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An der Hochschule Luzern (HSLU) kursiert ein Manuskript bekannt als das „Luzerner Modell“.
Der Autor dieses Modell, Wirtschafts-Professor Markus Zemp, vermarktet sein Werk als eine Innovation im Bereich ESG.
Dieses „Luzerner Modell Nachhaltige Unternehmensführung“ wird an der Vorzeige-Bildungsstätte der Zentralschweiz als Heilsversprechen für die Schweizer Wirtschaft gelehrt.
Die Realität sieht anders aus. Von Innovation kann kaum die Rede sein, geschweige denn von einem Autor.
Das „Luzerner Modell“ hat bei der etablierten Plagiatsprüfung Turnitin einen Ähnlichkeitsindex von 71 Prozent aufgewiesen.
Das bedeutet, dass ein erheblicher Teil des Inhalts von fremden Quellen kopiert wurde, ohne genügenden Verweis auf die Original-Autoren.
„Bei der Überprüfung des von Ihnen erwähnten Skripts als Unterrichtsmaterial wurden qualitative Mängel hinsichtlich der Zitierweisen festgestellt“, bestätigt die Hochschule Luzern.
„Sämtliche verwendete Quellen sind im Literaturverzeichnis zwar aufgeführt, aber im Text teilweise nicht explizit gekennzeichnet. Der Dozent wurde deshalb aufgefordert, das Skript umgehend zu überarbeiten.“
Für knapp 30’000 Franken Studiengebühren ein Manuskript, das über weite Strecken aus Vorgekautem besteht?
Was den HSLU-Studenten verkauft wird, ist de facto ein Modell, das wenig wissenschaftliche Relevanz aufweist und in der akademischen Fachwelt nie anerkannt wurde.
Die Publikation wurde nämlich lediglich in einem Verbandsmagazin ohne sogenannten Peer-Review-Prozess veröffentlicht.
Ein entscheidender Unterschied, den die Hochschule Luzern auch als „not peer-reviewed“ ausweist.
Soweit transparent.
Es bleibt die Frage, wieso die HSLU Zehntausende Franken Studiengebühren einkassiert, unter anderem für das wenig wissenschaftliche, zusammengeschusterte „Luzerner Modell“?
„Den Vorwurf eines schwerwiegenden wissenschaftlichen Fehlverhaltens ist gemäss der internen Überprüfung nicht haltbar“, sagt die HSLU.
„Bei dem Skript handelt es nicht um eine wissenschaftliche Publikation, sondern um Unterrichtsmaterial. Der Dozent hat es in zwei Weiterbildungen verwendet und den Teilnehmenden zur Verfügung gestellt; das Skript wurde nie verkauft.“
Es würde inzwischen „nicht weiter im Unterricht verwendet“, so die Hochschule.
„Es ist unser Anspruch, dass Unterrichtsmaterialien sowohl inhaltlich wie formal von hoher Qualität sind. Sie sollen auch für Studierende einen Vorbildcharakter haben.“
Die HSLU steht im Wettstreit mit grösseren Hochschulen, in der Fachrichtung Wirtschaft insbesondere mit der internationalen HSG.
Wollte die HSLU mit ihrem„Luzerner Modell“ dem etablierten „St. Galler Modell“ der HSG endlich mal die Stirn bieten?
Professor Zemp, der an der Hochschule für die „Studienleitung MBA“ zuständig ist, sagt zu den Vorwürfen:
„Bei dem Skript handelt es nicht um eine wissenschaftliche Publikation, sondern um Unterrichtsmaterial. Der Ähnlichkeitsgrad ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass es sich bei diesem Manuskript um eine praxisorientierte Fallstudie (Fall Edding) handelt.“
„Ich lege darin anhand eines Falles dar, wie die Konzepte des nachhaltigen Denkens (wie z.B. von der UN oder der GRI (Global Reporting Initiative) oder das 3P Modell von Elkington) auf Aspekte im unternehmerischen Handeln angewendet werden können.“
„Das Skript stellt die Verbindung zwischen diesen Ansätzen und der Praxis her. Aus diesem Grund stimmen die Aussagen aus den Literaturquellen aber auch die Informationen aus der Praxis (Edding) mit den entsprechenden Quellen überein.“
Das allein würde „rund die Hälfte der 71%“ ausmachen. Der „andere Teil der Ähnlichkeiten ist mit dem Verweis auf die anderen Quellen zu erklären“, so Zemp.
Die Quellen fürs Skript seien „im Literaturverzeichnis aufgeführt“, fährt der Professor fort. „Allerdings sind sie im Text teilweise nicht explizit gekennzeichnet.
„Diesen Umstand werde ich umgehend korrigieren und das Skript entsprechend überarbeiten. Zwischenzeitlich wird es nicht weiter im Unterricht verwendet.“