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Servis püblik?
In diesem Leserbrief wird beschrieben, weshalb ich die meisten Deutschschweizer Fernseh- und Radioprogramme (ausser DRS 2) meinen Deutschkurs-Teilnehmenden nicht empfehlen kann. Es ist erstaunlich, dass sich Radio- und Fernsehverantwortliche mit der inflationären Verwendung unterschiedlicher Schweizer Dialekte auf die Ebene der Lokalsender begeben – mit dem Resultat: mehr Dialekt, weniger Inhalt. Die Aus-Taste bleibt als letzte Möglichkeit.
Romands, Tessinerinnen und andere Personen, die sich Deutsch als Zweit- oder Drittsprache angeeignet haben, fühlen sich durch diese Dialektflut ausgegrenzt. Was sich medial abspielt, ist exemplarisch und setzt sich für sie am Arbeitsplatz, im Austausch mit Nachbarn, Kolleginnen und Freunden weiter. Sie haben wohl Deutsch gelernt – aber niemand will es mit ihnen sprechen.
In der Deutschschweiz sind sie durch die übermässige Dialektanwendung gezwungen, auf die Programme ihrer Radio- und Fernsehstationen auszuweichen oder sich der deutschen und österreichischen Sender zu bedienen.
Es stellt sich folgende Frage: Haben all jene Personen, die keinen Dialekt verstehen, kein Recht auf Informationen und Unterhaltung durch unsere öffentlich-rechtlichen Sender? Auch sie finanzieren mit ihren Steuergeldern diese Institutionen. Ist das unser Verständnis von Service public?
Antoinette Otz, Lyss, Deutschkursleiterin
Der Bund vom 10. Juli 2006