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Die mögliche Wiederwahl des amtierenden brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro am 2. Oktober bereitet den indigenen Völkern Sorgen. Denn Bolsonaro will den Goldabbau in geschützten Gebieten des Amazonas legalisieren.
Der Traum von Bolsonaro ist es, das Yanomami-Volk auszurotten.
Dabei leiden die indigenen Völker und die Umwelt bereits jetzt massiv unter illegal tätigen Goldgräbern. Das zeigt ein Augenschein vor Ort, mitten im Yanomami-Schutzgebiet im Bundessstaat Roreima: abgeholzte Bäume, umgegrabene Flussläufe, Verschmutzung mit Quecksilber.
Der Yanomami-Anführer Junior Hekuari Yanomami sagt gegenüber der «Rundschau»: «Ich habe noch nie gesehen, dass meine Gemeinschaft so leidet wie heute. Der Traum von Bolsonaro ist es, das Yanomami-Volk auszurotten.»
Legale Minen in Brasilien, in denen in Wirklichkeit aber gar kein Gold geschürft wird, werden benutzt, um das illegale Gold zu waschen.
Eine Studie der NGO Instituto Escolhas zeigt, dass fast die Hälfte des brasilianischen Goldes mit grosser Wahrscheinlichkeit illegalen Ursprungs ist. «Wir können zeigen, dass legale Minen in Brasilien, in denen in Wirklichkeit aber gar kein Gold geschürft wird, benutzt werden, um das illegale Gold aus den indigenen oder sonst geschützten Gebieten zu waschen», sagt Studienautorin Larissa Rodrigues. So gelange es auf den legalen Goldmarkt und werde dann in andere Staaten exportiert.
Schweiz zweitgrösster Goldimporteur von Brasilien
Zweitgrösster Importeur von brasilianischem Gold ist – nach Kanada – die Schweiz. 25 Tonnen Gold im Wert von über 1.2 Milliarden Franken waren es gemäss brasilianischer Aussenhandelsstatistik im vergangenen Jahr. 40 Prozent davon stammen aus brasilianischen Amazonas-Staaten und Saõ Paulo. Höchstwahrscheinlich sei dort auch Gold aus indigenen oder anderen Schutzgebieten dabei, sagt Larissa Rodrigues.
Die Schweizerische Vereinigung der Edelmetallfabrikanten und -händler verpflichtet sich zwar in einem aktuellen Positionspapier, kein Gold aus den indigenen Gebieten zu handeln. Doch ausschliessen kann das deren Präsident Christoph Wild nicht hundertprozentig: «Es ist immer sehr schwierig, die Quellen von Gold einwandfrei definieren zu können.» Wenn es nicht möglich sei, solle man die Hände lassen von solchen Quellen.
Es ist immer sehr schwierig, die Quellen von Gold einwandfrei definieren zu können.
Um das sicherzustellen, verweist Wild auf zahlreiche interne und externe Kontrollstellen sowie Vor-Ort-Besuche bei den Minen. Studienautorin Larissa Rodrigues geht aber noch weiter und fordert mehr Transparenz: «Wenn Sie so sicher sind, dass Ihre Lieferanten sauber sind, dann könnten Sie deren Namen offenlegen.»
Widerstand der Goldindustrie bis vor Bundesgericht
Genau das verlangte auch die NGO «Gesellschaft für bedrohte Völker» von der eidgenössischen Zollverwaltung und stützte sich dabei auf das Öffentlichkeitsgesetz. Doch die Schweizer Goldindustrie wehrte sich bis vor Bundesgericht.
«Das sind Geschäftsgeheimnisse wie in jeder anderen Branche», erklärt Wild den juristischen Widerstand. Der Goldhandel sei zudem derart kompetitiv, dass eine Offenlegung den Handelsplatz Schweiz gefährden würde. Nun wird also das Bundesgericht entscheiden müssen.