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Ar 88
Die gegenwärtige Corona-Epidemie zwingt auch das Schweizerische Sozialarchiv zu einer starken Einschränkung seiner Dienstleistungen:
Archivbestellungen sind im Moment nicht möglich.
Wir danken für Ihr Verständnis und hoffen, Ihnen bald wieder mit allen unseren Dienstleistungen zur Verfügung stehen zu können.
Ar 88
1962-2001
6.2 m
Der Schweizerische Studentenreisedienst, SSR-Reisen entstand aus dem Auslandamt des Verbands Schweizerischer Studentenschaften (VSS) und wurde 1962 als Genossenschaft gegründet. Die Gründungsmitglieder waren neben dem VSS die Studentenschaften der verschiedenen Schweizer Universitäten und Hochschulen, später wurden auch die Studentenschaften der Mittel-, der Technischen- und der Berufsschulen aufgenommen. Der Hauptzweck der Genossenschaft bestand vor allem darin, den Studentinnen und Studenten interessante und günstige Reisen und Aufenthalte im In- und Ausland zu vermitteln.
Die studentische Selbsthilfeorganisation entwickelte sich bis Mitte der 70er Jahre zu einem Unternehmen mit gegen 80 festangestellten Mitarbeitern und mehr als 30 Millionen Franken Jahresumsatz. Das Wachstum und die Professionalisierung brachten betriebliche Strukturprobleme, zwischen den studentischen Genossenschafter und dem Personal entstanden Konflikte über Geschäftspolitik und innerbetriebliche Mitbestimmung. 1978 wurde schliesslich das Genossenschaftstatus total revidiert und eine eigentliche Unternehmensverfassung geschaffen. Die Reorganisation umfasste die Aufnahme des Personals in die Genossenschaft und in der Folge die Einführung der Selbstverwaltung. Die Mitentscheidung des Personals erfolgte über die persönliche Mitgliedschaft in der Genossenschaft und über die Mitbestimmung am Arbeitsplatz.
Die Generalversammlung, bestehend aus Personal- und Verbandsgenossenschaftern bildete das oberste Organ der Genossenschaft, die Geschäftsführung oblag dem Verwaltungsrat, der sich aus Mitgliedern der Geschäftsleitung, des Personals und externer Vertreter konstituierte. Die kollektiv organisierte Geschäftsleitung übernahm vor allem operative Aufgaben. Der Aufsichtsrat hatte neben der Kontrolle der Rechnungsführung über die Einhaltung des Genossenschaftszweckes zu wachen. Im Personalausschuss wurden schliesslich die Interessen des Personals wahrgenommen.
Mit der Reorganisation des Unternehmens wurden sowohl das Zielpublikum wie auch das Angebot erweitert. SSR-Reisen begann eine breite Auswahl an Reise- und Freizeitangeboten anzubieten. Sportreisen, Pauschal- und Gruppenreisen, Sprachkurse, Workshops, Eurotrain sowie die SSR eigenen Hotels prägten das Angebot für ein allgemein jugendliches Publikum.
In den folgenden Jahren verzeichnete SSR-Reisen weiterhin ein Wachstum, Mitte der 90er Jahre erarbeiteten über 250 Mitarbeiter in 15 Filialen einen Umsatz von mehr als 120 Millionen Franken. Die schwierigeren wirtschaftlichen Verhältnisse in der zweiten Hälfte der 90er Jahre und die angespannte Eigenkapitalbasis von SSR-Reisen veranlassten die Genossenschaft, 1998 eine Kooperation mit STA Travel einzugehen. Zu diesem Zweck wurde die SSR Reisen AG gegründet, die die Aktiven und Passiven der Genossenschaft SSR-Reisen übernahm. Gleichzeitig wurden 60 % der Aktien der neuen SSR-Reisen AG an STA Travel verkauft, die nun zusammen mit der SSR-Reisen AG unter dem Namen SSR-Travel AG das Reisegeschäft weiterführte. An der ausserordentlichen Generalversammlung 2000 wurde schliesslich beschlossen, die 40 % Beteiligung der Genossenschaft an der SSR Travel AG zu verkaufen, das Genossenschaftsvermögen in eine gemeinnützige Stiftung einzubringen und die Genossenschaft in der Folge aufzulösen. Im Jahre 2003 wurde das ehemals grösste selbstverwaltete Unternehmen der Schweiz liquidiert.
Das Archiv der Genossenschaft Schweizerischer Studentenreisedienst gelangte am 27. März 2003 als Dauerleihgabe ins Schweizerische Sozialarchiv.
Der Aktenbestand umfasst vor allem schriftliche Unterlagen auf Papier und einen Bestand an audiovisuellen Medien wie Fotografien und Videos. Den Hauptbestand bilden die Protokolle und Dokumente der verschiedenen Organe der Genossenschaft, vor allem des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung, die praktisch lückenlos erhalten sind, sowie die Protokolle der GV und die Jahresberichte. Dazu kommen Protokolle und Berichte des Aufsichtsrates, verschiedener Ausschüsse, Kommissionen, Arbeitsgruppen, der Tochtergesellschaften. Zahlreiche Drucksachen wie die Hauszeitung, Länderinformationen und die Reisekataloge, sowie Werbeplakate. Gut dokumentiert sind die internen Diskussionen um die Selbstverwaltung und die Mitbestimmung, während die Unterlagen aus dem operativen Reisegeschäft weitgehend nicht erhalten sind.
Neuzugänge werden nicht erwartet.
Die Unterlagen der Genossenschaft SSR können im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen eingesehen werden. Die Urheberrechte liegen bei der Stiftung SST (Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus) mit Sitz in Basel.
Das Ordnen und Verzeichnen des Bestandes erfolgte am Hauptsitz an der Bäckerstrasse und wurde von Mathias Steinmann im Winter 2002/2003 ausgeführt.