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Heute war sogar nach meinem Dafürhalten schlechtes Wetter. Da ich heute faulenzte verzichte ich auf einen Tagebucheintrages und stelle eine Geschichtslektion ein.
Durch zwei Hünengräber, die man 1845 und 1893 gefunden hat, weiss man, dass Helgoland schon in der Bronzezeit bewohnt war. Aber machen wir gleich einen Sprung in besser dokumentierte Zeiten…
Bis ins Mittelalter wurde aus dem roten Buntsandstein Kupfer abgebaut, ab dem Mittelalter wurde am Wittekliff vor der Düne Muschelkalk und Gips abgebaut. Das destabilisierte den weissen Felsen so weit, dass die Reste in einem Sturm 1711 zerbrachen. Als in der Neujahrsflut 1721 auch noch der Steinwall zwischen der Düne und der Hauptinsel brach, war die Trennung in zwei Teile endgültig. Die sandige Düne war schutzlos der Verwitterung ausgesetzt, schrumpfte stark und wäre wohl bald verschwunden gewesen.
1890 ging Helgoland durch den Vertrag von Sansibar von englischen in deutsche Hände über. Mit Kaiser Wilhelm kam auch der Tourismus nach Helgoland. Die Reisenden kamen wegen der Seebäder und setzten auf die Düne über um am flachen Sandstrand zu baden. Deshalb wurden zum ersten Mal Schutzdämme für die Düne gebaut und der Zerfall der Sandinsel gebremst. Ausserdem wurden auf der Hauptinsel erstmals Häuser auf dem Unterland bebaut, aber bei Sturmflut bekam man mehr als nur nasse Pantoffeln. Wohl ein Grund weshalb die Einheimischen bisher auf dem 50 Meter höher gelegenen Oberland gesiedelt hatten. Währenddessen lies Kaiser Wilhelm an der Südseite von Helgoland einen U-Boot-Hafen bauen und auf dem Oberland eine Kaserne einrichten. Helgoland sollte „das Gibraltar des Nordens“ werden. Um dieses „Gibraltar“ zu schützen wurde die Erosion der Sandsteinklippen an der Westseite von Helgoland mit dem Bau einer Mauer massiv verlangsamte. Glücklicherweise für Helgoland fand der erste Weltkrieg ausser Reichweite der hier stationierten Kanonen statt.
Für kurze Zeit wurde es wieder still um Helgoland. Aber die Nationalsozialisten träumten wieder von einer nördlichen Festung. Wieder wurde ein Bunker gebaut. Das Unterland wurde aufgeschüttet (Das meiste Unterland ist künstlich und stammt aus dieser Zeit), die Düne wurde so weit vergrössert, dass darauf ein Flugplatz gebaut werden konnte und zwischen Düne und Helgoland sollte ein riesiger Hafen entstehen. Zwar wurde nicht zu Ende gebaut, aber die Pläne hatten verheerende Folgen für Helgoland. Den zweiten Weltkrieg überstand die Insel zwar fast unbeschadet, aber am 18. April 1947 wurden 6700 Tonnen Sprengstoff von den englischen Besatzern in der militärische Bunkeranlage zur Explosion gebracht. Noch heute sind die Helgoländer der Meinung, dass diese stärkste nichtnukleare Sprengung der Menscheitsgeschichte nicht nur den Bunker, sondern gleich die ganze Insel ausradieren sollte. Im riesigen Krater, der in die Südseite des Oberlandes gerissen wurde, steht heute das Spital. Da Helgoland nicht im Meer versank, missbrauchte die englische Luftwaffe die Insel bis 1952 als Ziel für Bombenabwürfe. Dadurch wurde das Antlitz der Insel komplett verändert. Erst dann durften die Helgoländer wieder auf ihr geliebtes Land zurück. Die friedliche Rückeroberung ist übrigens eine Geschichte, die jedem Besucher hier im Museum gerne erzählt wird.
Nachdem sämtliche Blindgänger geräumt waren, wurde die Siedlung auf Helgoland neu aufgebaut und ist einmalig, denn es ist die einzige Ortschaft Deutschlands, die in den fünfziger Jahren komplett auf dem Reissbrett entworfen wurde.
Wie zu Kaiser Wilhelms Zeiten floriert heute der Tourismus wieder. Tagestouristen kommen wegen der mehrwertsteuerfreien Einkäufe, Sommergäste zum Baden, Ornithologen wegen des Vogelzuges und Fotografen wegen der Robbenbabies.
Quellen und Lesenswert:
Das alte Helgoland photografiert von Franz Schensky (ISBN 3-926151-16-1)
Sagen und Legenden von der Insel Helgoland (ISBN 978-3-88042-511-8)
S.M UC 71 – Das vergessene U-Boot vor Helgoland (ISBN 3-9805415-6-8)
Die Vogelwelt der Insel Helgoland (ISBN 978-3-00-035437-3)
Tagesaktualität:
Die Funny Girl fuhr heute entgegen aller Prognosen von Cuxhaven hierher. Ob sie Morgen zurück fährt? Ob sie Mittwochs wieder hier sein wird um uns am Donnerstag zurück nach Cuxhaven zu bringen?