Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03389.jsonl.gz/2896

Seit vergangener Woche sind viele Nahost-Länder gegenüber Katar nicht gut gesinnt. Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain gaben am Montag letzter Woche bekannt, ihre diplomatischen Verbindungen zu Katar abzubrechen.
90 Prozent Importe
Grund: Der Golfstaat habe Verbindungen zu Terrororganisationen und unterstütze militante Islamisten. Katar gewähre den Terrormilizen Islamischer Staat (IS), Al-Kaida und der Muslimbruderschaft Unterschlupf, lautete der Vorwurf. Zudem würden «Terroraktivitäten» des Irans unterstützt, hiess es weiter. Saudi-Arabien, einziger Staat, der einen Grenzübergang zu Katar hat, hat die diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Grund seien «grobe Verfehlungen der Behörden in Katar in den vergangenen Jahren». Der Grenzübergang wurde geschlossen.
Katar ist seither auf dem Landweg nicht mehr erreichbar. Der Wüstenstaat, der 2022 die Fussball-Weltmeisterschaft ausrichten wird, ist von Nahrungsmittelimporten abhängig. Gemäss verschiedenen Medienberichten werden 90 Prozent der Lebensmittel importiert.
Hamsterkäufe
Kurz nach dem Boykott bildeten sich in den Geschäften Katars lange Schlangen, weil die Bevölkerung Hamsterkäufe tätigte. Nahrungsmittel wie Milch, Reis und Poulet waren rasch ausverkauft. Der Iran, «Verbündeter» von Katar, hat am Sonntag fünf Flugzeuge mit Lebensmitteln nach Katar geschickt. Die Maschinen brachten 90 Tonnen frische Nahrungsmittel, hauptsächlich Obst und Gemüse, in das Land.
Nun hat sich ein katarischer Unternehmer in den Konflikt eingemischt. Moutaz Al Khayyat ist Chef der Power International Holding, die sonst vor allem im Bauwesen tätig ist. Das Unternehmen hat unter anderem Katars grösstes Einkaufszentrum errichtet. Al Khayyat ist auch im Agrargeschäft tätig. Rund 50 Kilometer ausserhalb der Hauptstadt Doha befindet sich seine Farm. Dort produziert er auf einer Fläche, die so gross wie 70 Fussballfelder ist, Schafsmilch und -fleisch, wie das Manager Magazin berichtet.
Milch bisher aus Saudi-Arabien
Nun will er in Katar Milch produzieren. Bisher hat der Wüstenstaat Milchprodukte aus Saudi-Arabien bezogen. Nun kam es wegen dem Boykott zu einem Engpass. Damit soll nun Schluss sein. Der Unternehmer hat deshalb beschlossen, 4000 Milchkühe aus Australien und den USA zu importieren.
Weil er die Tiere wegen des Boykotts nicht per Schiff ins Land bekommt, Katar benutzte bisher einen Hafen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, hat er beschlossen, sie einzufliegen: Insgesamt 60 Flüge mit entsprechenden Transportmaschinen benötigt es, um die 4000 Milchkühe nach Katar zu fliegen, schreibt die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. «Dies ist der Zeitpunkt, zu dem man für Katar arbeiten muss», sagte Al-Khayyat. Ob der Unternehmer bereits Ställe und Melkanlagen für die Kühe errichtet hat, geht aus dem Bericht von Bloomberg nicht hervor.
Vom Wüstenzwerg zum globalen Riesen
Das Emirat Katar im Osten der arabischen Halbinsel ist geografisch klein, gewinnt international aber sowohl politisch als auch wirtschaftlich immer mehr an Bedeutung. Grosse Vorkommen an Erdöl und Erdgas machten Katar zu einem der reichsten Länder der Erde.
Das Land ist 2022 Gastgeber der Fussballweltmeisterschaft. Rund 2,2 Millionen Menschen leben in Katar, von denen der Grossteil aus dem Ausland kommt und als Gastarbeiter beschäftigt ist.
Das Land hat zahlreiche Beteiligungen an europäischen Unternehmen, darunter etwa Anteile am VW-Konzern und an der Baufirma Hochtief. Auch die Schweizer Grossbank Credit Suisse profitierte schon von der Hilfe des Staatsfonds von Katar. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira hat seinen Sitz in Katar.
Katar ist Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und hat unter anderem zusammen mit Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten den Golfkooperationsrat mitgegründet, der eine gemeinsame Aussen- und Sicherheitspolitik in der Region als Ziel hat. Südlich der Hauptstadt Doha befindet sich der grösste Stützpunkt der US-Armee in der arabischen Welt.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert Katar für die Ausbeutung von Gastarbeitern und eingeschränkte Meinungsfreiheit. Katars Fläche entspricht etwa einem Viertel der Schweiz. sda