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Ab 2005 werden Fahrzeuge in der Schweiz auch mit Agrar-Rückständen betrieben. Der neue Treibstoff "bEnzin5" ist ein Mix aus Bioethanol und Benzin.
Er wird innerhalb des Projekts "etha+" produziert. Da er weniger CO2 emittiert, soll er laut Bund gefördert und steuerlich entlastet werden.
"Was die Produktion von Biotreibstoffen betrifft", sagt Thomas Schmid, "befindet sich die Schweiz enorm im Rückstand". Der Spezialist des entsprechenden Dossiers beim Schweizer Bauernverband glaubt jedoch, ein gewisses Erwachen festzustellen.
Bioethanol wird aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen und erzeugt eine geringere Schadstoffbelastung als herkömmliche Treibstoffe. Mit dem vermehrten Einsatz von Bioethanol würden sich zudem neue Perspektiven für die Landwirtschaft eröffnen.
Rüben, Körner, Kartoffeln, Molke
Allein aus der Verwertung der heute im Land anfallenden Überschuss-Produktion bei Kartoffeln, Getreide, Zuckerrüben und Molke könnten 45 Mio. Liter Bioethanol hergestellt werden.
"Alcosuisse", das für den Ethanolhandel zuständige Profitcenter der Eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV), möchte in dieser Sache den 5. Gang einlegen: Bis 2008 soll eine Anlage stehen, die 45 Millionen Liter Bioethanol produziert, und 80 Mio. Franken kostet.
Als sauberer Treibstoffzusatz würde Bioethanol den Schadstoffausstoss beim Fahrzeug herabsetzen.
"Das Bioethanol ist ein ideales Produkt, weil es sofort in den Handel kommen kann", sagt Alcosuisse-Direktor Pierre Schaller gegenüber swissinfo. "Es braucht dazu weder eine Veränderung bei den Tanksäulen noch bei den Fahrzeugmotoren."
Bis 2010 nur noch bEnzin5-Mix?
Die Prozedur ist denkbar einfach: Dem Normalbenzin von 95 Oktan wird 5% Bioethanol zugefügt. Das derart gewonnene, "grüne" Benzin, das bEnzin5, hilft somit, den Konsum von fossiler Energie und den Ausstoss von Treibhausgasen einzuschränken.
Laut Schaller dürfte der Preis für dieses grüne Benzin höchstens einige Rappen mehr betragen als der Preis für das konventionelle.
Neu ist der Schweizer Mix
In zahlreichen Ländern ist "bEnzin5" bereits auf breiter Basis im Handel, zum Beispiel in Brasilien, den USA oder Schweden. Das Schweizer Projekt zeichnet sich jedoch durch die dafür vorgesehene Technologie aus, erklärt der Alcosuisse-Direktor: Bioethanol werde erstmals aus einer Biomasse hergestellt, die aus vielen Pflanzen stammt.
Pflanzen aus dem Überschussanbau: Kartoffeln, nicht verkäufliche Getreide, Zuckerrüben-Melasse, Müllerei-Abfälle und Molke.
Die Produktion von Bioethanol werde ausserdem von der EU unterstützt, sagt Rolf Hartl, Direktor der Erdöl-Vereinigung. Die EU möchte bis 2010 rund 5,75% des konventionellen Benzins durch alternative Treibstoffe ersetzen.
Laut Hartl seien flüssige Biotreibstoffe unter allen Alternativen die interessanteste.
Doch was riskieren die Automotoren, wenn man ihnen diese Biomasse einflösst? "Die Motoreningenieure und die Importeure erklären, dass ein Beimischen bis 5% Bioethnanol für die Motoren keine Belastung sein sollte", sagt Hartl.
Der Bund hilft mit Steuererleichterungen
Der Bund hat kürzlich beschlossen, das Pilotprojekt "etha+" zu fördern, indem Bioethanol steuerlich entlastet werden soll. Vor kurzem hat der Bundesrat ein entsprechendes Projekt in die Vernehmlassung geschickt. Dies im Umfeld des Verfahrens rund um das Mineralölsteuer-Gesetz, sagt Lukas Gutzwiller vom Bundesamt für Energie.
Auf diese Weise sollen "saubere" Treibstoffe mittels steuerlicher Anreize gefördert werden. Damit wird die CO2-Emission im Strassenverkehr reduziert.
Die Verpflichtung, die Ziele des Kyoto-Protokolls einzuhalten, kommt somit dem Projekt "etha+" zugute. Kyoto sieht vor, bis 2010 bei der CO2-Emission global eine Reduktion von 10% gegenüber dem Ausstoss von 1990 zu erreichen.
"Mit dem Hinzufügen von 5% Bioethanol ins konventionelle Benzin reduzieren wir den CO2-Ausstoss um 4,5%", sagt Schaller.
Wenn einst "bEnzin5" landesweit genutzt werde, habe dies eine Reduktion von 600'000 Tonnen CO2 als Folge. Dies entspreche bereits einem grossen Teil jener Reduktion, die Kyoto fordert, sagt Schaller.
Diesel aus Rapssamen
Bei den Landwirten ist die Biotreibstoff-Produktion schon lange üblich. Eine Genossenschaft im Kanton Waadt, die "Eco Energie Etoy", stellt seit acht Jahren biologischen Diesel aus Rapsöl her.
"Wir produzieren Diesel aus Rapssamen, weil dieser Biodiesel sehr nahe an den konventionellen Diesel herankommt", sagt Eric Herger, Direktor von Eco Energie Etoy. Die Genossenschaft stellt auf diese Weise jährlich 2,5 Mio. Liter Biodiesel her und verteilt ihn über acht Tankstationen im Kanton Bern.
"Doch die Nachfrage ist grösser als das Angebot", sagt Herger.
Diesel wird attraktiv
Von ständig steigenden Treibstoffpreisen herausgefordert, beginnt auch der Schweizer Normalverbraucher langsam, sein Verhalten zu ändern. Deshalb interessiert er sich immer mehr für Dieselmotoren, sagt Rudolf Blessing von der Vereinigung der Fahrzeugimporteure.
Laut Blessing sind 27% der in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres verkauften Fahrzeuge mit Dieselmotoren ausgerüstet.
swissinfo, Luigi Jorio
(Aus dem Italienischen von Alexander Künzle)
Fakten
Das Pilotprojekt "etha+" sieht für die Initialphase 900 Mio. Liter "bEnzin5" vor.
Der Ausstoss von Treibhausgas aus Schweizer Treibstoffen beträgt jährlich 16,7 Mio. Tonnen.
Für einen Liter Benzin braucht es 1,36 Liter Erdöl.
Ein Liter Ethanol braucht hingegen nur 0,33 Liter Rohstoff.
In Kürze
Ethanol wird meist in den Produzentenländern selbst verbraucht.
Nur 10% der Produktion wird exportiert.
Die Schweiz importiert zwei Drittel ihres Bedarfs vor allem aus Brasilien, aus Südafrika und aus den USA.
Bioethanol, Alkohol aus Agrarprodukten, kann mit Benzin vermischt werden.
Bis 5% Anteil ist möglich, ohne die gängigen Motoren abzuändern.