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05.09.2013 - Hangwind in Guarda
Heute eine Studie zum Hangwind. Im Gegensatz zum Talwind, der das Tal entlang rauscht und quer zum Hang bläst,
bildet sich der Hangwind an stark erwärmten Hängen. Im Herbst kommen die Talwinde immer später, z.T. auch weil
es bereits Inversionslagen im Tal gibt. September und Oktober sind die Monate, in denen man grosse südgerichtete
Hänge suchen und in denen man eher vormittags fliegen muss. Das Maximum des Hangaufwindes ist meist gegen 12°°,
während der Talwind immer später kommt (und bei uns z.B. erst um 16°° das Brämabüel erreicht).
Guarda liegt im Unterengadin an einem Knick im sonst nach Nordosten fliessenden Inn und hat so einen rein nach Süden
ausgerichteten Hang in seinem Rücken. Es hat sehr familienfreundliche Hotels, und die Natur in seiner Umgebung ist
grossartig. Es blühen in 1650m Höhe noch Pflanzen, die bei uns erst 300-400m tiefer zu finden sind. Himbeeren wachsen
reichlich noch in 2000m (!) Höhe. Es ist kein "Action"-Dorf, sondern für Menschen, die Ruhe suchen.
(grössere Bilder durch anklicken)
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Guarda ist ein kleines Dorf auf einer Sonnenterrasse. Es wurde mehrfach als schönstes Dorf der Schweiz ausgezeichnet.
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Die klare Herbstluft am Morgen ist unglaublich
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An Guarda schliesst sich ein Waldgürtel an, über dem die Alp Sura liegt
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Blick Richtung Südwesten, gletscherbedeckte Piz Sarsura und Piz Vadret am Flüelapass
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Der Weg folgt der bequemen Alpstrasse. Der gesamte Aufstieg geht über ca. 600 Höhenmeter, ich habe etwa 1:20' gebraucht.
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Unterwegs gibt es reichlich Frühstück. Es ist jetzt ca. 11°°, über fast allen Gipfeln rundherum bilden sich Cumulus-Wölkchen.
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Ein grösserer Teil des Aufstiegs geht über einen uralten Pfad durch den Wald.
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Die Alp Sura. Es waren nur sehr wenig Kühe auf der Alp, kaum "Tretminen"...
Am rechten Bildrand sieht man schon den mit Google-Earth-Recherche für möglich gehaltenen Startplatz.
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Genaueres Bild der Startstelle. Rechts in der Tiefe war das Ende des Bannwaldes; weiter vorne war nur noch sonnenbeschienener
trockener Hang bis nach unten. Es gab zwar nur sehr wenig Steine, aber auch kaum eine ebene Stelle.
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Der Tiefblick ins Engadin zeigt, dass der Hang auch genügende Lauflänge hat, damit der Hangwind in Fahrt kommt.
Der muss sich aufbauen können und braucht wenigstens eine Stunde, bis er in Fahrt ist. Umgekehrt läuft er auch
noch eine ganze Weile, wenn der Nachschub abgeschnitten wird.
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Die Kante war sehr trocken und hatte bereits eine Tundren-Vegetation. Dementsprechend war es ein Paradies für Heuschrecken.
Die beim Auffliegen laut schnarrenden Ödlandschrecken (Foto) waren sehr häufig, es gab aber auch jede Menge Heuschrecken,
die ich noch nie gehört hatte: Manche "sägten" zehn Sekunden am Stück, andere fauchten täuschend ähnlich wie Reptilien.
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Hangwind ist die Domäne der leichten Segler. Ich hatte meinen Cirrus'69 mitgenommen. Ohne Motor, ohne gute Aussenlandemöglichkeit:
Da klopft dann doch das Herz beim ersten Wurf. Erst mal vorsichtig gesucht, aber schnell zwei Stellen gefunden, wo es zuverlässig hoch ging
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Über dem Engadin habe ich erst mal Höhe aufgebaut, denn über mir und hinter
mir war der Plateau-Geländekontur entsprechend eine Zone ohne Aufwind.
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Anders als bei langen durchgehenden Hängen ist dieser Hang in seiner Breite begrenzt. In der Höhe war eine minimale
Windkomponente von links - der Ausflug nach rechts brachte am Hangende (beim rechten Taleinschnitt) nur Höhenverlust.
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Umgekehrt war natürlich an der Kante zum linken Tälchen eine gewisse Stausituation und damit bestes Tragen.
Im Foto habe ich mich jedoch erst einmal wieder in die verdickte Aufwindzone direkt vor mir gerettet.
Typisch für Hangwind dieser Art ist es, dass er erst in einem gewissen Abstand zum Hang (50-100m) mächtig ist.
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Mit dem Vario liess sich gründlich studieren, wie sich die Hangaufwind-Schicht ausdehnte. Sie hatte eine Dicke von 50 bis 300m.
Am dünnsten war sie, wo rippenartige Erhöhungen den Hang hinunterzogen, am dicksten über muldenartigen Vertiefungen bis nach unten.
Inzwischen (13°°) hatte ich "vorne" genügend Höhe getankt, um trotz Höhenverlust in ausreichender Höhe "hinter" mir am nach oben
ziehenden Hang anzukommen. Mein weiteres Steigen wurde jedoch unerwartet gebremst: Immer wenn ich mich der exakt gleichen Grenze
näherte, kamen drei Adler und flogen argwöhnisch etwa 40m parallel zum Segler. Ich habe sie nicht weiter provoziert, und nach einer
Viertelstunde konnte ich dann ungestört weiter den Hang hochsteigen.
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So erreichte ich als höchste Höhe heute 381m, dann wurde die Sicht zu anstrengend. Schmerzlich vermisste ich die winterliche
Beleuchtung von unten durch die im Schnee reflektierte Sonne - mit demselben Cirrus bin ich schon einmal auf über 1100m gekommen...
Das Steigen in der Hangwindschicht war durchgehend 2,5-3 m/sec, mit Spitzen darüber in der Stauzone an der linken Kante.
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Gegen 14°° stabilisierte sich die Luft aber, südliche Warmluft floss ein, die Wolken wurden kleiner. Am Nachmittag
waren 19°C in 2500m Höhe, das entspricht 44°C (!) auf Meereshöhe. Zunächst störte das am Hang kaum, aber in der Tiefe
fing langsam der den Inn entlang brausende Talwind an, und der entriss dem Hangwind sozusagen die Wurzel.
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So wurden die Flughöhen langsam aber sicher wieder niedriger...
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Auf dem Rückweg durch den Märchenlärchenwald
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Kurz vor Guarda sieht man bereits den im Tal nach rechts (talaufwärts) blasenden Wind.
Vier Stunden früher herrschte dort noch Windstille durch die erste herbstliche Talinversion.
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Issoria lathonia, ein hübscher Perlmuttfalter. Der lange schöne Sommer war gut für die Schmetterlingsfauna.
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Lycaena phlaeas - ein Feuervögelchen hatte ich schon lange nicht mehr gesehen
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Erebia tyndareus - Wenn unsere Segler das gleiche könnten wie dieses Pärchen von Grünschillernden Mohrenfaltern
wäre unser Nachschub an Flugmodellen gesichert: einfach fünf Wochen Glasfaser und Epoxi füttern...
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Im Engadin gibt es für die Nicht-Modellflieger ein wahrhaft heftiges River Rafting, kein Pseudoabenteuer für Sesselpubser.
Mitten in den Stromschnellen aus dem Boot geschleudert zu werden - interessante Erfahrung, die man nicht unbedingt braucht.
Auf dem Bild halte ich das Paddel, dass man am linken Rand sieht. Auch meine beiden Assistentinnen sieht man nicht.
Und das war am eher langweiligen Vormittag - frage ja nicht wie es bei der zweiten Fahrt am Nachmittag war...
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