Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03452.jsonl.gz/977

Sark - Die Kanalinsel der Queen
- Freitag, 7. August 2015, 17:20 Uhr
Mitten im Ärmelkanal existierte bis vor Kurzem die letzte feudalistische Gesellschaft in Europa: die Insel Sark. Die kleinste der drei Kanalinseln ist bis heute nur per Fähre erreichbar.
Rund 600 Menschen leben hier einen ruhigen, naturnahen Alltag ohne Autos und ohne Strassenbeleuchtung. Doch die im Jahr 2008 eingeführte Demokratie bringt den Rhythmus auf Sark durcheinander. Viele Insulanerinnen und Insulaner sind besorgt, dass die in 500 Jahren gewachsene Inselgemeinschaft auseinanderbricht.
Sark ist mit 5,5 Quadratkilometern kaum grösser als der Englische Garten in München. Die Insel besteht aus zwei Felseninseln, Great und Little Sark, die durch einen etwa 100 Meter hohen Grat verbunden sind. Das Leben auf Sark ist wie ein Schritt zurück in die Vergangenheit: Es gibt hier keine Autos, keinen Asphalt, keine Strassenbeleuchtung und keine Einkommenssteuer.
Die Kanalinsel war der letzte feudalistische Staat Europas, regiert von einem Seigneur, der die Insel als Lehen der britischen Krone führte. Das hat sich im Dezember 2008 geändert, und Sark kann sich nun die jüngste Demokratie Europas nennen. Doch gleichzeitig existiert hier immer noch das Lehnswesen, denn die Insel gehört nicht zum Vereinigten Königreich oder zu den Kronkolonien, sondern ist direkt der Königin unterstellt.
Die isolierte Lage aber macht das Überleben für die rund 600 Insulanerinnen und Insulaner nicht leicht. Die meisten arbeiten in der Fischerei, der Landwirtschaft, im Tourismusgeschäft - oder sie haben eine gute Geschäftsidee. Dazu gehört die Familie Couldridge, welche Sarks einziges Exportprodukt herstellt: Pralinen. In der Schokoladenmanufaktur, die nur aus einem kleinen Raum besteht, geht es hoch her, besonders in der Hochsaison, im Sommer. Jedes der 450 Hotelbetten auf der Insel ist dann ausgebucht. Neugierige und zahlungsfreudige Kundschaft für die Schokoladenspezialitäten strömen täglich über die Insel - eine Ausnahme auf der sonst so verschlafenen Insel Sark.
«360° - GEO» hat sich unter das Inselvolk gemischt.