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Von Bach gibt es viele Werke von denen ich mich frage, wie es möglich ist, dass so mitreissende, tiefgründige, originelle und bewegende Musik derart profane Bezeichnungen wie "Partita c-Moll" haben können. BWV 826 läuft derzeit bei mir rauf und runter. Bei Youtube gibt es so viele Aufnahmen, dass ich hier verzichte, sie in meinen Beitrag einzubinden. Die Interpretation von Martha Argerich gefällt mir sehr gut. Ganz toll Piotr Anderszewski! Wie er die Sarabande spielt, das ist für die Ewigkeit. András Schiff hat nach meinem Empfinden hier ein zu hohes Tempo drauf. Unübertroffen (meiner Meinung nach) ist aber David Fray.
zu Deiner Frage, warum so profane Bezeichnungen? Bach hat die ganze Klavierübung sogar noch profaner als Opus 1 (1736) veröffentlicht. Im deutschsprachigem Raum war es damals üblich nur im Druck erschienene Veröffentlichungen, als Opus zu bezeichnen. Deren Untergattungen als Partita X zu benennen, lag daran, dass es sich um Tanzfolgen unterschiedlicher nationalen Gattungen (Mischformen) handelte. Da die Abfolge, Toccata - Allemande - Courante - Air ..., weder typisch französisch oder englisch war, suchte Bach einen Begriff der alle Formen vertreten konnte als Partita. Partire = teilen, unterschiedliche Tanzfolge oder Variationsreihe. Albert Schweizer benannte Opus 1 als Deutsche Suiten, der Begriff sollte sich aber nicht durchsetzen.
Natürlich besagt eine solche Klassifizierung vom emotionalen Standpunkt aus, gar nichts, wenn wir z.B. an Titel wie Mondscheinsonate denken. Mondscheinsonate ist nicht die Bezeichnung die Beethoven wählte, sondern eine Ehrentitel auf den sich die Fachwelt später einigte.
Leider konnte ich von David Fray nur ein Link finden mit "Partita No. 2 & 6, Toccata in C minor" mit eigenen Kommentaren. Gibt es hier auch das komplette Werk auf YouTube von ihm? Er spielt nämlich wirklich die lebendigste Interpretation der Werks.
interessanterweise dachte ich beim Schreiben meines Beitrags genau an die Mondscheinsonate, die Du nun auch erwähnst. Dass solche "Kosenamen" damals nicht üblich waren, ist mir bewusst. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass die Partita c-Moll BWV 826 bezüglich Wirkung Beethovens Mondscheinsonate in nichts nachsteht. Wenn es die Fachwelt nicht tut, - wollen wir einen Ehrentitel verleihen?
von David Fray habe ich im Youtube auch nur gerade "Partita No. 2 & 6, Toccata in C minor" gefunden. Wobei diese Überschrift völlig verwirrend, weil ungenau formuliert ist. Dafür kann David Fray aber nichts. Seine Interpretation der Sarabande halte ich für äusserst tiefsinnig. Spitze!
30 Jun 2016 00:06 - 30 Jun 2016 00:48#560 von Klaus Schaaff
Hallo Christof,
tiefsinnig ist eine sehr treffende Bezeichnung für David Fray im Sinne von: Was hat sich Bach dabei gedacht. Und noch ein anderer Aspekt, bei den Interpretationen Frays, ist mir sehr wichtig, der nicht sofort jedem ins Ohr springt. Das ganze d'rum herum, um die Aufnahmetechnik, die Intonisation des Flügels, entsprechen genau dem der Interpretation durch die Finger. Leider tritt dieser Aspekt heute nicht mehr so in die Öffentlichkeit, aber für die Tontechnik und den Klavierstimmer hätten einige Aufnahmen Frays einen Oskar verdient.
Einen Ehrentitel zu finden für BWV 826, ist schwer. Für die Mondscheinsonate steht der erste Satz der Sonate Pate, was nimmt man für BWV 826? Die Sarabande hinterlässt hier den nachhaltigsten Eindruck. Das Wort Sarabande lässt sich seltsamerweise durch früheste Quellen aus dem Mittelamerikanischen ableiten. Bach legt jedoch fast immer in Sarabanden eine große Nachdenklichkeit, die eine großes Maß an Traurigkeit enthält und sich dem Schicksal ergibt, Gnade empfangend. Ich schlage deshalb vor: "Partita des Schicksals", oder "Partita-Karma", oder "Kismet Sarabande" oder "Partita der Gnade", und warte mal Deine Vorschläge ab.
Dann, arabisch Alud oder Oud oder nur Ud, italienisch leuto / liuto, französisch luth, englisch lute, deutsch Laute und dennoch gut für Dein Wortspiel. Streng genommen ist die Kurzhalslaute, die der Spielleute. Im Nachlass von Bach befand sich eine deutsche Barocklaute (13-chörig ?), vielleicht auch Theorbe (nur der Stimmumgfang der Lautenkompositionen Bachs lassen darauf schließen). Wenn Dir Lautenmusik gefällt, empfehle ich Dir Silvius Leopold Weiss. Er war zur Zeit Bachs am Dresdener Hof und hat mit Bach auch privat musiziert.
Nun noch etwas quer zum anderen Thema PJ d'Atri. Dein Empfinden zu dieser Interpretation ist vollkommen legitim. Wir alle haben Hörgewohnheiten. Für das Ohr ist das eine Orientierungshilfe, was wir kennen, kann leichter eingeordnet werden. Wenn die Hörgewohnheiten zu breit gefächtert sind, kann das sogar in Orientierungslosigkeit umschlagen.
Best Grüße
Klaus Schaaff
Letzte Änderung: 30 Jun 2016 00:48 von Klaus Schaaff . Begründung: Korrektur