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Geschichte
Die Ureinwohner gehören zur Stammesgruppe der Yanesha und leben bereits seit 2500 Jahren in der Gegend. Die Yanesha lebten als Halbnomaden: Sie richteten sich an einem Ort ein, jagten und legten kleine Pflanzungen an. Als die Ressourcen erschöpft waren, zogen sie weiter. Die Yanesha blieben wie die meisten Stämme im Tiefland Perus von der Eroberung durch die Spanier relativ unberührt. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fanden lose Kontakte mit Mönchen und Missionaren statt. Im 18. Jahrhundert konnten Franziskanermönche erstmals dauerhafte Beziehungen mit den Yanesha aufbauen. Aber der Aufstand im Jahre 1742, angeführt von Juan Santos de Atahualpa, der alle fremden Elemente aus der Gegend vertrieb, verhinderte während mehreren Jahrzehnten weitere Kontakte. Ab 1891, als österreichische und deutsche Kolonisten Oxapampa gründeten, fand ein regelmässiger Kontakt mit den Yanesha statt. Kolonisten und Ureinwohner pflegten in der Regel freundschaftliche Beziehungen und die Kolonisten profitierten vom Wissen und der Erfahrung der Yanesha in der Landwirtschaft. Mit dem Wachstum der Stadt wanderten mit der Zeit immer mehr Leute aus dem Hochland zu. Sie arbeiteten auf den Feldern der Kolonisten und besassen mit der Zeit selber Land. Heute gehört Oxapampa zum Departament Pasco und ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz.
Geografie und Klima Oxapampa liegt auf 1800 m. ü. M. am östlichen Abhang der Anden, ziemlich nahe am geografischen Zentrum Perus. Klimatisch gehört die Gegend zum Nebelwald, wo von Juni bis September die kalte trockene Luft des Hochlands ins Tiefland strömt und dort mit der feuchten und warmen Luft aus dem Dschungel zusammentrifft. So beginnen fast alle sonnigen Tage mit einer dicken Nebelschicht; diese löst sich im Laufe des Vormittags allmählich auf. Die feuchte Luft ist ideal für Orchideen aller Art, die man in den Wäldern auf vielen Bäumen findet.
Wirtschaft
Die Sägereien in Oxapampa waren einst die grössten Holzlieferanten Perus, doch leider wurden die Ressourcen nicht nachhaltig genutzt und so geriet die Forstwirtschaft in eine grosse Krise. Heute wird wieder vermehrt aufgeforstet, es werden jedoch meist schnellwachsende importierte Nadelbäume angepflanzt, die zur Artenvielfalt wenig beitragen. Einige Waldbesitzer pflanzen wieder einheimische Bäume.
Auf den waldlosen Ebenen ist die Viehzucht verbreitet. Die Tiere werden für die Milchwirtschaft und auch für die Fleischproduktion gehalten. Es gibt eine Käsefabrik namens Floralp, die mit Schweizer Investoren aufgebaut wurde, und eine Grossmetzgerei, welche in Lima die Supermärkte mit Fleisch beliefert. Auch die Granadilla – eine mit der Passionsfrucht verwandte Pflanze – brachte Oxapampa einen regelrechten wirtschaftlichen Schub – eher zum Ärger der Imker, die früher Dutzende von Tonnen Honig verkaufen konnten und heute um ihr Überleben kämpfen. Die Granadillaplantagen erfordern einen so hohen Einsatz an Pestiziden, dass die Bienenvölker nur noch an abgelegenen Orten überleben können. In den letzten 20 Jahren spielte auch der Tourismus eine immer grössere Rolle. Für viele Touristen aus Lima ist Oxapampa ein Stück Europa im eigenen Land.
Kultur und Bildung
Heute ist die Bevölkerung in Oxapampa eine Mischung aus Einwanderern des Hochlandes, Nachfahren der Kolonisten und der Yanesha. Die Bewohner von Oxapampa sind stolz auf ihre
kolonialen deutschen und österreichischen Wurzeln, aber in Wirklichkeit sind sie nur noch eine kleine Minderheit. Es ist aber ganz normal, dass man auf der Strasse Menschen unterschiedlichster Haut- und Haarfarbe sieht. Das Alltagsleben ist immer noch stark von der Landwirtschaft geprägt, und würde nicht spanisch gesprochen, hätte man das Gefühl irgendwo im wilden Westen zu sein.
In Oxapampa existieren vier grosse staatliche Schulen, wo die Mehrheit der Schüler unterrichtet werden, dazu einige kleinere Privatschulen. Für die Berufsbildung gibt es ein Institut, wo man mit dem Tourismus verwandte Berufe erlernen, und schliesslich die Universität, wo man sich zum Agronomen, Umweltingenieur, Zootechniker oder Lehrkraft der Primarstufe ausbilden lassen kann.
Wie wir nach Oxapampa kamen
Das erste Mal hörte ich von Pozuzo, also der ersten deutsch-österreichischen Kolonie, 80 km von Oxapampa entfernt, als ich in Huánuco arbeitete und Missionarskinder unterrichtete. Man berichtete mir, dass die Leute dort deutsch redeten und noch ganz traditionell lebten. Als ich dann einen Blick auf die Karte warf, sah ich, dass Pozuzo nicht weit von Huánuco entfernt lag. Einziger Wermutstropfen, es gab keine direkte Strasse. Warum also nicht zu Fuss gehen, die Kolonisten waren ja schliesslich auch so gekommen? Ich trommelte eine achtköpfige Truppe zusammen inkl. ortskundigem Führer und einem Träger und wir begaben uns nach Panao, etwa 2 Stunden von Huánuco entfernt, denn bis dorthin konnte man noch mit dem Auto fahren. Ab jetzt ging es zu Fuss weiter, drei Tage dauerte unser Abenteuer. Mit geschundenen Füssen und ziemlich erschöpft kamen wir in Pozuzo an, doch die atemberaubende Landschaft liess uns die Mühen bald vergessen. Auf dem Rückweg stiegen wir auf den Bus um, obwohl dieser einen grossen Umweg fuhr. Aber wie so häufig in Peru wurden wir von einem Streik überrascht. Die Strassen wurden blockiert und es gab kein Weiterkommen mehr. So blieben wir zuerst in Pozuo und später in Oxapampa stecken. Pozuzo gefiel mir, doch der Ort war mir zu klein und zu abgelegen, doch von Oxapampa war ich fasziniert: Eine kleine Stadt mitten im Dschungel, freundliche Leute mit viel Pioniergeist und jede Menge Möglichkeiten etwas Neues anzufangen. Als der Streik vorbei war, kamen wir wieder problemlos nach Huánuco zurück, doch Oxapampa liess mich nicht mehr los. Selbst als meine Frau und ich, später eine lange Reise durch grosse Teile Perus unternahmen, fanden wir keinen Ort, der uns so packte wie Oxapampa. Auch vielen anderen Ausländern ging es so wie uns: Sie waren fasziniert von der Stadt und kamen, um zu bleiben.