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Börsenbetreiber: Trend zu Kooperationen in den Schwellenländern
Das Geschäft an der Börse nehmen wir in aller Regel nur aus der Handelsperspektive wahr. Welchen Trend zeigen die relevanten Aktien-Indizes? Wie entwickeln sich einzelne Papiere, bestimmte Branchen, Fonds oder ganze Märkte? Dass sich das Betreiben der Börsen selbst ebenfalls zu einem globalen Geschäft entwickelt hat, wird darüber oft vergessen. Es geht dabei unter anderem um die Entwicklung der Strukturen für den Börsenhandel und die sogenannten „Settlements“ und „Clearings“ – also die Abwicklung konkreter Transaktionen.
Die CME Group in Chicago ist eine der weltweit grössten Optionsbörsen. Bei der Abwicklung von Termingeschäften hält sie seit der Fusion der Börsen Chicago Mercantile Exchange (CME) und Chicago Board of Trade (CBOT) im Jahr 2007 den globalen Spitzenplatz und hat damit ihren Wettbewerber EUREX auf den zweiten Platz verwiesen. Ein Jahr später übernahm das Unternehmen auch die Börsen New York Mercantile Exchange (Nymex) sowie Commodity Exchance (Comex). Inzwischen hat die CME Group auch das Index-Haus Dow Jones sowie das Kansas City Board of Trade in ihr Unternehmensuniversum integriert. Der CEO der Gruppe, Phupinder Gill, sprach mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ über die Rolle von Kooperationen im Börsengeschäft, seine Schwellenländer-Strategie und über das globale Potenzial der chinesischen Währung Renminbi. Den Anlass für das Gespräch gab eine grosse Börsenbetreiberkonferenz in Zürich.
Börsenkooperationen: Lukrativer Weg zur Erschliessung der Schwellenländer-Märkte
Die Finanzmärkte in Europa und den USA sind laut Gill weitgehend fix verteilt. Das Wachstum der grossen Börsenbetreiber konzentriert sich aus diesem Grund auf die Schwellenländer. Er hält Kooperationen mit lokalen Börsen vor diesem Hintergrund für den besten Weg, um die Märkte in Asien oder Lateinamerika für die grossen Börsen zu erschliessen. Die Alternative dazu bestehe in direkten Übernahmen, die in der Regel jedoch schwierig sind. Für die meisten Länder haben ihre Börsen den Stellenwert nationaler Symbole, was sich nicht nur in den aufstrebenden Wirtschaftsregionen des Südens, sondern auch in Europa seit langem immer wieder zeige.
Hohe Markt- und Beratungskompetenz der lokalen Partner
Börsenallianzen mit Betreibern in Asien oder Lateinamerika bieten den „ganz Grossen“ zudem mehr als einen Vorteil: Die lokalen Partner kennen den lokalen Markt und seine Teilnehmer am besten – im Rahmen einer Kooperation werden sie also auch als Berater tätig. Zudem erhalten die globalen Player die Möglichkeit, ihre eigenen Produkte besser zu verkaufen. Im Hinblick auf die CME Group nannte Gill hier unter anderem die sechs Benchmark-Kontrakte seines Hauses, Handelssystem und Clearing sowie das CME-eigene Vertriebsnetz.
Konkurrenz der grossen Player in den Schwellenländern
Im Dow Jones „Global Exchange Index“ – also dem globalen Index-Ranking für die Relevanz von Börsen – besitzt die CME Group als weltweite Nummer eins ein Gewicht von 17,5 %. Auf den zwei nächsten Plätzen liegen die US-amerikanische Intercontinental Exchange sowie die Hongkong Exchange and Clearing mit 17 respektive 16 % Gewicht. Ebenfalls im Spitzenfeld bewegen sich die Deutsche Börse (11,7 %), die BM&F Bovespa in Brasilien (7,4 %) und die Japan Exchange Group (5,3 %). Im globalen Wettbewerb der Börsenbetreiber „duelliert“ sich CME-Chef Gill vor allem mit Andreas Preuss, dem CEO der zur deutschen Börse gehörenden Eurex Group, dem grössten europäischen Terminmarkt. Bis Anfang 2012 war auch die Schweiz in Form der eidgenössischen SIX Group in diesem Geschäft präsent, verkaufte ihren 50-Prozent-Anteil an Eurex jedoch seinerzeit an die Deutschen. Aus dieser Konstellation ergeben sich auch Wettbewerbslinien für die anvisierten Kooperationen in den Schwellenländern: CME und Eurex befinden sich gegenüber den lokalen Anbietern in direkter Konkurrenz.
Regulierungsbehörden ignorieren die Globalisierung an den Börsen
Beispielsweise unterhält die deutsche Börse Kooperationen mit Börsen in Taiwan, Indien und Korea. Parallel dazu generiert jedoch auch die CME Group in Taiwan hohe Handelsvolumina. Der Börsenbetreiber aus Chicago engagiert sich dagegen stark in Indien, Malaysia, Korea sowie Mexiko und Brasilien. Mit der brasilianischen MB&F Bovespa ist sie durch eine gegenseitige Fünf-Prozent-Beteiligung verbunden. Die globalen Operationen, Beteiligungen und im Einzelfall auch Übernahmen sind an den Märkten seit langem Fakt, was allerdings die diversen Wettbewerbsbehörden noch nicht in jedem Fall begriffen haben. Gill kritisiert in diesem Zusammenhang eine Entscheidung der europäischen Kartellbehörden, die der deutschen Börse den Kauf der NYSE Euronext wegen der angeblich daraus folgenden Dominanz im Derivatemarkt verboten haben.
Zu starke und ungleichwertige Regulierung birgt Gefahren
Sorgen bereiten dem Börsenchef die Regulierungsbestrebungen in der globalisierten Welt auch insgesamt. Die in Pittsburgh apostrophierten Vorhaben der G20-Regierungschefs hält er zwar grundsätzlich für angemessen, mahnt jedoch die Bedeutung eines „gleichwertigen Spielfeldes“ – also gleichwertige Regulierungen in verschiedenen Rechtssystemen – an. Wenn solche Bedingungen nicht geschaffen werden, bestehe nicht nur die Gefahr der Bevorzugung oder Benachteiligung von Marktteilnehmern, sondern auch einer „regulatorischen Arbitrage“, die dazu führe, dass sich die Marktteilnehmer auf Standorte mit möglichst niedriger Regulierung fokussieren. Von einem „Wettbewerb der Regulierer“ hält der insgesamt sehr wettbewerbsorientierte US-Amerikaner mit malaysischen Wurzeln dagegen wenig, da auch notwendige Regulierungen hierdurch „immer seichter“ würden.
Grosse Zukunft für die chinesische Währung
Eine grosse Zukunft prognostiziert Phupinder Gill der chinesischen Währung Renminbi, die im Verlauf der kommenden fünf Jahre zu einer der führenden globalen Währungen avancieren könnte. Die CME Group hat bereits einen Renminbi-Kontrakt im Programm, für dessen Auflage sie eng mit der chinesischen Regierung kooperiert hat, der jedoch volumenmässig noch nicht besonders relevant sei. Allerdings weiss Gill aus Erfahrung auch, dass die Inkubationszeit für neue Produkte recht lang sein kann. Beispielsweise habe auch der Euro-Dollar-Handel mit einem Bruchteil des heutigen Volumens angefangen.
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