Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03630.jsonl.gz/1928

Eine internationale Expedition hat 1'000 Tonnen Abfall von einer russischen Forschungs-Station in der Antarktis weggebracht.
Einer der Hauptsponsoren des Projekts ist Ernesto Bertarelli, Chef der Schweizer Biotechfirma Serono. Reporter Vincent Landon von swissinfo reiste in die Antarktis, um bei der Putzaktion dabei zu sei. Im dritten und letzten Teil seines Antarktis-Tagebuchs beschreibt er die Segelfahrt zu den South Shetland Islands.
Zwischen den Eisbergen
Unsere erste Ausfahrt auf dem Boot der Mission Antarctica in der Maxwell Bay. Wir segeln auf einen riesigen Eisberg am Rand des Wassers zu. Und gerade da bricht eine 30 Meter hohe Eiswand ins Meer.
Der Zwischenfall erinnert den Polarforscher Robert Swan daran, wie er 1986 mit einigen Begleitern Robert Scotts epische Reise zum Südpol nachfuhr. Ihr Versorgungsboot wurde von Packeis zerdrückt und sank in der Ross Sea. "Ich sage Ihnen, wenn Sie ein Schiff in der Antarktis verloren haben, bekommen Sie Herzklopfen, wenn Sie sehen, wie ein grosser Eisblock abbricht", sagt Robert.
In der Bucht schwimmen plötzlich lauter Eisberge. Nur wenige Meter vom Boot entfernt taucht ein Seeleopard aus dem Wasser und zieht sich auf ein Stück Eis hinauf. Es war auch ein Seeleopard, der nach dem 1'440 Kilometertreck zum Pol einen von Roberts kanadischen Begleitern, Gareth Wood, angriff.
Gefundenes Fressen
"Auf dem Rückweg ging Gareth über einen Eisberg, und ein Seeleopard brach durch das Treibeis, packte sein Bein, biss seinen Wadenmuskel durch und versuchte, ihn in das offene Meer zu ziehen", erzählt Robert. "Hätte er am anderen Fuss kein Steigeisen gehabt, wären nicht zwei andere Leute in der Nähe gewesen, die zu ihm rannten und den Seeleoparden verjagten, gäbe es ihn heute nicht mehr."
Die Tage auf dem Boot vergehen mit Segeln, Landausflügen, Kochen und Putzen. Die Gespräche am Tisch und danach drehen sich um legendäre Antarktis-Expeditionen - wie es ist, in einem Boot durch die Drake Passage zu rudern oder mit dem Flugzeug auf dem Eis zu landen.
Einmal sehen wir vom Deck aus eine zwanzig Meter hohe Wasserfontäne: Ein paar Buckelwale tummeln sich in der Nähe. Sie steigen auf, zwei riesige Bogen, die aus dem Wasser ragen, dann verschwinden ihre Rückenflossen wieder.
Für den Landgang gibt es einen Benimmcode: Wir dürfen uns keinem Tier mehr als fünf Meter nähern. Wenn brütende Vögel ihr Nest verlassen, sind ihre Eier oder die Jungvögel den Elementen und den Raubvögeln wie den Skuas - Raubmöwen - ausgeliefert.
Pinguingeschnatter
Seehunden sollte man sich nur von der Landseite her nähern. Es ist nicht ratsam, zwischen einem Seehund und dem Wasser spazieren zu gehen. Wir klettern ins Schlauchboot, starten den Motor und fahren an Land. Als wir endlich landen, werden wir fast erschlagen vom Gluckern und Schnattern der Pinguine.
Die Jungen dieser Saison sind noch mit einem Babygefieder wie eine Art Pelz bedeckt, sie werden sich aber mausern, bevor sie ins Meer gehen. Die Alten füttern die Jungen, indem sie ihre Nahrung wieder hervorwürgen. Wenn ein Fels voller grellrosafarbenem Guano ist, dann haben die Pinguine Krill gegessen. An Land watscheln sie schwerfällig herum, fallen über die eigenen Füsse. Im Wasser aber tauchen sie zu dritt und zu viert und flippern elegant durchs Meer.
Vincent Landon