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Liebesthriller. Indien. Hindi
Alternativer Titel -
Regie Ram Mukherjee
Drehbuch Ram Mukherjee, Harish Mehra nach einer Story von Dilip Kumar
Produktion S. Mukherjee
Songs Naushad
Kamera V. Babasaheb
Choreografie S. Sohanlal, Vyjayanthimala, Mary Chambers, Jerry & Mehmood
Darsteller Dilip Kumar, Vyjayanthimala, Jayant, Nasir Hussain, D.K. Sapru, Motilal,
Hiralal, Jankidas, Leela Mishra, Amar, P. Kailash, Jagdish Sethi, Merlyn, Ram Avtar
Länge 167 Min.
Kinostart 1964
Box office classification Below Average
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 6
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.|
©
Text Marco, molodezhnaja 13.7.08
© Bilder Shemaroo, Screenshots molodezhnaja
STORY
Der Jurastudent Vijay Khanna (Dilip Kumar) vertreibt eine systemkritische Zeitung, tritt gerne als Störefried bei politischen Veranstaltungen auf und macht sich nebenher als Betrüger und Lügner unbeliebt - vor allem bei seinem Vater, Professor Khanna (Nasir Hussain). Neuerdings aber auch bei Sunita (Vyjayanthimala), der Tochter von Maharadscha Shah Garh (D.K. Sapru), die für ein paar Monate versucht, ein ganz normales, bürgerliches Leben zu führen. Sie erklärt Vijay zu ihrem persönlichen Lieblingsgegner, obwohl sie bisher nur von ihm gelesen und mit ihm telefoniert hat. Als sie ihn eines Tages trifft und nicht erkennt, ist sie bald Feuer und Flamme für den impulsiven, rebellischen jungen Mann. Gerade als die beiden sich verlieben, wird Vijay wegen seiner Machenschaften verhaftet. Er kommt zwar frei, aber der Ruf ist ruiniert. Hilfe erhofft sich Vijay vom angesehen sozialistischen Politiker Acharya (Motilal). Doch nach der gemeinsamen Unterredung wird Acharya von einem Killer ermordet, den der reiche Diwan Mahendranath (Jayant) angeheuert hat, um seine kapitalistischen Freunde an die Macht zu bringen. Im Nu wird Vijay der Tat verdächtigt.
REVIEW
"Leader" ist ein kurioser Film. Er weiss nicht recht, was er sein will, braucht zu lange, um sich selbst zu finden - und selbst wenn er endlich mal eine klare Linie entwickelt, schlittert er immer wieder in Szenen, die absolut nicht funktionieren. Und doch ist es ein sehenswertes Werk. Denn immer dann, wenn man aufgeben möchte, reisst eine spektakuläre Sequenz das Ruder herum. Psychedelische Songs, Intrigen, politische Reden und nicht zuletzt der Filmfare-gekrönte Auftritt von Dilip Kumar heben den Film aus der Masse. Regisseur Ram Mukherjee (Hum Hindustani), dem Vater von Schauspielerin Rani Mukherjee, kann man eines daher nicht vorwerfen: mangelnde Ambitionen.
Relativ schwierig gestaltet sich der Einstieg in den Film: Was genau Vijays Arbeit ist, ja selbst was eigentlich seine krummen Machenschaften sein sollten, wird nicht klar. Auch das Foto in der Zeitung, das Sunitas Wut entflammt, wird nicht gross erklärt, es ist einfach da. Und so verbringt man die erste halbe Stunde primär damit, sich am Kopf zu kratzen und die Gedanken zu ordnen. Mit der Zeit wandelt sich das anfänglich politisch aufgeladene Thema zu einer Screwball-Komödie im Stil eines Doris-Day-Rock-Hudson-Films wie "Pillow Talk". Selbst die Spilt-Screen-Szenen am Telefon ähneln jenen frivolen Komödien aus Hollywoods Spätfünfziger- und Sechzigerjahren.
Schon das ist an sich speziell: In einer Szene werden politische Reden geschmettert, die den Sozialismus Indiens loben und Zukunftsentscheide für die Gesellschaft fordern, in der nächsten stellt sich Dilip Kumar ein Telefon auf den Kopf und macht einen auf verliebten Rock Hudson. Bollywood wie es leibt und lebt. Sobald man dann mal auf diesen Genremix eingeschworen ist, hat man durchaus Spass - auch mit den Schauspielern: Dilip, der hier auch die Story beisteuerte und drei Jahre Pause seit seinem Blockbuster Gunga Jumna ein Comeback gibt, ist reifer und faltiger geworden, doch zeigt er sich hier von ungewohnt lockerer Seite. Das war sicher ein Mitgrund, wieso er mit seinem sechsten von insgesamt acht Filmfare-Awards ausgezeichnet wurde. Seine Devdas-Partnerin Vyjayanthimala amüsiert in hysterischen Szenen und zeigt sich romantisch. Ein süsses Paar, vor allem in den frühen Szenen, in denen sie sich noch spinnefeind sind.
Die vielleicht herausragendsten Sequenzen geht auch auf Vyjayanthimalas Konto: die Songs "Aaj Hai Pyar" und "Daiya Re Daiya". Der zweite spielt in einer durch kultige Kulissen erzeugten Unterwasserwelt, der erste im einem Himmel voller Discokugeln, Mummenschanz-Figuren und Nebel. Diese beiden Song-Nummern sind die visuellen Highlights des Films, dagegen verblasst gar der Tanz vor dem Taj Mahal. Überhaupt bemüht sich Mukherjee, die Song-und-Tanznummern abwechslungsreich zu gestalten. Das ist gut so, denn es gibt zu viele Lieder in dem bereits überlangen Film. Diese optisch ansprechend zu inszenieren, zahlt sich aus.
Trotz guten Spiels, schick inszenierten Songs, ein paar politischen Denkanstössen sowie sauberer Inszenierung hängen "Leader" aber bis zum Schluss seine dramaturgischen Probleme an. Jede halbe Stunde wechselt er Thema und Tonfall. Von einer absurden Gerichtsverhandlung zum gekünstelten Mordvorwurf. Vom Liebesgeplänkel zur Politikveranstaltung. Vom Geschlechterkampf zum Krieg um Indiens Zukunft. Nur ein paar Mal ist all das aber echt schwach, so etwa im Finale, in dem Dilip eine flammende Rede hält, bevor er klar macht, dass er unschuldig ist. Es kann mir niemand einreden, dass die Massen von Leuten ihm minutenlang zuhören würden, wenn sie ihn für den Mann halten, der einen der beliebtesten Politiker des Landes umgebracht hat. Er würde gelyncht, auf der Stelle. Die Logik würde also diktieren, dass er erst beweist, dass er unschuldig ist - und dann redet. Aber Logik ist in "Leader" eh nie gefragt. Wieso sollten die letzten Minuten eine Ausnahme machen? Der Film bleibt sich in seinem Zickzackkurs wenigstens bis zum Abspann treu. Dafür gibts noch knapp 3 Sterne.
MEINE DVD
Shemaroo (IND), Code 0, NTSC
Bild: Letterboxed Widescreen
Ton: Hindi 5.1 mit englischen Untertiteln (Film und Songs).
Disk Rating * * (Unscharfes, farblich oft variierendes Bild mit Störungen, immerhin Letterboxed, was bei Bollywoodfilmen jener Zeit zu selten vorkommt)
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