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Franziskus wird im Jahre 1181/82 als Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Pietro di Bernardone und seiner Gattin Pica in Assisi geboren. Sein Vater Pietro widmet
sich dem aufstrebenden Geschäft des Tuchhandels, der durch das Aufkommen der Geldwirtschaft in dieser Zeit Wohlstand verspricht.
So ist denn die Familie des Franziskus nicht arm und geniesst ein gewisses Ansehen in der Stadt Assisi.
Wie kam es zum Namen Franziskus?
Als Franziskus geboren wird, befindet sich sein Vater Pietro gerade auf einer längeren Handelsreise in Frankreich, so dass Mutter Pica das Kind auf den Namen Franziskus taufen lässt. Der von Frankreich begeisterte Vater Pietro nennt seinen Sohn nach seiner Rückkehr aber "Francesco" (Französchen) , so dass dieser Name "Franziskus" der Rufname seines Sohnes bleibt.
Leben im Umbruch
Franziskus selbst arbeitete auch im Tuchgeschäft seines Vaters und verkaufte Tücher und Stoffe. Daneben genoss er mit seinen Freunden auf vielen Festen und in unbeschwerten Spässe das Leben.
1198 kam es zum Aufstand der Bürger Assisis; der Adel, darunter auch die Familie Klaras, floh ins Exil nach Perugia. In einer blutigen Schlacht von Collestrada gelang es den Adligen die nach Perugia geflohen waren, Assisi zurückzugewinnen. Franziskus, der als Kämpfer gegen Perugia in die Schlacht gezogen ist, wurde mit vielen anderen jungen Männer der Stadt Assisi gefangengenommen und in einen Kerker nach Perugia geführt.
Die Monate der schweren Kerkerhaft und der Entbehrungen waren für Franziskus eine Zeit des Nachdenkens über sein Leben.
Als die Familien Assisis Monate später ihre Söhne aus den Gefängnissen Perugias freikaufen konnten, kehrte auch ein kranker und nachdenklich gewordener Franziskus nach Assisi zurück.
Er begann nach einem tieferen Sinn für sein Leben zu suchen und stellte dabei auch neue Fragen nach seinem bisher im üblichen Rahmen gelebten christlichen Glauben. Wer ist Jesus? Was heisst radikale Nachfolge Christi? Ruft Gott mich nicht ganz persönlich?
Ohne sein bisheriges Leben, seine Arbeit und seine Kollegen aufzugeben, widmete sich Franziskus immer mehr diesen Fragen nach dem tieferen Sinn seines Lebens. Seine alten Träume von Macht und Ansehen blieben für ihn weiterhin ein Weg, seinem Leben Ausrichtung und Sinn zu geben.
So liess sich Franziskus auf einen Kriegszug des Grafen Walter von Brienne ein, der im Auftrag des Papstes in Süditalien Krieg führen wollte. Mit Rüstung, Streitross und Waffen zog er zusammen mit anderen jungen Leuten von Assisi los und kehrte jedoch schon bald wieder zurück.
Er hatte nämlich in Spoleto einen Traum in dem er eine Stimme hörte, die zu ihm sagte: "Franziskus, wer kann dir mehr bieten , der Herr oder der Knecht, der Reiche oder der Arme?" "Natürlich der Herr und der Reiche", antwortete Franziskus. Darauf die Stimme: "Warum verlässt du dann den Herrn um des Knechtes, den Reichen um des Armen willen?"
Darauf Franziskus: "Was willst du, Herr, dass ich tun soll?", und wieder die Stimme: "Kehre in dein Land zurück" (Legenda Maior 1,3)
Dieser Dialog in Spoleto ist für Franziskus sehr bezeichnend. Er wollte aufs Ganze gehen, wollte immer alles, immer das Grössere und Umfassendere. Er wollte reicher, mächtiger und wichtiger sein als alle anderen und entdeckte erst in einem langsam, schmerzhaften Prozess, was die tieferen Werte in seinem Leben waren. Nachdem er diese einmal erkannt hatte, wollte er ihnen radikal und entschieden bis zum Letzten folgen.
Der Ruf des Gekreuzigten von San Damiano
Noch mehr als vorher zog sich Franziskus nach dieser Rückkehr aus Spoleto nach Assisi in die Stille zurück und dachte über die Ausrichtung seines Lebens nach. Doch sein Fragen wurde immer reifer und tiefer. Er drehte sich nicht mehr so sehr um sich selber. Die Frage, worauf er denn Lust habe und was er gerne täte, wandelte sich zunehmen in die Frage, die er Gott zu stellen begann: "Was willst du, Herr, dass ich tun soll?" So begann Franziskus immer mehr, einsame Kirche um Assisi herum aufzusuchen, wo er mit Gott allein sein konnte und rang innerlich um seinen Lebensweg. Aus dieser Zeit ist ein wertvolles Gebet des Heiligen überliefert, das Gebet vor dem Kreuzbild von San Damiano. Mit der Frage, was der Herr von ihm will und vielleicht mit diesem Gebet im Herzen besuchte Franziskus Anfang 1206 die kleine Kapelle von San Damiano, die ausserhalb von Assisi liegt. Die byzantinische Kreuzesikone dieser Kapelle hatte es ihm angetan. In der Betrachtung dieses Kreuzes hörte Franziskus die Stimme des Gekreuzigten, die zu ihm sagte: Franziskus , geh und stelle meine Kirche wieder her, die zu zerfallen droht!"
Endlich hatte Franziskus einen klaren Auftrag, den er sofort umsetzen wollte. Er begann mit der Renovierung der Kapelle von San Damian und später von zwei anderen
Kapelle in der Umgebung, darunter auch die Portiunkulakapelle. Dafür bettelte er in ganz Assisi um Steine und Baumaterial.
Sein ungewöhnliches Verhalten und seine innere Veränderung führten zunehmend zu einem schweren Konflikt mit seinem Vater, der nichts für alternative Lebensformen und für übertrieben Religiosität übrig hatte.
Als Franziskus nach Foligno ritt, um dort Tuchballen aus dem Geschäft des Vater und sein Pferd zu verkaufen, spitzte sich die Sache zu. Das Geld wollte er dem Priester von San Damiano für die Kapelle übergeben, der es aber aus Misstrauen gegenüber diesem für seine Wechselhaftigkeit bekannten Kaufmannssohn nicht annehmen wollte, so dass Franziskus das Geld einfach in eine Fensternische der Kapelle warf. Als sein Vater von dieser Verschwendung seines Eigentums hörte, platzte im der Kragen und er suchte Franziskus überall, um ihn zur Vernunft zu bringen und ihn schliesslich im Hauskeller in einem finsteren Loch einzusperren. Während seiner Abwesenheit des Vaters befreite ihn die Mutter.
Nackt vor dem Gericht des Bischofs
Der Vater wollte ihn auf die Freilassung durch seine Mutter hin, vor die Stadtkonsuln bringen, um ihn verurteilen zu lassen. Franziskus wollte sich nun aber als gottgeweihter Mann nur noch der Gerichtsbarkeit des Bischofs von Assisi unterstellen. Der Bischof konnte Franziskus überzeugen, das Geld zurückzugeben. Doch dieser wollte den endgültigen Bruch mit seinem Vater und von allem irdischen Reichtum, der ihm nichts mehr bedeutete, loslassen und zog all seine Kleider aus, um alles, was er besass, seinem Vater zurückzugeben. Die Biographen werden nicht müde, darin auch die von Franziskus beabsichtigte Parallele zum Leben Jesu zu ziehen. Auch Jesus hat auf Macht und Reichtum verzichtet, um sich ganz dem Vater im Himmerl anzuvertrauen, ja, er hat gar auf die göttliche Macht und den Reichtum des Sohnes Gottes verzichtet, um sich in der Krippe und am Kreuz in nackter Liebe seinem ate rim Himmel anzuvertrauen.
Richtungsgebung - hörend auf das Evangelium in Portiunkula
Als Franziskus eines Tages, vielleicht am 24.Februar, dem Fest des hl.Apostels Matthias, einen Gottesdienst in der Portiunkulakapelle besuchte, hörte er im Evangelium einen Ausschnitt aus der Aussendungsrede: dass die Jünger "weder Gold, noch Silber, weder eine Tasche, noch Brot oder einen Stab auf dem Weg tragen, weder Schuhe noch zwei Röcke haben sollten" (Dreigefährtenlegende, 15 vgl. v.a. Mt 10, 7-19) . Das war für Franziskus die Weisung, die Jesus ihm für sein künftiges Leben geben wollte. Sie traf ihn wie ein Blitz mitten ins Herz. Er wusste sich ganz persönlich angerufen. "Das ist es, was ich mit allen Kräften zu erfüllen wünsche!", rief er aus.
Dieser Anruf des Evangeliums hat für Franziskus zuerst einmal ganz konkrete Folgen für seine Bekleidung. Sein Kleid, das er sich nun macht, drückt nicht mehr nur
seine Hinwendung zu Gott aus, sondern wird zum Ausdruck des Anrufes Gottes an ihn. Getreu dem Auftrag, den er in der Portiunkulakapelle bekommen hat, beginnt Franziskus von da an, den
Menschen zu predigen und sie zur Umkehr zur Botschaft des Evangeliums aufzurufen. Jetzt, da Franziskus genauer weiss, was er tun soll, beginnt durch das öffentliche Predigen auf Plätzen und in
Dörfern seine öffentliche Wirksamkeit, die ihn zu einem der bekanntesten Menschen seiner Zeit macht.
Die Bildung der Gemeinschaft
Vermutlich nur ein paar Wochen nach den ersten öffentlichen Predigten schliessen sich Franziskus die ersten Gefährten aus Assisi an. Sie sind tief beeindruckt von seinem neuen Lebensstil und wollen so leben wie er. Franziskus sendet sie denn auch gleich in die Welt aus, um überall, wo sie hinkommen, zu predigen, so wie es in der Aussendungsrede des Evangeliums heisst. Nach ihren öffentlichen Predigten treffen sich die Brüder wieder untereinander, um einander zu erzählen, was der Herr durch sie gewirkt hat, und um im Gebet und im Zusammensein tiefer in das Geheimnis Gottes einzudringen. Für ihren Lebensunterhalt arbeiten sie bei Bauern auf den Feldern oder erbetteln sich die nötigen Dinge. Zum Wohnen kommen sie bei irgendjemandem im Stall oder im Haus unter, schlafen unter dem freien Himmel oder bauen sich einfache Hütten.
Ein Weg in der Kirche
Franziskus und seine ersten Brüder erlebten vermutlich das damals breite Misstrauen von kirchlichen Amtsträgern und einigen Teilen der Bevölkerung gegenüber arm lebenden, religiösen "Vagabunden", die überall auftauchten, verschiedene Gruppierungen bildeten und kaum richtig einzuordnen waren. Aus Klugheit, vielleicht auch weil der Franziskus sehr wohlgesonnene und ihn vermutlich beratende Bischof Guido von Assisi dies empfahl, entschloss sich Franziskus, mit seinen elf Gefährten nach Rom zu gehen, um vom Papst die Bestätigung seiner Gruppe als kirchliche Gemeinschaft zu erhalten. Ebenso wichtig war für Franziskus bei diesem Ersuchen um Bestätigung seiner Gemeinschaft durch den Papst seine Überzeugung, dass die Amtsträger der Kirche notwendige, wenn auch oft armselige und sündige Vermittler des Wortes Gottes und der Sakramente der Kirche sind, die den Menschen den zentralen Zugang zu Jesus Christus schenken. "Und der Herr Papst hat es mir bestätigt", so schreibt er im Testament (15) schlicht. Wieder zurück in Assisi bauten die Brüder in Assisi, in der Nähe der Portiunkula-Kapelle, die sie von den Benediktinern am Monte Subasio für einen Korb Fisch jährlich zur Miete erhalten und die zum geistlichen Zentrum der Gemeinschaft wird, Hütten und leben fortan dort, wenn sie nicht gerade arbeiten oder predigen.
Die Aufnahme Klaras
Als erste Frau Assisis begann sich die junge Adelstochter Chiara Favarone di Offreducio im Alter von vielleicht 17 Jahren für die Lebensweise des Franziksus zu
interessieren und traf sich mehrmals mit Franziskus, um mit ihm über Gott und über ihr Leben zu sprechen. Sie sehnte sich nach einem Leben in der Nachfolge des armen Jesus, pflegte schon zuhause
in ihrem Elternhaus ein intensives Gebetsleben und liess den Armen heimlich Lebensmittel von ihrem Elternhaus zukommen. In Erwartung grossen Widerstandes der Familie entschloss sich Klara ihr Elternhaus heimlich zu
verlassen, um sich von Franziskus in die Gemeinschaft der Brüder aufnehmen zu lassen. Als Zeichen ihrer Hingabe an Gott und ihres künftigen Lebens in Armut schnitt ihr Franzisus die langen,
gepflegten Haare ganz kurz ab und kleidete sie in das graue, nciht gefärbte Gewand der Minderbrüder. Noch in der selben Nacht brachte Franziskus Klara zu den Benediktinerinnen von
San Paolo della Abbadesse, später zu den Armen Frauen von Sant` Angelo in Panzo, einer Art Beginen-Gemeinschaft und schliesslich nach San Damiano, wo Klara und die sich bald anschliessenden
Mitschwestern sich auf Dauer einrichteten.
1253 starb Klara. Zwei Jahre nach ihrem Tod wurde sie heiliggesprochen.
Die Aussendung der Brüder
in die ganze Welt
Die Bruderschaft um Franziskus wuchs sehr schnell auf über tausend Brüder an, so dass eine neue Organisation, neue Aufgabenfelder und Länder in den Blick genommen werden konnten. Daher beschloss das sich um das Zentrum der Portiunkula-Kapelle versammelnde Pfingstkapitel im Mai 1217, die Gemeinschaft in Italien in sechs Provinzen aufzuteilen und jeder Provinz einen eigenen Provinzialminister als unmittelbar Verantwortlichen zu geben. Zudem wurden Brüder erstmals in verschiedene Regionen der Welt ausgesandt, um dort zu leben und das Evangelium zu verkünden. Dadurch kamen Gruppen von Minderbrüdern nach Frankreich, Deutschland, Spanien und Ungarn. Ebenso ins heilige Land Palästina und nach Marokko.
Die Stigmatisierung auf dem
Berg La Verna
Wie schon in anderen Momenten seines Lebens durchlebte Franziskus auch im Jahre 1224 eine sehr tiefe Krise. Obwohl 1223 seine Regel, die sogenannte Bullierte Regel, von Papst Honorius III. feierlich bestätigt wurde, ging das innere Ringen des Franziskus um den weiteren Weg seines Ordens weiter. Hatter nicht viele Fehler gemacht? Hätte er den Orden besser gar nicht gegründet? Waren die Brüder nicht vom Grundgedanken, den ihm der Herr selber eingegeben hatte, abgewichen? Dazu kamen die inneren Zweifel, die Franziskus sehr quälten. Je länger er Gott suchte, desto entfernter erschien dieser ihm. Und je mehr er die unfassbare Heiligkeit Gottes wahrzunehmen vermochte, desto unerträglicher wurde ihm seine Schwäche, Sündhaftigkeit und Kleinheit. So wollte Franziskus wieder ganz neu aufbrechen, um Gott zu suchen und ihm neu zu begegnen. Dazu zog er sich im Sommer 1224 auf den einsamen und dicht bewaldeten Berg La Verna zurück. Kurz nach dem Fest Kreuzerhöhung, nach der Traition am 17.September, so wird berichtet, ist Franziskus ein Seraph, der sechsflügelige Engel des Feuers, erschienen, der gekreuzigt gewesen war. Dieser Seraph, der ein geheimnisvolles Bild für den Gekreuzigten und eltztlich fürdas Gehejmnis des dreienen Gottes ist, hat ihn angeschaut und Franzisksu ist so sehr hineingenommen worden, dass er selber nach dieser Erscheinung an den Händen, an den Füssen und am Herzen die Wunden Jesu getragen hat. Obwohl Franziskus seinem Begleiter Bruder Leo und den anderen Brüdern gegenüber die WUndmale an seinem Leibe sorgsam verbarg, bemerkte Bruder Leo wegen des ruhige Friedens, der Franziskus erfüllte, dass etwas Grosses geschehen sein musste.
Krankheit und Tod
Von vielen Krankheiten, unter anderem von einer Augenkrankheit, die ihn beinahe erblinden liess und den schmerzhaften Stigmata gezeichnet, verbrachte Franziskus den Winter 1224/25 in San Damiano. Er erlebte so leibhaft Schmerz, Einsamkeit und Selbstzweifel des Gekreuzigten mit, konnte aber durch dieses Leiden hindurch auch das tiefe Getragensein vom himmlischen Vater erfahren. Durch diese letzte Not hindurchgegangen, findet er endgültig zum Frieden in Gott und mit dem gesamten Kosmos. Aus dem fast erblindeten Franziskus bricht geradezu das Gotteslob des Sonnengesanges hervor und vermag sogar den Tod als Bruder zu begrüssen. Am 3.Oktober 1226 stirbt Franziskus, begleitet von den Anwesenden, nach Sonnenuntergang. Für ihn ist es ein Transitus, ein Hinübergang zu Gott, eine Verwandlung. Im Jahre 1228 wird Franziskus von Papst Gregor IX. heiliggesprochen.
Dies ist nur eine kurze Zusammenfassung des Lebens des hl.Franziskus. Wenn man sich näher mit dem heiligen Franziskus beschäftigen möchte, empfiehlt es sich, dass
ganze Buch von Bruder Paul Zahner zu lesen.
Buch Titel Franz von Assisi begegnen, ISBN 3-936484-27-9, Verlag Sankt Ulrich