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Lufttorpedos, Luftballons, welche Sprenggeschosse oder mit Sprengstoffen gefüllte Gefäße über eine feindliche
Festung
[* 2] tragen und auf dieselbe niederfallen lassen sollen. Der Gedanke wurde zuerst 1849 vor Venedig
[* 3] von
der österr. Belagerungsarmee mit gewöhnlichen Sprengbomben, indes ohne äußerlichen Erfolg verwirklicht. Die großartigen
Fortschritte, die seit jener Zeit sowohl die Luftschiffahrt
[* 4] als die Sprengtechnik gemacht haben, gaben in neuerer Zeit Anlaß,
den Gedanken in besserer Gestalt wieder aufzunehmen. In Frankreich besteht ein System Gower, in Amerika
[* 5] hat
ein General Russel Thayer einen Dynamitballon hergestellt.
Ein deutscher Ingenieur und Aeronaut Georg Rodeck beschäftigt sich seit 1882 mit der Sache und hat elektrische Lufttreibtorpedo-Kolonnen
und Lufttreibtorpedos mit Uhrwerksauslösung in Vorschlag gebracht. Bei erstern führt ein Passagierballon vier Torpedoballons,
deren jeder 50 - 75 kg Nitrat in einem metallenen Kasten trägt, über die Festung, und die Sprengkästen
können durch elektrische Leitung gleichzeitig oder nacheinander abgelöst werden. Beim Niederfallen bersten die Kästen und
schleudern etwa 100 Dynamitpatronen nach allen Richtungen im Bogen
[* 6] fort. Bei einiger Verläßlichkeit in der Führung der Ballons
müssen sich in den belagerten Plätzen damit ungeheure Verwüstungen anrichten lassen.
RobertFulton konstruierte 1797 ebenfalls ein unterseeisches Boot, machte mit demselben 1801 im Hafen von Brest gelungene Sprengungsversuche,
wandte sich aber, da er keine Anerkennung fand, 1804 nach England und begleitete eine Expedition nach Boulogne,
um die dort liegende französische Flotte durch Seeminen, die man Catamaran (»Floß«, daher »Catamaranexpedition«) nannte, zu
zerstören. Die mit 40 Fässern Pulver gefüllten Catamarans sollten durch ein Uhrwerk zu bestimmter Zeit entzündet und durch
den Strom gegen die feindlichen Schiffe geführt werden, hatten aber nur einen sehr geringen Erfolg. 1806 nach
Amerika zurückgekehrt, veröffentlichte Fulton in seinem Buch »Torpedo war, or submarine explosions« (1807) noch viele
Projekte, welche zum Teil erst in neuerer Zeit verwirklicht wurden. SamuelColt (Erfinder des Revolvers) sprengte 1842 mehrere
verankerte Schiffe und 1843 ein solches, das mit 5 SeemeilenFahrt lief, mittels elektrischer Zündung aus
einer Entfernung von 5 Seemeilen in die Luft. In dem Torpedo wurde durch eine Vorrichtung bei der
¶
Der Zünder der letztern bestand aus einer mit Schwefelsäure
[* 17] gefüllten Glasröhre, bei deren Zerbrechen sich die Säure über
ein Gemisch von chlorsaurem Kali und Zucker
[* 18] ergoß, wodurch dieses und somit die Mine zur Explosion gebracht
wurde. Über den Zünder war eine Schutzkappe aus Blei
[* 19] geschraubt (s. Tafel,
[* 15]
Fig. 1 u.
2, Kontakttorpedo und Zünder desselben). Ihre allgemeine Einführung als Kriegsmittel und ihre heutige Bedeutung verdanken
die Torpedos dem amerikanischen Bürgerkrieg. Im Februar 1862 fanden die Nordstaaten die erste Torpedosperre
im Savannahfluß; im Oktober d. J. organisierten die Südstaaten das erste Torpedokorps, anfänglich unter Leitung
von F. M. Maury, dann unter dem GeneralRains.
Von den sich jetzt andrängenden zahllosen Torpedoerfindungen fanden folgende vorzugsweise Verwendung: Die Pfahl-, Rahmen-
oder Gerüstminen zur Sperrung von Hafeneinfahrten waren auf eingerammtem Pfahlwerk befestigte Sprengkörper
mit 12½ kg Pulver, deren Zünder durch Anstoß funktionierte. Die Treib- oder Faßtorpedos waren verpichte, mit 40 bis 60 kg
Pulver gefüllte Fässer, meist mit mehreren Kontaktzündern, zuweilen auch mit Uhrwerk versehen, die mit angehängtem Ballast
unter der Oberfläche schwammen und durch den Strom gegen die Blockadeschiffe getrieben wurden. Der auf
beifolgender Tafel dargestellte Treibtorpedo
[* 15]
(Fig. 3) hat einen Perkussionszünder, welcher erst
funktioniert, wenn die Mine zum Stillstand kommt; dann wird durch den Strom die Schraube mit Flügeln in Drehung versetzt, wodurch
das aus der Drehachse verschiebbare Gewinde so weit fortgleitet, bis die Hahnsicherung frei wird; sofort schlägt
der Hahn
[* 20] herunter auf ein Zündhütchen und bringt dieses und die Mine zur Explosion. Da die Treibminen nicht selten den eignen
Schiffen gefährlich wurden, wenn sie der Gegenstrom bei eintretender Flut zurückführte, so wendete man zur Sperrung der Häfen
vielfach schwimmende Torpedos an, die, am Grund verankert, durch einen Schwimmer von Korkholz getragen wurden.
Nach der Konstruktion von Singer war das mit der Basis nach oben gekehrte Minengefäß von der Form eines abgestumpften Kegels
durch einen lose aufliegenden Deckel geschlossen, welcher herunterfiel, sobald die Mine beim Anstoß eines Schiffs sich nach
einer Seite neigte; im Herunterfallen löste er die Hemmung eines Schlaghahns aus, der nun eine Zündpille
durch Schlag entzündete, worauf die Mine explodierte. Durch das Bewachsen mit Muscheln
[* 21] wurde aber der Mechanismus aller komplizierten
Zündvorrichtungen häufig sehr bald in seiner Gangbarkeit gestört, die Schwimmkraft der Minen vermindert und dadurch ihre
zeitgerechte Explosion fraglich.
Eine furchtbare Waffe waren die Uhrwerktorpedos oder Höllenmaschinen, gewöhnliche Warenkisten, mit Pulver
gefüllt und mit einem Uhrwerk versehen, das zu bestimmter Zeit die Explosion bewirkte. Die Kohlentorpedos waren gußeiserne
Gefäße, durch Bestreichen mit Teer und Bekleben mit Kohlengruß den großen Kohlenstücken täuschend ähnlich gemacht. Sie
wurden, mit Pulver gefüllt, unter Kohlen gemischt und explodierten in der Kesselfeuerung der Dampfschiffe,
die dann sofort versanken.
Durch solche Kisten- und Kohlentorpedos ist wahrscheinlich eine große Anzahl Schiffe der Nordstaaten zerstört worden, deren
spurloses Verschwinden nur so erklärt werden kann. Außer den genannten kamen noch elektrische Minen mit 20-30 Ztr. Pulver
erfolgreich zur Verwendung. Bei diesen wurden die mit Guttapercha und geteertem Hanf isolierten Leitungsdrähte
durch einen dünnen Platindraht (Glühdraht) verbunden, welcher in einem mit Knallquecksilber oder Mehlpulver gefüllten Zünder
steckte.
Hatten die bisherigen Torpedos mit Erfolg ausschließlich der Verteidigung gedient, so lag es nahe, dieselbe Waffe auch beim
Angriff zu verwenden, und man löste die Aufgabe nach FultonsVorschlag, indem man an der Spitze langer Stangen
einen Torpedo mit Kontaktzünder befestigte und denselben unter den Boden des feindlichen Schiffs schob (s. Tafel,
[* 15]
Fig. 4). Hierzu
bediente man sich der Ruderboote oder kleiner Dampfbarkassen und besonders für diesen Zweck erbauter eiserner Dampfboote in
Zigarrenform, die ihrer Kleinheit wegen Davids genannt wurden.
Die im amerikanischen Krieg so viel verwendeten Treibtorpedos verwarf man in Rücksicht auf die Gefahr, die sie bei eintretendem
Rückstrom oder bei Offensivbewegungen den eignen Schiffen bringen, gänzlich. AlleSeeminen wurden verankert
und mit Auftrieb
[* 22] versehen, so daß sie in bestimmter Wassertiefe schwimmend erhalten wurden. Die Zündung der Minen erfolgte
durch Kontakt- oder durch elektrische Zünder. Jene, die Stoßminen, haben den Vorzug großer Einfachheit; aber ihr gefahrvolles
Auslegen und Wiederaufnehmen sowie die Sperrung der Ausfahrt auch für die eignen Schiffe mußten ihre
Verwendung auf den zu beiden Seiten für den eignen Verkehr freizulassenden Teil des Fahrwassers beschränken, während in
dem durch sie nicht gesperrten Wasser Beobachtungsminen so tief versenkt wurden, daß die Fahrt auch bei Ebbe für die größten
Schiffe frei blieb.
Die alleinige Verwendung von elektrischen Beobachtungsminen ist bei größerer Zahl durch die Kabelleitung
(zwei Drähte für jede Mine) nicht nur sehr kostspielig, sondern auch in Bezug auf sichere Beobachtung kaum durchführbar.
Alle bis jetzt bekannt gewordenen Vorrichtungen zur Bestimmung des Augenblicks, wann sich ein Schiff
[* 23] über einer der Minen befindet,
sind kompliziert und bei Nacht, Nebel und Pulverdampf nicht zu gebrauchen. Den Apparaten liegt die Idee zu
Grunde, durch den Schnittpunkt zweier Visierlinien den Moment zu bestimmen, wann sich ein
¶
forlaufend
Schiff über der Mine befindet. Bei den meisten Apparaten sind zwei Meßtische aufgestellt, deren Abstand als Basis für das Beobachtungsdreieck
genügend groß sein muß. Auf jeder der beiden Meßtischplatten, auf denen die ausgelegten Minen durch Punkte bezeichnet sind,
steht ein Fernrohr,
[* 25] und es handelt sich nun darum, dem Fernrohr an der Zündstation die Bewegungen des andern
synchronistisch mitzuteilen, zu welchem Zweck beide Meßtische durch eine elektrische Leitung verbunden sind.
Durch dieselbe wird mit Hilfe mechanischer Einrichtungen auf der Zündstation ein Zeiger oder Lineal parallel der Fernrohrachse
der andern Station bewegt. Bilden nun die Verbindungslinie der beiden senkrechten Fernrohrachsen und die
Visierlinien der beiden Fernrohre das wirkliche Beobachtungsdreieck, so wird durch das synchronistisch bewegte Lineal auf der
Zündstation stets ein jenem ähnliches Dreieck
[* 26] dargestellt, und wenn die in die See fallende Spitze des Dreiecks auf einen Minenpunkt
fällt, so ist der Moment für die Stromschließung der Zündbatterie und die Explosion der Mine gekommen.
In Deutschland
[* 27] ist ein derartiger Apparat von Siemens und Halske im Gebrauch.
Aus allem diesen geht hervor, daß nur eine solche Zündeinrichtung der Minen befriedigen konnte, welche die Vorteile des
Kontakt- und elektrischen Zünders ohne deren Nachteile vereinigt. Dies war bereits 1866 vom österreichischen Obersten v.
Ebener erkannt worden, und es gelang ihm, eine solche Vorrichtung herzustellen, bei welcher durch den
Stoß des Schiffs die Stromschließung der Leitung selbstthätig in der Weise erfolgte, daß eine federnde Pufferstange beim
Anstoß ein Rad inBewegung setzte, wodurch zunächst die Stromschließung, sodann aber die Einschaltung der Zündpatrone in
den Stromkreis stattfand.
War nun die Zündbatterie am Land eingestellt, so erfolgte die Explosion; andernfalls ging der Puffer nach Einwirkung des Schiffs
auf denselben wieder zurück, ohne daß eine Entzündung eintrat. Diese Minen gestatteten also die freie Durchfahrt, solange
die Zündbatterie am Land nicht eingeschaltet war, ganz wie die Beobachtungsminen und verhielten sich
nach deren Einschaltung wie Stoßminen. Wegen der Kompliziertheit der mechanischen Einrichtung sind diese Minen indes nicht
mehr in Verwendung.
Vorteilhafter erwies sich der Hertzsche elektrische Zünder, der beliebig lange in Wirksamkeit bleibt, aber erst dann in Thätigkeit
tritt, wenn durch den Anstoß eines Schiffs seine Kohlenzinkelemente mit einer erregenden Flüssigkeit
in Verbindung gebracht werden; die Entzündung erfolgt aber auch dann nur, wenn noch ein Leitungsdraht zum Meeresboden führt.
Das gefahrlose Auslegen dieser Minen ist dadurch gesichert, daß erst nach einstündigem Liegen im Wasser die elektrische Batterie
des Zünders wirkungsfähig wird; inzwischen bleibt jedes Berühren des Torpedos ohne Erfolg.
Die Gefahr des Aufnehmens ist vollständig beseitigt, sobald der Draht
[* 28] vom Meeresboden gehoben oder durchschnitten
ist. Zu diesem Zweck vereinigt man die Drähte einer größern Anzahl von Minen an einem außerhalb ihrer Wirkungssphäre liegenden
und nur dem Eingeweihten bekannten Punkte. Diese Minen, deren spezielle Einrichtung geheimgehalten wird, bilden in Deutschland
den Schwerpunkt
[* 29] der Küstenverteidigung durch Torpedos. Seitdem man die Seeminen, statt mit Ketten und Steinen
oder gewöhnlichen Ankern, mit Drahttauen und Pilz- oder Saugankern, die sich im Grund festsaugen, verankert, werden dieselben
weniger leicht durch Strömungen fortgerissen. Man legt die Stoßminen in zwei oder mehr
Reihen (Treffen) schachbrettförmig
hintereinander an, so daß ein Schiff die Sperre nicht passieren kann, ohne auf eine Mine zu stoßen.
Der Spierentorpedo besitzt noch die alte Konstruktion, nur wendet man häufig auch bei ihm die elektrische Zündung an. Ende
der 60er Jahre wurde von den Gebrüdern Harvey ein Offensivtorpedo konstruiert, der aus einem kupfernen, mit Holz
[* 30] bekleideten
trapezoidischen Kasten besteht; an demselben sind mehrere in einen Ring zusammenlaufende Leinen so befestigt, daß der Torpedo beim
Schleppen um 45-60°, je nach der schnellern Fahrt, querab vom Schiff ausschert. Man manövriert so, daß das feindliche Schiff
über die Schleppleine laufen muß, bei deren Anziehen der Torpedo gegen den Schiffsboden stößt, in welchem
Augenblick die Explosion bei Kontaktzündern von selbst erfolgt, oder man zündet durch Elektrizität.
[* 31]
Zur Verhütung vorzeitiger Explosionen ist der Zündmechanismus durch einen Vorstecker arretiert, den man mittels einer Leine
herauszieht, wenn der Torpedo weit genug vom Schiff abgetrieben ist. Der Harvey-Torpedo kann nur bei Tage gebraucht werden,
und im Geschwaderkampf können Feind wie Freund auf den Torpedo auflaufen, zumal wenn im Melée und Pulverdampf die Schiffe schwer
zu unterscheiden sind. Aus diesen Gründen ist der Harvey-Torpedo in den meisten Marinen wieder außer Gebrauch gekommen oder höchstens
auf die Fälle beschränkt, wenn einzelne Schiffe auf Kreuzungen ausgehen.
sie ging
mit etwa 4,5 m Geschwindigkeit, hatte aber infolge ihres Leichterwerdens durch Verbrennen des Satzes eine unregelmäßige
Flugbahn. 1872 wurde von Lay ein elektrisch steuerbarer Fischtorpedo in Zigarrenform (s. Tafel,
[* 24]
Fig. 5) konstruiert, dessen treibende Kraft durch das Verdunsten flüssiger Kohlensäure erzeugt wird, wovon der Torpedo 200-250
kg enthält.