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Die kriegerische Invasion Aserbaidschans in Berg-Karabach vom Herbst 2020 hat viele Opfer gefordert, deren Alltag ohne fremde Hilfe noch düsterer wäre. Einer dieser Leidtragenden ist der jesidische Armenier Murad Ghazaryan. Er verlor im Krieg sein linkes Bein. Dank der Unterstützung von CSI konnte Murads Familie ihr Haus so umbauen, dass er mit seiner Beeinträchtigung besser zurechtkommt.
Murad Ghazaryan (Name geändert) ist kein ethnischer Armenier oder Christ, sondern gehört der Religionsgemeinschaft der Jesiden an, die in Armenien (sowie im Irak und in Syrien) lebt. Mit seiner grossen Familie wohnt er in Azatan in der Republik Armenien. Murad war gerade 18 Jahre alt, als der Krieg Ende September 2020 begann. Während der Kämpfe wurde er von einer Explosion überrascht und war vier Tage lang unter Trümmern gefangen.
Als armenische Soldaten ihn retteten, war sein linkes Bein so schwer verwundet, dass es amputiert werden musste. Murad musste sich nun daran gewöhnen, mit einer Prothese zu gehen. Doch das Haus, in dem er mit seinen Eltern und fünf Geschwistern leben, war für Menschen mit Gehbehinderungen gar nicht gut ausgestattet. Wenn Murad sich fortbewegen oder auf die Aussentoilette gehen wollte, musste er ein Familienmitglied um Hilfe bitten.
Mit Hilfe von CSI konnte Murads Familie eine Toilette in ihrem Haus einrichten und den Fussboden ausgleichen, um ihn besser begehbar zu machen. «Durch diese Bautätigkeiten ist Murad unabhängiger geworden. Das hat ihm geholfen, sein Selbstvertrauen wiederzuerlangen», sagt seine Mutter Lina (Name geändert). Murad hat begonnen, wieder Hoffnung für die Zukunft zu schöpfen. Er ist ein hervorragender Spieler der Duduk, einer armenischen Flöte, und träumt davon, eines Tages Berufsmusiker zu werden.
CSI solidarisiert sich mit den christlichen armenischen Opfern von Aserbaidschans Krieg und ethnischer Säuberung. Wir helfen den Vertriebenen, die Häuser, in denen sie Zuflucht gefunden haben, umzubauen und Ausrüstungsgegenstände zu kaufen, die ihnen helfen werden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
In Armenien leben heute über 35‘000 Jesiden.
Kästchen: Erstgeborene am meisten angegriffen
Die schwierige Lage von Armeniern war auch ein Thema am Kongress «Christenverfolgung heute» in Schwäbisch-Gmünd (D). Pfarrer Peter Fuchs, Geschäftsführer von CSI-Deutschland, leitete am Kongress eine Podiumsdiskussion unter dem Titel «Die Rolle der armenischen Kirchen in der gegenwärtigen Krise». Fuchs hielt dabei fest, dass Armenien im Jahr 301 n.Chr. als erstes Land das Christentum angenommen habe. Auf seine Frage, warum ausgerechnet Armenien als christliches Land schon so oft gelitten hat, entgegnete der syrische Armenier Fadi Krikor: «Armenien ist, wie Sie sagten, die erste Nation, die das Christentum angenommen hat. Aus Sicht des Feindes ist Armenien also der Erstgeborene unter den Heiden. Und Erstgeborene werden am meisten angegriffen.» Peter Fuchs appellierte schliesslich an die Teilnehmenden, für die Armenier in Berg-Karabach einzustehen, damit sich das Gebiet ohne Krieg entfalten könne. «Als Christen haben wir diese Aufgabe.»
Joel Veldkamp, Reto Baliarda