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Die Anklageschrift geht über zwölf Seiten. Die Quintessenz: Ein Guineer soll zwischen Ende 2012 und März 2014 insgesamt 6,5 Kilogramm Kokain in die Schweiz importiert und 5,8 Kilogramm davon weiterverkauft haben. Er selber bestreitet dies: «Ich habe höchstens 980 Gramm erhalten und verkauft», sagte er gestern vor dem fünfköpfigen Bezirksgericht Saane. Während der Untersuchung hatte er zugegeben, 1,2 Kilogramm Kokain in die Schweiz geschmuggelt und verkauft zu haben.
Der 50-jährige Angeklagte war bereits in den Jahren 2000, 2005 und 2008 wegen Drogendelikten und Geldwäscherei zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden, das dritte Mal in Portugal. «Insgesamt wurden Sie zu elf Jahren Haft verurteilt; haben Sie daraus denn gar nichts gelernt?», fragte Gerichtspräsident Jean-Marc Sallin. Der Angeklagte antwortete ausweichend und weitschweifend; seine Aussagen wurden aus dem Portugiesischen übersetzt. Er sei schon alt, sagte er, und er habe die meiste Zeit seines Lebens nur telefonischen Kontakt zu seiner Familie in Guinea gehabt. Er habe keine andere Wahl gehabt, als Drogen zu verkaufen.
Gut organisiert
Staatsanwalt Jean-Frédéric Schmutz betonte in seinem Plädoyer, ein Handel mit 6,5 Kilogramm Kokain sei für den Kanton Freiburg eine grosse Sache. Der Drogenring sei breit organisiert gewesen: Drogenkuriere schmuggelten die Ware in die Schweiz; einige Angehörige des Drogenrings hätten das Geld für die Drogen ins Ausland überwiesen, wieder andere die Flugtickets besorgt. Weitere stellten ihre Wohnungen in Freiburg zur Verfügung, um die Drogen abzupacken, andere übernahmen den Transport innerhalb der Schweiz, und Strassenverkäufer verhökerten die Ware in Freiburg, Chur, Bern, Lausanne und Genf.
«Es war ein riesiges Spinnennetz», sagte Schmutz. Bereits seien die meisten der Beteiligten verurteilt worden (siehe Kasten). «Jetzt aber steht der Chef vor Gericht.» Der Angeklagte habe seine Taten heruntergespielt. «Er hat auch nicht bei der Suche nach weiteren Beteiligten geholfen.»
Der Angeklagte, der selber keine Drogen konsumiere, sei heimlich in die Schweiz eingereist. Er habe aus früheren Gefängnisaufenthalten nichts gelernt. Der Staatsanwalt forderte eine unbedingte Haftstrafe von neun Jahren sowie eine unbedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen wegen Geldwäscherei.
«Keine Beweise»
Pflichtverteidiger Maxime Morard rief das Gericht dazu auf, den Fall ohne Vorverurteilung anzugehen. «Mein Mandant hat viel anerkannt und die Funktionsweise des Drogenverkaufs erklärt», sagte er: Das zeige, dass er nicht lüge und dass das Gericht in den offenen Punkten, bei denen keine Beweise vorlägen, zugunsten des Angeklagten entscheiden solle. Denn einige Vorfälle gibt der Angeklagte zu, andere nicht. Er könne nicht verstehen, wie der Staatsanwalt auf 6,5 Kilogramm Kokain komme, sagte Morard, der von 1,2 Kilogramm spricht. «In vielen Punkten haben Polizei und Staatsanwaltschaft Dinge interpretiert und ausgelegt; sie haben aber keine Beweise.» So gebe es Fotos des Angeklagten in Strassen und bei Hauseingängen. «Das beweist aber nichts, denn ein Handel ist auf den Fotos nicht zu erkennen.»
Bei seiner Festnahme habe der Angeklagte gerade einmal acht Gramm Kokain und 10 000 Franken auf sich gehabt. «Das sieht nicht gerade nach dem Kopf eines grossen Drogenrings aus», sagte Morard. Sein Mandant habe Kredite aufnehmen müssen; «er hat keinen Gewinn erzielt». Er plädierte auf eine Freiheitsstrafe von höchstens sechs Jahren.
Das Gericht gibt sein Urteil am 17. Dezember bekannt.
Chronologie
23 Personen wurden bereits verurteilt
Im April 2014 hob die Freiburger Kantonspolizei einen Drogenring aus, der seit Monaten in der Region Freiburg tätig war (die FN berichteten). Elf Personen im Alter zwischen 23 und 54 Jahre wurden damals in Untersuchungshaft genommen; die meisten stammten aus Guinea Bissau. Der Kopf der Bande lebte ohne Aufenthaltspapiere in Freiburg und wechselte oft den Aufenthaltsort; er stand gestern vor Gericht (siehe Haupttext). Drogenkuriere brachten die Ware von Spanien und Portugal in die Schweiz. In Freiburg wurden die Drogen in kleinere Einheiten verpackt und an Händler weitergegeben. Diese verkauften den Stoff in den Kantonen Freiburg, Waadt, Neuenburg und Graubünden. Im Verlaufe der Untersuchungen wurden weitere Personen festgenommen. Bisher wurden 23 von einem Richter in vereinfachten Strafverfahren oder mittels Strafbefehl verurteilt.njb