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Originalgetreu wird heute noch mit drei Becken das Talerschwingen gepflegt. Dazu wird ein Naturjodel angestimmt.
Von Joe Manser
Zur Tradition der sennischen Kultur rund um den Säntis gehört seit dem 19. Jahrhundert, dass «Schölle gschötted weerid»; meist wird dazu ein Rugguusseli oder Zäuerli (Naturjodel) gesungen.
Nicht immer sind aber gerade drei Schölle zur Hand. Als Ersatz dienen dann drei aufeinander abgestimmte Becken, in denen mit leichten Wiegebewegungen je ein Fünfliber - früher «ein Taler» - auf der Schmalkante zum Laufen gebracht wird. Darum nennt man solche Instrumente Talerbecken (hergestellt aus gebranntem Ton, glasiert).
Der dabei entstehende Bordun ist auffällig leiser als der Klang der Schellen. Es existiert keine vorgegebene Stimmung, am beliebtesten ist aber jene mit Intervallen wie bei den Schellen (e g a) oder in Dreiklangterzen.
Die Schwierigkeit beim Talerschwingen ist meist der Einwurf der Münze; rollt sie einmal gleichmässig, kann die Aktivität fortgesetzt werden: jetzt kommt das Rugguusseli oder ein Zäuerli dazu.
Die Reihenfolge beim Münzeneinwurf ist vorgegeben: zuerst in das kleinste Becken (mit dem hohen Klang), dann in das mittlere, zuletzt in das grösste.
Grampol-Schiibe
Für das Talerschwingen verwendete Hans Kegel (und andere bekannte Ausserrhoder Musikanten) anstelle des Fünflibers die Grampol-Schiibe. Damit sind die alten, grösseren Fünffrankenstücke mit gröberer Seitenkante - oder auch fremde schwere Münzen - gemeint. Diese bewirkten einen viel stärker scherbelnden Klang als der Fünfliber.
Grampol stammt aus dem französischen «carambole». Der Ausdruck war ursprünglich gebräuchlich im Basler-, Berner- und Zürcherdialekt und stand für Lärm oder Rumpeln, also wie Karambolage. Überdies ist Carambole auch die Bezeichnung für ein Brettspiel mit Scheibenwurf.
Hans Kegels Fünflibersammlung
Eine bekannte Episode aus der Vergangenheit: Wenn die Talerbecken zur Hand genommen wurden und das Spiel hätte losgehen sollen, fehlte dem Musiker Hans Kegel dummerweise prompt der dafür benötigte Fünfliber.
So ging die Frage nach dem Geldstück jeweils ans Publikum, und schnell waren ein bis drei Stück beisammen - und nach dem Talerschwingauftritt folgte Kegels kurze Bemerkung in halbfragender Form: «I taare doch phaalte, oder?»
Und zusätzlich konnte Hans Kegel unverfroren mit dem leeren Talerbecken durchs Publikum gehen und spasseshalber um eine Spende betteln: «Entwickligshilf, Entwickligshilf». Da läpperte sich jeweils doch einiges zusammen - und selbstverständlich wurde auch alles versteuert!
Talerbecken kaufen
Ein Kommentar aus der Zeitschrift Femina im Juli 1965: «Franzsepp Inauen kauft sein Instrument im Haushaltungsgeschäft. Die drei Milchbecken (fünf, sieben und neun Liter oder sieben, neun und elf Liter fassend) müssen genau aufeinander abgestimmt sein. Der Besitzer des Haushaltungsgeschäftes (Emil Bischofberger zur <Konkordia>»
hat ernsthafte Bedenken für die Zukunft des Talerschwingens: Da die Hausfrauen diese Milchbecken nicht mehr kaufen, werden sie auch nicht mehr hergestellt. Die letzten kamen mit dem Vermerk, die Fabrik könne keine weiteren mehr liefern. Woher ich neue nehme, wenn mein kleiner Vorrat erschöpft ist, weiss ich wirklich nicht.»
Tatsache ist, dass man aktuell (2011) die Becken in mehreren Geschäften immer noch (oder wieder) erhält. Dafür bezahlt man aber einen stolzen Preis: 120/140/160 Franken für ein Dreierset abgestimmter Instrumente, gesamthaft also ein recht teurer Bordun für 420 Franken, (Beispielsweise in Appenzell: Drechslerei Keller, Hauptgasse 33; Streule Haushalt, Hauptgasse 35, Herisau: Wälte Alfred, Bahnhofstrasse 10.)
Talerschwingen erlernen
An diversen Anlässen werden im Appenzellerland Workshops angeboten, wo das Talerschwingen erlernt werden kann. So existiert im Angebot von Appenzellerland Tourismus AI bereits seit 2005 ein Schnupperkurs, der bei Einheimischen und Gästen sehr beliebt ist. Die Teilnehmenden werden dabei von Fachleuten in die Thematik eingeführt, können anschliessend während einer guten Stunde üben und lernen dabei auch, dazu ein Rugguusseli zu singen.
Beim Workshop, wo überdies auch Ratzliedli gesungen werden und das Graadhäbe erlernt wird, geht es eindeutig darum, die Freude an der musikalischen Betätigung zu fördern und die Teilnehmenden zum Singen zu motivieren.