Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03205.jsonl.gz/2073

Wenn es kalt wird, der Schnee fällt und die Tage kürzer werden, ziehen wir uns gerne ins warme Haus zurück. Welche Strategien haben unsere Wildtiere, um in kalten Nächten bei Schnee und bei Dauerfrost zu überleben?
Im Winter haben fast alle Wildtiere das gleiche Problem: Es wird viel Energie benötigt, um in der Kälte zu überleben, und gerade jetzt hat es kaum Futter, welches die nötige Energie liefern würde. Im Laufe der Evolution haben die Wildtiere clevere Strategien entwickelt, um durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Viele Wildtiere haben sich in ihre Höhlen, Baumstämme und Nester oder in Keller und Dachböden verkrochen. Sie verschlafen nun den Winter oder ruhen sich auch nur aus. Einige bleiben auch jetzt in der kalten Jahreszeit aktiv.
Der Igel kann sein Herzschlag von 200 auf fünf reduzieren
Einige Wildtiere, wie der Igel, die Fledermaus oder das Murmeltier, verschlafen den Winter. Ganz nach dem Motto «Augen zu und durch». Sie sind in der Lage, ihre Körpertemperatur massiv herabzusenken und auch den Herzschlag zu verlangsamen. Sie gehen so zusagen auf «Sparflamme». So kann der Igel etwa seinen Atem von normal bis zu 50-mal in der Minute auf nur ein- bis zweimal reduzieren. Auch sein Herzschlag reduziert sich von 200 Schlägen auf gerade mal noch fünf. Während des Winterschlafs wacht er nur gelegentlich auf und ändert die Schlafposition. Nahrung wird während dieser Zeit keine aufgenommen, deshalb müssen sie sich im Sommer und Herbst eine Fettschicht anfressen, von der sie zehren können. Unnötige Störungen, wie zum Beispiel durch uns Menschen, bedeuten einen enormen Energieaufwand, denn sie müssen für jedes Aufwachen ihre Vitalfunktionen herauffahren, die Körpertemperatur erhöhen und schneller atmen. Weil keine Nahrung zur Verfügung steht, um den Energiebedarf wieder decken zu können, kann dies ihren Todbedeuten. Deshalb sollten Igel, Fledermäuse und Co. beim zufälligen Auffinden nie gestört werden.
Grosse Wildtiere wie Bär, Dachs halten Winterschlaf
Grössere Wildtiere, wie der Dachs, das Eichhörnchen oder der Braunbär schlafen nicht so tief wie Igel oder Fledermäuse. Ihre Körpertemperatur wird nicht so tief herabgesetzt wie diejenige der Schläfer. Sie halten nur Winterruhe. Die Tiere wachen auch öfter auf und gehen dann auf Nahrungssuche, damit sie für die nächste Ruhephase gewappnet sind. Dieser Aufwachprozess und wie lange sie wach sind, hängt unter anderem auch von den Aussentemperaturen ab. Gerade Eichhörnchen, sehen wir bei sehr kalten Wintern weniger oft, als wenn es etwas mildere sind. Im Winter suchen sie ihre im Sommer angelegten und vergrabenen Nüsse wieder auf oder fressen Pilze, Baumrinden oder an den Sträuchern verbliebene Früchte. Wird es sehr kalt, verlassen sie ihre mit gut mit Laub und Moos ausgepolsterten Kobel, wie ihre Nester genannt werden, selten. So halten sie sich warm.
Insekten und kleinere Tiere fallen in die Winterstarre
Die Insekten und kleineren Tiere wie Frösche ziehen sich bei sinkenden Temperaturen unter die Erde, in Laubhaufen oder Holzritzen zurück. Dort verfallen sie in eine Winterstarre und erwachen erst wieder, wenn es wärmer wird. Einige Insekten haben eine Art «Frostschutzmittel»; damit wird verhindert, dass ihr Blut und andere Köperflüssigkeiten bei Minustemperaturen einfrieren . Gerade wenn es früh kalt geworden ist, sollten zusammengeführte Laubhaufen nicht mehr weggeräumt werden, sondern den Tieren als Winterschlupf gewährt werden.
Ein dickes Winterfell und Winterruhe wärmt einige Wildtiere
Nicht alle Wildtiere harren den Winter passiv aus und verschlafen diesen oder halten ihre Winterruhe. Einigen Tieren begegnen wir immer wieder in der schönen Winterlandschaft. Rehe und Hirsche sehen wir auf Feldern oder an Waldrändern. Aber auch Füchse, welche unter dem Schnee den in schmalen Gängen flitzenden Mäusen auflauern. Auch die Wildkatze oder der Luchs können mit etwas Glück an den Schneespuren erkannt werden. Selbst einen sehen, ist eher unwahrscheinlich. Diese ersetzen ihr leichtes Sommerfell durch ein dickes Fell als Kälteschutz. Aber auch die aktiven Wildtiere haben jetzt im Winter weniger Nahrung, die für einen ausgewogenen Energiehaushalt sorgt. Jede Kraft anstrengung braucht lebenswichtige Energie. Gerade jetzt im Winter ist es wichtig, dass Spaziergänger, Ski-Fahrer etc. auf den Wegen und Pisten bleiben, damit die Wildtiere den Winter gut überstehen können.
Vögel plustern sich im Winter auf um warm zu haben
Viele Singvögel ziehen im Herbst in den Süden, wo es nicht nur wärmer ist, sondern auch ein grösseres Futterangebot gibt. Die Blaumeisen, Spatzen, Amseln bleiben hier, und um sich vor der Kälte und Frost zu schützen, plustern sie sich auf. Dies sieht man vielfach bei der Blaumeise. Mit diesem «Aufplustern» entsteht eine isolierende Luftschicht unter dem Gefieder, welche das Tier warm hält.
Mit ganz unterschiedlichen und cleveren Strategien ist das Überleben der Wildtiere gesichert, sofern sie nicht bewusst oder unbewusst aus ihrem Winterschlaf geweckt oder unnötig erschreckt werden. Denn dies bedeutet ein en massiven Energieverbrauch, welchen das eine oder andere Wildtier nicht überlebt.
Im Winter sind Wildtiere auf sparen eingestellt!
Was für uns aktuell aufgrund der hohen Energiepreise gilt, ist für die Wildtiere eine überlebenswichtige Strategie, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Nicht nur für die passiven Winterschläfer, sondern vor allem für die aktiven Wildtiere ist jede Kraftanstrengung unangenehm und kann lebensbedrohend sein. Gerade bei einer längeren Kälteperiode und aufgrund weniger Nahrung brauchen die Wildtiere wie Füchse, Rehe, Hirsche etc. viel Energie, um die innere Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Kann die Körpertemperatur nicht aufrechterhalten werden, und unterschreitet diese ein bestimmtes Niveau, droht der Erfrierungstod. Damit die Wildtiere den Energieverbrauch massiv senken können, bewegen sie sich nur noch wenig. Sie liegen grössten Teils an geschützten Stellen und trotzen so der eisigen Kälte, Schnee und Wind. Mit dieser Spar strategie können sie ihre wertvollen Fettreserven schonen. Freilaufende Hunde, Skifahrer, welche abseits der markierten Pisten unterwegs sind, aber auch Wanderer , welche viel Lärm machen, können die Wildtiere stören. Deshalb gilt, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit, sich ruhig zu verhalten und auf den markierten Pisten und Wegen zu bleiben.
Weitere Wildtierthemen die Sie interessieren könnten:
NATURZYT Ausgabe Dezember 2022, Text Michael Knaus, Fotos AdobeStock