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Ihre Mutter war Bernerin, ihr Vater, Christoph Groszer, unter anderem Chefdramaturg am Berner Stadttheater und Direktor des Stadttheaters St. Gallen; von 1986 bis 1991 leitete er das Zürcher Opernhaus. Caroline Groszer, schweizerisch-deutsche Doppelbürgerin, absolvierte ein Wirtschaftsstudium in St. Gallen. Doch an ihrer ersten Arbeitsstelle im Marketing eines grösseren Unternehmens wurde es ihr schnell fad. Denn der energiegeladenen Ökonomin fehlte eines: «Ich konnte zu wenig mitreden. Selber zu gestalten, selber zu entscheiden, das ist für mich wichtig.»
Fuss gefasst hat Caroline Groszer schliesslich in Apulien, am «Absatz» des italienischen Stiefels, aber erst nach weiteren Erfahrungen: Als Fotografin war sie im Kosovo-Krieg, dann heiratete sie einen Journalisten und gelangte so nach Italien. Die Beziehung hielt nicht, wohl aber ihre Liebe zu Land und Leuten. Sie wollte mit ihrem Sohn hierbleiben und endlich ihr eigenes Unternehmen gründen; auch ihr Vater verbrachte die letzten Lebensjahre bei ihr.
Als erstes kaufte sich Caroline Groszer im Städtchen Cisternino einige Trulli, für Apulien typische Rundhäuser mit spitzem Steindach. Sie renovierte diese und vermietete sie an Feriengäste, «zuerst als Hobby, dann wurde die Sache grösser», sagt sie. Zwei englische Gäste wollten die Trulli unbedingt erwerben und boten eine so grosse Summe, dass Caroline Groszer nicht nein sagen konnte.
Förderung für Unternehmerinnen
Mit dem so erworbenen Kapital konnte sie das nächste Projekt in Angriff nehmen: Zwischen dem Landstädtchen Fasano und dem Meer fand sie ein altes, befestigtes Landgut, einen seit 30 Jahren leerstehenden, heruntergekommenen Hof auf einem weitläufigen Gelände mit vielen Olivenbäumen. «Mit meinen HSG-Kenntnissen habe ich einen Businessplan und ein Projekt ausgearbeitet», sagt sie; gleichzeitig setzte sie auf ein regionales Förderprogramm für junge Unternehmerinnen. Und siehe da: «Obwohl ich in Rom keinerlei Beziehungen hatte, landete mein Projekt unter rund 700 eingereichten auf dem 13. Platz.» Auch die Zusammenarbeit mit der Unicredit Banca sei von Anfang an positiv gewesen, beteuert die Unternehmerin.
Mit dem Geld aus dem regionalen Programm und ihren eigenen Mitteln erstand sie die Masseria 2006 und konnte sie an Ostern 2008 eröffnen, umgebaut zu einem idyllisch gelegenen, raffiniert ausgestatteten Boutique-Hotel mit zehn Suiten und Doppelzimmern. Auf den Namen «Alchimia» sei sie nach langem Herumstudieren gekommen, sagt Caroline Groszer: «Für mich bedeutet das die Verschmelzung von Nord und Süd, von alt und neu: ich als schweizerisch-deutsche Frau und das süditalienische Landgut; das alte Haus und die neuen Designermöbeln.»
Lust auf mehr
Die Masseria Alchimia wurde zur Erfolgsgeschichte und ist fast das ganze Jahr hindurch sehr gut gebucht. So kam Caroline Groszer allmählich auf den Geschmack, ihr Geschäft zu expandieren und etwas Neues zu wagen.
Wer das quirlige Leben in italienischen Städten dem geruhsamen Landleben vorzieht, für den erwarb sie ein Stadthaus in Fasano. Es steht in der wichtigsten Strasse dieses schmucken Städtchens in Reih und Glied mit den feudalen Palazzi einiger alteingesessener Familien. «Palazzina Alchimia» nannte sie das Haus. Bis zu vier Personen finden Platz in dem eleganten städtischen Refugium und seiner Terrasse, mit der man nicht nur Fasano überblickt, sondern auch die Landschaft bis hinunter zum Meer.
Noch überwältigender ist die Aussicht von der Terrasse des dritten Hauses, das Caroline Groszer soeben erworben und mit ihrem unverkennbaren Stil umgebaut hat: Die «Torretta Alchimia», ein turmartiges, weisses Haus mit steilen Stiegen liegt auf dem höchsten Punkt von Ostuni, der berühmten «weissen Stadt», die selber hoch über der Ebene auf einem Hügel thront. Von der Dachterrasse des Türmchens blickt man nicht nur auf die malerische Altstadt mit ihrem Gassengewirr hinab, sondern sogar auf die Kathedrale und die Barockkirche Santa Maria Maddalena und natürlich weit übers Land.
Kleine, feine Collection
Gleichzeitig mit der Eröffnung dieses dritten Hauses vor einigen Wochen bündelt Caroline Groszer ihre touristischen Unternehmungen unter der gemeinsamen Marke «Alchimia Collection». Wie geht es nun mit dieser kleinen, feinen Collection weiter? Konkrete Pläne habe sie noch nicht, sagt die 51-Jährige, aber ein paar weitere Objekte sollten schon noch hinzukommen, über Apulien verstreut: «Dann könnten meine Gäste eine Rundreise machen von einem Haus unserer Collection zum nächsten.» Auch ein Beach Club schwebt ihr vor, den eines Tages ihr Sohn führen könnte: «Das wäre doch cool für ihn: Sonne, Strand, schöne Frauen.» Diese Idee ist allerdings definitiv Zukunftsmusik: Caroline Groszers Sohn ist 14 und besucht das Gymnasium.
Und noch etwas: Wem Apulien zu fern ist, kann auch in der Schweiz von Caroline Groszers raffinierten Ferienangeboten profitieren: Sie besitzt ein Chalet in Andermatt. «Ich habe das Chalet Swiss bei einem Aufenthalt mit Freunden per Zufall entdeckt», erzählt sie. Auch hier, wie in Süditalien, war sie eine Pionierin, denn «das war noch, bevor Samih Sawiris kam; das Haus war folglich noch bezahlbar. Meine Mutter, die inzwischen leider gestorben ist, war so begeistert, dass sie es gekauft hat. Ich habe es umgebaut und vermiete es jetzt. Bis zu sechs Personen können darin wohnen.» Caroline Groszers Alchimie spielt also auch in den Alpen.