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So führte die Hitze technisch bedingt in allen Kernkraftwerken zu einer Wirkungsgradverminderung, wie sie jeden Sommer eintritt. Erreicht das Kühlwasser, das entweder wie in Beznau und Mühleberg zur direkten Kühlung verwendet wird, oder zur indirekten Kühlung durch Verdunstung im Kühlturm (Gösgen und Leibstadt) hohe Temperaturen, so sind auch hier Leistungseinbussen, resp. Wirkungsgradverminderungen die Folge.
Einerseits müssen bei der direkten Kühlung aus ökologischen Gründen behördliche Temperaturbegrenzungen am Kühlwasserauslauf von 32 °C (Beznau), resp. 33 °C (Mühleberg) eingehalten werden. Diese Forderung kann bei hoher Kühlwassereintritts-Temperatur nur durch eine Reduzierung der Blockleistung erfüllt werden. Die mittlere Leistungsreduktion des Block 2 von Beznau betrug im Juni 2003 knapp 0,5%. Für den Monat Juli lässt sich die Leistungsreduktion in beiden Blöcken mit durchschnittlich 1% beziffern. Im angebrochenen Monat August führten hohe Aarewassertemperaturen, hohe Lufttemperaturen und wenig Abkühlung in der Nacht zu Leistungsverlusten von 5-10%. Ein Drittel davon erklärt sich mit der Wirkungsgradverminderung, zwei Drittel gehen auf aktive Lastabsenkungen zur Einhaltung der 32 °C-Abgabelimite zurück. Die Leistung des Kernkraftwerks Mühleberg musste im Juni und Juli ebenfalls um einige Prozente gedrosselt werden, um die Rückflusslimite einzuhalten.
Andererseits wurde durch das warme Flusswassers die Kühlung in den Kühltürmen von Gösgen und Leibstadt weniger effizient. Leibstadt meldete, dass die Hitze während der Monate Mai, Juni und Juli während Tagen mit Temperaturen über 30 °C zu Leistungsverlusten bis zu 10% führte (Auslegungswert des Kühlturms liegt bei 8 °C). Der Gesamtverlust im Zeitraum bis zum Abfahren des Kernkraftwerks in Leibstadt am 2. August 2003 zur Revision bezifferte sich auf 56'980 MWh. In Gösgen hingegen führte die Jahrhunderthitze zu keiner Leistungsdrosselung, sondern bloss zu einer Wirkungsgradverringerung von 2-3%, bedingt durch die Auslegungstemperatur des Kühlwassers im Kühlturm von 22 °C.
In Deutschland und Frankreich sicherten sich die Behörden durch Erhöhung der maximalen Rückflusstemperatur des Kühlwassers die fortwährende Stromversorgung aus den Kernkraftwerken. So durfte in Frankreich vorübergehend an den Kernkraftwerkstandorten Cruas und Golfech um 1 °C, bei Cattenom und Nogent um 1,5°C und bei Bugey, Saint-Alban und Tricastin um 3 °C wärmeres Kühlwasser in die Flüsse eingespiesen werden. In Deutschland mussten zahlreiche Kernkraftwerke in mehreren Bundesländern ihre Leistung auf 80% drosseln (Neckarwestheim-1 und -2, Philipps-burg-1 und -2), obwohl die zuständigen Ministerien die Einleitung von wärmerem Kühlwasser erlaubten. Es ergaben sich aber, laut den Betreibern, zu keiner Zeit betriebliche oder sicherheitstechnische Probleme. In Grossbritannien, den Niederlanden und Schweden wird das Kühlwasser der Kernkraftwerke hauptsächlich direkt ins Meer eingeleitet. Dank kühlen Meerestemperaturen mussten keine speziellen Massnahmen getroffen werden.
Quelle
D.S. nach NucNet 13. August 2003, sowie Auskünfte KKM, KKB, KKG und Mitteilung KKL vom 14. August 2003