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von Paul Deschwanden. Dem katholischen Kultus dienen ausserdem die Mariahilfkirche auf der Musegg mit ihrer auffallenden Höhenentwicklung, die Spital-, Senti- und Kapuzinerkirche und die Kirche des translozierten Frauenklosters Neubruch; dann die Kapellen im Priesterseminar, in der Rössligasse, im Wesemlinwäldli, im Wey beim Löwendenkmal und das «Studentenkäppeli» im Obergrund.
Die protestantische Kirche beim Schweizerhof datiert aus den Jahren 1860 und 1861. Die Baukosten (182000 Fr.) wurden grösstenteils durch Kollekten in den reformierten Kantonen und Beiträge der schweizerischen Kantonsregierungen aufgebracht. 1898 baute man beim Kursaal eine in gotischem Stil gehaltene Englische Kirche. Der durch einen Privaten gegründete englische Friedhof befindet sich bei der Kreuzbuche. In hübscher Lage auf der Musegg versammelt sich die altkatholische Gemeinde, deren Christuskirche eine Basilika in korinthischem Stil ist. Der allgemeine städtische Friedhof im Friedenthal wurde 1884/85 erstellt und seither wiederholt vergrössert. Eine Reihe schöner Denkmäler, pietätsvolle Pflege und peinliche Sauberkeit gereichen ihm zum Schmucke.
Mitten im Stadtbild, wo sich die gewölbten Markthallen der Egg gegen die Reuss zu öffnen, fesselt das Auge die prächtige Renaissancefassade des Rathauses. Werkmeister Anton Isenmann aus dem mailändischen Dorf Petrigemelle leitete den Bau in den Jahren 1602/06. Man bewundert an diesem mächtigen Quaderaufbau ebensosehr die kräftigen Formen und Gliederungen wie die trefflichen dekorativen Einsatzstücke und die zierlichen Friese der Portale und Fenster. Das Gebäude ruht gegen die Reuss hin auf markigen Strebepfeilern und stellt sich - flankiert vom hoch überragenden Wachtturm - unter den Schutz eines gewaltigen Dachstuhles. Im Parterre ist eine Ausstellung von Gemälden und historischen Schätzen (sehr schöne Standesscheiben, das Panzerhemd Herzog Leopolds aus Sempach, gut erhaltene mailändische Rundschilde aus Giornico, Waffen, Gräberfunde, Fahnen etc.) untergebracht.
Durch ein gotisches Treppenhaus gelangt man zu den getäfelten Prunkstuben empor. Den Mittelbau des Regierungsgebäudes bildet der Palast zum Affenwagen oder das Rittersche Schlösschen. Dieser 1557 durch den Steinmetzen Johann von Lynn, genannt Motschon (wegen Ketzerei am gehängt), begonnene stattliche Bau wurde durch den frühzeitigen Tod des Bauherrn, Schultheiss Lukas Ritter, jäh unterbrochen und 1574/76 vom Tessiner Sabbiolo del Ponte unharmonisch vollendet.
Anlage und Ausbau, der ernste Rustikastil der Fassade, die zierlichen Türeinfassungen, der quadratische Hof mit den Säulenhallen der drei Geschosse, die Treppen mit den Tonnengewölben u. s. w. verraten den florentinischen Renaissancepalast. Der Rat trat 1577 das Gebäude den nach Luzern berufenen Jesuiten ab, die es bis 1774 bewohnten. Das gegenüber dem Rittersehen Schlösschen zum Teil auf mächtigen Arkaden ruhende, reichhaltige Staatsarchiv wurde 1578 aufgeführt und erhielt in den Jahren 1729/31 und 1735 seine jetzige Gestalt. Es ist das alte Jesuitenkollegium (Gymnasium und Lyzeum), das diesem Zwecke bis 1892 diente. Im grossen Saal wurden die wöchentlichen Versammlungen der Congregatio Immaculatae Conceptionis abgehalten, später diente er zeitweise als Grossrats-, Theater- und Konzertsaal und zur Zeit der Helvetik als Vergnügungslokal.
Links vom Ausfluss der Reuss aus dem See erhebt sich der Monumentalbau der Bahnhofes. In den Ernst der grauen Granitquadern des Aufbaues mischen sich mildernd zugleich und sinnvoll schmückend die reichen Skulpturen in gelbem Savonnierstein. Die 12 m hohe Kuppel über dem mächtigen Mittelbau lässt durch die weiss und gelb verglasten Bogenfenster das Licht in die grosse Halle hinunterströmen. Der Bau, der 1896 das vierzigjährige Provisorium würdig abschloss, glänzt nicht nur durch äussere Pracht, durch die Bequemlichkeit im Innern und die Eleganz der Wartesäle, sondern auch durch die vorbildliche betriebstechnische Anlage, die den grössten Verkehr mit aller Ruhe und Sicherheit bewältigt.
Der 95 m lange, mit einem Glasdach versehene Stirnperron fasst mit Leichtigkeit Tausende von Personen. In der beim Bahnhof stehenden, provisorisch umgebauten Festhütte des eidgenössischen Schützenfestes von 1901 ist heute das interessante Kriegs- und Friedensmuseum untergebracht, das 1902 von Johann von Bloch, dem bekannten russischen Vorkämpfer für die Friedenspropaganda gestiftet worden ist. Eine weitere Zierde des ausgedehnten Bahnhofplatzes ist das stolze eidgenössische Postgebäude, das 1887 in Ostermundiger Quadern mit einem Sockel von schwarzem Marmor aufgeführt worden ist.
Ueber den vier korinthischen Säulen im Mittelbau fussen die von A. Lanz gehauenen formschönen Marmorstatuen der Telegraphie, Telephonie, Post und Schifffahrt. Zu den imposantesten modernen Bauten Luzerns ist das Verwaltungsgebäude der Gotthardbahn zu rechnen. Es erstund 1886/88 nach dem Projekt von Prof. Moossdorf und kostete 1008000 Fr. Zum massiven Unterbau (Sockel, Parterre und Gurtgesims) wurde der vorzügliche Granit von Osogna (Tessin) verwendet. Am See prangt die helle Fassade des 1882 von einer Pariser Gesellschaft nach französischen Mustern aufgeführten Kurhauses, das den vielen Sommergästen Luzerns elegante Theater-, Konversations-, Konzert- und Spielsäle bietet.
Bemerkenswerte moderne Schulpaläste sind: die 1891/93 erbaute Kantonsschule, enthaltend Gymnasium, Lyzeum und Realschule mit 28 Lehrzimmern und ¶
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grossen Räumen für wissenschaftliche Sammlungen (u. a. ein reichhaltiges Naturalienkabinett); das Knabenschulhaus auf der Musegg in ausgezeichneter Lage; das neue Sälischulhaus etc. Alle diese Bauten genügen in jeder Beziehung den strengsten Forderungen der Hygiene.
Unter den hervorragenden Privatbauten verdient an erster Stelle das Hertensteinhaus am Kapellplatz genannt zu werden. Der Pinsel Hans Holbeins des Jüngern entwarf 1517/18 auf dem Gemäuer der Fassade und im Innern Freskobilder aus der Bibel und der Familiengeschichte, Stillleben etc. Leider ist dieses Haus 1824 einem Geldmenschen zum Opfer gefallen. Das Göldlinische Fideikommisshaus birgt im Innern einen Hof mit Arkaden im toskanischen Stil. Auf der linken Reussseite steht der originelle Bau des Freien Hofes, der aus dem 13. Jahrhundert stammt, 1511 umgebaut wurde und sich durch die zierlichen Erker, die hohen Giebelmauern und die 4 mächtigen Bogen im Erdgeschoss auszeichnet. In der Nähe der Reussbrücke befinden sich das Baltasarhaus (1548) ein gefälliger Renaissancebau mit zwei hohen Erkern und einem Treppenturm, und daneben das Korporationshaus mit heraldischen Dekorationen und schönem Täferwerk.
Von den Bauten aus neuerer Zeit seien erwähnt: der Kellerhof (1867-1880) mit zwei gotischen Fassaden und zierlichen Erkern;
der Seidenhof (1886-90) mit 64 m langer Front an der Reuss (das Parterre ist aus braunem Lägernkalkstein; die Sgraffiti der Attika von S. Weingartner ausgeführt);
das Wohnhaus zu den vier Jahreszeiten bei der Hofstiege (1892), das über 700000 Fr. kostete und für dessen Bau Tessinergranit, Aegeri- und Bernersandstein und roter Pyrenäensandstein zur Verwendung kamen.
Die Figuren von H. Siegwart sind in Savonnierstein. Die weittragende Handfeuerwaffe unserer Zeit liess die städtischen Schützen 1890 auf dem Exerzierfeld ein neues Heim errichten. Es ist gebaut im alten, trauten Schweizer Holzstil, mit Klebdach und gedeckten Lauben unter einem weitausragenden Vordach.
Einige zerstreute Riegel- oder Fachwerkbauten bieten angenehme Abwechslung. Das schönste dieser Art ist das von Moos'sche Haus am Kasernenplatz mit toskanischen Pilastern neben den Fenstern und einer Altane. Ein malerisches Gebäude aus dem 17. Jahrhundert ist die in Fachwerk erstellte Spitalmühle im Obergrund. Nachdem zuerst 1880 das Reding'sche Haus mit dem grossen Erker (Weggisgasse) und dann das Eckhaus Hirschenplatz-Rössligasse mit Fresken versehen worden sind, ist in neuester Zeit auch die Fassadenmalerei wieder in Aufschwung gekommen. Die meisten bemalten Fassaden finden sich in der innern Stadt, namentlich am Weinmarkt und Hirschenplatz.
Den neuen Stadtteilen am See und Bahnhof verleihen ausser einigen der vorgenannten Prachtbauten insbesonders die Gasthöfe das feine, grossstädtische Gepräge. Fast alle diese Gebäude haben in den letzten Dezennien zum Teil bedeutende Erweiterungen erfahren. Der Mittelbau des Schweizerhofes wurde 1845-46 aufgeführt, 1853 entstand dann die westliche und 1855 die östliche Dependence, die jetzt beide durch Verbindungsgallerien mit dem Hauptgebäude verbunden sind. Im Jahr 1869 erbaute Architekt Alphons Pfyffer das Hotel National, dessen Hauptfassade in französischer Renaissance gehalten ist. Von anderen Gasthöfen wurden erbaut der Schwan 1834-36, Du Lac 1866, Beau Rivage 1868, Gotthard 1869, Europa 1874, Gütsch 1880, Victoria 1891-93, Union 1892. Dieser letztere besitzt einen 1500 Personen fassenden Saal von ausgezeichneter Akustik. Werke der neuesten Zeit sind die schönen Bauten des Monopol, Waldstätterhofes, Bristol etc.
Hier ist auch noch des Löwendenkmales, eines Werkes der Bildhauerkunst, das seinen Namen und den Luzerns in alle Welt getragen hat, zu gedenken. Dieses von Thorwaldsen modellierte und von Lukas Ahorn aus Konstanz 1820-21 ausgeführte klassische Monument verewigt die Treue und den Todesmut der Schweizergarde zu Paris am In mehr als dreifacher Lebensgrösse ruht in einer Felsenhöhle der sterbende Löwe. Seine Tatze deckt schützend den Königsschild, die Augen sind geschlossen, und aus den Rippen starrt ein abgebrochener Speer. Das Löwendenkmal wird mit Grund in Form und Sinn für das bedeutendste Denkmal der Schweiz gehalten. Idee und Durchführung verdankt die Stadt dem Obersten Karl Pfyffer.
Zur Regulierung des Wasserstandes des Vierwaldstättersees ist im Winter 1859/60 unterhalb der Reussbrücke ein starkes Nadelwehr erstellt worden, an das sich der 98 m lange Damm des Ueberfallwehres anschliesst. An dieser Stelle befanden sich früher die zu wiederholten Malen neuerstellten Stauvorrichtungen oder Reussschwellen für die uralten Stadtmühlen bei der Spreuerbrücke. Diese 112 m lange Holzbrücke hat vier Spannungen mit 3 gewöhnlichen Sprengwerken und einem Bogensprengwerk. Auf der Spitze des grossen Reusspfeilers wurde 1569 eine kleine Kapelle angebracht. ¶