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Raël
Claude Vorilhon alias Raël wurde am 30.9.1946 in Vichy geboren als unehelicher Sohn einer katholischen Mutter und eines unbekannten Vaters, der ein jüdischer Flüchtling gewesen sein soll. Mit neun Jahren beschloss Claude, Autorennfahrer zu werden und lernte fortan nichts mehr, was nicht diesem Ziel diente. Die Mutter brachte ihn in Internaten unter, bis er mit fünfzehn nach Paris flüchtete. Er schlug sich als Chansonnier durch, heiratete, wurde Vater, und erst etwa 1970 sah er seine Träume erfüllt: Dank der Gründung einer eigenen Automobilsport-Zeitschrift konnte er mit neuen Wagen Probe fahren und an Rennen teilnehmen. Entscheidend wurde für ihn ein Spaziergang im Vulkangebirge über Clermont-Ferrand im Jahr 1973. Vor seinen Augen landete eine fliegende Untertasse, der ein kleiner Mann mit Namen «Jahwe» entstieg. Er beauftragte Vorilhon, den er «Raël» nannte (von «Israel»?), seine Botschaft als letzter Prophet, als Prophet der Religion der Religionen, weiterzuverbreiten.
Der Fremde gab sich als einer der «Elohim» zu erkennen, was nicht mit «Gott», sondern mit «der vom Himmel Gekommene» zu übersetzen sei. Die Elohim sind Wesen, deren Wissenschaft und Technik sehr viel weiter fortgeschritten sind als diejenige der irdischen Menschen. Es gelang ihnen daher vor 22 000 Jahren, auf einem andern Planeten Menschen herzustellen – ähnlich wie auch sie selbst erschaffen wurden und wie die Irdischen es einmal tun werden. Zuerst bildeten die «Elohim» auf der Erde mit gewaltigen Sprengungen Kontinente, danach Pflanzen, Tiere und die Menschen. Als die wissenschaftlichen Fortschritte der Menschen ihren Schöpfern gefährlich zu werden drohten, vernichteten diese mit Nuklearwaffen das Leben auf der Erde. Nur Noah rettete seine Haut und eine Zelle jeder Art in einer Rakete. Aus den Zellen wurden dann nach «wissenschaftlicher» Beseitigung der Radioaktivität die Geschöpfe maschinell wiederhergestellt. «Jahwe» erzählte von den paradiesischen Zuständen auf seinem Planeten: Arbeit wird von Robotern erledigt, Lernen ist überflüssig, da Wissen chirurgisch beigebracht wird, und weil Ärzte regelmässig die Gehirne überprüfen, gibt es keine Kriminalität.
Raël fand schnell Anhänger seiner Lehre. Zur «religiösen Praxis» der Raëliten gehört es, täglich für sich und einmal pro Woche in der Gruppe zu meditieren. Der ursprüngliche Sinn des Gebets ist die telepathische Verbindung mit den Elohim. Einmal im Leben sollen sich alle vom Propheten oder einem von ihm Beauftragten die Hand auflegen lassen, um dem überwachenden Computer der «Elohim» den Zellplan zu übermitteln. So kann der Gläubige nach seinem Ableben wiederhergestellt werden. Dieser späteren Wiederherstellung dient auch ein Stückchen Schädelknochen, aus der Stirn gebrochen, das nach dem Tod der Organisation eingesandt und von dieser bis zu dem Moment aufbewahrt wird, wo durch eine Art Klonen die Wiederherstellung glückt. Um die erwähnten Handauflegungen, eine Art «Taufe», zu vollziehen, finden im Jahr vier Zusammenkünfte statt. Einmal jährlich werden Kurse in «Sinnlicher Meditation» abgehalten. Die «Elohim» tragen den Menschen nämlich auf, die Sinne und auch die Geschlechtsorgane uneingeschränkt zur Freude einzusetzen. Sexueller Lust ist nachzugeben, sofern das Objekt der Wünsche nichts dagegen hat. Kinder sollen nur gezeugt werden, wenn dies von beiden Elternteilen gewünscht wird und wenn beide schon «entfaltet» sind. Ansonsten ist es besser abzutreiben. Zur Kindererziehung braucht eine Mutter keinen Mann, auch keine feste Beziehung – personaler Umgebungswechsel ist im Gegenteil immer positiv für ein Kind. Eines der Hauptziele der Gemeinschaft ist der Bau eines Botschaftsgebäudes, in dem die Elohim, die im Jahr 2035 (zusammen mit dem bei ihnen wohnenden Jesus) erwartet werden, gebührend empfangen werden können und das bis dahin dem Führer der Führer als Residenz dient. Bevorzugtes Territorium dafür wäre Israel. Die Botschaft muss exterritorial sein, mehr als 347 Hektaren Land umfassen und in angenehmem Klima, aber so nah wie möglich bei Jerusalem liegen. Sowohl die christliche Kirche als auch östliche Heilslehren werden von der Gemeinschaft abgelehnt, denn man brauche nun nicht mehr an mystische Ideen zu glauben, da jetzt die Religion da sei, die mit der Wissenschaft übereinstimme.
Vorilhon will mit Mythen aufräumen, setzt aber unwillentlich einen neuen Mythos in die Welt, in den er zum Ideal stilisierte biographische Elemente und im Einzelfall sehr offenkundige persönliche Wünsche projiziert. Als exklusiver «Kontaktler» zu den Elohim geniesst er in der Raël-Bewegung absolute Autorität. Die Hoffnung auf ein Klonen verkennt, dass jedes geklonte Wesen nicht die Fortsetzung seines Ursprungswesens ist, sondern nur dessen eineiiger Zwilling. Wer geklont wird, lebt nicht als individuelle Seele weiter, sondern nur als körperliche Kopie. Die Hoffnung auf ein Weiterleben dank Klontechnik führt aber unter den Raëlisten zum forschen Willen, so bald wie möglich Menschen zu klonen. Ende 2002 traten die Raëlianer mit der Behauptung an die Öffentlichkeit, sie hätten drei Kinder erfolgreich geklont. Eine unabhängige wissenschaftliche Überprüfung haben sie bisher nicht zugelassen.
Weltweit: ca. 55 000 Mitglieder in 84 Ländern
Schweiz: ca. 200 Mitglieder