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Die junge Gabrielle steht halbnackt vor dem Fenster und starrt eine Gruppe von Arbeitern an. Dann schreibt sie leidenschaftliche Briefe an ihren Lehrer. Sie verzehrt sich nach Liebe und sorgt mit ihrer früh erwachten Sexualität in ihrem Heimatdorf in Südfrankreich für einen Skandal. Ihre Eltern halten sie allmählich für verrückt, und um ihre Tochter zu bändigen, geben sie Gabrielle dem Landarbeiter José zur Frau.
«Mal de pierres» handelt von der Suche nach der absoluten Liebe und Hingabe, von Wahnsinn und Schmerz. Besetzt hat Regisseurin Nicole Garcia das Melodram mit dem französischen Leinwandstar Marion Cotillard und dem Deutsch-Spanier Alex Brendemühl.
Genesung in der Schweiz
Gabrielle (Cotillard) träumt von einem körperlichen Verlangen und einer Liebe, die niemand erfüllen kann. Schon gar nicht José (Brendemühl). Der ehrliche spanische Landarbeiter ist weit vom Bild ihres charmanten Prinzen entfernt – die Ehe ist ein Fiasko.
Ihre Frustration wirkt sich zunehmend auf ihre Gesundheit aus. Wegen ihres anhaltenden Leidens schickt Ehemann José, der Gabrielle aufrichtig liebt, sie in ein Sanatorium in die Schweiz. Dort begegnet sie dem jungen, im Indochina-Krieg schwer verletzten André (Louis Garrel), der ihre erloschene Sehnsucht nach Liebe und Leidenschaft wieder neu erweckt.
«Madame Bovary» reloaded
Die französische Regisseurin lehnt sich an den gleichnamigen, 2006 erschienenen Bestseller der Italienerin Milena Agus an. Dabei hat sie die Handlung von der italienischen Insel Sardinien nach Frankreich verlegt. Sie blendet die familiären Nebenhandlungen aus, um sich auf Gabrielle und ihre Liebes- und Leidensgeschichte zu konzentrieren, die sich am Ende des Films zuspitzt.
Garcia erzählt das Leben einer Frau, die in der Ehe mit einem langweiligen Ehemann und an den gesellschaftlichen Konventionen und Geschlechterrollen zerbricht, aber auch an ihren eigenen Träumen. Der dramatische Stoff erinnert an das Schicksal grosser Romanheldinnen wie «Madame Bovary» von Gustave Flaubert. Erinnerungswürdig sind die Verfilmungen von Jean Renoir aus dem Jahr 1933 oder Claude Chabrol im Jahr 1991, in der Isabelle Huppert die Hauptrolle spielte.
Doch bei Garcia können die Zuschauer trotz der herrlichen Landschaftsbilder nicht wirklich mit der Protagonistin mitfühlen und -leiden. Gabrielle ist sehnsüchtig, hingebungsvoll, verzweifelt, aufmüpfig, verrucht und frustriert. Sie durchlebt alle Gemütszustände, zu denen ein Mensch fähig ist, doch hält sie die Zuschauer auf Distanz. Daran ändert auch Cotillard wenig. Sie bleibt in ihrer Rolle überraschend schablonenhaft.
Bewertung: 2 von 5 Punkten
Sabine Glaubitz, DPA