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Wer in den Zeitungsarchiven nach Kelten im Oberland und in der Region Thun sucht, stösst früher oder später auf den so genannten «Baalstein» aus der Chartreuse.
Gemäss einer Meldung vom 17. Juli 1939 im «Oberländer Tagblatt» handelt es sich dabei um «ein granitenes, druidisches Götzenbild von Balder, dem Sonnengott der Druiden, welches vor 2000 Jahren von unseren heidnischen Vorfahren angebetet wurde».
Der Autor schrieb, dass die Steinfigur aus einem «Keller in Schlosswil» stamme und in Ballenbühl, «wo einst eine keltische Kultstätte war», gefunden worden sei. Weiter: «Als Schultheiss von Mülinen in Besitz dieses Steinbildes gelangte, liess er es im Wäldchen des Bächigutes unter einer hohen, efeuumrankten Eiche aufstellen.»
Der Schultheiss von Mülinen war der Besitzer des Bächiguts in Hünibach, wo später ein prächtiges Schloss erbaut wurde. Das Schloss gibt es nicht mehr. Es wurde 1941 gesprengt. Die Geschichte dieses verlorenen Thunersee-Schlosses ist spannend und wird sicherlich im Zentrum zukünftiger Beiträge stehen. Das Wichtigste in Kürze, die Info stammt von der Website der Gemeinde Hilterfingen:
Das Bächigut ging 1807 an den Berner Schultheissen Niklaus Friedrich von Mülinen. Er legte einen Park an und bewohnte von 1821 bis 1831 den neu erbauten Landsitz. «La Chartreuse» wurde während 10 Jahren zum beliebten Reiseziel vieler in- und ausländischer Geistesgrössen. Nächste Gutsbesitzer waren Adolphe de Rougemont und von 1844 – 1890 seine Erben. 1896 überstürzten sich die Ereignisse: Baubeginn des Schlosses Chartreuse und Unfalltod des neuen Schlossherrn Baron von Zedtwitz. Erst 1902 fertiggestellt, stand das Schloss schon ab 1910 leer. Nach dem Verkauf des Schlossgutes 1933 an eine Immobiliengesellschaft wurde der Park parzelliert, in Bauland umgewandelt und innert kürzester Zeit überbaut. Das Schlossgebäude wurde 1941 teilweise gesprengt, die Resten wurden 1965 abgebrochen.
Aber nun zurück zum Götzenbild. Im «Thuner Tagblatt» vom 14. Dezember 1989 erfahren wir, dass der «Baalstein» schliesslich in den Besitz des Bernischen Historischen Museums gelangte:
Wie in den letzten Jahrzehnten die Chartreuse parzelliert wurde, gelangten Stein und Inschriftenplatte in den Besitz von Baumeister Oskar Affolter, der beide Teile 1852 zu ihrer Sicherung von Thun weg in die Felsenau bei Bern verbrachte. (…) Nun sind beide zum Gedenken an Oskar Affolter von der Erbengemeinschaft dem Bernischen Historischen Museum geschenkt worden. Im Jahresbericht des Museums steht zu lesen, dass der dreiseitig säulenartig behauene Granitblock nach heutiger Auffassung nicht in vorgeschichtlicher Zeit, sondern im 16. oder 17. Jahrhundert geschaffen worden sei. (…) Die sich überschneidenden Scheiben unter dem fratzenartigen Gesicht bildeten ein Schuppenornament von jener Art, wie man sie des öfteren auf geschnitzten Möbeln, Truhen und Schränken aus verschiedenen Gegenden der Schweiz finden könne.
Der Baalstein lagert noch heute im Museum, wie mir Kuratorin Susan Marti in einer E-Mail bestätigte:
Ja, der so genannte Baalstein gab viel zu reden und datiert mit Sicherheit ins 16./17. Jh. Er kam 1978 aus Privatbesitz an unser Museum und im Jahresbericht des Historischen Museums von 1979 wird S. 31f. berichtet über das Objekt. Vorgängig gab es seitens der archäologischen Abteilung bei uns ab den 1930er Jahren immer wieder Korrespondenz mit verschiedenen Gelehrten zu dem Objekt mit dem Ziel, die Datierung genauer zu klären. Sie könnten diese Akten bei uns einsehen, wenn Sie über den publizierten Bericht hinaus am Objekt und dem Kontext interessiert sind. Keltisch ist an dem Stück mit Sicherheit nichts, sondern es handelt sich um einen barocken, mit einer Fratze verzierten Stein. Diese Ansicht hat sich seit 1957, als der Stein an einer Ausstellung über römisch-keltische Kunst in Basel hätte gezeigt werden sollen, in der Forschung eindeutig durchgesetzt. Leider habe ich kein aktuelles Foto des Objekts, das bei uns in einem schwer zugänglichen Aussendepot lagert.