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Faserreiche Kost und verstopfungsfördernde Lebensmittel meiden: Das sind im Wesentlichen schon die Allgemeinmaßnahmen, die mit Aussicht auf Erfolg Patienten mit chronischer Verstopfung (Obstipation) guten Gewissens empfohlen werden können.
Immer wieder fragen Patienten mit chronischer Verstopfung nach, inwieweit sie dieses Problem selbst beeinflussen können.
Empfohlen werden könnten dann eine faserreiche Ernährung mit mindestens 30 g Ballaststoffen täglich und das Meiden von verstopfungsfördernden Lebensmitteln wie Schokolade, Bananen, Kakao, schwarzer Tee, Karottensaft und Heidelbeeren. So fassen die Autoren des Buches „Chronische Obstipation in Praxis und Klinik“ den derzeitigen Wissensstand zusammen. Wesentlich ist ihnen auch: Die Patienten sollten darüber aufgeklärt werden, dass täglicher Stuhlgang nicht zwingend nötig ist, aber ein regelmäßiger Toilettengang, etwa nach dem Frühstück, angestrebt werden sollte.
Ballaststoffe: Studien zeigen uneinheitliche Resultate
Bei einer milden Verstopfung (Normal-Transitzeit-Obstipation) oder zur Obstipationsvorbeugung sei die therapeutische Wirksamkeit einer ballaststoffreichen Ernährung akzeptiert, obwohl Interventionsstudien keine durchgängige Beeinflussung der Obstipationssymptome durch eine erhöhte Menge an zugeführten Ballaststoffen gezeigt hätten.
Die uneinheitlichen Studienresultate seien offenbar Folge der Heterogenität der angewandten Ballaststoffe und der untersuchten Patientenkollektive.
Ballaststoffe wirkten durch einen substanzeigenen Masseeffekt, durch vermehrte osmotische Bindung von Wasser und durch eine gesteigerte Produktion intestinaler Gärungsgase, erklären die Autoren.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Ballaststoffzufuhr von mindestens 30 g, wovon die Hälfte der Ballaststoffe durch Getreide und Getreideprodukte, die andere Hälfte durch Obst und Gemüse gedeckt werden sollten. Bei den Ballaststoffpräparaten hätten sich vor allem Flohsamenschalen bewährt. Die sogenannten Gelbildner sollen zu einer geringeren Gasbildung führen als etwa Weizenkleie und für einen weichen Stuhl sorgen.
Kontraindiziert sei eine faserreiche Kost übrigens bei Obstipationsbeschwerden aufgrund einer intestinalen Obstruktion und wenig Erfolg versprechend bei eingeschränkter Flüssigkeitsaufnahme, Immobilität oder neurologischen Erkrankungen wie autonome Neuropathie oder Rückenmarkserkrankungen. An diese Einschränkungen erinnern die Kollegen um die beiden Herausgeber Professor Heiner Krammer und Professor Alexander Herold aus Mannheim.
Nutzen von körperlicher Aktivität noch unklar
Insgesamt sei der therapeutische Nutzen der Allgemeinmaßnahmen bei chronischer Obstipation unterschiedlich gut belegt, erklären sie. Zu den gängigen bei chronischer Verstopfung empfohlenen Allgemeinmaßnahmen mit ungesichertem Effekt zählen nach ihren Angaben die Empfehlung zu körperlicher Aktivität von täglich mindestens 15 bis 20 Minuten sowie die Empfehlung zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr (mehr als 1,5 Liter täglich).
Bei Nicht-Obstipierten könne körperliche Aktivität einen Stuhlreiz auslösen, so die Autoren, chronisch Obstipierte bewegten sich aber nicht weniger als Gesunde. Und eine geringe Flüssigkeitszufuhr und Immobilisation stellten zwar bekannterweise Risikofaktoren für eine Verstopfung dar. Allerdings ließen sich Patienten mit bereits bestehender Vertopfung durch gesteigerte Flüssigkeitszufuhr (außer bei dehydrierten Patienten) sowie durch vermehrte körperliche Bewegung nur selten erfolgreich behandeln.
Ebenfalls nicht genügend wissenschaftlich belegt sei die Empfehlung zu regelmäßigen Toilettensitzungen unter Nutzung des gastrokolischen Reflexes. Dieser Reflex tritt normalerweise 5 bis 15 Minuten nach dem Essen auf, vor allem nach dem Frühstück. Der im Anschluss daran erfolgende Stuhlentleerungsreiz sollte nicht unterdrückt werden, betonen die Autoren.
Krammer, Heiner; Herold, Alexander (Hrsg.): Chronische Obstipation in Praxis und Klinik, Uni-Med, Bremen, 2008, 96 S., 25 Abb., 39,80 €, ISBN 978-3-8374-1073-0
Quelle: www.aerztezeitung.de
Kommentar & Ergänzung:
Aus Sicht der Phytotherapie ist die Bevorzugung von Flohsamenschalen gegenüber Weizenkleie gut nachvollziehbar.
Zu begrüssen ist zudem die differenzierte Darstellung des Nutzens von ballaststoffreicher Kost, von körperlicher Bewegung und von erhöhter Flüssigkeitszufuhr. Es ist nämlich schon längere Zeit klar, dass die gerne abgegebenen Ratschläge an Verstopfte, sie müssten einfach mehr trinken, sich mehr bewegen und mehr Ballaststoffe essen, so pauschal nicht überzeugend sind. Alle drei Tipps mögen ihre Berechtigung haben. Sie lösen aber nicht einfach jedes Verstopfungsproblem.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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