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Bildungsprojekt im niger
Schulen der zweiten Chance für Kinder ohne Schulabschluss
In Niger gehen vier von zehn Mädchen und drei von zehn Jungen nicht zur Schule (Bericht von UNICEF, verfügbar in englischer und französischer Sprache). Die meisten Kinder wachsen in von Armut und Unsicherheit geprägten Gemeinschaften auf. Missbrauch, Ausbeutung und Gewalt sind alltäglich. Insbesondere Mädchen und junge Frauen sind mit vielen Einschränkungen und Zwängen konfrontiert: 76% von ihnen werden verheiratet, bevor sie 18 Jahre alt sind, und 36% der 15- bis 19-Jährigen sind schwanger oder haben bereits entbunden. Lesen und schreiben können nur 26,9%, bei den Jungen sind es 50,2 %*.
Die Schulen der zweiten Chance, die von Enfants du Monde unterstützt und in enger Zusammenarbeit mit der Organisation Nigérienne des Éducateurs Novateurs ONEN – einer nigrischen Organisation, die innovative Pädagogik fördert – geführt werden, tragen dazu bei, den Zugang zu und die Qualität der Schulbildung in Niger zu verbessern. Das Angebot richtet sich an Kinder zwischen 9 und 13 Jahren in den Armenvierteln der Hauptstadt Niamey** und den Regionen Tahoua*** und Tillabéry, die nie zur Schule gegangen sind oder sie abgebrochen haben.
Ich habe mich zwei Jahre lang um den Haushalt gekümmert und Wasser vom Fluss geholt.
Weil Mariama nicht in der Lage war, dem Unterricht in der Amtssprache Französisch zu folgen, war sie gezwungen, die öffentliche Schule schon während der Grundstufe zu verlassen. Glücklicherweise konnte sie ihre Ausbildung an einer Schule der zweiten Chance, in welcher der Unterricht sowohl in Französisch als auch in ihrer Muttersprache Zarma stattfindet, wieder aufnehmen.
Was wir vor Ort bewirken
Zwischen 2017 und 2020, als wir unser Programm besonders produktiv betreiben konnten
- haben 914 Kinder und Jugendliche Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Grundbildung erhalten,
- wurden 12 Lehrpersonen in einer innovativen, von Enfants du Monde mitentwickelten Pädagogik ausgebildet,
- wurden 330 Schüler*innen in ein Bildungsinstitut auf Sekundarstufe und 110 Schüler*innen in eine Berufsausbildung begleitet.
129 Schüler und 163 Schülerinnen in Niamey** und Tillabéri haben im Jahr 2021 das Bildungsangebot an einer Schule der zweiten Chance in Anspruch genommen.
Die Qualität der Schulbildung verbessern
Verschiedene Faktoren haben Auswirkungen auf die Qualität der Schulbildung in Niger: Die Lehrpersonen beherrschen die Unterrichtsfächer oft nur teilweise oder verfügen über wenig pädagogische Kompetenzen, die Unterrichtsmethoden beruhen auf Auswendiglernen und mechanischem Wiederholen der Kenntnisse, die Anliegen der Gemeinschaft und die lokalen Besonderheiten werden bei der Wahl des Unterrichtsstoffs nicht berücksichtigt. Der Nutzen des Erlernten ist somit für die Kinder, die Eltern und die Gemeinschaft gering.
Dank Enfants du Monde erhalten die Lehrpersonen eine gründliche pädagogische Ausbildung, die es ihnen ermöglicht, die Qualität ihres Unterrichts zu verbessern. Zur Sicherstellung ihres Fortschritts finden jährliche Prüfungen statt und unsere Teams unterstützen sie bei der Erarbeitung innovativer Unterrichtsmaterialien.
Kindern ohne Schulabschluss eine Zukunft bieten
In den Schulen der zweiten Chance erhalten die Kinder eine hochwertige Grundausbildung, die es ihnen ermöglicht, eine weiterführende Schule zu besuchen oder auch eine Berufslehre zu absolvieren. Der Unterricht ist an ihre Lebensumstände und Bedürfnisse angepasst: Die Lehrpersonen sind darin ausgebildet, den Unterricht sowohl in Französisch als auch in der Muttersprache (z. B. Zarma) der Schüler*innen zu halten, um so einen Übergang ins formale Schulsystem zu erleichtern. Zudem werden auch praktische Fächer, z. B. Nähen oder Landwirtschaft, unterrichtet.
Der von Enfants du Monde entwickelte pädagogische Ansatz führt zu ausgezeichneten Resultaten und ermöglicht es den Schüler*innen, auf Schulen auf Sekundärstufe im öffentlichen Schulsystem zu wechseln.
Gemäss Hamza Djibo, dem Programmverantwortlichen unserer Partnerorganisation ONEN, zeigen Evaluationen, dass die Schüler*innen von Schulen der zweiten Chance besser abschneiden als ihre Kamerad*innen, welche die öffentlichen Schulen besuchen.
Bildung für Mädchen
Besonders gefördert wird die Einschulung von Mädchen: Der Anteil der Schülerinnen an unseren Schulen beträgt 50%. Deren Eltern verpflichten sich, ihre Töchter vier Jahre lang in der Schule zu lassen, was sie auch schriftlich bestätigen müssen. So sollen frühe Hochzeiten verhindert werden.
Schutz der Schüler*innen und Lehrpersonen während der COVID-19-Pandemie
In 2020 und 2021 haben wir eng mit unseren Partnern vor Ort zusammengearbeitet, um das nationale Bildungsministerium bestmöglich zu unterstützen im Umgang mit der Pandemie: Wir haben Schutzpakete mit Handwaschvorrichtungen, Seife, Stoffmasken und Desinfektionsgel an die Schüler*innen der Schulen der zweiten Chance verteilt, damit der sichere Schulbesuch gewährleistet werden kann.
*UNICEF, Être un enfant au Niger (nur in französischer Sprache)
**bis Juni 2021
***bis 2018