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Autor: Matthias Fasel
Vor Jahresfrist hatten Martin Laciga und Jonas Weingart in Brasilia ihr erstes gemeinsames Turnier auf der World Tour bestritten. Nach der Trennung von Jefferson Bellaguarda wollte der heute 37-jährige Laciga mit seinem elf Jahre jüngeren Partner noch einmal richtig durchstarten. Die Anfangseuphorie war gross, die Ziele hoch gesteckt. Sich in den Top 8 der Welt zu etablieren, möglichst schnell für die Olympischen Spiele 2012 in London zu qualifizieren und dort schliesslich eine Medaille zu gewinnen hatte die offizielle Zielsetzung gelautet.
Sehr ambitionierte Ziele
Ein Jahr später gibt es eigentlich kaum Grund zur Euphorie. Laciga und Weingart haben eine wenig erfolgreiche Saison hinter sich. Ein Exploit ist 2011 auf der World Tour ausgeblieben, an den Weltmeisterschaften in Rom schied das Duo bereits in der Vorrunde aus, und mit dem 28. Schlussrang war es im World Tour Ranking weit von den Top 8 entfernt. Dennoch haben Laciga und Weingart die Zielsetzung nur geringfügig verändert. Von einer Olympia-Medaille wagen sie zwar nicht mehr zu sprechen, aber ein Weltranglistenplatz in den Top 8 gehört auch 2012 zur offiziellen Zielsetzung.
Auf Top-Klassierungen angewiesen
Viel anderes als Topklassierungen aneinanderzureihen bleibt dem Kerzerser und dem Berner allerdings auch kaum übrig, um das primäre Saisonziel, die Qualifikation für die Olympischen Spiele, zu erreichen. «Um die Quali noch zu schaffen, müssen wir regelmässig beweisen, dass wir zu den zehn besten Teams der Welt gehören. Denn wir brauchen bis Ende Juni mehrere Top-10-Resultate», so Martin Laciga gegenüber den FN. Direkte Quotenplätze gibt es im komplizierten Olympia-Qualifikationsmodus nur für die besten 16 Teams. Kommt hinzu, dass sich pro Land und Geschlecht nur zwei Duos qualifizieren können. Und im Olympia-Ranking, wo Laciga/Weingart momentan auf dem 27. Rang stehen, sind mit Heuscher/Bellaguarda (6.) und Heyer/Chevallier (15.) zwei Schweizer Teams klar besser klassiert. Zwar werden später einige wenige Quotenplätze noch bei den sogenannten Continental-Cups vergeben, diese dürften aber ebenfalls sehr schwierig zu holen sein. Dennoch gibt sich Laciga kämpferisch. «Ich glaube an unser Team und werde alles daran setzen, noch einmal bei Olympischen Spielen dabei zu sein.»
Zu gerne würde der Freiburger ein viertes Mal an der grössten Sportveranstaltung der Welt mittun. In der Vergangenheit hatte er mit Olympischen Spielen durchaus gute Erfahrungen gemacht. 2000 in Sydney und 2004 in Athen scheiterte er mit seinem Bruder Paul Laciga erst im Viertelfinal, 2008 verlor er an der Seite von Jan Schnider im Achtelfinal in einem dramatischen Spiel äusserst knapp gegen die späteren Olympiasieger Todd Rogers und Phil Dalhausser.
«Wir kennen uns jetzt besser»
Damit Laciga eine vierte Chance erhält, müssten sich Weingart und er im Vergleich zur letzten Saison jedoch markant steigern. Laciga glaubt, dass dies möglich ist. «Wir kennen uns jetzt besser und können uns hoffentlich schneller auf die verschiedenen Spielsituationen einstellen.» Die Automatismen funktionierten nun besser, was ihnen helfen werde, in wichtigen Situationen auch unter Druck die richtigen Entscheide zu treffen. «Ich denke zudem, dass wir unser Spiel im Angriff verbessert und erweitert haben und so über mehr Varianten verfügen. Gleichzeitig haben wir viel Zeit in unser Defensivsystem investiert und hoffen, dem Gegner so noch ein bisschen mehr Kopfzerbrechen zu bereiten.»
Seit Januar auf Teneriffa
Eine erste Standortbestimmung erhalten Laciga/Weingart ab morgen beim World Tour Turnier in Brasilia – für Laciga ein besonderes Turnier. «Es ist das Zuhause meiner Frau und deren Familie. Da werde ich mich schon anstrengen müssen…»
Das wird dem Freiburger nicht schwerfallen, denn der Saisonauftakt wird von den Spielern nach langer Vorbereitung jeweils herbeigesehnt. Bereits seit letztem November schuften und schwitzen Laciga und Weingart für mögliche Erfolge in den kommenden Monaten. Zuerst nur in der Halle und im Kraftraum, seit Ende Januar im spanischen Teneriffa und seit einigen Tagen in Brasilien.
Unterbrochen hat das Duo das Training im warmen Süden nur Mitte März, als Laciga und Weingart mit den anderen potenziellen Olympia-Kandidaten unter den Schweizer Beachvolleyballern auf Stippvisite in London waren, um die Olympiaanlagen zu besichtigen. «Wir hatten keine Verletzungen zu beklagen und konnten intensiv trainieren. Das stimmt uns zuversichtlich für die kommenden Turniere.» Ab morgen müssen Laciga und Weingart den Worten Taten folgen lassen. Sonst wird es in diesem Jahr keine weitere Reise nach London geben.