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Folgende Grafiken zeigen die prozentuale Abweichung der mittleren monatlichen Schneehöhen 2009 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt aus der Periode von 1971 bis 2000. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche Schneehöhen blau dargestellt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen und den automatischen Stationen des IMIS (Interkantonales Mess- und Informationssystem) und der MeteoSchweiz.
Über den Monat November 2008 (vgl. Abbildung 1) gemittelt waren die Schneehöhen in den Alpen im Allgemeinen überdurchschnittlich. Ungefähr durchschnittlich waren die Schneehöhen in den zentralen und östlichen Voralpen, in Nordbünden und im Unterengadin. Gerade in den Tälern des Nordostens lag aber mehr Schnee als im langjährigen Mittel. Dies ist aber wenig aussagekräftig, da in einem normalen November dort sehr wenig bis kein Schnee liegt. Bereits eine Schneebedeckung von wenigen Zentimetern an ein paar Tagen des Monats kann daher dieses Bild stark beeinflussen. Am Alpensüdhang fällt auf, dass die Schneehöhen bis in die Täler stark über dem langjährigen Mittel lagen.
Der Dezember (vgl. Abbildung 2) präsentierte sich in den Alpen und am Alpensüdhang ähnlich. In den Tälern des Nordostens und des Oberwallis wurden aber unterdurchschnittliche Schneehöhen registriert. Auffällig sind die stark überdurchschnittlichen Schneehöhen im westlichen Mittelland und im Jura. Auch diese überdurchschnittlichen Werte sind zumindest für das Mittelland wenig aussagekräftig, da dort in einem normalen Dezember nur sehr wenig Schnee liegt.
Im niederschlagsarmen Januar (vgl. Abbildung 3) fielen die Schneehöhen etlicher Stationen des Alpennordhanges zeitweise unter das langjährige Mittel. Über den gesamten Monat gemittelt erreichten die Schneehöhen in diesen Gebieten ungefähr durchschnittliche Werte. Stark überdurchschnittlich blieben die Schneehöhen im Raum Bern und im Seeland, da dort Mitte Dezember mehr Schnee fiel als im übrigen Mittelland und die vorhandene Schneedecke durch die kalten Temperaturen unter dem Hochnebel konserviert wurde. Im Nordosten blieben die Schneehöhen verbreitet unterdurchschnittlich. Die Täler des Tessins fielen unter das langjährige Mittel, während in hohen Lagen des Alpenhauptkammes und südlich davon sowie im Jura überdurchschnittliche Schneehöhen registriert wurden.
Im Februar (vgl. Abbildung 4) wurden im ganzen Mittelland zunehmend unterdurchschnittliche Schneehöhen gemessen. In den Tessiner Tälern blieben die Schneehöhen unter dem langjährigen Mittel. Stärker über dem langjährigen Durchschnitt als im Vormonat waren die Schneehöhen am Alpenhauptkamm und südlich davon. Auch am östlichen Alpennordhang und in den Tälern des Nordostens stiegen die Schneehöhen im Februar verbreitet auf überdurchschnittliche oder durchschnittliche Werte an.
Im März (vgl. Abbildung 5) waren die Schneehöhen in allen Gebieten der Schweizer Alpen inklusive Voralpen und Jura überdurchschnittlich. Am grössten war der Schneehöhenüberschuss nach wie vor am Alpenhauptkamm und südlich davon, sowie im Oberwallis.
Im April (vgl. Abbildung 6) nahmen die Schneehöhen aufgrund des ausgesprochen milden (seit Messbeginn um 1870 war nur der April 2007 wärmer), sehr sonnigen und vor allem im Norden sehr trockenen Wetters rasch ab. In den Voralpen und gebietsweise am Alpennordhang fielen die Schneehöhen unter das langjährige Mittel. Im Oberwallis sowie am Alpenhauptkamm und südlich davon wurden weiterhin überdurchschnittliche Schneehöhen gemessen.
Auf den folgenden Graphiken wird jeweils der Verlauf der manuell gemessenen Schneehöhe (dicke rote Linie) im Vergleich zur höchsten an dieser Station je gemessenen Schneehöhe an jedem Tag (obere blaue Linie), dem absoluten Minimum (lila Linie) und dem langjährigen Mittelwert (wenig schwankende grüne Linie) dargestellt. Die Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit 2009 (n) wird in der Legende erwähnt. Gebiete mit ähnlichem Schneehöhenverlauf im Winter 2009 werden zusammengefasst und anhand repräsentativer Stationen beschrieben.
In den Gebieten nördlich des Alpenhauptkammes, hier vertreten durch die Station Unterwasser-Iltios, SG, 1340 m (vgl. Abbildung 7) waren die Schneehöhen typischerweise zu Beginn des Winters überdurchschnittlich. Durch die lang andauernde Schönwetterperiode zwischen Weihnachten 2008 und dem 18.01.2009 fielen die Schneehöhen im Januar an etlichen Stationen unter den langjährigen Mittelwert. Von Mitte Februar bis in den April waren die Schneehöhen besonders in mittleren Lagen erneut und teils stark überdurchschnittlich. Während des schönen und warmen Aprils nahmen die Schneehöhen in diesen Lagen rasch ab. Die Schmelzraten zwischen 01.04. bis zur Ausaperung am 25.04.2009 waren mit durchschnittlich 6 cm pro Tag hoch. Bemerkenswerte Schneefälle gab es vom 22. bis am 24.11.2009 mit 70 cm in drei Tagen, vom 11. bis am 15.02. mit 102 cm in fünf Tagen, vom 12. bis am 17.02. mit 85 cm in sechs Tagen und vom 24. bis am 25. März mit 60 cm in zwei Tagen. Im Dezember und von Anfang Februar bis Ende März fiel häufig Schnee, es gab aber keine extremen Einzelereignisse.
Für die höher gelegenen Stationen dieser Regionen kann die Station Weissfluhjoch, GR, 2540 m, herangezogen werden (vgl. Abbildung 8). Achtung: Im Unterschied zu den anderen Stationen wird das ganze Jahr angezeigt. In diesen Höhenlagen pendelte die Schneehöhe um den langjährigen Mittelwert. Bezüglich Schneehöhen war der Winter 2009 durchschnittlich. Mit dem Einschneien am 28.10.2008 und dem Ausapern des Messfeldes am 30.06.2009 fiel die Anzahl Tage mit durchgehender Schneebedeckung unterdurchschnittlich aus. In einem durchschnittlichen Winter ist das Messfeld der Station Weissfluhjoch, GR, 2540 m vom 19.10. bis am 09.07. des Folgejahres schneebedeckt. Auch in dieser Höhenlage trat Anfang April eine vorübergehend intensive Schneeschmelze ein. Im Unterschied zur Station Unterwasser-Iltios, SG, 1340 m (vgl. Abbildung 7) wurde die Schneeschmelze durch Abkühlung und Schneefälle Ende April unterbrochen, bevor dann im Mai die Schneedecke rasch abgebaut wurde. Der grösste Schneefall mit 65 cm wurde am 22.11.2009 registriert. Die Wiederkehrdauer eines solchen Schneefalles beträgt an der Station Weissfluhjoch, GR, 2540 m rund sechs Jahre. Wie an den tiefer gelegenen Stationen wurde auch an der Station Weissfluhjoch, GR, 2540 m an vielen Tagen Neuschnee gemessen. Extreme, einzelne Schneefallereignisse blieben aber aus.
Die Schneehöhen der SLF-Beobachterstationen am Alpenhauptkamm und südlich davon lagen deutlich über dem langjährigen Mittelwert. Nicht nur in den klassischen Staugebieten des Alpensüdhanges, sondern auch verbreitet im südlichen Oberwallis, in den südlichen Teilen Mittelbündens und im Oberengadin wurden überdurchschnittliche Schneehöhen gemessen. Vor allem in den inneralpinen Gebieten des Alpenhauptkammes oder unmittelbar nördlich davon, wo normalerweise ein Grossteil der Schneefälle aus Südlagen resultiert, wurden neue Schneehöhen-Tagesmaxima gemessen. In Lagen oberhalb von rund 1300 m wurden im Jahr 2009 hinter den Jahren 1951 und 1960 die höchsten Schneehöhen registriert. Vergleicht man die Anzahl Tage mit einer Schneehöhe von 50 cm und mehr, so liegt 2009 ebenfalls an dritter Stelle, im Engadin hinter den Jahren 1951 und 1960, auf der Alpensüdseite hinter 1960 und 1951. In tiefen Lagen war der Winter 2009 am Alpenhauptkamm und südlich davon nicht aussergewöhnlich.
Einen fast durchwegs überdurchschnittlichen Schneehöhenverlauf zeigt die Station Saas Fee, VS, 1790 m (vgl. Abbildung 9). Von Dezember 2008 bis März 2009 gab es in jedem Monat kurzzeitig neue Schneehöhen Tagesmaxima zu verzeichnen. Während dieser Zeit lag die Schneehöhe im Allgemeinen nahe beim Tagesmaximum. Im ersten Aprildrittel nahm die Schneehöhe bei mildem und niederschlagsarmem Wetter rasch ab. Der bemerkenswerteste Schneefall wurde am 05. und 06.03.2009 mit 71 cm in zwei Tagen gemessen. Ein solcher Schneefall kommt in Saas Fee im Durchschnitt alle zwei bis drei Jahre einmal vor.
Ähnlich präsentiert sich der Schneehöhenverlauf in Splügen, GR, 1457 m (vgl. Abbildung 10). Auch hier handelt es sich um eine Station, die nicht am Alpensüdhang liegt, aber stark vom Wettergeschehen im Süden beeinflusst wird. Im Unterschied zu Saas Fee, VS, 1790 m liegen in Splügen die Tagesmaxima der Monate Februar, März und April deutlich über den Schneehöhen des Winters 2009. Insbesondere im Dezember lagen die Schneehöhen aber nahe am bisher gemessenen Tagesmaximum und kurzzeitig wurden auch in Splügen langjährige Schneehöhen-Tagesmaxima gebrochen. Bemerkenswerte Schneefälle gab es vom 22. bis am 24.11.2008 mit 63 cm in drei Tagen, vom 30.11. bis am 02.12.2008 mit 76 cm in drei Tagen, vom 11. bis am 13.12.2008 mit 74 cm in drei Tagen und vom 06. bis am 08.02.2009 mit 91 cm in drei Tagen. Bei letzterem Schneefall handelt es sich um ein Ereignis mit einer Wiederkehrdauer von rund fünf Jahren.
Niederschlagsperioden mit besonderer Relevanz für die Schnee- und Lawinensituation im Winter 2009:
An den SLF-Beobachterstationen oberhalb von rund 1200 m, an welchen Wasserwerte der Gesamtschneedecke erhoben werden, wurden fast ausnahmslos überdurchschnittliche Wasserwertmaxima registriert. Unterhalb von 1800 m lagen die Wasserwertmaxima des aktuellen Winters deutlicher über dem Durchschnitt als oberhalb von 1800 m. Der Zeitpunkt der Messung des maximalen Wasserwertes war im Winter 2009 kaum von der Höhenlage abhängig. Die meisten Wasserwertmaxima wurden im März gemessen.
An Stationen oberhalb von 1800 m wurden die meisten Wasserwertmaxima Ende März gemessen, was für diese Höhenlagen eher früh ist. Der eher frühe Zeitpunkt lässt sich mit dem verbreitet niederschlagsarmen und sehr warmen April erklären. An den SLF-Beobachterstationen 5WJ (Weissfluhjoch, GR, 2540 m), 4KU (Kühboden, VS, 2210 m) und 6RO (Robiei, TI, 1890 m) wurden die Wasserwertmaxima erst Ende April gemessen. An der Station 5WJ lag der Maximalwert mit 103 % nur unbedeutend über dem langjährigen Mittel der Maxima. An der Station 6RO hingegen betrug der diesjährige Maximalwert 162 % des langjährigen Mittels der Maxima. Im Mittel betrugen die Wasserwertmaxima 129 % (Standardabweichung 20 %) des langjährigen Mittelwertes der Maxima.
Stationen zwischen 1500 m und 1800 m registrierten das Maximum zwischen Mitte und Ende März. An der Station 5BI (Bivio, GR, 1770 m) lag der maximale Wasserwert des aktuellen Winters mit 186 % am deutlichsten über dem langjährigen Mittel der Maxima in dieser Höhenlage. Im Mittel betrugen die Wasserwertmaxima 143 % (Standardabweichung 20 %) des langjährigen Mittelwertes der Maxima.
An Stationen zwischen 1000 m und 1500 m wurden die meisten Wasserwertmaxima Mitte oder Ende März gemessen, was für diese Höhenlage eher spät ist. Das Fehlen von markanten Wärmeperioden und bedeutenden Regenfällen oberhalb von 1000 m während des Winters waren verantwortlich für diese eher späte Messung der Maxima. An der Station 7ST (St. Maria, GR, 1418 m) wurde das Wasserwertmaximum bereits Mitte Februar, an der Station 5KK (Klosters, GR, 1200 m) Ende Februar gemessen. An der Station 5SP (Splügen, GR, 1457 m) lag das Wasserwertmaximum des aktuellen Winters bei 188 % des Mittelwertes der Maxima aus 45 Jahren. Im Mittel betrugen die Wasserwertmaxima 146 % (Standardabweichung 35 %) des langjährigen Mittelwertes der Maxima.
Die folgenden Schneedeckenstabilitätskarten stellen die Ergebnisse zahlreicher Schneedeckenuntersuchungen in den Schweizer Alpen dar. Diese Schneeprofile wurden nach einheitlichen Kriterien beurteilt und einer von drei Klassen zugeordnet, die auf den Karten als grüne (gute Schneedeckenstabilität), gelbe (mittlere Schneedeckenstabilität) und rote (schwache Schneedeckenstabilität) Profilsymbole dargestellt sind. Fast alle Schneeprofile mit Rutschblocktest wurden an Hängen von 30° bis 40° Neigung aufgenommen.
In die Bewertung der Schneedeckenstabilität flossen nebst den Profilen noch weitere Beobachterinformationen zur Schneedecke, zu Lawinenabgängen etc. ein.
Es werden jeweils zwei Karten, zu Monatsbeginn und zu Monatsmitte, gezeigt und beschrieben.
Anfang Dezember (vgl. Abbildung 12) lagen Schneeschichten von zwei Grossschneefällen von Ende November verbreitet auf einem schwachen Altschneefundament. Der Schneedeckenaufbau war eher schwach. Rutschblöcke liessen sich auf diesem Schneedeckenfundament auslösen. Lawinen rissen meist die gesamte Schneedecke mit.
Mitte Dezember (vgl. Abbildung 13) war der Schneedeckenaufbau nördlich einer Linie Rhone-Rhein allgemein günstig. Südlich dieser Linie sorgten vor allem die starken Schneefälle für eine vorübergehend instabile Schneedecke.
Anfang Januar (vgl. Abbildung 14) war die Schneedecke am schneereichen Alpensüdhang am stabilsten. Am Alpennordhang, am Alpenhauptkamm und allgemein in Passlagen war die Schneedecke stark vom Wind geprägt und meist hart. Ausgeprägte Schwachschichten waren nicht vorhanden. Weichere Zwischen- und Basisschichten gab es häufiger in den inneralpinen Gebieten und allgemein an schneearmen Stellen. In den als ‚schwach’ klassierten Profilen befanden sich die Instabilitäten vor allem in oberflächennahen Triebschneeschichten.
Mitte Januar (vgl. Abbildung 15) war der Schneedeckenaufbau im Allgemeinen günstig. Die Schneedecke war am schneereichen Alpensüdhang gut verfestigt und meist stabil. Das lang andauernde Strahlungswetter sorgte für eine starke aufbauende Umwandlung der oberflächennahen Schneeschichten. An schneearmen Stellen sowie in den inneralpinen Gebieten war zunehmend die gesamte Schneedecke betroffen. Diese kantig aufgebauten Schichten neigten kaum zur Bruchausbreitung, bildeten aber eine schlechte Basis für zukünftige Schneefälle. Am Alpennordhang traten zwischen den weichen, aufgebauten Schichten auch Winddeckel und Schmelzharschkrusten der Regenfälle vom 20.12.2008 und 24.01.2009 Januar auf.
Die Schneefälle zwischen dem 18. und 24.01.2009 auf die kantig aufgebauten, oberflächennahen Schneeschichten sorgten vorübergehend für einen verbreitet schlechten Schneedeckenaufbau. Der Neu- und Triebschnee verband sich schlecht mit der Altschneedecke. Auch Anfang Februar (vgl. Abbildung 16) ermöglichten kantig aufgebaute Schichten tief in der Schneedecke die Auslösung teils grosser Lawinen. Am Alpensüdhang war die Schneedecke abgesehen von oberflächennahen Instabilitäten nach wie vor günstig aufgebaut.
Mitte Februar (vgl. Abbildung 17) war die Schneedecke im westlichen Unterwallis, am zentralen und östlichen Alpennordhang und im Oberengadin mittel bis gut, am Alpensüdhang meist gut verfestigt. In den übrigen Gebieten liessen sich in den Schneedeckenstabilitätstests nach wie vor Rutschblöcke in kantig aufgebauten Schwachschichten tief in der Schneedecke auslösen. Diese Schwachschichten waren auch oft Ursache für Lawinenauslösungen.
Ende Februar sorgte eine markante Wärmeperiode in mittleren bis hohen Lagen (abhängig von der Exposition) für eine erste Durchfeuchtung der Schneedecke. So war diese Anfang März (vgl. Abbildung 18) an Flachfeldern bis gegen 1300 m ganz durchfeuchtet. Diese Anfeuchtung schwächte die Schneedecke, sodass an steilen Südhängen unterhalb von rund 2400 m erste Nassschneelawinen auftraten. In schattigen Lagen blieb die Schneedecke trocken. Ausser am Alpensüdhang bildeten nach wie vor kantig aufgebaute Zwischenschichten mögliche Schwachschichten, die für die Auslösung von Lawinen verantwortlich waren. Besonders ausgeprägt waren diese im zentralen Wallis, in Mittelbünden, im Unterengadin und im Münstertal.
Die Durchfeuchtung der Schneedecke schritt weiter voran, sodass sie auf Flachfeldern Mitte März (vgl. Abbildung 19) im Westen und im Süden unterhalb von rund 1600 m, im Osten unterhalb von rund 1400 m null Grad isotherm war. Ausser am Alpensüdhang war die Schneedecke meist mässig verfestigt. Instabilitäten traten vor allem in oberflächennahen Schichten auf. Bei den Schneedeckenstabilitätstests liessen sich meist durch grössere Belastungen auch Teilbrüche in tiefen Schichten der Schneedecke erzeugen.
Anfang April (vgl. Abbildung 20) war die Schneedecke auf Flachfeldern am zentralen und östlichen Alpennordhang unterhalb von rund 1700 m, sonst unterhalb von rund 1900 m durchfeuchtet. Die Schneedecke war verbreitet mässig bis gut, am Alpensüdhang und im Oberengadin meist gut verfestigt. Im südlichen Wallis, in den zentralen Teilen Mittelbündens und im Unterengadin waren die kantig aufgebauten Schwachschichten in der Schneedecke nach wie vor am ausgeprägtesten. Durch die fortschreitende Durchfeuchtung der Schneedecke wurden diese wieder aktiv und verursachten teils grosse Lawinenabgänge.
Mitte April (vgl. Abbildung 21) stieg die Durchfeuchtung der Schneedecke auf Flachfeldern bis in eine Höhe von rund 2500 m an. Damit verbunden war auch eine Schwächung der Schneedecke. Bodennahe, schwach verfestigte Schneeschichten waren weiterhin Ursache für die grösseren Nassschneelawinen.
Anfang Mai (vgl. Abbildung 22) war der Schneedeckenaufbau verbreitet mässig bis gut. Die Schneedecke wurde zunehmend auch in hohen und hochalpinen Lagen durchfeuchtet. Unterhalb von rund 2500 m hatte sie bereits einige Wärmezyklen erfahren, sodass die Lawinenaktivität dort eher abnahm. Erst gegen Mitte Mai sorgte ein weiterer Wärmeschub, der zunehmend auch höhere Lagen und nordseitige Expositionen betraf, nochmals für eine erhöhte Aktivität von Nassschneelawinen.
Der Lawinenaktivitätsindex muss unter folgenden Vorbehalten interpretiert werden: Es wird nicht zwischen spontanen und künstlich ausgelösten Lawinen unterschieden. Zudem ist der Lawinenaktivitätsindex abhängig von den Sichtverhältnissen während der Beobachtung, von der Meldegenauigkeit und der Einschätzung des jeweiligen Beobachters. Im Weiteren gibt es keine regionale Differenzierung. Dennoch können über die gesamten Schweizer Alpen Phasen erhöhter Lawinenaktivität klar von Phasen mit wenig oder keiner Lawinenaktivität unterschieden werden, weshalb sich der Lawinenaktivitätsindex als Übersicht sehr gut eignet. Die Winterrandmonate November und Mai werden im Lawinenaktivitätsindex nicht dargestellt, weil die Beobachtungsdichte während dieser Monate stark schwankt, was zu zusätzlicher Ungenauigkeit führt. Der Höchstwert (ca. 2200) seit Beginn der Auswertung der Lawinenmeldungen wurde am 09.03.2006 registriert und ist somit mehr als doppelt so hoch wie der Maximalwert im aktuellen Winter. Bedingungen für einen solchen Höchstwert sind zahlreiche Abgänge grosser Lawinen und dies auf einem Grossteil der Fläche der Schweizer Alpen.
Lawinenabgänge sind von mehreren Faktoren abhängig: Stabilität der Schneedecke, die sich mit der Zeit verändert, Neuschnee, Wind, Temperaturschwankungen, Zusatzbelastungen auf die Schneedecke z.B durch Personen oder Sprengungen, etc. Dadurch ergibt sich, dass die Lawinenaktivität von Tag zu Tag schwankt was in Abbildung 23 deutlich zu sehen ist. Die bemerkenswertesten Perioden des Winters 2008/09 (nummeriert) werden im Folgenden beschrieben.
November 2008: Die wiederholten und kräftigen Schneefälle auf der Alpensüdseite und eine intensive Nordstaulage sorgten im November 2008 bereits für beträchtliche Schneehöhen. Die Schneedecke wies unterschiedliche Schichten und entsprechende Schwachschichten auf. Daher lösten gegen Ende November Schneesportler bereits trockene Schneebrettlawinen aus. Die grossen Schneemengen, welche verbreitet auf nicht gefrorene Böden abgelagert wurden, sorgten für eine erhöhte Gleitschneelawinen-Aktivität.
1: Vom 01.12. bis am 20.12.2008 sorgte wechselhaftes Wetter mit etlichen Schneefallperioden (Schwerpunkt am Alpensüdhang) gebietsweise für grosse Lawinengefahr (vgl. Abbildung 27). Insbesondere in den Hauptniederschlagsgebieten des Südens lösten sich auch grosse Lawinen. Verkehrswege wurden verschüttet (z.B. im Binntal und auf der Ofenpassstrasse). Auch Personen lösten zahlreiche Lawinen aus. Hierbei handelte es sich meist um Lawinen aus oberflächennahen Triebschneeschichten. Lawinen konnten teils aber auch bis auf den Boden durchreissen. Kurz vor Weihnachten 2008 sorgten Neuschnee, Sturm und Regen für erhöhte Lawinenaktivität im Norden. Nebst trockenen Schneebrettlawinen wurden, verursacht durch den Regen, auch gemischte Lawinen und eine erhöhte Gleitschneelawinen-Aktivität beobachtet.
2: Von kurz vor Weihnachten 2008 bis am 18.01.2009 herrschte eine meist günstige Lawinensituation. Entsprechend wurden kaum Lawinen beobachtet. Zunächst sorgten gebietsweise Wind und zum Jahreswechsel ein Schneefall mit Schwerpunkt im Westen und im Jura für eine gewisse Lawinenaktivität. Das ruhige, oft sonnige Hochdruckwetter im Januar wirkte sich günstig auf die Schneedecke aus, sodass sich Brüche in der Schneedecke kaum mehr ausbreiten konnten.
3: Ab dem 18.01.2009 wurden die verbreitet kantig aufgebauten, oberflächennahen Schneeschichten zunächst vom Wind verfrachtet und anschliessend mit Neuschnee überdeckt. Die Lawinengefahr und damit verbunden die Zahl der Lawinenabgänge stieg ab dem 20.01.2009 sprunghaft an. Frische Triebschneeansammlungen glitten teils oberflächlich ab, häufig wurde aber auch die gesamte Schneedecke mitgerissen. Vereinzelt wurden auch grosse Lawinen beobachtet. Als Schwachschichten wirkten vor allem die kantig aufgebauten Schneeschichten aus der Schönwetterperiode der ersten zwei Januardrittel.
4: Vom 26.01. bis zum 06.02.2009 wurden nur sehr wenige Lawinen beobachtet. Dies lässt auf den ersten Blick auf eine rasche Abnahme der Lawinengefahr schliessen. In Wirklichkeit ist aber davon auszugehen, dass die Abnahme der Lawinengefahr nur langsam vor sich ging. Schwache Schichtübergänge tief in der Schneedecke und mächtige, kantig aufgebaute Schichten bleiben meist lange als Schwachschichten erhalten. Zahlreiche Meldungen von Wummgeräuschen aus dieser Zeit deuten auf den eher schwachen Schneedeckenaufbau hin. Deutlich günstiger präsentierte sich die Schneedecke in den Variantengebieten (häufig befahrenes Gelände), da dort nach der langen Schönwetterperiode die Schneedecke durch die häufige Befahrung stark gestört war.
5: Intensive und ergiebige Schneefälle im Süden führten ab dem 07.02.2009 dort zu einer sehr heiklen Lawinensituation mit zahlreichen grossen Lawinen (vgl. Abbildung 24). Da die Hauptaktivität im räumlich eingeschränkten Gebiet des Alpensüdhanges beobachtet wurde, ist die Spitze vom 07.02.2009 im Lawinenaktivitätsindex eher klein. Etliche Strassen wurden verschüttet, darunter auch die A13 bei Mesocco, GR. Später sorgten Schneefälle begleitet von teils stürmischen Winden auch im Norden wiederholt für eine sehr hohe Lawinenaktivität. Daneben wurden Mitte Februar auch die kältesten Temperaturen des Winters registriert, wodurch die Lawinengefahr nur sehr langsam abnahm. Spitzentag des Winters in Sachen beobachteter Lawinenaktivität ist der 18.02.2009. An diesem Tag wurden ausser am zentralen Alpensüdhang in allen Gebieten teils grosse Lawinen beobachtet. Ausser im Süden, wo der Schneedeckenaufbau recht günstig war, konnten Lawinen tieferliegende, ältere Schneeschichten, teils sogar die gesamte Schneedecke mitreissen. Nach wie vor wurden vereinzelte Gleitschneelawinen beobachtet. Diese Periode dauerte bis zum 24.02.2009.
6: Durch starke Erwärmung war am Monatswechsel von Februar zu März 2009 die Aktivität von nassen und gemischten Lawinen erhöht. Auch die Zahl beobachteter Gleitschneelawinen nahm vorübergehend zu.
7: Vom 04. bis am 12.03.2009 gab es in allen Gebieten viel Neuschnee, begleitet von teils stürmischen Winden. Während am Alpensüdhang die Lawinenaktivität nach den Schneefällen rasch abnahm, wurde besonders in den inneralpinen Gebieten und durch weitere Schneefälle im Norden eine anhaltend hohe Lawinenaktivität verzeichnet. Besonders in den inneralpinen Gebieten kam es immer wieder zu Brüchen in der Altschneedecke, während im Norden meist nur Neu- und Triebschneeschichten abglitten. Da diese aber sehr mächtig waren, konnten die Lawinen auch gross werden.
8: Vom 13. bis am 23.03.2009 stellten sich nach Ende Februar 2009 zum zweiten Mal in diesem Winter frühlingshafte Verhältnisse ein. Nebst zahlreichen Nassschneelawinen war auch eine erhöhte Aktivität von Gleitschneelawinen zu beobachten. Immer wieder wurden auch trockene Schneebrettlawinen durch Schneesportler ausgelöst. Ab dem 20.03.2009 lösten sich aufgrund erneuter Kälte nur noch wenige nasse Lawinen.
9: Vom 24. bis am 30.03.2009 führten teils kräftige Schneefälle zunächst im Norden, später auch im Süden für eine vorübergehend erhöhte Lawinenaktivität. Regen fiel zeitweise bis auf 1800 m und sorgte auch für nasse und gemischte Lawinen.
10: Vom 31.03. bis am 25.04.2009 hatte der Frühling definitiv das Zepter in der Hand. Eine markante Wärmeperiode mit einer erstmaligen Anfeuchtung der Schneedecke in Schattenhängen hoher Lagen hatte einen Nassschneelawinen-Zyklus zur Folge. Es wurden sehr viele kleine und mittlere, vereinzelt aber auch grosse Nassschneelawinen beobachtet (vgl. Abbildung 25). Da die Nullgradgrenze in der Folge kaum mehr weiter anstieg und so weitere Höhenlagen und Expositionen hätten durchfeuchtet werden können, nahm die Lawinenaktivität wieder ab. Lawinenaktivität durch Neuschnee (welche aber durch die SLF-Beobachter kaum erfasst wurde) gab es in dieser Periode vor allem im Zusammenhang mit den Schneefällen zwischen dem 15. und 21.04.2009 mit Schwerpunkt von der Region Monte Rosa über das Simplon Gebiet bis in die oberen Maggiatäler.
11: Vom 26. bis am 30.04.2009 führten aussergewöhnlich intensive Schneefälle im Süden zu einer erhöhten Lawinenaktivität. Besonders am Alpensüdhang (vgl. Abbildung 26), am zentralen Alpenhauptkamm und im Urner Reusstal stiessen etliche Lawinen bis in die Tallagen vor. Die Lawinen brachen meist als trockene oder feuchte Schneebrettlawinen an, rissen in der Sturzbahn viel Schnee mit und lagerten sich in Form nasser Lawinenkegel im Auslauf ab.
Mai: Nach einer Periode mit recht wenig Lawinenaktivität zu Beginn des Monats Mai sorgte ein Wärmeschub ab dem 08.05.2009 vor allem oberhalb von rund 2500 m nochmals für eine erhöhte Nassschneelawinen-Aktivität, welche bis ca. Mitte Mai anhielt.
Mit 24 Tagen wurde die Gefahrenstufe „gross“ (Stufe 4) für sechsmal mehr Tage prognostiziert als im Vorjahr. Die roten Balken, welche diese Gefahrenstufe in Abbildung 27 repräsentieren sind aber allesamt sehr kurz. Dies bedeutet, dass die Gefahrenstufe „gross“ (Stufe 4) jeweils nur für kleinere Gebiete vorhergesagt wurde. Einzig am 18.02.2009 wurde die Lawinengefahr in mehr als 30% der Teilgebiete als „gross“ (Stufe 4) eingeschätzt. Der kurze schwarze Balken vom 16.12.2008 repräsentiert das Gebiet des Alpenhauptkammes vom Matterhorn bis zum Blinnenhorn, in welchem für jenen Tag „sehr grosse“ (Stufe 5) Lawinengefahr vorhergesagt wurde. Da die prognostizierten Schneefälle nicht eintraten, wurde diese Gefahrenstufe nicht erreicht. Bereits am morgen des 16.12.2008 konnte die Lawinengefahr im Regionalen Lawinenbulletin wieder auf „gross“ (Stufe 4) zurückgestuft werden.
Auffällig ist auch die häufige Verwendung der Gefahrenstufe „erheblich“ (Stufe 3), insbesondere im Dezember 2008 und vom 18.01. bis Mitte März 2009. Dies hängt mit den dynamischen Wetterlagen und den damit verbundenen Schneefällen während dieser Perioden zusammen. Insgesamt wurde die Gefahrenstufe „erheblich“ (Stufe 3) überdurchschnittlich häufig verwendet, was auch in Abbildung 28 ersichtlich ist.
Eine günstige Lawinensituation mit „geringer“ (Stufe 1) und teilweise „mässiger“(Stufe 2) Lawinengefahr herrschte insbesondere zwischen Weihnachten 2008 und dem 18.01.2009 sowie während einer kurzen Zeitspanne im letzten Märzdrittel und während der meisten Zeit im April 2009. Während der ersten Periode waren vor allem fehlende Schneefälle und ruhiges, in den Bergen häufig sonniges Hochdruckwetter für die günstigen Verhältnisse verantwortlich. In letzteren beiden Perioden handelt es sich um Frühjahrsverhältnisse. Dabei wurde häufig die Doppelkarte mit einer Einschätzung der Gefahr für trockene Lawinen und einer zweiten Karte mit der Einschätzung für nasse Lawinen im Tagesverlauf verwendet. In diesem Fall findet nur die Morgeneinschätzung, also die tiefere Gefahr Eingang in die Grafik.
Die Gefahrenstufe „erheblich“ (Stufe 3) wurde im Winter 2009 überdurchschnittlich häufig verwendet (vgl. auch Abbildung 29). Diese überdurchschnittliche Verwendung geht vor allem auf Kosten der Gefahrenstufe „mässig“ (Stufe 2), welche 13 % weniger zum Einsatz kam als im langjährigen Mittel. Die Gefahrenstufen „gering“ (Stufe1) und „gross“ (Stufe 4) überstiegen mit drei bzw. weniger als einem Prozent das langjährige Mittel nur unbedeutend.
Tab. 1: Ausgabedaten der Lawinenbulletins im Winter 2008/09
|Produkt||Ausgabedatum|
|Situationsbezogene Lawinenbulletins Herbst 2008||keine|
|Sporadische Lawinenbulletins zu Winterbeginn 2008|| 27.10. bis 19.11.2008 |
|Erstes tägliches Lawinenbulletin||20.11.2008|
|Erste Regionale Lawinenbulletins||28.11.2008|
|Letzte Regionale Lawinenbulletins|| 26.04.2009 |
|Letztes tägliches Lawinenbulletin||09.05.2009|
|Sporadische Lawinenbulletins||10.05. bis 29.05 2009|
|Situationsbezogene Lawinenbulletins Sommer 2009|| 17.07.2009 |
16.09.2009
Während des hydrologischen Jahres 2009 wurden 199 nationale Lawinenbulletins veröffentlicht. Davon erschienen 170 als tägliche Lawinenbulletins zwischen dem 20.11.2008 und 09.05.2009. Die übrigen 29 erschienen als sporadische Lawinenbulletins in den Winterrandmonaten oder als situationsbezogene Lawinenbulletins im Sommer 2009.
Für sieben Regionen wurden zwischen dem 28.11.2008 und dem 26.04.2009 je 150 regionale Lawinenbulletins publiziert.
Bemerkenswerte, schnee- und lawinenrelevante Perioden zwischen Juni und September, nummeriert nach Abbildung 30, sind im Folgenden beschrieben.
1: Anfang Juni Starkniederschlag im Süden:
2: Nach wechselhaftem, aber kurzzeitig sehr mildem Wetter Schneefälle zum astronomischen Sommerbeginn:
3: Ende Juni bis Mitte Juli wechselhaft mit zahlreichen Gewittern:
4: Mitte Juli markanter Kaltlufteinbruch mit Neuschnee:
5: Letztes Julidrittel und August sommerlich warm und ohne markante Kaltlufteinbrüche:
6: Temperaturrückgang zu Beginn des Septembers:
7: Nach einer sonnigen und milden Periode folgte Mitte September ein weiterer Kaltlufteinbruch:
Der Winter 2008/09 begann bereits Ende Oktober. Wiederholte Staulagen im Süden und Norden führten zu einer ausgezeichneten Schneelage in allen Gebieten der Schweizer Alpen, auch bis in tiefe Lagen. Am Alpenhauptkamm und südlich davon erreichten die Schneehöhen gebietsweise neue Höchstwerte. Im Februar und März waren die Schneehöhen in allen Gebieten überdurchschnittlich. Schönwetterperioden waren im Hochwinter meistens nur von kurzer Dauer. Die Schneeschmelze vollstreckte sich im April sehr schnell bis in mittlere Lagen hinauf, darüber lag aber auch Ende April noch viel Schnee. Die Anzahl Lawinenopfer liegt im langjährigen Durchschnitt.
Ein heftiger Wintereinbruch brachte bereits Ende Oktober beidseits der Alpen Schnee bis in tiefe Lagen. Das Schneefallereignis war nicht nur für das Mittelland (z.B. 20 cm Neuschnee in Zürich am 30. Oktober) sondern auch für die Hauptniederschlagsgebiete in den Alpen ausserordentlich. Einige Stationen in der Zentralschweiz und im Wallis registrierten am 30. Oktober Rekord-Neuschneehöhen. So wurden beispielsweise in Stoos (1280 m, SZ) 56 cm, in Gadmen (1190 m, BE) 53 cm und auf der Göscheneralp (1610 m, UR) etwa 1 m Neuschnee gemessen. Ähnliche Neuschneehöhen Ende Oktober wurden zuletzt im Jahre 1981 gemessen, damals allerdings mit Schwergewicht am Alpenhauptkamm vom Goms bis ins Oberengadin.
Im November folgten weitere, teilweise ergiebige Schneefälle – abwechselnd aus Süden und aus Norden. Am meisten Niederschlag fiel am Nördlichen Alpenkamm und südlich davon. Mehr als 1 Meter Schnee in drei Tagen fiel in der Periode vom 1. bis 7. November vom südlichen Simplongebiet bis in die oberen Maggiatäler und vom 21. bis 25. November verbreitet in den Gebieten nördlich Rhône-Rhein, im Gotthardgebiet und in Nordbünden. In der Monatssumme betrugen am Alpensüdhang, in den Visper Tälern und im Oberengadin die Neuschneemengen teilweise mehr als das Doppelte als sonst im November üblich. Am Alpennordhang blieben die Neuschneemengen unter den Mittelwerten. Im letzten Drittel des Novembers schneite es beidseits der Alpen bis in die Niederungen hinunter. Wie schon im Winter 07/08 war mit diesem schneereichen Start eine gute Basis für die Wintersportaktivitäten gegeben.
Auch der Dezember war geprägt von einem sehr dynamischen Wettergeschehen, wobei die intensivsten Niederschläge wieder an Südstaulagen gebunden waren. Am Alpensüdhang schneite es aussergewöhnlich viel – verbreitet das zwei- bis dreifache der sonst normalen Mengen. Mehr als 1 Meter in drei Tagen fiel stellenweise am 2. Dezember zwischen dem nördlichen Tessin und dem Oberengadin, am 7. Dezember im westlichen und nördlichen Unterwallis und um den 16. Dezember zwischen den oberen Vispertälern und den oberen Maggiatälern. Am Nördlichen Alpenkamm und am Alpennordhang waren die Niederschlagsmengen hingegen meist unterdurchschnittlich. Mitte des Monats fiel Schnee bis in die Niederungen – der dann aber bis an Weihnachten weitgehend abschmolz. Ende Dezember betrugen die Schneehöhen im nördlichen Wallis und im Oberwallis, am Alpensüdhang und im Engadin sowie in Mittelbünden das eineinhalb- bis zweifache der sonst Ende Dezember üblichen Werte. Sonst waren die Werte meist durchschnittlich, am zentralen und östlichen Alpennordhang teilweise leicht unterdurchschnittlich. Am Zentralen Alpensüdhang lagen auf 2000 m dementsprechend 120 bis 200 cm Schnee oder mehr, sonst verbreitet 80 bis 120 cm, am zentralen und östlichen Alpennordhang 50 bis 80 cm. Neben geringeren Niederschlägen trugen auch wiederholte und kräftige Süd-Föhnlagen zu diesen geringeren Schneehöhen in den Föhngebieten des Nordens bei.
Im Januar fiel im Allgemeinen weniger Niederschlag als normal, vor allem am zentralen und östlichen Alpennordhang. Das neue Jahr startete sonnig. Für Touren und Varianten herrschten verbreitet ausgesprochen günstige Hochwinterverhältnisse – besonders am schneereichen Alpensüdhang. Das erste Mal, und bis Ende März auch das letzte Mal, konnte in den Schweizer Alpen über mehr als eine Woche die Lawinengefahr verbreitet mit der Stufe 1 (gering) beurteilt werden. Derart günstige Hochwintersituationen sind nicht selten. In den letzten 25 Jahren gab es alle 2 bis 3 Jahre, auch über mehrere Tage hinweg, vergleichbare Situationen im ganzen Gebiet der Schweizer Alpen. Am Alpensüdhang waren die Schneehöhen Mitte Januar immer noch deutlich überdurchschnittlich. Am zentralen und östlichen Alpennordhang hingegen lagen im Vergleich zum langjährigen Mittel unterdurchschnittliche Schneemengen. Die ergiebigsten Niederschläge des Januars ereigneten sich vom 18. bis 21. Januar mit dem Durchzug des Sturmtiefes „Joris“, wobei alle Gebiete Neuschnee erhielten, am meisten das westliche Unterwallis, Teile der Zentralschweiz und das Oberengadin mit 50 bis 60 cm. Am westlichen Alpennordhang regnete es zeitweise intensiv bis auf 2000 m hinauf. Ansonsten blieben markante Wärmeeinbrüche im Winter 2008/09 aus, was zu den überdurchschnittlichen Schneehöhen in mittleren Lagen Wesentliches beitrug.
Im Februar gab es erneut überdurchschnittliche Niederschläge am Alpensüdhang, im Oberengadin (innerhalb weniger Tage zu Monatsbeginn) und in den Staugebieten des Nordostens. Anfangs Februar schneite es zum fünften Mal in diesem Winter bis in die Niederungen. Am 8. Februar, nach einer erneuten ausgiebigen Südstaulage mit Dreitagesneuschneesummen von mehr als 1 m am zentralen Alpensüdhang, wurde dort und im Oberengadin an einigen Stationen das Schneehöhenmaximum des Winters erreicht - vereinzelt sogar Schneehöhenrekorde. An einem Teil der Stationen lag nur im Lawinenwinter 1951 noch deutlich mehr Schnee. Anbei ein paar Beispiele: Nante (1412 m, TI, 26 Jahre) 210 cm (neuer Rekord), Bosco Gurin (1530 m, TI, 60 Jahre) 233 cm, St. Moritz (1890 m, GR, 57 Jahre) 156 cm, Maloja (1800 m, GR, 59 Jahre) 222 cm, Samedan (1750 m, GR, 66 Jahre) 136 cm (neuer Rekord), San Bernardino (1640 m, GR, 58 Jahre) 225 cm (neuer Rekord), Juf (2117 m, GR, 56 Jahre) 186 cm (neuer Rekord). In Juf mit einer 56-jährigen Messreihe wurden während 108 Tagen neue Schneehöhenmaxima gemessen: Zwischen dem 2. und dem 29. Dezember 08 sowie zwischen dem 21. Januar und dem 12. April 09.
Auch am 13. Februar schneite es am Alpennordhang stellenweise erneut mehr als 1 m in drei Tagen. Einer groben Abschätzung zufolge war der Februar der lawinenaktivste Monat des Winters 2008/09. Insbesondere vom 17. bis 18. Februar gingen im Zusammenhang mit wiederholt intensiven Schneefällen am Alpennordhang zahlreiche, auch grosse Lawinen ab. Der Schneefall hatte zur Folge, dass am 18. Februar an allen Vergleichsstationen des SLF überdurchschnittliche Schneehöhen gemessen wurden. Diese überdurchschnittlichen Schneehöhen hielten bis Ende März an. Ende Februar gingen nach einer deutlichen Erwärmung erstmals in diesem Winter Nassschneelawinen ab, die aufgrund der grossen Schneemengen teilweise grosse Ausmasse annahmen.
Auch der März reihte sich als niederschlagsreicher Monat in die Gepflogenheiten des Winters 2008/09 ein. Anfang März ging eine ausgiebige Südstaulage nahtlos in eine Nordstaulage über, was erneut eine hohe Lawinenaktivtät zur Folge hatte. Anschliessend stellte sich Mitte Monat die hochwinterliche Situation auf frühlingshafte Bedingungen mit Nassschneelawinen im Tagesverlauf um. Während etwa einer Woche weichte der Schnee im Tagesverlauf mit Sonneneinstrahlung auf, bei klaren Nächten konnte er wieder gut gefrieren. Die Lawinensituation entwickelte sich vorübergehend sehr günstig.
Im letzten Drittel des März folgten zwei Nordweststaulagen unmittelbar nacheinander und brachten vor allem in den Glarner Alpen Dreitagesneuschneesummen von mehr als 1 m. Etwas weniger ausgiebig war eine direkt daran anschliessende Südstaulage zum Ende des Monats.
Die erste Hälfte des Aprils war gekennzeichnet von meist sonnigem Wetter und milden Temperaturen. Damit stellte sich eine typische Frühjahrssituation mit günstigen Tourenbedingungen am Morgen und einem tageszeitlichem Anstieg der Nassschneelawinengefahr ein. Die Schneeschmelze schritt sehr zügig voran – mit einer Schneehöhenabnahme um durchschnittlich 3 bis 5 cm pro Tag. Waren die Schneehöhen Ende März in allen Gebieten noch überdurchschnittlich, so waren sie Mitte April in den mittleren Lagen nördlich des Alpenhauptkammes schon wieder unterdurchschnittlich, am Alpenhauptkamm und südlich davon noch leicht über dem Mittelwert.
Nochmals viel Schnee erhielten vor allem die oberen Vispertäler und das Simplongebiet: Mit einer Südstaulage fielen vom 15. bis 17. April oberhalb von etwa 2200 m im Simplongebiet und in den Maggiatälern 60 bis 80 cm Schnee, am übrigen Alpenhauptkamm von Saastal bis zur Bernina und südlich davon 30 bis 60 cm. Und anschliessend schneite es mit einer Südoststaulage vom 18. bis 20. April von Zermatt bis ins Simplongebiet nochmals 30 bis 60 cm, lokal sogar bis zu 80 cm. Am übrigen westlichen Alpenhauptkamm und im Tessin fielen 15 bis 30 cm Schnee, sonst deutlich weniger. Am 27. April intensivierten sich erneut Niederschläge aus Süden, die besonders zwischen dem Saastal und den oberen Maggiatälern nochmals verbreitet etwa 2 m Neuschnee in vier Tagen verursachten. Aber auch im südlichen Unterwallis, im Oberwallis, im Gotthardgebiet und von der Surselva über das Rheinwald bis ins Oberengadin fielen mit 1 m oder mehr noch beträchtliche Neuschneemengen. So lag Ende April am Alpenhauptkamm und südlich davon sowie in den hohen Lagen der übrigen Regionen noch überdurchschnittlich viel Schnee für die Jahreszeit.
Im Winter 2008/09 wurde die Lawinengefahr wie folgt eingeschätzt (Darstellung in Klammern: Mittel-wert der letzten 12 Jahre, jeweils Dezember bis April – vgl. Abbildung 1): Gefahrenstufe 1 (gering): 20% (17%), Gefahrenstufe 2 (mässig): 35% (48%), Gefahrenstufe 3 (erheblich): 43% (33%), Gefahrenstufe 4 (gross): 2% (2%), Gefahrenstufe 5 (sehr gross): 0% (0.2%). Zu Gunsten der Gefahrenstufen 1 (gering) und Stufe 3 (erheblich) wurde die Stufe 2 (mässig) zu 13% weniger häufig herausgegeben als im langjährigen Mittel.
Der häufigere Gebrauch von Stufe 3 (erheblich) gegenüber Stufe 2 (mässig) ist vor allem auf die sehr dynamische Wetterentwicklung und die immer wieder intensiven Schneefälle zurück zu führen. Auch wenn die Schneedecke in tieferen Schichten zum Teil gut verfestigt war, führten Neuschnee und/oder kräftiger Wind oft zu oberflächennahen Instabilitäten, die einen Rückgang der Lawinengefahr hinauszögerten. Die Gefahrenstufe 4 (gross) kam an 25 Tagen und damit recht häufig, aber meist nur kleinflächig zur Anwendung. Deshalb entspricht der Wert etwa dem langjährigen Mittel. Die gefährlichsten Perioden mit teilweise grosser Lawinengefahr waren in der ersten Dezemberhälfte (7 Tage), im letzten Drittel des Januars (2 Tage), im Februar (8 Tage) und März (4 Tage) sowie Ende März (2 Tage) und April (2 Tage). Regional entfielen diese Situationen etwa zu ähnlichen Teilen auf die Gebiete am Alpenhauptkamm und südlich davon resp. auf Gebiete im Westen und Norden. Die lawinenaktivste Zeit war vom 17. bis 18. Februar. Kaum Lawinen waren in der ersten Hälfte und am Ende des Januars zu verzeichnen. Von Dezember bis Ende Februar und Anfangs März dominierten trockene Lawinen das Geschehen, Ende Februar, Mitte März und ab April standen Nassschneelawinen im Vordergrund der Aktivität.
Die günstigsten Perioden mit verbreitet geringer Lawinengefahr (Stufe 1) waren in der ersten Hälfte des Januars und während der meisten Tage im April. Im April betraf dies mindestens den Morgen vor dem tageszeitlichen Anstieg der Nassschneelawinengefahr.
Bis Anfang Januar entwickelte sich die Schneedecke vor allem aufgrund der grossen Schneemengen in den meisten Gebieten günstig. In der Schneedecke waren kaum lawinenrelevante Schwachschichten vorhanden. Nur oberflächennahe Schichten – typischerweise frischer Triebschnee – war zeitweise noch leicht auslösbar. Während der Schönwetterperiode im Januar wandelte sich der Schnee vor allem in den nördlichen Gebieten und bevorzugt an schneearmen Stellen resp. an der Schneeoberfläche in kantige Formen mit wenig Stabilität um. Am Heikelsten musste der Schneedeckenaufbau in der Folge in den inneralpinen Gebieten des Wallis und im Unterengadin beurteilt werden. Besonders Ende Februar lösten sich in diesen Gebieten in tiefen Schneeschichten vereinzelte grosse Lawinen. Am schneereichen Alpensüdhang blieb der Schneedeckenaufbau günstig, in den übrigen nördlichen Gebieten war er eher mässig.
Gleitschneelawinen – Lawinen, die auf der Grasnarbe abgleiten – traten vor allem im November, De-zember und ab März häufig auf. Ein wesentlicher Faktor für die Häufigkeit von Gleitschneelawinen war das relativ frühe Einschneien mit viel Schnee auf nicht gefrorenen, noch schneefreien und nassen Boden.
Bis Ende April wurden dem SLF für den Winter 2008/2009 131 Lawinen mit insgesamt 124 erfassten Personen gemeldet. 23 Personen haben bei 20 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. Eine Person wird noch in einer Lawine vermisst. 29 weitere Personen wurden in Lawinen verletzt, bei 52 Lawinen ent-stand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt. Zwei Personen starben bei Lawinengefahrenstufe 2 (mässig), zwei bei Stufe 2 (mässig) mit tageszeitlichem Anstieg auf Stufe 3 (erheblich) und 19 bei Stufe 3 (erheblich). Die Lawinenopfer gingen folgenden Tätigkeiten nach: Varianten-Skifahren: 8 Personen, Varianten-Snowboarden: 1 Person, Touren-Skifahren: 5 Personen, Schneeschuhlaufen: 6 Personen, Eisklettern: 1 Person, Bergsteigen: 1 Person, Heliskiing: 1 Person. 11 Personen verstarben im Wallis in Lawinen, 6 am Alpennordhang, davon zwei in den Voralpen und vier in den nördlichen Teilen Graubündens. Am schneereichen Alpensüdhang mit günstigstem Schneedeckenaufbau gab es keinen tödlichen Lawinenunfall.
Die Gesamtopferzahl entspricht für Ende April dem langjährigen Mittelwert. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2009 dauert, liegt der langjährige Mittelwert bei 25 Lawinenopfern pro Jahr. Die Anzahl der Touren-Skifahrer, die bei einer Lawine ums Leben kamen, ist deutlich unterdurchschnittlich, die der Variantenfahrer vergleichbar mit anderen Jahren. Aussergewöhnlich ist die hohe Anzahl von Todesopfern bei den Schneeschuhläufern, sie liegt deutlich über den bisherigen Werten. Diese Schneesportgruppe in dem zunehmend populären Wintersportbereich muss in Zukunft vermehrt direkt angesprochen und auf die mögliche Lawinengefahr aufmerksam gemacht werden.
Die Herausgabe der regelmässigen nationalen Lawinenbulletins wurde bereits am 27. Oktober 2008 gestartet, ab dem 20. November 2008 erschienen sie täglich. Die Ausgabe der sieben regionalen Lawinenbulletins startete am Freitag, 28. November 2008. Bereits im letzten Winter 2007/08 wurde ähnlich früh mit der Ausgabe der täglichen Warnprodukte begonnen. Für den Jura wurde an acht Tagen vor erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) gewarnt.
Das letzte tägliche Lawinenbulletin erschien am 10. Mai 2009. Bis auf weiteres erscheint jeweils mindestens jeden Donnerstag ein weiteres Lawinenbulletin, welches die allgemeine Schnee- und Lawinensituation erläutert und über www.slf.ch, Telefon 187 oder Teletext 782 abgerufen werden kann. Zudem kann ein SMS Service abonniert werden, der auch über den Sommer auf das Erscheinen eines Lawinenbulletins hinweist (SMS mit dem Inhalt START SLF SOMMER an 9234 senden, Service stoppen: SMS mit dem Inhalt STOP SLF SOMMER an 9234 senden, CHF 0.20 pro SMS).
Im Weiteren verweisen wir auf den Alpenwetterbericht von MeteoSchweiz (www.meteoschweiz.ch, Fax 0900 162 338 oder Telefon 0900 162 138).