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Falsche Töne vom Bantiger
Falsche Töne vom Bantiger
Trotz vertraglicher Verpflichtung wurde die Dorfschaft Bantigen weder über die bevorstehende, noch über die eventuell bereits durchgeführte Erhöhung der Sendeleistung auf dem benachbarten Radio- und TV-Sendeturm informiert.
Trotz der rechnerisch doppelt so hohen Strahlenbelastung behauptet der Swisscom-Sprecher kühn, die neuen Antennen hätten nur einen Bruchteil der ehemaligen Sendeleistung. Eine wahre Komödie!
Hans-U. Jakob, 14.8.05
Die vertragliche Verpflichtung:
Am 20.6.92 verpflichtete sich die Direktion Radio und Fernsehen der PTT-Betriebe (heute Swisscom) den Einwohnern der Dorfschaft Bantigen gegenüber vertraglich, diese vor einer allfälligen Erhöhung der Sendeleistung zu benachrichtigen und auf Antrag der Betroffenen neue Messungen durchzuführen.
Diese Vereinbarung ging aus einer Einsprache hervor, welche die Dorfschaft gegen den Umbau (Erhöhung) des Sendeturms damals deponiert hatte.
Der Dorfschaft wurde versprochen, dass sich durch den Umbau (Erhöhung) des Sendeturms ihre Strahlenbelastung nicht erhöhen würde.
Die Messkampagne von 1996
Vor und nach dem Umbau, welcher im Sommer 96 fertiggestellt wurde, wurden deshalb von 2 Firmen Messungen an insgesamt 14 Orten durchgeführt, welche die gemachten Versprechungen – keine Erhöhung der Strahlenbelastung – bestätigten.
Dies waren einerseits die Senderbetreiber selber und andererseits die von der Dorfschaft beauftragte Prevotec-Engineering (heute auch unter dem Namen Gigaherz.ch bekannt).
Die Senderbetreiber benutzten damals einen Spektrum-Analysator HP 8562A, welcher von Gewicht und Grösse her ohne Verlad auf einen Veloanhänger nicht fortzubewegen war,
die Prevotec-Enginerering dagegen ein Breitband-Messgerät Holaday 3001A spez. von ca. 7 kg Gesamtgewicht. Dies speziell für Nostalgiker unter den Messtechnikern.
Nach dem Umbau (Erhöhung) des Sendeturms wurde die Strahlenbelastung an folgenden Orten wie folgt gemessen:
Zentrum Ferenberg: 0.38V/m
Mastfuss Bantiger: 1.49V/m
Stierenweid: 0.94V/m
Bantigenhubel: 1.44V/m
Zentrum Bantigen: 0.56V/m
Die Resultate sind Durchschnittswerte zwischen den Messungen der Senderbetreiber und der Prevotec-Engineering. Die Resultate der privaten Prevotec-Engineering lagen übrigens durchaus etwas tiefer als diejenigen der Senderbetreiber.
Anwohner wurden nie mehr informiert
Seither wurde die Dorfschaft Bantigen nie über eine allfällige Erhöhung der Sendeleistungen informiert, obwohl diese darauf sowohl einen gesetzlichen als auch einen vertraglichen Anspruch gehabt hätte.
Einzig am 17. Juni 05 erschien in einem Kleininserat (5.5×8.5cm) die Mitteilung, man werde auf dem Bantiger einige neue Antennen anbringen.
Aus den auf der Bauverwaltung (Gde. Bolligen) aufliegenden Akten und vollständigen Datenblättern, welche übrigens von jedermann kopiert und mitgenommen werden dürfen, gingen folgende neu berechneten Strahlenbelastungen hervor:
Zentrum Ferenberg: 0.74V/m
Mastfuss Bantiger: 6.76V/m
Stierenweid: 2.02V/m
Bantigenhubel: 1.94V/m
Zentrum Bantigen: 1.13V/m
Das bedeutet eine Erhöhung der Strahlenbelastung in V/m gemessen für
Zentrum Ferenberg: Faktor 1.95
Mastfuss Bantiger: Faktor 4.54
Stierenweid: Faktor 2.15
Bantigenhubel: Faktor 1.35V/m (teilweise durch Geländekuppe verdeckt)
Zentrum Bantigen: Faktor 2.02V/m
Die Strahlenprognossen 1-4 wurden von den Senderbetreibern selbst und die Prognose 5 von Prevotec-Engineering erstellt.
Die Faktoren der Erhöhung, in V/m gemessen, weisen darauf hin, dass auf dem Bantiger gegenüber 1996 die Sendeleistung um Faktor 4 erhöht werden soll.
Bezeichnenderweise haben es die Senderbetreiber in ihrer Baupublikation unterlassen, die 14 in der Messkampagne von 1996 benutzten Messpunkte neu zu berechnen. Ausser den 4 oben dargestellten deckungsgleichen Messpunkten, haben sie, zwecks Verwirrung der Anwohner, 5 neue Messpunkte hinzugefügt und 10 Messpunkte von 1996 weggelassen.
Das alles nur fürs Fensehen auf dem Handy?
Nun will uns die Berner-Zeitung vom 11.8.05 weismachen, diese um das 4-fach höhere Sendeleistung sei für das Fernsehen ab Handy nötig. Da die neu eingeführte UMTS-Technologie mit ihrer Störanfälligkeit ein wahrer Flop sei, müsse sich die Swisscom etwas Neues einfallen lassen und das Fernsehen nicht über die Tausende von Handymasten auf die Handys übertragen, sondern mit einer neuartigen Technologie DAB-H genannt, direkt vom Bantiger aus. So die Berner-Zeitung.
Die Datenblätter im Bauprojekt schaffen indessen sehr rasch Klarheit. Das DAB-H benötigt gerade mal etwas weniger als 5% der im Baugesuch als „neu“ deklarierten Sendeleistung. Das heisst weniger als 20 von 430kW ERP
UMTS ist laut Swisscom ein störungsanfälliger Flop
Laut Berner-Zeitung soll der Swisscom-Sprecher Josef Frey tatsächlich gesagt haben: „Mit UMTS-Handys kann man zwar Fernsehsender empfangen und mit Hochgeschwindigkeit im Internet surfen. Doch die Angebote sind teuer und störungsanfällig und wenn viele Anwender dieselbe lokale Antenne nutzen, brechen die Systeme schnell zusammen. UMTS floppt, DVB-H wird viel günstiger.“
Schön, das mit den Netzzusammenbrüchen und der Störanfälligkeit von Ihnen zu hören Herr Frey! Weshalb bauen Sie dann noch auf Teufel komm raus Tausende von UMTS-Antennen mitten in Wohnquartiere und leuchten damit direkt in Kindergärten, Schulen und Spitäler hinein?
Swisscom-Pressesprecher erfindet neuartige Sender
Herr Frey wie kommen Sie darauf, in der Berner Zeitung zu behaupten: „Wir demontierten vor 3 Jahren mehrere Sender und die neuen Sender haben nur noch einen Bruchteil der Sendeleistung der damaligen.“?
Wie geht das jetzt genau Herr Frey? Weil die neuen Sender nur noch einen Bruchteil der Sendeleistung haben, steigt jetzt die Strahlenbelastung der Dorfschaft Bantigen neu auf das Doppelte? Haben Sie da jetzt etwa einen neuen Sendertyp erfunden?
Sie und die Berner-Zeitung müssen die Leute in Bantigen schon für sagenhaft dumm halten.
Ein handfester Skandal bahnt sich an
Um die Mär, von der nicht ansteigenden Strahlenbelastung durch die neuen Antennen zu stützen, hat das Bundesamt für Kommunikation auf der Senderkarte den Bantiger klammheimlich bereits mit den neuen 403kW ERP Sendeleistung markiert. Wann und ob überhaupt diese Leistung, eventuell bereits illegal, hochgefahren wurde, wird Gegenstand von Abklärungen und Messungen sein.
Wer soll das wohl wieder klären?
Etwa das Bundesamt für Kommunikation, wo lauter ehemalige und immer noch gute Freunde der heutigen Swisscom-Mitarbeiter sitzen?
Oder etwa das Bernische Wirtschaftsamt BECO, welches schon zu Zeiten des Kurzwellensenders Schwarzenburg verlauten liess: “ Eine Anlage ist zumutbar, wenn weniger als 10% der Bevölkerung im Wohlbefinden gestört wird. Und eine Anlage ist erst dann sanierungspflichtig wenn mehr als 25% der Bevölkerung im Wohlbefinden gestört ist.“
Das BECO-Zitat stammt übrigens aus dem Umweltverträglichkeitsbericht zu dem 1998 aus gesundheitlichen Gründen abgebrochenen Kurzwellensender Schwarzenburg. Auch vor diesem spektakulären Abbruch wollte die Telecom (heute Swisscom) zuvor eine um das 5-Fach gesteigerte Sendeleistung der Bevölkerung als „Sanierung“ verkaufen, um den Sender zu retten und das BECO machte schon bei diesem Täuschungsmanöver frischfröhlich mit. Und auch im BECO sitzen immer noch dieselben Leute……
Und die Berner-Zeitung
hat auf dem Bantigerturm mit ihrem eigenen Privatsender „Radio-Extra Bern“ mit 1kW ERP Sendeleistung Gastrecht und möchte bei ihrem Hausherrn gerne lieb Kind spielen. Wer denen noch etwas glaubt ist selber schuld, wenn er angelogen wird.
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