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In Wimbledon zeigt sich Serena Williams endlich wieder in Hochform: Nach dem frühen Scheitern in Melbourne und in Paris steht die 37-jährige Amerikanerin im Halbfinal und visiert auf dem «heiligen Rasen» ihren 24. Grand-Slam-Sieg an. Es wäre ihr erster als Mutter und die Einstellung des Major-Rekords von Margaret Court.
Und auch im Mixed-Doppel hat Serena Titelchancen: Zusammen mit Andy Murray steht die aktuelle Weltnummer 10 bei den Frauen im Achtelfinal. Kein Wunder, wenn man solche Returns auf Männer-Aufschläge schlagen kann.
Trotz dem sportlichen Hoch beschäftigt Williams aber noch immer der verlorene US-Open-Final gegen Naomi Osaka vom letzten Jahr. Die langjährige Weltnummer 1 verlor mitten im Spiel komplett die Contenance, als sie von Schiedsrichter Carlos Ramos nach verbotenem Coaching und verbalen Attacken drei Strafen und damit einen Game-Verlust kassierte. Anschliessend unterstellte sie dem Unparteiischen, er würde Männer in dieser Situation anders behandeln. Der Überraschungssieg Osakas verkam deswegen fast zur Nebensache.
Fast auf den Tag genau zehn Monate nach dem grossen Eklat enthüllt Williams nun in einer Kolumne für das US-Magazin Harper's Bazaar noch einmal, was ihr damals durch den Kopf ging. «Am Ende hat meine Gegnerin besser gespielt als ich und ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen. Ich hätte mich nicht mehr für sie freuen können, als ich es getan habe», erklärte Williams und führte aus: «Aber ich fühlte mich vom Sport, den ich liebe, besiegt und missachtet.»
Rhetorisch fragt sie: «Warum werden Frauen als ‹emotional, verrückt und irrational› abgestempelt, wenn sie leidenschaftlich werden? Aber wenn das Männer machen, werden sie als leidenschaftlich und stark angesehen?»
Williams gestand, dass sie sich nach dem Final im letzten September in therapeutische Behandlung begeben hatte. Der einzige Weg, die Niederlage abzuhaken, sei eine Entschuldigung bei ihrer 21-jährigen Bezwingerin gewesen. Schliesslich hatte sie Osakas grössten Triumph mit ihrem Wutausbruch komplett überschattet.
Die Antwort von Naomi Osaka liess nicht lange auf sich warten und deren Worte berührten Williams so richtig. «Als Naomis Antwort kam, sind mir die Tränen das Gesicht heruntergelaufen.»