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Die Fähre von Holyhead nach Dublin ist gut besucht – und nur 20 Minuten zuvor war eine vergleichbar grosse Fähre losgefahren. Dies erstaunt heute vielleicht nicht mehr, im 19. Jahrhundert war Irland aber eine Insel, die vor allem Emigranten hervorgebracht hatte. Besonders in den 1840er Jahren war die Überfahrt von Dublin nach Holyhead-Liverpool-Manchester bestimmt viel besser gebucht als der umgekehrte Weg, den ich genommen habe. Denn ab 1845 kam es in Irland zur „Great Famine“, zur grosen Hungersnot, der über eine Million Iren zum Opfer gefallen waren. Rund 12 Prozent der damaligen Gesamtbevölkerung. Verursacht worden war die Hungersnot unter anderem durch die englische Politik, die aber zugleich mit der Auswanderung eine Entspannung ermöglichte: denn Fluchtländer waren vor allem die ehemals britischen Kolonien Amerika und Australien, sowie der Industriegürtel im Westen Englands.
Die irische Insel gelangte 1552 unter englische Herrschaft. Das Land wurde grösstenteils unter englische Grossgrundbesitzer aufgeteilt und die Iren arbeiteten als deren Pächter. Dies bedeutete, dass sie einen grossen Teil ihres Ertrags abgeben mussten und vor allem von Kartoffeln lebten, die sich mit wenig Aufwand zusätzlich zur Selbstversorgung anbauen liessen.
Im 18. Jahrhundert kam es dann zu einer gewaltigen Bevölkerungsexplosion innert hundert Jahren stieg die Einwohnerzahl Irlands von gut 1 Million auf über 8 Millionen im Jahre 1940. Dazu beigetragen hatte die Kartoffel, aber wohl auch der katholische Glaube – oder wie es Monty Python ausgedrückt haben: die Vorstellung des „every sperm is sacred“.
Doch auch er stärkste Glaube konnte nicht verhindern, dass sich in den 1840er Jahren ein Pilz aus Amerika in Irland verbreitete und die Kartoffeln befiel. Im Herbst 1845 wurde klar, dass praktisch die ganze Kartoffelernte ausgefallen war.
Die englische Politik reagierte nun leider völlig unverantwortlich und typisch für eine Kolonialmacht. Anstatt Massnahmen gegen den Hunger zu ergreifen wurde beinahe nichts unternommen. Im Gegenteil wurde weiter Getreide aus Irland exportiert und die Whiskyherstellung nicht unterbunden – Massnahmen, die das Leid zumindest teilweise hätten lindern können. Auch mussten viele Pächter weiter Abgaben an ihre Grundbesitzer leisten, obwohl der Ertrag dahin war. Ihnen blieb oft nichts anders übrig als die Emigration.
Die traumatischen Erfahrungen führten in den 1880er Jahren zu vermehrtem Widerstand und 1903 wurde der irische Boden wieder den Iren übertragen. 1921 erlangte Irland schliesslich die Unabhängigkeit, womit allerdings ein neuer Konflikt begründet wurde: In der Provinz Ulster, dem heutigen Nordirland, hatten sich seit längerer Zeit protestantische Briten angesiedelt. Die Provinz war im Gegensatz zum restlichen Irland auch einigermassen industriell erschlossen – und sollte bei Grossbritannien bleiben. Aus dem Vereinigten Königreich Grossbritannien und Irland war das Vereinigte Königreich Grossbritannien und Nordirland geworden, was ab 1969 „The Troubles“ zur Folge hatte, den Nordirlandkonflikt.