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| Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Drittes Buch
12. Ein Bischof macht der Mutter sichere Aussicht auf des Sohnes Bekehrung.
Und noch eine andere Antwort gabst du in der Zwischenzeit, an die ich mich erinnere; denn vieles will ich übergehen, weil ich zu dem eile, was ich in erster Linie vor dir bekennen muß, anderes ist meinem Gedächtnisse entschwunden. Jene andere Antwort also gabst du durch deinen Priester, einen in der Kirche aufgewachsenen und in deinen heiligen Schriften bewanderten Bischof. Als ihn jene Frau bat, er möge mich einer Unterredung würdigen, meine Irrtümer widerlegen, mich vom Bösen ab- und zum Guten hinleiten - das tat er, wenn er Geeignete fand -, da weigerte er sich, und zwar wie ich später sah, aus Gründen der Klugheit. Er gab nämlich zur Antwort, daß ich noch keiner Belehrung zugänglich sei, weil ich noch allzusehr von jener neuen Irrlehre aufgeblasen sei und viele Unerfahrene schon durch gewisse verfängliche Fragen beunruhigt hätte, wie sie ihm selbst gestanden. "Aber", so fuhr er fort, "laß ihn dort; bete nur für ihn zum Herrn. Ihn selbst wird sein Studium zur Erkenntnis seines großen, gottlosen Irrtums bringen", Zugleich erzählte er ihr, auch er sei in jugendlichem Alter von seiner betörten Mutter den Manichäern übergeben worden und habe alle ihre Schriften nicht nur gelesen, sondern auch häufig abgeschrieben; und doch sei ihm, ohne daß jemand ihm widersprochen und ihn überführt habe, die Erkenntnis aufgegangen, wie hassenswert jene Sekte sei; und er habe sich von ihr gewandt. Als sie sich trotz dieser Worte noch nicht beruhigen wollte, sondern mit Bitten und unter einem Strom von Tränen heftiger in ihn drang, er solle doch mich sehen und mit mir sprechen, da sagte jener, beinahe schon unwillig: "Gehe von mir, denn so wahr du lebst, es ist unmöglich, daß ein Sohn solcher Tränen untergehe". Und oft erinnerte sich meine Mutter in ihren Gesprächen mit mir, sie habe diese Worte so aufgenommen, als ob sie vom Himmel erklungen seien.