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Der Schauplatz: Das Hillsborough Stadium in Sheffield. Die traurige Bilanz: 96 Tote und 766 Verletzte. Am 15. April 1989 ereignet sich die bislang grösste Katastrophe in der englischen Sportgeschichte.
Ich hörte die Menge hinter mir schreien: Bitte hilf uns!
Im Cup-Halbfinal treffen der FC Liverpool und Nottingham Forest aufeinander. Die Partie findet wie damals üblich an einem neutralen Ort statt. Der Knüller lockt die Massen an: Alle 45'000 Tickets werden frühzeitig verkauft.
Ein einziger Eingang für Liverpool-Fans
Die Verantwortlichen weisen den beiden Fanlagern die gegenüberliegenden Haupttribünen zu. So müssen sich die mehr als 10'000 Anhänger des FC Liverpool, die Stehplatz-Tickets ergattern können, durch denselben Eingang quetschen: Leppings Lane.
Obwohl sich die Stehplätze über mehrere Sektoren erstrecken, sammeln sich die Supporter in den Blöcken 3 und 4. In den angrenzenden Sektoren bleiben etliche Plätze frei. Um das Gedränge im Eingangsbereich des Stadions zu verringern, wird ein zusätzliches Tor geöffnet.
Innerhalb weniger Minuten strömen noch mehr Zuschauer in den ohnehin überfüllten Sektor. In den für 1600 Personen geplanten Blöcken befinden sich beinahe doppelt so viele Leute. Fans im vorderen Bereich werden an die Absperrgitter gedrückt, die damals in den meisten Stadien das Publikum vom Platz trennen. Sie ersticken oder werden zerquetscht. Noch bevor das Spiel beginnt, sind 21 Menschen tot.
Flucht auf den Rasen
In Panik versuchen viele der ganz unten stehenden Fans, über die Gitter auf den Rasen zu fliehen. Erst da wird den Spielern und Schiedsrichtern bewusst, was geschieht. Nach 6 Minuten wird die Partie abgebrochen. Die Opfer werden mit zu Sanitätsbahren umfunktionierten Werbebanden aus dem Gefahrenbereich gebracht. Am Ende des Tages sind 94 Todesopfer zu beklagen, darunter Jon-Paul Gilhooley, ein Cousin des späteren Liverpool-Captains Steven Gerrard. Ein weiteres Opfer verstirbt 4 Tage danach im Spital, ein letztes nach fast vierjährigem Koma.
Die Folgen
Die Katastrophe von Hillsborough trägt dazu bei, dass es heutzutage in den meisten englischen Stadien nur noch Sitzplätze und keine Zäune mehr gibt. Das Stehplatzverbot wird später auch von der Fifa und der Uefa für internationale Spiele übernommen.
Sendebezug: 15.4.19, Morgengespräch, SRF 1, 6:20