Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03458.jsonl.gz/2376

"Darsteller" Emilia Galotti - Regine Zimmermann Odoardo - Peter Pagel Claudia - Katrin Klein Hettore Gonzaga - Sven Lehmann Marinelli - Ingo Hülsmann Graf Appiani - Henning Vogt Gräfin Orsina - Nina Hoss
Portrait
Gotthold Ephraim Lessing, geb. 1729 in Kamenz/Oberlausitz, kam als Pfarrerssohn und drittes von zwölf Kindern zur Welt. Nach dem Abitur studierte er zunächst Theologie, wandte sich aber bald den philologischen Fächern zu. Der Schriftsteller arbeitete als Dramaturg für das Hamburger Nationaltheater und verfasste zahlreiche berühmte Werke. Privat hatte Lessing 1777/78 sowohl den Tod seines Sohnes als auch den seiner Frau zu verkraften. Er starb am 15. Februar 1781 vereinsamt in Braunschweig. Die Uraufführung seines "Nathan" im Jahr 1783 erlebte er nicht mehr. Als bedeutendster Dichter, Denker und Kritiker der Aufklärung, dessen Genialität sogar Goethe bewunderte, gilt er heute als erster moderner Autor Deutschlands. Nina Hoss, 1975 in Stuttgart geboren, sammelte schon als Abiturientin erste Erfahrungen vor der Kamera im Kinofilm "Und keiner weint mir nach". Bei dieser Produktion wurde Bernd Eichinger auf sie aufmerksam und verpflichtete sie für die Rolle der Rosemarie Nitribit in der Neuverfilmung von "Das Mädchen Rosemarie". 1999 schloss Hoss ihr Schauspielstudium an der renommierten Ernst-Busch-Schule in Berlin ab. Neben einem Engagement am Deutschen Theater in Berlin ist sie auch in zahlreichen TV- und Kinoproduktionen zu sehen, u. a. in Doris Dörries "Nackt" und in "Die weisse Massai". 2003 und 2005 erhielt sie den Grimme-Preis in Gold. Für ihre Hauptrolle im Kinofilm "Yella" wurde Hoss 2008 mit dem Deutschen Filmpreis und dem silbernen Bären auf der Berlinale ausgezeichnet. 2012 erschien der Kinofilm "Barbara" von Christian Petzold, in dem sie die Hauptrolle spielt. 2014 war sie in "Phoenix" und "A Most Wanted Man" zu sehen.
„Ich habe zu früh Tag gemacht, der Morgen war so schön!“
von einer Kundin/einem Kunden
aus Rostock
am 07.08.2010
Mit Sprache wird in diesem Stück gegeizt – aber wenn sie eingesetzt wird, werden einem staccato die herrlichen Worte regelrecht um die Ohren gehauen bzw. rauschen an denen vorbei. Das verlangt Konzentration und provoziert und wer das Lessingdrama nicht wirklich intus hatte, fühlte sich auf seinem Theatersitz im DT...Mit Sprache wird in diesem Stück gegeizt – aber wenn sie eingesetzt wird, werden einem staccato die herrlichen Worte regelrecht um die Ohren gehauen bzw. rauschen an denen vorbei. Das verlangt Konzentration und provoziert und wer das Lessingdrama nicht wirklich intus hatte, fühlte sich auf seinem Theatersitz im DT ein wenig überfordert... Aber zum Glück gibt es ja diese DVD zwecks Wiederholung. Zum Trotz: Die Fokussierung liegt in diesem Stück vor allem auf Gefühl und Körperausdruck, das beweisen Sven Lehmann und Regine Zimmermann bereits in den ersten Minuten auf sehr beeindruckende Weise. Da ist dieser seltsam hölzern-verkleidete Raum, durch den die Figuren tanzen, schreiten, stolpern, kriechen – untermalt von der sehr eindringlichen Violinmusik („Yumeji's theme“). Die emotionalen Gesten fesseln. „Gleichgültigkeit an Stelle von Liebe, das heißt Nichts an Stelle von Etwas“, so Gräfin Orsina (wie immer glaubhaft, bezaubernd und anbetungswürdig: Nina Hoss) gegenüber Marinelli (herrlich dämonisch: Ingo Hülsmann). Und von Gleichgültigkeit handelt dieses Stück, aber auch von Liebe, Verschlossenheit, Unvermögen – immer zwischen Wahnsinn und Vernunft. Zum Schluss löst sich Emilia Galotti (absolut hervorragend, ausdrucksstark und grazil: Regine Zimmermann) inmitten Walzertanzenden Paaren auf. Die gesellschaftliche Norm verschluckt sie - was nur eine andere Form von Tod oder Zerfall bedeutet. Dank der exzellenten Kameraführung und –einstellung wird das DT-Stück sehr wirkungsvoll in Szene gesetzt. Eine Aufnahme, die man sich immer und immer wieder gerne ansehen mag.