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Im Vorhof der Burg empfängt die Besucher eine raketenartige Konstruktion, eine Lenkwaffe zur Flugabwehr aus den 1960er-Jahren. Gleich daneben stehen einige weisse Banner, die sinnbildlich für die Friedensbewegungen stehen. Damit ist das Thema gesetzt: die Polarisierung der Schweiz im Kalten Krieg.
Schatten von Bombern und eiserne Vorhänge
Im Untergeschoss der Burg beginnt die Ausstellung im Eingangsbereich mit einer historischen Rekapitulation wichtiger Eckpunkte des Kalten Kriegs. Über den Boden fliegen Schatten von Bombern, deren dröhnenden Maschinen über Lautsprecher zu hören sind. Es soll durchaus eine bedrohliche Situation geschaffen werden, erklärt Ausstellungskurator Christoph Tschanz.
Zu sehen sind des Weiteren eine Auswahl von Objekten und Themen des Kalten Kriegs: ein grosses Bild eines Atompilzes, eine Weltkarte, aufgeteilt in Ost und West, oder der Tisch, an welchem John F. Kennedy 1963 das Abkommen über das Verbot von Atomwaffen unterzeichnet hat.
Über einen «eisernen Vorhang» gelangt man in einen Nebenraum, in dem eine grosse, hölzerne Transportkiste steht. Sie symbolisiert die Handelsbeziehungen zwischen Ost und West, welche trotz Verboten in beide Richtungen stattfanden und bei welchen Zug eine besondere Rolle spielte: es gab in Zug illustre Unternehmer und Briefkastenfirmen, die den Blöcken und Blockaden trotzten und fleissig Handel trieben.
Kontroverse zwischen Armee und Friedensbewegung
Über einen weiteren Vorhang gelangt man in die eigentliche Ausstellung, die selbst in Blöcke aufgeteilt ist. Links die Vorbereitung auf den Krieg und rechts der Protest dagegen. Das Ziel war dasselbe: Frieden. Doch die Ideen, wie dies zu erreichen wäre, könnten nicht unterschiedlicher gewesen sein.
Christoph Tschanz sagt, die Ausstellung sei bewusst in diese Blöcke aufgeteilt. Es soll die damalige Kontroverse zwischen Armee und Friedensbewegung, zwischen rechts und links aufzeigen. Die Besucher können sich dabei frei zwischen den Ausstellungsobjekten und den Blöcken bewegen, wobei jeweils der Blick auf das «Feindbild» der anderen Seite frei wird.
Mittels Text-, Audio- und Videobeiträgen bekommt man sowohl einen Einblick in die Kriegsvorbereitung der Schweiz als auch in die verschiedenen Protestbewegungen. In eindrucksvoller Weise zeigen originale Bunkerpläne auf, wie sich die Schweiz auf den Ernstfall vorbereitete. Auf der anderen Seite zeigen Plakate und Flyer, wie die neuen sozialen Bewegungen diese «Einigelungsideologie» ins Bockshorn jagten.
Atomarer Ernstfall wirkt weit entfernt
Im hinteren Teil schweben über der Ausstellung Dutzende Papierraketen, darunter flimmern Filmaufnahmen von Atomwaffentests. Diese Andeutungen des atomaren Ernstfalls, als auch die jeweils unterschiedlichen Reaktionen darauf (Vorbereitung und Protest), wirken heute weit entfernt und doch irgendwie aktuell, auf jeden Fall aber bedrückend und bedrohlich.
Über zwei kurze Exkurse in das Thema der Geheimarmee P-26 und zur Fichen-Affäre gelangt man an das Ende der Ausstellung: ein kleiner Raum mit einigen Exponaten rund um das Jahr 1989, das Ende des Kalten Krieges.
Widersprüche, auch 30 Jahre danach
Obwohl es bekanntlich nicht zum eigentlichen Ernstfall kam, vermag die Ausstellung doch zu zeigen, wie und wo der Kalte Krieg für die Schweiz ernst wurde. Diverse Zeitzeugnisse veranschaulichen, wie ernst es der Schweiz mit der Vorbereitung auf den Krieg war und wie ernst die Protestbewegungen von links dem geistigen und materiellen Aufrüsten entgegentraten.
Neben dieser Ausstellung wird es im Verlauf des Jahres diverse Podien, Vorträge und Filmaufführungen rund um das Thema «Die Schweiz im Kalten Krieg» geben. Dieses bislang vergleichsweise wenig erforschte Thema bewirkt gemäss Christoph Tschanz unter den Besuchern und Zeitzeugen weiterhin Kontroversen. 30 Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs sind die aufgearbeiteten Widersprüche also weiterhin aktuell.
Die Sonderausstellung «Ernstfall! Die Schweiz im Kalten Krieg» ist noch bis 26. Januar 2020 im Museum Burg Zug zu sehen.