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Ein Lawinenairbag ist ein äusserst wirksames Rettungsgerät für Lawinenopfer. Er wird in einem Rucksack auf dem Rücken getragen und kann mittels eines Handgriffs oder eines Seils ausgelöst werden. Innerhalb von kurzer Zeit bläst sich der Lawinenairbag auf und sorgt dafür, dass das Lawinenopfer möglichst nahe an der Oberfläche der Schneemassen bleibt und dort auf eine besonders grosse Atemhöhle zurückgreifen kann.
Was hat der Lawinenairbag wohl mit dem Oberförster Josef Hohenester aus Bad Reichenhall zu tun? Ganz einfach: Herr Hohenester geriet in in den 1970er Jahren in eine Schneebrettlawine. Dabei trug er Wildbret auf seinen Schultern und machte die Beobachtung, dass er nahe an der Schneeoberfläche blieb, statt tief verschüttet zu werden. Diese Beobachtung brachte den Förster zum Nachdenken und zum Experimentieren. Er setzte dazu unter anderem Kanister und Ballons mit grossem Volumen ein und betrachtete diese in Lawinenabgängen. Seine ursprüngliche Beobachtung bestätigte sich hierbei: Die grossvolumigen Gegenstände blieben an der Oberfläche der Schneemassen.
In der Folge wurde dieses Phänomen durch ein Forschungszentrum reproduziert und bestätigt. Damit war Josef Hohenester im Jahr 1973 dazu in der Lage, seine Entdeckung zum Patent anzumelden. Die Erfindung trug die Bezeichnung „Gerät zum Anzeigen und zur Selbstrettung seines Trägers in Lawinen“. Das Patent wurde Ende 1974 veröffentlicht.
Hohenester verkaufte sein Patent im Jahr 1980 an Peter Aschauer. Aschauer entwickelte auf dieser Grundlage ein System, das es dem Schneesportler ermöglichte, das Volumen einer entsprechenden Vorrichtung innerhalb von wenigen Sekunden deutlich zu vergrössern. So kam im Jahr 1985 letztlich der erste funktionierende Lawinenairbag auf den Markt. Schon dieses erste Modell, das auf dem Rücken getragen wurde, bot ein Volumen von 150 Litern. Weitere Hersteller stiegen in der Folge in die Entwicklung und die stetige Optimierung von Lawinenrucksäcken ein. Heute zählt vor allem die weltbekannte Marke Pieps zu den wichtigen Anbietern dieser Lawinen-Rettungsgeräte. In unserem Shop entdeckst du eine gute Auswahl der Lawinenairbags von Pieps.
Ein Lawinenairbag schützt dich auf zweifache Weise vor den Folgen eines Lawinenunfalls. Kombiniert sind beide Schutzmechanismen dazu geeignet, die Überlebenschancen für Verschüttete nach einem Lawinenabgang erheblich zu verbessern. Auf der einen Seite sorgt der Rucksack mit Lawinenairbag dafür, dass du näher an der Schneeoberfläche bleibst und nicht so tief verschüttet wirst. Auf der anderen Seite erzeugt der Airbag eine Atemhöhle, die dir einen grossen zeitlichen Vorteil verschafft.
Der Schutzwirkung eines Lawinenairbags in Bezug auf die Verschüttungstiefe liegt ein Prinzip zugrunde, das als Paranuss- oder Müsli-Effekt bezeichnet wird. Wenn du eine Packung Müsli öffnest, dann liegen die grössten Nüsse meist oben auf. Sicher hast du das auch schon einmal beobachtet oder dich über diesen Effekt sogar gewundert. Die Erklärung hierfür ist recht einfach: Die sogenannte Entmischung oder Segregation kommt zustande, weil beim Schütteln und Bewegen der Packung kurzfristig Hohlräume entstehen, in die vor allem die kleineren Bestandteile des Müslis hineinrutschen können. Da die grösseren Bestandteile nicht in die Hohlräume passen, wandern sie eher nach oben. Je länger die Packung, zum Beispiel durch Schütteln, in Bewegung ist, desto ausgeprägter fällt der Effekt aus.
Auf den ersten Blick könnte man denken, dass die Tatsache, dass ein Lawinenopfer mit aufgeblasenem Lawinenairbag nah an der Oberfläche liegen bleibt, könnte etwas mit dem hydrostatischem Auftrieb zu tun haben. Allerdings beträgt die mittlere Dichte eines ausgerüsteten Skifahrer rund 400 kg/m³, während fliessender Lawinenschnee eine mittlere Dichte von ca. 300 kg/m³ aufweist. Damit scheidet diese Erklärung aus. Und tatsächlich ist es in Wirklichkeit der zuvor erklärte Paranuss-Effekt, der das Lawinenopfer nahe an der Oberfläche hält, wenn er mit einem Lawinenrucksack ausgerüstet ist. Volumenmässig grössere Körper setzen sich bei einem fliessenden Medium wir dem Lawinenschnee eher an der Oberfläche ab, während kleinere Körper tiefer einsinken.
Im Ergebnis ist die Wirkung eines Lawinenairbags wirklich beeindruckend. Das Opfer kann aufgrund seiner oberflächennahen Lage viel schneller und einfacher gefunden werden. An der Schneeoberfläche liegt die Sterblichkeit von Lawinenopfern lediglich noch bei 3 bis 4%. Wird ein Mensch stattdessen vollständig verschüttet, dann beträgt sie 54%.
Hinzu kommt, dass der Lawinenairbag um den Verunglückten herum eine Atemhöhle entstehen lässt. Diese liegt zum Beispiel bei den Jetforce Rucksäcken von Pieps, die wir dir in unseren Shop anbieten, bei 170 Litern. Diese Menge reicht aus, um ein bis zwei Stunden atmen zu können. Und genau diese Zeitreserve macht in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit gerettet zu werden einen riesigen Unterschied aus.
Das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) hat 2001 die Wirksamkeit von Rettungsgeräten im Lawinenfall untersucht und analysiert. Bei einem aufwendigen Test wurden sieben Dummys mit Lawinenairbag einer künstlich erzeugten Lawine ausgesetzt. Alle sieben Airbags waren nach dem Lawinenabgang an der Schneeoberfläche zu sehen. Dies hätte eine Rettung deutlich beschleunigt. Auch die Verschüttungstiefe der Dummys war geringer als die von Dummys ohne Rucksack mit Lawinenairbag.
Zusätzlich hat das SLF insgesamt 86 Lawinenunfälle aus den Jahren 1991 bis 2005 analysiert und dabei festgestellt, dass 95% der Lawinenopfer das Unglück überlebten, wenn sie einen Lawinenairbag trugen.
Im Normalfall funktionieren Lawinenairbags auf der Basis einer Kartusche, die im Auslösefall die Luftkissen innerhalb von kurzer Zeit aufbläst. Grundsätzlich handelt es sich hierbei um eine wirksame Konstruktion. Allerdings müssen die Kartuschen nach dem Auslösen ersetzt werden. Ohne grösseren Aufwand ist es also nicht möglich, den Rucksack mit Lawinenairbag mehrmals hintereinander auszulösen, um zum Beispiel den Umgang damit zu üben oder um Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Rettungsgeräte zu entwickeln.
Der Hersteller Pieps ist hier einen ganz anderen Weg gegangen. Die Lawinenairbags des erfahrenen Herstellers arbeiten nämlich mit einer Pumpe und einem Akku. Die Pumpe presst dabei blitzschnell Umgebungsluft in die integrierten Airbags. Gespeist wird sie dabei über einen ebenfalls integrierten Akku. Mit nur einer Akkuladung können mehrere Auslösungen durchgeführt werden. Hierbei fallen keine weiteren Kosten an, da keine Teile ausgetauscht werden müssen. Der Airbag wird einfach wieder zusammengelegt und die Auslösung kann sofort erneut erfolgen.
Bei dem Lawinenairbag auf Basis einer elektrisch betriebenen Pumpe handelt es sich nicht zum die einzige bahnbrechende Innovation des kreativen Herstellers. Bereits im Jahr 1972 brachten die Entwickler von Pieps ihr erstes Lawinenverschüttetensuchgerät heraus. Damals handelte es sich noch nicht um ein eigenständiges Unternehmen. Vielmehr war Pieps eine Abteilung der Muttergesellschaft Seidel Elektronik. Das LVS-Gerät wurde gemeinsam mit der Universität Graz entwickelt. Schon zu dieser Zeit arbeitete Pieps eng mit der Wissenschaft zusammen, um optimale Lösungen im Bereich Lawinenschutz anbieten zu können.
Im Jahr 2003 folgte eine weitere Sensation: Pieps machte mit dem weltweit ersten digitalen Lawinensuchgerät mit 3-Antennen-Technik auf sich aufmerksam. In der Folge stieg die Bekanntheit der Marke stetig an. 2006 wurde Pieps als eigenständiges Unternehmen aus der Muttergesellschaft ausgegliedert und fortan als Pieps GmbH fortgeführt. Während das Unternehmen zunächst noch im Besitz der Familie Seidel verblieb, erfolgte 2012 der Verkauf der Marke an den US-amerikanischen Sportausrüster Black Diamond Equipment AG.
Seitdem hat sich das Unternehmen konsequent international orientiert und sein Lieferprogramm deutlich erweitert. LVS-Geräte bilden zwar nach wie vor einen wichtigen Schwerpunkt, werden mittlerweile aber von Lawinensonden, Lawinenschaufeln, Erste-Hilfe Sets und Lawinenairbags ergänzt.
Wie bereits erwähnt arbeiten die Lawinenairbags von Pieps, die unter der Bezeichnung Jetforce geführt werden, mit einer elektrischen Pumpe, die die Airbags mit Umgebungsluft aufbläst. Angeboten werden die Jetforce Rucksäcke in drei verschiedenen Volumen: 10 Liter, 25 Liter und 35 Liter. Mit speziellen Zip-ons kann das Volumen jeweils um 10 Liter, 25 Liter oder 35 Liter erweitert werden. Ausserdem steht der Jetforce in zwei verschiedenen Grössen (S/M und M/L) zur Auswahl. Die angebotenen Modelle sind jeweils für Männer und für Frauen geeignet.
Das elektronische System im Innern des Jetforce Lawinenrucksacks basiert auf einem Lithium-Ionen-Akku und einem Düsengebläse. Es funktioniert störungsfrei bei Temperaturen von bis zu -30° C. Eine Akkuladung reicht für mehrere Auslösungen aus, so dass der Rucksack mit Airbag zu Übungszwecken mehrmals ausprobiert werden kann. Du kannst also ganz flexibel testen, wie es sich anfühlt, wenn du an dem Auslöseseil ziehst, wie lange es dauert, bis sich der Airbag vollständig aufgeblasen hat und wie zuverlässig das gesamte System funktioniert.
Der Auslösegriff sitzt am Schulterriemen. Du kannst selbst festlegen, ob du ihn an der rechten oder an der linken Seite tragen willst und ihn ausserdem in Bezug auf die Höhe an deine Wünsche anpassen. Durch eine Beinschlaufe mit Karabiner kannst du den Jetforce sichern. Besonders wichtig: Der Airbag entleert sich drei Minuten nach der Auslösung. So entsteht ganz automatisch eine grosse Atemhöhle, die dir mit 170 Litern Volumen einen grossen Zeitvorsprung bietet.
Die Lawinenairbags von Pieps sind mit 2'840 g (10 Liter), 2'980 g (25 Liter) und 3'040 g (35 Liter) sehr leicht und komfortabel. Gleichzeitig bieten sie sehr kompakte Masse. Pieps stattet diese Rucksäcke mit Lawinenairbag mit Bluetooth aus. Du kannst sie mit der Pieps App koppeln und darüber Updates installieren.