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WISSEN IST MACHT
Ist es ethisch, nach Wissen zu streben, wenn damit ein Zuwachs an Macht einher geht?
Ja, wenn diese Macht nicht missbraucht werden kann!
Viele bekannte Persönlichkeiten, wie bspw. der römische Feldherr Julius Cäsar, der florentinische Diplomat und Philosoph Niccolò Machiavelli, der englische Staatsmann Francis Bacon, der 16. Präsident der USA Abraham Lincoln, der französische Schriftsteller Victor Hugo oder dessen Landsmann, der Philosoph Michel Foucault, haben sich im Laufe der Jahrhunderte mit dieser seltsamen, oft anrüchig wirkenden Liaison von Ursache (=Wissen) und Wirkung (=Macht) beschäftigt.
Das bewusste Aneignen von Wissen bedeutet, dass sich allmählich ein Informationsvorsprung einstellt. Und dies kann durchaus zur Erweiterung der Machtfülle eines einzelnen Menschen oder einer ganzen Gruppe eingesetzt werden. Damit stellt sich die Frage, zu welchem Zweck und Ziel dies geschehen soll, nein, geschehen darf.
Früher, wie etwa zur Zeit der am 29. November 1781 in einer kleinen Taverne in der Londoner Poland Street erfolgten Gründung des Ancient Order of Druids, waren Informationen nicht so einfach zugänglich, wie dies heutzutage der Fall ist.
Man musste Nachrichten, insbesondere solche, welche nicht der offiziellen Doktrin absolutistischer Herrscher entsprachen, im Geheimen beschafffen und austauschen. Dies manchmal unter erheblicher Gefahr.
Versteht sich von selbst, dass solche Zirkel lieber unter sich, eben im Verborgenen blieben, um revolutionäre Ideen, freigeistige Formulierungen, unorthodoxe Vorstellungen, neuartige wissenschaftliche Erkenntnisse oder sogar religiöse Häresien (‘Irrlehren’) unüberwacht und unvoreingenommen zu erörtern.
Hiermit zeigt sich ein erstes Paradox im Zusammenhang mit solchen, öffentlich nicht direkt zugänglichen Gruppierungen. Nämlich, dass sich unter geschützten Verhältnissen offene, weit reichende Gespräche gar nicht mal schlecht entfalten können.
Lässt sich demnach tiefere Erkenntnis im Schutz eines (im Sinne des nicht Profanen) geheiligten Zirkels besser gewinnen? Und falls dem so ist, gilt das auch für moderne Zivilisationen?
Derartige abgeschlossene Kreise werden auch als ‘Logen’ bezeichnet. Heute sind Logen meistens nach Vereinsrecht organisierte Vereinigungen. Sie sind mittlerweile auch einfacher zugänglich, bilden aber nach wie vor die Basis spezieller Gemeinschaften. Ein Eintritt erfolgt unter rein immateriellen und ideellen Gesichtspunkten.
Unter Loge werden übrigens auch die Räumlichkeiten verstanden, in denen die Mitglieder zusammenkommen und arbeiten.
Im Unterschied zu den vielen, oft bekannteren Zweckbünden, Geheimgesellschaften und Ordensgemeinschaften, die meistens intern klar umrissene Weltbilder postulieren, formuliert sich eines unserer hauptsächlichen Ziele in der gezielten, aber objektiven Aneignung von Informationen. Gemeint ist damit die Information als reines Kulturgut, ohne ideologischen Balast!
Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass wir damit ein hohes Gut erhalten würden, welches es sorgsam zu verwalten und zu pflegen galt und auch in Zukunft zu hegen gilt. Wir haben stets die Horizonte normalen Wissens gesprengt und daraus unsere Schlüsse gezogen.
Dass wir uns Druiden nennen, ist demnach kein Zufall. Denn der Bezug zu dieser ebenfalls geheimnissumwitterten Elite des einstigen Keltentums birgt die unmittelbare Erklärung, wie wir mit dem Wissenvorsprung umgehen.
Die Druiden fungierten als spirituelle Führer der keltischen Gesellschaft, die im indogermanischen Völkerverbund bereits frühzeitlich existierten und über die römischen Beschreibungen Eingang in die Geschichtsbücher erhielten.
Zugleich Priester, Richter, Wissenschaftler und Heilkundige, sowie (was weniger bekannt ist) auch als Krieger, gaben sie ihre Lehren nur an Eingeweihte und nur mündlich weiter. Sie standen damit den weltlichen Führern der Kelten gegenüber bzw. waren jenen sogar übergeordnet.
Die neuzeitlichen Druiden haben die Glaubens- und Götterlehre der Kelten jedoch nicht übernommen, sondern einzig das Forschen in der geisteswissenschaftlichen Tradition, die Natur besser verstehen zu lernen. Druiden sind der Meinung, dass sich zwar prinziell alles logisch erklären lässt, es aber für einen Menschen nicht möglich ist, alles zu überblicken. Deshalb die Vernetzung des gesammelten Wissens.
Diese historisch belegte Säkularisierung (also die Unabhängigkeit von jeglicher religiösen, philosophischen oder ideologischen Bindung) bedeutet das kulturelle Erbe, welches in unserer Gemeinschaft von Generation zu Generation weiter gegeben wird. Denn unabhängig davon, was ein jeder in seinem Privatleben glaubt, ist uns die Toleranz des freien Gedankens oberstes Gut. Eine Sache, zu der wir stehen und die wir verteidigen.
Wir verfolgen demzufolge keinerlei wirtschaftlichen, konfessionellen oder politischen Ziele. Doch unser Wissen wächst kontinuierlich.
Also müssten wir doch entsprechend einflussreicher werden?
Wie ist es möglich, dass wir modernen Druiden bis heute nichts und niemanden manipulieren, obwohl wir dazu vielleicht sogar durchaus in der Lage wären?
Was veranlasst uns, lediglich im Hintergrund zu beobachten und der Gesellschaft unser Wissen undogmatisch und unpretentiös zur Verfügung stellen?
Dazu etwas Gesichte über unseren Orden. Schon kurz nach der Gründung 1781 brachten Auswanderer die druidischen Ideen gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts von England zuerst nach Nordamerika, dann nach Australien und Neuseeland.
Das druidische Gedankengut kam dem Entdeckergeist der Pioniere in der Neuen Welt offenbar durchwegs praktisch entgegen.
Das brachte es mit sich, dass unsere Mitglieder stets eine weltliche Ausrichtung einnahmen, sich nicht einseitig festlegten und eine eher objektiv-pragmatische Sicht auf die Dinge entwickelten.
Die erste Druiden-Loge auf dem Europäischen Kontinent kam dann 1872 von Amerika aus nach Deutschland (genauer nach Berlin). Von dort aus verbreitete sich der Orden vor allem im Norden, ganz besonders in Skandinavischen Ländern.
In der Schweiz fasste das Druidentum 1912 erstmals in Zürich Fuss. Doch verschwand diese Vereinigung im Laufe der geschichtlichen Ereignisse zwischen den beiden Weltkriegen bereits in den Dreissiger Jahren wieder.
Erst 1962 gründeten einige beherzte Männer mit der Hilfe Deutscher Brüder in Basel eine neue Loge. Von dort aus verbreitete sich der Orden insbesondere auf Deutschweizer Gebiet. Unter der Leitung der Landesgrossloge des Schweizerischen Druiden-Ordens SDO sind mehrere, selbständige Untersektionen also Logen organisiert. Gegenwärtig bestehen solche Vereine in oder in der Nähe folgender Städte: Basel, Bern, Thun, Luzern, Schaffhausen, Zürich und St. Gallen.
In jüngster Zeit ist es zudem so, dass allmählich auch im Deutschsprachigen Raum druidische Frauenlogen entstehen. Während Druiden in ihrer Freizeit auch Vieles gemeinsam mit ihren Familien, Partnern und Freunden unternehmen, agieren sie bezüglich der internen Logenarbeit separat. Das bewährt sich ausgezeichnet. Denn es lässt individuelle Noten zu, was den Zusammenhalt insgesamt bereichert.
Die Dachorganisation aller Logen weltweit ist die „Internnational Grand Lodge of Druidism“ (IGLD).
Die heute allgemein gültige Bezeichnung für alle modernen Druiden lautet ”Vereinigter Alter Orden der Druiden” (VAOD).
Wer sich demnach so viel Zeit lässt, wie wir, um sich laufend fort zu entwickeln, verfeinert seine Verfahren nachhaltig.
Das kommt uns heute mehr denn je zugute. Wir sind zwar weltoffen und am aktuellen Geschehen sehr interessiert. Dennoch erhalten sicherheitshalber nur aufgenommene Mitglieder Zutritt zu internen Sitzungen. Gegenüber Aussenstehenden verpflichen wir uns, über ordensinterne Angelegenheiten Stillschweigen zu bewahren. Das gilt insbesondere für unsere traditionellen Rituale, Symbole, Zeichen und Worte. Das ist eine der wichtigen Vorkehrungen, welche uns davor behütet, die Macht unseres Informationsvorsprungs fälschlich zu verwenden.
Wer also in eine unserer Logen aufgenommen wird, kann stolz auf sich sein. Es bedeutet, dass die Ordens-Mitglieder beim neuen Kandidaten ein individuelles, intelligentes und schöpferisches Wesen erkennen und dieses Potenzial durch die Aufnahme bewusst anerkennen.
Dementsprechend ist die Aufnahmefeier eine erhebende Angelgenheit, welche ein Druide im Laufe seines Lebens niemals vergisst.
Echte druidische Ideale beruhen auf der Toleranz, der Hilfsbereitschaft und der Wertschätzung gegenüber den Mitmenschen. Diese zeitlose Humanität wird konkret über die Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen in unseren Mitgliederkreisen geübt. Man darf dabei bewusst ‘üben’ sagen. Denn gerade solche Absichten sind nicht einfach zu erreichen. Man muss ständig, regelmässig und langfristig an ihnen arbeiten.
Wir trainieren uns demzufolge in der Achtung von Überzeugungen Andersdenkender. Denn niemand ist frei von Vorurteilen. Man kann diese aber kontinuierlich überwinden.
Innerhalb einer Loge kann es also durchaus vorkommen, dass sich Mitglieder treffen, die sich im alltäglichen Leben nicht unbedingt begegnen würden. Sei dies aus beruflichen, politischen oder religiösen Gründen. Innerhalb unserer Zirkel gibt es keine Unterschiede von äusserlichem Rang, Namen, Stand oder Vermögen. Man hegt die Einigkeit und lernt seine Mitmenschen auf eine Weise kennen, wie das im normalen Alltag kaum je möglich ist.
Der Wissensvorsprung wird innerhalb des Ordens geteilt, sodass ein jedes Mitglied davon profitieren kann. Dass bevorzugt niemanden, sondern gleicht aus. Und dieser Ausgleich birgt die Grundlage zum Frieden, nach welchem wir streben.
Unsere Bemühungen gelten eindeutig der Eintracht, nach aussen hin Sanftmut, Gelassenheit und Bescheidenheit zu repräsentieren. Das heisst aber nicht, dass wir nicht leidenschaftlich und engagiert eben für diese grossen Ziele der Einigkeit, des Friedens und der Eintracht einstehen.
Darin liegt der prägnante Unterschied zwischen unserem Orden und vielen anderen, nur äusserlich ähnlichen Gemeinschaften. Wer nämlich einer Druiden-Loge in der Hoffnung beitritt, dadurch berufliche oder geschäftliche Vorteile zu erlangen, macht sich falsche Vorstellungen. Man erhält zwar einen gehörigen Informationsvorsprung. Lernt aber gleichermassen, sich zurück zu nehmen. Ein in der Persönlichkeit gefestigter Druide hat es nicht mehr nötig, sich mit seiner massiven Bildung zu profilieren.
Man unterstützt seine Mitmenschen lieber dezent und ohne Druck.
Was, ausser der Vermittlung von Wissen, sind wir zusätzlich imstande, unseren Mitgliedern zu bieten?
In industrialisierten Ländern ist die psychische Beanspruchung und physische Belastung des Menschen grösser denn je. Die weltweiten Umwälzungen der sog. Globalisierung verstärken diesen Umstand.
In der bewusst geschaffenen Geborgenheit unserer freundschaftlich gesinnten Gemeinschaft kann sich ein Ordensmitglied jeweils für einige Stunden von den Sorgen, Pflichten und Problemen des Alltags lösen. Man tankt Kraft und Zuversicht, man gewinnt an Gelassenheit und man fühlt sich wieder vollkommen integriert.
Im besinnlichen Teil des Logenabends wird druidisches Gedankengut auf traditionelle Art rituell verkündet. Im darauf folgenden geselligen Teil, bei welchem in der Regel eine gemeinsame Mahlzeit, das sog. Brudermahl, eingenommen wird, bietet sich stets gute Gelegenheit, die Freundschaften zu pflegen.
Während des Logenjahres finden regelmässig gesellschaftliche und kulturelle Anlässe mit Familienangehörigen und Gästen statt.
Vorträge aus den Reihen der Mitglieder oder von auswärtigen Referenten, Besuche kultureller Anlässe, Ausflüge und Jahresfeiern, sind wichtige Schwerpunkte des Logenlebens.
Gemeinsames Erleben und offene Aussprache vertiefen die Brüderlichkeit unter den Ordensmitgliedern und erlauben nützliche Anstösse zur Bewältigung des Alltags in einer oft ruhelosen Umwelt.
Überall, wo immer im In- oder Ausland druidische Gemeinschaften bestehen, darf das Ordensmitglied jederzeit mit gastfreundlicher Aufnahme rechnen. In einer Zeit des Umbruchs, in welcher viele Menschen durch äussere (bspw. berufliche) Umstände gezwungen sind, sich zu bewegen, bedeutet diese Tatsache einen ganz besonderen Wert.
Damit Einzelne aus diesem Angebot Nutzen ziehen können, sind sie angehalten, sich mit persönlichen Fähigkeiten und Mitteln freiwillig und aktiv einzubringen. Wir suchen definitiv keine Passiv-Mitlgieder!
Eine nicht zu unterschätzende Voraussetzung für eine erfolgreiche Eingliederung ist die Unterstützung seitens der Partnerinnen und Partner, Freunde und Familien. Ein heutiger Druide darf und soll sich in seiner sozialen Umgebung ohne weiteres als solcher zu erkennen geben. Das erhöht die Bereitschaft Aussenstehender, ‘ihren’ Druiden mit Gefühl und Verstand in einem wichtigen Prozess zu begleiten.
Beim Eintritt wird eine einmalige Aufnahmegebühr erhoben, die als Einkauf in die bestehenden Einrichtungen gilt. Die Höhe des Betrages richtet sich nach den Bedingungen der einzelnen Logen. Diese Gebühr und der monatliche Beitrag zur Finanzierung des Logenbetriebes liegen in zumutbaren Grenzen (Finanzielles dient demnach der reibungslosen Organisation, wird still und rechtens von allen Beteiligten erledigt und bildet ansonsten keinen Grund, sich unnötig zu sorgen).
Spenden und/oder allfällige Mitarbeiten für humanitäre Aktionen liegen ebenfalls im Ermessen der einzelnen Logen und erfolgen auf freiwilliger Basis.
Die Teilnahmen an den Logen-Sitzungen sind Ehrensache. Bei Absenzen aus triftigen Gründen ist deshalb eine Entschuldigung angebracht.
Die Mitgliedschaft bei den Druiden erfordert keinerlei unwürdige Selbstaufgabe oder ärgerliche Verpflichtungen, welche dem freien Willen entgegen laufen.
Je mehr man sich nämlich ans Logenleben gewöhnt, desto mehr stellt man fest, dass man seine Freunde nicht missen möchte.
Das ist übrigens der Grund, weshalb wir uns für die Sitzungen je nach Anlass mehr oder weniger feierlich kleiden. Damit zollen wir den Respekt gegenüber den anderen und drücken unsere Freude an der Teilnahme aus.
Was jedes Mitglied entsprechend der Fähigkeiten und Neigungen zum Gelingen des Logenbetriebs beitragen kann, erlernt es schrittweise in drei Stufen. Man kennt diese allenfalls im übertragenen Sinne unter den Bezeichnungen ‘Lehrling’, ‘Geselle’ und ‘Meister’. In spirituell ausgerichteten Organisationen werden diese drei Lernphasen manchmal auch als ‘Noviziat’, ‘Adeptentum’ und ‘Meisterschaft’ bezeichnet.
Bei uns heissen diese Stufen ‘Ovaten’, ‘Barden’ und schliesslich ‘Druiden’. Jedem dieser drei Grade ist ein Lehrmodul mit eigenem Inhalt und besonderen Ritualen gewidmet.
Sie bilden Schritt für Schritt den Weg zu den Ordenszielen. Damit verbunden sind etliche feierliche Einweihungen (diese werden hier natürlich nicht verraten…).
Sitzungs- und Veranstaltungsprogramme erscheinen in der Zeitschrift des Schweizerischen Druidenordens und in logeninternen Mitteilungen.
Der Druidenstern ist das offizielle Presseorgan der Landesgrossloge
des Schweizerischen Druiden-Ordens und des Deutschen Druiden-Ordens.
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