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Lange wurde gemunkelt, dass John Scott Greystoke auf seinem eigenen Label «Jos Records» herausbringen wolle. Wieso dies nie Realität wurde, begründet sich wohl in der Tatsache, dass das Label nicht mehr aktiv ist, liegt doch zumindest meines Wissens nach dessen letzte Veröffentlichung schon recht lange zurück. In diese La-La-Land-Produktion war Scott nun nicht involviert (über die Gründe wissen wir nicht Bescheid, und daher hat es auch keinen Zweck, darüber zu spekulieren), deshalb war es nicht möglich, die erweiterte Version, die sich im Besitz des Komponisten befinden soll, zu präsentieren, und man musste auf das LP-Programm ‒ das offiziell noch nie auf CD erschien ‒ zurückgreifen. Diesem von Grund auf schon sehr attraktiven Programm konnten aber immerhin noch Overture und End Titles hinzugefügt werden.
Das eigenwillige Greystoke-Script stammt von Chinatown-Autor Robert Towne und hält sich in der ersten Hälfte noch recht eng an Edgar Rice Burroughs Roman, bevor es dann mit dem Eingliederungsversuch des von Haus aus blaublütigen Affenmenschen in die Aristokratie Englands neue Wege beschreitet. Damit hebt sich der 1984 entstandene Streifen von den unzähligen Tarzan-Verfilmungen ab und erhielt generell wohlwollende Kritiken.
Der Score hat sich zu Recht den Ruf eines Fan-Favoriten erworben. Obwohl beeinflusst von Walton, Vaughan-Williams, Ravel, Debussy und Strawinsky, steht die Musik auf eigenen, gesunden Füssen. Nur schon das Tarzan-Thema lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, mit wem wir es hier zu tun haben, denn Scott ‒ der diesbezüglich über ein unerschöpfliches Reservoir zu verfügen scheint ‒ liefert wie selbstverständlich ein starkes, einprägsames Leitmotiv, in das man sich augenblicklich verliebt. Grandios ausleben darf es sich etwa in The Family, Child Of The Apes und Return To The Jungle, wo es in perfekter Koexistenz mit exzellenten Naturbeschreibungen des Orchesters erklingt.
Der erwähnte Strawinsky ‒ à la Sacre Du Printemps ‒ kommt dort zum Einsatz, wo es gilt, den archaischen Überlebenskampf im Dschungel zu untermalen, etwa in Tarzan, Lord Of The Apes, Pygmy Attack oder D’arnot’s Vision. In letzteren beiden Tracks verwendet Scott hämmernde, metallene Percussions- und verfremdete Pfeif-Effekte. Für die noble und steife Upper Class Englands greift er auf den dafür geradezu idealen Edward Elgar zurück, verwendet für Greystoke einen Auszug aus dessen Erster Sinfonie und für Gardens of Greystoke das romantische Chanson De Matin.
Es ist höchst erfreulich, dass dieser sehr emotionale und illustrative, hervorragend gemachte Orchesterscore endlich wieder erhältlich ist, denn selbst vielen langjährigen Fans des Komponisten dürfte er noch in der Sammlung fehlen. Wer anderseits noch überhaupt nichts vom Engländer im Regal hat, für den ist Greystoke die ideale Einstiegsdroge in Sachen John Scott.