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Die Online-Befragung, welche im Frühsommer 2020 von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG schweizweit an Gemeinden, Städte und Organisationen versandt wurde, ist ein wichtiges Analyseelement der Rahmenbedingungen der lokalen Freiwilligenarbeit. Die Ergebnisse dienen unter anderen als Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Begleitung der ZHAW im Projekt «engagement lokal».
Insgesamt haben 282 Gemeinden, Städte oder Organisationen an der Befragung teilgenommen, die überwiegende Mehrheit mit 256 Teilnehmenden aus der Deutschschweiz, 12 Teilnehmende kamen aus der Französischsprachigen, resp. 14 nahmen aus der Italienischsprachigen Schweiz teil. Rund 58% der Antworten stammten von Gemeinden oder Kleinstädten mit 1’000-9’999 Einwohner*innen, rund ¼ der Teilnehmenden können als Städte klassifiziert werden und rund 17% der Teilnahmen stammen aus Gemeinden mit weniger als 1’000 Einwohnenden.
Die Bereiche der lokalen Freiwilligenarbeit sind sehr divers – der mit Abstand grösste Bereich ist die Nachbarschaftshilfe (234 Nennungen), gefolgt vom Klima- und Umweltschutz (193 Nennungen) und der Kulturförderung (192 Nennungen). Ferner genannt wurde Bildung, Schule und Jugend; Inklusion, Integration und soziale Zugehörigkeit; Quartierentwicklung; Gesundheitsförderung und Armutsbekämpfung.
Mehrheitlich keine Koordinationsstelle, aber sektorübergreifende Zusammenarbeit bereits etabliert
Ein Grossteil der befragten Gemeinden und Städte verfügt weder über eine Strategie noch ein Konzept zur Förderung der lokalen Freiwilligenarbeit. Als Gründe warum es keine Koordinationsstelle gibt, wurde mehrheitlich angegeben, dass andere Organisationen oder Vereine diese Aufgabe übernehmen oder auch, dass sich eine solche Stelle gegenwärtig im Aufbau befindet. Die Corona-Krise hat zudem gezeigt, dass die bestehenden Organisationen gut funktionieren, weshalb ein Konzept nicht als unbedingt notwendig und die politische Priorität als zu gering bewertet wird. Dies wird vor allem in kleineren Gemeinden mit der sozialen Nähe begründet, da man sich eben «noch persönlich kennt».
Fast die Hälfte der Gemeinden und Städte gab an, bereits heute zusammen mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft die Freiwilligenarbeit zu fördern. Es wurde spezifiziert, dass vor allem die Einbindung der Zivilgesellschaft bereits sehr gut funktioniert. Bezüglich Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und dem lokalen Gewerbe gibt es allerdings noch ein grosses Potential, Kooperationen auszubauen. Der hohe organisatorische Aufwand und das fehlende Interesse wurden als Hauptgründe angegeben, warum eine sektorübergreifende Zusammenarbeit bisher nicht stattfand. Weiter kooperieren bereits heute 15% der teilnehmenden Gemeinden und Städte in einer Projekt- oder Koordinationsgruppe mit anderen Sektoren.
Herausforderungen hinsichtlich langfristigen Engagements der Freiwilligen, Anerkennung zeigt Verbesserungspotential und grosses Interesse an schweizweitem Austausch
Etwas mehr als 30% der Befragten sehen die Bereitschaft für langfristiges Engagement und die Rekrutierung von Nachwuchs als grösste Herausforderungen für die lokale Freiwilligenarbeit. Insbesondere der gesellschaftliche Wandel mit der zunehmenden Individualisierung, abnehmenden lokalen Beziehungsstrukturen und fehlenden Zeitressourcen machen sich bemerkbar. Überdies wurde darauf hingewiesen, dass sowohl die Koordination als auch Begleitung und Betreuung der Freiwilligen, unter anderem aufgrund von häufigeren Personenwechsel, mit mehr Aufwand verbunden ist.
Rund 18 % der teilnehmenden Gemeinden und Städten wünschen sich mehr Wertschätzung der Freiwilligenarbeit durch die Gesellschaft und Medien oder auch in Form einer institutionalisierten Würdigung vor Ort, beispielswiese durch Gemeinde- und Stadträte. Generell wurde auch darauf hingewiesen, dass die Aufmerksamkeit auf die gesellschaftliche Bedeutung der Freiwilligenarbeit erhöht werden sollte. Und die Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen verschiedenen Vereinen und Organisationen hinsichtlich Kommunikation und Informationsfluss könnte weiter gefördert und verbessert werden.
Auf die Frage, ob die Teilnehmenden Interesse an einem schweizweiten Austausch hätten, bejahten knapp die Hälfte. Ein nationales Netzwerk mit regelmässigem Austausch unter Gemeinden zur Organisation der Freiwilligenarbeit und eine Datenbank mit Beispielen, Leitfäden und Merkblätter ist im Interesse sehr vieler Gemeinden und Städte. Der Wunsch nach mehr Unterstützung bei der Förderung der Freiwilligenarbeit ist mit rund 32% bei den Teilnehmenden etwas weniger stark ausgeprägt. Hilfreich wären beispielsweise überregionale Fachstellen zur Unterstützung und Beratung von Gemeinden.
Die sehr umfangreichen Antworten von Gemeinden und Städten mit den unterschiedlichsten Rahmenbedingungen gaben dem Team der ZHAW eine wichtige Grundlage zur Analyse der Ausgangslage der lokalen Freiwilligenarbeit in der Schweiz. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung im Projekt «engagement lokal» ist geplant eine erneute schriftliche Befragung rund zwei Jahre nach Abschluss der Unterstützungsphase der 10 beteiligten Projekte durchzuführen.