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Die markante weisse Kirche von Wila – eine rund 1300-jährige Geschichte
Die Gemeinde Wila liegt im Talboden der Töss im Kanton Zürich. Ihre Geschichte reicht weit zurück und der älteste Zeitzeuge ist die Kirche, die hoch über dem Dorf thront. Seit 1275 ist der Ort als Wiler bekannt, jedoch war die Region bereits wesentlich früher besiedelt.
Im Ortskern sind einige herrliche alte Wohnhäuser zu bestaunen. Die Blicke zieht jedoch vor allem die markante Kirche auf sich, die auf einem Nagelfluhsporn erbaut wurde. Als ich sie das erste Mal sah, war ich zufällig nach Wila gekommen. Ich sass im falschen Zug und als ich es bemerkte und am nächsten Bahnhof ausstieg, stand ich in diesem schönen alten Dorf. Die weisse Kirche zog mich sofort in ihren Bann. Ich liess die nächste Bahn ohne mich abfahren und machte mich auf den Weg, sie zu besichtigen.
Die Kirche von Wila und ihre spannende, langjährige Geschichte
Ich werde die Geschichte der Kirche von Wila nicht chronologisch auflisten, sondern fange mit der Renovation im letzten Jahrhundert an. Man war damals nämlich davon ausgegangen, dass möglicherweise römische Mauerreste gefunden würden, stattdessen fanden sich Hinweise auf eine Holzkirche. Die Renovationsarbeiten dauerten von 1978 bis 1980. Dabei wurden auch archäologische Grabungen vorgenommen, bei denen man Überreste der Holzkirche fand. Runde Verfärbungen im Boden liessen darauf schliessen, dass es hier einst 19 Holzpfosten in geometrischer Anordnung gab.
Ebensolche Pfosten waren Jahre vorher in Wülflingen entdeckt worden. Da es wenig Vorstellungen darüber gab, wie so eine Holzkirche ausgesehen hat, lies die Denkmalpflege eine Zeichnung anfertigen. Holzkirchen hat es, ohne Turm, bereits im 7. Jahrhundert gegeben. So ist anzunehmen, dass auch jene, die einst in Wila stand, aus dieser Zeit stammte. Der frühmittelalterliche Bau fiel einem Brand zum Opfer und wurde etwa im 9. Jahrhundert durch eine Kirche aus Stein ersetzt.
Brandspuren an den Mauern lassen den Schluss zu, dass auch diese durch ein Feuer zumindest beschädigt wurde. Um 1300 erhielt die Kirche einen komplett ausgemalten Chorturm in hochgotischen Formen. Das Schiff wurde im 15. Jahrhundert in Richtung Süden erweitert, ausserdem hat man einen zweiten Chor gebaut. 1612 bekamen Kirche und Turm einen weissen Anstrich. In diese Zeit fallen auch die Erneuerung der Uhr und bauliche Massnahmen an den Mauern sowie das Ersetzen der Fenster.
Bei den umfangreichen Renovationen im Innen- und Aussenbereich kamen Fresken aus verschiedenen Epochen zum Vorschein. Besondere Aufmerksamkeit bekamen Fresken, die im 16. Jahrhundert weitestgehend zerstört worden waren, und die man nun mit grösster Sorgfalt restaurierte. Sie wurden in lobenswerter Arbeit in dem ursprünglichen Zustand zurückversetzt und erstrahlen nun im neuen Glanz.
Restauratoren und Denkmalpfleger rätselten über die Herkunft und Bedeutung von vier Kreisen, die sie an den Chorwänden fanden. Die Vermutung, dass es sich um Johanniterkreuze handeln könne, lag nahe. Aufschluss gaben schliesslich ähnliche Kreise in der Kirche Stans. Einst waren da, wo diese zu sehen sind, Kerzenhalter angebracht.
Der ehemalige Lehrer und Präsident der Kirchenpflege, Walter Fankhauser, sagte anlässig einer Führung durch die reformierte Kirche Wilas:
Die markante weisse Kirche von Wila – eine rund 1300-jährige Geschichte
Die reformierte Kirche in Wila gehört, ebenso wie das Pfarrhaus, zu den geschützten Gütern von kantonaler Bedeutung. Das Pfarrhaus aus dem Jahre 1770, dessen Baumeister Johann und Hans Ulrich Grubenmann waren, wurde 1852 mit der alten Pfrundscheune verbunden und mit einem Walmdach versehen.
Unter nationalem Schutz stehen die Mauerreste der Burgruine Hochlandenberg. Die Burg stammte aus der Zeit um 1300 und war von den Herren von Landenberg gegründet worden. Sie wurde 1344 von den Habsburgern und Zürchern zerstört, da der Burgherr Beringer II. von Hohenlandenberg Falschmünzerei und Räubereien betrieben hatte. Leider blieb von der Burg nicht mehr übrig als Überreste der Grundmauern. Die Ruine war einst abgetragen worden, um die Steine für den Bau der ersten Turbenthaler Baumwollspinnerei zu nutzen.
Was mir bei meinem Spaziergang durch Wila besonders auffiel, waren einerseits das Doppelwohnhaus unterhalb der Kirche, welches ebenfalls in Kategorie B, also als Objekt von kantonaler Bedeutung, eingestuft wurde sowie das Haus, in welchem sich das Ortsmuseum befindet. Über dieses konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen.
Eine auffällige, schöne Fachwerkfront hat das am Dorfausgang stehende Haus Zur alten Post. Es wurde 1736 für den damaligen Gerichtsvogt, Heinrich Lüssi, erbaut. Sein jetziges Aussehen bekam es bei einem späteren Umbau.
Im alten Dorfkern und entlang der Hauptstrasse sind weitere wunderschöne Häuser zu sehen. Neben den für die Region typischen Flarzhäusern vor allem Kleinbauernhäuser.
Oberstes Bild: © sergei margolin – CC BY-SA 3.0