Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03251.jsonl.gz/2342

Jahresrechnung
Gesundheitspolitische Lage
Der Bundesrat hat im August 2020 ein zweites Kostendämpfungspaket in die Vernehmlassung gegeben, welches mit der Zielvorgabe für das Kostenwachstum und der Einführung einer Erstberatung zwei Massnahmen umfasst, welche spürbare Auswirkungen auf die Patientenzufriedenheit und Qualität der medizinischen Versorgung hätten. Es handelt sich bei beiden Massnahmen um einschneidende Eingriffe in das bestehende Gesundheitswesen, welche die freie Arztwahl aufheben und das verfassungsrechtliche Versicherungsprinzip in Frage stellen. Beide politischen Eingriffe verdienen es, von der Stimmbevölkerung abschliessend beurteilt zu werden. Bereits im zweiten Teil des ersten Kostendämpfungspakets, welches sich bereits in der parlamentarischen Beratung befindet, ist eine Massnahme enthalten, welche ebenfalls im Konflikt zum Versicherungsprinzip stünde. Es handelt sich um die Massnahmen der Tarifpartner zur Steuerung der Kosten, eine Massnahme, welche auch degressive Tarife vorsehen würde.
Die neuen Zulassungsregeln für Leistungserbringer wurden vom Parlament am 19. Juni 2020 verabschiedet. Leistungserbringer müssen mindestens drei Jahre im beantragten Fachgebiet an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte gearbeitet haben. Sie weisen die in ihrer Tätigkeitsregion notwendige Sprachkompetenz mittels einer in der Schweiz abgelegten Sprachprüfung nach. Die Nachweispflicht entfällt unter anderem für Ärzte und Ärztinnen, welche über eine schweizerische gymnasiale Maturität, bei der die Amtssprache der Tätigkeitsregion Grundlagenfach war, verfügen. In der entsprechenden Verordnung bzw. im Bericht zu dieser Verordnung ist diese Ausnahmeregelung ausdrücklich aufgenommen worden.
Mitarbeitende
Per 31. Dezember 2020 betrug der Personalbestand einschliesslich Mitglieder des FMH-Zentralvorstandes und des SIWF-Präsidiums 122 Personen und hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 2 Personen erhöht. Bei der FMH waren 91 Personen und beim SIWF 31 Personen beschäftigt. Die Anzahl der Mitarbeitenden entsprach einem Vollzeitäquivalent von 97,9, wobei 71,6 der FMH und 26,3 dem SIWF zugeteilt waren. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich der Wert um 4,3 Vollzeitäquivalente. Hierzu ist zu beachten, dass die Erhöhung auch damit zu tun hat, dass gewisse Personen temporär oder befristet angestellt waren.
Das Durchschnittsalter (47 Jahre) sowie die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit (7 Jahre) haben sich nicht verändert.
Die Geschlechterverteilung innerhalb der FMH zeigt weiterhin eine Mehrheit der Frauen an mit 65 Prozent.
Durchführung Risikobeurteilung
Das Risikomanagement der FMH umfasst das Risikomanagement-System und den Risikomanagement-Prozess. Die Risiken der finanziellen Berichterstattung werden im Internen Kontrollsystem erfasst und durch jeweilige Kontrollen mitigiert.
Risikomanagement-System
Für die Umsetzung und Weiterentwicklung des Risikomanagement-Systems und -Prozesses ist der Leiter Finanzen und Verwaltung zuständig, welcher die systematische Erhebung bzw. Aktualisierung der Risiken und Massnahmen sowie die Anpassung von Grundsätzen und Instrumenten des Risikomanagements sicherstellt. Eine systematische Erhebung und Aktualisierung der Risiken erfolgt einmal pro Jahr.
Risikomanagement-Prozess
Die Risikoeigner haben die Risiken (politisch-strategische, operationelle und finanzielle Risiken) systematisch erhoben und anhand von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmass bewertet. Bestehende und geplante Massnahmen zur Bewältigung der entsprechenden Risiken wurden in die Bewertung einbezogen.
Berichterstattung der Top-Risiken
Der Zentralvorstand hat die Top-Risiken überprüft, bewertet, auf der Risikolandkarte verortet und die Massnahmen für deren Minderung beschlossen.
Internes Kontrollsystem
Es besteht ein Internes Kontrollsystem, welches die wirtschaftlich wesentlichen Prozesse mit Einfluss auf die Jahresrechnung beinhaltet. Auf Unternehmens-, Prozess- und ICT-Ebene bestehen Definitionen und Dokumentationen der relevanten Prozesse. Die Existenz des Internen Kontrollsystems wird durch die externe Revisionsstelle im Rahmen der ordentlichen Revision geprüft und bestätigt.
Mitglieder
Trotz Corona-bedingt schwierigen Aufnahmebedingungen verzeichnet die FMH per 31. Dezember mit 43’060 Mitgliedern und 1149 Neumitgliedern auch im Jahr 2020 ein erfreuliches Wachstum. Die Möglichkeit, über den Mitgliederzugang myFMH fachliche Qualifikationen, Sprachkenntnisse und Berufsadressen selber zu verwalten und auf dem Ärzteindex www.doctorfmh.ch zu publizieren sowie den HPC-Arztausweis online zu bestellen, wurde durch die Ärztinnen und Ärzte 2020 besonders rege genutzt.
Entwicklungstätigkeit
Moderne Infrastruktur für die Mitarbeitenden
Die Arbeiten zur Grundsanierung der Liegenschaft an der Elfenstrasse sind im vollen Gange. Der 45-jährige Geschäftssitz der FMH wird voraussichtlich per Ende des Jahres 2021 im neuen Glanz erstrahlen. Die Liegenschaft wird dem neuesten Stand der Technik angepasst und auf moderne, zukunftsfähige Arbeitsformen ausgerichtet. Die Baukommission trifft sich monatlich und steuert im Auftrag des Zentralvorstandes den Planungs- und Umsetzungsprozess unter fachlicher Leitung unseres Bautreuhänders. Die Mitarbeitenden werden laufend über das Projekt informiert und sind in den Prozess der Neugestaltung des Arbeitsraumes aktiv involviert. Die Umzugsplanungen zurück in unseren neu sanierten Geschäftssitz an der Elfenstrasse werden im Herbst gestartet.
Wie die Bausubstanz der FMH werden auch die ICT-Infrastruktur und das Mobiliar laufend aktualisiert und regelmässig erneuert, wobei gerade bei Letzterem eine vertiefte Überprüfung auch im Kontext der Zweckmässigkeit in den neuen Räumlichkeiten in diesem Jahr ansteht.
Aussergewöhnliche Ereignisse
Corona
Abgesehen von diversen politischen Entwicklungen und den FMH-Projekten war sicher Corona das Ereignis, welches die FMH als Organisation im Jahr 2020 am stärksten beschäftigt und zu den bestehenden Pflichten zusätzlich viele neue Aufgaben und Handlungsbedarf geschaffen hat. Als Berufsverband der Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz hat die FMH alles darangesetzt, mit den bestehenden Ressourcen ihre Mitglieder in dieser Pandemie möglichst gut und umfassend zu unterstützen. Seit Beginn der Pandemie im März 2020 hat der Zentralvorstand seine bislang monatlichen Sitzungen neu jede Woche durchgeführt. Die FMH stand in intensivem Kontakt mit Politik und Behörden und hat die Sichtweise, die Interessen und die Bedürfnisse der Ärzteschaft eingebracht. So hat sie sich beispielsweise frühzeitig für eine Regelung mit Überbrückungslösungen für KMU eingesetzt, um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten für Arztpraxen abzufedern. Sie hat sich an der Arbeitsvermittlungsplattform «Care Now» beteiligt, die eigens für die Situation und den Fachkräftemangel rund um COVID-19 ins Leben gerufen worden ist. Sie hat die Problematik des Mangels an Schutzmaterialien an die Behörden herangetragen und bei der Lösungsfindung mitgearbeitet. Im Bereich Tarifierung hat sich die FMH für eine Erweiterung der Limitationen bei telemedizinischen Leistungen eingesetzt. Sie hat auch Empfehlungen zu Telemedizin an ihre Mitglieder herausgegeben und ein kostenloses Tool für Videokonferenzen zur Verfügung gestellt. Weiter konnte die FMH ihren Mitgliedern ohne Zusatzkosten eine einfache Möglichkeit bieten, damit sie bei einer Meldung der Covid-App einen Covid-Code auslösen konnten.
Der FMH war es immer wichtig, ihre Mitglieder jeweils zeitnah über die neusten berufsrelevanten Entwicklungen im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 zu informieren. So hat die FMH unterstützt von Swissnoso ein Schutzkonzept erstellt, eine Corona-Webseite ins Leben gerufen und darauf laufend die aktuellsten wichtigsten Informationen aufgeschaltet. Die FMH hat unzählige Mitgliederanfragen beantwortet und die Antworten mittels eines auf der Webseite aufgeschalteten FAQ allen Mitgliedern zugänglich gemacht. Diese Dokumente wurden durch die verschiedenen Abteilungen der FMH nach jeder neuen Bestimmung seitens des Bundes wieder neu überarbeitet, aktualisiert und bei wichtigen Änderungen an alle Mitglieder versandt. Es war wirklich ein aussergewöhnliches, herausforderndes Jahr und viele Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz waren gefordert wie nie. Die FMH hofft, dass sie ihren Mitgliedern mit ihrer Arbeit in dieser schwierigen Zeit einen wichtigen und unterstützenden Beitrag leisten konnte.
Mit Yvonne Gilli erstmals eine Frau im Präsidium der FMH
Die Delegierten der Ärztekammer haben am 28./29. Oktober 2020 in einer virtuellen Sitzung die Gesamterneuerungswahlen aller FMH-Organe für die Legislatur von 2020–2024 durchgeführt. Nach acht Jahren an der Spitze der FMH verzichtete Jürg Schlup auf eine erneute Kandidatur. Die Delegierten der Ärztekammer wählten mit Yvonne Gilli die erste Frau an die Verbandsspitze.
TARDOC
Am 25. Juni 2020 haben curafutura und FMH gemeinsam dem Bundesrat eine Nachreichung zum Arzttarif TARDOC übergeben. Einerseits haben sich curafutura und FMH auf ein gemeinsames Konzept zur Umsetzung der kostenneutralen Einführung geeinigt. Weiter vereinigt der TARDOC mit CSS, Helsana, Sanitas, KPT und neu dem Beitritt von Swica nun die Mehrheit der Versicherten. Die Tarifpartner sind hocherfreut, dass der Weg nun frei ist für die Genehmigung einer neuen partnerschaftlich erarbeiteten, sachgerechten und den aktuellen Gegebenheiten angemessenen Tarifstruktur.
500 Tage nach der Einreichung des Genehmigungsantrages von TARDOC hat das Bundesamt für Gesundheit BAG am 20. November 2020 den beteiligten Tarifpartnern curafutura und FMH den lang erwarteten Prüfbericht zugestellt. Das BAG kommt im Prüfbericht zum Schluss, dass der TARDOC mit Anpassungen materiell genehmigungsfähig ist. Wichtig an dieser Stelle ist der Hinweis, dass der Bundesrat dazu noch keinen Entscheid gefällt hat und bisher lediglich die Beurteilung des BAG vorliegt. curafutura, MTK und FMH erachten die Chancen von TARDOC weiterhin als vollkommen intakt; nun fehlt noch die letzte Meile bis zur Genehmigung. Die FMH erwartet gemeinsam mit curafutura, dass der TARDOC per 1. Januar 2022 als Nachfolgetarif des TARMED in Kraft treten kann.
Der Tarif soll zukünftig unter dem Dach der ats-tms AG in regelmässigen Intervallen revidiert und überarbeitet und so immer aktuell gehalten werden.
Aussichten
Im Verlauf des Jahres 2021 wird dem Parlament die Botschaft zum zweiten Kostendämpfungspaket unterbreitet werden. Das zweite Kostendämpfungspaket wird die verfassungswidrige Zielvorgabe für das Kostenwachstum enthalten und möglicherweise auch die Pflicht zur Erstberatung und damit eine Massnahme, welche die freie Arztwahl in Frage stellt.
Die FMH wird beide Massnahmen bis zu einer möglichen Volksabstimmung bekämpfen.
Schweizerisches Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung SIWF
Für den Bereich Weiter- und Fortbildung verfügt die FMH mit dem SIWF über ein federführendes Organ, das seine Aufgaben selbstständig wahrnimmt und einzig über Gebühren finanziert wird. Die Weiterbildungsgänge des SIWF sind vom Eidgenössischen Departement des Innern EDI akkreditiert. Die letzte Akkreditierung hat nach dreijähriger Vorbereitung im Jahr 2018 stattgefunden und gilt bis 2025. Die Weiterbildung in der Schweiz wird von den beteiligten Experten im Vergleich zum internationalen Umfeld als sehr gut eingestuft. Das Risiko, das Mandat des Bundes zu verlieren, ist dementsprechend gering (bzw. erst wieder in sieben Jahren möglich). In sechs Fachgebieten hat das EDI Auflagen verfügt, welche das SIWF mit den betroffenen Fachgesellschaften bis Anfang 2020 erfüllt hat. Die diesbezüglichen Entscheide des EDI stehen noch aus.
Seit dem Lockdown im März 2020 gilt der Ausnahmezustand. Der flächendeckende Ausfall von Kursen, Kongressen und Prüfungen führte zu unzähligen Anfragen und Unsicherheiten über die Erteilung der Facharzttitel. Die Geschäftsleitung und der Vorstand mussten in allen 137 Fachgebieten Notstandregelungen erlassen, welche den unterschiedlichen Situationen Rechnung tragen und die sich bei allen Titelanwärtern rechtsgleich anwenden lassen. Die zusätzlichen Aufgaben führten zu grossen Pendenzenbergen und Rückständen in der Bearbeitung der Dossiers.
Alle grossen IT-Projekte des SIWF dienen dem Ziel, die Administration für die Dokumentation der Weiter- und Fortbildung, für die Titelerteilung und für die Anerkennung der Weiterbildungsstätten effizienter zu gestalten. Im Zentrum steht dabei das Projekt «e-Logbuch 2.0», das im «Corona-Jahr» nicht abgeschlossen werden konnte. Auch die geplante e-Plattform im Bereich Fortbildung liess sich im laufenden Jahr nicht weiterentwickeln.
Das SIWF verfügt insgesamt über ein Budget von rund 8 Millionen Franken und erhält keine Mitgliederbeiträge seitens der FMH. Das SIWF publiziert einen separaten Geschäftsbericht.