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Eine Ausstellung, ein Film, ein Buch: das ist — in dieser Reihenfolge — das Programm der kritischen Neueinschätzung des Schweizer Fotografen Werner Bischof, der als Meisterschüler des „Vaters“ der Zürcher Sachfotografie, Hans Finsler, begonnen hat, dann nach dem Zweiten Weltkrieg zum berühmten Fotojournalisten (und Mitbegründer der Agentur Magnum) wurde und der sich schliesslich gegen Ende seines kurzen Lebens— er verunglückte 1954 im Alter von nur 38 Jahren in den Anden — immer mehr dem allegorischen Einzelbild und dem grossangelegten Fotoessay (beispielsweise über Japan) verschrieben hat.
Im Abstand von über dreissig Jahren wird Bischof, der damals und inzwischen eine Art Mythos geworden ist, aus Distanz, sachlich oder „objektiv“ neu betrachtet. Marc Bischof (der 1950 geborene Sohn, der seinen Vater kaum gekannt hat) und René Baumann arbeiten die entscheidenden Jahre 1951 und 1952 des Vaters auf verschiedenen Ebenen auf: da sind zunächst veröffentlichte und unveröffentlichte Bilder; dazu kommt die Selbstreflektion des Schweizer Fotojournalisten in Briefen an die Frau, Roselina, und an Robert Capa, den Kollegen; und da ist schließlich der mediale Kontext von Werner Bischofs Arbeit, die amerikanischen und französischen Fotoillustrierten sowie die von den Amerikanern verwaltete Filmwochenschau. Bischofs Arbeit in Indien, in Korea und in Indochina erscheinen nicht isoliert und auch nicht als eine Ansammlung von gut komponierten, menschliche Nähe ausstrahlenden Bildern eines Autorenfotografen (was durchaus auch möglich gewesen wäre), sondern als Zeugnisse eines unbestechlichen unabhängigen im eben angefangenen Medienkrieg, der ein Ableger des Kalten Krieges ist, und der dem Fotografen von Reise zu Reise bewusster und unheimlicher erscheint. Der Film macht Werner Bischofs Entschluss, sich aus dem Reporterbusiness zurückzuziehen für die Nachgeborenen einsehbar, und eröffnet zudem eine Perspektive auf die aktuelle Mediensituation, die in den Nachkriegsjahren in ihren Grundzügen festgelegt worden ist und sich mit der Entwicklung der elektronischen Medien nicht (oder nur zum Schlechten) entwickelt hat.
Es gelingt Marc Bischof und René Baumann, den Einzelfall eines sensiblen und individualistischen Fotografen in einem (medien-)historischen Kontext darzustellen. Organisation des Stoffes, filmische Präsentation des fotografischen Materials, Wechselgespräch von erläuterndem Kommentar und Bischof-Zitaten, nicht zuletzt ein Musik- und Geräuschteppich, der die zeitliche Distanz mehr ausdrückt, als die damalige Stimmung des Porträtierten „nachempfindet“, machen Unterwegs zu einem zeitgeschichtlichen Dokument, und eben nicht — was hätte befürchtet werden können, weil der Sohn sein „Herkommen“ darstellt — zu einem Stück unverbindlicher oder gar ärgerlicher Hagiographie. Dass Marc Bischof und René Baumann mit fotografischem Material nicht so „frei“ und subjektivistisch umgegangen sind (wie etwa Chris Marker mit Fremdmaterial umgeht), macht Unterwegs verbindlich.