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Mittelblocker und Familienmensch Risto Nikolov
Risto Nikolov fühlt sich bei Biogas Volley Näfels und in der Schweiz wohl, hat aber Heimweh nach Frau und Tochter. Vom Volleyball hierzulande hat er sich mehr erhofft.
Risto Nikolov ist Näfels erfahrener Mittelblocker. Er stammt aus Strumica, einer Stadt im Südosten Nordmazedoniens. Seine Heimatstadt ist das Volleyball-Mekka des Landes und stellt zwei Drittel der Nationalspieler. Auch Nikolov gehört dazu - seit 13 Jahren. Zuletzt war er zweimal in Folge EM-Fahrer und 2023 wird Nordmazedonien als EM-Gastgeber erneut dabei sein. «Die Teilnahmen an den EM sind Höhepunkte des mazedonischen Volleyballs», sagt er stolz und ergänzt, dass das Nationalteam eine Truppe sei, in welcher Freunde, mit denen man aufgewachsen sei, zusammenspielen würden. Strumica hat den erfolgreichsten Verein des Landes und löste bei den Kindern eine Begeisterungswelle aus. «Die Kinder spielen überall Volleyball, auf der Strasse, in der Schule, einfach überall wo es möglich ist», erzählt Nikolov.
Reise durch Südosteuropa
Bis er elf Jahre alt war, versuchte sich Nikolov in verschiedenen Sportarten wie Fuss- und Basketball, Tischtennis, Skifahren und Schwimmen. «Aber ich war wirklich überall schlecht. Dann riet mir mein Vater es mit Volleyball zu versuchen, dies würde mir gefallen. Mein Vater, der ebenfalls Volleyball spielte, hatte Recht», schildert er seine Anfänge. Nur drei Jahre später trainierte er bereits bei der Elite um im Jahr darauf schon mitzuspielen. Motiviert von seinem Umfeld, das in ihm viel Talent und Potenzial sah, intensivierte er das Trainingspensum und avancierte zum Stammspieler. Mit Zwanzig begann seine Reise durch den Südosten Europas mit Stationen in Serbien, Rumänien, Albanien und Zypern, von wo er 2016 in seine Heimat zurückkehrte. Seine Volleyballkarriere stand damals auf der Kippe, denn er kam heim um sein Wirtschaftsstudium im Finanzwesen abzuschliessen. Doch er spürte, dass ihm Volleyball immer noch sehr viel bedeutete. Er setzte seine Karriere beim hervorragend aufgestellten Herzensverein OK Strumica fort und feierte seither zahlreiche Erfolge und Titel. Auch jetzt als 31-Jähriger ist er noch Vollblutvolleyballer und begeistert von diesem «Gentleman-Sport ohne Körperkontakt, bei dem der Kopf das Entscheidende ist, was ich besonders mag.»
Wechselbad der Gefühle
Seit drei Monaten lebt Nikolov in Näfels. Er traf hier alles so an, wie es ihm seine hierzulande lebenden Verwandten und Bekannten erzählten. Er sagt: «Ich mag es sehr hier zu sein, alles ist bestens organisiert, sauber und die Leute sind sehr diszipliniert. Mich beeindrucken die Demokratie mit den Abstimmungen und die Natur, zu der man hier viel Sorge trägt, nicht wie in meiner Heimat.» Richtig ins Schwärmen kommt er, als er von der Tour auf den Fronalpstock erzählt, obwohl die Fahrt hinauf nach Mullern für ihn sehr beängstigend war.
Nikolov zeigt sich aber auch nachdenklich. Der Familienvater vermisst seine Frau und seine einjährige Tochter sehr. Es sei hart so lange nicht zusammen sein zu können, besonders für seine Frau. Mit den heutigen Mitteln sei zwar ein guter Kontakt möglich, trotzdem würden auch Tränen fliessen, gesteht er. Damit ist aber bald Schluss, denn nach Weihnachten kommen Frau und Tochter nach Näfels und bleiben hier. Dann wird Nikolov besonders glücklich sein, denn neben Natur und gutem Essen stimmen ihn das Zusammensein mit Familie und Freunden besonders fröhlich. Und er weiss schon jetzt: «sollte ich noch einmal im Ausland spielen, dann nur, wenn auch die Familie dabei ist.»
Seine wichtigsten Werte im Leben neben der Familie sind Ehrlichkeit, respektvoll gegenüber allen zu sein und die Gutherzigkeit. Was er nicht erträgt ist Ungerechtigkeit in allen Belangen. Selbst Kleinigkeiten können ihm sauer aufstossen, ebenso wie fehlende Fairness. Nikolov wirkt ruhig, doch er ist der grosse Sprücheklopfer im Näfelser Team und sorgt damit häufig für gute Stimmung. Dazu erklärt er: «Ich habe schon immer gerne gelacht, mag den Humor und das Lächeln im Gesicht der Menschen.»
Kritisches Urteil
Nikolov fühlt sich bei Volley Näfels bestens aufgehoben und lobt Organisation, Bedingungen, Training und den Respekt. Anders fällt sein Urteil über den Volleyballsport hierzulande aus: «Um ehrlich zu sein, ich erwartete mehr. Volleyball in der Schweiz ist eine Randsportart, die von vielen Leuten geliebt und mit viel Herz unterstützt wird. Aber die jungen Schweizer setzen nicht voll auf den Sport, der Beruf ist ebenso wichtig und deshalb können sie nicht wie Profis trainieren und ihr Potenzial voll nutzen.» Er nennt ein Beispiel aus dem eigenen Verein. «Nico Süess ist für mich der talentierteste Volleyballer des Landes. Wäre er in einem Land aufgewachsen, in welchem Sport alles bedeutet, dann wäre Nico mit seinen idealen Voraussetzungen ein High-Class-Volleyballer. Ich bin jeden Tag traurig wenn ich sehe, was für ihn möglich wäre.»
Kritisch fällt sein Urteil über Näfels‘ Leistungen aus. Als Team hätten sie die nötige Qualität um die Play-offs zu erreichen, ist er überzeugt. Die zuletzt erzielten Resultate sprechen jedoch eine andere Sprache. Nikolov erklärt, weshalb Näfels bisher zu viele Punkte nicht ins Trockene brachte: «Die Gegner waren in entscheidenden Momenten oft geschickter und ruhiger als wir, auch wenn wir zuvor im Spiel in Führung lagen. Wir müssen smarter werden, vor allem am Ende des Satzes. Wir haben oft nicht mehr respektiert, was der Coach uns auf den Weg gab und was uns zuvor stark machte.»
Qualifikation 10. Runde:
Volley Luzern - Biogas Volley Näfels
Bahnhofhalle, Luzern, Sonntag, 12. Dezember 2021, 17:00 h