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Auch im Mai hielt die Verschuldungssituation der südlichen Mitgliedsländer der Euro-Zone die Finanzmärkte in Atem und führte zu einem kontroversen Verlauf an den Aktienmärkten. Dabei überschatteten die Diskussionen um Hilfspakete und um die hohen Schuldenberge der verschiedenen europäischen Staaten die mehrheitlich guten und soliden Unternehmensresultate und führten dazu, dass Politiker und die Euro-Krise weiter im Zentrum des Interessens standen. Vor allem die Massnahmenpakete zur Bekämpfung der Staatsverschuldung in Griechenland sowie die offensichtlich fehlende Bereitschaft zu konsequentem Handeln lösten in weiten Kreisen Erstaunen und eine gewisse Verunsicherung aus. Die Rettungsmaßnahmen im Falle von Griechenland werden als fatales Signal an die Adresse von EU-Staaten mit ähnlichen Problemen gewertet. Insbesondere das Aufkaufen von Staatsanleihen von Griechenland, Spanien und Portugal durch die EZB wird als Sündenfall bezeichnet und entsprechend stark kritisiert. Gewisse Konstruktionsfehler des EU-Gebildes bzw. des Euro-Raumes traten klar zu Tage und müssen behoben werden.
Auch im vergangenen Monat stand der Finanzsektor im Fokus. So wurden in den USA im Zusammenhang mit der Bewertung von Wertpapieren auf der Basis von Hypotheken Ermittlungen gegen acht Banken und Ratingagenturen eingeleitet. Der US-Senat verabschiedete zudem eine strenge Bankenregulierung, welche auf eine verstärkte Kontrolle der Banken und auf einen verbesserten Verbraucherschutz abzielt. Dabei handelt es sich um die umfassendste Reformierung des amerikanischen Finanzmarktes seit den 1930er Jahren.
All diesen Bemühungen zum Trotz blieb es bis dato bei Maßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen, der effektive Wille zur Umsetzung von (unpopulären) Maßnahmen scheint jedoch zu fehlen. In der gesamten industrialisierten Welt müssten aber nun endlich die erforderlichen Sparmaßnahmen rasch beschlossen und umgesetzt werden, da in allen diesen Staaten während Jahren über die Verhältnisse gelebt wurde (s. Fokus). Die offensichtlichen Wirtschafts- und Sozialreformen (v.a. in Europa) müssen zwingend umgesetzt werden. Die Schwellenländer stehen in Bezug auf die Staatsverschuldung zweifellos besser da, kämpfen jedoch derzeit mit anderen Problemen. So musste China Maßnahmen zur Bekämpfung von Spekulationen im Immobilienbereich erlassen und den Mindestreservesatz für Geschäftsbanken zum dritten Male in diesem Jahr erhöhen. Brasilien hat zwecks Inflationsbekämpfung die Leitzinsen massiv angehoben, weitere Zinserhöhungen werden erwartet.
Von der großen Unsicherheit an den Finanzmärkten, welche erst gegen Ende des Monats aufgrund von positiven Eco-Daten aus den USA etwas nachließ, konnten insbesondere die Edelmetalle profitieren. So erreichte der Goldpreis vorübergehend ein neues Allzeithöchst von USD 1‘245 pro Unze, der Ölpreis pendelt zwischen USD 70 und 80 pro Barrel.
All die obenerwähnten Punkte haben zu einer starken Verunsicherung bei den Marktteilnehmern geführt - entsprechend fiel der Kursverlauf der relevanten Aktienindizes aus. Die Kursverluste im Mai betrugen teilweise über -10%, der Dow Jones Industrial Index verzeichnete mit -7.20% gar den stärksten Mai-Rückgang seit 1940. Seit Beginn des laufenden Jahres weisen nun alle Indizes eine negative Performance auf, die Bandbreite liegt dabei im Bereich von -4.5% bis -10.0%. Die Korrelation unter den verschiedenen Weltregionen hat mit der Zuspitzung der Korrektur wieder massiv zugenommen. Im Monatsverlauf ist die Volatilität stark angestiegen, weshalb wir die bei dieser Position aufgelaufenen Gewinne realisiert haben. Das Bild an den Aktienmärkten entspricht einmal mehr nicht dem Bild der Realwirtschaft. So zeichnen solide Bilanzen, gute Unternehmenszahlen, die positiven Prognosen seitens des Managements sowie das da und dort zu verzeichnende Umsatzwachstum ein deutlich freundlicheres Bild der Realwirtschaft, als dies die Entwicklung an den Finanzmärkten vermuten lassen würde. Angesichts der Häufung von negativen Nachrichten scheinen die Marktteilnehmer zunehmend überfordert zu sein, phasenweise konnten die Reaktionen als Kapitulation interpretiert werden. Trotz nach wie vor hoher Liquidität bei institutionellen Anlegern fehlte bis dato die Überzeugung, die Aktienquote zu erhöhen, und dies, obwohl die Bewertungen zum Teil wieder sehr attraktiv sind. Die nach wie vor meist tiefen Volumina führten bei einzelnen Titeln zu extremen Kursbewegungen.
Aufgrund der großen Verunsicherung der Investoren hat phasenweise eine Flucht in Staatsanleihen stattgefunden und dabei zu rekordtiefen Renditen bei diesen Papieren geführt. So hat sich beispielsweise die Rendite für eine Bundesobligation mit einer zehnjährigen Laufzeit bis auf 1.4% reduziert und somit neue historische Tiefstwerte erreicht (aktuell bei 1.53%). Sobald sich die Situation an den Finanzmärkten wieder etwas beruhigt und sich der Fokus der Investoren wieder auf die hohen Refinanzierungsbedürfnisse der Staaten richtet, wird dieser Renditerückgang zumindest teilweise wieder korrigiert werden. Nach wie vor gibt es für uns keine Veranlassung, unsere Einschätzung bezüglich der Entwicklung der Zinslandschaft zu ändern. In den maßgebenden Industrieländern sind in den kommenden Monaten weiterhin keine Zinserhöhungen absehbar, ein Zinsanstieg kann bei den beschlossenen Maßnahmen gar nicht umgesetzt werden. Die kurzfristigen Zinsen werden somit tief und die Zinskurven vorläufig steil bleiben. Wir bleiben kurzfristig investiert (Duration unter 4) und meiden nach wie vor Staatsanleihen mit hohem Verschuldungshintergrund.
Der Monat Mai verlief an den Devisenmärkten sehr volatil. Alle Marktteilnehmer scheinen auf einen schwächeren Euro und auf einen stärkeren US Dollar zu setzen. Der Kurs Euro/USD fiel denn zwischenzeitlich auch auf den Allzeit-Tiefststand von 1.22. Erst gegen Ende des Monats haben Gerüchte über Interventionen der großen Notenbanken eine Trendumkehr bewirkt. Die Interventionen der SNB zu Gunsten des Schweizer Franken seit Beginn des Jahres belaufen sich auf über CHF 100Mia. In der aktuellen Situation wird unterschätzt, dass die Verschuldungssituation in den USA und in Japan ebenfalls alarmierend ist (s. Fokus) und dass die G-7-Staaten ein jährliches Defizit von 10% aufweisen (Euro-Zone rund 7%). Den negativen Einfluss von weiteren Verwerfungen an den Devisenmärkten haben wir durch eine teilweise Absicherung der Fremdwährungen gegenüber der Referenzwährung reduziert.
Auch in den kommenden Wochen und Monaten wird die Euro-Krise im Fokus der Marktteilnehmer bleiben. Es ist jedoch zu hoffen, dass sich das Interesse der Investoren vermehrt wieder auf die Fundamentaldaten richten wird. Dabei werden die Unternehmensergebnisse für das zweite Quartal sowie die Konsumentenzahlen im Mittelpunkt stehen. Dabei ist die Frage der Auswirkungen der Finanzkrise auf das Konsumentenverhalten von besonderem Interesse. Da attraktive Alternativen zu Aktienanlagen nach wie vor nicht auszumachen sind, wird die im hohen Masse vorhanden Liquidität wieder vermehrt in die Aktienmärkte fließen.