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Beim Hoden hochstand ist ein oder beide Hoden nicht vollständig in den Hodensack gewandert.
Im Normalfall entstehen bei der kindlichen Entwicklung im Mutterleib die Hoden im Bauchraum und wandern bis zur Geburt über den Leistenkanal, der Bauchhöhle und Hodensack verbindet, in den Hodensack. Bei etwa 4 von 100 reif geborenen Kindern tritt ein Hodenhochstand auf, bei Frühgeborenen häufiger. Während des ersten Lebensjahres kann es spontan noch zu einem Abstieg kommen und der Hoden kommt richtig im Hodensack zu liegen.
Je nachdem wo die Hoden auf ihrem Weg liegen bleiben unterscheidet man:
Bauchhoden: Selten, der Hoden bleibt im Bauchraum liegen.
- Leistenhoden: Der Hoden liegt fixiert im Leistenkanal und kann nicht in den Hodensack hinabgeführt werden.
- Gleithoden: Der Hoden liegt am Eingang des Hodensacks. Hier ist der Samenstrang, an dem der Hoden aufgehängt ist, zu kurz und zieht den Hoden immer wieder in den Leistenkanal zurück. Der Hoden lässt sich zwar unter Spannung in den Hodensack schieben, gleitet aber beim Loslassen wieder zurück.
- Pendelhoden: Diese häufigste Form hat keinen Krankheitswert. Der Hoden ist in den Hodensack gewandert, wird aber zeitweise durch Berührung oder Kälteeinwirkung in den Leistenkanal zurückgezogen.
- Ektopischer Hoden: verirrter Hoden, der Abseits der üblichen Strecke liegt, z.b. im Oberschenkelbereich.
Bereits bei der ersten Untersuchung des Neugeborenen tastet der Arzt, ob beide Hoden sich im Hodensack befinden.
Einen Leisten-, Gleit- oder Pendelhoden ertastet der Arzt mit einer speziellen Technik, bei der er sanft mit der Zeigefingerkante der einen Hand vom Leistenkanal her nach unten Richtung Hodensack streicht und mit der anderen Hand den Hoden ertastet.
Bei nicht tastbaren Hoden kann mittels Ultraschall oder anderen bildgebenden Verfahren die Lage der Hoden harausgefunden werden. Es kann auch eine endoskopische Bauchhöhlenuntersuchung (Laparoskopie) notwendig werden, bei der eine Inspektion des Bauchraumes in Vollnarkose erfolgt.
Mit einem Hormonstimulationstest kann zwischen beidseitigem Hodenhochstand und völligem Fehlen der Hoden (Anorchie) unterschieden werden.
Bleibt der Hodenhochstand nach dem ersten Lebensjahr bestehen, ist die Chance für einen spontanen Abstieg nur noch sehr gering. Daher sollte spätestens zu Beginn des 2. Lebensjahres mit der Behandlung begonnen werden.
Die gängige Behandlung ist eine Hormontherapie, die den Testosteronspiegel ansteigen lässt und den Hoden zum Herabgleiten stimuliert. Die Hormongabe erfolgt zuerst für etwa 4 Wochen als Nasenspray und wird danach bei ungenügendem Erfolg einmal wöchentlich gespritzt. Die Hormontherapie ist umso erfolgversprechender, je weiter der Hoden auf seinem Weg in den Hodensack schon gewandert ist und beträgt beim Pendelhoden bis zu 90%.
Bringt die Hormontherapie nicht den gewünschten Erfolg, muss, möglichst vor Vollendung des 2. Lebensjahres, operiert werden. Dabei wird der Hoden durch den Leistenkanal in den Hodensack geführt. Um zu verhindern, dass der Hoden wieder nach oben gleitet, wird er dort mit einer kleinen Naht fixiert.
Nach der Operation sollte in regelmässigen Abständen nachkontrolliert werden, ob der Hoden noch richtig liegt. Denn während dem Wachstum kann es vorkommen, dass ein zu kurzer Samenstrang den Hoden erneut in den Leistenkanal zieht.
Zur Entwicklung des Hoden gewebes, in dem nach der Pubertät die Samenproduktion stattfindet, ist eine niedrigere Umgebungstemperatur (32-37 Grad) notwendig. Daher liegen die Hoden ausserhalb des Körpers im Hodensack. Beim Hodenhochstand ist der Hoden einer höheren Temperatur ausgesetzt und es kommt zu einer Schädigung dieses Gewebes. Die Folge kann Unfruchtbarkeit sein.
Darüber hinaus ist bei unbehandeltem Hodenhochstand das Risiko für die Enstehung von Hodenkrebs im Erwachsenenalter erhöht. Ein verspäteter Abstieg des Hodens begünstigt auch eine sogenannte Hodentorsion, bei der sich der Hoden und Samenstrang schraubenförmig verdrehen.
Nur durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können Folgeschäden des Hodens vermieden werden.