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Seit sie acht Jahre alt ist, trainiert die heute 16-Jährige beim Synchronverein Bern. Seit sechs Jahren ist die Synchronschwimmerin im Nationalkader, und seit vier Jahren besitzt sie eine Swiss Olympic Talent Card National – die höchste Anerkennung von Swiss Olympic für Nachwuchssportlerinnen und -sportler. Der Synchronverein Bern ist nationaler Leistungsstützpunkt von Swiss Olympic.
Als es um den Übertritt in die Sekundarschule ging, wechselte die junge Sportlerin von ihrer Freiburger Schule nach Bern an die private Sportschule Feusi; sonst hätte sie den hohen Trainingsaufwand nicht bewältigen können. Seit 2014 zahlt der Kanton Freiburg daher die Kosten für den ausserkantonalen Schulbesuch.
Dieses Jahr aber hat die Freiburger Erziehungsdirektion der Schwimmerin das Schulgeld verweigert: Obwohl das Mädchen an der Feusi bereits das zweite Gymnasialjahr besucht, verlangte die Erziehungsdirektion, dass es die bernische Aufnahmeprüfung für Gymnasien ablegen müsse. Die Schwimmerin schaffte die Prüfung nicht, worauf der Kanton das Schulgeld strich.
Die Familie der Synchronschwimmerin zog den Entscheid vor das Freiburger Kantonsgericht. Dieses gibt der Familie in einem vor kurzem veröffentlichten Urteil recht.
Fehlende Rechtsgrundlage
Die Schwimmerin habe bereits das 7. und 8. Schuljahr sowie die Sportquarta an der Feusi besucht. Die gymnasiale Ausbildung in Bern beginne mit der Quarta; es sei daher nicht zulässig, wenn die Freiburger Erziehungsdirektion eine Aufnahmeprüfung vor dem zweiten gymnasialen Jahr verlange. Das Freiburger Sportgesetz sehe vor, dass die Freiburgerinnen und Freiburger, welche Schulen in anderen Kantonen besuchen, die dortigen Zulassungsvoraussetzungen erfüllen müssen. Und der Kanton Bern kenne den Übertritt ins Gymnasium vor der Quarta, nicht vor der Tertia. «Es besteht damit keine Rechtsgrundlage, eine Aufnahmeprüfung für den Übertritt von der Quarta in die Tertia zu verlangen», schreibt das Gericht. Zudem habe die Schule schriftlich bestätigt, dass die Schülerin, die gute Noten habe, ans private Gymnasium zugelassen sei.
Das Gericht schreibt zudem, die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium sei sowohl im Kanton Bern als auch im Kanton Freiburg ein Ausnahmefall; der Grossteil der Jugendlichen wechsle aufgrund einer Empfehlung der Volksschule ans Gymnasium. Damit seien die Anforderungen an die Schwimmerin strenger als gegenüber anderen Schülerinnen und Schülern. «Diese erhöhten schulischen Anforderungen und der damit verbundene grössere Schulaufwand stehen auch dem Sportgesetz entgegen, wonach es Nachwuchssportlern erlaubt sein soll, ihre schulische Ausbildung mit der Ausübung eines Spitzensportes zu verbinden.» Das Gericht rügt zudem, dass die Erziehungsdirektion das Mädchen erst kurzfristig aufgefordert habe, die Aufnahmeprüfung zu absolvieren. Das Kantonsgericht weist den Fall damit zurück an die Erziehungsdirektion.
Auf eigene Kosten
Die Synchronschwimmerin hat das neue Schuljahr am Gymnasium der Sportschule begonnen – zuerst einmal auf eigene Kosten. Ihr Anwalt Elias Moussa kritisiert, der Kanton betone gerne, dass er junge Sport- und Kunsttalente fördere. «Das ist manchmal aber auch mit Kosten verbunden, und da versucht der Kanton sehr oft, so wenig Mittel wie möglich zu sprechen.»
Freiburger Kantonsgericht, Entscheid 601 2017 113