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Die Temperamente und die Gesundheit
Eine gleiche Therapie kann sehr verschiedene Wirkungen haben je nach dem Patienten bei dem sie angewendet wird. Für ein gleiches Gesundheitsproblem wirkt eine Heilpflanze bei gewissen Menschen erfolgreich, während sie bei anderen nur schwach oder gar nicht wirksam ist. Dasselbe gilt für die Akupunktur, Homöopathie, Wassertherapie, usw. die eine unterschiedliche Wirkungskraft zeigen je nach dem Patienten. Weshalb ist eine Behandlung bei vielen Kranken wirksam, jedoch nicht bei allen? Da die Krankheit die gleiche ist, sollte nicht auch das Heilmittel oder die Behandlung dieselbe sein? Nachforschungen um herauszufinden was Patienten die gut auf eine Therapie ansprechen von denen unterscheidet die weniger gut reagieren hat zur Entdeckung der Temperamente, das heisst der Existenz der vier grossen Menschheitsgruppen, beigetragen, welche, indem sie gleiche physische Charakteristiken besitzen auch ähnlich auf die gleichen Anregungen reagieren.
Was ist ein Temperament?
Der menschliche Körper besteht aus vier organischen Systemen: Dem Verdauungssystem, dem Nervensystem, dem Knochen-und Muskelsystem und dem Herz-und Atemsystem. Diese verschiedenen Systeme sind bei einem Menschen von unterschiedlicher Stärke. Eines wirkt vorragend über die anderen. So ist es ganz natürlich dass sich seine Art vermehrt auf die Körperkonstitution auswirkt. Jemand zum Beispiel dessen Verdauungssystem die anderen überragt hat vermehrt entwickelte Verdauungsorgane. Diese nehmen auch mehr Platz im Körpergebilde ein, was ein längeres und breiteres Abdomen als beim Durchschnittsmenschen ergibt.
Das Hervorragen eines der organischen Systeme über die anderen ist die Basis der Temperamente. Beim Phlegmatiker überragt das Verdauungssystem, beim Melancholiker das Nervensystem und das Gehirn, beim Choleriker das Skelett und beim Sanguiniker das Herz und die Lungen.
Die Überlegenheit eines organischen Systems reicht jedoch nicht aus um den Begriff der Temperamente festzulegen, da dieser auch eine psychische Komponente enthält. Spricht man von Temperamenten so bezeichnet man nicht nur einfach morphologische Typen sondern eine Verbindung zwischen der Körperkonstitution und der Art zu Handeln, wobei die erstere die letztere bedingt.
Dies lässt sich logisch erklären. Ein Choleriker, also jemand der über ein vermehrt entwickeltes Knochen- und Muskelsystem verfügt wird gezwungenermassen aktiv, willensstark, sportlich und unternehmend sein. Da die für die Betätigung und Bewegung notwendigen Organe bei ihm vermehrt entwickelt sind, so sind sie es auch welche vermehrt benutzt werden, da es für den Bestreffenden einfacher ist diese Organe zu betätigen als die eines der anderen Systeme. Sie sind es auch die dank ihrer Kraft und guten Entwicklung ihm am besten zum Erfolg verhelfen. Da sie am meisten benutzt werden, sind sie es auch die zuerst überfordert sind und erkranken. Natürlich isst, atmet und denkt ein Choleriker ebenfalls, das antreibende Element überragt jedoch und wirkt so bestimmend.
So kann man dank der Temperamente die Menschheit in vier grosse Gruppen aufteilen welche, bedingt durch eine ähnliche Konstitution auch eine ähnlich Art zu Handeln und zu Leben haben, die aus ähnlichen Gründen erkranken und die ähnlich auf dieselbe Behandlung reagieren.
Die vier Temperamente
Da jedes Temperament seine eigenen Charakteristiken hat, ist es möglich sie voneinander zu unterscheiden. Nachstehende Beschreibungen sind etwas karikaturiert. In der Wirklichkeit finden sich die Temperamente nie in der reinen Form. Jeder von uns ist eine Mischung in der eines oder zwei davon überwiegen.
Das sanguinische Temperament
Menschen des sanguinischen Temperamentes besitzen ein umfangreichen und kräftiges Herz und Lungen. Der am meisten entwickelte Körperteil ist der Thorax. Dieser ist dicht und breit und neigt zur Rundung. Es sind gewöhnlich eher untersetzte Personen. Arme und Beine sind kurz. Der Allgemeineindruck ihres Körpers wiederholt sich in den verschiedenen Körperteilen: Kopf sowie Hände sind breiter als lang. Sie haben starke Wangen und eine gut gefärbte Hautfarbe (rosa oder rot).
Das Herz und die Lungen sind stets in Bewegung und dazu ausersehen den Austausch von Blut und Luft zu begünstigen. Genauso sind die Sanguiniker sehr beweglich, lebhaft offen und sozial. Lebenskünstler, bis überschwänglich, lieben sie die Kommunikation mit andern, unterwegs zu sein und sich mit allem möglichen Tätigkeiten zu beschäftigen welche ihre Zirkulation und Atmung anregen.
Die Vorliebe für soziale Kontakte und Tischfreuden führen sie dazu zu viel zu essen und zu trinken, besonders stimulierende Nahrungsmittel wie rotes Fleisch, Wurstwaren, Alkohol. Die sich daraus ergebenden gesundheitlichen Beschwerden zeigen sich auf der Ebene der Blutzirkulation und der Atemwege. Das Blut verdickt sich und kreist schlecht. Es entstehen Herz- und Kreislaufstörungen (Krampfadern, Phlebitis, Embolien, Bluthochdruck, Herzinfarkt,...) und Atembeschwerden (Blutandrang und Stau in den Lungen, Asthma,...).
Das melancholische Temperament
Bei den Menschen des melancholischen Temperamentes sind es das Nervensystem und das Gehirn die überwiegen. Da sie weder auf Verdauungsebene, noch im Bereich der Lungen oder Muskeln stark sind, haben sie keine Rundungen. Sie sind lang und schlank. Ihr Leib ist schmächtig, die Glieder sind zart und ihre Gelenke hervorstehend. Ihr Kopf ist breit, besonders der obere Teil, da wo sich das Gehirn befindet.
Das Vorragen des Gehirns und des Nervensystems drängen sie zum nachdenken, abwägen, analysieren. Dies lässt sie verschlossen, düster ... melancholisch erscheinen. Sie sind ebenfalls sehr nervös und sensibel, beeindruckbar, wechselhaft, schnell verärgert, ängstlich und gestresst. Sie sind lebhaft, mit Händen und Füssen in steter Bewegung. Sie sind schnell auf den Nerven und greifen leicht zu Anregungsmitteln. Diese können psychischer Art sein (ruheloses Leben bestehend aus Ausgängen, grossen Diskussionen, Vorstellungen besuchen,...) oder physischer Art (Kaffee, Tee, Tabak, scharfe, stark gewürzte Speisen,...).
Da sie über einen schwachen Verdauungstrakt verfügen essen sie wenig aufs Mal, dafür oft und unregelmässig. Sie neigen zum Missbrauch von Reizmitteln. Die Überanstrengung ihrer Nerven hat die ganze Skala der Nervenstörungen zur Folge: Nervosität, Angstzustände, Stress, Depressionen, Nervenentzündung, Neuralgie, Migräne, Schlaflosigkeit.
Das cholerische Temperament
Choleriker haben ein gut entwickeltes Muskel- und Knochensystem, was ihnen eine athletische Statur verleiht. Die Körper- du Gesichtsform ist viereckig. Die Augenbrauen sind gerade und ihr Blick ist durchdringend. Ihre Stimme, die Art der Haltung vermitteln einen Eindruck von Kraft und Solidität.
Ihre hitzige Natur, lässt die Choleriker ständig aktiv und in Bewegung sein. Sie sind grosse Sportler. Sie lieben es ihre Kräfte in körperlicher Betätigung zu verausgaben. Dies stellet für sie ein Vergnügen und eine Herausforderung dar. Sehr motorisch, reagieren sie schnell und ziehen die Tat dem Nachdenken vor. Wenn etwas zu langsam geht oder sie am Handeln gehindert werden, werden sie rasch ungeduldig und geraten in Zorn.
Um die andauernden Anstrengungen denen sie ihren Körper aussetzen ertragen zu können, haben sie Tendenz zu übertriebenem Genuss an reichen und scharfen (starken) Nahrungsmitteln (Fleisch, Wurstwaren, Getreide, Zucker, Fette) und dazu, vermindernde Kräfte durch Anregungsmittel zu stimulieren (Alkohol, Kaffee, Tabak,...).
Ihre Tendenz zum Übertreiben der physischen und motorischen Verausgabung machen sie empfänglich für Beschwerden der Muskeln (Risse), Knochen (Brüche), der Sehnen (Sehnenentzündungen) und der Gelenke (Luxationen, Rheumatismus, Arthrose). Der Nahrungsmittelmissbrauch führt hauptsächlich zu Gallenproblemen (Blockierungen und Infektionen der Leber und der Gallenblase).
Das phlegmatische Temperament
Das Überwiegen des Verdauungstraktes gibt den vom phlegmatischen Temperament geprägten Menschen einen langen und massiven Leib. Sie essen gerne und da sie nicht sehr bewegungsreich und eher langsam sind, verbrennen sie auch schlecht was sie zu sich nehmen. Daher nehmen sie leicht an Gewicht zu, besonders auch deshalb, da sie über eine grosse Fähigkeit verfügen die Fette in Reserven einzuspeichern. Ihr Fleisch ist demnach umfangreich, fett und weich. Obwohl die Glieder eher länglich sind, sind sie dicht und dick da die Muskeln von Fetten umgeben sind.
Das Lymphsystem ist bei ihnen ebenfalls stark entwickelt. Die Fülle an Lymphe trägt zu ihrem körperlichen Volumen und dem schwammigen Aspekt ihrer Gewebe bei.
Wenn die Sanguiniker durch den Überschuss an Blut einen roten Teint bekommen, so verleiht der Vorrang an Lymphe den Phlegmatikern einen blassen und weissen Teint.
Wenig aktiv, sind die Phlegmatiker ruhig, friedlich und geduldig. Sie geben sich nicht gerne körperlichen Betätigungen hin, sondern ziehen das häusliche und sesshafte Leben vor.
Dadurch dass der Verdauungstrakt bei ihnen am ausgeprägtesten ist, essen sie gerne. Bei ihnen überwiegt der quantitative Aspekt über den qualitativen. Reichhaltige Speisen, die füllend sind (fette Saucen, dicke Breie, Mehlspeisen,...) schmecken ihnen über alles.
Diese übertriebene Ernährung führt jedoch dazu dass sich ihre Verdauungsdrüsen erschöpfen (ungenügende Leber- und Pankreastätigkeit), die Verdauungstaschen zu erweitern (Magen, Galle, Darm und Verstopfung). Die Beschwerden des Lymphsystems (Drüsenentzündungen, Angina, Zellulitis,...) sind die anderen gesundheitlichen Störungen denen sie am meisten ausgesetzt sind.
Die Temperamente und die vier Elemente
Jedes Temperament entspricht einem der vier Elemente: Luft, Erde, Feuer und Wasser. Die Sanguiniker sind beweglich und frei wie die Luft, die Melancholiker verschlossen und schwer wie die Erde, die Choleriker lebhaft und aktiv wie das Feuer und die Phlegmatiker friedlich und ruhig wie das Wasser.
Einem Element entsprechen bedeutet nicht nur dieselben Eigenschaften wie dieses zu besitzen, sondern auch eine Gleichart mit allem von ihm Stammenden zu haben. Dies entsprechend dem Gesetz der Gleichart welches bedingt dass Gleiches sich anzieht und zusammenpasst.
Menschen mit einem phlegmatischen Temperament sind in Affinität mit dem Wasser. Es gefällt ihnen an den Ufern von Bächen, Seen und des Meeres. Wassertherapie, Thermalbäder, Meerbäder (Thalassotherapie) sind wohltuend für sie. Schwimmen ist die von ihnen bevorzugte körperliche Tätigkeit. Sie bevorzugen Getränke und flüssige Nahrungsmittel (Suppen, Breie, Saucen). Auf Heilpflanzen in Form von Kräutertees sprechen sie besser an als auf getrocknete (Tabletten). Von all den verschiedenen Formen von Massage ist es die Lymphdrainage die ihnen am besten hilft, da es sich dabei um ihr vorragendes Element, die Lymphe, handelt. Meerprodukte, wie Fisch, Algen usw. sind günstig für sie: das darin enthaltende Jod stimuliert die Schilddrüse und dadurch die zu langsamen Stoffwechselfunktionen.
Die Choleriker werden vom Feuer regiert. Sie lieben das Wasser nicht besonders, sondern werden angezogen von allem was warm und trocken ist, wie ihr Element. Sie bevorzugen körperliche Betätigung und die sich dadurch ergebende Wärme. In der Therapie wirken sich am günstigsten aus die Heliotherapie (durch die Sonne), Warmluftbäder (Sauna), warme Wickel, ableitende und stimulierende Anwendungen (Senfmehl), ... Heilpflanzen sind aktiver in trockener Form (Tabletten, Kapseln) als flüssig. Sie nehmen gern starke Gewürze und trockene, konzentrierte Nahrungsmittel zu sich (Gegrilltes eher als Saucenfleisch, Brot eher als Getreidebrei, usw.). Da bei ihnen die Muskeln vorherrschen, sind es daher auch die Muskelmasssagen die ihnen am besten zusagen.
Alles was in Verbindung mit der Luft steht entspricht ganz besonders den Sanguinikern. Was ihnen Luft verschafft tut ihnen demnach auch gut: Spaziergänge, wandern, Ortsveränderungen zu Fuss oder mit dem Fahrrad, Tätigkeiten an der frischen Luft. Luftkuren auf dem Lande, in Wäldern oder am Meer, besonders da wo der Wind bläst, tun ihnen viel besser als Sonnenbaden oder Wassertherapie. Atemübungen sind ein Vergnügen. Heilpflanzen nehmen sie am besten in Form von Inhalationen oder Dampfbädern zu sich. Der Sanguiniker kann mit sehr wenig Nahrung auskommen solange er durch seine Aktivitäten genügend von dem „Lebensmittel“ Luft bekommt, sonst neigt er dazu durch Überernährung zu kompensieren.
Die Melancholiker sind in Affinität mit dem Element Erde und reagieren gut auf Schlammbäder, Vulkanerde und Wickeln mit Heilerde. Ihre Nahrung sollte reich an Mineralsalzen sein. Heilpflanzenpulver in Tablettenform oder als Kapseln ist die geeignetste Form für eine Behandlung mit Pflanzen. Da das Nervensystem vorherrscht sind es Reflexzonenmassagen die besonders zu empfehlen sind, sowie alle Methoden der Entspannung. Sie brauchen genügend Schlaf. Sie sprechen schlecht auf ruhige und wiederholte Körperbetätigung an, wie Gewichtheben, mögen jedoch bewegungsvolle und abwechslungsreiche Sportarten die stimulierend wirken wie Tennis, Mannschaftsspiele, usw.
Die obenstehende, etwas schematische Darstellung muss nuanciert werden. Eine Wassertherapie, wie die Hydrotherapie, sagt nicht nur den Phlegmatikern zu. Sie kann auch den anderen günstig sein und den verschiedenen Temperamenten angepasst werden. Wenn ein völliges eintauchen ins Wasser (schwimmen im Meer) den Phlegmatikern äusserst bekömmlich ist, so spricht der Sanguiniker besser auf eine weniger flüssige Art an (Dusche), eine noch weniger nasse Anwendung wie Wickel entsprechen dem Melancholiker und eine nur feuchte Anwendung wie zum Beispiel der Dampf in der Sauna den Cholerikern.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wenn das Gesetz der Gleichart zur Folge hat dass sich Gleiches anzieht, so hat es ebenfalls zur Folge dass sich Gegensätze abstossen. In der Therapie sollte man demnach vermeiden eine zu extreme Anwendung einem Patienten zu verschreiben die zum entgegengesetzen Temperament gehört. Zum Beispiel einem Sanguiniker die Kontakte und den Austausch mit anderen zu untersagen indem man ihn im Zimmer festhält, einen Choleriker zu imobilisieren indem man ihm jede körperliche Betätigung versagt (längerer Aufenthalt im Bett), einen Phlegmatiker mit Sport und zu kraftvollen Massagen zu brüskieren und dem Melancholiker alle Anregungen zu verwehren (keine Lektüre, Vergnügen und Ausgänge). Dies würde ein sicheres Mittel sein um ihn gesundheitlich zu schwächen.
Die Existenz der Gleichart zwischen den Temperamenten und den verschiedenen Lebensweisen, Medizin und Therapien ,... erlaubt zu begreifen weshalb die Behandlungen nicht bei allen Patienten gleichförmig wirksam sind. „Warme und trockene“ Heilpflanzen wie Rosmarin und Thymian wirken besser bei dem warmen und trockenen Temperament der Choleriker, jedoch weniger gut auf das feuchte und warme Temperament der Sanguiniker, und wenig oder nicht auf das kalte Temperament der Melancholiker oder Phlegmatiker. Bedingt durch die Gleichart die zwischen dem Wasser und den Phlegmatikern besteht ist ein Aufenthalt am Meer ausgezeichnet für sie, jedoch weniger für die Melancholiker die das Jod aufregen kann. Umgekehrt wirkt sich die Verminderung des Sauerstoffes in der Höhe wohltuend für den Choleriker und den Melancholiker, da dies verlangsamend wirkt, dem Phlegmatier entspricht dies jedoch nicht da es ihn zu sehr beruhigt.
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Die Kenntnis von den Temperamenten und deren Anwendung ist in der heutigen Zeit nicht mehr sehr üblich. Sie wäre jedoch eine grosse Hilfe in der Therapie, jedoch ebenfalls um sich selbst besser zu kennen und sich dadurch auch im Leben besser ausrichten zu können.
Christopher Vasey
Dieser Artikel basiert sich auf den Kenntnissen der Gralsbotschaft