Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03631.jsonl.gz/434

- News
Fairness in der Berufswahl: Beeinflussen Geschlecht und sozio-ökonomische Faktoren die Lehrstellenvergabe?
25.09.2023 Schweizer Unternehmen diskriminieren bei der Vergabe von Lehrstellen nicht nach Geschlecht, aber könnten sich teilweise von den Berufserfahrungen der Eltern beeinflussen lassen. Dies findet eine aktuelle empirische Studie der Berner Fachhochschule (BFH), der Universität Fribourg und Statista. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass geschlechterspezifische Unterschiede in der Berufswahl eher auf kulturelle oder bildungspolitische Umstände zurückzuführen sind.
Stereotypische Entscheidungen zu Beginn der Berufskarriere können sich durch die gesamte berufliche Laufbahn fortsetzen. In einer empirischen Studie untersuchten Prof. Dr. Ana Fernandes (BFH), Prof. Dr. Martin Huber (Universität Fribourg) und Camila Plaza (Statista), inwieweit Schweizer Unternehmen bei der Vergabe von Lehrstellen das Geschlecht und den sozio-ökonomischen Hintergrund von Bewerber*innen berücksichtigen. Dazu verschickten sie 3'000 fiktive Bewerbungen für Lehrstellen in den Regionen Basel, Bern, Zürich und Lausanne. Die Bewerbungen enthielten nebst persönlichen Angaben zu den Lernenden auch Informationen zur beruflichen Tätigkeit der Eltern. Bei den Lehrstellen handelte es sich um eine Mischung aus typischen Frauenberufen (z.B. Coiffeuse), typischen Männerberufen (z.B. Schreiner) und geschlechtsneutralen Berufen (z.B. Bäcker*in). Untersucht wurde, ob die Bewerber*innen eine Einladung zu einem Gespräch, einer Schnupperlehre oder zum Besuch eines Assessment Centers erhielten.
Keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts
Die Resultate geben keinen Hinweis darauf, dass Kandidat*innen aufgrund ihres Geschlechtes bei der Auswahl diskriminiert wurden. Sie unterscheiden sich damit von ähnlichen Studien bei erwachsenen Personen, die signifikante Unterschiede bei der Auswahl zwischen Frauen und Männern gefunden hatten. Allerdings zeigt sich, dass die Berufserfahrung der Eltern einen Einfluss auf die Auswahl haben kann: Mädchen, deren Vater Universitätsprofessor ist, werden bei der Auswahl systematisch bevorzugt. Bei Jungen ist kein Effekt feststellbar.
Um eine maximale Fairness bei der Vergabe von Lehrstellen zu erreichen, schlagen die Studienautor*innen folgende Massnahmen vor:
-
Verzicht auf sozio-ökonomische Faktoren (wie z.B. Berufe der Eltern) in den Bewerbungsschreiben der Lehrstellensuchenden
-
Abbau von kulturellen und bildungspolitischen Barrieren, um bestehenden Stereotypen in der Berufswelt bereits in jungen Jahren entgegenzuwirken
Die Studie wurde im «Economics Education Review» publiziert und ist frei zugänglich.