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Clemente (Bruno Odar) ist ein Pfandleiher und betreibt sein Geschäft von seiner Wohnung aus. Er lebt allein, hat ein sehr aufregungsarmes Leben, und die einzige Freude, die er zu haben scheint, ist der Besuch bei Prostituierten. Als er eines Tages von einem Schäferstündchen nach Hause kommt, ist seine Tür eingetreten, und eine Tasche mit einem Baby drin steht in seiner Wohnung. Clemente beschliesst, das Kind zu behalten, um es der leiblichen Mutter, einer Prostituierten namens Cajamarquina, zurückzugeben.
Als seine Bekannte Sofia (Gabriela Velásquez) das Babygeschrei vernimmt, engagiert Clemente sie sofort als Babysitterin. Sofia, die ebenfalls alleine wohnt, nimmt den Job an und wohnt deshalb beinahe die ganze Zeit bei Clemente. Sie beginnt seine Nähe zu suchen, er blockt sie aber immer wieder ab. Währenddessen versucht Clementes Freund Don Fico (Carlos Gassols), seine Frau aus dem Krankenhaus zu holen, um mit ihr wegzugehen. Das Geld für seinen Plan hat er bei Clemente deponiert. So kommt es, dass Clemente, Sofia, Don Fico und das Baby unter einem Dach leben. Fascht e Familie...
Als Mensch ist es nicht möglich, jede Entscheidung der anderer Leute nachzuvollziehen. Vor allem in der Welt des Filmes gibt es so viele verschiedene Ansichten, dass dies eine tolle Grundlage für Diskussionen sein, oder aber auch manchmal nur Kopfschütteln auslösen kann. Die Entscheidung, den peruanischen Film Octubre mit dem Preis für den besten Film in der Kategorie Un Certain Regard in Cannes auszuzeichnen, sorgt dabei wohl für letztere Reaktion. Es ist ein Film, den man nur schwer mögen kann.
Die Brüder Daniel und Diego Vega haben für ihr Werk einen sehr depressiven Rahmen gewählt. Der Film spielt in der düsteren Grossstadt, und der Held besucht mehr als oft verschiedene Prostituierte - die Hauptfigur Clemente ist also nicht gerade der grösste Sympathieträger. Mit dem Auftauchen des Babys hofft man auf ein wenig Sonnenschein in der tristen Umgebung - doch Fehlanzeige. Die Geschehnisse lassen einen weiterhin so kalt wie die Bilder, welche gezeigt werden.
Dem Film fehlt ein treibendes Element. Eine Story ist nicht erkennbar und die Dialoge sind langweilig. Obwohl 'Dialoge' hier das falsche Wort ist, denn dies würde ja bedeuten, dass die Figuren miteinander reden würden. Dies tun sie aber nicht, sondern werfen sich lediglich Wortfetzen an den Kopf, welche das Gegenüber nicht interessieren.
Zusätzlich bleiben am Ende noch viele Fragen offen: Wohin geht Don Fico? Wird Clemente die Mutter des Kindes finden? Wird er mit Sofia zusammenkommen? Doch diese Fragen interessieren den Zuschauer nach dem Abspann etwa wo brennend wie die Frage, warum sich der etwas rundliche Herr bei Minute 62 am Bauch kratzt.
Fazit: Octubre unternimmt viel, dass der Zuschauer den Film nicht mag. Die Hauptfigur und die Bilder haben die Wärme eines Kühlschranks, und Szenen, in denen oft nichts passiert, reihen sich aneinander. Das abrupte Ende erlöst den Zuschauer zwar bereits nach etwas mehr als 80 Minuten, aber diese Zeit hätte man trotzdem besser nutzen können.
Chris Schelb [crs]
Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.