Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03181.jsonl.gz/2099

Der Mond, ein Begleiter mit Gesicht
Was hat es mit dem Mann im Mond auf sich? Und wie kam die Erde eigentlich zu ihrem himmlischen Begleiter?Weiterlesen … Der Mond, ein Begleiter mit Gesicht
Dieses Bild des Erdaufgangs wurde am 24. Dezember 1968 von Apollo 8 aus aufgenommen, dem ersten bemannten Raumschiff, das in eine Mondumlaufbahn gelenkt wurde. Das Bild ist zweifellos eines der bedeutendsten Fotos des 20. Jahrhunderts.
An Bord des Raumschiffs Apollo 8 befinden sich Kommandant Frank Borman, der Navigator Jim Lovell sowie der Fotograf der Mission, Bill Anders. Sieben Monate vor der Mission Apollo 11 und den ersten Schritten von Neil Armstrong auf dem Mond wurden diese drei Männer als Kundschafter dorthin geschickt, wo kein Mensch je zuvor gewesen war.
Die Astronauten hatten nur vier Monate Zeit gehabt, ihre Mission vorzubereiten, denn im Lauf des Sommers 1968 hatte die NASA ihr Apollo-Programm gewaltig vorangetrieben. Geheimdienstinformationen sprachen davon, dass Russland den Flug eines Menschen zum Mond vorbereitete ...
Im September starteten die Sowjets tatsächlich die Sonde Zond 5 mit Schildkröten, Fruchtfliegen, Mehlwürmern, Pflanzen, Bakterien und einem Strahlendetektor an Bord. Die Raumkapsel landete nach ihrem Mondumrundungsflug und dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ziemlich unsanft im Indischen Ozean, doch all ihre Insassen waren bei der Rückkehr wohlauf.
Es war für die Amerikaner also von grösster Wichtigkeit, den russischen Vorsprung beim Wettrennen zum Mond wieder aufzuholen.
Die Mission Apollo 8 startete am 21. Dezember 1968 um 7 Uhr 51 Ortszeit, als die Rakete Saturn 5 abhob. Die drei Astronauten in der Kommandokapsel sollten in die Geschichte eingehen: als die ersten Menschen, welche so weit ins All fliegen sollten, dass sie die Rückseite des Mondes sehen würden, und die 6 Tage später wohlbehalten zurückkehren würden.
Eine ihrer Hauptaufgaben bestand darin, den Mond zu kartieren, um den besten Platz für eine zukünftige Mondlandung zu bestimmen. Die Astronauten waren dermassen absorbiert von der topografischen Erfassung des Mondes, dass sie den Erdaufgang regelmässig verpassten. Erst während der vierten Mondumrundung ordnete der Navigator Lovell an, den Sextanten in Richtung des Mondes zu orientieren, um Messungen vorzunehmen. Der Kommandant Borman führte das Drehmanöver mit dem Raumschiff durch, und genau in dem Moment schaute Anders durch eines der einzigen sauberen Bullaugen des Raumschiffs (die anderen waren beim Start schmutzig geworden, als die Schutzschilde durchschmolzen).
"My God! Wow, that's pretty!" rief er aus ("Mein Gott, ist das hübsch!"). Als gewissenhafter Kommandant verbot ihm Borman, ein Foto zu machen, denn das gehörte nicht zum Missionsplan; die Geschichte erzählt nicht, ob das ironisch oder ernst gemeint war ... Wie auch immer, Anders hörte nicht zu und forderte Lovell auf, ihm einen Farbfilm herüberzuwerfen, legte den Film in den Apparat ein und fotografierte.
Anders erklärte: "Wir sind ausgezogen um den Mond zu erforschen, und wir haben die Erde entdeckt."
Zurück auf der Erde wurde das Foto weltberühmt. Es enthüllt gleichzeitig die Schönheit, aber auch die Fragilität der Erde in der Unendlichkeit des Alls. Der Mond erscheint dagegen trist und unfreundlich, und dennoch bereiten sich die Weltraumagenturen heute darauf vor, dass dereinst wieder Astronauten dort landen und bewohnbare Basen errichten sollen.
Wenn ihr also an Weihnachten zum Himmel schaut und den Mond seht, stellt euch die drei Astronauten Borman, Lovell und Anders vor, die als erstes die Distanz von 384'400 km zwischen Erde und Mond durchflogen haben und mit diesem Porträt unseres blauen Planeten zurückgekehrt sind.
Das war vor genau 50 Jahren ...
Text: Martine Harmel, Swiss Space Center, übersetzt und angepasst durch die SimplyScience-Redaktion.