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Die Besitzerin von Susi hat festgestellt, dass sich an der Vorderbrust des Huhns eine tennisballgrosse Schwellung gebildet hat. Das Tier frisst nur noch wenig und lässt die aufgepickten Körner häufig gleich wieder aus dem Schnabel fallen.
In der Vorderbrustregion findet sich eine kinderfaustgrosse Masse, welche sich anfühlt wie eine mit Sand gefüllte Socke. Das Huhn ist stark abgemagert und besitzt praktisch keine Brustmuskulatur mehr - ein Zeichen, dass es sich schon längere Zeit nicht mehr richtig ernähren konnte. Im Röntgen bestätigt sich der Verdacht einer Kropfanschoppung: Das Organ ist stark vergrössert und enthält eine grosse Menge mineraldichtes Material - höchstwahrscheinlich Sand. Offensichtlich ist diese Anschoppung verantwortlich dafür, dass die aufgepickten Körner nicht in die Mägen weitertransportiert sondern wieder ausgewürgt ("regurgitiert") werden und Susi so droht, zu verhungern.
Die Besitzerin entscheidet sich, dem Huhn eine Chance zu geben und eine Therapie zu versuchen.
Susi erhält per Injektion ein Narkosemittel. Daraufhin wird das Huhn mit einem Lufröhrenschlauch intubiert, um die Atemwege vor allfälligen Sekreten freizuhalten sowie Sauerstoff und Narkosegas zuzuführen. Mit einer Sonde wird versucht, den Kropf zu spülen - sehr schnell wird allerdings klar, dass dies nicht zum Ziel führen wird.
Nun wird die Haut in der Kropfgegend von Federn befreit und desinfiziert. Der Kropf wird aufgeschnitten, mit einem Löffel entleert und anschliessend gespült: Eine grosse Menge Sand mit etwas Körnern wird so entfernt. Anschliessend werden Kropf und Haut genäht und ein Gegenmittel zum Narkosemittel sowie ein Antibiotikum injiziert. Bald darauf erwacht Susi aus der Narkose; die Antibiotikatherapie wird durch die Besitzerin zu Hause weitergeführt.
Zwei Tage später berichtet uns die Besitzerin, dass der Vogel wieder wohlauf ist und einen guten Appetit zeigt. Die langfristige Prognose ist eher vorsichtig zu stellen - durch die starke Erweiterung des Kropfes ist es möglich, dass die Problematik rezidivieren könnte.
Der Kropf dient bei Vögeln als Zwischenlager für aufgenommenes Futter. Normalerweise entleert sich der Kropf bei Futterentzug (zB über Nacht). Bei einer Kropfverstopfung sammelt sich im Kropf Material an, welches diesen Mechanismus verhindert. Ursachen dafür können mechanische Probleme (z.B. Bildung von Knäueln bei schneller Aufnahme von langstängligem frischem Gras), Entzündungen des Kropfes oder eine Kropfatonie (Muskellähmung) darstellen. Lässt sich der Inhalt nicht mittels Sonde und Massage entfernen, ist ein Kropfschnitt (Ingluviotomie) in Narkose angezeigt.
Weshalb es bei Susi zu einer solchen Sandansammlung im Kropf gekommen ist, bleibt unklar.