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Gewissen Stimmen zufolge sind wir alle übersäuert. Nahrungsergänzungsmittel und spezielle Diäten sollen dabei helfen, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Doch ist überhaupt etwas an der Übersäuerung dran oder handelt es sich um einen Mythos der Medizin?
Die Theorie besagt, dass der oftmalige Konsum von eiweissreichen Lebensmitteln Säuren im Körper entstehen lässt, die dem Organismus auf Dauer schaden. Ein geschwächtes Immunsystem, chronische Müdigkeit, Verdauungsstörungen und sogar Krebs sind die angeblichen Folgen einer Übersäuerung. Vertreter dieser Theorie setzen auf teure Nahrungsergänzungsmittel und bestimmte Diäten, um den Säure-Base-Haushalt wieder auszugleichen.
Sodbrennen = Übersäuerung?
Der Begriff «Übersäuerung» kann schnell mit Magenbeschwerden in Verbindung gebracht werden. Eigentlich verständlich, da Reflux ein unangenehmes Brennen in der Magengegend verursacht. Mit Übersäuerung hat Sodbrennen jedoch wenig gemein: Der überschüssige Magensaft verursacht Irritationen in der Speiseröhre und keine Übersäuerung des Körpers.
Saure und basische Lebensmittel
Bei der Übersäuerungs-Theorie werden Lebensmittel in Säure- und Basebildner eingeteilt. Fleisch, Fisch, Eier und Käse zählen zum Beispiel zu den Säurebildnern, während Gemüse und Obst als Basebildner gelten. Diese Kategorisierung ist in der Ernährungswissenschaft kaum mehr aktuell. Die meisten Säuren im Körper stammen nicht aus Lebensmitteln: Sie entstehen durch die täglich stattfindenden Prozesse im Körper und werden vom Organismus präzise gesteuert. Der Säuregehalt kann daher durch die Ernährung nur minimal beeinflusst werden.
Der Körper und seine Puffersysteme
Entsteht ein Überschuss an Säure, kann dieser mittels ausgeklügelten Puffersystemen schnell abgebaut werden. Ein gesunder Mensch verfügt über rund zwanzigmal so viele freie Basenmoleküle wie freie Säuremoleküle – eine Übersäuerungsgefahr besteht daher auch bei einseitiger Ernährung nicht.
Wenn jemand hingegen an einer schweren Stoffwechselstörung wie Diabetes oder Niereninsuffizienz leidet, besteht das Risiko einer Azidose (chronische Übersäuerung). Diese ernstzunehmende Beschwerde hat jedoch ebenso wenig mit der Ernährung zu tun: Eine Azidose entsteht, wenn der Bikarbonatpuffer des Blutes aus dem Gleichgewicht gerät.
Fazit
Wer oft zu Schnitzel und Pommes greift, ernährt sich zwar ungesund, muss sich aber nicht vor einer Übersäuerung fürchten. Denn ob Lebensmittel gesund oder ungesund sind, hängt nicht von ihren base- oder säurebildenden Eigenschaften ab. Vielmehr ist es die Konzentration an Vitaminen und Nährstoffen, die für eine gesunde Kost ausschlaggebend ist.
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