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zeigt dieser durch die ganze Schlucht ein ziemlich gleichmässiges und nicht allzu rasches Gefäll von nur etwa 4-5‰. Oberhalb der Schlucht weitet sich das Thal zu dem Becken der sog. Gruob mit ebenem Thalboden und im ganzen sanft ansteigenden, schön terrassierten Gehängen, auf welchen die Dörfer reihenweise angeordnet sind. Von Ilanz aufwärts setzt sich der ebene Thalboden mit mässiger Steigung noch weit hinauf fort, allerdings nur als schmaler Streifen zwischen wieder steiler gewordenen Gehängen.
Darüber breiten sich zu beiden Seiten die weiten Terrassen von Brigels und Obersaxen aus, die zusammen als ein alter, durch den tiefergrabenden Rhein zerschnittener Thalboden erscheinen. Aufwärts und abwärts setzen sich diese Terrassen (manchmal zu zweien oder dreien übereinander) in kleinern und oft unterbrochenen Formen fort, die stets von den Dorfsiedelungen aufgesucht worden sind. Unten auf dem schattigen, feuchten und den Rheinüberschwemmungen ausgesetzten Thalboden sind die Ortschaften wenig zahlreich und auch da meist an den schon etwas ansteigenden Fuss der Bergseiten oder auf Schuttkegel gedrängt.
Bis Disla bei Disentis steigt dieser Boden auf eine Länge von etwa 30 km von etwa 670 bis 1000 m, also im Mittel um 11‰ (im untern Teil 6-7, im obern 12-14‰) an. Auf ihm schlängelt sich der Rhein, oft mehrarmig geteilt, zwischen seinen eigenen Sanden und Kiesen dahin. Weiter aufwärts bis an den Fuss der Oberalp bildet das Thal eine enge, nur selten etwas erweiterte Rinne zwischen bald steiler, bald sanfter geböschten Abhängen. Auf eine Länge von etwa 18 km steigt diese Rinne von 1000 auf 1710 m an und beträgt also das Gefälle im Mittel 40‰. Auch hier liegen die wenigen Ortschaften (Disentis, Sedrun, Tschamut) auf seitlichen Terrassen.
Eine eigentliche Thalstufe mit ebenem, unten durch einen Felsriegel abgeschlossenen Thalboden ist dieser oberste Abschnitt des Rheinthals, das Tavetsch, nicht. Ueberhaupt fehlt dem Vorderrheinthal ein deutlicher Stufenbau, wie er z. B. für das Hinterrheinthal so charakteristisch ist; nur von Disla bis in die Gruob finden wir eine lange, meist sehr schmale, langsam und fast gleichmässig sich senkende Thalebene, oben dagegen eine Rinne (Tavetsch), unten eine Schlucht (im Flimser Schuttberg), aber keine Wiederholung deutlich abgesetzter Stufen mit zwischenliegenden Felsriegeln.
Das Gebiet des Vorderrheins ist asymmetrisch gebaut, indem die Hauptflussrinne hart an die steilaufgerichtete Tödikette gedrängt ist, während die Hauptkämme der Medelsergruppe (O.-Ende des Gotthardmassivs) und mehr noch die der Adulagruppe weiter vom Rhein abstehen und sich vom Piz Terri bis zum Rheinwaldhorn sogar direkt von ihm entfernen. Daher sind die linksseitigen Zuflüsse des Rheins, wenn auch zahlreich, so doch alle sehr kurz. Es sind brausende Wildbäche, die schäumend und tosend, mit Wasserfällen und Stromschnellen aus ihren Tobeln und Schluchten hervorbrechen.
Vom Oberalpstock und Krüzlipass kommt der Bach des Val Strim (bei Sedrun), vom Brunnipass der Aclettabach (bei Disentis), vom Tödi und Sandalppass der Ruseinbach (mit den Bächen aus Val Cavrein und Val Cavardiras), vom Puntaiglasgletscher der Ferrerabach (bei Truns). Dieser letztere ist dadurch bemerkenswert, dass er klareres Wasser führt als die übrigen Gletscherbäche und bei Gewittern nur wenig anschwillt, dafür aber jedes Jahr in der heissen Jahreszeit (gewöhnlich in der zweiten Hälfte Juli) für 1-2 Tage plötzlich (und zwar schon gleich beim Austritt aus dem Gletscher) anschwillt, was vermuten lässt, dass er aus einem unter dem Gletscher liegenden See kommt, der ihm als Läuterungsbecken dient und sich periodisch entleert.
Bei Ruis folgt der die Terrasse von Brigels und Waltensburg im N. und O. umfliessende und dreimal rechtwinklig umbiegende Flumbach aus dem Val Frisal. Da er auch die Bäche Murtèr und Schmuèr (diesen aus dem Panixerthal) aufnimmt, führt er dem Rhein alle Gewässer von den Brigelserhörnern und dem Bifertenstock bis zum Panixerpass zu. Vom Vorab und Piz Grisch kommen der Sether- und der Laaxerbach, vom Segnespass und Segnesgletscher der an Flims vorbeieilende Flem, vom Trinserhorn die Aua da Mulins (Zufluss des Flem), endlich vom Ringelspitz der Bach des Lavoitobels. Die rechtsseitigen Zuflüsse des Vorderrheins sind, soweit das Gotthardmassiv nach O. reicht, ebenfalls noch nicht sehr lang und führen relativ klares Wasser. Sie werden sämtlich noch als Rheine bezeichnet und nach den von ihnen durchflossenen Thälern unterschieden, nämlich als Cornera-, Nalpser-, ¶
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Medelserund Somvixerrhein. Der grösste dieser Bäche ist der Medelserrhein. Er entspringt auf Tessiner Boden und durchfliesst dort das Val Cadlimo, die oberste Stufe des Val Medels. Dieses ist von den eben genannten vier Thälern das einzige in mehreren Dörfern bewohnte. Die grössten Zuflusse des Vorderrheins sind der Glenner und die Rabiusa, beide fast ganz in den Bündnerschiefer eingeschnitten. Jener entsteht aus dem Vriner- und Valserrhein, von welchen der letztere bis zum Rheinwaldhorn (Lentagletscher) vordringt.
Der untere Glenner durchtobt eine enge, tiefe Schlucht, deren Wände grossenteils in stetig abrutschender Bewegung begriffen sind, während weiter oben auf den sanfter geneigten Terrassen, namentlich der linken Seite, zahlreiche Dörfer liegen. Die oft verheerend aus der Schlucht hervorbrechenden Schlammströme haben grosse Verbauungen bei Ilanz nötig gemacht. Noch grossartiger ist die Schlucht der Rabiusa aus dem Safienthal, die wie die Rheinschlucht in ihrem untersten Teil ebenfalls in die Flimser Bergsturzmasse eingeschnitten ist.
Hinterrhein.
In vielen Dingen einen Gegensatz zum Vorderrhein bildet der Hinterrhein, obwohl er auch verwandtschaftliche Züge zeigt. Zu diesen gehört, abgesehen von dem Beiden gemeinsamen alpinen Wildwassercharakter, vor allem der asymmetrische Bau ihrer Flussgebiete. Auch beim Hinterrhein sind die linksseitigen Zuflüsse nur ganz kurz, die rechtsseitigen aber lang und nach oben weitverzweigt. Die Asymmetrie ist hier sogar noch grösser als beim Vorderrhein, weil namentlich das Albulagebiet weit mehr verzweigt ist als das Gebiet des Glenner, des einzigen vorderrheinischen Gewässers, das hier in Betracht kommt.
Von den Gegensätzen zwischen Vorder- und Hinterrhein fallen namentlich diejenigen der Richtungs- und Gefällsverhältnisse auf. Das Vorderrheinthal ist ein reines Längsthal, das Hinterrheinthal setzt sich aus Längs- und Querthal zusammen, das erstere zeigt nur undeutlichen, das letztere in Rheinwald, Schams und Domleschg sehr ausgeprägten Stufenbau. Diese Gegensätze in Richtung und Gefälle zeigen sich auch bei den Zuflüssen. Bei denen des Vorderrheins herrscht mit wenigen Ausnahmen einheitliche Richtung und einheitliches Gefalle, nämlich die NO.-Richtung und das nach unten annähernd gleichmässig abnehmende, von Stufen selten unterbrochene Gefalle.
Beim Hinterrhein dagegen finden wir alle Richtungen von ONO. (Rheinwald) über N. (Val di Lei-Ferrera-Schams-Domleschg, Oberhalbstein), NW. (Albula und Seitenflüsse von Davos) bis SW. (Davos), und auch die Seitenthäler zeigen hier meist einen sehr deutlichen Stufenbau, so besonders in Ferrera-Avers, Oberhalbstein und Albulathal. So finden sich denn auch die berühmten grossen Schluchten Graubündens fast alle im Gebiet des Hinterrheins (Viamala, Rofna, Ferrera, Schyn, Stein ob Tiefenkastel, Bergünerstein, Züge).
Mündungsschluchten freilich finden wir auch so ziemlich bei allen Zuflüssen des Vorderrheins, wie übrigens auch im übrigen Bünden, im Tessin, Wallis etc. Der weiten Verzweigung des Hinterrheingebietes entspricht auch eine grössere geologische Mannigfaltigkeit. Da haben wir den Adulagneis in der Quellgegend des Hinterrheins, den Gneisporphyr der Rofna, den Granit vom Septimer bis zum Albulapass, die Gneise und krystallinen Schiefer vom Piz Kesch bis zum Flüelapass und in den Seitenthälern von Davos, den Gabbro, Serpentin und Grünschiefer (Diabastuff) im Oberhalbstein, den Verrucano und die Triaskalke in Davos, im mittlern und obern Albulathal und in den Splügner Dolomit- und Kalkbergen, den Bündnerschiefer im Domleschg, Schams, Rheinwald, Schyn und Oberhalbstein.
Auch die Lagerungs- und Dislokationsformen sind im Hinterrheingebiet mannigfaltiger als im Bündner Oberland. Hier herrscht fast durchweg, sowohl in den Zentralmassiven als in den Gebieten der Bündnerschiefer und der Glarner Doppelfalte, steile Aufrichtung mit SO.-Fallen der Schichten, in geringerm Mass auch Fächer- und Flachgewölbestruktur (im Medels- und Adulagebiet). In Mittelbünden dagegen finden wir die stockförmige Struktur der Julier- und Albulagranite, die Fächerstruktur im Gneis- und krystallinschieferigen Gebiet des Scaletta etc., die Flachgewölbestruktur im Adulamassiv, die nordwestl. überliegenden und überschobenen Falten des Triasgebietes von der Ducan- bis zur Strelakette, die zusammengestauchten, meist ebenfalls südöstl. fallenden Bündnerschiefer, das Aufbruch- und Klippengebiet des Oberhalbsteins und der Splügner Kalkberge. Das alles hat seinen Einfluss auch auf die Berg- und Thalformen, die in Mittelbünden ebenfalls viel mannigfaltiger sind als im Bündner Oberland. Formen wie z. B. die Ducankette, ¶