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Er ist der beste Eishockey-Goalie der Schweiz: Leonardo Genoni. Wie er Familie und Sport unter einen Hut bringt, warum er ein Hörgerät trägt und wie er zum Spitzengoalie wurde.
Leonardo Genoni wurde am 28. August 1987 in Semione (TI) geboren. Als er vier Jahre alt war, zogen seine Eltern nach Kilchberg ZH um, wo er auch heute noch lebt – zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Alter von drei bis acht Jahren.
Sportliche Stationen: GCK Lions, ZSC Lions, HC Davos, SC Bern und seit dieser Saison (2019/20) für fünf Jahre beim EV Zug.
Sportliche Erfolge: Fünf Mal Schweizer Meister, vier Awards als bester Schweizer Torhüter und der Gewinn der Silbermedaille mit der Schweizer Nationalmannschaft an den Weltmeisterschaften 2018.
Das ist eine schwierige Startfrage. Eishockey ist ein Mannschaftssport, daher sind alle Spieler wichtig.
Da ist bestimmt etwas dran. Als Torhüter sieht jeder Zuschauer deine Fehler, in den Zusammenfassungen werden meist nur die Gegentore gezeigt. Aber ich habe mir die Position ja ausgesucht und man wächst an diesen entscheidenden Situationen, also ist es eine sehr spannende Aufgabe.
Die Kommunikation ist eine sehr wichtige Komponente, da wir jeweils sechs Mitspieler auf dem Eis sind. Gerade in der jetzigen Situation mit den Geisterspielen, in welcher jegliche Kommunikation gehört wird, zeigt sich jedoch, dass vor allem die Körpersprache von grosser Bedeutung ist. Wie ein Mitspieler auf Situationen auf dem Eis reagiert – attackiert er den Gegenspieler direkt oder wartet er eher ab –, spielt in der Wahrnehmung der anderen Mitspieler eine sehr grosse Rolle.
Als ich in der NLB bei den GCK Lions spielte, hatte ich einen Zusammenstoss mit einem Gegner, bei welchem ich mir eine schwere Kopfverletzung zugezogen habe. Ich denke die Beeinträchtigung meiner Hörfähigkeit kommt von diesem Zwischenfall.
Es gab immer wieder Situationen, bei welchen ich nachfragen musste, weil ich die Person nicht verstanden hatte oder einem Gespräch nicht folgen konnte. Da merkt man dann, dass womöglich etwas mit dem Gehör nicht stimmt. Als ich dann bei der Aushebung im Militär den obligatorischen Hörtest machen musste, nicht gut abschnitt und dann eine waffenlose RS absolvieren musste, hatte ich die Gewissheit, dass mein Gehör tatsächlich geschädigt ist.
Ich habe mich nicht gross darüber informiert, welche Lösungen es für hörgeschädigte Personen gibt. Als ich jedoch meinen Sohn in der Nacht nicht weinen hörte, bin ich am nächsten Tag in eine Hörberatung gegangen und habe mich über die Möglichkeiten informiert.
Ich trage nun seit gut sieben Jahren ein Hörgerät und bin unglaublich glücklich damit. Ich war mir nicht bewusst, wie gross die Beeinträchtigung gewesen ist. Ich konnte wieder die Vögel hören, wie sie zwitschern, das Rascheln einer Zeitung oder das Klirren von Tellern. All diese Kleinigkeiten, die das Leben so aufregend machen, waren wieder zurück. Das Hörgerät hat mir also Lebensqualität zurückgebracht.
Ich darf jeden Morgen aufstehen und meine Passion ausüben. Zudem treibt mich der Wille an, mich selbst zu verbessern. Wenn ich jeden Tag Fortschritte machen kann, zeigt das mir, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.
Die Ausrüstung hebt den Goalie von den Feldspielern ab, und die Maske ist das Alleinstellungsmerkmal eines jeden Torhüters. Mir persönlich ist das Design nicht so wichtig, es muss vor allem mir selbst gefallen. Ich arbeite schon sehr lange mit Designern aus Bern zusammen, die wissen, was mir passt. Aber das Wichtigste an der Goalie-Maske ist definitiv der Schutz, da sie enorme Schläge aushalten muss.
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Ich habe keine bestimmten Rituale, wenn ich mich für ein Spiel vorbereite. Klar macht man verschiedene Verschiebungen, wenn man auf das Eis kommt, aber für mich sind diese Vorbereitungen nicht sehr wichtig. Ich könnte gut auch ohne spielen.
Als meine Familie zurück nach Zürich zog – ich war damals 4 Jahre alt – haben wir eine Einladung zur Hockeyschule des Grasshopper Clubs Zürich auf dem Dolder erhalten. Und so begannen mein älterer Bruder und ich mit dem Eishockey. Später begann auch mein jüngerer Bruder mit Eishockey, sodass alle drei jeweils die Wochenenden auf dem Eis verbrachten. Bis zu einem gewissen Alter spielten wir im Sommer im Dorfverein Fussball, jedoch entschieden wir uns alle für das Eishockey. In die Torhüterposition bin ich ein wenig hineingerutscht. Da wir auch zuhause vielfach Unihockey spielten, musste eines der Kinder ins Tor. Das passte mir und ich wurde auch auf dem Eis zum Torhüter.
Meine Eltern haben mich, wie auch meine Brüder, stets unterstützt. Ihnen war es wichtig, dass wir eine Mannschaftssportart ausüben, da man dort auch viel Zwischenmenschliches lernen kann. Zudem war ihnen wichtig, dass wir alle eine Ausbildung/Gymnasium absolvieren. Die Schule hatte stets Vorrang, waren die Hausaufgaben nicht erledigt, durften wir nicht ins Eistraining. Meine Mutter hat uns jeweils zu den Trainings gefahren, es ist unglaublich, wie viel Zeit sie dafür aufgewendet hat. Mein Vater hat, wenn immer möglich versucht, bei den Spielen dabei zu sein. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie es uns ermöglicht haben, diesen Sport auszuüben.
Die Fähigkeit, der Mannschaft die Sicherheit zu geben, dass sie sich zu 100% auf ihn verlassen kann und somit spielt, als ob sie einen Zentimeter grösser wäre als sie in Wirklichkeit ist.
Talent allein wird nicht reichen, um sich in der obersten Liga zu halten. Dies merkt jeder Sportler und beginnt spätestens dann, wenn er an Widerstände stösst, alles zu unternehmen, um diese zu überwinden.
Es ist eine Frage des Zeitmanagements. Meine Frau spielt dabei eine wichtige Rolle, sie hält mir stets den Rücken frei. Das Studium ist für mich wie ein Hobby, ich versuche während der Woche ein Zeitfenster zu finden, um mich weiterzubilden. Klar kommt mir der Beruf als Hockeyspieler entgegen, da haben wir während der Saison teilweise am Nachmittag frei, da kann ich meine Kinder aufwachsen sehen. Dafür bin ich am Abend nicht zuhause, und freie Wochenenden gibt es auch fast keine.
Niederlagen gehören zum Sport, und ich habe gelernt, nach jeder Niederlage aufzustehen und es besser zu machen. Ich bin sehr ehrgeizig und möchte mich jeden Tag verbessern, unabhängig von Erfolg oder Misserfolg. Auch eine Degradierung zur Nummer 2 würde ich akzeptieren, jedoch alles daransetzen, um Platz 1 auf dem Eis zurückzuerkämpfen. Schliesslich ist das Eishockey ein Mannschaftssport und was gut für die Mannschaft ist, ist auch gut für mich.
Es ist nur schwer zu akzeptieren, da wir uns die Emotionen von den Rängen gewöhnt sind. Es ist jedoch eine spezielle Zeit und ich hoffe, dass die Fans bald wieder ins Stadion dürfen.
Es ist eine sehr schwierige Situation, in welcher sich das Eishockey, wie auch der Rest der Welt, befindet. Das Eishockey in der Schweiz hat in den letzten 20 Jahren einen sehr grossen Sprung gemacht und ich bin glücklich, ein Teil davon zu sein. Für die Zukunft ist es entscheidend, wie das Schweizer Eishockey die momentane Krise übersteht. Ich hoffe, dass in Zukunft dem Nachwuchs eine grössere Beachtung geschenkt wird und viele Kinder Zugang zum Eishockey erhalten.
Ou, ich habe schon so viele Gegentore erhalten, und auf der anderen Seite noch mehr Paraden gezeigt. Ich tendiere zum Gegentor im Viertelfinal der Weltmeisterschaft 2019 gegen Kanada, als wir 0.4 Sekunden vor Schluss den Ausgleichstreffer bekamen und das Spiel in der Verlängerung noch verloren. Daran hatte ich sicher lange zu beissen, da die Saison mit dieser Niederlage zu Ende ging. Die wichtigste Parade? Da könnte man ein Jahr zurückgehen, Weltmeisterschaft 2018 in Dänemark. Im Halbfinal haben wir die Kanadier besiegt, dort blieb eine Szene aus dem 2. Drittel haften, bei welcher ich in extremis ein Gegentor verhindern konnte.
Foto: Philipp Hegglin