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Weiter Luftaufnahmen von Nidau
Die beiden Enden des Bielersees waren im Hochmittelalter von befestigten Plätzen umsäumt. Am Ausfluss der Zihl häuften sich die Verkehrsrouten in besonderer Weise. Zum Wasserweg über die Jurarandseen sowie zihl- und aareabwärts (die Aare floss bis zur ersten Juragewässerkorrektion von 1868 bis 1878 aus dem Raum Aarberg direkt in Richtung Büren und Solothurn) gesellte sich die wichtige Querverbindung gegen das obere Aaretal, in den Jura, durch das Tal der Schüss und über den Pierre-Pertuis-Pass ins Birsgebiet. In der Nähe, bei Petinesca, gabelten sich römische Strassen, und es wurde bereits die Vermutung geäussert, in Biel habe wie in Solothurn ein spätrömisches Kastell bestanden, wofür zwar einige äussere Anzeichen sprechen, das archäologisch aber bisher nicht nachgewiesen werden konnte.
Die Bedeutung der Gegend für die feudale Herrschaftsbildung im Mittelalter leuchtet ein. So vermochten sich die Herren von Fenis, die als Grafen von Neuenburg eine ansehnliche Macht ausübten, auch im unteren Seeland eine wichtige Stellung zu verschaffen. Den Grafentitel erwarben sie offenbar im 12. Jahrhundert. Er vererbte sich in der folge auf die verschiedenen Zweige des Geschlechts, die über die einzelnen Teile des ursprünglichen Gebiets der Fenis geboten, Burgen errichteten und Städte, wie Aarberg oder Büren an der Aare, gründeten. So gab es die Grafen von Nidau ihre offizielle Bezeichnung lautete « Grafen von Neuenburg, Herren von Nidau »-, die sich in direkter Erbfolge von denen von Neuenburg abspalteten und während des 13. und 14. Jahrhunderts, bis zum Guglerkrieg 1375, eine Rolle spielten.
Ihre Burg Nidau wird 1196 erstmals genannt, als Graf Ulrich III von Neuenburg ihr Herr war. Zu den Untertanen zählten vor allem die Bewohner des Südufers des Bielersees, seit dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts aber auch von Teilen des Nordufers. Damals wurde dort altes hoch-burgundisches Königsgut unter Nidau, Neuenburg und dem Fürstbistum Basel aufgeteilt. An Nidau kamen, vorerst in loser Abhängigkeit, Ligerz, Twann und Tüscherz-Alfermée, die auch heute dem bernischen Amtsbezirk Nidau und nicht etwa dem Südjura angehören. Das Fürstbistum sicherte sich das Gebiet von la Neuveville und stiess damit bis an den Jurasüdfuss vor. Ebenso konnte es sich durch Einkauf am Ausgang der Taubenlochschlucht festsetzen. Der Bischof Heinrich von Thun legte wenig westlich davon, an strategisch und verkehrsmässig wichtiger Stelle, die Stadt Biel an. Sie sollte vermutlich ein Gegengewicht bilden zur zuvor errichteten Burg von Nidau. Diese wiederum wurde danach verstärkt, und eine befestigte Kleinstadt wurde an sie angelehnt. Ihr Baubeginn wird urkundlich auf das Jahr 1338, unmittelbar vor dem Laupenkrieg, angesetzt. Nidau wäre damit eine der spätesten mittelalterlichen Städtegründungen. Es wird allerdings auch die Meinung vertreten, dabei handle es sich um eine Neubefestigung oder Erweiterung einer städtischen Siedlung wie im Fall von Büren und Aarberg, die schon im 13. Jahrhundert angelegt wurden.
Die zahlreichen Flussarme der Zihl und die Inseln, die zwischen ihnen lagen, boten genügend Schutz und Raum für den Ausbau einer wehrhaften Siedlung. Man muss sich dabei bewusst sein, dass der Spiegel des Bielersees bis zur ersten Juragewässerkorrektion über zwei Meter höher stand. Die Burg- und Stadtgräben, mit Ausnahme des Betts der Zihl, wurden bei der Sanierung weitgehend trockengelegt. Das Schloss bildete bis ins spätere 19. Jahrhundert hinein eine gewaltige Wasserfestung. Sein ältester Teil ist der mächtig aufragende, rund 40 Meter hohe, im Grundriss neun auf zehn Meter messende Bergfried. Die rohen Findlinge und Jurakalkbrocken, welche im unteren Teil zur Mauerung verwendet wurden, lassen ihn eher ins 13. als schon ins späte 12. Jahrhundert datieren. An seiner Ostseite befand sich in etwa sieben Metern Höhe, später im Landvogteigebäude versteckt, der Hocheingang. Vermutlich aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammen die drei Rundtürme, welche die wuchtige, im Norden und Westen stückweise noch erhaltene Ringmauer zu verstärken hatten. Con ihnen stehen der wegen des unstabilen Untergrundes schief gewordene « Käfigturm » und jenseits des 1546 erneuerten Torbaus, gegen das Städtchen zu der 1587 einen Vorgänger ersetzende « Armsünderturm » noch aufrecht, während der einstige Pulverturm an der Südwestecke abgetragen worden ist. Nördlich an den Bergfried lehnte sich das Wohngebäude, der Palas, eine wahrscheinlich ebenfalls eindrucksvolle Anlage, welche im 17. Jahrhundert der wohnlichen, fortan den Aspekt des Schlosses wesentlich mitbestimmenden Landvogtei zu weichen hatte. Auch Nebenbauten, Stallungen, Gesindewohnungen und ein Sodbrunnen für das notwendige Trinkwasser fehlten nicht.
Bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts bildete die Burg die leicht zu verteidigende Resident der Grafen von Nidau. Der letzte des Geschlechts, Rudolf IV, erlag 1375 im Kampf mit den gegen das Städtchen Büren vordringenden Guglern. Der Bischof von Basel und der Graf von Neu-Kyburg lösten sich danach kurzfristig in der Herrschaft ab. Im Sempacherkrieg gelang es der Stadt Bern, die sich kurz zuvor bereits Aarberg angeeignet und mit Solothurn zusammen Büren erobert hatte, auch Nidau zu gewinnen und damit ihre Macht über den Grossteil des Seelandes auszudehnen. Dazu bedurfte es freilich einer Belagerung, die sich für Bern sehr schwierig gestaltete und erst nach sieben Wochen endete, als die aus Österreichern, Freiburgern und Guglern bestehende Besatzung sich gegen Zusicherung freien Abzuges ergab. Im Verlies fanden die Berner zwei schwer mitgenommene portugiesische Geistliche, die sie pflegten und wieder auf freien Fuss setzten.
Seitdem diente das Schloss der bernischen Verwaltung, als Landvogtei- und, in den beiden letzten Jahrhunderten, als Amtssitz. Der 1626-1636 erfolgte Bau des vierstöckigen, von einem Krüppelwalmdach bedeckten und nach Norden von einem sechsseitigen Treppenturm flankierten Hauptgebäudes entspricht in seinem Aussehen dem architektonischen Empfinden jener Zeit. Der Bergfried wurde damals aufgestockt und als Kornschütte eingerichtet, die nach aussen in den grossen Rundbogenöffnungen in Erscheinung tritt. Der Turmhelm datier von 1628. Mit Sorgfalt und küsterischem Verständnis richtete man die Wohn- und Verwaltungsräume ein und dekorierte den Eingang und die Hauptfassade. Gut restauriert, sind Teile dieser Ausstattung auch heute noch eine Zierde des Gebäudes.
Im 19. Jahrhundert haben der Abbruch vor allem des südlichen Abschnitts der Ringmauer und das Zuschütten der Gräben den Anblick des Bauwerks sehr beeinträchtig, doch darf die Burg von Nidau in ihrer markanten Konstruktion auch nach diesen Veränderungen den ersten Rang unter den Schlössern des Seelandes beanspruchen.
Bibliographie