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Sechs Präsidenten von Aargauer 2.-Liga-Vereinen fordern vom AFV den Abbruch der Meisterschaft und präsentieren eine Lösung
Die Präsidenten von sechs Aargauer Fussballvereinen fordern vom Aargauischen Fussballverband AFV den Abbruch der Meisterschaft. Sie präsentieren eine alternative Lösung, die weniger Verlierer hervorbringen soll. Doch der Verband winkt ab. Er will die Vorrunde zu Ende spielen und danach endgültig werten.
Von den 15 2.-Liga-Vereinen im Kanton, konnten sich nur sechs Vereine zusammenfinden, um den Verbandsentscheid zur abgekürzten Weiterführung der Meisterschaft in Frage zu stellen. Von den drei 2.-Liga-Vereinen im «Reussbote»-Revier wollten sich der FC Niederwil und der FC Fislisbach nicht an der Aktion beteiligen. So blieben die Präsidenten der sechs Vereine mit Pierluigi Ghitti (FC Wettingen), Robert Vitali (FC Rothrist), Martin Lüscher (FC Gränichen), Markus Epple (FC Kölliken), Ueli Bruder und Mike Bart (FC Lenzburg) und Beat Dünki (FC Othmarsingen), die gemeinsam eine Idee an den AFV-Vorstand herantrugen. In einem Schreiben sagen sie deutlich, was sie von der Absicht des Verbandes halten, die Meisterschaft nach nur zwei Wochen Vorbereitungszeit im Juni durchzupauken und nach Abschluss der Vorrunde zu werten: Nämlich nichts. Sie nennen es «Wettbewerbsverfälschung», weil es für viele Vereine um nichts mehr gehe. «Daher», so argumentieren sie, «muss es unser absolutes Ziel sein, nach dieser aussergewöhnlichen Saison so wenig Verlierer, sowohl an der Tabellenspitze als auch am Tabellenende, wie möglich zu haben.»
Diese Präsidenten schlagen deshalb vor: «In der Saison 2020/2021 gibt es nur Aufsteiger und keine Absteiger.» Dazu müsste der Verband flexibel reagieren und die Gruppen in den verschiedenen Ligen vergrössern, um sie in den nächsten beiden Jahren wieder nach unten anzupassen. Weil nächstes Jahr keine Europameisterschaft und auch keine Weltmeisterschaft anstehe, könnten im Juni zusätzliche Runden eingeplant werden, so dass der erweitertete Spielplan Platz hätte.
Bekanntlich propagiert der Fussballverband das «Fairplay» auf allen Fussballplätzen. Allerdings ist das Wort «Gerechtigkeit» auf keinem der vielen Banner und Plakate zu lesen. Aber genau darum geht es den aufmüpfigen Präsidenten. Um Gerechtigkeit.
Was aber ist Gerechtigkeit?
Die griechischen Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles waren sich darin einig: Sie sahen das Glück als den höchsten anzustrebenden Wert an. Gerechtigkeit war für sie die oberste Tugend, um diese Glückseligkeit zu erreichen. Gerechtigkeit war für sie eine grundlegende Charaktereigenschaft.
Der Schweizerische Fussballverband (SFV) sieht das etwas anders. Er hat den genannten Präsidenten, in Absprache mit dem AFV, eine deutliche Absage erteilt. «Mit blumigen Worten schreibt der SFV: «Wir haben grosses Verständnis für die Probleme unserer Vereine und unternehmen alles was ins unserer Macht steht, um die Clubs bei der Bewältigung der Krise so gut wie möglich zu unterstützen. Mit Ihnen gemeinsam hoffen natürlich auch wir, das in naher Zukunft die Normalität zurückkehrt und Spieler/-innen und Trainer/-innen, Funktionärinnen und Funktionäre sowie Schiedsrichter/-innen ihrem Hobby wieder voller Freude und ohne Einschränkungen nachgehen können.» Unterzeichnet ist das Schreiben von SFV-Zentralpräsident Dominique Blanc und Generalsekretär Robert Breiter. Mit Bedauern teilen sie den Antragstellern aus dem Aargau mit, sie könnten auf deren Anträge «leider» nicht eingehen. Dabei verweisen sie auf die Statuten, in denen von Zusammenhalt mit den Abteilungen und den Regionalverbänden die Rede ist. Und davon, Fussball für alle der über 1400 Vereine in der Schweiz zu ermöglichen «und nicht zu verhindern». Das Wort Fairplay und Gerechtigkeit findet sich in diesem Zusammenhang in dem Schreiben nicht. Ganz nach dem griechischen Sophisten Thrasymachos: Der sagte einst: «Das Gerechte sei das dem Stärkeren Zuträgliche.» Und: «Es ist gerecht, dass die Schwächeren – in einem Staatswesen also die Regierten – den Regierenden Gehorsam leisteten.» In die heutige Zeit übersetzt: Gerechtigkeit ist, was dem Verband nützt, nicht der Mehrheit der Mitglieder.
Der Verband sagt dazu konkret: «Was Ihren Antrag betrifft, wonach es nur Aufsteiger und keine Absteiger geben soll, so ist dies gemäss Art. 8 des Wettspielreglements, wonach es im Falle der Wertung Meister sowie Auf- und Absteiger gibt, nicht möglich. Es entspricht nicht einem Grundgedanken des Sports, wonach es immer Gewinner und Verlierer gibt.» Othmarsingens Präsident Beat Dünki sagt dazu kurz und knapp: «Wo kein Wille ist, da ist auch kein Weg.» Dazu, dass in den Statuten nicht vorgesehen ist, die Pferde während des Rennens beliebig zu wechseln und die Reglemente gerade so wie es kommt, anzupassen, findet sich in dem Schreiben der Verbandsoberen nichts. «Man könnte das auch das Ausnützen von Macht bezeichnen, demgegenüber sich Ohnmacht der unterliegenden Mehrheit breitmacht», sagt Beat Dünki.
Abschliessend versichern die höchsten Fussballverbandsfunktionäre des Landes, die Gesundheit der Spieler sei ihnen sehr wichtig. Entgegen jeder Trainingslehre halten sie die kurze Vorbereitungszeit von zwei Wochen für vertretbar. Wer für die wirtschaftlichen Kosten für die zu erwartenden Sportunfälle von zu wenig fitten Spielern aufkommen soll, davon steht nichts in dem Antwortschreiben. Die Suva hat sich dazu noch nicht geäussert. Auch von den Arbeitgeberverbänden, deren Mitglieder zur Kasse gebeten werden, war bisher auch noch nichts zu hören.
Mehr Verlierer als Gewinner
«Schade», sagt Beat Dünki. «Bei unserem Vorschlag hätte es sozusagen nur Gewinner gegeben. So hätten die Spitzenclubs in den verschiedenen Ligen aufsteigen können. Und die untenstehenden, die sich nicht mehr wehren konnten, wären nicht abgestiegen. So aber produziert der Verband viel mehr Verlierer als Gewinner. Was das mit Fairplay zu tun hat, erschliesst sich mir nicht.»
Beat Gomes