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Teachers meet Teachers
Vom 22. April bis zum 6. Mai 2023
Begegnung und Zusammenarbeit in Afrika
Während der Ferien im April haben sich fünf Lehrerinnen des Schulhaus Mösli und eine pensionierte Lehrerin nach Ruanda aufgemacht, um mit lokalen Kindergarten- und Primarschullehrkräften zusammenzuarbeiten. In Zeiten allgegenwärtigen Misstrauens und weit verbreiteter Ängste, eine mutige Entscheidung. Aber gerade deswegen auch eine Entscheidung, die Leben verändert hat.
Ruanda, ein Land in Afrika, auf einem Kontinent, über welchen praktisch ausschliesslich negativ berichtet wird. Ruanda, das Land, welches 1994 durch einen brutalen Genozid menschlich, sozial, politisch, ökonomisch zerstört wurde. Lehrpersonen, die man nicht kannte, ein Schulsystem, welches möglicherweise ganz anders ist als das unsrige. Für die ruandischen Lehrpersonen waren es Lehrkräfte aus dem hoch entwickelten Europa, die alles wissen, die die beste Ausbildung genossen haben und am gekonntesten unterrichten. Würden sie als Partnerinnen oder im Stil von Kolonialistinnen auftreten? Würden sie belehren oder auch zuhören, lernen wollen? Würde nicht das enorme Machtungleichgewicht zwischen den Beteiligten, würden nicht die im Vergleich praktisch unendlichen Ressourcen in der Schweiz und die zwar bunten, aber kargen Räumlichkeiten in den ruandischen Schulen unweigerlich zu Missverständnissen und Konflikten führen?
Es braucht Mut, sich in verbindlicher Art und Weise für das Unbekannte zu entscheiden. Beide Seiten waren nicht nur offen, für alles, was kommen möge. Sie waren auch wissbegierig und nur zu bereit, Verantwortung zu übernehmen. Die Zusammenarbeit würde im Rahmen einer der Schulen stattfinden, die von COERESO, einer schweizerischen NGO, in den letzten Jahren finanziert und begleitet worden war. Im ersten Teil der Studienreise hatten die Lehrpersonen die Möglichkeit, Studierende eines Colleges in den ruandischen Bergen kennenzulernen, und von diesen geführt eine Teefabrik, eine Genossenschaft von Bienenzüchterinnen und Bienenzüchtern und den Regenwald zu besuchen. Es wurde an der vorkolonialen und kolonialen Geschichte des Landes gearbeitet und verschiedene Partnerschaften von COERESO sind besucht worden, um die äusserst beeindruckenden Erfolge von Individuen und Gemeinschaften erleben zu können, die voller Hoffnung und engagiert für eine bessere Zukunft arbeiten. Mit diesem Bild des kämpferisch-optimistischen Afrika im Gepäck, und der Erfahrung, als Team gut zu funktionieren und sich aufeinander verlassen zu können, begann im zweiten Teil der Reise die Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften. Nach einer herzlich-vorsichtigen Begrüssung, wohnten alle dem Unterricht der Schuldirektorin Henriette bei, welche das dritte ruandische Kindergartenjahr unterrichtet. Der Unterricht zum Thema “Licht” fand in tiefer Dunkelheit statt, da es heftig zu regnen begonnen hatte und die Schule noch über keinen Stromanschluss verfügt. Henriette zeigte verschiedenste Lichtquellen und forderte die Kinder auf, diese englischen Begriffe unisono und laut zu repetieren. Für heutige (!) schweizerische Verhältnisse war dieser frontal-autoritäre und stark repetitive Unterricht irritierend, weil er den Grundsätzen einer interaktiven, individualisierten Pädagogik widerspricht. Überzeugend aber war die Leidenschaft und Liebe, mit welcher die Mehrheit der ruandischen Lehrkräfte unterrichteten, und die unbestrittene, existentielle Bedeutung von Bildung. Auch wird die Lehrperson als Schlüssel zum Erfolg angesehen. Nichtsdestotrotz, der autoritäre Stil und die ab und an aufscheinende ideologische Funktion der Schule (Morgengebet, Nationalhymne), liessen auf schweizerischer Seite die Frage aufkommen, ob eine Zusammenarbeit zwischen derart weit auseinanderliegenden Unterrichtskonzepten überhaupt möglich sein würde. Wie würde der teilweise verspieltere, methodisch vielfältige Ansatz beurteilt werden? Würde er als ernsthafte Pädagogik oder als Zeit- und Ressourcenverschwendung mangels diszipliniert-strengen Lernens angesehen (ein Vorwurf, der auch in der Schweiz erhoben wird)? Diese erste Begegnung führte zu Verunsicherungen bei allen Beteiligten: Liegen wir mit unserem Ansatz richtig? Müssen wir unser Wissen und unsere Erfahrungen in Frage stellen und falls ja, in welche Richtung sollen wir lernen? Nach dem ersten Abtasten probierten die meisten Beteiligten neue Ideen aus, änderten teilweise radikal ihr Vorgehen, um zu sehen, welche Vor- und Nachteile der andere Ansatz bieten könnte. Neben der grossen kreativen Neugier der Lehrpersonen war beeindruckend festzustellen, wie schnell sich die Kinder an den neuen Stil anpassten, sich auf dieses andere Beziehungsangebot vertrauensvoll einliessen. Am Nachmittag wurde gemeinsam der Unterricht für den Folgetag vorbereitet. Bei einigen Wenigen schien es, dass das Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle dazu führte, dass sie zumindest zurzeit am Gewohnten und Bekannten festhalten würden. Die Lehrpersonen aus der Schweiz hatten im Vorfeld viel Unterrichtsmaterial gesammelt und kofferweise mitgebracht. Eine Fundgrube an Ideen und Möglichkeiten, die in Zukunft wohl auch die Vorsichtigeren nutzen werden. Für die Mehrheit allerdings waren in sehr kurzer Zeit aus einander unbekannten Lehrpersonen zusammen unterrichtende Teams entstanden.
Fremd sind uns nur diejenigen, mit denen eine kooperative Vertrauensbasis nicht erarbeitet werden kann. Die Basis einer gelingenden Begegnung ist Vertrauen, Neugier, Offenheit und geistige sowie praktische Flexibilität. Sind diese gegeben, ist alles möglich – überall und mit allen.
Die Protagonistinnen
April
22-23
Muraho Rwanda! (Hallo Ruanda!)
TEXT: Victoria Graf
Am 22.04.2023 starteten wir unsere Reise am Flughafen Zürich um 08:00 Uhr nach Ruanda. Nach einer Zwischenlandung in Istanbul, zwei holprigen Landungen und ein bisschen Verspätung sind wir um ca. 03:00 Uhr im Iris Guest House in Kigali eingetroffen. Wir hatten eine lange Reise und dementsprechend eine kurze Nacht.
Photos: Eric Dieth
Gusura Kigali (Kigali anschauen)
Auf dem Programm für den Sonntag stand ein Spaziergang durch Kigali, ein Museumsbesuch und ein Sprachkurs. Zuerst einmal mussten wir uns an das neue Klima (18 – 25° C) gewöhnen. Unser „Stadtführer„ Eric erzählte uns immer wieder interessante Fakten über Personen, die Geschichte und Gebäude. Im Kandt House Museum haben wir weitere Informationen zur Geschichte von Ruanda und Kigali erhalten. Danach ging es per Motorrad-Taxi weiter zum Mittagessen. Einige von uns sassen bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal überhaupt auf einem Motorrad. Am späten Nachmittag erhielten wir von Sandrine einen Sprachkurs auf Kinyarwanda. Unsere Gehirnzellen wurden kräftig aktiviert. Jetzt wissen wir, wie es sich anfühlt, eine völlig neue Sprache zu lernen. Muraho! Nishimiye kubabona. Turi abasuwisikazi. Turi abarimukazi. (Hallo! Schön euch kennenzulernen. Wir sind Schweizerinnen. Wir sind Lehrerinnen).
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April
24-25
Zwischen Tradition und Moderne
TEXT: Jeannine Huser
Heute heisst es früh aufstehen, denn wir haben wieder viel Spannendes vor. Mit dem Bus fahren wir aus Kigali raus Richtung Süden. Dabei erhaschen wir durchs Fenster einen Blick auf den Alltag der Menschen, die ausserhalb der Stadt wohnen. Kinder in verschiedenen Uniformen sind auf dem Weg in die Schule, Erwachsene fahren mit dem Mototaxi oder dem vollbesetzten Linienbus zur Arbeit oder bearbeiten Felder. Überall am Strassenrand fressen Ziegen Grasbüschel, vereinzelt sind auch Kühe zu sehen. Beeindruckend sind die Menschen, die mit ihren Velos allerhand transportieren: Säcke voller Gemüse, mehrere Wasserkanister, Holzbündel und sogar Stühle. Und das meistens bergauf, denn das Land ist sehr hügelig.
Unser erstes Ziel ist der Kings Palace. Bei einer spannnenden Führung erhalten wir Einblick in das Leben früherer Könige. Besonders interessant sind die ursprünglichen Hütten, in denen der König Audienz hielt, aber auch wohnte. Im neuen Palast aus dem 20. Jahrhundert erfahren wir Wissenswertes über die letzten Könige Ruandas und die Kolonialzeit. Nachdem wir auch noch die Bekanntschaft mit den Kühen mit den riesigen Hörnern gemacht haben, ist es Zeit zum Mittagessen, das aus regionalem Gemüse, Reis, Kartoffeln und Ziegenspiesschen besteht. Frisch gestärkt fahren wir weiter über Land nach Kitabi, wo uns bereits eine fröhliche Schar Tourismusstudierende empfängt. Sofort entwickelt sich ein reger Austausch, während wir einen Spaziergang rund um das College machen. Bei einem gemeinsamen Essen haben wir Gelegenheit zu noch mehr spannenden Gesprächen. Was die Jungen mit grosser Motivation und Können hinkriegen, gelingt der älteren Leitung des Hotels weit weniger gut. Zu später Nachtstunde wechseln wir noch unsere Hotelzimmer, da es kein fliessendes Wasser gibt. Das tut dem gelungenen Tag aber keinen Abbruch und wir freuen uns auf den nächsten Tag mit den Studierenden!
Photos: Eric Dieth
Heute übernehmen die Studentinnen und Studenten die Leitung. Wir machen eine kleine Wanderung durch die Teeplantage. Zwischendurch erfahren wir immer wieder Wissenswertes zum Teeanbau. Wir haben zum Beispiel noch nicht gewusst, dass die Teesträucher jahrelang gebraucht werden können. Beeindruckt sind wir von einer Teepflückerin, welche jeweils die obersten Teeblätter von Hand erntet und so etwa 20kg pro Tag schafft! Definitiv kein Traumjob. Nachdem wir auch noch die Setzlinge betrachten konnten, besuchen wir die Teefabrik. Zwei sehr engagierte Mitarbeiter zeigen uns stolz, wie die Teeblätter verarbeitet werden. Ein erstaunlich aufwendiger Prozess, bei dem der Tee in verschiedenen Maschinen geschnitten, getrocknet, gesiebt und fermentiert wird, bevor er dann endlich abgepackt wird. Nach Ansicht des Mitarbeiters entsteht hier natürlich der weltbeste Tee. Nach einer Mittagsstärkung spazieren wir zur Kooperation der Imker. Auch hier berichtet ein Mitarbeiter mit viel Begeisterung und schauspielerischem Können, wie der Honig verarbeitet wird. Sobald wir uns chice weisse Kittel und eine Mütze aufgesetzt haben, dürfen wir sogar gewisse Schritte unter Anleitung selbst durchführen und am Ende steht natürlich die Degustation des Waldhonigs an. Schliesslich machen wir einen rapid Test im Gesundheitszentrum, der für den Zugang zum Nyungwe Nationalpark zum Schutz der Primaten vonnöten ist, und staunen ein wenig, wie einfach hier die Einrichtung ist. Gleichzeitig aber können wir mitansehen, wie Blutreserven ganz modern per Drohne geliefert werden!
Photos: Victoria Graf
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April
26-27
Armutsbekämpfung
TEXT: Barbara Roos-Jäggi
Um 8.30 heute Morgen fuhren wir zusammen mit unseren ruandischen Studenten in Richtung Nyungwe Forest National Park los. Der älteste der vier in Ruanda liegenden Nationalparks, gegründet 2004, umfasst 1020 km2. Auf der kurvigen Fahrt dorthin sahen wir unsere ersten Affen, die wir auf Fotos festhielten. Nebst Olive Baboons und Mountain Monkeys versuchten wir auch Duickers (eine Art Antilope) auf unsere Linsen zu bringen, was uns aber nicht gelang. Die Tiere waren zu scheu. Nach einer Stunde erreichten wir das Reception Center (ca. 2300 m.ü.M.), wo die Studenten für uns alle Formalitäten erledigten und wo auch der Eintritt bezahlt werden musste.
Nun konnte das Abenteuer losgehen. Ausgerüstet mit Regenkleidern im Rucksack, gutem Schuhwerk und Wasserflaschen starteten wir den Igishigishigi (fern tree) Trail. Von unseren Führern erhielten wir zudem auch noch Wanderstecken, die auf dem glitschigen Weg eine gute Hilfe waren. Es ging mehrheitlich abwärts, bis wir zu den drei Hängebrücken (Canopy Trail) kamen. Die einen überquerten mit grosser Freude die bis zu 70 Meter hohen Brücken, die anderen waren froh, den Weg in luftiger Höhe möglichst schnell hinter sich zu bringen. Uns wurden unterwegs verschiedene Pflanzen erklärt und manchmal sahen wir zwischen den bis zu 80 Meter hohen Bäumen die umliegenden Hügel. Drei Bäume blieben mir der speziellen Übernamen wegen in Erinnerung: Der „drum tree“, aus dem früher verschiedene Gegenstände und Trommeln hergestellt wurden, der „toilet paper tree“, dessen Blätter früher wegen ihrer Feinheit für bestimmte Bedürfnisse gebraucht wurden und der „love tree“, aus dessen zerriebenen Blättern ein feiner Duft ausströmt, den Liebende schätzten.
Auf unserem fast zweistündigen Rundgang ging es nun wieder aufwärts bis zum Ausgangspunkt, wo wir auf der Terrasse beim Reception Center gemeinsam ein gutes Picknick genossen.
Wir blieben von Regen verschont während unserer wunderschönen, einmaligen, artenreichen und üppig grünen Wanderung durch den Regenwald, die uns allen sehr gut gefallen und uns unseren ruandischen Freunden noch näher gebracht hat.
Auf dem Rückweg machten wir noch einen Stopp in der Eco Lodge, wo wir unseren Tag mit einem Drink auf der Terrasse abrundeten.
Photo: Jeannine Huser
Photos: Victoria Graf
Schweren Herzens verabschiedeten wir uns um 8 Uhr von unseren ruandischen Studenten. Nun ging es auf die lange Fahrt zurück Richtung Kigali durch die sehr grüne hügelige Landschaft. Je länger wir unterwegs waren, desto flacher wurden die Hügel und dichter besiedelt. Nach knapp vier Stunden bogen wir von der Hauptstrasse ab und kauften uns in einer dorfähnlichen Siedlung etwas zu essen: Samosas, Bananen und Mandazis. Vor den verwunderten Augen Einheimischer verzehrten wir unser Mahl auf dem Hauptplatz. Über eine löchrige Naturstrasse ging es dank unseres fähigen Chauffeurs sicher nach Kagina weiter, wo eine Bevölkerungsgruppe benachteiligter Menschen wohnt, die COERESO unterstützt. Durch diese Hilfe entstand die „Best Pottery Ruandas“, die inzwischen zehn Jugendlichen durch eine Berufslehre eine berufliche Perspektive gibt. Ein weiterer Erfolg zeigt sich unter anderem auch darin, dass z.B. mit der Züchtung von Pilzen die Kinder an bessere Ernährung gelangen und die Mangelernährung abnimmt. Weitere Projekte sind in Planung.
Wir wurden mit Musik und Tanz begrüsst und die Kinder bekamen nicht genug von den Weissen (Muzungus). Uns wurden die Abläufe der Herstellung genau erklärt. Zum Schluss konnten wir auch noch Getöpfertes kaufen. Zum Abschied wurde nochmals getanzt und wir wurden freundlich zum Mittanzen eingeladen. Dieser Besuch war sehr eindrücklich und die freundlichen Leute mit ihren einfachen, manchmal leider auch schäbigen Kleidern werden bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichten wir unser Hotel in Kigali und genossen eine Dusche mit warmem Wasser. Zum Abschluss des Tages gabs ein feines Nachtessen.
Photos: Eric Dieth
April
28-29
Vergangenheit und Gegenwart
TEXT: Anja Keller
Leider fühlten sich einige Reisende trotz Ausschlafmöglichkeit nicht so fit. Glücklicherweise wurde im Iris Guest House ein reichhaltiges Frühstück inklusive diverser Früchte, Waffeln, Käse, Gemüse und Kaffee/ Tee zur Stärkung angeboten.
Um neun Uhr fuhren wir mit unserem Bus los nach Masaka. Dort wurden wir von Albertine begrüsst und in ein grosses Eventzelt geführt. Zu uns gesellten sich gut 20 Arbeitende der Twambikane Gemeinschaft, der Abiyungurubumenyi und ehemalige der ARISE TVET School um ihr Handwerk vorzustellen.
Zuerst fand eine allgemeine Begrüssung statt und es wurde gemeinschaftlich gesungen. Dank Danis Übersetzung konnten wir allen kinyarwandischen Ausführungen gut folgen.
Photos: Eric Dieth
Mit viel Stolz und Enthusiasmus zeigten uns Vertreter vierer Handwerke (Seifenproduktion, Stofffärben, Näherei, Hairdresser) ihre Produkte und erzählten wie auch dank der Ausbildung und der Unterstützung durch Coereso ihr Leben zum
Besseren verändert hat und welche grossen Visionen sie für die Zukunft haben.
Die Zeit, die uns frei zur Verfügung stand, nutzten wir mit viel Freude, um uns mit Seife einzudecken, unsere Masse für (traditionelle) Kleidung nehmen zu lassen und im Beautysalon Haare und Nägel stylen zu lassen.
Nach einem sehr leckeren Mittagessen (Buffet mit lokalen Köstlichkeiten) und kleinen technischen Schwierigkeiten erzählten wir aus unserem Leben in der Schweiz. Eine kleine Powerpointpräsentation untermalte unsere Erzählungen.
Danach bildeten wir vier Gruppen, um uns auszutauschen. Trotz Übersetzer war der Start in den Gruppen recht holprig und verhalten. Die Einheimischen stellten sich vor und erzählten ein bisschen aus ihrem Leben. Anhand von Fragen kam dann ein Austausch zu Stande und wir erfuhren Interessantes über die momentanen Schwierigkeiten (fehlendes Equipement im Beruf, administrative Hürden wie Bewilligungen, finanzielle Engpässe) aber auch über ihre Zukunftsvisionen (Fahrzeuge für Produktetransport, Geschäftsableger, neue Personen anlehren, usw.).
Mit vielen neuen Eindrücken und Anekdoten für Zuhause kehrten wir ins Iris Guest House zurück.
Heute war Umuganda. Immer am letzten Samstag im Monat ist die Bevölkerung dazu angehalten, etwas für das Gemeinwohl zu tun, z. B. gemeinsam den Abfall aufsammeln oder Reparaturarbeiten. Für uns bedeutete dies ein freier Samstagmorgen. Wir nutzten die Gelegenheit, um das mitgebrachte Material für die Schulen nochmals durchzugehen und aufzuteilen. Die Freude an den Spielen war bei uns Lehrpersonen offensichtlich und für Aussenstehende mag es mehr nach Spielen, als nach Arbeiten ausgesehen haben 😛
Nach einem kleinen Imbiss ging es mit dem Moto Taxi zum Genocide Memorial Museum. Eine ungeplante Wartezeit nutzte Eric gekonnt, um uns relativ kurz und verständlich eine Übersicht über die sehr komplexe Vorgeschichte und die Zusammenhänge die zum Genozid führten zu geben. Das Museum selbst war klar und übersichtlich gestaltet. Eric orientierte uns über ein Stück Geschichte, wofür man nur schwer Worte findet.
„Stop at the Memorial Cafe to take in what you have seen. Reflect over a coffee or meal, alone or with friends“ steht in der Museumsbroschüre, was wir dann auch gemacht haben. Nach kurzer Besichtigung der Gartenanlage fuhren wir dann auch schon wieder zurück ins Iris Guest House, wo uns ein gemütlicher Ausklang des Tages erwartete.
April
30
Modernes Kigali
TEXT: Claudia Secchi
Heute erhielten wir neue Einblicke in die kontrastreiche Hauptstadt von Ruanda.
Zuerst besuchten wir die Inema Art Gallery. Zwei bekannte Künstler aus dem Kongo gründeten hier eine Gallerie, welche abstrakte Kunst ausstellt und verkauft. Sie engagieren sich zudem auch in der Kunsterziehung von Kindern und Jugendlichen. Regelmässig erhalten Interessierte Malunterricht und ihre Bilder werden ebenfalls in der Gallerie ausgestellt. Wenn ein Bild verkauft wird, bekommen die Kinder und ihre Familien die Hälfte des Erlöses.
Der anwesende Gallerist bedauerte es, dass in der Schule das Fach Gestalten, Malen und Kunst nicht im Lehrplan enthalten ist. Er führte es auf diesen Umstand zurück, dass vor allem Touristen und nur ganz wenige Ruander und Ruanderinnen die Gallerie besuchen. Die Kunst hat vom Staat her nur eine ganz geringe Bedeutung und deshalb erhalten sie auch keine finanzielle Unterstützung.
Photos: Eric Dieth
Unsere nächste Station führte uns zum Nyandungu Eco-Park.
Das frühere Feuchtgebiet kam mit dem schnellen Wachstum von Kigali unter Druck. Es verlandete und verschmutzte zusehends. 2016 startete die Regierung ein Projekt, um die Biodiversität im Feuchtgebiet wieder herzustellen und um die Luftqualität der Stadt zu verbessern. Aus dieser Initiative entstand der Nyandungu Eco-Park, welcher den Besuchern Einblick in die Vielfalt der Pflanzen und Vögel gibt und ihnen einen weitläufigen Erholungsraum bietet.
Einen Wermutstropfen jedoch gibt es. Da der Park nur mit einem Eintrittsgeld besucht werden kann, ist es für Personen mit geringem Einkommen nur sehr erschwert möglich, ebenfalls in den Genuss dieses weitläufigen und schön gestalteten Parks zu kommen.
Wir starteten unseren Besuch mit einer Führung durch den Garten mit Medizinalpflanzen und durch einen Bambuswald. Bei den Weihern entdeckten wir ein paar wunderschöne Vögel und Blumen. Im Parkrestaurant genossen wir ein köstliches
Mittagessen.
Photos: Eric Dieth
Unser nächstes Ziel war der Kimironko Markt, in welchem Lebensmittel, aber auch Stoffe, Kleider, Schuhe und andere Haushaltartikel angeboten werden. Händler und Händlerinnen, Bauern und Bäuerinnen aus Kigali und der Umgebung bieten
hier ihre frischen Waren an. Es ist ein sehr eindrücklicher und bunter Markt. Dicht gedrängt folgt Stand auf Stand. Frank, unser lokaler Guide, führte uns durch den Markt.
Im Questioncoffee, welches bekannt ist für seinen qualitativ hochstehenden und biologischen Kaffee, der von einer Gemeinschaft von Frauen erfolgreich angebaut wird, machten wir einen Zwischenstop.
Der Abschluss des Tages bildete der Kochkurs. Dort erwartete uns bereits Aminatha, welche im Innenhof von ihrem Zuhause uns in einige Rezepte von Ruanda einführte. Danach assen wir in gemütlicher Stimmung das vorzügliche Essen, bevor wir uns auf den Heimweg machten.
Photos: Eric Dieth
Mai
1-2
Respektvolle, anerkennende Begegnungen
TEXT: Claudia Secchi
Jetzt war es so weit! Mit Vorfreude und Aufregung, aber auch mit einer gewissen Angespanntheit, machten wir uns auf den Weg zur Schule, wo wir uns das erste Mal mit den ruandischen Lehrpersonen trafen.
Unser Bus war beladen mit sechs Koffern, gefüllt mit verschiedenen Schulmaterialien, welche wir im Laufe der letzten Monate gesammelt hatten. Im Vorfeld hatten wir uns viele Gedanken gemacht. Es war uns ein grosses Anliegen, dass es ein Austausch auf gleicher Augenhöhe wird und wir keinesfalls als Lehrpersonen wahrgenommen werden wollten, die den ruandischen Lehrern und Lehrerinnen zeigen, wie ein ‚richtiger’ Unterricht aussehen sollte.
Photos: Eric Dieth
Bei der Ankunft wurden wir bereits von den Lehrpersonen und den Kindern erwartet. Freudig, aber noch ein wenig zurückhaltend, wurden wir von ihnen herzlich willkommen geheissen. Nach und nach trafen auch die Lehrpersonen von den anderen zwei Schulen ein, welche ebenfalls an unserem Austausch teilnahmen.
Zur Begrüssung versammelten sich die Kinder der drei Kindergartenstufen und der ersten Klasse auf dem Schulhof und sangen für uns verschiedene Lieder.
Danach begaben wir uns alle in ein Schulzimmer. Der erste Morgen wurde so gestaltet, dass Lehrpersonen von der Schule und wir uns mit dem Unterrichten abwechselten. Die anderen Lehrpersonen schauten zu, beobachteten den Unterricht und machten sich Gedanken zu den verschiedenen Unterrichtsformen. In der ersten Unterrichtsstunde wurden die Kinder vom dritten Kindergartenjahr von ihrer eigenen Lehrerin unterrichtet. Das Thema ‚Licht’, bei welchem die Schülerinnen und Schüler den Wortschatz von verschiedenen Lichtquellen auf Englisch lernen mussten, passte besonders gut. Wegen einem heftigen und langanhaltenden Gewitter war das Zimmer ins Halbdunkel getaucht und die Lichtquellen halfen, das Schulzimmer ein wenig zu erhellen. Jeannine, Barbara und ich machten uns bereits Gedanken darüber, wie wir danach unter diesen Bedingungen unterrichten sollten. Es gab keine Elektrizität in der Schule. Wir hatten in der Schweiz als Lektionsthema das Lied ‚If you are happy‘ ausgewählt, um damit die verschiedenen Gefühlsadjektive einzuführen und die Adjektive in verschiedenen Sequenzen zu üben. Neben den Lichtverhältnissen war eine der weiteren Herausforderungen der Umstand, dass die Kinder nur sehr rudimentär Englisch verstanden, obwohl sie hauptsächlich in dieser Sprache unterrichtet werden. Wir versuchten mit viel Vorzeigen, Mimik und Pantomime uns verständlich zu machen. Die Kinder gaben ihr Bestes, um uns neuen Lehrpersonen und den teils für sie ungewohnten Unterrichtsformen folgen zu können. Nach der Pause unterrichtete wieder eine Lehrperson der Schule eine 1. Klasse und in der letzten Lektion führten Victoria, Valérie und Anja mit einem Postenlauf Zählübungen mit Würfeln, gegenseitige Massageformen mit Händen und Igelbällen wie auch ein Lied mit Aufzählungen ein. Die Kinder beteiligten sich mit Freude und waren aufmerksam bei der Sache, obwohl dies schon ihre fünfte Lektion war. Wir waren sehr erstaunt darüber, dass die Kinder in diesem Alter jeweils am Morgen bereits fünf Lektionen lang unterrichtet werden, und wir waren beeindruckt, wie es die Lehrpersonen schafften, die Aufmerksamkeit der Kinder so lange aufrecht zu erhalten. Als Unterrichtsmaterialien stehen ihnen nur eine Wandtafel, Papier und Stifte zur Verfügung. Die Lehrpersonen unterrichteten mit viel Elan und Geduld. Fast ausschliesslich wurde der Frontalunterricht als methodische Form eingesetzt. Die Kinder lernten neue Inhalte und die Festigung des Gelernten vor allem durchs Vor-und Nachsprechen. Trotz des Einsatzes dieser Methode ist der Unterricht dynamisch und die Lehrpersonen pflegen einen liebevollen Umgang mit den Kindern. Mir gefiel, dass die Lehrerinnen grossen Wert auf die Förderung der Gemeinschaft leten und dass sie und die Kinder die Leistungen der einzelnen Schüler und Schülerinnen speziell würdigen.
Photos: Eric Dieth
Nach einem gemeinsamen Mittagessen tauschten wir uns über die Beobachtungen der einzelnen Lektionen vom Morgen aus. Wir äusserten uns mehrheitlich zurückhaltend und vorsichtig. Wir mussten uns zuerst aneinander herantasten und wollten die einzelnen Worte mit Bedacht wählen, um niemanden zu verletzen. Mir schien, dass bei diesem ersten Austausch die verschiedensten Erwartungen, Ängste und Unsicherheiten im Raum standen. Es war sehr wertvoll und hilfreich, dass Eric das Gespräch moderierte. Er kennt die Lehrpersonen schon seit mehreren Jahren und geniesst ihr Vertrauen. Es braucht bei allen neuen Begegnungen Zeit, um Beziehungen zu knüpfen und Vertrauen aufzubauen. Nachfolgend zeigten wir den Lehrpersonen, welche Schulmaterialien wir mitgebracht hatten und erläuterten, was man mit ihnen machen und wie man sie im Unterricht einsetzen kann. Zu guter Letzt bereiteten wir in gemischten Gruppen den Unterricht für den darauffolgenden Tag vor. Die Gruppe, welche die 1. Klasse unterrichtete, setzte sich zusammen aus der Klassenlehrerin, einem Lehrer aus einer anderen Schule, Barbara und mir. Wir glaubten, dass sie die neuen Ideen nur widerwillig ausprobieren wollten und am Bekannten festhielten, wurden aber in den kommenden Tagen eines Besseren belehrt.
Photos: Eric Dieth
Die Freude bei den Kindern und Lehrpersonen war gross uns zu sehen, als wir am zweiten Morgen auf dem Schulhof aus dem Bus stiegen. Die Kinder rannten auf uns zu und begrüssten uns mit einem Handschlag oder umarmten uns.
Nach ein paar Liedern, welche alle Kinder jeden Morgen auf dem Schulhof jeweils gemeinsam singen, begaben wir uns in die Schulzimmer.
In meiner Gruppe standen diesen Morgen die Fächer Englisch, Mathematik und Tierkunde auf dem Stundenplan. Teils unterrichteten die ruandischen Lehrpersonen gemeinsam und Barbara und ich hielten zusammen Unterricht. In einzelnen Sequenzen entstand aber bereits eine Zusammenarbeit in gemischten Gruppen. Aufmerksam beobachteten die hiesigen Lehrpersonen die Sequenzen, in welchen Barbara und ich die mitgebrachten Materialien, wie zum Beispiel Seile oder farbige Bätzlein Unterricht einsetzten.
In der grossen Pause nahmen wir verschiedene Seile, Tennisbälle und einen Gummitwist mit und zeigten den Kindern, was es alles für Spiele und Einsatzmöglichkeiten mit diesen Dingen gibt. Mit Begeisterung und Freude erprobten die Kinder während der ganzen Pause mit uns die neuen Spielmaterialien.
Photos: Eric Dieth
Nach dem gemeinsamen Mittagessen bereiteten wir in der gleichen Gruppe den Unterricht für unser nächstes Treffen am Donnerstag vor. Dieses Mal arbeiteten wir gleich von Anfang an in gemischten Gruppen. Nur schon vom Tag zuvor und dem heutigen Tag war Vieles passiert. Es bestand bereits ein gewisses Vertrauen zueinander und auf dieser Basis war es möglich, den Unterricht gemeinsam vorzubereiten, Ideen auszutauschen und es war die Bereitschaft da, Neues zu erproben. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel in gleichberechtigten, anerkennenden Beziehungen möglich wird.
Mit Vorfreude auf den gemeinsamen Unterricht am Donnerstag, verabschiedeten wir uns voneinander und fuhren mit ‚unserem‘ Bus ins Guesthouse in Kigali zurück.
Mai
3
Berufsschule ARISE
Text: Valérie Pittet
Wir genossen unser übliches Frühstück auf der Terrasse des Iris Guest House mit Vogelgezwitscher im Hintergrund. Der laute Hadeda Ibis fungierte als natürlicher Wecker für diejenigen, die ohne Ohrstöpsel geschlafen hatten. Die Vielfalt der Optionen am Frühstücksbuffet war außergewöhnlich, eine grosse Auswahl an frischem Obst, verschiedene Kuchen und einmal sogar köstlicher Geburtstagskuchen von unserem Geburtstagskind Anja. Dies machte jeden Morgen zu einem besonderen Erlebnis.
Wir fuhren mit dem Bus durch den Verkehrsstau in Kigali nach Masaka. Die Aufregung war groß, als wir die Kleidungsstücke, welche wir fünf Tage zuvor bei der Schneiderwerkstatt (ebenfalls eine Partnergemeinschaft von COERESO) in Auftrag
gegeben hatten, sehen und anprobieren konnten. Es war einfach unglaublich zu sehen, was die Schneiderinnen in so kurzer Zeit erreichen konnten. Alle Bestellungen und Wünsche wurden erfolgreich, umgesetzt, und die Schneiderinnen schienen
begeistert zu sein, ihre Kreationen an europäischen Damen zu sehen.
Als nächstes besuchten wir die Arise School, wo wir am Mittag herzlich mit einem Tanz empfangen wurden. Anschliessend gab es zahlreiche Präsentationen. Charles, der Leiter der Schule, stellte seine Bildungseinrichtung vor und einige Lehrlinge erzählten von ihrer Ausbildung. Auch erhielten wir einen Einblick in die Geschichte und in die aktuelle Situation des ruandischen Schulsystems durch Henri, unseren Übersetzer und aktuellen Pädagogikstudenten. Damit die Lehrlinge uns ein wenig besser kennen lernten, kommentierten wir persönliche Fotos aus unserem Leben in der Schweiz.
Dazwischen gab es ein köstliches afrikanisches Buffet. Die Gerichte wurden von Lehrlingen zubereitet.
Die Arise School bildet zahlreiche Lehrlinge in sechsmonatigen Friseur-, Kosmetik- und Schneiderei-Lehrgängen aus. Es war inspirierend zu sehen, mit welcher Leidenschaft und Hingabe diese Lehrlinge ihre gewählten Lehrgänge verfolgen.
Wir waren beeindruckt von den einfachen Einrichtungen der Schule und der Qualität der Ausbildung, die den Lehrlingen angeboten wird.
Als Abschluss unseres Besuches zeigten uns die Schneiderei- Lehrlinge mit einer Modenschau ihre Kreationen. Beeindruckend war die Art und Weise, wie die jungen Frauen mit stolzem Blick und viel Selbstbewusstsein defilierten.
Insgesamt war es ein fantastischer Tag voller neuer Erfahrungen und kultureller Eintauchmöglichkeiten. Wir freuten uns bereits darauf, was die restlichen Tage unserer Reise für uns bereithielten.
Photos: Eric Dieth
Mai
4
RW-CH Kooperation
Text: Claudia Secchi
Froh gestimmt und gespannt machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zu unserem letzten Tag in der Schule.
Auch diesen Morgen wurden wir von den Kindern und den Lehrpersonen freudig empfangen. Fast schon wie alte und vertraute Bekannte.
Barbara und ich begaben uns mit Salvatore und Prosper ins Klassenzimmer der 1. Klässler.
Heute standen zwei Lektionen Englisch, eine Lektion Mathematik und eine ‘Soziales Zusammenleben’ auf dem Programm. Salvatore und ich starteten mit der ersten Englischlektion, in welcher wir das Lied ‘If you are happy’ und verschiedene Gefühlsadjektive, die wir am ersten Tag eingeführt hatten, mit den Kindern wiederholten. Es war schön zu erleben, dass wir nach so kurzer Zeit schon viel Vertrauen aufbauen konnten, und dies uns ermöglichte, gemeinsam zu unterrichten. Es war auch beeindruckend, dass es uns dadurch bereits gelang, gegenseitig Unterrichtsideen aufzunehmen und zusammen umzusetzen.
Ein besonders schönes Erlebnis war es, mit Salvatore eine Geschichte vom Tiger und der Katze zu erfinden, um damit den Buchstaben T und Wörter mit diesem Buchstaben einzuführen und zu üben.
Auch in Barbaras und Prospers Lektionen gelang die Zusammenarbeit schon sehr gut.
Am Mittag erwartete uns erneut ein afrikanisches Buffet. Wiederum hatten die Studierenden von der Arise School die köstlichen Gerichte zubereitet.
Auf Wunsch der Schulleiterin tauschten wir uns in unseren Gruppen darüber aus, welche Hausaufgaben den Kindern in Bezug auf unseren gemeinsam gehaltenen Unterricht aufgegeben werden könnten. Zweimal pro Woche bekommen bereits auch schon die Kindergartenkinder Hausaufgaben.
Anschliessend wollten wir die Gelegenheit nutzen, Materialien, welche wir mitgebracht hatten und noch nicht im Unterricht einsetzen konnten, zusammen mit den ruandischen Lehrpersonen auszuprobieren. Wir spielten UNO, Memory, ein ‘Wortschatz-Leiterlispiel’, legten Puzzles und erprobten die Einsatzmöglichkeiten von farbigen Holzformen und Zählrahmen. Die Stimmung war sehr gelöst, anregend und es wurde viel gelacht.
Den Abschluss bildete eine letzte Austauschrunde. Die Feedbacks waren beiderseits sehr positiv. Wir hatten viele Eindrücke, neue Ideen und Anregungen erhalten und Vieles gemeinsam erarbeiten und austauschen können.
Von den ruandischen Lehrpersonen wurde der Wunsch geäussert, dass wir möglichst bald wieder zurückkehren, um weiter zusammen arbeiten zu können.
Vor unserer Abreise überraschte uns die Schulleitung mit Geschenken und es wurden viele Gruppenfotos gemacht.
Es kam mir vor, als würden wir uns schon viel länger kennen und es stimmte uns traurig, uns schon wieder von den ruandischen Lehrpersonen verabschieden zu müssen.
Hoffentlich auf ein nächstes Mal!
Photos: Eric Dieth
Mai
5
Text: Valérie Pittet
An diesem besonderen Tag begann unsere Reise mit einem köstlichen Frühstück, bevor wir um 10 Uhr losgingen, um im kreativen Viertel von Nyarimambo spazieren zu gehen. Wir genossen ein schönes Mittagessen auf dem Rooftop Restaurant in Kigali. Es ist beeindruckend, wie nahe beieinander Armut und Reichtum in der Stadt liegen. Wir gingen zurück zum Iris Guest House, wo man den besten Ananassaft der Stadt findet. Ich werde diese unbeschreibliche tägliche Genuss (und höre noch wie einzelne ihn trinken) definitiv vermissen 😊 Mmmmmhh Ahhhhh.
Einige von uns mussten die Kleider noch einmal anprobieren, um zu prüfen, ob die Ausführungen der Form entsprechen. Dann duschten wir und packten unsere Sachen. Unser letztes Abendessen im Iris Guest House war köstlich, wobei afrikanischer Tee (schwarzer Tee, Milch und Ingwer) ein Highlight war. Um 22.00 Uhr holte uns ein Bus ab, um uns zum Flughafen zu bringen. Wir mussten bereits bei der Drogenkontrolle durch, bevor wir überhaupt am Flughafen ankamen. Wir mussten unser gesamtes Gepäck aus dem Bus nehmen, damit Rex, der Hund, es überprüfen konnte.
Am Flughafen sagte die Dame am Schalter: „Aufgrund einiger Verspätungen werden Sie es nicht nach Zürich schaffen.“ Das junge Schweizer Mädchen antwortete: „Nein, wir werden es definitiv schaffen, weil wir die spätere Verbindung von Istanbul nach ZH gebucht haben.“ Der Mitarbeiterin zu erklären, dass die Bordkarten richtig sind, war nicht möglich. Die Regeln sind die Regeln, wenn sie denkt, dass wir am Schalter der Turkish Airline nachfragen müssen, gehen wir und lassen uns bestätigen, dass unsere Buchung wie geplant funktionieren wird, und stellen uns wieder an …
Es ist ein seltsamster Flughafen. Normalerweise ist die Architektur darauf ausgelegt, die großen Vögel wie Boeing oder Airbus, welche kommen und gehen, zu beobachten. Aber dies ist nicht möglich für die Economy Class… Aus Irgendeinem Grund klebten Aufkleber an die Fenster, damit die Passagiere beim Warten auf die Boarding-Zeit nicht durch das Fenster sehen konnten.
Abflug gegen 1 Uhr morgens, was sich verzögerte. Wir hatten einen Zwischenstopp in Uganda, damit die Reinigungsmannschaft das Flugzeug ein wenig reinigen konnte, während die Hälfte der Passagiere noch im Flugzeug saßen und schliefen.
Zweiter Abflug mit weiteren Verzögerungen gegen ca. 5 Uhr morgens. Wir hatten die Chance, einen wunderschönen Sonnenaufgang durch das Fenster zu sehen. Während des Fluges über Afrika wurden wir aus niedriger Höhe atemberaubenden Landschaften über Somalia und Äthiopien ausgesetzt. Über dem Sudan stiegen wir höher über den Wolken auf. Schließlich landeten wir in Istanbul, wo die Gates in letzter Minute auf die andere Seite des Flughafens geändert wurden. Um die Passagiere zum Herumlaufen zu bringen oder einfach alle zu verwirren und zu stressen. Who knows …
Wir sind zum dritten Mal abgeflogen und hatten einen angenehmen Flug. Wir sind um ca.19:00 Uhr in Zürich gelandet und waren insgesamt 21 Stunden unterwegs, aufgrund von Systemproblemen… Trotz der Verzögerungen war es eine Freude, zum gut organisierten System der Schweiz zurückzukehren. Wir haben schnell unser Gepäck bekommen und sind mit dem Heidi Zug weitergefahren, bevor wir uns voneinander verabschiedet haben. Es hat Spaß gemacht, als Lehrer-Team zusammen zu reisen, und unvergessliche Austausche mit lokalen Leuten zu erleben. Tschau zäme.
Text: Barbara Roos-Jäggi
Heute war leider unser letzter Tag in Kigali und Ruanda.
Etwas später als sonst trafen wir uns, um per Moto-Taxi (inzwischen können wir alle freihändig auf dem Töff sitzen!) zum Nyamirambo Women’s Center im Südosten Kigalis zu gelangen. Dies ist eine Kooperative, in der sich Frauen zusammentaten, um gemeinsam gegen ihre Diskriminierung zu kämpfen. Inzwischen werden auch Frauen unterstützt, die nicht die Mittel haben, sich selbst eine Ausbildung zu ermöglichen. Auch gibt es ein Programm, wo sie lesen und schreiben, Computerkenntnisse, Handwerk und nähen lernen können.
Wir nahmen das Angebot einer Führung durch das früher arme muslimische Nyamiramboquartier an und liessen uns umherführen. Bei den verschiedenen Ausführungen gelangten wir vorbei an einer Moschee, an kleinen Läden und wanderten durch eine inzwischen geteerte Strasse, die kinderfreundlich gestaltet wurde. Am Boden waren Felder für verschiedene Spiele eingezeichnet – an den seitlichen Mauern gab es bunte Bilder und Schriftzüge. In einer Milchbar konnten wir uns mit frischer Milch stärken. Am Ende unserer Tour deckten wir uns im Laden des Centers mit Gegenständen ein, die im Center eigenen Nähatelier hergestellt wurden.
Per Moto-Taxi ging es nun weiter zum Rooftop Restaurant, wo wir unser Mittagessen einnahmen und die wunderbare Aussicht auf Kigali genossen. Mit diesen Bildern in unseren Köpfen ging es zurück zum Hotel. Wir wurden von Eric noch interviewt zu unserer Zeit in Ruanda. Ich bin mir sicher, dass alle nur positiv über unsere Reise berichtet haben. Vor dem Nachtessen wurden auch noch unsere Kleider geliefert, die wir eine Woche zuvor bestellt hatten. Voll Freude wurden sie angezogen und den anderen vorgeführt.
Nach dem Essen wurden unsere Koffer definitiv verschlossen und es ging spät abends Richtung Flughafen. Nun hiess es Kigali ade –Ruanda ade!
Wir verliessen das Land der tausend Hügel, das „green“ und „clean“ und voll von freundlichen Menschen ist. Murabeho Ruanda!
Photos: Eric Dieth