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Unser 1. August in Beaufort bleibt unvergesslich. Wir luden unsere neugewonnenen US Freunde auf LaDiala ein. Gemeinsam mit den Genfer Gaia gaben wir unsere Eidgenossenschaft zum besten; zweisprachig „Tritts im Morgenrot daher“, Älpler Maccaroni und Kinder Lampion Umzug ums Boot.
Die Zeit wurde reif für das berühmt berüchtigte Cape Hatteras. Zuvor wurden wir vom Cape Lookout, ein Tagesetmal von Beaufort entfernt, mit einer der schönsten Natursandgrasdünenleuchtturmbucht verwöhnt.
Bei Flaute konnten wir Cape Hatteras problemlos umrunden, der Golfstrom schenkte uns zum letzten Mal bis zu 2kt Fahrt.
Ein neues Faszinosum liegt vor uns; die Chesapeake Bay! Noch nie etwas davon gehört? Ich auch nicht. Wiki hilft weiter;
Chesapeake Bay ist die grösste Flussmündung in den USA.
Der Name Chesepiooc wurde von hier ansässigen Indianerstämme gegeben und heisst vermutlich „Grosser Fluss“ oder bezeichnet ein Dorf an der Mündung des Gewässers zur offenen See.
Die Bay ist voll von amerikanischer Gründer-Geschichte. 1607 errichteten englische Kolonisten im James River die Kolonie Jamestown, die die erste erfolgreiche Kolonie Englands in Nordamerika wurde. 1781 fand eine bedeutende Seeschlacht zwischen Briten und Franzosen während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges statt. Am Ende des Potomac Rivers liegt Washington. Baltimore und Annapolis bereichern die Geschichtsbücher ebenfalls.
Im Eozän vor 35 Millionen Jahren schlug am heutigen Eingang der Bucht ein Meteorit einen grossen Krater ein. Im Verlaufe entstanden ausgedehnte Marschlandschaften, Sümpfe, Wälder und Weidegebiete.
Die Marschlandschaften werden regelmässig von den Gezeiten überflutet. Diese eigenartige Riesenbucht bietet einen nährstoffreichen Schutz- und Lebensraum für verschiedenste Vögel, Zugvögel, Fische, Krebse, Austern und für uns Yachties….
Chesapeake Bay war anfangs 20. Jahrhundert auch die „natürliche Proteinfabrik der USA. Austern, Krabben und Venusmuscheln standen zuoberst. Durch Überfischen, Überdüngen durch die Landwirtschaft und Umweltverschmutzung im Zuge der Verstädterung, sind die Bestände stark zurückgegangen. Dennoch ist die Chesapeake Bay immer noch der grösste Krabbenfleisch Exporteur der Welt.
Literarisch hat sich hier unter anderem James A. Michener mit Chesapeake Bay verewigt.
Und was hinterlässt die Chesapeake Bay bei uns?
Mein grösstes Faszinosum waren eindeutig die Krabben! Kaum die Eingangs-Chesapeake-Tunnel-Bridge passiert, schon nahmen zahlreiche schwimmende oder wohl eher sich treibenlassende Krabben uns in die Klauen. Kein Gewässer hat uns dieses Spektakel zuvor je gezeigt. Sitzt man mutig an so einer schlammbrauntrüben Bay wird man auch da in die Klauen genommen. Ein kleiner frecher Crab hat mich doch wirklich in mein Bein gepincht – einer meiner grössten Schrecken.
Man kann sie auch essen. Habe im ersten Restaurant in Cape Charles ein ganzer Crab bestellt. Da kam er dann auch frittiert mitsamt Scheren, Beinen und Panzer. Und das sollte ich essen? Dieser harte Panzer, diese vielen Beine?
Igitt! Ich wurde aufgeklärt; es handelt sich hier um Soft-Shell-Crabs (Butterkrebs), die Deluxe Variante der Hard-Shell-Crabs. Auch da muss Wiki ganz schnell wieder her;
Erst kürzlich gehäutete Krebse nennt man Butterkrebse. Das neue Aussenskelett ist in dieser Phase noch sehr weich und elastisch. Das Abstreifen des alten Panzers dauert nur rund 15 Minuten. Kann das Ablegen der alten Haut nicht in dieser Zeit bewerkstelligt werden, stirbt der Krebs danach meist an Erschöpfung. Der Härtungsprozess der neuen Schutzschicht nimmt drei bis vier Tage in Anspruch. Und wie findet und fängt man sie in diesem kurzen vulnerablen Stadium? Man fischt sie kurz vor dem Abstreifen des alten Panzers, was viel einfacher ist, haltet sie in Salzwasser Tanks und wartet ihre Häutung ab. Schlau aber auch gemein.
Augen zu und rein beissen. Kein knacken, nichtsHhartes zwischen den Zähnen, es war schlicht delicious….
Langsam öffnete sich in mir die Bereitschaft und das Verlangen diesen Chesapeake mit seinem immensen flusslandschaftlich-historisch-geheimnisvollen Reichtum zu verschlingen…Und so stürze ich mich in das fast 1000-seitige Buch „Chesapeake Bay“ von Michener.
Annapolis – Washington – Cape May:
Grosspapi, Grosspapi, Nica, Nica, — Maxim und Mara rufen und springen und fressen uns fast. Eine schier unglaubliche Wiedersehensfreude bringt uns alle ganz durcheinander. Michèle und Mark stehen abwartend und vorfreudig neben uns vier. Herzliche Umarmungen und feuchte Augenwinkel sind ganz inbegriffen. Und unser pakistanischer Taxifahrer fährt verdutzt zurück zu seinem Standplatz in Baltimore, zum Amtrack-Bahnhof, in dem wir, von New York her, angekommen sind.
Keine zwanzig Meter entfernt dümpelt das Dinghy am Quai. Zu sechst mit viel Gepäck und „Gschenkli“ von Freunden, Bekannten und Verwandten gehts weiter …..und die gute LaDiala schaukelt auch hier im Hafen von Annapolis, gemächlich, fast majestätisch, so wie wir sie vor einem Jahr zwischen dem „Absatz“ und der „Fussspitze“ von Italien, in Riposto auf Sizilien, erlebt und verlassen haben.
Die vier Ms sind erst am Vortag von Norfolk am Atlantik durch die Chesapeake Bay in Marylands Hauptstadt (sprich Kleinstadt) angekommen. Um ehrlich zu sein, wir haben „vorher“ noch nie etwas von Annapolis gehört – von Indianapolis (Autorennen) schon. Bevor Washington Hauptstadt der USA wurde, war das von uns besuchte Capitol von Annapolis 1783 das erste historisch äusserst wichtige Zentrum, in dem der US-Congress tagte. Hier trat der frühere General George Washington vor dem Kongress freiwillig zurück, die wichtige Zäsur markierend, dass die Politik über dem Militär steht. Was West Point als Kaderschmiede für die US Army, ist die 1845 gegründete Naval Academy von Annapois für die NAVY: Ueber 4000 Studenten aus den ganzen USA vollführen mittags um zwölf den täglichen „Fahnentürgg“: smart all in white, zackig und trotzdem leger, kurzgeschoren die Männer, die Frauen mit Frisuren(ein Viertel), allemit Gebrüll….. und die NAVY-Band spielt „Stars and Stripes“; irgendwie trotz allem eindrücklich……
Nur eine Mietauto-stunde westlich liegt Washington mit all den Sehenswürdigkeiten: zwei Nächte mal wieder an Land für die 4Ms. Auf dem Capitol Hill machen wir eine spezielle auch schlaue Erfahrung: überall Parkverbote, Halteverbote, nichts zum Parkieren. Ein „Ein-heimischer“ verrät uns seinen Tip: ganz einfach: mit Bussenrisiko trotzdem parkieren. Die Bussen seien niedriger als entfernte Parkhäuser (in New York gesehen: halbe Stunde 8 Dollar; eine Stunde deren 30) — und es klappte – keine Busse eingefangen.
Eindrücklich, auch von innen, ist die Jefferson National Library; Michèle freut sich, endlich einmal das Weisse Haus zu sehen. Mark führt die Kinder in die Geheimnisse des Air and Space Museums ein; am meisten Vergnügen haben Mara und Maxim an der vielen möglichen und unmöglichen Tieren des Natur-Historischen Museums, vor allem in der Volière der Schmetterlinge. Die Smithonian-Museen: ein riesiges unerschöpfliches Museums-Konglomerat erster Güte. Während Mark und Michèle den riesigen Arlington Friedhof per Bus im Ueberblick besuchen, „hüten“ wir die kleinen Ms im Eingangspark und lassen sie mit ihren Trottinets trotz einer wachsamen, genauen Polizistin um die Bäume kurven: Mara ist „schwer“ am lernen; nach einer Woche könnte sie schon „freihändig“ fahren, wenn wir es ihr zeigen würden……
200 km vom Atlantik „entfernt“ bringt uns die LaDiala weiter die Chesapeake Bay hinauf „landeinwärts“. Nach der umtriebigen Zeit um Annapolis ankern wir in einer windstillen, wundersamen, von Wald eingefassten Bucht: keine Menschenseele, Michele paddelt mit Maxim und Mara ans Ufer, und bei lauer Abend-Dämmerung haben wir zu viert den „Sundowner-Apero“, und nachts schlafen wir bei 25 Grad auf dem Katamaran- Dach…..
Chesapeake City ist wahrlich die grösste „Stadt-Uebertreibung“. Kaum fünfzig malerische, teils verlassene, aber gut unterhaltene Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert gleichen einem Museumsstädtchen wie aus Wildwestfilmen. Es duckt sich still unter einer riesigen dreissig Meter hohen Strassenbrücke, die auch den nahen Hafen und den Chesapeake-Delaware Kanal überquert. Nicht den Suez-, den Panama- oder den Kanal von Korinth durchqueren die meisten Schiffe, sondern den CD C- sagen zumindest die Locals un Wikipedia…. Er verbindet die Millionenstädte Philadelphia und Baltimore. Schon 1822 bis 1829 gruben 3000 Arbeiter den ersten 25 Km langen Kanal mit vier Schleusen von Hand aus. Inmitten von allerlei Kähnen, auch Containerschiffen, ist unsere LaDiala das einzige Segelschiff…. Den zehn Meter tiefen und 130 Meter breiten heutigen, waldumfassten Kanal überqueren in beträchtlicher Höhe neun Brücken: eine modernste Autobahnbrücke mit Schrägseilen, eine Betonbrücke, drei Stahlwerkbrücken aus den Dreissigerjahren, zwei Hochspannungsleitungen, eine Gasleitung und ein uraltes Hebebauwerk aus Stahl für die inzwischen stillgelegte Bahnlinie…..Michèle lässt ihre Drohne nicht zum ersten Mal für phantastische Fotos steigen, aber das erste Mal ist ihr Standort zum steuern nicht fix; sie luft-fotografiert ab der beweglichen LaDiala die Brücken….
„ May I have a chair, please?“ fragt Maxim in bestem Englisch einen Kellner. Zusammen mit Mara spielen sie auf „Englisch“, auch Lieder auf Englisch; von uns lernen sie Ameise-ant und neblig-foggy. Beide haben grosse Entwicklungen hinter und vor sich; beide schwimmen schon „plus-minus“; beide haben total keine Angst vor Wasser; beide spielen mit ihren Prinzessinnen und Königinnen, mit Supermen und Piraten….und sie sind es auch selbst……und Maxim hat in seiner unermüdlichen WIESO? – Phase den “Gwunder-Generator“ fürs Leben schon in sich.
Die Delaware Bay weitet sich über 100 Kilometer weit aus bis zum Atlantik. Auf der backbordside, der linken, der New Jersey Seite, begleiten uns die Umrisse des Atomkraftwerks Salem. Die zwei Reaktoren produzieren 2300 MWatt, die Schweiz ab 2020 knapp 3000. Elektrizität ist neben Diesel und Wind die entscheidende Energiequelle auf der LaDiala. Für den wenigen produzierten Strom dreht sich das kleine Windrad „hinten oben links“ viel zu lärmig. Die effizienten Solarzellen „oben hinten“ würde Mark am liebsten „überall“ haben. „Strom“ kommt auch vom Generator und am einfachsten ab der Steckdose im nächsten Hafen….
…und Mark hat sich in den anderthalb Jahren auf Hoher See zu einem eigentlichen Elektroniker oder Informatiker ausgebildet; damit sind wir beim Herz der LaDiala: Computer, iPhones, Handies, GPS, Emails, Security, Verbindungen zu den Banken, den Versicherungen, zu Marks Praxis in Weiningen, zu den Kantons- und Arzt-„Behörden“, WhatsApp zu Eltern, Kollegen, Verwandten, Wetter Apps, REGA, Telefone, Netzwerke, UBER, Backups: und das ganze noch reparieren und und und — PROST. Michèle ist die Vorausplanerin der Routen, Passagen, Wetter, Besucher und sie bestimmt nach alter Seemansschule mit dem Sextanten die geografische Breite. Dauer wie früher üblich etwa eine Stunde, aber die Breite stimmt (sagt das GPS). Beide, Michèle und Mark, sind Kapitän und Kapitänin, Köchin und Koch, Vater und Mutter, mit Maxim und Mara, das TEAM 4M on LaDiala.
In Cape Bay ankernd, wieder zurück am rauhen aber warmen Atlantik bringt uns die abwechslungsreiche fünf-stündige Busfahrt zurück nach NYC. Mit den besten Wünschen zu gutem Wetter, Gesundheit, Glück und Zufriedenheit, danken wir Euch 4Ms für die super Zeit zusammen.
Pius/Grosspapi und Anita/Nica