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Hysterie – Gebärmutter – Hexe – Frauenkrankheit – Entwicklungsrichtung – Besessenheit – Infantilität – Lüge – Verleumdung – Neigung – Melancholie – Misogynie.
Diese Worte prangern im Schaufenster des König Büros; fett markiert stechen sie aus dem Text «Hysterie und Misogynie» von Esther Fischer-Homberger heraus, der Ende der 1960er-Jahre veröffentlicht und von Nicole Biermaier auf Japanpapier gedruckt wurde. In diesem Text entlarvt Fischer-Homberger, die heute als Pionierin der Medizingeschichte gilt, die Diagnose Hysterie als Symptom einer patriarchal geprägten Gesellschaft. Seit der Antike sei die Krankheit allein dem weiblichen Geschlecht zugeschrieben, würde sie doch von der Gebärmutter verursacht oder vom schwachen, kindlichen, gar unterentwickelten Nervensystem der Frau. Und wenn doch mal ein Mann daran erkrankte, dann nur, weil er «weibisch» war. Entsprechend wurde Hysterie instrumentalisiert, um Geschlechterdifferenzen zu zementieren: In dieser patriarchalen Auslegeordnung steht die Emotionalität der Frau der Rationalität des Mannes gegenüber. Folglich wurde die Frau dem häuslichen Bereich zugeordnet, wo sie ihrer Empathie und Mütterlichkeit nachkommen konnte, während die Entschlossenheit des Mannes für den öffentlich-politischen Raum wie gemacht zu sein schien.
Diese Differenz greift auch Aglaia Haritz in ihren Stickereien auf und verdeutlicht dies beispielhaft an der Rolle der Mutter und Hausfrau. Einige ihrer Werke ähneln abstrakten Checklisten, auf denen Aufgaben abgehakt werden, ohne dass deren Inhalt oder die dahinterstehende Sorgearbeit jemals gesamtgesellschaftlich sichtbar wird. Und ist die Frau mal sichtbar, dann wird sie mystifiziert: Als Hexe, als Göttin der Fruchtbarkeit, als mythisches Wesen, das verführt oder erobert werden muss.
Diese misogyne Darstellung macht Haritz in ihren Arbeiten sichtbar – mit floralen Mustern, Mond- und Menstruationszyklen –, und reagiert zugleich darauf. Mit Textilien aus Spitze, die zu waffenförmigen Silhouetten geschnitten sind, hyperaffirmiert sie die Arbeit mit «weiblichen» Materialien, die vom männlichen Kanon oft abgewertet wird, und lässt diese zu einer Form des weiblichen Widerstands werden. Dieser Widerstand führt auch Nicole Biermaier fort. Einerseits, indem sie Machtstrukturen offenlegt und danach fragt, welche Stimmen Geschichte und Wissenschaft bestimmen. Andererseits, indem sie die Stickereien von Haritz digital nachbildet und den «männlichen» Bereich so für sich beansprucht.
Nicole Biermaier & Aglaia Haritz. Wege der Opponentinnen, König Büro, 11. Juni – 10. Juli 2021
Bilder: Detailansicht von Nicole Biermaier / Aglaia Haritz Alchemilla Vulgaris, 2021; Ausstellungsansicht. Bilder Courtesy die Künstlerinnen und König Büro
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