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Kaum zu glauben, vor wenigen Jahren noch wurden Frauen künstliche Kniegelenke implantiert, die nach der männlichen Anatomie geformt waren. Erst seit 4 Jahren gibt es künstliche Kniegelenke speziell für Frauen. Dabei unterscheidet sich ein weibliches Knie deutlich von einem männlichen: Es ist meist schmaler, hat eine andere Form, ist anders mit dem Oberschenkelknochen verbunden. Übrigens Frauenknie zeigen schneller Abnutzungserscheinungen. Frauen brauchen deshalb öfter ein künstliches Kniegelenk als Männer.
2006 kam weltweit das erste Kniegelenk-Implantat für Frauen auf den US-Markt. Bis dann sei es jeweils nötig gewesen, den Oberschenkelknochen der Frau während der Operation ans männliche Knie-Implantat anzupassen. Die Folgen waren vermehrte Komplikationen, Schmerzen und schlechtere Beweglichkeit. „
Dass Frauen keine Männer sind zeigt sich auch bei den Arzneimitteln. Der weibliche Körper ist im Schnitt leichter als der männliche, hat kleinere Organe, mehr Fett und weniger Wasser. Und Darm, Leber und Nieren arbeiten bei den Geschlechtern unterschiedlich. Darum verteilen sich Medikamente im Frauen-Körper anders. Auch Impfungen wirken bei Frauen und Männern verschieden.
Frauen entwickeln oft einen stärkeren Immunschutz nach einer Impfung als Männer, berichten Wissenschaftler aus den USA. Frauen bräuchten oft eine geringere Impfdosis. Die Standarddosis hingegen führe bei ihnen öfter zu Fieber, Schmerzen und Entzündungen.
Viele Arzneien könnten gezielter eingesetzt werden. Oft fehlen nach Geschlecht differenzierte Untersuchungen. Bei auf Frau und Mann angepassten Behandlungen aber würden sicher weniger Medikamente im Abfall landen und weniger Patienten müssten wegen Nebenwirkungen ins Spital!
Die Wichtigkeit der Geschlechterfrage im medizinischen Alltag zeigt sich beim Herzinfarkt. Er äußert sich ganz verschieden: Männer bekommen Schmerzen im Brustkorb, die in den linken Arm, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen. Bei Frauen treten oft Übelkeit, Bauchschmerzen, Atemnot und Schweißausbrüche auf. Ärzte tippen daher oft auf Magen- oder Darmprobleme und erkennen einen Herzinfarkt nicht. Das verzögert die Diagnose. Es vergeht wertvolle Zeit bis zur Therapie.
Die Geschlechterblindheit in der Medizin ist auch zum Nachteil der Männer. Osteoporose z.B. gilt als Frauenkrankheit, obwohl jeder vierte Osteoporose-Patient männlich ist. Depressionen bleiben oft unerkannt, weil sich depressive Männer selten traurig, minderwertig oder antriebslos fühlen, sondern Intoleranz und Wutausbrüche im Stress zeigen. Experten kritisieren gar, das Gros der Therapien erreichten Männer gar nicht.
Allen körperlichen Unterschiede zwischen Frau und Mann zum Trotz, noch ist die Gender-Medizin ein Stiefkind der Lehre. Das muss sich ändern! Wir können dazu beitragen. Indem wir uns informieren und selbstbewusst im Spital, in der Apotheke und bei der Ärztin unsere Frage stellen. Wer in der kantonalen oder nationalen Politik ist, hat entsprechende Forschungsaufträge einzufordern, im Interesse von uns allen.