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Stammabend 15. Mai 2013
Ein lang ersehnter Traum erfüllte sich im August 2012 für unser RG-Mitglied Udo Wittenberger, als das knallrote Flugzeug der Air Greenland in Kopenhagen mit dem Ziel Grönland startete. Dort angekommen, ging die Reise weiter an die Westküste Grönlands, wo etwa auf der Höhe des Polarkreises die Ortschaft Kangerlussuaq am Ende eines langen Fjords liegt. Da die kleine Siedlung keinen Hafen besitzt, musste das Passagierschiff AKADEMIK IOFFE weit draussen im Fjord ankern und seine Passagiere per Boot aufnehmen.
Das ehemalige russische Polar-Forschungsschiff, das heute von der Reederei One Ocean Expeditions betrieben wird, wurde 1990 gebaut, ist 117 m lang und 18,3 m breit, hat 6 m Tiefgang und verdrängt 6450 BRT. Die Besatzung von 53 Personen kann 110 Passagiere betreuen; dass im Sommer 2012 nur 63 Passagiere an Bord waren, war für die Gäste zwar angenehm, jedoch schlecht für das Geschäft der Reederei.
Die Seereise, die durch häufige Landausflüge mit Schlauchbooten unterbrochen wurde, begann mit der Ausfahrt aus dem 200 km langen Fjord in die Davids-Strasse und führte weiter südwärts in den Erics-head-Fjord. In langsamer Fahrt ging es weiter in den Illteq-Fjord und nach Sisimiut, dem einzigen Hafen für grosse Schiffe. Dort wurden nochmals Diesel, Wasser und frische Nahrungsmittel gebun-kert. Zudem erfreute ein Einheimischer die Passagiere mit einer Vorführung von Eskimo-Rollen, von denen es 35 verschiedene Varianten geben soll. Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, sich 35 Mal in Wasser von nur 7° C zu drehen!
Gegen Abend lief die AKADEMIK IOFFE wieder langsam aus: Über Nacht ging es weiter bis in die Disco-Bucht. Wegen der wunderschönen Eisberge wurde das Frühstück vertagt und die Teilnehmer kurvten mit den Zodiaks durch die Wunderwelt dieser Eisskulpturen mit traumhaft schönen Farben und ebenso schönem Licht. Die Reise führte weiter nach Illusat und quer über die Davids Strasse auf Baffin Island. Dort faszinierte vor allem Bylot-Island, ein einziges Vogelschutzgebiet, wo auf jedem auch noch so kleinen Felsvorsprung mindestens ein bis drei Vögel sitzen.
Da das nächste Etappenziel Eclipse Sound zum kanadischen Territorium gehört, mussten Crew und Passagieren sämtliche Zollformalitäten an Bord über sich ergehen lassen. Bereits in der Nacht verliess die AKADEMIK IOFFE den Sound wieder und reiste gemütlich entlang der Küste von Devon Island. Bizarr anmutende Eisberge und zwischendurch ein Blas von einem Wal sorgten für Abwechslung, wenn auch die Walrosse dank ihrer braunen Farbe kaum auf den Felsen erkennbar waren.
Der nördlichste Punkt der Seereise auf 74°34.2 N wurde mit Ehrfurcht passiert, denn hier auf Beechy Island überwinterte der britische Polarforscher Sir John Franklin 1845/46. Von der Besatzung über-lebte niemand, denn die bleibelastete Büchsennahrung vergiftete alle langsam.
Die Weiterreise verlief entlang klingender Namen wie Prinz Leopold Insel, Fort Ross, Sommerset Island, Victoria Point und und King Williams Island. Eisbären wurden gesichtet und mit Hilfe von Zodiaks konnten diese aus nur 15 Meter Entfernung fotografiert werden.
Der folgende Morgen in der Cambridge Bay stand im Zeichen des norwegischen Polarforschers Roald Amundsen und seines Expeditionsschiffes MAUD. Nach ihrem Einsatz in der Nordwestpassage wurde die 1925 an die Hudson Bay Company verkauft. Bei einem ihrer Einsätze als Versorgungsschiff blieb die MAUD 1926 in der Cambridge Bay im Eis stecken, wo sie schliesslich 1930 sank. Der Dreimaster liegt dort immer noch auf Grund, doch der norwegische Staat möchte das Wrack bergen und restaurieren.
Die letzte Etappe der Seereise führte in die Ölmetropole Edmonton. Auch dieser letzte Reiseabschnitt verging wie im Fluge. Zurück bleiben viele Eindrücke mit wunderschönen Tagen, Bildern, Licht und Farben.
Schön, so einen Traum zu leben und nicht ein Leben lang davon zu träumen. Danke Udo für diesen tollen Bericht und die Bilder von deiner Reise durch die Nordwestpassage!
Vice Captain Felix Buser