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Beschreibung
Markus Gut: Die historisch belegten Flechttechniken von Kettenhemden und ihre Eigenschaften
Jonathan Frey: Der Neufund eines Panzerhandschuhs aus der Burgruine Hünenberg ZG. Ein Beitrag zur typologischen Entwicklung der mittelalterlichen Schutzbewaffnung im 14. Jahrhundert
Die historisch belegten Flechttechniken von Kettenhemden und ihre Eigenschaften
Die hier in gekürzter und redigierter Form vorliegende Maturaarbeit setzt sich mit der Geschichte der Kettenhemden im Allgemeinen und den verschiedenen Flechttechniken von Kettenhemden im Speziellen auseinander. Das Augenmerk liegt dabei auf Europa.
Ursprünglich wohl eine Erfindung der Kelten wurde Kettengeflecht bis in die Frühe Neuzeit hinein zum Schutz vor Hieb-, Stich- und Schusswaffen verwendet; es besteht aus einzelnen Eisenringen , die nach einer bestimmten Technik ineinander geflochten werden.
Das aufgrund des Aufkommens der Feuerwaffen ausgestorbene Handwerk der Kettenhemdschmiede wurde in jüngster Zeit von Mittelalter- und Fantasyfans wiederbelebt, wobei zahlreiche neue Flechttechniken erfunden wurden. Dies führte dazu, dass heute niemand mehr genau weiss, welche Flechttechniken einst tatsächlich Verwendung fanden und welche modernen Ursprungs sind.
Meine Maturaarbeit versuchte mit folgender Fragestellung jene Unsicherheit zu beseitigen: «Wurden in der historischen Kettenhemdherstellung mehrere verschiedene Flechttechniken verwendet? Wenn ja, welche Vor- und Nachteile besassen die so gefertigten Kettenhemden?»
Im Verlaufe meiner Recherchen konnte ich beweisen, dass folgende drei Flechttechniken historische Verwendung fanden: die Keltische 6-in-1-Technik, die Europäische 4-in-1-Technik, und die Japanische 4-in-1-Technik. Dabei greifen 4 oder 6 benachbarte Ringe in einen Ring ein.
Von der keltischen 6-in-1-Technik gibt es nur einen einzigen Fund in der Schweiz. Die Europäische 4-in-1-Technik wurde schon von den Kelten verwendet, von den Römern übernommen und war von da an, wie es scheint, die einzige in Europa und dem Orient verwendete Flechttechnik. Die Römer begannen zudem damit, die einzelnen Ringe zu vernieten, was das Aufbiegen der Ringe erschwert, jedoch einen enormen Mehraufwand erfordert.
Die Japanische 4-in-1-Technik konnte ich nur in Japan nachweisen, wo sie weniger zur Herstellung ganzer Kettenhemden, sondern vor allem dazu verwendet wurde, einzelne Rüstungsteile miteinander zu verbinden.
Als Anschauungsbeispiele für die verschiedenen Flechttechniken und um ihre Vor- und Nachteile besser zu verstehen, fertigte ich im Rahmen der Maturaarbeit eine Kettenhaube nach Europäischer 4-in-1-Technik und kleinere Ringgeflechte nach den übrigen untersuchten Techniken an.
Dadurch konnte ich besser verstehen, weshalb sich die Europäische 4-in-1-Technik durchgesetzt hat: Die damaligen Kettenhemdschmiede Europas und des Orients entschlossen sich für eine Technik, welche zwar hohen Arbeitsaufwand erforderte (vor allem, wenn man die Ringe vernietete), diesen aber mit grosser Schutzwirkung, akzeptablem Ressourcenverbrauch und erträglichem Gewicht vergalt.
Der Neufund eines Panzerhandschuhs aus der Burgruine Hünenberg ZG. Ein Beitrag zur typologischen Entwicklung der mittelalterlichen Schutzbewaffnung im 14. Jahrhundert
Der bei Sondierungen auf der Burgruine Hünenberg inmitten eines Mauerschuttpaketes geborgene Panzerhandschuh kann aufgrund von Vergleichen mit archäologischen Funden und Bildquellen ins dritte Viertel des 14. Jh. datiert werden. Er ist somit einer der wenigen Harnischteile dieser Art in der Schweiz.
Aufgrund der Schriftquellen und der Datierung des bisherigen Fundbestands dürfte die Burg Hünenberg 1388 nach einem Gefecht zerstört worden sein, wobei der Panzerhandschuh von den Mauertrümmern verschüttet wurde.
Seine Konstruktion aus relativ wenigen Platten und Fingerfolgen, die direkt mit Nieten verbunden sind, veranschaulicht die allmähliche Vergrösserung der Platten und die damit einhergehende Versteifung der Panzerhandschuhe während des 14. Jh. Zudem dürfte er einer der frühesten Beispiele für die Verzierung von Panzerhandschuhen sein, die von der Konstruktion und der menschlichen Anatomie losgelöst sind.
Im Weiteren zeigt der Vergleich des Hünenberger Panzerhandschuhs mit jenen der Liegefigur des Ritters Hüglin von Schönegg (St. Leonhard, Basel) die methodischen Probleme, die beim Datieren von Harnischteilen anhand von vermeintlich exakt datierten Grabmälern auftreten können. Absolut datierte Funde sind deshalb nicht nur für die typologische Entwicklung von Harnischteilen von Bedeutung, sondern können auch zur Datierung von Bildwerken einen wichtigen Beitrag leisten.