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Der Blütenstaub, der sich über die Stadt legte, beflügelte den assoziativen Astrologen Wassertrog zu einer Neuinterpretation der gelben Gefahr. Seine apokalyptische These, die neben einer racheengelnden Natur, Ressentiments gegen die Moderne, insbesondere gegen die kommerzielle Luftfahrt, sowie, etwas unmotiviert, die ChinesInnen enthielt, verbreitete sich rasant in den sozialen Medien. Dass die meisten AdeptInnen in Gegenden lebten, wo gar kein gelber Staub vom Himmel fiel, tat dem Erfolg keinen Abbruch. Wassertrog wurde zum gefeierten Buchautor und gefragten Vortragsreisenden, der viel Zeit im Flugzeug verbrachte. Als aber statt des Weltuntergangs ein Traumsommer stattfand, wurde dieser Umstand zum Stolperstein, der seine Reputation vernichtete.
Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.