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Emanuel Swedenborg wurde am 29. Januar 1688 in Stockholm geboren. Nach geistes- und naturwissenschaftlichen Studien in Uppsala unternahm er 1710 eine erste Auslandsreise. Sie brachte ihn mit so berühmten Gelehrten wie Newton, Flamsteed und Halley in Berührung.
Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit lagen bei technischen Konstruktionen, Studien zur Kristallographie und Kosmogonie, daneben astronomischen, geologischen, paläontologischen und anatomisch-physiologischen Arbeiten. Er entdeckte die Lokalisation der Gehirnfunktionen und entwarf eine Flugmaschine, die 1897 nachweislich wie ein Segelgleiter geflogen ist.
Seine Suche nach der Seele führte ihn in eine religiöse Krise, deren Höhepunkt zwei Christus-Visionen in den Jahren 1744/45 waren. Daraufhin wurden Swedenborg die Augen des Geistes geöffnet und der innere Sinn der Bibel enthüllt.
Seine umfangreichen Bibelkommentare, seine Werke aus der Engelsweisheit und seine theologischen Werke künden von einem Christentum der inneren Gotteserfahrung. Dieses neue Zeitalter wird nach Swedenborgs Überzeugung immer deutlicher Gestalt annehmen.
1758 gab er das Werk heraus, das seinen Ruf als Seher vor allem begründet hat: »Himmel und Hölle aufgrund von Gehörtem und Gesehenem«. Der Einfluss dieses Werkes auf die Jenseitsvorstellungen war groß. So schrieb Jorge Luis Borges: »Von Swedenborg an denkt man [was Himmel und Hölle betrifft] in Seelenzuständen und nicht an eine Festsetzung von Belohnungen und Strafen.«
Am 29. März 1772 ging der »Fürst unter den Jenseitskundigen« (Alfons Rosenberg) für immer in die geistige Welt ein. Seine sterblichen Überreste ruhen seit 1908 im Dom von Uppsala.
Swedenborgs Wirkung war trotz Kants Verdikt (»Träume eines Geistersehers«, 1766) groß. Goethe, Lavater, Strindberg, Schelling, Oberlin, Balzac und viele andere ließen sich von Swedenborgs »himmlischer Philosophie« (Oetinger) inspirieren. Sie ist eine bleibende Herausforderung für alle Formen des Materialismus. Goethe läßt seinen »Faust« mit der Einsicht Swedenborgs ausklingen: »Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis ...«
Emanuel Swedberg wird (nach dem Julianischen Kalender) am 29. Januar in Stockholm als drittes von neun Kindern von Jesper Swedberg (geb. 1653) und Sara Behm (geb. 1666) geboren. Am 2. Februar empfängt er die Taufe in der Jakobskirche.
Karl XI. ernennt Jesper zum Professor der Theologie an der Universität Uppsala. Die Familie zieht deswegen dorthin. Zwei Jahre später wird Jesper außerdem Dekan der Kathedrale.
Die Mutter, Sara Behm, stirbt.
Am 15. Juni immatrikuliert sich Emanuel an der Universität. Der Sohn des Hauptpfarrers und Professors studiert an der philosophischen Fakultät. Er konzentriert sich auf die Klassiker, seine Studien umfassen aber auch Naturwissenschaften und Mathematik.
Jesper Swedberg wird zum Bischof von Skara ernannt und siedelt mit seiner zweiten Frau Sara Bergia nach Brunsbo über. Emanuel wird seinem Schwager Erik Benzelius anvertraut.
Emanuel besteht die Abschlussprüfung in Uppsala.
Studienjahre im Ausland. »Ich lese täglich Newton«, schreibt er aus London an Erik Benzelius. In Greenwich wird er Assistent des königlichen Astronoms John Flamsteed. In Oxford studiert er bei Sir Edmond Halley. In Leyden besucht er den Pionier der Mikroskopie, Anton van Leeuwenhoek. Im Paris trifft er führende französische Wissenschaftler. Auf der Rückreise, im damals schwedischen Rostock, vervollständigt er Zeichnungen von 14 Erfindungen, u. a. einem U-Boot und einer Flugmaschine.
Er veröffentlicht die erste wissenschaftliche Zeitschrift Schwedens, den »Daedalus Hyperboreus«. Karl XII. ernennt den begabten, jungen Mann zum außerordentlichen Mitglied der Bergbaubehörde.
Königin Ulrika Eleonora erhebt die Familie des Bischofs Swedberg in den erblichen Adelsstand. Aus Swedberg wird Swedenborg. Als ältester Sohn seiner Familie hat Emanuel Swedenborg nun Anspruch auf einen Sitz im Ritterhaus, einem der vier Häuser des Reichstags. Er wird bis an sein Lebensende politisch aktiv bleiben.
Swedenborg veröffentlicht als Hauptwerk jener Jahre in drei Bänden die »Opera philosophica et mineralia«. Im ersten Band mit dem Titel »Principia rerum naturalium« entwickelt er eine Theorie der kleinsten Teilchen, eine Wellentheorie des Lichts und - vor Kant und Laplace - eine Nebularhypothese.
Die Jahre nach der »Principia« werden mehr und mehr von der Suche nach der Seele beherrscht. Deswegen untersucht Swedenborg den menschlichen Organismus. Eine erste Frucht ist das 1740 und '41 in zwei Bänden publizierte Werk »Oeconomia regni animalis«. 1744 und '45 veröffentlicht er das umfangreichere Werk »Regnum animale«.
Das »Traumtagebuch« gewährt einen Einblick in die Wandlung vom Wissenschaftler zum Seher. Lange vor Sigmund Freud analysiert ein Seelenforscher des 18. Jahrhunderts seine Träume.
Am 6. April (Ostern) hat Swedenborg in Delft eine Christusvision.
Die Londoner Berufungsvision vom April 1745 ist für Swedenborg der genau datierbare Beginn seiner neuen Aufgabe. Ihm wird der Blick in die geistige Welt eröffnet, und er soll den geistigen Sinn der heiligen Schrift auslegen.
Nach der Rückkehr von seiner inzwischen fünften Auslandsreise, bezieht Swedenborg sein neues Anwesen in Südstockholm (Hornsgatan). Es wird der Wohnsitz des Sehers. Das Sommerhäuschen, in dem er mit den Engeln sprach, hat sich erhalten und befindet sich heute im Stockholmer Freilichtmuseum Skansen.
Swedenborg legt sein Amt in der Bergbaubehörde nieder.
In London erscheinen in der Paternoster Row bei John Lewis die »Himmlischen Geheimnisse«. Die acht Quartbände enthalten die Enthüllung des geistigen Sinnes des ersten und zweiten Buches Mose.
Swedenborg veröffentlicht weitere fünf Werke, u. a. »Himmel und Hölle«, das seinen Ruf als »Fürst unter den Jenseitskundigen« (Alfons Rosenberg) begründet.
Swedenborgs schaut und beschreibt mit den Augen des Geistes den Brand von Stockholm während er in Göteborg - gut 400 km von Stockholm entfernt - im Haus von William Castel weilt.
Auch als »Geisterseher« schreibt Swedenborg Denkschriften für den Reichstag. Dazu Graf Höpken: »Die gründlichsten und am besten geschriebenen Denkschriften, welche auf dem Reichstag von 1761 in Finanzsachen vorgelegt wurden, waren die von ihm.«
Beispiele der frühen Auseinandersetzung mit Emanuel Swedenborg sind Friedrich Christoph Oetinger und Immanuel Kant. Oetinger veröffentlichte 1765 »Swedenborgs und anderer Irrdische und Himmlische Philosophie« und Kant 1766 die »Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik«.
Bischof Erik Lamberg und Dekan Olof Ekebom eröffnen dem Kampf gegen Swedenborg und seine Anhänger Dr. Gabriel Beyer und Dr. Johann Rosen. Die lutherische Kirche erweist sich als Gegnerin der Vision einer neuen Kirche.
»Die wahre christliche Religion« erscheint in Amsterdam.
Swedenborg stirbt am 29. März in London. Seine Gebeine ruhen seit 1908 in der Kathedrale von Uppsala.
Der bekannte evangelische Theologe und Kirchenhistoriker Prof. Ernst Benz hatte ein Gespür für Gestalten der christlichen Geistesgeschichte, die zu ihrer Zeit nicht die nötige Beachtung und Würdigung gefunden hatten, so insbesondere für Emanuel Swedenborg (1688-1772). Benz zeigt in seinem meisterhaft geschriebenen und allgemein verständlichen Werk, wie zukunftsträchtig die Erkenntnisse Swedenborgs waren und welch große Bedeutung ihnen in unserem Ringen um eine Erneuerung des christlichen Glaubens zukommt.
Benz besuchte als Sohn eines Reichsbahn-Ingenieurs die humanistischen Gymnasien in Friedrichshafen, Ravensburg und Stuttgart. In Tübingen, Rom und Berlin studierte er klassische Philologie und Archäologie und nach Abschluß dieser Fächer zudem Theologie und erwarb sowohl den philosophischen als auch den theologischen Doktorgrad. 1932 habilitierte sich Benz in Halle für das Fach Kirchen- und Dogmengeschichte und ging 1934/35 als Dozent an die Lutherakademie Dorpat. Die Universität Marburg berief ihn 1935 zum außerordentlichen und schließlich 1937 zum ordentlichen Professor, wo er bis 1973 lehrte.
Das umfangreiche Werk von Benz umfaßt ein ungewöhnlich weites Spektrum an Fragestellungen, die weit über die traditionelle Kirchengeschichtsschreibung hinausgehen. Benz setzte sich intensiv mit der Mystik, aber auch mit asiatischen Religionen auseinander und beschäftigte sich mit russischer Sprache und Literatur. Für die Sache Swedenborgs im deutschen Sprachraum hat er viel getan. Neben seiner erstmals 1948 veröffentlichten Swedenborg-Monographie sind zu nennen »Swedenborg in Deutschland: F. C. Oetingers und Immanuel Kants Auseinandersetzung mit der Person und Lehre Emanuel Swedenborgs. Nach neuen Quellen bearbeitet«, Frankfurt a. M. 1947 und »Vision und Offenbarung«, Zürich 1979. Über lange Jahre wirkte er als Mitherausgeber der »Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte«. Seine vielseitigen Forschungen wurden durch die Verleihung mehrerer Ehrendoktorate gewürdigt. Der Titel der Gedenkschrift für Benz aus dem Jahr 1981 »Religionen, Geschichte, Oekumene« umfaßt markant die Arbeitsbereiche und Interessen dieses herausragenden Kirchenhistorikers.
Die Swedenborg-Monographie von Ernst Benz ist beim Swedenborg Verlag (swedenborg.ch) erhältlich.
George F. Dole, Robert H. Kirven, Ein Naturwissenschaftler erforscht geistige Welten (.htm). Originaltitel: A Scientist explores Spirit, 1992.
Friedemann Horn, Emanuel Swedenborg: Naturforscher und Seher (.htm). In: ders., Er sprach mit den Engeln: Ein Querschnitt durch das religiöse Werk von Emanuel Swedenborg, 1994, S. 7-20.
Aglaja Heintschel-Heinegg, Emanuel Swedenborg (.htm). In: dies., Zeugen für das Jenseits, 1974, S. 79-105.
Thomas Noack, Emanuel Swedenborg: Texte für die Dauerausstellung des Swedenborg Zentrums Zürich (.htm).