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«historiarum pictor et mathematicus mechanicus»[1]
Er wird am 10. Januar 1702 in Lachen als Sohn des Schmiedes Ulrich Zick und der Catharina Heuss geboren. Das Dorf Lachen, je eine Wegstunde von der Reichsstadt Memmingen und der Reichsabtei Ottobeuren entfernt, liegt in der Herrschaft Theinselberg, der Fürstabtei Kempten zugehörend. Der Vater, aus dem südlich gelegenen Obergünzburg stammend, hat sich hier eingeheiratet und kann die «Herrschaftsschmitte» übernehmen. Das nahe Ottobeuren ist in der konfessionell umkämpften Herrschaft durch Seelsorger präsent. Der Bauabt des Klosters, Rupert Ness, ist in Theinselberg bis 1710 Seelsorger und baut hier 1713 eine Pfarrkirche.[2] In dieser nach Ottobeuren orientierten Gegend wächst Johann Zick auf.[3] Weder über seine Geschwister noch über seine Jugend ist etwas bekannt. Spät, mit etwa 19 Jahren, wird er als Lehrling des Malers Jacob Carl Stauder aus Konstanz erwähnt.[4] Stauder, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, hat um diese Zeit Aufträge von Abt Rupert Ness in Ottobeuren. 1721 und dann 1723–1725 arbeitet er in den Neubauten der Reichsabtei. Wahrscheinlich nicht «aus Mitleyden», wie ein zeitgenössischer Chronist schreibt, sondern auf Empfehlung von Abt Rupert Ness, der die Familie aus seiner Seelsorgetätigkeit in Theinselberg kennen muss, nimmt der berühmte Konstanzer Maler den jungen Zick in seine Werkstatt auf.[5] Bei Stauder erlernt er die scheinperspektivischen Architekturdarstellungen nach den Traktaten des Andrea Pozzo.[6] Um diese Zeit arbeitet Stauder nebst dem Probestück in Ottobeuren in Pielenhofen, Münsterlingen, Weissenau und dann, am Ende der Lehrzeit Zicks, wieder in Ottobeuren. Hier sind zwischen 1719 und 1725 auch der am Hof von München arbeitende Venezianer Jacopo Amigoni und sein Schüler, der Wangener Franz Joseph Spiegler tätig. Zick könnte sie gekannt haben. 1725 finden wir ihn im Münchner Vorort Au, wo er in der neuen Wallfahrtskirche Maria-Hilf Deckengemälde «super humidum», also in der Technik des «fresco buono» erstellt. Wie er zu diesem Auftrag kommt und wo er die Freskotechnik erlernt hat, ist unklar, aber sicher kann er sie nicht bei Stauder erworben haben.
1726 heiratet Johann Zick in der Kirche von Theinselberg Anna Maria Sailer (1698–1775) aus Lachen. Hier wird 1727 auch der erste Sohn Januarius Johannes getauft. Das zweite Kind, Maria Anna,[7] wird 1729 bereits in München geboren, wo bis 1735 noch weitere vier Kinder getauft werden. Es sind 1730 Johannes Rasso Januarius,[8] 1732 Johann Ascanius, 1733 Franz Joseph und 1736 Franz Xaver. Von den fünf Söhnen sterben drei im Kindesalter, Franz Joseph stirbt mit elf Jahren durch einen Sturz vom Baugerüst. Nur der Drittgeborene wird später als Januarius Zick (1730–1797) selbst berühmter Maler. Die Familie wohnt 1728–1743 in München, wo Johann Zick 1732 Hofmaler des jungen Kirchenfürsten Johann Theodor von Bayern wird.[9] Er unterschreibt nun mit «Johann Zickh seiner hochfürstl. Dutl. bischoffen zu Freising und regenspurg Cammerdiender und hoffmahler». Der Titel verhilft ihm zu Aufträgen im Bistum, so 1736 in der Pfarrkirche Bergkirchen und 1737 in der Rossackerkapelle von Rosenheim. Der wichtigste Auftrag der Münchner Zeit liegt allerdings im Bistum Salzburg. In der Zisterzienserabtei Raitenhaslach an der Salzach bei Burghausen kann er 1739 die Gewölbe der Klosterkirche mit Fresken aus dem Leben des heiligen Bernhards versehen und auch die Altarblätter malen. Es ist die erste von drei grossen mittelalterlichen Kirchen, in deren Langhausgewölbe Zick jeweils mehrere Joche zu einem Grossfresko zusammenfasst. Meisterhaft verwendet er scheinperspektivische Bildarchitekturen für seinen Bernhardzyklus, der ihm von Abt Robert Pendtner auch in Form von Stichvorlagen vermittelt wird. Im Gegensatz zu seinen Deckenbildern im Bistum Freising sind die Fresken in Raitenhaslach erhalten und zeigen, dass Zick tatsächlich «al fresco buono» malt.
Nach 1743 ist Zick hauptsächlich zwischen Bodensee und Donau tätig. Noch bezeichnet sich Zick als Freisingischer Hofmaler, dürfte aber spätestens 1746 nicht mehr in München gewohnt haben. 1744 erhält er vom Abt der Reichsabtei Weingarten, Placidus Renz, den Auftrag für Deckenfresken im Neubau der Pfarrkirche Altdorf.[10] Bei der Ausführung der Arbeit stürzt der erst elf Jahre alte Sohn Franz Joseph zu Tode. Vielleicht durch diese Arbeit auf Zick aufmerksam geworden, schliesst der Abt der Reichsabtei Schussenried, Siard I. Frick, 1745 einen Akkord von 650 Gulden für die Stuckierung und Freskierung des Langhausgewölbes der Stiftskirche. Wieder ist es eine mittelalterliche Kirche, deren Gewölbe von Zick im Mittelschiff zu einem einzigen grossen Deckenbild mit Szenen aus dem Leben des heiligen Norbert von Xanten zusammenfasst werden. Das Fresko signiert er mit «Joann Zick Monacensis». Dem den Umbau in Schussenried leitenden Baumeister Jakob Emele gibt Zick seinen Sohn Januarius in die Lehre. 1746 erhält er auch den Auftrag für die Neugestaltung der Seitengewölbe der Stiftskirche. Der Akkord lautet auf 650 Gulden für die Arbeit und 50 Gulden für die Ehefrau, nebst Kost. Obwohl die Familie also offensichtlich nicht mehr in München wohnt, wird der nächstfolgende grosse Vertrag, die Ausmalung der Mittelschiff- und Chorgewölbe in der simultanen Stadtpfarrkirche St. Martin und Maria in Biberach, noch immer mit dem «Hoffmaler Johann Zicken von München» geschlossen. Zick hat sich beim Magistrat von Biberach aus Schussenried beworben. Die Akkordsumme lautet auf 1500 Gulden und 100 Gulden für die Ehefrau. Zick muss für diese Summe auch die Stuckaturen ausführen und die Kost übernehmen. Im gleichen Jahr wie die Seitenschiffe in Schussenried stellt er auch die Biberacher Mittelgewölbe fertig. Das Fresko im Langhaus zeigt Szenen aus dem Leben Jesu. Sie sind in monumentale Bildarchitekturen eingebaut, die in dieser Art einen Höhepunkt im Bereich des sakralen Freskos darstellen. 1747 kann er auch in Biberach die Seitengewölbe für 1200 Gulden ausführen.
Nebst den heute noch erhaltenen barocken Umgestaltungen der Kirchen von Schussenried und Biberach ist Zick 1749 auch Schöpfer von Deckenfresken in der ebenfalls barock umgestalteten romanischen Stiftskirche der Benediktinerabtei Oberelchingen. Sie werden 1773 durch einen Grossbrand zerstört. Die heute dort sichtbaren Fresken in den klassizistischen Stuckrahmen sind ein Werk des Sohnes Januarius Zick aus 1783.
1749 schliesst Zick einen Vertrag für das Hauptfresko im Gartensaal der Residenz von Würzburg über 1150 Gulden. Auftraggeber ist Fürstbischof Carl Philipp von Greiffenclau, dem der Entwurf von Zick zusagt. Schon im Sommer 1750 speist der Fürstbischof unter dem fertiggestellten Fresko mit Szenen aus der antiken Mythologie. Im Herbst kann Zick auch die Deckenmedaillons des Umgangs für weitere 500 Gulden malen. Aber für die erhofften weiteren Arbeiten in der Residenz berücksichtigt ihn der Fürstbischof nicht mehr. Wer Zick nach Würzburg empfohlen hat, ist nicht dokumentiert.[11] Der Kaiserliche Geheimrat und Kurmainzische Oberamtmann Graf von Ostein, Neffe des 1743 verstorbenen Fürstbischofs Friedrich Carl von Schönborn und Grossneffe des regierenden Fürstbischofs, muss dabei Hauptperson sein, denn er wird sofort zum Förderer des schwäbischen Malers.[12] Vorerst verschafft er ihm den Auftrag für die Ausmalung der neuen Stiftskirche im adeligen Damenstift zur heiligen Anna in Würzburg, wo seine Nichte Eva Theresia von Schönborn Vorsteherin ist. Die Fresken erstellt Johann Zick und sein Sohn Januarius noch 1750.
1751 ist Zick in der neuen Residenz der Speyerer Fürstbischöfe in Bruchsal tätig. Er hat sich für seinen wichtigsten und grössten Auftrag gegen die Mitbewerber Joseph (Giuseppe) Ignaz Appiani und Gottfried Bernhard Göz durchsetzen können. Fürstbischof Franz Christoph von Hutten ist grosser Kunstkenner, lässt sich aber bei der Wahl der Künstler beraten. So empfiehlt der auch in Bruchsal tätige Balthasar Neumann schon früh den Wessobrunner Stuckateur Johann Michael Feichtmayr, den er seit den Arbeiten in der neuen Abteikirche von Münsterschwarzach schätzt.[13] Neumann weist den Fürstbischof vielleicht auch auf die neuen Fresken der beiden Zick in Würzburg hin. Die Zusammenarbeit von Feichtmayr mit Zick in Bruchsal führt zu einer der besten Leistungen des süddeutschen Rokoko. Johann Zick, nun immer mit Sohn Januarius zusammenarbeitend, kann 1751 das grosse Deckenfresko im Gewölbe des Fürstensaals, 1752 das Fresko im Treppenhausgewölbe und 1754 das Deckenfresko im Gartensaalgewölbe erstellen. Aber auch die Supraportenbilder und Deckenfresken der meisten Zimmer im Hauptgeschoss des Corps de Logis werden an die beiden Zick vergeben. Nicht alle Akkorde sind bekannt, die Vergütungen für das Fresko über dem Treppenhaus von 3000 Gulden und für das Gartensaal-Fresko von 2500 Gulden zeigen aber, dass Zick nun auch gut verdient. 1756 lässt Zick eine Beschreibung seiner drei Hauptwerke in Bruchsal drucken, die wertvolle Hinweise auf die vom Fürstbischof vorgegebenen Bildinhalte gibt. Er stellt hier auf elf Seiten die Bildinhalte vor. «Die Haupt-Stiegen oder Kuppel des Corps de Logis» zeigt die Geschichte des Bistums Speyer. «Der vordere Saal des Corps de Logis» (Fürstensaal) zeigt die gute Herrschaft, Fruchtbarkeit und Handelsblüte im Hochstift Speyer. «Der grosse Haupt-Saal» (Gartensaal oder Marmorsaal) schildert die ewig fortdauernde Beständigkeit des Hochstifts Speyer. 1945 wird die Residenz Bruchsal vollständig zerstört.[14] Die Schöpfungen von Feichtmayr und Zick sind seither verloren und nur noch durch Fotografien und Farbdias dokumentiert. Die drei von Zick beschriebenen Haupträume werden aber mit einem unglaublichen Aufwand und unter Einbezug der besten Kräfte bis 1991 originalgetreu rekonstruiert.[15]
1753 erstellt Johann Michael Feichtmayr die Stuckmarmorarbeiten im Gartensaal der Residenz Bruchsal. Für Vater und Sohn Zick ergibt sich so die Gelegenheit, in der neuen Pfarrkirche von Amorbach[16] die Deckenfresken zu malen. Wieder ist der kurmainzische Oberamtmann Graf von Ostein Auftraggeber. Für drei grosse und zehn kleinere Deckenfresken erhält Zick 2378 Gulden. Darin enthalten ist auch ein gemaltes Rocaille-Rahmenwerk, «stucco finto» genannt. Diese Malerei, die Rokokostuck vortäuscht, findet bei sparsamen Bauherren dieser Zeit grossen Anklang. Dass «stucco finto» wirkliche Stuckaturen nicht ersetzen kann, lässt sich in Amorbach im Vergleich zur nahen Klosterkirche feststellen, wo Johann Michael Feichtmayr wenige Jahre vorher gearbeitet hat.
1755 ist die Bruchsaler Ausstattung im Wesentlichen vollendet. Noch bis 1759 ist Zick für Zusatzaufträge des Fürstbischofs tätig, verlegt aber den Wohnsitz nach Würzburg. Hier erstellt er schon 1755 Deckenbilder im Refektorium der Prämonstratenserabtei Oberzell bei Zell am Main.[17] In bereits fertiggestellte Stuckfelder von Giuseppe Antonio Bossi malt Zick drei Deckenbilder und in begleitende Rocaillekartuschen 19 Brustbilder von Heiligen des Prämonstratenserordens. Die Deckenbilder sind deshalb erwähnenswert, weil Zick hier noch einmal die Technik der Ölmalerei auf Putz anwendet.
In Aschaffenburg kann er 1756 die Fresken der neuen Wallfahrtskirche «zur weissen Lilie», auch Sandkirche genannt, erstellen.[18] Wieder ist der Bauherr Johann Franz Wolfgang Damian Graf von Ostein. Er vermittelt Zick auch die Ausmalung der Pfarrkirche zur Kreuzauffindung in Grafenrheinfeld bei Schweinfurt, in der Zick wie in Amorbach wieder «stucco finto» malt.[19] Die Werke in Aschaffenburg und Grafenrheinfeld werden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Sie sind seine letzten Werke auf dem Gebiet der Monumentalmalerei. Auch Zeichnungen, Altarblätter und Gemälde, die er bis anhin immer in grosser Anzahl in den Wintermonaten anfertigt, werden in seiner der letzten Arbeitsperiode rar.[20] Schuld an der Auftragslage mag auch der 1756 ausgebrochene Siebenjährige Krieg gegen Preussen sein. Seine spätesten bekannten Ölbilder signiert er mit «Jo:Zick senior Inv. et pinx 1760». Er stirbt im Alter von 60 Jahren am 4. März 1762 in Würzburg. Im Totenbuch des Stiftes Haug wird er als «Johannes Zick historiarum pictor et mathematicus mechanicus» aufgeführt. Die Nennung als Wissenschaftler und Instrumentenbauer, wie man mathematicus und mechanicus übersetzen muss, verdankt Zick einem Werk seiner letzten Jahre. Er wendet sich der Astronomie zu und konstruiert ein Planetarium. Seine Planetenmaschine löst jedes Problem bei der Erforschung des kopernikanischen Weltgebäudes, wie er selbst auf der Maschine vermerkt.[21]
Pius Bieri 2011
Strieder, Barbara: Johann Zick (1702–1762), Worms 1990.
[1] Sterbeeintrag im Totenbuch Stift Haug.
[2] 1703–1710 ist der spätere Abt Rupert Ness von Ottobeuren «ex currendo» Seelsorger in Theinselberg. Der Erbauer der Klosteranlage von Ottobeuren lässt in der konfessionell umstrittenen Herrschaft 1713 eine Rundkirche auf dem Theinselberg, der 1723 ein Langhaus folgt. Sie wird 1746 durch einen Brand zerstört und nach Lachen verlegt.
[3] In der Literatur wird noch heute vereinfachend, wohl wegen der geografischen Nähe, die protestantische Reichsstadt Memmingen als Geburtsort angegeben.
[4] Jacob Carl Stauder (1694–1756), aus Oberwil, nimmt 1716 in Konstanz Wohnsitz. Er erstellt vor allem in Kirchen des Vorarlbergers Franz Beer II Deckenbilder und Altargemälde in Öl-Tempera-Mischtechnik. Zick soll die dreijährige Lehre bei Stauder um 1724 beendet haben, müsste also 1721 eingetreten sein.
[5] Die Empfehlungen eines Reichsabtes und zukünftigen Auftraggebers kann kein Maler ausschlagen. Der Zusammenhang Ness - Theinselberg - Zick - Stauder ist eher wahrscheinlich als die Aufnahme aus Mitleid.
[6] Andrea Pozzo SJ (1642–1709), führender Theoretiker der illusionistischen Malerei seiner Zeit, sein Traktat «Perspectivae pictorum et architectorum» wird von Stauder rezipiert.
[7] Sie heiratet 1756 in Bruchsal den Stallmeister Martin Grosch.
[8] Der spätere Maler Januarius Zick. Die Wahl des dritten Vornamens zeigt, dass der erstgeborene Sohn Januarius 1730 schon verstorben ist.
[9] Johann Theodor von Bayern (1703–1763), mit 16 Jahren Fürstbischof von Regensburg, erhält mit 24 Jahren zusätzlich Freising, 1744 auch Lüttich und wird 1746 Kardinal. Er hält in München mehrere Mätressen und zeugt zwischen 35 und 40 Kinder. Er ist auch in seinen politischen Handlungen ein übles Beispiel der Reichskirchenpolitik des Hauses Wittelsbach.
[10] Die 1738 errichtete Barockkirche St. Maria, die vorherige Pfarrkirche Altdorfs (heute Stadt Weingarten) wird 1816 vom Königreich Württemberg auf Abbruch verkauft.
[11] Bauleiter der Residenz ist Balthasar Neumann. Er hält sich nie im Bodenseeraum auf und kann deshalb die Werke von Zick nicht kennen. Der Auftraggeber Greiffenclau ist zwar ehrgeiziger Bauherr, aber kein Kenner der Malerszene und schliesst sogar Verträge mit Betrügern. Alle Künstler zieht er nur aufgrund von Empfehlungen bei. Stuckateur und Leiter der Innenausstattungsarbeiten ist Antonio Bossi. Sein Landsmann und Schwager Joseph (Giuseppe) Ignaz Appiani ist kurmainzischer Hofmaler und kennt die Werke Zicks im Bodenseeraum, da er mit den Stuckateuren Pozzi um diese Zeit in Lindau arbeitet.
[12] Johann Franz Wolfgang Damian Graf von Ostein (1694–1778) ist Kapitular an den Domstiften Würzburg, Bamberg, St. Alban zu Mainz und Comburg, Propst von St. Burkard zu Würzburg und von St. Peter in Mainz, Kaiserlicher Geheimer Rat und Kurmainzischer Oberamtmann in Amorbach. Er ist Bruder des regierenden Kurfürsten von Mainz und Fürstbischofs von Worms, Johann Friedrich Karl. Ihre Mutter ist Anna Karolina Maria von Schönborn, die Schwester der Würzburger Fürstbischöfe. Ihre Grossmutter ist Maria Ursula von Greiffenclau zu Vollrads. Die Osteins sind damit mit den Schönborns und den Greiffenclaus verwandt. Der Hofmaler von Johann Friedrich Karl Graf von Ostein ist Joseph Ignaz Appiani, der Schwager des Würzburger Stuckateurs Giuseppe Antonio Bossi.
[13] Johann Zick ist auch 1751–1752 auch für Abt Christoph Balbus von Münsterschwarzach tätig. Er kann für die neue Stiftskirche des Balthasar Neumann Altarblätter anfertigen.
[14] Die Gewölbe werden nicht wie in der Residenz Würzburg in massiver Gewölbekonstruktion ausgeführt. Die Gründe für die Wahl von Holz-Putz-Gewölbekonstruktionen sind nebst der sicheren Kosteneinsparung vielfach auch Unkenntnis der planenden und bauleitenden Baumeister im Gewölbebau. Balthasar Neumann, der in Würzburg die Gewölbe baut, wird in Bruchsal erst nach deren Erstellung beigezogen.
[15] Vorderer Saal oder Fürstensaal 1968–1969 durch Wolfram Köberl aus Innsbruck. Treppenhaus 1964–1966 durch Karl Manninger aus Pöcking. Grosser Gartensaal oder Marmorsaal 1969–1973 durch Wolfram Köberl aus Innsbruck.
[16] Amorbach im Kurfürstentum Mainz, heute in Baden-Württemberg. Die Pfarrkirche St. Gangolf wird nach einer Planung des kurmainzischen Hofkavaliersarchitekten Anselm Franz von Ritter zu Groenesteyn ab 1751 neu erbaut. In der unweit der Pfarrkirche gelegenen Benediktinerklosterkirche sind 1744–1747 die Wessobrunner Stuckateure Johann Michael Feichtmayr und Johann Georg Üblher mit dem Augsburger Maler Matthäus Günter tätig.
[17] Von Balthasar Neumann ab 1744 erbaut. Nach der Säkularisation Maschinenfabrik. Seit 1901 Kloster der Dienerinnen der Kindheit Jesu. Die Deckenbilder von Zick sind erhalten, aber weder restauriert noch zugänglich.
[18] Planer ist vermutlich auch hier Anselm Franz von Ritter zu Groenesteyn. Die Gewölbe werden 1944 teilzerstört und nach dem Krieg neu erstellt. 1986 wird eine an Zick anlehnende Neubemalung durch Wolfgang Lenz erstellt.
[19] Die Kirche, vom Neumann-Schüler Johann Michael Fischer ab 1755 neu gebaut, wird 1944 zerstört und nach dem Krieg purifizierend wieder aufgebaut.
[20] Der vorliegende Aufsatz folgt der Dissertation von Barbara Strieder (Worms 1990) und bezieht sich nur auf die ortsfesten Decken- und Wandfresken. Diese Ausscheidung der meist mobilen Werke ist für die meisten der vorliegenden Künstlerbiografien, die im Bezug zu barocken Bauwerken entstehen, notwendig.
[21] «Maschinam mundi copernicanam omnia Problemata solventem invenit Johann Zick Historiarum Pictor 1760» steht auf einer Metallplatte der Maschine.
Quelle: Strieder
|Jahr||Bauwerk||Bauherr Baumeister Stuckateur||Werk||Heutiger Zustand|
|1725||Vorort Au, München. Wallfahrtskirche Maria-Hilf.||BH und BM: Paulanerpater Adalbert Kitzer. Neubau 1723–1725.||Deckenfresko.||Kirchenabbruch 1840.|
|1736||Bergkirchen. Pfarrkirche St. Johann Baptist.||BH: Pfarrer Joh. Georg Scheffler. BM: Johann Michael Fischer. 1731–1732.||Deckenbilder in Öl.
||Zerstört seit 1884.|
|1737||Rosenheim. Rossackerkapelle.||BH: Bierbrauer Martin Schmetterer und Ehefrau||Gewölbefresken und Altarblätter.||Gut erhalten und restauriert.|
|1739–

1740
|Raitenhaslach. Zisterzienser-Abteikirche.||BH: Abt Robert Pendtner.

ST: Unbekannt
|Gewölbefresken und Altarblätter.||Gut erhalten und restauriert.|
|1742||Maria Plain bei Salzburg. Superioratsbau.||BH: Abt Placidus Mayrhauser von St. Peter in Salzburg.||Wandfresko im Vorraum zum Fürstenoratorium.||Erhalten.|
|1744||Weingarten. Benediktinerabtei.||BH: Abt Placidus Renz.||Drei Deckengemälde, Öl auf Leinwand.||Verschollen oder zerstört.|
|1744||Altdorf (heute Weingarten). Pfarrkirche St. Maria.||BH: Abt Placidus Renz.||Deckenfresken. Unfalltod des Sohnes Franz Joseph.||Abbruch 1817.|
|1745–

1746
|Schussenried. Prämonstratenser-Abtei. Stiftskirche.||BH: Abt Siard I. Frick.

BM: Jakob Emele
|Gewölbefresken im (gotischen) Langhaus, mit Stuckaturen.||Gut erhalten und restauriert 1979.|
|1746–

1749
|Biberach an der Riss. Simultane Stadtpfarrkirche St. Martin und St. Maria.||BH: Magistrat der freien Reichsstadt.||Gewölbefresken im (gotischen) Schiff, Seitenschiff und Chor, mit Stuckaturen.||Nach Freilegung 1966: Schiff gut, Chor lädiert. Restauriert 2000.|
|1749||Oberelchingen. Benediktinerabtei Elchingen. Stiftskirche St. Peter und Paul.||BH: Abt Amandus Schindele. ST: Nikolaus Schütz.||Gewölbefresken, mit Beteiligung von Joseph Wannenmacher.||Zerstörung durch Brand 1773.|
|1749–

1750
|Würzburg. Fürstbischöfliche Residenz. Gartensaal.||BH: Fürstbischof Carl Philipp von Greiffenclau.

BM: Balthasar Neumann.
ST: G. Antonio Bossi.
|Deckenfresko und Umgangsfresken.||Gut erhalten.|
|1750–

1752
|Würzburg. Damenstift zur heiligen Anna. Stiftskirche.||BH: Äbtissin Eva Theresia von Schönborn. Bauträger: J. F. W. D. Graf von Ostein.||Deckenfresken.||Gebäude nach 1803 umgebaut. 1945 zerstört.|
|1751–

1758
|Bruchsal. Residenz der Fürstbischöfe von Speyer. Corps de Logis.||BH: Fürstbischof Franz Christoph von Hutten.

BM: Balthasar Neumann.
ST: J. M. Feichtmayr.
|Gewölbefresken, Deckenfresken, Supraporten.||Gebäude 1945 totalzerstört. Hauptfresken rekonstruiert.|
|1753||Amorbach. Pfarrkirche St. Gangolf.||BH: Oberamtmann

J. F. W. D. Graf von Ostein.
BM: A. F. von Ritter zu Groenesteyn.
|Deckenfresken und «stucco finto»||Bilder im guten originalen Zustand, «stucco finto» teilrekonstruiert.|
|1755||Zell am Main. Prämonstratenserabtei Oberzell.||BH: Abt Oswald Loschert.

BM: Balthasar Neumann.
ST: G. Antonio Bossi.
|Deckenbilder im Sommer-Refektorium, Öl auf Putz.||Bilder 1902 wieder freigelegt, aber in schlechtem Zustand.|
|1756||Aschaffenburg. Sandkirche.||BH: Oberamtmann

J. F. W. D. Graf von Ostein.
|Deckenfresken.||1944 teilzerstört, dann Abbruch.|
|1757||Grafenrheinfeld. Pfarrkirche zur Kreuzauffindung.||BH: Domkapitel Würzburg, J. F. W. D. Graf von Ostein.||Deckenfresken mit «stucco finto».||1944 zerstört.|
|Johann Zick (1702–1761)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum (Taufe)||Geburtsort||Land|
|10. Januar 1702||Lachen||Bayern D|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Fürstabtei Kempten||Augsburg|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|4. März 1762||Würzburg||Bayern D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Fürtsbistum Würzburg||Würzburg|
|Kurzbiografie|
|Johann Zick lernt das Handwerk in Ottobeuren bei Jacob Carl Stauder, die Technik des «fresco buono» aber im Umkreis des in München arbeitenden Venezianers Jacopo Amigoni. Sein erstes grosses Fresko erstellt er mit 23 Jahren im Münchner Vorort Au, sein Hauptwerk dieser Periode ist in der Stiftskirche von Raitenhaslach zu finden. Nach 1743 ist er fast ausschliesslich in schwäbischen Abteien und Kirchen tätig. 1749 wird er nach Würzburg berufen, wo er den Gartensaal der Residenz freskiert. Balthasar Neumann vermittelt ihn nach Bruchsal. Hier schafft Zick 1751–1756 seine wichtigsten Werke, die alle 1945 zerstört werden.|