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San Francisco im Jahre 1902: Kapitän Wolf Larsen (Sebastian Koch) bricht mit seiner Crew auf der "Ghost" zum Robbenfang auf. Der "Seewolf" ist bekannt für seine rauhen und zeitweise brutalen Führungsmethoden. Diese bekommt auch der Literaturkritiker Humphrey Van Weyden (Stephen Campbell Moore) zu spüren, der nach einem Zwischenfall als Schiffbrüchiger auf offener See gerettet wird. Dessen neue Aufgabe als Schiffsjunge passt ihm nämlich gar nicht, und deshalb legt er sich sogleich mit dem Kapitän an.
Wolf Larsens grösster Konkurrent kommt aus der selben Familie. Zeitgleich startet nämlich sein Bruder Death Larsen (Tim Roth) auf seiner "Macedonia" zum selben Ziel. Er will unbedingt als Erster bei den begehrten Robbenfanggründen ankommen. Mit an Bord hat er eine junge Schriftstellerin (Neve Campbell), die unter falschem Namen mitreist. Zu Beginn ahnt Death Larsen noch nicht, dass es sich bei ihr ausgerechnet um die Tochter seines verhassten Bosses Brewster handelt. Doch auch dieses Geheimnis wird unterwegs gelüftet...
Nach Pro 7 versucht sich nun das ZDF mit einer internationalen Produktion an der Neuverfilmung des Filmes von 1971. Die Geschichte, nach der Romanvorlage von Jack London, wurde aber für diese Version stellenweise umgeschrieben und der heutigen Zeit angepasst.
Eine grosse Stärke von Der Seewolf sind zweifellos die Wortgefechte zwischen Wolf Larsen und van Weyden. Diese machen einen Grossteil der ersten Filmhälfte aus und bieten intelligente Unterhaltung. Man ist gespannt auf die Fortsetzung der Geschichte und vor allem die Entwicklung der Auseinandersetzung der beiden Hauptfiguren. Leider plätschert das Geschehen in der zweiten Hälfte dann etwas vor sich hin, und Spannung will auch nicht so richtig aufkommen. Zudem ist Der Seewolf ein Film, der nicht für jeden Geschmack etwas bietet. Das liegt zum einen daran, dass sehr viel geredet wird und alles sehr kopflastig ist. Auf der anderen Seite hat man in Wolf Larsen einen Menschen, dessen Charakterzüge psychologisch zwar sehr interessant sind, seine oftmals brutale und schonungslose Umgangsweise wird aber manchen Gemütern auf den Magen schlagen. Als Gegenpart steht ihm van Weyden gegenüber, der versucht, für die Gerechtigkeit einzustehen und mit der Zeit immer charmanter rüberkommt. Beide Charaktere werden glaubwürdig dargestellt, und auch Tim Roth als Death Larsen sowie Neve Campbell als Maude Brewster können in ihren Rollen überzeugen.
Auf der technischen Seite sieht man den Special-Effects oft an, dass es sich hier um eine TV-Produktion handelt. Die Macher haben hier mehr Wert auf Authentizität gelegt. Man merkt den Szenen auf See an, dass sie zu einem grossen Teil im offenen Meer gedreht wurden. Das verleiht der ganzen Geschichte enorm Glaubwürdigkeit. Die rauhen Sitten an Deck kann man jederzeit gut nachempfinden.
Fazit: Es wird viel geredet in Der Seewolf. Sehr viel. Der Film um den zeitweise brutalen Kapitän Wolf ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Die Auseinandersetzung zwischen den Hauptcharakteren in der ersten Filmhälfte bietet dennoch geistreiche Unterhaltung. Leider nimmt das Niveau gegen Ende etwas ab, und man merkt der TV-Produktion die Spieldauer von knapp drei Stunden deutlich an.
Der Sound der DVD mag praktisch in allen Situationen zu überzeugen, und man fühlt sich oft wie auf dem Meer. Die Bildqualität schwankt hingegen und wirkt meist etwas milchig. Die Extras auf der Bonus-DVD bieten unter anderem ein knapp 10-minütiges Making-of sowie einen Vergleich zur Film-Version von 1971. Dort bekommt man auch die bekannte Szene zu sehen, in der Raimund Harmstorf als Wolf Larsen mit der blossen Hand eine Kartoffel zerdrückt. Der Film kommt in einer Doppel-DVD-Box daher, welche sich hübsch im Regal präsentiert. Dazu gibt's ein 20-seitiges Booklet, in dem man noch einiges an Hintergrundinfos über die Produktion erfährt. Eine Leseprobe aus der Romanvorlage von Jack London ist ebenfalls dabei.