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Die Masseria di Vigino in der Gemeinde Castel San Pietro am Eingang des Valle di Muggio ist ein bedeutendes Exemplar eines lombardischen Landguts, das sich im Eigentum des Kantons befindet und 2007 in das kantonale Verzeichnis der denkmalgeschützten Kulturgüter aufgenommen wurde. Inmitten seines geschützten und intakten Grundstücks liegt auch die Villa Turconi, prächtiger Sommersitz einer lombardischen Adelsfamilie, die ebenfalls als Kulturgut von kantonalem Interesse denkmalgeschützt ist.
Die Geschichte der Masseria di Vigino, deren Ursprung auf die zweite Hälfte des 15. Jh. zurückgeht, steht in engem Zusammenhang mit anderen Gebäuden und Strukturen, die bereits vorher in der
Gegend bestanden. Der Ortsteil Obino im oberen Teil von Castel San Pietro wird mit seinen umliegenden Gebieten bereits in einem historischen Dokument aus dem Jahr 865 erwähnt, die Burg Castrum
Sancti Petri im Jahr 1171. Die Chiesa Rossa wurde 1343 errichtet. Im Jahr 1270 wurde Castel San Pietro eine eigenständige Gemeinde. Die Masseria di Vigino wurde zu einer Zeit errichtet, in der
man die Anbaugebiete durch Entwaldungen, Rodungen und Terrassierungen um bedeutende Flächen erweiterte. Man kann sich das Landgut daher als Stützpunkt vorstellen, von dem aus diese Gegend
besiedelt und in harter Arbeit fruchtbar und anbaufähig gemacht wurde.
Die Masseria bestand zunächst aus einem linearen Gebäude, das in der zweiten Hälfte des 15. Jh. errichtet wurde. Anschliessend entstand der Hof. Um die Mitte des 16. Jh’s wurde ein Bau an der Nordostseite hinzugefügt und zwischen 1650 und 1700 der Nordflügel vervollständigt, in dem sich die Scheune und die Ställe befanden. Die letzten Umbauten stammen in etwa aus dem Jahr 1880 und betreffen den Westflügel. Der heutige U-förmige Grundriss ist das Ergebnis weiterer Anbauten und prägt das aktuelle architektonische Gesamtbild. Im Gebäudekomplex spiegelt sich seine 500-jährige Geschichte wider.
Die Masseria di Vigino gehörte zu den umfangreichen Ländereien der lombardischen Familie Turconi, die Anfang des 19. Jh. erlosch. Diese Dynastie aus Tuchhändlern und Geldgebern erreichte innerhalb von drei Jahrhunderten hauptsächlich dank der Investition in Grundstücke und zugehörige Gebäude ein grosses Vermögen und einen enormen sozialen Aufstieg. Allein in Castel San Pietro bessas sie zwischen Vigino, Loverciano und Castello eine von Halbpächtern bebaute Fläche von ca. 60 ha., was auch im Vergleich zu den damaligen Landgütern der Poebene enorm ist. Dieser nach und nach angeeignete Grossgrundbesitz verlangte nach der Errichtung eines Herrensitzes. Die prächtige Villa di Loverciano, die sich heute noch majestätisch über die Masseria und die Ländereien von Vigino erhebt, entstand kurz vor der Mitte des 17. Jh.
Die Masseria di Vigino ist für unsere Region ein bedeutendes Kulturerbe, das die geschichtlichen Ereignisse vom Ende des Mittelalters bis in unsere Zeit erzählt. Ihre Umgebung blieb bis heute unberührt: die Masseria ging mit den umliegenden Anbauflächen, die zu den Ländereien der Turconi gehörten, in das Eigentum des Kantons Tessin über. Auch ihre bauliche Struktur ist intakt, weshalb sie im Kanton Tessin ein bedeutendes Beispiel eines lombardischen Landguts mit Innenhof darstellt. Die Masseria di Vigino liegt im Zentrum des Mendrisiotto. Wie zu ihrer Entstehungszeit thront sie über den umliegenden Gebieten, eine Position, die auch durch die fortschreitende Urbanisierung nicht beeinträchtigt wurde. Sie stellt ein Kulturerbe dar, dessen wir uns bewusst sind und für das wir Verantwortung übernehmen müssen. Wir dürfen nicht zulassen, dass es weiter verfällt, sondern müssen uns gemeinsam für seine Rettung einsetzen. Ziel ist eine Restaurierung, bei der der historische Wert des Gebäudes auf angemessene Weise zur Geltung kommt, so dass seine Geschichte als Inspiration für die Zukunft genutzt werden kann.