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| Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)

Zweites Buch
Nr. 58
Wie, wir allein also wissen nicht, wer der Seelen Schöpfer, wer ihr Anordner sey? Welche Ursache den Menschen gebildet hat? Woher die Uebel hervorbrechen? Weßhalb der höchste Herr duldet, daß sie sind, sich vollbringen, und weßhalb Er sie nicht von den menschlichen Zuständen abtreibt? Ihr freilich habt dieser Dinge Mancherlei erforscht und erkundet? Wolltet ihr die Dreistigkeit eurer Muthmaßungen vorlegen, so könntet ihr erklären und entdecken, ob diese uns einschließende Welt unentstanden oder zu irgend einer Zeit eingerichtet worden sey? Wenn eingerichtet und gemacht, auf welche Weise und um welcher Ursache wegen? Ihr könntet den Grund angeben und entwickeln, weßhalb sie nicht fest und unbeweglich bleibe, sondern fortwährend im Kreislauf sich bewege? ob sie sich von selbst und ihrem Willen zufolge umschwingt oder durch den Anstoß irgend einer Kraft umgedreht wird? Was der Raum und Ort, worin sie sich befindet und umbewegt, sey? ob sie unendlich oder begränzt, ob sie hohl oder fest? ob eine an die äußersten Pole sich stemmende Axe sie halte oder ob sie sich selbst vielmehr durch eigene Kraft trage und mittelst eines Innern Geistes schwebe? Gefragt könntet ihr deutlich machen und auf's wissenschaftlichste darthun, wie der Regen in befiederte Wolken sich wandelt? Was der Grund und die Ursache, daß der erste Tag nicht von der Abendgegend heranbrach und die Sonne im Orient unterging? Auf welche Weise dieselbe Eine Sonne, durch die Eine Berührung so mannigfaltige, ja vielmehr so sich entgegengesetzte Dinge verursache? Was der Mond? Was die Sterne? Warum jener nicht dieselbe Gestalt beibehalte oder warum es schicklich und nöthig war, dem ganzen Weltkörper diese Feuerklumpen anzuheften? Warum die einen derselben kleiner, die anderen ansehnlicher und größer seyen; diese schwächeren, jene schärferen und schimmernden Lichtes?