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Nachteil, denn die am Platze der frühern Schilfstellen erbauten schönen Landsitze können eher als Schmuck des Ufers betrachtet werden.
Eine mit der Hinausrückung der Uferlinie zusammenhängende Erscheinung sind die mehrmals eingetretenen Ufereinbrüche. Neben mehreren kleinen Einbrüchen von frisch aufgeworfenem Land bei Erstellung der Quaianlagen in Zürich sind namentlich die Abrutschungen von Horgen und Rüschlikon zu erwähnen. Bei Horgen versank am plötzlich ein Teil des bei Erstellung der Bahnstation neuaufgeschütteten Landes beim Thalacker mit einem älteren Gebäude in den See; nachdem hier eine neue, scheinbar festsitzende Neuauffüllung gemacht worden war, verschwand im Herbst desselben Jahres (am 22., 23. und 24. Sept.) noch ein viel grösseres Stück Land bei der Stationsanlage, bis an das Stationsgebäude heran, in den Fluten des Sees mit einem langen Stück der bereits dem Betrieb übergebenen Eisenbahnanlage, im Ganzen 6560 m2. Infolge dessen musste die gesamte Linie auf eine Erstreckung von mehr als 600 m samt den Stationsgebäulichkeiten landeinwärts verlegt werden. - Bei Rüschlikon erfolgten 1898 nördl. vom Dampfschiffsteg am 27. Mai, 7. Aug. und 28. Aug. drei Einstürze, die bis an die Seestrasse heranreichten und ein Magazingebäude samt Materialschuppen im See begruben. Infolge des Abbruchs, der 3360 m2 betrug, musste ein Fabrikgebäude, das sehr gefährdet war, abgebrochen werden. Der Schaden belief sich auf 60000 fr. nebst 14000 fr. für Sicherungsarbeiten.
Der Grund dieser, sowie aller andern Uferabbrüche am Seegestade ist zu suchen in der Ueberlastung des Seeschlammes mit Aufschüttungsmaterial. Der weiche Schlamm wird durch die Mehrbelastung hinausgequetscht und der aufgeführte Schutt rutscht nach. Es geht daraus hervor, dass sichere Landanlagen nur auf der Wysse, nicht aber auf der Halde errichtet werden können.
Die Höhe des mittleren Seespiegels über Meer wird in der topogr. Karte zu 408,6 angegeben; nach dem eidg. Präzisionsnivellement aber, welches von der Pierre du Niton bei Genf ausgeht, muss sie zu 409,23 angesetzt werden. Die Grösse der Schwankung beträgt (am Zürcher Pegel gemessen) im Mittel in den letzten 15 Jahren 1,02 m, im letzten Jahrhundert (1811-1906) im Maximum 2,52 m; der tiefste Stand mit 2,79 m unter dem Pegelnullpunkt wurde erreicht am der höchste Stand mit 0,27 m am In frühern Jahren waren die Schwankungen noch grösser, offenbar infolge schlechter Abflussverhältnisse. So berichtet Hans Erhard Escher in seiner Chronik, dass man im Jahr 1343 in Zürich mit Schiffen zum Fraumünster fahren konnte und 1664 soll der Seespiegel 18 Zoll hoch über der Hechtplatzmauer gestanden sein. Die tiefsten Stände treten in den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar ein (im Februar mehr als ⅓ aller), die höchsten Stände in den Sommermonaten Juni, Juli, August (im Juni allein etwas mehr als ¼ aller).
Das gesamte Einzugsgebiet des Sees beträgt nach dem eidg. Hydrometrischen Bureau 1815 km2. Im Vergleich zu der Seefläche mit 87 km2 ist dasselbe etwa 20 mal grösser. Der maximale Zufluss in den Obersee wird zu 567 m3 in der Sek. angegeben (von Wild für die Hochwasser 1846 und 1857); für den ganzen See gibt Welti 661 m3 an (Hochwasser 1876). Der minimale Zufluss und der minimale Abfluss kann zu 15 m3 pro Sekunde angenommen werden. Der Hauptzufluss ist die Linth mit 1330 km2 Sammelgebiet, die seit der Linthkorrektion in einem 21,5 km langen Kanal aus dem Walensee kommt, während sie früher ihren Weg direkt aus dem Glarnerland nahm und in vielen Krümmungen das Gaster durchfloss.
Hievon sind noch eine ganze Anzahl Rinnsale wie die Spettlinth und die «alte Linth» übrig geblieben. Der Obersee empfängt ferner noch zwei grössere Zuflüsse, nämlich von N. her die Jona (mit 80 km2) und von S. die Wäggithaler Aa (mit 100 km2 Einzugsgebiet). Beide haben durch grosse Deltaanschwemmungen den See verkleinert. Ausserdem münden noch der Mühlebach bei Schmerikon und der Spreitenbach bei Altendorf in den Obersee. Letzterer, ein echter Wildbach, ist durch rationelle Verbauung (1883-87) unschädlich gemacht worden.
In den eigentlichen Zürichsee münden keine grösseren Gewässer. Der Hornbach bei Zürich, der Küsnachterbach (13 km2, ebenfalls verbaut), der Aabach bei Käpfnach (9 km2) sind die grössten; die von ihnen gebildeten Delta («Horn» genannt) sind bei den zwei ersten durch Gartenanlagen dem Publikum erschlossen worden. So ist namentlich das früher unzugängliche, z. T. sumpfige Zürichhorn in einen viel besuchten, prachtvollen Park umgewandelt. Am rechten Ufer münden noch der Erlenbach, der Meilener Dorfbach und der Feldbach, der aus dem kleinen Lützelsee fliesst. Auf der linken Seite sind der Krebsbach von Bäch, der seinen Ursprung im Hüttenseeli nimmt, der Freienbach und der Staldenbach bei Pfäffikon zu erwähnen. Eine Eigentümlichkeit der drei zuletzt genannten Flüsschen ist, dass sie alle der Seerichtung entgegen, von W. nach O., fliessen; dies wird durch die Molassekämme bedingt, die hier dem Verlauf der Alpen entsprechend diese Richtung haben.
Die Verbindung des Obersees mit dem Hauptbecken wird durch zwei im Rapperswiler Damm frei gelassene Kanäle vermittelt. Die gesamte Durchflussöffnung beträgt etwa 215 m (Innere Brücke bei Rapperswil 122 m, äussere oder Hurdner Brücke 93 m). Länge des Dammes zwischen den Brücken 430 m.
Den Abfluss des Sees bilden seit 1865 die Limmat und der Schanzengraben; früher bestand noch ein dritter kleinerer Abflusskanal, der sog. Fröschengraben, der unterhalb des untern Mühlesteges in die Limmat mündete. Die aus dem See durchschnittlich abfliessende Wassermenge beträgt etwa 87 m3 per Sek. Die grösste ¶
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sekundliche Abflussmenge seit 1811 betrug am 354 m3 (Limmat 300 m3, Schanzengraben 54 m3), während die kleinste nur etwa 15 m3 ausmacht, am 15,5 m3. Sie verhalten sich also wie 1:24, während im Durchschnitt das Verhältnis 1:4 ist. Die jährliche Abflussmenge berechnet sich nach obigem zu 2743632000 m3, d. h. 2743,6 km3 oder pro km2 Einzugsgebiet zu 1512000 m3, was einer jährlichen Regenhöhe von 1,512 m entspricht. Da dies der mittleren Regenmenge des Sammelgebietes entsprechen dürfte, kann für die Seeoberfläche eine Verdunstung von 110-130 cm angenommen werden, d. h. gleich der jährlichen Regenmenge im Seegebiet.
Der Abfluss durch die Limmat war noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts durch viele und unzweckmässige Einbauten stark beeinträchtigt. So bestanden bei der Ausmündung des Sees zwei Pallisadenreihen und das weit ins Wasser vorspringende Grendelgebäude; zwischen der Bauschanze und der Wasserkirche erhob sich mitten in der Limmat der Wellenbergturm. Sehr hinderlich für den Wasserabfluss waren auch die vielen Joche der ersten Brücke beim Helmhaus und die in ungleichen Reihen stehenden doppelten Pfeiler der breiten untern Brücke beim Rathaus.
Auch befand sich bei diesen beiden Brücken je ein Wasserrad mit schief stehenden Fangwänden, ferner nahe dem linken Ufer bei der Schipfe ein Pumpwerk. Endlich war das Flussbett mit allerlei Fischereivorrichtungen verrammelt. In den Jahren 1820 bis 1840 entfernte man die meisten dieser Hindernisse, und 1845 erstellte man fünf Freischleusen und eine Schifffahrtsschleuse. Von 1885-1893 wurde das ganze Limmatbett bis zum Pumpwerke im Letten ausgebaggert, eine Mühle am obern Steg entfernt, ein freies Ueberfallwehr und zwei weitere Schleusen errichtet.
Der Erfolg dieser Verbesserungen für den Wasserabfluss zeigt sich deutlich in den seither eingetretenen höchsten und tiefsten Pegelständen. Der höchste Stand (seit 1892) von 102 cm entspricht dem Mittel der höchsten Stände von 1811-1845 und übersteigt das Mittel der Maximalstände von 1846-1880 nur um 9 cm, bleibt dagegen 75 cm, bezw. 46,5 cm unter den höchsten Ständen jener Perioden zurück. Im Winter sind die Sommerdurchfahrten beim obern und untern Steg und die fünf Schleusen im Schanzengraben geschlossen.
Das Zürichsee-Ende hat sich im Lauf des 19. Jahrhunderts wesentlich verändert. Noch am Anfang desselben war ein viel breiterer Abschluss vorhanden; er reichte fast genau von dem jetzigen Bahnhof Enge bis zum Bahnhof Stadelhofen, woselbst eine komplizierte Landungsanlage vorhanden war. Schon vor Beginn der eigentlichen Quaibauten (1881) wurde sowohl westl. wie östl. und nördl. Land angelegt, da das Ufer weit herum ganz seicht war. Die 1878 beschlossenen und 1881-1888 ausgeführten Bauten brachten im O. eine Landvermehrung in einer Breite von 80-100 m, im W. aber von 200 bis 300 m; dieselbe war durch eine nur etwa 0,5 m unter dem Niederwasserstand sich befindende Terrasse gleichsam vorgezeichnet.
Das Gefälle, das zur Fortbewegung des Wassers (etwa 87 m3 in der Sekunde) vorhanden sein muss, ist bei dem grossen Querschnitt natürlich klein. Nach einer auf genauer Höhenmessung fussenden Studie des eidg. Hydrometrischen Bureau beträgt das Gefäll von Schmerikon bis unterhalb des Rapperswiler Dammes bei mittlerem Seestand gegen 3 cm und von da bis zur Quaibrücke in Zürich etwa 2 cm, also für die 40 km lange Strecke rund 5 cm, d. h. etwa 1:1000000. Indessen konzentriert sich dieses Gefälle fast ganz auf die beiden Strecken von etwas oberhalb bis unmittelbar unterhalb des Seedammes bei Rapperswil (als sogenannter Stau, 3 cm) und vom Zürichhorn bis zum Ausfluss (2 cm), während die Neigung der Wasserfläche im übrigen Teil des Sees sich als unmessbar klein erwiesen hat.
Ein von Pfister und Frey ausgeführtes Nivellement beim Seedamm in der Mitte zwischen den Brücken ergab am als Mittelwert aus vielen Beobachtungen eine Differenz des Wasserspiegels oberhalb und unterhalb des Dammes von 2,51 cm. Aus den Pegelablesungen in Schmerikon und Rapperswil ergibt sich ferner, dass das Seegefälle nicht konstant bleibt, sondern mit zunehmender Wasserstandshöhe wächst. So beträgt der Höhenunterschied des Wasserspiegels zwischen den genannten Pegelstationen nach Ingenieur Pfister im Minimum (Nachwinter) etwa 1 cm, im Maximum (Hochsommer) bis 4 cm.
5. Geologie.
Der Zürichsee ist ein typischer Thalsee. Das Becken ist fast ganz in die Süsswassermolasse eingelagert, nur bei Bäch ist etwas Meeresmolasse; südl. davon finden wir untere Süsswassermolasse und nördl. bis Zürich obere Süsswassermolasse. Diese letztere besteht aus Mergel und einem leicht verwitternden Tonsandstein, wodurch hauptsächlich die rundlichen Formen der umgrenzenden Hügelzüge bedingt sind. Die Meeresmolasse hingegen besteht aus einem viel härtern Kalksandstein, der ein vorzügliches Baumaterial liefert («Bächer-Steine»).
Der grösste Teil der Ortschaften am Zürichsee, so vor allem fast das ganze alte Zürich, ist aus diesem Stein erbaut worden und tiefe, jetzt zum Teil verlassene Steinbrüche zeugen für dessen jahrhundertlange Ausbeutung. Am Obersee ist auch die untere Süswassermolasse durch Kalkzement zu einem haltbaren Baustein verfestigt («Bolliger Steine»),
welcher seinerseits zum Aufbau der Ortschaften an seinen Ufern verwendet wurde; auch ist stets von diesem sehr widerstandsfähigen Stein in das Haupthecken hinunter geliefert worden. Gegenwärtig erleiden beide Steinbruchstellen durch den künstlichen Sandstein, der in allen gewünschten Formen hergestellt wird, scharfe Konkurrenz, sodass der Abbau fast zum Stillstand gekommen ist. - Die Sandsteinschichten laufen bei Zürich fast völlig horizontal (2,6° Fallen gegen NO.). Südwärts aber steigen sie immer mehr gegen die Alpen hin an, um bei Bolligen in die erste Antiklinale der Molasse einzutreten. Durch dieses gleichsinnige Fallen der Gesteinsschichten wird das Seethal, das bis Richterswil-Stäfa ein Querthal ist, von hier ab bis Schmerikon infolge seiner Umbiegung nach SO. zu einem eigentlichen Längsthal und zwar zwischen Bolligen und Unterem Buchberg zu einem Isoklinalthal, indem hier die Schichten beidseitig gegen die Alpen hin einfallen.
Den Molassegesteinen sind fast überall glaziale Bildungen aufgesetzt. Am untern Teil bilden diese den ringförmigen Abschluss des Seebeckens und ziehen sich dann, beidseitig den Kamm des Zimmerbergs und den Abhang des Zürichbergs überdeckend dem See entlang. Der See ist offenbar durch die Endmoräne in Zürich früher höher gestaut gewesen, da man an verschiedenen Stellen alte Deltaanschwemmungen in der Höhe von 10-11 m über dem jetzigen Seeniveau findet, so bei Hurden, bei Lidwil und bei Jona. Durch Durchsägen des Moränendammes wurde das Seeniveau auf die jetzige Meereshöhe von 409,23 m erniedrigt.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Zürichsee einst viel grösser war. Er hatte sein nördl. Ende bei Baden und reichte durch das Gaster und die March bis an den Walensee hinauf, und dieser wieder stand durch das Seezthal mit dem alten Bodensee in Verbindung. In diesem alten, langen und fjordähnlichen See bildeten neben Ufenau und Lützelau auch der Rapperswiler Schlosshügel und der Untere und Obere Buchberg Inseln. Die Einschränkung des Sees auf seine jetzige Ausdehnung geschah am nördl. Ende durch die fluvioglazialen Anschwemmungen des alten Linthgletschers, als er nacheinander sein Ende bei Killwangen, Dietikon und dann lange Zeit bei Zürich hatte.
Anderer Art sind die Einschwemmungen am oberen Seeende; denn während noch der Rapperswiler Damm ein glaziales Gebilde ist, sind die Deltabildungen der Linth, der Jona und der Wäggithaler Aa postglazialen Alters. Ein bis in historische Zeit noch vorhandener Rest des einstigen grössern Sees oberhalb dem Untern Buchberg ist der sog. Tuggener See, der noch in den Urkunden des Klosters St. Gallen wiederholt erwähnt wird. Er ist jetzt (wohl durch Einschwemmungen der Linth) ebenfalls bis auf wenige sumpfige Stellen ganz verlandet.
Eigentümlich ist die Bildung der Thalfurchen des Zürichsees vor sich gegangen. Ursprünglich nämlich war das Zürichseethal das Stammthal der Sihl, welche seinerzeit von Schindellegi direkt ostwärts gegen Richterswil und Zürich floss. Durch einen ihrer Nebenflüsse wurde später die Linth, die bis dahin durch das Glatthal geflossen, in das Zürichseethal abgelenkt. Nun vertieften ¶