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«Er dachte, ich hätte Starallüren. Dabei hatte ich nur Angst»
Robert Pattinson über seine Zusammenarbeit mit David Cronenberg, das Leben nach «Twilight» und den Hinterkopf von Kristen Stewart
Von Matthias Lerf
Der Vampir, das war einmal. Gegen Weihnacht kommt zwar noch der längst abgedrehte letzte «Twilight»-Film ins Kino, doch der Brite Robert Pattinson, 26, spielt keine Blutsauger mehr. In «Cosmopolis» ist er ein Geldhai, der sich in einer Stretchlimousine quer durch Manhattan chauffieren lässt. Den Film nach einer Romanvorlage von Don DeLillo inszenierte der Meisterregisseur David Cronenberg. Und Robert Pattinson ist damit definitiv im Kino der Erwachsenen angekommen. Oder nicht? Zum Interview auf der Dachterrasse eines Luxushotels in Cannes erscheint er mit einem rosa Lollipop im Mund.
Schmeckt es, Mister Pattinson?
Oh, ich mag diese Dinger. Stört es Sie, wenn ich lutsche?
Nein. In einem französischen Magazin stand: Robert Pattinson war ein Star, jetzt ist er ein Schauspieler. Sehen Sie das auch so?
Komisch, wie so etwas funktioniert. Schon als der Trailer zu «Cosmopolis» herauskam, las ich: Jetzt ist er ein richtiger Schauspieler. Ich bitte Sie, dieser Trailer dauerte 30 Sekunden, und ich sage kein Wort darin. Wer will das beurteilen? Aber es kommt eben auf die Erscheinung an.
Bis jetzt waren Sie der grösste Teenie-Star und nicht Schauspieler.
Sieht so aus. Meine Karriere begann ja tatsächlich erst mit «Twilight» richtig, dem grössten Ding, das man sich denken kann. Wenn man aus dem Nichts gross wird, glauben viele, das sei eine verkehrte Karriere. Man müsse sich zuerst hochdienen.
Werden Sie «Twilight» vermissen?
Schauspielerisch nicht, mein Vampir macht ja keine grosse Entwicklungen durch. Er kann nicht sterben, er kann sich nicht verletzen. Da wird es schwierig, neue Ideen zu entwickeln. Aber ...
Aber?
Ich verdanke diesen Filmen alles. Vor «Twilight» wollte ich die Schauspielerei aufgeben. Meine Karriere kam nicht ins Rollen.
Stimmt es, dass Sie bei einer Produktion des Royal Court Theatre gefeuert wurden?
Ja, beim Stück «The Woman Before». Eigentlich weiss ich jetzt noch nicht, wieso. Aber im Nachhinein gesehen, war es gar nicht schlecht. Man wurde dadurch auf mich aufmerksam. «Was für ein Rebell», hiess es plötzlich.
Tom Riley hatte damals Ihren Part übernommen ...
... was mich wirklich störte: Damals wurde auch eine Nebenrolle in einem Film mit Juliette Binoche besetzt, die ich unbedingt wollte. Aber sie ging ebenfalls an Tom Riley. Verrückt war: Es erschien dann eine Besprechung des Films, in der stand, ich sei ziemlich gut darin. Wegen der Theatergeschichte hatte uns der Kritiker verwechselt.
Beim Erzählen dieser Geschichte kichert Robert Pattinson ansteckend. Er hat gut lachen, denn der Juliette-Binoche-Film von damals - «Quelques jours en septembre» mit John Turturro - ist längst vergessen. Dafür steigt die Schauspielerin jetzt in «Cosmopolis» als Galeristin zu ihm in die Limousine, für eine schnelle Runde Sex und um ihm ein millionenteures Gemälde von Mark Rothko zu verkaufen. Es ist ihm jedoch zu billig.
Ja, Pattinson macht sich ausgesprochen gut als millionenschwerer Grosskotz, der alles in seiner Limousine erledigt. Eigentlich will er sich nur die Haare schneiden lassen, dafür lässt er sich quer durch Manhattan chauffieren. Aber an diesem Tag sind die Strassen verstopft, nichts geht. Ausserdem will sich seine Frau von ihm trennen, ein Attentäter trachtet ihm nach dem Leben, und ein Arzt konstatiert bei der Routinekontrolle, er habe eine «asymmetrische Prostata».
Ist Ihre Prostata symmetrisch, Mister Pattinson?
Ich hab sie noch nie untersuchen lassen. Alle sprechen mich nach dem Film darauf an. Vielleicht sollte ich doch mal zum Doktor gehen. «Cosmopolis» wird die längste Prostata-Untersuchungsreihe der Welt auslösen. Die Männer werden Schlange stehen.
In «Cosmopolis» sind Sie in jeder Szene zu sehen, tragen viel Verantwortung. Hat Ihnen das Angst gemacht?
Und wie! Ich hatte das Drehbuch gelesen, fand es packend, aber auch irre. Dann kam der Anruf von David Cronenberg, mitten in den «Twilight»-Dreharbeiten. Ich musste mich entscheiden, noch am selben Abend. Eine ganze Woche habe ich ihn doch warten lassen. Er dachte, ich hätte Starallüren. Dabei hatte ich nur Angst.
Wovor genau?
Im Film geht es um Verunsicherung in einer komplexen Welt. Ich fand es nicht einfach, den richtigen Ton zu finden.
Wie gelang es Ihnen?
Indem ich mich total fallen liess. Ein Gefühl, das ich sonst nur von meinen Auftritten als Musiker kannte. Aber es ging: Immer wenn ich an nichts dachte, sass die Szene. Sonst rief David Cronenberg: Hör auf zu schauspielern.
Sie spielen einen Mann, der die Aussenwelt durchs Autofenster wahrnimmt. Kommen Sie sich mit den Paparazzi und Fans, vor denen Sie sich schützen müssen, auch so vor?
Was von aussen eindringt, kann ich kontrollieren. Der Druck kommt von mir. Ich habe das Gefühl, mich ständig neu beweisen zu müssen. Ich will nicht in mir gefangen sein.
Vorläufig muss sich Robert Pattinson diesbezüglich keine Sorgen machen. Es vergeht keine Woche, in der nicht ein neues Projekt mit ihm angekündigt wird. Darunter ist ein Film im Irak und eine schräges Roadmovie, nichts Stromlinienförmiges. Pattinson sucht solche Projekte. In seinem Privatleben scheint es ruhiger zuzugehen: Seit zwei Jahren ist er mit dem «Twilight»-Co-Star Kristen Stewart liiert.
Sie erhalten bestimmt viele Filmangebote als jugendlicher Liebhaber.
Nicht wirklich!
Kaum zu glauben.
Vielleicht verschont mich auch mein Agent damit. Aber ich finde mich nicht besonders gut in solchen Rollen. Einfach in ein Zimmer eintreten und supercool aussehen ist schwierig.
Aber in «Cosmopolis» sind Sie doch auch irgendwie supercool.
Nein. Dieser Kerl ist nur cool, weil er viel Geld hat. Das ist etwas anderes.
Hat Ihre Freundin Kristen Stewart den Film gesehen?
Sie sass vor mir, bei der Premiere. Ich schaute ständig auf ihren Hinterkopf und dachte, verdammt, langweilt es sie, soll ich ihr etwas ins Ohr flüstern? Aber ja, es hat ihr gefallen.
Werden Sie nach «Twilight» wieder mit ihr auftreten?
Unbedingt. Ich schreibe an einem Drehbuch für uns beide.
Was ist es?
Kann ich nicht sagen, die Buchrechte sind noch unklar. Ich weiss auch nicht, wie lange ich daran arbeiten werde. Denn eines ist sicher: Es muss grossartig werden. Sonst fragen sich die Leute nur: Was tun die zwei zusammen?
«Cosmopolis»: ab 5. Juli im Kino
Publiziert am 24.06.2012