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Arbanir schaute durch zwei kleine Löcher in der Wand in den Raum dahinter und beobachtete, wie Valenja Roth-Brethil von einem seiner Brüder – durfte er sie oder vielmehr sich überhaupt noch so nennen – befragt wurde. Es war eine oberflächliche Befragung, denn die Brüder widmeten den Tempeldienern und –dienerinnen so gut wie keine Aufmerksamkeit. Dennoch hielt Arbanir unwillkürlich den Atem an, als der Izindubeth verstummte und Valenja durchdringend musterte. Jeder, der nicht aufrechten Gewissens war, würde diesem Blick nur schwerlich standhalten, denn im Volk war man der Meinung, die Izindubeth könnte einem in die Seele sehen.
Arbanir hatte Valenja allerdings darauf vorbereitet und so zeigte sie keine übermäßige Verunsicherung. Er musste anerkennen, dass sie ihre Rolle ausgezeichnet spielte. Gar keine Verunsicherung zu zeigen, wäre auffällig gewesen, aber sie hatte hier wohl genau das richtige Maß gefunden, denn der Izindubeth nickte, rief den Major Domus herein und übergab Valenja in seine Obhut.
Arbanir atmete jetzt erst wieder aus – zumindest schien es ihm so – und machte sich auf den Weg in seine Kammer. Der erste Schritt war getan. Nein, eigentlich schon der zweite. Der erste war gewesen das zu lokalisieren, was sie bekommen wollten, bekommen mussten. Modawar hatte dabei geholfen. Jetzt galt es den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Valenja musste erst vollkommen angekommen und so unsichtbar wie die anderen Diener geworden sein. Deshalb war die Wahl auf sie gefallen. Valenja war unauffällig, aber weder tumb noch langsam und das würde alles einfacher, wenn nicht gar erst möglich machen.
Aber noch nicht sofort und das war gut so, denn es galt noch so viel vorzubereiten. Ein Anlaß musste gefunden werden, zu dem Xanya außer Landes reisen musste und dieser musste lange genug vorher bekannt sein. Er selber musste sich noch in das Studium der Hermetik vertiefen und seine Fähigkeiten zum Trennen der Elemente verfeinern – sie würde für dieses Ritual wahrscheinlich nur einen Versuch haben.
Während er durch die langen Gänge der Tempelanlage schritt, rechtfertigte er sein Tun, welches seine Brüder sicherlich als schweren Verrat auffassen würden, vor sich selbst. Natürlich waren die Traditionen wichtig und der Glaube an die Sieben Elemente unumstößlich. Und ja, Xanya Nardu-Tarik hielt die Traditionen nicht hoch und ihr Glaube an die Elemente war nicht gefestigt. Bisher hatte sie zwar noch nicht offen gegen die Sieben agiert, aber Arbanir spürte in ihrer Nähe, dass etwas nicht stimmte. Natürlich fehlte ihr ein Teil und etwas anderes hatte dies ersetzt, aber er konnte nicht sehen was, nur, dass es nicht dunkel war.
Wie immer dem auch sei, der Weg, den die Brüder wollten war falsch. Das Kind benötigte Leitung und Stärkung keine Kontrolle über ein Artefakt oder Drohungen. Nur die Annahme, dass die Izindubeth so handeln könnte, hatte für eine mögliche Regentschaftszeit Xanyas mehr zerstört, als ohne ihre Einmischung möglich gewesen wäre.
Er verstand die Brüder, sie hatten Sorge um ihre Stellung und manche sorgten sich sogar vordringlich um das Wohl Siebentürmens, aber die Art, wie sie es bewerkstelligen wollten war einfach falsch.
Durch seine eigenen Gedanken bestärkt, erreichte er seine Kammer und widmete sich dort dem Studium und der Meditation. Er würde ein großes Gewebe gestalten und viele Flüsse der Elemente gleichzeitig leiten müssen, dazu musste sein Geist stark und nur darauf konzentriert sein.
Später am Abend, als er zu Bett ging, kamen dann noch einmal Zweifel auf, ob es richtig gewesen war Myat einzubeziehen. Sie sollte dafür sorgen, dass Xanya auf der Reise die richtigen Personen zugeteilt wurden, denn die Mischung würde über den Erfolg mit entscheiden. Viel hatte er ihr eigentlich gar nicht sagen wollen, aber die Nardu hatte sich als viel schlauer herausgestellt als erwartet. Zum Glück war ihre Loyalität zu Xanya über jeden Zweifel erhaben – wenn ihnen nur das viele Feuer in ihr nicht einen Strich durch die Rechnung machen würde.