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Harnblasenkrebs
Eine Besonderheit der Harnblase ist die relativ einfache Zugänglichkeit über eine Spiegelung. Über ein Rohrsystem kann der Operateur (Urologe) die Innenauskleidung der Harnblase vollständig einsehen.
Sehr oberflächliche Harnblasenkrebse, welche noch nicht in die tieferen Schichten der Wand eingewachsen sind, lassen sich auf diese Weise wegkratzen. Gelingt es, die Wucherung damit vollständig zu entfernen, besteht eine Heilungsaussicht. Diese kann je nach Ausmass und Aggressivität der Krankheit verbessert werden, indem man direkt Medikamente in die Harnblase einbringt. Bewährt haben sich dabei Substanzen, welche das Immunsystem beziehungsweise die Abwehrzellen der Harnblasenwand stimulieren, oder auch klassische Krebsmittel (Zytostatika). In der Regel verabreicht man nach einem vorher definierten Zeitplan alle paar Wochen mehrmals derartige Medikamente.
Wenn die Krebskrankheit noch nicht allzu weit fortgeschritten ist, kann versucht werden, die Harnblase zu erhalten. Dabei gilt es zu beachten, dass die Heilungschancen nicht vermindert werden sollten. Dies gelingt vor allem dann, wenn die Operation mit anderen Therapiemassnahmen, wie Chemotherapie und Bestrahlung, kombiniert wird. Ein häufig angewendetes Prinzip ist eine Bestrahlung, ergänzt durch eine Chemotherapie, welche die Qualität der Bestrahlung verbessert.
In vielen Fällen gelingt es so, die Krebskrankheit deutlich zu reduzieren, was in der Folge ein organerhaltendes Operieren ermöglicht. Aber auch nach einer Operation kann eine anschliessende (adjuvante) Chemotherapie helfen, schon verstreute Krebszellen zu zerstören und somit die Heilungschancen zu erhöhen.
Die radikale Operation besteht in der Blasenentfernung: Ist die Krebskrankheit bereits in tiefere Wandstrukturen, beispielsweise in die Muskelschicht, eingedrungen oder hat die Wand schon ganz durchbrochen, stellt sich die Frage der Blasenentfernung. Dieser Eingriff gilt, sofern eine Heilung noch möglich scheint, als Standardtherapie.
Während man vor einigen Jahrzehnten keine andere Möglichkeit hatte, als den Harn, welcher die Harnleiter passiert über die Bauchdecke nach aussen zu leiten zu, ist es heute oft möglich, mit Hilfe von Dünndarm eine Ersatzharnblase zu bilden und diese vorzugsweise an der Harnröhre anzubringen oder, falls dies aus technischen Gründen nicht möglich ist, mit einer Öffnung über die Bauchdecke abzuleiten. Dies ermöglicht den Patienten ein relativ normales Leben.
Metastasierender Blasenkrebs
Bei sehr fortgeschrittenem Blasenkrebs, welcher bereits weit gestreut hat, besteht kaum mehr eine Heilungsaussicht.
Eine Blasenoperation würde man dann nur in Erwägung ziehen, wenn man dadurch Beschwerden mindern könnte. Ebenfalls kaum mehr heilbar ist ein Rückfall. Der Blasenkrebs ist aber mit Chemotherapie günstig zu beeinflussen. Ziel einer solchen Behandlung ist es, die Tumormetastasen zu verkleinern und damit Beschwerden zu verringern. Spricht die Krankheit auf die Chemotherapie an, kann man davon ausgehen, dass der Patient Lebenszeit gewonnen hat.
In der Regel kombiniert man mehrere Krebsmedikamente. Auch eine Bestrahlung kann bei einem nicht mehr operablen Blasenkrebs helfen, den Tumor und die Metastasen für eine gewisse Zeit zu verkleinern oder das Wachstum zu verlangsamen und so für den Patienten etwas Lebenszeit zu gewinnen.
Behandlung des Nierenbecken- und Harnleiterkrebses
Im Grunde genommen gelten die meisten Therapieprinzipien des Blasenkrebses auch für den Nierenbecken- und den Harnleiterkrebs. Offensichtlichster Unterschied ist allerdings der Umstand, dass diese beiden Regionen für den Urologen nicht so einfach über eine Spiegelung zugänglich sind. In der Regel muss man solche Tumoren mit einem grösseren chirurgischen Eingriff entfernen. Oft ist dabei die Mitentfernung der Niere nötig.
Bei anderweitig gesunden Nieren ist in der Regel eine Niere für ein normales Leben ausreichend. Die Frage von Zusatzbehandlungen (adjuvante Chemotherapie, Strahlentherapie) stellt sich auch bei dieser Krebslokalisation.