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Anspruch und Verpflichtung – Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich seit 1833
Seit der Gründung der Universität Zürich 1833 sind die Rechtswissenschaften fester Bestandteil ihrer Identität. Denn neben Theologie, Philosophie und Medizin zählte die Staatswissenschaftliche Fakultät zu den ersten Fachbereichen der neuen Universitas Turicensis. Deutlich hervorgehoben wurde die zunehmende Bedeutung der Jurisprudenz im Jahr 1920 mit der Umwandlung der Staatswissenschaftlichen Fakultät in die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät.
Der Verselbständigung des rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächergefüges gab die Fakultät 1969 einen organisatorischen Rahmen, indem sie sich in eine juristische und in eine wirtschaftswissenschaftliche Abteilung gliederte. 1992 entstanden aus diesen beiden Abteilungen die Rechtswissenschaftliche Fakultät und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät.
Im Vergleich zu ihrem gegenwärtigen Umfang von über 3700 Studierenden und mehr als 50 Lehrstühlen waren die Anfänge der Fakultät mit fünf Professuren und 26 Studenten sehr bescheiden. Mit Friedrich Ludwig Keller (1799-1860) und später Johann Caspar Bluntschli (1808-1881), den wichtigsten Begründern der modernen schweizerischen Jurisprudenz, gehörten freilich bereits in dieser frühen Phase herausragende und einflussreiche Rechtswissenschaftler der Fakultät an. Doch auch die Rechtswissenschaft des 20. Jahrhunderts wurde wesentlich von Mitgliedern der Fakultät geprägt wie etwa durch Fritz Fleiner (1867-1937) im Verwaltungsrecht, durch Zaccaria Giacometti (1893-1970) im Staatsrecht oder durch Arthur Meier-Hayoz (1922-2003) im Privatrecht.
Zur Geschichte der Fakultät gehören allerdings auch tragische Fehlentscheidungen wie im Fall von Emilie Kempin-Spyri (1853-1901), die aufgrund ihres Geschlechts erst nach langen Auseinandersetzungen 1891 die Lehrbefugnis erhielt (Venia legendi von Emilie Kempin-Spyri). Die Erinnerung an dieses Scheitern gehört ebenso zur Gegenwart der Fakultät wie das Wissen um ihre Errungenschaften und Erfolge.
Prof. Dr. Andreas Thier
Lehrstuhl für Rechtsgeschichte, Kirchenrecht, Rechtstheorie und Privatrecht