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Dieter Gränicher, geboren 1955, hat sich für seinen Film eine schwierige, wohl zu schwierige Aufgabe gestellt: Spuren der Trauer handelt von der Verarbeitung des Todes einer Mutter und eines Vaters. Der „dokumentarische Spielfilm“, wie der Autor ihn nennt, erzählt zwei Geschichten: Ein älterer Mann stirbt, seine Tochter, mit der ihn nur eine lose Beziehung verband, hat nun alles zu erledigen, vom Auswählen des Sarges über die Kremation bis zum Traueressen. Die andere Geschichte: Ein junger Mann, der seine Mutter im Alter von sieben Jahren, nach langer Krankheit, die mit seiner Geburt ausbrach, verlor, wird sich erst jetzt des Verlustes bewusst und sucht ihn, zusammen mit aufkeimenden Schuldgefühlen, zu verarbeiten.
Dieter Gränicher mischt die beiden Handlungen in harten Schnitten. Die Ebene des jungen Mannes, unterlegt mit einem Monolog, gliedert er zusätzlich auf in Bilder des Betroffenen, der einen Sarg mit sich schleppt, und in S-8-Auf- nahmen, die das spielende Kind zeigen. Die Ebene der jungen Frau, die erst beim Aufräumen der Dokumente des Vaters Einblick gewinnt in dessen Denken und Fühlen, wird zudem ergänzt durch Einblicke in das Bestattungswesen. Gezeigt werden Sargherstellung, Einsargung, Totenkammern im Friedhof und eine Beerdigung.
Dass beide Handlungsstränge zusammen und je auch für sich allein ein tragfähiges, vielschichtiges Thema für einen Film abgeben würden, sei nicht bestritten. Die Verknüpfung der Stränge erweist sich aber als problematisch, weil zu viel zusammengenommen wird und der Autor dieses Übermass an Motiven gestalterisch nicht in den Griff bekommt. Vor allem liegt das, bei aller Redlichkeit, von der sich Gränicher sicher leiten liess, am Unvermögen im Umgang mit den filmischen Darstellungsmitteln. Die Texte — deutlich wird das vor allem im Monolog des jungen Mannes — sind oft von einer Dürftigkeit und einer stilistischen Unsicherheit, die peinlich wirken, und viele Szenen sind unbeholfen inszeniert. Das Bild des Sargträgers, das für die Trauerarbeit des jungen Mannes, der am Tod seiner Mutter leidet, steht, wirkt aufgesetzt, lässt Tiefe vermissen und nutzt sich bald ab. Am eindrücklichsten sind jene Bilder, die das Einsargen einer alten toten Frau zeigen: Die Selbstverständlichkeit, Ruhe und Würde, mit denen diese Arbeit verrichtet, und die schlichte Art, wie das im Film gezeigt wird, vermitteln vielleicht, welche Wege zu beschreiten wären, um diesem Thema beizukommen.
Bei aller Kritik an Unbeholfenheit und Unvermögen ist dem Autor zu attestieren, dass er bereit ist, sich integer und mit Ernst einem Thema zu stellen, das dem jüngeren Schweizer Film eher fremd ist und das zu einer Gratwanderung führt, die die Gefahr des Absturzes einschliesst.