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Inmitten der angespannten wirtschaftlichen sowie politischen Lage und der Massenproteste versucht die libanesische Regierung, ihre derzeitigen Gläubiger zu beruhigen. Auch die Ausgabe neuer Bonds soll verschoben werden.
Das Land stehe dazu, auslaufende Staatsanleihen, die in Fremdwährungen (Eurobonds) ausgegeben wurden, pünktlich zu bedienen, sagte der amtierende Finanzminister Ali Hassan Khalil am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die eigentlich für Ende November geplante Ausgabe eines neuen Eurobonds im Volumen von zwei Milliarden Dollar werde hingegen verschoben, betonter er.
Ende November wird eine libanesische Anleihe im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar fällig. In der Regel werden auslaufende Anleihen durch Neue ersetzt. Derzeit liegen die Zinsen für solche Papiere bei mehr als 30 Prozent. Zuletzt kam an den Finanzmärkten die Frage auf, ob es dem Land gelingt, ausreichend Investoren für die Zeichnung der neuen Papiere zu finden oder ob der Internationalen Währungsfonds zur Hilfe gerufen werden muss.
Sturm auf Geldhäuser
Der Vorsitzende der libanesischen Bankenvereinigung versuchte unterdessen, die Sorgen der Bevölkerung um ihre Ersparnisse zu beruhigen. Die Guthaben der Menschen seien sicher, und es gebe keinen Grund zur Panik, sagte Salim Sfeir auf einer Pressekonferenz. Was derzeit bei den Banken passiere, habe nichts mit Zahlungsfähigkeit zu tun, erklärte er.
Nach landesweiten Protesten gegen Misswirtschaft und Korruption hatten die Banken im Libanon mehrere Tage ihre Filialen geschlossen. Seit ihrer Wiedereröffnung vor rund einer Woche stemmen sie sich mit der Blockade vieler Auslandsüberweisungen und der Deckelung von Geld-Abhebungen in harten Währungen gegen eine Kapitalflucht.
Das Mittelmeerland steckt in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, die mit finanziellen Belastungen und täglichen Entbehrungen einhergehen - wie zuletzt im Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1990. Mitte Oktober hatten landesweite Proteste gegen die wirtschaftlichen und politischen Eliten begonnen. Ministerpräsident Saad al-Hariri trat inzwischen zurück.