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Die fossilen Brennstoffe Erdöl, Erdgas und Kohle werden weiterhin die Energieversorgung der Menschheit dominieren, denn 85% der Zunahme werden voraussichtlich von diesen Energieträgern gedeckt. Der Anteil der Kernenergie an der weltweiten Stromproduktion wird dagegen - trotz einer geringen Produktionszunahme - von heute 17% auf 9% zurückfallen, während die erneuerbaren Energien - vor allem dank Wind und Biomasse - ihren Anteil von 2% auf 6% steigern werden. Dies prognostiziert die Internationale Energie-Agentur (IEA) in ihrem Ende Oktober 2004 veröffentlichten "World Energy Outlook 2004". Die Prognosen gelten unter der Annahme, dass sich die heutigen Energiepolitiken der Regierungen nicht ändern.
Gemäss den Schätzungen der IEA reichen die Vorräte an Erdöl und Erdgas aus, um auch in den kommenden drei Jahrzehnten die Nachfrage zu decken. Allerdings steigen die Risiken der fossilen Energieversorgung: Die klimawirksamen CO2-Emissionen werden 2030 um mehr als 60% höher sein als heute, wobei zwei Drittel der Zunahme aus den Entwicklungsländern stammen dürfte. Mit der Ausweitung des weltweiten Erdölhandels steigt zudem die Gefahr, dass Piraten, Terrorangriffe oder schwere Unfälle die Transportrouten blockieren. Schliesslich werden die grossen Importeure von Erdöl und Erdgas - das sind die meisten OECD-Länder sowie Indien und China -immer stärker von Lieferungen aus politisch instabilen Regionen abhängig werden.
Unter den heutigen Kostenstrukturen und wegen der Ausstiegspolitiken in einigen Ländern wird zwar die Produktion von Atomstrom noch bis 2010 zunehmen, danach aber langsam zurückgehen, schätzt die IEA. Einer kräftigen Zunahme in Asien steht dabei vor allem ein Rückgang in Europa gegenüber. Gemäss dem Business-as-usual-Szenario erwartet die IEA in Europa einen Rückgang der Nuklearkapazitäten von 133 GW im Jahr 2002 auf 73 GW im Jahr 2030.
Erstmals hat dieses Jahr die IEA ein Alternativszenario vorgestellt, das von erwarteten Verschärfungen in nationalen Umwelt- und Energiepolitiken und einer beschleunigten Implementierung energieeffizienter Technologien ausgeht. Bei diesem Szenario würde im Jahr 2030 der Energieverbrauch 10% tiefer und die CO2-Emissionen sogar 16% tiefer liegen als im Business-as-usual-Szenario. Gut die Hälfte der Reduktion könnte mit der rationelleren Energienutzung in Fahrzeugen, Elektrogeräten, Beleuchtung und Industrie erzielt werden, der Rest im Wesentlichen aus der Verschiebung des heutigen Stromproduktionsmixes in Richtung erneuerbarer Energien und Atomenergie. Doch auch bei diesem Szenario lägen die Energieimporte und die Emission im Jahr 2030 höher als heute.
Als Auswege aus der heutigen Lage nennt die IEA einerseits die verlockende, aber höchst unsichere Entwicklung von Technologien zur CO2-Speicherung und -Lagerung in fossil befeuerten Kraftwerken. Andererseits setzt sie auf die Weiterentwicklung der Nukleartechnologie und hofft auf Technologiedurchbrüche bei den erneuerbaren Energien.
Source
M.S. nach IEA-Pressemitteilung, vom 26. Oktober 2004