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Wir von PRIORI haben auch das erste und einzige Piratenmuseum in Madagaskar erstellt.
Das Piratenmuseum wurde 2008 eingeweiht. Seiher hegen und pflegen wir es und empfangen viele Besucher und Besucherinnen aus aller Welt.
Zudem berichtet eine Sonderausstellung über das abenteuerliche Leben des Grafen Benyowsky. Der Zeitgenosse von Naopelon ernannte sich selbt zum König von Madagaskar und suchte umtriebig nach Sponsoren. Die mehrfach verfilmte Geschichte dieses Edelmannes endete tragisch: die Franzosen brachten ihn um.
Der Name des ungarisch-slovakisch-polnischen Grafen wird ganz unterschiedlich geschrieben:
Moritz Benyowsky, Moritz Benyowski, Moritz August Benjowski, Móric Ágost Benyovszky , Móric August Beňovský
Im Mai 2022 besuchte uns der ungarische Reisende József ZELEI, der mit seinem Fahrrad den Spuren von Benyowsky folgt. So war er im ostrussischen Halbinsel Kamtschaka, wo Benyowsky in Gefangenschaft war, floh und über Japan und den Indischen Ozean nach Madagaskar gelangte.
FAHRRADTOUR FÜR DEN FRIEDEN – ZUR ERINNERUNG AN GRAF BENYOVSZKI 2022
Dieses Denkmal wurde von JOZSEF ZELEI, der Botschafter der Weltfahrradtour für den Frieden, und berühmter ungarischer Radfahrer, geschenkt, um Graf BENYOVSZKI Ehre zu erweisen.
Graf Benyovski starb hier auf der Insel Madagaskar.
Salama aus Antananarivo, die Hauptstadt der grossen Insel
In Madagaskar hat hat das traditionelle madagassische Haus einen einfachen rechteckigen Grundriss, bedeckt mit Gras, Ziegelsteinen oder Wellblech.
Ursprünglich bestanden die Hochlandhäuser aus einem einzigen Raum und wurden im 18. Jahrhundert ausschliesslich mit Holz gebaut, da es zu dieser Zeit lediglich gestattet war, Grabstätten mit Steinen zu bauen.
Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, als viele Regen- und Trockenwälder des Hochlandes inzwischen gerodet waren und der Transport des Holzes und der Bretter mühselig wurde, setzte sich der Lehmbau im Hochland durch. Die Franzosen, die Engländer und die Missionare spielten dabei eine grosse Rolle, denn sie haben den Einheimischen die Herstellung von Lehmziegeln und die Verwendung der luftgetrockneten Backsteine und Tonziegel in Antananarivo beigebracht.
So begann die moderne Architektur im Hochland von Madagaskar zu blühen. Auf madagassisch heissen diese Hochlandhäuser «Trano Gasy» und sie werden mit Backsteinen in verschiedenen Farbtönen wie rot, braun, ocker bis rosa gebaut. Eine schön geschnitzte und bunt bemalte Holzveranda zeigt ländlichen Reichtum.
Vor dem Hausbau wird immer der Astrologe oder Schamane für die günstigste Zeit für den richtigen Platz und für die Orientierung des Hauses zu Rate gezogen. Das Kultische verbindet sich auch mit den klimatischen Gegebenheiten. Wind und Sonneneinstrahlung sind bestimmende Elemente.
Traditionell werden die Hochlandhäuser in Madagaskar immer in Nord-Süd – Ausrichtung gebaut und die Türen und Fenster stehen mit dem Eingang nach Westen, damit die intensive Sonneneinstrahlung nachmittags in den Innenraum kommt.
Bei der Einweihung des neuen Hauses wird die ganze Familie eingeladen, Reis gemischt mit Honig und Milch wird an diesem wichtigen Tag an den Eingeladenen serviert.
Für weitere Frage über den Baustil in Madagaskar oder auch über ihre nächste Madagaskarreise stehen wir Ihnen zur Seite. Kommen Sie nach Madagaskar und bewundern Sie die sehr photogenen Dörfer und Häuser.
Ahnenwelt und Gräberkult spielen eine wichtige Rolle bei uns hier in Madagaskar. Heute möchte ich über die Familiengräber in Madagaskar sprechen.
Die Madagassen glauben, dass die Ahnen oder die Vorfahren im Jenseits weiterleben und über das Leben ihrer Nachkommen wachen. So sollte man sich den Gräbern bei uns nur mit grösstem Respekt nähern.
Hier im Hochland, also bei den Merina und Betsileo Volksgruppen befinden sich die grossen Familiengräber meistens ausserhalb der Städte, also in der Nähe der früheren Siedlungen der Vorfahren. Die Grabstätten werden aus Steinen gebaut. Alle Familiengehörige, also Grosseltern, Eltern, Onkel, Tanten, Kinder und Enkelkinder werden im Hochland in der gleichen Familiengruft bestattet. So wie das madagassische Sprichwort sagt: „Velona iray trano, maty iray fasana“, übersetzt „Lebendig im selben Haus, tot im selben Grab“.
Jede Region und Bevölkerungsgruppe in Madagaskar hat ihre Grabformen und natürlich auch ihre Rituale.
Im Süden Madagaskars bei den Volksgruppen der Sakalava, der Bara und der Mahafaly ist es Sitte, die Rinder der Verstorbenen zu schlachten und das Grab mit den Zebuhörnern zu schmücken. In diesem Gebiet zeigen die mächtigen Gräber das Prestige und den Reichtum des Toten bzw. seiner Familie.
Die Mahafaly-Ethnie ist besonders bekannt für ihre individuellen, bunt bemalten Grabmäler. Es handelt sich um rechteckige, grosse Grabstätten, die mit kunstvoll geschnitzten Grabstelen und Holzfiguren oder „Aloalo“ und mit vielen Zebuhörnern geschmückt sind. Diese „Aloalo“ symbolisieren die Vorlieben und Träume des dort Bestatteten. Häufig geben sie auch Auskunft über sein Leben. Es ist eine Art bebilderte Biografie.
Die meisten Ethnien Madagaskars, wie die Sihanaka und Bezanozano bestatten ihre Toten unter Erdhügeln. Darauf werden Steine oder Pfähle mit Zebuhörnern aufgerichtet.
Natürlich gibt es noch viel mehr zu diesem komplexen Thema zu sagen. Denn Madagaskar ist ein Land reich an Sitten und Gebräuchen. Kommen Sie zu uns und erfahren Sie mehr! Für Fragen zu ihrer Madagaskarreise, stehen wir Ihnen zur Verfügung.
Andringitra Avaratra oder „Der zweite Gipfel von Analamanga“
Ein Tagesausflug nach Andringitra Avaratra eignet sich hervorragend für eine interessante Entdeckungsreise ausserhalb der lärmenden Hauptstadt Antananarivo.
Eine gut ausgebaute, neue Strasse führt zuerst in Richtung Flughafen Ivato, dann nimmt man eine staubige Piste nach Ambosifasina und beim Dorf Alatsinainy beginnt die Wandertour zum idyllischen, abgeschiedenen Ausflugsziel Andringitra Avaratra. Eine richtige Herausforderung für echte Wanderer!
Die Wandertour durch die auslaufende Hügelkette in der Region von Andringitra Avaratra, rund 30 km nordwestlich von Antananarivo führt durch das Kernland des Merina-Königreichs vor der Kolonialzeit. Die Geschichte des Andringitra Avaratra-Gebirges ist eng mit dem berühmten und respektierten König Andrianjaka verbunden.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts betrachtete der König Andrianjaka vom Gipfel dieses Hügels (1716 m ü. M.) sein Königreich Analamanga. Diese Region war mit Sumpf und Reisfeldern bestanden und unzählige strohgedeckte Dörfer duckten sich entlang der Hügelflanken. Aus dieser Bevölkerung rekrutierte Andrianiaka seine tausend Soldaten, um einen neuen Königsitz zu erobern. Seine Armee baute auf der höchsten Erhebung der Imerina-Region eine grosse Festung rund um die Rova (Königspalast), später entwickelte sich aus dieser Bergfestung die Stadt Antananarivo, ins Deutsche übersetzt “die Stadtder Tausend“.
Nicht weit von Andringitra Avaratra liegt der Hügel Miakotso, wo der legendäre König Andrianampoinimerina nach der Eroberung der Region einen Palast baute. Dieser adlige Herrscher, ein Zeitgenosse von Napoleon, schlichtete den Streit in der Königsfamilie und vereinte Imerina zu einem Königreich. Die Legende erzählt auch, dass die Geister der Vazimba, also der ursprünglichen Bewohner Madagaskars, in diesen Hügel bis jetzt herumirren würden. Das mythische „Songomby„, ein wildes und aggressives Tier so gross wie ein Zebu, lebte damals in den umliegenden Höhlen und Wäldern. Die Dorfbewohner getrauten sich nicht, sich diesen abgelegenen Orten zu nähern.
Rings um das Königreich von Imerina liegen die drei hohen Gebirgszüge des Hochlandes: das Massiv von Ankaratra, Andringitra Avaratra und Ambohimanoa. Ein madagassischer Spruch sagt: “Ankaratra und Andringitra wollten aufeinander zugehen, aber Ambohimanoa wurde dazwischen geschoben“. Ambohimanoa ist der dritte Gipfel weiter im Norden. Dieser Spruch symbolisiert zwei Menschen, die sich lieben und sich durch den Bund der Ehe vereinen wollen, doch die Eltern sind gegen diese Eheverbindung.
Der Berg Ankaratra mit dem heiligen Gipfel „Tsiafajavona„, wörtlich übersetzt, „wo sich der Nebel nie auflöst“ liegt rund 90 Kilometer südlich der Hauptstadt im zentralen Hochland und stellt mit 2642 m den drittenhöchsten Gipfel Madagaskars. Ausgangspunkt einer erlebnisreichen Wandertour in diese Bergwelt ist die Stadt Ambatolampy. Das Massiv von Ankaratra sollte nur mit einem kundigen Lokalführer begangen werden. Schnell auftretende Nebelbänke und Blitzregen sind sehr häufig und gefährlich. Das breite Vulkangebiet ist von einem fruchtbaren Saum umgeben. Die Zone gilt als die Gemüsekammer des Hochlandes. Nebst allen Arten von Früchten gedeihen verschiedene Nahrungspflanzen wie Maniok, Süsskartoffeln und Taro.
An den steilen Hängen dieses Gebirge wachsen unzählige Heilpflanzen und Kräuter, die immer noch eine wichtige Rolle in der Volksmedizin spielen. Kundige Pflanzenheiler verwenden diese Medizinpflanzen in ihrer traditionellen Naturheilkunde, einige pilgern noch immer regelmässig zu diesen heiligen Orten, die nach wir vor für animistische Opferriten genutzt werden.
Während der Herrschaft des berühmten Königs Andrianampoinimerina (1787-1810), dem Gründer der Merina-Dynastie, bildete dieses Vulkangebiet namens „Vakin‘ Ankaratra“ die südliche Grenze seines Königreichs.
Laut Legende lag das Dorf „Ambohitrakoholahy“ (Hügel des Hahns) am Fuss des Gebirges Ankaratra. Eines Tages kam die Tochter des Schöpfergottes Andriananahary auf die Erde und brachte einen Hahn und eine Henne. Der Hahn wurde für die Ahnen geopfert, aus seinem Kopf quollen Paddy-Körner, die ausgesät wurden und dies ergab den Reis, den die Madagassen bis heute essen.
Der dritte Hügel heisst Ambohimanoa, der sich etwa 40 km nordwestlich der Hauptstadt in Richtung der Nationalstrasse 4 befindet. Mit seinen mehr als 1557 m ü. M. überragt er die Höhen von Marovantana (die westliche Region von Imerina Königreich). Vom Gipfel hat man einen atemberaubenden Panoramablick auf den Fluss Ikopa und die Ebenen entlang des Flussufers. Am Fusse dieses Hügels wurde zur Zeit der Königin Ranavalona III. Gold abgebaut, aus dem auch ihre berühmte Krone gefertigt wurde. Dieser royale Kopfschmuck wurde leider aus dem Palast von Manjakamiadana gestohlen und ist bis heute verschollen.
Die Königin wuchs in dieser Region im ruhigen und abgelegenen Dorf Ambohimanoa-Manjakazafy auf. Bis heute ist es verboten, Schweinefleisch, Knoblauch und Zwiebeln auf den heiligen Hügel Ambohimanoa zu bringen.
Auch im literarischen Werk mit dem Titel: „Midona moramora“ (Es donnert sanft) tauchen diese drei oben genannten Gipfel mehrmals gemeinsam auf, ebenso in einem Werk des berühmten „Ny Avana Ramanantoanina“, einem madagassischen Dichter, Patrioten und Freiheitskämpfers aus der Zeit der Kolonisation.
Wie gelangten Basler Ziegelsteine von Indien nach Madagaskar?
(Franz Stadelmann 1993) Der Aargauer Historiker Rudolf Fischer fand in Madagaskar Dachziegel aus dem letzten Jahrhundert, hergestellt in einer indischen Ziegelei der Basler Mission.
Rudolf Fischer mit historischem Ziegelstein der Basler Mission in Madagaskar
Rudolf Fischer erkannte die Ziegelsteine sofort, als er die Umgebung des alten Leuchtturms auf der winzigen Insel Nosy Tanikely im Nordwesten Madagaskars durchstreifte. Hunderte von Basler Ziegeln lagen säuberlich gestapelt neben dem baufälligen Haus des Leuchtturmwächters. Auf den ockerroten Falzziegeln war die Jahreszahl 1865 eingebrannt und daneben stand unverkennbar: Basel Mission Tile Works.
«Das ist insofern ein besonders bemerkenswerter Fund, als die Ziegel aus dem ersten ordentlichen Produktionsjahr der ersten Basler Missionsziegelei in Jeppoo (bei Mangalore) stammen», sagt der Historiker Fischer, der sich vor Jahren eingehend mit der Basler Missionsindustrie in Indien beschäftigt hatte und 1978 an der Universität Zürich über dieses Thema promovierte.
Die Basler Missionstechniker unterhielten in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts etliche Textilfabriken und Ziegeleien in Südindien und führten dort das Know-how der gewellten Falzziegel ein, die schnell einen reissenden Absatz fanden. Die ineinander verharkten Ziegel, millionenfach auf Schweizer Dächern zu sehen, wurden bald schon in ganz Indien vermarktet. Ein Teil davon gelangte auch in weitere Länder des Indischen Ozeans. «Dass derartige Ziegel bis nach Ostafrika verschifft wurden, ist belegt», sagt Fischer, «bislang war mir jedoch unbekannt, dass es sie sogar in Madagaskar gibt. Tatsächlich bestanden während Jahrhunderten intensive Handelsbeziehungen zwischen Indien und Ostafrika, insbesondere Zansibar wirkte als Drehscheibe und wichtiger Umschlagplatz. Ich vermute, dass diese Ziegel via Ostafrika nach Madagaskar gelangten.» Andere Funde dieser Ziegel sind – bislang – in Madagaskar nicht bekannt Wie sie allerdings dorthin gelangten, bleibt unklar. Erlitt einer der Segelfrachter Schiffbruch an den Gestaden der Pfefferinsel? Und wenn, dann stellt sich die Frage, wohin er unterwegs war.
Industrie der Basler Mission
Ab 1834 begann sich das Missionskomitee der (späteren) Basler Missionsgesellschaft in Afrika und auch in Indien zu engagieren und dort vor allem in Mangalore an der Südwestküste. Nebst der eigentlichen Aufgabe der Missionierung wurden als Mittel der Arbeitsbeschaffung zahlreiche Unternehmen gegründet. Mit unterschiedlichem Erfolg: Die Fabrikation von Schwarzwälder-Uhren schlug fehl, ebenso wie die Seidenzucht und die Herstellung von Kokosnussöl. Der erste erfolgreiche Missionsbetrieb war die Buchdruckerei in Mangalore. Der eigentliche industrielle Durchbruch gelang jedoch ab 1870 mit den Webereibetrieben und Ziegelfabriken, obwohl auch sie in der Folge etlichen Schwankungen unterlagen.
Der erste Brennofen der Basler Missionare entstand 1864 in Mangalore und dies hatte eine grosse Breitenwirkung zur Folge : 1902 gab es dort 18 Ziegeleien, zehn Jahre später waren es bereits 30. Die meisten standen unter indischer Leitung. Die Missionsgesellschaft selber hatte in Mangalore zwei Fabriken in Betrieb und fünf weitere in Südindien. Ab 1881 gelangten auch Dampfmaschinen in den Einsatz. Jede der sieben Ziegeleien beschäftigte hundert bis vierhundert Leute und produzierte zwischen einer und vier Millionen Ziegel pro Jahr.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges gingen die Fabrikationsbetriebe der Basler Mission in britisch-indische Hände über. Doch zum Teil existieren sie bis heute und produzieren teilweise noch auf den alten Maschinen der Basler Mission.
Dieser Artikel, verfasst von Franz Stadelmann, erschien am 6. Mai 1993 in der Aargauer Zeitung
Das idyllische Fischerdorf Analalava befindet sich 75 km westlich des Städtchens Antsohihy. Analalava war vor hundert Jahren ein wichtiger und bekannter Ort.
Analalava kann man entweder per Geländewagen über eine schlechte Piste ab Befotaka oder mit dem Motorboot entlang der Flussmündung Loza erreichen. Diese zweite Möglichkeit ist für abenteuerlustige Reisegäste wegen der entspannenden und erlebnisreichen Bootsfahrt ein einmaliges Erlebnis!
Das sympathische Städtchen Antsohihy ist der Ausgangspunkt für eine erlebnisreiche Bootsfahrt an der Nordwestküste Madagaskars. Diese abwechslungsreiche Fahrt dauert etwa 3 Stunden bis zum Küstenort Analalava.
Das Fischerdorf Analalava (was wörtlich bedeutet: “wo die Bäume gross wachsen“) liegt abseits des grossen Trubels und ist ein abgeschiedener Ort für Ruhesuchende, also sehr geeignet zum Entspannen und zum Faulenzen. Wegen seiner herrlichen Lage am Indischen Ozean und am Mündungsdelta des Loza, sollte es eigentlich ein beliebtes Ausflugsziel sein. Doch seine Abgeschiedenheit wird dem geschichtsträchtigen Küstenort erneut zum Verhängnis.
Schon auf der Bootsfahrt hat man einen Einblick in den Alltag der Sakalava-Volksgruppe („das Volk des langen Tales“). Diese Ethnie der Zebuzüchter war einst der grösste und mächtigste Stamm im Westen und Norden. Der Reichtum eines Mannes wird nach der Stückzahl der Zebus, die er besitzt, berechnet. Bemerkenswert ist, dass die Sakalava-Frauen in der Gesellschaft eine deutlich wichtigere Stellung haben als jene der anderen Küstenbewohner.
Das Siedlungsgebiet der Sakalava umfasst die gesamte Westküste am Kanal von Mosambik zwischen Tulear und Majunga und weiter gegen Norden bis zur Insel Nosy Be. An der Küste lebt die Mehrheit der Sakalava von der Fischerei. In der Region Ambanja findet man aber auch grosse Kaffee- und Kakaoplantagen.
Nosy Lava Gefängnisinsel
Der Fluss Loza (wörtlich bedeutet dies „der gefährliche Fluss“) dessen Ufer von Mangrovenbäumen gesäumt ist, dient in erster Linie als wichtige Wasserstrasse für den Warentransport der Einheimischen. Das Fischerdorf Analalava liegt nämlich abseits der grossen Stadt und die Dorfbewohner müssen die Lebensmittel und alles, was sie im Alltag brauchen, im Städtchen Antsohihy kaufen. Speiseöl, Petroleum, Reissäcke, Bierkisten aber auch Matratzen, Möbelstücke, sogar Hühner usw. liegen immer auf dem Deck der “Wasser-Taxis“.
Reisende können auch eine bequemere Bootsfahrt mit einem privaten Boot machen. Zu Beginn der Reise ist der Fluss kaum 10 m breit, doch schon nach ein paar Minuten Fahrt weitet er sich dann nach und nach auf 200 m. Ab und zu sind Einbuchtungen im dichten Mangrovenwald auszumachen, in denen die Einbäume oder Pirogen an Land gerudert wurden. Dörfer sind aber vom Fluss aus kaum zu sehen!
Nach etwa 60 km nimmt der Fluss nochmals massiv an Breite zu. Das Flusswasser wird immer bewegter, denn der Fluss Loza nähert sich dem Kanal von Mozambik und dem kleinen Hafen von Analalava.
Nosy Lava Gefängnisinsel
Früher, während der Kolonialzeit, war Analalava ein wichtiger Hafen zwischen Mahajanga und Antsahampano im Norden von Madagaskar. Analalava war damals als ein grosses Verwaltungszentrum an der Nordwestküste. Spuren der Kolonialzeit sind bis heute zu sehen: Ruinen der Kolonialgebäude und der alte Leuchtturm. Auch die Strassen des Ortes lassen auf koloniale Planung schliessen. Auf alten Fotos sieht man gepflegte Strassen und Gehsteige, sogar Strassenleuchten. Dies alles ist heute verschwunden. Durch die alte Stadt führen jetzt staubige Sandpisten.
Natürlich möchte man nach der langen Bootsfahrt wieder festen Boden unter den Füssen haben und das Fischerdorf erkunden. In Begleitung eines ortskundigen Führers erfährt man mehr über die historischen Gegebenheiten von Analalava und seiner Umgebung. Der schöne Spaziergang durch den Wald ist eine willkommene Abwechslung und Erfrischung und führt zu einem Trampelpfad, der entlang eines kleinen Rinnsals verläuft.
Nach einer halben Stunde Marsch erreicht man einen herrlichenWasserfall von etwa 2 m Höhe. In dem kleinen natürlichen Wasserbecken kann man sich erfrischen.
Der Küstenort Analalava liegt am südlichen Ufer entlang der Mündung des Fluss Loza auf einer Halbinsel und ist ein guter Ausgangspunkt für Tagesausflüge ins Umland und zu den vielen vorgelagerten Inseln, von den die berühmte Insel Nosy Lava am interessanten ist.
Das Eiland Nosy Lava (wörtlich bedeutet dies „die lange Insel“) ist acht Kilometer breit und 12 km lang. Die Insel liegt mit ein paar Dörfern gegenüber der Stadt Analalava und die Bootsfahrt dauert zwei Stunden. Mit dem türkisfarbenen Wasser, den schattenspendenden Kokospalmen, dem feinen Sandstrand und den weissen Kalksteinfelsen hat sie alles, was ein kleines Naturparadies anzubieten hat.
Die Insel war seit dem 17. Jahrhundert ein Fischfanggebiet, ein Handelsposten und ein Zwischenstopp für ausländische Boote. Sie war auch ein Zufluchtsort für die Sakalava-Krieger, als sie einen Krieg gegen eine andere ethnische Gruppe in der nordwestlichen Region Madagaskars führten.
Im dem 18. Jahrhundert war die Insel ein Refugium für Piraten und Aufständische.
Nosy Lava Gefängnisinsel
Von 1911 bis 2000 diente die Insel als Gefängnisstandort der Kolonialmacht. Gesetzlose und Schwerverbrecher, aber auch politische Gefangene aus der Hauptstadt wurden hierher gebracht. Beim grossen Aufstand gegen die Kolonialmacht im Jahre 1947 wurden auch die Antikolonialisten nach Nosy Lava versetzt.
Bis 700 Inhaftierte lebten auf Nosy Lava. Heute leben auf dieser einsamen Insel noch immer ein paar Gefangene, die mehr und mehr sich selbst überlassen wurden. Einige leben jetzt frei, zusammen mit den Sakalava-Einwohnern. Wegen Geldmangels können sie leider die Insel nicht mehr verlassen, so führen sie ein normales Leben und einige haben sogar Familien gegründet. Sie leben vom Fischfang oder arbeiten als Guides für die Besucher und führen die Gäste durch die Ruinen des Gefängnisses, zeigen die Sehenswürdigkeit der Insel oder führen sie zum Leuchtturm, auf dessen Spitze sich ein grandioser Panoramablick auf die gesamte Insel bietet.
Der Besuch dieser geschichtsträchtigen Gefängnisinsel lässt die Besucher in die Vergangenheit schweifen und in die schwere Zeit mit den damaligen Lebensbedingungen der Insassen eintauchen. Die Haftanstalt liegt heute in Trümmern, nur die zerfallenden Kolonialgebäude aus besseren Zeiten stehen noch. Auch die herrliche Lage im Mündungsgebiet des Loza und die unendliche Ruhe sind bis heute geblieben.
Frankreich unterhielt mehrere Straflager. Das bekannteste war wohl in Guyana. ein Roman und die Verfilmung davon machten die Strafinsel weltberühmt. Mehr dazu Papillon
Nosy Lava Gefängnisinsel
Heute ist die Insel Nosy Lava am Eingang der Narinda-Bucht, südlich der Insel Nosy Saba ein wunderbarer Ort, um die Seele baumeln zu lassen, auch zum Sonnen, zum Baden und zum Entspannen.
Ihre Nachbarinsel Nosy Saba ist von einem Korallenriff umgeben und liegt etwa 30 km nördlich des Fischerdorfes Analalava, ein Paradies für Taucher und Schnorchler mit endlosen, weitläufigen Sandstränden. Zelten unter den tropischen Bäumen ist auf dieser erholsamen Insel möglich, aber Proviant muss man von Analalava mitnehmen. Auf der Insel liegt auch das teure Luxushotel Nosy Saba mit allen Annehmlichkeiten für anspruchsvolle Reisegäste.
November 2020, geschrieben von Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch
Vanille kennt jeder
…aber wer von uns weiss denn, was genau diese Gewürzpflanze eigentlich ist und woher sie ursprünglich stammt?
Es gibt mehr als 100 Arten von Vanilleorchideen und ca. 15 davon tragen aromatische Früchte. Die bekannteste davon ist die Gewürzvanille, auch «echte Vanille» (Vanille planifolia) genannt. Aus diesen fermentierten Vanilleschoten wird das Gewürz Vanille gewonnen.
Von Mexiko nach Madagaskar
…schon vor den spanischen Seefahrern wurde die Vanillepflanze in Mexiko angebaut. Über Europa kam sie vor gut 100 Jahren nach Madagaskar.
Doch da es in Madagaskar keine Bienen oder Kolibris gibt, die die Bestäubung der Orchidee übernehmen können, wird dies von den lokalen Frauen (und manchmal auch von Männern) entlang der Nordostküste von Hand übernommen.
Die Pflanzen haben, wie Sie oben sehen können, grün-gelbliche Blüten.
Da jede Blüte nur einen Tag blüht, ist es sehr wichtig die Pflanzen rechtzeitig zu bestäuben.
Aus diesen grünen Samenkapseln wird Vanille gewonnen.
Im ersten Schritt werden die Samenkapseln/Vanilleschoten kurz über dem Feuer in ca. 70 Grad heissem Wasser blanchiert und anschliessend jeden Tag draussen zum Fermentieren in die Sonne gelegt.
Ziehen Regenwolken auf…
…werden die Schoten schnell eingesammelt und wie auch sonst an jedem Abend in Wärmekisten gelagert. Dort warten sie dann auf die nächsten Sonnenstrahlen.
Wertvoll
Im Norden von Madagaskar wächst rund 80% der gesamten Weltproduktion von Vanille.
Dies ist eine sehr wichtige Einnahmequelle für die Einwohner. Daher wacht immer ein Aufpasser über das «schwarze Gold», um es vor Dieben und vor schlechten Wetter zu schützen.
Die Vanille wird meist in kleinbäuerlichen Familienplantagen angebaut und als grüne Schote an Ankäufer vor Ort verkauft. Spezialisierte Vanilleaufbereiter organisieren den langen Fermentierungsprozess.
Der Vanillebauer verdient, trotz der vielen Arbeit, sehr wenig an seinem Produkt. Das grosse Geld machen die Exporteure und die westlichen Verkaufsstellen, die die Vanille weiterverkaufen.
Hier in Europa wird die echte Vanille auch «Bourbon-Vanille» genannt. Dieser Name stammt von einem der ersten und langjährigen Hauptlieferanten der Vanille und kommt aus La Réunion und Madagaskar.
Wegen verschiedener Zyklone im Indischen Ozean (die Saison ist von Januar – März) und der Zerstörung, die sie hinterlassen, ändert sich der Preis der Vanille in jedem Jahr. Im Herbst 2018 erreichte der Preis Rekordhöhe, denn so kostete ein Kilo Vanille stolze 600 USD und kam dem Preis für Gold sehr nahe.
Wenn auch Sie Madagaskar bereisen möchten und vielleicht auch einen der vielen kleinen Vanilleplantagen besuchen möchten, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Denn PRIORI Reisen bringt Sie dahin, wo Sie auf keine weiteren Touristen treffen, abseits des Massentourismus und mitten im alltäglichen Leben der Madagassen!
Die einsame Decauville Dampflokomotive in Madagaskar
Idyllisch unter Palmen geparkt, rostet eine alte Dampflokomotive im Westen von Madagaskar vor sich hin. Ihre Waggons hat sie verloren und Arbeit gibt es für sie keine mehr. Die Dampflok von Namakia ist ein historisches Zeugnis aus der goldenen Zeit der Zuckerrohrplantagen in den französischen Kolonien.
Das Kleinstädtchen Namakia liegt in einer flachen Ebene im Nordwesten von Madagaskar, rund 70 km westlich der Hafenstadt Mahajanga. In Namakia wird seit 90 Jahren Zuckerrohr in grossem Stil angebaut und verarbeitet. Heute noch.
Die Fabrik wurde in den 1930er Jahren rund 10 Kilometer von einem Meeresarm erbaut, der per Schiff erreichbar ist. Daher müssen die Fertigprodukte auch heute noch dorthin transportiert werden. Das geschieht heutzutage per Lastwagen, vor zwei Generation noch per Eisenbahn.
Dampflokomotive in Madagaskar
An diese Eisenbahnzeit erinnert heute eine Dampflok der Marke Decauville. Das Zeugnis industrieller Kultur steht auf einem rohen Steinsockel unter freiem Himmel. Sie würde als Zeugnis der Industriegeschichte Madagaskars allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen.
Ansonsten sind in Namakia nur wenige Spuren der Eisenbahnzeit erhalten. Im Fabrikgelände stehen zwei, drei Waggons vergessen herum. Ein paar Meter Schienen zeugen von ehemaligen Gleisen.
Wann die Dreiachslok nach Namakia kam, ist unbekannt. An ihrem Kesseldeckel ist der Hersteller vermerkt: Sté Decauville Aîné Corbeil. Es ist keine Seriennummer erhalten.
Es könnte aber sein, dass es sich um die Nummer 1864 handelt, die 1933 laut erhaltenen Lieferlisten des Herstellers an die ‘Sucrerie de Madagascar’ geliefert wurde. Ein Indiz dazu ist auch das Aussehen der Kabine, die den Stil der späteren Produktionen in dieser Bauweise spiegelt.
Nicht alle wurden in der Fabrik von Corbeil in der Nähe von Paris gebaut. So fertigten Lizenzunternehmen auch in Belgien Loks und Fahrmaterial an. Das System der zwei Fuss breiten Feldbahn war einfach: die Schienen liessen sich wie Leitern leicht transportieren und auslegen. Also ideal für Plantagen.
Paul Decauville war ursprünglich Rübenproduzent und erfand sein System aus Not: um seine Rüben in morastigen Felder abzutransportieren, fertigte er 1875 eiserne Rollbahnen aus Flacheisen an, Ochsen zogen die beladenen Karren aus den Feldern. Die Weiterentwicklung waren dann Schmalspurlinien und Tramwaggons, gezogen von Pferdegespannen. Der Unternehmer Decauville begann dann auch Lokomotiven zu bauen. Schon 1877 baute er die Liliput: eine Eintonnenlok, die Waggons mit 60 Personen zog und sogar in Rotterdam eingesetzt wurde. Das System auf 50 cm Spurweite hatte Erfolg. Inzwischen baute Decauville bereits grössere Loks und auf 60 cm Spurweiten. Das Eisenbahnsystem von Decauville war bald weltweit im Einsatz, so in Australien, China und in Afghanistan. Dorthin gelangten seine Schmalspurloks und Zubehör 1885 auf dem Rücken von Arbeitselefanten. Sogar beim ersten Versuch 1883, den Ärmelkanal zu untergraben, wurde das mobile Schienensystem eingesetzt. Das Projekt scheiterte zwar nach 2 Kilometern.
1889 wurde die Firma ‘Etablissement Decauville Aîné’ gegründet: 1000 Arbeiter verarbeiteten Eisen zu Schienen, Schwellen und Gefährten. Dabei waren die Schienen und Schwellen fest miteinander verschweisst. Die vormontierten Gleiseinheiten waren 5 Meter lang und die Gleisstücke wurden mit einem einfachen System miteinander verbunden.
Der Durchbruch kam mit der französischen Armee: sie entschied sich für die Spur von 60 cm und baute hunderte von Kilometern Bahnstrecken für Verteidigungszwecke.
An der Weltausstellung von 1889 transportierten zehn Decauville-Lokomotiven über 6 Mio. Besucher auf den knapp drei Kilometern zwischen Concorde und dem Eiffelturm. Es war das Zeitalter des Eisens: Eiffel baute den Turm, Brücken und gar Eisenhäuser. Decauville das Transportsystem.
Nach keinem Dutzend Jahren Bahnbau lesen sich die Einsatzorte der Decauville wie eine imperiale Weltkarte. Das System fand weltweit Einsatz, auch in der Schweiz, in Norwegen, in Chile und in Madagaskar. Die 60 cm Spur war Standard geworden, aber es wurden inzwischen auch Meterspuren gebaut. Decauville lieferte das komplette System: Schienen, Weichen, Transportwaggons und Lokomotiven, nun auch elektrisch.
Um 1900 war die Welt im Aufbruch und der Glaube an Technik und Industrie ungebrochen. So entstanden in den Fabriken von Decauville auch Fahrräder, sogar Autos.
Die wenigen erhaltenen Autos des Marke Decauville sind heutzutage begehrte Sammlerstücke und Schmuckstücke von Automobilmuseen, doch den durchschlagenden Erfolg hatte Decauville mit seinen Eisenbahnen. Die Armee nutzte sein System für schnell dislozierbare Bahnlinien und in den Kolonien waren die Bahnen beliebt. Auf den Plantagen liessen sich die Linien problemlos und je nach Bedarf verlegen.
Weltkriege kamen und gingen. Das Unternehmen Decauville überlebte sie und war nach dem Zweiten Weltkrieg eines der grossen Industriekonglomerate Frankreichs mit drei Fabriken in Frankreich und Niederlassungen und Vertretungen in der ganzen Welt.
Decauville könnte heutzutage das sein, was Renault in Frankreich ist: ein Industriemagnet. Doch wie so oft in Firmengeschichten fand der Niedergang florierender Unternehmen auf dem Parkett des Aktienhandels statt. Decauville kam in andere Hände, die umstrukturierten und ihrerseits in andere Hände gerieten. Heute ist der Markenname zwar noch existent und produziert weiterhin in der Metallbranche. Aber Decauville ist nur noch ein Schatten seiner selbst.
In Madagaskar kam das System in der Nordstadt Diego Suarez zum Einsatz.
Dort wurde in den 1890er Jahren eine Feldbahn installiert, die auf 60 cm breiten Gleisen als Allzweckbahn Güter und Personen vom Hafen ins Hinterland transportierte. Auf der Feldbahn waren 1900 zwei Decauville-Dampflokomotiven im Einsatz. 26 km Schienenmaterial standen zur Verfügung.
In Namakia begann 1936 die ‘Sucrerie Marseillaise de Madagascar’ mit der Produktion von Zucker. Dazu waren 2800 ha mit Zuckerrohr angepflanzt worden. Das Unternehmen nutzte die Feldbahn, um die geernteten drei, vier Meter langen Zuckerrohstengel zur Fabrik zu transportieren und dann die Fertigprodukte zum Hafen zu bringen. Die im Delta des Mahavavy gelegenen Plantagen sind topfeben und während der Regenzeit morastig. Auch heute noch erschliessen nur Pisten Ortschaften wie Namakia, Mitsinjo, Soalala. Sie sind in der Regenzeit nur schwerlich erreichbar und oft wochenlang nicht.
Die Firma wurde – wie alle fünf Zuckerfabriken in Madagaskar – 1977 verstaatlicht und zur SIRAMA vereint. Keine zwanzig Jahre später war die SIRAMA bankrott und die Anlagen verlottert. Ab 2007 stieg die chinesische ‘Sucrerie Coplant de Madagascar’ (SUCOMA) mit einem Joint-Venture bis 2028 ein und fuhr die stillgelegte Produktion wieder hoch. Derzeit werden um die 30’000 Tonnen Zucker hergestellt und über 10’000 Hektoliter Rohalkohol. Die Firma arbeitet mit den alten Maschinen und scheint nur gerade in die allernötigsten Reparaturen zu investieren. So richtig rentabel ist die Industrieanlage aus dem letzten Jahrhundert nicht.
Namakia ist zur Schnapsbrennerei geworden: derzeit werden pro Jahr 20’000 Liter Alkohol produziert und nur noch 400 Tonnen Zucker. In der Fabrik und auf den Feldern sind 300 Angestellte permanent beschäftigt. Während der Erntesaison von August bis Oktober finden über 1000 Leute Temporärjobs – meist als Zuckerrohrschneider. Im Betrieb arbeiten 35 Chinesen.
Trotzdem ist die SUCOMA heutzutage nebst der viel grösseren Fabrik von Ambilobe (auch in chinesischer Hand) die einzige noch funktionierende industrielle Zucker- und Alkoholindustrie Madagaskars.
Der 95% starke und nicht konsumierbare Rohalkohol wird in kubikmetergrossen Containern transportiert. Der Zucker wird in Säcke abgefüllt. Die Produktion wird zum Hafen gefahren, mit chinesischen Lastwagen. Dann per Schiff nach Mahajanga. Es stehen zwei Motorschiffe und vier Leichter zur Verfügung. Pro Fahrt können 400 Tonnen transportiert werden. Vom Hafen nach Mahajanga dauert die Fahrt 18 Stunden und leer zurück 12 Stunden.
Der Alkohol wird in Mahajanga an Destillerien und Alkoholveredler weiterverkauft, die den Rohalkohol dann zu geniessbarem Rum und mit allerlei Gewürzen zu weiteren Spirituosen verfeinern.
In Madagaskar werden unzählige Rumsorten angeboten. Eine der beliebtesten Marken heisst Namaki und erinnert an die jahrzehntelange Tradition den Alkoholbrennens in Namakia.
Derweil ruht die alte Dame auf ihrem Sockel in Namakia: ein Nationalmonument. Doch als industrielles Kulturgut wird die gute alte Decauville Dampflokomotive in Madagaskar nicht wahrgenommen.
1968 war Madagaskar eben (1960) unabhängig geworden. Der französische Einfluss war noch allerorts sichtbar. Was hat sich seither geändert?
Ein Reiseführer beschreibt die Route von Tananarive (wie Antananarivo damals genannt wurde) nach Antsirabe.
Quelle: Madagascar: Les guides bleus, 1968 (pages 163 – 172)
VON TANANARIVE NACH ANTSIRABE
Eisenbahn: 159 km nur von Tananarive nach Antsirabé, Linie beschrieben auf S. 115: – Transud-Busse bieten täglich ausser sonntags zu jeder Schienenbus-Ankunft (Micheline) in Antsirabé Anschlussverbindungen nach Fianarantsoa (Gesamtfahrzeit in 13 h: 3 h 25 von Tananarive nach Antsirabé und 9 h 15 von Antsirabé nach Fianarantsoa).
Strasse: 416 km über die R.I.G. Nr. 7, geteert auf der gesamten Strecke, d.h. 170 km bis Antsirabe, 245 km bis Ambositra, 357 km bis Ambohimahasoa.
Diese Strecke wird auf ihrer gesamten Länge von Pullman-Betsileo-Bussen (in 13 bis 14 Stunden, 4 Kurse pro Woche in jede Richtung) und von Nord-Süd-Taxis (in 10 bis 11 Stunden) bedient.
1968: auf der RN7 von Antananarivo nach Antsirabe
Fahrt mit dem Auto
Man verlässt Tananarive durch den Hubert-Garbit-Tunnel (S. 137) und nimmt an der Kreuzung von Befelatanana (vor dem Deich des Kriegerdenkmals) die Strasse, die durch den Vorort Soanierana führt („gute Antwort“, in Erinnerung an die Antwort des Volkes, als Radama es bat, den dort abgehaltenen Freitagsmarkt seit der Regentschaft Andrianampoinimerinas nach Ambohitsorohitra, „dem Dorf der Lerchen“, zu verlegen). Man folgt der Bahnlinie und kurz nach dem Bahnhof Soanierana (ursprüngliche Endstation der Bahnlinie Tananarive-Côte E) überquert man diese, dann den Ikopa, einen Nebenfluss des Betsiboka-Flusses (der bei Majunga in den Kanal von Mosambik mündet) auf einer Stahlbetonbrücke von der aus man die Eisenbahnbrücke sehen kann.
Km 3: Tanjombato, ein kleines und lebhaftes Dorf, wo viele Händler ihre Stände auf beiden Seiten der Strasse aufgebaut haben; die Strasse steigt jetzt etwas an und durchquert ein Tal. Beim Km 8 hat man eine schöne Aussicht auf Tananarive, dann verläuft die Strasse durch eine kahle Region.
Km 11,5: Die Strasse durchschneidet einen Hügel (man beachte die rote Farbe der Erde = Laterit), hinter dem eine ziemlich scharfe Kurve verläuft; die Landschaft ist mit vielen roten strohgedeckten Häusern übersät.
Km 14,5: Auf einem Hügel das Grab einer Adelsfamilie, umgeben von einer Palisade.
Km 16: Man fährt unter der Eisenbahnlinie durch in der Nähe des kleinen Bahnhofs von Anjomakely, und fährt einen Hügel hoch, den die Eisenbahnlinie in einem Tunnel unterfährt, so dass man sie links von der Strasse bald wiederfindet. Jetzt steigt man ins Tal des Sisaony hinab, ein Nebenfluss des I’lkopa, den man in der Nähe des Dorfes Ambatofotsy (22 km) überquert; hier befindet sich auch die Kreuzung der Strassen, die links nach Andramasina und rechts nach Fenoarivo führen (S. 159) Diese Strasse führt dann weiter nach Arivonimamo und nach lmerintsiatosika (S. 159).
1968: auf der RN7 von Antananarivo nach Antsirabe
Variante von Ambatofotsy nach Beheniy, über Andramasina (dieser Umweg verlängert die Reise um etwa zehn Kilometer auf einer unbefestigten Nebenstrasse; er wird dem langsam Reisenden empfohlen, da er so die Wasserfälle von Sisaony sehen kann).
Von Ambatofotsy (heute wohl Tsiafahy) führt die Strasse das Tal des Sisaony hinauf und durchquert das kleine Dorf Ankorona (9 km von Ambatofotsy entfernt);
Km 17: Andramasina (Unterkunftsmöglichkeit, Post, Krankenhaus mit Arzt) S.P. Die Fälle des Sisaony sind ganz in der Nähe. Ein kleiner Wald, in dem mehrere Picknick-Kioske aufgestellt sind, beherrscht das Tal, der Fluss an dessen Ufer man feine Sandstrände findet breitet sich hier aus; auf einem Hügels liegt ein grosses Grab der ehemaligen Adligen des Dorfes im Schatten von heiligen Platanen und anderer dichter Vegetation. Von Andramasina nach Behenjy führt die Strasse (etwa 15 km) durch das Dorf Antsorindrana und überquert die Eisenbahnlinie und den Fluss Andromba, bevor sie wieder auf die Hauptstrasse trifft.
Der Hauptstrasse entlang finden wir unweit von Ambatofotsy auf der rechten Seite einen Sumpf, der von einem Berg überragt wird. Hier kann man alte Gräber sehen.
Km 23,5: Rechts führt ein Weg zu einer Waldstation; unmittelbar danach sieht man einen Hügel vor sich, dann links einen Steinbruch. Etwa 1 km weiter lässt man ein kleines Bambusdickicht links liegen, die Strasse steigt an und erreicht das kleine Dorf (26 km) Ambalavao; die Strasse steigt weiter an.
Bald darauf entdeckt man in der Ferne das Ankaratra-Massiv (S. 174) und durchquert junge Eukalyptuswälder.
Km 28,5: Ein Pfad führt rechts hinunter ins Andromba-Tal, wo sich ein kleiner Sandstrand befindet. Die Strasse führt wieder abwärts, und der Fluss ist bald auf der rechten Seite zu sehen.
1968: auf der RN7 von Antananarivo nach Antsirabe
Km 30: Tsinjony, ein kleiner Weiler, nach dem man unter einer Stahlbetonbrücke der Antsirabé-Eisenbahn hindurchfährt. Die Strasse führt wieder hinauf in ein kahles Gebiet, wo man hier und da einige Eukalyptuswäldchen und Steinhaufen sehen kann, die an riesige Kieselsteine erinnern. Bald sieht man im Tal wieder die Eisenbahnlinie, die man auf einer Brücke überquert; dann nähern wir uns grossen Felsen und überqueren bei (ca. 33 km) Amboasary das “lächelnde“ Tal von Andromba, dem man ein Stück weit folgt: Wasserfälle, auf der linken Seite. Wir steigen wieder hinauf, um (39 km) einen Pass zu erreichen. Drüben überqueret man nochmals den Fluss. Nachdem man ein Tälchen mit schönen Farben überquert hat, geht es hinunter nach (43 km) Behenjy (Eisenbahn, S. 116; Postamt), ein malerisches Dorf und gut bewässerter Ort. Nach Osten führt eine Strasse nach (ca. 15 km) Andramasina, nach Westen eine (ca. 40 km) nach Imerintsiatosika (S. 159) und Arivonimamo. Nicht weit von Behenjy, auf dem Berg Iharanandriana, findet man Ruinen von Hova-Militäranlagen.
Die Strasse verlässt das Andromba-Tal und man erreicht eine Hochebene, die mit einigen Eukalyptuswäldern bepflanzt ist. Im Hintergrund erkennt man wiederum das Ankaratra-Gebirge.
Km 23: Ein Bach wird überquert und bald fährt man wieder unter einer Eisenbahnbrücke hindurch, die Strasse führt wieder ins Amdromba-Tal hinunter, das in der Nähe des Bahnhofs von (55 km) Andriambilany überquert wird: langsamer werden. Eine Nebenstrasse führt rechts nach (5 km) Manjakatompo (S. 173). Das Tal ist mit Reisfeldern bebaut, und der Flusslauf, mit einigen Stromschnellen (68 km), verläuft in einer sehr schönen Landschaft.
Km 68: Die Strasse führt bergan und durch wunderschöne Eukalyptuswälder, bevor sie hinunter nach Ambatolampy führt.
1968: auf der RN7 von Antananarivo nach Antsirabe
Ambatolampy (Eisenbahn, S. 116; Hotel/Restaurant: Au Rendez-vous des Pêcheurs, Tel. 4; Le Marseillais, Tel. 5), 10.000 Einwohner, S.P. wichtiges Fremdenverkehrszentrum (Beschreibung von Ambatolampy und Umgebung siehe S. 173).
Ein Umweg auf der linken Seite ermöglicht es eiligen Reisenden, die Stadt zu umfahren. Auf diesem Umweg zweigt links eine Nebenstrasse ab, die nach (46 km) Tsinjoarivo (S. 174) führt.
Wenn wir Ambatolampy verlassen, fahren wir rechts am Musterbauernhof der kanadischen Brüder vorbei, und dann steigt die Strasse etwa 5 km lang leicht an in einer hügeligen Landschaft, in den Mulden liegen Reisfelder. Dann erreichen wir ein riesiges Plateau, das gerade wieder aufgeforstet wird.
Km 88: Ambohimandroso (Eisenbahn, S. 116), ein Dorf, ein Eisenbahndorf und wo samstags ein wichtiger Markt abgehalten wird; auf der rechten Strassenseite sind einige Stelzenhäuser zu sehen. Fährt man auf der weiten Hochebene weiter, hat man von Zeit zu Zeit schöne Ausblicke auf das Ankaratra-Massiv. Auf der linken Seite schlängelt sich der Fluss Onive durch die Landschaft.
Km 110: Sehr gefährliche Kurve, in deren Mitte sich eine schmale Brücke über die Eisenbahn befindet.
Km 111: Ilempona, Kreuzung, von der aus eine Strasse ostwärts nach (3 km) Antanifosty abzweigt. (Übernachtungsmöglichkeit, Post, Krankenhaus mit Arzt, S.P.; zwischen diesen beiden Dörfern liegt der Zusammenfluss von Ilempona und Onive).
Diese beiden Flüsse münden in den Mangoro, ein Fluss, der zwischen Mahanoro und Nosy-Varika in den Indischen Ozean mündet: Die Strasse folgt also mehr oder weniger der Wasserscheide, denn der Sisaony und der Andromba, die kurz vor Ambatolampy angetroffen wurden, sind im Gegenteil Teil des Ikopa-Betsiboka-Systems, das nach Majunga entwässert wird.
Km 112: Die Strasse führt durch einen Mimosenwald, der Ende Juni blüht; kurz darauf trifft man auf eine weitere gefährliche Brücke. Reisfelder und Mimosenwälder wechseln sich ab, dann verengt sich die Hochebene zum immer engeren Ilempona-Tal, durch das man hinauffährt.
Km 121: Das Tal wird tiefer und die Strasse folgt dem mit Stromschnellen durchsetzten Fluss; einige Plattaus sind mit Reisfeldern besetzt. Wir überqueren den Ilempona bei (122 km) Andavabato, einem Weiler, von dem aus sich die Strasse in zahlreichen Kurven auf die Sambaina-Hochebene hinaufschlängelt. Über zwei unbewachte Bahnübergänge wird ab Kilometer 133,9 die Bahn nacheinander überquert; nach dem zweiten zweigt eine Strasse auf der rechten Seite nach (47 km) Faratsiho, S. 174, ab.
1968: auf der RN7 von Antananarivo nach Antsirabe
Km 135: Sambaina (Eisenbahn, S. 117; Übernachtungsmöglichkeit, Post, Spital mit Arzt); etwa 5 km von Sambaina entfernt trifft man auf die ersten weissen Häuser des Betsileo-Landes: Es handelt sich in der Tat um eine Übergangsregion zwischen Imerina- und Betsileo-Land, da letzteres erst jenseits von Antsirabé beginnt.
Km 157: Andranomanelatra, ein sehr malerisches Dorf mit weissen Häusern: die Strasse ist von Indochina-Kiefern gesäumt, die dem Ganzen viel Charakter verleihen.
Km 164: Bahnübergang, Flugplatz, zuerst links, dann rechts, die Abzweigungen nach (53 km) Faratsiho und nach (36 km) Zarazafy.
Km 166: Strasse zum Andranobe-See (S. 180); die erste Quelle von Antsirabé ist in einer Mulde zu sehen (kleiner Kiosk, links), dann verläuft die Strasse entlang einem von Indochina-Kiefern gesäumten Reitweg: Dies ist die Grenze des Ost-Parks, wo man nach Antsirabé einfährt.
Km 170: Antsirabé (Eisenbahn, S. 117), 27.000 Einwohner, Hauptort der Präfektur Vakinankaratra, Kurort und Haupttouristenzentrum des Hochlandes. (Siehe S. 176 für eine Beschreibung der Stadt und ihrer Umgebung).
Das Mozea Akiba Museum der Universität in Mahajanga an der Nordwestküste von Madagaskar greift Regionalgeschichte auf und vermittelt zudem erdgeschichtliche Fakten
Madagaskar hat nur wenige Museen und kaum welche, die ihren Namen wirklich verdienen. In der Küstenstadt Mahajanga, die auch Majunga oder Mahajunga geschrieben wird, unterhält die dortige Universität ein kleines Museum, das bestimmt einen Besuch lohnt.
Das Museum blickt weit zurück in die Urgeschichte, als Dinosaurier in der Region lebten und eine der gefundenen Arten wurde sogar in Ehrung der Stadt mit Majungasaurus atops benannt. Nicht weit von Mahajanga entfernt befindet sich im Ort Berivotra in einer Sedimentschicht eine grosse Ansammlung an gut erhaltenen Dinosaurierknochen. Versteinerte Knochen sind im Museum zu finden, wie auch versteinertes Holz.
Madagaskar ist eine geologische Perle mit vielfältigem Vorkommen an Edelsteinen und Halbedelsteinen. Nicht nur Geologen fasziniert der alte Teil von Gondwanaland, sondern auch Händler aus aller Welt. In der Gegend um Mahajanga finden sich begehrte Abbaustellen. Das Museum berichtet davon und macht die Besucher aufmerksam auf die verborgenen Schätze des Bodens. Auch das bei Weitem noch nicht erforschte Höhlensystem von Anjohibe, ein weitverzweigtes Netz an unterirdischen Schluchten, Kathedralen und Ablagerungen, findet im Museum Erwähnung.
Über die Geologie führt das Museum in die Geschichte der Region und in ihre kulturelle Dimension. Mahajanga stand immer im Focus des transmaritimen Handels im westlichen Indischen Ozean. Daraus entstanden Handelsposten und gar Städte mit swahilisch-arabischem Flair. So erinnert die Altstadt von Mahajanga mit ihren schweren Holztüren, verziert mit Schnitzereien und Metallknöpfen an Zanzibar. Diese Episode von ein paar hundert Jahren ist noch nicht aufgearbeitet.
Das Mozea Akiba Museum gibt ethnologische Einblicke in die Volksgruppe der Sakalava, der vorherrschenden Ethnie der Region. Diese musste sich aber vor 200 Jahren dem Volk der Merina aus dem Hochland unterwerfen. Das Museum zeigt historische Fotos von Merina-Festungen entlang der Westküste.
Dieses Universitätsmuseum ist das einzige Museum in Mahajanga und versucht daher, die Region ganz breit zu betrachten. Museumsdidaktik ist in Madagaskar noch ein kleines Wort. Zudem ist das Budget schmal und daher muss der Anspruch an Unterhalt und Präsentation tiefer geschraubt werden. Doch der Ort auf dem Gelände der Universität wird gern von Schulklassen besucht. Für viele Schüler und Schülerinnen öffnet das Museum ein neues Fenster zu Ihrer Umwelt.
Während Ihres Besuchs der Küstenstadt Mahajanga können sie gerne das Mozea Akiba Museum besuchen. Die Infotexte sind in französischer Sprache geschrieben.