Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/160473

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Studie "Kohlenstoffrisiken: Erste Studie für den Schweizer Finanzplatz", welche 2015 publiziert wurde, zeigt auf, dass die Treibhausgasemissionen, welche durch den Finanzplatz verursacht werden, mindestens in der gleichen Grössenordnung sind wie die gesamten direkten Emissionen. Konkret belastet die Pensionskasse der Haushalte das Klima gleich stark wie all deren Aktivitäten (heizen, Auto fahren usw.) in der Schweiz. Das ist nicht nur eine Belastung für das Klima, sondern auch ein Risiko für Rendite und Rente, weil bei erfolgreichem internationalem Klimaschutz entsprechende klimabelastende Investitionen stark an Wert verlieren.</p><p>Die Studie macht wertvolle Empfehlungen für Politik und Investoren. In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen:</p><p>1. Die Studie hat nur die "100 grössten Schweizer Aktienfonds, die Aktienfonds der systemrelevanten Banken sowie die Aktienportfolios ausgewählter Pensionskassen" angeschaut. Was ist schätzungsweise die Treibhausbelastung des gesamten Finanzplatzes?</p><p>2. Inwiefern stellt der Bundesrat sicher, dass die Empfehlungen von den Investoren in der Privatwirtschaft aufgenommen werden? Was ist hier der Stand der Umsetzung?</p><p>3. Inwiefern stellt er sicher, dass die Empfehlungen von Investoren der öffentlichen Hand wie Pensionskassen und Fonds der Bundesverwaltung und zugewandten Betrieben berücksichtigt werden?</p><p>4. Wie berücksichtigt der Bundesrat die Empfehlungen an die Politik? Inwiefern ist geplant, diese Problematik in der Post-2020-Klimapolitik 2030 aufzugreifen?</p><p>5. Die französische Regierung hat institutionelle Investoren in Frankreich angehalten, ab 2017 ihre Klimaauswirkungen offenzulegen. Die schwedischen Pensionskassen wurden 2014 ebenfalls vom Finanzministerium dazu aufgefordert und haben allesamt 2015 den Kohlenstoff-Fussabdruck ihrer Investitionen offengelegt. Wie steht er zu solchen staatlich geförderten Transparenz-Initiativen?</p><p>6. Der deutsche Versicherer Allianz und der französische Versicherer Axa haben bekanntgegeben, in Zukunft nicht mehr in Kohle zu investieren. Wie sieht der Bundesrat die Rolle der schweizerischen Versicherungswirtschaft in Bezug auf Investitionen in fossile Energien?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Studie des Bundesamtes für Umwelt hat erstmals auf der Basis von 80 Prozent des Schweizer Aktienfondsmarktes und ausgewählten Pensionskassen analysiert, inwieweit diese in Unternehmen investieren, die fossile Energien fördern, besitzen und verbrauchen, und welche finanziellen sowie klimatischen Risiken mit diesen Investitionen verbunden sind. Damit wurden rund 5 Prozent des Investitionsportfolios des Schweizer Finanzmarktes detailliert untersucht. Ob die CO2-Intensität von weiteren Anlageklassen (z. B. Unternehmens- und Staatsanleihen, Immobilien, Rohstoffe) vergleichbar mit der CO2-Intensität des Schweizer Aktienfondsmarktes ist, wird anhand weiterer Forschungsarbeiten bis Ende 2016 untersucht.</p><p>2./6. Der Bundesrat unterstützt Bestrebungen, um international vergleichbare Methoden als Grundlagen für ein klimafreundliches Investitionsverhalten zu entwickeln. Dies hat er auch in den Antworten auf die Interpellation Thorens Goumaz 15.3613 und die Frage Vogler 15.5567 erläutert. In Zusammenarbeit mit der "2 Degree Investing Initiative", einem technischen Netzwerk für Klimainvestitionen, soll die Entwicklung solcher standardisierter Methoden für klimarelevante Investitionen vorangetrieben und für die Schweizer Finanz- und Versicherungsbranche nutzbar gemacht werden. Auch die "Natural Capital Declaration" hat zum Ziel, zusammen mit Finanzinstitutionen eine globale Methodologie zu entwickeln, wie Risiken der Nutzung von natürlichen Ressourcen in die Investitionsanalysen und in die Kreditvergaben integriert werden können. Die beiden Ansätze ergänzen sich.</p><p>3. Die Erkenntnisse aus der Studie "Kohlenstoffrisiken für die Schweiz" wurden mit interessierten Akteuren der öffentlichen Hand sowie mit Vertretern des Finanzsektors und institutionellen Investoren diskutiert. Ob das Wissen über die CO2-Exposition der Investitionen das Investitionsverhalten tatsächlich beeinflusst, kann auch davon abhängen, ob die Investoren davon überzeugt sind, dass künftig ein effektiver Klimaschutz vorangetrieben wird, welcher einen Einfluss auf die Rentabilität ihrer Investitionen hat, und welchen Einfluss kohlenstoffarme Anlagestrategien generell auf die Rendite haben. Weitere Forschungsarbeiten sollen deshalb diesen Zusammenhang klären.</p><p>4./5. Der Bundesrat prüft im Hinblick auf die Ausgestaltung der Klimapolitik für die Zeit nach 2020, inwieweit Anreize für ein klimafreundliches Investitionsverhalten gesetzt werden sollen. Im Rahmen dieser Arbeiten verfolgt der Bundesrat auch die Entwicklungen internationaler Initiativen (z. B. OECD, Financial Stability Board) und Arbeiten in verschiedenen europäischen Ländern sowie deren Auswirkungen aufmerksam.</p>  Antwort des Bundesrates.