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Im Kunstschaufenster in der Bahnhofsunterführung stellt momentan KC Wong ein Selbstporträt aus. Das Bild ist noch bis Mitte Dezember zu bewundern. Das Schaufenster bietet Künstlern regelmässig eine Plattform, um eines ihrer Werke zu zeigen.
Text: Ingrid Eva Liedtke
Bilder: zvg
Das Kunstschaufenster in der Bahnhofsunterführung Wädenswil wird kuratiert von Inès Mantel von der Kulturkommission. Sie gibt Künstlern verschiedenster Stilrichtungen die Möglichkeit, eines ihrer Werke zu zeigen. Momentan ist es KC Wong, der ein Selbstporträt ausstellt. Der Künstler lebt schon seit 40 Jahren in Wädenswil. Der Name lässt darauf schliessen, dass Wong kein gebürtiger Schweizer ist. Er wurde 1950 in Hongkong geborgen. 1962 wanderte seine Familie nach London aus. Nach dem Schulabschluss 1968 wurde Wong von der Slade School of Fine Art an der London University aufgenommen, wo er nach 4 Jahren als interner Student seinen Abschluss in Bildender Kunst machte.
KC Wong arbeitete kurze Zeit als Kunstlehrer, doch dann riefen ihn familiäre Verpflichtungen nach Bournemouth, einem Seebad im Süden Englands. «Ab 1973 führte ich auf Wunsch meiner Eltern ihr Restaurant. Drei Jahre später lernte ich dort meine jetzige Frau Marie-Louise aus der Schweiz kennen. Sie bestärkte mich darin, wieder zu malen.» Die beiden zogen 1978 – «der Liebe und der Kunst wegen», so KC Wong – in die Schweiz. «1979 haben wir geheiratet, und unser erster Sohn kam zur Welt.»
Die Kunst bietet für eine Familie selten eine solide Lebensgrundlage. Darum trat Wong eine Stelle in einem Foto-Video-Studio einer internationalen Firma in Horgen an. Die Familie zog darum nach Wädenswil. 1981 wurde ein zweiter Sohn geboren. «1997 wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit», erzählt Wong. Er übernahm das Studio. «Doch wegen dieser geschäftlichen Herausforderungen einerseits und des aktiven Familienlebens mit zwei Söhnen und später zwei Enkelkindern anderseits, war es nicht die richtige Zeit, das Leben eines Kunstmalers zu führen.» Dies, obwohl Wong schon als Kind in Hongkong den Traum hatte, Künstler zu werden. Picasso und Van Gogh waren für ihn grosse Namen, aber auch einige chinesische Maler und Kalligrafen, die ihn sehr beeindruckten.
«Während meiner Sekundarschulzeit in London 1964–1968 hatte ich einen sehr unterstützenden Kunstlehrer, Lawrence Preece, dessen Vertrauen und Ermutigung mir geholfen hatten, meine künstlerische Neigung zu bestätigen und zu verstärken.
An der Slade University genoss ich eine klassische Kunstausbildung. Meine Lieblingskünstler waren und sind immer noch Leonardo Da Vinci und Johannes Vermeer (Jan Vermeer van Delft). Ich bin ein traditioneller Maler mit figurativem Stil. Darum male ich vorzugsweise Porträts, Landschaften und Stillleben. Mein bevorzugtes Medium ist Öl auf Leinwand.
Mit meiner Malerei möchte ich im Betrachter Gefühle hervorzurufen; Gefühle, die tief in uns sind, die in den Räumen zwischen den Gedanken ruhen. Der Betrachter meiner Bilder soll innehalten, soll im Innersten berührt werden und zum Nachdenken gebracht werden. Es ist eine Art von zeitlosem meditativem Zustand, den ich anstrebe, der innere Einkehr zulässt.»
35 Jahre lang hat KC Wong kaum gemalt und sich der Familie und seinem Beruf gewidmet. «Doch ich wusste immer, dass ich mich früher oder später ganz meiner Malerei widmen möchte. Als ich 2016 in den Ruhestand ging, war es Zeit für mich, meinen Kindheitstraum zu leben. Die langen Jahre ohne zu malen sehe ich nicht als verloren an – im Gegenteil! Ich haben in dieser Zeit sehr viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ich jetzt möglicherweise brauche, um Künstler zu sein.»
Seit 2016 ist Wong voll und ganz mit seiner Malerei beschäftigt. «Es ist viel mehr als ein Hobby für mich», gesteht er. «Es ist sowohl eine Leidenschaft als auch eine Mission. Die meisten meiner Gedanken kreisen um mein neues künstlerisches Schaffen.» 2019 nahm KC Wong an einem Kunstwettbewerb in London teil, bei dem sein Gemälde «Sunday Brunch at Nicky’s» angenommen und in der Mall Gallery in London ausgestellt wurde.
2021 plant er eine erste Einzelausstellung in Wädenswil, «einfach, weil ich ein Wädenswiler bin». Wie jeder Künstler hofft er auf Anerkennung, denn: «Natürlich ist es der Traum eines jeden Künstlers, Wertschätzung und öffentliche Anerkennung zu bekommen. Für mich ist es auch eine Bestätigung, dass sich mein Beitrag lohnt!» Daran, seine Bilder zu verkaufen, hat Wong bisher noch nicht zu denken gewagt. Aber das kann sich ja jederzeit ändern.