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Frühling 2016
Bereits im 19. Jahrhundert ist ein erster grosser und aussergewöhnlicher Umzug durch Settelen belegt. Als 1895 das Tram in Basel verstaatlicht und elektrifiziert wurde, konnte Firmengründer Julius Settelen die meisten Rösslitrams nach Winterthur verkaufen. Auf Rechnung der Tramgarantiegenossenschaft Winterthur überführte er Ende Mai 35 Pferde, einen Teil seiner Betriebseinrichtung und fünf Tramomnibusse an die Töss. Dem aufsehenerregenden Umzug widmeten die «Basler Nachrichten» am 30. Mai 1895 einen blumigen Artikel: «In stattlichem Zuge brach der grössere Teil des Wagenparkes unserer frühern Pferde-Trambahn nach Winterthur auf. […] Auf flinkem Pferd ritt der Scheik Ibn Settelen, der Beherrscher des wandernden Tribus, mit prüfendem Blick die Reihe entlang, und fort gings durch den Pfefingertunnel.» Nach zweitägiger Schweizer Reise traf die «seltsame Karawane» in Winterthur ein. Dort gingen die neu lackierten Basler Tramomnibusse anlässlich des Eidgenössischen Schützenfestes wieder in Betrieb. In Winterthur wusste man das organisatorische Talent von Julius Settelen zu schätzen und beehrte ihn mit einem silbernen Schützenbecher
Ein anderer Grossumzug in eigener Sache ging im Herbst 1907 reibungslos über die Bühne. Die Droschkenanstalt Settelen bezog den Neubau an der Türkheimerstrasse. Nur ein paar Wochen nach dem Ableben von Julius Settelen wurden die Betriebe von der Davidsgasse (Personentransport) und der Solothurnerstrasse (Sachentransport) am neuen Domizil zusammengelegt. Pannen oder Zwischenfälle sind nicht dokumentiert, was bei einem Umzug von 128 Pferden und 229 Wagen - davon 15 Möbelwagen - keine Selbstverständlichkeit ist.
Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg begann Settelen als einer der ersten im Raum Basel mit der Motorisierung der Umzugsparte. Jetzt wurden auch Saurer Automöbelwagen und – für Stadtumzüge – Traktoren eingesetzt. Das Unternehmen galt bei schwierigen Umzügen als kompetent und zuverlässig. Es erstaunt deshalb nicht, dass auch das Radio Basel immer wieder die Dienste von Settelen beanspruchte. Als 1926 ein erstes richtiges Radiostudio im ersten Stock des Bahnhofs SBB in Betrieb genommen wurde, musste ein grosser Teil des technischen Inventars der 1913 eröffneten «Versuchsanstalt» aus dem Physikalischen Institut der Universität Basel «gezügelt» werden. 1932 mussten die Radiomacher das zu klein gewordene Studio im Bahnhof bereits wieder verlassen. Als Provisorium wurde eine Villa im Margarethenpark gefunden. Dieses Domizil erwies sich schnell als ungeeignet. 1940 zog das Radiostudio deshalb in einen Neubau an der Novarastrasse, wo es sich noch heute befindet. Alle diese Radioumzüge – bei denen nur motorisierte Möbelwagen und keine Pferde eingesetzt wurden – führte Settelen durch. Ob die Firma für den 2019 vorgesehenen Umzug in das Meret-Oppenheim-Hochhaus am Bahnhof Südportal im Gundeldingerquartier verantwortlich sein wird, steht noch in den Sternen.
1938 nahm eine andere lokale Institution – die Basler Kantonalbank (BKB) – die Dienste von Settelen in Anspruch. Die 1899 gegründete Staatsbank, die im ehemaligen Gasthaus «Zur Krone» an der Schifflände ihren ersten Hauptsitz hatte, zog vom Blumenrain 2 (heute: Hotel Trois Rois) in das neue Hauptgebäude an der Spiegelgasse. Bestaunt von zahlreichen Schaulustigen begannen am 26. Februar um 7 Uhr morgens 42 Transportarbeiter von Settelen mit dem Umzug. Berge von Formularen und Drucksachen, Aktenstösse, ungezählte Schreib- und Rechenmaschinen, Vervielfältigungsapparate, Tischlampen und auch Büromobiliar schleppten sie zum Teil noch mit Rückentragen zum und vom Möbelwagen. Bisweilen «wurden sie recht tatkräftig auch vom Bankpersonal unterstützt», wie die «National Zeitung» berichtete. Den wertvollsten Inhalt barg kurz nach 10 Uhr vormittags ein Settelen-Möbelwagen, «dessen Ein- und Ausladen sämtliche verfügbaren Fahndungsdetektive überwachten». Er transportierte Obligationen und Wertschriften im Wert von rund 300 Millionen Franken, um sie ebenfalls ins neue Bankgebäude zu überführen. Genau um 12 Uhr war der offizielle Umzug der Kantonalbank beendet. Zum Schluss dankte Bankdirektor Rudolf Wittmer den Mitarbeitern von Settelen und den Detektiven «für die prompte Arbeit und überreichte einem jeden als Anerkennung einen Kantonalbank-Fünfliber!». 74 Jahre später gab es ein «Nachspiel»: Mit Nacht- und Sonntagseinsatz zügelten drei Teams von Settelen die 141 Arbeitsplätze des Handelszentrums der BKB in den Südpark – wobei der letzte Arbeitsplatz erst nach Börsenschluss in New York abgebaut werden konnte.
Spätestens um 1960 begann die Zusammenarbeit von Settelen mit der damaligen «Basler Chemie». Als im November jenes Jahres der Pharmaverkauf der Geigy AG einen neuen Standort bekam, transportierten 12 Möbelpacker und Chauffeure von Settelen jeweils in den Nachmittags- und Nachtstunden 42 volle Möbelwagen. «Wer zugeschaut hat, wie die Mannen Gewichte hoben, unter denen ein armer Büromensch platt gedrückt worden wäre, der zog im Geiste den Hut. Alles verlief termingerecht, ohne Unfälle und ohne jede Beschädigung oder Verluste», berichtete die Werkzeitung der Geigy.
Seither sind Settelen und die «Basler Chemie», die sich zum Pharmastandort Basel gewandelt hat, unzählige Partnerschaften eingegangen. Die Fusionen zur Ciba-Geigy (1970) und vor allem zur Novartis (1996) führten zu fast übervollen Auftragsbüchern. Auch heute ist Settelen für lokale Umzüge von Roche und Novartis verantwortlich.
Für grosses mediales Aufsehen sorgte ein Grossumzug von Settelen zu Beginn des Jahres 2011. Damit das neue Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) termingerecht seinen Betrieb aufnehmen konnte, musste der gesamte Umzug von den beiden bisherigen Standorten Bruderholz (BL) und Römergasse (BS) in den Neubau an die Spitalstrasse 33 in Basel an einem einzigen Tag durchgeführt werden. Bereits am Morgen wurden alle stationären Patienten mit 16 Rettungsfahrzeugen aus der ganzen Nordwestschweiz und der Unterstützung eines Reisecars von Settelen in den Neubau transportiert. Danach pendelten neun Möbelwagen zwischen den beiden alten Standorten Römergasse oder Bruderholz und dem neuen UKBB an der Spitalstrasse. Über 40 Packer, Träger und Chauffeure der Settelen AG waren im Einsatz. Sie be- und entluden 50 Möbelwagen-Ladungen, unter anderem mit Tausenden von Bücher-, Ordner- und Bildschirmkartons. Laut der «Neuen Zürcher Zeitung» war die Bilanz am Abend erfreulich: «Der Umzug während des laufenden Betriebs klappte störungsfrei.»
Viele grosse Auftraggeber von Settelen sind verschwunden, genauso der erste Möbelwagen und die Pferde; oder die schweren Holzpackkisten für Geschirr, die Weidenkörbe für Wäsche und die Rückentragen. Geblieben ist der Anspruch des Unternehmens, auch ausgefallene Grossumzüge termingerecht und ohne Pannen abzuwickeln. Heute stehen Settelen dafür zehn schwere und zehn kleine Automöbelwagen sowie vier Anhänger und fünf Fassadenlifte zur Verfügung.