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Dauerbrenner – diese Fehler sind nicht wegzukriegen
Es gibt Böcke, die sich in unserem Sprachgebrauch festgesetzt haben. Der Sprachpfleger präsentiert Ihnen deren drei aus «seiner» Liste.
Der Unterschied zwischen dem treffenden und dem vermeintlich treffenden Ausdruck gleicht oft demjenigen zwischen einem Smartphone-Monitor und einer Kinoleinwand. Die Wortvarianten klingen so ähnlich, dass man denkt, die Differenz sei entweder gering oder inexistent. Doch manchmal sagt man das Gegenteil vom Gewollten.
Nummer eins: scheinbar und anscheinend
«Er ist sehr bleich, er ist scheinbar krank.» Leider falsch. Denn scheinbar wird nur verwendet, wenn etwas zum Schein geschieht oder man aufgrund einer Täuschung annimmt, dass es so sei. Da der Besagte wohl tatsächlich krank ist, wäre korrekt: Er ist anscheinend krank. Anscheinend hat im Gegensatz zu scheinbar die Bedeutung von offenbar/wahrscheinlich. Wer wollte das Vorliegen einer Krankheit anzweifeln, zumal etwas auf eine solche hinweist?
«Wo ist Jürg?» – «Er ist scheinbar in den Ferien.» Dann ist er nur zum Schein auf Mallorca und macht fakecation? Im Ernst: Es ist nicht anzunehmen, dass Jürg seinen Ferienaufenthalt nur vortäuscht. Deshalb heisst es: Er ist offenbar in den Ferien.
Da, ein Vogel. Sobald ich mich ihm nähere, torkelt er, scheinbar verletzt, am Boden, er zwitschert und schlägt mit den Flügeln. Dieser Vogel ist tatsächlich gesund, er versucht nur von seinem nahe gelegenen Nest abzulenken, das Wort scheinbar (dem Schein nach) – ist hier für einmal der passende Ausdruck.
Nummer zwei: falsche Höchststufe
Wenn ich (Pseudo-)Superlative wie «der meist verbreitete» oder «meist gelesene» Tweet lese, weiss ich sofort, dass es sich um ein falsches Konstrukt handelt. Denn der «meist gelesene» bedeutet, dass jener meistens gelesen wurde, jedoch nicht am meisten, und dies wäre ja die Absicht des Verfassers. Korrekterweise heisst es: der meistgelesene Tweet.
Wenn wir schon dabei sind: Bei Superlativformen, bei denen die Steigerungssilbe am Wortanfang steht (meist-, best-, grösst-), kann am Ende kein Superlativ mehr angehängt werden: also nicht «meistgelesenste», «grösstmöglichste», «bestgehütetste», sondern meistgelesene, grösstmögliche, bestgehütete.
Nummer drei: zurzeit und zur Zeit
Sie stehen vor einer geschlossenen Tür, daran hängt ein Schild: «Der Inhaber weilt zur Zeit auf Geschäftsreise.» Damit liegt der Verfasser so richtig daneben, denn zur Zeit bedeutet zu jener Zeit oder in der Zeit von, hat also einen historischen Charakter.
Korrekt wäre «weilt zurzeit im Ausland», denn zurzeit heisst: jetzt! Regelkonform wäre beispielsweise: Der Inhaber weilte zur Zeit der Corona-Krise auf seinem Landsitz.
Und wie schafft man es, das nicht zu verwechseln? Ganz einfach: Zurzeit ist wie jetzt ein einzelnes Wort. Das ist scheinbar die beste Methode, um sich das zu merken. Pardon: anscheinend.
Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute
täglich journalistische Texte bei einer grösseren Tageszeitung.
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