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Wann der erste Vorfahre meines Smartphones gebraucht wurde, seit wann Bier wie an den heutigen Festivals abgezapft wird und vor wie vielen Jahren das Verspeisen eines Sandwiches auf der Strasse noch als «unschicklich» galt, weiss ich dank Johann Conrad Fischer. Genauer genommen dank seinem Reisetagebuch, das er während seinem Aufenthalt 1825 in England schrieb.
Elf Jahre nach seiner zweiten Reise nach England nahm Johann Conrad Fischer 1825 erneut den Wanderstab in die Hand und begab sich nach diesem «merkwürdigen Eiland». Und zwar, um seinen neu erfundenen Meteorstahl, eine Legierung aus Stahl und Nickel, den englischen Fabrikanten und Händlern zu präsentieren. Doch wer glaubt, dass sich in Fischers Tagebuch alles nur um industriell-technische Innovationen und geschäftliche Beziehungen dreht, der irrt sich. Denn auch Fischer war ein Mensch, der sonntags gerne von Freunden umgeben war und der sich, als er wegen eines Unwetters ungeplant in einer anderen Unterkunft übernachten musste, über ein «vortreffliches Ale» freute.
Mit viel Liebe zum Detail und Vergleichen (und langen Sätzen), schildert Johann Conrad Fischer, was er in England sieht und macht, und ermöglicht es dem Leser auf diese Weise, mit den Augen eines Zeitzeugen die Eigenschaften der damaligen Gesellschaft, des (Weiter)bildungssystems, der Kunst und sogar der Kulinarik zu sehen. So erfährt der Leser zum Beispiel, dass es damals in England üblich war, den Salat nach dem Dessert als Nachspeise mit dem Käse zu essen, worauf dann noch «Wein und Pomeranzen» folgten. Amüsant ist zudem auch zu lesen, wie Fischer das heute vom Alltag nicht wegzudenkende Sandwich beschreibt, als er es zum ersten Mal sieht: «wozu Butterbrod und Fleisch schichtweise auf einander gelegt wurde, was man in der Kunstsprache der Gastronomen Sandwichers nennt. — Anderwärts würde man es für eine Unschicklichkeit ansehen, auf der Strasse zu essen, hier scheint es mir nicht so der Fall zu sein.» Was Fischer wohl zu den heutigen Street Food Festivals und Take away only-Cafés und -Restaurants sagen würde?
Dass Fischer berühmte Ingenieure und Erfinder wie James Watt, Michael Faraday und Robert Fulton persönlich gekannt hat, kann für den heutigen Leser überraschend sein. Noch überraschender sind jedoch seine Englischkenntnisse (als Schaffhauser im Jahre 1825!), auf deren Wichtigkeit er wiederholt eingeht und dank welchen sich ihm buchstäblich mehrere Türen öffneten. Mit seinem sprachlichen Können erntete er häufig Sympathiepunkte bei den Engländern, die ihn darauf oft gleich nach Hause einluden. Sie gewährten ihm aber auch Zugang zu nicht öffentlichen Fabrikgebäuden und zur Teilnahme an Chemievorlesungen in der Royal Institution. Zu den letzteren äusserte er Bedenken, die wohl auch heute noch bei jedem Studierenden aufkommen, der Vorlesungen in einer Fremdsprache hat. Fischer schreibt nämlich: «Obschon mir das Englische geläufig ist, besorgte ich dennoch, ihn [Professor Brande] nicht ganz zu verstehen […]». Same here, Johann Conrad, same here!