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Tafel 3 Acla Flütsch
Als die Wohnung und der Stall die Wetterfee wärmte
Die Acla, also der Maiensässhof, bestand aus zwei Gebäuden. Mit der Wärme aus dem Stall im Rücken schauten die Bauern nach Norden und ein Holzkreuz sollte vor Murgängen des gefürchteten Sanaspansbaches schützen. Balthasar Alig-Sigron unterhielt nicht nur eine kleine Werkstätte, sondern beherbergte darin auch eine Wetterfee.
Mit dem Haus Flütsch, einst Acla Sigron, ist hier ein Maiensäss fast im Urzustand zu sehen. Zumindest äusserlich steht es da wie auf alten Fotografien. Auch das Haus Laim in Clavadoiras an der Strasse nach Obervaz hat sich äusserlich wenig verändert.
Spuren der Maiensässvergangenheit der Lenzerheide zeigen weitere Aclas, u.a. in Canols, Clavadoiras, Crapera, Curtschin, Dieschen, Fanos, Fops, Laiet, La Pala, Masons, Pedra Grossa, Plattas Gizzar, Raschainas, Sartons, Siglios, Sissi, Spoina, Sporz, Tgameltger, Tgantieni, Valos, Val Schameala und insbesondere auf dem Hügel des Bot da Clavadoiras.
Etwas abseits am Weg nach Spoina steht die Acla Spinatscha. Die frühere Acla Frey auf 1670 Meter über Meer ist ein Einhof mit Wohnteil nach Norden. Das Erdgeschoss verfügt über Stallraum und Halbstall und ist bergseits unter der Küche als Keller abgetrennt. Im Obergeschoss befindet sich der Heuraum mit Zugang zu den beiden einzigen Wohnräumen: Küche und Stube, auch als Schlafraum benutzt. Die Türe des Halbstalles ist mit 1741 datiert. Die Acla Spinatscha ist heute Eigentum der Bürgergemeinde, wurde gemeinsam mit der politischen Gemeinde restauriert und konnte in der ursprünglichen Form erhalten werden.
Die Acla Sigron in Sundroina war ein traufstelliger Einhof. Auf der Lenzerheide kamen im Gegensatz zu den nördlichen Talschaften fast ausschliesslich Einhöfe als Maiensässe vor. Beim Einhof waren, im Gegensatz zum Mehrhof, Wohnhaus und Stallscheune innerhalb des gleichen Baukörpers vertikal unterteilt. Aus klimatischen Gründen besetzte der Wohnteil in der Regel das nach Norden orientierte Ende des länglichen Gebäudes.
Die Aclas standen unweit der eingezäunten Wiesen und waren bis Mitte des 19. vollständig aus Holz gebaut. Die Eröffnung der Kommerzialstrasse erleichterte den Transport neuer Baumaterialien, so dass die Wände, der Keller und die Stallräume gemauert werden konnten. Die Scheunen erhielten gemauerte Eckpfeiler. Die aus runden Stämmen gezimmerte Scheune war leicht vom befensterten Kantholzblock der Wohnung zu unterscheiden, obwohl beide Nutzungen in einem einzigen Baukörper vereinigt waren. Die beiden Funktionen waren entweder unter dem gemeinsamen Giebel oder in einer traufstelligen Baureihe mit meist mehr als einer Stallscheune vereinigt. Die Bauern benutzten drei ebenerdige Eingänge an derselben Hausfront: eine Haustüre und zwei Stalleingänge; der mittlere in den Kleinvieh-, der andere in den Grossviehstall. Als Besonderheit der Heidner Maiensässlandschaft waren Senn- und Küchenraum meist vom Boden abgehoben und lagen neben der Stube im ersten Geschoss. Darunter waren Keller für Käse und Milch oder der Halbstall für das Kleinvieh eingerichtet.
In jeder Maiensässgruppe standen mehrere Tränkebrunnen. Ein Holzgatter sperrte den Zugang zur Weide. Im Juni weidete das Vieh auf der Waldweide, nach dem 12. September war die gesamte Passlandschaft als Viehweide offen.
Ein einfaches Holzkreuz schützte die Acla Sigron (heute Flütsch) vor den gefürchteten Rüfen des nahen, ungebändigten Sanaspansbaches. Um 1900 errichtete Schreiner Balthasar Alig-Sigron im Untergeschoss eine Werkstätte und stellte die Brüder Spescha als Gesellen ein. Die Werkstatt diente der Wetterfee Moscha Baba Alig jahrzehntelang als Wohnung. Der südliche Stallteil beherbergte zur Mitte des letzten Jahrhunderts nur noch eine Kuh und Kleinvieh.