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Rückblick auf die 100. Versammlung
Am 19. Oktober durfte die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft ihre 100. Generalversammlung zu Gast bei der Ortsgruppe Basel abhalten. Nach der ordentlichen Versammlung lud die Gesellschaft zur Führung durch die Sonderausstellung des Basler Musikmuseums ein, bevor ein Ensemble der Schola Cantorum Basiliensis Musik aus Basler Quellen des 16. Jahrhunderts spielte.
Benedict Zemp — Als Veranstaltungsort wählte der Vorstand der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft die Stadt Basel aus, da die SMG auf eine 1899 dort gegründete Ortsgruppe der im gleichen Jahr entstandenen Internationalen Musikgesellschaft zurückgeht. Nach Auflösung der I.M.G. während des Ersten Weltkrieges machte sich die Schweizer Sektion 1915 als Neue Schweizerische Musikgesellschaft selbständig. Wer richtig nachgerechnet hat, stellt offensichtlich fest, dass die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft mehr als 100. Hauptversammlungen veranstaltet haben müsste, wenn sie 1915 als Neue Schweizerische Musikgesellschaft gegründet worden ist. So steht im Protokoll der 20. Hauptversammlung vom 26. Juni 1939: «(...) und seit ihrer Neugründung hielt sie, meist in jährlicher Folge, im ganzen bis heute zwanzig Hauptversammlungen ab.» Bereits 1939 hielt der damalige Zentralpräsident Prof. Dr. Wilhelm Merian in seiner Rede fest, dass in vier Geschäftsjahren keine Versammlung stattgefunden hat. Dies lässt vermuten, dass während der Kriegsjahre auf die jährliche Durchführung der Zusammenkunft verzichtet wurde.
Die Statuarischen Geschäfte
In ihrem Jahresbericht gab die Zentralpräsidentin Cristina Urchueguía Einblick in die zahlreichen Veranstaltungen, die im vergangenen Jahr durch die SMG Sektionen organisiert worden waren. Dabei erwähnte sie insbesondere die Unterstützung der «Medieval and Renaissance Music Conference 2019» in Basel durch die SMG. Weiter unterliess sie es nicht, auf drei Publikationen, die im Geschäftsjahr erschienen waren, aufmerksam zu machen. Darunter ein weiterer Band des Jahrbuchs zu Schweizer Musikforschung sowie die beiden Bände Mythologies romandes: Gustave Doret et la musique nationale und Eine Geographie der Triosonate. Ganz zum Schluss der Versammlung skizzierte sie den neusten Stand des Projekts Musiklexikon der Schweiz.
Nachdem die ordentliche Sitzung beendet war, übernahm die Kuratorin des Musikmuseums, Isabel Münzner, das Zepter und führte die zirka 50 Mitglieder durch die Sonderausstellung «Klangbilder – Basler Musikalien des 16. Jahrhunderts». Besonders spannend fanden die Anwesenden das Gemälde Der Castalische Brunnen, gemalt um 1540 in Süddeutschland. Beeindruckend waren auch die einzigartigen Drucke und Handschriften der damaligen Zeit, die seit Jahren von der hiesigen Universitätsbibliothek wie ein Schatz gehütet werden. So bemerkte der Kassier und Fachreferent der Universitätsbibliothek, Christoph Ballmer, dass die wertvollsten Handschriften und Drucke dem Musikmuseum für diese Sonderausstellung geliehen worden seien. Die SMG Mitglieder betrachteten die Handschriften und Drucke sehr genau, da im nächsten Programmteil live daraus gespielt wurde.
Studierende der Schola Cantorum Basiliensis unter der Leitung von Marc Lewon, ein renommierter Spezialist für Musik des Mittelalters und der Renaissance, hatten ein ganz besonderes Konzertprogramm zusammengestellt. Die acht Mitglieder des Ensembles spielten Zink, Fidel, Renaissancegambe, Viola d’arco, Quinterne und sangen. Die verschiedenen Lieder und Instrumentalwerke wurden höchst präzise, in feinfühliger und transparenter Spielweise und mit dem nötigen historischen Kontextwissen vorgetragen. Nach dem Eröffnungsstück Maria Zart aus dem Liederbuch des Ambrosius Kettenacker, mittels welchem man ursprünglich um die Verschonung vor der – aus Amerika neu eingeschleppten – Syphilis gebeten hatte, erklang das bekannte Lied Innsbruck, ich muss dich lassen. Der Text ist ein Abschieds- und Trauerlied des Sängers an seine Geliebte, da er Innsbruck verlassen und in die Fremde muss. Er verspricht ihr Treue und empfiehlt sie dem Schutz Gottes. Ganz am Schluss des Konzerts erklang passend zur festlichen Stimmung das Lied Paule, Paule lieber stalbruder mein. Schon die Scherznotation im Discant-Stimmbuch lassen eine fröhliche Runde mit gutem Wein und Essen erahnen, womit auch schon der gemütliche Apéro und Abschluss der Veranstaltung eröffnet worden war.