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Wie wir durch das Leben gehen, hängt von unseren Füssen ab. Sie laufen, rennen, tanzen, springen oder balancieren und tragen dabei die ganze Last unseres Körpers. Mit 26 Knochen, 32 Gelenken, 31 Muskelgruppen, 107 Sehnen und Bändern leisten sie täglich Schwerstarbeit. Doch unsere Füsse sind noch viel mehr – sie sind mit den Reflexzohenen ein Abbild unseres Körpers. Der Grossteil ist auf den Fusssohlen angeordnet, andere sind an den Seiten und am Fussrücken bis zum Knöchel zu finden. So steht zum Beispiel der grosse Zeh mit dem Gehirn oder die Sohle des Mittelfusses mit den inneren Organen, wie Niere, Leber und Darm in direkter Verbindung.
Die Annahme, dass sich jedes Organ einem Bereich an Händen oder Füssen zuordnen lässt, hat ihren Ursprung in fernöstlichen Massagetraditionen. Sie ist sowohl in der traditionellen Thai-Massage (TTM), in ayurvedischen Massageformen und in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zu finden. Die Behandlung von Druckpunkten auf der Fusssohle war in China und Indien schon vor mehr als 5000 Jahren bekannt. Aber auch in Japan und Ägypten praktizierte man ähnliche Techniken. In der chinesischen Medizin wird der Einfluss der Reflexzonenmassage durch das veränderte Fliessen der Lebensenergie (Qi) in den so genannten Meridianen begründet. Die westliche Medizin versucht hingegen die Wirkung durch die Erregung von Nervenbahnen zu erklären. Dadurch soll eine erhöhte Durchblutung im entsprechenden Organ bewirkt werden, die sich positiv auf dessen Funktion auswirkt.
Als Pionier der westlichen Fussreflexzonenbehandlung gilt der Amerikaner William Fitzgerald (1872–1942). Die Basis seiner Theorie leitete er aus seinen Forschungen in der indianischen Volksmedizin ab. Dabei hatte der Hals-Nasen-Ohrenarzt beobachtet, dass die Ureinwohner seines Landes bei Erkrankungen und Schmerzen bestimmte Punkte am Fuss massierten und so Besserungen erzielten. In Studien überprüfte er, welche Punkte mit welchen Organen korrespondierten und leitete ein System ab, das den Körper in zehn Längszonen und in drei waagerechte Zonen unterteilte, die er proportional auf die Füsse übertrug. Dr. Fitzgerald ging davon aus, dass jede Zone (Reflexzone) auf der Fusssohle mit einem Organ in Verbindung steht und legte mit dieser Theorie 1917 den Grundstein für die heutige Reflexzonentherapie.
„Zeigen Sie mir Ihre Füsse und ich sage Ihnen, wie gesund Sie sind!“ Das war der Leitspruch der amerikanischen Masseurin Enice D. Ingham (1889 - 1974), die vor gut siebzig Jahren die Griff- und Drucktechniken der modernen Fussreflexzonenmassage entwickelte.
Es war 1958, als die junge deutsche Heilpraktikerin, Krankenschwester und staatlich geprüfte Masseurin Hanne Marquardt das erste Mal etwas über die so genannte „reflexology“ aus den USA hörte. Sie begann die Füsse ihrer Patienten und Freunde zu massieren und beobachtete die Reaktionen. Bereits nach kurzer Zeit verlor sie ihre anfängliche Skepsis gegenüber der Therapieform und entwickelte die bis dato bekannten Methoden konsequent weiter. Seit 1967 werden ihre Erfahrungen in praktischen Kursen an Interessierte aus medizinisch-therapeutischen Berufen weiter vermittelt. Zunächst entstanden in Deutschland Lehrstätten, im Laufe der Jahre auch im Ausland und der Schweiz.
Die Fussreflexzonentherapie stützt sich auf die Vorstellung, dass die inneren Organe und Muskelgruppen des menschlichen Körpers an bestimmte Zonen des Fusses gekoppelt sind.
Grobe Einteilung der Fussreflexzonen:
- Die Zehen spiegeln den Kopf und Hals wieder.
- Die Zonen des Brustraums befinden sich am Mittelfuss.
- Die Knöchel und Fersen stehen in Verbindung mit dem Bauch und dem Becken.
- Die Wirbelsäule verläuft entlang der Innenseiten beider Füsse.
Die Reflexzonen geben Auskunft über den Gesundheitszustand des entsprechenden Organbereiches: Schmerzt eine Reflexzone bei Druck, ist das ein Anzeichen dafür, dass mit dem korrespondieren Organ etwas nicht in Ordnung ist.
Wie auch die Akupunktur oder Akupressur setzt die Fussreflexzonenmassage auf die Stimulation bestimmter Druckpunkte. Mit gezielten Berührungen sollen Reize an die jeweiligen Organe und Körperteile gegeben werden. So fördert das Massieren der Reflexzonen nicht nur die örtliche Durchblutung, sondern unterstützt gleichzeitig auch die Selbstheilungskräfte im gesamten Körper.
Die Fussreflexzonenmassage kann folgendes bewirken:
- Schmerzen lindern
- Muskelverspannungen lösen
- den Lymphfluss in Armen und Beinen fördern
- zu besserem Schlaf verhelfen
- die körperliche Verfassung stärken.
Was sagt die Wissenschaft? Studien zur Wirksamkeit der Fussreflexzonentherapie
Wissenschaftliche Belege über die Fussreflexzonentherapie sind rar und ihre Wirksamkeit bleibt umstritten. Bis heute konnte noch kein überzeugender Nachweis für den Einfluss der Reflexzone auf das in Verbindung stehende Organ gefunden werden. Viele Schulmediziner sprechen der Therapieform daher ihre Wirksamkeit ab. Dennoch gab es in den vergangen Jahren einige kleine Studien, die der Fussreflexzonentherapie positive Effekte auf bestimmte Krankheitsbilder bescheinigen: So zeigten Mediziner der Uni Innsbruck im Jahr 2013, dass man durch Druckstimulation der Zone, die laut Reflexzonentheorie den Nieren zugeordnet ist, deren Durchblutung anregen kann. Und eine Untersuchung der Uni Jena aus dem Jahr 2003 ergab, dass durch Behandlung der Kniereflexzone die Schmerzen von Patienten mit Kniegelenksarthrose verringert werden. Eine Schweizer Studie untersuchte 2001 den Einfluss der Fussreflexzonenmassage auf den Darm. Auch hier konnten die Forscher eine Zunahme der Durchblutung während der Dauer der Behandlung im Bereich der Organe beobachten.
Die Anwendungsgebiete der Fussreflexzonmassage sind breit gefächert. Einerseits wird sie als Hilfsmittel zur Diagnose, andererseits als Ergänzung und Unterstützung bei einer Behandlung eingesetzt. Die Anwendungsgebiete umfassen:
- Funktionsstörungen der Muskulatur, z. B. Rückenschmerzen
- Störungen der inneren Organe, wie z. B. Verstopfung oder Atemwegsbeschwerden (Asthma)
- akute und chronische Beschwerden des Bewegungsapparates, wie z. B. Rückenschmerzen, Gelenkbeschwerden und Arthritis oder Fehlhaltungen im Bereich der Wirbelsäule
- Lymphatische Abflussstörungen, wie z. B. Lymphödem
- Psychosomatische Beschwerden, wie z. B. Schlaflosigkeit oder Unruhezustände
- Unterstützung bei Burn-out Symptomen, Erschöpfungszuständen oder mangelnder Lebensfreude
- Migräne und anderen Kopfschmerzen
- Störungen des Immunsystems, wie z. B. Allergien
- Hormonstörungen, Beschwerden in den Wechseljahren oder Menstruationsbeschwerden
- Schwere degenerative Krankheiten, wie z. B. Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson
Eine therapeutische Wirkung der Fussreflexzonenmassage ist bis heute wissenschaftlich nicht erwiesen. Dennoch gehen Fürsprecher davon aus, dass eine regelmässige Massage der Reflexzonen entspannt, Stress abbaut, Durchblutungsstörungen behebt und auch in der Schmerztherapie von grossem Nutzen sein kann. Unabhängig von einer tatsächlichen medizinischen Wirkung ist man sich jedoch sicher, dass allein die Entspannung das Wohlbefinden eines Menschen positiv beeinflusst. So hat die Fussreflexzonenmassage auch im Wellnessbereich einen festen Platz gefunden. Hier dient die Massage jedoch eher der Gesunderhaltung. Die Fussreflexzonentherapie dagegen gilt als eine effektive Behandlung von spezifischen Beschwerden oder Krankheitsbildern. Nur ausgebildete und diplomierte Fussreflexzonentherapeuten, Heilpraktiker oder Med. Masseure dürfen die Therapie durchführen.
Die Fussreflexzonenmassage ist eine manuelle Therapieform bei der mit Händen und Fingern bestimmte Griff- und Massagetechniken an den Reflexzonen der Fusssohle angewendet werden.
- Erstgespräch: Am Anfang jeder Fussreflexzonentherapie steht ein ausführliches Gespräch über aktuelle Beschwerden und frühere Erkrankungen. Auch Medikamente, die eingenommen werden, sind wichtige Informationen für den Therapeuten.
- Therapiebefund: In der ersten Sitzung untersucht der Therapeut die Füsse des Patienten, indem er sie sanft abtastet. Dabei erfasst er Hauttemperatur und Schweissbildung und stellt fest, ob es Abweichungen von der normalen Fussform, Schwellungen oder Druckstellen gibt. Schliesslich werden die Reflexzonen auf Auffälligkeiten wie zum Beispiel Schmerz überprüft.
- Therapie der Reflexzonen am Fuss: Bei der Fussreflexzonenmassage werden Grifffolgen und Druckmassagen je nach Diagnose und Behandlungsart langsam und weich oder schnell und kräftig ausgeführt. Doch stehen Druck und Kraft nicht im Vordergrund. Viel mehr kommt es auf rhythmische Massageimpulse an – Druck und nachlassender Druck wechseln sich also ab. Es wird immer mit beiden Händen massiert: Die aktive Hand führt meist mit dem Druck der Daumenkuppe die Massage aus, während die andere Hand den Fuss stützt. Das gibt Sicherheit. Der Patient liegt während der Behandlung auf dem Rücken. Seine Bereitschaft mitzuarbeiten, ist für den Erfolg der Therapie von grosser Bedeutung. Während der Massage informiert er den Therapeuten über Empfindungen oder Veränderungen, die er an seinem Körper bemerkt.
- Behandlungsdauer: Die erste Behandlung dauert ca. 60 bis 90 Minuten. Weitere Behandlungen etwa 30 bis 45 Minuten. Die Anzahl und die Häufigkeit der Sitzungen werden entsprechend der Bedürfnisse des Patienten festgesetzt. In der Regel ist eine Serie von 12 Behandlungen im wöchentlichen Abstand zu empfehlen. Die Reaktionen des Körpers auf die Fussreflexzonenmassage brauchen Zeit. Oft tritt erst nach Tagen der gewünschte Effekt ein.
- Nachruhen: Die Massage beansprucht den Körper. Die Haut des Patienten kann kälter werden, vielleicht schläft er ein oder wird unruhig. Nach der Sitzung sollte immer Zeit für 15 min Ruhe sein.
Nebenwirkungen sind bei der Fussreflexzonenmassage nicht bekannt. Zu Beginn der Behandlung treten jedoch in manchen Fällen – wie auch bei anderen alternativen Verfahren - eine Verschlimmerung der Beschwerden auf. Diese Reaktion ist aber im Grunde positiv zu werten, denn sie gehören zum Heilungsprozess dazu und verschwinden meistens nach kurzer Zeit wieder.
Zu den häufigsten Reaktionen gehören:
- Erstverschlimmerung der Beschwerden
- Müdigkeit
- Starke Schweissbildung
- Schlafstörungen oder Nervosität
- Reaktionen der Ausscheidungsorgane (Durchfall oder Harndrang)
Eine Fussreflexzonenmassage ist nicht in jedem Fall die richtige Behandlung. Erfahrene Therapeuten wissen, was wann sinnvoll ist und ob eine Sitzung nur eingeschränkt oder gar nicht durchgeführt werden darf. Vorsicht ist vor allem geboten bei:
- akuten Entzündungen im Venen- und Lymphsystem
- akuten Infektionen oder hohem Fieber
- Erkrankungen, die sich durch eine Operation besser behandeln lassen (z. B. Gallensteine, chronisch entzündete Mandeln oder Blinddarmentzündung)
- akuten und schmerzhaften rheumatischen Erkrankungen der Füsse
- schweren Durchblutungsstörungen der Füsse mit offenen Wunden oder Absterben von Gewebe
- starken Schmerzen an den Füssen infolge von Verletzungen
- Risikoschwangerschaft und nicht in den ersten 3 Monaten und den letzten 6 Wochen der Schwangerschaft
- bei akuten Verletzungen, wie z. B. Muskelfaserriss, Band- oder Sehnenruptur
- bei Verbrennungen, offene Wunden, Warzen, Ekzeme oder Furunkel
- bei Pilzerkrankungen am Fuss
- bei Krampfadern im Fuss- und Unterschenkelbereich
- bei Psychosen, Depressionen oder Schizophrenie (Ausnahme: die Patienten werden ärztlich gezielt betreut)
In der Regel stellt die Kostenübernahme einer Therapie kein Problem dar, denn diplomierte Fussreflexzonentherapeuten sind von den meisten Krankenkassen anerkannt. Mit einer entsprechenden Zusatzversicherung für Komplementärmedizin wird ein Grossteil der Behandlungskosten übernommen. Um den genauen Umfang der Kostenübernahme zu erfahren, ist es jedoch immer ratsam, direkt bei der Krankenversicherung nachzufragen. Passende Therapeuten finden Sie hier.
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