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"Der Himmel gibt, der Himmel nimmt" von Mahi Binebine
Lesetipp von Susanne Wohlwender
Am Ende ist die Mutter durch Alter und Schwäche zu einem knochigen Vögelchen geschrumpft und federleicht. Genauso, wie ihr jüngster Sohn zu sein hatte, um eine Familie ohne Vater zu ernähren. Immerhin hatte er schon seit seiner Geburt einen Beruf. Die ersten fünf Jahre wurde er als Säugling an verschiedene Bettlerfrauen vermietet. Die nächsten Jahre stellte er seinen verkümmerten Körper zur Schau.
Was in unseren Breiten die KESB auf den Plan rufen würde, entpuppt sich in der Medina als erfolgreiches Geschäftsmodell. Ohne ein solches hat ein Familienmitglied wenig Wert. Was nicht heisst, es würde nicht geliebt. Alle träumen von einem besseren Leben und handeln entsprechend. Vorder- und hintergründig verweben sich verschiedene Geschichten.
Sie könnten natürlich überall passieren. Überall dort, wo Armut eine Selbstverständlichkeit ist und Bildung ein Privileg. Der Roman mit Tiefgang ist unterhaltsam und schnell gelesen, liefert aber noch lange Gesprächsstoff.