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Das Dufour-Schulhaus / L' école Dufour 1828-1835
Friedrich Gustav Eduard Güder (1817-1882), Pfarrer von Biel, theologischer Schriftsteller
Schüler vom Gymnasium ab 1828
Dr. Eduard Güder wurde am 1. Juni 1817 in Walperswil, im bernischen Seeland geboren. Sein Vater war Bendicht Grüder, Amtsstatthalter und Gerichtspräsident in Nidau. Dort war er so beschäftigt, dass er praktisch nie zu Hause war. Seine Erziehung lag dementsprechend mehr in den Händen seiner Mutter, der Arzttochter Elisabeth Gatschet. Den allerersten Schulunterricht erhielt Eduard Güder in Walperswil. Dann kam er mit 11 Jahren im Frühling 1828 nach Biel in das nicht so lange vorher gegründete Gymnasium oder Collège. Im Pensionat von Marie-Louise Blösch fand er Aufnahme. In der Schule wurde viel auf Lateinisch und Griechisch gelesen. Auch die Mathematik war sehr vertreten. Der fleissige Schüler gewann mehrere Preise, schöne Medaillen, die er alle sorgfältig aufbewahrte. 1832 hielt er die Promotionsrede am Schluss des Schuljahrs. Als Thema wählte er «die Freundschaft». Allerdings entwickelte er einen unnatürlichen Ehrgeiz. «Hochmut über mein Wissen war das Grundprinzip, das mich durchdrang», stellte er rückblickend fest. Die Richtung, die in Biel am Gymnasium vorherrschte, war eine mehr aufs Intellektuelle und Formelle gerichtete. Die rationalen Anschauungen, die er eingeimpft bekam, erschütterten den Jungen in seinem einfachen Glauben. Im Verborgenen konnte Güder jedoch mit dem Lehrer Leonhard aus Berlin das Neue Testament lesen.[5]
In Bern trat er in die neu gegründete Universität (1834), um dem Wunsch der Eltern entsprechend, Theologie zu studieren. Nach dem bestandenen Examen 1839, die ihn ins Predigtamt aufnahmen und einigen Vikariatsdiensten in Madiswil konnte er von 1841 bis 1842 für die weitere theologische Ausbildung an die Universität Berlin. Professor Rheinwald, Ratgeber beim Ministerium für geistliche Angelegenheiten, verstand es, Güder für eine publizistisch-literarische Tätigkeit zu interessieren. Für ihn schrieb er in der «Berliner Allgemeinen Kirchenzeitung» über die politisch-konfessionellen Verhältnisse der Schweiz. Eine Studienreise durch ganz Deutschland, den Universitäten Halle, Bonn u.a., schloss den Aufenthalt ab. Dann erhielt er 1842 ein Rückberufungsschreiben des Erziehungsdepartements, der ihn zum Pfarrvikar in Biel bestimmt hatte.
«Ich würde Biel den Vorzug geben vor jedem anderen Vikariate auf dem Land»
Friedrich Gustav Eduard Güder, geschrieben in Berlin
Güder freute sich auf ein Wiedersehen mit Robert Babst, Direktor des Progymnasiums, Dr. Lanz, sein Studiengenosse, Apotheker Andrea, Dr. Blösch und andere. Die Stadt
war geprägt von dem vor- und aufwärts drängenden Radikalismus der 40er Jahre und den internationalen revolutionären Elementen Europas. [6] Hier kamen die Blätter heraus, die den Umsturz aller Dinge und Mord predigten, wie zum Beispiel «die Revolution». Hier
erschien in Broschürenformat «Der Plan zur Revolutionierung und Republikanisierung Deutschlands» von Struve und Heinzen unterzeichnet.
Persönliche Angriffe revolutionärer Umtriebe durch die Presse erlebte Güder infolge der 1843 eingeführten Missionsstunden. Das Predigen erfolgte je am ersten Sonntag des Monats im Lehrzimmer des Progymnasiums. Der Burgerrat beschloss, dass die Vorträge dem Ruf der Anstalt schaden konnten. Das Zimmer wurde daher verweigert. Die Begebenheit kam zur Verhandlung in den Stadtblättern. Güder liess zur Verteidigung seine Predigt mit einem Anhang drucken, in welchem er den Stand der Sache kurz beleuchtete. Ein reformierter Kollege aus dem Solothurnergebiet erschien mit einer Gegenschrift, was wiederum zu einer literarischen Fehde führte. Noch über ein halbes Jahr nachher sah sich Güder wegen dieser Geschichte in der Bieler Presse verfolgt. Er sollte mit dem Vorwurf zum Schweigen gebracht werden: Er wolle das lebenslustige Biel in eine Missionsanstalt verwandeln. Die Missionsstunden wurden trotzdem abgehalten, nur trat an die Stelle des Schulzimmers die Kirche. Eduard Güder heiratete 1845 Katharina Sophie Cäcilia Gatschet, Tochter des Bruders seiner Mutter. In der 36-jährigen Ehe kamen 7 Knaben und ein 1 Mädchen zur Welt, 5 starben vor den Eltern.[5]
Die revolutionäre Wahl eines Verfassungsrates im September 1845 erschien vielen als ein schroffer Bruch mit der Vergangenheit, der auch die Kirche unaufhaltsam in einen Strudel hineinziehen müsse und dem ernsten Christen die Pflicht nahe lege, dem öffentlichen Leben überhaupt den Rücken zu wenden. Andere erblickten darin umgekehrt die Aufforderung, den Fortbestand der vaterländischen Kirche als Landeskirche durch eine zeitgemässe Reorganisation ihrer Einrichtungen zu ermöglichen. Am 22. April 1846 tagte in Biel eine freie Versammlung von 130 bernischen Geistlichen zur Besprechung der Lage. Den Vorsitz führte Pfarrer Alphons Bandelier in St. Immer, später Mitglied des Regierungsrates, das Protokoll der junge Bieler Vikar Eduard Güder, und mit ihm Pfarrer Cunier in Neuenstadt. Die Versammlung wollte die Gelegenheit der Erneuerung der bürgerlichen Konstitution dazu benützen, um der Kirche eine selbständigere Stellung zu schaffen. Sie verlangte keine Trennung von Kirche und Staat. Das ungeduldige Drängen nach schärferer Scheidung beider Gebiete hatte ebenso sehr zugenommen, wie die Abneigung davor und das Misstrauen dagegen. Man beschloss eine Eingabe an die Staatsbehörde mit der Bitte um Vorkehren gegen den Missbrauch der Presse und zum Schutz der christlichen Religion und Sittlichkeit. Besonders schlimm war es dabei, dass die Regierung mit der rohen Religionsspötterei einiger Zeitungsblätter und Flugschriften im Einverständnis standen (Buchdrucker und Bieler Gymnasiumslehrer Weingart, der am Freischarenzug persönlich teilnahm).[7]
In Biel wurde Güder ab 1850 selbständiger, zweiter Pfarrer. Es folgte der grosse konservative Rückschlag der 50er Jahre und damit auf kirchlichem Gebiet der Erlass eines neuen Synodalgesetzes, an dem auch Güder mitwirkte. Er führte das Gesetz mit seiner Schrift «Handbüchlein für die Kirchenältesten im Kanton Bern» ein. Von 1855 bis 1882 wirkte er in Bern als Pfarrer der Nydeggkirche. Nebenbei engagierte er sich kirchenpolitisch in der reformierten Landeskirche des Kantons Bern und lehrte ab 1862 zunächst als Privatdozent und später als Honorarprofessor Neues Testament und Dogmatik an der Universität Bern. Als Mitarbeiter der «Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche» verfasste er 27 Artikel, darunter den bedeutendsten über Reformator Zwingli auf 66 Seiten. 1862 wurde er Ehrendoktor der Universität Königsberg, 1867-1874 Dekan und 1878 Honorarprofessor für praktische Theologie an der Universität. Er verfasste als Redaktor verschiedene Artikel in der Kirchenzeitung «Hirtenstimmen» und «Kirchenfreund». 1864 wählte man ihn zum Präsident der schweizerischen reformierten Predigergesellschaft in Bern. 1872 unternahm er mit einem seiner Söhne eine Reise nach Jerusalem.
Die Regierung, veranlasst sowohl durch den Kulturkampf im Jura, als um der Reformrichtung innerhalb der Landeskirche zu einer Stellung zu verhelfen, arbeitete ein
neues Kirchengesetz aus. Güder war einer der Kommissionsmitglieder. Am 17. Januar 1874 wurde das Gesetz mit 70,000 gegen 17,000 Stimmen angenommen. [6] Eduard Güder war ausserdem Mitglied des historischen Vereins des Kantons Bern (1847), Abgeordneter des Synodalrats an
der Konferenz der evangelischen Kirchenbehörden, Vertreter der Schweiz bei den Festen des Gustav-Adolfvereins in Leipzig, Präsident des protestantisch-christlichen Hilfsvereins und Mitbegründer
des Hilfsvereins der Stadt Bern. Er starb am 14. Juni 1882 in Kirchenthurnen.[6]
Heinrich Boltshauser (1803-1872), Lehrer
44 Jahren Lehrer am Gymnasium/Progymnasium Biel von 1828 bis 1872
Fächer: Mathematik, Schreiben und Zeichnen
Heinrich Boltshauser wurde als Sohn des Johann Jakob Boltshauser und der Anna Maria Grob am 1. 9. 1803 geboren. Er war verheiratet mit Julie König. Er wirkte von 1828 bis 1831 als Lehrer für Schreiben und Zeichnen am Gymnasium Biel als Nachfolger von Xaver Billharz. 1831 übernahm Boltshauser bis zu seinem Tod die hiesige Mathematiklehrstelle.[8] 1845 erschien seine Arbeit «Die Grundlehren der Algebra», mit besonderer Rücksicht auf den Gebrauch der Schulen. Boltshauser: «Obschon wir aber viele treffliche Lehrbücher der Algebra besitzen, so sind unter denselben doch nur sehr wenige, die sich durch Inhalt und Form zu eigentlichen Schulbüchern eignen.»
1852 erschien die in Bern gedruckte, zweite, verbesserte Auflage «Beispielsammlung der reinen und angewandten Arithmetik, oder 4000 Übungsbeispiele aus den verschiedenen Gebieten der reinen und angewandten Arithmetik: zum leichten und nützlichen Gebrauche sowohl in Volksschulen, als auch in höheren Lehranstalten, in denen die Arithmetik gelehrt wird.» Boltshauser dazu: «Vor allem ist hier durch die Einführung eines neuen schweizerischen Maas- und Gewichtssystems und die Totaleinführung eines neuen Münzfusses notwendig gewordene Umarbeitung des Buches zu nennen.» Kurz vor seinem Tode erhielten er und seine Kinder Johann Heinrich Wilhelm (Lehrer), Anna Sophie Bertha, Gottfried Julius (Uhrenschalenfabrikant) das Ehrenbürgerrecht Biels. Er starb am 25. 9. 1872 in Biel.
Das Gymnasium wird reorganisiert
Es ist ein altes Vorrecht der Bieler Burger, gute Schulen unentgeltlich zur Verfügung zu haben. Das traf aber schon lange nicht mehr zu, indem die alte Knabenschule durch das Gymnasium zu Fall gekommen, der Zutritt zu dieser Anstalt aber vielen Knaben zu hohe Kosten wegen - jährlich 10 bis 20 Neutaler (4 alte Franken) verunmöglicht ist. Das Gymnasium brauchte eine Reorganisation, da man auch der Meinung war, das die verschiedenen Lehrer in Fächer unterrichteten, denen sie nicht gewachsen waren. Im Herbst 1829 traten die 4 Hauptlehrer Beck, Molz, Rickly und Rohr zurück. Als ihren Nachfolger wurden folgende 5 Lehrer gewählt: Alexander Flegler, aus Darmstadt, Christian Grauff, aus Weilburg, Ernst Leonhardt, aus Berlin, Johannes Schaub, von Liestal, und August Weingart, von Radelfingen. Rektor Appenzeller, dem die Demissionierung verweigert wurde, reduzierte sein Pensum. Eine Neuerung des Unterrichts lag darin, dass der Anfang des Schuljahres nun auf den Frühling verlegt wurde.[2]
Die neuen Lehrkräfte gehen mit Elan an die Arbeit, die Strukturprobleme des Gymnasiums können aber auch sie nicht lösen: 1830 sind von den nur noch 48 Schülern 16 Lateiner und 32 Realisten, aber, vom Schreib- und Zeichenunterricht abgesehen, hat die Schule den Letzteren nicht viel zu bieten. In dieser Situation entschliesst sich Cäsar Adolf Blösch, der Sohn der Pensionats Leiterin, ehrenamtlich einige Stunden in Naturgeschichte zu erteilen. [9]
Abstufung des Schulgeldes
Das Schulgeld wurde für Schüler andere Kantone von 128 Franken auf 80 Franken heruntergesetzt, für Ausländer auf 100 Franken. Eine schlechte Frequenz führte zu einer weiteren Reduktion des Schulgeldes. Der Administrationsrat schlug dem Erziehungsdepartement vor, das Schulgeld für alle Kantonsbürger auf 30, für alle anderen Schüler auf 50 Franken festzusetzen, unter der Annahme, dass man es in Zukunft ungefähr mit etwa 55 zu tun haben werde. Das Departement stimmte dem bei.
Friedrich Andreas Christian Grauff (geb. 1798), Lehrer
Lehrer (ab 1829) und Rektor vom Bieler Gymnasium (ab 1831).
Fächer: Griechisch, Lateinisch
Als freiwilliger Lehrer: Hebräisch, Italienisch, Englisch
Dr. Christian Grauff war ein Lehrer aus Weilburg im Nassauischen.[8] Am 30. November 1820 promoviert er in Giessen nach Einreichen zweier lateinischer Abhandlungen über die Apokalypse.[19] Von 1827 bis 1830 war er an der Berner Akademie Privatdozent für Latein. Am 29. 9. 1827 ins Bieler Bürgerrecht aufgenommen, wurde Grauff am 20. 10. 1829 ans Bieler Gymnasium als Lehrer für Griechisch und Latein gewählt. 1831 übernahm er als Nachfolger von Johann Conrad Appenzeller die Stelle des Rektors. Bis zur Aufhebung des Gymnasiums wurde Grauff jährlich wiedergewählt. Von der Gemeinde Bözingen erhielt er die Zusicherung des Bürgerrechts.[8] Als 1832 polnische Flüchtlinge in Biel eintrafen, kam das Kadettenkorps vom Gymnasium unter Anführung ihres Direktors Grauff ihnen bis Bözingen entgegen, ohne Wissen und Willen des Administrationsrates, und geleitete sie mit Musik und fliegender Fahne in die Stadt bis vor den Gasthof zur Krone, wo sie ein Mittagessen erhielten.[20]
Wegen seiner unkonventionellen Dozententätigkeit und seiner Sympathien für die politischen Flüchtlinge wie Ernst Schüler u.a., auch weil er «die homerischen Helden
höher stellte als das Christentum und seinen Kultus», waren seine Tätigkeiten am Gymnasium nicht mehr willkommen.[8] 1840 erschien sein in Bern gedrucktes Werk «Sachregister zu Anton von Tillier's Geschichte des eidgenössischen Freistaates Bern».
Als Cäsar Adolf Blösch als erster in Petinesca nach römischen Funden grub, wurde er von Grauff begleitet. Ab Januar 1857 wohnte er in Biel im Sonnenberg (Steinmättli) im 2. Stock und erteilte
Kindern und Erwachsenen Unterricht in den alten und neuen Sprachen, wie auch in andern Fächern des Schulunterrichtes.
In Lausanne gründete Grauff einen Handwerkerverein und unterrichtete Gerold Eberhard (1824-1880), den Gründer der schweizerischen Jugendbibliothek. Das Neujahrsblatt von 1864 berichtete: «Sehr zu statten kam Gerold Eberhard, dass sich damals in Lausanne ein deutscher Flüchtling aufhielt, Dr. Grauff. Von einer grossen Gelehrsamkeit hatte er neben seiner Fürstenfeindschaft nur eine Leidenschaft, nämlich die, Unterricht zu geben. Obgleich ganz arm, verlangte er nie Geld dafür, bis man es ihm freiwillig gab, und Prof. Vinet, sein Gönner, musste dafür sorgen, dass er auch einträgliche Stunden bekam, von deren Ertrag er notdürftig seine geringen Bedürfnisse bestritt. Bei ihm nahm Eberhard Lateinisch und Griechisch und brachte es bald so weit, dass er den Amphitruo des Plautus übersetzen und eingehende Studien über Homer machen konnte.» [21]
Albert Galeer (1816 - 1851), Gründer des Grütliverein, Wegbereiter des Sozialismus
Schüler des Gymnasiums von 1829 bis 1831
Albert Galeer wurde am 24. 6. 1816 im badischen Marktflecken Kehl als Sohn des 1828 in Biel naturalisierten Vorarlbergers Johann Leonhard Galeer und der gebürtigen Bielerin Margarete Stauffer geboren. Sie übersiedelten nach Biel, wo sich sein Vater als Gipsermeister etablierte.[4] Albert Galeer besucht das Bieler Gymnasium 1829 bis 1831 (unter anderem Griechisch bei Dr. Chr. Grauff), dessen Rektor ihm das Zeugnis ausstellte: «Muster und Zierde unserer Schule. Neben der nie erlahmenden Hand stets der denkende Kopf, wie ihn die alten Sprachen fordern. In ihm wird einst unser Gymnasium seine Ehre finden.»[8] Albert Galeer immatrikuliert sich 1833 an der Universität Heidelberg, betreibt philosophische und philologische Studien, die er mit dem Doktor der Philosophie abschliesst. Beeinflussung durch die idealistische Philosophie. 1835 in Genf als Sprachlehrer für Deutsch am Gymnasium tätig. Erstes Auftreten Galeers in deutschen Arbeiterbildungsverein Genfs, 1840 dessen Präsident. Strikte Ablehnung der sozialistisch-kommunistischen Ideenwelt. Beitritt zu dem am 20. Mai 1838 in Genf gegründeten Grütliverein, dessen Präsident Galeer manche Jahre war, und der dem Verein die grossen leitenden Ideen gab.[4]
Albert Galeer gab dem Grütliverein das geistige Gepräge und das Vereinsmotto: Durch Bildung zur Freiheit. Zu den wichtigsten Aktionen des Grütlivereins gehörten: Der Kampf für die Totalrevision der Bundesverfassung von 1874 und für das Fabrikgesetz von 1877. Seinen zahlenmässigen Höhepunkt erreichte der Grütliverein Ende 1890 mit 353 Sektionen und insgesamt über 16 000 Mitgliedern. 1902 schloss sich der Schweizerische Grütliverein der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz an (sogenannte Solothurner Hochzeit). Die formelle Auflösung erfolgte 1925.[12] 1846 erscheint sein wichtigstes Werk «Der moralische Volksbund». Freundschaft mit James Fazy, dem Führer der Liberalen und demokratischen Opposition Genfs. Amtlicher Übersetzer auf der Staatskanzlei. Ehrenburger von Genf wegen seiner Teilnahme an der Genfer Revolution von 1846. Beteiligung am Sonderbundsfeldzug ins Unterwallis. Vom Vertreter der radikal-demokratischen Partei (Grossrat) Wandlung zum Sozialisten und damit zunehmende Feindschaft zu Fazy. Vehemente Kritik Galeers an der repräsentativen Demokratie, dafür unbedingtes Eintreten für die wahre Volksherrschaft. 1849 Gründung der Zeitschrift «Alliance des peuples», wobei sich Galeer die Mitarbeit der bekanntesten politischen Flüchtlinge Deutschlands, Frankreichs und Italiens zu sichern vermag: Hertzen, Struve, Becker, Heinzen, Herwegh, Pyat, Thoré, Rolland, Mazzini und Sterbini. Infolge zahlreicher Anfeindungen und Verleumdungen erliegt Galeer 1851 einem Schlaganfall.[4]
Am 14. Januar 1831 wird in Biel bekannt, dass die aristokratische Berner Regierung abgedankt hat. Der Jubel der Radikalen in Biel ist gross – es
kommt zu verschiedenen Freudenkundgebungen, und für den festlichen Kanonendonner sorgen einige Schüler des Gymnasiums, sie benützen die Kanonen, welche die aristokratische Regierung nur vier
Jahre zuvor dem Kadettenkorps geschenkt hat. Der Vorfall löst ein deutliches Unbehagen unter den Konservativen aus.[9]
Foto rechts: Die Metamorphosen von Ovid zählen neben der Aeneis Vergils zu den bedeutendsten literarischen Werken der Antike und gehören zum Unterricht am Bieler Gymnasium. Reproduktion aus Publius Ovidius Naso : Les métamorphoses d'Ovide, Paris 1771
Ein neuer Schulplan fürs Gymnasium
Einigen Einblick in den Unterricht geben die Lehrziele des Schulplans von 1830:
Deutsch
Französisch
Latein
Griechisch
Geschichte
Geographie
Mathematik
Naturwissenschaften
Deutsch soll über die grammatikalischen Behandlungen der Sprache hinausgehen, Nachdruck auf den Vortrag legen, Stilistik und Metrik berücksichtigen und die rhetorischen und poetischen Gattungen kennen lehren.
Hilfsmittel: Grammatik-Lehrbücher von Adelung und Ruffer.
Französisch soll es zur Lektüre eines klassischen Stückes wie Charles XII. von Voltaire bringen.
Hilfsmittel: Grammatikbücher von Hirzel und Chapsal. Lesebuch von Hirzel.
Latein macht die Schüler auch mit Prosodik und Metrik bekannt.
Hilfsmittel: Als Lektüre sind zu wählen Stücke aus Cicero und Livius, Ovids Metamorphosen oder Virgil’s (70–19 v. Chr.) Epos Aeneis, Horazische Oden. Grammatikbücher
von Zumpt, Übungsbücher zum Übersetzen ins Lateinische von Zimmermann und Lesebücher von Krebs.
Griechisch verzeichnet als Lektüre die Odyssee und Herodots Hellencia abwechselnd mit einem attischen Schriftsteller.
Hilfsmittel: Grammatikbücher von Pinzger.
Geschichte und Geographie erstrecken sich auf Welt- und Schweizergeschichte, Allgemeine-und Schweizergeographie.
Hilfsmittel: Bücher von Bredow, Grundriss für die allgemeine Geschichte; Bücher von l’abbé Gauthier, leçons de géographie.
Mathematik umfasst die Lehre von den Potenzen, Wurzeln, Logarithmen und quadratischen Gleichungen. Hilfsmittel: Lehrbücher von Thibaut, Grundriss der Mathematik.
Naturwissenschaft sollen eingeführt werden, wenn die persönlichen und sachlichen Verhältnisse es gestattet.
Joseph–Arthur de Gobineau (1816–1882), Graf
Schüler des Bieler Gymnasiums von 1830-1833
Das Geschlecht der Gobineau stammte aus Bordeaux, Arthur wurde 1816 zu Ville d'Avray bei Paris geboren, als Sohn des Louis de Gobineau, eines streng royalistischen Offiziers, und der Anne Louise Madeleine de Gercy; sie war die Tochter eines der natürlichen Söhne Ludwig XV., Arthur de Gobineau also dessen Urenkel. Die Mutter hatte 1830 mit ihren Kindern und deren Erzieher, zugleich ihrem Liebhaber, Frankreich verlassen und hielt sich zuerst, während fünf Monaten im badischen Inzlingen, nahe bei Basel, auf. Dort wohnten sie im Weiherschloss, das einst den Freiherren von Reichenstein gehört hatte. Dann war die Familie eine Zeitlang in Biel, später in Pruntrut und auch in Bern ansässig.[11]
Vor allem wegen des Deutschunterrichts tritt Arthur de Gobineau ins Bieler Gymnasium ein. Er wird Schüler von Wilhelm Christian Binder, einem Württemberger, der die Fächer Deutsch, Geschichte und Geographie unterrichtet. Binder denkt konservativ, von liberalen oder gar radikalen Reformen hält er gar nichts. Vermutlich hat Binder, der wie Gobineau im Haus Rosiusgasse 11 wohnt, ein gewisser Einfluss auf das Denken des jungen Gobineau. Möglicherweise inspiriert auch eine Publikation von Rektor Johann Conrad Appenzeller Gobineaus Interesse für die Kulturen des Orients: 1820 erscheint sein Werk «Johann Heinrich Mayrs Reise nach Konstantinopel, Ägypten, Jerusalem und auf den Libanon». Gobineau nimmt auch an den Übungen des Bieler Kadettenkorps teil, das von Fischer geleitet wird. Fischer notiert am 26. März 1832: «De Gobineau, Arthur: Alter 15 ¾ Jahre, im Gymnasium: 5 Monate. Fleiss: fleissig. Fortschritte: artige. Aufführung: Sehr brav.» Möglicherweise haben die Kadetten innerhalb des Korps die damalige politische Auseinandersetzung im Spiel gespiegelt: Gobineau erinnert sich 1880 an einen «Sonderbundskrieg», der innerhalb des Korps gespielt worden sei.
Madame de Gobineau nimmt sich der Sache der polnischen Flüchtlinge an, die ab dem 2. April 1832 in Biel anlangen. Vor allem nachdem die Flüchtlinge vom Kanton keine Unterstützung erhalten, verteilt sie ihnen Gelder, die ihr eine geheimnisumwitterte Duchesse zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hat. Madame de Gobineau persönliche Situation aber bleibt prekär: Als sie Biel mit ihren Kindern Mitte 1833 verlässt, hinterlässt sie ein wenig Schulden. Währen Arthur und seine Schwester zu ihrem Vater nach Lorient reisen, ist Madame de Gobineau vermutlich nach Paris zurückgekehrt.[9] Ursprünglich Orientalist, trat Gobineau 1849 in den diplomatischen Dienst, wurde Gesandter in Persien und 1864 in Athen. Nach Rio de Janeiro und Stockholm lebte er in Paris und starb 1882 in Turin.
Ausser Reise-Novellen, Romanen und Dramen verfasste er sein Hauptwerk «Die Renaissance; Savonarola, Cesarc Borgia» . Mit seinem «Essai sur l'inégalité des races humaines» (1853) wurde er zum Wegbereiter der antisemitischen Rassentheorie. Er entdeckte die im Nordwesten
Europas lebenden Iangköpfigen germanischen «Arier» als die Elite-Rasse, der die Beherrschung aller andern zukomme. Übersetzt von Schemann, dem Begründer der deutschen «Gobineau-Vereinigung» ,
fand das Buch in Deutschland starken Widerhall und wirkte sowohl auf Nietzsche, Richard Wagner wie Houston Stewart Chamberlain, der in seinen «Grundlagen des 19. Jahrhunderts» den
nordisch-arischen Geist als eigentlichen Kulturträger darstellte. In welch tragischer Konsequenz diese verhängnisvolle Lehre endete, zeigte der deutsche Nationalsozialismus.[10]
Wilhelm Christian Binder (1810-1876), Schriftsteller, Geheimagent
Lehrer am Gymnasium von 1831 bis 1833
Fächer: Deutsche Literatur und Geschichte
Wilhelm Christian Binder wurde in Weinsberg, Württemberg, am 16. 4. 1810 geboren. Er war der Sohn des protestantischen Christian Gottlieb, Diakon aus Stuttgart (1776-1844) und der Friederike Wilhelmina Maier (*25.7.1786). 1816 bis 1824 besuchte er die höhere Lehranstalt in Ludwigsburg. Von 1824 bis 1826 studierte er im Kloster Schönthal, 1826 im Gymnasium Stuttgart und 1828 an der Universität Tübingen Theologie, klassische Sprachen und Geschichte. Von Ludwigsburg aus trat Binder am 15. 10. 1831 sein Amt als Lehrer für Deutsch und Geschichte am Bieler Gymnasium an. Er wohnte zuerst mit seiner Frau Friederike geb. Fleischhauer aus Wien (*1812) an der Klostergasse, 1833 im 1. Stock des Gartens im Rosius. Er demissionierte jedoch bereits am 12. 4. 1833 «so sehr ich auch Ursache hatte, mit meiner amtlichen Stellung in Biel zufrieden zu sein», da er zum württembergischen Legationssekretär in Wien ernannt wurde [8] und den Titel eines Professors der Staatswissenschaften erhielt.[22] Sein Nachfolger am Bieler Gymnasium war Ernst Schüler.[8]
Binder demissionierte, um als Geheimagent Narding für Fürst Klemens Metternich zu arbeiten. Wolfram Siemann schildert in seinem Buch «Deutschlands Ruhe, Sicherheit und Ordnung: Die Anfänge der politischen Polizei 1806-1866»: «Um in den österreichischen Staatsdienst zu kommen, bot sich Binder als geheimer Agent an. Binder wurde beauftragt, die Pläne der deutschen, französischen und übrigen Propaganda auszuforschen. 1833 erhielt er in Biel den Decknamen Narding, eine jährliche Besoldung von 1000 Gulden, Tagesdiäten für persönlichen Lebensunterhalt von 5 Gulden. Seine Berichte wurden in Auszügen den Königen von Preussen, Bayern und Württemberg vorgelegt. Binder wurde in geheimer Mission nach Paris beordert. Dann spitzelte er die Universitäten Freiburg und Heidelberg aus ...» Mehr dazu in Siemanns Buch, erschienen im Max Niemeyer Verlag, Tübigen 1985.[23] Er unternahm geschäftliche Reisen nach England und in den Orient.[22] Binder, der von 1833 bis 1841 Mitarbeit der Staatskanzlei war, schrieb 1836 sein kritikfreies Buch Fürst Klemens Metternich und sein Zeitalter, es war die erste Biografie über Metterlich.
In Wien verarbeitete Geheimagent Binder das in Biel gesammelte Material zu seiner 1834 erschienenen Geschichte Biels, die er «dem Burgermeister und den Räten der Stadt Biel zum freundlichen Gedächtnis» widmete.[8] Es enthielt eine Einleitung vom Bieler Gymnasialdirektor Johann Conrad Appenzeller. Über die Anfänge das Bieler Gymnasium schrieb er in Band III: «Bald nach der Einverleibung des Bistums Basel in den Kanton Bern, war der Ratsherr und damalige Kanzler der Akademie, Abraham Friedrich von Mutach (1765-1831), in die neuerworbenen Landesteile abgeordnet worden, um den Zustand des dortigen Schul- und Erziehungswesens an Ort und Stelle einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen, dass für die protestantische Jugend des Leberbergs, und namentlich für solche, die sich dem geistigen Stande zu widmen gedächten, durch ein zu errichtendes Gymnasium auf ähnliche Weise müsse gesorgt werden, wie dies für die Katholiken durch die Kollegien zu Pruntrut und Delsberg bereits geschehen war. Biel wurde auf Beschluss der hohen Regierung vom 6. 11. 1816 Sitz einer, für den protestantischen Teil der leberbergischen Ämter neu zu errichteten gelehrten Schule erklärt. Diese wurde 1817 mit 42 Schülern eröffnet. Nach der abgelaufenen 6-jährigen Probezeit, als die Regierung ihre Erwartungen von dem Gymnasium erfüllt sah, bestätigte sie durch ein Dekret vom 9. Juni 1823 dessen definitive Fortdauer.» Von den stark radikal eingestellten Bielern wurde das dreibändige Werk nicht mit ungeteiltem Lob aufgenommen. Jedenfalls dauerte es 20 Jahre, bis der Stadtpräsident von Biel, Cäsar Adolf Bloesch (1804-1863), ebenfalls eine dreibändige Geschichte seiner Stadt Biel verfasste. Binder hielt sich bis 1841 in Wien auf und siedelte dann nach Ludwigsburg über, wo er am 23. 12. 1845 zum katholischen Glauben übertrat.[8] Aufsehen und Gegenschriften erregte seine theologisch-polemische Schrift: «Der Protestantismus in seiner Selbstauflösung», welche zuerst anonym erschien.[24] Ab 1846 hielt sich Binder in Augsburg auf und übernahm die Redaktion der «Realencyklopädie für das katholische Deutschland». Sein Glaubensübertritt veranlasste die Schrift: «Meine Rechtfertigung und mein Glaube» (Augsburg 1845). Danach weilte er in Regensburg und später wieder in Württemberg, zum Teil auch im Elsass.[22]
Er schrieb unter anderem: Der deutsche Horatius (Ludwigsburg 1831), Geschichte der Stadt und Landschaft Biel (Biel 1834), Fürst Clemens Metternich und sein Zeitalter (Schaffhausen 1836), Der Untergang des polnischen Nationalstaates (Stuttgart 1839), Peter der Grosse und sein Zeitalter (Reutlingen 1841), Der Protestantismus in seiner Selbstauflösung, Schaffhausen (1843), Alemannische Volkssagen (Stuttgart 1844), Geschichte des philosophischen und revolutionären Jahrhunderts (Schaffhausen 1844/45).
Heinrich Volkmar Andreae (1817-1900), Apotheker, Botaniker, Erfinder und Hersteller der Zahnpasta
Odentine.
Schüler am Bieler Gymnasium ab 1831
Heinrich Volkmar Andreae wurde am 9. 6. 1817 als Sohn eines Schulmeisters in Heidenheim in Bayern geboren. 1831 kam er nach Biel, wo sein Bruder Philipp Johann Adam als Apotheker an der Schmiedengasse 5 (ehemals Apotheke Schaltenbrand) tätig war. Heinrich besuchte das Bieler Gymnasium.[14] Hier zählte man ihn zu den besten Schülern. Der Lateinlehrer Schaub bezeugte, dass der junge Volkmar sich durch lobenswerten Fleiss auszeichne, und dass trotz eines gewissen Hangs zu Zanksucht seine Ausführung als musterhaft zu bewerten sei.[16] Danach trat er als 19-Jähriger bei seinem Bruder in die Lehre.
Er ging nach Abschluss derselben 1837 als Gehilfe in die Apotheke Burmann in Le Locle. Schon im folgenden Jahre wurde er nach Couvet berufen, weil die dortige Apotheke durch den Tod des Inhabers leer stand. Da er jetzt nicht mehr Gehilfe, sondern selbständiger Apotheker war, wurde ein pharmazeutisches Staatsexamen von ihm verlangt. Andreae erbat sich dafür eine Frist von sechs Monaten und schaffte es, nach Ablauf dieser Zeit das Neuenburger Examen mit Erfolg zu bestehen, ohne deshalb seine Stellung als Apotheker aufgegeben zu haben. 1839 kaufte er die durch den Tod frei gewordene Apotheke in Môtiers, und als zwei Jahre später in Fleurier der beliebte Arzt Dr. Allamand starb, wurde Andreae von den Bewohnern von Fleurier gebeten, mit seiner Apotheke zu ihnen an die rue du Temple 16 zu ziehen.[14]
1858 verlegt er seine Apotheke in die Grand-Rue Nr. 4. Andreae verstand es, schweizerische Jura- und Alpenpflanzen, welche teils seit Jahrhunderten im Volk als
Heilkräuter geschätzt, teils als frühere Medizinpflanzen in unverdiente Vergessenheit geraten waren, zu brauchbaren, wirksamen Präparaten zu verarbeiten und ausserdem die Kultur von
Arzneipflanzen zu fördern. Er erhielt dafür mehrere Auszeichnungen, besonders für die jedermann erschwingliche Zahnpasta Odentine. Seine Apotheke in Fleurier verfügte über einen Dampfkessel von
700 L Kapazität und 6 m2 Heizfläche, sowie einen Destillierapparat von 300 L Inhalt und einen Dampfmotor von 2 Pferdekräften zum Betrieb einer Pulverisiranstalt. Dazu wurden Rohmaterialien im Wert von ca. 6000 Franken verarbeitet. Diese wurden
in zwei Kategorien von Präparaten produziert, die sich als pharmazeutische und als hygienisch-kosmetische Spezialitäten unterschieden und die Andreae als sorgfältig bereitete Produkte auch
ausserhalb der Schweiz vertrieb.[15] 1844 verheiratete er sich mit Marie Adèle
Richardet (1818-1885) und dieser Ehe entsprossen 5 Kinder. Von den zwei Söhnen arbeitete der ältere Philipp Ernest als Apotheker in Bern, der jüngere als Arzt in Genf.
1862 wurde Volkmar Andreae in die kantonale Sanitätskommission des Kantons Neuenburg gewählt, und als Mitglied dieser Behörde hat er fast alle Apotheker und Ärzte des Kantons examiniert, bis dann die medizinischen Examina der kantonalen Oberhoheit entzogen und von eidgenössischen Kommissionen übernommen wurden. Andreae war Mitglied des schweizerischen Apothekervereins, der schweizerischen botanischen Gesellschaft, der Société botanique de France und von 1855 auch Mitglied der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft. Er war einer der Gründer der Société du Musée de Fleurier, einer Gesellschaft, die hauptsächlich für Verbreitung populärer Naturkunde arbeitete und gründete den Club Jurassien, einen Verein, dessen Aufgabe in der allseitigen Erforschung des Jura besteht. In dessen Organ «Le Rameau du Sapin» veröffentlichte er botanische Arbeiten.
Nachdem er seine Apotheke verkauft hatte, zog Andreae 1896 nach Clarens, um seinen Ruhestand in einem milden Klima zu geniessen. Volkmar Andreae war ein begeisterter Freund der Berge, speziell des Jura. So hat er etwa den Chasseron im Jahre 1837 bestiegen, 1898 finden wir im dortigen Fremdenbuch noch einen hochpoetischen Hymnus von ihm, den er selbst als sein Testament bezeichnet. Er kaufte am Chasseron ein Stück Land, um dort Alpenrosen zu pflanzen, und seinen Bestrebungen um Wiederbewaldung der kahlen Jurahöhen verdankt Fleurier die Entstehung eines reizenden Waldparks, la Caroline. Daneben widmete er sich als Botaniker der eigentümlichen Flora des Jura. Zudem pflegte er die Musik, spielte, komponierte und dirigierte Chöre. Er starb in Clarens mit 83 Jahren am 19. 3. 1900 an einem Herzschlag.[14]
1901 wurde auf dem Gipfel des Chasseron eine Inschrift öffentlich eingeweiht, die der «Club Jurassien» Volkmar Andreae gewidmet hatte. Der Name des bekannten
Apothekers wurde in eine Felswand eingraviert, nicht weit vom Gipfel entfernt, am Rande des Plateaus, auf dem Andreae mit der Anlage eines Akklimatisierungsgartens begann.[17] Das Regionalmuseum Vallon in Môtiers besitzt u. a. das Ölporträt dieses berühmten Mannes sowie
seinen Spazierstock, sein grün bemaltes Metallherbarium und Manuskripte.
Schriften: Aperçu sur la flore du Jura (Paris 1869), Flora: influences septiques & antiseptiques (Neuchâtel 1891), Etudes hygiéniques (Neuchâtel 1892-1893), Influenza: populär-hygienische Studien über septische und antiseptische Einflüsse (Neuchâtel 1894), Jésus-Christ médecin (Neuchâtel 1895), Les puissances harmoniques et réparatrices de la vie (Neuchâtel 1895), Hygiène, prophylaxie, influences: conseils d'un vieux botaniste du Jura (1895), Alpes et Jura (Montreux 1898).
Simon Peter Alfons Bandelier (1800-1860), Pfarrer
Lehrer am Gymnasium
Simon Peter Alfons Bandelier, geboren am 9. Februar 1800, war der Bruder von Adolf Bandelier. Er versah in den Jahren 1823 und 1824 die Pfarrhelferstelle im St.
Immertal, wurde dann zum Kaplan der französisch sprechenden Kolonie in Genua (Nicht-Waldenser) gewählt, wo er 9 Jahre lang blieb, kehrte 1834 zurück, wurde Bezirkshelfer des Jura (Amtssitz in
Biel) und Verwaltungsmitglied und Lehrer am Gymnasium Biel. 1839 wurde er Pfarrer in St. Immer und widmete sich hier mit Vorliebe der Förderung des Schulwesens. 1846 gehörte er, vom oberen St.
Immertal gewählt, dem bernischen Verfassungsrat an und betätigt sich von da an vielfach auch am politischen Leben, besonders an der Helvétie in Pruntrut, ein liberal-konservatives Blatt. Nach dem
am 7. Mai 1848 erfolgten Hinscheiden des Dekans Charles-Ferdinand Morel, der ihm 1842 die Hand seiner Tochter Cécile Morel gewährt hatte, wurde Bandelier dessen Nachfolger als Pfarrer von
Corgémont. Während 4 Jahren versah er hier zugleich das Amt eines Schulinspektors. Nach dem politischen Umschwung von 1850 wurde ihm eine Kandidatur in den Regierungsrat angetragen, die er aber
ablehnte, um zwei Jahre nachher einem erneuten Ruf in die bernische Regierung doch zu folgen. Hier wurde ihm als Nachfolger von August Moschard, die Direktion der Erziehung übertragen. Die zwei
Jahre, welche er als Mitglied der obersten Regierungsbehörde zubrachte, waren für ihn keine glücklichen. Bei der Fusion von Frühjahr 1854 stellte die indessen zur Mehrheit gelangte Radikale
Partei des Jura das Verlangen, Bandelier nicht mehr in die Regierung zu wählen, und er wurde dann auch wirklich übergangen. Seine letzten Lebensjahre widmete er dem Gemeindeleben der Stadt
Bern, wo er, in den Gemeinderat gewählt, namentlich im Schulwesen als Mitglied der Primarschulkommission, der Real- und der städtischen Mädchenschuldirektion wirksam sein konnte. Er starb in Bern
am 20. Juni 1860.[1]
Johann Jakob Dietrich (1811-1887), Chirurg
Schüler am Gymnasium Biel
Jakob Dietrich wurde am 9. 10. 1811 in Gampelen geboren als Sohn des Johann Jakob Dietrich und der Maria Frari. In Biel erhielt er seine Schulbildung und besuchte das Gymnasium. Dann studierte er an den Universitäten Bern und Heidelberg.[8] Längere Zeit versah er die Assistentenstelle im äusseren Krankenhaus zu Bern, wo neben Syphilitischen und Hautkrankheiten im sogenannten Siechenhaus auch noch Geisteskranke aufgenommen wurden. Nachdem sich Dietrich in Muri bei Bern niederliess, gründete und leitete er dort eine Privatirrenanstalt. 1851 zog er nach Nidau, wo er die Praxis des verunglückten Dr. Knobel übernahm. 1858 verlegte er seinen Wohnsitz nach Biel, wo er 35 Jahre gearbeitet hatte.
Dietrich litt an schweren gesundheitlichen Problemen. Während seiner Studienzeit war er in Bern abends in den Hirschengraben gefallen und hatte die ganze Nacht hindurch, sich der Angriffe eines grossen Dammhirsches erwehrt. Beim Fechten zog er sich eine Verletzung zu, als eine Schlägerspitze durch die Maske drang. Dabei trieb ein Splitter unter seinem Auge durch bis ins Hirn und eine einseitige Lähmung war die Folge. Eine Besserung setzte nur langsam ein. Das Bein blieb gelähmt. Seine Ausdauer hatte er es zu verdanken, dass ihm die Ausübung des Berufs, insbesondere für Innere Medizin, wieder möglich wurde. Leider hatte die Lähmung seines Beines wieder Folgen, als er in seinem Zimmer beim Ankleiden so unglücklich fiel, dass er an selbigem kranken Bein einen Schenkelhalsbruch erlitt. Nach schmerzvoller Genesung war es ihm wieder möglich geworden, täglich seine Patienten zu besuchen und seinen Lieblingsspaziergang zum See auszuführen. Einen Tag bevor der seeländische ärztliche Bezirksverein seine Winterversammlung abhielt und Dr. Dietrichs Doktorjubiläum feiern wollte, fiel dieser wiederum in seinem Zimmer und brach ein Schlüsselbein, sodass man ihm nur in Absenz den Abend widmen konnte, nachdem einige Abgeordnete ihm ein Andenken überbracht hatten.
Dieterich gehörte politisch der freisinnigen Richtung an, hatte sich in Nidau aktiv an der Politik beteiligt, in Biel aber immer mehr davon zurückgezogen. Er war Mitglied der Sanitätskommission. Sein körperlicher Zustand hatte zufolge, dass er keinen Hausstand gründete; er lebte und verstarb als Junggeselle. Dafür studierte er bis ins hohe Alter medizinische Klassiker, Geschichte, naturwissenschaftliche und philosophische Werke. Er starb am 16. Juli 1887 in Biel.[18]
Die letzten Jahre vom Gymnasium
Das Bieler Gymnasium ist keine Hochschule
Jakob Wyss: «Die Regierung stellte zu dieser Zeit bereits Überlegungen an, im Zusammenhang vom Gesetz über das höhere Gymnasium und die Hochschule von 14. März 1834. Im Hinblick auf eine neue Bundesverfassung fing man an, von eidgenössischen Hochschulen zu sprechen. Mit einer Hochschule trat das sogenannte höhere Gymnasium ins Leben. Das Gesetz definierte: Das Gymnasium ist eine wissenschaftliche Lehranstalt, worin die Jugend, nachdem sie die Sekundarstudien vollendet hat, diejenige Vorbildung erwerben kann, die zu einem erfolgreichen Besuch der Hochschule erforderlich ist. Mit der Errichtung eines höheren Gymnasiums und dem Hinfall der alten philosophischen Fakultät war Biel der Anschluss an das akademische Studium angeschnitten, und wenn der Anstalt auch vorläufig der gewohnte Name noch blieb, war sie tatsächlich in der Stellung eines Progymnasiums oder einer Sekundarschule mit Unterricht in der alten Sprache herabgedrückt. Nachdem die Mitglieder Perregaux, Perrot, Watt und Wildermett abgetreten waren, wählte das Erziehungsdepartement Pfarrhelfer Bandelier, Louis Grosjean, Pfarrer Rohr und Albert Verdan, der Burgerrat wählte Abraham Alexander Schöni und David Schab. 1834 reichte der neue Verwaltungsrat ein Memo ein über den Zustand der Schule und die notwendigen Verbesserungen, hauptsächlich betreffend Verminderung der Schülerzahl von 80 auf 40. Das Erziehungsdepartement schlägt vor, eine Industrieschule zu dem Gymnasium anzufügen. »[2]
Ein revolutionärer Geist
1833 hatte am 3. April der in der Geschichte unter dem Namen Frankfurter Attentat bekannte Versuch, den deutschen Bundestag zu sprengen und gewaltsam eine
freiheitliche Ordnung der Dinge herbeizuführen, stattgefunden. Schuldige und Verdächtige flohen in Scharen über die deutsche Grenze. Einer der Flüchtlinge war Ernst Schüler aus Darmstadt, der
Ende April in Biel erschien, ausgestattet mit einem Empfehlungsschreiben, das ihm der deutschbürgerliche Schriftsteller Heinrich Zschokke in Aarau für seinen literarischen Freund Appenzeller
mitgegeben hatte. Ernst Schüler hatte in Giessen Theologie und Philologie studiert und unterrichtete am dortigen Gymnasium, als er der Teilnahme am Frankfurter Unternehmen wegen den deutschen
Boden verlassen musste. Auf Appenzellers Verwendung hin übertrug ihm der Administrationsrat am 4. Mai provisorisch am Gymnasium die Lehrstelle für Geschichte und Naturkunde.[2]
Plötzlich fing sich die Flüchtlings- und Verschwörerfrage im Kanton Bern an, sich zuzuspitzen. Rektor Grauff, dem man Sympathien für die Sache der deutschen Flüchtlinge zuschrieb, wurde verübelt, dass er auf einem Spaziergang, den er an einen Maisonntag als Inspektor des Pensionats mit dessen Schülern ausführte, sich mit denselben in Leubringen in Gesellschaft von Arbeitern der hiesigen Druckerei aufhielt, in deren Mitte sich auch Kollege Ernst Schüler befand. Gemeinsam nahmen sie am Abstieg von Leubringen nach Biel teil. Der Regierungsstatthalter brachte diesen harmlosen Vorfall im Verwaltungsrat zur Sprache. Dieser war einstimmig der Ansicht, dass der Rektor unvorsichtig handelte und dem Ruf des Gymnasiums schädigen könnte.[2]
Als Ersatz für den zurückgetretenen Lehrer Lindt wurde am 6. November 1835 der politische Flüchtling Ernst Ludwig Rochholz, aus Ansbach, gewählt. Rochholz, bereits in jungen Jahren interessierter Volkskundler und engagierter Pädagoge, hat zuvor in Hofwil unterrichtet. Emanuel von Fellenberg intrigiert von Anfang an gegen Rochholz, indem er davor warnt, dieser werde unter den Schüler revolutionäre Agitation betreiben. Als Fellenbergs Verbündeter wirkt Schreiblehrer Wirth, der sich beim Verwaltungsrat über Rochholz und Grauff beklagt. Vom Verwaltungsrat zu den Vorwürfen befragt, weiss sich Rochholz glänzend zu verteidigen. Nur Monate später wurde Rochholz aus 40 Bewerbern an die Kantonsschule Aarau gewählt, wo er viele Jahre mit grossem Erfolg unterrichten wird. In seinem Abschiedsbrief an den Verwaltungsrat empfiehlt Rochholz Karl Mathy als Amtsnachfolger, eine weitern politischen Flüchtling aus Deutschland. Mathy wird schliesslich als Vertreters des Mathematiklehrers Boltshauser gewählt.[9] Karl Mathy kam im Sommer 1835 nach Biel und hatte als Übersetzer des zweisprachig erschienenen Blattes «Die junge Schweiz», zu der er auch gelegentlich volkswirtschaftliche Artikel beisteuerte, Anstellung gefunden.
Am 28. Mai 1836 fand in Brügg eine Versammlung deutscher Handwerker und Flüchtlinge statt, bei der auch Ernst Schüler als Präsident des Geschäftsausschusses des
Jungen Deutschland gegenwärtig war. Eine Untersuchung wurde eingeleitet und Schüler vier Tage später verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis nach Bern abgeführt. Am 11. Juli legte die Polizei
die Hand auf das Redaktionskomitee der «Jungen Schweiz», wodurch die Lehrer Karl Mathy und August Weingart Gelegenheit fanden, ihrem Kollegen Schüler nach Bern zu folgen. Der Radelfinger Bürger
Weingart wurde nach ein paar Tagen entlassen. Mathy öffneten sich die Gefängnistore am 25. Juli, nachdem ihn Bern am 22. Juli des Landes verwiesen hatte. Mathy konnte sich zwar 1838 dann doch als
Bezirkslehrer in Grenchen niederlassen, wo er bis Ende 1840 wirkte. Ernst Schüler wurde am 22. Juni vom Amt suspendiert und am 19. Dezember 1836 vom Strafgericht in Biel von der Anklage auf
Hochverrat freigesprochen.»[2]
Die Verhaftungen hatten schwerwiegende Folgen: Am 27. Juli erschien die letzte Nummer der «Jungen Schweiz». Nachdem Ernst Schüler, Karl Mathy und Auguste Weingart
ihre Stellen verloren hatten, hebte die Berner Regierung das Gymnasium am 12. September 1836 auf.[9]
Johann August Weingart, genannt Jonathan Radical (1797-1878), Lehrer, Buchdrucker und Nationalrat
Lehrer am Gymnasium von 1830 bis 1836
Fächer: Französisch, Geographie, Doppelte Buchhaltung
Johann August Weingart von Radelfingen wurde am 26. September 1797 in Radelfingen geboren.[9] Da er seine Jugendzeit im Neuenburgischen zubrachte, so wurde ihm das Französische so vertraut wie die deutsche Muttersprache.[3] Zuerst wirkte er als Lehrer in La Chaux-de-Fonds, dann als Lehrer im Waisenhaus in Bern [8], wurde dann 1830 Lehrer für Französisch und Geographie am Gymnasium in Biel. Weingart strebte nach einem Schulwesen, das sich auf pädagogischen Prinzipen aufbaut. Die Sonder- und Standesschule soll zu Grabe getragen werden. Deshalb befürwortete er die Reduktion des Gymnasiums und dafür die Vermehrung der Sekundarschulen und vor allem die Unentgeltlichkeit des Unterrichts.
Johann August Weingart unterrichtete nach Joseph Jacotots Methode und brachte 1930 das Buch «Vollständiger Kursus nach seiner Methode von Friedrich Weingart» heraus. Weingart: «Die Methode ist auf nichts Geringeres gerichtet, als auf Emanzipation des Geistes, auf geistige Mündigkeit. Die Elemente dieser Methode kann man in drei Hauptteile zerlegen. Der erste verbreitet sich auf die Übungen und Erklärungen des Gedächtnisses; der zweite ist analytisch, der dritte synthetisch. Das erstere verbreitet sich darüber, dass man dem Schüler ein Lesestück aus einem Buch überweist, es auswendig lernen lässt und es alle Tage wiederholt. das analytische Verfahren besteht darin, dass man den Schüler anhält, auf alles zu merken und darüber nachzudenken, was er auswendig gelernt hat, damit er die Worte und die Beziehungen der einzelnen Ideen zu einander festhalten und Rechenschaft darüber zu geben wisse. Das synthetische Verfahren geht dahin, den Schülern in den Stand zu setzen, die Materialen, welcher er auf den beiden ersten Wegen eingesammelt hat, in den verschiedenen Verbindungen und Zusammensetzung anzuwenden.» Weingart gehörte zu den tätigen Wortführern der neuen Richtung, er war Mitglied des Schutzvereins, und bekannt als beliebter und gefürchteter Redner bei Versammlungen. 1835 beteiligte er sich an der Redaktion der «jungen Schweiz» (erschienen von 1. Juli 1835 bis 23, Juli 1836), in der er den Kriegsnamen Jonathan Radical führte.
Johann August Weingart stand in freundschaftlichen Beziehungen zu seinem Schul- und Redaktionskollegen Karl Mathy, der von Karlsruhe aus öfters Grüsse seinem Jonathan Radical übersandte. Mathy siedelte nach Biel und arbeitete in Weingarts Druckerei als Übersetzer von Mazzinis Texten und schrieb auch Leitartikel. Infolge seiner politischen Tätigkeit und seiner Zugehörigkeit zur «jungen Schweiz» verlor Weingart die Stelle als Lehrer im Jahr 1836, wurde verhaftet und kurze Zeit später wieder freigelassen. Die Buchdruckerei der verbotenen Zeitung «Jungen Schweiz» wurde umgetauft und nannte sich nun Buchdruckerei Schneider & Co. Dr. Rudolf Schneider betraute August Weingart nach seiner Entlassung aus dem Schuldienst mit der Geschäftsleitung. Die Bieler Druckerei gab ab 1836 die Zeitschrift «Volks-Bibliothek» heraus, die von Karl Mathy unterstützt wurde. 1873 erschien «Der Seeländer Anzeiger». 1838 wurde das Reglement über die innere Einrichtung der Bürgerschule zu Biel veröffentlich.
1838 verlangte Frankreich die Auslieferung des Prinzen Louis Napoleon, der das schweizerische Staatsbürgerrecht erworben hatte, woran die Schweiz nicht interessiert
war und freiwillige Schützen stellten sich zur Verfügung, diesem Ansinnen entgegenzuwirken. In Biel gründete sich ein Ausschuss, dem August Weingart angehörte. Ebenfalls gehörten u. a. dazu
Gerichtspräsident Alexander Schöni, Hauptmann Louis Grosjean, Lehrer J. Rickly, Lehrer Johann Schlecht, Gemeindeschreiber Ernst Schüler und Alexander Neuhaus. Als Weingarts Geschäft
1841 nach Bern verlegt wurde, nahm es die Firma «Weingart & Cie.» an; es verblieb aber nach wie vor im Besitz von Dr. Schneider.
Als überzeugter Radikaler trat er in Herzogenbuchsee am 19. Januar 1845 als Redner gegen die Jesuiten auf, und beteiligte er sich am zweiten Freischarenzug, der ihn in luzernische Gefangenschaft brachte. Weingart: «Ich habe meinen Kampfgenossen vorgeschlagen, in allen Gemeinden, die wir passieren werden, den Pfarrer und 8 Vorgesetzte als Geisel mitzunehmen und den Leuten zu erklären, wenn ihr bei unserem Ein- oder Auszug euch die geringste Feindseligkeit gegen unsere Leute erlaubt, so sind diese 4 Kerle des Todes (…) Die Seeländer sind zahlreich mit 3 Kanonen angelangt, Ernst Schüler, Hauptmann Carl Eduard Funk, Major Emanuel Dutoit zu Pferd an der Spitze. Einer solchen Mannschaft kann Nichts widerstehen, und mit hundert solchen Männern ist mehr auszurichten als mit 300 Söldlingen.» 1845 wurde er wegen seiner Beteiligung am Freischarenzug in Luzern gefangengenommen. Über den Freischarenzug schrieb er nach seiner Rückkehr aus Luzern, ein Artikel im Seeländer-Anzeiger. Weingart veröffentlichte 1846 die Schrift «Gedanken und Ansichten über das bernische Schulwesen», worin er verschiedene Reformen anregte und die Lehrerschaft ermutige, sich von der Geistlichkeit loszumachen, die das Unterrichtswesen bestimmte.
1846 wurde Weingart in den Verfassungsrat gewählt, 1848 in den Nationalrat. 1852 gründete er die Zeitung «der bernische Patriot». 1853 erschien die «Anleitung zur praktischen und schnellen Erlernung der französischen Sprache, für Schulen und zum Selbstunterricht.» Verfasser Weingart gab mit dieser Arbeit, besonders den unbemittelten Klassen, denen der Besuch der Sekundärschulen nicht möglich war, eine praktische Hilfe in die Hand, um die französische Sprache zu erlernen. Weingart erkrankte an Wassersucht. Bis zu seinem am 28. Januar 1878 erfolgten Tod blieb er ein überzeugter Vorkämpfer des Freisinns.[13]
Karl Mathy (1807-1868), Lehrer, Journalist und Politiker
Lehrer am Gymnasium Biel 1836
Fächer: Mathematik
Karl Mathy wurde in Mannheim am 17. 3. 1807 geboren, wo sein Vater als Professor des Lateinischen und der Mathematik am Lyceum wirkte. 1824-1827 studierte er in
Heidelberg Rechts- und Staatswissenschaften. Er führte einen Kampf in der Presse gegen die reaktionären Bestrebungen des Bundestags. 1832 folgte der Eintritt in die Redaktion des in Karlsruhe
gegründeten liberalen Blattes «Der Zeitgeist». Mathy verliess wegen seiner politischen Gesinnung, gezwungenermassen Deutschland.[4] Der politischer Flüchtling, Lehrer und Journalist kam im März 1835 nach Biel wohnte mit Frau und Kind ab August 1835 in einem zweistöckigen Wohnhaus genannt «Der Garten»
an der Rosius-Strasse 9. Von seinem Arbeitszimmer konnte er den Turm sehen, indem 200 Jahre vorher der deutsche Flüchtling Jakob Rosius gelebt hatte, dessen Namen der Turm und der Platz trägt. In
seinem Haus besuchte ihn unter anderem Ernst Rochholz, Lehrer am Gymnasium in Biel. Im Schulsystem sieht Karl Mathy ein enormes Entwicklungspotential im Unterricht und in der Jugenderziehung. Die
Bekanntschaft mit Rochholz war für die Familie Mathy eine wahrhafte Bereicherung, er wurde zu einem engen Freund. Obgleich Mathy reichlich Arbeit hatte, gab er ab März 1836 Unterricht am Bieler
Gymnasium. Zuerst vertritt er Rochholz in deutschen Stunden, dann den erkrankten Lehrer in der Mathematik in den beiden Oberklassen. Die Erziehungsbehörde und die Schüler sind mit ihm zufrieden
und es werden Andeutungen gemacht, ihn ganz für das Gymnasium gewinnen zu können. Vergnügt feierte er am 16. Juni 1836 den Jahrestag seines Zusammentreffens mit seiner Frau auf Schweizer Boden
und schrieb: «Wir hatten ein gutes Jahr verlebt, obgleich viele Sorgen zu überstehen waren. Unsere Kinder sind gesund und wir auch, ich habe Arbeit gehabt und genügend Verdienst, um der lieben
Nanny und den Kindern ein bequemes Leben zu schaffen.» Als Mitarbeiter der in Biel erscheinenden Zeitung «Die Junge Schweiz», übertrug er hauptsächlich Mazzinis Beiträge ins Deutsche.
Wenige Wochen darauf wurde er unschuldig verhaftet, verhört und aus dem Kanton Bern verwiesen. An seinem Abschied nahmen die Schüler der ersten und zweiten Klasse des Gymnasiums und sein Freund
Rochholz, mittlerweilen Professor am Gymnasium Aarau, betroffen teil. Nach seiner Ausweisung aus dem Kanton wurde er 1838 Lehrer in Grenchen. Schliesslich kehrte er nach Baden zurück, wo er
badischer Ministerpräsident wurde.[3]
Quellen/Sources: 1) Jakob Sterchi, Historischer Verein des Kantons Bern, 2. Teil, Bern 1896, S. 124f; - 2) Jacob Wyss,
Das Bieler Schulwesen 1815 - 1915, Band 2, Biel 1926; 3) Gustav Freytag, «Karl Mathy» in Gesammelte Werke Band 23, Leipzig 1888, S130ff; - 4) Werner und
Markus Bourquin, Bieler Strassennamen, Altstadtleist Biel, 1971; - 5) Eduard Güder, Dr. Ed. Güder, Dekan und Pfarrer an der Nydeck in Bern: sein Leben und Wirken von Güder, Bern 1886. S. 7ff; -
6) B. Güder, «Friedrich Gustav Eduard Güder» in Sammlung bernischer Biografien, Historischer Verein des Kantons Bern, Bern 1884-1944, S. 203ff; - 7) Dr. E. Bloesch, Geschichte der
schweizerisch-reformierten Kirchen, Bern, 1899, S. 325ff; - 8) Werner und Marcus Bourquin, Biel Stadtgeschichtliches Lexikon, Biel 1999; - 9)
Christoph Lörtscher, Dufour Ost und Dufour West: 660 Jahre Stadtgeschichte: Biel, 12. März 2000; - 10) Die Tat, Zürich, 14. Juli 1961, S. 2; - 11) Emil Dürr, «Arthur de Gobineau» in Historische
und Antiquarische Gesellschaft zu Basel, Nr. 25, 1926, S.; - 12) Beno Hardmeier, «Einige Daten und Hinweise zur Gewerkschaftsgeschichte» in Gewerkschaftliche Rundschau, Nr. 6, 1980, S. 183; - 13)
G. Tobler, «Vom Freischarenzug des Jahres 1845» in Blätter für bernische Geschichte, Nr. 1, 1906; 14) «Volkmar Andreae» in Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, Nr. 83,
Anhang Nekrolog, Chur/Zürich 1901, S. 1ff; - 15) Dr. Lunge, Bericht der Schweizerischen Landesausstellung Zürich 1883, Chemische Industrie, Zürich 1884, S. 186f; - 16) Bq, «Dr. h. c. Volkmar
Andreae und die Andreae von Biel» in Bieler Tagblatt, Biel, 3. Juli 1959, S. 3; - 17) «Inauguration de l’inscription Andreae» in La Suisse Libérale, 11. 7. 1901, S. 2; 18) Kramer,
Correspondenz-Blatt für Schweizer Ärzte, Band 17, Basel, 1887, S. 570; - 19) Sirka Heyne, Die mittelalterlichen Handschriften der Universitätsbibliothek Marburg, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden,
2002, S. 24; - 20) Adolf Perrot/W. Bourquin, Bieler Tagblatt, Biel, 13. März 1937, S. 4; - 21) «Aus Gerold Eberhard’s Leben» in Neujahrsblatt 1864, Nr. 196, Zürich 1864, S. 11; - 22) L.
Schönchen, Allgemeine Realencyklopädie oder Coversationslexikon für alle Stände, Band 2, Regensburg 1866, S.736; - 23) Wolfram Siemann, Deutschlands Ruhe, Sicherheit und Ordnung: Die Anfänge der
politischen Polizei 1806-1866, Max Niemeyer Verlag, Tübigen 1985, S. 130ff; 24) Dr. Constant v. Wurzbach, «Wilhelm Christian Binder» in Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich, Wien,
1856, S. 401f
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