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Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum Pflichtpfand.
Was ist ein Pfandsystem?
Das Pfand ist ein Sammelsystem, welches mit einem finanziellen Anreiz dafür sorgt, dass gebrauchte Flaschen oder Dosen unbeschädigt an eine Sammelstelle zurückgebracht werden. Ein Pfand kann auf Einweg- und auf Mehrweg-Verpackungen erhoben werden.
Als Konsument kann ich keine Mehrweg-Flaschen kaufen.
Falsch. Der Getränkefachhandel und viele kleinere Detailhändler bieten Getränke in Mehrweg-Flaschen an. Eine Übersicht ist beim Verband Schweizerischer Getränkegrossisten zu finden (Link). Viele Händler bieten sogar bequeme Liefer- und Abholdienste an.
Das Pfand führt zu höheren Quoten.
Falsch. Das Pfand würde zu einem Abbau der Sammelinfrastruktur führen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Quoten als Folge des massiven Komfortverlusts steigen würden. Der Vergleich mit Pfandländer wie Deutschland, Finnland, Schweden oder Norwegen zeigt zudem, dass die Schweiz bereits heute zu den Ländern mit den höchsten Recyclingquoten gehört.
Pfandsammler würden Getränkeverpackungen aufsammeln. Es gäbe weniger Littering.
Falsch. Pfandsammler würden sich auf dicht besiedeltes Gebiet beschränken. In Städten, Gemeinden werden leere Verpackungen bereits heute sehr zuverlässig von den Reinigungsdiensten weggeräumt. Das Littering-Problem in ländlichen Gebieten könnte mit Pfandsammlern nicht gelöst werden. .
Täglich sehen wir Bilder von verschmutzten Meeren. Mit dem Pfand kann das verhindert werden.
Diese Bilder sind tragisch. Es gilt aber zu beachten, dass das Binnenland Schweiz kaum einen Einfluss auf die Verschmutzung der Weltmeere hat. Ob die Schweiz mit dem bewährten Recyclingsystem von heute weitermacht oder ob sie ein Pfandsystem einführt, hat keinen Einfluss auf die Verschmutzung der Weltmeere.
Für Länder ohne funktionierende Sammelinfrastruktur ist das Pfand hingegen eine geeignete Massnahme, um die Sammelquoten innerhalb von kurzer Zeit zu steigern.
Mit einem zusätzlichen Pfand entsteht ein höherer Umweltnutzen.
Falsch. Das Pfandsystem ist keine Ergänzung zum heutigen System. Die freiwilligen Recyclinglösungen für Aluminiumdosen, Glas- und PET-Flaschen würden zerstört und durch ein neues Pfandsystem ersetzt. Damit würden auch wichtige Kooperationen und Arbeitsgruppen zerstört, die (häufig unbemerkt von der Öffentlichkeit) dafür sorgen, dass die Recyclingsysteme als Ganzes weiterentwickelt und optimiert werden. Eine reine Fokussierung auf die Sammlung, wie das in einem Pfandsystem der Fall ist, würde bessere Lösungen verhindern. Der Umweltnutzen würde mit einem Pfand sogar sinken.
Swiss Recycling will Einwegverpackungen schützen (und Mehrweg verhindern).
Falsch. Swiss Recycling und seine Mitglieder bekennen sich zur Abfallhierarchie – also zur Strategie Vermeiden, Wiederverwenden, Verwerten. Wir sehen eine unsere Kernaufgaben darin, der Bevölkerung möglichst ökologische und ökonomische Recyclingsysteme anzubieten, um damit Stoffkreisläufe zu schliessen.
Swiss Recycling befürwortet Strategien, die zu einer ganzheitlichen Reduktion der Umweltbelastung führen. Als Teil unseres Informationsauftrags fühlen wir uns aber auch verpflichtet, die Bevölkerung über Massnahmen aufzuklären, die lediglich zu einer Verlagerung der Umweltbelastung führen.
Pfand bedeutet automatisch Mehrweg.
Falsch. Mehrweg-Systeme funktionieren nur mit einem Pfand. Ein Pfand kann aber auch auf Einwegverpackungen erhoben werden. Ob eine Verpackung erneut befüllt oder rezykliert wird, hängt von der Verpackungsart und nicht vom Sammelsystem (Pfand oder kein Pfand) ab.
Mit dem Pfand wird es mehr Glas- und dafür weniger PET-Flaschen geben.
Falsch. Weil Getränkeverpackungen nur noch im Detailhandel zurückgegeben werden könnten, müsste dieser rund 300'000 Tonnen Glas, Alu und PET zusätzlich sammeln. Um seine Logistik zu entlasten, würde der Handel vermehrt auf leichte und komprimierbare PET-Flaschen, Alu-Dosen oder Getränkekartons umstellen. Glas würde sogar Marktanteile verlieren.
Ausser dem Abbau der Sammelinfrastruktur, gibt es weitere Nachteile des Pfandsystems?
Viele sogar. Pfandautomaten akzeptieren nur ganze Flaschen und Dosen, die in der Schweiz gekauft wurden. Fehlt der Strichcode oder ist dieser nicht mehr lesbar, kann die Verpackung nicht zurückgegeben werden. Das ist finanziell ärgerlich und führt dazu, dass diese Getränkeverpackungen im Abfall statt im Recycling landen. Auch Getränkeverpackungen aus dem Ausland könnten nicht mehr in der Schweiz zurückgegeben werden.
Kühe sterben an Getränkeverpackungen.Falsch. Abfall gehört natürlich unter keinen Umständen auf Weiden oder in die Natur. Der Schweizer Bauernverband hat im September 2019 (Link) festgehalten, dass er weder ein Pfand noch Verbote als zielführende Instrumente ansieht, um das Littering zu bekämpfen. Vielmehr will er, dass «Bauernbetriebe mit gutem Beispiel vorangehen und keinen Abfall rund um Haus und Hof liegen lassen». Zudem sollen Lehrpersonen und Schüler durch gezielte Sensibilisierung auf die Littering-Problematik aufmerksam gemacht werden.
Mit dem Pfand können die durch das Littering verursachten Kosten reduziert werden.
Falsch. Das Littering könnte mit dem Pfand, wenn überhaupt, um maximal 7 Prozent reduziert werden. Der Aufwand für die Städte und Gemeinden würde deshalb kaum abnehmen. Denn Zigarettenstummel, Take-Away-Verpackungen, Zeitungen, usw. müssten weiterhin eingesammelt werden.
Was hätte die Auflösung der heutigen Recycling-Organisationen für Alu, Glas und PET zur Folge?
Heute sind alle Akteure der Getränke-Wertschöpfungskette in den drei Recycling-Organisationen für Alu, Glas und PET vertreten. Dank dieser engen Zusammenarbeit und dem damit verbundenen Wissensaustausch ist es der Schweiz beispielsweise als erstem Land gelungen, unter Realbedingungen aus grünen und braunen PET-Flaschen R-PET in Lebensmittelqualität herzustellen (Medienmitteilung). Auch zahlreiche Fortschritte beim «Design for Recycling» waren nur dank dieser Zusammenarbeit möglich.
Die Schweiz hatte ein Pfandsystem. Dieses hat besser funktioniert.
Falsch. Beispiel PET-Recycling: In der Schweiz wurde das letzte grosse Pfandsystem im Jahr 2001 abgeschafft. Mit dem Pfand konnte die Verwertungsquote nie über die 82 Prozent-Marke gesteigert werden. Mit dem freiwilligen Sammelsystem von PET-Recycling Schweiz liegt die Verwertungsquote aktuell bei 83 Prozent.
Mit dem Pfand wird es mehr Mehrweg-Flaschen geben.
Falsch. Es ist erwiesen, dass das Pfand nicht zu einer Steigerung des Mehrweg-Anteils führt. Das Deutsche Umweltministerium hat 2010 in einem Bericht zum Pfand festgehalten, dass der Trend zu mehr Einweg nachfragegesteuert ist. Link
Das Pfand wurde im Ausland erfolgreich eingeführt.
Das Pfand ist per se kein schlechtes Sammelsystem. In Ländern ohne funktionierende Sammelinfrastruktur können mit einem Pfand innert kurzer Zeit grosse Fortschritte bei der Separatsammlung erreicht werden.
Die Schweiz ist aber in einer anderen Ausgangslage: Wir verfügen über erprobte und hochwertige Separatsammlungen. Ein Systemwechsel bei uns bringt keine Vorteile.
Mit dem Pfand kann das Littering-Problem gelöst werden.
Falsch. Gemäss BAFU machen rückgabefähige Getränkeverpackungen nur 7 Prozent des gesamten Litterings aus. Das Littering-Problem wäre nicht ansatzweise gelöst. Um das Littering nachhaltig zu bekämpfen, muss die Einstellung der Menschen durch Sensibilisierung und Bussen geändert werden.
Fehlwürfe sind ein Problem für die Recyclingorganisationen. Sie müssten aus Qualitätsgründen für ein Pfand sein..
Falsch. Die Schweizerinnen und Schweizer trennen ihre Abfälle vorbildlich, weshalb die Sammelqualität seit Jahren sehr gut ist. Dank den modernen Sortier- und Verwertungsanlagen sind die Fehlwürfe kein Problem für das Recycling.
Erst mit dem Pfand bekommen Getränkeverpackungen einen Wert.
Falsch. Die Sackgebühren sorgen bereits heute dafür, dass korrektes Trennen sich auch finanziell lohnt. Dass die Lenkung über die Sackgebühren funktioniert, beweisen die hohen Sammel- und Recyclingquoten aller Fraktionen – nicht nur für Getränkeverpackungen.
Unter dem Strich ist das Pfandsystem günstiger.
Falsch. Gemäss Bundesamt für Umwelt verursacht ein Pfand in der Schweiz Systemkosten von 290 Mio. Franken pro Jahr. Die heutigen Sammelsysteme für Alu, Glas und PET können mit 90 Mio. Franken pro Jahr betrieben werden.