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Automatisch komplett durchkorrigiert
Entre nous, Tomer Gardi!
Tomer, wo hast Du Dein neues Buch geschrieben?
Entre nous heisst zwischen uns. Das musste ich googeln. Was ist das denn, Latein? Nein, Französisch. Warum ist das, was zwischen uns ist, auf französisch? Ahhh, ich weiss. Es hinweist auf die Frage: Wer ist denn Uns? Wer gehört zum Wir? «Broken German» ist erst in Berlin ausgedacht, also das Gedanke, dass man eine Sprache in ihre standardisiertes Form nicht beherrschen muss, um in die Sprache mit zu tun, zu schreiben, sich äussern, auf diese Sprache schön und interessant zu sein. 2003 oder 4 war das. Ich war aber damals nicht bereit es anzufangen, nicht reif vielleicht. Das erste Word-Dokument und die erste Sätze von «Broken German» hab ich in Tel Aviv geschrieben, 2009. Teile hab ich da geschrieben, Teile in Berlin, in Graz, Teile unterwegs, mit diese Frage, in dem Buch eingewoben, Wer ist denn Wir? Wer ist denn Uns? Und was ist denn da, in unsere Zwischen?
Eine brave Antwort, oder?
Worum geht es, Deiner Meinung nach, in Deinem Buch?
Diese Frage fällt es mir sehr schwer zu antworten, obwohl, oder vielleicht nicht obwohl, ich werde es sehr oft gefragt, denn ein sehr grosse Teil meine Freunde, die meisten, lesen kein Deutsch, meine Familie auch nicht, und sie wollen wissen, worum es geht, und ich sag ja, ahh, ehhh, nuuu. Und wenn ich es an meine Familie und engen Freunde nicht wirklich erklären kann, wie kann ich es Entre nous tun? Aii, schon wieder vermeide ich, Scheisse.
Welche Themen, Geschichten, Diskurse interessieren Dich zurzeit grundsätzlich?
Grundsätzlich bin ich zurzeit interessiert in Fragen von Bewegung, Verstand und Schönheit, und in das Vernunft. In «Broken German» taucht auch kurz eine Figur auf, die heisst Frau Nunftig.
Sind diese Themen für Dich neu oder eher ein Leitmotiv in Deiner Arbeit?
Naja, auf diese Frage werde ich antworten können nach der Veröffentlichung meine Sämtliche Werke. Als Biographisches Postskriptum vielleicht. Ich kann aber sagen, dass obwohl es mag kontraintuitiv sein, zurzeit fühle ich, dass meine Bewegungsfreiheit wenn ich auf Deutsch schreibe, grösser ist, als wenn ich auf Hebräisch schreibe. Kontraintuitiv, weil ich Hebräisch viel besser spreche und schreibe als Deutsch, das ist aber so, weil ich ans Hebräisch immer sehr sehr nah bin, und zum Deutsch kann ich mich besser und leichter nähern und entfernen.
Mit welchen Gefühlen schaust Du auf die Niederschrift zurück?
Niederschrift googlen, Leo, Beolingus, ahh ja, mein Manuskript. Als ich «Broken German» geschrieben hab, hab ich ein Stipendium gekriegt, um in Graz drei Monate zu schreiben. Nach der erste Woche ging mein Hard Disc kaputt. Ich war erschrocken. Ich war damals mit dem Buch schon drei Viertel durch und hatte furchtbare Angst, dass der Niederschrift verloren geht. Ich hab mein Computer bei eine Computer-Techniker gelassen. Nachts hatte ich ein schreckliches Alptraum, ich mein das jetzt ernst, dass der Techniker eine neue Betriebssystem in mein Rechner reinsteckt, mit deutsche Autokorrektur, und ich krieg mein Niederschrift zurück, automatisch komplett durchkorrigiert, alles kaputt.
Hegst Du bestimmte thematische Erwartungen an die Rezeption des Buchs?
Nein, eigentlich nicht. Nur eine Hoffnung, dass es nicht ignoriert sein wird, dass darüber nicht geschwiegen sein wird, dass ich Möglichkeiten haben wird, davon in die Öffentlichkeit zu lesen, und das passiert schon, ist schon eigentlich passiert, also eigentlich sind meine Erwartungen schon ein Teil der Vergangenheit. Ach ja, wenn es so einfach wäre. Erwartungen, die haben die destruktive Eigenschaft, sich zu vervielfältigen.
Wie würdest Du es einordnen in die Reihe Deiner Bücher?
«Broken German» ist mein zweites Buch bis jetzt, also nicht viel einzuordnen, es ist halt der zweite. Ich bin schon am Arbeit an der nächste Buch, es wird wahrscheinlich heissen, «Der Hausierer, der seine Selfie Stick verkaufte». Der wird der dritte sein. Das ist aber eine andere Geschichte. Ich weiss eigentlich nicht, wie es ist, «Broken German» zu lesen, ich bin eigentlich von der Leseerfahrung mein eigenes Buch ausgenommen, weil ich eigentlich auf Deutsch nicht lese, also die Initialfrage bleibt: wer ist Uns in dem Zwischen, wer ist Wir? So oder so, bin ich sehr froh, dass es gelesen und diskutiert wird.
Kommt es durch, in die Antworten? Ich hab das Gefühl, ich habe wie ein Klugscheisser geantwortet. Wenn es so ist, dann tut mir leid, von meiner Unsicherheit kommt es. Wie jeder Klugscheisser. Ich dachte mal, ernst, diskutieren heisst, ins Disko gehen. Seitdem aber weiss ich viel besser.
Tomer Gardi, «Broken German», Roman,
Literaturverlag Droschl, Graz 2016, geb., 144 Seiten.