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Am 14. Juni 1991 beteiligte sich schweizweit eine halbe Million Frauen an einer der grössten politischen Kundgebungen in der Geschichte der Schweiz. Ausgehend von Gewerkschafterinnen aus der jurassischen Uhrenindustrie verbreitete sich die Idee eines Streiks der Frauen rasch in der gesamten Schweiz. Der Hauptgrund für die Mobilisierung war die Nichtumsetzung des Gleichstellungsartikels, der seit 1981 in der Bundesverfassung stand, ohne jedoch gesetzlich verankert zu werden. Die Streikenden hinterfragten herkömmliche Vorstellungen vom Streiken, indem sie in Tradition feministischer Kritik von einem erweiterten Arbeitsbegriff ausgingen: Es streikten nicht nur Arbeitnehmerinnen, sondern auch Hausfrauen, Mütter und Ehefrauen.
In der Stadt Solothurn beteiligten sich über 1000 Frauen an der Kundgebung. Es gab eine Demonstration in der Altstadt, an der die männlichen Brunnenfiguren neu eingekleidet wurden. Strassen erhielten «frauengerechte» Namen und die Solothurner Frauenband donne mobili spielte an der Hauptkundgebung. Männer kochten für die streikenden Frauen und schauten zu den Kindern. Die Rednerinnen thematisierten unter anderem die Lage von Migrantinnen in der Schweiz, den unterschiedlichen Zugang von Frauen und Männern zum Arbeitsmarkt oder die Aufwertung weiblicher Freiwilligen-, Haus- und Betreuungsarbeit. Die Aktivistin und Politikerin Marguerite ,Miguel’ Misteli machte in ihrer Rede auf die Diskriminierung von Frauen aus dem Globalen Süden und deren konstitutive Verknüpfung mit dem Lebensstandard von Schweizer*innen aufmerksam. (sp)
Forderungskatalog an Solothurner Regierungsrat vom 14.6.1991, Gosteli-Stiftung – Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung, 304 Archiv Frauenzentrum Solothurn.
Fotografie vom Frauenstreik 1991 in Solothurn von Hansruedi Meier, Gosteli-Stiftung: Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung, 304 Archiv Frauenzentrum Solothurn.
Link zum Bestand Frauenzentrum Solothurn im Gosteli-Archiv: https://gosteli.anton.ch/objects/24588