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Am 10. Februar 2014, am Tag nach der Volksabstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative (MEI), wurde an der Berlinale der Schweizer Spielfilm «Der Kreis» uraufgeführt. Es sei «superschwierig» gewesen, unter diesen Umständen in Berlin Punkte zu ergattern, erinnert sich Ivan Madeo von der Produktionsfirma Contrast Film. Trotzdem gewann die bewegende Geschichte über den Umgang mit Homosexualität im Zürich der späten 50er-Jahre stehenden Applaus und den Publikumspreis. Seither durfte sich das Team um Regisseur Stefan Haupt auch über eine Nomination für die Golden Globe Awards, den Schweizer Filmpreis 2015 und zahlreiche weitere internationale Auszeichnungen freuen.
Was dabei gerne vergessen geht: «Der Kreis» ist einer der letzten Schweizer Filme, der von der Unterstützung des europäischen Filmförderprogramms MEDIA hätte profitieren können. An diesem breit abgestützten EU-Projekt hatte sich die Schweiz seit 2006 im Rahmen der Bilateralen Verträge II beteiligt. MEDIA unterstützt Filme in der Produktionsphase, bietet ein europaweites Kontaktnetz, Weiterbildungen und vor allem eine grosse Vermarktungsplattform. Zeigt ein Kinobetreiber in einem der beteiligten Länder einen Film aus dem Programm, erhält er pro Zuschauer einen Zuschuss von 70 Cent bis 1 Euro.
Die Folgen waren auch in Schweizer Kinos sichtbar. Lag der Marktanteil von Filmen aus inländischer oder europäischer Produktion im Jahr 2000 bei 21,4 Prozent, so waren es 2014 bereits 34,1 Prozent. Gleichzeitig sank die Lust des Publikums auf Hollywood-Produktionen. MEDIA förderte beispielsweise auch «More than honey» von Markus Imhoof, den erfolgreichsten Schweizer Dokumentarfilm aller Zeiten, und unterstützte Filmfestivals wie die Kurzfilmtage Winterthur oder das «Fantoche» in Baden.
Diese Zeiten sind vorbei. Schon bald nach der MEI-Abstimmung legte die EU die Verhandlungen um die weitere Beteiligung der Schweiz an MEDIA auf Eis – daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Macher von «Der Kreis» bekamen dies unmittelbar zu spüren, wie Ivan Madeo erklärt: «Es wurde schwieriger, den Film in anderen europäischen Ländern zu promoten, auszuwerten und ihn dahin zu verkaufen.» Ausländische Festivals und Verleiher seien an Schweizer Kinofilmen mittlerweile weniger interessiert, da sie wissen, dass sie dafür keine Kultur- bzw. Verleihförderungen aus dem eigenen Land oder von EU-Seite erhalten. «So haben Schweizer Produktionen verglichen mit anderen EU-Produktionen momentan leider einen grossen Nachteil auf dem EU-Markt.»
Matthias Aebischer, Berner SP-Nationalrat und Präsident des Dachverbands Cinésuisse, wird noch deutlicher: «Die Schweizer Filmbranche leidet enorm unter dem Wegfallen des MEDIA-Abkommens. Früher wurden Schweizer Filme automatisch in den europäischen Kinos gezeigt. Heute passiert das kaum mehr.» Und wenn doch, müsse dafür viel Geld und Zeit investiert werden. Zwar hat der Bund Ersatzmassnahmen beschlossen und fördert weiterhin einheimische Produktionen. Auf deren Vermarktungsmöglichkeiten im Ausland hat das aber kaum einen Einfluss.
Am diesjährigen Filmfestival Locarno hat Kulturminister Alain Berset erneut betont, die Schweiz werde sich bemühen, den Anschluss ans europäische Filmprogramm wieder herzustellen. Aebischer aber ist nicht sehr optimistisch. Alles hänge von der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ab. Wenn die Bilateralen verloren gingen, werde die Schweiz wohl nie mehr bei MEDIA mit dabei sein.
«Der Kreis» allerdings hat es aufs internationale Parkett geschafft. Die Verleihrechte konnten in 18 Länder auf vier Kontinenten verkauft werden. Diesen Sommer tourte der Film durch die Schweizer Openair Kinos, wurde auf Festivals in Österreich und Bayern gezeigt und feiert nun seine TV-Premiere.
HINWEIS: DIESEN FREITAG, 21. AUG., UM 22:25 UHR FINDET DIE WELTWEITE TV-PREMIERE VON "DER KREIS" AUF SRF 1 STATT
Mehr Informationen zum Film: http://www.derkreis-film.ch