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Im Dezember 2018 hat die Schweiz ein Freihandelsabkommen mit Indonesien abgeschlossen. Ein strittiger Punkt der Verhandlungen war, ob Palmöl von den Zollreduktionen ausgenommen werden sollte. Die Schweiz setzte schliesslich durch, dass „nachhaltig“ produziertes Palmöl stärker begünstigt wird als „nicht-nachhaltig“ produziertes. Der Ständerat hat nun den Bundesrat beauftragt, zu überprüfen, ob das unter diesem Titel importierte Palmöl in sozialer und ökologischer Hinsicht tatsächlich den Kriterien nachhaltiger Produktion entspricht.
Die Palmölproduktion wird gegenwärtig in immer noch steigendem Tempo ausgeweitet und die sich daraus ergebenden sozialen und ökologischen Auswirkungen haben eine große Debatte ausgelöst. Diese Debatte umfasst nicht nur die Produktionsbedingungen in den produzierenden Ländern, sondern auch die Rolle der massgeblich in der Schweiz ansässigen globalen Nahrungsmittelindustrie, welche Palmöl zur wichtigsten und beinahe ubiquitären Quelle von pflanzlichen Fetten in Fertigprodukten gemacht hat. Nestlé ist neben Unilever der weltweit grösste Abnehmer von Palmöl.
Wir nehmen die politische Debatte über Palmöl zum Anlass, eine interdisziplinäre und interfakultäre Forschungsplattform, die sich zur Aufgabe setzt, Forschung und Lehre zu diesem Thema zu betreiben mit dem Ziel, faktenbasierte Grundlagen für eine zukünftige, nachhaltige Produktion favorisierende schweizerische Aussenhandelspolitik zu liefern.
Unser Projekt untersucht die Governance-Strukturen von Palmölproduktion- und Handel auf transnationaler, nationaler und lokaler Ebene. Dem liberalen Freihandelsregime auf globaler Ebene stehen autoritäre Governance-Strukturen auf nationaler und lokaler Ebene gegenüber. Konkret wollen wir den strukturellen Widerspruch zwischen der Tendenz zur weitgehenden Liberalisierung des Handels mit Palmöl im Rahmen von Freihandelsabkommen einerseits und dem Aufkommen von oligarchischen Landbesitz- und Regierungsstrukturen in den Produktionsländern andererseits untersuchen. Wir wollen somit die gegenwärtig beobachtbaren Transformationen in Bezug auf Landbesitz, Zugang zu Allmend-Ressourcen (common-pool resources), Produktionssysteme, Ernährungssouveränität, Arbeitsrechte, Sozialkapital und politische Partizipation in den Produktionsländern analysieren und in Beziehung setzen zur Kontrolle der globalen Wertschöpfungsketten durch wenige multinationale Akteure. In historischer Perspektive handelt es sich bei der gegenwärtigen Entwicklung der Palmölwertschöpfungskette um ein System, das in der Plantagenwirtschaft der Kolonialzeit seinen Anfang genommen hat und sich nach heute mit wenigen strategischen Cash Crops wie Soja, Kaffee, Kakao und eben Palmöl wieder mit Vehemenz durchsetzt und dabei die politischen Strukturen in den Produktionsländern prägt.