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Das grösste Problem, welches die Weinwelt hat, ist, dass sie vergessen hat, wie Endkonsumenten reden. Durch eine immer etabliertere Sprache hat sie es geschafft, sich komplett vom normalen Vokabular zu entfernen und dadurch die Mehrzahl der Weintrinker einzuschüchtern und/oder zu überfordern. Bravo.
Die Franzosen sind in diesem Fall die Schlimmsten. Nicht nur sind die Namen der Produzenten und Regionen unaussprechbar, sondern meistens erschlagen uns ihre Etiketten auch noch mit schicken Wörter wie Cru, Premier, Cuvée und Reserve.
Warnung: Der untenstehende Teil wird furztrocken. Besser ihr schenkt euch ein Glas Wein ein, bevor ihr euch ein önolog-isches Lexika reinzieht.
Entwarnung: Das meiste Geschnörkel auf Etiketten ist total überflüssig. Also konzentrieren wir uns aufs Nötigste:
Eine Zusammenführung verschiedener Traubensorten (z. B. Merlot und Cabernet Sauvignon), verschiedener Parzellen (südlicher Hang und östlicher Hang), verschiedener Fässer (Wein von amerikanischen und von französischen Holzfässern) oder sogar verschiedener Jahrgänge (bei Champagner) zu einem Wein. Cuvées sind nicht minderwertig, sondern wirken oft komplexer, als wenn die Trauben getrennt werden und zu individuellen Weinen gekeltert werden.
Wenn auf dem Champagner Cuvée steht, weist die Etikette auf höchste Qualität hin. Cuvée nennt man den Teil des Saftes, der natürlich durch das Gewicht der Trauben im Bottich entsteht (Vorlaufsaft) und nicht durch maschinelles Pressen (kann Bitterstoffe aus den Traubenschalen und -kernen lösen). In der Champagne gibt es noch hundert andere Einsätze vom Wort Cuvée, aber ich schreibe hier ja kein Buch.
ACHTUNG! Im französisch sprechenden Raum steht Cuvée Prestige oder Tête de Cuvée für das Spitzenprodukt des Weingutes.
UND! In der Schweiz sind Cuvée und Assemblage das Gleiche.
Die Angabe «Reserve» klingt ausgefallen, aber sie bedeutet eigentlich nichts Offizielles. Es gibt keine Regeln dafür, was ein Reserve-Wein ist. Viele Weingüter verwenden es, um ihre Spitzenweine zu bezeichnen.
Was zur allgemeinen Verwirrung beiträgt sind die Bezeichnungen «Riserva» und «Reserva». Diese Wörter seht ihr vor allem bei spanischen und italienischen Rotweinen, sie nehmen Bezug auf die Lagerung der Weine. Hier die häufigsten Fälle:
Was bringt diese ganze Lagerungsgeschichte dem Wein, ausser dass er für uns teurer wird (Lagerkosten = Aufpreis)? Fässer lassen ganz wenig Sauerstoff rein, was dazu führt, dass sich Tannine und sonstige Stoffe langsam in den Wein integrieren und der Wein so schön geschmeidig wird.
Crus findet man mehrheitlich auf französischen Etiketten. Cru ist eine Bezeichnung für eine Lage/Parzelle, die meistens besser klassifiziert ist als andere Lagen und so auch bessere Weine liefern kann (gestützt auf Qualität des Terroirs). Einige dieser Crus wurden aber bereits vor Jahrhunderten zu «Champions» bestimmt. Daher lohnt sich eine gewisse Skepsis. Folgende Regionen benutzen Crus als Klassifizierungen:
Falls ihr Grosses Gewächs auf einer deutschen Weinetikette entdeckt, dann hat es die gleiche Relevanz wie die Grand Cru Bezeichnung: grosses Kino.
Übrigens hat auch die Schweiz Grand Cru Lagen. Wir besitzen 2 Grand Cru Lagen (Salgesch im Wallis, Dézaley im Waadtland). Von grosser Wichtigkeit sind diese hier nicht. Wahrscheinlich interessieren wir uns auch zu wenig dafür. Ob das schlimm ist, bezweifle ich.
Zu guter Letzt noch ein paar typische Etikettenwörter ganz einfach erklärt:
Es hat mich wie immer gefreut, auch wenn dieser Artikel stierer ist als Spitzenvorhänge im Gäste-WC.
Cheers, eure Edvin