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Bei den Gebrüdern Grimm fragt Rotkäppchen den Wolf warum er so grosse Augen hat. Der Wolf sagt, damit er sie besser sehen könne.
Wenn ich gefragt werde, warum meine Hunde so grosse Augen haben, dann antworte ich, weil mir Gesundheit immer wichtiger ist als vermeintliche Schönheitsideale.
Ich möchte nicht missverstanden werden, ich halten den Rassestandard für sehr wichtig. Aber ich denke auch das vieles heute neu betrachtet werden muss, vor allem in Hinblick auf die eventuellen gesundheitlichen Folgen, die es für einen Hund haben kann. Vor allem sollten Missverständnissen und Fehlinterpretationen durch klare Formulierungen vorgebeugt werden.
Laut der OFA (The Canine Health Information Center), sind 39,4% aller Shar Pei in ihrem Leben von einem Entropium betroffen und führen die Liste aller Rassen noch vor dem Neapolitanischen Mastiff an. Ich muss gestehen das mich dieser hohe Prozentsatz schockiert hat.
Aufgrund einer anatomischen Eigenheit der Hunde neigen sie eher dazu ein Entropium zu entwickeln als Menschen. Das Thema ist also eines, das Hunde insgesamt betrifft. Selbst der gesündeste Hund kann im Laufe seines Lebens ein Entropium entwickeln.
Was ist das Entropium
Das Entropium ist eine Fehlstellung des oberen oder unteren Augenlides, bei dem dieses nach innen gerollt ist. Die Wimpern können dann sehr schmerzhaft auf der Hornhaut des Auges reiben. In den meisten Fällen handelt es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung (primäres Entropium), die unbehandelt zu schweren Augenproblemen bis zum Sehverlust des Hundes führen kann.
Primäre Entropien resultieren aus Anomalien wie übermäßiger Lidlänge, unzureichender Öffnung der Augenlider, schlechter Lidunterstützung oder einem tieferen Sitz der Augäpfel in den Augenhöhlen. Beim Shar Pei finden sich sehr oft genau zwei dieser Anomalien. Zum einen haben Shar Pei ungewöhnlich große Mengen an Hyaluronsäure. Hyaluron ist eine gelartige Substanz, die den Lidrand schwächer und das Lid schwerer macht.
Zum anderen wird im Standard ein Auge beschrieben, das dunkel und mandelförmig ist und einen missmutigem Ausdruck hat. Viele Menschen denken, dies kann nur erreicht werden, wenn die Augen etwas tiefer liegen. Ein weiterer Risikofaktor also für das Entstehen eines Entropium.
Ein weiterer Faktor, der gerade bei Shar Pei Welpen das Risiko sehr erhöht, ist die gerade im Welpenalter vermehrte Faltenbildung am Körper. Einige Welpen, können aufgrund ihrer extremen Hyaluronsäure Produktion nichtmals eigenständig ihre Augen öffnen. Bei Anderen ist schon mit wenigen Wochen die Lidunterstützung so schlecht, das der Welpe ein sehr hohes Risiko hat schon mit wenigen Wochen ein Entropium zu bilden. Um das zu vermeiden, lassen viele Züchter die Augenlider präventiv mit Klammern oder einer Naht vom Tierarzt befestigt. Es gibt auch Züchter die das selber durchführen.
Ironie
Das überdurchschnittliche Entropium Problem beim Shar Pei wird in vielen Gruppen ebenso gerne totgeschwiegen, wie das teilweise leider nötige und teilweise präventive Klammern bei kleinen Welpen.
Es gibt vieles, über das sich Shar Pei Züchtern streiten und oft machen. Aber eines, da sind sich alle einig. Unsere Rasse ist eine der ältesten Rassen der Welt. Aufgrund von genetischen Erkenntnissen kann man von mindestens 2000 Jahren ausgehen.
Wie also konnte eine Rasse so lange existieren, wenn 39,4% ein Entropium entwickeln? Ganz einfach: Gar nicht! Der Shar Pei wäre schon vor Hundertern von Jahren als Fehlentwicklung der Evolution ausgestorben.
Wir haben das der Rasse mit unserem falschen Verständnis von ihr in den letzten 60 Jahren angetan. Durch fehlgeleitete Vorstellungen eines Schönheitsideals und dem Akzeptieren von gesundheitlichen Beeinträchtigungen.
Meine Hunde haben ihre Augen so, wie sie von Natur aus sein sollten. Werden meine Hunde ein Entropium bekommen? Vielleicht, denn jeder Hund kann es bekommen. Auf 39,4% werde ich sicherlich nicht kommen. Und wer den FCI Standard genau liest, der wird folgendes finden:
Augen : Dunkel, mandelförmig, mit missmutigem Ausdruck. Die gesunde Funktion der Augäpfel oder der Augenlider darf keinesfalls durch die sie umgebende Haut, die Falten oder die Haare beeinträchtigt sein. Jegliches Anzeichen von Reizung am Augapfel, an der Bindehaut oder an den Augenlidern ist höchst unerwünscht. Frei von Entropium.
Diting, PanHu und Lily haben sehr dunkele Augen. Alle drei haben diskutabele mandelförmige Augen. Diskutabel, denn chinesische Mandeln sehen anders aus als die, die wir hier als Mandeln kennen. Ursprünglich wurden die Augen auch mit schwarzen chinesischen Kardamom Kapseln verglichen. Missmutig können alle schauen, wenn sie wollen… aber, und das ist das was mir wichtiger ist als alles andere: Die gesunde Funktion der Augäpfel oder der Augenlider ist keinesfalls durch die umgebende Haut, der Falten oder der Haare beeinträchtigt.
Und das ist das was für mich in Bezug auf die Augen am wichtigsten ist.
Ich habe absichtlich davon abgesehen Bilder von Hunden, mit Klammern, Nähten oder unbehandeltem Entropium in diesem Artikel zu verwenden.