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Urs Grafs halbstündiger Film Etwas anderes ist auf der einen Seite die offene, schonungslose Lebensbeichte eines etwa sechzigjährigen Mannes, der Alkoholiker war und durch die Sucht sein Leben beinahe zerstörte. Auf der anderen Seite ist es ein „Werbefilm“ für die Arbeitsweise der „Anonymen Alkoholiker“, wobei diese Institution nicht in Kommentar oder Exposé geschildert, sondern aus der Sicht des Betroffenen erfahrbar gemacht wird.
Die Anonymität des ehemaligen Alkoholikers ist gewahrt: Das Gesicht des Mannes ist im Film nie zu sehen. Graf zeigt ihn von hinten, aus der Ferne, er sucht nach Bildern, die seinem Lebensgang entsprechen, er sucht nach der Seelenlage dieses Menschen entsprechenden Stimmungen in der Natur. Nicht zu sehen sind selbstverständlich auch die Mitglieder der „Anonymen Alkoholiker“, aber aus dem Monolog der Hauptperson des Films wird deren Bedeutung als Hilfe für den einzelnen Menschen greifbar. Die Bilder, die das unterstreichen, werden allerdings da und dort zu aufgesetzt wirkenden Symbolen, so die demonstrativ offen stehende Tür oder das einsam hell erleuchtete Fenster des Versammlungsraumes in finsterer Nacht. Etwas anderes bleibt schliesslich nicht bei Alkoholismus und Entwöhnung stehen, sondern bezieht auch den Neuanfang mit ein: Der ehemalige Alkoholiker scheint seine zwischenmenschlichen Probleme allmählich zu meistern, findet sich in der eigenen Familie wieder zurecht, beginnt sich zu kümmern um die Belange der Öffentlichkeit.
Urs Graf arbeitet mit eher konventionellen Mitteln, und dem Zweck des Films — nämlich eine möglichst breite Schicht von möglichen Betroffenen anzusprechen — folgt auch Rob Gnants Kameraarbeit: Es sind sorgfältige, schöne, fast zu schöne Bilder, mit denen er das Thema und den Monolog des Alkoholikers illustriert. Dass sich auch eine formal andere Bewältigung des Stoffes denken liesse, sei nicht verschwiegen: Die Zerrüttung der Persönlichkeit durch den Alkoholismus, die Kommunikationslosigkeit, die daraus resultiert, die Unfähigkeit, sich selbst und die Umwelt richtig einzustufen, schliesslich der neue Lebensansatz und allenfalls der neue Lebensplan nach der schrittweisen Überwindung der Sucht — all das könnte Folgen haben auf die Film-Sprache und ihren Rhythmus. Der Film müsste deswegen ja nicht elitär werden in dem Sinne, dass er seiner Aufgabe als Instrument der Animation etwa in der Erwachsenenbildung oder der Sozialarbeit nicht mehr gerecht würde.
Bewunderung verdient jedoch die Musik, die Roland Moser für den Film eigens schrieb — eine höchst sensible Kammermusik, die im Film eine hervorragende Wiedergabe erfährt.