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So geht es fast allen. Man hat den Vorsatz gehabt, sich mehr zu bewegen. Nach einigen Anläufen hat man es auch geschafft, dies zu tun und war verdienterweise stolz darauf. Aber dann kam plötzlich zuviel dazwischen und jetzt hat man das Gefühl, wieder von Null beginnen zu müssen. Aber stolz bleiben darf man trotzdem. Es ist ganz normal, dass man zwischendurch Rückfälle hat und wieder eine kurze Zeit inaktiv ist.
Entscheidend bei den Rückfällen ist nicht, ob sie vorkommen, sondern wie man sie beurteilt und wie man damit umgeht:
Rückfall = Misserfolg?
Ein Rückfall kann als Misserfolg interpretiert werden, d.h. als Beweis dafür, dass man unfähig ist, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wer Rückfälle auf diese Weise beurteilt, wird mit der Zeit zur Schlussfolgerung kommen, dass es sich nicht lohnt, erneut zu versuchen, körperlich aktiv zu sein. Weil man dazu nicht geschaffen ist.
Unabhängig davon, ob wir jetzt von körperlicher Aktivität, schulischer Leistung oder Ausübung eines Hobbys sprechen, wenn jemand immer wieder „Rückfall“ mit „Misserfolg“ gleichsetzt, wird er/sie dafür einen Preis bezahlen (z.B. Frustration, Verzicht, Ablehnung von Herausforderungen). Somit wird er/sie einige Chancen im Leben verpassen. Ist das wirklich der beste Weg?
Rückfall = Neue Chance, obwohl nervig!
Rückfälle sind nervig. Niemand will dich vom Umgekehrten überzeugen.
Aber Rückfälle können auch wie wissenschaftliche Experimente interpretiert werden: das Experiment hat nicht funktioniert. Es stellt sich deswegen die Frage: Warum nicht?
Wenn du deinen Rückfall so interpretierst, nämlich mit Neugier anstatt mit Frustration und Ärger, dann kannst du etwas daraus lernen.
Das nächste Mal wirst du vielleicht wieder einen Rückfall erleben. Auch in diesem Fall kannst du fragen:
Was hat dieses Mal nicht geklappt? Was könnte ich besser machen? Das sind Fragen, deren Antworten dich wiederum ein Stück weiter bringen.
Es spielt grundsätzlich keine Rolle, ob wir vom Flugzeugfliegen, von der Elektrizitätsforschung, der Rauchentwöhnung oder der Bewegungsförderung sprechen. Jene, die ein Ziel verpasst haben (z.B. eine Maschine zum Fliegen bringen) und versucht haben, daraus etwas zu lernen, sind vorwärts gekommen. Die Anderen nicht. Oder anders gesagt: „Versagt haben jene, die zu früh aufgegeben haben“.
Mit dieser Philosophie laden wir dich ein, besser zu verstehen, warum du einen Rückfall erlebt hast. Was kannst du in Zukunft machen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass du Rückfälle überwindest und deine Ziele realisierst? Dazu mehr im nächsten Unterkapitel.
Ursache 1 eines Rückfalles: „Waren deine Gründe klar?“
Die Entscheidung mehr Sport zu treiben ist nicht einmalig, sondern sie wird jedes Mal getroffen, bevor die Aktivität stattfindet. Als du entschieden hast, mit einer sportlichen Tätigkeit zu beginnen, waren dir die Gründe dafür vermutlich klar. Vielleicht hast du aber mit der Zeit diese Gründe vergessen oder sie waren nicht mehr aktuell. Da diese Gründe nicht mehr vorhanden waren oder vergessen wurden, hast du entschieden, die Aktivität zu beenden.
Aus diesem Grund empfehlen wir dir, dich mit den aktuellen Gründen zu beschäftigen, die für, aber auch gegen diese körperliche Aktivität sprechen. Bevor du dich entscheidest wieder etwas Neues zu probieren oder die alte Aktivität fortzusetzen. Am besten schreibst du diese Gründe irgendwo schriftlich oder elektronisch auf, so dass du sie immer wieder lesen kannst, falls du in Zukunft erneut einen Rückfall erleidest.
Zu diesem Thema findest du zahlreiche Informationen unter „Bewegung: das nervt mich...“, „...und das reizt mich“ sowie „Meine Entscheidung“.
Ursache 2: „War dein Bewegungsziel genügend konkret?“
Ein konkretes Ziel ist:
Am Dienstagabend um 18:00 vor dem Abendessen werde ich 1 Stunde schwimmen gehen.
Ein unkonkretes Ziel ist:
Nächste Woche werde ich schwimmen gehen.
Es gibt Personen, die mit unkonkreten Zielen gut umgehen können. Für Andere ist ein unkonkretes Ziel die Garantie eines Rückfalles in die Inaktivität. Wenn das bei dir der Fall ist, empfehlen wir dir, klare und konkrete Ziele zu formulieren. Mit den Angaben über die Aktivität, die Zeit, den Ort und eventuell die Begeleitperson. Eine weitere Möglichkeit ist, dass du diese Aktivität in deine schulische Agenda schreibst, so dass sie nicht vergessen geht.
Ursache 3: „War dein Bewegungsziel realistisch?“
Erwachsene sind diesbezüglich auch nicht besser als Jugendliche. Man ist stolz, man will etwas beweisen und man wählt Bewegungsziele, die unrealistisch und ungesund sind.
Ein unrealistisches Bewegungsziel für eine körperlich wenig aktive Person ist: Morgen Vormittag werde ich 1 Stunde zügig joggen.
Ein realistisches Ziel wäre dagegen Morgen Vormittag werde ich 15 Minuten zügig laufen.
Denk an deine Bewegungsziele: Waren sie realistisch? Waren sie zu intensiv? Zu Häufig? Zu lange?
Wenn du schon einen Rückfall hattest, verwende deine Erfahrung und dein Wissen, um realistischere Ziele zu formulieren. Je realistischer die Ziele für dich sind, desto grösser die ist Wahrscheinlichkeit, dass du sie dauerhaft in Tat umsetzen wirst.
Ein Modul von feelok unterstützt dich in der Formulierung realistischer Bewegungsziele. Bist du interessiert? Dann wähle die Rubrik 'Mein Plan'.
Ursache 4: „Über Hindernisse Gedanken gemacht?“
Jede Entscheidung, die man trifft, wird von Hindernissen begleitet. Für Bewegung gilt genau das Gleiche.
Willst du jeden Dienstagabend joggen gehen? Super! Und was wenn es regnet? Was wenn du keine Lust dazu hast? Was wenn dein/e Kollege/in dich unerwartet besucht? Wir nennen solche unterwartet auftretende Hindernisse 'Stolpersteine'. Sie sind häufig und machen viele Bewegungsziele kaputt. Lernen mit den Stolpersteinen umzugehen, hilft dir auch, Rückfälle mit der Zeit zu reduzieren.
Das Thema der Stolpersteine ist so wichtig, dass wir in feelok eine ganze Rubrik darüber geschrieben haben. Möchtest du mehr darüber erfahren? Klicke auf den Link.
Ursache 5: „Haben dir langfristige Ziele gefehlt?“
Es gibt Leute, die ihre körperliche Aktivität einfach lieben. Sie brauchen keine speziellen Ziele. Sie müssen nur Joggen, Schwimmen, Velo (Fahrrad) fahren, Klettern oder Skateboarden und sie sind glücklich.
Andere Personen mögen die Aktivität, die sie machen, mehr oder weniger, von Leidenschaft kann aber keine Rede sein. Genau für diese Personen kann es sich lohnen, mittel- oder auch langfristige Herausforderungen zu planen.
Beispiele:
- Magst du das Wandern? Dann könnte eine zukünftige Herausforderung sein, im Sommer eine Wandertour in den Alpen zu organisieren. Das setzt voraus, dass du dafür trainierst.
- Hast du Karate gelernt? Eine Herausforderung könnte sein, dich weiterzubilden und so die nächste Stufe zu erreichen.
- Bist du ein Kanufahrer? Eine Herausforderung könnte sein, im Sommer mit Freunden eine Reise mit dem Kanu in Deutschland zu organisieren. Dort kann man tagelang Kanu fahren.
Langfristige Ziele erhöhen die Motivation Aktivitäten erneut zu beginnen und fortzusetzen. Wäre das etwas für dich?
Andere Ursachen für Rückfälle?
Mit unseren Tipps und Überlegungen ist das Thema „Rückfall: Ursachen und Lösungen“ sicher nicht definitiv abgeschlossen. Vielleicht vermisst du in unserem Beitrag eine andere wichtige Ursache für Rückfälle. Vielleicht hast du dir gegen Rückfälle interessante Lösungen überlegt.
Wenn das der Fall ist, klicke hier, um deine Tipps, Fragen und Antworten im Diskussionsforum zu schreiben und die Antworten der anderen Jugendlichen zu lesen.