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Herkunft
Am 14. November 1637 in Henndorf geboren, wird er auf den Namen Christoph getauft. Henndorf liegt im Hochstift Salzburg, drei Stunden von Salzburg entfernt an der Landstrasse nach Linz. Das Dorf besteht aus einigen Bauernhäusern, einer Vikariatskirche und einem Gasthof.[1] Über die Tätigkeit des Vaters und über die Familie ist nichts bekannt.
Schüler und Lehrer in Salzburg
Er besucht die Schulen in Salzburg, wo er 1651 im Verzeichnis der Universität als Rudimentist aufgeführt ist.[2] Am 1. November 1657 legt er in der Benediktinerabtei Tegernsee Profess ab und nimmt den Klosternamen Bernhard an. Er studiert anschliessend Philosophie und Theologie in Salzburg. 1663 feiert er Primiz. 1665–1669 ist er Professor der Philosophie in Salzburg und ist ab 1666 auch Dekan der philosophischen Fakultät. Während dieser Salzburger Zeit schreibt er auch mehrere philosophische und theologische Werke. Dann wird er als Prior nach Tegernsee zurückgerufen.
Abt in Tegernsee
Am 15. November 1673 wird er in Tegernsee zum Abt gewählt. Der verstorbene Abt Ulrich Schwaiger hinterlässt ihm eine personell und finanziell gefestigte Abtei. Sie zählt 28 Patres, einen Frater und einen Bruder. Viele der Patres sind wissenschaftlich und literarisch tätig. Abt Bernhard verstärkt mit der gezielten Förderung der neueintretenden Konventualen diesen Schwerpunkt. Mehrere sind später an Professuren in Salzburg oder Freising tätig. Unter ihnen sind auch die beiden Patres Wolfgang Rinswerger und Bonaventura Oberhueber. Abt Bernhard kann sie später als postulierte Äbte in die wieder errichteten Abteien Michelsfeld, Ensdorf und Reichenbach in der Oberpfalz senden.
Mitbegründer der bayrischen Benediktinerkongregation
Er ist 1684 Mitbegründer der bayrischen Benediktinerkongregation, der sich nach und nach 19 Abteien anschliessen. Kurfürst Max Emanuel ist, nicht uneigennützig, Förderer der Kongregation, welche die Abteien nach dem Vorbild der schon bestehenden schweizerischen und oberschwäbischen Kongregationen als exempt erklärt. Diese Loslösung von der bischöflichen Jurisdiktion können die Bischöfe auch mit Interventionen in Rom nicht mehr verhindern. 1690 wird Abt Bernhard zum Präses der Kongregation gewählt.
Bauabt des barocken Klosters
Das Aussehen der Klosteranlage im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts hat sich seit der Darstellung in der Topographia Bavariae, die Matthäus Merian 1644 veröffentlicht, nicht verändert. Um eine spätmittelalterliche Kirche gruppiert sich eine Gebäudelandschaft des 15. und 16. Jahrhunderts. Abt Bernhard muss sich schon früh mit dem Neubau des ganzen Klosters befasst haben. Spätestens 1678 liegt eine Gesamtplanung vor. Als Planer wird spekulativ der Hofbaumeister Enrico Zuccalli genannt. An der grosszügigen Lösung einer Rechteckanlage mit zwei Höfen beidseits der Kirche und einem grossen Vorhof ist sicher auch der Abt massgeblich beteiligt, der sich zudem eher mit den beiden Baumeistern Lorenzo Sciascia[3] und Antonio Riva[4] umgibt. Der Start zum grossen Neubauunternehmen ist 1678, dem 700-Jahr-Jubiläum der Klosterwiederherstellung durch Kaiser Otto II. Vorerst beginnt der Abt mit einheimischen Baumeistern am Torbau und am Ökonomietrakt des Nordhofes. Ab 1684 lässt er, nun von Antonio Riva, die Kirche umbauen. 1688 erteilt er den Auftrag für die Wand- und Deckenfresken an Hans Georg Asam, der anschliessend mit seiner Familie nach Tegernsee zieht. Die Kirche wird 1693 geweiht. Schon seit 1689 ist auch der grosse Klosterneubau im Gange. Planer und Baumeister ist wieder Antonio Riva. Er baut den dreigeschossigen Westflügel beidseits der Kirchenwestfront. Im Nordwestflügel richtet der Abt im Erdgeschoss auch eine Brauerei ein.[5] Zu seinen Lebzeiten wird damit der grosse Westhof dreiseitig fertig gestellt und bleibt nur im Süden offen.
Bauten in der Klosterherrschaft
1676 lässt Abt Bernhard in St. Quirin die spätgotische Kirche über der wundersamen Quelle barockisieren. 1687 folgt die Pfarrkirche St. Leonhard in Kreuth. Der Baumeister Lorenzo Sciascia baut ihm in Gmünd die Pfarrkirche St. Egidius von Grund auf neu. Der Verding lautet auf 6000 Gulden, zusätzlich werden 400 Gulden für die Stuckaturarbeiten vergütet. 1696 lässt er «in thermis Kreuthensibus», dem klostereigenen Wildbad Kreuth, ein steinernes Haus mit angebauter kleiner Kapelle errichten. 1698 roden Klosteruntertanen für den heutigen Ort Glashütte, wo er nebst einer Hütte für die Glasgewinnung auch die Filialkirche Mariä Heimsuchung und ein Gasthaus errichten lässt. Er baut auch in der Wachau. Hier besitzt das Kloster bei Krems mehrere Weinberge. Im Weingut Burgstall in Unterloiben lässt ein neues Kellergebäude zur Weinlagerung bauen.
Resignation und Tod
Mit 63 Jahren legt Abt Bernhard sein Amt nieder, um einem jüngeren Nachfolger Platz zu machen. Er kann ihm ein finanziell gesundes Kloster übergeben. Der Personalbestand beträgt jetzt 42 Konventmitglieder, davon vier Brüder und drei Novizen. Als resignierter Abt bezieht er im Kloster wieder eine Zelle und nimmt weiterhin am Klosterleben teil, ohne sich in die Entscheidungen einzumischen. Er stirbt am 27. Februar 1714 im Alter von 76 Jahren an einem Schlaganfall und wird in der von ihm 1673 errichteten neuen Gruft in der Salvators-Krypta unter dem Chor bestattet.
Pius Bieri 2015
Tabelle der Konventmitglieder 1673–1803
Literatur
Lindner, Pirmin: Familia S. Quirini in Tegernsee. II. Teil, in: Oberbayrisches Archiv für vaterländische Geschichte, Ergänzungsheft zum 50. Band. München 1898.
Anmerkungen:
[1] 1699 lässt der Erzbischof hier auch ein Bräuhaus bauen. Noch 1796 werden erst 360 Einwohner gezählt.
[2] Die Rudimentaria ist die erste Stufe des Gymnasiums.
[3] Lorenzo Sciascia (um 1643–1693) baut 1688–1690 für Abt Bernhard die Pfarrkirche in Gmünd, parallel zum Neubau der nahen Klosterkirche Weyarn.
[4] Antonio Riva (1650–1713) ist schon 1678 in Tegernsee tätig. Riva und Sciascia sind Landsleute von Enrico Zuccalli, mit dem sie vielfach zusammenarbeiten. Zur kunsthistorischen Spekulation, Zuccalli sei der Planer von Tegernsee, siehe auch die Baugeschichte unter www. sueddeutscher-barock.ch
[5] Im Kloster wird allerdings kein Bier, sondern Wein aufgestellt, meist weisser Österreicher aus der Wachau, seltener Wein aus den Klosterbesitzungen am Kalterersee im Südtirol.
|Abt OSB Bernhard Wenzl (1637–1714)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|14. November 1673||Henndorf bei Salzburg||Hochstift Salzburg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OSB der Benediktinerabtei Tegernsee||1673–1714|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|17. August 1719||Priorat Himmelspforte, Wyhlen D||Vorderösterreich|
|Kurzbiografie|

Abt Bernhard Wenzl von Tegernsee ist einer der grossen barocken Bauäbte, welche im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts die Erneuerung und Stärkung ihres Konventes zeichenhaft mit einem völligen Klosterneubau darstellen wollen. Gebildet und an Baukunst interessiert, kann er schon 1678 nach einem Riss beginnen, der vielleicht vom Hofbaumeister Enrico Zuccalli gezeichnet wird. Sicher hat er diesen Plan mit seinem Amtsbruder in Benediktbeuern besprochen, der dort seine Bauten gleich selbst plant. Die beiden Äbte sind auch wichtigste Gründungsmitglieder der bayrischen Benediktinerkongregation. Als Präses dieser Kongregation kann Abt Bernhard die Abteien Michelsfeld, Ensdorf und Reichenbach mit Konventualen aus Tegernsee neu beleben.
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