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Bild: Michael Neil
Unternehmer oder Unterlasser
Anmerkung: Die Überschrift bezieht sich nicht auf Otto oder Amazon, sondern auf den zweiten Teil der heutigen SMSS.
Die Otto Gruppe wurde im August 1949 gegründet. Im Folgejahr erschien der erste Katalog, in dem auf 14 handgebundenen Seiten 28 Paar Schuhe präsentiert wurden. „Otto….find ich gut“ tauchte 1986, also nach 37 Jahren, auf. Am 9. Juli 2018 gab das Unternehmen bekannt, dass der Otto-Katalog nach 68 Jahren am 4. Dezember zum letzten Mal als gedruckte Ausgabe erscheinen wird. In 2017/18 hat die Gruppe 13.6 Milliarden Euro Umsatz mit circa 51.000 Mitarbeitern erwirtschaftet.
Jeff Bezos, CEO und Gründer von Amazon, hat das erste Buch (Fluid Concepts and Creative Analogies), das Amazon, ein Jahr nach Gründung in 1995 verkaufte, noch selbst von Hand eingepackt und zur Post gebracht. Im April 1998, also vor 20 Jahren trat Amazon in den deutschen Absatzmarkt ein. Den ersten Gewinn verbuchte Amazon als Weltunternehmen sechs Jahre nach der Gründung. In der Startphase waren Mitarbeiter angehalten, ihren Schreibtisch aus alten Türen zusammen zu basteln. In 2017 erzielte Amazon.de, ohne Katalog, rund 15 Milliarden Euro Umsatz – hat also nach nur 20 Jahren Otto überholt. (Amazon hat weltweit (2017) etwa 570.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von mehr als $177 Milliarden.)
Jeff Bezos, mit circa 150 Milliarden Privatvermögen, ist der reichste Mensch der Welt. In einem Interview wurde er gefragt, wie er denn, in seinem Arbeitsleben als Unternehmer, die ideale Zeitverteilung sehe, im Hinblick darauf, über die Gegenwart oder über die Zukunft nachzudenken.
50/50? 80/20? 90/10?
Führt zur Frage, was ist ein Unternehmer?
Nach § 14 Abs. 1 BGB: „Unternehmer ist eine natürliche oder juristische Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft, die bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbstständigen beruflichen Tätigkeit handelt.“
Einfacher vielleicht: jemand, der ein Unternehmen betreibt. Also, da ein Unternehmer auch Eigenkapitalgeber ist, ist er etwas anderes als ein Manager. Das Wort Unternehmer ist in diesem Sinne erstmalig im 18. Jahrhundert schriftlich aufgetaucht und gilt als Übersetzung des englischen „under-taker“ unter dem Einfluss des älteren französischen „entre-preneur“.
Was ist der eigentliche Sinn eines Unternehmens? Worin bringt es die Menschheit weiter? Wozu gibt es ihre Produkte und Dienstleistungen? Wer profitiert davon? Wie?
Moment Mal, ein eigenes Unternehmen gründen? Klingt riskant, anstrengend, eventuell grössenwahnsinnig oder vernünftig, einfach und angemessen – je nach Perspektive. Denn Unternehmen sind ein bisschen wie Menschen: Bei den einen fluppt es, weil sie ein paar wichtige Dinge draufhaben. Sie kennen sich selbst, ihre Richtung im Leben und wissen, was zu tun ist, damit es so bleibt. Bei anderen gibt es Probleme: Sie irren umher und fallen ständig auf die Schnauze. Sinn? Richtung? Ergebnisse? Fehlanzeige!
Unternehmersein ist kein Job, sondern eine Lebensform! Muss ja nicht gleich die BGB Gesellschaft sein – denn für unser Leben gibt es, so meine ich, eine wichtige Prämisse: Jeder ist der Unternehmer für sein Leben.
Für mich sind das Gegenteil „Unterlasser“ – und die Wahl, sich auf welcher Seite aufzuhalten, ist in jedem Moment frei. Für erfolgreiche Unternehmer gilt:
Frei, selbstbestimmt und wirksam
Hier kann das Gegenteil mit „hilflos und fremdbestimmt“ definiert werden. Betrachtest du bei dir und bei den anderen – und wenn es zu Beginn nur eine Hoffnung ist – das „frei selbstbestimmt und wirksam“ Sein, dann entsteht da eine Energie. Energie um etwas zu verändern.
Und das ist gar nicht so schwer. Tony Robbins sagte einmal, dass sich erfolglose Menschen zu 80 Prozent mit dem WIE beschäftigen. Die erfolgreichen hingegen zu 80% mit dem WOZU. Oder um es mit Nietzsche auszudrücken: „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“
Ohne ein Motiv, das stark genug ist, wirst du das WIE nicht umsetzen. Und mit einem Motiv, das stark genug ist, wirst du jedes WIE bewältigen.
In jedem Unternehmen gibt es Fachkräfte. Das sind jene, die produzieren, verkaufen, Rechnungen schreiben, Reklamationen bearbeiten und Feuerwehreinsätze fahren. Davon lebt das Unternehmen. Dann gibt es die Manager. Sie sorgen dafür, dass ausreichend Fachkräfte mit der richtigen Qualifikation vorhanden sind, sorgen dafür, dass Ressourcen effektiv und effizient genutzt werden, dass die Qualifikation der Mitarbeiter nicht stagniert, etc. – und schliesslich gibt es den Unternehmer. Der Unternehmer ist derjenige mit der Idee. Er ist die Energie hinter dem Ganzen. Er entwickelt und verankert Vision, Strategie und Kultur im Unternehmen.
Und nun die schlechte Nachricht: In deinem Leben sind alle drei Rollen in dir, intern kannst du da nicht viel delegieren. Die Frage, die du dir auf die eine oder andere Art stellen kannst ist, wieviel meiner Zeit verbringe ich in welcher Rolle?
Ein Unternehmer verbringt – je nach Grösse des Unternehmens – vielleicht 30 bis 80 Prozent mit Unternehmer-Aufgaben und rund 15 bis 30 Prozent mit Manager-Aufgaben. Für Jeff Bozes von Amazon liegt die ideale Konstellation bei 95 Prozent U-Aufgaben und fünf Prozent M-Aufgaben.
Das funktioniert im eigenen Leben, als CEO und Unternehmer für sein Leben leider nicht. Übrigens, du bist tatsächlich Unternehmer, immer, weil du dein Eigenkapital nun mal selbst bist. Das gibt dir kein anderer. Und wir sind Facharbeiter, Müll raustragen, Zähne putzen etc. – aber wieviel Zeit verbringst du mit U-Aufgaben in den 168 Stunden, die jede Woche – nicht mehr und nicht weniger – hat?
Kein Unternehmer würde planlos unternehmen. Er hat seine Vision, er weiss, wo er hin will. Schau dich um: Wie viele Menschen kennst du, die genau wissen, wo sie hin wollen, was ihre Leidenschaften sind, was ihr Sinn ist, wissen, was sie erfüllt?
Nun, wie sehen denn die Fakten aus? Die Woche hat 168 Stunden. Nehmen wir an, wir schlafen 68 Stunden, bleiben 100 übrig. Macht das Prozentrechnen einfacher. Bei einer 40 Stunden-Arbeitswoche verbringen wir also 40 Prozent mit, ja sorry, für den Eigenunternehmer ist dies in meiner Welt so, 40 Prozent als Facharbeiter. Was du sonst während der Woche managed überlasse ich dir. Wenn du 10 Prozent Zeit als Unternehmer einplanen würdest, wären das immerhin schon zehn Stunden die Woche, oder zwei an jedem Arbeitstag, unter der Annahme, dass du am Wochenende nicht arbeitest.
Was wären denn die Themen in diesen Unternehmer-Meetings mit sich selbst? Als Anregung vielleicht die Kardinalfragen:
⇒ Warum bin ich hier?
⇒ Was mache ich daraus?
⇒ Wann fange ich an?
Oder man setzt sich mit seinen Leidenschaften auseinander. (Werbung: hier ein eintägiger Workshop in Zürich). Was ist mir wichtig? Welche meiner Bedürfnisse sind noch nicht so befriedigt, wie ich es gerne hätte? Wie genau sieht meine Vision für mein Leben aus? Was ist „eigentlich“ meine Mission? Frei nach Steve Covey: „Was soll einmal auf meinem Grabstein stehen?“ Steve nennt das, zu Beginn das Ende im Blickfeld haben.
Was sind gute Tage, Wochen, Monate für mich? In welchem Thema will ich mich dieses Jahr weiter-entwickeln? Was will ich noch lernen? Wie sieht für mich ein selbstbestimmtes, ausgefülltes und glückliches Leben aus? Was kann ich dafür noch tun? Was hält mich ab? Und dann, plötzlich fallen dir noch viel mehr Fragen ein – und die Qualität der Fragen bestimmt die Qualität der Antworten.
Dies ist eine Auswahl von Fragen, die sich Unternehmer stellen. Selten findet man unzufriedene Unternehmer – ebenso so selten, wie sie in Hamsterrädern Däumchen drehen. Ist Unternehmer sein einfach? Nicht unbedingt, aber als Lebenseinstellung, meiner Meinung nach, definitiv der Garant für mehr Spass und Freude am Leben – und Unternehmer sein hört nie auf. Denn jeder Unternehmer lernt täglich Neues. Unternehmer bestimmen, frei, selbstbestimmt und wirksam. Goethe hat es, wie so oft auf den Punkt gebracht:
Des Menschen grösstes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände so viel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen lässt.
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