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Die Geschichte der Wasserversorgung in Europa wird häufig beschrieben als ein hoher Gipfel in der Römerzeit mit ihren langen Aquädukten und einem weiteren hohen Gipfel im 19. und 20. Jahrhundert mit der Einführung der modernen Infrastruktursysteme. Zwischen beiden Gipfeln liegt ein langes, dunkles Tal. Dass aber auch in diesem «dunklen Zeitalter» aufwändige Einrichtungen zur Wasserversorgung existierten, die mit grossem technischen Sachverstand geplant worden waren, zeigt Caspar Walters «Architectura hydraulica, Oder: Anleitung zu denen Brunnenkünsten» (Augsburg 1765). Das Buch konnte die Eisenbibliothek nun neu erwerben.
Caspar Walters «Architectura Hydraulica» (1765)
Caspar Walter (1701-1769) hatte wie sein Vater das Handwerk des Zimmermanns erlernt und wurde 1736 Meister. Schon 1728 war er in die Dienste der Stadt Augsburg getreten und zunächst für den Betrieb eines Wasserturms zuständig. Von 1741 bis 1768 war er Brunnenmeister der Stadt Augsburg und als solcher für die gesamte Infrastruktur zur Wasserversorgung – also Wasserkünste (d.h. Wasserwerke), Rohrleitungen und Brunnen – verantwortlich. Seine Kenntnisse blieben nicht auf den Unterhalt und den Ausbau der Wasserkünste innerhalb der Augsburger Stadtmauern beschränkt, denn Walter liess zahlreiche Schriften zu technischen Aspekten des Bauwesens und der Wasserversorgung drucken und damit weit über Augsburg hinaus bekannt machen.
Die Augsburger Wasserkünste waren aufgrund ihrer aufwändigen Bauweise und technischen Raffinesse eine weithin berühmte Sehenswürdigkeit – ein richtiggehender Hotspot für auswärtige Besucher der Stadt. Caspar Walters Ziel war, die Maschinen noch weiter zu verbessern. Die 1765 gedruckte «Architectura hydraulica» besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil beschreibt Caspar Walter verschiedene Konstruktionen, um Wasser- und Windräder als Antriebsmaschinen für Wasserkünste einzurichten. Im zweiten Teil geht Walter auf verschiedene Typen von Pumpwerken, auf den Bau von Wassertürmen, die Konstruktion von Rohrleitungen sowie auf die Installation von Brunnen ein. Walter hat keinen «Roman» geschrieben, er setzt auf die Aussagekraft der Kupfertafeln, die er mit ausführlichen Erläuterungen begleitet. – In der Einleitung zum ersten Teil schreibt er:
«Es ist eine unläugbare Wahrheit, daß die Wasserbaukunst, die Wasser zu leiten, und zu allerhand Nothwendigkeiten in die Höhe zu bringen, einen beträchtlichen Theil der menschlichen Beschäftigungen ausmachen; so daß dieselbe durch Kunst und Wissenschaft noch zu einem grössern Grad der Vollkommenheit gebracht werden kan. Sollte nun dieses Werk, welches das mir von GOtt gegebene Pfund einer auf Theorie und Praktic gegründeten 36. jährigen Erfahrung ist, [...] etwas beytragen und meinen Neben-Menschen nützlich seyn, so wird es mich erfreuen [...].»