Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03494.jsonl.gz/1086

Götter sind geistige Güter, die man auch Tugenden nennt. Die kann man sich besser vorstellen, wenn man sie personifiziert und mit bestimmten Eigenschaften ausstattet.
Die höchste der Tugenden ist die Güte oder das Wohlwollen Anderen gegenüber. Das kann man von Demjenigen erfahren, der es Einem gewährt – entweder aus Pflichtbewusstsein oder aus Zuneigung.
Die seelisch-soziale Haltung des Zugeneigtseins entsteht, wenn man Jemanden liebt, während die des Abgeneigtseins auf Hass beruht, welche beide auf affektiven Bewertungen beruhen, die man nicht willentlich beeinflussen kann.
Das Wohlwollen aus Pflichtbewusstsein hingegen kann man auch Denen gegenüber praktizieren, die man nicht hasst oder liebt. Deshalb lautet die erste Pflicht nicht nur bei den Christen, sondern auch in anderen Wertegemeinschaften: „Sorge wenigstens auch für deinen Nächsten mit, statt nur für dich selbst“.
Dass man sich dabei natürlicherweise lieber um Denjenigen kümmert, den man liebt, weil er Einem liebeswert erscheint (zB weil er Einem selber auch schon mal geholfen hat), statt um Jemanden, der Einem gleichgültig ist, macht die Nächstenfürsorge umso angenehmer.
Hier wird nicht nur die geistige Tugend des Wohlwollens in den Mittelpunkt des sozialen Mittelpunkt gestellt, sondern auch die Art, wie man sie zum Ausdruck bringen soll, indem man das, was man besitzt, mit dem Bedürftigen teilt.
Diese soziale Einstellung kann man zur Pflicht machen, indem man sie nicht nur Demjenigen gebietet, der seinen Nächsten sowieso liebt, und sich ihm daher auch zuneigt in der Erwartung, damit bereits selber liebenswert für ihn zu sein, sodass der ihn auch mit dem Nötigsten versorgt, sofern er ihn mal braucht, sondern man kann darüber hinaus verlangen, dass er diese Einstellung auch mit Taten zum Ausdruck bringt, um für den Anderen tatsächlich als liebenswert zu gelten.
Wenn Einem nun diese (fälschl. als Liebe bezeichnete) Zuwendung mit gleichzeitiger positiver Beachtung zuteil wird, geht dies natürlich auch mit einem fühlbaren Wohlbefinden einher, sodass man, wenn man das Motiv der Zuwendung nicht versteht, sich geliebt wähnt, weil man scheinbar liebenswert ist, und nicht nur pflichtgemäß versorgt, während man seinem Gönner in Wirklichkeit als Person völlig egal ist.
Das „Handeln im Geiste des personifizierten Guten (Gottes), zu welchem Jemand sich verpflichten hat lassen, um nicht vom Gesetzgeber dafür bestraft zu werden, wenn ers nicht tut“, ist für den Begünstigten von dem „Handeln aus persönlichen Gründen der Zuneigung gegenüber Demjenigen, den man liebt, weil er Einen beschenkt hat, und dem man dafür danken will“ nicht zu unterscheiden, denn beides geht mit einem körperlich spürbaren Gefühl der Lust einher, welches den Beschenkten in eine schönen Stimmung der Freude versetzt.
Die Weisheit, die man der Botschaft des jungen Jesus an die Priester zuschrieb, lag in dem pädagogischen Wert, denn statt auf fühlbar unangenhme Weise Moral gepredigt zu bekommen mit dem Ziel, dass man es begreift, warum man sich Anderen gegenüber sozial verhalten sollte, ist die Inaussichtstellung einer Belohnung, welche mit einer fühlbaren Lust Desjenigen einhergeht, der blind gehorcht, für den zu Belehrenden natürlich immer fühlbar angenehmer, selbst wenn er überhaupt nicht geistg begreift, warum er das tun sollte.
Deswegen wurde auch der Gattungsbegriff GOTT als geistiges Gut mit der höchsten, personifizierten geistigen Tugend des WOHLWOLLENS (oder der GÜTE) gleichgesetzt und demjenigen weltlichen HERRN als beste Eigenschaft zugeschrieben, welcher höchster Gesetzgeber, Richter und Henker in ein- und derselben Person ist.
Dieses war der vergöttlichte und daher zu verehrende jeweilige Regent eines Staates (Gottkönig über das geistige und das weltliche Reich), dem alle Ländereien und die darauf lebenden Menschen als sein Volk gehörte, mit dem er tun und lassen konnte, was ihm beliebte, wie es in vielen Staaten bis zum heutigen Tage noch der Fall ist.