Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03525.jsonl.gz/1777

Das psychosomatische Problem
Eine Patientin erscheint mit dem folgenden psychosomatischen Problem in meiner Praxis:
Immer wenn sie im Stehen die Augen schliesst, bekommt sie Schwindel-empfindungen. Dies ist für sie besonders unangenehm, weil sie in einem Team arbeitet, dessen Supervisorin immer zu Beginn der Supervision von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine solche Konzentrationsübung verlangt.
Die kausal orientierte, klassische Psychosomatik deutet solche Phänomene als Ausdruck einer zu grossen Kopflastigkeit und empfiehlt Massnahmen dagegen.
Die von mir eingeführte psychophysische Psychosomatik – sie beruht auf dem Prinzip des Hauchkörpers oder Astralkörpers des Paracelsus mit seinen kreativen semina (siehe dazu meinen Paracelsus-Beitrag) – geht ihrerseits vom Standpunkt aus, dass wir als Therapeuten uns keine Deutung eines Symptoms anmassen sollten. Wir sollten uns vielmehr darauf beschränken, als Vermittler des Wissens der Körperseele in jedem Menschen zu dienen und daher herauszufinden versuchen, was das Bauchhirn der Körperseele zu solchen Phänomenen zu sagen hat. Aus ihrem „absoluten Wissen“ (C.G. Jung) heraus soll sie uns Auskunft geben, welcher Sinn hinter einem solchen Symptom liegt und welcher Ausweg in die Zukunft führt.
Imagination über das psychosomatische Symptom:
Eine kurze imaginative Übung hilft der Klientin, aus dem Gehirn auszusteigen und das Bauchhirn der Körperseele zu erleben. Dass dieser „Platzwechsel“ vom Kopfhirn zum Bauchhirn wirklich erlebt wird, zeigt ihre emotionale Reaktion.
X.Y.: Ich spüre etwas Warmes in meinem Bauch, aber es bewegt sich auch etwas. (Nach einer Weile:) Es ist ein ausserordentlich schönes und positives Gefühl bzw. Empfindung, welche nun in meinem Bauch herrscht.
R.F.R.: Können sie diese Empfindung etwas näher beschreiben?
X.Y: Seltsam, das ist, wie wenn ein ‚Chäreli‘ herumfahren würde.
R.F.R.: Ein ‚Leiterwägeli‘ oder ähnliches?
X.Y.: Nein, es ist aus Metall und fährt auf Schienen. (erstaunt) Es scheint ein solcher Karren auf Schienen zu sein, der in Untertag-Bergwerken mit Eisenerz beladen wird.
R.F.R.: Wie bewegt sich dieser Karren?
X.Y.: Ich spüre ganz deutlich den Unterschied zum Bergwerk. Während dort diese Karren mehr oder weniger geradeaus fahren, ist es hier wie auf einer Achterbahn. Es geht hinauf und hinunter und wieder hinauf und nach links und nach rechts, usw. Aber das Ganze bleibt immer in der Gegend des Solarplexus.
2. Szene:
Schon seit dem Anfang spüre ich jedoch auch so etwas wie ein ‚Blubbern‘. In dieses möchte ich nun auch einsteigen. Nein, es ist mehr ein Brodeln, ah ja, die Wärme hat sich in einen Vulkan verwandelt, daher blubbert es auch.
Aber diese Vulkane sind überall, auch auf meinem Arm (greift mit der linken Hand an den rechten Arm).
RFR: Wo sind sie nicht?
XY: Ich weiss nicht, ob sie am Kopf, am Hals und an den Füssen sind, aber sicher an den Armen und Beinen, an den Händen und auch am Rumpf. Innen ist der Vulkan aber nur dort, wo das Wärmegefühl ist, d.h. im Solarplexus.
Bei allen Vulkanen ist vor allem der Krater wichtig.
RFR: Bleibt alles gleich, oder verändern sich diese Vulkane? Brechen sie aus oder sind sie erloschen? Kannst du in den Krater hineinsehen?
XY: Ich habe sehr Mühe mit den Vulkanen auf der Haut. Die Flüssigkeit im Krater gefällt mir überhaupt nicht. (Erschrocken!) In diesen äusseren Vulkankratern hat es ja Eiter! Gruusig!!!
Aber innen im Vulkan im Solarplexus ist es anders. Dort hat der Vulkan zuwenig Platz, dort wäre es gut, wenn alles rauskönnte…!
RFR: Was ist dort drin?
XY: Ich sehe es nicht. Der Krater ist viel höher als bei den Vulkanen aussen, daher sehe ich die Flüssigkeit nicht. Der Vulkan selbst ist sehr dunkel. Doch jetzt kann ich hineinsehen. Es ist eine gelbe Flüssigkeit, aber kein Eiter.
XY: (nach einer Weile:) Nun ist das Blubbern vorbei. Doch immer wenn ich mich auf den Solarplexus konzentriere, kommt es wieder. Das habe ich gut im Griff. Und es ist immer angenehm. Das kann ich sogar manchmal auch machen, wenn ich unter Leuten bin. Doch nicht, wenn ich zusehr aussen bin, mich zu sehr mit anderen Menschen befasse.
Deutung der Imagination über das Schwindelsymptom:
In der Technik wird das Erz zum Zweck der Eisenherstellung gewonnen. Nachdem es abgebaut worden ist, wird es einem Veredelungsprozess unterworfen woraus schliesslich Eisen und Stahl entstehen. Diese dienen als Rohstoff für die Herstellung technischer Hilfmittel.
Diesen von uns immer nur konkret aufgefassten Prozess verstand Paracelsus noch symbolisch-bildhaft und wandte ihn auf die Vorgänge im menschlichen Körper an. Um zu verstehen, was die Imagination (SST) meiner Klientin bedeuten könnte, müssen wir daher zu Paracelsus zurückkehren und schauen, wie er die Herstellung von Eisen zur Erklärung von körperlichen Heilungsprozessen verwendete.
Paracelsus war der Ansicht, dass jeder Mensch in sich selbst das Heilmittel für körperliche und seelische Krankheiten mit sich herumträgt. Es ist in seinem „siderischen Leib“ verborgen, und er nennt diese „Spermien“ zukünftiger Entwicklung die semina. Sie dienen dem Aufbau des Hauchkörpers (subtle body; Astralkörper) aus dem physischen Körper.
Das Bild der Veredelung des Erzes zu Eisen diente Paracelsus dazu, den Veredelungsprozess des physischen Körpers in den Hauchkörper zu erklären. Auch er hat schon gesehen, dass diese Prozesse im Solarplexus stattfinden. Da er vom vegetativen Nervensystem im allgemeinen und vom Sonnengeflecht im speziellen noch nichts wusste, umschrieb er dieses Zentrum mit dem Begriff des Archaeus, den er auch den „Alchemisten des Magens“ nannte. Eben diese Zuordnung zum Magen zeigt, dass er den Solarplexus meinte. An einem anderen Ort nennt er dieses Zentrum den Vulcanus. Vulcanus, der römische Gott der Vulkane (!), den die Griechen Hephaistos nannten, ist der Schirmherr der Erfinder, oder ganz allgemein, des kreativen Menschen. Wir finden somit als erstes Resultat, dass sich hinter dem psychosomatischen Symptom des Schwindels ein kreativer Prozess versteckt.
Weiter sehen wir, dass dieses Wissen in meiner Klientin gespeichert ist, obwohl sie sicher nie etwas von Paracelsus gelesen hat. Solche Beispiele haben mich überzeugt, dass das von uns so genannte Unbewusste ein Wissen besitzt, welches unserem Gehirn direkt aber nicht zugänglich ist. Erst über die Methode der Symptom-Symbol-Transformation können wir dieses im Solarplexus gespeicherte Wissen befreien. Aus diesem Grunde postuliere ich auch, dass diese von mir so genannte Körperseele über ein ‚Gehirn‘ verfügt, welches ich, da es sich im Bauch befindet, das Bauchhirn nenne.
Meine Klientin ist in einem sozialen Beruf tätig und gibt derart viele ihrer kreativen Energien für die ihr anvertrauten Menschen aus. Die Imagination sagt ihr nun auch, dass dies für sie gefährlich werden kann. Die Haut ist symbolisch gesehen nämlich jener Ort, welcher die Grenze zwischen mir und meiner Umwelt darstellt. Sie symbolisiert daher auch die Beziehung zu anderen Menschen.
Auf der Haut meiner Klientin haben sich nun aber offensichtlich viele kleine Vulkane gebildet, die Eiter enthalten! Eiter entsteht auf der Haut, wenn ein infektuöser Gegenstand in diese eingedrungen ist. Die Visualisierung sagt uns also, dass meine Klientin durch zu viele oder falsche soziale Beziehungen vergiftet wird.
Im Gegensatz zu den Vulkanen auf der Haut ist jener im Solarplexus äusserst positiv. Sie sagt selbst, dass er viel mehr Platz haben und aus ihm viel mehr herauskommen müsste. Das Wichtigste, was sie aber sagt, ist, dass sie diese Beschäftigung mit dem inneren Vulkan im Griff habe, dass sie dies sogar während der Beschäftigung mit anderen Menschen machen könne. Diese Bemerkung zeigt uns das Kernproblem und seine Lösung: Meine Klientin ist viel zu sehr in der Extraversion, ist viel zu sehr auf das Aussen bezogen und muss sich zurückziehen. Dies kann einerseits ganz konkret geschehen, indem sie nach Möglichkeit die Introversion sucht, aber – und das ist das Wichtige – auch in Gesellschaft. Ich empfehle ihr daher, sich auch in Gesellschaft auf ihren Bauch zu konzentrieren. Sollte dies nicht genügen, sollte sie immer dann, wenn sie spürt, dass sie „ausser sich“ ist, einen ruhigen Ort – beispielsweise das WC – aufsuchen und sich kurz auf ihren Solarplexus konzentrieren. Dort findet sie dann die Gelegenheit, ihre kreativen Ideen aus dem Sonnengeflecht zu befreien. Diese neue Verhaltensweise wird zudem ihre beruflichen Perspektiven wesentlich erweitern.