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Das HFR nimmt seine Zukunft in die Hand
Letzten Herbst präsentierte das HFR seine Strategie 2030, mit der es eine erstklassige, patientennahe Versorgung garantieren will. Die Strategie basiert auf einem topmodern ausgestatteten Spitalzentrum, das in der Lage ist, schwere Fälle zu behandeln, sowie Gesundheitszentren in den Regionen und Kompetenzzentren. Was bedeutet das genau und wo steht die Umsetzung? Update mit Marc Devaud, Generaldirektor des HFR, und Fabien Rigolet, stellvertretender Pflegedirektor a.i.
1. Für die Zukunft des HFR stehen grosse Veränderungen an. Was ist genau geplant?
Im Moment kann die Freiburger Bevölkerung auf fünf Spitalstandorte zählen: Billens, Freiburg, Meyriez-Murten, Riaz und Tafers. Während einer Übergangsphase, die bis 2030 andauern wird, also bis zur Schaffung des neuen Spitalzentrums, wird sich jeder dieser Standorte allmählich weiterentwickeln, mit Ausnahme von Billens, der ab Ende 2022 nicht mehr vom HFR betrieben wird.
2. Worin besteht diese Weiterentwicklung?
Jeder der vier Standorte Freiburg, Meyriez-Murten, Riaz und Tafers wird Veränderungen erfahren, die dem Endziel der HFR-Strategie 2030 dienen. Sie werden also schrittweise umgestaltet und beinhalten schlussendlich ein Gesundheitszentrum, in dem die Patienten ambulant betreut werden und am selben Tag wieder nach Hause gehen können. Die Spitaltätigkeit wird im Sinne der Entwicklung von Kompetenzzentren vorübergehend weitergeführt.
3. Was ist ein Gesundheitszentrum genau?
In jedem Gesundheitszentrum werden die vom HFR bisher angebotenen ambulanten Dienstleistungen (z. B. medizinische Permanence oder spezialisierte Sprechstunden) und bestimmte Pflegeleistungen (z. B. Physiotherapie), aber auch neue Angebote wie Osteopathie oder Gesundheitsförderung und Prävention zur Verfügung stehen. Je nach Region und den Bedürfnissen der örtlichen Bevölkerung sind weitere Angebote möglich. So könnte im Gesundheitszentrum im nördlichen Kantonsteil eine HNO-Praxis angesiedelt werden, während im Süden, wo es dieses Angebot bereits gibt, eher andere Dienstleistungen entwickelt werden. Auch komplementäre Einrichtungen wie Zahnärzte oder ein Fitnesscenter sind denkbar. Was die Gesundheitszentren nicht beinhalten werden, sind Operationstrakte für schwere Eingriffe, Notaufnahmen mit spitzentechnischer Infrastruktur und Pflegebetten.
4. Ersetzen die Gesundheitszentren den Hausarzt?
Es handelt sich nicht um ein Konkurrenzangebot, sondern um eine Partnerschaft. Derzeit haben 40 Prozent der Freiburgerinnen und Freiburger keinen Hausarzt, und diese Tendenz wird weiter zunehmen. Diese Menschen müssten dann bei leichten gesundheitlichen Problemen nicht die Notaufnahme oder eine medizinische Permanence aufsuchen, sondern können einen Allgemeinmediziner im Gesundheitszentrum konsultieren. Dieser könnte parallel zu seiner eigenen Praxis Voll- oder Teilzeit als Belegarzt im Gesundheitszentrum praktizieren. Es wäre auch denkbar, dass Hausärzte aus dem Kanton ihre Patienten für eine Leistung, die sie nicht erbringen können, an das Gesundheitszentrum überweisen. Tatsächlich steht das alles noch nicht fest und wir wollen das Konzept des Gesundheitsnetzes gemeinsam mit unseren bestehenden Partnern erarbeiten.
5. Wann werden wir eine konkretere Vision haben?
Bis April 2021 wird das schriftliche Konzept fertig sein. Bis zum Sommer dieses Jahres werden dann bestimmte Teile des Dispositivs in der Praxis getestet. Im August wird ein noch zu definierender Pilotstandort starten. Ab diesem Zeitpunkt werden die Patientenflüsse, Ausrüstungen und Ressourcen angepasst, sodass das erste Gesundheitszentrum am 1. März 2022 eröffnet werden kann. Natürlich muss man bedenken, dass in dieser Übergangsphase bis 2030 nicht alles schlüsselfertig sein wird. In diesen Jahren wollen wir sowohl die Gesundheitszentren als auch die Kompetenzzentren soweit entwickeln, dass sie bei der Eröffnung des Spitalzentrums voll einsatzfähig sind. Im südlichen Teil des Kantons sind Gespräche im Gange, um dies zu realisieren.
6. Parallel zu diesen Gesundheitszentren wird es also Kompetenzzentren geben?
Genau. Diese Kompetenzzentren werden sich auf bestimmte stationäre Leistungen ‒ also Pflegebetten ‒ konzentrieren. Wir haben bereits festgelegt, dass Meyriez-Murten ein Kompetenzzentrum für Rehabilitation und Tafers ein Kompetenzzentrum für Altersmedizin beherbergen soll. Die Villa St. François wird ihre Tätigkeit in der Palliativmedizin fortsetzen. Die Kompetenzzentren in Riaz und im aktuellen HFR Freiburg ‒ Kantonsspital stehen noch nicht fest. Und der Standort Freiburg muss bis zur Eröffnung des neuen Spitals mit seiner Notaufnahme, seinen Operationssälen und Betten weiter als Referenzspital für die Akutversorgung funktionieren.
7. Wie wird das neue Spitalzentrum aussehen?
Es soll im Jahr 2030 auf dem Gelände in Chamblioux eröffnet werden und wird alle hochtechnologisierten Spitaltätigkeiten, die Notaufnahme, die Operationstrakte sowie die stationären Aktivitäten für den gesamten Kanton zusammenführen.
8. Wie ist dieses ehrgeizige Projekt entstanden?
Wir haben ein Kreativteam gebildet, das alle Direktionen des HFR repräsentiert. Dieses hat verschiedene Analysen durchgeführt, um die künftigen Bedürfnisse der Bevölkerung zu definieren. Im Spitalwesen findet gerade eine Ambulantisierung statt, d. h. ambulante Leistungen gewinnen gegenüber den stationären Leistungen an Bedeutung. Es wurde auch beobachtet, dass nicht unbedingt der Patient im Mittelpunkt steht, sondern dass die Bevölkerung eine ganzheitlichere Sicht der Gesundheit hat, die auch die Ernährung oder den Sport umfasst. Dafür werden die Gesundheitszentren geschaffen: um den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden, und zwar in der Nähe ihres Wohnorts.

KURZ UND KNAPP

Die Strategie des HFR 2030 zielt darauf ab, eine zentrale Rolle im Freiburger Gesundheitssystem einzunehmen, sich an der Ausbildung von Ärzten und Pflegenden zu beteiligen und ein aktiver Partner der verschiedenen Gesundheitsdienstleister zu sein. Kurz: ein zugänglicher, qualitativ hochwertiger und patientennaher Gesundheitspartner für die gesamte Freiburger Bevölkerung.