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Das Selfie-Stick-Verbot
In Japan gab es den Selfie-Stick schon 1995 zum Kauf (Asienspiegel berichtete). Es sollte aber über zwanzig Jahre dauern bis sich diese Kamerastange zu einem globalen Boomartikel entwickelte. Die plötzliche, rasante Verbreitung des Selfie-Sticks, auf Japanisch Seruka-bō oder Jidori-bō genannt, stellt nun Behörden und viele Betreiber von öffentlichen Institutionen vor ein Dilemma. Soll man die Verwendung des Selfie-Sticks erlauben oder doch verbieten?
Jeder hat darauf seine eigene Antwort. So hat beispielsweise Bahnbetreiber JR Tokai die Verwendung des Selfie-Sticks in seinen Shinkansen-Bahnhöfen zwischen Tokio und Osaka untersagt, wie die Chunichi Shimbun berichtet. Zu gross sei hier die Gefahr, dass man mit dem Stick ein Kabel oder einen vorbeifahrenden Zug auf dem Bahnsteig touchiere.
Auch JR West hat laut der Yomiuri Shimbun in seinen fünf Bahnhöfen auf der Hokuriku-Shinkansen-Strecke entsprechende Verbotsschilder angebracht. In den Shinkansen-Bahnhöfen, die von JR East betrieben werden, werden die Selfie-Sticks wiederum geduldet. Es reiche aus, wenn man die Passagiere mündlich über die Gefahren informiere, heisst es dort.
Wo der Selfie-Stick verboten ist
Weitere prominente Verbote wurden im Disneyland in Tokio, im National Museum of Natur and Science in Tokio, im 21st Century Museum in Kanazawa, in den Aquarien in Osaka und auf Okinawa, beim Summer-Sonic-Festival in Osaka oder in der Kunstgalerie Tokyo Opera City ausgesprochen. Im Nagashima Spa Land in der Präfektur Mie galt das Verbot zunächst für die Achterbahn, danach weitete man es auf das gesamte Gelände aus.
Die Begründungen dafür sind immer ähnlich. Der Selfie-Stick berge ein nicht zu unterschätzendes Unfallpotential. Zu gross sei das Gedränge an gewissen Orten. Ausserdem wolle man verhindern, dass der Selfie-Stick als Mittel für heimliche Aufnahmen verwendet werde, wie die Chunichi Shimbun berichtet. In Japan stellt das sogenannte Tōsatsu-Phänomen die Behörden seit Jahren vor grosse Probleme (Asienspiegel berichtete).
Im Japan Monkey Center in der Präfektur Aichi begründet man das Verbot mit den Gehegen, die elektrisch geladen seien. Man wolle so ungewollte Stromschläge verhindern. Ausserdem würden die Affen gerne nach den Selfie-Sticks greifen.
Eine Frage der Philosophie
Letzendlich bleibt es eine Frage der Philosophie. Viele Betreiber begrüssen die Verwendung von Selfie-Sticks. Denn wer fleissig Fotos macht, der verbreitet diese auch in den sozialen Medien, was wiederum eine kostenlose Werbung für die fotografierte Sehenswürdigkeit darstellt.
So darf beispielsweise im Higashiyama-Zoo in Nagoya der Selfie-Stick frei verwendet werden, so auch auf dem Gelände des Skytrees in Tokyo wie auch in den Universal Studios in Osaka. An diesen Orten setzt man ganz auf die Vernunft der Touristen. Das hat den Vorteil, dass man sich den doch erheblichen Aufwand, das Verbot durchzusetzen, gänzlich sparen kann.
Solche Verbotstafeln sieht man immer häufiger:
Hier macht das Verbot wohl Sinn:
Auch bei einigen Hanami-Festlichkeiten wird der Stick nicht gerne gesehen:
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