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In Bülach Nord entsteht auf dem ehemaligen Industrieareal einer Giesserei ein neues Quartier mit rund 500 Wohnungen. Zwischen robusten Industriestrukturen im Westen, dem Hardwald im Norden und ländlichen Einfamilienhäusern im Osten fügt sich das Wohnquartier in eine heterogene Umgebung. Die fussläufige Anbindung an den S-Bahnhof, eine hohe bauliche Dichte und eine Nutzungsmischung mit Gewerbe und Einkaufsmöglichkeiten bieten zugleich gute Voraussetzungen für ein attraktives städtisches Quartier. Auf der Basis des städtebaulichen Richtplans von Diener & Diener Architekten wurde das Areal in mehrere Baubereiche aufgeteilt, die jeweils einen Wohnhof umfassen und von unterschiedlichen Architekten bearbeitet wurden.
Der Baubereich 3 und 4 mit insgesamt 73 Eigentumswohnungen wird von der neu angelegten Gussstrasse, dem zentralen Rückgrat des Quartiers, und der bestehenden Solistrasse begrenzt. Fünf, teils winkelförmige Häuser bilden halboffene Wohnblöcke, die den Strassenraum klar fassen und zugleich eine grosse Durchlässigkeit zu den umliegenden Nachbarschaften ermöglichen. In ihrer Volumetrie mit vier bis fünf Vollgeschossen vermitteln die Baukörper zwischen den siebengeschossigen Neubauten des neuen Quartiers und dem unmittelbar angrenzenden Einfamilienhausquartier im Osten. Zwei Höfe, die über einen Durchgang im mittleren Haus miteinander verbunden sind, bilden das gemeinschaftliche Zentrum der Nachbarschaft. Die chaussierten, baumbestandenen Höfe sind mit Sitz- und Spielgelegenheiten ausgestattet und werden durch Ligusterhecken und Rabatten von den Vorgärten der Hochparterrewohnungen abgeschirmt.
Anklänge an die industrielle Vergangenheit des Areals werden in der äusseren Gestaltung und Materialisierung der Häuser sichtbar. Der Sockel, das auskragende Dach und die grosszügigen Loggien an den Gebäudeecken sind vor Ort aus Sichtbeton gegossen. Der Mittelteil ist mit rotbraunem Klinker verkleidet, der nach traditionellen Verfahren gebrannt seinen besonderen, im Sonnenlicht wechselhaft schimmernden Ausdruck erhält. Durchlaufende Rollschichten aus eigens hergestellten, überlangen Klinkern bilden die Geschossdecken nach aussen ab und sorgen zudem für eine subtile horizontale Gliederung.
Die Hauseingänge präsentieren sich mit kräftigen, einladenden Vordächern aus Sichtbeton zu den Wohnhöfen. Zugleich öffnet sich jeweils ein zweiter Eingang zum öffentlichen Strassenraum, die Häuser erhalten somit eine klar erkennbare Adresse an der Guss- und an der Solistrasse. Dies wird durch eine innovative Grundrisslösung ermöglicht: An die Eingangshalle mit dem Treppenaufgang schliesst sich der Kinderwagenraum an und schafft so eine durchgehende räumliche Verbindung auf beide Seiten des Hauses. Die Eingangshallen sind an den Wänden bis zu einer Höhe von einem Meter mit grünen glasierten Keramikplatten verkleidet – eine bewusste Reminiszenz an traditionelle Kachelöfen und Einstimmung in die Gemütlichkeit der eigenen vier Wände. Durch die abgewinkelte Form der Baukörper und die an den Gebäudeecken eingeschnittenen Loggien entstehen attraktive Wohnungen mit mehrseitiger natürlicher Belichtung und vielfältigen Blickbezügen.
- Verfahren
- Direktauftrag
- Bauherrschaft
- Allreal Generalunternehmung AG
- Kenndaten
- GF: 8 100 m²
- GV: 53 200 m³
- Zeitraum
- 2013–2019
- Verfasser
- Baukontor Architekten AG
- Team
- Manuel Lergier (Projektleitung Ausführung), Patrick Sommer (Projektleitung Vorprojekt und Bauprojekt), Jens Bohm, Vittorio Magnago Lampugnani, Elisabetta Mini, Valentina Valera, Lukas Hüsser