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Dorsale Verlagerung des Gaumensegels
Das Pferd ist eines der wenigen Tiere, das auch unter höchster athletischer Belastung durch die Nase atmet. Hierfür hat sich im Laufe der Evolution eine spezielle Anatomie der oberen Atemwege entwickelt. So liegt das Gaumensegel physiologischerweise unterhalb des Kehldeckes.
Bei einer Gaumensegelverlagerung, oft auch als «DDSP» (die Abkürzung der englischen Bezeichnung dieser Erkrankung, Dorsal Displacement of the Soft Palate) bezeichnet, kommt es zu einer Verlagerung des Gaumensegels über den als Epiglottis bezeichneten Kehldeckel. Dies tritt meist unter Belastung (intermittierende Form), seltener auch in Ruhe oder permanent auf.
Wissenswertes zu dorsale Verlagerung des Gaumensegels
Welche Problematik resultiert aus einer Gaumensegelverlagerung?
Das Pferd ist auch unter höchster Belastung auf einen funktionierenden Luftfluss durch die Nase angewiesen. Im Gegensatz zu Menschen und anderen Tieren kann es nicht effektiv durch den Mund atmen. Der für die Nasenatmung notwendige Verlauf des Luftflusses ist bei einer Gaumensegelverlagerung gestört, vor allem in der Ausatemphase.
Was sind typische Symptome einer Gaumensegelverlagerung?
Bei der intermittierenden Form, welche unter Belastung auftritt, treten Leistungsschwäche und ein schnarchendes Geräusch während der Ausatmung auf. Manchmal kann auch beobachtet werden, dass die Pferde das Maul öffnen und versuchen, hierüber zu atmen.
Die permanente Form kann auch mit Schluckstörungen verbunden sein.
Wie kann ich herausfinden, ob mein Pferd unter einer Gaumensegelverlagerung leidet?
Hierfür ist eine tierärztliche Untersuchung notwendig. Neben einer klinischen Untersuchung wird eine Endoskopie der oberen Atemwege durchgeführt. Dazu wird ein flexibler Schlauch mit einer Kamera durch die Nase eingeführt, um den Rachen- und Kehlbereich darstellen zu können. Da eine Gaumensegelverlagerung bei Sport- und Rennpferden oftmals nur unter körperlicher Anstrengung auftritt, kann neben der Endoskopie am stehenden Pferd auch eine sogenannte dynamische Endoskopie während der Belastung hilfreich sein. Hierfür wird das Pferd entweder während der Endoskopie auf dem Laufband bewegt (sog. Laufbandendoskopie) oder es wird ein spezielles, mit einem Funksystem ausgerüstetes Endoskop verwendet und das Pferd geritten (sog. Overground-Endoskopie). Der Tierarzt sieht dann die via Bluetooth übertragenen Bilder live während der Belastung.
Wie kann eine Gaumensegelverlagerung behandelt werden?
Meist kann anfangs eine nicht-chirurgische Therapie durchgeführt werden. Je nach Befunden kann dies eine lokale bzw. systemische entzündungshemmende Medikation sein oder Trainings- und Managementmassnahmen beinhalten. Vor allem jungen Pferden mit Gaumensegelverlagerung kann so oftmals gut geholfen werden.
Sollte sich aber kein Behandlungserfolg einstellen, so ist eine Operation angezeigt. Hierbei hat sich in den letzten Jahren die sogenannte «Tie-forward» Operation als am erfolgreichsten erwiesen.
Wissenswertes zur Operation
Wer operiert mein Pferd?
Um den höchsten Standard zu gewährleisten, werden Operationen von einem Chefarzt oder einer erfahrenen Oberärztin, einem erfahrenen Oberarzt geleitet.
Die Beratung
Eine intensive und ausführliche Beratung ist einer der wichtigsten Punkte bei einer OP. Wir erklären Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten und empfehlen Ihnen eine Behandlungsmethode. Wir beantworten in aller Ruhe alle Ihre Fragen über Ablauf, Kosten, Risiken, Ergebnis und Pflege nach der OP.
Die Operationsvorbereitungen
Ihr Pferd wird am Tag vor der Operation stationär aufgenommen. Sie erhalten die Handynummern von unseren Tierärzten, damit Sie immer einen Ansprechpartner haben, wenn Sie Fragen haben. Jedes Pferd wird vor der Operation gewogen. Ihr Pferd wird vom zuständigen Chirurgen und vom Narkosetierarzt untersucht. Sollte sich der Bedarf für weitere Untersuchungen ergeben, dann weisen wir Sie darauf hin. Ihr Pferd muss nüchtern sein vor der Operation und wird deshalb über Nacht gefastet.
Vor der Operation wird Ihrem Pferd ein Venenkatheter gelegt. Durch diesen werden vor der Operation Breitspektrumantibiotika, entzündungshemmende Medikamente sowie Schmerzmittel verabreicht. Ihr Pferd wird in der Boxe leicht sediert und das Maul wird ausgewaschen. Nach einer sanften Einleitung der Narkose wird die Haut im OP-Gebiet mehrfach desinfiziert, anschließend wird die Region mit sterilen Tüchern abgedeckt. Nun beginnt der eigentliche Eingriff.
Was ist eine «Tie-forward» Operation?
Diese Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt. Ziel dieser Operation ist es, den Kehlkopf im Verhältnis zum Gaumensegel nach vorne-oben zu ziehen und so eine funktionell günstigere Situation herzustellen, die es dem Gaumensegel erlaubt, auch unter Belastung wieder eine normale Position einzunehmen. Dazu werden zwei starke, nicht-resorbierbare Fäden als Implantat zwischen dem Schildknorpel des Kehlkopfs und der Basis des Zungenbeins eingesetzt und gleichmässig angezogen fixiert. Der Zugang sowie der Hautschnitt werden vollständig wieder vernäht.
Die Narkose
Dieser Eingriff wird immer in Vollnarkose durchgeführt. Die heutigen sehr schonenden Narkosemethoden sind sehr sicher und deutlich weniger belastend als frühere Methoden. Zudem ist eine umfangreiche Überwachung des Patienten während der Narkose inkl. Blutdruckmessung, EKG, Atemgasmessung etc. Standard. Alle Narkosen werden von speziell hierfür ausgebildeten Tierärzten, den Anästhesisten, durchgeführt.
Vor einer Operation wird Sie der zuständige Tierarzt über die Operation, die notwendige Narkose, allfällige Risiken und mögliche Komplikation informieren und Ihre Einwilligung für den Eingriff einholen. Bitte zögern Sie nicht, Fragen zu stellen um Unklarheiten oder Unsicherheiten zu vermeiden.
Ungefähr eine Stunde nach der Aufstehphase wird Ihr Pferd wieder in die Box gebracht und Sie können es ab diesem Zeitpunkt zu den normalen Besuchszeiten besuchen.
Alle Risiken zusammengefasst
Selbstverständlich kann auch eine Tie-forward Operation wie jeder Eingriff Komplikationen nach sich ziehen. Diese sind jedoch sehr selten. Wenn sie auftreten, so handelt es sich meist um Wundkomplikationen wie Serombildung (d.h. Ansammlung von Gewebsflüssigkeit), welche gut behandelt werden können. Generell ist ein Tie-forward jedoch ein sehr sicherer Eingriff, den unsere Spezialisten regelmässig und sehr sicher durchführen.
Die erste Nacht nach der OP
Direkt nach der Operation verbringt Ihr Pferd zur Sicherheit mindestens eine Nacht in unserer Klinik. Von ambulanten Operationen unter Vollnarkose raten wir eher ab, da ihr Pferd so unmittelbar nach der Operation vorerst mal Ruhe hat und optimaler betreut werden kann.
Sechs Stunden nach Aufstehen aus der Vollnarkose wird Ihr Pferd mit einem Mash und Heu angefüttert. Ihr Pferd wird überwacht und notwendige Medikamente werden verabreicht.
Am nächsten Morgen wird eine Wundkontrolle durchgeführt. In der Regel wird noch eine Röntgenaufnahme angefertigt, um die korrekte Position des Kehlkopfs im Verhältnis zum Gaumensegel nach der Operation zu bestätigen.
Die Nachsorge
Die Nachsorge ist für eine optimale Heilung und ein gutes Ergebnis sehr wichtig. Wir erklären Ihnen worauf sie bei Ihrem Pferd zu Hause achten müssen, was ihr Pferd machen darf und was nicht. Zudem erhalten Sie einen schriftlichen Bericht mit genauen Anweisungen. Die Nachsorge zu Hause wird durch Ihren Privattierarzt überwacht, diesen informieren wir bevor Ihr Pferd nach Hause geht. 10-14 Tage nach der Operation können die Hautnähte entfernt werden.
Wie sind die Erfolgsaussichten einer «Tie-forward» Operation?
Bei ca. 85% der Patienten kann durch diese Operation eine volle Leistungsfähigkeit wiederhergestellt und ein Verschwinden des Atemgeräuschs erzielt werden.
Abheilzeit
In der ersten Zeit nach der Operation sollte Ihr Pferd geschont werden, um eine gute Abheilung der Operationswunden zu gewährleisten. In den ersten 2 Wochen kann das Pferd täglich im Schritt bewegt werden, gefolgt von wenigen Wochen Aufbau in Schritt und Trab. Ab 6-8 Wochen nach der Operation kann das Pferd wieder normal belastet und trainiert werden.
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