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24 Jahre dauerte die Restauration eines knackigen MG TD. In dieser Zeit wurde der englische Roadster zum Familienmitglied über Generationen und erfreut heute Jung und Alt bei jeder Ausfahrt aufs Neue.
Der Automobilhersteller Morris Garages, bekannt als MG, wurde 1923 in Oxford gegründet und machte sich einen Namen als Hersteller von einfachen, zuverlässigen und leistungsfähigen Roadstern zu attraktiven Preisen. Besonders erfolgreich erwiesen sich die vier MG T-Modelle, die von 1936 bis 1955 gebaut wurden.
Wie zu dieser Zeit üblich, besassen die offenen Zweisitzer eine Karosserie in Gemischtbauweise aus Stahlblech, das auf ein Gerippe aus Eschenholz aufgesetzt wurde. Ein robuster 1,3 Liter Motor mit zwei SU Vergasern und 50 PS befähigten die T-Modelle zu einer Spitzengeschwindigkeit von über 120 km/h. Für die Verzögerung sorgten hydraulische Trommelbremsen. Die beiden ersten Versionen, der TA und TB, wurden bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gebaut.
Danach folgte ab 1945 der TC. Dank höherer Verdichtung stieg die Leistung auf 54 PS. Weitaus zahlreicher waren die Innovationen beim MG TD, der 1950 auf den Markt kam. Er verband den Antrieb des TC mit einem Differenzial an der Hinterachse und verfügte über ein weiter entwickeltes Fahrgestell mit Einzelradaufhängung und Schraubenfedern vorne, Zahnstangenlenkung sowie kleinere 15-Zoll-Scheibenräder. Mit einer Spurweite von 1270 mm waren die Roadster um 127 mm breiter als vorher. Ebenso waren Stossfänger mit Stossfängerhörnern das erste Mal serienmässig.
Der Wagen wurde am 22. September 1950 in Neuenburg immatrikuliert. Auf Umwegen kam dieser nach Wallisellen, wo er 1969 von der Schwester von Ruedi Brunschweiler für CHF 4500.– gekauft wurde, vor allem da der Wagen ihren Jahrgang hatte! Rund zehn Jahre später wanderte sie aus nach Kanada, doch der rote MG TD blieb in der Familie.
1984 entschloss sich Ruedi Brunschweiler, den inzwischen in einem schlechten Zustand befindlichen MG TD gründlich zu restaurieren. Er zerlegte den Wagen, restaurierte das Chassis, revidierte verschiedene Teile und lackierte die Karosserie. Alsdann setzte er in das Chassis wieder den Motor ein und montierte die Aufhängung mit den Rädern. Die lackierten Karosserie-Teile verpackte er in Wolldecken für die spätere Montage. Gleiches geschah mit zahlreichen Teilen, die er nach dem Zerlegen in zehn Kisten einlagerte.
2003 schenkte Ruedi Brunschweiler die 10 Kisten MG Teile, die lackierte Karosserie sowie das Chassis mit Motor seiner Tochter Carmen, die verheiratet ist mit Fredi Hug – ein gelernter Automechaniker. Es begann eine spannende Zeit voller Überraschungen. In einer ungeheizten Scheune im thurgauischen Fimmelsberg erfolgte an den freien Tagen der Zusammenbau mit dem Ziel, am 30. Geburtstag von Carmen Hug im Juni 2005 die erste Ausfahrt mit dem Roadster zum Nachtessen unternehmen zu können. Bis dahin war allerdings noch viel Kleinarbeit und automobiltechnisches Können und Kreativität gefragt. Alle nötigen Teile liessen sich in den Kisten finden, bis auf die Frontscheibe, die mittels einer Vorlage von Fredi neu angefertigt wurde. Ebenfalls neu bestellt wurde in England das Interieur, die Sitze und das Verdeck sowie die entsprechende Literatur. Denn bei englischen Fahrzeugen versagt manchmal unsere germanische Logik. Doch der Zusammenbau des automobilen Puzzles verlief mehr oder weniger nach Plan – dies auch dank der kreativen und manuellen Unterstützung von Carmen. Gross die Freude und der Stolz, als pünktlich zum 30. Geburtstag von Carmen Hug der rote MG TD – nun wieder in Topform – für die erste Ausfahrt bereit stand; ein unvergesslicher Moment! Und ein Jahr später durfte dann Schwiegervater Ruedi Brunschweiler an seinem 50. Geburtstag eine Runde mit dem Roadster drehen.
Inzwischen sind schon wieder 16 Jahre vergangen, in denen die Hugs manche Ausfahrten genossen haben und überall auf viel Sympathie und Begeisterung mit dem roten MG TD stossen.
Als Tochter Lisa noch klein war, durfte sie im Stauraum hinter den Sitzen mitfahren. Doch inzwischen hat sie das Alter für den Führerschein erreicht und freut sich auf die erste Ausfahrt mit dem knackigen Roadster im Sommer. Allerdings wird ihr Fredi noch das Schalten mit Zwischengas für die ersten beiden Gänge beibringen müssen. So wird der rote MG TD über Generationen hinweg ein geliebtes Familienmitglied bleiben.
Text: Christoph Bleile / Bilder: Christoph Bleile/zVg