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Der Überlieferung nach soll der irische Mönch Gallus im Jahre 612 als Erster in das unbewohnte Gebiet gezogen sein, wo heute die Stadt St.Gallen liegt. Doch wie wurde St.Gallen Textilstadt, Buchstadt und Reformationsstadt? Und was isst man in St.Gallen ausser Bratwurst? Eine spannende Geschichte.
Die Herstellung von Leinentüchern war im Bodenseegebiet schon früh verbreitet. Noch zu Beginn des 15. Jahrhunderts war das Wort "Costances" der Inbegriff für Qualitätstuch. Fünfzig Jahre später stieg St.Gallen anstelle von Konstanz zur führenden Textilstadt im Bodenseegebiet auf. Die mit dem St.Galler Gütesiegel versehenen Leinentücher bildeten für die Zeit um 1600 den wichtigsten Ausfuhrartikel der Eidgenossenschaft.
Im Verlaufe des 18. Jahrhunderts verlor das Leinwandgewerbe allmählich an Bedeutung, und an seine Stelle trat die ab 1721 betriebene Produktion von Baumwollgeweben. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts spannen und woben in der ganzen Ostschweiz und im benachbarten Ausland Zehntausende für die St.Galler Baumwollunternehmer.
Die industrielle Revolution zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die damit verbundene Mechanisierung der Stickerei bildete die technische Voraussetzung für die "Stickereiblüte", die Hochkonjunktur der Stickereiindustrie. St.Galler Stickereien eroberten den Weltmarkt und wurden zu den wichtigsten Exportartikeln der Schweiz.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde das Ende der Stickereiindustrie eingeläutet. Wegen der wirtschaftlichen Lage in den ehemaligen Abnehmerländern, mehr allerdings noch wegen eines tief greifenden Modewandels, geriet die St.Galler Hauptindustrie in den 1920er- und 1930er-Jahren in eine langdauernde und mit hoher Arbeitslosigkeit verbundene Krise. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich die Stadt wirtschaftlich erholen. Danach überwog erstmals seit dem Mittelalter nicht mehr das Textilgewerbe, sondern in zunehmendem Masse der Dienstleistungssektor.
St.Gallen gehörte zu den ersten Schweizer Städten, die sich für die Glaubenserneuerung entschieden, und prägte die Reformation der Ostschweiz nachhaltig. Wichtig für die Einführung und Verankerung des reformierten Glaubens waren der Gelehrte und Bürgermeister Joachim von Watt (genannt Vadian, 1484–1551) und befreundete Gelehrte aus der Stadt.
Die Reformation vollzog sich in St.Gallen in den Jahren 1524-27, als die Stadtführung den reformierten Gottesdienst einführte. Dieser Schritt hatte auch eine wichtige politische Bedeutung. Die Stadt gehörte über Jahrhunderte zum Untertanengebiet des Klosters St.Gallen und hatte sich in einem langen Prozess von dessen Herrschaft weitgehend emanzipiert. Nach der Reformation konnte sich die Stadt 1566 vollständig vom Kloster lösen.
2015 wurde St. Gallen der Ehrentitel «Reformationsstadt Europas» durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) verliehen.Die Reformation vollzog sich in St.Gallen in den Jahren 1524-27, als die Stadtführung den reformierten Gottesdienst einführte. Dieser Schritt hatte auch eine wichtige politische Bedeutung. Die Stadt gehörte über Jahrhunderte zum Untertanengebiet des Klosters St.Gallen und hatte sich in einem langen Prozess von dessen Herrschaft weitgehend emanzipiert. Nach der Reformation konnte sich die Stadt 1566 vollständig vom Kloster lösen.
2015 wurde St. Gallen der Ehrentitel «Reformationsstadt Europas» durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) verliehen.
Die Stadt St.Gallen hat im Laufe der Geschichte viele berühmte Persönlichkeiten beheimatet, welche in den verschiedensten Bereichen die städtische, nationale und internationale Geschichte massgeblich prägten oder dies bis heute tun. Eine umfassende Liste geschichtsträchtiger St.Gallerinnen und St.Galler ist mittels untenstehendem Link zu finden.
Neben den bekanntesten Spezialitäten Bratwurst, Bier und Biber, haben viele weitere Köstlichkeiten ihren Ursprung in der Gallusstadt, wie beispielsweise die St.Galler Klostertorte, die St.Galler Klosterpastete, die St.Galler Sammetsuppe oder die Schokoladenerzeugnisse von Maestrani.
St.Galler Bratwurst
Zarte und doch knusprige Haut, bestes Kalbfleisch und eine verführerische Mischung aus speziellen Gewürzen. Schon 1438 beschrieb die Metzgerzunft, wie sie herzustellen sei, und heutzutage gibt es sie immer noch, in drei verschiedenen Grössen. Die kleine St.Galler Bratwurst wiegt 120 Gramm und wird am Kinderfest an die jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmer abgegeben. Die OLMA-Bratwurst ist mit 160 Gramm die richtige Portion für den normalen Hunger. Die Kinderfest Bratwurst ist die grösste aller St.Galler Bratwürste und bringt stolze 230 Gramm auf die Waage. Echte St.Galler geniessen ihre Bratwurst mit einem Bürli, aber bitte ohne Senf. Natürlich ist die St.Galler Bratwurst auch in den St.Galler Restaurants zu finden, wo sie oft zu gebratener Rösti und mit Zwiebeln serviert wird.
Die St. Galler Kalbsbratwurst, die St. Galler Bratwurst sowie die St. Galler Olma-Bratwurst sind als geschützte geographische Angaben (GGA) seit 2008 eingetragen – und führen das IGP im Namen (Indication géographique protégée). Das Label steht für ein typisches und traditionelles Qualitätsprodukt, das eine starke Verbindung zu seiner Ursprungsregion besitzt.
St.Galler Biber
Honig, Mehl, Zucker und spezielle Gewürze bilden die Hauptbestandteile des berühmten St.Galler Biberteiges. Anis, Koriander, Nelken, Kardamom, Fenchel, Pfeffer und andere Gewürze gehören dazu. Die perfekte Mischung ist ein Geheimnis, welches von den einheimischen Confiseuren von Generation zu Generation überliefert wird. Schon 1462 werden die Biber in St.Galler Ratsprotokollen erwähnt. Dank des ausgedehnten Leinwandhandels in alle Welt konnten die St.Galler Kaufleute bereits damals die exotischen Zutaten importieren.
St.Galler Bier
Die Stadt St.Gallen besitzt eine alte Brautradition. Schon auf dem Klosterplan von 820 sind drei Brauhäuser abgebildet. Die Brauerei Schützengarten wurde 1779 von Johann Ulrich Tobler gegründet und ist heute die älteste Brauerei der Schweiz. Immer noch auf dem ursprünglichen Grundstück ist Schützengarten ein erfolgreiches, eigenständiges Unternehmen, dessen Biere schon mehrfach ausgezeichnet wurden. Eine weitere Anlaufsstelle für Liebhaber des goldenen Gerstensaftes ist das National, Goldener Leuen oder ganz einfach «Naz» genannt, welches von Walter Tobler geführt wird. Seine Brauerei, die huus-brui befindet sich im nahen Roggwil im Thurgau.
Die Schriftenreihe der Stadt St.Gallen ist ein Fundus historischer und aktueller Themen. Meist sind die Publikation zu einem Jubiläum oder aus sonstigem ausserordentlichen Anlass bzw. zu Themen von allgemeinem Interesse erschienen.