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Sowohl bei der Erstuntersuchung als auch zur Therapiekontrolle muss die Schmerzintensität vom Patienten beurteilt werden. Da keine praxistaugliche objektive Schmerzmessung zur Verfügung steht, wird auf die Methode der skalierten Selbstauskunft zurückgegriffen. Die Erfassung der Schmerzstärke ist immer subjektiv. Dies hat jedoch den Vorteil, dass der Arzt eine direkte Vorstellung vom Schmerzempfinden des Patienten erhält.
Die häufigsten Schmerzskalen und Beurteilungsverfahren im Überblick:
Visuelle Bewertungsskala oder Visuelle Analogskala (VAS)
Die Schmerzintensität wird am häufigsten durch eine visuelle Analogskala (VAS, eine zehn Zentimeter lange Skala von „kein Schmerz“ bis „schlimmster vorstellbarer Schmerz”) bestimmt. Auf der visuellen Analogskala kann der Patient seine Schmerzintensität zwischen einem definierten Anfangspunkt (kein Schmerz) und einem Maximalwert (stärkster vorstellbarer Schmerz) markieren.
Die Skala ist kontinuierlich, das heisst die Beurteilung ist nicht an Unterteilungen gebunden. Wenn gewünscht, kann der Arzt den angegebenen Schmerzpunkt als Zahlenwert ausdrücken (Entfernung vom Anfangspunkt in Zentimetern). Die visuelle Analogskala ist besonders zur Verlaufskontrolle akuter (z.B. postoperativer) Schmerzen geeignet.
Numerische Bewertungsskala oder Numerische Ratingskala
Auf der numerischen Ratingskala (NRS) gibt der Patient ein Feld zwischen 0 und 10 an, wobei 0 „kein Schmerz” und 10 „maximal vorstellbarer Schmerz” bedeutet. Ein gewisser Nachteil dieser Testmethode ist die Beurteilung in vorgegebenen Unterteilungen.
Verbale Bewertungsskala oder Verbale Ratingskala (VRS)
Eine andere Möglichkeit stellt die kategorische verbale 4- oder 5-Punkte-Rating-Skala (VRS, von „kein Schmerz“ bis „sehr starker Schmerz“) dar.
Der Patient beschreibt seine Schmerzintensität als Ausdruck zwischen “kein, geringer, mässiger, starker bzw. stärkster vorstellbarer Schmerz”. Die Schmerzlinderung wird entsprechend auf einer kategorischen verbalen Rating-Skala von „komplette Schmerzlinderung“ bis „keine Schmerzlinderung” gemessen.
Aufgrund der Unterteilung auf lediglich vier oder fünf Schmerzstärken ist die Skala weniger sensibel als die visuelle oder numerische Skala. Sie besitzt jedoch eine grosse Robustheit, da nur relevante und eindeutig verständliche Differenzierungsstufen erfasst werden. Sie ist besonders für längerfristige Verlaufskontrollen geeignet.
Smiley-Skala oder Das lächelnde Gesicht
Die Smiley-Skala (Wong-Baker Faces Pain Rating Scale) wurde speziell für Kinder entwickelt, die noch nicht lesen können. Sie zeigt fünf verschiedene Gesichter. Das erste lachende Gesicht steht für „kein Schmerz” und das fünfte laut weinende Gesicht für „unerträglichen Schmerz”. Sie entspricht damit der verbalen Ratingskala für Erwachsene. Die Smiley-Skala kann bereits bei Kindern ab drei Jahren angewendet werden.
Brief Pain Inventory (BPI)
Das Brief Pain Inventory (BPI) wurde als Instrument speziell zur Schmerzbeurteilung bei Tumorschmerzen entwickelt. Das BPI misst die Schmerzintensität (sensorische Dimension) und schmerzbedingte Beeinträchtigungen (reaktive Dimension). Zusätzlich wird die Schmerzlokalisation und erreichte Schmerzlinderung abgefragt.
Schmerztagebuch
Im Rahmen der Therapiekontrolle hat sich das Führen eines Schmerztagebuches durch den Patienten sehr bewährt. Darin kann der Patient jeden Tag seine Schmerzstärke, Medikamenteneinnahme, Nebenwirkungen, Aktivitäten und Wohlbefinden notieren. Diese Eintragungen helfen dem Arzt, die richtige Therapie zu finden.
Zusätzlich ist der Patient aktiv zur Mitarbeit aufgefordert und somit stärker in die Therapie einbezogen. Zu Beginn der Therapie kann ein tägliches Ausfüllen sinnvoll sein, bei einer länger andauernden Therapie reichen grössere Abstände.
BESD oder PAINAD-Skala
Speziell zur Beurteilung von Schmerzen bei Patienten mit Demenz (BESD) kommt die PAINAD-Skala (Pain Assessment in Advanced Dementia, deutsche Fassung BESD) zum Einsatz. Sie besteht aus den fünf Beobachtungskategorien (1) Atmung, (2) Negative Lautäusserungen, (3) Gesichtsausdruck, (4) Körpersprache und (5) Trost.
Die Ausprägung des jeweiligen Schmerzverhaltens wird auf einer dreistufigen Ratingskala (Stufen 0, 1 und 2) bewertet, so dass ein Gesamtwert von 10 bei maximalem Schmerzverhalten erzielt werden kann. Die Beobachtungszeit je Einheit beträgt fünf Minuten.
BISAD-Skala
Mit diesem Beobachtungsinstrument wird das Verhalten dementer Patienten unter drei Kriterien beobachtet – ausserhalb und während der Pflege sowie bei Aktivität. Insgesamt werden elf Parameter berücksichtigt.
Um den Testbogen korrekt ausfüllen zu können, sollte der Arzt den Patienten bereits kennen, da im Test Vergleiche zu früheren Beobachtungszeitpunkten gezogen werden.
ZOPA© – Das Zurich Observation Pain Assessment
Der ZOPA© (Zürcher Observation Pain Assessment) wurde von Pflegewissenschaftlerinnen des Zentrums für Entwicklung und Forschung in der Pflege am UniversitätsSpital Zürich (ZEFP) entwickelt um bei Patienten mit kognitiv und/oder Bewusstseinsbeeinträchtigtungen eine Schmerztherapie einzuleiten. Das Fremdeinschätzungsinstrument ZOPA© erfasst den Schmerz in vier Verhaltenskategorien: Lautäusserungen, Gesichtsausdruck, Körpersprache und physiologische Indikatoren. Diese enthalten 13 definierte Verahaltensmerkmale (Stöhnende Laute, ein verzerrter, gequälter Gesichtsausdruck, Ruhelosigkeit oder Veränderungen in den Vitalzeichen).
CHANGE PAIN Schmerz-Diagnosebogen (CP-Skala)
Der Schmerz-Diagnosebogen der CHANGE PAIN Initiative unterstützt dabei, möglichst präzise Angaben über Art und Lokalisation der Schmerzen zu erhalten. Der Diagnosebogen kann vom Patient einfach ausgefüllt werden und enthält detaillierte Angaben zu Schmerzort, -intensität und -art. Er hilft vor allem, individuelle Behandlungsziele für chronische Schmerzpatienten festzulegen. Das Diagnosetool ist in mehr als zehn Ländern in Europa erhältlich.
|Die Skalen zur Schmerzmessung für den akuten Schmerz können auch für chronische Schmerzzustände verwendet werden. Es ist jedoch wichtig, dass bei der Interpretation Kenntnis über deutliche Ergebnisverzerrungen durch gedrückte Stimmung, hohe Erwartungen sowie schlechte Bewältigungsfähigkeiten auf Seiten des Patienten besteht.|