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Tonbilder
Die folgende Kolumne von Peter Bichsel hat mich auf die Idee gebracht Töne, Klänge und Geräusche aus dem täglichen Leben einzufangen um hier wiederzugeben. Nicht zufällig; ich war nahezu vierzig Jahre als Tontechniker beim Schweizer Radio tätig, hier habe ich mein Handwerk gelernt und mit Freude ausgeübt.
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Damals, als ich noch hörte
Ich habe die fürchterliche Angewohnheit, das Radio laufen zu lassen vor dem Einschlafen ‑ unabhängig davon, was da läuft. Am liebsten aber höre ich Gesprochenes, und da wiederum unabhängig davon, ob ich die Sprache verstehe oder nicht. Es darf auch Japanisch sein, einfach menschliche Stimmen. Offensichtlich gibt es so etwas wie eine Hörsucht, und offensichtlich kann eine Sucht nicht brutal genug befriedigt werden; Radio ist jedenfalls eine brutale Form der Hörbefriedigung.
Aber ich gehe erst schlafen, nachdem die Welt der Töne verstummt ist. Nur in ganz seltenen Fällen wird es so spät oder so früh, daß schon einige Vögel zwitschern. Dann brauche ich kein Radio. Und dann erinnere ich mich an eine Zeit, als ich immer zu früh ‑ noch bei Tageslicht ‑ ins Bett mußte, ungern und unter Protest.
Ich erinnere mich auch an die Stimme meiner Mutter, an die Stimme meines Vaters im Garten, an ihre Schritte auf dem Kiesweg. Ich erinnere mich an das Geräusch der Handsäge, mit der ein Nachbar sein Holz zersägte. Er spielte Säge, hätten meine Kinder gesagt so wie ich für sie Schreibmaschine spielte. Und die Holzstücke fielen in immer gleichen Abständen zu Boden und klangen. Buchenholz klang besser als Tanne, und dann das Geräusch der Hagschere, mit der ein Thujahag gestutzt wurde. Und am Donnerstag übte vorn in der Kirche der Posaunenchor des Blauen Kreuzes: immer nur ein paar Töne und dann immer wieder dieselben und dann eine lange Pause mit Erklärungen des Dirigenten wohl, die ich nicht hörte. Hätten sie wirklich gespielt, im Sommer bei offenem Fenster, die Musik hätte mir mein Hören verdorben. Aber immer nur ein paar Töne zwischen dem Fallen der Holzstücke und dem Klappen der Hagschere und den Schritten der Mutter im Gartenkies: das war schön.
Einschlafen und das Leben im Ohr haben. Es ist ein Zufall, daß es mir überhaupt noch eingefallen ist, daß ich mich überhaupt noch erinnere. Mir scheint, ich habe jenes feine Gehör, das alles als Musik hören konnte, längst verloren ‑ ein Tauber, der sich daran erinnert, einmal gehört zu haben. Ich habe wohl als Kind viel mehr an dieser Welt teilgenommen als heute, ich habe die Welt erfahren.
Ich meine nicht Nostalgie. Ich meine nicht, daß die Welt zu laut geworden ist und Holz nicht mehr von Hand gesägt und der Hag nicht mehr mit der Handschere geschnitten wird. Ich meine nur Hören und bin überzeugt, daß es ein Kind heute so gut kann wie wir damals. Erst später wird man so schwerhörig, daß man die Geräusche nicht mehr verträgt, und Bauern werden wegen Kuhglocken auf Nachtruhestörung verklagt. Wer nicht hören kann, der erträgt das Hören auch nicht.
Im Hotel wird mir immer wieder ein ruhiges Zimmer angeboten. Alle Menschen wollen selbstverständlich ein ruhiges Zimmer. Ich will ein lautes mit Fenster auf die Straße, mit Autos und mit Menschen und mit dem scheußlichen Lied eines Betrunkenen. Und wenn ich das sage, dann nimmt das der Portier als Scherz und sagt, daß ich zufrieden sein werde ‑ ein absolut ruhiges Zimmer. Es ist sehr schwer, ein lautes zu bekommen, eines mit Tönen, eines, wo man ein bißchen Leben in den Ohren hat beim Einschlafen und nicht gleich stirbt.
© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2005
Erschienen: 2005 “Kolumnen, Kolumnen“
Veröffentlichung von Shurkamp im Juli
2005 genehmigt.

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|Guten Tag, das
Frühstück wird serviert:

Sie hören das Blubbern der Kaffeemaschine, den Eiertanz im kochenden Wasser und den Toastertimer; angenehme Alltagsgeräusche.
|Weihnachten

In der Adventszeit Licht und Klänge erhellen den Wald. Jäger feiern die Weihnacht. Auch St.Nikolaus kommt vorbei und beschenkt die Kinder.
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