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Eisschmelze in Bergen und Polargebieten
Der Klimawandel bedroht den Lebensraum der Eisbären. Foto: HowardPerry / iStock / Thinkstock
Gletscherschmelze in den Bergen
Seit dem Gletscherhochstand von 1850 sind etwa 100 Gletscher in den Schweizer Alpen verschwunden. Die Alpengletscher verloren in den letzten 150 Jahren rund einen Drittel ihrer Fläche und die Hälfte ihres Volumens. Die Eiszunge des Engadiner Tschierva-Gletschers zum Beispiel hat in den letzten 150 Jahren um 1100 Meter abgenommen.
Gletscher bilden das grösste Süsswasserreservoir der Welt, nämlich rund 70 Prozent. Die Himalaja-Gletscher speisen die sieben grössten Flüsse Asiens und sind Wassergrundlage für über 2 Milliarden Bewohner - rund ein Drittel der Erdbevölkerung. Schmelzen die Gletscher, so werden Millionen von Menschen an Wassermangel leiden.
Bergsturz und Erdrutsch in den Bergen
Wo der gefrorene Untergrund im Alpenraum - der Permafrost - auftaut, wo sich die Gletscher zurückziehen, da bleiben riesige Schutthalden zurück. Als Folge der Klimaerwärmung fehlt dem Boden etwas, was ihn zusammenhält. Steine, Schutt und Geröll werden nicht mehr gebunden. Ausgelöst durch lang anhaltenden Regen oder Starkniederschläge rutschen Erd- und Felsmassen ab.
Eine schlammige Masse aus Gesteinsbrocken und Wasser rast ins Tal. Tausende Kubikmeter Material können so den Berg hinabdonnern und Siedlungen, Bauten und Strassen zerstören. Auch Bäche und Flüsse werden durch die Gesteinsmassen gestaut. Bricht ein solcher Damm, kommt es zu Flutwellen und Überschwemmungen.
In Zukunft muss in den alpinen Gebieten wegen der kontinuierlichen Klimaerwärmung mit einer höheren Intensität und Häufigkeit von solchen Rutschungen gerechnet werden.
Eisschmelze in den Polargebieten
In der Antarktis wird vor allem die Möglichkeit eines Kollapses des westantarktischen Eisschildes im Verlaufe der nächsten Jahrhunderte diskutiert. Dies würde zu einem Anstieg des Meeresspiegels führen.
Das Eis der Arktis hingegen schwimmt im Meer und besteht aus einer bis zu 10 m dicken Packeisschicht. Das Schmelzen dieses Eises führt nicht zu einem Meeresspiegelanstieg, weil das Eisvolumen genau dem verdrängten Wasservolumen entspricht.
Die Arktis ist die Region auf der Welt, in der sich der Klimawandel als erstes sichtbar macht. Schon heute werden die Winter wärmer, der Frühling setzt früher ein und das Eis wird dünner. Kein Wunder, denn die arktische Lufttemperatur ist im letzten Jahrhundert um ganze 5 Grad Celsius angestiegen und das Packeis ist im Sommer nur noch halb so dick.
Mit dem Rückgang des Nordpoleises wird sich der «arktische Ozean» von einem weissen Reflektor in einen Wärmekollektor verwandeln. Noch werden rund 80 Prozent des Sonnenlichtes durch das Weiss des Eises in den Weltraum zurückgesandt. Bei entsprechendem Eisrückgang könnten dies in Zukunft nur noch 10 Prozent sein, respektive 90 Prozent Aufnahme der Sonnenenergie. Das würde die regionale Erwärmung verstärken, was zu einer drastischen ozeanischen und atmosphärischen Veränderung führen kann.
Die Polargebiete sind riesige Süsswasserspeicher. Schmilzt das Eis in den Polargebieten ab, so verändert sich auch der Salzgehalt des Meerwassers. Das hat Einfluss auf den warmen polwärts fliessenden Golfstrom, der sozusagen die «Zentralheizung» für Europa ist. Das kalte, salzreiche Meerwasser des Nordatlantik sinkt aufgrund seiner Dichte ab und schiebt es in der Tiefe in Richtung Äquator. In seinem Sog strömt warmes Wasser aus dem Süden nach, das sich dann ebenfalls abkühlt und absinkt.
Und den Eisbären schmilzt das Eis förmlich unter den Pfoten weg. Eisbären verbringen den Grossteil ihres Lebens auf dem Packeis. Hier jagen sie nach ihrer Beute, den Robben. Den Hauptteil ihrer jährlichen Futtermenge nehmen sie zwischen April und Mitte Juni zu sich. Während der Sommerzeit, wenn sich die Bären wegen der Eisschmelze vom Packeis auf das Festland zurückziehen, fasten sie manchmal monatelang.
Das lange Fasten kann ihre Gesundheit aber erheblich gefährden. Die Zeit, in welcher sich die Bären ihre grossen Energiereserven anfressen, wird durch die Klimaerwärmung immer kürzer. Wissenschaftler stellen fest, dass die Hauptursachen für das Sterben junger Eisbären das kleine Nahrungsangebot und die ungenügenden Fettreserven ihrer Mütter sind.