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Wegwort vom 24. Oktober 2014
Die Zeit-Umstellung kann mich auf so unterschiedliche Ideen bringen.
Soll ich die Zeit überhaupt umstellen oder einfach für einige Monate jeweils die Zeit "umrechnen"? Habe ich nun Zeit gewonnen? Habe ich Zeit geschenkt erhalten? Kann ich über Zeit verfügen oder verfügt die Zeit über mich?
Immer wieder versuche ich Zeit zu gewinnen. Der neue Fahrplan brachte eine Veränderung, ich muss jetzt einmal weniger umsteigen und gewinne Zeit. Die neue Kaffeemaschine ist schneller und besser, ich gewinne Zeit. Das Training auf dem Velo macht sich bezahlt, ich bin schneller unterwegs und gewinne Zeit.
Und jetzt, was mache ich mit der gewonnenen Zeit? Ja, wo ist sie überhaupt, die gewonnene Zeit? Es kommt mir fast vor wie in Michael Endes Geschichte "Momo". Da sind die grauen Männer, die zum Zeitsparen ermutigen, doch die gewonnene Zeit führt nur zum Verlust von Zeit und zu Stress!
Uns wird Zeit geschenkt an diesem Wochenende. Die Uhren werden wieder zurückgestellt auf Winterzeit. Geschenkte Zeit ist irgendwie wertvoller als gesparte Zeit.
Ich schenke mir Zeit am Morgen, um den Kaffee nicht im Stehen oder Gehen trinken zu müssen, sondern zu sitzen und zu geniessen. Ich schenke mir Zeit, um auf dem Velo zu singen und den Wind zu spüren. Ich schenke mir einen Tag mit meiner Freundin, ich gönne mir ein paar Minuten Stille, einen Konzert- oder Kinobesuch.
Es ist wie verhext: die geschenkte Zeit fehlt mir nicht. Und es ist paradox: die gesparte Zeit fehlt, die verschenkte Zeit wird zur geschenkten Zeit.
Gerne lasse ich mir an diesem Weekend die Zeit schenken. Ich schenke mir eine Stunde mehr Schlaf. Was machen Sie mit der geschenkten Zeit?