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Heute vor vier Jahren wurde im Palais des Nations in Genf, dem Sitz der Vereinten Nationen, die 12. Internationale Konferenz der Herausgeber diplomatischer Dokumenten eröffnet. Es war das Forschungszentrum der Diplomatischen Dokumente der Schweiz, das seine Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt zur grossen Zusammenkunft eingeladen hatte.
Die Praxis, Dokumente zur Aussenpolitik zu publizieren, geht – im Fall von Grossbritannien – auf die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Die britische Regierung versuchte auf diese Weise, wie während der napoleonischen Kriege, ihre Politik zu legitimieren. Mit dem wachsenden Parlamentarisierungsprozess in Europa übernahmen auch andere Länder die britische Praxis. Jeder Staat wählte für seine Dokumentensammlungen eine eigene Farbe: Zum britischen Blau gesellte sich das Grün von Italien; Frankreich wählte die gelbe Farbe, Deutschland die weisse, Russland Orange und Österreich-Ungarn Rot usw. Aus diesem Grund spricht man im Allgemeinen von den «Farbbüchern». Auf der Suche nach einem gemeinsamen Nenner all dieser unterschiedlichen Veröffentlichungen von Dokumenten könnten wir die «Farbbücher» als ad hoc-Publikationen bezeichnen, die eine Auswahl von Dokumenten zu einem spezifischen Thema, üblicherweise der Aussenpolitik, versammeln. Die Regierungen präsentierten diese Publikationen meistens während einer internationalen Krise mit der Absicht, die Öffentlichkeit (in erster Linie die parlamentarische) zu informieren und den eigenen Standpunkt zu bekräftigen. Die Farbbücher wurden nicht von Historikern editiert, sondern von anonym bleibenden Diplomaten, von Personen also, welchen die berufliche Deontologie nicht die Richtlinien der historischen Forschung auferlegte, sondern andere, die der politischen Logik ihrer Ministerien folgten. Es versteht sich von selbst, dass dies die Manipulation der veröffentlichten Dokumente mit sich brachte.
Nach dem Ersten Weltkrieg waren diese amtlichen Publikationen derart als reine Propaganda in Verruf geraten, dass sich die Staaten gezwungen sahen, externe Experten zu suchen, um die Veröffentlichung der Dokumente wieder rechtfertigen zu können. In den 1920er Jahren entstanden von professionellen Historikern geleitete Projekte, welche die ersten wissenschaftlichen Ausgaben der diplomatischen Dokumente in der heutigen Form bildeten.
[Datum der Erstausstrahlung: Radiotelevisione Svizzera RSI, Rete Due, 1. Oktober 2013, 07:05 Uhr]