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Vegetation
Entwicklung der Vegetation
Über die Pflanzenwelt vor dem Kraftwerksbau ist wenig bekannt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war der untere Aarelauf eine dynamische Auenlandschaft. Durch den Aufstau der Aare wurde 1935 eine aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes sehr wertvolle Flusslandschaft mit verschiedenen Auen-, Sumpf- und Kiesbankvegetationen unter Wasser gesetzt. Viele Wasser- und Sumpfpflanzenarten, welche in Auengebieten vorkommen, sind heute verschwunden oder stark gefährdet.
Klappertopf, Rhinanthus spec. (Foto: Max Ruckstuhl)
Die Aare blieb seither nicht untätig. 2-3 Mio Kubikmeter Geschiebe in Form von Sand und Schlick lagerte sie hier ab. Neue Schlickflächen entstanden. Hauptsächlich im linken Staugebiet setzte ein Verlandungsprozess ein. Diese als Sukzession bezeichnete Vegetationsentwicklung steuert über Jahrzehnte auf eine Auenlandschaft hin.
Zwischen Döttingen, im südwestlichen Teil des Klingnauer Stausees und dem Inselgebiet bis hinunter nach Gippingen kann diese Entwicklung sehr schön erlebt werden. Die letzte umfassende Vegetationsaufnahme stammt aus dem Jahre 1985. Die Autorin Karin Marti unterschied damals fünf verschiedene Vegetationstypen, welche in unterschiedlicher Ausdehnung auch heute gefunden werden können. Lachavanne und Perfetta untersuchten 1986 die Unterwasservegetation. Insgesamt wurden über 150 Pflanzenarten nachgewiesen, 36 davon stehen auf der Roten Liste.
Unterwasservegetation
Wasserpflanzen nehmen eine Sonderstellung im Uferbereich von Seen ein. Sie bauen grosse Mengen organischer Stoffe auf und spielen eine grosse Rolle bei der räumlichen Strukturierung der Ufer. Im Klingnauer Stausee wurden u.a. 3 verschiedene Laichkrautarten (Potamogeton pectinatus, P. perfilatus und P. pusillus), aber auch seltene Arten wie der Gemeine Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica), die Schwanenblume (Butomus umbellatus), der Wasserschierling (Cicuta virosa), Grosses Süssgras (Glyceria maxima), Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) oder der Sumpfteichfaden (Zannichellia palustris) nachgewiesen.
Schlickflächenvegetation
Fieberklee, Menyantes trifoliata (Foto: Max Ruckstuhl)
Sobald die Auflandung durch Sand und andere Schwebeteilchen genügend hoch ist, können erste Pionierpflanzen gedeihen. Wasserpfeffer Knöterich (Polygonum hydropiper), Nickender Zweizahn (Bidens cernua), Blutweiderich (Lythrum salicaria) oder Blaugrüne Segge (Juncus inflexus) gehören zu diesen Erstbesiedlern. Aber auch Wasserminze (Mentha aquatica), Teichkresse (Roripa amphibia) und der teppichbildende Bachbungen-Ehrenpreis (Veronica beccabunga) breiten sich rund um die Inselchen rasch aus.
Schilfröhricht
In der weiteren Entwicklungsstufe treten Röhrichtgesellschaften auf. Auffällige Arten wie Schilf (Phragmites communis) oder Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia) zählen zu diesem Vegetationstyp. An Orten mit stärkerer Wasserströmung tritt das Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea) auf. Diese Pflanzenarten spielen beim Verlandungsprozess eine wichtige Rolle, da sie den Boden mit ihren Wurzeln festigen.
Grossseggenried
Als nächste Stufe im Verlandungsprozess von stehenden Gewässern folgt der Röhrichtgesellschaft das Grossseggenried. Zu den Charakterarten gehören die Zierliche Segg (Carex gracilis) oder die Scharfkantige Segge (Carex acutiformis). Da im Klingnauer Stausee jedoch stets eine gewisse Strömung herrscht, ist diese Pflanzengesellschaft nur kleinflächig vorhanden.
Hochstaudenflur
Spierstaude, Filipendula ulmaria (Foto: Max Ruckstuhl)
Mit zunehmender Verlandung trocknet der Boden langsam ab. An nährstoffreichen Standorten entwickelt sich eine Hochstaudenflur. Spierstaude (Filipendula ulmaria) und Späte Goldrute (Solidago serotina) bestimmen das Vegetationsbild. Leider gedeihen an solchen Standortenorten auch unliebsame Neophyten wie die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) und in zunehmendem Masse auch der Japanische Knöterich (Reynutria japonica).
Silberweiden-Auenwald
Auenwald bei Hochwasser 1999 (Foto: Max Ruckstuhl)
Nimmt die Verlandung weiter zu, gedeihen vermehrt Gehölze. Verschiedene Weidenarten charakterisieren diesen als Weichholzaue bezeichneten Wald. Unter natürlichen Bedingungen wird er periodisch überschwemmt. Wie der Name sagt, gehört die Silberweide (Salix alba) zur bestandesbildenden Gehölzart. Weitere Weidenarten wie Purpurweide (Salix purpurea), Mandelweide (Salix triandra) oder die Korbweide (Salix viminalis) können hier angetroffen werden.
Je nach Wasserstand wird sich diese Weichholzaue in eine Hartholzaue entwickeln, dann würden Eschen (Fraxinus excelsior) vermehrt gedeihen.