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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

55. Vortrag
6.
In diesem Bewußtsein also „stand er vom Mahle auf und legte sein Gewand ab, nahm ein Linnen und umgürtete sich. Darauf goß er Wasser in ein Becken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Linnen abzutrocknen, mit dem er umgürtet war“. Wir müssen, Geliebteste, auf den Sinn des Evangelisten genau acht geben. Da er nämlich daran ging, von der so großen Demut des Herrn zu reden, wollte er zuerst seine Erhabenheit hervorheben. Darauf beziehen sich die Worte: „Im Bewußtsein, daß ihm der Vater alles in die Hände gegeben, und daß er von Gott ausgegangen sei und zu Gott zurückkehre“. Obwohl ihm also der Vater alles in die Hände gegeben hatte, so wusch er den Jüngern nicht bloß die Hände, sondern auch die Füße, und obwohl er wußte, daß er von Gott ausgegangen sei und zu Gott hingehe, so vollbrachte er doch nicht, was Gott dem Herrn, sondern was dem Menschen und Diener zukommt. Damit hängt aber zusammen, was er von dem Verräter, der als solcher schon gekommen war und der ihm auch nicht unbekannt war, zum voraus [S. 794] bemerken wollte, damit auch dies noch das Übermaß seiner Demut vermehren sollte, daß er auch dem die Füße zu waschen nicht verschmähte, dessen Hände er schon zum Verbrechen greifen sah.