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Die Geschichte der Grütli Stiftung
(Auszüge aus Texten von Alfred Gerster, 1986, und Sigi Schär, 1991)
Im Mai 1838 wurde in Genf der Schweizerische Grütli Verein gegründet. Es handelte sich um eine Arbeiterbewegung, die nicht marxistisches, revolutionäres Gedankengut vertrat, sondern auf dem Boden des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates stand. Ihr gehörten auch Kleingewerbler an. „Der Grütlianer“ als Vereinsorgan erschien erstmals am 1. Oktober 1851. (…) 1889 wurde die Grütli Druckerei als Anhängsel und „Dienstleistungsbetrieb“ des Grütli Vereins gegründet; sie bezog Domizil an der Kirchgasse 17/19 in Zürich. 1893 reduzierte die Grütli Druckerei die tägliche Arbeitszeit auf 8,5 Stunden, um zu beweisen, dass der Grütli Verein nicht nur in der Theorie, sondern auch praktisch sozial eingestellt sei. Ferner wurden Neujahrs-Gratifikationen an sämtliche Angestellte in der Höhe eines Wochenlohns ausgerichtet. (…) 1893 beschäftigte die Grütli Druckerei insgesamt 38 Personen und war damit zum viertgrössten Druckereibetrieb Zürichs aufgestiegen. (…) Am 1. April 1897 konnten die Liegenschaften Kirchgasse 17/19 zu einem Preis von 320'000 Franken erworben werden. Druckerei und Liegenschaft wurden – wie es in den Jahresberichten heisst – bald einmal zur „Milchkuh“ des nach und nach zu serbeln beginnenden Grütli Vereins. Um die erlahmte und abgemagerte Kuh, die kaum mehr Milch gab, zu retten, wurde die Druckerei 1923 in eine eigenständige Genossenschaft überführt. Volle Eigenständigkeit und Unabhängigkeit erlangte sie dann 1925, als der Grütli Verein offiziell aufgelöst wurde. (…)
Man liest in den Berichten der 50er Jahre, dass Setzmaschinen, Druckmaschinen und Falzmaschinen zu ersetzen waren. Bald darauf, in den 60er Jahren, war aber auch schon von Fotosatz die Rede, der vielleicht einmal alles einholen werde, weshalb vor- und weitsichtig zu investieren sei. (…) In den 70er Jahren wurde die Zeit für das Druckereigewerbe tatsächlich härter. Konjunktureinbrüche auf der einen, allgemeine Unruhe bei der Arbeitnehmerschaft auf der anderen Seite. Die Grütli Druckerei konnte aber dank ihrer Grösse beziehungsweise ihrer Kleinheit und Flexibilität noch durchaus gute Jahre verzeichnen.
1976 begann es dann aber auch an der Kirchgasse zu kriseln. Die Gewerkschaften heizten ihrerseits die Stimmung an, indem sie den Gesamtarbeitsvertrag kündigten. 1977 kam zwar ein neuer Gesamtarbeitsvertrag zustande, der aber weitgehend nicht befriedigte. Auf Arbeitgeberseite war er vor allem für Klein- und Mittelbetriebe belastend, weil kurzfristig auf die 40-Stunden-Woche reduziert werden musste. In Genf kam es 1977 zu ersten Streiks in Druckereien, und 1980 wurde die Grütli Druckerei mit ihren 35 Arbeitsplätzen ebenfalls wegen eines Streiks stellgelegt. (…) Daraufhin wurde an einer ausserordentlichen Generalversammlung vom 21. November 1980 beschlossen, den Druckereibetrieb auf Ende 1980 zu schliessen. Gleichzeitig wurde die 28 Mitglieder umfassende Genossenschaft in eine gemeinnützige Stiftung umgewandelt und die Liegenschaften von der Genossenschaft auf die Stiftung übertragen. (…) Die Liquidation des Betriebs, die Umwandlung der Genossenschaft in eine Stiftung sowie die umfangreiche Sanierung der Liegenschaften hat in den Jahren zwischen 1980 und 1985 von seiten des Stiftungsrats enorm viel Aufwand erfordert. (…)
Im Jahr 2008 sprach man zum ersten Mal über eine mögliche Veräusserung der stiftungseigenen Liegenschaften. (…) Die Liegenschaften wurden dann im 2010 verkauft, was die Grütli Stiftung in eine komfortable finanzielle Situation brachte.