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R. ist einerseits neben Dreiland, Dreyeckland, TriRhena, metrobasel oder kurz Regio eine gebräuchl. Bezeichnung für die Region am Rheinknie, die sich über die drei Staaten Frankreich, Deutschland und Schweiz erstreckt, andererseits der Name eines Vereins, der auf Schweizer Seite im Auftrag der angrenzenden Kantone die Entwicklung dieses Raums zu einer europ. Grenzregion mitkoordiniert.
Basel liegt seit der Bildung von Territorialstaaten an Grenzen. Von den regionalen Besuchern der Basler Messen Ende des 15. Jh. lässt sich je etwas über ein Drittel den heutigen Staaten Deutschland und Schweiz, der Rest Frankreich zuordnen. Nach dem Beitritt zur Eidgenossenschaft 1501 blieben die fruchtbareren und verkehrsmässig besser erschlossenen Reichsterritorien bzw. ab dem 17. Jh. zum Teil franz. Gebiete (Elsass) für die Stadt zentral. Bis zur Bildung moderner Nationalstaaten bot die Grenzlage kaum Schwierigkeiten, schob doch etwa Frankreich seinen Zoll erst 1791 von den Vogesen nach Saint-Louis vor. 1815 vereinfachten sich die Verhältnisse, indem der nördl. Teil des Fürstbistums (Birseck, 1793-1814 Teil von Frankreich) zum Kt. Basel kam und im Norden nur noch Frankreich und das Grossherzogtum Baden bzw. ab 1871 das Dt. Reich bestanden. Der Übergang zu Schutzzöllen (1878 Deutschland) förderte die Beziehungen teilweise, da Basler Unternehmen beidseits der Grenzen Betriebe einrichteten, v.a. die Textilindustrie und später die Chemie. Arbeitskräfte pendelten in beiden Richtungen, was ab 1900 die Anlage internat. Tramlinien erleichterte. Auch nutzten Basler günstigere Wohnbedingungen im benachbarten Ausland. Die Freizügigkeit erfuhr mit dem 1. Weltkrieg schwere Einschränkungen. Der grenzüberschreitende Personenverkehr erlangte in der Zwischenkriegszeit nicht mehr die einstige Bedeutung und kam während des 2. Weltkriegs fast ganz zum Erliegen. Nach Kriegsende schwoll er wieder an, blieb allerdings lange durch Vorschriften und Kontrollen behindert. Die Freizügigkeit erreichte erst gegen Ende des 20. Jh. wieder ähnl. Dimensionen wie vor 1914.
Nach dem 2. Weltkrieg intensivierten sich die Beziehungen. Die stärkste Verflechtung ergab sich auf dem Arbeitsmarkt, wo der Pendlerstrom allerdings fast nur noch Richtung Schweiz floss. Die Regionalisierung führte aber auch zu negativen Entwicklungen und Konflikten (umstritten ist z.B. die Verteilung der Kosten, die aus der Sanierung von Giftmülldeponien in allen drei Ländern entstehen, auf die versch. Gemeinwesen). Umgekehrt entstanden trinationale Bewegungen gegen die Umwelt beeinträchtigende Bauvorhaben, z.B. gegen die Atomkraftwerke Kaiseraugst und Fessenheim. Im Lauf der Zeit gewannen Freiburg i.Br. und Mülhausen gegenüber Basel an Gewicht. Das erste grosse grenzüberschreitende Projekt war 1946 der Flughafen Basel-Mülhausen (ab 1987 EuroAirport Basel Mulhouse Freiburg). Den Problemen der trinationalen Zusammenarbeit widmete sich als erste Organisation der 1963 gegr. Verein R., der für die Kt. Basel-Stadt und Basel-Landschaft (seit 1970), Aargau (seit 1996) sowie Jura und Solothurn (seit 2003) Koordinationsaufgaben im Sinn der "kleinen Aussenpolitik" übernimmt. Von 1971 an trafen sich Vertreter des dt. Landkreises Lörrach, des franz. Departements Haut-Rhin sowie von Basel-Stadt und Basel-Landschaft zu Gesprächen, die sie ab 1975 staatsvertraglich geregelt als Comité tripartite weiterführten. Seit 1989 koordinieren die Univ. Basel, Freiburg, Karlsruhe, Strassburg und Mülhausen ihre Tätigkeit als Eucor. Städte, Gem. und andere Gebietskörperschaften vernetzen sich seit 1995 v.a. im Messe- und Tourismusbereich als Regio TriRhena (seit 1997 mit einem Rat). Als Verein entstand 2002 die Trinationale Agglomeration Basel mit anfänglich 56 Gebietskörperschaften, welche die Attraktivität der R. als Lebens- und Wirtschaftsraum steigern möchte. Der Verein metrobasel nahm sich ab 2005 v.a. trinationalen wirtschaftl. Fragen an. Dazu kam 2007 der Trinationale Eurodistrict Basel, der Basel-Stadt, Gem. aus den Kt. Basel-Landschaft, Aargau und Solothurn und dem Landkreis Lörrach sowie drei elsäss. Gemeindeverbände umfasst. Ein weit grösseres Einzugsgebiet deckt zudem seit 1992 die Dt.-Franz.-Schweiz. Oberrheinkonferenz ab, seit 1998 mit dem Oberrheinrat als parlamentar. Versammlung. Das Nebeneinander dieser Institutionen mit unterschiedl. Kompetenzen und Zielen, die zudem auch jeweils versch. Teilgebiete der R. organisieren, rief Anfang des 21. Jh. Kritik hervor; gefordert wurde v.a. eine bessere Koordination.
Literatur
– R. 1-, 1959/60-
– Schr. der Regio 1-, 1965-
– D. Rippmann, Bauern und Städter, 1990
– B. Speiser, Europa am Oberrhein, 1993
– Eidg. "Grenzfälle": Mülhausen und Genf, hg. von W. Kaiser et al., 2001
– Die Schweiz und der dt. Südwesten, hg. von U.R. Kaufmann, 2006
– P. Felder, E. Gschwind, Grenzfall Basel-Stadt, 2009
Autorin/Autor: Bernard Degen