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(Hagenbach, 1822)
- DE: Roesels Beissschrecke
- EN: Roesel's Meadow Bush-cricket | Roesel's Bush-cricket
- FR: La Decticelle bariolée
- Syn.: Locusta brevipennis Charpentier, 182 | Locusta diluta Charpentier, 1825 | Metrioptera pellucida Herrich-Schäffer, 1840 | Platycleis pulchra Werner, 1901 | Platycleis roeseli Bolívar, 1900 | Chelidoptera sinuatus Fischer von Waldheim, 1846
Morphologie
Roeseliana roeselii ist eine der häufigsten mitteleuropäischen Langfühlerschrecken und bisher als Metrioptera roeselii bekannt. Die Grundfarbe der mittelgrossen Beissschrecke ist hellbraun, rötlich-braun bis gelblich-grün. Die Körperunterseite ist gelblich, auf der Rückenseite überwiegen braune Farbtöne. Das auffälligste Merkmal sind die meist dunklen Halsschild-Seitenlappen, die deutlich abgegrenzt, hell umrandet sind. Die Flügel sind beim Weibchen etwa so lang wie Kopf und Halsschild zusammen und bedecken knapp die Hälfte des Hinterleibs. Diejenigen des Männchens sind länger, erreichen aber das Hinterleibsende nicht. Am Ende sind sie breit verrundet bis abgestutzt. Selten kommen langflügelige, sogenannt makroptere Individuen vor. Die Cerci der Männchen sind schlank und knapp hinter der Mitte mit einem kräftigen, spitzen Innenzahn versehen. Die kurze Legeröhre ist an der Basis stark nach oben gebogen. Die weibliche Subgenitalplatte ist am Ende tief v-förmig ausgeschnitten und die dadurch entstehenden Seitenlappen enden spitz auslaufend.
Gesang
Der mässig laute Spontangesang von Roeseliana roeselii besteht aus gleichförmigen Silben, die 70-110 Mal pro s geäussert werden. Er wird von Pausen unterschiedlicher Länge unterbrochen. Das Frequenzspektrum liegt im Bereich von 10-50 kHz und zeigt ein Maximum bei ca. 20-25 kHz. Am Morgen oder nachts bei tieferen Temperaturen werden oft nur kurze Verse erzeugt. Langflügelige Tiere singen etwas lauter und reibender als kurzflügelige.
Spontangesang bei hohen Temperaturen von Roeseliana roeselii - AT, Burgenland, Breitenbrunn am Neusiedlersee, 28 °C, sonnig.
Spontangesang von Roeseliana roeselii - CH, SG, Alt St. Johann, 12 °C, leicht sonnig (Aufnahme Bruno Keist).
97 Silben pro Sekunde im Spontangesang von Roeseliana roeselii - CH, SG, Alt St. Johann, 12 °C, leicht sonnig (Aufnahme Bruno Keist).
Verbreitung
Roeseliana roeselii ist von den Pyrenäen bis weit nach Asien verbreitet. In Südeuropa ist die Verbreitung vor allem wegen taxonomischen Schwierigkeiten ungenügend geklärt. Nördlich reicht das Verbreitungsgebiet bis in den Süden Grossbritanniens und Skandinaviens. In der Schweiz zählt die Art zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Arten und fehlt nur im südlichen Tessin und in den alpinen Bereichen. Auch in Deutschland ist sie überall häufig, wobei die Häufigkeit gegen Norden etwas abnimmt.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Roeseliana roeselii findet man von Juni bis Oktober.
Die Eier werden in markhaltige oder tote Pflanzenstängel abgelegt und überwintern ein oder zwei Mal. Die Larven durchlaufen 6-7 Stadien. Roeseliana roeselii ist eine der frühesten Arten im Jahr. Die Männchen singen oft an einem Grashalm oder an einer Pflanzenblüte mit dem Kopf nach unten. Die Nahrung besteht aus pflanzlicher und tierischer Kost.
Lebensraum
Roeseliana roeselii stellt keine hohen Ansprüche an den Lebensraum, bevorzugt aber feuchtes Grünland mit dichter Vegetation. Besiedelt werden Feuchtwiesen, Randbereiche von Flachmooren, Hochstaudenfluren, mässig feuchte Ufervegetation von Gewässern, Weiden, Fettwiesen, Brachen und Halbtrockenrasen. Besonders oft findet man sie an Strassen- und Bahnböschungen sowie an Wegrändern. Nur in ganz trockene und vegetationslose Biotope dringt sie nicht vor. Wichtig scheint eine dichte und hochwüchsige Vegetation. So weicht sie beispielsweise in Weiden in die hochgrasigen Bereiche aus, die von den Kühen nicht abgefressen werden. Die meisten Fundorte liegen unter 2000 m.
Gefährdung & Schutz
Roeseliana roeselii ist nicht gefährdet.
- CH: LC (Nicht gefährdet)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Roeseliana roeselii gleicht ihrer Schwesterart Roeseliana azami stark. Die besten Unterscheidungsmerkmale befinden sich am Körperende. Die schlanken Cerci sind bei Roeseliana azami im letzten Viertel mit einem kleineren, rundlicheren Zahn versehen. Die Titillatoren sind bei Roeseliana azami im gesamten letzten Drittel mit vielen kleinen Dornen versehen. Zumindest in der Schweiz lassen sich die beiden Arten geografisch unterscheiden. Die Unterart Roeseliana azami minor kommt nur im südlichen Tessin vor, wobei noch nie gemeinsame Vorkommen mit Roeseliana roeselii entdeckt wurden. Der Gesang von Roeseliana roeselii ist nicht von demjenigen von Roeseliana azami minor zu unterscheiden. Ruspolia nitidula singt lauter, schriller und vorwiegend nachts. Gampsocleis glabra singt scheppernder, Bicolorana bicolor hart ratternd. Die zweite Phase im Gesang von Polysarcus denticauda hat einen sirrenden Beiklang, kann im US-Detektor jedoch nicht sicher von den Gesängen von Roeseliana roeselii und Roeseliana azami minor unterschieden werden.