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Dieses Wochenende fand in Chile eine bemerkenswerte Wahl statt. Alle Bürgerinnen und Bürger konnten sich zur Verfügung stellen, um eine neue Verfassung auszuarbeiten. In etwa gleich viele Frauen und Männer wurden nun in einem Gremium aus 155 Personen gewählt. Dieses soll innerhalb von einem Jahr einen Verfassungstext ausarbeiten, der in einer Volksabstimmung angenommen oder verworfen werden kann. Ein ganz besonderer politischer Vorgang mit einer gleichermassen besonderen Geschichte: Die alte Verfassung von 1980 stammte aus der Zeit der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet. Sie begründete einerseits das Bild von Chile als südamerikanisches Vorzeigeland mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 5 Prozent, andererseits schuf sie auch den Boden für die grossen sozialen Ungleichheiten, die 2019 in gewaltsame Proteste mündeten. So sind die Hoffnungen riesig, die Wirtschaft mit einer neuen Verfassung auf eine gerechtere Basis zu stellen. Aber viele bangen auch um die Erfolge der bisherigen Ordnung. Welche Chancen hat nun die Arbeit dieses Verfassungskonvents? Welche Hürden stehen an? Sendet dieser Prozess Signale in die ganze Region? Was hat die schweizerische Demokratie mit dieser ausserordentlichen Wahl zu tun – und vor allem: wer wurde denn nun überhaupt in diesen Konvent gewählt? Die freie Journalistin Sophia Boddenberg lebt und arbeitet in Santiago de Chile und ist Gast im Tagesgespräch bei Karoline Arn.