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Die Anerkennung der Berufsbildung ist eine komplizierte Geschichte. In Kantonen mit einem hohen Industrialisierungsgrad ging sie schneller vonstatten. Im ländlich geprägten Kanton Freiburg erfolgte die Anerkennung nicht automatisch. Die Berufsbildung hielt erst an der Schwelle des 20. Jahrhunderts mit der Ankunft der Eisenbahn und der Industrialisierung der Pérolles-Ebene Einzug. Pater Grégoire Girard hatte zwar bereits einen Grundstein gelegt, die Berufsbildung erlebte jedoch erst mit den verschiedenen Initiativen von Léon Genoud ihren eigentlichen Aufschwung in Freiburg. Danach dauerte es lange bis zu ihrer Anerkennung. Während vielen Jahren wurde das Technikum als zweitrangige Schule wahrgenommen, deren Ruf nicht an denjenigen des Kollegiums St. Michael oder der Universität heranreichte. Die Berufsbildung im technischen Bereich wurde als letzter Ausweg für Jugendliche mit einer ungewissen beruflichen Zukunft angesehen.
Die Einführung des obligatorischen Fähigkeitszeugnisses für die Aufnahme in die technische Abteilung des Technikums ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Bisher setzte die Schule nach dem Vorbild von Genoud auf Quantität, indem sie alle jungen Leute aufnahm, die direkt nach ihrer obligatorischen Schulzeit eine technische Ausbildung machen wollten. Diese Jugendlichen waren zwischen 14 und 15 Jahre alt. Ziel war es, so viele Leute wie möglich auszubilden, um Techniker für die aufstrebende Industrie bereitzustellen. Wie wir in diesem Blog bereits mehrfach darauf hingewiesen haben, haben viele Schüler ihr Studium im Laufe der Ausbildung abgebrochen. Als Ernest Michel 1944 die Leitung der Schule übernahm, war dies immer noch der Fall.
«Von den 3772 Schülern, die die Schule bisher besucht haben, erlangten deren 1392 ein Diplom oder einen Fähigkeitsausweis: 612 in der technischen Abteilung, 780 in der Lehrlingsabteilung.» Die Misserfolgsquote von beinahe 63% ist enorm hoch.
Mit der Einführung des obligatorischen Fähigkeitszeugnisses will der junge Schuldirektor Ernest Michel dies ändern. Sein Ziel war es, die Qualität der Schüler zu fördern und die Ausbildung zum Techniker nach der Lehre als höhere Bildung anerkennen zu lassen. Er schlägt daher eine Ausbildung auf zwei Stufen vor:
- eine technische Abteilung A für Schüler mit einem EFZ, in der das Niveau höher ist;
- eine Lehrlingsabteilung B, in der hauptsächlich manuell gearbeitet wird, zugänglich für ganz junge Menschen nach einer Aufnahmeprüfung.
Das kantonale Technikum Freiburg ist nach Winterthur und Burgdorf die letzte Schule, die 1945 diesen Schritt wagt.
Heute kann diese grosse Änderung als ein erster Schritt zur Anerkennung der HTA-FR als Hochschule angesehen werden. 1998 ist sie dem Netzwerk der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) beigetreten. 2006 hat sie einen Bachelor- und 2009 einen Master-Studienplan eingeführt. Wir werden in den Kapiteln über die jüngere Geschichte der Schule auf diese verschiedenen Entwicklungen zurückkommen.
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