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Beide Maschinen waren derartig angeordnet, daß die Zugtiere einen Karren
[* 5] in Bewegung setzten, an welchem seitwärts der Schneidapparat
angebracht war. Dieser bestand, bez. besteht heute noch aus einem Balken (Fingerbalken), an welchem in Abständen von 7-10
cm nach vorn spitz zugehende, in der Längsrichtung geschlitzte Finger angebracht sind. Dieselben dienen bei der Vorwärtsbewegung
der Maschine
[* 6] zum Festhalten und leichten Zusammenpressen der zu schneidenden Frucht.
Durch die Schlitze der Finger wird mittels einer Übertragung von den Fahrrädern der Maschine das Messer
[* 7] hin- und hergehend bewegt.
Dasselbe setzt sich aus einem rechteckigen eisernen Balken in Linealform zusammen, auf oder unter welchem
dreiseitige scharfe Stahlklingen dicht nebeneinander angenietet sind. Bei der schnellen alternierenden Bewegung der einzelnen
Klingen durch die Schlitze der Finger schneiden dieselben das zwischen letztern befindliche, am Ausweichen verhinderte Getreide
[* 8] oder Gras, vorausgesetzt, daß die Geschwindigkeit des Messers eine große ist und die Klingen hinlänglich
scharf sind.
Die Messerschneiden sind entweder glatt oder feilenartig behauen; die erstern eignen sich mit hoher Geschwindigkeit am vorzüglichsten
für weiche Halme, wie Gras, Klee, Sommergetreide, die letztern mit geringerer Geschwindigkeit für Wintergetreide, Lupinen etc.
Die feilenartig behauenen (auch mit dem Ausdruck »sägeförmig« bezeichneten) Messer brauchen nur selten
nachgeschärft zu werden, während dies bei den glatten Messern sehr häufig der Fall ist. Aus dieser Maschine hat sich durch
Ausbildung der einzelnen Teile die neuere Mähmaschine entwickelt, welche entweder zum Schneiden von Gras als Grasmähmaschine, oder zum
Schneiden von Getreide als Getreidemähmaschine, oder endlich für beide Zwecke gemeinschaftlich als kombinierte
Mähmaschine ausgeführt wird.
Für die Grasmähmaschine kommt ein zweiräderiges Fuhrwerk in Anwendung, an dessen Seite der Schneideapparat mit der Betriebsvorrichtung
für das Messer angebracht ist. Das geschnittene Gras oder ähnliche Fruchtarten, wie Klee und Esparsette, fallen unmittelbar
hinter dem Messer zu Boden und werden durch ein am Ende des Schneidapparats angebrachtes Brett, den Schwadhalter,
derartig nach der Maschine hingeschoben, daß die Bahn für die nächstfolgende Fahrt frei gelegt wird.
Bei der Getreidemähmaschine bedarf es noch einer Vorrichtung, um die geschnittene Frucht in Garben zu sammeln und von der Maschine
seitwärts herunterzuführen, ebenfalls mit Berücksichtigung der Anforderung, daß die Bahn für die
folgende Fahrt frei gemacht werde. Das geschnittene Getreide wird durch eine Zuführungsvorrichtung auf einer sich unmittelbar
hinter dem Messer ansetzenden quadrantenförmigen Fläche, der Plattform, niedergelegt und in bestimmten Intervallen durch Rechen
zur Seite heruntergeführt.
Der ältern Getreidemähmaschine fehlte die automatische Ablegevorrichtung; dieselbe wurde durch eine
leichte Plattform ersetzt, welche der auf der Maschine fahrende Arbeiter mit dem Fuß bewegte, während er die Bildung der Garben
und das Abführen derselben mittels einer Handharke bewirkte. Diese Handablage ist jedoch in neuerer Zeit durch die selbstthätige
Ablage fast vollständig verdrängt worden, da sich die Arbeit als zu beschwerlich herausstellte und die
Leistung der bezüglichen Maschine erheblich niedriger ausfiel als
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bei letzterer. Nur für kleinere Wirtschaften finden diese Maschinen noch vereinzelte Anwendung. Die kombinierte ist derartig
eingerichtet, daß der Grasmähmaschine der bezügliche Apparat zum Ansammeln und Ablegen der Garben hinzugefügt werden kann.
Es kann aber niemals die Maschine beiden Zwecken in gleich vollkommener Weise genügen, da die konstruktiven und
Betriebsanforderungen verschiedenartige sind. Eine Grasmähmaschine muß mit zwei Fahrrädern versehen sein, damit das Messer
mittels eines Hebelwerks beim Schneiden von Hängen oder beim Antreffen von Hindernissen hoch gehoben werden kann. Für die
reine Getreidemähmaschine ist es dagegen in den meisten Fällen empfehlenswert, nur ein großes Fahrrad zur Unterstützung
des Maschinengestells nebst einem am Ende der Plattform angebrachten Laufrad zu verwenden, da sich hierdurch
der Apparat weit vollkommener der verschiedenen Terrainformation akkommodiert als bei einem steifen Gestell mit zwei Fahrrädern.
1) Die Allensche Grasmähmaschine
[* 10]
(Fig. 1); a a sind die Fahrräder, b das Zahnrad, von welchem aus durch
ein kleines eingreifendes Getriebe
[* 11] und ein in einer Kapsel eingeschlossenes konisches Vorgelege der Betrieb auf die Kurbelwelle
c übertragen wird. Diese setzt vermittelst der Lenkerstange d das Messer e in schnelle hin- und hergehende Bewegung. Der Hebel
[* 12] f dient zum Neigen und Anheben des Messers, zu welchem Zweck er dem auf dem Treibersitz g fahrenden Arbeiter
bequem zur Hand
[* 13] ist. Das Messer kann mittels eines kleinen Zahnsegments mehr oder weniger geneigt werden, um stark lagernde
Halme sicher zu schneiden. h ist der Schwadhalter zum Zusammenraffen der geschnittenen Frucht.
2) Samuelsons Getreidemähmaschine mit selbstthätiger Ablegevorrichtung
[* 10]
(Fig. 2); a ist
das breite Fahrrad, b der eiserne Gestellrahmen zur Aufnahme der Achse des Rades und des gesamten Betriebsmechanismus. Der Betrieb
der Kurbel
[* 14] und des Messers c erfolgt in gleicher Weise wie bei der Grasmähmaschine durch eine innere Verzahnung im Fahrrad mit
eingreifendem Getriebe sowie durch konische Räder. Die vertikale Rechenspindel, ebenfalls durch ein konisches
Vorgelege betrieben, ist an ihrem obern Ende mit dem Rechenkreuz d armiert, an welchem sich die Rechen e und Zustreifer
f befinden. Die Bewegung derselben wird durch eine Gleitkurve g derartig geleitet, daß die Harken sich dicht über der Plattform
h bewegen und alsdann steil aufsteigen, so daß kein Verziehen der Garben am Boden stattfindet; die Zustreifer
legen nur das Getreide nieder und bewegen sich in einem entsprechenden Abstand von der Plattform.
4) ZimmermannsGetreidemähmaschine
[* 10]
(Fig. 4); im wesentlichen nach dem neuern Samuelsonschen System, jedoch mit einer Anzahl
bemerkenswerter Verbesserungen, wodurch diese Maschine besonders für deutsche Verhältnisse
geeignet wird. Bei der Ablegevorrichtung
der Buckeye-Mähmaschine, einer zweiräderigen kombinierten Mähmaschine, können die Rechen beliebig als
Ablegearme und Zustreifer benutzt werden. Außer den bereits genannten Mähmaschinen hat noch eine größere Anzahl verschiedener
Systeme außerordentliche Verbreitung gefunden; dazu gehören namentlich die amerikanischen Mähmaschinen von Wood, Mac Cormick,
Johnston, Adriance, die englischen von Howard; auch fertigen einige deutsche und österreichische FabrikenMähmaschinen von sehr zweckmäßiger Konstruktion.
Die Leistung der Mähmaschine stellt sich auf ungefähr 5 Hektar in 10 Arbeitsstunden mit einem Wechselgespann, einem Mann Bedienung
und einem Aufseher, welcher jedoch mehrere gleichzeitig arbeitende Mähmaschinen beaufsichtigen kann. Demnach tritt pro Maschine
zum mindesten eine Ersparung von acht Arbeitern ein. Die Kosten des Maschinenmähens stellen sich im allgemeinen
nicht niedriger als die der Handarbeit. Von hoher Wichtigkeit für den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb sind aber die
indirekten Vorteile: durch die bewirkte Beschleunigung der Erntegeschäfte ist es möglich, frühreifende und einträgliche
Getreidevarietäten, die wegen des gleichzeitigen Reifens mit dem Roggen und ersten Weizen aber nicht ausgedehnte
Aufnahme finden konnten, namentlich die englische Frühgerste und den englischen Frühhafer, zu kultivieren.
Hierbei fällt die Ernte in die längern, wärmern Sommertage mit beständigerer Witterung, und dieser Zeitgewinn wirkt wohlthätig
auf die nachfolgende Grumt- und Hackfruchternte und ermöglicht die gründliche Bearbeitung der Stoppelfelder sowie die tiefere
Bearbeitung des Bodens vor Winter. Durch diese Vorbereitung gewinnt die Wirtschaft wiederum eine bedeutende
Zeit- und Arbeitsersparnis, da durch den Gebrauch des Grubbers oder Exstirpators (s. d.) für die Bestellung des Sommergetreides
das wiederholte Pflügen im Frühjahr entbehrlich wird und durch denselben, wie die Erfahrung bestätigt, die Bedingungen für
höhere Erträge der Sommerfrüchte geschaffen werden.