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Heimat des ehemaligen Rittergeschlechtes
derer von Servion. Im 15. Jahrhundert wird hier eine dem h. Moritz geweihte und im Schatten einer durch ihre Grösse ausgezeichneten
Ulme stehende
Kapelle erwähnt.
Bis 1816 bildeten Servion und
Ferlens zusammen eine einzige Gemeinde. Im 12. Jahrhundert:
Salviacum;
Im Mittel 2300 m. Alpweide in einem unregelmässigen, welligen und von zahlreichen
Wildwassern, die alle dem dem Corbassièregletscher entspringenden Bach zufliessen, durchrauschten Thälchen
zwischen dem
Bec deSery und dem
N.-Grat des
Grand Layet.
Wird von Ende Juni bis zum 20. September mit 80 Kühen und mehr als 400 Schlafen
bezogen. 15
Hütten und ein Käsekeller.
Als anlässlich des Napoleonhandels, der 1838 zu einem
Bruch zwischen der
Schweiz und Frankreich führen
zu wollen schien, die Grenzkantone militärische Massregeln ergriffen, stellte Sesegnin zwei Soldaten und einen Korporal.
Dieses mehr als bescheidene Kontingent ist seither in Genf
sprichwörtlich geworden, indem man im vertraulichen Verkehr von einem
«renfort de Sesegnin» spricht, wenn man eine Hilfeleistung bezeichnen will,
die ohne jeden praktischen Wert ist. (Vergl. darüber Roumieux: Mémoires de mon glinglin.Genève 1901).
(Kt. Tessin,
Bez.
Lugano).
396 m. Gem. und Pfarrdorf, 5 km nw.
Ponte Tresa und 2 km nö. der Station Cremenaga der Linie
PonteTresa-Luino.
Postablage, Telephon; Postwagen
Lugano-Sessa. Zusammen mit
Beredino,
Bonzaglio,
Costa, Lanera und
Suino: 149
Häuser, 625 kathol.
Ew.; Dorf: 76
Häuser, 326 Ew. Ackerbau und Viehzucht, Weinbau; Zucht der Seidenraupe. Periodische Auswanderung der Männer
als
Maurer, Handlanger,
Maler, Gipser etc. in die übrigen Kantone. Knabensekundar- und Zeichenschule, Kleinkinderschule. Genossenschafts-Molkerei.
Das sehr alte Dorf steht auf einer kleinen Anhöhe n. über dem
Prati Vergani genannten schönen Wiesenplan,
auf dem man um die Mitte des 19. Jahrhunderts Torf gewonnen hat.
Alte Kirche mit schönen Stukkverzierungen. Heimat des Edelgeschlechtes
derer von Sessa, dem der 1391 gestorbene
Bischof Heinrich II. von Como angehörte. Die
Kapelle des h. Carpophorus steht auf
den Ruinen der ehemaligen, den
Herren von
Hohensax gehörenden Burg.
Unter dem felsigen Halbrund liegen der Schwarzwald und der tiefe grüne
Kessel des Girsch hinter
Tamins. Durch diesen letztern
sind in vorglazialer Zeit die Felssturzmassen aus den Nischen des Sessagit (Bruchrand derselben deutlich
sichtbar) und der
Foppa unterm
Kunkelspass heruntergeschlagen worden, die bei
Tamins und in der Hügellandschaft Ils
Aults im
Stromwinkel zwischen
Hinterrhein und dem vereinigten
Rhein sich ausbreiten und hier z. T. von Grundmoräne umrandet oder mit
erratischen Blöcken belegt erscheinen. Der Sessagit und
Kunkelspass gehören ganz der Oberjuraformation
an, welche auch das fast ausschliessliche Gestein der Sturzmassen bei
Tamins und
Reichenau lieferte. Ein mächtiges Trümmerstück
von Dogger in der Landschaft Ils
Aults scheint vom
Vogelstein herzustammen.
auf Schweizer Gebiet, oder direkt nach NO. zur Pforzheimerhütte des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins (2250 m)
im österreichischen Schlinigthal und von da in sö. Richtung hinunter nach Schleis, Laatsch und Glurns oder Mals.
Aufstieg
von Scarl bis zur Passhöhe etwa 3 Stunden und von da hinüber nach der Pforzheimerhütte eine weitere
Stunde.
(Paraits) (Kt. Graubünden,
Bez. Inn).
Etwa 3000 m. NO.-Grat des Piz Madlain in der Sesvennagruppe, die sich nö. vom Scarl- und Avignathal
ausbreitet. Im O. liegt das wilde Felsentobel des Val dell' Aua, das zwischen den Gletschern des Piz Lischanna und Piz Cornet
seinen Ursprung nimmt, sich nach S. wendet und auf der Alp Sesvenna zum Sesvennathal sich öffnet. Die 2 km langen, wilden
Gratwände der Paraits Sesvenna kehren ihren Steilabfall der Alp Sesvenna zu und weisen zwischen ihren Felsgesimsen einzelne
Grasbänder auf. Sie bestehen aus Hauptdolomit und ganz in der Höhe aus Steinsberg- oder Liaskalk und
dunkeln Liasschiefern.
Gipfel auf der Landesgrenze gegen Oesterreich, zwischen
dem Scarl- und dem österreichischen Avignathal;
w. vom Montpitschen oder Maipitsch (3162 m), sw. vom Tollerkopf (2892 m),
s. der Fuorcla Sesvenna und n. der Cruschetta (oder Scarljöchl).
Stark vergletscherter Bergstock, dessen
Gipfel entweder von Scarl her oder von der Pforzheimerhütte des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins (2250 m) im
Hintergrund des österreichischen Schlinigthales (in 3½ Stunden) erstiegen werden kann.
Der Aufstieg vom Alpendörfchen Scarl
aus durch die Alp Sesvenna und dann über Geröll und ein Schneefeld ist in 4 Stunden leicht zu bewerkstelligen.
Grossartige Fernsicht.
Seltene Alpenpflanzen, wie z. B. Primula glutinosa, die hier ganze Wiesen bildet.
Der Sesvennastock
besteht aus Granit und Granitgneis.
Jener überwiegt bei weitem, ist weisslichgrau gefärbt und enthält Feldspatkristalle
von bis zu 5 cm Länge. Im Gneis sind diese Kristalle infolge des Gebirgsdruckes zu grossen Linsen gequetscht
worden (Augengneis).
Die Gneisgesteine des Sesvennamassives erscheinen durch komplizierte Faltung und Ueberschiebung noch
als kleine Kappen auf den hintern Spitzen des Piz S. Jon und Piz Lischanna, wo sie in spärlichen Resten verkehrt auf den Kalksedimenten
ruhen.
(Val) (Kt. Graubünden,
Bez. Inn).
2800-1813 m. Oestl. Seitenthal des Scarlbaches; entspringt am Gletscher des Piz Sesvenna und wendet
sich zuerst nach W., dann nach SW., um bei Scarl (1813) ins Hauptthal auszumünden. Der w. verlaufende
obere Teil ist 3,5 km, der sw. gewendete untere Abschnitt 2,8 km lang. Das Gesamtgefälle beträgt 11,4%. In der Mitte verbreitert
und verflacht sich das Thal zur Schulser Alp Sesvenna (2093 m), zu welcher auch die Alp Marangun (2351 m) im obern, neuerdings
verbreiterten Thalkessel gehört.
Auf der Zwischenstrecke reichen von N. her die Hänge des mächtigen und wilden Felsenplateaus des Cornet,
der Vorstufe des 3033 m hohen Piz Cornet, herab, während im Hintergrund auf der N.-Seite des Thales der Piz Cristannes (3120
m) emporragt. Der Vordergrund zeigt noch auf beiden Seiten Waldbekleidung, die dann am rechtsseitigen Thalgehänge
bald ganz aufhört, während sie links bis unter die Alp Sesvenna heraufreicht. Die letzten kleinen Waldreste auf dieser
Seite und im Thälchen überhaupt sind bei Marangun zu treffen.
Auf der Alp Sesvenna mündet das an der W.-Seite des Piz Cornet entstehende und von N. kommende Val dell' Aua, durch
dessen felsige und schattige Furche man auf den obersten Rand des Lischannagletschers hinaufsteigen kann. Durch eine von
diesem Tobel nach O. abzweigende Furche gelangt man auf die Fuorcla Cornet (2849 m), während die Fuorcla Sesvenna von
Scarl
her in nö. und n. Richtung zur Schlinigeralp oder zur Pforzheimerhütte hinüberleitet. Das landschaftlich,
botanisch und geologisch hochinteressante Sesvennathal verläuft in Sesvennagranit und -gneis (Augengneis), die im obern
Teil und auf der linken Seite des Ausgangs zum Scarlbach verbreitet sind, während dazwischen Verrucano und alpiner Muschelkalk
über den Bach setzen.
Die höhern Gehänge am Cornet, Mot und Piz Madlain bestehen aus Triaskalken und -dolomiten (alpinem Muschelkalk,
Arlbergdolomit, Oberer Rauhwacke oder Raiblerschichten und Hauptdolomit), die zu oberst teilweise von Juraschichten überfaltet
und überschoben sind. Die Spitze des Piz Cornet endlich ist aus Gneis und grünem Quarzporphyr aufgebaut, die von O. herübergeschoben
erscheinen. Das Val Sesvenna sah einst Bergbau auf silberhaltigen Bleiglanz. Reste alter Gruben sind hinter
der Sesvennaalp s. vom Cornet erhalten, und das Grubenhaus ö. vom Wasserfall von Cornet wurde zuletzt noch bis um die Mitte
des 19. Jahrhunderts benutzt.