Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03283.jsonl.gz/845

Emanuel Swedenborg – damals hieß er noch Swedberg – war von 1710 bis 1715 erstmals auf Reisen. Es war nach dem Abschluss seiner akademischen Studien die Bildungsreise. Von ihr haben sich acht Briefe und eine kurze Beschreibung aus dem Jahr 1739 erhalten. Diese Quellen werden hier in einer deutschen Übersetzung veröffentlicht. Ihnen ist eine Einführung von Thomas Noack vorangestellt, die das Ganze der Bildungsreise unter sachlichen Gesichtspunkten zusammenfasst und ergänzende Informationen gibt.
Swedenborgs Beitrag zum Leib-Seele-Problem
Das Leib-Seele-Problem beschäftigte Swedenborg sein Leben lang. Seine erste Abhandlung erschien 1718 in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Daedalus Hyperboreus“. In der Mitte seines Lebens (zwischen 1734 und 1744) beschäftigte er sich in seinen philosophischen und anatomischen Werken eingehend mit diesem Problem. Damals befand er sich auf der Suche nach der Seele. Swedenborgs abschließende Antwort erschien 1769: „De commercio animae et corporis“. Dieses Werk liegt hier nun in einer neuen Übersetzung vor. Ihr ist außerdem der lateinische Grundtext beigegeben, so dass Sie – Grundkenntnisse der lateinischen Sprache vorausgesetzt – Einblicke in die originalen Formulierungen Swedenborgs vornehmen können. Und schließlich leuchten sachkundige Essays einige Kontexte aus, in denen Swedenborgs Werk aus heutiger Perspektive gesehen werden kann.
Für Swedenborg ist die Seele selbstverständlich eine Substanz, eine geistige Substanz. Damit unterscheidet er sich vom Funktionalismus unserer Tage, für den sich die Seele zum Leib nur noch so verhält wie ein Programm zu seinem Computer. Doch diese seelische Substanz ist nicht das Leben selbst, sondern nur ein Aufnahmeorgan des Lebens von Gott. In Swedenborgs Konzeption ist die Psychologie somit offen für die Theologie. Der große Lebenszusammenhang erstreckt sich von Gott, über die Seele und das Gemüt bis in die Leiblichkeit als „das Ende der Wege Gottes“ (Oetinger).
Zur Online-Bestellung des Swedenborg Verlags.
Swedenborgs vortheologisches Werk über das Gehirn (= De Cerebro) ist bei Jolandos, dem Fachverlag für Osteopathie erschienen.
Dieses Meisterwerk des Universalgenies Emanuel Swedenborg (1688-1772) wird von Insidern der Anatomie als Urknall der modernen beschreibenden Neuroanatomie bewertet. Aber, was noch viel wichtiger ist: Niemand, der Kraniosakrale Osteopathie wirklich vertieft kennenlernen und vermitteln will, kommt an diesem Buch vorbei, denn es war für Sutherland nachweislich eines der bedeutendsten Inspirationen bei der Entwicklung seiner Kraniosakralen Osteopathie – insbesondere in bezug auf Rythmen und spirituelle Aspekte. Ein absoluter Schatz!
Der Bestseller von Dava Sobel
Swedenborg beteiligte sich bekanntlich auch an dem drängendsten Problem seiner Zeit, der Suche nach einer praktikablen Lösung zur Bestimmung des Längengrades. Er setzte ganz und gar auf den astronomischen Ansatz, das Problem mit Hilfe des Mondes zu lösen. Seine Methode veröffentlichte er erstmals 1716 im Daedalus Hyperboreus, der ersten wissenschaftlichen Zeitschrift Schwedens, die er selbst und auf eigene Kosten herausgab. Weitere Veröffentlichungen folgten in den Jahren 1718, 1721, 1727, 1754 und 1766. Man kann also sagen, dass er sich 50 Jahre lang an der Suche nach einer Lösung beteiligte, und zwar auch noch in seiner Zeit als Seher geistiger Welten.
Weiterlesen
Ein materialreicher Beitrag von Dr. Bernd Roling
Gegenwärtig werden Swedenborgs Verbindungen zur Kabbala erforscht. In diesem Kontext ist der folgende Beitrag von Dr. Bernd Roling (geb. 1972) sehr aufschlussreich: Bernd Roling, Erlösung im angelischen Makrokosmos: Emanuel Swedenborg, die Kabbala Denudata und die schwedische Orientalistik, in: Morgen-Glantz 16, 2006, S. 385-457.
Daraus die folgenden Kernaussagen: »In der Zeit Swedenborgs gelangt … das Studium der Kabbala an den Universitäten Schwedens zur vollen Blüte. Die Kabbala denudata wird zu einem der meistgelesenen Texte an den orientalistischen Fakultäten Skandinaviens … Swedenborgs erster Zugriff auf die Lehren der Kabbala sind daher … mit großer Wahrscheinlichkeit die Bände Knorr von Rosenroths.« (S. 391) Gegen die »mitunter spekulativ[en]« (S. 387) Thesen von Marsha Keith Schuchard: »… so läßt sich ein erstes Ergebnis festhalten: Swedenborg bedurfte keines Aufenthalts in England, um mit kabbalistischen Ideen in Berührung zu kommen, im Gegenteil, schon während seiner Studienzeit in Uppsala und ebenso den Jahren, die er später dort verbrachte, gab es Möglichkeiten genug, sich die kabbalistische Literatur anzueignen.« (S. 420) »Die Kabbala denudata wurde kommentiert und diskutiert. Es wäre fast paradox, wenn sich Swedenborg nicht an sie erinnert hätte, als er sich nach seiner Bekehrung daran machte, Schritt für Schritt sein theologisches System auszuarbeiten.« (S. 420)
Herbert Ullrich, Schädel-Schicksale historischer Persönlichkeiten, München: Verlag Dr. Friedrich Pfeil, 2004, 336 Seiten, 266 Abbildungen, gebunden, EUR 38,-
Als Swedenborgianer glauben wir ja immer, Swedenborg werde nicht genügend beachtet. Da mag es Balsam für unsere Seelen sein, daß dieser größte Kopf des 18. Jahrhunderts, dem die Stanford University den unglaublichen Intelligenzquotienten von »über 200« zuschrieb, endlich einmal in einer Reihe mit René Descartes, Gottfried Wilhelm Leibniz und Immanuel Kant genannt wird.
Weiterlesen