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29. November 1975: Rennfahrer sterben nicht nur in ihren Boliden. Graham Hill verlor sein Leben bei einem Absturz mit seiner eigenen Maschine.
Auf der Rennpiste hat Graham Hill alles im Griff. «Kalkuliertes Risiko» ist der Titel seiner Autobiographie aus dem Jahre 1971.
Er ist der perfekte Rennfahrer. Ein Mann ohne Nerven und ein Perfektionist. Ein charmanter Gentleman mit Sinn für feinen Humor. Er hat es von ganz unten nach ganz oben geschafft. 1954 wird er noch als «arbeitsloser Rennfahrer» registriert. Bei seinem Rücktritt im Mai 1975, ein paar Monate vor seinem Tod, ist er einer der erfolgreichsten Rennfahrer aller Zeiten und einer der beliebtesten Sportler Englands.
Graham Hill gewann 14 von 176 Rennen in der Formel 1 und zweimal die WM (1962 und 1968) – und als erster die «Triple Crown». Die «dreifache Krone» wird demjenigen verliehen, der beim Formel 1 GP von Monaco, den 24 Stunden von Le Mans und in Indianapolis 500 (Indy 500) triumphiert. Sein Sohn Damon wird 1996 Weltmeister. Die Hills sind die erste Familie, in der Vater und Sohn Weltmeister werden.
Aber das Leben ist auch abseits der Pisten gefährlich. Auch die Grössten und Besten sind verwundbar.
1973 gründet Graham Hill sein eigenes Team («Embassy Hill»). Nachdem er sich nicht mehr für den GP von Monaco vom 11. Mai 1975 qualifizieren kann, tritt er als Rennfahrer zurück und konzentriert sich ganz auf die Führung seines Teams.
Am 25. November 1975 fliegt er mit seinem Teammanager Ray Brumble, dem Fahrer Tony Brise (eines der grössten britischen Talente), dem Designer Andy Smallman und den beiden Mechanikern Tony Alcock und Terry Richards von Tests in Le Castellet zurück nach London. Mit seiner Privatmaschine, einer zweimotorigen «Piper Aztec», die er einst mit der Prämie für den Sieg in Indianapolis gekauft hat.
Nördlich von London gerät Graham Hill mit seinem Flugzeug in dichten Nebel, fliegt zu tief, streift kurz vor der Landung auf dem Flughafen Elstree Baumkronen und stürzt bei Arkley in der Nähe seines Hauses auf einen Golfplatz. Alle Passagiere verlieren ihr Leben. Sie wollten am Abend noch eine Party besuchen.
Der offizielle Unfallbericht lastet dem Piloten keinen Fehler an. Allerdings wird auch technisches Versagen ausgeschlossen.
Vermutlich hatte sich Graham Hill bei den katastrophalen Wetterbedingungen näher am Flughafen gewähnt, als er wirklich war. Die Suchaktion wird zu einem Desaster. Die Krankenwagen bleiben in den Sandbunkern des Golfplatzes («Arkley Golf Course») stecken. Das Wrack wird im dichten Nebel erst nach Stunden gefunden. Sein Sohn Damon, damals 15 Jahre alt, erfährt aus den Fernseh-Nachrichten von der Katastrophe.
Die Maschine ist nicht richtig versichert. Die Familie gerät in grosse finanzielle Schwierigkeiten. Damon Hill muss seine Ausbildung selbst finanzieren und alle möglichen Aushilfejobs annehmen.
Es gibt eine Episode aus dieser schweren Zeit. Regelmässig werden im Haus die Ränder der Teppiche umgedreht, um sicherzugehen, dass nicht doch irgendeine Münze darunter geraten war. Damon, seine Mutter Bette und seine beiden Schwestern leiden nicht nur unter dem Verlust des Familienoberhauptes. Sie müssen auch Schulden abzahlen. Mit den ersten Preisgeldern, die Damon in der Formel 1 gewinnt, begleicht er erst einmal alte Verbindlichkeiten.
Als Rennfahrer hatte Graham Hill alle Schutzengel auf seiner Seite. Praktisch unversehrt zu überleben war in diesen «wilden Jahren» der Formel 1 keine Selbstverständlichkeit. Nur einmal hat es ihn erwischt. 1969 bricht er sich bei einem Crash beim GP der USA in Watkins Glen beide Beine. Seiner Gattin daheim in England lässt er ausrichten: «Sagt ihr, ich werde die nächsten Wochen nicht auf Partys tanzen können…»