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Orgelbau Th. Kuhn AG, 1998
Restaurierung
www.orgelbau.ch/op=801100
III/P/47
Schweiz, Freiburg
Eglise du Collège St-Michel
Orgelbau Th. Kuhn AG, 1998
Restaurierung
Eine neoklassizistische Orgel wird historisch
Nach jahrzehntelangen Besprechungen, Verhandlungen und einer gründlichen Bestandsaufnahme, konnte die Orgel des Kollegiums St. Michael dank vieler Ideen, die grosse Bereitwilligkeit demonstrierten, zwischen 1997 und 1998 restauriert werden. Bei dieser Orgel - der kurze geschichtliche Überblick ist weiter unten zu finden - war es gewiss nicht einfach, eine Entscheidung zu treffen. Sollte man nicht angesichts der Restaurierungskosten für eine Orgel, die nicht mehr an dem Platz steht für den sie gebaut wurde und sich in einem umgebauten Gehäuse befindet, einen Schritt weiter gehen und sie ersetzen? Man entschied sich die vorhandene Orgel, die von historischem Interesse ist, zu erhalten, da ihre Klanggestaltung und Technik (Rückkehr zur Schleiflade) unbestreitbar eine wichtige Wende in der Geschichte des Orgelbaus darstellen.
Kurzer geschichtlicher Überblick
1932: Bau einer Orgel durch Th. Kuhn für die Abtei Hauterive in der Nähe von Freiburg (III/P/45). Für diesen Bau wurde auf der technischen Seite alles erneuert, aber auch alte Elemente wiederverwendet: das Gehäuse von Mooser aus dem Jahr 1826, einen Teil des Pfeifenwerks von damals und andere Elemente, die durch Änderungen und Zusätze von Scherrer (1857), Spaich (1883) und Wolf (1913) in die Orgel kamen.
1955: Die Orgel wurde von Th. Kuhn mit elektropneumatischer Register- und Tontraktur in der Kirche des Kollegiums St. Michael wieder aufgebaut. Dabei wurde ein dort bereits vorhandenes Gehäuse verwendet. Das Gehäuse stammte von der alten Orgel, die von dem Orgelbauer Michael Bihler aus Konstanz zwischen 1762 und 1764 gebaut wurde. Das elegante alte Gehäuse musste abgebaut und umgestaltet werden, damit die neu erworbene Spielanlage, die wesentlich grösser war als die alte, hineinpasste. Von der ursprünglichen Bihler-Orgel sind noch klingende Prospektpfeifen des Oktavbasses (die einzige Rekonstruktion von 1955) und das blinde Prospektpfeifenwerk des frei stehenden Positivs erhalten. Das Gehäuse des Positivs ist in der Tiefe geteilt, im vorderen Teil befindet sich der umgekehrte Spieltisch.
1998: Die Technik der Orgel wurde vollständig saniert und restauriert. Im Einzelnen mussten die Windladen in die Werkstatt gebracht werden, um sie abzudichten, da durch Trockenheit Schäden entstanden waren; das abgenutzte Leder der Bälgchen und Trakturanlagen musste vollständig erneuert und Behandlungen und Schutzmassnahmen gegen Holzwürmer, usw. vorgenommen werden. Die einzigen notwendigen und gewünschten Veränderungen waren die Erneuerung der Verkabelung: eine elektrische Ton- und Registertraktur und ein elektronischer Setzer wurden eingebaut.
Musikalisch gesehen bleibt die restaurierte Orgel wie sie 1955 gewünscht wurde. Ihr Klangbild stammt von 1932 und bleibt ein typisches, leider selten gewordenes Beispiel des neoklassizistischen Stils, der aus der Orgelbewegung hervorgegangen ist.
Die breite Klangpalette dieser Orgel ist nun für Organisten und deren Repertoire zugänglich.