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Die Diözese von Lausanne, Genf und Freiburg umfasst Gebiete, die ursprünglich zu zwei Diözesen gehörten: jene von Lausanne und jene von Genf. Das Territorium dieser Diözesen hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark entwickelt und umfasst heute vier Westschweizer Kantone: Waadt, Genf, Freiburg und Neuenburg. Mit der Erhebung der Stiftskirche Sankt Niklaus von 1924 zur Kathedrale hat die Diözese ihre heutige Bezeichnung erhalten, ihr Territorium ist seit 1864 dasselbe. Die Diözese von Lausanne, Genf und Freiburg hängt direkt vom Heiligen Stuhl ab.
Der erste Bischofssitz der schweizerischen Hochebene (Civitas Helvetiorum) wurde im 3. Jahrhundert in Windisch errichtet, dann nach Avenches verlegt, worauf Bischof Saint Maire ihn Ende des VI. Jahrhunderts in Lausanne festlegte. Die Diözese von Lausanne war bis ungefähr im Jahr 600 der Suffraganbischofssitz des Erzbistums von Lyon und dann bis 1801 des Erzbistums von Besançon. Im VII. Jahrhundert umfasste die Diözese Lausanne ein Gebiet, das sich von den Ufern des Genfer Sees (zwischen Aubonne und Eau-Froide im Wallis) an die Ufer der Aare bis nach Solothurn und Erguel erstreckte. Dies erklärt, warum ihr die Stadt Bern bis zum Jahre 1864 angehörte.
Nach der Reformation im Waadtland flüchtete Bischof Sébastian de Montfaucon 1536 nach Savoyen. Bis 1613 residierten die Bischöfe teilsl in Savoyen, teils mal in Besançon, von wo aus sie den katholisch verbliebenen Teil der Diözese leiteten und häufig pastorale Besuche durchführten. Eine zwischen dem Episkopat von Jean Doroz und Jean de Watteville 1614 erarbeitete Übereinkunft wurde zwischen Rom und dem Staat Freiburg unterzeichnet. Sie erlaubte die Niederlassung eines Bischofs in Freiburg, ohne jedoch eine Kathedrale zu «besitzen». Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden zwei nebeneinander liegende Häuser (die Nummer 106 und 105 der Lausannegasse) erworben, um dort die offizielle Bischofsresidenz einzurichten. Unter Leitung des Freiburger Architekten Joseph de Raemy wurde 1846 das Haus, dessen Eingang heute an der Lausanne-Gasse 86 liegt, zusammengelegt.
Die Gründung der Diözese von Genf ist im 4. Jahrhundert auf die Bischöfe von Vienne (Frankreich) zurückzuführen. Die Diözese setzte sich aus der Stadt und den Gebieten zusammen, welche von ihr abhingen, sowie den sardischen und angrenzenden französischen Gebieten (davon ein grosser Teil von Savoyen und Teile von Nyon). Nach der Reformation liess sich der Bischof 1564 in Annecy nieder. Während der Neueinteilung der französischen Diözesen durch Pius VII im Jahr 1801 nahm der Bischof von Chambéry den Titel des Bischofs von Genf an. Allerdings nicht für sehr lange: 1821 wurde dieser Titel Lausanne zugeteilt, denn 1819 war das Territorium der Republik Genf, das seit 1815 zur Schweiz gehörte, bereits administrativ der Diözese Lausanne zugeteilt. Die 1873 erfolgte Ernennung von Mgr. Mermillod, Weihbischof seit 1864, zum apostolischen Vikar von Genf, änderte die bischöfliche Jurisdiktion, jedoch nicht die Grenzen der Diözese. 1883 wurde Mgr. Mermillod zum Bischof der Diözese von Lausanne und Genf ernannt, was deren Einheit bestätigte.
Seit 1819 ist das Gebiet der Diözese von Lausanne und Genf nahezu unverändert geblieben, abgesehen von der Angliederung von Berner Regionen an das Bistum von Basel in den Jahren 1828 und 1864.
Mgr. Besson war seit der Erhebung von der Stiftskirche St. Nikolaus zur Kathedrale von 1924 der Erste, der den Titel des Bischofs von Lausanne, Genf und Freiburg tragen konnte. Nach seinem Tod 1945 folgte ihm Mgr. François Charrière (1893–1976), der aus Altersgründen 1970 seinen Rücktritt erklärte. Mgr. Pierre Mamie (1920–2008), der seit 1968 sein Weihbischof war, wurde am 30. Dezember 1970 zum Bischof der Diözese ernannt. Das grosse Ereignis am Anfang seines Episkopats war die Einberufung der Synode 72 (1972–1975), die wie in den anderen schweizerischen Diözesen die Beschlüsse und Empfehlungen des Zweiten Vatikanischen Konzils umsetzen sollte. Mgr. Amédée Grab OSB (1930 geboren) folgte Mgr. Mamie 1995. Nebst den anderen pastoralen Initiativen leitete er die diözesane Versammlung AD 2000 in die Wege. 1998 wurde Mgr. Grab an die Spitze der Diözese von Chur ernannt.
Sein Nachfolger, Mgr. Bernard Genoud (1942–2010), wurde am 16. März 1999 zum Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg ernannt und führte die pastorale Reflexion seines Vorgängers fort, indem er am 4. Juni 2000 die Berichte der Diözesanversammlung AD 2000 anlässlich eines Treffens der Diözese in Freiburg veröffentlichte. Zudem setzte er 2001 den diözesanen Pastoralrat (CPAD) ein, der aus Delegierten der ganzen Diözese besteht. Nach längerer Krankheit verstarb er am 21. September 2010.
Unser derzeitiger Bischof, Mgr. Charles Morerod OP (geb. 1961), wurde am 3. 11. 2011 von Papst Benedikt XVI. ernannt und am 10. 12. 2011 in der Kathedrale St. Nikolaus in Freiburg während einer Feier unter dem Vorsitz von Kardinal Georges Marie Cottier zum Bischof geweiht.
Quellen:
- Archive des Bistums von Lausanne, Genf und Freiburg Helvetia Sacra: Archidiocèses et diocèses III. Le diocèse de Genève. L’archidiocèse de Vienne en Dauphiné, von Louis Binz, Jean Emery und Catherine Santschi, Hrsg. Jean-Pierre Renard, Bern 1980
- Helvetia Sacra: Archidiocèses et diocèses IV. Le diocèse de Lausanne (VIe siècle-1821), de Lausanne et Genève (1821–1925) et de Lausanne, Genève et Fribourg (depuis 1925), von einer Gruppe von Autoren, Hrsg. Patrick Braun, Basel/Frankfurt am Main 1988
- Pierre de Zurich: La maison bourgeoise en Suisse. Le canton de Fribourg sous l’Ancien Régime, Band 20, Seite 58, Zürich und Leipzig, 1928 (für das derzeitige Bischofshaus)