Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03566.jsonl.gz/1194

Mit dem Wallis verbinden viele Menschen das Matterhorn und bekannte Skigebiete wie Saas Fee und vielleicht noch bekannte Walliser Weine. Wir nutzen jedoch ein paar freie Tage und fahren mit dem Wohnmobil im September ins Wallis. Während auf der nördlichen Seite bereits der Herbst Einzug hält und es regnerisch ist, können wir Tage voller Sonne und blauem Himmel geniessen. Unser Abenteuer beginnt am Anreisetag mit einer Bootsfahrt durch die Unterwelt der Weinberge. Ich spreche vom grössten unterirdischen See Europas, dem St. Léonard See im Wallis. Voller Neugier begeben wir uns zum Lac Souterrain, der für die Touristen im französischsprachigen Teil des Wallis überall als Underground Lake ausgeschildert ist.
300 m lang, bis zu 20 m breit und 10 m tief ist der See, über den sich eine Grotte mit bis zu 6 m hohen Felswänden schützend erhebt. Entdeckt hat den See der Schweizer Höhlenforscher Jean-Jacques Pittard. Seit 1949 ist der Lac Souterrain von ungefähr Mitte März bis Ende Oktober für die Öffentlichkeit zugänglich.
Langsam über das Wasser gleiten
Während es draussen sommerlich warm ist, wird es umso kühler, je näher wir dem Eingang zur Höhle kommen. Mit 15 °C ist es ohne Jacke zu kühl. Zwei Boote liegen am Steg. Ein drittes Boot kommt zurückgefahren.
Jetzt in der Nachsaison ist es ruhig in der Höhle. Angeleuchtetes, kristallklares Wasser glitzert. Der Guide rudert ganz langsam durch die Höhle. In der Stille, nur durchbrochen vom leichten Plätschern des Wassers beim Eintauchen des Ruders, ist die Atmosphäre mystisch.
Die Akustik ist jedoch hervorragend. Einzig die fremdsprachlichen Fähigkeiten des Studenten sind begrenzt für eine dreisprachige Tour. Die 30-minütige Tour geht jedenfalls rasch vorbei.
Entstanden ist die Höhle und der unterirdische See St. Léonard im Wallis, weil sich zwischen einer Schiefer- und einer Marmorschicht weicher Gips befand. Im Laufe der Jahrmillionen zersetzte das Sickerwasser den Gips und die Höhle bildete sich.
Regnet es auf den Weinbergen oberhalb der Höhle, dauert es fünf Tage, bis das Wasser den See speist. Insofern ist es kein Wunder, dass das so gefilterte Wasser kristallklar ist. Manchmal sieht man im erleuchteten Wasser einen Fisch vorbei schwimmen.
Lohnt sich ein Besuch auf dem unterirdischen See St. Léonard im Wallis?
Diese Frage hängt auch von deinen Erwartungen ab. Wir hatten ganz eindeutig mehr erwartet und sind insofern etwas enttäuscht zurückgekommen. Nicht zuletzt spielt es eine grosse Rolle, auf welcher Seite des Bootes du sitzt. Die meisten Attraktionen befinden sich auf der rechten Seite. Du ahnst es sicher, wir sassen auf der linken Seite. Normalerweise würde man erwarten, dass das Boot dreht, sodass die einen auf der Hinfahrt und die anderen auf der Rückfahrt in den Genuss der Attraktionen kommen.
Diese Annahme erwies sich jedoch als falsch. In der Hauptsaison, wenn mit drei Booten gleichzeitig gefahren wird, ist der Platz nicht da, erklärte man uns. Und in der Nebensaison hängt es wohl etwas vom Bootsführer ab, ob er hier und da mal das Boot ein wenig dreht. Ein Drehen des Bootes ist aber nicht vorgesehen.
Tipp: Solltest du dich für eine Bootstour auf dem unterirdischen See St. Léonard entscheiden, setze dich unbedingt auf die rechte Seite des Bootes wenn du einsteigst und vermeide die Hauptsaison. Bei drei Booten, die gleichzeitig mit je 30 Leuten durch die Höhle fahren, bekommst du wahrscheinlich gar nichts von der Atmosphäre mit.
Auch wir sind zwei von 10.000 Touristen im Wallis, die auf das Marketing für den grössten unterirdischen See Europas hereingefallen sind. Bei schönem Wetter hat das Wallis so viele schöne Orte, Berge, Gletscher und wunderschöne Seen zu bieten, dass wir den unterirdischen See St. Léonard nur bei schlechtem Wetter oder als Verschnaufpause an einem Hitzetag und nur in der Nebensaison empfehlen würden.
Tipp: Allerdings stellen wir uns die Teilnahme an einem Konzert auf dem unterirdischen See von St. Léonard einzigartig vor. Mehr Informationen dazu findest du auf der Website.
Anreise zum Lac Souterrain St. Léonard im Wallis
Bist du mit der Bahn unterwegs, kannst du einfach zum Bahnhof St. Léonard fahren. Der unterirdische See ist ungefähr 1 km Fussweg vom Bahnhof entfernt. Von den beiden grösseren Orten in der Nähe von St. Léonard Sion und Sierre fahren Busse.
Kommst du wie wir mit einem Fahrzeug, so findest du in St. Léonard, wenn du der Ausschilderung zum Underground Lake folgst, mehrere grosse Parkplätze. In der Nebensaison war ausreichend Platz vorhanden. Allerdings solltest du unbedingt Ausschau nach den Ticket Automaten halten. Auch, wenn du am Platz für Wohnmobile stehst, musst du ein Ticket lösen.
Wir hatten nirgendwo einen Automaten gesehen und wurden erst durch ein Schild am Eingang zum Visitor Center am unterirdischen See darauf aufmerksam. Unsere Frage, ob wir auch auf dem Wohnmobilplatz bezahlen müssen, wurde verneint. Das hätte teuer werden können. Glücklicherweise hat das Wohnmobil neben uns, welches ein 10 Franken Ticket gelöst hatte, uns das noch gültige Ticket bei Abfahrt unter die Fensterwischer geklemmt.
Dennoch verlassen wir den Parkplatz und fahren noch ein Stück in die Weinberge von St. Léonard und beobachten auf einem Spaziergang die beginnende Weinlesen. Beiträge zu genialen Ausflügen im Wallis erscheinen bald. Schau immer mal vorbei.
Tipp: Im Wallis gibt es viele Wanderwege entlang der Suonen (Wasserleitungen, französisch Bisse) in den Weinbergen. Wir haben es dieses Mal nicht geschafft, aber uns hätte sowohl die Wanderung entlang der Bisse de Montorge als auch die Wanderung entlang der Biss de Lentine sehr gereizt. Vielleicht beim nächsten Mal.