Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03215.jsonl.gz/2322

Benjamin Straumann: "antiquitas innovata. Zeitbewusstsein in den ‚Variae‘ Cassiodors"
In dieser Untersuchung sollte nach der historischen Selbstauffassung des Cassiodor, wie sie sich in seinen "Variae" niederschlägt, gefragt werden. Der Begriff der antiquitas wurde hierbei als der zentrale Begriff wahrgenommen, über den sich diese Selbstauffassung definiert. Da die antiquitas in den "Variae" unter anderem die Funktion eines Massstabs zur Beurteilung des Zeitgenössischen hat, sollte sich durch die Untersuchung auch die Wahrnehmung des zeitgenössischen Ostgotenreiches sowie dessen Situierung in der Geschichte erschliessen. Im Zentrum des Interesses stand dabei die Frage, ob die Darstellung des Zeitgenössischen bei Cassiodor eher (Kontinuität beanspruchend) in Begriffen der imitatio erfolgt oder aber als Konstituierung einer eigenen Epoche sui generis. Die Arbeit hat gezeigt, dass in den "Variae" versucht wird, die eigene Zeit als erneuerte römische antiquitas zu beschreiben, wobei der zugrunde liegende antiquitas-Begriff ein um viele Elemente erweiterter ist; insbesondere wurde die historia Gothorum integriert. Paradoxerweise erscheinen so bei Cassiodor die Goten, durch die ihnen in den "Variae" zuteil gewordene Darstellung mit römischen Eigenschaften versehen, als Erneuerer der römischen antiquitas und somit als Garanten der Kontinuität.