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Vier Monate lang soll der beisswütige Uruguayer kein Stadion von innen sehen, dazu 100'000 Franken als Busse abliefern. Mit dem Verband im Rücken geht Suarez in Berufung. Im Achtelfinal ist er bereits zum Zuschauen verdammt.
Die WM ist für Uruguays Stürmer Luis Suarez nach seiner Beissattacke im Spiel gegen Italien zu Ende. Die Disziplinarkommission der FIFA sperrt ihn für neun Länderspiele, weswegen er auch den Anfang der Copa America 2015 in Chile verpassen wird.
Noch schwerer wiegt für Suarez aber, dass der Weltverband ihn für insgesamt vier Monate von allen «fussballerischen Aktivitäten» suspendiert. Im Klartext: Suarez darf in dieser Zeitspanne weder mit Profi-Teams trainieren, noch sich in den Stadien der Profi-Ligen aufhalten – insbesondere wird er dem Achtelfinal seiner Equipe gegen Kolumbien fernbleiben müssen.
Suarez hatte dem italienischen Verteidiger Giorgio Chiellini beim Stande von 0:0 in die Schulter gebissen. Der mexikanische Schiedsrichter Marcos Rodriguez hatte die Aktion nicht gesehen. Uruguay gewann die Partie mit 1:0 und feierte den Einzug in den Achtelfinal.
Der 27-Jährige wird zudem zu einer Geldstrafe von 100'000 Franken verdonnert. «So ein Verhalten kann auf keinem Fussball-Platz toleriert werden», sagte der Chef der FIFA-Disziplinarkommission, Claudio Sulser.
Auch sein Verein Liverpool wird die Konsequenzen von Suarez' Dental-Entgleisung zu spüren bekommen: Der Uruguayer wird erst Ende Oktober wieder auf Torejagd gehen können und folglich in den ersten neun Premier-League-Partien zum Zuschauen verdammt sein. Desgleichen in den ersten drei Gruppenspielen der Champions League. In einem knappen Statement lässt der Klub verlauten: «Wir werden den Bericht des FIFA-Disziplinarkommitees abwarten, bevor wir die Angelegenheit kommentieren.»
Die Sperre bezieht sich auch auf administrative Tätigkeiten des Fussballers Suarez. Ein Transfer - zum Beispiel zum interessierten Champions-League-Sieger Real Madrid - soll laut FIFA-Sprecherin Delia Fischer aber trotzdem möglich sein. Mindestens bis zum jüngsten Vorfall sollen auch Barcelona und Paris Saint-Germain interessiert gewesen sein.
Uruguays Fussballverband legt Rekurs ein gegen das Urteil. Das sagte Verbandspräsident Wilmar Valdez. Die Möglichkeit des Rekurses ist dem Ausmass der Sperre geschuldet: Gemäss FIFA-Reglement wird ein Rekurs erst möglich, wenn eine Sperre höher ausfällt als drei Spiele oder zwei Monate. Suarez hatte bereits vergeblich versucht, den Weltverband mit einem persönlichen Schreiben milde zu stimmen.
Gemäss Paragraf 124 des FIFA-Reglementariums, hat der Einspruch aber keine aufschiebende Wirkung. Suarez wird seiner Equipe damit im Achtelfinale gegen Kolumbien unumstösslich nicht zur Verfügung stehen – der erwartete Gang durch die Instanzen zeitigte also keine unmittelbaren Auswirkungen.
In Uruguay tobt derweil ein Sturm der Entrüstung. Liliám Kechichián, Ministerin für Tourismus und Sport, bezeichnete das Urteil als «exzessive Strafe». Politiker aller Parteirichtungen nutzten ihren Twitter-Account. «Eine Lynchjustiz im 21. Jahrhundert», schrieb Horacio Yanes. «Es fehlt nur der elektrische Stuhl. Eine Sache ist eine Strafe, die andere eine Hinrichtung», verkündete Sergio Abreu
Der umstrittene Suarez hatte bereits 2010 bei Ajax Amsterdam und im Vorjahr beim FC Liverpool Gegenspieler gebissen und Sperren von sieben beziehungsweise zehn Spielen von den nationalen Verbänden erhalten. Wegen seiner rassistischen Bemerkungen gegen den Franzosen Patrice Evra von Manchester United - die Suarez bis heute bestreitet - wurde er 2011 für acht Spiele verbannt. Bei der WM 2010 hatte er mit einem absichtlichen Handspiel im Viertelfinal gegen Ghana und anschliessenden arroganten Bemerkungen über sein unsportliches Verhalten für Wirbel gesorgt. (tom/spon/si)