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Der gestern veröffentlichte OECD-Bericht zeigt wieder einmal die Limiten dieser Länderevaluationen. Kleine, englischsprachige Delegationen besuchen die Schweiz in kurzer Zeit, um ihre Analysen und politischen Handlungsempfehlungen vorzubereiten. Bei so viel Unkenntnis der Schweizer Politik ist es kein Wunder, dass vieles nur halb durchdacht ist oder durcheinandergebracht wird. Von einer schon fast rührenden Unkenntnis der Funktionsweise des Schweizer Politsystems zeugt der Vorschlag, die kantonalen Einkommensteuern für die tiefen Einkommen zu senken, und das mit einer höheren Mehrwertsteuer (Verfassungsänderung auf Bundesebene) zu kompensieren.
Ähnliches gilt für den Abschnitt zur Altersvorsorge, wo der Bericht die Frage der sinkenden Pensionskassenrenten und den damit verbundenen Problemen der Versicherten weitgehend ausgeklammert. Dafür wird die Rentenalterfrage mit der Forderung eines Rentenalters 67+ hochgekocht. Das Rentenalter müsse wegen der höheren Lebenserwartung steigen. Sonst würde die Zeit im Rentenalter – ab 64/65 bis zum Tod - immer weiter steigen. Die Realität in der Schweizer Wirtschaft weist jedoch darauf hin, dass genau das von den Arbeitgebern angestrebt wird.
In der Geschichte des Kapitalismus hat die höhere Produktivität zu kürzeren Arbeitszeiten geführt. Von 1950 bis ungefähr 1990 sanken die Normalarbeitszeiten der Berufstätigen alle 10 Jahre um 1 bis 2 Stunden pro Woche. In jüngerer Zeit ist diese Entwicklung abgebrochen. Die Normalarbeitszeiten sinken kaum mehr. Dafür steigt die Zeit, welche die ehemaligen Berufstätigen in Rente verbringen. Bei den Jahrgängen 1955 und 1960, welche in den nächsten Jahren in Rente gehen entspricht diese Rentenverlängerung ungefähr den Arbeitszeitverkürzungen früherer Generationen. D.h. dass die Firmen nicht mehr die Arbeitszeiten der aktiven Generationen verkürzen. Weil sie Jüngere in Betrieben und aus diesen möglichst viel herausholen wollen. Dafür gibt es mehr „Freizeit“ für die Älteren im Rentenalter. So ist es alles andere als überraschend, dass ältere Arbeitslose grosse Probleme haben, wieder eine Stelle zu finden. Sie sind heutzutage weniger gefragt als Junge. Das war in der Schweizer Geschichte auch schon anders.
Viele Firmen wollen kein Rentenalter 67. Weil sie die älteren MitarbeiterInnen, die sie nicht mehr wollen, mit 64/65 in Rente schicken können. Ohne jemanden entlassen zu müssen.