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(Distorsion des Akromio-Claviculargelenkes, ACG)
Das Schultereckgelenk (ACG-Gelenk) stellt die Verbindung von Schlüsselbein und dem Schulterdachknochen (Akromion) dar. Da das Schulterblatt rein muskulär am hinteren Brustkorb geführt wird, stellt das Schultereckgelenk die einzige echte Gelenkverbindung der Schulter und des Armes zum Körperstamm her. Da der Oberarmkopf in seiner Gelenkpfanne nur Bewegungen bis zur Horizontalen durchführen kann ohne am Schulterdach anzustossen, muss sich das Schulterblatt beim Heben des Armes nach vorne oder zur Seite über Schulterebene mitbewegen. Am hinteren Brustkorb vollführt es hierfür eine Drehgleitbewegung nach oben-seitlich (Elevation). Hierbei muss sich das Schlüsselbein mitbewegen. Um dies zu können benötigt es zwei Gelenke. Das aussenstehende Schultereckgelenk und das Sterno-Claviculargelenk (Gelenk zwischen dem oberen Brustbeinen und dem Beginn des Schlüsselbeins).
Durch einen heftige Prellung oder einen seitlichen Sturz auf die Schulter (Bsp.: Check gegen die Bande beim Eishockey, Sturz auf die Schulter bei Snowboard oder Ski) wird eine seitliche Kraft über den Oberarmkopf auf das Schulterblatt ausgeübt und es kommt zu einer Abscherung gegen das Schlüsselbein. Hierbei werden die Bänder zwischen Schlüsselbein (Clavicula) und Schulterdach (Akromion) gezerrt oder reissen sogar ein.
Klinisch bewährt hat sich eine Unterteilung in drei Schweregrade, wobei der höchste Schweregrad 3 eine weitere Unterteilung in Richtung der Fehlstellung und eine vorhandene Verschieblichkeit nach vorne und hinten (horizontale Verschieblichkeit) benötigt.
Obwohl die überwiegende Mehrheit dieser Verletzungen unter konservativer Therapie ausheilt (siehe weiter unten), entwickelt sich bei einem Teil der Patientinnen und Patienten später eine Arthrose des Schultereckgelenkes als Spätfolge.
Klinik
Durch den Unfall bemerken sie als Patientin/Patient ein Zerreissen der Kapsel und der Bänder und verspüren sofort einen Schmerz im Schultereckgelenk. Das Bewegen in der Schulter und das Anheben des Arms ist stark schmerzhaft. Oft muss der Arm in einer Schonhaltung gelagert werden. Viele Patienten bemerken selber ein Hochstehen des Schlüsselbeinendes an der Schulter.
Diagnostik
Klinisch kann relativ einfach die Diagnose gestellt werden. Schwellung und ein knöcherner Überstand im Vergleich zur gesunden Seite sind zu sehen. Auf Druck schmerzt das Schultereckgelenk stark. Die Diagnose wird mit einem Röntgenbild abgesichert. Eine ergänzende Ultraschalluntersuchung kann relativ einfach Begleitverletzungen an den Sehnen der Schulter ausschliessen. Ein MRT ist nur selten erforderlich.
Stadiengerechte Therapie
Die Behandlung der blossen Zerrung der Gelenkkapsel (Grad I) ist immer konservativ und besteht aus einer Schonung der Schulter und der Anwendung schmerz- und entzündungshemmender Massnahmen. Die Kapselzerrung heilt wie einfache Zerrungen an anderen Gelenken (z.B. Sprunggelenk) immer von alleine. Die Heilung dauert zumeist 6 Wochen. Es darf und soll jedoch frühzeitig angefangen werden, die Schulter wieder zu bewegen, um eine Schultersteife zu vermeiden.
Bei den Grad II Verletzungen ist die Kapsel gerissen und die Zusatzbänder, welche das Schlüsselbein gegen einen zusätzlichen Knochensporn am Schulterblatt fixieren (Rabenschnabelfortsatz) sind zusätzlich gedehnt. Auch hier ist die Therapie fast immer konservativ (Ausnahme: z.B. Profisportler mit extremer Schulterbelastung), die Heilung dauert jedoch deutlich länger und Restbeschwerden können über viele Monate anhalten. Zusätzlich zu entzündungshemmenden Massnahmen, kann ein regelmässiges Taping des Schultereckgelenkes durch die Physiotherapie helfen. Teilweise können ACP Infiltrationen ins Gelenk versucht werden, um die Kapselheilung anzuregen.
Bei Grad III ist das Schlüsselbeinen regelrecht aus dem Schultereckgelenk heraus luxiert und steht mehr als eine Knochenbreite nach oben. Auch hier ist eine konservative Therapie möglich und viele Patienten werden dauerhaft beschwerdefrei, obwohl das Schlüsselbein auch später weiterhin aus dem Gelenk heraussteht und die Neo-Kapsel, die sich bildet kein richtiges Gelenk mehr formt.
Im Einzelfall gilt es aber zu entscheiden, ob nicht eine operative Therapie vorteilhaft für eine schnellere Heilung und die spätere Belastbarkeit des Gelenkes ist. Vor allem die stark verschobenen Luxationen und die horizontalen Instabilität profitieren von einer Operation.
Operative Therapie
Zwei Operationetechniken haben sich bewährt. Zum einen kann das Gelenk offen repariert werden und die Kapsel offen vernäht werden. In diesem Fall wird zur Sicherung des Gelenkes eine spezielle Hakenplatte eingesetzt, welche nach Abheilung der Kapsel 3 Monate später in einem zweiten, kleinen Eingriff entfernt werden muss. Die andere Methode ist die geschlossene Reposition des Schultereckgelenkes und der minimalinvasive Einbau eines Fadenzugsystems vom Schlüsselbein zum Rabenschnabelfortsatz, welches die Bänder an dieser Stelle schient und dauerhaft verbleiben kann.
Die Ergebnisse dieser Operationen sind sehr gut bei relativ geringen Komplikationsraten.
Fragen Sie uns, wenn Sie eine Schultereckgelenkssprengung haben. Eine umgehende notfallmässige Versorgung ist nicht erforderlich, eine zeitnahe Operation innert 2 Wochen nach Trauma jedoch nötig. Wir bieten Ihnen zeitnahe Konsultation und operative Versorgung an, welche ambulant oder stationär erfolgen kann.