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Boos, Bürgermeister von Lörrach, teilt darin mit, dass er vom Lörracher Stadtrat als Nachfolger des ehem. Lörracher Bürgermeisters Dr. Graser für den KWR-Aufsichtsrat vorgeschlagen werde und betont, "dass es zweifellos für die Kraftübertragungswerke Rheinfelden eine grosse Unterstützung bedeutet, wenn der stärkste Exponent der nationalsozialistischen Bewegung in Oberbaden (...) dem Aufsichtsrat angehört, da der Unterzeichnete stets in persönlicher Verbindung mit den höchsten Staatsstellen, insbesondere dem Herrn Reichsstatthalter und den Herrn Länderministern, steht."
2. Schreiben der KWR an Boos vom 8.6.1934
Die Wahl Boos' sei erst bei der nächsten ordentlichen Generalversammlung möglich. Offenbar wollen die KWR Zeit gewinnen.
3. Schreiben Boos' an die KWR vom 27.6.1934
"Leider hat Ihr Schreiben vom 8. Juni ds. Js. bezw. Ihre Stellungnahme in der vorliegenden Frage keineswegs zur Herbeiführung eines Vertrauensverhältnisses beigetragen und hoffe ich sowie der Gesamtstadtrat, dass Sie von sich aus für eine Beilegung dieser nunmehr bestehenden Differenz besorgt sein werden."
4. Schreiben Boos' an die KWR vom 28.11.1934
"Mit Rücksicht insbesondere darauf, dass ich als Vorsitzender des Deutschen Gemeindetages-Landesdienststelle Baden-Bezirk Lörrach- mit den Bezirksgemeinden und als Vorsitzender des Bezirksverbandes für die Gas- und Elektrizitätsversorgung besonders beteiligten Verbandsgemeinden in ständiger Fühlung bin, dürfte es schon aus diesem Grunde zweckmässig sein, dass mir die baldige Mitarbeit im Aufsichtsrat der Kraftübertragungswerke Rheinfelden ermöglicht wird." 5. Schreiben der KWR an Boos vom 20.5.1935
Der Aufsichtsrat der KWR lehnt Boos' Begehren ab; Dr. Grasers Wahl "erfolgte im wesentlichen auf Grund seiner persönlichen Beziehungen zu einzelnen Herren unseres Aufsichtsrates. (...) Die "Belange der Allgemeinheit" seien "durch die Anwesenheit des Herrn Staatskommissars in unserem Aufsichtsrat gewahrt".
6. Schreiben Boos' an die KWR vom 20.6.1935
Boos beginnt zu drohen, indem er schreibt, dass die dortige Stellungnahme [der KWR] auch politisch und in die Zukunft gesehen keineswegs als eine für das Werk glückliche anzusprechen ist."
7. Schreiben des Staatskommissars Bayer-Ehrenberg, zuständig für die KWR, an den KWR-Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Fürstenberg vom 28.8.1935
Eine Aufnahme Boos' "entspricht auch dem ausdrücklichen Wunsch des Herrn Ministerpräsidenten Köhler (...)." Bayer-Ehrenberg bittet daher um nochmalige Prüfung des Falls.
8. Schreiben Boos' an die KWR vom 4.10.1935
Boos vertritt die Auffassung, Dr. Graser sei in seiner Eigenschaft als Lörracher Bürgermeister in den Aufsichtsrat der KWR gewählt worden,. weswegen er auf seiner Nominierung beharrt. Ministerpräsident Köhler erhält eine Kopie des Schreibens.
9. Schreiben von Dr. Herbert Albrecht an den KWR-Aufsichtsratsvorsitzenden Fürstenberg vom 4.10.1935
Dr. Albrecht, Mitglied im Aufsichtsrat der KWR, habe dem Staatskommissar mitgeteilt, warum man Boos nicht wolle. "Ich berichtete vor allem über den seinerzeitigen Versuch des Herrn B. [Boos], den Vorstand unserer Gesellschaft abzusetzen; ich berichtete auch über andere Einzelheiten, aus denen die nicht immer freundliche Einstellung des Herrn B. (...) zumindest vermutbar sei." Bayer-Ehrensberg solle dies Köhler mitteilen und ihn um seine Meinung bitten.
10. Schreiben Boos' an die KWR vom 6.12.1935
Ministerpräsident Köhler habe ihn aufgefordert, nochmals mit den KWR zu verhandeln. "Nach den beim Herrn Ministerpräsidenten vorliegenden Informationen dürften von Seiten des Aufsichtsrates bezw. dessen Vorsitzenden Bedenken (...) keineswegs vorliegen." Offenbar übte Köhler in der Folgezeit Druck auf die KWR aus, Boos in den Aufsichtsrat aufzunehmen.
11. Schreiben der Elektrobank an den KWR-Aufsichtsratsvorsitzenden Fürstenberg vom 10.3.1936
Die Elektrobank teilt die Auffassung Fürstenbergs, "dass die Stadt Lörrach keinen Anspruch auf eine Vertretung im Aufsichtsrate von Rheinfelden besitzt, weil sie sich dafür weder auf eine entsprechende Aktienbeteiligung im Unternehmen, noch auf besondere bezügliche Abmachungen stützen kann. (...) Wir sind aber mit Ihnen der Ansicht, dass eine Anregung des Herrn Ministerpräsidenten für die Kraftübertragungswerke Rheinfelden so wichtig und wertvoll ist, dass der Aufsichtsrat an ihr nicht achtlos vorübergehen kann; denn die Pflege guter Beziehungen zur Landesregierung gehört zweifellos mit zu den Aufgaben von Rheinfelden." Die Elektrobank unterstützt deshalb die Nomination Boos' für den KWR-Aufsichtsrat. 12. Schreiben der Elektrobank an den KWR-Aufsichtsratsvorsitzenden Fürstenberg vom 14.3.1936
Die Elektrobank teilt darin mit, "dass wir nach weiterer Überlegung zum Entschlusse gelangt sind, für diesmal auf eine Nomination zu verzichten, allerdings mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, später auf diesen Anspruch zurückzukommen. An und für sich wollen wir nämlich die Herstellung eines paritätischen Verhältnisses zwischen deutschen und schweizerischen Staatsangehörigen im Aufsichtsrate von Rheinfelden als Ziel im Auge behalten. Massgebend für unsere Stellungnahme im vorliegenden Falle ist hauptsächlich die Überlegung, dass der Aufsichtsrat von Rheinfelden nicht vergrössert, sondern ohnehin eher verkleinert werden sollte."
13. Vertrauliches Schreiben des KWR-Aufsichtsratsvorsitzenden Fürstenberg an die Aufsichtsratsmitglieder vom 19.3.1936
Die "Bank für elektrische Unternehmungen" gab am 10.3.1936 bekannt, dass "sie - einem Wunsche des Herrn Badischen Ministerpräsidenten folgend - bereit sei, Herrn Bürgermeister R. Boos zur Wahl in den Aufsichtsrat der Gesellschaft vorzuschlagen." (S. 1)
14. Protokoll über die konstituierende Sitzung des KWR-Aufsichtsrates am 30.3.1936
Boos' Zuwahl in den Aufsichtsrat der KWR "sei (...) das Ergebnis der freundschaftlichen Aussprache zwischen dem Vorstand und ihm. Im übrigen sei die Zuwahl für ihn eine Gelegenheit zur erspriesslichen Zusammenarbeit mit unserer Gesellschaft. (...) Die Elektrobank habe der Zuwahl des Herrn Boos zugestimmt, ohne auf das Prinzip der Parität zwischen deutschen und schweizerischen Aufsichtsratsmitgliedern zu verzichten. Sie wolle, um die verhältnismässig grosse Zahl der Aufsichtsratsmitglieder nicht noch weiter zu erhöhen, zunächst von der Aufstellung einer weiteren schweizerischen Kandidatur absehen, behalte sich jedoch entsprechende Vorschläge für die Zukunft vor. (S. 2)
15. Schreiben Boos' an die KWR-Direktion vom 13.3.1941
Bzgl einer Aufsichtsratssitzung der KWR teilt Boos zu seinem "lebhaften Bedauern" mit, "dass ich wiederum zum gleichen Termin bereits als Gauredner der NSDAP verpflichtet bin und deshalb leider an der Sitzung nicht teilnehmen kann."
16. Schreiben Boos' an Dr. Wilhelm Koeppel vom 29.2.1944
Boos teilt darin mit, "dass ich zu meinem Bedauern an der Aufsichtsratssitzung vom 10.3.44 in München leider nicht teilnehmen kann, da ich, wie vermutet, inzwischen von der Gau-propagandaleitung der NSDAP zu diesem Termin als Gauredner eingesetzt wurde."
17. Schreiben des KWR-Aufsichtsrates an Boos vom 1.10.1945:
"In No. 6 des Amtsblattes der Militärregierung Baden vom 19.8.1945 (...) wurde Ihre Entlassung veröffentlicht. Hieraus folgert, dass Sie unserem Aufsichtsrat nicht mehr angehören können. Wir betrachten Sie deshalb als unserem Aufsichtsrat nicht mehr zugehörig."
18. Notiz der "Badischen Zeitung" vom 10.4.1947
"Prozess gegen Lörracher Synagogenstürmer Lörrach. Das Amtsgericht Lörrach wird voraussichtlich Anfang Mai die Stätte eines grossen Prozesses gegen die Lörracher Synagogenstürmer. Vor Gericht werden alle diejenigen Personen erscheinen, die mit dem Brand der Synagoge der Lörracher israelitischen Gemeinde am 10.11.1938 in unmittelbarem Zusammenhang standen. Die Verhandlung wird von der Strafkammer Freiburg geführt. Vor ihr werden sich als Hauptangeklagte Karl Glünkin, Martin Wauer, Reinhard Boos und die Angeklagten Greiner und Böhringer zu verantworten haben."
19. Notiz der "Oberrheinischen Zeitung" vom 15.11.1951
"Im Gedenken an die 'grosse' Zeit" Unter der obigen Schlagzeile bringt das 'Aargauer Tagblatt' folgende Meldung: 'Als im badischen Ort Inzlingen (...) ein bekannter Nazi zu Grabe getragen wurde, legte ein noch bekannterer Nazi aus dem benachbarten Lörrach einen Kranz nieder mit den Worten: "Dir, lieber Kamerad, im Gedenken an die schwere, aber grosse Zeit." Sieben weitere Grössen aus dem seinerzeitigen Dritten Reich hatten sich gleichzeitig in Reih und Glied am Grabe auf-gestellt, an der Spitze der frühere Lörracher Bürgermeister und Kreisleiter der NSDAP., Boos, den man vor allem in Basel in übelster Erinnerung hat. Boos hat während "seiner grossen Zeit" wiederholt in öffentlichen Versammlungen erklärt, er warte nur auf den Befehl, dass die Lörracher Hitlerjugend und die Feuerwehr in Basel einzudringen hätten (...)."