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Vor bald 150 Jahren erblickte Marie Curie das Licht der Welt – und derzeit läuft ein Film, der ihr Leben in den Jahren 1904 bis 1911 thematisiert. Eine gute Gelegenheit einen älteren Artikel aus den Tiefen des Nahaufnahmen-Archivs zu holen.
Eine Ikone der Wissenschaft
Marie Curie untersucht ab 1897 mit ihrem Mann Pierre die eben erst entdeckte ionisierende Strahlung und wird zur Pionierin der Radioaktivitätsforschung. Die Früchte ihrer gemeinsamen Arbeit, unter anderem die Entdeckung zweier chemischer Elemente, verhelfen dem Paar zu Ruhm und Ehre. Nach dem frühen Tod Pierres beeindruckt Marie durch ihren Einsatz für die Wissenschaft sowie als Initiantin von mobilen Röntgenstationen im Ersten Weltkrieg.
Nach 40stündiger Reise steigt Anfang November 1891 Maria Skłodowska am Pariser Gare du Nord aus dem Zug. Noch ahnt niemand, dass die 23jährige Polin zu einer der meistgefeierten Wissenschaftlerinnen des 20. Jahrhunderts werden sollte. Maria nennt sich von nun an Marie und will in Paris Physik und Mathematik studieren.
Dank Intelligenz und Fleiss erreicht sie bald schon beide Ziele. Physik schliesst sie gar als Beste ihres Jahrgangs ab. Im Jahr 1894 beendet sie erfolgreich ihr Mathematikstudium und eine weitere Begebenheit beeinflusst Maries Leben nachhaltig: Auf der Suche nach einem Laborplatz trifft sie auf Pierre Curie, Lehrer und Laborleiter an der Schule für industrielle Physik und Chemie. Im Jahr darauf heiraten die beiden. Doch dies hindert Marie nicht, weiterhin auf ihren eigenen Füssen zu stehen.
Familie und Beruf
Marie besteht die Prüfung, die ihr die Zulassung als Lehrerin verschafft. Auch die Geburt der ersten Tochter Irène hält sie nicht davon ab, bald wieder die Arbeit im Labor aufzunehmen. Hier steht denn auch eine neue Herausforderung an. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit will sie die Strahlung einer Uranverbindung untersuchen, die Henri Becquerel 1895 festgestellt hat – eine Strahlung, die Luft zu einem elektrischen Leiter macht, also ionisierend wirkt. Wie stark der ionisierende Effekt ist, misst Marie Curie mittels eines von Pierre einige Jahre zuvor entwickelten Apparats.
Sie stellt fest, dass die beiden von ihr untersuchten Elemente, Uran und Thorium, jeweils immer in gleichem Masse ionisierend wirken, egal in welcher Form sie vorliegen: ob als Salz, in Lösung oder rein. Marie Curies Folgerung: Die Strahlung muss demnach eine charakteristische Eigenschaft des chemischen Elements sein. Dafür verwendet sie den Begriff Radioaktivität. Deren Erforschung wendet sich nun auch Pierre zu.
Elementare Entdeckungen
Die Beiden bemerken bei der Untersuchung von Pechblende, einem uranhaltigen Mineral, dass dieses nicht nur ein strahlendes Element enthält, sondern noch mindestens ein weiteres. Das erste, welches sie entdecken, nennt Marie „Polonium“ – zu Ehren ihrer Heimat. Schliesslich finden sie ein weiteres Element und nennen es „Radium“. Sie geben ihre Entdeckungen 1898 bekannt.
Das wissenschaftliche Ansehen der Curies wächst und sie erhalten verschiedene Preise; 1905 werden sie gar mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Sie erhalten ihn zusammen mit Henri Becquerel für ihre Pionierarbeit auf dem Gebiet der Radioaktivität. Dass eine Frau einen Physik-Nobelpreis erhält, ist auch heute noch die Ausnahme – damals war es eine Sensation.
Nach diesem Höhenflug schlägt das Schicksal allerdings hart zu. Im Jahr 1906 verunfallt Pierre Curie tödlich. Marie trägt schwer daran und findet unter anderem Trost in ihrer Arbeit. Sie wird als Nachfolgerin ihres Mannes zur Professorin an der Sorbonne ernannt, der ältesten Universität in Paris. Der enorme Andrang zu ihrer Antrittsvorlesung ist ein Zeichen ihrer Popularität.
Marie Curie ist nun eine hoch angesehene Physikerin und nimmt 1911 am ersten Solvay-Kongress teil, einem Treffen der international bedeutendsten Physiker ihrer Zeit. Auch ihren zweiten Nobelpreis erhält sie in diesem Jahr, abermals eine grosse Anerkennung ihrer Leistung. In der Sensationspresse wird sie allerdings nach einer Affäre mit dem verheirateten Physiker Paul Langevin durch den Schmutz gezogen.
Marie Curie konzentriert sich derweil auf ihre Arbeit. Ein grosses Anliegen ist ihr ein Radium-Institut mit gut ausgerüsteten Laboratorien und medizinischer Abteilung. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kann dieses in Paris eröffnet werden. Es heisst heute „Curie-Institut“ und zählt zu den weltweit führenden Krebsforschungszentren.
Patriotischer Einsatz
Während des Krieges ergreift Marie Curie die Initiative zum Bau mobiler Röntgenstationen. Sie macht sogar selbst den Führerschein und lässt sich medizinisch ausbilden. Danach widmet sie sich wieder ihrem Radium-Institut. Sie forscht, unterrichtet und ist ständig auf der Suche nach wertvollem Radium.
Hilfe dabei erhält sie von unerwarteter Seite: Die amerikanische Journalistin Marie Meloney organisiert für Marie Curie eine Tour durch die USA mit zahlreichen Ehrungen und Empfängen. Der grosse Rummel ist nicht ganz nach ihrem Geschmack, doch nimmt sie gerne Spenden für ihr Institut entgegen. Sie erhält sogar ein Gramm kostbares Radium, welches ihr vom amerikanischen Präsidenten Harding symbolisch überreicht wird.
Marie Curie stirbt 1934 an den Folgen der Schäden der Strahlung, der sie jahrzehntelang und zunächst völlig ungeschützt ausgesetzt war.
Radioaktivität
Die Curies denken auch über die Ursache der geheimnisvollen Radioaktivität nach. Doch für sie und die andern Forscher dieser Zeit ist absolut unvorstellbar, was tatsächlich geschieht: Elemente wandeln sich in andere Elemente um. Verantwortlich dafür sind Prozesse im Atomkern. Beim so genannten Beta-Minus-Zerfall zum Beispiel wandelt sich ein Proton in ein Neutron und ein Elektron um. Dieses wird aus dem Kern geschleudert und bildet mit den zahlreichen Elektronen vieler anderer Kerne, bei denen das gleiche geschieht, die radioaktive Beta-Strahlung.
Literatur (Biografien)
Röthlein Brigitte, „Marie & Pierre Curie – Leben in Extremen“, Fackelträger-Verlag Köln, 2008.
Ksoll Peter und Vögtle Fritz, „Marie Curie“, Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbeck bei Hamburg, 1988.
Quinn Susan, „Marie Curie – A Life“, Simon & Schuster New York, 1995.