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Kaspar Hauser und Söhne
Schauspiel
Stückinfo
Uraufführung/Auftragswerk
Am Pfingstmontag des Jahres 1828 erscheint in Nürnberg eine schwankende, etwa 16-jährige "possierliche und pudelnärrische Gestalt" mit rudimentären Sprachkenntnissen und gibt zu Protokoll, dass sie jahrelang ohne menschlichen Kontakt bei Brot und Wasser in Dunkelhaft gehalten worden sei, bis ein Unbekannter sie eines Tages in die Welt geworfen habe. Der rätselhafte Findling wird zur Attraktion: "Kaspar Hauser geniesst kaum geringeren Zuspruch als das Känguru und die Hyäne in der berühmten Menagerie des Herrn van Aken." Unter reger Anteilnahme der Öffentlichkeit steigt er als Kuriosium zum "Kind Europas" auf, bis er 1833 unter ungeklärten Umständen stirbt. Über seinen Tod hinaus bleibt er Gegenstand unzähliger Spekulationen um seine Herkunft sowie philosophischer, psychologischer und medizinischer Analysen und somit Wissenschaftsobjekt.
"Im 19. Jahrhundert nötigte man Kaspar Hauser, die in Subjekt und Objekt trennende, kategorisiertende Weltbetrachtung anzunehmen, der er schliesslich selbst zum Opfer fiel: Die Humanwissenschaft verdinglichte ihn zum Objekt ihrer Forschung. Worunter aber hätte Kaspar in unserer heutigen Welt zu leiden, in der jedes Bemühen um Wahrheitsfindung über den Austausch von Standpunkten erfolgt, an dessen Ende bestenfalls eine Einigung steht? Techniken der Emotionalisierung und Verschleierung (und somit immer auch die Möglichkeit von Betrug sind allgegenwärtig und drohen immer öfter an die Stelle ojektiver Beweisführung zu treten. Von ihr kann nicht mehr auf die Wahrheit geschlossen werden, weil der Glaube an diese verloren zu gehen scheint." Olga Bach
Ersan Mondtag, vom Fachmagazin "Theater heute" zum Nachwuchsregisseur des Jahres 2016 gekürt und bereits zweimal zum Berliner Theatertreffen eingeladen, wird seinen ästhetischen Kosmos erstmals dem Basler Publikum vorstellen.