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Indigene-Vertretung im brasilianischen Parlament wird gestärkt
Brasilien wählte am 2. Oktober ein neues Parlament. Dabei wurden auf parlamentarischer Ebene fünf indigene Kandidierende in den Nationalkongress gewählt. Insbesondere Sônia Guajajara und Célia Xakriabá sind für indigene Gemeinschaften wichtige Stimmen.
Die Gewissheit über den nächsten Präsidenten wird Brasilien erst Ende Oktober nach dem zweiten Wahlgang haben. Klar ist jedoch, dass wichtige Vertreter:innen der indigenen Gemeinschaften die Wahl in den Nationalkongress geschafft haben. Mit 172 Kandidierenden verzeichneten die diesjährigen Wahlen die höchste Anzahl indigener Kandidat:innen. Am 2. Oktober standen die Urnen neben der Bestimmung des nationalen Präsidiums auch zur Wahl der Gouverneure der Bundesstaaten, der Abgeordneten in den Parlamenten auf lokaler und Bundesebene sowie der Senator:innen offen.
Ins Parlament geschafft haben es fünf Kandidat:innen, die sich selbst als Indigene identifizieren: Sônia Guajajara, Célia Xakriabá, Juliana Cardoso, Paulo Guedes und Sílvia Waiãpi. Bis auf letztere sind alle Kandidat:innen Teil einer neu gegründeten Indigenen-Fraktion namens Bancada do Cocar, die sich für die Verbreitung indigener Anliegen auf parlamentarischer Ebene einsetzt. Damit soll den Interessen der Agrarindustrie, welche im aktuellen Parlament prominent vertreten ist, entgegengewirkt werden. Die industrielle Landwirtschaft trägt am stärksten zur illegalen Abholzung in indigenen Territorien und Naturschutzgebieten bei.
Ein wichtiges Zeichen wurde mit der Wahl von Sônia Guajajara als erste indigene Abgeordnete des Bundesstaats São Paulo gesetzt. Sie ist Koordinatorin des nationalen Indigenenverbands APIB (Articulação dos Povos Indígenas do Brasil) und setzt sich seit über zwanzig Jahren für Umweltschutz und Indigenenrechte ein. Durch die regelmässige Teilnahme an Gremien wie dem Human Rights Council der Vereinten Nationen oder die Conference of the Parties (COP), wo sie indigene Interessen seit 2009 vertritt, erlangte sie internationale Bekanntheit. Dieses Jahr wurde sie vom US-amerikanischen Time Magazine auf dessen Liste der 100 einflussreichsten Menschen gesetzt. In einem Interview mit der Zeitung Brasil De Fato schilderte Guajajara die Schwierigkeit, mit Themen wie Umweltschutz und Indigenenrechte und sogar sozialer Gerechtigkeit, Wahlstimmen zu erlangen. Man riskiere, sich damit unbeliebt zu machen, weil die Themen dem klassischen Fortschrittsgedanken im Weg stünden. Gerade in dieser Hinsicht kann die Wahl der Aktivistin als grosser Erfolg für ihre Gemeinschaft gedeutet werden.
Mit der indigenen Anführerin Célia Xakriabá ist auch für den Bundesstaat Minas Gerais erstmals eine Indigene unter den Vertreter:innen. Guajajara und sie sind Parteigenossinnen beim Partido Socialismo e Liberdade (PSOL). Auch am letztjährigen COP-26 nahmen sie gemeinsam teil. Ihre Anliegen decken sich weitgehend, wobei Célia Xakriabá ihren Schwerpunkt zusätzlich auf indigene Bildung legt. Neben ihrer politischen Tätigkeit promoviert Xakriabá in Anthropologie an der staatlichen Universität UFMG.
Die bisher einzige indigene Vertretung im Kongress, Joênia Wapixana, hat im Bundesstaat Roraima ihre Wiederwahl derweil leider nicht geschafft. Sie war 2018 als erste indigene Frau ins brasilianische Parlament gewählt worden.
Foto: Sônia Guajajara im Mai 2016 (Foto: Midia Ninja via Flickr)