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Nach einem Plus im letzten Jahr ist das Vertrauen in die Schweizer Medien wieder gesunken. Öffentlich-rechtliche Angebote geniessen am meisten Vertrauen, digitale Medien gelten im Vergleich zu Print meist als weniger vertrauenswürdig.
Insgesamt ist das Vertrauen in Nachrichten nach dem COVID-Anstieg im letzten Jahr zurückgegangen. Was die Marken anbelangt, so genießen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sowohl im deutsch- als auch im französischsprachigen Raum das größte Vertrauen, gefolgt von Lokalzeitungen und Qualitätszeitungen. Boulevardzeitungen und digitale Marken genießen tendenziell ein geringeres Vertrauen.
In den sprachlich unterschiedlichen und relativ kleinen Märkten der Schweiz bleibt das Nachrichtengeschäft eine Herausforderung – und wird es wohl auch bleiben, nachdem die Vorschläge zur Erhöhung der staatlichen Subventionen für private Medien in einer Volksabstimmung im Februar 2022 abgelehnt wurden.
Bei dieser jüngsten Volksabstimmung stand der Zustand der Schweizer Nachrichtenmedien erneut im Mittelpunkt, auch wenn die Medienaufmerksamkeit und die Wahlbeteiligung nicht annähernd so hoch waren wie 2018, als ein Referendum über die Abschaffung der öffentlichen Rundfunkgebühren abgelehnt wurde.
Bei der Volksabstimmung im Februar wurde das neue Mediengesetz nach einer oft hitzigen Debatte von 55 % der Wähler abgelehnt, wobei die Opposition von Medienbesitzern angeführt wurde, die mit rechten Parteien verbunden sind. Das Gesetz sah vor, die indirekten Subventionen für Printmedien mehr als zu verdoppeln (von 50 Mio. auf 120 Mio. Franken pro Jahr), die Subventionen für kleine regionale Privatsender etwas zu erhöhen (von 81 Mio. auf 109 Mio. pro Jahr) und 30 Mio. Franken pro Jahr für neue direkte Subventionen bereitzustellen, die sich hauptsächlich auf kleinere Online-Medienunternehmen konzentrieren.
Die Debatte spiegelte die Meinungsverschiedenheiten in der Öffentlichkeit und das begrenzte Verständnis für die wirtschaftliche Situation der Nachrichtenmedien wider – wie in den Umfragedaten des letzten Jahres hervorgehoben wurde.2 Dies könnte zum Teil auf die unterschiedliche Position von Nachrichtenunternehmen im Vergleich zu Medienunternehmen im Allgemeinen zurückzuführen sein. Einerseits führen sinkende Werbeeinnahmen zu einer zunehmenden Medienkonzentration und Zentralisierung der Nachrichtenproduktion. Andererseits sind die bekanntesten Medienunternehmen nach wie vor profitabel, in vielen Fällen dank Einnahmen aus nichtjournalistischen Aktivitäten wie Online-Marktplätzen und Sparmaßnahmen im Journalismus (z. B. die TX Group, ehemals Tamedia, die ihre beiden Zeitungen in der Schweizer Hauptstadt Bern zusammenlegte).
Die Verleger drängen nun darauf, dass die Plattformen Urheberrechtsgebühren für Linkvorschauen und Snippets zahlen müssen, ein Vorschlag, dem die Regierung offen gegenüberzustehen scheint. Dies ist ein heikles Thema in einem Land, in dem die Plattformen eine bedeutende physische Präsenz haben. Facebook entwickelt Virtual-Reality-Produkte in Zürich und Google erweitert seine Zürcher Basis (sein größtes Entwicklungszentrum außerhalb der USA), um an Google Maps, YouTube und anderen Diensten zu arbeiten.
Möglicherweise ermutigt durch den Ausgang des Mediengesetz-Referendums hat ein Komitee aus rechten Politikern und Wirtschaftsverbänden begonnen, ein weiteres Referendum gegen den öffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunk SRG SSR vorzubereiten. Dieser Vorschlag, der eine Halbierung der Rundfunkgebühren vorsieht, dürfte bessere Chancen haben als die 2018 geplante Abschaffung. Der SRG SSR wird vorgeworfen, im Rahmen ihrer „Digitalisierungsstrategie 2024“ wichtige Sportrechte zu verlieren und einige bekannte Radio- und TV-Kulturprogramme abzuschaffen. Ihre Nachrichtensendungen bleiben indes die vertrauenswürdigsten Quellen mit der höchsten Offline-Reichweite und einer beachtlichen Online-Reichweite.
Inmitten des schwierigen digitalen Wandels streben einige große private Medienunternehmen eine stärkere Zusammenarbeit an. Die beiden größten, Ringier, der Herausgeber der Boulevardzeitung Blick, und die TX Group mit Marken wie 20 Minuten, gründen 2021 ein Joint Venture, in dem sie ihre Online-Marktplätze zusammenlegen. Sie leiten auch das gemeinsame Branchenprojekt „OneLog“, das den Nutzern ein einziges Login für kostenlose und kostenpflichtige Online-Nachrichteninhalte verschiedener Anbieter bieten soll, während die Unternehmen hoffen, bessere Daten für die Werbung zu erhalten. Die schrittweise Einführung des Login-Systems könnte erklären, warum 31 % der Schweizer Befragten (einer der höchsten Werte in den Ländern des Digital News Report) angeben, dass sie sich bei Nachrichtenanbietern registriert haben.
Auch Schweizer Verlage setzen auf Abo-Strategien, wobei viele von ihnen Freemium-Modelle online anbieten. Der Prozentsatz der zahlenden Abonnenten für Nachrichten (18%), der seit 2019 um sieben Prozentpunkte gestiegen ist, bringt die Schweiz bereits in die Reihe der Länder in unserer Stichprobe mit höherem Rang. Die renommierte deutschsprachige Zeitung NZZ hat heute rund 200’000 Abonnenten, wobei immer mehr von ihnen Jahres- statt Kurzzeitabonnements abschliessen.
Neue, digital entstandene Zeitungen bieten in der Regel kostenlosen Boulevardjournalismus an, um Werbekunden anzulocken (z.B. Blick in der Deutschschweiz und Watson in der Romandie) oder operieren in „Nischen“ in den größeren Städten (z.B. Bajour in Basel). Eine Ausnahme ist Republik, das 2018 mit Crowdfunding startete und heute mit einem Budget von rund 6 Mio. Franken pro Jahr ca. 29’000 Abonnenten hat; es konzentriert sich auf langsame Nachrichten und bietet einige Artikel pro Tag. Diese Starts zeugen zwar von Innovationsbereitschaft, zeigen aber auch, dass es nach wie vor schwierig ist, nachhaltigen, umfassenden Qualitätsjournalismus online zu produzieren.
Was die Formate betrifft, so ist die Entwicklung der Schweizer Medien hin zu mehr Audio- (Podcasts) und audiovisuellen Formaten weiterhin begrenzt. 20 Minuten, die dominierende kostenlose Print- und Online-Marke der Schweiz, geht jedoch zu einer „Social Media First“-Strategie mit neuen Formaten über. Auf ihrer Nachrichten-App experimentiert sie auch mit automatischen Übersetzungen in Sprachen, die von Migrantenminderheiten verwendet werden (z. B. Portugiesisch, Albanisch, Englisch).
Linards Udris und Mark Eisenegger
Forschungszentrum Öffentlichkeit & Gesellschaft (fög), Institut für Kommunikations- und Medienforschung (IKMZ) / Universität Zürich
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