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Aston Martin und James Bond – die Sportwagenschmiede und der Geheimagent, Teil 2
Gordon Sutherland und Chef-Konstrukteur Claude Hill blieben weiterhin im Vorstand. Die erste Neuentwicklung unter Browns Führung war das 2-Litre Sports Drophead Coupé, intern und inoffiziell „DB1“ genannt. Die Initialen DB stehen für David Brown und tauchen bis heute in den Modellnamen der Marke auf.
Aston Martin belebte auch wieder seine Rennsportaktivitäten. 1948 gab es einen Sieg in Spa-Francorchamps durch Leslie Johnson und John Horsfall, der später ebenfalls bei einem Rennen tödlich verunglückte. Zwei Jahre später entdeckte Brown John Wyer und holte ihn an seine Seite. Wyer war ein äusserst fähiger Mechaniker und begabter Rennstratege und bildete mit Brown 13 Jahre lang ein sehr erfolgreiches Duo im Motorsport.
Dies ist ein Bericht über Aston Martin in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:
Brown wollte in der Folge möglichst schnell den Vorkriegsmotor von Bertelli ersetzen. Die Basis dafür bildete der von Lagonda eingebrachte Antrieb, ein 6-Zylinder-DOHC-Motor, den der Bentley-Gründer Walter Owen Bentley konstruiert hatte. Kombiniert mit dem vorhandenen Fahrwerk des „Atom“ entstand 1950 der „DB2“, der aus dem Stand beim Rennen in Le Mans erfolgreich war. Der Nachfolger „DB3“, konstruiert von Porsche-Kollege Eberan von Eberhorst, war nicht so erfolgreich. Allerdings hatte Aston Martin nun auch starke Konkurrenz mit Mercedes-Benz, Ferrari, Maserati und Jaguar. Erst Ende der 1950er Jahre stellten sich wieder zahlreiche Siege und gute Platzierungen ein, darunter als Höhepunkt der Gewinn der Markenweltmeisterschaft 1959.
Der „DB5“ von 1963 festigte nicht nur endgültig den Ruf von Aston Martin als Hersteller von exklusiven Sportwagen. In den James-Bond-Filmen „Goldfinger“ (1964) und „Thunderball“ (1965) fuhr Geheimagent 007 einen „DB5“ als Dienstwagen, ausgestattet mit allerlei Zusatzeinrichtungen wie beispielsweise einem Schleudersitz, und verbesserte den Ruhm der Marke nochmals nachhaltig. Die Sonderausgabe wurde auch als Spielzeugmodell von Corgi Toys ein Riesenerfolg.
Trotz aller Erfolge wurde die finanzielle Situation ab 1971 wiederum prekär. Sinkende Gewinne bei den Landmaschinen erlaubten es David Brown nicht mehr, die Verluste des Sportwagenproduzenten aufzufangen. Brown entschied sich 1972 zu verkaufen. Für die Anhänger der Marke war damit die glanzvollste Zeit vorüber. Für symbolische 100 Pfund ging Aston Martin Lagonda an ein Konsortium aus Birmingham.
David Brown blieb zunächst als Mitglied des Vorstands im Unternehmen, seine Initialen verschwanden allerdings aus den Typenbezeichnungen. Der Vantage und der V8 kamen in modifizierten Versionen auf den Markt, ohne den erhofften Erfolg zu bringen. Das Konsortium aus Birmingham musste Ende 1974 Insolvenz anmelden und die Leitung an einen Konkursverwalter übergeben. Zudem herrschte bereits seit einem Jahr eine Wirtschaftskrise in England, die die Arbeitsplätze der Mitarbeiter gefährdete.
Rettende Hilfe kam 1975 aus Nordamerika. Der US-Unternehmenssanierer Peter Sprague und der Resaturantbesitzer und Rolls-Royce-Händler George Minden aus Kanada übernahmen Aston Martin. Mit dem „Lagonda“ produzierten sie einen für das Unternehmen wegweisenden Wagen, der aber leider kein Verkaufsschlager wurde. Weitere Eigentümerwechsel folgten, ohne dass die wirtschaftliche Situation sich wesentlich verbesserte.
Für neue Hoffnungen sorgte 1986 der ehemalige Aston Martin-Mitarbeiter John Wyer. Er hatte für den Bau des Ford GT40 mitverantwortlich gezeichnet und knüpfte nun Verbindungen zwischen beiden Herstellern. Ein Jahr später kaufte Ford 75 Prozent der Anteile, der Rest folgte 1994. Anfangs wurden unter der Regie des Grosskonzerns lediglich Modifikationen der V8-Reihe und Sonderausführungen – unter anderem eine Prinz Charles gewidmete Prince-of-Wales-Serie – auf den Markt gebracht. Erst 1989 kam mit dem „Virage“ ein neues Fahrzeug in die Fertigung.
David Brown wurde anlässlich seines 89. Geburtstags noch einmal mit einem „DB“ geehrt. Er selbst soll die Bezeichnung „DB7“ vorgeschlagen haben. Zu dieser Zeit leitete der Ford-Manager Walter Hayes die Geschicke. Der „DB7“ wurde mit mehr als 6’000 gebauten Exemplaren zum bis dahin erfolgreichsten Modell von Aston Martin. Mit dem „Vanquish“ von 2002 schaffte es wieder einmal ein Aston in einen James-Bond-Film – „Stirb an einem anderen Tag“ mit Pierce Brosnan als 007. Den bisher letzten Filmauftritt mit Bond hatte erneut der „DB5“ in „Skyfall“.
2007 wechselten die Besitzer erneut. Ford verkaufte den Grossteil seiner Aston Martin-Anteile an ein Konsortium von kuwaitischen Investmentfirmen und dem britischen Unternehmen Prodrive. Dessen Vorstandsvorsitzender David Richards bekleidete dann diesen Posten parallel auch bei Aston Martin. Der Kaufpreis lag bei rund 700 Millionen Euro. Im selben Jahr wurde das alte Stammwerk in Newport Pagnell geschlossen. Die Produktion erfolgt heute nur noch in Gaydon und bei Magna Steyr in Graz (seit 2009).
Um den europäischen Flottenverbrauchsbestimmungen gerecht zu werden, brachte Aston Martin mit dem „Cygnet“ zum ersten Mal einen Kleinwagen auf den Markt, der auf dem Toyota IQ basiert. Als absolutes Gegenstück folgte dann der Supersportwagen „One-77“, limitiert auf 77 Fahrzeuge und ausgestattet mit dem bis dahin stärksten Saugmotor der Welt (760 PS).
2013 stieg die Daimler AG mit 5 Prozent ein. Sie wird in Zukunft Mercedes-AMG-Motoren erhalten und an der Weiterentwicklung der V8-Motoren mitarbeiten.
Oberstes Bild: Aston Martin One-77 (© Alexandre Prévot, Wikimedia, CC)