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Bravo Roger Federer! Der 35-jährige Basler triumphierte in Indian Wells auch am zweiten grossen Tennis-Rendez-vous der Saison. Den Schweizer Final gegen Stan Wawrinka gewann Federer in 80 Minuten mit 6:4, 7:5.
Die Schlüsselszene spielte sich nach etwas weniger als einer halben Stunde ab. Roger Federer führte 5:4, Stan Wawrinka schlug auf und führte 30:15. Bis zu diesem Zeitpunkt war keiner der beiden Schweizer Stars bei eigenem Aufschlag in Not geraten. Wawrinka glaubte, ein Ass zum 40:15 serviert zu haben, der zuständige Linienrichter hatte jedoch undezidiert auf "out" entschieden. Wawrinka fragte beim Schiedsrichter nach. Und der Franzose Damien Dumusois meinte, der Aufschlag sei mit 100-prozentiger Sicherheit im Aus gelandet.
Wawrinka verzichtete auf die "Challenge". Er glaubte dem Mann, der 2015 bei seinem French-Open-Triumph in Roland-Garros auf dem Schiedsrichterstuhl gesessen hatte. Drei Ballwechsel später bejubelte Roger Federer den ersten Satzgewinn. Und die TV-Bilder zeigten auf, dass Wawrinkas Aufschlag mit 100-prozentiger Sicherheit gut gewesen ist.
Stan Wawrinka erspielte sich auch im zweiten Satz noch eine Chance. Er ging 2:0 in Führung und nahm Federer zum ersten Mal im Turnier ein Aufschlagspiel ab. Aber Federer strotzte nun vor Selbstvertrauen. Er schaffte den Ausgleich zum 2:2, geriet danach nie mehr in Rückstand und nützte zum 7:5 gleich den ersten Matchball. Federer rückte ans Netz vor und vollendete mit einem perfekten Volley.
Federer stellte in der Mojave-Wüste einen weiteren Rekord auf. Nebst seinen unzähligen Bestmarken ist er neu nun auch der älteste Sieger eines grossen ATP-Turniers in der Profi-Ära (seit 1968). Bislang hielt der Amerikaner Andre Agassi diese Bestmarke, der 2004 das Masters-1000-Turnier von Cincinnati im Alter von 34 Jahren und 3 Monaten gewonnen hatte. Federer ist mittlerweile 35 Jahre und 7 Monate alt. In der Oase in der Nähe von Palm Springs holte er seinen 90. Turniersieg. Nur Jimmy Connors (109 Siege) und Ivan Lendl (94 Siege) liegen in dieser Statistik noch vor Federer.
Viele Emotionen gab es dann bei der Siegerehrung. Ein zutiefst enttäuschter Stanislas Wawrinka konnte die Tränen nicht zurückhalten. In seiner Ansprache nannte er Roger Federer dann sogar ein «Arschloch», da dieser lache. Trotz zahlreicher harter Niederlagen gegen ihn, sei er im Australian Open Final immer noch Roger Federers grösster Fan gewesen. Doch sehen Sie am besten selbst:
Zu einem amüsanten Vorfall kam es auch bei der Pressekonferenz mit Jelena Wisnena, der Siegerin des Damenturniers. Da die Organisatoren für das Herren- und das Damenturnier nur einen Pokal zur Verfügung hatte, musste Wisnena diesen kurz nach ihrem ersten grossen Turniersieg vor versammelter Medienmeute bereits wieder abgeben. Dieser wurde schliesslich für die Siegerehrung mit King Roger gebraucht. Zu einem späteren Zeitpunkt werden aber beide eine Kopie der Trophäe erhalten. Wisnena nahm es auf jeden Fall mit viel Humor.