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3. September bis 20. November 2005
Robert Frank (1924 in Zürich geboren) ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Fotografen unserer Zeit. Sein Beitrag zum Umgang, zum Gestalten, zum Erzählen mit Fotografie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist fast unschätzbar. Geehrt wurde er dafür unter anderem mit dem Hasselblad Award (1996). Anlässlich seines 80. Geburtstages hat die Tate Modern, in Zusammenarbeit mit dem Fotomuseum Winterthur und der Fotostiftung Schweiz eine grosse monographische Ausstellung zusammengestellt. Die Ausstellung wird über zweihundertfünfzig Fotografien umfassen, zusammen mit Filmen, Videos und Künstlerbüchern, die gemeinsam mit dem Künstler für diese Ausstellung ausgewählt worden sind. Robert Frank - Storylines wird die Essenz dieses Werkes, das rund 60 Jahre umfasst, herausarbeiten, wird die erzählerischen und seriellen/sequenziellen Aspekte seiner fotografischen Praxis vorstellen und die herausragende Bedeutung dieses Fotografen, Filmemachers und visuellen Künstlers diskutieren.
Nach seiner Schulzeit in Zürich und einer Ausbildung zum Fotografen in verschiedenen Schweizer Fotoateliers emigrierte er 1947 nach New York. Mit sich nahm er sein erstes Fotobuch, das den Art Director von Harper's Bazaar so beeindruckte, dass er ihm einen Job als Studiofotografen offerierte. Robert Frank bereiste anschliessend bis Mitte der 1950er Jahre Südamerika, Europa und die USA, und entwickelte dabei seinen eigenen, einzigartigen Stil, der die Sprache der Nachkriegsfotografie nachhaltig veränderte. 1951 porträtierte er die Stadt London in der grossen Spannung zwischen Armut und Reichtum nach dem 2. Weltkrieg. 1953 arbeitete er in Caerau in Wales, wo er eine Fotogeschichte über ein Bergwerksdorf, speziell über den Bergarbeiter Ben James und seine Familie entwarf.
Zwei Künstlerbücher, Peru von 1948 und Black White and Things von 1952, demonstrieren sein Interesse an einer Mischung aus realer Darstellung, dem erzählerischen Potential von fotografischen Sequenzen und der visuellen Poesie des Alltagslebens. Die Ausstellung wird auch eine Reihe wichtiger Bilder aus dem Buch Les Américains (1958) / The Americans (1959) enthalten, seiner wohl berühmtesten und einflussreichsten Bilderserie.
Weitere unpublizierte Fotografien von seinen Amerika-Reisen, Bilder aus der "River Rouge”-Autofabrik von Ford bei Dearborn (Detroit) werden zusammen mit Bildern des Demokratischen Nationalkonvents in Chicago (1956) gezeigt, die für den Auftraggeber Esquire zu hart und zu stark waren, um sie im gleichen Jahr noch zu veröffentlichen.
Eine kleine Foto-Serie, aus den Fenstern der New Yorker Busse fotografiert und ganz einfach From the Bus (1958) betitelt, gibt einen entscheidenden Schritt in seiner Entwicklung wieder. Nach diesen Fotografien erklärte Robert Frank seinen Wunsch, die Fotografie zugunsten des Films aufzugeben. Sein erster Film war Pull My Daisy (1959) mit einer improvisierten Narration von Jack Kerouac. Die erzählerische und filmische Qualität seiner Fotografien wird in der Ausstellung durch die Konfrontation mit seinen halbautobiographischen Filmen Conversations in Vermont (1969), und Home Improvements (1985) betont. In den siebziger Jahren kehrte Frank dann doch wieder zur Fotografie zurück, jedoch nicht zum Einzelbild, sondern zu komplexen Bildkonstruktionen mit Bildreihen, Bildsequenzen, mit Polaroids und handgeschriebenen Texten, mit Stills von Filmen und Videos. Robert Franks neuste Bilder, eingeschlossen Memory for the Children (2001-2002), erkunden die Welt von innen her nach aussen, prüfen in Metaphern das Sehen, Fühlen, Denken - und auch Verlust, das Trauern und Altern.
Die Ausstellung, die in ihrer ursprünglichen Form von Vicente Todolí, Direktor der Tate Modern, London, und Philip Brookman, Kurator an der Corcoran Gallery of Art in Washington DC, kuratiert worden ist, erfährt in Winterthur vor allem eine Erweiterung durch frühe, in der Schweiz entstandene Bilder. Erstmals ist dabei seine Serie von Fotografien zu sehen, in der Robert Frank die Appenzeller Landsgemeinde in Hundwil (1949) dokumentiert.