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Wie sehr die Schweizer Gesellschaft sich chaotischen Zuständen annähert, machen die Auseinandersetzungen um den Abgang des Zürcher Schauspielhaus-Direktors Matthias Hartmann und den Stellenabbau in der tamedia-Gruppe deutlich. Am vergangenen Samstag war das Schauspielhaus zu Brechts „Dreigroschenoper“ voll besetzt und die Aera Hartmann erlebte nochmals einen glanzvollen Abend. Das Publikum war bestürzt über die Aktualität des „armen B.B.“ und dankbar für das schöne Stück, vor allem Jüngere, die noch nie einen Brecht gesehen hatten. Hartmann war zwei Tage zuvor in einem nur infam zu nennenden Interview von Peter Müller im Zürcher „tagi“ gleichzeitig aufgebaut und deklassiert worden. Weil man dies (zu spät) erkannte, wurde der Schaden an Glaubwürdigkeit dann durch Anschlusskommentare in den folgenden Tagen zu verwischen gesucht. Am gleichen Donnerstag, den 4. Juni, liess die „tagi“-Leserbriefredaktion den ehemaligen TV-Journalisten Anton Schaller, der zur geistigen Rechtsfront der Schweizer Viertelintelligenz gehört, einen ungewöhnlich langen Leserbrief abdrucken, worin Schaller Verlagsleiter Martin Kall direkt angriff, er habe „tamedia in die Falle geführt“. Am gleichen Tag fuhr die „tagi“-Redaktion damit zwei Angriffe gegen deutsche Führungskräfte in der Schweiz, dies nicht zuletzt deshalb, weil sie unter dem Druck ihres eigenen Chefredaktors Res Strehle steht, der als ehemaliger Sozialist und Kommunist eine Hundertschaft mit Mitarbeitern entlässt. Schuld ist nicht der Altlinke, sondern der „böse Deutsche“. Es ist wieder die B-Schweiz der wirtschaftlich und kulturell Nachhinkenden, welche sich gegen Entwicklungen der A-Schweiz stemmt, die den internationalen Anschluss aufrecht zu erhalten sucht.
Weblog
Tagesarchiv für 9. Juni 2009
Die Erhebung von „The Economist“ hat in einem Punkt recht: Vancouver ist in Sachen Lebensqualität tatsächlich besser als Zürich. Die Stadt hat sich in den letzten 10 Jahren ungeheuer gut entwickelt. Sie ist wirtschaftlich erfolgreich, hat ein kleines sehr kompaktes sauberes Zentrum, liegt direkt am Meer mit Stränden, und wenn man im Winter die Lionsgate Bridge überquert, hat man das Skigebiet GrouseMountain direkt an die Stadt angrenzend. Neben der Nachtansicht vom Hausber auf Vancouver, scheint die Skyline von New York nur noch als kleines Lämpchen. Die besten Skigebiete Noramerikas sind in 1 h 20 min erreichbar: Whistler und Blackcomb.
Erschreckend aber ist, dass Zürich einen Platz hinter Genf stehen soll. „The Economist“ hat sich hier lediglich an der Internationalität orientiert. Das hat rein gar nichts mit Lebensqualität zu tun. Genf ist eine furchtbar langweilige Stadt und hat diese Platzierung nie im Leben verdient. Manchmal frage ich mich wirklich, welche Schwachköpfe zu solchen Ergebnissen kommen.
Fidel Stöhlker
Dübendorf gehört mit den Südanflügen nicht gerade zur Naherholungszone von Zürich. Das haben die Planungsbüros aus Frankfurt, Stuttgart und Zürich alle offenbar nicht begriffen. Auf dem Flugplatz Dübendorf müssten Wohnungen entstehen und ein Erholungspark für gross und klein. Dübendorf hat die einmalige Chance, sich als attraktiver Standort für Familien zu entwickeln, sofern aus dem Flugplatz etwas sinnvolles entsteht. So könnte man zum Beispiel einen grossen See anlegen, wo man einen Strand findet und z.B. eine Wasserskianlage. Zwei Restaurants am See würden die Besucher anziehen und die Sportler ebenso. Damit könnten die Dübendorfer für ihre Familienfreundlichkeit werben. Die Frankfurter aber wollen viel Wohnfläche=Ertrag. Feddersen und Klostermann viel Grünfläche, die es rund um Dübendorf eh schon gibt. Die Stuttgarter sehen Wohnfläche=Ertrag und Güller Güller aus Zürich ein Biotop, das nicht nutzbar aber vielleicht kurz mal nett anzuschauen ist.
Diese vier Varianten sind Dübendorf dringend abzuraten aber Baudirektor Markus Kägi wird sicher zeigen, wieviel er von Regionalentwicklung versteht. Ratsam wäre, junge Familien und vorallem die Dübendorfer Bevölkerung einzubeziehen. Dann entsteht das, was sich die Bevölkerung wünscht und nicht, was der Politiker braucht, um an seiner Polularität zu feilen.
Fidel Stöhlker
Kein Mensch regte sich darüber auf, dass Hillary Clinton, US-Ausseministerin, in Kairo einen Schal trug. Dies ganz im Gegensatz zum Schal Micheline Calmy-Reys, mit welchem sie die iranische Regierung zu beeindrucken suchte. Der Unterschied ist auch äusserlich: Während Hillary den Schal, relativ bescheiden, eher wie einen Zahnverband, um Kopf und Haare trug, trat Micheline dramatisch auf, mit einem wehenden Schal, wie eine Art „Heilige Johanna des Westens“. Dieser optisch dramatischere Ausdruck übertrug sich auf die Bewertung ihres Besuches. Merke. Etwas Bescheidenheit wurde unserer Kleinstaat-Politikerin gut anstehen. Hillary zeigte, wie man es macht.