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Vor 125 Jahren wurde die NB gegründet. Wie wurde die Schweiz damals mit Nachrichten versorgt? Zentral dafür war die Schweizerische Depeschenagentur (SDA). Sie nahm ebenfalls vor 125 Jahren, 1895, ihre Arbeit auf.
2020: Wir sind digital vernetzt, erhalten News aus aller Welt, jederzeit, publiziert von Profis und Laien. Vor 125 Jahren sah die Welt noch anders aus: Wer über die Geschehnisse in nah und fern informiert sein wollte, las Zeitung.
Eine unabhängige Nachrichtenagentur für die Schweiz
Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren Zeitungen in der Schweiz in erster Linie Parteiorgane und der politischen Meinungsbildung verpflichtet gewesen. Erst um 1880 entstanden die ersten parteiunabhängigen Generalanzeiger, welche sich als Produkte einer gewinnorientierten Massenpresse zu positionieren versuchten. Neben den Anzeigeflächen zu Werbezwecken waren verlässliche Informationen über die Vorgänge in der Welt von grosser, auch wirtschaftlicher Bedeutung für die neuen Publikationen. Um an diese Informationen zu kommen, mussten die Schweizer Redaktionen oftmals auf die Dienste von ausländischen Nachrichtenagenturen zurückgreifen. Sogar die Schweiz betreffende Nachrichten wurden bisweilen von der französischen Havas oder dem im Berlin ansässigen Wolffschen Telegraphenbüro bezogen. Es war für die mehrsprachige Schweiz alles andere als ideal, ihre Nachrichten aus zwei mit einander verfeindeten Nachbarstaaten zu beziehen.
1894 wollten sich die Schweizer Verlagshäuser von den ausländischen Agenturen unabhängig machen und eine Schweizer Agentur ins Leben rufen: 14 Tageszeitungen schlossen sich zu einem Syndikat zusammen und gründeten die genossenschaftlich organisierte Aktiengesellschaft «Schweizerische Depeschenagentur» (SDA).
Am 1. Januar 1895 nahm die SDA ihre Arbeit auf. Sie hatte Büros in Bern, Basel, Zürich und Genf. Acht Redaktoren, unterstützt von rund 50 Korrespondenten, lieferten Nachrichtenmaterial in deutscher und französischer Sprache an die Zeitungen. 1915 wurde der italienischsprachige Dienst geschaffen. Die Zahl der Abonnenten stieg kontinuierlich und das Angebot wurde ausgebaut.
Krieg, Krisen und Fusionen
Die SDA war angehalten, Informationen objektiv zu übermitteln, stellte ihre Tätigkeit doch die Grundlage für die Berichterstattung der Schweizer Presse dar. Problematisch wurde der Ruf nach Unbefangenheit und Neutralität der Nachrichten insbesondere während der beiden Weltkriege. Die Schweizer Presse wurde in den Kriegszeiten jeweils staatlicher Kontrolle unterworfen.
Gleichzeitig konnte die SDA dank neuer Techniken ihr Wirkungsfeld ausweiten. Von 1930 bis 1970 wurden die von der SDA produzierten Nachrichten auf den Schweizer Radiostationen direkt verlesen. Auch wenn manche Hörer die monotone Stimme, mit der die Nachrichten vorgelesen wurden, als langweilig kritisierten, schätzte nicht nur die Schweizer Bevölkerung die sachlich gehaltenen Nachrichten aus dem neutralen Kleinstaat als Alternative zum propagandistischen Ton während des Zweiten Weltkriegs. So wurden die Radionachrichten der SDA auch im Ausland zu einer wichtigen Informationsquelle. Diese interessanten Dokumente können noch heute im SDA-Archiv in der Schweizerischen Nationalbibliothek eingesehen werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die SDA weiter. Die Informationsflut nahm in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark zu und die Übermittlungstechniken waren rapiden Veränderungen unterworfen. Die SDA begann mit ausländischen Agenturen zu kooperieren, um beispielsweise auch in den Genuss von satellitengestützten Infrastrukturen zu kommen. 1981 begann die Zeit der elektronischen Übermittlung.
Ab Ende der 1990er Jahre hielt das Internet Einzug. Die digitalen Möglichkeiten führten zu einem radikalen Wandel des Medienkonsums. Die Krise der Medien traf auch die SDA. Bisherige Werbeeinnahmen brachen weg, das Geschäftsmodell musste angepasst werden. 2018 fusionierte die SDA mit der Bildagentur Keystone und firmiert seither als Keystone-SDA. Der Umbruch der Medienwelt schreitet weiter voran. Aus Kreisen der Zivilgesellschaft, die in Sorge sind um die Versorgung der Demokratie mit verlässlicher Information, wird vorgeschlagen, die Agentur in einen öffentlich finanzierten «Service public» zu überführen. Welche Rolle die multimediale Agentur Keystone-SDA in Zukunft spielen wird, wird sich zeigen.
Letzte Änderung 09.09.2020