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Ein Hautarzt kann mit einem Behälter flüssigem Stickstoff eine Warze in vier bis fünf Sekunden entfernen. Ich schaffe dasselbe über Nacht mit einer Knoblauchzehe und einem Pflaster. Deine Hand stinkt zwar tagelang, aber die Warze kommt nicht zurück. Du brauchst nicht zu kratzen oder darauf herumzubeissen, bis das Blut über das schwammige Gewebe läuft. Du kannst jemanden an der Hand halten, ohne dass du dich schämen musst.
Wie man das macht, habe ich von meiner Urgrossmutter Estrella gelernt. Sie hat mir all die Hausmittel verraten, die sie von ihrer Grossmutter im Pueblo im nördlichen New Mexico gelernt hat. Wenn man Bauchschmerzen hat, muss man Kamillentee mit Honig trinken, so heiss wie es geht, ohne dass man sich die Zunge verbrennt. Wenn man Kopfschmerzen hat, drückt man rohe Kartoffelscheiben an die Schläfen, die ziehen die Schmerzen heraus. Gegen Erkältung und Liebeskummer hilft eine Tasse warmer Atole aus blauem Mais.
Die Läuse hatten wir von Harrison, auch wenn Mama das beim ersten Mal noch nicht klar war. Um sie loszuwerden, wusch sie mir die Haare mit Mayonnaise. Diesen Trick hatte sie von einer anderen Zahnarzthelferin in der Praxis gelernt und kam mit einem grossen Glas Kraft Mayo nach Hause, vom Besten. Sie hielt meinen Kopf über die Küchenspüle, nahm einen Servierlöffel und verteilte Mayonnaisebatzen auf meiner Kopfhaut. Eine Marlboro light hüpfte zwischen ihren Lippen auf und ab, während sie die eklige Masse in meinen langen braunen Haaren verteilte. Wenn sie eine Rauchwolke aus ihrem mit Lippenstift angemalten Mund ausstiess, konnte ich die Zahnlücke auf der rechten Seite sehen, die Stelle, die sie vor allen versteckte, sogar vor mir. Als sie fertig war, stülpte sie eine Plastiktüte über meine Haare und befestigte sie im Nacken mit einem Gummiband.
«Hier», sagte sie und zeigte mit dem roten Fingernagel auf einen Küchenstuhl. «Da bleibst du jetzt eine Viertelstunde lang sitzen, jita.»
Sie drückte die Zigarettenkippe auf einer Untertasse aus und teilte ihre eigenen schwarzen Haare, beugte sich über die Arbeitsfläche und begutachtete ihre helle Kopfhaut mit dem kleinen Spiegel einer Cover-Girl-Puderdose. Prüfend wanderte ihr Blick über ihren Kopf. Dann liess Mama die Puderdose zuschnappen und richtete den Blick auf mich.
«So, meine Süsse. Kopf über die Spüle.»
Mit dem Gesicht tief im Chrombecken wusch Mama mir die Haare aus, während sich ihre grossen Brüste in meinen Rücken drückten. Heisses Wasser ergoss sich über die Vorderseite meines Tweety-T-Shirts, alles wurde nass, Hals und Brust. Ich wimmerte und kämpfte gegen den übelkeitserregenden Eiergeruch auf meinem Kopf an.
«Mama», sagte ich, «warum fragen wir nicht einfach Grandma Estrella, was wir gegen Läuse machen sollen?»
«Sieh mich mal an.» Sie drehte mich um und wischte mir mit dem T-Shirt-Zipfel das Wasser aus dem Gesicht. «Du darfst Grandma Estrella auf keinen Fall verraten, dass du Läuse hast. Ist das klar?»
Ich hätte gerne gefragt, warum nicht, aber Mama schob meinen Kopf zurück unter den Wasserhahn und knetete die Haare mit ihren kräftigen Händen durch, so wie Grandma Estrella am Heiligabend die masa knetete. Meine braunen Haare wanden sich in nassen Schlingen, das Wasser lief mir in die Augen und ich konnte nicht mehr richtig sehen, aber ich hätte schwören können, dass da weisse Läuseeier den schwarz verfärbten Ausguss hinunterflossen.
Als wir Harrison zum ersten Mal abholten, schneite es. Mama und ich fuhren zu seiner Wohnung an der Grant Street im Zentrum von Denver, und wir froren in unseren Schals und gebraucht gekauften Winterstiefeln, als wir unter dem roten Kunststoffvordach am Eingang standen.
Mama drückte auf einen Klingelknopf, und eine verschlafene Stimme kam aus der Gegensprechanlage: «Wer ist da?»
«Wir sind’s», sagte sie. «Millie und Clarisa.»
Der Summer…