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Seit dem Rückzug der Belgier ist in den endlosen Wäldern und Savannen des Kongo nicht mehr viel los: Verkehrswege zer-
fallen, soziale Dienste in regionalen Zentren verkommen und der Binnenhandel ist nicht nennenswert.
Die Landbevölkerung ist zumeist auf sich selbst gestellt. Vom Staat ist nicht viel zu erwarten.
Der Teufelskreis von Hoffnungslosigkeit und Elend ist perfekt. Viele Junge wandern in die Städte. Diese wachsen ins Ufer-
lose, während die landwirtschaftliche Produktion zurückgeht.
Die Kooperative Yanga versucht, dieser verhängnisvollen Entwicklung entgegenzuwirken.
Die Gründungsurkunde vom 10. August 1977
Die Anfänge
Es war im März 1970, als Pfarrer Hans Fleischlin in Schüpfheim von der bischöflichen Kanzlei Solothurn ein Schreiben erhielt, ob er einen afrikani- schen Theologiestudenten für ein paar Wochen als Gast aufnehmen würde. Angeheftet war ein Brief des Studenten Jean-Adalbert Nyeme Tese, der am Biblicum in Rom studierte. Jean-Adalbert wollte unbedingt Deutsch lernen, weil diese Sprache in der theologischen Literatur eine wichtige Rolle spielt. Sein Bischof, Mgr Albert Yungu von Tshumbe, hatte ihn mit seinem Anliegen an die Diözese Solothurn verwiesen.
Pfarrer Fleischlin und seine Haushälterin Margrit Braxmaier waren gerne bereit, den zielstrebigen Studenten vorübergehend aufzunehmen, und so erwartete das Pfarrhaus Schüpfheim den Gast aus Afrika am 1. Juli 1970. Er sei mit gemischten Gefühlen durchs Entlebuch gefahren, erzählte Abbé Nyeme später. Die wildromantischen Felsen, die stellenweise der Bahnlinie entlang die Kleine Emme säumen, jagten ihm einen Schrecken ein, und so habe er immer gedacht: «Was habe ich gemacht, wohin führt mich dieses Unternehmen?»
Die Pfarrhausbewohner freuten sich am Gast, der liebenswürdig und sehr angenehm war. Neben Pfarrer Fleischlin und Margrit Braxmaier wohnte damals Vikar Leo Senn im Pfarrhaus von Schüpfheim. Er war im aargauischen Merenschwand aufgewachsen und pflegte einen engen Kontakt mit seinem Heimatdorf, namentlich mit der Familie von Vitus und Maria Notter-Köchli. So kam Jean-Adalbert mit Notters in Merenschwand in Kontakt, und es entwickelte sich auch hier ein herzliches, familiäres Verhältnis.
In den folgenden Jahren verbrachte der inzwischen zum Priester geweihte Abbé Jean-Adalbert
Nyeme seine Sommerferien jeweils in Schüpfheim und in Merenschwand. Sein Freundeskreis
erweiterte sich immer mehr. Auch bei den Schwestern der Kongregation von Ingenbohl wurde
er ein geschätzter Gast. Damals reifte in ihm der Entschluss, nach Studienende ein konkretes
Projekt in seiner Heimat zu beginnen, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern.
Mobutu war bereits 10 Jahre an der Macht, ohne dass es der Bevölkerung besser ging. In Vitus
Notter und seiner Frau Maria aus Merenschwand (Bild rechts) fand er idealistische Freunde, die
ihm dabei halfen. 1975 kehrte Abbé Nyeme nach Afrika zurück. Auf Empfehlung seines Bischofs
sondierte er noch im gleichen Jahr in Yanga die Möglichkeiten, gemeinsam mit der Bevölkerung die misslichen Lebensumstände zu verbessern. 1976 besuchte ihn Vitus Notter auf seine Einladung hin in Yanga. Das war der Beginn einer fruchtbaren Partnerschaft zwischen Afrika und der Schweiz. Jahrelang verbrachten Vitus und Maria Notter-Köchli dann die Sommer-«Ferien» im Arbeitseinsatz in Yanga und leisteten so den Löwenanteil der anfallenden Arbeiten. Notters fanden in der Heimat einen Freundeskreis, der ihren Einsatz finanziell und ideell unterstützte. In ihren Bemühungen um eine breite Solidarität gründeten sie 1976 die Stiftung «Gib uns heute unser tägliches Brot» als Unterstützungsorgani- sation der Aktivitäten von Abbé Nyeme in Yanga. 1984 wurde diese aufgelöst.
Langsam fassten inzwischen auch verschiedene Hilfswerke Vertrauen in Yanga. Zu den treuen Freunden von der ersten Stunde an gehört das Kloster Ingenbohl. So konnte Yanga langsam wachsen und zu einem Zentrum der Entwicklung werden: Landwirtschaft mit Ananas, Mais, Bohnen, Bananen, Kaffee, Hirse, Maniok, Reis und Tierzucht; dazu Schulen, Sägerei, Schreinerei, mechanische Werkstätte, Reismühle, Wasserversorgung, Schiffstransporte, Strassen und Brücken, Gebär- und Krankenstation. Stark gefördert wurde dieser Aufbau durch den Arbeitseinsatz von verschiedenen Entwicklungshelfern aus der Schweiz. Speziell erwähnen möchte ich die Pionierin Sr. Silvia Probst, ferner Paula Notter, Alois Notter, Markus Schmid, Walter Oeschger, Konrad Dätwyler, August Mühlebach und die Kibag-Schiffsbetriebe unter der Leitung von Werkstattchef Ernst Kriech als grosser Förderer der Yanga-Schifffahrt.
Walter Muff, Abbé Nyeme, Margrit Braxmaier, Maria und Vitus Notter
Für die Kooperative Yanga war 1978 ein besonders wichtiges Jahr. Damals begann das Engagement von Walter Muff, damals wohnhaft in Pfäffikon SZ. In erster Linie ist es ihm zu verdanken, dass die Unterstützung für Abbé Nyemes Werk nicht versandete. Er setzt sich bis heute unermüdlich für die Anliegen der Kooperative ein. Er organisiert, informiert, verhandelt, mailt und koordiniert in enger Verbindung mit den Verantwortlichen vor Ort das ganze Geschehen von seinem Büro aus.
Ab 1981 wurde Paula Notter-Magnin aus Bremgarten eine wichtige Stütze. Sie führte die Buchhaltung und leistete als erfahrene Unternehmerin während zehn Jahren mehrere monatelange Einsätze in Yanga. Zusehends begann sich die Arbeit in der Schweiz auf mehr Schultern zu verteilen.
Schon in der ersten Hälfte der 1980-er Jahre konnte sich Yanga sehen lassen. Es war ein Musterdorf mit Kindergarten, Primarschule, Sägerei, Schreinerei, mechanischer Werkstätte, Getreidemühlen und Depots, einer Krankenstation, einem Freizeitzentrum mit Spiel- und Sportmöglichkeiten sowie landwirtschaftlichen Aktivitäten bis hin zur Tierzucht. Es gab nichts Vergleichbares im Umkreis von Hunderten von Kilometern. Yanga lieferte Bretter und Balken bis in die 600 km entfernte Provinzhauptstadt Mbuji-Mayi. Ein immer grösser werdender Teil der Ausgaben (Löhne, Treibstoff, Ersatzteile) konnte durch selbst erwirtschaftete Mittel gedeckt werden. Die finanzielle Eigenständigkeit schien möglich und in greifbarer Nähe. Als Paula Notter 1990 andere Herausforderungen suchte, fand Walter Muff in Peter Frech eine neue Kraft, die bereit war, ehrenamtlich das Beste zu geben. Seine Spezialgebiete Energie (im weitesten Sinn) und Spedition entsprachen in idealer Weise den Bedürfnissen von Yanga. Zum engen Kreis der Freunde Yangas in der Schweiz gesellte sich 1994 Hans Osann aus Wädenswil, ein pensionierter Direktor der KIBAG in Bäch SZ. Mit klarem Blick erkannte er, dass die immer umfangreichere Arbeit in der Schweiz nicht mehr allein vom Tandem Frech/Muff geleistet werden konnte. Er regte die Gründung eines Vereins an und ruhte nicht, bis dieser am 12. Dezember 1994 als "Unterstützungsverein Kooperative Yanga" aus der Taufe gehoben werden konnte. Hans Osann blieb im Vorstand bis zu seinem Tod im September 2003.
Seit der Gründung des Vereins engagieren sich zahlreiche Frauen und Männer für die gute Sache. Yanga kann nur profitieren, weil die Vorstandsmitglieder ein breites Wissen in verschiedensten Bereichen einbringen und als wohlwollend-kritische Berater wertvolle Impulse geben.
Alois Setz
Der Unterstützungsverein wird gegründet
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