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Für den dritten Band der Krimireihe um Pascal Felber habe ich Locations im Zürcher Villenquartier gesucht. Ein zentraler Schauplatz des Romans ist von der Villa Patumbah und der Villa Bleuler inspiriert.
Aus dem Manuskript:
«Das automatische Tor zur Villa Brunegg stand offen. Dahinter erstreckte sich ein großzügiger Kiesplatz, eingerahmt von alten Bäumen, rechts ein Parkplatz, niedere Verwaltungsgebäude. Die Villa selber war in Backstein gehalten, teils efeubewachsen, und hatte mit ihren Loggen, Ornamenten und Fensterumrahmungen etwas Mediterranes. Ein Turm überragte das oberste Geschoss, das wohl eine Art Dachterrasse war. Vermutlich konnte man von dort bis zum See und in die Innerschweizer Alpen sehen. Ein geschwungener steinerner Treppenaufgang führte zur Eingangstür, die ebenfalls aus der Gründerzeit zu stammen schien, aber den sehr modernen Kleber einer Sicherheitsfirma aufwies. Das Türschild neben der Glocke war unbeschriftet. Felber klingelte.
Nach einer Weile öffnete ein Mann die Tür, der etwas jünger als Felber schien und genauso gut Anwalt, Immobilienverkäufer oder Politiker hätte sein können: sportlich, braungebrannt, die Haare aufwändig gestylt.
Felber stellte sich vor. «Ich bin mit Frau Michelet verabredet.»
Der andere musterte ihn eindringlich und schüttelte ihm dann kräftig die Hand. «Brunegg, freut mich. Kommen Sie rein.» Im ersten Moment hatte Felber gemeint, die Stimme des Mitarbeiters wiederzuerkennen, der ihm am Telefon den Termin gegeben hatte, aber der junge Milliardenerbe besorgte wohl kaum im Namen seiner Stiefmutter esoterische Beratungsgespräche.
Tatsächlich schien er von diesem Betätigungsfeld auch nicht viel zu halten. «Eine Erleuchtungs-Sitzung, ja?», witzelte er, während er Felber in ein kühles Treppenhaus führte. «Dann bringe ich Sie mal in den Salon.» Felber kam sich vor wie in einem Museum, als er die geschwungene Treppe hochging. Obwohl von einer Glaskuppel in der Decke des obersten Stocks Licht eindrang und sich ein schmales Fenster mit verschiedenfarbigen Ornamenten über bis nach oben zog, blieb der Raum düster und kühl, vielleicht auch wegen der Zwischenböden aus Mosaik und den in Grün- und Brauntönen bemalten Wänden.
«Sehen Sie bloß zu, dass Sie sie nicht verhext.»
«Verhext?»
«Meine Stiefmutter ist etwas wunderlich. Aber Sie werden selber sehen.»
Auch der erste Stock wirkte kühl und düster. Die Bemalung im oberen Teil der Wände, Fresken von irgendwelchen antiken Göttinnen mit wehenden Gewändern und Blumen, erinnerten Felber ein wenig an die rekonstruierten Villen von Pompeii. Der junge Brunegg führte Felber durch eine von Ornamenten umrahmten Tür in ein geräumige Zimmer mit einer Sitzgruppe und einem Cheminée. Die Fenster gingen auf die Rückseite des Anwesens hinaus.
«Nehmen Sie ruhig Platz, sie kommt gleich.»
Felber setzte sich in einen schweren Lederfauteuil. Eine Weile noch hörte er Bruneggs Schritte auf dem Steinboden, eine Tür fiel ins Schloss, dann nichts mehr. Er legte die Beine übereinander und schaute sich um. Auch dieser Raum hatte etwas von einem Museum, wenn auch nicht ganz konsequent eingerichtet: Die ledernen Sitzmöbel, ein Sideboard mit Fernseher, ein rot-blau gemusterter Gabeth-Teppich wirkten neueren Datums, ebenso der metallener Ständer mit verschiedenen Zeitschriften, der Salontisch mit Glasplatte. Der Bauzeit entsprechend war ein Sekretär aus dunklem Holz mit vielen kleinen Fächern und Schubladen, der in einer Art Erker stand, der diagonal zum Haus stand, und ein Schrank aus dunklem Holz, hinter dessen Glastüren man eine ansehnliche Sammlung alter Jagdgewehre erkennen konnte. Original schien auch die Stuckdecke mit ovalen Ornamenten. Eine wuchtige Bücherwand nahm die ganze Innenwand zwischen der Eingangstüre und einer zweiten, verschlossenen Zimmertür ein. Der Parkett war alt, an den Wänden hingen wenige Bilder, eine Landschaft, ein Porträt eines streng dreinblickenden Mannes in dunklem Anzug, vielleicht des Bauherrn der Villa, sonst waren die Wände über einer hölzernen Sockelzone bemalt, neben der Eingangstür mit weiteren mythologischen Motiven, Frauen mit Füllhörnern, süßlich dreinblickende Schäfer, Götter oder anderen mythologischen Figuren, ähnliche Gestalten wie die Porzellan-Nippes über dem Cheminée.
Felber horchte, hörte aber nur das leise Surren eines Geräts, vielleicht ein Staubsauger oder ein Geschirrspüler. Na schön, ließ ihn die Dame des Hauses eben warten, wahrscheinlich unterstrich das den Statusunterschied. Das viele Holz erinnerte ihn an Gaststuben, wo man früher noch rauchen durfte, und plötzlich ergriff ihn eine unbändige Lust auf eine Zigarette. Mehrmals griff er reflexartig in die Außentasche seines Rucksacks, nahm das Päckchen aber nicht raus.
Nach einer guten Viertelstunde stand er auf und stellte sich ans Fenster. Neben dem Erker verlief ein gedeckter Balkon, den man offenbar vom Nebenzimmer aus betreten musste, die Balustraden ebenfalls mit verspielten Ornamenten versehen. Darunter erstreckte sich eine großzügige Gartenanlage. Durch das Blattwerk alter Bäume sah er in der Mitte ein Rosenbeet. Verschlungene Wege führten zu einem runden Brunnen, ein Gartenhäuschen oder Pavillon im antiken Stil schien den Abschluss des Gartens zu bilden. Zwischen Rasenflächen, Blumenbeeten und Wegen standen antik wirkende Statuen. Eine herrliche Anlage, deren Pflege allein ein Vermögen kosten musste. Vom Haus ganz zu schweigen.»