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Der Australier mit dem eleganten Schwung war der vielleicht beste „unbekannte“ Spitzengolfer des 20. Jahrhunderts. Er gewann insgesamt 84 Profiturniere, darunter die nationalen Meisterschaften von zehn verschiedenen Ländern rund um den Globus und das zu einer Zeit, in der andere Legenden wie Arnold Palmer, Jack Nicklaus und der früh verstorbene „Champagne“ Tony Lema den Golfsport massentauglich machten.
Thomson spielte auf der US PGA Tour mit relativ wenig Erfolg, setzte sich aber mit fünf Titeln und drei zweiten Plätzen an der Open Championship ein bleibendes Denkmal – selbst Grössen wie Nicklaus, Ballesteros, Faldo oder Woods „hinken“ dieser Bilanz hinterher – und wurde nur vom legendären Harry Vardon (sechs Mal Sieger) übertroffen. Beeindruckend ist aber auch die schiere Länge seiner Karriere, die 1950 mit dem Erfolg an der New Zealand Open ihren Anfang nahm und bis zum Sieg an der European PGA Seniors Championship 1988 andauerte. Im gleichen Jahr wurde der „Aussie“ in die World Golf Hall of Fame aufgenommen. Er wurde oft als Australiens grösster Golfer, noch vor Greg Norman bezeichnet, doch der stets bescheiden gebliebene Ausnahmekönner winkte 2009 in einem Interview ab: „Diese Ehre gehört Karrie Webb (siebenfache Major-Siegerin und Weltsportlerin des Jahres 2001).
Dass Peter Thomson den wenigsten Leserinnen und Lesern ein Begriff sein dürfte, liegt sicher auch daran, dass die Medienpräsenz während seiner fast 40jährigen Karriere noch weit geringer war, als zu Zeiten von Facebook, Twitter und Instagram. Ganz anders auch die Preisgelder, die es damals zu holen gab. 1954 gewann Thomson die Open in Royal Birkdale und den Siegerscheck über £750.00, „doch davon konnte man sich ein gemütliches Haus kaufen“, gab er mal zu Protokoll.
Eine lustige Geschichte über den langjährigen Ehrenpräsidenten des Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews stammt von seinem Sieg 1956 im Royal Liverpool GC: Er musste sich von seinem Freund Max Shaw für die Siegerehrung ein Jacket leihen. Als Shaw’s Gattin das gute Stück in der Heimat in die Reinigung brachte, fand sich darin der Siegerscheck von Thomson über 1000 Pfund (heutige Kaufkraft ca. 30‘000 Franken), der dem rechtmässigen Besitzer natürlich zurück gegeben wurde. Es waren irgendwie unschuldigere, einfachere Zeiten, in denen der grosse Golfer und spätere Course Designer das Spiel vor allem auf den britischen Linkscourses dominierte.
Thomson muss einer der glücklichsten Menschen auf diesem Planeten gewesen sein. „Ich glaube nicht, dass ich auch nur einen Tag in meinem Leben wirklich hart gearbeitet habe. Es war ein einziger langer Weg voller Spass, auf dem ich einen Sport den ich liebte, zum reinen Vergnügen gespielt habe.“
Text: Peter Hodel
Fotos: © Fairfax Media