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Der Grosse Prespasee, der Kleine Prespasee und die sie umgebende Berglandschaft bilden einen Nationalpark im Südosten des Landes. Zusammen mit den angrenzenden Nationalpärken in Griechenland und Mazedonien ist die Prespa-Region nicht nur ein riesiges Schutzgebiet und wichtiges Refugium für viele seltene Vögel, sondern auch das Zuhause vieler uralter, kleinen Kirchen.
Lage
Die Seen liegen auf 850 Meter und sind von hohen Bergen umgeben. Der Grosse Prespasee hat keinen Abfluss; er entwässert unterirdisch in den Ohridsee. Der Kleine Prespasee ist nur durch eine schmale Landzunge vom grossen Bruder getrennt. Bei Hochwasser entwässert er in die Ebene von Korça. Unter den Kommunisten wurde er für Bewässerungszwecke genutzt und Wasser eingeleitet, so dass grosse Bereiche heute verlanden.
Es handelt sich um eine abgeschiedene Region im Dreiländereck von Albanien, Griechenland und Mazedonien mit vielen Wäldern. Die meisten Dörfer auf der albanischen Seite werden von Mazedoniern bewohnt, die unter sich Mazedonisch sprechen – alle können sich aber auch gut auf Albanisch verständigen. Direkt am See bestehen nur Verbindungen zwischen Albanien und Mazedonien – es lohnt sich aber, alle drei Anrainerstaaten der Seen zu besuchen.
Besichtigung
Die Seen sind in erster Linie ein Naturparadies. Besucher kommen, um die wenig bevölkerte, unberührte und abgeschiedene Landschaft zu geniessen. Besonders Ornithologen kommen hier auf ihre Rechnug, brüten und überwintern doch zahlreiche seltene Vögel an den Prespaseen wie zum Beispiel Pelikane. Bootstouren eignen sich, um Seen und Inseln sowie abgelegene Eremitenklausen zu erkundigen.
Beide Seen sind auf albanischer Seite von Korça aus erreichbar. Von der Hauptstrasse nach Billisht gehen Verbindungsstrassen ab: Über eine kleine, asphaltierte Strasse gelangt man zum Kleinen Prespasee, während eine gut ausgebaute Strasse durch die Hügel am Westufer des Grossen Prespasees bis zur mazedonischen Grenze führt. Die meisten Dörfer liegen etwas abseits der Hauptstrasse. Tafeln am Strassenrand bieten Informationen zu den einzelnen Orten.
Dank den neuen, guten Strassen kann man die Prespaseen an einem Tag von Korça aus beschnuppern. Es lohnt sich aber, vor Ort zu übernachten, da die Bootsfahrten und Wanderungen zu den Kirchen doch etwas zeitaufwändiger sind – von der Vogelbeobachtung gar nicht zu sprechen.
Sehenswürdigkeiten & Orte
Pustec (Liqenas) & Südwestufer
Das Dorf Pustec (albanisch Liqenas) wenige Kilometer nach dem Pass ist das Zentrum der Gemeinde am Prespasee. Im Zentrum des Dorfes gibt es eine Kirche – ein Neubau im Gegensatz zur Kapelle am steilen Seeufer. Am Seeufer entlang finden sich in beide Richtung vereinzelt kleine Ausflugrestaurants, ein weiteres im Dorf Zrnovsko (albanisch Zaroshka) südlich von Pustec. In Zrnovsko gibt es noch traditionelle Hütten der Fischer und fürs Vieh. Die Asphaltstrasse endet hier: Weiter nach Süden führt nur noch ein schlechter Pfad ins Dorf Cerje (albanisch Cerja), das abseits vom See in den Hügeln liegt.
Rund um Liqenas gibt es auch diverse Möglickeiten für Spaziergänge und Wanderungen. Sensationell ist die Aussicht bei schönem Wetter vom Mali i Thatë (»Trockener Berg«, 2287 m), der sich zwischen Prespasee und Ohridsee erhebt. Leider gibt es keine markierten Pfade – ein Weg beginnt bei Gorica.
Am Südufer des Sees gegenüber von Pustec nahe an der griechischen Grenze befindet sich in einer Höhle eine uralte Felsenkirche. Sie ist nur per Boot zu erreichen.
Maligrad
Die kleine Insel ist wohl die grösste Sehenswürdigkeit der albanischen Prespa-Region. Das unbewohnte Inselchen ist ein Refugium für die Natur, aber vor allem bekannt für die kleine Höhlenkirche, die orthodoxe Marienkirche aus dem 14. Jahrhundert mit Malereien innen und aussen.
In Liqenas gibt es Fahrten zur Insel mit einem neuen Solarboot ab Gaststätte »Shën Thanassi«. Die Überfahrt dauert mit dem kleinen Bötchen rund 20 Minuten. Früher waren es meist Bewohner in Seenähe, die Touristen in kleinen Motorbooten zur Insel brachten – kleine, offene Fischerboote mit unzuverlässigen Motoren, nur über wacklige Stege im sumpfigen Ufer zu erreichen. Früher musste man noch bei den Gemeindebehörden oder der Kirche nach dem Schlüssel für die Kapelle auf der Insel fragen – hoffentlich hat der offizielle Bootsführer jetzt diesen.
Abgelegen wird bei einem Betonsteg etwas ausserhalb vom Dorf. Der Preis für die Überfahrt – früher Verhandlungssache – sollte 20 € aber sicherlich nicht überschreiten. Das gebotene Unterhaltungsprogramm (Führung auf der Insel) ist je nach Bootsmann unterschiedlich. Für kleine Kinder und andere Nichtschwimmer empfehlen wir, Schwimmwesten mitzubringen.
Die Insel ist klein, ein kurzer Pfad führt direkt von der Anlegestelle zur Felsennische mit der Kapelle, die in der Regel verschlossen ist. Wer nebst einer kurzen Besichtigung des Kulturdenkmals noch nach Tieren Ausschau halten, noch etwas Zeit gemütlich am Wasser verbringen oder das Plateau oberhalb der Felswand erkunden will, sollte das vor der Überfahrt mit dem Bootsmann klären. Beim Erkunden der Insel aber bitte Rücksicht nehmen auf die Vögel und Reptilien, die hier zu Hause sind.
Weitere Dörfer am Prespasee
Es fällt bald auf, dass die Dörfer in Prespa einen anderen Charakter haben, als man sich das aus Albanien gewohnt ist. Das liegt nicht nur an den zweisprachigen Wegweisern und Beschriftungen. Häuser, Gärten und Zäune zeugen von mazedonischem Einfluss.
Von Pustec bis Globozeni (albanisch Gollomboç) schlängelt sich die Strasse fast zehn Kilometer lang durch die Berge. Das kleine Dorf Globozeni direkt am See eignet sich gut für kurze Spaziergänge, bei denen sich eine schöne Aussicht auf die in mazedonischen Gewässern gelegene Insel »Golem Grad« bietet. Südlich von Globozeni liegt noch eine weitere Mönchsklausel in den Felsenkliffs.
Zwischen Globozeni und Dolna Gorica (albanisch Gorica e Vogël) liegen die »Schlucklöcher von Zaveri«, in denen das Wasser des Prespasees Richtung Ohridsee verschwindet. Das Phänomen ist nicht immer zu beobachten – ein Halt in der Kurve über dem See aber schon allein der schönen Aussicht wegen lohnenswert.
In Tuminec (albanisch Kallamas) findet sich eine kleine Kirche mit Fresken. Einige Kilometer entfernt in den Hügeln hinterm Dorf liegt noch ein kleines Kloster – ohne Strassenanbindung. Noch ein Stück weiter am See entlang und ganz nahe an der Grenze zu Mazedonien findet sich eine weitere Einsiedelei mit der Marienkirche aus dem 14. Jahrhundert: »Heilige Maria in der Tiefe«. Die Wohnhöhlen der Mönche sind über wacklige Leitern zu erklimmen. Um zu dieser Eremiten-Klause zu gelangen, braucht es wiederum ein Boot, das man in Dolna Gorica oder in Globozeni auftreiben muss (während sich der Schlüssel vermutlich wiederum in Pustec findet).
Kleiner Prespasee
Der Kleine Prespasee bietet nicht viel »See-Erlebnis«. Der nach Albanien reinreichende Arm ist stark verlandet – ein schönes Feucht- und Schilfgebiet für Vögel, aber nicht besonders attraktiv für Besucher.
Rund ums Dorf Tren bis zum Beginn des Sees am »Wolfspass« finden sich noch mehrere prähistorische Spuren: Neben Resten einer Befestigungsanlage die »Höhle von Tren«, die wenige Meter neben der Strasse links vor der Brücke über den Kanal zum See liegt. Hier haben Höhlenmenschen gelebt, weiter oben am Berg haben sie Wandmalereien hinterlassen, die zu den ältesten menschlichen Überresten des Landes zählen. In den ersten Saal der Höhle lässt sich gut reinkriechen (aufpassen: die Archäologen haben Fallgruben hinterlassen), dahinter wird es aber schnell sehr eng und dunkel. Heute sind hier Fledermäuse zu Hause.
Im Dorf Zagradec (albanisch Buzëliqen) am Südufer wurde mal ein Besucherzentrum eingerichtet, das nicht immer oder nicht mehr geöffnet ist.
Buchtipp: Reiseliteratur
Der EuroNatur-Reiseführer Prespa-Ohrid-Region widmet sich dem Seengebiet im albanisch-griechisch-mazedonischen Dreiländereck. Beschrieben wird ausführlich die Natur der Landschaft, aber auch etwas zur Kultur und Gesellschaft der Region sowie einige Reisetipps sind zu finden. Mit diesem Buch lässt sich die historisch und landschaftlich interessante Region im Südosten Albaniens gut begreifen – ein hervorragender Begleiter für alle, die an der Natur und den aktuellen Entwicklungen im Gebiet interessiert sind.
Verkehr
Anreise
- Auto – Die Prespaseen können am besten mit dem Auto erkundet werden. Am einfachsten sind sie von Korça aus erreichbar über die Hauptstrasse, die nach Bilisht (und weiter zur griechischen Grenze) führt.
Für den Grossen Prespasee geht es nach rund zehn Kilometern ab, durch die Ebene und danach über den Zvezda-Pass (ca. 1070 m). Über diese Strasse, die sich am Westufer des Berges durch die Hügel bis zur mazedonischen Grenze schlängelt, wird das ganze Gebiet erschlossen.
Der albanisch-mazendonische Grenzübergang ist rund 25 Kilometer vom mazedonischen Städtchen Resen entfernt. Bis Bitola sind es 50 Kilometer, nach Ohrid 60 Kilometer.
Zum Kleinen Prespasee zweigt man von Korça kommend nach 20 Kilometern in Richtung Tren ab. Vor diesem Dorf geht es dann nochmals links ab, bevor sich die Strasse am Beginn des Sees gabelt. Ein Grenzübertritt nach Griechenland ist hier nicht möglich. Der Abzweiger nach Tren ist rund elf Kilometer vom weiter südlich gelegenen Grenzübergang Kapshtica nach Griechenland entfernt.
Der nächste Grenzübergang zwischen Griechenland und Mazedonien befindet sich bei Bitola. Wer alle drei Länder des Seengebiets erkunden will, beginnt am besten in Mazedonien, fährt dann nach Albanien und weiter nach Griechenland – oder umgekehrt.
Nicht alle Dörfer der Region sind auf asphaltierten Strassen erreichbar.
- Busse – Zwischen Korça und Pustec, gelegentlich auch bis zum albanisch-mazedonischen Grenzübergang verkehren Busse.
- Schiff – Boote stehen nur für Ausflüge bereit und sollten die Grenzen nicht überqueren. Für die Anreise nicht geeignet.
Weiterreise
- Auto – Abgesehen von den unter Anreise beschriebenen Strassen und einigen Zubringern zu den Dörfern sind die Strassen im Gebiet nicht asphaltiert und meist nur mit sehr guten Allradfahrzeugen passierbar. Die beiden Seen sind auf albanischer Seite nur durch eine sehr schlechte Piste direkt miteinander verbunden.
- Busse & Sammeltaxis – Die Anbindung mit Bussen in diesem Gebiet ist nicht besonders gut. Es gibt keine grenzüberschreitenden Busverbindungen. Die lokalen Bewohner nutzen meist Mitfahrgelegenheiten, wobei die Fahrer oft auch mit etwas Geld entschädigt werden.
Essen & Trinken & Schlafen
Im Rahmen von Ökotourismus-Projekten wurden einige Privatunterkünfte eingerichtet, so in Pustec (albanisch Liqenas). Bei Zrnovsko (albanisch Zaroshka), in Globozeni (albanisch Gollomboç) und in Pustec gibt es kleine Hotels, zum Teil ohne Schilder. Alternativ kann auch in Korça übernachtet werden.
In einigen Dörfern gibt es kleine Läden und einfache Cafés. In und um Pustec sowie in Globozeni gibt es Fischrestaurants.
Wetter
Aufgrund der gebirgigen Lage kann es im Winter rund um die Seen viel Schnee geben. Im Hochsommer wird es angenehm warm bis heiss. Mit Wetterwechsel ist aber jederzeit zu rechnen.