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Eingang zur Zürcher Kantonalbank, Bahnhofstrasse 9.
Kulturelle Unterschiede zwischen Gross- und Kantonalbank
In einer launigen Abschiedsrede beklagte sich ein Direktor der Zürcher Kantonalbank in den 1950er Jahren, er habe in seiner Funktion frustrierend wenig zu sagen gehabt. Als angenehm empfand er aber den Grundsatz, Entscheidungen nicht nur nach Profiterwägungen treffen zu müssen, sondern auch das Allgemeinwohl einbeziehen zu dürfen. Und ging anschliessend – zu einer Grossbank.
«Sie stehen damit quasi auf der anderen Seite der Barrikade, die in gar manchem die Geschäftspolitik der Grossbanken von derjenigen der Kantonalbank unterscheidet.»
Bei einer Rotation an der Spitze der Zürcher Kantonalbank kamen in den 1950er Jahren die Gegensätze zwischen der Kantonalbank und den Grossbanken klar zur Geltung. Der scheidende Direktor, der nach nur drei Jahren zur Schweizerischen Bankgesellschaft wechselte, meinte bei seiner Verabschiedung, dass er gerne für die Kantonalbank gearbeitet habe, weil hier auch die Möglichkeit vorhanden sei, «geschäftliche Entscheidungen nicht nur nach reinen Profiterwägungen, sondern auch nach menschlichen und Rücksichten auf allgemeine Interessen auszurichten». Dann ging es in der Rede aber weniger blumig weiter.
Zu scharfe Aufsicht
Der Direktor erklärte sodann, was ihm nicht gefallen hatte: «Es sind die reglementarischen Beschränkungen, die einem Direktor auferlegt sind und ihn zwingen, zu viele Kleinigkeiten auf einen zeitraubenden Instanzenweg zur Genehmigung zu schicken; es ist der grosse, administrative Leerlauf, der daraus und aus andern organisatorischen Umständen erwächst und ihm die Zeit für produktivere und wichtigere Aufgaben in einem Masse nimmt, das vielfach schwer zu vertreten ist; und es ist schliesslich das unangenehme Gefühl, das dabei immer wieder in ihm entsteht, er sei eher ein Angestellter, den man scharf beaufsichtigen wolle, als ein Direktor, der das fachliche und persönliche Vertrauen hat.» Er rate der Bank, den organisatorischen Aufbau zu überdenken und die Bewegungsfreiheit der Direktoren zu erweitern, so wie das andere Kantonalbanken bereits machen würden. Der Bankpräsident meinte dazu, er sehe wohl ein, dass der neue Posten bei der Grossbank «eine noch freiere, schöpferische Entfaltung der Persönlichkeit verspricht».
Lockerung in den 1970er Jahren
Der erste Schritt zu einer Kompetenzausweitung der Direktion erfolgte aber erst in den 1970er Jahren, als die Gesamtrevision des Kantonalbankengesetzes anstand. Die Entscheidungsbefugnisse bei rein operativen Geschäften wurden in der Folge immer stärker vom Bankrat und Bankpräsidium hin zur Direktion verschoben. Dem Credo eines Finanzinstituts, das einen angemessen Gewinn erwirtschaftet und gleichzeitig einen Mehrwert für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft im Kanton Zürich schafft, wird hingegen immer noch nachgelebt.
Titelbild: Eingang zur Schweizerischen Bankgesellschaft, Bahnhofstrasse 45.