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Sholan und Jadid: Feurige Inselgeburt im Zubair-Archipel im Roten Meer
Im Roten Meer konnten Forscher ein geologisches Ausnahmeereignis beobachten – die Geburt zweier neuer Vulkaninseln. Dass im südlichen Roten Meer noch immer überraschend starke tektonische Aktivität herrscht, belegten zwei aufeinanderfolgende Eruptionen, durch welche die beiden neuen Eilande entstanden.
Ein derartiges Ereignis ist weltweit nicht nur extrem selten, vielmehr zeugt es auch davon, so eine Forschergruppe im Fachjournal „Nature Communications“, dass die südliche Region des Roten Meeres tektonisch weitaus aktiver ist als bis dato angenommen.
So erklären Sigurjón Jónsson und Wenbin Xu, beide an der King Abdullah University of Science and Technology in Saudi Arabien tätig, submarine Eruptionen, durch die neuen Vulkaninseln entstehen, seien nicht nur höchst selten, die Wissenschaft sei zudem weit davon entfernt derartige Vorgänge vollständig zu verstehen und erklären zu können. Meist, so die Forscher weiter, würden sich derartige Inselgeburten bei Eruptionen von Unterwasservulkanen ereignen, die an Nahtstellen der Erdkruste liegen, wie beispielsweise einem mittelozeanischen Rücken, an dem die Platten auseinanderdriften.
Sholan und Jadid ähneln Island
Im südlichen Roten Meer, genauer zwischen dem Jemen und Eritrea, erhoben sich in den Jahren 2011, 2012 und 2013 zwei neue Inseln, die auf Sholan und Jadid getauft wurden. Entstanden sind die Eilande durch zwei heftige Vulkaneruptionen im Gebiet einer kleinen Gruppe von Inseln, dem Zubair-Archipel, kurz vor dem Golf von Aden. Verursacht wurden die Eruptionen aufgrund des neu entstehenden mittelozeanischen Rückens an der Plattengrenze zwischen Arabien und Afrika, denn dort bildet sich ein neuer Ozean und die Kontinente driften auseinander.
Die Forschergruppe um Wenbin Xu, einem Wissenschaftler der King Abdullah University of Science and Technology in Saudi-Arabien, erklärt, die inselbildenden Ausbrüche in den jemenitischen Gewässern seien auf Magma zurückzuführen, das entlang der Spalten aufsteigt. Dieser Mechanismus entspreche dem des isländischen Vulkanismus, jedoch in weitaus kleinerem Massstab. Auch seien die Spalten des Archipels circa um zehn Grad gegen die sogenannte Spreizungsachse gedreht. Worauf sich diese eher ungewöhnliche Abweichung sich gründet, ist den Forschern allerdings bis dato noch unklar.
Die tektonische Aktivität im Zubair-Archipel
Exakt auf der Spreizungsachse der Plattengrenze zwischen Arabien und Afrika liegt der Zubair-Archipel, gebildet von den Spitzen eines unter der Wasseroberfläche liegenden Plateaus. Geprägt ist dieses Gebiet von einem intensiven Vulkanismus unter der Meeresoberfläche, denn dort – so die Schätzungen der Wissenschaftler – sind circa eine Million Vulkane in den Ozeanbecken beheimatet.
Die letzte Eruption in der Zubair-Region ereignete sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, genauer 1824, bevor das Gebiet im Jahr 2007 mit mehreren Bebenschwärmen vulkanisch wieder aktiv wurde. Erst in den letzten Jahren entstanden schliesslich die beiden neuen Inseln. Während sich zuerst in den Jahren 2011 und 2012 am nördlichen Ende des Archipels Sholan erhob, folgte Jadid im Jahr 2013 bei einer weiteren Eruption.
Der Nachweis, dass es sich bei den beiden, nur wenige hundert Meter grossen Eilanden um einen Teil zwei weitausgedehnter Magmaspalten handelt, die aufgrund einer dehnungsbedingten Bildung grabenartiger Strukturen entstanden sind, gelang den Forschern aufgrund der Auswertung von Satellitendaten, welche Aufschluss über die Deformation der benachbarten Inseln gaben. Auch die aufsehenserregenden Spalteneruptionen in Island entstehen exakt auf diese Art und Weise.
Zudem vermutet die Forschergruppe um Wenbin Xu, dass die beiden Inseln – anders als zahlreiche andere in der Vergangenheit – trotz der deutlichen Erosion von Bestand sind und nicht wieder unter der Meeresoberfläche versinken.
Die Inselgeburten von Zubair
Der erste Vulkanausbruch, der letztlich zum Entstehen der Insel Sholan führte, begann am 18. Dezember des Jahres 2011. So beobachteten jemenitische Fischer im Norden des Zubair-Archipels über dem Meer eine Rauchwolke von enormer Grösse und bereits wenige Tage später konnten erste Anzeichen für die neu entstehende Insel via Satellit gesichtet werden.
Das Eiland wuchs während der folgenden 25 Tage, bis die Eruption am 12. Januar des Jahres 2012 endete, stetig immer weiter an. Die Insel Sholan war geboren und, so die Forscher, zu diesem Zeitpunkt 770 Meter lang und 530 Meter breit, wobei circa 0,25 Quadratkilometer der Fläche subaerisch sind. Aufgrund der Tatsache, dass die Winde in diesem Gebiet vorrangig aus südöstlicher Richtung kommen, kam es zu einer vermehrten Ablagerung des ausgeschleuderten Materials auf de Lee-Seite des Vulkanschlotes. Entsprechend war die Form der Insel eher elliptisch, keinesfalls aber rund. Einige Tage nach dem Ausbruch des Vulkans bildete sich im Zentrum der neuen Insel ein Kratersee. Die Forscher vermuten, dass durch den eher porösen Untergrund von Sholan Meerwasser eindrang und aufstieg.
Die zweite Unterwassereruption ereignete sich fast zwei Jahre später, nämlich am 28. September 2013, etwa acht Kilometer südöstlich der Insel Sholan. Dieser Vulkanausbruch dauerte insgesamt 54 Tage an: Während erste Satellitenaufnahmen eine Verfärbung des Wassers zeigen, wird später ein sich an der Wasseroberfläche befindender nahezu kreisförmiger Schlot sichtbar. Die Insel Jadid mit einem Durchmesser von circa 900 Metern und einer subaerischen Grösse von circa 0,67 Quadratkilometern war geboren. Aufgrund ihrer weniger windexponierten Lage, so erklären die beiden Wissenschaftler, blieb die Insel nahezu kreisrund.
Allerdings verloren die neu entstandenen Vulkaninseln einiges ihrer Grösse, denn sie bestanden vor allem aus vulkanischem Lockermaterial. So nagten Wellen und Wind, kurz gesagt die Erosion, an den Küstenlinien der Eilande und liessen sie schrumpfen. Während die Insel Sholan bereits in den ersten acht Wochen nach der Eruption etwa 10ʼ000 Quadratmeter ihrer Landfläche verlor und weitere zwei Jahre später bis auf ein Drittel der ursprünglichen Grösse geschrumpft war, zeigte sich die Insel Jadid, wie Satelliten-Messungen belegen, beständiger, denn sie schrumpfte in ihrem ersten Jahr insgesamt lediglich um 10ʼ000 Quadratmeter.
Interferogramme machen die Untergrundverformung sichtbar
Durch die Erstellung sogenannter Interferogramme, d. h. die Überlagerung von Satellitenaufnahmen, gelang es den Wissenschaftlern die Untergrundverformung im gesamten Gebiet des Zubair-Archipels sichtbar zu machen. Zudem belegen die Interferogramme, dass sich die beiden Eruptionen entlang derselben Bruchzone, die von Norden nach Süden verläuft, ereigneten. Zudem konstatieren die Forscher, seien die Ausbrücke von Magma-Intrusionen gespeist worden, deren Grösse deutlich höher ist, als die beiden entstandenen Eilande letztlich vermuten lassen.
De facto belegen die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler, dass im südlichen Roten Meer deutlich mehr tektonische Aktivität herrscht als bis dato angenommen wurde. So sei das Zubair-Archipel in Bezug auf die seismische Aktivität, Morphologie und Grösse ohne Weiteres mit den aktiven Spreizungszonen auf Island oder im äthiopischen Afar-Dreieck vergleichbar. Zudem, so Jónsson und Xu, wäre diese erhöhte magmatische Aktivität in dieser Region auch eine Erklärung für die zahlreichen schwachen Eruptionen, die sich in den letzten Jahrzehnten im südlichen Roten Meer häuften.
Die Aussichten für das jemenitische Neuland sind eher karg
Hat das Neuland des Jemen auch künftig bestand, so ist davon auszugehen, dass die Inseln wohl eher karg bleiben werden, denn das heisse Wüstenklima in dieser Region wird wohl kaum eine üppige Vegetation zulassen. Mittlerweile zeugen jedoch auch Satellitenbilder der US-Weltraumbehörde NASA vom Bestand der circa 50 Kilometer vor der jemenitischen Südwestküste gelegenen Inseln.
Allerdings herrscht nicht nur im südlichen Roten Meer tektonische Aktivität, also im Indischen Ozean, sondern auch im Pazifik wurden mehr als eine Million Vulkane unter der Meeresoberfläche verortet. Jedoch wachsen nur weniger der entstehenden Berge tatsächlich über die Wasseroberfläche hinaus und avancieren zu neuen Inseln. Zweifelsohne war der hawaiianische Vulkan Mauna Kea bist heute der erfolgreichste, denn er brachte den – vom Grund des Meeres aus gerechnet – höchsten Berg der Welt hervor. Insgesamt hat er eine Höhe von 10ʼ205 Metern, von denen sich 4ʼ200 Meter über dem Meeresspiegel befinden. Die jüngsten Fleckchen Erde befinden sich jedoch nun im Roten Meer, gehören zum Jemen und tragen die Namen Sholan und Jadid.
Oberstes Bild: Claudio Rossol – shutterstock.com