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Gründer und langjähriger Präsident der Schweizer Freundinnen und Freunde von Neve Shalom Wahat al-Salam
An einer eindrücklichen Abdankungsfeier verabschiedeten sich mehrere 100 Personen in der Basler Leonhardskirche von dem im Alter von 83Jahren verstorbenen Peter Dreyfus. Der hoch geachtete Psychotherapeut und Psychoanalytiker machte sich auch als Gründer und langjähriger Präsident der Schweizer Freunde des Friedensdorfes Neve Shalom/Wahat al-Salam (NSWaS) in Israel einen Namen.
Als Spross einer Unternehmerfamilie 1934 in Basel geboren, flüchtete Peter Dreyfus im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern in die USA, wo er eine schwierige Kindheit mit zahlreichen Umzügen verbrachte. Nach der Rückkehr in die Rheinstadt im Jahr 1949 und der Matura entschied er sich für ein Medizinstudium. An der renommierten Londoner Tavistock-Klinik Iiess er sich zum Psychoanalytiker weiterbilden. Als solcher führte er weit über das Pensionsalter hinaus eine Praxis in Basel. Er galt als Institution in seinem Fach und war auch ein gefragter Referent. 1984 präsidierte er die Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse. «Er berührte durch seine fachliche Kompetenz, welche von grosser Menschlichkeit und Achtung für den Andern getragen war», ehrte ihn das Psychoanalytische Seminar Basel nach dem Tod. Er habe Iieber zugehört als geredet, sagte sein enger Freund Peter Liatowitsch an der Abdankungsfeier. Dies, weil er «einfach nur sehr viel sorgfältiger nachdachte als wir anderen und erst dann redete, wenn er mit dem Nachgedachten wirklich zufrieden war».
Eine lsraelreise im Dezember 1982 bildete den Auftakt zu einem zweiten Schwerpunkt in seinem weiteren Leben: Er besuchte das noch in den Anfängen steckende Dorf Neve Shalom/Wahat al-Salam (Oase des Friedens), in dem jüdische und arabische Israeli gleichberechtigt zusammenleben. Beeindruckt von einem Workshop in der dortigen Friedensschule beschloss er, dieses Projekt zu unterstützen. 1983 gründete er, zusammen mit seinem Cousin Roger Dreyfus, den Verein der Schweizer Freunde von NS WaS. Seither prägte Peter Dreyfus diesen als Präsident, Kassier und bis zuletzt als Mitglied des Patronatskomitees.
Schon bei der Gründungsversammlung mit Informationen aus erster Hand mit dabei waren die aus Zürich stammende jüdische Dorfbewohnerin Evi Guggenheim und ihr palästinensisch-moslemischer Freund Eyas Shbeta. Fünf Jahre später organisierten Peter Dreyfus und seine Familie die Hochzeit der beiden in Zürich und ein Hochzeitsfest in ihrem Haus in Biel-Benken. Seither nahm der Verstorbene die Rolle eines Adoptivvaters für Evi Guggenheim und eines Adoptivgrossvaters für deren Kinder ein, wie diese an der Abdankungsfeier berichtete. Mit seiner Ehefrau Sonja hatte Peter Dreyfus drei eigene Kinder und auch Grosskinder. Auch seine Ehe war interreligiös, weshalb der protestantische Pfarrer Nico Rubeli, Gründer der Christlich-Jüdischen Projekte, die Abdankungsfeier leitete, in deren Verlauf auch das Trauergebet «Kaddish» von Salomone Rossi dargeboten wurde. Zuvor war Peter Dreyfus im engsten Kreis im Familiengrab in Biel-Benken beerdigt worden.
PETER ABELIN
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