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Als der Kaminfeger vor dem Haus parkierte, klebte ich gerade einen Zettel an die Haustüre. Darauf stand, er solle bitte bei mir klingeln. Die Hauswartin war nämlich gerade verreist. Ich liess den schwarzen Mann ins Haus und berührte ihn dabei leicht am Ärmel. Das soll Glück bringen. Er blitzte mich aus hellen, blauen Augen an. Ich schloss schnell die Kellertüre auf, damit er die steile Treppe zum Heizungsraum hinuntersteigen konnte.
Als ich mit dem feuchten Waschlappen über mein Gesicht fuhr und mich im Spiegel betrachtete, dachte ich, dass ich etwas zusätzliches Glück auch vertragen könnte. So schlich ich auf Socken ganz leise die Treppe zur offenen Kellertüre hinunter. Ich hörte ihn im Heizungsraum pfeifen und stimmte unschuldig in sein Liedchen ein. Dann schloss ich mit einer schnellen Drehung des Schlüssels die Türe.
An diesem Tag hallte es mehrmals durch das ganze Haus, als würde jemand mit einem Schraubenschlüssel an die Heizungsrohre klopfen. Dreimal kurz, dreimal lang und dreimal kurz. Das Geräusch wurde gegen Abend immer schwächer. Plötzlich hörte es ganz auf. Am nächsten Morgen hörte ich, wie die Frau vom 4. Stock ihrer Nachbarin vom Kaminfeger erzählte und wie sie ihn aus dem Keller befreit hätte.
Drei Wochen später hielt das Auto des Kaminfegers wieder vor unserem Haus. Ich beobachtete den Glücksbringer von meinem Küchenfenster aus. Er holte unzählige Kartons, ein paar Zimmerpflanzen und einen Küchentisch aus seinem grossen Kofferraum und schleppte die Sachen in unser Haus. Ich erschrak, als ich plötzlich auch die Frau vom 4. Stock sah, die ihm offensichtlich beim Tragen half. Sie schauten sich immer wieder verliebt an. Seither wohnt das Glück bei uns im Haus. Nur leider nicht mit mir.
©2002, Regula Stucki, Bern