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Das Umbauprojekt für das Gebäude des Werkhofs in der Freiburger Altstadt zwischen den Quartieren Au und Neustadt schliesst an seine Sanierung und teilweise Restaurierung nach dem Brand von 1998 an. Für das Projekt verantwortlich ist das Bureau d'architecture Bakker et Blanc in Lausanne.
Geplant wurden im Rahmen dieses Umbauprojekts Räumlichkeiten für die schulergänzende Betreuung, das Zentrum für soziokulturelle Animation Reper sowie die Vereine Frima Formation und Werkhof-Frima. Die öffentlichen Räume umfassen einen Empfangsbereich sowie einen Bereich für die Tourismusinformation, einen Aufenthaltsraum, einen Mehrzweckraum von rund 200 m2 im 2. Stock für grössere Veranstaltungen sowie einen öffentlichen Bereich für Dauer- und Wechselausstellungen, in dem das Modell der Stadt Freiburg nach dem Martiniplan von 1606 ausgestellt wird. Zusätzliche Räume, die vermietet werden können, sollen einen Teil des Projekts finanzieren.
Im Juli 2017 wurde das Gebäude seinen verschiedenen Nutzern übergeben. Das Modell der Stadt Freiburg nach dem Martiniplan sollte ab Herbst 2018 öffentlich zugänglich sein.
Zeitplan
- Umbauarbeiten: November 2015 bis Ende Juni 2017
Geschichte
Der Werkhof befindet sich im Herzen der Altstadt zwischen dem Au- und dem Neustadtquartier. Er wurde 1555 erbaut und diente als Bauwerkstatt. Mit seinen imposanten Dimensionen – der Werkhof ist 44 Meter lang, 21 Meter breit und 20 Meter hoch – sowie seinem traditionellen Holzdach ist er ein seltenes Beispiel des vorindustriellen Bauens und ein Bauwerk von nationaler Bedeutung. Seit 1803 ist der Werkhof im Besitz der Stadt Freiburg.
Auf dem Martiniplan von 1606 befindet sich der grosse Werkhof mitten auf der Unteren Matte am Ufer der Saane. Dieser Plan diente als Basis für das grosse Modell, welches im Espace Martini im 2. Stock des neuen Werkhofs ausgestellt wird.
Am 19. September 1998 wurde der Werkhof durch einen Brand zerstört. Der wertvollste Teil des Gebäudes, der ursprüngliche Dachstuhl, fing so schnell Feuer, dass er vollständig zerstört wurde. Nur seine Tragpfeiler und seine Natursteinmauern sowie ein Teil der Fachwerkfassade auf der Westseite haben dem Feuer standgehalten.
Im Dezember 2000 begann der Wiederaufbau des Werkhofs. In einer ersten Etappe wurden die Gebäudesubstanz und die Gebäudehülle wiederaufgebaut. In Bezug auf seine äussere Form wurde das Dach basierend auf einer photogrammetrischen Auswertung aus dem Jahr 1975 restauriert. Die Holzkonstruktion der Fassaden trägt dem historischen Baustil nicht zwingend Rechnung.
Projektbeginn
Im Anschluss an den Wiederaufbau des Werkhofs nach dem Brand wurden verschiedene Mittel eingesetzt, um nach einem neuen Verwendungszweck und einer neuen Bedeutung für das Gebäude zu suchen. Ein vom Verein Werkhof-Frima entwickeltes Projekt sah vor, den Dachstock für die Unterbringung des Projekts Frima 1606 (Modell der Stadt nach dem Plan von Martin Martini aus dem Jahr 1606) zu nutzen.
Die Stadt Freiburg beteiligte sich am Projekt, indem sie im Werkhof zusätzliche Räumlichkeiten für die schulergänzende Betreuung des Au- und des Neustadtquartiers, die durch die Einführung des zweiten Kindergartenjahres erforderlich waren, sowie für ihr Zentrum für soziokulturelle Animation in der Unterstadt Reper integrierte.
PSA in den Bereichen Architektur und Tiefbau
Die historischen Viertel der Stadt sind sensibel und die unterschiedlichen Nutzungen der Räumlichkeiten sowie die strukturellen und architektonischen Herausforderungen bei der Besetzung eines bestimmten Volumens gestalteten dieses Projekt äusserst komplex.
Die Stadt Freiburg hat daher 2012 beschlossen, ein Auswahlverfahren für die Vergabe der parallelen Studienaufträge (PSA) für Architektur und Bauingenieurwesen für den Umbau des Werkhofs durchzuführen. Dieser Ansatz ermöglicht es, die besten Ergebnisse zu erzielen und die Debatte so breit wie möglich zu gestalten. Im Gegensatz zum Architektenwettbewerb werden bei parallelen Studienaufträgen Mitbewerber und Bauherren an einen Tisch gebracht. Es handelt sich daher nicht um ein Verfahren, bei dem die Anonymität der Teilnehmer gewahrt werden muss. Ganz im Gegenteil: Parallele Studienaufträge ermöglichen die Diskussion zwischen zwei Gesprächspartnern und tragen damit dazu bei, dass die Visionen des Auftraggebers in der Reflexion der Mitbewerber berücksichtigt werden. Dieser Ansatz erscheint in diesem Fall angesichts der Anzahl der Nutzer und der unterschiedlichen Funktionen des Gebäudes besonders sinnvoll.
Die Ausschreibung wurde im November 2012 lanciert und gleichzeitig im Amtsblatt des Kantons Freiburg sowie auf der Website simap.ch publiziert.
Der Prozess richtete sich an von einem Architekten geleitete multidisziplinäre Teams, denen zudem ein Bauingenieur angehörte. Überdies bestand die Möglichkeit, weitere Spezialisten hinzuzuziehen. Die PSA befassten sich mit dem Umbau des Gebäudes des Werkhofs im Hinblick auf seine Nutzung. Die Architekten waren aufgefordert, den Raum zu gestalten, das Projekt im Hinblick auf den Raumbedarf der einzelnen Mieter umzusetzen.
Der Gemeinderat hat im Mai 2013 auf Antrag des Expertenkollegiums entschieden, das Architekten- und Bauingenieurmandat für die Studie und die Realisierung des Umbaus des Werkhofs an das Büro Bakker & Blanc Architectes Associés in Lausanne und das Büro Kälin & Rombolotto SA in Lausanne zu vergeben.
Architekturprojekt
Kontext
Das Gebäude stand seit seinem Wiederaufbau leer, da keine konkrete Nutzung festgelegt worden war. Es wurde jedoch immer davon ausgegangen, dass eine zweite Umbauetappe einschliesslich innenarchitektonischer Arbeiten stattfinden würde, sobald die künftige Nutzung bekannt ist.
Gemäss dem Ortsplan befindet sich das Gebäude in einer Bauzone von allgemeinem Interesse und ist geschützt (Stufe 1). Es unterliegt daher einer Reihe von Einschränkungen, die in den Artikeln 130 bis 138 und den Schutzartikeln 27 bis 61 des Baureglements aufgeführt sind und die mehrere Anforderungen an seine Nutzung und die Erhaltung seiner Substanz im Falle eines Umbaus stellen.
Weisungen des Amts für Kulturgüter (KGA)
Eine bauliche Intervention betrifft nicht nur das Gebäude an sich, sondern auch die kollektive Repräsentation eines Ortes. Diese Repräsentation besitzt wie jedes kulturelle Erbe eine gewisse Trägheit, die nicht ignoriert werden kann. Der Werkhof hat von Beginn weg und während Jahrhunderten seinen Standort und sein Umfeld geprägt. In der Geschichte der Stadt Freiburg wurde das Grundstück nur von zwei Bauten besetzt: vom ersten Werkhof im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts, wovon ein Teil der Fassaden – nun Innenmauer des Gebäudes – überdauert hat und vom zweiten Werkhof, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde.
Diejenigen Bauelemente, die den Brand überstanden haben, zeugen noch heute vom alten Gebäude und von der ursprünglichen Bestimmung des Ortes. Beim Wiederaufbau des Gebäudes konnte das historische Gedächtnis bewahrt werden. Die Längsfassaden mit derzeit provisorischen Verschlüssen wurden erneut mit Obergaden aus Eiche ausgestattet. Bei der Sanierung des Daches war grösste Zurückhaltung geboten, denn das riesige Dach des Werkhofs war in den früheren Darstellungen der Stadt und des Gebäudes ein prägnanter Aspekt.
Projektbeschreibung
Bakker & Blanc beschreiben ihr Architekturprojekt als "Innenfloss", in Anlehnung an die Nähe des mittelalterlichen Werkhofs zum Fluss. Die Betonstruktur dieses "Flosses" folgt dem Stützenraster des Werkhofes, obschon es von der bestehenden Hülle gelöst ist.
Im Erdgeschoss auf der Stadtseite gibt der Raum "TARA" (vom Namen des Projekts abgeleitet) die erste Bauetappe des Werkhofs vor. In ihm befindet sich ein grosser roher Empfangsbereich, der von der Geschichte des Ortes zeugt und von dem die Zugänge (Treppen, Aufzüge) zu den verschiedenen Stockwerken und Funktionen des Gebäudes ausgehen. Die verwendeten Materialien, von der Pflasterung mit Kieselsteinen aus der Saane bis hin zur Sandsteinwand aus dem 15. Jahrhundert, verleihen dem Ort seinen Charakter. Die Erhaltung dieses Raumes mit seinen freiliegenden Pflastersteinen entspricht den Anforderungen des Archäologischen Dienstes.
Auf der Seite der Felswand befinden sich die Räumlichkeiten der schulergänzenden Betreuung mit einem eigenen Eingang. Im ersten Stock liegen die Ausbildungsräume des Vereins Frima, jene des Zentrums für soziokulturelle Animation, die Räume für die Quartiervereine sowie Räume, die vermietet werden. Letztere sind durch leichte Trennwände abgeschlossen und bieten damit flexible Nutzungsmöglichkeiten.
Das zweite, über Treppen und einen Lift zugängliche Stockwerk unter dem grossen Dach des Gebäudes beherbergt den Mehrzweckraum und den Raum für die Dauerausstellung von Firma mit dem berühmten Modell der Stadt Freiburg nach dem Martini-Plan von 1606. Im dritten Stock mit Blick auf den Raum mit dem ausgestellten Modell finden temporäre Ausstellungen statt. Der Werkhof mit seinen verschiedenen Nutzern ist mitnichten ein ruhiges Museum, sondern ein lebendiger Ort, wie er es ursprünglich war, was dem Wunsch der Stadt entspricht, erneut Dynamik in die historischen Quartiere zu bringen.
Struktur
Das Projekt hat seine eigene Struktur und stützt sich nicht auf die Struktur des historischen Gebäudes, die als zu unstabil angesehen wurde. Die neue Tragkonstruktion ist aus Stahlbeton und entspricht den geltenden statischen Normen und ist erdbebensicher. Sie besteht aus vor Ort gegossenen Stahlbetonstützen und -platten, mit Ausnahme der "V"-Säulen im Raum TARA, die vorgefertigt wurden. Der zentrale Betonkern und der Aufzugsschacht dienen gleichzeitig als Verstrebungen.