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Die Architekten Werner Moser und Rudolf Steiger entwickelten 1935 den Grundriss des Hauses von Sury aus einem ihrer Musterhäuser. Das eingeschossige Holzhaus, das schnell und kostengünstig erweitert werden konnte, eignete sich für gehobene Ansprüche.
Der Schweizer Werkbund, der Bund Schweizer Architekten und Verbände aus der Bauindustrie veranstalteten 1935 in Basel die Ausstellung ‹Land- und Ferienhaus›, auf der die Avantgarde der Schweizer Architekturschaffenden Musterhäuser ausstellten. Die zur Bewegung Neues Bauen zählenden Architekten Werner Moser (1896–1970) und Rudolf Steiger (1900–1982) waren mit dem Projekt ‹Wachsendes Holzhaus› vertreten. Das Musterhaus liess sich den Bedürfnissen einer wachsenden Familie schnell, unkompliziert und kostengünstig anpassen aufgrund seiner genormten Holzständerkonstruktion und rationellen, modularen Anbaulösungen.
Der Arzt Kurt von Sury-Mäglin und seine Frau Cécile hatten das Musterhaus gesehen und wollten sich ein solches bauen lassen. Nachdem Moser und Steiger verschiedene Varianten ausgearbeitet hatten, entschied sich die Bauherrschaft für einen Entwurf, der von der ursprünglichen Grundrissgestaltung erheblich abwich.
Die beiden Architekten errichteten einen eingeschossigen, mit einem Flachdach gedeckten, L-förmigen Bungalow in Hanglage, der vollständig unterkellert war. Keller und Haussockel waren aus Beton gegossen. Von der Strassenseite her gab es einen ebenerdigen Zugang zur Autogarage im Kellergeschoss. Dieses enthielt zudem ein Wäschezimmer, eine Waschküche, einen Abstell- und einen Heizungsraum sowie einen Kohlen-, einen Vorrats- und einen Weinkeller. Das Erdgeschoss war als Holzriegelbau gefertigt. Im östlichen Hausflügel lagen ein grosses Arbeitszimmer mit Kamin, vier Schlafzimmer sowie ein Bad, im westlichen Flügel befanden sich Küche, Office und ein ausladendes Ess- und Wohnzimmer mit Kamin und Zugang zu einer windgeschützten Veranda. Innen war das Haus mit Holzfaserplatten und Sperrholz verkleidet. Die Fassade war horizontal verschalt. An der südlichen Längsseite liessen grosse Fenster viel Licht ins Innere und gaben den Blick in den Garten frei.
Das Haus war so konzipiert und gebaut, dass es, wie im ursprünglichen Projekt vorgesehen, problemlos um ein Geschoss hätte erweitert werden können. Ausserdem veranschaulichte es eines der zentralen Anliegen der ‹Land- und Ferienhaus›-Ausstellung: dass Holzbau auch gehobenen Ansprüchen genügen kann. Mit der Lichtdurchlässigkeit, der Verbindung von Innen- und Aussenraum und der Grosszügigkeit des Raumprogramms setzten Moser und Steiger dieselben Gestaltungskriterien ein, die sich bei ihren früheren, massiv gebauten Einfamilienhäusern beobachten lassen.
Das Haus von Sury wurde 2005 abgebrochen und durch einen Neubau des Büros Seeger Architekten aus Basel ersetzt.
Autorin / Autor: Felix Steininger | Zuletzt aktualisiert am 3.8.2023
Heusler, Matthis: 17. Haus von Sury. In: Heimatschutz Basel und Gemeinde Riehen (Hg.): Baukultur entdecken. Neues Bauen in Riehen. Riehen / Basel 2005.
Isler, Monika und David Wyss: Haefeli Moser Steiger. Katalog des architektonischen Gesamtwerks. In: Hildebrand, Sonja, Bruno Maurer und Werner Oechslin (Hg.): Haefeli Moser Steiger. Die Architekten der Schweizer Moderne. Zürich 2007. S. 188–451, hier S. 278f.
46 Jahre Bauen + Planen. Rudolf Steiger. o.O. [Zürich] o.J. S. 65f.