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Heimat haben. In Patagonien tritt dafür dann ein neuer, sog. antarktischer Zug an die Stelle.
Durchwandert man von Norden nach Süden, so findet man in folgender Abgrenzung eine Pflanzenzone die andere ablösend: Bis 60° nördl. Br. und in Labrador bis 52° nördl. Br. bedeckt hauptsächlich die Tundra (s. d.), unterbrochen nur durch einzelne Baumoasen niederer Fichten und Birken, das kalte Land. Die Südgrenze der Tundra bildet eine Linie, auf der der wärmste Monat eine mittlere Temperatur von +16 °C. und der kälteste von -20° C. erreicht. Es folgt dann ein breiter nördl. Waldgürtel von Kiefern, Fichten, Tannen und Birken, der seinen größten Reichtum an Laubhölzern (Walnüssen, Ulmen, Eichen, Ahorn, Linden, Tulpenbäumen u. s. w.) entwickelt in einer südlichern Zone, die ungefähr bis zum 40.° nördl. Br. reicht und auf dieser Äquatorialgrenze im wärmsten Monat +25° C. und im kältesten etwa 0° mittlere Temperatur zeigt. Zwischen der Ost- und Westküste ragen aber die Felsengebirge und die Sierra Nevada in die Schneeregion, schließen das Steppenplateau von Utah ein, und haben zwischen ihren Abhängen und dem Missouri die weiten Grasebenen der Prairien (s. d.) vorgelagert, mit kältern Wintern und noch um 5 Grade heißern Sommern. Hier schließen sich daher als Übergang zu den Tropen unter 30° nördl. Br. die heißen Steppen von Arizona und Neumexiko an, in denen das Baumleben durch riesige Säulenkakteen vertreten wird.
Beim Eintritt in die Regenzone der Ostküste, in Virginien, durchschreitet man das Übergangsgebiet zu den Tropen bis zum 25.° nördl. Br., woselbst der geringe Jahresunterschied zwischen dem wärmsten Monat mit +26° und kältesten mit +16° C. eine üppige Vegetation hervorruft, immergrüne Laubhölzer, wie Orangen-, Lorbeer- und Ölbäume, ferner ganz neue Formen in den Magnolien und Zwergpalmen; neben Weizen werden Mais und Reis, in den Pflanzungen Zuckerrohr, Baumwolle und Tabak gebaut, während Batate und Maniok ihre mehlreichen Wurzeln zur Nahrung bieten. Nun breitet sich in dem zum Atlantischen Ocean hin geöffneten Teile A.s ein breiter Tropengürtel vom 25.° nördl. Br. bis zum südl. Wendekreise aus, der Gürtel der Bananen und des tropischen Plantagenbaues mit nicht wesentlich über 25° C. hinausgehenden, aber auch nicht viel tiefer darunter sinkenden Monatstemperaturen, wo der Unterschied des kältesten und wärmsten Monats nur nahe den Grenzen mehr als 5° beträgt. Hier zeigt sich die Mannigfaltigkeit der tropischen Urwaldungen in Kautschukbäumen (Siphonia), Paranüssen (Bertholletia), Palmen, sowie die Kultur der Yamswurzeln, Vanille, Ananas, Bananen, Melonen, Brotfrucht- und Kuhbäume, Kokosnüsse. Die undurchdringlichen Waldungen enthalten mannigfaltige, zum Teil riesenhafte Baumformen der feinsten Holztextur, wie Mahagoni, Guajac, Campeche-, Brasilienholz u. s. w. Die dichten Wälder des Chinarindenbaums beschatten Quitos Gebirgsterrassen, hoch in die Anden von Ecuador, bis zur Berührung der ersten Schneefälle, steigt die schlanke Wachspalme (Ceroxylon andicola Humb.) über die Mauritia-Palmenwälder der Ebene.
An der Westküste von Südamerika folgt nun der oben erwähnte trockne und kühlere Übergangsstreifen von 5° südl. Br. bis 34° südl. Br., immer begleitet von dem schneeigen Zuge der Anden. An einer Grenze, wo der heißeste Monat (Januar) etwa 17° C. im Mittel erreicht, setzt hier die Zone der Winterregen ein, die bald das Baumleben zur Entwicklung der schönen Wälder Valdivias fördert, dann aber in der Breite von 45°, wo der wärmste Monat nur noch 14° C. oder weniger erreicht, trotz milder Winter allmählich zu immergrünen Gebüschen sinken läßt.
An der Ostküste folgt auf die Tropen ein Übergangsgürtel zwischen dem südl. Wendekreise und dem Mündungsgebiet des La Plata, dann reihen sich die Pampas (s. d.) und die immer dürftiger werdenden Steppen mit Stachelgebüschen des südl. Argentiniens an, bis die südliche kühle Zone auch hier mit etwa 50° südl. Br. beginnt, wo der wärmste Monat nur wenig über 10° C. Temperaturmittel noch besitzt, der Winter aber kaum Fröste bringt. - Wie man von den äquatorialen Gürteln des Weltteils bis zu seinen Polarenden die üppige Riesenkraft der Pflanzenwelt immer mehr schwinden sieht, so auch im Ansteigen von den tropischen Küstengestaden zu den eisbedeckten Gebirgshöhen, beim Durchwandern der drei Regionen der Tierra caliente, templada und fria. Die mittlere Gruppe bezeichnet jene gesunden und herrlichen Gegenden A.s, wo bei fast ewigem Frühling grüne Wiesen und kräftige Laubhölzer sich mit den seltsamsten und riesenhaften Formen der Tropenwelt einigen. Die menschliche Kultur verdankt Amerika besonders zwei in die warm-gemäßigten und kühlen Länder der ganzen Erde eingeführte Nahrungspflanzen: Mais und Kartoffel; die Heimat des erstern ist wahrscheinlich Paraguay, die der letztern das südl. Chile gewesen.
Tierwelt. Kein Erdteil hat eine so reiche Tierwelt wie Amerika, keiner ist aber auch der Entwicklung derselben gleich günstig. Durch seine Ausdehnung von N. nach S., seine gewaltigen Gebirge, ungeheuren Wälder, Prairien, Llanos, Pampas, seine Riesenströme und großartigen Seen, sowie durch die Gegenwart zahlreicher Inselgruppen bietet Amerika eine Fülle von Lebensbedingungen, an die sich die Tiere anzupassen haben, wie sie nirgends wieder gefunden werden. Von den 84 Säugetierfamilien haben hier 48 Vertreter, und 13 davon kommen nur hier vor. Die größten Landsäugetierformen, Pferde, Elefanten, Rhinocerosse werden hier nicht mehr gefunden, aber sie kamen vor noch nicht langer Zeit, geologisch gesprochen, ja das Mammut wohl noch mit dem Menschen zusammen vor; weiter finden sich hier die Reste riesenhafter Faul- und Gürteltiere, sowie zahlreicher Formen, die wir als die Ahnen der verschiedenen Huftiere anzusehen haben. Von den 131 Familien der Vögel entfallen auf Amerika 80 und 36 von diesen, darunter äußerst artenreiche, wie Kolibris, werden nur hier gefunden. Auch an Reptilien ist Amerika reich: von 60 Familien kommen 38 und davon 9 bloß hier vor. Die 22 Familien der Amphibien sind gar durch 20, darunter 6 eigene vertreten. Die Süßwasserfauna ist überhaupt durch die Entwicklung der gewaltigen Flüsse im gemäßigten Norden und im tropischen Süden die reichste der Welt. Der Reichtum an Insekten geht ins ungeheure, es sei nur hervorgehoben, daß fast zwei Drittel sämtlicher (etwa 8200) Tagschmetterlingsarten Amerika bewohnen, auch etwa der vierte Teil sämtlicher Landgastropoden und sicher der dritte aller Süßwasserschnecken wird hier gefunden. Auch der Reichtum der Meere auf beiden Seiten, besonders des Golfs von Mexiko ist ein sehr großer und die Bank von Neufundland ihrer Fischmengen wegen berühmt. An den Küsten,
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besonders den westlichen der südl. Hälfte, finden sich Seevögel aller Arten in so gewaltigen Scharen, daß ihr Kot (Guano) auf stundenlange Strecken den Boden in einem 10 m breiten Gürtel überzieht. Kein Land der Erde ist auch so günstig für das Verwildern der Haustiere, und die Prairien des Nordens wie die Pampas des Südens und die Ebenen der westind. und Falklandsinseln wimmeln von ungeheuren Scharen verwilderter oder halbwilder Herdentiere.
Bevölkerungsverhältnisse. Als die Europäer Amerika kennen lernten, fand sich das Land in seiner ganzen Ausdehnung von eingeborenen Stämmen bewohnt, den Eskimo im äußersten Norden und den zahlreichen Indianerstämmen, die man wohl als «Amerikanische Rasse» (s. d.) zusammengefaßt und bezeichnet hat. Seit Columbus wanderten Europäer aller Nationen in Menge ein. Ihre Thätigkeit hat die Eingeborenen zurückgedrängt, um so schneller, als die physische Schwäche der Ureinwohner das Bedürfnis hervorrief, zur Arbeit in den Kolonien den kräftigen Neger nach Amerika zu bringen und somit neben der kupferfarbigen und weißen auch die schwarze Menschenrasse in die Neue Welt zu verpflanzen. Aus Wechselheiraten zwischen verschiedenen Rassen entstanden sog. Mischlinge, unter denen viele Abstufungen unterschieden werden, z. B. Mestizen, Mulatten, Zambos u. s. w. (S. Farbige.)
Die gesamte Bevölkerung A.s wird auf 125 Mill. geschätzt, von denen auf die Vereinigten Staaten und Britisch-Nordamerika 72 Mill., auf Mexiko 11½, aus Mittelamerika über 3 Mill., auf Westindien fast 5½ und auf Südamerika etwas mehr als 33 Mill. zu rechnen sind. Es bildet dieselbe ungefähr den 12. Teil der Gesamtbevölkerung der Erde (diese zu 1480 Mill. angenommen), während die Größe des Erdteils, zu 38 400000 qkm angenommen, fast zwei Siebentel aller Landfläche beträgt. Diese geringe Volksdichtigkeit von nicht 4 Menschen auf 1 qkm wird nur von der Australiens (0,7 Menschen auf 1 qkm) Übertroffen; dicht ist die Bevölkerung nur in den Oststaaten der Vereinigten Staaten, namentlich in Neuyork (50 auf 1 qkm). Fast ganz menschenleer sind Labrador, Nordwestamerika, Centralbrasilien, Patagonien. Die Bevölkerung besteht jetzt aus drei verschiedenen Rassen, den Amerikanern, den Europäern und den Negern. Die Mehrzahl, etwa 75 Mill., sind kaukas. Rasse, 7 Mill. gehören zur einheimischen Rasse, 9 Mill. entfallen auf die Rasse der Neger, 32 Mill. auf die Mischlinge der drei Rassen. Die einheimische Rasse ist nur in Westindien ganz erloschen, sonst über den ganzen Erdteil in zahllosen Völkerschaften und Stämmen verbreitet. Die Neger, als Sklaven zur Plantagenarbeit in den tropischen und subtropischen Gegenden eingeführt, leben daselbst als Freigelassene (hauptsächlich in Nordamerika und Brasilien), zum Teil von Land- und Bergbau oder von Gewerben; auf Haïti haben sie einen eigenen Staat gegründet. Den durch Freilassung der Negersklaven entstandenen Verlust an Arbeitskräften haben neuerdings die Engländer und Franzosen in ihren Kolonien (in Westindien und Guayana) durch Einführung gedungener Kuli aus Ostindien zu ersetzen gesucht, und Kalifornien hat auch viele Chinesen angezogen. Die Mischlinge sind fast sämtlich christlich getauft sowie auch ein großer Teil der Neger. Die Zahl der Heiden unter Indianern und Schwarzen läßt sich nicht sicher bestimmen; sie wird von 5½ bis auf 12 Mill. angegeben. Die Europäer oder die Weißen und deren in Amerika selbst geborene Nachkommen oder Kreolen sind die Beherrscher des Erdteils. Sie sind in Nordamerika vorherrschend german. Abkunft, und zwar überwiegend brit. Nationalität (angelsächs. Rasse), Engländer und Angloamerikaner, daneben mindestens 7-8 Mill. Deutsche und von Deutschen Abstammende; in Mexiko, Mittel- und Südamerika dagegen roman. Nationalität: Spanier und (in Brasilien) Portugiesen. Dort ist der Protestantismus, hier der Katholicismus herrschend. Die Israeliten (etwa 1 Mill.) beschränken sich fast ausschließlich auf die Vereinigten Staaten und die Kolonien der Europäer.
Kulturzustand. Die eingeborenen Stämme, welche zur Zeit der Entdeckung Amerika bewohnten, und die, welche noch heute daselbst mehr oder minder gesondert und unvermischt sich erhalten haben, zeigen in Bezug auf den Grad der Civilisation, den sie erreichten, und die Art derselben die denkbar größten Verschiedenheiten. Während die einen, ohne feste Wohnsitze, nur von der Jagd und dem Fischfang lebend, kaum über die einfachsten Zustände der gesellschaftlichen Entwicklung und des technischen Vermögens hinausgekommen sind, wie z. B. die Feuerländer, die Stämme Patagoniens und die des innern Brasiliens, haben sich bei andern, obwohl ebenfalls zumeist noch Jagd und Fischfang treibenden Stämmen festere Ordnungen herausgebildet, und die Erzeugnisse ihrer Handfertigkeit und ihrer gewerblichen Thätigkeit bekunden nicht nur erfinderischen Sinn, sondern auch eine gewisse künstlerische Veranlagung. Das kann z. B. von den Indianerstämmen des Nordwestens der Vereinigten Staaten und Britisch-Columbias gesagt werden. Andere Stämme haben mit der Jagd einen mehr oder minder ausgedehnten Ackerbau verbunden. So die Stämme, welche zur Zeit der Entdeckung den Osten und den Süden des Gebietes der heutigen Vereinigten Staaten von Amerika bewohnten. Wieder andere sind ganz und gar zum Ackerbau übergegangen. So die Pueblo-Indianer von Neumexiko und fast die sämtlichen Hochlandsstämme. Brennpunkte der alten einheimischen Civilisation sind Mexiko, und zwar sowohl das Hochland wie die Küstenstriche und das benachbarte Jucatan und Guatemala. Ferner die Hochländer von Columbia, einschließlich das Plateau von Bogota. Endlich die Thaler und Hochebenen von Ecuador, Peru und Bolivien und der schmale Küstensaum, der sich zwischen dem pacifischen Meer und am Fuß der peruan. Cordillere hinzieht. In diesen Gegenden insbesondere kann man noch heute die Reste alter Bauwerke und viele andere Zeugen der alten Civilisation bewundern (s. Amerikanische Altertümer). Auch wohnen dort noch heute mehr oder minder unvermischt die Nachkommen der alten Kulturvölker. Nur haben sie ihre alte einheimische Civilisation mit der europäischen vertauscht und das Christentum angenommen.
Seit Beginn des 16. Jahrh. hat sich das ethnogr. Bild A.s wesentlich geändert. Während Europäer als Eroberer und Kolonisten einzogen, schmolz die einheimische Bevölkerung zusammen oder ging gänzlich unter. Den Europäern folgten später Neger als Sklaven. Spanier und Portugiesen bemächtigten sich Südamerikas und Mexikos; Holländer, Franzosen und Engländer Nordamerikas, wiewohl die beiden erstern den Briten bald das Feld räumten. Die Antillen wurden der gemeinschaftliche Boden für fünf europ. Nationen und die Neger, und Guayana