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Kulturgeschichte ist in ihren Zusammenhängen nur verständlich, wenn die vergangenen Ereignisse zeitlich exakt eingeordnet werden können. Für die Gegenwart macht dies keine Mühe, da jede Nachricht in der Zeitung oder im Fernsehen genau, nicht selten auf die Stunde, datiert ist. Für die vergangenen Jahrhunderte und Jahrtausende ist die Ausgangslage anders. Je weiter wir in der Geschichte zurück schreiten, desto spärlicher werden die genau datierten Ereignisse.
Dennoch verfügen wir heute für die Zeit von den ersten Bauern im 6. Jahrtausend v. Chr. bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert über eine weltweit einmalige Basis von exakten Jahreszahlen, die uns eine verfeinerte Interpretation der kulturgeschichtlichen Entwicklung und Zusammenhänge in historischer und prähistorischer Zeit erlaubt.
Zu verdanken haben wir diese Daten dem «endlosen» Kalender, der in den Jahrringen der Bäume festgehalten ist und der sich in unzähligen Bauhölzern von prähistorischen und historischen Häusern, Kirchen und Burgen, Sakralgeräten, Werkzeugen, Möbeln, Bildern und Instrumenten erhalten hat. Mit Hilfe der Dendrochronologie, einer jahrgenauer Datierungs-Methode, die vor 100 Jahren entwickelt wurde, können heute die Jahrringmuster verschiedener Baumarten jahrgenau datiert werden.
Bild: Amt für Städtebau – Labor für Dendrochronologie und Unterwasserarchäologie, Zürich