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Von Fettsucht (Adipositas) spricht man, wenn das Körperfett so stark vermehrt ist, dass dies zu gesundheitlichen Konsequenzen führen kann. Die Berechnungsgrundlage für das Gewicht ist der Körpermassenindex, auch Body-Mass-Index (BMI) genannt. Der normale BMI liegt bei Erwachsenen zwischen 18,5 und 24,9 kg/m2. Bei einem BMI zwischen 25 bis 29,9 kg/m2 spricht man von Übergewicht, ab einem BMI von 30 kg/m2 von Fettsucht (Adipositas).
Die Häufigkeit von Übergewicht und Fettsucht nimmt seit vielen Jahren kontinuierlich zu. Sowohl Übergewicht als auch insbesondere Adipositas sind mit einem erhöhten Risiko für Krankheiten wie beispielsweise Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden - vor allem ab einem BMI von 25.
Eine konservative Behandlung sollte immer dann erfolgen, wenn der BMI über 30 kg/m2 liegt oder wenn er zwischen 25 und 29.9 kg/m2 liegt und gleichzeitig gewichtsbedingte Gesundheitsstörungen vorliegen, wie etwa Kurzatmigkeit, Leistungseinschränkungen, Gelenkprobleme oder Stoffwechselstörungen (z.B. Zuckerkrankheit, metabolisches Syndrom).
Wichtig ist es, über die reine Gewichtsabnahme hinaus eine langfristige Gewichtsstabilisierung zu erreichen. Grundlage jeder Behandlung sollte ein sogenanntes Basisprogramm sein, bestehend aus einer Kombination von
- Ernährungsumstellung,
- Bewegungstherapie und
- Verhaltenstherapie.
Bei schweren Formen der Fettsucht, bei denen mit diesen konservativen Methoden keine ausreichende Gewichtsreduktion erreicht werden kann, ist über zusätzliche medikamentöse oder chirurgische Therapien nachzudenken.
Eine chirurgische Therapie sollte allerdings nur erfolgen, wenn zuvor eine 24 Monate dauernde konservative (nicht operative) Therapie keinen ausreichenden Erfolg gebracht hat, ein BMI über 35 kg/m2 vorliegt oder ein BMI über 35 kg/m2 mit schweren gewichtsbedingten Folgekrankheiten (Zuckerkrankheit, Gelenkverschleiss, Herz-Kreislauf-Erkrankungen).
Dies entspricht den fachärztlichen Leitlinien in Deutschland, in der Schweiz dürfen Patienten bereits mit einem BMI mit 35 bariatrisch operiert werden.
Eine Operation ist immer ein Eingriff, der mit bestimmten Risiken verbunden ist, so dass die Entscheidung sorgfältig abgewogen werden muss. Die Entscheidung treffen stets der Arzt und das Team des Adipositaszentrums, zu dem häufig auch Gastroenterologen und Ernährungsberater gehören, mit dem Betroffenen gemeinsam. In der Regel ist der erste Ansprechpartner der Hausarzt, der im optimalen Fall einen chirurgischen und auf die Adipositaschirurgie spezialisierten Kollegen - meist in einem Adipositaszentrum - kennt und vorschlägt.
Nach dem chirurgischen Eingriff und der unmittelbaren Nachbehandlung wird die weiterführende, auch langfristige Behandlung weiterhin von den betreuenden Adipositasspezialisten durchgeführt. Dies gilt insbesonders, wenn es darum geht, die durch die Operation erreichte Gewichtsreduktion auf lange Sicht beizubehalten. Entscheidend ist, dass auch bei einer Adipositaschirurgie stets der Patient den Hauptteil zum Erfolg der Behandlung beizutragen hat, indem er seinen Lebensstil nachhaltig ändert.
Wichtig ist also, dass die Betroffenen motiviert sind und vollständig über die Adipositaschirurgie, ihre Chancen, aber auch ihre Risiken und mögliche langfristigen Konsequenzen aufgeklärt sind. Dazu ist in der Regel eine mehrfache Beratung erforderlich, die genügend Zeit lässt, um eine wohlüberlegte Entscheidung zu treffen.
Die Adipositaschirurgie sollte immer in dafür spezialisierten Kliniken - z. B. in einem Adipositaszentrum - erfolgen, in denen möglichst das ganze Spektrum der Adipositaschirurgie angeboten wird.
Welches Verfahren im Rahmen der Adipositaschirurgie im Einzelfall geeignet ist, hängt unter anderem vom BMI, dem persönlichen Risiko des Betroffenen, zusätzlichen Krankheiten und dem Wunsch des Betroffenen ab.
Andere körperliche Ursachen für das Übergewicht sollten vor einer Adipositaschirurgie unbedingt ausgeschlossen werden, wie etwa eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose). Zudem sollten der BMI und die Körperfettverteilung genau dokumentiert werden.
Vor einer Adipositas-OP sollte neben einem ausführlichen Beratungs- und Aufklärungsgespräch eine detaillierte Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) erfolgen. Ebenfalls unabdingbar ist eine gründliche körperliche Untersuchung, zu der auch ein Ultraschall des Bauches gehört. In der Regel wird zusätzlich eine Magenspiegelung durchgeführt, bei der auch Speiseröhre und Zwölffingerdarm untersucht werden können (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie).
Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, das Gewicht vor einer Adipositaschirurgie so weit wie möglich durch eine Ernährungsumstellung und regelmässige Bewegung zu reduzieren, weil das mit besseren und nachhaltigeren Operationsergebnissen einhergeht. Auch sollte eine eingehende Untersuchung des Herzkreislaufsystems erfolgen, da eine Operation immer eine Belastung für das Herzkreislaufsystem darstellt und eine bereits länger bestehende Fettsucht mit Erkrankungen im Herzkreislaufsystem einhergehen kann. Zusätzlich kann eine Untersuchung durch einen Lungenspezialisten durchgeführt werden.
Auch Laboruntersuchungen gehören zur Routine vor einer Adipositaschirurgie. Ausserdem ist im Vorfeld einer Adipositaschirurgie ein Gespräch mit einem Psychologen bis hin zu einer eingehenden Untersuchung durch einen Psychiater erforderlich, da mit dem Übergewicht einige psychische Leiden oder Krankheiten einhergehen können. Ausserdem ist etwa jeder vierte Betroffene, der sich zu einer Adipositaschirurgie entscheidet, von einer sogenannten Binge-Eating-Störung betroffen, die zur übermässigen unkontrollierten und anfallsartigen Nahrungsaufnahme führt.
Mögliche Adipositaschirurgieverfahren basieren auf zwei grundlegenden Prinzipien. Das eine Prinzip ist die Begrenzung der möglichen Nahrungsaufnahme, weswegen die Verfahren, die diesem Prinzip folgen auch als Restriktionsverfahren bezeichnet werden. Das zweite Prinzip beruht auf der Idee, die Aufnahme dadurch zu begrenzen, dass weniger Nahrung verdaut wird. Diese Verfahren sind bekannt unter dem Schlagwort Malabsorption (Mangelaufnahme).
Ziel des ersten Prinzips, der Restriktion, ist eine deutliche Einschränkung der Aufnahme fester Nahrungsmittel, unabhängig von deren Qualität und Art. Bei der Malabsorption sind folgende Mechanismen wirksam:
- Verminderung der Darmoberfläche, über die Nahrung aufgenommen werden kann;
- Beschleunigung der Magen-Darm-Passage, ebenfalls mit dem Ziel, dass weniger Nahrung während der Passage des Speisebreis aufgenommen werden kann und
- Mangelverdauung durch Ausschaltung von Verdauungssäften.
Zu den am häufigsten angewendeten restriktiven Adipositaschirurgieverfahren zählen das Magenband (Gastric Banding) und der Schlauchmagen. Zu den malabsorptiven Verfahren zählen die Biliopankreatische Diversion (BPD), bei der ein verkleinerter Restmagen mit einer kurzen Dünndarmschlinge, die keine Verdauungssäfte abgibt, verbunden wird, sowie der Magenbypass.
Das Fettabsaugen ist ein Verfahren aus der plastischen Chirurgie, das zur Entfernung überschüssiger Fettdepots an bestimmten, begrenzten Stellen (lokal) eingesetzt werden kann. Zur Behandlung von Übergewicht oder Fettsucht, die beide den ganzen Körper betreffen, ist die Fettabsaugung nicht geeignet.
Plastisch-chirurgische Verfahren können höchstens nach erfolgreicher Gewichtsreduktion erforderlich sein, um überschüssige Haut zu entfernen, zum einen aus ästhetischen Gesichtspunkten, aber noch viel wichtiger, um damit das Risiko für Hautinfektionen zu beseitigen.
Unter Einhaltung von Sicherheitsempfehlungen weist die Adipositaschirurgie ein verhältnismässig geringes Risiko auf. Mitunter weist eine unbehandelte Adipositas eine deutlich höhere Sterblichkeit auf. Dennoch sollte die Adipositaschirurgie in darauf spezialisierten Kliniken oder Zentren durchgeführt werden, in denen mit der Adipositaschirurgie vertraute und erfahrene Chirurgen arbeiten.
Damit die Kasse die Kosten für die Adipositaschirurgie übernimmt, bedarf es folgender Voraussetzungen:
- Es besteht eine Adipositas Grad III, also ein krankhaftes Übergewicht mit einem BMI über 40 oder eine Adipositas Grad II, also ein krankhaftes Übergewicht mit einem BMI über 35 in Kombination mit anderen schweren Erkrankungen, die mit dem Übergewicht in Zusammenhang stehen (z.B. Bluthochdruck, Diabetes II, Atemaussetzer im Schlaf).
- Es wurde vor der Adipositaschirurgie eine 12 - 24 Monate dauernde konservative (nicht operative) Therapie bestehend aus Ernährungs-, Bewegung- und Verhaltenstherapie (ggf. auch aus einer zusätzlichen medikamentösen Therapie) unter ärztlicher Betreuung durchgeführt und eine weitere konservative Therapie als nicht erfolgsversprechend gewertet.
- Es besteht Klarheit darüber, dass die Adipositaschirurgie immer auch ein Risiko darstellt und dass nach einer Adipositaschirurgie eventuell eine lebenslange Nachsorge (z.B. Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen) erforderlich sein kann.
- Betroffene sind bereit und motiviert, ihren Lebensstil (insbesondere Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten) nach der Adipositaschirurgie nachhaltig zu ändern.