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Irvin D. Yalom
Europa im fin de siècle. Die Psychoanalyse steckt noch in ihren Kinderschuhen, Sigmund Freud ist ein junger Arzt, der erst seinen Weg sucht. Den bekannten Wiener Arzt Joseph Breuer und den Philosophen Friedrich Nietzsche verbindet ein ähnliches Schicksal: beiden spuken die Bekanntschaften mit jungen, charismatischen und engagierten Frauen im Kopf herum, die zunehmend den Alltag und die Gedanken der beiden Intellektuellen dominieren. Nietzsche versucht sich von Lou Salomé zu lösen, Breuer muss sich aus dem Bannkreis seiner Patientin Bertha Pappenheim befreien. Soweit die historisch überlieferte Geschichte.
Im Roman lässt der Autor Nietzsche und Breuer zusammentreffen: Im Auftrag von Lou Salomé soll der Arzt versuchen, den Philosophen von seiner „Liebeskrankheit“ zu heilen. Da dies diskret abgewickelt werden soll, schlägt Breuer dem ahnungslosen Nietzsche vor, sich gegenseitig aus den Enttäuschungen zu helfen. Lange scheinen Breuers Anstrengungen an Nietzsches Widerstand zu scheitern. Doch die eingesetzte „Redekur“ und die Erkenntnisse nach einer Hypnose durch Freud lösen die Konflikte auf und ermöglichen jedem der beiden Geistesgrössen ein Weiterarbeiten und -leben.
Neben der Kulisse eines prächtigen Wiens um 1880 überzeugen die sorgfältigen Dialoge, in denen der Übergang zwischen Patienten und Behandelndem oft fliessend sind.
Peter Maibach (2011)
Buchinformation
Irvin D. Yalom
Und Nietzsche weinte
Btb - Taschenbuch, 443 Seiten
ISBN 978-3-442-73728-4
Elfriede Vavrik, Nacktbadestrand
Zweimal war sie verheiratet, aber beide Ehen waren nicht glücklich. Der erste Mann nahm sich kaum Zeit für sie, der zweite war ein Alkoholiker. Der Sex war kaum vorhanden, sie erinnerte sich viele Jahre später nicht, ob sie jemals einen Orgasmus gehabt hätte.
Vierzig Jahre später – Elfriede Vavrik war bereits 79 – litt sie unter Schlafstörungen. Gleichzeitig hatte sie sexuelle Wachträume, versuchte sich mit dem Stiel einer Schaufel zu befriedigen. Aber auch das war schliesslich – unbefriedigend. Sie suchte einen Arzt auf, verlangte Medikamente, die ihr den Schlaf hätten bringen sollen. Doch der Arzt sagte, da hülfen keine Medikamente. Sie solle sich einen Freund, einen Liebhaber suchen.
Elfriede gab Inserate auf, suchte darin Männer unter fünfzig Jahren, denn ältere hätten „es“ unter Umständen gar nicht gebracht. Sie erhielt Hunderte von Zuschriften. Manche waren derart unter der Gürtellinie, dass sie darauf nicht reagierte. Tatsächlich traf sie in der Folge einige Männer. Und siehe da, es klappte. Sie hatte mit ihnen, obwohl sie viel jünger waren, höchst befriedigenden Sex. Mit der Zeit hatte sie vier Liebhaber, die sie immer wieder aufsuchten und mit ihr ins Bett gingen. Mehr wollte sie nicht. Eine feste Liebesbeziehung suchte sie nicht.
Aus diesen Erlebnissen entstand „Nacktbadestrand“. Elfriede Vavrik beschrieb darin detailgetreu ihre vaginalen, klitoralen und oralen Sex-Erlebnisse, die ihr die gesuchte Befriedigung und auch den ersehnten Schlaf brachten. Das Buch enthält ausserdem eine Reihe Kurzgeschichten, allesamt reine Sexträume oder -phantasien. So wird das Buch eigentlich zu einem pornografischen Bändchen, das zweifellos seine Liebhaber finden wird.
Elfriede Vavrik wurde mit dem Buch sowie mit ihren Auftritten am Fernsehen berühmt.
Teddy Buser (2011)
Buchinformation
Elfriede Vavrik, Nacktbadestrand
188 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978-3-548-28297-8
Susanna Schwager, Die Frau des Metzgers
Sie habe nach langem Auslandaufenthalt ihren Grossvater wieder entdeckt, schrieb Susanna Schwager im Begleittext zu ihrem Buch „Fleisch und Blut“, in welchem sie ihren Grossvater erzählen liess, wie es „säbi Zyt“ war. Es war ein berührendes und sehr erfolgreiches Buch. In „Die Frau des Metzgers“ erfahren die Leser, wie schwer es die Frauen hatten „säbi Zyt“. Susanna Schwager konnte zwar nicht mehr selber ihre Grossmutter befragen, denn Hildi war seit langem tot, als sie an die Fortsetzung ihrer Familiengeschichte ging. So erzählt sie, was ihr der Grossvater und ihre Tanten – die Schwestern von Hildi – aus jener Zeit zu berichten wussten. Aus der Zeit, die am Verlöschen ist, weil die Generation, die damals jung war, dabei ist, die Welt zu verlassen.
Hildi wurde in eine Familie mit fünfzehn Kindern geboren. Der Vater war ein „Ühreler“ oder „Schräubler“, wie es der Grossvater despektierlich nannte. Ein Uhrmacher, der am Etabli arbeitete, war für ihn keiner, der richtig krampfte. Schliesslich verdiente er auch weniger als er selber, der ein Metzgergeselle war. Das Einkommen reichte kaum, um die vielen hungrigen Mäuler zu stopfen, Kleider für alle zu kaufen, die Miete für das Dreizimmer-Häuschen zu bezahlen. Dazu kamen die Hiobsbotschaften, wenn wieder eine Tochter schwanger wurde und heiraten musste, wie das Hildi. Das brachte Schande über die Familie. Immerhin wäre der Hans Meister keiner gewesen, der sich vor der Verantwortung gedrückt hätte.
Hildi war die aufopfernde, hilfsbereite Frau, die einer wie Meister nötig hatte. Sie half zuerst verdienen in der Fabrik. Später, als Meister eine eigene Metzgerei eröffnen konnte, arbeitete sie bis zum Umfallen mit, besorgte den Haushalt, zog vier Kinder gross und war für den Verkauf in der Metzgerei zuständig. Aber die beiden liebten sich auf ihre Art bis ins Alter und waren sich treu. „Ich wüsste nichts anderes“, sagte Hans Meister, der nicht der Zarteste war im Umgang mit den Menschen. Aber gegen das Hildi hätte er nie ein böses Wort gesagt.
Es ist die Erzählweise der Susanna Schwager, die auch „Die Frau des Metzgers“ die Familiengeschehnisse aus „säbi Zyt“ lebensnah wiedergibt und die Personen greifbar macht. Ein wunderbares Buch.
Teddy Buser (2011)
Buchinformation
Susanna Schwager, Die Frau des Metzgers
233 Seiten, Gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-0340-0869-3
Robert Goolrick
Eine verlässliche Frau
Sie gab sich aus als eine verlässliche Frau, denn der reiche Mann aus Wisconsin suchte in seinem Inserat eine solche. Ralph Truitt, dem grosse Ländereien und Fabriken gehörten, sehnte sich nach Jahren der Entsagung nach Liebe, Treue, Verlässlichkeit. Die Frau, die ihm antwortete und kam, und sich obendrein auch noch als „einfach und ehrlich“ bezeichnete, war aber alles andere als verlässlich. Das merkte er bereits, als er sie am Bahnhof abholte und feststellte, dass die lebendige Frau, die sich ihm als Cathrine Land vorstellte, nicht die Frau auf dem Bild war, das sie ihm gesandt hatte.
In Tat und Wahrheit war Cathrine Land eine Frau mit einer ziemlich unehrenhaften Vergangenheit, die nichts anderes zum Ziel hatte als das langweilige Wisconsin so rasch wie möglich als reiche Witwe wieder verlassen zu können. Aber auch Ralph Truitt war in seinem früheren Leben kein Kind der Traurigkeit gewesen. Er hatte ein ausschweifendes Leben gelebt und sich grosse Schuld aufgeladen. Er hatte gewissermassen den Tod seiner jungen Frau auf dem Spiel und mit arger Brutalität seinen Sohn vertrieben.
Mit Cathrine Land hofft er, der Einsamkeit und Lieblosigkeit zu entfliehen und ein neues, harmonisches Leben führen zu können. Aber es entwickelt sich ein Ränkespiel der bösartigen Art. Alte Geschichten werden aus der Versenkung geholt, Erinnerungen, welche sich einem ins Herz fressen. Geschichten von Müttern, die ihre Kinder misshandeln, von Vätern die zu früh oder zu spät gestorben waren, von Menschen, die einander so verletzten, dass irreparable Schäden entstanden. Cathrine trachtet ihrem reichen Mann nach dem Leben. Misstrauen macht sich breit, aber auch Leidenschaft und ungehemmter Sex. Und schliesslich doch noch eine Art Zuneigung, mit der niemand gerechnet hatte.
„Eine verlässliche Frau“ ist ein Buch von Leidenschaften, Intrigen, Hass, Rache und Todesangst, aber auch von Liebe und Reue. Es ist eine explosive Gesellschaftsstory, die einem den Atem raubt.
Teddy Buser (2011)
Buchinformation:
Robert Goolrick
Eine verlässliche Frau
Gebundene Ausgabe
IBSN 978-3-442-75272-0
351 Seiten