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Ist gleicher Lohn für gleiche Arbeit fair? Im Gegenteil! Ein solcher Arbeitsmarkt wäre unfair gegenüber Menschen, die bereit sind, für Geld z.B. Sozialprestige zu opfern, Unannehmlichkeiten zu ertragen, die Last der Verantwortung zu schultern und persönliche Risiken einzugehen. Sie würden dafür nicht mehr entschädigt.
Ein solcher Arbeitsmarkt wäre auch unfair gegenüber Arbeitgebern, deren Jobs überdurchschnittliche Unannehmlichkeiten mit sich bringen, denn sie hätten nicht mehr Geld als Mittel in der Hand, um zu qualifizierten Mitarbeitern zu kommen. Sie müssten sich mit den schlechtesten Bewerbern begnügen, die an allen angenehmeren Orten abgelehnt wurden.
Es ist ein statistisches Gesetz: wenn zwei Populationen eine unterschiedliche Präferenz in bezug auf ein bestimmtes Merkmal unter vielen haben, muss eine ungleiche Verteilung in bezug auf dieses Merkmal resultieren. Das Resultat drückt eben gerade die gelebte Wahlfreiheit aus.
Aus eigener Erfahrung und persönlichen Kontakten wissen alle, dass Menschen ihre Arbeitsstelle aufgrund von verschiedenen Merkmalen auswählen, worunter der Lohn. Wenn Gruppe A eine andere relative Präferenz für Geld hat als Gruppe B, ist vom Ergebnis zu erwarten, dass die eine Gruppe weniger Lohn kriegt und dafür mehr von Merkmalen, die ihr wichtiger sind, während die andere Gruppe mehr Lohn im Tausch für weniger der anderen Merkmale erhält.
Stellen wir uns vor, dass allen Arbeitsplätzen ein Lohnschild anhaftet, das völlig unabhängig vom Stelleninhaber ist. Es gibt also objektiv keine Diskriminierung. Trotzdem wird, sobald eine identifizierbare Gruppe das Merkmal Lohn marginal höher gewichtet als die Restbevölkerung, diese Gruppe im Schnitt mehr Lohn erhalten, während die Restbevölkerung mehr der anderen Merkmale kriegt, z.B. Sinnstiftung.
*** SW/2019-06-25