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Hier war einst ein 100 Kilometer langer See
Das Grosse Moos wird gleichzeitig bewässert und entwässert
In der letzten Eiszeit bedeckte der Rhonegletscher das Schweizerische Mittelland. Beim Rückzug des Gletschers bildete sich am Jurafuss ein grosser See. Er war 100 Kilometer lang, 15 Kilometer breit und sein Spiegel lag über 450 Metern über Meer.
Von ELISABETH SCHWAB-SALZMANN
Durch die Abtragung der Endmoräne bei Solothurn und Wangen sank der Seespiegel langsam ab. Der Aareschuttkegel verlor sich im Neuenburgersee und wurde zum Grossen Moos. Schwankungen des Seeniveaus und die Schuttzufuhr der Flüsse, verursacht unter anderem durch Klimaveränderungen, förderten die Bildung von Torf und mineralischen Ablagerungen und die Aufschüttung von Sanddünen. Die Torfböden im Moos sind Flachmoore, die durch die Versumpfung alter Flussläufe und Verlandung ehemaliger Seeufer und lokaler Tümpel entstanden. Durch die Geschiebeablagerungen der Aare in Aarberg entstanden seit dem 16. Jahrhundert immer wieder Überschwemmungen. Pläne zur Kanalisierung der Wasserläufe wurden ausgearbeitet.
Juragewässerkorrekturen (JGK) im 19. und 20. Jahrhundert
Die Arbeiten der ersten JGK dauerten von 1868 bis 1878. Die Wasserspiegel des Murten-, Neuenburger- und Bielersees wurden um 2,5 Meter gesenkt, das so gewonnene Land umfasste 350 Quadratkilometer. Die Grundwasserabsenkung und die landwirtschaftliche Nutzung führten zur Setzung der torfigen Ebenen. Rund 120 Quadratkilometer des neu gewonnenen Landes drohten wieder zu versumpfen.
Um erneute Überschwemmungen zu vermeiden, wurde ein neues Meliorationsprojekt ausgearbeitet. Die zweite JGK schliesslich wurde zwischen 1962 und 1973 ausgeführt. Die Seespiegelschwankungen wurden eingeschränkt und das Grundwasserniveau stabilisiert. Die drei Seen Murten-, Neuenburger- und Bielersee mit total rund 290 Quadratkilometern gelten heute als «Einheitssee».
Eine fruchtbare Gegend mit reichhaltigen Böden entstand. Im Seeland wird seither intensiv Gemüseanbau betrieben. Weitere Meliorationen folgten, Detaildrainagen sind bis heute noch nicht vollständig abgeschlossen. Die Entwässerungen gehen weiter, um auch in Zukunft eine intensive Landwirtschaft zu ermöglichen.
Die Torfschicht nimmt ständig ab
Heute, rund dreissig Jahre nach der zweiten Juragewässerkorrektion, stehen weitere Drainagen-Arbeiten an. Die Torfschicht sackte in den vergangenen 30 Jahren je nach Standort zwischen 20 bis 50 Zentimeter ab. Die Gründe dafür sind der Entzug von Grundwasser und die damit einsetzende natürliche Mineralisation des Torfes (Abbau des Torfes durch Mikroorganismen) und die Winderosion. Die Torfsackung nimmt jährlich laufend um 1 bis 2 Zentimeter ab, in 100 Jahren senkt sich der Torfboden somit um 1 bis 2 Meter ab. An gewissen Stellen wäre somit gar kein Torf mehr vorhanden.
Im Rahmen der Gesamt-Meliorationen werden die Drainagen (Entwässerungen) im Grossen Moos ständig erneuert. In Bodenverbesserungskörperschaften schliessen sich Landwirte zusammen und bauen mit Kantons- und Bundeshilfe die Drainage-Leitungen aus. Der einzelne Bauer muss Kosten von rund 55 Franken pro Are mittragen. «In Berücksichtigung der zu erwartenden Torf-Sackungen baute man vor dreissig Jahren die Hauptleitungen und Schöpfwerke (Pumpstationen) rund 20 bis 50 Zentimeter tiefer, als es damals nötig gewesen wäre. So müssen wir heute nur die Drainage-Leitungen ersetzen. Die Hauptleitungen und die Schöpfwerke können weiter verwendet werden, da sie gefällmässig tief genug liegen», erklärt Heinrich Heiter, Vermessungstechniker bei der Firma Stauffacher und Partner in Murten.
Stärkere Pumpe notwendig
Im Schöpfwerk drei in der Nähe des Grossen Kanals auf dem Gemeindegebiet von Kerzers muss die Pumpe ersetzt werden. Vor dreissig Jahren wurde eine Abflussmenge von zwei Litern pro Sekunde und Hektare angenommen. Heute rechnet man mit drei Litern. Das gesamte Einzugsgebiet des Pumpwerkes beträgt 74 Hektaren, dies ergibt eine Fördermenge von 222 Litern pro Sekunde.
Gemäss einer vom kantonalen Meliorationsamt beauftragten Studie liegt der Hauptzweck der Seeregulierung im Schutz der Anlieger vor Überschwemmung und zu grossen Seespiegelschwankungen: «Im Winter sollte der Seespiegel 429 Meter und im Sommer 429,4 Meter betragen. Die anzustrebenden Koten sind das Resultat eines Kompromisses der Wünsche verschiedenster Interessenten, darunter auch der Landwirtschaft. Der Spielraum zur Veränderung dieser optimalen Koten scheint allerdings sehr beschränkt zu sein. Das optimale Szenarium berücksichtigt sowohl die praktischen Erfahrungen gemäss der heutigen Situation wie auch die Anforderungen der Landwirtschaft (optimale und sichere Erträge, nachhaltige Bodenfruchtbarkeit), des Bodenschutzes (Kampf gegen allzu grosse Setzungen der organischen Böden) und des Hochwasserschutzes (Bereitstellung eines ausreichenden Rückhaltevolumens für den Hochwasserfall.»
Der Artikel kam nach Gesprächen mit folgenden Personen zustande: Jean-Paul Meyer, Dienstchef kantonales Meliorationsamt Freiburg, und Héribert Rappo, Heinrich Heiter, Vermessungstechniker beim Büro Stauffacher und Partner, Murten, und Thomas Imhof, Ökologe und Inhaber des Büros für Landschaftsplanung und angewandte Ökologie in Biel.