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Kander Simme Logbuch
von Liliane Waldner
Einführung in das Kander-Simme-Flusssystem
In meinem Projekt verfolge ich das Ziel, den Schweizer Flüssen mit einer Länge von mehr als 50 Kilometern entlang zu laufen. Das Kander-Simme-Flusssystem hat eine Eigenheit. Die Kander misst eine Länge von 46 Kilometern, die Simme jedoch von 53 Kilometern. Beim Zusammenfluss der beiden unterhalb von Wimmis nimmt der längere Flusslauf jedoch den Namen der kürzeren Kander an. Die Kander entspringt der mächtigeren Gletscherwelt mit Kanderfirn, Blümlisalpgletscher und „dominiert“ vermutlich aus diesem Grunde die Simme. Die Kander mündet im Thunersee und somit direkt im Aaresystem, die Simme rangiert als Kanderzulauf deshalb tiefer.
Logischerweise habe ich meinen Marsch entlang der Simme bereits bei der Kandermündung in Einigen begonnen und nicht erst ab der Simmen-Mündung in die Kander.
Die Kander entspringt auf etwa 2200 m.ü.M. beim Alpetli am Kanderfirn und mündet auf 558 m.ü.M. bei Einigen in den Thunersee.
Die Simme entspringt bei der Quelle Siebenbrünnen ob Lenk auf 1405 m.ü.M. und sie mündet auf 600 m.ü.M. unterhalb von Wimmis in die Kander.
Meine früheren Kander-Erlebnisse
Zur Kander habe ich ein ähnlich inniges Verhältnis wie zur Sihl. Zwischen 1970 und 1999 bin ich Dutzende Male in Kandersteg in den Ferien gewesen. Der Trauzeuge meiner Eltern besass in Kandersteg ein kleines Mehrfamilienhaus, dessen Wohnungen er als Ferienwohnungen vermietete. Der zu frühe Tod meiner Mutter war ein so starker Einschnitt, dass ich nicht mehr die Kraft aufbrachte, um nach Kandersteg zurückzukehren, zumal Ernst Roduner und seine Frau Lydia das Haus Ende 1999 altershalber verkauften.
Bei weniger gutem Wetter bin ich oft nach Frutigen hinunter und wieder zurück gelaufen. Auf der Wanderung zwischen Frutigen und Kandersteg sind die Tellenburg, der mächtige Eisenbahnviadukt bei Kandergrund sowie der Blausee die Attraktionen. Einmal nahm ich am Kandertaler Jagdschiessen teil und gewann einen Kranz. Der Bruder der früheren Skiweltmeisterin Annerösi Zryd instruierte mich beim Gebrauch des Stutzers.
Grandios ist die Kander oberhalb von Kandersteg. Häufig sind wir von Kandersteg via die imposanten Kanderfälle in das wild-romantische Gasterntal hinaufgestiegen und zum Weiler Selden gelaufen. Dort haben wir uns an Zwetschgenwähe mit Rahm und Kaffee erfreut. Das Gasterntal ist ein Bijoux der Natur, das kaum in Worte zu fassen ist. Es ist für mich das schönste Schweizer Tal. Zufällig trafen meine Mutter und ich auf eine Viper, die sich im Kiesbett sonnte.
Einmal brach ich von der Ferienwohnung auf und stieg bis zum Kanderfirn auf, wo die Kander entspringt. Bis Heimritz verläuft der Weg auf einer gekiesten Fahrstrasse durch das Gasterntal. Danach folgt der Bergweg bis zum Flurnamen Alpetli am unteren Ende des Kanderfirns, wo eine gigantische Gletscherwelt beginnt. Ich habe es jedenfalls so in Erinnerung, bin mir aber bewusst, dass sich der Firn in den letzten Jahren zurückgebildet haben könnte.
Diese Kandertouren habe ich noch in einer Frühphase meiner MS-Erkrankung unternommen. Neu wiederhole ich für die Website diese Touren und dokumentiere sie am Ende des Kander Simme Logbuchs.
23. September 2012: Einigen - Frutigen
Die Kander mündet etwas unterhalb der Postautohaltestelle Chanderbrügg bei Einigen im Naturschutzgebiet Chandergrien in den Thunersee. Von der Postautohaltestelle gehe ich zuerst ans Seeufer und blicke in das Kanderdelta hinüber. Das Delta liegt von dieser Seite in einem abgesperrten Naturschutzgebiet.
Danach gehe ich wieder zur Strasse hinauf und folge zuerst dem Wanderwegschild Richtung Einigen. Danach zweige ich nach Gesigen ab. Zuvor begebe ich mich kurz zur Strettlibrücke, die einen Tiefblick in die Kanderschlucht bietet. Nach Gesigen folge ich dem Weg zum Weiler Hani auf der anderen Seite der Autobahn und der Kander. Der Weg von dort geht zuerst Richtung Wimmis weiter und führt durch ein Auengebiet von nationaler Bedeutung. Der Pfad ist teilweise schmal, holprig und wegen des Regens vom Vortag nass. Gute Schuhe sind in einem Auengebiet vorteilhaft. Ich will den Zusammenfluss von Kander und Simme sehen.
Nach einiger Zeit treffe ich auf einen Einheimischen, der mir sagt, der Zusammenfluss sei nahe, aber ich dürfe mich wegen der Absturzgefahr nicht zu weit hinaus wagen. Ein dickes Stahlseil sowie ein etwas wackliger Holzhag halten die vorsichtigen Menschen davon ab, sich beim spektakulären Tiefblick auf die Flussvereinigung nicht zu weit an den Abgrund zu wagen. Bald danach steigt der Weg auf die Strasse hinauf und ich überquere die Simme, um nach Eifeld zu gelangen. Von dort oben erblicke ich das Schloss Wimmis auf der rechten Seite.
Ich will aber ins Kandertal und folge vor dem Bahnhof Eifeld auf Raten eines Einheimischen dem Radweg nach Frutigen. Ich habe die gelben Wanderwegschilder irgendwie verloren. Auf dem Radweg komme ich in hohem Tempo voran. Beim Weiler Matte setze ich mich auf eine Bank vor einem alten Haus und halte Teerast. Die Sonne vertreibt die letzten Nebelschwaden und als ich auf dem Radweg aus dem Schatten des Hauses trete, erhebt sich der Niesen hoch über mir. Er teilt Kandertal und Simmental.
Vor Mülenen vereinen sich im Bereich des Heustrich Radweg und Wanderweg. Heustrich ist auch der Name des nun folgenden Naturschutzgebietes entlang der Kander. Auch wenn ich oft mit dem Auto durchs Kandertal nach Kandersteg gefahren bin, lerne ich erst auf meinem Fussweg, dass es dort früher ein Bad Heustrich gegeben hat. Heute befindet sich eine Behinderteneinrichtung in diesen Gebäuden. Zwischen Mülenen, wo die Niesenbahn auf den Niesen fährt, und Reichenbach verläuft der Wanderweg etwas höher am Hang. Vor Reichenbach gelangt er wieder in die Nähe der Kander und von dort führt ein bequemer Kiesweg entlang des Dammes nach Frutigen. Durch das Kiental erblicke ich die weiss funkelnden Riesen der Blümlisalp-Gruppe. Im Bereich Schwandi ist die eingedämmte Kander renaturiert worden und darf sich etwas ausweiten. Am gegenüber liegenden Ufer steht ein Liebespaar im Uferkies und umarmt sich andauernd innig. Die Natur bricht in an diesem renaturierten Flussabschnitt offensichtlich durch. Gegen Frutigen weitet sich der Blick ins Kandertal, über dem Balmhorn und Altels thronen. In jungen Jahren stieg ich mit dem Bergführer Otto Stoller vom Schwarenbach auf das Balmhorn. Mit dem Tropenhaus hat Frutigen eine neue, empfehlenswerte Sehenswürdigkeit. Ich konnte dieses anlässlich einer Coop-Delegiertenversammlung besuchen. Auf dem Weg zum Bahnhof komme ich am Hallenbad vorbei, das ich mit meinen Eltern unzählige Male besucht habe. Die Erinnerungen von früher stimmen mich wehmütig.
Um etwa 09.40 Uhr bin ich bei der Chanderbrügg bei Einigen aufgebrochen und kurz vor 17.00 Uhr beim Bahnhof Frutigen angekommen. Sicher eine Dreiviertel-Stunde habe ich für die Besichtigung der Kandermündung in den Thunersee sowie des Zusammenflusses von Kander und Simme benötigt. Bis Eifeld musste ich bei manchen Wegabzweigungen die Karte konsultieren, denn die Wanderwegschilder zeigten nur Nahziele, aber keine Fernziele an.
Nach diesem Fussmarsch darf ich sagen, die Kander in ihrer gesamten Länge zu kennen. Bei meinen früheren Ferienaufenthalten in Kandersteg bin ich oft entweder nach Frutigen hinuntergelaufen oder nach Selden im Gasterntal. Einmal bin ich von der Ferienwohnung bis zur Kanderquelle beim Kanderfirn hochgestiegen.
Links:
http://www.tropenhaus-frutigen.ch/index.php
30. September 2012: Eifeld - Boltigen
Ich starte meine Tour ins Simmental in Eifeld. Dort bin ich letzten Sonntag ins Kandertal abgezweigt. Es nieselt und das Nieseln scheint zum wolkenverhangenen Niesen zu passen. Das Schloss Wimmis markiert den Eingang zum Simmental. Es ist heute Sitz der Bezirksverwaltung. Einmal im Monat finden öffentliche Führungen statt. In Wimmis komme ich an alten Bauernhäusern vorbei, die um ihre Geranienpracht eifern zu scheinen. Dort beginnt der Simmentaler Hausweg, der an den prächtigsten Simmentaler Häusern vorbeiführt. Durch die Zucht und den Export der Simmentaler Kühe kamen die Bauern in früheren Jahrhunderten zu Wohlstand und konnten sich stattliche Häuser leisten.
In Wimmis gelange ich wieder an die Simme und folge flotten Schrittes dem bequemen Uferweg bis nach Oey. Ich zweige nicht dort ab, wo das Wanderwegschild nach oben 35 Minuten nach Oey zeigt, sondern laufe nach Konsultation einheimischer Spaziergänger geradeaus. Vor Oey kreuze ich den Alpenbockweg. Der Alpenbock ist ein von der Natur schick dekorierter Käfer, den Spaziergänger mit genügend Beobachtungszeit und Glück entlang dieses Weges entdecken können. Eingangs Oey zieren Geweihe das Gebäude eines Gewerbebetriebes. Weidmanns Heil schiesst es mir durch den Kopf. Durch beginnt ein Diemtigtaler Hausweg, eine weitere Kategorie der Simmentaler Hauswege. Beim Dorfgasthof erinnert ein Transparent an den Schwingerkönig 2010 Kilian Wenger.
Zügig gelange ich von Oey nach Erlenbach. Bei der Steinibrücke nach Erlenbach packt eine Gruppe Deutscher Kanufahrerinnen und -fahrer ihre Ausrüstung nach einer Wildwassertour ein. Sie war laut einem Fahrer wunderbar. Der Weg steigt nun steil an. Die Simmengand erstreckt sich entlang der Simme. Der Weg wird zum Pfad, der über einen steilen, nassen und zum Teil aufgeweichten Grashang führt. Unten mäandriert die Simme. Ich bin froh um meine hohen Schuhe. Es zahlt sich aus, dass ich meine Fussgelenke täglich trainiere und in letzter Zeit begonnen habe, bei der Morgengymnastik auch etwas auf den Zehenspitzen zu laufen. Ich komme deshalb flüssig und trittsicher über den steilen Grashang. Danach verläuft der Weg wieder auf einem geteerten Fahrweg. Es nieselt wieder. So bin ich froh, beim Kloster Därstetten auf der Bank unter dem breiten Vordach der Kirche meine Teerast abhalten zu können. Die Klosterkirche wurde im Mittelalter erbaut und die noch erhaltenen Fresken sind sehenswert.
Von Därstetten geht es nach Weissenburg. Ich denke an das Weissenburger Citro in den Tagen meiner Jugend. Heilbad und Mineralwasserfabrik bestehen schon lange nicht mehr. In Weissenburg stosse ich auf Frauen, die mir sagen, sie hätten mich am Morgen schon in Wimmis gesehen. Sie sind erstaunt über die Distanz, die ich gelaufen bin. Es geht aber weiter. Bei einer Wirtschaft steigt der Weg Richtung Boltigen via Pfaffenried nach dem Spielplatz mit Rutschbahn zuerst steil an, verläuft danach wieder auf einem Fahrweg und steigt noch weiter an. Ich wundere mich, wenn das Pfaffenried kommt und bin auf eine weitere, feuchte Partie gefasst. Offenbar werden Pfaffen gerne als Flurnamen verwendet: Pfaffensprung (beim Kraftwerk Wassen), Pfaffenmoos (beim Schopfgraben zwischen Eggiwil und Schangnau) und nun das Pfaffenried.
Nach der Hinteregg beginnt ein schmaler Pfad, der wieder über feuchte, weiche Grashänge sowie moosige oder mit Wurzeln und Steinen versehenen Waldpfade führt. In einem Tobel rauscht ein Bach und die Holzbrücke darüber ist so schmierig-glitschig, dass ich mich mit beiden Händen am Geländer festhalten muss, um nicht einfach von der Brücke zu rutschen. Danach geht es einige steile Stufen hinauf, wo ein Fahrweg weiterführt. Immer noch kein Pfaffenried in Sicht! Ich beschleunige meine Schritte wieder und nähere mich einem Weiler mit gemütlichen, alten Holzhäusern. Dort mache ich auf einer Sitzbank meine Teerast. Der Bauch hätte an diesem meist trüben Tag gerne Kaffee und Meringue und würde ohne Halt nach Boltigen durchmarschieren, doch der Kopf sagt jetzt Teerast. Es sind noch 45 Minuten und wer weiss, was noch kommt. Der Rest stellt sich als bequem heraus. Allerdings fährt mir der Zug direkt vor der Nase ab. Dies ist der Preis, dass ich noch zwei kurze Fotohalte eingelegt habe. Bis zum nächsten Zug reicht es aber nicht, um gemütlich in der einzigen Gaststätte von Boltigen einzukehren. So beschäftige ich mich mit meinen Erinnerungen an Fahrten durch Boltigen, um von dort den Jaunpass zu überqueren. Im Bäderberg ob dem Jaunpass gibt es übrigens im Sonnenofen getrocknete Meringue, die mit frischem Alpenschlagrahm serviert werden.
Die Wegzeiten von Eifeld nach Wimmis sind mit 20 Minuten, von Wimmis nach Oey mit 1 Stunde 10 Minuten und von Oey nach Boltigen via Därstetten Chloster mit 4 Stunden 45 Minuten angegeben. Es gibt Einkehrmöglichkeiten am Weg in Wimmis, Oey, Weissenburg und Boltigen. Immer wieder lädt eine Sitzbank zur Rast ein.
Links:
http://www.wimmis-tourismus.ch/sehenswuerdigkeiten.htm
http://hauswege.ch/simmentaler-hausweg/
http://www.diemtigtal.ch/index.php?page=399&printview=1
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D459.php
6. Oktober 2012: Boltigen - St. Stephan
Es ist bei meinem Start in Boltigen kühl und sonnig. Auch hier fällt mir auf, wie stark die Holzwirtschaft im Simmental präsent ist. Ich überschreite wieder die Holzbrücke über die Simme und gehe Richtung Zweisimmen weiter. Das Auf und Ab entlang des schmalen Pfades im steilen, bewaldeten Hang entlang der Simme wärmt mich bald auf. Es scheint, dass ich mit zunehmendem Training immer etwas flüssiger über solche, mit Wurzeln und Steinbrocken versehene Pfade gelange. An einer steilen Steile muss ich mich über einen Drahtzaun schwingen. Ich bin froh, mich an einem Pflock festhalten zu können, um auf dem steilen Gelände darunter sicher Tritt zu fassen. Keine Gymnastik- und Therapieminute zu Hause ist überflüssig! Bei Reidenbach weitet sich der Weg zu einer bequemen, teils gekiesten, Fahrstrasse. Gegenüber steigt die Passstrasse in Spitzkehren Richtung Jaunpass auf. Früher bin ich mit meinem Auto gerne über den Jaunpass gefahren. Als Automobilistin habe ich Spass an Passfahrten gehabt und ich fuhr noch vor meiner Fahrprüfung im eigenen Auto bereits über den Brünig.
Bei Garstatt überquert der Weg die Simme und die Kantonsstrasse. Ein blauer Kleinwagen hupt und die Insassen winken mir heftig zu. Es geht viel zu schnell, als dass ich erkennen kann, um welche Leute es sich handelt, die mir zuwinken. Der Weg steigt bei einem Tobel an und führt über Weiden. Aus einer Gruppe von Kühen kommt mir eine gehörnte Kuh entgegen und pflanzt sich auf dem Wanderweg vor mir auf. Da in den Medien so einiges über Kühe und Wandersleute steht, gehe ich ihr behutsam entgegen und halte kurz vor ihr. Sie mustert mich. Sie ist offenbar die Chefin hier. Ich begrüsse sie: Salü Du, wie kommen wir aneinander gut vorbei? Aus ihr dringen leise Geräusche. Sie begutachtet mich weiter. Dann schreitet sie an mir vorbei und signalisiert damit ihr Einverständnis für meine Anwesenheit. Ich marschiere weiter und die anderen Kühe verlassen ebenfalls den Wanderweg.
Bei Grubenwald unten weitet sich das Tal und gibt die Sicht Richtung Zweisimmen frei. Eine Tafel zeigt an, dass der Weg den Burgenweg Zweisimmen kreuzt. Oben muss die Burg Mannenberg liegen. Ich folge den Simmenuferweg Richtung Zweisimmen, passiere die ARA und kurz darauf den Forellensee. Danach gelange ich rasch zur Mündung der kleinen Simme in die Simme. Damit erklärt sich der Begriff „Zweisimmen“. Hier fliessen die zwei Simmen zusammen. Die kleine Simme entspringt dem Tal rechts von mir unterhalb von Saanenmöser. Der „grossen“ Simme folge ich links geradeaus von mir Richtung Quelle. Zuerst muss ich über das Holzbrücklein über die kleine Simme gelangen. Beim Zusammenfluss befinden sich zwei Sitzbänke. Die Sonne wärmt den Rastplatz und beleuchtet das sich färbende Laub der Bäume. Zeit für meine Teerast!
Danach marschiere am Flugplatz vorbei. Die Pilotinnen und Piloten sitzen auf der Terrasse einer Baracke zum Mittagessen. Einige kleine Maschinen warten auf dem Feld. Der Weg überquert danach nochmals die Simme und steigt nach Blankenburg auf. Ich erblicke weit hinten im Obersimmental den Wildstrubel sowie den Glacier de la Plaine Morte. Den Wildstrubel bestieg ich in jungen Jahren mit Bergführer Otto Stoller vom Schwarenbach. Nach dem sonnig gelegenen Blankenburg überquert der Weg wieder Kantonsstrasse und Simme und setzt sich in einem Wald fort. Die Landschaft erscheint an diesem sonnig, milden Herbsttag lieblich. Ich geniesse den Moment in vollen Zügen. Im diesem Wald könnten zur richtigen Zeit Heidelbeeren gepflückt werden. Ich muss mir das merken. Nach Ried stösst der Weg wieder an die Simme und danach ist es nicht mehr weit zu meinem Tagesziel St. Stephan. Ich darf heute um 18 Uhr zum Freiwilligen-Nachtessen in das Ortmuseum Albisrieden und mache am Tag danach bei der Moschtete mit, weshalb meine Tour bereits um 14. 30 Uhr beendet wird.
Zu den Wanderwegzeiten: Sie sind für mich gemäss der Beschilderung nicht schlüssig. Ich bin um 9.15 in Boltigen angekommen und nach einem Fotohalt zur Dokumentierung der Holzwirtschaft abmarschiert. Ankunftszeit in St. Stephan ist 14.30 Uhr. Bei der Simmenvereinigung habe ich eine halbe Stunde gerastet und fotografiert. Dazwischen kamen kurze Foto- und andere technische Halte.
Einkehrmöglichkeiten entlang des Weges gibt es in Blankenburg und Ried, Wunderschön hergerichtet und mit Holz ausgerüstet sind die beiden Rastplätze zwischen Blankenburg und St. Stephan. Auch heute habe ich nur im Kopf Meringue gegessen.
Links:
http://www.burgenweg.ch/
20. Oktober 2012: St. Stephan - Siebenbrunnen
Der sommerliche Herbsttag mit Fernsicht ist für den Marsch an die Quelle goldrichtig. Meine Schmerzen rechts vom Kreuz sind vorüber. Ich habe das Problem mit meiner Therapeutin angegangen. Vermutlich habe ich bei meiner Schlussübung im Gymnastikprogramm den Muskel überdehnt, so dass es dort manchmal etwas geknackt hat. Ich nenne sie die „Denise-Biellmann-übung“. Ich stehe auf einem Bein und ziehe die Ferse des anderen Fusses mit der Hand zum Gesäss hinauf. Natürlich schaffe ich es nicht wie Denise Biellmann oder eine Ballett-Tänzerin, den Fuss bis zum Kopf hinauf zu ziehen. Die Therapeutin zeigt mir, wie ich diese übung einwandfrei ausführen kann. Die Brust muss raus, der Bauch rein und der Po etwas angespannt sein. Dabei muss ich darauf achten, kein hohles Kreuz zu erhalten. Es ist eine anspruchsvolle Koordinationsübung, kombiniert mit einer Muskeldehnung am Oberschenkel. Nur tägliches, unaufhörliches üben bringt es!
Von St. Stephan führt der Weg zuerst an der Flugpiste vorbei. Sie wurde bis 1999 von Kampfjets der Flugwaffe benutzt. Heute sind einige Knaben und Männer dort, um ihre Modellflugzeuge in die Luft zu bringen. Ich laufe deshalb dem Rollweg entlang, neben dem Kühe weiden. Der Wanderweg kann bis Schadauli als rollstuhlgängig bezeichnet werden. Vor Matten kreuze ich eine Rollstuhlfahrerin mit ihrem Begleiter. Rasch taucht Lenk auf. Dort sind einige Häuser etwas grösser und mit mehr Steinen versehen als in den anderen Orten des Simmentals. Wäre die traditionelle Holz-Bauweise, der sich auch neue Bauten einzufügen haben, in allen Bergebieten so strikt gepflegt worden wie im Simmental, hätte die knapp angenommene Zweitwohnungsinitiative kaum Chancen gehabt.
Nahe des Bahnhofes von Lenk komme ich am Hotel Wildstrubel vorbei, in das meine Gotte früher gerne gegangen ist. Zuletzt habe ich sie und meine Cousine Gisela mit dem Auto nach Lenk gefahren und von dort wieder nach Winterthur zurückgebracht. Eben und leichtfüssig geht es bis zu den Simmentalfällen weiter. Unterwegs schaue ich nahe der Rohrbachbrücke den Hornussern zu. Schilder der Alpkultur Simmental erläutern auf dem Wanderweg die Berglandwirtschaft.
Die Simme muss sich zwischen dem Rezliboden und dem Talbeginn Richtung Lenk durch eine Schlucht zwängen und stürzt über rauschende Kaskaden hinab. Ein erster guter Aussichtspunkt liegt hinter dem Restaurant Simmenfälle und ein zweiter bei der Barbarabrücke. Schilder erläutern auf dem Rezlibergweg die Geologie und Geschichte. Der breite Weg steigt steil bis zur Rezlialp an. Unterwegs erheischt die weisse Birgflue Aufmerksamkeit, die das Heim vieler Vögel darstellen soll. In der Rezlialp weitet sich das Tal wieder zu einem von hohen Wänden umgebenen Kessel. Die Sonnenstrahlen erreichen wieder den Grund. Auf der Rezlialp steht das Siebenbrunnen-Restaurant. Von dort sind es noch wenigen Minuten bis zu Siebenbrunnen, der Quelle der Simme. Die Simme tritt aus Karstfelsen in einem Bündel von Strömen aus dem Untergrund heraus. Das Simmenwasser wird vom weiter oben liegenden Glacier de la Plaine Morte gespiesen.
Ich schliesse mich der Gästeschar auf der Terrasse des Restaurants an und komme endlich zum verdienten Meringue mit Kaffee. Meringue mit frischem Alpenrahm gehört zum Berner Oberland. Bei der Alpwirtschaft kann ich Alpkäse mit der Bio-Knospe kaufen.
Nach dem Z’Vieri trotte ich langsam zum Restaurant Simmenfälle hinunter, wo mich der Bus zum Bahnhof führt. Unterwegs unterhalte ich mich mit einem Ehepaar, das etwas Besonderes sammelt: Erdhäufchen, die die Würmer auf dem Waldboden bilden. Sie nutzen diese, um zu Hause die Erde des Gartens sowie von Topfflanzen mit nährstoffreicher Erde anzureichern. Es ist ein Ersatz für die Torferde. Ich lobe das Paar für ihre Super-Idee und erkläre ihnen, dass Coop keine Torferde mehr verkauft, weil das Stechen von Torf die Moorlandschaften zerstört. Die Frau sagt, dass Erde aus Wurmhäufchen auf einem regionalen Raritätenmarkt für sieben Franken das Kilo angeboten würden. Da lohne es sich, diese unterwegs selber zu sammeln.
Der gemütliche Abstieg bietet Musse, um über die Kander und Simme zu sinnieren. Die Simme ist ein lieblicher Fluss und erscheint mir sanfter als die Kander mit ihren urtümlichen, wuchtigen Kanderfällen und Bergmassiven. Die sanftmütige Simme darf allerdings nicht unterschätzt werden, wie ein Wegschild auf dem Abstieg zeigt. Dort hat die Simme bei einem Hochwasser ein Waldstück weggerissen. Die Kander hat mit ihren Zuflüssen aus dem üschinental, dem Oeschinensee, dem Frutig- und Kiental mehr auf der Brust als die Simme. Dies mag der Grund sein, weshalb die kürzere Kander den Namen nach der Simmeneinmündung bis zum Thunersee trägt.
Gemäss Wegschildern beträgt die Zeit St. Stephan - Lenk 1 Stunde 40 Minuten und von Lenk bis zur Quelle Siebenbrunnen 2 Stunden 15 Minuten. Einkehrmöglichkeiten unterwegs gibt es in Lenk, bei den Simmenfällen sowie auf dem Rezliberg. Es bestehen ferner Rastplätze auf der Strecke, ein besonders schön gelegener bei Siebenbrunnen.
Links:
http://www.alpkultur.ch/
16. September 2017: Frutigen - Kandersteg:
Es ist für die Komplettierung dieser Website eine Reise in die Vergangenheit, weil ich früher bei trübem Wetter ungezählte Male von Kandersteg nach Frutigen und wieder hinauf in die damalige Ferienwohnung gelaufen bin. Start ist beim Bahnhof Frutigen. Die Wegzeit wird mit drei Stunden 30 Minuten angegeben. Danach geht es über das Gleisfeld zur Kander. Ihrem Flussweg kann gut gefolgt werden. Eine Alternative wäre der je nach Angabe bis fünf ein Viertel Stunden dauernde Eisenbahnweg.
Am Anfang stehen zwei markante Blickfänge in der Landschaft: die Tellenburg und dahinter der Eisenbahnviadukt der alten Lötschberglinie. Bis zum EW bei Kandergrund ist der Weg asphaltiert. Balmhorn und Altels sind jetzt im Blickfeld. Danach steigt ein breiter Naturweg steil an und der Naturpark Blausee ist bald erreicht. Heutzutage wird im Gegensatz zu früher eine Parkgebühr verlangt. Dafür sind zum Hotel Grillplätze und ein Alpaka-Gehege hinzugekommen.
Oberhalb des Blausees ist das Flussbett naturnah. Noch weiter oben kommen die Felswände rechts näher. Ich probiere aus und kann ein Echo auslösen. Früher bin ich durch die Landschaft gerast und habe für solche Dinge keine Zeit gehabt. Noch sind einige Kehren zu steigen, bis der Weg vor der Höh ins Bahnhofgebiet hinuntergeht. Er quert eine Unterführung und danach kann ich parallel zur Kander und Eisenbahn zum Bahnhof gehen. Wie früher kaufe ich Käse beim Käseladen Hari, trinke Kaffee beim Café Marmotte und werfe vor dem Gang zum Bahnhof noch einen Blick auf das Haus, in dem ich während so vieler Jahre in den Ferien war.
Links:
https://www.blausee.ch/de/naturpark/naturpark/