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Djokovic winkt die Chance, als erster Spieler seit Roger Federer 2008 seinen Titel zu verteidigen. Insgesamt steht der Serbe zum siebten Mal in einem US-Open-Final, gewonnen hat er aber nur 2011 (gegen Rafael Nadal) und vor einem Jahr (gegen Federer). Die Favoritenrolle ist gegen den Drittplatzierten der Weltrangliste aber alles andere als eindeutig. Dafür hinterliess Djokovic in den letzten Wochen zu viele Fragezeichen und ist Wawrinkas Finalbilanz zu gut.
«Stan ist ein Mann für die grossen Matches», sagte der Serbe nach seinem Sieg gegen Monfils, und die Statistik bestätigt diese Einschätzung. Seit Juni 2013 und einer Niederlage in ‘s-Hertogenbosch gegen Nicolas Mahut hat Wawrinka alle zehn Finals gewonnen, die er bestritt. Dazu gehören auch seine ersten beiden Grand-Slam-Titel am Australian Open 2014 gegen Nadal und insbesondere 2015 in Paris gegen Djokovic.
Der Lausanner hat eine logische Erklärung für seine Stärke, wenn es wirklich zählt: «Gegen Ende eines Turniers habe ich viele Spiele gewonnen und habe viel Selbstvertrauen. Deshalb spiele ich in diesen grossen Matches mein bestes Tennis.» Djokovic wurde bislang noch kaum getestet. In 8 Stunden und 58 Minuten spielte er dank Verletzungen von gleich drei Gegnern nur 13 Sätze und 118 Games. Nie zuvor hatte ein Profi mit weniger Aufwand den Final erreicht, seit an Grand-Slam-Turnieren 128 Spieler dabei sind und alle Runden auf drei Gewinnsätze gespielt werden. Einzig John McEnroe erreichte 1979 den (gewonnenen) Final mit gleich wenigen Sätzen, aber zwei Games mehr. Dennoch hinterliess Djokovic gegen den nervösen Gaël Monfils keinen unwiderstehlichen Eindruck und liess sich zweimal – einmal an der rechten, einmal an der linken Schulter – vom Physiotherapeuten behandeln. «Ich habe keine Probleme mehr», sagte der Serbe, der nach dem frühen Aus an den Olympischen Spielen das Turnier in Cincinnati ausliess, dennoch.
Wawrinka stand fast doppelt so lange auf dem Platz wie Djokovic, glaubt aber nicht, dass dies eine Rolle spielte. «Ich fühlte mich heute sehr gut», betonte er. «Und es kann für Djokovic auch ein Nachteil sein, dass er so wenig gespielt hat. Es fehlt ihm vielleicht etwas die Matchpraxis.» Hoffnungen auf einen geschwächten Gegner macht er sich dennoch keine. «Er wird stark sein. Er ist mental ein Biest.»
(SDA)