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Pilar, kannst du dich den Leser*innen von Angestellte Schweiz vorstellen?
Mein Name ist Pilar Pérez López und ich bin 33 Jahre alt. Ich habe spanische Wurzeln und habe in Spanien an der Universität von Santiago de Compostela Chemieingenieurwesen studiert. Da ich anschliessend ein neues Land kennenlernen wollte, fand ich ein Praktikum in der Schweiz, an der HES-SO in Freiburg.
Nach meinem Praktikum und meinem Masterabschluss arbeitete ich noch einige Zeit an Forschungsprojekten an der Fachhochschule weiter. Auf der Suche nach einer Stelle in der Industrie wurde ich als Prozessingenieurin am Industriestandort Monthey im Wallis eingestellt. Seit etwa sechs Jahren arbeite ich in einem Team von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Wir kümmern uns um die Überwachung, die Sicherheit und die Optimierung von Industrieanlagen.
Wie hoch ist der Anteil von Männern und Frauen in deinem Unternehmen statistisch gesehen?
Leider bin ich nicht befugt, auf diese konkrete Frage zu antworten. Ausserdem liegen mir die genauen Zahlen nicht vor. Interessant ist, dass die Industrie auch heute noch eine Welt ist, die überwiegend vom männlichen Geschlecht repräsentiert wird.
Welche Auswirkungen hat es in deinem Berufsalltag, eine Frau zu sein? Gab es Situationen, in denen du als Frau Einschränkungen bemerkt oder erlebt hast?
Die Schwierigkeit als Frau in einem männerdominierten Umfeld ist das Gleichgewicht. Damit meine ich: Man darf weder ‚zu imposant‘ sein, sonst wird man als ‚fordernd‘ abgestempelt. Ist man zu ‚nett‘, wird man nicht ernst genommen. Dadurch kommt es häufiger zu Unterbrechungen in Diskussionen und Sitzungen. Die Stellungnahme von Frauen, meine Meinung nach, muss sicherer sein, bevor sie geteilt wird. Eine weibliche Meinung wird auch regelmässiger von männlichen Kollegen in Frage gestellt.
Meiner Meinung nach ist dies eine sozialpädagogische Frage. In der Gesellschaft haben Frauen bislang einen bestimmten Platz ‚besetzt‘. Es ist kompliziert und sehr schwierig, dies in den Köpfen der Menschen, auch der Frauen, zu ändern. Wenn man eine Frau ist, noch dazu eine junge, neigen alle dazu, einen etwas weniger ernst zu nehmen.
Warum ergeht es dir als Ingenieurin so?
Bis vor nicht allzu langer Zeit war ein Ingenieur in einem technischen Beruf eher ein Mann, der Beruf des Chemieingenieurs war vielleicht eine Ausnahme. Dies ist ein Teil aller ‚geschlechtsspezifischen' Berufe in unserer Gesellschaft. Ohne viel weiter zu gehen: Meine Mutter, von Beruf Chemikerin mit Universitätsstudium, hatte aufgrund ihres Geschlechts keinen Zugang zu einem Arbeitsplatz in der chemischen Industrie.
Du bist du in deinem Unternehmen Mitglied der Personalvertretung. War das Thema Gleichstellung ein Grund, dich zu engagieren?
Ja, absolut. Der Hauptgrund, warum ich mich auf dieses ‚Abenteuer‘ eingelassen habe, ist eindeutig die Stärkung der Gleichstellung im Unternehmen. Heute denken wir beim Thema Gleichstellung: Wir diskriminieren Frauen nicht, wir lassen ihnen die gleichen Chancen. Doch es gibt einen ganzen Teil versteckter Aufgaben, wenn man sich die Belastungen ansieht, die Frauen neben ihrer bezahlten Arbeit haben. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein Schlüsselpunkt, wenn Gleichstellung stattfinden soll.
Sind die Angestelltenverbände, wie Angestellte Schweiz, deiner Meinung nach ausreichend aktiv beim Thema Gleichstellung in den Unternehmen?
Sowohl Angestelltenverbände als auch der Rest der Gesellschaft haben viele Dinge, die sie verbessern und einführen können, um die Gleichstellung zu fördern und zu gewährleisten.
Angefangen bei einer inklusiven Sprache: Im Französischen ist Employees ein Begriff im Maskulinum Plural. Es bedeutet "Person, die eine Stelle innehat", aber wenn man den Begriff nur in männlicher Form nimmt: Warum nicht den Begriff ‚Personalverband‘ verwenden und so alle auf einen Nenner bringen?
Gibt es in deinem Unternehmen bereits Massnahmen zur Förderung der Gleichstellung wie Lohngleichheit oder Menstruationsurlaub?
Bei uns gibt es eine Reihe von Sozialleistungen, mit denen die Mitarbeitenden im weitesten Sinne des Wortes unterstützt werden. Einige Sozialleistungen sind Frauen vorbehalten, z. B. zusätzliche Wochen Mutterschaftsurlaub oder Vorteile beim Stillen. Die Lohngleichheit wird durch Zertifizierungen aufrechterhalten.
Welche Prioritäten sollten deiner Meinung nach zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter im beruflichen Umfeld angenommen werden?
Dazu gehört als erstes die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Dafür muss der Staat Folgendes bereitstellen:
- Erhöhung des Vaterschaftsurlaubs oder Einführung eines Elternurlaubs.
- Betreuungsmöglichkeiten für Kinder (Einrichtung von Betriebskindergärten und Subventionen).
- Förderung von Teilzeitarbeit auch für Mitarbeitende, die im Schichtdienst arbeiten.
So kann jede Familie über die Verwaltung und Aufteilung ihrer Zeit entscheiden. Und die Frauen könnten so die verschiedenen Teile ihres Lebens vereinen.
Weiter braucht es:
- inklusive Sprache im Unternehmen
- Frauen in Führungspositionen
- Menstruationsurlaub
- Schulungen zur Gleichstellung der Geschlechter (Sprache am Arbeitsplatz, Behandlung unter Kollegen...)
- Einführung von jährlichen oder langfristigen Gleichstellungszielen, um eine kontinuierliche Verbesserung zu haben.
Pilar, hast du noch eine letzte Bemerkung zum Thema Gleichberechtigung der Frau in der Berufswelt?
Für mich liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Bildung der neuen Generationen: Damit die Fehler der Vergangenheit nicht mehr passieren, müssen die heutigen Generationen in der Arbeitswelt mit gutem Beispiel vorangehen. Das kann nur geschehen, wenn sich alle in die gleiche Richtung bewegen, auch wenn sie nicht die gleiche Geschwindigkeit haben.
Danke für die Interview, liebe Pilar!
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