Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03111.jsonl.gz/2230

Unterschied Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung – brauche ich beides?
Sowohl der Vorsorgeauftrag als auch die Patientenverfügung dienen der Vorsorge für den Fall, dass eine plötzliche Handlungs- und/oder Urteilsunfähigkeit eintreten sollte. Die Patientenverfügung bezieht sich auf die Vertretung in medizinischen Fragen,der Vorsorgeauftrag auf die Vertretung in verschiedenen Fragen des alltäglichen Lebens.
Der Vorsorgeauftrag
Der Vorsorgeauftrag muss strengen Formvorschriften genügen, um gültig zu sein. Er muss, wie ein Testament, von Anfang bis zum Ende eigenhändig verfasst, datiert und unterschrieben werden.
Falls Ihnen die eigenhändige Ausfertigung Mühe bereiten sollte, können Sie auch eine im jeweiligen Kanton zuständige Urkundsperson, z.B. einen Notar, damit beauftragen. Das Verfahren der öffentlichen Beurkundung ist in jedem Kanton unterschiedlich geregelt. Deshalb müssen Sie sich in ihrem Wohnkanton informieren, welche Personen dort beurkunden dürfen.
Mit dem Vorsorgeauftrag beauftragt eine handlungsfähige Person für den Fall ihrer späteren Urteilsunfähigkeit eine oder mehrere natürliche oder juristische Personen mit der Erledigung der von ihr festgelegten Aufgaben und erteilt die entsprechenden Vollmachten.
Der Vorsorgeauftrag kann vom Erteilenden nach Wunsch festgelegt werden. Er lässt sich für einzelne Teile oder die gesamte Personen (z.B. Pflegemassnahmen) und Vermögenssorge (Finanzen) sowie die Vertretung im Rechtsverkehr erteilen. Höchstpersönliche Rechte können allerdings nicht übertragen werden. Die Ausfertigung eines Testaments bspw. lässt sich per se nicht delegieren.
Die als Vertreter gewählte Person muss sowohl urteils-, als auch handlungsfähig sein. Für die Vermögensvorsorge kann auch eine juristische Person beauftragt werden. Dies ist bei der Personenvorsorge wiederum nicht möglich.
Ein Vorsorgeauftrag ist vor allem für Lebenspartner im Konkubinat wichtig, denn ein gesetzliches Vertretungsrecht kommt nur Ehegatten zu.
Die Patientenverfügung
Sollte ein medizinischer Notfall vorliegen, entscheiden die behandelnden Ärzte über die medizinischen Massnahmen beim Patienten in seinem Interesse und nach seinem mutmasslichen Willen.
Falls kein dringender Notfall vorliegt, klärt das medizinische Team ab, ob die Person eine Patientenverfügung verfasst und eine Ansprechperson für medizinische Belange definiert hat. Wenn Sie keine Patientenverfügung verfasst haben, gibt das ZGB die Reihenfolge der zu befragenden Personen vor.
Gemäss ZGB werden nacheinander konsultiert:
– der Beistand oder die Beiständin mit Vertretungsrecht bei medizinischen Massnahmen
– der Ehegatte/die Ehegattin (gleichgestellt: eingetragene Partner)
– der Lebenspartner (Konkubinat)
– die Kinder
– die Eltern
– die Geschwister
Ausserdem können in einer Patientenverfügung Details für das eigene Ableben (Bestattungswünsche) festgelegt werden.
Des Weiteren kann der Verfasser selbst Grundsätze der medizinischen Behandlungen festlegen. Dies können Behandlungswünsche je nach Stadium einer Erkrankung, medizinische Behandlung im Sterbeprozess, Vorrang lebenserhaltender Massnahmen, etc. sein.
Die Patientenverfügung muss nicht ganz so strengen Formvorschriften genügen. Es können vorgedruckte Formulare verwendet werden. Sie müssen allerdings Ort, Datum und Unterschrift enthalten. Die Patientenverfügung geht dem Vorsorgeauftrag vor.
Die Errichtung einer Patientenverfügung und der Ort der Hinterlegung des Dokuments können auf der Versichertenkarte der Krankenkasse eingetragen werden, um die Auffindung zu erleichtern.
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren
Wer bekommt eine Hinterlassenenrente der AHV? Die Hinterlassenenrenten der AHV verhindern beim Tod des Ehegatten oder eines Elternteils, dass die Hinterbliebenen (Ehegatte, Kinder) finanzielle Probleme bekommen. Es gibt drei verschiedene Hinterlassenenrenten: Witwenrenten Witwerrenten Waisenrenten Wann […]
Weitere Artikel:
Was ist eine Todesfallversicherung Die Todesfallversicherung ist eine Unterform der Lebensversicherung (siehe dazu: Die Lebensversicherung – was ist das und was bringt sie?). Mit ihr wird sichergestellt, dass Angehörige, wie Ehe- und Konkubinatspartner oder auch […]
Weitere Artikel:
Wann kann ich mündlich verfügen? Das mündliche Nottestament ist neben dem handschriftlichen Testament und dem öffentlich beurkundeten Testament eine der drei im Schweizerischen Zivilgesetzbuch vorgesehenen Arten, eine einseitige letztwillige Verfügung zu erlassen. Schon dem Gesetzeswortlaut nach ist der Erblasser […]
Weitere Artikel: