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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft, dass die grossen Unternehmen und Partnerländer an der Wiederaufbaukonferenz im Juli im Tessin Wege finden und eigene Vorschläge machen würden, um die Ukraine beim Aufbau zu unterstützen, wie Selenskyj vor der WEF-Gemeinschaft sagte. Es gebe sehr viel zu tun, die Zerstörung sei enorm.
Die Ukraine stelle sich vor, dass jedes Partnerland, jede Firma, eine bestimmte Region oder eine bestimmte Industrie beim Wiederaufbau unterstützen könne, erklärte Selenskyj. Er wolle die Gelegenheit nutzen, der Schweiz für die Durchführung der Konferenz zu danken, sagte Selenskyj zudem.
Warten wäre «unverzeihlich»
Zuvor sagte Bundespräsident Cassis in seiner Eröffnungsrede, dass 40 Länder und 18 internationale Organisationen zur Konferenz eingeladen worden seien. Dort sollen sich die Hauptakteure zum ersten Mal über das «komplexe System» des Wiederaufbaus austauschen. Auch wenn das Kriegsende heute noch nicht absehbar sei, wäre es «unverzeihlich», mit ersten Überlegungen noch zu warten.
Cassis sagte, dass die Schweiz anbiete, auch bei Folgeschritten aus der Konferenz erneut Gastgeberin zu sein. Am Dienstag will sich Cassis mit dem ukrainischen Aussenminister Dmytro Kuleba treffen, um über die Wiederaufbaukonferenz zu sprechen.
Krieg stellt System auf den Kopf
In seiner Ansprache machte Cassis auf die Zäsur aufmerksam, die dieser Krieg in der Ukraine bedeute. Die vergangenen Jahrzehnte seien für viele Jahrzehnte der Hoffnung gewesen. Man habe geglaubt, die nach dem kalten Krieg geschaffene Ordnung habe Bestand.
Allerdings verleite dieses «trügerische Fundament vermeintlicher Sicherheit» dazu, die eigene Verletzlichkeit zu unterschätzen, sagte Cassis. Wer glaube, dass diese Errungenschaften konstant seien, laufe Gefahr, die Risiken von aufkeimendem Nationalismus, Machthunger und Protektionismus zu übersehen. Dieser «Aggressionskrieg» habe die Ukraine als souveränen Staat in Trümmer gelegt, sagte Cassis.
«Wandel ist möglich - Wandel ist nötig»
Eröffnet worden war das WEF mit bedrückenden Bildern zum Krieg in der Ukraine, zur Klimakrise und zu weiteren Katastrophen. Dazu wurde die Aussage eingeblendet: «Change is possible - Change is essential» (Veränderung ist möglich, Veränderung ist nötig). Führungskräfte müssten vorwärts machen, hiess es.
WEF-Gründer und Präsident Klaus Schwab eröffnete das WEF unter dem diesjährigen Titel «Geschichte an einem Wendepunkt». Der Krieg in der Ukraine sei ein solcher Wendepunkt und stelle das System auf den Kopf, sagte Schwab. Daneben gebe es andere wichtige Themen, die dringend angegangen werden müssten, wie aktuell die hohe Inflation oder den Klimawandel. Die Probleme könnten nur gemeinsam gelöst werden. «Die Zukunft geschieht nicht einfach, sie wird von uns gemacht», sagte Schwab.
(sda)