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Der Ausfall der in den USA ansässigen Silicon Valley Bank (SVB) hat den Stablecoin-Markt in eine Krise versetzt. Rund 8% der Reserven des zweitgrössten Stablecoins USDC sitzen bei dem US-Finanzinstitut fest, was über das Wochenende zu Panik an den Krypto-Märkten führte.
USD Coin (USDC) hat sich mit einer Marktkapitalisierung von 40 Mrd. USD als primäre Basiswährung auf DeFi-Applikationen etabliert. Der Token wird vom regulierten US-Institut Circle Financial ausgegeben und gilt weitgehend als der best-regulierte Stablecoin. Die USDC-Reserven sind bei namhaften Bankenriesen hinterlegt, ein umfassender Audit des "Big Four" Wirtschaftsprüfers Deloitte erfolgt einmal jährlich. Ironischerweise wurde genau dieser hohe Grad an Compliance dem Emittenten zum Verhängnis und führte zu einem marktweiten Bindungsverlust milliardenschwerer Stablecoins.
Rund 8% der USDC-Reserven bei Silicon Valley Bank (SVB)
USDC ist zu 100% mit einer Kombination aus Barmitteln und US-Treasuries besichert, wie der Website des Emittenten Circle zu entnehmen ist. Konkret ist USDC zu 77% (32.4 Mrd. USD) mit US Treasury Bills (mit einer Laufzeit von drei Monaten oder weniger) und zu 23% (9.7 Mrd. USD) mit Barmitteln besichert, die bei einer Reihe von Institutionen gehalten werden. Die Treasuries liegen bei BNY Mellon und die aktive Liquiditäts- und Vermögensverwaltung übernimmt BlackRock. Das Problem ergibt sich aus der Verwahrung der Barmittel.
Letzte Woche ergriff Circle Massnahmen zur Verringerung des Bankrisikos und deponierte 5.4 Mrd. USD an Cash bei BNY Mellon, einem der grössten und stabilsten Finanzinstitute der Welt, das für seine solide Bilanz als Depotbank bekannt ist. 1 Mrd. USD liegen bei der Privatbank Customers Bank, die übrigen 3.3 Mrd. USD (8% der USDC-Reserven) an Barmittel verwahrte die Silicon Valley Bank (SVB). Am Donnerstag hatte Circle die Überweisung dieser Gelder an andere Bankpartner eingeleitet, erhielt die Gelder jedoch nicht vor Geschäftsschluss.
SVB: grösste Bankenpleite sei 2008
Die Silicon Valley Bank investierte sei 2020 übermässig in längerfristige Hypothekenpapiere mit einer Laufzeit von mehr als 10 Jahren, anstatt in Treasuries mit kürzerer Laufzeit oder Hypothekenpapiere mit einer Laufzeit von weniger als fünf Jahren. Dies führte nach der Inversion der Zinskurve in den USA zu einer klassischen Inkongruenz zwischen Aktiva und Passiva (engl. = Asset-Liability-Mismatch). Ein Bankrun von Milliarden an US-Dollarn endete in einer Liquiditätskrise.
Am Freitag übernahm die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) die Einlagen des Finanzinstituts und die Silicon Valley Bank wurde von den Behörden unter Hinweis auf unzureichende Liquidität geschlossen. Der Zusammenbruch der SVB war die grösste Bankpleite seit der Finanzkrise 2007-2008 gemessen an den Vermögenswerten, und die zweitgrösste in der Geschichte der USA nach dem Zusammenbruch der Washington Mutual.
Einige Analysten werfen der Bank amateurhaftes Bilanzmanagement vor, andere schieben die Schuld auf die chaotischen Leitzinsentscheide der Federal Reserve. Nun bleibt abzuwarten, ob die FDIC als Insolvenzverwalter eine rasche Übernahme durch eine andere Bank zustandebringt oder gar einen Bailout anstrebt. Anderenfalls würde die Finanzaufsichtsbehörde Schuldscheine (Konkurszertifikate) an Einleger ausgeben und nach Liquidierung der vorhandenen Vermögenswerte den Restwert an Kunden - darunter auch Circle Financial - auszahlen.
Dominoeffekt durch die DeFi-Märkte
In der Welt der dezentralen Finanzanwendungen (DeFi) gibt es verschiedene Arten von Stablecoins. Neben den zentral verwahrten wie USDT und USDC existieren Protokoll-basierte, überbesicherte Dollar-Coins. Projekte wie MakerDAO und Frax Finance erlauben die Schaffung von Stablecoins gegen die Hinterlegung einer Sicherheit in Form von Kryptowährungen. Im Falle eines Wertverlusts der Sicherheiten wird der Kredit programmatisch liquidiert. An sich ein robustes System.
Allerdings führten die grössten dezentralen Stablecoin-Protokolle als Stabilisierungsmechanismus auch konkurrierende Stablecoins als Sicherheiten ein. Da USDC überwiegend als top-regulierter Blockchain-Dollar angesehen wurde, entwickelten viele dieser Protokolle Abhängigkeiten von Circle's Stablecoin. Der Marktführer DAI beispielsweise ist mit über 60% durch USDC besichert. Der Bindungsverlust des Stablecoins zog somit die "dezentralen" Alternativen mit in den Abgrund.
Jetzt liegt es an Circle, das Chaos an den Stablecoin-Märkten zu bändigen. In einer Stellungnahme über das Wochenende erklärte das Unternehmen, dass die Einlösung von USDC für Fiatgeld am Montag wie gewohnt fortfahren werde. Falls es zu keiner Rettungsaktion der SVB kommen sollte, werde Circle etwaige Fehlbeträge aus eigenen Mitteln und gegebenenfalls mit Fremdkapital decken. So schreiben es die gesetzlichen Bestimmungen für die Übertragung von Wertpapieren vor.