Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03149.jsonl.gz/906

Magerwiesen | Realisiert im März 2016 | Wallis
Die geografische Ost-West-Ausrichtung des Rhonetals beschert vielen Walliser Regionen nur spärlich Niederschlag. Um den trockenen Boden bewirtschaften zu können, wurde das fehlende Wasser deshalb seit Jahrhunderten mittels Wasserkanälen (Suonen) aus Wildbächen zugeleitet. Mancherorts entstanden so spektakuläre Konstruktionen, mittels derer das Wasser über Abgründe oder an Felswänden vorbei geholt werden konnte.
Der Bewirtschafter leitet das herbeigeführte Wasser auf eine Parzelle unterhalb der Suonen. Das Verteilen des Wassers auf der Parzelle - das “Wässern” - geschieht nun mittels angelegter Wassergräben und den “Wässerblechen”. Letztere werden von Hand in die Leitungen geschlagen, um das Wasser an gewollter Stelle zu gewollter Zeit zum Überfliessen zu bringen. Über ein fein verästeltes Kanalsystem wird so innerhalb eines geregelten Zeitfensters die ganze Parzelle versorgt.
Der Unterhalt des Rinnensystems auf der Parzelle ist Sache des Bewirtschafters. Der Unterhalt der Suonen hingegen ist meistens gemeinschaftlich organisiert. Im Auftrag der “Wasservögte” erledigte das Naturnetz im Frühling 2016 den alljährlichen Unterhalt der “Alten Leukersuone” und der “Ill”. Dazu gehört das Freiholzen der Suonen von schnellwachsenden Baumarten, das Säubern der Rinne von Ast- und Steinmaterial und das Ausmähen. Wo nötig müssen Trittschäden durchs Vieh behoben werden oder die hineinwachsende Grasnarbe abgeschlagen werden.
Es profitiert jedoch nicht nur der Mensch von dieser kulturhistorischen Bewässerungstechnik, sondern auf den zweiten Blick auch die Natur. Wildtiere können die Suonen als Tränke nutzen. Für verschiedene Amphibien und Reptilien - u.a. Frösche und Blindschleichen - sind sie sogar Lebensraum. Beachtenswert ist die Pflanzenwelt entlang der Suonen. Beachtenswert darum, weil direkt über der Suone Pflanzen wachsen, welche sich an die Trockenheit angepasst haben, während unter der Suone Pflanzen gedeihen, die es gerne eher feucht mögen. Alles zusammen genommen beherbergen unterhaltene Suonen ein breites Spektrum an Arten auf kleinstem Raum.
©2011 – 2019 Naturnetz. All rights reserved.