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Die Wahl der Bewegungsaktivität beeinflusst die Intensität und Dichte der Bewegungsbeziehungen. Der Dialog und die Art der Zusammenarbeit zwischen normalbegabten und behinderten Personen können sich je nach Aktivität verändern.
In manchen Fällen sind die Könnens- und Leistungsunterschiede irrelevant; in anderen Situationen hingegen müssen sie von Anfang an explizit thematisiert werden, um eine wirkliche Inklusion zu bewirken. Die Verschiedenheit kann so bewusst genutzt werden, was wiederum die Attraktivität der gemeinsamen Bewegung fördern kann.
Der Erziehungswissenschafter Willibald Weichert zeigt vier didaktische Strategien auf, die bei der Wahl der entsprechenden Unterrichtsinhalte helfen. Sie sind grundsätzlich unterteilt nach dem Grad der Intensität, beziehungsweise der Dichte der Bewegungsbeziehungen. Sie zeigen auf, wie der Weg zur Inklusion über die Integration – auch nur einer partiellen – führt. Einige Beispiele veranschaulichen die Möglichkeiten und Grenzen jeder Strategie.
Irrelevanz der Unterschiede
Die einfachste Form der Integration besteht während einer Aktivität, in der die Unterschiede keine Rolle spielen und das Ergebnis nicht entscheidend beeinflussen, wie beispielsweise beim Paddeln oder Rudern: In einem Boot für zwei, vier oder mehr Personen findet ein Kind mit einer Behinderung schnell seine entsprechende Rolle, zumal es Rhythmus und Krafteinsatz seinem Können anpassen kann. Den normalbegabten Schülerinnen und Schülern werden in Bezug auf die Steuerung und Vorwärtsbewegung des Bootes erhöhte Anforderungen gestellt.
Kooperationsspiele sind eine weitere Gruppe von Bewegungsaktivitäten, die sich speziell zur Förderung von Integration eignen. Ein Beispiel dazu: Beim Badmintonspiel mit einem Luftballon, der langsam fliegt hat der behinderte Schüler mehr Zeit zu reagieren. Der normalbegabte Schüler kann zeigen, dass er schwierige und nicht immer genaue Zuspiele ausgleichen kann.
Homogene Gruppen
Verschiedene kleine Spiele eignen sich sehr gut, um heterogene Gruppen auszugleichen. Ein Beispiel dafür ist Parteiball, in dem ein Team beim zehnten Pass einen Punkt erhält. Daraus entsteht die Notwendigkeit zum Zusammenspiel.
Gleichzeitig muss das Zusammenspiel der Gegner verhindert werden. Das ist besonders wirksam durch die Bildung homogener Gegnerpaare (Manndeckung). Für das Funktionieren dieser Spielformen muss auf die Verteilung gleicher Spielstärken und -schwächen der beteiligten Teams geachtet werden.
Eine Rollstuhlfahrerin spielt so beispielsweise direkt gegen eine andere Schülerin mit der gleichen Behinderung. Werden diese Voraussetzungen eingehalten, können auch zahlreiche Spiele aus dem Kampfsport in homogenen Zweiergruppen durchgeführt werden.
Im Tandem
Eine dritte Integrationsform entsteht durch «bewusstes Ausnutzen » der Unterschiede. Mit anderen Worten wird hier das Prinzip des Tandems angewandt, in dem der geschickte Schüler in einer speziellen Bewegungsaktivität wie zum Beispiel Radfahren, Inlineskaten oder Skateboarden mit einem in seiner Fahrkompetenz eingeschränkten Schüler zusammen eine Zweiergruppe bildet.
Bei gleichen Bewegungsaufgaben werden die Normalbegabten mit schwierigeren Bedingungen – wie zum Beispiel erhöhten Gleichgewichtsleistungen – konfrontiert. Die Schüler mit Behinderung erhalten hingegen die Gelegenheit, neue motorische Erfahrungen zu sammeln, die sonst nicht möglich sind. Innerhalb dieser Tandems werden die Bewegungsunterschiede spielerisch kompensiert.
Differenzierung der Rollen
Die didaktische Strategie, die eine Inklusion hohen Grades erreicht, sieht von Anfang an eine Rollendifferenzierung und Regelvarianz vor. Die gewählte Bewegungsaktivität wird den Eigenschaften der Lernenden angepasst. Wenn möglich erfolgt die Definition der Regeln gemeinsam. Daraus entsteht eine neue Übung oder ein neues Spiel, das sich vom herkömmlichen unterscheidet und auf die angestrebte Inklusion massgeschneidert ist.
So kann beispielsweise bei Akrobatikformen jedem Schüler und jeder Schülerin die passende Rolle in Bezug auf Bewegungskompetenz, Gewicht und Grösse zugeteilt werden. Auch tänzerische Formen eignen sich gut, da die Unterschiede vorteilhaft genutzt werden können: Auf dem Ball der Kutschen bezieht der Schüler im Rollstuhl den Normalbegabten in eine äusserst attraktive Bewegungsfolge ein. Die Idee von «Baskin» lehnt an dieses Prinzip der Regelvarianz zum Ziel der Inklusion an.
Bibliografie: Weichert, W. (2003). Heterogenität attraktiv machen. In: sportpädagogik 4/2003