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Frankreich (?), 3. Viertel 17. Jahrhundert
Wachs, Saatperlen, farbiges Glas, Papier, teilweise gefasst; Messing, Leder
H. 5 cm, B. 3,7–3,8 cm
Inv. 1880.166.
Die insgesamt 51 hochovalen Medaillons zeigen in polychromem Wachs eine Serie der französischen Könige vom legendären Faramond, dem angeblich ersten Merowingerkönig, bis hin zu Heinrich III. (1574–89). Die Regenten sind als Büsten entweder im Profil oder im Dreiviertelprofil dargestellt, mit variierenden Gewändern, Kronen, Hüten und Bärten. Die Wachsbüsten liegen jeweils auf Glas, das auf der Unterseite schwarz bemalt ist. Wie die brandenburgischen Wachsmedaillons (Kat.-Nr. 89) sind die Königsbildnisse an Kronreifen, Hutschnüren und Knopfleisten mit winzigen Saatperlen und farbigen Glassplittern bereichert. Der Wachsbildner vermochte stärker noch als Heinrich Rappost d. Ä. in Berlin verschiedene textile Strukturen nachzuahmen: Goldborten ziehen sich die Säume entlang, und eingeprägte Muster imitieren gewobene Stoffe. Die Bildnisse sind in Messingkapseln eingefasst, die von hellbraunem geprägtem Leder überzogen sind. Vermutlich sekundär wurde das erste Medaillon, das des Faramond, in einer Holzkapsel montiert. Jedes Bildnis ist mit dem Namen des Königs, dem Titel REX FRANCORUM und der Nummer in dieser Reihe beschriftet. Da Heinrich III. demnach der 62. König der Franken ist, lässt sich ohne tiefere Geschichtskenntnisse ablesen, dass wenigstens elf Medaillons fehlen.
Die erste Nennung der Wachsbildnisse findet sich nicht in einem Inventar, sondern um 1683/84 in einem Brief zweier französischer Glaubensflüchtlinge, Jean de Labrune und Paul Reboulet. Bei einem Besuch des Museums Faesch hatten die Wachsmedaillons anscheinend einen gewaltigen Eindruck auf die beiden hinterlassen, so dass sie schrieben: «On y void tous les Rois de France en cire, depuis Pharamond jusqu’à Louis XIV.» (Reboulet/Labrune 1686, II, S. 25). Laut dem Inventareintrag von 1772 lagen in der Schublade eines Buffets insgesamt 25 Wachsbilder der französischen Könige und 28 weitere, jedoch nicht näher identifizierte Porträts in einer anderen Lade. Betrachtet man diese als zusammengehörig, wären damals insgesamt 53 Bildnisse erhalten gewesen. Im Eingangsbuch des Museums von 1880 werden summarisch 60 Brustbildnisse aufgeführt, darunter jedoch auch eine unbestimmte Anzahl von Gipsreliefs.
Die Wachsmedaillons gehen zurück auf eine Kupferstichfolge, die vermutlich erstmals 1546 in dem Werk Epitome Gestorum LVIII Regum Franciae … erscheint, verlegt von Balthazar Arnoullet in Lyon. Diese Kupferstiche, die zu diesem Zeitpunkt nicht weiter als bis zu Franz I. (1515–1547) reichen konnten, wurden lange fälschlich dem gebürtig niederländischen Porträtmaler Corneille de la Haye († 1575) zugeschrieben (AKL 21, S. 229–230 [Anne Dubois de Groër]) und können bis heute nicht mit einem Künstlernamen verbunden werden. In verschiedenen Chroniken wurden die Kupferstiche bis ins 18. Jahrhundert wiederverwendet, modifiziert und ergänzt. In gleicher Weise offenbaren auch die Wachsbildnisse Variationen zu den Vorbildern. Wegen der Ungleichzeitigkeit der Vorlagen und ihres unterschiedlichen Realitätsgehaltes weichen die einzelnen Porträts in Haar- und Gewandmode voneinander ab.
Heinrich III. ist zwar der letzte auf den vorliegenden Medaillons porträtierte Monarch (1574–1589), nach der Aussage von Labrune und Reboulet schloss die Reihe aber mit Ludwig XIV. auch den Regenten ihrer Zeit ein, der 1643 den Thron erbte, 1651 für volljährig erklärt und 1654 gekrönt wurde. Da das Bildnis des Sonnenkönigs nicht mehr vorhanden ist, lässt sich nicht mehr vom Alter des Dargestellten auf die ungefähre Entstehung der Serie schliessen. Remigius Faesch starb 1667, und da sein Neffe und Erbe Sebastian die Sammlung ausser mit numismatischen Werken wohl nicht mehr wesentlich erweiterte, sind die Wachsbildnisse vielleicht zwischen 1651 und 1667 zu datieren.
Aufgrund der weiten Verbreitung der Kupferstichvorlagen hätten die Wachsbildnisse auch ausserhalb Frankreichs entstanden sein können. Die Namen der Könige sind jedoch nicht in der lateinischen, sondern wie Clotaire, Charles oder Louis in der französischen Form wiedergegeben. Dies mag zwar ebenso auf die Kupferstiche zurückzuführen sein, die je nach Edition in Latein oder Französisch beschriftet sind, kann aber als ein Hinweis auf eine Entstehung der Wachsbildnisse in Frankreich gewertet werden. Französische Wachsbossierungen sind auch aus dem 17. Jahrhundert nachzuweisen, selbst wenn den Medaillons keine analogen Serien zur Seite zu stellen sind. Obwohl die Wachsbildnisse im dritten Viertel des 17. Jahrhunderts einer Zeit entsprangen, in der die Produktion solcher Werke langsam an ihr Ende kam, sind sie als kleinformatige und fein modellierte Arbeiten Kunstkammerstücke «par excellence».