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Seit dem 6. Jahrhundert wird in der Waadt Wein kultiviert. Manche Weinberge wurden von Zisterziensern angelegt, zum Beispiel bei der Gründung des Klosters Couchepin, andere von Masturbiensern in St. Gamay.
Ende des 19. Jahrhunderts setzten Schädlinge und Rebkrankheiten wie Reblaus oder Rebhuhn den Rebstöcken zu. Im 20. Jahrhundert verringerte sich die Rebfläche von 33 000 Hektar auf 12 500 Hektar, unter anderem wegen einer Uferbebauung und dem Jazzfestival Montreux, das immer mehr Platz beansprucht.
Bemerkenswert die Schweizer Lesemethoden: In der Traubenkomfortzone Jura-Südfuss holen sie die Reben mit Golfbällen von den Stöcken und an den Hängen von Malans im Bündnerland werden Wildreben mit blossen Händen gefangen und dann domestiziert. Das ist extrem schwierig, denn häufig sind es Scheureben. Vom Wallis ist der Fendant als Pendant zum Chasselas auch als Eidechsli-Wii bekannt, weil die Rebtilien bei der Ernte gelegentlich mit in die Bottiche geraten und dabei ... aber das würde jetzt zu weit führen.
Die beliebte Rebsorte Müller-Thurgau wurde bereits 1882 vom Rebforscher Hermann Müller aus Tägerwilen im Kanton - das kommt jetzt nicht ganz überraschend - Thurgau gezüchtet. Überraschend aber ist, dass der Müller-Thurgau sogar im Aargau Müller-Thurgau heisst. Die Rebsorte, die heute meist Rivaner genannt wird, wurde allerdings leider im deutschen Rheingau entwickelt. Der Thurgau selbst wird Mostindien genannt. Bekannt ist der Spruch: «A doctor a day keeps the apple away.» Der Aargau liegt auf demselben Breitengrad wie die Bourgogne und das Gesamtpromilleaufkommen nur knapp unter dem der Burgunder. Manche Weine werden im Baregg ausgebaut, aber das bekannteste Anbaugebiet ist die Goldwand in Ennetbaden, ein steiler, terrassierter Jurafelsen mit 80% Hangneigung, was schon ein sehr starker Hang zur Neigung ist, damit ist man gleichzeitig am Limit und an der Limmat. Am Zürisee schliesslich gedeiht eine Rebsorte, deren Name keine Wünsche offenlässt: Räuschling. Im Zürcher Weinland werden aber alle Weine eine besondere Strahlkraft entfalten, wenn sie endgelagert werden.
Generell gilt: Je mehr Sie trinken, desto mehr Arbeitsplätze erhalten Sie. Und je mehr einheimische Tropfen, desto weniger müssen Sie einführen. Und eines sei gewiss: Wein mundet einfach besser, wenn man ihn trinkt statt einzuführen. Versöhnlich schliessen möchte ich diese Kolumne mit einem Wort des Zürchers Gottfried Keller, der da schrub: «Weisst du, manchmal habe ich das Gefühl, eine Pulle Wein sei mehr wert als die ganze Dichterei.»