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Die globale Deutungsindustrie fragt sich, wie ein lauter Milliardär zum möglichen Kandidaten der republikanischen Partei der USA werden konnte. Eine der interessantesten Antworten, die ich zu dieser Frage gelesen habe, kommt von Peggy Noonan. Die ehemalige Redenschreiberin Ronald Reagans und Kolumnistin des «Wall Street Journal» erklärt Donald Trumps Blüte mit dem «Aufstieg der Ungeschützten». In Europa und den USA würden Millionen von Menschen gegen die «Geschützten» revoltieren, weil sich letztere von den Effekten ihrer politischen Entscheide isoliert hätten. Natürlich handelt es sich nicht um eine homogene Gruppe, aber die «Geschützten» sind die Akteure an den Schaltzentralen der politischen Macht. Sie leben in sicheren Nachbarschaften, kommen aus funktionierenden Familien, schicken ihre Kinder in gute Schulen – und sie sind finanziell abgesichert. Das Leben der «Ungeschützten» ist derweil geprägt von ökonomischen Unsicherheiten und Abstiegsängsten.
Der Ökonom Branko Milanovic hat gezeigt, dass zwischen 1988 und 2008 eine grosse Mehrheit der Menschen auf dieser Welt von der Globalisierung ökonomisch profitiert hat. Zwei Gruppen gehören jedoch zu den Verlierern: die ärmsten fünf Perzentile und jene zwischen dem 75. und 90. Perzentil der globalen Einkommensverteilung. Zur letzteren Gruppe gehört ein grosser Teil von Menschen in Industrieländern, die sich ökonomisch verdrängt fühlen. Sie sind es, die den Aufstieg von Meinungsführern wie Marine Le Pen, Nigel Farage oder Donald Trump antreiben.
Die Rhetorik dieser Politiker lautet oftmals ähnlich: die Elite kümmert sich nur um sich selbst, die Einwanderer nehmen euch eure Jobs weg und wir beschützen euch – mit Grenzzäunen, Subventionen und Jobs. «Wir bieten euch Schutz», das sagen auch die Schweizer Gewerkschaften, wenn sie die AHV-Renten um 10 Prozent erhöhen wollen. Das ökonomische Fundament solcher Versprechen ist dabei sekundär. Entscheidend ist, dass sich «ungeschützte» Bürger vertreten fühlen können.
Peggy Noonan meint, dass sich grosse Teile der Eliten in den letzten zehn Jahren von der Lebensrealität ihrer Wähler isoliert hätten. Man spricht von Sorgen, die man selbst nicht kennt. Würde Donald Trump wirklich jene vertreten, die heute so viel Hoffnung in ihn setzen? Und was passiert, wenn die «Ungeschützten» erfahren, dass es ihnen nach einer solchen Wahl allenfalls noch schlechter geht als zuvor? Ein Blick auf die politischen Nachwirkungen von Finanzkrisen in Industrieländern der letzten 140 Jahre zeigt: politische Radikalisierung ist ein temporäres Phänomen. Bleiben wir also optimistisch – zumindest langfristig.