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Der kleine Matthias kommt spät nach Hause und wird dafür von seiner Tante beschimpft, geschlagen und schliesslich mit Gewalt in den Keller gesperrt. Diese brutale Szene stammt aus «Das Menschlein Matthias». Der Film von Edmund Heuberger basiert auf dem gleichnamigen Roman von Paul Illg, der 1913 erschien.
Die Geschichte
Matthias ist der uneheliche Sohn einer Fabrikarbeiterin und lebt bei deren Schwester auf einem abgelegenen Gasthof. Dort muss er arbeiten bis zum Umfallen, wird geschlagen und erniedrigt.
Nach dem Tod seiner einzigen Bezugsperson, der Cousine Marie, flüchtet der Junge zu seiner Mutter. Zurück bei ihr in der Stadt, lernt er zufällig seinen Vater kennen, den er noch nie zuvor gesehen hat. Nun träumt er von einer richtigen Familie.
Die Restaurierung
Die Restaurierung des Klassikers war dringend notwendig. Bis in die 1950er-Jahre wurde häufig auf Nitratfilm-Material gedreht. Diese chemische Substanz hat eine beschränkte Lebensdauer, weshalb diese alten Filme heute vom Zerfall bedroht sind.
So auch im Fall von «Das Menschlein Matthias». Das Schweizer Fernsehen und die Cinémathèque suisse sichern solche Filme digital für die Zukunft. An der Restaurierung von «Das Menschlein Matthias» wurde in den letzten zwei Jahren intensiv gearbeitet.
Der Hauptdarsteller
Der damals 10-jährige Hauptdarsteller von «Das Menschlein Matthias» lebt noch. Röbi Rapp ist heute 87 Jahre alt. Ende der Dreissigerjahre lernte er durch die Arbeit seiner Mutter im Schauspielhaus Zürich die Theaterszene kennen. So erhielte er 1940 die Hauptrolle in «Das Menschlein Matthias».
Nach dem Drama endete Rapps Schauspielkarriere jedoch schnell wieder, weil er für viele Filmmacher zu weiblich wirkte. Ins Scheinwerferlicht trat Rapp erst vor wenigen Jahren wieder.
2003 liessen er und sein Partner Ernst Ostertag als erstes Schwulenpaar der Schweiz ihre Partnerschaft eintragen. 2015 verfilmte Stefan Haupt die Geschichte der beiden unter dem Filmtitel «Der Kreis» (SRF-Koproduktion). Der Spielfilm erhielt eine Oscarnomination und gewann den Schweizer Filmpreis als bester Spielfilm. Röbi Rapp ist als Hauptdarsteller bei der Vorstellung von «Das Menschlein Matthias» am 5. Oktober am ZFF dabei.
Sendungshinweis
«CH: Filmszene» zeigt «Das Menschlein Matthias» am 25.10.2017 um 00:05 Uhr auf SRF 1.
Die Verdingkinder
Bis etwa 1970 wurden in der Schweiz geschätzte hundertausende Kinder verdingt. Zu Verdingkinder wurden oft Waisen oder uneheliche Kinder. Sie mussten Zwangsarbeit leisten und erlebten Erniedrigung, Gewalt oder auch sexuellen Missbrauch. Die Wiedergutmachungsinitiative von 2016 spricht den noch lebenden Opfern das Recht auf bis zu 25'000 Franken zu.