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Beweisrecht > Nachweis eines Unfalles
Inhalt
- Unfall lässt sich nur selten durch medizinische Feststellungen nachweisen
- Unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben zum Unfallgeschehen
- Vermutung eines Unfalles genügt nicht für dessen Nachweis
- Zwei Beispiele nicht bewiesener Unfallbegriffe inkl. Grundsatz
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Rechtsprechung in chronologischer Reihenfolge
Unfall lässt sich nur selten durch medizinische Feststellungen nachweisen
Urteil 8C_225/2019 vom 20.08.2019 E. 3.4 (Volltext): Trauma deckt sich nicht mit Unfallbegriff
Hervorzuheben ist des Weiteren, dass sich der mangelhafte Nachweis eines die Merkmale des Unfalles erfüllenden Ereignisses nur selten durch medizinische Feststellungen ersetzen lässt. Es kommt ihnen im Rahmen der Beweiswürdigung für oder gegen das Vorliegen eines unfallmässigen Geschehens in der Regel nur die Bedeutung von Indizien zu. Auch deckt sich der Begriff des Traumas nicht mit dem Unfallbegriff im Sinne von Art. 4 ATSG.
Unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben zum Unfallgeschehen
Urteil 8C_648/2013 vom 18.02.2014 E. 3.1 und 3.2 (Volltext): Keine Leistungspflicht
Praxisgemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens von der leistungsansprechenden Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, indem unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben gemacht werden, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, so besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Insbesondere ist zu verlangen, dass die Schilderungen mit den vorhandenen Indizien im Wesentlichen übereinstimmen.
Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Wird auf Grund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht -, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person auswirkt.
Vermutung eines Unfalles genügt nicht für dessen Nachweis
Urteil 8C_689/2011 vom 21.10.2011 E. 7.1 (Volltext): Kleine Verletzung genügt nicht
Unfallmeldung: An der Fusssohle verletzt, Blutvergiftung
So trifft es zwar zu, dass der Versicherte selber von einer Verletzung durch einen Fremdkörper berichtet hat, was auch aus den ärztlichen Berichten hervorgeht. Indessen steht, insoweit unbestritten, fest, dass er eine blutende Wunde entdeckt hat, indessen nicht bemerkt hatte, dass und womit er sich verletzt hätte. Auch den Arztberichten ist nicht zu entnehmen, wodurch sich der Versicherte verletzt habe; es wird erwähnt, dass er von einer "kleinen Verletzung" berichtet habe und dass er auf etwas getreten sei, möglicherweise ein Stück Metall. Unter diesen Umständen könnte der Unfallbegriff nur dann als erfüllt gelten, wenn sich die Gesundheitsschädigung ihrer Natur nach zweifelsfrei einem äusseren Faktor zuordnen liesse (vgl. BGE 134 V 72 E. 4.1 S. 76 f., E. 4.3.1 u. 4.3.2 S. 79 ff.).
Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt, nachdem feststeht, dass der Versicherte nicht weiss, sondern lediglich vermutet, auf einen spitzen Gegenstand getreten zu sein und sich dabei eine entsprechende Wunde zugezogen zu haben. ...
Zwei Beispiele nicht erfüllter Unfallbegriffe inkl. Grundsatz
Ein Unfallereignis ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erwiesen:
- Wenn der Versicherte sich anlässlich eines Unfalles daran erinnert, ein Jahr zuvor an einem etwas wilden Konzert auf den Daumen gestürzt zu sein, jedoch ungenaue und teilweise widersprüchliche Angaben über Zeitpunkt und Umstände macht (SUVA, Jahresbericht 1986 Nr. 1 S. 1).
- Wenn der Versicherte dem Arbeitgeber, dem Arzt und dem Versicherungsinspektor zunächst nichts von einem Sturz sagt und keine Zeugen für den Vorfall nennen kann, später jedoch den Beinbruch auf einen angeblichen Sturz zurückführen will und ausserdem seine Tochter als Zeugin nennt (SUVA Jahresbericht 1972 Nr. 3b S. 15).
Der Leistungsansprecher (Versicherter, Hinterlassener) hat die einzelnen Umstände des Unfallherganges mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu beweisen. Macht er unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben, die ein unfallmässiges Geschehen unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des UVG-Versicherers (BGE 103 V 176).