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Historienepos
China 2008
Alternative Titel Red Cliff - Part 1; Chi bi; Red Cliff, Episode 1; The Battle of Red Cliff;
Red Cliff - Die drei Königreiche; 赤壁
Regie
John Woo
Drehbuch John Woo, Chan Khan, Kuo Cheng, Sheng Heyu
Darsteller Tony Leung Chiu-Wai, Takeshi Kaneshiro, Zhang Fengyi, Lin Chiling, Chang Chen,
Vicky Zhao Wei, Hu Jun, Shido Nakamura, You Yong, Hou Yong, Song Jia, Tong Dawei, Tong Jiang
Länge 145 Min. (Part 1)
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 16
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.|
©
Text Marco, molodezhnaja 22.9.08
© Bilder Mei Ah Entertainment, Screenshots molodezhnaja
STORY
208 nach Christus: Der Premierminister des Reiches Han, Cao Cao (Zhang Fengyi), startet mit seiner riesigen Armee die Invasion des Südens. Er will die abtrünnigen Reiche Sun und Wu in die Knie zwingen. In einer blutigen Schlacht von Chang Ban dezimiert er die Sun-Armee unter Liu Bei (You Yong), obwohl der an seiner Seite die drei unschlagbaren Generäle Zhao Yun (Hu Jun), Guan Yu (Ba Sen Zha Bu) und Zhang Fei (Zang Jingsheng) kämpfen liess. Der geschlagene Liu Bei flieht daraufhin ins Reich Wu. Mit Hilfe seines strategischen Planers Zhuge Liang (Takeshi Kaneshiro) will er dort eine Allianz mit Sun Quan (Chang Chen) schmieden, dem Anführer des Wu-Clans. Da der Herrscher noch zögert, macht sich Zhuge an dessen Armeechef Zhou Yu (Tony Leung) heran, der seine Männer in Red Cliff trainiert. Die beiden Denker harmonieren blendend und hecken einen Plan aus, wie sie Cao Cao stoppen können.
REVIEW
Lang ist er. Oft fast quälend lang. Doch man spürt in jeder Einstellung, dass sich John Woo mit "Red Cliff" den Begriff Epos hart erarbeiten will. Schliesslich ist diese Historienverfilmung Woos Rückkehr nach China nach einer Abwesenheit von 15 Jahren. Sein Stern ist in Hollywood gesunken, es war also an der Zeit, dass er in Asien wieder aufging. Woo kleckerte darum nicht, er klotzte. Seine oft akribisch rekonstruierte Schlachtplatte ist mit einem Budget von 80 Millionen Dollar der teuerste chinesische Film überhaupt und in seiner integralen Form fast fünf Stunden lang, weshalb er im asiatischen Raum in zwei Teilen lief. Der erste bekam den Starttermin Juli 2008, der zweite den Januar 2009. Für den Westen bleibt noch eine auf 147 Minuten heruntergekürzte Fassung übrig.
Warum diese ausufernde Länge? Das liegt zum einen an der Vorlage: "Red Cliff" basiert auf dem zentralen Teil der Chroniken der drei Königreiche, die im 3. Jahrhundert verfasst wurden und im 14. Jahrhundert als Grundlage für Luo Guanzhongs chinesischen Literaturklassiker "Romance of the Three Kingdoms" diente. Wer sich diesen Werken so exakt wie möglich widmen will, der braucht Zeit, denn die Fülle an Figuren, Informationen und Schlachten ist immens. Zum anderen wollte Woo seine Chance nutzen: Er hatte ein Staraufgebot, ein gigantisches Budget und grosse Mengen von Statisten zur Verfügung - das schrie regelrecht nach der gigantischsten Umsetzung, die möglich war.
Und genau das ist "Red Cliff". Gigantisch. Zwar gibt es immer wieder intime und persönliche Szenen, in denen die Beziehungen der Figuren ebenso erörtert werden wie die historischen Hintergründe - doch stets kommt es zu wuchtigen Konfrontationen, die detailverliebt und mit Sinn für Strategie auf die Leinwand gebracht wurden. Besonders auffällig ist die letzte grosse Schlacht im Film, bei der eine ungewöhnliche Taktik zum Zug kommt und in deren Verlauf Woo jedem einzelnen General seinen Showkampf gönnt. Das Ganze dauert eine gefühlte Ewigkeit und es ist leicht zu sehen, dass an dieser Stelle für den westlichen Release ganz gehörig geschnipselt wird.
Auf der anderen Seite hat gerade diese Hingabe an die Details auch etwas Faszinierendes. Es gab zuvor schon viele Verfilmungen der Drei-Königreich-Geschichte, zuletzt mit Andy Lau und Sammo Hung im soliden Three Kingdoms, doch kaum ein Filmemacher ausserhalb der chinesischen Serienproduktionen nahm sich bisher vor, derart viele Aspekte der Kampfhandlungen und des Schmiedens von Allianzen zu zeigen. Beachtlich dabei ist, dass die Story an sich ziemlich fokussiert auf diesen Teil der Drei-Königreich-Erzählungen abzielt und Woo die Handlung (im Vergleich zu anderen Werken mit demselben Inhalt) fast schon geradlinig erzählt. Es ist für westliche Zuschauer auch so noch kompliziert genug, die Fraktionen im Griff zu halten, doch Woo verdient Lob für die entbündelte Dramaturgie.
Der Meister tut freilich nicht alles alleine. Woo stand vor und hinter der Kamera ein talentiertes Team zur Seite. So steuerte der Japaner Taro Iwashiro (Shinobi, The Sinking of Japan) einen angemessen wuchtigen Soundtrack bei, während Lu Yue (Assembly) und Zhang Li (The Banquet) die Bilder liefern. Yue und Li setzen auf klassische Kompositionen, den Wechsel aus eindrücklichen Totalen und intimen Nahaufnahmen, stets robust und zeitlos - nur manchmal aufgepeppt durch rasche Zooms und dynamische Kamerafahrten. Diese machen den Film nicht etwa billig, sondern verleihen ihm etwas Tempo. Zudem passt der Stil zum Hongkong-Kino der Shaw Brothers-Ära, als gezoomt wurde wie wild. Verfeinert wird das Ganze durch stattliche Tricks und gediegenen Schnitt, bei dem dann und wann sogar klassische Wipes zum Einsatz kommen.
Vor der Kamera brilliert anfänglich vor allem Takeshi Kaneshiro (Warlords, House of Flying Daggers). Der Schönling zeigt zurückhaltende Reife und dominiert die Kämpfe im Hintergrund. Der eigentliche Star Tony Leung, der den abgesprungenen Chow Yun-Fat ersetzte, tritt erst nach gut 40 Minuten auf und reisst den Film danach an sich. Unterstützung bekommen die beiden von Zhang Fengyi, der hiermit seine erste Rolle seit The Emperor and the Assassin (1998) spielt, dem etwas unterforderten Chang Chen, der Debütantin Lin Chiling und einer Reihe weiterer weniger bekannter, aber treffend besetzter Akteure.
Der ganz grosse "Wow"-Faktor fehlt dem Film indes. Das mag daran liegen, dass Fans mit Spektakeln wie Warlords schon gut bedient wurden in diesem Bereich und "Red Cliff" keine neuartigen Ideen mit sich bringt. Es handelt sich vielmehr um grosses, unterhaltsames Kino alter Schule. Dass nach Teil eins ein echtes Höhepunkt-Ende fehlt, schmälert den Genuss, und auch ein paar Längen tun weh. Nicht zuletzt erkennt man hinter der meist klassischen Inszenierung den alten John Woo nur selten. Sein Stil ordnet sich der Handlung unter. Höchstens im Detail ist Woo noch sichtbar - witzigerweise etwa dann, wenn General Zhao im Gemetzel ein Baby schützt. "Hard Boiled" lässt grüssen. Oder wenn eine Taube übers Schlachtfeld gleitet.
Dass Woo nicht mit inszenatorischen Mätzchen protzt, ist allerdings der richtige Ansatz, schliesslich soll sein Epos über die Jahre Bestand haben. Etwas mehr Leidenschaft hätte man sich gewünscht, etwas kürzere Schlachten vielleicht auch. Und etwas mehr Tempo sowieso. Doch mit einem beeindruckenden Ensemble und prächtiger Ausstattung schuf John Woo ein bemerkenswertes Epos, das Lust auf mehr macht. Es bleibt die Hoffnung, dass die zweite Episode die vielen aufgegleisten Ideen zu Ende bringt und es noch besser schafft, die Zuschauer aus den Socken zu hauen. Eines ist aber schon jetzt klar: Die Rückkehr nach Asien hat Woo gut getan. Willkommen zurück.
Fortsetzung: Red Cliff II (2009)
MEINE DVD
Hongkong, Code 3, NTSC
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Mandarin 5.1 und DTS mit englischen und chinesischen Untertiteln.
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