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Ein politischer Mord im Toggenburg und seine Sühne. - Seite 10

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in einer gewissen Vorahnung seines Todes ihn schon vor geraumer Zeit gebeten hatte, daß er falls der von ihm befürchtete Fall einträte, sogleich dem hochwürdigsten Fürstabt zu St. Gallen Nachricht geben und ihn um ein getreues Gedenken seiner geleisteten Dienste bitten möchte, so vereiste Pater Justus im Morgengrauen des folgenden Tages nach St. Gallen, um dem Herren Prälaten, dem Pater Othmar, Bruder des Ermordeten, und der gesamten Klostergemeinschaft den traurigen Bericht zu überbringen. Die Kunde versetze diese alle in große Bestürzung, besonders den Abt, der im Innersten des Herzen bewegt, den Pater Prior unverweilt wieder zurückschickte, damit er alles Nötige anordne für ein ehrenvolles Begräbnis, sowie der hinterlassenen Witwe, einer durch Anspruchslosigkeit und wahre Frömmigkeit ausgezeichneten Frau, in seinem Namen Trost spende und sie mit ihren Waisen seines geneigtesten Willens versicherte.
Diese Aufträge führte der genannte getreulich aus, und nach geschehener Beratung mit den Verwandten wurde beschlossen, den Leichnam zu St. Johann, wo auch des Verstorbenen erste Gattin ruhte, den 11. November der geweihten Erde zu übergeben. Nachdem genannten Tages der Tote in den Sarg gelegt worden, wurde dieser mit dem schwarzen Leichentuche bedeckt, das vorne und hinten das Wappen der Familie Ledergerw und auf den Seiten die Kriegs-Embleme neben aufgemalten Totenschädeln trug, auf den mit zwei Pferden bespannten Wagen gehoben und so weggeführt, während bei den Krümmungen des Weges der Sarg von vier Männern auf den Schultern getragen wurde. Als Ehrengeleite folgten der Leiche der bereits genannte Pater Justus Senn, Matthäus Spieler, Pfarrer zu Neßlau, Herr Balthasar Wirth, Landvogt im Toggenburg, Herr Johann Georg Wirth, Schultheß zu Lichtensteig, Herr Josua Wirth, der noch zwei Jahre zuvor unter dem Verstorbenen Leutnant von dessen Stift-St. gallischer Kompanie in Italien gewesen war; alle drei Genannten aber waren zugleich dessen Schwäger. Ihnen folgten der schon genannte Schreiber des Thurtales, Georg Rütti, die Ammänner und Richter der Gemeinden Neßlau und Sidwald, nebst einer großen Menge Volkes, Katholiken sowohl als Neugläubige, wohl aber mit ungleichen Gefühlen und Empfindungen. Darauf kam Frau Barbara, die Witwe und leibliche Schwester der drei Vorgenannten, begleitet von zwei Stieftöchtern, und ihnen schloß sich eine Menge angesehener Frauenspersonen an – in allem ein wirklich stattlicher Leichenzug.
Als das Kloster St. Johann in Sicht kam, trugen vier schwarzgekleidete Männer den vom Wagen gehobenen Sarg in die Stiftskirche vor den hl. Kreuzaltar, der mit schwarzem Tuche ausgeschlagen war; auf diesem war das Lilienwappen zu sehen, mit dem die Könige von Frankreich das kriegstüchtige Geschlecht der Ledergerw ausgezeichnet hatten, nebst dem Emblem der Gerechtigkeit. Am Portal hatten sämtliche zu St. Johann weilenden Religiosen den Zug empfangen. Nachdem in der Kirche der feierliche Trauergottesdienst mit einer der vorgerückten Zeit wegen kurzen, aber kraftvollen Predigt vor sich gegangen, wurde der Sarg zum neuen katholischen Friedhof getragen, für dessen Errichtung gerade der Verstorbene viel getan hatte, und daselbst die üblichen Gebete und Zeremonien vorgenommen. Bevor aber der Sarg dem Grabe übergeben ward, wurde derselbe auf inständiges Bitten der Witwe noch einmal geöffnet, damit des Ver-