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Im Wallis entsteht ein virtuelles Energiekraftwerk
Ein Innovationsprojekt im Kanton Wallis zielt darauf ab, das Potenzial der Solarstromerzeugung zu maximieren. Es soll die Verwaltung des Stromnetzes grundlegend verändern und nicht nur Energieversorger, sondern auch Quartiere respektive Stadtviertel und einzelne Haushalte mit einbeziehen.
Im Wallis entwickelt das Forschungsinstitut Icare ein virtuelles Energiekraftwerk. Dieses Innovationsprojekt wird von der Stiftung The Ark finanziell unterstützt und ist Teil einer Zusammenarbeit mit dem Energieversorger OIKEN und dem Anbieter von Solarenergieanlagen Studer Innotec. Ziel ist es, kleine Energieerzeuger, die zusammen das Gewicht eines grossen Kraftwerks erreichen, zusammenzuschliessen, um ein virtuelles Energiekraftwerk (Virtual Power Plant; VPP) zu schaffen, wie es in einer Mitteilung heisst.
Drei Ebenen der Technologienutzung
Das Projekt soll das technische und wirtschaftliche Potenzial eines VPP auf drei Ebenen erforschen:
- Auf lokaler Ebener, das heisst auf der Ebene von Einfamilienhäusern, besteht das Ziel darin, den Eigenverbrauch und die Rückspeisung von Strom ins Netz zu optimieren, insbesondere durch die Optimierung der Nutzung von Batterien.
- Auf der nächsthöheren Ebene, der Ebene eines Quartiers, konzentriert sich das Projekt auf die Entwicklung eines intelligenten Energiemanagements für mehrere Anlagen, um die Nutzung der Flexibilität durch Optimierung des Eigenverbrauchs auf der Ebene der Ansammlung beziehungsweise des Stadtviertels zu ermöglichen.
- Auf der Ebene der Region und der Netzbetreiber geht es schliesslich darum, lokale Flexibilitäten mithilfe des VPP zu aggregieren und so nutzbar zu machen. "Das Aufkommen von vernetzten Batterien innerhalb von privaten Solaranlagen bringt mehr Autonomie, aber vor allem mehr Energieflexibilität", sagt Olivier Crettol, Head of Operations am Institut Icare, auf Anfrage.
Echtzeitdaten, historische Daten, Wetterdaten …
Das Projekt des virtuellen Kraftwerks kann von den bestehenden APIs profitieren, die der Anbieter Studer Innotec für seine Wechselrichter (die den erzeugten Solarstrom in nutzbaren Wechselstrom umwandeln) und Speicherbatterien anbietet. So stünden alle relevanten Produktions- und Verbrauchsdaten in Echtzeit zur Verfügung, sagt Crettol.
Aktuell seien etwa 15 Besitzer von Solarpanels daran beteiligt. Auch historische Daten aus der Zeit vor dem Projekt und Wettervorhersagen sollen in die Algorithmen zur Schätzung der Stromproduktion einfliessen. Dies mit dem Ziel, den Verbrauch zu optimieren und der Bilanzgruppe (die die Energieversorger im Wallis umfasst) die nötige Flexibilität über eine Schnittstelle zum Icare-Tool GB Flex zu bieten.
So nah wie möglich an die Vorhersage
Langfristig ist geplant, Vorhersagen mithilfe von Machine-Learning-Modellen einzuführen, um die Prognosen der Bilanzgruppe zu verbessern. "Jede Bilanzgruppe muss ihren Verbrauch und ihre Produktion am Vortag an Swissgrid melden, damit diese nationale Organisation den Ausgleich der Netze vornehmen kann", sagt Crettol. "Wenn diese Prognosen von den tatsächlichen Ereignissen abweichen, werden von Swissgrid Ausgleichszahlungen erhoben. Durch die optimale Nutzung der Flexibilität von Batteriespeichern können wir diese Abweichungen von den Prognosen vermeiden."
Darüber hinaus soll das Projekt dynamische Preismodelle ermöglichen, die das Netz- und Marktgleichgewicht berücksichtigen. Eine der grössten Herausforderungen besteht laut Crettol darin, dafür zu sorgen, dass jeder in dieser Kette von Energieerzeugung und -verbrauch ein Gewinner ist. Die ersten Ergebnisse des Projekts werden voraussichtlich zwischen Ende 2024 und Anfang 2025 vorliegen.