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Shibori, Batik, Tie-Dye, Adire - Es gibt zahlreiche Bezeichnungen für die Technik der Reservierung, wobei einige bestimmt schon gehört oder gelesen wurden. Dennoch entsteht schnell ein durcheinander oder Unklarheit darüber, worin sich die Techniken unterscheiden. Was ist anders an dem Batikverfahren im Vergleich zu Shibori und was charakterisiert eine Reservierungstechnik?
In diesem Beitrag möchte ich versuchen, einen kleinen Einblick und Überblick über die Welt der Reservierung zu geben.
Reservieren vom lateinischen Wort reservare entspricht der deutschen Übersetzung für aufbewahren, aufsparen. Es wird entsprechend etwas erhalten. (1) Dieser Vorgang des Erhaltens ist der Kern der textilen Reservierungstechnik. Was wird jedoch erhalten? Erhalten wird die Grundfarbe des Ausgangsmaterials vor der Färbung lediglich an diesen Stellen, wo es erhalten werden soll. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie eine Reservierung entstehen kann. Zu den bekannten Methoden gehören die Wachsmalerei, die Abbindung und der Stempeldruck. Alle Techniken haben gemeinsam, dass durch sie ein Muster oder eine Abbildung erzeugt werden kann.
Die Datierung der ersten Reservefärbung und Drucke ist nicht eindeutig. Bei der Recherche verschiedener Reserveverfahren lässt sich erkennen, dass viele Methoden in ähnlichen Zeiträumen auf verschiedenen Kontinenten entstanden sind. (2) Ebenso sind einige Techniken miteinander entwickelt und weiterentwickelt worden. Ich habe gelesen, dass Textilien aus Peru von 200-100 v. Chr. und Brasilien von 700- 1500 v. Chr. zu den ältesten bekannten Funden gehören. (3) Weiter werden erste Shibori gefärbte Stoffe um das 2.- 4. Jahrhundert datiert. Im Westafrikanischen Raum wiederum gibt es beispielsweise eine mit der Technik Adire gefärbte Mütze, die auf das 11. Jahrhundert zurückverfolgt wurde. (4) Die Kunst der Färbung und der Reservierung ist somit ein Handwerk, das die Menschheit schon lange Zeit begleitet.
Techniken
Für das Erzeugen einer Reservierung bzw. einer Musterung auf dem Stoff gibt es folgende Techniken:
1. Abbinden & Knüpfen
Hierbei wird der Stoff mit Faden abgebunden. Es wird beispielsweise ein Gegenstand wie eine Murmel eingebunden oder der Stoff in Falten gelegt und mit Faden zusammengeschnürt. (Abb. 1).
2. Nähstiche
Mit Nähstichen werden Faltungen in verschiedenste Formen gebracht (Abb. 2). Durch die Nähstiche werden die Falten angezogen und fixiert.
3. Modeldruck
Der Stempel (Model) ist meist aus Holz geschnitzt, (Abb. 3) kann jedoch auch aus Metall oder anderem Material gefertigt sein. Das Model wird in Wachs eingetaucht und anschliessend auf den Stoff gedruckt. An den Stellen wo der Wachs nun auf dem Stoff haftet, kann die Farbe nicht in das Gewebe eindringen, wodurch die Reservierung und somit das Muster entsteht. Nach dem Färben erfolgt das Ausschwemmen des Wachses.
4. Wachsmalerei
Bei der Wachsmalerei, auch Batik genannt, wird mit Pinsel oder dem traditionellen Werkzeug “Tjantings” das Gewebe mit Wachs bemalt. Der weitere Vorgang ist gleich wie beim Modeldruck. (Abb. 3)
5. Ikat
Die Färbung nimmt beim Ikat bereits bei der Flächenherstellung Einfluss. Das für die Ikatwebung / Ikatfärbung benötigte Garn wird zu aller erst abgebunden und eingefärbt. (5) Das gefärbte Garn kann daraufhin für die Kette oder den Schuss oder für beides eingesetzt werden. Die Unterscheidung des Ikats liegt somit zwischen Kettikat, Schussikat und Doppelikat. Durch das partiell eingefärbte Garn entsteht die fein verschwommene Musterung des Ikats. (Abb. 3)
Färbebezeichnungen und Herkunft; eine Auswahl:
Shibori ist eine Färbetechnik, die vor allem mit Japan in Zusammenhang gebracht wird, jedoch auch in China zu finden ist. Auf der online Seite "Shibori World Network" wird geschrieben, dass die naheliegendste Übersetzung von Shibori "Färben mit Formwiderstand" bedeutet. Die Musterung entsteht durch das Abbinden, Abnähen, Wickeln und Abpressen der Textilien. Der Stoff erhält durch dieses vorgehen nicht nur eine zweidimensionale, sondern auch eine haptische Musterung und Struktur. Auch wenn der Stoff für die Weiterverarbeitung wieder geglättet wird, so behält er seine dreidimensionale Form im Gedächtnis eingeprägt. (6)
*Für mehr Informationen oder Impressionen zu Shibori empfehle ich die online Plattform "The World Shibori Network", die es sich seit 1992 zur Aufgabe gemacht haben, das traditionelle Handwerk Shibori zu bewahren und nach aussen zu tragen. www.shiboriorg.wordpress.com
Mit der Batik assoziieren wir oftmals die bunten Färbungen der Hippie-Zeit. Die ursprüngliche Batik beruht jedoch auf der Wachsmalerei, die aus Indonesien stammt. (7)Traditionell wird der Wachs mit dem Tjanting auf den Stoff gemalt. Das Tjanting ist eine Art Stift, das einen Behälter besitzt, in welches flüssiger Wachs gegossen wird. Durch ein Röhrchen gelangt der Wachs auf den Stoff und kann dadurch in feinen oder dickeren Linien gezeichnet werden. Der aufgetragene Wachs kann nach dem abkühlen aufgrund fester Stoffbewegungen aufspringen, wodurch feine Krakelüren entstehen. Diese Krakelüren bilden einerseits ein Erkennungsmerkmal für die Technik und sind gleichzeitig die unerwünschte Begleiterscheinung, die es von den Meister*innen zu vermeiden gilt.
Der Blaudruck ist eine Reserviertechnik, die ab dem 18. Jahrhundert in Europa, besonders in Ländern wie Deutschland, Österreich, Ungarn oder Tschechien Anwendung fand. (8) Bei diesem Verfahren wird mit Modeln (Stempeln meist aus Holz) sogenannter Papp auf das Textil gedruckt. Der Papp beseht aus Talg, Leim und Kreide. Die Komponenten des Paps verkleben das Textil an den aufgebrachten Stellen und verhindern dadurch die Farbaufnahme.
Die Technik eignet sich nur für das Kaltfärbeverfahren, dadurch dass sich der Papp bei Hitze auflösen würde.
*Für mehr Informationen oder Impressionen zur Färbetechnik des Blaudrucks empfehle ich einen Einblick auf die Webseite des traditionellen österreichischen Textilunternehmens "Josef Koó" das noch heute mit dem Blaudruck arbeitet. www.originalblaudruck.at
Adire heisst die afrikanische Färbetechnik aus Nigeria, die sich besonders durch die Färbung mit Indigo kennzeichnet. (9) Für die Erzeugung der Muster arbeiten die Färber*innen mit verschiedenen Techniken. Einerseits mit der Wachsmalerei und -druck, aber auch mit dem Abbinden und Abklemmen von Stoffen.
*Für mehr Informationen oder Impressionen zur Färbetechnik Adire empfehle ich den Dokumentationsfilm: Adire - Indigo Textilien bei den Yoruba von Thorolf Lipp.
Kampala ist ebenfalls eine afrikanische Färbemethode, die oftmals auch als Adire benannt wird. Im Unterschied zur Adire erfolgt die Musterung der Stoffe durch den Wachsprint mit mehreren Farben.
Plangi ist eine in Indien weitverbreitete Reserviertechnik, wobei die Historiker den Ursprung wie beim Shibori in China vermuten. (10) Plangi basiert auf dem Abbinden und Verknoten von Stoffen. Sehr häufig sind in den Designs kleine und / oder grosse Kreise zu sehen, die durch das Abschnüren von Erbsen, Perlen, Linsen oder Ähnlichem zustande kommen. Die Stoffe werden häufig auch in Falten gelegt und anschliessend abgebunden, um geometrische Musterungen zu erzeugen.
Tritik und Plangi werden oft in Kombination verwendet. Bei Tritik entsteht die Reservierung anhand von Nähstichen. Die Muster werden zuerst von Hand genäht und am Schluss zusammengezogen, sodass sich der Stoff in viele kleine Falten legt. Tritik wird eher als die Technik für lineare und geometrische Musterungen und Plangi für die der Runden Formen charakterisiert. Mit Nähstichen können Faltungen in verschiedenste Formen gelegt werden, sei dies ein Quadrat, ein Dreieck oder ein Kreis.
Der Ikat zeichnet sich wie obenbeschrieben durch die Abbindung des Garns aus. Die Garne werden gezielt abgebunden und gefärbt, wodurch bei den Webmustern eine leichte Unschärfe entsteht. Diese verschwommene Erscheinung ist ein Merkmal des Ikats. Die Herkunft des Ikats ist nicht genau festzulegen, da er in Kulturen auf der ganzen Welt als Technik an zu treffen ist. (11) Am meisten verbreitet ist er jedoch in Indien, Japan und Indonesien. Das Wort "Ikat" hat seinen Ursprung in Indonesien und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in das europäische Vokabular aufgenommen.
Das Wort "Bandh" bedeutet übersetzt "binden", wodurch wir die indische Färbetechnik Bandhani als Bindetechnik ableiten können. (12) Die Abbindungen erfolgen dabei in kleinen Knotungen, die dicht aneinander gereiht sind und nach der Färbung einzelne kleine Punkte ergeben. Durch das mehrfache Abbinden und Färben eines Stoffs entstehen faszinierende Musterungen und Bilder. (Abb. 6)
SeShweshwe ist eine afrikanische Wachsdrucktechnik, die im 16. Jahrhundert von Europa nach Afrika gebracht wurde. (13 / 14) Die Ausgangslage war der europäische Blaudruck, weshalb auch der Einsatz von Indigo ein Merkmal der SeShweshwe Stoffen ist. Früher wurde ausschliesslich mit Baumwolle gearbeitet, was auch heute noch bei originalen SeShweshwe weitergeführt wird. Zu den traditionellen Farben gehören Indigo, Braun und Rot, jedoch kommen heute auch andere Farbtöne zum Einsatz. Für den Druck werden Druckwalzen verwendet die wie ein Model das Druckmuster tragen. Der Baumwollstoff wird durch diese Walzen geführt und bedruckt. Durch den zusätzlichen Einsatz von Säure wird der Grundstoffbesonders hervorgehoben. Es gibt heute noch Firmen wie "Da Gama Textiles" die in Afrika traditionelle SeShweshwe Stoffe herstellen. Die Originale können anhand ihrer Stoffbreite von 90 cm und einem Siegel erkannt werden. (15)
*Für mehr Informationen oder Impressionen zur Färbetechnik Adire empfehle ich einen Einblick auf die Webseite des traditionellen südafrikanischen Textilunternehmens "La Gama Textiles" dass noch heute mit Adire arbeitet. https://www.dagama.co.za
Die aufgeführten Reservierbezeichnungen stellen eine Auswahl dar. Es gibt zahlreiche Weitere Bezeichnungen mit anderer Herkunft. Für eine Vertiefung in der Welt der Reservierung kann ich die online Plattform "the Craft Atlas" empfehlen. Dort werden einige von mir Vorgestellte und weitere Techniken noch einmal vertiefter behandelt.
Quellen:
Duden Rechtschreibung: https://www.duden.de/rechtschreibung/reservieren
Hilda Sandtner, Färbetechniken für Textilien. Tauchfärben, Plangi, Tritik, Ikat und Wachsbatik, Otto Maier Verlag Ravensburg, Ravensburg, 1979, S.32
Ferdinand Aichhorn, Batik. Sammlung Aichhorn Band 2, Verlag Anton Pustet, Salzburg, 2016, S.9-10
Adire (Textilkunst): aufgerufen am 14.02.2022 unter: http://de.knowledgr.com/04132180/Adire
Hilda Sandtner, Färbetechniken für Textilien. Tauchfärben, Plangi, Tritik, Ikat und Wachsbatik, Otto Maier Verlag Ravensburg, Ravensburg, 1979, S.27, 28
World Shibori Network, aufgerufen am 12.02.2022 unter: https://shiboriorg.wordpress.com/shibori-as-art/
Hilda Sandtner, Färbetechniken für Textilien. Tauchfärben, Plangi, Tritik, Ikat und Wachsbatik, Otto Maier Verlag Ravensburg, Ravensburg, 1979, S. 92 & 100
Hilda Sandtner, Färbetechniken für Textilien. Tauchfärben, Plangi, Tritik, Ikat und Wachsbatik, Otto Maier Verlag Ravensburg, Ravensburg, 1979, S. 121
Thorolf Lipp, Adire, die Färbung von Indigo Textilien bei den Yoruba in Nigeria, Arcadia Filmproduktion, 1995
Hilda Sandtner, Färbetechniken für Textilien. Tauchfärben, Plangi, Tritik, Ikat und Wachsbatik, Otto Maier Verlag Ravensburg, Ravensburg, 1979, S.39
Craftatlas, aufgerugen am 14.02.2022 unter: https://craftatlas.co/crafts/ikat
Wikipedia, aufgerufen am 10.02.2022 unter: https://en.wikipedia.org/wiki/Bandhani
La Gagama, aufgerufen am 08.02.2022 unter: https://www.dagama.co.za/about/
Afrikan Chalkbags, aufgerufen am 12.02.2022 unter: https://www.afrikatchalkbags.com/shweshwe/
Wikipedia, aufgerufen am 12.02.2022 unter: https://en.wikipedia.org/wiki/Shweshwe#cite_note-deVillemarette-4
Abbildungsverzeichnis:
Abbildung 1- 4: Illustration von Atelier de Myri
Abbildung 5: Fotografie von Atelier de Myri
Abbildung 6- 9: Illustration von Atelier de Myri
Abbildung 10 & 11: Fotografie von Atelier de Myri
Abbildung 12: Illustration von Atelier de Myri