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Huflattich (Tussilago farfara)
Huflattich (Tussilago farfara)
Momentan sieht man ihre goldenen Körbchenblüten oft an Wegrändern im Wald, wo sie auch sehr gerne von unseren Bienen besucht werden, wenn das momentan turbulente Frühlingswetter es zulässt. Immerhin haben sie einen Nektarwert von 2 und einen Pollenwert von 3 (von 4 Stufen nach dem Buch „Bienenweide“ von G.Pritsch). Die gesammelten Pollenhöschen fallen am Flugloch durch ihre kräftige, goldgelbe Färbung auf.
Umso auffälliger sind die leuchtenden Blütenkörbchen, weil sie sich ohne Blätter zeigen, nur mit kurzen Schuppen am Blütenstiel. Die handgrossen, weichen, herzförmigen Blätter erscheinen erst später und werden - bestimmt nicht ohne Grund - als „Wanderers Klopapier“ (Wikipedia) bezeichnet. Sind die Blüten verschwunden, kann man sie auch leicht mit der Pestwurz verwechseln, die in Bayern uncharmant als „Arschwurz“ bezeichnet wird. Ähnliche Blätter, ähnlicher Zweck!
Wobei der Huflattich mehr Respekt verdient hätte, wird er doch seit dem Altertum als Hustenmittel verwendet und auch Hildegard von Bingen empfahl ihn bei Erkrankungen der Atemwege. Auch sein lateinischer Name bedeutet übersetzt „ich vertreibe den Husten“.
Früher wurde mit seinen Blättern heilsamer Rauch erzeugt, was der Lunge aber eventuell mehr geschadet als genützt hat. Heute werden Blätter und Blüten als Tee verwendet oder aus letzteren ein Sirup gemacht, ähnlich wie mit Holunderblüten.
Inzwischen hat sein Ruf durch den Gehalt von Pyrrolizidinalkaloiden (PA) etwas gelitten und es wird die Verwendung von kultiviertem Huflattich mit reduziertem PA-Gehalt empfohlen.
Warum die Pflanze „Huflattich“ genannt wird ist etwas unklar, auch die Bezeichnung der Blüten als „Hufnägele“ in manchen Gegenden ist nicht wirklich einleuchtend. Vielleicht, weil der durchgetrennte Blattstil ein hufeisenförmiges Leitungsnetz zeigt. So erkennt man auch ohne Blüten den Huflattich. Da die Pflanze aber viele Jahre an der gleichen Stelle wächst (im Gegensatz zum Namensvetter Lattich, der nicht ausdauernd ist), kennt man bald seine Plätze.
Er liebt Schotterstreifen am Wegesrand oder vom Menschen gestörte Böden wie Baustellen, Bahngleise oder Sandgruben, nur auf sauren Böden fehlt er. Im Gebirge steigt er auf über 2000 Meter und gedeiht angeblich sogar auf reiner Braunkohle in Tagebaugebieten, was sehr aussergewöhnlich ist.
Wo er fehlt, kann man etwas nachhelfen und seine Samen, die entfernt an Löwenzahnschirmchen erinnern, grosszügig verbreiten. Auch mit Wurzelausläufern kann man gezielt den Huflattich in den Garten holen. Und das lohnt sich!
Er bietet nicht nur unseren Honigbienen eine erste Pollen- und Nektarquelle, sondern auch über 70 verschiedenen Wildbienen Nahrung, darunter ein Dutzend Spezialisten wie die Huflattich-Sandbiene (Andrena tussilago), dazu verschiedenen Faltern und auch 14 verschiedenen, teils gefährdeten Schmetterlingsraupen.
Seine jungen Blätter kann man in der Küche als Gemüse verwenden, seine Blüten dekorieren Salate und sorgen für Farbtupfer auf den Tellern. Man sollte es nur wegen der Pyrrolizidinalkaloide nicht allzu stark damit übertreiben. Die Blätter sind nicht nur als Tee heilsam, sondern als Kompressen auch bei Insektenstichen, Schwellungen, Prellungen, Entzündungen und Verbrennungen.
Alles gute Gründe, dieser alten Heilpflanze in unserem Garten ein Plätzchen einzuräumen...