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Das Galata Mevlevî Ensemble, das am historischen Konvent von Galata, einem Stadtteil von Istanbul, angesiedelt ist, steht in direkter Traditionsfolge der angesehensten Sufis und Musiker seit frühosmanischer Zeit. Es praktiziert das Ritual des «Sema», das im 13. Jahrhundert entstand und die «unio mystica», das Einssein mit Gott, anstrebt. Dieses Gebetsritual geht zurück auf den Mystiker Celaleddin Rumi (1207–1273), der «Mevlânâ», «Meister», genannt wurde. Die Mevlevî, seine Schüler, gründeten Konvente und Musikschulen, an denen die besten Hofmusiker, aber auch Dichter und Kalligraphen ausgebildet wurden. Die Zeremonien der Mevlevî, insbesondere die Wirbelnden Derwische, fanden über die Jahrhunderte in zahlreichen europäischen Reiseberichten eine Erwähnung und Würdigung. 1925, im zweiten Jahr der Türkischen Republik, wurden alle Derwischorden von der laizistischen Regierung Kemal Atatürks verboten. Der Mevlevî-Orden existierte jedoch im Untergrund weiter und wird seit den fünfziger Jahren auch wieder geduldet, wenngleich das offizielle Verbot bis heute nicht aufgehoben ist. 2005 wurden die Zeremonien der Mevlevî in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des Menschheitserbes aufgenommen. Das Galata Mevlevî Ensemble gilt als das beste des Mevlevî-Ordens und präsentierte sich auf Auslandstourneen in aller Welt. Seit 1994 wird es von Sheikh Nail Kesova geleitet. Nail Kesova, 1939 in Istanbul geboren, studierte in seiner Heimatstadt an der Akademie für Wirtschaft und liess sich parallel dazu im Mevlevî-Orden als Musiker ausbilden. 1970 wurde er als Tänzer in das Galata Mevlevî Ensemble aufgenommen und 1982 zum Hauptderwisch berufen, wobei er auch als Sänger und Beckenspieler diente. 1994 folgte die Ernennung zum Sheikh und damit die Erlaubnis, eigenständig Zeremonien gemäss der Mevlevî-Tradition durchzuführen.
August 2012