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Die öffentlichen Gesundheitsausgaben sind von 9.8% BSP (vor der Krise) auf 6% des BSP (des nach der Krise reduzierten BSP) zusammengestrichen worden.
Krankenhäuser werden geschlossen, medizinische Ausstattungen drohen zu verfallen. Die Kostenbeteiligung der Patienten ist teilweise von 5% auf 25 % gestiegen. Krebs- und Nierenkranke müssen Ihre notwendigen Behandlungen häufiger wegen dem generellen Mangel an bestimmten Tests und Medikamenten aufschieben.
Dazu kommt, dass mehr als 4000 gut ausgebildete griechische Ärzte wegen ihrer Frustration mit dem Verfall des Systems, den vermehrten Überstunden und den andauernden Lohnkürzungen ins Ausland ausgewandert sind.
Patienten müssen für ihr Recht auf medizinische Versorgung weit entfernte Gesundheitszentren aufsuchen.
Stell dir vor, du bist auf der Insel und du bist krank.
Nicht das Unpässlichsein mit Touristenwehwehchen, die sonnenverbrannte Schulter oder der geschwollene Arm wegen der Wespe.
Nein, du bist schwer krank.
Vielleicht sogar sterbenskrank.
Jede Berührung tut dir weh, das Atmen ist mühsam und das Sprechen eine Qual.
Jeder Luftzug lässt dich frieren und jedes Geräusch martert dir den Kopf.
Du hast keine Gönnermitgliedschaft bei der Schweizer Rega, die dir notfalls einen Learjet mit Arzt und Hightech schickt.
Du bist Einheimischer auf der Insel und der Arzt sagt dir, du bräuchtest einen Spezialisten.
Dein Gesundheitszustand ist nicht akut lebensbedrohend.
Der Helikopter kommt nicht!
Du kannst nicht sitzen.
Es bleibt die Fähre.
F/B V. Konaros soll nächsten Sonntag um 22.30 auslaufen.
Die Ambulanz wird dich kurz vorher holen.
Vielleicht hast du noch ein Fünkchen Humor, und du denkst, du seist schon im Himmel, wenn dich die zwei äusserst attraktiven jungen Frauen in den fast nagelneuen Krankenwagen der Insel schieben.
Im Hafen von Diakofti erwachst du aus diesem Traum!
Nach zwei Stunden Verspätung, das Wetter ist schlecht, läuft die Fähre nach Mitternacht aus.
Dein Krankenzimmer, gleich am Eingang, ist kaum grösser als die Pritsche auf der du liegst. Es stinkt nach Diesel.
Der Kahn rappelt. Dir wird kotzelend.
Du ahnst, dass die 8 Stunden auf dem Schiff zur Qual werden.
Du kannst nichts mehr denken. Der Schiffsarzt ist unerträglich gelangweilt, wenn du ihm von deinen Schmerzen erzählst. Noch Stunden! Und dann?
Das Krankenhaus wird überfüllt sein. Ob ein Arzt Zeit hat? Ob sie die richtigen Medikamente haben?
Du bist allein! Der, der mitkommen wollte, bräuchte ein Hotel oder einen Freund in der Stadt. Wer weiss wie lange. Dazu reicht keinem mehr das Geld.
Die Sozialarbeiterin der Insel brachte sogar ihren Bruder ins Spiel. „Weisst du, wenn du Glück hast und nach einigen Tagen ambulant betreut wirst, kannst du bei ihm schlafen.“
Aber jetzt geht ein Rucken durchs Schiff.
Sie legen an!
Es wird laut. Gehupe, sie lassen die Motoren an, ein hektisches Hin und Her.
Die Sozialarbeiterin heisst Elpitha. Die Hoffnung! Wirklich.
Diesen Namen ändere ich nicht!