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aus dem Kunstmuseum Hamburg
Anmerkung: Der Text entspringt nicht dem bösen Gedankengut aus dem 3. Reich!
Deutschland, der Träger der Welt-Kultur.
Es freut mich, dass Sie schliesslich die Überlegenheit deutscher Kultur auf dem Felde der Wissenschaft anerkennen, der reinen sowohl wie der angewandten. Aber obwohl Darwin und Pasteur nur Stufen zum Tempel höherer Wissenschaft sind, behaupten Sie, Herr Professor, dennoch, dass diese Männer die hervorragendsten wissenschaftlichen Führer der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts sind. Es gibt Deutsche wie Rudolf Virchow, der hochbedeutende Cellular-Pathologe, Archäologe und Anthropologe, Robert Koch, der berühmte Bakteriologe, Justus Liebig, der Entdecker der Kohlenstoffpräparate, der auch das Chloroform entdeckt hat und gleichzeitig der Begründer der landwirtschaftlichen Chemie ist.
Sodann Hermann Helmholz, einer der ausgezeichnetsten Männer der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts, eine Autorität auf verschiedenen Gebieten, Ernst Häckel, der Naturphilosoph und Zoologe, und mancher andere, der ebenso bedeutend ist wie Darwin und Pasteur. Deutschland hat noch andere Söhne dieser Art hervorgebracht — Männer weltberühmter Errungenschaften: wie Professor Billroth, einen der grössten Chirurgen seiner Zeit, Professor Behring, den Entdecker des Diphtherie-Serums, Professor Ehrlich, dem wir das Salvarsan verdanken, Röntgen, welcher der Welt durch die nach ihm benannten Strahlen einen unendlichen Dienst geleistet hat, und andere, die wunderbare Erfolge zu verzeichnen haben und deren Namen für immer weltberühmt sein werden.
Von den Nobelpreisen, die bisher erteilt worden sind, hat Deutschland den grössten Prozentsatz erhalten, weit mehr als alle anderen Nationen.
Ihre Behauptung: „In der Chemie sind die Deutschen Pioniere gewesen, doch der grösste aller modernen Chemiker sei Mendelejew (1834-1907)”, ist leider mit einer starken Dosis unfreiwilligen Humors gewürzt. Mendelejews Errungenschaften sind in seinem Buche „Die Elemente der Chemie” enthalten, das im Jahre 1869 erschien. Obschon ihn diese Leistung bis zu einem gewissen Grade zum Pionier seiner Wissenschaft erhebt, ist er den Massen ein völlig Unbekannter, und sein Lebenswerk lässt sich nicht vergleichen mit den Leistungen einer ganzen Anzahl deutscher Chemiker seiner Zeit. Genannt seien nur Justus Liebig, Robert Bunsen (der bedeutendste Lehrer der Chemie, Erfinder des Gasbrenners und Aluminiums), Gustav Kirchhoff, der mit Bunsen die Spectralanalyse entdeckte, Friedrich Köhler, der zusammen mit Bunsen das Aluminium erfand. Friedrich Metscherlich, (Isomorphismus, Benzol), Adolf Baeyer (Synthese des Indigo), Julius Pintsch, Auer und Walter Nernst (der hervorragende Physiker, der die Glühlampe konstruierte), Emil Fischer, Johannes Wislicenus und unser grosser Professor Wilhelm Ostwald. Und wie steht es mit den grossen Errungenschaften in den Merck’ schen Laboratorien, wie mit dem deutschen Farbstoff, von dem vieles geheim gehalten wird und der trotz aller Versuche im Auslande nicht hergestellt werden kann? — Hier seien erwähnt die Badischen Farbwerke in Ludwigshafen, die Elberfeld und Höchst Farbenfabriken.
Sind nicht deutsche Chemiker die begehrtesten der Welt? Deutsche Erfindungen auf dem Gebiete der Chemie sind so allgemein und zahlreich, dass es überflüssig erscheint, weitere Einzelheiten anzuführen.
Wie leichtfertig Sie in Ihren Behauptungen sind, beweisen Sie drastisch, indem Sie sagen:
„Obwohl einige wertvolle Entdeckungen den Deutschen zuzuschreiben sind, vielleicht so viele wie den Franzosen oder Engländern, so ist doch der deutsche Anteil, was die praktische Anwendung wissenschaftlicher Entdeckungen anbetrifft, weit geringer als der der Vereinigten Staaten.”
Ein gleiches gilt von Ihren Worten:
„Die Deutschen hätten wenig oder nichts zur Entwicklung des Eisenbahnwesens, des Dampfschiffs, des Automobils, des Äroplans, des Telegraphen, des Telephons, des Phonographen, der Photographie, des Kinos, des elektrischen Lichtes, der Näh-, Mäh- und Bindemaschine beigetragen. Auch des Krieges furchtbare Werkzeuge, Revolver und Maschinengewehr, Turmpanzer-Schiff, Torpedogeschoss und Unterseeboot seien keine deutschen Errungenschaften; den Deutschen fehle die Erfindungsgabe, die für alle moderne Zivilisation so überaus bezeichnend sei.”
Zur Widerlegung dieser Behauptung, die an Kühnheit wirklich nichts zu wünschen übrig lässt, könnte man ein Buch schreiben. Ich begnüge mich indessen mit einem Hinweis auf Tatsachen, deren Beweiskraft Sie sicherlich nicht in Frage stellen können.
Wenn Sie über das in Rede stehende Gebiet nur einigermassen unterrichtet wären, würden Sie zugeben müssen, dass es in der Entwicklung des Eisenbahnwesens, und was damit zusammenhängt, wenig gibt, woran Deutschland nicht vollen Anteil hat. Der Eisenbahnkönig J. J. Hill wird Ihnen sagen können, wie viel die Deutschen zur Entwicklung des amerikanischen Eisenbahnwesens beigetragen haben. Waren es nicht Deutsche, die das Blocksignalsystem vervollkommneten? — Ich erinnere Sie ferner an das Gasbeleuchtungssystem von Pintsch, das allgemein eingeführt ist! —
Wer hat die grössten Brücken und Tunnels in der Welt gebaut? — War es nicht hauptsächlich deutsches Können? Ist der grosse Erfolg beim Bau der New Yorker Untergrundbahn nicht vor allem der deutschen Ingenieurkunst zuzuschreiben? Ein Deutscher erfand das moderne Achsenlager für Eisenbahnwagenräder.
Es scheint fast, als ob Sie Deutschlands Fruchtbarkeit auf dem Felde der Erfindungen schlankweg ableugnen, obwol es allgemein bekannte Tatsache ist, dass die grössten Erfindungen deutsch oder auf deutschen Ursprung zurückzuführen sind! Der bedeutendste Erfinder, den die Welt kennt, ist ein Deutscher.
Haben Sie von dem grossen deutschen Erfinder Werner von Siemens gehört, der weit bedeutender ist als Thomas Edison? Siemens war es, welcher der Welt die dynamo-elektrische Maschine (Elektromotor) gab und damit die Möglichkeit für die Nutzbarmachung der elektrischen Kraftleistung, worauf in erster Linie der Riesenerfolg elektrischer Beleuchtung beruht und von der auch alle modernen Elektrizitätsanlagen abhängen.
Mit anderen Worten, er hat das elektrische Licht möglich gemacht! Der elektrische Plattierungsprozess ist ebenfalls seine Erfindung. Im Jahre 1879 baute Siemens die erste elektrische Strassenbahn, die er in demselben Jahre in der grossen Berliner Ausstellung der Welt vorführte, und setzte auch hier als erster die elektrische Strassenbahn mit dem Drei-Schienen-System in Betrieb bei einer Spannung von 180 Volt.
Erst ein Jahr später benutzte Edison eine solche dritte Schiene für seine Menlo Park Lokomotiven. Die Firma Siemens & Halske in Berlin, übrigens die bedeutendste Elektrizitätsgesellschaft der Welt, ist zugleich auch eine der hervorragendsten in der Herstellung von Tiefseekabeln. Siemens legte sechs transatlantische Kabel und entdeckte ebenfalls die Methode, in einem Kabel unter See einen Bruch festzustellen. Auch die Glasisolatoren, die bei Telegraphenleitungen angewandt werden, sind seine Erfindung. Siemens’ Forschungen auf dem Gebiete der Elektrizität sind von zahllosen Erfolgen gekrönt worden; namentlich in der Benutzung des Kabels und auf den Gebieten des Telegraphen-, des Strassenbahn- und des Beleuchtungswesens.
Gauss war es wiederum, der mit Weber, als dem Erfinder, im Jahre 1833 die erste telegraphische Verbindung herstellte, wodurch Morse die Anregung für den Entwurf seines heute noch benutzten Telegraphen-Alphabets erhielt. Wiederum war es Werner von Siemens, der den Telegraphenapparat für Buchstabendruck konstruierte, der in der ganzen Welt die grösste Bedeutung als Börsentelegraph (Ticker) errungen hat und hier geradezu unentbehrlich geworden ist.
Haben Sie je von dem Siemens’schen Glasschmelzofen gehört, dessen Entwicklung den offenen Schmelzherd (open hearth) möglich machte? Friedrich von Siemens (Dresden), ein Bruder Werners, ist der Erfinder.
Die grösste Autorität auf dem Gebiete der Elektrizität in den Vereinigten Staaten ist ein Deutscher, namens Carl P. Steinmetz, leitender Direktor der General Electric Company.
Die Luftpumpe erfand Otto von Guericke, der Bürgermeister von Magdeburg. Er konstruierte auch die erste elektrische Maschine (1675) und war der erste, der Licht auf elektrischem Wege erzeugte.
Das Porzellan erfand in Europa Friedrich Boettger, ein Deutscher, im Jahre 1708.
Friedrich Wilhelm von Frantzius.
Siehe auch:
Das Wort Kultur
Deutsches Alphabet
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