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Die Hauptstadt Bellinzona des Tessins verbindet Geschichte mit unberührter Natur. Sie liegt eingebettet zwischen Bergen und alpinen Seen, umgeben vom Blau des Wassers, dem Grün der Natur, dem Grau der Felsen und dem Weiss der schneebedeckten Berggipfel.
Auf den gepflasterten Strassen und Plätzen der Altstadt begibt man sich auf die Spuren des Mittelalters, steigt man bis zu den berühmten drei Burgen, einem UNESCO-Weltkulturerbe, hinauf: Sasso Corbaro, Montebello und Castelgrande mit seiner malerischen Festungsmauer, die sich bis hinunter in die Stadt schlängelt und ihr den Spitznamen „Turrita“ beschert hat.
Geschichte des Tessins
Im Mittelalter wurde das Gebiet des heutigen Kantons Tessin von den Herzögen von Mailand beherrscht. Die Eidgenossen errangen ihre Vorherrschaft in den südlichen Alpentälern während der sog. Ennetbirgischen Feldzüge zwischen 1403 und 1515. Zwischen 1403 und 1422 wurden einige Teile des Kantons bereits der Herrschaft von Uri unterstellt, mussten aber später wieder abgetreten werden. Die Leventina brachte Uri 1440 unter seine Kontrolle. In einer zweiten Eroberung gewannen Uri, Schwyz und Nidwalden im Jahr 1500 die Stadt Bellinzona und die Riviera. Der dritte Vorstoss nach Süden erfolgte durch die Truppen aller Kantone. Die Reformation konnte ab 1530 nur in Locarno wirklich Fuss fassen, in den andern Städten wandten sich nur einzelne Personen oder Familien dem evangelischen Glauben zu und waren dann gezwungen auszuwandern. Mit dem Einrücken französischer Revolutionstruppen 1798 ins Gebiet der Eidgenossenschaft endete der Untertanen-Status des Tessins. Die bis 1802 geltende Einheitsverfassung der Helvetik errichtete die neuen Kantone Bellinzona und Lugano, die allerdings nur Verwaltungsdistrikte ohne Autonomie waren. Von Napoleon Bonaparte vor die Wahl gestellt, zur Lombardei oder zur «Helvetischen Republik» zu gehören, schufen die Tessiner die Parole «liberi e svizzeri».
Landung der Aufständischen in Lugano am 6. Dezember 1839.
Castelgrande
Es sind verschiedene Bezeichnungen überliefert. Bis ins 13. Jahrhundert war Castelgrande die einzige Burg und allgemein einfach als Burg von Bellinzona bekannt. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde sie als Castello vecchio (alte Burg) bezeichnet. Ab 1506 hiess sie Castello d’Uri (Schloss Uri), abgeleitet nach ihrem Besitzer, dem eidgenössischen Stand Uri. Ab 1818 war auch die Bezeichnung Castello San Michele geläufig.
Castello di Montebello
Ursprünglich hiess die Burg Castello Piccolo (1457-1472). Unter der eidgenössischen Besatzung wurde sie auf Burg Schwyz und später, 1818, auf S. Martino umgetauft. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam die Burg in den Besitz der Familie Ghiringhelli.
Der älteste interne Mauerkern stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. Er soll von den Rusca, einer reichen Kaufmannsfamilie aus Como, erbaut worden sein, die diesen Mauerkern auch unter der Herrschaft der Visconti noch bewahrte. Die äusseren Burghöfe mit ihren Türmen und dem Wallschild wurden im 14./15. Jahrhundert errichtet
Impressionen
Bellinzona hat Spuren, Zeugnisse und Denkmäler aller Epochen seiner langen Geschichte bewahrt. Sie sind nicht nur in den Museen der drei Burgen und in der Stadtgalerie Villa die Cedri zu bewundern. Sie sind vor allem lebendig erhalten im Stadtbild. Steile Gassen führen von der Stadt auf die Schlosshügel.
Piazza Indipendenza
Dies ist ein Platz im Gepräge des 19. Jahrhunderts. Verschiedene in Anlehnung an klassizistische Formen erbaute oder umgebaute Gebäude säumen den Platz. In der Platzmitte steht ein Obelisk von 1903, der an die Errichtung des heutigen Kantons 1803 erinnert. Mit der Gründung des Kantons Tessin, bei der Vereinigung des Kantons Lugano mit dem Kanton Bellinzona, gingen die drei gut befestigten Burgen um Bellinzona in den Besitz des Kantons über.
Palazzo Civico di Bellinzona
Der Rathaus wurde 1921–1926 anstelle des spätmittelalterlichen Rathauses erbaut. Der rechteckige Grundriss, der Loggienhof und der hohe Turm orientieren sich am Typus des italienischen mittelalterlichen Rathauses. Der Bau wie auch die reiche Innenausstattung des Gemeinde- und Bürgersaales drücken die Wertschätzung der lokalen Materialien und der traditionellen Handwerkstechniken aus.
Piazza Collegiata
Der heutige Platz hat sein Aussehen im 17. Jahrhundert bekommen. Das Kollegium der SS. Pietro und Stefano ist ein Renaissance-Denkmal nach dem Entwurf des Meisters Tomaso Rodari di Maroggia, Bildhauer und Architekt der Kathedrale von Como. Mit dem heutigen Bau der Stiftskirche Santi Pietro e Stefano wurde 1515 angefangen. Die Fassade aus weißem Castione-Stein empfängt zwischen den beiden Seitentüren im Stil des 15. Jahrhunderts ein Portal, das vom Wappen der Stadt überragt wird.