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Krisen sind so alt wie die Menschheit. Auch die aktuelle Wirtschaftskrise ist kaum mehr als ein Déjà-vu. Aus diesem Grund präsentieren wir während des Sommers mehrere Klassiker der liberalen Schule, deren Aussagen bis heute Gültigkeit haben. Den Auftakt macht Adam Smith. Er äusserte sich schon 1776 in seinem Standardwerk «The Wealth of Nations» sehr kritisch zur Frage der Staatsverschuldung.
«Werden die Staatsausgaben … durch Staatsschuldenaufnahme bestritten, so werden sie durch jährliche Vernichtung von bislang im Land vorhandenem Kapital bestritten, durch die … Verwendung eines Teils des jährlichen Ertrages, der bislang zum Unterhalt produktiver Arbeit bestimmt gewesen war, für den Unterhalt unproduktiver Arbeit. Das Verfahren der Staatsschuldenaufnahme hat jeden Staat, der dazu griff, nach und nach geschwächt. Begonnen haben dürften damit die italienischen Republiken.
Die Zunahme der ungeheuren Schulden, die alle großen Völker Europas gegenwärtig drücken und langfristig wahrscheinlich zugrunderichten werden, erfolgte ziemlich einheitlich. … In Grossbritannien hat sich seit der Zeit, in der wir erstmals zu dem ruinösen Mittel der Fundierung auf immerwährende Zeiten griffen, die Staatsschuld in Friedenszeiten nie auch nur annähernd so stark vermindert, wie sie in Kriegszeiten anwuchs.
Sobald Staatsschulden einmal ein bestimmtes Ausmass erreicht haben, gibt es, glaube ich, kaum ein einziges Beispiel dafür, dass sie ehrlich und vollständig bezahlt worden wären. Die Entlastung der Staatseinnahmen ist, wenn es überhaupt dazu kam, immer im Wege eines Bankrotts erfolgt – manchmal eines offenen, immer aber eines faktischen, auch wenn häufig eine Zahlung vorgetäuscht wurde. Die Erhöhung des Nennwertes der Münzen war die üblichste Methode, eine faktische Zahlungsunfähigkeit des Staates unter einer vorgetäuschten Zahlung zu verbergen.
Eine vorgetäuschte Zahlung dieser Art vergrössert daher nur noch den Verlust der Staatsgläubiger statt ihn zu mindern und dehnt das Unglück ohne jeden Vorteil für die Allgemeinheit auf eine grosse Anzahl unschuldiger Dritter aus. Sie bewirkt eine allgemeine und höchst verderbliche Umwälzung in den Vermögen der Privaten, in dem sie in den meisten Fällen den müssigen und verschwenderischen Schuldner auf Kosten des fleissigen und genügsamen Gläubigers bereichert und einen großen Teil des volkswirtschaftlichen Kapitals aus den Händen, die es eher vermehrt und verbessert in diejenigen befördert, die es eher verschwenden und vernichten.
Sobald ein Staat genötigt ist, sich für zahlungsunfähig zu erklären, ist – gerade so wie dann, wenn ein einzelner dazu genötigt ist – ein ehrlicher, offener und ausdrücklicher Bankrott immer die für den Schuldner am wenigsten entehrende und für den Gläubiger am wenigsten nachteilige Massnahme.
Der Ehre eines Staates ist es sicherlich sehr wenig zuträglich, wenn er, um die Schande eines tatsächlichen Bankrotts zu verdecken, zu einem betrügerischen Trick dieser Art greifen muss, der so leicht zu durchschauen und gleichzeitig so außerordentlich gefährlich ist. So gut wie alle Staaten jedoch, die der Antike wie die der Neuzeit, haben sich in derartigen Notfällen gelegentlich eben dieses betrügerischen Tricks bedient.»
Diese Zitate von Adam Smith stammen aus dem Buch «Der Weg zum Wohlstand – Ein Adam-Smith-Brevier» von Gerd Habermann (Hrsg.), publiziert in der Reihe «Meisterdenker der Freiheitsphilosophie» bei NZZ Libro.
In den kommenden Wochen werden an dieser Stelle auch Texte von Benjamin Constant, Lord Acton, Ludwig von Mises, Alexander Rüstow, Wilhelm Röpke, Ludwig Erhard, Friedrich August von Hayek sowie Milton Friedman erscheinen.