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Im alten Griechenland war sie bezaubernd und mächtig – Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe. Doch wie würde sie sich in der heutigen Zeit bewegen, zwischen Smartphone, bizarren Esstrends und Tinder? Wie würde sie mit einem Kater umgehen?
Am nächsten Morgen werde ich durch gleissende Kopfschmerzen geweckt. Ich öffne die Augen und versuche blinzelnd, den Schlaf aus meinen Augen zu vertreiben. Sonnenlicht strömt in den Raum und erhellt das Zimmer. Ich richte mich im Bett auf und schaue mich nach der Wasserflasche und der Packung Ibuprofen um, welche mir Tina, meine Mitbewohnerin, gestern noch auf den Nachttisch gelegt hat.
«Du musst mit in den Ausgang kommen, ein paar Margaritas trinken», haben sie gesagt. «Es wird dir Spass machen», haben sie gesagt. Hätte ich nur nicht auf sie gehört. Ich erinnere mich nur noch verschwommen an den gestrigen Abend, der mit einer durchsichtigen Flüssigkeit, welche sie «Tequila» genannt haben, begonnen hat.
Ich gehe die Treppe hinunter in die Küche und verziehe das Gesicht. Es ist viel zu hell und viel zu laut. Ich schliesse die Fenster, lasse die Rollläden herunter und setze mich an den Küchentisch, auf dem bereits das Frühstück steht. Als meine Mitbewohnerin die Küche betritt, betrachte ich gerade missmutig ein Stück Pfannkuchen auf meiner Gabel und frage mich, wie man so etwas nur jeden Tag essen kann.
«Willst du auch ein bisschen Orangensaft?», fragt Tina und öffnet den Kühlschrank. Ich schüttle den Kopf. Sie setzt sich zu mir und tippt auf ihrem Smartphone herum. «Ich habe heute ein Date mit dem Kerl von Tinder, von dem ich dir erzählt habe», sagt sie und steht wieder auf. «Kannst du bitte noch einkaufen gehen? Ich muss mich noch umziehen.»
Kopfschüttelnd sehe ich ihr hinterher. Ich verstehe den Sinn von Tinder noch immer nicht. Seinen Traummann oder seine Traumfrau zu finden, indem man sich auf einer Plattform präsentiert, kommt mir eigenartig vor. Wie soll man sich so kennenlernen? «Das ist erst der nächste Schritt», hat Tina mir erklärt und auf ihrem Telefon nach links gestrichen. Auch die Faszination für dieses elektronische Gerät ist mir fremd. Kein Wunder braucht man eine App, um Leute kennenzulernen, wenn man die ganze Zeit am Handy verbringt. Erneut schüttle ich den Kopf und mache mich auf den Weg zum Einkaufszentrum.
Etwas überfordert stehe ich in der Lebensmittelabteilung. Das Licht ist kalt und grell und durch die Gänge knallen elektronische Bässe. Apollon würde sich im Olymp erhängen, wenn er dieses Gefiedel hören könnte. Die Leute hetzen mit zusammengekniffenen Augen von Regal zu Regal. Hermes wäre hier am richtigen Ort. Niemand scheint Zeit für ein Gespräch zu haben, geschweige denn für meine Fragen. Und dabei hätte ich so viele Fragen. Zum Beispiel, wie man darauf kommt, Ananas auf eine Pizza zu tun oder was zum Hades eigentlich „vegane“ Schokolade und Quinoa ist.
Zum x-ten Mal an diesem Tag schüttle ich den Kopf. Es ist ein langer Tag gewesen, mit vielen neuen Eindrücken, und das Einzige, was mir nun klar geworden ist, ist Folgendes: Die Menschen sind ein eigentümliches Volk.