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des 8. 3 im Regulativ vom 31. August !86l das Rauchrohr mit einem Absperrschieber versehen wird. Dabei machte denn der revidirende Beamte die Randbemerkung: „Der Absperrschieber allein genügt nickt, sondern muß der Rost so eingerichtet werben, daß entweder durch Drehung oder leicht mögliche Beseitigung der Roststäbc das Feuer im Augenblick der Gefahr schleunig beseitigt werden kann". Leider hat er sich aber nicht das Verdienst erworben, auch anzugeben, wie und woran man erkennt, daß ein Augenblick der Gefahr eintritt, und das ist's gerade auch, was bei der hier erörterten rcgulativischen Bestimmung fehlt. Eine Einrichtung, durch welche die Lustcirculation in de» Feuer» zügcn gehemmt werden kann, ist nicht automatisch wirksam wie beispielsweise ein Sicherheitsventil, ein Manometer, oder eine Wasserstandsröhre, es müßte also unter allen Umständen dabei angegeben resp. vorgeschrieben sein, wann und wie die genannte Einrichtung anzuwenden wäre.
Es ist ganz unzweifelhaft, baß die Bestimmungen des gegenwärtig gültigen Regulativs sowie des vorliegenden Entwurfes sich lediglich auf Dampfkessel beziehen, welche zur Erzeugung von Dämpfen dienen; es sind aber genug Fälle bekannt geworden, und ich verweise beispiclshalber auf die in Bd. XII, S. 235 und Bd. XIII, S. 449 darüber gegebenen Mittheilungen, daß geschlossene Kessel, in welchen durch Zulassung von hochgespannten, jedoch in besonderen Dampfkesseln erzeugten Dämpfen technische Operationen vorgenommen wurden, mit zerstörender Wirkung zersprengt worden sind. Bei derartigen Kock- oder Ertractions» gefäßcn sind alle die Apparate, wie Sicherheitsventile, Wasser» ftandszcigcr, Manometer :c., welche wir bei den Dampferzeugern als wesentliche Sicherhcitsmaßregcln betrachten, durchaus unnütz, und doch scheint die Gesetzgebung wol berechtigt, ihre Sicherhcits» Vorschriften auch auf derartige Anlagen auszudehnen, zumal es constanrt ist, daß sie durchaus nicht als ungefährlich zu betrachten find. Vorläufig allerdings könnten diese Sicherheitsvorschriften sich nur auf einen Beweis von der genügenden Widerstandsfähigkeit dieser Gefäße, und auf Vorschriften über die Localilät, in welcher ihre Aufstellung als zulässig erscheint, beschränken. Jedenfalls ist es höchst angemessen, die Classification dieser Apparate, entsprechend dem Rcgulativcntwurfe, nach ihrem Rauminhalt zu bestimmen, und es möchte vielleicht nicht ganz unzweckmäßig sein, die von der Confcrcnz adoptirte Grenze von l,5 Cbkmtr., jedoch für den totalen Inhalt solcher Kochkessel als entscheidend für die Wahl des Aufstellungsortes anzusehen. Wenn ich nicht wie bei den Dampfkesseln den Wasscrinhalt, sonder» den totalen Rauminhalt als maßgebend anzunehmcu für zweckmäßig halte, so liegt dies nur daran, weil in diesen Kesseln eine bestimmte normale Grenze für die Füllung nicht gegeben ist, und in der Regel wol diese auch den weitaus größten Theil des ganzen Rauminhaltes einnimmt. Ich würde deshalb für ein neues Regulativ noch folgenden Zusatzparagraphen vorschlagen:
„Geschlossene kcsselartige Gefäße oder Apparate, welche nicht zur Erzeugung von Dämpfen dienen, in denen aber unter Zutritt hochgespannter Dämpfe technische Operationen vorgenommen weiden solle», bedürfen zu ihrer Aufstellung ebenfalls der polizeilichen Genehmigung. Zur Eltheilung einer solchen muß der Beweis beigebracht werben, daß die betreffenden Apparate einer gleichen Druckprobc widerstanden haben, wie die Kessel, aus denen sie mit Dämpfen gespeist werden sollen. Ueber die Zulässigkcit ihrer Aufstellung an irgend einem Orte wird nach ihrem totalen Rauminhalt entschieden, welcher dafür so maßgebend ist, wie der Wasser« inhalt bei den Dampfkesseln."
Daß die Kessclrcvisionsfrage mit keinem Worte in dem Entwürfe berührt worden ist, mag wol darin seinen Grund haben, daß die Eonfercnz diese Frage bereits durch die Resolutionen der Stettincr Hauptversammlung erledigt erachtet hat. Ich kann dies nicht für opportun halten; statt der allgemeinen Marimen, für welche sich die Hauptversammlung entschieden hat, mußte der Entwurf ganz positive Ausführungsmaßregeln in Vorschlag bringen, die sich vollkommen logisch de» technischen Vorschriften des Rcgu» lativs angereiht hätten. Wenn ich auf die Stettiner Resolutionen blicke, so kann ich mir bei Resolution 2 »ä »: „die polizeiliche Eontrole hat ausschließlich zu constatircn: daß die Kcsselanlage sich in demjenigen Zustande befindet, auf welchen die Eoncession lautet", sehr leicht vorstellen, daß in Betreff der Revisionen Alles beim Alten bleibt. Und darum —?
vr. Philipps' Earborygenbeleuchtung.*)
Von Otto Kellner.
Die unter diesem Namen von Dr. Joseph Philipps in Cöln vorgeführte neue Saucrstoffbclcuchtung hat sich bei den jüngsten Versuchen znr Beleuchtung eines öffentlichen Platzes in Eöln die volle Anerkennung von Sachverständigen und Laien erworben, da sie sich vor anderen derartige» Beleuchtungsarten namentlich durch Billigkeit auszeichnet. Das Licht ist überaus reiu und weiß und von großer Intensität; die kleine in einer Straßenlaterne befindliche Flamme von der Größe ei»es Zehn» groschenstückes ergab am Photometer eine Lichtstärke von 90 bis 100 Stearinkerzen. In einer E»tfcrnung von 25 Schritten war die kleinste Schrift noch deutlich zu lesen.
Der Sauerstoff, welcher zur Speisung der Flamme dient, wird der Luft entnommen und auf chemischen! Wege dargestellt. Das dazu verwendete Material ist Kupserchlorür, welches die Eigenschaft besitzt, abwechselnd den Sauerstoff der Luft zu absor» bircn und bei höherer Temperatur wieder abzugcbe». Material, welches über hu»dert derartige Operationen vollzogen, zeigte sich in quantitativer und qualitativer Ausbeute stets gleichbleibend. Das Kupserchlorür, dessen Herstellungskosten pro Kilogramm etwa j Thlr. betrage», wird aus dem Kupfcrchlorid durch Erhitzen gewonnen. Letzteres, mit 33 pCt. gestoßenen Porzellanschcrbcn gemengt, um es vor den» Zusammenbacken zu schützen, gicbt in der Hitze zuerst Chlor ab und bildet Kupserchlorür, an Stelle des entweichenden Chlors tritt dann beim Liegen a» der Luft im angefeuchteten Zustande Sauerstoff, welcher für die Folge bei», Erhitzen wieder entweicht und unter obigen Bedingungen wieder ersetzt wird. Diese kostbare Eigenschaft, den Luftsauerstoff aufzunehmen und abzugeben, verliert nun das Kupserchlorür niemals. Die Sauerstoffaufnahme ist bei großen Massen in 2 bis 3 Stunden beendet; bringt man aber Wasserdämpfe und Luft bei etwa 200' O. mit der Masse in Berührung, so erfolgt die Regcnerirung fast augenblicklich, was bei eontinuirlichem Betriebe wichtig ist.
Die Abgabe des Sauerstoffs erfolgt bei 400' 0. Die dazu verwendeten eisernen Retorten müssen mit einem schützenden Ueber« zugc von Emaille versehen sein, da Eisen das Kupserchlorür zersetzt. Etwaige Verluste können bei diesem Verfahren nur mcchani» scher Natur sein; bei rotirenden Retorten kommen auch diese nicht vor, da die Masse in den Retorten verbleibt und nicht verstreut werden kann.
Die Ausbeute aus 50 Kilogrm. beträgt bei jedesmaliger Operation von kurzer Zeitdauer 1,3 bis l,z Cbkmtr. reinen Sauerstoff, welcher zur Condcnsation der Wasserdämpfe durch einen einfachen Waschapparat geht und sodann, ohne irgend einer Reinigung zu bedürfen, direct in den Gasbehälter gelangt.
Es »lag hier gleich noch ein anderes äußerst sinnreiches von Mallet in Paris angegebenes Verfahren zur Saucrstoffdarstellung resp. Sauerstoffbereicherung der atmosphärischen Luft erwähnt werden, welches ebenfalls bei der Carbordgenbeleuchtung angewendet werden soll. Dasselbe stützt sich auf die verschiedene Lös» lichkcit des Sauerstoffs und des Stickstoffs in Wasser und anderen Flüssigkeiten. Es wird zu dem Ende Luft in eine Flüssigkeit gepreßt, welche den Sauerstoff löst und unter Druck gelöst erhält, während der Stickstoff entweicht. Der Druck, unter welchen, sich der succcssive entfernte Stickstoff befindet, wird durch eine SchieberVorrichtung auf den Kolben der Pumpe übertragen u»d auf diese Weise eine bedeutende Quantität der ursprünglich angewendeten Kraft wieder benutzt. Durch mehrere nach einander vorgenommene Operationen kann man Luft von 97 pCt. Sauerstoffgehalt erzeugen.
Bei Verwendung des Sauerstoffs zur Carbor!'ge»bcleuchlung kann derselbe mit gleichen Theilen atmosphärischer Luft gemischt weiden; eS entsteht dadurch eine 6N,z pCt. Sauerstoff enthaltende Luft, deren Verdünnung unbeschadet der Helligkeit der Flamme bis zu 40 Theile» Sauerstoff und 60 Theilen Luft als Minimum fortgesetzt werden kann. Es läßt sich dies dadurch erklären, daß man im crstercn Falle in der Flamme eine höhere Temperatur neben geringerer Masse leuchtender Körper, im andere» Falle aber eine größere Masse leuchtender Körper neben geringerer Temperatur erhält. Die Flamme bedarf zur Speisung unter 2 Cntmtr. Druck pro Stunde 0,133 Cbkmtr. Gasgemisch, demnach ca. v,«« Cbkmtr. reine» Sauerstoffs.
*) Nach dem „Journal fllr Gasbeleuchtung" vom Verf. bearbeitet.
Die zur Verbrennung gelangende Flüssigkeit, Carbolin genannt, mit welcher die Flamme genährt wird, besteht aus carburirten flüssigen Kohlenwasserstoffen und ist in den meisten In» dustrieländern patentirt worden. Dieselbe kann zu keinem anderen Zwecke, als zur Verbrennung in Sauerftoffgas benutzt werden, ist unter gewöhnlichen Verhältnissen unentzündbor, brennt sehr sparsam und läßt sich wolfeil darstellen. Die Flamme bedarf pro Stunde etwa 20 bis 25 Grm. Carbolin.
Besondere Schwierigkeiten verursachte die Construction einer zweckentsprechenden Lampe; die jetzt hergestellte entspricht jedoch ganz ihrem Zweck und gestattet namentlich eine vollständige Isolation der Wärme. Der Sauerstoff strömt durch einen runden Brenner in horizontaler Richtung i» die Flamiuc und wirkt, indem er die Lampe umstrcickt, zugleich als Kühler derselben. Glascylinder sind nicht erforderlich, und die Verbrcnnungsproducte sind frei von Geruch. Die Lampe erwärmt sich nicht mehr als jede gewöhnliche Lampe und bedarf keiner anderen Wartung als der Füllung mit Carbolin nach Bedarf. Der Docht wird nicht geschnitten und braucht höchstens nach zwei Monaten erneuert zu werden; eine Erplosion ist gar nicht möglich, da weder Wasserstoff noch Leuchtgas zugegen sind und Sauerstoff für sich allein nicht brennt.
Die Verwendbarkeit dieser billigen Pclcucktungsart in Lcuchtthürmcn, Theatern, Fabriken und größeren Räumen, auf Bahnhöfen, Straßen und öffentlichen Plätzen, zu photographischen und optischen Zwecken, zur Laryngoskopie, zu militärischen Operationen, Signallichtcrn und nächtliche» Arbeiten »c. «. ist außer aller Frage.
Die vielen Versuche, welche Tcssie du Mola!' mit dem so« genannten Hydroorygenlicht (Bd. XIII, S. 39?) anstellte, sind an den complicirte» und inconstanten Apparaten gescheitert und wird Tessie, so lange er zwei Gase verwendet, welche doppelte Fabrikanlagen und Rohrsystemc erfordern, und deren leicht erplo» sivcs Gemenge so gefährlich werden kann, schwerlich dazu gelangen, das Leuchtgas zu verdrängen, da neben der Zweckmäßigkeit der Kostenpunkt doch immer ein Hauptfactor bleibt. Dagegen haben wir im Larborygen eine neue Lichtquelle, welche hinsichtlich der Wolfeilheit wol von keiner anderen bekannten Vcleuchtungsart übertreffen wirb, was ihr gar bald eine ausgedehntere Anwendung dort sichern wird, wo überhaupt eine sehr große Lichtintenfität Bedürfniß ist, und wo entweder eine Sauerstoffleitung vorhanden, oder wo man die Selbstbercitung des Sauerstoffs der bequemeren Benutzung des eouranten Leuchtgases vorzuziehen veranlaßt ist.
Technische Literatur.
Mechanil.
Theorie der Bewegung und der Kräfte. Gin Lehrbuch der
theoretischen Mechanik mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse technischer Hochschulen bearbeitet von Dr. Wilhelm Schell, Professor am Polytcchnicum zu Carlsruhc. Mit vielen in den Ten gedruckten Holzschnitten, 1. bis 3. Lieferung. S. l bis 576. Leipzig, 1868 und 1869. V. G. Teubncr. —
Der Verfasser ist bei seinem Lehrbuch der Mechanik, dessen drei erste Lieferungen von den in Aussicht genommenen fünf uns vorliegen, von dem Grundsatz ausgegangen, daß eö in dieser Wissenschaft zweckmäßiger sei, mit den Wirkungen, also der Bewegung, als mit den Ursachen, der Kraft zu beginnen, da letzterer Begriff sich überhaupt schwer dcfiniren und erfassen läßt, che nicht eine genaue Vorstellung von der Beschleunigung gewonnen ist. Die vier Haupttheilc, in welche das Werk zerfällt, reihen sich demgemäß in der nachstehenden Folge aneinander: 1) die Geometrie der Bewegung, den Uebcrgang von der Geometrie auf die Mechanik; 2) die Theorie der Geschwindigkeit; 3) die Theorie der Beschleunigung, und auf Grundlage der letzteren baut sich dann systematisch 4) die Theorie der Kräfte auf. Ueberhaupt ist die ganze Behandlung der vorgetragenen Lehren eine wesentlich geometrische als eine dem Techniker mehr geläufige, und hat der Verf. mit Erfolg sich bemüht, einen recht systematischen Fortgang vom Leichteren zum Schwereren einzuhalten. Zahlreiche Anwendungen der aufgestellten Sätze auf besondere Fälle tragen wesentlich zur Erleichterung des Verständnisses bei.
R. g.
Naturwissenschaften.
Vorkommen von Diamant in Böhmen. Bei Dlaschkowitz, ?5 Meilen (56 Kilomtr.) nordwestlich von Prag in dem Berg» wcrtsdistrict des Grafen Schön born ist ein 57 Milligrm. wiegender Diamant gefunden, als unregelmäßiges Rhombendodekacder krystallisirt. Dieses Vorkomme» ist nicht nur merkwürdig, weil es das erste in Europa, sondern weil das Gestein, worin der Diamant sich fand, von demjenigen der übrigen Fundorte verschieden ist. Unsere Quelle („(üusm. l^ews", 1870, <l. Februar) giebt über letzteres nichts Näheres an, während eine spätere Nummer (II. März) eine große Achnlicl,keit der gcog»ost!sc!!cu Formation mit derjenigen des Diamaniendistricts von Brasilien eonstatirt. Wir fügen noch hinzu, daß für die Entstehung des Diamanten durch eine Zersetzung organischer Stoffe sich nach dem Vorgänge von Licbig und G. Vischos vor Kurzem auch Göppcrt unter Beibringung neuer Motive ausgesprochen hat. („Naturforscher", 1869, Nr. 40.) ^ Ls.
Mechanische Technologie.
Knotenfänger für Papiermaschinen von Ibolson. (Hierzu Figur 5, Tafel XVI.) —
Vor etwa vierzig Jahren erfand der englische Papicrfabricant Ibotson den sogenannten „Knotenfänger", welcher noch heute in fast unveränderter Gestalt an den meisten Papiermaschinen sich findet. Der dünnflüssige Papicrbrei wird durch diesen Apparat gcnöthigt, durch schmale Schlitze binduWhzugehcn, wobei Knoten und Unreinigteitcn zurückbleiben, wie schon der Name andeutet. Diesen Knotenfänger hat jetzt der Sohn des ursprünglichen Erfinders anscheinend nicht unwesentlich verbcücrt. Wir entnehmen dem „Hnßineer" vom 24. Dcccmbcr 1869 darüber Folgendes:
Die Abbildung Fig. 5, Taf. XVI zeigt zwei Knotenfänger der gewöhnlichen Eonstruction und einen dritten etwas tiefcrstchenden Hülfsknotenfängcr, bestimmt für eine Papiermaschine von 72 Zoll (1°,»z) Breite, die mit einer Geschwindigkeit von 100 Fuß (30°.,) pro Minute arbeiten soll. Die Bodenplatten sind mit feinen Schlitzen versehen, und bilden also eine Art von Sieb; sie sind von zähem hartgewalztem Nolhguß, um der Abnutzung, welcher sie ausgesetzt sind, möglichst Widerstand zu leisten. Der Stoff tritt bei ^ in die Knotenmaschiiicn und durchläuft die durch die eingesetzte Zwischenwand gebildeten Eanälc in der Richtung der eingezeichneten Pfeile, wobei er zum allergrößtsten Thcilc durch die Schlitze in den Bodenplatten »ach dem Siebe der Papiermaschine abstießt, während ein verhältnißmäßig sehr kleiner Theil des Stoffes, welcher allen Schmutz und Knoten mit sich führt, durch die Auslaßöffnung L nach dem Hülfsknotenfänger (! läuft. Die zu dieser Vermittelung dienende Rinne v nimmt gleichzeitig einen Theil des unter dem Siebe ablaufenden Wassers in sich auf und verdünnt dadurch den unreinen Stoff, der nach dem Hülfsknotenfängcr geht und von da, unter Znrücklassung sämmtlicher Knoten und Unrcinigkciten auf diesem, durch eine Stoffpumpe oder Schöpfrad wieder nach dem Sandfang zurückgebracht wird. Die Verbindungen zwischen den in vibrirendcr Bewegung begriffenen Knotcnfängcrn und den Auslaßröhren find durch passende Gummischläuche bewerkstelligt. Der Stoff ist so sehr verdünnt, daß er nicht sobald den Hülfsknotenfängcr verstopfen kann; doch tritt der Fall ein, daß derselbe gereinigt werden muß, so befindet sich in der Rinne v ein Ventil, durch dcsseu Oeffnuug der Stoff mittlerweile mit Umgehung des Hülssknotcnfängcrs direct nach dem Schöpfradc linst. Dadurch ist der Hülfsknotenfängcr trocken gelegt und kann bequem gereinigt und auch in die Höhe gehoben werden, ohne im mindesten den Lauf des Stoffes nach dem Siebe zu unterbrechen. Wenn cs an Platz fehlt, so kann der Hülfsknotenfängcr dircct unter die beiden anderen plaeirt werden.
Das Bedürfniß nach einem verbesserten Knotenfänger ist in den letzten Jahren ein immer größeres geworden, nicht nur, weil man mit immer größerer Geschwindigkeit arbeitet und dadurch also in derselben Zeit mehr Stoff durch die Maschine treibt, sondern auch weil man der Reinheit des Fabricates wegen immer feinere Schlitze in den Bodenplatten anwendet, durch welche der Stoff nur in fein zcrthciltem Zustande hindurchgeht, und wobei dann eine Verstopfung viel leichter als sonst eintritt. Um diesen Ucbelstand zu vermeiden, hat man rotirendc Knotenfänger con« struirt, welche aber wieder andere Schwierigkeiten mit sich bringen. Statt nun den Apparat selbst rotircn zu lassen, läßt Ibotson
durch seine eben beschriebene verbesserte Einrichtung gewissermaßen de» Stoff rotircn; indem derselbe in einer continuirlich fließenden Bewegung bleibt, hält er selbst die feinen Schlitze von ollen verstopfenden Ablagerungen frei, und diese letzteren solle» der Quantität nach bedeutend geringer als früher sein. Es ist leicht einzusehen, daß dieses Snstcm die Anwentung noch feinerer Schlitze in den Bodenplatten gestattet und daß das Fabricot dadurch relativ reiner und besser wird. Ein Fabrikant von Zcilungspapicr versichert, daß sein Papier nach dieser verbesserten Einrichtung ^ Pence pro Pfund (1Z Sgr. pro Kilogrm.) mehr gelte als früher.
Eine besondere Ersparniß wird durch die Verdünnung des Stoffes in dem Hülfsknotcnsängcr herbeigeführt. Alle guten Fasern werden dadurch »och benutzt, während es nach der alten Methode nicht zu vermeide» war, daß mit den Unreinigteitcn und Knote» ein großer Thcil gute» Stoffes anch verloren ging.
Es ist sebr wahrscheinlich, daß dasselbe Princip der Reinigung auch auf anderen Gebieten, wie in Stärke und Farbcfabrikcn ic., zweckmäßige Anwentung finden könnte.
O. Krieg,
Feuerungen und Dampfkessel.
Theerschweelofen von Champeaur und Pinard. (Hierzu
Figur l bis 4, Tafel XI.) —
Dieser dem D pp er man w scheu ,I'urtel'«uiIIe eennomiliu«", 1869, November, entnommene Apparat znm Destillirc» vo» bituminösem Schiefer wurde zu dem Zwecke construirt, die bei der gewöhnlichen Destillation in Retorten in dem Schiefer der Gegend von Autun rückständigen 12 p(5t, Kohlenstoff zu verwcrthcn und die sonst verbrauchte Steinkohle, 7 bis lN pEt. vo» dem Gewichte dcö Destillationsmaterials möglichst zu erspare». Wie die Fig. 1 bis 4 auf Taf. XI zeige», wird der Ose» vo» ci»cm aus Kcrnschacht, Isolirschicht und Rauhgcmäuer bestehenden Mantel n, umschlösse», u»b befinde,! sich im Inneren desselben die cigmtliche Retorte b aus Gußeisen mit Schamoitübcrzug, oben mit ci»cm Fülldeckcl, u»ten mit dem Abzug ä für das abdestillirlc Material versehen. In der Retorte hängt ei» zweiter aus ciuzclnc» Stäben bestehender b'vlindcr e, aus dessen Innerem die durch übcrgcschobcne Rohrstiickc gegen das Feuer geschützten Abzugröhrcn e,s die Dcstillalionsprodülie nach den Kühluorrichtuugc» leite».
Vcii» Betriebe wird der zu destillircndc Schiefer in den Zwischenraum zwischen den beiden E'.'lintcr» b und e gebracht. Natürlich muß die erste Destillation mit Hülfe von anderweitige»! Vrc»»»!atelial gcscl'chcn-, nach derselben werten die abtcstillirte» kohlehaltigen Schiefer turch ten Abzug d herausgezogen und oben in ten Ring zwischen ter Retorte l> und tcui Mantel aufgegeben, »vo stc zur Destillation ter nächste» (Charge die»en. Der Ga»g des Feuers wird durch die verschließbare» Lutt- und Schaulöcher s, f.. rcgulirt, während die Rückstände ter Feuerung durch zwei sich gegenüberliegende Thürc» entfernt werten tonnen.
R. Z.
Bauwesen.
Referate über eiserne Dächer. —
Die einfachen unt allgemein bekannten Formen ter eisernen Dächer, wie sie für nicht zu betcutente Spannweiten jetzt immer mehr als Ersatz ter Holztächer angcwcntet werten, unt von welchen bereits Bd. I, S. 251. und Bd. II, S. 10U, 15«, 174 und 297, sowie Bd. XIII, S. I genauere Darstellungen gegeben find, die Polonceau'schc Eonstruction mit senkrecht gegen die Sparren gestellten Streben und die englische mit ucrticalcn Hängestangcn, finden sich in ter Literatur der letzteren Jahre fast gar nicht mehr vertreten, dagegen in größerer Anzahl llebertachungen bedeutenderer Spannweiten, deren Sparren und Fetten nicht mehr durch einfache Walzeisenstäbe, sondern nur noch durch zusammengesetztere Constructioncn darstellbar sind und außerdem die Dächer über ausgedehntere Räume mit kreisförmiger oder polygonaler Form des Grundrisses. Während bei solchen bedeutenderen Bauwerken in Deutschland nach dem Borgange Schwctler's meist nur solche Punkte der Dachconstruction als Knotenpunkte ausgebildet find, auf welche die Last der Dachfläche dircci übertragen wird, füllen englische und französische Conftructeurc gern den Raum zwischen diesen belasteten Punkten mit allerlei Gittcrwcrt an.
Wir gebe» in dem Folgenden fortlausend kurze Notizen über die Eonstructionsprincipicn und Haupltimcnsionen ter in neueren Zeitschriften enthaltenen Anlagen von eisernen Dächern und hoffen dabei auch ohne Skizze» hinreichend deutlich zu werben.
Beispiele der einfachsten Form find die Dächer über dem Kessel- und Masckinenhausc der Mar»pört°Wasselwertc(„^r!ßineer", Nr. 743. T. 173), von rcsp. 6",« und 7",»i Spannweite und ungefähr ^ der Spannweile zur Höhe mit sonst gleichen Abmessungen. Die Sparren sind l'Eiscn von 50 x 75 x >0°"° nnd ruhen mit dem Fuße iu gußeisernen Schuhen, während sie im First durch ein Plattenpaar verbunden sind, welches zugleich das Hängcciscn in sich aufnimmt. Die beiden Streben, 1° Eisen von 50x58x12°"°, bilden wie die beiden Spannftange» von 25°"° Durchmesser ein fortlaufendes Stück mit der erforderlichen Biegung in der Mitte, wo sie für den Durchgang der Hängestange zu einem Auge ausgebildet find. Der dort durch das Wegschneiden des Steges am I^Eise» geschwächte Querschnitt ist durch eine übcrgenieteic Lasche zum Thcil wieder hergestellt.
Däcber nach Polo»ccau'schem Svstem sind die Dächer über den neuen Rctortenhäuscrn ter stättischen Gasanstalt zu Berlin, welche mit Ziegeln gcteckt und in der „Zeitschrift für Bauwesen", 1869, Z. 7l> näher beschrieben sind. Das eine derselben hat 20"? Spannweite nnd 4°',« Zparrenlhciluug. Die vierfach getbeilten Sparren laufen continuirlich über ten First fort nnd bestehen aus zwei in 19"" Entscr»u»g von einander liegenden ^Eise» von 105x65x10°"" Querschnitt. Je zwei Binder bilde» ei» umcr einander fest vcrbuntencs Paar, intcm ihre Sparren turch tie Fetten nnd den in der Dachfläche liegenden Diagonalverband sich gegenseitig gegen Seitcnschwantungcn und seilliches Ausbiegcn stützen. Die zwischen je zwei Bmterpaarcn aogcbrachten Fetten find an dem einen Ente verschieblich angeschraubt. Bei ter oben angegebenen großen Entfernung ter Biuter mußten die Fetten als besondere zusammengesetzte Balken construirt werde» mit bitte» ei»e» doppelt gekrümmten parabolische» Träger mit rechtwinklig dreieckigem Querschnitt, dessen einer Schenkel in ter Dachfläche liegt und dessen größte Kathctcndi»,e»fion in der Mitte 445"", dessen größte Hypotenuse ebendaselbst 655"" beträgt. Tie obere Gurtung besteht aus Wiukeleisc» 52 x 52 x 8"°, tie untere aus Flacheisen vo» 52 resp. 80"" mit gleicher Starte, während tie Bcriicalcn 40"", tie in ter Hypotenuse liege,iten Querverbindungen gleiche Breite, aber lO"" Starte habe». Der trcicckige Querschnitt wurde gewählt, um die Letten grgcn den Winddruck, welcher normal zur Dachfläche wirtt und bei deren Steilheit ziemlich beträchtlich ist, gehörig abzusteifen. Die Streben in de» Binder» bestehen aus zwei durch Einlagen verbundenen Winlelrisen von 65x65x>0"", während die unteren Gurnmgcu der Bindersvsteinc aus Flacheisen vo» 98 bis 143""° Breite bei 26"" Starte, die übrige» gezogene» Theile der Eonstrnclion aus Rundciscn von 26 unt 46"" gcbiltet sind. Das i» ter Mitte der Spannftange befindliche Siangcuschloß ist »och turch ein schwaches Runtcise» a» dem First aufgehängt. Das Gewicht der Dachcoustructo» beträgt 35 Kilogrm. pro Quadratmeter Grundfläche.
Ein anderes Dach ähnlicher Eonstruction hat 31" Spannweite unt in Folge reffe» sechsfach gethciltc Sparren, welche aus zwei cEisen von 152 x 62 x 11"" hergestellt sind. Weil hier sowol die Fetten näher an einanter liegen, als auch tie Entfernung ter Binder nur 3",»s beträgt, so genügte» zur Herstellung ter crsteren lEisc» von 15N""Höbc mit83°"Fla»schcnbrcitc, I0°" Eisenstärke, welche eonimuirlich über tie Sparren fortlaufen und an den Knotcnplatten ter Binder befestigt sind. Die zur Ausgleichung von Ausdehnungen turch tie Wärme in den Fetten erforderliche Bcrschicblichteit ist in den Stößen derselben durch Laschen mit länglichen Löchern hergestellt, unt liegen ticsc Stöße 834"" von dem Gebinde entfernt, wodurch die Biegungsmomente zwischen ten Auflagern der Fetten uut über dmselbcn ziemlich gleich werten, also die Tragfähigkeit ter Träger gut ausgenutzt wirt. Die übrigen Construc!io»stheile untcrschcite» sich von denen des vorhin beschriebenen Daches n»r wenig, so sind auch die Streben aus zwei c Eisen von 57x33x6"° gebildet, die Flacheisen der gezogene» Gurtung haben 98 bis 21«"" Breite bei 2N"" Stärke, die Rundcisen in den gezogenen Theilen 26 rcsp. 49"" Durchmesser. Das Eigengewicht der Eonstruction beträgt 43,5 Kilogrm. pro Quadratmeter der Grundstäche.
Ein, wie die vorigen, vo» Schwcdler construirtcs Dach über einem Retortcnhause der englischen Gasanstalt zu Berlin („Zeitschrift für Bauwesen", 1869, S. 66) ist mit gewelltem Zinkblech eingedeckt, welches ein Zusammenrücken der Fetten bis auf 902°"° nothwendig machte. Das Dach selbst bat bei 2",s2 Abstand der Binder von einander 18",8 Spannweite und 5",« Höhe. Es ist ein einfaches Polonceaudach ohne lieberhöhung der Strebenfüße über die Linie der Srarrcnfüße, Die Fetten sind aus Winkeleisen von 52 x 52 x 6°"° gebildet, und wird die von ihnen übertragene Belastung des Daches durch die Knotenpunkte von parabolischen Trägern aufgenommen, durch welche jede einzelne Sparrenabthcilnng zwischen den Untcrstützungspuntten dargestellt wird. Diese Träger habe» wegen der ungleichen Thcilung des Sparren 445 rcsp. 380°"° Höbe und besteht ihre obere Gurtung aus zwei Winlclciscn von 59 x 52 x 6"", die untere aus zwei Flachcisen >.'on 52 x 6°'°' Querschnitt, die Diagonalen sind Stäbe 40°"° breit und 6°"° stark. Die Streben der Dachbinder sind durch zwei Winkeleiscn 60x60x6""° mit einer gleich starken Zwischcnlage von 11!°"° hergestellt, während die Zugstangen aus Rundeisen von 26 bis 40°"" Durchmesser bestehen. Das Dach hat keine Fußfctie, weil dort die Schornsteine der Netortenöfen durchgeführt sind, und wiegt pro Quadratmeter Grundfläche 26H Kilogramm.
Eigenthümlich ist die Anordnung eines Daches auf demselben Etablissement, welches einen nur 12",5i langen, dagegen 21"° tiefen Raum überdeckt. Um die hohe und lange Gicbclmauer durch die Dachconstruction zu stützen und nicht zu große Dachflächen zu erhallen, sind zunächst zwei parabolische Hauptträger angeordnet, welche den Raum der Tieft uach in drei T heile thcilcu, von denen der mittlere mit 1U",3e Spannweite ein Satteldach trägt, während die beiden Seitenthcilc mit Pultdächern überdeckt sind. Die Hauptträger haben in der Mitte 1",?« Höhe mit einer oberen Gurtung aus zwei Winkeleiscn vvn 80x80x10°°" und einer uutcren Gurtung von gleichen Abmessungen, die Veriicalcn werben ebenfalls aus je zwei Winkeleiscn von 52 x 52 x 6°"°, die Diagonalen aus Flachstäbeu von 65 X 10°"" gebildet. Auf ihrer oberen Gurtung liegt das Satteldach des mittleren Thcilcs, ein einfaches Hängewert mit Spannstange von 26°"° Durchmesser, während die Sparren durch sc einen Parabclträger von 470"" Höhe gebildet werden, dcsscn obere Gurtung aus einem 1" Eisen von 80x80x10"", dessen nniere Gurtung aus einem Flachcisen von 65 x 10°"" ge» bildet wird, nnd dessen Giticrstäbe aus zwei Flachstäbeu von 40x6"" bestehen. Die ebenfalls als Parabelträgcr construirtcn Sparren der Pultdächer greife» an der mittleren Höhe der Längsträger an und haben gleiche Anordnung wie die Sparren des Satteldaches, nur geringere Abmessungen, 65x65x8"", des 1° Eisens bei gleicher Stärke der Flacheiscn in der uulcrcn Gurtung. Deckmaterial und Fetten sind dieselben wie bei dem vor« beschriebenen Dach. Die Anbringuug vo» Luftöffnungcn in den Hauptträgern und die Unterbrechung, welche die Dachfläche durch sie erleidet, gestalten eine Berschraubung der Sparrenfüße auf deu Fcontmauern, da dic Ausdehnung der Sparren durch die Wärme in einer geringen Neigung der Hauptträgcr ihre Ausgleichung findet, während dic Ausdehnung der Hauptträger durch eine uuschädliche Neigung der Giebelmaucr ausgeglichen wird. Es sind daher auch sämmtliche Fetten continuirlich vernietet und in die Mauer» verankert, wodurch die Anbringung eines Tiagonalvcr« bandcs in der Dachfläche uunöthig wurde. Das Gewicht dieses Daches ist ein nur geringes, da es für den Quadratmeter Grundssäche nur 23,« Kilogrm. wiegt.
Dach über den <3»I«ri«3 an (ünäte-au - ä'Nau zu Paris („ärmalsz inäu»tr.", 1870, S. 389». Die Binder dieses von Leturc <K Bandet entworfenen Daches sind Gitterträger, deren obere Gurtung der Dachncigung entsprechend gebrochen ist, deren untere Gurtung aus zwei nach der Mitte ansteigenden Geraden besteht, welche dort durch einen Bogen mit einander verbunden sind. Die Träger haben dadurch an den Enden eine Höhe von v^si, in der Mitte von 4",<u, während die Mitte der unteren Gurtuug 3",55 über der Ebene der Auflager liegt. Der überdeckte Raum hat einen trapezoidalcn Grundriß, so daß die größte Spannweite 32",u, die kleinste 25",in beträgt; um windschiefe Dachflächen zu vermeiden, hat die Firstlinic einen Fall von 314 : 1000 erhalten, so daß die kürzeren Träger auch eine entsprechend geringere Höhe erhalten; die oben gegebenen Maße beziehen sich auf dic größte Spannweite. Die Träger selbst bestehen in ihrer oberen wie untere» Gurtung aus einer verlicalcn Platte von 300"° Höhe nnd einer horizontalen Platte von 220"" Breite, welche durch zwei Winkeleisen von 80 x 80 und wie dic Platten
IN"" stark verbunden sind. Die Diagonalen der Gitter sind 1° Eisen von 120x60x9"", die in de» Krcuzungspuntlen durch eine 10"" starke Platte verbunden sind. Dic Fctten in halber Anzahl der Diagonalcnpaare sind I Eisen von 200x90x10"" Querschnitt, nur dic Fiistfcttc ist durch einen Träger von unterer bogenförmiger Gurtung, aus Winkelcisen und sslacheisen bestehend, hergestellt. Zur Ventilation dient eine sehr ausgedehnte, wie das Dach mit Glas gedeckte Laterne. Ueber das Gewicht der Eonstruction ist nichts angegeben, dic Herstellungskosten betrugen 66,50 Frcs. sür den Quadratmeter Grundfläche.
Die Pogcntäcker sind meistens zur Ueberdeckung von Perronhallcn auf Babnhöfcn angewendet. Wir entnehmen zunächst dem „Organ für die Forlschr. des Eisenbahn»'.", 1870, S. 118, einige Notizen über das Dach der
Bahnhofshalle der St. Pancrasstati on in London. Dic lichte Weite der Halle beträgt in der Ebene des Perrons 73",15 und die Höbe des Bogcns, welcher in dieser Ebene beginnt, 29",«e. Jeder Dachbinder bildet einen aus vier Mittelpunkten gezogene» Spitzbo.w», dcsscn Radien !7",3? und 48",?? sind. Das Dach überdeckt sünf Perrons mit 10 Gleisen und einen Droschkenstand zwischen zwei der Ankunftspcrrons. Dic Dachbinder be» steben aus Gittcrbalten mit diagonalen Stäben und babcn eine Höhe ron l"«3 bei 8",99 Entfernung von einander. Zwischen jede». Paar dieser Hauptbindcr befinden sich gleich vertheilt noch drei Zwischengebindc aus I Eilen von 26?"" Höbe, welche von den Fetten der Hanptgcbinde getragen werden. Diese Fciicn sind durch Hängeböckc verstärkt, welche in gleichen Abständen von 5",38 angebracht lMd so construirt sind, daß sie zugleich die untere Gurtung der Hauptbindcr an der Seite versteifen. Etwa 21" zu beiden Seiten des Firstes sind mit Glas, der übrigc Thcil des Daches mit Schiefer auf Schalung eingedeckt. Das Glas wird von Rahmen getragen, welche die Dachfläche bilden und mittelst Epan»stangen (?) an die Dachfettcn befestigt sind. Ungcsäbr 9" von dein Fußpnntte der Bogen sind als Mastcnträgcr aus Blech und Winkeleisen construirt. dic Verbindungsstellen des Giltcrwerkcs mit diesem Tbcil der Bogen find durch monumentale Gußstücke bezeichnet, welche sieb gegen die Mauern stützen und an Antcrplaitcn, die in den Funrameuten der Grundmaucru liegen, befestigt find. Ebenso find Gußstücke am Anfang dcr Dachbinder über dem Perron angebracht und ähnliche in die Zwickel zwischen Seitenmauern und Bogcnanfang eingesetzt. Um den Horizontalschub durch Wiuddruck an den Giebeln besser auszunehmen, sind dic beide» letzten Hauptbindcr in nur 4",4? Entsernung von einander aufgestellt. Das Gewicht des Daches bei der aügcgebenen Spannweite und 210" Länge beträgt etwa 1850 Tonnen zu 1000 Kilogrm,, wovon auf dic Hauptbindcr ctwa 1300 Tonnen zu rechnen sind.
(Schluß folgt,)
Eisenbahnwesen.
Drehscheibe für Güterwagen. (Hierzu Figur l bis 4,
Tafel XVI.) —
Dic dem „Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens", 1869, Heft 5 und 6 entnommene, von E. Bnrcsch in Oldenburg eonstruirte Drehscheibe, welche in Fig. l bis 4, Tat. XVI, dargestellt ist, soll dic bci schlechtem Baugruudc zuwcilc» uicht «»erheblichen Kosten für die Fundirungsarbciten be> dcr gewöhnlichen Eonstruction mit Laufrollen vermeiden und auch technischen Etablissements, welche Bahnen mit 'dem üblichen Spnrmaß ans ihren Grundstücken haben, die Anschaffung geeigneter Drebsebeiben thunlichst billig machen. Sie beruht auf demselben Prineip, wie die auf S. 318 d. Bds. beschriebene Drehbrücke aus Holland, und dürfte ihre einfache Eonstruction aus Fayoneiscn ans den Figuren hinreichend deutlich hervorgeben.
Es sind in der Umgegend vo» Oldenburg bereits mehrere dergleichen Drehscheiben für Lasten bis zu 330 Ell. mit Erfolg im Betriebe. Das Drehen geschieht ohne Schwierigkeit nnd leichter als bei jeder anderen Drehscheibe, mit weniger Kraftaufwand als das Fortschicben der Wagen auf dem Gleise. Das richtige Ecntrircn dcr Wagcn ist von den Arbeitern leicht erlernt worden und scheint auch, selbst bci ungleichmäßig bcladcncn Wagen, keine Schwierigkeiten zu machen, um so mehr, da dic Drehscheibe ?" lang ist, während die Wagen meistens nur 5", häufig sogar nur 4" Rodsiand haben.
Die Höhenlage des Stützpunktes ist den Bestimmungen der Grundzüge, welche der Verein deutscher Eiscnbahnverwaltungen aufgestellt hat, gemäß angenommen, es ließen sich allenfalls noch 20 bis 30"" Höhe gewinnen, wenn man den Deckel des Zapfens in der Mitte so weit ausbauchte, daß seine Oberfläche mit den höchsten Theilen der Deckelschrauben in gleiche Höhe kommt. Auch ließe sich die Construction dadurch noch verstärken, daß auch zwischen den beiden Querträgern aus I Eisen eine Vlechwand zwischen- Ober- und Unterschiene eingesetzt wird, indessen hat der bisherige Betrieb dies nicht als erforderlich erscheinen lassen.
Der Betrieb der Drehscheibe geschieht einfach so, daß das Ende derselben, an welchem der zu drehende Wagen auflaufen soll, durch die zugehörigen Keile in gleicher Höhe mit der Bahn unterstützt wird, während das andere Ende frei schwebend bleibt. Der Wagen wird soweit aufgeschoben, bis das freie Ende anfängt zu sinken, wodurch das entgegengesetzte Ende sich etwas hebt und von den Keilen srei wird, die Drehscheibe somit sich bewegen läßt. Man arretirt dann den Wagen nach beiden Richtungen, dreht die Scheibe, unterstützt das freie Ende mit dem losen Keil, so daß es in der Bahnhöhe liegt, schiebt den Riegel vor und fährt den Wagen ab.
Zweckmäßig legt man die Drehscheibe um etwa 15°"° höher als das Gleis; auch muß zu einer sicheren und schnellen Handhabung der Sckubricgcl den nöthigen Spielraum nach der Höhe haben, auch die Ende» der Schienen, sowol im Gleis wie auf der Scheibe, etwas abgeschrägt sein, wie die Zeichnungen dies ergeben.
Als Unterstützung der Drehscheibe haben sich sechs gewöhnliche sorgfältig unterstopfte Schwellen als vollkommen ausreichend bewiesen; die Unterstützung gewährt noch den Vortheil, daß sie bei eintretenden Senkungen leicht wieder in Ordnung gebracht werden kann. Die Befestigung der stachen Grube geschah in den meisten Fällen durch Aufstampfen von Schlacken.
Es dürfte wol kemem Bedenken unterliegen, derartige Drehscheiben auch sür Vahnhofsgeleise anzuwenden, welche nicht von Locomotiven befahren werden; selbst für Locomotivgclcisc könnten sie durch geeignete Unterstützungs- und Festftellvorrichtungen genügend sicher conftruirt werden.
Eine in unserer Quelle im Detail durchgeführte Kostenberechnung ergiebt den Preis einer solchen freitragenden Drehscheibe zum Betriebe fertig mit 200 Thlr., also etwa einem Viertel des Preises einer gleich großen Drehscheibe gewöhnlicher Construction.
R. Z.
Bergwesen.
Die Anwendung comprimirt« Luft zum Betriebe unter«
irdischer Maschinen. — Die viele» Mitteilungen und theoretischen Abhandlungen, welche unsere Zeitschrift über die Krafttransmis» sioncn vermittelst Dampf, Luft und Wasser enthält, legen ein vollgültiges Zcugniß für das Interesse ab, mit welchem die Ingenieure diesen besonders für den Bergbau wichtigen Gegenstand in seinen Resultaten und Fortschritten verfolgen.*)
Die „Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwcsen", 1869, S. l, liefert eine von Hrn. Haßlachcr zu Dudwcilcr verfaßte Abhandlung über den Betrieb mit comprimirtcr Luft auf den k. Steinkohlengruben „Sulzbach-Altenwald" und „Gerhard-Prinz Wilhelm" bei Saarbrück, welche wir als eine so schätzenswerthc Arbeit betrachten, daß wir sie auszugsweise hier wiedergeben.
Die Anwendung comprimirtcr Luft zu Zwecken des Bergbaues ist noch von vcrhältnißmäßig sehr jungem Datum. Nachdem im Jahre 1839 der französische Ingenieur Triger zuerst das
») Wir verweisen zunächst auf folgende in dieser Zeitschrift ent« halten« Aufsätze
1) Dampfstrahlpumpen zum Heben von Grubenwasser, Bd. VIII, S. 112 und Bd. IX, S. 226.
2) Unterirdische Föiderbampfmaschine, Bd. IX, T. 238.
3) Förderung mit comprimirt« Luft, Bd. X, S. 689.
4) Benutzung de« luftfreien Wasser« zur Kraftübertragung auf weite Strecken, Bd. XIII, S. 4N2, und Anwendung stark gepreßter Wasser zur Kraftübertragung auf unterirdische Wassersäulenmaschinen, Bd. XI, S. 65 u. s. w.
5) Wassergestängepumpen »der Pumpen mit hydrostatischem Ge» stanze, Bd. IX.' S. »56 und S. 557, und Bd. VIII. S. 68.
6) Wassersäulenmaschinenförderung, Bd. VII, S. 2l und S. 4t?.
Princip der Taucherglocke mit Erfolg beim Durchteufen schwimmender Massen versucht hatte, bediente man sich vielfach in Belgien ') und später (seit 1856) auch in der preußischen RheinProvinz (Grube Maria') im Wormrcvicr bei Aachen und neuerdings Schacht Rheinpreußcn bei Homberg am Rhein) comprimirter Luft zum Zurückkämmen der Wasser bei der Senkarbeit und bei Schachtrevaraturen im schwimmenden Gebirge, ohne dabei indessen die eigentlich bewegende Kraft der gepreßten Luft auszunutzen.
Das Verdienst, letztere zuerst als Motor für unterirdische Maschinen eingeführt zu haben, gebührt, wie so mancher andere Fortschritt in der Bergmaschinentcchnik, lediglich England, woselbst bereits im Jahre 1851-auf dem Govan»Iron«Work bei Glasgow (Schottland) eine mit comprimirtcr Luft betriebene unterirdische Maschine zur Förderung und Wasserhaltung a»ö einem stachen Gesenke in Gang kam'). Seitdem haben derartige Maschinen in ganz England ausgedehntere Verwendung gefunden, und nach der ausgesprochenen Ueberzcugung vieler englischer Ingenieure') steht den Luftmaschinen für den unterirdischen Betrieb in allen Pcrgbaudistricten Großbritanniens eine glänzende Zukunft bevor.
Auf dem (kontinente erfolgte die erste Einrichtung einer Grubenförderung mit comprimirter Luft erst zu Anfang des Jahres 1865 auf der Steinkohlengrube Sars-Longchamps im Distrittc von Charleroi (Belgien). Es sollen auf dieser Grube gegenwärtig ') vier an verschiedenen Grubenpunktcn ausgestellte unterirdische Maschinen zur Förderung und Wasserhaltung aus einfallenden Strecken und aiißcrdem eine Maschine zur horizontalen Teilforderung mit comprimirter Luft betrieben werden, wobei letztere über Tage durch eine besondere Maschine beschafft und durch gußeiserne Röhren in die Grube eingeleitet wird. Im Ucbrige» scheint diese Art von Luftmaschinen auf dem Continente bisher noch keine weitere Verbreitung erlangt zu haben, wenigstens nicht in Deutschland.
Dagegen hat sich auf dem Continente zuerst eine andere wichtige Verwendung der comprimirtcn Luft geltend gemacht zum Betriebe der in neuerer Zeit construirtcn Maschinen für die eigentlichen bergmännischen Gewinnungsarbeiten, nämlich der Bohrmaschinen und Schrämmaschinen. Schon im Jahre 1855 begann der italienische Ingenieur Sommciller Versuche mit einer von ihm erfundenen Gesteinsbohrmaschine"), welche seitdem unter Anwendung comprimirtcr Luft zu so ausgezeichneten, selbst die kühnsten Erwartungen übertreffenden Resultaten bei Durchbohrung des 12,000 Meter langen Mont Cenis-Tunnel geführt haben. Es unterliegt wol keinem Zweifel, daß ohne Zuhülfenahme der comprimirtcn Luft diese großartigste Unternehmung unseres Jahrhunderts nicht in der doppelten und dreifachen Zeit, ja vielleicht überhaupt nie zur Vollendung kommen würde.
Seit den ersten Versuchen Sommeiller's sind in England, Amerika und Deutschland eine ganze Reihe Gcstcinsbohr- und Schräm- (Kohlcnhau-) Maschinen zur Ausführung gekommen '), welche mehr oder minder ausschließlich für de» Betrieb mit comprimirter Luft conftruirt sind. In Deutschland waren es vorzugsweise die Schwartzkopff'sche"), Schumann'schc und die durch erhebliche Vereinfachungen aus letzterer hervorgegangene Sächsische Bohrmaschine, welche im Großen beim Bergbau versucht wurden. Die mit der zuletzt genannten Sachs'schcn Maschine auf dcr Grube Altenberg bei Aachen") erreichten höchst günstigen Resultate