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FAQ
Mit dem Steuerungsausschuss und der Krisenorganisation verfügt der Bundesrat bereits heute über eine Krisenstruktur, die jederzeit angepasst und erweitert werden kann. Die operative Umsetzung der Beschlüsse des Bundesrates in einer Mangellage erfolgt im Strombereich durch die Organisation für Stromversorgung in Ausserordentlichen Lagen (OSTRAL). Diese wird beim Eintreten einer Strommangellage auf Anweisung der wirtschaftlichen Landesversorgung aktiv. Im Gasbereich hat der Bundesrat den Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) im Mai beauftragt, für die technische Umsetzung der Beschlüsse des Bundesrates eine operative Krisenorganisation (KIO) zu bilden sowie ein Konzept für ein Monitoring im Gasbereich auszuarbeiten. Die Arbeiten dazu laufen.
Die Versorgung der Schweiz mit Strom ist derzeit sichergestellt. Die Verfügbarkeit von Gas zur Stromerzeugung ist insbesondere mit Blick auf die Versorgungssicherheit im nächsten Winter von Bedeutung. Mit der Trockenheit in Mitteleuropa, der geringen Verfügbarkeit der Kernkraftwerke in Frankreich und dem Krieg in der Ukraine ist in den kommenden Monaten weiterhin mit einer Anspannung der Strommärkte und voraussichtlich hohen Preisen zu rechnen. Die ElCom beobachtet die Situation in Zusammenarbeit mit den weiteren zuständigen Behörden, namentlich dem Bundesamt für Energie (BFE), der wirtschaftlichen Landesversorgung, sowie mit Swissgrid.
Die Versorgung der Schweiz mit Erdgas ist derzeit gesichert. Es stehen alle inländischen Pipelinekapazitäten uneingeschränkt zur Verfügung. Jedoch ist es aufgrund der Reduktion der Gaslieferungen aus Russland wenig wahrscheinlich, dass die europäischen Speicher gemäss den Zielen per Dezember 2022 zu 90 Prozent gefüllt werden können. Es werden deswegen in Europa Bewirtschaftungsmassnahmen vorbereitet, die eine Speicherbefüllung unterstützen sollen. Sollte die Wiederauffüllung der europäischen Gasspeicher während des Sommers 2022 nicht gelingen, könnte die Versorgungssituation für den Winter 2022/2023 kritisch werden. Die Schweiz verfügt über keine eigenen Gasspeicher und ist vollständig abhängig von Gaslieferungen aus dem Ausland.
Das Konzept beinhaltet zwei Massnahmen: Einerseits die Einrichtung einer physischen Gasreserve in Gasspeichern der Nachbarländer. Diese soll 15 Prozent, rund 6 Terawattstunden (TWh), des jährlichen Gasverbrauchs der Schweiz von rund 35 TWh abdecken. Die Schweiz trägt damit im gleichen Mass zur Füllung der europäischen Speicher bei, wie es die übrigen EU-Staaten ebenfalls tun. Ergänzt wird dies durch die zweite Massnahme in Form der Beschaffung von Optionen für zusätzliche nicht russische Gaslieferungen in Höhe von 6 TWh (rund 20 Prozent des Schweizer Winterverbrauchs), die bei Bedarf kurzfristig abgerufen werden können.
Der Bundesrat hat die finalisierte Version des Konzepts an seiner Sitzung vom 29. Juni 2022 zur Kenntnis genommen und die fünf Regionalgesellschaften Erdgas Ostschweiz AG (EGO), Gasverbund Mittelland AG (GVM), Gaznat SA, Erdgas Zentralschweiz AG (EGZ) und Aziende Industriali di Lugano SA (AIL) zur Umsetzung verpflichtet. Thurplus bezieht das Gas aus dem Regionalnetz von EGO. EGO hat die entsprechenden Massnahmen eingeleitet und die OpenEP (Beschaffungsgesellschaft im Besitz der Ostschweizer Gasversorger) mit der Umsetzung beauftragt. Zur Finanzierung dieser Massnahmen wurde eine Kreditlinie in beträchtlicher Höhe im Finanzmarkt aufgenommen; die voraussichtlichen Kosten sollen bis August kommuniziert werden.
Einer möglichen Gasmangellage will der Bund mit verschiedenen Massnahmen begegnen. Beim Szenario einer drohenden Mangellage im Gasbereich werden mit einer Informationskampagne des Bundes und der Gasbranche Sparappelle an alle Erdgasverbraucher gerichtet. Empfehlungen und Ratschlägen sollen den Verbrauch von Erdgas deutlich reduzieren. Gleichzeitig würden die Zweistoffkunden auf Heizöl umgeschaltet. Der Bundesrat appelliert an die Betreiber von Zweistoffanlagen, jetzt ihre Heizöltanks trotz der hohen Preise zu füllen.
Wenn die Sparappelle und die angeordneten Umschaltungen von Zweistoffanlagen nicht ausreichen, um die Gasmangellage zu bewältigen, soll der Erdgasverbrauch kontingentiert werden. Davon sind in einem ersten Schritt alle Anlagen betroffen, die nicht zur Kategorie «Anlagen von geschützten Verbrauchern» zählen. Zu den geschützten Verbrauchern zählen insbesondere Haushalte, die an ein Erdgasverteilnetz zur Wärmeversorgung angeschlossen sind, weiterhin grundlegende soziale Dienste, die nicht den Bereichen Bildung und öffentliche Verwaltung angehören sowie Fernwärmeanlagen, sofern sie Wärme an Verbraucher (Haushalte und soziale Dienste) liefern und keine Brennstoffwechsel vornehmen können.