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Dieses Ritual wiederholte sich Tag für Tag und zur gleichen Stunde – und genauso pünktlich stellte sich dort auch ein etwas abgerissen gekleideter, einfacher Mann ein, den die Versammelten als den Dorftrottel betrachteten. Er bewegte sich langsam und etwas gebückt, mit unbeteiligtem Gesichtsausdruck, so wie einer, dessen Sinn nach nichts weiter trachtet, als umherzuschlendern und irgendeine Beschäftigung wahrzunehmen, welche ihm eine nächste Mahlzeit einbringen könnte. Er betrat den Eingang zu jener Bar, in der er stets ein bisschen schmutziges Geschirr zum Abwaschen oder einen Besen zum Kehren des Fussbodens vorgefunden, Gelegenheitsarbeiten, die ihm ein paar Münzen einbrachten.
Bei seinem Eintreten wurde er regelmässig von einem der reichsten Männer der Stadt aufgehalten, der ihm zwei Münzen präsentierte: Eine kleinere aus Gold und die andere, sehr viel grösser, aus Silber. Er hielt ihm die beiden Geldstücke direkt unter die Nase, wendete sich dann einen Moment mit einem Augenzwinkern den Umstehenden zu, um gleich darauf den Dorftrottel zu fragen, welche der beiden Münzen er haben wolle. Der Dumme tat so, als ob er nachdenken müsse – kratzte sich am Kopf und zögerte eine Weile – dann entschied er sich für die grössere der beiden Münzen – was die versammelten Gäste mit einer nicht enden wollenden Lachsalve quittierten.
Jahr um Jahr wiederholte sich dieselbe Geschichte – in die inzwischen auch andere wohlhabende Geschäftsleute eingestiegen waren – man hielt die beiden Münzen dem Trottel hin, und der sorgte für das allgemeine Amüsement der Männer, indem er sich stets für die grössere der beiden Münzen entschied.
Eines Tages nahm ihn endlich der Wirt jener Bar beiseite, während der Dorftrottel das Geschirr abwusch, um von ihm selbst zu erfahren, warum er stets die silberne Münze wähle, während die goldene doch so viel mehr Wert hätte: “Die kleinere ist aus Gold – mit dieser Wahl wärst Du inzwischen schon reich”, kritisierte der Wirt den Dummen.
Und der Dorftrottel antwortete: “Diese Männer sind nicht daran interessiert, mir eine Münze zu geben – alles was die interessiert, ist das Gelächter ihrer Freunde auf meine Kosten. Wenn ich die kleinere Goldmünze genommen hätte, wäre das Gelächter schon beim ersten Mal erstorben, das Spiel hätte aufgehört, und ich würde keine Silbermünzen mehr bekommen. Und sie haben mir sehr geholfen . . . Ich hab keine Schulbildung, keine feste Arbeit – was wäre aus mir geworden, wenn es nicht solche übermütigen Leute gäbe, die bereit sind dafür zu zahlen, dass sie über die Dummheit eines anderen lachen können”!
So ist das Leben, und so verhält es sich mit unseren Erfahrungen. Was man auf der Schulbank oder im Wettlauf des Lebens lernt, ist manchmal weniger wert als die Weisheit eines Menschen, der es versteht, sich bescheiden zu geben und stets bereit ist, die ihn umgebenden Ignoranten zu akzeptieren.
Ihre Janice Drummond Reynolds