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Schnarchen und Schlafapnoe spielerisch wegtrainieren und ohne Hilfsmittel schlafen
Interview zwischen Cornel Blöchlinger, Präsident VCU Linth und Aron Suarez, Geschäftsführer ASATE AG und jüngstes Mitglied der VCU Linth.
Im Januar 2020 verfolgten 54 Mitglieder des VCU Linth das hochspannende Referat von Aron Suarez über das «Silent Sleep Training»: mit «Silent Sleep Training» obstruktive Schlafapnoe und Schnarchen wegtrainieren und ohne Hilfsmittel schlafen. Ein Traum von vielen! Dafür gewann Alex Suarez – der Vater von Aron und Erfinder des «Silent Sleep Training» – an der Harward University (USA) den IG Nobelpreis in der Kategorie «Frieden».
Cornel Blöchlinger (CB): Das Thema ist sehr unsexy.
Aron Suarez (AS): Ja, Schnarchen wie auch dazu stehen, dass man ohne Hilfsmittel im Gesicht nicht schlafen kann, ist bei uns unsexy. Männer haben damit weniger ein Problem als Frauen. Aber z.B. in Ländern wie Amerika wird offen darüber diskutiert und gesprochen.
CB: Mit dem «Silent Sleep Training» reduziert ihr nachhaltig Schlafapnoe und Schnarchen. Dafür habt ihr ein Medizinisches Didgeridoo mit einer App entwickelt. Wie kamt ihr dazu?
AS: Mein Vater hatte selbst das Problem. Mit seinem Schnarchen rodete er Wälder ab und meine Mutter bemerkte zusätzlich, dass das Schnarchen unterbrochen wurde durch Atemaussetzer. Nach der Untersuchung im Schlaflabor erhielt er die Diagnose Schlafapnoe und eine CPAPSchlafmaske bzw. Überdruckmaske. Davon kriegte mein Vater aber Hautausschläge und riss sich im Schlaf die Maske vom Gesicht. Zudem war das Gerät so laut, dass auch er nicht mehr schlafen konnte. Nach zwei Wochen brachte er die Schlafmaske zurück und suchte nach einer anderen Lösung.
CB: Wie kam er auf das Didgeridoo spielen?
AS: Er sah bei einem seiner Kampfsportschüler, welcher Didgeridoo spielte, dass sich die Rachenmuskulatur bewegte. Bei Menschen, welche unter Schlafapnoe und Schnarchen leiden, ist genau diese Rachenmuskulatur erschlafft. Obwohl er nach genauer Recherche feststellen musste, dass auch Didgeridoo-Spieler unter Schlafapnoe und Schnarchen leiden, verfolgte er diesen möglichen Therapieansatz. Mein Vater entwickelte eine eigene Spieltechnik und startete in Absprache mit seinem Arzt einen dreimonatigen Selbstversuch. Nach diesem Versuch wurde er wiederum im Schlaflabor untersucht und konnte geheilt von Schlafapnoe und Schnarchen entlassen werden. Die Ärzte sprachen von einer Sensation.
CB: Geheilt?
AS: Ja. Nach dem erfolgreichen Selbstversuch wurde mein Vater von den Ärzten darauf angesprochen, ob er nicht selbst mit Patienten eine Studie machen wolle. Der Erfolg war gewaltig. Nun begann die jahrelange Forschungsarbeit. Wir entwickelten ein Medizinisches Didgeridoo.
CB: Ist dies ein normales Didgeridoo?
AS: Nein. Erst mussten wir ein Didgeridoo entwickeln, um Studien machen zu können. Dies muss Standards erfüllen und darf nicht einfach ein unterschiedliches – durch Termiten ausgefressen – Rohr sein. So war es erst ein langes Plexiglasrohr, auf welchem wir übten. Damit spielte man 30 Min. pro Tag. Mit der Weiterentwicklung zu einem Medizinischen Didgeridoo spielen wir heute nur noch 10–15 Min. pro Tag – mit dem gleichen Erfolg.
CB: Wie kamst Du ins Spiel?
AS: Mein Vater gab Didgeridoo Unterricht mit dieser von ihm speziell entwickelten Spieltechnik. Pro Kurs konnten max. 8 Personen teilnehmen. Weltweit leiden rund eine Milliarde Menschen unter Schlafapnoe. Mein Vater wäre noch eine ganze Weile am Unterrichten gewesen. Da hatte ich die Idee, den Unterricht für alle zugänglich zu machen und zwar mit einer App.
CB: Ein Didgeridoo mit App-Lösung?
AS: Ja, es ist doch doof, einfach gegen eine weisse Wand zu spielen und damit dauernd erinnert zu werden, dass man ein Problem hat. In meiner Jugend war ich ein Hardcore Gamer. Beim Gamen vergingen 15 Min. wie im Flug. Deshalb hatte ich die Idee, das Training mit einer coolen Software und mit Spielen zu entwickeln, damit man beim Medizinischen Didgeridoo spielen Freude hat.
CB: Was waren die Herausforderung beim Programmieren der App?
AS: Als ich 2015 darum herumexperimentierte, dachte ich noch, die App zu entwickeln sei kein Problem. So war es dann aber leider nicht.
Ein Didgeridoo spielt sich nicht wie eine Trompete oder ein anderes Blasinstrument. Es erzeugt keinen klaren Ton. Jeder Mensch erzeugt eine eigene Toncharakteristik mit dem Instrument. Dies machte die Entwicklung umso anspruchsvoller.
CB: Wie funktioniert das?
AS: Die Motivation und Ausdauer für das tägliche 15-minütige Training wird nun durch die Gamification erreicht. Die App beinhaltet verschiedene spannende und zielgerichtete Spiele, die den Betroffenen dazu anleiten korrekt zu trainieren, aber sie verringert auch die gefühlte Trainingszeit. Durch verschiedene Übungen ist er in der Lage, die physiologischen Ursachen weg zu trainieren und kann langfristig auf Hilfsmittel wie die CPAPSchlafmaske oder Nasenspreizer verzichten. Selbst Operationen können vermieden werden.
CB: Was passiert genau bei Schlafapnoe?
AS: Apnoe ist ein Fachbegriff für Atemstillstand oder Atemlähmung. Wer Schlafapnoe hat, leidet an häufigen, kurzen Atemaussetzern während des Schlafs. Der Körper produziert bei jeder Unterbrechung Adrenalin im Körper um diese zu lösen. Dies führt dazu, dass Betroffene tagsüber extrem müde sind und sich nicht konzentrieren können. Ist dies der Fall, sprechen Fachpersonen vom Schlafapnoe-Syndrom. Auch verschiedene Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Depressionen können die Folge sein. Betroffene sind teilweise jahrelang extrem müde, ohne zu wissen, dass sie Schlafapnoe haben. Bleibt Schlafapnoe unbehandelt, kann dies zu schweren gesundheitlichen Störungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen führen, sowie sehr gefährlich sein, wenn z.B. Sekundenschlaf beim Autofahren auftritt.
CB: Was war euer härtester Fall und konntet ihr den Patienten therapieren?
AS: Der extremste Fall hatte 85 Aussetzer pro Stunde. Dabei dauerte der längste «Atemstillstand» zwei Minuten. Den Patienten konnten wir mit dem Silent Sleep Training therapieren.
CB: Wie laut schnarchte der lauteste Patient?
AS: Der heftigste schaffte 111 Dezibel. Eine schöne Geschichte ist die Folgende: Ein VBZ-Fahrer verlor seinen Job, wegen Sekundenschlaf. Nach unserem «Silent Sleep Training» konnte er nachweisen, dass er therapiert ist und kann heute wieder seinem Beruf nachgehen.
CB: Wie kann ich Schlafapnoe erkennen?
AS: Schlafapnoe ist eine Krankheit, die sich langsam entwickelt. Wenn jemand schnarcht, und dann mit der Schlafapnoe aufhört zu atmen, hört das Schnarchen auf. Damit wird der Partner aufmerksam. Schwieriger wird es, wenn jemand nicht schnarcht, also ruhig atmet und dadurch der Partner nicht so schnell aufmerksam wird, dass er Atemnot hat.
CB: Was verändert sich mit dem Silent Sleep Training?
AS: Die Muskulatur wird gestärkt, das Fettgewebe im Hals wird reduziert und es findet eine bessere Durchblutung im Bindegewebe statt, was am Pneumologenkongress als spektakulär bezeichnet wurde. Deshalb dürfen wir heute sagen: Mach ein Training nach unserer Methode und du hast Erfolg.
CB: Wie lange muss man spielen, bis man therapiert ist?
AS: Schnarchen geht 6–8 Wochen, dann tritt der gewünschte Effekt ein.
Bei Schlafapnoe dauert es zwischen 8–24 Wochen.
Die Intensivphase dauert 6–24 Wochen mit 6 Training pro Woche à 15 Minuten.
Die Festigungsphase dauert 8 Wochen mit 2x pro Woche à 15 Minuten.
Dann folgt die Erhaltungsphase mit 2x pro Monat à 15 Minuten.
Als Alternative zu einem ganzen Leben lang mit der CPAP-Maske im Gesicht zu schlafen – das hört sich doch besser an.
CB: Was sind die Vorteile des Medizinischen Didgeridoo mit der App gegenüber der CPAP-Schlafmaske?
AS: Ein CPAP-Schlafmaske zieht man jede Nacht an. Der Muskel, welcher die Probleme verursacht, kann weiter erschlaffen. Natürlich ist auch das Tragen einer Maske im Bett für den Patienten wie auch für den Partner nicht einfach. Und die Maske mit dem Überdruck muss auch in den Ferien ins Hotelzimmer mitgeschleppt werden. Ebenfalls sind die Kosten für eine Maske sehr hoch. Mit dem «Silent Sleep Training» packen wir das «Übel» an der Wurzel. Wir trainieren den Muskel und stärken diesen. Der Trainingseffekt zeigt Wirkung, wer trainiert, hat Erfolg. Das grösste Problem bei uns ist die Disziplin: Der Betroffene sollte 15 Minuten pro Tag trainieren.
Auch bezüglich Kosten ist unser Gerät um ein vielfaches günstiger. Für 320 Franken ist man ein Leben lang ausgerüstet.
CB: Wer ist euer Zielpublikum?
AS: Unser Zielpublikum sind Personen, welche unter Schlafapnoe leiden. Natürlich kann man mit dem gleichen Gerät spielerisch ebenfalls das Schnarchen wegtrainieren.
CB: Verkauft ihr euer «Silent Sleep Training» nur in der Schweiz?
AS: Letzte Woche kamen wir im «Genial daneben» auf Sat 1. Dadurch konnten wir in Deutschland und Österreich ebenfalls durchstarten.
CB: Wie viele Medizinische Didgeridoos habt Ihr bereits verkauft?
AS: Von Dezember 2019 bis vor «Genial daneben» verkauften wir ca. 180 Stück. Seit «Genial daneben» haben wir in Deutschland 50 Stück verkauft.
In der Medizin ist Werbung heikel. So sind wir mehr darauf angewiesen, dass die Ärzte uns Patienten bringen. Leider hat es viele Trittbrettfahrer und viele bieten Didgeridoo-Therapien an. Leider nützen diese nichts. Es setzt nur auf falsche Hoffnungen. Deshalb nennen wir unser Didgeridoo auch «Medizinisches Didgeridoo®»
Aron Suarez, vielen Dank für dein Interview.