Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03207.jsonl.gz/622

Die Anzahl älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung verändert sich seit 100 Jahren rapide.
Hohe Geburtenraten (welche zu einem hohen Anteil an jungen Menschen führten) sowie eine geringe Lebenserwartung (wodurch wenige Menschen ein höheres Lebensalter erreichten) haben in vorindustriellen Gesellschaften dazu beigetragen, dass der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung vergleichsweise gering blieb. In geordneten Friedenszeiten lag er etwas höher als in Zeiten von Kriegen oder Epidemien, aber insgesamt war das demographische Gewicht alter Menschen gering. In einigen ländlichen Regionen konnte der Anteil alter Menschen aufgrund der Ab- und Auswanderung junger Frauen und Männer zeitweise höher liegen, aber auch in solchen Regionen waren und blieben die «Alten» eine kleine Minderheit, selbst wenn sie kulturell eine nicht unbedeutende Rolle als Kulturträger und Kulturvermittler spielen konnten.
Im gut organisierten Römischen Reich lag der Anteil der 60-Jährigen und älteren Menschen bei 5-7%, danach – in der Zeit der Völkerwanderung und im Mittelalter – lag er tiefer, bei 1%-3%, teilweise bedingt durch immer wiederkehrende Epidemien (wie die Pest). In der frühen Neuzeit (1500-1700) lag der Anteil der älteren Personen 60+ wieder etwas höher, bei 4%-6%.
Im 18. Jahrhundert verbesserte sich – zumindest in einigen wohlhabenden Regionen der Schweiz – die Ernährungs- und Lebenssituation breiter Bevölkerungsgruppen, und die allmähliche Erhöhung der Lebenserwartung stärkte das demographische Gewicht älterer Menschen. Während im frühen 18. Jahrhundert der Anteil der 60-Jährigen und älteren Menschen zwischen 6% bis 8% betrug, erhöhte er sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis auf 10-11%, vor allem in gut organisierten städtischen Republiken wie Bern und Genf. In weniger wohlhabenden Regionen war ihr Anteil allerdings geringer, ausser dort, wo eine Abwanderung junger Menschen dazu beitrug, dass nur noch «Alte» im Dorf verblieben.
Gesamtschweizerisch betrug der Anteil der 60-Jährigen und älteren Menschen auch im 19. Jahrhundert weniger als zehn Prozent, weil die Geburtenrate hoch war und die Lebenserwartung – auch aufgrund hoher Säuglings- und Kindersterblichkeit – tief blieb.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu einer ersten Welle der demographischen Alterung, da einerseits die Geburtenraten – teilweise kriegs- und krisenbedingt – deutlich sanken und andererseits die Lebenserwartung der Menschen dank besserer Ernährung und Hygiene anstieg. 1941 lag der Anteil der älteren Bevölkerung (60+) schon bei gut 13%.
Der Baby-Boom der Nachkriegsjahre sowie die Zuwanderung junger Arbeitskräfte verlangsamten in den Nachkriegsjahrzehnten zeitweise die demographische Alterung der Wohnbevölkerung der Schweiz. Die demographische Alterung der Bevölkerung verstärkte sich allerdings in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erneut, weil einerseits die Geburtenraten nach 1966 rasch sanken und andererseits die Lebenserwartung auch älterer Menschen deutlich anstieg.
Seit Ende der 1970er Jahre erlebt die Schweiz sozusagen einen Prozess doppelter demographischer Alterung: Demographische Alterung von unten wegen geringen Geburtenraten und demographische Alterung von oben wegen erhöhter Lebenserwartung älterer Menschen. Der Anteil der 60-Jährigen und älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung erhöhte sich markant, bis 2012 auf 23%, um auch in den nächsten Jahrzehnten weiter anzusteigen.
Literatur und weitere Daten zur langfristigen Entwicklung der Altersverteilung in der Schweiz vgl. «Altersstrukturen in der Schweiz – gestern, heute, morgen».