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Vor 100 Jahren, am 27. Oktober 1918, wurden in Zürich in der Kirche St. Peter die ersten beiden Frauen zum Pfarrdienst ordiniert. Am 19. Januar 1919 hielt Elise Pfister dann im Zürcher Neumünster erstmals Gottesdienst; Rosa Gutknecht predigte am 2. August 1919 als erste Frau im Grossmünster.
Die beiden Frauen kannten sich schon aus der Zeit ihrer Erstausbildung, als sie zusammen das Lehrerinnenseminar besucht hatten. Danach unterrichteten sie als Primarlehrerinnen im Kanton Zürich. Sie gaben ihre sicheren Stellungen auf und begannen Theologie zu studieren. Dazu war Mut nötig, denn als sie mit dem Studium begannen, war der Beruf noch Männern vorbehalten.
Rosa Gutknecht und Elise Pfister hatten ihre theologische Ausbildung mit Erfolg bestanden. Sie wurden jedoch nach der Ordination nicht wie ihre männlichen Kollegen angestellt, sondern mussten als Pfarrhelferinnen zu einem viel niedrigeren Lohn dieselbe Arbeit erledigen. Der Grund dafür lag nicht etwa in der Rückständigkeit der Kirche, sondern des Staates. Pfarrer waren damals vom Volk gewählte Staatsangestellte. Für Frauen ohne Stimm- und Wahlrecht war dieser Beruf deshalb nicht zugänglich.Die reformierteKirche des Kantons Zürich spielte damals trotzdem eine weltweite Vorreiterrolle!
Ich frage mich, warum das Christentum 95 Prozent seines bisherigen Bestehens vertrödelt hat, bis es bereit war diesen Schritt zu tun. Die Umwälzungen bezüglich Geschlechtergerechtigkeit während der letzten 100 Jahre sind revolutionär. Die Entwicklung bis zur vollständigen Gleichberechtigung ist noch nicht abgeschlossen. Aber man kann schon heute nicht mehr sagen, dass die Männer an allem Schuld sind.