Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/188028

<h2>SubmittedText<h2><p>Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zählt zu den respiratorischen Krankheiten, denen eine Allergie im Zusammenhang mit dem Einatmen von giftigen Partikeln in der Luft zugrunde liegt. Die Forschung zeigt, dass das Risiko einer COPD bei Personen steigt, die bei der Ausübung ihres Berufes giftige Produkte verwenden oder regelmässig verschiedene Arten von Staub einatmen.</p><p>Betroffen sind zum Beispiel Malerinnen, Carrosserielackierer und Coiffeusen, die mit Produkten auf Ammoniakbasis arbeiten, insbesondere aber auch Bauern, deren Erkrankungsrisiko gemäss bestimmten Quellen aufgrund von Pollen und vor allem Pflanzenschutzmitteln, die auf den Feldern ausgebracht werden, zweimal höher ist.</p><p>1. Ist sich der Bundesrat bewusst, dass die COPD-Fälle kontinuierlich zunehmen?</p><p>2. Hält der Bundesrat es für möglich, dass die COPD in gewissen Berufen als Berufskrankheit anerkannt wird?</p><p>3. Wie viele Studien zeigen, ist die Luftverschmutzung, insbesondere im Zusammenhang mit Abgasen und giftigen Abfallstoffen gewisser Industrien, ein Grund für die Zunahme der COPD-Fälle. Wie will der Bundesrat diese Situation, die zu einem wiederkehrenden Problem werden könnte, verbessern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit rund 600 Millionen Menschen von der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) betroffen. In Europa ist diese Krankheit die dritthäufigste Todesursache. In der Schweiz leiden 400 000 Personen an dieser auch als Raucherbronchitis bezeichneten Erkrankung. Tatsächlich handelt es sich in 90 Prozent der Fälle um Rauchende oder ehemalige Rauchende. Die überwiegende Mehrheit der COPD hat daher nichts mit dem beruflichen Umfeld zu tun.</p><p>Jedes Jahr werden in der Schweiz ein Dutzend COPD-Fälle als Berufskrankheit anerkannt. Etwa dieselbe Anzahl Gesuche wird abgelehnt, weil sie die Kriterien für eine Berufskrankheit nicht erfüllen. In den letzten Jahren wurde kein Anstieg festgestellt. Es ist sogar eher ein Abwärtstrend zu beobachten.</p><p>2. Als Berufskrankheiten gelten gemäss Artikel 9 Absatz 1 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) Krankheiten, die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind. Der Bundesrat erstellt die Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Erkrankungen. Artikel 14 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) präzisiert, dass die schädigenden Stoffe und arbeitsbedingten Erkrankungen im Sinne von Artikel 9 Absatz 1 UVG in Anhang 1 UVV aufgeführt sind.</p><p>Die Liste der Berufskrankheiten enthält 127 schädigende Stoffe, mit denen die Exposition im beruflichen Rahmen einen Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung bei Berufskrankheit begründen kann. In diesem Sinne wird die COPD bereits von der Unfallversicherung als Berufskrankheit übernommen, wenn sie auf eine Exposition mit Produkten auf Ammoniakbasis im Rahmen einer Berufstätigkeit zurückgeht. In Anbetracht der heute geltenden Gesetzgebung ist der Bundesrat der Ansicht, dass kein Handlungsbedarf besteht.</p><p>3. Auf kurze Sicht scheint ein Kausalzusammenhang zwischen der COPD und der Feinstaubbelastung erwiesen. Die Langzeitwirkungen sind noch nicht genau analysiert, auch wenn immer mehr Studien auf erhöhte Sterblichkeitsrisiken hindeuten.</p><p>Erfreulich ist jedoch die Feststellung, dass die Luftverschmutzung in der Schweiz in den letzten 30 Jahren beträchtlich abgenommen hat. Nur noch im Winter bei anhaltenden Inversionslagen ist eine erhöhte Feinstaubverschmutzung zu beobachten. Um die gesetzlich festgelegten Ziele bezüglich Luftqualität zu erreichen, sollten die Stickstoffoxid-, Feinstaub-, VOC- und Ammoniakemissionen jedoch auf nationaler und internationaler Ebene noch weiter reduziert werden. Deshalb ist zu verlangen, dass Motorfahrzeuge, industrielle und landwirtschaftliche Einrichtungen sowie Wärmeerzeuger systematisch an den neusten Stand der Technik angepasst werden.</p>  Antwort des Bundesrates.