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Panzersperren im Park
«Ohne Titel» (Toblerones) im Park der Schulanlage Leutschenbach präsentiert sich zunächst als eine Serie von sechs identischen, in einer Reihe angeordneten Volumen aus Beton, die in ihrer Prägnanz und ihrer perfekten Ausführung an kristalline Formationen erinnern. Olivier Mosset verhehlt indes keineswegs, dass sein Werk in Form und Dimension von den Panzersperren aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges inspiriert ist, wobei er diese ganz offensichtlich und mit einem Augenzwinkern als Ready-mades im Duchamp'schen Sinne auffasst. Teil dieser Strategie der Nachbildung ist denn auch der vorgegebene Marken-Begriff der berühmten Schokolade, der das an sich ungegenständliche Werk Mossets nicht nur semantisch auflädt, sondern seine eigentliche dadaistische Pointe bildet.
Mosset bringt diese Betonstrukturen nun als Kunst auf den Pausenplatz: Aus einem Instrument zur militärischen Verteidigung wird ein Turngerät für Kinder, aus einem Kriegs- ein Kunstobjekt, das Vorstellungen von Abgrenzung und Öffnung, Vertrautem und Fremdem und schliesslich auch Krieg und Frieden impliziert. Doch die vielfältigen formalen und inhaltlichen Beziehungen erschliessen sich erst durch die Wahrnehmung der Betrachtenden. Diese aber ist unabdingbare Voraussetzung zum Verständnis von Mossets Kunst. Es ist, als würde sich der Blick an ihren präzis geschliffenen Kanten und Oberflächen schärfen und als würde so die Umgebung intensiver wahrgenommen. Vor dem reizvollen Chaos der verschieden geneigten Dächer der kleinen Bauten auf dem Nachbargrundstück, ebenso wie im Kontrast zum urbanen Amalgam flach gedeckter Wohn- und Büroblocks jenseits der Bahnlinie, erfährt das abstrakte Kunstwerk erstaunlicherweise eine quasi gegenständliche Aufladung: Die oben abgeschrägten Betonblöcke werden zu Giebeln und man vermeint, eine weisse Zeltstadt oder eine Reihe identischer Einfamilienhäuser zu sehen. Mossets Werk wird durch die Umgebung scheinbar assimiliert, die Unterscheidung zwischen Kunst als einem «hohen» Wert auf der einen Seite, und den Dingen des alltäglichen Lebens mit eher «niederem» Wert auf der anderen Seite, entfällt. Man spürt «Ohne Titel» (Toblerones) förmlich an, dass sich das im Grunde höchst raffinierte Werk nicht gegen seine Umgebung sperrt, sondern selbstverständlicher Teil von ihr ist.
Karin Gimmi
© Kunstsammlung der Stadt Zürich / Fachstelle Kunst und Bau