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Bluttat bei der Schweizergarde von 1998: Französische Anwälte sagen, die Untersuchungen durch die vatikanische Justiz seien "nicht einmal so gut wie die eines guten Amateurs" gewesen.
Gemäss offizieller Version des Vatikans erschoss der 23-jährige Walliser Gardist Cédric Tornay am 4. Mai 1998 den wenige Stunden zuvor ernannten Gardekommandanten Alois Estermann und dessen Frau in ihrer Wohnung. Danach richtete sich Tornay selbst. Er sei rasend gewesen, weil Estermann ihm eine Auszeichnung verweigert habe.
Die ganze Untersuchung sei darauf ausgerichtet gewesen, die Schuld Tornays zu beweisen, ohne dass andere Spuren verfolgt worden seien, sagten die beiden Anwälte der Familie, Jacques Vergès und Luc Brossolet, am Samstag vor den Medien.
Die Untersuchung durch die vatikanische Justiz sei "nicht einmal so gut wie die eines guten Amateurs". Deshalb haben die Anwälte am 11. April beim Papst ein Gesuch um die Wiederaufnahme der Untersuchung eingereicht.
Widersprüchliche Schlussfolgerungen
Ihre Anfrage untermauern Vergès und Brossolet mit Gutachten zu gerichtsmedizinischen Untersuchungen der Leiche Tornays in der Schweiz und zu ballistischen Versuchen. Diese kommen zu anderen Schlussfolgerungen als die Gutachten des Vatikans.
Dies beginnt bei der Waffe, mit welcher der Walliser laut dem Vatikan zuerst das Ehepaar Estermann und danach sich selber umgebracht hat. Als Schweizergardist hatte er stets eine 9,41 Millimeter-Pistole bei sich. Laut der Autopsie, die in der Schweiz durchgeführt wurde, misst das Kugelloch auf Tornays Schädel aber nur 7 Millimeter.
Auch stimmten die Erkenntnisse des Schweizer Gutachtens über den Weg des Schusses in Tornays Kopf nicht mit jenen der gerichtsmedizinischen Untersuchung des Vatikans überein, sagten die Anwälte. Auch die Tatsache, dass Blut und Schleim in die Lungen Tornays gelangten, sei eine Ungereimtheit.
Ermordet
Für die beiden Anwälte gibt es keinen Zweifel, dass Tornay zuerst mit einem Schlag auf den Kopf betäubt wurde. Dies könnte die Blutungen im Hals und das Blut in den Lungen erklären. Danach habe ihm jemand Gewalt eine Waffe in den Mund gesteckt und geschossen.
Vergès und Brossolet wollen zudem beweisen, dass ein Brief des 23-Jährigen an seine Mutter, der die Tat erklärte, gefälscht ist. Von demselben Brief habe es zwei Versionen gegeben, die eine sei an die Medien adressiert gewesen.
Familie entschlossen
Die Anwälte betonten, die Familie Tornays sei entschlossen, in dieser Angelegenheit Licht ins Dunkel zu bringen. Ihr Vorhaben werde jedoch dadurch behindert, dass die vatikanische Justiz Vergès und Brossolet nicht als Anwälte zulasse.
Die Beiden hoffen auf eine Antwort des Papstes in etwa einem Monat. Falls diese Frist ohne Reaktion verstreicht, wollen sie bei der Schweizer Justiz Klage einreichen, "weil ein Schweizer im Ausland umgebracht wurde".
swissinfo und Agenturen