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Das Musikzimmer – Plattform für experimentell elektronische Musik existiert seit 2006 und wurde unter anderem aufgrund einer der Schwerpunkte (Klangkunst) des Ausstellungsprogramm vom Kunstraum Aarau ins Leben gerufen. Das Musikzimmer ist ein Sublabel vom Kunstraum Aarau und funktioniert als eigenständige Plattform. Konzerte die während den Klangkunst-Ausstellungen stattfanden wurden nur dann als Musikzimmer deklariert, wenn zusätzlich zum ausstellenden Künstler, zur ausstellenden Künstlerin, externe MusikerInnen eingeladen wurden.
Die Musikzimmer finden meist zwischen Donnerstag und Sonntag statt. Um den BesucherInnen einen abwechslungsreichen Abend bieten zu können werden meist Doppelkonzerte veranstaltet. Es wird darauf geachtet, dass jeweils eine Formation aus der Umgebung (Aargau oder Deutschschweiz) und eine Formation aus dem Ausland oder ausserhalb der Deutschschweiz eingeladen wird. Dies wird auch von den beteiligten MusikerInnen geschätzt; kann man sich so doch über neue Techniken, Releases oder geplante Tourneen austauschen. Die Konzerte werden nicht nur von Aargauern und Aargauerinnen geschätzt, wir sprechen mittlerweilen ein breites Publikum, über die Kantonsgrenze und sogar über die Landesgrenze hinaus, an.
Die Anfänge der Klangkunst gehen zurück auf die 10er Jahre des 20. Jahrhunderts; Klangkunst ist somit keineswegs so neu, wie ihre erst seit den achtziger Jahren in größerem Maße einsetzende Rezeption vermuten läßt. Der italienische Künstler und Futurist Luigi Russolo, nahm 1913 in seinem futuristischen Manifest “L‘arte dei rumori“ (Die Kunst der Geräusche), erstmals ausdrücklich auf das Geräusch Bezug und entwickelte als Repräsentation seiner Idee mechanische
Klang- und Geräuscherzeuger, die Russolo „Intonarumori“ (Geräuschmaschinen) nannte. Eric Satie, der als Vorreiter der „Minimal Music“ gilt, entwickelte 1917 die musique d‘ameublement, eine Musik zum Weghören, im Sinne von Hintergrundmusik. Musik sollte nicht zwingend ablenkend wirken, sondern eher das Gehör auf die Geräusche des Alltags sensibilisieren. In den von Satie komponierter Bühnenmusik benutze er oft Motoren- und Schreibmaschinengeräusche, Schiffssirenen oder andere Alltagsklänge, die er quasi als Instrumententöne in seine
Kompositionen einfliessen liess, oder die Geräusche, einfach als solche, musikalisch behandelte. So gesehen kann Satie als der Begründer der musikalischen Ready-mades gesehen werden. Der Begriff Readymade passt nicht nur weil der Umgang mit der Materie (Alltagsklänge/Alltagsgegenstände) und die dahinterliegende Philosophie eine ähnliche wie bei Duchamp ist, sondern weil sie auch miteinander befreundet waren und gemeinsam in Projekten wirkten (z.B.
Relâche) Neben Arnold Schönberg, (Komponist, Musiktheoretiker, Maler † 1951) war auch Satie ein grosses Vorbild von John Cage. So spielte Cage Saties Kompositionsstück Vexatations, aus dem Jahre 1893, eine kurze Passage für Piano, 840 mal wiederholt. In Cages‘ berühmtestem Stück, „4‘33“, geschrieben für Piano wird weder eine Klaviertaste angeschlagen noch auf andere Weise einen Ton vom Musiker gespielt. Das Stück beginnt mit dem Öffnen des Klavierdeckels, doch während 4 min. 33 sec. passiert nichts (komponiertes). Das Publikum wird zum Charakter der Aufführung. Es räuspert sich, rutsch auf dem Stuhl herum und gibt so 4‘33 den Klang (oder die Stille).
Was für Eric Satie vielleicht Marcel Duchamp an Einfluss hatte, kann für John Cage der Amerikaner Robert Rauschenberg bewirkt haben. Sollen doch die „white paintings“ die Inspiration für 4‘33 gewesen sein. Sowohl auf den „white paintings“ wie auch in 4‘33 „fehlte“ die eigentliche „Substanz.“ Den Bildern die Farbe und der Komposition der Ton. Und trotzdem, oder gerade desshalb, werden beide Werke für ihre Sinnbilder (Umgang mit Farbe und Klang) bekannt und geschätzt.