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Die Jazz Messengers unter Drummer Art Blakey gab es in vielen verschiedenen Zusammensetzungen. Ursprünglich waren sie von Blakey und Horace Silver gegründet worden. Als Silver zusammen mit Hank Mobley und Dough Watkins neue Wege ging, übernahm Blakey den Bandnamen.
Art Blakey fand immer wieder junge Talente, die er in die Jazz Messengers integrierte: Clifford Brown, Lou Donaldson, Lee Morgan und Wayne Shorter, um nur einige zu nennen.
Mit Bobby Timmons und Benny Golson hatte Blakey nicht nur hervorragende Musiker gewonnen, sie lieferten dazu noch die Kompositionen, die sich als Hits herausstellten.
Mit «Moanin’» (und etwas später «Dat Dere» mit Cannonball Adderley) wurde Bobby Timmons weltbekannt. Doch Drogen und Alkohol führten zu einem frühen Tod: Bobby Timmons starb 38-jährig an Leberzirrhose.
Benny Golson schrieb neben der «Drum Thunder (Miniature) Suite», «Are You Real», «Along Came Betty» und dem «Blues March» auch das Arrangement zu «Come Rain or come Shine» – also eigentlich das gesamte übrige Album. Golson ist heute (mit 81 Jahren) noch ab und zu in NYC live zu hören.
Die Musiker
Es gab und gibt wenige Trompeter wie Lee Morgan, der sich eigentlich zuerst fürs Vibraphon interessiert hatte, doch als Teenager ein Paar Unterrichtsstunden von Clifford Brown erhielt, was ihn definitiv zur Trompete führte. In seiner kurzen Karriere – er wurde 1970 erst 33-jährig von seiner Frau zwischen zwei Auftritt-Sets erschossen – nahm Morgan in nur neun Jahren über 20 Alben mit verschiedenen Jazzgrössen auf und wurde zu einem der Wegbereiter für die Weiterentwicklung des Hard Bop. Seine Soli auf «Moanin’» – Morgan war eben 20 geworden – sind nicht nur technisch atemberaubend, sondern zeugen auch von einer unglaublichen musikalischen Reife.
Benny Golsons Sax-Stil ist einmalig, reisst mich jedes Mal von neuem mit. Die Melodieführung in den Soli ist nicht so einfach nachsingbar, doch trotz ihrer Komplexität und Wildheit voller Emotionen – Golson ist ein Meister!
In Bobby Timmons widerspiegelt sich seine Herkunft: Sein Grossvater und sein Vater waren Pfarrer in Philadelphia. Beide Eltern, seine Schwester sowie Tanten und Onkel spielten Klavier (meist im Gottesdienst). Seine Musik ist voller Spiritual-Einflüsse.
Ebenfalls aus Philadelphia stammt Jymie Merritt (heute 92). Er bildet mit seinem Bass das ideale Fundament, doch überzeugt er (mich) als Solist auf diesem Album am wenigsten.
Art Blakey (1919–1990) spielte zuerst Klavier, wechselte dann in den 30er-Jahren zum Schlagzeug (diesen Wechsel umranken diverse, teilweise abstruse Geschichtchen), spielte mit Mary Lou Williams und tourte mit dem Fletcher Henderson Orchestra. In den 40ern wurde er Teil der Bebop-Bewegung zusammen mit Dexter Gordon, Fats Navarro, Miles Davies, Dizzy Gillespie und Charlie Parker. Um mehr über seine Wurzeln und das Trommeln zu erfahren, verbrachte Blakey zwei Jahre in Afrika. Zurück in den USA spielte er mit diversen Bebop-Grössen, unter anderem mit Thelonious Monk.
Von 1954 bis 1990 gab es die Jazz Messengers in verschiedensten Zusammensetzungen, viele davon waren hervorragend. Für mich ist die «Moanin’»-Gruppe jedoch die reifste, überzeugendste.
Klangqualität
Von Mitte 50er- bis Ende 60er-Jahre wurden alle Blue-Note-Aufnahmen direkt abgemischt und auf ein analoges Zweikanal-Band aufgezeichnet. Da muss man doch einfach staunen, was Rudy Van Gelder damals zustande brachte: Musiker im Raum positionieren, deren Mikrofone optimal einstellen und während der Aufnahme die Level ohne negative Nebenwirkungen feinregulieren. Da gab es kein Nachkorrigieren, kein automatisches Mischpult – alles war Handarbeit und geschah während der Aufnahme.
Auf der RVG-Edition von «Moanin’» sind zu Beginn noch 35 Sekunden «Warm-up dialogue between Lee and Rudy» zu hören: Lee Morgan kündigt an, dass er etwas zurückstehen werde, da sein Solo in «Moanin’» echt laut beginne. Die Version, die es schliesslich auf die LP schaffte, war «Take 4». Auf der CD von 1987 (auf Qobuz zusätzlich zu finden) ist diese kurze Studiostimmung und eine weitere Version von «Moanin’» enthalten.
Die Hi-Def-Versionen sind etwas kürzer (ohne Dialog und nur mit der Hauptversion von «Moanin’»). Da man nur die 2-Spur-Originalbänder digitalisieren konnte, wurde am Gesamtsound nichts verändert, doch die hochauflösenden Versionen klingen etwas luftiger als die CD. So oder so: Auch klangmässig gibts an diesem Album nichts zu bemängeln.
Deshalb
In der Annahme, dass ich nicht der einzige bin, der «Moanin’» als Meisterwerk klassifiziert, möchte ich allen Jazzfans und Musikinteressierten empfehlen, sich dieses Album (wieder einmal oder erstmalig) anzuhören. Es ist schlichtweg erstaunlich, was vor genau 60 Jahren entstanden ist und heute noch so frisch und atemberaubend klingt wie damals.