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Weil er eine Biografie über den russischen Komponisten Pawel Sosnowski schreibt, reist der Schriftsteller Andrei Gortschakow (Oleg Jankowski) durch Italien, wo Sosnowski seine grössten Erfolge feierte, bevor er schliesslich nach Russland zurückkehrte. Begleitet wird er von der Dolmetscherin Eugenia (Domiziana Giordano), die ihm bei den Unterhaltungen mit den Einheimischen hilft und zu der er sich auf gewisse Weise hingezogen fühlt.
Während sie ihm bedeutende Bauwerke zeigen will und solche, die im Leben Sosnowskis eine Rolle gespielt haben, bleibt Andrei desinteressiert bis hin zu enttäuscht und sehnt sich schliesslich nach seiner Heimat sowie seiner Familie zurück. Jedoch wird sein Interesse geweckt, als er und Eugenia dem exzentrischen Mathematiker Domenico (Erland Josephson) begegnet, der von seinen Mitmenschen für verrückt gehalten wird, weil er einst seine Familie in deren Haus einsperrte aus Angst, das Ende der Welt stünde bevor.
Zwischen den beiden ergibt sich eine lange Unterhaltung, in deren Verlauf Domenico sich ihm offenbart und seine, wie er sagt, geheimen Pläne verrät. Zum Schluss nimmt er Andrei das Versprechen ab, für ihn eine Kerze für eine Heilige anzuzünden, woran er, weil er von den Einheimischen für verrückt gehalten wird, gehindert wird. Das Gespräch verwirrt den Schriftsteller zutiefst und er sieht sich vor der Frage, ob er selbst solche grossen Ideen je hatte und welche Wahrheit am Ende seines Lebens steht.
Über grosse IdeenSeit 1976 wollten der italienische Drehbauchautor Tonino Guerra und der russische Regisseur Andrej Tarkowskij zusammenarbeiten, doch bis es zu dieser Kollaboration kam, sollten nicht nur viele Jahre vergehen, sondern mussten auch viele finanzielle Hürden genommen werden. Vor allem die malerische Landschaft der Toskana inspirierte Tarkowskij zu Nostalghia, welcher dann der erste Film wurde, den der Regisseur ausserhalb seiner Heimat Russland drehte. Der Film, der von Tarkowskij selbst als „einfache Liebesgeschichte“ beschrieben wurde, ist zum einen eine Studie über das Heimweh und zum anderen eine Suche nach der Wahrheit im Leben eines Menschen und seiner Welt, die durch die Zeit stets verändert und damit zerstört wird.
Durch das gesamte Werk Andrej Tarkowskijs bemerkt man das Thema der Zeit und der Frage nach dem, was bleibt. Oft mit dem vagen Begriff der Wahrheit oder Wahrhaftigkeit benannt, ist es, wie bei Figuren wie Domenico oder Gortschakow, immer eine Idee, der man sich mit Worten bestenfalls annähern kann und die zu erfassen einen Menschen in eine fundamentale Sinnsuche verwickelt. Das von Domenico befürchtete Ende der Welt muss keinesfalls ein Zustand sein, wie man ihn heutzutage aus diversen Filmen, Romane oder Serien kennt, sondern umfasst vor allem das Psychologische und das Spirituelle, was im Zersetzungsprozess begriffen ist.
Im Grunde sind Domenico und Gortschakow sinnverwandt mit jenen Figuren aus Tarkowskijs Vorgängerfilm Stalker, die an einem Ziel ihrer Träume oder Überlegungen angekommen nicht anders können, als enttäuscht zu sein und an der Unerreichbarkeit dieser Wahrheit zugrunde zugehen. Mögen diese Überlegungen und Aspekte des Films auf den ersten Blick verwirrend und komplex erscheinen, verliert Tarkowskijs und Guerras Skript doch nie diese menschliche Perspektive aus den Augen, die einem nicht eine Wahrheit serviert, sondern, ganz im Sinne der Geschichte, einen Zustand oder ein Erlebnis beschreibt, in dem sich jeder weltoffene Zuschauer wiederfinden kann.
Wasser, Feuer, Asche, KnochenNeben den langen Kamerafahrten spielen vor allem die Motive des Feuers, des Wassers, der Asche und der Knochen eine gewichtige Rolle in der Bilderwelt Tarkowskijs. Wie schon in Tarkowskijs Spiegel ist der Übergang zwischen Realität, Traum und Erinnerung fliessend, die Zeit und die Fassbarkeit der Welt verlieren mehr und mehr an Substanz und sind in einem Auflösungsprozess begriffen. Kaum ein Innenraum, der nicht überflutet ist, mit Rissen in den Wänden und Wasserflecken auf den Möbeln, während das Feuer und die Asche jenen Prozess der Befreiung vermitteln von der physischen Welt und der des Wortes.
Darüber hinaus finden sich Anspielungen auf mittelalterliche Kunst, Architektur und Bildhauerei, welche sie spirituelle Dimension des Prozesses, den Tarkowskijs Figuren durchlaufen, betonen und begleiten.
Sowjetunion
1983-
121 min.
Regie: Andrei Tarkowski
Drehbuch: Andrei Tarkowski, Tonino Guerra
Darsteller: Oleg Jankowski, Erland Josephson, Domiziana Giordano
Produktion: Renzo Rossellini, Manolo Bolognini
Musik: Diverse
Kamera: Giuseppe Lanci
Schnitt: Erminia Marani, Amedeo Salfa