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Allergie auf Meeresfrüchte und Fisch
Die Allergene von Fischen und Meeresfrüchten machen starke Reaktionen. Und: Was haben Hausmilben mit einer Fischallergie zu tun?
Was genau ist eine Meeresfrüchteallergie/ Fischallergie?
Bereits geringste Mengen von bestimmten Fisch- oder Meeresfrüchte-Eiweissen können bei entsprechender Disposition zu schweren allergischen Reaktionen (anaphylaktischer Schock) mit Kreislaufzusammenbruch führen.
Anders als andere Allergene, die beim Kochen und Backen „unwirksam“ werden, sind Fischeiweisse hitzestabil. Fischallergiker dürfen deshalb Fisch, Fischprodukte oder Meeresfrüchte, weder im rohen noch im gekochten Zustand konsumieren. Dazu gehören: alle Fischarten (vor allem Meerfische), Schalen-, Krusten- sowie Weichtiere (z.B. Schnecken). Eine Fischallergie ist eine Nahrungsmittelallergie, die sich nicht „auswächst“, sondern ein Leben lang bestehen bleibt.
Fischallergie /Allergie auf Meeresfrüchte – immer häufiger
Meeresfrüchte-Allergien sind weitaus häufiger als Fischallergien. Generell erkranken an einer Fisch- oder Meeresfrüchteallergie eher Menschen, die in Küstenregionen leben. Diese Nahrungsmittelallergie steht z.B. bei Menschen auf den Kanarischen Inseln an erster Stelle. Dank dem veränderten Essverhalten in unseren Breitengraden befürchten aber Experten in Zukunft auch bei uns eine Zunahme solcher Nahrungsmittelallergien.
Welche Beschwerden können auftreten?
Beim Konsum von Meeresfrüchten oder von Fisch stehen beim Allergiker Hauterscheinungen (Ausschläge, Quincke-Ödem) im Vordergrund. Ausserdem kann es zu Magen-Darmbeschwerden (Übelkeit, Durchfall, Erbrechen) sowie zu Atembeschwerden (Asthma) kommen. Im Extremfall kommt es zum Kreislaufzusammenbruch (anaphylaktischen Schock).
Relativ häufig (bei ca. 1/3) wird ein orales Allergiesyndrom (pelziges Gefühl auf der Zunge, Juckreiz im Rachen, Lippenschwellung etc.) beobachtet. Diese Beschwerden können isoliert oder als Vorläufer einer generalisierten Reaktion auftreten.
Was muss bei einer Fischallergie und Meeresfrüchteallergien vermieden werden
Am häufigsten kommt es nach Garnelenkonsum zu einer anaphylaktischen Reaktion. Allergische Symptome können hier bereits beim Berühren (manuelle Verarbeitung) auftreten. Selbst der Geruch kann – ähnlich wie bei Fischen – zu allergischen Reaktionen führen. Berufsbedingte Allergien sind häufig.
Tintenfische, Muscheln, Austern und Landschnecken machen eher weniger häufig allergische Reaktionen. Meeresfische verursachen viel häufiger Allergien als Süsswasserfische.
Vorsicht vor:
- Fisch und Fischkonserven (inkl. Lachsprodukte), vor allem aus dem Meer
- Alle Arten von Meeresfrüchten wie: Krabben, Hummer, Shrimps, Garnelen, Langusten, Tintenfische, Muscheln, Austern sowie Schnecken
- Produkte, hergestellt aus solchen Tieren (Krabbenbutter, Saucen, Käse, Salate, Suppen, Gebäcke etc.)
- Medikamente: Fischölkapseln, Lebertran
- Kosmetika: enthalten häufig ebenfalls Fischöl oder Tran
- Wein: Fischeiweisse bleiben oft beim Klären von Wein zurück
- Fischmehl: auch Tiere, die mit Fischmehl gefüttert werden, müssen unter Umständen gemieden werden (z.B. Hühnerfleisch, Eier)
Kann es beim Vermeiden dieser Nahrungsmittel zu Mangelerscheinungen kommen?
Eiweiss, Proteine
Fisch, Fischprodukte und Meeresfrüchte enthalten – nebst den hochwertigen ungesättigten Fettsäuren – wichtige Eiweisse. Eiweisse braucht der Körper für verschiedene Aufgaben: z.B. für den Aufbau der Haare und des Muskelgewebes, zur Zell-, Muskel- und Nervenregulierung, für die Infektionsabwehr, zur Regulierung der Blutgerinnung und vielem mehr. Aber nicht nur Fisch- oder Meeresfrüchte enthalten die wichtigen Eiweisse. Der Allergiker kann auf andere Nahrungsmittel ausweichen: z.B. Wurst, Fleisch, Milch und Milchprodukte. Auch zahlreiche pflanzliche Lebensmittel enthalten meist gut verträgliche Proteine: Soja, Erbsen, Bohnen, Getreide, Kartoffeln.
Jod
Fisch ist eine hochwertige Jodquelle. Jod wird im Körper zur Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt. Diese körpereigenen Botenstoffe sind für die Aktivierung von vielen Stoffwechselvorgängen notwendig. Ohne Jod kann die Schilddrüse die notwendigen Hormone nicht produzieren und es entsteht – wie bei einer Unterfunktion der Schilddrüse - ein Kropf. Jod kommt aber nicht nur im Fisch vor. Jodangereichertes Kochsalz z.B. ist ein guter und ebenbürtiger Ersatz. Andere Lebensmittel, die Jod enthalten: Milch und Milchprodukte sowie Eier. Ausserdem gibt es jodangereicherte Mineralwasser auf dem Markt. Damit wird bei einer Fischallergie die nötige Jodzufuhr gesichert.
Was hat eine Meeresfrüchteallergie mit Hausmilben zu tun?
Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung haben auf einem wissenschaftlichen Kongress darauf hingewiesen, dass Hausstaubmilben-Allergiker häufig auch unter Nahrungsmittelallergien leiden. Umgekehrt meinen sie: wer allergisch auf Meeresfrüchte reagiert, sollte sich auf eine Hausstaubmilben-Allergie untersuchen lassen.
Oft geht der Nahrungsmittelallergie bei Erwachsenen eine Hypersensibilisierung durch Luftallergene voraus. Zu den Luftallergenen zählen unter anderem Hausstaubmilben. Luftallergene der Milben werden eingeatmet und können zunächst keine allergische Reaktion verursachen. Im Laufe der Zeit kann der Betroffene eine Kreuzallergie entwickeln. Damit kann der Konsum von Meeresfrüchten wie z.B. Garnelen und Shrimps oder Weichtieren wie Schnecken zu allergischen Reaktionen führen. Ursache dieser Kreuzallergie – die keine neue Allergie ist, sondern eine alte Allergie in neuer Verpackung – ist die ähnliche Struktur einiger Hausstaubmilben- und Meeresfrüchte-Eiweisse.
Die Experten vermuten, dass es in Zukunft zu immer mehr Fällen von Meeresfrüchteallergien kommen wird. Grund seien immer mehr Menschen mit Hausstauballergien sowie veränderte Essgewohnheiten, bei denen zunehmend Delikatessen aus fremden Ländern konsumiert werden.
Kreuzreaktionen zwischen Fisch und andern Nahrungsmitteln sind nicht bekannt. Aber: Fisch-Allergiker reagieren häufig auf sämtliche Fischarten sowie auch auf Meeresfrüchte.
Mediscope
26.05.2008 - dzu