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Wenige Wochen nach der UBS kauft auch die zweite Schweizer Grossbank in den USA gross ein. Die Credit Suisse Group (CSG) übernimmt das US-Brokerhaus Donaldson Lufkin & Jenrette (DLJ) für 11,5 Mrd. Dollar (19,6 Mrd. Franken).Dieser Inhalt wurde am 30. August 2000 - 17:24 publiziert
Pro Aktie will das Schweizer Finanzinstitut 90 Dollar bezahlen, wie die CSG am Mittwoch (30.08.) in einem Communiqué bekannt gab.
Der französische Versicherungskonzern AXA, der zusammen mit seiner
Tochter AXA Financial rund 71 Prozent an DLJ hält, will seinen Anteil für 8,1 Mrd. Dollar an die CSG verkaufen.
Anfang September will die CSG den Publikumsaktionären ein öffentliches Kaufangebot in bar für die restlichen rund 29 Prozent der DLJ-Titel unterbreiten. Insgesamt wird die Akquisition zur Hälfte in bar und zur Hälfte in eigenen Aktien bezahlt.
Dadurch erhalte AXA ein Paket von 8,5 Prozent an CSG. Der französische Konzern werde zusammen mit bereits gehaltenen Aktien mit insgesamt rund 10 Prozent zu einer Grossaktionärin der CSG, sagte CSG-Finanzchef Philip Ryan der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Transaktion solle noch in diesem Jahr, möglicherweise gar schon im Oktober, abgeschlossen sein, schreibt die Grossbank. Allerdings müssen noch die zuständigen Behörden in der Schweiz, den USA und der EU ihren Segen geben.
Nummer Drei in Amerika
Mit dem Kauf wird die CSG-Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) zur drittgrössten Investmentbank an der Wall Street. Die Marktstellung im internationalen Emissions- und Platzierungsgeschäft für Aktien und für hoch verzinste Junk Bonds ("Schrottanleihen") werde deutlich besser. Teilweise erlange sie sogar Marktführerschaft.
Ausserdem stärke der Schweizer Finanzkonzern seine Marktstellung in der Vermögensverwaltung in den USA deutlich. Die verwalteten Vermögen der Gruppe würden um 120 Mrd. Dollar auf insgesamt 842
Mrd. Dollar (1,431 Billionen Franken) steigen.
Im Internet-Bereich in den USA könne die CSG vom Online-Broker DLJdirect profitieren, der mit knapp 1 Mio. Kunden und Kundenvermögen in Höhe von 30 Mrd. Dollar eine "ideale Ergänzung"
zum Internet-Banking der CSG sei. Zudem werde die CSG in der Verarbeitung von Wertschriftentransaktionen durch die DLJ-Tochter
Pershing gestärkt.
Stellenabbau
DLJ werde in die CSFB integriert, sagte CSG-Sprecherin Karin Rhomberg auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Integration könnte in sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein.
In den USA werde es zu Überlappungen von Geschäftsbereichen kommen, während es ausserhalb der Vereinigten Staaten keine Überschneidungen gebe. Der US-Broker beschäftigt 83 Prozent seiner über 11'000 Angestellten in den USA.
Ab dem Jahre 2002 rechnet die CS Group mit jährlichen Kostenreduktionen vor Steuern in Höhe von 750 Mio. bis 1 Mrd. Dollar. Es würden auch Stellen gestrichen, sagte Rhomberg. Allerdings sollen die Schlüsselmitarbeiter von DLJ gehalten werden. Um ihnen das Bleiben zu versüssen, stünden 1,2 Mrd. Dollar zur Verfügung.
Analysten sprechen von "Blutbad"
In der Finanzwelt stösst die Übernahme gerade wegen der Überschneidungen auf Skepsis. Es werde zu einem "Blutbad" kommen, sagte Heinrich Wiemer von der Bank Sal. Oppenheim. Viele Talente dürften abspringen, vor allem auf der Seite von Donaldson Lufkin & Jenrette. Dadurch gehe wertvolles Wissen verloren.
Auch der Preis wurde als hoch eingeschätzt. Man könne sich fragen, ob der Kauf zum richtigen Zeitpunkt komme, sagte Susanna Walther von Bordier & Cie. Denn das Wachstum schwäche sich ab.
An der Börse wurde die Übernahme ebenfalls mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Die Aktien der Credit Suisse Group sackten am Mittwoch zunächst deutlich um über 4 Prozent ab, erholte sich im Tagesverlauf aber wieder. Zum Schluss notierte sie in einem leicht schwächeren Gesamtmarkt mit 373,5 Fr. noch um 2,1 Prozent unter dem Vortag.
swissinfo und Agenturen
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