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Unsere Unterkunft war auf dem Grundstück des lokalen Projektleiters von iChange. Nico, Mama, Anna, Steph und Nico Jr. taten wirklich alles, um uns das Gefühl zu geben, dass dies unser Zuhause ist. Im hinteren Teil des ummauerten Geländes stand unser Freiwilligenhaus. Lange, heisse Duschen erwiesen sich schnell als ein Traum, da uns zur Mitte der ersten Woche hin das Wasser verloren ging. Aber alles kein Problem – per Hand heraufgeholtes Brunnenwasser, auf dem Herd erhitzt und dann mit einer Tasse über den Kopf geleert, fühlte sich nach einem langen Arbeitstag geradezu paradiesisch an! Unser Grundstück war neben uns auch von Hühnern, Hähnen, Truthähnen, Enten und Perlhühnern besiedelt, was recht unterhaltsam war. Allerdings waren die Perlhühner der Albtraum eines jeglichen, der sich mit dem Gedanken trug, am Morgen auch nur einige Minuten länger als der Sonnenaufgang zu schlafen.
Am nächsten Tag, als wir uns zum ersten Mal auf den Weg zur Schule machten, hatte ich die Gelegenheit, die Stadt Ndola etwas näher kennenzulernen. Und es sah zum grossen Teil einfach wie eine jede Stadt bei mir daheim aus. Bankfilialen reihten sich neben Restaurants und Supermärkten, und selbst ein riesiges Fussballstadion gab es. Dazwischen natürlich ein Haufen Leute, auf dem Weg zum Einkaufen, oder unterwegs, dicht gedrängt in einem der lokalen Minibusse. Nur der rote Erdstaub, sowie die etwas eigenartig aussehenden Bäume erinnerten einen daran, dass man sich in einem anderen Land befindet. Nur wenige Abbiegungen von der Hauptstrasse weg, kam man dann plötzlich nach Mackenzie, einer kleinen Siedlung am Rande von Ndola. Je näher wir an die Schule kamen, desto mehr veränderten sich auch die Gebäude. Wo es vorher mehrstöckige Betonstrukturen waren, standen nun kleine Häuser, mit oftmals nur ein oder zwei Räumen, die aus handgeformten und sonnengetrockneten Lehmziegeln konstruiert waren. Vierspurige Strassen verschwanden und machten Feldwegen Platz. Supermärkte wurden durch Miniläden am Strassenrand ersetzt, die Maismehl und getrockneten Fisch verkauften.
Als wir zur Schule in Mackenzie kamen, begrüssten uns einige der Kinder schon am Tor, wo sie uns stolz ihre roten Schuluniformen zeigten. Einige von ihnen konnten sich das Lachen nicht verkneifen, als sie uns Mzungus (Weisse) aus dem Bus klettern sahen, doch dann kam auch schon das Lehrpersonal und rief sie in die Klassenzimmer zum Unterrichtsstart.
Schon bald begannen wir mit der Arbeit, die zunächst daraus bestand, die Gräben für das Fundament der Schulgebäudeerweiterung auszuheben. Leider war weit und breit weder ein Bagger noch ein Lastwagen in Sicht; anstelle solcher Hilfsmittel hatten wir einige Schubkarren, Schaufeln und Spitzhacken. Dieser Ansatz wiederholte sich über unseren gesamten Trip hinweg: als es darum ging, den Betonrundstahl für das Fundament und die Pfeiler in die gewünschte Form zu bringen, standen uns eine Flachzange und Handeisensäge zur Verfügung. Zum Betonmischen hatten wir eine Handpumpe am Brunnen für das benötigte Wasser, einige Eimer zum Transportieren, riesige Häufen von Beton und Kies auf dem Boden und dann lokale Mitarbeiter, die alles per Hand zusammenmischten.
Auf uns alleine gestellt hätte es beim Projekt wohl nur wenig Fortschritte zu verzeichnen gegeben. Aber zum Glück waren wir nicht alleine, sondern eine tolle lokale Arbeitercrew übernahm die Federführung. Sie waren schon auf der Baustelle, als wir morgens ankamen, und blieben noch bis lange nach unserer täglichen Abfahrt. Diese Männer waren mit Abstand einige der am härtesten arbeitenden Leute, die mir in meinem Leben bisher begegnet sind. Schnell wurde mir bewusst, dass sie die von uns zu Hause oft benutzten technischen Hilfsmittel und Baumaschinen deshalb nicht verwendeten, weil sie sie einfach nicht brauchten. Das Team arbeitete so fliessend zusammen, keine Maschine hätte das besser machen können – oftmals hatte man das Gefühl, dass wir mehr im Weg waren, als wirklich Grossartiges zum Baufortschritt beizutragen. Wenn ich mich mit voller Kraft die Spitzhacke schwang, mussten einige der lokalen Arbeiter fast lachen – mehr als ein paar Krümelchen Erde hatte ich für meinen Aufwand nicht zu vermelden. Ganz im Gegensatz zu ihnen, die mit drei Schwüngen genug Erde freigelegt haben, um einen ganzen Schubkarren zu füllen. Schon nach nur wenigen Tagen arbeiteten wir hervorragend Seite an Seite durch Schmerzen und Blasen an den Händen (unsererseits).
Neben der Arbeit gab es noch viele andere Erfahrungen, die ich nicht so schnell vergessen werde. Am Wochenende gingen wir auf eine kleine Safari, abends hatten wir Kleingruppendiskussionen und spielten mit den anderen Freiwilligen Karten. Wir genossen lokale Spezialitäten wie Nshima und Kapenta, nahmen an einem Gottesdienst in einer lokalen Gemeinde teil, gefolgt von einem Barbeque. Darüber hinaus besichtigten wir eine Werkstatt, in der Holzlöffel in Handarbeit aus grossen Baumstämmen gefertigt wurden, und statteten der Madalitso Wits Sportakademie einen Besuch ab: hierbei handelt es sich um einen weiteren Partner von iChange, der in einem anderen Vorort ein tägliches Fussballprogramm für Kinder und Jugendliche nach der Schule anbietet. Wir hatten sogar die Chance, mit den Kids eine Runde Fussball zu spielen, inklusive Aufwärmtraining. Allerdings war es realistisch mehr der Versuch unsererseits, mit ihnen halbwegs mitzuhalten, während sie um uns herum Fussball spielten.
Alles in allem war die Reise – wie erwartet – durch viel harte Arbeit und Muskelkater geprägt; aber am Ende überwogen die neuen Eindrücke, was ich für mich persönlich lernen konnte, sowie das Wissen, Teil eines grösseren Ganzen gewesen sein zu können, durch das viel Gutes bewirkt wird.