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Die Ergebnisse der geplanten Untersuchungen um die drei Aargauer KVA sollen mit den Resultaten der Messungen aus den 1990er-Jahren sowie den aktuellen Messergebnissen im Raum Lausanne und allenfalls weiteren Messkampagnen an Schweizer KVA-Standorten verglichen werden, hält der Regierungsrat in der am Freitag veröffentlichten Beantwortung einer Interpellation der SP-Parlamentsfraktion fest.
Die Resultate würden im zweiten Quartal des kommenden Jahres erwartet. Der allfällige weitere Handlungsbedarf wegen Dioxin-Bodenbelastungen werde von der Erkenntnissen der Messungen abhängen. Dioxine entstehen als unerwünschte Nebenprodukte bei Verbrennungsprozessen, wie es in der Stellungnahme des Regierungsrats heisst.
Bei den drei Aargauer KVA wurden anfangs 1990er-Jahre, ausgelöst durch die Einführung der Luftemissionsvorschriften in der Luftreinhalte-Verordnung (LRV), die weitergehenden Rauchgasreinigungsanlagen in Betrieb genommen. Damit seien die Dixoine-Emissionen aus den KVA stark reduziert und mit der Inbetriebnahme der Entstickungsanlagen weiter vermindert worden, heisst es in der Stellungnahme.
Leidensgeschichte wegen KVA Buchs
In den 1970er-Jahren war vor allem die KVA Buchs bei Aarau im Fokus gestanden. Auf zwei Landwirtschaftsbetrieben in der Nähe der KVA erkrankten Tiere.
Die Bauern machten geltend, dass sie wegen Emissionsschäden durch den Staubausstoss aus dem Kamin der 1973 in Betrieb genommen KVA ihr erkranktes Vieh notschlachten mussten. Die Bauern wurden nicht ernst genommen und in der Öffentlichkeit teilweise angefeindet.
Bewegung in den Fall brachte der 1983 neugewählte Baudirektor und spätere Nationalrat Ulrich Siegrist, der 2006 aus der SVP austrat. Er räumte im Kantonsparlament «eine erhebliche Überschreitung der zulässigen Auswurflimiten» ein.
Die Regierung richtete ein Schiedsgericht ein. Dieses kam zum Schluss, dass die Schäden auf den beiden Bauernbetrieben «mindestens teilweise, jedoch in recht erheblichem Ausmass» durch die Emissionen der KVA verursacht worden waren.
Unter dem Druck der Politik und der Öffentlichkeit stimmte 1986 der aus mehr als 50 Gemeinden bestehende Zweckverband einer finanziellen Entschädigung zu. Ein Landwirt in Suhr, der seinen Betrieb 1978 aufgeben musste, bekam 250'000 Franken und ein Landwirt in Hunzenschwil 25'000 Franken.
Regierung wartet mit Entschuldigung zu
Eine Entschuldigung des Kantons oder des Zweckverbands erhielten die Landwirte nicht. Auch die heute amtierenden Regierungsräte tun sich offenbar noch immer schwer damit, die Fehler der früheren Verantwortlichen einzugestehen.
«Es liegen momentan keine Kenntnisse von grundsätzlichen Fehlern der damaligen Behörden des Kantons Aargau vor», schreibt der Regierungsrat in der Beantwortung der Interpellation: «Gemäss den vorliegenden Unterlagen hat sich der damalige Regierungsrat für eine Verhandlungslösung eingesetzt, die zustande kam.»
Ohne die entsprechenden Untersuchungen könne der Regierungsrat keine weiteren Aussagen machen, heisst weiter: «Nach Abschluss der Untersuchungen wird der Regierungsrat in geeigneter Form mit der Familie in Kontakt treten.»
Gemeinderat Suhr springt über Schatten
Bereits einen Schritt weiter ging der Gemeinderat von Suhr. Die vier Kinder des mittlerweile verstorbenen Landwirten, dessen Existenz zerstört worden war, erhielten vom Gemeinderat eine Entschuldigung. «Wir wünschen Ihnen von Herzen, dass Sie mit Ihrer ehemaligen Heimat Frieden finden können», schrieb der Gemeinderat.
«Zum ersten Mal seit fast 50 Jahren ist mit dem Suhrer Gemeinderat eine Behörde auf uns zugekommen, hat uns zugehört und uns ernst genommen», sagte eine Tochter des Landwirten Anfang November den Tamedia-Zeitungen: «Das war ein guter Anfang zu Rehabilitation.»