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Nicht nur Mozart-kugeln und Salzburger Nockerl
Seit zehn Jahren veranstaltet die Salzburger Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft die Konzertreihe «Frauen-stimmen», die Werke von Komponistinnen vom Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert vorstellt.
Daniel Lienhard — Salzburg wird weltweit mit Wolfgang Amadeus Mozart in Verbindung gebracht. Touristen besuchen die pittoreske Stadt an der Salzach, um sein Geburtshaus und seine Wirkungsstätten zu besuchen. Weit weniger bekannt ist, dass auch Mozarts ältere Schwester Maria Anna (1751-1829), genannt «Nannerl», als Pianistin ein Wunderkind war und mit Vater und Bruder mehrjährige Tourneen durch Europa unternahm. Da für Maria Anna aber keine Laufbahn als Solistin vorgesehen war, unterrichtete sie später bürgerliche und adelige Töchter und stand nach ihrer Verheiratung einem grossen Haushalt vor. Erst als Witwe konnte sie sich wieder der Musik widmen und kümmerte sich um das künstlerische und persönliche Andenken an ihren Bruder.
Die Tatsache, dass in den Konzerten der Salzburger Festspiele kaum Werke von historischen Komponistinnen erklingen, führte im Frühling 2009 zur Gründung der Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft durch die Musikwissenschaftlerin Eva Neumayr und die Geigerin Monika Kammerlander, die damalige Konzertmeisterin des Mozarteumorchesters. Diese mutige Initiative in einer konservativen Stadt bezweckt die Förderung der Rezeption von Werken von Komponistinnen. Das kulturelle Bewusstsein für Frauen als musikalisch schaffende Künstlerinnen, aber auch als nachschaffende Interpretinnen soll sowohl durch die Veranstaltung von Konzerten als auch durch musikwissenschaftliche Forschung und Publikation von Werken erfolgen. 2019 gab Eva Neumayr beispielsweise im Wiener Hollitzer Verlag Maria Anna Mozart, Facetten einer Künstlerin mit Beiträgen zahlreicher AutorInnen heraus (ISBN 978-3-99012-561-8, € 45). Auch Jugendliche sollen mit dem Schaffen von Komponistinnen bekannt gemacht werden. Besonders wichtig ist der Gesellschaft die Zusammenarbeit mit lebenden Komponistinnen. Eine Konzertreihe, die 2010 mit einer «Langen Nacht der Komponistinnen» begann, stellte in den zehn Jahren ihres Bestehens in 51 Konzerten unter dem Titel «Frauenstimmen» bereits Werke von nicht weniger als 127 verschiedenen Komponistinnen vor.
Die Gesellschaft wird zwar von Stadt und Land Salzburg finanziell unterstützt, allerdings nicht so üppig, dass zum Beispiel regelmässig Aufführungen von Orchesterwerken stattfinden könnten. Für Eva Neumayr ist denn auch das letztjährige Konzert mit der Ouvertüre in C von Fanny Hensel, dem Violinkonzert von Amanda Maier-Röntgen und dem Klavierkonzert von Clara Schumann eine besonders schöne Erinnerung. Ebenso begeistert war sie von einem Abend mit improvisierter Musik mit der legendären französischen Kontrabassistin Joëlle Léandre und der bekannten österreichischen Jazzpianistin Elisabeth Harnik. Einen bleibenden Eindruck hinterliess auch die Singakademie Carinthia, ein Jugendchor aus Klagenfurt, mit einem abwechslungsreichen Programm mit Werken von Amy Beach, Cécile Chaminade, Barbara Strozzi, Tadeja Vulc und weiteren französischen, deutschen und amerikanischen KomponistInnen.
Europäisch-asiatische Beziehungen
Ein interessantes Konzert war am diesjährigen Internationalen Frauentag am 8. März zu hören. Von Elisabeth Harnik stammte ein Stück für Solo-Violine, das dem Abend seinen Namen gab: Circle of Understanding. Die anderen Komponistinnen und Komponisten des Programms widerspiegelten faszinierende musikalische Beziehungen zwischen Europa und Asien: Die Koreanerin Younghi Pagh-Paan - seit Jahrzehnten in Deutschland ansässig, wo sie unter anderem bei ihrem späteren Lebensgefährten Klaus Huber Komposition studierte – war die Lehrerin von Klaus Lang, der jetzt als Professor in Graz die Japanerin Yukiko Watanabe unterrichtet. Robert Fuchs, bei dem etwa Jean Sibelius, Hugo Wolf oder Franz Schreker studierten, hatte auch eine japanische Schülerin, Nobu Kōda, die von 1870 bis 1946 lebte. Nobu und ihre Schwester waren die ersten Japanerinnen, die die westliche Kunstmusik im Westen lernen sollten. 1889 verliess sie ihre Heimat, um zuerst in Boston, dann in Wien Violine, Klavier und Komposition zu studieren. Nach ihrer Rückkehr nach Japan wurde sie Professorin in Tokio. Die Musikerin mit der ungewöhnlichen Biografie war die erste Japanerin, die Sonaten für Violine und Klavier komponierte.
Auch die weiteren «Frauenstimmen»-Konzerte 2020 bringen spannende Werke von Komponistinnen in ganz unterschiedlichen Besetzungen: https://www.maria-anna-mozart.at/veranstaltungen/