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Interview mit TCL: «Mini LED ist nicht nur gleich gut wie OLED – Mini LED ist besser»
Der europäische TV-Markt hat einen neuen Spieler: TCL. Allzu bekannt ist das chinesische Techunternehmen mit Sitz in Shenzhen, Guangdong, hierzulande nicht – zu jung ist TCL für Industrie-Verhältnisse.
TCLs Geschichte beginnt 1981 in Hongkong, damals noch unter dem Namen TTK. Vier Jahre später wird das Unternehmen wegen der Herstellung gefälschter Billigkassetten verklagt. TTK schliesst daraufhin die Pforten, ändert sein Kerngeschäft und setzt unter einem neuen Namen den Fokus auf TVs und andere elektronische Geräte: TCL wird geboren. Mittlerweile ist TCL, gemessen an verkauften Fernsehern, der zweitgrösste TV-Hersteller der Welt und forscht kräftig an neuen Display-Technologien.
Das jedenfalls sagt Olivier Semenoux, Head of Product Management bei TCL Europe und mein Interviewpartner.
Olivier, du bist der Hauptverantwortliche für den Verkauf von TCL-Fernsehern in Europa. Wie viele Fernseher hast du daheim? Fünf? Sechs?
Olivier Semenoux: Nein, nein (lacht). So viele Fernseher habe ich nicht. Ich habe einen grossen Fernseher in der Wohnung, also 65 Zoll gross, und einen kleinen Fernseher im Schlafzimmer. Der ist 32 Zoll gross.
Beides TCL-Fernseher, natürlich.
Beides TCL-Fernseher. Wobei, ich gebe zu, ich habe noch einen dritten Fernseher im oberen Stockwerk. Der ist nicht von TCL, sondern von Philips.
Ja, du musst die Konkurrenz ja schliesslich kennen!
Und ob, nicht wahr? Tatsächlich war Philips mein Arbeitgeber, bevor ich zu TCL gekommen bin. Im Büro haben wir natürlich noch viel mehr TVs. So behalten wir die Konkurrenz besser im Auge – wortwörtlich.
«Ich gebe zu, ich habe noch einen Fernseher, der nicht von TCL ist.»
Was ist denn genau dein Job, ausser, die Konkurrenz im Auge zu behalten?
Ich bin Head of Product Management. Ich überwache also das Sortiment und definiere die TV-Spezifikationen für Europa. Zum Beispiel, ob ein bestimmtes QLED-Modell «X» mit 50-Hz- oder mit 100-Hz-Bild auf den Markt kommen soll oder ob wir ein Mini-LED-Modell «Y» mit einer integrierten Soundbar ausstatten wollen.
Klingt nach viel Verantwortung.
Oh ja. Dazu bin ich Go-to-Market-Leader. Ich verantworte also auch, wie wir dem Markt unsere TVs und besagte Spezifikationen kommunizieren und über welche Kanäle wir das tun. Online. Offline. TV-Werbung. Online-Werbung. Solche Sachen.
Kurz: Du musst wissen, was der Luca für einen TV will und ihm kommunizieren, dass ihr genau diesen TV habt. Wie macht ihr das?
Zum einen machen wir viel Marktforschung, um unsere Kundinnen und Kunden besser zu verstehen. Zum andern lernen wir von Retailern wie euch. Eure Bestellungen spiegeln ja indirekt wieder, was die Leute wollen. Klar ist, dass Retailer für uns sehr wichtig sind.
Wie meinst du das?
Wir brauchen Retailer, um unsere Marke auch im Laden bekannt zu machen. In den Filialen. Da, wo sich die Leute beraten lassen. Das Problem dort: Bevor eine Verkäuferin oder ein Verkäufer TCL überhaupt empfiehlt, muss sie oder er die Marke ja zuerst mal kennen.
Online nicht? Die Meisten suchen doch bestimmt zuerst nach bekannten Marken.
Könnte man meinen. Aber tatsächlich sagen uns unsere Zahlen, dass online mehr TCL-Fernseher verkauft werden als Fernseher der Konkurrenz.
Ah ja? Das überrascht mich.
Wenn die Menschen selber recherchieren – was sie online ja machen –, dann priorisieren sie nicht zwingend nach Marken. Zuerst filtern sie nach Spezifikationen. UHD, HDR, HDMI 2.1 und so. Dann filtern sie nach Preis. Vielleicht auch umgekehrt. Erst dann, an dritter Stelle, schauen die Kundinnen und Kunden auf die Marke. So stossen sie auch auf unsere Fernseher.
Natürlich hat die Pandemie da geholfen, weil die Filialen zu waren. Da konnten die Leute nicht anders, als online genau diese Art von Recherche zu machen.
«Klar ist, dass Retailer für uns sehr wichtig sind.»
In den Filialen seid ihr hingegen auf das «Wohlwollen» der Verkäuferinnen und Verkäufer angewiesen, damit eure Marke nebst Samsung und Co. überhaupt zur Sprache kommt...
… was uns wieder zum Punkt zurückbringt, weshalb die Retailer und unsere Beziehungen zu ihnen für uns so wichtig sind. Für uns ist das eine Bringschuld.
Inwiefern?
Im Laden hast du vielleicht zwei Minuten Zeit, um deine Kundschaft von einem Fernseher zu überzeugen. Da beschränkst du dich halt auf die Marken, die bekannt sind und die du deiner Kundschaft nicht zusätzlich zum Fernseher erklären müsst. Das spart Zeit und führt öfter zum Verkaufsabschluss als bei einer unbekannten Marke.
Das Erklären der Marke wäre dann also dein Job als Go-to-Market-Leader.
Richtig. In Europa sind wir nicht allzu bekannt, das ist uns vollkommen bewusst. Wenn du Leute auf der Strasse fragen würdest, ob sie TCL als TV-Hersteller kennen, dann würden das nur etwa 30 Prozent bejahen. Um am Schweizer Markt langfristig erfolgreich zu sein, ist es daher essentiell, dass wir die Markenbekanntheit steigern.
Und trotzdem ist TCL weltweit betrachtet der zweitgrösste TV-Hersteller der Welt.
Das liegt daran, dass wir in China und in den Vereinigten Staaten zu den allerstärksten TV-Marken gehören.
«In Europa sind wir nicht allzu bekannt, das ist uns vollkommen bewusst.»
Macht Sinn. Beherrschst du das grosse China, euer Heimmarkt, beherrschst du die Welt. Trotzdem: Gibt es einen Grund, weshalb ihr in den USA und nicht in Europa zuerst Fuss fassen wolltet?
Weil der US-Markt nicht nur grösser, sondern auch deutlich einfacher zu bespielen ist.
Das musst du mir erklären.
Schau: In den USA bestimmen drei, vielleicht vier grosse Retailer, wo der Hase langläuft. Amazon und Walmart, um zwei davon zu nennen. Hast du gute Deals mit ihnen, ist dein Wachstum praktisch in Stein gemeisselt.
Und in Europa?
In Europa ist das viel schwieriger. Erstens sind da verschiedene Länder, die wiederum eigene, kleine Märkte mit ihren ganz eigenen Spielregeln haben. Norwegen verhält sich überhaupt nicht wie Deutschland. Deutschland nicht wie Italien, Italien wiederum nicht wie die Schweiz. Zweitens hast du in jedem Land eine andere Gesetzgebung und unterschiedliche Retailer, die den Ton angeben. Alleine in der Schweiz gibt’s mehr systemrelevante Retailer als in den ganzen USA. Da reichen drei, vier gute Deals also nicht, um ganze Länder zu dominierenden – geschweige denn ganz Europa.
Und drittens?
Drittens gibt es in Europa ganz unterschiedliche Technologie-Standards. In der Schweiz etwa ist das Internet viel besser und damit die Bedeutung von Streaming viel grösser als beispielsweise in Griechenland, wo fast alles terrestrisch übertragen wird. In den USA hingegen läuft so gut wie alles über Kabel. Dort gelten überall die gleichen Gesetze, Labels und Standards. Das macht das Entwickeln des Sortiments viel einfacher.
«In der Schweiz gibt’s mehr systemrelevante Retailer als in den ganzen USA. Da reichen drei, vier gute Deals nicht, um ganze Länder zu dominierenden.»
Da wartet also viel Arbeit auf euch, wenn ihr in Europa ähnlich stark wie eure Konkurrenz werden wollt.
So ist es. Dabei ist Loyalität der Schlüssel. Kaufst du dir etwa einen Fernseher einer bestimmten Marke, dann wirst du vermutlich auch eine Soundbar von dieser dazu kaufen. Später vielleicht gar einen Kühlschrank oder einen Staubsauger, wenn du im Laden vor die Wahl gestellt wirst.
Ihr wollt also auch Kühlschränke und Staubsauger verkaufen?
Die Wahrheit ist, dass wir ja nicht erst seit gestern in Europa sind. Tatsächlich vertreiben wir seit Jahren ausgewählte TCL-Produkte – einfach nicht unter der TCL-Marke. In Frankreich zum Beispiel unter Thomson. In Italien unter De’Longhi. Das Problem aber ist: Niemand würde Thomson und De’Longhi miteinander in Verbindung bringen. So schaffst du keinen Wiedererkennungswert für eine Marke. Und schon gar keine Loyalität.
Also habt ihr eure Strategie geändert und bevorzugt es jetzt, Europa unter einer einzigen Marke zu bewirtschaften.
Und nicht nur im TV-Bereich. Wir bieten ein ganzes Tech-Ökosystem an. Waschmaschinen. Klimaanlagen. Smartphones. Wenn wir das Vertrauen unserer Kundschaft in einem Bereich gewinnen, wirkt sich das positiv auf die anderen Bereiche aus. So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir schaffen Markenbekanntheit und fördern die Loyalität.
Auf meinem Radar seid ihr zum ersten Mal aufgepoppt, als ihr den ersten Fernseher mit Mini-LED-Technologie auf den Markt gebracht habt. Grossartige Technologie.
Du redest vom X10. Den haben wir um Weihnachten 2019 herum rausgebracht. Mini LED heisst, dass du auf der Rückseite des Fernsehers kleine LEDs hast. Diese strahlen wie ein Projektor durch die LCD-Pixel hindurch und generieren auf dem Glas, das du vorne siehst, das Bild. OLED-Fernseher hingegen bestehen aus Pixel, die ihr eigenes Licht produzieren. Darum brauchen sie keine zusätzliche LED-Hintergrundbeleuchtung.
Mini LED ist aber eine noch junge Technologie.
Das stimmt. Früher hatten wir Röhren, die das Hintergrundlicht erzeugt haben. Später etwa 20 bis 40 kleine LEDs, am Rand oder direkt hinter dem Glas. Letzteres auch Full Array Local Dimming genannt, also FALD. Jetzt sind diese LEDs einfach noch kleiner geworden. Statt vierzig haben wir tausende LEDs. Darum das «Mini» in «Mini LED».
TV-Teardown: «Hä? Da sind ja nur LED-Streifen»
Das perfekte Stichwort für OLED. Du hast ja gesagt, dass jedes OLED-Pixel sein eigenes Licht produziert. Bei einem UHD-Fernseher wären das über acht Millionen Pixel, die sich selber ein- und ausschalten.
Richtig. Die besten Fernseher mit FALD-Hintergrundlicht haben im Vergleich etwa 500 LEDs. Damals, als die FALD-Technologie neu war, war das eine erste gute, aber nicht genügende Antwort auf OLED. Mini LED hingegen ist nicht nur gleich gut wie OLED – Mini LED ist besser.
Du musst das ja sagen. Schliesslich verkauft TCL keine OLED-Fernseher.
Schau, OLED ist eine wundervolle Technologie, die gegenüber das ursprüngliche FALD zwei Vorteile hat: Kein Blooming und bessere Schwarzwerte.
Mini LED hingegen hat zwar tausende LEDs, aber noch lange keine acht Millionen...
… richtig, aber trotzdem viel mehr als FALD und damit mehr als genug, damit auch bei Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung kein sichtbares Blooming entsteht. Sagen wir also unentschieden in Punkto Blooming.
Warum ist Mini LED dann trotzdem besser als OLED?
Wegen dem Kontrast. Der beschreibt den Unterschied zwischen dem hellsten und den dunkelsten Bildpunkt.
OLEDs sind da besonders gut, weil Schwarz eben wirklich schwarz ist.
Genau. Dafür aber strahlen OLEDs nicht so hell wie jene LEDs, die in LCD-Fernsehern fürs Hintergrundlicht sorgen. In Zahlen: Unsere Mini LEDs kommen auf etwa 1500 Nit Helligkeit. Die allerbesten OLEDs hingegen nur auf etwa 1000 Nit. Mini-LED-Fernseher haben darum den grösseren Unterschied zwischen hell und dunkel, und damit per Definition die besseren Kontrastwerte. Das wiederum wirkt sich aufs ganze Bild aus. Also auch aufs Farbvolumen und den HDR-Effekt.
«Mini LED ist nicht nur gleich gut wie OLED – Mini LED ist besser.»
LG und Sony sehen das bestimmt anders.
Natürlich. Sie würden ihren Job nicht machen, wenn sie was anderes behaupteten. Wobei: Auch LG baut neuerdings Mini-LED-Fernseher. Ich bin mir sicher, dass sie die Vorteile der Technologie genauso sehen wie wir.
Da habt ihr aber einen Vorsprung.
Ja, ich denke schon. Wir sind da sicher etwa zwei Jahre weiter als unsere Konkurrenz. An Mini LED arbeiten wir schon seit 2017. Dazu stellen wir unsere Mini-LED-Bildschirme in unseren eigenen Fabriken her.
In eigenen Fabriken zu bauen heisst, unabhängig zu sein. Wie sieht’s mit der Konkurrenz aus: Baut ihr auch Mini-LED-Panels für sie?
Das darf ich nicht sagen (lacht).
Wenn ich nett frage?
Lass es mich so ausdrücken: Alle TV-Hersteller haben die Möglichkeit, das Panel – also den Bildschirm – woanders einzukaufen und dann zusammen mit der restlichen, eigenen Hardware zu verbauen. Dem eigenen Prozessor oder Lautsprecher, zum Beispiel. Aktuell gibt es aber nur drei Hersteller, die Mini-LED-Fernseher verkaufen: Samsung, LG und uns.
Und?
In unseren Fabriken stellen wir insgesamt etwa 23 Millionen Fernseher, aber ungefähr 40 Millionen Panels pro Jahr her. Ab hier lasse ich dich eins und eins selber zusammenzählen (lacht).
«Wir sind da sicher etwa zwei Jahre weiter als unsere Konkurrenz.»
Ihr baut also mehr Panels als Fernseher. Diese Panels werden wohl kaum irgendwo rumstehen; ihr verkauft sie. Du hast mir aber noch nicht gesagt, wieviele dieser 17 Millionen überschüssiger Panels tatsächlich Mini-LED-Panels sind.
Und das werde ich auch nicht. Tatsächlich habe ich sowieso keinen detaillierten Einblick darin, welche Displaytechnologie in welcher Stückzahl zu welchem Preis und an welche Marken verkauft wird.
Ihr habt aber eine gewisse Macht, so viel steht fest. Wie LG und seine OLED-Panels für Fernseher.
Das ist wahr. Wir können uns selber die Panels günstig verkaufen, was sich wiederum auf den Preis im Laden auswirkt. Dazu können wir selber steuern, in welche Richtung Forschung und Entwicklung für zukünftige Display-Generationen geht.
Welche Richtung wäre das denn?
Im X10, unserer ersten Mini-LED-Generation, haben wir etwa 1600 Mikrometer kleine Mini LEDs verbaut. Das sind 1,6 Millimeter. In der dritten Generation, der OD-Zero-Generation, sind wir bei 152 Mikrometer kleinen Mini LEDs angelangt, was ungefähr der Dicke von zwei menschlichen Haaren entspricht.
In Zukunft sollen die Mini LEDs also noch kleiner werden?
Je kleiner die Mini LEDs, desto mehr lassen sich verbauen. Das verringert wiederum Blooming und verbessert den Kontrast. Zudem sind wir bei OD Zero, unserer dritten Mini-LED-Generation, an einem Punkt, an dem wir den Abstand zwischen Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung und Frontglas auf Null gedrückt haben.
Wozu ist das wichtig?
Weniger Lichtweg bedeutet ein helleres Bild. Und je dünner das Panel, desto besser lässt es sich verbiegen. Das eröffnet neue Formfaktoren.
«Wir können selber steuern, in welche Richtung Forschung und Entwicklung für zukünftige Display-Generationen geht.»
Heisst das, dass Mini LED auch für Smartphones interessant sein könnte?
Warum nicht? Die meisten heutigen Flaggschiff-Smartphones haben ein OLED-Display. Das, weil LCD-Displays noch zu starr und unbeweglich sind, um sie für Smartphones mit gekrümmten Displays zu verwenden. Wir müssen also noch etwas an der Dicke des Panels arbeiten.
Ein Mitarbeiter von Samsung hat mir erst kürzlich erklärt, dass sie die kuppelartige Linse, die üblicherweise über LEDs gelegt wird, entfernt haben. Damit werden die Panels dünner, was – wie ich heute gelernt habe – besser für die Gesamthelligkeit ist.
Interessant. Die Linsen sind ja nichts anders als kleine Mini-Diffusoren. Sie streuen das LED-Licht gleichmässig über die gesamte Bildfläche. Ich kann zwar nicht für die Konkurrenz sprechen, aber was ich sagen kann, ist, dass unsere neuesten Mini LEDs mit 152 Mikrometern die Kleinsten am Markt sind. Entsprechend ist es gar nicht nötig, die Linsen zu entfernen.
Ihr habt die Linsen also nicht wie Samsung weggelassen?
Nein. Ich weiss zwar nicht, welchen Trick Samsung da gefunden hat, damit die einzelnen LEDs auch ohne Diffusor nicht als solche zu erkennen sind. Solche Tricks haben wir aber sowieso nicht nötig.
Warum nicht?
Unsere Mini LEDs sind viel kleiner. Als ich vorhin sagte, unsere neuen Mini LEDs seien 152 Mikrometer klein, dann meinte ich das inklusive Diffusor-Linsen. Samsungs LEDs sind vermutlich deutlich grösser als unsere, auch ohne Diffusor-Linsen.
Du vermutest? Warum nicht einfach einen Neo QLED von Samsung kaufen, aufmachen und nachmessen?
Weil es Stand heute noch keinen Neo QLED zum Kaufen gibt.
Stimmt. Okay, anders gefragt: Wirst du einen Neo QLED kaufen, aufmachen und nachmessen?
Kein Kommentar (lacht). Ich glaube aber nicht, dass es viel gibt, das wir in Punkto Mini LED von Samsung lernen können. TCL ist ihnen da ziemlich sicher weit voraus. In dem Bereich ist TCL ja auch Pionier. Ich werde mir dennoch sicher einen Neo QLED kaufen, um den Benchmark der Konkurrenz zu haben.
Ist das der Grund, weshalb ihr viel offener über Anzahl LEDs und Dimming-Zonen redet als die anderen?
Wir entwickeln und bauen ja unsere eigenen Mini-LED-Panels. Andere nicht. Wir kennen die Technologie dadurch sehr gut und haben keine Probleme, sie zu erklären, wenn es das ist, was die Leute wollen. Andere, wie gesagt, nicht. Und überhaupt: Wenn du nicht an der Spitze bist, dann willst du das nicht unbedingt zugeben, indem du deine Zahlen offen legst.
«Ich glaube nicht, dass es in Punkto Mini LED viel gibt, das wir von Samsung lernen könnten.»
Na dann: Wieviele Mini-LEDs und Dimming-Zonen hat der kommende OD Zero konkret?
Beim OD Zero werden es voraussichtlich etwa 1500 bis 2000 Dimming-Zonen à 20 Mini LEDs sein, je nach Displaygrösse. Das sorgt für die besten Schwarzwerte, die es auf einen Mini-LED-Fernseher je gab. Konkreter kann ich aber noch nicht werden.
Was mich zur Frage bringt, wann es soweit sein wird, dass sich Mini-LED-Schwarz nicht mehr von OLED-Schwarz unterscheiden lässt?
Gute Frage. Das ultimative Ziel wäre es, LEDs so klein zu bauen, dass du wie bei OLED-TVs acht Millionen LEDs hinkriegst. Das wäre dann aber nicht mehr Mini LED, sondern Micro LED. Daran arbeiten praktisch alle TV-Hersteller.
Dann ist also Micro LED die Zukunft?
Micro LED ist ein mögliches Szenario für die Zukunft. Aber die Technologie ist aktuell noch viel zu teuer. Teilweise gar selbst für Geschäftskunden. Dazu kommt die modulare Bauweise von Micro LED. Die eignet sich im Moment nur gut für grossformatige Bildschirme. Zum Beispiel für Werbetafeln, Stadionmonitore oder im Kino.
Wann werden wir Micro LED fürs Heimkino erleben? Was wäre da eine realistische Schätzung?
Ich denke, es wird noch einige Jahre dauern, bis Micro LED erschwinglich genug für Endkonsumenten wird. Erst dann lohnt sich eine Massenproduktion.
«Micro LED ist ein mögliches Szenario für die Zukunft. Aber die Technologie ist aktuell noch viel zu teuer.»
Was heisst für euch erschwinglich? 10 000 Franken pro Fernseher? 5 000 Franken? Mehr? Weniger?
Auf die Schweiz bezogen würde ich sagen, dass bei einer neu eingeführten Technologie etwa 100 Franken pro Zoll eine akzeptable Obergrenze wäre. Das ist zwar immer noch viel Geld, aber innerhalb dessen, was die Menschen hier für Innovation zu zahlen bereit sind.
Eine Art Schmerzgrenze.
Korrekt. Die liegt bei etwa 50 bis 100 Prozent über dem, was als aktuelle Premium-Technologie gilt. Sobald die Innovation nur noch etwa 20 Prozent teurer ist, wird der gesamte Markt umschwenken, nicht mehr nur der obere Premium-Bereich.
«Ich denke, es wird noch einige Jahre dauern, bis Micro LED erschwinglich genug für Endkonsumenten wird.»
Ich frage mich, ob Micro LED überhaupt nötig ist. Das menschliche Auge hat jetzt schon Mühe, auf einem 65-Zoll-Screen zwischen UHD- und 8K-Auflösung zu unterscheiden. Lass mich das auf OLED, Mini LED und Micro LED ummünzen: Könnte das menschliche Auge überhaupt zwischen 20 000, 50 000 und acht Millionen LEDs unterscheiden?
Genau das ist der Punkt. Wir haben keine wissenschaftliche Studie, die belegt, ab wievielen LEDs oder Dimming-Zonen Menschen Mini-LED-Schwarz und OLED-Schwarz voneinander unterscheiden können.
Aber ihr müsst doch eine Idee haben?
Auch wenn das keine wissenschaftliche Feldforschung ist: Gehen wir nach Blindtests, die wir an vergangenen Messen mit Messebesuchern gemacht haben, würde ich behaupten, dass wir jetzt schon an den Punkt sind, wo Mini LED und OLED praktisch das gleich gute Schwarz produzieren.
Ich wiederhole mich: Das musst du natürlich so sagen.
Natürlich, aber ich meine es auch so. OLED-Hersteller sind stets bemüht, die Message zu verbreiten, dass Mini LED theoretisch betrachtet OLED nicht schlagen kann. Zumindest was den Schwarzwert betrifft. Aber was ist mit der Praxis?
Werden wir das auch dann noch so hören, wenn ihr eines Tages doch OLED-Fernseher verkauft?
Wie meinst du das?
«Wir sind jetzt schon an einem Punkt, wo Mini LED und OLED praktisch das gleich gute Schwarz produzieren.»
Ihr arbeitet ja an einem neuartigen Produktionsverfahren, das die Branche revolutionieren könnte.
Du redest von der Ink-Jet-Print-Technologie. Wir würden damit Quantum-Dots auf eine Fläche «drucken», ähnlich wie Farbe bei einem Tintenstrahldrucker. Das könnten auch Micro oder Mini LEDs sein.
Achso. Bis jetzt habe ich nur im Zusammenhang mit OLED von eurem neuen Ink-Jet-Print-Verfahren gehört.
Richtig. Wir wollen nebst Mini und Micro LED auch ein drittes Verfahren entwickeln, bei dem wir die Quantum-Dot-Technologie mit OLED verbinden. Bei OLED ist es ja so, dass ein Farbfilter die weiss strahlenden OLEDs einfärbt.
OLED in a Nutshell. Was bedeutet dann Quantum Dot?
Quantum Dots sind winzig kleine Nanopartikel. Je schwerer das Partikel, desto langsamer schwingt es, wenn Licht darauf trifft. Je nach Schwingung kann das Partikel also in einer anderen Farbe strahlen. Die Fernseher, die solche Quantum Dots haben, nennen wir QLED-Fernseher.
Und das wollt ihr jetzt mit den selbstleuchtenden OLEDs verknüpfen?
Genau. Statt mit herkömmlichen Farbfiltern würden wir mit Nanopartikeln kontrollieren, in welche Farbe das Licht der OLEDs umgewandelt würde. Damit könnten wir das Beste aus zwei Welten verbinden: Die perfekten Farben von QLED-Fernseher und das perfekte Schwarz von OLED-Fernseher.
Was mich zurück zur ursprünglichen Frage führt: Was würde dann aus Mini LED und Micro LED?
Das neue Produktionsverfahren könnte zwar in ein, zwei Jahren marktreif sein. Es wäre aber immer noch sehr teuer. Da reden wir von 50 000 Franken pro Fernseher. Bis da die Preise für den Massenmarkt akzeptabel sind, vergehen sicher zusätzlich nochmals zwei, drei Jahre.
Also bleibt Mini LED noch etwa fünf Jahre lang die Premium-Technologie für LCD-Fernseher?
Vermutlich, ja. Und wenn dann Micro LED oder das neuartige Quantum-Dot-OLED da sind, dann wird Mini LED halt in günstigeren Modellen wiederverwertet. Was sich dann zwischen Micro LED und Quantum-Dot-OLED durchsetzen wird – das muss sich erst noch zeigen.
Olivier, ich glaube, ich habe jetzt alles gefragt, was es zu fragen gibt. Hast du noch etwas, das du uns mitgeben willst?
Wir haben viel über Bildqualität gesprochen. Ich möchte aber noch anfügen, dass Bildqualität nur einer von vier Grundpfeilern ist, wenn auch der wichtigste. Die anderen Pfeiler sind Tonqualität, Content und Design.
Zum Beispiel?
Zum Beispiel arbeiten wir mit Onkyo, um bessere, integrierte Lautsprecher und Soundbars herzustellen, die auch neueste Technologien wie etwa Dolby Atmos unterstützen. Wir arbeiten zudem eng mit Google, um mit Android TV und bald schon Google TV das beste Smart-TV-System bieten zu können. Schlussendlich legen wir ein grosses Augenmerk aufs Aussehen, da Fernseher mittlerweile moderne Designstücke geworden sind.
Ich danke dir fürs Interview, Olivier.
Ich danke dir.