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Versagen alle medikamentösen oder minimal-invasiven Behandlungsversuche einer Harninkontinenz so kann die Implantation eines künstlichen Harnröhrenschliessmuskels erwogen werden. Das am häufigsten verwendete Schliessmuskelsystem ist die AMS 800-Prothese. Die Prothese besteht aus drei Komponenten: einer Harnröhrenmanschette, einer Bedienpumpe und einem Ballon. Die Komponenten sind untereinander mit Silikonschläuchen verbunden und bilden eine in sich geschlossene und vollständig in den Körper implantierte Einheit.
Die Manschette dient dem Verschluss der Harnröhre und sorgt dafür, einen ungewollten Harnverlust zu vermeiden. Sie sieht einer Armmanschette zum Messen des Blutdrucks ähnlich, nur das sie viel kleiner ist und statt um den Oberarm um die Harnröhre gelegt und mit einem Knopf ähnlich dem einer Hose verschlossen wird. Die Manschette wird nun mit Flüssigkeit gefüllt und verschliesst den Harnröhrenhohlraum durch Druck von aussen. Dieser Verschluss ist idealerweise wasserdicht und schützt vor einem ungewollten Harnverlust. Nun muss die Blase von Zeit zu Zeit entleert werden, es ist also ein Öffnungsmechanismus gefragt. Hier kommen die anderen beiden Komponenten des Systems ins Spiel. Mit Hilfe eine Bedienpumpe kann die Flüssigkeit aus der Manschette gepumpt werden, der Druck auf die Harnröhre lässt nach und gibt den Weg frei für die gewollte Entleerung der Blase. Während der Entleerung der Blase fängt der Ballon die aus der Manschette abgeleitete Flüssigkeit auf und speichert sie für einen kurzen Moment. Der Ballon befindet sich direkt neben der Blase oder kann in den Bauchraum platziert werden, er wird zudem mit einem gewissen Überdruck gefüllt.
Dieser Druck bewirkt, dass die Flüssigkeit nach dem Wasserlassen innerhalb von wenigen Minuten automatisch vom Ballon zurück in die Manschette fliesst, und diese die Harnröhre wieder verschliesst. Die manuelle Öffnung der Prothese wird einige Mal am Tage, jedes Mal vor dem Wasserlassen von der Trägerin oder dem Träger der Prothese selbst durch Betätigung der Bedienpumpe vorgenommen. Die Bedienpumpe wird beim Mann unter die Haut des Hodensackes und bei der Frau unter die Haut der grossen Schamlippe platziert und kann durch die Haut hindurch getastet und betätigt werden. Bei rechtshändigen Männern und Frauen wird die Pumpe auf die rechte Körperseite implantiert, bei Linkshändern entsprechend links. Die Handhabung der Bedienpumpe erfordert etwas manuelle Geschicklichkeit, wird aber nach einer kurzen Trainingsphase sicher beherrscht und im Alltag ohne Probleme mehrfach am Tage vorgenommen. Für die Implantation des Schliessmuskelsystem ist ein stationärer Krankenhausaufenthalt von zirka einer Woche und eine etwa zwei- bis dreistündige Operation nötig.
Danach wird das System für einen Zeitraum von sechs Wochen blockiert, um ein vollständiges Verheilen der Operationswunden zu gewährleisten. Dann kann der künstliche Harnröhrenschliessmuskel aktiviert werden und versieht dann über viele Jahre zuverlässig seinen Dienst. Zumeist wird das System bei Männern nach einer radikalen Prostataentfernung oder einer Operation der gutartigen Prostatavergrösserung mit anschliessender Harninkontinenz implantiert. Das System gilt insbesondere in diesen Fällen als goldener Standard, da im Gegensatz zu anderen Verfahren eine vollständige Kontinenz über viele Jahre erreicht werden kann. In geübten Händen sind Komplikationen sehr selten. In einigen Fällen kann auch mit verschlossenem System ein unwillkürlicher Harnverlust weiter bestehen, hier kann mit der Implantation einer zweiten Manschette ein wasserdichter Verschluss der Harnröhre erreicht werden.