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Keine einzige Frage nach der offiziellen Pressekonferenz in der Fondation Beyeler. Die versammelten Journalisten waren sprachlos. Es fehlte allerdings auch der Künstler selbst, den man gerne gefragt hätte, ob das hier wirklich schon alles sei.
Maurizio Cattelan zeigte sich noch nie gern an Pressekonferenzen. Er findet, seine Werke sollen sprechen, nicht er. Und eigentlich ist der Italiener sowieso in Pension, wie er im November 2011 mit der grossen Retrospektive im Guggenheim New York persönlich verkündet hatte.
Die mit zahlreichen Plakaten gross angekündigte Ausstellung der Fondation Beyeler verdient den Namen «Ausstellung» kaum. Es handelt sich um ein einziges Werk mit dem Titel «Kaputt», das sich aus einer älteren Arbeit neu zusammensetzt. Dazu gibt es einen faltbaren Saaltext, einen Essay des Kunstkritikers Francesco Bonami, mit einigen Erklärungen über die Hintergründe des Werks.
Minimalist oder Schnäppchen geschlagen?
Nun kann man sagen, das sei typisch Cattelan. Ein Minimalist war er schon immer. Eine bekannte Arbeit zu Beginn seiner Karriere bestand in einem simplen Schild in einem Schaufenster mit der Aufschrift «Torno subito» – «ich bin gleich zurück». Ohne, dass er je aufgetaucht wäre, versteht sich.
Es stellt sich aber trotzdem die Frage, ob bei den Vorbereitungen nicht irgendetwas schief gelaufen war. Der Direktor Sam Keller meinte jedenfalls, dass die Treffen im Vorfeld einem Blind Date glichen, da Cattelan alle über die Planung im Dunkeln liess. Nahm Cattelan alle aufs Korn? Oder war eine grössere Sache geplant, die am Ende nicht durchführbar war? Sind die fünf Pferde gewissermassen nur ein Notnagel?
Ko-Kuratorin Michiko Kono verweist auf eine Ausstellung von 1994 in New York, als Maurizio Cattelan einen lebenden Esel in einem Raum mit etwas Stroh und einem übergrossen Kronleuchter zeigte. Seine Erklärung: Es sei ihm keine bessere Idee für ein Kunstwerk eingefallen. Kono räumt ein, dass es bei der Arbeit «Kaputt» aussieht, als seien die Pferde vor etwas geflohen, möglicherweise vor der Ausstellung selbst.
Ein Besuch der Fondation Beyeler ist trotzdem empfehlenswert. Zum einen, weil die fünf ausgestopften Pferdeleiber, wie sie da gerade im Sprung mit dem Hals in der Wand feststecken, in diesem grosszügigen Raum tatsächlich eine starke Wirkung ausüben. Es läuft einem kalt den Rücken runter. Zum anderen, weil sich die anderen Ausstellungen, die zeitgleich laufen, mehr als lohnen: die umfassende Retrospektive zu Max Ernst (bis 8. September) und die interessante Sammlungspräsentation zu Andy Warhol, "Dunkel ins Licht bringen", ergänzt mit Werken der Sammlung Bischofberger und der Daros Collection (bis 22. September).
Von Pferden zu Pullis
Der «pensionierte» Signor Cattelan macht derweil anderweitig von sich reden. Für den Mailänder Brand MSGM entwarf er eine Capsule-Collection. Die Serie der Sweatshirts sind mit Motiven aus seinem Kunstmagazin Toiletpaper bedruckt. Eine neue Ausgabe ebendieses Magazins erschien ebenfalls im Juni. Der selbsternannte Rentner ist ziemlich aktiv ...