heutigen Jugend + Sport-Unterrichts der zur vormilitärischen Ertüchtigung der späteren Rekruten dienen sollte und aus diesem Grund vom Eidg. Militärdepartement finanziell gefördert wurde.Mit der Teilnahme am Eidgenössischen Turnfest in Luzern 1928 konnte sich der Turnverein Schlatt nun doch trotz aller interner Probleme, etablieren. Am Eidgenössischen 1932 in Aarau wurde dann erstmals in einheitlicher Kleidung angetreten. Das Einheitliche daran war vor allem der vom Verein bezahlte Strohhut. Die erste Erwähnung der Männerriege fällt auf das Jahr 1934, obwohl schon Jahre zuvor davon geredet wurde, eine Männer- und eine Damenriege einzuführen. Dieser Männerriege war jedoch kein langer Bestand beschieden.Überhaupt ist das Werden des TV Schlatt von vielen Hoffnungen Begleiter worden. Anlässlich seiner Hochzeit 1934 schenkte der damalige Oberturner Walter Müller dem Verein Fr. 20.--, die als Fonds angelegt werden sollten: ….für den Bau einer Turnhalle innert der nächsten 20, vielleicht erst 50 Jahren, früher werden die Schlatter kaum Musikgehört haben, für diesen so notwendigen Bau.Dieser Fonds wurde dann einige Jahre später tatsächlich seinem Zwecke zugeführt. Das 25-Jahre -Jubiläum des TV Schlatt wurde 1945 mit einem Fest im Baumgarten von Ernst Monhart gefeiert. Die Kriegsjahre waren sonst für den Verein eher eine Zeit der kleinen und seltenen Anlässe, die vor allem durch Absenzen der Aktivturner geprägt war.
Damen und Herren
Das Verhältnis zu der Ende der vierziger Jahre als eigenständiger Verein gegründeten Damenriege war zu Anfang eher ein zwiespältiges. Zwar wurde diese 1949 mit einem beachtlichen Betrag von Fr. 200.—unterstützt, jedoch wurde an der darauffolgenden GV des Turnvereins lauthals die Absetzung der Leiterin Fr. Wittmann gefordert, da unter ihrer Leitung unhaltbare Zustände herrschen sollten. Fortan gingen Damenturnverein und Turnverein Schlatt getrennte Wege, bis sich Ende der siebziger Jahre zu gemeinsam durchgeführten Abendunterhaltungen zusammenfanden.Auch die Männerriege nahm einen neuen Anlauf. 1957 wurde Hugo Meier zum Leiter der neu zu gründenden Männergruppe gewählt. Diese Männerriege hatte dann Bestand, wenngleich auch die Aktivitäten dieser Gruppe nicht ständig sportlichen Ambitionen galten. Die Neubelebung aus turnerscher Sicht kam 1985 mit einem grossen Mitgliederzuwachs und der Teilnahme an verschiedenen Wettkämpfen. Die sich allmählich einstellenden sportlichen Erfolge in regionalen Wettkämpfen sicherte den Fortbestand den Männerriege bis heute.