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Das Schorenareal hat in den letzten Jahren einen starken Wandel erlebt. So zeigt es sich heute heterogener denn je. Für einmal berichten wir nicht über einen der unzähligen zeitgenössischen Neubauten im Quartier, sondern über einen unscheinbaren Klassiker: Drei Wohntürme, die 1969 vom Architekturbüro Burckhardt+Partner erbaut wurden. Heute bilden sie ein Hochhausensemble mit den gleich danebenstehenden, um einiges höheren Wohntürme der gleichen Architekten aus dem Jahre 2016 und noch zwei weiteren Hochhäusern.
Auffallend ist, dass die drei Wohntürme streng nach Norden orientiert sind. Betrachtet man den Situationsplan, ist die Ausrichtung nach Norden nicht ganz verständlich. So verlaufen die Strassen ganz anders, und auch die meisten anderen Häuser sind nicht genordet. Ein Blick auf einen älteren Situationsplan schafft Klarheit: Auf dem Plan von 1992 war das Bürogebäude Ciba-Geigy (ebenfalls von Burckhardt+Partner, 1970) noch enthalten, und man erkennt die Zusammengehörigkeit der Gebäude als Ensemble alleine schon aufgrund von deren Ausrichtung. Der Zusammenhang der Häuser geht aber weit über die Ausrichtung hinaus. So waren die Wohnhäuser ursprünglich für die Mitarbeiter des gleich daneben liegenden Bürogebäudes der Ciba Geigy gedacht.
Die Grundrisse der drei identischen Hochhäuser sind äusserst raffiniert und auch heute durchaus noch zeitgemäss. Es handelt sich um einen Sechsspänner. Ein typologisches Kunststück: Sechs Wohnungen pro Geschoss mit einem Treppenhaus zu erschliessen, ist kein Kinderspiel. Und siehe da, Burckhardt+Partner taten dies 1969 mit grosser Entspanntheit. Der Gebäudegrundriss ist axial gespiegelt. So kommt jeder Wohnungstyp zweimal vor. Pro Geschoss gibt es je zwei 1-, 2- und 3-Zimmerwohnungen. Die beiden grösseren Wohnungen sind zweiseitig orientiert, wohingegen die Einzimmerwohnung nur einseitig orientiert ist. Möchte man etwas an den Wohnungen kritisieren, so wäre es der lange Gang der Dreizimmerwohnung. Dieser entsteht dadurch, dass es nur ein Treppenhaus hat.
Ansonsten sind die Wohnungen sehr funktional. Es wird kein Quadratmeter verschenkt. Am grosszügigsten wirkt das Wohnzimmer der Dreizimmerwohnung, welches über Eck mit einer grossen Öffnung zum Esszimmer und zur Küche verbunden ist. Bei der Zweizimmerwohnung stellt sich die Frage, wieso die Küche nicht neben dem Wohnzimmer liegt, so wären doch Bad und Küche einfach zu spiegeln. Auffallend ist auch die heute so gefragte Einzimmerwohnung. Für wen die dazumal gebaut wurde? Speziell an dieser Wohnung ist, dass die kleine Küche ohne Tageslicht auskommt. Die Küche würde man heute wahrscheinlich zum Zimmer hin öffnen.
Die Fassade ist sehr zeittypisch: Das rote Sichtbackstein-Mauerwerk wird durch vertikale Streifen aus Fenster- und vorfabrizierten Waschbetonelementen unterbrochen. Die Fassade wirkt schlicht, unaufgeregt und solide. Sie hat sich über die Jahre äusserst gut gehalten. Die Hochhäuser von 1969 haben allen Veränderungen standgehalten und bieten auch heute noch ein vielfältiges Angebot an Wohnen. Einzig der Besitzer hat gewechselt: Die Häuser gehören heute der Credit Suisse Funds AG. Doch das tut der Qualität der Architektur keinen Abbruch. Die Hochhäuser sind aufgrund ihrer äusserst effizienten Grundrisstypologie heute vielleicht mehr denn je ein Beitrag zum verdichteten Bauen.
Text: Céline Dietziker / Architektur Basel
Fotos: Armin Schärer / Architektur Basel