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Bis zuletzt war er in der US-Politik präsent – und richtungsweisend. Bis zuletzt blieb er eine politische Persönlichkeit. Er empfing seine Weggefährten auf seiner Ranch in Arizona, wohin er sich wegen seiner Krankheit zurückgezogen hatte.
Ob wir unsere Ansichten teilen oder nicht, wir schulden uns gegenseitigen Respekt
Und er las im National Public Radio NPR aus seinen frisch gedruckten Memoiren, es war eine letzte Botschaft. «Ich möchte nochmals mit meinen amerikanischen Mitbürgern sprechen, wenn ich darf», sagt McCain höflich. «Ich möchte die Amerikaner so lange wie ich kann daran erinnern, dass unsere gemeinsame Hingabe den Menschenrechten gilt». Und er fuhr fort: «Ob wir unsere Ansichten teilen oder nicht, wir schulden uns gegenseitigen Respekt», so seine Mahnung an ein polarisiertes Volk.
Eigensinn als Markenzeichen
Die alles blockierende Parteipolitik und die ideologische Hetze trieben John McCain schon in seinen letzten Monaten im Kongress um. Im Sommer 2017, bereits von der Krankheit gezeichnet, redete John McCain seinen Kollegen im Senat ins Gewissen: «Wir kriegen nichts hin», so die beissende Selbstkritik. Und danach sagte er «Nein» zur republikanischen Gesundheitsreform, und brachte sie zu Fall.
Eigensinn war John McCains Markenzeichen als Politiker: The Maverick – den Einzelgänger – nannte man ihn, der oft vom republikanischen Weg abwich. So ging er etwa gegen die Macht des grossen Geldes in der Politk vor, oder er bemühte sich viele Jahre um einen Konsens in der Immigrationspolitik.
Kompromiss als Instrument der Politik
Er war ein Politiker der alten Schule, für den der Kompromiss noch zum politischen Instrumentarium gehörte. Für die radikal-populistischen Bewegungen in seiner Partei hatte er nichts übrig, «Hobbits» nannte er einmal die Teaparty-Anhänger im Kongress.
Für Donald Trump legte er seine Stimme nicht ein. Dennoch war John McCain in vielen Hinsichten ein klassischer Konservativer, er war für wenig Steuern, für viel Militär und eine kämpferische US-Aussenpolitik.
Land vor Parteizugehörigkeit
Und der Vorsitzende des Militärausschusses im Senat war natürlich ein Patriot. Als Patriot kandidierte er 2008 gegen Barack Obama. Er habe immer das Land vor die Parteizugehörigkeit gestellt, das wisse man ja, betonte er. Das waren bei ihm keine leeren Worte.
John McCain begann seine lange Laufbahn als Kriegsheld in Vietnam. Der junge Navy-Pilot stürzte 1967 über Hanoi ab – mehr als fünf Jahre verbrachte er in brutaler Kriegsgefangenschaft. Die Vietnamesen filmten ihn – in einer bewegenden Szene verspricht der verletzte McCain seiner Frau bald nach Hause zu kommen. Legendär ist, dass er auf eine vorgezogene Rückkehr nach Hause verzichtete. Aus Rücksicht auf andere Gefangene, die schon länger auf eine Befreiung gewartet hatten.
Glücklich mit seinem Leben
Die existenzielle Erfahrung in jungen Jahren verlieh dem späteren Erfolgspolitiker eine aussergewöhnliche Glaubwürdigkeit und Integrität. Seine tiefe Lebensbejahung behielt er bis zuletzt. Er sei sehr glücklich mit seinem Leben, sagte er in einem CNN-Interview. Er könne sein Leben zelebrieren und sei dankbar für die Zeit, die ihm noch bleibe.
Nun ist seine Zeit abgelaufen. Der Senat, die USA, haben eine bedeutende Persönlichkeit verloren – und einen Mann, der streiten konnte und doch den Frieden suchte.
Isabelle Jacobi
USA-Korrespondentin, SRF
Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.