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Abschnitt 6: Prospektiver ansatz: aktionsvorschläge
Für den Forscher ist die Informatik nicht nur ein hochentwickeltes Instrument, mit dem sich schöne Layouts und ansprechende Grafiken gestalten lassen, sondern sie fungiert vor allem als eine Formalisierungssprache. Formalisieren heisst, mit Hilfe von Objekten, die durch Operatoren manipuliert werden können, die Relationen zu beschreiben, die zwischen den mutmasslichen Elementen einer komplexen Struktur existieren. Formalisieren heisst auch, die Gesamtheit dieser Relationen auf verständliche Weise mitzuteilen. Die informatischen Sprachen haben einen derartigen Grad an Realismus erreicht, dass sich die Humanwissenschaften nun in dem Glücksfall befinden, Sprachen zu ihrer Verfügung zu haben, durch die sie Wissen mittels Formalismen darstellen können, die denjenigen der natürlichen Sprache und der direkten Manipulation realer Objekte ähnlich sind. Diese Entwicklung hat das Wesen der Programme, die man hinsichtlich der Lernprobleme konzipiert, beträchtlich verändert, da diese eng an die Wissensmanipulation geknüpft ist, die man unterrichten will.
Dieser formale Ansatz impliziert nicht den Zwang, die Hypothese eines Isomorphismus zwischen den formalen Modellen und den Prozessen, die sie repräsentieren, aufzustellen. Wenn ein Forscher ein auf Regeln basierendes System benutzt, um eine Problemlösungsstrategie zu modellieren, so setzt er sein Modell nicht mit den kognitiven Prozessen des menschlichen Subjekts gleich, genauso wenig, wie die Sprache das Verständnis der ihrer Erzeugung zugrundeliegenden Prozesse erschöpft. Die Entwicklung von Versuchsvorrichtungen, anhand deren die Prozesse des Wissenserwerbs umfassend studiert werden können, ist eine wissenschaftliche Herausforderung, die nun im Bereich des Möglichen liegt. Es ist jedoch wichtig, dass der Forscher die jeder experimentellen Untersuchung auferlegten Grenzen nicht aus den Augen verliert. Die Vorrichtungen müssen auch Prozesse aufdecken und nicht einfach Verhaltensweisen simulieren. Des weiteren kann man sich vorstellen, dass diese Vorrichtungen mit einer experimentellen Schnittstelle ausgestattet sind, mit deren Hilfe man mit einer durch die konventionellen Vorrichtungen nicht erreichten Präzision die wichtigsten Parameter eines Versuchs modulieren könnte.
Was könnten uns solche Forschungen bringen? Zunächst können sie zu einem besseren Verständnis der Basismechanismen jeglichen Lernens beitragen. Die vielversprechenden Themen sind diejenigen, bei denen die informatischen Techniken schon bewiesen haben, dass sie zur Erneuerung klassischer Fragestellungen beitragen können. Die Untersuchung der Problemlösungsprozesse nimmt hier einen bedeutenden Rang ein (Nathan u.a. 1993; Reusser, 19xx; ...). Die Lektüre und die Verständnismechanismen (Rouet, 19xx) sind auch gute Kandidaten. Doch dürfte die Forschung über die Metakognition und ihre Auswirkungen auf den Lernvorgang nicht vernachlässigt werden, die dank des Computers die Möglichkeit haben, auf dem Bildschirm die angenommen kognitiven Prozesse des Lernenden zu "reifizieren". Diese Richtung hat ihre Gültigkeit bewiesen und bildet einen stabilen Forschungspol, der durch die traditionellen Fragestellungen der kognitiven Psychologie und der Bildungsforschung aufrechterhalten wird.
Diese Versuchstechniken können uns auch helfen, unsere Kenntnisse über spezifischere Verhaltensformen in der Welt der NIT zu vertiefen: die Navigation und die Informationssuche in den Hypertexten, die computergestützte und -vermittelte Zusammenarbeit oder die Auswirkung der Hilfesysteme auf die Problemlösung. Selbstverständlich ist es möglich, dass diese Forschungsrichtung sich im Mass der technologischen Entwicklung um neue Probleme erweitert. Die Gefahr besteht darin, in jeder durch die Informatik hervorgerufenen Aktivität eine "Neuheit" zu sehen. Der Forscher hat die Verantwortung, gegenüber den "kognitiven" Invariablen, die durch die Nutzung des Computers bewirkt werden, aufmerksam zu sein und vorübergehende Phänomene, die mit den Absonderlichkeiten einer Schnittstelle oder eines Dispositivs ohne Zukunft verbunden sind, aus dem Feld seiner Ermittlungen auszuschliessen.
Die für solche Versuche entworfenen Vorrichtungen sind nicht unbedingt für die Verwendung im Unterricht geeignet, und der Forscher hat die Verantwortung, den Lehrer mit der grösstmöglichen Objektivität über die Gebiete zu informieren, auf denen diese exploratorischen Arbeiten Gültigkeit haben. Oft erleichtern ihm die Medien die Aufgabe nicht, indem sie die Ergebnisse dieser Laborarbeiten mit gebrauchsfertigen Anwendungen gleichstellen. Dieses Wettrennen um das Spektakuläre hat oft verheerende Auswirkungen in der Welt der Lehrer, die sich schuldig fühlen bei dem Gedanken, durch die Welt, auf die sie die Kinder vorbereiten sollen, überfordert zu sein, denn letztere müssen im täglichen Leben und langfristig mit Aktivitäten zurechtkommen, die sich schlecht mit Improvisation und Moden vertragen.
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