Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03639.jsonl.gz/283

Irrtum,
jedes falsche Urteil, insofern es durch den Schein (species veri) für wahr gehalten wird. Der I. ist entweder ein formaler, insofern das Urteil den Gesetzen des Denkens, oder ein realer, materieller, insofern dasselbe der Natur des Gegenstandes widerspricht. Jener wird durch genaue Kenntnis und richtige Anwendung der Denkgesetze, dieser durch besonnene Prüfung und unparteiische Untersuchung vermieden. In der Rechtswissenschaft versteht man unter I. (error) nicht nur das Falschwissen, sondern auch das Nichtwissen (ignorantia), indem es rechtlich von derselben Wirkung ist, ob man von einer Thatsache gar keine oder eine falsche Vorstellung hat.
Der I. findet aber im Rechtsleben nur dann Berücksichtigung, wenn er ein entschuldbarer ist, und zwar gilt der faktische I., der I. über Thatsachen (error facti), regelmäßig als entschuldbar, während der Rechtsirrtum (error juris) der Regel nach nicht entschuldigt wird, da jeder Bürger das Recht seines Staats kennen oder sich doch darüber vergewissern soll (ignorantia nocet). Nur ausnahmsweise wird im gemeinen Rechte der Rechtsirrtum Minderjährigen, Soldaten und in gewissen Fällen auch Frauen und gänzlich ungebildeten Personen verziehen. Nicht zu