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Der 46-jährige Ali lebt mit seiner Frau Aïcha und seinen fünf Kindern in der Bekaa-Ebene – jenem Flachland im Libanon, in dem Hunderttausende aus Syrien geflüchtete Familien Schutz vor dem Krieg suchten. Auch die Familie Mawas stammt aus Syrien: 2012 verliessen sie ihr Land und flohen in den Libanon.
Sehr schwierig, aber «okay»
Bis zum September 2018 verdiente Ali als Tagelöhner in der Bekaa-Ebene 10 US-Dollar pro Tag – und damit kaum genug, um seine Familie zu ernähren. Aïcha arbeitete in der Landwirtschaft und konnte so weitere 4 Dollar pro Tag zum Familieneinkommen beitragen. Da beide aber Gelegenheitsarbeiter waren, verdiente die Familie monatlich höchstens 250 Dollar. Damit konnte sie einen Teil ihrer Grundbedürfnisse decken: Unterkunft (monatliche Zeltmiete von 50 Dollar), Nahrung, Kleidung und Reisekosten für Alis Arbeitsweg.
Gesundheit und Bildung hingegen waren ein Luxus, den sich die Familie nicht leisten konnte. Alis achtjährige Tochter Khatoum kam mit einer Zerebralparese zur Welt, einer Erkrankung, die ihre Bewegungsfähigkeit, Motorik und Muskulatur beeinträchtigt. Sie leidet ausserdem an einem angeborenen Schielsyndrom. Beide Krankheiten wurden nicht angemessen behandelt – weil die Familie schlicht das Geld dafür nicht hatte. Keines der Kinder geht zur Schule, denn auch dafür reicht das Geld nicht. Doch wenn Ali Mawas heute an diese bereits unglaublich schwierige Lebenssituation zurückdenkt, meint er: «Es war okay damals, wir kamen zurecht.»
Wie viel kann eine Familie ertragen?
Denn im September 2018 verschlechterte sich die Situation dramatisch: Ali erlitt eine Hirnvenenthrombose: Sein Gehirn wurde eine Zeit lang nicht mehr genug durchblutet, was schwere Schäden und Lähmungen verursachte. Das Schlimmste: Ali konnte sich auch dafür die Behandlung nicht leisten. So rutschte die Familie Mawas noch tiefer in die Armut ab. Aïcha musste ihre Arbeit ganz aufgeben, um ihren Mann zu pflegen. Die Familie hatte kein Einkommen mehr und erhielt keinerlei Unterstützung. Die Schulden begannen zu wachsen.
Als die freiwilligen Helferinnen und Helfer von Caritas Libanon die Mawas' trafen, bangte die Familie um ihre Unterkunft: Auch die Zeltmiete konnten sie längst nicht mehr bezahlen. Der Schuldenberg war auf 2000 Dollar angewachsen.
Das Schlimmste verhindert
In dieser äusserst schwierigen und belastenden Lage unterstützte die Caritas die Familie Mawas mit einem besonderen Hilfsprojekt: «Schutz durch Soforthilfe mit Geldzahlungen» (ESCAPE; Emergency Cash for Protection). Das von der Glückskette und der Organisation Americares unterstützte Projekt schafft ein soziales Sicherheitsnetz für bedürftige Flüchtlinge und libanesische Familien. Wer durch einen unmittelbaren Schicksalsschlag – zum Beispiel wenn der Ernährer stirbt oder, wie bei Ali, erkrankt – in eine akute finanzielle Notlage gerät, erhält Soforthilfe in Form von Bargeldzahlungen. So werden die Menschen kurzzeitig entlastet und können ihre finanzielle Lage stabilisieren, bis sie sich erholt haben und wieder selbst für sich und ihre Familien sorgen können.
Mit der ausgezahlten Unterstützung von 250 Dollar pro Monat begann die Familie Mawas, ihre Schulden für die Zeltmiete abzuzahlen. Auch ältere Schulden konnten beglichen werden. Und endlich war auch die Versorgung mit Nahrung, Kleidung, Transport und medizinische Versorgung wieder gesichert. Ali war immens erleichtert und froh über diese Entlastung. Langsam erholt er sich. Zum ersten Mal seit September 2018 sieht er wieder ein Licht am Ende des Tunnels für sich und seine Familie.
Text: Sarah Omrane, Programmmitarbeiterin Libanon und Syrien bei Caritas Schweiz, Beirut
Bilder: Caritas Libanon
Bild oben rechts: Caritas-Mitarbeitende besuchen die Familie Mawas in ihrem Zelt in Bekaa, Nov. 2018
Bild oben links: Khatoum (8 J.) trägt stets ein Lächeln im Gesicht und liebt es, fotografiert zu werden.
*alle Namen geändert.