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Der neun Wochen alte Welpe wird uns wegen aktuem Husten und Atemnot als Notfall vorgestellt, zuvor war der Hund frei im Garten unterwegs gewesen.
Der quirlige Welpe ist schwierig zu untersuchen. Da der Husten sehr stark ist und akut begonnen hat, scheint es möglich, dass Migo eine Verletzung der Atemwege aufweist oder gar einen Fremdkörper eingeatmet hat. Zwar findet sich auf einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs ein verdächtiger Bereich in der Gegend der Luftröhrenaufzweigung (schwarzer Kreis); eine definitive Diagnose ist so aber nicht möglich.
Migo wird narkotisiert - so können wir mit einem Endoskop die Atemwege untersuchen: Die Luftröhre ist stark gerötet und enthält viel Schleim. Wir trauen unseren Augen kaum: In einem Bronchus, kurz nach der Aufzweigung der Luftröhre in die sogenannten Stammbronchien steckt ein kleines, braunes, kugeliges Gebilde! Dieses Kügelchen wird jedesmal, wenn der Hund hustet, wie eine Flipperkugel aus dem Bronchus in die Luftröhre geschleudert. Die Narkose wird vertieft, damit der Welpe nicht mehr hustet; und nach einigen Versuchen gelingt es uns, den Fremdkörper mit einer feinen Zange zu packen und an die Aussenwelt zu befördern: Migo hat einen Kirschenstein eingeatmet!
Migo erhält ein starkes Antibiotikum um einer allfälligen Lungenentzündung vorzubeugen. Er erholt sich erstaunlich gut und schnell von seinem Abenteuer; 3 Wochen später sehen wir ihn zur zweiten Welpenimpfung wieder. Neben etwas Durchfall geht es dem kleinen Rüden gut.
Obwohl Fremdkörper jeglicher Art bei kleinen Haustieren z.B. in der Haut, der Maul/Rachenregion und dem Magen-Darmtrakt recht häufig vorkommen, ist ein Fremdkörper der unteren Atemwege ein sehr selten beobachtetes Problem. Migo hatte Glück im Unglück: Der Kirschenstein war zu gross, um viel weiter als bis zur Aufzweigung der Luftröhre in die grossen Stammbronchien zu gelangen - so konnte er relativ einfach mit dem Endoskop identifiziert und entfernt werden. Wäre der Fremdkörper deutlich kleiner oder der Hund deutlich grösser gewesen, wäre der Eindringling tiefer in die Lunge gelangt, was es schwierig bis unmöglich gemacht hätte, ihn zu finden und zu entfernen.
© Dr. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet