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„Mirror, Mirror, on the wall, who is the fairest of them all?“
Ich habe mich bereits in meiner Review zu Mirror Mirror darüber aufgeregt, dass Snow White and the Huntsman andauernd auf den Vergleich mit Tarsem Singhs Film reduziert wird. Das ist unnötig und unseriös, da die Filme zwei völlig unterschiedliche Konzepte verfolgen und es daher soviel Sinn macht, sie zu vergleichen, wie zu behaupten, dass Heath Ledgers Joker besser war als Jack Nicholsons. Mirror Mirror wäre die lustige, abgedrehte und bunte Jack Nicholson-Joker-Adaption, während Snow White and the Huntsman durchaus als düsteres Epos im Heath Ledger-Look bezeichnet werden darf. Das ist tatsächlich ein ziemlich bescheuerter Vergleich, aber ich denke I made my point clear.
Nach dem Tod seiner Frau heiratet König Magnus die hübsche Ravenna – doch diese spielt ein falsches Spiel mit dem König, und tötet ihn noch in der Hochzeitsnacht. Gemeinsam mit ihrem Bruder Finn reisst sie die Macht im Königreich an sich. Durch Zauber und Menschenopfer bleibt Ravenna immer jung, sodass sie ihr Reich während mehreren Jahren mit ihren magischen Kräften im Griff halten kann. Bis die Tochter von Magnus, Schneewittchen, die eigentlich als Menschenopfer für Ravenna vorgesehen war, fliehen kann, und Ravenna mit einer Armee entgegentritt.
Für Regisseur Rupert Sanders ist Snow White and the Huntsman der erste Film, und auch wenn ich grundsätzlich dafür bin, dass man neuen Gesichtern eine Chance gibt – hier war es ein Fehlgriff. Sicher, Sanders kann der Geschichte von Schneewittchen einige neue Twists entlocken, letztlich ist der Film aber eine zusammenhangslose und an den falschen Punkten gekürzte Erzählung des Märchens. Über grosse Strecken versagt das Storytelling, die Geschichte hüpft von einem Schauplatz an den anderen, ohne wirklich vorwärtszukommen. So dürfen wir regelmässig zusehen, wie Charlize Theron böse Dinge tut, aber irgendwann verliert auch das seinen Reiz, denn dass die gute Frau böse ist, hat sowieso nie jemand angezweifelt.
Klar, Theron macht einen guten Job und gefällt als Rabenmutter (badumm-tss). Das tun aber alle irgendwie, selbst Kristen Stewart, und dennoch kann niemand dem flachen Drehbuch das nötige Flair entlocken – am ehesten vielleicht noch die unter anderem von Nick Frost, Ian McShane, Eddie Marsan und Toby Jones verkörperten acht (sic!) Zwerge, die gerade in dem überkitschten und grässlich von Mononoke Hime abgekupferten Märchenland aufblühen können. Sie sind es auch, die den Film im Mittelteil etwas aus dem Sumpf, in den ihn Sanders gefahren hat, ziehen können, aber bis zum Ende reicht es nicht. Zu sehr überwiegt die Gleichgültigkeit und zeitweilige Dämlichkeit des Plots (Oh hallo, weisses Pferd!), die bestenfalls durchschnittlichen Zwerge und die Enttäuschung über die viel zu kurzen und uninteressanten Schlachtszenen.
Snow White and the Huntsman hat viele gute Ideen – nur überzeugt davon keine wirklich. Ein Drittel Alice in Wonderland, ein Drittel Disney und ein Drittel Mononoke Hime – eine Mischung, von der man annehmen könnte, dass sie funktioniert, es aber erstaunlicherweise nicht tut. In anderen Jahren würde ein solcher Film dennoch Millionen scheffeln, aber nicht in einem Sommer, in dem Diktatoren, Rächer und schwarzgekleidete Agenten zeigen, wo’s lang geht.