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Karl der Grosse besitzt kein Berufsheer. Wenn er einen Kriegszug vorhat, müssen die Adeligen, Bischöfe und Äbte ihm Truppen stellen. Was Karl verlangt, entnehmen wir einem Sendschreiben an den Abt Fulrad (Quellentext):
Wir teilen dir mit,dass wir in diesem Jahr den grossen Reichstag nach Ostsachsen zusammengerufen haben, und zwar nach Strassfurt an der Bode. Wir befehlen dir, dich am 17. Juni am genannten Ort mit all deinen wohlbewaffneten und ausgerüsteten Leuten einzufinden. Von hier aus ist, wohin dich auch unser Befehl schicken mag, eine militärische Unternehmung durchzuführen. Jeder Reiter soll Schild, Lanze, Schwert und Hirschfänger haben, dazu Bogen und Köcher mit Pfeilen. Eure Packwagen sollen Vorräte aller Art mitführen: Hacken und Äxte, Spaten, Beile, Bohrer, Brecheisen und alle anderen Werkzeuge, die man bei einem Feldzug braucht. Die Lebensmittel müssen von der Versammlung ab für drei Monate reichen, Waffen und Bekleidung für ein halbes Jahr. Wir befehlen dir, streng darauf zu achten, dass du in Ruhe und Frieden den genannten Ort erreichst.
Abgesehen von den angelsächsischen Königreichen ist praktisch die ganze westliche Christenheit unter dem Zepter Karls des Grossen zusammengeschlossen. Karl fühlt sich als Beschützer der Christenheit. Angesichts der islamischen Bedrohung liegt der Gedanke nicht fern, das ursprüngliche Römische Reich und den "Römischen Frieden" (Pax Romana) wieder zu erstellen. Die Vereinigung mit Byzanz ist ein Gedanke, der Karl bewegt. Diese Vereinigung kann aber nicht im Interesse des Papstes liegen. Eine Gelegenheit, dies zu verhindern bietet sich am Weihnachtsfest des Jahres 800. Karl hat den Papst Leo III erfolgreich gegen den Aufstand römischer Adeliger verteidigt. In der Weihnachtsmesse in der Peterskirche setzt Leo III. Karl - bevor dieser es verhindern kann - die Krone auf und huldigt ihm als neuen "Römischen Kaiser", als Augustus. Was auf den ersten Blick wie eine grosse Ehrung aussieht und tatsächlich der karolingischen Herrschaft Glanz verleiht, verärgert den neuen Kaiser sehr, wie sein Biograf Einhard vermerkt. Karl der Grosse durchschaut das Spiel des Papstes sofort, aber es ist zu spät.
Aufgaben und Recherchen
Was ist der erste Schritt des Kaisers, wenn er einen Kriegszug ausführen will?
Was ist, wenn einer „keine Zeit“ hatte oder „keine Lust“?
Lies das Sendschreiben an Abt Fulrat genau! Was fällt auf? Neben "offenen" Hinweisen (bzw. Aussagen) gibt es auch "versteckte".
Was hat der Kaiser vor Augen (was meint er), wenn er den letzten Satz schreibt?
Wo führte Karl der Grosse am häufigsten Krieg, wie lange dauerte der Krieg? Recherchiere dazu unter:
http://www.sachsengeschichte.de/sachsenkriege.html ; hier erfährst du auch einige Dinge, die das Bild Kaiser Karls etwas relativieren. Was war Karl neben einem „gebildeten, offenen, grossherzigen Landesvater“ auch noch?
Karl fühlt sich als Beschützer der Christenheit. Er hat auch im Sinn, das alte Römische Kaiserreich wieder auferstehen zu lassen nd weiterzuführen. Wieso hat der Papst daran gar keine Freude?
Was tut der Papst, um das zu verhindern?
Was hatte der Papst durch diesen geschickten Schachzug erreicht (drei Dinge)?
Da das fränkische Kaiserreich als eine Weiterführung des Imperium Romanum gesehen wird, ist es immer noch das „Erste Reich“. Es wird von 800 – 1806 dauern. Das Zweite Reich wird dann das wilhelminische Kaiserreich (1871 - 1918) sein, das Dritte Reich, das Hitlers (1933 - 1945).