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Wie kaum ein Autor wurde Walter Kempowski von den beiden deutschen Staaten geprägt. "Im Block" erzählt von einer Zwangsgemeinschaft am Rande der Gesellschaft. 1948 wird Kempowski wegen angeblicher Spionage zu 25 Jahren Haft verurteilt. Nach acht Jahren im DDR-Zuchthaus Bautzen kommt er frei. 1969 erscheint sein literarischer Bericht dazu. "Im Block", das ist ein Leben in drangvoller Enge, isoliert, inhaltsarm. Die Häftlinge bilden eine Gesellschaft, geprägt vom Eingeschlossensein, von qualvoll gedehnter Zeit. Eindringliche Bilder zeigen eine Existenz, die das verweigert, was menschliche Selbstverwirklichung ausmacht: Arbeit, Liebe, Besitz.
Rezension
"Das Ungewöhnliche dieses Buches liegt in seinem stilistischen wie moralischen Gestus. Ohne Sentimentalität oder Pathos wird hier eher kühl, in jedem Fall leidenschaftslos und daher umso eindringlicher registriert."
Portrait
Walter Kempowski wurde am 29. April 1929 als Sohn eines Reeders in Rostock geboren. Er besuchte dort die Oberschule und wurde gegen Ende des Krieges noch eingezogen. 1948 wurde er aus politischen Gründen von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach acht Jahren im Zuchthaus Bautzen wurde Walter Kempowski entlassen. Er studierte in Göttingen Pädagogik und ging als Lehrer aufs Land. Seit Mitte der sechziger Jahre arbeitete Walter Kempowski planmässig an der auf neun Bände angelegten "Deutschen Chronik", deren Erscheinen er 1971 mit dem Roman "Tadellöser & Wolff" eröffnete und 1984 mit "Herzlich Willkommen" beschloss. Kempowskis "Deutsche Chronik" ist ein in der deutschen Literatur beispielloses Unternehmen, dem der Autor das mit der "Chronik" korrespondierende zehnbändige "Echolot", für das er höchste internationale Anerkennung erntete, folgen liess. Walter Kempowski verstarb am 5. Oktober 2007 im Kreise seiner Familie. Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. Seit 30 Jahren erscheint sein umfangreiches Werk im Knaus Verlag.