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Kaiser, Götter oder Zahlen24.01.2023 Allerlei
JAHRESL AUF Die Namen unserer Monate gehen allesamt auf die alten Römer zurück. Doch weil sich im antiken Rom ab und zu die Gepflogenheiten änderten, geriet mit der Zeit einiges durcheinander.
MARK POLLMEIER
Bei den Römern begann das Jahr lange mit dem Monat März, benannt nach dem Kriegsgott Mars. In diesem «Kriegsmonat» sammelten sich alle wehrfähigen römischen Bürger vor den Toren der Stadt auf dem Marsfeld, wo sie gemustert wurden und ihre Konsuln, die Feldherren, wählten.
Januar
Erst durch eine Kalenderreform im Jahr 153 v. Chr. wurde der Ianuarius zum ersten Monat des römischen Jahres (siehe Tabelle). Seinen Namen hat der Monat von einem römischen Gott: Janus. Der ist zweigesichtig und kann sowohl nach vorn als auch nach hinten blicken. Das passt natürlich gut zum Jahresbeginn: Der Januar gehört ins neue Jahr – und schaut doch noch zurück ins alte.
Februar
Der Februar verdankt seinen Namen einem römischen Brauch, dem Sühneund Reinigungsfest Februa, das stets in diesem Monat gefeiert wurde. Der Februarius war bei den Römern also der Reinigungsmonat.
März
Bis zum Jahr 152 v. Chr. nahmen die römischen Politiker Mitte März ihre Amtsgeschäfte auf. Diese Tage um den 15. März wurden Idibus Martiis – die Iden des März’ – genannt. In diesen Zeitraum fiel auch die Ermordung des römischen Kaisers Julius Caesar im Jahr 44 v. Chr. Deshalb wird die Formulierung «Iden des März» bis heute als Metapher für drohendes Unheil verwendet, vor allem im künstlerischen Bereich. So erschien etwa im Jahr 2011 ein US-amerikanischer Politthriller mit dem Titel «The Ides of March» (dt. Titel: «Tage des Verrats»).
April
Beim Monat April ist nicht restlos zu klären, woher sein Name stammt. Manche vermuten, im April stecke die Liebesgöttin Aphrodite – die allerdings ist griechisch. Andere Theorien haben die lateinische Vokabel aperire (öffnen) im Verdacht – weil sich im April die Knospen öffnen. Oder verbirgt sich im April das lateinische apricus (sonnig), weil dann der Frühling beginnt? Man weiss es nicht genau. Fest steht, dass verschiedene Namensänderungen des Aprils nicht nachhaltig waren. Eine Umbenennung nach Kaiser Nero (Neroneus) setzte sich beispielsweise nicht durch.
Mai
Auch der Monat Mai erlebte mehrere Umbenennungsversuche. Vermutlich ist er der Göttin Maia gewidmet – so zumindest überliefern es einige römische Geschichtsschreiber. Je nach herrschendem Kaiser hiess der Mai aber auch ganz anders. Nero liess ihn in Claudius umbenennen, weil dies einer seiner Vornamen war. Unter Kaiser Commodus hiess der Monat Mai dann Lucius, wiederum nach einem seiner Vornamen. Doch die eitlen Gesten kamen im Volk nicht an. War der namensgebende Kaiser weg, kehrten die Römer stets wieder zu Maia zurück.
Juni
Auch der Juni geht zurück auf einen Gott bzw. eine Göttin. In diesem Fall ist es Juno, die Gattin des Göttervaters Jupiter. Wie dem Mai widerfuhr auch dem Juni das Schicksal, von den selbstbewussten Kaisern Nero und Commodus umbenannt zu werden. Am Ende blieben die Römer bei Juno, ihrer Göttin der Ehe und Beschützerin Roms.
Juli
Der Juli war einst der fünfte Monat des römischen Jahres und hiess ursprünglich Quintilis (von quintus: der Fünfte). Seine heutige Bezeichnung hat er von Julius Cäsar: Der römische Herrscher wurde an einem 13. Juli geboren. Nach ihm ist übrigens auch jene Zeitrechnung benannt, die in manchen Gegenden der Welt bis heute gilt: der julianische Kalender.
August
Der Namenspate des Monats August ist der aus der Bibel bekannte Kaiser Augustus. Im Jahr 8 v. Chr. wurde er zum ersten Mal römischer Konsul, worauf der Monat seines Amtsantritts später in Augustus umbenannt wurde. Ansonsten teilt der August das Schicksal manch anderer Monate: Erst war er der sechste, nach der Kalenderreform von 153 v. Chr. wurde er dann zum achten Monat des Jahres. Zwischenzeitlich hiess er Commodus, was später aber wieder rückgängig gemacht wurde.
September bis Dezember
Die übrigen Monate des Jahres wurden und werden schlicht durchnummeriert. Bei ihnen macht sich die eingangs genannte «Zeitumstellung» am deutlichsten bemerkbar. Ursprünglich war der September der siebte Monat (lat. septem = sieben), der Oktober der achte (octo = acht), der November der neunte (novem) und der Dezember der zehnte Monat (decem). Nach der Kal enderreform stimmte diese Zählung natürlich nicht mehr. Trotzdem hielten sich die alten Namen bis in die Gegenwart. So kommt es, dass wir ab September streng genommen «falsch» zählen.
Alle zehn Tage einmal frei
Nach der Revolution von 1789 wurde in Frankreich der Kalender verändert. Der Jahreslauf sollte sich nicht mehr an kirchlichen Feiertagen oder alten Traditionen orientieren, sondern wie in anderen Lebensbereichen am Dezimalsystem. Zwar rechnete man weiterhin mit zwölf Monaten zu 30 Tagen. Eingeteilt wurden diese jedoch in drei sogenannte Dekaden zu 10 Tagen. Die Tage verloren dabei ihre alten Namen und wurden schlicht durchnummeriert: Primidi, Duodi, Tridi usw. Die Neuordnung hatte unter anderem zur Folge, dass es fortan nur noch alle zehn Tage einen freien Tag gab und alle kirchlichen Feiertage wegfielen. Beides trug nicht zur Beliebtheit des Revolutionskalenders bei. Auch mit den neuen Namen der Monate wurden die Leute nicht so recht warm. Der erste Monate hiess nun Vendémiaire (abgeleitet vom lateinischen vindemia: «Weinlese») und reichte nach alter Zählung vom 22. September bis 21. Oktober. Der vierte Monat musste Nivôse genannt werden (lat. nix für «Schnee») und galt zwischen 21. Dezember und 19. Januar. Im Sommer, vom 19. Juli bis 17. August, gab es den Thermidor (vom altgriechischen thermos: «warm»).
Das Experiment des Revolutionskalenders währte nicht lange. Napoleon I., der Neuerungen eigentlich nicht abgeneigt war, liess zum 1. Januar 1806 wieder den gregorianischen Kalender einführen.
POL