Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03486.jsonl.gz/2992

| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

[Vierte] Rede gegen die Arianer
15.
Auf dergleichen Ungereimtheiten nun wird man stoßen, wenn man behauptet, die Einheit werde durch eine Erweiterung zur Dreiheit. Da aber die, welche so reden, damit sich vermessen, Wort und Sohn aufzuheben und zu behaupten, das Wort sei ein anderer und der Sohn sei ein anderer, und zuerst sei das Wort und dann der Sohn, nun wohl, so wollen wir uns auch darüber klar werden. Ihre Vermessenheit ist eine verschiedenartige. Die einen behaupten nämlich, der Mensch, den der Erlöser annahm, sei selbst der Sohn. Andere behaupten, beides, der Mensch und das Wort, seien damals Sohn geworden, als sie sich vereinigten. Wieder andere sagen, das Wort selbst sei damals Sohn geworden, als es Mensch wurde. Aus einem Wort, erklären sie, ist ein Sohn geworden, während zuvor kein Sohn war, nur ein Wort. Stoisch ist nun beides: die Lehre von der Erweiterung Gottes wie die Ableitung des Sohnes. Über die Maßen unverständig ist es aber, daß sie von einem Wort reden und leugnen, daß es Sohn sei. Wenn nämlich das Wort nicht aus Gott ist, dann [S. 361] leugnen sie wohl mit Recht, daß es Sohn sei. Wenn es aber aus Gott ist, warum sehen sie dann nicht ein, daß, was aus einem ist, Sohn dessen ist, aus dem es auch stammt. Ferner, wenn Gott Vater des Wortes ist, warum sollte nicht auch das Wort Sohn seines Vaters sein? Denn es ist und heißt einer Vater dessen, der sein Sohn ist, und es ist und heißt einer Sohn dessen, der sein Vater ist. Wenn also Gott nicht der Vater Christi ist, dann ist wohl auch das Wort nicht Sohn. Wenn aber Gott Vater ist, dann ist selbstverständlich auch das Wort Sohn. Wenn er aber später Vater und zuerst Gott ist, so ist das die Anschauung der Arianer. Ferner ist es ungereimt, daß Gott sich ändere; denn das ist eine Eigenschaft des Leibes. Wenn er aber wie bei der Schöpfung später Schöpfer ist, so muß man sich bewußt bleiben, daß der Veränderung die später entstandenen Dinge unterliegen, nicht aber Gott.