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Ein Truman in Hiroshima
Hiroshima gedachte gestern dem Abwurf der Atombombe am 6. August 1945. 50’000 Gäste mit offiziellen Vertreten aus 71 Nationen waren zur Zeremonie geladen, um den über 140’000 Toten zu gedenken. Und jedes Jahr stellt sich die Frage, ob die USA bei der Gedenkfeier vertreten sind.
Lange war in Japan die Hoffnung da, dass dereinst US-Präsident Barack Obama, der sich in seiner berühmten Prager Rede 2009 für eine Welt ohne Atomwaffen aussprach, seine Aufwartung machen würde (Asienspiegel berichtete). Hiroshima wartet bis heute vergeblich darauf.
Anstelle des US-Präsidenten war dessen Botschafter John Roos an der Zeremonie anwesend. Bereits vor 2 Jahren nahm er überraschend teil, was in konservativen Kreisen in den USA heftige Reaktionen zur Folge hatte (Asienspiegel berichtete).
Der überraschende Besuch
Für die grosse Überraschung sorgte dieses Jahr jedoch die Anwesenheit einer anderen Person. Clifton Truman Daniel, der Enkel des ehemaligen US-Präsidenten Harry S. Truman, der den Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki anordnete, nahm die Einladung einer japanischen Anti-Atomwaffen-Gruppe an.
Es war das erste Mal überhaupt, dass ein Mitglied der Familie Truman in Hiroshima seine Aufwartung machte. Daniel traf sich mit Überlebenden der Atombombenabwürfe. Als einen ersten Schritt zur Heilung alter Wunden bezeichnete er seinen Besuch.
Den Dialog aufrecht erhalten
«Es wird immer unterschiedliche Meinungen und Ansichten dazu geben. Es ist ein Thema, worüber man ewig diskutieren wird. Wichtig ist, dass wir den Dialog aufrecht erhalten und über alles sprechen», erklärte der ehemalige Journalist TBS News.
Daniel fügte an, dass sein Grossvater, US-Präsident Harry Truman, den Entscheid zum Abwurf gefällt habe, um den Krieg schnell zu beenden. «Danach war er jedoch dermassen über das Ausmass der Zerstörung entsetzt, dass er sich den Rest seiner Präsidentschaft dafür einsetzte, eine Wiederholung jener Ereignisse zu verhindern.»
Präsident in den letzten Monaten des Krieges
Vizepräsident Harry S. Truman wurde im April 1945, in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges, unerwartet zum US-Präsidenten befördert. Sein Vorgänger, der langjährige US-Präsident Franklin D. Roosevelt, war im Amt verstorben. Über das streng geheime Manhattan-Projekt, das die Entwicklung der Atombombe zum Ziel hatte, soll Truman erst nach seinem Amtseid informiert worden sein.
Den Abwurf der Atombomben fällte Truman, nachdem Japan eine bedingungslose Kapitulation zurückgewiesen hatte. Es ging ihm darum, eine Invasion der japanischen Hauptinsel, die zahlreiche US-Tote gefordert hätte, zu verhindern. Nach Hiroshima folgte am 9. August 1945 der Atombombenabwurf über Nagasaki. 5 Tage später kapitulierte Tokio und beendete damit den Zweiten Weltkrieg. Bis heute steht eine Mehrheit der US-Amerikaner hinter dem Entscheid von Präsident Harry Truman.
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