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Die Mehrheit der Pensionierten besitzt Immobilien. (Bild: Keystone)
Das Vermögen kann im Pensionsalter die finanzielle Situation eines Haushalts wesentlich verbessern. Insbesondere dann, wenn die Betroffenen nicht ihr ganzes Leben lang Beiträge in die Altersvorsorge einbezahlt haben. Mit schnell verfügbaren Ressourcen wie Bargeld können ungeplante Ausgaben gedeckt werden, zum Beispiel für medizinische oder zahnärztliche Leistungen, die in diesem Alter aufgrund des fragileren Gesundheitszustands vermehrt benötigt werden. Wer Wohneigentum oder ein Fahrzeug besitzt, spart laufende Kosten (Miete, Verkehr). Allerdings verfügen nicht alle Haushalte zum Zeitpunkt der Pensionierung über liquide Mittel oder Wohneigentum.
Mit einer Analyse des Privatvermögens in der Schweiz lässt sich nicht nur das Vermögen der Haushalte messen, sondern auch, welche Gruppen in welchen Lebensphasen nur geringe finanzielle Ressourcen haben. Steuerdaten aus elf Kantonen für den Zeitraum 2011 bis 2015, die im Rahmen des Projekts «Wisier»[1] des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) mit anderen Statistiken abgeglichen wurden, liefern ein genaues Bild der Vermögenssituation. Dabei handelt es sich um das bei den Steuerbehörden deklarierte Vermögen, aufgegliedert nach Kategorien (hauptsächlich Wertpapiere, Kapitalleistungen und Immobilien), und um die deklarierten Schulden. Wichtig ist der Hinweis, dass Guthaben im Rahmen der zweiten Säule und Lebensversicherungen ohne Rückkaufswert steuerbefreit sind und daher nicht in den Ergebnissen dieses Artikels erscheinen.[2]
Haushalte mit Pensionierten sind wohlhabender
Diesen Daten zufolge beträgt der Median des Nettovermögens für alle Haushalte mit mindestens einer Person im Pensionsalter 222’700 Schweizer Franken (36’200 Schweizer Franken für Haushalte im Erwerbsalter). Diese Medianwerte verdecken allerdings das breite Spektrum individueller Situationen, da die Vermögen wesentlich ungleicher verteilt sind als die Einkommen. So sind 3 Prozent der Pensioniertenhaushalte verschuldet, und 15 Prozent geben an, dass sie kein Vermögen haben (Erwerbshaushalte: 10 bzw. 17 Prozent). Am anderen Ende der Skala deklarierten 14 Prozent der Pensioniertenhaushalte ein Bruttovermögen von über einer Million (Erwerbshaushalte: 5 Prozent).
Die Höhe des Nettovermögens ist stark altersabhängig: Nach dem 50. Lebensjahr steigt es deutlich an, und auch nach der Pensionierung setzt sich diese Zunahme fort. Dieses Vermögenswachstum ist einerseits damit zu erklären, dass die Ersparnisse im Laufe des Lebens wachsen, insbesondere gegen Ende des Erwerbslebens, und andererseits durch den Kapitalbezug von Guthaben aus der zweiten Säule bei der Pensionierung.[3] Erbschaften, die in der Schweiz die wichtigste Art der Vermögensweitergabe darstellen, spielen ebenfalls eine Rolle: Laut Wirtschaftsprofessor Marius Brülhart gehen rund 60 Prozent aller Erbschaften in der Schweiz an Personen über 60 Jahre.[4]
Die Zusammensetzung der Pensioniertenhaushalte wirkt sich ebenfalls auf die Höhe des Nettovermögens aus. So haben pensionierte Ehepaare nicht nur mehr Vermögen, weil beide Ehepartner zum Sparen beitragen konnten, sondern auch, weil sie häufiger Wohneigentum besitzen. Entsprechend weisen Einpersonenhaushalte in der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen ein Medianvermögen von 129’000 Schweizer Franken aus, Paare ohne Kinder im Haushalt dagegen 367’000 Schweizer Franken. Nach der Pensionierung wächst das Medianvermögen: Bei Haushalten mit Personen ab 90 Jahren liegt es bei 214’000 Schweizer Franken für Einpersonenhaushalte und 423’000 Schweizer Franken für Paare (siehe Abbildung).
Median-Nettovermögen der Haushalte nach Alter und Familiensituation (2015)
Anmerkung: Das Nettovermögen von über 70-jährigen Paaren mit Kindern im Haushalt bzw. Alleinerziehenden wurde aufgrund der geringen Anzahl nicht berechnet.
Quelle: Wisier-Statistik / Die Volkswirtschaft
Starke Ungleichheiten je nach soziodemografischen Merkmalen
Mit den Wisier-Daten kann das Nettovermögen für verschiedene Parameter und insbesondere nach Bildungsniveau bestimmt werden. Das Median-Nettovermögen der Pensioniertenhaushalte beträgt 113’800 Schweizer Franken, wenn als höchster Bildungsabschluss die Sekundarstufe I abgeschlossen wurde. Es steigt auf 258’600 Schweizer Franken bei einem Abschluss auf Sekundarstufe II und auf 396’100 Schweizer Franken bei Tertiärabschluss. Bei den am wenigsten qualifizierten Haushalten besteht das Vermögen hauptsächlich aus Wertpapieren und Kapitalanlagen, während Haushalte mit mittlerem oder höherem Bildungsniveau häufiger Immobilien besitzen.
Pensioniertenhaushalte, die ausschliesslich aus Personen mit Migrationshintergrund bestehen, verfügen über ein geringeres Median-Nettovermögen als Haushalte mit mindestens einer Person ohne Migrationshintergrund (61’800 bzw. 158’200 Schweizer Franken). Da gering qualifizierte Haushalte und Haushalte mit Migrationshintergrund auch niedrige Einkommen haben, verfügen diese beiden Gruppen oft nur über wenig Erspartes, weshalb prekäre Lebenssituationen häufiger sind.[5]
Wie setzt sich das Vermögen zusammen?
Das Vermögen der Haushalte mit Personen im Pensionsalter besteht hauptsächlich aus Wertpapieren und Kapitalanlagen (vor allem Bankguthaben) sowie Immobilien. Bei allen Pensioniertenhaushalten insgesamt beträgt der Medianwert der Bankguthaben 142’000 Schweizer Franken. Wie beim Nettovermögen ist die individuelle Situation jedoch sehr unterschiedlich: 7 Prozent der Pensioniertenhaushalte deklarieren kein Bankguthaben oder Bargeld und 24 Prozent ein Guthaben von weniger als 50’000 Schweizer Franken. Auch in diesem Punkt sind die Pensionierten bessergestellt als die Erwerbshaushalte (14 bzw. 41 Prozent).
Insgesamt 57 Prozent der Pensioniertenhaushalte besitzen Wohneigentum. Der Median des Steuerwerts dieser Liegenschaften beträgt 367’000 Schweizer Franken und ist damit niedriger als bei den Erwerbshaushalten mit Immobilienbesitz (404’000 Schweizer Franken).[6] Die Differenz erklärt sich zum Teil dadurch, dass Pensionierte ihre Liegenschaften oft schon länger besitzen und der geschätzte Steuerwert nicht regelmässig aktualisiert wird.
Etwas mehr als die Hälfte der Pensionierten deklariert Schulden, meistens Hypotheken. Ohne Berücksichtigung der Haushalte mit Wohneigentum beträgt dieser Anteil lediglich 17 Prozent. Der Betrag der Schulden ist meistens gering; weniger als 20’000 Schweizer Franken. Von den Pensionierten mit Wohneigentum haben 77 Prozent Schulden, während 23 Prozent ihre Hypotheken vollständig amortisiert haben.
Kein Vermögensrückgang im Pensionsalter
Anhand dieser Daten sind drei Feststellungen möglich. Erstens ist es nicht so, dass bei einer dem Median entsprechenden Person im Pensionsalter das Vermögen schrumpft, das während des Erwerbslebens angespart wurde. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zur Lebenszyklustheorie, bei der davon ausgegangen wird, dass das Ersparte im Alter für den Konsum verwendet wird. Erbschaften stellen somit die wichtigste Form der Vermögensübertragung dar. Zweitens wird das Vermögen in der Schweiz überwiegend von Pensionierten gehalten, was die Frage aufwirft, ob jüngere Menschen genügend Kapital haben, wenn sie sich zum Beispiel selbstständig machen möchten. Drittens bestätigen die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen und allgemein zwischen den Haushalten, dass das Vermögen in der Schweiz nicht gleichmässig verteilt ist. Auch im Pensionsalter sind die verfügbaren Einkommen ungleich auf die einzelnen Haushalte verteilt. Das Zusammenspiel dieser Faktoren führt dazu, dass die individuellen Lebenssituationen im Pensionsalter sehr unterschiedlich aussehen, was Auswirkungen auf die Sozialpolitik hat.
- Weitere Informationen über die Wisier-Datenbank sind verfügbar auf der Website des BSV.
- Weitere Grenzen der Daten, insbesondere die Repräsentativität der berücksichtigten Kantone, werden in Wanner (2019) diskutiert.
- Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) haben sich nur 44 Prozent der Personen, die neu eine Altersleistung aus einer Pensionskasse beziehen, für eine Auszahlung in Form einer Rente entschieden, während 36 Prozent einen Kapitalbezug und 20 Prozent eine gemischte Lösung (Rente plus Kapital) wählten.
- Siehe Brülhart (2019).
- Siehe Wanner und Gerber (2022).
- Der berücksichtigte Immobilienwert wurde um kantonale Unterschiede bereinigt. Siehe Wanner (2019) für weitere Erläuterungen.
Literaturverzeichnis
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Brülhart M. (2019). Erbschaften in der Schweiz: Entwicklung seit 1911 und Bedeutung für die Steuern. Social Change in Switzerland, Nr. 20.
-
Bundesamt für Statistik (2023). Neurentenstatistik.
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Wanner P. (2019). Préparation d’une base de données sur la situation économique des personnes en âge d’activité et à l’âge de la retraite (Wisier). BSV, Bern.
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Wanner P. und Gerber R. (2022). Wirtschaftliche Situation von Personen im Erwerbs- und im Rentenalter. BSV, Bern.
Bibliographie
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Brülhart M. (2019). Erbschaften in der Schweiz: Entwicklung seit 1911 und Bedeutung für die Steuern. Social Change in Switzerland, Nr. 20.
-
Bundesamt für Statistik (2023). Neurentenstatistik.
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Wanner P. (2019). Préparation d’une base de données sur la situation économique des personnes en âge d’activité et à l’âge de la retraite (Wisier). BSV, Bern.
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Wanner P. und Gerber R. (2022). Wirtschaftliche Situation von Personen im Erwerbs- und im Rentenalter. BSV, Bern.
Zitiervorschlag: Philippe Wanner (2023). Die Pensionierten sind reicher als die Erwerbstätigen. Die Volkswirtschaft, 21. Februar.