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wiesen selbstverständlich viele Fehler auf, obgleich jene Sklaven, und besonders die griechischen unter ihnen, häufig wissenschaftliche Bildung besaßen. Dagegen ist bei einer solchen Massenproduktion leicht erklärlich, daß selbst Gelegenheitsschriften, wie Plinius (Epist. IV, 7) berichtet, in einer Auflage von 1000 Exemplaren verbreitet, und daß, als Augustus auf falsche Sibyllinische Bücher fahnden ließ, in Rom [* 2] allein mehr als 2000 Abschriften weggenommen wurden.
Der Vertrieb erstreckte sich von Rom aus in die entferntesten Provinzen, wo in den größern Städten entweder Filialen der röm. Handlungen oder selbständige Geschäfte waren, die von Rom aus ihren Bedarf bezogen. In Rom selbst befanden sich die Buchläden (tabernae bibliopolarum) an den besuchtesten Plätzen, in den eigentlichen Geschäftsvierteln der Stadt. Die Gebrüder Sosius z.B., die Verleger des Horaz, hatten ihren Laden beim Janusdurchgang am Forum. [* 3] Die Läden, welche nach der Anlage des röm. Hauses der Schallfenster entbehrten, waren dadurch kenntlich gemacht, daß an der Außenseite die Titel der Bücher in Plakatform angebracht waren, manchmal wurden auch zur Anlockung von Käufern Kästen voll Bücher auf die Straße gestellt.
Bücherkäufer waren außer den zahlreichen Gelehrten und sonstigen Bücherfreunden eine Menge von öffentlichen Bibliotheken; in Rom sollen schließlich 28 gewesen sein, welche aber alle von der großen Alexandrinischen Bibliothek in Schatten [* 4] gestellt wurden. Außer den vorhin genannten Sosius kennt man aus späterer Zeit die Verleger des Martial und Quintilian, die Händler Atrectus, Q. Valerianus Pollius, Secundus und Tryphon, welch letzterer Quintilian zur Herausgabe seiner «Institutiones oratoriae» veranlaßte.
Martial berichtet einige Einzelheiten über Bücherpreise. Eine Sammlung Genien dieses Dichters wurde von Tryphon zu 4 Sesterzien (d. i. ungefähr 75 Pf.) verkauft, der Dichter meint aber, wenn sein Verleger das Buch um die Hälfte abgeben würde, könnte er auch noch ein Geschäft machen. Diese heute noch existierenden Genien nehmen in der Teubnerschen Ausgabe etwa 14 Oktavseiten ein; es dürfte die Herstellung eines solchen Buches damals kaum höher als auf 20 Pf. gekommen sein, was ungefähr dem doppelten heutigen Preise entsprechen würde.
Ausgaben in schönerer Ausstattung waren selbstverständlich teurer. Als ein Beispiel hiervon wäre das erste Buch der Epigramme desselben Dichters anzuführen; dieses im heutigen Druck nahezu zwei Bogen [* 5] starke Büchlein kostete teilweise mit Purpur geschrieben 5 Denare (3 M. 50 Pf.). Gesetzliche Bestimmungen gegen unberechtigte Vervielfältigung (Nachdruck im heutigen Sinne) finden sich, trotz des sonst stark ausgeprägten Rechtssinnes der Römer, [* 6] nirgends erwähnt.
Der Verleger, welcher ein Manuskript zur Verfügung erhielt, mußte deshalb darauf sehen, schnell so viel Abschriften in den Handel zu bringen, daß der voraussichtlichen Nachfrage genügt werden konnte und ihm ein entsprechender Gewinn verblieb. Honorar wurde nicht gezahlt. In den Briefen Quintilians an seinen Verleger Tryphon, in Ciceros Briefen, in den Epigrammen Martials fehlt jede Anspielung auf eine Honorarforderung. Der Schriftsteller war auf die Gunst der Großen und Reichen angewiesen.
Mit dem Zerfall des Römischen Reichs gingen auch die zahlreichen, durch Vermittelung der librarii (die eigentlichen Abschreiber) und bibliopolae (die Verkäufer, beide Ausdrücke wurden aber unterschiedslos für Buchhändler gebraucht) aufgestapelten Bücherschätze des Altertums zu Grunde und wenige nur sind auf uns gekommen, woran freilich auch die geringe Haltbarkeit des Materials, des Papyrus, der fast ausschließlich zu Büchern verwendet wurde, schuld gewesen sein wird.
Der Buchhandel jedoch mag, wenn er auch nicht mehr in der frühern ausgedehnten Weise betrieben werden konnte, in Rom selbst niemals aufgehört haben; denn nur dort konnte, wenn überhaupt irgendwo in der damaligen gesitteten Welt, das Bedürfnis hierzu vorhanden sein. Im 6. Jahrh. findet man ihn in Gallien, und so wird er wohl auch, ohne Spuren seines Daseins zu hinterlassen, in Italien [* 7] bis zum 13. Jahrh. bestanden haben, denn erst von hier ab ist er wieder urkundlich nachzuweisen.
Von großer Bedeutung wird der in den ersten Zeiten des Mittelalters nicht gewesen sein; denn wenn auch in den Klöstern fleißig abgeschrieben wurde, so geschah dies doch mehr zum eigenen Bedarf oder zum Umtausch als für den Handel. Hemmend wirkte auch für die weitere Verbreitung von Handschriften der hohe Preis des Pergaments, und erst nach Erfindung des Linnenpapiers macht sich wieder ein regerer Verkehr bemerkbar. Den ersten Spuren desselben begegnet man an den ital. Universitäten, und zwar zuerst in Bologna 1259. Die stationary, welche, zum Universitätspersonal gehörig, Bücher, die bestimmt vorgeschrieben waren, zum Abschreiben verliehen, erhielten hierfür einen festgesetzten Betrag.
Ferner nahmen sie den Nachlaß Verstorbener und die Bücher abgehender Studenten, auch die Bücher von Juden, denen direkter Handschriftenhandel untersagt war, in Verwahrung und vermittelten den Verkauf gegen eine bestimmte Provision. Der Käufer aber mußte bei seinem Weggange von der Universität die Bücher zu neuem Verkauf zurücklassen. Neben diesem auf Universitätsstädte beschränkten Buchhandel entwickelte sich in andern Städten, besonders in Mailand, [* 8] Venedig [* 9] und Florenz, [* 10] ein lebhafter Bücherverkehr. Namentlich ist in letzterer Stadt ein ausgebildeter, vorzugsweise mit populären Artikeln betriebener Buchhandel zu Anfang des. 15. Jahrh. deutlich zu erkennen.
An der bedeutendsten Hochschule Frankreichs, in Paris, [* 11] werden bereits 1323 die stationarii (Handschriftenverleiher) von den librarii (Handschriftenhändler) unterschieden, aber auch hier war durch strenge Vorschriften der Verkauf geregelt. Nebenher spielen aber auch die außerhalb des Universitätsverbandes stehenden Händler eine nicht unbedeutende Rolle. Schon 1170 wird zu Paris ein Buchhändler erwähnt, gegen Ende des 13. Jahrh. finden sich 8 libraires in der Steuerrolle aufgezeichnet und vom Anfang des 15. Jahrh. an, wo der Pariser Buchhandel sichtlich einen großen Aufschwung nahm, sind sie zahlreich aufzuweisen.
Auch in England befanden sich an den Universitäten stationarii, die aber nicht unter so peinlicher Aufsicht gestanden zu haben scheinen, da aus ihnen mit der Zeit wirkliche Buchhändler wurden. Deshalb ist auch hier der Name stationer für Buchhändler gebräuchlich geworden, später aber nur noch für die Schreibmaterialienhändler geblieben. Stationer’s Hall in London, [* 12] die engl. Buchhändlerbörse, wo seit den Zeiten der Königin Elisabeth das Verzeichnis aller mit copyright versehenen Bücher geführt wird, ist noch jetzt den Buch- und Schreibmaterialien ¶
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Händlern gemeinsam. Auch hier entwickelte sich der Buchhandel trotz der freien Stellung der stationarii weniger an den Universitäten als in London, wo bereits 1403 die stationers oder text-writers sich zu einer Gilde vereinigten.
In den Niederlanden beschränkte sich der Buchhandel auf schöne Gebetbücher mit Miniaturen und Initialen, denn wenn dort auch sehr viel geschrieben wurde, so waren es meistens auf Bestellung gefertigte Arbeiten für die Herzöge von Burgund oder von den Brüdern vom gemeinsamen Leben geschriebene Bücher, welche von diesen auch vertrieben wurden, sodaß ein eigener Buchhandel nicht aufkommen konnte.
In Deutschland [* 14] finden sich ebenfalls in den Satzungen der Universitäten die stationarii, sie treten hier aber wenig hervor, denn es scheinen nicht nur hier die Studenten selbst mehr als anderswo geschrieben zu haben, sondern es wurde auch an einigen Universitäten den Lehrern gestattet, unter gewissen Bedingungen den Studenten Bücher zu diktieren. Ferner wurde in den Klöstern sehr viel, wenn auch nur zum eigenen Gebrauch abgeschrieben. Außerhalb des geistlichen Standes kam erst spät ein Lesebedürfnis auf.
Als im 13. Jahrh. in einigen bedeutenden Städten der aufstrebende Bürgerstand seine eigenen Schulen errichtete, stieg der Bedarf an Büchern. In erster Linie sorgte der Schullehrer für die Befriedigung dieses Bedürfnisses, indem er die nötigen Schulbücher selbst anfertigte und verkaufte. Später ließ sich dieses Geschäft weiter ausdehnen, denn allmählich gab es schon einen recht zahlreichen Laienstand, der zur Unterhaltung lesen wollte. Einer dieser industriellen Schulmeister, der um die Mitte des 15. Jahrh. sein Geschäft als förmlicher Buchhändler betrieb, war Diebold Lauber in Hagenau. [* 15]
Von ihm sind mehrere Verzeichnisse seines Handschriftenlagers noch vorhanden und diese enthalten so viele Werke, daß angenommen werden muß, er sei nicht der alleinige Schreiber gewesen, sondern habe mehrere Personen beschäftigt. Sein Verlag war vorwiegend populärer Natur; außer verschiedenen Gedichten der mittelhochdeutschen Periode umfaßte er Reimbibeln, Andachts- und Arzneibücher, gemalte Wahrsagebücher, die Goldene Bulle und andere Rechtsbücher.
Aus diesem Handschriftenhandel ging nach Erfindung der Buchdruckerkunst (s. d.) der eigentliche Buchhandel hervor, doch blieb jener neben diesem noch eine Zeit lang bestehen, da die neue Erfindung nicht allen Bedürfnissen gleichmäßig entsprechen konnte, obgleich sie eine rasche und weite Verbreitung gewonnen hatte. In welchem Maße diese Kunst in der ersten Zeit ihres Bestehens wirkte, ist aus Hains «Repertorium typographicum» (4 Bde., Stuttg. 1826-38) zu ersehen, in welchem bis zum J. 1500 nicht weniger als 1213 Druckwerkstätten an 208 verschiedenen Orten mit 16 299 Werken aufgeführt sind.
In der ersten Zeit waren die deutschen Buchdrucker zugleich meist die direkten Verkäufer der von ihnen herausgegebenen Werke an das Publikum auf Messen und Jahrmärkten, welche die natürlichen Mittelpunkte auch bereits für den Handschriftenhandel gewesen sein mochten. Aber sie beschränkten sich nicht auf ihr Vaterland, Fust und Schöffer waren nach Paris gegangen, um dort ihre Bibeln zu verwerten, und der unternehmendste und thätigste Verleger seiner Zeit, Antoni Koburger (s. d.) von Nürnberg [* 16] (1472-1513), hatte in Paris, Lyon [* 17] und Ofen Filialen seines ausgebreiteten Geschäfts errichtet.
In den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrh. tritt der Genossenschaftsbetrieb stark hervor: Vereinigung mehrerer Drucker zur Herstellung von Werken auf gemeinschaftliche Kosten;
Beteiligung von Kaufleuten, Gelehrten u. s. w. durch Vorschuß von Geld oder Lieferung von Papier an die Drucker, und dann Verkauf auf gemeinschaftliche Rechnung.
Auch der Verkauf ganzer Auflagen kommt vor, wie Partieverkauf. Gegen Ende desselben Jahrhunderts bildet sich auch bereits zwischen Verleger und Publikum ein Bindeglied aus, das die Vermittelung des Bücherverkehrs zum eigentlichen Geschäftszweig machte, nämlich der Buchführer oder Sortimentsbuchhändler (s. Sortimentsbuchhandel). Der Verkehr zwischen Verleger und Buchführer fand meist statt auf der Buchhändlermesse (s. d.), doch auch auf kleinern Messen und Märkten, wie Straßburg, [* 18] Zurzach, Neisse, [* 19] Peter-Paulsmesse in Naumburg, [* 20] die lange wichtig war, Wittenberg, [* 21] München, [* 22] Innsbruck [* 23] u. s. w. Unter den Meßplätzen nahm Frankfurt [* 24] a. M. die erste Stelle ein; durch seine günstige Lage zum In- und Auslande war es besonders geeignet, den Mittelpunkt des Handels zu bilden. Es kann mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß schon die ersten Mainzer Drucker die Frankfurter Messe besucht haben, und bereits 1497 läßt sich daselbst der Besuch Venetianischer Verleger nachweisen.
Fast gleichzeitig mit Frankfurt tauchte Leipzig [* 25] als Meßplatz auf, doch machte sich schon von Anfang an ein Unterschied zwischen beiden bemerkbar; in Frankfurt verkehrten auch auswärtige Buchhändler, besonders Italiener, Franzosen und Niederländer, während die Leipziger Messen hauptsächlich von deutschen Händlern bezogen wurden. Frankfurt behauptete aber den Vorrang vor Leipzig bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Aus der Blütezeit der Frankfurter Büchermessen hat der berühmte Pariser Buchhändler Henri Etienne (Henricus Stephanus) in seinem «Francofordiensie emporium sive Francofordienses nundinae» (Frankf. 1574; neue Ausg., Par. 1875) eine überschwengliche Schilderung hinterlassen, in welcher er Frankfurt mit Athen [* 26] vergleicht.
Über den eigentlichen geschäftlichen Verkehr berichten andere Quellen, daß die einheimischen und fremden Händler innerhalb und in der Nähe der noch heute danach benannten Buchgasse eigene Gewölbe [* 27] hatten, welche nur in den beiden Messen (Fasten- oder Ostermesse und Herbstmesse) geöffnet wurden. Die Käufe wurden entweder gegen bar oder noch häufiger in Rechnung bis zur nächsten Messe, ausnahmsweise auch länger, abgeschlossen. Tauschgeschäfte kamen in größerm Umfange erst später vor; diese Geschäftsweise und der hierfür übliche Ausdruck «verstechen» machte sich erst im 17. Jahrh. stärker geltend, zu einer Zeit, als das bare Geld knapp und überdies durch Kipper und Wipper so verschlechtert war, daß viele auswärtige Verleger lieber Bücher gegen Bücher einhandelten, als gutes Geld hinzulegen und für ihre Ware schlechte, kaum im eigenen Lande unterzubringende Münze zu erhalten. Bis gegen Ende des 18. Jahrh. blieb diese Art und Weise im deutschen Buchhandel üblich, in den übrigen Ländern bürgerte sie sich nicht ein. Um den die Messe nicht besuchenden Bücherfreunden Kenntnis von den neuen Erscheinungen der Litteratur zu geben, hatten schon früher manche Verleger und Buchführer Verzeichnisse ihres Lagers veröffentlicht, bis 1564 Georg Willer von Augsburg, [* 28] einer der bedeutendsten ¶