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Microsoft übernimmt in einem knapp 69 Milliarden Dollar schweren Deal den grossen Gameanbieter Activision Blizzard. Der Konzern, der auch hinter der Xbox-Spielekonsole steht, sichert sich damit populäre Spiele wie "Call of Duty", "Overwatch" und "Candy Crush".
Microsoft bietet 95 Dollar je Aktie von Activision Blizzard – ein kräftiger Aufpreis auf den Schlusskurs von 65,39 Dollar am vorherigen US-Handelstag (vergangener Freitag). Die Spielefirma werde damit mit 68,7 Milliarden Dollar bewertet, wie Microsoft mitteilte.
Mehr wert als Linkedin und Nuance – zusammen
"Games sind die dynamischste und aufregendste Unterhaltungskategorie auf allen Plattformen und werden eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Metaversum-Plattformen spielen", so Microsoft-CEO Satya Nadella in der Mitteilung.
Microsoft, bereits im Besitz von Gamestudios mit bekannten Titeln wie "Doom" und "Minecraft", würde seine Marktposition mit Activision Blizzard deutlich stärken. Games der Firma locken monatlich knapp 400 Millionen Spieler an. Rund 245 Millionen davon entfallen auf den vor einigen Jahren von Activison Blizzard übernommenen "Candy Crush"-Anbieter King.
Die bisher grösste Übernahme von Microsoft war der Kauf von Linkedin 2016. Für das Karrierenetzwerk bezahlte der Konzern 26 Milliarden Dollar. Die zweitgrösste folgte 2021 mit dem Spezialisten für Spracherkennung Nuance: Wert – knapp 20 Milliarden Dollar. Im vergangenen Dezember gaben die Wettbewerbshüter der EU grünes Licht für den Deal.
Die britischen Wettbewerbsbehörden wollen die Übernahme aber noch untersuchen.
Vorwürfe gegen Manager des Unternehmens
Activision Blizzard mit Hauptsitz in Santa Monica, Kalifornien, wurde 2008 gegründet. Der bisherige Chef, Bobby Kotick, solle weiter an der Spitze der Firma bleiben, hiess es. Kotick war in den vergangenen Monaten nach Vorwürfen gegen Manager des Unternehmens wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung in die Kritik geraten.
Activision Blizzard war im Sommer vom US-Bundesstaat Kalifornien verklagt worden. Der Konzern habe eine sexistische Unternehmenskultur gefördert, bei der Frauen systematisch benachteiligt würden, kritisierte die für die Einhaltung fairer Arbeitsbedingungen in dem Bundesstaat zuständige Behörde DFEH. Die Firma wies die Vorwürfe zunächst weit von sich, beauftragte dann aber doch eine Anwaltsfirma mit der Aufklärung der Vorwürfe.
Laut einer Mitteilung von Activison Blizzard vom 17. Januar wurden seit Juli 2021 rund 3 Dutzend Angestellte wegen der Vorwürfe gefeuert oder haben das Unternehmen verlassen. Weitere 44 hätten "einen schriftlichen Verweis, eine formelle Verwarnung oder andere Disziplinarmassnahmen erhalten".
Deal soll bis Mitte 2023 abgeschlossen sein
In der Industrie wurde auch immer wieder die Frage aufgeworfen, ob ein Neuanfang bei Activision Blizzard mit Kotick an der Spitze überhaupt möglich sei. Er hielt sich jedoch mit Rückhalt seines Verwaltungsrates fest im Chefsessel. Nach Abschluss der Übernahme soll Activision Blizzard nun Microsofts Spiele-Chef Phil Spencer unterstellt werden, der damit Koticks Boss wäre.
Microsoft rechnet mit einem Abschluss des Deals bis Ende seines nächsten Geschäftsjahres, das bis Mitte 2023 läuft. Vorher muss unter anderem noch die Zustimmung der Wettbewerbshüter eingeholt werden.