Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03368.jsonl.gz/45

Ein derartiger Tauschhandel ist weder gegen die Natur, noch ist er eine besondere Form der Erwerbskunst (denn er dient nur zu Erfüllung der naturgemässen Autarkie [ d.h. Selbstversorgung, Anm. d. Red.]; allerdings ensteht aber folgerichtig aus ihm jene andere Kunst (der Handel). Denn durch die Einfuhr dessen, was man entbehrt und die Ausfuhr des Überschusses dehnte sich die Hilfeleistung über die Landesgrenzen hinaus aus, und so ergab sich mit Notwendigkeit die Verwendung von Geld. Denn nicht alle naturgemäss notwendigen Güter sind leicht zu transportieren. Also kam man überein, beim Tausch gegenseitig eine Sache zu nehmen und zu geben, die selbst nützlich und im täglichen Verkehr handlich war, wie Eisen, Silber usw. Zuerst bestimmte man einfach nach Grösse und Gewicht, schliesslich drückte man ihr ein Zeichen auf, um sich das Abmessen zu ersparen. Denn die Prägung wurde als Zeichen der Quantität gesetzt.
Als nun schon das Geld aus den Bedürfnissen des Tauschverkehrs geschaffen war, entstand die zweite Art der Erwerbskunst, die Kaufmannskunst, anfangs wohl nur einfach, später kunstmässiger aufgrund der Erfahrungen, woher und wie man Güter vertauschen müsse, um den grössten Gewinn zu machen.
Darum scheint sich die Erwerbskunst vor allem auf das Geld zu beziehen, und ihre Aufgabe scheint darin zu bestehen, zu erkennen, woher man das meiste Geld gewinnen kann; sie gilt dann als Erzeugerin des Reichtums und des Geldes. Denn als Reichtum versteht man oft eine Menge von Geld, da nämlich eben dies das Ziel der Erwerbskunst und der Kaufmannskunst sei.
Für andere wiederum gilt das Geld als ein Unsinn und reine gesetzliche Fiktion. In keiner Weise von Natur gegeben; denn wenn jene, die es verwenden, es verändern, so ist es nichts mehr wert und für die notwendigen Bedürfnisse nicht zu gebrauchen; oftmals hat einer viel Geld und ermangelt der notwendigen Nahrung. Und dies muss doch ein unsinniger Reichtum sein, bei dessen Besitz man Hunger sterben könne, wie man es von jenem Midas erzählt, dem wegen der Unersättlichkeit seiner Wünsche alles, was ihm vorgesetzt wurde, zu Gold wurde.