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Der Titel dieses Posts ist ein Zitat eines jungen Südafrikaners im Artikel „Fussball-WM in Südafrika: Invictus verkehrt“ in „Edge of Sports“, der wöchentlichen Kolumne des in Amerika berühmten Sport-Kritikers Dave Zirin (Autor so wichtiger Bücher wie „Welcome to the Terrordome: The Pain, Politics, and Promise of Sports„ oder „A People’s History of Sports: From Bull-Baiting to Barry Bonds“).
Ein Ausschnitt aus „Invictus in Reverse“ (übersetzt von AM/Contextlink):
„Die aktuelle Situation in Südafrika könnte man „Invictus verkehrt“ nennen. Für alle, die nicht das Vergnügen hatten, den Film zu sehen: Invictus zeigt, wie Nelson Mandela den Sport – und speziell die fast ausschliesslich weisse Sportart Rugby genutzt hat, um das Land nach dem Fall der Apartheid zu einen.
 Im Gegensatz dazu wird anlässlich der Weltmeisterschaft versucht, jede Art von Konflikten zu vertuschen, um der Welt das Bild einer geeinten Nation zu vermitteln. Wie es Danny Jordaan, der südafrikanische Organisationschef der Weltmeisterschaft sagt: „Die Leute werden sehen, dass wir afrikanisch sind. Wir sind Weltklasse.“ Man beachte, dass es darum geht, was die Welt wahrnimmt, nicht die Südafrikaner. Was die Südafrikaner sehen, ist, wie es ein junger Mann mir gegenüber ausdrückte „Fussball … plündert das Land.“ Die Kontraste werden zu Konflikten, weil die Regierung auf Geheiss der FIFA entschlossen ist, eine gute Show zu bieten, egal wie gross die sozialen Kosten sein werden.“
Natürlich kommt mir das ziemlich vertraut vor, natürlich bin ich parteiisch. Nach meinen persönlichen Erfahrungen mit der anderen grossen Fussballorganisation mit Sitz in der Schweiz, der UEFA, glaube ich jede noch so drastische Geschichte aus diesem Bereich.
Aber trotzdem staune ich: nicht über die Machenschaften der FIFA, nicht über die Auswirkungen zuungunsten der Bevölkerung in Südafrika, …. ich bin frustriert über die Medien bei uns, dass sie kaum über die negativen Auswirkungen der Fussball-WM in Südafrika berichten. Man muss ziemlich intensiv bei Google recherchieren, um in den deutschsprachigen Medien Infos zu Stichworten, wie Zwangsumsiedlung, Arbeiterstreik, Versieben-einhalb-fachung der Kosten, Staatverschuldung, oder Vertreibung der Kleinhändler zu finden.
Wenn Kritisches zu lesen ist, dann geht es um Sicherheit, um die Sicherheit von uns Touristen, wenn wir es denn überhaupt wagen, nach Südafrika zu reisen. Unterm Strich sind diese Berichte aber schlicht rassistoid-diskriminiernd: man traut Südafrika die Durchführung eines solchen Mega-Anlasses gemäss den Standards der westlichen Welt nicht zu.
Selbst wenn die UNO die FIFA öffentlich kritisiert, wird das nur am Rande erwähnt und geflissentlich mit einer offiziellen Verwedelung der FIFA abgeschwächt.
Als Erklärungsversuche für das un-journalistische Schweigen kann ich nur zwei Varianten bieten: A) Die Redaktionschefs in den grossen Verlagshäusern sind der Meinung, diese Themen interessieren ihre Konsumenten nicht oder aber B) die Journalisten wollen nicht riskieren, bald von den Fussballmächtigen wegen einer möglichen Kritik geschnitten zu werden.
Noch besteht ja etwas Zeit und Hoffnung bis im Sommer 2010. Ich bin mal gespannt, ob es in den deutsch-sprachigen Medien doch auch bald Kolumnen und Beiträge à la „The Edge of Sports“ auftauchen werden … und wenn auch nur ausserhalb der Sportseiten und – Gefässe.
PS: Der Vollständigkeit halber: Es gibt sie schon, vereinzelte Berichte aus Südafrika, die genauer hinsehen. Ein gute Zusammenfassung bietet z.B. „Ein Kick für das ganze Land?“ in der „Zeit“. Immer wieder kritische Infos gibt’s auf dem Blog von Jens Weinrich.
Noch immer aktuell ist Thomas Kistners Cicero-Artikel aus dem Jahr 2006: „Das System Blatter„.