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Bedeutung für das Ökosystem
Die entscheidende ökologische Bedeutung von Orang-Utans liegt in der Verbreitung von Pflanzensamen, durch die sie wesentlich zur natürlichen Zusammensetzung und Regeneration des Regenwaldes in ihren Verbreitungsgebieten beitragen und in der Konsequenz einer Vielzahl an zum Teil endemisch vorkommenden Tier- und Pflanzenarten adäquate Lebensbedingungen ermöglichen. Während Orang-Utans weite Strecken im Wald durchwandern, nehmen sie Früchte auf, deren Samen sie wieder ausscheiden. Diese fallen auf den Waldboden, keimen aus und entwickeln sich zu neuen Pflanzen. Die Bedeutung der Samenverbreitung durch Orang-Utans betrifft besonders grosse Pflanzensamen, die nicht durch kleine Tierarten verbreitet werden können, und basiert auf einer evolutiven Anpassung zwischen Orang-Utans und von ihnen genutzten Fruchtpflanzen. Das Vorkommen von Fruchtpflanzen in diesen Wäldern beeinflusst daher direkt alle Aspekte des Lebens von Orang-Utans: Verbreitungsmuster, saisonale Bewegungsmuster, Gesundheit, Sozialverhalten und Fortpflanzung. Die Gesundheit von Regenwäldern, die auch Ressourcen für menschliche Gemeinschaften bereitstellen, hängt direkt von Orang-Utans ab.
Orang-Utans bevorzugen Tieflandgebiete, und hier vor allem Überschwemmungsgebiete, Sumpfregenwälder und Täler. Wilde Populationen existieren in höchster Dichte in Tieflandsumpfwäldern, da diese regulärer und grössere Früchte produzieren als trockene Wälder. Somit besteht eine Reziprozität zwischen Sumpfregenwäldern und Orang-Utans: Die Wälder stellen den notwendigen Lebensraum für Orang-Utans bereit und Orang-Utans stellen die Verbreitung von Pflanzensamen in diesen Wäldern sicher. Trotzdem können wilde Orang-Utan-Populationen grundsätzlich auch in geringfügig geholzten Wäldern überleben. Stark von der Abholzung betroffene Wälder mit konventionellen Extraktionsmethoden führen hingegen zu einer zahlenmässigen Abnahme von Orang-Utans, die bis zum lokalen Aussterben führen kann. Als weitere Folge kann Abholzung zum Wachstum von Baumarten führen, die für Orang-Utans geeignete Baumarten verdrängen können, und deren Samen über den Wind verbreitet werden. Die Früchte solcher Arten bieten wenig geeignete Nahrung für die Tiere und erschweren ihre Rekolonisierung. Intensive Abholzung führt zu einer Verschlechterung der Waldzusammensetzung. Die Zerstörung der natürlichen Pflanzenzusammensetzung des Waldes zwingt Orang-Utans entweder dazu, grössere Gebiete zu nutzen oder eine „sitzen und warten“-Strategie zu übernehmen, um Energie zu sparen und einen höheren Anteil an faserreicher Nahrung zu verdauen.