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Ökologisch unbedenkliches Gold gibt es nicht. Perus Regierung versucht immerhin, den illegalen Goldabbau im Land einzudämmen. Bisher erfolglos.
Wer Adrian Chambis Laden in La Rinconada betritt, hofft, auf einen Schlag reich zu werden. So wie der dick vermummte Bergmann, der eine in Papier gewickelte Kugel aus dem Hosensack kramt und auf den Ladentisch des Goldaufkäufers legt. 19,6 Gramm zeigt die Waage an. Das entspricht rund 650 Franken, die Chambi auszahlt, ohne den Bergmann nach seinem Namen oder danach zu fragen, woher er das Gold hat.
Das Gold stammt aus einem Schacht, in dem ohne Genehmigung in einer Art Frondienst gefördert wird: Der Bergmann arbeitet unbezahlt 21 Tage für den Minenbesitzer, danach darf er einen oder zwei Tage auf eigene Faust schürfen. Das Gestein aus dem Schacht wird in einer Gesteinsmühle mit Wasser und Quecksilber gemahlen. Das Quecksilber landet danach in einer silbrig glänzenden Lagune.
Ohne staatliche Erlaubnis Gold zu schürfen oder Gold von einem Bergmann ohne Schürferlaubnis zu kaufen, soll nun in Peru unter Strafe gestellt werden. In La Rinconada, dem informellen Bergbauzentrum in Perus Anden auf 5200 Metern Höhe, kümmert das allerdings niemanden. Hier leben bis zu 40 000 Bergleute und HändlerInnen und nur eine Handvoll Polizisten. Gesamthaft soll es in Peru zwischen 100 000 und 200 000 Kleinbergleute geben. Sie schürfen entweder unter Tage nach Gold, wie in La Rinconada, oder sie graben den Flusssand an den Andenabhängen und im Regenwald um. Keine andere Arbeit in den Anden oder im Urwald ist so lukrativ wie die Suche nach Gold. Rund zwanzig Prozent des aus Peru exportierten Golds stammen aus dem meist illegalen Klein- und Kleinstbergbau.
Neue Bedingungen für Konzessionen
Dem Staat entgehen dadurch nicht nur grosse Summen an Steuereinnahmen, diese Form des Goldabbaus verursacht auch immense Umweltschäden: So wird pro Gramm Gold die zwei- bis dreifache Menge Quecksilber eingesetzt; und um das Gold aus dem Flusssand waschen zu können, werden zuerst die Bäume am Ufer gefällt. Hinzu kommen soziale Probleme im Umfeld der Minen wie illegale Prostitution, Kinderarbeit oder mangelnder Arbeitsschutz. Die Hauptopfer des informellen Bergbaus sind die Bergleute selbst: Sie atmen die Quecksilberdämpfe ein oder essen die Fische aus quecksilberverseuchten Flüssen. Zu Recht wird das so gewonnene Gold in Anlehnung an Afrikas Blutdiamanten auch Blutgold genannt.
Dies soll sich nun ändern. Mittels einer sogenannten Formalisierung will die Regierung das ungeordnete Goldschürfen in geregelte Bahnen lenken. So sollen Klein- und KleinstschürferInnen in Zukunft ausschliesslich mit einer Schürferlaubnis arbeiten dürfen – die bekommt aber nur, wer eine Konzession, einen Pachtvertrag oder die Zustimmung der LandbesitzerInnen vorweisen kann sowie eine Erlaubnis zur Wassernutzung und ein Umweltgutachten vorlegt. Nach Protesten und Strassenblockaden der Bergleute wurde die Umsetzung der neuen Bestimmungen bis im April 2014 aufgeschoben.
Falsche MinenbetreiberInnen
Längst ist der Klein- und Kleinstbergbau nicht mehr klein: Gerade an den Flussläufen des Regenwalds wird mit grossen Baggern und Lastwagen gearbeitet. Das dafür nötige Benzin transportieren Lastwagen über die Andenserpentinen. Und auch wenn die Armee immer wieder medienwirksam ein paar Flussbagger zerstört – gegen einen Obolus lässt so mancher Polizist einen Benzinlaster durch.
Wer also sicher sein will, dass er oder sie kein Gold kauft, bei dessen Förderung der Regenwald abgeholzt und die Flüsse mit Quecksilber vergiftet werden, muss «seine» Mine persönlich kennen. Nach diesem Prinzip arbeiten in Peru derzeit zwei zertifizierte Fairtrademinen, die mit Unterstützung der Allianz für verantwortlichen Bergbau und einer niederländischen nichtstaatlichen Organisation entstanden. Beide sind Genossenschaften, und beide haben einen langjährigen Aufbauprozess hinter sich. Sie arbeiten zudem im Untertagebau im trockenen Küstengebirge im Süden des Landes. Beim Gesamtertrag der peruanischen Goldproduktion fallen diese zertifizierten Minen jedoch noch nicht ins Gewicht.
Und es gibt noch weitere Hürden auf dem Weg zu mehr fairem Gold. So gibt Goldaufkäufer Chambi aus Rinconada unverblümt Auskunft, an wen er das illegal geförderte Gold des vermummten Bergmanns weiterverkauft: an grössere GoldhändlerInnen, die sich als MinenbetreiberInnen registriert hätten und die hinter dieser Fassade illegal gefördertes Gold aufkauften. Dieses gerät so in den regulären Handelskreislauf – und damit auch in die Schweiz.
Wirksamer Druck, um diese Situation zu ändern, könnte also auch von ImporteurInnen ausgeübt werden, indem sie kein Gold mehr annehmen, dessen Herkunft sie nicht hundertprozentig bis zur Mine zurückverfolgen können.