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Agent Orange war Amerikas Pestizid gegen den Feind im vietnamesischen Dschungel. In den 1960er-Jahren wurden ganze Landstriche entlaubt und vergiftet. Bis heute wirkt Agent Orange nach. So sind beispielsweise die Dioxin-Werte rund um den Flughafen von Da Nang in Zentralvietnam rund 400 Mal zu hoch, wie die Asahi Shimbun berichtet. Zwischen 1960 und 1975 wurde auf der damaligen US-Basis das Entlaubungsmittel aufbewahrt. An zahlreichen Orten im ganzen Land zeigt sich dasselbe Bild. Über 3 Millionen Vietnamesen leiden bis heute unter Gesundheitsproblemen und körperlichen Behinderungen.
Die Spuren dieses Gifts aus dem Kalten Krieg führen gar bis nach Okinawa, wie Jon Mitchell von der Japan Times herausgefunden hat. Ein amerikanischer Veteran, der während des Vietnamkrieges auf der japanischen Insel stationiert war, berichtete dem Reporter, wie Tausende von Fässern Agent Orange auf einer US-Basis gelagert und teilweise entsorgt wurde. Er habe selbst habe bei den Transporten mithelfen müssen. Ein weiteres Dutzend ehemaliger Soldaten bestätigen die Aussage der Zeitung, teilweise mit Fotografien. Man habe das Pestizid sogar rund um den Stützpunkt versprüht, um das Unkraut zu entfernen. Auf 9 Basen in Okinawa soll Agent Orange gelagert und verwendet worden sein.
Washington will nichts davon wissen
Mindestens 2 dieser US-Soldaten klagen heute über typische Krankheitssymptome, die durch Agent Orange hervorgerufen werden. Die Kinder eines Soldaten leiden unter Missbildungen. Doch bis heute will das US-Departement für Angelegenheiten den Veteranen keine Entschädigung dafür zahlen. Laut offiziellen Aussagen wurde auf Okinawa nie Agent Orange gelagert. Einzig die US-Soldaten, die in Vietnam durch das Entlaubungsmittel Schäden davontrugen, haben Anrecht auf eine Pension.
Auf Okinawa, wo die US-Armee bis heute einen Grossteil ihrer Truppen in Japan unterhält, wird das Thema weiterhin totgeschwiegen. Die Präsenz der USA ist schon genug umstritten (Asienspiegel berichtete), Washington will nicht noch für mehr Unmut sorgen. Unter den Anwohnern der betroffenen US-Basen in Okinawa regt sich jedoch Widerstand. Auch Japans Aussenminister Takeaki Matsumoto hat inzwischen das US-Verteidigungsministerium aufgefordert, die Akten bezüglich dieses Themas offenzulegen.
Vergangenheitsbewältigung in Vietnam
In Vietnam dagegen ist die Verwendung des Entlaubungsmittels nicht zu verleugnen. Über 72 Millionen Liter Agent Orange wurden über Vietnam versprüht. Washington versucht sich hier in Wiedergutmachung. Bis 2013 wird die US-Regierung gemäss Asahi Shimbun 32 Millionen US-Dollar für die Entgiftung der Böden beitragen. Man rechnet, dass diese mühselige Arbeit 20 Jahre andauern wird. Unterstützungsgelder für die vietnamesischen Opfer sind derweil nicht eingeplant. Doch auch dies könnte sich bald ändern.
Denn die USA entdecken 36 Jahre nach Ende des Kriegs und 16 Jahre nach der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen Vietnam von einer neuen Seite. Um den politischen Einfluss Chinas in der Region einzudämmen, haben die einst verfeindeten Länder bereits erste gemeinsame Militärmanöver durchgeführt. Ausserdem haben die Washington und Hanoi erst Anfang Monat ein Abkommen für eine militärische Zusammenarbeit unterzeichnet.