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Raw Frand zu Parschat Wajelech 5764 (Beitrag 1)
Warum sollen wir die Kinder zu „Hakhel“ mitbringen
In Parschat Wajelech lernen wir über die Mizwa „Hakhel“, bei der das ganze Volk einmal in sieben Jahren (am Ende des Schmittajahres), anlässlich einer öffentlichen Torahvorlesung, in Jeruschalajim zusammenkam. Der Passuk sagt: „Versammle das Volk: die Männer, die Frauen und die Kinder…“ [Dewarim 31:12]
Auf der Gemara [Chagiga 3a] basierend, schildert Raschi die Einzelheiten von Hakhel folgendermassen: Die Männer kamen, um zu lernen; die Frauen (die damals noch nicht die nötige Ausbildung hatten, um Torah zu lernen) kamen, um zuzuhören; und die Kinder kamen, um denjenigen, die sie mitbrachten, eine Belohnung zu sein. Oberflächlich betrachtet lässt sich aus dieser Gemara schliessen, dass es für die Kinder tatsächlich keinen echten Grund zur Teilnahme gab. Die Männer konnten lernen. Die Frauen konnten wenigstens zuhören. Aber aus welchem Grund mussten die Kinder kommen? Sie konnten bestimmt nicht einmal richtig zuhören.
Angesichts dieser Tatsache, ist es schwierig zu verstehen, dass die Gemara sagt, „um denjenigen, die sie mitbrachten, als Belohnung angerechnet zu werden“. Was bedeutet das? Wenn es tatsächlich keinen Zweck hatte, die Kinder mitzubringen, was für eine Belohnung sollte dann denen zustehen, die sie mitbrachten? Es gibt keine Mizwa, einen Sack Kartoffeln mitzubringen!
Der Netiwot beantwortet diese Frage sehr bodendständig. Alle Juden des ganzen Landes Israel kamen für Hakhel nach Jeruschalajim. Wer blieb zuhause, um auf die Kinder aufzupassen? Wo würden sie Babysitter finden? Offensichtlich hatten die Erwachsenen gar keine andere Wahl, als die Kinder mitzubringen. Weil die Kinder sowieso mitgebracht werden mussten, befahl uns die Tora, sie mitzubringen. Auf diese Weise gab es eine Mizwa und eine damit zusammenhängende Belohnung für das Mitbringen der Kinder.
Reb Jerucham und auch der Sfat Emet erklären die Gemara etwas anders. Die Gemara stellt fest, dass die Kinder mitgebracht wurden, „um denjenigen, die sie mitbringen, eine Belohnung zu sein“. Das heisst nicht, dass das Mitbringen der Kinder keinen eigenen Wert hatte. Tatsache ist, dass wir profitieren, wenn wir unsere Kinder mitbringen, auch wenn sie weder die nötige Intelligenz noch genug Geduld aufbringen, um zuhören zu können. Nur schon bei einem Anlass wie Hakhel dabei zu sein – in einer Atmosphäre, die von Heiligkeit durchdrungen ist, hat einen Einfluss auf die Kinder. Dieser ist nicht unbedingt sofort sichtbar, sondern er offenbart sich erst in späteren Jahren.
Die Gemara [Talmud Jeruschalmi in Jewamot] sagt zum Beispiel, dass die Mutter von Rav Joschua ben Chananja seine Krippe nahm und sie ins Bejt HaMidrasch stellte, damit er die Laute der Torah aufnehmen sollte.
Darum, so erklären sowohl Reb Jerucham als auch der Sefat Emet, werden Eltern, die die Anstrengung auf sich nehmen und ihre Kinder einer positiven Erfahrung aussetzen, belohnt werden. Und dies trotz der Tatsache, dass das Kind in diesem Zeitpunkt von dieser Erfahrung nichts Greifbares zu lernen scheint. Allein der Aufwand, sie einer positiven Umgebung auszusetzen, wird den Eltern erlauben, in der Zukunft eine Belohnung zu ernten.
Kürzlich habe ich für meine Frau ein Buch mit dem Namen „Ein Tag im Leben Israels“ gekauft. Sechzig der besten Fotografen der Welt wurden damit beauftragt, entweder eine Stadt oder ein bestimmtes Gebiet in Israel an einem festgesetzten Tag zu fotografieren. Die besten Bilder erschienen im vorliegenden Buch. Ich sah ein Foto einer Neugeborenenabteilung in Bnej Brak. Das Bild zeigte eine ganze Reihe von winzigen Neugeborenen in einfachen Spitalbettchen. In einem der Bettchen lag ein geöffnetes Buch mit Bildern von Rav Schach, dem Steipler Gaon und dem Chason Isch. Dort in dem Kinderbett, im Spital, wird das Baby von Gedolim (heilige Torahpersönlichkeiten) umringt. Es war kein religiöses Buch. Trotzdem lautete die Überschrift dieses Fotos: „ In Israel beginnt die Erziehung früh“.
Dies veranschaulicht unsere Erklärung der vorherig zitierten Gemara in Chagiga. Die einzigen Bedürfnisse eines Babys in diesem Alter sind, dass es gewechselt werden will, wenn es nass ist und dass es gefüttert werden will, wenn es Hunger hat. Im Unterbewusstsein jedoch, wenn nicht sogar schon im Bewusstsein, beeinflusst ihn seine Umgebung. Eltern, die die Anstrengung unternehmen und ihren Kindern eine gute Umgebung bieten – obwohl der Aufwand im Moment unnötig erscheint – werden irgendwann eine Belohnung erhalten: Ihre Kinder werden sich geistig sehr weit entwickeln. Das meinen unsere Weisen, wenn sie sagen „um denjenigen, die sie mitbringen, eine Belohnung zu sein“.
Quellen und Persönlichkeiten:
Rav Jerucham Leibowitz (1874 - 1936): Einflussreicher Denker, Maschgiach (Leiter und geistiger Ratgeber) der Jeschiwa in Mir, Litauen.
Sefat Emet (1847 - 1905): Rabbi Jehuda Leib Alter; der zweite Gerrer Rebbe; Polen.
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