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Infos
1. Warum singen Vögel?
Die Lautäusserungen der Vögel werden in Rufe, Gesänge und Instrumentallaute unterteilt. In den folgenden Abschnitten erfährst du, wozu Gesänge, Rufe oder Instrumentallaute dienen.
Gesänge
Ende Winter geht das «Vogelkonzert» los. Dann sind die oft längeren Melodien zu hören – etwas ganz anderes als die kurzen Rufe. Diese Melodien werden als Gesang bezeichnet. Mit dem Gesang wird das Revier abgegrenzt, und ein Partner wird angelockt.
Aber Achtung: Ein Gesang muss nicht unbedingt «schön» tönen, auch das Tschilpen des Haussperlings ist ein Gesang!
Revierabgrenzung
Mit dem Gesang markieren die Vögel ihr Revier. Meist sind es die Männchen, die ihren Artgenossen lauthals zu verstehen geben, dass sie hier nicht willkommen sind. Viele platzieren sich wie die Goldammer weit oben auf einem Busch oder Baum.
Die Grösse eines Reviers ist je nach Art ganz unterschiedlich. Manche Vögel verteidigen nur eine kleine Fläche um ihr Nest, während andere auch das gesamte Gebiet einschliessen, in dem sie ihre Nahrung suchen.
Partnerwahl
Mit dem Gesang locken die Männchen auch die Weibchen an. Bei den Nachtigallen singen die unverpaarten Männchen - also jene ohne Weibchen - zusätzlich mitten in der Nacht. Dann fliegen die Weibchen von Revier zu Revier und bleiben am Schluss beim Männchen, dessen Gesang ihnen am besten gefällt.
Rufe
Rufe sind kurze, einfache Laute, welche die Vögel während des ganzen Jahres von sich geben. Es gibt drei Kategorien von Rufen: Kontakt-, Alarm- und Nahrungsrufe.
Kontaktrufe
Kontaktrufe dienen zur Orientierung in einer Gruppe: zwischen Eltern und Jungvögeln, zwischen verschiedenen Einzelvögeln oder in einem Schwarm.
Alarmrufe
Mit Alarmrufen warnen die Vögel vor Feinden. Der Luftfeind-Warnruf tönt dabei ganz anders als der Warnruf vor Bodenfeinden. Alarmrufe einer Vogelart werden oft auch von anderen Arten verstanden.
Nahrungsruf
Zu den Nahrungsrufen gehören die Bettelrufe der Jungvögel. Es gibt aber auch Rufe von Altvögeln, mit denen sie signalisieren, dass sie eine Nahrungsquelle gefunden haben.
Instrumentallaute
Instrumentallaute sind alle Lautäusserungen von Vögeln, die nicht mit ihrem Stimmapparat erzeugt werden. Weissstörche klappern mit ihren Schnäbeln bei Erregung oder um sich zu begrüssen. Spechte trommeln mit dem Schnabel gegen einen trockenen Ast, um ihr Revier zu markieren. Die Männchen der Bekassine erzeugen ein ziegenähnliches Meckern bei der Balz, indem sie im Sturzflug ihre Schwanzfedern in einem bestimmten Winkel abspreizen.
2. Wie singen Vögel?
Beim Menschen geschieht die Lauterzeugung mit Hilfe der Stimmbänder im Kehlkopf. Vögel hingegen besitzen ein spezielles Stimmorgan, Syrinx genannt, welches sich an der Verzweigung der Hauptbronchien und somit am Eingang zur Lunge befindet. Zwei bewegliche Membranen werden durch die Luft aus den Luftsäcken in Schwingung gebracht und erzeugen somit die Töne. Vögel mit besonders komplexen Gesängen, wie beispielsweise die Feldlerche, weisen eine besonders gut ausgebildete Syrinx-Muskulatur aus. Da die Syrinx aus zwei Teilen besteht, die separat bewegt werden können, sind Vögel in der Lage, zweistimmig zu singen oder zu rufen. Viele zweistimmige Stellen weist zum Beispiel der Gesang des Rotkehlchens auf, bei genauerem hinsehen Hinsehen ist dies auch auf dem Sonagramm zu erkennen.
Das Stimmorgan der Vögel: Querschnitt der Syrinx.
3. Wann singen Vögel?
Die meisten Arten singen vor allem in der Brutzeit im Frühling, ab März, April oder Mai. Standvögel wie die Kohlmeise beginnen damit aber bereits im Januar. Beim Rotkehlchen singen Männchen und Weibchen zusätzlich im Winterhalbjahr: Sie verteidigen dann ein eigenes Nahrungsrevier. Einige Arten wie der Hausrotschwanz singen zudem im Herbst, bevor sie in ihr Winterquartier ziehen. Die Männchen legen dann ihre Reviere bereits «provisorisch» fest.
Auch im Tagesverlauf hat jede Art ihre bestimmten Singzeiten. Die Amsel beginnt bereits eine Stunde vor Sonnenaufgang zu singen, der Buchfink begleitet die ersten Sonnenstrahlen und noch später stimmen Star und Bachstelze ins morgendliche Konzert ein. Bei den Nachtigallen hingegen singen, wie ihr Name es bereits verrät, die unverpaarten Männchen auch mitten in der Nacht.
Der Ablauf des «Morgenkonzerts»: Auch bei Vögeln gibt es Früh- und Spätaufsteher.
4. Wo singen Vögel?
Eine weitere Hilfe, um Vogelstimmen erkennen zu können, ist das Wissen um die bevorzugten Lebensräume und das Verhalten der Vögel.
Lebensraum
Im Siedlungsraum sind andere Vögel anzutreffen als im Wald, in Feuchtgebieten, in der Kulturlandschaft oder im Berggebiet. Natürlich gibt es auch einige Arten, die mehrere Lebensräume bewohnen, so z.B. der Buchfink und die Amsel. Die Goldammer hingegen ist in Hecken in der Kulturlandschaft und nicht im dichten Wald anzutreffen und der Tannenhäher kommt nur in hohen Lagen vor.
Hier weitere lebensraum-typische Beispiele:
- Siedlungsraum: Haussperling, Hausrotschwanz, Türkentaube, Mauersegler
- Wald: Eichelhäher, Schwarzspecht, Tannenmeise, Wintergoldhähnchen
- Kulturland: Goldammer, Feldlerche, Schleiereule
- Feuchtgebiet: Teichrohrsänger, Rohrammer
- Berggebiet: Alpendohle, Tannenhäher
Verhalten
Eine weitere Hilfe ist das Wissen über das Verhalten der Vögel beim Singen. So lassen sich bereits viele Arten ausschliessen, wenn man einen Singflug vernimmt wie jenen der Feldlerche oder des Girlitz'. Auch der Ort kann hilfreiche Hinweise geben: Die Amsel singt gerne von Baum- oder Dachspitzen, der Zaunkönig hingegen meist im Dickicht nahe dem Boden.
5. Wie kann man Vogelstimmen lernen?
Ganz ehrlich: Vogelstimmen lernen ist nicht ganz einfach – genau darum haben wir ja bird-song entwickelt. Wenn Du aber mal ein paar Stimmen kennst, geht es plötzlich vorwärts! Probiere aus, welche Methode für Dich am besten passt. Am wichtigsten ist: üben, üben, üben!
Sonagramm
Sonagramme sind unsere bevorzugte Lernmethode, denn es hilft, wenn man die Töne nicht nur hört, sondern auch sieht: Hohe Töne sind im Sonagramm oben, tiefe unten; laute Töne erzeugen eine dicke Linie, leise eine dünne; reine Töne ergeben einen Strich, obertonreiche/nasale Töne mehrere Linien übereinander oder eine verschmierte Linie. Sonagramme decken damit oft Feinheiten auf, die das menschliche Ohr nicht erfassen kann: Zum Beispiel sind zweistimmige Stellen gut zu sehen.
Buchfink-Sonagramm.
Rotkehlchen-Sonagramm mit markierten zweistimmigen Stellen.
Notationen
Die klassische Notenschrift stösst schnell an Grenzen, da sie – im Vergleich zu einem Sonagramm – zu ungenau ist. Nur einfache Melodien können in Noten übersetzt werden. Bei diesen einfacheren Gesängen können sie Dir also auch eine Hilfe sein.
Fünf Arten von Notationen des Fitis-Gesangs: a) Notenschrift, b) vereinfachte Notenschrift, c) sprachliche Umschreibung, d) Sonogramm, e) Auswertung des Sonogramms (obere und untere Hüllkurve, in der Mitte die Lautstärkeschwerpunkte)
Kategorisieren der Lautäusserungen
Vereinfache dir das Lernen, indem Du die Gesänge in Kategorien einteilst: Lerne zuerst die simplen, dann die einfachen und wage dich anschliessend an die abwechslungsreichen Vogellaute.
1. Kategorie: Die Simplen
Der Gesang besteht aus gleich langen oder ähnlichen kurzen Lauten. Beispiele: Kuckuck, Zilpzalp, Haussperling
2. Kategorie: Die Einfachen
Der Gesang besteht aus einfachen, sich wiederholenden Melodien mit ähnlichem Rhythmus. Beispiele: Buchfink, Goldammer, Tannenmeise
3. Kategorie: Die Abwechslungsreichen
Der Gesang besteht aus unterschiedlichen Melodien oder Imitationen von anderen Arten. Beispiele: Amsel, Rotkehlchen, Star, Nachtigall
Beschreibe die Lautäusserungen
Eine weitere Hilfe kann es sein, die Lautäusserungen mit Silben und Wörtern zu beschreiben oder den Gesang mit Merksprüchen in Verbindung bringen. Bei unseren Artporträts findest du jeweils eine kurze Beschreibung der Vogelstimmen.
Beschreibung durch Wörter und Silben oder lautmalerische Namen
Eichelhäher: Räätsch! Räätsch ätsch!
Mauersegler: Sriiieh – sriiiieh!
Hausrotschwanz: Tütütütü – kchchchrrrrkchch – titütütü
Kohlmeise: Zizidä – zizidä – zizidä... / Zidl – zidl – zidl – zidl...
Zilpzalp: Zilp-zalp, zilp-zalp, zilp-zalp,...
Kuckuck: Kuckuck! Kuckuck!
Uhu: U-huu! U-huu!
Rabenkrähe: Kraaah! Kraaah!
Merksprüche
Goldammer: Wie, wie, wie hab ich dich lieb!
Ringeltaube: Iss Suurchruut, Ruedi! Iss Suurchruut, Ruedi!
Türkentaube: Du Kuh du! Du Kuh du!
Kohlmeise: Sitz’i da! Sitz’i da! Sitz’i da!
Buchfink: Bin, bin, bin ich nicht ein schöner Buchfink?
Literatur
Bergmann H.H. & Westphal U.: Grundkurs Vogelstimmen. Heimische Vögel an ihren Stimmen erkennen. Quelle & Meyer.
Bossus A. & Charron F.: Les chants d’oiseaux d’Europe occidentale. Delachaux et Niestlé.