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Die Region Waldenburg-Langenbruck etablierte sich um 1900 als Sport- und Kurort. Um die Jahrhundertwende wurden gleich mehrere der Erholung dienende Einrichtungen gebaut.
Am Fusse des Oberen Hauensteinpasses gelegen profitierte Waldenburg vom Durchgangsverkehr. Insbesondere, nachdem die Kantone Basel und Solothurn die Passstrasse 1830 gemeinsam ausbauten. Die Bauarbeiten waren ein willkommener Arbeitgeber. Man erhoffte sich dadurch auch zukünftig einen positiven Effekt auf die Waldenburger Wirtschaft. Die Schweizerische Centralbahn SCB hatte allerdings andere Pläne. Als ab 1854 bis 1858 die Bahnlinie Basel-Liestal-Olten geplant und gebaut wurde, sah sich das Waldenburgertal und die Gemeinden am Oberen Hauenstein insbesondere in Zugzwang, war mit der neuen Bahnlinie die eigene Verkehrsachse entwertet worden.
Auch war die Seidenbandindustrie in Waldenburg, verglichen mit anderen Baselbieter Ortschaften nicht sehr ausgeprägt. Als die neu gebaute Waldenburgerbahn 1880 zwischen Liestal und Waldenburg acht Haltestellen mit vier täglichen Kursen bediente, entspannte sich die wirtschaftliche Situation. Als Trittbrettfahrer profitierte auch die lokale Hotellerie von dieser neuen und schnellen Anbindung an die Stadt Basel und den Rest der Schweiz. Die Reisezeit nach Liestal betrug 1881 nur mal 56 Minuten. Eine Verlängerung der Strecke bis nach Langenbruck war geplant, ist bis heute aber nie realisiert worden.
1906 plante und baute der unbekannte Basler Architekt J. Nägelin in Langenbruck die Pension Erica. Ab 1911 brachte die nahegelegene Skisprungschanze zahlreiche Wintergäste in den Ort. 1951 wurde der erste Skilift in der Nordwestschweiz eingeweiht. Der dreigeschossige Bau zeichnet sich vorallem durch sein nach vorne gezogenes Sockelgeschoss aus; darauf findet eine grosszügige, erhöhte Terrasse Platz. Die Fassade präsentiert sich weitestgehend symmetrisch, regelmässig gegliederte, hochrechteckige Fenster ziehen sich über alle Geschosse, inklusive der Öffnungen im gewaltigen Mansarddach. Ein Mittelrisalit mit darunterliegendem Balkon und grossem Schriftzug vervollständigt das Bild eines druchaus vornehmen Hotels. Claudio Affolter würdigt das Gebäude im Bauinventar BIB als «einziger Hotelbau aus der Blütezeit des Luftkurortes Langenbruck». Stilistisch lässt sich das Gebäude zwischen Neubarock und Jugendstil einordnen.
Mit dem Bau des «Kurhaus Schanz» 1912 durch Architekt Alfred Nägelin erhielt auch Waldenburg ein grosses Hotelgebäude. Auf einer Anhöhe über der Stadt gelegen ist das Gebäude mit dem markanten Schriftzug gut sichtbar. Der dreigeschossige Bau orientiert sich wie das Hotel Erica anfangs im Neubarock, wendet sich dann aber deutlich dem Heimatstil zu.
Speziell erwähnt werden sollten die architektonischen Auswüchse im Bereich des Dachs. Das wuchtige doppelgeschossige Krüppelwalmdach wird ergänzt durch eine eigene Laube mit Rundsäulen im ersten Dachgeschoss und diversen Schleppgauben. Zudem dient es gleichzeitg als Überdachung für Balkone. Das Spiel gipfelt in einem polygonalen Dachreiter in der Mittelachse des Gebäudes. In pragmatischer Weise fallen einem die etwas willkürlich versetzten Kamine ins Auge. Heute befinden sich im Gebäude Wohnungen und Ateliers.
Pension Erica – Langenbruck
Funktion: Gasthaus/Hotel
Adresse: Erikaweg 7, 4438 Langenbruck
Baujahr: 1906
Erweiterung: 1965
Architektur: J. Nägelin
Kurhaus Schanz – Waldenburg
Funktion: Kurhotel / Wohnhaus
Adresse: Schanzstrasse 22, 4437 Waldenburg
Baujahr: 1912
Architektur: Alfred Nägelin
Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– © Börje Müller Fotografie
– Staatsarchiv Basellandschaft Onlinearchivkatalog
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Gamp A. & Sommerer S. (2014), Der Bezirk Waldenburg: Kunstdenkmäler der Schweiz Kanton Basel-Landschaft, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgerschichte GSK, Bern. ISBN: 978-3-03797-115-4 ISSN: 2235-0632
– Affolter, C. im Auftrag der Denkmalpflege BL (2006), Bauinventar Kanton Basel-Landschaft BIB, Gemeinde Langenbruck
– Affolter, C. im Auftrag der Denkmalpflege BL (2007), Bauinventar Kanton Basel-Landschaft BIB, Gemeinde Waldenburg