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„Kann man nicht nur einfach Tee trinken, nicht philosophieren?“
Dies hat meine Besucherin gestern betont.
Wenn Serafino nach der Schule zu Shui Tang kommt, will er mit mir plaudern. Er will wissen, warum sollte man nicht das Wort Neger verwenden, oder ist es ethisch wenn man beim Kepab Stand Fleisch isst?
Als ich so jung war, war ich wahrscheinlich wie Serafino, ein Sinnsuchender. Ich lass gerne Diderot, Voltaire und Nietzsche. Tief geprägt von ihren Ideen suchte ich Lösungen für meine Welt. Es ist wahrscheinlich ein tiefes Bedürfnis als Mensch nach Sinn des Lebens zu suchen, eigene Wünsche nach Aussen zu projizieren und Götter zu erfinden. Anstatt zu realisieren, dass wir diejenigen sind, etwas auf die Natur zu projizieren und Göttr gestaltet haben, glauben wir, dass es ein „Gott“ gibt, der uns schöpft.
Aber es gibt tatsächlich so etwas wie ein „Gott“. Etwas was wir nicht benennen können, etwas was wir als Unendlichkeit bezeichnen, etwas was wir alssinnvolle Zufälle beobachtet haben. Etwas, was Chaos darstellt.
Chaos, im Griechisch, ist der Gegenbegriff von Kosmos. Kosmos als perfekte Ordnung. Chaos als ein Zustand vollständiger Unordnung, ein Raum zu gestalten. „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären.“ So Nietsche.
Nietzsche geht noch viel weiter, er sagte, „wer ein Schöpfer sein muss im Guten und Bösen, wahrlich, der muss ein Vernichter erst sein und Werte zerbrechen.“
Für viele Menschen bin ich ein „Vernichter“, weil mein Verhalten ihren Bilder nicht entsprechen. Für Leute, die bei mir Tee lernen, ist es als ein Lehrer fast wie ein Pflicht, ihre Werte zu rütteln und zu hinterfragen. Für anderen die gelegentlich in Shui Tang Tee trinken, ist es mir eher gleichgültig, was sie denken.
Ich philosophiere vielleicht gerne, weil ich gerne mich selbst hinterfragen, das Philosophieren hilft mir selbst kritisch zu sein. Die Philosophie ist für mich wie der Tee, der mein Denken in Frage stellt und meine Wahrnehmung erweitern. Tee gibt mir keine Lösung für meine Probleme, auch wenn viele Werbungen von Heilwirkungen erzählen. So wie die Philosophie uns ebenfalls keine Lösung verspricht, schenkt diese Fähigkeit zu denken uns ein Werkzeug, kritisch zu uns zu sein, uns als Schöfper zu betrachten anstatt als Opfer einer Geschichte.
Man muss nicht bei einem Teetisch philosophieren, aber man wird vielleicht irgendwann auffallen, dass man zu bestimmten Moment bestimmten Tee gerne trinkt, bestimmte Teetasse mit bestimmten Tee und wahrgenommenen Emotion verknüpft werden. Man fängt an zu beobachten, zu reflektieren und dann sieht sich selbst im Spiegelbild des Tees. Plötzlich… merkt man – es sind paar Schritte, die man hinter sich gelassen hat.
(Angeregt von einem Gespräch mit Eva Schiffer, http://www.philo.ch. Es war eine tolle Sternstunde!)