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James Gray ist jener us-amerikanische Autorenfilmer, der eigentlich wohl nur dank dem Festival von Cannes ein wenig international bekannt geworden ist. Seine grösseren und kleineren Filme sind oft auf Kritiker-Wohlwollen gestossen, aber selten auf ein riesiges Publikum.
Oft hat er filmisch Felder beackert, auf denen er gleichzeitig persönlich und doch epigonal zu wirken schien, etwa We Own the Night von 2007.
Jetzt aber lässt er seine eigene Familiengeschichte auf der Leinwand auftauchen. Sein Alter Ego als verträumter Schuljunge heisst Paul Graff. Und die Graffs leben in einer New Yorker Nachbarschaft, die eben langsam gentrifiziert wird.
Das kommt Pauls Vater entgegen, der als Klempner arbeitet und in all den aufstrebenden Bauten mehr als genug Arbeit findet. Und Pauls Mutter Esther (Anne Hathaway), die in der Schulpflege von Pauls Public School Einsitz genommen hat und lokalpolitische Ambitionen hegt.
Pauls Bruder geht übrigens nicht an die öffentliche Schule, sondern an eine jener teuren Private Schools, die von je her gentrifiziert waren und es auch bleiben wollen. Zu den Gönnern der Schule gehört der Baulöwe Fred Trump, der in dieser Zeit, zu Beginn der Reagan-Jahre der 1980er schon begonnen hatte, Afroamerikaner aus den von ihm bebauten Nachbarschaften zu verdrängen.
Trumps Tochter Maryanne, die ältere Schwester von Donald Trump, taucht denn auch mit einer Begrüssungsansprache an die Schüler der Schule auf, in der sie ihre Karriere als Richterin als einzig und allein ihrer harten Arbeit geschuldet darstellt. Dass Jessica Chastain in der Rolle auch an Ivanka Trump erinnert, ist wohl nicht von ungefähr.
Pauls bester Freund an der Schule ist der schwarze Johnny, der bei seiner dementen Grossmutter lebt und die Klasse schon mehrfach wiederholen musste. Johnny ist smart, aber allein. Bis Paul auftaucht. Der ist verträumt, zeichnet und malt lieber, als zu büffeln.
Und Paul hört eigentlich nur auf seinen Grossvater (Anthony Hopkins) seine Eltern blendet er nach Möglichkeit aus.
Der Titel des Films bezieht sich übrigens auf einen Ausruf von Pauls Grosstante gegen Ende des Films. Da wird nämlich klar, dass Ronald Reagan Jimmy Carter als Präsident der USA ablösen wird. Und Reagan ist mehr als ein «Falke», er will aufrüsten gegen die Sowjetunion, das «Reich des Bösen», wie er es nennt, via Wettrüsten wirtschaftlich in die Knie zwingen.
Das heisst Atomkrieg, wir werden alle sterben, ruft die Grosstante aus.
Armageddon Time eben.
Das ist ein schöner Film, der die frühen Reagan-Jahre, die Klassen- und Gentrifizierungsspannungen in New York und die politische Dynamik der Stadt anschaulich auf die Leinwand bringt. Aber auch diesem James-Gray-Film fehlt letztlich der analytische Biss, das überspitzte, fiebrige, das etwa die Filme von Martin Scorsese zeitlos und fiebrig macht.