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Wer eine Grube gräbt, fällt hinein. (Sprüche 26,27)
Ich mag Sprichwörter nicht, und daran ändert auch nichts, dass sie in der Bibel ein halbes Buch füllen.
Ich mag sie deshalb nicht, weil sie im Nachhinein immer alles besser wissen; weil sie eine Tendenz zur Schadenfreude und zur Rechthaberei haben; und weil alle, die sie hören oder lesen, dazu mit dem Kopf nicken können: Ja, so ist es. So war es. So wird es immer sein.
Diese Eigenschaft teilen Sprichwörter mit Kalendersprüchen, Einträgen in Poesiealben (nein, nein, die sind noch längst nicht ausgestorben) und vorgedruckten Weisheiten auf Glückwunschkarten.
Allerdings: es gibt auch Widerspenstigeres, zum Beispiel im Buch des Predigers: «Besser ein lebender Hund als ein toter Löwe» gehört zu meinen Lieblingen.
Ein kluger Ausleger des Sprüchebuches hat einmal gesagt, die Weisheiten, die man in Sprichwörtern finde, seien ein Deckel auf den Brunnen – aber erst, nachdem das Kind hineingefallen ist.
Mir wäre das Kind vor dem Sturz lieber als die antwortende, abgeklärte Weisheit danach; noch lieber als ein lebendiger Hund.
Hansueli Hauenstein, Pfarrer
Die Lippen küsst, wer richtige Antwort gibt. (Sprüche 24,26)