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Irreführende, ja falsche schematische Darstellung des „Tschernobyl-Reaktors“ in der FAZ
(der Text enthält zutreffende Aussagen, die leider in der schematischen Darstellung nicht berücksichtigt sind)
„FAZ“ vom 14.03.2011, verfasst von Georg Küffner:
„Harrisburg – Tschernobyl – Fukushima“ – „Konstruktionsmängel und Bedienungsfehler“
„Konstruktionsmängel in Kombination mit Bedienungsfehlern waren die Ursache des Super-GAU von Tschernobyl am 26. April 1986. … Besteht doch der „Tschernobyl-Reaktor“ der russischen Reaktorlinie RBMK-1000 aus etwa 1700 Tonnen Graphitziegeln, die zu einem zylindrischen Block von sieben Meter Höhe und zwölf Meter Durchmesser aufgeschichtet waren. In senkrechten Bohrungen steckten Druckröhren, die jeweils zwei Brennelemente aufnehmen. Umschlossen wurde der Graphitblock durch einen Stahlbehälter, der allerdings nicht als Druckbehälter ausgeführt war. Er war nicht in der Lage, austretende Radioaktivität zurückzuhalten.
…. Der Graphit begann zu brennen, die stählerne Ummantelung wurde abgesprengt. Innerhalb der ersten zehn Tage nach dem Unfall verbrannten 250 Tonnen Graphit, rund ein Drittel des gesamten Blocks.“
Vollständiger Text siehe „FAZ“ vom 14.03.2011 (Link vorhanden)
Rhönblicks Kommentar an die „FAZ“-Redaktion:
Ihre Darstellung des „Tschernobyl-Reaktors“ ist in zentralen Punkten nicht nur irreführend, sondern schlichtweg falsch. Zudem bedarf Ihre Darstellung eines äusserst wichtigen Kommentars, der leider völlig fehlt.
Ich bitte Sie höflich, dies zu korrigieren. Ich halte dies für sehr dringend, angesichts der Lügen und Übertreibungen, die die deutschen KKW-Gegner im Falle der japanischen KKW-Havarien lauthals verkünden; mit „Tschernobyl“ gehen sie hausieren. Jedoch: Auswirkungen einer „Kernschmelze“ (Supergau) in Japan wären vor allem lokal und im Umkreis von nicht mehr als 50 km zu erwarten. Radioaktiver Niederschlag würde in Inhalt, Distanz und Ausdehnung nie das Ausmaß von Tschernobyl erreichen. Die schwerflüchtigen radioaktiven Uran- und Plutonium-Radionuklide (chemisch: Oxide) würden den lokalen Bereich massiv verstrahlen und wohl auf Dauer unbewohnbar machen, aber nie Japan oder die über das Meer angrenzenden Staaten gefährden, geschweige denn Europa. Es fehlt die Thermik, die Radionuklide in solche Höhen verfrachten würde, sodass sie weite Teile der Erde, auch Europa, gefährden könnten. Selbstverständlich wird ein Anstieg der radioaktiven Strahlung messbar sein – die Messgeräte sind ja äusserst empfindlich.
Nun zu den Fehlern in Ihrer Darstellung des „Tschernobyl-Reaktors“: Sie geben diesem Reaktortyp ein Containment, wie – richtigerweise – bei den beiden „westlichen“ Reaktortypen eingezeichnet. Ein russischer Kernreaktor – RBMK-1000 – wie in Tschernobyl jedoch hat kein Containment. Das ist ein ganz zentraler Unterschied. (Zum Strahlenschutz hat der Reaktor mehrere Hohlräume um sich herum.)
Ferner: Der Kern“brennstoff“ ist in Druckröhren eingeschlossen (Je zwei Brennelemente befinden sich übereinander in der über sieben Meter langen Druckröhre.) In Ihrer Zeichnung ist nur das Wasser in Druckrohren („Druckwasserrohre“ in Ihrer Legende). Die Kernbrennstäbe gruppieren Sie darum herum. Wie eine Mauer umgibt der Graphit das Ganze. Das ist falsch. Richtig ist: Diese Druckröhren werden von Wasser durchströmt, das der Kühlung dient, aber – im Gegensatz zu den „westlichen“ Kernreaktortypen – nicht als Moderator wirkt. Als Moderator dient der Graphit. Die Druckröhren (über 1600 beim Tschernobyl-Reaktor) liegen in Löchern der Graphitblöcke. Bei einem Wasserverlust-Störfall fällt somit der Moderator nicht aus. Der Graphit bewirkt nach wie vor, dass die freien Neutronen die für die Spaltung der Uran-235-Atomkerne notwendige Geschwindigkeit haben (sie dürfen nicht zu schnell und nicht zu langsam sein = moderieren). Da das Wasser als Folge des Störfalles aber verdampft, fehlt nun seine Neutronenabsorbierende Wirkung. Der weiterhin moderierende Graphit und der Wasserverlust bewirken einen schnellen Leistungsanstieg, der bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zur Entzündung des Graphits geführt hat. Das, meine ich, ist unbedingt zu erwähnen – siehe nachstehend „Kommentar“.
Nun der dringend notwendige Kommentar: Der bis zur Weißglut sich aufheizende Graphit fing Feuer. Insgesamt verbrannten während der folgenden zehn Tage 250 Tonnen Graphit, das sind etwa 15 % des Gesamtinventars. (Zum Löschen mussten ca. 800 t Dolomit eingesetzt werden.) „Große Mengen an radioaktiver Materie wurden durch die Explosionen und den anschließenden Brand des Graphits in die Umwelt freigesetzt, wobei die hohen Temperaturen des Graphitbrandes [Thermik[ für eine Freisetzung in große Höhen sorgten. [vgl. Thermik bei Ausbruch eines Vulkans auf Island 2010, Ausbruch des Krakatau im 19. jahrhundert, usw.] Insbesondere die leicht flüchtigen Isotope Iod-131 und Caesium-137 bildeten gefährliche Aerosole, die in einer radioaktiven Wolke teilweise hunderte oder gar tausende Kilometer weit getragen wurden, bevor sie der Regen aus der Atmosphäre wusch. Radioaktive Stoffe mit höherem Siedepunkt [Uran- und Plutonium-, sowie Strontiumverbindungen (Oxide)] wurden hingegen vor allem in Form von Staubpartikeln freigesetzt, die sich in der Nähe des Reaktors niederschlugen.“ (Formulierung aus Wikipedia, da sie sachlich zutreffend ist und ich mir etwas Zeit und Arbeit sparen kann).
Der FAZ kommt, so meine Auffassung, die Aufgabe zu, die deutsche Leserschaft sachlich zu orientieren. Diese erfüllt sie in weiten Teilen. Leider ist – trotz wohlgemeinter Absicht – die Darstellung des Tschernobyl-Reaktors missraten.