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Swinde Wiederhold - Das Dorf der Blinden
Preisträgerin World Photo 2017
Projekt in Arbeit: Das Dorf der Blinden
Im Nordosten des Irans, in der Provinz Nord Khorasan, 340 km westlich des heiligen Imam-Reza-Schreins in Mashhad, liegt das Dorf «Chaharborj». Die 2000 Einwohner sprechen den kurdischen Dialekt «Kurmanji». Sie sind Nomaden und bringen ihre Herden im Sommer in den angrenzenden Salook Nationalpark.
«Kauft euren Ayran, die Milch, den Joghurt nicht in Chaharborj» – «verheiratet eure Mädchen nicht mit Partnern aus diesem Dorf» – «das Wasser ist verseucht...» In den lokalen Medien ist von einem Fluch die Rede, der über dem Dorf liegt. Vierundzwanzig Personen sind blind. Von Geburt an. Es ist ein weltweit einzigartiger angeborener Gendefekt, den Dr. Noor Mohammad Ghiasvand von der Shahid Beheshti Medical University hier erforscht hat.
Im Iran herrscht keine Toleranz gegenüber Behinderten. Sie werden diskriminiert und ausgestoßen. Der Zugang zu Bildung fehlt. Ein Stigma heftet an ihnen. Die größte aller Barrieren ist die fehlende soziale Akzeptanz ihrer Mitbürger.
Die Geschichte des Dorfes «Chaharborj» ist eine Geschichte der Hoffnung und Überwindung. Sie ist ein Bespiel an unbezwingbarer Lebensfreude. Blinde und Behinderte werden innerhalb der Gemeinschaft wie ganz normale Mitbürger behandelt. Sie werden akzeptiert. Denn auch der Islam verwehrt sich entschieden dagegen, dass bestimmte Gruppen von Menschen mit Vorurteilen belegt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden.
Zur Person
Swinde Wiederhold, geboren 1988 in Essen, absolvierte nach ihrem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Polizistin, bevor sie sich alleine für drei Jahre auf den Fahrradsattel schwang und von Argentinien nach Alaska fuhr. Im Anschluss an ihre Panamericana-Tour nahm sie 2014 das Studium des Fotojournalismus und der Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover auf. Ab Mitte Februar 2017 – nach einem Praktikum beim Fotografen Manuel Bauer in Winterthur – sitzt sie erneut auf dem Fahrrad. Die Reise geht durch Europa Richtung Asien und führt nach Bangladesch. Ihr fotografischer Fokus liegt auf sozialen und gesellschaftlichen Themen im In- und Ausland. Das iranische Dorf Chaharborj liegt auf ihrer Reiseroute und wird ihr neues Langzeitprojekt.
Foto: Jana Mai