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Anna Netrebko - egal, ob man sich zu Opernexperten zählt oder nicht, fast alle von uns haben schonmal diesen Namen irgendwo gehört. Sie ist DIE Opernsängerin der heutigen Zeit.
Und dennoch führt sie ein relativ ruhiges Leben abseits des Rampenlichts, anders als so manch andere Stars.
Anna Jurjewna Netrebko wurde am 18. September 1971 in Krasnodar in der damaligen Sowjetunion geboren. Anders als bei vielen Profimusikern, waren ihre Eltern keine Musiker, sondern Ingenieurin und Geologe.
Sie fühlte sich allerdings früh zur Musik hingezogen und studierte Gesang (Sopran) in Sankt Petersburg.
Dort engagierte Sie sich im Mariinski-Theater als Reinigungskraft. Neben Bodenschrubben konnte sie so auch die Proben des Ensembles ansehen.
Stundenlang.
Nach dem Studium fiel sie bereits früh auf, als sie den Glinka-Gesangswettbewerb in Moskau gewann.
Im Alter von nur 23 Jahren wurde sie nicht nur bei ihrem beliebten Mariinski-Theater in Sankt Petersburg fest angestellt, sie debütierte auch im selben Jahr in der Hauptrolle der Susanna in Mozarts Hochzeit des Figaro.
Nicht viele Karrieren heben derart steil ab!
Im Rahmen ihrer Arbeit für das Mariinski-Theater ging sie auch auf Tour ins Ausland, wo sie bei einem Auftritt in San Francisco von hervorragenden Kritiken überschwemmt und dadurch international bekannt wurde.
Sie sang danach auf vielen internationalen Opernbühnen, wie der Metropolitan Opera in New York, der Berliner Staatsoper und der Wiener Staatsoper, nur um ein paar zu nennen.
Seit 1998 tritt sie fast jährlich bei den Salzburger Festspielen auf. Hier wurde 2002 ihre Darstellung der Donna Anna in Mozarts Don Giovanni so gut aufgenommen, dass sie den endgültigen Durchbruch von bekannter Opernsängerin zum Weltstar der klassischen Musik schaffte.
Und seitdem sind die Salzburger Festspiele und Anna Netrebko beinahe zu einer Einheit verschmolzen.
Dies wurde speziell 2005 sichtbar, als sie im Rahmen der Festspiele in La Traviata auftrat und sich ein grosser Hype aufbaute, den die österreichische Klassikszene wahrscheinlich seit Mozart nicht mehr erlebt hatte.
Seit diesem grossen Durchbruch erhält sie auch viele Preise, darunter vier ECHOS in der Kategorie Klassik, Bambi, der Russische Staatspreis, sowie die Auszeichnung zur Russischen Staatskünstlerin und die Verleihung der Berufsbezeichnung Österreichische Kammersängerin, nur um ein paar davon zu nennen.
Sie vermarktet sich ähnlich wie Popstars, was bei manchen Puristen der Opernszene auf Kritik stösst. So produzierte sie 2004 die DVD „The Woman, The Voice“ mit Musikvideos, etwas bis dahin völlig Neues in der klassischen Musik.
Manche Kritiker behaupten sogar, dass ihre Berühmtheit auf ihr Aussehen zurückgehe, doch die Welt der Oper sieht anders aus.
Man kann es nur zu etwas bringen, wenn man die passende Stimme dafür hat. Aussehen, schauspielerisches Können und Vermarktung sind nebensächlich.
Ihr Status als Opernstar hilft sogar der gesamten Opernszene: Aufführungen mit Anna Netrebko werden oft aufgezeichnet oder live in Kinos auf der ganzen Welt übertragen.
Nicht nur Liebhaber der klassischen Musik, sondern auch andere Leute interessieren sich plötzlich für Opern, wenn der Name Anna Netrebko erwähnt wird.
Seit der DVD im Jahr 2004 sind etliche CDs hinzugekommen, alle von ihnen mit guten Verkaufszahlen.
Da die meisten Klassiklabels ums Überleben kämpfen, sind Künstler wie Anna Netrebko immer gern gesehene Gäste bei Aufnahmen.
Ähnlich wie bei Opernhäusern gilt auch im Plattengeschäft, dass oft nur wegen des bekannten Namens gekauft wird.
Wie bei allen Opernsängern gilt auch für sie, dass die Stimme nur für bestimmte Werke geeignet ist. In ihren frühen Jahren, bis zu etwa 2010, sang sie hauptsächlich Rollen sehr junger Frauen, wie Susanna in der Hochzeit des Figaro oder Violetta Valéry in La Traviata.
In den letzten Jahren änderte sich ihre Stimme und gewann allmählich an der nötigen Schwere, um Rollen wie Tosca oder Elsa in Lohengrin gerecht zu werden.
Man kann eben nicht die Stimme an Musik anpassen, sondern man braucht die passende Musik für die Stimme.
Dieses Gesetz der Oper macht auch vor Stars wie Anna Netrebko nicht halt.
Ob sie unter verschiedenen Musikstücken Favoriten hat, gibt sie oft nur ungern preis, doch gab sie eins zu: immer nur auf der Bühne sterben zu müssen, ist auf die Dauer anstrengend, dagegen ist jede Oper mit Happy End sehr willkommen.
Abseits der grossen Bühnen ist sie bei Konzerten zu sehen, wie zum Beispiel beim Konzert in Moskau zur Fussball-Weltmeisterschaft.
Schon 2006 sang sie in Berlin zusammen mit Placido Domingo und Rolando Villazón in der Tradition der Drei-Tenöre-Konzerte der Fussball-Weltmeisterschaften der Neunziger.
Das Konzert, welches im Fernsehen übertragen wurde, war ein solch grosser Erfolg, dass es zum bis dato meist gesehenen Klassikkonzert wurde.
Was braucht man, um so berühmt zu werden? Im Fall Anna Netrebkos einfach nur Talent. Sie selbst beschreibt sich als faul.
Auch wenn man es als Aussenstehender kaum glauben kann, daheim übt sie kaum und wenn, dann nur eine Oktave tiefer als auf der Bühne, damit sich die Nachbarn nicht gestört fühlen.
Sie verbringt lieber Zeit mit ihrem Sohn und Ehemann Yusif Eyvazov, mit dem sie seit 2015 verheiratet ist.
Das Privatleben Anna Netrebkos ist im Allgemeinen ziemlich unspektakulär, wenn man von den vielen beruflichen Reisen absieht.
Ihre Trennung von Ex-Partner und Vater des gemeinsamen Sohnes Tiago, dem Bassbariton Erwin Schrott aus Uruguay, wurde in der Boulevardpresse aufgefasst, ansonsten führt sie allerdings ein eher zurückgezogenes und „normales“ Leben.
Meistens lebt sie in Wien oder New York. Auch in Sankt Petersburg ist sie häufig gesehen, wo sie offiziell immer noch zum Ensemble des Mariinski-Theaters gehört.
Seit 2006 hat sie doppelte Staatsbürgerschaft, russisch und österreichisch.
Mit ihrem Expartner Erwin Schrott betreibt sie immer noch eine Stiftung für kranke Kinder, deren Eltern sich eine Behandlung nicht leisten können.
Was kann sich ein Star, der es so weit geschafft hat, für die Zukunft erhoffen?
Anna Netrebko bleibt da ganz bescheiden.
Sie sagt, dass man nie wisse, wie lange die Stimme das noch mitmacht.
Aber dank der Wandlung der Stimme im Laufe der Jahre kann sie sich weiterhin auf neue Rollen freuen, für die sie bislang noch nicht die nötige Schwere (in der Stimme) hatte.
Natürlich können wir uns da mitfreuen, denn solange Anna Netrebko singt und auf den Bühnen der Welt steht, solange sind Opern ein Hochgenuss, selbst für diejenigen, die sich sonst etwas anderes ansehen würden.