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Der Königstiger als Nachfolger des Tiger I war der Höhepunkt der deutschen Panzerentwicklung bis 1945. Der Jagdtiger übertraf ihn zwar hinsichtlich des Gewichtes noch um ein paar Tonnen, war aber in der Gesamtheit von Beweglichkeit, also Gewicht bzw. Motorisierung, Feuerkraft und Panzerung in der Summe kein besseres Fahrzeug.
Die Entwicklung des schweren Kampfpanzers Tiger II geht zurück in das Jahr 1935, als erste Pläne zur Entwicklung von Panzerkampfwagen im Gewichtsbereich von 30 to. entwickelt wurden.
Aspekte der Wahl geeigneter Panzermotoren:
Voraussetzung für die Entwicklung schwerer Panzer ist die Verfügbarkeit geeigneter Motoren. Stand der Dinge war der Maybach HL 120 TRM des Panzer IV, ein V-12-Zylinder, der aus knapp 12 l Hubraum ca. 280 PS mobilisierte. Bei einem Gewicht von 25 to ergab sich eine Leistung von etwas mehr als 10 PS/to, was als unzureichend erachtet wurde. Angestrebt war eine Leistung von ca. 20 PS / t, was eine Motorleistung von 600 , besser 700 PS bei einem Gewicht von ca. 30 t erforderte.
Einige Motorenhersteller hatten Zweifel, so etwas mit 12 Zylindern realisieren zu können und statt dessen einen 16-Zylinder entwickeln zu müssen. Da zu dieser Zeit die Leistung eines Motors noch weitgehend abhängig von seiner Grösse war, hätte ein 16-Zylinder hätte aber einen derart grossen Platzbedarf gehabt, dass die Dimensionen des Kampfraumes zu stark beschnitten worden wären.
Als Alternative boten sich Flugzeugmotoren an wie, die z.B. von Daimler Benz sowohl als Diesel- wie auch Benzinmodel hätte bereitgestellt werden können.
Die Leistungscharakteristik eines Flugzeugmotors ist auf hohes Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen ausgelegt. Bei einem schweren Kettenfahrzeug hätte das eine sehr starke und schwere Auslegung wesentlicher Antriebskomponenten bedeutet, welches wiederum zulasten des Gesamtgewichtes bzw. der Beweglichkeit gegangen wäre.
Um diese Kernprobleme drehte sich die Diskussion. Der Plan, Flugzeugmotoren zu verwenden, wurde fallen gelassen.
Zwischenschritte der Entwicklung des Königstigers:
Traditionsgemäss vergab das Heereswaffenamt (HWA) bzw. die Unterstelle Waffenprüfamt 6 (WaPrü 6) / Panzer und Motorisierung Entwicklungsaufträge an mehrere Firmen. Auch wurden die verschiedenen Komponenten wie Wanne, Turm und Kanone an verschiedene Firmen zur Entwicklung verteilt. So gingen die Aufträge für die Herstellung der Panzerwannen und der Türme bzw. Geschütze meist an Krupp, wobei die Henschel die Feinbearbeitung dieser Komponenten und den Zusammenbau des Panzers mit allen weiteren Zulieferkomponenten übernahm.
In diesem Sinne erhielten Henschel, Daimler-Benz und MAN 1937 den Auftrag zur Entwicklung eines 30 to-Panzers. Die Dr. Ferdinand Porsche AG kam erst später ins Spiel.Die Entwürfe von MAN / DB leiteten später zu den Panther-Typen über, während sich die Tiger aus den Henschel-Entwürfen entwickelten.
D.W. / Durchbruchwagen
Auf den Auftrag des WaPrü 6 von Januar 1937 zur Entwicklung eines 30 to-Fahrgestells entwarf Henschel ein Fahrgestell mit einer Panzerung von 50 mm rundum und 20 mm bei Boden- und Deckplatten aus nicht gehärtetem Stahl. Die Seitenwand war zweiteilig verschraubt, weil zu der Zeit die Fertigung einer so grossen einteiligen Platte noch nicht möglich war. Es wurden separate Schalt- und Lenkgetriebe verwendet, die Kettenbreite betrug 20 cm. Eingebaut wurde der Motor Maybach HL 120 mit 280 PS.
Bereits im April 1937 entstand ein neuer Entwurf, D.W.2, der dem D.W. 1 stark ähnelte, aber einige technische Verbesserungen enthielt.
Quelle: T. Jentz, H. Doyle: Germany’s Tiger tanks: D.W. to Tiger I
Im November 1936 erhielt Krupp den Auftrag zur Konstruktion eines Turmes für ein 30 to-Fahrzeug. Es sollte eine 7.5 cm-Kanone eingebaut werden. Da Krupp nur einen Designentwurf für den Turm lieferte, wurden die Versuchsfahrten mit dem fertigen D.W. mit Betonplatten auf der der Wanne zur Gewichtssimulierung durchgeführt.
VK 30.01 (H) und (P)
Die Entwicklungsarbeiten zum VK 3001 (H) fussten bei Henschel unmittelbar auf den Erfahrungen aus dem D.W.-Projekt. Der Auftragsspezifikation gemäss wurde ein Fahrgestell mit 50 mm Panzerung rundum, 25 mm oben und 20 mm-Bauchpanzerung erstellt. Das Fahrzeug hatte eine einteilige Wanne, ein torsionsstabgefedertes Schachtellaufwerk mit 70 cm-Laufrädern und Umlenkrollen und 52 cm Kettenbreite. Eingebaut war der Maybach HL 116 mit 6 Zylindern und 300 PS, die das Fahrzeug auf ca. 35 km/h brachten.
Einige Monate vorher erhielt Krupp den Auftrag zur Entwicklung eines Turmes für ein 30 t-Fahrzeug mit der 7,5 cm KwK L/24 sowie einem nach vorn und einem nach hinten gerichteten MG.
Quelle: T. Jentz, H. Doyle: Germany’s Tiger tanks: D.W. to Tiger I
Zwischen März und Mai 1940 wurden 3 Fahrgestelle produziert, von denen zwei zur Selbstfahrlafette ‚Sturer Emil‘ mit einer 12,8 cm-Kanone umgebaut wurden. Ein Fahrgestell blieb Testobjekt. Später wurden vier weitere Fahrgestelle zur Fahrerausbildung gebaut.
Die Fahrgestelle wurden nie mit den dafür von Krupp entworfenen Türmen mit der 7,5 cm KwK L/24 komplettiert, weil die Türme am Atlantikwall als fest installierte Turmstellungen verwendet wurden.
Ende 1939 begann auch Porsche mit der Entwicklung eines Entwurfs VK 3001 (P), intern Porsche-Typ 100 genannt, im neuen Nibelungenwerk nahe Linz. Im Gegensatz zu den Arbeiten von Henschel, die ein konservatives Antriebskonzept beinhalteten, hatte Porsche weitgehend freie Hand und ging neue Wege: Sein Entwurf wies ein Benzin-elektrischen Antrieb auf, dessen zwei nebeneinander liegende, luftgekühlte Motoren je 10 l Hubraum und 10 Zylinder mit je 210 PS hatten und je einen Elektromotor an den Antriebsrädern hinten direkt antrieben.
VK 3001 (P) / Porsche-Typ 100 Quelle: T. Jentz, H. Doyle: Germany’s Tiger tanks: D.W. to Tiger I
Im Fahrwerk kam ein weiteres Porsche-eigenes Konzept zur Anwendung: Der Rollenwagen, der je zwei versetzt hintereinander aufgehängte Stahlräder mit einem Hebelgelenk und längsliegendem Drehstab zur Federung aufwies. Ebenso wie den Benzin-elektrische Antrieb hat Porsche auch dieses Konzept bis zum Schluss für seine Entwürfe verschiedener Panzer beibehalten.
Die Motoren dieses Fahrzeugs mit dem Namen ‚Leopard‘ erwiesen sich bei Tests als sehr anfällig, wie das gesamte Antriebskonzept zwar innovativ, aber wohl zu kompliziert für eine robuste Nutzung im Feld ist. Es wurde nur ein Fahrgestell gebaut.
VK 3601 (H)
Die Entwicklung eines Fahrgestelles mit ca. 36 to ergab sich für Henschel Mitte 1940 aus dem Auftrag, ein Fahrgestell basierend auf dem VK 3001 mit einem Turm mit einer 10,5 cm-Kanone und 100 mm-Frontpanzerung zu bauen. Der vergrösserte Turmkranz und die damit verbundenen Modifikationen an der Wanne trieben das Gewicht in die Höhe.
Das Konzept sah eine Wannenpanzerung von 80 mm vorn, 50 mm seitlich und hinten sowie 25 mm oben und unten vor. Verbaut wurde der Maybach HL 174, ein 12-Zylinder mit 450 PS, das 8-Gang OLVAR 40 12 16-Getriebe und das Henschel L 600 C-Lenkgetriebe. Das Fahrzeug hatte 80 cm-Laufräder und war 50 km/h schnell.
VK 3601 Quelle: T. Jentz, H. Doyle: Germany’s Tiger tanks: From VK 4501 to Tiger II
Nachdem seitens des WaPrü 6 das 10,5 cm-Geschütz gekippt wurde, wurde die Verwendung der konischen Waffe 0725 in Betracht gezogen. Da für die Munition dieser Waffe aber nicht verfügbare Mengen an Wolfram nötig waren, wurde auch diese Alternative verworfen.
Letztlich sollte für das VK 3601 (H) dann der Turm mit der 8,8 cm KwK L/56 verwendet werden, den Krupp in Zusammenarbeit mit Porsche für dessen VK 4501 (P) entwickelt hatte.
Neben dem Prototyp wurden weitere vier Fahrzeuge hergestellt, die als Schleppfahrzeuge dienten.
VK 4501 (H) und (P)
Krupp erhielt den Auftrag zur Entwicklung eines Turmes für die VK 3001-Reihe und schlug Porsche bereits da den Einbau der 8,8 cm KwK L/56 vor. Die notwendigen Anpassungen, z.B. für den Turmkranz von 1850 mm Durchmesser, brachten das Gewicht in die Nähe von 40 to. Nach der Entscheidung, die Frontpanzerung auf 100 mm zu erhöhen, ergab sich das Projekt VK 4501 (P).
Ferner wurden die beiden Motoren mit je 10 L Hubraum ersetzt durch Motoren mit je 15 L Hubraum und 310 PS, die zwei Siemens-Generatoren von je 275 KW antrieben. Beim Fahrwerk ging Porsche von Gummi-umrandeten Rädern zu Ganzstahlrädern über.
VK 4501 (P) Quelle: T. Jentz, H. Doyle: Germany’s Tiger tanks: D.W. to Tiger I
Es wurde mehrere Exemplare gebaut, aber nur ein Fahrzeug in Dienst gestellt.
Letztlich wurden seitens des HWA zwei Kernkonzepte verfolgt: Das VK 3601 von Henschel und das VK 4501 von Porsche. Im Mai 1941 erging an beide Hersteller der Auftrag, binnen Jahresfrist jeweils 6 Fahrgestelle zu produzieren. Nachdem alle betrachteten Geschützoptionen für den Turm für das VK 3601 fallen gelassen worden waren, sollte der von Krupp entwickelte Turm mit der 8,8 auch für das Henschel-Fahrgestell verwendet werden. Die daraufhin beim VK 3601 notwendig gewordenen
VK 3601 Quelle: T. Jentz, H. Doyle: Germany’s Tiger tanks: D.W. to Tiger I
Modifikationen führten auch hier zu einem Konzept oberhalb der 40 to, dem VK 4501 (H). Am augenfälligsten ist hier das Herausziehen der Seitenwände, die beim VK 3601 stark in Richtung der Wagenmitte versetzt waren, bis über die Ketten.
Bereits jetzt wurde die Entwicklung ‚Projekt Tiger‘ genannt.
Insbesondere nachdem man während des Russlandfeldzuges auf die russischen Panzer des Typs T 34 und KW 1 und 2 stiess, die sich als den deutschen Typen überlegen erwiesen, wurde die Entwicklung des deutschen Panzerprogramms stark beschleunigt. Deutlichstes Merkmal war, dass zukünftig Entwicklungen meist ohne grosse Tests in Serie gingen und zum Einsatz kamen.
So erhielt Krupp bereits im Februar 1942 den Auftrag zur Produktion von 100 Wannen VK 4501 (P) und 100 Türmen, obwohl die Entscheidung zugunsten des Porsche-Modells noch gar nicht getroffen war.
Beide Hersteller, Henschel und Porsche, sollten ein Demonstrationsfahrgestell bis zum 20. April 1942 fertiggestellt haben, was beiden unter Mühen auf die letzte Minute gelang.
Bei den Tests erwies sich das Porsche-Fahrzeug als sehr anfällig und konnte nicht den Nachweis der Tauglichkeit zur Serienfertigung erbringen, sodass letztlich dem Henschel-Entwurf der Vorzug gegeben wurde.
Panzerkampfwagen Tiger, Ausführung E / Tiger I
Der offizielle Auftrag zur Serienfertigung des Tiger I an Henschel erfolgte im Oktober 1942, die Serienfertigung lief im August 1942 an. Insgesamt wurden bis August 1944 1350 Exemplare gefertigt.
Der Tiger I wurde bis zum Schluss nur in einer Version gebaut, auch wenn im Laufe der Zeit zahlreiche Modifikationen einflossen. Dies speziell in den Anfängen der Fertigung, als zahlreiche Kinderkrankheiten den Einsatz der Fahrzeuge, deren Produktion praktisch vom Reissbrett aus ohne grössere Testphasen erfolgte, behinderten.
Die äusserlich deutlichste Änderung war die Umstellung von den Gummi-umrandeten Laufrollen auf das Gummi sparende Fahrwerk ab Februar 1944.
Tiger I, Fgst-Nr. 250570 von Oktober 1943 Quelle: T. Jentz, H. Doyle: Germany’s Tiger tanks: D.W. to Tiger I
VK 4502 (H), VK 4502 (P) Porsche-Typ 180, / VK 4503 (H)
Obwohl bis zum Herbst 1942 der Tiger I die gravierendsten Schwächen abgelegt und sich im Grunde bewährt hatte, erging die Forderung, ihn bald durch eine verbesserte Version zu ersetzen.
Das Ziel war einerseits, eine Kanone mit verbesserter Durchschlagsleistung zu installieren, andererseits aber eine möglichst starke Vereinheitlichung der Baugruppen mit dem ebenfalls geplanten Panther II zu erreichen. Ferner sollte der verbesserte Tiger auch wie der Panther abgewinkelte Seitenwände haben.
Das VK 4502 (P) / Porsche-Typ 180 entstand als verbesserte Version des VK 4501 (P) unmittelbar nach Nichterhalt des Auftrags zum Tiger I. Es wies, wie der Vorgänger das gleiche Fahrwerks- und Antriebskonzept auf.
Jedoch wurde nicht ein Entwurf verwirklicht, sondern Kombinationsmöglichkeiten aus vier zwei Karosserievarianten (Turmkranz vorn und hinten), zwei Antrieben (hydraulisches und elektrisches Getriebe) sowie vier verschiedenen Motoren entwickelt.
Trotzdem verliefen die Tests nicht zufriedenstellend und der Entwurf wurde nicht angenommen.
Porsche-Typ 180 mit Turm hinten
Ab April 1942 arbeitete Henschel an einem Fahrgestell für einen Turm mit der Langkanone 8,8 cm KwK L/70. Während ein Konzept VK 4502 (H) nur auf dem Papier bestand, war das Konzept VK 4503 (H) ab Oktober 1942 die Grundlage für den späteren Königstiger.
Nach einer ersten Version, die stark an das VK 4501 (H) angelehnt war, wurde das Design geändert und war dem Panther sehr ähnlich.
Der Turm wurde von Krupp einheitlich sowohl für das Porsche- wie für das Henschelfahrgestell entwickelt. Unterschiedlich war nur der Antrieb: Elektrisch für Porsche und hydraulisch für Henschel.
Zwischen Oktober 1942 und März 1945 wurden ca. 497 Königstiger gebaut (hier widersprechen sich Quellen). Ab Juni 1944 wurde der Serienturm verbaut.
Königstiger mit Serienturm Quelle: T. Jentz, H. Doyle: Germany’s Tiger tanks: From VK 4501 to Tiger II
Entwicklung des Königstigers