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Winter 2001
Mit der Industrialisierung wächst die Stadt Basel rasant. Die Gründung des Bundesstaates (1848) schafft die Grundlage für das Entstehen eines modernen Staates. Interkantonale Handelshemmnisse verschwinden.
Auf den 1. Januar 1849 übernimmt die neue Eidgenössische Post die kantonalen Postverwaltungen samt deren Infrastruktur und Fahrzeugen. Wie ihre kantonalen Vorläufer besitzt die eidgenössische Post keine eigenen Pferde und Beschirrungen, sondern mietet diese von privaten Postfuhrhaltern zu. Diese entlöhnen die Postillione nach den Vorschriften der Post und kleiden sie ein. Der erste Postpferdehalter der Stadt ist Heinrich Meyer. Seit 1850 ist er mit der Verteilung der lokalen Paketpost und der Beförderung von Personen und Gepäck zwischen dem Elsässer Bahnhof und der Stadtpost beauftragt. Henri Imhoff, der durch seine Wagenlieferung die Postszene bestens kennen dürfte (siehe Settelen perseenlig Herbst 01), übernimmt vermutlich 1860 diesen Postpferdebetrieb. Zusätzlich erwirbt er 1865 den Betrieb von Michael Dietschi. Damit übernimmt er neben der Strecke Basel - Rheinfelden auch die wichtige Postlinie Basel - Delsberg. Täglich fahren auf dieser Linie drei durchgehende Kurse. Ausserdem bedient Imhoff den Ast Basel - Arlesheim - Aesch. Zusätzliche Gespanne müssen für gelegentliche Extrafahrten und so genannte Beiwagen für überzählige Passagiere, Gepäck etc. bereitgehalten werden. Befördert werden die Reisenden im Sommer mit 8-plätzigen, im Winter mit 6-plätzigen Postkutschen, die gegen Ende der Betriebzeit im Jahre 1875 teilweise durch bis zu 12-plätzige Fahrzeuge ersetzt werden. Die reine Fahrzeit für die fast 50 km lange Strecke Basel - Delsberg beträgt knapp viereinhalb Stunden. Wie damals üblich, wird im scharfen Trab gefahren, was einen Wechsel der Gespanne - bestehend aus vier und mehr Pferden - jeweils in Aesch und Laufen erfordert.
Zentral für die Weiterentwicklung der Firma wird der ebenfalls von Dietschi übernommene «Courrierdienst». Mit bis zu fünf Postomnibussen gewährleistet Henri Imhoff bis zum Bau der Verbindungsbahn im Jahre 1873 den Personen-, Gepäck- und Postverkehr zwischen der Stadtpost (heute Stadthaus) und den Bahnhöfen. Trotz des horrenden Fahrpreises von einem Goldfranken lassen sich 15000 bis 20000 Fahrgäste pro Jahr zwischen Central- und Badischem Bahnhof befördern. Mit der Inbetriebnahme der Verbindungsbahn, der Bözberg- und der Jurabahn geht Imhoff die Arbeit aber keineswegs aus. Das rasante Wachstum der Wohnbevölkerung sowie von Handel, Gewerbe und Industrie - nicht zuletzt dank der Eisenbahn - führt zu einem kontinuierlichen Anwachsen der Brief- und Paketpostsendungen. Imhoff besorgt nun den Transport der Postsäcke und Pakete zwischen den Bahnhöfen, der Stadtpost, den Vororten und den wenigen Quartier-poststellen und übernimmt die Feinverteilung der Paketpost in der Innenstadt.
Für seinen Pferdebetrieb kauft er 1865 die Liegenschaft Steinenthorstrasse 37, die in früheren Jahren allen möglichen Zwecken gedient hat. Es ist eine schmale, lange Parzelle, die fast bis zur Wallstrasse hinaufreicht. Aus dem kaum sieben Meter breiten Haus lässt er eine Durchfahrt herausbrechen, im Hinterhof errichtet er einen Stall für 24 Pferde. Diese Investition ist vermutlich als Provisorium gedacht, denn er kauft an der Birsigstrasse die Munimatte. Anwohner vereiteln jedoch wegen der zu befürchtenden Geruchs- und Fliegenbelästigung den Bau der geplanten Stallungen.
Zur Unterbringung des Rösslitrams kauft Imhoff für die Basler Tram-Omnibus-Gesellschaft H. Imhoff & Cie. die 4500 m2 grosse Parzelle Solothurnerstrasse 12 und lässt 1881 darauf in Rekordzeit Stallungen für 60 Pferde, ein Pferdespital sowie diverse andere Betriebsgebäude hochziehen. Trotz all dieser Aktivitäten vernachlässigt Imhoff seinen «Carrosseriebetrieb» nicht. Bereits 1861 kauft er seinem Vermieter an der Steinenthorstrasse 16 zusätzlich zum Hinterhaus, wo er seine Werkstatt hat, auch das Vorderhaus ab. Bald darauf erwirbt er die Nachbarliegenschaften Nrn. 18 bis 22 und realisiert darauf 1873 eine vierstöckige Wohnüberbauung. Gleichzeitig erweitert und verbindet er die Gebäude in den Hinterhöfen zu einer gut 300 m2 grossen Werkstatt. So erstaunt es nicht, dass er nun häufig als Wagenfabrikant angeschrieben wird.
Offensichtlich betätigt sich Henri Imhoff in zunehmendem Masse im Liegenschaftshandel. Die Führung des Wagenbaubetriebes überlässt er seinem ältesten Sohn Henri (1853-1904). Die Postfuhrhalterei wird ab ca. 1880 als eigene Firma unter dem Namen seines Sohnes Eugen (1859-1916) weitergeführt. Nach dessen frühem Tod besorgen seine Frau Bertha Imhoff-Heer und ab 1951 sein Enkel Hanspeter Siegrist-Ernst zuverlässig die Verteilung der Paketpost in den Basler Geschäftsstrassen. Neue Polizeivorschriften als Folge der zunehmenden Motorisierung bedeuten Ende Februar 1955 das definitive Aus für die letzten zehn Postillione unserer Stadt.