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Der Landesstreik im Kontext der Schweizer Streikgeschichte
Der Beitrag kontextualisiert den Landesstreik in der helvetischen Streikgeschichte. Seit den 1860er Jahren war die Streiktätigkeit kontinuierlich angestiegen. 1900–1914 beschleunigte sich diese Entwicklung und erreichte während einer internationalen Streikwelle 1905–1907 ihren Höhepunkt. Die Mitgliedszahlen der Gewerkschaften stiegen rasch an, zugleich konstituierten sich auf Arbeitskonflikte fokussierte Arbeitgeberverbände. Die internationale Massenstreikdebatte griff auch auf die Schweiz über und zwischen 1902 und 1912 gab es mehrere lokale Generalstreiks. Häufige Militäreinsätze bei Streiks verschlechterten das Bild der Armee in der Arbeiterbewegung massiv, was in der unmittelbaren Vorgeschichte des Landesstreiks dann eine wesentliche Rolle spielen sollte. Nach dem Kriegsausbruch ging die Streiktätigkeit zunächst stark zurück, stieg dann aber ab 1916 wieder kontinuierlich an und erreichte im letzten Kriegsjahr wieder das Rekordniveau der Vorkriegszeit. Die Streiks waren eingebettet in eine Protestwelle, die sich auch in Demonstrationen, Marktprotesten und Lohnbewegungen manifestierte und sowohl um Versorgungsprobleme und Teuerung als auch die mangelhafte Integration der Arbeiterbewegung kreiste. Der Landesstreik verstärkte die politische Polarisierung, führte aber auch zur unmittelbaren Verwirklichung der 48-Stunden-Woche sowie zur Beschleunigung vertraglicher Regelungen von Arbeitsbeziehungen. Mittelfristig drängte der Landesstreik als Menetekel zu sozialpartnerschaftlichen Modellen, die auch in einen massiven Niedergang der Streiktätigkeit mündeten.
Erschienen in: traverse, 2018/2, S. 91.