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Das Filmfestival Visions du Réel freut sich sehr, im Rahmen eines Ateliers den schweizerisch-kanadischen Filmemacher Peter Mettler begrüssen zu dürfen. Der renommierte Regisseur und Kameramann, dessen aussergewöhnliche filmische Arbeitsweise das Dokumentarfilmschaffen der 2000er Jahre entscheidend beeinflusst hat, wird an einer öffentlichen Masterclass sein filmisches Universum dem Publikum vorstellen. Während des ganzen Festivals zeigt Visions du Réel eine Retrospektive seines umfangreichen Schaffens.
Peter Mettler wurde 1958 in Toronto als Sohn Schweizer Eltern geboren und studierte Film am Ryerson Polytechnical Institute. Durch seinen ersten experimentellen Spielfilm Scissere (1982), der ihm Aufmerksamkeit einbrachte, und als Kameramann von Atom Egoyan, Patricia Rozema und Bruce McDonald, sowie Jennifer Baichwal bei Manufactured Landscapes (2006), wurde er in den 1980er-Jahren zu einem Akteur der neuen Welle von Ontario. Das hybride Werk des Filmemachers erforscht die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung, ohne vorgefertigtes Drehbuch und nach einem assoziativen Prozess an der Trennlinie zwischen Essai, Dokumentarfilm und Fiktion. Wir verdanken ihm eine Trilogie von metaphysischen dokumentarischen Travelogues, bestehend aus Picture of Light (1994), Gambling, Gods and LSD (2002) und The End of Time (2012), sowie Filme, die sich mit der aktuellen Umweltkrise beschäftigen, wie Petropolis : Aerial Perspectives on the AlbertaTar Sands (2009) und Becoming Animal (2018). Das Multitalent Peter Mettler ist auch als VJ tätig, an der Seite von Künstlern wie Fred Frith, Biosphere oder Jeremy Narby und Franz Treichler. 2016 gingen seine persönlichen Archive im Rahmen einer Schenkung an die Cinémathèque suisse und die Archive des Toronto International Film Festival über, der grössten Filmsammlung im englischsprachigen Kanada.
• Becoming Animal, 2018
• Traces du Futur, 2014
• The End of Time, 2012
• Petropolis: Aerial Perspectives on the Alberta Tar Sands, 2009
• Away, 2007
• Gambling, Gods and LSD, 2002
• Balifilm, 1997
• Picture of Light, 1994
• Tectonic Plates, 1992
• The Top of His Head, 1989
• Eastern Avenue, 1985
• Scissere, 1982
• Gregory, 1981
• Lancalot Freely, 1980
Petra Costa, die dieses Jahr für einen Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm für The Edge of Democracy nominiert wurde, wird bei Visions du Réel in der ersten Retrospektive ihres Werks ihre Arbeit als Regisseurin und Produzentin vorstellen. Im Rahmen dieses Atelier in Zusammenarbeit mit HEAD – Genève wird Petra Costa eine Masterclass abhalten, bei der das Publikum die Möglichkeit des Austausches mit ihr hat.
Auf die sich durch ihr Land ziehenden Risse und seine Widersprüche geht die brasilianische Filmemacherin unter Rückgriff auf ihre persönlichen Erfahrungen ein. Das Festival ist hoch erfreut, in Petra Costa, die derzeit durch den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro öffentlich beschuldigt wird, die Regierung angegriffen zu haben, eine Frau willkommen zu heissen, die sich für Demokratie und Meinungsfreiheit einsetzt.
In Petra Costas Arbeit sind die persönliche und die politische Ebene untrennbar miteinander verbunden. The Edge of Democracy (2019), ihr jüngster von Netflix produzierter und für einen Oscar nominierter Film, ist der letzte Teil einer Trilogie, in der der Werdegang der Regisseurin mit der turbulenten Geschichte ihres Heimatlandes Brasilien aufeinandertrifft. Undertow Eyes, ihr erster Kurzfilm, geht den Erinnerungen und Geschichten ihrer Grosseltern in einer persönlichen und existenziellen Erzählung über Liebe und Tod nach. Der 2010 im MoMA vorgeführte Film gewann den Preis für den besten Kurzfilm beim Internationalen Filmfestival von Rio de Janeiro, beim Internationalen Dokumentarfilmfestival in London und beim Internationalen Filmfestival Cine Las Americas (Austin, USA). Elena, ihr erster Langfilm, war 2013 der meistgesehene Dokumentarfilm in Brasilien. Dieser Film, eine Mischung aus Doku, Tagebuch und Fieberträumen, wurde von Kritikern auf der ganzen Welt gefeiert. Er erhielt unter anderem den Preis für den besten Film beim Filmfestival von Havanna (2013) sowie eine Nominierung für die beste Kamera bei den Cinema Eye Honors (2014). 2015 führte Petra Costa gemeinsam mit Lea Glob Regie bei Olmo and the Seagull, einem gekonnt zwischen Fiktion und Doku oszillierenden Tauchgang in die mäandernden Gedanken einer jungen Schauspielerin während ihrer Schwangerschaft.
Das Atelier wird ausserdem die Gelegenheit bieten, zwei Filme vorzustellen, die sie mit ihrer Produktionsfirma Busca Vida Filmes produziert hat: Babenco: Tell Me When I Die von Bárbara Paz (prämiert bei den letzten Internationalen Filmfestspielen von Venedig) und Ecstasy von Moara Passoni (Weltpremiere beim kommenden CPH:DOX 2020, Copenhagen International Documentary Film Festival). Die Regisseurin begann ihre Theaterausbildung in Brasilien im Alter von 14 Jahren. Die Absolventin der Fakultät für Schauspielkunst der Universität São Paulo studierte ausserdem Anthropologie und erwarb einen Master in Sozialpsychologie.