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22. August 2013
Gestern habe ich über die – nicht mehr so neuen – Suchmöglichkeiten im DWDS geschrieben. Auch im Bereich Präpositionen bietet das Wortprofil neue Zugänge. Zwar kann man sich die Nominalgruppen, die von einer bestimmten Präposition abhängen, nicht direkt anzeigen lassen. Wenn man eine Präposition wie auf nachschlägt, werden Verben präsentiert, die oft zusammen mit dieser Präposition auftreten. Das Anschauen der Beispiele ist in diesem Fall aber sehr wichtig, da in der Wolke sowohl Verben mit Präfix als auch solche mit Präposition aufgeführt sind. Man kann aber auch von einem Verb ausgehen (zum Beispiel lernen) und dann auf “hat Präpositionalgruppe” klicken. Im eigentlichen Wörterbucheintrag ist keine Präposition angegeben, in der Wortwolke findet man dann verschiedene Beispiele (evtl. auch noch mit dem Regler rechts im Kasten spielen, um auch weniger häufige Beispiele zu sehen. Beispiele
- an der Hochschule/Schule/ Uni
- als Jugendlicher, als Erwachsener, als Fremsprache
- auf einer Reise (z.T. auch kennen lernen)
- aus Fehlern, aus der Geschichte, aus der Vergangenheit, aus einer Niederlage, aus Erfahrungen, aus Büchern lernen
- bei ihm, bei uns, bei seinem Vater
- fürs Leben, für Prüfungen
- im Kindergarten, in der Ausbildung, in Gruppen, in der Jugend, im Alter, im Unterricht, in der Schule
- mit einem/dem Computer, mit deren/der Hilfe
- unter Anleitung
- von der Mutter, vom Vater, von Lehrern
Eine so lange Liste ist eher ungewohnt. “Lernen” gehört normalerweise nicht zu den Verben, die auf Präpositionenlisten aufgeführt werden. In den EM-Grammatik (S. 195) kommt lernen nur mit Akkusativobjekt vor und auch in Klipp und Klar. Übungsgrammatik Mittelsufe B2/C1 (228) und im “Lehr- und Übungsbuch der deutschen Grammatik von Dreyer-Schmitt (S. 78-80) ist lernen nicht bei den Verben mit Präpositionen aufgeführt.
In der “Einführung in die deutsche Sprache der Wissenschaften“, S. 32 findet man hingegen eine ganze Reihe von Präpositionen zu lernen, nämlich aus, bei, durch, nach, aus, über, von. Der Kasus zur Präposition ist angegeben, aber kein Beispiel oder irgend eine andere Form von Erklärung, was die Liste nicht besonders nützlich macht.
Dass die Lernergrammatiken sich auf eine Auswahl typischer Verben mit fester Präposition beschränken ist verständlich (obwohl die Auswahlkriterien mir nicht immer klar werden). Aber wie sieht es in Wörterbüchern aus? In den beiden Lernerwörterbüchern, die ich gerade zur Hand hatte, wird das sehr unterschiedlich gehandhabt. Im Wahrig Grosswörterbuch Deutsch als Fremdsprache von 2008, S. 653 werden bei den Beispielen zu lernen folgende Beispiele mit einer Präposition aufgeführt :
- bei ihm habe ich viel gelernt
- aus der Erfahrung, aus seinen Fehlern lernen
- bei einem Tischler lernen
- sie muss noch für die Schule lernen
- die Mutter lernt jeden Tag mit ihm
- er hat es von seinem Vater gelernt
Im Wörterbuch Deutsch als Fremsprache von De Gruyter sind es hingegen nur “von ihm kannst du viel lernen” und “aus den Erfahrungen lernen”.
Im Vergleich zu diesen klassischen Informationsquellen zum Gebrauch der Präpositionen bietet das DWDS also viel mehr. Das ist meiner Meinung nach einerseits allgemein für Lehrende und andererseits für Lernende vor allem als Ressource für das Schreiben nützlich. Wenn man schon relativ gut Deutsch versteht, aber im Formulieren noch unsicher ist, bietet das DWDS eine gute, weil nach grammatischen filterbare Übersicht über die möglichen Partner eines Wortes. Viele Lernende benutzen zum Klären solcher Fragen schon Angebote wie Linguee oder einfach nur eine Suchmaschine wie Google, aber die linguistische Aufbereitung des DWDS eröffnet viel genauere Suchoptionen und kann auch besser für die Wortschatzarbeit eingesetzt werden (da man z.B. nach typischen Adjektiven zu einem bestimmten Substantiv suchen kann).
Natürlich kann die Wortwolke auch zu viel Informationen liefern und überfordern. Eine gewisse Hilfe bieten die verschiedenen Schriftgrössen. Wenn man im Unterricht mal eine halbe Stunde einsetzt, um das Wörterbuch erkunden zu lassen und zu thematisieren, welche Einsatzmöglichkeiten es gibt und welche Informationen wozu taugen, ist das sicher hilfreich.
Andererseits ist die Fülle an Information eben auch eine gute Ergänzung, zu den Materialien, die die Lernenden vermutlich schon benutzen und in der Regel eher wenige Präpositionen pro Verb anführen und aus Platzgründen auch wenige Beispiele machen. Denn auch die Lernenden selber stossen immer wieder an die Grenzen von Listen und fragen, warum zum Beispiel in einem Text sprechen mit stehen kann, wenn auf der Liste doch nur sprechen von und über aufgeführt sind.
Eine saubere Aufteilung in freie und obligatorische Präpositionalgruppen ist für Lernende, die Texte schreiben wollen oder müssen meiner Meinung nach weniger wichtig als gut aufbereitete und filterbare, authentische Beispiele sowie Lehrpersonen, die sie bei der Arbeit mit solchen Ressourcen unterstützen können.