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Franz Hitze Haus
Erwin Iserloh
Gründungsdirektor der Katholisch-Sozialen Akademie Franz Hitze Haus
1952 wurde das Franz Hitze Haus als soziale Bildungsstätte des Bistums Münster vor allem als Einrichtung für junge Menschen gegründet, die auf der Basis der Katholischen Soziallehre die Grundlagen der freiheitlichen Demokratie nach der Zeit des Nationalsozialismus kennen lernen sollten. Hierfür wurde die Form der dezentralen „Sozialen Seminare“ gefunden, die durch Veranstaltungen in Münster ergänzt wurden. Seit 1951 fanden erste Kurse statt. Als Haus hierfür wurde das ehemalige Ludgerianum am Domplatz zu Münster genutzt, das später an die Universität verkauft wurde und aus deren Erlös das neue Haus am Kardinal-von-Galen-Ring 1959 gebaut wurde. Gründungsdirektor von Januar 1952 bis zum 31. März 1953 war der Priester und nachmalige Seelsorgeamtsleiter des Bistums Hildesheim Dr. Franz-Josef Wothe.
Vom 1. April 1953 bis zum 31. März 1954 wurde die Leitung geteilt: die Sozialen Seminare wurden von dem erst 29jährigen Juristen Dr. Albrecht Beckel geführt, der von April 1954 bis Oktober 1988 über 34 Jahre Direktor der Akademie war. Die Leitung des Hauses übernahm PD Dr. Erwin Iserloh, der bereits bei Amtsantritt einen Ruf auf den Lehrstuhl für mittlere und neuere Kirchengeschichte an der theologischen Fakultät in Trier hatte. Er wollte das Haus in einem Kuratoriumsverbund leiten, sodass sich die Präsides der katholischen Verbände zu einem solchen Gremium zusammenfanden, deren Vorsitzender der Präses der KAB Wilhelm Wöste wurde. Einer der Gründe für das Kuratorium waren sicher auch Vorbehalte, die es gegenüber der überpfarrlichen und überverbandlichen Ausrichtung des Franz Hitze Hauses gab. Obwohl die Amtszeit für Dr. Iserloh von vornherein begrenzt war, hat er nach der eindeutigen Ausrichtung auf ein Sozialinstitut, wie es im Erzbistum Köln mit dem Katholisch-Sozialen Institut in Bad Honnef und im Erzbistum Paderborn mit der Kommende in Dortmund existierte, die Einrichtung auf die in diesen Jahren vielfach entstehenden Akademien der evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer geöffnet. Er entwickelte eine Einrichtung nach dem Vorbild der Katholischen Akademie in Stuttgart, die zwei Jahre zuvor wiederum in Reaktion auf die Gründung der Evangelischen Akademie Bad Boll schon 1945 entstanden war.
Ziel der Akademien war die Begegnung zwischen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, der Wirtschaft und der Politik mit der Kirche. Begegnungstagungen mit Künstlern, Ärzten, Unternehmern, Juristen und vielen anderen mehr wurden hier praktiziert und vorbereitet. Die Arbeit an den Nahtstellen zwischen Kirche und Gesellschaft ist Grundauftrag der Akademien geblieben und sie bildet bis heute das Unterscheidungskriterium trotz Überschneidungen von der Aufgabenstellung kirchlicher „Bildungshäuser“ mit ihrem je spezifischen Auftrag. Iserloh setzte einige Maßstäbe der künftigen Arbeit, die dazu führte, dass die Einrichtung wenige Jahre später den bis dato einzigartigen Titel „Katholisch-Soziale Akademie“ erhielt, um den Kombinationscharakter aus Akademie und Sozialinstitut deutlich zu machen. Vor allem nutzte Iserloh seine Kontakte und Erfahrungen im Bund Neudeutschland, um eine spezifischen Arbeit mit Akademikern und „Primanern“ zu entwickeln. Dem diente vor allem die Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Wissenschaft. Zu Ostern 1954, zum Zeitpunkt des Ausscheidens Erwin Iserlohs, fand die erste achttägige „Ferienakademie“ für Studierende statt.
Albrecht Beckel (*1925 – +1993) hat eine kleine Geschichte der Akademie vorgelegt, in der er das Wirken seines Vorgängers beschreibt und würdigt [Die Akademie FRANZ HITZE HAUS. Vorgeschichte und erste Generation(1950 – 1988), hg. v. Th. Sternberg, Münster (Verlag der Akademie) 1991]. Dort wird deutlich, dass Iserloh auch wichtige organisatorische und praktische Weichenstellungen vornahm. Er schreibt, Iserloh habe „den Mitarbeiterstab vom Generalvikariat unabhängig gemacht und eigene Arbeitsverträge für das Haus eingeführt.“ Diese Mitarbeiterschaft habe er zudem in den Bereichen Sekretariat, Rezeption und Hauswirtschaft komplettiert. Mehrmonatsprogramme, wie sie bis heute erarbeitet werden, hat er eingeführt und die Tradition des Jahresberichtes begonnen.
Das Wirken Erwin Iserlohs erstreckte sich also nicht allein auf inhaltliche Ausrichtungen, sondern wurde – obwohl er von Hause kein Fachmann der Erwachsenenbildung war – von einem klaren Blick auch für praktische Notwendigkeiten und Opportunitäten gelenkt. Die Akademie Franz Hitze Haus und der Leiterkreis der Katholischen Akademien in Deutschland verdanken ihm die Verbreitung des Akademiegedankens in Deutschland und die Kombination aus politischer Bildung mit deren Begegnungsidealen. Für die Einrichtung in Münster hat seine Arbeit in dem einen Jahr wichtige Maßstäbe gesetzt, die bis heute tragen und auch künftig Auftrag bleiben.
Dr. Thomas Sternberg, Direktor der Akademie Franz Hitze Haus,
Vortrag bei einer Akademie-Tagung anlässlich des 100. Geburtstages von Erwin Iserloh am 15. Mai 2015