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«jede sekunde stirbt ein nichtraucher» ist laut Untertitel «a lexikon üba vorurteile un andre teile». Geschrieben ist es in von Ze do Rock selbst erfundenen vereinfachten Versionen der deutschen Sprache. Das Lexikon enthält zunächst Einträge zu Worten, die dem aus Brasilien stammenden und in München wohnenden Autor aufgefallen sind, zum Beispiel: «bankleitzahl – wieviel leit in am bairischen kreditinstitut orbaten / metropole – dibische slave in el u-bahn. / vokabel – haufig gehörte fragu unta polski elektromechanikis.»
Ausserdem enthält es längere Einträge, vor allem über Sprachen und Länder. In letzterem Fall fliessen oft Charakteristiken der jeweiligen (Fremd-)Sprache ein. So sehen die Texte auf den ersten Blick beispielsweise französisch (mit Accents) oder türkisch (voller ü und y) aus. Das geht so weit, dass der Eintrag über Kasachstan langsam, aber stetig immer mehr kyrillische Buchstaben enthält. Das ist lustig, aber schwer zu lesen.
Die längsten Kapitel widmen sich Vorurteilen. Vor allem denen gegenüber RaucherInnen. Oder in Bezug auf das, wovon angenommen wird, dass es unsere «Sicherheit» erhöht. Meisterhaft, wie Ze do Rock Vorurteile allein durch unerwartete Zusammenstellungen entkräftet: Verurteilungen in Nordkorea und Militärtribunale in Guantánamo (was ist schlimmer?). Das Pro-Kopf-Einkommen von Saudi-Arabien und das von Argentinien (was ist höher?). Was einem passiert, wenn man in Guinea an einem Baum vorbeifährt, von dem sich später herausstellt, dass er wegen der darunter schlafenden Soldaten «militärisches Sperrgebiet» ist. Und was, wenn man sich mit einem Schild, auf dem steht, dass man aus Protest gegen die neuen Rauchverbote keinen Champagner mehr trinkt, in Münchens Innenstadt begibt (welche Polizei ist paranoider?).
«Wie Wähler lieber Tee! Man sage des satz mer-mâles laut und chône lechele die froschesser» – heisst es am Schluss des Eintrags zu «anglizismen». Wer so etwas mag, wird das Lexikon lieben. Wer am Herumprobieren keine Freude hat oder, wenn er es herausbekommt, nicht wie ein Franzose lächeln muss, für den ist das Buch nichts.