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Astronomie im Toggenburg
Die astronomische Beobachtungstätigkeit im Toggenburg hat eine lange Tradition. Der bekannteste Exponent der frühen Zeit war sicher der Lichtensteiger Jost Bürgi (1552–1632), der geniale Instrumentenbauer und Miterfinder der Logarithmen, der im Dienste des Kaisers Rudolf II stand und mit Johannes Kepler zusammenarbeitete. In jüngerer Vergangenheit ist Friedrich Schmid (1870–1962) zu nennen, ein Autodidakt aus Oberhelfenschwil, der sich seine eigene Sternwarte erbaute und damit wegweisende Erkenntnisse zum Zodiakallicht erarbeitete. Dafür wurde er spät mit der Ehrendoktorwürde der ETH Zürich ausgezeichnet.
Auch wenn der Fokus der heutigen astronomischen Beobachtungen in der Schweiz an einigen hochspezialisierten Lokalitäten konzentriert ist, bietet das Toggenburg durch seine glückliche Lage weg von grösseren Städten (und den damit verbundenen dunklen Nachthimmel) weiterhin gute Standorte für die Erkundung des Universums.
Die Sternwarte Heiterswil
Die Initiative zur Gründung einer neuen Sternwarte im Toggenburg stammte von Herbert Schmucki, Physiklehrer an der Kantonsschule Wattwil. Durch seine Interessen lernte er den oben genannten Dr. h.c. Friedrich Schmid kennen. Als Schüler arbeitete er oft mit Dr. Schmid in der Sternwarte an dessen Forschungen mit. Um dieses Hobby auch als Physiklehrer mit seinen Schülern weiter betreiben zu können, strebte er mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Realisierung einer Sternwarte an. Dazu wurde am 23. November 1983 die Astronomische Vereinigung Toggenburg gegründet.
Der Versuch, bereits bestehende Gebäude zu übernehmen, scheiterte entweder an der schlechten Lage oder an Verhandlungsschwierigkeiten. So wurde die Realisierung eines eigenen Gebäudes im Raum Scherrer-Eschenberg (Heiterswil) angestrebt. Nach längerem Hin und Her wurde am 26. Oktober 1999 endlich die Baubewilligung am jetzigen Standort erteilt. Nach Kauf der Parzelle und Bau der Zufahrtsstrasse konnte am 21. April 2001 bei dichtem Schneetreiben die Grundsteinlegung gefeiert werden. Am 20. September 2002 erfolgte die Einweihungsfeier, und damit fand die lange und zähe Entstehungsgeschichte der Sternwarte ein erfolgreiches Ende.
Der Innenausbau der Sternwarte war damit natürlich nicht zu Ende. Der wichtigste Ausbauschritt seit der Gründung ist die Fertigstellung des Sonnenlabors, das am 17. Mai 2008 eingeweiht werden konnte. Weitere Ausbauten sind geplant.
Zusammenarbeit mit der Kantonsschule Wattwil
Die Astronomische Vereinigung war seit ihrer Gründungszeit aufs Engste mit der Kanti Wattwil verbunden—dies natürlich durch die treibende Kraft Herbert Schmucki, der seit den Gründungsjahren an der Kanti unterrichtete. Insbesondere die Physik-Lehrkräfte der Kanti stellen heute einerseits einen massgeblichen Anteil des fachlichen Know-Hows zum Betrieb der Sternwarte, andererseits aber auch ein grosses Potential von interessierten Jugendlichen, die in die Astronomie eingeführt werden können. Im Rahmen von Freifachkursen, schulinternen Beobachtungsabenden und neuerdings vermehrt auch Maturaarbeiten wird dieses Interesse gepflegt und gefördert und die Verbindung zwischen der AVT und der Kanti Wattwil weiter ausgebaut.