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Diabetes ist für Menschen mit Down-Syndrom ein wichtiges Thema. Das Lesen und Verstehen von Texten ist für sie aber nicht einfach. Deshalb werden Informationen über Diabetes auch in Leichter Sprache angeboten. Wie gut diese verstanden werden, hat Nathalie Dominique Nüssli in ihrer Masterarbeit untersucht und gefährliche Interpretationen entdeckt. Die Arbeit wurde mit dem Preis der DÜV für die beste Abschlussarbeit im Bereich Translation ausgezeichnet.
Menschen mit Down-Syndrom haben gemäss Studien ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Deshalb ist es für sie wichtig, dass sie den Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und der Krankheit verstehen. Die Information, dass der Körper Energie in Form von Zucker braucht, wird in Leichter Sprache zu «der Körper braucht Zucker». Diese Verkürzung der Tatsache ist dem Ziel vermutlich nicht dienlich.
Praxistest belegt: Präventionsziel nicht erreicht
Für ihre Masterarbeit glich Nathalie eine Broschüre zur Diabetesprävention in Leichter Sprache mit einem gängigen Regelwerk ab. Ausserdem führte sie in der Zielgruppe einen Praxistest durch mit einem klaren Ergebnis: Die Frage «Der Körper braucht Süssigkeiten. Stimmt das?» wurde von 67 % der Testpersonen falsch beantwortet. Das Präventionsziel wurde damit bei Menschen mit Down-Syndrom sicher nicht erreicht.
Das Beispiel zeigt: Eine zu starke Vereinfachung birgt die Gefahr einer Fehlinformation. In diesem Fall mit gesundheitlichen Folgen. Das heisst aber nicht, dass Leichte, Einfache oder Bürgernahe Sprache nicht möglich ist.
Übersetzen in Leichte Sprache ist eine Gratwanderung
Die Adressaten von Leichter Sprache sind vielfältig: Menschen mit Lernschwierigkeiten, mit geistiger Behinderung, Down-Syndrom, Demenz usw. oder funktionale Analphabet*innen und Fremdsprachige. Sie alle haben Mühe, allgemeinsprachliche Texte zu lesen und zu verstehen. Leichte, Einfache oder Bürgernahe Sprache reduziert sprachliche Komplexität systematisch, damit die Texte leichter verstanden werden.
Vereinfacht werden der Satzbau und die Wortwahl, aber auch Bezüge auf das Weltwissen, das für die Lektüre vorausgesetzt wird. Zusätzlich werden die Texte visuell klar strukturiert. Als Orientierung dafür dienen Regelwerke wie Inclusion Europe, dessen Regeln in der untersuchten Broschüre wie Nathalie festgestellte, nicht durchgängig eingehalten wurden.
Weitere Forschung notwendig
Weitere Forschung wie die Untersuchungen von Nathalie Nüssli sind notwendig, um widersprüchliche Aussagen, irreführende Generalisierungen und Inhaltsverfälschungen konsequent zu verhindern.
Das Schweizer Zentrum für Barrierefreie Kommunikation am IUED kümmert sich genau darum. Barrierefreie Kommunikation ist ab Frühlingssemester neu ein Studienschwerpunkt in der Vertiefung Fachübersetzen des Masters Angewandte Linguistik.
|Nathalie Dominique Nüssli, 2018. «Übersetzen in die Leichte Sprache: Übersetzungsprobleme, Übersetzungslösungen und Auswirkungen auf das Textverständnis von Menschen mit Downsyndrom». Masterarbeit im Master Angewandte Linguistik, Vertiefung Fachübersetzen; ausgezeichnet mit dem Preis der Dolmetscher- und Übersetzervereinigung DÜV für die beste Abschlussarbeit im Bereich Translation. https://doi.org/10.21256/zhaw-3344|
Im Master Fachübersetzen, einer Vertiefung des Masters Angewandte Linguistik, bildet das IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen der ZHAW ExpertInnen für die professionelle Sprachmittlung aus. Die Studierenden wählen zwischen den Schwerpunkten:
- Fachtextübersetzen
- Übersetzungsmanagement
- Barrierefreie Kommunikation/Audiovisuelles Übersetzen
Übersetzungsmanagement und Barrierefreie Kommunikation/Audiovisuelles Übersetzen können mit zwei Studiensprachen, d.h. mit der Grundsprache und einer Fremdsprache, studiert werden (Sprachkombination AC), Fachtextübersetzen mit mindestens drei Studiensprachen (Sprachkombination ACC).