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access_time veröffentlicht 21.10.2020
Vorhofflimmern: Rhythmus- versus Frequenzkontrolle
Prof. Dr. med. Reto Krapf
Kurz und bündig
Vorhofflimmern: Rhythmus- versus Frequenzkontrolle
21.10.2020
Die Rhythmuskontrolle des Vorhofflimmerns, inkl. ablative Techniken, konnte bis anhin keine wesentlichen Vorteile gegenüber der reinen Frequenzkontrolle vorweisen. Ist ein früher Zeitpunkt der Rhythmuskontrolle nach Erstdiagnose des Vorhofflimmerns vorteilhafter? Knapp 2800 Patienten (im Mittel 70 Jahre, übergewichtig, BMI um 29) mit erst innerhalb von etwa einem Monat diagnostiziertem Vorhofflimmern wurden offen in eine Gruppe mit Rhythmuskontrolle (ablativ und/oder medikamentös) oder konventioneller Therapie eingeteilt. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 5 Jahren ist eine wichtige Botschaft, dass Mortalität und kardiovaskuläre Komplikationen zusammen mit weniger als 5% pro Jahr in beiden Gruppen tief waren. Grund dafür ist wohl die Therapie mit Antikoagulantien, blutdrucksenkenden Medikamenten u.a.m. Die Mortalität war in beiden Studiengruppen gleich, der statistische Vorteil für die Gruppe mit Rhythmuskontrolle ergab sich vor allem wegen seltener auftretenden Schlaganfällen (nicht klassifiziert nach Schweregrad) und koronaren Syndromen («number needed to treat» 90 pro Jahr). Die ernsthaften Nebenwirkungen waren mit einer «number needed to harm» von etwa 29 in der Gruppe mit Rhythmuskontrolle deutlich höher.
Die Studie zeigt unabhängig davon, ob das Vorhofflimmern erstmalig, paroxysmal oder persistierend auftrat, einen signifikanten Vorteil für eine frühzeitige Rhythmuskontrolle zum Preis vermehrter Nebenwirkungen und wohl auch Kosten (nicht angegeben in der Studie). Die (unmögliche) Verblindung ist ebenfalls ein Faktor, der die Begeisterung über die Resultate dämpft. Die Autoren dieser sogenannten «investigator initiated study» weisen eine eindrückliche Liste an Industrieunterstützung, inkl. Patenten für Rhythmuskontroll-Methoden, auf.