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Albert Anker
Bauernmädchen, schreibend, o. D.
Die von Albert Anker signierte Federzeichnung ist an einigen Stellen mit weisser Farbe gehöht. Diese markieren die weisse Bluse des schreibenden Mädchens sowie das Licht hinter ihrem Kopf. Sie trägt eine einfache Berner Alltagstracht, mit schwarzem Mieder und weisser Bluse. Viel Sorgfalt ist auf die Darstellung der Finger gelegt. Die liegende linke Hand wird zweimal wiederholt. Mit wenigen markigen Umrisslinien und stellenweise nur angedeuteten Schraffuren ist die ganze Feinheit des Moments festgehalten. Albert Anker zeigt mit dieser Zeichnung, dass Schulbildung nicht nur städtischen Mädchen aus der Bürgerschicht, sondern auch der einfachen Landbevölkerung zugänglich war. Seit 1835 hatte der Kanton Bern die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Aus der Optik der liberalen Elite waren der Aufbau und das Gedeihen des demokratischen Staates sowie die Verbesserung und der Ausbau des Bildungssystems untrennbar miteinander verknüpft. Die Fokussierung auf die Bildungspolitik entsprang einer Kombination aus staatspolitischen Überlegungen, ideologischen Motiven und sozialpolitischen Erwägungen. Die neu errungenen Freiheiten und die damit verbundenen Pflichten und Rechte der Bürger setzten ein unentbehrliches Mindestmass an Bildung voraus. Um das Funktionieren der liberalen Demokratie auf lange Sicht zu gewährleisten, musste daher der Bildungsstand der Bevölkerung durch eine Verbesserung des Schulwesens gehoben werden.
Die vorliegende Zeichnung entstammt der Kunstsammlung von Carl Ludwig Lory (1838–1909). Dieser stammte aus der Künstlerfamilie Lory, war ein erfolgreicher Unternehmer und Sammler und vermachte seine Kunstsammlung nach seinem Tod dem Kunstmuseum Bern.