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Die erste Welle der Industrialisierung („Frühindustrielle Zeit“) auf dem Festland zwischen ca. 1830 und 1870 ist geprägt durch den rasanten Aufstieg von Textilindustrie, Stahlproduktion und Maschinenbau. Diese Zeit zeichnet sich aus durch einen hohen Bedarf an Investition in Form von Kapital, das infolge mangelnder Ressourcen von der jungen Industrie selber bereitgestellt werden muss [Investition-Gewinn-Reinvestition]. Die rasche Entwicklung verlangt Innovation: Maschinen veralten schnell und müssen durch neue ersetzt werden. Da der Markt noch „jung“ ist, hat er ein gewaltiges Wachstumspotenzial. Doch die Massenproduktion konkurrenziert sich selber auf dem freien Markt (je mehr Ware auf dem Markt angeboten werden, desto mehr sinken die Preise). Diese harten Bedingungen zwingen den Unternehmer billig zu produzieren, sein „Arbeitskapital“ zu erhöhen, was sich negativ auf die Löhne der Arbeitnehmer auswirkt. Diese werden oft rücksichtslos ausgebeutet und da zusätzliche Kosten gescheut werden, leiden die Arbeitssicherheit (Folgen: Berufskrankheiten, Arbeitsunfälle) und die Fürsorge. Nach der physiokratischen Wirtschaftslehre ist es auch nicht wünschenswert, dass der Staat eingreift. So bleiben die Massen von Arbeitslosen ihrem Schicksal überlassen und sie suchen die Schuld nicht bei den Unternehmern, sondern bei den Maschinen, die den Menschen die Arbeit wegnehmen. Hier und dort kommt es zu verzweifelten Aufständen, die auch Fabriken in Flammen aufgehen lassen (Maschinensturm in Uster 1832 (Bild oben), Aufstand der Weber in Schelsien1844 u.v.a.).
Die ganze Zeit, in der sich die Industrialisierung durchzusetzen beginnt, nennt man auch „Industrielle Revolution“ und sie wird an Wichtigkeit und Bedeutung der Neolithischen Revolution gleichgesetzt. Die zweite Welle der Industrialisierung beginnt etwa um 1870. Sie ist vor allem geprägt durch bahnbrechende technische Erfindungen. Es wird möglich, mit neuen Verfahren Stahl relativ billig und in grossen Mengen herzustellen. Werner von Siemens entdeckt 1866 mit dem Dynamo die Grundlagen der Stromerzeugung und des Elektromotors. 1877 entwickelt Nikolaus Otto den ersten leistungsfähigen Verbrennungsmotor. 1879 erfindet Graham Bell das Telefon. Im gleichen Jahr bringt Thomas Edison die erste elektrische Glühlampe mit Kohlefaser zum Leuchten, die er in den folgenden Jahren zur Serienreife verbessert. Er erfindet auch den Phonographen (für Tonaufzeichnungen) und das Kinetoskop (Filmprojektor) und legt damit das Fundament zur Unterhaltungsindustrie. In der Chemie machen Farbstoffe, Medikamente und Düngeprodukte (Kunstdünger) grosse Fortschritte.
1883 meldet Gottlieb Daimler den ersten brauchbaren Benzinmotor zum Patent an, der zwei Jahre später von Carl Benz wesentlich verbessert wird. 1886 holpert das erste Automobil über die Strassen Mannheims, das aber mit dem heutigen Auto noch nicht mehr gemeinsam hat, als dass es selber fährt (Bild links). Das ist der Grundstein zur Automobilindustrie. Und es wird nicht mehr lange gehen, bis auch die ersten brauchbaren Motorflugzeuge an Himmel erscheinen werden (Gebrüder Wright, 1903).
An der Schwelle zum zum 20. Jahrhundert stehen die USA, Grossbritannien und Deutschland an der Spitze der Industrienationen. Andere Staaten sind im Kommen, auch kleine, wie die Schweiz, die natürlich schon alleine wegen ihrer Grösse nie an das Wirtschaftspotenzial „der Grossen“ herankommen. Was in der Schweiz besonders Eindruck macht ist der flächendeckender Ausbau des Eisenbahnnetzes, seine Elektrifizierung (mangels eigener Kohle) und die Bewältigung schwieriger Strecken, inklusive dem ersten Gotthardtunnel (Durchstich 1880).
Aufgaben und Recherchen
Die industriellen Entwicklungen finden natürlich nicht überall gleichzeitig statt. England spielt eine Vorreiterrolle, dort beginnt die Frühindustrialisierung schon Mitte des 18. Jahrhunderts. Warum ist das so?
Wann beginnt die frühe Industrialisierung bei uns und welche Wirtschaftszweige sind besonders betroffen?
Was ist die wirklich revolutionäre Neuerung in der Mechanisierung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts?
Was versteht man unter „Industrieller Revolution“?
Was versteht man unter der „Neolithischen Revolution“ und warum ist sie so bedeutend wie die „Industrielle Revolution“?
Es sind zwei Wellen der Industrialisierung erkennbar, die unterschiedliche Zweige betreffen. Fasse nochmals kurz zusammen, welche grossen Industriezweige sich in der 1. und 2. Industrialisierungswelle entwickeln!
Wie heisst der grosse amerikanische Erfinder (voller Name), der u. a. die Glühlampe erfunden hat? Nenne mindestens drei weitere Erfindungen oder Verbesserungen bestehender Erfindungen (mit Patent), die auf sein Konto gehen.
Welches Land darf als Ursprung des Automobils gelten und welche Namen sind mit dieser Erfindung verbunden? In welchen Teil welchen Jahrhunderts fallen die entsprechenden Erfindungen?
Welches war die erste ganz auf Schweizer Boden gebaute Eisenbahn und von wo bis wo führte sie? Revolution!