Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03643.jsonl.gz/774

Titel
The diagnostic value of macroscopic haematuria for the diagnosis of urological cancer in general practice.
Autoren
Bruyninckx R, Buntinx F, Aertgeerts B, Van Casteren V.
Quelle
Br J Gen Pract 2003 Jan;53(486):31-5
Abstract
Fragestellung
Wann ist in der hausärztlichen Praxis eine Makrohämaturie hinsichtlich Karzinom weiter abklärungsbedürftig?
Hintergrund
Makrohämaturie ist ein für den Patienten beängstigendes Symptom, das in der hausärztlichen Praxis häufig vorkommt. Ursächlich sind oft Infektionen und Urolithiasis. Es stellt aber auch das Leitsymptom des Karzinoms des Urogenitaltraktes dar.
Methoden
Studiendesign
Retro- und prospektive Studie.
Setting
Gewisse belgische Hausärzte sind zu einem Netzwerk zusammengeschlossen und sammelten Daten von Patienten, die zwischen 1993 und 1994 ihre Praxis aufgesucht haben. Das Netzwerk übt eine Sentinelfunktion aus und ist repräsentativ für die belgische Bevölkerung.
Ein- und Ausschlusskriterien
Für den retrospektiven Teil der Studie wurden alle Patienten berücksichtigt, bei denen ,während der Beobachtungsdauer, ein Karzinom des Urogenitaltraktes diagnostiziert worden ist. In der prospektiven Untersuchung sind alle Patienten mit einer Makrohämaturie, ungeachtet deren Dauer oder dem Vorhandensein von Begleitsymptomen, eingeschlossen worden.
Intervention
Es wurde retrospektiv evaluiert, ob bei den Patienten mit einem Karzinom vor der Diagnosestellung eine Makrohämaturie aufgetreten war oder ob andere Symptome bestanden, die zur Diagnose führten. Prospektiv wurden alle Patienten registriert, die wegen Makrohämaturie ihren Hausarzt aufgesucht hatten und bei denen anschliessend ein Karzinom diagnostiziert worden ist. Anhand der Daten wurden die Sensitivität, der prädiktive Wert und die „likelihood ratio“ für das Karzinom bei einer Makrohämaturie berechnet.
Primäre Endpunkte
Diagnostiziertes Karzinom bei Patienten mit Makrohämaturie in der Anamnese sowie eine retrospektiv aufgetretene Makrohämaturie oder andere Symptome bei Patienten mit einem Karzinom.
Beobachtungsdauer
2 Jahre.
Resultate
Basisdaten
Das Netzwerk deckte 1% der belgischen Gesamtpopulation ab.
Patienten
Insgesamt zeigten 488 Patienten eine Makrohämaturie bei einem mittleren Alter von 57 Jahren und bei 126 Patienten, mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren, ist ein Karzinom diagnostiziert worden.
Gruppenvergleich der Endpunkte
Von den 126 Patienten mit einem Karzinom präsentierten sich vor der Diagnose 75 mit einer Makrohämaturie. Daraus ergaben sich eine Sensitivität von 59.5% und eine positive «likelihood ratio» von 98.9. Insgesamt konsultierten 409 Patienten ihren Hausarzt wegen einer Makrohämaturie, wovon anschliessend bei 10.3% ein Karzinom festgestellt worden ist. Davon waren 8.3% Blasenkarzinome und 2% andere urogenitale Karzinome. Bei Männern zwischen 40 und 60 Jahren betrug der positive prädiktive Wert 3.6%, der nach dem 60. Lebensjahr auf 22.1% anstieg. Entsprechend war bei den Frauen eine Erhöhung von 6.4% auf 8.3% zu verzeichnen.
Diskussion durch die Autoren
Der positive Voraussagewert wird mit 10.3% als hoch eingeschätzt. Weil sich nach dem 60. Lebensjahr das Risiko eines Karzinoms bei Makrohämaturie signifikant erhöht, ist eine weiterführende Abklärung, insbesondere bei Männern, erforderlich. Bei Patienten über 40 Jahre erachten die Autoren bei beiden Geschlechtern sowohl eine urologische Abklärung als auch ein «watchful waiting» als vertretbar. Sind die Patienten jünger als 40 Jahre ist eine systematische Untersuchung nicht notwendig. Das Vorhandensein von Begleitsymptomen wie Schmerzen, Dysurie, Gewichtsverlust oder erhöhte Miktionsfrequenz zeigte keinen wesentlichen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit für ein Karzinom.
Zusammenfassender Kommentar
Die vorliegende Studie deckt durch ihr Setting eine repräsentative Population eines Allgemeinpraktikers ab und bestätigt, dass mit steigendem Alter das Risiko eines Karzinoms zunimmt. Ungeachtet dessen ist aus urologischer Sicht bei einer Makrohämaturie in jedem Alter eine Abklärung der Ursache nötig. Diese kann, soweit es die Möglichkeiten erlauben, durch den Hausarzt erfolgen. Lässt sich eine Ursache nachweisen, wie beispielsweise eine Prostatitis oder ein Harnwegsinfekt, sollte nach einer entsprechenden Therapie der Befund kontrolliert werden. Bei Persistenz oder auch bei Mikrohämaturie ist eine Zuweisung zum Urologen erforderlich. Bei fehlendem Nachweis einer Ursache ist in jedem Fall eine weitere fachärztliche Abklärung indiziert, weil insbesondere das Urothelkarzinom bereits vor dem 60. Lebensjahr auftreten kann.
Besprechung von Dr. med. Daniel Peternac, Urologische Universitätsklinik, Inselspital, Bern.