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Carte Blanche
10.11.2015
Was braucht die Dreiland-Zusammenarbeit?
Als Professor für Chemie (1964-2002) an der Ecole de Chimie de Mulhouse und an der Université de Haute-Alsace (UHA), verfügt Jacques Streith über eine langjährige Erfahrung in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Universitäten in Deutschland und der Schweiz. So ist er seit 2002 von seiner Universität delegiert, die grenzüberschreitende universitäre Zusammenarbeit in der RegioTriRhena weiter zu vertiefen.
Im geographischen Raum des oberen Rheintals, wurde vor etwa dreissig Jahren ein ehrgeiziges Projekt erwogen das dazu führen sollte im Hochschulwesen gemeinsame grenzüberschreitende Studiengänge, und zwar in den gängigen Umgangssprachen, in die Wege zu leiten. Mehr als 10 Jahre waren zur Durchführung dieses interstaatlichen Projektes nötig, wobei die Behörden der Stadt Loerrach seit den 1980 Jahren die treibende Kraft waren. Ein Schweizer Unternehmer aus Reinach, der sowohl im Süden von Baden-Württemberg, als auch im Süden des Elsass und im Kanton Basel-Landschaft Messgeräte für die Industrie herstellte, entpuppte sich als die ausschlaggebende Kraft für die Einführung des grenzüberschreitenden Bachelor-Studiengangs “Mechatronik ” (Mechanik, Elektronik und Informatik). Nachdem die Europäischen Behörden das Programm Interreg I Oberrhein-Mitte-Süd starteten, konnte das Projekt des Bachelor Studiengangs Mechatronik finanziert werden. Das Lehrprogramm wurde von einer trinationalen Gruppe von Lehrkräften aufgebaut die aus der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Loerrach, der Fachhochschule der Nord-West Schweiz (FHNW) in Muttenz, und der Université de Haute-Alsace (UHA) in Mulhouse stammten. Im Herbst 1997 war es dann soweit und die ersten Studenten liessen sich in dem neuen Lehrgang einschreiben. Fast zwei Jahrzenhte später, funktioniert der Studiengang sehr zufriedenstellend nach dem best ausgearbeiteten dualen Studienplan: theoretische Vorlesungen gefolgt von Praktika in verschiedenen Unternehmen der RegioTriRhena werden im Turnus absolviert, sowohl in Mulhouse, als auch in Lörrach und in Muttenz/Basel, in Deutscher, Französischer und Englischen Sprache; was bei den Studierenden Anpassungsvermögen und Flexibilität voraussetzt.
Mit dem selben grenzüberschreitenden Konzept, wurde im Jahr 2000 ein zweiter Studiengang International Business Management (IBM) gestartet. Wiederum waren die BHBW Loerrach, die FHNW-Basel und die UHA (diesmal auf dem Colmar-Campus) daran beteiligt.
Schliesslich wurde 2014 ein dritter grenzüberschreitender Studiengang “Information Communication Systems (ICS)” in die Wege geleitet, wobei die FHNW in Basel, die UHA (Mulhouse-campus und Colmar-Campus) und die Hochschule Furtwangen University (HFU) im Hochschwarzwald die Partnerhochschulen sind.
Die berufsorientierten und grenzüberschreitenden dualen Studiengänge sind naturgemäss in die Wirtschaft eingebunden und erleichtern somit den Studenten ihren Einstieg darin. Man kann nur hoffen dass ähnliche duale Studiengänge sowohl im Raum der RegioTriRhena als auch an anderen Grenzorten Europa’s in die Wege geleitet werden. Dabei müssen jedoch die Studierenden ein gewisses Anpassungsvermögen aufbringen, d.h. die Fähigkeit, sich auf neue Anforderungen und Gegebenheiten einzustellen. Der Französische Politologe Raymond Aron hat dies treffend formuliert: “Wenn man zwei oder drei Sprachen beherrscht, denkt man anders”.