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Aus Vorgärten lachen uns grimmige Kürbisgesichter entgegen, auf dem Markt und in Bauernhofläden gibt es die grössten Beeren der Welt in allen Variationen zu kaufen.
Herbstzeit ist Kürbiszeit und auf vielen Esstischen dampft öfters eine gelb-orange Suppe. Die Kürbiskerne landen zumeist im Müll oder auf dem Kompost. Das ist jammerschade, denn Kürbiskerne sind proteinreiche Snacks, die eine Vielfalt an wertvollen Inhaltsstoffen enthalten. Anstatt sie wegzuwerfen, sollte man sie rösten und als schmackhafte Beilage für Salate, Suppen oder Gemüsegerichte verwenden. Wer regelmässig Kürbiskerne knabbert, ist in der Regel gut versorgt mit Magnesium, Zink, Kupfer und Eisen: Schon 30 Gramm Kürbiskerne decken rund 15 Prozent des täglichen Zinkbedarfs, 20 Prozent des Eisenbedarfs sowie 30 Prozent des Kupfer- und Magnesiumbedarfs. Zudem enthalten die Kürbiskerne sekundäre Pflanzenstoffe, Phytoöstrogene, Beta-Carotin und ungesättigte Fettsäuren.
In der Naturheilkunde gehören die Kürbiskerne zum Behandlungskonzept einer Prostatavergrösserung. Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist etwa so gross wie eine Kastanie und umschliesst ringförmig die Harnröhre. Sie wandelt das männliche Geschlechtshormon Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) um, die biologisch aktivste Form von Testosteron. Es ist dieses Hormon, das vermutlich dafür verantwortlich ist, dass die Prostatadrüse im reiferen Alter wächst. Weil die Prostata die Harnröhre umschliesst, beeinträchtigt sie das Harnverhalten. Ist sie vergrössert, drückt die Prostata auf die Harnröhre und es dauert entsprechend länger, bis die Blase vollständig entleert ist. Gefährlich ist die Vergrösserung der Vorsteherdrüse nicht. Weil in einem fortgeschrittenen Stadium jedoch Harn in der Blase zurückbleibt, können sich darin Bakterien gut vermehren; folglich nimmt das Risiko für Harnwegsinfekte zu.
Im Kürbiskernöl und in den Kürbiskernen stecken sehr viele wertvolle Phytosterole, die sich günstig auf diese Problematik auswirken. Die Phytosterole hemmen die Aktivität eines Enzyms (5-alpha-Reduktase), das Testosteron in DHT umwandelt und entsprechend den DHT-Spiegel erhöht. Je höher der DHT-Wert ist, desto mehr vergrössert sich die Prostata (und auch die Haare fallen schneller aus). Wird die Umwandlung in DHT mithilfe von Kürbiskernöl oder Kürbiskernen gebremst, kann sich die Prostata erholen (oft wird auch der genetisch bedingte Haarausfall gestoppt). Kürbiskerne können daher einer gutartigen Prostatavergrösserung (BPH) vorbeugen und bestehende Beschwerden deutlich lindern.
Ab einem Alter von 45 Jahren sollten Kürbiskerne deshalb regelmässig gegessen werden. Das gilt übrigens nicht nur für die männliche Bevölkerung. Denn die Kerne sind auch eine äusserst wertvolle Proteinquelle, die sich als Fleischersatz und Nahrungsergänzung eignet, weil sie vom Körper sehr gut verwertet werden. Gerade im dritten Lebensabschnitt braucht der Körper vermehrt Eiweisse, damit sich die Muskeln nicht zu stark abbauen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass ältere Menschen neben Fleisch und Käse weitere Proteinquellen finden, um ihren Bedarf zu decken.
Manche Kürbissorten haben eher harte Kerne, andere weiche. Grundsätzlich kann man von jedem Esskürbis die Kerne weiterverwerten; diejenigen mit weicher Schale eignen sich zum Einstieg jedoch besser. Probieren Sie es aus: Wenn Sie also das nächste Mal einen Hokkaidokürbis rüsten, geben Sie die Kerne samt Fruchtfleischresten in eine Schüssel Wasser und entfernen von Hand das Fruchtfleisch. Nehmen Sie dann die so vorgereinigten Kerne aus dem Wasser, legen sie auf ein Küchentuch und rubbeln die Kerne mit dem Tuch trocken, bis der Rest des Fruchtfleisches weg ist. Jetzt mit Öl und Salz vermischen, auf ein Backofenblech legen und bei Ober- und Unterhitze etwa 20 Minuten rösten. Selbstverständlich sind Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt, wenn es um das Würzen der Kürbiskerne geht. Probieren Sie doch auch mal eine süsse Varianten mit Zucker und Zimt. Aber bitte nicht übertreiben: 100 Gramm Kürbiskerne haben einen Nährwert von rund 500 Kalorien und fast 50 Gramm Fett. Immerhin besteht dieses zur Hälfte aus ungesättigten Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel senken und die Abwehrreaktionen der Körperzellen stärken.
Gesunder Snack | Bei Reizdarm und Prostatavergrösserung sollte man öfters Kürbiskerne essen. Sie sind auch eine wertvolle Proteinquelle.
Kürbisse ziehen viele Pestizide aus dem Boden und speichern sie in den ölhaltigen Kernen. Beim Kauf von Kürbiskernen und Kürbiskernöl ist es deshalb besonders wichtig, auf biologische Qualität zu achten. Offenbar stammt das beste Kürbiskernöl aus der österreichischen Steiermark. Dort ist der Ölkürbis heimisch, dessen Öl in der Steiermark einen vergleichsweisen Stellenwert hat wie in Italien das Olivenöl. Das kräftig-nussige Aroma des Kürbiskernöls verfeinert Kürbissuppen und Salatsaucen, eignet sich zur Abrundung von Frischkäse oder auch einfach so zum Brot. Aufgrund des hohen Anteils von mehrfach ungesättigten Fettsäuren sollte man es nur kalt verwenden. Im Gegensatz zu anderen Herstellungsverfahren werden beim steirischen Kürbisöl die Kürbiskerne vor der Verarbeitung nicht geröstet, sondern kalt gepresst.
Nun wünsche ich viel Freude beim Ausprobieren neuer Kürbisrezepte. Der orange Riese und seine Verwandten können nämlich noch viel mehr, als in Gärten herumgeistern und als Suppe genossen werden.
Kürbis in der Heilkunde
Kürbisfleisch und -kerne enthalten unter anderem die Mineralstoffe Kalium, Zink, Eisen, Kalzium und Selen sowie die Vitamine B, C und E. Wirkstoffe wie Phytosterine und Salicylsäure wirken entzündungs- und wundhemmend sowie harntreibend und entwässernd. Die Kerne (und auch das Kürbiskernöl) wird vor allem gegen Blasenschwäche und Prostataleiden, aber auch bei Magen- und Darmerkrankungen sowie Herz- und Nierenleiden eingesetzt. Eine Kur mit Kürbiskernen muss mehrere Monate dauern; man isst dreimal täglich ein bis zwei gehäufte Esslöffel.
Das Fruchtfleisch ist reich an Carotinoiden, die der Körper in Vitamin A umbaut. Dieses sorgt für eine schöne Haut und bindet freie Radikale. Ausserdem enthält das Fruchtfleisch Kieselsäure, die für straffes Bindegewebe und feste Nägel sorgt. Krea
* Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Lu-Jong-Kurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.
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