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Holland, die holländische Sprache ... und die Niederlande
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Westdeutschland
Ich beginne mit Behauptungen, die Halb- bzw. Unwahrheiten sind:
Holland ist ein anderer Name für die Niederlande.
In den Niederlanden wohnen nur Holländer.
In den Niederlanden wird überall holländisch gesprochen.
In Belgien spricht man auch holländisch, manchmal wird das flämisch genannt.
Die Hauptstadt von Holland ist Amsterdam.
Holländisch ist ein germanischer Dialekt.
In ihrer Nationalhymne singen die Niederländer, dass sie „von deutschem Blut“ sind.
Darin wird ein „Prinz Wilhelm“ besungen, und der war Deutscher.
Wenn ich jetzt gefragt werde, ob diese Aussagen richtig sind, antworte ich mit der schönen Metapher „jein“, also „ja und nein“.
Wie das?
Obwohl viele Niederländer sagen, sie kämen aus Holland, stimmt das nicht so.
Die Niederlande sind in Provinzen eingeteilt. Holländer sind nur die Einwohner, die in den Provinzen Nord- und in Süd-Holland wohnen. Diese beiden Provinzen sind ganz im Nordwesten der Niederlande und grenzen an die Nordsee. Die Provinzhauptstadt von Nord-Holland ist Haarlem und von Süd-Holland ist Den Haag.
Die Niederlande sind nur ein Teil des Königreichs der Niederlande mit der Hauptstadt Amsterdam und dem Regierungssitz Den Haag. Das ist der europäische Teil. Die 3 Karibikinseln Bonaire, Sint Eustatius und Saba gehören auch dazu, werden aber „Besondere Gemeinden“ oder auch Karibische Niederlande genannt. Sie hiessen zusammen mit weiteren Inseln „die Niederländischen Antillen“, aber die wurden am 10.10.2010 aufgelöst. Die verbliebenen Inseln haben sich dafür ausgesprochen, in das Königreich eingegliedert zu werden.
Holländisch ist ein Dialekt, das in den beiden Provinzen Nord- und Südholland gesprochen wird. Es gibt noch eine Reihe anderer Dialektgruppen, wie unter anderem brabantisch, seeländisch und limburgisch in den Niederlanden; ost- und westflämisch wird in Belgien, kleverländisch in Deutschland und ripuarisch grenzüberschreitend in einem kleinen Gebiet zwischen Aachen und Maastricht gesprochen.
Diese Dialektgruppen gehören zur niederländischen Sprache. So wie in Deutschland „der Duden“ die Entwicklung der deutschen Sprache dokumentiert, ist in den Niederlanden der „Van Dale“, früher auch „de dikke van Dale“ genannt, das massgebliche Wörterbuch der Standardsprache.
Länderübergreifend in den Niederlanden, Flandern (Belgien), Sint Maarten, Aruba, Curacao und Suriname wacht die „Nederlandse Taalunie“ offiziell über die Sprache. Die 4 genannten ehemals kolonialen Gebiete sind zwar inzwischen autonom, haben aber immer noch eine enge Bindung an das Vereinigte Königreich der Niederlande.
Die niederländische Sprache hat die hochdeutsche Lautverschiebung (etwa 500‒600 n. u. Z.) nicht mitgemacht, ist also eine eigenständige indogermanische Sprache. Viele Deutsche meinen, niederländisch zu verstehen, was aber nur teilweise zutrifft, etwa wenn von „slapen = schlafen“, „eten = essen“, „ik = ich“, „maken = machen“ und anderem die Rede ist. Einem normalen Sprechtempo kann oft nicht mehr gefolgt werden.
Niederländisch mit seinen Dialektgruppen ist nicht die einzige Sprache im Königreich. In den überseeischen Gebieten kommen Landessprachen dazu, die meist verbreiteter sind als niederländisch. Papiamente gehört dazu. In den europäischen Niederlanden wird in Friesland westfriesisch gesprochen, auch hier gibt es mehrere Dialekte.
In Belgien gibt es die flämische Volksgruppe. Die Flamen sprechen nach eigenen Angaben „niederländisch“ in mehreren Dialekten, niederländisch ist auch eine der Landessprachen.
Die Nationalhymne des Königreichs der Niederlande ist seit 1932 das „Wilhelmus“. Es besteht aus 15 Strophen mit je 8 Zeilen, deren Anfangsbuchstaben den Namen „Willem van Nassov“ bilden und beginnt so:
„Wilhelmus van Nassouwe
Ben ick van Duytschen Bloedt,
Den Vaderland ghetrouwe
Blijf ick tot inden dood.“
Damit meinen die Niederländer nicht, dass sie zu Deutschland gehören. Der Text wurde im 16. Jahrhundert verfasst und ehrt den historischen Prinzen Wilhelm von Oranien-Nassau, der gegen die Besetzung der Spanier rebelliert und sich auch für Religionsfreiheit eingesetzt hat.
Zu offiziellen Anlässen wird meist die 1.und die 6. Strophe gesungen. Die Hymne ist übrigens auch die Nationalhymne der grossherzoglichen Familie des Grossherzogtums Luxemburg.
Wilhelm wurde 1533 in Dillenburg (heute in Hessen/D gelegen) als Sohn von Wilhem von Nassau und Juliana von Stolberg geboren und erbte unter der Herrschaft von Karl V. von seinem Vetter, René von Nassau, Fürst von Oranien, unter anderem das Fürstentum von Oranien. Um sein Erbe antreten zu können, musste er in den Niederlanden im katholischen Glauben erzogen werden. Unter Karls Sohn, Philip II. von Spanien wurde Wilhelm Statthalter des Königs in Holland, Zeeland und Utrecht. Nach Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten (im sogenannten „Bildersturm“) kam es zum 80-jährigen Krieg gegen Spanien. Mit der Proklamation von 1581, die 1648 im Westfälischen Friedensschluss anerkannt worden ist, wurden die Niederlande unabhängig.
„Duytsch“ oder auch „teutsch“ wurden damals sowohl die Dialekte in Deutschland als auch in den Niederlanden genannt und ist „kontinentalwestgermanisch“ gemeint, besonders in Abgrenzung zu den romanischen Sprachen.
Was sollte man noch wissen? Die Niederlande (ohne die anderen Gebiete) haben zirka 13 Millionen Einwohner (insgesamt 16,7 Millionen), sind mit 402 Einwohnern pro km dicht besiedelt, und das Königreich der Niederlande ist eine parlamentarische Monarchie mit dem König Willem-Alexander als Repräsentant an der Spitze. Seine Frau Maxima stammt aus Argentinien.
Übrigens: Der Begriff „Holländer“ wird auch von vielen Einwohnern der Niederlande akzeptiert, die nicht in den beiden Provinzen wohnen. Holland ist für sie ein „pars pro toto“ (ein Teil steht für das Ganze); Holland steht also für die Niederlande, aber eben nicht für alles!
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