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Ein Schweizer Kinofilm kann deutlich über 1.5 Millionen Franken Förderung erhalten. Das zusätzliche Geld aus der «Lex Netflix» ginge aber wohl anderswo hin.
05.05.2022, 21:2605.05.2022, 21:35
Schweizer Filme ohne öffentliche Förderung - das gibt es praktisch nicht. Dass ein hiesiger Kinofilm hohe Einnahmen generiert, ist nämlich selten. Bei der Budgetierung wird gerade mal mit einem Prozent an Einnahmen kalkuliert - Subventionen und Sponsoring decken den Rest der Produktionskosten, wie das Bundesamt für Kultur (BAK) in einem Bericht zur Finanzierung des Schweizer Kinofilms schreibt.
Dreharbeiten zur Serie «Neumatt 2»: Gut möglich, dass die Investitionspflicht der Produktion von Serien zu Gute kommt.Bild: keystone
Die Filmförderung, die mit dem neuen Filmgesetz ausgebaut werden soll, spielt also eine entscheidende Rolle. Sie bringt es auch mit sich, dass detailliert bekannt ist, wie viel ein Schweizer Film kostet und wer dafür bezahlt.
Am Beispiel eines fiktiven Spielfilms mit einem Budget von rund 2.9 Millionen Franken zeigt der Bund im Abstimmungskampf die Finanzströme rund um die Filmproduktion auf. Ausgegangen wird von einer Koproduktion, bei der ein Schweizer Produzent mit einem ausländischen Partner zusammenspannt: 780'000 Franken stammen aus dem Ausland. Die restlichen Mittel könnten wie folgt zusammenkommen:
- Fernsehen (8%): Das Fernsehen (hauptsächlich die SRG) finanziert ebenfalls Kinofilme mit, hier mit 230'000 Franken. Mit dem Beitrag wird es Mitinhaber und erhält Senderechte, um den Film im Programm zu zeigen oder auf Portalen anzubieten. Die Sender kriegen eine Gegenleistung für ihr Geld. Ist der Film erfolgreich, kann es auch zu Rückzahlungen kommen.
- Produktionsfirma (5%): Der Bund verlangt, dass sich Produzenten, Regie oder Technik angemessen beteiligen. Im Beispiel verzichten sie zunächst auf einen Teil ihres Honorars oder Lohns verzichten, hier 130'000 Franken. Generiert der Film genügend Einnahmen, werden diese ausbezahlt.
- Verleihgarantie (unter 1%): Mit dem Filmverleiher, der den Film in die Kinos bringt, können die Produzenten einen Vorschuss auf die Kinoeinnahmen vereinbaren. Die Verteilung weiterer Einnahmen über diese Minimumgarantie hinaus wird vertraglich geregelt.
- Übrige (7%): Eine Reihe weiterer Finanztöpfe stehen Filmproduzenten zur Verfügung. Dazu gehören Branchenorganisationen oder Kulturförderer wie das Migros Kulturprozent. Diese Beträge müssen die Produzenten in der Regel nicht zurückbezahlen.
Durchschnittlich 24 Spielfilme kommen pro Jahr zustande, die mit der Förderung unterstützt werden. Sie kosten im Schnitt 2.5 Millionen Franken - der Beispielfilm ist also leicht teurer, was typisch ist für eine Koproduktion. Filme, die nur in der Schweiz produziert werden, haben in der Regel ein kleineres Budget.
Mit allen Fördermöglichkeiten könne ein Film auf rund 1.7 bis 1.8 Millionen Franken Unterstützung durch den Bund kommen, sagte Laurent Steiert, stellvertretender Leiter der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur (BAK). Dass sich Filme mit Budgets über 3 Millionen Franken in der Schweiz praktisch nicht eigenständig finanzieren lassen, erklärt das BAK unter anderem mit der Kleinräumigkeit der Sprachräume und des Filmmarkts.
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Video: watson/Petar Marjanović, Emily Engkent
Günstigere Dokumentarfilme
Nebst den Spielfilmen werden pro Jahr im Schnitt auch 53 Dokumentarfilme gedreht. Diese sind jedoch um einiges günstiger: Ihre Kosten belaufen sich durchschnittlich auf 460'000 Franken.
Bei der Filmförderung steht nicht zwingend der kommerzielle Erfolg, sondern der künstlerische und kulturelle Aspekt, die Förderung des einheimischen Filmschaffens und dessen Vielfalt im Vordergrund, sagte Steiert. Er geht davon aus, dass die Mittel aus der Investitionspflicht der «Lex Netflix» marktorientierter ausgegeben würden. Die grossen Plattformen hätten ein Interesse daran, in Produktionen zu investieren, die auf ihren Plattformen nachgefragt werden.
Das könnten durchaus auch Serien sein. (aargauerzeitung.ch)
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