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Akrobatische Gletscherschmelze
Das Stück fängt an und es geschieht erst einmal nichts. Eine Person mit weissem Ganzkörper-Turnanzug liegt auf einer grünen Campingmatte. Dann öffnet sie den Verschluss derselben und lässt die Luft raus. Ein «schschsch» ist zu hören und das Publikum lacht. Weiter geschieht – nichts. Auf einmal beginnt die Person auf der Matte zu sprechen. Wir im Publikum sollen es uns bequem machen, viel Raum einnehmen, so dass wir mehr Raum einnehmen als die Person neben uns. Das Gesprochene wirkt, wie wenn eine Yogalehrerin Instruktionen vermittelt. Im Kontext des Tanzstücks wirkt es witzig. Dann beginnt die Person die grüne Matte zu zerquetschen und die Luft rauszudrücken. Es sieht aus wie ein weisser Eisklotz, der diese grüne Fläche umfasst, als ob es um sein Überleben ginge. Irgendwann beginnt die Person in weiss über die Bühne zu tanzen, erst vorne, dann hinten am Ende wieder vorne. Einmal wirkt eine Bewegung wie brechendes Eis, was über die Musik ebenfalls zu hören ist. Zwischendurch steht sie in der Mitte der Bühne und trägt mehrere Gletscher Namen vor. Am Ende liegt sie wieder auf der Matte und bewegt sich in runden Bewegungen ganz langsam zum Ton von brechendem Eis.Das Stück behandelt Bequemlichkeit in Zeiten der Klimakrise und genauso, wirken die Brüche und Fragmente der Choreografie. Zwischen witzig und seriös zeigt das Stück die Fragestellungen der Klimajugend auf. Wenn sie zum Nachdenken angeregt werden wollen, kann ich es Ihnen empfehlen.
Leider Nüt
Leider konnte das Stück Alles & Nüt am 1.2.2022 nicht gezeigt werden, weil der:die Tänzer:in Ikenna Nwaogu krank war. Die Videoproduktion mit Musik zeigte ein kleines Licht auf einer schwarzen, flackernden Leinwand, die an den Ecken unruhig heller und dunkler vibrierte. Aus dem Licht wurde später eine mundartige Öffnung, die sich in violettes Wasser mit goldener Umrandung wandelte und die gesamte Projektionsfläche immer mehr einnahm. Die sphärische Musik begleitete das Geschehen, bevor sie dann in Afrobeats umschlug. Es wäre spannend gewesen zu sehen, wie der Tanz das Video und die Musik ergänzt hätte. Diese Chance bietet sich am 11.2. im Rahmen eines Sharings im Tanzhaus Zürich.Das Thema des Stücks war Stream-of-consciousness im Tanz. Dazu passte sowohl das Video, sowie auch die Musik der Künstler:innen.
Transzendierte Bildschau
Mit viel Elan und Spass tanzte das Collectif Foulles seine Tale n. 1 2 3. Dabei frieren sie immer wieder Bilder ein, die mir teilweise nichts sagen und teilweise Déjà-vus hervorrufen. In einer Stellung strecken sie alle ihre Zunge heraus und irgendwie kommen mir diese Posen bekannt vor. In einer anderen stehen sie hintereinander im Vierfüsslerstand und streicheln sich die Achillesfersen. In einem weiteren Bild zieht die eine Tänzer:in ihr blaues Tuch unter dem durchsichtigen Top weg und legt es über das Haupt ihrer Kolleg:in, worauf diese wie eine Marienstatue wirkt. Gegen Ende stehen sie alle hinten am Rand des auf den Boden projizierten Rechtecks und schauen auf der dunklen Seite hinunter. Sie könnten an einer Klippe stehen. Daraus entsteht langsam eine mittelalterliche Band, die Musik zu Rhiannas Lied Pon de Replay spielt, eine sehr witzige und zugleich absurde Szene. Dann stehen sie ohne Musik vorne am Rechteck und schwanken gemeinsam. Eine Person stehend, eine Person sitzend und die letzte das Bein nach oben haltend. Plötzlich Musik, die Darsteller:innen fallen um, das Rechteck ist weg. Der ganze Raum wird zur Bewegung genutzt, wobei immer jemand steht, jemand sitzt und jemand liegt. Sie tanzen immer näher an die Wand hinten im Raum, um dort ein letztes Tableau Vivant zu zeigen, bevor das Licht ausgeht.
Das Collectif Foulles untersucht in seinem Stück Tale n. 1 2 3 die Beziehung von Vergangenheit und Gegenwart und wie daraus unsere Zukunft bereichert werden kann. Dieses Konzept ist in der mittelalterlichen Band, welche Rihanna spielt gelungen. Auch sonst hat dieses Tanzstück gute Laune, Spass und Freude bereitet. Gehen sie hin es lohnt sich.