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Bis 1798 Zenden der Landschaft Wallis, 1798 aufgelöst und auf die helvet. Distrikte Goms, Brig, Visp und Leuk verteilt, 1802-10 Zenden der Republik Wallis, 1810-14 aufgeteilt in die zwei Kt. R. und Mörel des franz. Departements Simplon, 1815-48 Zenden, 1848-1987 Bezirk des Kt. Wallis, seit 1987 geteilt in die zwei unabhängigen Halbbezirke Westlich und Östlich R. Diese Bezeichnung erscheint erstmals in der kant. Verfassung von 1844.
Der Zenden R. bestand aus den beiden räumlich getrennten Gerichtsbarkeiten R. und Mörel, die sich mit dem Zuständigkeitsbereich der ehem. Grosspfarreien deckten. Sie waren im Vergleich zu den anderen Zenden kleiner und bevölkerungsärmer und wurden unter Beibehaltung ihrer inneren gerichtl. Verwaltung im 15. Jh. unter Bf. Andreas dei Benzi in militär. und Landesangelegenheiten zu einem Zenden zusammengeschlossen. Die 1375 von den fünf oberen Zenden eroberte Herrschaft Niedergesteln-Lötschen der Frh. vom Turn kam ebenfalls zum Zenden R., der somit ab der 1. Hälfte des 15. Jh. aus drei ungleichen Dritteln bestand.
Das Drittel Mörel (oberes Drittel) umfasste die zehn Gemeinden Mörel, Filet (beide heute Gemeinde Mörel-Filet), Goppisberg, Greich, Ried-Mörel (alle drei heute Gemeinde Riederalp), Grengiols, Bister, Betten, Martisberg (letztere beide heute Gemeinde Bettmeralp) und Bitsch. Innerhalb des Drittels galt Grengiols wiederum als ein Drittel, Martisberg hatte als ehemalige bischöfl. Kastlanei einen Sonderstatus und die acht übrigen Gemeinden galten als zwei Drittel. Die hohe Gerichtsbarkeit lag beim Meier, dessen Amt ursprünglich erbl. Lehen der Familien Eschiman und Zen Rossen war. Die Familie Walker erwarb 1425 den Teil der Familie Eschiman. 1452 und 1568 kauften die Gemeinden das Amt von den beiden Familien und wählten von da an den Meier im Turnus jeweils einmal in Grengiols und zweimal in Mörel. Auch die beiden Weibelämter kamen in der 2. Hälfte des 15. Jh. bzw. Ende des 16. Jh. an die Gemeinde Grengiols und an Mörel. Als Gerichtsgebäude mit Gefängnis und Folterkammer diente der alte Meierturm in Mörel, der wahrscheinlich Ende des 13. Jh. erbaut worden war. Das Drittel R. (mittleres Drittel) lenkte seit jeher die Geschicke des Zenden und umfasste die Gemeinde Ausserberg, Bürchen, R. und Unterbäch (ohne das Freigericht Holz), die je als ein Viertel galten. Die hohe Gerichtsbarkeit lag beim Meier, dessen Amt ursprünglich erbl. Lehen der adligen Familien Asperlin, Perrini und von R. war und 1508 von Bf. Matthäus Schiner gekauft wurde. Den Meierturm auf der Burg schenkte Schiner den Rarnern für den Bau der Kirche. Schiners Erben verkauften 1527 das Meieramt der Gemeinde R., die den Meier von da an jeweils am Sonntag vor Lichtmess auf zwei Jahre wählte. Das Gericht tagte jeden Mittwoch in R. 1548 verbriefte das Drittel altes Gewohnheitsrecht in einem ausführl. Statut, das bis 1798 gültig blieb. Das Drittel Niedergesteln-Lötschen (niederes Drittel) war Untertanengebiet der fünf oberen Zenden, bestand aus den Gemeinden Steg, Hohtenn (beide heute Gemeinde Steg-Hohtenn), Niedergesteln, Eischoll und dem Lötschental und war den anderen Dritteln nicht gleichgestellt. Die hohe Gerichtsbarkeit lag in der Hand eines Kastlans, der im Turnus aus den fünf oberen Zenden gewählt wurde und in Niedergesteln residierte. Das niedere Drittel hatte keinen Anteil an der Landesverwaltung, konnte keine Landesämter besetzen und war vom Landesnutzen (Einkünfte aus Landvogteien und Pensionen) ausgeschlossen, musste aber einen Drittel der Zendenlasten (z.B. Kriegsdienst) tragen.
Bei der Wahl in die Zendenämter setzte sich der Wahlmodus durch, dass das Drittel R. den angesehenen Bannerherrn und das Drittel Mörel den Zendenhauptmann stellte. Der Zendenfenner kam in Friedenszeiten aus dem niederen Drittel, das erst nach 1798 gleichberechtigt wurde. Seit 1987 deckt sich das obere Drittel mit dem Halbbezirk Östl. R., während die beiden anderen den Halbbezirk Westl. R. bilden. Beide Halbbezirke sind selbstständige Wahlkreise mit Bezirksrat, Präfekt und Stellvertreter.
Literatur
– J. Lauber, «Die Gerichtsbarkeit von R.», in BWG 4, 1911, 225-231
– Kdm VS 3, 1991, 3-7
Autorin/Autor: Anton Riva