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Früher waren Computer klobige, graue Kisten, die ausser Arbeit keinen anderen Zweck erfüllten. Dann kam 1997 aber der iMac mit seiner bunten Verschalung aus Plastik und seiner geschwungenen Form: eine Design-Ikone war geboren. Sie stammt aus der Feder von Jonathan «Jony» Ive.
Seine Karriere startete der Brite anfangs der 1990er-Jahre aber nicht mit Hightech-Geräten. Nach seinem Studium in Industriedesign entwarf Ive zunächst Toiletten, Zahnbürsten und Mirkowellenöfen für das Studio «Tangerine». Bald war er aber mit seiner Arbeit frustriert – als zu modern und zu teuer wurden seine Entwürfe abgetan.
Noch bei Tangerine war Ive aber von einem Auftraggeber fasziniert: Es war das US-Unternehmen Apple, das 1992 Ive nach Kalifornien holte. Ive kam in einer schwierigen Phase an Bord. Der Technologiekonzern steckte in einer tiefen Krise.
Apple konnte nicht mit der Konkurrenz mithalten und experimentierte an erfolglosen Geräten. Ive – inzwischen in einer Führungsposition – war schon bereit gewesen Apple zu verlassen, als Steve Jobs 1997 zum Unternehmen zurückkehrte und eine neue Ära einläutete.
Design-Ikone rettete Apple
Jobs und Ive arbeiteten gemeinsam am iMac, der 1998 auf den Markt kam. Der neue Computer galt als Design-Ikone und wendete den drohenden Ruin ab und verhalf Apple zum Erfolg, den das Unternehmen heute noch geniesst. Mit dem iPod und dem iPhone gelangen Ive weitere Coups. 2007 lancierte Apple mit dem iPhone das erste Smartphone für die Massen.
Mit der Zeit beeinflusste Ive nicht nur das physische Aussehen der Geräte, aber auch immer mehr die Erscheinung der Apple-Software. Ab 2015 übernahm er die Rolle des Design-Chefs, womit er sich aber aus dem operativen Tagesgeschäft zurückzog.
Er wurde von administrativen Aufgaben befreit und so verlagerte sich seine Tätigkeit mehr in den Hintergrund. Einige Tech-Beobachter sahen darin den Anfang des Endes seiner Zeit bei Apple.
Rückkehr als Manager
Nach zwei Jahren kehrte Jony Ive in eine Managerposition zurück. Damit war er wieder direkter an Designentscheiden bei den Apple-Produkten involviert. Die Rückkehr Ives zum operativen Geschäft kam zu einer Zeit, als Apple mit eigenartigen Design-Entscheiden die Kunden irrtierte. Als Grund für den Führungswechsel nannte Apple aber die Fertigstellung des neuen Apple Hauptsitzes in Cupertino.
Trotz seines grossen Einflusses scheute Ive die Öffentlichkeit. An den Apple-Keynote-Präsentationen wagte er sich selten auf die Bühne. Umso öfter aber war Ive zu hören. Als Sprecher stellte er regelmässig seine Stimme mit britischem Akzent für Produkte-Videos von Apple zur Verfügung.
Ive plant eigenes Unternehmen
Mit Jony Ive verliert Apple nun eine prägende Figur der eigenen Designsprache. Er will sich selbstständig machen und mit «Loveform» eine eigene Firma gründen. Apple hat bereits mitgeteilt, weiter mit Ive zusammenarbeiten zu wollen.
«Der Erfolg der Marke hat massgeblich mit dem Design zu tun»
SRF News: Welchen Einfluss hat Jonathan Ive im Bereich des Produktdesigns?
Nicole Kind: Jonathan Ive hat sehr grossen Einfluss, weil er Apple als Design-Marke per se mitgeprägt hat. Alle kennen Apple und Apple wird auch immer sofort mit Design gleichgesetzt. Der Erfolg der Marke hat massgeblich mit dem Design zu tun.
Wie würden Sie seinen Stil charakterisieren?
Sein Stil lehnt sich an jenen von Dieter Rams an, der für Braun tätig war. Einfachheit, Klarheit, «reduce to the max». An einem Produkt soll so wenig wie möglich dran sein. Seine Funktion und Schönheit sollen verschmelzen. Weder das eine noch das andere soll überwiegen. Er schafft so Design-Ikonen, ganz neue Produkttypologien, die den Markt prägen. Das geht so weit, dass man als Nutzerin den Eindruck hat, dass das Produkt, genau so ist, wie es sein soll. Ein gutes Beispiel ist das iPhone, das mit seinem Touchscreen die Eingabe über Tasten ablöste. Es folgten ganz viele Produkte von anderen Hersteller, die dieses Design und diese Art der Interaktion mit dem Produkt aufnahmen.
Wie viel hängt wirklich von der Figur Jonathan Ive ab? Sind das nicht vor allem auch Teamleistungen?
Es sind sicher auch Teamleistungen. Man sagt Ive nach, dass er ziemlich offen sei und aus einem Team die besten Ideen rausziehen könne. Wenn ein Team gut aufgestellt ist, wird auch die Idee eines Praktikanten gehört. Dabei gilt es mit guten Ideen sorgfältig umzugehen, wie mit kleinen Pflanzen, die gepflegt werden müssen, damit sie wachsen können.
Nicole Kind leitet den Studiengang Industrial Design an der Zürcher Hochschule der Künste.
Die Anleger reagieren entäuscht auf den baldigen Abgang des Apple-Designers. Im nachbörslichen US-Handel gab die Aktie 1,5 Prozent auf 197,44 Dollar nach. Apple verlor dadurch rund neun Milliarden Dollar an Börsenwert. Dies könnte ein Indiz sein, wie wichtig Jony Ive für den Erfolg des Technologiekonzerns ist.
SRF 4 News, 03:00 Uhr