Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03407.jsonl.gz/323

Hier liegt die Strecke
Geschichte
Die Tongrube Eriwis wurde 1935 durch die Zürcher Ziegeleien ZZ erschlossen. Zum Abtransport des Tones wurde zwischen der Grube und der SBB Station Schinznach- Dorf (heute geschlossen) eine Materialbahn mit einer Spurweite von 600 mm und einer Länge von ca. 500 Metern erstellt. In der SBB Station welche direkt am Bözbergtunnel liegt wurde ein massives Sturzgerüst errichtet, über welches die in einem Gleisstumpen stehenden Normalspurwagen beladen wurden. Der Ton gelangte dann in die Ziegelei Tuggen im Kanton Schwyz. In spätern Jahren wurde dann eine zweite, höher gelegene Grube erschlossen die mit einem zweigleisigen Bremsberg mit der Materialbahn verbunden wurde. (Ein Bremsberg ist im Prinzip eine antriebslose Standseilbahn bei der die beladenen, talwärts fahrenden Wagen, die Leerwagen hochziehen. Dabei wird die Fahrgeschwindigkeit durch eine geeignete Vorrichtungen reguliert. Daher der Name Bremsberg). Als auch diese Grube erschöpft war wurde ein neues südlich der ersten Grube liegendes Abbaugebiet erschlossen. Die Materialbahn wurde dann in dieses Gebiet verlängert. Auch wurden im Laufe der Jahre einige Trasseeverschiebungen vorgenommen. Zum Einsatz kamen Dieselloks mit Kipploren.
1968 wurde die Bahn grundlegend erneuert. Das ganze Trassee wurde mit einem Betonunterbau versehen auf dem die Holzschwellen ohne Schotter verlegt wurden. Dazu kam ein schweres Schienenprofil. Auch das Rollmaterial wurde erneuert. Von DIEMA wurde eine 90 PS Lok angeschafft zusammen mit drei Mühlhäuser Kippwagen. Bei der SBB Station wurde der Schuppen für die Diesellok neu erstellt.
Der Abbaubetrieb funktionierte bis ins Jahr 2000. Allerdings wurde nicht täglich von diesem Spezialton gefördert. Mit dem Verkauf der Ziegeleien an die Wienerberger Gruppe wurde das Werk Tuggen geschlossen und damit auch die Grube Eriwis. Die Kippwagen wurden zurück genommen, die Lok blieb jedoch im Schuppen bis sie 2005 durch die Schinznacher Baumschulbahn erworben wurde und nun dort frisch revidiert im Einsatz steht. Die Gleisanlage blieb erhalten und wurde langsam von der Vegetation übernommen.
2016 begann die SBB mit den Vorarbeiten für den neuen Bözbergtunnel. In diesem Zusammenhang musste das SBB Ladegleis sowie die aufgeständerte Fahrbahn der Tonbahn abgebrochen werden.
Die heutige Bözenegg – Eriwis Bahn hat daher ihr Gleisende direkt neben dem Depot.
Streckenführung
Direkt vor dem Portal des Bözbergtunnels der SBB steht das Sturzgerüst aus Eisenbeton. Darauf liegt das Entladegleis sowie ein kleiner Gleisstumpen für nicht benötigte Wagen. Nach dem Verlassen des Stationsgebietes von Schinznach-Dorf kommt rechterhand das kleine Depotgebäude in Sicht. Nun schlängelt sich das Trassee dem Gelände folgend dem Talhang entlang um nach ungefähr 600 Metern im Grubengebiet zu enden. Etwa 80 Meter vor dem Streckenende liegt noch eine Weiche und bergwärts einige Meter Gleis. Es handelt sich hier um den ehemaligen Anschluss an den Bremsberg als Verbindung zur oberen Grube. In der Grube selbst war nur das Streckengleis verlegt ohne jede Weiche. Der Leerzug zur Grube wurde jeweils von der Lok geschoben.
Was blieb erhalten? Stand 2013
Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken dass sich eine Privatperson (und Feldbahnfan) für die buchstäblich unter Dornen schlummernde Strecke zu interessieren begann. Nachdem die Ziegelei die Bewilligung zur privaten Nutzung der Strecke erteilt, wurde das Trassee gerodet und wieder fahrbar gemacht. Parallel dazu wurde eine Diema Diesellok erworben welche bereits auf diversen Baustellen in der Schweiz im Einsatz war. Gründlich revidiert und mit einigen in der eigenen Werkstatt erbauten Wagen ergänzt, wurde der Zug auf der Eriwiser Strecke in Betrieb genommen. Und so kann man auf der Eriwiser Tonbahn wieder öfters eine kleine Feldbahn in Betrieb sehen.
Der Feldbahnbetrieb ist nicht öffentlich!
Algemeine Angaben
|Betriebsaufnahme||1935|
|Betriebseinstellung||2000|
|Streckenabbruch||noch erhalten|
|Streckenlänge||570 m|
|Spurweite||600 mm|
|Grösste Neigung ca.||37 0/00|
|Tiefster Punkt (Grube Eriwis)||440 m.ü.M.|
|Höchster Punkt (Weiche zum Bremsberg)||445 m.ü.M.|
|Anzahl Weichen||3|
|Kupplungssystem||Mittelpuffer / Kette|
|Betriebsart||Diesel|
|V max||20 km/h|
|Anstrich: Lok||rot|
|Wagen||gelb|
Rollmaterial
|Lok

Die Lok ist zweiachsig mit beidseitigen Vorbauten. 6 Zyl. Deutz Motor. Druckluftbremse. 2005 wurde die Lok an die Schinznacher Baumschulbahn SchBB abgegeben.
Wagen
Zum Tontransport wurden 1968 drei neue Mühlhäuser Kippwagen angeschafft welche die alten Kipploren ablösten. Vom alten Bestand blieb noch ein Wasserwagen, aufgebaut auf einem alten Untergestell, im Einsatz. Alle Wagen sind zweiachsig und ohne Bremse. Nach der Grubenschliessung wurden die Wagen vom Unternehmen zurückgenommen. Der Verbleib ist nicht bekannt.
Bilder aus der Betriebszeit
Fotos nach der Betriebseinstellung (Streckenbegehung 2013)
Die Bözenegg – Eriwis Bahn (Private Feldbahn)
Nachlese
Nachdem die SBB beschlossen hatten den etwas altersschwachen Bözbergtunnel durch einen Neubau zu ersetzen wurde bald einmal klar dass es für die Verladerampe der ehemaligen Lehmbahn keine Zukunft gibt.
2015 wurde dann mit dem Abbruch der Rampe und dem Ladegleis der SBB begonnen.
Diese Rampengleisstrecke welche beim Wegübergang hinter dem Depot begann war jedoch für den hobymässigen Betrieb der Bözenegg – Eriwis Bahn seit jeher gesperrt.
Rollmaterial das bei andern Bahnen oder Museen erhalten blieb.
Bei meiner Recherche wurde ich unterstützt von:
Heinz Gerber, Bözenegg – Eriwis Bahn (Hobbybahn)