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Montag, 15.10.2001 - Keine Demokratie
Heute beginnt am High Court der Prozess, den der von den Malaita Eagles (Militärputsch am 5. Juni 2000) verhaftete und abgesetzte Premierminister Ulufaalu gegen die durch die Malaiter verfassungswidrig eingesetzte Regierung führen will; das vor allem gegen den amtierenden Premierminister, dem jedes Mittel recht ist, um auf dem Sessel zu bleiben, auf den ihn die Rebellen gehievt haben. So hat er illegalerweise versucht, dem australischen Anwalt, der Ulufaalu vertritt, die Einreise auf die Salomonen zu verbieten. Glücklicherweise kam das Flugzeug aus Australien eine Stunde zu früh an, und als der Befehl des Premiers bei den Immigrationsoffizieren am Flugplatz eintraf, war der Anwalt bereits schon in der Stadt.
Dienstag, 16.10.2001 - Keine Flugfracht
Am Abend wird es früh dunkel -jetzt regnet es schon seit über 24 Stunden sehr intensiv- und aus Osten ziehen wieder schwarze Wolken auf. Vom nahen Flugplatz hört man trotz des auf unser Blechdach prasselnden Regens die Motoren des soeben landenden grossen Frachtflugzeuges (viermotorige Turbopropmaschine Typ Hercules) aufheulen. Dann wird es plötzliche still. Am nächsten Morgen auf dem Titelblatt des "Solomon Star": ein Bild der Maschine, die nach der Bruchlandung am Pistenrand liegt. Eine Flügelspitze und ein Propeller berühren den Boden. Wir hoffen, dass die längst überfällige Computerausrüstung für unser neues Histologielabor nicht im Wrack liegt. Am Flugplatz warten 27 Tonnen gefrorener Fisch auf den Abtransport nach Übersee. Die Exportfirma verschenkt Fisch tonnenweise (auch ans Spital) in der Stadt.
Mittwoch, 17.10.2001 - Keine Elektrizität
Der Stromausfall dauert jetzt schon einige Tage. Wir realisieren unsere Abhängigkeit von elektrischem Strom erst so richtig, wenn es keinen mehr gibt. Seit der Privatisierung der Elektrizitätswerke (SIEA) wurde dort massiv Geld veruntreut, ohne irgendwelche gerichtlichen Konsequenzen, und die Schuldenwirtschaft nahm unwahrscheinliche Ausmasse an. Nun hat Mobil Oil die Lieferung von Dieselöl an alle Kraftwerke unterbrochen, bis wenigstens ein Teil der Schulden beglichen wird. Zudem sind ausgerechnet jetzt ein oder zwei Generatoren defekt, und Ersatzteile müssen aus Japan eingeflogen werden (siehe Flugfracht!). Wir fragen uns, wie lange der Notstromgenerator im Spital durchhalten wird, bzw. wie lange dort der Dieselvorrat reicht.
Donnerstag, 18.10.2001 - Kein Wasser
Die ebenfalls privatisierte Wasserversorgung (SIWA) von Honiara bezahlt die Stromrechnungen schon lange nicht mehr und schuldet nun SIEA mehr als sechs Millionen Dollar. Jetzt liefert SIEA keinen Strom mehr an SIWA, damit werden alle Wasserpumpwerke in der Stadt stillgelegt. Auch die Pumpe, die Wasser aus dem eigenen Tank in das Haus befördert, läuft natürlich nicht mehr. Regenwasser gibt es glücklicherweise genug. Aber bei Fenners, unseren Nachbarn, ist der Inhalt des Regenwassertanks wegen Rostlöchern eher gering. Um nicht kostbares Trinkwasser zu verschwenden, holen Fenners das Wasser zur Toilettenspülung mit Kesseln aus dem nahen Fluss (Lunga River). Aber: auf der Titelseite des Solomon Star wird vor Krokodilen im Lunga River gewarnt; die Einheimischen haben über das Wochenende dort fünf gefangen. Fenners nähern sich dem Flussufer nun eher vorsichtig.
Freitag, 19.10.01 - Keine Operationen
Die Zentralsterilisation und die Wäscherei im Spital funktionieren nur noch minimal, die wenigen sterilen Wäschepakete und Instrumente müssen für Notfälle zurückbehalten werden. Alle Operationen sind gestrichen, und da jetzt auch der Notstromgenerator läuft, versuche ich, vom Spitalcomputer aus die dringendsten emails zu erledigen. Aber die gesendeten Mitteilungen kommen nicht weit und werden mit einer Viruswarnung retourniert. Der Kakworm hat sich im System fest etabliert.
Jetzt gibt es in unserem Haus zu gewissen Tageszeiten Strom, aber ohne regelmässigen Zeitplan. So etwa zwischen vier und sechs Uhr morgens, fünf bis sieben Uhr abends, und meistens fällt er gerade dann wieder aus, wenn man soeben den Computer eingeschaltet hat. Abends und nachts brennt jetzt andauernd eine Petroleumlampe im Wohnzimmer.
Samstag, 20.10.01 - Keine Solomon Airlines
Unser kleiner Radio läuft mit Batteriebetrieb. Aus den Morgennachrichten erfahren wir, dass die australischen Luftfahrtbehörden ab sofort und auf unbestimmte Zeit den Solomon Airlines die Landeerlaubnis entziehen. Es sei eine Sicherheitsmassnahme. Zum Flugunfall mit dem Frachtflugzeug hört man immer noch nichts, ausser dass bei der Landung einige Pneus geplatzt seien. Immerhin: die Solomon Airlines sind wider Erwarten einige Wochen länger in der Luft geblieben, als die Swissair!
Sonntag, 21.10.2001 - Ein Papageienleben gerettet
Zahlreiche wunderschöne Papageien leben in den Bäumen um unser Haus. Einer fliegt gegen die Hausmauer und bleibt im Gras liegen. Chica, unsere Schäferhündin, reisst ganz aufgeregt an ihrer Kette. Elisabeth, die nicht weiss, woher das seltsame Geräusch stammt, lässt Chica von der Kette los. Sofort rennt sie Richtung Busch und kommt mit einem grossen Papagei in der Schnauze zurück. Er lebt noch und packt die Oberlippe des Hundes mit seinem kräftigen Schnabel. Elisabeth hat Mühe, den Vogel aus den Fängen des Hundes herauszuholen, aber schliesslich gibt Chica nach. Der arme Papagei wird in eine Kartonschachtel gelegt und Chica kommt wieder an die Kette. Eine halbe Stunde später ist der Papagei aus der Schachtel verschwunden.
Nachtrag, Mittwoch, 24.10.2001
Allgemeines Aufatmen: letzte Nacht ist der Japanische Generatorenspezialist mit Ersatzteilen angekommen, Mobil liefert in bescheidenem Umfang wieder Dieselöl, und seit heute 0500 haben wir wieder - und bis jetzt ohne Unterbrechung - Strom. Unsere Wasserpumpe läuft, der Regen hat nachgelassen, die Sonne scheint stundenweise. Das reicht schon, um die Zimmer, in denen Regenwasser aus der Decke tropfte, austrocknen zu lassen. Die Sonnenkollektoren produzieren in kurzer Zeit wieder heisses Wasser und wir freuen uns auf die erste warme Dusche. Air Vanuatu und Air Niugini nehmen den Solomon Airlines die gestrandeten Passagiere ab und für morgen Donnerstag sind einige grosse Operationen geplant.
Wie heisst es doch so schön: "Immer wenn Du meinst, es geht nicht mehr..."