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Die Kirchen- und Baugeschichte
Während des ganzen 19. Jahrhunderts fehlte es nicht am Willen, die alte Kirche zu ersetzen, doch die Gemeinde musste ihr Vermögen anderweitig verwenden und vorwiegend in die Hochwasserschutzdämme gegen die Aare stecken. Weil die alte Kirche für die anwachsende Bevölkerung aber zunehmend zu eng und zu klein wurde, beschloss die Kirchgemeinde am 21. Februar 1892 mit 86 zu 84 Stimmen einen Neubau – im Vergleich zur Abstimmung Ende des 18. Jahrhunderts mit einer geradezu vernachlässigbaren Mehrheit. Die ersten Pläne wurden zwar wieder verworfen, doch der seinerzeit eingerichtete Baufonds wuchs allmählich an, so dass 1909 beschlossen wurde, die Neubaufrage bei einem Stand von 50'000 Franken zu konkretisieren. 1917 war die Sammlung soweit, und der Basler Architekt Ernst Benedikt Vischer beriet die Kirchgemeinde mit Vorschlägen eines Neubaus bei gleichzeitiger Erhaltung der alten Kirche, die, wie bereits die Streitigkeiten um 1892 offenbart hatten, vielen Bürgern am Herzen lag. Der Einbezug alter Bauten – das Pfarrhaus von 1681 nicht zu vergessen! – war auch in den reformerischen Architektenkreisen der 1910er-Jahre eine überaus anerkannte Strategie: Vischers Plan, lediglich den alten Glockenturm abzubrechen, an dessen Stelle einen offenen Verbindungsbau zu errichten und im rechten Winkel dazu die neue, grössere Kirche mit seitlichem Käsbissenturm anzubauen, hätte entsprechend eine reizvolle Baugruppe geschaffen. Doch in der politischen Gemeindebreitete sich inzwischen eine befremdliche Gruppendynamik aus, die sich gegen die Erhaltung der alten Kirche wandte.
Die äusserst seltsam geführte Abstimmung liess der Kirchgemeinde am Ende nur die Wahl zwischen einem Neubau bei gleichzeitigem Abbruch der alten Kirche einerseits und vollständigem Verzicht auf jegliches Bauvorhaben andererseits. So sprach man sich, weil der Wunsch eines grösseren Baus an sich nachvollziehbar war, mit einem Mehr von 36 Stimmen für den Neubau inklusive Abbruch aus. Dieser Beschluss allerdings mobilisierte umgehend zahlreiche kampfbereite Gegner, die auch im damals noch jungen (1907 gegründeten) Heimatschutz Gehör fanden. Doch auch die Allianz derjenigen, die den Abbruch verfochten, fand in der Gemeindekanzlei Rupperswils ein kräftiges und cholerisch agierendes Kollektiv, das unter anderem befürchtete, das alte und unbrauchbare Kirchlein würde in Zukunft unnötig Gelder verschlingen. Weil sich die eingeschaltete Kantonsregierung trotz moralischem Einstehen für die Erhaltung damals auch nicht imstande sah, das alte Kirchlein zu unterhalten, überliess sie die Sache der Gemeinde, die 1922 mit 141 zu 86 Stimmen den Abbruch endgültig besiegelte. Eine Verfügung des Kantons konnte nur gerade noch den Aufschub des Abbruchs bis zur Fertigstellung der neuen Kirche durchsetzen, damit die Gottesdienste nicht in der Turnhalle gefeiert werden mussten.
Besonders betroffen reagierte der damals amtierende Pfarrer Vischer, der sich noch gegen diesen Entscheid gewehrt hatte, und er beklagte sich über den zugenommenen «Gewaltgeist» und die Unmöglichkeit, überhaupt auf sachlicher Ebene Aussprachen zu führen. Das nicht nur bedauernswerte, sondern schlicht absurde und falsche, ja boshafte Gebaren des Gemeindesouveräns entlarvt Willy Pfister in der Rupperswiler Ortsgeschichte (S. 54) ausführlich, und Auszüge davon sind auch in unserer Rubrik Geschichten und Legenden nachzulesen.
1921–22 wurde südwestlich des alten Gotteshauses die neue Kirche nach Plänen von Ernst Benedikt und Paul Vischer aus Basel erbaut. Gleichzeitig wurde der alte Kirchenbau bis ins Detail sorgfältig dokumentiert, so dass wir recht gut über die verlorene Ausstattung informiert sind: Die Architekten fertigten Planaufnahmen des Altbaus und im Speziellen der spätgotischen Holzdecke mit ihren Friesen an,ausserdem erstellten sie ein Inventar der Wandfresken und ihrer Darstellungen.
Die Abbruchsarbeiten an der alten Kirche wurden noch 1977 von einem der beiden daran beteiligten Rupperswilern geschildert. Fensterscheiben, Taufstein und Grabplatten blieben bekanntlich bis heute erhalten, doch die Decke, die Kanzel, Türen, Stühle und die Täferwand im Chor wurden vernichtet. Sitzbänke wurden als Brennholz zur Verfügung gestellt und die Dachziegel haufenweise verkauft. Die Kirchmauern wurden anschliessend teilweise durch Sprengung geschlissen, wobei einige Steinbrocken auf ein benachbartes Wohnhaus einschlugen, dessen Dach schliesslich mit Ziegeln der alten Kirche repariert wurde.
Kurze Zeit standen, wie alte Fotografien noch zeigen, der Alt- und Neubau einträchtig nebeneinander, heute dominiert die neue Kirche das Dorfbild und ist auch von der Eisenbahnlinie Olten-Zürich sehr präsent sichtbar.
Renovationen
Die erste grössere Renovation war erst 50 Jahre nach Erbauung der Kirche notwendig geworden: 1971 erhielt die Kirche teilweise einen neuen Verputz und einen frischen Fassadenanstrich. Im Inneren wurde die Holzdecke abgesenkt und der Boden mit Tonplatten ausgelegt. Auch die Bestuhlung wurde ersetzt, und ein Seiteneingang sollte die Kirche unmittelbarer mit dem neu erbauten Kirchgemeindehaus verbinden.
2002 wurde eine weitere, bewahrende Aussenrenovation durchgeführt, wobei die auffälligste Veränderung die Zifferblätter am Turm betraf: Nach einer zwischenzeitlichen Ausführung in Rot kontrastieren diese nun wieder in Blau und Schwarz zum hellen Verputz.