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Weg-Wort für den 5. März 2019
Ich habe als Kind mit acht Jahren mit dem Cellospielen begonnen. Bevor ich den ersten Ton auf dem Instrument spielte, hat mir mein Lehrer gezeigt, wie man den Bogen für ein Streichinstrument vorbereitet. Das Pferdehaar wird vor dem Spielen mit Hilfe einer Schraube angespannt. Mein Lehrer hat mir auch gleich eingeschärft, dass ich nach dem Spielen den Bogen wieder «abspannen» solle, damit er nicht kaputtgeht.
Schon nach wenigen Tagen hatte ich das Anspannen des Bogens vor dem Spielen und das Abspannen danach so verinnerlicht, dass es wie von selbst dazugehörte. Ich musste nicht mehr daran denken. Eines Tages nahm ich den Bogen aus dem Etui und erschrak. Ich hatte vergessen den Bogen abzuspannen. Ich hatte Angst, dass er nun seine Kraft verloren hatte. Glücklicherweise kann ein Bogen einen einzelnen Tag in angespanntem Zustand aushalten. Nur wenn er die ganze Zeit unter Spannung stände, würde es ihn ruinieren.
Es ist schön, wenn ich gefragt bin, wenn ich etwas hervorbringen kann, wenn ich anderen eine Freude bereiten kann und wahrgenommen werde. Ich kann aber nicht pausenlos unter Spannung stehen. Nur durch regelmäßiges Entspannen bewahre ich mir meine innere Kraft.
Eine halbe Stunde Meditation ist absolut notwendig, außer, wenn man sehr beschäftigt ist, dann braucht man eine ganze Stunde.
Franz von Sales
Nach einer Idee aus dem Buch «Alles hat seine Zeit», Benno-Verlag, Leipzig