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Urban Void – die adäquate Verdichtugn der Gurzelenbrache
Jennifer Bader
Seit jeher ist die Gurzelen in Biel ein fester Bestandteil des städtischen Gefüges. Seit der Zeit als die Fussballfans ins Stadion strömten, um die Spieler anzufeuern bis zur Transformation der heutigen Brache in ein Sammelsurium von Utopien im Kleinformat, diente die Gurzelen als Ort der Begegnung. Der Entwurf thematisiert folglich das Spannungsfeld des urbanen Nichts. Die Neuinterpretation der städtischen Leere, resultierte in der konzeptuellen Umkehrung der konventionellen Blockrandbebauung. Durch seitliches Eindrücken reagiert das Volumen auf die Umgebung und stülpt den Freiraum gegen Aussen. In Symbiose mit dem bestehenden Platz vor dem schlangenförmigen Gebäude der Swatch entsteht damit ein immenser Platz, der Ereignissen wie dem Zirkus dient. Durch die Aufnahme von bestehenden Gebäudefluchten sowie der geringen Höhenentwicklung gliedert sich das grosse Volumen in die niedrige Struktur der Umgebung ein. Die Segmentierung des Baukörpers sowie die Staffelung durch laterale Deformation des Blockrandes reduziert dabei die städtebauliche Erscheinung. Das neue Quartier wird damit zum Vermittler zwischen den kleinteiligen Wohnbauten und dem Tatzelwurm der Swatch, dessen gewaltiger Massstabsprung eine enorme Präsenz im Stadtgefüge generiert. Das Aufschneiden der Kurzseiten bewirkt die kontinuierliche Fortsetzung des städtischen Raums; der enge Innenhof wird zur weiten Gasse. Das Abdrehen der Riegel führt zur Entschärfung des direkten Gegenübers. An den Knotenpunkten partiell aufgebrochen, wird die Dichte gemildert und gleichzeitig neue Sichtbezüge zwischen Strassenraum, der Gasse und dem Platz geschafft. Die Erkenntnisse der analytischen Untersuchung der vier architektonischen Strategien im erarbeiteten Thesisbuch Die Fassade als Vermittler dienen dabei als Kompendium, um dem baulichen Dichtestress zu begegnen. Den öffentlichen Raum fortsetzend, wirken die Fassaden der Gasse als urbanes Gefäss. Einer Geode gleich, erzeugt der aufgebrochenen Körper – auf die Belichtungssituation reagierend – durch den grossflächigen Einsatz von Glasbausteinen eine kristalline Wirkung und ein Gefühl von Transparenz. Gleichzeitig wird die rigide Schottenstruktur mit einer breiten Schicht aus Laubengängen ummantelt, die als gradueller Übergang zwischen Aussen und Innen vermittelt und zum erweiterten Wohnraum wird. Die raumhaltige Fassade schafft Tiefe und erzeugt ein Bild von neuer Leichtigkeit. Die heterogene Erscheinung sowie der bekleidende Charakter der Fassade untermalt die Hierarchie von Tragwerk und Hülle.
Studienbetreuer: Luca Deon