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Welche Rolle spielte des Oppidum auf dem Wistenlacher Berg in der Dreiseenregion und im Land der Helvetier? Bislang weiss man noch nichts Genaues. Es bleibt festzuhalten, dass es keine Hinweise auf die Existenz eines religiösen Zentrums gibt und dass Fernhandelsgut (Keramik, Glas usw.) selten ist. Andererseits zeigen die zahlreichen Sondierungen im Inneren der Untersuchungsfläche eine nur dünne Besiedlung an. Anscheinend gibt es keine dichte über mehrere Generationen hinweg strukturierte und fortdauernde Siedlungstätigkeit. Bis heute konnten keine Wege, Quartiere von Handwerkern oder sakrale Bereiche nachgewiesen werden. In der Publikation von 2004 liest man: «Es hat nichts zu tun mit der gallischen Stadtanlage Bibracte auf dem Mont Beuvray in Burgund, mit Manching in Bayern und auch nichts mit den wichtigen Siedlungen von Bern und Yverdon-les-Bains im Mittelland! Die beiden letztgenannten sind echte proto-urbane Zentren».
Wenn also keine Stadt im Sinne eines politischen, wirtschaftlichen und religiösen Zentrums, was ist das Wistenlacher Oppidum dann? Bestimmend für die Siedlung ist ihr Verteidigungssystem mit mindestens zwei Toranlagen, das den Zugang zu einem 50 Hektar grossen Areal versperrt und schützt. Laut Gilbert Kaenel, Philippe Curdy und Frédéric Carrard handelt es sich beim jetzigen Kenntnisstand «um eine Befestigung, die über mehrere Generationen hinweg von den Bewohnern eines in seiner Grösse schwer abzuschätzenden Umlands erbaut und unterhalten wurde».
Neben der Schutzfunktion diente der Wistenlacher Berg vielleicht als Versammlungsort. Und eine sakrale Funktion? Hinweise darauf fehlen; deshalb bleibt eine solche Interpretation hypothetisch.
Allerdings ist es denkbar, dass das Wistenlacher Oppidum eine politische Funktion hatte. Dafür spricht die Entdeckung eines Münzpräge-Stempels. Vielleicht wurden auch einige der vor Ort gefundenen Münzen hier gegossen oder geprägt.
Weitere Umstände lassen aufhorchen. So fand man z.B. überhaupt keine Waffen und auch keineswegs Dinge, die nur der männlichen Lebenswelt angehören würden. So bezeugt etwa Schmuck (Armbänder, Perlen) die Anwesenheit von Frauen in diesem vorrangig militärischen Umfeld. Schliesslich lassen die an einer bestimmten Stelle lokalisierten Keramiktypen an ein Votiv-Depot denken.