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Beschreibung
Die Geburtshelferkröte, Alytes obstetricans, die aufgrund ihres glockenhellen, flötenden Rufes Glögglifrosch genannt wird, stösst in der Schweiz an ihre südöstliche Verbreitungsgrenze (sie fehlt südlich der Alpen). Die meisten Populationen liegen zwischen 200 und 700 m ü. M. im Hügelland und in den Voralpen Die 3.5 bis 5 cm kleine, bräunlich – graue Kröte hat einen weisslich gekörnten Bauch, unterseits rötliche, kurze Beine. Die Körperoberseite ist mit rundlichen Wärzchen übersät, auf den Flanken befinden sich zwei zum Teil rötliche Warzenreihen. Die goldenen Augen haben eine senkrechte, spaltförmige Pupille. Die Geschlechter sind schwierig zu unterscheiden. Die Larven, die bis 9 cm lang werden können, sind grau – braun, scheinen von einer eher transparenten Aussenhaut umgeben zu sein und haben einen balkenartigen, metallisch glänzenden Längsstreifen am Bauch.
Lebensraum
Die kleine, warzige Kröte stellt keine grossen Ansprüche an ihr Fortpflanzungsgewässer. Kleine Weiher, Tümpel in Gruben und Steinbrüchen, sogar nicht allzu stark fliessende Stellen in Bächen oder Flüssen werden als Fortpflanzungsgewässer genutzt. In ganzjährig führenden Gewässern ist es möglich, dass einige der Larven überwintern, auch kurzfristiges Einfrieren können die grossen Kaulquappen überleben.
Spezieller scheinen die Ansprüche der Art an ihren dem Gewässer möglichst nahe gelegenen Landlebensraum zu sein. Die Tiere halten sich bevorzugt an sonnenexponierten, sandigen, lehmigen oder locker-humosen und leicht rutschenden Hängen oder Böschungen mit lockerem Boden und wenigstens stellenweise spärlicher Vegetation auf. Gut geeignet sind auch besonnte, fugenreiche Mauern, Terrassen, Treppen, Steinhaufen, Steinplatten oder Holzstapel.
Biologie
Die Lebensweise der Geburtshelferkröte ist einzigartig unter den einheimischen Amphibien: Sie ist der einzige einheimische Froschlurch, der sich an Land paart, die Eier nicht ins Wasser ablegt, Brutpflege betreibt und dessen Larven häufig vor der Metamorphose einmal im Gewässer überwintern. Ihre Fortpflanzungssaison dauert von März bis August (bis September). In der Regel sind die Tiere dämmerungs- und nachtaktiv. Die Männchen beginnen bevorzugt an feuchtwarmen Abenden aus ihren Verstecken an Land zu rufen. Im Verlauf des Abends bewegen sie sich zu den Ausgängen ihrer zum Teil selbstgegrabenen Wohnhöhlen. Ihr Ruf ist ein flötendes üh üh üh, das in Abständen von 1 bis 8 Sekunden erzeugt wird, je nach Temperatur und Erregungszustand. Rufen mehrere Männchen gleichzeitig in jeweils leicht unterschiedlichen Tonhöhen, erinnert der Klang von fern an ein Glockenspiel oder an Kuhglocken.
Nach der Paarung wickelt das Männchen die Laichschüre die aus 20 bis 70 Eier bestehen um seine Fersengelenke. Die Eier tragen sie danach mehrere Wochen in unterirdischen, feuchtwarmen Verstecken mit sich umher, bis sie die ausschlüpfenden Kaulquappen schliesslich in ein Gewässer entlassen. Diese sind so besser vor Fressfeinden geschützt, als bei direkt ins Wasser abgelegtem Laich.
Geburtshelferkröten können sich bis drei-, seltener bis viermal im Jahr fortpflanzen. Je nach Schlüpfzeitpunkt, Nahrungsangebot und Temperatur verwandeln sich die Kaulquappen noch im gleichen Herbst zu landlebenden Tieren oder überwintern als Larven im Gewässer. Solche Larven können bis 9 cm lang werden und wandeln sich im Mai / Juni des folgenden Jahres um. Damit sind sie die grössten Kaulquappen der einheimischen Amphibienarten.
Gefährdung und Schutz
In den letzten Jahren hat die Geburtshelferkröte in der Schweiz einen bedenklichen Rückgang erlitten. Verantwortlich dafür sind vor allem der Verlust bzw. die Veränderung von Lebensräumen. Die Zerstörung von Gewässern, der Besatz mit Fischen oder Enten, aber auch die Versiegelung von Strukturen des Landlebensraumes (Mauern, Terrassen), die Beschattung und Verbuschung der Landlebensräume oder Bewirtschaftungsänderungen (z.B. intensivere Beweidung) können das Aussterben von Populationen bewirken. Ein Teil der Rückgänge kann aber bei heutigem Wissensstand nicht erklärt werden. In erster Priorität sollten alle bestehenden Populationen erhalten und gefördert werden. Konkret sollten keine Gewässer, die aktuell oder potentiell durch die Geburtshelferkröte genutzt werden, zerstört oder zu Fisch- oder Ententeichen umgenutzt werden. Fischfreie, stehende Gewässer sollten in der Umgebung bestehender Populationen neu erstellt oder aufgewertet werden. Besonnte, unverfugte Mauern, sowie weitere Stein-, Sand- und Holzstrukturen mit Hohlräumen sollen unversiegelt erhalten bzw. an geeigneten Standorten neu erstellt werden. Besonnte, lockererdige bzw. sandige Böschungen mit Verstecken sollen vor dem Verbuschen geschützt werden.Um die Geburtshelferkröte längerfristig erhalten zu können, sind wir auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Gastgeber und Nachbarn der Geburtshelferkröten können sich von den Fachleuten der KARCH beraten lassen.
Artförderung
Auf einem privaten Grundstück, konnte an einer immer feuchten Stelle, ein kleiner Weiher geplant werden. Der kleine 2,5 x 1,5m und ungefähr 1m tiefe Weiher, wurde mit Hilfe eines kleinen Baggers ausgehoben. Der NVSW hat die Feinarbeit übernommen, der Uferbereich wurde verbessert und mit Wurzelstöcken aufgewertet.
Gleich oberhalb der Weiher, haben wir die so wichtigen Landlebensräume für den Glögglifrosch aufgewertet. Auf der einen Seite schichteten wir 5-15cm dicke Eichenäste aufeinander. Die 1m langen Hölzer wurden bis zur Hälfte mit lockerer Erde zugedeckt. Damit nicht allzu viel Feuchtigkeit eindringt, haben wir noch einige grosse, flache Steine auf die Äste gelegt. Gleich nebenan legten wir auf sandigem Untergrund verschiedengrosse Steine aufeinander. Damit entstanden kleine und grosse Hohlräume. Die Steine durften wir von Lesesteinhaufen der Landwirte entnehmen. Mit diesem Projekt haben wir die Grundlagen für eine optimale Brutpflege der kleinen Kröte, in den feuchtwarmen Verstecken geschaffen.
Ein grosser Pluspunkt ist auch die nebenan angelegte Schürffläche. Im Zusammenhang mit dem Artförderungsprojekt für den Gartenrotschwanz des SVS Birdlife Schweiz, wurde der humusreiche Boden abgetragen und mit magerem Substrat (Wandkies) aufgefüllt. In dieser lückenhaften mit einigen Steinhaufen versetzten Fläche, fühlt sich die Geburtshelferkröte wohl. Aus diesem Grund haben wir das fehlende Stück bis zum Weiher ergänzt. Dabei entstand eine kleine „Strasse“ zum Laichgewässer. Gerade mal ein Jahr war vergangen, bis man den Glögglifrosch aus der aufgewerteten Fläche rufen hörte. Wir sind gespannt, ob der neue Weiher auch bald von Kaulquappen besiedelt wird.
Ein grosses und arbeitsintensives Projekt wurde mit Hilfe der Armee in Niederweningen realisiert. Im Förrenbuck unterhalb des Schwimmbads, wurde der Wald abgeholzt und zwei Weiher ausgebaggert. Nicht gerade ein leichtes Unterfangen in diesem sumpfigen Gebiet. Die Armee brauchte zwei Anläufe, bis die Weiher genügend gross waren. An einem Arbeitstag wurden die groben Spuren der Bagger ausgebessert, Zäune aufgestellt, ein Pfad zu den Weihern aus dem Wald herausgeschnitten und dieser mit Holzschnitzel ausgelegt.
Die Aussichtsplattform die Jules Stutz zusammengezimmert hatte, wurde auf einer Erhöhung platziert. Ein toller Ausblick auf den grossen Weiher.
Ein zweiter Einsatz war nötig, um dieses neu geschaffene Biotop noch mit kleineren Strukturen aufzuwerten. Stein-, und Asthaufen sollen den Amphibien und Reptilien Unterschlupfmöglichkeiten bieten. Auch hier wurde mit Eichenstämmen eine Struktur in den losen Sand gebaut, in der Hoffnung der Glögglifrosch besiedelt auch diesen Weiher. Aus diesem Grund werden wir versuchen, einen Teil der Sandoberfläche offen zu halten.