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Lange schon haben Forscher nach den Gründen für die niedrige Bevölkerungsdichte im vorkolonialen Afrika gesucht. Sie wird nämlich von einigen Historikern als Grund für die weitgehend fehlende Staatenbildung im subsaharischen Afrika in vorkolonialer Zeit betrachtet.
Die schwachen oder fehlenden Staaten waren ein Hemmnis für das Wirtschaftswachstum, weil die Machtzentren nur in geringem Masse Sicherheit und Infrastruktur bereitstellen konnten.
Schlimmer Verdacht
Warum aber das Bevölkerungswachstum und die Bevölkerungsdichte im vorkolonialen Afrika gering blieb, war ein grosses Rätsel. Schuld sei die Tsetsefliege, sagt nun Marcella Alsan von der Stanford University in ihrer Arbeit «The effect of the Tsetse Fly on African development».
Mit Hilfe von historischen Klimadaten hat die Forscherin die Lebensbedingungen für die Tsetsefliege zu verschiedenen Zeiten errechnet. Und diesen «tsetse-suitability index» (TSI) mit archäologischen Daten zur afrikanischen Landwirtschaft verglichen. Das Ergebnis: In Phasen, in denen die Stechfliege gedeihen konnte, sank sowohl die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen Nutztiere hielten, als auch der nachweisbare Einsatz des Pflugs.
Dünner besiedelt und weniger organisiert
Regionen, die für Tsetsefliegen geeigneten waren, seien dünner besiedelt und weniger stark politisch organisiert gewesen, schreibt Marcella Alsan. Eine Korrelation, die für Gebiete ausserhalb Afrikas nicht gelte – dort existiert die Fliege nämlich nicht.
Die Tsetsefliege ernährt sich von menschlichem und tierischem Blut und überträgt die gefürchtete Schlafkrankheit und bei Tieren die Nagana-Seuche. Der Stich der Fliege ist für viele Nutztiere tödlich und schränkt die Landwirtschaft im sogenannten afrikanischen «Tsetsegürtel» um den Äquator wesentlich ein.
Bis heute spürbar
Die Folgen seien bis heute spürbar, so Marcella Alsan. «Auch die aktuelle Wirtschaftsleistung wurde durch die Seuche beeinträchtigt, weil dort die vorkoloniale Staatenbildung gehemmt wurde.»
Tatsächlich ist die Lage in vielen Nationalstaaten im subsaharischen Afrika bis heute prekär. Dass daran aber nicht nur die Stechfliege, sondern auch der Kolonialismus und die daraus entstandenen willkürlichen Grenzziehungen mitbeteiligt waren, macht die Studie von Marcella Alsan nicht weniger interessant. Auch die aktuelle Ebola-Epidemie in Westafrika stürzte bekanntlich viele Staaten in massive wirtschaftliche Probleme.