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Die Montessori-Methode, das ist eine pädagogische Lehre, die spezifisch auf das Wohl der Kinder eingeht und sie gezielt auf ihre Bedürfnisse hin zu fördern versucht. Gründerin Maria Montessori (1870–1952) war eine aussergewöhnliche Figur. Sie war eine der ersten Frauen, die in Italien Medizin studierten – ein Studium, das damals Männern vorbehalten war. Sie beschäftigte sich daraufhin mit Kinderheilkunde und sah, dass geistig beeinträchtigte Kinder in verwahrlostem Zustand lebten. Daher gründete sie in Rom ein Heim, um diese Kinder zu fördern.
«La nouvelle femme» erzählt nun von Montessoris (Jasmina Trinca) bewegtem Leben. Dabei wird ihre Geschichte verbunden mit der einer Pariser Edeldirne namens Lili (Leïla Bekhti), die ihre geistig behinderte Tochter Tina im Römer Heim unterbringen will, das Montessori mit einem Kollegen leitet. Die in gehobenen Kreisen verkehrende Lili bekundet grosse Mühe, die Behinderung ihrer Tochter zu akzeptieren. Nach dem Tod ihrer eigenen Mutter ist sie aber allein für sie verantwortlich. Und da das Heim nur eine Tagesstruktur anbietet, bleibt sie selber auch in Rom.
Schnell freundet sie sich mit Maria Montessori an und erfährt, dass diese selbst einen unehelichen Sohn hat, der bei einer Amme aufwächst und den sie versteckt hält, weil sie sonst ihre medizinische Laufbahn aufgeben müsste.
Lili sieht erstaunt, wie die neuen Methoden von Montessori, die vor allem auf Anerkennung und Aufmerksamkeit statt auf Disziplin beruhen, das Mädchen aufblühen lassen. Im Gegenzug regt Lili bei Maria die emanzipatorische Ader an, denn Maria arbeitet im Heim unentgeltlich und wird als Frau geringgeschätzt.
Die Französin Léa Todorov (41) inszeniert elegant, mit rauschenden Kostümen, und gibt Einblick in die Arbeitsweise von Montessori und ihren unablässigen Kampf um Anerkennung. Wenn etwa die benachteiligten Kinder zu Musik ihre individuellen Ausdrucksformen finden, hat das etwas sehr Bewegendes.
Noch persönlicher gefärbt wird Montessoris Einsatz durch ihren Sohn, den sie verstecken musste und erst als 15-Jährigen zu sich nehmen konnte. Er arbeitete später als Sekretär für seine Mutter.
«La nouvelle femme» überzeugt mit zwei charismatischen Darstellerinnen und ist eine Ode an diese unerschrockene Pionierin der Pädagogik, die ihre Energie zum Wohle der Kinder einsetzte.
Drama
Darsteller: Jasmine Trinca, Leïla Bekhti, Pietro Ragusa
F/I 2023, ab 7. März 2024 im Kino