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Am Donnerstagabend traf sich eine buntgemischte Truppe an einem kleinen Hafen in der Nähe von Cartagena, um das kolumbianische Festland hinter sich zu lassen und in See zu stechen. Nebst uns bestand die internationale Gruppe aus einem irischen Weltenbummler, dessen Aufenthalte in den verschiedensten Länder dieser Welt nichts an seinem kaum verständlichen Englisch zu ändern schien, einem jungen Amerikaner, der das Boot vermutlich vom anderen Ufer aus bestieg, einem jungen Pärchen aus Schweden und einem weiteren aus Australien, bei welchem er als Zeichen der Freiheit den Bart seit Beginn der Reise wild wuchern liess und sie dieses Gefühl wohl durch den konsequenten Verzicht auf das Tragen eines Büstenhalters ebenfalls zur Schau stellen wollte – selbstredend, dass Letzteres zweifellos den schöneren Anblick bot. Des Weiteren wurden wir begleitet von vier unterhaltsamen deutschen Jungs in unserem Alter mit gut gefülltem Testosteronhaushalt sowie ihrem Landsmann, einem Chirurgen Mitte Fünfzig. Die Crew bestand aus Kapitän Yonathan, einem lebensfrohen Kolumbianer, Vincent, seinem etwas ruhigeren Stellvertreter aus Frankreich und Sophie, der australischen Küchenchefin, deren exzessiver Lebensstil wohl ihrer Stimme und dem jugendlichen Aussehen, jedoch nicht ihren Kochkünsten geschadet zu haben scheint.
Nach einer nicht all zu strengen Kontrolle unseres Gepäcks durch die kolumbianische Polizei ging es in motorisierten Schlauchbooten zu unserem Segelschiff, welches in der Nähe der Küste Cartagenas vor Anker lag. Als wir das Schiff erblickten, konnten wir uns kaum vorstellen, dass die “Gitanita” – so der Name des Schiffs – genug Platz für die gesamte Besetzung bieten würde. Doch das Innere des Einmasters war grösser als es von Aussen den Anschein machte und so bekamen wir gar ein Privatzimmer mit eigener Toilette zugeteilt. Nach dem wir das Abendessen und Tabletten gegen Seekrankheit eingenommen und die Regeln für das Puke-Spiel zur Kenntnis genommen hatten, setzten wir uns in Bewegung in Richtung San Blas Inseln. Die ersten dreissig Stunden der Fahrt waren wild mit bis zu vier Meter hohen Wellen, sämtliche Bewegungen in dieser Zeit erforderten einen ausgesprochen feinen Gleichgewichtssinn und es überraschte selbst den Kapitän, dass der Puke-Pot bei der Überfahrt nicht ausbezahlt werden musste, daran änderte nichteinmal das einberufene Trinkspiel etwas, bei welchem uns das Glück nicht hold war, obwohl uns das einige Freigetränke einbrachte. Die Fahrt im teilweise bis zu 3’000 Meter tiefen Ozean sorgte jedoch nicht nur für ein flaues Gefühl im Bauch, sondern auch für schöne Momente, beispielsweise als einige Delfine auftauchten und uns für einen kurzen Teil der Strecke begleiteten. Erfolg beim Fischen war uns jedoch nicht vergönnt; kurz nachdem wir die Angelschnur ausgelegt hatten, biss schon ein riesiger Fisch an, jedoch so kräftig, dass er die dünne Schnur gleich durchtrennte und unser einziger Köder in den tiefen des Ozean versank oder im Bauch des Fisches endete.
Als am zweiten Morgen die Schiffsglocke geläutet wurde, war dies das Zeichen, dass der Anker gesetzt wurde und wir im Gebiet der San Blas Inseln eingetroffen sind. Wir begaben uns an Deck, betrachteten den Sonnenaufgang in diesem paradiesischen Teil der Erde und sprangen schon bald ein erstes Mal ins glasklare Nass, welches nur bedingt eine Abkühlung bot. Die San Blas Inseln boten einen Anblick, wie man ihn aus den Hochglanz Reisekatalogen kennt, in welchem Karibikferien angepriesen werden. Blaues und türkisfarbiges Wasser im Einklang mit dem weissen Strand der kleinen Inseln, auf welchen saftig grüne Palmen in die Höhe ragen und welche nur vereinzelt mit kleine Hütten besetzt sind. Wir besuchten im Verlauf der drei Tage, welche wir in diesem Paradies verbrachten, mehrere der total 365 Inseln von verschiedener Grösse und nutzten die Zeit für Schnorchelausflüge – die Korallenriffs vor den Inseln beheimaten einige Fische und andere Unterwasserlebewesen – verbissene Beachvolleyballspiele und dem schlichten Geniessen dieser bezaubernden Insellandschaft. Für Unterhaltung sorgte auch noch unsere Küchencheffin Sophie, welche unter Beweis stellen konnte, dass man selbst auf einem Segelschiff nicht vor Zickenkriegen verschont ist, wenn uns auch nicht ganz klar ist, woher die dafür notwendige zweite Zicke plötzlich aufgetaucht ist.
Nachdem uns zwei Schnellbote auf das Festland Panamas gebracht haben, fuhren wir im Geländewagen nach Panama City und bekamen auf der rund zweistündigen Fahrt schon mal einen Vorgeschmack auf die farbenprächtige Flora Zentralamerikas. Die Hauptstadt Panamas präsentiert sich weit moderner als die meisten Städte, welche wir in Südamerika besucht haben. Zahlreiche Wolkenkratzer, teils erst kürzlich erstellt oder gar noch im Bau, bilden eine eindrückliche Skyline und widerspiegeln die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt. Als Gegensatz zum modernen Zentrum steht das Casco Viejo, das alte Viertel der Stadt, in welchem noch Kolonialbauten und diverse Kirchen stehen. Noch älter als dieser Teil der Stadt ist Panamá la Vieja, eine Vorgängerstadt, welche 1671 vom Piraten Henry Morgan zerstört wurde und von welcher heute nur noch Ruinen zeugen. Selbstverständlich liessen wir es uns auch nicht nehmen, die Miraflores Schleusen zu besuchen, welche die Verbindung zwischen den Panamakanal und dem pazifischen Ozean bilden. Wie durch Zauberhand werden an dieser Stelle Schiffe von enormer Grösse in die Höhe getragen, damit sie ihre Fahrt rund 17 Meter über dem Meeresspiegel fortsetzen können.
Unser Aufenthalt in Panama ist nur von kurzer Dauer. Bereits morgen reisen wir weiter nach Costa Rica, wo aktive Vulkane, eine vielfältige Tierwelt und üppiger Dschungel auf uns warten.