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Fluggastrechte bei überbuchten FlügenDaniel Junginger, 2019-5-2
Wie ein überbuchter Flug zustande kommt
Ein überbuchter Flug liegt vor, sobald eine Airline auf einem angebotenen Flug mehr Sitzplätze verkauft, als sie den Passagieren zur Verfügung stellen kann. In der Praxis ist es so, dass viele Fluggäste ihren Flug stornieren oder zum Zeitpunkt des Abflugs nicht (rechtzeitig) erscheinen. Manchmal kommt es aber vor, dass alle ursprünglich gebuchten Sitzplätze vergeben werden und die Airline infolgedessen einzelne Sitzplätze mehrmals vergeben hat. In diesem Fall ist sie gezwungen, einige Passagiere nicht mehr mitzunehmen, um die allgemeine Sicherheit während des Fluges aufrechterhalten zu können. Wie viele Plätze doppelt belegt sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Experten schätzen die Überbuchungsquoten zwischen 10 und 30 Prozent ein. Von einer Nichtbeförderung bei einer Überbuchung kann nur dann gesprochen werden, wenn die Airline die Mitnahme des Fluggastes verweigert, sofern sich dieser pünktlich bei der Abfertigung der Fluggäste am Gate eingefunden hat.
Ausnahmefall liegt bei vertretbaren Gründen vor
Ein Fluggast darf nicht auf eine Entschädigung hoffen, wenn ihn die Airline aus sogenannten „vertretbaren“ Gründen nicht mit der verfügbaren gebuchten Maschine befördern will. Diese vertretbaren Gründe galten von Rechts wegen lange als umstritten, sind aber seit einigen Jahren im Art. 2 der Fluggastrechteverordnung geregelt.
In folgenden Fällen steht es dem Flugunternehmen grundsätzlich frei, den jeweiligen Passagier aus vertretbaren Gründen nicht in das Flugzeug einsteigen zu lassen:
- Der Passagier ist aus gesundheitlichen Gründen flugunfähig.
- Der Fluggast legt am Gate ein unmögliches Verhalten an den Tag, welches eine sichere Beförderung unmöglich macht.
- Der Passagier hat nicht alle erforderlichen Reisedokumente bei sich, die zur Abfertigung erforderlich sind.
Für Passagiere ist in dieser Hinsicht wichtig zu wissen, dass es sich bei einem überbuchten Flug um keinen vertretbaren Grund handelt. Jeder Fluggast, der sich mit seiner bestätigten Buchung zur angegebenen Zeit, spätestens aber 45 Minuten vor dem Abflug am Gate einfindet, hat das Recht, in seinem gebuchten Flugzeug mitzufliegen. Sofern also die genannten vertretbaren Gründe (schwerwiegende gesundheitliche Probleme oder sicherheitsgefährdendes Verhalten) nicht vorliegen, kann sich eine Fluggesellschaft keinesfalls ihrer Verantwortung entziehen. Denn sie hat die Überbuchung in Kauf genommen und muss für die damit entstehenden Schäden aufkommen.
Welche Rechte nicht beförderte Fluggäste haben
Allen Fluggästen, die aufgrund einer Überbuchung die Mitnahme untersagt wird, stehen gemäss der Artikel 7 bis 9 in der EU-Fluggastrechteverordnung unterschiedliche Unterstützungs- oder Ausgleichsleistungen zu. Die Ausgleichszahlungen unterscheiden sich nicht von den Entschädigungssummen, die bei verspäteten oder annullierten Flügen entstehen. Sie betragen – abhängig von der Flugstrecke und der genauen Verspätungszeit – zwischen 250 und 600 Euro. In jeden Fall haben die Passagiere, die von einem überbuchten Flug betroffen sind, einen Anspruch auf eine anderweitige, schnellstmögliche Beförderung. Es steht den Passagieren gemäss Artikel 8 der EU-Fluggastrechteverordnung alternativ ebenfalls zu, sich die Flugkosten in vollständiger Höhe erstatten zu lassen oder auf einen Rückflug zum Abflugort zu bestehen. Allen Fluggästen stehen weiterhin bei einem überbuchten Flug, der eine mehrstündige Verspätung nach sich zieht, diverse Betreuungsleistungen zu. Sie erhalten im angemessenen Verhältnis zu der entstehenden Wartezeit Erfrischungen sowie kalte oder warme Mahlzeiten, eine Hotelunterbringung sowie einen kostenfreien Transfer zum Hotel oder zum Abflughafen. Eine Airline ist bei einem überbuchten Flug ausserdem verpflichtet, den wartenden Passagieren zwei kostenfreie Telefonate oder E-Mails zu ermöglichen.