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Projektbeschreibung
Die obligatorische Krankenversicherung in der Schweiz sieht ein Selbstbehaltssystem vor. Die Tatsache, dass der Versicherte nach Erreichen der Franchise nur noch einen kleinen Teil der Gesundheitskosten oder nach Erreichen der maximalen Selbstbeteiligung gar nichts mehr bezahlt, könnte einen Anreiz schaffen, Leistungen in Anspruch zu nehmen, die im individuellen Kontext nicht vorteilhaft sind und somit zu einem unnötigen Ressourcenverbrauch führen. Darüber hinaus oder alternativ könnte ein vorteilhafter Gesundheitskonsum aus dem kommenden Kalenderjahr in das laufende Kalenderjahr «verlagert» werden, um zu vermeiden, dass die Kosten für diese Leistungen im nächsten Kalenderjahr anfallen. Angebotsseitige Strukturen, wie z. B. eine relativ hohe Dichte an Leistungserbringern in einem bestimmten Gebiet, könnten diesen Effekt verstärken oder erleichtern, indem sie einen leichteren Zugang zu Gesundheitsleistungen ermöglichen.
Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, die übermässige Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen durch Versicherte, die den jährlichen Selbstbehalt überschritten und ihre Zuzahlung geleistet haben, zu identifizieren und zu quantifizieren. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwieweit diese Überinanspruchnahme von Gesundheitsleistungen durch Strukturen auf der Angebotsseite, z.B. gemessen an der Ärztedichte, vermittelt wird.
Diese Studie wird zwei zentrale Beiträge liefern. Zum einen wird die nachfrageseitig induzierte Überinanspruchnahme von Gesundheitsleistungen durch die Überschreitung des Selbstbehalts und der nachgelagerten Zuzahlung in der Schweiz quantifiziert. Zweitens isolieren wir die Wirkung der Angebotsstrukturen als Medien dieser Überkonsumation. Schliesslich können unsere Ergebnisse dazu dienen, Vorschläge zu machen, wie das Selbstbehalt- und Zuzahlungssystem verändert werden könnte, um eine unnötige Inanspruchnahme von Gesundheitsressourcen zu vermeiden. Letztendlich wird die Verringerung der nachfrageseitig induzierten LVC dazu beitragen, dass die Ressourcen des Gesundheitswesens auf die Patienten umverteilt werden, die tatsächlich eine Versorgung benötigen.
Projektverantwortliche
Irene Salvi, Johannes Cordier, Dr. Justus Vogel, Dr. David Kuklinski, Prof. Dr. Alexander Geissler
Kooperationspartner
Groupe Mutuel Services AG
Funding source
Groupe Mutuel Services AG
Dauer
2023