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Zwar war das Städtchen Bremgarten seit seinem Bestehen zumeist katholisch, dennoch hat der Ort eine gewisse Bedeutung für die Geschichte des reformierten Glaubens in der Schweiz. Bremgarten trat 1529 aufgrund einer überzeugenden Predigt des hier geborenen und weit gereisten Heinrich Bullinger (1504–1575) zu Zwinglis neuer protestantischer Lehre über, nachdem dessen Vater kurz zuvor wegen seines Bekenntnisses für den Protestantismus noch vom Amt abgesetzt worden war. Bereits zwei Jahre später allerdings, nach dem Zweiten Kappelerkrieg 1531, in dem Reformator Zwingli gefallen war, kehrte Bremgarten als Teil der «gemeinen Herrschaften» unter dem Druck der siegreichen katholischen Orte wieder zum alten Glauben zurück. Bullinger seinerseits floh nach Zürich, wo er Zwinglis Wirken fortsetzte und zu einem der wichtigsten protestantischen Theologen des Jahrhunderts wurde.
Erst im 19. Jahrhundert siedelten sich aus den benachbarten Gebieten, erstmals nach 300 Jahren, wieder Protestanten an. Bereits 1845, also noch vor der Gründung des eidgenössischen Bundesstaates, der die Glaubens- und Kultusfreiheit gewähren sollte, wurde in Bremgarten die Gründung einer reformierten Kirchgemeinde diskutiert. Wortführer waren der Baumwollfabrikant Martin Schwarzenbach aus Thalwil und der Schmied Samuel Setz. Sie gründeten vorerst einen Verein und erhielten vom Stadtrat die «Spittelkapelle» im Erdgeschoss des örtlichen Zeughauses zugesprochen. Hier wurde am Bettag, dem 14. September 1845 mit Religionslehrer Käser aus Aarau der erste reformierte Gottesdienst gefeiert. Der Verein entwickelte sich zu einer Genossenschaft weiter, und 1874 wurde die reformierte Kirchgemeinde Bremgarten gegründet und vom Regierungsrat formell anerkannt.
Auf einen eigenen Kirchenbau musste man jedoch noch bis zur Jahrhundertwende warten. 1898 fand ein auf fünf Architekten beschränkter Wettbewerb für einen Neubau südöstlich des Obertorplatzes statt, wobei das neugotische Projekt des Basler Architekten Julius Kelterborn (1857–1915) den ersten Preis zugesprochen erhielt. Begünstigt wurde der Entscheid durch den hinzugezogenen Experten und Erbauer des Zürcher Landesmuseums, Architekt Gustav Gull aus Zürich. Selber der Gotik sehr zugeneigt, empfahl er Kelterborns Plan zur Annahme, denn er sei «einfach, ungekünstelt, ohne überflüssiges Beiwerk, zweckmässig und doch schön, zeige den besten Grundriss, sei den Verhältnissen der Gemeinde entsprechend und passe auch zum baulichen Charakter der Stadt Bremgarten». Kelterborns Erfolg ist umso beachtlicher, als sich unter den Wettbewerbseingaben auch zwei Projekte des Architekturbüros Curjel & Moser (damals in Karlsruhe) befanden, dem für den reformierten Schweizer Kirchenbau um 1900 vielleicht bedeutendsten und fortschrittlichsten Architektenteam. Für einmal aber erhielten Curjel & Moser das Nachsehen. Ein Blick auf ihre Projekte lohnt sich dennoch, weil zum einen die Pläne im Nachlass von Karl Moser an der ETH Zürich gut erhalten sind und zum andern aufzeigen, wie andersartig die Bauaufgabe ebenfalls hätte gelöst werden können. Beide Entwürfe versuchten, die Anlage besonders spezifisch als reformierte Predigtkirche zu kennzeichnen. Im Hauptentwurf war ein zentralisierter Querraum mit möglichst vielen Plätzen nahe am Prediger vorgesehen, so dass die Sitzbänke konzentrisch angeordnet werden sollten. Der Variantenentwurf – bei diesem können wir allerdings nur vermuten, dass er ebenfalls für Bremgarten geplant war – sah dagegen nebst dem Hauptsaal ein einzelnes Seitenschiff vor und dehnte den Raum auf diese Weise in die Breite aus, wie das auch bei der katholischen Stadtkirche in Bremgarten anzutreffen ist. Beide Konzepte waren seinerzeit nicht ungewöhnlich, allerdings waren sie eher für grosse städtische Quartierkirchen mit Emporen entwickelt worden und hatten für eine kleine Diasporakirche gegenüber dem einfachen, von Kelterborn gewählten Saal kaum praktische Vorteile. Die Architektur war zudem eher der Neurenaissance verpflichtet und wäre gerade beim Hauptprojekt vermutlich durch die formenreichen Giebel und Emporentreppentürmchen kostspieliger ausgefallen.
Erbaut wurde die reformierte Bremgarter Kirche demzufolge 1899/1900 nach den Plänen von Julius Kelterborn. Die Gelder wurden durch Spenden und insbesondere durch eine landesweite Reformationskollekte zusammengebracht, die speziell für Kirchenbauten der Diaspora eingerichtet wurde und 1898 allein 37047 Franken einbrachte. Der Neubau wurde am 30. September 1900 eingeweiht und diente damals sämtlichen Protestanten im Freiamt. Die Kirchgemeinde umfasste diese Orte noch lange Zeit; selbst im benachbarten Wohlen, wo man 1926 ebenfalls eine neue reformierte Kirche einweihte, wurde die eigenständige Kirchgemeinde erst 1957 gegründet.
Renovationen
1935 musste die Schieferbedachung des Turmspitzhelms durch eine Kupferabdeckung ausgewechselt werden, weil immer wieder kleinere Reparaturen notwendig waren. Dabei wurde auch die Turmkugel zuoberst auf dem Spitzhelm nach 35 Jahren erstmals wieder geöffnet und eine Baugeschichte aus der Feder des ersten Pfarrers Christian Bühler gefunden. Dessen Manuskript bricht verständlicherweise kurz vor der wirklichen Vollendung der Kirche ab, weil die Einweihung erst nach Turmvollendung stattfand.
Ende der 1960er-Jahre fand eine Innenrenovation statt, bei der in Anbetracht der gesellschaftspolitischen Ereignisse auch die Frage nach der Autorität der hohen zentralen Kanzel aufgeworfen worden sein muss. Eine Mehrheit setzte schliesslich die Entfernung der mittigen Kanzel durch, die zu sehr als Symbol der Abgehobenheit verstanden wurde: Stattdessen wurde ebenerdig und näher zur Gemeinde ein schlichtes Lesepult in den linken Chorbereich platziert.
Die bedeutendste Renovation erfolgte 1999/2000 unter dem Zürcher Architekten Ernst Stahel. Zunächst mussten an der Aussenseite einige Steinmetzarbeiten erneuert werden, weil sie verwittert waren. Nachdem die Kanzel entfernt worden war, erschien die zentrale Chorwand etwas leer und man versuchte ihm durch ein neues Rundfenster mit einer Gestaltung des tschechisch-schweizerischen Künstlers Jan Dudesek (*1946) wieder ein Gesicht zu verleihen. Dudesek entwarf auch eine neue Kanzel und einen neuen Abendmahlstisch. Das erhöhte Chorniveau verlängerte man um einen Meter und entfernte das Täfer. Auf der Empore wurde der immerzu etwas knarrende Tannenbretterboden durch Eichenparkett ersetzt. Schliesslich wurde ein neuer Terrazzofussboden aus grünlichen Zementplatten verlegt und die Bänke zugunsten mehr Flexibilität durch Stühle ersetzt. Ein notwendiges Magazin wurde aus denkmalpflegerischen Überlegungen nicht direkt an die Kirche gebaut, sondern in zurückhaltenden kubischen Formen mit einer filigranen, überdachten Stahlkonstruktion verknüpft, die nunmehr zugleich Kirche, Kirchgemeindehaus und Pfarrhaus verbindet.