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Patrick Wawire aus Kimilili in West Kenia war früher ein Bauer wie es in Kenia viele gibt: Er konnte auf seinem Land nur gerade genug produzieren um seine Familie zu ernähren und wenn grössere Ausgaben, wie Schulgebühren für seine Kinder, anstanden so brachte ihn das in finanzielle Schwierigkeiten. Bis er anfangs 2011 von den Trainings erfuhr, welche Biovision durch das Projekt Farmer Communication anbietet. Er fand, dass diese genau waren was er und seine Nachbarn brauchten um ihre Situation zu verbessern. Gemeinsam gründeten sie eine Bauerngruppe mit dem Namen „Agricultural Development Improved Centre“ und fragten Alfred Amusibwa, den lokalen Bauernberater von iTOF für Trainings zu verschiedenen Themen an. Neben den Methoden der biologischen Landwirtschaft wünschten sich die Bauern insbesondere in Aktivitäten unterrichtet zu werden, die ihnen helfen können, zusätzliches Einkommen zu schaffen. Wawire stellte einen Teil seines Landes zur Verfügung, damit die Bauern gemeinsam das gelernte erproben konnten.
Sie wollten versuchen Bienen zu halten, aber niemand hatte genügend Geld um Bienenkästen zu kaufen. Da fragte sich Wawire, ob es nicht auch eine Möglichkeit gäbe solche aus lokalen Materialien selber zu bauen. Mit Amusibwas Unterstützung dachte er sich eine vereinfachte Methode aus und baute einfache Holzkisten, welche er mit einer schwarzen Plastikfolie abdeckte. Und kurz nachdem er die Bienenkästen mit den Rahmen für die Waben bestückt hatte, nisteten sich in allen Bienenvölker ein. Am Ende der Saison konnte er von den fünf Kasten 80 Kilogramm Honig ernten, welche er für einen guten Preis in Nairobi verkaufte.
Wawire begann auch eine Reihe anderer Aktivitäten zur Einkommenssteigerung: Er schaffte Hühner, Gänse und Kaninchen an. Am erfolgreichsten, war jedoch die Aquakultur. Er sowie einige der anderen Bauern hatten Fischteiche, schafften es aber nicht, daraus einen guten Ertrag zu erzielen. Das kenianische Fischereiministerium hatte sie zwar beim Bau der Fischteiche unterstützt, sie aber nur mangelhaft trainiert. Deshalb fehlte ihnen die das Wissen, wie man die Fische richtig pflegt und ernährt. Amusibwa unterrichtete die Bauern auch darin und nun können sie pro Teich zweimal jährlich 10 000 Tilapia-Fische ernten, welche in Kenia sehr gefragt sind. Wawire baute mit seinen Gewinn neue Fischteiche und besitzt nun 15 davon, statt der zwei die er ursprünglich hatte. So wurde aus dem Kleinbauern in nur einem Jahr ein erfolgreicher Landwirtschaftsunternehmer.
Die meisten Menschen in seiner Situation würden es geniessen endlich der Armut entronnen zu sein und sich den einen oder andern Luxus gönnen. Nicht so Wawire. Er investiert den grössten Teil seines Einkommens für die Dorfgemeinschaft. Er hat für sein Dorf einen eigenen Kindergarten gegründet und bezahlt zwei Lehrpersonen, damit sie in der Kirche wochentags die Kinder unterrichten. Gegenwärtig ist auch eine kleine Klinik im Bau, welche ebenfalls er sponsert. Nach seiner Motivation gefragt, sagt er, dass es ihm einfach mehr Spass mache, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, als sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. „Ich will mein Dorf aus der Armut rausziehen und ich wünsche mir, dass unsere Bauern Vorbilder für andere werden,“ wie er sagt. Und bereits haben einige von ihnen auch ihre Fischhaltung verbessert oder angefangen Bienen zu züchten. Zudem legt jeder Bauer wöchentlich etwas in einen gemeinsamen Spartopf, um sich reihum grössere Investitionen zu ermöglichen. Dadurch sind bereits sämtliche Bauernfamilien des Dorfes zu einem Schaf gekommen. „Und nun sparen wir für Ziegen und Kühe“, sagen die Bauern stolz.
The Organic Farmer, November 2012 (Artikel auf Seite 6)