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Die Wiederverwendung von Abbruchmaterial für einen Neubau hat lange Tradition. Schon seit der Antike wurden aufwändig herzustellende Bauglieder wie Säulen oder Kapitelle bewusst in Neubauten integriert und neu inszeniert. Beispiele für eine Wiederverwendung von Architekturfragmenten aus dem Mittelalter lassen sich vereinzelt schon im 17. Jahrhundert finden. Als im 18. Jahrhundert ein vermehrtes Interesse an der eigenen Vergangenheit erwachte, wuchs das Interesse an mittelalterlichen Bauteilen. Wertschätzung erlangten sie zunächst vor allem im Zuge der Errichtung von Ruinen und Burganlagen in Landschaftsgärten. Auf vergleichbare Weise liessen sich alte Bauteile im Zuge von Restaurierungen oder sogenannten stilgerechten Wiederherstellungen nutzen. Damit konnte man Geld sparen, die historischen Fragmente bewahren und auch mit Bedeutung aufladen.
Das Bewusstsein für den Wert alter Steine als Zeugnisse der Vergangenheit wuchs im 19. Jahrhundert parallel zur wachsenden Zerstörung historischer Bausubstanz. Dafür boten sich die damals neu entstehenden Museen und kulturhistorischen Sammlungen an. Die praktische Umsetzung solcher Ideen erwies sich allerdings als problematisch: In Konkurrenz zu anderen Kunstwerken konnten die Fragmente nicht bestehen. In den 1920er-Jahren begannen die amerikanischen Kunstmuseen im grossen Stil mit der Erwerbung mittelalterlicher Baufragmente. Mit potenten Mäzenen konnten komplette mittelalterliche Kapellen und Fassadenteile erworben werden. In ihre Einzelteile zerlegt und in Kisten verpackt, wurden sie per Schiff in die USA verschickt und in Museen wieder aufgebaut. Dabei waren sowohl Händler als auch Käufer um Geheimhaltung bemüht, denn eine drohende «Klassifizierung» seitens der staatlichen Denkmalpflege hätte eine Ausfuhr verhindern können.
Bild: Markus Thome