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Das Kunsthaus Baselland zeigt die erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers Kilian Rüthemann, Absolvent der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel im Jahre 2005.
Unter dem Titel Flatland, welcher auf den gleichnamigen Roman von Edwin A. Abott zurückgeht, greift der Künstler die im Buch thematisierte Erweiterung einer zweidimensionalen Dimension in eine dritte auf. Rüthemann thematisiert auf intelligente Weise bildhauerische Prozesse und macht diese zum Inhalt seiner Arbeiten. So wie es einem Bewohner des fiktiven Planeten Flatland gelingt, in die dreidimensionale Welt der Erde vorzustossen, gelingt es dem Künstler einen Diskurs um die Macht der Vorstellung und um das Verhältnis von Skulptur und Physik zu entfachen. In der Ausstellung präsentiert er eine sich am Boden ausbreitende, fladen- oder pfützenartige Skulptur aus Mörtel, welche sich über die Ränder der zur Hälfte im Raum ausgelegten Baufolie hinaus erstreckt. Die Wahl des Materials unterstreicht den Eindruck von Schwere und Verhaftet-Sein, von einem Sich-Festhalten am Boden. Die bildhauerische Tätigkeit versteht sich im klassischen Sinne als eine, welche die Schwerkraft überwindet und das Leben in seiner Fülle und Bewegung festhalten möchte. Rüthemann überwindet die Schwerkraftverhaftung im eigentlichen Schaffensprozess, indem er mit dem Gestus des Schüttens, Kübel voller Mörtel über den Boden ergiesst. Für einen kurzen Moment wird auf diese Weise das Phänomen der Schwerkraft aufgehoben: das Material ‹fliegt›. Dem losgelösten Moment gegenübergestellt ist der Vorgang des Abtragens von Material, indem der Künstler das erhärtete Material stellenweise — im Sinne einer Formgebung — wieder ablöst.
Ein weiterer Teil der Gesamtpräsentation besteht aus zwei sich gegenüberstehenden Monitoren: Einer davon ist in eine Bauplane verpackt und präsentiert ein Video, welches permanent in der Luft trippelnde Füsse zeigt. Der zweite Monitor ist die meiste Zeit über abgeschaltet, bis auf jene Momente, in denen ein Zeitschalter den Einschaltimpuls auslöst. Das damit verbundene Zischgeräusch scheint dem Gerät plötzlich Leben zu verleihen. Für einen kurzen Moment baut jener Einschaltprozess eine Verbindung mit der realen Welt auf, welche im Gegensatz zur gegenüberliegenden endlosen Szenerie des Schwebens und Zappelns steht. Auch wenn Rüthemann bei den beiden Monitoren mit Video bzw. mit Ein- und Ausschaltmechanismen arbeitet, bündelt er dennoch weiterhin bildhauerische Ideen: Animation einer per se unbelebten Materie, Auflösung bzw. Akzeptanz von Schwere, oder deren manuelle Verarbeitung sind auch hier die inhaltlich relevanten Themen.
Text von Sabine Schaschl