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«Leute sterben, weil sie nicht mit Hilfe versorgt werden können»
Die Folgen des Klimawandels verschärfen politische, soziale, ökonomische und ökologische Stressfaktoren und erhöhen das Risiko von Konflikten. Wie darauf reagiert werden kann, ist Thema der Berliner Konferenz zu Klima und Sicherheit. DEZA-Direktorin Patricia Danzi erklärt, wieso Klima und Sicherheit nicht isoliert betrachtet werden können und wie die Schweiz das Thema in den UNO-Sicherheitsrat hineintragen will.
Das Beispiel Somalia zeigt eindrücklich wie eng die Themen Klima und Sicherheit verbunden sind. Der Kamp um Ressourcen ist einer der wichtigsten Auslöser für bewaffnete Konflikte © Keystone
Dürren, Überschwemmungen, Anstieg des Meeresspiegels: Diese und andere Auswirkungen des Klimawandels bedrohen den Frieden und die internationale Sicherheit. Lebensgrundlagen werden zerstört, Menschen vertrieben und der Wettbewerb um natürlich Ressourcen spitzt sich zu. Der Klimawandel wirkt als Risikomultiplikator, dessen Folgen die verletzlichsten Bevölkerungsschichten am härtesten trifft. «Wenn Klimawandel auf soziale, politische und wirtschaftliche Spannungen trifft und auf bestehende Verletzlichkeiten, bedroht das nicht nur die Sicherheit der betroffenen Länder. Es bedroht auch langfristige Anstrengungen im humanitären Bereich, für den Frieden und bei der Entwicklungszusammenarbeit», erklärt DEZA-Direktorin Patricia Danzi, welche die Schweiz als Staatssekretärin an der Klimakonferenz vertritt.
Kampf um Wasser und Nahrung spitzt sich zu
Die Daten sind eindeutig: Die Menschen, die am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, leben meist in Konfliktregionen oder in Gebieten, in denen Krieg herrscht. Da ist beispielsweise Somalia. Ein Land, welches aktuell wegen seiner Hungersnot in den Medien ist. Ein Land, das seit Jahren im Krieg versinkt. «Es gibt zahlreiche Gebiete, welche von humanitären Akteuren nicht erreicht werden können, weil diese Gebiete unter der Kontrolle der al-Shabaab-Miliz stehen. Eine Organisation, die nicht allen Zugang zu Menschen in Not ermöglicht. Gleichzeitig herrscht Krieg. Viele Leute sterben, weil sie nicht mit humanitärer Hilfe versorgt werden können», erklärt Patricia Danzi. Ein anderes Beispiel ist Afghanistan: «In Afghanistan haben wir im August 2021 eine grosse Krise erlebt, als die Taliban die Macht übernommen haben. In den letzten vierzehn Monaten haben die Menschen stark gelitten. Auch deshalb, weil das Land seit längerer Zeit unter einer starken Wassernot leidet und der Klimawandel stark spürbar ist.»
Eine Priorität der Schweiz im UNO-Sicherheitsrat
Wasser als kostbares Gut. Ein Gut mit Konfliktpotenzial. Das weiss auch die Schweiz. «Als Land, welches den Umgang mit Wasser mit seinen Nachbarn regeln muss, wissen wir, wie wichtig das ist und wie man es angeht, um Konflikte zu verhindern», erklärt Patricia Danzi. Eine Erfahrung, welche die Schweiz auf internationaler Ebene unter dem Titel «Blue Peace» weitergibt. Und auch auf multilateraler Stufe setzt sich die Schweiz für die Themen Klima und Sicherheit ein.
So ist das Thema Klimasicherheit auch eine der Prioritäten der Schweiz für ihren Einsitz im UNO-Sicherheitsrat im kommenden Jahr. Dabei legt die Schweiz ihren Fokus vor allem auf die sicherheitspolitischen Auswirkungen des Klimawandels:
- Schutz der Zivilbevölkerung
- Stärkung der Ernährungssicherheit
- Förderung eines nachhaltigen Friedens
«Die Schweiz hat die Expertise, diese Themen zusammenzubringen, sie unpolitisch zu betrachten und die Menschen ins Zentrum zu stellen», betont Patricia Danzi. Die Schweiz gibt aber nicht nur ihr Fachwissen weiter, sondern setzt sich über ihre internationale Zusammenarbeit auch dafür ein, die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerungen gegenüber Klimarisiken zu stärken – gerade in fragilen Kontexten.