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Athena Eo, Dichterin
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 115/5 vom 27. Juli 1968, Asconeser-Künstler, Athena EO – Die in Ascona lebende Dichterin: „Sie ist durch und durch eine echte Künstlerin!“ sagte ein Tessiner, als er sie in ihrem Heim in ihrer zweiten Heimat in dem von ihr viel besungenen Ascona besucht hatte. Von dem letzten Buch Athena EO’s „Herz im Feuer; (Verlag Waldemar Kramer Frankfurt am Main), der Übertragung der vierundzwanzig Sonette der Louise Labe, einer der glanzvollsten Erscheinungen Frankreichs im Zenit des XVI. Jahrhunderts, hatten wir bereits früher berichtet, das Bändchen ist eine literarische Kostbarkeit. Die laudatio des Oberbürgermeisters von Frankfurt, wo die Dichterin geboren ist, auch diejenige des Maire von Lyon, wo sie als Frau des deutschen Konsuls bis vor kurzem lebte, haben wir in einem früheren Jahrgang des Ferien-Journals schon erwähnt. (1966, No. 7/101)
Nun hören wir, dass die Heimatstadt Athena Eo eine besonders hohe Ehrung zuteil werden liess: Im Kaisersaal des Römer, in Frankfurt am Main, wurde ihr die Ehren-Medaille der Stadt überreicht in Ankerkennung der Verdienste, die sich die Dichterin um die Förderung der deutsch-französischen Verständigung im Geiste der Völkerversöhnung erworben hat. Diese Ehrung und eine Dichter-Lesung im Goethe-Haus in Frankfurt lenkten die Aufmerksamkeit der deutschen und der französischen Presse auf die Dichterin und ihr Wirken. Es ist ein seltsam verzweigtes Leben, das sie führte. Es war und ist wohl die vollkommene Hinneigung zur Liebe, die Athena EO als sie in Italien lebte, zu Petrarca’s Liebesgedichten greifen liess und diese durch ihre deutsche Übertragung und Nachdichtung dem deutschen Leser nahe zu bringen suchte (Athena EO: „Der Lorbeer brennt“ Petrarca-Sonette, Limpert-Verlag, Frankfurt a.M.) wer die von ihr ausgewählten Petrarca-Sonette liest und auch ihre eigenen Verse (Ruhm der Meere – Genueser-Sonette, Hohwacht-Verlag Godesberg) erkennt nicht nur den Gott im Liebenden, sondern auch die Begeisterung Athena EO’s für Italien, für die italienische Literatur und Kunst.
Athena EO verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Frankfurt a.M. Ihr Vater, der Pionier der deutschen Luftfahrt, machte sie in frühester Jugend nicht nur mit den Nachfolgern des Ikarus, sondern auch mit der ganzen griechischen Sagenwelt, der griechischen Mythologie bekannt. Der lieddichtende und liedsingende Orpheus, Sohn der Muse Kalliope und des Apollo, schuf ihr die Poesie zum Inhalt ihres Lebens.
In den Zwanziger-Jahren begegnete sie Max Reinhardt in Berlin. Er sprach ihr zu, Schauspielerin zu werden, aber der Vater setzte sein Nein dagegen. So kehrte sie nach Frankfurt zurück, fand Zugang zu den Kreisen der Literatur und Kunst, zu den Philosophen der Universität. Sie studierte Musik, liebte das Akkordeon-Spiel, wurde Siegerin in vielen Wettbewerben und wurde von einer weltberühmten Akkordeon-Firma zur Ausbildung verpflichtet und für hervorragende Verdienste ausgezeichnet.
Ende der dreissiger Jahre heiratete sie den Berliner Rechtsanwalt Dr. Walter Alexander Holz. Im Luftkrieg um Berlin wurde sie schwer verletzt. Sie flüchtete an den Bodensee und begann wieder zu schreiben, Verse, Lieder Sonette, Zyklen. Der Freiburger Komponist Eberhard Ludwig Wittmer vertonte ihre Lieder der Nacht. In Konstanz las sie im Europa-Haus eigene Lyrik und sang im Stile der Troubadoure eigene Lieder zur Gitarre.
Als ihr Mann in den deutschen auswärtigen Dienst berufen wurde, begann für sie erneut ein ruheloses Leben. An der Seite ihres Mannes dem deutschen Konsul, lebte sie in Belgien, Finnland, Italien und Frankreich. Besonders in Italien fand sie Lehrer und Vorbilder in den grossen Meistern der Vergangenheit, die es für sie neu zu entdecken und neu zu gestalten galt.
Athena EO ist Ästhetin. Das Schöne und Reine ist für sie von unwiderstehlicher Anziehung. Diese Sehnsucht nach dem Schönen war wohl der Grund, weshalb sie sich in Ascona am Lago Maggiore niederliess. Die Schönheit unserer Landschaft beeindruckt ihre dichterische Seele tief!
Sonett
Lago Maggiore – traumliederumringt
Ufer die singend geboren
Himmel und Hügel einander erkoren
Antlitz zu sein das Liebe erzwingt –
Wo Stunden des Lorbeers mit felsigem Hauch
Den Sonnen den Monden sich mischen
weit über Wassern den silbernen Fischen
nah ihren Tiefen den göttlichen auch –
Ersehnen Verschmelzung mit Stimmen im Licht
umzückt von des Fluges unstillbarem Flügel
wo des Schwanes Weiss aus den Wellen bricht
Sternnahe zu säumen der liebenden Hügel
führen uns ihrem Vernommenen zurück