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"Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft bewusst und sinnvoll gestalten."
Nach Neil MacGregor, ehem. Direktor des British Museum London
Abklärung einer Studienreise in den Süden Ägyptens im Frühjahr 2018
Zum aktuellen Stand der Dinge
(6. November 2017) Eine kurze Meldung in eigener Sache: Im September 2017 war ich für zwei Wochen auf einer Dahabiya zwischen Assuan und Luxor unterwegs. Es verkehren vermehrt wieder Kreuzfahrtschiffe, die jedoch mit Billigstangeboten v.a. asiatische Touristen bedienen. Davon profitieren in erster Linie ausländische Unternehmen und Hotelketten, die im Besitz der Kreuzfahrtschiffe sind. Erfreulicherweise waren aber auch zahlreiche Dahabiyas unterwegs, also Segelschiffe mit bis zu 7 Kabinen, die bei zuwenig Wind von einem Motorboot gezogen werden. Mit diesen kleineren Schiffen kann überall angelegt werden; dies ermöglicht den Besuch von etwas abgelegeneren und gerade deshalb interessanten Stätten und hat darüber hinaus den Vorteil, dass man mit Bewohnern der am Nil liegenden Dörfer ins Gespräch kommt. So schien es mir, dass es den Menschen im Süden Ägyptens wieder etwas besser geht und sie die Zukunft recht optimistisch sehen. Ich schätze die Situation im Süden Ägyptens momentan als stabil ein.
Ich kläre zurzeit ab, ob es möglich wäre, im Frühjahr 2018 (vermutlich in der zweiten Märzhälfte) eine Reise in den Süden Ägyptens durchzuführen. Im Fokus stehen dabei entweder eine Kreuzfahrt auf dem Nassersee oder eine Fahrt von Assuan nach Luxor, jedoch auf kleinen Schiffen, die exklusiv für die Nile-Times-Gruppe gebucht würden.
Angedacht ist für Herbst 2018 ebenfalls eine Reise in den Südwesten der USA, diesmal mit Schwerpunkt auf den Sehenswürdigkeiten und indianischen Kulturen in Arizona/New Mexico.
"Scanning Sethos" im Antikenmuseum Basel
Sonderausstellung zum Felsengrab Sethos I. im Tal der Könige
(6. November 2017) Das Felsengrab des Pharaos Sethos I., der um regierte, ist eine der faszinierendsten Grabstätten im Tal der Könige. Mehr als 3000 Jahre nach dem Tode von Sethos' I. entdeckte Giovanni Battista Belzoni 1817 das Königsgrab und rühmte den tadellosen Erhaltungszustand der Wanddekoration. Heute befindet sich das Grab aufrgund von Plünderungen, unsachgemässer Forschung, Massentourismus und geologischen Verschiebungen in einem beklagenswerten Zustand.
Die am 29. Oktober 2017 eröffnete Sonderausstellung im Antikenmuseum Basel erzählt das 200-jährige Schicksal des Grabes seit seiner Entdeckung und gibt Einblicke in die modernsten Reproduktionstechniken zur Rettung von bedrohtem Kulturerbe - einem Thema von grosser Aktualität wie die zerstörten und geplünderten Stätten in Syrien und im Irak zeigen. In der Basler Ausstellung ist erstmals ein massstabgetreues Faksimile der zwei prächtigsten Grabkammern und des Sarkophags Sethos' I. zu sehen. Nach Ausstellungsende soll die vollständige Grabanlage faksimiliert und im Tal der Könige für Besucher zugänglich gemacht werden.
Nachgebautes Pharaonengrab (SRF Kultur)
Ägypten in Mannheim dauerhaft zu Gast
"Ägypten - Land der Unsterblichkeit" als Dauerausstellung wiedereröffnet
(29. Oktober 2017) Seit der Eröffnung der Sonderschau "Ägypten - Land der Unsterblichkeit" im November 2014 im Museum Weltkulturen D5 der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim haben mehr als 185'000 Besucher die Ausstellung besucht. Die anhaltende Begeisterung des Publikums hat die Museumsleitung nun dazu bewogen, das alte Ägypten in den Reiss-Engelhorn-Museen fest zu verankern.
Nach mehrwöchigem Umbau ist die Ausstellung deshalb ab 1. Oktober 2017 dauerhaft zu sehen. Die grosszügige Inszenierung und einladende Präsentation sowie die Schwerpunkte Alltagsleben, Stellung des Pharaos und seines Beamtenstabes, Totenkult und Götterwelt sind geblieben; allerdings sind mehr als ein Viertel der 500 Exponate ausgetauscht worden.
Die Rettung Palmyras
Arte-Dokumentation über die UNESCO-Weltkulturstätte in der syrischen Wüste
(22. Oktober 2017) In der Antike war Palmyra ein Handelszentrum am Kreuzweg grosser Karawanenrouten im Grenzgebiet zwischen dem Römischen Imperium und dem Persischen Reich. In der Wüstenstadt trafen Orient und Okzident aufeinander; sie war ein Schmelztiegel von Kulturen und Religionen.
Im syrischen Bürgerkrieg wurde Palmyra von den fanatischen Gotteskriegern des sog. Islamischen Staates eingenommen, welche die wichtigsten Denkmäler gezielt zerstörten. Ein Team von internationalen Forschern arbeitet zurzeit an einer Bestandesaufnahme der Schäden, die einen Wiederaufbau der Stadt nach dem Krieg ermöglichen soll.
Die Rettung Palmyras (Arte-Dokumentation)
Die Herrschaft des Mahdi im Sudan
Arte-Dokumentation über den Mahdi-Aufstand (1881 bis 1899) gegen die Briten
(22. Oktober 2017) 1881 brach im Sudan ein Aufstand gegen die anglo-ägyptische Herrschaft aus, die von der einheimischen Bevölkerung zunehmend als ungerecht und korrupt empfungen wurde. Anführer war Muhammed Ahmed, der von seinen Anhängern "Mahdi", der Rechtgeleitete, genannt wurde. Die Rebellion richtete sich bald auch gegen alle Einflüsse des Westens. die Mahdisten eroberten weite Teile des Landes und nahmen im Januar 1885 Khartum ein. Der Mahdi-Aufstand gilt als erste Widerstandsbewegung in Afrika gegen die Kolonialpolitik europäischer Mächte.
Ende des 19. Jahrhunderts machte der Österreicher Rudolf Slatin im Dienste der Breiten Karriere als Gouverneur der Provinz Darfur im Sudan. Nachdem diese von den Anhängern des Mahdi erobert wurde, musste sich Slatin ergeben und lebte als Gefangener am Hof des Mahdi. Erst nach zwölf Jahren - der Mahdi war inzwischen verstorben - gelang ihm die Flucht. Zurück in Europa verfasste er ein abenteurliches Buch über seine Schreckenserlebnisse im Sudan, das auf grosses Interesse stiess.
Aufstand in der Wüste (Arte-Dokumentation)
Ein Schweizer entdeckte zwei Kulturstätten von Weltbedeutung
Vor 200 Jahren verstarb Johann Ludwieg Burckhardt in Kairo
(14. Oktober 2017) Im Oktober 1817 verstarb nach einem kurzen, aber intensiven Leben der Basler Reisende und Forscher Johann Ludwig Burckhardt in Kairo. Als erster Europäer hatte er 1812 die Wüstenstadt Petra betreten und 1813 die gewaltige Tempelanlage von Abu Simbel wiederentdeckt. Zu seinem 200. Todestag widmete ihm das Ägyptische Museum Kairo eine kleine Sonderausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Universität Basel und der Schweizer Botschaft in Kairo entstanden ist. Burckhardt, der seine ausgedehnten Reisen durch den Orient unter dem Namen "Scheich Ibrahim" unternahm und zum Islam konvertierte, ist auf dem Kairoer Friedhof von Bab el-Nasr bestattet.
Ein Schweizer entdeckt ein Weltwunder im Wüstensand (Beitrag SRF)
Ägyptische Stele aus dem Musée archéologique de la Méditerranée gestohlen
Dreister Raub aus Marseiller Museum
(3. Oktober 2017) Am Wochenende vom 9./10. September 2017 ist eine ägyptische Stele aus dem Musée archéologique de la Méditerranée gestohlen worden. Der Raub geschah offenbar mitten am Tag während der Eröffnung einer Sonderausstellung über die Reisen von Jack London.
Die ägyptische Sammlung von Marseille - nach derjenigen des Louvre die zweitgrösste in Frankreich! - ist in 6 Sälen untergebracht. Aus Mangel an Aufsehern waren an jenem Wochenende jedoch 5 der Säle geschlossen. Im geöffneten Saal mit einer Länge von 50 m war nur einer Aufseherin zugegen. Die entwendete Stele gehört zur Grabausstattung des Generals Kasa (Neues Reich, um 1280 v.Chr.) und zählt zu den Highlights des Museums.
Die Affäre wird von Museumsleitung und Polizei diskret behandelt, da man laufenden Ermittlungen nicht gefährden wolle. In der Museumsszene ist die Empörung jedoch gross; offenbar haben die Museen in Marseille schon seit Längerem Probleme, da genügend Aufsichtspersonal fehlt.
Musees de Marseille dans la tourmente (La Marseillaise)
Stein von Rosette mit audio-visueller Beschreibung
Ägyptische Objekte auf der Sketch-Fab Webseite des British Museum
(3. Oktober 2017) Der Stein von Rosette figuriert nun auch auf der SketchFab Webseite des British Museum. Der berühmte Stein, dessen Text in drei Schriften 1822 zur Entzifferung der Hieroglyphen führte, wird mittels audiovisueller Beschreibung (in Englisch) vorgestellt. Weitere ägyptische Objekte finden sich ebenso auf der Webseite.
Erschütternde Funde im Nordfriedhof von Amarna
Dunkle Schatten in der Stadt des Lichts
(24. Juli 2017) Die Regierungszeit Echnatons (um 1353 - 1336 v.Chr.) wird als Amarna-Zeit bezeichnet und gilt vielen als Epoche des Lichts und der Liebe, geprägt vom Glauben an den alleinigen Sonnengott Aton und den lieblichen Darstellungen Echnatons und Nofretetes beim Austausch von Zärtlichkeiten mit ihren Töchtern. Dass für viele Menschen die Realität damals ganz anders aussah, belegen die Ergebnisse der neusten Grabungen in zwei Friedhöfen der Hauptstadt Echnatons Achet- Aton, heute Amarna genannt.
Die Grabungen konzentrierten sich auf den Süd- und Nordfriedhof Amarnas, wo die unteren Schichten der Bevölkerung bestattet wurden. Gemäss den Archäologen war deren Leben von harter Arbeit, Armut, Mangelernährung, Krankheit, Verletzungen und frühem Tod geprägt. Insbesondere die Funde im Nordfriedhof haben zu erschütternden Einsichten in Leben und Sterben der damaligen Menschen geführt. Hier wurden 2015 105 Individuen ausgegraben; die Untersuchung der Körper ergab, dass über 90% der Bestatteten im Alter zwischen 7 und 25 Jahren gestorben sind. Es handelte sich also um Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Gerade in dieser Zeitspanne von 7 bis 25 Jahren ereignen sich in einer sog. durchschnittlichen Bevölkerung jedoch am wenigsten Todesfälle. Ein Bild des Schreckens bieten auch die an den verstorbenen Personen festgestellten "Anomalien". Die grosse Mehrheit wies schwere Verletzungen auf, insbesondere an der Wirbelsäule, die auf das Tragen schwerer Lasten zurückzuführen sind. Es scheint, dass die jungen Menschen für den Bau der neuen Hauptstadt Amarna eingesetzt worden sind und dass ihr Tod in Kauf genommen wurde.
Diese neuen Befunde werfen eine Reihe von Fragen auf: Wer waren diese Kinder und Jugendliche? Wurden sie von ihren Familien getrennt und als Zwangsarbeiter beim Bau der Hauptstadt Amarna eingesetzt? Die Befunde sprechen dafür. Die Bestattungen des Nordfriedhofes sind sehr einfach und Grabbeigaben fehlen fast völlig; dazu kommt, dass 43% der Gräber Mehrfachbestattungen (bis zu 6 Körpern) aufwiesen, was im alten Ägypten selten ist. Offenbar wurden Gräber ausgehoben und je nach Anzahl Todesfälle die jungen Verstorbenen - ohne Mummifizierung und nur von einer Matte bedeckt - zusammen in einem Grab bestattet, wobei auch hier keinerlei Sorgfalt ersichtlich ist; oftmals waren die Skelette übereingestapelt. Dies deutet darauf hin, dass die Kinder und Jugendliche auch nach ihrem Tod nicht ihren Familien übergeben worden sind.
Der Nordfriedhof von Amarna erstreckt sich über ein weites Areal; Archäologen schätzen, dass er mindestens 1000 Gräber umfasst. So könnten schon bald mehr traurige Details über den Alltag der Bevölkerung ans Licht kommen.
Did children build Amarna (The Guardian)
China und Ägypten - Wiegen der Welt
Sonderausstellung im Neuen Museum Berlin
(22. Juli 2017) Die Kulturen Chinas und Ägypten weisen beide eine jahrtausendelange Geschichte und Tradition auf. Erstmals werden in einer grossen Sonderausstellung altägyptische und chinesische Kunstschätze nebeneinander gezeigt. Der direkte Vergleich macht deutlich, dass beide Hochkulturen die Entwicklung der Menschheitsgeschichte massgeblich mitgeprägt haben. Faszinierend sind die Gemeinsamkeiten und vergleichbaren Strukturen zwischen dem alten Ägypten und dem alten China, die - soweit bekannt - keinen direkten Kontakt zueinander hatten. Dennoch existieren Themenbereiche, mit denen sich beide Kulturen stark auseinandergesetzt haben (z.B. der Totenkult) und die Aufschluss darüber geben, wie sich menschliche Gesellschaften entwickelten.
In der Ausstellung, die in Kooperation mit dem Shanghai Museum entstanden ist, sind 250 Exponate zu bewundern - neben Highlights aus den Berliner Museen befinden sich zahlreiche ausgewählte Leihgaben aus dem Reich der Mitte, die erstmals überhaupt in Europa zu sehen sind. Einer der Höhepunkte ist das für einen Verstorbenen angefertigte Gewand aus über 2000 Jadeplättchen.
Die Ausstellung "China und Ägypten. Wiegen der Welt" ist bis zum 3. Dezember 2017 im Neuen Museum Berlin zu sehen.
Webseite zur Ausstellung (mit Video)
Tagung zur Archäologie im Sudan
Sudan-Tag in München
(4. Juli 2017) Das Staatliche Museum ägyptischer Kunst in München (SMÄK) führt am Samstag, 29. Juli den alljährlichen Sudan-Tag durch. Namhafte Archäologen und Sudanexpertinnen stellen ihre neusten Grabungen und Forschungen vor.
Die Ausführungen von Prof. Julia Budka versprechen besonders interessant zu werden. Sie stellt das Grab des Goldschmiedemeisters Chnummose vor, das vom Team des "Across Borders"-Projekts 2015 entdeckt worden und nun fertig ausgewertet ist. Das Grab befindet sich auf der Insel Sai nördlich des 3. Kataraktes und ist rund 3400 Jahre alt. Es umfasst mehrere Kammern, in denen über ein Dutzend Personen bestattet worden sind, darunter Chnummose und seine Frau. Der Grabbesitzer war ein Ägypter, der in Nubien gelebt und in den dortigen Goldbergwerken gearbeitet hat.
Die Tagung steht allen interessierten Personen offen.
Webseite Across Borders (Fotos der Grabung 2017 im Grab des Chnummose)
Iran - Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste
Sonderausstellung zum antiken Persien in Bonn
(12. Juni 2017) Der schiitische Iran erscheint heute in den Medien v.a. als Gegenspieler der arabischen Mächte. Persien gehört aber ebenso zu den bedeutendsten und ältesten Kulturen der Menschheit. Die Sonderausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn "Iran - Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste" gibt Einblicke in die Geschichte Persiens zwischen dem 7. Jt.v.Chr. und dem Aufstieg der mächtigen Achämeniden-Dynastie im 1. Jt. v.Chr., deren Niedergang im 4. Jh.v.Chr. von Alexander dem Grossen besiegelt wurde.
Die Ausstellung dauert bis zum 20. August 2017 und steht unter dem schönen und treffenden Motto "Jenseits von Richtig und Falsch gibt es einen Ort. Hier können wir einander begegnen" - einem Zitat von Rumi, das gerade heutzutage vermehrt beherzigt werden sollte. Die Schau möchte denn auch den Besuchern die Bildwelten aus dem in Europa noch wenig bekannten antiken Persien näher bringen.
Webseite Bundeskunsthalle Bonn (mit Rundgang durch die Ausstellung)
Neuigkeiten aus den ägyptischen Sammlungen der Museen
CIPEG-Newsletter
(6. Juni 2017) Der Newsletter des Internationalen Komitees für Ägyptologie CIPEG, einer Unterorganisation des Internationalen Museumskomitees ICOM, wartet -wie üblich - mit einer Fülle von Informationen zu ägyptischen Sammlungen in Museen auf. Die aktuelle Ausgabe enthält Beiträge u.a. zum wiedereröffneten Mallawi-Museum in Ägypten, das mit neuen Veranstaltungen versuchen möchte, die ägyptischen Besucher für ihre alte Kultur zu sensibilisieren, zu den Museen in Leiden und Turin sowie zum Puschkin Museum in Moskau.
CIPEG (E-News 2017)
Legaler Handel mit ägyptischen Kunstwerken
Ex-Antikenminister äussert sich kritisch zu Rückforderungen ägyptischer Objekte
(6. Juni 2017) Im Newsletter des Basler Antiquitätenhändlers und Sammlern Jean-David Cahn "Cahn's Quarterly" ist ein Beitrag zum legalen Handel mit ägyptischen Kunstwerken erschienen. In einem Interview spricht sich der frühere Antikenminister Mamdouh el Damaty gegen Rückgabeforderungen ägyptischer Artefakte aus dem Ausland aus. Es sei nicht im Interesse Ägyptens, Objekte zurückzufordern; es sei vielmehr ein Vorteil, wenn sein kulturelles Erbe in anderen Ländern ausgestellt werde. El Damaty betonte auch, dass die Mehrzahl der Artefakte legal aus Ägypten exportiert worden sei. So habe das Ägyptische Museum Cairo noch bis in die 1979 einen Verkaufsraum gehabt, in welchem Originalobjekte erworben werden konnten.
Newsletter CQ (Der erwähnte Beitrag findet sich auf S. 4)
Sonderausstellungen in Kairo und Luxor
Transport der Altertümer vom Ägyptischen Museum ins GEM als Herausforderung
(26. Mai 2017) Das neue Grand Egyptian Museum GEM soll seine Tore Mitte 2018 öffnen, doch noch liegen zahlreiche Arbeiten an. Eine besondere Herausforderung ist - neben der Fertigstellung des gigantischen Baus - der Transport der Altertümer vom "alten" Museum am Tahrir Platz ins GEM auf dem Giza Plateau. An der Internationalen Tagung, die Anfang Mai in Kairo stattgefunden hat, haben Spezialisten aus aller Welt über die Verlegung der Kulturgüter diskutiert und debattiert.
Momentan werden die Betten von Tutanchamun zum Transport vorbereitet, bei denen es sich um sehr fragile Objekte aus Holz, das mit Blattgold überzogen ist, handelt. Auf Anraten der Fachleute wurden diese nun noch einer Restaurierung unterzogen, damit sie sicherer transporiert werden können. Die Dauer der Verpackungsarbeiten und des Transportes wird von Spezialisten auf rund 8 Stunden geschätzt.
Das Ägyptische Museum am Tahrir Platz, welches sich nun langsam von seinen wichtigsten Schätzen trennen muss, zeigt aktuell eine Ausstellung über Abu Simbel und seinen Entdecker, den Schweizer Johann Ludwig Burckhardt. Die Ausstellung, die noch bis zum 20. Juni dauert, ist in Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft und der Universität Basel entstanden und markiert das 200-jährige Jubiläum der Wiederentdeckung der Tempel von Abu Simbel.
Vor wenigen Wochen ist in Luxor ein Grab mit 8 Mumien und 10 Särgen gefunden worden. Statt die Funde wie üblicherweise direkt im Depot unterzubringen, sind diese zur Zeit im Luxor Museum zu bewundern. Die Sonderausstellung wurde am Internationalen Museumstag (21. Mai 2017) vom Antiquitätenminister Khalid El-Enany persönlich eröffnet. Auf ihrer Webseite veröffentlichte die Zeitung "Luxor Times" zahlreiche Photos der Eröffnung. Die ägyptische Regierung erhofft sich von den Sonderausstellungen sowie der Neu- oder Wiedereröffnung von Gräbern eine Ankurbelung des Tourismus.
Exclusive photos Luxor Museum (Luxor Times)
Die letzten Tage des Osmanischen Reiches
Postkartenserie zu Istanbul/Konstantinopel
(9. Mai 2017) Istanbul, das frühere Konstantinopel, gehörte einst zu den grössten und reichsten Städten Europas und Vorderasiens. Eine Serie von Postkarten mit Aufnahmen aus den letzten Tagen des Osmanischen Reiches gibt einen Eindruck vom pulsierenden Leben der Stadt und ihrer überwältigenden Architektur.
Newsletter des Staatlichen Museums ägyptischer Kunst SMÄK München
Altägypten im München-Tatort vom Sonntag, 30 April 2017
(30. April 2017) Im aktuellen Newsletter des SMÄK München macht das Team auf den am Sonntag, 30. April 2017 ausgestrahlten Tatort aufmerksam, in welchem sich eine entscheidende Szene im Museum abspielt. Auch ohne Kriminalfall bietet das SMÄK immer eine Fülle von interessanten Veranstaltungen zur Geschichte und Kultur Altägyptens. Wer einen Aufenthalt in München plant, dem sei der Newsletter des Museums ans Herz gelegt, den man auch per Mail abonnieren kann.
Neue Entdeckungen und längere Öffnungszeiten
Zahi Hawass zum Botschafter für kulturelles Erbe ernannt
(22. April 2017) Inmitten der Schreckensmeldungen über die IS-Anschläge gegen Kopten ist Ägypten bestrebt, auch mit positiven Nachrichten aufzuwarten. Ein grosses Anliegen der Regierung ist es, den Tourismus wieder anzukurbeln und so wird derzeit Vieles in die Eröffnung und Instandsetzung der archäologischen Stätten und Museen investiert.
Begeistert wurde der Fund eines Statuenfragments in Heliopolis kommentiert, das nicht wie ursprünglich angenommen Ramses II., sondern Psammetich I. darstellt. Vor wenigen Tagen wurde die Entdeckung eines Grabes in Theben-West bekanntgegeben, in welchem sich mehrere bemalte Särge und rund 1000 Totenfiguren fanden. Die Grabstätte wurde ursprünglich in der 18. Dynastie angelegt, jedoch in der 3. Zwischenzeit (um 1000 v.Chr.) für Neubestattungen wiederverwendet. Letzten Dienstag wurde vor dem Luxortempel eine 11 m hohe Granitstatue Ramses' II. in einer feierlichen Zeremonie aufgestellt, die von Restauratoren aus 57 Teilen wieder zusammengesetzt worden ist.
Das Antiquitätenministerium unternimmt auch Anstrengungen, um die einheimische Bevölkerung in die Museen zu holen. So ist das Museum für Islamische Kunst neu am Samstag bis 21 Uhr geöffnet, wobei jeden Samstagabend kulturelle Veranstaltungen angeboten werden sollen. Seit Kurzem ist auch das Ägyptische Museum Kairo am Tahrir Square am Donnerstag und Sonntag bis 21 Uhr für Besucher offen.
Auch der unverwüstliche Zahi Hawass ist wieder im Geschäft. Aufgrund seiner Verdienste um die Archäologie Ägyptens wurde er von der "International Federation for Peace and Sustainable Development", einer der UNO angeschlossenen Organisation, zum "Botschafter für kulturelles Erbe" ernannt. Hawass soll in dieser Funktion Vorschläge zur Rettung des bedrohten Kulturerbes von Syrien, Libyen und Irak ausarbeiten.
Kolossalstatue Ramses' II. wiederaufgestellt (Al Ahram online)
Neue Öffnungszeiten im Museum für islamische Kunst (Al Ahram online)
Zahi Hawass zum Botschafter ernannt (Al Ahram online)
Lebensräume in Ägypten
Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (2/2017)
(19. April 2017) Titelthema der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte "Antike Welt" sind "Lebensräume im alten Ägypten". Mehrere Beiträge beleuchten den Aspekt des Raumes aus verschiedenen Blickwinkeln, seien es Tempelräume, Vermessungsmethoden oder die Topographie des Jenseits. Weitere Artikel widmen sich u.a. der ptolemäisch-römischen Hafenstadt Berenike an der Westküste des Roten Meeres und dem Sinn und Nutzen der Archäologie in Krisengebieten.
Fund einer Kolossalstatue Ramses' II. in Heliopolis
Misstöne rund um die Bergungsarbeiten
(15. März 2017) Wie in allen Pressemitteilungen berichtet wurde, ist vor wenigen Tagen in Heliopolis bei Kairo ein Teil einer grossen Statue des Pharao Ramses II. entdeckt worden. So erfreulich der Umstand, dass in der Stadt des alten Sonnengottes, deren antike Reste heute von Überbauungen und Abfallhalden bedroht sind, ein so bedeutender Fund gemacht werden konnte, so betrüblich sind die Misstöne, welche die Bergungsarbeiten begleiten.
Da das Statuenfragment in einer tiefen Schlammgrube lag, wurde zur Bergung ein Bagger eingesetzt. Der Ex-Antikenminister Zahi Hawass hat sich darauf zu Wort gemeldet - wie immer nach wichtigen Entdeckungen in Ägypten, ist man versucht zu sagen - und legt ungefragt seine Sicht der Dinge dar: Die Bergung mit Bagger sei professionell verlaufen; er habe sich vom Leiter der Grabungen des Deutschen Archäologischen Institutes DAI in Heliopolis, Dietrich Raue, einem renommierten Archäologen und seit Jahren in Ägypten tätig, Bildmaterial geben lassen und sei mit den Bergungsmethoden und dem Vorgehen einverstanden. Hawass' Beitrag wiederum rief die Ägyptologin Monica Hanna auf den Plan, die den Einsatz der Bagger kritisiert.
Hawass hatte vor wenigen Tagen mit einem kuriosen Beitrag in Al Ahram über den Besuch von Lionel Messi in Ägypten für Stirnrunzeln gesorgt. Er durfte dem Starfussballer die Pyramiden von Giza erklären und meinte dazu in seinem Artikel, er sei vom "Fluch des Lionel Messi" getroffen worden.....
Ramses-Statue entdeckt (Spiegel.de)
Lionel Messis Curse (Al Ahram Weekly)
200-Jahr-Jubiläum der Freilegung des Tempels von Abu Simbel
Mehrere Veranstaltungen zu Ehren des Schweizer Reisenden Johann Ludwig Burckhardt 2017 geplant
(15. März 2017) Am 22. Februar 2017 versammelten sich wie jedes Jahr mehrere Tausend Schaulustige vor dem Tempel von Abu Simbel, um das Sonnenspektakel mitzuerleben. Jeweils am 22. Februar und am 22. Oktober leuchtet die Sonne bis ins Allerheiligste des Grossen Tempels und lässt die dort sitzenden vier Götterstatuen im Licht erstrahlen.
Im Oktober 2017 soll in Abu Simbel eine grosse Gala-Veranstaltung mit Schweizer Beteiligung zu Ehren des Basler Reisenden und Forschers Johann Ludwig Burckhardt stattfinden, der im Oktober 1817 in Kairo starb. Er war es, der als erster Europäer die beiden Tempel von Abu Simbel im März 1813 entdeckte, die 1817 vom Italiener Giovanni Belzoni freigelegt wurden.
An Burckhardts Grabstätte im Kairoer Friedhof Bab an-Nasr würdigte der Schweizer Botschafter Markus Leitner kürzlich den Basler Forscher und bezeichnete ihn als "bedeutenden Reisenden und Gelehrten". Ihm zu Ehren wird ab Mai 2017 im Ägyptischen Musuem in Kairo eine Ausstellung gezeigt; parallel dazu soll ein "Swiss Trail" entstehen, der verschiedene Orte in Kairo mit Schweizer Bezug vorstellt. Leitner betonte in seiner Rede auch, dass vielfältige Engagement der Schweiz in Ägypten, sei es in archäologischer Hinsicht oder in Hilfsprojekten; ausserdem seien über 100 Schweier Firmen in Ägypten tätig.
Abu Simbel and the Swiss connection (Al Ahram weekly)
300 Exponate aus dem Meer im Museum Rietberg
Interview mit dem Unterwasserarchäologen Franck Goddio
(3. Februar 2017) Das Museum Rietberg in Zürich zeigt ab dem 10. Februar 2017 knapp 300 Statuen und Kultgegenstände aus den legendären zwei Städten Thonis-Heracleion und Kanopus, die im 8. Jh.n.Chr. im Meer versanken. Die Exponate wurden vom Unterwasserarchäologen Franck Goddio und seinem Team in aufwendigen Tauchexpeditionen vor der ägyptischen Mittelmeerküste geborgen. Im Interview erzählt Goddio von seiner Leidenschaft für Unterwassergrabungen:
Tauchen ist für mich wie Bus fahren (SRF Kultur)
Ältester Beleg von Knochenkrebs
Ausgrabung einer Tiernekropole in Berenike am Roten Meer
(25. Januar 2017) Die amerikanisch-polnischen Ausgrabungen in der antiken ägyptischen Hafenstadt Berenike am Roten Meer, dem heutigen Baranis/Medinet al-Haras, förderten zwischen 2011 und 2015 ca. 100 Skelette verschiedener Tierarten aus dem 1.Jh.n.Chr. zutage. Unter den Skeletten fanden sich Katzen, Hunde, Paviane und Grüne Meerkatzen. Die Fundumstände lassen bei einigen Tieren erkennen, dass sie als Haustiere gehalten wurden und ihre Besitzer eine emotionale Bindung zu ihnen hatten.
Einzelne Tierkörper waren vor ihrer Bestattung in Stoff gewickelt worden. Es wurden auch Halsbänder entdeckt, die mit Glasperlen dekoriert sind. Von besonderer Bedeutung ist der Fund eines vermutlich aus Italien oder Griechenland importierten Mastiffs. Der vierjährige Hund verstarb an Knochenkrebs und wurde von seinem Besitzer in Matten aus Palmblättern gewickelt und mit grossen Fragmenten einer Amphore bedeckt. Seine letzte Mahlzeit bestand aus einem grossen Fisch und Ziegenfleisch. Es ist der älteste Beleg für Knochenkrebs bei einem Hund, einer Krankheit, die heute häufig auftritt und gegen die bisher kein wirksames Mittel gefunden werden konnte.
Oldest traces of bone cancer (Science Poland)
Zeitschrift "Antike Welt" in neuem Gewand
Aktuelle Ausgabe zum Titelthema "Karthago" (1/17)
(24. Januar 2017) Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" präsentiert sich in neuem Gewand, jedoch mit der gewohnt breiten Auswahl an interessanten Themen zur Antike.
Titelthema ist die punische und später römische Metropole Karthago. Weitere Beiträge widmen sich u.a. dem Untergang des Handelszentrums Ugarit im heutigen Syrien, dem Wissen vom Mond im Alten Ägypten sowie dem Kulturgüterschutz in Kriegsgebieten.
Sonderausstellungen und Wiedereröffnungen zu Altägypten
Newsletter von CIPEG 6/2016
(12. Dezember 2016) Der aktuelle Newsletter des Internationalen Komitees für Ägyptologie CIPEG stellt neue Sonderausstellungen (z.B. im Badischen Landesmuseum Karslruhe) und Wiedereröffnungen ägyptischer Sammlungen (z.B. im archäologischen Nationalmuseum von Neapel) sowie Restaurierungsarbeiten an altägyptischen Objekten vor.
Beiträge zur Antike
Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (6/2016)
(6. Dezember 2016) Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe sind Tier- und Menschen-Mumien. Ausserdem finden sich interessante Beiträge zum bisher wenig untersuchten Thema der Wiedervendung von Särgen im alten Ägypten sowie zu neuen Grabungen in Aserbeidschan (Residenz des persischen Königs Xerxes) und Oman (Siedlungen aus dem 3.Jt.v.Chr. in Al-Khashbah).
Ägyptisches Museum Kairo neu an zwei Abenden geöffnet
Massnahme zur Steigerung der Besucherzahlen
(21. November 2016) In diesen Tagen jährt sich die Eröffnung des Ägyptischen Museums Kairo am Tahrir-Platz zum 114. Mal, die am 15. November 1902 stattfand.
Letzten Donnerstag fand eine Jubiläumsveranstaltung statt, an welcher der Antikenminister Khalid El-Anany ankündigte, dass das Museum neu auch am Sonntag- und Donnerstagabend geöffnet sein werde. Diese Massnahme gehört zu einem ganzen Paket von Neuerungen mit dem Ziel wieder vermehrt Touristen anzuziehen. Solange die Sicherheitslage im Land jedoch prekär bleibt, werden kaum mehr Touristen an den Nil reisen wollen.
Metallgegenstände zum Bau der Königsbarke verwendet
Bemerkenswerter Fund auf dem Giza-Plateau
(13. Oktober 2016) Das japanische Team, das mit der Bergung der zweiten Barke auf dem Giza-Plateau betraut ist, hat eine interessante Entdeckung gemacht: An einem 8 m langen Holzbalken sind mehrere metallene Stücke befestigt, die vermutlich der Fixierung der Ruder dienten, von denen bisher 33 gefunden werden konnten. Die Verwendung von Metall ist bisher im altägyptischen Schiffbau nicht belegt.
Die in Einzelteile zerlegte Barke wird vom japanischen Team wieder zusammengefügt und soll nach Fertigstellung neben der sog. ersten Barke des Cheops ausgestellt werden. Diese wurde - in 1224 Teile zerlegt - 1954 in einer 31 m langen Grube entdeckt und steht heute in einem eigenen Museum neben der Grossen Pyramide.
Egyptians used metall in wooden ships (Daily Mail)
Erste Flughäfen und Raumschiffe schon bei den Sumerern
Kuriose Aussagen des irakischen Transportministers
(13. Oktober 2016) Anlässlich der Eröffnung eines neuen Flughafens bei Basra im Süden Iraks hat der irakische Transportminister mit ungewöhnlichen Aussagen überrascht. Er sagte u.a., dass die Sumerer vor 7000 Jahren die ersten Flughäfen gebaut hätten, von denen Raumschiffe zur Erkundung fremder Planeten gestartet seien. Ausserdem fügte er an, dass alle Engel sumerischen Ursprungs seien. Er berief sich dabei auf die Arbeiten von Samuel Kramer, eines russischen Professors und Experten der sumerischen Kultur.
Die sumerische Kultur entstand 4. Jahrtausend v.Chr. im südlichen Mesopotamien (heute Südirak) und gilt neben der ägyptischen als frühste Hochkultur des Alten Orients. Die Sumerer prägten das Geschehen im Vorderen Orient des 3. Jahrtausends v.Chr.; sie schufen die ältesten Städte (Ur, Uruk) und erbauten eindrückliche Tempeltürme (Zikkurat).
Sumerians launched spaceships (Ancient Origins online)
Gastvorträge und Tagesseminare von ÄgyptologInnen an der Universität Zürich
Herbstsemester-Programm 2016 des Ägyptologie-Forums ZH
(13. Oktober 2016) Das Ägyptologie-Forum Zürich bietet im Herbstsemester 2016 wiederum eine Reihe von Vorträgen und Tagesseminaren mit renommierten ÄgyptologInnen an, die allen interessierten Personen offenstehen.
Themen, Daten, Zeit und Ort können der Nile-Times-Webseite unter "Führungen" entnommen werden. Nähere Informationen zu den Veranstaltungen finden sich auf der Webseite des Forums.
Der Newsletter des Forums kann als pdf-Datei heruntergeladen werden:
Mumien - Rätsel der Zeit
Eröffnung der Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum Basel
(15. September 2016) Wann immer von Mumien die Rede ist, werden diese unweigerlich mit Ägypten in Verbindung gebracht. Andere Kulturen kannten und praktizierten die Mumifizierung jedoch auch; ausserdem haben sich auf der ganzen Welt natürlich konservierte Körper erhalten.
Diese sog. Naturmumien bilden den Schwerpunkt der neuen Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum Basel. Die grösste bisherige "Mumienausstellung" in der Schweiz zeigt über 60 Exponate. Darunter finden sich Tiermumien und Moorleichen.
Ägypten darf jedoch auch nicht fehlen. So ist der letzte und grösste Raum den ägyptischen Mumien gewidmet. Hauptanliegen der Ausstellungsmacher ist es nicht, bei den Besuchern für Gruseln zu sorgen, sondern es wird auf die Voraussetzungen zur natürlichen Mumifizierung und auf das aufwendige Verfahren der künstlichen Konservierung eingegangen.
Die Ausstellung ist vom 16. September 2016 bis 30. April 2017 zu sehen.
Basel zeigt Mumien (Aargauer Zeitung; mit Video zur Entstehung der Ausstellung)
Aussergewöhnlich reicher Fund auf Zypern
Familiengrab mit ägyptischen Beigaben
(1. September 2016) Ein archäologisches Team der Universität Gothenburg hat auf Zypern eine aussergewöhnliche Entdeckung gemacht: Bei Hala Sultan Tekke stiess es auf ein Familiengrab aus der Zeit um 1250 v.Chr., das wertvolle Beigaben enthielt.
So fanden sich zahlreiche goldene Schmuckstücke und über 100 dekorierte Keramikgefässe, die aus Griechenland, Kreta und Anatolien (Türkei) importiert worden sind. Bemerkenswert sind auch ägyptische Importe, darunter Skarabäen mit dem Namen des Pharao Tutmosis' III., ein Amulett des Gottes Bes sowie mit Rosetten verzierte Fayenceknöpfe. Dieser wichtige Fund zeigt die ausgedehnten Handelsbeziehungen der Stadt Hala Sultan Tekke in der Bronzezeit auf.
Sensational grave find (Heritage daily)
Beiträge zur Antike
Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (4/2016)
(11. August 2016) Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte "Antike Welt" beinhaltet verschiedene Beiträge rund um die alten Kulturen des Mittelmeeres. Schwerpunktthema ist die Herrschaft des römischen Kaisers Nero. Daneben finden sich mehrere lesenswerte Artikel u.a. zum Vater der ägyptischen Archäologie Flinders Petrie, zu Ausgrabungen in Kurdistan und zur Situation der Museen in Ägypten (s. dazu den Beitrag im Newsletter 5-7/2016).
Fragiles Gleichgewicht zwischen verschiedenen Ethnien in Alexandria
Konflikte zwischen Griechen, Ägyptern und Juden im 1. Jh.n.Chr.
(11. August 2016) In Alexandria an der ägyptischen Mittelmeerküste kam es im Jahr 38 n.Chr. zu gewaltsamen ethnischen Auseinandersetzungen zwischen Griechen und Ägyptern auf der einen und Juden auf der anderen Seite.
War Alexandria unter den ptolemäischen Herrschern (4. - 1. Jh.v.Chr.) eine kosmopolitische Weltstadt mit internationaler Ausstrahlung und Sitz der berühmten Bibliothek und des Leuchtturmes Pharos, so veränderte sich die Situation mit der Eroberung Ägyptens durch die Römer im Jahr 30 v.Chr. Die Griechen, die bisher die Geschicke der Stadt weitgehend bestimmt hatten, fürchteten nun um ihren Status und hatten das Gefühl, die Juden würden von Rom bevorzugt behandelt. Die Wut entlud sich im Jahr 38 n.Chr. und führte zu einem der ersten Pogrome in der Menschheitsgeschichte.
Fragiles Alexandria - Ethnische Konflikte im Land der Pyramiden (Antike Welt.de)
Ein Beitrag zu Alexandria und seinen Sehenswürdigkeiten ist im Magazin "Nile Times" Nr. 9 erschienen:
Fertigstellung der grossen Pyramide von Giza auf Papyrus erwähnt
Älteste Papyri der Welt in Kairo vorgestellt
(11. August 2016) Die ältesten Papyri der Welt wurden kürzlich in Kairo vorgestellt. Es handelt sich um administrative Dokumente aus dem Alten Reich (4. und 5. Dynastie), die 2013 von einem französischen Team im antiken Hafen Wadi el-Jarf am Roten Meer gefunden worden sind.
Einige der Papyri erwähnen den Bau der grossen Pyramide von Giza unter dem Pharao Cheops (Regierungszeit um 2620 - 2580 v.Chr.). Besonders interessant ist ein Dokument aus dem Jahr 27 des Cheops, auf dem steht, dass die Pyramide des Herrschers fast vollendet sei und nur noch die Verschalung der Aussenwände mit weissem Turakalkstein fertiggestellt werden müsse. Das Grab des Cheops ist die grösste der drei Pyramiden auf dem Giza-Plateau und galt als eines der sieben Weltwunder der Antike.
Auch wenn die Übersetzung der Papyri noch nicht abgeschlossen ist, steht schon fest, dass es sich bei dem Fund um einzigartige Dokumente der altägyptischen Geschichte handelt.
Ancient Logbook on great pyramid unveiled (Livescience)
Neugestaltete ptolemäische Galerien eröffnet
Metropolitan Museum in New York präsentiert Glanzstücke aus der Ptolemäerzeit
(11. August 2016) Das renommierte Metropolitan Museum besitzt eine der bedeutendsten ägyptischen Sammlungen der USA. Die ptolemäischen Räume waren seit rund 40 Jahren nicht mehr erneuert worden, so dass sich die Museumsleitung dazu entschlossen hat, diese zu entstauben und neu zu gestalten. Am 1. Juli 2016 fand die Wiedereröffnung statt.
Die ptolemäische Zeit, welche die vier Jahrhunderte v.Chr. umfasst, ist den meisten Besuchern zwar weniger bekannt als die "Glanzzeiten" des Alten und Neuen Reiches, hat aber auch herausragende Kunstwerke hervorgebracht. Gerade das Metropolitan Museum in New York besitzt eine bemerkenswerte Sammlung aus jener Zeit, die nun in einer ansprechenden Neuinszenierung zu sehen ist.
Auf der Webseite des Museums findet sich ein Beitrag mit vielen Fotos:
Egyptian Ptolemaic Art Installation (Metmuseum Blog)
Gestohlenes Relief an Pariser Auktion aufgetaucht
Rückgabe des Stückes an Ägypten
(3. Juli 2016) Ein gestohlenes Kalksteinrelief mit dem Namen des letzten einheimischen Pharaos Nectanebos' II. ist heute Sonntag der ägyptischen Botschaft in Paris übergeben worden.
Das Relief, das stolze 80 kg wiegt und die löwenköpfige Göttin Sachmet zeigt, wurde in den 1990er Jahren aus einem Tempel in Sakkara gestohlen und befand sich seit 10 Jahren auf dem "Radar" des "Antiquities Recuperation Department". Seiner genauer Aufenthaltsort wurde aber erst letzte Woche bekannt, als das Objekt auf der Liste eines Auktionshauses in Paris erschien. Auf Intervention Ägyptens wurde das Relief aus der Auktion entfernt und den ägyptischen Behörden übergeben. Es soll nun zunächst im Ägyptischen Museum am Tahrir Platz ausgestellt und später wieder an seinen ursprünglichen Standort in Sakkara zurückgebracht werden.
Relief von Nectanebos II. wiedergefunden (Al Ahram)
Beim Bart des Pharaos
Interview mit dem Restaurator von Tut's Bart
(3. Juli 2016) 2014 war es bei Arbeiten an der Glasvitrine, in welcher sich die berühmte Goldmaske von Tutanchamun befindet, zu einem Zwischenfall gekommen: Eine Person berührte die Maske etwas unsanft, so dass der Bart abfiel. Eilig wurde dieser daraufhin mit einem modernen Harzkleber unsachgemäss wieder angeklebt, was bei Fachpersonen Stirnrunzeln und Unverständnis hervorrief. Da sich mit dem Restaurator des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz Christian Eckmann zu jenerZeit ein ausgewiesener Fachmann in Kairo befand, wurde dieser beauftragt, das Malheur zu beseitigen.
In einem Interview mit dem Wiesbadener Tagblatt hat Eckmann nun Auskunft über seine Arbeit am Bart von Tutanchamun gegeben. Neben den Ausführungen zum Königsbart ist auch interessant, dass er die Theorie von Nicholas Reeves, wonach der Name Tutanchamun auf der Maske über demjenigen von Nofretete geschrieben worden sei, nicht bestätigen könne. Der Brite Reeves, der v.a. mit seiner Theorie zu weiteren Hohlräumen im Grab von Tutanchamun Aufsehen erregt hat, kann jedoch seinen Hinweis zum überschriebenen Namen bildlich dokumentieren. Somit steht es auch hier Aussage gegen Aussage... wie schon bei den Resultaten der beiden Untersuchungen, die im Grab von Tut durchgeführt wurden: die eine Untersuchung weist auf weitere Hohlräume im Grab hin, die andere nicht.
Mainzer Restaurator zur Reparatur der Maske (Wiesbadener Tagblatt)
Eintritt in die Gräber von Sethos I. und Nefertari für Individualtouristen billiger
Neue Bestimmung zur Eröffnung der Touristensaison 2016/17
(13. Juni 2016) Vor wenigen Tagen meldete die Zeitung "Luxor Times", dass das Grab von Sethos I. im Tal der Könige (KV 17) und dasjenige der Nefertari im Tal der Königinnen (QV 66) ab 1. Oktober 2016 für 100 Euro pro Grab und Ticket besucht werden können. Bisher kostete ein Ticket für beide Gräber 2000 Euro, wobei das Ticket für bis zu 10 Personen gültig war. Von der neuen Bestimmung profitieren deshalb in erster Linie Individualtouristen.
Das Antikenministerium erhofft sich mit der neuen Preisregelung, die mit dem offiziellen Beginn der Touristensaison am 1. Oktober 2016 in Kraft tritt, vermehrt Besucher. Die beiden Gräber zählen zu den schönsten und eindrücklichsten in Ägypten.
Experten uneinig über Existenz von Kammern im Grab des Tutanchamun
Hawass kritisiert bisheriges Vorgehen als "unwissenschaftlich"
(10. Mai 2016) Zum Abschluss der Tagung zu Tutanchamun und seinem Grab, die von 6. - 8. Mai in Kairo stattfand (s.u.), wurden die neusten Resultate zur Untersuchung der Grabstätte mit Spannung erwartet. Die Ergebnisse entsprachen jedoch nicht ganz den Erwartungen. Das zweite Expertenteam, das die Wände des Grabes mit Laserscans untersucht hat, konnte keine Anhaltspunkte für die Existenz bisher unbekannter Räume im Grab feststellen. Nun soll ein drittes Team Untersuchungen durchführen.
Das Vorgehen der ägyptischen Antikenbehörde, insb. die Kommunikation der Ergebnisse, wirft einige Fragen auf und scheint nicht wirklich durchdacht. Zu gross ist wohl die Hoffnung auf eine Sensation, die Ägypten im Moment nach allen Negativmeldungen sehr gelegen käme. Zahi Hawass, Antikenminister unter Mubarak, ergriff denn auch die Gelegenheit und nannte das bisherige Vorgehen "unwissenschaftlich". Der englische Ägyptologe Nicholas Reeves, der die neuen Untersuchungen in Gang gebracht hatte, zeigte sich enttäuscht.
Egyptologists differ on tut tomb (Archaeology Newsnetwork)
Tutanchamuns Geheimnis?
Ägypten hofft auf eine Sensation
(6. Mai 2016) Während aus Ägypten in den letzten Wochen mehrheitlich negative Berichte über willkürliche Verhaftungen und sogar Folterungen für Aufsehen sorgten, sollen in den nächsten Tagen positive Schlagzeilen dominieren.
Vom 6. - 8. Mai findet in Kairo eine internationale Tagung zu Tutanchamun und seiner Grabstätte statt, an der renommierte ExpertInnen aus dem In- und Ausland teilnehmen. Besonders gespannt sind alle auf die Vorträge zu den neusten Untersuchungen im Grab des jung verstorbenen Pharaos. Sollten sich dort tatsächlich versteckte Kammern befinden, die seit 3300 Jahren intakte Grabschätze enthalten, wäre die grosse Sensation perfekt. Allerdings stünden die Wissenschafter dann vor schwierigen Entscheidungen betreffend des weiteren Vorgehens.
Spannung verspricht sicher auch der letzte Tag der Tagung, an dem der britische Ägyptologe Nicholas Reeves, der die neuen Untersuchungen angeregt hat, und der frühere Antikenminister Zahi Hawass die Kreuzen klingen werden. Hawass hatte an den Theorien von Reeves, die sich bisher als durchaus möglich erwiesen haben, kein gutes Haar gelassen.
Tutanchamuns letztes Geheimnis (NZZ online)
Als Palmyra mulitkulturelle Metrople war
Die Geschichte der syrischen Oasenstadt
(28. April 2016) Der Althistoriker Paul Veyne skizziert in seinem neuen Buch die Geschichte der syrischen Oasenstadt Palymra nach. Auf halber Strecke zwischen Euphrat und Mittelmeer fungierte die "Perle der Wüste" zur Zeit des Römischen Reiches als wichtigste Drehscheibe des Fernhandels zwischen Asien und dem Mittelmeerraum. Als multikulturelle Handelsmetropole war die Stadt ein Schmelztiegel verschiedenster Völker, Kulturen und Kunststile. Veyne widmet das Bändchen dem syrischen Archäologen Khaled al-Asaad, der im vergangenen August mit 81 Jahren in Palmyra vom IS ermordet wurde, weil er sich "für Götzenbilder" interessierte. Das Buch "Palmyra. Requiem für eine Stadt" von Paul Veyne ist im C.H. Beck erschienen.
Requiem für Palmyra (Tagesspiegel.de)
Leseprobe (C.H. Beck Verlag)
"New histories for a changing world"
Vortrag von Neil MacGregor, ehem. Direktor des British Museums London
(27. April 2016) In seinem letzten Vortrag am British Museum hat der scheidende Direktor des Hauses Neil MacGregor über die Aufgaben und die Bedeutung eines Museums in der heutigen Zeit gesprochen. Dabei geht er auf die Entstehungszeit des British Museums in der Mitte des 18. Jhs. und auf die Ideale der Aufklärung ein, in deren Geist das Museum entstand: Es sollte dem neugierigen, weltoffenen und interessierten Besucher die Geschichte der Menschheit näherbringen und dabei aufzeigen, dass alle Menschen und Kulturen gleichwertig sind, auch wenn sie sich voneinander unterscheiden. Genau das sei das Spannende und Bereichernde, wenn man sich mit den Kulturen der Welt beschäftige: Dass Menschen ihr Leben auf ganz verschiedene Weise gestaltet haben und gestalten. MacGregor betont denn auch klar, dass die Frage, welche Kultur nun "besser" bzw. höherstehend sei, komplett falsch ist.
MacGregor geht in seinem sehr empfehlenswerten Vortrag auch auf einige der grossen Ausstellungen, die in den letzten Jahren im British Museum gezeigt worden sind, und auf die Reaktionen des Publikums ein. Das Video zur Rede (englisch) ist nur für Mitglieder des British Museum zugänglich. Wenn Sie sich aber dafür interessieren, schreiben Sie mir bitte eine Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und ich maile Ihnen den Link mit Passwort zur Videoaufzeichnung zu.
Forschungen an altägyptischen Särgen im Aufwind
Gut besuchte Tagung in Cambridge (England)
(25. April 2016) Während Jahrzehnten fristeten altägyptische Särge ein stiefmütterliches Dasein in Museen und Depots; Ägyptologen interessierten sich kaum dafür. In den letzten Jahren sind jedoch verschiedene Projekte ins Leben gerufen worden, die sich mit dem Studium dieser faszinierenden Objektgattung befassen. Särge erzählen uns nämich mit ihrer Dekoration nicht nur über die Jenseitsvorstellungen und die -hoffnungen der damaligen Menschen, sondern ermöglichen auch Einblicke in die Techniken und die Kunstfertigkeit der Handwerker und Künstler.
Vom 7.- 9. April 2016 fand in Cambridge eine gutbesuchte, internationale Tagung zu altägyptischen Särgen statt; als Vertreterinnen des "Schweizer Sargprojekts" (Swiss Coffin Project) nahmen die Ägyptologinnen Alexandra Küffer und Renate Siegmann daran teil. In zahlreichen Vorträgen und Diskussionen wurden verschiedene Aspekte der Sargforschung thematisiert. So berichtete Caroline Cartwright vom British Museum London über ihre Untersuchungen der zur Sargherstellung verwendeten Hölzer. Die häufigsten Holzarten sind Sykomore, Akazie und Tamariske, alles in Ägypten wachsende Bäume. Wer es sich leisten konnte, liess einen Sarg aus importiertem Zedernholz herstellen. Dass die Ägypter die Unterschiede zwischen den verschiedenen Hölzern kannten, zeigt z.B. die sehr häufige Verwendung von Christusdorn für Dübel, welche die einzelnen Sargteile zusammenhielten. Christusdorn ist ein hartes, dichtes Holz, das resistent gegenüber Insekten ist. Wann immer Eiche nachgewiesen werden konnte, handelte es sich um eine moderne Ergänzung durch frühe Museumsrestauratoren, da Eiche den Ägyptern nicht bekannt war und offenbar auch nicht aus dem Mittelmeerraum importiert wurde.
Zu interessanten und unerwarteten Ergebnissen führten auch die Forschungen der amerikanischen Ägyptologin Kara Cooney über die Wiederverwendung von Särgen in Krisenzeiten. So konnte Cooney nachweisen, dass nach dem Zusammenbruch des Neuen Reiches um 1000 v.Chr. die wirtschaftliche Situation in Ägypten so prekär war, dass offenbar die Wiederverwendung von Särgen von offizieller Seite her geduldet wurde, d.h. dass alte Gräber geöffnet, die Bestattungen herausgeholt und für neue Sargbesitzer und -besitzerinnen umgearbeitet wurden. So sind in manchen Sammelgräbern der Zeit um 1000 v.Chr. bis zu 75% der Särge ältere, umgearbeitete Modelle. Was mit den ursprünglichen Besitzern resp. ihren Mumien geschah, ist bisher nicht bekannt.
Ausstellung im Schloss Oberhofen am Thunersee verlängert
"Mythos Orient" bis 23. Oktober 2016 zu sehen
(24. April 2016) Die Ausstellung "Mythos Orient - Ein Berner Architekt in Kairo" im Schloss Oberhofen am Thunersee ist bis zum 23. Oktober 2016 verlängert worden. Die Kabinettsausstellung ist dem Architekten Theodor Zeerleder gewidmet (1820 - 1868), der im Auftrag von Albert de Pourtalès vor 160 Jahren den orientalischen Rauchsalon im Schloss gestaltet hat. Die Saison 2016 im Schloss Oberhofen wird am Sonntag, 8. Mai eröffnet.
Als Rahmenveranstaltung zur Ausstellung findet am 12. Juni ein besonderer Anlass statt, an welchem Arnold Hottinger über frühere und heutige Orientbilder spricht und Brigitte Schildknecht die Besucher in die Welt von 1001 Nacht entführt. Informationen dazu finden sich zu gegebener Zeit auf der Webseite des Schlosses Oberhofen.
Das vergessene Königreich von Ani
Eine imposante Ruinenstadt in Nordost-Anatolien
(24. März 2016) Ani war das Zentrum eines einst blühenden, heute weitgehend vergessenen Königreiches. Die seit über 300 Jahren verlassene und in Ruinen liegende Stätte liegt im türkisch-armenischen Grenzgebiet auf einem Plateau am Rande einer Schlucht, die vom Fluss Achurjan/Arpacay durchflossen wird. Dieser bildet die heutige Grenze zwischen der Türkei und Armenien.
Ani ist als Festung seit dem 5.Jh.n.Chr. belegt. Im 10. Jh. entwickelte es sich zu einer bedeutenden Stadt, die 961 von König Aschot III. der Bagratiden-Dynastie zur Hauptstadt des armenischen Königreiches ernannt wurde. An der nrödlichen Seidenstrasse gelegen, war Ani im 11. Jh. als "Stadt der 1001 Kirchen" bekannt und zählte in ihrer Blütezeit über 100'000 Einwohner. In den folgenden Jahrhunderten erlebte Ani eine sehr wechselhafte Geschichte. Byzantiner, Seldschuken, Georgier und Mongolen übten die Herrschaft aus. 1391 folgte ein verheerendes Erdbeben und viele Bewohner verliessen die Stadt. 1380 wurde Ani vom zentralasiatischen Herrscher Timur Lenk/Tamerlan erobert und im 16. Jh. Teil des Osmanischen Reiches. Von 1878 - 1917 gehörte die Stadt zum Russischen Reich, stand 1918 kurz unter der Kontrolle des neugegründeten Staates Armenien und seit 1920 zur Türkei.
Seit 2011 wird die imposante Ruinenstätte, die lange Zeit in einer militärischen Sperrzone lag und regelmässig von Plünderern aufgesucht wurde, restauriert. Grosse Teile der Anlage sind heute zugänglich; dennoch wird sie nur von vereinzelten Touristen besucht. Die erhaltenen Bauten sind eindrückliche Zeugnisse der vielfältigen Kulturen in Ani. Bisher konnten über 40 Kirchen und Kapellen, teilweise mit farbigen Fresken bemalt, nachgewiesen werden. Zu den wichtigsten gehören die um das Jahr 1000 vollendete Kathedrale, das grösste Gebäude von Ani, und die Erlöserkirche, die um 1035 erbaut wurde und einen Splitter des Kreuzes von Jesus beherbergen soll. Auch eine Moschee mit Minarett hat sich erhalten.
Beitrag der BBC mit herrlichen Landschaftsaufnahmen und einem geschichtlichen Abriss von Ani am Ende des Beitrages:
Existenz von zwei Hohlräumen bestätigt
Weitere Untersuchungen geplant
(21. März 2016) Der ägyptische Antikenminister hat anlässlich der Pressekonferenz, die vor wenigen Tagen in Kairo stattfand, bestätigt, was durch eine unbedachte (?) Aussage des Tourismusministers schon bekannt war: Hinter der West- und der Nordwand der Grabkammer von Tutanchamun befinden sich - wie vom britischen Ägyptologen Nicholas Reeves vermutet worden war - zwei Hohlräume. Die Ergebnisse der Scan-Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich in den beiden Kammern Objekte aus Metall und organischem Material befinden. Weitere Scans sind geplant; am 1. April sollen die neusten Ergebnisse wiederum vorgestellt werden.
Hidden rooms found (NY Daily News)
Neuste Ergebnisse aus dem Grab des Tutanchamun
Pressekonferenz für Donnerstag, 17. März 2016 angekündigt
(16. März 2016) Wie eben bekannt wurde, wird der ägyptische Antikenminister Mamdouh el-Damaty am nächsten Donnerstag, 17. März, um 10.15 Uhr in Kairo eine Pressekonferenz abhalten und die Resultate der neuen Radarsan-Untersuchungen im Grab von Tutanchamun bekanntgeben.
Schweizer Wissenschaftler im Tal der Könige
Harzige Vorbereitung zur Doku-Sendung "Einstein"
(7. März 2016) SRF plant eine "Einstein"- Sendung zu den Arbeiten von Schweizer Wissenschaftlern im Tal der Könige. In seinem Tagebuch berichtet Moderator Tobias Müller über die nicht immer ganz erfreulichen Erlebnisse des Drehteams in Ägypten.
Ältestes Kleid der Welt
Tarkhan Dress im Petrie Museum London
(29. Februar 2016) Der britische Ägyptologe Flinders Petrie fand in der Grabungsaison 1912-13 in Tarkhan, rund 50 km südlich von Kairo, einige Kleiderstücke aus Leinen, die anschliessend jedoch Jahrzehnte unbeachtet blieben. Erst 1977 wurden sie im Depot des Petrie Museums in London wiederentdeckt. Seither wurde der sog. "Tarkhan Dress" als zu den "ältesten Kleidungsstücken der Welt zählend" beschrieben.
2015 wurde anhand einer Radiocarbon-Untersuchung eine Altersbestimmung des Kleidungsstückes durchgeführt. Dabei erwies es sich als älter als bisher angenommen. Es entstand nämlich schon czwischen 3480 und 3100 v.Chr. und ist damit offiziell das älteste erhaltene Kleid der Welt.
Das Kleid mit modischem V-Ausschnitt und plissierten Ärmeln war vermutlich eine "Haute Couture"-Anfertigung für ein Mitglied der Elite. Da sich nur der obere Teil erhalten hat, ist seine ursprüngliche Länge nicht bekannt. Das Kleid befindet sich heute im Petrie Museum London.
The Tarkhan Dress (Antiquity)
Grab des Vizekönigs von Kusch unter Tutanchamun online
Grabstätte TT 40 in Wort und Bild
(22. Februar 2016) Das Team von Osirisnet hat das Grab TT 40 (TT steht für "Theban Tombs") auf seiner Webseite publiziert und stellt es in Wort und Bild vor (auf Englisch und Franzözisch).
Das Grab TT 40 gehört zu den seltenen Grabstätten, die mit Sicherheit in die Regierungszeit von Tutanchamun (um 1332 - 1323 v.Chr.) datiert werden können. Beim Grabbesitzer handelt es sich nämlich um Amenhotep, genannt Huy, der unter dem jungem Pharao das wichtige Amt des Vizekönigs von Kusch (Nubien) bekleidete. Die Dekoration der Grabanlage ist eine der wenigen Quellen, die über Funktion und Aufgaben eines Vizekönigs Auskunft gibt. Berühmt ist ds Grab v.a. wegen der Szenen, die Tributbringer aus dem fernen Nubien zeigen.
Houy 40 (Webseite Osirisnet)
Unbekannte Kammer im Grab von Tutanchamun voller Schätze
Steht Sensationsfund tatsächlich bevor?
(22. Februar 2016) Die Gerüchteküche rund um die noch unbekannten Kammern im Grab des Tutanchamun brodelt weiter. Seit gestern verbreitet sich eine bisher unbestätige Meldung, die auf der Facebook-Seite des Ägyptologen Antoine Gigal erschien, in Windeseile. So soll der ägyptische Tourismusminister Hisham Zaazou verheissungsvoll angekündigt haben, dass eine der Kammern "voller Schätze" sei. Dies soll im kommenden April offiziell verkündet werden und werde als DIE Entdeckung des 21. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen. Nun sind alle richtig gespannt!
Leben und Sterben im Tal der Könige
Dokumentation über das Leben im alten Ägypten auf Arte
(12. Februar 2016) Der Sender Arte strahlt am Samstag, 13. Februar 2016, 20.15 - 22.15 Uhr die zweiteilige Dokumentation "Leben und Sterben im Tal der Könige" aus, die sich nicht nur mit den Pharaonen, sondern auch mit den einfachen Leuten, ihrem Leben und Sterben befasst.
Grabungskampagne in Naga, Nordsudan
Grabung mit reduziertem Arbeitsprogramm aufgrund angespannter finanzieller Situation
(8. Februar 2016) In Naga sind die Ende 2015 unternommenen Arbeiten durch ein Team des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst München fortgesetzt worden. Die antike Stadt Naga liegt unweit des 6. Nilkataraktes rund 150 km nördlich von Khartum und war ein bedeutendes Zentrum des meroitischen Reiches. Schwerpunkte der Kampagne bilden die weitere Freilegung des Tempels Naga 1200, dessen Bautypus bislang ohne Parallelen ist, sowie die Untersuchung eines im Herbst entdeckten Ziegelgebäudes, das unter den Fundamenten des Löwentempels von Naga liegt und das Aufschlüsse zur Frühgeschichte der Stadt vor ihrer Blüte im 1.Jh.n.Chr. liefern könnte. Die aktuelle Grabungskampagne dauert bis Ende Februar und soll im Herbst 2016 fortgeführt werden.
Ein Unsicherheitsfaktor betrifft die Finanzierung der Grabung, die seit 2013 mehrheitlich vom Qatar Sudan Archaeological Project (QSAP) bestritten wird. Dieses hat nun jedoch aufgrund der wirtschaftlichen Situation seine Förderung von 40(!) archäologischen Projekten im Sudan vorübergehend ausgesetzt. Wie auf der Webseite des Naga Projektes mitgeteilt wird, "werden die Arbeiten in Naga mit Restmitteln und im Vertrauen auf die Wiederaufnahme der Förderung durch das QSAP mit stark reduziertem Arbeitsprogramm fortgesetzt"; dies sei auch notwendig, um eine Gefährdung der freigelegten Areale zu verhindern. Das Naga Projekt ruft zu Spenden auf, um die Fortsetzung der Grabung zu sichern.
Am Mittwoch, 10. Februar, sendet Arte um 08.30 und um 16.20 Uhr eine Dokumentation zu Naga mit dem Titel "Tempelstadt Naga - Die verschüttete Hochkultur"
Naga Project (Webseite des Projektes)
Eine neue Broschüre mit dem Titel "A short guide to the ancient site of Naga" kann als pdf-Datei heruntergeladen werden:
Antikenminister teilt neue Funde mit
Entdeckungen in Abusir und Theben-West
(7. Februar 2016) Diese Woche konnte der ägyptische Antikenminister Mamdouh el-Damaty gleich zweimal mit guten Nachrichten aufwarten. Ein tschechisches Team hat in der Nekropole von Abusir südlich von Kairo ein hölzernes Schiff entdeckt, das rund 4500 Jahre alt ist. Es ist das bislang einzige Schiff, welches bei einem nicht-königlichen Grab gefunden wurde. Einziger Wermutstropfen ist, dass der Name des Grabesitzers noch unbekannt ist, da die Inschriften sehr zerstört sind. Es dürfte sich aber mit Sicherheit um einen hohen Beamten handeln. Einzigartig ist der Fund auch deshalb, weil das Schiff intakt geborgen werden konnte, d.h. dass alle Verbindungsstücke und Seile vorhanden sind. Die Ausgräber erhoffen sich dadurch neue Einblicke in die Art und Weise des Schiffbaues bei den alten Ägyptern.
Ein weiteres Highlight für den Antikenminister war sein Besuch beim spanischen Team in Dra Abu el Naga (Theben-West). Die Grabung umfasst zwei Gräber, deren wichtigste Funde neu im Luxor Museum ausgestellt sind.
Abusir und Drab Abu el Naga (Luxor Times)
Das Jahr der Pyramiden
Noch keine neuen Resultate zu den Scan-Untersuchungen
(29. Januar 2016) Das ägyptische Antikenministerium hat 2016 zum Jahr der Pyramiden erklärt. Wie der Antikenminister El-Damaty an einer Pressekonferenz auf dem Giza-Plateau mitteilte, seien das ganze Jahr über verschiedene Untersuchungen an den Pyramiden geplant.
Die ersten Untersuchungen an den Snofru-Pyramiden von Dahshur sind beendet; die Resultate werden zurzeit in einem Speziallabor des Grand Egyptian Museum GEM ausgewertet. El-Damaty verstand es, vor versammelter Reporterschar Spannung zu erzeugen, obschon er keine weiteren Neuigkeiten zu verkünden hatte: Er habe gute Nachrichten, über die er allerdings noch nichts sagen könne...
Results so far (Luxor Times)
Frühes Ägypten
Titelthema der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (1/2016)
(15. Januar 2016) Titelthema der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Archäologie und Kunstgeschichte "Antike Welt" ist die Vor- und Frühgeschichte Ägyptens. Wie die altägyptische Kultur entstanden ist und wo ihre Wurzeln liegen, lag lange Zeit im Dunkeln. In mehreren Beiträgen werden die neusten Forschungen dazu durch Fachpersonen vorgestellt. Ein wichtiger Artikel befasst sich ausserdem mit Palmyra und macht deutlich, dass Syrien als Ganzes weltweit eines der bedeutendsten Kulturarchive besitzt.
Webseite (Von Zabern Verlag)
E-News von CIPEG
Neuigkeiten rund um ägyptische Museumssammlungen
(31. Dezember 2015) Der aktuelle Newsletter von CIPEG, des Internationalen Museums-Komitees für Ägyptologie, enthält Informationen zu den CIPEG-Anlässen im 2015 sowie zu neuen Ausstellungen in Museen weltweit.
Auf den Spuren von Odysseus
6-teilige Zeitreise in die Antike auf 3sat
(14. Dezember 2015) Die "Ilias" und die "Odyssee" des Dichters Homer (8.Jh.v.Chr.) gelten als die ersten Werke abendländischer Literatur. Die Geschichten um Götter und Helden haben die Menschen schon in der Antike fasziniert. So trug Alexander der Grosse im 4.Jh.v.Chr. auf seinem Eroberungsfeldzug von Griechenland nach Indien immer ein Exemplar der "Illias" bei sich, das er abends unter sein Kissen zu legen pflegte.
In einer sechsteiligen Zeitreise macht sich 3sat auf die Spuren von Odysseus und rekonstruiert die Irrfahrt des Helden durch die Mittelmeerregion. Im Fokus der Reise steht aber nicht nur die Antike, sondern auch die Gegenwart mit ihren Tragödien und Hoffnungen, deren Schauplatz der Mittelmeerraum zur Zeit ist.
Die Reportage wird am Mittwoch, Donnerstag und Freitag, 16., 17. und 18. Dezember, von 20.15 - 22.00 Uhr auf 3sat ausgestrahlt (jeweils 2 Teile in Folge). Sie kann auch über folgenden Link heruntergeladen werden:
Erwähnt seien an dieser Stelle auch die folgenden Sendungen:
Ein Kinderdorf für Marokko - Ein Schweizer Projekt: Montag, 14. Dezember 2015, 3sat, 22.25 - 23.15 Uhr
Mohammed, der Prophet: Dienstag, 16. Dezember 2015, zdf info, 18.00 - 18.45 Uhr
Einen Schritt näher an der Sensation
Radarmessungen bestätigen noch unentdeckte Hohlräume in Tutanchamuns Grab
(30. November 2015) Ein japanisches Team hat die Wände des Grabes von Tutanchamun im Tal der Könige mittels Radar untersucht. Die Resultate lassen vermuten, dass sich hinter der Nord- und Westwand der Grabkammer tatsächlich weitere Hohlräume befinden. Der ägyptische Antikenminister el-Damaty teilte mit, dass es in einem nächsten Schritt nun darum gehe, das weitere Vorgehen festzusetzen, insbesondere wie in die vermuteten Kammern eingedrungen werden könne, ohne diese allzu sehr zu beschädigen.
Der britische Archäologe Nicholas Reeves sieht damit seine Theorie von der Existenz noch unbekannter Räume im Grab von Tutanchamun bisher bestätigt. Ob es sich dabei jedoch um die Grabstätte von Nofretete handelt, muss sich noch weisen. Auf jeden Fall versetzt die Bestätigung der Kammern die Wissenschaftler in kollektive Erregung. Es ist Ägypten zu gönnen, dass das Land wieder einmal mit positiven Nachrichten auf sich aufmerksam machen kann!
Hidden chambers (National Geographic; englisch)
In New York wird ist zur Zeit die Ausstellung "The Discovery of King Tut" zu sehen, welche das nachgebaute Grab sowie Repliken der Grabbeigaben zeigt. Die aufwendig gestaltete Webseite gibt Informationen zur Entdeckung des Grabes durch Howard Carter im Jahr 1922 und zeigt Aufnahmen von Carters Fotografen Harry Burton sowie mehrere Videofilme mit Erklärungen zu den Exponaten:
Tut NY Exhibition (Webseite)
Nicht alle Wissenschaftler freuen sich offenbar darüber, dass sich die Theorie von Nicholas Reeves bewahrheiten könnte. So stichelt der frühere Antikenminister Zahi Hawass in einem Interview mit "Egypt Independent" mit scharfen Worten gegen Reeves und beschuldigt diesen, nur seinen persöhnlichen Ruhm im Auge zu haben (ob Hawass dabei aus eigener Erfahrung spricht?). Hawass kann es auch nicht lassen, zum wiederholten Mal auf seine Verdienste hinzuweisen und die Anschuldigungen wegen Antikenschmuggels, die vor mehreren Jahren gegen Reeves erhoben wurden, zu wiederholen. Die Anklage gegen Reeves wurde damals jedoch fallengelassen. Vor Neid und undifferenzierter Kritik sind auch Forscher nicht gefeit!
Hawass on Reeves (Egypt Independent)
Hartes Leben der Arbeiter in Echnatons Hauptstadt
Mumien aus Tell el-Amarna weisen schwere Rückenverletzungen auf
(13. November 2015) Der Alltag vieler Menschen im alten Ägypten war von harter Arbeit, körperlicher Belastung und Krankheit geprägt. Diese - oft ignorierte - Tatsache bestätigt eine Untersuchung von Mumien aus dem südlichen Friedhof von Tell el-Amarna auf eindrückliche Weise.
Forscher um den britischen Ägyptologen Barry Kemp untersuchen seit einigen Jahren den sog. südlichen Friedhof in Tell el-Amarna, der Bestattungen einfacher Leute enthält. Die Resultate der Mumienuntersuchungen erzählen eine traurige Geschichte und zeigen, wie schlecht es den unteren Bevölkerungsschichten in Echnatons neuer Hauptstadt erging. Knapp 70% der Mumien von erwachsenen Personen haben gebrochene und verkrümmte Rückenwirbel, was auf sehr harte körperliche Arbeit schliessen lasse. Ausserdem waren die Menschen von kleinerer Statur als üblich. Dies sei auf schwere und langandauernde Unterernährung zurückzuführen. Mangelernährung wurde auch bei Kindermumien nachgewiesen.
Als Amenophis IV./Echnaton in seinem 5. Regierungsjahr (um 1348 v.Chr.) beschloss, eine neue Residenz zu gründen, begleiteten ihn wohl um die 20'000 Menschen nach Mittelägypten, wo in wenigen Jahren die neue Hauptstadt Achet-Aton aus dem Boden gestampft wurde. Die meisten davon waren Bauarbeiter, Handwerker und Bauern, die für den Königshof und die Elite schufteten. Die Bauwerke wurden aus Kalksteinblöcken gebaut, die 52 x 25 cm massen und rund 70 kg schwer waren. Die Forscher um Barry Kemp gehen davon aus, dass die Blöcke zum Transportieren einfach von Arbeiter zu Arbeiter weitergegeben wurden. Die jahrelange harte Arbeit bei mangelhafter Ernährung hinterliess denn auch Spuren am Skelett, die auf schwere Missbildungen und grosse Schmerzen hindeuten.
Die Bestattungen im südlichen Friedhof von Tell el-Amarna sind sehr einfach. Die mit Leinentüchern bedeckten Verstorbenen wurden in Matten aus Pflanzenfiebern gehüllt und im Sand vergraben. Kleine Kalksteinstelen markierten die Grabstelle. Als Beigaben sind kleine Gefässe aus Keramik und Stein sowie Amulette und einfache Schmuckstücke belegt. Die meisten Gräber wurden geplündert und der Oberkörper vieler Mumien auf der Suche wertvollem Schmuck zerstört.
Builders worked so hard they broke their backs (Webseite Ancient Origins)
Ägypten - der Glaube nach der Pharaonenzeit
Eine Ausstellung im British Museum thematisiert die Entwicklung vom Polytheismus zum Glauben an einen einzigen Gott
(30. Oktober 2015) Die letzte Ausstellung unter Direktor Neil MacGregor im British Museum London befasst sich mit einem aktuellen und deshalb kontroversen Thema: "Egypt - Faith after the Pharaohs" zeichnet die Entwicklung vom Vielgötterglauben zum Glauben an einen einzigen Gott nach und zeigt das Nach- bzw. Nebeneinander von Judentum, Christentum und Islam auf. Gerade in Nordafrika und im Nahen Osten sind die Religionen tief im Alltag der Menschen verwurzelt und haben eine überragende Bedeutung, welche westliche, säkular eingestellte Menschen nicht immer nachvollziehen können. Die Ausstellung sei deshalb für Besucher auch eine grosse Herausforderung, schreibt etwa der Reporter von der Zeitung "Guardian": "It confronts our inability to cope with a world in which religion is still passionately, sometimes murderously, alive."
Die Ausstellung zeigt Objekte, die im ägyptischen Wüstensand jahrhundertelang überdauert haben. Sie geben Einblicke sowohl in den Alltag der einfachen Bevölkerung als auch in die Besonderheiten der drei monotheistischen Religionen in Ägypten. Ein - aus ägyptologischer Sicht - besonders faszinierendes Kapitel der Ausstellung widmet sich dem Einfluss der altägyptischen Religion auf das frühe Christentum. So wurde z.B. das altägyptische Hieroglyphenzeichen "Anch", welches "ewiges Leben" bedeutet, von den frühen Christen in Ägypten übernommen und entwickelte sich zum christlichen Symbol des Kreuzes! Zu den besonders wertvollen Schriften, die in der Ausstellung präsentiert werden, gehört der Codex Sinaiticus, das älteste, vollständige Neue Testament, das im 4. Jh. im Katharinenkloster auf der Sinaihalbinsel verfasst worden ist.
"Egypt - Faith after the Pharaohs" wird vom 29. Oktober 2015 bis 7. Februar 2016 gezeigt.
Besprechung der Ausstellung (The Guardian)
Webseite British Museum (mit Einführungsvideo)
Unscheinbarer Wissensspeicher
Texte auf Papyrus und ihre Entzifferung
(25. Oktober 2015) Mit Ägypten verbinden wir Pyramiden, Tempel und Mumien. Seltener denken wir dabei an Papyri und die darauf festgehaltenen Texte. In Ausstellungen werden Papyrusfragmente meist wenig beachtet, ausser sie sind mit farbigen Bildern dekoriert.
Die Schreibunterlage Papyrus wurde aus den Markstreifen der gleichnamigen Pflanze zusammengeklebt. Eine Papyrusrolle, die mehrere Meter lang sein konnte, wurde mit einem spitzen Binsenrohr und mit Tinte beschrieben, wobei für den Texte schwarze, für den Titel rote Farbe verwendet wurde. Die ältesten Papyri in Ägypten datieren ins dritte Jahrtausend vor Christus. Besonders zahlreich sind griechische Texte aus dem vierten vorchristlichen bis ins achte nachchristliche Jahrhundert.
Dank das trockenen Wüstenklimas haben sich in Ägypten Tausende von beschrifteten Papyri und Papyrusfragmenten erhalten, deren Entzifferung unser Wissen enorm bereichern und Einblicke in die altägyptische und frühchristliche Welt ermöglichen. Da die Papyri oft schlecht erhalten sind, beginnt ihre Erforschung meist mit einer zeit- und kostenintensiven Restaurierung. Auch Entzifferung und Übersetzung erfordern von den Spezialisten Geduld und Ausdauer. Dass die Mühe lohnt und durch die Papyri immer wieder neue Entdeckungen gemacht werden können, beschreibt Stefan Rebenich, Professor für Alte Geschichte an der Universität Bern, in seinem Artikel:
Grab KV 31 im Tal der Könige beherbergte fünf Mumien
Zwischenbericht zur Schweizer Grabung im Tal der Könige
(13. Oktober 2015) Wissenschaftler der Universitäten Basel und Zürich sowie der Amerikanischen Universität in Kairo haben die ersten Ergebnisse der Untersuchungen an den Mumien aus dem Grab KV 31 im Tal der Könige publiziert.
Das 2009 angelaufene Projekt "The University of Basel Kings Valley Project" untersucht nicht-königliche Gräber im Tal der Pharaonen. Seit 2010 wird das Grab mit der Nummer KV (Kings Valley) 31 freigelegt und erforscht. Es soll im frühen 19. Jh. von Giovanni Belzoni, der u.a. die Grabstätte von Sethos I. (Vater von Ramses II.) entdeckte, gefunden worden sein. Die Schweizer Forscher fertigten nun erstmals Pläne des Grabes an, das einen Schacht und drei Räume umfasst. In Raum C wurden menschlichte Überreste von fünf Mumien gefunden.
Das Grab ist schon in der Antike wiederholt geplündert worden. Die Mumien wurden dabei aus ihren Bandagen gerissen und ihrer Schmuckstücke beraubt. Keine Inschriften weisen auf die Namen der verstorbenen Personen hin, so dass ihre Identität nicht geklärt werden kann. Sicher ist jedoch, dass die Verstorbenen einen hohen sozialen Rang innehatten und sehr sorgfältig mumifiziert worden sind. Weitere Untersuchungen mittels DNA-Tests und CT-Scans sind vorgesehen.
Bericht zur Untersuchung der Mumien in KV 31 (Webseite Bio Med Research International)
Der Jahrhundertfund von Antikythera
Titelthema der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (5/2015)
(7. Oktober 2015) Das Antikenmuseum Basel zeigt ab dem 27. September 2015 die Sonderausstellung "Der versunkene Schatz von Antikythera". Dem Schiffswrack und seiner Ladung widmet sich ebenso das Titelthema der aktuellen Ausgabe der "Antiken Welt".
Die Entdeckung des Schiffs, das im 1. Jh.v.Chr. auf halbem Weg zwischen der Peloponnes im Norden und Kreta im Süden vor der Küste der kleinen Insel Antikythera sank, war im Jahr 1900 für die Archäologie ein Jahrundertfund und gleichzeitig der Beginn der Unterwasserarchäologie. In mehreren Beiträgen werden die neusten Erkenntnisse zum Schiff und seiner Fracht zusammengefasst. Weitere Artikel befassen sich mit der rätselhaften Königin von Saba und der neu installierten Dauerausstellung zu Ägypten im Gustav-Lübcke Museum in Hamm.
Hinweise auf versteckte Räume gefunden
Untersuchung des Grabes von Tutanchamun weckt Hoffnung auf Sensationsfund
(30. September 2015) Vor wenigen Tagen hat der britische Ägyptologe Nicholas Reeves mit dem Antikenminister El-Damaty und Vertretern des Ministeriums das Grab des Tutanchamun besucht, um nach Hinweisen auf die vermeintlich versteckten beiden Räume zu suchen. Offenbar wurden dabei tatsächlich Spuren gefunden, die darauf hindeuten, dass mit weiteren Räumen im Grab zu rechnen ist. Nach Aussagen von El-Damaty betrage die Wahrscheinlichkeit, noch unbekannte Kammern zu finden, rund 70%.
Ein wichtiger Hinweis ist die noch sichtbare "Linie" an der Decke der jetzigen Grabkammer, die genau auf einen vermeintlichen Durchgang ausgerichtet sei und darauf hindeute, dass die Grabkammer ursprünglich ein Korridor gewesen ist. Ein weiterer Hinweis ist die unterschiedliche Qualität des Stucks, der vor der Bemalung zur Glättung der Wände aufgetragen wurde. Der Stuck an den Wänden, hinter denen sich die vermuteten Durchgänge befinden, sei grobkörnig, derjenige an den restlichen Wänden feinkörnig.
Die Untersuchungen sollen Ende November mittels Radar fortgesetzt werden. So bleibt in den nächsten Wochen genügend Zeit, sich auszumalen, was für "wonderful things" sich in den beiden Kammern befinden könnten....
King Tut tomb door (National Geographic)
Untersuchung des Grabes von Tutanchamun
Ägyptisches Antikenministerium sucht nach dem vermeintlichen Grab der Nofretete
(22. September 2015) Laut Aussagen des ägyptischen Antikenministers El-Damaty, der eben in seinem Amt bestätigt wurde, wird der britische Ägyptologe Nicholas Reeves am 27. September in Kairo erwartet. Reeves hat in seiner letzten Publikation die Vermutung geäussert, das Grab der Königin Nofretete sei in der Grabstätte von Tutanchamun im Tal der Könige lokalisiert. Diese Theorie hatte für viel Diskussionsstoff gesorgt. Offenbar konnte Reeves nun aber auch das ägyptische Antikenministerium überzeugen, dass sich Untersuchungen dazu lohnen würden.
Reeves wird am 28. oder 29. September in Begleitung von Vertretern des Antikenministeriums nach Luxor fliegen, wo im Grab des Tutanchamun Untersuchungen vorgenommen werden sollen. Für den 1. Oktober ist eine Pressekonferenz in Kairo geplant. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein!
Grab des Wesirs Rechmire in Wort und Bild
Umfasendste Publikation des berühmten Grabes
(25. August 2015) Osiris-Net stellt eines der schönsten Gräber in Theben-West in Wort (französisch und englisch) und zahlreichen Bildern vor. Es handelt sich um die Grabstätte des Wesirs Rechmire (übersetzt: 'Wissend wie Re'), das die Nummer TT 100 trägt und sich in Schech abdel Kurna befindet.
Rechmire lebte Mitte der 18. Dynastie (um 1450 v.Chr.) und übte unter den Königen Thutmosis III. und Amenophis II. das hohe Amt des Wesirs aus. Sein Grab, das aus einer Querhalle und einer 29 m langen Längshalle besteht, ist gut erhalten und besticht durch einzigartige Darstellungen. Berühmt sind besonders die Szenen der Tributbringer aus fernen Ländern wie Punt, Kreta oder Nubien. Alle Gesandtschaften und ihre Tribute sind äusserst detailreich und farbenfroh wiedergegeben. Wichtige Einblicke in die Funktion und das korrekte Verhalten der Beamtenschaft geben die Texte zur Einsetzung des Wesirs und zu dessen Dienstordnung.
Grab des Rechmire (Osiris-Net)
Grab der Nofretete gefunden?
Britischer Ägyptologe sorgt für Wirbel
(16. August 2015) Der britische Ägyptologe Nicholas Reeves hat mit seiner spektakulären Behauptung, dass sich das Grab der Nofretete im Grab von Tutanchamun befinden könnte, einen Riesenwirbel ausgelöst. Sowohl Presse wie Fachleute überbieten sich gegenseitig mit Berichten über den neusten Beitrag von Reeves.
Königin Nofretete ist eine der berühmtesten Frauen der ägyptischen Geschichte und vor allem durch ihre Büste in Berlin weltbekannt. Sie war die Gattin des sog. Ketzerkönigs Echnaton (um 1353 - 1336 v. Chr.), der in Ägypten einen Monotheismus einführte. Das Grab der schönen Nofretete konnte bislang nicht lokalisiert werden. Auf umso mehr Interesse stösst deshalb der Bericht von Reeves. Er vermutet, dass Nofretete's Grab hinter den Wänden des Grabes von Tutanchamun's Grabkammer im Tal der Könige liegt. Auf die Idee sei er durch die genaue Untersuchung der digitalen Scans der Grabwände von Tutanchamun gekommen, die durch die Firma "Factum Arte" zur Errichtung des Facsimile-Grabes angefertigt wurden. Auf den Aufnahmen seien unter der Bemalung Spuren von bisher verborgenen Durchgängen sichtbar. In seinem Bericht "The burial of Nefertiti?" erklärt er, warum diese Durchgänge zum Grab der Nofretete führen könnten.
Während einige Ägyptologen die Theorien von Reeves für plausibel halten, halten andere diese für wenig wahrscheinlich. Am pointiertesten hat sich (wie nicht anders zu erwarten) der frühere ägyptische Antikenminister Zahi Hawass zu Wort gemeldet. Er wirft Reeves vor, das Ganze sei reine Spekulation und diene nur dem Ego von Reeves, der sich damit in Szene setzen wolle. Auf jeden Fall ist an der Internationalen Tagung der Ägyptologen und Ägyptologinnen, die Ende August in Florenz stattfindet, für jede Menge Diskussionsstoff gesorgt!
The Burial of Nefertiti? (Publikation von Nicholas Reeves, in Englisch)
Interview mit Nicholas Reeves (Ahram online, in Englisch)
Der Münchner Ägyptologe Joachim Willeitner hat seine Gegenargumente im "Spektrum der Wissenschaft" zusammengefasst:
Liegt Nofretete in Tutanchamuns Grab? (Webseite Spektrum der Wissenschaft)
Neue Erkenntnisse zum Untergang der mykenischen Kultur
Titelthema der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (4/2015)
(11. August 2015) Das Ende des 12.Jhs. war im östlichen Mittelmeerraum und im Vorderen Orient durch gewaltige Umbrüche in den Machtstrukturen gekennzeichnet. Eine Reihe von Kulturen, die in voller Blüte standen, war davon betroffen: von den Mykenern und Minoern über die Hethiter und Ägypter bin zu den Babyloniern und Assyrern. Alle diese Kulturen waren über Handelsverbindungen eng miteinander verbunden. Die Forschung befasst sich schon seit Längerem mit der Frage, wie und warum es innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums zum Zusammenbruch ganzer Kulturen gekommen ist.
Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" ist den neusten Forschungen zu dieser faszinierenden und dramatischen Zeitspanne gewidmet. Mehrere Beiträge fassen den aktuellsten Stand der Erkenntnisse zum Untergang der mykenischen Kultur zusammen. Weitere Artikel befassen sich u.a. mit den Schatz- und Geheimkammern in ägyptischen Tempeln sowie mit dem Leben von Körperbehinderten in der klassischen Antike.
"Der Platz des Königs"
Georg Gerster über den Königsplatz von Isfahan
(15. Juli 2015) Iran ist gegenwärtig in aller Munde. Die Erleichterung über den nach jahrelangen Verhandlungen zustande gekommenen Atomdeal ist riesig, besonders im Land selber.
Mit seiner Jahrtausende alter Kultur hat Iran jedoch seit Längerem Reisende in seinen Bann gezogen. Das frühere Persien kann mit Sehenswürdigkeiten von Weltrang aufwarten, wie dem herrlichen "Platz des Königs" in Isfahan. Georg Gerster stellt ihn vor:
Ein königlicher Platz (Journal 21)
Newsletter des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst München
Vorträge und Führungen im Sommer
(8. Juli 2015) Dass der Sommer nun angekommen ist, ist keine Ausrede, nicht ins Museum zu gehen, schreiben die Verantwortlichen des Ägyptischen Museums in München und geben im neuen Newsletter zahlreiche Anregungen, weshalb ein Besuch sich lohnt:
Grand Egyptian Museum (GEM) in Giza macht weiter von sich reden
Kritik von früherem Antiquitätenminister Hawass
(5. Juli 2015) Das Grand Egyptian Museum (GEM), das nahe der Pyramiden in Giza gebaut wird, bleibt ein umstrittenes Projekt. Noch ist der Bau nicht vollendet. Rund 5000 Arbeiter sind mit der Fertigstellung beschäftigt, wobei nach neuen Aussagen des Antiquitätenministers Mamdouh el-Damaty eine teilweise Öffnung des Museums für Mai 2018 vorgesehen ist. Diese wird jedoch nur die Tutanchamun - Galerien umfassen und soll helfen, weitere Gelder für die restlichen Ausstellungsräume zu generieren. Ursprünglich war vorgesehen, dass 100'000 Objekte in fünf Ausstellungsbereichen gezeigt werden sollten, darunter der vollständige Grabschatz von Tutanchamun. Ob dieses Ziel in den kommenden Jahren erreicht werden kann, ist jedoch ungewiss.
Seit bekannt wurde, dass die Kosten sich neu auf über eine Milliarde Dollar belaufen, wird immer wieder Kritik am GEM laut. Auch Zahi Hawass, früherer Antiquitätenminister, lässt sich die Gelegenheit nicht nehmen und macht mit pikanten Aussagen wieder auf sich aufmerksam. So zeigt er sich überzeugt, dass das GEM aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nie geöffnet werden wird. Auch am Ägyptischen Museum Kairo am Tahrir-Platz lässt er kein gutes Haar; es sei eine dunkle Rumpelkammer, Abertausende von Objekten würden einfach herumliegen.
Cash crunch looms over Tut's new home (artdaily.com)
Open-Air Museum in der Ostwüste Ägyptens
Römischer Steinbruch Mons Claudianus soll zu Touristenattraktion werden
(5. Juli 2015) Die archäologische Stätte des Mons Claudianus in der ägyptischen Ostwüste etwa 50 km von Hurgada entfernt soll gemäss Auskunft des Antiquitätenministeriums zu einem Open-Air Museum ausgebaut werden. Man erhofft sich damit, mehr Besucher von den Badestränden des Roten Meeres ins Landesinnere zu locken.
Schon die alten Ägypter bauten in der Ostwüste verschiedene Gesteinssorten für den Bau ihrer Tempel ab. Es waren jedoch besonders die Römer, die Gefallen an den Graniten fanden und in grossem Stil am Mons Claudianus Granit brachen, den sie bis nach Rom transportierten und u.a. im Kolosseum verbauten. Neben dem Mons Claudianus war der Mons Porphyrites wegen seines roten und schwarzen Porphyrs sehr beliebt.
Die ägyptische Ostwüste ist bei Ägyptentouristen nahezu unbekannt, birgt jedoch manche interessante archäologische Stätte, wie z.B. den Tempel von Kanais, den Sethos I. im Wadi Mia rund 55 km östlich von Edfu bei einer Brunnenstation anlegen liess. Der Felsentempel birgt noch heute farbige Reliefs sowie bedeutende Inschriften von Expeditionsleitern, die sich auf dem Weg zu den Goldminen hier verewigt haben.
Mons Claudianus Archaeological Site (Ahram Online)
Thementag Archäologie auf Arte
Samstag, 20. Juni 2015, 09.45 - 22.55 Uhr
(18. Juni 2015) Der Sender Arte befasst sich am Samstag, 20. Juni, einen ganzen Tag mit Archäologie. Einige Beiträge betreffen auch Ägypten und den frühen Orient, z.B. "Die Toten der Sahara" um 10.15 Uhr, "Die Hängenden Gärten von Babylon" um 15.00 oder "Ägyptens versunkene Hauptstadt" um 15.55 Uhr sowie "Die Rätsel der Sphinx" um 21.55 Uhr.
Pilgern zu Göttern und Heiligen
Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (3/2015)
(2. Juni 2015) Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte "Antike Welt" widmet ihr Titelthema dem Phänoment der Pilgerreisen, die es auch in vorchristlicher Zeit schon gab. In mehreren Beiträgen wird der aktuelle Forschungsstand zusammengefasst.
Ausserdem stellt der Ägyptologe Felix Arnold die Ergebnisse der Grabungen in Dahschur südlich von Kairo vor. Hier wurden in der Nähe des Taltempels der sog. Knickpyramide Reste einer ausgedehnten Gartenanlage aus der Zeit Snofrus (um 2600 v.Chr.) entdeckt.
Museen und Sammlungen stellen sich vor
Newsletter des Internationalen Komitees für Ägyptologie (CIPEG)
(28. Mai 2015) Der aktuelle Newsletter von CIPEG enthält wiederum eine Fülle von Neuigkeiten und Informationen zu Museen und ihren altägyptischen Sammlungen sowie zu Ausstellungen und Forschungsprojekten.
Tiermumien sind oft "Fälschungen"
Umfassende Untersuchung ägyptischer Tiermumien aus englischen Museen
(23. Mai 2015) Die Ägypter mumifizierten nicht nur Menschen, sondern auch Tiere. So wurden die Mumien geliebter Haustiere mit ins Grab genommen, um ihren Besitzern auch im Jenseits Gesellschaft zu leisten.
Beim Grossteil der ägyptischen Tiermumien handelt es sich jedoch um vergöttlichte Tiere, die als Erscheinungsformen bestimmter Gottheiten galten. Solche heiligen Tiere wurden in den Tempelbezirken gezüchtet und gefüttert. Während von einigen Tierarten nur ausgewählte Exemplare gehalten und mumifiziert wurden (wie z.B. Apis-Stiere), finden sich Mumien von Ibissen, Falken, Katzen oder Krokodilen millionenfach in katakombenartigen Grabanlagen neben den Tempeln. Forscher gehen von über 70 Millionen Tieren aus, die im 1. Jahrtausend v.Chr. mumifiziert wurden. Die Tiermumien dienten als Votivgaben an die jeweiligen Gottheiten und wurden von den Priestern an fromme Pilger verkauft. Die Tiere sollten den Göttern und Göttinnen die Gebete der Gläubigen überbringen.
Die Universität Manchester hat rund 300 Tiermumien aus englischen Museen untersucht und herausgefunden, dass die Mehrheit der Tiermumien "Fälschungen" sind. Nur bei einem Drittel der Mumien war im Inneren der Bandagen tatsächlich ein vollständiges Tierskelett vorhanden. Bei einem weiteren Drittel konnten nur einzelne Knochen festgestellt werden; das letzte Drittel enthielt Federn, Eierschalen oder sogar ausschliesslich Erdklumpen. Die Forscher sind sich jedoch einig, dass die Priester die Gläubigen nicht täuschen wollten; vielmehr galt bei den Ägyptern alles als heilig, was mit den heiligen Tieren in Berührung gekommen war, so dass durchaus auch Erde eine Vermittlerfunktion zwischen dem Betenden und der verehrten Gottheit übernehmen konnte.
Animal mummies with no bones (Hyperallergic online)
Auch in Schweizer Museen finden sich ägyptische Tiermumien. So besitzt z.B. das Museum für Völkerkunde Burgdorf eine Krokodilsmumie, die an der grossen Mumien-Ausstellung in Stuttgart 2007 auf reges Interesse stiess. Die Mumie war zuvor am Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern untersucht worden. Ein Bericht der Autorin findet sich im Burgdorfer Jahrbuch 2008 (S. 145 - 152), das als pdf-Datei zugänglich ist:
Burgdorfer Jahrbuch 2008 (biblio.unibe.ch)
Leuchtturm von Alexandria soll wieder errichtet werden
Wahrzeichen der einstigen Metropole am Mittelmeeer und berühmtes Weltwunder der Antike
(11. Mai 2015) Das ägyptische Antiquitätenministerium hat beschlossen, den Leuchtturm von Alexandria an seinem Originalstandort wieder aufzubauen. Damit wird ein Projekt, das vom einstigen Leiter der Antiquitätenbehörde Zahi Hawass propagiert wurde, wieder aufgenommen.
Der Leuchtturm Pharos erhob sich einst auf einer kleinen Insel, die die Einfahrt zum Grossen Hafen von Alexandria überblickte, und gehörte zu den sieben Weltwundern der Antike. Der Turm war zwischen 120 und 140 m hoch - und gehörte zusammen mit den Pyramiden von Giza zu den höchsten Bauten der damaligen Welt - und wurde im 3. Jh. v.Chr. unter den ersten ptolemäischen Pharaonen aus weissem Stein erbaut. Er galt als Wahrzeichen der antiken Metropole am Mittelmeer. Zwischen dem 10. und 14. Jh. wurde der Leuchtturm von mehreren Erdbeben beschädigt und schliesslich vollständig zerstört. An seiner Stelle wurde um 1480 das Fort Kait Bey durch den gleichnamigen Mamelukensultan errichtet.
1994 fanden Unterwasserarchäologen vor der Corniche Alexandrias Blöcke, die ursprünglich zum Pharos gehört hatten. Diese sollen nun wenn möglich für den Wiederaufbau verwendet werden.
Alexandria Lighthouse (Cairo Post)
Ägyptisches Museum in Turin wieder eröffnet
Moderne Inszenierung der bedeutenden Sammlung
(8. Mai 2015) Das ägyptische Museum in Turin beherbergt eine der grössten Sammlungen ausserhalb Kairos und zählt zu den bedeutendsten Institutionen ägyptischer Kunst weltweit.
Das Museum wurde 1824 zur Ankunft der hochkarätigen Sammlung Drovetti gegründet. Der Piemontese Bernardino Drovetti bekleidete einen hohen Rang in der naopleonischen Armee und war nach der Eroberung Ägyptens zum dortigen Konsul Frankreichs ernannt worden. Ihm verdankt Turin die sog. Königsgalerie mit Statuen der berühmtesten Pharaonen und Königinnen des Neuen Reiches.
In den letzten drei Jahren ist das ägyptische Museum in Turin für rund 50 Millionen Euro umgebaut worden. Die Ausstellungsfläche wurde von knapp 5'000 auf über 10'000 m2 erweitert. Das Konzept zur Neuaufstellung der Objekte nahm Dante Ferretti vor, oscarprämierter Szenenbildner aus Hollywood.
Verschwunden sind die alten Holzglasschränke, für die das ägyptische Museum Turin berühmt (und berüchtigt) war. Die neue Ausstellung besticht durch viel Glas, eine raffinierte Be- und Ausleuchtung der Exponate sowie eine vollständige Neuordnung der Räume - dies mit dem Ziel, "Blickfänger" zu schaffen, an denen kein Besucher achtlos vorbeigehen kann. Kritiker monierten denn auch, das Konzept orientiere sich an den Strategien grosser Supermarktketten mit gezieltem Product Placement.
Der neue Museumsdirektor Christian Greco ist überzeugt, dass die zeitgemässe Inszenierung der grossartigen Turiner Sammlung die Attraktivität der norditalienischen Stadt erhöhen wird. Für italienische Museen ist die neue Ausstellung tatsächlich wegweisend. So sind z.B. alle Objektlegenden auch auf Englisch verfasst und können gratis als App aufs Handy geladen werden.
Phoenix aus der Asche (Deutschlandfunk)
Frauen im Alten Orient
Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (2/2015)
(4. April 2015) Titelthema der aktuellen Ausgabe der"Antiken Welt" ist die Rolle der Frau im Alten Orient. Die Frau in der Antike war lange Zeit kein Thema in der (vorwiegend männlich dominierten) Forschung. Dies hat sich jedoch in den letzten Jahren geändert. Die materiellen Hinterlassenschaften der verschiedenen Kulturen des Orients erlauben dabei ein recht differenziertes Bild der Rolle und Stellung der Frau zu zeichnen. Es zeigt, dass ambitionierte Frauen in der Gesellschaft durchaus Einfluss nehmen konnten, sei es als Priesterinnen, Musikerinnen oder Angehörige der Königsfamilie.
Weitere Beiträge der "Antiken Welt" widmen sich u.a. dem vergessenen Pyramidenbezirk des Königs Djedkare-Isesi in Sakkara-Süd sowie der Wiedererrichtung der Statuen im Totentempel von Amenophis III in Theben-West.
Webseite Antike Welt (mit Inhaltsverzeichnis und Leseprobe)
Reicht die Kopie an das Original des Grabes von Tutanchamun heran?
Arbeiten an den Repliken der Gräber von Sethos I. und Nefertari durch die Stiftung Factum Arte
(19. März 2015) Millionen von Touristen haben vor Ausbruch der Unruhen in Ägypten die Gräber der Pharaonen im Tal der Könige besucht. Besonders beliebt war dasjenige von Tutanchamun, das 1922 von Howard Carter entdeckt wurde und damals weltweit für Schlagzeilen sorgte. Die vielen Besucher haben der kleinen Grabstätte des jung verstorbenen Königs arg zugesetzt. Vor allem die erhöhte Feuchtigkeit im Grab führte dazu, dass der Stuck mit den farbigen Darstellungen von den Wänden fiel und sich Pilze einnisteten. Seit längerem wurde deshalb schon darüber diskutiert, von betroffenen Grabstätten Repliken für die Besucher zu erstellen.
Factum Arte hat in jahrelanger Arbeit das Grab von Tutanchmaun millimetergenau gescannt. Im Januar 2014 begannen auf dem Westufer gegenüber von Luxor unweit von Carter's Haus die Arbeiten zum Bau der Grabkopie, die Ende April 2014 feierlich eröffnet wurde. Bisherige Besucher finden für die Anlage nur lobende Worte. Auch wer vorgängig Bedenken gehabt habe, die Atmosphäre lasse sich nicht mit derjenigen im Original vergleichen, sei begeistert.
Im Vorraum, der auch im Orginal keine Wandmalereien aufweist, wurde im Facsimile-Grab eine Ausstellung zur Entdeckung des Grabes mit Aufnahmen von Harry Burton, der als Fotograf für Howard Carter arbeitete, eingerichtet. Zur Zeit werden in Ägypten durch die Stiftung Factum Arte ägyptische Fachleute ausgebildet, die bei der Digitalisierung der Gräber von Sethos I. und Nefertari mitwirken sollen. Ein weiteres Projekt, das momentan jedoch aufgrund der politischen Situation im Irak unterbrochen wurde, ist die virtuelle Rekonstruktion des Thronsaales des assyrischen Königs Ashurnasirpal II. im Palast von Nimrud.
Webseite Factum Arte (mit vielen Fotos zum Facsimile Grab von Tutanchamun)
Kerma, das Zentrum des ältesten innerafrikanischen Reiches
Schweizer Archäologen im Sudan
(15. März 2015) Seit rund 50 Jahren graben Genfer und Neuenburger Archäologen im Norden des Sudans die Ruinen von Kerma aus.
Das Reich von Kerma, am 3. Nilkatarakt gelegen, existierte zwischen 2500 und 1500 v.Chr. und war einst ein gefürchteter Gegner Ägyptens. Während die eindrückliche Hinterlassenschaft der Bewohner Kermas vom ersten Ausgräber George Reisner als südlichster Aussenposten des Ägyptischen Reiches angesehen wurde, gilt heute dank den Schweizer Grabungen als belegt, dass Kerma ein unabhängiges Reich war und damit die älteste Hochkultur Innerafrikas.
Die Schweizer Mission hat aber nicht nur auf archäologischem Gebiet Hervorragendes geleistet, sondern ist auch was den Einbezug der lokalen Bevölkerung angeht vorbildlich. Das Museum von Kerma wurde mit massgeblicher Schweizer Beteiligung erbaut und wird von Einheimischen rege besucht, die stolz auf die archäologische Stätte und auf ihre Vorfahren sind.
Reisebericht "Von Assuan nach Khartum": Nile Times Magazin Nr. 25
Zu den Schweizer Ausgrabungen im Sudan ist im Laténium noch bis 17. Mai 2015 die Ausstellung "Aux origines des pharaons noirs" zu sehen.
Bisher unbekanntes Grab in Theben-West entdeckt
Grabstätte soll restauriert und Besuchern zugänglich gemacht werden
(8. März 2015) Das American Research Center hat bei Grabungsarbeiten in Qurna/Theben-West ein bisher unbekanntes Grab entdeckt, das in die 18. Dynastie datiert und einem Wärter des Amuns-Tor namens Amun-hotep gehörte. Laut Aussagen des Antiquitätenministers el-Damaty weist die Grabstätte einen T-förmigen Grundriss auf (wie die meisten Privatgräber in Theben-West); in einer Seitenkammer befindet sich ein Schacht, der zur Grabkammer führt.
Die Malereien des Grabes sind gut erhalten und zeigen den Grabherrn mit Gattin vor einem Opfertisch sowie Szenen aus dem Alltag des Verstorbenen. Das Grab wurde offenbar schon unter Pharao Echnaton, der in seiner Regierungszeit nur noch noch die Verehrung des Gottes Aton zuliess, geplündert; der Name des Gottes Amun wurde überall getilgt.
Tomb of Amun gates guard uncovered (Ahram online)
Sonnenkult-Komplex im Hatschepsut-Tempel für Besucher zugänglich
Feierliche Eröffnung im Beisein des Antiquitätenministers
(28. Februar 2015) Der Totentempel der Königin Hatschepsut (1479 - 1458 v.Chr.) im Talkessel von Deir el-Bahari in Theben-West (gegenüber von Luxor) gehört zu den eindrücklichsten Bauten aus dem alten Ägypten. Nun ist auch der Sonnenkult-Komplex auf der 3. Terrasse für Besucher zugänglich. Am 22. Februar fand die Eröffnungszeremonie statt, an der u.a. der ägyptische Antiquitätenminister el-Damaty und der polnische Botschafter in Ägypten teilnahmen. In ihren Reden würdigten sie die jahrelangen Restaurierungsarbeiten des polnisch-ägyptischen Teams.
Der dem Sonnengott Re-Harachte geweihte Komplex wurde 1893 vom Schweizer Ägyptologen Edouard Naville entdeckt und besticht besonders durch seine bunt bemalten Kapellen und Nischen. Die Leuchtkraft der Farben und die sorgfältige Darstellung der Personen und Schriftzeichen sind grossartig. Da die Kapellen recht eng sind, bleibt der Zutritt den Besuchern verwehrt. Allzu gross ist die Gefahr, dass die Malereien beschädigt würden.
Eröffnung des Sonnenkult-Komplexes (mit vielen tollen Fotos)
Sammlungen des Louvre in Gefahr
Magazinbestände sollen ausgelagert werden
(28. Februar 2015) Der 1793 gegründete Louvre in Paris ist eines der renommiertesten Museen und beherbergt Sammlungen von Weltrang. Wie in jedem Museum üblich, lagert der Grossteil der Objekte in Magazinräumen, die sich im Louvre selber befinden. Nun ist offenbar beschlossen worden, sämtliche Depots auszulagern.
Dieser unerwartete Entscheid hat im Louvre und bei Forschern weltweit für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Es wurde eine Petition lanciert, in welcher die Gründe, die gegen eine Auslagerung sprechen, aufgeführt werden:
Die Objekte sollen in Zukunft in Liévin gelagert werden. Die Ortschaft befindet sich rund 200 km von Paris entfernt und ist verkehrstechnisch schlecht erschlossen. Es ist hinlänglich bekannt, dass Objekte bei jedem Transport in Mitleidenschaft gezogen werden (können). Je öfter ein Objekt bewegt werden muss und je weiter die Distanz ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es darunter leidet.
Ein weiterer Punkt liegt gemäss Petitionskomitee bei den Finanzen. Die Transportkosten würden deutlich steigen; der logistische Aufwand wäre um einiges grösser, als wenn die Objekte aus den hausinternen Depoträumen geholt werden können.
Einer der wichtigsten Gründe gegen die Auslagerung bildet aber die Zugänglichkeit der Sammlungen, die nicht mehr gewährleistet wäre. Zahlreiche Forscher aus der ganzen Welt arbeiten für ihre Untersuchungen in den Magazinräumen des Louvre. Ob dies in Liévin weiterhin möglich wäre, ist offen. Dass Kulturgut von unschätzbarem Wert in einem schlecht erreichbaren Lager abseits vom Standort des Louvre untergebracht werden und für Wissenschaftler eventuell nicht mehr zugänglich sein soll, sorgt rund um den Erdball für rote Köpfe, wie die vielen Kommentare führender Kulturwissenschaftler zeigen. Es bleibt zu hoffen, dass mit der an den Präsidenten Frankreichs gerichteten Petition etwas erreicht werden kann.
Mumien im Abwasser gefunden
Zerstörung des archäologischen Erbes innerhalb von 25 Jahren
(8. Februar 2015) Mehrere Särge wurden in der Umgebung der mittelägyptischen Stadt el-Minia im Abwasser schwimmend entdeckt. In den Särgen lagen einbandagierte Mumien, die sich verständlicherweise in sehr schlechtem Zustand befinden.
Särge und Mumien datieren in die griechisch-römische Zeit (3. Jh.v.Chr. - 3.Jh.n.Chr.). Beschreibungen zufolge sollen die Mumien mit "Porträts" der verstorbenen Personen dekoriert sein. Solche Fayum-Porträts wurden - wie der Name sagt - vorwiegend im Fayum entdeckt. Da es nicht so viele davon gibt, gelten sie als besonders wertvoll. Überdies stellen sie ein faszinierendes Zeugnis der ägyptisch-griechisch-römischen Epoche dar, in welcher sich Elemente der drei Kulturen vermischten.
Die Särge und Mumien stammen wohl aus illegalen Grabungen. Es wird vermutet, dass die Polizei den Grabräubern auf den Fersen war und diese ihr Diebesgut kurzerhand im Abwasser entsorgten. Es soll versucht werden, die Artefakte, die vom Wasser stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, soweit möglich zu restaurieren. Sie sollen danach im Museum von Hermopolis ausgestellt werden.
Illegale Grabungen und Plünderungen gehen in Ägypten indessen ungehindert weiter. Gemäss einer kürzlichen Einschätzung von Experten werden Grabräuber das archäologische Erbe Ägyptens in 25 Jahren vernichtet haben, sollten die illegale Grabungen in diesem Ausmass weitergehen. Eine Auswertung von Satellitenaufnahmen von über 4000 archäologischen Stätten Ägyptens hat ergeben, dass Zehntausende von Löchern und Schächten existieren, die illegal gegraben wurden. Ausserdem gingen Grabräuber immer dreister vor, indem sie Bulldozer und Dynamit benutzten.
Ancient Egyptian mummies found in sewage water (Ancient Origins)
Kapelle Thutmosis' IV. im Freilichtmuseum von Karnak
Szenen und Inschriften mit Transkription online
(31. Januar 2015) Im Mai 2014 begann das Team des "Centre Franco-Egyptien d'Etude des Temples de Karnak" (CFEETK) damit, die Szenen und Inschriften der kleinen Kapelle Thutmosis' IV. ins Internet zu stellen. Nun ist das kleine Bauwerk vollständig online verfügbar.
Die Kapelle aus Kalzit-Alabaster diente ursprünglich als Barkenstation. Sie wurde von Thutmosis IV., der von 1400 - 1390 v.Chr. über Ägypten herrschte, in der Tempelstadt von Karnak errichtet. Bei dessen Tod war die Dekoration noch unvollendet. Sein Sohn Amenophis III. liess die Dekorationsarbeiten zunächst weiterführen, bevor er offenbar beschloss, die Kapelle abzutragen und im 3. Pylon zu verbauen, der in seiner Regierungszeit entstand. Teile des Bauwerks fanden sich auch im 2. Pylon.
Nach ihrer Entdeckung zwischen 1917 und 1954 wurden die Steinblöcke wieder zusammengefügt und in den 1990er Jahren im Freilichtmuseum des Tempels von Karnak aufgestellt. Nun sind die Szenen mit Detailfotos sowie alle Inschriften in Hieroglyphenabschrift und Transkription online abrufbar.
Teile der "Fürstenmauer" am Suezkanal gefunden
Militärische Anlagen zur Sicherung der Ostgrenze in der Pharaonenzeit
(31. Januar 2015) Unweit von Ismailiya wurden beim Bau des neuen Suezkanals Teile der berühmten "Fürstenmauer" gefunden. Dieses System von Befestigungsanlagen sicherte im Mittleren und Neuen Reich die Ostgrenze des ägyptischen Reiches gegen Einfälle von asiatischen Beduinen. Bislang war die Fürstenmauer nur aus altägyptischen Texten bekannt, beispielsweise aus der Erzählung des Sinuhe, der nach einem Attentat auf den Pharao (mit dem er jedoch nichts zu tun hatte) nach Vorderasien flieht und dabei die Mauer passiert.
Gefunden wurden Ziegelmauern und Verteidigungsgräben, die offenbar zu mehreren Festungen gehörten. Die neuen Entdeckungen sind umso wichtiger, als dass militärische Anlagen aus dem alten Ägypten sehr selten erhalten sind. Die Pharaonen des Mittleren Reiches bauten an der Südgrenze ihres Reiches am 2. Nilkatarakt über ein Dutzend eindrücklicher Festungen zum Schutz gegen die Nubier. Diese versanken jedoch alle nach dem Bau des Assuan-Staudammes im Nassersee.
Ancient Al Amir Wall unearthed (Al Ahram mit Fotos)
Die Handlung des Sinuhe spielt sich zur Zeit Sesostris I. ab und nicht wie im Artikel erwähnt zur Zeit des Pharao Amenemhat III.
Globale Perspektive auf die frühe Geschichte der Menschheit
Gespräch mit dem Archäologen Hermann Parzinger
(24. Januar 2015) Lange Zeit wurden schriftlose Kulturen als "vorgeschichtlich", also vor der eigentlichen Geschichte existierend, wahrgenommen und ihnen damit jegliches Geschichtsbewusstsein abgesprochen. Im Vergleich zu den sog. Hochkulturen, die sich v.a. durch die Verwendung einer Schrift auszeichneten, galten schriftlose Gesellschaften bestenfalls als deren "primitive" Vorstufen. In seinem neusten Buch "Die Kinder des Prometheus" gibt der der Archäologe und Präsident der Stiftung Preussischer Kulturbesitz Hermann Parzinger diesen schriftlosen Kulturen eine eindrückliche Stimme.
Das monumentale Werk führt von den Anfängen des Menschseins über die Nutzung des Feuers, die Sesshaftwerdung und das Entstehen komplexer Gesellschaften zur Entwicklung von Spiritualität und Kunst bis zur Erfindung der Schrift - und dies durch alle Weltteile. Eindrücklich zeigt Parzinger auf, dass jeder grosse Entwicklungsschritt immer auch mit Nachteilen, neuen Gefahren und Herausforderungen einherging.
In einem Gespräch mit der Zeitung "Die Welt" spricht Parzinger über die Entstehung seines beachtlichen Werks:
Farben in der Antike
Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte 'Antike Welt' (1/2015)
(23. Januar 2015) Titelthema der ersten Ausgabe 2015 der Zeitschrift 'Antike Welt' sind Farben in der Antike. Der Ägyptologieprofessor Wolfgang Schenkel widmet sich in seinem Beitrag den altägyptischen Farbwörtern, die oft nicht adäquat übersetzt werden könnten, sondern vielmehr für die Helligkeit bzw. Dunkelheit von Objekten und Naturbeobachtungen stünden.
Weitere Artikel befassen sich mit der ägyptischen Provinz Kanaan, die im Neuen Reich als Anbaugebiet für Wein und Öl diente, sowie mit dem am tiefsten Punkt der Erde gelegenen Museum südöstlich des Toten Meeres in Jordanien.
Museen und ihre ägyptischen Sammlungen
Newsletter des Internationalen Komitees für Ägyptologie (CIPEG)
(16. Januar 2015) Im aktuellen Newsletter von CIPEG werden Projekte europäischer und ägyptischer Museen vorgestellt. Während in Europa Forschungsarbeiten und Ausstellungen im Vordergrund stehen, kämpfen in Ägypten etliche Museen mit finanziellen und organisatorischen Schwierigkeiten.
CIPEG Newsletter
Wadi Sura - Das Tal der Bilder
Ursprünge der altägyptischen Kultur liegen in der Wüste
(11. Januar 2015) Im Dreiländereck Ägypten - Sudan - Libyen befinden sich einige der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten Afrikas. Die Felszeichnungen in Wadi Sura, dem Tal der Bilder, sind rund 8000 Jahre alt. Damals war das Klima in der Sahara feuchter als heute und Menschen siedelten sich an Wasserläufen und Seen an. 1933 entdeckte der Ungar Laszlo Almasy, bekannt durch den Film "Der englische Patient", die Höhle der Schwimmer mit zahlreichen Darstellungen schwebender oder schwimmender Menschen. 2002 wurde unweit davon eine weitere Grotte mit einer Fülle hervorragend erhaltener Felsmalereien gefunden, die den Namen "Cave of the Beasts" erhielt und als eine der spektakulärsten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahre gilt.
Seit 50 Jahren erforscht das Heinrich Barth Institut der Universität Köln die Wüste im Südwesten Ägyptens. Die Wissenschaftler dokumentieren die Klimaveränderungen der letzten 10'000 Jahre sowie die menschlichen Zeugnisse, wie Felsritzzeichnungen und Felsmalereien. Diese belegen, dass lange vor dem Entstehen der pharaonischen Kultur Menschen in den heutigen Wüstengebieten an der Grenze Ägypten - Sudan - Libyen grossartige Darstellungen geschaffen haben, welche die ältesten Ägyptens sind. Als das Klima ab ca. 5000 v.Chr. zunehmend trockener wurde, wanderten sie Richtung Niltal, liessen sich dort nieder und begründeten ab 4000 v.Chr. die sog. ägyptische Hochkultur.
Reisebericht über eine Expedition in den Gilf Kebir, ins Wadi Sura und dem Uwaynat (Nile Times Magazin 18)
Unbekannte Schätze Nordägyptens
Das MiN - Projekt (Museen im Nildelta)
(2. Januar 2015) Für viele Ägyptenreisende ist die Region zwischen der Mittelmeerküste und Kairo unbekanntes Terrain - zu Unrecht! Das deutsch-ägyptische Projekt "MiN - Museen im Nildelta" hat sich zum Ziel gesetzt, die archäologischen Stätten im Ost- und Westdelta zu erforschen und die dort gefundenen Objekte zu publizieren und damit einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Das Nildelta ist eine von der Archäologie und Ägyptologie bisher eher vernachlässigte Region, obschon sich hier zahlreiche bedeutende Zentren Altägyptens befanden. Die meisten haben sich leider aufgrund der Überschwemmungen (vor dem Bau des Staudamms in den 1960er Jahren) und des steigenden Grundwasserspiegels (seither) nicht sehr gut erhalten und werden deshalb nur selten von Touristen besucht.
Das MiN - Projekt konzentriert sich vorwiegend auf drei Museen: Das Museum Zagazig, welches 1992 eröffnet wurde und Objekte aus Bubastis, der Stadt der Katzengöttin Bastet, zeigt; das Nationale Sharkeya Museum, das Objekte aus Bubastis und Tanis beherbergt, momentan aber geschlossen ist; das Ismailia Museum, das 1930 gegründet wurde und als eines der besten archäologischen Museen Ägyptens zählt, jedoch immer noch keinen Katalog seiner Sammlungen besitzt.
Das Naga-Projekt im Nordsudan
Neues Museum soll 2016 eröffnet werden
(28. Dezember 2014) Naga war ein bedeutendes Zentrum des Königreiches von Meroë, das vom 3.Jh.v.Chr. bis ins 3.Jh.n.Chr. existierte. Die Stätte liegt rund 30 km nördlich von Khartum und gehört seit 2011 zum UNESCO Weltkulturerbe.
Seit 1995 gräbt ein deutsches Team in Naga. Bis 2012 war das Projekt dem Ägyptischen Museum Berlin angegliedert; seit 2013 steht es unter der Leitung des Staatlichen Museums ägyptischer Kunst München. Leiter der Grabungsmission ist weiterhin Prof. Dietrich Wildung.
Bisher konnten mehr als 15 Tempel- und Palastbauten in Naga nachgewiesen werden. Der Amuntempel, der Löwentempel und die Hathorkapelle (früher "Römischer Kiosk" genannt) sind die am besten erhaltenen. Besonders fasznierend an der Wüstenstadt Naga ist die Mischung afrikanischer, ägyptischer und hellenistischer Einflüsse. Die vor Ort gemachten Funde sollen in Kürze in einem neuen Museumsgebäude präsentiert werden, das nach den Plänen des britischen Stararchitekten David Chipperfield gebaut wird und 2016 seine Türen öffnen soll.
Die archäologische Stätte von Naga wird auch in der aktuellen Ausgabe Nr. 25 der Nile Times vorgestellt, die als pdf-Datei unter "Nile Times Magazin Aktuelle Ausgabe" heruntergeladen werden kann.
Suez National Museum eröffnet
Ausstellung über eine wenig bekannte Region
(12. Dezember 2014) Zwei Jahre nach seiner Schliessung hat das Suez National Museum kürzlich seine Türen wieder geöffnet. Die erste Eröffnung fand 2012 statt; nach nur einem Tag musste das Museum jedoch aufgrund schwerwiegender Sicherheitsbedenken wieder schliessen. Mit den neusten Alarmsystemen versehen, wurde nun ein erneuter Anlauf genommen.
Das Museum zeigt in einer sorgfältigen Inszenierung die Geschichte der Gegend um die Stadt Suez. Schon in pharaonischer Zeit war Suez ein wichtiger Handelshafen. Nach der Eröffnung des Suez-Kanals 1868 rückte die Stadt ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Der Suez-Kanal ist bis heute für die Wirtschaft des Landes von überragender Bedeutung.
Die Wiedereröffnung des Suez National Museums ist Teil der Strategie des Kulturministeriums, regionale Museen in Ägypten zu fördern und damit noch unbekannte Regionen für Touristen attraktiver zu machen.
Letzte gedruckte Ausgabe der Zeitung "Nile Times"
Versand Mitte Dezember 2014
(8. Dezember 2014) 1999 erschien die erste Ausgabe der "Nile Times"; mit der Nr. 25 erscheint nun die Zeitung letztmals in gedruckter Form. Schwerpunkte bilden Beiträge zu einer Expedition in den Nordsudan sowie zu einer ungewöhnlichen Sarguntersuchung, die im letzten Mai an einem Sarg aus der Sammlung des Museums für Völkerkunde Burgdorf vorgenommen wurde. Alle AbonnentInnen erhalten die letzte Ausgabe Mitte Dezember zugeschickt.
Seit einigen Jahren wird die Zeitung schon durch die Webseite www.niletimes.ch ergänzt, die laufend ausgebaut wurde und auf erfreulich grosses Interesse stösst. Neu soll monatlich ein Newsletter per Mail verschickt werden, der Hinweise auf Beiträge der Webseite sowie auf kommende Veranstaltungen enthält. Wenn Sie Interesse am Newsletter der "Nile Times" haben, schicken Sie bitte eine Mail mit dem Titel "Newsletter" an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Atemberaubende Mosaike in Zeugma gefunden
Archäologen aus Oxford machen bedeutenden Fund in Südostanatolien
(30. November 2014) Ein Team von Archäologen aus Oxford hat nahe der türkischen Stadt Gaziantep in Südostanatolien atemberaubend schöne und gut erhaltene Mosaiken gefunden, die einst die Fussböden der Villen von Zeugma schmückten.
Die Stadt Zeugma am Euphrat war ursprünglich um 300 v.Chr. vom General Alexander des Grossen, Seleukos Nikator gegründet worden. Im 1. Jh.v.Chr. eroberten die Römer das Gebiet der heutigen Südosttürkei bis zum Euphrat, der die Grenze zwischen dem Römischen und dem persischen Reich der Parther bildete. Zeugma wurde zu einer bedeutenden Metropole und galt als Roms Tor zur Seidenstrasse. Hier strömten im 2. Jh.n.Chr. die Schätze Arabiens, Asiens und Mesopotamiens zusammen und wurden nach Rom weitergeleitet. Die Kaufleute von Zeugma waren reich und beauftragten die besten Mosaikkünstler des römischen Imperiums mit der Ausschmückung ihrer prächtigen Villen.
Im Jahr 2000 verschwanden grosse Teile der Stadt Zeugma in den Fluten des neuen Stausees. Notgrabungen konnten Ende der 1990er Jahre einige Mosaike retten, die heute im sehr sehenswerten Museum von Gaziantep untergebracht sind. Die Grabungen in den noch nicht überfluteten Teilen von Zeugma sind noch heute im Gang.
Breathtaking discoveries in Zeugma (ICE Trend)
Athener Forschungen
Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (6/2014)
(22. November 2014) Das Titelthema der neusten Ausgabe der Antiken Welt befasst sich mit den aktuellen Forschungen in Athen. In vier Beiträgen präsentieren deutsche und griechische Archäologen und Althistoriker ihre Forschungsergebnisse. Weitere Themen widmen sich dem Fund einer altägyptischen Gusswerkstatt in Assuan und dem kleinen Museumsjuwel Sir John Soane's Museum in London, das den imposanten Sarkophag von Sethos I., dem Vater Ramses' II., beherbergt.
Basel Ancient Art Fair (BAAF) 2014
Highlights der antiken Kunst in stilvollem Ambiente
(21. November 2014) Vom 21. bis 26. November findet in Riehen bei Basel die diesjährige Basel Ancient Art Fair statt. Seit über einem Jahrzehnt vereint diese Messe renommierte internationale Händler auf dem Gebiet der klassischen, ägyptischen und nahöstlichen Antike. Dank der Teilnahme weltweit führender Spezialisten gilt die BAAF heute als bedeutendste Messe ihrer art. Alle Aussteller sind Mitglieder der "Internationale Association of Dealers in Ancient Art" und verpflichten sich zu einem strengen Ethik-Kodex bezüglich Echtheit und Provenienz ihrere Verkaufsobjekte. Dies ist gerade in Zeiten von Plünderungen, wie sie in Ägypten, Syrien, Afghanistan und Irak immer noch in grossem Stil vorkommen, von grosser Wichtigkeit.
Virtuelle Autopsie enthüllt Tutanchamun's Aussehen
BBC-Dokumentation mit "schockierendem" 3-D-Modell des Pharaos
(21. Oktober 2014) Laut einer virtuellen Autopsie der Mumie von Tutanchamun, die aus über 2000 Computertomografie - Aufnahmen erstellt wurde, litt Tutanchamun an einem Klumpfuss, hatte einen Überbiss und ausladende Hüften. Das in einer BBC-Dokumentation gezeigte 3-D-Modell des mit 19 Jahren 1323 v.Chr. verstorbenen Pharao wurde in der Presse als "schockierend" beurteilt.
Die Ergebnisse der virtuellen Rekonstruktion des Körpers von Tutanchamun scheinen früher gemachten Aussagen zu widersprechen, wonach er als Folge eines Streitwagenunfalls verstarb. Albert Zink vom Institut für Mumien und Eismumien in Bozen weist darauf hin, dass der König nicht ohne Hilfe stehen konnte und deshalb wohl nie in einem Streitwagen gefahren sei. Einen Hinweis auf eine Gehbehinderung könnten die über 130 Stöcke liefern, die in seinem Grab gefunden wurden. Laut Zink sei die wahrscheinlichste Todesursache der fragile Zustand von Tutanchamun, der auch genetisch bedingt gewesen sei, da seine Eltern Echnaton und (vermutlich) Nofretete Geschwister waren. Tutanchamun litt offenbar auch an Malaria und zog sich unmittelbar vor seinem Tod einen Beinbruch zu.
Ägyptens versunkene Schätze in europäischen Museen
Wanderausstellung kommt nach Paris, Berlin und London
(20. Oktober 2014) Der Unterwasserarchäologe Franck Goddio plant in Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Antikenministerium eine grosse Ausstellung zu den Funden, die sein Team vor der Küste Alexandrias gemacht hat.
Die Ausstellung soll gemäss ägyptischen Medien den Titel "Egypt's Sunken Secrets" tragen. Gezeigt werden insgesamt 293 Objekte aus den Magazinen der Unterwasserarchäologen sowie aus verschiedenen ägyptischen Museen. Die Ausstellung wird ab September 2015 in Paris gezeigt und soll danach nach Berlin und London weiterziehen.
Egypt's sunken secrets (Luxor Times)
Atlantis am Nil
Aktuelle Ausgabe des Magazins GEO (10/Oktober 2014)
(11. Oktober 2014) Titelthema der aktuellen GEO-Ausgabe sind die Unterwasserforschungen des Archäologen Franck Goddio in der Bucht von Abukir unweit von Alexandria. Dort hat Goddio sechs Kilometer vor der Küste in mehr als sieben Metern Tiefe die Reste der versunkenen Hafenstadt Herakleion entdeckt, die einst Ägyptens "Tor zur Welt" gewesen ist. Der Beitrag gibt einen Einblick in die Arbeit der Unterwasserarchäologen und stellt einige der Funde in faszinierenden Bildern vor.
Antike Schöpfungsmythen
Aktuelle Ausgabe des Magazins "Antike Welt" (5/2014)
(30. September 2014) Das Titelthema der aktuellen Ausgabe der "Antiken Welt" sind Schöpfungsmythen der antiken Welt. Die Ägypter, Babylonier, Israeliten und Griechen beschäftigten sich alle mit grundsätzlichen Fragen des Menschseins: Was war vor der Schöpfung? Wie entstanden Zeit und Raum? Wer ist ihr Schöpfer? Ausgesuchte Autoren geben in ihren Beiträgen einen Überblick vom Alten Orient bis zur griechisch-römischen Welt.
Skarabäus mit Name des Pharaos Scheschonk in Jordanien gefunden
Beweis für Militärexpedition Ägyptens in die Levante?
(21. September 2014) Ein amerikanisch-jordanisches Team hat in den antiken Kupferminen des Feynan in Südjordanien einen Skarabäus gefunden, der mit dem Namen des Pharaos Scheschonk (um 945 - 924 v.Chr.) beschriftet ist. Dieser liefert neue Einsichten zu den militärischen Expeditionen Ägyptens nach Vorderasien zu Beginn des 1.Jt.v.Chr.
Die Kupferminen von Feynan liegen ca. 50 km südlich des Toten Meeres in Jordanien. Radiokarbondatierungen von Kupferbarren zeigen, dass die Minen bis ca. 1000 v.Chr. zu den wichtigsten Kupferlieferanten im östlichen Mittelmeergebiet gehörten.
Der Fund des Skarabäus mit der Erwähnung von König Scheschonk ist der erste schriftliche Beleg, dass Ägypten etwas mit dem Ende der Ausbeutung der Kupferminen von Feynan zu tun haben könnte. Dies ist auch deshalb interessant, weil Scheschonk im Alten Testament unter dem Namen "Schischak" erwähnt wird, der nach dem Tod von Salomon die Levante eroberte. Wie die bisherigen Grabungen und kürzliche Fund des Skarabäus vermuten lassen, eroberten die Ägypter damals das Feynan-Gebiet und zerstörten offenbar gezielt die Kupferproduktionsstätten.
Djoser-Pyramide nicht einsturzgefährdet
Restaurierungsarbeiten an ältester Pyramide Ägyptens fortgesetzt
(21. September 2014) Der ägyptische Antikenminister Mamdouh el-Damaty hat Journalisten zu einer Besichtigung der Djoser-Pyramide in Sakkara eingeladen. Damit möchte er den Vorwürfen entgegentreten, die Pyramide werde unsachgemäss restauriert und sei im Begriff einzustürzen.
Kritik an der Antikenbehöre wurde laut, da diese eine Firma mit den dringend notwendigen Restaurierungsarbeiten betraut hatte, die keine Erfahrung mit archäologischen Stätten aufweist. Die ägyptische Archäologin Monica Hanna vermutet, es sei Korruption im Spiel und fordert, der Auftrag sei neu zu vergeben.
El-Damaty zeigte sich anlässlich des Rundgangs durch die Djoser-Anlage wütend über die Kritik und klagte seinerseits, eine Gruppe von Archäologen, die den Muslimbrüdern nahe stünden, versuchten die Arbeiten an der ältesten Pyramide Ägyptens zu sabotieren. Es scheint, dass die Altertümer resp. deren Erhaltung für politische Zwecke und Propaganda missbraucht werden - schade!
Restoration of oldest pyramid (Epoch Times)
Altägyptisches Tempelritual zusammengefasst
Aufwändige Rituale sollten Wohlergehen des Landes sichern
(31. August 2014) Die Rituale, die täglich in den Tempeln an den Gottesstatuen vollzogen wurden, galten den alten Ägyptern als unentbehrlich. Sie waren davon überzeugt, dass die Gottheiten nur durch Rituale und tägliche Fürsorge gnädig gestimmt werden konnten und so das Wohlergehen des Landes sicherstellten. Dies erklärt auch den hohen Bedarf an Tempelpersonal, Tempelgeräten und Opfergaben, v.a. Brot, Bier und Weihrauch sowie Fleisch und Geflügel.
Die umfassendsten Rituale wurden dabei frühmorgens vollzogen, am Nachmittag und Abend fanden verkürzte Abläufe statt. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Schritte im Tempelritual bietet Digital Karnak an:
Künstliche Mumifizierung älter als bisher angenommen
Untersuchung von Leinenbandagen aus einem der ältesten Friedhöfe Ägyptens
(17. August 2014) Bisher gingen Ägyptologen davon aus, dass der Beginn der künstlichen Mumifizierung in Ägypten im Verlauf der Frühzeit entstanden sei (um 2900 - 2800 v.Chr.) und dass es sich bei älteren Mumien um sog. Naturmumien handle, d.h. um Körper, die im trocken-heissen Sand vergraben und durch Austrocknung natürlich konserviert worden sind. Neue Untersuchungen weisen nun aber darauf hin, dass sich die künstliche Mumifizierung schon 1500 Jahre früher entwickelt haben könnte.
Zu diesen erstaunlichen Resultaten führte die Untersuchung von Leinenbandagen aus Mostagedda, einem der ältesten Friedhöfe Ägyptens aus der Zeit zwischen 4500 bis 3300 v.Chr. Die Stofffragmente stammen aus dem Bolton Museum im Norden Englands, wo sie seit 1930 aufbewahrt werden und nun auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht worden sind. Dabei konnten neben Leinenfasern Pinienharz, Tierfett und aromatische Substanzen identifiziert werden. Dies deutet gemäss den englischen und australischen Experten darauf hin, dass damals schon Rezepturen vorlagen, mit denen die Leinenbinden getränkt wurden, um den Körper vor Verwesung zu schützen. Dies würde auch bedeuten, dass sich in Ägypten bereits im 5.Jt.v.Chr. ein Jenseitsglaube entwickelt hatte und die Erhaltung des Körpers für ein Weiterleben nach dem Tod als wichtig erachtet wurde.
Tod des Augustus
Titelthema der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (4/2014)
(15. August 2014) Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte "Antike Welt" widmet sich dem Thema "Tod des Augustus".
Augustus verstarb nach einer langen Regierungszeit im Alter von 75 Jahren im August 14 n.Chr. Der erste Kaiser des Römischen Reiches spielt auch in der Geschichte Ägyptens eine wichtige Rolle gespielt. Im Jahr 31 v.Chr. schlug das römische Heer des Augustus Kleopatra und Marcus Antonius in der berühmten Seeschlacht von Actium. Marcus Antonius erlag seinen Verletzungen, Kleopatra nahm sich das Leben. Damit endete das altägyptische Reich und das Nilland wurde zu einer Kolonie Roms.
London soll den Stein von Rosette zurückgeben
Erneute Rückgabeforderung Ägyptens
(30. Juli 2014) Im Jahr 1799 fand ein französischer Offizier der Expedition Napoleons bei der Stadt Rosette südlich von Alexandria eine Stele, auf der ein Text in drei verschiedenen Schriften eingraviert war. Als das französische Heer von den Briten 1801 bei Alexandria geschlagen wurden, gehörte das Stück zur Kriegsbeute und gelangte so nach London, wo es seit 1802 im British Museum ausgestellt ist. Die drei Inschriften auf Hieroglyphisch, Demotisch und Griechisch, die sich auf der Stele finden, führten 1822 zur Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphenschrift durch den französischen Ägyptologen Jean-François Champollion. Der sog. Stein von Rosette wurde in der Folge weltberühmt und sorgt bis heute für erregte Gemüter an Nil und Themse.
Ägyptische Archäologen fordern die Regierung in Kairo nun auf, den Stein zum 215. Jubiläum seiner Entdeckung von London definitiv zurückzufordern. Es ist nicht das erste Mal, dass das British Museum mit dieser Forderung konfrontiert wird. Schon der frühere Leiter der Antikenbehörde Zahi Hawass hatte verlangt, das Stück müsse zur (mittlerweile schon zahlreiche Male verschobenen) Öffnung des Grand Giza Museums nach Ägypten reisen. Die Verantwortlichen des British Museum weisen darauf hin, dass der Stein legitimer Besitz Grossbritanniens sei, da er gemäss dem Abkommen von Alexandria 1801 von den Franzosen an die britische Regierung übergeben worden sei. Es ist deswegen unwahrscheinlich, dass das British Museum den Stein von Rosette an Ägypten zurückgibt, ist er doch das bekannteste Objekt des Hauses und wird von Touristen aus aller Welt bestaunt. Es gibt allerdings auch Stimmen, die darauf hinweisen, dass "juristisch korrekt" nicht dasselbe bedeute wie "moralisch vertretbar".
Dispute over Rosetta Stone (thecairopost)
Webseite des British Museum mit Informationen zum Stein von Rosette: Explore the highlights
Verfolgung der Götter bis ins entfernte Nubien
Entdeckung eines Steinblocks mit zerstörtem Namen des Gottes Amun im Sudan
(26. Juli 2014) In Sedeinga im heutigen Nord-Sudan wurde ein Block aus Sandstein gefunden, auf dem der Name des Gottes Amun ausgemeisselt und später wieder neu eingesetzt worden ist.
Der Block zeigt eine Darstellung des Gottes Amun mit hoher Federkrone sowie seinen Namen und gehörte einst zum kleinen Tempel von Sedeinga, welcher der Mutter Echnatons,Teje, geweiht war. Gemäss den Archäologen waren das Gesicht des Gottes und seine Namenshieroglyphen unter Pharao Echnaton ausgemeisselt worden. In Echnatons Regierungszeit (1353 - 1336 v.Chr.) war es verboten, andere Götter als Aton zu verehren.
Die Entdeckung des Steinblocks mit Amuns zerstörtem Namen und Gesicht macht deutlich, mit welcher Konsequenz Echnaton den von ihm verordneten Monotheismus durchsetzte. Bis weit in den heutigen Nordsudan schickte er Steinmetze aus, um die Namen der verhassten Götter, insbesondere des Gottes Amun, auszutilgen. Auch die Tempel seiner Eltern wurden nicht verschont, wie das Beispiel von Sedeinga zeigt.
Der Monotheismus konnte sich im alten Ägypten allerdings nicht durchsetzen. Nach dem Tod Echnatons erlaubte sein Nachfolger Tutanchamun resp. dessen Berater die Verehrung aller alten Gottheiten wieder. Unter den nachfolgenden Ramessiden wurden auf den meisten Monumenten die Namen der verfolgten Gottheiten wieder eingesetzt.
Egyptian Carving Discovered (Live Science.com)
Schätze des Vatikan in Arabien
Erste Kooperation des Vatikans mit einem islamischen Land
(7. Juli 2014) Erstmals sind Schätze aus dem Ethnologischen Museum das Vatikan in einem arabischen Land zu sehen. In Sharjah, einem Nachbaremirat von Dubai, hat die deutsche Kunsthistorikerin Ulrike al-Khamis eine kleine Sensation geschaffen. In einer Ausstellung sind islamische Kunstwerke aus dem 12. bis 19. Jh. sowie Gegenstände aus der arabischen Alltagswelt zu sehen, die allesamt 1925 in den Vatikan gelangten und nun mehrheitlich erstmals einer breiten Öffentlichkeit in einer Schau, die den Islam in seiner ganzen Breite abbildet, zugänglich sind. Der Titel "So that you may know each other" stammt aus einer Sure des Koran und greift das Motto der Ausstellung auf: die Öffnung und die Kooperation zwischen den Religionen.
Sharjah Museum für islamische Zivilisation (Qantara.de)
Aktualisiertes Sympathie-Magazin "Islam verstehen"
Die Vielfalt der islamischen Welt
(5. Juli 2014) Das Sympathie-Magazin "Islam verstehen" ist in einer aktualisierten Auflage neu erschienen. Ziel der Autoren ist es, den Lesern die Glaubensgrundlagen und -praktiken des Islams zu vermitteln und Einblicke in den ganz normalen Alltag von Muslimen zu geben.
Die Lektüre führt die grosse Vielfalt der islamischen Welt vor Augen - es gibt über 1,5 Milliarden Muslime, die überall auf der Welt zu Hause sind - und geht auch auf den wichtigen Beitrag der islamischen Kultur zur europäischen Zivilisation ein. Der Zeitpunkt des Erscheinens des aktualisierten Heftes ist gut gewählt. Gerade angesichts der Gewalteskalation im Nahen Osten ist es wichtig zu betonen, dass der Islam auch eine Kultur ist und nicht nur eine Bedrohung für den Rest der Welt darstellt.
Des Rätsels Lösung?
Geheimnis um das verschollene Heer von Kambyses gelüftet?
(1. Juli 2014) Zu den berühmtesten Geschichten Herodots gehört diejenige um das verschollene Heer des persischen Königs Kambyses, der 525 v.Chr. Ägypten eroberte und das Nilland dem persischen Grossreich einverleibte. Gemäss Herodot soll Kambyses 50'000 Soldaten von Theben durch die Wüste in die Oase Siwa geschickt haben, um das dortige Orakel des Amun zu zerstören. Die Soldaten kamen jedoch nie dort an, sondern wurden in der Wüste von einem riesigen Sandsturm vernichtet. Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte ist schon lange umstritten; so meint etwa der Archäologe Hanspeter Kuhlmann, der den Orakeltempel in Siwa ausgräbt, dass bei Herodot wohl eine Null zuviel hineingerutscht sei und dass sich - wenn überhaupt - nur 5000 Soldaten auf den Weg machten.
Nun hat Olaf Kaper von der Universität Leiden eine andere Version der Ereignisse vorgeschlagen. Im Verlauf der Grabungen in Amheida in der Oase Dakhla stiess sein Team auf Blöcke, die zu einem Tempel gehörten und mit der Kartusche des wenig bekannten Pharao Petubastis III beschriftet sind. Petubastis war einst einer der ägyptischen Gegenspieler der Perser und soll sich gegen die Fremdherrschaft zur Wehr gesetzt haben. Der Tempelbau von Amheida weist darauf hin, dass Dakhla als wichtiger Stützpunkt im Kampof gegen die Perser gedient haben könnte. Kaper schlägt nun vor, dass das persische Heer von Theben nicht nach Siwa, sondern nach Dakhla unterwegs war, um dort die Aufständischen zu besiegen und dort offenbar besiegt wurden. Die Legende vom Sandsturm könnte der Nachfolger von Kamybses, Darius, in Umlauf gesetzt haben, um von der schmachvollen Niederlage abzulenken. Sicher ist, dass trotzdem weiterhin zahlreiche Hobbyarchäologen und Forscher in den Weiten der Grossen Sandsee nach der verschollenen Armee suchen werden!
Rätsel um Kambyses' verschwundene Armee (Spiegel.de)
Impressionen zur Grossen Sandsee (Scrollen zu "In der Grossen Sandsee")
Zu Fuss durch die Wüste Hedschas
Beitrag in der aktuellen Ausgabe des deutschen Magazins "National Geographic" (Juli 2014)
(20. Juni 2014) Der Reporter Paul Salopek ist zu Fuss im Westen der arabischen Halbinsel unterwegs und durchquert einen Teil der ehemaligen Weihrauchstrasse von Dschidda bis nach Aqaba.
Sammelgrab aus der 17. Dynastie entdeckt
Neue Funde in Luxor
(16. Juni 2014) Spanische Archäologen haben in Dra Abu el-Naga auf dem westlichen Nilufer gegenüber von Luxor ein Sammelgrab entdeckt, das ursprünglich in der 11. Dynastie angelegt worden war, jedoch in der 17. Dynastie wiederverwendet wurde. In der Grabkammer fanden sich zahlreiche menschliche Überreste, was darauf hindeutet, dass das Grab als "Cachette" gedient hat. Die 11. und die 17. Dynastie markieren beide das Ende von sog. Zwischenzeiten, in denen Ägypten wieder zu einem geeinten Reich wurde. Die Archäologen erhoffen sich von den Untersuchungen der Grabfunde und der menschlichen Überreste Aufschluss über die Bedeutung von Theben in diesen wichtigen Umbruchszeiten.
11th Dynasty Tomb and Cachette (Luxor Times Magazine mit Fotos)
Der deutsche Archäologe
Max von Oppenheim (1860 - 1946)
Ein Leben zwischen Archäologie und Politik
(10. Juni 2014) Momentan wird in der Bundeskunsthalle in Bonn eine Ausstellung über Tell Halaf (Syrien) gezeigt, das vom Freiherr Max von Oppenheim entdeckt und ausgegraben wurde. Mehrere Pressebeiträge widmen sich denn auch dem Leben des deutschen Archäologen, der ein scharfsichtiger Beobachter der Vorgänge im Nahen Osten war. Die von Oppenheim publizierten Schriften zeigen deutlich, dass gerade am Ende des 19. Jhs. die Archäologie oft im Dienst der Politik stand und mancher Archäologe sich auch als "Spion" seines Heimatlandes betätigte, bzw. betätigen musste.
So war z.B. Oppenheim Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats in Kairo und verfasste in dieser Funktion 1896 eine Schrift zur Lage Ägyptens, das damals unter britischer Herrschaft stand. In dem Dokument geht es auch darum, wie Deutschland seinen Einfluss am Nil ausdehnen könne. Im 1. Weltkrieg leitete Oppenheim eine Nachrichtenstelle für den Orient und zeigt sich in seinen Äusserungen als klarer Nationalist, dem es in erster Linie darum ging, den Briten und Franzosen grösstmögliche Verluste im Orient zuzufügen.
Privat jedoch lebte Oppenheim in einer anderen Welt, die mit Politik nicht zu tun hatte. Er war vom alten Orient fasziniert und sammelte leidenschaftlich Antiquitäten. Als Archäologe machte er sich einen Namen als geduldiger und gewissenhafter Ausgräber, der die Vergangenheit Stück für Stück zusammensetzte und wieder zum Leben erweckte.
Mythos Orient (Qantara.de)
Neues ägyptisches Museum in München feiert 1-jähriges Jubiläum
Zahlreiche Veranstaltungen und ein Newsletter
(10. Juni 2014) Am 10. Juni 2014 ist es ein Jahr her, dass das neue Staatliche Museum ägyptischer Kunst in München seine Türen öffnete. Zu diesem ersten Jubiläum finden zahlreiche Veranstaltungen statt, u.a. die Reihe "Das Jahr im Fest" mit Vorträgen renommierter Spezialisten zu den Berührungspunkten zwischen altägyptischem und christlichem Festjahr. Das Museum verschickt interessierten Personen (per Mail) einen monatlichen Newsletter (Anmeldung über die Webseite des Museums).
Syrien - Kulturschätze im Bürgerkrieg
Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Antike Welt" (3/2014)
(31. Mai 2014) Titelthema der aktuellen Ausgabe der Antiken Welt ist Syrien mit seinen Kulturschätzen. Mehrere Artikel widmen sich den archäologischen Stätten. Der eindringlichste Beitrag trägt den Titel "Archäologie im Bürgerkrieg" und thematisiert die Zerstörung der einzigartigen Kulturgüter des Landes. Die Fotos der zerstörten Stätten machen betroffen.
Syrien weist unzweifelhaft einige der weltweit bedeutendsten Stätten für das Verständnis der Entwicklungsgeschichte der Menschheit auf. Mit dem Beginn der Eskalatation der Gewalt Anfang 2012, durch die zahhlose Menschen getötet, vertrieben oder zur Flucht gezwungen wurden, ist auch dieses reiche Kulturerbe bedroht. Zerstörungen durch Bombardierungen und Artilleriebeschuss, Raubgrabungen und Plünderungen betreffen sowohl die historischen Altstädte als auch die Museen und archöologischen Fundorte.
Syrien ist auf der Liste der UNESCO mit sechs Einträgen vertreten:
Die Altstadt von Damaskus als eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt und kulturelles Zentrum des Orients. Die Altstadt ist bisher vergleichsweise wenig betroffen; allerdings wurden die berühmten Mosaiken der grossen Umayyaden-Moschee an der Transeptfassade durch Geschosse getroffen.
Die Altstadt von Bosra als eine der Hauptstädte der Nabatäer. Aus Bosra wird von Zerstörungen der Basalthäuser in der Altsatdt berichtet.
Palmyra als Oasenmetropole des antiken Karanwanenhandels: Der grosse Bel-Tempel weist Schussspuren auf, Teile der Säulenstrasse sind entwendet worden. Einige der berühmten Palmyrener Grabreliefs tauchten im Beiruter Kunsthandel auf.
Aleppo als seit dem 2. Jt. v.Chr. besiedelte Stadt mit Resten aus hethitischer, hellenistischer, römischer, byzantinischer und mittelalterlicher Zeit. Aleppo ist von den Zerstörungen am schlimmsten betroffen. Seit Sommer 2012 ist es Schauplatz erbitterter Kämpfe. Der grosse Bazar von Aleppo, der als schönster des Orients galt, ist abgebrannt; das Minarett der Umayyaden-Moschee aus dem 11. Jh. wurde vollständig gesprengt; die Zitadelle, die als Symbol des Widerstandes gegen die Kreuzritter grosse Bedeutung hatte, ist durch militärische Aktionen in Mitleidenschaft gezogen und hat wichtige Bauteile verloren.
Der Krak des Chevaliers als monumentale Wehrarchitektur der Kreuzfahrer und Mamlukenzeit (10 . -14. Jh.): Die grösste und bisher best erhaltene Kreizritterburg der Levante wurde im august 2013 durch Beschuss und Bombardierungen beschädigt.
Die Toten Städte als besterhaltenes Architekturensembles spätantiker und byzantinischer Zeit (1. - 7. Jh.): Diese einmalige Kulturlandschaft mit seinem wichtigsten Monument, dem Simeonskloster, ist akut bedroht.
Neben diesen bekannten Plätzen sind zahlreiche weitere Stätten ebenfalls bedroht, wie z.B. die hellenistisch-römische Stadt Dura Europos am Euphrat, die von organisierten Grabräuberbanden hemmungslos geplündert werde.
Man kann nur hoffen, dass wenigstens ein Teil der Kulturgüter erhalten bleiben. Sie bilden nicht nur die geschichtliche Identität von Syrien, sondern könnten die Basis für einen zukünftigen Kulturtourismus bilden, der sich gerade vor Ausbruch der Unruhen zu etablieren begann.
Webseite Antike Welt (Verlag von Zabern)
News aus dem Museumsbereich der Ägyptologie
Newsletter von CIPEG
(28. Mai 2014) Das Internationale Komitee für Ägyptologie (CIPEG), eine Abteilung des Internationalen Komitees der Museen (ICOM), veröffentlicht zwei Newsletter pro Jahr mit Informationen rund um Museen und deren ägyptische Sammlungen. Im ersten Rundbrief 2014 geht es u.a. um den letztjährigen Bombenanschlag auf das Islamische Museum und die Nationale Bibliotek in Kairo. Die heftige Explosion richtete gewaltigen Schaden an. Im Islamischen Museum wurden mindestens 170 Objekte komplett zerstört. Für die Restaurierung des Gebäudes und die Rettung der beschädigten Objekte wird Ägypten auf ausländische Experten und finanzielle Hilfe angewiesen sein.
Newsletter 1/2014 (CIPEG)
Untersuchung des Inhaltes eines altägyptischen Sarges
Mumie von antiken Grabräubern nahezu vollständig zerstört
(26. Mai 2014) Das Museum für Völkerkunde Burgdorf erwarb 1926 vom Ägyptischen Museum in Kairo einen Sarg mit Mumie, der sich zur Zeit als Leihgabe im Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen befindet. Mit seinen Massen von 210 cm Länge und 70 cm Breite stellt er den grössten altägyptischen Sarg in der Schweiz dar. Im Rahmen des Schweizer Sargprojektes wurde der Sarg 2005 erstmals durch ein interdisziplinäres Team untersucht. Bei der Öffnung des Sarges wurde festgestellt, dass in seinem Inneren ein grosses Durcheinander herrscht, so dass bisher nur der vom Körper abgetrennte Schädel untersucht worden ist.
Letzte Woche wurde der Sarg erneut geöffnet und sein Inhalt durch die Ägyptologin Alexandra Küffer (Kuratorin für Altägypten, Hist. und Völkerkundemuseum St. Gallen) und die Anthropologin Sandra Lösch (Leiterin Physical Anthropology, Institut für Rechtsmedizin an der Universität Bern) erstmals einer umfassenden Untersuchung unterzogen. Ziel war es, genauere Informationen zur Bestattung und zur verstorbenen Person zu gewinnen. Dabei bestätigte sich der sehr schlechte Erhaltungszustand der Mumie, von welcher nur noch einzelne Knochen, umgeben von Bandagen und Mumifizierungsmaterial, übrig sind.
Es wurde beschlossen, auf eine CT-Untersuchung der noch erhaltenen Körperteile zu verzichten und den Sarginhalt "Schicht für Schicht" aus dem Sarg zu nehmen. Die ganze Untersuchung wurde von zwei Fotografen dokumentarisch festgehalten. Der Sarg war schon in der Antike aufgebrochen und die Mumie von Grabräubern auf der Suche nach Schmuckstücken auseinandergerissen worden. Trotz der erheblichen Zerstörung konnte die Anthropologin Sandra Lösch aufgrund der Knochen dennoch Aussagen zur bestatteten Person machen. Es handelt sich um eine Frau, die mit rund 40 Jahren verstarb. Eine weitere Überraschung war die Bergung der zusammengedrückten Mumienmaske, die einst den Kopf der Mumie bedeckte und mit Blattgold überzogen ist. Die menschlichen Überreste sollen nach Abschluss der Untersuchung wieder in den Sarg gebettet werden.
Sargkophag in St. Gallen geöffnet (SRF Ostschweiz)
Bildstrecke zur Öffnung des Sarges (St. Galler Tagblatt)
Basler Archäologen entdecken 50 Mumien
Wichtiger Fund im Tal der Könige
(1. Mai 2014) Das Team der Universität Basel unter Leitung der Ägyptologin Susanne Bickel hat im Tal der Könige rund 50 Mumien entdeckt.
Am Ende eines Schachtes in 6 m Tiefe stiessen die Forscher auf vier Räume mit den menschlichen Überresten von rund 50 Personen aus der 18. Dynastie (Neues Reich, um 1400 v.Chr.) . Auf den Grabbeigaben fanden sie Namen und Titel, so dass 30 der bestatteten Personen identifiziert werden konnten. Offenbar handelt es sich bei ihnen um Prinzen und Prinzessinen sowie Kinder des Pharaos. Darunter befanden sich auch Klienkinder und Neugeborene. Dieser Fund belegt, dass im Tal der Könige nicht nur Pharaonen, sondern auch ihre Familienanegehörigen bestattet wurden.
Das Grab wurde in der 22. Dynastie (um 900 - 800 v.Chr.) für eine Sekundärbestattung wiederbenutzt und in der Antike mehrmals geplündert.
Bericht der Tagesschau (SRF)
Trente enfants royaux découverts (Tribune de Genève)
Die Geschichte der Welt in 100 Objekten
Sonderausstellung in Abu Dhabi
(19. April 2014) Seit einigen Jahren rüsten die Arabischen Emirate auch kulturell auf. Zahlreiche neue Museen sind entstanden; grosse Sonderausstellungen werden präsentiert. Der Fokus liegt dabei sowohl auf den eigenen Kulturen, wie auch auf denjenigen Europas und der übrigen Welt.
In wenigen Tagen wird eine weitere Show im Sadaiyat Cultural District in Abu Dhabi eröffnet, welche die Geschichte der Welt in 100 Objekten veranschaulicht. Die vom 23. April bis 1. August 2014 gezeigte Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem British Museum in London entstanden und umfasst auch Leihgaben aus Grossbritannien. Das stolz angekündigte Ereignis wird u.a. die Geschichte des Mittleren Ostens und der Emirate thematisieren. Dabei sollen vorislamische Kulturen präsentiert und die Ausbreitung des Islam im 7.Jh.n.Chr. bis hin zur (modernen) Erfindung eines fussgesteuerten Autos von Studenten aus den Emiraten vorgestellt werden. Die Ausstellung wird von Workshops begleitet; als spezieller Gast wird der Direktor des British Museums London in Abu Dhabi erwartet.
100 Objects that define world history (UAE interact)
Museumsbesucher wickeln Mumie aus
Digitale Mumienerforschung in Schweden
(12. April 2014) Im 19. Jahrhundert erfreuten sich Mumienauswicklungen grosser Beliebhteit. Auch in Museen wurden vor neugierigem Publikum Mumien ausgewickelt. Dies geschah meist in aller Eile, wollte man den Besuchern doch vor allem die Amulette in den Bandagen und den mumifizierten Körper zeigen. Durch diese- damals als wissenschaftlich geltende - Methode erlitten Tausende von Mumien schwere Beschädigungen oder wurden gar zerstört.
Heute werden Mumien mit zerstörungsfreien (non-invasiven) Techniken wie Röntgen und Computertomografie untersucht. Neue Wege beschreitet das Medelhavsmuseet/Museum of Mediterranean and Near Eastern Antiquities in Stockholm. Besucher können virtuell selber Hand anlegen und die Mumie des Priesters Neswaiu mittels 3D-Digitaltechnik Schicht für Schicht auswickeln.
Neswaiu lebte im 3. Jh. v.Chr. in Theben (heute Lucor) und war als Priester des Kriegsgottes Month tätig. Er wurde 50-60 Jahre alt, was im alten Ägypten ein hohes Alter war. Vermutlich ist er an einer Zahninfektion gestorben.
Faksimile-Grab von Tutanchamun demnächst eröffnet
Aufwendiges Projekt zur Rettung des Originalgrabes
(12. April 2014) Das Faksimile-Grab von Tutanchamun in Theben-West soll Ende April/Anfang Mai erröffnet werden. Dazu wurde ein unterirdischer Trakt unmittelbar nebem dem Howard Carter - Haus, das sich am Eingang zum Tal der Könige befindet, gebaut.
Das orginalgetreu nachgebaute Grab ist Teil eines aufwendigen Projekts zur Entlastung der stark beschädigten Gräber im Tal der Könige. Die Repliken der Grabwände wurden anhand von hochauflösenden Aufnahmen im Originalgrab erstellt. Im Grabungshaus von Howard Carter, der das Grab von Tutanchamun 1922 entdeckt hat, soll eine kleine Begleit-Ausstellung über den Sensationsfund eingerichtet werden. Sie wird vom Ägyptologen Jaromir Malek kuratiert und zeigt Aufnahmen zur Öffnung des Grabes aus dem Griffith Institute in Oxford.
Das Resultat hat offenbar auch den Antiquitätenminister überzeugt. Bei seinem Besuch der Arbeiten am Faksimile-Grab Ende März liess er sogar verlauten, dass dieses Ende 2015 im neuen Grand Egyptian Museum in Gizeh aufgestellt werden soll. Das würde jedoch den bisherigen Plänen wiedersprechen, geht es doch bei den nachgebauten Gräbern besonders darum, die stark beschädigten Originale zu entlasten und den Besuchern in der Nähe der Orginalgräber eine Alternative anzubieten.
Video zur Erstellung des Faksimile Grabes (Factum Arte)
"Isfahan ist die Hälfte der Welt"
Bildergalerie zur persischen Stadt Isfahan
(3. April 2014) Seit Protestbewegungen und Bürgerkriege manche Länder im Nahen Osten erschüttern, hat sich der Ruf des Iran im Westen gebessert - nicht zuletzt wegen des iranischen Präsidenten Hassan Rohani, der eine etwas weltoffenere Politik als seine Vorgänger betreibt. In den letzten Monaten soll auch der Tourismus wieder angestiegen sein.
Zu den bedeutendsten Stätten Irans zählt Isfahan, das mit prächtigen Moscheen, quirligen Basaren und malerischen Gartenanlagen zu beeindrucken vermag. Die Stadt wurde 1598 von der persischen Fürstendynastie der Safawiden, die den schiitischen Islam als offizielle Religion in Persien einführten, zu ihrer Hauptstadt erkoren. Die zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten ziehen noch heute Touristen in ihren Bann. Gegenwärtig werden die Moscheen und historischen Komplexe der Stadt restauriert.
Isfahan ist die halbe Welt (Qantara.de)
Boten zwischen Menschen und Göttern
Untersuchungen von Tiermumien
(31. März 2014) Im Brooklyn Museum (USA) lagerten 30 Kisten jahrelang unbemerkt im Depot. Als sie schliesslich von Mitarbeitern geöffnet wurden, fanden sich darin mehrere Tiermumien, die nun genauer untersucht wurden.
Obschon Tiermumien zu Hunderten in Sammlungen vorhanden sind, waren sie bislang als Forschungsobjekte eher vernachlässigt worden. Heute ist bekannt, dass Tiermumien ein wichtiges Merkmal der "persönlichen Frömmigkeit" darstellen. In turbulenten und unsicheren Zeiten, wie z.B. der Dritten Zwischenzeit (um 1000 - 660 v.Chr.), in welchen eine Zentralgewalt in Ägypten fehlte, wandten sich die Menschen mit ihren Gebeten und Anliegen direkt an die Götter und verwendeten dabei verstorbene Tiere als Boten.
Bislang sind in Ägypten 31 Tiernekropolen belegt, in denen mindestens 20 Millionen (!) Tiermumien bestattet worden sind. Alte Texte zeigen, dass in den Tempeln Tiere gehalten wurden, dies mit dem Zweck, sie zu mumifizieren und an Pilger zu verkaufen. So sollen im Tempel des Weisheitsgottes Thot in Sakkara rund 60'000 lebende Ibisse gehalten worden sein. Die dazugehörige Ibis-Nekropole zählt zu den grössten Tierfriedhöfen Ägyptens.
Das Geheimnis von Schepenese gelüftet
Neue Erkenntnisse zur Mumie in der Stiftsbibliothek St. Gallen
(4. Februar 2014) Seit ihrem Eintreffen in St. Gallen im Jahre 1820 zählen Särge und Mumie der Schepenese aus der Spätzeit der altägyptischen Kultur (um 650 v.Chr.) zu den Publikumsfavoriten unter den ägyptischen Antiquitäten der Schweiz. Schepenese's Familie gehörte zur einflussreichen Amun-Priesterschaft, die in Theben (dem heutigen Luxor) regierte. Ihre letzte Ruhestätte fanden die Clans im Wüstengebirge auf der Westseite des Nils im Schutz des Totentempels der Königin Hatschepsut.
Schepenese ruht heute in einem gläsernen Biedermeiersarg, umgeben von ihrem Sargensemble, inmitten kostbarer Manuskrpite in der Stiftsbilbiothek St. Gallen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die Mumie wurde bereits zwei Mal ausgewickelt, wobei Teile der Grabausstattung beinahe verloren gingen.
In einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Antike Welt" (1/2014) fasst die Zürcher Ägyptologin Renate Siegmann die Geschichte des Sargensembles von Schepenese zusammen und enthüllt das letzte Geheimnis: In vier unbeschrifteten Schachteln, die 2012 an die Stiftsbibliothelk gesandt wurden, fanden sich Mumienbinden von Schepenese, die offenbar bei der Untersuchung der Verstorbenen im Jahr 1994 zurückbehalten wurden und seither als verschollen galten. Unter den Textilien befanden sich vier, in Leinen gewickelte handgrosse Päckchen, von deren Existenz bisher niemand etwas geahnt hatte und bei denen es sich um die inneren Organe der Schepenese handelt.
Inhaltsverzeichnis Antike Welt (1/2014)
Webseite Antike Welt (Von Zabern Verlag)
Sensationelle Fotos aus dem Tal der Könige
Farbenpracht im Grab Ramses' IV.
(4. Februar 2014) Der ukrainische Fotograf Andrey Nebrasov erhielt die offizielle Erlaubnis, im Grab des Pharao Ramses' IV. zu fotografieren. Das Resultat sind atemberaubende Bilder, die die ganze Farbenpracht ägyptischer Gräber wiedergeben. Insbesondere das leuchtende Ägyptischblau, das zu den ältesten künstlich hergestellten Farben gehört, ist wunderbar erhalten.
Ramses IV. regierte von 1156 - 1150 v.Chr.; er war der Sohn und Nachfolger von Ramses III., der als letzter grosser Pharao Ägyptens gilt und zu den wenigen Herrschern zählt, die im Amt einem Mord zum Opfer fielen. Wie aus den altägyptischen Gerichtsakten zum Mordfall bekannt ist, wurden die Verschwörer zum Tod oder zu Verstümmelungen verurteilt und Ramses IV. konnte sich als designierter Nachfolger durchsetzen.
Sein Grab im Tal der Könige (KV 2) ist mit verschiedenen Unterweltbüchern dekoriert, wie das Höhlen-, Toten- und Pfortenbuch sowie das Buch von der Nacht. Aussergewöhnlich ist, dass sich von der Grabanlage ein Plan erhalten, der sog. Turiner Papyrus, der sich heute im Ägyptischen Museum Turin befindet.
Fotos vom Grab Ramses' IV. (Dailymail)
Unbekannter Pharao entdeckt
Amerikanische Archäologen im Forscherglück
(24. Januar 2014) Archäologen der Universität Pennsylvania haben kurz nacheinander zwei interessante Gräber in Sohag südlich von Abydos entdeckt. Nachdem sie anfang Jahr das Grab des Pharao Sobekhotep I. lokalisieren konnten, stiessen die Forscher auf das Grab eines bislang unbekannten Pharaos mit Namen Seneb-Kajj. Beide Könige regierten in der sog. 2. Zwischenzeit in Abydos, während im Norden Ägyptens die ausländischen Hyksos an der Macht waren.
Die Entdeckungen werfen etwas Licht auf eine Epoche der ägyptischen Geschichte, aus der noch wenig bekannt ist. Laut dem Leiter der Ausgrabungen Josef Wegner weist die geringe Grösse des Königsgrabes auf die schlechte wirtschaftliche Situation Ägyptens um 1700 v.Chr. hin.
Beitrag Luxor Times (mit Fotos)
Bisher unbekanntes Grab in Theben-West entdeckt
Farbenprächtige Malereien aus der Ramessidenzeit
(7. Januar 2014) Der ägyptische Antikenminister Mohamed Ibrim kann zu Beginn des neuen Jahres eine freudige Nachricht verkünden: In Theben-West hat das japanische Team der Waseda Universität ein Grab mit prächtigen und gut erhaltenen Malereien entdeckt.
Der Grabherr namens Chons-em-heb lebte in der Ramessidenzeit (19./20. Dynastie) und war Vorsteher der Kornspeicher und der Bierbrauer. Die ägyptischen Behörden haben spezielle Sicherheitsvorkehrungen während der weiteren Ausgrabungen angeordnet. Das Grab soll möglichst bald für Touristen geöffnet werden.
Luxor Times (mit Fotos)
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