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Herzinfarkt
Synonym: Herzanfall, Herzattacke, Herzschlag, Myokardinfarkt
Bei einem Herzinfarkt gehen Zellen des Herzmuskels (Myokard) zugrunde. Das passiert, wenn Teile des Muskels zeitweise zu wenig sauerstoffreiches arterielles Blut erhalten. Meistens ist die Ursache ein Blutgerinnsel, das ein Herzkranzgefäss stark verengt oder verstopft – eine der Arterien, die den Herzmuskel versorgen. Solche Blockaden entstehen fast immer an Stellen, an denen sich Wände der Herzkranzgefässe durch Arteriosklerose verändert haben (koronare Herzkrankheit).
Herzinfarkte sind eine der häufigsten Todesursachen in den Industrienationen und medizinische Notfälle, bei denen die Zeit drängt: Rund einer von drei Betroffenen stirbt vor der Einlieferung ins Spital. Die medizinisch korrekte Bezeichnung ist Myokardinfarkt, in der Umgangssprache reden wir oft von einem Herzanfall, einer Herzattacke oder einem Herzschlag. Herzinfarkte fallen zusammen mit der instabilen Angina pectoris und dem plötzlichen Herztod unter die übergeordnete Krankheitsbezeichnung akutes Koronarsyndrom.
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Symptome
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Herzinfarkte können unterschiedlich verlaufen, einige lösen gar keine Beschwerden aus (stiller oder stummer Infarkt), die Mehrheit aber sehr starke. Es gibt «typische» Symptome, die sich am häufigsten bei Männern zeigen, und weniger typische. Sie treten eher bei Frauen («Eva-Infarkt») und älteren Menschen auf. Herzinfarkte ereignen sich zwar oft plötzlich, «wie aus heiterem Himmel», doch manchmal gibt es vorher Warnsignale.
Mögliche Vorzeichen
Durchblutungsstörungen am Herzmuskel entwickeln sich oft gleichmässig über Jahre hinweg (stabile Angina pectoris oder chronische koronare Herzkrankheit). Die Symptome verändern sich lange nicht oder kaum und treten zunächst nur bei körperlicher Belastung oder starkem Stress auf. Als typische Zeichen gelten Engegefühl und Schmerzen hinter dem Brustbein. Die Schmerzen können in Kopf, Unterkiefer, Hals, Genick, Rücken, den linken Arm und den Oberbauch ausstrahlen. Atemnot, Angstgefühle, Schweissausbrüche und Übelkeit können ebenfalls erscheinen. Weil die Erkrankung üblicherweise langsam fortschreitet, haben Betroffene oft schon eine Diagnose und Behandlungen erhalten. Sie wissen Bescheid über ihr erhöhtes Infarktrisiko. Die stabile Angina pectoris kann plötzlich in eine instabile Angina pectoris übergehen, bei der das Herzinfarktrisiko noch einmal höher ist. Warnzeichen können rasche Verschlechterungen sein, also wenn Symptome
- in Ruhe, also ohne körperliche Anstrengung, auftreten.
- länger dauern und stärker ausfallen als üblich.
- trotz der gewohnten Medikamenten bestehen bleiben.
Bei Patienten, die wegen Durchblutungsstörungen bereits Eingriffe am Herzen hinter sich haben, steigt die Gefahr eines Herzinfarkts, wenn sich die typischen Beschwerden (z.B. Schmerzen hinter dem Brustbein, Engegefühl) bemerkbar machen.
Bei Frauen können vergleichsweise «ungewöhnliche» Beschwerden Herzinfarkte ankündigen. So spüren viele von ihnen, teilweise schon Wochen vorher, Symptome wie allgemeine Schwäche, Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit und Kopfschmerzen. Auch Schmerzen an Rücken, Nacken, Kiefer, dem linken Schulterblatt oder zwischen den Schultern sind häufig, Schmerzen hinter dem Brustbein dagegen seltener als bei Männern.
Der akute Herzinfarkt
Zu den herkömmlichen, typischen Symptomen von akuten Herzinfarkten zählen:
- Plötzlich auftretende heftige Schmerzen in der Brust, das Zentrum befindet sich hinter dem Brustbein. Ausstrahlen können die Schmerzen in die Arme – wobei der linke häufiger betroffen ist – bis hinauf in Schultern, Hals, Nacken, Unterkiefer und hinab bis in den oberen Bereich des Bauchs. Manche Patienten empfinden den Schmerz als brennend, andere als ziehend, reissend, wie ein Stich oder ein Schnitt mit einem Messer. Der Schmerz fühlt sich so stark und lebensbedrohlich an, dass ihn viele als «vernichtend» beschreiben.
- Druck und Beklemmung in der Brust. Patienten nehmen das oft so wahr, als ob jemand auf ihrer Brust sitzen würde oder ein enges Stahlband den Brustkorb zusammendrückt.
- Extreme Angst, Vernichtungsgefühle, Todesangst, Schweissausbrüche
- Übelkeit, die mit Brechreiz und Erbrechen einhergehen kann
- Fahle Gesichtsfarbe
- Starke körperliche Schwäche. Bei einigen Patienten bricht der Kreislauf zusammen, manche verlieren das Bewusstsein.
- Kurzatmigkeit, Atemnot
- Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern, Herzrasen)
Sofort einen Notarzt rufen!
Betroffene, Partner, Freunde oder Kollegen sollten sofort einen Notarzt rufen, wenn die genannten Beschwerden auftreten oder andere Anzeichen, die auf eine hohe Infarktgefahr hinweisen – also in folgenden Fällen:
- Wenn zum ersten Mal derartige Beschwerden erscheinen, sie erstmals extrem stark sind oder stärker werden und nach 15 Minuten nicht wieder abklingen – gerade starke Schmerzen im Brustkorb, die mit Engegefühl, Todesangst, Schweissausbrüchen oder anderen der genannten Symptome verbunden sind.
- Wenn bei Personen eine koronare Herzkrankheit diagnostiziert wurde, die bekannten Beschwerden aber nicht innert 20 Minuten verschwinden, obwohl die Betroffenen ruhen, sich also nicht anstrengen.
- Wenn bei Personen mit diagnostizierter Angina pectoris immer häufiger Schmerzattacken wiederkehren.
- Wenn typische Beschwerden plötzlich auch bei sehr geringer körperlicher Belastung, in Ruhe oder nachts auftreten.
- Wenn Patienten immer höhere Dosen ihres Mittels – in der Regel Nitrate – brauchen, um ihre Beschwerden bei akuten Anfällen zu bessern, oder die Medikamente ihre Symptome nicht innert fünf Minuten deutlich lindern.
Der «Eva-Infarkt» – Symptome bei Frauen
Herzinfarkte von Frauen heissen manchmal «Eva-Infarkt», weil sie teilweise ein anderes Muster an Beschwerden auslösen. Nur bei einer von drei Betroffenen treten die typischen Brustschmerzen auf, die in Arm und Kiefer ausstrahlen können. Stattdessen herrschen eher Druck- oder Engegefühle vor. Zu «männlichen» Symptomen können «weibliche» hinzukommen oder allein erscheinen. Viele davon weisen leider nicht konkret auf drohende Herzinfarkte hin, sondern könnten auch viele andere Ursachen haben. Dazu zählen etwa Schwäche, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlaf- und Verdauungsstörungen oder Angstgefühle, Schmerzen an Rücken, Nacken, Kiefer, dem linken Schulterblatt oder zwischen den Schultern. Diese Beschwerden tauchen bei einem grossen Teil späterer Herzinfarktpatientinnen sogar bis zu einem Monat vor dem Ereignis auf.
Die NAN-Regel beachten!
Viele Frauen und teilweise auch ältere Personen haben unklare Beschwerden, wenn sich Herzinfarkte ereignen. Fachleute raten ihnen, sich an die NAN-Regel zu halten: Sie sollten sich sofort ärztlich untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen, sobald zwischen Nase, Arm und Nabel – im NAN-Bereich – plötzlich Schmerzen oder andere Beschwerden auftreten und länger als 15 Minuten andauern. Es kann sich um Hinweise auf einen Herzinfarkt handeln.
Stille oder stumme Herzinfarkte
Wenn Herzinfarkte gar keine oder nur schwache, ungewöhnliche Symptome mitbringen, spricht man von «stillen» oder «stummen» Infarkten. Ärzte entdecken diese erst in späteren Untersuchungen. Überdurchschnittlich häufig sind stille Infarkte bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern. Nach Schätzungen bleibt wahrscheinlich etwa einer von drei Infarkten «stumm». Doch das Herz erleidet dabei einen bleibenden Schaden, der es schwächt. Weil Betroffene einen Infarkt nicht spüren, machen sie zudem keine Therapie gegen ihre Erkrankung und vorhandene Risikofaktoren. Damit steigt das Risiko erneuter Herzinfarkte, die oft sehr schwer ausfallen.
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Behandlung
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Herzinfarkte sind medizinische Notfälle, bei denen jeder Augenblick zählt – tote Herzmuskelzellen sind für immer verloren. Alles, was die Behandlung verzögert oder kompliziert, erhöht die Gefahr von Todesfällen oder Spätfolgen. Um keine Zeit zu vergeuden, sollten Betroffene, anwesende Partner, Freunde oder Arbeitskollegen einige Punkte beachten. Wichtig ist zuallererst, nicht in Angst und Hektik zu verfallen.
Notfall – das sollten Sie als Erstes tun
- Keine Panik! Anwesende sollten sich bemühen, einen halbwegs kühlen Kopf zu bewahren und klar zu denken. Das ist bei Notfällen, wo immer Zeitdruck herrscht, niemals leicht.
- Rufen Sie ohne zu zögern sofort einen Notarzt! Auch mitten in der Nacht, an Sonn- und Feiertagen! Notärzte sind für Notfälle zuständig. Das ist ihr Alltag, ihre übliche Arbeit. Anrufer fallen Notärzten also nicht zur Last und halten diese nicht von Wichtigerem ab. Für Zurückhaltung, Abwarten oder Scham gibt es keinen Grund – dadurch gehen höchstens wertvolle Minuten verloren, die unter Umständen Leben retten können.
- Geben Sie gleich am Telefon an, dass womöglich ein Herzinfarkt vorliegt, also ein Notfall.
- Brechen Sie das Telefonat nicht ab. Manchmal stellt die zentrale Leitstelle weitere Fragen.
- Geben Sie unbedingt Ihren Namen, Ihre Adresse und Ihre Telefonnummer durch.
- Nie zuerst beim Hausarzt, bei Freunden oder Verwandten anrufen, um sich abzusichern. In Erhebungen erreichten Patienten, die den Weg über den Hausarzt einschlugen, das Spital erheblich später als diejenigen, die direkt mit Notarzt kamen.
- Drängen Sie darauf, dass Herzinfarktpatienten ins nächstliegende geeignete Spital kommen und nicht in eine weiter entfernte Einrichtung.
Weiteres sinnvolles Vorgehen im Notfall
- Privatpersonen sollten den Betroffenen nie selbst ins Spital fahren – Notärzte können oft schon im Rettungsfahrzeug mit Behandlungen beginnen.
- Wenn die Adresse des Patienten schwer zu finden ist, sollten andere Anwesende die Aussenbeleuchtung einschalten oder den Rettungswagen an der Strasse abfangen.
- Anwesende sollten beruhigend auf den Betroffenen einwirken und Aufregung vermeiden. Schon die Mitteilung, dass der Rettungsdienst unterwegs ist, kann Ängste mildern.
- Kleidung, die den Betroffenen beengen könnte, sollte gelockert werden (z.B. enge Hemden, BHs, Krawatten, Gürtel und Hosen). Auch ein offenes Fenster, das frische Luft in den Raum lässt, ist oft hilfreich. Eine leichte Decke kann verhindern, dass es dem Patienten zu kühl wird.
- Falls geeignete Medikamente zur Hand sind, können sie dem Patienten helfen – Nitrate (zwei bis drei Sprühstösse oder ein bis zwei Zerbeisskapseln) oder Acetylsalicylsäure (eine Tablette, falls der Betroffene nicht erbrechen muss).
- Bei Patienten, die bei Bewusstsein sind, sind Positionen mit erhöhtem Oberkörper förderlich. Sie können sitzen oder sich hinlegen, wobei der Oberkörper mit Kissen erhöht sein sollte.
- Bewusstlose Patienten sollten in die stabile Seitenlage gebracht werden. Der Kopf muss dabei leicht im Nacken liegen. So sind die Atemwege geöffnet, was die Atmung erleichtert. Ausserdem ist der Mund dann der tiefste Punkt des Kopfs, damit fällt die Zunge nicht in den Rachen, was sonst zum Erstickungstod führen kann.
- Wer damit Erfahrung hat, kann bei Atemstillstand eine Herzmassage machen. Alle anderen sollten das nur tun, wenn der Rettungsdienst sie dazu auffordert und anleitet.
Akute Behandlung im Spital
Trotz aller Zeitnot müssen Ärzte erst sicher sein, dass ein Herzinfarkt vorliegt. Diesen Verdacht prüfen sie sofort mit einem Elektrokardiogramm (EKG). Es kann am schnellsten Herzinfarkte nachweisen, aber nur solche, die Zellen in allen Wandschichten des Herzmuskels getötet haben. Diese ST-Hebungs-Infarkte (oder STEMI) verändern die EKG-Kurve charakteristisch. Gleichzeitig und etwas später finden wiederholt Entnahmen von Blutproben statt. Darin lassen sich über die Infarktmarker (Troponin T und Troponin I) jene Infarkte nachweisen, die nur einzelne Schichten des Herzmuskels betreffen und die EKG-Kurve nicht verändern (Herzinfarkt ohne ST-Hebung, NSTEMI). Fehlen Infarktmarker in den Blutproben, handelt es sich um keinen Herzinfarkt, sondern um eine instabile Angina pectoris. Was ihre Gefährlichkeit angeht, unterscheiden sich STEMI und NSTEMI kaum. Wenn noch Fragen zum individuellen Risiko, zu Begleiterkrankungen oder Ursachen offen sind, können weitere Untersuchungen stattfinden.
Ablauf der Behandlung
Wie die eigentliche Therapie abläuft, hängt vorwiegend von der Zeit ab: Wie schnell ist ein Spital erreichbar mit einem Team, das Erfahrung mit dem wichtigsten Eingriff (Koronarangiografie mit Ballondilatation) bei Herzinfarkten hat? Üblicherweise erfolgt dieser Eingriff, wenn der Zeitabstand zwischen dem ersten medizinischen Kontakt, im Normalfall also mit dem Notarzt, und der Einlieferung in ein geeignetes Spital nicht mehr als zwei Stunden beträgt. Das kann in ländlichen Gebieten oder nachts aber länger dauern. Dann führt der Notarzt teilweise schon im Rettungswagen eine andere Behandlung (Lysetherapie) durch. Je nach Erfolg finden im Spital nur noch Kontrollen (Koronarangiografie) oder Behandlungen (Ballondilatation) statt.
- Bei der Koronarangiografie (grosser Herzkatheter, Angiokardiografie) machen Ärzte einen kleinen Schnitt meist in die Leistenarterie. Dort führen sie einen dünnen, flexiblen «Schlauch» (Katheter) ein und steuern ihn zu den Herzgefässen vor. Hier spritzen sie ein Kontrastmittel ein. Eine bewegliche Röntgenanlage macht Aufnahmen von allen Seiten. Auf den Bildern können Fachärzte erkennen, wo sich Verengungen oder Verschlüsse in Herzkranzgefässen befinden und wie stark sie den Blutfluss behindern. Auch die Funktion des Herzmuskels, der Herzklappen und anderer Teile lässt sich beurteilen.
- Bei einer Ballondilatation mit Katheter am Herzen (perkutane transluminale koronare Angioplastie, PTCA) «reparieren» Ärzte die Verengungen, die sie bei einer Koronarangiografie gefunden haben. Wenn eine PTCA nötig ist, schliesst sie sich immer an eine Koronarangiografie an. Der erste Katheterschlauch dient dabei als Führung, durch ihn schieben Ärzte einen Ballonkatheter zum Herz vor – einen Schlauch, an dessen Spitze sich ein kleiner, nicht aufgeblasener Ballon befindet. Hat er die Engstelle erreicht, pumpen die Ärzte den Ballon mit Hochdruck auf, dadurch werden Ablagerungen beiseite gequetscht und Verengungen erweitert (Ballondilatation). Zur Erfolgskontrolle spritzen die Ärzte erneut Kontrastmittel ein und machen Aufnahmen, die sie mit dem Zustand vor der Ballondilatation vergleichen.
- Bei einer Ballondilatation mit Stentimplantation (Stenting) stützen die Ärzte das erweiterte Herzkranzgefäss noch mit einem Gitterröhrchen ab (Stent, meist aus Metall). Damit verhindern sie, dass die elastischen Arterienwände sich gleich wieder zusammenziehen und das Gefäss erneut verengen.
- Bei einer Bypassoperation legen Ärzte Ersatzwege für das Blut an. Sie entnehmen woanders im Körper Stücke von Blutgefässen und bauen damit Umleitungen für verengte oder verschlossene Strecken von Gefässen. Bei akutem Herzinfarkt ist das Verfahren die Ausnahme, weil es eine längere Vorbereitung braucht und aufwendiger ist. Wenn kein Notfall vorliegt, hat es aber manchmal Vorteile gegenüber einer PTCA.
Medikamente in der akuten Behandlung
Herzinfarktpatienten erhalten während der akuten Phase meistens mehrere Medikamente – Opiate (z.B. Morphin) gegen die Schmerzen, Sauerstoffbeatmung und Nitrate, um die Versorgung des Herzmuskels zu verbessern, sowie Acetylsalicylsäure (ASS), um der Bildung von Blutgerinnseln vorzubeugen. Teilweise kommen als Begleitung zu Koronarangiografie, PTCA und Lysetherapie weitere gerinnungs- und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz wie Clopidogrel, Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten, Heparin oder ähnliche. Auch Betablocker, ACE-Hemmer und andere Substanzen können bei bestimmten Patienten hilfreich sein. Viele erhalten auch Beruhigungsmittel.
Langzeittherapie nach Herzinfarkt
Das Schlimmste hat man erst hinter sich, wenn die verstopften Herzkranzgefässe wieder geöffnet sind. Die eigentliche Ursache, hauptsächlich verkalkte Arterien am Herz (koronare Herzkrankheit), besteht aber nach wie vor und damit auch ein erhöhtes Risiko weiterer Infarkte. Betroffene müssen üblicherweise ihren Lebensstil ändern und dauerhaft Medikamente einnehmen. Dadurch sinkt das Risiko von Herzinfarkten und Todesfällen stark. Beide Zweige – Lebensstil und medizinische Behandlung – sind enorm wichtig und ergänzen sich. Wer einen davon vernachlässigt, verschenkt möglicherweise nicht nur Lebensqualität, sondern auch Lebensjahre.
Medikamente in der Langzeitbehandlung
Am häufigsten finden folgende Wirkstoffe oder Substanzen aus folgenden Familien Anwendung:
- Acetylsalicylsäure, Clopidogrel oder beide in Kombination
- Betablocker
- Statine (Cholesterinsenker)
- ACE-Hemmer
Bei Unverträglichkeiten stehen andere Wirkstoffe zur Verfügung. Darüber hinaus raten die Fachleute allen Patienten dazu, sich jährlich gegen Grippe impfen zu lassen.
Rehabilitation
Auf die Akutbehandlung im Spital folgt unmittelbar eine medizinische Rehabilitation, kurz Reha. Sie hat mehrere Ziele und kann aus verschiedenen Kursen bestehen. Eine Bewegungstherapie soll die körperliche Leistungsfähigkeit steigern oder wiederherstellen; dadurch verringern sich mögliche Beschwerden und Risiken, die Lebensqualität steigt. Psychologische Einzel- oder Gruppengespräche sollen helfen, den «Schock» des Herzinfarkts und damit verbundene Ängste abzuschwächen. Die Patienten lernen, ihre Erkrankung anzunehmen und zu bewältigen. Spezielle Kurse unterrichten über rechtliche Dinge (z.B. Ansprüche auf Leistungen oder Zuschüsse) und bereiten individuell auf den Alltag und das Berufsleben mit der Erkrankung vor. Patienten sollen möglichst wieder komplett selbstständig werden. Nicht zuletzt vermitteln Schulungen hilfreiches Wissen zu der Erkrankung, ihren Hintergründen und ihrem Zusammenhang mit dem Lebensstil. Die Patienten werden dazu angeleitet, gesünder zu leben, regelmässig Kontrolluntersuchungen machen zu lassen und alle nötigen Medikamente so einzunehmen, wie es verordnet wurde. Nach der Reha sind in bestimmten Abständen Kontrolluntersuchungen wie Belastungs-EKGs nötig.
Lebensstil
Der Lebensstil in den Industrienationen begünstigt, dass sich Arteriosklerose, Bluthochdruck und weitere Risikofaktoren ausbilden, die das Risiko von koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Entsprechend kann ein gesunder Lebenswandel diese Gefahren erheblich senken. Alle Herzinfarktpatienten werden deshalb dazu aufgefordert, sich ausgewogen zu ernähren, Übergewicht zu vermeiden oder abzubauen, sich regelmässig zu bewegen, auf Zigaretten zu verzichten und andere Risiken in ihrem Lebensstil abzubauen. Üblicherweise erhalten sie in der Reha das nötige Wissen und Tipps, wie sie nützliches Verhalten in ihren Alltag einbauen. Sinnvoll sind Herzsportgruppen: Feste Termine erleichtern es vielen Betroffenen, die Disziplin für regelmässige Bewegung aufzubringen. Gemeinsam macht das Training zudem mehr Spass als allein.
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Verlauf, Komplikationen, Besonderheiten
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Nach wie vor stirbt rund die Hälfte aller Herzinfarktpatienten – die Mehrheit, bevor sie eine Behandlung erhält. Starken Einfluss auf den Verlauf haben die ersten zwei Stunden nach dem Infarkt, sie entscheiden darüber, wie lange der Durchblutungsmangel anhält – diese Dauer spielt eine bedeutende Rolle für das Ausmass des Schadens am Herz. Die Therapie kann umso mehr Zellen retten, je früher sie einsetzt. Das Schadensausmass hängt weiter davon ab, wie ausgedehnt der Bereich des Herzmuskels war, in dem der Durchblutungsmangel herrschte. Waren grosse Herzkranzgefässe verstopft, sind in der Regel auch grosse Regionen betroffen. Solche Infarkte verlaufen häufiger tödlich, als wenn nur kleine Gebiete geschädigt wurden. Wichtig für die Prognose ist zudem das Alter und wie gut oder schlecht der allgemeine körperliche und gesundheitliche Zustand vor dem Herzinfarkt war. Im Vergleich zu jüngeren Patienten haben ältere schlechtere Überlebenschancen, besonders wenn sie durch zusätzliche Erkrankungen geschwächt sind.
Die meisten Todesfälle ereignen sich nicht, weil dem geschädigten Herzmuskel die Pumpkraft ausgeht, weitaus öfter stören Infarkte die Reizleitung am Herz: Es gerät aus dem Takt, der Herzmuskel zieht sich unkoordiniert und im falschen Rhythmus zusammen. Häufig steigt die Frequenz extrem an: Das Herz zuckt rasend schnell, pumpt aber kein Blut mehr (Kammerflimmern). Daran sterben die meisten Opfer eines Herzinfarkts. Zur rechten Zeit können Stromstösse (Defibrillatoren) oder auch Herzdruckmassagen den Herzrhythmus wiederherstellen.
Mehr als 30 von 100 Patienten sterben, bevor sie das Spital erreichen. Als häufigste Ursache gilt das Kammerflimmern. Unter denen, die das Spital erreichen, sterben 4 bis 12 von 100 während der akuten Phase. Die Schwankungen kommen auch deshalb zustande, weil späte Behandlungen weniger Erfolg haben als frühe. Die Qualität kann sich je nach Einrichtung ebenfalls unterscheiden.
Rund vier von fünf Betroffenen, die den ersten Tag überstehen, leben noch zwölf Monate später. Ganz auf der sicheren Seite ist man nach einem Jahr aber nicht, es gibt fatale Spätfolgen: So ereilt etwa 5 bis 10 von 100 Überlebenden innert der ersten zwei Jahre ein plötzlicher Herztod, 2 von 100 sterben in einem Zeitraum von sechs Jahren nach dem Infarkt an Herzschwäche (Herzinsuffizienz).
Komplikationen
Im Zusammenhang mit Herzinfarkten sind zahlreiche Komplikationen möglich, Fachleute unterscheiden Früh- oder Akutkomplikationen und Spätkomplikationen. Frühkomplikationen können von Anfang an auftreten und bis etwa eine Woche nach dem Ereignis auftreten, manche Quellen sprechen dann allerdings bereits von Spätkomplikationen. Zu frühen Komplikationen gehören:
- Herzrhythmusstörungen. Sie treten fast immer auf, z.B. als Kammerflimmern oder starke Verlangsamung des Herzrhythmus (Bradykardie) und können das Leben bedrohen.
- Herzschwäche (Linksherzinsuffizienz). Sie erscheint bei rund einem von drei Betroffenen und kann lebensbedrohliche Folgen haben (z.B. Lungenödem, Pumpversagen, kardiogener Schock). Der kardiogene Schock gilt als zweithäufigste Todesursache in der akuten Phase.
- Einrisse im Herzmuskel (Ruptur) mit Ansammlungen von Blut im Herzbeutel (Perikardtamponade). Sie entstehen, wenn das geschädigte Muskelgebiet besonders gross ist, und führen meistens zum Tod.
Weitere frühe Komplikationen sind beispielsweise Entzündungen des Herzbeutels (Perikarditis) und Abrisse von Muskelteilen oder Sehnen, die für die Funktion des Herzens beziehungsweise der Herzklappen wichtig sind.
Einige Spätkomplikationen können sich früh oder später entwickeln, sodass sie auch untern den Akutkomplikationen auftauchen (z.B. Herzrhythmusstörungen, Linksherzinsuffizienz, Ruptur mit Perikardtamponade, Herzbeutelentzündung). Als weitere Spätkomplikationen können vorkommen:
- Chronische Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Krankhafte Ausbuchtung an der Herzwand (Herzwandaneurysma). Sie entstehen in der Regel dort, wo beim Infarkt Zellen abgestorben sind.
- Anhaltende oder wiederkehrende Anfälle mit Schmerzen in der Brust und anderen Angina-pectoris-Beschwerden. Die Gefahr eines erneuten Herzinfarkts ist erheblich erhöht.
- Entzündung von Herzbeutel und -muskel (Perimyokarditis)
- Herzklappenfehler (Mitralklappeninsuffizienz)
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Ursachen, Risikofaktoren und Häufigkeit
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Die mit weitem Abstand meisten Herzinfarkte sind Folgen einer koronaren Herzkrankheit. Sie geht ihrerseits auf «verkalkte» Herzkranzgefässe zurück – auf Arteriosklerose. Ihre Entstehung beschleunigt sich durch mehrere Risikofaktoren, die der Lebensstil in den Industrienationen mitbringt oder begünstigt. Bei Arteriosklerose bilden sich Ablagerungen an den Wänden der Arterien, häufig in den Herzkranzgefässen. Wenn solche Ablagerungen oder Plaques aufreissen, entstehen Blutgerinnsel (Thromben), manchmal löst sich auch Material aus den Ablagerungen. Beide Arten von «Klümpchen» können direkt vor Ort den Blutfluss blockieren oder woanders, wenn sie fortgeschwemmt werden. Ereignet sich die Blockade in einem Herzkranzgefäss, bekommen die Zellen im Versorgungsgebiet keinen oder nicht mehr genug Sauerstoff. Den Mangel überleben sie nur kurze Zeit, dann sterben sie ab – der Infarkt ist eingetreten. Der Körper ersetzt die toten Herzmuskelzellen durch Bindegewebszellen, die eine Narbe im Herzmuskel bilden. Kleine Narben kann er oft verkraften, durch grosse Narben bricht jedoch die Funktion des Herzens zusammen, meistens wegen Herzrhythmusstörungen.
Nicht alle arteriosklerotischen Ablagerungen sind gleich gefährlich, es gibt stabile und instabile Plaques. Stabile Plaques entwickeln sich über Jahre hinweg. Sie sind zwar oft dick, dafür aber hart, reich an Kalk und robust – sie reissen selten ein. Zudem verursachen sie meist Beschwerden, lange bevor sich ein Herzinfarkt ereignet. Die typischen Symptome der Angina pectoris weisen in der Regel auf das Infarktrisiko hin. Im Gegensatz zu stabilen Plaques sind instabile zwar jünger und kleiner, sie sind jedoch auch weicher und verletzlicher – sie reissen leichter ein. Das Herzinfarktrisiko ist höher, und die Ereignisse geschehen üblicherweise, ohne dass Vorzeichen davor warnen.
Andere Ursachen für Herzinfarkte wie etwa Tumore sind selten.
Risikofaktoren
Überfluss und Alltag in den Industriegesellschaften verführen viele Menschen zu einem ungesunden Lebensstil. Sie bewegen sich zu wenig, essen zu viel, zu fett, zu süss oder salzig, haben Übergewicht, zu hohen Blutdruck, zu hohe Blutzucker- oder Blutfettwerte. Auch Tabakkonsum trägt massiv zur Entstehung von Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei. Die wichtigsten Risikofaktoren sind:
- Erhöhter arterieller Blutdruck (Bluthochdruck)
- Erhöhte Blutzuckerwerte (Diabetes mellitus)
- Erhöhte Blutfette (Hyperlipidämie)
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Rauchen
Jeder Mensch beeinflusst diese Faktoren durch seinen Lebenswandel. Zur Vorbeugung und bei der Behandlung ist es enorm wichtig, den Lebensstil so zu ändern, dass diese Risiken wegfallen oder zumindest stark an Bedeutung verlieren. Schon wer sich zwei- bis dreimal wöchentlich mindestens 30 Minuten bewegt, senkt sein Herz-Kreislauf-Risiko um durchschnittlich 35%. Der Verzicht auf Zigaretten und eine gesunde Ernährung haben ähnliche Effekte.
Häufigkeit
In der Schweiz erleiden jährlich wahrscheinlich etwa 200 von 100’000 Einwohnern einen Herzinfarkt. Das wären rund 16’000 Personen. 2012 sind fast 8000 Menschen (3764 Frauen, 4227 Männer) an Durchblutungsstörungen am Herz verstorben, was der Hälfte der Betroffenen entspräche. Es gibt jedoch eine Dunkelziffer, da sich ein Teil der Infarkte nicht bemerkbar macht (stumme Infarkte). Herzinfarkte gehören bei uns zu den häufigsten Todesursachen.
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Vorbeugung
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Gegen Herzinfarkte, andere Herz-Kreislauf-Erkrankung und Arteriosklerose vorzubeugen, bedeutet, die oben genannten Risikofaktoren zu beseitigen oder deutlich abzuschwächen: Erhöhte Blutwerte müssen gesenkt, Übergewicht abgebaut und der Zigarettenkonsum beendet werden. Regelmässige Bewegung ist gesundheitlich in vieler Hinsicht Gold wert. Eine gesunde, ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung hilft beim Abnehmen oder dabei, das Normalgewicht zu halten. Personen mit erhöhten Blutwerten (Blutdruck, Blutzucker, Blutfett) sollten unbedingt medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Sie erhöht auch die Erfolgsaussichten bei der Raucherentwöhnung.
- Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes behandeln: Die Erkrankungen sollten so konsequent behandelt werden, dass sich die Werte möglichst normalisieren. Ein gesunder Lebensstil sollte die Therapie unterstützen.
- Gesunde Ernährung: Ausgewogene, abwechslungsreiche Speisen sollten in Mengen auf den Tisch kommen, die nicht zu Übergewicht führen. Problematisch sind viele industriell verarbeitete Lebensmittel (z.B. Fertiggerichte), hier stecken in kleinen Bissen oft viele Kalorien. Zudem enthalten solche Speisen meist viele ungünstige gesättigte Fettsäuren und viel versteckten Zucker oder Salz. Auch Süssgetränke und Energydrinks erhöhen die Gefahr von Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besser ist es, reichlich frische Lebensmittel zu verwenden und zu essen (z.B. Früchte, Gemüse, Vollkornprodukte, [Fett-]Fisch, mageres Fleisch, magere Milchprodukte). Gesättigte Fettsäuren in der Nahrung sollte man durch ungesättigte zu ersetzen versuchen. Fett sollte weniger als 30% der Kalorien in der Nahrung ausmachen. Für Menschen mit erhöhtem Blutdruck empfiehlt es sich, die Salzaufnahme zu drosseln.
- Ausreichende und regelmässige Bewegung: Regelmässigkeit bringt mehr als hohe Intensitäten. Für Herz und Kreislauf ist es besser, viermal pro Woche 30 Minuten bei mittlerer, gleichmässiger Belastung zu trainieren als einmal zwei Stunden mit voller Kraft. Die Anstrengung sollte zur individuellen Belastbarkeit passen, im Zweifel sind Gesundheits-Checks ratsam. Je jünger man zu trainieren beginnt, desto besser ist der Effekt. In Vereinen, Sport-, Freizeit- oder Herzgruppen fällt regelmässiges Training meist leichter. Jede Bewegung ist besser als gar keine! Statt den Lift zu nehmen, kann man die Treppe wählen. Statt direkt beim Theater zu parkieren, kann man das Auto weiter entfernt abstellen und ein paar Schritte gehen. Es gibt viele Möglichkeiten, Bewegung in den Alltag einzubauen.
- Übergewicht reduzieren: Das Körpergewicht sollte sich im Normalbereich bewegen; es ist mehr als ratsam, Übergewicht abzubauen. Auf dem richtigen Weg dahin ist, wer sich gesund ernährt und sich regelmässig bewegt.
- Verzicht auf Zigaretten: Nikotin erhöht die Gefahr von Bluthochdruck, Arteriosklerose, Schlaganfällen, Herzinfarkten, Herzrhythmusstörungen und anderen Erkrankungen. Im Rauch von Zigaretten, Zigarren und Pfeifen befinden sich etwa 4000 weitere Substanzen, die viele Gesundheitsrisiken steigern, etwa die Gefahr von Lungenerkrankungen (z.B. COPD) sowie von Rachen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Lungen-, Magen-, Nieren-, Blasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ein Rauchstopp lohnt sich immer: Selbst nach vielen Jahren kann sich der Körper oft noch davon erholen. Wer aufhören will, sollte alle sinnvollen Hilfsmittel nutzen (z.B. Schulungen, Nikotinpräparate, Entwöhnungstabletten), um die Erfolgschancen zu maximieren.
- Weitere Krankheiten und Infektionen: Einige Erkrankungen oder Infektionen erhöhen den Blutdruck und das Risiko von anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu gehören Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose), chronische Nierenschwäche (chronische Niereninsuffizienz), Gicht, Schlafstörungen, besonders Schnarchen mit Atemstillständen (Apnoe) und Zahnfleischentzündungen (Parodontitis).
- Stress vermeiden oder abbauen: Hoher Arbeitsdruck, Mobbing, Ängste, Sorgen ums Geld oder um nahestehende Menschen, Schlafmangel, Lärm und viele andere Umstände können stressen. Langfristig schadet das oft dem Herz und den Gefässen. Stress kann den Schlaf stören, das Immunsystem schwächen, die Menge von Entzündungssubstanzen im Blut erhöhen und zu vermehrten Ablagerungen an Gefässwänden führen. Wenn sich Stress nicht vermeiden lässt, sollte man versuchen, alltägliche Stresssituationen zusammen mit anderen Beteiligten (z.B. Arbeitskollegen, Familie, Partner) abzumildern. Zum Stressabbau eignen sich etwa Entspannungstechniken.
- Lebensrhythmus einhalten: Schichtarbeiter bekommen öfter Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfälle und Herzinfarkte als andere Menschen. Sie leiden zudem häufiger unter Schlafstörungen und Depressionen. Ein regelmässiger Tagesablauf schont den Organismus.
- Soziale Kontakte pflegen: Menschen, die allein leben und viel allein sind, haben ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Soziale Kontakte sind wichtig für die körperliche und geistige Gesundheit.
- Erholsam schlafen: Durch Ein- und Durchschlafstörungen sowie nicht erholsamen Schlaf steigt das Risiko von Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Besonders gefährlich sind Schlafstörungen mit nächtlichen Atemaussetzern (Apnoe).
- Depressionen vermeiden oder behandeln lassen: Laut Studien haben depressive Menschen gegenüber gesunden ein um 30 bis 50% höheres Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.
- Vorsicht bei Alkohol, Kaffee und Drogen: Bei Alkohol ist Zurückhaltung angebracht, neuere Studien haben schon bei geringen Mengen Nachteile für Herz und Gefässe festgestellt. Darum haben einige medizinische Fachgesellschaften die «sichere» Obergrenze für Männer auf täglich 25 Gramm gesenkt und für Frauen auf 20 Gramm. Zwei Tassen Kaffee pro Tag gelten allgemein als ungefährlich. Ob grössere Mengen schädlich sind, darüber streiten Wissenschaftler noch. Zu Cannabisprodukten (z.B. Haschisch, Marihuana) gibt es keine wirklich aussagekräftigen Studien. Doch der Rauch gilt als reicher an Kondensaten als Tabakrauch und ist somit sehr wahrscheinlich schädlicher für Lunge und Gefässe. In den USA ist einer von vier tödlichen Herzinfarkten unter 18- bis 45-Jährigen die Folge von Kokainkonsum. Während der ersten Stunde danach ist das Infarktrisiko 24-fach erhöht. Kokain verdoppelt zudem das Schlaganfallrisiko. Amphetamine (Aufputschmittel) und chemisch verwandte Substanzen (z.B. Ecstasy, Crystal Meth) können Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes verstärken, aber möglicherweise auch ihre Entstehung unterstützen.
- Achtung bei einigen Medikamenten: Gewisse Mittel gegen Depressionen (Antidepressiva) und Rheumamittel können das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Wenn Blutwerte den normalen Bereich übersteigen, sollten Betroffene ihren Arzt über alle Medikamente informieren, die sie aktuell verwenden. Häufig finden sich Alternativen, die keinen oder einen geringeren Einfluss auf die Risikofaktoren haben.
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Wirkstoffe
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