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Sollen grönländische Kleinstsiedlungen weiterhin unterstützt werden. Die jüngste Abgeordnete, die sich des Themas angenommen hat, ist Aaja Chemnitz Larsen, eine der beiden grönländische Abgeordneten des Landes im Folketing, der dänischen Volksversammlung. Sie stellte während der Eröffnungssitzung Anfang Oktober die Frage, ob Nuuk für den Fall, dass ein Weiler nicht mehr lebensfähig ist, noch Ressourcen einsetzen soll, um sicherzustellen, dass der Ort besiedelt bleiben kann. Stattdessen sollte den Einwohnern geholfen werden, in Städte umzusiedeln, in denen es angemessene soziale Dienste und Infrastruktur gibt.
Dies könnte das Aus von 54 Weilern bedeuten. Es gibt zwar keine offizielle Definition dessen, was ein Weiler ausmacht, doch handelt es sich in der Regel um abgelegene Siedlungen mit weniger als 500 Einwohnern. Der kleinste hat nur 12 Einwohner. Einige wenige haben in den letzten Jahren an Bevölkerung zugenommen und in einigen, in denen gut gefischt wird, gehören die Einkommen zu den höchsten des Landes.
In ihren Kommentaren von der Rednertribüne, wie auch danach, wählte Larsen ihre Worte sorgfältig aus und betonte zum Beispiel, dass nicht alle Weiler gleich seien. Entscheidend ist, dass diejenigen, die nicht lebensfähig sind, einen „natürlichen“ Tod sterben dürften. Sie meinte, dass die Bewohner nicht zur Umsiedlung gezwungen würden, wie es während der dänisch geführten Modernisierungsbemühungen ab den 1950er Jahren geschah.
Dennoch ist das Gesamtbild der Weiler wegen der Armut und der sozialen Missstände ein Bild des Niedergangs. Im Jahr 1979, dem Jahr, in dem Grönland die Selbstverwaltung von Dänemark erhielt, hatten die damals bestehenden 76 Weiler eine geschätzte kollektive Bevölkerung von 12.000, etwas weniger als ein Viertel der damaligen 49.000 Einwohner des Landes. Heute ist die nationale Bevölkerung auf 56.000 angestiegen, aber die Zahl der Weilerbewohner ist auf knapp über 7.000 gesunken.
„Es ist angebracht, sich zu fragen, ob eine Gesellschaft mit 12 Menschen das von ihnen erwartete Wohlstandsniveau aufrechterhalten kann“, sagte Larsen und stellte zudem fest, dass es in sechs Weilern keine Form der Strafverfolgung gibt.
Scharfe Kritik in der Regierung
Die Äusserung von Aaja Chemnitz Larsen war für viele wie ein ‘Stich ins Wespennest’. Demensprechend heftig waren auch die Reaktionen der Gegner. Diese kritisieren das Vorhaben als eine „respektlose“ und „erniedrigende“ Haltung gegenüber den Bewohnern der Weiler und ihrem Lebensstil. Ihre Partei, die IA (Inuit Ataqatigiit), unterstützt den politischen Konsens, das Recht der Grönländer, „sich dort niederzulassen, wo sie wollen“, sagte Parteichef Múte B. Egede in einer öffentlichen Rüge. „Niemandem“, fügte er hinzu, „wird dieses Recht jemals verweigert werden“.
Aaja Chemnitz Larsen hatte von Anfang an ihre eigene Meinung und nicht die der Partei geäußert, aber sie ist nicht die einzige, die vorschlägt, dass der Gesetzgeber über die Zukunft der Weiler nachdenkt. Ein früherer Vorschlag hätte Weiler mit weniger als 100 Einwohnern abgeschafft. Ein anderer Vorschlag schlug eine Rangfolge vor, welche Weiler hinsichtlich der Ressourcen, die sie zum Überleben benötigten, an erster Stelle stehen sollten, sowie eine „geordnete“ Strategie für die Abschaffung der Weiler, die nicht überleben konnten.
In ähnlicher Weise hat die Grosskommune Kommuneqarfik Sermersooq im Jahr 2017 Richtlinien ausgearbeitet, die den Gesetzgeber bei der Entscheidung unterstützen soll, welche Weiler und welche Ressourcen erhalten bleiben sollen.
Asii Chemnitz Narup (nicht verwandt mit der Abgeordneten), zum Zeitpunkt der Erstellung der Richtlinien Mitglied der IA und Bürgermeisterin der Kommuneqarfik Sermersooq, schlug letzte Woche als Reaktion auf Larsens Ansprache vor, dass die nationalen Gesetzgeber etwas Ähnliches tun sollten. „Einige Weiler“, sagte sie, „sind mit einem Überfluss an lebenden Ressourcen gesegnet, die ihnen eine gute Existenzgrundlage bieten. Andere Weiler haben nicht die gleichen Möglichkeiten“.
Wir sind gespannt wie sich die Politik mit der Situation auseinandersetzt. PolarJournal bleibt dran…..
Heiner Kubny, PolarJournal / Kevin McGwin, The Rasmussen