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Tagesbericht vom 18.02.2002
Erst gestern Abend haben wir realisiert, dass die Zeit in Benin gegenüber Burkina Faso um eine Stunde verschoben ist. Bobo stört das überhaupt nicht, denn er stellt seine Uhr prinzipiell nie um. Spielt auch keine Rolle, bei uns ist Zeit nicht gleich Geld. Wir schlafen trotzdem lang genug. Doch dann geht es los. Liseli ist schon ganz nervös. Wie soll die Reise jetzt weitergehen? Wird das mit dem Verschiffen von Sir James klappen? Wir konsultieren im Hotel das Internet. Die Internetadresse von Maersk Sealand haben wir ja in Ouagadougou ausfindig gemacht. Bei dieser Gelegenheit übermitteln wir Reto unsere neuesten Reiseberichte samt einer Foto von einem Flusspferd (weil wir auf dieses Foto so stolz sind und weil man vom Flusspferd so wenig sieht). Dank einer grossen Reklametafel von Maerks finden wir deren Büro auch relativ schnell. Wir werden von einem jungen ‚Assistant Commercial' betreut. „Ja, ja, eine Verschiffung von Cotonou aus ist möglich, entweder nach Walvis Bay (Namibia) oder nach Cape Town (Südafrika).“ Die Schiffe fahren wöchentlich. Der Spass kostet ca. USD 1'600. Das tönt alles super. Wir sind erleichtert. „Wann geht das nächste Schiff?“ „In einer Woche.“ Das geht noch, denken wir. „Und wann kommt es in Walvis Bay oder Cape Town an?“ „Die Schiffsreise dauert 33 respektive 38 Tage.“ Waaaas??, so lange? Wir glauben, uns verhört zu haben. Das kann doch nicht wahr sein. Das würde bedeuten, dass wir circa 1 ½ Monate (etwa so lange, wie wir jetzt seit unserer Abreise im Dezember unterwegs sind) ohne Sir James reisen oder sonst etwas unternehmen müssten. Der Assistant klärt uns auf: „Die Schiffe fahren alle von den verschiedenen Häfen der Westküste Afrikas zuerst nordwärts nach Algeciras (Spanien) und von dort südwärts ‚nonstop' nach Walvis Bay und weiter nach Cape Town. Nein, eine andere Möglichkeit sehe er nicht, meint er. Netterweise gibt er uns noch die Adresse einer anderen Schifffahrtsgesellschaft: ‚P&O Nedlloyd'. Wir fahren dorthin. Deren Office ist aber bereits geschlossen und öffnet erst um 15.00 Uhr wieder. Wir sind niedergeschlagen und ratlos – für einen kleinen Moment. Was sollen wir 45 Tage ohne Auto machen? Sollen wir unsere Pläne ändern? Sollen wir es doch auf dem Landweg nach Südafrika versuchen? Oder sollen wir direkt nach Indien oder nach Südamerika verschiffen? Wir besprechen die verschiedenen Optionen. Eigentlich, meint Liseli, macht gerade die Beantwortung und Lösung solcher Probleme unter anderem den Reiz unserer Reise aus. Eine Alternative scheidet ziemlich bald aus: wir fahren nicht auf dem Landweg durch Nigeria und Angola nach Cape Town. Eine solche Route scheint uns momentan zu riskant (auch weiter im Osten (Uganda) wird es nach den neusten Nachrichten langsam ungemütlich). Wir diskutieren hin und her. Erfrischen uns im Hotel mit Bier und Tonic und machen uns wieder auf die Räder.
Zuerst geht es ins Internetkaffee (das Hotelinternet kostet 4800 CFA bei langsamer, störungsbehafteter Leitung, im Internetkaffee kostet die Stunde 1000 CFA und das bei europäischen Geschwindigkeiten). Die Internetseite von Maerks (www.maerkssealand.com) bestätigt das im Büro erfahrene. Die Internetseite von P&O Nedlloyd (www.ponl.com) ist nicht sehr aufschlussreich. Eine weitere Webseite eines Autotransportunternehmens bestätigt, dass es auch in 8 Tagen gehen kann, wenn man auf einen sicheren Containertransport verzichtet. Wir gehen zu P&O Nedlloyd.
Monsieur Tomede (‚outside sales' steht auf der Visitenkarte) kümmert sich um unser Anliegen. „Ja, das muss nicht 33 Tage lange dauern. Abidjan – Durban schaffen wir in 8 Tagen.“, sagt er nach einem kurzen Blick auf einen Faltprospekt. Wir sind erleichtert. Aber wir sind nicht in Abidjan und wollen nicht nach Durban. Der ideale Starthafen wäre für uns Tema, da wir für Ghana bereits ein Visum haben. Und wir müssten eigentlich gar nicht so weit reisen, d.h. ‚Walvis Bay' in Namibia würde uns reichen, da dies sicher schneller geht. Meinste. Aber da P&O Nedlloyd nur ein Transporteur ist und kein Spediteur, wird uns ein Agent eines Spediteurunternehmens kontaktieren. Morgen.
Die Weiterreise beschäftigt uns so, dass wir ganz vergessen, wo wir sind. In Cotonou, dem angeblichen Miami von Benin. Wir fühlen uns eigentlich bereits heimisch. Auch hier kann man alles auf der Strasse, bei den Verkehrsampeln einkaufen (siehe Dakar). Die neuste Moulinex Kaffeemaschine, Staubsauger, Uhren, Pneus, Telefonkarten, Bügeleisen, Anananas, Batterien, Brot, Toilettentücher, Bananen, heissen Tee, Mixer, alles wird uns am Auto angeboten. Im Prinzip muss man nur auf die Strasse stehen und warten bis das Gesuchte an einem vorbeigetragen wird und dann schnell handeln. Leider begreifen die Strassenhändler nicht, dass man von der Schweiz bis nach Cotonou fährt, und keinen Bedarf nach deren Artikel hat! Aber nach dem zweiten Mal an der gleichen Strassenkreuzung, merkt sogar der Scheibenputzer, dass er bei uns nicht landet und belästigt uns nicht mehr.
Sir James windet sich natürlich immer ‚hoch verschlossen' durch den Verkehr. Kein Fenster ist offen, so dass die Klimaanlage ihre volle Wirkung zeigen kann. Sobald wir aber aussteigen bekommen wir einen Schweissausbruch. Es ist drückend warm (ca. 37 Grad), obwohl es trüb ist und die Sonne nicht voll scheint. Die Luftfeuchtigkeit ist enorm hoch. Es hat nicht übermässig Verkehr auf der Strasse. Am meisten zu schaffen machen einem die unzähligen Mopeds, Velos, Motorräder, Karren und Fussgänger, die ständig - wie Bienen - um den fahrenden Sir James schwirren. Der Strassenzustand in der Stadt ist eher schlechter als auf dem Lande und man muss ständig aufpassen, dass man auf dem Strassenbelag fährt und nicht auf dem fehlenden Untergrund.
Die Leute sind sehr freundlich und fröhlich. Die Unterhaltung ist jedenfalls immer eher scherzend. Vielleicht liegt das aber auch an uns, die wir in unserem Safarilook in diesem Tropenklima eher wie Clowns aus der Wüste wirken.