Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03144.jsonl.gz/2180

Der Fundort Andernach/Antunnacum liegt im Mittelrheintal, im Norden der römischen Provinz Germania superior. Durch seine Lage bei einer Engstelle des Tals sowie an Fluss und Fernstraßen war das Gebiet von großer militärstrategischer und ökonomischer Bedeutung, nicht zuletzt weil es damit als Verladehafen für die in der Vordereifel und in der Pellenz hergestellten Produkte (v.a. Mühl- und Bausteine, Keramik) prädestiniert war. Die militärische Funktion des bereits in der ausgehenden Latènezeit besiedelten Areals wurde obsolet, als unter Vespasian Truppenstandorte östlich des Rheins angelegt wurden. Der vicus in Andernach florierte jedoch im 2. und 3. Jh. weiterhin als Stapel- und Umschlagplatz für Waren aus dem Hinterland. Mit der Aufgabe der rechtsrheinischen Gebiete geriet dieser Abschnitt der Flussgrenze in der Spätantike wieder in den Fokus der römischen Grenzverteidigung. Anstelle der Zivilsiedlung errichtete man nun eine ca. 5,6 ha große Befestigung, in der nach den schriftlichen Quellen bis nach dem Einfall der Vandalen im frühen 5. Jh. Truppen stationiert waren. Das Gebiet von Antunnacum wurde jedoch auch danach weiterhin besiedelt, wie neben der Schilderung durch Venantius Fortunatus (Aufenthalt um 565 n. Chr.) auch frühchristliche Grabinschriften und merowingischen Funde zeigen.
In den Jahren 2008–2014 konnten erstmals großflächige Grabungen im Stadtgebiet durchgeführt werden, deren Auswertung einen differenzierten Einblick in einen zentralen Siedlungsbereich von der Okkupation über den Niedergang der römischen Hegemonie bis ins Frühmittelalter verspricht. Basierend auf einer Analyse relevanter Funde und Befunde werden in diesem Promotionsprojekt die siedlungshistorischen Vorgänge in diesem Quartier untersucht. Dabei widmet es sich insbesondere Fragen zu den Wechselwirkungen zwischen militärischer und ziviler Sphäre, zur Genese und Geschichte des vicus in Früher und Mittlerer Kaiserzeit, zur spätantiken Fortifikation sowie zur Besiedlungskontinuität von der Antike ins Frühmittelalter. Dadurch kann ein genaueres Bild von Ausdehnung, Struktur und Organisation von Antunnacum gewonnen und seine Stellung im (über)regionalen Wirtschafts-, Verteidigungs- und Siedlungsnetz eingehender diskutiert werden.