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Olympia-Vorschau III: Die Wundertüte
Artikel - Olympia-Vorschau III: Die Wundertüte
Es ist ein wahres Dilemma: Der Schlag eines Riemenruderers mag noch so perfekt sein, ohne die Synchronizität seines Ruderpartners, der auf der gegenüberliegenden Bootsseite den Riemen führt, ist sein Schlag nichts wert. Bei einem Vierer ohne Steuermann verdoppelt sich diese Komplexität. So ist Riemenrudern ein stetes Suchen nach der perfekten Balance, nach Synchronizität und nach den magischen Momenten, wenn das Boot läuft und das Wasser einem Pfeil gleich teilt.
Andrin Gulich, Joel Schürch, Markus Kessler und Paul Jacquot haben sich der Aufgabe verschrieben, diese magischen Momente zu wiederholen, nachdem dem Boot an der WM in Linz 2019 in leicht anderer Besetzung ein solches Rennen zum richtigen Zeitpunkt mit dem Erreichen des Olympia-Quotenplatzes gelungen war.
Sechs Männer für vier Plätze
Der Schweizer Vierer-ohne besteht indessen nicht nur aus vier Ruderern. Seit Herbst 2020 trainierten im Team sechs Athleten, die sich alle dem Ziel Olympia verschrieben hatten. Erst die Ausscheidungsrennen im März 2021, die sogenannten Trials, entschieden über die Sitzverteilung im Vierer-ohne. Um aber einen überraschenden Ausfall innerhalb der Crew vor den Olympischen Spielen kompensieren zu können, trainierten Scott Bärlocher und Nicolas Kamber das gesamte Frühjahr über und später in Japan als offiziell selektionierte Ersatzleute weiter mit dem Team. Hut ab vor dieser insbesondere psychischen Leistung, wenn eine Einsatzmöglichkeit einzig vom Pech eines Teamkollegen abhängt. Scott Bärlocher bestritt in Tokio am Donnerstag, 22.07., das Einerrennen der Ersatzleute und belegte in seinem Heat den 4. Rang. Nicolas Kamber reiste nach dem Trainingslager in Kinosaki und der Olympia-Auslosung zurück in die Schweiz, da bei Olympischen Spielen für Ersatzruderer sehr rigide Bedingungen gelten, in Tokio noch strenger als bei früheren Olympiaregatten.
Parallelen zum erfolgreichen Saisonabschluss 2019
Mit der Regattasaison 2021 ist die Crew bislang nicht ganz zufrieden. An der EM im April in Varese (ITA) verpasste das Boot den A-Final um gerade mal vier Hundertstelsekunden und war entsprechend enttäuscht. Aber genau hier lassen sich Parallelen zur Saison 2019 ziehen. Auch an der Heim-EM in Luzern schaffte es das Team nicht in den A-Final der besten sechs Boote. Beim Weltcup in Polen drei Wochen später haderte es zudem mit technischen Problemen. Mit viel Akribie, dem wachsamen Auge von Trainerin Anne-Marie Howald auf den Leistungspeak der vier Hünen und einer hohen Leidensfähigkeit sicherten sich die Schweizer an der WM in Linz im August 2019 den Olympia-Startplatz.
In diesem Jahr, im Anschluss an die EM, musste Schlagmann Andrin Gulich wegen eines Infekts drei Wochen aussetzen. Beim ersten Weltcup in Zagreb kam darum Ersatzmann Scott Bärlocher zum Einsatz. Zudem tauschten Markus Kessler und Paul Jacquot zum Start des Olympia-Trainingslagers im Juni die Sitzplätze. Im Bug sitzt seither der 204cm-Mann Paul Jacquot. Das Feilen an Balance und Synchronizität geht unvermindert weiter. Magische Momente sind das oberste Ziel. Was für die vier Männer im Flow möglich ist, kommt dem Auspacken einer Wundertüte gleich.
Programm Schweizer Zeit:
Samstag, 24.07., 5.20 Uhr => Vorlauf (Heat 2)
Montag, 26.07., ab 4.10 Uhr => Hoffnungslauf
Mittwoch, 28.07., 2.06 Uhr => B-Final
3.10 Uhr => A-Final
Details zur Bootsklasse, internationalen Konkurrenz und ein paar persönliche Eckdaten kompakt und handlich zusammengefasst gibt es im