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Phantomschmerz nach Amputation
Diagnose Viele Patienten spüren nach der Amputation eines Körperglieds Phantomschmerzen. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass die Schmerzen im Rückenmark und im Gehirn neuronal generiert werden. So vielfältig wie der Schmerz sind auch die Therapieformen.
Unter Phantomschmerz versteht man schmerzhafte Empfindungen, die nach einer Amputation oder Verletzung im nicht mehr vorhandenen Körperteil wahrgenommen werden. In der Mehrzahl der Fälle berichten Betroffene von wiederholten Schmerzattacken, selten auch von einem kontinuierlichen Schmerz. Beschreiben lässt sich der Phantomschmerz als scharfer Schmerz mit einem stechenden, einschiessenden, brennenden oder krampfartigen Charakter. Der Phantomschmerz scheint besonders ausgeprägt zu sein, wenn der Patient bereits vor der Amputation Schmerzen im betreffenden Körperglied hatte. Schmerzfördernde Faktoren können zudem Kälte, Wärme und Wetterveränderungen, aber auch Stress, Angst, Depression und Schlafstörungen sein.
Diagnose
Phantomschmerzen treten typischerweise kurz nach der Operation auf, manchmal aber auch erst Wochen, Monate oder sogar Jahre später. Die Häufigkeit des Auftretens ist sehr schwankend und beträgt zwischen 50 und 80 Prozent. Zur Diagnosestellung ist eine gründliche Anamnese nötig, wobei die Diagnose in erster Linie aus der Schmerzbeschreibung des Patienten resultiert. Durch weitere Untersuchungen muss aber eine krankhafte Veränderung, die einer gezielten Behandlung bedarf, ausgeschlossen werden. Hierzu gehören sämtliche Ursachen von Stumpfschmerzen direkt am Amputationsstumpf, die von Phantomschmerzen zu unterscheiden sind. Obwohl Phantomschmerzen und Stumpfschmerzen oft zusammen auftreten, haben sie unterschiedliche Ursachen.
Entstehung von Phantomschmerzen
Die Ursache von Phantomschmerzen ist bis heute nicht vollständig erforscht. Früher dachte man, dass sich Amputierte die rätselhaften Beschwerden einbilden. Heute wird vermutet, dass Phantomschmerzen durch Veränderungen im Gehirn entstehen, wobei auch Mechanismen in der Peripherie und im Rückenmark involviert sind. Durch die Amputation endet die Weiterleitung von Empfindungen aus dem abgetrennten Glied schlagartig. Das ursprüngliche "Bild" vom Körper bleibt dabei im Gehirn weiter erhalten. Es findet allerdings eine Umorganisation der inneren Landkarte des Körpers (sensomotorischer Kortex) statt, wo Berührungs- und Schmerzreize verarbeitet werden. In Folge dessen verändert sich auch das Reizmuster, welches über das Rückenmark ins Gehirn gelangt. Je grösser diese Umorganisation ist, desto grösser ist der Phantomschmerz.
Therapierbarkeit
Die Behandlungsmethoden von Phantomschmerzen sind sehr vielfältig. Sie umfassen je nach Schmerzart und Intensität medikamentöse Behandlungen (zentral oder peripher wirkende Schmerzmittel, Neuroleptika, Antidepressiva etc.) oder Neuraltherapien zur Unterdrückung der Erregungsübertragung. Aber auch physikalische Massnahmen wie Massagen, Krankengymnastik oder Protesenanpassung, komplementäre Verfahren oder Spiegeltherapie sind weitere Behandlungsformen. Bei letzterem Verfahren spiegelt man den noch vorhandenen Körperteil so, dass der Patient den Eindruck gewinnt, die Spiegelung sei der amputierte Teil. Das Gehirn wird durch die Aktivierung der schmerzauslösenden Gehirnregionen überlistet und der Schmerz geht zurück. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist auch eine prophylaktische prä- und postoperative Schmerztherapie, um dem Schmerzgedächtnis entgegenzuwirken. Auch durch elektrische Simulationsverfahren können im Bereich des Stumpfes gute Effekte erzielt werden.