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zahlreiche zerstreute Exemplare vorhanden. In reinen und gemischten Beständen kommen auch die Buche und Erle vor, während Eiche, Esche, Ahorn, Lärche, Weyhmutsföhre etc. und verschiedene fremde Koniferen in vereinzelten Exemplaren auftreten. An einzelnen Stellen des südl. Teils wuchert die Eibe fast unkrautartig. Auch im Schlosshofrevier kommt dieser seltene Baum ausserordentlich häufig vor. Die Spuren einer systematischen und rationellen Bewirtschaftung gehen bis ins 18. Jahrhundert zurück.
Der Hochwaldbetrieb besteht seit Jahrhunderten und ist auch für die Zukunft in Aussicht genommen. In der neuesten Zeit ist der einfache Kahlschlagbetriebe ersetzt worden durch den Femelbetrieb mit allmäligen Abtrieb und natürlicher Verjüngung. Die durchschnittliche Umtriebszeit beläuft sich auf 100 Jahre. Der Eschenberg gilt in den Kreisen der Fachleute als ein musterhaft betriebener Forst. Innerhalb des Waldes liegen zwei vielbesuchte Pachthöfe mit Wirtschaft, Eschenberg und Bruderhaus. Bei letzterem befindet sich der vom Verkehrsverein unterhaltene Wildpark mit einem Bestand von etwa 25 Hirschen und Rehen. Die Leitung des gesamten Betriebes besorgt ein Forstmeister, dem 1-2 Adjunkten und 6 ständige Förster beigegeben sind. Im Jahr 1908 betrugen die Einnahmen aus dem Waldbetrieb Fr. 265153, die Ausgaben Fr. 112095. Die schöne Qualität des Holzes kommt in den sehr hohen Preisen zur Veranschaulichung.
Bevölkerung.
Nach der eidg. Volkszählung von 1900 zählte die Stadt 22335 Einwohner, wovon männlich 11030, weiblich 11305; Reformierte 17562 (78,60%), Katholiken 4578 (20,50%), Israeliten 100 (0,44%), andre Konfessionen 95; Bürger 6502 (29,11%), Bürger andrer Gemeinden des Kantons 5593 (25,04%), übrige Schweizerbürger 6580 (29,45%), total Schweizer 18675 (83,61%), Ausländer 3660 (16,39%). Die Zunahme der Bevölkerung illustrieren folgende Zahlen: Einwohnerzahl 1798: 2528, 1836: 4612, 1850: 6523, 1870: 9404, 1880: 13595, 1888: 15911, 1908 (nach Angabe des städtischen Kontrollbureau): 25700. Die Zunahme der Bevölkerung ist beinahe ausschliesslich auf die gewerbliche und industrielle Entwicklung, also auf Einwanderung zurückzuführen.
Indessen illustrieren obige Zahlen nicht etwa den ganzen wirtschaftlichen Aufschwung, denn ein grosser Teil der Industriearbeiter bewohnt die Nachbargemeinden und weitere Gebiete des Bezirks, so dass auch diese Gemeinden ein ähnliches Anwachsen aufweisen. Es ist somit der Einfluss der Entwicklung unserer Industrien ein stärkerer, als er aus den die Stadt Winterthur betreffenden Bevölkerungsziffern herausschaut. Wie überall ist auch hier in letzter Zeit eine starke Einwanderung italienischer Bevölkerung (männlich und weiblich) zu verzeichnen. In der Physiognomie der Bevölkerung kommen selbstverständlich auch die eigenartigen Verhältnisse der Stadt zum Ausdruck.
Die Industrie, speziell die Maschinenbranche setzt bei ihrer Arbeiterschaft ein gewisses Mass von Intelligenz und eine ordentliche Schulbildung voraus. Die Etablissements verfügen ferner über eine grosse Zahl von Arbeitenden mit höhern Chargen und über einen ansehnlichen Stab von Ingenieuren und technisch geschulten Leuten. Zahlreich sind die Vertreter des Handelstandes. Die Zahl derer, die auf fernen Handelsplätzen ihre praktischen Kenntnisse erworben oder erweitert haben, ist sehr bedeutend.
Dementsprechend sind auf allen bedeutenden Handelsplätzen der Erde Winterthurer Kaufleute zu treffen. Verhältnismässig stark ist der Lehrstand vertreten. Wohl bemerkbar machen sich die Schüler der höhern Lehranstalten, speziell des Technikums mit ihren verhältnismässig zahlreichen fremden Elementen. Der Fremdenverkehr beschränkt sich beinahe ausschliesslich auf die Geschäftsreisenden. Tagsüber herrscht gewöhnlich im Innern der Stadt nicht ein sehr lebhafter Verkehr. Zu gewissen Stunden jedoch, wenn die Pforten der Werkstätten, der Fabriken und Schulen sich öffnen, flutet ein Strom von Menschen durch die Strassen. Es gewährt alsdann speziell die Zürcherstrasse, an welcher die grossen Maschinenfabriken liegen, einen eigenartigen Anblick.
Bei der Zusammensetzung der Einwohnerschaft aus Elementen verschiedenster Herkunft kann von einem einheitlichen Typus nicht gesprochen werden. Man hört hier alle Sprachen, alle schweizerischen und deutschen Idiome. Immerhin hat der ursprüngliche Winterthurer Dialekt, eine interessante Uebergangsform vom reinen Zürcher Dialekt zu demjenigen des Thurgaus und des an Schaffhausen angrenzenden Weinlandes, seine Herrschaft behauptet. Dieser Uebergangscharakter des Dialektes entspricht den topographischen Verhältnissen. Einen einheitlichen Zug hat die Bevölkerung insoweit, als während der Tageszeit alles der Arbeit obliegt, vom einfachen Arbeiter bis hinauf zum Chef einer Welthandelsfirma oder eines industriellen Weltgeschäftes. So besitzt die der Stadt verliehene Bezeichnung «Stadt der Arbeit» auch heute noch ihre volle Giltigkeit.
Oeffentliches Gesundheitswesen.
Die sanitarischen Verhältnisse der Stadt sind sehr günstige. Die Mortalitätsziffer betrug 1905: 11,5; 1906: 11; 1907: 11,2‰ und ist die niedrigste in der Reihe der 20 grössern Schweizerstädte. Infektiöse Epidemien erreichen nie einen erheblichen Umfang. Typhöse Epidemien kommen nicht vor. Zu diesen günstigen Verhältnissen mögen folgende Faktoren beitragen: Reinheit und sonstige gute Beschaffenheit des Untergrundes;
die konstante Höhe und regelmässige Erneuerung des Grundwasserstromes;
die reichliche, sozusagen ideale Wasserversorgung;
die jetzt überall durchgeführte Kanalisation;
regelmässige Strassenreinigung und Bespritzung;
Abfuhr des Kehrichts durch die Stadt;
geruchlose Beseitigung der Fäkalstoffe durch Dampfpumpen;
die im ganzen guten Wohnungsverhältnisse;
der Reinlichkeitssinn der einheimischen Bevölkerung und deren gute oder wenigstens im Vergleich zu andern Orten befriedigende Lebenshaltung;
die bei der ärmern Bevölkerung in hohem Masse eingreifende gemeinnützige Tätigkeit;
die strenge Kontrolle der Schlächtereien, der Verkaufslokale, der Lebensmittel durch die Sanitätsbehörden (Polizei und Gesundheitskommission);
die meist offene Bebauung und endlich wohl auch die prächtigen Waldungen ringsherum.
Die beiden Quellen der Wasserversorgung liegen unterhalb Zell im obern Tössthal, rund 12 km von der Stadt entfernt. Sie liefern zusammen bei mittlerem Niederwasserstande 12000 Minutenliter. Das Wasser hat einen mittlern Kalkgehalt von 275 mgr und eine mittlere Bakterienzahl von 3 per Liter. Die Temperatur schwankt zwischen 8 und 10° C. Von jeder der beiden Hauptquellen (Buchenrain und Hornsäge) führen Hauptleitungen nach den Reservoirs bei Seen und im Eschenberg. Von hier an beginnen die Hochdruckleitungen, deren Gesamtlänge 61000 m beträgt. Der Quellenerguss gestattet einen täglichen Wasserkonsum von 500 Liter per Kopf. Die Baukosten für die Wasserversorgungsanlage betrugen Fr. 2850000. Der Hauptsammelkanal der ¶
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Kanalisation führt das Abwasser in die Eulach, ein zweiter Sammelkanal nach der Töss. Mangels grösserer Gewässer bestehen bis jetzt keine offenen Bäder. Ein grosses offenes Schwimmbassin im Osten der Stadt wird 1910 eröffnet. An Badegelegenheiten fehlt es im übrigen nicht. Die 1863 erbaute Bade- und Waschanstalt verfügt über ein Schwimmbassin, das auch von den Schulanstalten benutzt wird. Ausserdem verabreicht die Anstalt sog. Volksbäder. Ein ähnliches Vertragsverhältnis besteht mit der Lokomotivfabrik, welche ebenfalls ihre Douchen und Zellen zu Volksbädern zur Verfügung stellt.
Die Stadt entrichtete 1906 an beide Anstalten zu diesem Zwecke Fr. 7170. Auch das Etablissement von Gebr. Sulzer bietet seinen Arbeitern im Arbeiterkasino ausreichende Badegelegenheit. Seit ist ferner im Tössfeldquartier eine neu erbaute städtische Badeanstalt eröffnet worden. Endlich finden sich in sämtlichen Schulhäusern Douchen und werden die Schüler regelmässig zur Benutzung angehalten. Im Neuwiesenquartier besteht auch eine private Badanstalt.
Für die Bestattungen dient ein zentraler Friedhof am S.-Fuss des Lindberges. Der Verein für Feuerbestattung zählt 700 Mitglieder und strebt die Errichtung eines eigenen Krematoriums an, wofür die Mittel bereits vorhanden sind. Im städtischen Schlachthaus an der Eulachstrasse wurden 1906 geschlachtet: 11169 Stück Gross- und Kleinvieh mit 1451000 kg Fleisch. Eingeführt wurden 466900 kg, ausgeführt 196574 kg. Der Fleischkonsum betrug 1721380 kg. Die Wohnungsverhältnisse sind sehr verschieden, meist aber befriedigend und zum Teil sehr gut. Die Mietpreise stehen im allgemeinen hoch. Wohnungen mit 400-500 Fr. Mietzins gehören zu den geringern und haben 3 oder höchstens 4 Zimmer. Ordentliche Wohnungen von 4 bis 5 Zimmern, wie sie der Lebenshaltung des Mittelstandes entsprechen, kosten im günstigsten Falle 600-700, oft 700-800 und 900 Fr. oder mehr, komfortable Wohnungen 1200-2000 Fr. und darüber.
Industrie, Handel und Verkehr.
Winterthur hat sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Industrie- und Handelsstadt entwickelt. Doch hatte es früher schon eine Glanzperiode als Stadt der Arbeit. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde hier die Glasmalerei betrieben. Zu grösserer Bedeutung gelangten nur im alten Winterthur die Kunsttöpferei und der Ofenbau. Die alten Winterthurer Giessfässer, Krüge, Wappenschüsseln und insbesondere die kunstvoll aufgebauten Oefen zählen gegenwärtig zu den hervorragendsten Schaustücken der kunstgewerblichen Museen.
Nach der eidg. Betriebszählung vom zählt die Stadt 1845 Betriebe mit 15310 Personen, wovon 3654 weibliche. Dominierende Industrie ist die Maschinenfabrikation. Es kommen hier hauptsächlich in Betracht die zwei Weltgeschäfte Gebrüder Sulzer und Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik, beide an der Zürcherstrasse und unmittelbar aneinander grenzend. Beide Geschäfte nehmen ein Areal von über 20 ha ein und bilden einen bebauten Komplex, der grösser ist als die Altstadt.
Die Firma Gebr. Sulzer wurde 1834 gegründet und mit 12 Arbeitern eröffnet als Weiterführung einer schon 1775 von Salomon Sulzer errichteten Werkstätte. Gegenwärtig beschäftigt das hiesige Etablissement der Firma 4000 Arbeiter und Angestellte. Die Fabrik erstellt Dampfmaschinen jeder Grösse, Dampfkessel, Dampfturbinen, Dieselmotoren, Schiffkessel, Schiffmaschinen, komplete Dampfboote, Pumpen, Eis- und Kühlmaschinen, Ventilatoren, Gesteinsbohrmaschinen, Niederdruck-Dampf- und Warmwasserheizungen, Maschinen für Färberei, Bleicherei, Appretur, Artilleriematerial etc. Das Geschäft hat bis jetzt etwa 5600 Dampfmaschinen gebaut. Hauptabsatzgebiete sind ausser der Schweiz besonders Deutschland, Russland und Italien, ferner Frankreich, Oesterreich-Ungarn, Spanien, Belgien, in neuerer Zeit auch England, Japan, Südamerika, Aegypten u. a. Die Firma besitzt eine Filiale in Ludwigshafen a. Rh. und ist durch technische Bureaux in zahlreichen grossen Städten vertreten. Sie ist Hauptteilhaber an der Simplontunnelunternehmung. - Die Lokomotiv- und Maschinenfabrik, gegründet 1871, beschäftigt etwa 1800 Arbeiter und Angestellte.
Das Geschäft erstellt Gas-, Petrol- und Benzinmotoren, Dampflokomotiven für Adhäsions- und Zahnradbetrieb, elektrische Lokomotiven. Den Verhältnissen unseres Landes entsprechend sind die Bergbahnlokomotiven zu einer hervorragenden Spezialität geworden. Ende 1909 hat die Fabrik 2000 Lokomotiven gebaut. Die Produktion im Geschäftsjahr 1905/06 betrug 71 Lokomotiven schweren Typs und 202 Motoren mit 5878 PS. Absatzgebiete für Motoren sind ausser Europa auch Aegypten, für Lokomotiven Italien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Norwegen, Oesterreich-Ungarn, Spanien, Syrien, Abessinien, Japan u. a. Gegenwärtig deckt die Fabrik hauptsächlich den inländischen Bedarf an Lokomotiven. - In den Bereich der Winterthurer Maschinenindustrie gehören ferner die Konstruktionswerkstätten der A. G. vormals J. J. Bieter in Töss, mit Sitz in Winterthur.
Die Fabrik befindet sich auf dem Areal des ehemaligen Frauenklosters und heisst darum im Volksmund einfach «im Kloster». Sie beschäftigt etwa 800 Arbeiter und erstellt alle Maschinen für Spinnereien, Webereien, Spuhlereien; ferner hydraulische Anlagen, Turbinen, Regulatoren, Transmissionen, Krahnen, Rohrleitungen etc. -
Die Giesserei und Maschinenfabrik St. Georgen beschäftigt 120 Arbeiter, verfertigt Maschinen- und Bauguss, konstruiert und erstellt hydraulische Pressen und Hebevorrichtungen, Aufzüge, Krahnen u. s. w.
Die grossen Maschinenfabriken beschäftigen zahlreiche kleinere Werkstätten innerhalb und ausserhalb des Kantons mit der Anfertigung einzelner Maschinenbestandteile, u. a. auch die Metallarbeiterschule. Der wirtschaftliche Einfluss unserer Geschäfte erstreckt sich daher auf ein sehr grosses Gebiet. Ausser den aufgeführten Grossgeschäften finden sich verschiedene kleinere Werkstätten für gewisse Spezialitäten, Bau- und Kunstschlossereien etc. Von Bedeutung ist namentlich auch die Feilenhauerei als Hülfsindustrie für die Maschinenfabrikation.
Die Textilindustrie als zweite Hauptindustrie ist durch mehrere grössere Fabriken vertreten:
1) Die Seidenstoffweberei, gegründet 1871, beschäftigt 700 Arbeiterinnen, produziert Halb- und Ganzseidenwaren für Kleider- und Futterzwecke. Die Produktion beläuft sich auf 4 Mill. Fr. per Jahr und findet ihren Absatz hauptsächlich in England, Amerika und Frankreich.
2) Die Fabrikation gestrickter Unterkleider, gegründet 1886, beschäftigt 450 Arbeiterinnen und 40 Angestellte. Absatzgebiet: Inland und Amerika.
3) Die Bleicherei, Färberei und Appretur, begründet 1845 durch J. J. Weber, beschäftigt 350 Arbeiter und hat ihr Absatzgebiet ausser im Inland in England, indirekt in Indien. Neben diesen beiden Hauptindustrien sind von Bedeutung: Schuhfabrikation, Seifen-, Toilettenseifen- und Parfümeriefabrikation, Uhrsteinschleiferei, Fabrikation von Biskuits. Ein ausgedehntes Industriequartier befindet sich im O. der Stadt in der Nähe der Stationen Grüze ¶