Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03232.jsonl.gz/1745

Tuberkulose-Bluttest: Zu oft falsch positiv?
Heute verwenden wir moderne Bluttests, um eine Infektion mit Tuberkulosebakterien zu entdecken. Doch die Aussage der Tests sind in manchen Situationen schlecht etabliert. Gerade bei HIV positiven Patienten ist die Aussage oft unklar.Tuberkulose ist weltweit ein grosses Problem. Mit der Behandlung der aktiven, wie auch der latenten Erkrankung wird versucht die Übertragungen zu reduzieren. Nur bleibt die Diagnostik der latenten Tuberkulose weiterhin schwierig.
Die Diagnose der latenten Tuberkulose wurde lange mit dem Tuberculin Hauttest gemacht. Interferon γ release assays (IGRAs) haben diesen nun praktisch verdrängt, möglicherweise weil sie keine subjektiven Ergebnisse zulassen und logistisch einfacher sind. Dennoch haben IGRAs ihre Tücken; da kein Goldstandard zur Diagnose einer latenten Tuberkulose bekannt ist, ist die Sensitivität der Tests nicht klar zu definieren. Falsch positive Tests scheinen ein Problem zu sein und können zu einer nicht notwendigen Behandlung führen.
Zur Studie
HIV positive Patienten werden wegen eines erhöhten Risikos, eine Tuberkulose zu reaktivieren auf eine latente Tuberkulose getestet und behandelt. Da wenig über die Reproduzierbarkeit der IGRAs bekannt ist, insbesondere auch in Patienten mit verschiedenen T-Zellantworten hat eine österreichische Forschergruppe IGRAs im Verlauf angeschaut.
Bei 659 HIV positiven Patienten mit einer mittleren CD4 Zellzahl von 413+/-248 wurde zum Zeitpunkt 0 und 24 Monate ein IGRA durchgeführt. 53% der Patienten waren mit einer ART behandelt, die HIV-RNA war in 46% der Patienten nicht nachweisbar.
Zum Zeitpunkt 0 waren 85% Patienten IGRA positiv, 9% negativ und 6% zeigten ein indeterminantes Resultat. Von den Positiven waren nach 24 Monaten 58% weiterhin positiv, 33% zeigten ein negatives Resultat (reverters) und 9% ein indeterminantes. Von den initial negativen Patienten fanden sich 24 Monate später 89% weiterhin mit negativen Resultaten, 9% konvertierten zu einem positiven Test (converters). Von den initial indeterminanten Testresultaten (n=52) fanden sich im Verlauf 43 negative, 3 positive und 6 persistierend indeterminante Resultate.
Risikofaktoren für eine Konversion war Geburt in einem hochprävalenten Land für Tuberkulose und iv Drogenkonsum. Interessanterweise war auch für eine Test-Reversion die Geburt in einem hochprävalenten Land ein Risiko, zusätzlich scheint das männliche Geschlecht ein Risiko zu sein. Interessanterweise spielten Alter, CD4 Zell Nadir und ART keine Rolle.
Diskussion
Diese Studie zeigt auf, dass die Reproduzierbarkeit der IGRAs in einer HIV positiven Patientenpopulation nach 2 Jahren in >86% möglich ist. In einem doch beträchtlichen Anteil (33%) kommt es zu einer Negativierung des Testes im Verlauf. Somit macht es Sinn bei Patienten aus niedrig prävalenten Ländern für Tuberkulose und somit tiefem Risiko, sich mit Tuberkulosebakterien infiziert zu haben, den IGRA vor einer Therapieeinleitung zu wiederholen, um einer Übertherapie der latenten Tuberkulose vorzubeugen. Das schlagen auch die IDSA guidelines so vor.
Die Interpretation der Risikofaktoren für eine Negativierung oder eine Positivierung der Testergebnisse nach 2 Jahren bleibt schwierig. Was die Studiengruppe leider nicht erhoben hat sind möglichen Kontakte zu Tuberkulosebakterien. Damit könnten eventuell konvertierte Tests erklärt werden. Warum die Geburt in einem hochprävalenten Land sowohl ein Risiko für eine Kon, wie auch für eine Reversion des Tests ist, bleibt offen.
Fazit
Insgesamt sind die Bücher zur Diagnostik der latenten Tuberkulose und zur Sinnhaftigkeit der Wiederholung der IGRAs nach einer gewissen Zeit nicht geschlossen. Eine Wiederholung des IGRAs bei Patienten mit indeterminanten Resultaten oder auch bei positivem Test und geringem Risiko für Tuberkulose scheint durchaus sinnvoll.