Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03217.jsonl.gz/587

Eine alte Terrassenlandschaft
Unmittelbar nördlich von Bubendorf fliessen die Hinteren Frenke von Waldenburg kommend und die Hintere Frenke von Reigoldswil kommend zusammen. Hier finden wir eine der letzten unverbauten Terrassenlandschaften von Bedeutung im Baselbiet.
Während der Würm-Eiszeit wurden die Niederterrassenschotter
der Frenke abgelagert. Sie bilden das höchste Würm-Schotter-Ablagerungsniveau.Die Frenke hatte sich dann nacheiszeitlich im Zeitraum 75 000–10 000 vor heute in diese Schotterflur eingeschnitten und auf tieferem Niveau wiederum Schotter neu abgelagert. Die geschwungene Terrassenkante markiert diesen Rand des Einschneidens.
Die Siedlung wächst
Bubendorf liegt am Eingang zum Tal der Hinteren Frenke, auch Fünflibertal genannt, das nach Reigoldswil und weiter zum solothurnischen Schwarzbubenland führt. Bei Bubendorf zweigt auch das Waldenburgertal mit dem Juraübergang des Oberen Hauenstein ins solothurnische aarenahe Gäu ab.
Das Dorf war ursprünglich ein langgezogenes Bachzeilendorf, ergänzt durch eine Strassendoppelzeile. Mit der einsetzenden Industrialisierung im 20. Jh. vergrösserte sich das Siedlungsgebiet zuerst über den Talboden und später an die Hänge.
Namentlich das Bevölkerungswachstum zwischen 1970 und 2012 mit mehr als einer Verdoppelung der Einwohnerzahl führte zu einem umfassenden Ausbau des Siedlungsgebietes: im Norden bis an die Vordere Frenke und im Osten bis zum Waldrand des Murenberges.
Ausserdem entwickelte sich im Süden gegen Ziefen zu ein Industrie- und Gewerbegebiet. Ein zweites Gewerbegebiet entstand in jüngster Zeit im Nordosten der Gemeinde bei Unter Talhus. Einzig die Südosthänge blieben bis jetzt relativ verschont, mit Ausnahme des unteren Hangbereichs des Hügels Bloond hinter der Kirche. Die Karte Zeitreise von swisstopo und die Flugbilder von beziehungsweise zeigen diese Entwicklung eindrücklich.
Einige (land-)wirtschaftliche Entwicklungsaspekte
«Dieser Bahn ist fruchbahr an Korn, Haber, Wein und Baumnfrüchten; auch ist allhier die Viehzucht zahlreich; die zu disem Dorfe gehörigen Waldungen sind. Der Blomd, ein zierlicher mit Fohren bewachsene Wald, worinne vor Zeiten Erz gegraben worden. ... Der Maurerberg worauf Fohren und Eichen;...». So beschrieb Daniel Bruckner die Landwirtschaft von Bubendorf 1756.
Im 19. Jh. diente im ursprünglichen Ackerbauerndorf die Landwirtschaft nur noch der Selbstversorgung. Die Posamenterei hatte in Bubendorf, wie in vielen anderen Baselbieter Gemeinden vom 18. Jh. bis ins frühe 20. Jh. einen grossen Stellenwert.
Um 1880 besass Bubendorf auch relativ ausgedehnte Rebflächen, so die Bergreben bei Bärhallen sowie Reben in Engelsburg und Wolfach. Auf der Siegfriedkarte von 1877 sind diese Rebflächen eingezeichnet.
Im Rahmen des kantonsweiten Rückgangs der Reben verschwanden um 1920 auch diejenigen von Bubendorf. Heinrich Kunz schreibt dazu in seiner Heimatkunde von Bubendorf 1863: «Wir wohnen in der äussersten Grenz der Weinregion und daher hat unser Wein in den geringen und mittelguten Weinjahren mehr Säure als Geist...».
Nach dem «Bändeli-Sterben» um 1925 gab es eine grosse Arbeitslosigkeit. Die Eröffnung der Uhrenfabrik Lapanouse 1925 mit über 300 Mitarbeitenden schuf anstelle der Seidenbandweberei zahlreiche wichtige Arbeitsplätze. In der Blütezeit der 1950er- und 1960er-Jahre wurden 1,5 Millionen Uhren pro Jahr produziert. Nach der Krise der Schweizer Uhrenindustrie in den 1970er-Jahren stellte die Firma die Produktion in Bubendorf ein.
2008 waren in Bubendorf 198 Arbeitsstätten und 2261 Beschäftigte registriert, womit die Gemeinde innerhalb ihres Bezirks nach Liestal und Pratteln den dritten Platz belegte. 2013 lag die Zahl der Beschäftigten allerdings nur noch bei 1691. Der grösste Arbeitgeber ist heute die 1971 gegründete Bachem Holding AG.
Murenberg-Plateau
Der Murenberg umfasst nach der Landeskarte nur das nördliche Plateau. Südlich anschliessend erfolgt die Flur Wildenstein mit dem Naturschutzgebiet. Die Bubendorfer verstehen allerdings unter «Mureberg» beide Gebiete. Anfangs 19. Jh. bestand der Murenberg aus Weideland und mehrheitlich aus Eichenwäldern. Damals wurde in Bubendorf noch die Dreifelderwirtschaft betrieben.
Beim Bau der Hauensteinlinie über Läufelfingen konnte ein grosser Teil Eichenholz vom Murenberg für den Bahnschwellenbau verkauft werden. Heute ist der ganze Murenberg immer noch in viele Parzellen eingeteilt. Das Murenbergreglement von 1845 gab jedem Bürger das Anrecht, zwei Lose (Parzellen) auf dem Murenberg zur Bewirtschaftung zu erhalten. Das Land gehörte und gehört der Bürgergemeinde, welche auch heute noch die Lose vergibt.
Das Schloss Wildenstein und sein Hofgut wurden Ende des 13. Jh. gebaut. Aus dem von 1681 geht hervor, dass Wildenstein eine eigene Dreifelderwirtschaft betrieb. Damals reichte das Heu der Wiesen für die Fütterung der Tiere nicht aus. Deshalb mussten alle verfügbaren Flächen der Dreifelderwirtschaft beweidet werden: die Gemeinweiden, die Ackerstoppelfelder, die Brachflächen und auch der Wald. Der Wytwald beziehungsweise Weidewald bestand auf den Murenbergflächen als lichter Eichenwald. Bei Wildenstein hat sich dieser Eichen-Wytwald bis heute erhalten. Die ältesten Eichen wurden vor rund 500 Jahren angepflanzt.
Das Bad zu Bad Bubendorf
Die am Fusse des Furlenhügels entspringende Heilquelle des Bades war schon im Mittelalter bekannt. 1641 wurde die Quelle gefasst und 1742 ein Badehaus erstellt. 1764 wurde das erste zur Strasse traufständige Haus gebaut. Ab-, Um- und Ausbauten der Ökonomie-und Wohngebäude zeigten die wechselnde Geschichte. 1837 – kurz nach den Salzfunden in Schweizerhalle – richtete man schon Solbäder ein. Im 19. Jh. wurde der Badebetrieb aufgegeben und nur die Hotellerie blieb übrig. Mit der Eröffnung der Bahnstation Bad Bubendorf der Waldenburgerbahn wurde 1880 die Erreichbarkeit markant verbessert.
Zuerst wurden 1956/57 die landwirtschaftlichen Gebäude abgebrochen, dann erfolgte 1979/81 eine Sanierung des Hotels und gleichzeitig eine Angleichung des Baukörpers an den Zustand im 18./19. Jh. Im Jahr 1830 war das Bad Versammlungsort öffentlicher und geheimer politischer Veranstaltungen der trennungswilligen Radikalen und wurde zum Ausgangspunkt der Baselbieter Unabhängigkeitsbewegung. Deshalb wird es im Volksmund «Baselbieter Rütli» bezeichnet.
HPM