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Nachlass Marcus Cohn
Prozession und Einweihung des neuen Lehrhauses, Basel, 19.6.1932
Der Nachlass von Marcus Cohn (17.7.1890-16.11.1953) wurde dem Archiv für Zeitgeschichte 2015 vermittelt und im Jahr darauf von den Nachkommen Cohns als Schenkung überlassen.
Flüchtlingshilfe im Anwaltsbüro
Der rund drei Laufmeter umfassende Nachlass Marcus Cohn gibt einen fragmentarischen Einblick in dessen Wirken in unterschiedlichen jüdischen Vereinen und Organisationen der Schweiz, sowie in seine private Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe während des Zweiten Weltkriegs. Obwohl die meisten Unterlagen aus der Tätigkeit von Marcus Cohn zwischen 1920 und 1950 stammen, umfasst der Bestand auch einige Dokumente von dessen Vater, Rabbiner Arthur Cohn, die bis ins Jahr 1886 zurückreichen.
Nebst seiner juristischen Tätigkeit engagierte sich Marcus Cohn von seiner Kanzlei in Basel aus für eine von ihm privat organisierte Flüchtlingshilfe. Die wenigen Dokumente, die aus dieser Tätigkeit überliefert wurden, insbesondere Korrespondenzdossiers und von Cohn ausgestellte südamerikanische Pässe, zeugen von seinem grossen Engagement. Die Korrespondenz mit ausländischen, meist niederländischen Juden zeigt auf, wie sich Cohn darum bemühte, ihnen den Weg über die Schweiz nach Südamerika, Palästina, oder in andere sichere Länder zu ermöglichen. Durch seine Kontakte mit verschiedenen Botschaften in Bern konnte er Blanko-Pässe von Uruguay und Paraguay organisieren und diese notariell beglaubigt auf die Flüchtlinge ausstellen lassen. Obwohl nur lückenhaft, lassen vorhandene Korrespondenz und Handakten erahnen, wie aufwändig und zeitintensiv Cohns Arbeit war, und mit wie viel Elan er und auch seine Frau Rose sich einsetzten.
Zionistisches Engagement
Als Sohn des ersten vollamtlichen Rabbiners der jüdischen Gemeinde Basel folgte Marcus Cohn dem Vorbild seines Vaters nicht in Profession, aber im Engagement. So war er nicht nur während insgesamt über 25 Jahren im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Basel aktiv, sondern amtete auch mehr als zehn Jahre als Präsident des Schweizerischen Zionisten-Verbands. Als langjähriges Mitglied des Central Comites und der Geschäftsleitung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) war er ausserdem darum bemüht, ein jüdisches Lehrerseminar zur Ausbildung von jüdischen Lehrpersonen aufzubauen. Aus verschiedenen Gründen wurde dieses Unterfangen nach rund fünf Jahren wieder eingestellt. Cohn setzte sich sehr erfolgreich für die Weiterführung der Stiftung Israelitisches Lehrhaus Basel ein, ein Amt ,das er von seinem Vater übernommen hatte, und war federführend in der Leitung des Neubaus des Lehrhauses. Nebst weiteren Tätigkeiten in verschiedensten Organisationen, einschliesslich der Jüdischen Volkspartei, als Vertreter der Schweiz an mehreren Zionistenkongressen, und diversen Basler Organisationen, stellte er sich als Privatkläger im Basler Prozess gegen die Verbreiter der Protokolle der Weisen von Zion in den 1930er Jahren zur Verfügung.
Marcus Cohn wurde 1950 nach Israel berufen, um an der Rechtsgrundlage des neuen Staats mitzuarbeiten. Aus gesundheitlichen Gründen musste er sich zwei Jahre später in die Schweiz beurlauben lassen und starb Ende 1953 in Ascona.