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Bereits vor 1300 wurde das romanische Kirchenschiff erbaut, noch ohne Chor und Turm; sie war St. Peter geweiht. Erstmals erwähnt wurde sie 1275 in einer urkundlichen Erwähnung auf einer Zehntlist (Kirchensteuerliste; der Begriff «Zehnt» bezieht sich auf die damals üblichen zehn Prozent an Abgaben). In der Festschrift «700 Jahre Kirche Ammerswil» ist darüber zu lesen:
«Den finanziellen Nöten des römischen Papstes Gregor X. verdanken wir die erste Erwähnung der Pfarrei Ammerswil. Für die Durchführung eines weiteren Kreuzzuges ins Heilige Land brauchte Gregor X. dringend Geld. So erstellte er Verzeichnisse sämtlicher geistlicher Stellen und auferlegte ihnen eine Sondersteuer für sechs Jahre. In der Aufstellung der Kirchen, welche dem Propst zu Beromünster unterstanden, finden wir im Jahre 1275 OBRECHTSWILE (Decanat Woloswile, Capitel Mellingen, Bisthum Konstanz). Demnach kann die geistliche Stelle Ammerswil – zusammen mit Wohlenschwil – als eine der ältesten Töchter der Urpfarrei Staufberg gelten.»
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde ein Teil des Innenraums mit Fresken bemalt, die allerdings bereits im 15. Jahrhundert durch eine gotische Umgestaltung beeinträchtigt wurden.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde an der Westseite ein Käsbissenturm vorgebaut; gleichzeitig wurde der Eingang auf die Südseite durch das Turmerdgeschoss verlegt. 1604 erfolgte der Einbau eines neuen Turmuhrwerks.
Im Auftrag des Berners Niklaus Kirchberger (1591–1648), der seit 1634 Landvogt von Lenzburg war, erweiterte der Steinmetz Stoffel Pfeuti von Lenzburg die Kirche um einen vierseitigen Chorabschluss. Gleichzeitig fand 1640 eine umfassende Renovation statt mit Neudeckung des Daches und dem Ausbrechen einer zusätzlichen Türe in der Nordmauer des Schiffs und des Turmes. Im Inneren der Kirche wurden eine Empore und zusätzliche Rundbogenfenster eingebaut; es gab auch eine neue Kanzel. Die Sakristei, die bisher als Gefängnis (Leistkammer) gedient hatte, wurde abgebrochen und südlich des Turmes unter einem Pultdach neu angebaut, was dazu führte, dass der Eingang in die Kirche nun an der nördlichen Turmseite zu finden war. In der Umgebung wurden der Kirchhof und die bisherige Friedhofsmauer erweitert.
Die erste Orgel stammte aus dem Jahr 1668, die 1811 in Zürich erworben und im Chor aufgestellt wurde.
Ende des 19. Jahrhunderts (1889) wurde der Turm neu verputzt, und wenig später, 1904, erfolgte eine weitere Renovation mit einer neuen Empore. Während der Arbeiten kamen unter Übermalungen Fragmente der spätgotischen Bemalung zum Vorschein und wurden freigelegt, die sich als Reste der ursprünglichen Innenbemalung herausstellten. Das Schweizerische Landesmuseum liess die Nord- und Südwand mit den fragmentarisch erhaltenen Fresken in zwei Rissen dokumentieren, bevor sie leider – wohl aufgrund ihres teilweise sehr schlechten Zustandes – durch den Neubau der Empore zerstört wurden Ein solch radikales Vorgehen wäre aufgrund der grundlegend veränderten restauratorischen Sicht und Zielsetzung heute so nicht mehr denkbar.
Ursprünglich muss das ganze Schiff mit gotischen Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ausgestattet gewesen sein, die, wie bereits erwähnt, im 15. Jahrhundert durch das Ausbrechen der gotischen Rundbogenfenster und den Einbau spitzbogiger Fenster teilweise zerstört wurden. Das ursprüngliche, einheitliche Bildprogramm zeigte Darstellungen der Schöpfung, des Pfingstgeschehens und den hl. Martin (Südwand) von Christi Leben und Leidensgeschichte (Nordwand) und eine grosse Abendmahlsszene (Westwand).
1948 wurde aussen renoviert, das Uhrwerk ersetzt, es gab neue Zifferblätter für den Turm und neue Pultdächer über den nordseitigen Eingängen. In diesem Zusammenhang wurde bei einer der beiden alten Glocken von 1499 ein Sprung festgestellt; diese musste durch eine neue Glocke ersetzt werden.
1958/59 wurde eine weitere Innenrenovation notwendig: Es ging um eine neue Orgel, die nun nicht mehr wie bisher die bisherigen beiden Orgeln von 1811 und 1927 im Chor, sondern auf der Empore stehen sollte; um die Modernisierung des Orgelprospekts und um die Erneuerung der Empore. Die neue Orgel wurde 1959 von Kuhn in Männedorf eingebaut.
1958 wurde überraschend ein verbliebenes Freskenfragment entdeckt, das in der Kirchgemeinde, bei der Denkmalpflege und dem Kanton Aargau für einige Aufregung sorgte. Das Fragment wurde abgetragen, sorgfältig restauriert und kam schliesslich in die Historische Sammlung auf Schloss Lenzburg. In der der Kirche ist seither eine Kopie dieses Fragments zu sehen, es zeigt eine Abendmahlsszene.
Nicht ganz unproblematisch erscheint sowohl der Umgang mit diesem Freskenfragment wie die Emporenlösung von 1958, die seither auf einer Säule ruht, auch der modernistische Orgelprospekt will nicht recht in diesen Raum passen. So hat denn knapp dreissig Jahre später, 1987, der zuständige Denkmalpfleger nach einer Begehung der Kirche die Renovierung von 1958/59 erkennbar erschüttert «eine Rosskur» genannt. Die Zerstörung der Fresken anlässlich der Innenrenovation von 1904 nannte er zwar einen «Vandalenakt», aber «die Elimination selbst jener Malereireste», die ebendieser zwar schlecht restauriert, aber immerhin noch erhalten hatte, «skandalös», um das Fazit zu ziehen: «Übriggeblieben ist ein Raum von ländlicher Kargheit, wie er hier zuvor nie existiert hat.»