Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03093.jsonl.gz/89

Der Ursprung des Golfstroms ist danach in die an der Nordwestküste von
Südamerika
[* 14] entlang fließende
Guayanaströmung zu verlegen, welche mit der von dem Nordostpassat getriebenen Westströmung vereinigt auf die
Ketten der
KleinenAntillen zufließt. Ein äußerst starker
Strom tritt zwischen
Grenada und
Trinidad in das
Karibische Meer ein, ebenso
macht sich zwischen den
Inseln weiter nördlich ein Weststrom bemerklich. Auf diese
Weise wird das
Karibische Meer
in seinem südlichen Teil von einem westwärts gerichteten
Strom ausgefüllt.
Die innere, dem Land zugekehrte Seite des Golfstroms erreicht noch nördlich von KapHatteras infolge der Pressung gegen den
zwischen ihm und dem Land vorhandenen kalten arktischen Strom (s. unten) eine Geschwindigkeit von 3-4 Seemeilen pro Stunde, aber
auch nur die innere Seite; denn nach den amerikanischen Vermessungen ist in diesem Teil des Golfstroms die Geschwindigkeit
an seinem äußern, dem Atlantischen Ozean zugewendeten Rand nicht größer als 10 oder 20 Seemeilen pro Tag oder fünf- bis
siebenmal kleiner als an dem innern Rand.
Zwischen
dem 43. und 47. Parallelkreis, in der Nähe der Neufundlandbank, begegnen der letzte Teil des eigentlichen Golfstroms
an seiner nördlichen Kante und an der Oberfläche dem kalten Polarstrom, dessen Ursprung im Nördlichen Eismeer zu suchen ist.
Die Grenzlinie zwischen diesen beiden großen ozeanischen Strömungen ist nicht so gleichbleibend wie
in dem Teil vor den Engen bis zu den Nantucketbänken, sondern verschiebt sich mit den Jahreszeiten.
[* 23] Im Winter, von September
bis März, drängt der kalte Polarstrom den warmen Golfstrom nach S. zurück, im Sommer dagegen, von März bis September, gewinnt der
Golfstrom das Übergewicht und rückt weiter nach N. vor; der Golfstrom schwankt hier,
wie Maury sagt, wie ein Wimpel im Wind hin und her. Die Neufundlandbänke verdanken dem Begegnen dieser beiden Ströme ihre Existenz.
Bei dem Eintritt in die warmen Gewässer des Golfstroms schmelzen die von N. hergeführten Eisberge allmählich und lassen
die Gesteinstrümmer, welche sie tragen, in das Meer sinken.
Von großem Interesse sind die Temperaturmessungen, welche im G. und an seinen Grenzen
[* 24] angestellt worden sind. Sie haben zunächst
auch die Existenz einer nur durch Temperaturerniedrigung, aber durch keine meßbare Bewegung an der Oberfläche erkennbaren
Fortsetzung der kalten arktischen Strömung an der Oberfläche des Meers zwischen den Seeküsten der Vereinigten Staaten
und dem Golfstrom nachgewiesen. Dieses relativ kalte Wasser ist deshalb der »kalte Wall« genannt worden; in ihm nimmt die Temperatur
schon in sehr geringen Tiefen unter der an der Oberfläche erwärmten Wasserschicht sehr schnell ab. So beträgt bei Sandy Hook
die Temperatur des Oberflächenwassers nahe an der Küste im Sommer 21,1° C. (70° F.), in einer Entfernung
von 150 Seemeilen schon 23,9° (75° F.), von 275 Seemeilen 26,7° (80° F.) und erreicht in dem wärmsten Teil oder der Achse
des Golfstroms die Höhe von 28,3° (83° F.).
Aber schon in einer Tiefe von 20 Faden
[* 25] (37 m) fällt innerhalb dieses »kalten Walles« die Temperatur zu
15,6° (60° F.),
bei 300 Faden zu 3,9°-5,6° C.
und bei 400 Faden zu 2,8°-4,4° C. Sobald man dagegen diesen »kalten
Wall« überschreitet, findet man in den entsprechenden Tiefen von 20, 100-400 Faden die höhern Temperaturen
von resp. 25°, 19,4,° 16,7,° 15,0,°
12,8° C., also stets um 10° und darüber höher als in den gleichen Tiefen des »kalten
Walles«. Die Breite dieses letztern nimmt ab, je weiter südwärts er sich erstreckt, und wird südlich
von Kap Cañaveral sehr gering und unbestimmt.
Eine weitere sehr bemerkenswerte Eigentümlichkeit des Golfstroms ist seine Spaltung in abwechselnde Streifen oder Bündel
von kaltem und warmem Wasser. Dieselben werden deutlich merklich, sobald der Golfstrom bei KapHatteras in tiefes Wasser eintritt. Während
die linke Seite dann noch auf dem flachen Wasser festgehalten wird, strebt der Strom vermöge der Rotation
der Erde sich nach rechts auszudehnen und zerreißt successive, während zugleich bei der Zunahme der Tiefe kaltes Wasser aus
den größern Meerestiefen nach oben gesaugt wird und später dem Lauf desStroms folgt. Mit dem weitern Verlauf des Golfstroms
nach N. nehmen auch die Zwischenräume zwischen den einzelnen warmen Streifen zu, d. h. die kalten Streifen
werden ebenfalls breiter. So ist bei KapHatteras der erste kalte Streifen, der sogen. »kalte Wall«, von der Küste aus bis 30 Seemeilen
und der erste innere warme Streifen (die Achse des Golfstroms) 47 Seemeilen breit; östlich von diesem
¶