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Ein weiterer Kitesurfspot in der Provinz Fujian ist neben Xiamen (siehe auch Teil 1 meiner Berichterstattung) die Insel Pingtan, die knapp drei Autostunden nördlich von Xiamen liegt. Pingtan ist ein Landkreis bestehend aus 126 Inseln in der Meerenge von Taiwan und steht unter der Verwaltung von Fuzhou, der Hauptstadt der Provinz Fujian.
Die fünftgrösste Insel Chinas liegt circa 120 km von Fuzhou und ist nur ungefähr 160 km von Taiwan entfernt. Aufgrund dieser Nähe zu Taiwan wurde Pingtan im Jahr 2008 als Sonderverwaltungszone ausgerufen, um die industrielle Zusammenarbeit mit Taiwan zu stärken sowie die Entwicklung des Tourismus zu fördern. Ein entscheidender Schritt in diese Richtung war der Bau der Pingtan Straits Bridge (Abschluss November 2010), welche das Festland mit der Insel verbindet.
Pingtan hat eine 408 km lange Küste mit unzähligen sandigen Buchten und felsigen Halbinseln. Im Süden findet man menschenleere Strände, welche aber durch den Bau von Resorts bald bevölkert sein dürften. Überall auf der Insel befinden sich schmucke Dörfer mit den traditionellen Steinhäusern der Fujian Provinz. Pingtan verfügt über sechs wichtige touristische Bezirke sowie über zwei voll entwickelte Beach Resort-Bereiche; weitere sind zurzeit im Bau. Die 70 km lange Strandlinie, das subtropische Klima, der konstante Wind und das flache Wasser machen Pingtan zu einem Kitesurf-Mekka Chinas. Im Winter ist das Kitesurfen jedoch auch hier nur für Abgehärtete geeignet, ist es doch noch kälter als in Xiamen.
Mit Bars und Ausgehmöglichkeiten kann die Insel jedoch noch nicht aufwarten. Ausser ein paar KTV’s (Karaoke Bar) im Zentrum Tancheng und einem „halbwestlichen“ Café findet man dort (noch) nichts. Wer Meeresfrüchte und Fisch mag, ist in Pingtan aber an der richtigen Adresse: In vielen Restaurants wird frisches Meeresgetier angeboten. Pingtan entwickelt sich in einem rasanten Tempo und wird wohl in ein paar Jahren zu einer chinesischen Touristenhochburg heranwachsen.
In Pingtan wurde auch das Finale der diesjährigen KTA (Kiteboard Tour Asia) ausgetragen. Die KTA ist weltweit eine der grössten Kitesurf-Wettkampftouren, bei der Kitesurfer aus aller Welt teilnehmen und ihr Können zeigen. Während einer Tour finden die Wettkämpfe an fünf verschiedenen Orten in Asien statt. Jeder Event dauert fünf Tage und beinhaltet die Disziplinen „Freestyle“ (Sprünge und Tricks), „Course Racing“ (Rennen durch einen ausgesteckten Kurs) sowie „KTA old school project“ (Kitesurfen mit Sprüngen wie in alten Zeiten…). KTA steht unter der Schirmherrschaft des IKA (International Kiteboarding Association), dem Dachverband des Kiteboarding.
Für meinen Freund und mich war es die erste Teilnahme an einem fünftägigen Kitesurf-Event. Am ersten Tag erfolgte die Anreise mit Anmeldung und Eröffnungsparty. Am zweiten fand am Morgen die Eröffnungszeremonie mit wichtigen Leuten der chinesischen Regierung statt. An diesem Tag sollten eigentlich auch Wettkämpfe ausgetragen werden, der Wind war jedoch zu schwach. Am dritten Tag gab’s ein wenig Wind und es wurde „Freestyle“ und „Course Racing“ ausgetragen. Man kann mit zweierlei Kitesurf-Brettern den Kurs fahren: mit dem Race Board (langes, windsurfähnliches Brett) oder dem Twintip Board (kurzes, snowboardähnliches Brett) – mit letzterem lernt man Kitesurfen.
Wir nahmen beim Twintip Race teil. Ein Erfolgserlebnis bei den ersten beiden Rennen blieb uns jedoch versagt, denn wir schafften es nicht bis ins Ziel, da der Wind plötzlich schwächer wurde und wir einen zu kleinen Kite benutzten. Zum Glück aber dauerte der Event ja noch zwei weitere Tage. Am nächsten Tag blieb der Wind allerdings völlig aus und wir nutzten die Gelegenheit, um die Insel ein wenig zu erkunden. Am letzten Tag dann… endlich: starker Wind! Zuerst wurde „Old school“ ausgetragen und danach nochmals „Course Racing“. Dieses Mal schaffte ich es sogar ins Ziel, wenn auch ziemlich am Ende des Feldes. Trotzdem war ich mit meiner Leistung zufrieden, war es doch mein erster Kitesurf-Wettkampf. Am Abend fand dann die Siegerehrung samt Abschlussparty statt. Ich schloss sogar mit dem 6. Rang der Frauen ab, Preisgeld gab’s aber leider nur bis zum fünften. Am Ende einer Tour werden jeweils auch die Gesamtsieger geehrt.
Der ganze Anlass in Pingtan war mit über 100 Teilnehmenden der grösste der Asien-Tour 2011/2012. Die fünf Tage waren lustig und wir lernten viele interessante Kitesurfer kennen. Der Nachteil an solch einem Event ist, dass man oft warten muss, bis man endlich an der Reihe ist – und während des Wartens nicht wirklich ins Wasser kann. Dafür geniesst man aber für wenig Geld (wir bezahlten umgerechnet etwa 60 Schweizer Franken) fünf Nächte in guten Hotels inklusive Mahlzeiten. Hat man zudem Erfolg beim Kiten, wird man darüber hinaus nicht schlecht entlohnt.
Das Spezielle an Pingtan war, dass die Insel ein „Provinznest“ ist. Viele Bewohner hatten zuvor noch nie Ausländer gesehen, geschweige denn vom Kitesurfsport gehört. So wurden wir mit Fotos und Interviews bombardiert – ja sogar Unterschriften durften wir geben. Endlich konnte ich mal am eigenen Leib erfahren, wie sich ein Filmstar so fühlt. Zugegeben, ich bin froh, dass ich keiner bin: Nach diesen paar Tagen ging mir nämlich das Ganze schon ziemlich auf den Wecker. Viel lieber bin ich auf dem Wasser am Kitesurfen.