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| Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

17.
Bevor aber die Synode zu Nicäa gehalten wurde, hatten Eusebius, Narcissus, Patrophilus, Maris, Paulinus, Theodotus und Athanasius von Nazarbi1 diesem Aehnliches niedergeschrieben. Und Eusebius von Nikomedien ging so weit, daß er dem Arius Folgendes schrieb: „Da du recht denkest, so bitte, daß Alle so denken. Denn es leuchtet Jedermann ein, daß das Gemachte nicht war, ehe es gemacht wurde. Was aber gemacht ist, hat einen Anfang des Seyns.“ Eusebius von Cäsarea in Palästina aber scheute sich nicht, in seinem Schreiben an den Euphration, Bischof (zu Balnea), offen auszusprechen, daß Christus nicht wahrer Gott sey. Athanasius von Nazarbi aber deckte die Blösse der Ketzerei noch mehr auf, indem er sagte, der Sohn Gottes sey Eines aus den hundert Schafen. Denn in seinem Schreiben an den Bischof Alexander wagte er folgende Aeußerung: „Warum verargest du es den Arianern, wenn sie sagen: Aus nichts ist der Sohn Gottes geschaffen und gemacht, und er ist Eines aus allen Dingen? denn da in dem Gleichnisse von den hundert Schafen alle gemachten Dinge bildlich dargestellt werden, so ist auch der Sohn Eines aus ihnen. Sind nun diese Hundert keine Geschöpfe und Werke, oder gibt es ausser diesen Hundert noch etwas anderes; so möge auch der Sohn kein Geschöpf, und nicht Einer von Allen seyn. Sind aber diese hundert sämmtliche Geschöpfe, und ist ausser diesen hundert nichts, als nur Gott allein, was sagen da die Arianer Ungereimtes, wenn sie unter diesen Hundert auch Christum begreifen und ihn denselben beizählen, und behaupten, er sey Einer von Allen?“ Georgius aber, jetzt Bischof zu Laodicea, welcher damals Priester zu Alexandria war, und sich zu Antiochia aufhielt, schrieb an den Bischof Alexander Folgendes: „Tadle die Arianer nicht, wenn sie sagen, es gab eine Zeit, in welcher der Sohn Gottes nicht war, denn auch Isaias war ein Sohn des Amos, und dennoch war Amos, ehe Isaias geboren wurde; Isaias hingegen war früher nicht, sondern wurde erst nachmals geboren.“ An die Arianer aber schrieb er: „Warum tadelt ihr den Vater Alexander, weil er sagt, der Sohn sey aus dem Vater? Denn auch ihr sollet euch nicht scheuen, zu sagen, daß der Sohn aus Gott sey. Denn wenn der Apostel schrieb:2 Alles aber kommt von Gott, und wenn es offenbar ist, daß alle Dinge aus Nichts gemacht sind, und auch der Sohn ein Geschöpf und Eines aus den Geschöpfen ist; so mag man sagen, daß auch der Sohn aus Gott sey, wie man sagt, daß Alles von Gott sey.“ Von diesem nun lernten die Anhänger des Arius den Ausdruck: „Aus Gott,“ auf verstellte Weise gebrauchen, und zwar die Worte hersagen, aber nicht richtig denken. Georgius selbst aber wurde von Alexander sowohl aus andern Gründen, als auch weil er sich als gottlos gezeigt hatte, abgesetzt; denn er war Priester, wie oben bemerkt wurde.
1: Anazarbus oder Nazarbi, jetzt Aoserai, eine Stadt in Cilicien, am Flusse Pyramus, war vor Zeiten der Sitz eines Erzbischofes, welcher nach Antiochia gehörte; sie ward auch Caesarea Augusta und Justinianopolis genannt.
2: I. Kor. Xl, 12.