Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03631.jsonl.gz/1875

Rentierjäger Siedlung im Moosbüel
Auf die ersten menschlichen Spuren in unserer Gegend stiess man im Moosbüel. Hier haben nach der letzten Eiszeit um 13‘500 v. Chr. nachweislich Rentierjäger gelebt.
Rentierjäger Siedlung um 13‘500 v. Chr. im Moosbüel
Im Historischen Lexikon der Schweiz werden die Spuren einer hütten- oder zeltartigen Konstruktion in Moosseedorf-Moosbüel beschrieben:
„Die Umrisse der Siedlungsstelle konnten durch die Konzentration von Feuersteinen deutlich bestimmt werden. Innerhalb des Fundbereichs befanden sich zwei grosse Feuerstellen sowie eine Reihe kleiner, kreisförmiger Vertiefungen von etwa 20 cm Durchmesser, die als Pfostenlöcher gedeutet wurden. An fast allen Fundorten aus jener Zeit wurden Feuerstellen nachgewiesen. Zwischen den Feuerstätten lagen zahlreiche Überreste, die von unterschiedlichen Tätigkeiten zeugen. Anhand der räumlichen Verteilung konnten deutlich Arbeitsplätze für die Herstellung von Werkzeugen aus Feuerstein und Knochen, für die Bearbeitung und das Vernähen von Häuten und Fellen, für das Schlachten und Zerlegen der Tiere, sowie für das feine Formen und Gravieren der Schmuckstücke und der religiösen oder magischen Kunstgegenstände unterschieden werden.“
Bild: Skizze eines Rentierjäger-Lagers
Bild: Steinwerkzeuge
„Schon seit 1860 weiss man von der Existenz einer archäologischen FundsteIle auf dem Moosbüel bei Moosseedorf. Ausgrabungen führten zur Erkenntnis, dass auf dem Moosbüel ein Lagerplatz späteiszeitlicher Jäger aus dem 10. und 9. Jahrtausend v. Chr. bestanden hatte. Die ausgegrabenen Funde setzen sich zur Hauptsache aus Feuersteinobjekten und Tierknochenfragmenten zusammen. Gegen 90 Prozent der Knochen stammen vom Rentier, das allem Anschein nach die Hauptnahrungsgrundlage der Eiszeitjäger auf dem Moosbüel war. Die unzähligen Feuersteinabschläge zeigen, dass ein Grossteil der Geräte am Lagerplatz selbst hergestellt worden ist. Vertreten sind die bekannten Gerätetypen wie Kratzer, Stichel, Messer und Bohrer, die auf der Jagd, bei der Beutezerlegung und der Bearbeitung von Fellen, Knochen, Geweihen und Hölzern zur Anwendung gelangten. Die nomadisierenden späteiszeitlichen Rentierjäger scheinen den Moosbüel während eines längeren Zeitraums immer wieder aufgesucht zu haben, was auf ein damals jagdgünstiges Gelände schliessen lässt. Die Jäger richteten sich nach dem Zug der Rentiere, die sich im jahreszeitlichen Rhythmus in einem Gebiet bewegten, das zuvor von den abschmelzenden Eiszeitgletschern freigegeben worden war.“
Text und Bilder aus: Bilder aus „Funde aus dem Boden, Bernisches Historisches Museum,1988, Seite 13
Im Sommer 1971 fanden neue Ausgrabungen im Moosbüel statt.
Moosbüel: Studenten bei der Arbeit 1971
Moosbüel: Statuettchen und Perlen aus Gagat und Lignit
Im Moosbüel wurden mehrere Perlen und ein Statuettchen aus Gagat und Lignit gefunden. Gagat, auch Pechkohle genannt, besteht aus bituminösem, fossilem Holz, das in Kohle um-gewandelt wurde. Die Farbe ist schwarz bis bräunlich. Gagat ist fossiles Holz, das sich in einem Übergangsstadium von Braunkohle zu Steinkohle befindet.
Auch Lignit ist ein fester, brennbarer Mineralrohstoff pflanzlichen Ursprungs und das Ergebnis des Verkohlungsprozesses pflanzlicher Stoffe, bei dem zum Teil noch sehr deutliche Holzstrukturen erkennbar sind.
Die grösste im Moosbüel gefundene Perle ist schwarz, misst 1,2 cm im Durchmesse und ist 0,5 cm dick. Das Statuettchen wurde aus einem Stäbchen gefertigt und ist 2,3 cm lang, 0,5 cm breit und 0,3 cm dick. Es erlitt unter Feuereinfluss zahlreiche kleine Risse.
Quellen: Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums, Jahrgang 1963-1964,
Seite 189ff, und Jahrgang 1969-1970, Seite 199ff
Zeichnung Rentierjagd (aus dem Buch „Steinzeit selbst erleben“ von Friedrich Seeberger)
Strichzeichnung eines Rentiers („Kesslerloch“ bei Schaffhausen)