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“Der gute Schächer”, so wird die Glasmalerei von 1449 genannt, die auf der Ankündigung für unseren gestrigen Rundgang durch Berns Altstadt abgebildet ist.
Sie ist Teil eines Zyklus, von dem nur noch ein Teil der Scheiben erhalten ist.
Jede Bernerin, jeder Berner ist im Münster gewesen. Aber wer hat das Bild beachtet?
Ich selbst bin da keine Ausnahme. Erst die böse Absicht, den Bernern auf einem Rundgang Dinge zu zeigen, die sie in ihrer eigenen Stadt weder beachten noch verstehen, hat mich zu einer Beschäftigung mit den Glasmalereien im Münster geführt.
Ich habe die kleine Gruppe von Teilnehmern auf unserem Rundgang gefragt, was sie auf dem Bild sehen.
«Ein Mann, auf ein Kreuz gebunden, aber nicht Jesus. Und ist da noch eine zweite Person?»
Schächer ist ein altes Wort, es bedeutet wohl am ehesten Raubmörder.
Zwei solche Verbrecher werden mit Jesus hingerichtet. Der eine bereut seine Taten und bekehrt sich. Der sterbende Jesus, ans Kreuz genagelt, verspricht ihm, dass er noch am selben Tag ins Paradies kommt.
Man sieht auf dem Bild, wie die als Gestalt in der Grösse eines Kindes dargestellte Seele des Verbrechers von einem Engel aufgenommen wird.
Der Grundstein für das Münster wurde sechs Jahre nach der Eroberung des Aargaus gelegt, in einer Zeit, in der ein neues Selbstbewusstsein nach einer neuen Kirche verlangte.
Nach dem Einsetzen der Glasfenster fehlte noch eine wichtige Reliquie. Aber nicht lange. Den Kopf des heiligen Vinzenz stahl ein schneller Berner in Köln.
Was geschah mit dem Kopf nach der Reformation?