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Wieder erhältlich und nach wie vor aktuell: das lange vergriffene Standardwerk über Richard Löwenherz in überarbeiteter Fassung. Das Urteil renommierter internationaler Historiker nach Erscheinen der Erstauflage 1995 war einstimmig: „Faszinierend“ und „bahnbrechend“, nannte Kevin M. Kain von der Western Michigan University das aus den Quellen neu gezeichnete Persönlichkeitsbild (in Speculum 74/April 1999). Nicht gleichgültig werde das minutiös recherchierte Leben Richards I. die Forschung lassen, so Jean Richard, Universität Dijon, Institut de France (in Le Moyen Âge, 2000/1 (Bd.106). Niemand, der sich über Richard I. und seine Zeit informieren möchte, könne es ignorieren, resümierte John Gillingham von der London School of Economics (in International History Review, Oktober 1998). Lange genug ist Richard Löwenherz verkannt worden: als romantischer Held und Abenteurer, und noch im Untertitel dieses Buchs, den der ehemalige Verlag für passend erachtete, spiegelt sich diese Sicht wider. Dabei war er als höchst befähigter Politiker eine Schlüsselfigur seiner Zeit. Nicht nur in populären Darstellungen herrschte das Klischee, auch für die Geschichtsforschung war er ein Unbekannter. Die teils hervorragenden multinationalen Quellen aus sämtlichen Zentren der damaligen Welt, in denen er allen agierte, war in ihrer Fülle nie analysiert worden. Zudem folgte die Geschichtsschreibung unkritisch einer 800 Jahre alten Verleumdungskampagne, die vom französischen König betrieben worden war. Das ganze Ausmass der Intrige, in der der 3. Kreuzzug zum Kampf gegen den englischen König umfunktioniert wurde, aufgedeckt zu haben, ist ein wesentliches Verdienst des Buchs. Neuland wurde auch betreten in der Darstellung der Thronfolgerzeit: in der Aufdeckung der schweren Hypothek, die die desaströse Familienpolitik des Vaters darstellte und im Geschick, mit der Richard die Situation meisterte. Er meisterte auch die Krisen des Kreuzzugs, in dem alles zu seinem persönlichen Fiasko und zur Katastrophe für das Unternehmen arrangiert worden war, und sicherte die Existenz des Königreichs Jerusalem für ein weiteres Jahrhundert. Nie gewürdigt worden war auch die neue Weichenstellung, die er für alle weiteren Kreuzzüge vornahm. Völlig neu gesehen wird im Weiteren das Kapitel seiner deutschen Gefangenschaft: aufgeräumt wird mit der Bedeutung des Fahnenzwischenfalls von Akkon und dem rachedürstenden Herzog von Österreich. Brillant die Diplomatie, die der Gefangene in scheinbar aussichtsloser Situation entwickelt, Einfluss nehmend auf die Reichsgeschichte, im Gewahrsam des Feindes und vor dessen Augen Bündnisse für die Zukunft schmiedend. Gestählt in einer Welt der Intrige mehr noch als der Waffen, immer im Überlebenskampf, immer siegreich – bis der Tod dem jäh ein Ende setzt. Glanzvoll und tragisch ist dieser Richard Löwenherz, mit vielen Persönlichkeitsfacetten, die verstehen lassen, wieso seine Zeit in ihm eine Kultfigur gesehen hat.