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Das labyrinthische Stadthaus Geoffrey Bawas in Colombo ist wie sein Landschaftsgarten in Lunuganga über Jahrzehnte gewachsen. Die zwei überaus persönlichen Werke fungierten als Rückzugsorte wie als Inspiration und Labor für neue Ideen.
Zwei Projekte beschäftigten Geoffrey Bawa über viele Jahre seines Berufslebens: sein Garten in Lunuganga und sein Stadthaus in Colombo. Beide dienten ihm als Testfelder für seine aufkeimenden Ideen, und beide illustrierten einen zentralen Grundsatz in seinem Werk: Bauwerke sollen Freude bereiten – denen, die sie erstellen ebenso wie jenen, die sie nutzen.
Seit er 1948 das Anwesen Lunuganga erworben hatte, investierte Bawa während fünfzig Jahren grosse Teile seiner Freizeit und seines Vermögens, um daraus einen Landschaftsgarten zu machen. Die frühere Kautschukplantage zieht sich über zwei niedrige Hügel und verläuft von Norden nach Süden quer über eine enge Landzunge, die über eine brackige Lagune hinausragt, wenige Kilometer landeinwärts vom Indischen Ozean in Bentota. Von einem Ufer zum anderen sind es wenig mehr als 400 Meter, die Gesamtfläche beträgt rund acht Hektaren. Der alte Bungalow der Plantage besetzte die Spitze des nördlichen Hügels und war auf drei Seiten von Kautschukbäumen eingeschlossen. Die Einfahrt wand sich rund um den Hügel, von einem Tor auf der Ostseite des Gartens bis zur Eingangshalle an der Westfassade des Bungalows.
Bawa verlegte die Einfahrt und schuf versteckt in den Bäumen unter der südöstlichen Ecke des Bungalows einen Eingangshof, der über eine Kaskadentreppe mit der Südterrasse verbunden ist. Dann liess er durch die Kautschukbäume auf dem Südhügel (dem Cinnamon Hill) eine Schneise schlagen und seine Spitze um mehrere Meter abtragen, um den Ausblick zum südlichen Teil der Lagune und einer fernen Hügellinie zu öffnen. Die schmale Fahrbahn, die das Grundstück zwischen den zwei Hügeln durchquert, um die Erschliessung der Nachbargrundstücke zu gewährleisten, versenkte er in einem tiefen Ha-Ha, und er verband die zwei Hälften des Gartens mit einer geschlossenen Brücke. Die Hügelseite nördlich des Bungalows ist in einen Rasen umgestaltet, der bis zu einem künstlichen Kliff mit sich kreuzenden verborgenen Pfaden und Treppen reicht. Diese schauen auf einen langen und breiten Weg hinab und auf einen Wassergarten am Rand der Lagune.
Der ursprüngliche Bungalow wurde zu einem Schuppen herabgestuft und in ein Geflecht von Höfen und Veranden eingebunden. Die ehemalige Einfahrt wurde zum Hauptwohnbereich, der Eingang an die Südterrasse versetzt. Bawas eigene Suite mit privaten Räumen öffnet sich auf zwei separate Höfe, einer davon mit einem Tauchbecken und einem winzigen Aussichtsturm. Im Osten des Bungalows wurden Gästepavillons, eine Galerie und ein Arbeitszimmer errichtet, zwischen denen Terrassen zu den Wassergärten hinabführen.
Lunuganga könnte von den englischen Landschaftsgärten inspiriert sein, denen Bawa in seinen Cambridge-Jahren begegnete und ebenso von den italienischen Renaissancegärten, die er während seines Studienjahres in Rom besuchte; Sehr viel verdankt der Garten aber auch den grossartigen Landschaftstraditionen des alten Ceylon. Nie gab es einen fixen Plan. Vielmehr war es ein lebendiges Projekt, das sich im Laufe der Zeit entwickelte. Die verschiedenen ausgefeilten Skizzen, die über die Jahre angefertigt wurden, waren keine Blaupausen: Jede belegte lediglich den Zustand des Gartens zu einem bestimmten Zeitpunkt. Auch am Ende des Lebens träumte Bawa noch davon, den Garten auf die gesamte Landzunge zu erweitern.
Der Garten in Lunuganga ist als eine Sammlung von Bildern konzipiert, die sich je nach Saison, Tageszeit oder Wetter verändern – als eine Serie von Räumen, die in vielen verschiedenen szenografischen Sequenzen verbunden werden können. Bawa bezeichnete ihn als einen Garten innerhalb des grösseren Gartens von Ceylon, und Ausblicke über seine Grenzen hinaus in die Landschaft spielen eine wichtige Rolle in der Komposition.
Über die Jahre wurden die ursprünglichen Kautschukbäume durch verschiedenste einheimische Bäume und Pflanzen ersetzt, und der Garten wurde mit Pavillons, Mauern und Skulpturen geschmückt. Das Ergebnis ist eine zivilisierte Wildnis: kein Garten mit manikürten Beeten, Blumen und Brunnen, sondern eine Abfolge von versteckten Überraschungen und unerwarteten Ausblicken, eine Komposition aus Grüntönen, ein ständig wechselndes Spiel von Licht und Schatten, eine Landschaft der Erinnerungen und Ideen.
In seinen besten Jahren schien der Garten so natürlich, dass er über den Aufwand zu seiner Entstehung ebenso hinwegtäuschte wie über die Menge an Arbeit die erforderlich war, um seinen Ausdruck sorgfältiger Lässigkeit aufrechtzuerhalten. Vernachlässigung hätte hier bald sichtbare Folgen: nach einer Woche sind die Wege überwachsen, nach einem Monat die Rasenflächen verwildert, nach einem Jahr die Terrassen zerfallen, und der Dschungel wäre wieder da. Lunuganga ist ein Kunstwerk, ersonnen von einem einzelnen Geist, gebaut von hundert Händepaaren, die mit der Natur arbeiteten, um etwas «Übernatürliches» zu erschaffen.
Bawa meinte später: «Wenn ich an die Entstehung des Gartens zurückdenke und ihn anschaue, wie er heute ist, scheint es mir unumgänglich, dass er dort sein muss … Er ist ganz allmählich zu einem Ort mit vielen Stimmungen herangewachsen, Ergebnis vieler Phantasien, er ist ein Rückzugsort für mich, um allein zu sein oder um mich mit Freunden verbunden zu fühlen. Eine besondere Freude ist es, die Reaktionen Fremder zu beobachten: von Verwirrung bis zu genügsamer Stille, von einem Besucher, der verkündete, ‹das wäre ein schöner Ort für einen Garten›, bis zum Lastwagenfahrer, der sich umsah, während seine Bausteine abgeladen wurden, und sagte: ‹Dies ist ein gesegneter Ort!›».