Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03375.jsonl.gz/408

Übersicht der wichtigsten Schweizer Kriege von 1291 bis 2016: Die Schweiz gilt als europäisches Land, das sich stets aus militärischen Auseinandersetzungen heraushält. Doch dem war nicht immer so. Hier gibt es eine Übersicht zur Kriegsgeschichte der Schweiz.
Inhalte:
Betrachtet man das 20. und 21. Jahrhundert, stimmt die Annahme, dass sich die Schweiz militärisch aus allen kriegerischen Konflikten raushält. Sie verhält sich in kriegerischen Auseinandersetzungen in der Regel neutral.
Abschüsse: Während des Zweiten Weltkrieges bestand die Beteiligung der Schweiz lediglich aus vereinzelten Abschüssen von deutschen wie alliierten Flugzeugen und dem versehentlichen Beschuss weniger Schweizer Städte wie Basel, Schaffhausen, Stein am Rhein und Zürich.
Militärische Invasion: Dazu beigetragen hat vor allem auch der Umstand, dass die Schweiz während des Zweiten Weltkriegers nicht direkt durch eine militärische Invasion zum Kriegsbeitritt gezwungen wurde. Dafür tangierte der Zweite Weltkrieg auf allen Ebenen das Leben in der Schweiz: Von der Wirtschaft bis hin zur Gesellschaft waren alle Bereiche des öffentlichen Lebens vom Krieg betroffen (siehe auch: Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg).
Im Ersten Weltkrieg existiert keinerlei militärische Reaktion der Schweiz. Die aktiven militärischen Auseinandersetzungen des Landes liegen viel weiter zurück - und haben die Schweiz nachhaltig geprägt.
Um sich einen Überblick über all die Kriege zu verschaffen, in welche die Schweiz involviert war, muss man einen Blick in die weiter zurückliegende Geschichte werfen.
Letzter militärischer Einsatz: Beim letzten militärischen Einsatz der Schweiz handelt es sich um einen Konflikt mit Frankreich unter der Regierung Napoleon III. Streitpunkt des damaligen Konflikts war der Status des heutigen Departments Haute-Savoie. Bei dieser Schlacht handelt es sich um den Savoyerhandel, der 1859/60 in Department Haute-Savoie stattgefunden hat.
Stattdessen befinden sich die letzten Kriege in der Spanne zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert.
Vertraglich zum Krieg verpflichtet: Während der Jahrhunderte wurden zahlreiche Kriege geführt, von denen ein Teil eidgenössischen Verpflichtungen zuzuschreiben ist. Traten Bündnispartner in den Krieg, so war die Schweiz vertraglich verpflichtet, dem Partner aus Solidarität zu helfen und der Auseinandersetzung militärisch beizutreten.
Jahrhundertkriege: Die wichtigsten Kriege der Schweiz sind wohl die Schweizer Habsburgerkriege, die sich über einen langen Zeitraum erstrecken und in unterschiedlichste Gefechte staffeln. Unter dem Namen "Habsburgerkriege" verstecken sich mehrere zusammenhängende Konflikte, die immer wieder in militärische Auseinandersetzungen ausarten. Die Phasen des Friedens sind in dieser Zeit brüchig und werden nach kurzen Episoden erneut von Schlachten und Feldzügen ausser Gefecht gesetzt. Erst nach Jahrhunderten gelang es den Konfliktparteien letztendlich, einen standhaften Frieden zu schliessen und darüber hinaus sogar teilweise militärisch zusammenzuarbeiten.
Teilstaaten-Verbund: Die Schweizerische Eidgenossenschaft umschliesst mehrere Staaten zu einem lockeren Bundesgeflecht. Die alte Eidgenossenschaft existierte zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert bis 1798. Die autonomen Mitgliedstaaten, deren Untertanengebiete, die Zugewandten Orte und die Gemeinen Herrschaften bildeten damals die Eidgenossenschaft, welche in der Zahl der Mitglieder während der Jahre schwankt.
Ursprung: Am Anfang besteht die Eidgenossenschaft aus den Urkantonen Schwyz, Uri und Unterwalden. Durch die Weiterentwicklung des Habsburgerkrieges schliessen sich weitere Städte im Sinne des eigenen Interesses der Genossenschaft an.
Die Schweizer Habsburgerkriege lassen sich in fünf aufeinander folgende Phasen aufstaffeln.
Eine alte Feindschaft erwacht: Die erste Episode beginnt mit dem Tod des deutschen Königs Rudolf von Habsburg, welcher 1291 eintritt. Es bei kam den Habsurgern zu einem Gerangel um die reguläre Nachfolge Rudolfs. König Rudolfs Sohn, Herzog Albrecht von Österreich, musste seine Stellung vor Reichsfürsten, dem Bischof von Konstanz, die Grafen von Savoyen und Nellenburg sowie vor den Reichsstädten Bern und Zürich verteidigen. Die Feindschaft zwischen den Habsburgern und der Alten Eidgenossenschaft war wieder erwacht.
Sie herrschten über zahlreiche Gebiete, Ämte und Städte. Die Eidgenossenschaft wollte eine weitere Machtexpansion der Habsburger verhindern. Der Versuch, der sich ausbreitenden Macht standzuhalten, löste letztendlich die Habsburgerkriege aus.
Die legendäre Schlacht: In der zweiten Phase der Habsburgerkriege kam es zur Schlacht am Morgarten. Diese legendäre Schlacht fand am 15. November 1315 statt und war gleichzeitig die erste kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern. Zur Entstehung des Konfliktes gibt es verschiedene Theorien. Eine besagt, dass die Eidgenossenschaft sich gegen die Machtexpansion der Habsburger sträubte.
David gegen Goliath: Obwohl zahlenmässig deutlich unterlegen, zwangen die Eidgenossen den Habsburgern den Kampf auf einem Gelände auf, wo die Truppenstärke und Überzahl den Habsburgern keinerlei Nutzen brachte. Dadurch wurde unter anderem die mächtige Reiterei der Habsburger unschädlich gemacht und in den Nahkampf verwickelt.
Die Legende: Herzog Leopold rückte mit seinen Soldaten in Richtung Morgarten vor, liess die Eidgenossen mit zahlreichen Finten und Überraschungsangriffen im Glauben, der Hauptangriff erfolge an anderer Stelle. Die Legende besagt, dass die Eidgenossen von Leopolds tatsächlichem Schachzug wussten, weil Ritter Heinrich von Hünenberg die wahren Absichten Leopolds verraten habe, indem er den Schwyzern einen Pfeil über die Befestigung von Arth mit folgender Botschaft schoss: «Hütet euch am Morgarten am Tage vor St. Othmar.» Tatsächlich werden es aber wohl die Kundschafter der Schwyzer gewesen sein, die den Kriegs-Plan von Herzog Leopold aufdeckten.
Truppenstärke: Die Konfliktparteien bestanden letztendlich aus Leopold I., Herzog von Österreich und Steinmark, sowie Ury, Schwyz und Unterwalden, der Eidgenossenschaft. Auf Seiten der Habsburger stand eine Truppe der Stärke von 9000 Mann, wovon ungefähr 2000 Ritter zählten. Die Eidgenossenschaft auf der Gegenseite brachte ein Heer von ca. 1500 Personen hervor. Die Eidgenossen waren von der Truppenstärke und Kämpferzahl den Habsburgern also deutlich unterlegen.
Tatsächlich werden es auf Seiten der Schweizer wohl einige tote Soldaten mehr gewesen sein. Das Verhältnis dürfte aber in etwa dem Schlachtenausgang entsprechen.
Die dritte Phase der Habsburgerkriege dreht sich um Konflikte, in deren Mittelpunkt Zürich und Luzern stehen. Luzern befand sich wegen den anhaltenden Konflikten der Habsburger und der Eidgenossenschaft in einer ungünstigen Situation. So waren die Handelsbeziehungen von beiden Partnern abhängig. Letztendlich schloss Luzern sich dann aber 1332 der Eidgenossenschaft an, um sich gegen das Machtstreben der Habsburger zu wehren. 1351- 1353 traten weitere Städte der Eidgenossenschaft bei, wodurch diese zum Bund der Acht Alten Orte heranwuchs.
Gleichzeitig nahm das Machtbestreben der Habsburger unter Herzog Albrecht II. zu. Es kam zu einigen Auseinandersetzungen sowie Eroberungen beider Seiten und der Belagerung Zürichs durch Albrecht II. Der Brandenburger Friede von 1352 regelte anschliessend, dass beide Parteien die gemachten Eroberungen zurückgeben mussten. Albrecht II. ging gegen dieses Ergebnis rechtlich vor, woraufhin das Urteil ihm zugunsten ausfiel. Nachdem die Eidgenossenschaft die Regelung nicht umsetzte, kam es erneut zu einer militärischen Auseinandersetzung, die Albrecht II. verlor.
Absolute Autonomie gefordert: Die Episode zwischen der dritten und vierten Phase ist von instabilem Frieden geprägt. Auslöser der militärischen Auseinandersetzung war die Politik Luzerns ab dem Jahr 1385. Zu diesem Zeitpunkt befand Luzern sich in einem Bündnis mit der Eidgenossenschaft sowie dem Süddeutschen Städtebund und sah seine Chance, absolute Autonomie von Habsburg zu erreichen. Die Politik mündet am 9. Juli 1386 in der Schlacht bei Sempach.
Truppenstärken: Es standen sich der Herzog Österreichs und Steinmarks, Leopold III., sowie die Schweizerische Eidgenossenschaft gegenüber. Auf Seiten der Genossenschaft kämpfte zudem ein ihr zugewandter Ort, Gersau. Dieses Mal übertraf die Eidgenossenschaft die Truppenstärke der Habsburger mit 6000-8000 vs. 4000 Mann.
Nach der Schlacht bei Sempach wurde ein fünfzehnjähriger Friede zwischen den Habsburgern und der Eidgenossenschaft abgeschlossen. Dennoch kam es bereits 1415 zu erneuten Konflikten. 1442 schlossen Zürich und Habsburg ein Bündnis gegen die Eidgenossenschaft. Es folgten weitere Auseinandersetzungen und kleinere Schlachten. Die Habsburger verloren in Folge dieser weitere Gebiete, die Machtexpansion wurde gestoppt.
Nach zahlreichen Provokationen und Schlachten kam es 1474 zum Ende der Feindschaft zwischen Vorderösterreich und der Eidgenossenschaft. Der momentane Besitzstand wurde anerkannt und die Eidgenossenschaft versicherte, Sigismund bei der Rückeroberung der an Burgund verloren gegangenen Länder behilflich zu sein. Aus diesem Vertrag entstanden die Burgunderkriege. Diese fanden zwischen 1474 und 1477 statt.
Sieg der Eidgenossen: Die Feldzüge führten zu einem Sieg der Eidgenossenschaft über den burgundischen Herzog Karl den Kühnen, der den Krieg mit seinem Leben bezahlte. Seine Bestrebung, Elsass und Lothringen als Verbindung zwischen seinen burgundischen und niederländisch- luxemburgischen Besitztümern wurde niedergeschlagen.
Die Habsburgerkriege der Schweiz beinhalten also zahlreiche weitere militärische Auseinandersetzungen. Sie schlängeln sich durch einen breiten Abschnitt der Geschichte des Landes und sind ein wichtiger historischer Bestandteil. Doch neben den Habsburgerkriegen ist die Vergangenheit der Schweiz durch zahlreiche weitere Kriege und Konflikte geprägt.
Schweizer Kriege & Feldzüge: Die meisten militärischen Einsätze befinden sich um 15. Jahrhundert. Zu nennen sind hier die Appenzellerkriege, der Basler Krieg (Rappenkrieg), der Raronkrieg, die Ennetbirgischen Feldzüge sowie der Alte Zürichkrieg. Zudem kam es zum St. Jakoberkrieg, Freiburgkrieg, Waldshutkrieg, St. Gallerkrieg, Schwabenkrieg und den bereits genannten Burgunderkriegen.
Dennoch hat sie sich früh gefestigt und im weiteren Verlauf Kriege vermieden. Sie hat keine weiteren eigenständig Konflikte ausgelöst, noch hat sie in Form von Bündnissen Partner bei der Ausübung militärischer Einsätze unterstützt. Die Schweiz hält den Status der Neutralität seit Jahrzehnten aufrecht. Ein Blick auf die Geschichte zeigt jedoch, dass dies nicht immer so war.
Vielleicht interessiert Dich auch:
(Last updated: 06.05.2016, 12:34 Uhr)