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Reizdarm und kolorektales Karzinom
Peter Bauerfeind
Colon irritabile
Nachdem bereits frühere Untersuchungen auf eine gewisse Wirksamkeit der Behandlung des Colon irritabile mit Antidepressiva hingewiesen hatten, konnte nun in einer neuen Studie mit 23 nicht-depressiven Patienten mit einem Colon irritabile durch die Therapie mit dem selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer Citalopram im Vergleich zu Plazebo eine signifikante Besserung der Schmerzen und der Blähungen erzielt werden [1]. Darüber hinaus bewirkte der selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer Fluoxetin in einer Doppelblindstudie mit 44 Patienten mit einem von Schmerzen und Konstipation geprägten Colon irritable im Vergleich zu Plazebo einen signifikanten Rückgang der Symptome, weshalb Antidepressiva als eine alternative Behandlungsoption des Colon irritabile betrachtet werden können [2]. Zur bereits gut belegten Wirksamkeit von Tegaserod zeigte eine belgische Studie mit 2'660 Frauen mit einem von Konstipation geprägten Colon irritabile, dass dieses Präparat auch bei der wiederholten Anwendung zu einer signifikant stärkeren Reduktion der Symptome führt als Plazebo [3]. Ausserdem erwies sich eine über 13 Monate fortgesetzte Langzeittherapie mit Tegaserod in einer weiteren Studie bei 85 Prozent der Patienten mit chronischer Konstipation, die bereits auf die vierwöchige Behandlung angesprochen hatten, als wirksam, während eine Metaanalyse für die zwölfwöchige Therapie mit Tegaserod im Vergleich zu Plazebo bei Patienten mit chronischer Konstipation eine signifikante Verbesserung der Darmfunktion und der Symptome ergab [4, 5]. Als interessanter neuer Ansatz wurde in einer Doppelblindstudie die Wirksamkeit der zweiwöchigen Behandlung mit 3 mg Melatonin bei 40 Patienten mit Colon irritabile und Schlafstörungen untersucht, welche gegenüber Plazebo zu einer signifikanten Verringerung der Bauchschmerzen führte [6].
Auf der Suche nach neuen Präparaten zur Behandlung der funktionellen Dyspepsie wurde in einer Studie mit 554 Patienten die Wirksamkeit von Itoprid geprüft, das nach einer Behandlungsdauer von acht Wochen im Vergleich zu Plazebo bei einem signifikant grösseren Anteil der Patienten eine Besserung der Symptome bewirkte [7]. Ausserdem führte die vierwöchige Behandlung mit Omeprazol in einer kanadischen Studie mit 512 Helicobacter pylori-negativen Patienten mit einer funktionellen Dyspepsie bei einem wesentlich grösseren Anteil zu einem vollständigen Rückgang der Symptome als die Therapien mit Ranitidin, Cisaprid oder Plazebo [8].
Kolorektales Karzinom
Zur Primärprävention des kolorektalen Karzinoms ergaben zwei umfangreiche Studien mit weiblichen Probanden, dass Aspirin nur bei einer jahrzehntenlangen Einnahme in hoher Dosierung das Risiko für ein kolorektales Karzinom zu reduzieren vermag [9, 10]. Demgegenüber wurde in einer Doppelblindstudie mit 32'282 postmenopausalen Frauen die Inzidenz der invasiven kolorektalen Karzinome durch die regelmässige Supplementation mit Calcium und Vitamin D nach einer Nachbeobachtungsdauer von 7 Jahren im Vergleich zu Plazebo nicht verringert [11]. Bezüglich der Identifikation von Personen mit einem erhöhten Risiko für ein kolorektales Karzinom ergab eine US-amerikanische Fallkontrollstudie mit den Daten von 118'999 Personen, dass das Risiko für ein kolorektales Karzinom bei Patienten mit einer Hämochromatose um den Faktor 2,4 erhöht ist [12]. Zum Einfluss der Ernährungsgewohnheiten auf das Risiko für ein kolorektales Karzinom liegen die Resultate von zwei umfangreichen Studien vor, welche allerdings nur im Falle eines jahrelangen hohen Konsums von rotem Fleisch eine Risikoerhöhung und für die faserreiche Ernährung keine Risikoverringerung ergaben [13, 14]. Demgegenüber zeigte eine Fallkontrollstudie bei der Anwendung von Serotoninwiederaufnahmehemmern ein reduziertes Risiko für ein kolorektales Karzinom, während die Anwendung von trizyklischen Antidepressiva das Risiko für ein kolorektales Karzinom nicht beeinflusste [15].
Im Rahmen einer prospektiven Studie zur präventiven Wirksamkeit der Koloskopie bei 1'678 Individuen mit einer familiären Belastung für ein kolorektales Karzinom wurde die Inzidenz der Karzinome durch die regelmässige Koloskopie deutlich gesenkt [16]. Nach einer US-amerikanischen Studie wurde in den Jahren 1980 bis 1999 die Inzidenz des kolorektalen Karzinoms signifikant verringert und die Überlebenszeit der Betroffenen verlängert, was vermutlich auf die durch die regelmässigen Koloskopien bedingte höhere Polypektomierate und den immer häufiger gewordenen Nachweis von Karzinomen in einem früheren Stadium zurückzuführen ist [17].
Zur diagnostischen Zuverlässigkeit des neuen immunochemischen fäkalen Hämokkult-Tests ergab eine japanische Studie mit 21'805 asymptomatischen Personen für fortgeschrittene Adenome eine Sensitivität von lediglich 27,1 Prozent und für invasive Karzinome eine Sensitivität von 65,8 Prozent, weshalb für den frühzeitigen Nachweis von kolorektalen Neoplasien wiederholte Tests erforderlich sind [18]. Gemäss einer prospektiven US-amerikanischen Studie zur Verlässlichkeit des Hämokkult-Tests wird der Anteil der Personen, deren positiver Hämokkult-Test mit der anschliessenden Koloskopie nicht erklärt werden kann, durch die regelmässige Anwendung von Aspirin nicht erhöht [19]. Darüber hinaus weisen die Resultate einer weiteren US-amerikanischen Studie mit 420 Personen darauf hin, dass kolorektale Karzinome unter einer Antikoagulation mit Warfarin signifikant häufiger und überdies oftmals in früheren Stadien nachgewiesen werden als bei nicht antikoagulierten Kontrollpersonen [20].
Prof.
Dr. med. Peter Bauerfeind
Literatur