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05.07.2022, 16:10 Uhr
Variabel verzinsliche Hochzinsanleihen (HY FRN) haben sich in der Phase der geldpolitischen Straffung deutlich besser entwickelt als festverzinsliche Titel. Die Kreditaufschläge liegen über ihrem langfristigen...Artikel lesen
Maarten-Jan Bakkum, globaler EM-Aktienstratege von ING IM zeigt auf, welche Schwellenländer jetzt noch Potenzial haben.
Mit einem derzeitigen Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern von nur rund 4%, was etwas mehr als der Hälfte des durchschnittlichen Wachstums zwischen 2003 und 2008 entspricht, sind Reformen wichtiger denn je. Wie bereits in den letzten drei Jahren, wird das globale Handelswachstum auch weiterhin niedrig bleiben und ca. zwischen 0% und 5% liegen. Exporteure der Schwellenländer können nicht mit mehr rechnen. Die Wachstumsaussichten in den USA und Europa sind zu begrenzt und die Verlangsamung des strukturellen Wachstums in China ist nur allzu offensichtlich. Kapitalströme werden den ersehnten Aufschwung ebenfalls nicht herbeiführen können, zum einen da die USA damit begonnen haben, ihre Geldpolitik auf ein normales Mass herunterzufahren, zum anderen hatten immer mehr Schwellenländer in den letzten Jahren bereits ein solch hohes Kreditwachstum zu verzeichnen, dass jetzt nur noch wenig Raum nach oben bleibt.
Daher müssen dringend Reformen durchgeführt werden. In den letzten zehn Jahren haben staatliche Interventionen in vielen Schwellenländern durch Staatsbanken, diverse Subventionen und undurchschaubare, kontraproduktive Reglementierungen und Steuern drastisch zugenommen. Für private Unternehmen ist es wesentlich schwieriger geworden, Gewinne zu erzielen, was sich eindeutig im geringen Investmentwachstum der letzten Jahre zeigt. Eine Verbesserung des Investitionsklimas sollte letztendlich die Investitionen und das Wirtschaftswachstum steigern. Dies erfordert sowohl eine Reduzierung der staatlichen Interventionen, als auch Steuerreformen, um Raum im Budget für Infrastrukturinvestments schaffen zu können. Darüber hinaus werden Arbeitsmarktreformen von Nöten sein, um die Wettbewerbsposition nach einem jahrelangen hohen Einkommenswachstum zu stärken.
Im letzten Jahr sah es ganz danach aus, als würden die drastischen Marktanpassungen und sinkenden Devisenkurse zu einem politischen Wandel führen. Der sich erhöhende Druck schien Reformen unerlässlich zu machen. Seitdem hat dieser Druck jedoch als Reaktion auf die sich erholenden Kapitalströme wieder abgenommen. Nur wenige Länder haben kürzlich Reformen zur Verbesserung des nationalen Wachstumspotenzials umgesetzt. Mexiko bildet dabei die Ausnahme, während Indien das Land ist, in dem die Aussichten auf Reformen die grösste Begeisterung auslöst.
Seit den Wahlen, bei denen der Reformer Narendra Modi eine grosse Mehrheit erlangte, sind die Erwartungen sehr hoch. Der Markt blickte in Bezug auf die gesamten Möglichkeiten weit voraus. Mit Modis Ehrgeiz, seiner Erfolgsgeschichte und den enormen Möglichkeiten für Verbesserungen in der gelähmten indischen Volkswirtschaft, sieht die Zukunft rosig aus. Wahrscheinlich wird es in den kommenden Jahren viele Veränderungen geben: Das Investitionswachstum wird profitieren, die Infrastruktur wird sich substanziell verbessern und das Wirtschaftswachstum könnte um einige Prozentpunkte ansteigen. Kurzfristig scheinen die Erwartungen jedoch ein wenig zu hoch zu sein, was die tatsächlichen Möglichkeiten angeht.
Für einen opportunistischen Anleger, der von möglichen Reformen in den Schwellenländern profitieren möchte, könnte sich beispielsweise eine Investition in Brasilien innerhalb der nächsten Monate lohnen. Die Chancen der Opposition, die Wahlen im Oktober zu gewinnen, haben sich deutlich erhöht. Wenn die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff die Wahlen verliert, wird sich die Wirtschaftspolitik dramatisch verändern. Steuerreformen und eine ernsthafte Drosselung von staatlichen Interventionen in der Wirtschaft werden den Markt ankurbeln. Aber dies ist noch Zukunftsmusik.