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Exemplaren von bis zu 12 kg Gewicht vorkommt und zu allen Jahreszeiten gefangen wird. Um die ausgefischten Gewässer wieder etwas schneller zu bevölkern, setzt Unterwalden jährlich viele tausend Stück künstlich ausgebrüteter Fischbrut ein, besonders Forellen und Balchenarten. 1907 wurden Fischereipatente abgegeben: in Obwalden 102 für zusammen 770 Fr., in Nidwalden 48 für zusammen 605 Fr.
13. Gewerbe und Industrie.
Während die Kunst in Unterwalden, besonders in Nidwalden von jeher einer relativ sehr guten Pflege sich erfreute (in Stans entwickelte sich ja in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter Paul Deschwanden eine eigentliche Malerschule, hauptsächlich für kirchliche Malerei), so lässt sich das von Industrie und Gewerbe weniger sagen. Wenn man aber betrachtet, was die Meister früherer Jahrhunderte auf dem Gebiete ländlicher Baukunst, des Hausgerätes und des Bauernschmuckes geschaffen haben, muss man immerhin ihren natürlichen Schönheitssinn, ihr Verständnis für harmonisches Zusammenstimmen und ihre technische Fähigkeit bewundern und nur bedauern, dass der Fortschritt im Laufe der Zeit nicht grösser gewesen ist.
Das Kunstgewerbe steht jetzt in Unterwalden auf einer entschieden viel tiefern Stufe als in verflossenen Jahrhunderten. Der schon im 17. Jahrhundert im Melchthal ausgebeutete Marmorbruch vermochte sich nie gehörig zu entwickeln; er lieferte einen guten schwarzen Marmor, dem auch die prächtigen Säulenmonolithen in der Kirche zu Sachseln angehören. Das Marmorlager in der Kniri zu Stans, das seinerzeit den Marmor zur Stanser Pfarrkirche lieferte, wurde neuestens wieder aufgedeckt und soll versuchsweise in Abbau genommen werden.
Das zu Anfang des 15. Jahrhunderts zuerst erwähnte, aber zweifelsohne schon viel früher betriebene Eisenbergwerk im Melchthal wurde im Jahr 1693 aufgegeben, ohne dass es je zu eigentlicher Blüte gekommen wäre. Das Erz wurde ohne Stollenbau oberflächlich geschürft an der Erzegg beim Melchsee, von dort nach dem Melchthal hinunter transportiert und hier in sehr primitiver Weise verhüttet. Nach Professor Schmidt in Basel ist das Erz als Chamoisitoolith mit einem Eisengehalt von 31% anzusprechen. In neuerer Zeit sind wieder verschiedene Pläne aufgetaucht und Konzessionen nachgesucht worden, um dieses Erzlager auf elektrolytischem Wege auszubeuten, aber diese Projekte liegen noch sehr im Dunkeln. Um der armen Bevölkerung etwas Verdienst zu verschaffen, wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch den damaligen Abt Leodegar Salzmann (1769-1798) in Engelberg die Seidenkämmlerei eingeführt, die sich dann auch bald in verschiedenen Gemeinden Nidwaldens ausbreitete. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kam die Seidenweberei auf, die zur Zeit ihrer höchsten Blüte in Unterwalden gegen 800 Stühle beschäftigte und für Zürcher Häuser arbeitete.
Fast zu gleicher Zeit wurde von Wohlen aus die Strohhandstickerei eingeführt, aus der sich dann später die Strohhutknüpferei entwickelte. Letztere Industrie beschäftigte in Unterwalden (besonders in Obwalden) zur Zeit ihrer höchsten Entwicklung bis auf 1000 Personen und lieferte jährlich etwa 30000 Dutzend Strohhüte. Das Fabrikat wurde nach allen Teilen der Welt versandt. Leider verzeigen beide Industrien seit den letzten Jahren einen alljährlich wachsenden Rückgang.
Während diese beiden Erwerbszweige ihr Rohmaterial ausschliesslich von auswärts bezogen, verarbeitet die ums Jahr 1860 aufgekommene Parkettfabrikation, an die sich bald die mechanische Schreinerei anschloss, einheimisches Material und gelangte zu hoher Blüte. Obwalden beschäftigt in 14 derartigen Geschäften rund 220 Arbeiter, Nidwalden in 5 Geschäften 60 Arbeiter. Schon seit Jahrhunderten bestanden mehrere Kalk- und Ziegelbrennereien, in Alpnach und Rotzloch auch Gipsmühlen, von denen diejenige im Rotzloch noch jetzt von der schweizerischen Gipsunion weiter betrieben wird. Zu grosser Blüte entwickelte sich in Nidwalden die Fabrikation von Zement und hydraulischem Kalk, die in Stans, Beckenried und Rotzloch in 6 Fabriken mit 250 Arbeitern jährlich etwa 5000 Waggons zu liefern imstande wäre. Rotzloch hatte früher während Jahrhunderten eine Papierfabrik. Der unternehmende Bauherr K. Blättler errichtete dort 1860 sogar eine Konstruktionswerkstätte, in welcher unter anderm zwei kleinere Dampfboote und die einstige Hebebrücke über den Seearm von Acheregg erbaut wurden. Hergiswil besitzt seit mehr als 100 Jahren eine grosse Glashütte und eine Kartonfabrik.
Unterstützt wird die Industrie in neuerer Zeit durch die in Unterwalden entstandenen verschiedenen elektrischen Werke. Das Elektrizitätswerk Luzern-Engelberg in der Obermatt (Gemeinde Engelberg) produziert 6000 PS, wovon 1600 in Unterwalden zur Verwendung gelangen und der Rest nach Luzern und in die an der Linie liegenden Orte geht. Das Elektrizitätswerk Kerns produziert 400 PS und gibt an sämtliche 6 alten Gemeinden Obwaldens Kraft und Licht ab. Das Elektrizitätswerk Beckenried mit 500 PS versorgt hauptsächlich Beckenried mit Kraft und Licht. Einige grössere Projekte, die zusammen auch noch einige 1000 PS liefern könnten, bleiben in ihrer Ausführung vorläufig der Zukunft vorbehalten. ¶
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Der kleinere Handwerksbetrieb ist nicht von Bedeutung und genügt nicht einmal dem inländischen Bedürfnis.
Nur die Schreinerei mit mechanischem Betrieb hat sich auf eine höhere Stufe heraufgearbeitet und produziert aus dem feingängigen, langsam gewachsenen Holz der Bergwälder gesuchte Möbelwaaren und Bauschreinereiartikel. Wenn schon deren Absatzgebiet nicht ein so ausgedehntes wie das der Parkettfabriken ist, die tatsächlich nach allen Weltteilen liefern, so umfasst es doch immerhin das Gebiet nahezu der ganzen Schweiz. In früherer Zeit (und in Nidwalden zum Teil jetzt noch) stand das Goldschmiedegewerbe auf einer ziemlich hohen Stufe; es wurden da Haarnadeln und Halsketten, speziell in Filigranarbeit hergestellt, die in ihren besten Formen eigentlich künstlerischen Wert haben.
Mit dem Verschwinden der originellen Landestrachten geht natürlich auch der Rückschritt dieses Gewerbezweiges Hand in Hand. Erst aus neuerer Zeit datiert der ungeahnte Aufschwung des Hotelwesens, in dessen Betrieb Unterwalden mehr Kapital als in irgend einem andern Gewerbe niedergelegt hat und das im Sommer unter allen Gewerben (ausgenommen die Landwirtschaft) am meisten Hände beschäftigt. Unterwalden verdankt es seiner leichten Zugänglichkeit, den vorzüglichen und billigen Verkehrsmitteln, seiner herrlichen Lage, seinen bezaubernden Landschaftsbildern und seinem vorzüglichen Klima, dass innerhalb seiner Grenzen der Fremdenverkehr ein aussergewöhnlich grosser ist.
Einzelne seiner Fremdenzentren, wie Engelberg, Pilatus, Bürgenstock, Schönegg-Emmetten erfreuen sich eines Weltrufes, und es ist auch sonst keine Ortschaft in Unterwalden, in der sich über den Sommer nicht Kuranten für kürzere oder längere Zeit aufhalten. Einzelne der Fremdenzentren, wie besonders Engelberg, haben bereits eine zahlreiche Winterklientel. In ganz Unterwalden mögen sich im Juli und August zur Zeit des stärksten Besuches sicherlich bis auf 6500 Kurgäste aufhalten. Sehr gross, aber einer genauen Kontrolle sich entziehend ist die Anzahl der Touristen. Sie ist von Jahr zu Jahr im Steigen begriffen. Der Pilatus hatte z. B. im Jahr 1906 über 50000 Besucher, während noch im 16. Jahrhundert die Besteigung des Berges bei Todesstrafe verboten war!
14. Kreditinstitute und Geldwesen.
Obwalden besitzt eine Kantonalbank (mit ehemaliger Notenemission), die im Jahr 1906 einen Jahresumsatz von 15278133 Fr. mit einem Gewinn von 77078 Fr. auswies, wovon 22500 Fr. zur Verzinsung des Dotationskapitals im Betrag von 500000 Fr. verwendet und der Reingewinn von 54578 Fr. zur Hälfte an die Staatskasse und zur Hälfte in den Baufonds für ein neu zu erstellendes Bankgebäude kam.
Nidwalden besitzt zwei öffentliche Geldinstitute, wovon die kantonale Spar- und Leihkasse im Jahr 1879 vom Kanton gegründet wurde und im Jahr 1906 einen Umsatz von 55667416 Fr. zeigte. Der Gewinnanteil zu Handen der Staatskasse betrug 26964 Fr. Die Nidwaldnerische Sparkasse ist die Gründung (1827) einer kantonalen Gesellschaft und verwendet ihren Reingewinn alljährlich zum grössten Teil zur Förderung humanitärer und sozialer Zwecke.
Wie die übrigen Kantone der Schweiz hatte auch Unterwalden bis 1850 sein eigenes Münzrecht, machte aber davon einen verhältnismässig bescheidenen Gebrauch. Obwalden fing mit seinen Prägungen erst 1725 an und prägte Dukaten, Taler, Halbtaler, 40, 30 und 20 Kreuzerstücke, Batzen, Halbbatzen, Groschen, Kreuzer, Halbkreuzer und Rappen. Nidwalden prägte nur im Jahr 1811 und zwar Fünfbätzner, Batzen und Halbbatzen. Viel beschäftigt hat die Medailleure und Stempelschneider die Verehrung, die dem Landespatron Bruder Klaus erwiesen wurde. Es existieren von ihm etwa 70 verschiedene Medaillen, darunter mehrere von der Hand des berühmten Medailleurs Hedlinger in Schwyz.
15. Verkehr.
Bis 1861 fehlte Unterwalden jegliche fahrbare Strassenverbindung nach Aussen. Doch bildete der Vierwaldstättersee von jeher mehr ein verbindendes als trennendes Element. Der Saumweg über den Brünig ist uralt und wurde von jeher benutzt. Im 16. Jahrhundert z. B. bezog Bern von Luzern Schiesspulver und liess es über den Brünig transportieren. 1861 wurde dieser Saumweg in eine fahrbare Strasse umgebaut, diese bis nach Luzern weitergeführt und damit eine stark frequentierte Verkehrsader zwischen den damaligen Hauptfremdenzentren Luzern und Berner Oberland geschaffen. Im Anschluss an die Brünigstrasse überspannte man den schmalen Seearm am Acheregg mit einer eisernen, für den Dampferverkehr senkrecht zu hebenden Brücke. Damit war eine Abzweigung nach Stansstad und also auch für Nidwalden eine Verbindung über Land mit der äussern Schweiz geschaffen. Doch benutzte Nidwalden von jeher und auch heute noch als seine Hauptverbindung nach Aussen den Schiffsverkehr (Dampfboot, Motornauen, Ruderboot). Die Hauptverkehrsader für Obwalden ist die Brünigbahn, die den Kanton auf einer Strecke von 34 km ¶