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Wappenpyramide: StadtASG, Bd. 543.
Mit der Urkunde König Sigismunds von 1415, in welcher der Stadt St. Gallen die Hochgerichtsbarkeit sowie das Recht, Münzen zu prägen, übertragen wurden, waren zwei Voraussetzungen erfüllt, St. Gallen als eine reichsunmittelbare Stadt, als eine so genannte Reichsstadt, zu bezeichnen. Unter einer Reichsstadt wird eine Stadt verstanden, die in einem nahen Verhältnis zum König stand und primär ihm statt dem jeweiligen Landesherrn unterstand. Dieses besondere Verhältnis zum obersten weltlichen Herrscher setzte die Stadt prominent ins Bild. Der Status als Reichsstadt war für St. Gallen auch im 17. Jahrhundert noch von Bedeutung. Vorne im 1673 neu verfassten Stadtsatzungsbuch, einer städtischen Gesetzessammlung, wurde eine so genannte Wappenpyramide abgebildet. Hier ist oben der Reichsadler als kaiserliches Symbol sowie auch als Symbol des Reiches zu erkennen. Unten findet sich doppelt das Stadtwappen, der Bär mit dem goldenen Halsband. Zudem wird das kaiserliche Wappen von zwei weiteren Stadtbären gehalten, und über dem Reichsadler findet sich als weiteres kaiserliches bzw. Reichssymbol die Krone. Diese Darstellungsform der Wappenpyramide war damals gängig; beispielsweise wurden auch die Wappen der eidgenössischen Orte doppelt (gegengleich) unter dem Reichsadler als Wappenpyramide gruppiert. In dieser Darstellung spiegelt sich das städtische Selbstbewusstsein: Man widmete sich der eigenen Gesetzgebung und brachte gleichzeitig zum Ausdruck, dass man eine Reichsstadt war.
Weiter finden sich auf dem Bild zwei Putten: die Gerechtigkeit (Justitia) und die Klugheit oder die Wahrheit (Prudentia oder Veritas). Die Putte, welche die Gerechtigkeit darstellt, hat die Augen verbunden als Symbol dafür, dass sie ohne Ansehen der Person richtet; die Waage deutet auf ihre abwägende Seite hin, das Schwert auf ihre strafende, urteilende Aufgabe. Diejenige Putte, welche die Klug- oder die Wahrheit symbolisiert, hält einen Spiegel in der Hand und trägt eine Schlange auf sich. Die Schlange steht für die Klugheit, der Spiegel für die Selbsterkennung. Oben erscheinen die Wappen der damaligen politischen Spitze der Stadt, also von Altbürgermeister Joachim Kunkler, Amtsbürgermeister Hans Joachim Haltmayer und Reichsvogt Othmar Appenzeller mit dem Spruch „Salus populi suprema lex“ („Das Wohl des Volkes ist oberstes Gesetz“). Unten auf der Seite finden sich Namen und Wappen der Spitze der städtischen Administration: des Steuer- und Seckelmeisters Barthlome Schobinger, des Unterbürgermeisters Joachim Morß sowie des Stadtschreibers Hans Jacob Zörnlin.