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Wie ist es zum Projekt «Matematica 1-6» gekommen?
Der Kanton Graubünden setzt bei den Mathematik-Lehrmitteln traditionellerweise auf die Lehrwerke aus dem Kanton Zürich. Als die Pläne bekannt wurden, die alte Mathematik-Reihe – auch im Hinblick auf Lehrplan 21 – zu ersetzen, war sofort klar, dass wir diese Tradition weiterführen möchten.
Wie wurde «Matematica 1-6» umgesetzt? Wie war das Vorgehen?
Wir haben das Entstehen der neuen Lehrmittelreihe des Lehrmittelverlags Zürich seit 2007 im Rahmen der Gremien der Interkantonalen Lehrmittelzentrale ilz verfolgt. Im Jahr 2009 erhielten wir vom Lehrmittelverlag Zürich den Zeitplan der Erscheinungsdaten, beginnend mit «Mathematik 1 Primarstufe» im Jahr 2010. Im Herbst 2009 informierte uns der Projektleiter Bernhard Keller über das neue Lehrwerk. Anschliessend starteten wir mit der Erarbeitung des Konzeptes für die Übersetzung und Herausgabe der Lehrwerkteile in Italienisch und Rumantsch Grischun. Die Lehrmittelkommission sowie die Bündner Regierung segneten das Projekt im Februar 2010 ab. So konnten die Übersetzer sofort nach Vorliegen der definitiven deutschen Ausgabe mit ihrer Arbeit beginnen. Die Hefte für die 1. Klasse konnten so ohne Zeitdruck übersetzt und produziert werden. Seit dem Schuljahr 2011/12 werden sie im Kanton Graubünden obligatorisch eingesetzt. Mit den Lehrmitteln für die 2. und 3. Klasse sind wir nach demselben Schema verfahren: Die Unterlagen erschienen im Frühjahr 2011 beziehungsweise 2012 auf Deutsch, wurden dann im Laufe eines Jahres übersetzt und produziert, um jeweils ein Schuljahr später obligatorisch in den Bündner Schulstuben eingesetzt zu werden.
Gab es Hausforderungen? Und wenn ja, welche?
Nach dem Erscheinen der obligatorischen Hefte für die 1. Klasse haben sich die romanischen Schulen, welche nicht Rumantsch Grischun als Schulsprache gewählt haben, gewehrt. Sie forderten die Herausgabe der neuen Mathematik-Lehrmittel auch in den Idiomen. Ein Beschluss des Grossen Rates aus dem Jahr 2003 verunmöglichte dies jedoch. Der Grosse Rat hatte damals aus Spargründen beschlossen, romanische Lehrmittel nur noch in Rumantsch Grischun herauszugeben. Schliesslich kam der Grosse Rat im Rahmen der Totalrevision des Schulgesetzes auf den Entscheid von 2003 zurück und verankerte die Lehrmittel in den Idiomen wieder im Schulgesetz. Das Parlament sprach zudem im Juni 2012 einen zusätzlichen Kredit, um die Lehrmittelreihe Mathematik auch in den Idiomen Sursilvan, Sutsilvan, Puter und Vallader herauszugeben. Somit wurden aus zwei Sprachen plötzlich sechs. Zudem galt es, die fehlenden Lehrmittel für die 1. und 2. Klasse so rasch wie möglich herauszubringen. Dank guter Vorarbeit und engagierten Beteiligten konnten alle Schulen ab Schuljahr 2012/13 mit dem Mathematik-Lehrmittel für die 1. und 2. Klasse in ihrer Schulsprache starten. Die Lehrmittel für die 3. Klasse konnten dann nach dem oben geschilderten Schema übersetzt und herausgegeben werden. Eine Hürde war die Verzögerung des Projektes im Kanton Zürich um ein Jahr. Bisher hatte der Kanton Graubünden die Lehrmittel immer ein Jahr später eingeführt. Damit blieb genügend Zeit für die Herausgabe der Sprachvarianten. Wir wollten jedoch die einjährige Zäsur, welche die Zürcher Schulen nach der 3. Klasse machen mussten, nicht ebenfalls mitmachen. So wurde der Zeitplan für die Übersetzungen eng: Jeweils zu Weihnachten lagen die Texte für die Materialien vor, sodass uns ein halbes Jahr für Übersetzung, Lektorat, Layout, Korrekturläufe und Produktion sämtlicher Materialien blieb. Dank des disziplinierten Teams in Graubünden und Zürich konnten wir diese grossartige Leistung bei den Lehrwerkteilen für die 4. bis 6. Klasse wiederholen. So konnte das Lehrmittel für das 4. bis 6. Schuljahr in Graubünden zur gleichen Zeit eingeführt werden wie in Zürich.
Begleiteten Fachpersonen/Begleitgruppen/Kommissionen das Projekt?
Eine inhaltliche Begleitung erübrigte sich, da es in unserem Falle ausschliesslich um eine Übersetzung der Inhalte ging. Die sprachliche Prüfung der Übersetzung erfolgte jeweils im Lektorat in der Lia Rumantscha. Auch die italienische Übersetzung wurde von einem Fachmann begutachtet. Die Übersetzerinnen und Übersetzer haben sich zudem ans Projektteam der PH Zürich, bestehend aus Bernhard Keller, Roland Keller und Beatrice Noelle, gewandt, wenn sich ihnen inhaltliche Fragen oder solche zur Verwendung von Begriffen stellten. Ausserdem waren die Übersetzerinnen und Übersetzer auch untereinander vernetzt und hatten Einblick in die jeweiligen Arbeiten.