Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03140.jsonl.gz/346

[08-10-2015] Welche Auflösung ist beim Scannen von Fotos (Negativen und Positiven) zu wählen?
Wir müssen zunächst unterscheiden zwischen Abzügen/Prints und dem eigentlichen Negativ. Wenn möglich sollte immer das Negativ gescannt werden.
Bei Abzügen/Prints ist sich die Literatur einig, dass eine Auflösung von 600 dpi und eine Farbtiefe von 24-bit RGB die beste Wahl ist. Bei sehr grossen Prints kann die Auflösung auch aus ökonomischen Gründen auf 300 dpi reduziert werden.
Bei Negativen wird für kleine Formate in der Regel eine Auflösung von 2400 dpi, bei grösseren Formaten 1200 dpi empfohlen. Diese Empfehlung orientiert sich vor allem an den technischen Möglichkeiten beim Scannen und an speicherökonomischen Überlegungen bezüglich Dateigrösse des Scans, ist aber technisch nicht wirklich begründbar.
Ein guter Farbfilm aus den Achtziger Jahren in einer Profikamera erreicht eine Auflösung von 45 lp/mm (Linienpaare pro Millimeter, lp = je eine schwarze und eine weisse Linie). Eine annähernde Umrechnung von lp/mm zu dpi ist 1 lp/mm = 50 dpi. Nach dem Nyquist-Shannon-Theorem brauchen wir die doppelte Abtastrate, um das Signal vollständig zu erfassen, das sind zwei Pixel pro Linie, also 100 dpi Auflösung für die Erfassung von 1 lp/mm auf dem Film. Wenn wir weiter rechnen, erhalten wir also für unsere Beispiel eine Auflösung von 4500 dpi. Das sind natürlich rein theoretische Werte und in der Praxis gar nicht umsetzbar.
Ein Glasplattennegativ aus dem 19 Jahrhundert erreicht auch maximal 20 lp/mm, dafür ist die Fläche viel grösser. Berechnen wir den Speicherbedarf für eine Glasplatte 18x24 cm bei einer Auflösung von 20 lp/mm = 2000 dpi, so kommen wir auf etwa 3GB unkomprimiert bei 4000 dpi und 24-bit Farbtiefe, beinahe die maximale Grösse für TIFF. Halten wir uns an die Empfehlungen von Memoriav oder NARA und wählen 1200 dpi, wird die Datei zehn Mal kleiner, nämlich 275 MB. Mit einer visuell verlustfreien Komprimierung 1:10 in JPEG2000 ergibt dies immer noch stolze 27 MB. Aus speicherökonomischen Gründen kann es angebracht sein, diese Dateigrössen weiter zu reduzieren. Dies sollte jedoch nicht mit einer tieferen Auflösung beim Scannen erreicht werden, sondern besser mit einer verlustbehafteten Komprimierung mit JPEG2000 oder einer verlustfreien Komprimierung mit LZW in TIFF.