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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VII.
18.
Die Substanz ist in drei Teile geteilt, wie ich sagte, in Genus, Spezies und Individuum; wir haben den [S. 196] Begriff Lebewesen als Genus gesetzt, den Menschen als Spezies, die von der Gesamtheit der Lebewesen schon geschieden, aber noch unbestimmt und noch nicht zur Spezies eines persönlichen Seins gestaltet ist; wenn ich nun den vom Genus genommenen Menschen durch den Namen konkretisiert, ihn Sokrates oder Diogenes oder sonstwie genannt und so den Menschen, der Spezies des Genus ist, mit einem Namen erfaßt habe, so nenne ich dieses Wesen Individuum. Das Genus ist nämlich in die Spezies geteilt worden, die Spezies ins Individuum; das mit einem Namen erfaßte Individuum ist seiner Natur nach nicht mehr weiter teilbar, wie wir es mit den zwei anderen Begriffen getan. Dies nennt Aristoteles1 im ersten, eigentlichsten, eminenten Sinne Substanz, die nicht von einem Subjekt ausgesagt wird noch in einem Subjekt ist. Von einem Subjekt ausgesagt wird beispielsweise das Genus; ich habe den Begriff Lebewesen genannt. „Lebewesen“ kann von allen unter diesen Begriff fallenden Lebewesen in gleicher Weise ausgesagt werden, vom Rind, vom Pferd und sonst noch. Es ist richtig, daß der Mensch ein Lebewesen, das Pferd ein Lebewesen, das Rind usw. ein Lebewesen ist; das bedeutet das „von einem Subjekt ausgesagt werden“, nämlich daß eines von vielen, in bezug auf die Spezies verschiedenen Dingen in gleicher Weise ausgesagt werden kann. In nichts unterscheidet sich das Pferd vom Menschen, soweit es Lebewesen ist, in nichts das Rind; die Definition Lebewesen paßt nämlich auf alle Lebewesen in gleicher Weise. Ja, was ist denn ein Lebewesen? Wenn wir es definieren, so muß die gemeinsame Definition alle Lebewesen umfassen. Das Lebewesen ist also eine beseelte, gefühlbegabte Substanz wie das Rind, das Pferd, der Mensch usw. „Im Subjekt seiend ist“ nach Aristoteles2, „was in einer Sache nicht als Teil existiert, was außerhalb der Sache, in der es ist, nicht existieren kann“, so jegliches Akzidens der Substanz, Qualität genannt, der gemäß wir als „so oder so beschaffen“ bezeichnet werden, als weiß, schwarz, [S. 197] gerecht, ungerecht, weise u. dgl. All dies kann nicht für sich allein entstehen, sondern es muß in etwas sein. Wenn nun weder der Begriff „Lebewesen“, den ich von jedem einzelnen Lebewesen aussage, noch die Akzidentien, die sich in allen entsprechenden Substanzen finden, aus sich selbst Existenz haben können, wenn andererseits aus ihnen die Individuen sich zusammensetzen, so besteht die Substanz in ihren drei Teilen aus Nichtexistierendem und ist nicht aus anderem hervorgegangen. Wenn also das, was in erster Linie und vorzugsweise und hauptsächlich Substanz genannt wird, aus diesen Dingen besteht, so stammt die Substanz nach Aristoteles aus Nichtexistierendem.
1: Kategorien 5, S. 2 a 11.
2: Ebd. S. 1 a 24. 25.