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Wie erhöht man die Chance, mindestens 85 Jahre alt zu werden? Indem man die Dinge positiv betrachtet. Das lässt sich erlernen.
Optimisten leiden seltener an chronischen Erkrankungen, bekommen weniger Herzinfarkte, haben seltener Diabetes und sind weniger lungenkrank als Pessimisten. Ausserdem werden sie mit grösserer Wahrscheinlichkeit alt.
Elf bis 15 Prozent mehr Lebenszeit holen Optimisten heraus, verglichen mit weniger optimistisch eingestellten Menschen. Das zeigt die Auswertung der Gesundheitsdaten von fast 70’000 Frauen und rund 1’400 Männern in den USA.
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Sie nahmen an zwei grossen Studien teil, die mindestens 30 Jahre dauerten. Im Alter von durchschnittlich 70 Jahren wurden die Frauen auf ihren Optimismus hin psychologisch getestet, die Männer mit 62 Jahren.
Die optimistischsten Frauen hatten eine fast 15 Prozent längere Lebensspanne als diejenigen mit wenig Optimismus. Selbst als die Forscher alles Mögliche in Betracht zogen, das dieses Ergebnis beeinflussen könnte – das Einkommen, ob eine Frau rauchte, wie viel Alkohol sie trank, ob sie an Depressionen litt usw. –, blieb das Ergebnis bestehen.
Allerdings war die Lebenszeit dann nur noch knapp neun Prozent höher – immerhin. Ähnliche Resultate ergaben sich bei den Männern. Sie holten mit viel Optimismus rund zehn Prozent mehr Lebenszeit heraus.
Warum machen Wissenschaftler solche Rechnungen? Weil eine längere Lebenszeit mit einer längeren Lebensspanne ohne Krankheiten einhergeht.
Wer also lange leben und gesund bleiben möchte, tue gut daran, sich im Optimismus zu üben, mutmassen die Studienautoren. Optimismus sei zu etwa einem Viertel ererbt und zu drei Viertel durch andere Faktoren bedingt – und er lasse sich trainieren.
Dazu brauche es nicht unbedingt lange Psychotherapien, schreiben sie in ihrer Studie. Zum Beispiel könnten vergleichsweise kurze Schreibübungen helfen, um optimistischer durchs Leben zu gehen.
«Beispielsweise kann man den Sinn fürs Schöne trainieren, indem ich jeden Tag aufschreibe, was ich Schönes gesehen habe», erklärt Prof. Dr. Willibald Ruch vom Psychologischen Institut der Universität Zürich in einem Interview mit iMpuls. Er rät dazu, Optimismus wie einen Muskel zu betrachten, den man zur Stärkung ständig trainiert. Dabei können Dankbarkeitstagebücher helfen, indem man abends notiert, wofür man heute dankbar ist. Weitere positive Impulse für den Tag liefern Kartensets mit stärkenden Affirmationen wie «So wie ich bin, bin ich genau richtig». Denn: «Der Vergleich mit anderen macht unglücklich», so Ruch. Er empfiehlt, jeden Tag etwas zu unternehmen, das positive Gefühle auslöst.
Ralph Schliewenz vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen rät, dass man für sich erreichbare Ziele setzt. «Die eigenen Möglichkeiten abschätzen, kleine Schritte machen, realistisch bleiben. Das ist ein Weg zum Optimismus», kommentiert der Fachmann die Studie.
In dem SRF-Beitrag "Optimimus kann man lernen" empfehlen Forscher der Uni Zürich eine einfache Übung: Jeden Abend soll einige Minuten lang ein Ereignis notiert werden, das an sich negativ war, aus dem schlussendlich aber etwas Positives resultierte. So führen als Beispiel die verpasste Tram auf, dank der man eine alte Bekannte zufällig wiedergetroffen hat. Nach sechs Monaten täglicher Anwendung dieser Technik seien die Studienteilnehmer positiver und optimistischer gestimmt gewesen.