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Die Leidenschaft, mit der Dieter Rüttimann durch die anekdotisch angereicherte Präsentation führt, verrät ihn schnell als engagierten Lehrer. Noch heute unterrichtet er in seiner 1981 gegründeten Gesamtschule Unterstrass. Eine Frage, die ihn während seiner Ausbildung beschäftigte: Weshalb fehlen auf dem Campus der Lehrerausbildung die Kinder, wenn sie doch zentraler Bestandteil des Lehrerberufs sind? Diese kritische Haltung, verbunden mit dem Drang, die Schule aktiv verbessern zu wollen, machen Dieter Rüttimann zu einem der profiliertesten Exponenten des Schweizer Bildungssystems.
Dem Pädagogen zufolge beeinflussen im Wesentlichen zwei Faktoren den Erfolg der Schule: Die freie Schulwahl und die Qualität der Lehrer. Die freie Schulwahl erlaubt den Eltern, zwischen verschiedenen Institutionen auszulesen – unabhängig davon, ob es sich dabei um private oder öffentliche Betriebe handelt. Damit ist nicht mehr der Wohnort bestimmendes Kriterium, wo ein Kind zur Schule geht, sondern die Präferenzen der Eltern. Entscheidungsgrundlage bildet einerseits die Qualität des Unterrichtes, anderseits ein attraktives Gesamtangebot. Schulen müssen sich in diesem System aktiv um neue Schüler bemühen. Sie werden gefordert, Qualität und Leistungen zu verbessern, um sich zu profilieren.
Eine Studie auf Basis der PISA-Ergebnisse von 2010 zeigte auf, dass Länder mit einer höheren Quote von Schülern, die nichtstaatliche Schulen besuchen, im Durchschnitt bessere schulische Leistungen erzielen. Ein grösserer Anteil privater Schulen führt zu einem intensiveren Wettbewerb und zu besseren Resultaten in Mathematik, Naturwissenschaften und beim Lesen. Leistungssteigerungen wurden nicht nur innerhalb der Kohorte der Schüler festgestellt, die an Privatschulen ausgebildet werden, sondern auch bei Schülern öffentlicher Institutionen. Ferner fallen die Bildungsausgaben in diesen Ländern insgesamt geringer aus.
Neben dem Schulsystem bestimmen insbesondere die individuellen Qualitäten der Lehrer den Bildungserfolg. Laut einem OECD-Bericht, der sich auf zahlreiche Untersuchungen abstützt, korrelieren Qualifikationen, Erfahrungen und Fachwissen der Lehrer positiv mit den Schülerleistungen. Studien, die verschiedene Variablen der Effektivität des Lehrers miteinbeziehen, deuten darauf hin, dass Schüler bei Lehrern mit hohen Werten schnellere Lernfortschritte erzielen als Kinder bei Lehrern mit niedrigen Effektivitätsausprägungen. Kinder, die bereits in jungen Jahren von unterdurchschnittlichen Lehrern unterrichtet werden, erleiden Lernrückstände, die schwer aufzuholen sind.
In Anbetracht dieser Ergebnisse ist auf eine hohe Qualität in der Lehreraubildung Wert zu legen. Hierbei ist auch die Selektion der Studierenden an pädagogischen Hochschulen entscheidend für die Qualität der Schule. Bewerber, frisch aus dem Gymnasium, erhalten zurzeit direkten Zugang an die Pädagogische Hochschule. Nur Quereinsteiger müssen ein Auswahlverfahren durchlaufen. Dieter Rüttimann kennt beide Welten, die der Lehrer und die der Lehrerausbildung. Er unterrichtet selber am eigenständigen Institut Unterstrass, das mit der Pädagogischen Hochschule Zürich zusammenarbeitet. Es erstaunt nicht, dass seine Gesamtschule Praktikumsplätze für angehende Lehrer zur Verfügung stellt. An der staatlich anerkannten Privatschule wird mit Begeisterung Innovation in die Schule gebracht. 2015 erhielt sie den Klaus J. Jacobs Best Practice Prize.