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Es gibt verschiedene Formen der Migräne
Migräne-Arten
Migräne ist nicht gleich Migräne. Heute werden 48 Hauptformen der Erkrankung unterschieden. Zu den wichtigsten Untergruppen zählen die Migräne ohne Aura, die Migräne mit Aura und chronische Migräne.
Migräne ohne Aura
Für Migräne-Kopfschmerzen ohne Aura sind wiederkehrende Anfälle von mässiger bis starker Intensität charakteristisch, die zwischen vier und 72 Stunden anhalten. Dabei treten die Schmerzen in der Regel nur auf einer Seite des Kopfes auf (sie können jedoch wandern) und werden von Betroffenen meist als pulsierend beschrieben. Oft wird die Migräne von zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmüberempfindlichkeit begleitet.
Erfahren Sie hier mehr zu den typischen Symptomen bei Migräne.
Migräne mit Aura
Als Aura werden anfallsartige neurologische Störungen bezeichnet, die kurz vor einer Kopfschmerzattacke einsetzen. Am häufigsten zeigen sich diese in Form von Sehstörungen wie z. B. Flimmern vor den Augen, Blitzen, Zickzack-Mustern oder blinden Flecken. Es können jedoch auch Taubheitsgefühle und Kribbeln in den Armen oder Beinen auftreten. Seltener kommt es zu Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen sowie Schwindel.
Mögliche Symptome einer Migräne-Aura im Überblick:
- Sehstörungen
- Taubheitsgefühle in den Armen oder Beinen
- Lähmungserscheinungen
- Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
Die Aura-Symptome entwickeln sich allmählich über einen Zeitraum von fünf Minuten und halten weniger als 60 Minuten an. Auf die Aura-Phase folgt in den meisten Fällen dann der Kopfschmerz, welcher sich genauso äussert, wie bei Migräne ohne Aura:
- Einseitig pulsierende Schmerzen,
- die durch Aktivität verstärkt und häufig von
- Übelkeit sowie einer Licht- und Lärm-Überempfindlichkeit begleitet werden.
Chronische Migräne
Migräne gilt grundsätzlich als chronische Erkrankung, die ein Leben lang besteht. Bei vielen Patienten treten die Migräne-Attacken episodisch und in unregelmässigen Abständen auf. In seltenen Fällen kann jedoch auch eine „chronische Migräne“ bestehen – diese Bezeichnung bezieht sich auf die Häufigkeit der Attacken.
Mit dem Begriff „chronische Migräne“ werden Kopfschmerzen bezeichnet, die über mehr als 3 Monate hinweg an mindestens 15 Tagen pro Monat auftreten und an 8 Tagen pro Monat die Merkmale eines Migränekopfschmerzes (z. B. einseitige Kopfschmerzen mit pulsierendem Charakter, die sich beim Gehen oder Treppensteigen verstärken) aufweisen.
Eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln ist der häufigste Grund für eine Migräne, die an mehr als 15 Tagen pro Monat auftritt. Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang von medikamenteninduziertem Kopfschmerz.
Tipps gegen Migräne
Ruhe & Schlaf
Bei einem akuten Migräne-Anfall heisst die Devise: Rückzug und Ruhe. Lärm und Licht werden meist als sehr belastend empfunden und oft sind die Betroffenen auch einfach müde. Daher wird empfohlen, sich in einen abgedunkelten, ruhigen Raum zurückzuziehen und am besten zu schlafen. Mitunter hilft es auch, die Stirn zu kühlen (z. B. mit einem feuchten Tuch). Aber Vorsicht: Bei manchen Migräne-Patienten wirkt Kälte auch als Triggerfaktor.
Schmerzmittel gegen akute Migräne-Kopfschmerzen
In der Regel ist es mit Ruhe und Schlaf nicht getan. Oft benötigen Migräne-Geplagte Medikamente, um die Kopfschmerzen in den Griff zu bekommen. Bei leichteren und mittelstarken Migräne-Attacken werden rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke empfohlen – diese helfen sogar auch bei einem Teil der Betroffenen mit schweren Migräne-Attacken.
Geeignet sind bewährte Anti-Schmerz-Wirkstoffe wie z. B. Acetylsalicylsäure und nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen. Ausserdem können auch Kombinationspräparate infrage kommen, die neben einem Schmerzmittel zusätzlich auch Koffein enthalten.
Für Acetylsalicylsäure und Ibuprofen ist die Wirkung bei akuten Migräne-Attacken am besten belegt.*
* Diener H.-C., Förderreuther S, Kropp P. et al., Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2022, DGN und DMKG, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: https://dgn.org/leitlinie/therapie-der-migraneattacke-und-prophylaxe-der-migrane-2022 (abgerufen am 13.07.2023)
Biofeedback & Nervenstimulation
Einige ausgewählte nicht-medikamentöse Methoden können ebenfalls bei Migräne sinnvoll sein.
Die Biofeedbacktherapie ist eine Methode aus der Verhaltenstherapie, bei der man lernt, körperliche Prozesse, die normalerweise unbemerkt ablaufen, bewusst zu steuern. Migräne-Patienten können zum Beispiel im Rahmen eines sogenannten Vasokonstriktionstrainings lernen, die Durchblutung der Kopfarterien bewusst zu steuern und so Migräne-Attacken zu mildern bzw. vorzubeugen.
Auch die Stimulation des Trigeminusnervs mithilfe einer speziellen Elektrode, die auf die Stirn geklebt wird, kann offenbar zur Behandlung von akuten Migräne-Attacken und zur Vorbeugung neuer Beschwerden sinnvoll sein.
Diener H.-C., Förderreuther S, Kropp P. et al., Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2022, DGN und DMKG, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: https://dgn.org/leitlinie/therapie-der-migraneattacke-und-prophylaxe-der-migrane-2022 (abgerufen am 13.07.2023)
Migräne-Tagebuch
Wer oft unter Migräne leidet, sollte Tagebuch führen: In welchen Situationen treten die Symptome auf? Wie lange dauern sie an und was hilft gegen die Schmerzen? Genaue Informationen über den Ablauf der Migräne sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Behandlung. Das erfordert sicherlich ein wenig Geduld und Mühe, aber der Aufwand lohnt sich. Die moderne Version des Tagebuchs sind spezielle Apps, mit denen Migräne-Patienten den Verlauf einer Attacke genau dokumentieren können.
Vorbeugung neuer Beschwerden
Bei Migräne spielt immer auch die Vorbeugung neuer Kopfschmerz-Attacken eine zentrale Rolle. Ein fester Tagesablauf, regelmässige Bewegung und die Meidung individueller Triggerfaktoren können helfen, neue Migräne-Anfälle zu vermeiden. Erfahren Sie hier, was Sie selbst in puncto Vorbeugung tun können. Mehr erfahren
Migräne bei Kindern
Die Migräne bei Kindern stellt zwar für sich keine eigene Kopfschmerz-Art dar, die Symptome äussern sich jedoch anders als bei Erwachsenen. Denn neben den klassischen Kopfschmerzen und Begleitsymptomen, zeigen Kinder bei Migräne eine vermehrte Teilnahmslosigkeit und verspüren – anders als Erwachsene – Schmerzen meist im gesamten Kopfbereich. In der Aura-Phase kommt es auch bei Kindern zu Sehstörungen wie Flimmern oder dem Sehen von Lichtblitzen, bunten Farben oder Formen. Vereinzelt haben Kinder sogar optische Halluzinationen, weshalb dieses Phänomen auch als „Alice-im-Wunderland-Syndrom“ bekannt ist. Insgesamt ist die klassische Aura-Phase bei Kindern jedoch eher selten. Typischerweise leiden Kinder im Vorfeld einer Migräne-Attacke meist unter Bauchschmerzen und zyklischem Erbrechen sowie Schwindelanfällen.
Ungefähr drei bis vier Prozent der Kinder leiden unter Migräne.
Besonders häufig ist Migräne bei Kindern, bei denen Mutter bzw. Vater ebenfalls Migräne-Patienten sind. Die Erkrankung hat also eine familiäre Komponente. Die gute Nachricht: Bei der Hälfte der Kinder verschwindet die Migräne in der Pubertät. Nach dieser Zeit der hormonellen Umstellung sind Mädchen häufiger von Migräne betroffen als Jungen, vor der Pubertät ist die Prävalenz bei beiden Geschlechtern ungefähr gleich.