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Die Messe für einen Minenarbeiter von Juan Arnez ist ein gross angelegtes Werk in einer uns ungewohnten Form. Es ergreift uns durch seine Unmittelbarkeit, durch den Aufschrei eines Mannes, der im Namen der Bewohner einer uns fernen Welt spricht. Er überbringt uns in musikalischer Form die Botschaft, dass auch sie Bewohner unserer Erde sind, unsere Brüder und Schwestern. Für die Interpretation dieses Werkes ist kein grosses Orchester erforderlich. Das Requiem wurde für sieben Musiker, fünf Solisten und einen siebenstimmigen Chor konzipiert.
Das Musical erzählt die biblische Geschichte von Josef in Ägypten, auch Joseph der Träumer genannt. Dieser war ein Sohn des Patriarchen Jakob und späterer Berater des ägyptischen Pharaos.
Musikalisch besteht das Stück aus einem bunten Mix von Musikstilen und Parodien. So klingt der Titel Benjamin Calypso stark nach Harry Belafonte, Pharao sieht Elvis Presley nicht nur frappierend ähnlich, sondern singt auch seinen Song of the King in dessen Stil; One More Angel in Heaven ist eine typische Country-Ballade, Those Canaan Days ein mit jiddisch-französischem Akzent gesungener Chanson und The Brothers Come To Egypt ein Cha-Cha-Cha, um nur einige Beispiele zu nennen.
Alle Solopartien werden von Schülerinnen und Schülern des Kollegiums gesungen, für den passenden Sound ist ein Orchester mit professionellen Musikern und Schülern zusammengestellt worden.
Für die Regie konnte die Walliser Schauspielerin Stefanie Amman verpflichtet werden.
Juan Arnez ist als Sohn einer Bauernfamilie des Stammes der Quechuas in Colomi, in der Nähe von Cochabamba, in Bolivien aufgewachsen und hat sich im Alter von 18 Jahren entschieden, als Musiker mit der Folklore-gruppe «Kusi Huaynas», heute «Los Kusis de Bolivia» auf Tournee zu gehen. Juan Arnez hat mit ihnen an verschiedenen internationalen südamerikanischen Festivals Auszeichungen erhalten.
Bereits 1974 hat der Musiker erstmals eine Europatournee unternommen, und inzwischen hat Juan Arnez in unzähligen Konzertauftritten ganz Europa kennengelernt.
Der Musiker und Komponist hat mehrere Werke komponiert und CD-Aufnahmen veröffentlicht. Er lebt seit Jahren mit seiner Familie in Bern in der Schweiz.
Durch die zwei Uraufführungen seiner Werke mit den Spirit Singers Kollegium Brig ist Arnez mit dem Oberwallis verbunden.
So heisst der Chor des Kollegiums Spiritus Sanctus Brig. Seit seiner Gründung im Jahre 1989 standen stets originelle Projekte und Konzerte auf dem Programm. Stilistisch vielfältig reicht die Palette von Gospel und Pop zu sakralen Werken, Oratorien, Uraufführungen von Kompo- sitionen des bolivianischen Musikers Juan Arnez, Musical-Konzerten, Inszenierungen und Gemeinschaftsprojekten mit andern Chören, Solisten und Ensembles. Die szenische Aufführung des Musicals «Joseph and the amazing technicolor dreamcoat» von Andrew Lloyd Webber fand letzten Herbst ein begeistertes Publikum.
Im Chor singen Schülerinnen und Schüler aller Klassen sowie Lehrper-sonen und Ehemalige mit.
Der Chor der Kantonsschule Trogen ist eines der grossen musikalischen Ensembles neben dem Kantiorchester und den Schulbands. Er realisiert jedes Jahr das traditionelle «Kantikonzert» mit stilistisch unterschiedlicher Ausrichtung. In den letzten Jahren gab es Konzerte mit Filmmusik oder geistlichen Werken des 20. Jahrhunderts sowie Programme kombiniert mit literarischen Texten (z. B. «The Armed Man» von Karl Jenkins). Jedes zweite oder dritte Jahr werden szenische Projekte mit der Theatergruppe der Kantonsschule realisiert, die auf grosse Resonanz stossen. Die «Westside Story» von Bernstein, Orff‘s «Carmina Burana» oder «Orfeo» von Gluck sind die aktuellsten Produktionen; in diesem Schuljahr steht die «Zauberflöte» von Mozart auf dem Programm.
Juan Arnez «Messe für einen Minenarbeiter»
Die prekäre Lage in den bolivianischen Minen ist bekannt. Viele bedauern sie, andere nehmen die Tatsachen einfach zur Kenntnis, viele wehren sich in Bolivien selber gegen die jahrhundertealte Ausbeutung der Reich-tümer ihres Landes und gegen das Elend, das auch heute noch andauert. Es geht dabei nicht einfach um materielle Güter, sondern ebenso um menschliche Würde, um die scheinbar unabwendbaren Schicksale der beteiligten Arbeiter, ganz einfach, um das Menschenrecht zu leben und zu sein. Juan Arnez hat in seinem Requiem «Misterium del socavón» für diese Gedanken einen musikalischen Ausdruck gefunden. Die Messe hält sich an die traditionellen lateinischen Kapitel. Aber sie spricht und zeugt von einer andern Welt, in der im «Kyrie eleison» die Menschen miteinander Coca kauen und indianische Instrumente ertönen lassen. Sie sollen singend und weinend Gott und den Kosmos um Erbarmen bitten.
Im «Dies irae» wird das Bild der bolivianischen Mine in aller schrecklichen Deutlichkeit gezeichnet. «Die Stille ist noch trauriger, aus Angst vor der Angst. Schreie im Schrecken des Bergarbeiters, Sterben in Stollen. Tag des Zorns». Im Hintergrund ist die Vision einer möglichen Endzeit, wenn es im Text heisst: «Schwarzer gequälter Himmel weint Feuerkugeln, die die Mutter Erde durchlöchern.» Im «Lagrimosa» wird der Text von Juan Arnez noch deutlicher, geht noch näher an die Realität in den Minen heran: Er kennt das Schicksal der Arbeiter, die laut klagen, dass ihr Leben der Tod sei. Sie haben nur einen einzigen Wunsch, sie bitten die Mutter Erde, dass sie ihre Arme öffnen und sie in ihren Schoss aufnehmen möge.
Im Angesicht des nahen Todes denkt der Minenarbeiter noch einmal an die Möglichkeiten seines Lebens zurück, an die schönen Augenblicke der Liebe, an den Gesang der Vögel und des Windes. Er ist zuversichtlich, dass seine Stimme weiter singen wird, zum Trost der Armen, zum Trost für das Werdende. Deshalb bittet er im «Libera me», nach der erneuten Darstellung der unmenschlichen Verhältnisse auf seiner Erde, dass Leben und Kraft zurückkommen mögen, zu den Menschen, damit sie alle nicht vergessen und verlassen seien.
Die «Messe für einen Minenarbeiter» von Juan Arnez ist ein gross angelegtes Werk in einer uns ungewohnten Form. Es packt aber durch seine Unmittelbarkeit, durch den Aufschrei eines Mannes, der bei uns lebt, aber der im Namen der Bewohner einer uns fernen Welt spricht, der uns in musikalischer Form die Botschaft überbringt, dass auch sie Bewohner unserer Erde sind, unsere Brüder und Schwestern. (Text gekürzt)
Peter Schuler

Programm
|Introitus||1. Misterios – Requiem|
|Kyrie||2. Apu – Kyrie Eleison|
|Sequentia||3. Tristeza – Dies Irae|
|4. Lágrimas del cuerpo – Tuba mirum

5. Universo – Rex tremedae
6. Muerte culpable – Gloria-Recordare
7. Wañuyniy – Confutatis
8. De vuelta – Lagrimosa I
|Offertorio||9. Wawas – Habitatibit|
|10. Tramposa – Domine

11. Agonía – Hostias
12. Palliri – Hostias Irae
|Sanctus||13. Kusiy Pacha – Paradisum|
|Te Deum||14. Lo nuestro – Lagrimosa II|
|Benedictus||15. Engaños – Benedictus|
|Agnus Dei||16. Me voy – Peccata mundi|
|Libera me||17. Loar andino – Aleluya-Ira|
|Comunión||18. Wañuy – Ingemisco|
|19. Suplicio – Oro supplex|

Chöre
|Spirit Singers Kollegium Brig|
|Leitung||Stefan Ruppen|
|Adrian Zenhäusern|
|Chor Kantonsschule Trogen|
|Leitung||Jürg Surber|

Soli
|El Minero||Javier Hagen|
|La Palliri||Franziska Heinzen|
|El Tio||Ernst Minnig|
|La Vida/Muerte||Véronique Marty|
|Kathrin Signer (Trogen)|
|La China||Milena Erpen|
|Anna Flury (Trogen)|

Los Kusis
|Juan Arnez||Vientos|
|Carlos Mareño||Guitarra|
|Juan Carlos Villaroel||Contra Bas|
|Ricardo Romero||Charango|
|Mario Guiterrez||Percucion|
|Paul Locher||Violine|
|Flurin Rade||Akkordeon|