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Drei-Seen Logbuch
von Liliane Waldner
Einführung in die Drei-Seen Region
Der Bieler-, Murten- und Neuenburgersee bilden die drei grossen Jura-Seen und zusammen mit den Flüssen die Juragewässer. Die drei Seen sind durch den Zihlkanal (La Thielle) sowie durch den Broye-Kanal miteinander verbunden. Die Region wird unter dem Begriff „Trois Lacs“ oder „Drei Seen“ touristisch vermarktet. Die Drei Seen sowie deren Verbindungskanäle kommen mir wie einen gigantischen „Mehrfachstecker“ der Natur vor, an dem mehrere Flüsse angeschlossen sind: Aare, Broye, Orbe, Areuse, Mentue, Schüss (La Suze). Innert weniger hundert Meter oberhalb der Mündung der Broye in den Murtensee münden in ihr die Petite Glâne sowie die Arbogne. Kein Wunder, dass dieses riesige Fluss-System in alter Zeit eine Sumpflandschaft von Solothurn bis zum Neuenburgersee gebildet hat. Die alte Aare, welche heute zwischen Aarberg und Büren an der Aare fliesst, früher aber abwechslungsweise auch nach Neuenburg floss, darf auch darin eingeschlossen werden. Die Menschen litten früher wegen der regelmässigen überschwemmungen an Stechmücken und Malaria. Mit dem Aufkommen des Industriezeitalters sind die Fliessgewässer mittels Dämmen und Kanälen korrigiert worden, die Sümpfe entwässert und für die Landwirtschaft urbar und die Menschen sicher bewohnbar gemacht worden. Übertreibungen bei den technischen Massnahmen sind in den jüngeren Jahrzehnten durch Renaturierungen und die Schaffung von touristisch reizvollen Naturschutzgebieten rückgängig gemacht worden. Die strikte Kanalisierung von Fliessgewässern birgt Risiken, denn bei starkem Hochwasser fliesst das Wasser schneller und richtet so mehr Schaden an. Es braucht auch Feuchtgebiete, die wie ein Schwamm wirken und ein überflutbares Vorland, das die Wucht der Flut dämpft. Der Mensch muss lernen, mit der Urkraft der Flüsse, die bei der Stromgewinnung so dienlich ist, einen Kompromiss zu schliessen.
Die Aare fliesst via Hagneck-Kanal bei Hagneck in den Bielersee und via Nidau-Büren-Kanal in Nidau ab. Die Broye fliesst via Broye-Kanal vom Murtensee in den Neuenburgersee, die Orbe oder La Thielle fliesst in Yverdon in den Neuenburgersee und ihr Zihlkanal verbindet den Neuenburgersee mit dem Bielersee, wo sie in Nidau nahe des Bieler Hafens abfliesst um kurz danach unterhalb Nidau in die den Nidau-Büren-Kanal der Aare zu fliessen.
Es geht beim Drei-Seen-Projekt darum, mein persönliches Wegsystem zwischen den verschiedenen Seen und Flüssen mit dem Aare-System zu verknüpfen.
Als ich im Sommer 2011 entlang der Aare von Nidau nach Bellach marschiert bin, ist mir eine Verwechslung unterlaufen. Ich benutzte beim Verlassen der Bahnhaltestelle Nidau direkt den kleinen und kurzen Zihlkanal, der nach einer kurzen Strecke in den breiten Nidau-Büren-Kanal mündet. Ich habe diesen Irrtum am 26. Dezember 2014 entdeckt, als ich von Nidau bzw. dem Hafen Biel nach Erlach marschiert bin. Die Aare habe ich bereits mit meinem Marsch von Büren an der Aare nach Aarberg entlang der Alten Aare korrekt verknüpft. Die Alte Aare verbindet den Hagneck-Kanal mit dem Nidau-Büren-Kanal.
26. Dezember 2014: Nidau bzw. Hafen Biel - Erlach
Ich marschiere ab den Bahnhof Nidau - in der Meinung, am Nidau-Büren-Kanal zu sein, zuerst Richtung See, gelange dort aber nicht an den Seeweg. Ich bin am kleinen Bieler Zihlkanal. Erst nach einer Weile und via Umweg zum Hafen Biel gelange ich über die Brücke des Nidau-Büren-Kanals und an den Uferweg in Richtung Erlach. Die Wegzeit vom Hafen Biel nach Erlach ist etwa fünf Stunden.
Ich marschiere flott entlang dem See. Ich erfinde für diese Art des gleichförmigen Laufens ein eigenes Wort: Maschinenlaufen. Die Petersinsel kommt immer näher, der Chasseral leuchtet im weissen Gewand des ersten Schnees. Ich komme an Bauernhöfen und Campingplätzen sowie Stränden vorbei. Einige Höfe bieten auch Obstbrände zum Verkauf an, bei einem kann Gemüse selber gepflückt werden.
Die Aare fliesst beim Hagneck-Delta in zwei Kanalarmen in den Bielersee. Bei einem steht das alte Wasserkraftwerk, beim anderen wird ein neues gebaut. Das Delta wird retanuriert und Baumaschinen stehen herum. Kurz vor Lüscherz raste ich endlich. Danach überwinde ich den steilen, schmierigen Pfad zur Hofmannshöhe, wo mich eine ortskundige Frau auf einen breiten, bequemen Weg hinweist, auf den ich nach Vinelz absteigen kann. Danach ist es nicht mehr weit ins historische Städtchen Erlach mit seinem Schloss.
Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Erlach_%28Erlach%29
12. März 2015: Erlach - Neuchâtel
Bei strahlendem Sonnenschein marschiere ich ab Erlach Post auf dem Seeweg Richtung St. Johannsen, das wie ein grosser Gutsbetrieb aussieht, jedoch hinter hohen Gittern eine Massnahmenzentrum beherbergt. Es in seinem Hannse-Laden landwirtschaftliche Produkte und Handwerksarbeiten an. Ferner hat St. Johannsen den Ruf eines Gefängnisses, das es den Tätern leicht macht, abzuhauen. Danach gelange ich an den Zihlkanal und folge ihm Richtung Neuenburgersee. Ich erblicke das sehenswerte Städtchen Le Landeron heute nur von Ferne. Beim gegenüberliegenden Cressier ragen die Türme der Raffinerie in die Höhe. Am anderen Ufer wird in grossem Stil Kies abgebaut. Lastschiffe ankern dort vor dem Kanalufer. Bei Thielle liegt versteckt sich ein Schloss hinter Hecken und Mauern. Es ist in Privatbesitz. Den Garten eines Hauses bei Rothaus ziert ein alter, rostiger Citroen mit einer Puppe am Steuer.
Bei Rothaus überschreite ich via Eisenbahnbrücke den Zihlkanal. Die Bise weht so stark, dass ich meine Siebensachen zusammenhalten muss. Trotzdem fotografiere ich durch die Eisenstreben die Zihl und den dahinterliegenden Neuenburgersee. Als ich die Kamera einpacke, rauscht ein Zug über die Brücke und sein Luftdruck und Tosen fegen mich fast in die Steinzeit, denn auf der Seite des Neuenburgersee-Uferweges gelange ich in die moderne „Pfahlbauersiedlung“ La Tène. Kleine Wochenendhüttchen mit Giebeldächern erstrecken sich am Ufer. Eines davon ist zum Mieten. Ich raste dort am Seeufer und träume von der Pfahlbauerzeit.
Danach muss das Gelände der psychiatrischen Klinik umgangen werden, bevor der Weg wieder an den See führt. Von weitem ist Neuchâtel sichtbar. Ich marschiere an St. Blaise vorbei und raste nochmals beim Hafen von Hauterive. Bald danach komme ich am archäologischen Park und Museum Laténium vorbei. Der Park ist auch Ausgangspunkt eines Revolutionsweges nach Le Locle, der an die Revolution von 1848 erinnert. Bald taucht das Fussballstadion der Maladière auf. Leider ist die grosse Zeit von Xamax Neuenburg vorbei. Ich habe jedoch noch ein gutes Stück zu gehen, bis ich nach dem Universitätsviertel die Schiffstation erreiche und mich auf den Weg zur Métro, einer Standseilbahn, zum Bahnhof durchfrage. Auf dem Weg durch den englischen Park entdecke ich ein Schild, das besagt, dass sich im dahinterliegenden Gebäude die Hoheiten Kaiserin Josephine und der Preussenkönig Friedrich-Wilhelm III, Prinz von Neuchâtel, aufhielten. Dies erinnert an die Zeit, in der der Kanton Neuenburg noch mit dem Königreich Preussen verbunden war.
Es muss mit einer Wegzeit von mindestens fünf Stunden gerechnet werden.
Links:
http://www.pom.be.ch/pom/de/index/freiheitsentzug-betreuung/vollzugseinrichtungen_erwachsene/massnahmezentrumstjohannsen/dienstleistungenundprodukte/hannsenlade.html
http://www.blick.ch/news/schweiz/aus-dem-skandal-knast-st-johannsen-haut-schon-wieder-ein-haeftling-ab-wie-viele-noch-id2227169.html
http://www.swisscastles.ch/bern/thielle/
http://latenium.ch/de/
http://www.neuchateltourisme.ch/de/aktiv/wanderland/revolutionsweg.910.html
15. März 2015: Neuchâtel - Gorgier-St-Aubin
Rasch führt mich die Metro vom Bahnhof zum See hinunter. Allmählich erwacht das sonntägliche Neuchâtel, als ich abmarschiere und die herrschaftlichen Wohnzeilen mit ihren abgeschirmten Rasenanlagen samt Seeblick bestaune. Der Seeweg führt bis Colombier parallel zur Einspurbahn-Linie nach Boudry sowie zur Autobahn durch Parkanlagen entlang des Sees. Beim Glaspalast des Forschungszentrums von Philip Morris frage ich mich, was es an dieser tödlichen Droge Zigarette noch zu erforschen gibt. Auf der Strecke bis zum Hafen Boudry habe ich das Gefühl, einer Meeresküste entlang zu wandern. Wegen des Hochnebels ist das andere Ufer nicht sichtbar. Nach dem überschreiten der Brücke über die Areuse erreiche ich bald Cortaillod mit den wunderbaren, alten Fabrikbauten der früheren Kabelwerke Cortaillod sowie dem alten Ortskern am See.
Steil aufsteigende Weinberge ziehen sich entlang des Sees. Es ist eine Teerast angesagt, bevor es wieder mit lockerem Schritt weitergeht. Ich erblicke und fotografiere einen alten Gutshof. Bei Bevaix fällt oben am Hang die Abtei auf. Nach dem Hafen von Bevaix führt ein schmaler Pfad durch ein urwaldartiges Feuchtgebiet. Auf einer wohl über hundert Meter langen Strecke verläuft der Weg auf einem Steg, unter dem Wasserläufe dem See entgegenfliessen. Bei Payax verpasse ich die Abzweigung nach oben und gelange in eine Sackgasse. Ich steige steil einen Grashang nach oben und will am Haus vorbei zur Strasse gelangen. Dort ist aber eine Mauer mit einem verschlossenen Tor. Die Familie sitzt in einer Stube am Tisch und wir erblicken uns gegenseitig. Die Familienmutter kommt hinaus und ich erkläre ihr, dass ich nicht mehr weiter weiss. Sie befreit mich und lässt mich durch das Tor hinaus und erklärt mir, ich solle auf dem Trottoir die Kantonsstrasse entlang laufen. Ich danke ihr. Der Wanderweg verläuft tatsächlich ein Stück weit entlang der Kantonsstrasse, bei Chez-le-Bart wieder am See und im Dorf unten. Danach habe ich beim Rotlicht zum Bahnhof Gorgier-St-Aubin aufzusteigen.
Als Marschzeit müssen etwa fünfeinhalb Stunden kalkuliert werden. Wikipedia gibt die Luftlinien-Distanz nach Neuchâtel mit 16 Kilometern an. Der Weg schlängelt sich allerdings kurvenreich entlang des Sees.
Links:
http://www.nexans.ch/eservice/Switzerland-de_CH/navigate_151130/Unsere_Geschichte.html
3. April 2015: Gorgier-St. Aubin - Yverdon-les-Bains
An diesem frostigen Karfreitagsmorgen breche ich nochmals in Winterausrüstung auf. Ab dem Ortsende von St. Aubin verläuft der regenasse Wiesenweg oberhalb der Strassenmauer und unterhalb der Weinberge nach Vaumarcus, dessen Ortsbild das Schloss prägt. Im Seegebiet vor Vaumarcus wird mit drei gigantischen Bohrplattformen Sand aus dem Seegrund ausgebeutet. Ab Vaumarcus zieht sich der Strandweg auf schmalen Pfaden und über Wiesen bis nach Concise. Eine Tafel verbietet den Nudismus. Ich frage eine mich kreuzende Einheimische, ob dies immer noch aktuell oder ein Relikt aus der Hippie- und FKK-Zeit der siebziger Jahre sei. Sie antwortet, es kämen immer noch Nackte vor. An diesem frostigen Vormittag wird kaum jemand Lust haben, sich zu entkleiden.
Bevor ich nach Concise gelange, komme ich an den Rebbergen oberhalb der Strasse vorbei, wo im Sommer 1476 die Schlacht von Grandson stattfand. Die Schlacht fand genau bei Concise statt, zwei Wanderwegstunden oder neun Radwegkilometer vom Schloss Grandson entfernt. Ab dem sehenswerten Dorfzentrum von Concise geht es auf breiten Wegen flott Grandson entgegen. Ich raste am Strand beim Campingplatz von Corcelettes.
Ich kenne das Schloss Grandson von einem früheren Besuch vor vielen Jahren. Damals fuhr ich mit dem Auto nach Grandson. Das Schloss stellt die noch vorhandenen Beutegegenstände aus der gewonnenen Schlacht aus sowie Oldtimer-Automobile. Vom Wanderweg aus fällt mir der riesige Torbogen samt Turm auf der Seeseite auf. Die Eisenbahn saust durch diesen Torbogen. Dies ist mir trotz mehreren Fahrten mit dem ICN bis jetzt nicht aufgefallen.
Von Grandson aus erblicke ich mein Tagesziel Yverdon-les-Bains. Der Wanderweg führt teilweise durch das Schwemmland und Naturschutzgebiet im Bereich Les Tuileries und Bois de Vernes. Das Schwemmland ist durch kleine Zuflüsse wie Brinaz, Le Bey, Le Mujon und danach natürlich La Thielle gebildet worden. Biber sollen dort leben, ebenso seltene Vögel. Ich gehe an die Mündung der La Thielle. Deren Ufer wird durch Boots- und Wochenendhäuser sowie Winterplätze für die Boote gesäumt. Gegen den Bahnhof hin zeigt sich die Thielle als innerstädtischer Kanal. Ich erinnere mich noch an die Expo 2001 mit der bekannten Wolke am See.
Von Gorgier-St. Aubin bis Vaumarcus beträgt die Marschzeit 40 Minuten und von Vaumarcus nach Yverdon-les-Bains gemäss Wanderwegschild vier Stunden 25 Minuten.
Links:
http://www.chateauvaumarcus.ch/index.php
http://seeland-museum.ch/themen/burgund/buw04c.htm
http://www.chateau-grandson.ch/de/home.html
http://www.creuxdeterre.ch/pdf/Yverdon%20prot%E9gera%20encore%20davantage%20ses%20oiseaux%20rares.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Yverdon-les-Bains
6. April 2014: Zihlbrücke - Sugiez-Post
Ich nehme ab Station Zihlbrücke den Weg nach Ins, will aber nicht nach Ins, sondern eine Abkürzung via dem Gebiet der Strafanstalt Witzwil zum Broye-Kanal suchen. Es gibt keinen Seeweg zwischen der Mündung des Zihl- und Broye-Kanals in den Neuenburgersee. Es liegt im Mündungsgebiet der Kanäle ein grosses Schilf- und Feuchtgebiet.
Der Wanderweg ist durch den vielen Regen aufgeweicht und verläuft durch einen Wald. Bei der Abzweigung nach Ins laufe ich weiter geradeaus. Der Weg wird immer tiefer und holpriger. Dafür hoppelt der Osterhase vor mir über den Weg. Letztlich lande ich bei einer grossen, hoch eingezäunten Pferdeweide mit Dutzenden von Pferden. Sie gehört zur Strafanstalt Witzwil. Trotz Weg auf der Karte geht es in der Realität nicht weiter. Ich gehe zurück und zweige beim nächsten, dreckigen Weg nach Nordosten ab, dann gehe ich in südöstlicher Richtung einer Wiese entlang und muss sie bei einem eingefriedeten Gehöft queren, um via einer Lücke auf ein Strässchen zu gelangen. Ich folge diesem und wende mich vor dem nächsten Komplex in rechtem Winkel nach rechts, dann wieder nach links und gelange in die Nähe der Strafanstalt Witzwil. Ich will sie fotografieren und marschiere zum Tor, lege den Rucksack ab, packe den Fotoapparat aus und will durch die mächtigen Stangen des Eingangstores fotografieren. Weiter hinten ist die mächtige Gefängnismauer sichtbar. Da ertönt eine berndeutsche Frauenstimme aus dem Lautsprecher und fragt mich, was ich wolle. Ich erkläre ihr, dass ich Besonderes auf meinen Flusswanderungen dokumentiere und dazu zählt auch diese Strafanstalt. Sie erklärt, dass fotografieren verboten sei und sie mir jemanden vorbeischicke. Ich solle warten. Heimlich klicke ich rasch und verstaue die Kamera. Ich sage ihr noch, dass ich auch St. Johannsen fotografiert hätte. Aus dem Lautsprecher tönt es zurück, das sei hier nicht dasselbe. Es fällt mir auf, dass die Anlage abweisender ist als St. Johannsen. Laut Website besteht trotzdem ein Verkaufsladen für landwirtschaftliche Produkte. Nach einigen Minuten nähert sich dem Tor ein Kastenwagen, dem zwei Kleiderschränke von Männern in Bomberjacken entsteigen. Sie fragen ebenfalls, was ich wolle. Ich erkläre ihnen mein Flussprogramm. Sie kontrollieren meinen Ausweis. Ich erkläre ihnen, dass sie mich auf der Kantonsratswebsite googeln dürften und mich unter den ehemaligen Mitgliedern finden würden. Ich präsentiere mich als treue Staatsdienerin. Danach lassen sie mich ziehen und erklären mir den Weg an den Broyekanal sowie nach Sugiez. Es gehe noch 10 Kilometer bis Sugiez und ich solle die Vögel und Natur fotografieren, nicht jedoch die Strafanstalt. Ich sage den stattlichen Typen als Kompliment, dass sie ein gutes Fotosujet abgeben würden. Danach verabschieden wir uns mit guten Sonntagswünschen.
Auf dem Weg zum Broyekanal komme ich an einer Schweinefarm vorbei. Die Säue leben im Freien und verpflegen sich an metallischen Futterstationen. Ein legales Fotosujet. Der Weg ist morastig und schmierig und die restlichen 10 Kilometer nach Sugiez verlaufen auf meistens tief durchfurchten, holprigen Graswegen. Der Regen hat die Böden aufgeweicht und der tiefe Weg ermüdet. Es kommt hinzu, dass ich bei der Rotary-Brücke auf die andere Seite wechsle, wo der tiefe Wiesenweg weitergeht. Als ich mit Käri anfangs der achtziger Jahre von Erlach via Ins nach Murten lief, stand die Rotary-Brücke noch nicht. Damals war es trocken und ich habe den Weg auf der anderen Seite als leichter in Erinnerung. Tatsächlich bemerke ich, dass die Menschen dort auf einem glatten Strässchen laufen, während ich mich auf dem tiefen Gras anstrenge. In Sugiez ist Schluss für mich. Ich suche noch hinter der Boots- und Weekend-Häuschen-Siedlung den Abfluss des Broyekanals aus dem Murtensee. Markant sind die Weinberge an den Flanken des Mont Vully.
Danach bewege ich mich zur Haltestelle Sugiez Post. Eine ältere Frau ruft aus dem Fenster des Hauses dahinter, heute am Feiertag fahre kein Postauto. Dies bemerkt ein Ehepaar beim nahen Imbisstand und nimmt mich freundlicherweise mit dem Auto zum Bahnhof Kerzers mit. Manchmal hilft der liebe Gott mit.
Ich bin froh, in einem so freien und demokratischen Land wie die Schweiz zu wohnen. In anderen Ländern dürfen es die Bürgerinnen und Bürger nicht entfernt wagen, ein Gefängnis zu fotografieren. Hier muss niemand fürchten, willkürlich zu verschwinden.
Eine offizielle Wegzeit von der Zihlbrücke nach Sugiez habe ich nicht gefunden. Für mich hat der Weg eine Ewigkeit gedauert. Bei regulären Verhältnissen könnte die Sache in drei Stunden zu packen sein.
Link:
http://www.pom.be.ch/pom/de/index/freiheitsentzug-betreuung/vollzugseinrichtungen_erwachsene/anstalten_witzwil.html
6. Juni 2015: Sugiez - Brücke Salavaux
Von Sugiez aus folge ich einem kleinen Strässchen unterhalb des Mont Vully entlang den Weingütern und alten Häusern bis oberhalb von Môtier. Als ich ein Sujet an der Fassade einer Weinkellerei fotografiere, kommt die Dame des Hauses und zeigt mir noch die von ihr bemalten Steine zum abknipsen. Ich nehme bei ihr einen Prospekt mit, der über eine Route Gourmande du Vully informiert, die jährlich an einem Sommer-Sonntag stattfindet. Sie startet in der Boulangerie Guillaume in Sugiez mit ihrem Gâteau du Vully salé. Leider war die Bäckerei zu, als ich am 6. April in Sugiez ankam. Der gemütliche Weg zieht sich weiter nach Mur mit seinem Schloss, indem die Staatskellerei des Kantons Fribourg untergebracht ist. Ich geniesse den Blick auf die Rebberge, den Murtensee und dahinter den Alpenkranz.
Das ist alles schön, heisst aber nicht, dass alles freie Land noch überbaut werden muss. Ob Vallamand dessus wird im Grünen Bauland angeboten und ist bereits eine frisch erschlossene Parzelle ausgesteckt. Ich raste und trinke dank dem Brunnen beim Gemeindehaus viel. Es ist heiss. Danach steige ich via Strässchen nach Vallamand dessous ab, gehe entlang der Hauptstrasse und zweige beim Wanderweg zum See ab. Dort marschiere auf einem dicht bewaldeten und dunklen Weg zur Broye-Mündung. Ich werde dauernd gestochen. Trotzdem entdecke ich bei der Mündung zwei Wohnmobile, vier Campingstühle, einen Campingtisch und darauf mehrere Flaschen Soft-Drinks, leere Smirnoff-Wodka-Flaschen, einen vollen Aschenbecher und Spuren eines Lagerfeuers. Ich würde mich mit den lokalen Weinen eindecken.
Ich gehe zurück zum Wanderweg und marschiere zur Brücke von Salavaux, die ich nach drei und dreiviertel Stunden nach meinem Start in Salavaux erreiche.
Mein Der-Seen-Projekt ist abgeschlossen und geht nahtlos in das Broye-Projekt über, denn es ist erst 11.45 Uhr.
Links:
http://www.balade-gourmande-vully.ch/de/index.html
http://www.swisscastles.ch/Fribourg/murd.html