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Das Lesserstürlein
Herr K. / 13.11.2006:
Ich wohne derzeit nahe des Waisenhauses. Bin auf der Suche nach näheren Informationen zum Standort des damaligen Rheintörlis: Stand es an der Riehentorstrasse oder mehr gegen den Pulverturm hin, also auf der anderen Seite des Sunnehüsli? Bin gespannt über klärende Details. Gibt es zuverlässige. Pläne aus/über diese/r Zeit?
Antwort von altbasel.ch:
Das von Ihnen gesuchte Tor, ehedem auch bekannt als Oberes Rheintörlein oder Lesserstürlein, befand sich an jener Stelle an der die Riehentorstasse auf den heutigen Oberen Rheinweg stösst. Das kleine Tor wurde offenbar um 1858 abgerissen, als der 1823/24 angelegte Oberen Rheinweg erneuert wurde. Das Lesserstürlein schloss zum Rhein hin die Riehentorstrasse ab, und verband mit seinem Torturm die Liegenschaften Oberer Rheinweg 95 und 93.
Der Turm des Lesserstürleins hatte ein stadtseitig abfallendes Pultdach und war mit einem Zinnenkranz versehen, ähnlich dem benachbarten Pulverturm. Der Torturm stand stand rheinseitig auf der Flucht der Rheinfassade des heutigen Hauses Oberer Rheinweg 93. Das kleine Tor hatte einen 1843 abgebrochenen Vorbau. Merian'sche Ansichten des 17.Jh lassen erkennen, dass es zwischen dem Tor und dem Pulverturm einen zur Kartause verlaufenden Wehrgang gab.
Diese Darstellung um 1640 zeigt das Obere Rheintürlein, bzw. Lesserstürlein, (2) am unteren Ende der heutigen Riehentorstrasse. Man kann links vom Tor den heute noch existierenden Pulverturm (1) sehen, während man stadtwärts rechts vom Tor den markanten Hattstätterhof (3) erkennen kann.
In den oberen Etagen des Lesserstürleins hatte der Rheinzoller sein Domizil. Dies war naheliegend, da der Ufersteifen bis hinauf zur Kartause als Schifflände genutzt wurde, wo Waren von Flossen und Schiffen an Land gebracht wurden. Das Amtslokal des Zollers, das Rheinzollerstüblein, lag direkt vor dem Tor rheinabwärts. Es verschwand 1843 wie der Torvorbau. Der Obere Rheinweg von 1823/23 und die Riehentorstrasse lagen vor 1858 ca einen Meter tiefer.
Mit der Erneuerung des Oberen Rheinwegs und dem folgenden Abriss des Lesserstürleins (und weiten Teilen der rheinseitigen Stadtmauer) wurde mit Bauschutt das Gehniveau von Rheinweg und Riehentorstrasse um rund einen Meter aufgeschüttet. 1985 stiess man bei Grabungsarbeiten wegen Wasser- und Gasleitungen auf Fundament und Mauerreste des Lesserstürleins, dessen exakter Standort dank dieses Fundes dokumentiert werden konnte.
Querverweise Kleinbasel:
Bläsitor und Riehentor
Die Kartause in Kleinbasel
Literatur:
Rolf d'Aujourd'hui/Christian Bing, Fundbericht Riehentorstrasse 1-7, Jahresbericht 1985 der Archäologischen Bodenforschung BS in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 86.Band 1986 Nr.2, Seiten 175 bis 179
André Salvisberg, Die Basler Strassennamen, 1999, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-85616-104-X, Seiten 306 und 308
C.A. Müller, 134.Neujahrsblatt der GGG, Die Stadtbefestigung von Basel, 1956, Seite 63
E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seite 126
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