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Alle kennen Pete Doherty. Das Genie, welches mit 15 einen Gedichtwettbewerb gewann und sich heute an der Seite von Kate Moss den Drogen hingibt. In England ist Doherty aber nicht nur deswegen schon fast eine Legende, sondern vor allem wegen seiner Musik. Als er 1997 mit seinem Kollegen Carl Barât die Band The Libertines gründete, ging in Grossbritannien ein neuer Stern am Indiehimmel auf. Sowohl Barât als auch Doherty waren geniale Musiker und Songschreiber, jedoch beide den Drogen verfallen.
Im Jahre 2004, als Pete Doherty bereits ungezählte Entzugsversuche hinter sich hatte, beschloss Carl Barât, The Libertines aufzulösen. Während Doherty daraufhin eine Band namens The Babyshambles gründete, formierte sich Barât mit Gary Powell, Didz Hammond und Anthony Rossomando zu den Dirty Pretty Things. Tink.ch sprach mit dem Gitarristen Anthony Rossomando über den Schatten der Libertines und über die Sonne der Dirty Pretty Things.
Wie geht ihr mit dem riesigen Schatten der Libertines um? Ist das eine gute oder schlechte Sache?
Anthony: Am Anfang war es eine gute Sache. Es war, als ob unsere Leute schon da waren. Wir hatten Fans an unseren Konzerten bevor wir überhaupt richtig angefangen hatten. Das war wirklich cool, denn es ermöglichte uns sofort, kleinere Touren zu machen ohne eine Platte aufgenommen zu haben und die Songs live auszuprobieren. Die Unterstützung, die wir zu Beginn hatten, war wirklich enorm. Ohne dies würden wir sicher in einer anderen Situation sein.
Ihr habt euch nach einem Club benannt, in welchem Carl auflegte, stimmt das?
Ja. Abends treten dort verschiedene Künstler auf: Schauspieler, Musiker, alles Mögliche. Es ist ein Ort in London, wo man zeigen kann, was man kann. Es ist ein Ort der es den Leuten einfacher macht, vor einem Publikum zu stehen. Mit dem Namen „Dirty Pretty Things“ hat Carl Leute hineingelockt.
Zu dieser Zeit brauchten wir sehr schnell einen Namen. Wir hatten riesigen Druck einen Bandnamen zu finden, weil wir schon für eine Tour in Italien gebucht waren. Wir hatten erst circa fünf Songs und wir brauchten einen Namen. Also sassen wir zusammen in einem Zimmer und versuchten uns etwas Gutes auszudenken. Dann schrieben wir eine Reihe von Vorschlägen auf kleine Papierstückchen und warfen sie in einen Hut. Es schien aber fast klar, dass wir „Dirty Pretty Things“ benutzen würden. Das ist auch gut so, denn es beschreibt das, was uns interessiert. Sachen die ein bisschen gebraucht sind, die nicht so (sucht ein passendes Wort) poliert sind. Wie alte Platten oder Sachen deren Schönheit sich mit der Zeit gewandelt hat. Ähnlich wie gute Kunst und deren Unvollkommenheit. You know what I mean?
Was definiert denn die Dirty Pretty Things am besten?
Ich denke es kommt auf die Annäherung an. Vielleicht ist es nur die Attitüde, der Versuch sich für verschiedene Sachen zu interessieren. So etwas wie Mut, Poesie und ein bisschen von einer Party, ein bisschen Überlegung vielleicht auch. Da gibt es ein wenig Traurigkeit und Süsse zugleich. Es geht darum durch die Musik, so Menschlich wie möglich zu sein. Wenn du es schaffst, so zu klingen wie deine Band und keine andere, dann ist es das Richtige. Genau das versuchen wir zu machen. Wir werden noch ein paar andere Platten machen müssen, denn wir stehen ja erst am Anfang. Und ich denke, die Sache die uns wirklich am besten definiert, ist, dass man durch unsere Texte sieht was uns wirklich zu Herzen geht und man die Aggressivität und auch die Sanftheit der Lieder sehr gut heraushört.
Wo holt ihr eure Inspiration? Eure Songs sind ja recht tiefgründig.
Wir versuchen die Dinge zu verstehen, aus heutiger und aus vergangener Sicht. Es gibt vermutlich viele klassische Elemente dabei. Wir betrachten die Vergangenheit mit modernen Augen.
Ihr wart früher wegen der ganzen Geschichte mit Pete Doherty extrem berühmt. Hatte das schlussendlich positive Konsequenzen?
Ich weiss es nicht. Ich denke man geht durch eine Phase wo man den Druck spürt. Normalerweise ist das ein Druck, den du auf dich selbst ausübst. Es ist wie bei allen Anderen die versuchen, etwas Neues zu kreieren. Viel durchgedrehter Scheiss passiert auf dem Weg. Leider, oder auch zum Glück wird über das, was in unserem Privatleben läuft, geredet. Manchmal wünschst du dir, dass die zwei ihre eigenen Wege gehen können und Privatleben und Berufsleben auseinander gehalten werden könnten. Aber im echten Leben stossen die genau ineinander. „Bum!“ Sobald du das unter Kontrolle hast, und einfach realisierst, dass es zu deinem Leben gehört dann wird die Musik wichtiger denn je.
Hast du irgendwelche Idole?
Ich hatte nie irgendwelche Idole, es gab nie einen Gitarristen den ich vergötterte.
Inspirationen?
Ja, Inspirationen. Da würde ich sagen, einzelne Elemente wie zum Beispiel die Art wie Graham Coxon (Ex-Blur Mitglied, Anm. d. Red.) Gitarre spielt. Ich mag auch Paul Weller, ich denke er behielt immer die richtige Idee, oder Dave Grohl, er hat die richtige Attitüde. Keine Arroganz, nichts. Aber etwas Besseres als Nirvana bekommt man wohl nicht.
Was für Musik hörtest du denn als du wirklich klein warst?
Wirklich klein, so wie acht?
Ja, oder auch als Teenager.
Als ich wirklich jung war mochte ich die Oldies meiner Eltern: Die Beatels oder Hermans Hermits. Ich erinnere mich noch an diesen Song „Henry the VIII I am“, lustiges Lied. Kennt ihrs?
Nein.
Es geht so (singt): „I’m Henry The Eighth, I am! Henry The Eighth I am,
I got married to the widow next door
She’s been married seven times before
And every one was a Henry (Henry)
She wouldn’t have a Willie or a Sam (no Sam)
I’m her eighth old man, I’m Henry
Henry The Eighth I am!“
So blöd! Aber als ich sechs war, kletterte ich auf dem Tisch und tanzte zu dem Lied! Als ich dann wirklich begann mich mit Musik zu befassen, war ich etwa zwölf und fing an Pot zu rauchen mit den Jungs um die Ecke und hörte Led Zeppelin. Mein bester Freund Joe, der auch mein Nachbar war, gab mir eine Minor Thread-Platte und da fing ich an, mich mit amerikanischem Hardcore zu befassen. Danach kam das Label Subpop und all diese Bands wie Nirvana und The Pixies, die einen grossen Einfluss auf mich hatten. Britpop war natürlich später auch sehr wichtig. Es läuft so vieles in der Musik, dass sich alles immer verändert. Je älter du wirst, desto mehr neue Sachen entdeckst du. Das ist ziemlich aufregend. Ich hab vor etwa fünf Jahren angefangen Bob Dylan zu hören und heute denke ich, er ist ein Genie. Aber wenn es um das Gitarrenspielen geht, ist noch immer Nirvana meine Lieblingsband.
Wie hast du dich entschieden Musiker zu werden?
Ich hab mit Klavier angefangen als ich fünf Jahre alt war. Mein Vater ist Pianist. Da spielte ich eine Weile solches Zeug wie Chopin. Dann fing ich an Gitarre zu spielen. Gitarre ist das einzige Instrument welches ich mir selbst beigebracht habe. Ich mochte es, weil es einfacher zu spielen war und man dazu singen konnte. Dann ging ich an die Uni und tauchte fast nie auf, weil ich immer Gitarre spielte. Also wurde ich rausgeschmissen und musste zurück zu meinen Eltern.
Was hast du denn studiert?
Englische Literatur und Musik. Ich hasste beides, aber Musik war das Schlimmste! Acht Stunden die etwa um Sieben Uhr anfingen und 30 Studenten die nur so auf mich hinabschauten. (spielt die Situation mit den anderen Studenten) „Er ist ein Idiot!“ Dann starb auch noch mein bester Freund an Drogen und da wusste ich, dass ich verschwinden musste. Ich spielte immer mehr Gitarre, gründete Bands spielte kleinere Gigs. Und jetzt bin ich hier.
Hast du denn noch Zeit andere Freunde zu sehen?
Ja, aber meistens sind das Freunde die auch in einer Band sind, wie zum Beispiel die Editors. Wir sehen sie oft und sie sind echt der Wahnsinn.
Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Irgendwo in der Nähe mit euch zusammensitzend „Wisst ihr noch, vor zehn Jahren?“
Und ich mit einem langen Zaubererbart. Ihr zwei angezogen wie Roboter, vielleicht.
Oh ja, sehr modisch. (alle lachen)
Vielleicht werden wir alle wie Roboter herumlaufen. Vielleicht wird das sehr cool sein.
Nach Nu-rave kommt Nu-Robot.
Ja! Vielleicht wird das unsere neue Band: The Robots. Ach nein, die gibt es schon. Es gibt schon zu viele Roboter-Bands. Naja, egal. Ernsthaft? Songs aufnehmen, Alben produzieren. Vielleicht keine Tours mehr. Vielleicht bei Carl zuhause im Garten seinen Kindern den Ball zuwerfen und ein Barbecue machen. Einfach nicht in so einer alten dreckigen Toilette eines schäbigen Clubs voll beschwipst oder so drogensüchtig in der Vergangenheit lebend „Hey ich war früher in dieser Band!“. You know what I mean? Ganz sicher nicht das. Ja, hoffentlich weiterhin besser werden. Und hoffentlich mehr Konzerte in Europa. Wir waren viel in England für das letzte Album, You know.