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Als Kind hat man normalerweise Vater und eine Mutter welche mit 18 Jahren volljährig wurden und geheiratet haben. Die erste Frau kann nach Gesetz entscheiden, ob ihr Mann andere Frauen haben darf oder eben auch nicht. Nach Scharia werden Kinder – so bald sie geschlechtsreif werden – volljährig und können auch heiraten. Ein Mann darf dann vier Frauen haben.
Diese Regel gilt jedoch in Marokko nur in Ausnahmefällen. Will ein Mann eine Scheidung so gelten einfache Regeln. Will dagegen die Frau die Scheidung, so sind richterliche Gründe wie Nichterfüllung der Unterhaltspflicht, Misshandlung oder eine schwere Krankheit des Mannes die ihr vor der Heirat nicht bekannt waren anerkannt. Der Richter muss in jedem Fall einen Versöhnungsversuch unternehmen und darf erst darnach und nach Zahlung eines Schmerzensgeldes an die Frau die Scheidung vornehmen.
Marokko ist ein islamischer Staat sunnitischer Ausrichtung. Der Koran ist das heilige Buch und gilt demzufolge auch als Gesetz. Der Islam beruht auf den fünf Säulen; dem Glaubensbekenntnis (Sahada), dem Gebet (Salat), dem Fasten (Ramadan), der Barmherzigkeit (Sakat) und der Pilgerfahrt (Hadj). Der König ist das geistige Oberhaupt. 98 % der Bevölkerung bekennen sich zum Islam.
Ein Knabe wird mit 5 Jahren beschnitten. Bei den Mädchen wird dies nicht mehr praktiziert. Die Schulen sind nach französischem Muster organisiert und aufgebaut. Etwa die Hälfte der Kinder kann die Schule besuchen. 48 % der Bevölkerung bleiben deshalb Analphabeten. Mit speziellen Schulbussen (senffarbige Isuzu Kleinbusse) werden Kinder im Atlas-Gebirge aber auch in ländlichen Gegenden zum Unterricht gefahren. Dort lernen sie Marokkanisch -Arabisch (Darija) zu schreiben und zu lesen. Das Alphabet enthält 28 Buchstaben und wird von rechts nach links geschrieben. Im Marokkanischen gibt es zusätzlich die Verbindungs-Buchstaben „g“ und „v“ welche im Hocharabischen nicht vorkommen.
Als 1. Fremdsprache wird Französisch gelernt. Diese Sprache ist auch später im Geschäftsleben die Umgangssprache. So war es für unser Empfinden ungewohnt, dass wir erst über das Dolmetschen eines Soldaten die Angaben eines Kellners in Rabat zum Preis des Mittagessens verstanden. Die Regelschulzeit beträgt 6 Jahre. Die zweite Stufe nochmals 6 Jahre. Diese ist jedoch freiwillig und kann nur in Städten besucht werden.
Die Jugendlichen werden mit 18 Jahren volljährig und können auch heiraten. Normalerweise suchen die Eltern ihre Kinder zu verheiraten doch auch Liebesheiraten werden immer normaler.
Die Frau muss dabei die Hälfte ihrer Mitgift in die Ehe einbringen darf sie gesetzlich aber selbständig Verwalten. Mann und Frau treten also mit getrenntem Güterstand in die Ehe ein und bleiben auch so. Seit 2005 besteht eine staatliche, obligatorische Krankenversicherung (AMO). In ländlichen Gebieten ist die Gesundheitsversorgung sogar kostenlos.
Als wir heute im Kaffee „oscar“ in Zagora sassen, mischte sich ein Basel-Deutsch sprechender, hoch aufgeschlossener Marokkaner in unser Gespräch ein. Seine Mutter sei Berberin und sein Vater Tuareg. Um uns eine Visitenkarte zu übergeben bat er uns in sein nahes Geschäft zu kommen. Er sei Künstler und versuche allerhand einheimische Waren an den Mann/Frau zu bringen. Er bat uns auf zwei kleinen Hockern Platz zu nehmen, was aber mir völlig misslang. Mit Rucksack auf einem 20x20x20 cm Hocker Platz zu nehmen. verpasste ich das Sitzgerät genau um dessen Breite und machte beinahe einen doppelten Salto rückwärts. Sofort brachte er mir einen Stuhl und das Verkaufs-Gespräch konnte nun beginnen.
In einem Stofftuch umwickelt kramte er aus einer Schatztruhe allerhand Schmuck. Silberschnmuck von Tuaregs und Steinschmuck von Berbern. Eine feine Silberschmuck Halskette hatte es mir sofort angetan. Er wollte schlussendlich 650 MAD und bat mich immer wieder selbst einen Preis auf ein Blatt zuschreiben. Nach dem er Heidy die Kette gar um den Hals band und sie nach meiner Meinung nicht die Wirkung erzielte welche ich erhoffte standen wir auf und verabschiedeten uns.
Nun kam er so richtig in Fahrt! Er wollte uns stoppen und habe „nur noch eine Frage?“ Ein-, Zwei-, Drei, Vier, Fünf-Mal und bereits etwa 80 m von seinem Geschäft entfernt mit offenen, herumliegenden Schmuck aus seiner Schatztruhe liess er nicht locker. ER HABE NUR NOCH EINE FRAGE? 50 MAD fiel er mir ins Wort! Als ich ihm im barschen Ton zurecht wies.
Danach flüchteten wir über die vierspurige Hauptstrasse von Zagora. Dann wurde mir erstmals bewusst: Soeben habe ich die islamische Regel der Barmherzigkeit verletzt und muss es wahrscheinlich in diesem Land noch ein paar Mal tun!
Nun knie ich halt vor dem PC und schreibe morgens um 0415 Uhr meine Blogeinträge. Dann nämlich, wenn wir ausnahmsweise Strom haben, das Web in Betrieb ist und sogar funktioniert und mich der Muezin sowieso geweckt hat.