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300 Jahre legen wir zurück, als wir uns von Hans Staden und dem 16. Jahrhundert auf den Weg zu Karl Bodmers detaillierten Indianer-Illustrationen machen.
Im NONAM angekommen nimmt uns unsere Karl-Bodmer-Expertin Anna mit auf die Reise des in seiner eigenen Heimat wenig bekannten Schweizer Malers. Die vielseitigen Skizzen und Aquarelle, die Bodmer auf seiner Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 schuf, illustrieren mit scharfem Blick das Forschungsgebiet seines Begleiters Maximilian Prinz zu Wied.
Um „suspense“ ging es im Referat von Romy, „suspense“, der primär unter dem Aspekt der Leserführung ein- zuordnen ist. Hans Staden wurde durch einen Zufall in eine neue Welt geschleudert, in der keine der ihm bekannten Regeln herrschten. Dies erzeugt erst einmal Spannung beim Leser. Dies bezeichnet ein be- stimmtes Verhältnis zwischen Re- zipient und Protagonist.
In diesem Zusammenhang gibt es in der Literaturwissenschaft zwei Be- griffe: Identifikation und Empathie. Der empathische Leser bleibt noch auf einer gewissen Distanz zum Pro- tagonisten, während er bei der Identifikation mit dem Text ein Teil der dargestellten Welt wird.
Es folgte eine spannende Diskussion, inwiefern man den englischen Begriff „suspense“ nicht durch das deutsche Wort „Spannung“ ersetzen könne. Romy blieb dabei, dass es auf Deutsch „Leseraktivierung“ heisse.
Von Tuppin Jmbas, Pirahãs und Canelas. Semantik und narrative Strukturen in Stadens Warhaftiger Historia
im Vergleich mit zeitgenössischen Erlebnisberichten
Die Arbeit vergleicht die narrativen Strukturen dreier Texte beziehungsweise Textsammlungen. Hans Stadens Warhaftige Historia aus dem 16. Jahrhundert wird einerseits dem zeitgenössischen Bericht Das glücklichste Volk von Daniel Everett und andererseits aktuellen Rundbriefen einer deutschen Missionarsfamilie gegenübergestellt. Alle Texte handeln von den Erlebnissen mit Indianern Brasiliens und zeugen deshalb von einer Konfrontation mit Fremden. Die grössten Unterschiede zwischen dem älteren und den neueren Texten zeigen sich in der Benennung der Indianer: Staden bezeichnet sie als Wilde, Everett und die Missionare hingegen nennen sie bei deren Stammesnamen.
Werden die Selbstbezeichnungen hinzugezogen, zeigt sich ein differenzierteres Bild. Die Benennungssystematik ist von asymmetrischen Kategorisierungen geprägt. Bezüglich der narrativen Strukturen lassen alle Texte eine starke Rezeptionsorientierung erkennen. Gemäss ihren Textsorten und -gattungen sind sie nicht nur danach aus, Informationen zu vermitteln, sondern durch Techniken der Selbstdarstellungen und Glaubwürdigkeitssteigerungen eine maximale Wirkung bei der Leserschaft zu erzielen.
Beste Expedition – Marcel
In einer Zürcher Bar. Aus Stadens Tagebuch
Ein fiktiver Tagebuchausschnitt vermittelt die Fremdheit des Vertrauten (Zürich 2014) durch die Augen des Besuchers aus dem 16. Jahrhundert.
Bestes Referat – Luzia
Wild und schön? Ästhetisierung, Erotisierung, Idealisierung amerikanischer Ureinwohner
Eine ikonographische und ikonologische Analyse ausgewählter Illustrationen in den Werken Stadens, de Brys und anderen zeigte sie, wie sich die Faszination des Fremden im Bild durch die Stereotypen des Wilden und Schönen konzipiert. Durch die ethnographischen Dokumente, die uns unter anderem Staden, Léry und Thevet liefern, entstand das Bild des exotischen Bilderbuch-Indianers, das sowohl die Seite der Faszination durch das Fremde, als auch die Seite der Vorurteile, des Eurozentrismus, Imperialismus, Rassismus und Sexismus beinhaltete: Ein Stereotypenbild das sich durch literarische Rezeption bis in die Gegenwart erhalten hat – auch durch idealisierende und assimilierende Zwischenschritte.
Bestes Objektreferat – Simona, Thomas, Katja
Zürcher Bücher – Bücher, nicht nur aus Zürich
Herzliche Gratulation !
Geniesst die Stunden mit dem Hund, Kamel oder Ozean!
Stephanie nahm uns mit auf eine Reise nach Weissrussland, wo sie selbst eine Alteritätserfahrung erleben durfte. Sie setzte sich mit der Andersartigkeit von Land und Leute in Form eines Videos auseinander und dokumentierte dabei die Identität – ihrer eigenen und der der Weissrussen. Auf ihrer ersten Reise nahm sie sich als „anders“ als die anderen wahr. Sie verstand die Sprache nicht und konnte sich nicht in die Landsleute hineinfühlen. Auf der zweiten Reise machte sie jedoch die Erfahrung, dass sie sich integriert fühlte und nicht mehr so stark dieses Gefühl der Alterität empfand.
Luzia berichtete heute Spannendes über die wilden Menschfresser. Es stellte sich in ihrem Referat heraus, dass Nacktheit in europäischen Bildern der Ureinwohner ziemlich beliebt war und man die Kannibalen gerne mit typisch westlichen Dinge wie Bärten oder in griechischen Posen darstellte. In der Kunst sollten also die Indios in der Art der Europäer dargestellt werden. Dabei spielte die Verklemmtheit der Europäer eine wichtige Rolle, die durch diese Art von Bildern gelöst werden konnte.
Wir kennen nun Hans Staden, den schreibenden Söldner aus dem 16. Jahrhundert. Aber es gibt noch zwei berühmte Söldner in der deutschen Literaturgeschichte, zwei Schweizer. Wie heissen sie?
Einer war einer der bezahlten Soldaten, die man in meist armen Gegenden der Schweiz rekrutierte, wie Madeleine referierte, ein Geissenhirt wie der Walliser Thomas Platter. Er desertierte, weil es ihm im Krieg der Preussen nicht gefiel und weil er sein karges Leben als Bergbauer und Heimweber dem Krieg vorzog. Zuhause schrieb er dann seine Autobiografie und starb 1798. Er ist dort begraben, wo der Autor des „Wettermachers“ und die Dozentin dieses Blockseminars die Matura machten.
Der andere haute ab vor seinem Vater, der ihn wegen seiner Drogensucht in die Psychiatrie stecken wollte (schliesslich gelang ihm das), er ging in die Fremdenlegion. Seine autobiografischen Skizzen sind einzigartig, seine Krimis gehören zu den ersten Literaturverfilmungen in der Schweiz. Er starb 1938, einen Tag vor seiner Hochzeit.