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John Waters wird an der 72. Ausgabe des Locarno Film Festivals mit dem Pardo d'onore Manor ausgezeichnet. Der US-amerikanische Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler wird den Preis am Freitag, 16. August auf der Piazza Grande entgegennehmen. Im zweiten Teil des Abends wird auf der Piazza Grande Cecil B. DeMented (2000) gezeigt. Die Vorführung ist Teil der neuen „Crazy Midnight“-Vorstellungen, die einen unkonventionellen Charakter haben werden.
Zu Ehren von John Waters präsentiert das Festival eine Auswahl von Filmen aus seinem Lebenswerk. Der amerikanische Regisseur wird bei der Projektion von A Dirty Shame und Female Trouble persönlich anwesend sein. Polyester wird im ODORAMA-Verfahren gezeigt, so wie der Film 1981 als einer der ersten Versuche von Geruchskino in die Kinos kam: Das Publikum erhält eine Duftkarte, an der es an bestimmten gekennzeichneten Stellen des Films rubbeln muss, um Gerüche freizusetzen. Am Samstag, 17. August um 13.30 Uhr können Interessierte im Spazio Cinema zudem einem Gespräch mit John Waters beiwohnen. Dieser wird auch an einer exklusiven Begegnung mit jungen Filmtalenten im Rahmen der Locarno Academy teilnehmen.
John Waters wurde 1946 in Baltimore, Maryland, geboren und gehört zu den exzentrischsten und skandalträchtigsten Regisseuren des internationalen Independent Films. Gekrönt mit dem Übernamen „Pope of Trash“ hat Waters als Autor kontroverser Filme in den über fünfzig Jahren seiner Karriere mit einem besonders ironischen und provokanten Blick von Problemen erzählt, die die Gesellschaft und die Kunstwelt seiner Zeit durchdrangen. Dabei hatte er es vor allem auf traditionelle westliche Werte abgesehen.
Schon in jungen Jahren debütiert Waters hinter der Kamera mit einer Reihe von Kurzfilmen wie Hag in a Black Leather Jacket (1964) und Roman Candles (1966). In jener Zeit beginnt auch seine Zusammenarbeit mit Harris Glenn Milstead alias Divine, der bald seine Muse wird, in seinem ersten Spielfilm Mondo Trasho (1969) die Hauptrolle übernimmt und ihn durch weite Teile seines Schaffens begleitet. Es folgten Multiple Maniacs (1970) und der Beginn einer weiteren wichtigen Partnerschaft in Waters' Karriere: die Zusammenarbeit Bob Shaye und dem US-Vertriebsunternehmen New Line Cinema.
1972 kommt der Durchbruch mit Pink Flamingos (1972), der zum Manifest des Trash Films wird und ihn durch seinen individuellen und unvergleichlichen Stil berühmt macht. Nach Female Trouble (1974) und Desperate Living (1977) gibt Waters seine visuellen Exzesse auf, aber nicht seine Lust an der Provokation. 1981 drehte er Polyester, mit dem er sich dem breiten Publikum nähert. Mit Hairspray (Fat is Beautiful, 1988), seinem letzten Film mit Divine, der kurz nach Ende der Dreharbeiten stirbt, gelingt ihm ein Mainstream-Erfolg.
In den Neunzigerjahren, Waters befindet sich noch immer auf dem Höhepunkt seiner Karriere, dreht er Cry-Baby (1990) mit Jonny Depp. 1994 kommt Serial Mom in die Kinos, eine Verschmelzung seiner provokativen, extremen Poesie mit dem Genre der politischen, satirischen Komödie, die man als "Hollywood underground" bezeichnen könnte. Nach diversen Arbeiten als Schauspieler nimmt John Waters mit Pecker (1998) und mit dem Film Cecil B. DeMented (2000) wieder Platz hinter der Kamera. 2004 bestätigt er mit A Dirty Shame erneut seinen Hang zur Abweichung von traditionellen Werten.
Lili Hinstin, künstlerische Leiterin des Locarno Film Festivals: "Für meine erste Ausgabe bildet die Auszeichnung von John Waters mit dem höchsten Preis des Festivals ein perfektes Manifest. Sein verspieltes Werk, kühn und voller Freude, ist ein Symbol für die Freiheit, fernab der political correctness, die heute unser Leben bestimmt. Sein politisches und ästhetisches Engagement ist gerade heute von vitaler Bedeutung, und ich bin extrem glücklich und geehrt, sein unglaubliches Werk mit dem Festivalpublikum teilen zu dürfen."
Dieses Jahr wird das Locarno Film Festival musikalisch eingeläutet. Das Orchester der italienischen Schweiz unter der Leitung von Philippe Béran wird am Mittwoch, 7. August um 15.30 im Palexpo (FEVI) den von John Waters ausgewählten Stummfilm Show People von King Vidor, USA, 1928 begleiten. Waters begründet seine Wahl so: "(...) Kein Film, der Hollywood ironisch beleuchtet, der sich über die Anfänge von Gloria Swanson lustig macht oder über Filme mit Marion Davies (der berühmtesten "offiziellen Kurtisane" der Geschichte?) oder der von King Vidor gedreht wurde (von dem mir besonders Beyond The Forest und Stella Dallas gefallen), oder in dem Darsteller auftreten wie Louella Parsons, Charlie Chaplin oder Douglas Fairbanks, kann schlecht sein. Im Gegenteil, er klingt perfekt."
Zu den Gewinnerinnen und Gewinnern des Pardo d'onore der vergangenen Festivalausgaben gehören Samuel Fuller, Jean-Luc Godard, Ken Loach, Sydney Pollack, William Friedkin, Jia Zhang-ke, Alain Tanner, Werner Herzog, Agnès Varda, Michael Cimino, Marco Bellocchio, Alejandro Jodorowsky, Jean-Marie Straub, Todd Haynes und 2018 Bruno Dumont.
Der Pardo d'onore wird von Manor unterstützt, dem Hauptpartner des Locarno Film Festivals seit 2001.
Die 72. Ausgabe des Locarno Film Festivals findet vom 7. bis 17. August 2019 statt.