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Wir gehen von einem durchschnittlichen Preis eines Kampfflugzeugs inklusive Ausrüstung, Bewaffnung und Logistikpaketen von rund 200 Millionen Franken aus. — Bundesrat Guy Parmelin in Heidi Gmür und Christof Forster, “Wir Haben 8 Millionen Flugzeugexperten“, Neue Zürcher Zeitung, 10 November 2017.
Natürlich hat Catrina bei seiner Aussage recht: Ein direkter Vergleich ist kaum möglich. Es ist jedoch auch kein Geheimnis — Catrina deutet es sogar selber an — dass es nicht im Interesse der Beschaffer liegt, wenn Presse und Öffentlichkeit solche Vergleiche anstellen. Ist das Kampfflugzeug im Ausland billiger wird den schweizerischen Beschaffern eine unfähige Verhandlungstaktik vorgeworfen, ist das Kampfflugzeug im Ausland teurer, wird den Beschaffern Unehrlichkeit vorgeworfen und vor einem zu hohen Endpreis gewarnt. Wir wollen also auf solche Kritik und auf direkte Vergleiche verzichten, sind jedoch trotzdem der Meinung, dass indirekte Vergleiche über ungefähre Grössenordnungen und über die realistisch beschaffbaren Stückzahlen Aufschluss geben können. So hatte beispielsweise offiziere.ch beim Tiger Teilersatz anfangs Januar 2008 bereits frühzeitig gewarnt, dass das vorgesehene Beschaffungsbudget von 2,2 Milliarden Franken eher für 22, als für 33 Ersatzkamfflugzeuge reichen würde. Schlussendlich wurde dann im abgelehnten Fonds zur Beschaffung des Kampfflugzeugs Gripen E 3,126 Milliarden Franken für 22 Kampfflugzeuge beantragt (rund 142 Millionen Franken pro Stück). Die damaligen Mitbewerber waren rund eine Milliarde teurer (rund 188 Millionen Franken pro Stück). Ebenfalls interessant: Werden die ungefähr projektierten Beschaffungskosten der Schweiz beim Tiger Teilersatz mit den ausländischen Beschaffungskosten verglichen, so kann festgestellt werden, dass das schweizerische Beschaffungspaket im Vergleich zum Ausland eher teurer ausfällt (wieviel mehr ist jedoch schwierig zu eruieren).
Schauen wir die Beschaffungskosten der möglichen Kandidaten für ein neues Kampfflugzeug etwas näher an (zum Vergleich inklusive Gripen E):Eurofighter Typhoon (Tranche 3): Basierend auf dem Tiger Teilersatz kann für die Schweiz ein ungefährer damaliger Stückpreis von rund 188 Millionen Franken geschätzt werden. Mitte September 2018 hat Katar 24 Eurofighter zu einem Preis von rund 6,6 Milliarden Franken in Auftrag gegeben (Stückpreis: 275 Millionen Franken). Der Preis ist deshalb relativ hoch angesetzt, weil das Beschaffungspaket zusätzlich neun Hawk T2 Trainingsflugzeuge, ein Basistraining der Piloten und einen gewissen Betriebsunterhalt umfasst. Zwischen 2020 und 2023 soll die Lieferung von 22 einsitzigen und sechs doppelsitzigen Eurofightern an Kuwait erfolgen, welche im April 2016 für 8,8 Milliarden Franken vereinbart wurde (Stückpreis: 314 Millionen Franken). Das Beschaffungspaket umfasst den Bau notwendiger Infrastruktur auf dem Al-Salem Luftwaffenstützpunkt, Logistik, operationelle Unterstützung, Unterhalt für drei Jahre und das Training der Piloten sowie der Bodencrew durch die italienischen Streitkräften. Anfangs 2019 wurde Oman die letzten beiden Kampfflugzeuge einer 12 Stück umfassenden und 2012 in Auftrag gegebene Beschaffung ausgeliefert, welche rund 4,6 Milliarden Franken umfasste (Stückpreis: 383 Millionen Franken; neun Einsitzer, drei Zweisitzer und inklusive acht Hawk Mk 166 Trainingsflugzeuge). Sowohl die Zweisitzervarianten, wie auch die zusätzlichen Trainingsflugzeugen drücken auch hier die Kosten des Beschaffungspakets in die Höhe. Sollte die Schweiz für den Eurofighter eine Offerte mit einem Stückpreis von 188-200 Millionen Franken erhalten, so würde die Flottengrösse bloss rund 30-32 Stück umfassen.
F/A-18 E/F Super Hornet (Block III): Für rund 4 Milliarden Franken aktualisierte Boeing 78 F/A-18 E/F Super Hornet der U.S. Navy von Block II zu Block III. Mit dem Verkauf neuer F/A-18 E/F war Boeing bis jetzt jedoch nicht ausserordentlich erfolgreich. Immerhin gab Kuwait Ende Juni 2018 22 einsitzige F/A-18 E und sechs zweisitzige F/A-18 F für rund 1,5 Milliarden Franken in Auftrag (Stückpreis: rund 54 Millionen Franken). Beim angegebenen Preis ist jedoch Vorsicht angebracht, da es sich dabei vermutlich um den “Fly-away-Preis” handelt. Der tatsächliche Stückpreis des F/A-18E liegt wahrscheinlich eher mindestens zwischen 90 und 100 Millionen Franken (je nach Beschaffungspaket eher noch höher). Im Mai 2013 hatte die australische Regierung bekannt gegeben, 12 Boeing EA-18G Growler für 1,5 Milliarden Franken kaufen zu wollen (Stückpreis: 125 Millionen Franken). Beim EA-18G Growler handelt es sich um eine Spezialanfertigung des zweisitzigen F/A-18F zur elektronischen Luftkriegsführung. Bis jetzt ist Australien die einzige Nation, welche den EA-18G Growler von den USA importieren konnte. Bis zum Juli 2017 wurden alle 12 Exemplare an Australien ausgeliefert. Sollte die Schweiz die F/A-18 E Super Hornet mit einem Stückpreis von unter 150 Millionen Franken beschaffen können, dann würde die Flottengrösse über 40 Kampfflugzeugen liegen.
Rafale: Die Rafale gilt neben dem Eurofighter als einer der teureren Kampfjets. So hatte sich beispielsweise Belgien Ende Oktober 2018 unter anderem aus Kostengründen gegen die Rafale und für 34 F-35A Lightning II entschieden. Nach langen und intensiven Bemühungen hatte schliesslich Ägypten 24 Rafale für rund 5,5 Milliarden Franken in Auftrag gegeben (vermutlich 16 Doppel- und 8 Einfachsitzer). In diesem Beschaffungspaket sind jedoch noch eine FREMM Fregatte (kostet runde 500 Millionen Franken) und eine grössere Anzahl von Lenkwaffen enthalten. Der Stückpreis der Rafale liegt damit bei rund 208 Millionen Franken. Kurz darauf hatte auch Katar 24 Rafale in Auftrag gegeben, jedoch zu einem rund 1 Milliarde Franken höheren Preisschild (Stückpreis: rund 270 Millionen Franken; später hatte Katar nochmals 12 Maschinen nachbestellt). Das Beschaffungspaket umfasst ebenfalls Lenkwaffen, die Ausbildung von 36 Piloten und 100 Technikern durch die französischen Streitkräfte. Die ersten fünf Rafale wurde anfangs Juni an Katar ausgeliefert. Darüberhinaus verfügt Katar über eine Option noch einmal 36 Maschinen zu kaufen (Dassault Aviation, “2018 Annual Report“, Mai 2019, S 43). Im September 2016 unterzeichneten die Verteidigungsminister Frankreichs und Indiens, Jean-Yves Le Drian und Manohar Parrikar einen Kaufvertrag über 36 Rafale für rund 8 Milliarden Euro (Stückpreis: 220 Millionen Franken; 28 Einfach- und 8 Doppelsitzer). Der “Fly-away-Preis” des Rafale soll nur rund 3,7 Milliarden Franken (rund 107 Millionen pro Stück) betragen; die zusätzlichen Kosten fallen auf das Logistikpaket (rund 387 Millionen Franken), die mitgelieferten Lenkwaffen (rund 780 Millionen), Anpassungsarbeiten (rund 1,9 Milliarden Franken), für Ersatzteile, Hangars und zwei Unterhaltswerkstätten in Ost- und Nordindien (zusammengefasst für rund 2 Milliarden Franken) sowie eine zugesicherte Einsatzverfügbarkeit von 75% für die ersten 5 Jahre (Rahul Bedi, “India signs deal with France for 36 Rafale fighters”, IHS Jane’s Defence Weekly, Jane’s Information Group, vol 53, issue 39, 28 September 2016, S. 5). Wie der Eurofighter, könnte auch die Rafale für die Schweiz in einem Preissegment zwischen 188-200 Millionen Franken liegen, was zu einer Flottengrösse von 30-32 Kampfflugzeugen führen würde.
F-35A: Vom F-35 existieren drei Varianten, wobei sich die Schweiz für die konventionelle Variante, den F-35A interessiert. Dies ist auch gleichzeitig die günstigste der drei Varianten. Lockheed Martin gibt als “Fly-away-Preis” einen Betrag von $89,2 million (rund 90 Millionen Franken) an. Wegen den positiven Skaleneffekten und der US-amerikanischen Exportförderung ist davon auszugehen, dass ein realistisches Angebot bei 80 Millionen Franken (“Fly-away-Preis”) liegen könnte. Ende Oktober 2018 entschied Belgien seine 54 F-16 durch 34 F-35A zu ersetzen, wobei ein ausschlaggebender Faktor für den F-35A und gegen den Eurofighter bzw die Rafale die günstigeren Beschaffungskosten waren (Stückpreis: rund 132 Millionen Franken). Im Beschaffungspaket enthhalten sind neben den Kampfflugzeugen, die Ausbildung der Piloten, Hangars und die Instandhaltung bis 2030. Im Vergleich könnte das von der Schweiz verlangte Beschaffungspaket um die 150 Millionen Franken pro Stück liegen, was zwar wahrscheinlich teurer als der F/A-18 E Super Hornet sein wird, technologisch jedoch den Zugang zu einer anderen Liga eröffnen könnte. Bei einem solchen Stückpreis, könnte die Flottengrösse rund 40 Kampfflugzeuge umfassen. Eine interessante Frage ist jedoch, ob die Betriebskosten des F-35A höher als bei den Konkurrenten ausfallen wird. Gemäss dem Pentagon soll die Flugstunde zwischen 28’000 und 29’000 Franken kosten, was ungefähr den Betriebskosten des F/A-18 C/D liegt (29’500 Franken in 2011; Schweizer Bundesrat, “Kampfjets: Betriebskosten Und Luftverschmutzung“, Schweizer Parlament, 13.02.2013).
Gripen E: Der Gripen E steht zwar seit Mitte Juni nicht mehr in der Evaluierung (siehe hier), da es sich jedoch wahrscheinlich für die Beschaffung am günstigste in Frage kommenden Kampfflugzeugen handelte, wollen wir den Gripen E trotzdem näher betrachten. Im September 2015 entschied sich Brasilien für die Beschaffung von 36 Gripen zu einem Preis von rund 4,6 Milliarden Franken (Stückpreis: 127 Millionen Franken), welche ab diesem Jahr ausgeliefert werden sollen. Auch hier sprachen die Kosten gegen die Rafale. Beim Tiger Teilersatz offerierte Saab der Schweiz 22 Gripen E für 3,126 Milliarden Franken (Stückpreis: 142 Millionen Franken). Es kann davon ausgegangen werden, dass der Gripen E auch bei der Beschaffug des neuen Kampfflugzeuges einen Stückpreis unterhalb der 150 Millionen Franken Grenze offerieren hätte können, und damit mit der F/A-18 E/F Super Hornet sowie dem F-35 zu den günstigstens Kampfflugzeugen gehört hätte. Dies gilt auch bezüglich den Betriebskosten, welche im Vergleich zu den restlichen Kampfflugzeugen am tiefsten liegen könnten (vermutlich entgegen dem Bericht von Jane’s Defence Weekly jedoch eher bei 10’000 Franken pro Flugstunde liegen wird). Beim Gripen E hätte die Flottengrösse wohl bei rund 40 Kampfflugzeugen gelegen.
Fazit
Die Beschaffungskosten eines Kampfflugzeuges sind massgeblich von dem zusammengeschnürten Beschaffungspaket abhängig, wobei der “Fly-away-Preis” am Beispiel der F/A-18 C/D nur grad um die 60% ausmachen können. Im Falle der Schweiz ist davon auszugehen, dass das Beschaffungspaket im Vergleich zu ausländischen Beschaffungen eher teurer ausfallen wird. Auch wenn ein direkter Vergleich mit ausländischen Beschaffungsvorhaben nicht möglich ist, kann ein indirekter Vergleich Aufschluss über ungefähre Grössenordnungen und über die realistisch beschaffbaren Stückzahlen geben.
Die günstigste Variante könnte nach Ausschluss des Gripen E die F/A-18 E/F Super Hornet darstellen (bis jetzt wurden 446 Einsitzer und 190 Zweisitzer produziert, welche überwiegend bei der U.S. Navy im Einsatz stehen). Die F-35A könnte jedoch in einem ähnlichen Preissegment liegen, da hier insbesondere die hohen Produktionszahlen zu Skaleneffekte führen. Nicht nur würde die Schweizer Luftwaffe einen bedeutend moderneren Kampfjet erhalten, sondern die weite Verbreitung und die hohen Stückzahlen (womöglich über 3’000) garantieren auch eine langandauernde Weiterentwicklung, Aufrüstung und Versorgung mit Ersatzteilen. Trotzdem stellen sich beim F-35A auch Fragen inwieweit die Systemkomponenten offen einsehbar oder als “Black Boxes” integriert werden (siehe dazu auch Roger Näbig, “F-35: Hightech Kampfjet oder 1,5 Billionen US$ Desaster?“, offiziere.ch, 16.09.2018). Im Vergleich zum F-35 ist die F-16 Block 70/72 (auch bekannt unter der Bezeichnung F-16V “Viper”) momentan zahlenmässig ein Nischenprodukt (berücksichtigt sind nur Neuanschaffungen, keine Erneuerungsprogramme — siehe dazu mein Kommentar weiter unten): Die Slovakei kauft 16 Stück für rund 1,8 Milliarden Franken, Bahrain die selbe Anzahl für rund 1,1 Milliarden Franken, Taiwan kauft 66 Stück für rund 8 Milliarden Franken und Marokko 25 Stück (mit einem massiven Zusatzpaket) für rund 3,8 Milliarden Franken. Ausserdem ist die F-16 Block 70/72 nicht Bestandteil der momentanen Evaluierung.