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Die Unterscheidung einer MS von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen geschieht mithilfe international anerkannter diagnostischer Kriterien (den sogenannten McDonald-Kriterien). Prof. Banwell erinnerte zu Beginn ihres Vortrags daran, dass diese Kriterien seit 2010 auch die pädiatrische MS einschliessen. Eine Gruppe von Forschenden, zu der auch Prof. Banwell gehörte, konnte daraufhin bestätigen, dass sich diese Kriterien tatsächlich sehr gut für die Diagnose einer pädiatrischen MS eignen.
Entwicklung des Gehirns wird beeinflusst
Mittlerweile besteht Gewissheit, dass es sich bei einer pädiatrischen MS und einer MS, die erst im Erwachsenenalter beginnt, um die gleiche Erkrankung handelt. MS ist also eine altersübergreifende Krankheit. Der Ausbruch von MS in der Kindheit und Jugend hat jedoch Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns in einer Weise, die im Erwachsenenalter problematisch ist.
Auch die Entwicklungsprozesse, die das menschliche Gehirn im Laufe des Erwachsenwerdens normalerweise durchschreitet, scheinen bei einer pädiatrischen MS gestört zu sein. «Im Vergleich zu gesunden Kindern wächst das Gehirn bei Mädchen und Jungen mit MS weniger als für ihre Altersstufe üblich.
«Im Teenageralter beginnt die Gehirngrösse von pädiatrischen MS-Betroffenen zu schrumpfen (sogenannte Atrophie)», sagt Prof. Banwell. «Bei Jugendlichen mit MS besteht das Risiko von kognitiven Schwierigkeiten und damit einhergehend einer Beeinträchtigung der schulischen Leistungen.»
Frühe, wirksame Behandlung ist entscheidend
«Aufgrund der Folgen einer pädiatrischen MS ist es wichtig, betroffene Kinder und Jugendliche möglichst früh und wirksam zu behandeln», erklärte die Expertin. Zur Therapie eines akuten Schubs stehen für Kinder und Jugendliche die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung wie für erwachsene Betroffene (beispielsweise Kortison). «Wichtig ist auch, rasch Rehabilitationsmassnahmen anzubieten», betonte sie. Im Weiteren solle auch bei einer pädiatrischen MS eine Langzeittherapie gestartet werden. «Früher haben wir diese stets mit Interferon-beta oder Glatirameracetat gestartet», beschrieb Prof. Banwell das Vorgehen.
In jüngster Zeit hat sich die Behandlung der pädiatrischen MS verändert. Eine kürzlich durchgeführte klinische Studie zeigte die überlegene Wirksamkeit von Fingolimod im Vergleich zu Interferon-beta. Die Studie offenbarte, dass Fingolimod viel besser in der Lage war, neue Schübe und die Bildung neuer Veränderungen im MRI zu verhindern. Auch das Hirnvolumen habe unter Fingolimod über einen Zeitraum von zwei Jahren deutlich weniger abgenommen als unter Interferon-beta. In der Schweiz wurde Fingolimod (Gilenya®) aufgrund dieser Resultate für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ab 10 Jahren zugelassen. Wie Prof. Banwell weiter erläuterte, würden aktuell weitere Substanzen in Studien auf ihre Eignung zur Behandlung einer pädiatrischen MS untersucht, oder es sind entsprechende Studien geplant.
Eine in Italien durchgeführte Untersuchung hat gezeigt, dass mittlerweile häufiger und früher im Verlauf einer pädiatrischen MS Medikamente eingesetzt werden, vor allem auch höher wirksame Substanzen, und dass damit das Risiko einer bleibenden Behinderung reduziert werden kann. «Die frühe und effektive Behandlung einer pädiatrischen MS ist also von entscheidender Bedeutung», schloss Prof. Banwell.