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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VIII.
17.
Auch ein gewisser Hermogenes bildete sich ein, neue Gedanken zu haben und sagte, Gott habe alles, aus ihm gleichewiger und ungezeugter Materie gemacht; es sei nämlich unmöglich, daß Gott nicht aus schon Bestehendem das Werdende mache. Gott sei aber immer Herr und Gestalter, die Materie immer Sklavin und in Entwicklung begriffen, aber nicht in ihrer Gesamtheit. Gott habe nämlich die wild und regellos sich bewegende Materie auf folgende Weise geordnet. Da er sie wie Mark über dem Feuer wallen sah, schied er sie in Teile, entnahm ihr einen davon und bändigte ihn; den anderen überließ er seiner regellosen Bewegung; der gebändigte Teil ist die Welt, der andere bleibt wild und heißt ungeordnete Materie. Sie ist die Substanz aller Dinge, behauptet er, als wenn er seinen Schülern damit eine neue Lehre brächte; er bedachte dabei nicht, daß diese Fabel sokratischen Ursprungs ist und von Plato weit besser ausgebaut ward als von Hermogenes. Er bekennt, daß Christus der Sohn Gottes, der alles geschaffen, sei, und daß er aus der Jungfrau und dem Geiste geboren sei in Übereinstimmung mit dem Zeugnis der Evangelien; er sei, nach seinem Leiden auferweckt, den Jüngern körperlich erschienen und habe beim Aufstieg in den Himmel seinen Leib in der Sonne zurückgelassen, sei selbst aber zum Vater gekommen. Er beruft sich auf ein Zeugnis des Psalmisten David in der Meinung, er könne sich hierauf stützen. „In die Sonne hat er sein Gezelt gesetzt und wie ein Bräutigam, der aus seinem Gemach hervorkommt, jauchzt er auf wie ein Riese, seinen Weg zu durcheilen“1. Solche Dinge vertrat Hermogenes.
1: Ps. 18, 6.