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Menschen drängen sich durch eine enge Gasse in Macaus Altstadt mit ihnen unzählige bunte Regenschirme. Sie schützen vor der brennenden Sonne. Die Fussgänger hier sind keine Demonstranten, sondern Touristen vom chinesischen Festland.
Von den Touristen profitiert der Antiquitätenhändler Herr Li. Er führt einen Laden in der Altstadt in zweiter Generation. Die Geschäfte liefen gut, sagt er, auch dank der chinesischen Kunden, die zu ihm ins Geschäft kämen.
«Unsere Regierung schaut zu uns, hier ist es friedlich. Wir verdienen gut und sind sogar gratis krankenversichert», sagt er. Die Casinoindustrie mit den Touristen spült Geld in die Kassen der Sonderverwaltungszone Macau.
Demokratiedefizit stört Antiquitätenhändler nicht
Es stört ihn nicht, dass er seinen Regierungschef nicht selbst wählen darf oder dass das Parlament von Peking-treuen Abgeordneten dominiert wird. Diese haben Ende August den bisherigen Regierungschef wiedergewählt. Eine Wahl hatten sie allerdings nicht, denn es gab nur einen Kandidaten: Fernando Chui Sai On. Doch sein portugiesischer Vorname kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Peking die Sonderverwaltungszone kontrolliert.
Schon vor Macaus Rückgabe an China 1999 übte Peking viel Einfluss auf Macau aus, erklärt Elio Yu, Politologe an der Universität Macau. Portugal habe sich wenig um seine Kolonie gekümmert. China habe schon damals Schulen in Macau mit pro-chinesischem Unterrichtsmaterial betrieben.
Bereits in den 1970er-Jahren bot Portugal den Chinesen an, Macau zurückzugeben. China lehnte ab, es wollte die Hongkong-Frage zuerst lösen.
Die Wirtschaft floriert noch
«Unserer Wirtschaft geht es sehr gut. Es ist so wie in den 70er- und 80er-Jahren in Hongkong. Damals sprachen die meisten Hongkonger auch vor allem über die Wirtschaft, und nicht über Politik», sagt Elio Yu. Aber Macaus Casino-Industrie ist abhängig vom chinesischen Markt.
Spätestens, wenn sich Chinas Wirtschaftslage verschlechtert, werde es auch in Macau politischen Widerstand geben, das ist die Prognose Yus.
Solidaritätskundgebung für Hongkong unterdrückt
Schon jetzt für mehr demokratische Mitsprache setzt sich Sulu Sou ein. Der 28-Jährige ist der jüngste Abgeordnete in Macaus Parlament. Er wurde vom Volk direkt gewählt. Die Mehrheit der Sitze wird jedoch vom Regierungschef und wirtschaftsnahen Verbänden bestimmt.
Es sei nicht einfach, seine Mitbürgerinnen und Mitbürger von mehr Demokratie zu überzeugen, sagt Sou, auch die junge Generation nicht. Viele von ihnen seien zufrieden mit dem Leben. «Wir verdienen mehr als die Hongkonger, leben in grösseren Wohnungen und können relativ einfach an die Universität.»
Kommt es doch zu Widerstand, wird dieser bereits im Keim erstickt. Kürzlich verhinderte ein Grossaufgebot der Polizei eine geplante Solidaritätskundgebung für Hongkong. Ein früherer, unbewilligter Protest, den Sou organisiert hatte, hätte ihn fast den Parlamentssitz gekostet. Er kam mit einer Geldstrafe davon.
Zwei Jahre länger Zeit als in Hongkong
Trotz der schwierigen Lage findet er nicht, dass «ein Land, zwei Systeme» in Macau bereits tot ist. «Würde ich auf der anderen Seite der Grenze in China Flyer für mehr Demokratie verteilen, sässe ich schon längst im Gefängnis.»
Die Freiheiten seien begrenzt, das stimme, sagt Sou. Aber diesen begrenzten Freiheiten müsse man Sorge tragen. Ausserdem dauert Macaus Status als Sonderverwaltungszone noch 30 Jahre, zwei Jahre länger als bei Hongkong. So lange habe man Zeit für Reformen.