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Anders als in «A Separation» geht es im Film der iranischen Regisseurin um eine bereits vollzogene, aber nicht weniger prekäre Trennung. Und um eine Zeitehe, die das Sorgerecht der Frau in Frage stellt. Ein starker Film, der zu recht in Cannes ausgezeichnet wurde.
Nahid (Sareh Bayat) lebt mit ihren 10-jährigen Sohn Amir Reza (Milad Hossein Pour) in einem kleinen Dorf im Iran. Sie ist geschieden, ihr Ex-Mann Ahmad (Navid Mohammad Zadeh) hat ihr das Sorgerecht übertragen, aber nur unter der Bedingung, dass sie nicht wieder heiratet. Nun hat sie sich aber in den Hotelbesitzer Masoud verliebt…
Im Iran geht das Sorgerecht nach einer Scheidung automatisch an den Mann. Nahid und Ahmad haben abgemacht, dass das Sorgerecht nur dann bei der Mutter bleibt, solange sie nicht wieder heiratet. Ahmad darf also nichts von der neuen Beziehung erfahren. Mit Masoud geht Nahid eine sogenannte Zeitehe (persisch «sigheh» oder «sighe») ein, was aber auch ein Verstoss gegen die Abmachung ist. Zudem ist die Zeitehe zwar nach schiitischem Recht gestattet, ist aber deshalb nicht weniger verpönt. Wie in «A Separation» spielt hier zudem die soziale Schicht eine wichtige Rolle: während der Ex-Mann Ahmad als (ehemaliger?) Junkie immer auf der Suche nach Geld ist, hat Masoud als Hotelbesitzer keine solchen Probleme. Anders als in «A Separation» geht hier die soziale Schicht durch die Beziehungen. In «A Separation» sind die Menschen aus der Unterschicht eher ein Störfaktor, vor allem für den Mann. Hier aber ist es die Frau, also Nahid, die den Junkie, ohne Geld und Aussichten auf einen besseren sozioökonomischen Status, verlässt und sich mit Masoud ein neues Leben aufbauen will – aber ihren Sohn Amir Reza nicht verlieren will.
In iranischen Mainstreamfilmen haben die Bösewichter meist persische (vorislamische) Namen. Bezeichnenderweise haben die Männer in Ida Panahandehs Film beide arabische (islamische) Namen, während Nahid einen persischen Namen trägt. Der Sohn Amir Reza hat ebenfalls zwei arabische Namen, der zweite ist zwar besonders im Iran verbreitet (und unterscheidet sich phonetisch auch stärker vom arabischen Namen – ein Verweis auf den Schah?), aber doch konnte die Mutter offenbar wenig von sich selber weitergeben – der Mann bestimmt. So wird es wohl zu keiner Versöhnung kommen, zu gross sind die gesellschaftlichen, aber auch sozioökonomischen Gräben. Der Film aber trägt den Namen der Frau – den Namen einer persischen Wassergöttin notabene! Ihr Name verweist also bereits auf ihre Marginalisierung in der iranischen Gesellschaft. Ein starkes Spielfilmdebüt für die iranische Regisseurin Ida Panahandeh; Sareh Bayat war bereits in «A Separation» in der weiblichen Hauptrolle zu sehen.
«Nahid». Iran 2015. Regie: Ida Panahandeh. Mit Sareh Bayat, Pejman Bazeghi, Navid Mohammad Zadeh, Milad Hossein Pour, Pouria Rahimi, Nasrin Babaei u.a. Deutschschweizer Kinostart am 16. Juli 2016.
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