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Solothurn, 1519 datiert
Goldschmied: Urs Graf (um 1485–1527/28)
Silber, geschmiedet, graviert; im 19. Jh. versilbert
H. 7,6 cm, B. 16,4 cm
Inv. 2009.710.
Die beiden von dem Schweizer Renaissance-Künstler Urs Graf signierten Silberplatten gehören zu den wenigen Zeugnissen, die sich von Grafs Tätigkeit als Goldschmied erhalten haben. Sie gehen auf einen prestigeträchtigen Auftrag zurück: 1519 erhielt er vom Zisterzienserkloster St. Urban im Kanton Luzern den Auftrag, eine Reliquienbüste des hl. Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153) zu fertigen. Für den Sockelschmuck der heute verschollenen Reliquienbüste gravierte er acht querrechteckige Silberplatten mit Szenen aus dem Leben des Heiligen, der als Abt und Kreuzzugsprediger massgeblich für die Ausbreitung des Zisterzienserordens in Europa gesorgt hatte. Die zwei Platten im Besitz des HMB schmückten die Vorderseite des polygonalen Sockels links und rechts von der zentralen Platte. Selbstbewusst hat der signierfreudige Künstler nicht nur die Rückseite der heute verschollenen Reliquienbüste mit der vollständigen Signatur «Ursus Graff von Solotorn 1519» bezeichnet, sondern zusätzlich fünf der acht Sockelplatten mit seinem Dolch-Monogramm versehen. Die Reliquienbüste mit den Silberplatten gehörte sicherlich zu den bedeutendsten Aufträgen des Meisters, der als Mitglied der Zunft zu Hausgenossen seine Basler Werkstatt unweit des Fischmarkts betrieb.