Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03410.jsonl.gz/2707

Die auf Befehl Stalins am Ende des Zweiten Weltkriegs deportierten Krimtartaren werden im Zuge einer russischen Machtdemonstration erneut aus ihrer Heimatregion vertrieben. Die Methoden mögen weniger gewalttätig sein, die Einschüchterung tut dennoch ihre Wirkung und hat eine massive Abwanderung zur Folge. Mithilfe ihrer Kamera macht Aniela Astrid Gabryel die Auswirkungen von Besatzung auf mehrere Generationen deutlich und zeigt ihre Folgen im Alltag. Junus ist als einziger im Haus der Familie geblieben. Der Esstisch ist zu gross geworden. Seine Angehörigen lädt er auf Skype ein. Ein anderer Mann, dessen Name nicht bekannt ist, ist nach der Abreise seiner Frau und seiner Tochter auf der Krim geblieben, um sich um seine Grossmutter zu kümmern, die in den 1940er-Jahren bereits die Deportation nach Asien erlebte und nun den Eindruck hat, die Geschichte wiederhole sich. Die Politik steht hier im Hintergrund, vielmehr geht es um die Verbundenheit zum Land: Wenn auf die statische Aufnahme der bis zum Horizont reichenden Steppe die unbeweglichen Porträts der Protagonisten folgen wird deutlich, dass die Landschaft und ihre Bewohner aus dem gleichen Holz geschnitzt und trotz der gewaltsamen Trennung unzertrennlich sind.
Mourad Moussa