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Ammoniak ist ein farbloses Gas, riecht höchst stechend und zu Thränen reizend, schmeckt brennend-ätzend alkalisch, färbt Lackmuspapier
blau und hat ein spezifisches Gewicht von 0,586. Bei -40° oder bei 16° unter einem Druck von 7 Atmosphären
wird es zu einer farblosen Flüssigkeit verdichtet, welche ungemein schnell verdunstet und dabei starke Kälte erzeugt, bei
-34° siedet und bei -75° zu einer weißen, geruchlosen Masse erstarrt. Ammoniak ist schwer entzündlich, wird aber
unter gewissen Umständen sehr leicht oxydiert.
Wirkt ammoniakhaltige Luft auf Kalk, so entsteht salpetersaurer Kalk, und dieser wird sich daher stets bilden, wenn organische
Stoffe bei Gegenwart von Kalk verwesen. Diese Salpeterbildung verläuft unter dem Einfluß fermentartig wirkender Mikroorganismen.
Leitet man Ammoniak über glühende Kohlen, so entstehen Cyanammonium NH4CN und Wasserstoff; auch
bildet sich die Cyanverbindung aus Kohlenoxyd und Ammoniak Chlor zersetzt Ammoniak unter Feuererscheinung, und es entstehen Chlorammonium
und Stickstoff. Ein mit verdünnter Salzsäure befeuchteter Glasstab zeigt Spuren von Ammoniak an, indem sich um denselben Nebel von
Salmiak bilden. Ammoniak ist sehr löslich in Wasser und Alkohol; 1 VolumenWasser absorbiert bei 0° 1148 Volumina
Ammoniak, wobei es sich erwärmt, an Volumen bedeutend zunimmt und spezifisch leichter wird. 1 g Wasser löst bei
Die Verarbeitung dieser Wässer beruht auf Destillation, wobei man Ätzkalk zusetzt, welcher die genannten
Ammoniakverbindungen zersetzt. Um aber Brennmaterial zu ersparen und konzentrierte Lösungen zu erhalten, sind die neuern
Destillierapparate meist nach dem Prinzip der in der Spiritusfabrikation
[* 9] gebräuchlichen Rektifikationsapparate eingerichtet,
wobei die Wasserdämpfe teilweise kondensiert werden und in den Kessel zurückfließen, während nur das stärkste Ammoniak, weil
am flüchtigsten, in den Kühlapparat gelangt. GrünebergsApparat
[* 8]
(Fig. 1 u. 2) besitzt einen stehenden
cylindrischen Kessel A, welcher von der Feuerstelle g aus durch Ringzüge geheizt wird und in seinem Innern ein vertikales
zentrales Rohra a besitzt, dessen unterer Teil unter den Boden von A und die Feuerzüge herabreicht und
mittels eines Siebbodens und eines Ablaßhahns r verschlossen ist.
Über dem Kessel A befindet sich ein Gefäß
[* 10] C, welches aus dem Reservoir G durch e mit Kalkmilch gespeist wird, und darüber
eine Rektifikationskolonne B von der bekannten, in den Spiritusbrennereien gebräuchlichen Art. Die Röhren
[* 11] F F gehen von
dem Deckel des Kessels A aus, treten in das Kalkmilchgefäß C ein und münden nahe über dessen Boden
mit vielen kleinen Löchern, so daß die in A erzeugten Dämpfe die Kalkmilch lebhaft aufrühren. Die Dämpfe gehen dann weiter
durch die einzelnen Kammern der Kolonne B, während oben durch L
Gaswasser zugeführt wird, welches nach
und nach durch die Kammern von B herabfließt.
Hierbei wird das Wasser durch die aufsteigenden Dämpfe allmählich erhitzt und mehr oder weniger seiner flüchtigen Bestandteile
beraubt, während die Dämpfe selbst teilweise kondensiert werden und sich mit dem herabfließenden Wasser mischen. Die nicht
kondensierten ammoniakreichen Dämpfe gehen mit den in B aus dem Ammoniakwasser frei gewordenen durch
das Rohr K ab. Von dem Boden der Kolonne B fließt das Ammoniakwasser, welches noch nichtflüchtige Ammoniakverbindungen enthält,
in das Gefäß C und wird hier durch die aus F einströmenden Dämpfe innig mit der Kalkmilch gemischt.
Dabei wird viel Ammoniak frei und entweicht durch B und K. Die noch immer ammoniakhaltige Flüssigkeit gelangt
nun durch das Überlaufrohr cb auf den Boden der innern Röhrea a, in der sich die Kalkrückstände absetzen, ohne daß das
Gefäß, da es nicht direkt vom Feuer getroffen wird, leidet. Die Flüssigkeit steigt in a in die Höhe, fließt
in den Außenkessel A und gelangt hier zum Sieden, wobei die Dämpfe durch F F nach C entweichen. Die ihres Ammoniaks völlig
beraubte Flüssigkeit fließt durch das Rohr h in das tiefe Gefäß J, dessen Inhalt als Wasserverschluß dient, und dann durch
N in einen Abzugskanal. Der Apparat arbeitet also vollkommen kontinuierlich.
ser gekühlt wird, um so kräftiger werden die Dämpfe entwässert, und um so ammoniakreicher wird die in D kondensierte Flüssigkeit.
SollSalmiakgeist dargestellt werden, so müssen die Dämpfe aus der Kolonne zur Zersetzung des kohlensauren Ammoniaks durch eine
Reihe von mit Kalkmilch gefüllten Waschgefäßen und schließlich in ein gekühltes Absorptionsgefäß
geleitet werden.
Von großer Wichtigkeit ist das Problem, den Stickstoff der atmosphärischen Luft in Ammoniak zu verwandeln. Leitet
man Wasserdampf und Luft bei 300° über ein inniges Gemisch von Baryt und Kohle, so entsteht Cyanbaryum, welches durch den
Wasserdampf in Ammoniak und kohlensauren Baryt zersetzt wird. Leitet man Luft über glühende Kohlen, so wird der Sauerstoff in Kohlenoxyd
verwandelt, und wenn man dann das Gemisch von Kohlenoxyd und Stickstoff auf glühendes Kalkhydrat einwirken
läßt, so entstehen Ammoniak und kohlensaurer Kalk.