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Die Schilddrüse ist eine ca. 5cm grosse, schmetterlingsförmige hormon-produzierende Drüse unterhalb des Adamapfels. Hormone sind Botenstoffe. Das heisst, sie übermitteln wichtige Informationen von einem Organ des Körpers zu einem anderen. Dazu gehört zum Beispiel Insulin, das den Blutzucker senkt, oder Adrenalin, das in einem Stressmoment die Herzfrequenz und den Blutdruck steigert. Die Schilddrüse ist Produzent der wichtigen Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie Calcitonin. Calcitonin beeinflusst hauptsächlich den Calcium Stoffwechsel. Bestimmte Schilddrüsenerkrankungen führen zu einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Das Vorkommen von Schilddrüsenerkrankungen liegt in der Allgemeinbevölkerung bei 5,5%, wobei Frauen fünfmal häufiger betroffen sind als Männer (Melchert et al., 2002).
Wie bemerke ich eine Schilddrüsenüber- oder Unterfunktion?
Schilddrüsenhormone beeinflussen viele Stoffwechselprozesse im ganzen Körper. Die Symptome sind daher auch vielfältig. Folgende Symptome können auf eine Schilddrüsenüberfunktion hinweisen (Schilddrüse – AMBOSS):
- Ein Ruhepuls über 100 Schläge pro Minute
- Zittern der Hände
- Gewichtsverlust
- Erhöhte Körpertemperatur
- Schwitzen
- Unruhe, Nervosität und Schlafprobleme
- Durchfall
Bei folgenden Merkmalen sollte man wiederum eine Schilddrüsenunterfunktion in Erwägung ziehen:
- Eine Ruhepuls unter 60 Schläge pro Minute
- Gewichtszunahme
- Kältegefühl bzw. Kälteempfindlichkeit
- Müdigkeit
- Depression
- Sprödes Haar
- Verstopfung
Wie klärt man Schilddrüsenprobleme ab?
An erster Stelle wird bei Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung beim Arzt Blut abgenommen und daraus die Hormone TSH, T3 und T4 bestimmt. TSH, auch als „Thyroidea-stimulierendes Hormon“ bekannt, ist Teil eines Rückkopplungsmechanismus des Körpers zwischen Hirn, Schilddrüse und Blut. Gibt es zu viel T3 und T4 im Blut, bekommt die Schilddrüse den Befehl vom Gehirn mittels TSH, weniger T3 und T4 zu produzieren. Daher ist bei einer Schilddrüsenüberfunktion das TSH zu niedrig, bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist hingegen das TSH zu hoch. In der Regel sieht man zuerst eine Änderung des TSH Wertes. Bei einer „manifesten“ Schilddrüsenfunktionsstörung sind auch die T3 und T4 Werte auffällig. Erst dann treten in der Regel die oben genannten Symptome auf.
Es ist jedoch Vorsicht geboten – ein einmalig auffälliger TSH Wert schliesst nicht automatisch auf eine Schilddrüsenerkrankung. Diesen sollte man in der Regel bei fehlenden Symptomen ein paar Wochen später nochmals kontrollieren. Im nächsten Schritt kann man im Blut weitere Schilddrüsenhormone, wie Anti-TPO, TG-AK und TRAK untersuchen. Diese können auf autoimmun-bedingte Schilddrüsenerkrankungen hinweisen. Ebenfalls kommt eine Schilddrüsensonografie in Frage – hier wird die Schilddrüse mittels Ultraschall dargestellt, um Gewebe und Blutfluss genauer anzusehen (Schübel et al., 2017).
Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion
Hashimoto-Thyreoditis: Diese Autoimmunerkrankung ist die häufigste Ursache einer Unterfunktion. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wird das Schilddrüsengewebe durch den eigenen Körper angegriffen und mit der Zeit zerstört. Die Erkrankung betrifft mehrheitlich Frauen und ist häufig genetisch vererbt. Sie wird durch lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen behandelt. Eine personalisierte Immuntherapie kann zusätzlich Abhilfe schaffen.
Medikamente: Eine Schilddrüsenunterfunktion kann ebenfalls durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden. Zum Beispiel durch Amiodaron, ein Herzrhythmusmedikament oder Lithium, das zur Behandlung von bipolaren Störungen eingesetzt wird. Die Behandlung erfolgt in diesen Fällen, wenn möglich, durch Absetzen der Medikamente und einer Schilddrüsensubstitution (Haverkamp et al., 2017).
Iod- oder Selenmangel: In westlichen Industrieländern ist dieser heutzutage grundsätzlich unwahrscheinlich, da unser Kochsalz mit Iod versehen ist. In Entwicklungsländern tritt dieses Erkrankungsbild hingegen gelegentlich auf.
Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion
Morbus Basedow: Bei dieser Autoimmunerkrankung kommt es zur Schilddrüsenhormonüberproduktion durch Stimulation durch einen Antikörper (TRAK). Dieser Wert ist in der Regel auch in der Blutabnahme erhöht. Besonders bei dieser Erkrankung kann es auch zur Bildung eines Kropfes, Glubschaugen und einer erhöhten Herzfrequenz kommen. Die Therapie besteht aus Thyreostatika. Thyreostatika blockieren die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Vertreter dieser Gruppe sind Thiamazol, Carbimazol und Propylthiouracil (Hyperthyreose – AMBOSS).
Funktionelle Schilddrüsenautonomie: Hier gibt es verschieden Formen, die zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen führen. Diagnostizieren kann man diese oft durch einen Ultraschall der Schilddrüse. Hier kommt eine Radioiodtherapie in Frage; Bei diesem Eingriff nimmt die Schilddrüse radioaktives Iod auf, dieses zerstört über Betastrahlung das Schilddrüsengewebe, sodass kein Schilddrüsenhormon mehr nachgebildet werden kann.
Seltener sind Medikamente, wie Amiodaron und Iod, beziehungsweise ein iodhaltiges Kontrastmittel für eine Schilddrüsenüberfunktion zu verantworten. Auch Schilddrüsenkrebs kann eine mögliche Ursache sein. Hier gibt es verschiedene Formen. Die Therapie liegt in der Regel in der vollständigen operativen Entfernung der Schilddrüse sowie dem lebenslangen Ersatz von Schilddrüsenhormonen.
Früherkennung und Vorbeugung
Neugeborene werden in der Regel auf angeborene Schilddrüsenfunktionsstörungen mittels eines TSH-Tests geprüft, bei auffälligem Ergebnis werden die Hormone T3 und T4 überprüft. Gegebenenfalls folgt eine geeignete Therapie. Um Schilddrüsenprobleme vorzubeugen, gilt es, auf eine ausreichende Jodzufuhr zu achten. Dazu gehört der Konsum von jodiertem Speisesalz, aber auch Milch und Meeresfrüchte enthalten natürlicherweise Jod (Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)).
In den meisten Fällen einer manifesten Schilddrüsenfunktionsstörung liegt eine Autoimmunerkrankung vor. Glücklicherweise schwinden die unangenehmen Symptome der Über- oder Unterfunktion grösstenteils oder auch komplett durch die Substitution des Hormons in Form von Tabletten, beziehungsweise durch die Reduktion der Hormone durch die sogenannten Thyreostatika. Insbesondere wenn andere Personen in der Familie an einer Schilddrüsenfunktionsstörung leiden, sollte man bei entsprechender Symptomatik daran denken, die Schilddrüsenwerte beim Arzt kontrollieren zu lassen.
Quellen
Haverkamp, W., Israel, C., & Parwani, A. (2017). Klinische Besonderheiten der Therapie mit Amiodaron. Herzschrittmachertherapie + Elektrophysiologie, 28(3), 307–316. https://doi.org/10.1007/s00399-017-0516-0
Hyperthyreose—AMBOSS. (o. J.). Abgerufen 24. März 2023, von https://next.amboss.com/de/article/bg0HF2?q=schilddr%C3%BCsen%C3%BCberfunktion#Zb0518dd7f4d676782f525f793c42451a
Melchert, H.-U., Görsch, B., & Thierfelder, W. (2002). Schilddrüsenhormone und Schilddrüsenmedikamente bei Probanden in den Nationalen Gesundheitssurveys. Robert Koch-Institut.
Schilddrüse—AMBOSS. (o. J.). Abgerufen 24. März 2023, von https://next.amboss.com/de/article/bK0HUS?q=schilddr%C3%BCse#Za9308078fa5e6bd0d79f7c6695126789
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). (o. J.). gesundheitsinformation.de. Abgerufen 24. März 2023, von https://www.gesundheitsinformation.de/schilddruesenunterfunktion-hypothyreose.html
Schübel, J., Feldkamp, J., Bergmann, A., Drossard, W., & Voigt, K. (2017). Latent Hypothyroidism in Adults. Deutsches Ärzteblatt international. https://doi.org/10.3238/arztebl.2017.430