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zusammen bereiste 1835 C. Diener Mittelsyrien und förderte die geologische Kenntnis des Libanon, Antilibanon, Hermon sowie der Umgebung von Damaskus und Palmyra. Im selben Jahr führte Ingenieur G. Schumacher im Auftrag des Deutschen Palästina-Vereins eine Aufnahme der ganzen, historisch und naturwissenschaftlich hoch interessanten, vulkanischen Landschaft Dscholan im O. des obern Jordans aus, nachdem er schon vorber den Südosten derselben zwecks einer zu erbauenden Eisenbahn vermessen hatte.
Seine Mitteilungen über Antiqunäten. Ruinen, Bevölkerung [* 2] etc. sind von hohem Interesse; es wohnen dort auf kleinem Raum zusammen Fellachen, Beduinen, Turkmenen, Tscherkessen, Drusen, [* 3] Ansairier und zigeunerartige Ghawarni. Gleichseitig erforschte Nötling auf Kosten der Berliner [* 4] Akademie der Wissenschaften den Dscholan und den südlich daran angrenzenden Teil von Adschlun sowie einzelne Lokalitäten in Palänina und Syrien in geologischer Hinsicht. Ebenso studierte 1887 Walther auf der Sinaihalbinsel verschiedene Fragen der dynamischen Geologie, [* 5] die Korallenbildungen, die Lockerung und Zersprengung der Gesteine [* 6] durch Temperaturschwankungen, Einfluß des Windes etc.
Aus den Euphrat-Tigris-Ländern ist für den in Rede stehenden Zeitraum nur wenig zu verzeichnen: die politisch-militärische Reise des englishen Obersten Bell in Mesopotamien und Armenien 1885 bis 1886 und die archäologische von Moritz und Koldewey 1887 nach dem entsetzlich verödeten südlichen Babylonien behufs Ausgrabungen in den dortigen Ruinenhügeln, welche auch geographische und ethnographische Resultate gebracht hat.
Kleinasien wird in letzter Zeit viel bereist, aber zum größten Teil von Archäologen, welche darüber nichts veröffentlichen als die gefundenen Inschriften, wohl auch selten oder nie Beobachtungen auf andern Gebieten des Wissens anstellen. Indem wir diese Reisenden deutscher, englischer, französischer, nordamerikanischer Nationalität hier übergehen, beschränken wir uns auf die Anführung solcher, welche ihre Aufmerksamkeit auch geographischen, ethnographischen und geologischen Dingen widmeten.
v. Luschan hat seit 1881 fast alljährlich die südliche Hälfte Kleinasiens bereist und dabei besonders die etnographischen Verhältnisse erforscht, zuerst 1881 und 1882 im Anschluß an die österreichische archäologische Expedition Lykien, dann 1883 Kommagene im nördlichen Syrien, darauf zweimal in Gesellschaft des Grafen Lanckoronski Pamphylien, Pisidien und das rauhe Kilikien, woran sich eine Reihe von weitern selbständig ausgeführten Reisen schloß, zuletzt 1888 eine solche nach Sandschiler, südlich von Marasch, behufs Ausgrabung assyrischer Palastruinen.
Die Bevölkerung des südlichen Kleinasien und der angrenzenden Gebiete setzt sich nach ihm, wenn man von den nachweislich erst später eingewanderten Tscherkessen, Albanesen, Juden, Bulgaren, Arabern, Zigeunern und Negern absieht, zusammen aus den nomadischen Kurden, Turkmenen und Jürüken, dann den Tachtadschi, Ansairiern, Kyzylbasch und I?ezyden, welche wahrscheinlich als Reste eines und desselben vorhistorischen Volkes anzusehen sind, endlich den Armeniern, den Griechen, welche nicht Nachkommen der alten Hellenen, sondern anthropologisch zumeist als gräzisierte Armenier oder Semiten anzusehen sind, und den Türken, welche die Hauptmasse der Beuölkerung bilden, aber keinen mongoloiden Typus zeigen, sondern körperlich gleichfalls nur mohammedanische, türkisch sprechende Hellenen, Armenier und Semiten
zu sein scheinen. In den Jahren 1884 und 1885 unternahm der Amerikaner Sterrett Reisen durch Kappadokien, Kilikien, Lykaonien, Isaunen und Pisidien, welche neben einer reichen archäologischen Ausbeute auch ansehnliche Resultate für die Karte ergaben, ebenso wie die in den letzten Jahren öfters wiederholten Wanderungen des englischen Professors Ramsay (1884 in Gesellschaft von Asien [* 7] H. Smith), welcher seine Nachforschungen vornehmlich, wenn auch nicht ausschließlich, auf die Landschaft Phrygien richtet, über deren geographische Verhältnisse, Geschichte, Antiquitäten etc. er schon viel neues Licht [* 8] verbreitet hat. 1884 erschien auch die Neuaufnahme der Insel Cypern [* 9] in 15 Blättern, welche unter Kapitän H. H. Kitcheners Leitung hergestellt worden ist. 1886 und 1888 setzte Heinrich Kiepert seine 1841-42 und 1870 begonnenen Reisen im westlichen Kleinasien fort, deren topographische Resultate demnächst an die Öffentlichkeit treten werden, 1886 zum Teil in Begleitung Schuchhardts, dem es bald darauf (Januar 1887) gelang, die lange vergeblich gesuchten Ruinen von Kolophon aufzufinden, 1888 in Begleitung von Fabricius, welcher später allein, namentlich das Tmolusgebirge, rekognoszierte.
Gleichfalls 1886 nahm Leutnant v. Diest die Umgebung von Pergamon [* 10] auf und machte darauf eine Forschungstour über Kutahia, Estischehr, Inhissar und Boli nach Amasra am Schwarzen Meer. Anthropologische Zwecke verfolgte der Russe Elissejew, als er 1886 von Alexandrette quer durch Kleinasien über Aintab, Charput, Siwas und Tokat nach Samsun reiste. Russische [* 11] Kolonien, welche angeblich mehrfach in Kleinasien bestehen sollten, fand er nur am Maniassee und vorübergehende Niederlassungen tosakischer Fischer an einigen Flußmündungen. 1887 sandte die französische Regierung den Ingenieur de Launay zu geologischen Forschungen nach Lesbos, Thasos und Samothrake, und in demselben Jahr unternahmen die Brüder v. Quast eine Reise zu geographischen und archäologischen Zwecken nach dem nordwestlichen Kleinasien, welche indessen durch den Tod des einen in Estischehr ein baldiges Ende nahm. Eine »Übersichtskarte der ethnographischen Verhältnisse von Asien« gab V. v. Haardt heraus (6 Blätter, Wien [* 12] 1887).