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Mary Bee Cuddy (Hilary Swank), eine charakterstarke einsame Frau in einer kleinen Frontier-Stadt in Nebraska, entschliesst sich, drei andere Frauen, welche das harte Leben im Westen um den Verstand gebracht hat, in einem Wagen vierhundert Meilen nach Iowa in ein Pflegeheim zu fahren – weil keiner der Männer in der Stadt dafür Manns genug ist.
Es ist The African Queen, als Western erzählt, mit Hilary Swank in der Rolle der Katharine Hepburn und Regisseur Tommy Lee Jones in der Rolle von Humphrey Bogart. Denn der Drifter, der sich George Briggs nennt, hilft Mary Bee bloss, weil sie ihn vor dem Tod am Strang gerettet hat. Und ihm eine grosse Flasche Whisky und dreihundert Dollar verspricht, wenn er sie und die drei Frauen im vergitterten Wagen heil durch Prärie bringt.
Ausgerechnet Gelsomina, wie die Heldin in Fellinis La strada, heisst die Hauptfigur vn Le meraviglie. Sie ist die Tochter eines Aussteigers aus Deutschland oder Holland und einer Italienerin und hat drei jüngere Schwestern. Die Familie lebt in Umbrien auf einem abgelegenen Hof in der Nähe eines Sees, hauptsächlich von der Bienenzucht.
Auf den ersten Blick scheint es etwas unfair, Alice Rohrwachers zweiten Film mit Ursula Meiers Home von 2008 zu vergleichen. Schliesslich war Meiers starke Geschichte von der Familie an der unfertigen Autobahn eher metaphorisch, während Rohrwacher wie schon mit Corpo celeste impressionistisch naturalistisch erzählt. Aber der Kern beider Filme ist eine autarke, isolierte Kleinfamilie, im Fokus eine adoleszente Tochter.
Jalil Jespert war schneller im Kino mit Yves Saint Laurent und schaffte es dafür bloss in die Berlinale. Bertrand Bonello kommt erst jetzt, muss auf das ‚Yves‘ im Titel verzichten und hat es dafür mit Saint Laurent in den Wettbewerb von Cannes geschafft. Warum? Naja. Bonello. Cannes. Frankreich. YSL.
Etwas wirklich Vergleichbares zu diesem Film aus Argentinien habe ich in Cannes noch nie im Wettbewerb gesehen. Schwarzer Humor kommt immer wieder vor, bei den Coens oder auch bei Tarantino. Aber diese „neuen Wilden“ von Damián Szifrón, die haben andere Vorbilder.
Es ist ein Episodenfilm, dessen Geschichten gemeinsam haben, dass jemand seine Wut nicht mehr schlucken mag und zurückschlägt. Das ist komisch und grotesk, etwa wenn sich zwei Autofahrer auf einsamer Bergstrasse so weit provozieren, dass am Ende beide tot sind. „Cannes 14: RELATOS SALVAJES von Damián Szifrón“ weiterlesen
Mit drei Stunden und sechzehn Minuten hat uns der türkische Meister in Cannes dieses Jahr am meisten Sitzvermögen abverlangt. Aber das Sitzen und Schauen lohnt sich. Der Film erinnert an Bergmann, ein wenig an Lars von Trier und vor allem klar an Nuri Bilge Ceylan.
Dabei ist Winter Sleep für Ceylans Verhältnisse ein überraschend redseliger Film. Andauernd wird Moral verhandelt, Gerechtigkeit und richtiges Handeln. Und andauernd passiert das Gegenteil. Im Zentrum steht die Geschichte eines reichen älteren Mannes und seiner eben so schönen wie unglücklichen jungen Fau.
Timothy Spall als William Turner ist ein monstre sacré bei Mike Leigh. Ein grosser, schwerer Mann, dessen Seele auf seinen Leinwänden explodiert, aber ansonsten gefangen ist in einem Körper, den er selber als Zumutung begreift.
Das tragende Prinzip von Mike Leighs Film über den grossen Spätromantiker und bahnbrechenden Proto-Impressionisten Turner ist genau diese Diskrepanz zwischen der lichtdurchfluteten schwebenden Leichtigkeit seines Spätwerks und der massigen Schwere seiner physischen Existenz. „Cannes 14: MR. TURNER von Mike Leigh“ weiterlesen
In Bamako liess Sissako 2006 die afrikanische Zivilgesellschaft in einer fiktionalen Gerichtsverhandlung gegen Weltbank und IWF antreten. Das war clever, gut inszeniert und ziemlich vielschichtig.
Auch Timbuktu ist jetzt wieder in Mali angesiedelt. Aber der Film ist allenfalls teilallegorisch und dreiviertel realistisch. Er verhandelt im Märchenton die Drangsale der islamistischen Fundamentalisten gegenüber den Bewohnern der Stadt am Wüstenrand. Und auf mich kleinen erschreckten Schweizer wirkt das nun, als ob Märchenerzähler und Filmer Nacer Khemir die Dürrenmattsche Dramatisierung eines Gotthelf-Romans verfilmt hätte. „Cannes 14: TIMBUKTU von Abderrahmane Sissako“ weiterlesen
Die nostalgische Glamour-Beschwörung Grace of Monaco hat das 67. Filmfestival von Cannes eröffnet. Regisseur Olivier Dahan recycled das Konzept der Sissi-Filme mit der arg geforderten Nicole Kidman in der Titelrolle und einem ziemlich gelangweilten Tim Roth als Fürst Rainier von Monaco.
Die Stirne runzeln kann sie noch, trotz Botox. Oder wieder. Und selbst ein gequältes Lächeln kriegt Nicole Kidman mit etwas Anstrengung noch auf die Leinwand. Aber jeder Vergleich mit der damals 33 Jahre alten Grace Kelly von 1962, welche sie in Grace of Monaco zu spielen hat, fällt für die Sechsundvierzigjährige vernichtend aus. Aber wer sonst hätte die Grace spielen sollen? Das Aussehen und die schauspielerischen Fähigkeiten hätten wohl einige Schauspielerinnen gehabt. Nicht aber jene schwer fassbare Starqualität, welche eine Filmproduktion wie diese überhaupt erst finanzierbar macht. „Cannes 14: GRACE OF MONACO von Olivier Dahan“ weiterlesen