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Wer die Gegenwart verstehen will, werfe einen Blick in den «Weltreport über Ungleichheit». Eine internationale ForscherInnengruppe um den französischen Ökonomen Thomas Piketty warnt darin vor politischen und sozialen Katastrophen. Dabei sind diese längst im Gang.
Von Daniel Hackbarth (Text) und Luca Schenardi (Illustration)
1913 kommunizierte noch niemand über soziale Medien. Es gab kein Internet und auch keinen Onlineversandhandel, der die KundInnen frei Haus mit hübschen Konsumartikeln beliefert hätte. Schon damals aber gab es den Kapitalismus, und dieser brachte beispielsweise das Deutsche Kaiserreich in eine unheilvolle gesellschaftliche Schieflage: 1913 gingen ganze vierzig Prozent des nationalen Gesamteinkommens an das reichste Zehntel der Deutschen – ein Zahlenverhältnis, das nicht nur für HistorikerInnen interessant ist.
Heute nämlich ist die soziale Kluft in Deutschland wieder genauso gross wie kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Dies geht aus dem ersten «Weltreport über Ungleichheit» hervor, den eine ForscherInnengruppe um den französischen Ökonomen Thomas….
….passend dazu…..
Soziale Ungleichheit und Regierungskrise
Es ist mehr als ein historischer Zufall, dass der kürzlich veröffentlichte „Bericht zur weltweiten Ungleichheit“ zum Schluss gelangt, die soziale Ungleichheit in Deutschland sei so groß wie 1913.
1913 markierte eine historische Zäsur. Es war das letzte Jahr einer vierzigjährigen Epoche, in der Europa relativ stabil und friedlich war und ein starkes wirtschaftliches Wachstum verzeichnete. Im Sommer des folgenden Jahres begann eine neue Epoche von dreißig Jahren, die durch zwei Weltkriege, heftige Klassenkämpfe und die nationalsozialistische Barbarei geprägt war. Am Schluss waren rund hundert Millionen Menschen gewaltsam…..