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Umkreis Franz Feyerabend, Basel, Ende 18. Jh.
Karton, ausgeschnitten; Drähte, Schnüre, Blei
H. 29 cm, B. 43 cm (Wagen); H. 46 cm (mit Drähten)
Inv. 1953.437.
In einem grossen Konvolut von über 100 Schattenfiguren aus dem späten 18. Jahrhundert, mit denen Jagden, Komödien und verschiedenste Genreszenen vorgeführt werden konnten, befinden sich auch einige Bettlerfiguren, darunter ein Einbeiniger an zwei Stöcken, der den Hut zum Betteln offenhält, eine Frau, die ihr Kind und ihren gesamten Besitz auf dem Rücken trägt, und eine weitere Frau, die durch die eingesunkene Nase als Syphiliskranke gekennzeichnet ist. Seine eindringlichste Darstellung erfährt das Thema in einer Gruppe mit Wagen und vier gefangengesetzten Bettlern. Sie alle tragen Halseisen um den Hals und die Männer zudem schwere Ketten an den Füssen. Auf dem Wagen ist Unrat dargestellt; eine Mistgabel und ein Besen deuten auf Reinigungsarbeiten. Eine als «Profoß» bezeichnete Figur beaufsichtigt die Gruppe.
Die dargestellte Strafe entspricht genau dem Text eines Basler Ratsmandates, erlassen am 1. August 1725 (und später mehrfach wiederholt) «zur Abstellung des Gassenbättels»: «was aber obangezogene muthwillige Bättler anbelangt / sollen die Grippel, Lahme, Presthaffte und alte Leut / Kinder / Tohrechtte [törichte] säugende Weibspersonen und Luntzen [Dirnen] / welche sich öffters einfinden / in ihr Heimath gewiesen und ihnen angezeigt werden / daß sie auf ferneres Betretten / die Straff des Halseysens und Außstreichens mit Ruthen ohnfehlbar zu gewarten hätten / jenige aber so zu einiger Arbeit tauglich / an Eysen geschlagen / und weilen sie als Muthwillige Gassenbättler ergriffen worden / bei der Spende in Gegenwart all übriger Armen / von dem Profosen castigirt [gezüchtigt] werden / weilen auch die bißherige Erfahrung bezeuget / daß dergleichen Bättlern der Müßiggang so zu reden anerboren / und sie nichts mehrers als die Arbeit scheuhen / als sollen selbige ein oder mehr Monat lang von anbrechendem Tag an biß um halb zwölff Uhren / so dan von ein biß zu Nacht under der Auffsicht des Profosen zu harter Arbeit und sonderlich zu Säuberung der Stadt angehalten werden; und fahls einer sich zur Arbeit nicht bequemen wollte / soll der Profoß sein Amt thun und durch Streich und Schlag einen solchen Gesellen zur Raison bringen.» In der Darstellung wird die Bestrafung aufgegriffener fremder Bettler geschildert, die als Strafe für ihren dem Betteln dienenden und damit widerrechtlichen Aufenthalt in der Stadt die Basler Strassen reinigen mussten. Die Ketten und Halseisen, welche die in Basel verwendete Form mit einer nach oben weisenden Metallspirale haben, verhinderten ihre Flucht.
Die aus kräftigem Karton ausgeschnittenen Figuren besitzen mit Scharnieren versehene Glieder, die durch Drähte und Schnüre bewegt werden können. Vereinzelt sorgen Bleigewichte für das Herabsinken der Teile. Bei geschickter Vorführung konnte die Illusion von Bewegung erzeugt werden. Der grosse Figurenbestand stammt aus einem bürgerlichen Basler Haushalt, wo sie wohl zur häuslichen Unterhaltung eingesetzt wurden. Doch sind auch öffentliche Vorführungen an Messen und auf Jahrmärkten mit solchen Schattenfiguren anzunehmen. An der Entstehung der Figuren in Basel ist nicht zu zweifeln: Drei Harschiere als Repräsentanten der obrigkeitlichen Ordnung tragen jeweils einen Baselstab am Revers.