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Die römisch-katholische Pfarrkirche von Arlesheim ist das Wahrzeichen des Dorfes und ein bedeutendes Kunstwerk barocker Architektur und Innenausstattung.
Zusammen mit den ehemaligen Domherrenhäusern bildet er eine grosszügige Gesamtanlage, die in den 1680er Jahren leicht erhöht auf eine grüne Wiese neben das kleine Dorf Arlesheim gesetzt wurde.
Die Grösse, die opulente Ausstattung, die Gestalt des Chores und nicht zuletzt der Name „Dom“ zeigen, dass die ursprüngliche Bestimmung des Bauwerkes nicht die einer Pfarrkirche war.
Ursprüngliche Funktion und Bedeutung
Ende 1678 liess sich das Basler Domkapitel in Arlesheim nieder. Für dieses mehrheitlich adlige Gremium, das eine wichtige Rolle in der Herrschaft des Fürstbistums Basel spielte, musste so schnell wie möglich eine angemessene bauliche Infrastruktur geschaffen werden. Neben den Residenzgebäuden – zu erwähnen sind insbesondere die vier Doppelhäuser, deren Fassaden den Domplatz (ursprünglich „Residenzplatz“ genannt) definieren – bestand diese vor allem aus der Kirche, die Dom oder Kathedrale genannt wurde und deren Grösse und Erscheinungsbild der Bedeutung des Domkapitels zu entsprechen hatte. Sie bildete den ideellen Mittelpunkt der Kapitelresidenz; im grossen Chor nahmen die Domherren an den täglichen vier Gottesdiensten teil, die sie durch ihre Kapläne veranstalten liessen. Heute erinnert insbesondere das grosse Chorgestühl mit seinen 18 damals den Domherren vorbehaltenen vorderen Sitzen an diese ursprüngliche Bestimmung des Arlesheimer Domes.
Der Bau des 17. Jahrhunderts
Fürstbischof Johann Conrad von Roggenbach, der Arlesheim als Sitz des Domkapitels ausersehen hatte, nahm sich mit grossem persönlichem Engagement des Dombaues an. Als Architekt verpflichtete er den Jesuitenpater Franz Demess, den er gleichzeitig auch in der Residenzstadt Pruntrut beschäftigte und der somit die Pläne für den Neubau unter seinen Augen anfertigte. Johann Conrad von Roggenbach legte am 25. März 1680 den Grundstein zum Dombau. In der Folge kümmerte er sich persönlich auch um Details und drängte beständig zur Eile, sodass der fast vollendete Grossbau nach erstaunlich kurzer Bauzeit am letzten Oktobersonntag 1681 – wiederum durch den Bischof persönlich – geweiht werden konnte.
Der Dom des 17. Jahrhunderts war ein strenger, wuchtiger Bau mit zurückhaltender Dekoration, dessen Erscheinungsbild im Detail nicht rekonstruierbar ist.
Die spätbarocke Umgestaltung
In den Jahrzehnten nach der Erbauung des Domes wurden immer wieder kleinere Reparaturen und Ergänzungen vorgenommen. Eine markante Veränderung war die Umgestaltung der Turmkuppeln, die 1723 ihre heutige Form erhielten.
Seit den frühen 1750er Jahren waren die Domherren besorgt über Risse in der Gipsdecke der Kirche. Lange schwankte man zwischen einer blossen Reparatur und einer umfassenderen Umgestaltung; 1759 bis 1761 schliesslich wurde eine sehr aufwendige, umfassende Neugestaltung vorgenommen. Der Chor wurde abgebrochen, in verlängerter Form neu erbaut und unter ihm eine Gruft für die Gräber der Domherren angelegt. Der gesamte Innenraum erhielt eine komplett neue künstlerische Ausstattung und auch die Fassade wurde leicht modifiziert.
Die Baufachleute und Künstler rekrutierte das Domkapitel aus dem süddeutschen Raum. Der Augsburger Stukkateur Johann Michael Feichtmayr hatte 1754 Entwürfe angefertigt, die später in die Ausführung einflossen. Entwürfe und Kostenvoranschläge für eine Gesamterneuerung legte 1757 der Deutschordensbaumeister Giovanni Gaspare Bagnato vor. Für die definitiven Entwürfe und als Generalunternehmer für alle Arbeiten wurde schliesslich dessen Sohn Franz Anton Bagnato verpflichtet. Er zog ein durch Zusammenarbeit teils über Generationen hinweg eingespieltes Team nach Arlesheim: Die Stukkaturen und Altäre wurden von Francesco Pozzi und seinen Söhnen Giuseppe und Carlo ausgeführt, die Malereien vom späteren kurmainzischen Hofmaler Giuseppe Appiani. Das reich dekorierte eichene Chorgestühl wurde vom Schreinermeister Peter Schacherer aus dem vorderösterreichischen Rheinfelden geschaffen. Ein besonderer Glanzpunkt der Neuausstattung war die neue Orgel des Strassburger Orgelbauers Johann Andreas Silbermann. Das herausragende und kostspielige Werk dokumentiert die hohen Qualitätsansprüche, die die Domherren an die Kirchenmusik stellten.
Die aufwendige Neuausstattung des Domes spiegelt den Wohlstand des Kleinfürstentums unter der langen Regierung von Fürstbischof Joseph Wilhelm Rinck von Baldenstein. Die spätbarocke Umgestaltung bestimmt das Erscheinungsbild des Domes bis heute und hat ihm seine spezielle Charakteristik verliehen: Sie besteht im reizvollen Kontrast zwischen der einfachen, wuchtig-monumentalen Grundstruktur des Baues, in der das Bauwerk des 17. Jahrhunderts nachklingt, und der ausgreifenden, üppigen, festlichen, feinteilig-verspielten spätbarocken Innenraumdekoration.
Von der Stiftskirche zur Pfarrkirche
1792 leitete die französische Besetzung das Ende des Kleinstaates Fürstbistum Basel ein. Die Domherren flüchteten einer nach dem anderen, bis schliesslich der betagte Domprobst Baron von Eberstein als Letzter im mittlerweile französischen Arlesheim ausharrte und den Chordienst im Dom aufrechterhielt. Er liess am 9. Mai 1793 ein letztes Hochamt im Dom feiern und zog sich anschliessend ebenfalls aus Arlesheim zurück. Mit seinem Weggang war der Dom endgültig seiner ursprünglichen Bestimmung als Stiftskirche entzogen. Die Besatzer entfernten die Glocken und das schmiedeeiserne Chorgitter, tasteten das Gebäude sonst aber nicht an. 1798 wurde der verwaiste Dom als französisches Nationalgut versteigert und kam in die Hände von Spekulanten. Mit der formellen Aufhebung aller geistlichen Staaten im deutschen Reich im Jahre 1803 erlosch auch das zerstreute Basler Domkapitel. Der Dom wurde schliesslich nach jahrelangen Bemühungen und mehreren Handänderungen 1814 durch die Gemeinde Arlesheim als neue Pfarrkirche angekauft; also kurz bevor das Gebiet des ehemaligen Fürstbistums Basel durch Beschluss des Wiener Kongresses 1815 schweizerisch wurde. Er löste damit die alte Pfarrkirche St. Odilia auf dem alten Friedhof mit ihren mittelalterlichen Wurzeln ab, die in der Folge abgebrochen wurde.
Literaturhinweise
- Pierre Pobé: Die Domkirche in Arlesheim. Basel o.J. [1941].
- Der Dom zu Arlesheim. Gedenkschrift zur Aussenrenovation 1954/55. Arlesheim o.J.
- Karl Kosel: „Die Nauausstattung der Domkirche von Arlesheim (1751-64) im Spiegel der Urkunden des General-Landesarchivs in Karlsruhe“. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 24, 1965/1966, S. 51-62.
- Hans Rudolf Heyer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Landschaft Band 1: Der Bezirk Arlesheim. (Die Kunstdenkmäler der Schweiz) Basel 1969 – S. 54 ff.
- Hans Rudolf Heyer: Der Dom zu Arlesheim. Hg. v. Organisationskomitee 300 Jahre Dom zu Arlesheim. Arlesheim 1981. Basel 1981.
- Gabriele Schmid: „Der Beitrag von Jakob Engel zum Bau des Arlesheimer Dombezirks“. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 41, 1984, S. 35-39.
- Hans Rudolf Heyer: „War der Jesuitenpater Franz Demess der Architekt des Arlesheimer Dombezirks?“. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 44, 1987, S. 60-62.
- Arlesheim als Residenz des Basler Domkapitels. In Erinnerung an die Anfänge des Fürstbistums Basel vor 1000 Jahren. Ausstellung 10. April bis 26. Juni 1999 im Ortsmuseum Trotte in Arlesheim. Arlesheim 1999.