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Warum soll man dieses Buch lesen?
Von Zeit zu Zeit überlege ich mir, welche 20, 50 oder 100 Bücher ich bis zum Lebensende in meiner Nähe behalten werde. Dieses Buch gehört dazu. Es dokumentiert eindrücklich Leben und Werk eines der grössten Gottesmänner der Kirchengeschichte. Auch von säkularen Historikern wird Edwards als einer der grössten Denker der US-amerikanischen Geschichte eingeschätzt. Das Jonathan Edwards Center hat sämtliche Schriften online gestellt. Für das Kindle-Gerät habe ich einige Werke von Edwards fast kostenlos herunter geladen.
Ein qualifizierter Autor
Iain H. Murray (* 1931) ist massgeblich von Martin Lloyd-Jones beeinflusst, dessen Assistent er von 1956-1959 war. Er ist Gründer des Verlagshauses Banner of Truth, das zahlreiche Werke der Puritaner neu aufgelegt hat. Er hat sich als Autor weiterer Biographien einen Namen gemacht, u. a. „Spurgeon – wie ihn keiner kennt“ (zum 100. Todestag Spurgeons in deutscher Sprache erschienen) sowie „John MacArthur. Dienst am Wort und an der Herde“. Weiter ist von ihm „Die Hoffnung der Puritaner“ in deutscher Sprache erschienen. Nicht ausgelassen werden darf seine Biografie zu Martin Lloyd-Jones, die kürzlich neu aufgelegt wurde und weit oben auf meiner Leseliste steht.
Zum Aufbau des Buches
Der Autor folgt dem Leben von Edwards in zwei Dutzend Kapiteln. Jedes Kapitel wird mit kurzen Zitaten eingeleitet. Die anspruchsvolle Aufgabe des Autors besteht darin, Hintergrundinformationen über Personen und Ereignisse in ausreichender Menge mit dem umfangreichen Werk des Autors zusammen zu bringen. Das führt dazu, dass über Personen, Städte, Bundesstaaten sowie über Beziehungen zur „Alten Welt“ (England) zahlreiche Hinweise berücksichtigt werden müssen. Es empfiehlt sich, sich für dieses Werk z. B. einen Monat Zeit zu nehmen und jeden Tag 20 Seiten zu lesen.
Der Ertrag des Buches
Für für mich ein doppelter: Einerseits wurde ich durch die Lebensbeschreibung persönlich bereichert. Andererseits sind manche inhaltliche Brocken hängen geblieben. Für beide Teile habe ich eine Auswahl zusammen gestellt.
Geistliche Lektionen aus dem Leben von Edwards
- Der Blick für die eigene Sündhaftigkeit: „Seitdem ich in dieser Stadt wohne, hat mich der Blick auf meine eigene Sündhaftigkeit und Nichtswürdigkeit oft schwer bedrängt; sehr häufig in einem solchen Maß, dass ich infolgedessen laut weinen musste, manchmal sogar eine beträchtliche Zeit lang, sodass ich häufig gezwungen war, mich einzuschließen.“ (zit. Edwards, 148)
- Der Mut zur kompromisslosen Verkündigung: »Der Mut, womit sie von der Kanzel den Schrecken des Evangeliums verkündeten, und die Eindringlichkeit ihrer Appelle an das Gewissen trugen dazu bei, dass ihre Predigten im Gegensatz zu dem bis dahin Üblichen mitreißend waren und außerordentliche Wirkungen hervorriefen.« (zit. Fisher, 286)
- Das Achten auf die eigenen Motive: „(D)ie heiligen Grundsätze, welche die Triebkraft eines wahren Heiligen sind, tragen auf viel machtvollere Weise dazu bei, ihn dazu anzuregen, mit ganzem Ernst nach Gott und nach Heiligkeit zu trachten.“ (zit. Edwards, 342)
- Klare Prioritäten: „Ich habe einen großen Teil meines Lebens im Mühen um euer ewiges Heil und Wohlergehen verbracht und meine Kraft entsprechend eingesetzt.“ (zit. Edwards, 425
- Erkenntnis der Schwäche: „Ich tauge zu nichts anderem, als meine Zeit im Studierzimmer zu verbringen.“ (zit. Edwards, 455, 4 Tage nach seiner Abschiedspredigt 1750)
- Der Mut in vorgerücktem Alter nochmals eine neue Aufgabe anzupacken: „Sonntags ertönte nicht die Glocke, die – so viele Jahre gehört – die große Gemeinde zum Gottesdienst gerufen hatte. Vielmehr war es der unheimliche Klang einer riesengroßen, wie ein Horn geblasenen Schneckenmuschel, der wenig mehr als ein Dutzend Gottesdienstbesucher der Weißen zusammenrief.“ (474, nach dem Wechsel zu den Indianern)
- Die Disziplinierung des Geistes durch die Frömmigkeit: „Ohne seine Frömmigkeit hätte er ein Skeptiker werden können, der sich im Vergleich zu Hume oder Voltaire als gefährlicher erwiesen hätte.“ (zit. Samuel Bell, 556)
- Lesen als Indikator: „Eine machtvolle biblische Verkündigung führt stets dazu, dass unter den Christen wieder ernsthaft gelesen wird.“ (Kommentar Murray, 563)
- Navigieren im Hinblick auf die lange Frist: „Die Aufgabe des Christen sei es, Gott zu ehren. Zu seiner Zeit werde Gott die geoffenbarte Wahrheit und solche ehren, die ihr die Treue gehalten haben.“ (573, Kommentar von Murray)
Fortsetzung folgt