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Leo Nussbaumer (Wölfli's) erinnert sich
Dr. Waeber…
…war der erste Arzt in Oberägeri, welcher im Dorf gewohnt und in Oberägeri praktiziert hat. 1922 hat er mit der Praxis angefangen, diese war zunächst am Dorfbach in der Ecke schräg vis à vis des "Ochsen" gelegen. Die Praxisräumlichkeiten dort sind nur gemietet gewesen. 1934 dann hat Dr. Waeber das Arzthaus auf Rogenmoser Meiris Land Ecke Hauptstrasse/ Fischmattstrasse bauen lassen. Hausbesuche sind damals an der Tagesordnung gewesen und die Leute wussten, wenn der Doktor 2x am Tag auf Visite gekommen ist, dass es ernst um den Patienten stand. Patienten hat Dr. Waeber bis Rothenthurm und Sattel betreut. In Sattel hat er ein nur für ihn reserviertes Ordinationszimmer im Restaurant Bauernhof gehabt, wo er jeden Dienstag Sprechstunde hielt. Die Wirtin, die „Puurehoof-Regine“ (Schuler) hat grosse Stücke auf den Arzt gehalten und gut zu ihm geschaut. Die Sattler haben die Dienste des Arztes dort gern in Anspruch genommen, aber es hat auch Bauern gegeben, die sogar bei Schnee nach Oberägeri zu Fuss zum Arzt gelaufen sind, wobei sie jeweils auf dem Rückweg in der Apotheke Medikamente geholt haben. Mein Vater hat den Doktor öfters mit dem Fuhrwerk auf die Hausbesuche kutschiert, wobei er immer wieder auf den Fuhrlohn hat verzichten müssen, mit der Begründung, er, der Doktor, erhalte ja auch nichts, beim Patienten sei nichts zu holen. Später habe ich den Doktor dann mit dem Jeep gefahren, wobei es immer schwieriger geworden ist, ihn über das hohe Trittbrett ins Fahrzeug zu bugsieren. Neben der Praxis hat sich Dr. Waeber auch im Samariterverein engagiert. Von einer Übung beim "Ochsen" am Bach gibt es auch noch Bilder mit Dr. Waeber und Lehrer Annen, die aus den Dreissigerjahren stammen müssen.
Die Apotheke…
… hat schon im 19. Jh. bestanden (ab 1884) und war an der Hauptstrasse, wo jetzt der Velohändler ist. Der Apotheker Bruno Wiest ist gleich alt gewesen wie Dr. Waeber. Die "Apotheker Wiest" sind Deutsche gewesen, welche sich in Oberägeri eingekauft haben. Neben der Apotheke haben sie auch noch einen Spezereiladen betrieben. In diesem Rahmen haben sie auch Limonade hergestellt, welche der Radler Kari, der damalige Gemüsehändler, welcher ein Fuhrwerk besessen hat, einmal monatlich bis nach Sattel und Rothenthurm und auch auf den Gubel geliefert hat. Die Limonade ist vom Meier Albert, einem älteren Arbeiter gemacht worden, wo, nach dem er alle Flaschen abgefüllt hat, den Rest aus dem Bottich an die Schulkinder ausgeschenkt hat. Der letzte Wiest auf der Apotheke ist Hugo Wiest gewesen. Die Apotheke hat dann 3 oder 4 Mal die Hand gewechselt, bis sie dann 1984 von Dr. Peter Mattmann übernommen worden ist. Dieser hat dann 1988 auch im aufstrebenden Unterägeri eine Apotheke eröffnet. Die Oberägerer Apotheke ist dann im Jahr 2000 endgültig zugegangen.
Dr. Egli…
…welcher aus Zürich stammte, hat 1957 die Praxis von Dr. Waeber übernommen. Er hat die Visiten im Bauernhof in Sattel beibehalten und zwar mittwochs und samstags. Patienten sind jedoch auch von ihm im Sattel abgeholt und nach Oberägeri chauffiert worden. Dr. Egli hat einen Citroen „Sahara“ besessen mit einem hinteren und einem vorderen Motor und Allradbetrieb, welchen er gerne den Leuten vorgeführt hat, indem er Treppen hochgefahren ist. Der Dr. Egli hat immer "s'Chalb“ gemacht. Die Praxis hat er höchstens 8-9 Jahre betrieben. Er hat auch Zähne gezogen und wenn etwas nicht geklappt hat, dann dem Zahnarzt nach Zürich überwiesen. Er ist gegangen, weil die Gemeinde ihn "verruckt gemacht" hat. Die haben ihm nämlich nicht erlaubt, am See hinten im Feld ein Haus zu bauen. Als die Gemeinde dann die Bewilligung doch gegeben hat, weil gemerkt wurde, dass er geht, da hat er sie nun auch nicht mehr haben wollen. Dr. Egli ist auch bekannt gewesen für seine groben Sprüche. Als das Merz Käthi seine Tochter aus dem Dachzimmer in die warme Stube hat bringen wollen, hat der Doktor abgelehnt mit der Bemerkung, er geht jetzt nachschauen, was sie für eine „Dreckornig“ hat „überobe“ und einem Bauern, welcher zum Ohrenspülen gekommen ist, hat er das Ergebnis mit der Bemerkung „hesch du aber en Miststock im Grind“ präsentiert. Seine Sprüche hat ihm jedoch niemand nachgetragen, da man ihn ja gekannt und ihn als Arzt respektiert hat. Keiner hat einen anderen Arzt gewollt und viele haben seinen Wegzug bedauert.
Dr. Zäch…
… aus dem St. Galler Rheintal hat 1966 die Nachfolge von Dr. Egli angetreten und bis 1988 praktiziert. Die Visite im Bauernhof in Sattel hat er jeweils mittwochs beibehalten, ich glaube bis zum Tod der Wirtin. Dr. Zäch ist ein bescheidener, ruhiger Mann gewesen, den man eher hat fragen müssen, als dass er zu viel geredet hat. Vor allem Verunfallte haben seine gründliche Nachbehandlung und -betreuung sehr geschätzt. Dr. Zäch hat auf dem Rückweg von seinen Waldspaziergängen manchmal einen dicken grossen Knebel aus dem Wald mit sich geführt, der seiner kleingewachsenen Person doch noch etwas Imposantes gegeben hat.

Die Geschichte der Praxis Dr. Schalch
Die heutige Praxis Dr. Schalch entstand 1922 als erste Praxis in Oberägeri, als Dr. med. Paul Waeber (1884-1963) sich hier niederliess. Die Praxisräumlichkeiten waren zunächst im Haus am Dorfbach (heute Bachweg 4) eingemietet, bevor Dr. Waeber 1934 sein Arzthaus mit Praxis an der Fischmattstrass 1/Ecke Hauptstrasse erbaute. 1957 wurde die Praxis von Dr. med. Eduard Egli (*1924, lebt hochbetagt in Maroggia/TI ) übernommen, welcher sie 1966 an Dr.med. Ernst Zäch (1922-1996) übergab. Dr. Zäch verlegte die Praxis 1979 aus dem Arzthaus nach schräg gegenüber an die Fischmittstrasse 2. Er praktizierte bis 1988 und gab dannzumal die Praxis an Dr. med. Emil Schalch weiter.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten im Ägerital staatlich patentierte Ärzte die nicht akademisch gebildeten Scherer, Barbiere und Wundärzte fast gänzlich verdrängt. Von Anfang an kam der neuen Praxis daher eine wichtige Rolle bei der medizinischen Grundversorgung der lokalen Bevölkerung zu. Als typische Landarztpraxis war diese seit jeher auf Familienmedizin spezialisiert, was heisst, dass Frauen, Männer und Kinder nach bestem Wissen und Gewissen umfassend internistisch, kleinchirurgisch, pädiatrisch, und gynäkologisch/ geburtshilflich versorgt wurden.
Diese Landarzt-Tradition wird von der Praxis Dr. Schalch nun seit über 25 Jahren weiterhin hochgehalten, obwohl aufgrund der zunehmenden Verfügbarkeit von Spezialärzten pädiatrische und vor allem gynäkologische Patienten immer weniger werden. Mit dem immer Älterwerden der Bevölkerung haben chronische Krankheiten und Patienten mit gleichzeitig mehreren Krankheiten zugenommen, was eine neue Aufgabe für unsere Praxis darstellt. Auch die Zuwanderung und Internationalisierung der Talbevölkerung und die damit zusammenhängende Sprachenvielfalt hat Auswirkungen auf die Praxisführung. Wir stellen uns diesen neuen Herausforderungen nicht nur mit einer modernen Praxisausstattung, sondern auch mit einer modernen Praxisorganisation, bei welcher die Betreuung der Patienten nicht mehr nur in den Händen des Arztes liegt, sondern diese als Teamaufgabe unter Verantwortung des Arztes wahrgenommen wird.
Eine weitere Entwicklung in der modernen Grundversorgung ist die für grosse Teile der Bevölkerung wieder aktuell gewordene Natur- und Komplementär- medizin. Als fachlich breit verankerte Grundversorgerpraxis bieten wir komplementärmedizinische Verfahren an, wobei wir dabei die schulmedizinischen Kriterien "wirksam - zweckmässig - wirtschaftlich" in den Vordergrund stellen.
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