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Provenienz
Inv. 1904.2308.: Von den Basler Malern Friedrich Horner (1800–1864) und Rudolf Müller (1802–1885) aus Italien mitgebracht
Inv. 1974.79.
Die beiden qualitativ überdurchschnittlichen Basler Tintenfässer gehören zu einer verhältnismässig grossen Gruppe modellgleicher oder ähnlicher Stücke, die sich in vielen Sammlungen erhalten haben und zumeist in Padua hergestellt worden sind. Zusammen mit Öllampen, Schreibladen und Räuchergefässen gleicher Provenienz bilden sie die typische Gattung von antikisierendem Gebrauchsgerät aus Bronze, das seinen Platz in den Studiolos der italienischen Gelehrten und Sammler hatte und auch zuweilen den Weg über die Alpen fand. So besassen die Fugger in Augsburg z. B. einen Atlas als Lampenträger, der der Werkstatt des Severo Calzetta da Ravenna zugeschrieben werden kann (Kat. Augsburg 2010, S. 244, Nr. M 22).
Die Seeungeheuer kommen möglicherweise beide aus der Werkstatt des Severo Calzetta da Ravenna in Padua, bilden aber trotz sich entsprechender, spiegelbildlich angelegter Bewegung und Konzeption kein Paar. Das eine Exemplar (rechts) zeigt ein Fantasiewesen mit einem drachenartigen, geschuppten Körper mit eingekringeltem Schwanz, vierfingerigen Seitenflossen und gelappten Vorderflossen, die eine Jakobsmuschel halten. Der Kopf hat satyrhafte Züge mit vor Angst aufgerissenem Maul. Eine Krone, Wangenlappen und ein Bart aus Akanthuslaub umrahmen den Drachenkopf. Drei weitere grosse Akanthusblätter bedecken den Rücken zwischen den hinteren Flossen. Am Ansatz des Schwanzendes befindet sich ein Loch. Bei dem zweiten Exemplar ist an dieser Stelle eine kleine Muschel mit nach oben zeigender Öffnung befestigt, die wahrscheinlich als Tintenfass diente. Bei diesem Ungeheuer sind – anders als bei seinem Pendant – Seiten- und Vorderflossen gleicherweise mit vier Fingern ausgestattet, die an den Vorderflossen noch Krallen tragen. Die Schuppen des Körpers sind frei und direkt in das Wachs des Gussmodells gearbeitet und verleihen dadurch der Oberfläche einen sinnlich lebendigen Charakter. Bei dem ersten Exemplar hingegen, das nachträglich bearbeitet wurde, erscheint die Ausführung als vergleichsweise mechanisch und repetitiv.
Der angstvoll nach hinten gebogene Kopf der Seeungeheuer findet seine Erklärung durch eine wiederum in verschiedenen Varianten erhaltene Figur des Neptun, der auf dem Seeungeheuer steht und dieses bändigt. Die beiden besten Exemplare befinden sich in der New Yorker Frick Collection und in der National Gallery in Washington (Kat. Frankfurt 1985, S. 440f). Dabei handelt es sich allerdings nicht um Gebrauchsgerät, sondern um autonome Bronzestatuetten.