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Ich habe vor einigen Tagen dem Kompass ein Interview zu Wahlsystemen gegeben. Imzwischen habe ich mich überzeugen lassen, dass einige Statements, die ich darin geäussert habe, Unfug sind.
Insbesondere die Bewertungswahl (engl. Range Voting) ist deutlich interessanter als von mir unsprünglich angenommen. Es ist nicht so, dass jeder informierte Wähler zwangsläufig ausschliesslich strategisch übertrieben nur Minimal- und Maximalwerte vergeben würde. Die vergabe von mittleren Wertungen ist insbesondere eine Option gegenüber Kandidaten, die dem Wähler zu extrem erscheinen, oder über die er nicht genug zu wissen glaubt. Wichtig ist, dass jeder Wähler weiss, dass er die Skala ausschöpfen sollte, d.h. seinen Lieblingskandidaten mit dem Maximum ausstatten und für ihn unwählbare Kandidaten aufs Minimum setzen.
Das Problem der Zustimmungswahl (engl. Approval Voting), dass v.a. naive bzw. uninformierte Wähler jedem Zustimmen, der nicht durch einen grossen Fehler aufgefallen ist, wird bei der Bewertungswahl dadurch abgefedert, dass einem Kandidaten ein bisschen Zustimmung in Form einer mittleren Bewertung gegeben werden kann.
Sehr interessant ist auch die Bewertungswahl mit Neugewichtung für die Besetzung mehrerer Sitze in einem Gremium, insbesondere in einer Kommissions- oder Parlamentswahl. Es ist genau wie Single Tranferrable Vote eine Personalwahl mit Proporzcharakter, aber ohne einige der unzulänglichkeiten letzterer Methode.
Lektüre dazu: