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Nahe bei der ostkongolesischen Stadt Kisangani brennen im Urwald Feuer am Ufer eines kleinen Flusses. Goldsucher bauen Staudämme und leiten das trübe Wasser kilometerweit um. Aus dem trockengelegten Flussbett holen sie Sand und Geröll, das sie durch Siebe schütteln. Die in den Sieben hängen bleibenden schweren Brocken enthalten Gold. Sie werden auf einem Quecksilberbett ausgebreitet. Langsam löst sich das Gold vom Stein und verschmilzt mit dem Quecksilber. Aus dem Amalgam, das auf einem Rost über dem Feuer erhitzt wird, fällt Tropfen um Tropfen das Gold in Bakelitschüsseln.
Viele Hundert Kilometer weiter im Norden, nahe der südsudanesischen Grenze, in Beni, sah ich eine andere Goldgewinnung. Hier werden Goldadern in hartem Fels abgebaut. Milizionäre behandeln die Arbeiter wie ihre Gefangenen und zwingen sie, ihnen das Gold zu lächerlichen Preisen abzutreten.
Mutige Missionare oder Uno-Experten, die sich hin und wieder noch in dieser vom Krieg heimgesuchten Weltgegend sehen lassen, kämpfen gegen die Vermarktung dieses Blutgoldes. Sie wollen verhindern, dass sich die mörderischen Milizen weiter damit finanzieren.
«Es besteht ein grosses Risiko, dass das Gold, welches in die Schweiz kommt, schmutziges Gold ist.»
«SELBSTKONTROLLE». Die Schweiz beherbergt die Mehrzahl der grössten Raffinerien der Welt. Zwei Drittel des Goldhandels fliessen jährlich durch unser Land. Gemäss den Zollbehörden beliefen sich diese Goldlieferungen letztes Jahr auf 15 Milliarden Franken.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erliess 2017 einen Codex zur Kontrolle des Goldhandels. Dieser Codex schafft eine Zertifizierungspflicht: Ab 2021 soll nur noch von registrierten Firmen produziertes Gold Zugang zum Weltmarkt haben.
Der Bundesrat verweigert bisher seine Unterschrift. Anstatt auf eine rechtskräftige Norm setzt Bern – unter massivem Druck der hiesigen Goldhändler und Grossbanken – auf «Selbstkontrolle». Dazu schreibt der kluge, international berühmte Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth: «Es besteht ein grosses Risiko, dass das Gold, welches in die Schweiz kommt, schmutziges Gold ist.»
ZUM BEISPIEL METALOR. Pieth hat recht. Beispiele dafür gibt es haufenweise. Hier nur das jüngste: Ein Hauptlieferant des Neuenburger Edelmetallhändlers Metalor ist die peruanische Gesellschaft «Minerales del Sur». Sie kauft bei kleinen und mittleren Goldschürfern das häufig unter entsetzlichen Bedingungen gewonnene Gold. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat akribisch Kinderarbeit und Umweltzerstörungen in den Minen des peruanischen Hochlandes dokumentiert. Viele von ihnen werden von Kartellen der organisierten Kriminalität beherrscht.
Endlich hat der den Banken hörige Wirtschaftsminister Schneider-Ammann den Bundesrat verlassen. Die Gewerkschaften, das Parlament und die Zivilgesellschaft müssen jetzt aufstehen, damit sein Nachfolger Guy Parmelin schleunigst dafür sorgt, dass der Handel mit dem Blutgold in der Schweiz verboten wird.
Jean Ziegler ist Soziologe, Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrates und Autor.