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Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war der Wald in erster Linie ein Speicher für Holz zum Heizen, Kochen und Produzieren. Mittels Köhlerei – auch als „schwarze Kunst“ bekannt – wurde aus Holz die begehrte Kohle produziert.
Wer sich in der Stube der Bürgergemeinde Arlesheim den verschiedenen historischen Stichen an den Wänden widmet, entdeckt Erstaunliches: Werden die Perspektiven von damals mit jenen von heute verglichen, fällt auf, dass der Wald vor rund 200 bis 300 Jahren bedeutend lichter und karger war, als er sich heute präsentiert. „Viele Leute haben das Gefühl, der Wald wäre im Verlauf der Zeit dezimiert worden. Das Gegenteil ist der Fall!“, sagt der Arlesheimer Bürgerratspräsident Stephan Kink.
In der Zeit vor dem Heizen und Kochen mit Öl, Gas, Strom oder gar modernen Lösungen wie Wärmepumpen oder Fernwärme diente der Wald primär einem Zweck: dem Gewinn von Brennholz. Das Abholzen wurde vor allem im Rahmen der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert manchenorts so intensiv betrieben, dass dies für den Wald zu einer existenziellen Bedrohung wurde. Holz war ein wertvolles Gut und die Forstwarte bzw. Grundeigentümer waren unter anderem damit beschäftigt, den „Holzfrevel“ zu bekämpfen, d. h. Unbefugte vom Holzraub abzuhalten.
Neben dem Verbrennen von Holz zum Erzeugen von Wärme für Stuben und für Kochherde wurde auch auf die Nutzung von Holzkohle gesetzt. Die Produktion der Kohle ist aber kein Kind der Neuzeit. Die Ursprünge der Herstellung sind vor rund 6‘000 Jahren in China anzusiedeln, was die Köhlerei zum ältesten Zweig der auf Holz basierenden chemischen Industrie macht. Auch in unseren Breitengraden brannten bereits die Pfahlbauern Holzkohle.
Zu Beginn der Eisenzeit vor rund 3000 Jahren erlebte die Köhlerei in Mitteleuropa eine erste Blütezeit. Durch den steigenden Bedarf an Eisenprodukten und später für den Bau von Burgen und Festungen erfuhr die Erzverhüttung eine stetige Ausdehnung. Zur Weiterverarbeitung des Metalls waren entsprechend grosse Mengen an Holzkohle gefragt. Ab dem 16. Jahrhundert erreichte die Nachfrage nach Kohle aufgrund der aufblühenden Bergwerksindustrie neue Spitzen und leitete eine Phase des Raubbaus in den Wäldern ein. Eine Übernutzung, die für solch karge Landschaften sorgte, wie sie auf den alten Bildern im Bürgerhaus in Arlesheim zu sehen sind.
Um diesen Verhältnissen Einhalt zu gebieten, wurde in der Schweiz bereits Mitte des 19. Jahrhunderts das erste Waldgesetz erlassen – eine europaweite Pioniertat. Wenn sich auch der Gesetzestext naturgemäss bis heute stark geändert hat: Das Prinzip der Nachhaltigkeit – d. h. es darf nur so viel geschlagen werden, wie nachwächst – wurde damals schon festgeschrieben und hat sich bis heute gehalten.
Ebenfalls zum Schutz des Waldes wurde die Köhlerei fortan restriktiver geregelt: Ein Exportverbot wurde erlassen und die Köhlerei wurde stark reglementiert. Im 18. Jahrhundert wurden bestimmte Aufwuchszonen im Wald definiert, wo die Köhlerei untersagt war.
Im 19. Jahrhundert nahm dann aber die Nachfrage nach Holzkohle mit einem Schlag rapide ab: Der Abbau von Steinkohle sorgte für eine günstige Alternative, die das Holzprodukt und den Beruf der Köhlerei schnell in ein Nischendasein verwies. In unzugänglichen Waldgebieten des Juras hat sich die Köhlerei bis ins 20. Jahrhundert erhalten, im Napfgebiet sogar bis zum heutigen Tag.
Eine der letzten Köhlerinnen, die dieses uralte Handwerk heute noch im Entlebuch mit Passion betreiben, ist Doris Wicki. Die Köhlerin, die zu einer Botschafterin dieses uralten Handwerks geworden ist, wird im Rahmen des 20 Jahre-Jubiläums der Forstbetriebsgemeinschaft Arlesheim/Münchenstein beim Arlesheimer Pulverhüsli hinter der Ermitage einen Holzkohlemeiler betreiben. Innert einem Monat werden 15 Ster Holz zu rund 1‘200 Kilogramm Holzkohle verarbeitet. Während der Brenn- und Abkühldauer wird die Köhlerin jeweils nonstop beim Kohlemeiler vor Ort sein, da alle zwei Stunden eine Kontrolle vorgenommen werden muss, ob der Prozess korrekt verläuft oder ob nachgeholfen werden muss – Tag und Nacht.