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Ein aussichtsloser Kampf
In Davos ist wieder einmal verkündet worden, die Euro-Krise sei vorbei. Schön wärs. Die Schulden- und Bankenprobleme sind keineswegs gelöst, und die bange Frage, wie eine heterogene Währungsunion ohne Ausgleichsmechanismen (Arbeitsmarkt, Fiskaltransfers) funktionieren soll, bleibt weiterhin offen.
Zurzeit versuchen die südlichen Peripherieländer mit allen Mitteln ihre Löhne und Preise unter das deutsche Niveau zu drücken, um ihre Handelsbilanzdefizite zu verkleinern. Bisher ist der Erfolg jedoch ausgeblieben. Spaniens Inflationsrate ist momentan sogar höher als die deutsche. Zwei Probleme stellen sich. Erstens nimmt der politische Widerstand mit jeder Massnahme zu, und zweitens ist es praktisch unmöglich, Löhne und Preise im Gleichschritt zu senken. Der Kampf scheint aussichtslos.
Die Schweizer Wirtschaftsgeschichte bietet hierzu guten Anschauungsunterricht. In den 1930er Jahren war die Wirtschaft mit dem Problem konfrontiert, dass der Franken um etwa 30 Prozent überbewertet war, weil die meisten Länder den Goldstandard verlassen und ihre Währungen abgewertet hatten. Weil von links bis rechts der Konsens bestand, dass die Aufgabe des Goldstandards für die Schweizer Wirtschaft und die Arbeiterschaft schädlich wäre, entschied man sich, mit allen Mitteln Löhne und Preise zu senken.
Der politische Widerstand war immens. Dazu ein Beispiel. Im Dezember 1932 beschloss das Parlament eine Kürzung der Löhne der Bundesbeamten um 7,5 Prozent in den Jahren 1934 und 1935. Innert vier Monaten wurden mehr als 300’000 Unterschriften gegen diese Vorlage gesammelt, im Mai 1933 kam es zur Abstimmung: 55 Prozent der Stimmbürger sprachen sich dagegen aus.
Auch andere Teile der Wirtschaft wehrten sich gegen die Senkung der Preise und Löhne, insbesondere die Bauern. So blieb den Schweizer Behörden am Schluss nur noch die Abwertung des Schweizer Frankens um 30 Prozent (im September 1936). Wie wir wissen, steht dieser Weg den südlichen Peripherie-Ländern nicht offen. Zu diesem Problem war in Davos kein Pieps zu hören.