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Buenos Aires: Willkommen in der Welthauptstadt des Tango!
Buenos Aires – wenn dieser Name fällt, liegt etwas in der „Guten Luft“. Es mag wie ein Klischee klingen, ist es aber nicht: Der Tango ist in Argentiniens Hauptstadt immer noch lebendig und überall zu hören und zu sehen, im Radio, in den Bars und Restaurants, auf Strassen und Plätzen wie etwa im historischen Viertel San Telmo.
Für lernwillige Besucher gibt es genügend Möglichkeiten, sich den Tanz anzueignen, z.B. im Museo Casa Carlos Gardel, benannt nach dem wohl berühmtesten Interpreten aus der klassischen Tango-Zeit, der leider auf dem Höhepunkt seiner Karriere bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam. Oder man geht in eine der unzähligen Tango-Shows, die nahezu täglich stattfinden.
Buenos Aires ist allerdings nicht nur die Welthauptstadt des Tango. Das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Argentiniens hat die Zeiten der Diktatur zwischen Mitte der 1970er und 1980er Jahre sowie die schwere Wirtschaftskrise Anfang dieses Jahrtausends bestens überstanden und wird ihrem Ruf, das Paris Südamerikas zu sein, seit einigen Jahren wieder gerecht.
Die eigentliche Stadt hat rund 2,8 Millionen Einwohner. In der Metropolregion, die zu den grössten der Welt gehört, leben aber insgesamt rund 13 Millionen Menschen. Alle wesentlichen Institutionen Argentiniens befinden sich in Buenos Aires, das deswegen manchmal auch als „Wasserkopf“ bezeichnet wird, weil es das Land in jeder Beziehung dominiert.
Die erste Gründung erfolgte 1535 als spanische Festung. Wegen ständiger kriegerischer Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern musste Buenos Aires allerdings nach wenigen Jahren wieder aufgegeben werden. Die zweite und dann endgültige Gründung geschah 1580 durch Juan de Garay. Der Name der Metropole leitet sich ab von Santa María del Buen Ayre, einer Schutzheiligen der Seefahrer, die am Mündungsfluss von Río Paraná und Río Uruguay, dem Río de la Plata, einen sicheren Hafen an der atlantischen Ostküste Argentiniens fanden.
Lange Zeit war Buenos Aires nur ein unbedeutender Militärstützpunkt des spanischen Vizekönigreichs Lima, bis es mit der Einrichtung des Vizekönigreichs Río de la Plata in 1776 Hauptstadt wurde und zu einem rasanten Wachstum ansetzte. Nachdem Argentinien 1816 seine Unabhängigkeit erlangt hatte, kamen viele Einwanderer aus Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland. Nicht zuletzt deswegen mutet Buenos Aires bis heute sehr europäisch an.
Trotz seiner ungeheuren Grösse und Ausdehnung ist Buenos Aires im Zentrum relativ überschaubar. Die historischen Stadtviertel La Boca, Recoleta, San Telmo, Palermo oder Microcento haben jeweils ihren eigenen Charakter und individuellen Charme, der Besucher schnell in den Bann zieht und in den letzten Jahren viele Künstler und Kreative aus aller Welt angelockt hat. Die Stadt wurde nicht umsonst von der UNESCO im Jahr 2005 als „Stadt des Designs“ ausgezeichnet.
Grundsätzlich gilt wie überall: Die Orte, Lokalitäten und Geschäfte, die viel von Touristen frequentiert werden, sind auch entsprechend teuer. Davon sollte man sich aber trotzdem nicht abschrecken lassen. Buenos Aires ist nicht nur das „Paris Südamerikas“, es hat auch seinen eigenen „Broadway“, die Avenida Corrientes mit unzähligen Theatern. New York bietet rund 130 Bühnen, Paris ca. 150. Buenos Aires hat mehr als 180 (!) Schauspielstätten, die in der Hochsaison mit bis zu 400 Vorstellungen aufwarten.
Wer nicht nur Tango tanzen möchte, findet Abwechslung in den Clubs und Diskotheken, die über die ganze Stadt verteilt sind. Wer gar nicht tanzen oder ins Theater, aber die argentinische und insgesamt südamerikanische Kunst und Kultur kennen lernen möchte, dem seien die hervorragenden Museen empfohlen wie das Museo Nacional de Bellas Artes, das Museo de Arte Moderno oder das Museo Nacional de Arte Decorativo. Spätestens hier weiss der Besucher, warum die Auszeichnung der UNESCO berechtigt war und ist.
Zur Kultur gehört aber auch das Kulinarische. Buenos Aires hat mehr als dreieinhalbtausend Restaurants in allen Preislagen, die argentinische und internationale Küche präsentieren. Rindfleisch steht natürlich in allen denkbaren Variationen an oberster Stelle. Hinzu kommen die Empanadas, würzige Teigtaschen mit unterschiedlichsten Füllungen, als Dessert Dulce de Leche, eine Karamell-Creme. Fast Food ist in Buenos Aires nicht wirklich angesagt. Warum auch? Die typisch argentinischen Spezialitäten, die nicht zuletzt durch europäische Einwanderer mitgebracht wurden und sich im Lauf der Zeit zu einer eigenen Mischung entwickelt haben, wollen „slow“ genossen werden. Und als mehr und mehr aufstrebendes Weinland kann Argentinien – also auch Buenos Aires – mit Rebengewächsen aufwarten, die sich nicht hinter den traditionsreicheren europäischen Weinen verstecken müssen.
Jenseits der Stadtgrenzen gibt es nicht nur „Pampa“. Beliebte Ausflugsziele sind beispielsweise das Naherholungsgebiet Tigre, eine Inselgruppe im Mündungsdelta des Río Paraná mit ausgedehnten Wäldern. Bade- und Wassersportfreunde können sich an der argentinischen Atlantikküste nach Lust und Laune austoben. Und Fussballfreaks sollten nach Möglichkeit ein Spiel im Stadion besuchen, am besten natürlich ein Match zwischen den Lokalrivalen River Plates und Boca Juniors. Von Buenos Aires ist es auch nicht weit nach Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Mit Schiff oder Fähre dauert die Fahrt über den Río de la Plata etwa zwei Stunden.
Einer der berühmtesten Schriftsteller Argentiniens, Jorge Luis Borges, hat einmal über einen nicht minder berühmten Kollegen aus seinem Heimatland, den Autor Julio Cortázar, gesagt: Seine Bücher nicht zu lesen, wäre wie eine schleichende Krankheit, die mit der Zeit schreckliche Folgen haben könnte. Auf Buenos Aires übertragen heisst dies: Diese Stadt nicht zu besuchen …
Oberstes Bild: Blick auf Buenos Aires – © dmitry_saparov – Fotolia.com