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Erst wenige Wochen ist es her, dass der UNO-Ausschuss für Klimawandel (IPCC) der Öffentlichkeit erschreckende ökologische Szenarien präsentiert und der «Stern-Report» die ökonomischen Kosten des Klimawandels vorgerechnet hat. Der Termin für sein Referat an der Universität Zürich sei daher gut gewählt, meinte Udo Simonis, emeritierter Professor für Umweltpolitik am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin. Schon stehe nämlich der nächste Termin bevor: «Am 3. Mai veröffentlicht der IPCC den nächsten Teilbericht. Er wird darlegen, was jetzt zu tun ist.»
Zeit also für einen Blick auf das, was vielleicht getan werden müsste, wie Simonis am Dienstag in seinem Referat auf Einladung des Schweizerischen Institutes für Auslandforschung sagte. Die Fakten: Die Erdatmosphäre erwärmt sich, der Mensch ist Mitverursacher davon und das Hauptproblem besteht in der zunehmenden CO2-Konzentration, die vor allem auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückzuführen ist.
Wohin uns dies führen könnte, sagen die Berichte des IPCC gemäss Simonis klar: «Die Szenarien zeigen, dass die Erwärmung der Erdatmosphäre bis 2100 zwischen 1,1 und 6,4 Grad Celsius betragen wird.» Klimatische Veränderungen wie häufigere Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürme seien damit absehbar. Dass Handlungsbedarf besteht, zeige auch der Stern-Report: «Das Nichtstun wird uns teurer zu stehen kommen als das möglichst rasche Handeln.»
Was also ist zu tun, wenn das erste Kyoto-Protokoll mit seinem Ziel, die Emmission von Treibhausgasen 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu bringen, bereits 2012 wieder ausläuft? «Über das zweite Kyoto-Protokoll muss jetzt verhandelt und über das dritte nachgedacht werden», so Simonis mit Blick auf den Zeithorizont bis 2050.
Das bestehende Kyoto-Protokoll sei zwar sehr wichtig, weil völkerrechtlich verbindlich, gleichzeitig aber ein «schwacher Vertrag»: Die Zielsetzung sei zu wenig ambitiös, die Anzahl der beteiligten Länder zu gering und die möglichen Sanktionen zu wenig wirkungsvoll. Eine entsprechende Verbesserung des Vertrages sei deshalb unumgänglich.
Letztlich gehe es darum, die «Dekarbonisierung» zu realisieren, also den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe. Berechnungen zeigen gemäss Simonis, dass jeder Weltbürger jährlich rund drei Tonnen Kohlendioxid ausstossen dürfte, um klimaverträglich zu sein. In Indien liegt dieser Wert derzeit bei 1,2 Tonnen, in Europa aber bei zehn Tonnen.
Entsprechend liege noch ein grosses Potenzial im globalen Handel mit Emmissionsrechten. Für ein nächstes Kyoto-Protokoll müssten aber auch zusätzliche ökonomische Massnahmen wie eine CO2-Steuer oder eine Abgabe für die Nutzung globaler Güter wie Luft und Wasser diskutiert werden.
Das Umweltproblem bestehe allerdings nicht nur im CO2-Ausstoss, sondern auch im Ressourcenverbrauch. Nötig sei deshalb «emissionsarme Technologie und eine ressurcenleichte Wirtschaft». Simonis plädiert analog zum Kyoto-Protokoll für ein internationales «Technologie-Protokoll». Dieses könnte Staaten einbeziehen, die dem Kyoto-Protokoll bisher ferngeblieben sind und den Klimawandel vor allem mit technischen Innovationen bremsen wollen.
Welchen Beitrag man sich davon erhoffen könne, darüber herrscht aber gemäss Simonis kein Konsens. Wissenschaftliche Studien seien sich nicht einig, welchen Anteil an der Energieversorgung erneuerbare Energien übernehmen können und auf politischer Ebene werde kontrovers debattiert, welche Bedeutung der Atomenergie bei der CO2-Reduktion zukommen soll.
Eher zweifelhaft ist für Simonis die Idee der «Sequestration», welche das CO2 aus der Atmosphäre in den Boden verlagern und damit für das Klima unschädlich machen will: «Es ist ein Versuch, dem Problem auszuweichen». Vermutlich werde es aber ein grosses Forschungsthema werden: «Und man weiss nie, die Technik hat schon vieles geschafft.»
Umweltpolitik ist aber mehr als Klimaschutz, meinte Simonis mit Blick auf weitere Themen wie etwa den Schutz der Wälder und Böden. Gerade weil kurzfristige und ökonomische Interessen nach wie vor über ökologische und langfristige Interessen dominieren, sei eine «kohärente Weltumweltpolitik» nötig. Das bestehende Umweltprogramm der UNO (UNEP) verfüge über zu wenig Ressourcen und habe nicht die Kraft, sich durchzusetzen. «Wenn es eine Weltbank und eine Welthandelsorganisation gibt, braucht es auch eine Weltumweltorganisation», ist Simonis überzeugt.