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1.1 Weshalb Internationales Jahr des Waldes?
Dass 2011 zum Internationalen Jahr des Waldes erklärt wird, beschloss die UNO bereits an ihrer 83. Vollversammlung vom 20. Dezember 2006. Als Gründe für die Ernennung nennt die UNO den Zusammenhang des Waldes zu vielen bestehenden Abkommen und Absichtserklärungen im Umweltbereich, aber auch die Millenium Development Goals zur Armuts- und Hungerbekämpfung. Sie bezieht sich auch auf die Biodiversitäts-Konvention, das Klima-Abkommen und die UNO-Konvention zur Bekämpfung der Austrocknung ganzer Landstriche. Denn sie betont, dass die Wälder und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung enorm viel zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können, aber auch zur Armutsbekämpfung und zum Erreichen von international vereinbarten Entwicklungszielen.
Alle 5 oder 10 Jahre gibt die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der UNO (FAO) einen Bericht zum Zustand des Waldes in 233 Ländern heraus, den Global Forest Resources Assessment (FRA). Im FRA 2010 steht, dass sich der Wald weltweit über 4 Milliarden Hektaren erstreckt, das sind 0,6 Hektaren pro Mensch. In den fünf Ländern mit den grössten Wäldern - Russland, Brasilien, Kanada, den USA und China - steht mehr als die Hälfte des Waldes weltweit. In 10 Ländern gibt es gar keinen Wald und in 54 Ländern bedeckt der Wald weniger als 10 Prozent der Landfläche.
Die Wälder der Erde
Laut FRA nimmt die Abholzungsgeschwindigkeit zwar ab, der Waldverlust ist aber trotzdem noch gross. Jedes Jahr gehen weltweit 13 Millionen Hektaren Wald entweder wegen Naturkatastrophen verloren oder sie werden anderen Nutzungszwecken zugeführt. Sowohl Brasilien als auch Indonesien, die in den 1990er-Jahren am meisten Wald verloren, konnten mittlerweile ihre Waldverluste stark verringern. Im Gegenzug erlitt Australien, bedingt durch Waldbrände und Dürren, grosse Verluste. In einigen Ländern und Regionen der Welt konnte die Wiederaufforstung den Waldverlust erheblich reduzieren.
36 Prozent der weltweiten Waldfläche bedecken die tropischen Regenwälder – seit 2000 hat ihre Fläche jedoch um 40 Millionen Hektaren abgenommen. Dabei beherbergen diese Urwälder den grössten Artenreichtum aller terrestrischen Ökosysteme. Südamerika und Afrika verzeichneten zwischen 2000 und 2010 die höchsten Waldverluste aller Kontinente.
Waldplantagen machen mittlerweile 7 Prozent der totalen Waldfläche weltweit aus, das sind 264 Millionen Hektaren. Zwischen 2000 und 2010 ist die Fläche der Waldplantagen um jährlich 5 Millionen Hektaren gewachsen. Gesetzlich geschützte Waldreservate wie Nationalparke und Wildreservate bedecken 13 Prozent der weltweiten Waldfläche.
30 Prozent der weltweiten Waldfläche, das sind 1,2 Milliarden Hektaren, dienen hauptsächlich der Erzeugung von Holz und Nichtholz-Produkten. Weitere 949 Millionen Hektaren Wald, nämlich 24 Prozent, werden multifunktional genutzt. Das heisst, dass sie nicht nur der Produktion von Holz- und Nicht-Holzprodukten dienen, sondern dass sie noch anderweitig genutzt werden, etwa als Waldweiden für Nutztiere.
Weltweit sind etwa 10 Millionen Personen mit der Bewirtschaftung und dem Erhalt der Wälder beschäftigt. 80 Prozent der Wälder gehören öffentlichen Eigentümern, der Privatbesitz von Wald ist aber auf dem Vormarsch.
1.2 Bedeutung des Waldes
Für die meisten Schweizer steht, nebst der Erholungsfunktion des Waldes, sein ökologischer Nutzen im Vordergrund: Er ist unsere "grüne Lunge" als Sauerstoffspender, filtert das Trinkwasser, bindet Kohlendioxid und mindert so die schädlichen Auswirkungen der Treibhausgase, er schützt vor Naturgefahren und beherbergt auch viele Pflanzen, Tiere und weitere Lebewesen, die für das ökologische Gleichgewicht unentbehrlich sind. Die wirtschaftlich bedeutsame Funktion des Waldes als Energielieferant und Arbeitgeber gehört hierzulande eher der Vergangenheit an. Gerade noch gut 5'800 Personen finden im Schweizer Wald eine Beschäftigung. Die gesamte Holzwirtschaft beschäftigt immerhin 70'000 Personen.
Ganz anders präsentiert sich die Lage in vielen Ländern des Südens. So wie auch hierzulande bis nach dem 2. Weltkrieg, ist der Wald dort Haupt-Energielieferant, um Essen kochen zu können oder die Wohnräume zu heizen. Gleichzeitig ist er auch eine wichtige Quelle für Nahrung und Einkommen. Nach Schätzungen der International Union for Conservation of Nature (IUCN) generieren die Wälder weltweit eine Wertschöpfung von 720 Milliarden Franken. Weit "konservativer" ist die FAO mit ihren Berechnungen im FRA: Das geerntete Waldholz schätzen sie auf einen jährlichen Wert von 100 Milliarden US-Dollar, die Nichtholz-Produkte auf einen jährlichen Wert von 18,5 Milliarden Dollar.