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Es war eine der erstaunlichsten Krisen der jüngsten Zeit: Nachdem Abbott aus hygienischen Gründen die Produktion von Babymilch-Pulver in den USA einstellen musste, kam es dort im Mai und im Juni zu einer regelrechten Versorgungskrise. Sogar die Air Force der Supermacht musste einspringen, um Säuglingsnahrung aus der Schweiz oder Belgien einzufliegen. Insbesondere Kinder mit speziellem Nahrungsbedarf schienen ernsthaft bedroht.
Wie konnte das passieren? Ein Grund liegt darin, dass der Import von «infant formula» in die USA enorm strengen Auflagen unterliegt – so dass es ihn gar nicht gibt. Kritische Stimmen sagen, dass hier eine versteckte Marktabschottung stattfindet.
Als Folge davon beherrschen vier Hersteller 90 Prozent des grossen amerikanischen Marktes: Abbott aus Illinois liefert etwa die Hälfte der amerikanischen Babynahrung. Den Rest bestreiten Perrigo, Mead Johnson Nutrition (das zu Reckitt Benckiser gehört) sowie Nestlé (genauer: Nestlé USA).
Nur 2 Prozent der Babynahrung gelangt aus dem Ausland in die Vereinigten Staaaten.
Die behördliche Import-Blockade ist momentan durch ein Dekret von Präsident Joe Biden aufgehoben, doch der Erlass mit dem kriegerischen Namen «Defense Protection Act» läuft Mitte November aus.
Nun arbeitet die FDA unter Führung ihres Leiters Robert Califf daran, den Markt danach zu öffnen.
Heilsamer Schock
«Es ist wichtiger denn je, die Versorgung mit Säuglingsnahrung in den USA zu diversifizieren und zu stärken», bekundete Califf in einer gemeinsamen Erklärung
mit der FDA-Direktorin für Ernährungssicherheit, Susan Mayne: «Die kürzliche Schliessung einer grossen Fabrik für Säuglingsnahrung – verstärkt durch unvorhergesehene Wetterereignisse – hat gezeigt, wie anfällig die Lieferkette geworden ist.»
Es war offenbar ein heilsamer Schock: Die FDA habe festgestellt, dass die straffen Informationswege, welche in der Notlage international genutzt wurden, auch «dazu beitragen könnten, die langfristige Verfügbarkeit und Vermarktung» der Baby-Produkte zu gewährleisten.
Meetings im Sommer
Im Verlaufe des Sommers will die Behörde nun Treffen einberaumen mit Unternehmen, die im jetzigen provisorischen Zustand Babynahrung importieren – «um festzustellen, welche zusätzlichen Schritte nötig werden, um den Weg hin zu einer langfristigen und ununterbrochenen Vermarktung von sicherer und nahrhafter Babymilch zu eröffnen.»
Damit könnten sich allerlei Verschiebungen ergeben. Im Weltmarkt für «Infant Formula» – und ausserhalb der Vereinigten Staaten – herrschen die europäischen Konzerne Nestlé, Danone und Reckitt Benckiser, gefolgt von Abbott. Weitere grosse Anbieter sind FrieslandCampina, Bellamy's Organic, Kraft Heinz und Hipp.