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Frauen spielen Fussball gegen Frauen.
Männer spielen Fussball gegen Männer.
Um dieses Prinzip zu verstehen, muss man nicht besonders viel Ahnung vom Sport haben. Und doch scheinen Heerscharen von Fussballfans und Kommentarschreibern mit ebendiesem Prinzip ihre Mühe zu haben.
Denn wann immer über Frauenfussball berichtet wird, fällt eine Bemerkung so sicher wie das Amen in der Kirche. Und wie in einem katholischen Gottesdienst kommt dieses Amen immer und immer wieder:
Ja und?! Selbst wenn das stimmen würde: Wen juckt das?
Schauen Ski-Fans etwa keine Frauenrennen, weil Wendy Holdener in einem Männerslalom keine Chance hätte? Wird bei jedem Erfolg der Sprinterin Mujinga Kambundji penetrant darauf hingewiesen, dass sie über 100 Meter mehr als eine Sekunde länger braucht als die schnellsten Männer der Welt?
Das sind rhetorische Fragen. Frauen tragen Skirennen gegen andere Frauen aus und Frauen sprinten gegen andere Frauen. Mit Ausnahme weniger Sportarten wie etwa Springreiten führen Verbände Wettkämpfe für zwei Geschlechter durch (wobei gerade intensiv besprochen wird, wie diese Geschlechter definiert werden sollen).
Es ist völlig belanglos, dass die Frauen-Nati vielleicht gegen den FC Bütschwil 2:6 verlieren würde oder ob das australische Nationalteam der Frauen einmal gegen U15-Junioren eine heftige Niederlage kassierte. Egal. Frauen müssen keine Männer schlagen.
Die Schweizer Frauen mussten sich in der Gruppenphase der WM 2023 gegen die Frauen von den Philippinen, die Ex-Weltmeisterinnen aus Norwegen und die Turnier-Co-Gastgeberinnen aus Neuseeland durchsetzen. Das schafften sie, auch wenn sie nicht in jedem Spiel während 90 Minuten Zauberfussball boten. Aber der Zweck hat im Fussball noch immer das Mittel geheiligt.
Nur damit wir uns richtig verstehen: Man darf natürlich Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfussball betonen. Es gibt diese Differenzen. Beim Körperspiel, bei der Technik, beim Tempo, bei der Taktik.
Wer in seinem Leben schon hunderte oder tausende Männer-Spiele gesehen hat, kann nicht unvoreingenommen ein Frauenspiel anschauen. Automatisch beurteilt sie oder er Schüsse, Pässe oder Zweikämpfe. So ist der Mensch: Er vergleicht ständig alles. Darum wird auch weiterhin darüber gestritten werden, ob es Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfussball gibt und ob eine der Kategorien «besser» ist.
Darüber kann sachlich argumentiert werden. Aber bitte nicht mit dem Einwurf, dass jedes Junioren-Team eine Frauen-Nati schlagen würde. Dieser Vergleich von Äpfeln mit Birnen hat nur etwas Gutes: Bringt ihn jemand, weiss ich wenigstens, dass es an der Zeit ist, das Gesprächsthema zu wechseln.
Reto Steinmann ist in Zug eine Hockey-Stimme, die respektiert und gehört wird. Von 2004 bis 2016 war Hockey-Einzelrichter und er praktiziert heute als Anwalt und Notar in Zug. Seine Kolumne in der Lokalzeitung ist eine brisante Polemik sozusagen aus den eigenen Reihen. Als ehemaliger Hockey-Journalist für die NZZ vermag er seine Ausführungen sachlich zu formulieren. Was der Kritik noch mehr Gewicht gibt. Seine Kolumne liest sich, um in der Juristensprache zu bleiben, schon fast wie eine Anklageschrift.