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Simson- Geschichte zur DDR – Zeit
Am 1. Mai 1952 endete die sowjetische Verwaltung. Das Werk wurde an die 1949 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone gegründete DDR übergeben. Mit der Gründung der DDR wurde die deutsche Teilung besiegelt. Dieser Staat wurde als sozialistisches Land unter sowjetischer Führung fest in den Ostblock integriert. Als Antwort darauf reagierten die westlichen Länder mit einer Embargopolitik und stoppten die Lieferung von wichtigen Rohstoffen und Gütern wie Stahlbleche, Kohle und Erdöl. Da die Stahlproduktion in Deutschland traditionell im Westen angesiedelt war, traf dies den Fahrzeugbau auf dem DDR – Gebiet empfindlich. Übrigens war dies auch der Grund, dass der Trabi eine Kunststoffkarosserie hatte, was zum Spottnamen „Rennpappe“ führte.
In Suhl entstand das „VEB Fahrzeug – und Gerätewerk Simson Suhl“.
Simson Gesamtprospekt 1958
Die sechziger Jahre brachten neue, starke Veränderungen. Der Bau der Mauer als unüberwindbare Grenze schnitt die DDR komplett vom Westen ab. Weltweit endete um diese Zeit die Motorradkonjunktur, da sich viele Familien ein Auto kauften konnten und Motorräder noch kein Sportgerät waren. Auch andere, grosse Firmen gerieten dadurch in Schwierigkeiten: Norton geriet 1966 in Konkurs, Indian 1953, Kreidler hielt sich bis 1982.
Neben der AWO in Suhl wurden in der DDR auch in Zschopau die MZ und die BK bei EMW in Eisenach gebaut. Der Inlandsabsatz war mangels Alternativen noch sehr gut. Auf den westlichen Exportmärkten traten erste Absatzschwierigkeiten auf. Die Maschinen waren aber technisch noch auf aktuellem Stand und teilweise sogar noch führend. Nachteilig war aber das Ost – Image. Um diese Zeit begann man, sich verstärkt auf Ost – und Entwicklungsländer zu konzentrieren. Da die westlichen Devisen für die DDR wichtig waren, begann man um diese Zeit, den Absatz im Westen mit Dumpingpreisen aufrecht zu halten.
In der DDR begann die Zentralisierung der Industrie. Die Betriebe wurden zu Kombinaten zusammengefasst und zentral geführt. In den einzelnen Firmen durfte kaum noch etwas selbst entschieden werden. Alle Einnahmen und Ausgaben wurden an die Zentrale abgeführt und den einzelnen Betrieben Budgets zugeteilt, die nichts mehr mit der tatsächlichen Rentabilität zu tun hatten, sondern politischen Zielen untergeordnet wurden. Dies hatte auch erhebliche Auswirkungen auf die Motivation der einzelnen Arbeiter. Die Arbeitsproduktivität sank im ganzen Land. Dies fiel der Führung lange nicht auf, da vielfach schöngerechnete Zahlen nach oben gemeldet wurden.
Simson wurde im Zuge der Kombinatsbildung in den IFA – Industrieverband Fahrzeugbau der DDR eingegliedert. Zu der IFA gehörten auch die MZ Motorradwerke Zschopau, Wartburg Eisenach, Trabant Zwickau, die LKW – Werke Ludwigsfelde und viele Zulieferer.
Der Staatsführung passte es nicht, dass es drei verschiedene Motorradhersteller gab, man wollte Entwicklungsgelder reduzieren und versprach sich eine höhere Produktivität durch die Konzentration auf ein einzelnes Werk. Auf zentrale Weisung der „Staatlichen Plankommission der DDR“ durften Motorräder nur noch bei MZ in Zwickau hergestellt werden und in Suhl musste die Produktion der AWO eingestellt werden. Da auch EMW die Motorradproduktion zu Gunsten der PKW einstellen musste und der Oberklasse – PKW Sachsenring P 240 eingestellt wurde, war dies das Ende der 4 – Takt Motoren in der DDR.
Jugendliche vor dem Dorfclub um 1975
Simson durfte nur noch Kleinkrafträder mit 50 ccm Hubraum produzieren. Trotzdem gab es mit Sperber, S 70 und dem Roller SR 80 Versuche, mit 70 ccm- Triebwerken in die Motorradklasse vorzustossen. Diese waren aber niemals erfolgreich.
1964 begann die Epoche der legendären Vogelserie. Mit „Schwalbe“, „Spatz“, „Star“, „Sperber“ und „Habicht“ entstand in der DDR eine völlig neue Fahrzeugkategorie.
Aus fahrradähnlichen Mopeds wurden vollwertige Kleinkrafträder.
Die Vogelserie war die letzte Modellreihe, die auf Weltmarktniveau mithalten konnte.
1975 folgte die Ablösung der Modelle durch die Mokick – Baureihe S 50.
Mit einem neuen Motor wurde daraus ab 1980 als Baureihe S 51 abgeleitet. Auch die Schwalbe erhielt den neuen Motor, wurde aber äusserlich unverändert noch bis 1985 weiterverkauft. Die Entwicklungssprünge wurden immer kleiner und zum Symptom der Mangelwirtschaft, bzw. der sich verschärfenden ökonomischen Situation in der DDR. Die Leistungsfähigkeit der DDR – Wirtschaft nahm immer weiter ab.
Ende der 1980 – er Jahre arbeiteten bei Simson in Suhl etwa 4000 Mitarbeiter, die pro Jahr mehr als 200.000 Kleinkrafträder produzierten. Die Fahrzeuge wurden in viele Länder – in kleinen Mengen auch in die Schweiz – exportiert. In der DDR war die S 51 der Traum fast aller Jugendlichen, die diese bereits mit 15 Jahren fahren durften und oft zur Konfirmation geschenkt bekamen.
Die Nachfrage war stets grösser als das Angebot. Simson war eine der erfolgreichsten Firmen im Süden der DDR. Zu ihren Besten Zeiten musste Simson sogar Gastarbeiter aus Vietnam und Mosambik rekrutieren. Sogar die Schaffhauser Nachrichten berichteten darüber (Ausgabe vom 11.04.1987 Seite 2).
Fliessbandproduktion der S 51 bei Simson um 1981
Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in der DDR hinterliess auch bei Simson Spuren. Die Firma war als erfolgreicher Exportbetrieb bei der Regierung beliebt. Trotzdem musste sich die Firma Mittel für Neuentwicklungen zentral genehmigen lassen. Immer wurden nur geringe Gelder für Varianten genehmigt, während Investitionen in Nachfolger nicht möglich waren.
Der für 1985 geplante Nachfolger S 52 mit Zentralfederbein durfte nicht realisiert werden. Das neue Modell S 53 als letzte DDR- Entwicklung kam zwar Anfang 1990 auf den Markt, musste aber den Motor und fast die gesamte Technik des S 51 von 1980 übernehmen.
Neu waren nur einige Designänderungen und Verkleidungen. Mit einer zehn Jahre alten Konstruktion hatte Simson einen sehr schlechten Start in die Marktwirtschaft.