Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03613.jsonl.gz/3002

Geschichte Partnerschaft
Zwischen unserem Kantonshauptort und Wiesbadens grösstem Stadtteil, Biebrich, besteht seit 1990 eine so genannte beurkundete "Kommunale Europa-Städte-Freundschaft"". Sie ist ein beispielhafter Beitrag zum besseren Verständnis zweier Länder.
Im Herbst 1966 besuchte eine dreiköpfige Abordnung des Kalle'schen Gesangsvereins, bestehend aus Gottfried Cimander, Heinz Wink und Rolf Hingher, Glarus. Hintergrund dieses Besuches war eine Freundschaft, die zwischen dem damaligen Musikdirektor Josef Schell und dem Posthalter Hefti von Schwanden bestand. Bei diesem Besuch wurde die Idee für ein Freundschaftssingen, gemeinsam mit dem Männerchor Glarus, geboren. Dieses fand im Mai 1967 in Glarus statt. 1970 reiste der Kalle'sche Gesangsverein erneut nach Glarus, bevor im Mai 1971 der erste Gegenbesuch des Glarner Männerchores erfolgte. Bei einem weiteren Treffen in Glarus wurde Alfred Brönnimann für seine vielfältigen und bereits langjährigen Vorbereitungen auf schweizerischer Seite zum Ehrenmitglied bei Kalle'schen Gesangsverein ernannt.
Weitere gegenseitige Besuche folgten, bevor 1976 bis 1984 die Kontakte einschliefen und die entstandene Freundschaft Gefahr lief, in die Brüche zu gehen. Doch glücklicherweise blieb der Kontakt zwischen den Familien Brönnimann und Wink bestehen. 1984 ergab sich ein erneutes "offizielles" Treffen zwischen Gottfried Cimander sowie Klaus Wink vom Kalle'schen Gesangsverein und Alfred Brönnimann mit seiner Frau Dorli die zu einem Messebesuch in Frankreich waren. Gottfried Cimander und Alfred Brönnimann ist es in der Folge im Wesentlichen zu verdanken, dass die Freundschaft zwischen dem Kalle'schen Gesangsverein und dem Männerchor Glarus wieder auflebte.
1985 besuchte der Kalle'sche Gesangsverein erneut Glarus und lud die Glarner mit dem Jodelklub zum 100-jährigen Jubiläum nach Wiesbaden-Biebrich ein. Nun wurde erstmals von einer Städtefreundschaft gesprochen, bei der unser Dr. Heinich Aebli und der Gemeinderat Glarus an den damaligen Oberbürgermeister Achim Exner mit einem Brief gelangte. Die Freundschaften von Chor zu Chor und von Mensch zu Mensch haben den Wunsch reifen lassen, dass die Bande auch auf der offiziellen politischen Ebene enger geknüpft werden. Der Anstoss zu einer Städtefreundschaft war gegeben. Der Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden lehnte dies jedoch mit dem Hinweis auf die bereits seit 1953 bestehende Städtefreundschaft zum schweizerischen Montreux ab.
Doch der damalige Ortsvorsteher Dieter Löber hatte eine andere Idee. Das Biebricher Leben, vor allem das Vereinsleben, sollte durch internationale Kontakte weiter bereichert werden. Die Vergleichbarkeit beider Orte, die schon damals über eine ähnliche industrielle Struktur und ein ebenso reges Vereinsleben verfügten, war seiner Ansicht nach ideal für eine "Verbindung" geeignet.
Da Biebrich jedoch seit seiner Eingemeindung nach Wiesbaden im Jahre 1926 als unselbständige Gemeinde keine offizielle Städtefreundschaft begründen konnte, suchte Löber - gemeinsam mit Vertretern des Wiesbadener Magistrats - nach einer Verbindung "etwas unterhalb einer Partnerschaft".
Im Juni 1988 besuchte dann der Männerchor Glarus und der Jodelklub Glärnisch, angeführt von Dr. Heinrich Aebli, die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Kalle'schen Gesangsverein in Biebrich. Im Goldsaal hat der Glarner Fahnenschwinger seine Fahne unter die Stukatur gehisst und die beiden Alphornbläser haben vor dem Schloss den Markt leer geblasen. Anlässlich dieses Treffens und bei folgenden Gesprächen wurde der Gedanke zu einer "Kommunalen Städtefreundschaft" fortentwickelt.
Dieter Löber legte Wert darauf, dass sich das Verhältnis "von unten nach oben" entwickelte. Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Biebricher Vereine und Verbände, unter dem Vorsitzenden Günter Nörpel, wurden die notwendigen Vorarbeiten auf Biebrichs Seite geleistet.
Im Mai 1989 fuhren 37 Biebricher, vorwiegend Vertreter des Ortsbeirates und der Arbeitsgemeinschaft, nach Glarus. Die Gastgeber unter der Regie von Dr. Heinich Aebli und Alfred Brönnimann hatten ein Programm auf die Beine gestellt, an das sich die damaligen Reiseteilnehmer noch heute gerne erinnern.
Neben einem für alle beeindruckenden Besuch der "Landsgemeinde" war ein weiterer Höhepunkt das Hissen unter den Trompetenklängen "Il Silecio" der Biebricher Fahne im "Volksgarten", als öffentliches Zeichen der Verbundenheit beider Orte. Hohe Offiziere der Armee, die im Glarnerhof weilten, sind auf dem Bürgersteig in Achtungstellung gestanden: "welche Ehre". Während des Treffens wurde auf beiden Seiten auch ausführlich über die angestrebte Verbindung diskutiert und ein entsprechender Text für die Urkunde ausgearbeitet.
Der Biebricher Ortsbeirat drückte seine Zustimmung zur Städtefreundschaft am 2. November 1989 in seinem Beschluss aus und beauftragte Ortsvorsteher Dieter Löber mit der Einleitung der erforderlichen Massnahmen. Während des Neujahrsempfangs der Arbeitsgemeinschaft Biebricher Vereine und Verbände am 14. Januar 1990 wurde die Freundschaft im Biebricher Schloss urkundlich bezeugt.
Alfred Brönnimann wurde bei diesem Anlass Biebrichs höchste Auszeichnung, der Biebricher Ehrenteller, verliehen.
Nun ging es rege an die die Planung weiterer Besuche. 1990 und 1991 haben ca. 50 Biebricher die Fasnacht Glarus besucht und im gleichen Jahr sind die Glarner "Hung-Häfä" als erste Guggenmusik in Biebrich-Mainz und Wiesbaden aufgetreten. Es war ein riesen Erfolg. HELAU!
Im Mai 1991 haben 20 prominente Biebricher der Glarner Landsgemeinde einen Besuch abgestattet. Sie wurden in Elm sogar von Regierungsrat Kaspar Rhyner begrüsst.
1995 kam auf Einladung des Biebricher Ortsbeirates das vergleichbare Gremium aus Glarus, der Gemeinderat, nach Biebrich. Sie besuchten die Sektkellerei Henkel, das Regierungsgebäude und den Goldsaal in Wiesbaden, die Russische Kapelle auf dem Neroberg, den Bürgermeister von Hochheim, das Mosburgfest und machten eine Rheinschifffahrt.
Am 15. Juni 1996 kamen die Judoka aus Biebrich zu Besuch nach Glarus. Ein wunderschöner Ausflug ins malerische Oberseetal und ein gelungenes Judo-Turnier haben den Besuch abgerundet.
Vom 8. bis 12. August 1997 besuchten uns 24 Personen der Kutschfahrer aus Biebrich. Mit ihnen erlebten wir viele wunderschöne Tage bei unseren Ausflügen.
11. und 12. Oktober 1997 haben die Glarner Judokas Biebricher besucht. Es waren zwei herrliche Tage. Eine Stadtrundfahrt und ein Spaziergang durch die Gassen Wiesbadens waren einige der unzähligen Höhepunkte des Besuchs.
Am Neujahrsempfang 1999 wurde der Biebricher Ehrenteller an Dr. Heinrich Aebli verliehen und im Februar 1999 wurde Alfred Brönnimann zum Närrischen Botschafter beim CCW Carneval-Club Wiesbaden ernannt. Dies ist die höchste Auszeichnung, die verliehen wird.
Vom 10. - 14. Juni 2000 sind wir mit dem Tourismusverband Glarnerland an der grossen Biebricher Messe B.I.G. gewesen. Hier haben wir von einem Besucher die Gartenlaube No. 23 von 1861 erhalten. In dieser ist der Brand von Glarus beschrieben. Sind wir Glarner den Wiesbaden-Biebrichern doch nicht so gleichgültig, hat also unsere Freundschaft ihre Berechtigung!
Der letzte offizielle Besuch von Biebricher Seite fand im Mai 1999 statt, als Pfarrer Martin Roggenkämper, Dieter Löber, Klaus Frost und Günter Nörpel zur Einweihung der renovierten Stadtkirche nach Glarus reisten.
Ebenfalls durfte der Jodelklub Glärnisch mit Alphornbläsern am 27. Mai 2000 in der Oranierkirche in Biebrich vor einem begeisterten Publikum eine Jodlermesse aufführen. Einige Biebricher sind heute noch davon begeistert.
Im August 2001 haben die Glarner Kleinkaliber-Schützen vier Tage die Biebricher Kleinkaliberschützen besucht, sie hatten herrliche Tage. Wir hoffen auf ein Wiedersehen aus Biebrich.
Nicht zu vergessen sind die vier Besuche der Biebricher Fussballer o2 und die Besuche der Glarner Junioren in Biebrich. Diese waren jedes Mal ein Erfolg, auch wenn wir nicht gewonnen haben.
Durch die "Kommunale Europa-Städte-Freundschaft" zwischen Glarus und Wiesbaden-Biebrich, wie sie ganz offiziell heisst, sind seither viele Freundschaften zwischen Vereinen beider Orte, sowie zahlreiche private Kontakte entstanden. Sie werden durch regelmässige Besuche gepflegt und sicherlich auch zukünftig aufrecht erhalten.
Am 13. März 2009 wurde in Glarus die Urkunde zur Stadtteilpartnerschaft unterzeichnet. Mit einer Stadtteilpartnerschaft sollen die freundschaftliche Verbindung gestärkt un die Begegnungen der Menschen beider Gemeinden gefördert werden.
In der hessischen Landeshauptstadt wurde im September 2012 ein Partnerschaftsverein zur weiteren Pflege und Vertiefung der Städtepartnerschaft mit Glarus gegründet.