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Eine "integrative psychosoziale Beratung" in Schweizer Hausarztpraxen
Eine empirische Analyse
Mit dem umfassenden Gesundheitsverständnis der WHO, einer salutogenetischen Perspektive und dem bekannten biopsychosozialen Modell von Engels wird eine ganzheitliche, nicht nur auf Krankheit und den Körper bezogene Sichtweise auf das Thema Gesundheit eingenommen. Vielfältige Erkenntnisse aus westlichen Ländern zeigen einen Zusammenhang zwischen somatischen Leiden und psychosozialen Belastungen auf. Die Integration von Sozialarbeitenden als Expertinnen und Experten für die psychosoziale Dimension von Krankheit wird dabei positiv hervorgehoben. Es stellt sich somit auch für die Schweiz die Frage, ob es sinnvoll wäre, eine psychosoziale Beratung in der medizinischen Grundversorgung und insbesondere in Hausarztpraxen, welche als erste ambulante Anlaufstelle für medizinische und psychosoziale Anliegen fungieren, zu integrieren.
Die vorliegende Arbeit geht deshalb mittels eines gemischten Methodenansatzes der Forschungsfrage nach, inwiefern eine ‘integrative psychosoziale Beratung’ in Schweizer Hausarztpraxen zu einer ganzheitlichen Behandlung beitragen kann. Im Studien-Review wird aufgezeigt, dass die Prävalenz von psychosozialen Problemen in der medizinischen Grundversorgung hoch ist und die Zusammenarbeit mit Professionellen der Sozialen Arbeit einen Mehrwert für die Gesundheit der Patientinnen und Patienten und das Gesundheitssystem im Allgemeinen darstellt. Dabei ist es wichtig, medizinisches Fachpersonal sowie die Öffentlichkeit über das Studium und die Kompetenzen von Sozialarbeitenden zu informieren und aufzuklären, um realistische Erwartungen an Sozialarbeitende generieren zu können.
Eine schriftliche Befragung von Berner Hausarztpraxen sollte schliesslich überprüfen, inwiefern diese Erkenntnisse auf das hiesige Hausarztmodell transponierbar sind. Die Auswertung der Befragung lässt darauf schliessen, dass die Prävalenz psychosozialer Probleme auch in Berner Praxen divers und hoch ist und eine ‘integrative psychosoziale Beratung’ zu einer ganzheitlichen Behandlung beitragen könnte. Ausserdem zeigte sich, dass bisweilen in der ambulanten medizinischen Grundversorgung keine weit verbreitete institutionelle und interne Zusammenarbeit mit Sozialarbeitenden besteht. Damit ein alternativer, ganzheitlicher Behandlungsansatz zur von den Befragten erwarteten Entlastung führt und eine mehrdimensionale Behandlung gelingen kann, muss die professionelle Identität der Sozialarbeitenden gestärkt werden und die interprofessionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe geschehen.