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Der hellenistische Ritus

Ich
Tarzan, du Jane...
Eines
Schattens Traum ist der Mensch.
Pindar
(5. Jh.v.u.Z.)
ieser
kleine Text ist ein praktischer Führer für jeden und jede, der/die es einmal
wünscht ein griechisch-heidnisches Stelldichein durchzuführen oder sogar mal einen
griechisch-heidnischen Jahreskreis feiern möchte.
Der
Text basiert auf der antiken Überlieferung und auf der Praxis von verschiedenen
griechisch-neuheidnischen Traditionen.
Das
Ritual ist, obwohl der Tradition folgend, nur eine von vielen Möglichkeiten ein
griechisch-heidnisches Ritual durchzuführen und kann, wenn du es möchtest,
sowohl gekürzt, wie auch erweitert werden.
Die
Struktur für das Ritual ist wie folgend:
1.
die Versammlung
2.
die Prozession
3.
das Entzünden des heiligen Feuers
4.
das Ausstreuen der Gerstenkörner
5.
das Mischen des Weines
6.
das erstes Trankopfer
7.
die Hymne
8.
das zweite Trankopfer
9.
das Opfer
10.
der heilige Tanz und der Hauptteil des Rituals
11.
das heilige Fest
12.
das Trankopfer des Dankes
13.
abschliessendes Trankopfer
Hier
folgt nun eine detaillierte Beschreibung, der oben bezeichneten Punkte.
1.
die Versammlung
Am
Ort der Zusammenkunft versammeln sich zuerst alle Teilnehmenden und bereiten
sich dort auf das folgende Ritual vor. Dies beinhaltet sowohl das Anziehen der
rituellen Gewänder, wie auch das Zusammenstellen aller für das Ritual
benötigten rituellen Gegenstände.
In
den alten Zeiten war der übliche Platz der Zusammenkunft der Prytaneion,
wo der Herd der Hestia mit ihrer ewigen Flamme behütet wurde und welcher als
das religiöse Zentrum der Gemeinschaft angesehen wurde.
2.
die Prozession
Die
übliche Eröffnung eines hellenistischen Rituals ist die Prozession. In den
alten Zeiten gehörten zu einer Prozession.
Der Priester und/oder die Priesterin, die Trankopferträger/innen und die
Korbträger/innen, deren Körbe das heilige Gerstenkorn enthielt, in denen das Opfermesser verborgen war, Tänzer/innen, Musiker/innen und verschiedene
Personen, die für das Ritual benötigten Gegenstände und manchmal auch eine Statue
oder ein Bildnis der Gottheit trugen.
Athleten
waren auch häufig ein Merkmal einer Prozession, besonders wenn im Anschluss des
Rituals Wettkämpfe abgehalten wurden.
Es
ist von Vorteil, wenn möglichst viele Mitwirkende die oben erwähnten
Funktionen ausführen könnten.
Die
Prozession bewegt sich vom Ort der Zusammenkunft, wo jeder und jede ihren Platz
eingenommen hat, zu dem Platz, wo das eigentliche Ritual durchgeführt wird.
Meistens gewöhnlich ein Tempel oder ein heiliger Bezirk.
Nahe
ausserhalb des heiligen Bezirks oder des heiligen Hains (Temenos),
kann es ein Händewaschbecken (Perieranteria), eine grosse Schale
oder ein Krug, gefüllt mit Wasser geben.
In
jedem Fall, sollte jeder und jede bevor man den Temenos betritt, die
Hände waschen. Die Prozession endet am Altar. Wenn die Prozession den Altar
erreicht, bewegt sie sich im Uhrzeigersinn um den Altar, bis jeder und jede an
ihrem Platz ist.
Die Priesterin: Hekas, Hekas, este Bebeloi!
Der
Priester: Möge sich die Uneingeweihten entfernen!
3.
das Entzünden des heiligen Feuers
In
den alten Zeiten wurde in den heiligen Zeremonien immer ein Feuer entzündet.
Falls kein Feuer entzündet werden kann, kann natürlich auch eine Kerze oder
eine mit Brennstoff entzündete metallene Schale (Vorsicht!) stellvertretend
dafür entfacht werden.
Der
Priester oder die Priesterin spricht: Wir sind hier, die alten Göttinnen und
Götter zu ehren.
Der
Priester oder die Priesterin entzündet dann das Feuer und spricht:
Tochter
von Rhea und Kronos,
ehrwürdige
Dame,
dein
Thron trägt die kosmische Flamme.
Dein
sind in den heiligen Riten die Priesterinnen und Priester,
die
Mysten, gesegnet sind sie, heilig und rein.
In
dir haben die Götter ihren Wohnsitz,
eine
beständige Grundlage der menschlichen Rasse.
Ewiglich
formende, erstgeborene, urälteste Göttin,
du
Feuer, um das sie die Familie versammelt.
Immer
blühende Königin,
im
Mittelpunkt des Kosmos thronend,
lachend
und segnend mit lieblichem Antlitz.
Nimm
diese heiligen Riten an und gib uns Leidenschaft,
Wohlergehen
und heimischen Frieden.
Nach
dem Entzünden des heiligen Feuers können auch die vier Himmelsrichtungen
angerufen werden. Die orphischen Hymnen der vier Winde eignen sich besonders gut
an dieser Stelle.
4.
das Ausstreuen der Gerstenkörner
Nun
bewegt sich der/die Korbträger/in im Uhrzeigersinn im Kreise und erlaubt jeder
Person, eine kleine Menge der Gerstenkörner aus dem Korb zu nehmen.
Als
Ersatz für den Korb, kann natürlich auch jedes andere dafür passende Gefäss verwendet werden.
Wenn
jede Person Gerstenkörner genommen hat, geht er oder sie zum Altar und streut
die Gerstenkörner auf den Altar.
Dies ist die eigentliche Handlung, um den Altar zu weihen und es wird von allen
Anwesenden ausgeführt.
Der
Gerstenkornkorb wird nun nahe des Altars hingestellt.
5.
das Mischen des Weines
Der/die
Trankopferträger/in tritt vor und mischt den Wein und das Wasser zusammen.
Idealerweise werden sie in einen Krater (griechische Vase) gegossen, in den nun
der Priester oder die Priesterin einen Kelch oder die Opferschale taucht. Ist
dies nicht möglich, kann das Wasser und der Wein auch direkt im Kelch selbst gemischt
werden.
Wenn die Mischung, sichtbar für alle, durchgeführt worden ist, spricht der
Priester oder die Priesterin während er/sie den Kelch hochhält: Seht das Wasser des
Lebens!
Beachte,
dass die Mischung nicht immer aus Wasser und Wein bestehen muss. Manche Rituale
benötigen nur ein Wassertrankopfer, andere wiederum benötigen nur Wein.
Die
Alten schütteten in diesem Falle gewöhnlich das ungemischte Weintrankopfer aus einer
speziellen Schale auf den Boden, tranken aber nur die
Mischung.
Bestimmte
Trankopfer, insbesondere diejenigen. die den chthonischen Gottheiten und Demeter
gewidmet sind, werden mit Milch oder Milch und Honig durchgeführt.
6.
das erste Trankopfer
Das
erste Trankopfer ist immer Hestia gewidmet.
Der/die
Priesterin: Hestia, du bist der Ursprung und das Ende allen Seins.
Etwas
von der Mischung im Kelch wird wenn möglich auf den Altar oder auf die Erde gegossen, dann wird der Kelch in der Runde herumgereicht.
Wenn
das Ritual im Innern eines Raumes durchgeführt wird und keine Möglichkeit
besteht, den Wein auf den Altar oder den Boden auszugiessen, kann auch eine
Schale oder ein Kessel, gefüllt mit Erde, stellvertretend dafür genommen
werden.
Jede
Person nimmt nun einen Schluck zu Ehren der Hestia.
Der
Priester oder die Priesterin nimmt den letzten Schluck und der verbleibende Teil
wird vergossen.
7.
die Hymne
Dies
kann eine antike Hymne sein (Texte von Homer, Hesiod oder eine orphische Hymne
ist eine gute Wahl), zur Musik gesungen, gesprochen oder auch eine zwanglose,
spontane Anrufung der Gottheit. Natürlich kann es auch alles davon sein. Die
Hymne sollte Texte der Gottheit beinhalten, damit das Bild der
Gottheit einen zentralen Platz im Bewusstsein der Versammlung
einnimmt.
8.
das zweite Trankopfer
Die
zweite Trankopfer ist der Gottheit, an die das Ritual gerichtet ist, gewidmet
und wird gleich dem Ersten durchgeführt.
9.
das Opfer
Das
heilige Opfer (to hieron), das auf dem Altar dargeboten wird, wird vom Priester
oder der Priesterin mit dem Opfermesser berührt. Wenn während des Festes ein
grösseres
Feuer brennt, wird ein kleiner Teil des Essens, vom Priester oder der
Priesterin dem Feuer übergeben.
Er/sie
spricht: Nehmt/nimm erfreut dieses Opfer an.
An
dieser Stelle kann er/sie oder jede/r andere Teilnehmer/in eine Bitte oder
Danksagungen hinzufügen.
Wenn
alle Opfer gemacht worden sind, fügt der Priester oder die Priesterin Weihrauch
dem Feuer hinzu und sagt: Nehmt/nimm mit Freude mein/unser Opfer an.
10.
der heilige Tanz und der Hauptteil des Rituals
In den alten Zeiten folgten an dieser Stelle die heiligen
Tänze, begleitet von passender Musik. Danach folgten heilige Spiele, eine Heilung, eine Heiratszeremonie, ein Begräbnis, oder
sonstige Aktivitäten. Auch das Durchführen eines Mysterienspiels und jede Form
der Belehrung ist hier angemessen.
Erinnere dich daran, dass das Fest sich jenseits von Raum und Zeit, zwischen den
Welten abspielt. Was auch immer hier getan wird, wird für uns selbst, die Gottheiten und die Natur getan und dieser Fokus sollte
aufrechterhalten werden.
11.
das heilige Fest
Wenn
der heilige Tanz durchgeführt worden ist, wird das heilige Fest aufgestellt und
jeder trinkt und isst. Dies kann ein einfaches Essen sein, bestehend aus Brot
und Wein oder auch ausführlich, wie ein mehrgängiges Banquet.
Das
Wichtigste ist, sich immer wieder daran zu erinnern, dass dies nicht nur eine Verbindung zwischen den Sterblichen, den Gottheiten und der Natur ist, sondern
auch eine Verbindung zwischen den teilnehmenden Menschen selbst, die das Fest zusammen feiern. Wir
alle sind vereint in einer Gemeinschaft, die an einem
heiligen Fest teil hat.
12.
das Trankopfer des Dankes
Der
Priester oder die Priesterin kann in diesem Teil, den Gottheiten danken und dies
so ausführlich wie er/sie möchte. Dies beinhaltet zum Beispiel: Dank für ihre
Anwesenheit, einen Erfolg oder um ständigen Segen oder Wohlwollen.
Ein
Trankopfer wird für die Gottheit ausgegossen, der das Opfer gewidmet war. Wird
das Ritual mehreren Gottheiten gewidmet, so wird in diesem Falle nur ein
Trankopfer des Dankes durchgeführt.
Der
Priester und die Priesterin sprechen gemeinsam: Wir danken dir/euch!
Die
Teilnehmenden gemeinsam: Wir danken dir/euch!
13.
das abschliessende Trankopfer
Das
letzte Trankopfer ist wiederum Hestia gewidmet: Hestia, du bist der Ursprung
und das Ende allen Seins.
Die
Anderen antworten: So möge es sein!
Ende
des Rituals
Finis