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Verletzungen von Menschen- und Arbeitsrechten
Eines der häufigsten Probleme im Anbau arbeitsintensiver Agrarrohstoffe sind nicht existenzsichernde Einkommen und Löhne für Kleinbauern und Landarbeiterinnen. Unter Existenzlöhnen versteht man Löhne, welche die Kosten decken, die eine Familie benötigt, um ihre Existenzgrundlage nachhaltig zu sichern. Ein existenzsichernder Lohn ist ein international anerkanntes Menschenrecht. Existenzsichernde Einkommen müssen es selbständigen Kleinproduzierenden zudem ermöglichen, die Kosten für ihre wirtschaftlich rentable Produktion zu decken.
Existenzsichernde Löhne und Einkommen
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definiert einen existenzsichernden Lohn als ein grundlegendes Menschenrecht gemäss mehreren Konventionen und Empfehlungen (z.B. ILO-Konvention 95 und ILO-Konvention 131). Im Gegensatz zum existenzsichernden Lohn sind existenzsichernde Einkommen nicht so klar definiert. Obwohl das Konzept an sich ebenfalls unter den internationalen Menschenrechtsschutz fällt, gibt es bisher keine Regelungen, die dieses Recht definiert.
Nach Angaben der ILO sind weltweit viele Millionen Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, von nicht existenzsichernden Löhnen und Einkommen betroffen. Obwohl es keine konkreten Statistiken gibt, schätzt die ILO, dass,
«zahlreiche Arbeitsplätze in der Landwirtschaft kein angemessenes Einkommen einbringen und keine nachhaltige Existenzgrundlage sichern; in vielen Ländern der Welt gehören Landarbeitende zu den Gruppen mit der höchsten Armutsrate».
In der brasilianischen Orangenproduktion beispielsweise arbeiten unzählige Pflückerinnen und Pflücker zu Löhnen, die kaum zum Leben reichen, wie Public Eye in der im Juni 2020 veröffentlichten Recherche «Bittere Orangen» aufzeigt. Zusammen mit der investigativen NGO Repórter Brasil hat sich Public Eye auf den Plantagen im Bundesstaat São Paulo umgesehen und dabei die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen dokumentiert. Der Schweizer Händler LDC, welcher zu den drei grössten Orangensafthändlern weltweit gehört, hat es bis anhin versäumt, für existenzsichernde Einkommen der Arbeitenden auf seinen eigenen brasilianischen Plantagen zu sorgen. Noch schlechter sind die Bedingungen auf den Plantagen der Zulieferer von LDC. Viele Pflückerinnen und Pflücker arbeiten dort ausschliesslich zu Produktivitätslöhnen, also Löhnen, die davon abhängen, wie viele Orangen pro Tag gepflückt werden. So erreichen einige nicht einmal den gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Zudem berichteten Kontakte vor Ort, dass es auch immer wieder zu Schwarzarbeit auf den Zulieferbetrieben kommt. Ohne Verträge und somit ohne wirksamen arbeitsrechtlichen Schutz sind die Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter den ausbeuterischen Bedingungen praktisch machtlos ausgeliefert.
Ein weiterer Fall von ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, einschliesslich fehlender Existenzlöhne, betrifft den Schweizer Bananenhändler Chiquita. Im April 2019 veröffentlichte das Schweizer Magazin «Beobachter» Beweise zu schwerwiegenden arbeitsrechtlichen Verstössen auf ecuadorianischen Bananenplantagen, von denen einige Chiquita beliefern. Diese Verstösse umfassen u.a. 12-Stunden-Arbeitstage, Hungerlöhne und vertragslose Beschäftigung.
Dies konnte Public Eye in einer Reportage vom März 2020 bestätigen: Die niedrigen Löhne sind eines der grössten Probleme der Erntehelferinnen und Erntehelfer in Ecuadors Bananenproduktion. Auch mit Vollzeitarbeit erreicht man nur knapp den gesetzlichen Mindestlohn von monatlich 400 Dollar, welcher jedoch bei Weitem nicht existenzsichernd ist. Nur selten werden Arbeitsverträge abgeschlossen und kaum Beiträge an Sozialversicherungen einbezahlt.
In der Kakaoproduktion ist das Fehlen eines existenzsichernden Einkommens ein häufiges Problem. Die meisten Kakaobäuerinnen und -bauern leben weit unter dem Existenzminimum, und verdienen weiterhin weniger als die internationale Armutsgrenze von 1,90 US-Dollar pro Tag. Trotz ihrer Versprechen, gegen die Armut von Kleinbauernfamilien vorzugehen, haben selbst die mächtigsten Kakaohändler wie Cargill und Olam es versäumt, signifikante Schritte zu unternehmen, um existenzsichernde Einkommen für Produzierende sicherzustellen. Dies wurde 2020 durch einen Bericht der US-amerikanischen NGO «Mighty Earth» bestätigt, die unter anderem die Verpflichtungen der Unternehmen in Bezug auf existenzsichernde Einkommen analysierte. Der Bericht stellt fest, dass kein einziger Kakaohändler in diesem Bereich gut abschneidet. ECOM, Cargill oder Olam haben bis jetzt keine griffigen Massnahmen getroffen oder ihre Geschäftspraktiken geändert, um existenzsichernde Einkommen zu gewährleisten.
Berechnungen des VOICE-Netzwerks (Voice of Organisations in Cocoa) zeigen zudem, dass der für ein existenzsicherndes Einkommen notwendige Abnahmepreis bedeutend höher liegt als bisher angenommen. Dies bedeutet, dass die heute von den Unternehmen bezahlten Kakaopreise noch viel tiefer und unfairer sind als bislang gedacht.
Zwangsarbeit
Die Landwirtschaft ist auch ein Hochrisikosektor für moderne Sklaverei. In der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei arbeiten weltweit über 3,5 Millionen Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen. Die Internationale Arbeitsorganisation verwendet «moderne Sklaverei» als Sammelbegriff für alle Formen der Zwangsarbeit und Zwangsheirat. Allgemein beschreibt man damit ausbeuterische Bedingungen, unter denen Menschen mittels Drohungen, Gewalt, Zwang, Täuschung und/oder Machtmissbrauch gegen ihren Willen festgehalten werden. Zwangsarbeit tritt vor allem im Anbau arbeitsintensiver Agrarrohstoffe auf und ist so weit verbreitet, dass sie dort als endemisch betrachtet werden kann.
So berichteten beispielsweise die deutsche NGO «Christliche Initiative Romero» und die österreichische NGO „Global 2000“ im Jahr 2015, dass Arbeiterinnen und Arbeiter auf einer Plantage in Brasilien, die den Orangensaft-Riesen Cutrale belieferte, mehrere Wochen lang nicht bezahlt wurden. Darüber hinaus stiegen die Schulden der Arbeitenden täglich an, da ihnen hohe Kosten für den Transport zur Plantage, für die Unterkunft und Verpflegung in Rechnung gestellt wurden, die vom lokalen Arbeitsvermittler zu Wucherpreisen bereitgestellt wurden. Die Arbeiterinnen und Arbeiter konnten die Plantage daher nicht verlassen, da sie hoch verschuldet waren und sich nicht einmal die Busfahrt nach Hause leisten konnten.
Die Autoren des Berichts nennen dies ein System der modernen Sklaverei, und sie sind damit nicht allein. Das brasilianische Ministerium für Arbeit und Beschäftigung selbst hatte Cutrale auf die «schmutzige Liste» der Firmen, die Zwangsarbeit betreiben, gesetzt. Brasilien startete Mitte der 1990er Jahre eine Strategie zur Bekämpfung der Sklaverei. Bis zur letzten Revision des Arbeitsgesetzes 2017 führten die Behörden regelmässig Razzien durch und verfolgten eine «Name-and-Shame»-Strategie gegenüber Unternehmen, bei denen Förderung von Zwangsarbeit festgestellt wurde. Gegen alle drei grossen Orangensafthändler (Cutrale, LDC und Citrosuco) wurden Untersuchungen wegen Zwangsarbeit geführt, wovon einige zu Prozessen und in manchen Fällen zu Strafgeld- und Kompensationszahlungen geführt haben. So verurteilte ein Gericht im März 2014 Cutrale und zwei andere Unternehmen zu einer Geldstrafe von 113 Millionen Reais (43 Millionen USD) und verordnete, die unzulässige und vertraglose Unterauftragsvergabe von Orangenpflückern einzustellen.
Wegen der Lockerung des Arbeitsschutzes seit der Revision sowie mangelnden Ressourcen des Arbeitsministeriums werden Ermittlungen jedoch zunehmend schwierig und werden, wenn überhaupt, nur noch aufgrund von Verdachtsmeldungen durchgeführt. Man wisse nicht, was auf den Plantagen genau geschehe, sagte der brasilianische Staatsanwalt Araujo Gomes bei der Recherche von Public Eye zu den Arbeitsbedingungen auf den Orangenplantagen São Paulos Anfang 2020. Fest steht, dass vor allem die Arbeitenden, die aus dem Nordosten Brasiliens nach São Paulo kommen, um im Zitrussektor zu arbeiten und die kaum gewerkschaftlich organisiert sind, in einem grossen Abhängigkeitsverhältnis zu den Orangenproduzenten wie LDC und Cutrale stehen. Denn letztere finanzieren und organisieren auch die weite Rückreise der Arbeitenden in ihre Heimat.
Auch auf den Baumwollfeldern Zentralasiens ist Zwangsarbeit ein endemisches Problem. Die Zwangsmobilisierung von Arbeiterinnen und Arbeitern sowohl in Usbekistan als auch in Turkmenistan ist ein Überbleibsel aus der Sowjetzeit. In beiden Ländern, die derzeit von autoritären Regimen regiert werden, stellen Baumwollexporte einen wesentlichen Teil der Exporterlöse dar, und während der Erntezeit beordern die Regierungen sämtliche Mitarbeitenden staatlicher Unternehmen zu Zwangsarbeit auf die Felder. Obwohl es offiziell eine Möglichkeit gibt (unter dem Namen «Pick or Pay» - pflücke oder zahle) sich vom Felddienst freizukaufen, trauen sich viele Arbeitnehmenden nicht sich zu wehren (bei einer Arbeitslosenquote von bis zu 50% in Turkmenistan), oder können es sich nicht leisten, sich von der Zwangsarbeit freizukaufen. Und dennoch handelt der Schweizer Händler Reinhart mit Baumwolle, die in Turkmenistan geerntet wird. ECOM Agroindustrial hat sein turkmenisches Büro 2017 geschlossen, bezog bis dahin aber auch Baumwolle aus dem Land.
Kinderarbeit
Kinderarbeit ist ein weit verbreiteter Verstoss, der regelmässig in der Landwirtschaft zu beobachten ist. Laut Definition der ILO ist Kinderarbeit «eine Arbeitstätigkeit, die Kindern ihre Kindheit, ihr Potenzial und ihre Würde raubt und die schädlich für die körperliche und geistige Entwicklung ist».
Mit fast 108 Millionen arbeitenden Kindern zeichnet der Agrarsektor für 71% der Kinderarbeit weltweit verantwortlich.
Kinderarbeit bezeichnet nicht - wie manchmal falsch dargestellt - wenn Kinder ihren Eltern gelegentlich in Familienbetrieben helfen. Es bezeichnet vielmehr schädliche Formen der Kinderarbeit, die nach den internationalen Menschenrechtsnormen verboten sind. Kinderarbeit hat schwerwiegende Folgen, nicht nur für die betroffenen Kinder, sondern auch für ihre Familien und die Gesellschaft insgesamt. Der fehlende Zugang zu Bildung trübt die Zukunftsaussichten von Kindern, die wenig Gelegenheit haben, aus dieser Situation zu entkommen und ihr Leben zu verbessern. Die ILO hält fest:
Kinderarbeit «festigt die Armut über Generationen hinweg»
und «[dieser] Rückgang des Humankapitals ist gekoppelt mit einem schleppenden Wirtschaftswachstum und einer schwachen gesellschaftlichen Entwicklung».
Kinderarbeit ist besonders verbreitet bei der kleinbäuerlichen Produktion bestimmter arbeitsintensiver Agrarrohstoffe wie Kakao. Dieses Problem ist endemisch in den beiden wichtigsten Kakaoerzeugerländern, der Côte d'Ivoire und Ghana, die zusammen etwa zwei Drittel der weltweiten Kakaoproduktion ausmachen. Ein Bericht der Universität Tulane aus dem Jahr 2015 zeigte, dass allein in Côte d'Ivoire und Ghana über 2 Millionen Kinder unter missbräuchlichen Bedingungen arbeiten müssen. Auch Schweizer Agrarhändler profitieren von dieser Kinderarbeit in ihren Zuliefererketten, wie bereits mehrfach berichtet wurde. Die jüngsten Belege stammen aus einer Rundschau-Sendung vom Januar 2020 sowie einer Fernsehsendung des französischen Senders France 2 aus dem Jahr 2019 über Kakaobohnen, die illegal in Schutzgebieten in Côte d'Ivoire geerntet werden. Die Berichte zeigten auf, dass Kinderarbeit auf den untersuchten Plantagen, die teils UTZ-zertifiziert sind, weit verbreitet ist. Mancherorts war gar einer von drei Arbeitenden dort ein Kind. Dokumentiert wurden ebenfalls Fälle von Kinderhandel aus dem benachbarten Burkina Faso. Die Firma Cargill, die von den von France 2 untersuchten Plantagen kauft, bestritt zunächst, dass sie Kakao aus Schutzgebieten beziehe. Cargill musste letztlich jedoch eingestehen, dass ihr System zur Rückverfolgbarkeit diese Gebiete nicht erfasst und sie daher die Herkunft des Kakaos - entgegen den eigenen Angaben - nicht vollständig verfolgen kann.
Einer der grössten Kunden von Cargill für Kakao aus der Côte d'Ivoire ist der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé, wie später in einer Sendung des Schweizer Fernsehsenders RTS berichtet wurde. Darüber hinaus wurde 2005 eine Klage gegen Cargill und Nestlé in den USA eingereicht, die 2018 wieder aufgenommen wurde. Ehemalige Kindersklaven aus Mali beschuldigen die Unternehmen, für die Aufrechterhaltung der Kindersklaverei in Côte d'Ivoire mitverantwortlich zu sein.
Auch 2020 ist Kinderhandel für den Kakaoanbau traurige Realität. Ivorische Behörden befreiten Anfang des Jahres 137 Kindersklaven, die teilweise auf Kakaoplantagen zur Arbeit gezwungen wurden. Die Kinder werden aus den Nachbarländern (beispielsweise aus Mali oder Burkina Faso), aber auch aus Dörfern im Land selbst, versklavt.
Kakao ist nicht der einzige Rohstoff, bei dessen Ernte Kinderarbeit vorkommt. Dies betrifft auch Baumwolle aus Turkmenistan. Obwohl der turkmenische Präsident 2008 ein Verbot von Kinderarbeit verkündet hatte, ist bis heute dokumentiert, dass Kinder weiterhin Baumwolle pflücken müssen. Manchmal werden Kinder im Alter von zwölf Jahren gezwungen, für ihre Familienmitglieder einzuspringen, erklärt Ruslan Myatiev, Direktor von Turkmen.news, einer NGO, die unter anderem die Einhaltung der Menschen- und Arbeitsrechte in Turkmenistan verfolgt. Weder dies, noch die ebenfalls belegte Zwangsarbeit halten den Schweizer Baumwollhändler Reinhart (sowie, zumindest bis vor kurzem, die Firma ECOM) davon ab, mit Baumwolle aus Turkmenistan zu handeln. Ein Bericht der NGO Solidar Suisse aus dem Jahr 2019 zeigte des Weiteren, dass in Burkina Faso 250'000 Kinder in der Baumwollernte arbeiten. Der Bericht wirft den Schweizer Händlern Paul Reinhart und Louis Dreyfus vor, von diesen Verstössen zu profitieren.
Das US-Arbeitsministerium (Department of Labor; DOL) hat vor kurzem Usbekistan von der Liste der Länder gestrichen, die Kinderarbeit im Baumwollanbau einsetzen - auf Basis der Fortschritte, die in den letzten Jahren erzielt wurden. Das DOL betrachtet Kinderarbeit bei der usbekischen Baumwollernte nicht mehr als ein systemisches Problem. Die «Cotton Campaign», eine Koalition aus zivilgesellschaftlichen Organisationen ist anderer Meinung und hält die Streichung für verfrüht.
Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist der Agrarsektor hinsichtlich arbeitsbedingter Todesfälle, Unfälle und (chronischer) Berufskrankheiten eine der gefährlichsten Branchen: "Arbeitnehmende sind Risiken ausgesetzt wie z.B. dem Bedienen von schweren Maschinen und Anlagen, dem Tragen von Lasten sowie der täglichen Arbeit mit Tieren. Sie sind oft harschen Klimabedingungen, übermässigem Lärm und Vibrationen, Chemikalien, Erregern, Staub und anderen organischen Substanzen ausgesetzt."
Der Einsatz von Pestiziden ist eine der gesundheitsschädlichsten Praktiken in der Landwirtschaft. Obwohl die Zahl der Vergiftungsfälle schwierig zu schätzen ist, geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 25 Mio. Vergiftungen pro Jahr aus, wovon ungefähr 220'000 Todesfällen. Etwa 99% dieser Todesfälle ereigneten sich in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
Der Bericht von Public Eye «Highly hazardous profits: How Syngenta makes billions by selling highly toxic pesticides» (2019) zeigt zum ersten Mal auf, wie gross der Markt der gefährlichsten Pestizide ist - also solchen, die als «hochgefährlich» (HHP, highly hazardous pesticides) bezeichnet werden. Und er zeigt, dass der Basler Konzern Syngenta eine zentrale Rolle im Verkauf dieser Substanzen spielt, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Das Unternehmen nutzt die schwachen Regulierungen in Ländern wie Brasilien, Argentinien oder Indien aus, um dort Pestizide zu verkaufen, die zum grossen Teil in der Schweiz und der EU verboten sind.
In seinem Bericht aus dem Jahr 2018 vor dem UNO-Menschenrechtsrat erklärt Baskut Tuncak, UNO-Sonderberichterstatter für toxische Substanzen: «Arbeitnehmende giftigen Stoffen auszusetzen kann und sollte als eine Art der Ausbeutung angesehen werden und stellt eine globale Gesundheitskrise dar». Er fügte hinzu: «Akteure in globalen Lieferketten tragen oft eine Verantwortung, weil sie die Arbeitnehmenden nicht vor toxischen Belastungen schützen und sich weigern, eine wirksame Abhilfe für geschädigte Personen zu leisten».
Public Eye hat wiederholt die Belastung der Bevölkerung durch Pestizide und die damit verbundenen gesundheitlichen Auswirkungen dokumentiert, unter anderem den Einsatz hochgefährlicher Pestizide in Brasilien und die Vergiftung Hunderter Bauern auf indischen Baumwollfeldern.
Auch in der Bananenproduktion ist der Einsatz hochgefährlicher Pestizide weitverbreitet, wie die Reportage von Public Eye vom März 2020 zeigt. Die Mehrheit der Bananenproduzenten in Ecuador setzt auf synthetische Pestizide - und zwar auch auf solche, die in Europa längst verboten sind, wie Paraquat zum Beispiel. Die Substanz wird hauptsächlich vom Basler Agrochemiegiganten Syngenta vertrieben und ist eines ihrer Verkaufsschlager. Sprüherinnen und Sprüher, die mit Paraquat arbeiten, klagen über Schwindel, Kopfschmerzen oder Brechreiz. Die Pestizide werden nicht nur von Hand ausgetragen, sondern aus drei bis fünf Metern Höhe auch von Kleinflugzeugen aus auf die endlosen grünen Monokulturen gesprüht. Direkt neben den Plantagen stehen Schulen, Wohnhäuser und Strassen und so landet das Gift nicht nur auf den Bananenblättern, sondern auch in Privatgärten und Flussläufen, auf Parkfeldern und Sportanlagen, auf Spielplätzen und im Grundwasser.
Der Schweizer Bananenhändler Chiquita gelobte bereits 1998, kein Paraquat mehr zu verwenden. Allerdings nur auf den von der Rainforest Alliance zertifizierten Plantagen. Die Frage, ob und wie der Konzern kontrolliert, dass auf den zahlreichen Zulieferbetrieben in Ecuador kein Paraquat versprüht wird, liess Chiquita bis heute unbeantwortet.