Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03592.jsonl.gz/3158

Eine Niederlage mit 0:10 Punken gegen einen ungerankten Sportler, wie konnte das passieren?
Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften in Belgrad ging es um unglaublich viel. Zum einen um die begehrten WM-Medaillen und zum anderen um 5 Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Paris, die im kommenden Jahr stattfinden. Die vorolympische WM gilt stets als stärkster Wettkampf überhaupt. Das mit über 40 Sportlern besetzte Teilnehmerfeld bis 87 kg war mit etlichen Hochkarätern bestückt.
Trotz des vermeintlichen Vorteils, als Nummer 7 im Feld gesetzt zu sein, bekam ich im ersten Kampf den Topfavoriten zugelost, und zwar Kiril Maskevich aus Belarus, der unter neutraler Flagge an den Start ging. Aufgrund der Sanktionen traten Russen und Weissrussen eine Weile bei keinen offiziellen Wettkämpfen des Weltverbandes an, dadurch waren diese Athleten unauffindbar im UWW-Ranking. Maskevich etablierte sich vor Kriegsbeginn zum Leader in dieser Gewichtsklasse und ist bekannt für seine explosiven Würfe mit hoher Amplitude.
Nach ausgeglichenem Standkampf wurde mir die erste Passivität zugesprochen, somit bekam mein gleichaltriger Gegner den Vorteil in der Bodenlage. Diese Chance nutzte er gnadenlos aus und katapultierte mich durch die Luft. Da er nicht in das Finale einzog, war das Turnier für mich bereits nach etwa eineinhalb Minuten beendet. So schnell kann es gehen im Ringen. Der Weltmeistergürtel wurde Ali Cengiz aus der Türkei überreicht, dem ich letztes Jahr im WM-Viertelfinale umstritten unterlag.
Trotz dieser Niederlage bin ich dankbar, überhaupt am Start gewesen zu sein. Dies erschien noch im August aufgrund meiner schweren Verletzung am Ellenbogen unmöglich. Dass ich mich gegen Ramon Betschart, der bereits Medaillen bei Welttitelkämpfen im U20 & U23 Bereich holte, intern durchsetzte, ist alles andere als selbstverständlich. Dieser WM in Serbien ordnete ich alles unter, nur deshalb schaffte ich es, in so kurzer Zeit topfit zu werden.
Besten Dank an alle meine Trainingspartner, Trainer, Physiotherapeuten, Ärzte, Masseuren, Sponsoren, Supportern und meiner Familie dafür, dass sie mir auf meinem Weg beiseite stehen und weiterhin an mich glauben.