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Einst "Superstar für Insider" (Die Welt), zählt Konstantin Scherbakov heute zur Riege der international bekannten Pianisten, die sich einen ganz besonderen Platz auf der gegenwärtigen Klavierszene eingenommen haben. Sein gewaltiges Schaffen wie auch seine Verdienste für Klavierrepertoire und Katalog sind unbestritten. "Einer der fähigsten, willigsten und mutigsten Musiker dieser Tage" – so bezeichnete ihn der berühmte deutsche Kritiker Peter Cossé.
Der phänomenale Sieg des 20-jährigen Pianisten beim Rachmaninoff-Wettbewerb in Moskau 1983 mit nichts anderem als Rachmaninoffs weniger bekannten 4. Klavierkonzert war von symbolischer, gar wegweisender Natur: er hat dem Pianisten seine Interessen, seine künstlerischen Anstrebungen und Zielsetzungen bewusst gemacht, sie bekräftigt und unterstützt. Er verhalf ihm zur Überzeugung, dass dies seine Mission ist - die verlegene, unbekannte aber nicht desto weniger schöne Musik zu fördern. Die nächsten zehn Jahre probiert sich Scherbakov in verschiedenen stylistischen Richtungen aus, erforscht die Ausdrucksmöglichkeiten, sucht nach eigenem Stil, vervollständigt sein Klavierspiel. Er spiet hunderte von Konzerten in der ehemaligen USSR und arbeitet intensiv im Studio des staatlichen Rundfunks. Studiert und gespielt sind u.a. die Gesamtwerke von Sergei Rachmaninoff (wobei Scherbakov in seinem Land mehrere Werke des Komponisten pioneert hat), die sämtlichen Sonaten Prokofievs, sämtliche Werke von Ravel wie auch Werke der französischen Komponisten: Debussy, Gruppe „Les six“, Messiaen und Faure. Er bleibt aber auch seinen geliebten Herzensfreunden Beethoven, Chopin und Schubert treu. 1990 hat das Europadebüt Scherbakovs beim XX. Festival im italienischen Asolo stattgefunden, wo er an vier Abenden das Gesamtwerk von Rachmaninoff spielte. Swiatoslav Richter war anwesend und sprach höchstes Lob aus. Konzerteinladungen in Westeuropa waren die Folge.
Scherbakovs Werdegang ist nicht von Ruhmsucht geprägt, sondern von selbstloser Hingabe an die Musik. Musiker zu sein versteht er vor allem als eine Verantwortung gegenüber der Musik. Daher Scherbakovs künstlerisches Credo: nicht im Vordergrund zu stehen, sondern und vor allem im Dienst der Musik zu sein. Der Pianist als Vermittler, Botschafter des Komponisten, dem Ausdruck dessen Willens anvertraut wird – das ist das ästhetische Konzept, das den ganzen künstlerischen Weg Scherbakovs bestimmt. Die unersättliche musikalische Neugier und eine aussergewöhnliche Fähigkeit, unkonventionelle und höchst komplizierte Texte sich schnell anzueignen, sowie das analytische Denken und die Virtuosität, der keine Grenzen bekannt sind– das sind die notwendigen Voraussetzungen, die Scherbakov auf seiner Reise durch das Ozean der Klavierliteratur begleitet haben.
In den letzten fünfzehn Jahren arbeitet Scherbakov unheimlich intensiv, produziert eine CD nach der anderen, über 40 an der Zahl: so nahm er für „Naxos“ alle konzertanten Werke von Medtner, Respighi, Tschaikovsky und Scriabin auf wie auch Klavierkonzerte von Rachmaninoff, das komplette Klavierwerk von Schostakowitsch, wobei einen durchschlagenden Erfolg erzielte vor allem die Einspielung von 24 Präludien und Fugen. Prämiert mit dem Cannes Classical Award beim MIDEM 2001, hinterliess diese Aufnahme eine nachhaltende Spur in Scherbakovs Konzertkarriere, die zuletzt mit seinem Debüt bei den Salzburger Festspielen 2005 kulminiert hat („Man kann Schostakowitsch nicht besser spielen!“ Wiener Zeitung). Konstantin Scherbakov ist der einzige Pianist, der das Gesamtwerk von Leopold Godowsky spielt und in Aufnahmen dokumentiert; bis jetzt sind 13 CDs des gigantischen, auf 15 CDs geplanten Projekts erschienen.
Ausserdem hat der "Lifelong Beethovenian" (Hi-Fi News) in diesen Jahren noch ein riesiges Projekt realisiert. Wie nur wenige Pianisten vor ihm hat er alle neuen Sinfonien von Beethoven in Lisztschen Transkriptionen einstudiert, in Konzerten präsentiert und schliesslich aufgenommen. Allgemeine Begeisterung der Fachwelt resultierte in zweifacher Auszeichnung mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und mehreren Konzerteinladungen, u.a. nach Wien, Berlin, New York, Auckland, Paris und Moskau, aber auch zu Festivals wie Klavierfestival Luzern, Salzburg, Bad Kissingen oder Klavierfestival Ruhr; in Mailand debütierte Scherbakov als Dirigent mit einem Beethoven-Mozart Programm. Seit Jahren präsentiert er den Zyklus der gesamten Sinfonien und Sonaten Beethovens in der Zürcher Tonhalle oder in der National Concert Hall in Taipei. 2016 wird er das Beethoven-Fest Bonn eröffnen.
1998 wurde Konstantin Scherbakov als Professor an die Züricher Hochschule der Künste berufen. Viele seiner Studenten sind Preisträger namhafter Wettbewerbe, so gewann z.B. seine Studentin Yulianna Avdeeva 2010 den Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau.
Konstantin Scherbakov lebt und arbeitet in Zürich, Moskau und in Palamos an der katalanischen Küste.