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Gestern fand das zweite Kammerkonzert der Murten Classics in der reformierten Kirche in Merlach statt. Dabei überzeugten Julien Quentin, Rosanne Philippens, Adrien La Marca und Anastasia Kobekina mit ihrem klangvollen Spiel.
Das zweite Kammerkonzert der Murten Classics stand unter dem Motto Farben. In den Werken von Johannes Brahms, Robert Schumann und Sergei Prokofiew loteten die Musikerinnen und Musiker das Klangspektrum jeweils eines Streichinstruments im Dialog mit dem Klavier aus. Im Klavierquartett Nr. 1 von Antonín Dvořák zelebrierten sie schliesslich das Miteinander. Wie Geigerin Rosanne Philippens in einer kurzen Ansprache erläuterte, steht diese Komposition zu Unrecht im Schatten des bekannteren Klavierquintetts des Komponisten.
Kraftvoller Auftakt
Das Konzert begann kraftvoll mit Brahms’ Scherzo aus der FAE-Sonate für Violine und Klavier. Die Sonate entstand 1853 als Gemeinschaftsprojekt mehrerer Komponisten für den Geiger Joseph Joachim. Das Motto des Geigers «Frei, aber einsam» diente als musikalisches Ausgangsmaterial. Rosanne Philippens schaffte es im Konzert, dieses Motto umzusetzen. Sie eröffnete den nach c-Moll transponierenden Satz mit repetierenden Triolen auf der G-Saite und wurde von mächtigen Akkorden, die im Klavier nachklangen, unterstützt. Das anfängliche Gewitter wurde schliesslich durch eine liebliche Romanze in G-Dur aufgelöst. Der Klang der Violine, einer Stradivarius aus dem Jahr 1727, entfaltete sich an dieser Stelle in seiner schönsten Form.
Eine Träumerei
Robert Schumann schrieb seine Fantasiestücke op. 73 ursprünglich für Klarinette und Klavier. In Merlach waren sie in einer Bearbeitung für Violoncello und Klavier zu hören. Die russische Musikerin Anastasia Kobekina versetzte das Publikum mit ihrem historischen Violoncello aus dem Jahr 1743 in eine Träumerei. Zart und mit viel Ausdruck entfaltete sich im ersten Satz der melancholische Klang des Violoncellos. Lebhaft und leicht verspielt ging es im zweiten Satz weiter. Inbrünstig und voller Leidenschaft schloss der musikalische Vortrag im dritten Satz.
Ausdrucksstark und kontrastreich
Dass die Viola oft zu Unrecht im Schatten der Violine oder des Cellos steht, ist bekannt. Geehrt wird sie aber mit einer Bearbeitung von Sergei Prokofiews Ballettmusik «Romeo und Julia» für Bratsche und Klavier. Die drei ausgewählten Nummern «Tanz der Ritter», «Mercutio» und «Julias Tod» haben einen düsteren Charakter und sind rhythmisch anspruchsvoll. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Bratschist La Marca als Einziger nicht auswendig spielte. Trotzdem klangen die Nummern kontrastreich und ausdrucksstark.
Emotional intensives Klavierkonzert
Mit Antonín Dvořáks Klavierquartett Nr. 1 erreichte das Kammerkonzert seinen fulminanten Höhepunkt. Eine besonders grosse emotionale Intensität entfaltete sich im zweiten Satz. Daran trug nicht zuletzt das nuancierte und sensible Spiel des Pianisten Julien Quentin bei. Die eher unübliche Besetzung des Konzerts entpuppte sich als phänomenales Klangspektakel.