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|Die Sintflut, eine historische Tatsache|
Die Tatsache, dass der größte Teil der Völker in ihren Überlieferungen den Bericht der Sintflut aufbewahrt haben, spricht sehr stark dafür, dass dieses Ereignis tatsächlich auch stattgefunden hat. Wie sonst sollen so ähnliche Berichte, die zwar mythologisch und national gefärbt sind, aber im Kern der Aussage so stark mit der biblischen Überlieferung übereinstimmen, an so verschiedenen Orten auf der Erde entstanden sein, wenn nicht aus einer gemeinsamen Überlieferung oder einer Art von »Urerinnerung«? Diese Überlieferungen sind deshalb ein sehr starkes Argument dafür, dass die Sintflut tatsächlich stattgefunden hat. Das Gleiche gilt übrigens auch für den Turmbau von Babel sowie für die Existenz von Dinosauriern zusammen mit den Menschen. Weiter finden sich auch Berichte von drei Königen, die sich die Herrschaft der Erde teilten (Noahs Söhne?), über die Teilung der Erde, über den Turmbau und die Sprachverwirrung. Diese Überlieferungen sind uns bekannt aus Asien, bei Indianerstämmen in Nordamerika, aus Mexiko, Guatemala, Südamerika und Afrika und schließlich auch bei den Fidschi-Insulanern und den Bewohnern von Australien und Neuseeland. Nicht nur in den Überlieferungen der Völker sind Erinnerungen an die Sintflut erhalten geblieben, sondern auch in der chinesischen Sprache, wie wir am Schriftzeichen für »großes Schiff« ersehen können: Es setzt sich zusammen aus der Zahl Acht, dem Zeichen für Personen und dem Zeichen für Gefäß. Das entspricht ganz genau dem biblischen Bericht. (siehe dazu Abbildung in Hartmann, Der Turmbau zu Babel, Seite 86)
Das stärkste Argument, das für die historische Tatsache der Sintflut spricht, ist das Vorhandensein der Erdschichten, die sehr stark auf eine oder mehrere Katastrophen durch gigantische Überschwemmungen und Flutwellen von globalem Ausmaß hinweisen. Auf das wirklich gigantische Ausmaß dieser Katastrophe weisen die vielen fossilierten Massengräber hin, in denen Hunderttausende und gar Millionen und Abermillionen von Tieren zu finden sind, die nicht auf natürliche Weise gestorben sein können. »In dem ›Old Red Sandstone‹«-Gestein (160 km vor den Orkneys in Schottland) wimmelt es förmlich von versteinerten Fischen, die eines gewaltsamen Todes gestorben sind. ›Die Tiere sind durcheinander gelagert, zusammengedrückt und gekrümmt; die Flossen sind in ihrer vollen Länge gespreizt, irgendeine entsetzliche Katastrophe muss so schnell gekommen sein, dass sie ihre Opfer in dieser Stellung überrascht hat‹ (Hugh Miller).« [1] Dr. Broome, ein südafrikanischer Paläontologe, schätzt, dass in der Karruformation, das sind Felsschichten mit einer Fläche von 518.000 Quadratkilometern Fläche, Skelette von ca. 800 Milliarden Tieren abgelagert sind, und zwar hauptsächlich von Lurchen und Kriechtieren. Man muss sich da die Frage stellen, wie diese Tiere überhaupt dorthin kamen.[2]
Wann fand die Sintflut statt?
Wir haben nun festgestellt, dass man die Sintflut tatsächlich als historisches Ereignis betrachten muss. Wir wenden uns nun der Frage zu, wann es stattfand. Wenn wir die Chronologie von Adam bis Abraham aus der Bibel ableiten, dann hat die Sintflut etwa 1656 Jahre nach Adam stattgefunden. Wenn wir davon ausgehen, dass die Schöpfung bzw. die Ausweisung des ersten Menschenpaares aus dem Garten Eden etwa 4000 Jahre v.Chr. stattfand, dann hätte das Ereignis der Sintflut im Jahre 2344 v.Chr. stattgefunden. Was wir heute mit einiger Sicherheit sagen können, ist, dass Abraham tatsächlich etwa im 19. oder 20. Jahrhundert v.Chr. gelebt haben muss. Dies würde dann auch mit der biblischen Chronologie übereinstimmen. Was wir aber nicht können, ist nach außerbiblischen Angaben auf die Zeit vor Abraham zurückzugreifen, weil die damaligen Völker keine chronologische Geschichtsschreibung kannten. Auch die Datierungen der modernen Archäologie helfen uns nicht weiter, weil ihre Angaben sich oft ändern und deshalb unzuverlässig sind. So wurde zum Beispiel in der »Encyclopaedia Britannica« von 1929 der Zeitpunkt des Baues der Cheops-Pyramide mit 4800 v.Chr. angegeben. Zehn Jahre später wurden 1000 Jahre weggelassen und seither ist das Alter nochmals um mehr als 1000 Jahre heruntergesetzt worden auf 2850 oder 2600 v.Chr. [3] Generell sind die Altersangaben für die alten Kulturen in den letzten hundert Jahren massiv nach unten korrigiert worden, und es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass diese Ereignisse in der Vergangenheit um einiges jünger sind, als wir heute annehmen. Man muss dabei auch berücksichtigen, dass viele Wissenschaftler bei der Festlegung von Datierungen von einem Evolutionsbild ausgehen, und die Datierungen deshalb tendenziell zu alt ausfallen.
Nach der biblischen Chronologie ist die Geschichte der Menschheit bis zur heutigen Zeit ca. 6000 Jahre alt. Der Erzbischof von Irland, James Usher (1581-1656), berechnete damals zusammen mit dem gelehrtesten Hebraisten jener Zeit, John Lightfoot, die Erschaffung der Erde für den 23. Oktober des Jahres 4004 v.Chr. um neun Uhr vormittags. [4] Auch wenn diese Berechnungen eine Genauigkeit vortäuschen, die nicht möglich und wahrscheinlich auch nicht beabsichtigt ist, so bestätigen sie doch das Alter der Menschheit, das nach der biblischen Chronologie tatsächlich etwa 6000 Jahre beträgt. An dieser Stelle muss betont werden, dass die biblische Chronologie die einzige existierende und in einer zeitlichen Reihenfolge überlieferte überhaupt ist. Es gibt auf der ganzen Erde bei keinem anderen Volk eine auch nur annähernd mit der biblischen zu vergleichende Chronologie. Für die Zeit vor etwa 664 v.Chr. (die Chronologie nach diesem Jahr gilt allgemein als »sicher«) gibt es auch keine außerbiblischen Ereignisse, die mit völliger Sicherheit datiert werden können. Es gibt somit keine vergleichbaren Ereignisse, an denen die biblische Chronologie »geeicht« werden könnte. Danach gibt es zwei Festsetzungen: 1. Der Beginn der Menschheit 4000 v.Chr. und 2. das Leben Abrahams, der im 20. und 19. Jahrhundert v.Chr. gelebt hat. Die Sintflut muss deshalb irgendwann zwischen ca. 2344 und 2500 v.Chr. angesetzt werden.
Aber es gibt trotzdem eine Möglichkeit, ganz grob zu schätzen, wann die Sintflut stattgefunden haben könnte. Dabei geht es aber nur darum, das ungefähre Jahrhundert dieses Ereignisses zu berechnen. Im Folgenden werden drei Hinweise beleuchtet, mit denen das Jahrhundert, in dem die Sintflut stattfand, berechnet werden kann:
1. Der Turmbau zu Babel
In der Bibel wird uns nicht mitgeteilt, wann dieses Ereignis stattfand, aber wir erfahren, dass der Turmbau unter Nimrod, dem gewaltigen Jäger aus 1. Mose 10,8-11, durchgeführt wurde. Aus diesen Versen erfahren wir, dass Nimrod der erste Gewaltherrscher auf Erden und gleichzeitig auch ein großer Bauherr war, denn er baute einige Städte, darunter auch Babylon. Nimrod war der Sohn Kuschs und Kusch wiederum war der älteste Sohn von Ham, einem der drei Söhne Noahs. Die Stadt Babylon und damit auch der Turm zu Babel wurden demnach unter Nimrod in der dritten Generation nach Noah erbaut. Wenn wir eine Generation mit 40 Jahren annehmen, dann ergibt dies etwa 120 Jahre, denn Noahs Söhne waren in der Zeit der Sintflut bereits erwachsene Männer, da sie verheiratet waren. Also konnte Kusch bereits wenige Jahre nach der Sintflut geboren worden sein. Wenn Kusch nun Nimrod im Alter von etwa 50 Jahren zeugte und Nimrod in diesem Alter die Macht übernahm, dann würde dies 100 Jahre ergeben. Den Turmbau zu Babel können wir demnach ca. 100 Jahre nach der Sintflut ansetzen.
2. Gilgamesch-Epos
Im berühmten akkadischen Helden-Epos begegnen wir dem Helden Gilgamesch. Dieser war der dritte König nach Nimrod, und das Helden-Epos spielt am babylonischen Sternenhimmel. Werner Papke (Die Sterne von Babylon) hat aufgrund einer auf einer Tontafel (MUL.APIN) vermerkten Planeten-Konstellation für die Abfassung dieser Tontafel das Jahr 2.340 v.Chr. berechnet. [5] Es kann natürlich nicht festgestellt werden, wie lange nach der Regierungszeit von Gilgamesch dieses Epos geschrieben wurde, aber es kann angenommen werden, dass dies bald nach dem Tod von Gilgamesch geschah. Wenn wir nun annehmen, dass das Gilgamesch-Epos im Jahre 2.340 v.Chr. geschrieben wurde und wenn wir eine Regierungszeit von 30 Jahren für Gilgamesch und den König vor ihm annehmen, dann war Nimrod um das Jahr 2.400 v.Chr. noch amtierender König. Der Turm zu Babel wurde aufgrund dessen irgendwann um das Jahr 2400 v.Chr. gebaut.
3. Das Zeugnis Nebukadnezars
Ueber den Turm in Babylon existiert ein Zeugnis Nebukadnezars, welcher der größte und mächtigste König des Neubabylonischen Reiches war. Auf einem Tonzylinder, den man an der Stelle fand, wo der Turm nach heutigen Kenntnissen stand, brüstet sich Nebukadnezar selbst als Wiedererbauer des Turmes. Interessant ist ein Hinweis auf diesem Tonzylinder, wo Nebukadnezar erwähnt, dass der Turm von einem alten König (Nimrod?) erbaut wurde und dass man seither 42 Menschenalter zählte. Diese 42 Menschenalter entsprechen 42 Generationen, und wenn wir eine Generation auch wieder mit 40 Jahren ansetzen, dann kommen wir auf insgesamt 1680 Jahre. Nehmen wir für die Abfassung dieses Berichtes das Jahr 600 v.Chr. an, dann bringt uns das in das Jahr 2280 Jahre v.Chr. zurück. Die Differenz zum Punkt 2 beträgt somit nur 120 Jahre.
Aufgrund dieser Berechnungen können wir das Ereignis der Sintflut auf das Jahr 2500 v.Chr. festlegen, ohne damit zu behaupten, dass sich die Sintflut genau in diesem Jahr ereignet hat. Es kann nur festgehalten werden, dass dieses Ereignis irgendwann in der Zeitspanne zwischen 2300 und 2500 v.Chr. stattgefunden haben muss. Der nach der biblischen Chronologie ermittelte Zeitpunkt wäre das Jahr 2344 v.Chr. Dies erscheint etwas spät, kann aber aufgrund der spärlichen außerbiblischen Belege nicht ausgeschlossen werden. Bei dieser Festlegung geht es vor allem darum aufzuzeigen, dass dieser Zeitpunkt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht vor dem Jahr 2500 v.Chr. zu suchen ist, aber auch nicht später als auf das Jahr 2344 v.Chr. festgelegt werden kann. Es ist interessant, dass S. R. Driver in seinem Kommentar über das 1. Buch Mose (1904) behauptete, die Sintflut habe im Jahr 2501 v.Chr. stattgefunden (Samuel J. Schultz, die Welt des Alten Testaments, Seite 31).
Quelle: Gian Luca Carigiet, Von Ewigkeit zu Ewigkeit, Seiten 196 – 200
(1) David C.C. Watson, Weltschöpfung und Urgeschichte, Seiten 166-167
(2) David C.C. Watson, Weltschöpfung und Urgeschichte, Seiten 166-167
(3) David C.C. Watson, Weltschöpfung und Urgeschichte, Seiten 138
(4) Richard Wiskin, Das biblische Alter der Erde, Seite 24
(5) Werner Papke, Die Sterne von Babylon, Seite 26