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Unsere Geschichte
Die Zeit des europäischen Kolonialismus und Imperialismus und war eine Zeit des Aufbruchs. In St.Gallen fielen Stadtmauern und Stadttore; repräsentative Geschäftshäuser und Villen wurden erstellt. Derweil lockte die weite Welt mit ungeahnten Möglichkeiten. Die Ostschweiz florierte 1878 im Stickereiboom, als 28 Industrielle und Kaufleute aus den Kantonen St.Gallen, Appenzell und Thurgau zur Gründung der «Ostschweizerischen Geographisch-Commerciellen Gesellschaft» zusammenkamen. Die Gründungsmitglieder wollten Wirtschaftsprojekte in fernen Ländern fördern und für sich selber neue Absatzmärkte erschliessen. Vor allem durch die Forschungen und Berichte von Livingstone und Stanley richteten sich die Augen von Gelehrten und Kaufleuten damals auf das Innere Afrikas.
Ostschweizerische Geographische Gesellschaft St.Gallen OGG
Die Gesellschaft unterhielt gute Beziehungen zu anderen schweizerischen Industriellen. Eine Gruppe Gleichgesinnter schloss sich mit einem Aktienkapital von 100’000 Franken zu einem Konsortium zusammen. Ihr Ziel war, wie in der Festschrift von 1929 anlässlich des 50-Jährigen Bestehens zu entnehmen ist, «die Pflege der geographischen Wissenschaft und die Förderung wissenschaftlicher und commercieller, schweizerischer Unternehmungen und Interessen, sowie die Unterstützung der internationalen afrikanischen Gesellschaft in Brüssel mittelst Anschluss an das Comité national in Genf.» Zur Festigung von Beziehungen in alle Erdteile wurde ein weltweites Netzwerk von «Correspondierenden Mitgliedern» ernannt. Wirtschaftlich erfolgreich waren diese Bestrebungen allerdings nicht. Früher oder später verliefen alle diese Projekte im Sand. Dennoch blieb der Zusatz ‹Commerciell› bis Ende der 1940er Jahre im Namen erhalten.
Ihre weltweiten Verbindungen nutzte die Ostschweizerische Geographisch-Commercielle Gesellschaft, um ethnografische Gegenstände aus aller Welt zu sammeln: Masken, Götterfiguren, Waffen, Textilien, Keramik und vieles mehr. So wurde die Gesellschaft zur Begründerin des Museums für Völkerkunde, zuerst in der Kantonsschule, später im Stadthaus. Die Sammlung ging 1917 als Geschenk an die Ortsbürgergemeinde St.Gallen über. Im Jahr 1921 erhielt sie eine dauerhafte Bleibe im Neubau des Historischen und Völkerkundemuseums.
und heute?
Seit 2016 beleuchtet die ethnographische Dauerausstellung «Welten sammeln» unter anderem die globale Dimension St.Gallens im Stickereiboom. Kürzlich entbrannte anhand von zwei Bronze-Objekten aus dem heutigen Nigeria auch in St.Gallen die Diskussion über koloniale Raubkunst. Die OGG hat somit eine bewegte, keinesfalls nur rühmliche Vergangenheit.
Heute ist die Ostschweizerische Geographische Gesellschaft ein Verein mit rund 150 Mitgliedern. Ihnen gemeinsam ist ihr berufliches oder persönliches Interesse für geographische Themen und Forschungsergebnisse.
Gemäss den Statuten vom Dezember 1997 ist…
«die OGG bestrebt, ihren Mitgliedern sowie der Öffentlichkeit geographische Inhalte und Einsichten zu vermitteln.»
Ebenso fördert sie wissenschaftliche Studien. Diesem Zweck dienen Vorträge und Tagungen, Exkursionen und Publikationen. Statuarisch festgehalten ist auch die Mitgliedschaft bei der ASG (Verband Geographie Schweiz).
Die OGG ist gut vernetzt mit der Pädagogischen Hochschule und den Mittelschulen, mit dem historischen Verein und der St.Gallischen naturwissenschaftlichen Gesellschaft.