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Ueli Steck ist tot. Der Berner Extrembergsteiger stürzte am Sonntagmorgen beim höchsten Berg der Welt, am Mount Everest, in den Tod. Der 40-Jährige befand sich auf einer Vorbereitungstour zur Akklimatisierung, als er abstürzte.
Stecks Sprecher bestätigte am Sonntagmittag den Tod des Bergsteigers. Die genauen Umstände des Unfalls seien derzeit noch unbekannt. Sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen, würden diese der Öffentlichkeit mitgeteilt.
Seine Familie sei unendlich traurig, hiess es weiter in der schriftlichen Erklärung. Sie bat zudem darum, auf Spekulationen um die Umstände des Todes zu verzichten und sie wolle derzeit auch keine weitere Auskünfte erteilten.
Steck sei allein unterwegs gewesen, als er zwischen Camp I und Camp II am Fusse des Everest 1000 Meter in die Tiefe gestürzt sei, sagte Mingma Sherpa von «The Seven Summits Trecks». Die Firma hatte die jüngste Expedition des 40-Jährigen mitorganisiert.
Steck sei um ungefähr 10 Uhr am Sonntagmorgen verunglückt, sagte Mingma Sherpa weiter. Seine Leiche sei im Laufe des heutigen Tages bereits in die Hauptstadt Kathmandu gebracht worden. Er und sein Team seien sehr traurig über den Verlust eines «ausgezeichneten Bergsteigers und sehr netten Menschen», sagte er.
Über den Tod Stecks berichtete zuerst die nepalesische Zeitung The Himalayan Times unter Berufung auf lokale Quellen. Demnach fand ein Team aus sechs Rettungskräften die Leiche des Schweizers. Ein Helikopter barg ihn. Andere Bergsteiger hätten Steck am frühen Morgen gegen 4.30 Uhr beim Aufstieg zum Mount Nuptse gesehen, einem Siebentausender in der Nähe des Everest.
Steck befand sich seit Anfang April zu einer neuen Extrem-Expedition beim Mount Everest. Er wollte den höchsten Berg der Welt (8848 Meter über Meer) besteigen und von dort so rasch wie möglich zum daneben gelegenen Lhotse (8511 Meter über Meer) weiter gehen. Die Tour wollte er ohne Sauerstoffflasche absolvieren. Eine Mission, die vor ihm noch niemand geschafft hat.
«Für einen Kletterer ist der Mount Everest unglaublich anziehend», sagte Steck in einem Video, das er am 11. April auf seinen Youtube-Kanal hochlud. «Wir wissen nicht, ob es möglich ist und genau das ist die Herausforderung, das Spannende daran.»
Nun soll Ueli Steck seine letzte Ruhe in Nepal finden. Nach Angaben von Stecks Sprecher ist es der Wunsch seiner Familie, dass der verstorbene Extrembergsteiger im Himalaya-Land beerdigt wird. In der Schweiz soll es später eine Gedenkfeier geben.
Ueli Steck habe Nepal geliebt und bei den Sherpa und deren Familien viele Freunde gehabt, sagte Stecks Sprecher Andreas Bantel der Nachrichtenagentur sda. Die Familie wünsche sich deshalb, dass Steck in Nepal beerdigt werde. «Ueli soll in Nepal bleiben.»
Stecks Angehörige reisen laut Bantel schnellstmöglich nach Nepal. Die Beerdigung wird schon in den nächsten Tagen stattfinden – wie es im buddhistisch geprägten Land üblich ist. Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch in der Schweiz des abgestürzten Bergsteigers gedacht werden.
Der Berner galt als einer der weltbesten Solokletterer. Vor wenigen Tagen schrieb Steck noch auf seiner Facebook-Seite, wie sehr es ihm am Mount Everest gefalle.
Vor genau einem Monat gab Steck dem Tagesanzeiger ein ausführliches Interview über die geplante Expedition. Auf die Frage, wann diese für ihn ein Erfolg sein werde, antwortete der Extremsportler: «Natürlich will ich auf Everest und Lhotse. Aber das ist ein sehr hohes Ziel. Scheitern heisst für mich: wenn ich sterbe und nicht heimkomme.»
Sportminister Guy Parmelin schrieb in einer Stellungnahme, leider sei Stecks Aussage nun «zur traurigen Prophezeiung» geworden. Der Bundesrat sprach den Angehörigen sein Beileid aus.
«Steck war einer der Besten, verschob Grenzen, und doch blieb er immer bescheiden», schrieb Parmelin und würdigte Stecks «Leistungen, seine Willenskraft und seine Haltung». Steck sei seine Aufgaben «mit höchstem Respekt und Sorgfalt» angegangen.
Auch Sportlerkolleginnen und -kollegen reagierten traurig. Die Nidwalder Bergführerin und Extremsportlerin Evelyne Binsack nannte Stecks Tod auf blick.ch «eine Katastrophe». Steck habe vermutlich «zwei Seelen in seiner Brust gehabt».
Eine Seite Stecks habe sich «total austesten» wollen. Die andere sei sehr empfindsam und weich gewesen. «Er hat sicher polarisiert. Aber wenn er etwas gemacht hat, dann hat er auch den ganzen Weg dorthin gemacht», sagte sie. «Er war nicht einer, der einfach nur geplappert hat.»
«Ueli hat immer im Grenzbereich gelebt. Aber warum musste er jetzt so sterben, wo er sich nicht in unmittelbarer Gefahr oder am Limit befand?», sagte Ski-Legende Bernhard Russi der sda. Er sei am Boden zerstört.
Nino Schurter, Olympiasieger von Rio de Janeiro und vierfacher Weltmeister im Mountainbike, würdigte Steck auf Twitter als einen der «inspirierendsten Sportler».
Über Twitter meldete sich auch Nicola Spirig zu Wort. Steck sei ein «extrem inspirierender Sportler und Mensch» gewesen, schrieb die Olympiasiegerin im Triathlon von London 2012.
(sda/viw)