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Basel, 1752–1851
Papier, Kartoneinband, Pergamentrücken, handschriftliche
Eintragungen
H. 20,6 cm, B. 17 cm, D. 2,8 cm
Inv. 1954.193.
Depositum Museum der Kulturen, Basel.
Das handschriftliche Verzeichnis führt die nach Basel zugewanderten Küblergesellen von 1752 bis 1851 auf. Die Einträge nennen Jahr, Tag, Monat, Vornamen, Familiennamen und Herkunftsort der Küblergesellen. Es handelt sich also um ein chronologisch angelegtes Verzeichnis, das eine rasche Kontrolle der in Basel angemeldeten Küblergesellen erlaubte.
So knapp und formelhaft die Einträge auch sind, so gewährt das spröde Material dennoch spannenden Einblick in die Migration von Handwerksgesellen in den letzten Jahrzehnten des Zunftwesens. Die Zuwanderung nach Basel erfolgte völlig einseitig aus dem Norden und dem Osten. Aus dem französischen (nicht-elsässischen) und italienischen Sprachraum ist kein einziger Geselle eingewandert. Gewiss wirkte die fremde Sprache hemmend. Dieses Resultat ist vielleicht auch die Folge einer, seit dem 16. Jahrhundert ausgeübten, Abwehrhaltung gegen «Welsche» in Basel. Überhaupt war das Überschreiten der deutschen Sprachgrenze äusserst selten und kam im ganzen Jahrhundert von 1752 bis 1851 nur vereinzelt vor. Ein Geselle stammte aus dem ungarischen Raab, ein zweiter aus dem polnischsprachigen Krakau und ein dritter – er hiess Ludwick Dräer – aus «Crasslau in Weissrussland ». Crasslau ist das heutige Kraslova in Lettland.
Dräer hatte (1822) mit etwa 1 600 Kilometern die grösste Entfernung aller Basler Küblergesellen zurückgelegt.
Ein erstes «Rekrutierungsgebiet» bildete Basel selbst.
Die Zahl der Basler Gesellen, die in der eigenen Stadt wanderten, beträgt mit 48 Personen 6,9%. Ein zweiter Einzugsbereich war Schaffhausen. Aus der bevölkerungsmässig kleinen Stadt am Hochrhein wanderten 28 Gesellen nach Basel. Hier dürfte neben dem Rhein als traditionellem Verbindungsweg die Konfession eine Rolle gespielt haben. Schaffhausen war wie Basel eine reformierte Stadt. Umso auffallender ist das Fehlen der Wandergesellen aus den beiden anderen reformierten eidgenössischen Städten Bern und Zürich.
Als erstes ausländisches Zentrum der Zuwanderung erscheint Strassburg mit dem Unterelsass. Strassburg war damals dem französischen Königreich einverleibt, aber deutschsprachig.
Über 60 Gesellen wanderten aus Strassburg und dem übrigen Unterelsass nach Basel. Auch die beiden oberelsässischen Städte Colmar und Mulhouse waren in Basel gut vertreten. Hier dürften die geografische Nähe und die konfessionelle Verwandtschaft eine wichtige Rolle gespielt haben.
Als dritter, zahlenmässig aber wichtigster Einzugsbereich zeigen sich Stuttgart und sein Grossraum mit den Städten Herrenberg, Tübingen, Esslingen, Nürtingen, Ludwigsburg und Heilbronn. Die 125 Gesellen aus Innerschwaben und dem alten Kerngebiet des Königreiches Württemberg machen 18% der Einträge aus. Die katholischen Gebiete Südbaden und Oberschwaben, beide sehr nahe an Basel gelegen, waren schlecht vertreten. Die geografische Nähe allein war bei den Gesellen nicht ausschlaggebend für die Wahl des Zielortes.
Konfessionelle Grenzen spielten offenbar auch im Zeitalter der Aufklärung und zu Beginn der Industrialisierung noch eine wichtige Rolle.
Als fünftes Rekrutierungszentrum erweisen sich Nürnberg und sein Grossraum mit den Städten Fürth, Erlangen und Schwabach. Mittelfranken war lutherisch. Es ist bemerkenswert, dass Basel für viele Nürnberger ein beliebter Zielort war, ist die alte Reichsstadt doch über 300 Kilometer von Basel entfernt. Aus den weiter nördlich gelegenen Gebieten Thüringens und Sachsens kamen noch vereinzelt Gesellen nach Basel, aus Gegenden, die 400 bis 600 Kilometer nordöstlich von Basel liegen. Bemerkenswert ist das Fehlen der Zuwanderung aus Österreich, erstaunlich auch das Zurücktreten der Gesellen vom Niederrhein und das vollständige Fehlen Norddeutschlands.
Betrachtet man die Ausdehnung der Wanderschaft, stellt man eine gewisse Grossräumigkeit fest, die allerdings auf den deutschen Sprachraum begrenzt ist. Für die Wandergesellen waren – neben anderen, uns unbekannten Gründen – mit Sicherheit die Konfessions- und Sprachverwandtschaft wichtige Faktoren, um Basel aufzusuchen. Mit zunehmender geografischer Entfernung verloren auch diese zwei Faktoren an Gewicht.
Basel, hauptsächlich 1930er und 1940er Jahre Künstler: R. Münger, R. Trübner, W. Koch, Alexander Zschokke (1894-1981), Ed. Niethammer, Urech, E. Waldheuer, Aldo Patocchi (1907-1986), Emil Beurmann (1862-1951), Niklaus Stöcklin (1896-1982) Fotografin: Claire Roessiger Papier, Halbkarton, Lithographie, Buchdruck H. 35 cm, L. 50,3 cm Inv. 2007.4.