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Viele Klimalösungen sind erprobt, kosten wenig und könnten deutlich breiter und rascher umgesetzt werden
Viele Klimalösungen sind erprobt und kosten wenig. Sie müssen jedoch deutlich breiter und sehr rasch umgesetzt werden, um die anvisierten Klimaziele noch zu erreichen. Der Weltklimarat IPCC hat am Montag den neuesten globalen Synthesebericht veröffentlicht. Demnach entwickelt sich die Welt mit den aktuell umgesetzten Klimapolitiken auf eine Erwärmung zwischen 2,2 bis 3,5 Grad Celsius bis 2100 zu. Die 1,5-Grad-Celsius-Schwelle würde bereits vor 2035 erreicht. Dazu kommt, dass gravierende Wetterextreme und ihre Folgen schon bei geringerer Erwärmung auftreten können als bisher gedacht. Der Synthesebericht zeigt auch, dass junge Menschen durch die Klimakrise besonders gefährdet sind. Mit raschem und tiefgreifendem Handeln können die Folgen stark gemildert werden.
Der Weltklimarat hat viele Klimalösungen identifiziert, die nicht teurer sind als heutige Ansätze und stark ausgebaut werden könnten. Ein grosses Potenzial haben Massnahmen, um die Nachfrage zu verändern: Bei der Ernährung könnten dadurch bis 2050 44% weniger Treibhausgase ausgestossen werden als bei unveränderter Nachfrage, bei Gebäuden 66%, bei der Elektrizität 73%, beim Transport zu Land 67% und bei der Industrie 29%. Als besonders vorteilhaft stechen zudem der Ausbau von Solar- und Windkraft hervor oder Massnahmen, um den Verlust von natürlichen Ökosystemen zu bremsen.
Für eine erfolgreiche Umsetzung von Klimamassnahmen brauche es klare Ziele, eine adäquate Finanzierung, ein inklusives Politiksystem und eine Koordination über viele Politikbereiche hinweg, schreibt der Weltklimarat. «Rahmengesetze mit dem Ziel von Netto-Null um 2050 ermöglichen die Entwicklung umfassender Maßnahmenpakete, welche die verschiedenen Herausforderungen einer schnellen Dekarbonisierung gezielt angehen», erläutert Anthony Patt, koordinierender IPCC-Hauptautor der ETH Zürich. Die übergeordnete Koordination ist auch in der Schweiz eine grosse Herausforderung. «Mehrere Massnahmen der Schweizer Strategie 2020–2025 zur Anpassung an den Klimawandel bestehen lediglich aus kleinen Anpassungen des gegenwärtigen Zustands. Es braucht jedoch grundlegende und systemische Umgestaltungen, um die zukünftigen Risiken zu reduzieren», erklärt Veruska Muccione, IPCC-Hauptautorin der Universitäten Zürich und Genf.
Risiken für Extremereignisse grösser als bisher gedacht
«Auch die Schweiz ist bereits stark vom Klimawandel betroffen», sagt Erich Fischer, IPCC-Hauptautor der ETH Zürich. «In den vergangenen Jahren haben wir einen Vorgeschmack erhalten auf Extremereignisse, die künftig noch gravierender und häufiger werden. Dazu gehören extreme Hitze, trockene Sommer, Starkniederschläge und Schneemangel.» Der Weltklimarat schätzt im jetzigen sechsten Sachstandsbericht die Risiken für Extremereignisse bei einer bestimmten Erwärmung nun deutlich grösser ein als im letzten Berichtszyklus. «Der aktuelle Bericht unterstreicht, dass ganz allgemein Klimarisiken früher eintreten und grösser sind als zuvor angenommen und dass Handeln sehr, sehr dringlich geworden ist», sagt Andreas Fischlin, Vizepräsident der zweiten Arbeitsgruppe des Weltklimarats der ETH Zürich.
Junge Menschen besonders betroffen
Der neue Synthesebericht zeigt erstmals auf, dass Kinder, die heute geboren werden, in ihrem Leben deutlich häufiger Wetterextreme erleben werden als die Generation ihrer Eltern und Grosseltern. «Jedes Zehntelgrad Erwärmung, das wir verhindern können, senkt das Risiko für negative Klimafolgen markant, insbesondere für junge Menschen, die diese Änderungen erleben werden. Umgekehrt steigt mit jeder zusätzlichen Erwärmung das Risiko für Extremereignisse bisher unbekannten Ausmasses oder von abrupten massiven globalen Veränderungen», sagt Sonia Seneviratne, koordinierende IPCC-Hauptautorin der ETH-Zürich.
Im globalen Synthesebericht fasst der Weltklimarat die Erkenntnisse der Teil- und Spezialberichte der vergangenen Jahre zusammen. Der Synthesebericht schliesst den 6. Assessmentzyklus und stellt damit das globale Referenzwerk für die kommenden Jahre dar.
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