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Rätsel der Repräsentation: Behinderung und Dramaturgie im Jahr 2018
Prof. Carrie Sandahl
Carrie Sandahl zieht eine Bilanz der letzten 20 Jahre des Behinderten-Theaters auf internationaler Ebene und identifiziert wichtige „darstellerische Rätsel“ im Bereich Behinderung und Dramaturgie. Diese Rätsel sind schleierhafte, paradoxe Fragen, die sich stellen, wenn man über Probleme nachdenkt, die speziell bei der Darstellung von Behinderung auf der Bühne auftreten. Mit Beispielen, die hauptsächlich aus westlichen Ländern stammen, thematisiert Sandahl schwierige Fragen in Bezug auf Ausbildung, Casting, Zusammenarbeit, Professionalität, Marketing, Ästhetik, Diversität und Theaterkritik. Sie ermutigt Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen, die bedeutenden künstlerischen und wissenschaftlichen Beiträge anzuerkennen, die wir in der Erforschung und Praxis des Behinderten-Theaters auf diesem Gebiet leisten. So wie wir auf die „Heilung“ behinderter „Körper-Geister“ verzichten, so sollten wir auch auf die Perspektive der Lösung des Rätsels der Darstellung verzichten. Welchen Wert finden wir stattdessen hinsichtlich der Behinderung und der Unruhe, die unsere Präsenz erzeugt?
Disabled Bodies in Discourse
Prof. Demis Quadri & Sara Bocchini
Dieses Teilprojekt von DisAbility on Stage konzentriert sich auf die Erforschung eines Theaters mit Darstellern mit Behinderung, das auf einem physischen Theateransatz für Bühnenpraxis und -gestaltung basiert. Mittels einer akademischen Voruntersuchung und eines Theaterworkshops zusammen mit Ensemble-Mitgliedern des Teatro Danzabile und Masterstudierende der Accademia Teatro Dimitri konnte für das Teilprojekt Disabled Bodies in Discourse die Möglichkeit geschaffen werden, Potenziale und Fragen einer komplexen Verflechtung von Theorie und Praxis aufzuzeigen. Physical theatre kann helfen, die Barrieren zu überwinden, die durch verbale und klassifikative Ansätze entstehen. Gleichwohl stellt sich die Frage, welche Probleme sich aus unterschiedlichen Erwartungen, Sensibilitäten, Sprachen, Standpunkten, Interpretationen, Trainings und Fähigkeiten ergeben können. Inwieweit kann ein problematisches Ergebnis durch ein Defizit, und nicht durch die Unfähigkeit, andere Lösungen zu finden, bestimmt werden?
Freie Republik HORA – Eine interdisziplinäre Beschreibung von Probenprozessen und Publikumsreaktionen
Dr. Yvonne Schmidt, Nele Jahnke, Sarah Marinucci, Remo Beuggert & Gianni Blumer
Das Langzeit-Performance Projekt Freie Republik HORA verfolgt zwei Zielrichtungen. Zum einen geht es um die Erprobung neuer Modelle der Arbeitsteilung, indem die Ensemblemitglieder des Theater HORA erstmals nicht nur als Performer*innen, sondern auch als Regisseur*innen tätig sind. Zum anderen fördert das Theaterexperiment den Austausch zwischen den Zuschauenden und den Theaterschaffenden mit geistiger Behinderung. In der dritten Phase von Freie Republik HORA setzten sechs HORA Regisseur*innen ihre Regiekonzepte um. Der Vortrag fokussiert folgende Fragen aus drei verschiedenen Perspektiven: Inwiefern wird der Regieprozess von den Interaktionen zwischen der Regieposition und dem Ensemble im Probenraum als Erinnerungsraum beeinflusst? Welche Funktionen übernehmen die Assistent*innen und wie werden Machtverhältnisse ausgelotet? Wie reagiert das Publikum und welche Formate des Austausches zwischen Künstler*innen und Publikum entstehen?
Salon zum Verrücken
Prof. Georges Pfründer, Prof. Ulla Klingovsky & Edwin Ramirez
In diesem Salon sollen provozierende Fragen zum Thema DisAbility on Stage gestellt werden. Die in den Salon hineingetragene Perspektive speist sich aus dem Oeuvre des Konzepts einer Critical Diversity Literacy und wird fragen: Was passiert hier? Wer nimmt sich Raum? Wer bleibt sprachlos? Wessen Sprache wird wie gehört und erfahren? Was bleibt ungesagt? Lassen Sie sich ein, beobachten Sie, greifen Sie ein, verrücken Sie mit uns die Perspektiven.
Salon wird impulsiert von: Ulla Klingovsky, Edwin Ramirez, Georges Pfründer.
Workshop “Physical Theatre Disability”
Laura Cantù & Daniele Zanella
Ich…. Pinocchio
Wer hatte noch nie den Eindruck, einen Körper oder zumindest einen Teil davon zu „bewohnen“, der sich nicht mehr wie sein eigener anfühlt?
Wie in Collodis berühmtem Märchen will Pinocchio ein „normales“ Kind werden, und mit seiner Entschlossenheit und Reinheit des Geistes schafft er es, diese Veränderung zu erreichen, während er seine Zerbrechlichkeit mit Lügen verdeckt.
Menschen mit Behinderungen erleben dieses Gefühl durch höhere Gewalt und werden als zerbrechliche Kategorie definiert.
Aber ist es dasselbe, zerbrechlich zu sein wie schwach zu sein? Vielleicht auch nicht.
Zu lernen, mit der eigenen Fragilität umzugehen, kann zu einer Stärke, einem Mehrwert werden.
Entdecke die zerbrechliche Seite von uns selbst, ob physisch oder mental, und verwandle sie in etwas Unerwartetes, Künstlerisches.
Am Körper arbeiten, die eigene Zerbrechlichkeit hervorheben, andere Seins- und Seinsformen erleben, das Scheinbare in das verwandeln, was es sein könnte.
Das Labor zielt darauf ab, das Bewusstsein der Teilnehmer*innen dafür zu schärfen, dass die Einbeziehung von Künstler*innen mit Behinderungen in den Bereich der darstellenden Künste eine Bereicherung sowohl im künstlerischen als auch im menschlichen und sozialen Bereich darstellt und die noch bestehenden Stereotypen überwindet.
Freie Republik HORA – Ein Workshop
Nele Jahnke & Gianni Blumer
Die Freie Republik HORA ist ein Langzeitexperiment, in dem verschiedenste Formen der Machtübergabe, der Machtübernahme, der Entthronungen und Enteignungen passierten und die Frage gestellt wurde, ob es jemanden braucht der den „Anderen“ sagt, wo es langgeht.
Es wurden kollektive und solitäre Formen der Verantwortungsübernahme, des Verhandelns und Bestimmens sowie andere Formen des Zusammenarbeitens sowohl ausprobiert als auch untersucht, um herauszufinden, mit welchen praktischen Übungen (und nicht nur mittels verbalen Verhandlungen) wir uns diesen Themen nähern können.
Gianni Blumer, Ensemblemitglied und Regisseur beim Theater HORA, und Nele Jahnke, Regisseurin und Co-Künstlerische Leiterin vom Theater HORA, waren seit dem Beginn von Freie Republik HORA (2013) dabei und möchten im Rahmen dieses Workshops verschiedene Verfahren aus dem Freie Republik HORA-Prozess vorstellen und diese mit den Teilnehmer*innen praktisch ausprobieren.