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Alex Krauer war ein bedeutender Wirtschaftsführer, der in der Pharmaindustrie und zuletzt auch in der Finanzbranche tätig war. Er lebte mit seiner Familie von 1972 bis zu seinem Tode in Riehen.
Sohn des Karl Krauer (Chemiker) und der Elsa, geborene Winkler. Heirat 1957 mit Monika Susanna Klarer, Tochter des Willy Klarer (Chemiker) und der Emilie Bertha geborene Kradolfer. Zwei Töchter.
Alex Krauer wurde am 3. Juni 1931 in Basel geboren. Nach der Matura am Realgymnasium Basel studierte er von 1950 bis 1955 Staatswissenschaften an den Universitäten in Basel und Paris sowie an der London School of Economics. 1955 promovierte er in Basel bei Valentin F. Wagner und Edgar Salin mit der Arbeit ‹Die Rolle der Fiskalpolitik im Rahmen der englischen Vollbeschäftigungspolitik von 1945 bis 1951› zum Dr. rer. pol. Zudem erwarb er den Master of Business Administration am International Management Institute in Genf.
1956 trat Krauer in die Finanzabteilung des Chemie- und Pharmaunternehmens Ciba AG ein, in dem auch sein Vater als Chemiker angestellt war und für das bereits sein Grossvater gearbeitet hatte. Von 1957 bis 1972 war er in der Finanzabteilung des italienischen Tochterunternehmens tätig, zuletzt als Leiter Finanz und Administration. 1972, zwei Jahre nach der Fusion der Ciba AG mit dem bisherigen Konkurrenten R. Geigy AG zur Ciba-Geigy AG (1992 verkürzt zu Ciba), kehrte er als Leiter Control und Management Services an den Basler Hauptsitz des Unternehmens zurück. 1976 wurde er in die Konzernleitung und sechs Jahre später zu deren stellvertretendem Vorsitzenden berufen. Ab 1987 war er Verwaltungsratspräsident der Firma. In dieser Funktion setzte er sich für die Weiterentwicklung des Pharmabereichs, etwa durch Investitionen in die Biotechnologie, aber auch für die Entwicklung von Umweltstandards ein und betrieb die Globalisierung des Unternehmens, verbunden mit der Auslagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Zudem war er einer der Architekten der 1996 vollzogenen Fusion des Unternehmens mit dem Basler Konkurrenten Sandoz AG zur Novartis AG, der er bis 1999 als Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats vorstand. Unter seiner Ägide wandelte sich das neu formierte Unternehmen durch die Ausgliederung der Produktion von Industrie- und Agrochemikalien sowie der Sparte Ernährung, die allerdings teilweise erst nach seinem Rücktritt aus dem Verwaltungsrat vollzogen wurde, von der breit aufgestellten Chemiefirma zum reinen Pharmakonzern; als Verwaltungsratspräsident der Ciba-Geigy AG hatte Krauer noch grossen Wert auf einen hohen Diversifikationsgrad des Unternehmens gelegt. Ab 1999 amtierte er als Ehrenpräsident der Novartis.
Vom Oktober 1998 bis 2001 präsidierte Krauer überdies den Verwaltungsrat der ebenfalls aus einer Fusion hervorgegangenen Schweizer Grossbank UBS. Zudem gehörte er von 1980 bis 1999 dem Verwaltungsrat des Versicherungskonzerns Baloise an.
Krauer galt als kommunikative Unternehmerpersönlichkeit, der neben wirtschaftlichem Erfolg auch Umweltverträglichkeit und soziale Verantwortung wichtig waren und die dadurch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Pharmabranche verbessern konnte. So sprach er sich schon früh öffentlich gegen eine kurzfristige Gewinnmaximierung aus und plädierte stattdessen für Nachhaltigkeit als Prinzip unternehmerischen Handelns. Das Basler Internet-News-Portal ‹OnlineReports› bezeichnete ihn deshalb 1999 bei der definitiven Übernahme des Verwaltungspräsidiums der UBS als «eine Ikone des Vertrauens». Und das Schweizer Wirtschaftsmagazin ‹Bilanz› zählte ihn damals zu den seltenen Persönlichkeiten, «die Härte, soziale Verantwortung, den Blick fürs Detail und für das grosse Ganze in sich vereinen». Krauers dezidiertes Engagement für die Bio- und Gentechnologie rief in Basel jedoch auch Kritik hervor.
1995 wurde Krauer in London mit der Ehrenmedaille der britischen Society of Chermical Industry ausgezeichnet.
1995 wählte der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt Alex Krauer zum Mitglied des neugeschaffenen Universitätsrats, den Krauer später auch präsidierte (bis 2005). Zudem amtierte er von 2003 bis 2010 als Präsident des Akademierats der Musik-Akademie Basel, die auch die Musikschule Riehen als Filiale betreibt. In dieser Zeit wurde der Hochschulteil in die Fachhochschule Nordwestschweiz integriert. Daneben präsidierte Krauer bis 2010 die 2002 gegründete Stiftung zur Förderung der Musik-Akademie Basel. Zudem engagierte er sich als Verwaltungspräsident der Ciba und später auch als Privatperson für das Antikenmuseum Basel.
2001 wurde Krauer von der Universität St. Gallen für seine Verdienste zum Ehrensenator ernannt.
1972 verlegte Krauer seinen Wohnsitz von Mailand nach Riehen, wo er mit seiner Familie zunächst am Dörnliweg 25 unweit des Wenkenhofs wohnte. 1981 bezogen er und seine Frau deren Elternhaus am Chrischonaweg 10, das zuvor vom Architekten Gerhard Kaufmann umgebaut worden war.
Alex Krauer starb am 5. Dezember 2021. Die Trauerfeier fand am 12. Dezember 2021 in der Dorfkirche Riehen statt.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 16.1.2023
Die Rolle der Fiskalpolitik im Rahmen der englischen Vollbeschäftigungspolitik von 1945 bis 1951. Basel 1957 (Diss. Basel).
Erfahrungen der Chemie mit staatlichen Regulierungen. Bern 1982.
Die Wirtschaft im gesellschaftlichen Wertewandel. Basel 1988.
Plädoyer für den gesunden Menschenverstand. Referat, gehalten vor der Zürcher Volkswirtschaftlichen Gesellschaft, 21. März 1990. Zürich 1990.
Sustainable development: eine Chance für fortschrittliche Unternehmen. Zürich 1992.
Plädoyer für eine gesunde Basler Wirtschaft. In: Basler Stadtbuch 1995. S. 60–62.
Novartis – Weshalb? In: Siegwart, Hans et al. (Hg.): Mega-Fusionen. Analysen, Kontroversen, Perspektiven. Bern 1998. S. 123–130.
Sammlung biographischer Zeitungsauschnitte: 14 Zeitungsartikel.
Spriessler, Rolf: Alex Krauer-Klarer. In: Jahrbuch z’Rieche 2022. S. 185.
Dettwiler, Walter et al.: Von Basel in die Welt. Die Entwicklung von Geigy, Ciba und Sandoz zu Novartis. Zürich 2013.
Zeller, Christian: Globalisierungsstrategien – Der Weg von Novartis. Heidelberg / New York 2001.