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Diakonin Phoebe – Apostelin Junia
Papst Franziskus hat am 12. Mai die Diskussion über das Amt des ständigen Diakonats der Frau in der röm.-kath. Kirche wieder eröffnet. Die biblischen Grundlagen und die Kirchengeschichte sprechen für dieses Diakonat.
In Bern bietet der allen offen stehende Kurs «Bibel verstehen» die Möglichkeit, der Diakonin Phoebe und anderen starken Frauen der Bibel zu begegnen sowie weitere wesentliche Aussagen des Ersten/Alten und Neuen Testaments ganz neu zu entdecken. Wer die biblischen Schriften vorurteilsfrei liest, macht immer wieder die Entdeckung: Frauen spielen in der Bibel – trotz der patriarchalen Zeit – eine viel bedeutendere Rolle, als dies allgemein angenommen wird. Aus aktuellem Anlass seien hier einige starke Frauen der Bibel genannt.
Diakonin Phoebe
Die Briefe des Apostels Paulus sind die ältesten Texte des Neuen Testaments. Im Römerbrief grüsst Paulus eine Frau namens Phoebe und bezeichnet sie als «Diakonin der Gemeinde von Kenchreä» (Röm 16,1f). So wie Paulus die Bezeichnung «diakonos» andernorts verwendet, ist davon auszugehen, dass Phoebe die christliche Gemeinde in Kenchreä (bei Korinth) leitete und das Evangelium verkündete. Möglicherweise überbrachte sie sogar den Römerbrief an die christliche Gemeinde in Rom.
Viele Bibelübersetzungen verdecken das Diakonat der Phoebe, indem sie «diakonos» hier mit «Dienerin» wiedergeben – andernorts jedoch adäquat mit «Diakon» (z.B. Phil 1,1). Manche Leute versuchen gar, das Diakonat der Phoebe als eine Art «Tischdienst» (diakonischer Dienst/Herberge) abzuwerten. Diese Abwertung widerspricht jedoch den Paulusbriefen sowie dem weit verbreiteten Amt der Diakonin in der frühen Kirche.
Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf hielt jüngst fest: «Der Forschungsstand lautet kurz zusammengefasst: Es besteht kein Zweifel, dass es über Jahrhunderte in der Kirche Diakoninnen gab, die in einem analogen Ritus wie dem für Männer ordiniert wurden: Diakoninnen gab es in der alten Kirche, in der Ostkirche ohnehin und bei uns in der Westkirche bis ins 12. oder 13. Jahrhundert.»*
Apostelin Junia
Nebst der Diakonin Phoebe grüsst Paulus auch eine Junia, die er zusammen mit ihremMann als «hervorragend/angesehen unter den Aposteln » bezeichnet (Röm16,7). Jahrhunderte lang war klar, dass es sich bei Junia um eine Apostelin handelt – bis spätere «Interpreten» ihr den männlichen Namen Junias andichteten. Dies fand leider Eingang in die Bibelübersetzungen. Für die neue Einheitsübersetzung, die in diesem Herbst erscheint, ist endlich, endlich wieder die sachgerechte Wiedergabe der Frau Junia als Apostelin vorgesehen.
Auch im Ersten Testament spielen Frauen eine viel bedeutendere Rolle, als gemeinhin bekannt ist. Hier gibt es etwa Eva als «Mutter aller Lebendigen» zu entdecken, die keinen Sündenfall beging, sondern nach ethischer Erkenntnis trachtete. Oder Sarah, die nicht mehr und nicht weniger glaubte als Abraham. Und Hagar, die wohl ein Brunnenheiligtumgründete. Auf ihren Nachkommen Ismael berufen sich die muslimischen Gläubigen als Vorfahren – womit auch der heute so grundlegend wichtige interreligiöse Dialog ins Blickfeld kommt. Im Kurs «Bibel verstehen» zeigt sich – für interessierte Frauen und Männer – auf Schritt und Tritt, dass die Bibel schon immer mit* den Frauen entstanden war, gelebt und weitertradiert wurde.
André Flury
* Auf katholisch.de; ausführlich: Wolf, Hubert: Krypta. Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte, München: C.H. Beck, 2. Aufl. 2015.
Informationsabend
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich unverbindlich über den Jahres-Kurs «Bibel verstehen» sowie die katechetische Ausbildung in Bern nach ForModula zu informieren.
Wann: Montag, 20. Juni 2016, 19.00 Uhr.
Wo: Haus der Begegnung, Mittelstrasse 6a, 3012 Bern.
Mehr Infos: www.theologiekurse.ch
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