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Franz Eggenschwiler (1930-2000)
Dorfbrunnen, 1985
Beton (Becken und Brunnenstock)
und Kupferlegierung (Figur), ca. 5 m Ø / 3.5 m h
Kirchplatz, Schmitten
(Foto und Text: B. Fasel)
„Der Mensch hat seit es ihn gibt, die Quellen geschützt und verehrt. Denn das Leben kommt aus dem Wasser, und ohne Wasser endet es. Der Brunnen ist eine Huldigung an eine Lebensgrundlage.“ Der Künstler Franz Eggenschwiler erläuterte anlässlich der Einweihung des neuen Dorfbrunnens in einem Interview mit Anton Bertschy seine Gedanken bei der Planung und Realisierung des Werkes. So betonte er die traditionelle Bedeutung von Brunnenanlagen im menschlichen Siedlungsraum als Orte der Begegnung und verweist in der formalen Gestaltung auf die Stadtbrunnen in Freiburg und Bern. Wie diese Künstler der Renaissance, stellte auch Eggenschwiler eine Figur auf einen Brunnenstock ins Zentrum des Wasserbeckens. Dabei bediente er sich allerdings moderner Materialien und einer künstlerischen Formensprache des 20. Jahrhunderts.
Das Brunnenbecken hat die Form eines schlichten Zylinders. Diese geometrische Form wird durchbrochen durch einen Naturstein im Betonboden und kontrastiert mit dem Brunnenstock mit quadratischem Grundriss. Der Künstler verlieh dem Brunnenstock durch seine Ausgestaltung nicht nur die Funktion eines einfachen Sockels für die Figur. „Das Quadrat ist der eigentliche Gegensatz zum Kreis. Die vier Flächen des Stockes versinnbildlichen die vier Himmelsrichtungen. Die Nord-Süd-Richtung wird am Brunnen übrigens noch angegeben. Auf dem Stock stehen zwei Metallbuchstaben, das Alpha (der Anfang) und das Omega (das Ende) und zwei Gesichter. Die Gesichter sind fast anonym. Ein Mund schluckt das Wasser wieder, das die geschwungenen Rohre ausspeien.“
Die Brunnenfigur wirkt im Gegensatz zu den technisch anmutenden Formen des Beckens und des Sockels viel organischer und freier gestaltet. „Auf beiden Keilflächen sind zwei Figuren angedeutet, eine weibliche und eine männliche. Die Frau ist eher lieblich, der Mann streng gehalten. Die Frau dominiert.“ Eggenschwiler verwies in seinen Ausführungen auf die vielen Gegensatzpaare, die er in dieser Plastik bewusst verbindend integrieren wollte: „Rund und eckig, gestern und heute, Naturgewordenes und Ausgehecktes, Strenges und Weiches, Verstandesmässiges und Gemüthaftes, Mann und Frau, Sein und Werden. Alles, was der Mensch richtig durchdenkt, zeigt sich ihm in zwei Polen. Viele Irrtümer könnten vermieden werden, würde das besser verstanden.“
Der Künstler machte im Gespräch mit Bertschy auch auf die Möglichkeit aufmerksam, diese Figur als Neuinterpretation des Janus-Themas zu deuten. Janus, ein altrömischer Gott, war der Beschützer der Türen und Durchgänge, im übertragenen Sinn auch der Gott von Anfang und Ende, von Werden und Vergehen. Nach ihm ist der Monat am Jahresbeginn, der Januar benannt. Der besondere Standort des Brunnens verweist ganz bestimmt auch auf die Symbolik des Tordurchgangs: Er steht auf dem Schnittpunkt der Verlängerungsachsen des Kirchenhauptschiffs und des Eingangsportals zum Begegnungszentrum der Pfarrei.
Die Figur wurde zuerst aus verschiedenen Holz- und Metallteilen zusammengefügt; dabei dienten auch Abfallmaterialien. Diese Plastik diente anschliessend als Vorlage für eine Gussform, die dann mit einer Kupferlegierung ausgegossen wurde.
Der Künstler Eggenschwiler stammte aus dem Solothurnischen. Nach einer Lehre als Glasmaler bildete er sich an Kunstschulen in Bern weiter. Als international anerkannter Künstler war er unter anderem auch als Professor an der staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf tätig.
Der Brunnen von Eggenschwiler war ein Geschenk eines ortsansässigen Bankinstituts anlässlich seines 75jährigen Bestehens an die Dorfgemeinschaft von Schmitten. Die Modernität des Brunnens stiess bei der lokalen Bevölkerung nicht immer auf Verständnis und Anerkennung. „Möge das Werk als kulturelle Bereicherung unseres Dorfes und unserer Region aufgenommen werden.“ Dieser Wunsch, den Pius Lehmann anlässlich der Einweihung des Brunnens geäussert hatte, wird wohl wieder bekräftigt werden müssen, wenn es darum gehen wird, Geldmittel bereit zu stellen, um einige, zurzeit leider feststellbare Witterungsschäden zu beheben.
Fragen und Anregungen für den Unterricht
- Betrachte den Brunnen vor der Kirche, umkreise ihn und fasse deine ersten Eindrücke in Worte.
- Warum äussern sich einige Bewohner der Gemeinde kritisch oder gar negativ zu diesem Werk. Diskutiere / notiere deine Gedanken zum Wesen und zum Zweck der Kunst. Muss Kunst immer gefallen? Wie "schön" muss Kunst sein? Führe in der Klasse eine Debatte "Pro-und-Contra Eggenschwiler". Verwende dazu eventuell auch die kontroversen Leserbriefe im Anhang.
- Eggenschwiler nimmt mit seiner Figur Bezug zu Janus, einer zweigesichtigen Gottheit aus der römischen Antike. Suche im Internet nach Bildern von Janusköpfen. Modelliere aus Ton einen Januskopf mit zwei unterschiedlichen Gesichtsausdrücken.
- Zeigen wir Menschen immer dasselbe Gesicht? Diskutiere darüber, wie unterschiedliche Stimmungen unseren Gesichtsausdruck verändern, wann wir uns verstellen müssen, wann wir bildlich gesprochen ein anderes Gesicht tragen oder gar eine Maske aufsetzen. Suche nach passenden Situationen im Leben und setze diese im szenischen Spiel um. Benutze dazu deine Mimik oder auch speziell angefertigte Masken.
Quellen:
- Lehmann, Pius / Bertschy, Anton, Ein neuer Dorfbrunnen, Freiburger Nachrichten, 28. September 1985
- Fasel, Beat, Wie "schön" muss Kunst sein? / Lauper, Franz, Moderne Kunst ist ein Welt-Bluff, Leserbriefe, Freiburger Nachrichten, 29.03.2011