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Die Zuger Messe findet 2017 zum 46. Mal statt – so die offizielle Zählung der Veranstalter. Ihre Geschichte reicht aber bedeutend weiter zurück. Die heutige Messe hat eine ungebrochene Tradition seit 1962, also seit fünfzig Jahren. Mehr noch: Schon vor über fünfhundert Jahren erhielt die Stadt Zug das Recht auf eine mehrtägige Messe im Herbst. Diese «Herbstmesse» wurde bis 1833 regelmässig durchgeführt.
Anfänge im Casino Zug
Doch gehen wir der Reihe nach: Die heutige Zuger Messe geht auf eine von Zuger Geschäftsleuten organisierte, 1962 erstmals durchführte «Wintermesse» im Casino Zug zurück. Zu den Highlights des dreitägigen, von Freitag bis Sonntag dauernden Anlasses gehörte schon damals eine Modeschau. Die «Wintermesse» fand in den kommenden Jahren regelmässig statt (Ausnahme 1966). Nachdem das Durchführungsdatum allmählich von Ende November auf Mitte/Ende Oktober verlagert worden war, wurde 1969 auch der Name geändert: Auf die «6. Wintermesse» von 1968 mit 22 Ausstellern folgte 1969 übergangslos die «7. Herbstmesse» mit 26 Ausstellern.
Verlegung ins Herti-Quartier
1972 wurde die Zuger Herbstmesse durch neue Organisatoren übernommen, auf das Bossard-Areal im Herti-Quartier verlegt und auf fünf Tage verlängert. 55 Aussteller (davon 12 Auswärtige) boten in zwei Festzelten und in der Do-it-yourself-Halle der Firma Bossard ihre Waren und Dienstleistungen an, über 13'000 Besucher besuchten die Messe. Im selben Jahr erfolgte die Gründung der «Herbstmesse Zug AG» (heute Messe Zug AG). 1973 wurde die Herbstmesse vorübergehend auf neun Tage verlängert und an einem leicht verändertem Standort (im Areal des heutigen Hertizentrums) in zwei Zelten, ergänzt um einen Luna-Park, durchgeführt. 83 Aussteller (davon rund die Hälfte Auswärtige) zeigten ihr Angebot, und erstmals wurde auch mittels einer sechzehnseitigen Messezeitung auf den Anlass hingewiesen.
Aufschwung unter neuer Leitung
In den folgenden Jahren nahm die Beteiligung von Zuger Firmen an der Herbstmesse deutlich ab. 1975 organisierte die Detaillisten-Vereinigung «Pro Zug» einen Monat nach der Herbstmesse einen dreitägigen «Casinomärt», an dem dreissig Stadtzuger Detaillisten an einheitlichen Marktständen im Casino ihr Angebot präsentierten. Dieser «Herbstmarkt» wurde 1976 in die Herbstmesse, die jetzt erstmals im Stierenmarkt-Areal stattfand, integriert. Die Vereinigung «Pro Zug» übernahm das Patronat der Veranstaltung, und die Zuger Detaillisten Paul Dittli (Dittli-Jeans), Hans Langenegger (Drogerie Kamber) und Fredy Weller (Innenausstattungen Weller) wurden als Berater und Messeorganisatoren beigezogen, was dem Anlass in den kommenden Jahren zu einem raschen und kontinuierlichen Aufschwung verhalf. 1978 wurden bereits 100 Aussteller (davon 65 Zuger Firmen) und über 20'000 Besucher gezählt, und 1982 besuchten 37'000 Besucher die Zuger Herbstmesse. Bereits 1978 hatte mit dem Kanton Wallis erstmals eine Gastregion an der Messe teilgenommen.
Grösste Herbstausstellung in der Zentralschweiz
Im Herbst 1983 konnten die drei Messeorganisatoren Paul Dittli, Hans Langenegger und Fredy Weller die «Herbstmesse Zug AG» durch Kauf übernehmen. Sie entwickelten die Zuger Herbstmesse in den kommenden Jahre – neben der Tätigkeit in ihren eigenen Detailgeschäften – konsequent und erfolgreich weiter, so dass die Zuger Herbstmesse 1988 schon 280 Aussteller und über 60'000 Besucher zählte. 1996 trat André Strickler seine Stelle als vollzeitlicher Messeleiter an, und 1997 erhielt die Herbstmesse ihren heutigen Namen: «Zuger Messe». Heute präsentiert sich die Zuger Messe als grösster regelmässig durchgeführter Anlass in Stadt und Kanton Zug und als grösste Herbstausstellung in der Zentralschweiz. Sie ist zu einer wichtigen Visitenkarte des Zuger Gewerbes und des Wirtschaftsraums Zug geworden. Die Zahl der Aussteller hat sich in den letzten Jahren bei über 450, jene der Besucher bei gut 80'000 eingependelt.
Mittelalterliche Wurzeln
Die heutige Zuger Messe schaut – je nach Zählung – auf eine bald fünfzig- bzw. vierzigjährige ungebrochene Tradition zurück. Sie hat aber bedeutend ältere Wurzeln. Der älteste Hinweis auf eine im Herbst stattfindende, mehrtägige Messe in Zug findet sich nämlich bereits im Jahr 1488, also vor über fünfhundert Jahren. Damals bestätigte Maximilian I (1459–1519), seit 1486 König des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der Stadt Zug das Recht, alljährlich zwei Jahrmärkte in der Art einer Messe («in rechter freyer messen weyse») durchzuführen, den einen während acht Tagen von Pfingstmontag an, den anderen während vierzehn Tagen unmittelbar nach dem Gallustag (16. Oktober). Maximilian bestätigte der Stadt Zug auch das Recht, für die an der Messe feilgebotenen Waren einen Zoll zu erheben, bei den Ausstellern ein Standgeld einzuziehen und bei «freveln oder úbergriff» selbst Strafen und Bussen auszusprechen. Seit dem 16. Jahrhundert wird die herbstliche Zuger Messe in den Protokollen des Stadtrats von Zug immer deutlicher fassbar. Sie bildete eine Ergänzung zum regelmässigen Wochenmarkt, der jeweils am Dienstag in den Gassen und auf den Plätzen der Stadt stattfand. Im Unterschied zum Wochenmarkt war die Messe – wie die Jahrmärkte am Osterdienstag, am Pfingstdienstag und am Dienstag vor dem St.- Nikolaus-Tag – auch für auswärtige Händler zugänglich. In Zusammenhang mit der Herbstmesse werden etwa Schlosser und Schmiede aus Baar, ein Seiler aus Menzingen, ein Zigerverkäufer aus Horgen, Kappenmacher aus Zofingen und Tuchhändler aus Savoyen und dem Aostatal erwähnt. Verschiedentlich bewilligte der Rat auch die Durchführung von Glücksspielen und Lotterien während der Messe. Die Zuger Herbstmesse begann in der Regel am Dienstag nach dem Gallustag (16. Oktober) und dauerte vierzehn Tage. 1739 wurde ein erstes «Messereglement» gedruckt. Nach diesem hatten sich die Aussteller mit Namen und Geschlecht anzumelden, einen Marktzoll («Pfundzoll») und ein Standgeld («Umgeld») zu bezahlen und ihre Ware auf Ständen oder Tischen zum Verkauf anzubieten. Während der Messe galt innerhalb der Stadtmauern, später auch in der weiteren Umgebung der Stadt der sogenannte «Messefrieden», dessen Bruch – beispielsweise durch Schlägereien – streng geahndet wurde. Die Zuger Herbstmesse wurde bis ins 19. Jahrhundert regelmässig durchgeführt. Nach dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft (1798) hatte sich die Marktszene aber zu verändern begonnen. Während 1806 und 1807 an der Herbstmesse noch über 100 Markstände registriert wurden, waren es 1818 nur noch 33 Händlerinnen und Händler. 1834 verzichtete die Stadt auf die weitere Durchführung der Herbstmesse und erweiterte dafür das Angebot an Jahrmärkten um zwei neue, eintägige Märkte im Januar und Oktober.
Dr. Beat Dittli, Mitglied des Verwaltungsrats der Messe Zug AG