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Das Erdöl ist sehr weit verbreitet und findet sich in den verschiedensten Gebirgsformationen, bisweilen in der
Nähe von Punkten vulkanischer Thätigkeit, aber ganz allgemein auch in Sedimentgesteinen. Einzelne Vorkommen gehören einer
sehr jungen Formation an, wie das von Wietze in Hannover,
[* 5] während das amerikanische Erdöl aus den ältesten Formationen gewonnen
wird. Es gibt aber an den verschiedenen Fundorten keine bestimmte Petroleumschicht. Das Öl durchdringt
vielmehr die benachbarten Gesteinsschichten und erfüllt Spalten und Klüfte, auf welche es in seinem Lauf stößt.
Das Vorkommen ist daher ein sehr unregelmäßiges, und in unmittelbar benachbarten Lokalitäten kann ein Bohrloch bei 20,
ein andres erst bei mehr als 100 m Tiefe das Öl erreichen. Häufig enthalten die Hohlräume neben Erdöl auch
Wasser und brennbare Gase,
[* 6] nach ihrem spezifischen Gewicht übereinander geschichtet und meist unter hohem Druck stehend. Aus
einem Bohrloch, welches bei einem schräg aufwärts gerichteten Hohlraum die Gasschicht trifft, wird daher zunächst eine
Eruption entzündlicher Gase erfolgen, und wenn diese vorüber ist, muß das Erdöl durch Pumpen
[* 7] gehoben werden.
Trifft das Bohrloch dagegen von vornherein die Ölschicht, so wird das stark gespannte Gas das Erdöl zur Oberfläche der Erde
und selbst fontänenartig über dieselbe hinaustreiben. Eine Kluft, welche in dem mit Wasser gefüllten Teil angebohrt wird,
liefert oft eine reiche Ausbeute an Erdöl, wenn es gelingt, das Wasser so weit auszupumpen, daß das Öl das
Bohrloch erreichen kann. Unter den Produzenten von Erdöl steht Nordamerika
[* 8] obenan. In denVereinigten Staaten
[* 9] zieht sich die wichtigste
Petroleumzone von der Westgrenze Pennsylvaniens in nordöstlicher Richtung quer durch diesen Staat und durch
den StaatNew York an dessen Südgrenze.
Niveau und Ergiebigkeit der Erdöl führenden Schichten wechseln sehr; indes scheint Ozokerit sich tiefer als 20 Klafter nicht mehr
zu finden, während noch in jeder beliebigen Tiefe angetroffen wird. An Ozokerit liefert ein Schacht durchschnittlich 2-4,
jedoch zuweilen auch 30 Ztr. pro Tag, an Öl 1-3 Ztr. Auch Rußland (Polen und Petschoragebiet) sowie Rumänien
[* 24] haben bedeutende Erdölquellen. Für Deutschland
[* 25] hat das Vorkommen von Erdöl im nordwestlichen Teil des Landes besonderes Interesse.
Das Mohrsche Bohrloch lieferte neben dem Erdöl Salzwasser, im ganzen ca. 90,000 Lit. in 24 Stunden, von welchen etwa 66 Proz. Erdöl waren.
BeimAbteufen des Bohrlochs erschien bis 10 m Tiefe ein feiner Sand mit Findlingen von rotem Granit und Flintsteinen,
dann ein 7 m mächtiger blaugrauer Diluvialthon und ein 3 m mächtiger blauer Thon mit Kalksteinschicht. Von 20 bis 35 m folgte
Mergelthon, von 35 bis 40 m festes Gebirge mit Quarzeinlagerungen, dann bis 48 m harter Sandsteinfels mit Schwefelkies, der
die ersten Ölspuren zeigte.
Man gewinnt das Erdöl durch Brunnen oder Bohrlöcher. In Nordamerika teuft man einen 1,5-2 m weiten Schacht bis auf den anstehenden
Fels ab und setzt in diesem das 8-10 cm weite Bohrloch an. Oft erreicht man schon bei 10, meist bei 20-70 m
Tiefe das Öl. Die enorme Triebkraft, mit welcher das Öl anfänglich bisweilen emporgeschleudert wird (bis 20 m), verliert
sich allmählich, und man fördert es dann durch eingesetzte Röhren
[* 36] mit Pumpen. Das Wasser, welches viele Bohrlöcher neben
dem Erdöl liefern, ist bald süß, bald salzig. MancheBohrlöcher gaben täglich nur 1800-3600, andre zehnmal
soviel, selbst 40,000 und 91,000 Lit. Einfacher ist die Gewinnung durch Brunnen, in denen sich das Erdöl, wie bei Rangun, sammelt;
auch in Nordamerika ist diese Methode in einigen Distrikten anwendbar, und in Kanada ist der poröse Kalkstein zuweilen so stark
mit Erdöl imprägniert, daß man ihn ohne weiteres destillieren kann.
Das amerikanische rohe Erdöl ist dunkel gefärbt, meist braun, vom spez. Gew.
0,75-0,925; es riecht von beigemengten Schwefel-, Arsen- und Phosphorverbindungen durchdringend widrig. Besonders das kanadische
riecht sehr stark, ist rotbraun, schwerer (0,832-0,858) als das pennsylvanische (0,805-0,816),
welches heller, dünnflüssiger, grünlich, ins Olivenbraune ziehend erscheint. Das Rangunöl ist bei
auffallendem Licht
[* 37] gelbgrün, bei durchfallendem braun und
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mehr
butterartig. Das Öl von Apscheron hat je nach der Tiefe der Bohrlöcher ein spezifisches Gewicht von 0,855-0,925, während das
schöne gelbe Öl von Surachana nur 0,750 spez. Gew. besitzt. Allgemein
liefern die obern Erdschichten dickflüssigere, schwerere Öle
[* 39] als die tiefern, vielleicht zum Teil aus dem Grunde, weil aus
jenen die flüchtigern Bestandteile des Erdöls durch Verdunstung entwichen sind. Manche Erdöle entwickeln
kein Gas, andre aber liefern schon bei 6° entzündliche Dämpfe, und die meisten beginnen bei 40-60° zu sieden.
Bei fortgesetztem Erhitzen steigt der Siedepunkt beständig, und die letzten flüchtigen Anteile des Erdöls verdampfen erst
bei 400°. Zuletzt bleibt ein pechartiger oder kohliger Rückstand. Dies Verhalten deutet darauf hin,
daß das Erdöl ein Gemenge verschiedenartiger Stoffe ist, und in der That besteht es fast ausschließlich aus Kohlenwasserstoffverbindungen,
welche nach der Formel CnH2n+2 zusammengesetzt sind. Diese Kohlenwasserstoffe bilden eine homologe Reihe, deren aufeinander
folgende Glieder
[* 40] sich durch einen Mehrgehalt der Atomgruppe CH2 unterscheiden.
Die Reihe beginnt mit dem Sumpfgas oder Methan CH4, auf welches noch einige gasförmige, dann aber flüssige Verbindungen
folgen, und endet mit bei gewöhnlicher Temperatur starren Körpern. Im E. findet sich nun das Sumpfgas selbst nicht, seine entzündlichen
Gase bestehen aus Äthan C2H6 und Propan C3H8. Außerdem enthält es Butan C2H10,
welches bei 1°, Pentan C5H12, welches bei 38°, Hexan C6H14, welches bei 69°, Heptan C7H16, welches bei
100°, Oktan C8H18, welches bei 124° siedet, und auch noch höhere Glieder dieser Reihe.
Keineswegs sind aber alle diese Kohlenwasserstoffe stets vorhanden, meist herrschen einige, wie z. B. Pentan und Hexan,
bedeutend vor. Das kaukasische Erdöl besteht ebenfalls aus Kohlenwasserstoffen, welche aber der Reihe CnH2n
angehören und aus Hexahydrobenzol C6H12 und dessen Homologen bestehen, so daß sie wenigstens zum Teil leicht in Benzolderivate
übergeführt werden können. Die quantitativen Verhältnisse des bei höherer Temperatur siedenden Teils des Erdöls sind
nicht bekannt; aber manche Erdöle enthalten bedeutende Mengen von Paraffin (rohes pennsylvanisches 2 Proz.,
kanadisches bis 7, Rangunöl bis 10, javanisches bis 40 Proz.), welches bisweilen schon bei Winterkälte herauskristallisiert
und in seiner Zusammensetzungen dem aus Braunkohlenteer gewonnenen Paraffin abweicht. Manche Erdöle sind ganz sauerstofffrei,
die meisten aber enthalten auch sauerstoffhaltige Verbindungen, wie Karbolsäure, wenn auch in viel geringerer
Menge als die Teeröle, in welchen wieder die Kohlenwasserstoffe des Erdöls sehr spärlich vertreten sind.
Gegen diese Hypothese sprechen nun aber manche Verhältnisse im Vorkommen des Erdöls sehr entschieden.
Zwar finden sich in Nordamerika im Öldistrikt auch sehr ausgedehnte Steinkohlen-, namentlich Anthracitlager; aber Erdöl trifft
man auch in Gegenden, in denen nur ältere und nicht mehr die Steinkohlenformation vorhanden ist, ohne daß man Grund hätte,
anzunehmen, dieselbe sei früher dort vorhanden gewesen und erst später zerstört worden. Überhaupt tritt
Erdöl in Amerika mehr in den unter der Steinkohlenformation liegenden silurischen und devonischen Schichten auf, und somit erscheint
die Hypothese, welche das Erdöl zu den Steinkohlen in Beziehung setzen will, wenig begründet.
Vielleicht ist das Erdöl überhaupt nicht ein Zersetzungsprodukt von vegetabilischer Substanz, aus welcher die Kohle unzweifelhaft
abzuleiten ist, sondern aus tierischen Stoffen entstanden. Dafür spricht z. B. das Vorkommen von Erdöl am
Roten. Meer. Die ägyptische Küste besteht dort großenteils aus Korallenbänken, die auf der Wasserseite leben und weiter
wachsen, landeinwärts aber absterben und austrocknen, so daß ein löcheriger Kalkfels übrigbleibt. In diesen Löchern
sammelt sich als Zersetzungsprodukt der eingeschlossenen Korallentiere beständig Petroleum, das von den
Eingebornen aus Brunnen ausgeschöpft wird.
Das rohe Erdöl ist zur Verwendung wenig geeignet; man unterwirft es einer Destillation,
[* 46] bei welcher man zuerst sehr flüchtige,
leichte, dann wieder flüchtige, schwerere Öle und zuletzt Paraffin mit einem teerartigen Rückstand erhält. Man benutzt
zur Destillation große eiserne Blasen oder Kessel mit gutem Kühlapparat und fängt das bei mäßigem Feuer
zuerst übergehende Öl gesondert auf, bis es ein spezifisches Gewicht von 0,8-0,82 und selbst 0,83
zeigt; dies bildet das leichte Öl, welchem dann bei höherer Temperatur das schwere Öl folgt.
Schließlich bleibt ein Rückstand von 5-15 Proz. vom Gewicht des Rohöls. Zu Ende der Destillation darf
der Kühlapparat nicht unter 25-30° abgekühlt werden, weil er sich sonst leicht durch kristallisierendes Paraffin verstopft.
Eine vorteilhafte Modifikation des Destillationsprozesses besteht darin, kontinuierlich Erdöl in die Blase nachfließen zu lassen
und die Destillation dabei stetig zu unterhalten, bis endlich die ganze Blase mit schwerem Öl gefüllt
ist. Die schweren Öle (aber auch die leichten) hat man auch mit Hilfe von (gewöhnlichem oder überhitztem) Wasserdampf, welchen
man in die Blase leitet, zu destillieren versucht. Die bei der Destillation erhaltenen leichten Öle rührt man etwa 2 Stunden
lang mit 4-10 Proz. Schwefelsäure
[* 47] zusammen, läßt
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