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|Abt Craloh (942-958)

Abt Craloh
Craloh, 942-958. Nach Thietos Rücktritt wurde dessen leiblicher Bruder Craloh am 31.5.942 zum Abt gewählt. Im Profeßbuch läßt sich Craloh nachweisen. Vor seiner Wahl zum Abt von St. Gallen ist er nur selten faßbar. Da er im Mönchsverzeichnis von 895 nicht vorkommt, wird er nach diesem Datum ins Kloster eingetreten sein. Am 27.10.920 ist er als Schreiber einer Urkunde belegt. Als Abt ist er urkundlich erstmals am 12.6.947 faßbar, als er von Otto 1. das Markt- und Münzrecht für Rorschach erhielt. Craloh stand vor der schweren Aufgabe, das nach dem Brande von 937 zerrüttete Kloster wieder herzustellen. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte er gewissen Erfolg, denn zwischen 948 und 957 sind acht Güterübertragungen an das Kloster St. Gallen erhalten. Cralohs Verhältnis zu seinen Mönchen war wegen seiner unerbittlichen Strenge bei der Wiederherstellung der Klosterdisziplin nicht gut. Im Zuge dieser Reformen erneuerte er 945 die Gebetsverbrüderung mit dem Kloster Reichenau. Zum offenen Bruch zwischen dem Abt und dem Konvent kam es beim Aufstand Liudolfs von Schwaben gegen Otto I. im Jahre 953/54, wobei die Mehrheit der Mönche zum jungen Herzog, Craloh hingegen zu Otto hielt. Der Abt floh an den Hof Ottos und kehrte erst nach der Niederwerfung des Aufstandes wieder zurück. In der Zwischenzeit regierte der vom Konvent gewählte Gegenabt Anno. Bei der Rückkehr Cralohs verharrte der Konvent unter der Führung des Mönches Viktor im Widerstand. Erst Bischof Ulrich von Augsburg brachte eine Versöhnung zustande. Doch als Viktor, auf der Flucht zu seinen Verwandten von Kriegsleuten, die ihm Craloh nachgeschickt hatte, geblendet wurde, war das Vertrauensverhältnis zwischen dem Abt und den Mönchen restlos gestört. Craloh zog sich der Streitigkeiten müde auf das Klostergut in Herisau zurück, wo er am 26.2.958 starb.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)