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Grosse Champions sind auch keine guten Verlierer. Sie meistern die Situation nur besser als echte Verlierer. Dario Cologna ist dafür ein gutes Beispiel.
Am Sonntagnachmittag ein olympischer Held. Am Dienstagnachmittag ein gestürzter Titan. Dario Cologna schied im Sprint bereits im Viertelfinale aus. Weil er gleich zweimal stürzte. Die Gelegenheit, einen Champion in einer Zeitspanne von bloss 48 Stunden in Extremsituationen des Sportes zu erleben. Die Niederlage am Dienstag hat eher noch eindrücklicher als der sonntägliche Triumph gezeigt, warum Dario Cologna ein Champion ist.
Im Augenblick des grossen Sieges hatte er Emotionen, ja Tränen gezeigt. Aber bereits eine gute Stunde später schilderte er den Chronistinnen und Chronisten in einer ruhigen, bescheidenen Art seinen grossen Sieg. Die drei Medaillengewinner erzählen ihre Geschichte im Rahmen einer offiziellen Medienkonferenz in geordneten Verhältnissen in einem schönen, geheizten Konferenzraum.
Im Augenblick der grossen Enttäuschung war er ein guter Verlierer. Oder besser: Er hatte auch diese Situation unter Kontrolle. Kein Champion nimmt eine Niederlagen einfach so hin und die Geschichte vom guten Verlierer ist eine Mär. Aber es gibt souveräne Verlierer.
Die Verlierer haben nach ihrem Wettkampf das olympische «Medien-Spiessrutenlaufen» zu absolvieren. Beim Wettkampfgelände und in den Stadien gibt es eine sogenannte «Mix-Zone»: Der Weg der Athletinnen und Athleten vom Wettkampfgelände führt unerbittlich durch diese Zone. Zuerst an den TV- und Radio-Teams vorbei und anschliessend warten hinter dem Absperrgitter die Vertreterinnen und Vertreter des geschriebenen Wortes. Beim Langlauf im freien Gelände, im Schnee bei recht kühlen Temperaturen in eher unordentlichen Verhältnissen.
Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, eine Niederlage den Medien zu verkaufen. Die einfachste: Guten Ausreden, Hinweise auf äussere Einflüsse, die man nicht kontrollieren konnte. Was hätte sein können. Kurzum: Pech gehabt. Die anspruchsvollere Variante ist die Variante der Champions: Die Niederlage eingestehen, keine Ausreden. Kein «wenn und aber», kein «hätte und könnte».
Dario Cologna hat die zweite Variante gewählt. Die Enttäuschung war ihm anzusehen. Aber er blieb vor den hingestreckten Aufnahmegeräten in beeindruckender Art und Weise cool. Im gleichen sachlichen Stil wie zwei Tage zuvor seinen olympischen Triumph, so schildert er jetzt seine olympische Niederlage. Der erste Sturz sei noch nicht entscheidend gewesen. Der zweite aber schon. Und dann sagt er ausdrücklich und unmissverständlich, seine Stürze hätten nichts mit den schwierigen äusseren Bedingungen zu tun. Und hat Sinn für Selbstironie.
Dario Cologna hat 2010 in Vancouver beim Zieleinlauf des Rennens über 50 Kilometer bereits einmal durch Sturz Silber oder Bronze verloren. Damals sogar auf den letzten Metern. Er fiel auf den 10. Platz zurück. Auf den Einwand, nun habe er in Sotschi den olympischen Sturz schon hinter sich, sagt der Bündner: «Ja, gleich zwei. Nun bin ich gut abgesichert.»
Grosse Champions stehen auch nach zwei Stürzen in einem Rennen wieder auf. Die Spiele in Sotschi sind für Dario Cologna noch lange nicht gelaufen.