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Er ist der erfolgreiche Typ wie er im Buche steht: Jürg Marquard. Mit ein paar Tausend Franken gestartet, gehört er heute zu den 300 reichsten Schweizern. Er zeige gern, was er hat. Das komme manchmal vielleicht etwas arrogant rüber, gesteht er im Interview ein.
Jürg Marquard
Unternehmer
Der Verleger Jürg Marquard, geboren 1945, ist Gründer und Inhaber der Marquard Media Gruppe. Er gehört zu den 300 reichsten Personen der Schweiz.
1965 gründete er die Jugendzeitschrift «Pop». Nebenbei arbeitete er als Moderator für Radio und TV. Seine Zeitschrift «Pop/Rocky» etablierte sich als zweitgrösste Jugendzeitschrift auf dem deutschsprachigen Markt – nur die «Bravo» war erfolgreicher. Einen weiteren Erfolg auf dem deutschsprachigen Zeitschriftenmarkt gelang Marquard 1981 mit der Herausgabe der deutschsprachigen «Cosmopolitan». Als Co-Produzent und Jurymitglied der erfolgreichen SRF-Fernsehshow «Traumjob» ist Marquard seit 2005 der breiten Öffentlichkeit bekannt.
Jürg Marquard ist in dritter Ehe mit Raquel Marquard verheiratet. Er hat fünf Kinder, das Model Bianca Gubser ist seine Stieftochter.
SRF: Ihre steile Karriere begann bereits in jungen Jahren. Sind Sie ein geborener Erfolgsmensch?
Jürg Marquard: Ich wollte immer etwas Besonderes sein. Ich erinnere mich, dass ich schon als Fünfjähriger beleidigt unterm Tisch sass, wenn die Fussballreportage im Radio mehr Aufmerksamkeit bekam als ich. Da schwor ich mir: Eines Tages bin ich die Stimme im Radio und alle werden mir zuhören.
Geld spielt in Ihrem Leben eine wichtige Rolle. Hat man Ihnen das Geld schon in die Wiege gelegt?
Nein. Mein Vater war Zahnarzt. Von dem Geld, das er verdiente, konnten wir nicht im Überfluss leben. Als mein Vater starb, habe ich meiner Mutter alles ermöglicht, was sie vorher nicht hatte oder durfte.
Ich habe meine Mutter auf Weltreise geschickt, ihr Schmuck gekauft, einen Pelzmantel.
Ich habe ihr ein Auto gekauft, habe sie gezwungen, einen Führerschein zu machen, weil der Vater immer gesagt hatte, das würde sie nie lernen. Ich habe sie auf Weltreise geschickt, ihr Schmuck gekauft, einen Pelzmantel. Das hat mir grosse Freude gemacht. Es war eine Genugtuung, dass ich für sie sorgen durfte.
Warum eine Genugtuung?
Mein Vater sagte, wenn er einmal sterbe, würde sich sowieso niemand von uns Kindern um unsere Mutter kümmern. Ich hatte aber ein sehr enges Verhältnis zu ihr, mein Vater war eher distanziert. Seine Gefühle konnte er eigentlich nur nach zwei, drei Kirsch zeigen.
Haben sie Ihren Vater dafür verurteilt?
Nein. Ich wollte meinem Vater imponieren. Gleichzeitig wollte ich aber ausbrechen aus dem Milieu, aus der Enge. Ich habe mich früh danach gesehnt auf eigenen Beinen zu stehen.
Wie kam das bei Ihren Eltern an?
Als ich sagte, dass ich nicht studieren wolle, sagte mein Vater: «Bist du eigentlich ganz blöd? In fünf Jahren haben alle deine Freunde mit einem Studienabschluss und was hast du?» Ich antwortete, dass ich dann meine erste Million auf dem Konto haben werde.
Meine erste Million hatte ich, da war ich wahrscheinlich schon 27, 28 Jahre alt.
Das war dann auch so?
Nein, ich habe schon ein bisschen länger gebraucht. Damals war ich erst knapp 20. Meine erste Million hatte ich, da war ich wahrscheinlich schon 27, 28 Jahre alt. Da lebte mein Vater schon nicht mehr.
Ich musste lange kämpfen, bis ich erfolgreich war. Als ich es dann irgendwann geschafft habe, da war ich schon stolz und vielleicht auch ein bisschen arrogant.
In welchen Momenten zum Beispiel?
In einem Jahr, in dem ich sehr viel Geld verdient habe, einen mehrstelligen Millionenbetrag, habe ich das in einer Pressekonferenz verkündet. Danach hat mich der Michi Ringier angerufen und gefragt: Was treibt dich dazu, damit in die Öffentlichkeit zu treten? Tja, ich war einfach wahnsinnig stolz. Ringier, Springer, die haben sehr viel weniger verdient.
Was war Ihr Erfolgsgeheimnis? Was ist bis heute Ihr Erfolgsgeheimnis?
Ich habe einen Riecher für den Zeitgeist. Anfangs hatte ich den mit der Jugendzeitschrift, später mit der «Cosmopolitan».
Ich habe zum Beispiel vorausgesehen, dass Frauen das Bedürfnis nach einem neuen Rollenbild haben: Weg von den «Drei K», Kirche, Kinder, Küche, wie es damals von den traditionellen Frauenzeitschriften propagiert wurde.
Ich habe das Bild einer selbstbewussten, unabhängigen Frau mitgeprägt, die in einer Partnerschaft lebt und gleichzeitig beruflich erfolgreich ist.
Aktuell investieren Sie in ein Mittel gegen das Bienensterben. Ein lukratives Geschäft?
Ich bin völlig zufrieden mit dem, was ich besitze. Ich möchte nicht unbedingt mehr haben.
Was ich möchte, ist beruflichen Erfolg. Bienen sind für die Menschheit enorm wichtig. Darum bemühen wir uns, sie zu retten. Ausserdem glaube ich an das Geschäftsmodell.
«Geboren am …»
Die vierteilige DOK-Serie «Geboren am …» erzählt Geschichten von Menschen, die am selben Tag auf die Welt gekommen sind. Jede Folge steht für ein Datum und drei Lebenswege, die unterschiedlicher nicht sein könnten.