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Ist er schon auf dem Weg zum Kreml?
Ziemlich wenig – wie beim Rest seiner Familie hielt Jewgeni Prigoschin seinen Sohn aus der Öffentlichkeit fern. Auch sein genaues Alter ist unklar. Aus verschiedenen Berichten geht aber hervor, dass Prigoschin wohl irgendwann zwischen 1996 und 1998 geboren wurde. Damit wäre er höchstens 27 Jahre alt.
Laut einem Bericht der «Financial Times» soll Prigoschin aber trotz seines noch jungen Alters bereits «verschiedene Rollen in Geschäften seines Vaters» eingenommen haben. Unter anderem soll er eine Entwicklungsgesellschaft in St. Petersburg namens Lakhta Plaza geführt haben, welche von den USA sanktioniert wurde.
Auch innerhalb von Wagner soll Pawel Prigoschin bereits Erfahrungen gesammelt haben. Laut Beiträgen seines Vaters auf Social Media kämpfte Prigoschin als 18-Jähriger in Syrien. «Seitdem war und ist er als Mitglied der Gruppe Wagner ständig in Krisengebieten, wo er sein erstes Schwarzes Kreuz erhielt», berichtete Prigoschin einst.
Nachdem mehrere Wagner-nahe Quellen von Prigoschins Übernahme berichtet hatten, bestätigte dieser die Meldungen am Montag gleich selbst. «Ich habe das Kommando über die Gruppe Wagner übernommen», schreibt er auf Telegram. Auch er erklärt die «Vernichtung der Nazis» als Ziel und fordert:
Durch die Ernennung seines Sohnes zum neuen Wagner-Anführer soll der letzte Wille von Jewgeni Prigoschin erfüllt werden. Auf den sozialen Medien kursiert derzeit ein Foto, welches das Testament Prigoschins zeigen soll und das offenbar am 2. März notariell beglaubigt wurde. In diesem vermacht Prigoschin ein Grossteil seines Erbes seinem Sohn. Laut «The Times» lauten die genauen Worte:
Konkret aufgelistet wird im Testament auch die Wagner-Truppe, die Pawel Prigoschin übernehmen soll. Weiter ist von rund 110 Millionen Franken, einem dreistöckigen Haus in St. Petersburg, neun Aktiengesellschaften sowie seinem Gastronomieimperium die Rede.
Dass nun Pawel Prigoschin die Wagner-Truppe übernehmen soll, deckt sich nicht mit Berichten aus Russland der vergangenen Tage. Zuletzt war berichtet worden, Andrej Troschew solle Prigoschins Nachfolger werden. Dieser gilt als äusserst Kreml-nah: Troschew soll der erste hochrangige Wagner-Kommandeur sein, der beim Wagner-Aufstand Ende Juni ausscherte, zudem soll er Moskau frühzeitig vor Prigoschins Plan gewarnt haben.
Wie der US-Thinktank «Institute for the Study of War» (ISW) schreibt, sollen sich diverse Wagner-Mitglieder gegen die Option Troschew gewehrt haben. Innerhalb der Gruppe soll man also weiterhin daran interessiert sein, möglichst unabhängig vom Kreml zu sein.
Dies scheint tatsächlich der Fall zu sein. Denn wie das ISW unter Berufung einer russischen Insiderquelle berichtet, soll Prigoschin unter dem Einfluss von Michail Watanin stehen. Dieser ist Leiter des Wagner-Sicherheitsdienstes und soll einen engen Draht zu Jewgeni Prigoschin gehabt haben. Stimmen diese Berichte, scheint es wahrscheinlich, dass Watanin und Prigoschin Junior auch in Zukunft versuchen werden, eine gewisse Unabhängigkeit vom Kreml zu wahren.
Davon ist auszugehen. Schon Prigoschins erste Forderung als Wagner-Chef, die «Vernichtung der Nazis», deutet stark daraufhin. In Russland wird der Krieg in der Ukraine oft als «Entnazifizierung» verkauft.
Laut Wagner-nahen Quellen soll Prigoschin mit der russischen Nationalgarde Rosgwardija bereits über eine mögliche Rückkehr an die Front verhandeln. Offenbar will Prigoschin sicherstellen, dass Wagner weitgehend von den russischen Truppen unabhängig bleibt sowie den eigenen Namen, die Symbole und das Führungspersonal beibehalten darf. Eine Einigung soll bislang aber noch nicht erzielt worden sein.