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Letzten Dienstag hat uns Anna einen Vorgeschmack auf Manasse geliefert. Damit wir verstehen, was wir auf den Seiten 34 und 35 singen, müssen wir den Kontext kennen.
Manasse ist der Titel eines dramatischen Gedichts in drei Szenen des Schriftstellers und Theologen Joseph Victor Widmann. Die alttestamentarische Episode wurde vom Komponisten und Dirigenten der Tonhalle Zürich, Friedrich Hegar, für Solostimmen, Chor und Orchester vertont. Hegar wurde übrigens bereits 1864 Ehrenmitglied des Männerchors Zürich.
Der Werkbeschreibung in der NZZ aus dem Jahre 1877 ist zu entnehmen, dass im 6. Jahrhundert vor Christuns in Israel ein strenger orthodoxer Geist herrschte, welcher sich unter anderem gegen die damals üblichen Mischehen zwischen Israeliten und Samaritanern wendete. Der Erstgeborene des Hohepriesters Jojoda-Manasse, welcher selbst mit einer Samariterin verheiratet war, widersetzte sich dem herrschenden Geist und dem jüdischen Hohepriester Esra und richtete aus Protest gegen Jerusalem einen Kultus auf dem Berge Garizim ein, wo heute noch 700 Nachkommen seiner Gefolgsleute leben.
Das Werk ist zwar 150 Seiten stark und wir werden als Chor der Priester grosse Teile daraus singen, doch sind die Dialoge kurz, so dass wir sie vielleicht schon bald auswendig können.
Hier also der Kontext zu den gesungenen Passagen auf Seiten 34 und 35:
Esra: Des Volkes Häupter selbst, sie gehen irre. Manasse klag ich an, den Erstgeborenen des Hohenpriesters Jojada. Er hat ein fremdes heidnisch Weib vor wengen Tagen erst gefreit.
Chor der Priester: Zerreisset eure Kleider! Denn diese Missethat ist gross vor Gott.
Esra: Was dünkt euch, ihr Priester von Manasse?
Chor der Priester: Er sei gebannt und müssig des Altars, aus unserem Volke schimpflich ausgestossen, so er das fremde Weib nicht von sich thut.