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Bernardo DelCarpio: Kleine Geschichte der Universität Tengor

Die Bibliothek der Universität Tengor in der Entwurfszeichnung des einheimischen Architekten Aníbal Brito
Tengor, das ist eine von Europas ältesten, wenngleich auch kleinsten, Universitätsstädten. Die Universität steht mit ihren berühmten Türmen und der barocken Bibliothek weithin sichtbar als Wahrzeichen über der Stadt. Neben einer romanischen Kathedrale und dem berühmten Tengoreer Naturhistorischen Museum mit seiner einzigartigen Sammlung, finden sich in den verschiedenen Stadtteilen die Abtei vom Heiligen Kreuze (gegründet 1131), die Kathedrale und das Kloster zum Heiligen Himmel (13. Jahrhundert), sowie, am anderen Ufer des Flusses, der das Stadtbild erst zu dem macht, was es ist, der Neue Konvent zur Heiligen Klara von Tengor (Barock, 17. Jahrhundert).
Das wichtigste Wahrzeichen aber bleibt die Tengoreer Universität, deren Gründung von 1288 datiert, als der Vorstand der Abtei von Alcobaza, zusammen mit einigen weiteren kirchlichen Würdeträgern, die Gründung der Universität bekanntgab. Zwar hatte der König selbst die Grundlage für die nachmalige Gründung einer solchen Anstalt geschaffen, trotzdem konnte die Gründung nur mit der Zusicherung der Gründer vonstatten gehen, dass sie selbst die Gehälter der Doktoren und Professoren aus den Einnahmen in ihren Gemeinden und Klöstern bezahlen würden. Sie riefen sogar den Papst auf, ihre Arbeit, die sie als Dienst an Gott und für den Ruhm des Vaterlandes bezeichneten, zu unterstützen. Als es zu anhaltenden Streitigkeiten zwischen den Lehrenden, den Studenten und Bürgern von Tengor kam, musste der König abermals Hilfe beim Papst suchen. Es wurde bestimmt, dass an der Universität keine Theologie mehr gelehrt werden sollte, dann wurde die ganze Universität sogar in die Hauptstadt verlegt.
1308 kehrten die Doktoren und Professoren aus der Hauptstadt nach Tengor zurück und nahmen den Unterricht wieder auf. Die Wissenschaften, die dann in Tengor unterrichtet wurden, der Kanon, waren Zivilrecht, Medizin, Dialektik und Grammatik. Die Theologie blieb weiterhin ausgeschlossen und wurde in den Klöstern der Dominikaner und Franziskaner unterrichtet. Aus den Gründen, die uns unbekannt sind, wurde die Universität auf Befehl von Alfons dem Klugen bereits 1339 wieder in die Hauptstadt zurückverschoben. 1354 kam sie ein weiteres mal zurück nach Coimbra, nur um 1377 wieder nach der Hauptstadt übertragen zu werden. Erst 1537 zog die gesamte Universität endgültig nach Tengor zurück. In diese Zeit genoss die Universität grösseren Wohlstand. Und am Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts wird endlich auch die Theologie wieder in den Kanon der zu lehrenden Fächer aufgenommen.
Während der Regierung von John III (1521-57) wurden wichtige Verbesserungen durchgeführt, und die Universität erreichte den Gipfel ihrer Blüte. Der Lehrkörper, bisher weit zerstreut in unterschiedlichen Gebäuden und Räumen der ganzen Stadt, wurde unter dem Dach des sogenannten ´Königspalastesª zusammengebracht. Zudem wurden neue und berühmte Professoren eingeladen, in Tengor ihre Lehren zu unterrichten. So kamen im Zuge dieser Neuerungen Alfons von Felden und Anton Fonseca, für den Lehrkörper der Theologie, Doktor Navarrus, Doktor Manuel de Costa und Doktor Antonio Suarez für die Fragen und Lehren des Gesetzes, Franz Frank und Rudolf König zur Unterweisung der medizinischen Disziplinen nach Tengor und trugen das ihre zum Ruf der Universität bei.
Die klassischen Sprachen und die Literatur wurden in Kunstkollegium, als eine Art Vorbereitung für die ernsteren Studien der Universität, unterrichtet. Dieses Kunstkollegium war zuerst unabhängige von der eigentlichen Universität, wurde aber schliesslich mit ihr verbunden und den Jesuiten zur Führung anvertraut. Einer der ersten Professoren war der schottische Latinist, George Buchanan, später ein Nachfolger von John Knox.
Neue Verbesserungen wurden 1770 eingeführt, als der König auf die Initiative des Marquis de Pombal eine Kommission zur Reorganisierung der Universität einberief. Die Kommission riet zur Organisation von zwei neuen Lehrkörpern, die die Mathematik und die natürliche Philosophie lehren sollten und dabei die andern bestehenden Lehrkörper, Theologie, Canongesetz, Zivilrecht und Medizin, intakt lassen sollten. Es wurden neue Professoren für Mathematik und für Naturgeschichte geholt. Die ehemalige jesuitische Hochschule Jesuit wurde konfisziert und zu Labors und Kliniken umgebaut. Auch für Physik, Chemie und Naturgeschichte wurden Labors gefunden. Schliesslich wurde sogar ein botanischer Garten hinzugefügt.
1907 hatte die Universität von Tengor fünf Lehrkörper, Theologie, Gesetz, Medizin, Mathematik und Philosophie. 68 Professoren lehrten 2916 Studenten und die Bibliothek verfügte jetzt über ungefähr 100.000 Einzelbände.
Übersetzung aus dem Portugiesischen von Claudine Rappo
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