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Die Erderwärmung löst die verheerenden Buschbrände nicht aus, erhöht aber deren Risiko.
Wie hängen Klimawandelund Buschbrände zusammen?
In den letzten 100 Jahren hat sich das Klima in Australien um rund ein Grad erwärmt. Seit 1990 ging der Niederschlag im Südosten Australiens, wo jetzt die Brände wüten, in den Monaten April bis Oktober um elf Prozent zurück. Direkt auslösen kann dieser Klimawandel oder eine davon verursachte Rekordhitze die Buschbrände natürlich nicht. Dafür braucht es immer einen Funken – etwa durch absichtlich oder unabsichtlich gelegte Feuer oder durch Blitzschläge. Dennoch erhöht sich in einem wärmeren Klima das Risiko für Buschbrände. Denn bei höheren Temperaturen steigt die Verdunstung. Folglich geht die Bodenfeuchtigkeit schneller verloren, die Vegetation trocknet rascher aus. Zudem verändert der Klimawandel die Verteilung der Niederschläge. In der Regel werden die ohnehin schon trockenen Regionen noch trockener. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass sich die Buschbrand-Saison in Australien daher verlängert und intensiviert hat, so auch der Bericht «State of the Climate 2018», den die australische Regierung herausgegeben hat. Besonders im Süden und Südosten von Australien steigt demnach das Risiko für Buschbrände.
Kommen die Buschbrändein Australien überraschend?
Die natürliche Klimavariabilität hat schon immer dafür gesorgt, dass es mal trockenere, mal feuchtere Jahre mit entsprechend höherer respektive geringerer Feueraktivität gab. Das Jahr 2019 war in grossen Teilen Australiens aussergewöhnlich warm und trocken, gemäss «Australian Seasonal Bushfire Outlook» die Grundlage für eine «lange und herausfordernde Feuersaison» 2019/2020. Eine Ursache für die aktuelle Trockenheit war eine starke Anomalie der Meeresoberflächentemperatur im Indischen Ozean, der «Indische-Ozean-Dipol». Die Folgen des Klimawandels addieren sich zu diesen natürlichen Schwankungen. Simulationen haben aber schon vor mehr als zehn Jahren gezeigt, dass insbesondere der Südosten Australiens durch die Erderwärmung noch trockener und damit anfälliger für Buschbrände wird.
Ist die Hitze der wichtigsteFaktor für Buschbrände?
Nein. In der Regel ist die Windgeschwindigkeit der primäre meteorologische Faktor, der ein Feuer antreibt. Dennoch deuten Studien an, dass die Temperatur eine wichtige Variable ist: Sie bestimmt massgeblich die gesamte jährliche Brandaktivität. Je wärmer es ist, desto häufiger brennt der Busch. Wichtig ist auch das Waldmanagement. Durch das Ausräumen von Totholz und durch gezielt gelegte Brände ausserhalb der eigentlichen Brandsaison lässt sich Brandmaterial vorab entfernen und das Risiko für gefährliche Buschbrände reduzieren.
Was geschieht, wenn dieErdtemperatur weiter ansteigt?
Klimamodelle sagen für Australien einen weiteren Temperaturanstieg voraus. Das hat gemäss dem Bericht «State of the Climate 2018» mehr Starkregen zur Folge, allerdings sind diese auf kurze Zeitabschnitte konzentriert. Insbesondere in der kühleren Jahreszeit regnet es insgesamt weniger, Trockenperioden werden länger. Insgesamt führt das zu einer weiter erhöhten Anzahl Tage mit hoher Gefahr für Buschbrände und zu einer verlängerten Feuersaison im südlichen und östlichen Australien.
Wie wird das Brandrisiko gemessen?
Das «Feuerwetter» wird in Australien mit dem Forest Fire Danger Index (FFDI) angegeben. Dieser Index schätzt das Feuerrisiko für einen Tag auf Basis von Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und dem Zustand des Brandmaterials im Wald ab. Der Zustand des Brandmaterials wird mithilfe eines Trockenheitsfaktors bestimmt, der vom täglichen Niederschlag abhängt und von der Zeit seit dem letzten Regen. Aus dem FFDI wird das vereinfachte Fire Danger Rating (FDR) abgeleitet, das die Brandgefahr in fünf Kategorien zusammenfasst, ähnlich wie beim Lawinenbulletin. Die Anzahl Tage mit extremer Brandgefahr haben in den letzten Jahrzehnten gemäss dem Bericht «State of the Climate 2018» speziell im Süden und Osten Australiens zugenommen.
Joachim Laukenmann