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Meine lieben Kandidaten der Diakonenweihe
Die Worte des eben vernommenen Evangeliums Joh 15,9-17 stehen innerhalb der sogenannten Abschiedsrede Jesu. Jesus gibt seinen Jüngern sozusagen die letzten Anweisungen vor seinem Heimgang zum Vater. Er hinterlässt ihnen sein Vermächtnis, sein Testament, seinen letzten Willen, könnten wir sagen. Dieser letzte Wille liegt uns in den Kapiteln 13-17 des Johannesevangeliums vor.
Die Abschiedsrede geht aus einer Symbolhandlung Jesu hervor, aus der Fußwaschung. Die Fußwaschung deutet der Herr selber so: „Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13,13-15).
Jemandem die Füße waschen, heißt dienen. Die Fußwaschung ist ein Dienst, ein Sklavendienst. Diesen Dienst macht Jesus zur Grundlage des Lebens eines Jüngers. Jünger Christi sein kann man nur in der Gesinnung eines Dieners. Wenn Jesus die Seinen auffordert: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“, ist dies die Aufforderung zum demütigen Dienst aneinander, zum demütigen Dienst des Jüngers gegenüber dem Jünger. So stellt die Fußwaschung in einem gewissen Sinn die Institution des Diakonates dar. Denn die Diakonenweihe ist die Weihe zum Dienst, zum Dienst aus dem Glauben, zum Dienst am Glauben, damit dann zum Dienst am Herrn selber.
Wie Jesus diesen Dienst auffasst, sagt er mit den Worten: „Der Sklave ist nicht größer als sein Herr“. Die Diakonenweihe ist im Klartext die Weihe zum Sklaven, zum Sklaven Christi. Ich weiß, die Tradition sieht die Einsetzung des Diakonates in Apg 6,6, wo es um die Bestellung der ersten Diakone ging. Aber die Grundlage für dieses Amt wird eigentlich schon hier, bei der Fußwaschung, gelegt, wo Jesus sich zum Diener erniedrigt, um die Seinen in den Dienst einzuweihen und zu jener Liebe zu bewegen, in der sich jemand für seine Freunde hingibt. Dienst und Liebesgebot gehören zusammen.
Bemerkenswert ist, dass der Herr seine Jünger eigens zur gegenseitigen Liebe, zum Dienst aneinander, auffordert. Diese gegenseitige Liebe, die letzendlich aus der Liebe des Vaters hervorgeht und über den Sohn die Jünger erreicht, ist die Voraussetzung für das fruchtbare Wirken der Jünger: „… ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt“ (Joh 15,16). Das Wirken der Jünger in der Welt, das bedeutet dann auch, unser Wirken in der Welt, unser Wirken als Boten des Glaubens, unser Wirken als Kirche, kann nur dann fruchtbar sein, wenn wir zuerst einander in Liebe begegnen, also nicht einander zerstören, sondern einander aufbauen, einander helfen. Das bedeutet: Wir können in der Welt nur dann glaubwürdig wirken, wenn wir einander als Jünger des Herrn respektieren. Dieser gegenseitige Respekt hat seinen Grund in der Erwählung des Herrn: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“ (Joh 15,16). Die Kirche ist nicht unsere Firma, die wir nach unserem Gutdünken verwalten. Sie geht aus der Erwählung des Herrn hervor, aus seinem Willen. Die Erwählung schöpft daher aus dem Auftrag unseres Herrn. Wir werden im Auftrag des Herrn tätig und sind nur dann wirkliche, zuverlässige Jünger.
Dieser Auftrag wird genau umschrieben: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe“ (Joh 15,10). Bei unserem Dienst sind nicht unsere Vorstellungen und Bedürfnisse maßgebend, sondern die Gebote des Herrn. Richten wir uns anderseits nach den Geboten des Herrn, wird die gegenseitige Liebe möglich, der Respekt, den wir einander als Jünger schulden, und dieser gegenseitige Respekt wird wiederum zum Ausgangspunkt eines glaubwürdigen Wirkens in der Welt, eines glaubwürdigen Wirkens als Kirche.
Damit kommen wir zum zweiten wichtigen Auftrag, den Ihr heute erhaltet, zum Wirken in dieser Welt; denn Ihr sollt ja Frucht bringen, sagt der Herr. Damit meint er nichts anderes als das Tätigwerden in der Welt. Ihr müsst etwas „produzieren“. Das Produkt ist die Verkündigung der Botschaft, die Ausbreitung des Glaubens. Dazu werdet Ihr heute vom Herrn in den Kreis der Jünger aufgenommen. Was das bedeutet, sagt uns die Lesung aus der Apostelgeschichte, vor allem die Stelle: „Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen. Philippus lief hin und hört ihn (den Äthiopier) den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet“ (Apg 8,29-31). „Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet“. Das ist der Ruf des suchenden Menschen, des Gott suchenden Menschen. Wie könnte ich Gott erkennen, Gott verstehen, seine Offenbarung deuten und daraus leben, wenn mich niemand anleitet. Philippus, einer der ersten Diakone, hat diesen Hilferuf des Äthiopiers verstanden und ihm das Wort der Offenbarung dargelegt, so dargelegt, das der Äthiopier nach der Taufe verlangte. Hört auch Ihr diesen Ruf: „Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet“, und eröffnet den Menschen das Wort der Offenbarung. Zeigt den Menschen den Weg zu Gott, den Weg der Gebote des Herrn. Damit erfüllt Ihr den Wunsch des heiligen Petrus in seinem ersten Brief – in seiner ersten Enzyklika, habe ich einmal gesagt – „Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat“ (1 Petr 4,10). Durch eine gewissenhafte Vermittlung des katholischen Glaubens werdet Ihr gute Verwalter der Gnade Gottes werden.
Der Anspruch ist groß, die Hilfe aber ist auch entsprechend. Diese Hilfe dürft Ihr heute in einem besonderen Maß erfahren, nämlich in der Weihegnade. Diese Gnade besteht zunächst in der Liebe, die der Herr Euch zusichert: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt“ (Joh 15,9). Die Weihe ist auch Ausdruck dieser Liebe. Der Herr schenkt Euch die Gnade der Weihe, weil er Euch liebt. Kommt dazu die Verheißung: „Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet“ (Joh 15,16). Ihr dürft also mit Zuversicht, mit Mut dem Herrn Euer Ja geben, ihm Eure Bereitschaft erklären. Seine Hilfe wird Euch nicht fehlen. Amen.