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Politische Kampagnen im Zeitalter der Digitalisierung
Welche Kampagnen dominieren auf Facebook? Ist Google bei Abstimmungen die Informationsquelle Nr. 1? Und was geschieht mit den Nutzerdaten? Diesen Fragen widmet sich die neue Spezialausgabe von Media & Communication.
Abstimmungskampagnen, die in vielen Ländern auf nationaler oder regionaler Ebene stattfinden, sind wichtige und besondere Phasen der politischen Kommunikation. Im Gegensatz zu Wahlen sind Abstimmungskampagnen jedoch ein wenig erforschtes Phänomen. Die von Mark Eisenegger und Linards Udris herausgegebene Sonderausgabe von Media and Communication, "Referendum Campaigns in the Digital Age", versammelt neue Studien zu Volksabstimmungen in Irland, Grossbritannien, Neuseeland und der Schweiz. Diese finden zunehmend in digitalen und hybriden Medienumgebungen statt, in denen politische Akteure Kampagnen über verschiedene Kanäle führen, Nachrichtenmedien auf Debatten in sozialen Medien reagieren und Bürger:innen politische Informationen aus traditionellen und digitalen Medien erhalten.
Die Studien bieten einen Überblick darüber, wie sich die Forschung zu Abstimmungskampagnen entwickelt hat und wie sich Aufmerksamkeit weg von Nachrichtenmedien hin zur Rolle der Kampagnenakteure und der Bürger:innen verlagert hat, die Suchmaschinen und Social-Media-Plattformen nutzen oder dort aktiv sind. Die Beiträge in dieser Spezialausgabe widerspiegeln diese Verlagerung, zeigen aber auch, dass die Nachrichtenmedien weiterhin wichtige Akteure in Abstimmungskampagnen sind.
So beleuchtet ein Beitrag von Sina Blassnig et al. etwa die Rolle von Suchmaschinen und inwiefern sich das Suchverhalten von Wähler:innen verschiedener politischer Ausrichtung unterscheidet. Dabei zeigt sich, dass die Studienteilnehmenden Google eher selten nutzen, um sich über bevorstehende Abstimmungen zu informieren, und wenn, dann eher mit Hilfe von neutralen Begriffen. Eine Ausnahme bildet die Vorlage zum Covid-19-Gesetz im November 2021, bei der Unterschiede im Suchverhalten zwischen den Abstimmungsgruppen festgestellt wurden. Weitere Analysen befassen sich mit dem Gender Gap auf Social Media, mit der Rolle von Social Media bei Abstimmungen generell oder ganz grundsätzlich mit dem Potential von digitalen Technologien für die Demokratie.
Trotz der verschiedenen Stossrichtungen der Beiträge wird deutlich, dass sich Vergleiche und Analysen über einzelne Abstimmungen hinweg in der Regel auf den Fall Schweiz beschränken. Das müsste nicht so sein - Abstimmungen in verschiedenen Ländern weisen zum Teil ähnliche Merkmale auf, sie finden oft in ähnlichen Zeiträumen statt und befassen sich mit vergleichbaren Themen. Vergleichende Studien über mehrere Abstimmungen und Länder hinweg wären somit durchaus umsetzbar und könnten weitere Erkenntnisse liefern. Die Herausgeber hoffen, dass die Spezialausgabe als Ausgangspunkt für eine vertiefte, systematische und möglicherweise sogar vergleichende Forschung zu Abstimmungskampagnen in unserem komplexen, hybriden Medienumfeld dient.
Zum Editorial von Linards Udris und Mark Eisenegger
Zur Studie zur Mediennutzung von jungen Erwachsenen vor Volksabstimmungen von Daniel Vogler et al.