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Für jene Lieferanten, die aufgrund der Priorisierung in das Risikomanagement einbezogen werden, identifiziert man in diesem Prozessschritt die aus der Beschaffung entstehenden Risiken.
Grundsätzlich können Risikopotentiale bei der internationalen Beschaffung aus den folgenden Bereichen entstehen (vgl. Ospelt et al. 2019):
Tabelle 8: Instrument: Moderationstool für die Identifikation und Bewertung der Risiken
Eine Checkliste, wie sie das im Anhang enthaltene Moderationstool enthält, kann helfen, potentielle Risiken zu erkennen. Für die zu analysierenden Lieferanten des Unternehmens wird bestimmt, welche Risiken relevant sind (Tabelle 8). Es handelt sich dabei um Risiken aus folgenden Risikogruppen: Externe Risiken, Risiken im Zusammenhang mit dem Lieferanten, Risiken im Zusammenhang mit den Unterlieferanten, Risiken im Zusammenhang mit dem Rohmaterial, Risiken im Zusammenhang mit der Logistik sowie Interne Risiken. Die Liste von möglichen Risiken wird allenfalls ergänzt um zusätzliche Risikopotentiale, die für das Unternehmen relevant sind.
Tabelle 9: Risiken dokumentieren
Die identifizierten Risiken müssen dokumentiert und beschrieben werden, um sie später bewerten zu können, d.h. um deren Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung einschätzen zu können. Dazu dient das Dokument Risikobeschreibung, das im Anhang enthalten ist und in Tabelle 9 dargestellt wird. In dieser Tabelle werden für die identifizierten Risiken die Bezeichnungen, Zuständigkeiten, Kategorien, Beschreibungen und deren Treiber eingetragen.
In der folgenden Abbildung ist der Prozessablauf zur Identifikation von internationalen Beschaffungsrisiken dargestellt (Tabelle 10). Die Spalten der Verantwortlichkeiten müssen durch das Unternehmen definiert werden.
Tabelle 8: Prozessablauf Risikoidentifikation
D Durchführungsverantwortung (diese Stelle ist verantwortlich für Umsetzung)
M Mitwirkung (diese Stelle ist verpflichtet mitzuwirken)
I Information (diese Stelle muss informiert werden)
GF Geschäftsführer
FB Fachbereich
MA Mitarbeitende (z.B. operative Einkäufer)
RM Risikomanager
Tabelle 11: Erläuterungen zu den Prozessschritten
Die Checkliste mit den potentiellen Beschaffungsrisiken ist das Arbeitsmittel, um die Risiken für die priorisierten Lieferanten zu identifizieren. Grundlagen zur Beschreibung der Risiken sind externe Quellen und das Wissen der involvierten Mitarbeitenden.
Tabelle 12: Checkliste Risikoidentifikation
Der Lieferantenaudit ist eines der wichtigsten und effektivsten Mittel, um Risiken zu identifizieren. Ein Audit läuft in fünf Schritten ab. Grundlage dafür ist die Lieferantenaudit Checkliste:
Die identifizierten Risiken der internationalen Beschaffung müssen erfasst und beschrieben werden, damit sie im nächsten Schritt bewertet werden können. Dazu dient das folgende Template, das im Laufe des Risikomanagementprozesses für die Risiken Schritt um Schritt ausgefüllt wird. Die Zeilen mit fetter Umrandung werden in diesem Prozessschritt ausgefüllt.
Tabelle 13: Risiko und Massnahmenplan (Risikoidentifikation)
Die Instrumente AG hat die Risikoidentifikation für die priorisierten Lieferanten durchgeführt. Im Folgenden werden die Resultate einen Lieferanten aus Bangalore, Indien aufgezeigt. Für die Risikoidentifikation wurde die Checkliste der potenziellen Beschaffungsrisiken (Tabelle 14) eingesetzt. In einem Workshop mit dem Leiter Beschaffung und den zuständigen operativen Einkäufern wurden 11 Risiken definiert, die für die Lieferantenbeziehung relevant sind.
Für die Identifikation der Risiken war insbesondere der Input des operativen Einkäufers sehr wichtig, da dieser im Tagesgeschäft regelmässig mit diesem Lieferanten in Kontakt steht und damit wertvolle Einschätzungen in Bezug auf mögliche Risiken beisteuern konnte. Zusätzlich wurden die folgenden externen Datenquellen für die Identifikation der Risiken eingesetzt:
Tabelle 14: Risikoidentifikation der Instrumente AG für den Lieferanten Ashoka Inc.
Eine wichtige Quelle für die Einschätzung der Lieferanten sind finanzielle Dienstleister, wie z.B. Bisnode D&B (Abbildung 9). Sie stellen eine finanzielle und eine gesamtheitliche Risikoeinschätzung für Lieferanten zur Verfügung.
Abbildung 9: Auskunft von Dun and Bradstreet zur finanziellen Situation eines Lieferanten (Abdruck mit freundlicher Bewilligung der Bisnode D&B Schweiz AG, www.bisnode.ch)
Die Natural Hazards Edition der Munich Re stellt für die geographischen Standorte der Lieferanten eine hochkonzentrierte Zusammenstellung aller natürlichen Risiken zur Verfügung, wie zum Beispiel Erdbeben, Stürmen und Flutgefahren (Abbildung 10).
Abbildung 10: Informationen zu natürlichen Risken des Standortes eines Lieferanten (Abdruck mit freundlicher Bewilligung von Munich Re’s Risk Suite – Natural Hazards Edition https://www.munichre.com/de/loesungen/fuer-industriekunden/location-risk-intelligence/natural-hazards-edition.html