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Das Bundesamt für Umwelt hat die neue Rote Liste der Reptilien publiziert. Über 80 Prozent der in der Schweiz vorkommenden Reptilienarten gelten als stark gefährdet. Damit gehören die Reptilien zu den am stärksten gefährdeten Gruppen. Um dem Rückgang der Reptilien entgegenzuwirken, ist gemäss den Autorinnen und Autoren der Roten Liste der Aufbau einer ökologischen Infrastruktur dringend notwendig.
In der Schweiz gelten 16 Reptilienarten als einheimisch. Dazu gehören eine Wasserschildkröte, sechs Eidechsenarten, zwei Blindschleichen und neun Schlangenarten. Ihre Lebensräume gelten allgemein als stark bedroht, vor allem durch menschliche Aktivitäten, die zu einer Homogenisierung der Landschaft geführt haben. Aus diesem Grund gelten Reptilien als hervorragende Indikatoren für die Qualität und Vielfalt der Landschaft.
Nach den Roten Listen der Reptilien von 1994 und 2005 ist nun eine Neuauflage erschienen. Sie bewertet die Aussterbewahrscheinlichkeit von Organismen und Lebensräumen und stellt damit ein Warnsystem für die Erhaltung der Biodiversität dar.
Reptilien – die bedrohteste Artengruppe
Von den 16 einheimischen Arten stehen 13 auf der Roten Liste der Reptilien. Zwei davon werden als vom Aussterben bedroht, neun als stark gefährdet und zwei als verletzlich eingestuft. Damit sind die Reptilien die am stärksten gefährdeten Arten der Schweiz.
Die Europäische Sumpfschildkröte ist gemäss der Roten Liste die am stärksten gefährdete Art. Sie ist die einzige in der Schweiz vorkommende Schildkrötenart und gilt aufgrund ihrer geringen Verbreitung als vom Aussterben bedroht (CR). Aber auch die Schlangen sind stark gefährdet: Acht Arten gelten als stark gefährdet (EN) und eine als vom Aussterben bedroht (CR). Die Eidechsen, einschließlich der Blindschleichen, sind weniger gefährdet. Nur eine Art gilt als stark gefährdet (EN), zwei als verletzlich (VU) und eine als potenziell gefährdet (NT). Zwei Eidechsenarten werden als nicht gefährdet (LC) eingestuft. Die Populationsdichte der Eidechsen ist derzeit höher als die der Schlangen und der Gefährdungsstatus dementsprechend weniger gravierend. Die Autorinnen und Autoren der Roten Liste vermuten, dass die Eidechsen in kleineren Lebensräumen besser überleben können, da sie in der Nahrungskette weiter unten stehen. Zudem wird vermutet, dass die bessere Ausbreitungsfähigkeit ein Grund dafür ist, dass sie sich besser halten und neue Lebensräume schneller besiedeln können.
Ökologische Infrastruktur als Schlüsselrolle
Zwischen 2005 und 2023 blieb der Gefährdungsstatus von elf der 16 Arten unverändert. Bei den übrigen fünf Arten hat sich der Gefährdungsgrad verschlechtert. Die Hauptgründe für diese Verschlechterung sehen die Autorinnen und Autoren der Roten Liste in der Fragmentierung und dem Rückgang geeigneter Lebensräume für Reptilien. Hinzu kommen die Homogenisierung der Landschaft und der Verlust von Kleinstrukturen wie Hecken, gestuften Waldrändern, Steinhaufen und Trockenmauern. Die Ergebnisse der Roten Liste zeigen, dass es in der ganzen Schweiz dringend notwendig ist, vielfältige Lebensräume mit Kleinstrukturen zu erhalten und neu zu schaffen, schreiben Silvia Zumbach und Franziska Schwarz im Vorwort zur Roten Liste. Der Rückgang der Reptilien kann nur durch eine deutliche Verbesserung der Lebensräume gestoppt werden, weshalb dem Aufbau einer ökologischen Infrastruktur eine Schlüsselrolle bei der Erhaltung dieser Arten zukommt. Die nächste Rote Liste wird zeigen, ob es gelingt, den Trend umzukehren.