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São Paulo, 25. Februar 2006
In der ersten Nacht der Karnevalsumzüge im Sambódromo Anhembi in São Paulo feierte das Publikum trotz der anfänglichen Verzögerungen und einem Unfall bis morgens um halb neun seine Sambaschulen. Die Parade begann mit der Schule Gaviões da Fiel, die sich mit ihren 3.800 Mitgliedern in der Avenida verzögerte und schliesslich trotz Gerenne am Ende um eine Minute die Höchstzeit überschritt.
Ihre Hommage zum hundertsten Jahrestag des berühmten Fluges von Santos Dumont mit seiner 14-Bis wurde so mit Punktabzug bestraft. Die Schule, eigentlich ein Fanclub der Corinthians, zog ausserdem mit einem Symbol des Fussballvereins auf, was sie weitere Punkte kosten wird.
Auch die zweite Schule, Rosas de Ouro, geriet am Ende in Zeitnot, fiel aber durch ihre gewagte Vorstellung des gewählten Themas auf. Um die wahre Geschichte und Grausamkeit der Sklaverei zu zeigen, brachte Rosas de Ouro am Hals angekettete und ausgepeitschte Schwarze in die Avenida. Weitere Verspätung verursachte die dritte Schule, Nenê da Vila Matilde: Vier der allegorischen Wagen hatten Probleme mit der Lenkung und kamen nur mit Mühe ans Ziel. Danach zeigten die Acadêmicos da Tatuapé ihre Parade mit dem wenig überzeugendem Thema des Kooperativismus. Das Publikum applaudierte erst verstärkt, als ein allegorischer Wagen vorbeizog, der mit mehreren Kindern und schwangeren Frauen die perfekte Zukunft repräsentierte.
Erst die fünfte Schule, der Vorjahressieger Império da Casa Verde, konnte das Publikum mit seiner luxuriösen Parade über die Nelore-Rinder, seinen gigantischen allegorischen Wagen und den farbenfrohen, glitzernden Kostümen begeistern. Kreativität bewies schon zu Tagesanbruch die Schule Camisa Verde e Branco bei der Behandlung ihres Themas, dem Wein. Die Schule, die vor kurzem ihren Carnevalesco gewechselt hatte, improvisierte aus Zeitdruck bei der Vorbereitung ihrer Parade mit ungewöhnlichen Materialien, benutzte beispielsweise Bambus statt Eisen in den Strukturen der Wagen, was beim Publikum gut ankam.
Euphorisch wurde dann die Schule Vai-Vai mit ihrer Parade über die Stadt São Vicente aufgenommen, die die erste Ankunft des Portugiesen Martim Afonso zeigte und dann mit Índios, Siedlern, Piraten und Jesuiten einen gelungenen Streifzug durch die Geschichte vorführte. Die lange Nacht im Sambódromo endete dann mit Mocidade Alegre, die in ihrer Parade die Vorstellungswelt der indianischen Legenden um die Entstehung des Rio Saõ Francisco nachbildete. Alles war perfekt, bis der Kopfschmuck der Königin der Percussiongruppe, Nani Moreira, Feuer fing.
Die Tänzerin versuchte sich von den brennenden Federn zu befreien, die sich jedoch in ihrem Haar verfangen hatten. Ein Feuerwehrmann griff rettend ein und Nani tanzte tapfer ihre Choreographie weiter bis zum Ende. Mit Verbrennungen zweiten Grades am Kopf und den Armen wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert, soll jedoch am Sonntag wieder entlassen werden.
Annette Runge für BrasilienPortal