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Dieses Projekt betrachtet auf Basis insbesondere der keramischen Funde die Entstehung und Entwicklung der eisenzeitlichen Materialkultur der südanatolischen Region Kilikien (12. bis 7. Jh. v. Chr.). Diese Prozesse sind von überregionalen Beziehungen und diversen Kanälen des Kulturtransfers genauso geprägt wie von der lokalen Geschichte und langlebigen Traditionen. Vor dem Hintergrund der spärlichen historischen Daten über diese Periode kann die archäologische „Entwirrung“ der mannigfaltigen regionalen und überregionalen kulturellen Prozesse zum Verständnis der sozialen, ökonomischen und politischen Stellung Kilikiens in der Eisenzeit beitragen.
In der frühen und mittleren Eisenzeit fanden im östlichen Mittelmeerraum, Anatolien und Nordsyrien bedeutende kulturelle und politische Umbrüche statt, als die Großreiche der Spätbronzezeit durch kleine Königtümer ersetzt wurden. Insbesondere aus den ersten Jahrhunderten der Eisenzeit sind wenige historische Quellen erhalten und die Errichtung des neuen politischen Systems lag lange Zeit im Dunkeln. Die Forschung mit archäologischen Daten hat in den letzten Jahrzenten jedoch erfolgreich dokumentiert, dass insbesondere die frühe Eisenzeit im Ostmittelmeerraum eine dynamische Epoche war, geprägt von Austausch und kulturellem Wandel.
Die Region Kilikien liegt am geografischen Schnittpunkt zwischen Anatolien, der Levante, Nordsyrien und dem Ostmittelmeerraum (Abb. 1). In der frühen Eisenzeit (ab der Mitte des 11. Jh. v. Chr.) wird hier die vormals durch die hethitische Oberherrschaft geprägte Keramikkultur aufgegeben, zugunsten von Gefäßen, die den Keramikstilen der benachbarten Insel Zypern folgen. Vorreiter sind dabei die dekorierten Konsumgefäße, welche zuerst in des kilikische Keramikrepertoire integriert wurden. Nach und nach passten sich alle Funktionsklassen der Keramik den zyprischen Vorbildern an und wurden in den urbanen Zentren Kilikiens aus lokalen Rohstoffen hergestellt (Abb. 2). Dabei wurden durchaus auch lokal eigene Ausdrucksformen im Zusammenspiel mit lokalen Traditionen und ästhetischen Standards geschaffen. Wir nennen diese Gruppe „zypro-kilikische“ Keramik (Abb. 3). Neben einer detaillierten Typologie und Chronologie der Keramikgefäße werden im Rahmen des Projektes folgende Fragen bearbeitet:
Die Studien beruhen insbesondere auf dem keramischen Primärmaterial vom Fundort Sirkeli Höyük, das im Rahmen des türkisch-schweizerischen Ausgrabungsprojektes unter Beteiligung der Universität Bern seit 2006 ans Licht gebracht wird. Der Fundort Sirkeli Höyük eignet sich als kleinste Untersuchungseinheit ideal, da hier eine Siedlungskontinuität von der Spätbronzezeit in die Eisenzeit besteht und die Entwicklungsprozesse anhand der detaillierten Stratigrafie genau nachvollzogen werden können. Eisenzeitliche Keramik von allen weiteren archäologisch untersuchten Fundorten in Kilikien wird zum Vergleich herangezogen, insbesondere um die regionalen Austauschbeziehungen sowie soziale und kulturelle Interdependenzen zu erhellen. Die Keramikkorpora der angrenzenden Regionen dienen ebenfalls zum Vergleich der Funktionen und zur Datierung von Innovationen der Keramik.