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Die schwarze Spiegelreflexkamera fokussierte und hielt einen kurzen Moment inne. Ein mechanisches Klicken, gefolgt von einem gleissenden Blitzlicht, das die kahlen weissen Wände der Anstalt in schaurige Kälte hüllte. Wie ein Donner folgte das Bellen des Wärters: „Umdrehen!“ Das Schild mit beiden Händen umklammert, wendete ich mich neunzig Grad nach links. So war das angeordnet. Die gleiche Prozedur. Stillstehen, ich hielt den Atem an, fokussieren, ich blinzelte gegen die Wand, das Klicken, der Blitz und wieder das völlig unpassende Rufen des Wärters, wie das Kläffen einer Dogge aus der Schnauze eines Pudels. „Umdrehen!“ Mit dem Rücken zur Kamera stellte ich mir vor, wie bescheuert ich in diesem orangen Overall aussehen musste. Mit der 24120000 auf dem Schild, den schlecht gebürsteten Haaren, still gegen eine farblose Mauer starrend. Ein letztes Mal meldete sich der Pudel: „Umdrehen!“ Im linken Augenwinkel erkannte ich seine Silhouette, die zuerst einen prüfenden Blick auf mich warf, danach zu einem Kugelschreiber griff. Ich konnte es nicht sehen, doch ich glaubte zu wissen, dass er gerade in diesem Moment, als ich mein Profil ablichten liess, meinen Namen in eine Tabelle neben unzähligen anderen eintrug. Doch ich konnte ihn nicht entziffern, denn die Worte waren zu klein geschrieben und irgendwie verschwammen sie alle zu einem grau-schwarzen Gekritzel auf einem weissen Papier in einem orangen Gefängnisordner, der im selben Moment zugeklappt wurde und meinen Namen in einem Regal verschwinden liess. „Sie sind fertig.“ Ich ging.
Über den Autor
Nils Pfändler ist 18 Jahre alt und wohnt in Grüningen. Er besucht die Kantonsschule in Wetzikon (ZH).