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Überraschenderweise wurde der Jean Frey AG mit Titeln wie
"Weltwoche", "Beobachter", "TV" und "BILANZ" nicht wie erwartet an
den Ringier-Konzern verkauft, sondern ging an die Privatbank Swissfirst. |
In den Medien gab es einen grossen Wirbel. Vor allem der Ringier Verlag war enttäuscht und sprach von Vertragsverletzung. Was wie eine Bombe eingeschlagen hatte:
Filippo Leutenegger, vor wenigen Tagen als Chefredaktor beim Schweizer Fernsehen entlassen wurde an der Medienkonferenz überraschenderweise als neuer Konzernchef des Jean Frey Verlag vorgestellt. Der ehemalige Chefredaktor des Schweizer Fernsehens wird ab 2. April 2002 die Führungsverantwortung der Jean Frey AG übernehmen.
Wer hinter den Investoren steckt, war nicht zu erfahren. Falls in absehbarer Zeit nicht geklärt wird, wer neu das Sagen hat, kommt es zwangsläufig zu unliebsamen Mutmassungen. Gerüchte florieren jedenfalls sofort. Uns interessierte es hingegen, wie Filippo Leutenegger in der ersten harten Befragung (Sonntagszeitung 10.2.02) als Profi reagiert hatte.
Leutenegger nahm bewusst keine Stellung zu den neuen Miteigentümern und wusste genau, was er sagen durfte und was nicht. (Vergleiche dazu auch die Beiträge:
beantwortete der Vollblutjournalist wie folgt:
Leutenegger benutzte Analogien wie
antwortete Leutenegger:
Warum sagt Leutenegger explizit "echt"? Der Leser könnte mit dieser Formulierung an der Echtheit zweifeln, so wie wenn jemand betont: "Ehrlich gesagt". War denn alles was er sonst noch gesagt hat nicht unbedingt ehrlich. Der Interviewer versuchte doch zu einer Aussage zu kommen, indem er sagte:
Mit dieser Formulierung wird Leutenegger mit einer geschickten Taktik dazu gebracht, doch allfällige Hintermänner zu nennen. Sonst wäre er ja nicht transparent.
Leutenegger antwortete prägnant und ging nicht auf dieses Spiel ein:
Diese Antwort hätte bereits genügt. Filippo Leutenegger ergänzte hierauf noch:
Damit brachte Leutenegger selbst das Reizwort "Raubritter" ins Spiel. Leutenegger hatte Glück, denn der Interviewer griff dieses negativ belegte Reizwort nicht auf. Die Aussage Leuteneggers hätte ohne weiteres zu einer Wortspielerei führen können über die "langfristigen" Absichten.
Bedenken wir Wir pflastern uns in der Antwort (sei es mit Reizworten oder durch unsere Formulierungen) meist den Weg des Interviews mit unseren Worten. Viele sind sich dessen gar nicht bewusst: Die ins Spiel gebrachten fragwürdigen Formulierungen könnten nachher vom Befrager wiederholt werden und somit im Langzeitgedächtnis der Zuhörer verankert werden.
Das Interview hätte beispielsweise folgenden Lauf nehmen können: "Ah, sie sind jetzt kein Raubritter? Waren Sie denn schon einmal Raubritter?" Der Interviewte hätte hierauf gewiss verneint: "Ich war noch nie Raubritter! Was fällt Ihnen überhaupt ein, mir Raubrittertum zu unterstellen" usw.
In kurzer Zeit wäre somit der Begriff "Raubritter" bereits fünf Mal wiederholt worden und damit auch wertvolle Sendezeit vertan worden. Die Schuld für diese "Wort-Spielereien" dürften nachträglich nicht dem Interviewer in die Schuhe geschoben werden. Der Interviewte hätte nämlich die Weichen selbst gestellt und mit dem Reizwort "Raubritter" den Dialog negativ gelenkt.
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