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DIE BERNER SCHRIFTSTELLERIN UND DRAMATIKERIN MAJA BEUTLER IST GESTORBEN
14.12.2021 Die am 8. Dezember 1936 in Bern geborene Schweizer Schriftstellerin und Dramatikerin Maja Beutler (Bild) ist gestorben. Maja Beutler ist in Bern aufgewachsen. Sie arbeitete als Übersetzerin, nachdem sie die Dolmetscherschule Zürich abgeschlossen hatte. Ausserdem absolvierte sie mehrere Studienaufenthalte in Frankreich, England und Italien. 1976 trat Maja Beutler mit der Geschichtensammlung "Flissingen fehlt auf der Karte" an die Öffentlichkeit. 1983/84 war sie als Hausautorin am Stadttheater Bern tätig, sie arbeitete ausserdem jahrelang als freie Mitarbeiterin beim Schweizer Radio DRS. Sie gehörte zu den wenigen Schweizer Dramatikerinnen im deutschsprachigen Raum.* In den Jahren 1976, 1980 und 1984 erhielt sie Buchpreise der Stadt Bern, 1983 den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung, 1985 den Welti-Preis für das Drama und 1988 den Literaturpreis der Stadt Bern.
Foto: © Yvonne Böhler, https://ead.nb.admin.ch/html/beutler.html
Das Bedürfnis, sich von diesem Leben alles zu merken
Einem breiten Publikum wurde sie mit ihren Radio-Morgengeschichten bekannt. Jetzt ist die Berner Autorin und Dramatikerin Maja Beutler im Alter von 85 Jahren gestorben.
Nach 15 Jahren krankheitsbedingten Schweigens hatte Maja Beutler 2009 mit dem Erzählband "Schwarzer Schnee" eine "Wiederauferstehung" als Schriftstellerin erlebt. Es waren souverän komponierte Geschichten mit untergründiger Heiterkeit. Die literarische Bühne betrat Maja Beutler erst verhältnismässig spät im Alter von 40 Jahren mit der Geschichtensammlung "Flissingen fehlt auf der Karte".
Alexander Sury
"Vater konnte kein Wort Italienisch. Und doch herrschte bei uns Zweisprachigkeit, auf gut Deutsch. Vielleicht, weil Mutter aus einem Guss war: tatkräftig, schweizerisch, aus bester Familie. Und Vater war zur Hälfte italienisch, zur Hälfte österreichisch und im Grossen und Ganzen unehelich. Sobald ich reden konnte, versuchte ich mich als Übersetzerin zwischen den häuslichen Fronten. Hätte ich mich je entschieden für die eine oder andere Sprache, so würde ich heute vermutlich nicht schreiben. Aber Vater war ein Revolutionär, der sich nicht zur Handlung bringen konnte. Das weite Feld der Wirklichkeit hat er Mutter geräumt: sie hat uns erzogen, sie hat für uns Zukunftspläne gemacht, sie hat die Familie zusammengehalten. Und Vater sass reglos am Schreibtisch und drehte Buchseiten. Er hat sein Leben verlesen, wie andere es vertrinken. Ganz still hat er dagesessen und trotzdem die ganze Familienwirklichkeit in die Luft gesprengt. Oder ist Lesen etwas anderes als Rebellion gegen die Realität? Wenn ich schreibe, zettle ich jedenfalls Widerstand an – da bin ich mir ganz sicher."
Maja Beutler, 2012
Videos:
DRS "Scheinwerfer", 28.2.1979:
Première des Theaterstücks "Das blaue Gesetz" von Maja Beutler im Städtebundtheater Biel-Solothurn
DRS "Schauplatz", 22.5.1980:
Literaturmarathon Solothurn
Die 2. Solothurner Literaturtage aus der Sicht der Schriftstellerin Maja Beutler
DRS "Das Sonntagsinterview" 8.10.1989:
Maja Beutler im Gespräch mit Helen Isler
DRS "Das Literaturmagazin", 12.11.1989:
Maja Beutler: "Das Bildnis der Dona Quichotte"
Mehr:
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