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Es geht um ein düsteres Kapitel: die Sklaverei, die erst im 19. Jahrhundert schrittweise abgeschafft wurde. Historiker der Universität Zürich legen in einer Studie detailliert dar, wie die Stadt Zürich indirekt durch den Sklavenhandel Gewinne erzielte. Oder wie Bürger – etwa die prominente Familie Escher – darin eingebunden waren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie im Überblick:
Die Verwicklungen der Familie Escher: Als Politiker, Unternehmer und Pionier ist Alfred Escher schweizweit bekannt. Doch seine Familiengeschichte wirft einen Schatten auf den Gründer der Kreditanstalt: Die Familie Escher besass im 19. Jahrhundert eine Kaffee-Plantage auf Kuba. Fast 90 Sklaven – genauer 82 Feldsklaven und fünf Haussklaven – arbeiteten dort.
Wie die Studie deutlich macht, hatte sich Alfred Escher selbst nicht am Sklavenhandel beteiligt. Er besass auch keine Sklavinnen oder Sklaven. Vielmehr betrieb sein Onkel Friedrich Ludwig Escher die Plantage. Später ging sie an Alfred Eschers Vater Heinrich Escher über.
Wieso eine Studie?
Der Bericht geht auf einen Vorstoss von linken Politikerinnen und Politikern zurück. Sie wollten genauer wissen, wie die Familie Escher in die Sklaverei verstrickt war. Deshalb forderten sie die Stadtzürcher Regierung unter anderem auf, Forschungen diesbezüglich zu fördern. Die Stadt Zürich hat den Bericht in Auftrag gegeben und mitfinanziert.
Heinrich Escher hinterliess seinem Sohn Alfred nach seinem Tod ein Vermögen von rund einer Million. Die Studie geht davon aus, dass die Plantage mit den Sklavinnen und Sklaven zu diesem Vermögen beigetragen hat. Offen ist jedoch, in welchem Ausmass der Reichtum von Alfred Escher auf Gewinnen der Sklaverei basiert. Wie die Familie Escher waren auch andere Zürcher Bürger mit der Sklaverei verbunden.
Die Verwicklungen der Stadt Zürich: Weiter zeigt die Studie auf, wie die Stadt Zürich jahrzehntelang in die Sklaverei und den Sklavenhandel investierte. Wie auch die Stadt Bern besass sie im 18. Jahrhundert Aktien der Handelsgesellschaft «South Sea Company». Die britische Firma handelte mit Sklaven.
Während die Stadt Zürich finanziell beteiligt war, verschleppte das Unternehmen über 36'000 Afrikanerinnen und Afrikaner. Die Stadt Zürich konnte dank der Aktien laut Studie Gewinne erzielen. Zudem investierte die Stadt Zürich auch über eine halbstaatliche Zinskommission in die Sklaverei.
Die Verwicklungen der Zürcher Textilindustrie: Auch die Zürcher Textilwirtschaft war mit der Sklaverei verbunden. Einerseits produzierten im 18. Jahrhundert in Zürich verschiedene Betriebe bedruckte Baumwollstoffe, sogenannte Indiennes. Diese Stoffe wurden vor allem über französische Häfen verschifft und in Westafrika gegen Sklavinnen und Sklaven umgetauscht.
Zu Beginn stammte die Baumwolle, die für die Indiennes verwendet wurde, mehrheitlich aus dem Osmanischen Reich. Im 19. Jahrhundert jedoch änderte sich dies: Die Zürcher Textilindustrie bezog die Baumwolle hauptsächlich aus Amerika. Dort wurde der Rohstoff bis 1860 hauptsächlich auf Sklavenplantagen im Süden der USA angebaut.