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Was ist Kunst:
- Wenn der Künstler sagt, sein Werk ist Kunst?
- Wenn ich sage, für mich ist es Kunst?
- Wenn irgendwer sagt …
Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose?
Das ist für eine Diskussion nicht ausreichend.
Welche nachprüfbaren, nicht notwendig „richtigen“ Kriterien werden angelegt? Wenn die definiert sind, lässt sich sagen: Gemäß diesem Modell (und nicht Meinung) handelt es sich um Kunst. Ob diese Kriterien dann im Sinne Poppers falsifizierbar sind, ist wieder eine andere Frage.
Was das bedeutet möchte ich an einem Musikstück deutlich machen, den 4’33 von John Cage.https://www.youtube.com/watch?v=JTEFKFiXSx4
Die Partitur:
I
TACET
II
TACET
III
TACET
Der Künstler: Cage unterscheidet „music“ und „sound“. Er bevorzugt das Zweite. „Sound“ ist nicht personengebunden, nicht analytisch, nicht emotional, er „ist“ nur (gemäß Zen). Sein Stück gibt also dem „sound“ jeder Aufführung einen Rahmen quasi ohne Künstler. https://www.youtube.com/watch?v=pcHnL7aS64Y
Ist dies Kunst? Ist es Musik? Welche Entscheidungskriterien lassen sich nutzen? Ich orientiere mich einmal am Philosophen Julian Dodd.
Kriterien (Deduktion):
1. Ein Künstler schafft aus dem Material und den Werkzeugen seiner Kunst sein Werk (Beispiel: ein Maler platziert die Farbe auf der Leinwand und schafft so ein Bild)
2. Ein Werk ist ein „Musik-Kunstwerk“, falls es aus „Klängen“ besteht, die gemäß den Anweisungen des Komponisten erzeugt werden (dies ist eine notwendige Bedingung!)
3. Anders als ein Maler, der aus Farbe sein Werk schafft, erzeugt der Komponist sein Werk, indem er mit seiner Komposition die „Instruktionen“ zur Erzeugung der Klänge gibt
4. Somit ergibt sich
- Sind die Töne dadurch entstanden, dass die Musiker den Anweisungen des Komponisten gefolgt sind, so ist dies ein Bestandteil der Aufführung
- Andernfalls sind es nur Geräusche
5. In diesem Sinn ist 4’33 zwar ein faszinierendes und wichtiges Kunstwerk aber keine „Musik“.
Aber: ein Werk, das zufällige Prozeduren nutzt, kann durchaus ein Kunststück im obigen Sinne sein! John Cage „Imaginary Landscape No. 4“ in der Komposition für 12 Radios, 24 Ausführende und Dirigent bedienen je zwei der Ausführenden ein Radio, an dem sie Sender, Lautstärke und Tonhöhe verändern. Die Partitur entstand unter Verwendung der Zufallsfaktoren aus dem chinesischen Münzorakel I Ging. https://www.youtube.com/watch?v=A0BNsBl ... zQII#t=158
Ein anderes Modell:
L’art pour l’art ist eine Kunstauffassung, die auf einem romantischen Ästhetizismus basierend zu Beginn des 19. Jh. entstand. Wir finden im Vorwort des „Dorian Gray“ durchaus eine Reihe von Kriterien, die es erlauben, ein Werk danach zu kategorisieren, ob es im Sinne von l’art pour l’art ein Kunstwerk ist, also ist l'art pour l'art ein "Modell" im obigen Sinne.