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Die Alltagssprache macht leider eine solche Eingrenzung und spricht nur von Wissen, wenn es um sogenanntes deklaratives Wissen geht: Sprachlich gefasste Theorien, Konzepte und Fakten oder Weltbeschreibungen (Beschreibungen von etwas).
Daneben gibt es aber weitere Wissensarten, die sich in wichtigen Punkten von deklarativem Wissen unterscheiden, nicht zuletzt auch darin, wie sie erworben werden.
Zwei Wissensarten werden alltagssprachlich beide als Können bezeichnet: Prozedurales und sensomotorisches Wissen. Prozedurales Wissen enthält alle kognitiven Handlungsroutinen, die uns ermöglichen, viele unserer Alltagshandlungen routiniert, d.h. ohne Aufmerksamkeitsbelastung durchzuführen. Sensomotorisches Wissen steuert die automatisierten und über sensorisches Feedback an die Umwelt angepassten motorischen Aktivitäten. Da unsere Alltagsroutinen immer prozedurale und sensomotorische Komponenten enthalten, ist verständlich, dass die Alltagssprache die beiden Wissensarten nicht unterscheidet. Dort, wo Erwerb und Einsatz dieser Wissensarten wesentliche Unterschiede aufweisen, ist es jedoch wichtig, diese Differenzierung zu berücksichtigen.
Eine vierte Wissensart ist unser individuelles situatives Wissen, unsere unzähligen Erinnerungen an unsere Erlebnisse, unsere gesammelten Erfahrungen. Die Alltagssprache räumt diesen Erfahrungen nicht den Status einer Wissensart ein, wohl vor allem deshalb, weil jeder Erfahrungsschatz individuell bleibt und anderen Menschen nicht direkt zugänglich ist. Spätestens seit den Erkenntnissen aus der Expertenforschung ist es aber angezeigt, das situative Wissen als eigenständige Wissensart zu berücksichtigen.
Die Expertenforschung der letzten 20 Jahre hat gezeigt, dass Experten nicht aufgrund ihres deklarativen Wissens und daraus abgeleiteten Handlungsplänen so erfolgreich handeln, dass sie als Experten gelten. Sie handeln aufgrund ihres riesigen Erfahrungsschatzes: Für jedes erdenkliche Problem, jede potentielle Aufgabe, jede Situation aus ihrem Expertenbereich enthält ihr situatives Wissen bereits eine gute Vorlage für die erfolgreiche Bewältigung. Das Geheimnis ihres Erfolgs liegt in ihrem reich verknüpften Netz von Erinnerungen an Situationen und deren erfolgreiche Bewältigung.
Von diesem situativen Wissen ist auch in Situationsbeschreibungen die Rede: “Wie auch immer die Bildungsziele einer Berufsausbildung formuliert sind, das eigentliche Hauptziel ist immer die Befähigung der Lernenden, die im Beruf anstehenden Aufgaben und Situationen erfolgreich zu bewältigen.” Anders ausgedrückt: Das Ziel der Ausbildung ist situatives Wissen. Die andern Wissensarten und insbesondere das deklarative Wissen sind Mittel auf dem Weg zum Ziel. Das mindert den Wert dieser Wissensarten nicht, wie sich an der folgenden Beschreibungen von fundamentalen Funktionen des deklarativen Wissens leicht feststellen lässt.