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2004 erlaubte das Internationale Olympische Komitee (IOC) zum ersten Mal, dass Transathleten an den Olympischen Spielen teilnahmen. Damals mussten Transfrauen nicht nur den Testosteronspiegel senken, sondern auch geschlechtsangleichende Operationen vornehmen lassen. 2015 hat das IOC auf einer Tagung in Stockholm entschieden, dass es dieser nicht mehr bedürfe. Die Testosteronregelung für Transfrauen (mit zeitlicher Sperrfrist von einem Jahr) blieb jedoch bestehen. Kürzlich hat sich das IOC nun auch vom Testosteronspiegel verabschiedet, denn dieser sagt nichts über eventuelle Leistungsvorteile aus. Das IOC geht aber noch weiter: Eine generelle Vorteilsvermutung bei Transfrauen sei nicht haltbar. Wenn dem so wäre, dann müsste das auch für Männer gelten. Man fragt sich natürlich, warum das IOC dann überhaupt noch nach Geschlecht kategorisieren möchte.
Diese kurze «Geschichte der Transinklusion» bei den Olympischen Spielen zeigt, wie sich die Einstellungen und Begrifflichkeiten in zwei Jahrzehnten verschoben haben. 2004 war jedem klar, dass «transsexuelle» Frauen – so nannte man Transfrauen damals – physische Vorteile gegenüber Frauen haben. Man hat also den weiblichen Körper im Frauensport als einen Standard angesehen, dem es zu entsprechen galt. Anders wären die IOC-Auflagen für Transfrauen nicht zu verstehen.
Laut der «progressiven» Vorstellung von heute hat das Frausein nichts mehr mit dem Körper zu tun, sondern mit Geschlechtsidentität, also mit dem, was man im tiefsten Inneren fühlt, wenn man an sein Geschlecht denkt. Ob alle Menschen solch eine Identität besitzen, ist umstritten. Die Konsequenz für den Frauensport war, dass man die Zulassungskriterien erweitert hat. Das resultiert aus der Auffassung, dass Sport niemanden ausschliessen dürfe. Seit Jahrhunderten messen wir im Sport, was Athleten mit ihren Körpern leisten können – getrennt nach Geschlecht; wir messen jedoch nicht, was Geschlechtsidentitäten leisten können. Aber «Inklusion» gilt heute als ein uneingeschränkter Leitwert (neben Fairness und Verletzungsschutz) im Sport. Diese Überbewertung der Inklusion ist ein Irrtum.
Wenn wir im Sport Kategorien anhand von Kriterien etablieren (z.B. im Parasport), dann werden wir von unserem Verständnis von Fairness (und dem Wunsch, die Verletzungsgefahr zu minimieren) geleitet – jedoch nicht vom Inklusionsdenken. Ohne die Unterkategorien im Boxen (also einem Ausschliessen anhand des Gewichts) würde dieser Sport zu einem «Wettstreit der Schwergewichte» werden. Boxer, die weniger wiegen, hätten kaum Chancen und würden gar nicht antreten. Wir schliessen also aus, um der Fairness (und Verringerung der Verletzungsgefahr) willen, und eine Folge davon ist maximale Partizipation. Die Inklusion ist also kein eigenständiger Wert; sie ist eine blosse Funktion guter Kategorisierung. Die Trennung nach Geschlecht (Sexus) im Sport hat gleichfalls diese Aufgabe; nur so können Frauen und Mädchen erfolgreich sein, denn sie messen ihre Leistung jeweils untereinander. Ohne diese Kategorisierung würden die Leistungen der Frauen aus dem Blickfeld geraten, und ihre Partizipation würde folglich sinken.
Die Erweiterung des Begriffs «Frau» und die damit einhergehende Erweiterung der Zulassungskriterien schliessen zwar Transfrauen ein, aber die Leistungen von Frauen und Mädchen werden herabgestuft, denn mittelmässige Transfrauen (Veronica Ivy im Radfahren, Lia Thomas im Schwimmen, Laurel Hubbard im Gewichtheben) verdrängen sie von Podiumsplätzen, in Rankings und von Stipendien. Ausserdem erhöht sich das Verletzungsrisiko in Kollisionssportarten sowie im Kampfsport. Wozu also noch Sport treiben? Die vermeintliche Inklusion erzielt letztendlich ihr Gegenteil: Frauen und Mädchen wenden sich vom Sport ab. Denn sie begreifen, dass der Sinn des Sportes darin liegt, auf faire Weise körperliche Leistungen zu messen, nicht aber die Leistungen von «Geschlechtsidentitäten».