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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Siebtes Buch
XVIII. Kapitel
111.
1.1 Unsere "Teppiche" gleichen aber wohl nicht jenen sorgfältig angelegten Gärten, in denen zur Ergötzung der Augen alles in schöner Ordnung angepflanzt ist, sondern eher einer schattigen Berghalde, auf der Zypressen und Platanen, Lorbeer und Efeu dicht beieinander wachsen und auf der zugleich auch Apfelbäume und Ölbäume und Feigenbäume angepflanzt sind, indem wegen der Leute, die das Obst heimlich wegnehmen und stehlen wollen, mit Absicht Obstbäume und Bäume ohne genießbare Früchte untereinander gepflanzt sind; ebenso wollte der eigentliche Inhalt meiner Schrift verborgen bleiben.
2. Wenn der Gärtner aus einem solchen Wald die Bäume umpflanzt und versetzt, so kann er aus ihm einen schönen Park und einen lieblichen Hain herstellen.
3. Die "Teppiche" legen also keinen Wert auf sorgfältige Gliederung oder auf den sprachlichen Ausdruck, da sie ja mit Absicht auch dem sprachlichen Ausdruck nach nicht wie die Griechen sein,2 sondern die Lehren in verborgener Weise hineinstreuen und nicht ganz offen an den Tag legen wollen, um auf diese Weise die Leser, wenn sich solche finden sollten, dazu anzuhalten, daß sie die Mühe nicht scheuen, sondern sich anstrengen, um etwas zu finden. Denn weil die Fische so verschieden sind, müssen auch die Lockmittel zahlreich und mannigfach sein.
[S. 114] 4. Und nachdem wir dieses siebente Buch der "Teppiche" zum Abschluß gebracht haben wollen wir bei dem folgenden Abschnitt unsere Untersuchung von einem neuen Gesichtspunkt aus beginnen.3
1: Zu 111,1-3 vgl. Strom. VI 2.
2: Vgl. Strom. II 3,1; VI 151,2.
3: Zu der mit diesen Worten angekündigten Fortsetzung der "Teppiche" scheint Clemens nicht mehr gekommen zu sein; jedenfalls ist uns nichts davon erhalten. Denn die Stücke, die in den erhaltenen Handschriften die Überschrift "Achter Teppich" tragen, sind von den übrigen "Teppichen" so verschieden daß man in ihnen vielmehr Vorarbeiten des Clemens sehen muß, die zum Teil schon in früheren Schriften benützt sind und wohl gar nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren; vgl. Einleitung des 1. Bandes der Clemensübersetzung S. 28. Es ist möglich, daß Clemens durch den Ausbruch der Verfolgung des Septimus Severus, die ihn veranlaßte, Alexandreiea zu verlassen, an der Fortsetzung der Schrift gehindert wurde.