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Das Werkstattgespräch mit Jürg Hut (Leiter Archiv-Services TV) und Felix Rauh (Historiker) skizziert quellenkritische Probleme und Besonderheiten des Sendeformats.
Eine kurze Geschichte der Tagesschau vermittelt den technischen Wandel und seinen Niederschlag auf die Quellensituation. Verweise auf Literatur, Links und Datenbanken ergänzen das Werkstattgespräch.
Zu Beginn wird die Sendung für alle Sprachregionen in Zürich produziert und gesendet. Diese Zentralisierung entsteht auf Grund von Kostenüberlegungen und der notwendigen Infrastruktur, dabei wird der Kommentar für jede Sprachfassung separat gesprochen und ab dem Jahr 1958 auch zeitgleich gesendet. Die im Jahre 1966 eingeführte Moderation erfordert einen anderen Arbeitsablauf und führt zur zeitlichen Staffelung der Sendung. Im Gegenzug ermöglicht die Moderation im Bild eine Flexibilität bei der visuellen Gestaltung von letzten Neuigkeiten, zu denen kein Bild/Film vorhanden ist. An der zentralisierten Form der Produktion änderte dies aber bis 1982 nichts.
Technische Neuerungen verändern die Arbeitsweise und die Möglichkeiten der Sendung.
Mit dem Jahr 1957 beginnt die Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) die Tagesschau mit Informationen zu bedienen. Dank dem European News Exchange wird sie ab dem Jahre 1961 auch auf der Ebene der Bilder zunehmend tagesaktuell. Beim European News Exchange handelt es sich um ein Richtstrahlnetz, mit dem die europäischen Sender für den Austausch von Filmmaterial verbunden sind.
Ein massiver Fortschritt für die Gestaltung des Sendematerials bietet zu Beginn der 1970er Jahre (1. März 1973) die Erfindung von Walter Meisterhans. Sie erlaubt einen elektronischen Live-Schnitt vorzunehmen, womit zwei sprachlich angepasste Tagesschau-Versionen zeitgleich ausgestrahlt werden können, die sich in Ablauf der Beiträge, wie auch in Bezug auf das darin verwendetet Material unterscheiden. Zentrale Produktion und nach Sprachregion gewichtete Tagesschau-Versionen sind nun miteinander vereinbar.
Mitte der 1970er Jahre schafft ein neues Videosystem eine bis anhin unbekannte Flexibilität der Aufzeichnung und somit auch eine andere Form der Berichterstattung. Das ENG (Electronic News Gathering) System erlaubt mit einer leichten Kamera, ohne Reportagelastwagen, Ton und Bild aufzuzeichnen, zu editieren und via Richtstrahl ins Studio einzuspeisen.
Die Diskussion um eine dezentralisierte Produktion erhält Ende der 1970er Jahre Aufschwung. So wird 1978 die Dezentralisierung der Tagesschau beschlossen und 1982 für die Romandie umgesetzt. Die Tagesschau für die italienische Schweiz wird bis 1988 aber noch in Zürich produziert.
Auf Grund der technischen Entwicklung beginnt sich die Tagesschau zunehmend zwischen den Sprachregionen zu unterscheiden, zunächst durch den Kommentar, schliesslich durch die Moderation (1966) und durch den Live-Schnitt (1973) auch mehr und mehr in Bezug auf die Verwendung des Materials (Auswahl, Abfolge und Länge der Beiträge).
Ende der 1970er Jahre setzt beim Schweizer Fernsehen zudem eine erste Informatisierungswelle ein, die die Nachbearbeitung der Aufzeichnungen und die Bildmontage massiv vereinfacht. So arbeitet das Telegiornale ab dem Jahr 1988 mit einer digitalen Ablaufsteuerung, wenn auch die Videotechnik bis Ende der 1990er Jahre noch analog funktioniert, da die Rechenleistung der Computer die Datenmenge der Bildbeiträge noch nicht verarbeiten kann. Die Rechenleistung der Computer nimmt schnell massiv zu, so dass das Téléjournal im Jahr 2001 ein digitales Produktionszentrum erhält, 2004 werden auch SF und TSI aufgerüstet.
Die Geschichte der Produktionsbedingungen bildet sich ganz direkt im Archivbestand der Tagesschau ab, so fehlen bis Mitte der 1990er Jahre integral aufgezeichnete Sendungen. Bis dahin sind nur die einzelnen Beiträge vorhanden, da der Kommentar live gesprochen wurde, fehlt er in akustischer Form und ist nur als Moderationstext überliefert. Für die Sendungen vor 1957 sind sogar nur die Jahresrückblicke ohne Kommentartexte erhalten geblieben.
Ab dem Jahre 1973 hat das Archiv das gesamte Agenturmaterial, das für einen Bericht der Tagesschau zur Verfügung stand, abgelegt und nicht mehr die gesendete Form. Beides unterscheidet sich in Abfolge und Länge und lässt nur sehr beschränkte Rückschlüsse auf die Sendungsbeiträge zu. Das Material ist als «Agenturrohmaterial» erfasst.
Das Kompetenznetwerk Memoriav hat 1996 ein grosses Projekt zur Erhaltung und Vermittlung der Archivbestände der Fernsehanstalten initiert. Das Projekt Politische Information konzentrierte sich in den Jahren 1996-1998 auf zwei Serien von audiovisuellen Produktionen, die gemeinhin als Kernstücke der politischen Information angesehen werden: die Schweizerische Filmwochenschau von 1940 bis 1975 und die Tagesschau des Schweizer Fernsehens von 1953 bis 1989. Beide Bestände sind nun über die Datenbank Memobase recherchierbar und im Bundesarchiv einsehbar. Die interne Datenbank FARO von SRF kann für Forschungszwecke konsultiert werden und verfügt über eine Beschreibung pro Beitrag, der Details der Sendung nennt und über eine Tabelle der Einstellungen verfügt, wie auch über die Moderationsmanuskripte.
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