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Debüt mit Mahler
Der Amerikaner Michael Tilson Thomas gibt sein lange erwartetes Debüt mit dem Tonhalle-Orchester Zürich und dirigiert Mahlers Sinfonie Nr. 6, die «Tragische».
Am 11. September 2001 stürzten die New Yorker Twin Towers ein, getroffen von terroristisch gelenkten Flugzeugen. Am Tag danach spielte Michael Tilson Thomas in einem live aufgezeichneten Konzert das erste Werk für seinen Mahler-Zyklus mit dem San Francisco Symphony ein. Es war die Sinfonie Nr. 6, die «Tragische».
Die beiden Ereignisse hatten nichts miteinander zu tun, aber sie gehören dennoch zusammen. Wenn man die Aufnahme dieser Sechsten heute hört – die Sorgfalt, mit der Tilson Thomas den Klang entwickelt und gestaltet, die Empathie, mit der er Mahlers volkstümlichen Inspirationen nachspürt –, hört man gleichzeitig eine Hommage an eine Kultur, die nach 9/11 als bedroht gelten musste. Und dass die Hammerschläge, mit denen Mahler im Finale künftige Katastrophen vorwegzunehmen schien, mit besonderer Energie gesetzt wurden – das erstaunt kaum.
Heute gehört Michael Tilson Thomas zu den gefragtesten Mahler-Interpreten; sein 2010 vollendeter Zyklus gilt als eine der Referenzaufnahmen. Er sucht darin nicht die Extreme, sondern die Balance, wie er einst erklärt hat: «Zum einen versuche ich, all die musikalischen Stile genau herauszuarbeiten. Auf einer anderen Ebene geht es darum, die grössere Struktur der Werke aufzuzeigen. Wenn es gelingt, die beiden Ebenen in Einklang zu bringen, entfaltet die Musik ihre ganze Kraft.»
Nun gibt er sein Debüt mit dem Tonhalle-Orchester Zürich – mit Mahlers Sinfonie Nr. 6 und all den Erinnerungen, die für ihn mit diesem Werk verbunden sind.