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Die Anbauschlacht.
Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) war die Schweiz total von den kriegführenden Achsenmächten (Deutschland und Italien) umschlossen. Die wirtschaftlichen Überlebenschancen erschienen gering, denn mehr als zwei Drittel der importierten Nahrungsmittel kamen aus Übersee, wie Brotgetreide, Zucker, Fette, Öle und Futtermittel. In dieser Situation gab es nichts anderes als die Selbsthilfe. Es entstand die Kriegswirtschaft, die alles und jedes des täglichen Gebrauches regelte, z. B. die Rationierung der Produkte für den täglichen Gebrauch.
Eine radikale Umformung traf auch die Landwirtschaft. Es war die einfache Idee des ETH-Professors für Landwirtschaft Traugott Wahlen, die sogenannte Anbauschlacht Wahlen erklärte, dass eine Fläche Land mehr oder weniger Kalorien hergibt, je nachdem ob die Pﬂanzen, die auf ihr wachsen, dem Menschen direkt oder auf dem Umweg über das Tier zugutekommen. Nach seinen Berechnungen ernährt eine Hektare Weizenﬂäche zwölf Menschen, wenn sie den Weizen als Brot essen, aber nur zwei, wenn sie Eier von Hühnern konsumieren, die mit der gleichen Weizenmenge gefüttert werden.
In der Praxis wurde nun der Viehbestand reduziert und der Anbau planwirtschaftlich entwickelt. Jedes noch so kleine Stück Land wurde nun auf die Brauchbarkeit überprüft und so wurden alle Grünﬂächen in der Stadt und auf dem Land zu Getreide- und Kartoffeläckern.
Welche Folgen hatten diese Massnahmen für unser Dorf?
Es gab eine Menge Arbeit, die nebenamtlich in der Freizeit geleistet werden musste: Kriegswirtschaftskommission, Anbaukommission, Kommission für zwangsweise Anpassung der Viehbestände, Ackerbaustelle, Altstoffwirtschaft, Eiersammelstelle, Heu- und Strohvorsorge, Kartoffelstelle, Coloradokäferbekämpfung, Pferde- und Wagenstellung, Vertrauensfrau für Kriegsfürsorge.
Beide Weltkriege (1914–1918 und 1939–1945) forderten die Landwirtschaft heraus. Die Bauern und die Knechte leisteten Militärdienst, die Pferde, das wichtigste Zugtier für die landwirtschaftlichen Geräte, waren ebenfalls von der Armee eingezogen.
Als Zugtiere dienten wieder wie in früheren Zeiten Ochsen und Kühe. Die Probleme, die sich aus dieser Si-tuation ergaben, mussten von jedem Betrieb für sich gelöst werden und verlangten die Mitarbeit der ganzen Familie.
Dieser von Armin Gugelmann geschriebene Text ist ein Ausschnitt aus der «Reihe Luterbach» und dem Band 7 «Landwirtschaft – von Bauern und Höfen, Rindviechern und Schweinereien». Mehr davon und alle anderen Bände finden Sie im Webshop des Vereins Historisches Erbe Luterbach vhe-luterbach.ch.
Michael Ochsenbein,
Präsident Verein Historisches Erbe