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Vogelzucht
Eine erfolgreiche Zucht zutraulicher Singvögel
Der Magellanzeisig aus Südamerika wird heutzutage in Züchterkreisen recht häufig gehalten. So entstanden in den letzten Jahren auch verschiedene Farbmutationen. Horst Mayer züchtet diese tropischen Vögel erfolgreich.
Magellanzeisige (Carduelis magellanica, engl. Hooded Siskin) gehören zu den am weitesten verbreiteten Cardueliden-Arten (Stieglitzartige) in Südamerika. In zwölf verschiedenen Unterarten erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet über fast alle Länder des südamerikanischen Kontinents, wo sie je nach Unterart vom Meeresspiegel bis in 5000 Meter Höhe vorkommen. In ihrer Heimat leben sie in subtropischen und tropischen, trockenen Wäldern, Galeriewäldern, offenen Buschlandschaften, Trockensavannen, Heideflächen, Plantagen sowie in Parks und Gärten von Städten.
Ausserhalb der Brutzeit sind die Zeisige oftmals in grösseren Schwärmen anzutreffen, ansonsten leben sie einzeln, paarweise oder in kleinen Flügen. Die napfförmigen Brutnester errichten die Paare in der Regel auf Bäumen, wobei vor allem Nadelbäume bevorzugt werden. Üblicherweise umfassen die Gelege drei bis vier Eier. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Sämereien, nur gelegentlich – wohl zur Jungenaufzucht – werden auch Insekten aufgenommen.
Die zwei Pärchen im Farbenschlag Topas waren nicht gerade günstig
Nach Karl Neunzig («Die fremdländischen Stubenvögel», 1921) wurde der «Magellanzeisig oder Schwarzkopfzeisig – Spinus ictericus» seit 1880 ab und zu eingeführt, teilweise auch in grösseren Stückzahlen. Die Zucht gelang mehrfach sowohl in Käfigen als auch in Vogelstuben. Zur Jungenaufzucht wurden gerne Blattläuse verfüttert.
In einer deutschen Vogelzeitschrift sah ich im Jahr 2008 erstmals Magellanzeisige in Topas, einer Farbkombination aus Schwarz und einem kräfigen Gelb. Diese wunderschönen Tiere haben mich sofort begeistert. Drei Jahre später konnte ich dann bei einem Cardueliden-Züchter ganz in meiner Nähe Magellanzeisige erwerben. Die beiden Weibchen waren spalterbig und die zwei Männchen in Topas. Die Vögel waren blutsfremd, ein gutes halbes Jahr alt, geschlossen beringt und stammten aus einer Freivolierenanlage. Ich war glücklich, gleich zwei Pärchen dieser seltenen, noch sehr jungen Mutation mein Eigen nennen zu dürfen, wenngleich auch diese Vögel nicht gerade billig sind.
Mehr durch Zufall kam ich etwa zur gleichen Zeit auch noch an Magellanzeisige in Pastell. Mein Bruder, ebenfalls ein engagierter Vogelzüchter, hatte kurz zuvor ein Männchen und zwei Weibchen eingetauscht. Er wollte diese Vögel jedoch nicht unbedingt behalten, und so habe ich sie übernommen. Diese aufgehellten, pastellfarbenen Magellanzeisige gibt es schon seit etlichen Jahren, und so kosten sie im Vergleich zu meinen Topas-Vögeln auch nur etwa die Hälfte.
Die Vögel aus Südamerika sind ruhig, zutraulich und wenig kälteempfindlich
Magellanzeisige eignen sich für Volieren- und auch Käfighaltung. Meine insgesamt sieben Vögel stammten alle aus Volierenhaltung, und deshalb waren insbesondere die drei Pastellvögel, die ich von Anfang an in einem Kistenkäfig mit den Massen 110 × 50 × 50 Zentimeter (L × B × H) unterbrachte, in der ersten Zeit recht scheu. Nach ein paar Wochen wurden sie jedoch zusehends ruhiger, und einige Monate später waren alle drei schon ziemlich zutraulich. Auch die drei Jungvögel, die im Laufe des Sommers im genannten Zuchtkäfig aufgezogen wurden, sind Menschen gegenüber nicht ängstlich. Selbst wenn man direkt vor den Käfigen steht, fliegen sie niemals wild umher, wie das leider so manche Prachtfinken gerne machen.
Die Topas-Magellanzeisige wurden jeweils paarweise in grösseren Gemeinschaftsvolieren mit verschiedenen Prachtfinkenarten untergebracht. Hier erwiesen sie sich als ruhige und friedliche Mitbewohner. Der nett anzuhörende Gesang der Männchen ist sowohl bei Volieren- als auch bei Käfighaltung häufig zu vernehmen. Natürlich kommen Vögel in grös-seren Volieren besser zur Geltung – und auch das Beobachten macht hier mehr Spass –, aber wem die entsprechenden Räumlichkeiten nicht zur Verfügung stehen, kann Magellanzeisige auch gut in geräumigen Käfigen halten.
Allerdings sollte bei beengtem Platzangebot immer nur ein Männchen mit einem oder eventuell mehreren Weibchen untergebracht sein, wogegen in grösseren Volieren auch von beiden Geschlechtern mehrere Vögel vorhanden sein dürfen. Zur Zucht sind Magellanzeisige gegen weitere Artgenossen allerdings meist sehr zänkisch, sodass sie in dieser Zeit nur paarweise untergebracht werden sollten. Gegen tiefere Temperaturen sind diese hübschen südamerikanischen Finken wenig empfindlich, sodass sie über Winter selbst in einem nur ganz leicht erwärmten Raum bei etwa acht bis zehn Grad Celsius untergebracht werden können.
Auch wenn nicht alle Jungen überlebten, war die erste Brut äusserst erfolgreich
Meine Magellanzeisige brüteten im Zuchtjahr 2012 alle. Besonders erfolgreich war ein Paar topas × spalt topas, das in der etwa zehn Quadratmeter grossen Voliere meines Vogelhauses untergebracht war. Mitbewohner waren hier noch zwei Paare Zügelastrilde, ein Paar Perlhalsamadinen, zwei Paare Dickschnabelnonnen sowie ein Paar Gelbbauchzeisige. Diese Gemeinschaft vertrug sich bestens, Streitigkeiten konnte ich niemals beobachten.
Bereits Anfang April baute das Weibchen inmitten des seit wenigen Wochen vorhandenen Dickichts aus frischen Kiefernzweigen in circa 1,90 Meter Höhe ein frei stehendes Nest. Alle vier Eier waren befruchtet und wurden vom Weibchen – bei den Cardueliden sorgt sich ausschliesslich der weibliche Vogel um das Gelege – vorbildlich bebrütet. Es schlüpften auch alle vier Jungvögel, jedoch blieb das zuletzt Geschlüpfte immer weiter in seiner Entwicklung zurück, sodass es schliesslich am sechsten Tag tot im Nest lag. Die anderen drei Nestlinge gediehen zu prächtigen Vögeln, zwei in Topas und einer spalt Topas. Genau eine Woche nach dem Flüggewerden der ersten Brut baute das Weibchen ein neues Nest. Dieses Mal wählte es ein Kaisernest aus Holz, das in einer Höhe von zwei Metern an der Wand aufgehängt war. Diese zweite Brut war praktisch ein Spiegelbild der ersten: Vier Eier, vier Junge, das Kleinste circa am sechsten Tag tot, zwei sehr schöne Junge in Topas und eines in spalt Topas. Acht Tage nach dem Ausfliegen der drei Jungen mussten die Jungvögel der ersten Brut aus der Voliere genommen werden, denn sie wurden nun vermehrt von ihren Eltern verjagt.
Auch die Pastellvögel brüteten erfolgreich
Drei Wochen später begann das Zuchtpaar noch eine dritte Brut. Der Bruttrieb hatte jetzt aber stark nachgelassen, sodass das Weibchen die Eier nur einige Tage lang bebrütete, um anschliessend das Gelege aufzugeben. Dennoch war ich mit dem Zuchterfolg dieses Paares äusserst zufrieden: vier topas (ein Männchen und drei Weibchen) und zwei spalt topas (ein Paar).
Mein zweites Pärchen Topas-Magellanzeisige war in der Zucht nicht ganz so erfolgreich. Die Vögel brüteten in der neun Quadratmeter grossen Gemeinschaftsvoliere im Keller zwar sogar vier Mal, brachten insgesamt jedoch nur drei Junge durch. Auch dieses Zuchtpaar verhielt sich den Mitbewohnern (Perlhalsamadinen, Peales Papageiamadinen, Dickschnabelnonnen, Kanarengirlitzen und Polarbirkenzeisigen) gegenüber immer friedlich, aber in den beiden ersten Bruten verschwanden einige der frisch geschlüpften Nestlinge, und bei den zwei letzten Bruten ging das Weibchen jeweils noch vor dem Schlupf der Jungen vom Nest.
Die Magellanzeisige in Pastell waren zur Brutzeit in den weiter oben beschriebenen 1,10 Meter langen Zuchtkäfigen untergebracht. Ich hatte vor, das Männchen abwechselnd mit beiden Weibchen zu verpaaren. Doch meine Vögel wollten da nicht mitspielen. Das zuerst allein sitzende Weibchen legte schon am 15. April für mich völlig überraschend das erste Ei in das kurz zuvor errichtete Nest. Um vielleicht bei dieser Brut noch etwas zu retten, setzte ich das Männchen, das zusammen mit dem anderen Weibchen im Käfig direkt darunter sass, kurzerhand dazu. Aber dieses Weibchen sah das Männchen nicht als Partner, sondern wohl eher als Bedrohung an, denn es verjagte den Neuankömmling heftig. Am nächsten Tag musste ich das Männchen wieder entfernen, sonst wäre es möglicherweise noch ernsthaft verletzt worden. Die vier Eier dieses Weibchens waren dann logischerweise unbefruchtet.
Besser lief es drei Wochen später mit dem anderen Weibchen. Aus dem Vierergelege schlüpften alle Jungen, aber leider verstarb bereits am zweiten Tag ein Jungvogel. Die restlichen drei wurden von beiden Elternteilen vorbildlich aufgezogen. Sie entpuppten sich nach der Jugendmauser als ein Paar in Pastell und ein Weibchen in Doppelpastell. Zu einer zweiten Brut kam es leider nicht.
Topas-Magellanzeisige vererben rezessiv, das heisst bei den Jungen können sowohl Männchen als auch Weibchen die Mutationsfarbe Topas zeigen, und beide Geschlechter können auch spalterbig topas sein. Um kräftige Jungtiere zu erzielen, hat sich die Verpaarung eines Topas-Vogels mit einem spalterbigen Tier am besten bewährt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der männliche oder der weibliche Partner in Topas ist. Üblicherweise fallen bei dieser Verpaarung etwa jeweils zur Hälfte Jungvögel in Topas und in spalt Topas. Die Topas erkennt man bereits im Nestlingsalter als solche. In den ersten zwei bis drei Lebenstagen erscheint ihre Haut gelblich, die Augen sind viel heller als die von spalterbigen und wildfarbigen Jungen, und auch ihr Flaumgefieder ist wesentlich heller. Nach ein paar Tagen sind die Nestlinge an der Färbung der Augen nicht mehr so eindeutig zu unterscheiden, dafür erkennt man nun an den langsam spriessenden Federn umso deutlicher, welche Jungtiere in Topas sind.
Es gibt offenbar noch eine weitere Mutation
Die Vererbung der pastell- und doppelpastellfarbenen Magellanzeisige verläuft dominant. Bei dieser Vererbungsvariante gibt es keine spalterbigen Tiere. Wird also ein Pastellvogel, egal ob Männchen oder Weibchen, mit einem wildfarbigen Magellanzeisig verpaart, erhält man je zur Hälfte Jungvögel in Pastell und in Wildfarbig. Bei einem Paar, bei dem beide Partner pastellfarbig sind, fällt rein rechnerisch immer ein Viertel der Nachkommen in Doppelpastell. Wie bei den Topas sind auch die Nestlinge in Doppelpastell von Anfang an heller als ihre pastell- und wildfarbenen Geschwister.Neben den Farbmutationen Topas, Pastell und Doppelpastell scheint es nach meinen Recherchen noch Magellanzeisige in Ino zu geben.
Weitere Informationen unter www.horst-mayer-vogelzucht.de