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Er schuf einen fantastischen Bilderkosmos voller surrealer Szenen und Traumgebilde. Der Maler, Zeichner und Grafiker Otto Tschumi spielte mit unterschiedlichsten Formen und Techniken, um seiner Vorstellungskraft Ausdruck zu verleihen. Sein reiches Œuvre bescherte ihm bereits zu Lebzeiten grosse Anerkennung und sicherte ihm den Rang als einer der bedeutendsten Schweizer Künstler des 20. Jahrhunderts.
Otto Tschumi war 32 Jahre alt, als er 1936 mit seiner Frau von Bern nach Paris übersiedelte. Bis dahin hatte er eine vom Kubismus beeinflusste Bildsprache entwickelt, seine Motive und Bildräume der frühen Jahre sind also häufig in geometrische Formen aufgebrochen. Mit dem Umzug nach Paris, der Begegnung mit Max Ernst und anderen Surrealisten sowie Hans Arp änderte sich seine künstlerische Ausdrucksweise: Zu geometrischen Elementen treten verstärkt organoide Formen. Das Sujet wird in einer Weise dargestellt, die Verfremdung, Ungegenständlichkeit und realistische Details scheinbar mühelos miteinander vereint. Dieses für den Surrealismus charakteristische Verschwimmen der Grenzen ist dem Moment des Einschlafens nicht unähnlich: Formen lösen sich auf, das Assoziieren beginnt, Realität und Vision verschmelzen zu einer ganz eigenen Welt, in der die Dinge und Figuren erscheinen wie Nachtwandler oder Nächtliche Wandler und das Denken an Sizilien zu einer Imagination von Säulen, Nacht und einem von der Sonne aufgeheizten Boden verläuft. In den 1940er-Jahren, in denen Tschumi wieder in der Schweiz lebte, erschien eine von ihm illustrierte Ausgabe des Romans Moby Dick. Schiffe tauchten in seinem Werk seither immer wieder auf, weitere Kernthemen sind der menschliche Körper und Tiere.
Die Kunsthalle Bern präsentierte Tschumis Werke erstmals 1946, und 1949 erhielt er den Auftrag für ein Wandgemälde in der Oberzolldirektion Bern. Insbesondere ab den 1950er-Jahren wurde der Künstler zu wegweisenden Ausstellungen im In- und Ausland eingeladen. 1960 vertrat er sein Land auf der Biennale von Venedig. Er war neben Meret Oppenheim, Serge Brignoni und Kurt Seligmann einer der erfolgreichsten Surrealisten der Schweiz.
Otto Tschumi wurde 1904 in Bern (CHE) geboren und starb dort 1985.
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Zeichnung, Grafik