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Keine Schokolade ohne Kakao, kein Kakao ohne Bauernfamilien, die ihn anbauen. Millionen dieser Bauernfamilien leben in Armut. Der Preis ist Teil des Problems, aber nicht allein. Die kleinbäuerlichen Strukturen spielen eine ebenso grosse Rolle.
Die wichtigste Zutat für Schokolade ist Kakao. Seinen Ursprung hat er in Lateinamerika, im heutigen Ecuador. Schon vor 5000 Jahren verehrten ihn dort die Menschen. Vom Amazonasgebiet aus verbreitete sich der Kakao in ganz Süd- und Mittelamerika.
Im 16. Jahrhundert kamen die Spanier nach Mexiko und brachten den Kakao mit nach Europa. Dort erkannte man schnell, dass man etwas aussergewöhnliches gefunden hatte. Der Kakaobaum wurde in die Kolonialgebiete des Tropengürtels gebracht und vor allem in Brasilien von Sklaven angebaut.
Die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien, die Erfindung der Milchschokolade in Europa und die Nähe Afrikas führten dazu, dass der Kakaoanbau sich Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nach Westafrika verlagerte.
Heute produzieren Ghana und die Elfenbeinküste 70 Prozent des weltweit gehandelten Kakaos, angebaut von zwei bis drei Millionen Bauernfamilien. Viele dieser Familien leben in tiefer Armut, weil der Preis angesichts ihrer Anbauverhältnisse zu tief und ausserhalb ihrer Kontrolle ist.
Kakao wird seit 1925 an der Börse gehandelt und der Preis über den Markt gesteuert. Der Weltmarktpreis schwankte im Verlauf seiner Börsengeschichte mehrfach stark. 1973 lag er zum Beispiel bei 661 US-Dollar pro Tonne, vier Jahre später bei 5010 Dollar. Um das Jahr 2000 lag er wieder bei rund 700 Dollar. Heute bewegt er sich zwischen 1200 und 2000 Dollar.
Gleichzeitig setzen die Produktionsländer ihre eigenen Preise für die Produzent:innen. Im Oktober 2021 etwa legte die Elfenbeinküste den Einkaufspreis auf Ebene der Bauernfamilien für die Saison 2021/2022 auf 825 CFA pro Kilo fest – umgerechnet 1.33 Franken – und somit 17.5 Prozent tiefer als im Vorjahr.
Wer von so einem Kakaopreis leben will, braucht grosse Anbauflächen und gute Erträge. Letztere erreicht man durch effiziente Anbaumethoden und Fachwissen. Den meisten Familien fehlt dieses Fachwissen. Sie leben zwar vollständig von der Landwirtschaft, doch ihre Methoden lernten sie von ihren Eltern und die von ihren. Eine Ausbildung zum Landwirt hat hier niemand absolviert. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse und daraus resultierende, effiziente Anbaumethoden kennen die wenigsten.
Die Bauernfamilien, mit denen wir in Togo zusammenarbeiten, stehen vor der gleichen Herausforderung wie die Familien in Ghana oder der Elfenbeinküste. Denn der Kakaopreis in Togo orientiert sich in der Regel an dem der beiden Nachbarländern. Togo spielt auf dem Kakaomarkt kaum eine Rolle.
Die Familien, die uns mit Kakao beliefern, bauen diesen auf durchschnittlich 1.5 Hektar Land an und erreichen Erträge von 300 bis 400 Kilo pro Hektar, selten mehr. Das ist zu wenig für ein existenzsicherndes Einkommen, wenn sie den Kakao zu Markpreisen verkaufen müssen.
Am Marktpreis können wir als gebana nichts ändern. Der Markt ist zu gross und gebana zu klein. Wir können aber zumindest den Bauernfamilien, die mit uns zusammenarbeiten einen besseren Preis zahlen und haben damit auch schon angefangen.
Im zweiten Teil unserer Blogserie zum Thema Kakao und Schokolade lesen Sie, wie wir den Preis für die Familien konkret verbessern und welche Hürden wir selbst dabei überwinden müssen.
Heartbreak as Ivory Coast sets lower cocoa purchase price – Africa News https://www.africanews.com/2021/10/02/heartbreak-as-ivory-coast-sets-lower-cocoa-purchase-price/ (abgerufen am 8.2.2022)
Neue Serie: Rohstoffe einfach erklärt - heute: Kakao-Future – Der Aktionär https://www.deraktionaer.de/artikel/kolumnen/neue-serie-rohstoffe-einfach-erklaert-heute-kakao-future-20227215.html (abgerufen am 8.2.2022)
Cocoa Barometer 2020 https://www.publiceye.ch/fileadmin/doc/Schokolade/2020_VOICE_Cocoa_Barometer.pdf (abgerufen am 15.9.2021)
Produced in the south – consumed in the north https://www.kakaoplattform.ch/about-cocoa/cocoa-facts-and-figures (abgerufen am 8.2.2022)
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