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Altersbedingte Makuladegeneration
Anatomie der Netzhaut (Retina)
Die Netzhaut ist eine sehr dünne, transparente Membran und ist das eigentliche Sehorgan des Auges. Der Begriff „Retina" wird von dem lateinischen Wort „rete" (z. Dt. Netz) abgeleitet. Die antiken Griechen beschrieben die Retina in ihrer Erscheinungsform als eine Art Fischnetz. Sie kleidet das Innere des Auges aus und besteht aus ungefähr 120 Millionen Stäbchen und sechs Millionen Zapfen.
Abbildung 1: Querschnitt des Auges – Die Netzhaut kleidet das Innere des Auges aus
Die Makula entspricht der Netzhautmitte. Sie dient der Fixierung und dem scharfen Sehen beim Schreiben, Lesen und Farbensehen. In diesem spezialisierten Bereich der Netzhaut steigt die Zapfendichte an.
Abbildung 2: Farbfoto der Netzhaut–aufgrund der etwas dunkleren Farbe der Netzhautmitte wird diese Makula (z. Dt. Fleck) genannt.
Altersbedingte Makuladegeneration
Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine Degeneration der Netzhautmitte ab ca. 50 Jahren. Die altersbedingte Makuladegeneration ist die häufigste Ursache für eine Erblindung bei Patienten in den USA, Kanada, England, Schottland und Australien, welche älter als 65 Jahre sind. Die Ursache ist bisher unbekannt. Zu den Risikofaktoren zählen Alter, Genetik (Varianten im Gen für die Komplementfaktoren H, B und C2), die Hautfarbe (Geringere AMD-Inzidenz bei Afroamerikanern), Rauchen, verschiedene Kreislauferkrankungen (Blutdruck, Blutlipide), verminderte körperliche Aktivität, erhöhter Body-Mass-Index, die Aussetzung starkem UV-Licht, sowie die Ernährung (AREDS Studie).
Formen der altersbedingten Makuladegeneration
Die AMD wird in folgende zwei Kategorien klassifiziert:
- „Trockene Form"
- „Feuchte Form"
Am meisten verbreitet ist die trockene Form. Davon sind etwa 80% aller AMD-Patienten betroffen. Typisch dafür sind Drusen, Hyper- oder Hypopigmentationen der Netzhautmitte und ein langsamer Verlauf über viele Jahre. In 15% der Fälle kann die trockene in eine feuchte Form konvertieren. Etwa 20% der AMD-Patienten erkranken an der feuchten Form. Dabei kommt es zu einem Einwachsen von krankhaften Blutgefässen der Aderhaut unter die Netzhaut. Dies führt zu einem gravierenden Sehverlust innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen, weshalb eine schnellstmögliche Therapie angestrebt wird. Unbehandelt führt die feuchte Form der AMD in kurzer Zeit zu einem schweren, in einigen Fällen irreversiblem Visusverlust.
Abbildung 3: Schematische Darstellung der trockenen Form der altersbedingten Makuladegeneration
Abbildung 4: Schematische Darstellung der feuchten Form der altersbedingten Makuladegeneration
Folgen der altersbedingten Makuladegeneration
Als Symptome der AMD werden von den Patienten in erster Linie verzerrtes Sehen (Linien werden krumm), eine verringerte Sehschärfe (Mühe beim Lesen), ein zentraler Gesichtsfeldausfall (Fleck in der Mitte des Blickfeldes), sowie der Verlust der Kontrastsensitivität beschrieben. Das zentrale Gesichtsfeld kann mit dem sogenannten Amsler-Netz (10 Grad Gesichtsfeldtest) überprüft werden. Dafür nutzt Ihr Arzt eine quadratische Karte, welche in kleine 5 mm-Quadrate unterteilt ist. Nimmt der Patient die Linien wellenförmig und teilweise verschwommen wahr, so sind dies mögliche Hinweise auf eine AMD.
Abbildung 5: Amsler Test beim Gesunden und beim AMD Patient
Therapie der altersbedingten Makuladegeneration
Die trockene Form der AMD ist leider nicht therapierbar. Präventiv wird eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitamin C und E (z.B. in Zitrusfrüchten, Weizenkeim- , Sonnenblumen- und Olivenöl) empfohlen. Lutein schützt das Auge von der Sonneneinstrahlung und hat so einen positiven, protektiven Effekt auf die Sehleistung. Es findet sich beispielsweise in Kohl und Spinat. Auch Omega 3-Fettsäuren, welche besonders in Fisch- und Leinöl vorkommen, reduzieren das Risiko für eine feuchte AMD. Die AREDS-Studie (Age-Related Eye Disease Study), welche den Effekt von hohen Dosen an Antioxidantien und Zink auf die Inzidenz und Progression der AMD untersucht hat, zeigt, wie dadurch die Progression von der mittleren zu einer fortgeschrittenen AMD während 5 Jahren um 25% verzögert werden konnte.
Die feuchte Form der AMD kann mit einer Anti-Angiogenesetherapie mit Anti-VEGF (z.B. Eylea oder Lucentis®) behandelt werden. Die Applikation der Medikamente erfolgt intravitreal durch eine Spritze. Das so verabreichte Medikament hemmt das Wachstum von proliferierenden choroidalen Blutgefässen, indem es das Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) bindet, welches als ein Schlüsselmolekül bei der Entstehung einer feuchten AMD gilt.
Abbildung 6: Schematische Darstellung einer intravitreale Injektion