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Syngenta verstösst gegen FAO-Werbekodex
28. Juli 2004
Das Werbeplakat, zeigt einen Gramoxone-Behälter und davor einen riesigen Geländewagen, sowie viele Motorräder. Preise, die gewinnen kann, wer ein Flasche Gramoxone kauft und bei der Preisauslosung über das nötige Glück verfügt. Dieser zusätzliche Bonus steht im klaren Widerspruch zum Kodex der FAO zur Verteilung und den Gebrauch von Pestiziden, dessen überarbeitete Version im Jahre 2002 von der FAO verabschiedet wurde. Artikel 11.2.18 des Kodex schreibt vor, dass die Werbung keine unangebrachten Anreize oder Geschenke beinhalten soll, die zum Kauf von Pestiziden ermuntern. Bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst eines thailändischen Bauern von 2500 Baht (60 US$), bedeuten diese Preise unbestreitbar einen unverhältnismässigen Anreiz. Ein Auto oder selbst ein Motorrad ist für viele Bauern ein unerfüllbarer Wunsch. Die Werbung von Syngenta verstösst möglicherweise noch gegen weitere Artikel des Kodex, da das Wort «sicher» unkorrekt verwendet wird und der Kunde kaum auf die Gefahren und Sicherheitsvorschriften aufmerksam gemacht wird 3).
Die Aktivitäten von Syngenta werden von diversen NGOs verurteilt. Das Pesticide Action Network Asia Pacific (PANAP), ruft in einem Protestbrief den Generaldirektor der FAO, Jacques Diouf, zum Handeln auf. Dieser Brief wird von der Erklärung von Bern, dem Pesticide Action Network UK und dem Pestizid Aktions-Netzwerk in Deutschland unterstützt. «Wir sind besorgt, dass mit dieser aggressiven Verkaufsstrategie das im Nachbarstaat Malaysia verbotene Produkt einfach verschleudert wird», sagt Sarojeni Rengam, die Direktorin von PANAP. «Der revidierte Verhaltenskodex ist ein Zeichen der Einsicht von Regierungen, der Industrie und NGOs, dass es mehr Anstrengungen braucht, um das Pestizidrisiko in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Es ist enttäuschend, dass die wichtigen Verpflichtungen, welche die Werbung betreffen, nicht eingehalten werden», doppelt Barbara Dinham von PAN UK nach.
Das unakzeptable Verhalten von Syngenta ist umso erstaunlicher, als Michael Pragnell, CEO von Syngenta und Präsident von CropLife, dem Dachverband der Pestizidindustrie, noch im März dieses Jahres wie folgt zitiert wurde: «Die Annahme des neuen Verhaltenskodex durch die Mitgliedfirmen von CropLife International zeigt das Bekenntnis der Industrie ihre Verantwortung, gemäss ihrer wichtigen Rolle bei der nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft, ernst zu nehmen». Im zeitgleich publizierten Bericht von CropLife International wird festgehalten, dass das Firmenmanagement eine klare Verantwortung hat Aktionen einzuleiten, welche garantieren, dass der Kodex in der eigenen Firma umgesetzt wird.
Für François Meienberg von der Erklärung von Bern zeigt dieser Fall drei verschiedene Aspekte auf: «1. Es scheint notwendig zu sein den Verkauf von Gramoxone (Paraquat) mit unangemessenen Boni zu verbinden. Vielleicht ist das Produkt doch nicht so gut wie von Syngenta immer wieder behauptet wird. 2: Syngenta hat seine Verantwortung nicht ernst genommen. Es genügt nicht einen Kodex zu akzeptieren, man muss ihn auch umsetzen. 3. Soziale Unternehmensverantwortung sollte sich nicht auf eine Publikation für die Generalversammlung beschränken, sondern für die Geschäftstätigkeit während dem ganzen Jahr und weltweit seine Gültigkeit haben.»
Dieser Verstoss gegen den Kodex ist besonders tragisch, da es sich beim Produkt um ein hochgiftiges Herbizid handelt, welches schon zu unzähligen Todesopfern und Vergiftungen geführt hat. Eine grosse Koalition von NGOs, aber auch Regierungen fordern das totale Verbot von Paraquat. Im Dezember 2003 wurde im Rahmen eines gemeinsamen Projektes der thailändischen und der dänischen Regierung ein Bericht veröffentlicht, in welchem der brutale Tod eines Landarbeiters durch Paraquat in Thailand geschildert wird. «Der Syngenta-Werbespruch Glück in jeder Flasche kann in diesem Zusammenhang nur noch als zynisch beurteilt werden», verurteilt François Meienberg die Syngenta-Werbung.