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Versöhnlich: Der Kriegsveteran Bernard «Bernie» Jordan (Michael Caine) hat noch eine Rechnung mit der Vergangenheit offen. Seine Frau Rene (Glenda Jackson, Bild oben) unterstützt den «Ausreisser». (Pathé Films)
«Was für eine Verschwendung!»
Sie sind ein Leben lang (70 Jahre) verheiratet und leben nun in einem Seniorenheim. Bernard «Bernie» Jordan (Michael Caine) und Irene «Rene» (Glenda Jackson) sind zufrieden und glücklich. Nur eines wurmt den 89-jährigen Kriegsveteranen Bernie: Er würde gern an den Feierlichkeiten in Frankreich anlässlich des D-Day teilnehmen, dem Tag der Alliierten-Landung in der Normandie. Doch seine Reservierung kam zu spät. Die Reise für das 70-Jahr-Jubiläumsereignis ist ausgebucht. Die unerschütterliche, bessere Hälfte an seiner Seite, Rene, bestärkt ihn, doch auf eigene Faust aufzubrechen. Tatsächlich macht sich der Rentner mit Rollator von England auf den Weg an die französische Küste. Utah Beach und Sword Beach hiessen zwei Landungsstrände dieser gigantischen militärischen Operation der alliierten Streitkräfte aus Grossbritannien, Kanada, Frankreich und den USA.
2014 jährte sich zum 70. Mal der Beginn der Invasion (6. Juni 1944), die schlussendlich das Dritte Reich und die nationalsozialistische Herrschaft zu Fall brachte. Tausende Veteranen fanden sich 2014 in der Normandie ein, Staatsmänner aus den USA (Barack Obama) oder Frankreich (François Hollande), aber auch aus Deutschland (Angela Merkel) waren vertreten. Tatsächlich schaffte es Bernie mit seinem Weggefährten Arthur (John Standing), bei den Leuten zu sein. Bernie, einem Briten aus altem Schrot und Korn, ging es freilich weniger ums Feiern und Jubilieren. Ein Kriegstrauma beschäftigte ihn, dem er sich in der Normandie stellen wolle. Bei der Invasion hatte er sich für einen jungen Soldaten verantwortlich gefühlt, doch der starb bereits bei der ersten Angriffswelle. Bernie sucht dessen Grab auf einem riesigen Soldatenfriedhof aus und schliesst seinen Frieden. Sein persönliches, bitteres Fazit angesichts der Gräber: «Was für eine Verschwendung!»
Oliver Parkers Spielfilm legt weniger Gewicht auf das 70-Jahr-Jubiläum des D-Day, sondern auf menschliche Empfindungen und prangert den Irrsinn des Krieges an. Infolge der Landungsaktion wurden rund 16'000 britische und kanadische sowie 21'000 amerikanische Soldaten getötet. Etwa 20'000 Einwohner der Normandie verloren ihre Leben. Der Filmtitel «The Great Escaper», der sich ironisch an den Ausbruchsfilm «The Great Escape» (1963) mit Steve McQueen, Charles Bronson und Richard Attenborough anlehnt, spart mit Kriegsszenen, ist im Kern ein Anti-Kriegsfilm, vor allem aber eine bewegende Medien- und Liebesgeschichte. Tatsächlich beruht er auf wahren Begebenheiten um den «Ausreisser Bernard Jordan, der zum Medienheld wider Willen wurde.
«The Great Escaper» (deutscher Verleihtitel «In voller Blüte») berührt vor allem dank der Hauptdarsteller Michael Caine, inzwischen 90 Jahre alt, der hier wohl in seinem letzten Kinofilm zu sehen ist, und Oscar-Preisträgerin Glenda Jackson («Women in Love»), die im Juni 2023 verstorben ist. Ihre Präsenz, ihr Charisma und Hingabe an ihre Figuren prägen diesen emotionalen Film. Die Geschichte mag einfach gestrickt sein, erweist sich aber als starkes schauspielerisches Vermächtnis und Mahnung in Zeiten der Kriege.
Grossbritannien 2023
97 Minuten
Regie: Oliver Parker
Buch: William Ivory
Kamera: Christopher Ross
Besetzung: Michael Caine, Glenda Jackson, John Standing, Danielle Vitalis, Victor Oshin
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