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Frühe Literalität als soziale Praxis : Analyse von Mikroprozessen der Reproduktion von Bildungsungleichheit
In diesem Aufsatz werden Mikroprozesse der Reproduktion von Bildungsungleichheit anhand von literalen Praktiken und Fähigkeiten bei zwei knapp 6-jährigen Kindern untersucht. Theoretische Grundlagen bilden Positionen, welche den institutionellen - habitualisierenden, regulierenden und handlungsleitenden - Gehalt von Sprache und Literalität fokussieren und die Verwobenheit von sprachlich-literalen Praktiken und sozialen Situationen betonen. Aus einer ethnografisch ausgerichteten Studie zu früher Literalität in Familien und Bildungs- und Betreuungseinrichtungen werden zwei kontrastierende Fälle vorgestellt: Jana hat durch vielfältige familiäre Schrifterfahrungen elaborierte sprachliche und literale Fähigkeiten erworben, die sie im Kontext des Kinderhortes infolge sozialer Ausschlussprozesse nicht einbringen kann. Liridon ist mit literalen Praktiken weitgehend unvertraut, seine sprachliche Aktivität im Kindergarten steigert sich aber, wenn seine lebensweltlich erworbenen Fähigkeiten anerkannt werden. Bei der Förderung von Literalität, die auf den Abbau von Bildungsungleichheit zielt, spielen die Anerkennung unterschiedlicher Formen von kulturellem Kapital und die Sicherstellung sozialer Zugehörigkeit eine zentrale Rolle.