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Das Internet hat unsere Welt völlig auf den Kopf gestellt. Wir kommunizieren, lernen, arbeiten und vertreiben uns die Zeit online. Wahlen werden online gewonnen und verloren. Kaum eine andere menschliche Erfindung hat in derart kurzer Zeit derartige Umwälzungen hervorgebracht.
Anders als zahlreiche andere menschlichen Erfindungen, man denke beispielsweise an die Dampfmaschine oder die Glühbirne, wurde das Internet nicht durch eine Person und nicht an einem klar definierbarem Datum erfunden. Zahlreiche Wissenschaftler und eine jahrzehntelange Weiterentwicklung führten zum World Wide Web wie wir es heute kennen.
Der Grundstein zum Internet wurde jedoch, da sind sich die meisten Technologie-Historiker einig, mit dem sogenannten Arpanet gelegt. Das Akronym Arpanet stand für «Advanced Research Fund Projects Agency Networks».
Wie das spätere Internet war es ein dezentrales Kommunikationsnetzwerk, welches nicht von einem zentralen Rechner abhängig war. Finanziert wurde das Forschungsprojekt vom US-Militär, welches an einem Kommunikationssystem interessiert war, das auch einem Nuklearangriff widerstehen konnte.
Den Nuklearkrieg verhindern
«Für die Armee war es wichtig, dass man ein Netzwerk, ein Kommunikationsmittel, hatte, das sicher ist», sagt SRF-Digitalredaktor Peter Buchmann.
Es gab aber noch eine andere Motivation für die Schaffung des Arpanets. Für die meisten beteiligten Wissenschaftler war sie wohl wichtiger, als Überlegungen, wie man einen Nuklearkrieg verhindern könnte. «Das Ziel war, das Mensch und Maschine besser miteinander kommunizieren konnten», so Buchmann. Dank des Arpanets musste der Mensch nicht mehr dort sein, wo der kühlschrankschwere Computer sich befand, den man für eine Aufgabe gerade benötigte. Universitäten konnten auf andere Rechner im ganzen Land zugreifen.
Erstmals richtig getestet wurde der Vorläufer des Internets am 29. Oktober 1969: An der kalifornischen Universität UCLA tippt ein Wissenschaftler den Buchstaben «L» auf einer Tastatur ein. Er ist per Telefon mit einem Wissenschaftler am Stanford Research Institut verbunden. «Siehst du das «L?», fragt er seinen Kollegen. «Ja», kommt die Antwort übers Telefon, «wir sehen das «L»». Auch der nächste Buchstabe, ein «O», wird fehlerlos übermittelt. Als Letztes sollte ein «G» gesendet werden. Doch das System kollabiert. Das Internet hat mit einem Crash begonnen.
Bereits zwei Monate später sind zwei weitere Standorte am Arpanet angeschlossen und im nächsten Jahrzehnt wächst das junge Netzwerk rasant.
Der Internet-Standard wird geboren
In den 1960er-Jahren zeigten Wissenschaftler auf, wie Daten in Pakete aufgeteilt und über verschiedene Knoten an ihr Ziel kommen konnten. Auch wenn einzelne Knoten ausfielen, sollte die Daten heil ankommen. In den 1970er-Jahren entwickelten die US-Wissenschaftler Vinton Cerf und Robert Kahn ein Protokoll, das bis heute das Rückgrat des Internets darstellt: TCP/IP. Das Internet-Protokoll sorgt dafür, dass die ins Netz geschickten Datenpakete sauber angeschrieben sind, damit sie am Zielort wieder zusammengesetzt werden können.
Das Internet-Protokoll sorgte nach 1974 dafür, dass nicht nur Computer miteinander sprechen konnten: Auch verschiedene Netzwerke verstanden einander. Eine gemeinsame Sprache, quasi das Esperanto des Internets, war erschaffen worden.
Die Geschichte des Internets hatte jedoch erst gerade begonnen. So stellte sich bald heraus, dass die durch das Arpanet ermöglichte elektronische Briefpost sehr rege genutzt wurde. Auch Online-Foren erfreuten sich schon früh grosser Beliebtheit. Somit waren E-Mails und das Usenet geboren.
Es dauerte jedoch bis 1989, bis einer der aus heutiger Sicht wichtigsten Meilensteine des Internets gelegt wurde: Tim Berners-Lee entwickelte am Cern in Genf das World-Wide-Web. Dank Hypertext konnten Inhalte im Internet miteinander verknüpft werden. «Berners-Lee hat schon als Teenager davon geträumt, Informationen zu vernetzen. Und er hat seinen Traum in Genf konsequent vorangetrieben», sagt Digitalredaktor Buchmann. Dank dem World-Wide-Web explodierten die Nutzerzahlen (siehe Grafik oben) in den 1990er-Jahren.
Ein Internet ausser Rand und Band?
Die Internet-Pioniere träumten von einem Internet, in dem die Spiesse alle gleich lang sind. «Alles wurde sehr positiv gesehen», so Buchmann. Man sei davon ausgegangen, dass die Welt durch das Internet demokratischer werden würde. «Was unterdessen passiert ist, ist eigentlich ein Stück weit das Gegenteil», ist Buchmann überzeugt. Es habe eine unglaubliche Konzentration stattgefunden. Auf die Internetgiganten Google, Amazon und Facebook falle ein Grossteil des Internetverkehrs ab. Diese Konzerne würden nun auch immer mehr in Hardware investieren, um auch die Infrastruktur des Internets vollständig kontrollieren zu können. Ein Beispiel: «Amazon ist als Cloud-Anbieter dazu übergegangen, selber Computerchips zu entwerfen und zu produzieren», sagt Buchmann.
Braucht das Internet eine stärkere staatliche Regulierung? «Es hat ein Umdenken angefangen», so Buchmann. Einen grossen Einfluss hätten dabei die US-Präsidentschaftswahlen 2016 gehabt. Die Rolle, die Russland dabei gespielt habe, «hat vielen vor Augen geführt, dass das Internet nicht nur positive Seiten hat.» Buchmann ist jedoch der Meinung: Trotz aller Bedenken und Schattenseiten des Internets, dürfe man das positive Potenzial des Internets nicht unterschätzen.