Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03190.jsonl.gz/373

Am 17. Januar 1880 schrieb der damalige Landesstatthalters Carl Muheim im «Urner Wochenblatt» einen Artikel «Zur Volksernährung». Der Verfasser setzte sich dabei eingehend mit dem Problem der Verschlechterung der Volksernährung und dem Überhandnehmen des Schnaps- und Kaffeekonsums auseinander. In seinen Schlussfolgerungen macht er den Vorschlag, in grösseren Ortschaften, Suppenanstalten zu gründen, denn nicht einmal jede Frau wisse eine gute Suppe zu kochen, selbst wenn sie in französischen Instituten gebildet worden sei. Eine gute Suppe aber sei und bleibe die gesündeste und nahrhafteste Erfrischung. Soweit der Aufruf des Landesstatthalters!
Eine gute, nahrhafte Suppe zum Selbstkostenpreis
Der Artikel blieb nicht ohne Wirkung. Es wurde eine Kommission bestellt, welche die Frage der Gründung einer Suppenanstalt zu prüfen und Vorschläge über Mittel und Wege für ein solch wohltätiges Institut auszuarbeiten hatte. Die Sache wurde auch öffentlich diskutiert und die Meinungen, ob eigentliche Volksküchen oder einfachere Suppenanstalten eingerichtet werden sollten, fanden in teils vehementen Zeitungseinsendungen ihren Niederschlag. Einen guten Monat später beschlossen die Einwohner von Altdorf die Gründung der Suppenanstalt als Aktiengesellschaft. Das benötigte Kapital von 800 Franken war durch eine allgemeine Aktienzeichnung aufzubringen. Ein Ausschuss sollte die weiteren Aufgaben übernehmen und mit der Aktiensammlung beginnen. Das gemeinnützige Werk entsprach einem allgemeinen Bedürfnis, speziell in der Bauzeit der Eisenbahn, wo die Preise der Lebensmittel stets im Steigen begriffen waren. Der statutarische Zweck der Suppenanstalt sah vor, „an jedermann, besonders an Arme, Kranke und Hilfsbedürftige eine gute, nahrhafte Suppe zum Selbstkostenpreis zu verabfolgen“.
Am 21. März 1880 fand die konstituierende Aktionärversammlung im Hotel zum Schwarzen Löwen in Altdorf statt, in dessen Verlauf auch ein Präsidium mit Dr. med. Alfred Siegwart als Vorsitzenden gewählt wurde. Dem siebenköpfigen Vorstand gehörten weiter der Schaffner, der Kassier, der Markenkontrolleur, der Aktuar sowie zwei weitere Mitglieder an.
136 Aktionäre zeichneten insgesamt 562 Aktien zu 2 Franken. Freiwillige Beiträge von 135 Franken ergaben die Gesamtsumme des Betriebskapitals von 1259 Franken. Nach vielerlei Vorbereitungen öffnete die Suppenanstalt Altdorf am 2. November 1880 ihre Pforten in der damaligen Kaserne, dem heutigen Zeughaus auf dem Lehn.
Adresse
- Name: Altdorfer Beenälisuppä Suppenanstalt Altdorf
- PLZ / Ort: 6460 Altdorf
- Telefon: 041 870 55 80