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Stationen in der Antarktis sind zwar so entwickelt worden, dass sie einen möglichst kleinen Einfluss auf die Umgebung haben sollen. Doch die technischen Möglichkeiten diesbezüglich wurden erst in den letzten Jahren weiterentwickelt. Immer wieder gelangten Treibstoff, Öl, Metalle und andere Stoffe in das umgebende Erdreich und verschmutzten lokal die Umgebung. Australische Forscher haben nun eine Methode entwickelt, die einheimische Mikroben fördern, welche den Abbau solcher Stoffe beschleunigen und helfen sollen, Stationen aufzuräumen.
Die Forscher häuften zu diesem Zweck einen rund 20 Meter breiten und 40 Meter langen Haufen von verschmutztem Erdreich bei der australischen Station Casey an. Knapp 750 Kubikmeter Erde enthält der Haufen und es dauerte rund 6 Wochen, bis die Arbeiten an dem Mikroben-«Hotel» beendet waren. Der Leiter für Sanierungsarbeiten bei der Australian Antarctic Division (AAD), Tim Spedding, erklärte, dass viele Milliarden der Mikroben in seinem Hotel leben werden. «In den vergangenen zehn Jahren konnten wir zeigen, dass die beste Art, mit Treibstoff verschmutztes Erdreich in der Antarktis zu reinigen, die Zuhilfenahme von einheimischen Bakterien ist und sie dazu zu animieren, den Treibstoff einfach aufzuessen. Der Riesenhaufen erlaubt es uns, dafür die beste Umgebung zu schaffen, so dass die Mikroben dort gedeihen und schliesslich die Schadstoffe aufspalten und so aufräumen.»
Damit die Bakterien, die ihre Energie aus Kohlenwasserstoffen beziehen, beste Bedingungen erhalten, wird der Haufen von Experten der AAD überwacht und die Bedingungen regelmässig optimiert. «Wir versuchen, die Temperatur des Haufens etwas über 0°C zu halten und die Feuchtigkeit bei rund 10 – 12 %. Ausserdem sorgen wir dafür, dass auch Nährstoffe und Sauerstoff verfügbar sind. Damit können wir die Bakteriengemeinschaft so zufrieden und aktiv halten, wie möglich», sagt Tim Spedding weiter. Die Expertin Dr. Rebecca McWatters erklärt zum Aufbau des Haufens, dass man sich das Ganze wie ein Sandwich vorstellen muss. Zwischen Schichten von Plastik und verschiedenen Materialien liegt die Erde während der Sanierung. «Die erste Schicht ist eine geosynthetische Lehmschicht, um das Wasser vom Boden darunter zu absorbieren und so eine Barriere zu bilden. Dann folgt eine strapazierfähige Plastikschicht, auf der dann eine geotextile Schicht liegt, die verhindert, dass wir die Materialien zufällig durchstechen», sagt McWatters. «Mit diesem Schichtsystem haben wir eine ideale Barriere gegen die harschen antarktischen Bedingungen aufgebaut und schützen den Haufen vor Schäden durch unser schweres Gerät oder Maschinen.»
Die Frage, ob sich der ganze Aufwand und der Kampf gegen die Elemente wie Schneestürme und extreme Temperaturen während des Aufbaus lohnt, stellt sich ganz und gar nicht. «Nicht einmal 0.05 Prozent des antarktischen Kontinents ist richtig eisfrei und mit Erdreich bedeckt. Damit sind solche Regionen mit Felsen und Erde sehr wertvoll und biologisch wichtige Gebiete Antarktikas», erklärt Tim Spedding. «An diesen Plätzen stehen auch die meisten Stationen. Daher sind dort die meisten Verschmutzungsprobleme, die aufgeräumt werden müssen.» In den vergangenen zehn Jahren wurden knapp 2’000 Kubikmeter Erdreich allein bei der Station Casey saniert. Dies zeigt, dass solche Bodensanierung tatsächlich funktionieren in Antarktika. Die wiedergewonnene Erde wird für andere Infrastrukturprojekte rund um die Station verwendet, so dass weniger Material aus der Heimat verwendet werden muss. Australiens Sanierungsteam hilft auch anderen Ländern bei Sanierungsmassnahmen derer Stationen. Dazu meint Tim Spedding abschliessend: «Wir teilen den wissenschaftlichen Aspekt hinter unserem Wissen über Umweltrisiken, erprobten Sanierungsmethoden und wie man sie einsetzen kann. So können andere auch anfangen, ihre verschmutzten Böden zu reinigen.» Gegenwärtig sind 92 aktive Stationen in Antarktika und auf den nahegelegenen Inseln rund um den Kontinent bekannt.
Quelle: Australian Antarctic Division