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Auf den Spuren der Wiener Stadtmauer
Jahrhundertelang hat die Stadtmauer die Silhouette von Wien geprägt. Heute erinnert die Ringstrasse samt dem Kai am Donaukanal mit ihrem Verlauf rund um den ersten Bezirk an die ehemalige Mauer, bzw. an das Glacis, die freie Fläche vor den Mauern. Von den Befestigungsanlagen ist fast nichts übrig geblieben. Trotzdem sind die Reste sehenswert.
Die Geschichte der Wiener Stadtmauer begann mit der Befestigung des römischen Legionslagers Vindobona. Mit dem Ende der römischen Herrschaft wurden diese Lagermauern teilweise zerstört. Herzog Heinrich II, Jasomirgott verlegte 1156 den Sitz der Babenberger von Klosterneuburg nach Wien. Er liess die römische Lagermauer adaptieren und baute sie zu einer mittelalterlichen Stadtmauer aus. Die porta principalis dextra wurde zum Ungartor, die porta decumana zum Peilertor. In dem für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Hof des Hauses Maria am Gestade Nr. 5 befinden sich noch Teile der ursprünglich römischen Stadtmauer.
andere Ansicht vom Hof des Altwiener Hauses.
Der Mauerrest in der Vindobona Karte rot eingezeichnet.
Mit den Lösegeldern aus der Gefangennahme von Richard Löwenherz 1192 finanzierte der Babenberger Leopold V. die Zuschüttung des (heute noch so genannten) Grabens vom Stephansdom bis zur Freyung und liess Stadtmauern in jenen Dimensionen bauen, wie sie noch bis ins 19. Jahrhundert bestehen sollten.
Nach der ersten Türkenbelagerung 1547 plante man einen Umbau der Stadtmauern in eine neuzeitliche Festung nach italienischem Vorbild. Die mittelalterlichen Mauertürme wurden in zehn Bastionen (Basteien) umgebaut. Der Raum vor den Mauern, das Glacis, wurde mit einem Abstand von mindesten 330 m bis zu den ersten Häusern der Vorstadt freigehalten.
Im 18. Jahrhundert wuchs Wien zu einer der größten Städte Mitteleuropas, hielt aber weiter am Festungscharakter fest. Im Kampf gegen die Truppen Napoleons 1805 erwiesen sich die Verteidigungsanlagen als wirkungslos. Während die militärische Bedeutung der Bastei schwand, stieg ihre Beliebtheit als Ausflugsort. Im Vorfeld (Glacis) wurden Alleen und Wiesen angelegt, Bänke luden zum Ausruhen ein.
Kaiser Franz Josef ordnete 1857 die Schleifung der Befestigungsanlagen an und ermöglichte den Bau der Ringstrasse. Mit den Abbrucharbeiten wurde im März 1858 begonnen.
Die Karte von 1858 zeigt den Zustand der Befestigungsanlagen vor dem Abbruch. Die Teile der Stadtmauer, von denen noch Spuren zu finden sind, habe ich rot markiert. Draufklicken führt zu den dazugehörenden Bildern.
Von der Schottengasse, dort wo sie noch breit ist, führt eine Treppe auf die Mölkerbastei.
Auf der rechten Seite der Treppe sind noch versteckte Reste der ehemaligen Basteianlagen.
Der Name Mölker Bastei kommt von dem angrenzenden Melker Hof. Die eigentliche Bastei gibt es nicht mehr. Übrig geblieben ist die Verbindungsmauer zwischen der ehemaligen Mölker Bastei und der ehemaligen Löwelbastei. Die Häuser, die darauf standen (u.a. Pasqualatihaus, Dreimäderlhaus) haben diesen Teil der Stadtmauer vor dem Abbruch gerettet.
Im Fussgängerdurchgang durch die Hofburg vom Heldenplatz zum Inneren Burghof befinden sich Mauerreste des alten Widmertores.
Das uns heute bekannte äußere Burgtor wurde 1821 zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig (Oktober 1813) errichtet. Das Monument steht an der Stelle des 1660 als Festungsbau gegen die Türken errichteten "alten" Burgtors. Burgbastei und Löwelbastei waren 1683 die am heissesten umkämpften Abschnitte der Stadtumwallung. 1809 war das alte Burgtor von den napoleonischen Truppen gesprengt worden.
Suchen Sie die vier goldenen Loorberzweige (Tipp: über dem mittleren Torbogen)
Bei Grabungsarbeiten auf dem Heldenplatz im August 2016 ist man auf eine Ziegelmauer aus dem 17. Jahrhundert gestoßen.
Laut dem Archäologen Roman Igl (Bild) handelt es sich dabei um die äussere Grabenmauer, die der seinerzeitigen Bastion vorgelagert war und einen ersten Schutzwall darstellte.
Rest der Augustinerbastei mit dem Danubiabrunnen. Über das 2003 entworfene, weit in den Albertinaplatz hinausragende Flugdach von Hans Hollein kann man geteilter Meinung sein. Es soll in der Form eines dynamischen Keils die öffentliche Zugänglichkeit des Palais symbolisieren. Warum das nötig ist, kann ich nicht erklären.
Dort wo heute eine Treppe zum Plateau mit dem Reiterstandbild von Erzherzog Albrecht hinaufführt, war vor dem zweiten Weltkrieg eine richtige Rampe. Man sieht sie am Bild des Leichenzugs von Kaiserin Elisabeth (Sisi).
Auf einem Teil der ehemaligen Augustinerbastei steht das Palais von Erzherzog Albrecht. Heute beherbergt es die grafische Sammlung Albertina. Der Grossteil der vorgelagerten Bastei wurde von den Franzosen gesprengt.
Im Inneren der Bastei befindet sich der Augustinerkeller. Das Heurigen-Restaurant wird von der Familie Bitzinger betrieben.
Der Eingang in das Palais Hotel Coburg wurde in die Stadtmauer integriert.
So hat es früher hier ausgesehen.
Das im 18. Jh. erbaute Palais Coburg wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt. Es wurde 2010 restauriert und als eines der schönsten Luxushotels der Stadt mit ausgezeichneten Restaurants in Betrieb genommen. Mit der Revitalisierung des Palais Coburgs konnten auch die Reste der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Befestigungsanlagen gerettet und einer neuen Bestimmung zugeführt werden. Die ehemaligen Kasematten (unterirdische Festungsgewölbe) dienen heute als Schauplätze für verschiedene Veranstaltungen und als Weinarchiv.
Abgang in die Kasematten in der Eingangshalle das Hotels
Ein weiterer Abgang führt bei der Weinbar in das Untergeschoss zu den Veranstaltungsräumen in den Kasematten der Coburgbastei und zum Weinarchiv, das aus sechs Weinkellern besteht. Dort lagern 60.000 Flaschen.
Beim Bau der U-Bahnstation Stubentor für die Linie U3 wurden Teile des alten Stubentors ausgegraben und z. T. ergänzt. Das obere Bild zeigt einen Teil der Renaissancemauer.
Fundamente des Stubentors in der Station
Von der Dominikanerbastei ist nicht viel übrig geblieben, eigentlich nur der Geländesprung. Die Dominikanerkirche steht auf der ehemaligen Bastei.
Die Ruprechtskirche ist angeblich die älteste Kirche Wiens mit romanischer Bausubstanz. Wenn man die Ruprechtsstiege zum Franz Josephs Kai hinuntergeht, sieht man bescheidene Reste der ehemaligen Stadtmauer.