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Wie bei uns Menschen kann chronischer Stress auch bei Menschenaffen zu einer geschwächten Immunabwehr, zu Aggressionen innerhalb der Gruppe oder auch zu Frühgeburten bei Schwangerschaften führen. Seit Anfang 2011 unterstützt das Jane Goodall Institut (JGI) Schweiz ein Forschungsprojekt, dessen Ziel die Abschätzung des Stresslevels von sowohl gefangenen als auch frei lebenden Schimpansen und Orang-Utans ist. Bei diesem Projekt, das von der Diplom-Biologin Esther Carlitz im Rahmen ihrer Doktorarbeit durchgeführt wird, kommt eine innovative Methode zur Stressmessung zur Anwendung: die Cortisolbestimmung aus dem Haar.
Während des Haarwachstums lagert sich das Stresshormon Cortisol, im Haar ein. Später im Labor kann es aus dem Haar herausgelöst werden, wobei die Cortisolkonzentration im Haar von dem Stresslevel während des Haarwachstums abhängig ist. Stresshormone sind zwar auch über Kot oder Urin messbar, die Haarmessung hat aber viele Vorteile. Zum spiegeln es das mittlere Stressniveau der letzten Monate (Schimpansen) oder gar Jahre (Orang-Utans) wider, daher sind keine umständlichen Mehrfachproben nötig. Zudem können die Haarproben in den Schlafnestern gesammelt werden. Und da Menschenaffen jeden Tag ein neues Nest bauen ist die Methode nicht-invasiv; das bedeutet die Tiere werden nicht in ihrem natürlichen Verhalten gestört. Zudem müssen Haarproben nicht gekühlt werden, was gerade im tropischen Afrika ein riesiger Vorteil ist.
Wie das JGI Schweiz schreibt, soll durch diese Studie der Einfluss verschiedener Stressfaktoren, wie zum Beispiel Ökotourismus, selektiven (illegalen) Holzschlag oder das Leben in einem fragmentierten Wald, auf Schimpansengruppen untersucht werden. Diese Forschung soll dazu beitragen, dass Massnahmen zum Schutz und Management von freilebenden Schimpansen und Orang-Utans besser auf die realen Bedürfnisse der Tiere abgestimmt werden können.
Bild: Ikiwaner [GFDL 1.2], via Wikimedia Commons