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Es ist schon einige Zeit vergangen seit meiner Besprechung und Benennung des 1. Bildfeldes aus dem Davidszyklus an der Südwand der Klosterkirche von Müstair. Ich bitte daher zuerst etwas zurückzu blättern, resp. zu scrollen, zum Post vom 3.September 07. Und ich rufe in Erinnerung, dass nach meiner Beobachtung jeweils zwei Bildfelder innerlich zusammengehören. Leider ist diese wichtige Tatsache im Bildband von Goll/Exner aus Gründen des Layouts nicht berücksichtigt: So folgen die erhaltenen Themen einander scheinbar unmittelbar, was einen falschen Eindruck erweckt und die Gründe für die zu ergänzenden Bildfelder nicht einsichtig macht. Ich stelle in meiner Liste, wo die Nummer der zerstörten Bildfelder jeweils in Klammern gesetzt ist, folgende Paare zusammen: 1 und (2): Sauls Verwerfung und Davids Erwählung, (3 und 4): David besiegt Goliath, (5) und 6: ein weiteres Fehlverhalten Sauls und Sauls und seiner Söhne Tod, sowie (7) und 8: David, König von Juda, trauert um Saul, und die Fürsten Israels ziehen nach Hebron um David zu huldigen, der jetzt König über beide Reiche sein soll.
Fragmente sind erhalten von Nr.1: Sauls Opfer und Verwerfung, von Nr.6: Saul stürzt sich in sein Schwert, und von Nr.8: Iraels Fürsten kommen zu Pferd nach Hebron, Davids Stadt.
Von Nr. 2, 3 und 4, von denen nichts erhalten ist, meine ich auf Grund einer Predigt im Homiliar des Paulus Diaconus wenigstens das Thema nennen zu können: 2.Samuel salbt David (sehr oft dargestellt, sowohl narrativ wie repräsentativ. hier vermutlich wie vat gr.333)
(Nr.3 u.4. David besiegt Goliath (oder 4: David spielt vor Saul?))
(Nr.5 Saul bedroht David oder: lässt Abimelech und die Priester töten.) Nr.6. Sauls und seiner Söhne Tod auf Gilboa.
(Nr.7 Davids Trauer nach seiner Erhebung als König von Juda) Nr.8 Israels Fürsten reiten nach Hebron um David zu huldigen. = Zwei Kronen, zwei Reiche, ein Volk Gottes.
Die ganze Reihe handelt von Gottes Ratschluss, von Davids Erwählung als leiblicher Stammvater Christi und als sein Typus, und vom Königtum aus Gottes Gnaden. Die Vorbilder entstammen einem spätantiken, narrativen Regeszyklus, vermutlich aus dem 6.Jh. nach Urtyp aus dem 4./5.Jh.
Nr 1 und 6 -8 können zur Zeit der tatsächlichen Ausführung des in den 770er Jahren entworfenen Bildprogrammes auch auf Desiderius und Karl den Grossen bezogen werden.
Die erwähnte Predigt des Pseudo?Chrysosthomos ist nachzulesen in Migne, P.L. Supplementum 4, col. 687-690. unter den Texten des “Chrysostomus latinus”. Ebendort steht auch die keinem Autor zugeschriebene Predigt zu Absalom, die den wohl nach 792 gemalten Szenen an der Müstair Nordwand zugrunde liegt: Migne, P.L.S.4, col 690-693 (Druckfehler:593). Die Supplementbände zur P.L. sind von A.Hamman in Paris 1958-1974 herausgegeben worden.