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Die wirksamste Massnahme, um den Krieg zu verkürzen und Russland an den Verhandlungstisch zu bringen, wäre ein möglichst rascher Importstopp für russisches Erdgas, noch bevor Russland alternative Exportwege voll erschlossen hat. Auch ein möglichst rascher Importstopp für russisches Erdöl würde helfen. Das jedenfalls erklären Präsident Selenski und die US-Administration Biden.
Die Gas- und Ölimporte aus Russland könnten Deutschland und einige osteuropäische Staaten sehr viel schneller reduzieren, wenn sie bereit wären, Opfer auf sich zu nehmen. Es ginge nur um etwas weniger Bequemlichkeit und Konsum:
- Im nächsten Winter Häuser und Büros lediglich auf 18 Grad heizen und wie früher Pullover anziehen: Es würden merklich weniger Heizöl und Erdgas gebraucht.
- Tempolimiten auf Autobahnen und Schnellstrassen einführen oder verschärfen: Es bräuchte viel weniger Benzin.
- Energieintensive Unternehmen drosseln ihre Produktion: Die Einsparungen wären enorm.
Einige Unternehmen könnten weniger produzieren und es käme zu Kurzarbeit. Als Folge davon könnte man wegen Knappheit oder höherer Preise etwas weniger konsumieren.
Wenn Russland sofort weniger Erdöl und Erdgas exportieren könnte, würde dies dazu beitragen, diesen fürchterlichen Krieg schneller zu beenden. Angesichts dieser Aussicht sollten die erwähnten Einschränkungen zumutbar sein. Niemand in Europa müsste deswegen hungern oder frieren.
Doch die Regierungen in Deutschland, Polen oder Ungarn sind nicht bereit, ihren Bevölkerungen solche Einschränkungen vorzuschlagen. Gleichzeitig aber nehmen diese Regierungen in Kauf, dass sich die Ernährungskrise in vielen entfernteren Ländern verschärft. Sie unterstützen Sanktionen, welche die Preise von Weizen, Futtermitteln und Dünger explodieren lassen und russische Exporte in arme Länder Nord- und Schwarzafrikas und Südamerikas erschweren. Die Folgen sind noch mehr Millionen Hungernde und Fehlernährte. Es drohen soziale Unruhen und unerwünschte politische Turbulenzen.
Die Schuld an der sich zuspitzenden Ernährungskrise liegt zwar zuerst einmal bei Russland, weil diese kriegsführende Macht verhindert oder behindert, dass die Ukraine Weizen, Futtermittel und Dünger exportieren kann. Und Russland reduzierte oder stoppte seine eigenen Exporte zeitweise selber.
Doch westliche Sanktionen, die Russlands Exporte von Weizen, Futtermitteln und Dünger erschweren, verschärfen die Notlage in vielen Ländern zusätzlich.
Russland produziert rund 15 Prozent des weltweit gehandelten Düngers. Als Futtermittel exportiert Russland Gerste und Sonnenblumenkuchen. Über die Hälfte ihres Weizenbedarfs decken viele Länder Afrikas aus Russland.
Der Krieg führt zu exorbitanten Preisen von Grundnahrungsmitteln. Das trifft Einwohner armer Länder existenziell. Westliche Sanktionen verschlimmern die Lage zusätzlich.
Die EU, welche die Sanktionen verhängt, helfen den eigenen Bevölkerungen mit Milliardenprogrammen, nicht aber den Ärmsten der Armen in Afrika und Südamerika. Die verhängten Sanktionen sind mit daran schuld, dass in fernen Ländern Unschuldige verhungern und verelenden. Gleichzeitig lehnt die EU einen viel schnelleren Importstopp für Erdgas und Erdöl ab, nur um die eigenen Länder vor zumutbaren Einschränkungen zu verschonen. Das ist eine feige Politik.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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