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Ja, ich hab ihn mir angehört, diesen „Strassli Song“. Also ehm, was soll ich sagen? Ich finde ihn ganz furchtbar und grauslig. Den Song, nicht Idee.
Aber ich muss wohl etwas ausholen:
Zuerst einmal finde ich es ganz wichtig, dass das Thema „Nicht mit Fremden mit gehen“ immer wieder angesprochen wird. Nicht als Panikmache, sondern ganz sachlich, immer mal wieder mit den Kids besprochen wird. Idealerweise sagt man den Kindern nicht einfach: „Ihr dürft nicht mit dem fremden Mann mitgehen, nein, nein.“ Sondern versucht mit Fragen und Gegenfragen, die Kids auf die richtigen Möglichkeiten aufmerksam zu machen: „Was würdest du tun, wenn dich jemand ansprechen würde den du nicht kennst? Warum würdest du nicht mit ihm mit gehen? Und wenn er sagt, dass er schöne Kätzchen hat? Was kannst du tun, wenn er dich nach deinem Namen und deiner Adresse fragt? Was machst du, wenn er dir den Weg versperrt?“ usw. Es ist wichtig, dass man das immer mal wieder zu Hause am Mittagstisch, wenn man unterwegs ist oder sich sonst irgendwie eine Gelegenheit bietet, mit den Kindern bespricht. Man kann solche Dialoge auch mal zusammen „üben“, ohne aber den Kindern Angst zu machen. So.
Und gestern konnten wir in den Medien lesen, dass die Kantonspolizei Schwyz einen Song für Kindergärteler komponieren liess. Präsentiert wird er von „Strassli“, der Handpuppe, die seit längerem in der Prävention der Polizei zum Einsatz kommt.
Strassli? Was ist das für ein merkwürdiger Name? Weil er auch die Verkehrsregeln erklärt? Strassli? Warum nicht Tim oder Ben oder Lino? Ok, er heisst jetzt halt Strassli und in der ersten Strophe will ein Mann Strassli zu sich nach Hause mitnehmen, um ihm einen kleinen Hund zu zeigen – „Chumm mit, es isch nid wiit“. In der zweiten Strophe will eine Frau, dass Strassli in ihr Auto einsteigt – „Ich fahr dich jetzt grad hei“.
Soweit so gut, die Botschaft ist klar: Nie mit jemandem mitgehen, auch wenn er behauptet er kenne Mami oder Papi.
Aber: muss eine solch wichtige Botschaft in einen solchen Schubiduuu-Song verpackt werden? Einen mit KEYBOARD eingespielten Schubiduu-Song? Eingesungen von einer Schulklasse mit dermassen verpitchten, verzerrten Stimmen, dass man meinen könnte, sie kämen direkt aus Schlumpfhausen. Urgs. Sorry, aber da krieg ich Gänsehaut.
Wenn schon einen solchen Song, dann doch etwas weniger bieder und mit normalem Gesang. Warum nicht einen Track von Bligg, Baschi oder Stefanie Heinzmann komponieren und von den „Schwiizergoofe“ einsingen lassen, zum Beispiel. Die hätten sicher mitgemacht. Aber bitte nicht so, mit Keyboard und diesen Schlumpfstimmen.
Und irgendwie kann ich mir auch nicht so recht vorstellen, wie die Kindergärteler im Kreis sitzen, mit den Füssen wackeln, klatschen und laut in die Runde singen: „I fremdi Auto stiigt er nie und laht sich nid berüehre, de Strassli, ja, de weiss es guet, de cha mer nid verfüehre.» (In fremde Autos steigt er nie und lässt sich nicht berühren, der Strassli, ja, der weiss es gut, ihn kann man nicht verführen.“)
Jugendpsychologe Allan Guggenbühl zum Beispiel meint im „20 Minuten Artikel“ dazu: „Eine originelle Art der Prävention.“ Allerdings sei nicht sicher, ob das Lied den gewünschten Effekt haben werde.
Sein Rat: «Am besten nehmen Kinder eine solche Botschaft auf, wenn sie diese von einer Bezugsperson direkt und klar gesagt bekommen.»
Da bin ich absolut gleicher Meinung.
Und wenn schon gesungen werden muss, dann bitte etwas weniger grauslig.
Den ganzen Songtext findet ihr hier.