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Eine Familie prägt ein Jahrhundert
Seit 100 Jahren hört der Posthalter von Courtaman stets auf den Nachnamen Folly
1903 wurde in Courtaman das Postbüro eröffnet. Die Familie Folly hat sich in dieser Zeit zu einer regelrechten Posthalter-Dynastie entwickelt.
Von PATRICK HIRSCHI
Vor 100 Jahren, am 1. März 1903, ernannte die Schweizerische Postdirektion in Lausanne Jacques Vendelin Folly zu ihrem Vertreter in Courtaman. Die Bezeichnung Posthalter gab es zu dieser Zeit noch nicht. Folly war Briefträger und administrativer Verwalter in einem. Ausserdem erledigte Folly die Postarbeiten nur im Nebenamt. Das Postlokal war an der Rappigasse 36.
1933 wurde ein neues Lokal im Dorfzentrum gebaut – ungefähr dort, wo auch das heutige steht. Im selben Jahr übernahm Sohn Arsène das Postbüro. Der Landwirt tat dies genau wie sein Vater zuvor im Nebenamt. Überdies amtete er als Friedensrichter, Zivilstandsbeamter, Abgeordneter im Grossen Rat sowie als Syndic. Seine Frau unterstützte ihn bei der Postarbeit. Neben Courtaman fiel auch Grossguschelmuth in den Einzugsbereich des Ehepaars Folly. Wichtiges Transportmittel war das Mofa, aber vieles wurde nach wie vor zu Fuss verteilt.
1960 erfolgte die Stabübergabe an Sohn René. Wie seine Vorgänger, war auch er nicht nur Posthalter, sondern arbeitete ausserdem als Vertreter einer privaten Firma. Nebst seiner Frau half eine weitere Person in Teilzeitbeschäftigung im Postbetrieb mit. Die Zustellungen erfolgten weiterhin zu Fuss oder aber mit einem Citroën 2CV.
Seit 1988 heisst der Posthalter Georges Folly. Der Sohn von René hat ans bestehende Gebäude ein neues Lokal angebaut, dies nicht zuletzt aufgrund der angestiegenen Forderungen seitens der Post. 1901 gab es in Courtaman 156 Einwohner; im Jahr 2000 ist die Anzahl auf 1058 angestiegen, was in etwa 400 Haushalten entspricht. In der Zwischenzeit wurde Grossguschelmuth dem Einzugsgebiet der Post Cordast zugewiesen.
In dem Masse, wie die Anforderungen an den Posthalter zugenommen haben, ist aber auch das Prestige dieser Funktion gesunken. «Heute hat der Posthalter nicht mehr die Vertrauensfunktion von einst», meint Georges Folly. Insbesondere Grossvater Arsène genoss durch seine zahlreichen öffentlichen Ämter sowie durch den täglichen Kontakt mit den Einwohnern ein grosses Vertrauen. Damals habe man mit dem Briefträger auch finanzielle Sorgen besprochen, sagt Folly. Der Posthalter war in jener Zeit ein wichtige Figur mit sozialer Funktion. «Heute hingegen sind wir gewissermassen «gewöhnliche» Arbeiter», stellt Georges Folly fest.
Seine Laufbahn als Posthalter war übrigens trotz erblicher «Vorbelastung» nicht vorprogrammiert. Nach Erhalt des Administrativdiploms für Bundesbetriebe arbeitete er insgesamt elf Jahre in der Privatwirtschaft, bevor er von seinem Vater das Posthalteramt übernahm.
Ein Kapitel Familiengeschichte
geht zu Ende
Wie es aussieht, ist die vierte Generation der Follys gleichzeitig auch die letzte, welche die Post in Courtaman führt. Anfang dieses Jahres hat die Schweizerische Post bekannt gegeben, dass sie die Post Courtaman schliessen wird, nicht zuletzt aufgrund der geringen Entfernung zur Post Courtepin.
Folly findet dies sehr schade. Allerdings könne er diesen Entscheid auch nachvollziehen. «Viele Junge benutzen häufiger das Internet.» Da seien die traditionellen Postdienstleistungen nicht mehr so gefragt. Service Public und Eigenwirtschaftlichkeit seien wohl nur schwer unter einen Hut zu bringen. «Viele Einwohner sagen, sie fänden es schade, dass die Post zumacht. Aber auch diese Leute kommen nicht mehr so oft», stellt Folly fest. Die Mentalität habe sich in den letzten Jahren halt ganz einfach verändert.
Folly schätzt, dass in zwei bis drei Jahren Schluss sein wird. Zuerst will die Post für sämtliche Angestellten neue Stellen finden. Neben ihm und seiner Frau sind noch zwei Teilzeitangestellte betroffen. Folly würde gerne weiter für die Post arbeiten. «Es tut weh, dass ausgerechnet die Post in Courtaman schliessen muss. Aber das Leben geht weiter.»