Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03213.jsonl.gz/1606

Von Arbon nach Romanshorn
Die Fotos wurden am 4. April 2009 aufgenommen.
Durch eine Seeaufschüttung vor 50 und mehr Jahren entstand in Arbon ein weitläufiges, riesiges Gelände direkt am See. Unter anderem findet dort jedes Jahr das dreitägige "Summerdays Festival" statt, mit Rock, Pop, Indie und Hip Hop. Man kann sich kaum einen schöneren Platz für so ein Ereignis vorstellen.
Die beiden Kleinstädte verbindet ein schöner Fussweg (mit teilweise parallelem Fahrradweg). Ein grosses Naturschutzgebiet grenzt ihn zum See hin teilweise ab. Über gewisse Strecken verläuft der Weg auch hinter Privatgrundstücken, so dass man sich den freien Seeblick ab und zu auf unmarkierten oder "erahnten" Pfaden erschleichen muss. Auf der andern Seite befindet sich der Bahndamm, auf dem S-Bahn-Züge und ab und zu Güterzügen vorbeibrausen. - Jedenfalls aber eine lohnende Wanderung!
Arbon war im letzten Jahrhundert eine stolze Arbeiterstadt mit wichtigen Industrien; der Name "Saurer" dürfte heute noch bekannt sein. 4000 Arbeiter*innen und Angestellte arbeiteten allein in dieser Lastwagen- und Textilmaschinenfabrik. - Heute sieht alles ganz anders aus. Die soziale Zusammensetzung hat sich geändert, von "Arbeitersolidarität" spricht hier kaum noch jemand. Die Innenstadt (Arbon besass seit 1255 das Markt- und später das Stadtrecht) wurde harausgeputzt, traditionelle Geschäfte sucht man fast vergebens. Sie wurden von Boutiquen, Tattoostudios, Mode- und Coiffeursalons etc. verdrängt. Nicht einmal mehr eine Bushaltestelle gibt es dort. Es wirkt leblos, ausgestorben (ich darf das sagen, weil ich hier aufgewachsen bin). Auf dem riesigen Gelände des einstigen Saurer-Werkes II entstanden Wohnsiedlungen, wie man sie überall in der Schweiz sieht: fantasielos, uniform, langweilig. Auf dem Gelände und in den Bauten des Werkes I entstanden Luxuswohnungen, teure Büros und Kunstgalerien.
Romanshorn wiederum war ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, vor allem für den Güterverkehr. Bis 1976 gab es eine Trajekt-Verbindung nach Friedrichshafen; bis zu 16 Güterwagen wurden gleichzeitig per Schiff von Deutschland in die Schweiz (und umgekehrt) transportiert. Auch diese Zeiten sind vorüber. Im Romanshorner Bahnhof werden längst nicht mehr lange Güterzüge zusammengestellt, den einst regen Rangierverkehr gibt es nicht mehr. Und in den ehemaligen Lagergebäuden gibt es jetzt auch Restaurants, Boutiquen und - natürlich - Luxuswohnungen mit Seesicht.