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Michael Christian Ruloff,
2006 Bachelor of Arts (Lehrpatent Sekundarstufe I), Pädagogische Hochschule Zürich. 2006 – 2009 Sekundarlehrer im Kanton Zürich. 2007 – 2010 Radiojournalist in St. Gallen und Biel/Bienne.
2009 – 2012 Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität Bern. Masterarbeit bei Prof. Dr. Fritz Osterwalder zum Thema „Der Lehrer im Licht der öffentlichen Meinung der deutschsprachigen Schweiz zwischen 1800 und 1830“. 2010 – 2012 Hilfsassistenz und Assistenz am Institut für Erziehungswissenschaft (Abteilung Allgemeine und Historische Pädagogik) der Universität Bern. Ab 2011 Lehrbeauftragter an der Fachschule der Kantonal-Bernischen Fahrlehrerausbildung. Ab 2012 Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz.
2012 bis 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand bei Prof. Dr. Daniel Tröhler im Rahmen des National-fondsprojekts „Das niedere Schulwesen in der Schweiz am Ende der Frühen Neuzeit. Edition und Auswertung der Stapfer-Enquête von 1799.“
Die Dissertation beschäftigt sich mit dem Schulbesuch um 1800. Die zentrale Frage lautet, wie viele Kinder – in der damaligen Schweiz um 1800, bzw. in der Helvetischen Republik – die Schule besuchten. Schulbesuch wird in dieser Dissertation als „Dasein“, als eine mehr oder weniger regelmässige Anwesenheit eines Kindes in der Schule definiert. Eine Output-orientierte Untersuchung („Wie gut haben die Kinder in der Schule gelernt?“) ist aufgrund der Quellenlage nicht möglich. Schulbesuch wird für die Zeit um 1800 auch in der Forschungsliteratur wörtlich verstanden: Es geht darum, dass ein Kind die „Schule besucht“ (Input).
Die bisherige Forschung vermittelt für die Schweiz des ausgehenden 18. Jahrhunderts das (vage) Bild eines „schlechten“ Schulbesuchs: Die Kinder gingen uneinheitlich und unregelmässig zur Schule. Die Gründe dafür waren vielfältig: Ein weiter Schulweg, Schulhäuser und Schulstuben in einem baulich schlechten Zustand sowie viel zu grosse Klassen (mit über 100 Schülerinnen und Schülern in einem Schulzimmer) dienten gemäss der Forschung den Eltern als Vorwand, die Kinder nicht in die Schule zu schicken. Des Weiteren sprach das – damals durchaus übliche – Schulgeld, welches die Kinder dem Lehrer zu bezahlen hatten, für etliche Eltern gegen den Schulbesuch.
Die Dissertation untersucht, ob die bisherigen Forschungsergebnisse zum Schulbesuch bestärkt werden können oder ob man ihnen widersprechen muss. Die Auswertung der Stapfer-Enquête, einer 1799 in der Helvetischen Republik durchgeführten Erhebung über die Schweizer Schule, liefert eine hervorragende Grundlage für eine breit abgestützte Bestandsaufnahme zum Schulbesuch (analysiert werden soll eine Stichprobe von rund 120 Schulen!). In einem weiteren Schritt werden die erhobenen Daten zum Schulbesuch ausgewertet. Dabei geht es darum, die Unterschiede zwischen den Gemeinden anhand von rund 13 im Vorfeld festgelegten Variablen zu erklären. Die in diesem Umfang noch nicht vorhandenen Zahlen zum Schulbesuch liefern nicht nur eine Erkenntnis darüber, wie viele Kinder vor gut 200 Jahren zur Schule gingen. Der Schulbesuch an und für sich ist eine Variable für die Bedeutung der Schule in der damaligen Schweiz und diese Schule steht für die Mentalität und das Selbstbild der damaligen Gesellschaft.