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37 Jahre Tschernobyl - Aktuelle Karten zur Strahlenbelastung
Fabian Lüscher,
Noch vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine fand in Tschernobyl ein umfangreiches Messprojekt statt. Deutsche und ukrainische Spezialist:innen haben 2021 gemeinsam und flächendeckend die Sperrzone radiologisch kartiert. Dabei entstanden zwei Überblickskarten, die einen Eindruck von der Situation rund um den havarierten Reaktor geben.
Die Wissenschaftler:innen unternahmen Messflüge über das gesamte als Sperrzone deklarierte Gebiet und erhoben dabei insbesondere zwei Werte: Einerseits die Verteilung von Cäsium-137 und andererseits die sogenannte Ortsdosisleistung. Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren und ist deshalb heute der entscheidende Stoff, bei der Einschätzung der Strahlenbelastung durch die Reaktorkatastrophe. Dieser Stoff ist noch noch immer für die erhöhte Ortsdosisleistung rund um Tschernobyl massgebend. Diese bezeichnet, wie hoch die radioaktive Dosis ist, die an einem Punkt innerhalb genau einer Stunde aufgenommen würde.
Die neuen Karten veranschaulichen, wie stark die Werte innerhalb der Sperrzone variieren. Teile der Sperrzone weisen eine Ortsdosisleistung auf, die mit der natürlichen Hintergrundstrahlung im Schweizer Mittelland vergleichbar ist, etwa 0.1 Mikrosievert pro Stunde. Andernorts lagen die Werte dagegen noch bis 100 Mikrosievert pro Stunde. 1986, drei Tage nach der Katastrophe, wurden in der unmittelbaren Umgebung des Reaktors 1000 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Die Strahlenbelastung hat in den vergangenen 37 Jahren also stark abgenommen. Einerseits wegen des natürlichen Abklingens, andererseits dank der baulichen Massnahmen im und um den zerstörten Reaktor. Und trotzdem bleibt auch so viele Jahre später die Einsicht, dass der schwerste Reaktor-Unfall der Geschichte noch immer nachwirkt.