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Der Schweizer Rohstoffriese «Glencore» und der indische Konzern «Adani» wollen die Kohleförderung in Australien auf neue Rekordwerte treiben. Das dokumentiert eine Reportage der Menschenrechtsorganisation «Public Eye» im Online-Magazin vom Januar 2023. Infosperber fasst im Folgenden die wesentlichsten Fakten und Erkenntnisse daraus zusammen.
Dank Energiekrise boomt der Markt für Kohle
Der Adani-Konzern plant, die Carmichael-Mine im nordostaustralischen Queensland zu einer der grössten Kohleminen der Welt auszubauen. Firmenchef Gautam Adani ist dank dem Kohleboom zum drittreichsten Mann der Welt aufgestiegen (142,4 Milliarden US-Dollar Vermögen, Stand Mitte November 2022). Adani kontrolliert ein Drittel der indischen Kohleimporte. Wie das Magazin «The New Yorker» im November 2022 berichtete, ist der Konzern in seiner Heimat dafür bekannt, Dörfer zu schleifen und Wälder abzuholzen, um dort riesige Kohleminen zu graben.
Im April 2020 hat der indische Konzern in Genf über ein lokales Treuhandunternehmen einen Handelszweig eingerichtet, der den Verkauf seiner Kohle organisiert. Laut der spezialisierten Plattform «Global Coal Mine Tracker» ist der indische Kohlekönig Adani mit 60 Projekten hinter «Coal India» der multinationale Konzern mit den meisten Plänen zur Eröffnung neuer Kohleminen weltweit. Der Rohstoff-Multi «Glencore» mit Sitz in der Schweiz rangiert in dieser Liste mit 37 Projekten auf Platz sechs.
Staat und Kohlemultis wittern gigantische Profite
Australien hat die drittgrössten Kohlereserven der Welt. Das würde ausreichen, um noch vier Jahrhunderte lang weiter zu produzieren. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wird australische Kohle zum Dreifachen des Durchschnittspreises der letzten zehn Jahre gehandelt. Das sind profitable Aussichten für weitere Investitionen in den Kohleabbau. Die Landesregierung und die Regierung von Queensland bieten Bergbaukonzernen die Hand für Abbau und Export weiterer 400 Millionen Tonnen Kohle. Es winken 120 Milliarden australische Dollar (76 Milliarden Franken) an Einnahmen.
Die thermische Kohle soll hauptsächlich in fast 10’000 Kilometer entfernten indischen, chinesischen und koreanischen Kraftwerken verbrannt werden. Der führende Kohleförderer Australiens ist der Zuger Konzern «Glencore» mit 15 Minen. Damit bestreitet er zwei Drittel seiner Produktion. Zusammen mit «Adani» und den australischen, chinesischen und japanischen Konkurrenten bildet er ein mächtiges und einflussreiches Netzwerk mit besten Verbindungen in die Medien und die Politik.
Arbeitsbeschaffung als Feigenblatt für Ausbeutung
In Queensland nimmt die Kohlelobby für sich in Anspruch, 58,8 Milliarden australische Dollar (über 37 Milliarden Franken) zur lokalen Wirtschaft beizutragen und 292’000 Arbeitsplätze zu schaffen, davon 35’000 direkte. Die Bevölkerung in den ländlichen Gebieten im Landesinneren ist sehr abhängig von diesen Arbeitsplätzen. Neben der Landwirtschaft stellt der Bergbau fast die einzige Einkommensquelle dar. 2019 hat die lokale Regierung von Queensland den indigenen Gemeinschaften die Eigentumsrechte aberkannt und diese den Bergbaukonzernen überlassen. Diese behandeln die Aborigines seitdem wie Eindringlinge, berichtet «Public Eye» in seiner Reportage.
Im April 2020 hat «Glencore» Genehmigungsanträge für die vielleicht grösste Mine Australiens eingereicht: sechs Kohleschächte mit einer Produktion von 20 Millionen Tonnen pro Jahr. Codename: «Valeria Project». Baubeginn: 2024. Dauer: 30 Monate, einschliesslich des Baus der dazugehörigen Eisenbahn- und Strominfrastruktur. Das Ganze soll 37 Jahre lang nutzbar sein. Das ist weit nach 2050, dem Jahr, in dem der Zuger Konzern bei den Emissionen netto null erreichen will. Gemäss «Public Eye» erklärte «Glencore» Anfang Dezember 2022, das «Valeria-Projekt» herabgestuft zu haben; es sei aktuell «auf dem Prüfstand».
Die Kohleförderung schadet der Umwelt enorm
Zu den umweltschädlichsten Tagebauminen Australiens gehört «Hail Creek», an der Glencore 2018 die Mehrheit übernommen hat. Die Fördermenge beträgt rund 7 Millionen Tonnen. Satellitenbilder zeigen, dass aus der Mine mehr als zehnmal so viel Methan entweicht als Glencore den Regulierungsbehörden gemeldet hat. Die ökologische Kritik fokussiert in Australien nicht mehr so sehr auf die Kohleverbrennung, sondern vielmehr auf die Umweltbelastung bei Gewinnung und Verarbeitung. Die Hauptrolle dabei spielt das Methan, ein potentes Treibhausgas, das beim Kohleabbau freigesetzt wird. Es ist 82-mal stärker als CO₂ und soll laut einem der letzten Berichte des Weltklimarats IPCC für den Anstieg der globalen Temperaturen um 0,5 Grad in den letzten 100 Jahren verantwortlich sein.
Das Industrieland Australien ist weltweit am anfälligsten für Klimakatastrophen wie steigende Meeresspiegel und Waldbrände. Deshalb ist der Methanausstoss zum zentralen Streitpunkt avanciert. Matthew Currell, Professor für Umwelttechnik an der «RMIT University», ist zudem besorgt darüber, dass die Kohleförderer die Wasserressourcen in den halbwüstenartigen Gebieten Australiens ausbeuten dürfen. «Die Regierung von Queensland hat Adani eine Lizenz erteilt, beliebig viel Grundwasser zu pumpen. Doch es fand keine seriöse Umweltverträglichkeitsprüfung statt», bemängelt Currell gegenüber «Public Eye». Ein Grossteil des Kohleexports wickelt sich über Schiffsterminals in unmittelbarer Nähe des «Great Barrier Reefs» ab. Das bringt zusätzliche Belastung für dieses grösste Korallenriff der Welt, das seit 1981 zum Unesco-Weltnaturerbe gehört. Es wird von immer heftigeren Wirbelstürmen und einer beschleunigten Korallenbleiche heimgesucht. Im Mai 2022 waren laut einem Regierungsbericht 91% der Riffe von einer andauernden Hitzewelle betroffen. Es war bereits die vierte seit 2016.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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