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Bevor am 29. Februar 1880 der Durchstich des 15 Kilometer langen Gotthard-Scheiteltunnels erfolgte, bewegten sich zwei Bautrupps von Norden und Süden her während sieben Jahren und fünf Monaten aufeinander zu. Dass die Abweichung bei ihrem Zusammentreffen seitlich nur 33, in der Höhe weniger als 10 Zentimetern betrug, ist eine Meisterleistung der damaligen Ingenieurs- und Vermessungstechnik.
Der zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung 1882 längste Tunnel entfaltete als eine von Deutschland, Italien und der Schweiz gemeinsam finanzierte Verbindung zwischen Nord und Süd eine enorme symbolische Wirkung. Das immense Medieninteresse damals wie heute ist daher nachvollziehbar und in diesem Zusammenhang ist die Broschüre mit dem Titel „Der Gotthard. Bahn, Strasse und Tunnel“ zu sehen, welche sich unter der Signatur Rar 4615 im Bestand der Alten und Seltenen Drucke befindet. Neben einer detaillierten Beschreibungen zur Gotthard-Passstrasse und der Gotthard-Bahnstrecke, bietet die mehrsprachig erschienene Publikation anhand eindrücklicher Illustrationen einen populärwissenschaftlichen Zugang zur Bautechnik.
Beim Bau des Gotthardtunnels wurde mit sogenanntem Sprengvortrieb gearbeitet. Für die Platzierung des Sprengstoffs wurden die jeweils 50 bis 60 Löcher anfänglich mit Handbohrmaschinen gebohrt. Zusammen mit dem Einsatz von Schwarzpulver wurde auf diese Weise ein Vortrieb von etwa dreiviertel Metern täglich erzielt. Doch schon ab 1873 kamen auf Anraten von Jean-Daniel Colladon, beratender Ingenieur von Louis Favre und späterer Preisträger des Fourneyron-Preises, druckluftbetriebene Bohrmaschinen zum Einsatz, welche in ihrer Leistungsfähigkeit und Beständigkeit laufend weiterentwickelt und optimiert wurden. Zusammen mit dem Gebrauch von Dynamit konnte schliesslich ein Vortrieb von durchschnittlich 4 Metern erreicht werden.
Die Druckluft für die Maschinen wurde im Innern des „Compressorenhauses“ mit durch Wasserkraft angetriebenen Rädern erzeugt. Mittels Röhren wurde die Druckluft ins Innere des Tunnels in Dampfzylinder geführt, wo die sich ausdehnende Luft die Bohrköpfe antrieb. Mehrere Bohrmaschinen bohrten die notwendigen Löcher und konnten nach getaner Arbeit auf Schienen zurückgeschoben werden, um schnell Platz für die Sprengung zu machen.
Nach erfolgter Sprengung konnte die Druckluft verwendet werden, um den von der Explosion herrührenden Rauch und Staub wegzublasen, damit das Geröll rasch abtransportiert werden konnte. Hierfür und ebenso für die Beförderung der Arbeiter wurden druckluftbetriebene Lokomotiven eingesetzt.
Weitere Ressourcen zum Gotthard können auf unserer Website „Gotthard – Felsen und Tunnel“ abgerufen werden.