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Vor etwas mehr als hundert Jahren befand sich Irland inmitten heftiger Auseinandersetzungen um den Kampf um die irische Unabhängigkeit.
Am 3. Mai 2021 feiert Nordirland sein 100-jähriges Bestehen.
Government of Ireland Act
Am 23. Dezember 1920 verabschiedete das britische Parlament den «Government of Ireland Act» (vollständiger Name: An Act to Provide for the Better Government of Ireland). Es war das zweite Gesetz des britischen Parlaments zur Schaffung der Home Rule (autonome Selbstverwaltung) im Vereinigten Königreich von Grossbritannien und Irland und ist auch als der 4. Home-Rule-Gesetzesentwurf bekannt.
Home Rule
Die beiden ersten Gesetzesvorschläge zur Schaffung der Home Rule in Irland (1886 & 1893) wurden beide vom Oberhaus (House of Lords) blockiert und traten nicht in Kraft. Das dritte diesbezügliche Gesetz wurde 1912 eingebracht, jedoch ebenfalls vom Oberhaus blockiert, erhielt aber aufgrund einer neuen Gesetzeslage zwei Jahre später die königliche Zustimmung. Der Erste Weltkrieg verzögerte jedoch zunächst die Umsetzung dieses Gesetzes, welches aufgrund der Entwicklungen in Irland (Irischer Unabhängigkeitskrieg) im Endeffekt vollständig aufgegeben wurde. Erst der 4. Gesetzesvorschlag, welcher schliesslich zum «Government of Ireland Act» wurde, hatte Erfolg.
Eigene Parlamente in Irland und Nordirland
Der «Government of Ireland Act» sah vor, dass jedes der beiden Länder ein eigenes Parlament erhalten soll (eines in Belfast (mit seinen 6 Grafschaften) und eines in Dublin (mit seinen 26 Grafschaften)), welches aus seiner Majestät (dem britischen König), einem (südirischen bzw. nordirischen) Senat sowie dem (südirischen bzw. nordirischen) Unterhaus bestehen sollte. Beiden Territorien gemeinsam wäre ein einzelner Lord Lieutenant of Ireland, der den König in Irland vertreten, sowie ein Irischer Rat (Council of Ireland), der gemeinsame Angelegenheiten beider Länder koordinieren sollte. Beiden Ländern war es weiterhin erlaubt, eine gewisse Anzahl an Parlamentariern in das britische Parlament in Westminster zu entsenden. Wahlen für beide Unterhäuser fanden schliesslich am 3. Mai 1921 statt und das Gesetz trat in Kraft welches die Teilung Irlands besiegelte.
Die Worte von König Georg V.
«Ich appelliere an alle Iren, innezuhalten, die Hand der Nachsicht und Versöhnung auszustrecken, zu vergeben und zu vergessen und gemeinsam für das Land zu sorgen, das sie lieben, eine neue Ära des Friedens, der Zufriedenheit und des guten Willens.»
Dies waren die Worte von König George V. am 22. Juni 1921, als er Nordirlands erstes Parlament im Rathaus von Belfast offiziell eröffnete.
Zu dieser Zeit, kurz nach dem Ersten Weltkrieg und inmitten des irischen Unabhängigkeitskrieges zwischen der irischen republikanischen Armee (IRA) und den britischen Streitkräften auf der Insel, die Zukunft Nordirlands äusserst unklar.
Feierlichkeiten
Jetzt, 100 Jahre später, feiert Nordirland sein hundertjähriges Bestehen. Für das ganze Jahr 2021 sind Veranstaltungen geplant, welche sich mit seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft befassen.
Das Jubiläum wird die Debatte über die Teilung Irlands (in Nordirland und der Republik Irland) und darüber, wie es das Leben auf der Insel geprägt hat, wieder in Gang bringen.
Die Situation heute – Ein vereintes Irland?
Eine aktuelle Meinungsumfrage der Firma Kantar, im Auftrag der irischen Zeitung Irish Independent*, legt nahe, dass sich in der Republik Irland eine grosse Mehrheit zugunsten eines vereinten Irlands ausspricht, in Nordirland sieht die Situation jedoch anders aus.
Bei der Umfrage wurden zwischen dem 16. und dem 23. April 2021 1’500 Personen in der Republik Irland nach ihrer Meinung zu einem vereinten Irland befragt.
Die Umfrage ergab, dass zwei von drei Befragten, 67 %, ein vereinigtes Irland befürworten, verglichen mit 16 %, welche dagegen waren.
In Nordirland wurden zwischen dem 14. und dem 22. April 750 Personen zum selben Thema befragt.
Diese Umfrage ergab, dass 35 % der Befragten für ein vereinigtes Irland waren und 43 % dagegen – rund 20 % der Befragten wollten sich nicht zu dem Thema äussern.
Trotz dieser Meinungsverschiedenheit über ein vereintes Irland, wünschen sich 70 % der Befragten – in beiden Ländern – innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Referendum betreffend einer Wiedervereinigung.
Die Umfrage ergab jedoch auch, dass die Mehrheit der Menschen – auf beiden Seiten der Grenze – keine höheren Steuern bezahlen wollen, um ein vereintes Irland Wirklichkeit werden zu lassen.
*Quelle: Irish Independent