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Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 19. September 1900, Seite 4. (gotisch) von Elena Klassen.
Wer gibt uns eine kurze Schilderung der Auswanderung nach Central-Asien?
Warum wanderten unsere Brüder dorthin? Wer ging dorthin? Wie erging es ihnen dort? Weshalb teilten sie sich dort? Wovon leben sie dort? Wie sind die Verhältnisse dort? Wie gehjt`s ihnen jetzt?
Asien.
Nikolaipol, den 29. Juli 1900.
Bitte, nachsteheneden unvollkommenen Reisebericht in die Spalten der „Rundschau“ zu thun und denselben allen unseren Freunden in Amerika, Europa und Asien zuzusenden.
Am 1. Mai d.J. fuhren wir unserer sechs Kornelius Wall und Robert Bartsch nebst Gemahlinen, sowie Jakob Kröker und Schreiber dieses, per Achse von zu Hause ab über Aulieata nach Taschkent, eine Strecke von 350 Werst. Von dort fuhren wir auf der Eisenbahn bis Krasnowodsk am Kaspischen Meer. Letzteres kreutzten wir per Schiff und landeten in Baku, der großen Petroleumstadt Rußlands. Von da ging`s wieder per Bahn durch Transkaukasien bis Batum am Schwarzen Meer. Ein Dampfschiff brachte uns über dieses große Meer nach Sewastopol, wo wir wieder den Eisenbahnzug bestiegen, welcher uns durch die herrlichen Gegenden der Krim bis zu unserer Endstation - Feodorofka – brachte. Am 17. Mai kam ich in Lichtenau bei meiner Nichte, Peter Giesbrechts, an, und fuhren am Himmelfahrtstage, 18. Mai, nach Ohrloff zur Kirche, wo Prof. Ströter von Amerika predigte. Darauf ging`s and Freundebesuchen. Am 24. Mai waren wir auf der Prüfung der taubstummen Kinder in der Halbstädter Kirche. O, wie schön, daß auch diese unglücklichen Geschöpfe mit Gottes Wort und Heilsplan können bekannt gemacht werden. Die Kirche war übervoll. Zu Pfingsten fuhr ich zum Schwager Johann Kröker, Neukirch. Am Pfingstsonntage hörte ich in Rückenau den Prediger Johann Harder von Amerika (Hillsboro, Kansas). Weite Strecken längs der Molotschnaja bis Melitopol, von Takmak bis Schönsee und von Neukirch bis Landskrone bin ich gefahren und überall ließ des Saatenstand manches zu wünschen übrig. Am 7. Juni fuhr ich nach Sagradowka. Nachdem ich hier viele Freunde und Verwandte besucht, fuhr ich wieder zurück nach Lichtenau an der Molotschnaja. Am 21. Juni traten wir von Feodrowka unsere Heimreise an. Am 2. Juli gelangten wir nach manchen Reisehindernissen wieder in Taschkent an. Auf der letzten Bahnstrecke trafen wir viele Soldaten. Durch unsere Stadt zieht auch viel Militär. Alles nach der chinesischen Grenze. Am 8. Juni kam ich etwas leidend bei den Meinigen an. Meine Reiseunkosten beliefen sich auf rund 100 Rbl. (Fabelhaft billig reist ihr doch in Rußland – Ed.) Nun wende ich mich noch einmal nach Amerika und frage, ob mein Bruder Jakob Koop noch lebt. Auf meine Frage in No.9 der „Rundschau“ hab ich keine Antwort bekommen. (Woran fehlt`s? Weiß niemand zu antworten? – ED.) Was macht David Koop und Tante Abraham Wiebe und deren Kinder? Die Geschwister sind noch alle gesund, aber alle, bald alt und grau. Außer Heinrich Koop auf Memrik hab ich alle besucht. Wir selber sind samt Kindern, dem Herrn sei Dank, gesund. Die Ernte ist hier gut. Klee hatte ich schon 30 Fuder (Fuhre, Ladung – E.K.) zu Hause. Mähe jetzt zum zweiten Male. Grüße alle „Asiaten“ in Amerika, die sich unser noch erinnern, sowie Freunde und Bekannte.Mit Gruß an den Editor verbleiben wir in Liebe.
Abraham und Justina Koop.
Unsere Adresse ist: Rußland, Turkestanskij Krai, Stadt Aulieata, Dorf Nikolaipol.