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Selten kam es bei einem Umweltkampf zu einem solchem hin und her: wie ein Tischtennisspiel scheint die Start-Stopp-Geschichte der Keystone XL-Pipeline, auch bekannt als KXL.
Bereits als das Projekt 2008 vom Energieinfrastrukturunternehmen TC Energy lanciert wurde, war es umstritten. Über mehr als 10 Jahre wurden Fortschritte durch Bürgerproteste und verschiedene legislative und exekutive Anordnungen verhindert. 2015 legte schliesslich die Obama-Regierung ihr Veto gegen die Ölpipeline ein. Doch kurz nach seinem Amtsantritt änderte Donald Trump den Kurs wieder und unterzeichnete die nötigen Genehmigungen -basierend auf fehlerhaften Umweltprüfungen - zur Weiterentwicklung des grenzüberschreitenden Projektes. Trotzdem blieben weiterhin erhebliche rechtliche, regulatorische und wirtschaftliche Hindernisse für die Inbetriebnahme der Pipeline bestehen. Das Projekt kam nur stockend voran. Der aktuelle US-Präsident Joe Biden stoppte schliesslich an seinem ersten Amtstag die Weiterführung des Baus und es scheint, als wäre das Ping-Pong-Spiel nun zu Ende.
Was ist das Keystone XL-Projekt?
Die Keystone XL Pipeline ist eine kanadisch-amerikanische Ölpipeline, welche seit 2010 Teersandöl vom kanadischen Alberta in verschiedene Verarbeitungszentren in Nebraska, Oklahoma und Illinois transportiert. Bereits zwei Jahre vor der Inbetriebnahme der Anlage schlug das Unternehmen TC Energy eine Verlängerung dieser Ölpipeline vor. Durch die Erweiterung, bestehend aus zwei Segmenten, könnten täglich bis zu 830 000 Barrel Öl – dies entspricht umgerechnet knapp 132 000 Litern - von Kanada nach Texas transportiert werden. Das südliche Segment (auf der Abbildung in orange und blau), welches bereits fertiggestellt wurde, würde das Öl-Umschlagszentrum in Cushing, Oklahoma mit der Küste des Golfs von Mexiko in Texas verbinden. Die 1209 Meilen lange nördliche Strecke (auf der Abbildung in grün), würde eine Abkürzung von Alberta via Montana und South Dakota nach Nebraska nehmen.
Die Karte zeigt die bereits bestehende Strecke der Keystone XL Pipeline (in braun), die neue südliche Etappe (in orange, blau und violett) sowie die geplante nördliche Abkürzung (in grün). (Mclee, wikimedia)
Die Befürworter des Keystone XL Projektes sind hauptsächlich Profiteure der Energieinfrastruktur- und Ölindustrie. Sie versprachen nebst tausenden von Arbeitsplätzen einen tieferen Öl- und Treibstoffpreis für Kanadier und Amerikanerinnen und propagierten eine Unabhängigkeit vom Handel mit dem Mittleren Osten.
Die Gegenstimmen sprachen die allgegenwärtige Bedrohung von Klima, Ökosystem, Trinkwasser und öffentlicher Gesundheit an. Ausserdem forderten sie das Einhalten der nationalen Verpflichtung zur Verringerung der Abhängigkeit von schmutziger Energie.
Was bedeuten die Rohre für die Umwelt?
Die Umweltbilanz der Ölindustrie ist schon unter den normalen Umständen katastrophal. Durch die KXL Pipeline wird jedoch nicht konventionelles Rohöl gepumpt, sondern das etwas dickflüssigere Öl aus Teersand. Dieses wird unter dem borealen Wald im Norden Albertas aus Teersand, einer schlammigen Ablagerung im Erdboden, gewonnen. Teersand besteht unter anderem aus einer klebrigen Art von Erdöl, auch Bitumen oder Erdpech genannt, welches in Kraftstoff umgewandelt werden kann.
Die Gewinnung des Öls ist mit hohen ökologischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kosten verbunden: Durch seinen erhöhten Säuregehalt und sein korrosives Verhalten besteht eine grössere Gefahr, dass die Rohre undicht werden. Tatsächlich hat die Keystone Pipeline seit der Inbetriebnahme 2010 bereits mehrere Dutzend Mal Lecke aufgewiesen. Im Oktober 2019 wurde die Pipeline sogar vorübergehend stillgelegt, nachdem in North Dakota knapp 1,5 Millionen Liter Öl ausgelaufen sind.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Löcher schwer erkennbar sind und oft erst zu spät bemerkt werden.
Teersandöl ist durch den Gehalt an giftigen Chemikalien schädlich für die Gesundheit von Menschen und Tieren und kann sich besonders in Flüssen und Feuchtgebieten gut ausbreiten. Die Reinigung von Böden und Gewässern ist schwierig und kostenintensiv. Da die neue Keystone XL Pipeline landwirtschaftlich wichtige und umweltsensible Gebiete durchqueren würde, wären hunderte von Flüssen, Bächen und Grundwasserleitern gefährdet. Eine vollständige Realisierung des KXL Projektes hätte ausserdem zu einem vermehrten Abbau von Teersandöl geführt. Dies hätte nebst der verstärkten Abholzung von Kanadas Wäldern eine zusätzliche Gefährdung von Wildtieren, Süsswasserressourcen und einen höheren Ausstoss an Treibhausgasen bedeutet. Sie hätten ausserdem durch die ohnehin schwer zu bewirtschaftenden Territorien der First Nations geführt, weshalb sich deren Widerstand bereits früh und mit besonderer Wucht formierte.
Gemäss der Environmental Protection Agency (EPA) emittiert die Gewinnung von Öl aus Teersand mindestens 17% mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre als andere Arten von Rohöl. Ausserdem würden durch die Verlängerung der Pipeline Bemühungen erschwert, die globale Erwärmung zu minimieren uns saubere Energie zu priorisieren.
Trotzdem intensivierten Ölunternehmen als Reaktion auf die steigenden Gaspreise 2000 die Produktion von Teersandöl in Kanada und suchten nach Wegen, das Produkt in die vereinigten Staaten zu transportieren.
Die Einstellung der Keystone XL Pipeline war nicht die einzige Amtshandlung, welche Biden zugunsten der Klimapolitik getroffen hat. Der Wiedereinstige ins Pariser Klimaabkommen, das Investitionspaket für den erneuerbaren Energiesektor und andere Umweltauflagen aus der Obama-Ära folgten in diesem Jahr. Umweltexperten sind der Ansicht, dass Bidens ehrgeizige Ziele weltweit einen grossen Effekt haben können – vor allem wenn auch andere Grossmächte in den Nachhaltigkeitszug miteinsteigen.
Quellen und weitere Informationen:
NRDC: What Is the Keystone XL Pipeline?
Report by cornell university global labor institute: Pipe dreams?
Philipp Hauber: Die USA unter Joe Biden: Kehrtwende oder »America first light«?