Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03450.jsonl.gz/2188

Die Vereinigung Schweiz-Cuba konnte am 12. August ihr 50 Jahre Jubiläum feiern.
Martin Schwander, der interne Historiker und Buchautor der Jubiläumsschrift fasste die Vorgeschichte so zusammen:
Im Oktober 2020 erhielt ich ein Mail von einem der Koordinatoren der Vereinigung Schweiz-Cuba (VSC). Das ICAP, das kubanische Institut für Völkerfreundschaft und damit Partnerorganisation der VSC, habe angefragt, wann die Vereinigung eigentlich gegründet worden sei. Nach ihren Unterlagen stünde 2021 das 50-jährige Jubiläum an, und das wolle man in irgendeiner Form feiern.
Da ich einige Jahre zuvor aus meiner Erinnerung den Mai 1973 als Gründungsmonat genannt hatte, waren wir durch die Anfrage aus Kuba etwas verunsichert und ich begann mit ersten zaghaften Recherchen. Zentral gesammelte Akten waren zunächst nicht auffindbar und verschiedene Quellen lieferten unterschiedliche Daten. Bereits 1967 entstanden in der Schweiz die ersten Organisationen, die sich für die Solidarität mit Kuba einsetzten: In Lausanne, dann im Tessin, in Genf, in Bern und schliesslich in La Chaux-de-Fonds. Diese Organisationen agierten jedoch nur lokal und hatten anfangs kaum Kontakte untereinander. 1972 schliesslich beschlossen die Association des Amis de Cuba in Genf, die Association culturelle Suisse-Cuba in La Chaux-de-Fonds und die Vereinigung Schweiz-Cuba in Bern, eine schweizerische Dachorganisation zu gründen. Nach Gesprächen mit dem ICAP, die Ende 1972 in Havanna stattfanden, wurde sie unter dem Namen Vereinigung Schweiz-Cuba am 5. Mai 1973 formell gegründet und ein Jahr darauf ein erstes Nationalkomitee konstituiert.
Es liegt zwar keine Gründungsurkunde vor und auch kein Protokoll, selbst die sonst bestens informierte politische Polizei unseres Landes hatte das Ereignis verpasst. Das Gründungsdatum wird jedoch festgehalten im ersten offiziellen Freundschaftsvertrag zwischen dem ICAP und der Vereinigung Schweiz-Cuba, der am 2. Juni 1980 in Havanna unterzeichnet worden war. Der 5. Mai wurde darin neben dem 1. August, dem Nationalfeiertag der Schweiz, als Datum festgelegt, das vom ICAP alljährlich begangen werden sollte.
Voilà. Damit war es amtlich und dank der Anfrage aus Kuba wurde der Vereinigung bewusst, dass es 2023 etwas zu feiern gibt. Bald einmal folgte die Idee, aus diesem Anlass die Geschichte der schweizerischen Cuba-Solidarität schriftlich festzuhalten und zu würdigen und ich erklärte mich einverstanden, Konzept und Gestaltung dieser Festschrift zu übernehmen.
Das war leichter zugesagt als getan. Ich hatte zwar alle Freiheiten, wofür ich mich bei der Nationalen Koordination explizit bedanke. Unterlagen gab es aber, wie gesagt, zunächst kaum und deshalb habe ich beim nationalen Teil von Anfang darauf gesetzt, mich mit jenen zu unterhalten, die die Dachorganisation in den 50 Jahren geprägt hatten, soweit sie noch erreichbar waren. Das Ergebnis dieser Gespräche und Kontakte, ergänzt durch Recherchen in verschiedenen Bibliotheken und Archiven, bildet das erste Drittel der Festschrift. An dieser Stelle möchte ich gerne drei Persönlichkeiten ehrend gedenken, die uns alle erst kürzlich verlassen haben: Roland Hammer, Gründungspräsident der Vereinigung; Frieda Lüscher, Präsidentin der Vereinigung von 1982 – 1989 und Mitglied der Nationalen Koordination von 1989 – 1998; und Raymond Müller, Mitglied der Nationalen Koordination von 1989 – 2000. Raymond und Roland starben im Frühling 2022, Frieda Lüscher Mitte Juni dieses Jahres, nur wenige Wochen nach unserem letzten Gespräch.
Ein weiteres Drittel der Publikation dokumentiert Erfahrungsberichte aus verschiedenen Arbeitsbrigaden. Diese Brigaden bestehen seit Ende der 60er Jahre und führen bis heute jährlich Hunderte von Freundinnen und Freunden der kubanischen Revolution zu Arbeitseinsätzen nach Kuba. Vor allem in den ersten zwanzig, dreissig Jahren spielten sie auch im Leben der Vereinigung Schweiz-Cuba eine wichtige Rolle und sorgten für manchen fruchtbaren Input. In dieses Drittel der Schrift gehören zudem Kapitel über das Bulletin Cuba Sí und zu den Aktionen für die Befreiung der fünf kubanischen Antiterroristen und gegen die Blockade.
Die nationale Vereinigung ist das eine. Aber der wahre Reichtum der Vereinigung Schweiz-Cuba lag und liegt in der Aktivität und der Ideenvielfalt ihrer lokalen Sektionen. Ich habe sie deshalb gebeten, über ihre eigene Geschichte und Gegenwart zu berichten. Es war für die meisten schwierig, ihre Ursprünge aufzuzeigen, da auch auf lokaler Ebene kaum noch alte Akten vorhanden sind. Umso bunter sind die Berichte über ihre jüngste Vergangenheit und ihr heutiges Vereinsleben. Diese Texte, die wir unverändert wiedergeben, nehmen das letzte Drittel der Festschrift ein.
Die Vereinigung Schweiz-Cuba feierte also am 12. August in Solothurn ihr 50-jähriges Bestehen mit Vorträgen, Podium und einem Konzert der Band Rakachan. Und omnipräsent Fidel, dessen Geburtstag es tags darauf zu würdigen galt.
In einer Videobotschaft überbrachte Fernando González Llort, Präsident des Kubanischen Instituts für Völkerfreundschaft (ICAP) und Held der Republik Kuba, eine Grußbotschaft und dankte für die wichtige Arbeit der Solidarität mit der sozialistischen Insel. Die kubanische Botschafterin Mayra Ruiz überreichte danach die Freundschaftmedaille des ICAP an die Vereinigung Schweiz-Cuba und an die Solidaritätsorganisation Medicuba, vertreten durch Dr. Franco Cavalli, in Anwesenheit verschiedener diplomatischer Vertretungen. Die Präsidentin des Netzwerk Kuba in Deutschland, Angelika Becker, die Freundschaftsgesellschaftt BRD-Cuba, Petra Wegener, und Michael Wögerer von der Österreichisch-Kubanischen Freundschaftgesellschaft.
Ein weiterer Höhepunkt war das Revival mit dem Film „Die Macht der Schwachen“ und dem Podium mit Hauptdarsteller, Journalist und Blogger „Jorgito“ Jorge Jerez und seiner Partnerin und Berufskollegin Diana Dias aus Camagüey/Kuba – siehe http://jorgitoxcuba.net und dem Filmemacher Tobias Kriele.
Große Aufmerksamkeit fanden auch das mehrsprachig gehaltene Referat von Dr. Franco Cavalli und die beiden Buchpräsentationen „Frauen erneuern Havanna“ (Chris Heidrich) und das Jubiläumsbuch 50 Jahre VSC (Martin Schwander).
Vor gelichteten Reihen erzeugte das kubanische Quartett Rakachan gleichwohl beste Stimmung.
Das OK dankt allen Mithelfenden und dem zum Teil von weit weg angereisten Publikum für das gute Gelingen des Anlasses
Impressionen
(Fotos F. Page)
(Fotos S. Wanitsch)