Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03468.jsonl.gz/2456

Besteht überhaupt ein Problem ?
Wenn man ein Problem als Soll-Ist-Abweichung, also es ist nicht so wie es sein soll, definiert, dann sind viele Probleme eigentlich gar nicht vorhanden. Denn vielfach weiss man nicht so genau, was man überhaupt will.
Meistens werden einfach eine Unmut, eine Ohnmacht als Problem bezeichnet.
Daher sollte man sich zuerst fragen
- Was will ich eigentlich ?
- Warum will ich dies ?
- Was stört mich am derzeitigen Zustand ?
Die Antwort könnte lauten: Ich möchte dieses Jahr meinen Umsatz um 8 Prozent steigern, weil ich befürchte, dass ich ohne Mehrumsatz tüchtige Mitarbeiter entlassen muss.
Beleuchten Sie das Problem auch invers: Was würde üerhaupt passieren, wenn ich das Problem nicht lösen würde.
Wenn man die Auswirkungen geklärt hat, macht man sich Gedanken über die Dringlichkeit. Ist das Problem überhaupt dringlich, oder löst es sich von selbst ? Viele Probleme werden als solche akzeptiert oder einfach umgangen. Ja, ich habe bei der Einführung neuer Programme schon oft erlebt, dass eine solche Problemvermeidung plötzlich eine wichtige Anforderung an die neue Software war.
Wenn ich entschieden hat, das Problem zu lösen, dann greife ich zu Bleistift und Notizbuch und mache mir vier Spalten:
1. Aktuelles Problem
2. Begründungen
3. Lösungen
4. Chancen
5. Betroffene
In der Spalte Aktuelles Problem beschreibe ich den Ist- und den Soll-Zustand des Problems.
In der Spalte Begründungen notiere ich meine Gedanken und Befürchtungen, warum das Problem eingetroffen ist.
In vielen Fällen besteht ein Zielkonflikt: Ist diese neue Lösung überhaupt sinnnvoll, erreichbar und wünschbar ?
In der Spalte Lösungen liste ich alle Schritte der Problemlösung auf. Oft lässt sich ein Probem auf verschiedene Wege lösen. Andere sehen es anders. Dadurch entsteht ein Methodenkonflikt.
In der Spalte Chancen beschreibe ich alle möglichen Vorteile, wenn ich das Problem auf diese Art löse. Dies hilft mit, die Methodenkonflikte zu vermeiden und eine nachhaltige Lösung zu erreichen. Denn die Qualität des Ergebnisses ist Lösung multipliziert mit der Akzeptanz.
In der Spalte Betroffene notiere ich alle, welche vom Problem, der Lösung betroffen sind oder bei der Lösung mithelfen können. Jetzt gilt es einen Weg zu finden, wie die Betroffenen informiert und miteinbezogen werden.
Erstellen Sie diese Uebersicht möglichst schnell, sie muss nicht wochenlang überarbeitet werden bis die perfekte Lösung da ist. Ein bis zwei Tage Gedanken dürfen aber schon hineinfliessen.
Wenn Sie etwas nicht ganz genau wissen, forschen Sie nicht zu lange nach, treffen Sie Annahmen. Erledigen Sie es jetzt, kleinere Mängel können sie immer noch korrigieren, wenn es überhaupt nötig ist.
Was ich in der Armee gelernt habe: Schlafen Sie eine Nacht darüber. Denken Sie an etwas ganz anderes. Wenn Sie sich auf etwas stark konzentrieren, ist die Gefahr gross, dass Sie etwas übersehen – obwohl es wichtig ist.
Sprechen Sie mit anderen Personen. Am besten mit Aussenstehenden. Diese sind nicht betriebsblind habe oft ganz andere und einfachere Ideen.