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Eine gesunde Leber erfüllt diverse Aufgaben. Bei einer Leberzirrhose kann das Organ seine Funktionen nicht mehr voll erfüllen. Die Folge kann tödlich sein.
Die Leberzirrhose ist ein weit fortgeschrittenes Stadium oder Endstadium verschiedener Lebererkrankungen, in deren Verlauf die Leberstruktur zunehmend zerstört ist. Wegen der stetigen Schädigung des Lebergewebes verhärtet die Leber zunehmend, vernarbt und schrumpft.
Eine Leberzirrhose kann die unterschiedlichsten Ursachen haben:
Bei einer Leberzirrhose können die Symptome sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein oder sogar fehlen. Als typische Anzeichen der Leberzirrhose gelten Allgemeinsymptome wie:
Oft verursacht eine Leberzirrhose zudem ein Druck- oder Völlegefühl im Bereich oberhalb des Bauchnabels. Zusätzlich können die sogenannten Leberhautzeichen auftreten, die sich unter anderem durch spinnenförmige Blutgefäss-Muster, rot gefärbte Daumen- und Kleinfingerballen (Palmarerythem) und knallrote, glänzende Lippen und Zunge (sog. Lacklippen und Lackzunge) bemerkbar machen. Eine gelbliche Verfärbung des Augenweiss und der Haut (Gelbsucht bzw. Ikterus) zählt nicht zu den klassischen Hautzeichen der Leberzirrhose und tritt in der Regel erst auf, wenn die Leber nicht mehr ausreichend funktioniert.
Eine Leberzirrhose kann man mithilfe von Blutuntersuchungen und anhand der Beschwerden feststellen. Der Schweregrad der Leberzirrhose bemisst sich nach dem Child-Pugh-Score, auch Child-Pugh-Klassifikation genannt. Sie ermöglicht es, die Leberfunktion zu bewerten und eine Prognose zur Leberzirrhose zu erstellen: Das Ergebnis Child A hat die beste, Child C die schlechteste Prognose.
Die gegen eine Leberzirrhose eingesetzte Therapie umfasst Allgemeinmassnahmen wie den Verzicht auf leberschädigende Substanzen (Alkohol, bestimmte Medikamente) sowie das Erreichen und Halten eines gesunden Körpergewichts und richtet sich darüber hinaus nach der genauen Ursache der Erkrankung.
Mehr als die Hälfte aller Leberzirrhose-Fälle ist auf Alkoholkonsum zurückzuführen.
Eine Leberzirrhose ist ein krankhafter Zustand der Leber, der durch eine zerstörte Gewebe- und Gefässstruktur des Organs gekennzeichnet ist. Die Leber verhärtet sich zunehmend und schrumpft, wobei sich ihre ursprüngliche Struktur verändert: Mit der Zeit wandelt sich die Leber immer mehr in narbiges Bindegewebe um. Durch die Veränderungen sind die normalen Leberfunktionen derart eingeschränkt, dass es im weiteren Verlauf und mit zunehmender Verschlechterung zu teilweise lebensbedrohlichen Komplikationen kommen kann.
Die häufigsten Ursachen von Leberzirrhosen sind hierzulande
Prinzipiell kann aber jede lang andauernde Lebererkrankung im Endstadium zu einer Zirrhose führen.
Eigentlich ist die Leber ein äußerst regenerationsfähiges Organ: Wird (etwa zum Zweck einer Leberspende) ein Teil von ihr entfernt, kann der Körper das fehlende Gewebe binnen weniger Wochen ersetzen. Auch von zerstörerischen Einflüssen wie Alkohol kann sich die Leber zumindest anteilig erholen – sofern man ihr die Chance dazu gibt.
Mutet man der Leber jedoch über längere Zeit hinweg immer wieder Belastungen zu, kann sie sich nicht mehr vollständig erholen. Das zerstörte Gewebe wird nicht mehr durch gesundes ersetzt, sondern durch minderwertiges Bindegewebe. Die Leber vernarbt. Da das Narbengewebe schlechter durchblutet wird, arbeitet die Leber dann immer langsamer und weniger effizient.
Die häufigste Ursache der Leberzirrhose ist Alkohol: Bei 55 von 100 Erkrankten geht der Zirrhose eine alkoholische Fettlebererkrankung voraus. Alkohol kann die Leber derart beeinträchtigen, dass sie Fett nicht mehr richtig verstoffwechseln kann. Das Fett sammelt sich dann in den Leberzellen an. Diese Verfettung führt auf Dauer dazu, dass das Lebergewebe Schaden nimmt und in funktionsloses Bindegewebe umgebaut wird.
Eine Leberzirrhose kann jedoch auch durch eine nicht-alkoholische Fettleber entstehen, die wiederum Folge von starkem Übergewicht und Diabetes mellitus ist. In Industriestaaten ist die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung inzwischen die häufigste Ursache chronischer Lebererkrankungen.
Bei etwa 40 von 100 Erkrankten ist die Leberzirrhose Folge einer durch Viren ausgelösten Entzündung (Virushepatitis). Je nachdem welches Virus die Leberentzündung auslöst, unterscheidet man Hepatitis A, B, C, D oder E.
Bei etwa 5 von 100 Betroffenen lässt sich die Zirrhose auf andere Erkrankungen zurückführen. Zum Beispiel können bestimmte Autoimmunerkrankungen eine Leberzirrhose verursachen, wenn sie nicht behandelt werden. Bei diesen Erkrankungen greift das körpereigene Abwehrsystem irrtümlich Leber oder Gallenwege an. Dadurch entzündet sich das angegriffene Gewebe. Diese Entzündung kann im weiteren Verlauf eine Zirrhose nach sich ziehen.
Weitere seltene Auslöser einer Leberzirrhose sind Stoffwechselerkrankungen wie:
Vereinzelt führen auch Schäden durch Medikamente, Chemikalien oder Tropenerkrankungen (z.B. Amöbenruhr oder Cholera) zu einer Leberzirrhose.
Typische Symptome einer Leberzirrhose sind:
Weitere charakteristische Symptome einer Leberzirrhose sind Hautveränderungen (sog. Leberhautzeichen). Dazu gehören:
Auch eine Wasseransammlung im Bauch ist ein mögliches Anzeichen für eine Leberzirrhose. Der Bauchumfang vergrössert sich dadurch und die Betroffenen nehmen rasch zu.
Bei Männern geht eine Leberzirrhose mitunter mit hormonellen Störungen wie Potenzproblemen einher. Manchmal verändert sich dadurch die Behaarung (sogenannte Bauchglatze). Eventuell können sich auch die Brustdrüsen vergrößern. Bei Frauen treten manchmal Unregelmässigkeiten bei der Regelblutung auf (Menstruationsstörungen).
Wichtig: Hinter all diesen Symptomen muss nicht zwangsläufig eine Lebererkrankung stecken. Beispielsweise färben sich auch bei vielen Schwangeren die Daumen- und Kleinfingerballen rot oder scheinen die sogenannten Gefässspinnen durch die Haut. Meist verschwinden sie nach der Schwangerschaft wieder.
Die gelbe Verfärbung der Haut und des Augenweiss sind typische Anzeichen für eine fortgeschrittene Leberzirrhose. Da die geschädigte Leber den orangefarbenen Gallenfarbstoff Bilirubin nicht mehr so schnell aufnehmen und verarbeiten kann, lagert dieser sich im Körpergewebe ab. Das Augenweiss nimmt dann einen gelblichen Farbton an, im Verlauf verfärbt sich dann auch die Haut.
Darüber hinaus können weitere Beschwerden hinzukommen, zum Beispiel:
Verfärbt sich das Auge gelb, deutet das auf eine fortgeschrittene Leberzirrhose hin.
Wenn die Leber nicht mehr richtig arbeitet, bildet sie geringere Mengen bestimmter lebenswichtiger Stoffe. Zudem schafft sie es nicht mehr, körpereigene Abfallstoffe aus dem Blut zu entfernen. Beides ist an den Blutwerten zu erkennen: Bei den Erkrankten sind typischerweise die Werte für die Enzyme Albumin und Cholinesterase erniedrigt. Die Werte für den Gallenfarbstoff Bilirubin sind hingegen erhöht.
An den Blutwerten können Ärztinnen und Ärzte jedoch nicht nur ablesen, ob jemand eine Leberzirrhose hat. Die Werte geben auch einen Hinweis darauf, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Die Blutwerte sind somit ein wichtiges Kriterium, um das Stadium der Erkrankung festzustellen. Die Ärztin oder der Arzt ermittelt unter anderem
Beide geben Aufschluss darüber, ob die Blutgerinnung funktioniert. Da die Leber Stoffe bildet, die für die Blutgerinnung benötigt werden, lässt sich so beurteilen, wie gesund die Leber ist.
Die Blutwerte allein reichen allerdings nicht aus, um das Stadium einer Zirrhose zu berechnen. Eine Rolle spielen darüber hinaus die Beschwerden der oder des Erkrankten. Etwa muss die Ärztin oder der Arzt untersuchen, ob sich bei ihr oder ihm bereits Wasser im Bauch gesammelt hat – und wenn ja, wie viel.
Mithilfe des sogenannten Child-Pugh-Score wird das Stadium der Lebererkrankung ermittelt. Zu den einzelnen Kriterien (wie Albumin- und Bilirubin-Werte, Wasseransammlung im Bauch sowie Störung der Gehirnfunktion) werden Punkte vergeben. Am Ende zählt die Ärztin oder der Arzt alle Punkte zusammen. Anhand der Punktzahl kann sie oder er den Schweregrad der Erkrankung beurteilen: Je höher die Punktzahl, umso schlechter ist der Zustand der Leber.Es gibt die Stadien Child A, B und C. Sie sagen auch etwas darüber aus, mit welcher Lebenserwartung die oder der Betroffenen noch rechnen kann.
Meist kann die Ärztin oder der Arzt bereits anhand der typischen Symptome und der Blutwerte erkennen, ob jemand an einer Leberzirrhose erkrankt ist oder nicht. Für eine sichere Diagnose sind aber noch weitere Untersuchungen nötig, unter anderem mithilfe bildgebender Verfahren. Zum Beispiel kann eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs sinnvoll sein: Im Falle einer Zirrhose sind im Ultraschallbild bestimmte Veränderungen an der Leber zu erkennen. Beispielsweise erscheint die Oberfläche der Leber wellig.
Neben der klassischen Ultraschalluntersuchung kommt mitunter auch ein neueres Verfahren zum Einsatz, die transiente Elastographie: Hiermit kann die Ärztin oder der Arzt feststellen, wie gross der Anteil an Bindegewebe in der Leber ist. Bei einer Leberzirrhose wandelt sich die Leber zunehmend in narbiges Bindegewebe um.
Wird die Zirrhose in einem frühen Stadium bemerkt und behandelt, kann sich die Leber in vielen Fällen wieder erholen. Entscheidend ist dafür vor allem, dass die oder der Erkrankte
Die weitere Behandlung richtet sich der Ursache der Erkrankung: Hat eine Hepatitis B oder C die Leberzirrhose verursacht, stehen zur Therapie bestimmte Medikamente zur Verfügung. Diese hemmen die Vermehrung der Hepatitisviren. Bei anderen Erkrankungen kommen andere Mittel und Massnahmen zum Einsatz.
Oft wird die Leberzirrhose zu spät erkannt. Viele Erkrankte befinden sich zum Zeitpunkt der Diagnose bereits im Stadium Child B oder C der Zirrhose. Bei ihnen besteht in der Regel keine Chance auf Heilung. Eine rechtzeitige Behandlung kann sie jedoch davor bewahren, an den Folgen der Zirrhose zu sterben – wenigstens für eine gewisse Zeit.
Die häufigsten Folgen einer fortgeschrittenen Leberzirrhose sind:
Gegen die Flüssigkeitsansammlung im Bauch können harntreibende Medikamente (Diuretika) helfen. Und auch die anderen Komplikationen lassen sich häufig durch Medikamente und andere Massnahmen in den Griff bekommen. Die wichtigste Massnahme ist aber in jedem Fall, dass die oder der Betroffene auf Alkohol verzichtet und keinerlei Mittel einnimmt, welche die Leber noch weiter schädigen.
Deutlich schlechter sind die Überlebenschancen, wenn zusätzlich zu den erwähnten Komplikationen noch weitere Folgeerkrankungen hinzukommen – etwa:
Für Menschen mit einer Leberzirrhose im Stadium Child B oder C kann eine Lebertransplantation die Überlebenschancen deutlich verbessern. Wenn der Eingriff erfolgreich verläuft und danach keine Komplikationen auftreten, verschafft er den Betroffenen häufig viele Jahre oder sogar Jahrzehnte Lebenszeit.
Für viele Menschen mit einer Child-C-Zirrhose kommt eine Transplantation allerdings nicht mehr infrage: Ihr gesundheitlicher Zustand ist oft so schlecht, dass sie die Operation wahrscheinlich nicht überleben würden. Hinzu kommt, dass die Wartezeit auf ein Spenderorgan meist viele Monate beträgt.
Neben der klassischen Lebertransplantation besteht jedoch auch noch die Möglichkeit einer Teilleber-Lebendspende, das heisst: Die oder der Betroffene erhält Lebergewebe von einer gesunden Person. Das verpflanzte Stück Leber wächst, wenn alles gut läuft, wieder zu einem vollständigen Organ heran – ebenso wie der verbliebene Teil der Leber des Spenders.
Durch eine Leberzirrhose erhöht sich der Energie- und Eiweissbedarf des Körpers. Zugleich kann der Körper aufgenommene Nährstoffe nicht mehr richtig verwerten. Obendrein verspüren die Betroffenen häufig keinen Appetit und leiden unter Übelkeit. Aus diesen Gründen sind viele Erkrankte mangelernährt, mit weitreichenden Konsequenzen: Der Körper wird schwächer und die Lebenserwartung verringert sich.
Um das zu verhindern, sollten sich Erkrankte an folgende drei Ernährungsregeln halten:
1. Auf die Kalorien achten: Die tägliche Kalorienzufuhr sollte etwa 35 bis 40 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht betragen. Ein 70 Kilogramm schwerer Mensch benötigt demnach 2450 bis 2800 Kilokalorien.
2. Genügend Eiweiss essen: Täglich sollten 1 bis 1,2 Gramm Eiweiss pro Kilogramm Körpergewicht auf dem Speiseplan stehen. Bei 70 Kilogramm Körpergewicht müssen es also zwischen 70 und 84 Gramm Eiweiss sein. Entscheidend ist auch die Eiweissquelle: Das in Milch, Soja, Tofu, Getreide, Hülsenfrüchten und Gemüse enthaltene Eiweiss besteht aus sogenannten verzweigtkettigen Aminosäuren, die für die Leber weniger belastend und besser verträglich sind als die aromatischen Aminosäuren, die in Fleisch, Ei oder Fisch stecken.
3. Salz meiden: Salz bindet Wasser im Körper und kann somit Flüssigkeitsansammlungen begünstigen, die häufig als Begleiterscheinung einer Leberzirrhose auftreten. Insgesamt sollten pro Tag nicht mehr als fünf Gramm Salz auf dem Speiseplan stehen.
Für Erkrankte, die keine normale Ernährung mehr zu sich nehmen können, gibt es spezielle hochkalorische Nahrungsergänzungsmittel mit einem hohen Anteil verzweigtkettiger Aminosäuren (VKAS: Isoleucin, Leucin, Lysin, Valin) und einem niedrigen Anteil aromatischer Aminosäuren (Phenylalanin, Tyrosin, Tryptophan). Es hat sich gezeigt, dass der Körper diese Präparate besser verwerten kann, wenn man sie spätabends oder nachts einnimmt.
Die Lebenserwartung hängt in erster Linie davon ab, wie stark die Leberfunktion bereits beeinträchtigt ist, also vom Stadium der Zirrhose. Ärztinnen und Ärzte teilen die Erkrankung je nach Schweregrad in drei Stadien ein:
Child A steht dabei für das Anfangsstadium, Child C für das Endstadium der Leberzirrhose. «Child» heisst in diesem Fall nicht «Kind», sondern ist der Name einer der Ärzte, die die Einteilung entwickelt haben. Die Einteilung erfolgt anhand von fünf Kriterien, die etwas über die Funktion der Leber aussagen. Ein Kriterium sind zum Beispiel bestimmte Blutwerte, die sich durch eine Leberzirrhose verändern.
Anhand des Stadiums und von Statistiken kann die Ärztin oder der Arzt abschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass der Patient die nächsten ein bis zwei Jahre überleben wird: Befindet sich die Leberzirrhose noch im Anfangsstadium (Child A), überleben mehr als 90 Prozent alle Erkrankten das erste und zweite Jahr nach der Diagnose. Im Mittelstadium überleben etwa 85 Prozent der Erkrankten das erste Jahr und 70 Prozent das zweite. Bei einer Leberzirrhose im Endstadium (Child C) ist die Lebenserwartung gering: Nur 35 von 100 Betroffenen leben länger als ein Jahr.
Bei einer Leberzirrhose ist es nicht die Zirrhose selbst, die zum Tod führt, sondern eine oder mehrere ihrer Folgen. Die häufigsten Todesursachen bei einer Leberzirrhose sind:
Der Sterbeverlauf hängt also davon ab, woran genau die oder der Betroffene letztlich stirbt. Denn die genannten Erkrankungen gehen mit verschiedenen Beschwerden einher und können sehr unterschiedlich verlaufen – je nachdem, wie es um den sonstigen Gesundheitszustand der oder des Betroffenen bestellt ist.