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und den Neusibirischen Inseln ihren Anfang, um im Januar 1887 abzuschließen. Meteorologische, geologische und andre naturwissenschaftliche Beobachtungen, die Ausgrabung von Mammutresten, die Erforschung der Inseln Blishni, Ljachow, Nowaja Sibir, Faddejew und Kotelny, welche den Sommer 1886 in Anspruch nahm, waren die Resultate der mühseligen Reise. Namentlich über die Vergangenheit der Inseln und ihre einstige reiche Fauna (Mammut, Nashorn, zwei Arten Rinder, [* 2] Pferde, [* 3] Moschusochsen, drei Hirscharten, Hasen etc.) und Flora sind wichtige Daten gesammelt worden.
Zu archäologisch-ethnographischen Zwecken unternahm N. Jadrinzew 1886 eine mehrmonatliche Reise nach dem Westen Sibiriens, die bis an den Baikalsee ausgedehnt wurde, und auf welcher er die privaten und städtischen Sammlungen des Landes studierte; gleiche Ziele verfolgte W. P. Margaritow in demselben Jahr am Kaiserhafen (Amurgebiet) und Professor Aspelin 1887 am obern Jenissei, welcher seine Aufmerksamkeit den Resten der sibirischen Bronzeperiode und bisher nicht entzifferten Felsinschriften zuwandte.
In das Jahr 1888 fallen die erdmagnetischen Beobachtungen Stellings im Gouvernement Irkutsk, die pflanzengeographischen Forschungen Preyns im Angaragebiet und die geologischen Materows an den linken Zuflüssen des Amur, wo noch unbekannte Goldlager existieren sollen. 1889 endlich wurde N. F. Katanow von der Petersburger Akademie und Universität nach Sibirien und der Mongolei abgesandt, um ethnologische und linguistische Untersuchungen unter den Turkstämmen, zunächst am obern Jenissei, anzustellen, und Grinewetzki trat eine mehrjährige Reise in die Küstenländer des Beringsmeers an, um die Ethnologie der Tschuktschen, die Geographie und die wirtschaftlichen Aussichten zu studieren.
Kaukasien.
Eine sehr rege Thätigkeit entfalteten neuerdings russische, englische und andre
Forscher in den kaukasischen Gebieten. So
beschenkte uns G.
Radde, der 1885 die Hochalpen von
Daghestan bereiste, 1886 mit einem zusammenfassenden
Werk über Talysch und seine Bewohner, welche Grenzprovinz er seit 1870 teils allein, teils in
Gesellschaft von
Sievers und
Leder wiederholt durchzogen hatte.
Naturwissenschaftliche Forschungen, namentlich in Bezug auf die
Gletscher, führte in den
letzten
Jahren
N. J. Dinnik aus, ebenso Rossikow, dieser in den Gebieten östlich von der grusinischen
Militärstraße, in der Tschetschna und im westlichen
Daghestan, zuletzt wieder im J. 1888. Nach M. Smirnows Untersuchungen
bildet der
Kaukasus hinsichtlich seiner Vergletscherung und der
Lage der
Schneelinie den strengen Übergang von den europäischen
Alpen
[* 4] zu dem
Thianschan
(Tienschan) und
Hindukusch
Asiens; mit dem
Himalaja zeigt der westliche
Kaukasus insofern
eine gewisse
Ähnlichkeit,
[* 5] als die
Schneelinie am Südabhang erheblich tiefer liegt als am Nordabhang. 1886 untersuchte M.
v. Déchy das
Massiv des Adai-Choch im zentralen
Kaukasus; 1887 war
Fürst Massalski von der
Russischen
Geographischen
Gesellschaft
mit ethnographischen und botanischen Forschungen in
Transkaukasien beauftragt, während eine archäologische
Spedition unter
Graf
Asien
[* 6] Bobrirski im W. reiche
Ernte
[* 7] durch Aufgraben alter
Kurgane erzielte. In demselben Jahr nahm der bekannte
Alpinist D. W. Freshfield seine 1868 begonnenen
Wanderungen und physikalischen Forschungen in der Zentralgruppe des
Kaukasus
wieder auf und bestieg unter anderm den 4858 m hohen Tetnuld; namentlich wies
er auf den charakteristischen
Mangel an
Seen und
Wasserfällen sowie die bisher unterschätzte
Ausdehnung
[* 8] der
Gletscher hin.
Genauere Aufklärung wird die demnächst erscheinende Karte dieses Gebirgsteils bringen, mit deren Aufnahme eine Abteilung des russischen Generalstabs unter General Shdanow in den letzten Jahren beschäftigt war. Besonders reich an Hochgebirgsreisen war der Sommer 1888: 21. Aug. erklomm ein Ossete, Tulatow, den Kasbek und suchte sogar, freilich vergeblich, dem schon genannten Engländer Freshfield die Ehre der ersten Ersteigung streitig zu machen;
25. Aug., an demselben Tag, an welchem auch der Ararat an der türkisch-persisch-russischen Grenze von Markow, Popow und Manukow erstiegen wurde, gelangte Baron v. Ungern-Sternberg über den bis dahin für unbezwinglich geltenden Irikgletscher auf die 5648 in hohe Spitze des Elbrus.
Mummery bezwang den 5209 m hohen Koschtantau, Holder, Cockin und Wolley denselben und die nahe dabei gelegenen, gleichfalls zum Teil über 5000 m hohen Piks am Bezingigletscher, während zwei andre Engländer, Donkin und Fox, an demselben Koschtantau Ende August ihr Leben eingebü§t haben. G. R. Kusnezow endlich, welcher im Sommer 1888 mit naturwissenschaftlichen, namentlich botanischen, Beobachtungen auf der Nordseite des Kaukasus sich beschäftigte und unter anderm den Fischtag bestieg, beabsichtigt diese Studien im Sommer 1889 fortzusetzen. Von Engländern waren 1889 im zentralen Teil des Gebirges thätig Freshfield, Powell, Dent und H. Wolley; au§erdem die beiden Italiener Vittorio und Erminio Sella. [* 9]
Westturkistan.
Der
Schweizer H.
Moser, welcher schon 1868-69 Westturkistan bereiste, als dasselbe noch fast ganz von einheimischen, von Ru§land
mehr oder weniger unabhängigen
Fürsten beherrscht wurde, hat 1883-1884 diese Gebiete von neuem besucht,
diesmal als
Gast der russischen Behörden; er legt unumwunden
Zeugnis ab für den gro§en Fortschritt, welchen jene
Länder
infolge der russischen Oberherrschaft gemacht haben. Seine
Resultate liegen besonders auf kulturhistorischem und ethnographischem
Gebiet. Im
Sommer 1884 erforschte der durch seine
Reisen in
Zentralasien
[* 10] bekannte
Botaniker
Asien
Regel den östlichen
Teil der
Turanischen
Wüste von
Bochara bis zu dem erst kürzlich eroberten
Merw uud gelangte von dort südwärts bis über Pände
hinaus, während zu gleicher Zeit
Sorokin den russischen
Thianschan in archäologischer und botanischer Hinsicht erforschte
und unter anderm den
Issi-kul und
San-kul besuchte.
Schon 1880 begann der Bergingenieur
Asien Konschin seine geologischen Forschungen in der Westhälfte der
Turanischen
Wüste, in der
Wüste
Karakum, und führte sie bis 1886 fort, zuletzt als Mitglied der gro§en Raddeschen Expedition nach Transkaspien und
Nordchorasan. Er wies zuerst die Unmöglichkeit nach, da§ der
Amu Darja jemals durch sein angeblich früheres
Bett,
[* 11] den Usboi, wieder in das
Kaspische Meer geleitet werden könnte,
weil er nie durch dasselbe geflossen ist.
Alles, was man
früher in der
Wüste
Karakum für einstige Oxusbetten gehalten hat, ist durchaus marinen Ursprungs, entstanden infolge der
allmählichen Austrocknung eines
Meers, welches einst die
Karakum bedeckte,
Aralsee und
Kaspisches Meer miteinander
verband und umfa§te und durch
Hebung
[* 12] des
Bodens und Einflu§ polarer
Winde
[* 13] in (geologisch gesprochen) junger Zeit verschwand.
Den
Beweis für seine
Existenz liefern ganze
Kolonien von Vertretern
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der aralo-kaspischen Molluskenfauna im Sande, die Existenz von Uferwällen, Spuren von Meeresbrandung an den beiden Balkangebirgen etc. 1884 begann Grum-Grshimailo seine naturwissenschaftlichen Reisen, welche die Geologie, [* 15] Entomologie, Ethnographie [* 16] und Anthropologie förderten: 1884 durchforschte er Ferghana und 1885 die westlichen Vorländer des Pamir, [* 17] Karategin, Darwas, Bochara, um sich dann im folgenden Jahr dem Pamir selbst zuzuwenden, wovon weiter unten unter »Hochasien« die Rede sein wird.
Praktischen, staatlichen Zwecken dienten in der Zwischenzeit mehrere Unternehmungen, die gleichzeitig die Kenntnis des Landes bedeutend förderten: so vor allen die Erbauung der Transkaspischen Eisenbahn durch General Annenkow, durch welche das ganze Westturkistan im S. umspannt und an Rußland fest angeschlossen wurde. 1880 wurde ihr Bau bei Michailowsk am Kaspischen Meer begonnen (sie sollte zunächst als strategische Bahn für die Expedition nach Achal Teke dienen); dann aber nach Besiegung der Teke-Turkmenen wurde sie weiter fortgeführt und bis Merw, bis Samarkand eröffnet.
Die Strecke bis Taschkent wird voraussichtlich nicht lange auf sich warten lassen. 1885 ließ sodann das russische Kriegsministerium durch Oberst Bjeljawski eine topographische Rekognoszierung des Amu Darja von seiner Mündung bis hinauf nach Tschardschui, wo die Karawanenstraße von Bochara nach Merw und Herat den Strom überschreitet, vornehmen; ebenso von drei militärisch benutzbaren Wegen durch die Ust-urtsteppe, welche die Mündung des Amu Darja in den Aralsee mit der Cäsarewitschbucht des Kaspischen Meers in Verbindung bringen.
In das Jahr 1886 fällt zunächst die schon erwähnte Raddesche Expedition nach Transkaspien (Achal Teke, Merw, Serachs) und
Nordchorasan, an welcher außer Radde noch
Asien Walter und M. Konschin teilnahmen; ihre Ziele waren besonders
zoologischer und botanischer Art, abgesehen von Konschins Beobachtungen über das einstige Karakummeer (s. oben). Im Sommer
d. J. führte der bekannte Astronom Schwarz zahlreiche astronomische und hypsometrische Bestimmungen im östlichen Bochara
aus, während seine Begleiter Myschenkow, Rudnew und Glagolew geologisch und topographisch thätig waren.
Im archäologischen Interesse bereiste Wesselowski das Thal
[* 18] des Serafschan, wo er den Spuren altheidnischer Zeit unter der jetzigen
mohammedanischen Bevölkerung
[* 19] nachging.
Im J. 1886 begannen auch die Franzosen Capus, Bonvalot und Pepin ihre zweite Reise in Turkistan, welche im nördlichen Persien [* 20] ihren Anfang nahm und über Merw nach Tschardschui und Samarkand führte. Ein Versuch, in Afghanistan [* 21] einzudringen, mißlang, so daß sie im Winter den Pamir überschritten (ein tollkühnes Unternehmen bei dem tiefen Schnee [* 22] und einer Kälte, die bis auf -44° C. sank). Den chinesischen Truppen, welche sie am Rang-kul zurückjagen wollten, entkamen sie glücklich, wurden aber in Tschitral fast zwei Monate lang festgehalten und erst durch Vermittelung der indischen Regierung befreit. 1887 stellten zwei junge russische Gelehrte, Bogdanowitsch und Obirtschew, in Bochara und Transkaspien geologische Untersuchungen an, während gleichzeitig Nikolski die geologische Beschaffenheit der Umgebung des Balchaschsees untersuchte und zu dem Schluß kam, daß derselbe in Urzeiten nicht, wie man bisher annahm, mit dem Aralsee zusammengehangen, dagegen sich weiter als jetzt gegen O. erstreckt hat. Aus dem
Jahr 1888 endlich verlautete nur, daß Lidski geographische Untersuchungen im östlichen Bochara und Karategin unternommen hat und dabei außerordentlich viel von dem hohen Schnee zu leiden hatte, der stellenweise nur durch das Auflegen von Filzdecken überwunden werden konnte.
Hochasien.
Noch in die Jahre 1878-82 fallen die weit ausgedehnten Reisen des unter der Chiffer A-K-reisenden Punditen Krischna im östlichen Tibet und der südlichen Mongolei, über deren Ergebnisse erst Ende 1884 näheres verlautete. In Gesellschaft zweier Begleiter erreichte er in der Maske eines Kaufmanns Lhassa, wo er ein volles Jahr verweilen mußte, ehe er sich einer nach N. reisenden mongolischen Karawane anschließen und von S. her den fernsten, kurz zuvor von Prschewalskij erreichten Punkt passieren konnte.
Sein nördlichster Punkt war Satscheu (nördlich vom 40.° nördl. Br.) am Rande der Wüste Gobi, sein östlichster Tatschialo (102° südl. L. v. Gr.); sein Hauptresultat ist die topographische Aufnahme einer Wegestrecke von 2800 engl. Meilen Länge. Ihm verdankte man zuerst die Gewißheit, daß der große Fluß von Tibet, der Iarudsangpo, nichts andres sein konnte als der Oberlauf des indischen Brahmaputra. Erst 1886 traten die Resultate eines andern Punditen, des Lama U. G., ans Licht, [* 23] welcher einige Jahre zuvor den zwischen dem Iarudsangpo und dem Himalaja 4206 m hoch gelegenen Paltisee oder Jamdok-tso (d. h. Skorpionensee) vollständig umwanderte und ihn größer fand, als man bisher annahm (Umfang 290 km). Auch daß er zeitweise dem Iarudsangpo tributär ist und neben ihm noch zwei kleinere Seen existieren, ist neu. 1884-85 führte Prschewalskij seine vierte große Forschungsreise in Zentralasien aus, welche ihn von Kiachta zu den Quellen des Huangho, nach der Salzwüste Zaidam und dem Nordrand des Tibetischen Hochlands, nach dem schon früher von ihm besuchten Lob-Nor, von dort am Südrand des Tarimbeckens über Tschertschen nach Chotan und Aksu und über den Thianschan zurück auf russisches Gebiet führte.
Eine Fülle von wertvollen topographischen und naturthistorischen Beobachtungen machen das über diese Reise erschienene Werk zu seiner besten Leistung, die leider seine letzte sein sollte. Denn, wie wir hier gleich hinzufügen wollen, es ereilte den kühnen und glücklichen Reisenden, als er schon seine fünfte Expedition in jene unwirtlichen Gebiete angetreten hatte, in Karakol am Issi-kul der Tod. Ein Denkmal von gewaltigen Dimensionen soll sich dort für ihn erheben, und die erst 1868 gegründete Stadt selbst soll in Zukunft seinen Namen führen. Sein Unternehmen selbst aber wird durch den Obersten Pewzow durchgeführt werden, welcher bereits 1876 und 1878-79 größere Reisen im chinesischen Reich ausgeführt hat. Das Ziel ist diesmal das nordwestliche Tibet und vielleicht Lhassa, die Hauptstadt selbst; unter seinen 20 Gefährten sind Roborowski und Koslow, schon Prschewalskijs treue Mitarbeiter, und der Geolog Bogdanowitsch zu nennen. Mitte Juli 1889 hatte die Expedition Jarkand erreicht.
Von April 1884 bis März 1887 dauerte die Reise des Russen Potanin, welcher in Begleitung seiner Frau, des Naturforschers Beresowski und des Topographen Skassi die Mongolei erforschte. Potanin selbst studierte vornehmlich die Ethnologie. Die Reise begann in Tiëntsin; von dort ging er über Peking [* 24] und Kukuchoto nach Ordos, wo er in Iedschenchoro das Grabmal Dschengis-Chans besuchte, Lantscheufu, Sining, in die tibetische Provinz Amdo (eine noch ¶