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Am Vorabend des 25. November ziehen etwa zehn unverheiratete Mädchen, die jünger als 25 Jahre sind, in schwarze Kapuzenmäntel gehüllt, bei anbrechender Nacht durch die Strassen von Estavayer und stoppen unter den Fenstern lediger Männer, die älter als 25 Jahre sind, um das Lied der hl. Katharina von Alexandrien anzustimmen und dazu einen Reigen zu tanzen. Zum Dank wirft man ihnen ein Geldstück zu, das manchmal in ein Stück brennendes Papier gepackt ist, wie die Tradition es verlangt.
Laut dem Lokalhistoriker Joseph Volmar war dieses Lied im 19. Jahrhundert im ganzen Kanton Freiburg beliebt. Katharina von Alexandrien, die mit Nikolaus und Barbara zu den Schutzheiligen der Stadt Freiburg zählt, wurde bereits im 16. Jahrhundert (Peter Schneuwly, Katharinenbuch, 1577) durch einen Kinderumzug in der Art des Nikolausumzugs gefeiert. Dabei soll das berühmte Lied gesungen worden sein (Rouiller, S. 40). In seinem Dictionnaire géographique, statistique et historique du Canton de Fribourg (Bd. 1, S. 305), erwähnt Franz Kuenlin den Katharinentag unter den Schülerfesten der «guten alten Zeit». Wie das Nikolausfest wurde dieses Ritual 1764 abgeschafft, doch sangen die Chor-kinder weiterhin am Vortag der beiden Feste vor den Häusern der Stadt, um etwas Geld zu erhalten (Charles-Aloyse Fontaine, S. 24). In Estavayer feierten die Mädchen im 19. Jahrhundert ihre Schutzpatronin, während das am Nikolaustag gesammelte Geld den von Tür zu Tür ziehenden Knaben vorbehalten war (Volmar, S. 34).
Heute ist dieser alte Brauch in Freiburg vergessen, und nur noch in Estavayer in Bruchstücken erhalten. Laut Kuenlin existierte der «einst im ganzen Kanton bekannte Brauch» des Liedersingens und Reigentanzens an schönen Sommer- und Herbstabenden bereits im frühen 19. Jahrhundert nur noch in der Rosenstadt.
In der Stäffiser Pfarrkirche Saint-Laurent ist ein Altar der hl. Katharina geweiht.
Bemerkungen
Katharina von Alexandrien war eine christliche Heilige, die zu Beginn des 4. Jahrhunderts in Ägypten den Märtyrertod erlitt.
Franz Kuenlin beschreibt 1832 das von den Schülern im 16. Jahrhundert gefeierte Katharinenfest mit folgenden Worten (Bd. 1, S. 305): «Es gab einen uralten Brauch in den Schulen der Stadt, um das Fest ihrer Schutzpatronin, der hl. Katharina, und jenes des hl. Nikolaus, Schutzpatrons der Stadt und des Landes, zu feiern. Ein als Prinzessin verkleideter Schüler, der ein mit Eisenmessern bestücktes Rad und ein Schwert trug, auf dessen Spitze zum Zeichen des Friedens eine Orange steckte, stellte Katharina dar. Engel trugen ihn wie im Triumph; Ehrenritter begleiteten ihn, gefolgt von den Lehrern und den Chorkindern, die hoch zu Ross Hymnen und Responsorien sangen. So zogen sie in einer Prozession in die Kirche für die erste Vesper und anschliessend ins Hochamt des Tages, wo dem Darsteller die der Heiligen gebührenden Ehren zuteil wurden.»
Der Liedtext:
Sainte Catherine était fille du roi.
Ave Maria, Sancta Catharina!
Sa mère était catholique, son père ne l’était pas
Ave Maria, Sancta Catharina!
Un jour qu’elle était en prière, son père l’y trouva.
Ave Maria, Sancta Catharina!
Que fais-tu Catherine, d’adorer ce Dieu-là?
Ave Maria, Sancta Catharina!
Adore cette idole, et non pas ce Dieu-là?
Ave Maria, Sancta Catharina!
Plutôt mourir, mon père, que d’adorer cela.
Ave Maria, Sancta Catharina!
Qu’on aille chercher ma roue et mon grand coutelas!
Ave Maria, Sancta Catharina!
Pour faire mourir Catherine, qui n’obéit pas.
Ave Maria, Sancta Catharina!
Trois anges descendant du ciel chantent le Gloria.
Ave Maria, Sancta Catharina!
Courage, Catherine! Récompensée tu seras.
Ave Maria, Sancta Catharina!
Weitere Information
Am 26. August 2012 wurde in Freiburg die Place Sainte-Catherine d’Alexandrie eingeweiht.
RTS, 2008, 1'48'': La ronde des Catherinettes perdure
Katolisches Medienzentrum: Fribourg honore sainte Catherine d'Alexandrie
Florence Bays
Übersetzung: Hubertus von Gemmingen