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Jedes Land brüstet sich damit, eine spannende Geschichte zu haben. Wenn es ums Mittelalter geht, dürfte England aber ganz vorne mitspielen: Wikinger-Angriffe, kulturelle und sprachliche Durchmischung, Eroberungen und nicht zuletzt interne Querelen – von Königreichen, die sich bekriegen, bis zu Dynastien, die sich aufreiben. Das lieferte schon Shakespeare Stoffe im Überfluss.
Einer, der auch da einhakt, ist der englische Schriftsteller Bernard Cornwell, 76. Mehrere seiner historischen Romane entwickelten sich zu Bestsellern. Seiner aktuell elfteiligen «Uhtred-Saga» gelang gar der Sprung in die Populärkultur – dank der Serienadaption «The Last Kingdom».
Ursprünglich (2015) noch eine BBC-Produktion, wechselte die Serie zu Netflix, wo das Budget grösser wurde und man dank Gewalt und Intrigen auf eine Art «Game of Thrones» ohne Fantasy hoffte.
Angelsachsen gegen Wikinger
Im Zentrum der Geschichten steht Uhtred (gespielt vom Deutschen Alexander Dreymon), ein Adeliger aus Northumberland. Als Bub wurde er von jenen Wikingern entführt, die seinen Vater töteten und in England das Danelag errichteten: das Reich der Dänen.
Der ärgste Gegner der Invasoren ist das angelsächsische Reich Wessex unter König Alfred (David Dawson). Als Erwachsener schwankt Uhtreds Loyalität immer wieder zwischen diesen beiden Lagern. Und obwohl er und andere Figuren fiktiv sind: Das historische Setting ist es nicht. Staffel vier setzt nun einige Zeit nach Alfreds Tod im Jahr 899 ein und orientiert sich an Cornwells Romanen «Der Heidenfürst» und «Der leere Thron».
Uhtred sieht eine Chance gekommen, seinen Familiensitz Bebbanburg endlich aus den Händen seines verräterischen Onkels zu reissen und so seinen Kindern eine Zukunft zu ermöglichen. Alfreds Sohn, König Eduard (Timothy Innes), verweigert ihm aber die Unterstützung, da sein Thron wackelt und die Angelsachsen zerstritten sind – vor allem das Reich Merzien verfolgt oft eigene Pläne.
Als dessen Herrscher aber in einer Schlacht schwer verletzt wird und im Sterben liegt, beginnen die Machtspiele, um einen besseren Anführer für Merzien zu finden.
Machtgelüste und zerstörte Pläne lassen die Geschichte aufleben
Obwohl «The Last Kingdom» von Staffel 1 zu 4, von BBC zu Netflix, ein paar Wandlungen durchmachte, ist es im Kern noch immer gelebte Geschichte. Mit all ihren rohen Seiten, Machtgelüsten und zerstörten Plänen.
Auch die zehn neuen Folgen halten die historische Balance aus Arglist und Action, fallen nie in reines Schlachtgemetzel, um den Blutdurst der Fans von Mittelalterserien zu stillen. Vielmehr ziehen sie den Hauptteil ihrer Spannung aus dem raffiniert präsentierten Spiel um die Throne in England.
Zu dem von Netflix angepeilten «Game of Thrones» ohne Fantasy wird die Serie aber wohl nie, dazu ist ihr Fokus zu limitiert. Zumindest das Ende, wenn es dann mal kommt, sollte die Fans indes nicht so vergraulen wie jenes von «Game of Thrones», wo die Macher mangels Vorlage improvisieren mussten.
Denn auch wenn Bernard Cornwell noch fleissig an den Uhtred-Romanen schreibt (im September soll Band 12 erscheinen), ist eines immerhin in Stein gemeisselt: die Geschichte Englands.
«The Last Kingdom»; Historienserie in England; Netflix, 4. Staffel; ab 26. April