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Für drei Wochen durfte ich diese schöne Insel bereisen. Über 80% der Tier- und Pflanzenarten auf Madagaskar sind endemisch, was heisst, dass sie nur hier vorkommen. Gemäss dem WHI-Wert (Welthunger-Index) von 2023 ist die Insel das zweitärmste Land der Welt. Die Ernährungsunsicherheit wird durch eine mehrjährige Dürre verschärft, welche die Folge der Klimawandels ist.
Madagaskars Wirtschaft ist nach einer politischen Krise stark geschrumpft und basiert hauptsächlich vom Export von Vanille und in geringem Masse vom Tourismus.
So reiste ich mit sehr gemischten Gefühlen auf diese Insel. Zusammen mit einem Guide startete die Reise in Tamatave, welches an der östlichen Küste liegt. Dort machte sich die Regenzeit ein erstes Mal bemerkbar, indem die Strassen nach heftigen Regengüssen überflutet waren.
Vom Hafen aus ging die Reise mit einem Boot auf der längsten Wasserstrasse der Welt, dem Pangalanes-Kanal weiter. Der hier ansässige Volksstamm der Betsimisaraka lebt hauptsächlich vom Fischfang. Die vom Staat verteilten Moskitonetze wurden hier kurzerhand umfunktioniert und zu Reusen verarbeitet.
Die nächsten Tage verbrachte ich am Ufer des Ampitabesees. Von dort aus machte ich verschiedene Ausflüge, so z.B. auf eine nahe gelegene Insel, wo das Aye-Aye, ein nachtaktiver Lemur, welcher vom Aussterben bedroht ist, in geschützten Rahmen leben kann.
Aus Waldspaziergängen entdeckte ich auf der gesamten Reise immer wieder verschiedenen Lemuren. Hier eine kleine Übersicht:
Die Reise ging weiter in südliche Richtung, zuerst mit dem Boot nach Manambato, dann mit dem Auto bis Andasibe. Grösstenteils fuhren wir auf der Nationalstrasse. Wer jetzt denkt, dass man hier schnell voran kommt, der hat sich gänzlich geirrt. Die Strassen sind in sehr desolatem Zustand, so dass auch auf den Schnellstrassen durchschnittlich mit Tempo 40 km/h gefahren wird. Entsprechend lange benötigt man für kurze Strecken. Immer wieder gibt es Staus wegen stehen gebliebenen Lastwagen.
In einer Zeitschrift hatte ich ein Bild eines hübschen Tieres auf einem Baum gesehen. Als ich meinen Guide fragte, ob es die Möglichkeit gäbe, dieses Tier zu sehen, lachte er und meinte, dass die Chancen so ziemlich bei null seinen. Aber offenbar hatte er sich mit anderen lokalen Guides besprochen, so dass irgendwann sein Telefon klingelte und wir in Windeseile zu einem Wald fuhren. Dort musste ich, ausgerüstet mit Kamera durch unwegsames Gelände gehen und dann sah ich es, das Tier aus der Zeitschrift. Es war ein Fossa, oder Baumpuma. Diese nachtaktiven Raubtiere bekommt man so gut wie nie zu Gesicht. Das war ein RIESEN Highlight für mich!
Madagaskar ist auch bekannt für deine Camäleons. Dank den Sperberaugen des Guides bekam ich davon so einige zu Gesicht. Eins schöner wie das Andere.
So ziemlich in der Mitte Madagaskars machten wir in Betafo Halt. Dort hat ich eine Dorfgemeinschaft zusammen getan und beherbergt Touristen und bringt ihnen das Dorfleben näher. So wurde mir das ganze Dorf sowie die Arbeit auf den Reisfeldern gezeigt. Zusammen mit den Frauen kochte ich am Nachmittag ein leckeres Dessert. Nach dem Nachtessen wurde noch gesungen und getanzt, bis es Zeit zum schlafen war.
Auf der Weiterfahrt via Ambositra und Ranohira besuchte ich verschiedenen Handwerksbetriebe und ein Reservat, welches gegen die Abholzung des letzten Regenwaldes im Hochland kämpft.
Im Isalo-Gebirge wanderte ich zu mehreren natürlichen Wasserquellen, in welchen ich baden konnte. War das schön erfrischend.
Am Abend genoss ich einen wunderschönen Sonnenuntergang.
Ein Besuch in einem Dorf des Bara Volkes war sehr interessant. Die Häuser des Hirtenvolkes werden mit Lehm verputzt. Hier ist die Vielehe noch erlaubt und der Dorfälteste hat deren 10 Frauen! Ein Brauch des Volkes ist es, dass die jungen, heiratsfähigen Bara-Männer ein Zebu stehlen, um den Eltern der Angebeteten ihren Mut zu beweisen und damit die Aussteuer der Hochzeit zu bezahlen.
Die Fahrt ging nur weiter südwestlich und es wurde immer heisser und trockener. Wir sammelten die leeren PET-Flaschen, befüllten diese mit Wasser und verteilen die dann den Menschen, die hier extrem unter der Trockenheit litten und kaum an Ressourcen kamen.
In Ifaty, an der Südwestküste spazierte ich in der Abenddämmerung durch einen Baobabwald. Die Stämme der Bäume sind relativ kurz, aber sehr dick. Es werden fast alle Teile des mächtigen Baumens zur Herstellung von traditionellen Heilmittel genutzt.
Per Flugzeug ging es nun ganz in den Norden nach Antsiranana. Durch die ostafrikanischen, arabischen und asiatischen Einwanderer ist die Stadt zu einem multikulturellen Zentrum gewachsen. Hier gibt es mehrere sehr schöne Buchten. In der einen Bucht gibt es mehrere lost places, Überreste der Fremdenlegion, welche hier stationiert war.
Der Wind bläst stetig, was beim Wachstum der Bäume unverkennbar sichtbar wird.
Ich unternahm mehrere kleinere und grössere Wanderungen. ich kam zur Schlucht der Tsingy Rouge, Sandsteinformationen, welche durch Erosionen immer wieder verschwinden und neu entstehen. Die Spitzen der Tsingys sind bis zu 10 Meter hoch und leuchten rot im Sonnenschein.
Ganz in der Nähe befindet sich eine Gruppe von weissen Tsingys.
Es gibt aber auch noch die Ankarana Tsingys, welche aus Kalkstein bestehen. Diese Steinformationen sind sehr spitzig und scharf. Mittels einer Kletterpartie konnte ich auf das Dach des Berges steigen und die Weitsicht geniessen. Der Rückweg führte dann durch eine Tropfsteinhöhle.
Nach so vielen Eindrücken und Erlebnissen ging es nun für die letzten Tage auf die grösste der vorgelagerten Inseln, auf Nosy Be, wo ich noch ein paar Tage entspannen, schwimmen und schnorcheln konnte.