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In den Jahren 1852 bis 1853 fotografierte Carl Durheim im Auftrag der Eidgenossenschaft hunderte aufgegriffene und festgehaltene Heimatlose und Fahrende. Der Berner Pionierfotograf schuf damit einen weltweit einzigartigen Bestand an Polizeifotografien. Das Schweizerische Bundesarchiv digitalisierte die über 200 Salzpapierabzüge umfassende Sammlung und hat diese auf Wikimedia Commons veröffentlicht.
Heimatlose und Fahrende wurden im 19. Jahrhundert als ordnungs- und sozialpolitisches Problem betrachtet. Die „Sozialreformer" sahen im „Vagabundieren" ein Übel, das von einer fortschrittlichen Gesellschaft überwunden werden sollte. Bis ins 19. Jahrhundert hinein fanden sogenannte „Betteljagden" statt, bei denen Arme und Fahrende aus dem Gemeindegebiet vertrieben wurden. Später wurden die Methoden subtiler: Regelmässige Arbeit, ein fester Wohnsitz sowie der obligatorische Schulbesuch der Kinder - mit solchen Vorschriften sollten die Fahrenden in die Gesellschaft eingegliedert und die nicht-sesshafte Lebensweise zum Verschwinden gebracht werden. Durchgesetzt wurden sie mit einer Mischung aus Hilfe und Zwang.
Die politische Fremdenpolizei liess von 1849 bis 1852 in einer schweizweiten Polizeiaktion Heimatlose aufspüren, registrieren und zwangsweise einbürgern. Anfangs 1852 erhielt der Berner Pionierfotograf Carl Durheim von der Eidgenossenschaft den Auftrag, die in einem Berner Gefängnis inhaftierten Heimatlosen und Fahrenden zu fotografieren. Bei den dabei entstandenen Porträts handelt es sich, nach heutigem Kenntnisstand, um den weltweit frühesten überlieferten Bestand an Polizeifotografien.
Im Auftrag der Behörden wurde eine klar definierte Bevölkerungsgruppe systematisch und standardisiert in fotografischer Form festgehalten und beschrieben. Die neue Technologie der Fotografie ermöglichte es, Personen anhand ihres Aussehens leichter zu identifizieren und galt als Fortschritt für die polizeiliche Arbeit.
Die Fotosammlung im Bundesarchiv
Von Carl Durheims Fahndungsfotografien sind 221 Salzpapierabzüge im Bundesarchiv erhalten. Diese wurden nun digitalisiert und auf Wikimedia Commons zugänglich gemacht. Salzpapiere sind durch Silberchlorid sensibilisierte Fotopapiere, die vor allem beim Verfahren der Kalotypie angewendet wurden. Die faserige Struktur des Papiers liefert grobkörnige Bilder mit weichen, leicht unscharfen Konturen, was den Aufnahmen einen malerischen Reiz verleiht. Salzpapier wurde in der Fotografie nur während einem kurzen Zeitraum als Trägermaterial eingesetzt. Da es zudem anfällig für Vergilben und Verblassen ist, wird es in fotografischen Sammlungen als Rarität angesehen.
Die Bildersammlung ist auch als Quelle für die Fotografiegeschichte interessant, da sie über die Arbeitsweise eines der ersten professionellen Fotografen der Schweiz Aufschluss gibt. Darüber hinaus reflektiert sie auch den Umgang der bürgerlichen Kultur des 19. Jahrhunderts mit der ihr fremden Gruppe der Heimatlosen und Fahrenden.
Zusätzliche Hintergrundinformationen und Hinweise auf weitere Unterlagen im Bundesarchiv finden Sie auf der Seite zum Thema Heimatlose und Fahrende.
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