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Arnica montana, der Bergwohlverleih, ist wohl eines der am häufigsten verwendeten homöopathischen Arzneimittel. Man kann es als Globuli, als Salbe oder als Spray kaufen. Es hilft bei Verletzungen, Verstauchungen, Quetschungen, Hämatomen, Muskelkater, als Schockprophylaxe nach Unfällen oder als Prävention bei Operationen oder grösseren Zahneingriffen. Viele Eltern führen kein Desinfektionsmittel oder Fieberzäpfchen, sondern Arnika-Lutschtabletten bei sich.
Historisch gesehen ist Arnica nicht der Ursprung der Homöopathie, denn Hahnemanns erstes getestetes Arzneimittel war die Chinarinde. Er übersetzte 1790 aus Geldmangel medizinische Schriften ins Deutsche und stiess bei William Cullen’s Arzneimittellehre auf den Hinweis, dass China officinalis aufgrund seiner Magensaft stärkenden Wirkung ein Heilmittel gegen Malaria sei. Die Begründung dafür konnte Hahnemann nicht nachvollziehen, startete aber seinen ersten Selbstversuch mit Chinarinde (der heute als „Geburtsstunde der Homöopathie“ angesehen wird). Da die China-Intoxikation Malaria-ähnliche Symptome verursachte, formulierte er daraus das Aehnlichkeitsprinzip (Similia similibus curentur, Aehnliches mit ähnlichem heilen).
Wenn Sie einen Selbstversuch mit Arnica montana wagen möchten, müssen Sie sich zwischen Mai und August in die Alpen wagen. Arnica ist eine zähe, wiederstandsfähige Pflanze mit langen Wurzeln und kann daher bis in eine Höhe von 2800 Meter wachsen.
Während Arnica häufig akut und/oder als Selbstmedikation verwendet wird, sieht man als Homöopath das Konstitutionsmittel Arnica eher selten. Der Grund dafür ist nicht etwa, dass Menschen, die Arnica als Konstitutionsmittel brauchen, keine Beschwerden haben (sie haben im Gegenteil viele schmerzhafte Beschwerden), sondern dass sich Arnica keine Hilfe holt (Symptom: schickt den Arzt weg, hartnäckiger und starrköpfiger Widerstand gegen die Meinung anderer Personen). Arnica ist zäh und genügsam, beklagt sich nicht, leidet still und bekommt auch sonst bei zwischenmenschlichen Kontakten kaum die Zähne auseinander. Das Bild entspricht einem zähen Bergbauern, der sich jeden Morgen wie am ganzen Körper wie zerschlagen fühlt, sich aber nicht beklagt. Er arbeitet langsam, kontinuierlich und still sein immenses Pensum ab, denn er meint, eine wichtige Aufgabe erfüllen zu müssen, die niemand anders so gut wie er selbst bewältigen könnte. Die Beschwerden werden dabei ignoriert. (Symptom: Körpergefühl wie zerschlagen, das Bett ist immer zu hart. Nachts und in Ruhe schlechter. Der Körper ist überempfindlich. Jede Berührung verschlimmert, Angst vor Berührung). Wenn ihn jemand auffordert, etwas gegen die körperlichen Beschwerden zu unternehmen gibt es Streit. Arnica streitet gern und meint, es mit jeden aufnehmen zu können. Arnica ist nicht umsonst ein Schockmittel, denn der Arnika-Zustand ist auch apathisch/ruhig/abwesend. Der Patient gibt knapp Antwort auf Fragen und kehrt in seinen Schockzustand zurück. Das noch apathischere homöopathische Schockmittel, das gar keine Antwort mehr gibt ist Opium, das hysterisch plappernd-zapplige ist Aconit.
Sie sehen, Arnica ist mehr als nur ein gutes Verletzungsmittel: Es ist ein beinahe unentbehrliches Schockmittel und, für manche Personen, die sich leider aufgrund ihrer Konstitution an sich selten Hilfe holen, ein verblüffend wirksames Konstitutionsmittel.