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Überforderung des Kindes
Inhaltsverzeichnis
Bedeutung für die Erziehung
Überforderung ist natürlich ein allgemeines Problem für Menschen. Das Spezielle bei Kindern ist, dass sie von Natur aus ihren Eltern vollkommen vertrauen und deshalb zunächst einmal davon ausgehen, dass die Eltern ihnen immer genau das bieten, was sie gerade brauchen.
Gegen Überforderung kann sich das Kind in der Phase der Vertrauensbildung kaum wehren. Erst mit der Willensbildung ab etwa dem dritten Lebensjahr hat das Kind eine, wenn auch immer noch beschränkte, Möglichkeit sich zur Wehr zu setzen (in dieser Phase wird sinnigerweise die Unterforderung in der Regel das grössere Problem).
In der westlichen Zivilisation dürfte die körperliche Überforderung (insbesondere Kinderarbeit) zwar nur noch selten vorkommen. Doch die, meist viel subtileren, Formen von psychischer Überforderung sind für das Wohl des Kindes keineswegs weniger heikel.
Formen der Überforderung
Ein Kind ist zum einen überfordert, wenn von ihm etwas verlangt oder erwartet wird, das nicht oder noch nicht seiner Reife entspricht, so zum Beispiel (in alphabetischer Reihenfolge):
- Abstraktionen
- Anstandsregeln
- "Auswahlsendungen"
- Differenzieren
- Doppelbotschaften
- Drängen
- Drohen
- Ehrgeiz der Eltern
- Inkonsequenzen
- Ironie
- "Jein"
- Manipulieren
- Maschinen
- Metaebene
- Negierungen
- Prophezeien
- Psychologisieren
- Rationalisieren
- Relativieren
- Reizüberflutung
- Ruhig bleiben
- Selbstreflexion
- Stillhalten
- Strassenverkehr
- Überfluss
- Unterdrückung von Emotionen
- Unterhaltungselektronik
- Unverständliche Erklärungen
- Verantwortung für die Eltern
- Wegschicken oder Wegsperren
Ein Kind kann aber auch überfordert werden, wenn ihm etwas nicht gegeben wird, das es zu seiner Entwicklung benötigt, so zum Beispiel (in alphabetischer Reihenfolge):
- Erklärungen
- Trost
- Versöhnung
- Geduld der Eltern
- Grenzen (mangelnde, seltener übermässige)
- Rhythmus und Struktur
Folgen von Überforderung
Phase der Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)
Wenn Sie Ihr Kind überfordern, wird es sich zunächst verunsichert und irgendwann auch abgelehnt fühlen, da es nicht so angenommen wird, wie es ist, sondern so, wie seine Eltern meinen, dass es sein sollte. Kinder sind aber von Naur aus in diesem Alter noch schlicht und einfach mit sich zufrieden (als Eltern könnten Sie einiges für Ihre eigene Zufriedenheit lernen)! Ein Kind, das sich von seinen Eltern nicht angenommen fühlt, verliert sehr schnell das Vertrauen in diese und kann somit auch nur wenig Selbstvertrauen aufbauen.
Phase der Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)
Mit der Willensbildung stellt sich den Eltern die zusätzliche Aufgabe, dem Kind auch Grenzen zu setzen. Das ist zunächst für beide regelmässig eine ziemliche Herausforderung, sodass Sie genau hinschauen müssen, um was es geht: Das Kind mit seinem frisch erwachten Willen kann bei den ersten "Neins!" der Eltern durchaus stark gefordert sein. Dem müssen Sie standhalten können, ohne gleich Angst zu haben, dass Sie das Kind auf (ungesunde Art) überfordern würden. Denn mangelnde Grenzen sind sehr viel heikler als gelegentlich zu harte: Wenn dem Kind zum Beispiel nicht gelehrt wurde, dass es beim Rotlicht warten muss, wird das sehr schnell sehr gefährlich (mit der Einschätzung des Strassenverkehrs ist es definitiv überfordert).
Herausforderungen
Kinder suchen durchaus Herausforderungen - aber von sich aus. Und Unterforderung ist genauso heikel wie Überforderung. Es geht denn auch weniger darum, dass Sie sich dauernd fragen, was Sie dem Kind zumuten können oder nicht, sondern schlicht darum, dass Sie das Kind wann immer möglich selbst entscheiden lassen, was es sich zumutet! Vertrauen Sie dem Kind, dass es ein Gespür dafür hat, ob es zum Beispiel noch länger auf dem Trampolin herumhüpfen kann - und nehmen Sie in Kauf, dass es das eine oder andere Mal Tränen gibt, weil es ich übernommen hat. Das einzige, was es dann braucht, ist Ihr Trost, also weder Belehrungen noch ähnliches.
Einzig wenn es um Ihre eigenen Grenzen geht, müssen Sie zwingend aktiv werden. Denn diese können Kinder (noch) nicht einfach so von sich aus erkennen! Wenn Sie also zum Beispiel erwarten, dass das Kind von sich aus merken würde, dass es zu viel Lärm macht beim Trampolin springen (also eine Grenze überschreitet), wäre es damit schlicht überfordert. Es liegt an Ihnen, dem Kind zu sagen, dass es ruhiger sein soll. Erst wenn Sie mit Ihrer Erziehungsarbeit so weit sind, dass Sie dem Kind gelehrt haben, Grenzen Dritter zu respektieren, ist es genügend reif. Ein reifes Kind merkt dann je länger desto eher von sich aus, wann es zu weit geht und es genügt zum Beispiel schon ein entsprechender Blick oder ein Fingerzeig um es zu "bremsen". In den ersten vier Jahren sind aber einzig die Eltern gefordert!
Weiterführende Themen
Übergeordnete Prinzipien
- Selbstvertrauen (erstes Grundprinzip der Erziehung)
- Freier Wille (zweites Grundprinzip der Erziehung)