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Die USA kommen nicht mit dem Bau von atomgetriebenen U-Booten nach. Das weckt in Canberra Besorgnis mit Blick auf die eigene Verteidigungsbereitschaft.
Eines war klar seit dem Tag, an dem das Aukus-Abkommen angekündigt wurde: Australien geht eine grosse Wette ein, die es nicht verlieren darf. Als wichtigstes Element der militärischen Zusammenarbeit mit den USA und Grossbritannien wird die Royal Australian Navy atomgetriebene U-Boote erhalten. Diese sind schneller, können weiter fahren und viel länger unter Wasser bleiben als konventionelle, dieselelektrisch getriebene Einheiten. So sind sie für den Gegner schwieriger aufzuspüren.
Bis Australien die angestrebten acht Boote in Betrieb hat, wird allerdings noch viel Zeit vergehen: Ab den 2040er Jahren werden die ersten Einheiten der noch zu entwickelnden und zu bauenden Aukus-Klasse einsatzbereit sein. So lange kann Australien nicht warten – denn die heutige «Collins»-Klasse erreicht in den frühen 2030er Jahren das Ende ihrer Lebenszeit.
Australien hätte damit während eines längeren Zeitraums gar keine einsatzfähigen U-Boote. Um diese gefährliche Lücke zu überbrücken, wurde vor einem Jahr die Lieferung von mindestens drei Einheiten der amerikanischen «Virginia»-Klasse in etwa zehn Jahren beschlossen. Diese atomgetriebenen Jagd-U-Boote sind bei der US Navy seit zwanzig Jahren im Einsatz und haben sich bewährt.
Amerikas Werften können nicht schnell genug liefern
Doch es gibt ein Problem: Die amerikanischen Werften können die Boote nicht schnell genug bauen. Von den insgesamt 66 Einheiten, über welche die US Navy verfügen möchte, sind erst 22 im Einsatz. Nach Plan sollten pro Jahr 2 U-Boote vom Stapel laufen; im Moment liegt der Schnitt bei 1,2 bis 1,3.
Der aktuelle Budget-Antrag der US-Navy lässt noch Schlimmeres erahnen: Für 2025 ist nur gerade ein «Virginia»-Boot budgetiert. Die so gesparten 4 Milliarden Dollar werden zeitlich nach hinten geschoben. Um die eigenen plus die künftigen australischen Bedürfnisse zu decken, müsste die Produktionsrate aber bei rund 2,3 Booten pro Jahr liegen.
In Australien sorgt die Ankündigung für Unruhe. Der frühere Premierminister Malcolm Turnbull kommentierte den amerikanischen Budgetantrag mit der Bemerkung, dass «Australien von der Realität überrumpelt» worden sei. Kritiker sehen sich in der Befürchtung bestätigt darin, dass der U-Boot-Plan, der das Land mehrere hundert Milliarden Dollar kosten wird, nie umgesetzt werden wird.
Sie verweisen darauf, dass das amerikanische Gesetz zur Realisierung des Verkaufs der «Virginia»-Boote Hintertürchen offenhält. So muss der Präsident vor dem Transfer belegen, dass dadurch Amerikas eigene «Fähigkeiten unter Wasser» nicht beeinträchtigt werden. Eigentlich müsste auch ohne diese Klausel klar sein: Kein Land gefährdet im Ernstfall seine eigene Verteidigung, nur um einen Liefervertrag einzuhalten. Schon gar nicht eine Supermacht wie die USA.
Also gibt es für alle Beteiligten nur eines: die industriellen Kapazitäten möglichst schnell erhöhen, damit mehr U-Boote ins Wasser kommen. In einem ersten Schritt investiert Canberra mehrere Milliarden Dollar in die amerikanische Schiffbauindustrie. So will es die Lieferung der «Virginias» sichern. Die Regierung von Anthony Albanese erklärt denn auch, dass man auf Kurs sei.
China ist industriell klar voraus
Die nächste Herausforderung wird sein, die Kapazitäten im eigenen Land aufzubauen: Die Aukus-U-Boote sollen dereinst in Australien gebaut werden. Doch die lokale Rüstungsindustrie hat in den letzten Jahren stark gelitten, weil immer wieder Rüstungsprogramme reduziert oder ganz gestrichen wurden oder Anschlussaufträge fehlten. Jedes Mal wurden Arbeiter entlassen, Know-how ging verloren.
Mit Aukus ging Australien eine grosse strategische Wette ein. Es setzte alles auf die Karte USA. Immer klarer wird aber, dass Aukus auch eine Wette ist auf die amerikanische und die eigene Industrie. Damit die Wette aufgeht, braucht es noch grosse Anstrengungen. Denn in diesem Bereich ist China – und gegen China richtet sich Aukus in erster Line – klar voraus.