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Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung klagt schon einmal über Rückenschmerzen.
Heute nehmen wir die Dorsalgie unter der Lupe, d.h. die Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule oder auch BWS-Syndrom genannt.
Ein Paar Worte über die Anatomie, um die Schmerzursachen besser zu verstehen…
Die Brustwirbelsäule:
- ist ein Teil der Wirbelsäule (siehe Bild oben) zwischen der Hals- und der Lendenwirbelsäule
- weist eine leichte physiologische Krümmung auf
- besteht aus 12 einzelnen Knochen (Wirbeln)
- ist der einzige Teil der Wirbelsäule, der mit den Rippen verbunden ist, daher ist sie weniger beweglich als der Rest der Wirbelsäule
- ist mit vielen verschiedenen Rückenmuskeln verbunden, die zu Kontraktur neigen und lang anhaltende Schmerzen oder Muskelkrämpfe verursachen können.
Welche sind die typischen Rückenschmerzen?
Es handelt sich meist um dumpfe oder drückende Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule. Sehr häufig sind hierbei auch die anliegenden Muskelpartien verhärtet und schmerzhaft. Die Beschwerden können einseitig, beidseitig oder auch den Bereich zwischen den Schulterblättern betreffen.
Da die Brustwirbelsäule mit den Rippen gelenkige Verbindungen bildet, sind die Schmerzen meist bewegungs- und/oder atemabhängig.
Viele unserer Patienten berichten darüber, dass die Beschwerden spät am Tag auftreten, manchmal sogar während des Schlafs, wobei einige Schlafpositionen die Schmerzen intensivieren.
Typisch ist es auch, dass die Patienten Erleichterung empfinden, wenn sie den schmerzhaften Rückenbereich kräftig drücken.
Welche sind die Ursachen?
Die Ursachen solcher Schmerzen sind vielfältig und verschieden:
- Mit am häufigsten werden die Schmerzen durch Blockierungen im Bereich der Brustwirbelsäule verursacht. Eine schlechte Körperhaltung, zu langes Sitzen, starkes wiederholtes Husten, plötzliche Drehbewegungen, oder Kälteaussetzungen können die Ursachen sein.
- Dauernder Stress und emotionale Somatisierung treten als Ursache für Rückenschmerzen im Brustwirbelsäulen-Bereich auch häufig vor. Die glatte Muskulatur wird anatomisch und physiologisch vom vegetativen autonomen System (Sympathikus und Parasympathikus) stark beeinflusst. Das macht sie besonders anfällig für emotionale Einflüsse. In solchen stressbedingten Fällen, hilft die Osteopathie am besten, weil sie das Gleichgewicht des gesamten Körpers wieder herstellt.
- Bestehende Pathologien wie z.B. die Tendenz zur Kyphose, eine Skoliose oder ein zu flacher Rücken können die Anfälligkeit von Rückenschmerzen steigern, wobei sie nicht die primären Auslöser sind.
- Triggerpunkte im Brustwirbelsäulen-Bereich sind auch häufige Ursachen. Die Triggerpunkte, oder auch Trigger Points genannt, sind lokalisierte Muskelverhärtungen, die den Schmerz in die naheliegenden Muskelgeweben ausstrahlen. Hier hilft am besten eine gezielte Triggerpunkt-Therapie. Mehr erfahren Sie in unserem ABC der Trigger Points.
- Eine Erkrankung der Wirbelsäulengelenke wie Morbus Bechterew oder rheumatoide Arthritis kann mit den schwersten Rückenbeschwerden in Verbindung stehen. Solche Krankheitsbilder können vom Arzt leicht diagnostiziert werden.
- Ein Bandscheibenvorfall oder eine degenerative Diskopathie (d.h. ein Prozess der progressiven Beschädigung der Bandscheiben) können auch die Rückenschmerzen verursachen oder bestehende Beschwerden verschlimmern. Man soll jedoch beachten, dass der Brustbereich der Wirbelsäule eher selten zu Bandscheiben-Erkrankungen neigt.
Falls die Rückenschmerzen im Brustwirbelsäulen-Bereich lange anhalten, empfehlen wir, den Arzt zu besuchen. Man sollte nämlich alle Krankheitsbilder ausschließen, die nicht vom Physiotherapeuten/Osteopathen behandelt werden können, wie z.B. eine Lungenentzündung.
Wie kann der Physiotherapeut helfen?
Diagnose
Der Physiotherapeut muss immer eine erste Untersuchung durchführen. Er muss den Zustand der Muskeln, der Knochen sowie die Beweglichkeit der Wirbelsäule testen und beurteilen. Wenn keine schwerwiegende Krankheitsbilder existieren, reicht das in der Regel, um eine Kontraktur oder Muskelverhärtung aufzuspüren.
Um den Zustand der Brustwirbel zu untersuchen, wird oft empfohlen, die betroffene Stelle zu röntgen. So können Verformungen zu Lasten der Knochenstruktur, z.B. die Existenz einer Kyphose oder einer Skoliose, sowie der allgemeine Zustand der Wirbelgelenke, der Bandscheiben und der Wirbelkörper bestimmt werden.
Beim Verdacht eines Bandscheibenvorfalls, hilft in der Regel eine MRI weiter.
Behandlung
Der Arzt verschreibt i.d.R. entzündungshemmende Medikamente, die keine oder nur eine zeitlich begrenzte Besserung ermöglichen, da sie auf die Ursache des Problems nicht wirken.
Die Behandlung durch einen Physiotherapeuten ist deshalb wichtig, um nicht nur die Schmerzen zu behandeln, sondern auch um die Schmerzursachen zu erforschen und zu therapieren.
Die Techniken zur Behandlung von Rückenschmerzen sind unterschiedlich:
- Massage und Stretching zur Entlastung der Muskulatur
- Trigger-Points Therapie
- Wärmetherapie zur Lockerung der Muskulatur
- Manipulation der Wirbelsäule durch manuelle Therapie
- Osteopathie
- Dry Needling zur Behandlung von Triggerpunkten: ist in letzter Zeit eine immer mehr gefragte Therapie, weil die Symptome von Rückenschmerzen innerhalb weniger Tage verschwinden.
- Kinesiotaping, um die die Rückenmuskulatur zu entspannen.
Damit die Behandlungserfolge auch wirklich anhalten, sollten die Patienten lernen, ihre Körperhaltung zu verbessern. Sie sollten z.B. beim Sitzen auf die Aufrechthaltung des Rückens aufpassen und einige regelmässige Rücken-Übungen als vorbeugende Maßnahme ausführen.
Falls die Rückenschmerzen als emotionale Somatisierungen auftreten, wird es empfohlen, einen Osteopathen zu konsultieren. Er wird die Blockade im Körper aufspüren und wird diese mit speziellen manuellen Techniken auflösen.
Zusammenfassung
- Die Rückenschmerzen im Brustwirbelsäulen-Bereich betreffen insbesondere die Stelle zwischen den Schulterblättern, zwischen dem Hals- und Lendenwirbelsäule. Sie können einseitig oder beidseitig auftreten.
- Eine richtige Diagnose ist extrem wichtig, weil diese Schmerzen verschiedene Ursachen haben könnten: Muskelbeschwerden? Knochenerkrankung? Oder eine viszerale Ursache?
- Die Behandlung besteht hauptsächlich aus Schmerzlinderung + Therapie der Schmerzursache, damit die Beschwerden nicht erneut auftreten.
- Die Untersuchung von Triggerpunkten ist oftmals der Schlüssel zur erfolgreichen Neutralisierung von Rückenschmerzen im Brustwirbelsäulen-Bereich.
- Eine bessere Körperhaltungs-Hygiene sollte ins tägliche Leben eingeführt werden, z.B. nicht zu langes Sitzen, auf einer guten Matratze schlafen, tägliche Übungen usw.
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