Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03408.jsonl.gz/886

| Athenagoras (2. Jhd.) - Über die Auferstehung der Toten (De Resurrectione)

4.
Diese wenden ein, viele Leiber von denen, die bei Schiffbrüchen oder in Flüssen jämmerlich umkamen, seien schon Nahrung für Fische geworden, und viele Leiber der im Kriege Gefallenen oder durch ein herberes Geschick und durch den Drang der Umstände ohne Bestattung Gebliebene hätten den sie auffindenden Tieren zum Fraße gedient. Wenn nun die Leiber in der angegebenen Weise aufgezehrt werden und ihre integrierenden Teile und Teilchen zerstückelt in viele Organismen hineinkommen und sich in Form von Nahrung mit den Leibern der so ernährten Wesen vereinigen, so sei es, wendet man ein, fürs erste unmöglich, diese auszuscheiden, dann aber sei noch weniger durchführbar folgendes Zweite. Es kommen nämlich die Leiber jener Tiere, welche sich mit Menschenfleisch ernährt haben, falls sie sich zur Nahrung für Menschen eignen, selbst wieder in menschliche Mägen und werden so mit den Leibern der Essenden vereinigt; so müssen notwendig solche menschliche Teile, die den auffressenden Tieren zur [S. 343] Nahrung gedient haben, in andere Menschenleiber hinüberwandern, indem die mittlerweile hievon ernährten Tiere das, was ihnen zur Nahrung diente, in jene Menschen hinüberleiten, deren Nahrung sie selbst werden. Außerdem weist man mit erkünsteltem Pathos auf Kinderverzehrungen hin, zu denen Hungersnot oder Wahnsinn trieb, und auf die infolge feindlicher Überlistung von ihren eigenen Erzeugern aufgegessenen Kinder und jenen medischen Tisch1 und die tragischen Mahlzeiten eines Thyestes und reiht daran noch andere Begebenheiten ähnlicher Art, die sich erst jüngst bei Griechen und Barbaren zugetragen haben. Hiedurch glaubt man, die Unmöglichkeit der Auferstehung dartun zu können; denn bei der Auferstehung können nicht die nämlichen Teile verschiedenen Menschen zugewiesen werden, sondern es müssen entweder die Leiber der einen unvollständig bleiben, weil integrierende Bestandteile von ihnen in andere Menschen hineingekommen sind, oder wenn diese Teile ihren früheren Inhabern zurückerstattet werden, die Leiber der andern ein Manko erleiden.
1: Astyages setzte dem Harpagos das Fleisch des Sohnes vor. Herodot 1, 119. So machte es auch Atreus dem Thyestes.