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Lise Meitner: Erfolgreich gegen Widerstände
- Dienstag, 17. Dezember 2013, 15:04 Uhr
Otto Hahn und Lise Meitner waren die Eltern der Kernspaltung. Hahn bekam 1944 den Nobelpreis, doch seine Kollegin ging leer aus. Als Pionierin bekam sie die Anerkennung für ihr Wirken erst viel später – nach einem Leben, dass von Hürden geprägt war. Als Frau und wegen ihrer jüdischen Herkunft.
Einer jungen Frau im Wien um die Jahrhundertwende 1900 war es eigentlich verwehrt, die Matura zu machen. Doch Lise Meitner, 1878 als Tochter eines Rechtsanwalts in Wien geboren, setzte sich durch. Im Selbststudium bereitete sie sich auf die Prüfung vor, absolvierte sie 1901 und begann das Studium der Physik – mit so grossem Erfolg, dass sie 1906 als erst zweite Frau in diesem Fach promovierte.
Ihre schwierige Situation als Frau in der Forschung blendete Meitner lange aus. Die Frage, ob sie später die Möglichkeit haben würde, wirklich wissenschaftlich zu arbeiten, habe sie damals nicht ernsthaft beschäftigt, sagt sie mit 75 Jahren in einem Radiovortrag.
Zur Weiterbildung nach Berlin
Mit dem Doktortitel bewarb sie sich erfolglos bei Marie Curie in Paris. Nach einem weiteren Jahr in Wien ging sie schliesslich nach Berlin, um sich in ihrem Fach weiter auszubilden – doch dort war es Frauen damals noch verboten zu studieren. Heimlich, durch den Hintereingang, musste Meitner zunächst die Universität betreten.
In welchem Klima sie sich behaupten musste, beschrieb sie in den 50er-Jahren. «Viele Mädchen mussten sich die Studienerlaubnis von ihren Eltern erkämpfen», erzählte sie, «diese im Bürgertum vorherrschende Einstellung ist wohl auch der Grund gewesen, dass in Deutschland die Frauen erheblich später zum Universitätsstudium zugelassen wurden als in anderen europäischen Ländern.»
Arbeit mit Planck, Einstein – und Hahn
Doch Lise Meitner konnte sich auch hier durchsetzen und machte Karriere als Physikerin. 1922 habilitierte sie in Deutschland. Berlin war damals ein Zentrum für Physik. Max Planck war dort, Albert Einstein und andere Pioniere. Lise Meitner fand Einlass in diesen Kreis.
Später beschrieb sie die Zeit in Deutschland als die glücklichste ihres Lebens. Immer habe es interessante Diskussionen gegeben und viel Freundschaft und Fröhlichkeit. Sie genoss diese Zeit sehr bewusst, und die Zusammenarbeit mit Otto Hahn war für sie besonders stimulierend.
Otto Hahn: Den lernte sie 1907 kennen. 30 Jahre lang arbeiteten sie eng zusammen. Er der Chemiker, sie die Physikerin, beide getrieben von der Faszination der rätselhaften Radioaktivität. Doch während er mit der Arbeit sein Gehalt und Lebensunterhalt verdiente, arbeitete Lise Meitner lange unentgeltlich, quasi im Verborgenen.
Erklärung der Kernspaltung per Brief
Und schliesslich legten sich die Schatten von 1933 auf ihr Leben: zuerst wurde der Jüdin die Lehrbefugnis entzogen. 1938 musste sie fliehen, ins Exil nach Schweden. Dort erreichte sie vor 75 Jahren, kurz vor Weihnachten, ein Brief von Otto Hahn. Darin erzählte er ihr von einem Experiment, das ihm Rätsel aufgab. «Vielleicht kannst du irgendeine phantastische Erklärung vorschlagen», schrieb er. Woraufhin die Physikerin dem Chemiker aus dem Exil vorrechnete, dass er eine Kernspaltung vor sich hatte.
Damit lieferte Meitner die erste physikalisch-theoretische Deutung der Kernspaltung. Wie die Geschichte weiterging, ist bekannt. Die Atombombe wurde gebaut; als überzeugte Pazifistin lehnte sie sämtliche Forschungsaufträge ab. Otto Hahn erhielt 1944 den Nobelpreis, Meitner ging leer aus – auch in den folgenden Jahren, obwohl auch Hahn sie dafür vorschlug. Erst viel später wurde sie in vielen Ländern für ihr Lebenswerk geehrt.
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