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Fruhstorfer, 1921
- DE: Strauch-Sattelschrecke
- EN: Swiss Saddle Bush-cricket
- FR: L' Ephippigère insubrique
- Syn.: Ephippiger ephippiger vicheti Harz, 1966
Morphologie
Ephippiger persicarius ist meist grün, beige oder seltener graugrün gefärbt. Der gelbliche Seitenstreifen, der vom Halsschild-Unterrand bis zum Hinterleibsende verläuft, ist bei dieser Art besonders deutlich ausgeprägt. Der Hinterkopf ist schwarz. Der Halsschild ist in der hinteren Hälfte stark sattelförmig aufgeworfen. Es ist höchstens am Hinterrand bräunlich gesäumt. Die runden Flügel ragen beim Männchen nur wenige Millimeter unter dem Halsschild hervor, beim Weibchen etwas weniger. Der sichtbare Teil ist gelblich mit einem dunklen Saum am Flügelrand. Die männlichen Cerci sind breit kegelförmig und laufen im letzten Drittel in einen stumpfen Kegel aus. Der Innenzahn ist im letzten Drittel angebracht. Die Legeröhre der Weibchen ist etwas länger als der Hinterschenkel und leicht nach oben gebogen.
Gesang
Der laute Spontangesang von Ephippiger persicarius besteht meist aus 2-silbigen Versen, die in regelmässigen Abständen erzeugt werden, wobei die Versabstände häufig weniger als 1 s betragen. Ab und zu werden Verse aus drei Silben oder auch nur einzelne Silben eingestreut. Das Frequenzspektrum zeigt ein breites, ziemlich variables Maximum bei 13-20 kHz. Im Tessin singen die Männchen bei schönem Wetter vorwiegend in den Morgenstunden. Nachmittags nimmt die Gesangsaktivität stark ab, man kann die Tiere aber auch in der Nacht hören. Beim Rivalengesang erzeugen die Männchen Verse mit bis zu 6 Silben.
Spontangesang von Ephippiger persicarius. Er besteht typischerweise aus 2-silbigen Versen und unterscheidet sich so von den anderen beiden Ephippiger-Arten - CH, TI, Mt. Generoso, 23 °C, sonnig und dunstig.
Spontangesang von Ephippiger persicarius - CH, TI, Mt. Generoso, 28 °C, bewölkt (Aufnahme Bruno Keist).
Typischer Vers, bestehend aus zwei Silben aus dem Spontangesang von Ephippiger persicarius - CH, TI, Mt. Generoso, 23 °C, sonnig und dunstig.
Verbreitung
Das kleine Verbreitungsgebiet von Ephippiger persicarius ist auf Norditalien und die Südschweiz beschränkt. In der Schweiz kommt die Art im Tessin und im Puschlav bis in eine Höhe von 1600 m vor.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ephippiger persicarius ist eine späte Art. Ausgewachsene Individuen treten von August bis Oktober auf.
Als Singwarten nutzen die Männchen gerne niedere Büsche und Stauden oder sitzen auch in der Krautschicht. Zwischen den einzelnen Strophen vibrieren die Männchen häufig mit dem Körper, um den Untergrund in Bewegung zu versetzen. Dieses Verhalten dient wohl als Orientierungshilfe für die Weibchen, die so aus der Nähe das singende Männchen besser lokalisieren können.
Lebensraum
Wie alle Ephippiger-Arten ist auch Ephippiger persicarius in warmen Habitaten zu finden. Es werden struktur- und gebüschreiche Wiesen und Weiden, Böschungen, Waldränder, Lichtungen und Adlerfarnfluren besiedelt.
Gefährdung & Schutz
Obwohl die Populationen von Ephippiger persicarius recht stabil sind, reagiert die Art stark auf Habitatveränderungen. Dazu gehören die Intensivierung der Landwirtschaft und des Rebbaus sowie Lebensraumzerstörung durch bauliche Aktivitäten. Die grösste Bedrohung für den Lebensraum von Ephippiger persicarius geht aber von der Nutzungsaufgabe bzw. Verwaldung von Bergwiesen und -weiden aus. Mit einer extensiven Beweidung und/oder periodischen forstlichen Eingriffen kann der Lebensraum der Art längerfristig gesichert werden. Die erforderlichen Eingriffe umfassen in erster Linie ein Entbuschen der Randbereiche und Auflichten von Lichtungen.
- CH: VU (Verletzlich)
- DE: Abwesend
- AT: Abwesend
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Die drei Ephippiger-Arten Mitteleuropas sind sich sowohl äusserlich als auch im Gesang sehr ähnlich. Ephippiger terrestris bormansi unterscheidet sich in der Höhenverbreitung von Ephipiger persicarius. Sie löst Ephippiger persicarius in höheren Lagen ab und kommt nur oberhalb von 1000 m vor. Sie trägt auf dem Rücken zwei helle Linien und die Cerci des Männchens sind länger, zylindrisch und erst im letzten Viertel gezähnt. Die Legeröhre des Weibchens ist schmaler und länger. Die Unterscheidung von Ephippiger diurnus ist weniger deutlich. Diese kommt im Tessin nicht vor. Die sichere Unterscheidung anhand äusserer Merkmale ist schwierig und eine Untersuchung der Genitalien erleichtert die Artbestimmung. Ephippiger diurnus ist in der Grundfarbe oft dunkel bis fast schwarz und die Rückensegmente sind hinten hell gesäumt.
Der Gesang von Ephippiger persicarius ist vom Klang her nicht eindeutig von Ephippiger diurnus zu unterscheiden, besteht aber fast immer aus mehrsilbigen Versen. Er kann zudem mit Ephippiger terrestris bormansi verwechselt werden. Diese erzeugt aber Reihen aus einzelnen Silben und der Klang ist anders. Der Gesang von Eupholidoptera chabrieri klingt ähnlich, doch erzeugt diese keine Verse, sondern immer einzelne, durch Pausen getrennte, dumpfere Silben. Ausserdem ist diese im Tessin vorwiegend nachtaktiv.