Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03276.jsonl.gz/1074

26 Arbeiterinnen und Arbeiter des landwirtschaftlichen Betriebs "Haciendas Bio" in Almeria - zertifiziert von Bio Suisse - haben kürzlich einen Brief an die Geschäftsleitung geschrieben. Darin kritisieren sie ihre prekären Arbeitsbedingungen: Verträge für Tagelöhner, die unverzüglich entlassen werden können, Löhne unter dem gesetzlichen Minimum, unbezahlte Überstunden, Arbeit ohne Schutzkleidung in Gewächshäusern, in denen gerade Schwefel ausgebracht wurde, schlechte sanitäre Einrichtungen usw. Sie fordern neben der sofortigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen die Wahl einer Kommission, die die Arbeitnehmer*innen gegenüber der Unternehmensleitung vertritt. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts hat die Geschäftsleitung noch nicht reagiert. Die Landarbeiter*innen haben eine lokale Schlichtungsstelle aufgefordert, Verbesserungen durchzusetzen, und in diesem Rahmen werden derzeit Verhandlungen geführt.
Eine solche Situation gehört in der intensiven Landwirtschaft in Almeria zum Alltag. Beunruhigend ist, dass es in Unternehmen, die unter dem Bio Suisse-Label zertifiziert sind, vorkommen kann: Die Konsumentinnen und Konsumenten von Bioprodukten erwarten von Bio Suisse eine strenge Kontrolle der Regeln, die zertifizierte Unternehmen im Ausland einhalten müssen, vor allem in sozial gefährdeten Gebieten wie Almeria! Haciendas Bio ist nicht der erste Konfliktfall, der Bio Suisse-zertifizierte Unternehmen in Almeria erschüttert hat. Bei Bio Sabor, einem weiteren zertifizierten Unternehmen, ist die Situation seit Jahren sehr angespannt, ohne dass es möglich wäre, die miserablen sozialen Praktiken zu verbessern.
Die Konsumentinnen und Konsumenten erwarten, dass bei der Herstellung von Produkte von Bio Suisse, sowohl die natürlichen Ressourcen, als auch die Menschen- und Arbeitsrechte respektiert werden: Es ist nicht hinnehmbar, dass Bio Suisse nicht klar gegen prekäre Arbeitsbedingungen in zertifizierten Betrieben im Ausland Stellung bezieht und Arbeitsbedingungen toleriert, die auf der „Versklavung“ und schamlosen Ausbeutung von Arbeitskräften aus Nordafrika und der Subsahara beruhen.
Es ist eine Tatsache, dass diese Praktiken in Bio Suisse-zertifizierten Unternehmen existieren. Bio Suisse muss das Problem anpacken und lösen! Wir erwarten von ihr eine wirksame Überwachung der Arbeitsbedingungen in Almeria und allen betroffenen Regionen in Spanien und anderen Ländern des Mittelmeerraums, aus denen der Grossteil der Importe von Obst und Gemüse, Nüssen, Haselnüssen und Mandeln, Ölen, Wein und anderen Erzeugnissen stammt. Bio-Unternehmen in Spanien müssen die Beschäftigten gemäss lokaler Tarifverträge entlöhnen und den kürzlich von der spanischen Regierung auf nationaler Ebene angehobenen Mindestlohn (SMI) einhalten (€ 7.28 / Std.). Bio-Unternehmen müssen auch die Wahl von Betriebsräten erleichtern, die die Arbeitnehmer*innen vertreten, und von Repressalien gegen Vertreter*innen der Arbeitnehmenden absehen, um einen effektiven sozialen Dialog zu ermöglichen.
Die Glaubwürdigkeit des Knospenlabels steht auf dem Spiel!
Pressemitteilung vom 17. März 2020.