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Automobile Meilensteine in der Schweiz ... und die Konkurrenz der Antriebssysteme
Daniel Suter, Direktor des Verkehrshauses der Schweiz
Das Verkehrshaus der Schweiz, E-Mobile und der internationale Automobilsalon in Genf sind Partner, wenn es darum geht, die Meilensteine der Autogeschichte, der Autogegenwart und der Autozukunft sichtbar zu machen. Ein Blick auf die Entwicklung um den Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zeigt, dass damals der Kampf um das dominierende Antriebssystem noch lange nicht entschieden war. Ist er trotz der gegenwärtigen Dominanz des Benzinmotors entschieden?
Der Traum vom Automobil ist Jahrtausende alt. In vorchristlicher Zeit zum Beispiel genauer etwa 300 Jahre v. Chr., entwickelte Demetrios einen Muskelwagen der nach dem Prinzip heutiger Hamster-Laufkäfige funktionierte. Windwagen (Simon Stevin um 1600) und selbstfahrende Wagen von Leonardo da Vinci sind Zeugnisse weiterer eindrücklicher automobiler Versuche. Sie alle wurden lange vor dem automobilen Zeitalter entworfen und funktionierten mit denjenigen Energiequellen, die damals bekannt waren. Sie alle aber blieben auch entweder unrealisierte Visionen oder Episoden ohne nachhaltige Auswirkung auf die Menschheitsgeschichte.
Entscheidendere Bemühungen um die Automobiltät sind im 18. Jahrhundert festzustellen. Herausragend ist etwa der „Fardier“ des Nicolas Joseph Cugnot (1769), des mutmasslich ersten mit einem Dampfmotor betriebenen Fahrzeuges. Der französische Militäringenieur entwickelte den dreirädrigen „Fardier“ zum Transport schwerer Kanonen der französischen Armee. Als er aber bei der Vorführung in eine Mauer prallte, erlahmte das Interesse am selbstfahrenden Gefährt. Einen weiteren Meilenstein setzte 1791 der Walliser Isaac de Rivaz, als er einen Explosionsmotor entwickelte und an verschiedenen Wagen die „Automobilität“ mit dem neuen Antriebsaggregat vorführte. In dieser Periode schien aber der Dampfmotor weit bessere Karten zu haben, als der Explosionmotor. Dampfbetriebene Fahrzeuge gelangten sowohl als Schiffe, als Schienenfahrzeuge, aber auch als Dampfomnibusse vor allem in England zum Einsatz.
1886 liess Carl Benz seinen dreirädrigen Motorwagen mit einem Benzinmotor patentieren. In derselben Zeit sorgten Daimler und Maybach ebenfalls für entscheidende Fortschritte in der Automobiltechnologie. Viele arbeiteten mit dem nach seinem Erfinder Niklaus Otto benannten Viertakt-Benzinmotor als Antriebsaggregat. Der Kampf um die Vorherrschaft war damit aber noch lange nicht entschieden. Davon zeugen geniale Automobile wie der französische „Jamais Contente“ oder der amerikanische „Stanley Steamer“. Der „Jamais Contente“ übertraf 1899 als erstes Auto die 100 km/h-Marke und sorgte auch in der Folge für Geschwindigkeitsrekorde, das dampfbetriebene Auto „Stanley Steamer“ erreichte 1906 den Fabelweltrekord von 206 km/h. Und auch im Alltag boten die beiden Antriebsvarianten dem Benziner heftige Konkurrenz: Für den Stadtbetrieb waren Elektromotoren weit zuverlässiger und wartungsfreundlicher, als Benzinmotoren. Diese Attribute konnte auch der Dampfmotor teilweise auf sich vereinigen.
Weshalb setzte sich der Benzinmotor aber auf derart breiter Ebene durch? Der grosse Nachteil des Elektromotors war sein hoher externer Infrastrukturbedarf und die limitierende Kapazität seines Energiespeichers. Der Elektromotor eignete sich ausschliesslich für den Stadtverkehr. Die hohe Energiedichte des Treibstoffes Benzin erhöhte den Aktionsradius, verlangte keine derart hohe infrastrukturelle Voraussetzungen und ermöglichte vor allem ein rasches Ergänzen der verbrauchten Energie. Ein leistungsfähiger Dampfmotor war ein komplexes Konstrukt - bestehend aus Maschine, Kessel sowie unter Umständen gar Kondensatoren – und war entsprechend kostspielig in der Produktion. Anders der Benzinmotor, der günstig herzustellen war und sich deshalb für die Massenproduktion aufdrängte. Als er auch noch zuverlässiger wurde, verdrängte er den Dampfmotor.
Und heute? Die Forschung an alternativen Antrieben zum Benzinmotor hat nicht aufgehört. Aber alle anderen Antriebstechnologien, seien es Erdgasmotoren, Hybride, Elektromotoren oder Solarfahrzeuge haben sich bestenfalls Nischen erobert. Im Gegensatz zur Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert wird es aber diesmal nicht mehr alleine um eine technisch-konstruktive Innovation gehen, sondern auch darum die Automobilität in Zukunft intelligent einzusetzen, global langfristig verträglich zu machen und dabei zumindest den Spass nicht ausklammert. Spass am intelligenten Umgang mit Technik ist den auch ein zentrales Motto des Verkehrshauses. Der spannende Wettbewerb unter den Systemen ist eine Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft im 21. Jahrhundert.
Der Schweizerische Verband für elektrische und effiziente Strassenfahrzeuge e'mobile bietet neutrale Information und Beratung. Seine Fachstelle EV befasst sich mit allen Fragen rund um Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge.