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Zählen lernen – Wenn Kinder die Welt der Zahlen erobern
Schon sehr kleine Kinder haben ein intuitives Verständnis dafür, dass Zahlen und Mengen etwas miteinander zu tun haben. Sie verstehen, dass die Aufforderung "Hole bitte drei Teller" bedeutet, dass man Teller holen soll - und dass das Wort "drei" irgendwie angibt, dass es mehrmals zum Schrank mit den Tellern laufen soll.
Mit etwa 2 Jahren beginnen Kleinkinder die ersten Zahlen zu lernen. Das Gehirn versteht, dass eine bestimmte gesprochene Zahl einer bestimmten Menge von Gegenständen entspricht. Dies beginnt mit der traurigen Erkenntnis, dass "ein" Keks bedeutet, dass man leider keinen weiteren Keks bekommt, so gerne man dies auch möchte. Nach und nach erschliesst sich das Kind dann weitere Zahlen und Mengen.
Während der Kindergartenzeit erweitern Kinder ihren Zahlenraum kontinuierlich, sodass sie zu Beginn der Schullaufbahn die Zahlen bis 10 oder sogar 20 beherrschen. Das Lerntempo ist hier von Kind zu Kind unterschiedlich - dem einen fällt das Zählen lernen leicht, der andere tut sich zu Beginn noch ein wenig schwerer.
Zahlen und Mengen vom Wesen her in ihrer Gesamtheit begreifen
Allein durch das stumpfe Auswendiglernen von Zahlenreihen ist noch kein Mathe-Genie vom Himmel gefallen. Der wohl wichtigste Lernprozess ist, dass Kinder den einzelnen Zahlen die zugehörige Menge sicher zuordnen und diese in Relation zueinander setzen können. Hierauf baut das gesamte Grundverständnis für die Mathematik auf.
Ist zwei viel? Ist fünf wenig? Was bedeutet mehr und weniger? Ist es unfair, wenn mein Bruder drei Bonbons bekommt und ich erst eins und etwas später noch einmal zwei? Ist ein Haufen mit 10 Murmeln mehr als zwei Haufen mit 5 Murmeln? Sind 6 Äpfel genauso viel wie 6 Wassermelonen, obwohl die einen doch viel grösser sind? Was genau bedeutet eigentlich vier? Und muss ich die Zahlen immer in der gleichen Reihenfolge nennen, wenn ich zähle?
All diese Fragen müssen sich die Kinder beim Zahlen lernen erschliessen. Wer sich vor sein Kind setzt und versucht, ihm das Zählen beizubringen, indem er die Zahlenreihe immer wieder vorbetet, wird nicht viel Erfolg haben. Das Kind wird sich nach einer Weile langweilen. Bestenfalls lernt es die Zahlenreihe auswendig, ohne das Konzept von Zahlen und Mengen wirklich verstanden zu haben.
Zahlen lernen als ganzheitlicher Prozess
Je besser Kinder das Konzept von Zahlen und Mengen verinnerlicht und verstanden haben, umso weniger Probleme bereitet ihnen später in der Schule der abstrakte Umgang mit den Zahlen. Bereits im Kleinkind- und Kindergartenalter kann so der Grundstein für eine erfolgreiche Schullaufbahn gelegt werden.
Essenziell wichtig für einen gelungenen Lernprozess ist, dass dieser auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist. Kinder nutzen beim Lernen nicht nur ihren Kopf, sondern sie setzen alle Sinne ein, um ihre Umwelt zu begreifen. Sie tun dies mit einer grossen Portion Neugier und intrinsischer Motivation. Solange das Lernen für sie mit positiven Emotionen verknüpft ist, beschäftigen sich Kinder ausdauernd und intensiv mit bestimmten Themen wie dem Erlernen von Zahlen und Mengen.
Diese mit positiven Emotionen verknüpfte Art von Lernen wird auch ganzheitliches Lernen genannt. Unsere Aufgabe als Erwachsene ist es, den Kindern dieses ganzheitliche Lernen zu ermöglichen, ihre Neugier zu fördern, Lernanreize zu setzen und eine lernfreundliche Umgebung zu bieten. Hierzu gehört insbesondere, dem Kind ausreichend Zeit für seine Interessen zu lassen. Beim Zahlen lernen sollte das Kind alle Sinne einsetzen können. Sehen, hören, tasten und fühlen, vielleicht sogar riechen und schmecken - es ist an uns, das Umfeld anregend, vielseitig und interessant zu gestalten.
Zahlen und Mengen spielerisch erschliessen
Kinder lernen beim Spielen. Sie beschäftigen sich mit Dingen, die sie spannend finden, sie probieren verschiedene Dinge aus, sortieren, arrangieren, kombinieren, schlüpfen in Rollen und vieles mehr. Dem Kind ausreichend Raum für das freie Spiel zu lassen, sorgt für eine hohe Motivation beim Lernprozess.
In der Schweiz werden bereits in der Kita und im Kindergarten vielfältige Anreize geboten, mit denen Kinder ganz zwanglos Zahlen lernen und Mengen erfassen können. Hierzu wird die natürliche Spielfreude und Entdeckerlust der Kinder genutzt. Auch im Alltag können zahlreiche Anreize geboten werden, bei denen sich Kinder mit dem Zählen lernen beschäftigen können:
- Aufträge an das Kind stellen, eine bestimmte Menge Gegenstände zu holen
- Alles Mögliche zusammen zählen (z. B. Eier beim Kuchenbacken, Spielzeug beim Aufräumen)
- Beim Treppensteigen zusammen die Stufen zählen (gut, um längere Zahlenreihen zu lernen)
- Kleine Schätzaufgaben einfliessen lassen: "Was meinst Du - habe ich mehr Orangen oder mehr Äpfel?" und dann gemeinsam nachzählen
- Gemeinsam Zählbücher anschauen
- Zählreime aufsagen und Zahlenspiele mit den Fingern machen (z. B. 10 kleine Zappelmänner)