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| Hilarius von Poitiers († 367) - Kommentar zum Evangelium des Matthäus

Neunzehntes Hauptstück
11.
Aber leichter wird ein Kameel durch ein Nadelöhr gehen. Ein Kameel und ein Nadelöhr passen nicht zusammen; und von der Enge der sehr kleinen Höhlung wird das ungestaltete, ungeheuere Thier nicht aufgenommen werden können. Aber im Anfange des Buches1 haben wir bei der Kleidung des Johannes erinnert, daß durch das Kameel die Heiden bezeichnet werden. Denn dieses Thier gehorcht den Worten, wird durch Furcht in Schranken gehalten, kann Hunger ertragen, und unterzieht sich seiner Last wie durch eine Art von Furcht; nach seinem Beispiele läßt sich die Unbändigkelt der Heiden zu dem Gehorsame gegen die himmlischen Gebote erweichen. Diese also gehen durch den sehr engen Weg des Himmelreiches ein, durch den der Nadel nämlich, welche die Verkündigung des neuen Wortes ist, durch welche die Wunden der Körper zugenähet, die aufgetrennten Kleider wieder erneuet, und der Tod selbst zerstochen wird. Dieses also ist der Weg dieser neuen Lehre, durch welchen die Ungestaltetheit der Heiden leichter eingehen wird, als die Fülle des Reichen, das heißt, dessen, der sich mit dem Gesetze brüstet.
[S. 230]
1: Hauptst. II, 2.