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Sie betrachten die Situation von Tieren in Gefangenschaft aus menschlichem Auge und meiner Meinung nach ein wenig undifferenziert. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass eine Garnele viel Zeit mit Selbstreflexion verbringt, und glaube nicht, dass ein Tier, dessen ganzes Leben sich in freier Wildbahn auf zwei Quadratmetern abspielt, sich in einem Aquarium mit zwei Quadratmetern Fläche weniger wohl fühlt als in freier Wildbahn. Im Gegenteil, im Aquarium muss es keine Raubtiere fürchten und hat immer genug Futter. Wir werden wohl nie eine explizite Antwort auf diese Frage kriegen, aber implizit beantworten uns Tiere in Gefangenschaft diese Frage jeden Tag. Wenn sich ein Tier nicht wohl fühlt, dann sieht man es ihm an. Ich behaupte nicht, dass alle Tiere in Gefangenschaft artgerecht gehalten werden, und stimme Ihnen ohne Vorbehalt zu, dass eine nicht artgerechte Haltung von Tieren, egal welcher Art, nicht vertretbar ist und nie vertretbar sein kann. In diesem spezifischen Fall mache ich mir jedoch keine Sorgen. Ich kenne die Tierpfleger im Zolli zwar nicht, bin aber überzeugt, dass sie alles für das Wohl ihrer Tiere tun.
Nun, es ist Ihr gutes Recht a priori gegen die Haltung von Tieren zu sein. Dann hoffe ich aber, dass Sie mit der gleichen Überzeugung, die Sie hier an den Tag legen, Bauern und Leute mit Haustieren zurechtweisen. Sonst wären Ihre Argumente ja fast ein bisschen heuchlerisch, nicht?
Aussagen anderer Leute ins Lächerliche zu ziehen ist einfach. Eine Kritik in diesem Stil hinterlässt jedoch immer den Eindruck, dass die Kritisierende keine faktischen Argumente auf Lager hat, die überzeugen. Kritische Stimmen sind wichtig, und ich bitte Sie: wenn Sie ernsthafte Bedenken haben, dann gehen Sie auf den Zolli zu und nehmen Sie teil an einer konstruktiven Diskussion. Davon könnten beide Seiten profitieren. Von Polemik hat noch nie jemand profitiert.