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Anna Reinhart, Zwinglis Frau
Von Anna Reinhard gibt es kein Bild, aber von Zwinglis Tochter Regula und Enkelin Anna. Es ist eine der berührendsten Frauendarstellungen aus der Reformationszeit. Unwillkürlich denkt man an Regulas Mutter, Anna Reinhart, Zwinglis Frau (um 1484–1538).
Geborene Wirtstochter
Viel weiss man von ihr nicht, und es gibt kein Porträt. Die Tochter und die Enkelin sahen ihr wohl ähnlich. Geboren als Wirtstochter an der Zürcher Schifflände erlebte sie, dass der vornehme Junker Hans Meyer von Knonau sich in sie verliebte. Gegen den Willen seines Vaters, einem der mächtigsten Politiker der Stadt, heiratete er die schöne Anna und wurde deshalb enterbt. Sie hatten drei Kinder. Hans starb 1517 und liess Anna in bedrängten Umständen zurück.
Anna pflegte Zwingli
Sie wohnte unmittelbar neben dem Haus des Leutpriesters am Grossmünster, wo Zwingli Ende 1518 einzog. Als er im September 1519 an der Pest erkrankte, pflegte sie ihn. Ab 1522 lebten sie in geheimer Ehe zusammen. 1524 fand die kirchliche Trauung statt. Anna war sichtbar schwanger und gebar wenig später Regula. Drei weitere Kinder folgten: Wilhelm, Huldrych und Anna.
Zwingli als guter Vater
Zwingli war sowohl den Kindern Annas aus erster Ehe als auch seinen eigenen ein zärtlicher Vater. Wenn sie am Abend nicht einschlafen konnten, musizierte er mit ihnen. Ein enges Verhältnis hatte er mit seinem Stiefsohn Gerold, der ein recht wilder Junge war (einmal kam er wegen eines Streichs sogar ins Gefängnis) und dem er die Schrift «Wie Jugendliche aus gutem Haus zu erziehen sind» widmete. Zwingli, so das Vorwort, wünsche dem jungen Mann «Gnade und Friede von Gott». Als Zwingli eine Komödie des griechischen Dichters Aristophanes in der Ursprache aufführen liess, übernahm Gerold die Hauptrolle.
Brief blieb erhalten
Als Zwingli am 11. Oktober 1531 in Kappel starb, fielen auch Gerold sowie weitere Verwandte Annas. Das lenkt zum Nachdenken über sie selbst zurück: Sie hatte ein bewegtes Leben, sie unterstützte ihren Mann, kümmerte sich um ihre sieben Kinder, um zahlreiche Gäste und war Seelsorgerin. Nach dem Tod Zwinglis nahm sein Nachfolger, Heinrich Bullinger, sie in seinen Haushalt auf, wo sie relativ früh starb. Erhalten blieb ein Brief, den Zwingli 1528 von der Berner Disputation an seine Frau adressierte:
«Gnade und Friede von Gott»
«Liebste Hausfrau, ich sage Gott Dank, dass er dir eine fröhliche Geburt verliehen hat [am 6. Januar war der Sohn Huldrych geboren worden]. Er möge uns verleihen, ihn nach seinem Willen erziehen zu können. Schicke meiner Gastgeberin [hier in Bern] ein oder zwei feine Tücher, in der Art, wie du sie selbst zu tragen pflegst. Sie kleidet sich, wie es sich geziemt, aber nicht nach Beginenart [d. h. nicht ärmlich], ist eine Frau von vierzig Jahren [...]. Sie kümmert sich überaus gut um uns. Sei damit Gott befohlen! Grüsse mir NN [die Frau, die Anna bei der Geburt beigestanden hatte], [...] und wer dir lieb ist. Bete zu Gott für mich und uns alle.
Gegeben in Bern am 11. Januar. Grüss mir auch alle deine Kinder; besonders Margaretha [die älteste Stieftochter Zwinglis]. Sprich in meinem Namen Trost zu. Huldrych Zwingli, dein Hauswirt. Schicke mir, sobald du kannst, den Arbeitsrock. Der frommen
Anna Reinhart in Zürich, seiner lieben Hausfrau.»
Text: Marianne Jehle-Wildberger, St.Gallen | Bild: Zentralbibliothek Zürich – Kirchenbote SG, Januar 2018