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Bitte keinen Nespresso: Der Basler Verwaltung ist BIO nicht gut genug. Bild: Shutterstock
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Basel will «Fair Trade Town» werden. Deshalb soll den Beamten vorgeschrieben werden, welchen Kaffee sie trinken dürfen. Andere Städte haben sich auch damit auseinandergesetzt.
Was macht eine Regierungspräsidentin während der Coronakrise, wenn sie weiss, dass sie ihren Platz bald räumen muss, weil sie abgewählt wurde? Der Nachlass der ehemaligen Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) soll jedenfalls sein, dass die Verwaltung im Jahr 2021 aufhört Nespresso-Kaffee zu trinken. «Damit sich die Stadt Basel im Jahr 2021 glaubhaft für die Auszeichnung als ‘Fair Trade Town’ bewerben kann, sollen nicht nur in möglichst vielen Organisationen (....), sondern auch in allen Dienststellen der Verwaltung Fair-Trade-Kaffee und mindestens zwei weitere Fair-Trade-Produkte verwendet werden», schrieb die Ex-Magistratin am 1. Februar an alle Departemente. Am nächsten Tag gab sie ihr Amt ab.
Das Onlineportal «PrimeNews» berichtete zuerst über «das ernste Kaffee-Problem der Basler Verwaltung». Dem «Nebelspalter» liegen die Akten zum geplanten Nespresso-Verbot für die Beamten vor. «Fair Trade Town» ist ein Label, mit dem der Dachverband «Swiss Fair Trade» Verwaltungen auszeichnet. Und für dieses Label hat sich die Stadt am Rheinknie ins Zeug gelegt.
Mehrere Hürden galt es anfangs zu überwinden, schreibt Ackermann. Der Grosse Rat beauftragte die Regierung bereits 2019, sich um das Label «Fair Trade Town» zu bemühen, doch «die Antworten der Departemente haben sich aus verschiedenen Gründen verspätet.»
Einer dürfte eine vertiefte Abklärung mit Nespresso gewesen sein. Eine oder gleich mehrere Verwaltungsstellen wollten scheinbar nicht auf die Nespressokapseln verzichten. Doch letztlich kam die Hiobsbotschaft: «Gemäss Antwort von Nespresso vom 9. Juli 2020 gibt es neu ein Angebot von Bio-Kaffee, jedoch ist kein Angebot von Fair-Trade-Kaffee geplant. Somit bietet Nespresso leider keine Möglichkeit, um die Anforderungen von ‘Fair Trade Town’ zu erfüllen», hielt Ackermann vor ihrem Abgang fest.
Wieviel Kaffee trinken Beamte?
Im Corona-Jahr 2020 haben ihre Beamten noch ein weiteres Problem entdeckt und auch Erkenntnisse zutage gefördert. Die Beamten fanden heraus, dass die Verwaltung pro Jahr schätzungsweise 14 Tonnen Kaffee trinkt. Zudem gab es Probleme mit den Kaffeemaschinen der Beamten. Einige Dienststellen hätten sich nämlich in der Vergangenheit mit Nespresso Professional Maschinen ausgerüstet. Dies schränkt die Auswahl von Fair-Trade-Kaffee für die Beamten stark ein. Denn mit diesen Maschinen sei nur der Café Royal der Migros kompatibel, wie die ehemalige Regierungspräsidentin ausführt. Deshalb haben ihre Beamten auch einen Feldtest durchgeführt: «Die Pads von Café Royal wurden 2020 erfolgreich im Basler Kunstmuseum getestet.»
Damit Basel das Label «Fair Trade Town» erhält, braucht es viel mehr als besonderen Kaffee. Dazu hat die Verwaltung einen sechsseitigen «Praxisleitfaden» verfasst. Er zeigt auf, welche Produkte sie zukünftig verwenden sollten. Die Liste reicht von Kaffee über Honig bis zu Blumen und Arbeitskleidung.
Doch Basel ist nicht die einzige Gemeinde, die um das Label kämpft. Insgesamt gibt es in der Schweiz 13 «Fair Trade Towns». Zehn Gemeinden wollen das für Label für sich. Darunter die Stadt Zürich. Sie hat ebenfalls Interesse am Fair-Trade-Label angemeldet – doch man ist noch nicht weit gekommen. Das Finanzdepartement Zürich schreibt auf Anfrage: «Korrekt ist, dass die Erlangung des Labels geprüft wird, konkrete Schritte zur Umsetzung wurden bis dato aber nicht getätigt.»
Kein Interesse der Bevölkerung
Auch die Stadt Aarau wurde vom Parlament beauftragt, sich um die Auszeichnung zu bemühen. Jedoch ist der Versuch misslungen. «Wir haben uns über etwa zwei Jahre intensiv mit dem Fair-Trade-Label beschäftigt», schreibt Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (FDP) auf Anfrage. Beim Kaffee ist man aber an Nespresso gescheitert: «Den Kaffee im Rathaus haben wir nicht ausgewechselt. Wir hatten erst vor Kurzem Nespresso-Maschinen für alle Sitzungszimmer besorgt. Aber es gibt Fair-Trade-Möglichkeiten bei diversen Essangeboten in der städtischen Verwaltung und bei unseren Betrieben.»
Doch Nespresso war nicht das einzige Problem, auf das die Stadt gestossen sei. Man habe festgestellt, dass die Unterstützung der Bevölkerung für das Label relativ bescheiden war. Das eigentliche Bedürfnis nach lokalen und regionalen Produkten, werde durch das Label nicht bedient, schreibt Hilfiker. Aus diesen Gründen habe man im Stadtrat entschieden, auf den weiteren Prozess in Richtung «Fair Trade Town» zu verzichten.
Bern ist schon seit 2017 «Fair Trade Town», stellt aber klar: «Die Stadt Bern erfasst nicht, wie viel Kaffee die Mitarbeitenden pro Jahr konsumieren.» Und dann schreiben die Informationsdienste der Stadt Bern, was man in Basel scheinbar nicht mitbekommen hat: «Aus verschiedenen Gründen ist die Verwendung von Fair Trade Kaffee inzwischen kein Kriterium für das Label 'Fair Trade Town' mehr.» Ein Blick auf die Webseite von «Fair Trade Town» zeigt: tatsächlich. Kaffee ist mit keinem Wort mehr erwähnt. Das hat die Basler Verwaltung während ihrer vertieften «Kaffee-Recherche» nicht bemerkt und das Nespresso-Verbot für ihre Mitarbeiter bereits aufgegleist.