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Bern den 21 Aug 1849.
Lieber Freund!
Es liegen mir zwey Briefe von dir zur Beantwortung vor: Die Vice Kanzlerstelle anbelangend scheint auch Caflisch, den du, glaube ich, kennst, sich melden zu wollen. Ich werde dir nach Ablauf der Frist die Liste der Aspiranten senden, um zu vernehmen, was ihr in Zürich davon haltet. Von Moos wiegt sich in sorgloser Sicherheit; er nimmt an, seine Wiederwahl verstehe sich ipso jure. Auch der lahme Wilhelm wird sich vermuthlich melden. –
Was den unglüklichen Postpeter betrifft, so verhält es sich eben so: Statt zweyer Stellen blieb nur Eine übrig; folglich mußte einer der Inhaber weichen; nun behielt man den Meyer, weil er sowohl im Dienstalter, als im Rang u Besoldung voranging u nichts gegen seinen Charakter u seine Geschäftsführung vorlag. Das ist doch gewiß ein Motiv, welches die Wahl ganz rechtfertigt. Dabey wurde Peters Tüchtigkeit auch anerkannt, jedoch mit der Bemerkung, daß er es mit den Geschäften sehr leicht nehme u vom Bureau weglaufe, so oft es ihm convenire. Es wird indeß wohl noch Stellen im Postwesen geben, die für Peter sich eignen | u ich will gerne dazu beytragen, daß er bald wieder gewählt werde. – Es ist übrigens merkwürdig auf welche Weise oft die Wahlen beurtheilt werden. ZB. In Chur wurde der Postdirektor Caduff nicht wieder gewählt u zwar wegen notorischer Unfähigkeit; er bekleidete diese Stelle nur dem Namen nach u verrichtete untergeordnete Sekretär Geschäfte. Hr Näf hatte dieses von etwa acht Bündtnern, worunter Hr Bavier u alle Sachkundigen. Nun kommt ein lamentables Schreiben von der Post Commission in Chur, unterzeichnet Bavier u drükt ihr Bedauern u Befremden u Gott weiß, welche Gefühle alle aus, daß man den Caduff übergangen habe. So sind die Menschen! –
Was die von Herrn Oberst Orell gemeldete Unordnung in der Entlassung der Truppen betrifft, so wissen wir nichts davon u ich habe hierüber bloß zu bemerken, daß diese Entlassung ganz ausschließlich vom General angeordnet u geleitet wird, ohne daß der Bundesrath oder das Militärdepartement ein Wort dazu sagt oder schreibt. –
Was Herrn Oberst Ziegler betrifft, so will ich alles mögliche thun, um im Sinne deines Schreibens die Sache in Ordnung zu bringen. Bey der Berufung in den Stab hat man diesen Punkt nicht debattirt, allein ich fragte Hrn Frey leise, ob mann nicht sogleich Hrn Ziegler in seine frühere Rangordnung | einsetzen könne, was er unter Hinweisung auf das Reglement als unzuläßig oder schwierig erklärte. – Dasselbe stellt den Grundsatz auf: «Die Eidg. Offiziere von gleichem Grade nehmen den Rang unter sich nach dem Datum ihres Brevets.» – Der Specialfall eines Wiedereintritts ist nicht erwähnt u so besteht eigentlich ein absolutes Hinderniß nicht. Aber die Militärs sind in solchen Sachen außerordentlich difficil. Im vorliegenden Fall wird indeß die Popularität der Sache den Stein des Anstoßes wohl heben. Ich will sehen, was ich zu Stande bringe u dich berichten. –
Hiemit habe ich deine beyden Schreiben in Kürze beantwortet u schließe mit freundschaftlichem Gruß.
Dein
F J
P. S. Nach einem Beschluß des Bundesrath können wir die Briefe, welche wir in Folge unsrer amtlichen Stellung zu schreiben haben, der Kanzlei verrechnen. Allein das ist mir zu langweilig u so stemple ich bisweilen solche Briefe Behufs der Frankatur.