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Die
Lungen von Kindern, die zu früh auf die Welt kommen, sind sehr empfindlich.
Häufig entwickeln Frühgeborene daher eine chronische Lungenerkrankung, die
schwerwiegende Auswirkungen auf das weitere Leben haben kann. Zu den möglichen
Folgen der chronischen Lungenerkrankung gehören der Tod noch im Säuglingsalter
und die Beeinträchtigung der geistigen und körperlichen Entwicklung, falls die
betroffenen Kinder überleben.
Die
Ursachen für die chronische Lungenerkrankung, auch «Bronchopulmonale Dysplasie»
genannt, sind vielfältig. «Die Natur hat nicht vorgesehen, dass die Lungen
bereits so früh funktionieren müssen, auch führen häufig Entzündungsvorgänge
unterschiedlichster Ursachen zu einer zusätzlichen Schädigung der Lungen», sagt
Prof. Dr. Dirk Bassler, Direktor der Klinik für
Neonatologie des Universitätsspitals Zürich und Erstautor der am 15. Oktober im
New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie.
Die Frühgeborenen sind die Stiefkinder der Pharmaindustrie
Den Ärzten, die sich um Frühgeborene kümmern, stehen nur wenige Medikamente zur Behandlung der Bronchopulmonalen Dysplasie zur Verfügung. Bis heute gibt es weder in Europa noch in den USA Medikamente, die für die Vorbeugung oder Behandlung der Bronchopulmonalen Dysplasie zugelassen sind. Das liegt u.a. daran, dass es sich für die Pharmaindustrie häufig nicht lohnt, in kostenintensive Studien und Zulassungsverfahren zu investieren, da die Gruppe der zu früh geborenen Kinder relativ klein ist und keinen gewinnversprechenden Markt darstellt. Aus diesem Grund kommt den direkt von Ärzten veranlassten Studien in dieser Patientengruppe eine umso grössere Bedeutung zu.
Manchmal kommen zur Behandlung der Bronchopulmonalen Dysplasie Glukokortikoide zum Einsatz, die zur Gruppe der Steroidhormone gehören. In einer gross angelegten Studie wurde nun untersucht, ob die Inhalation von Budesonid, einem entzündungshemmenden synthetischen Wirkstoff aus der Gruppe der Glukokortikoide, einen Einfluss auf die Bronchopulmonale Dysplasie und das Überleben von Frühgeborenen hat.
Für die «Neonatal European Study of Inhaled Steroids» (NEUROSIS), wurden 863 Frühgeborene, die vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden, in 40 Studienzentren in neun Ländern erfasst. Das macht NEUROSIS zu einer der grössten, jemals in Europa initiierten, randomisierten Studien bei Frühgeborenen. Wissenschaftlich geleitet wurde die Studie von Dirk Bassler aus Zürich (ursprünglich Tübingen) und koordiniert von Prof. Dr. Christian Poets, Direktor der Abteilung für Neonatologie der Universitätskinderklinik in Tübingen, Deutschland. Finanziert wurde NEUROSIS durch Fördergelder der Europäischen Union im 7. Forschungsrahmenprogramm. «Ohne die Unterstützung von vielen Familien, engagierten Ärzten und Wissenschaftlern in Europa und in Israel wäre die Studie allerdings nicht möglich gewesen», so Bassler und Poets.
Weniger Lungenerkrankungen und weniger künstliche Beatmung nötig
Die Ergebnisse zeigen klar und zum ersten Mal, dass die Inhalation von Budesonid die Brochopulmonale Dysplasie bei Frühgeborenen statistisch signifikant reduziert. Dem steht gegenüber, dass die absolute Zahl der im Studienzeitraum verstorbenen Kinder in der Behandlungsgruppe höher war als in der Placebogruppe. Dieser Unterschied ist nicht statistisch signifikant. Das bedeutet, dass es sich dabei um ein zufälliges Ergebnis handeln kann, das nichts mit der Inhalationstherapie zu tun hat, wie im New England Journal of Medicine nachzulesen ist. In der Gruppe der Kinder, die mit Budesonid behandelt wurden, war weiterhin die Notwendigkeit der künstlichen Beatmung nach Absetzen der Studienmedikation signifikant geringer. Das gleiche gilt für die Notwendigkeit eines operativen Verschlusses einer Blutgefässverbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie. Nebenwirkungen traten in der Behandlungs- und der Placebo-Gruppe gleich häufig auf.
Die Ergebnisse der Studie bedeuten einen wichtigen zusätzlichen Erkenntnisgewinn, da der Einsatz von inhalativen Glukokortikoiden auf neonatologischen Stationen in Europa und den USA weit verbreitet ist, vor der Veröffentlichung der NEUROSIS-Ergebnisse aber wenig über Vorteile und Risiken dieser Behandlung bekannt war.
Ob sich die Verabreichung von Budesonid per Inhalation zur Vorbeugung der chronischen Lungenerkrankung von Frühgeborenen in der klinischen Praxis durchsetzen wird, hängt jetzt vor allem von den Langzeitergebnissen der Studie ab. Das NEUROSIS-Studienprotokoll sieht vor, dass die Frühgeborenen im Alter von 18-22 Monaten nachuntersucht werden.
Publikation:
Dirk Bassler, M.D., Richard Plavka, M.D., Ph.D., Eric S. Shinwell, M.D., Mikko Hallmann, M.D., Ph.D., Pierre-Henri Jarreau, M.D., Ph.D., Virgilio Carnielli, M.D., Johannes N. Van den Anker, M.D., Ph.D., Christoph Meisner, Ph.D., Corinna Engel, Ph.D., Matthias Schwab, M.D., Henry L. Halliday, M.D., and Christian F. Poets, M.D., for the NEUROSIS Trial Group.
Early Inhaled Budesonide for the Prevention of Bronchopulmonary Dysplasia, New England Journal of Medicine, 373;16, 1497-1506.
www.nejm.org
Ansprechpartner für Fragen:
Prof. Dr. Dirk Bassler, MSc
Direktor der Klinik für Neonatologie, UniversitätsSpital Zürich
<email-pii>
Tel.: +41 44 255 86 20 (Unternehmenskommunikation)
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