Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03643.jsonl.gz/2617

Jürgen Clausen, Roeland van Wijk und Hennning Albrecht veröffentlichten 2011 in „Homeopathy“ einen Artikel über Grundlagenforschung zu Hochpotenzen in der Homöopathie. Als Quelle ihrer Übersichtsarbeit diente ihnen die Datenbank HomBRex (Homeopahy Basic Research) der Carstens-Stiftung.
Die Autoren hoben hervor, dass der wohl umstrittenste Aspekt in der Homöopathie der Einsatz von Hochpotenzen ist. In diesen finden sich keine Moleküle der Ursubstanz mehr. Deshalb wird der klinische Nutzen dieser Hochpotenzen oft bestritten.
Um die Wirksamkeit von Hochpotenzen zu untersuchen, haben weltweit viele Forschungsgruppen Grundlagenstudien durchgeführt. Diese Experimente sind in der HomBRex Datenbank aufgelistet. Die Autoren präsentieren in ihrem Artikel einen Überblick über Experimente mit Hochpotenzen. Die Autoren interessierten sich vor allem für die Frage, ob mit biologischen Modellen die Wirksamkeit von Hochpotenzen im Vergleich zu Tiefpotenzen nachgewiesen werden kann. In den veröffentlichten Arbeiten wurde meist mehr als eine Fragestellung aufgegriffen und untersucht. Daher wurden Publikationen mehr als einmal in die Datenbank eingetragen. Die Autoren untersuchten alle Veröffentlichungen bis Januar 2010.
Resultate
Im Januar 2010 enthielt die Datenbank insgesamt 1463 Experimente, davon beschäftigten sich 830 mit Hochpotenzen. 745 Untersuchungen (also 90%) bestätigten mindestens ein positives Resultat. Aufgrund der Informationen, die der Datenbank zugrunde liegen, lässt sich aber nicht abschliessend sagen, ob die positiven Resultate aus der Anwendung von Hoch- oder Tiefpotenzen hervorgingen, da in den Experimenten teilweise sowohl Hoch- als auch Tiefpotenzen untersucht wurden. Lediglich 75 Experimente verzeichneten ein ausschliesslich negatives Resultat und in 14 Experimenten ist das Ergebnis nicht bekannt.
In 736 Experimenten wurde die Anwendung von homöopathischen Hochpotenzen bei lebenden Organismen (Tieren, Pflanzen) oder „in vitro“ (z.B. Zelllinien, Enzymen) untersucht. Bei den meisten Experimenten wurde die Wirkung der Homöopathika bei Tieren, an zweiter Stelle bei Pflanzen und an dritter Stelle bei Menschen untersucht. Am wenigsten wurden Bakterien, Viren und Pilze bei den durchgeführten Experimenten berücksichtigt. Leider werden im Artikel keine Zahlen dazu angeführt. Die HomBRex Datenbank ist aber nach einer Anmeldung für alle frei zugänglich. Wir haben eine kurze Recherche durchgeführt: Im Mai 2020 enthält die Datenbank insgesamt 2418 Einträge. Davon beziehen sich 1502 Einträge auf hohe Potenzen. Bei 701 dieser Experimente wurden Homöopathika an Tieren untersucht, bei 338 an Pflanzen, bei 156 an Menschen oder menschlichen Zelllinien, bei 71 an Pilzen und bei 56 an Mikroorganismen.
Im Artikel führen die Autoren weiter aus, dass 2010 in 61 Experimenten menschliche Zelllinien verwendet wurden, und lediglich in 31 Untersuchungen wurden Menschen untersucht (sowohl mittels Arzneimittelprüfungen als auch bei induzierten Beschwerden). Bei 94 der 830 Experimente wurden die physio-chemischen Eigenschaften der Hochpotenzen ohne Einsatz von biologischem Material untersucht.
2010 war „Arsenicum album“ die am meisten verwendete homöopathische Substanz, gefolgt von „Sulphur“, „Thuja“, „Phosphor“ und „Cuprum sulphuricum“. Was heisst nun «meist verwendete» Arznei? Wir haben wieder in der Datenbank nachgesehen: 2020 wurde in 157 der 1507 Experimente mit hohen Potenzen Arsenicum album untersucht, Sulphur in 105 Experimenten, Thuja in 68, Phosphor in 56 und Cuprum sul-phuricum in 51 Experimenten. Die Häufigkeit der verwendeten Arzneien kann sich selbstverständlich in den letzten 10 Jahren verändert haben. Die Reihenfolge der ersten drei Arzneien ist aber immer noch gleich. Weitere Arzneien, die häufiger als andere verwendet wurden, sind Natrium chloratum in 58 Experimenten, Arnica Montana in 54 und Belladonna in 51 Experimenten.
Gemäss den Autoren wurde die homöopathische Ursubstanz in den Experimenten meist in D- und C-Potenzen eingesetzt, praktisch nie in LM-Potenzen. In 49 Experimenten wurden die verwendeten Potenzstufen ungenau beschrieben oder es wurden keine standardisierten Potenzen verwendet. In fast allen durchgeführten Untersuchungen wurde lediglich eine Methode der Potenzierung verwendet und lediglich eine Sub-stanz untersucht bzw. angewendet.
In der Grundlagenforschung haben van Wijk und Albrecht, „proving experiment“ so definiert1, dass lebende gesunde Organismen einem potenzierten Arzneimittel ausgesetzt waren und man danach die Veränderungen in Struktur, Funktion oder molekularer Zusammensetzung untersuchte. Alle drei Studienansätze („Proving“, „Prophylaktisch“ und „Therapeutisch“) haben eine gros-se Erfolgsrate mit jeweils mindestens einem positiven Ergebnis in 91%, 95 % respektive 89% der Experimente.
Die Autoren erwähnen an dieser Stelle nochmals die Tatsache, dass in diese Studie alle Untersuchungen mit einfliessen, da mitunter aus den Publikationen nicht immer klar hervorgeht, ob nur Hochpotenzen untersucht wurden oder ob auch tiefere Potenzen zur Anwendung kamen.
Um therapeutische Effekte von Hochpotenzen zu untersuchen, wurde der Effekt ebenfalls bei einer Reihe von sowohl spontanen als auch induzierten Krankheiten untersucht. Dies vor allem bei Tieren und Pflanzen. Ausserdem wurden therapeutische Experimente bei menschlichen Krebszelllinien durchgeführt.
Spannend ist die Tatsache, dass lediglich bei vier Experimenten das Resultat in den Untersuchungen von Hochpotenzen einen entgegengesetzten Effekt gegenüber Tiefpotenzen zeigt.
Diskussion
Obwohl immer wieder in Frage gestellt, zeigen die vielen Experimente in der Grundlagenforschung, dass Hochpotenzen eine spezifische Wirkung haben. Der Schlüssel zum besseren Verständnis des Kernprinzips der Homöopathie liegt darin, den Wirkmechanismus zu verstehen. Dieses Verständnis entstünde durch Versuchsdurchführungen mit angemessenen Modellsystemen und passenden Arzneien. Erschwerend für ein solches Modellsystem in der Grundlagenforschung sind die zahlreichen verschiedenen biologischen Systeme, die unterschiedlichsten Stadien in den Krankheiten und die verschiedenen homöopathischen Arzneimittel, welche in den Experimenten untersucht werden.
Schlussfolgerung
Hochpotenzen zeigen in den Experimenten in der Grundlagenforschung spezifische Effekte. Diese Resultate müssen allerdings noch in unabhängigen Untersuchungen bestätigt werden. Weitere Forschung muss ausserdem klären, ob Hoch- bzw. Tiefpotenzen unterschiedliche Effekte hervorbringen.
Flavia Leimbacher
Wissenschaftsgruppe
Literatur
Jürgen Clausen, Roeland van Wijk, Henning Albrecht, Review of the use of high potencies in basic research on homeopathy Homeopathy (2011) 100, 288-292
1 Van Wijk R, Albrecht H. Proving and therapeutic experiments in the HomBRex basic homeopathy research database. Homeopathy 2007; 96(4): 252-257