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Also sprach Zarathustra … mit Foulkes
15:00 - 18:00
Nietzsches Figur des Zarathustra wird oft als Prophet verstanden bzw. missverstanden. Viele Deutungen bewegen sich dabei im üblichen philosophischen und literaturwissenschaftlichen Rahmen, etwa dann, wenn das Werk als Bibelparodie oder als Exemplifizierung des Scheiterns von Lehren verstanden wird. Stattdessen könnte der separat veröffentlichte vierte Teil von «Also sprach Zarathustra» in einer ganz anderen Perspektive gelesen werden, nämlich als Psychoanalyse einer Gruppe mit Zarathustra als ihrem «Therapeuten». Sicher hat man hier keinen Gruppenleiter à la Foulkes vor sich, dennoch ereignen sich in der Konstellation Phänomene, die gruppenanalytisch in dessen Sinne verstanden werden können. Die in einem geschützten Raum, einer Höhle, zusammenkommenden Figuren (der Wahrsager, die Könige, der Gewissenhafte des Geistes, der Zauberer, der alte Papst, der hässlichste Mensch, der freiwillige Bettler und der Schatten) entwickeln Dynamiken, die stark an diejenigen in einer analytischen Gruppe erinnern. Sie konstituieren ihre Identitäten über die Anderen und insbesondere über Zarathustra. Für Gruppenanalytikerinnen und -analytiker bietet sich hier ein intimer Blick auf das Zögern und Hadern eines etwas hemdsärmeligen Gruppenleiters, der erst noch zu seiner Aufgabe verführt werden will. Es stellen sich Fragen nach dem Umgang mit Mitleid, Scham, Schuld, Ekel und auch nach der Motivation des Therapeuten. Die Analyse des Leiterstils Zarathustras fördert die Reflexion der eigenen Interventionen und vermag das Repertoire von Gruppenanalytikerinnen und -analytikern zu erweitern. Exemplarisch wird das an der Therapie eines Mannes mit massiver Schamproblematik («Der hässlichste Mensch») gezeigt.