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Fairer Handel ist ein effektives Instrument in der Entwicklungspolitik und trägt nachweislich zu einer Verbesserung der Lebensstandards von Menschen im Globalen Süden bei. In diversen Studien wurde dieser Wirkungszusammenhang wissenschaftlich belegt. Aktuelle Studien bestätigen den positiven Einfluss von Fair Trade auf die Kleinproduzentinnen und -produzenten, ihre Familien und die gesamte Gemeinschaft.
Gemäss Studien leistet der Faire Handel einen Beitrag zu verschiedenen Wirkungsdimensionen. Fair Trade hat eine direkte positive Wirkung auf die Preise, das Einkommen und wirtschaftliche Resilienz der Produzentinnen und Produzenten. Durch Investitionen in innovative und umweltfreundliche Produktionsmethoden wie auch in Projekte in der Gemeinschaft hat Fair Trade auch eine positive Wirkung auf Umwelt und Klima, gesellschaftliche Entwicklung sowie Empowerment von Frauen. Basierend auf der vorhandenen Evidenz werden im Folgenden die Wirkungsbereiche und die Wirkungszusammenhänge genauer erläutert. In der Abbildung ist die Theory of Change grafisch dargestellt.
Höheres Einkommen und verbesserte wirtschaftliche Resilienz für Produzent:innen
Dank Fair Trade Mindestpreisen und Prämien erhalten Fair Trade Produzentinnen und Produzenten höhere Preise für ihre Produkte und können insgesamt ein höheres Einkommen erzielen (Dragusanu & Nunn, 2014; Oya, Schaefer, & Skalidou, 2018). Durch die Fair Trade-Zertifizierung erhalten die Produzentinnen und Produzenten zudem besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen, beispielsweise zu Krediten und Vorfinanzierung (Dragusanu & Nunn, 2014).
Die langfristigen Handelsverträge, das höhere Einkommen, die Diversifizierung des Anbaus sowie die besseren Ernteerträge führen dazu, dass Fair Trade Bäuerinnen und Bauern wirtschaftlich widerstandsfähiger sind. So sind Fair Trade Bäuerinnen und Bauern z.B. resilienter gegen Ernteausfälle und Preisstürze. Obwohl der Faire Handel die wirtschaftliche Resilienz der Bäuerinnen und Bauern stärkt, stellt der Klimawandel dennoch eine grosse Bedrohung für die wirtschaftliche Existenz aller Produzentinnen und Produzenten dar (Fairtrade International, 2022).
Ökologische Anbaumethoden führen zu Empowerment und zu Klimaresilienz
Um die Auswirkungen des Klimawandels auf Produzentinnen und Produzenten einzudämmen, werden gemeinsam mit Fair Trade Bäuerinnen und Bauern Trainings durchgeführt und nachhaltige Landwirtschaftssysteme entwickelt. Fair Trade Produzentinnen und Produzenten bilden ein hohes Bewusstsein für ökologische Fragen und Fair Trade Kooperativen implementieren verschiedene Massnahmen für den Klimaschutz. Dazu gehören Initiativen zur Wiederaufforstung, Agroforstwirtschaft oder Massnahmen zur Verbesserung der Fruchtbarkeit von Böden und Pflanzen. Das trägt zur Reduktion von Treibhausgasen, klimafreundlichen Anbaumethoden und zur Verbesserung der Bodenqualität bei und verringert damit die Vulnerabilität der Produzentinnen und Produzenten gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels (Fairtrade International, 2021; Fairtrade International, 2022).
Nebst dem positiven Einfluss auf die Umwelt bringen die Nachhaltigkeits-Programme von Fair Trade Kooperativen auch soziale und wirtschaftliche Vorteile. So tragen die untersuchten Programme zum einen zu einer Stärkung von Frauen und jungen Menschen in Führungsrollen bei. Die Einführung von nachhaltigen Landwirtschaftssystemen führt zudem zu besseren Ernteerträgen, Umsatzsteigerungen, verbessertem Marktzugang und zu niedrigeren Produktionskosten bei biologischer Landwirtschaft (Fairtrade International, 2021).
Verbesserte Inklusion und Förderung von Frauen, strukturelle Hürden bleiben bestehen
Sowohl als Mitglieder wie auch im Management von Produzent:innen-Organisationen sind Frauen in Fair Trade-Kooperativen stärker vertreten als in ähnlichen Kooperativen der konventionellen Landwirtschaft. Frauen haben insgesamt besseren Zugang und erleben mehr Inklusion in Fair Trade-Kooperativen, strukturelle Hürden für eine vollständige Gleichstellung bleiben aber bestehen: So verhindert zum Beispiel in vielen Ländern fehlendes Grundbesitzrecht Frauen daran, sich einer Produzent:innen-Organisation anzuschliessen. Fehlende technische Kenntnisse und Zugang zu Trainings, Zeitmangel aufgrund von Geschlechternormen in Bezug auf die Haushaltstätigkeit sowie fehlender Zugang zu Kapital stellen weitere strukturelle Hürden dar (Fairtrade International, 2020).
Während Ansätze zur Gleichstellung der Geschlechter mittels spezifischer Fair Trade Standards und Richtlinien innerhalb der Produzent:innen-Organisationen kurzfristig effektiv und innerhalb der Kooperativen wirksam sind, zeigen sie jedoch nur eine minimale Wirkung auf die Veränderung von Geschlechternormen im Allgemeinen. Die Wirkung des Fairen Handels stösst hier an ihre Grenzen und vermag in Geschlechternormen verankerte soziale, kulturelle und wirtschaftliche Ungleichheiten in der Gesellschaft kaum zu verändern (Fairtrade International, 2020, S. 49).
Fair Trade unterstützt gesellschaftliche Entwicklung
Fair Trade hat nicht nur eine positive Wirkung auf die Produzentinnen und Produzenten selbst, sondern auch ihre Gemeinschaften. Mit der Fair Trade Prämie, welche Fair Trade Produzentinnen und Produzenten zusätzlich zum Verkaufspreis erhalten, werden Projekte in der Gesellschaft finanziert. Fair Trade unterstützt damit die gesellschaftliche Entwicklung in den Gemeinschaften, insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Bildung durch Investitionen in die Gesundheitsvorsorge und in Bildungsfonds (Fairtrade International, 2022).
Partizipative Entscheidungssysteme in Kooperativen als Multiplikatoreneffekt für die Wirkung der Prämie
Gute Governance von Produzent:innen-Organisationen ist ein entscheidender Faktor für die Wirkung der Fair Trade Prämie und die damit verbundenen Investitionen in der Gemeinschaft. Entscheidungssysteme zur Prämienverwendung, welche von operativen Entscheidungsprozessen getrennt sind, erlauben Produzent:innen-Organisationen eine stärkere Beteiligung ihrer Mitglieder an der Entscheidungsfindung und erhöhen die Rechenschaftspflicht gegenüber der Prämienverwendung. Gut verwaltete, demokratische Organisationen mit getrennten Entscheidungsprozessen haben stabile, widerstandsfähige und inklusive Produzent:innen-Organisationen zur Folge. Langfristig führt dies zu höheren Einkommen, höheren Lebensstandards und verbesserter Resilienz der Produzentinnen und Produzenten. Es hat sich gezeigt, dass Partizipation wichtig ist, um die lokal am geeignetsten und gesellschaftlich akzeptiertesten Prämienverwendungen zu finden, welche die gewünschte Wirkung für die Begünstigten haben. Partizipative, transparente Entscheidungsprozesse können auch zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen (Loconto, Silva-Castañeda & Jimenez, 2019, S. 76-78).
Bewusstseinsbildung und Veränderung des Konsumverhaltens
Nebst den direkten Massnahmen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Produzentinnen und Produzenten im Globalen Süden treten die Akteurinnen und Akteure des Fairen Handels auch durch Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung der Bevölkerung für die Anliegen der Menschen im Globalen Süden ein. In einer Studie von 2016 wurde vom Centrum für Evaluation (CEval) in Zusammenarbeit mit dem Forum Fairer Handel untersucht, inwiefern der Faire Handel eine Veränderung in der Gesellschaft bewirkt. Die Studie kommt zum Schluss, dass der Faire Handel zu einer Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung beiträgt. Durch die breite Etablierung und Sichtbarkeit von Fair Trade Produkten im Detailhandel und der hohen Glaubwürdigkeit, welche der Faire Handel geniesst, besitzt die Bevölkerung grundlegende Kenntnisse zu den Kernanliegen des Fairen Handels. Zum tatsächlichen Einkaufsverhalten kann gesagt werden, dass Konsumierende nebst dem Preis vermehrt Nachhaltigkeitskriterien in ihre Kaufentscheide miteinbeziehen und der Konsum von Fair Trade Produkten in den letzten zwanzig Jahren gestiegen ist, jedoch ein grundlegender Wertewandel notwendig ist für eine nachhaltige Veränderung des Konsumverhaltens (Bäthge, 2016).
Aus den Erkenntnissen der bisherigen Forschung lässt sich schliessen, dass Fair Trade Produzentinnen und Produzenten im Globalen Süden eine nachhaltige Verbesserung ihres Lebensstandards ermöglicht, wie in der Abbildung der Theory of Change ersichtlich. Der Faire Handel weist aber auch entwicklungspolitische Grenzen auf – oft sind es fehlende strukturelle Rahmenbedingungen in den Produktionsländern, die eine Verbesserung der Lebensstandards grundsätzlich erschweren.
Quellen:
Bäthge, S. (2016). Trend- und Wirkungsstudie: Verändert der Faire Handel die Gesellschaft?. Centrum für Evaluation (CEval).
Dragusanu, R. & Nunn, N. (2014). The Economics of Fair Trade. Journal of Economic Perspectives 28 (3), pp. 217-236
Fairtrade International (2022). Assessing the Impact of Fairtrade on Poverty Reduction and Economic Resilience through Rural Development.
Fairtrade International (2021). Fairtrade Climate Change Projects – Learning from Experience.
Fairtrade International (2020). Women’s access, equity and empowerment: Progress and uptake of the Fairtrade gender strategy.
Loconto, A., Silva-Castañeda, L., Jimenez, A. (2019). Participatory analysis of the use and impact of the Fairtrade premium. Laboratoire Interdisciplinaire Sciences Innovations Sociétés (LISIS).
Oya, C., Schaefer, F. & Skalidou, D. (2018). The effectiveness of agricultural certification in developing countries: A systematic review. World Development, pp. 282-312. Available at https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0305750X18303012