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Anfänge. Die Anfänge des alten Israel sind historisch schwierig zu fassen. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass die wichtigste Quelle, das so genannte „Alte Testament“ (besser „Tanach“, die hebräische Abkürzung der drei Hauptteile des Werks), vor allem Traditionsliteratur ist. Der Tanach entstand über eine Zeitperiode von ungefähr 800 Jahren und ist im Wesentlichen ein auf früheren Quellen basierendes Zeugnis aus der Zeit der Perser (550- 330). Zum andern reichen ausserbiblische und archäologische Zeugnisse zumeist nicht aus, um ein klares Bild von der Anfangsgeschichte der Hebräer (Israeliten) zu zeichnen. Der Name „Israel“ ist zum ersten Mal auf einem ägyptischen Dokument, der Mernephta-Stele, aus dem Jahr 1208 belegt. Der jüdische Volksheld Moses ist historisch kaum fassbar.
Die Hebräer gehen auf die kanaanäische Unterschicht (Bauern und Hirten) zurück, die während und nach dem Zusammenbruch der ägyptischen Herrschaft in der Provinz Kanaan im Laufe des 12. Jh.s die Bergländer beiderseits des Jordans besiedelten und dort erst Stämme, später Königtümer bildeten.
Es wird unterschieden zwischen der Zeit der Richter (1150-1000), der Entstehung der Monarchie (1000-930: Könige David und Salomon) sowie der Zeit der getrennten Reiche Israel im Norden (bis 720) und Juda im Süden (bis 587/586).
Gemäss der orthodox-jüdischen Tradition hat Moses am Sinai/Horeb von Gott die Thora wie auch die mündliche, erst in rabbinischer Zeit verschriftlichte Lehre empfangen.
Babylonisches Exil und Zeit des Zweiten Tempels. Die Eroberung Jerusalems durch die Babylonier (Nebukadnezar) im Jahre 587/586 und die Deportation der judäischen Oberschicht nach Babylon brachten für Juda nicht nur das Ende der Monarchie mit sich, sondern fielen auch mit einer religiösen Neuausrichtung zusammen. Diese wurde derart grundlegend, dass das 6. Jh. und dann auch das 5. Jh. (Esra und Nehemia) zumeist als Scharnier zwischen dem alten Israel und dem Beginn des Judentums verstanden wird. So entwickelte sich der jüdische Glaube an einen Gott in jener Zeit zu einem andere Götter ausschliessenden Monotheismus. Das babylonische Exil markiert überdies auch den Beginn der jüdischen Diaspora, in Babylonien und bald auch anderen Gegenden (Ägypten).
Noch im 6. Jh. konnte, nachdem der Perserkönig Kyros Babylon eingenommen hatte, der Jerusalemer Tempel wieder errichtet werden.
Die sich hier anschliessende Epoche wird als Zeit des Zweiten Tempels bezeichnet. Die Eroberungszüge Alexanders des Grossen im Vorderen Orient brachten die Juden in Judäa wie auch in der Diaspora in engen Kontakt, aber auch Kontrast zur hellenistischen Kultur. Der erfolgreiche Aufstand der Makkabäer im 2. Jh. wurde zu einem prägenden Ereignis für die (Religions)Geschichte des Judentums.
In römischer Zeit gelang Herodes dem Grossen (37-4) der Aufbau eines beträchtlichen Vasallenkönigtums, verbunden mit einer ausserordentlichen Bautätigkeit, im Rahmen derer auch das Jerusalemer Tempelareal neu gestaltet wurde. Die Zeit des Zweiten Tempels endet mit der Eroberung Jerusalems durch die Römer im Jahre 70 n.
Rabbinische Zeit. Die sich anschliessende Epoche wird als rabbinische Zeit bezeichnet, auch wenn das rabbinische Judentum nicht vor dem dritten Jahrhundert normativ gewesen sein dürfte. Das anfängliche Zentrum unmittelbar nach Kriegsende findet sich unter Anleitung von Jochanan ben Zakkai in Jabne, nach dem verlorenen Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer (132-135 n.) und dem Verbot, Jerusalem zu betreten, in Galiläa. Dort wird um ca. 200 n. von Jehuda Ha-Nasi (Rabbi) das für das Judentum grundlegende religionsgesetzliche Werk, die Mischna, verfasst. Darauf aufbauend entwickelt sich im 5. Jh. n. der so genannte Jerusalemer Talmud, etwas später im Reich der Sassaniden der für das Judentum dann wegweisende Babylonische Talmud. Diese Verschriftlichungen fallen so zeitlich ungefähr zusammen mit jener der christlichen Rechtstexte Codex Theodosianus und Codex Iustinianus. Letztere bringen auch antijüdische Gesetze und Eingriffe in den jüdischen Kult mit sich.
Religionshistorisch ist die rabbinische Zeit geprägt von einem Rückzug aus dem Politischen und einer Umpolung vom Ritual zum Studium. Kaiser Julians Versuch, Ende des 4. Jahrhunderts den Jerusalemer Tempel wiederaufzubauen, blieb erfolglos.
Mitunter wird die Eroberung Jerusalems durch die Araber im Jahre 638 n. als Epochenende und Beginn des jüdischen Mittelalters verstanden. Zur rabbinischen Zeit ist aber auch noch das Wirken der Geonim, der Leiter der rabbinischen Akademien in Babylonien und Palästina, zu rechnen. Dieses kommt im 11. Jh. an beiden Orten zu einem Ende.
René Bloch, Enable JavaScript to view protected content.
Literatur
Klaus Bringmann, Geschichte der Juden im Altertum. Vom babylonischen Exil bis zur arabischen Eroberung, Stuttgart 2005. Israel Finkelstein/Neil Asher Silberman, Keine Posaunen vor Jericho : die archäologische Wahrheit über die Bibel, München 2002. Konrad Schmid, Literaturgeschichte des Alten Testaments. Eine Einführung, Darmstadt 2008. Günter Stemberger, Das klassische Judentum. Kultur und Geschichte der rabbinischen Zeit, München 2009.
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