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Bereits eine Woche nach den Anschlägen am 11. September 2001 macht sich Larry Silverstein, der Pächter des World Trade Center, an die Entwürfe zum Wiederaufbau der Twin Towers. Diese werden schnell verworfen, am Ground Zero beginnt man wieder bei Null. Doch nicht nur der New Yorker Bürokratie-Dschungel aus mitspracheberechtigten Parteien erschwert die Aufgabe, auch die Stimme des Volks will gehört werden. Sofort entstehen unzählige Vorschläge dazu, was auf dem zerstörten Boden mitten in Manhattan entstehen soll. Die Meinungen gehen himmelweit auseinander, das Projekt wird zum schier unlösbaren Problem.
2002 veranlasst die nach den Anschlägen gegründete Lower Manhattan Development Corporation einen Architekturwettbewerb für die Wiedererbauung des World Trade Center. Aus den 406 Beiträgen wurden zwei Finalisten gewählt: Daniel Libeskind und Rafael Vinoly. Nach erbittertem Kampf und öffentlicher Schlammschlacht macht Libeskind das Rennen. Damit findet das Hickhack um Ground Zero jedoch noch lange kein Ende...
New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sagt während eines Interviews: "Berufe ein Meeting ein, stelle reichlich Kaffee zur Verfügung und verriegle die Tür der Toiletten - und dann schau, wie schnell wir zu einer Einigung kommen." Vielleicht hätte er genau das tun sollen.
Richard Hankin hat schon 2006 mit Home Front, seinem Porträt über einen aus dem Irakkrieg zurückgekehrten amerikanischen Soldaten, bewiesen, dass er sein Handwerk versteht. Nun greift er mit 16 Acres erneut ein Thema auf, das viele Amerikaner beschäftigt. Der Film beginnt dort, wo die Anschläge des 11. Septembers 2001 enden: bei den Aufräumarbeiten am Ground Zero. Schnell ist man in der Geschichte, der erste Entwurf ist bereits nach kaum zwei Minuten Film Thema.
Die Einführung der involvierten Personen ist eher knapp gehalten, gut aufzupassen lohnt sich. Hankin inszeniert nüchtern und zügig, bleibt jedoch behutsam. Er vermeidet es geschickt, sich über einzelne Interessensgruppen lustig zu machen und lässt alle gleichmässig Stellung nehmen. Für allzu emotionale Momente bleibt im Film kein Platz, schliesslich werden die Ereignisse von zehn Jahren in 93 Minuten gepackt. Die Sachlichkeit steht dem Film gut. Traumaverarbeitung und Verschwörungstheorien wurden zum Glück aussen vorgelassen. Die Frage, wie und was man auf den Boden baut, der über die Identität einer ganzen Stadt entscheidet, bietet genug Grundlage.
Für unfreiwillig komische Momente sorgt die New Yorker Bürokratie von selbst. Die mehrfache Grundsteinlegung frei nach dem Motto "Die Presse nörgelt? Lass uns eine Zeremonie veranstalten!" dürfte einige Publikumslacher ernten und sorgt dafür, dass die Sache nicht allzu trocken ausfällt. Der Film endet trotz allen aufgezeigten Wirrungen und Machtspielchen der Behörden versöhnlich und entlässt den Zuschauer mit dem Gefühl, dass man jetzt auf gutem Wege ist.
Fazit: 16 Acres ist ein kluger, gut recherchierter Dokumentarfilm mit einem liebevollen Unterton für die Stadt New York deren Bewohner.