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Immer wieder kommt es vor, dass eine ratsuchende Person in einem Gespräch bittet: «Könnten Sie für mich beten?» Manche erzählen auch, dass sie nie gelernt haben zu beten, und sich damit schwertun. Oder dass sie es einfach schon sehr lange nicht mehr gemacht haben. Dabei gibt es keine grossen Voraussetzungen für ein Gebet. Die folgende jüdische Legende veranschaulicht das:
Ein Rabbiner durchquerte ein Dorf, ging in den Wald und dort, am Fuß eines Baumes, betete er. Und Gott hörte ihn. Auch sein Sohn durchquerte dieses Dorf. Er wusste nicht mehr, wo der Baum war und betete also an irgendeinem Baum. Und Gott hörte ihn. Der Enkel des Rabbiners wusste weder, wo der Baum war, noch wo der ganze Wald war. Er ging zum Beten in das Dorf. Und Gott hörte ihn. Der Urenkel wusste weder, wo der Baum war noch der Wald noch das Dorf. Aber er kannte noch das alte Gebet. So betete er zuhause. Und Gott hörte ihn. Der Ururenkel kannte weder den Baum noch den Wald noch das Dorf noch das Gebet. Er kannte aber noch die Geschichte und erzählte sie seinen Kindern. Und Gott hörte ihn.
gefunden in: Der andere Advent, 2013 (27.12.)
Ganz gleich, wie viel uns überliefert wurde, oder was wir im Laufe des Lebens gelernt haben, Gottes Bereitschaft zu hören, ist nicht an besondere «Gebets-Skills» geknüpft und gilt jedem einzelnen Menschen.