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Flugbrunnen (Fluh-Brunnen) bei Bolligen BE: die Erdburg, die Luderfluh und der Felstorbogen
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Die Geographie
Flugbrunnen mit der Südseite des Stockerenbergs
Ausschnitt aus der Landeskarte 1:25'000 von 1944
N.B.: Die Höhenangaben sind gegenüber damals um 4 Meter niedriger anzusetzen. Beispiel: Flugbrunnen, Standort der Erdburg: 765 (statt 769).
Flugbrunnen ist ein Weiler westlich oberhalb von Bolligen (Kanton Bern). Der Ortsname hat nichts mit fliegen zu tun, sondern stellt eine Verballhornung von Fluh-Brunnen dar. Der Weiler liegt am steilen Südhang des Stockeren-Bergs und ist stellenweise felsig. Der Name ist einsichtig.
Die hier behandelten Objekte und Örtlichkeiten liegen auf und an dem steilen südwestlichen Ausläufer des Stockerenbergs, nördlich oberhalb des Weilers Flugbrunnen.
Die Erdburg
Die Erdburg oberhalb von Flugbrunnen: Ansicht von Nordosten.
Man erkennt im Vordergrund den linearen Graben mit einer Orientierung von ca. 330° NW und die ca. 3 m hohe Böschung des vorderen Plateaus.
Foto: Autor, 10.8.2013
Die Erdburg Flugbrunnen liegt auf dem schmalen südwestlichen Ausläufer des Stockerenbergs. Der Sporn ist zuerst durch einen vielleicht 12 m langen, geradlinig in nordwestlicher Richtung verlaufenden Halsgraben abgetrennt. Dahinter erhebt sich eine erste Böschung von ungefähr 3 m Sprunghöhe (siehe Foto). Nach etwa 20 m folgt der hintere Teil des Sporns, der gegen den vorderen Teil durch eine zweite Böschung von etwa 2 m Höhe unterschieden ist.
Der hintere Teil des Sporns verläuft gegen Süden zuerst mässig abfallend. Dort findet sich auch ein auffälliger Findling mit einer Nord-Süd-Marke (siehe Foto).
Ende der 1930er Jahre soll eine Berner Gymnasiums-Klasse auf der Erdburg Ausgrabungen veranstaltet haben. - Man war damals noch sehr unbekümmert bei vorgeschichtlichen Anlagen.
Die Beschreibung der Burgstelle Flugbrunnen in der alten und in der neuen Burgenkarte der Schweiz ist ungenau. In der alten Burgenkarte (Beschreibung der Objekte, 1, Wabern 1989, S. 28) steht: Kleines Erdwerk unbekannter Zeitstellung am Westende der Stockeren ob Flugbrunnen. Sichtbar: Burghügel von 18 m im Durchmesser, geschützt durch einen Wall und zwei Abschnittsgräben.
Nun, wie bei vielen Objekten haben sich die Redakteure des Verzeichnisses auf Beschreibungen Dritter verlassen, die Objekte selbst nicht besucht.
Der Findling im Süden von Punkt 765 der Erdburg Flugbrunnen
Foto: Autor, 29.5.2004
Koordinaten ungefähr: 603'203/202'810
Die mit einem Meter-Massstab angedeutete Kante hat eine genaue Nord-Süd-Orientierung. In Luftlinie 70 m südlich liegt der unten erwähnte Felstorbogen im Abhang.
Die Luderfluh
Die Luderfluh oberhalb von Flugbrunnen. Ansicht von Nordosten.
Foto: Autor, 10.8.2013
Der künstlich bearbeitete Sandstein-Zahn auf der Kuppe der Luderfluh
Foto: Autor, 17.6.2013
Die Luderfluh ist ein Felsband im Nordosten von Flugbrunnen, ein Teil der felsigen Südseite der Stockeren. Genau bezeichnet die Luderfluh ein auffälliger kegelförmiger Hügel von 788 m Höhe gegen den Felsabsturz (siehe Foto). Das schwach nach Süden geneigte Plateau von etwa fünf Metern Durchmesser hat auf der Südseite einen länglichen, künstlich zubehauenen Molasse-Felsen (siehe Abbildung).
Vom Aussehen des Kegels möchte man meinen, die Luderfluh sei ein Burghügel. Für diese Ansicht spricht die Nähe zu der südwestlich davon gelegenen Erdburg. Die Distanz zwischen den beiden Objekten beträgt etwa 150 m.
Bei der Luderfluh ist gegen NE eine grosse, rechteckige Senke zu bemerken, die auf der anderen Seite ebenfalls durch einen erhöhten Sporn eingefasst ist.
Man möchte meinen, diese rechteckige Senke sei künstlich ausgegraben worden und habe ebenfalls eine uns unbekannte Bedeutung gehabt.
In der Region sind die Felsaufbrüche oder Felsportale zu erwähnen. Die Senke der Luderfluh könnte etwas Ähnliches sein, nur viel grösser.
Der Felstorbogen
Der Felstorbogen oberhalb von Flugbrunnen. Ansicht von Westen.
Foto: Autor, 17.6.2013
Der Felstorbogen oberhalb von Flugbrunnen. Ansicht von Osten.
Foto: Autor, 17.6.2013
Am steilen und in der Mitte von Felsbändern durchzogenen Abhang zwischen dem hinteren Plateau der Erdburg, beziehungsweise dem erwähnten Findling, gegen Flugbrunnen hin findet sich ein nach Süden gerichteter schmaler Felsvorsprung, der einen kleinen Felstorbogen aufweist (siehe Foto).
Der Felstorbogen ist 1 m hoch und 1,5 m breit. Der ganze Felsvorsprung muss wie der Tordurchgang künstlich bearbeitet sein.
Auffällig ist der Torbogen in der Art und der rundlichen Bearbeitung. Er ähnelt stark dem bekannten Felstorbogen "Elefant" bei Geristein. - Und unterhalb am Waldrand verläuft der alte Weg zum Bantiger und nach Geristein. - Ein Zusammenhang ist zwingend anzunehmen.
Geristein war zuerst nicht eine Burg, sondern ein religiöser Pilgerort.
Luter-Ortsnamen in der Region
Auffällig ist die Häufung von Ortsnamen mit LUT(H)ER in der Region. Es gibt die hier erwähnte LUDER-Fluh. Dann liegt oberhalb von Bolligen das LUTER-Tal. Und bei Geristein heisst die Hochfläche LUTZEREN.
LUTER erklärt der Autor in seinem Buch Die Ortsnamen der Schweiz (2016)