Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03334.jsonl.gz/2257

« ZurückWeiter »
Am folgenden Morgen, Sonntag, den 16. Juni, fuhren die sämmtlichen Mitglieder nach Thale, von wo ein Theil noch an demselben Tage der Heimath zueilte, während die größere Zahl noch eine Excursion nach Staßfurt machte, um die dortigen Bergwerke in Augenschein zu nehmen. Referent war leider nicht im Stande, der Lesteren beizuwohnen; er muß demnach die Schilderung derselben einer anderen Feder überlassen.
Jeder, welchem die Gelegenheit wurde, das schöne Fest mitzumachen, wird sicherlich die Ueberzeugung nach Hause genommen haben, daß in beiden Vereinen, dem Ingenieurvereine und
der Hütte, ein gesunder Kern und ein trefflicher Geist lebt, und möchte demnach zum Schlusse der während der Festtage vielfach laut gewordene Wunsch und die Hoffnung ausgesprochen werden,
daß es allen Festtheilnehmern vergönnt sein
Abhandlungen.
Die Roheisenindustrie Nordenglands.
Von H. Schlink, Hüttendirector.
(Vorgetragen in der Versammlung des technischen Vereines für Eisenhüttenwesen vom 18. März 1866 zu Düsseldorf.)
(Hierzu Figur 1 bis 4, Tafel XVII.)
Fig. 1 und 2, Tafel XVII, geben einen Grundriß und einen Querschnitt, Legteren in größerem Maßstabe, der neueren Hohofenanlage in Southbank. Da dieselben nach einem flüchtigen halbtägigen Besuche aus dem Gedächtnisse skizzirt find, so können sie nur Anspruch auf annähernde Richtigkeit machen, und mag manches Fehlerhafte sich eingeschlichen haben.
Eine stark geneigte Rampe (vielleicht 1:30) führt von dem Niveau der Eisenbahn auf eine Reihe ziemlich großer Röstöfen a, a.. mit regelmäßig zwischenliegenden Brücken b,b.. In die Röstöfen werden die Erze direct gestürzt, zwischen die Brücken Cofs und Kalkstein, und ist der Coks so fest, daß er verhältnißmäßig wenig dabei leidet. Um die Rampe nicht zu steil zu machen und doch eine entsprechende Höhe der Röstöfen und des Raumes unter den Brücken zu erhalten, liegt das Terrain zwischen den Röstöfen und Hohöfen c,c.. (mit Gußplatten belegt) 15 Fuß (4,6) tiefer, als der Bodenstein der Hohöfen, und ist zum Abschlusse in der Frontlinie der Lepteren die Futtermauer d,d.. gezogen.
Die Formgewölbe sind durch Brücken den Schmelzern zugänglich gemacht. Soweit erinnerlich sind die meisten Waggons Trichterwagen, welche durch Oeffnen der unteren Klappe sich entleeren. Mehrere den vereinigten Werken gehörige Tenderlocomotiven besorgen den Transport der Rohmaterialien auf den Hüttenplägen. Die Einfachheit des Betriebes auf den Rampen würde manchem deutschen Eisenbahnbeamten zu einem bedenklichen Kopfschütteln veranlaßt haben. Mit einigen kräftigen Püffen wird die ganze Wagengesellschaft auf ihren hohen Standpunkt befördert, und dem Grundsage treu: „time is money" eilt die Tendermaschine schnaubend und puffend die Rampe hinunter, über Weichen, Drehscheiben und Brücken fliegend, um dem Nachbar denselben Liebesdienst zu erweisen. Diese Rampenanlage für die Anfuhr der Rohmaterialien ist eine im Norden Englands ziemlich stereotype, nur oft ohne die Röstöfen.
Für 6 Oefen find 2 Gichtthürme e, e vorhanden, aus 6, durch 6 bis 7zöllige (150 bis 180mm) Flanschenröhren ge
bildeten, Säulen bestehend, welche durch gußeiserne Traversen und schmiedeeiserne Spannstangen zu einem soliden Ganzen verbunden sind. Die Röhren dienen zugleich als Wafferleitung für die die Gichtthürme abschließenden Bassins f,f (Fig. 2) der Wasseraufzüge. Sehr viele neuere Werke sind mit diesen bei uns gar nicht mehr beliebten Aufzügen versehen, deren freie, ausgefeßte Lage nur durch das milde Klima motivirt werden kann. Die Gichtthürme machen einen eigenthümlichen spinnwebeartigen Eindruck, scheinen aber solide und bei der großen Höhe nicht sehr theuer zu sein. Die Fördergestelle find groß und zur Aufnahme mehrerer Wagen eingerichtet. Leptere, mit 2 leichten, großen Rädern versehene, schiebkarrenartige Fahrzeuge, lassen sich sehr bequem und leicht handhaben, haben aber keinen großen Fassungsraum; die Räder sind ohne Spurkränze, da allenthalben Plattenbelag eingerichtet ist.
Die 6 neuen Defen haben von Bodenstein bis Gicht eine Höhe von 81 Fuß engl. (24TM,7) (erscheinen natürlich von der hinteren Seite 15 Fuß (4TM,6) höher), 7 Fuß (2TM,1) Gestell weite, 19 Fuß (5,8) Kohlensack, 11 Fuß (3,3) Gichtweite und 3 Formen. Selbst das Gestelle ist aus kleinen Steinen hergestellt. Das untere massive Rauhgemäuer ist achtkantig in Ziegelmauerwerk aufgeführt, auf welches sich der obere Theil in Form eines cylindrischen Blechmantels aufseßt. Sämmtliche Defen sind durch breite Blechbrücken g verbunden und arbeiten mit geschlossener Gicht und zwar mit dem bekannten von Parry in Ebbw-Vale in Süd-Wales erfundenen sich nach unten senkenden Trichter*). Die Gase werden in zwei unter dem Gichtplateau liegenden Canälen nach außen und von dort mittelst der senkrechten Rohre g1, g1.. nach der 8 Fuß (2,5) weiten Leitung hh geführt, welche, durch Säulen gestüßt, den Oefen entlang bis nach den Kesseln ¡,i.. sich hinzieht. Lettere, sowie die Heizapparate können mit den Gichts gasen betrieben werden.
1
Die Keffelanlage i,i.. besteht aus 12 in eine Gruppe zusammengedrängten, incl. der halbkugelförmigen Enden 71 Fuß (21TM,7) langen, 5 Fuß (1,5) weiten Kesseln. Die Gichtgase treten an dem Kopfe ein und streichen nur einmal direct unter den Kesseln her, zum Zugcanale hin. Ein großer Hahn oder Drehschieber ist zur Absperrung eines jeden Gaszuführungsrohres vorhanden; die Speisung geschieht durch mächtige Injecteure. Auffallend waren die sehr eleganten Thürplatten mit Rosettenschieber zur Regulirung des Luftzutrittes. Die Kessel waren übrigens auch mit Rosten zur directen Feuerung versehen.
Für die 6 Defen sind 3 Maschinen angeordnet (eine war bereits im Gange), jede in einem besonderen Hause j,j,j. Es sind einfache Hochdruckbalanciermaschinen ohne Condensation und irgend eine Pumpe, von 8 Fuß (2m,44) Hub und 100 Zoll (2,54) Gebläsecylinderdurchmesser. Die neuesten Maschinen hatten starke Blechbalanciers (von Fairbairn in Manchester ausgeführt), und war die mittlere Stellung der Kurbelstange keine senkrechte, sondern eine schiefe (Fig. 4), wodurch die Kurbel eine größere Länge erhält, Zapfen und Stange einem geringeren Drucke ausgesezt sind.
Die Kurbelstangen bestehen, wie in England jezt häufig, aus Eichenholz mit durchgehenden schmiedeeisernen Beschlagschienen. Sehr sauber gehobelt und gefirnißt machen sie einen ganz gefälligen Eindruck und haben jedenfalls den Vorzug der Leichtigkeit bei großer Stärke. Das Holz dazu muß allerdings sehr guter Qualität und durchaus trocken sein. Schwere solide ganz durchgehende Fundamentrahmen bilden die Basis der Maschinen. Die älteren Gebläse (das System ist auf den 3 combinirten Werken noch in mehreren Exemplaren vertreten) haben wohl starke Pyramiden als Unterstügung der Balancierlager, die neueren dagegen einen in den Umfassungsmauern des Gebläsehauses aufliegenden Querbalken, unterstügt durch 2 fräftige Säulen.
Schön und einfach ist die Ventilsteuerung construirt, welche Expansionen von 1, 1, 1, gestattet, und wird jedes Ventil durch ein besonderes Excentrik gehoben. Bei 16 Umdrehungen, welche wir beobachteten, 42 Pfd. pro Quadratzoll (2,95 Klgrm. pro Quadratcentimeter) Dampfspannung und 4 Pfd. pro Quadratzoll (0,28 Klgrm. pro Quadratcentimeter) Windpressung, liefert jede Maschine ein theoretisches Windquantum von 13,864 Cbffß. englisch (387,531 Cbkmtr.) pro Minute, also für jeden Ofen 6932 Cbffß. (193,765 Cbfmtr.); 256 Fuß (78m) Kolbengeschwindigkeit pro Minute; für den Gebläsekolben ist dies ziemlich viel und wird von hiesigen Gebläsen nicht oft erreicht. Es war zweifellos, daß die Maschinen auch noch rascher arbeiten können. Der Dirigent der 3 vereinigten Werke, Mr. Hill, erklärte, in den nächsten Tagen den dritten Ofen anblasen zu wollen, ohne die Fertigstellung der zweiten Maschine, mit deren Montirung man beschäftigt war, abzuwarten.
Das Princip und die Ausführung der Maschinen halte ich für eines der empfehlenswerthesten Systeme; nur dürfte der Hub noch etwas größer sein, denn die Grenze für die Schnelligkeit des Ganges wird bei Gebläsen weniger durch die Größe der Kolbengeschwindigkeit, als durch die Anzahl der Wechsel bedingt. Der Preis der neuesten Gebläsemaschinen wurde uns zu 2600 £s. (17,333 Thlr.) angegeben.
Das Windwärmersystem besteht aus nicht weniger
3
4
als 21 Heizapparaten, nämlich 9 Stück k, k.. mit 3 Reihen und 12 Stück 1,1.. mit 2 Reihen von je 8 Doppelröhren (sogenannten Hosenröhren) von 161⁄2 Fuß (4TM,88) Länge und einem lichten ovalen Querschnitte von 121⁄2 Zoll × 41⁄2 Zoll (317mm × 114mm). Die totale Heizfläche (innerer Querschnitt) ergiebt sich demnach =33,660 Qdrtfß. (3,127,014 Qdrtmtr.) oder 5610Adrtfß. (521,169 Qdrtmtr.) für den Ofen, 1870 Quadratfuß (173,723 Qdrtmtr.) für jede Form.
Sämmtliche Apparate erhalten den kalten Wind aus dem durch Säulen gestüßten Windregulator mm von 6 Fuß (1TM,83) Durchmesser und geben den erwärmten wiederum in eine gemeinschaftliche, aber kleinere Röhrenleitung n (Fig. 2) ab, von welcher die einzelnen Leitungen nach den Düsenständern sich abzweigen. Das ganze Röhrensystem liegt über Tage, ist in Folge dessen leicht zugänglich und sehr regelmäßig ange=
ordnet.
Fünf niedrige Effen o, o.. vermitteln den Zug. Die Apparate können sowohl durch Gichtgase, sowie auch durch directe Feuerungen betrieben werden. Die Windwärme war bei unserer Anwesenheit wenigstens Bleischmelze (350° C.), denn es wurde ein Schmelzer beobachtet, welcher ein Bleistäbchen in einen Düsenständer einsenkte und es abgetropft herauszog. Daß übrigens die Calamität des öfteren Durchbrennens der Röhren auch dort existirt, bewiesen große Haufen. verbrannter Gußstücke auf den Nachbarwerken, welche mit ähnlichen Apparaten ausgerüstet sind. Bei der großen Anzahl kann aber kaum eine Betriebsstörung durch nöthige Reparaturen, selbst bei mehreren Apparaten zugleich, entstehen.
Eine Gießhalle ist, wie bei den meisten englischen Werken, nicht vorhanden. Eine 3 bis 4 Fuß (0,9 bis 1",2) hohe Mauer p,p.. und der zwischenliegende ansteigende Raum, mit feinem, schneeweißem Meeressande, mit zahllosen Muschelresten, ausgefüllt, bilden das Masselbett. Das Eisenbahngeleise q liegt einige Fuß tiefer als das Sandbett, und ist dadurch das Einladen des Roheisens sehr erleichtert. Noch warmn werden die Masseln in die Waggons geworfen und abgefahren. Ein Roheisenvorrath auf den einzelnen Werken war nicht zu sehen.
Southbank hat den besten Schlackensturz, welcher überhaupt denkbar ist, nämlich das weite Weltmeer, in specie die Nordsee. Eine Locomobile schafft die mit großen Schlackenkuchen beladenen Wagen auf den Zweigbahnen r,r.. zur See und stürzt lange Molen in's Meer hinein.
Nicht so glücklich sind die Nachbarwerke: Clay-Lane hat einen recht stattlichen Aufzug und machte künstliche Berge. Cleveland bildet ganze Züge von großen Schlackenwagen (normaler Spurweite), und schaffen gewöhnliche Locomotiven dieselben auf der Hauptbahn zum Meere. Es machte einen eigenthümlichen Eindruck, auf demselben Bahnhofgeleise, auf welchem eben ein Personenzug uns in Eston-Junction ausgeladen hatte, einen solchen Schlackenzug mit Wagen ohne Federn unter großem Geraffel dahinfegen zu sehen und zu hören. Ein besonderes Personal an den Schlackentriften bemerkten wir nicht; wahrscheinlich besorgten die beiden Leute auf der Locomobile in Verbindung mit den Schmelzern das Nöthige.
Die Baukosten der Neuanlage der 6 Defen wurden zu 120,000 £s. = = 800,000 Thlr. angegeben, in wieweit dabei
Grunderwerb, Eisenbahnverbindung 2c. betheiligt sind, kann nicht angegeben werden; aber wahrscheinlich sind es allein die directen Bauauslagen.
Die älteren Theile der Werke in Eston, sowie das, was wir in Middlesborough sahen, boten nichts Bemerkenswerthes dar. Die meisten Neubauten hatten mit der oben beschriebenen Anlage in Disposition und Details viel Aehnlichkeit, während dessen das Aeltere sich in den mannigfaltigsten, nicht immer schönen Anordnungen und Formen darstellte. Wahre Rumpelkammern von älteren Gebläsemaschinen, wo namentlich Mr. Slate mit seinen Mantelschiebergebläsen wenig Lob eingeerntet hatte, eine vollständige Musterkarte von Aufzügen, schiefe Ebenen, Dampfzüge mit einem einzigen Korbe, wo die Gegengewichte in den 4 Säulen, welche den Gichtthurm bildeten, niedersanken, pneumatische Aufzüge 20.
Ein Curiosum mag hier noch erwähnt werden. Eine Firma in Middlesborough, ich glaube Silkes & Co., hatte sich zur Anlage großer horizontaler Gebläsemaschinen verstanden. Eine war aufgestellt, die andere im Baue begriffen. Die coloffalen Maschinen von 9 Fuß (2,7) Hub und 9 Fuß (2,7) Gebläsecylinderdurchmesser (Kolbenstange 7 Zoll (180mm) resp. 10 Zoll (255mm) dick und massiv, Schwungrad 22 Fuß (6,7), hatten die eleganteste Behausung, einen wahren Palast mit gothischen Fenstern in Hausteinen und im Inneren mit schön verzierten Säulen ausgerüstet. Die Anstreicherkunst hatte ihr Möglichstes geleistet. So gut und trefflich die Balanciermaschinen waren, so wenig konnten die horizontalen einer streng prüfenden Kritik entgegentreten. Die reichen bei uns gemachten Erfahrungen an solchen Maschinen sind bis dorthin noch nicht gedrungen. So war beispielsweise zu den Windklappen vulcanisirter Kautschuk in Anwendung gebracht und hatte sich denn in kurzer Zeit nach der Inbetriebseßung zu Fezen verarbeitet. Bei unserer Anwesenheit war man im Begriffe, dieselben durch Leder zu erscßen. Allerdings wenn England keine besseren Muster horizontaler Maschinen aufzuweisen hat, so ist der Mißcredit begreiflich, in welchem dies System dort steht.
*) Beschrieben Bd. V, S. 141 d. 3.
Die oben angeführte Abhandlung von Mr. H. Lowthian Bell (Mitbesizer der Clarence iron works bei Middlesborough, Firma Bell Brothers) enthält noch manches Thatsächliche, welches in Verbindung mit den eigenen Beobachtungen einigermaßen Aufklärung giebt über das Auffallende und Abweichende der dortigen Verhältnisse, und dahin zählen wir hauptsächlich die enorme Höhe der neueren Defen.
Zu Clarence iron works ist durch Versuche festgestellt worden, daß selbst bei der doppelten Quantität Cofs, welche sonst graues Eisen bei warmem Winde erfordert, nur stets weißes Eisen mit kaltem Winde erblasen wurde. Derartige Erfahrungen mußten natürlich zu Versuchen führen, den Wind so start wie möglich zu erhizen, und da die Grenzen bei der Anwendung eiserner Röhren doch bald überschritten waren, so wurden auch Experimente mit Defen nach Cowper's System *) (den bekannten Siemens'schen Apparaten) angestellt. Es gelang, den Wind bis zu 1000 bis 1200° F. (537 bis 650o C.) zu erhißen; aber bald verloren die Apparate durch den massenhaft sich ablagernden Gichtstaub ihre Wirksamkeit.
In der Neuzeit soll allerdings diesem Uebelstande abge= holfen sein, und die Apparate zur Zufriedenheit arbeiten. Wir sahen nirgends auf den Werken derartige Einrichtungen, sondern nur Apparate gewöhnlicher Construction, aber in so großer Anzahl, daß selbst bei mäßiger Feuerung und Defectwerden mehrerer zugleich eine ernstliche Betriebsstörung durch Abnahme der Windwärme faum eintreten konnte. Die gewöhnlichen Oefen des Districtes haben 42, 45 bis 55 Fuß (12,8, 13,7 bis 16,8) Höhe, 14 bis 18 Fuß (4,3 bis 5,5) Kohlensackdurchmesser, und erreicht die Production bei 600 bis 700° F. (315 bis 370° C.) die Höhe von 200 bis 220 tons pro Woche (57,000 bis 63,000 Pfd. pro 24 Stunden).
Nach mündlichen Angaben sollen die 81 Fuß (24,7) hohen Defen auf Southbank 300 tons pro Woche (85,000 bis 86,000 Pfd. in 24 Stunden) produciren. Das Eisen, welches bei unserer Anwesenheit erblasen wurde, war grau, und gilt obige Production auch für diese Qualität, so ist sie als eine recht hohe zu bezeichnen.
Messungen bei zwei Hohöfen der Clarence iron works hatten die Temperatur eines mit geschlossener Gicht arbeitenden Ofens 8 Fuß (2,5) unter derselben durchschnittlich zu 1200° F. (650° C.) und die eines offenen wenigstens 600° F. (315o C.) höher ergeben.
Die mittlere Temperatur der entweichenden Gase bei geschlossener Gicht:
D. Red. (V.)
Die Beobachtung der hohen Temperaturen der entweichenden Gase mußte natürlich auf den Gedanken führen, durch entsprechende Erhöhung der Defen eine bessere Ausnußung der entweichenden Wärme herbeizuführen*). Die Firma Bolkow & Vaughan ging mit dem Beispiele voran, auf Clay-Lane 75 Fuß (22TM,8) hohe Oefen zu bauen, welche, Nr. 4 producirend, im Mittel 517° F. (270° C.) Temperatur der entweichenden Gase ergaben, also pp. 2000 weniger, als die niedrigeren Oefen. Da eine erhöhte Production auch herbeigeführt wurde, wie oben erwähnt, so war das Glück der hohen Defen gemacht. Die 81 Fuß (24,7) hohen auf Southbank und die 96 Fuß (29,3) hohen auf Cleveland sind eine weitere Consequenz, und scheint die Schwärmerei so weit zu gehen, daß man, wie mündlich mitgetheilt wurde, sogar Defen von 120 Fuß (36TM,6) Höhe bauen will. Die Möglichkeit dabei beruht natürlich nur auf der außerordentlichen Festigkeit der verwendeten Cofs und der stückreichen Beschaffenheit des Erzes und Kalkes, welche selbst bei den coloffalen Höhen der Schmelzsäulen noch den nöthigen lockeren Zustand desselben erhält.
Ein Hauptgrund für die Erhöhung mag auch darin zu suchen sein, daß man einen Theil des Röstprocesses in den Hohofen selbst legen wollte. Wenn auch die Hütten durchgehends mit einer großen Zahl Nöstöfen versehen, so find diese doch keinenfalles genügend, um bei dem vollen Betriebe die Erze in einem gut durchgerösteten Zustande liefern zu können. Welchen Werth man auf eine gute Röstung legt, zeigten einė Werke in Middlesborough, welche so große Röstöfen besaßen, daß wir sie aus der Ferne für kleinere Hohöfen hielten, und erst der nähere Augenschein uns aufklärte.
Bestimmtes über den Cofsverbrauch mitzutheilen, ist uns leider unmöglich; weder die Abhandlung von Mr. Bell in den „Transactions", noch Percy geben darüber genügende Aufklärung. Schäßungsweise mag derselbe bei der Darstellung des grauen Eisens zwischen 150 bis 170 Pfd. pro 100 Pfd. Eisen liegen. Percy giebt das Schema einer Charge für Clarence iron works wie folgt:
Cleveland-Erz 8 Cwts. 0 Drs. bis 8 Cwts. 1 Qrs.,
(8,16 bis 8,42 Zollctr.)
2 Qrs. bis 2 Cwts. 3 Qrs.,
Kalkstein. 2 Cofs . . . 6 Da nicht angegeben ist, ob das Erz geröstet oder nicht, wahrscheinlich aber das Erstere der Fall war, aber keine Analysen gerösteter Erze vorliegen, so könnte die Angabe nur zur Anstellung einer ganz rohen Rechnung dienen.
Hiermit die flüchtige Schilderung der Yorkshire-Verhältnisse beschließend, mag noch der andere Hauptfactor der nordenglischen Roheisenindustrie in wenigen Worten erwähnt werden.
*) Diese Temperaturen find auffallend hoch und finden sich bei normalem Betriebe kaum auf einer Hütte Rheinland-Westphalens.
Wenn, wie oben schon erwähnt, die quantitative Production Cumberlands nicht die Bedeutung seiner östlichen Nachbarn hat, so ist die qualitative dagegen von dem größten Werthe. Nicht nur als festes ausgezeichnetes Material für Gießereizwecke ist das Eisen sehr geschäßt, sondern auch für den ungemein wichtigen Bessemerproceß bis jezt noch unentbehrlich. Hematit, Cleaton f. a. b. Witehaven wurde December 1865 I. Qualität mit 85 sh., III. Qualität mit 70 sh. pro ton (1 Thlr. 11 Sgr. 10 Pf. resp. 1 Thlr. 4 Sgr. 3 Pf. pro Centner) notirt, und nach mündlichen Angaben werden augenblicklich die besten Sorten für den Bessemerproceß sogar bis zu 90 sh. (1 Thlr. 14 Sgr. 3 Pf. pro Centner) bezahlt.
1862 wurden producirt in:
=
?
Cumberland 103,455 tons (105,111 fr. Tonnen). Lancashire 138,563 (140,781 ). 1862 wurden in dem Ulverstonebezirke selbst verschmolzen: 167,634 tons (170,316 Tonnen).
Der Preis des Erzes wurde uns (in preuß. Gewicht und Geld umgewandelt) zu 6 Sgr. pro Centner loco Grube angegeben; doch ist für die Richtigkeit der Angabe keine Garantie zu übernehmen, da sie von einem einfachen Arbeiter herrührt. In der Ebene dicht unter den Gruben wurde uns ein mit vielen Ziegelbränden bedecktes Feld, als für die Neuanlage von 6 Hohöfen bestimmt, bezeichnet. Auffallend ist die starke Ausfuhr des Erzes nach den älteren Eisendistricten Englands.
Whitehaven und Barrow an der Westküste Englands scheinen nach eigenen Anschauungen die Haupthäfen für die Verschiffung zu sein. An beiden Orten find besondere Werfte für das Einladen des Eisensteines errichtet, welcher in für diesen Zweck gebauten, zur Seite zu kippenden Waggons von ca. 80 Ctr. (ca. 4100 Klgrm.) Ladungsfähigkeit, direct von den Gruben angefahren und durch einen Trichter auf einmal in den weiten Bauch eines Seeschiffes gestürzt wird. SüdWales wurde als Hauptbestimmungsziel genannt. Waggon, Trichter, Werft, Schiff und Mannschaft glänzten durch das stark abfärbende Erz in einem fettigen rothen Farbentone.
Das bedeutendste Werk des Bezirkes ist das renommirte Ulverstone hematite iron works von Schneider & Hannay in Barrow in Furneß, dicht am Meer (Irish Sea) ge= legen. Es wird ausschließlich nur red hematite verhüttet, und erreicht bekanntlich die Production hier die größte Höhe, welche in England bis jezt erzielt ist. Sie wird im Maximum zu 600 tons pro Woche (171,000 Pfd. in 24 Stunden) angegeben. Mr. L. Bell giebt für Whitehaven Iron Company 500 tons (143,000 Pfd.) an. Die Production ist in der That colossal, denn die Schäzung eines Abstiches (drei in 24 Stunden) ergab mindestens 50,000 Pfd. Die Anlage besteht aus 8 im Betriebe befindlichen (August 1865) in
63,66
einer Reihe stehenden Oefen und 2 neuen noch im Bau bes griffenen. Die älteren Defen, in normalen Dimensionen, sind in der bekannten schottischen Weise*) (Blechmantel auf 6 Säulen stehend) construirt, jedoch so eingerichtet, daß man eventuell an 12 verschiedenen Stellen blasen kann. Die neuen Defen sind in größeren Dimensionen erbaut, und soll nach mündlichen Angaben die Production in denselben erheblich vers mehrt werden. Die Rampenanlage für die Materialienanfuhr ist ähnlich, wie in Yorkshire, das Heizapparatsystem wie dort sehr ausgedehnt, und bilden zwei colossale schiefe Ebenen die Gichtaufzüge, auf welchen die Bedienungsmannschaft jedesmal mit nach oben fährt.
Schön sind die neuen Gebläse. In einem eleganten Gebäude befinden sich 3 Maschinen von 100 Zoll (2TM,5) Gebläsecylinderdurchmesser und 8 Fuß (2,6) resp. 9 Fuß (2,7) Hub (2 Stück 8, 1 Stück 9 Fuß Hub). Es sind Balanciermaschinen mit Condensation und Pumpen. An einem Ende der Gebläsecylinder, am anderen der Dampfcylinder und von dort aus der Balancier hornartig in die Höhe gebogen zum Betriebe einer schiefstehenden Kurbelstange und Kurbel von großem Hube. Die Maschinen machten 16 bis 17 Touren, also ca. 288 Fuß (87TM,8) Kolbengeschwindigkeit pro Minute. **)
Ein Curiosum ist bemerkenswerth. Man wollte bei einem Hohofen die Gase durch ein eingesenktes Rohr ziemlich tief unter der Gicht ableiten. Der Bau eines hohen Kamines
*) Ueber diese Construction vergl. Bd. I, S. 299 d. 3. D. Red. (L.) **) Percy giebt Zeichnung und Details über ähnliche Maschinen, jedoch gekuppelte und preist sie als die neuesten nnd besten englischen Muster.