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| Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)

3. Buch
17. Kapitel: Manche Befehle der heiligen Schriften sind deshalb verwirrend, weil sie keine allgemeine Gültigkeit haben
25. Oft kommt es vor, daß jemand, der schon auf einer höheren Stufe des geistigen Lebens steht oder wenigstens zu stehen glaubt, der Meinung ist, die an die niederen Stufen gerichteten Vorschriften seien bloß figürliche Ausdrücke. Wenn er z. B. ein eheloses Leben führt und um des himmlischen Reiches willen sich selbst seiner Mannbarkeit entäußert hat1, so behauptet er, die Vorschriften der heiligen Bücher über die Liebe und Leitung des Weibes müßten nicht im eigentlichen, sondern im bildlichen Sinne genommen werden. Ebenso sucht ein anderer, der seine noch jungfräuliche Tochter unvermählt lassen will, die Worte: „Verheirate deine Tochter und du hast ein großes Werk getan2“ bloß als bildliche Redeweise zu erklären. Es gehört also auch diese Erkenntnis zu den Beobachtungen über das Verständnis der Heiligen Schrift, daß einige Vorschriften für alle Menschen gemeinsam, andere aber nur für einzelne Klassen von Menschen gelten, geradeso wie eine Arznei auch nicht bloß allein auf den ganzen Gesundheitsstand berechnet sein, sondern auch auf die eigentümliche Schwäche eines jeden einzelnen Gliedes eingehen soll. Denn dasjenige, was nicht zur höheren Art erhoben werden kann, das muß in seiner Art geheilt werden.
1: Vgl. Matth. 19, 12.
2: Eccl. 7, 27.