Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03408.jsonl.gz/3665

Vernachals die zehnte
Muse oder die franz. Kalliope gefeiert zu werden. Obgleich Zeitgenossin Boileaus und
Racines, bleibt sie doch eine Vertreterin des vorklassischen preciösen
Geschmacks.
Ihre Oden,
Episteln und dramat.
Dichtungen
sind unbedeutend. Wahres poet. Gefühl lebt in ihren kleinern Gedichten, besonders in den Madrigalen. Für die
Kinder des
GrafenArtois wurden ihre
«Vers allégoriques» gedruckt, die überhaupt, vorzüglich aber in der zweiten,
mit Versen von Racine vermehrten
Auflage eine bibliogr. Seltenheit sind. Sie starb zu
Paris.
[* 2] Die vollständigste
Ausgabe ihrer Werke, nebst den Gedichten ihrer Tochter, Antoinette
Therese Derwisch, geb. gest. zu
Paris, ist die von Crapelet (2 Bde., Par.
1799). Einen
Auszug aus ihren und
Chaulieus Gedichten gab
Friedrich II. heraus (Berl. 1777). -
Vgl. Péricaud aîné, Les deux
Derwisch
(Lyon
[* 3] 1853);
Deltour, Les ennemis de Racine (4. Aufl., Par. 1884);
Tochter des Langobardenkönigs
Desiderius (s. d.), wurde 770 mit
Karl d. Gr. vermählt, von diesem aber
schon 771 aus unbekannten
Gründen verstoßen. Da die Verfeindung von
Franken und Langobarden in des Papstes Politik paßte,
so nahm dieser keinen Anstoß daran, daß
Karl alsbald eine andere Gemahlin nahm.
der letzte König der Langobarden, war
Herzog von Tuscien und trat beim
Tode des Königs
Aistulf 756 als
Bewerber um die
Krone auf, die ihm von
AistulfsBruder Rachis streitig gemacht wurde. Durch Unterstützung des Papstes
Stephan
II. und der
Franken gewann Desiderius die Oberhand, hatte aber dafür dem Papste Landabtretungen versprechen müssen,
die er als König nicht halten konnte. Der fränk. König Pippin vermittelte den Streit, und
zeitweise fand das Papsttum in Desiderius eine Hauptstütze, verfolgte ihn aber mit kaum glaublichen
Beschimpfungen, als
Karl d. Gr.
eine Tochter des Desiderius,
Desiderata, zur Gemahlin nahm.
Papst
Stephan III. fürchtete durch diese
Verbindung den Rückhalt zu verlieren, den er an den
Franken gegen die Langobarden
hatte.
Karl d. Gr. löste die
Ehe bald wieder, und als Desiderius nun, vielleicht auf die Weigerung des Papstes, die beiden
Söhne von
Karls d. Gr.
Bruder Karlmann zu fränk. Königen zu salben, 773
Rom
[* 6] bedrohte, unterwarf
Karl das Langobardenreich
und verbannte 774 den Desiderius nebst Frau und
Töchtern in fränk. Klöster. Die Versuche seines
Sohnes Adelgis, mit Hilfe der
Byzantiner
die Selbständigkeit des Langobardenreichs herzustellen, scheiterten,
Adelgis selbst wurde 788 gefangen und getötet.
Benevent, wo eine Tochter des Desiderius, Adalperga, mit dem
Herzoge Arichis verheiratet war, huldigte
Karl d. Gr.
Eine andere Tochter des Desiderius, Luitberge, war mit dem Bayernberzoge
Tassilo vermählt.
Daß eine Tochter des Desiderius, in Liebe zu
Karl
entbrannt, ihm Pavia geöffnet, also den
Vater verraten habe, jedoch von den Hufen der fränk. Rosse im
Thore zertreten worden sei, gehört der Sage an, die überhaupt den
Untergang des Langobardenreichs umsponnen hat.-
Vgl. S.
Abel, Jahrbücher des
FränkischenReichs unter
Karl d. Gr., Bd. I (2.
Aufl., bearbeitet von Simson, Lpz. 1888):
Paulus Diakonus und die übrigen Geschichtschreiber der Langobarden, übersetzt
von O.
Abel (in den «Geschichtschreibern der deutschen Vorzeit»,
neu bearb. von Jacobi, Lpz. 1879).
Behufs Verwendung als Gewehrpulver werden beide
Teile im Verhältnis von 3 zu 9 verwendet
und wird noch ein
Teil Holzkohle hinzugesetzt. Designolles Pulver ist bei der Herstellung und Handhabung wegen seiner großen
Empfindlichkeit gegen Reibung
[* 11] und
Stoß gefährlich.
[* 12] (frz.), die Unschädlichmachung der
Krankheiten erregenden Ansteckungsstoffe oder
Kontagien (s. d.). Seitdem man die
Ursache einer ganzen Reihe der verschiedensten und gerade der gefährlichsten und verheerendsten
Krankheiten, wie
Pocken, Diphtherie,
Tuberkulose,
Typhus,
Cholera, Pyämie,
Rotlauf, Wundstarrkrampf
(Tetanus), Hospitalbrand u. a.,
in dem Auftreten gewisser niederer, zu den
Spaltpilzen oder
Bakterien (s. d.) gehörender Organismen erkannt hat, deren
Verbreitung die Übertragung der
Krankheit von einem Individuum auf das andere, oder die
Ansteckung, veranlaßt, ist
die Möglichkeit gewährt, mit mehr oder weniger Erfolg der Ausbreitung solcher
Krankheiten durch Abtöten der betreffenden
krankheiterregenden Mikroparasiten entgegenzuwirken. Es ist dies
Aufgabe der Desinfektion, welche demnach mit der
Heilung der
Krankheiten
direkt nichts zu schaffen hat, sondern die vorhandene
Krankheit auf die möglichst geringe Zahl von Individuen
zu beschränken und ganz vorzugsweise als vorbeugende Maßregel zu gelten hat. Die günstigen Erfolge, welche bislang durch
die Desinfektion erzielt sind, gründen sich auf die Erkenntnis der meisten Ansteckungsstoffe als Lebewesen, als
Spaltpilze.
¶
mehr
Ob aber einer jeden Krankheit eine besondere Art dieser Pilze
[* 14] eigen, wie es von vielen angenommen wird, oder aber ob es nur
wenige Arten von Spaltpilzen giebt, die je nach Umständen die eine oder andere Form der Krankheiten hervorrufen, darüber sind
die Ansichten noch verschieden. Solange dieses aber der Fall ist, solange man nicht die Lebensbedingungen
eines jeden Ansteckungsstoffes genau kennt, muß man sich damit begnügen, bei der Desinfektion auf dem Wege der Erfahrung
vorzugehen und solche Mittel in Anwendung zu dringen, von denen erfahrungsmäßig festgestellt ist, daß sie derVermehrung
der kleinsten lebenden Organismen im allgemeinen hinderlich sind.
Da zwischen den Krankheitsbakterien und den Fäulnisbakterien große Ähnlichkeit
[* 15] besteht, so werden beide
vielfach miteinander verwechselt, und man ist geneigt, alles was zur Unterdrückung von Fäulnisprozessen geeignet ist, auch
als wirksames Desinfektionsmittel gelten zu lassen, ja man glaubt oft sogar mit der Beseitigung äußerer Fäulniserscheinungen,
wie übler Gerüche, auch zugleich das Ursächliche der Krankheitserregung zu vernichten. Wenn auch ersteres
in vielen Fällen richtig ist, wenn man mit der Unterdrückung von Fäulnisprozessen zugleich die meisten Krankheitserreger,
wenn solche vorhanden sind, vernichten kann, so ist doch nicht erwiesen, ob letztere alle in dieser Beziehung sich gleich
verhalten, und daß in dieser Beziehung sehr erhebliche Verschiedenheiten vorkommen können, erhellt am
besten aus der ungleichen Widerstandsfähigkeit der kleinsten Organismen gegen Erhitzung.
Während den bei weitem meisten krankheiterregenden Mikroorganismen durch Erwärmen auf 50 bis 60° C. in Flüssigkeiten
sicherer Tod gebracht wird, gehen andere aus stundenlang fortgesetztem Kochen ungeschädigt hervor. Besonders widerstandsfähig
sind die mit einer besondern Kapsel versehenen sog. Sporen. Es sei dieses nur erwähnt, um zu beweisen,
daß ein Mittel, welches unter gewissen Umständen sichern Erfolg gewährt, unter andern Umständen erfolglos bleiben kann.
Sicher erfolglos ist die alleinige Anwendung von Desodorisationsmitteln (s. d.).
Bei der praktischen Desinfektion hat man zwei Ziele ins Auge
[* 16] zu fassen:
1) Die Verhütung der Ansammlung größerer Mengen von Ansteckungsstoffen und 2) die möglichste Vernichtung
derselben. Die Übertragung der Ansteckungsstoffe geschieht in den meisten Fällen dadurch, daß diese in der Luft schwebend
den Körper erreichen und sich in diesem mit größter Geschwindigkeit vermehren. In je größerer Zahl die Organismen in
einem gegebenen Luftraume enthalten sind, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit der Übertragung
auf die darin Weilenden; bei steter Wiederaufnahme eines Krankheitsstoffes wird die Genesung verzögert, die Gefahr der Ansteckung
durch die sich mehr und mehr ansammelnden Organismen vergrößert.
Diesem ist durch kräftigste Ventilation (s. d.) vorzubeugen. Mit jedem Raumteil Luft, das
aus einem Krankenzimmer hinausgeschafft wird, entweichen Millionen von Organismen, die hier nur Verderben bringen können.
Nichts kann mehr Schaden bringen, als die aus Unkenntnis so vielfach vorgenommene Absperrung der frischen Luft in Krankenräumen;
je mehr reine Luft hier zugeführt wird, um so eher ist auf Genesung zu hoffen, um so geringer auch die
Gefahr für die mit der Pflege des Patienten Betrauten.
Die an das Wunderbare grenzenden Erfolge des Barackensystems sind die deutlichsten Beweise für
diese Thatsache. Diese natürlichste
Art der Desinfektion ist aber nicht allein auf Krankenräume, sondern ganz besonders auch für die zum dauernden Aufenthalt
von gesund zu erhaltenden Menschen bestimmten Räume anzuwenden. Es gilt dies insbesondere von Schulräumen,
in denen die für Krankheiten empfänglichen Kinder täglich viele Stunden zu verweilen haben. Ein einziges Kind kann in seinen
Kleidern wie an seinem Körper die Aussaat zur Krankheit mitschleppen, welche bei genügender Lüftung sich zerstreuen, in der
stagnierenden Atmosphäre aber Masern, Scharlachu. dgl. verbreiten kann.
Die Vermehrung aller niedern Organismen kann nur bei Gegenwart von Feuchtigkeit, von leicht zersetzbarer organischer Substanz
und bei gewisser Wärme
[* 17] erfolgen. Bei der Bekämpfung der Ansteckungsstoffe sind daher diese Existenzbedingungen derselben
vor allem in das Auge zu fassen. Die beim zu frühen Beziehen neugebauter Wohnungen fast regelmäßig
ausbrechenden Krankheiten werden nicht, wie irrtümlich angenommen, durch einen zu hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft oder
durch mangelnde Wärme herbeigeführt, sondern dadurch, daß die Mikroorganismen an den mit Wasser gesättigten Wänden sich
üppig vermehren können und von da aus sich in die Luft verbreiten. Die gründliche Austrocknung sowie
das Verbot des Bewohnens von feuchten Kellerwohnungen sind nicht genug zu beachtende desinfektorische Maßnahmen.
Überall, wo leicht zersetzbare organische Substanz, i. Unrat aller Art sich ansammelt, ist eine Brutstätte für Spaltpilze
gegeben, die als harmlose Fäulniserreger auftreten können und sich dann durch den von ihnen verbreiteten Geruch zu
erkennen geben, andererseits aber auch Krankheitsträger sein können. Man dulde daher in keinem Teile der Wohnung die Ansammlung
irgendwelcher Stoffe dieser Art. Man kann im allgemeinen sagen, daß die Gesundheit einer Wohnung direkt proportional dem
in ihr herrschenden Reinlichkeitsgrade sei.
Aber selbst in der reinlichsten Wohnung kann es verderbenbringende Räume, ja ganz bestimmt umschriebene
Stellen geben, von denen sich Krankheiten, wie Typhusu. dgl. verbreiten. Die Ursache hiervon liegt nicht selten an Stellen, die
dem sorgsamsten Auge verborgen, der reinlichsten Wirtschafterin nicht zugängig sind. Es sind dies die durch den Belag der
Fußböden verdeckten Räume zwischen den Etagen, die sog. Zwischendecken, zu deren Ausfüllung manchmal,
statt eines reinen Sandes oder sonstigen von organischen Stoffen freien Materials, alter Bauschutt u. dgl. verwandt wird. Ist
solcher Schutt, wie nicht selten, schon mit Krankheitsträgern beladen, oder ist er mit organischen Substanzen imprägniert,
so kann von solchen Stellen und durch lange Zeiten hin der Ausgangspunkt von Krankheiten sich entwickeln,
ohne daß man ihre Ursache wahrnimmt.
Die Vernichtung vorhandener Ansteckungsstoffe kann durch Erhitzung erfolgen, der, wenn sie genügend weit getrieben wird,
kein lebendes Wesen zu widerstehen vermag, oder durch Anwendung solcher Substanzen, Desinfektionsmittel, die sich als Gifte
für die Spaltpilze erwiesen haben. Der Desinfektion durch Hitze sind am leichtesten alle leinenen
oder baumwollenen Stoffe, die Bekleidungsstücke, Bettwäsche der Kranken zu unterziehen, indem man sie unmittelbar nach dem
Gebrauch in einen mit siedendem Wasser gefüllten Kessel wirft und sie einige Zeit kochen läßt. Steht ein Apparat zur Verfügung,
¶