Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03577.jsonl.gz/1076

Basel, vor 1966
Filz, Maschinenstickerei
L. 65,3 cm, B. 5,7 cm
2012.60.
Das Hutband aus schwarzem Filz zierte einst die Schildmütze eines Zeitungsverkäufers der „Basler Nachrichten“. Das „Allgemeine Intelligenzblatt der Stadt Basel“ wurde im Jahr 1844 als liberal-konservative Tageszeitung gegründet und erhielt 1857 den Namen „Basler Nachrichten“. Die Zeitung erschien von 1912 bis 1924 und von 1944 bis 1972 jeweils in einer Morgen- und Abendausgabe, die unter anderem auch von Strassenverkäufern und Strassenverkäuferinnen unter die Leute gebracht wurden. Der Strassenverkauf von Zeitungen war bis weit ins 20. Jahrhundert verbreitet und Teil des Basler Strassenbildes. Die „Basler Nachrichten“, wie auch ihr Konkurrenzblatt die „National-Zeitung“, setzten dabei jeweils auf eigene StrassenverkäuferInnen. Diese durften nur das eigene Blatt verkaufen und unterschieden sich vor allem durch ihre Hüte von der Konkurrenz. Viele Verkäufer und Verkäuferinnen befestigten neben dem Hutband auf ihren Schildmützen ein Blatt mit den wichtigsten Schlagzeilen des Tages, um so zusätzlich Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Trotz dieser starken Präsenz im öffentlichen Raum kämpften sowohl die „Basler Nachrichten“ wie auch die „National-Zeitung“ mit finanziellen Problemen und sahen sich 1977 zur Fusion unter dem neuen Namen „Basler Zeitung“ gezwungen.
Heute ist der Strassenverkauf von Zeitungen und Zeitschriften bis auf wenige Ausnahmen beinahe ganz verschwunden. Einzig die Verkäufer und Verkäuferinnen des Magazins „Surprise“ versuchen noch ihre Zeitschrift auf der Strasse an die Frau oder den Mann zu bringen. Die dabei angewandten Verkaufsstrategien gefallen nicht allen: Nach SBB-Kundenreklamationen ist es den „Surprise“-VerkäuferInnen im Basler Bahnhof seit dem Jahr 2009 nicht mehr erlaubt ihr Magazin durch lautstarkes rufen oder übermässiges Gestikulieren anzupreisen.