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Metzgerei Gubler
Metzgerei Gubler
Stadthausstr. 123
8400 Winterthur
Seit über 140 Jahren beherbergt die Stadthausstrasse 123 in Winterthur eine Metzgerei. Seit 1921 ist sie im Besitz der Familie Gubler. Vier Generationen waren daran beteiligt: Urgrossvater Jakob, Grossvater Jakob, Vater Fritz und anschliessend die Geschwister Doris und Peter Gubler. Die Metzgerei Gubler ist die letzte private Metzgerei in der Altstadt. Und sie ist eine der drei letzten Metzgereien in der Grossstadt Winterthur.
Die Geschichte des Hauses an der Stadthausstrasse 123, wo sich seit vielen Jahren die Metzgerei Gubler befindet, ist lang und vielfältig. Wann das Haus „Zur Weissen Taube“, wie es damals hiess, erbaut wurde, ist nicht bekannt. Aktenkundig ist, dass das Haus 1663 durch Barbara Gysler an den Gerber Josua Kauffmann für 975 Gulden verkauft wurde. Spätere Besitzer waren der Schneidermeister Johannes Kuster ab der Jahrhundertwende 1700, 1781 kam es in Besitz von Jonas Sulzer und 19 Jahre später schrieb sich Johannes Georg Steiner in die Besitzerliste ein. 1850 erstand Johann Jakob Hänni die Liegenschaft für 6600 Gulden.
1871 erstand der erste Metzgermeister das Haus. Engelbert Vogt hiess er. 1877 bekam das Haus den neuen Namen „Haus zur Panaria“ (ital. panare = panieren). 1914 ging die „Kollektivgesellschaft Gebr. Vogt, Metzgerei, Fleischwaren und Viehhandel“ in Konkurs. Die drei gleichberechtigte Partner Kaspar Bernet, Johann Wolf und Jakob Gubler (1873-1929) übernahmen die Konkursmasse. Nach dem Ausscheiden von Bernet 1918 und dem Ableben von Wolf 1921 gingen die Liegenschaft und das Unternehmen an Jakob Gubler, dem Urgrossvater der heutigen Besitzer-Generation. 1921 ist somit das Gründungsjahr der Traditionsfirma „Metzgerei Gubler“.
Jakob Gubler führte die Metzgerei bis zu seinem Tode 1929. Anschliessend ging die Verantwortung an seine Frau Anna Lina Gubler-Schupisser (1868-1939) und der drei Söhne Jakob (1902-1955), Walter (1903-1963) und Ernst (1905-1961) über. 1940 schied Ernst aus. Jakob und Walter gründeten die Kollektivgesellschaft „J. Gubler’s Söhne, Vieh- & Schweinehandel und Metzgerei“ mit Sitz an der Zürcherstrasse 72. Das Haus wurde 2008 durch die Stadt abgerissen und die kleine Anlage um die Max-Bill-Skulptur erstellt.
Trotz den harten Jahren vor und während dem 2. Weltkrieg schlug sich das Unternehmen gut. Davon zeugt, dass bereits damals eine Kühlanlage vorhanden war. 1954 wurde die Firma J. Gubler’s Söhne“ aufgelöst. Jakob Gubler schmiss den Laden fortan alleine. Da ihn allerdings die Jagd, seine Leidenschaft stark beanspruchte, war es seine Frau Frieda Gubler-Nussbaumer (1904-1986), die das Geschäft erfolgreich vorantrieb. So gab es dann keine grossen Veränderungen als Jakob Gubler 1955, erst 53-jährig verstarb.
1956 übernahm die dritte Generation den Metzgereibetrieb, Fritz (1932-1990) und Lilly (*1937) Gubler-Müller. Von der guten Konjunkturlage profitierte auch das Gublerische Unternehmen. So konnte 1962 ein grosser Geschäftsumbau in Angriff genommen werden. Der Innenhof wurde unterkellert und neue Gefrier- und Kühlanlagen installiert. Auch das Laden-Interieur wurde komplett umgestaltet.
Fritz Gubler war eine Frohnatur und eine stadtbekannte Persönlichkeit. So war er zuweilen auch nicht immer im Geschäft anzutreffen. Er verliess sich auf sein Personal und bald auch schon auf die nächste Generation. Fritz lag aber gar nicht auf der faulen Haut, im Gegenteil. Der Sport in vielen Variationen war seine Leidenschaft. In der Stadt war er eigentlich nur per Militärvelo unterwegs. So konnte man auch gut beobachten, dass er die halbe Stadt kannte bzw. von der halben Stadt erkannt wurde. Das Winken nahm kaum ein Ende. Seine Frohnatur kam dabei voll zum Tragen.
Seine beiden Kinder Doris (*1960) und Peter (*1961) engagierten sich früh für den elterlichen Betrieb. Sie erlernten den Beruf eines Metzgers und einer Kauffrau. Nach Lehr- und Wanderjahren übernahmen sie im eigenen Betrieb Verantwortung. 1978 bat Vater Fritz seine Tochter Doris ins Geschäft zu kommen. Doris als ältestes von vier Kindern folgte seinem Ruf. Sie stellte sich allen anfallenden Aufgaben im Geschäft und in der Familie. Peter war zu jener Zeit noch Lernender in der Metzgerei Dormann AG in Luzern. Es folgten sehr bewegte, lehrreiche, intensive aber auch gute Jahre. Vater Fritz’s Schalk hielt jeweils alle auf Trab.
Es herrschte emsiges Treiben bis am 17. November 1989 den gelungenen Ladenumbau präsentiert werden konnte. Die Einrichtungen sind den neuen kunden- und produktions-spezifischen Ansprüchen angepasst worden. Per Ende 1988 zog sich Fritz Gubler zurück, er hatte 33 Geschäftsjahre und 57 Lebensjahre hinter sich. Am 03. Januar 1989 begann die Ära Peter und Doris Gubler. Fritz Gubler war nun noch vermehrt per Velo auf grossen Reisen. Leider konnte er sich aber nicht mehr lange darüber freuen. Am 21. Februar 1990 erreichte die Familie die traurige Nachricht aus Neuseeland, dass der Vater bei seiner grossen Passion, dem Radfahren, einem Herzversagen erlegen ist.
Die Geschwister Gubler legten sich kräftig ins Zeug und bestanden die schwere Prüfung, den Betrieb ohne väterliche Unterstützung und Erfahrung auf guten Wegen zu halten. Metzgerei Gubler war eines der ersten Betriebe, der sich auch als Party-Service einen guten Namen machte. Was sich heute alles als Catering-Unternehmen anbietet, hat Gubler seit vielen Jahren im Angebot, als diese alle noch weit und breit nirgends waren. Wo immer es auch sei, Gubler ist dabei!
Winterthur freut sich mit der 4. Generation Gubler bereits auf das 100-jährige Jubiläum, das im Jahre 2021 stattfinden wird. Doris Gubler bleibt als Teilhaberin weiterhin mit dabei. Die Fäden der Metzgerei aber hält auch in Zukunft Peter Gubler mit sicherer Hand zusammen.
Im März 2015 überrascht eine Zeitungsmeldung: Peter Gubler gibt sein Geschäft an der Stadthausstrasse der Metzgerei Kauffmann AG weiter. Er tritt kürzer, weil ihn die Spätfolgen eines Sturzes belasten. Das Gebäude bleibt in Gublers Besitz, doch der Betrieb der Metzgerei liegt ab Juli bei der Kauffmann AG, die landesweit tätig ist.Die bald letzte Metzgerei der Altstadt (wenn der Untertor-Märt schliesst) bleibt Winterthur erhalten. Auch das Team soll unverändert bleiben, und sogar den Namen Gubler will die neue Besitzerin beibehalten. Kauffmann AG heisst diese neue Eigentümerin, die ihre Wurzeln in Luzern hat. In den letzten Jahren ist die Firma stark gewachsen, hat Bell-Filialen übernommen und betreut heute auch Fleischtheken von Jelmoli, Globus und Loeb. Auch an anderen Orten hat Kauffmann die alten Namen der übernommenen Metzgereien erhalten. Gubler wird 2021 also doch das 100-Jahr-Firmenjubiläum feiern können.
Das Gebäude wird weiterhin in Familienbesitz bleiben. Es sei ihm wichtig gewesen, sagt Peter Gubler, dass weiterhin eine Metzgerei die Kunden bedienen werde. Er selber werde, zwar nicht mehr als Geschäftsleiter, aber in beratenden Funktion, bis auf weiteres dort tätig bleiben. Gubler tritt damit dem Aussterben von eingesessenen Fach- und Lebensmittelgeschäften entgegen. Er hätte zweifellos an dieser Lage auch einen Mieter gefunden, der einen höheren Mietzins als eine Metzgerei hätte zahlen können.
Anfangs 2019 kommt es bereit wieder zu einem Verkauf. Die Kaufmann AG verkauft die Metzgerei Gubler an das Metzgereiunternehmen "Ziegler delikat essen AG" in Zürich. Über diese Firma ist im Internet zu lesen: "Seit 1899 stellt die Metzgerei Ziegler Fleischerzeugnisse von höchster Qualität nach traditionellen Hausrezepten her. Fast 100 Jahre später starteten wir 1998 mit der "Ziegler delikat essen AG" durch. Durch den Umbau unseres Fachgeschäftes in Oerlikon und der Inbetriebnahme unserer modernen Produktionsstätte in Oberglatt, beschäftigen wir heute rund 90 Mitarbeiter mit gleichbleibender Qualität." Zu den fünf Standorten im Kanton Zürich kommt neu Winterthur dazu.
Im Januar 2020 wird mittels einer Medienmitteilung bekannt gemacht, dass per Mitte 2020 der Metzgereibetrieb am traditionellen Standort an der Stadthausstrasse eingeht. Nach einem Umbau der ganzen Liegenschaft nimmt per 1. November 2020 die RE/MAX AG Einsitz. Die im Immobilienhandel und –treuhand tätige Firma unter der Leitung von Robert Steiger zügelt vom Katharina-Sulzer-Platz in die Altstadt.