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Politik
Die Europäische Union einfach erklärt
Dieses Sachbuch wendet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die verstehen möchten, was die Europäische Union ist, wie in ihr Entscheidungen zustande kommen und welchen Einfluss sie auf das Leben ihrer Bürger hat.
Neben einer Darstellung der Organe der EU und ihren Funktionen wird auch die Arbeit der Union in wichtigen Politikbereichen, z.B. der Agrar- und Regionalpolitik beschrieben. Anschaulich wird das Buch durch die vielen Beispiele, die farbig abgesetzt und übersichtlich eingefügt sind, z.B. zum Alltag eines Abgeordneten des Europäischen Parlamentes oder zu Urteilen des Europäischen Gerichtshofes, der beispielsweise im Jahr 2000 deutschen Frauen den Weg in die Bundeswehr öffnete. Am Ende jedes Kapitels sind unter "Wissens-Check" einige Fragen bzw. Aufgaben formuliert, um den jungen Lesern eine Überprüfung ihres Verständnisses zu ermöglichen.
Nach den grundlegenden Informationen zur Arbeit der Union findet sich ein knapper Abriss über die Geschichte der EU seit ihrer Gründung im Jahr 1951. Leider beschränkt sich dieser historische Teil im Wesentlichen auf die Beschreibung, weniger die Analyse des Weges hin zur Vertiefung und mehrfachen Erweiterung. Kritische Punkte werden nicht näher erläutert. So referieren die Autoren einfach die Mythenbildung um die Gründung der Europäischen Gemeinschaft als aus dem Ziel der Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland und des Wiederaufbaus Europas heraus gewachsen. Wieso dann ausgerechnet die Montanunion (EGKS) am Anfang stand, wird damit begründet, dass "die europäische Zusammenarbeit nur schrittweise verwirklicht werden konnte" (S. 86). Dies leuchtet natürlich wenig ein, denn kein anderer Bereich hätte wirklich am Beginn stehen können als genau dieser. Der Motor der Europäischen Gemeinschaft war ja nicht in erster Linie - nur fünf Jahre nach dem Krieg - der Gedanke, weitere Kriege zwischen Frankreich und dem damals unbewaffneten Deutschland zu verhindern, auch nicht der "politische Weitblick" Jean Monnets (S. 85), sondern die Abhängigkeit der französischen Stahlindustrie von der deutschen Ruhrkohle. Jean Monnet erkannte dies bereits 1947 und die Montanunion brachte mit billigen Kokslieferungen für die Verhüttung Lothringischer Erze den Ausweg. Der Preis dafür war die Anerkennung Deutschlands als gleichwertigem Partner. Genauso wenig wird verständlich, weshalb Frankreich mehrfach ein Veto gegen den Beitritt Großbritanniens einlegte, so dass die Briten 12 Jahre, von 1961 bis 1973 auf eine Mitgliedschaft in der EG warten mussten.
Auch auf aktuelle Kontroversen, beispielsweise um die geografischen Grenzen der Europäischen Union oder ob man sie als kulturelle bzw. Wertegemeinschaft definieren solle, gehen die Autoren nicht ein.
Den Abschluss des Buches stellt ein Kapitel über den lange Zeit von der Sowjetunion blockierten Weg Österreichs in die Europäische Union dar. Ende der 1980er Jahre war Österreich als Industriestandort bedroht; zwei Drittel seiner Exporte gingen in die Europäische Gemeinschaft, nur 8,6 % dagegen in EFTA-Staaten. Als 1993 der europäische Binnenmarkt verwirklicht wurde, an dem nur EG-Mitglieder teilnehmen konnten, verschärfte sich die Lage. Seit dem Beitritt Österreichs zur EU dagegen hat sich die Wirtschaft positiv entwickelt. Österreich ist heute das drittreichste Land der EU; seit dem Beitritt ist die Zahl der Arbeitsplätze gestiegen und Österreichs Wirtschaft wächst deutlich schneller als die der Schweiz. Nur in diesem Kapitel wird die Sogwirkung verständlich, die seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts von der EU ausgeht.
Das Buch befindet sich auf dem Stand des Jahres 2004. Wegen der Dynamik der politischen Entwicklung Europas in den letzten Jahren wird bald eine Aktualisierung nötig sein.