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Costa Brava - das verlorene Paradies der Schriftsteller und Künstler
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Die Hollywood-Sterne und die Schweden der 50ziger Jahre erschufen und vergrösserten den Mythos der Costa-Brava, was dazu führte, dass die Region im Massentourismus unterzugehen drohte.
Die mediterrane Küste, welche sich von Blanes bis nach Porbou hinauf erstreckt, erhielt ihren heutigen Namen Costa Brava, nachdem sie von einem Journalisten aus Girona, Ferran Angullo, in einem Artikel so benannt wurde, den er im Jahre 1908 in der Tageszeitung „La Veu de Catalunya“ publizierte. Die Stimme Zeitung mit dem auf Deutsch übersetzten Namen „die Stimme Kataloniens“, welche damals zwischen 1899 und 1937 zwei Mal pro Tag erschien, ist verstummt, der Name Costa Brava jedoch ist heute noch zu hören und wie.
Der Name wurde einige Wochen zuvor von Agulló aus der Taufe gehoben, als er ihm während eines Mittagessens mit einflussreichen Politikern aus dem Mund entwich. Das war die Geburtsstunde der Region Costa Brava, deren Bekanntheitsgrad heute mit jedem Ort der Welt mithalten kann.
Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war dies jedoch noch nicht der Fall. Die Costa Brava blieb während langer Zeit eine ruhige und friedliche Anreihung von Fischerdörfchen Dörfchen und kleinen Industriestädten. Noch 25 Jahre später konnte sie als vernachlässigte Region beschrieben werden. Sie genoss eins jungfräuliches Fehlen von Emotionen ihr gegenüber und scheinbar immun gegen jeglichen mit einer Zivilisation verbundenen Fortschritt.
Damals im Jahre 1933, als Vorläufer dessen, was noch kommen sollte, Liess sich der Maler Marc Chagall in Tossa de Mar nieder, wo er sein „blaues Paradies“ fand.
Mit ihm kamen andere Maler, wie beispielsweise André Masson, Oscar Zugel und Georges Kars. Es gesellten sich Theoretiker und Kunstkritiker, wie Jean Metzinger und Georges Charensol; Schriftsteller, wie beispielsweise der Philosoph Lansberg und der Poet Jules Supervielle. Eine richtige Lawine von Botschaftern, welche den Charme dieses privilegierten Ortes entdeckt hatten und dessen Geheimnisse lüften wollten, besiedelte das Städtchen Tossa de Mar.
Flüchtlinge
Aber es war nicht nur die unbeschreibliche Schönheit dieser Region, welche die Intellektuellen nach Tossa trieb. Ein unrühmliches Stück Geschichte hatte mitgeholfen, dieser Region zu ihrer heutigen Bekanntheit zu verhelfen. Noch heute sagen die Menschen von Tossa humorvoll, dass vermutlich Hitler die Schuld am Erfolg dieses bezaubernden Ortes trägt. In der Tag waren es vor allem politische Flüchtlinge oder andere Menschen auf der Flucht, welche als Erste „Fremde“ zu diesem, bis dahin unbekannten Ort in der Wildnis gelangten und sich in der Altstadt niederliessen. Einer dieser Deutschen Flüchtlinge mit dem Namen Steyer legte damals mit seinem Einsatz den Grundstein für künftige Reiseveranstalter.
Er kaufte sich in Tossa de Mar ein paar Häuser, welche die Wirtschaftskrise hatten verwaisen lassen, die nun leer standen und vermietete sie sukzessive an verschiedene seiner Landsleute. Er selber fuhr sogar mit dem Auto nach Deutschland, um neue Kunden zu akquirieren. Durch den Einsatz dieser glücklichen zwanzigjährigen und den eher ängstlichen dreissigjährigen Menschen begann die damals noch zaghafte Projektion der Costa Brava hin zum Rest der Welt.
Aber dasjenige von Tossa war nicht das einzige Wunder der Küste. Etwa zehn Jahre zuvor hatte ein industrieller Müller aus Girona, namens Joseph Ensesa i Pujadas, zu sehr guten Konditionen ausgiebige Ländereien in der Gegend von S’Agaró. Den einzigen Wert, der dieses damals karge Landstück zu haben schien, lag darin, einige Ziegenherden aus Sant Feliu de Guíxols und Castell d'Aro mit Futter zu versorgen. S’Agaró wurde jedoch schon bald zum Musterbeispiel für architektonische Eleganz und höchst exquisiten Landschaftsaufwertung.
Der russische ex-Oberst
Ebenfalls zur selben Zeit entdeckte ein russischer ex-Oberst namens Nicolás Woevowski eine andere Ecke der Costa Brava, welche für ihn der schönste Ort auf der ganzen Welt war. Es handelte sich um Cap Roig, welches zu Palafrugell gehört. Er entschloss, sich dort mit seiner Frau Torothy Webster, Tochter eines britischen Antiquitätenhändlers, niederzulassen. Sie kauften Grundstücke, errichteten eine luxuriöse Residenz, welche prunkvoll eingerichtet wurde und schufen einen prachtvollen und gepflegten Garten von acht Hektaren.
Nicht weit von Palamós entfernt, zwischen La Fosca und Castell, kaufte sich eine andere Persöndlichkeit ein Landgut namens „el Mas Juny“ und verwandelte sie in eine grosse Villa im Barockstil um. Er hatte sich diesem Stil verschrieben, der sein ganzen Leben und seine Werke zu durchdringen vermochte. Es handelte sich um den Maler Josep María Sert, welcher sich, nachdem er sich von seiner früheren Frau María Godeb ska scheiden gelassen hatte, mit der Prinzessin Roussadana Mdivani vermählte. Persönlichkeiten aus aller Welt verbrachten ganze Jahreszeiten als Gäste von Sert auf dem Gut „el Mas Juny“, umhüllt von Geheimnissen und Skandalen und genährt von Hauptdarstellern turbulenter Geschichten, welche zwischendurch auf tragische Weise in tödlichen Unfällen endeten.
Am anderen Ende von Palamós, in der Nähe von Sant Antoni de Calonge, lebte der Schriftsteller und Kolumnist (oscuro érnulo de Hemingway) wesentlich diskreter in einem Haus, weniger Meter vom Meer entfernt. Und dort, etwa am anderen Ende der 160 Kilometer langen Costa Brava überwältigt einen die harmonische marinere Faszination des städtischen und tellurischen von Cadaqués, welches früher von Seefahrern und Schmugglern besiedelt war.
Dort im Hafen „Port Lligat“, als unvermeidliches Zeichen seiner Arbeit, baute Salvador Dalí sein Refugium, seine Hütte, wie er zu sagen pflegte. Cadaqués wurde damals immer wieder von Malern, wie Rusifiol, Maifréj, Pitxot, Magritte, Max Ernst,- Duchamp, Picasso und Derain heimgesucht. Aber auch Bildhauer, wie Hugué oder Maillo, Künslter, wie Ma.n Ray oder Buftuely und Schrifsteller, wie Breton,García Lorca, Eluard oder Marquina besuchten diesen Ort.
Der internationale Tourismus
Ab den 50ziger Jahren wurde die Costa Brava Opfer des internationalen Tourismus. Artur Margarit, ein Uhrenmacher aus Lloret, erinnerte sich noch daran, dass das Städtchen gerade einmal 3‘500 Einwohner zählte, als er sich hier niederliess. Heute spazieren in den Sommermonaten Juli und August täglich bis zu 40‘000 Leute an seinem Geschäft vorbei.
Als im Jahre 1955 Néstor Luján der Wilden Küste das erste Mal einen Besuch abstattete, um darüber zu berichten, legte er schriftlich Zeugnis seiner Panik ab: „Bei zwei Gelegenheiten hatte ich das Gefühl, inmitten des Lebens und seinen absoluten Ausprägungen verloren zu sein: In der Wildnis von Congo Belga und dem Strand von Lloret.
Der Tourist muss sich wie der Fisch im Wasser fühlen. Néstor Luján erklärt warum: Bis zu einem gewissen Punkt fühlt er sich wie zuhause, denn die Costa Brava, so wie sie sich hier in Lloret präsentiert, ist ein Produkt des Touristen; er hat es mit seiner Anwesenheit kreier, mit seinen Bedürfnissen, ganz nach seinem Geschmack. Nach dem Geschmack von Menschen, welche in der Regel sehr anspruchslos sind und aus der mittleren und unteren Schicht ihrer jeweiligen Länder stammen.
Arseni Gibert, heute Präsident des Tourismuskommissions-Rates von Girona, malte von Ihnen vor einigen Jahren folgendes grausame Bild: „Aus Pflicht gehen sie zu einer Flamenco-Show oder einem Stierkampf, für die Spanische Küche interessieren sie sich jedoch überhaupt nicht; sie kaufen Plunder (Schmuckstücke) von schlechtem Geschmack, und haben überhaupt kein Interesse daran, das Land und seine Leute kennen zu lernen; den Tag hindurch gehen sie an den Strand, während sie in der Nacht gehen sie in den Ausgang; sie kommen her und betrinken sich, beinahe immer mit ihren eigenen Landsleuten zusammen. Es sind Kunden von Reiseveranstaltern, welche auf Charterflügen am Flughafen von Girona ankommen und dort ihre Pendants in anderen Touristen finden, ebenfalls Aussenseiter, welche im Rucksack ankommen.
Der Schlag von Sinatra
Von all den Veränderungen, welcher sich die Costa Brava mit der Ankunft des Tourismus unterzog, rivalisierte nur eine in seiner spektakulären Darbietung mit der Modifizierung der Region: Der Bruch mit den Regeln der traditionellen Moral, welche man bis dahin mittels Dekreten von Gouverneursministerium versucht hatte, aufrecht zu erhalten, indem man die minimalen Abmessungen von Badeanzügen vorschrieb, die obligatorische Verwendung eines Bademantels ausserhalb des Wassers zur Pflicht machte, oder indem versucht wurde die Geschlechter örtlich zu trennen.
Plötzlich war „der letzte Frühling“ nicht nur der Titel eines berühmten Films, welcher damals an der Küste gedreht wurde, sondern der Satz, mit welchem die Geschichte vieler persönlichen Erfahrungen begann. Die Anwesenheit der Filmemacher trug machtvoll dazu bei, den Horizont der Region zu erweitern. Der erste Filmstern, welcher Mitte der dreissiger Jahre die Küste besuchte, war die Enlenderin Madeleine Carroll, Protagonistin im Film „die 39 Stufen“, von Alfred Hitchcock. Ihr Mann, Lord Asheley, wollte ihr ein Schloss in Spanien schenken und erwarb deshalb einen Hügel am Ende von Calonge, wo er ein Gebäude erbaute, welches von der Presse als „Prinzessinnen-Residenz am Mittelmeer bezeichnet wurde. Als sie sich von ihrem Lord scheiden liess, kehrte Carroll Jahre später mit ihrem neuen Ehemann, einem leitenden Angestellten der Zeitschrift Life, an die Costa Brava zurück. Später, Jahr 1951 wurde die Villa an Umberto, den ehemaligen König von Italien, vermietet, deren Nachkommen heute in der Schweiz leben.
Der Entscheidende Einfluss auf das Leben der Leute an der Costa Brava jedoch bescherte die die Filmwelt der Region mit der Verfilmung von „Tossa de Pandora“ von Al Lewin. Esteve Fábregas, ein Schriftsteller aus Llored de Mar, erklärt die Auswirkungen davon auf die Seelen der Einheimischen: „Während einiger Wochen wurden die Menschen von Tossa und deren Nachbarn Zeugen eines Lebens, welches so anders war, als das Ihrige; desjenigen der Schauspieler“. Sie erfuhren, dass James Mason ein ernsthafter seriöser Mann war und dass Ava Gardner mehr trank, als sie vertragen konnte. Sie erlebten die Liebschaften von Ava mit Mario Cabré nicht nur ab der Filmrolle, sondern in Wirklichkeit und zum Anfassen. Sie erlebten das unerwartete Auftauchen von Frank Sinatra, der von Eifersucht geplagt, direkt von New York nach Tossa flog. In der Bar der Herberge La Gavina von S’Agaro fand die aristokratische Szene statt, bei welcher der Sänger zum grossen Schlag ins Gesicht des Filmsterns ausholte.
Blendende Lichter
Damals erschienen Girona und die Costa Brava auf den Titelblättern der Presse als das Holliwood von Spanien. Das Verhalten der Einheimischen führte dazu, dass ein Chronist einer lokalen Zeitung mit bedauern feststellte, dass eine Vielzahl unserer Mitbürger zu Marionetten verkommen seien, ähnlich wie Fliegen, die durch den Honig angelockt werden. Sie würden sich 16 Stunden am Tag mit Themen rund um das Kino befassen und in den restlichen 8 Stunden davon träumen. Dieses Verhalten war nichts Anderes als der geforderte Tribut, den die Leute für das Novum zu zahlen hatten, weil die Filmwelt ihren Fokus auf die Strände richtete und dort eindrang. Ava Gardner kehrte wiederholt nach Tossa zurück und war Stein des Anstosses für weitere Skandale. Ebenfalls James Mason kehrte nach Jahren zurück um in Cadaqués den Film „die Versuchung“ (Los Pianos Mecanicos) von Juan Antonio Bardem zu drehen. Mason Verstarb im Juli 1984 im Schweizerischen Lausanne.
Der vermutlich wichtigste Film, der hier gedreht wurde war vermutlich *plötzlich, der letzte Frühling“ von Mankiewicz, nach dem Werk von Tennessee Willianis, welcher, weil er durch die Zensur verboten wurde, in den Köpfen derjenigen wie ein krankes Geschwür anwuchs, welche einiger seiner Szenen in den steilen Gassen von Begur erlebt hatten. Liz Taler inszenierte während ihres Aufenthaltes einen glorreichen Vorfall in S’Agaró, als sie komplett nass auf einer Steppdecke aus Seide mit Silber bestickt lag. Josep Ensesa wurde von einer Kellnerin gerufen, welcher die Schauspielerin auf sehr dezente Art darum bat, den Raum sofort zu verlassen.
Die Sterne des Universums
Orson Welles filmte an der der Costa Brava Szenen von seinem verfluchten Mr. Akadin. Dick Bogarde wurde „der spanische Gärtner“, in Palamós. Víctor McLaglen, Stanley Baker und eine „jovencísma“ Luciana Paluzzi kämpften gegen „die Furie des Meeres“ in L’Estartit. Anne Baxter und Richard Todd füllten den Ort Tamariu mit „Flüsternde Schatten“. Garry Merrill erhielt die Nachricht von seiner Scheidung mit Bette Davis, während er die „die geheimnisvolle Insel“ in S’Agaro interpretierte. Ingrid Thu lin schlief in Platha d’Aro mit „El diablo bajo la almohada“. Yul Brynner erklomm die raue Erdoberfläche des Cap de Creus im Film „Der Leuchtturm am Ende der Welt“, einem Roman von Jules Verne.
Das phantasmagorische (täuschen, spukhaft) Hotel von Cap Sa Sal wurde im Film „Some Girls Do“ von weiblichen Spioninnen, nach dem Stil von James Bond, bevölkert, während sich das Hotel La Gavina in s’Agaró in den Palast der Zaren Nicolás und Alejandra verwandelte. Im selben Hotel La Gavina, gingen mehr oder weniger oft Berühmtheiten, wie Charles Chaplin und Cole Peter, Sofia Loren und Lucía Bosé, Sean Connery und George C. Scott, Jack Nicholson und Robert de Niro, Humphrey Bogart mit Lauren Bacall, Peter Sellers mit Elke Sommer ein und aus und eine endlose Liste von weiteren Bekanntheiten, welche man mit John Wayne abschliessen könnte, welcher, wie sich von selbst versteht, abreiste, ohne seine Rechnung zu Bezahlen.
Zu der prickelnden Anwesenheit der vielen Firmgrössen, darf die grosse Anzahl der Touristen nicht unerwähnt bleiben. Mit der glitzernden Parade der legendären mythischen Schwedinnen und weiss nicht wie vielen Forasteros (Menschen die nirgendwo hingehören und eine Gefahr bedeuten; Gesetzlose) wurde der Küste der Tribut der drei S des obligaten Sommerprogramms abverlangt: Sonne, See (Meer) Sex. Der Verwaltung, sonst so bedacht auf gute Manieren, blieb keine andere Wahl, als ein Auge zuzudrücken; meistens sogar beide.
Minister und Heimliche (clandestinos)
Mit dem Beginn der siebziger Jahre war es nicht abwegig zu denken, dass die Costa Brava das Zentrum des Universums sei. Spanische Staatsminister wechselten ihre Zimmer an der Costa Brava mit den Führern einer bislang noch unbekannten Opposition. Fernández de la Mora besass ein Haus in Tossa de Mar, García Ramal eines in Castell d’Aro; Rodíguez de Miguel in Platja d’Aro und Ruis Gimenez in Calonge. Später fand Adolfo Suárez Zuflucht in Begur, Guriérrez Mellado in Cadaqués und Carillo in Llofriu.
Gaston Thorn, ein aufsteigender Stern auf dem lokalen Markt, hatte sich im Vall Llobrega niedergelassen. Lord Shellwyn Lloid, ex. Britischer Staatsminister und Chichester Clark, der Nordirländische Premierminister, belegten nacheinander immer wieder dieselbe Suite im Hotel „La Gavina“. Raymond Barre, welcher noch nicht den Posten des Französischen Premierministers innehatte, beobachtete die Fischauktion in Palamós, während Edgar Fau, der es schon gewesen war, in Cap Sa Sal gemütlich am Lesen war. Und Azis Sedki, Vizepremier Minister des entfernten Ägyptens, vertrieb sich die Zeit mit dem Fischen in den versteckten Buchten von Santa Cristina d’Aro.
Die Grossen des Mikrofons
Vor dem barrocken Altar von Cadaques, entriss Jean-Pierre Rampa seiner Flöte aus Gold ungewöhnliche Akkorde. Josephine Baker, bereits ein sinkender Stern, hinterliess in Roses einen Hauch von Nostalgie und Bewunderung für altes Temperament. In Empuribrava hauchte Marie Laforet Lieder und verzauberte die Anwesenden mit ihren grossen Augen. Als Kontrast dazu schloss Charles Aznavour seine Augen in Palamós um das x-te Mal an die Traurigkeit von Venedig zu erinnern.
Joan Manuel Serrat, María von Mar Bonet, Lluís Llach, Quico Pi de la Serra und Ovidi Monfilor unterhielten auf glühenden Kohlen “die Hoffnung von Vielen“. Guillermina Motta sang „Cuplés“ mit Texten von Vázquez Montalbán, die Gruppe „La Trinca“ führte ihr „Festa Major“ auf, Salomé lebte nach wie vor von der Rente aus dem Lied „Se‘ n va anar“ und Núria Feliu sowie Peret erfreuten sich aufgrund einiger Hits einer wachsenden Bekanntheit. Der Flamenco, welcher am Meer mit der Legende Carmen Amaya und der spürbaren schlechten Barfüssigkeit gross geworden war, machte sich mi der Singla, la Chana, la Terremoto und la Garrido omnipräsent und gipfelte in den Aufführungen der Tanz-Genies, welche in Platja d’Aro lebten und Arbeiteten; Antonio Gades hatte eine Pizzería bauen lassen, in welcher es einfach war der berühmten Marisol aus Málaga zu begegnen.
Lange Nächte mit furiosen Auswüchsen
Die warmen und überschwänglichen Nächte an der kosmopolitischen Costa Brava gipfelten in Lärm und den tosenden Krach der der Diskotheken. Im Tiffany’s beispielsweise lieferte die jährliche Miss-Wahl genügend Schlüssige Beweise mit ihrer ewigen Polemik über das Geschlecht der Engel. Nachdem man die Kandidatinnen auf einem Trapez sitzend und mit einem Bikini bekleidet vom Dach heruntergleiten sah, wartet Josep Pla jeweils brennend darauf, sich zu beglückwünschen, endlich aufgedeckt zu haben, was die Damen unter ihren Kleidern versteckt hatten.
Der Striptease hatte begonnen, auch wenn er sich zu jener Zeit der Euphorie noch „die Enthüllung“ nannte. Ethel und Gogó Rojo praktizierten ihn in schnellem Tempo in der Kneipe „Cap Sa Sal“, auch auf die Gefahr hin dass die brennenden Flammen, welche ihren Auftritt ankündigten, ein Feuer auslösen würden: Rot (rojo), röter, so wie das Feuer. Die Valencianerin Mary Cruz, in Begleitung von einem praktisch unbekannten Pedro Ruiz, wandte die Regeln der erotischen Revue an, indem sie sich „die Spanische Furie“ nannte.
Etwas später würde sie das Geheimnis des menschlichen Körpers gänzlich aufdecken und die Königin für eine flüchtige Zeit direkt vor ihre akkreditierten Gläubiger treten, um damit einen der Top-Clubs an der Küste zu füllen. An den Stränden hatte sich die topless-Mode diskret durchgesetzt, die Transition war abgeschlossen.
Vororte für die Ferien von Euro
Die Frau, welche am meisten von der Costa Brava weiss, ist eine Französin. Sie heisst Yvette Barbaza, Sie ist im Zentrum der Geschichte und Geographie für die Wissenschaftliche Forschung in Paris aggregiert und erarbeitete in 10 Jahren eine monumentale These von mehr als 800 Seiten, mit dem Titel „Die humane Landschaft der Costa Brava“.
Von ihr stammt dieses aus dem Jahr 1955 datierte Zeugnis: „Ich traf mitten im Sommer verlassene Buchten an, so dass mir die Illusion zuteil wurde, in weiter Ferne einen bisher ignorierten Strand zu entdecken.“ Seit damal hat es viel geregnet und über diese Landschaft so scheint es, ist flächendeckend Wohlstand und Abbau hereingebrochen.
Mit dem Beginn der 50er und definitiv im Jahrzehnt der 60ger unterzog sich die Costa Brava einer massiven Invasion des internationalen Tourismus. Während langer Zeit betrachtete der Staat die Touristenlawine mit Freuden und beschränkte sich darauf, die Türe all denen zu öffnen, welche kamen, ohne dafür zu sorgen, dass sie auch wiederkommen könnten. Die komplett überwältigten und überforderten lokalen Behörden, liessen zu, dass Private die Initiative ergriffen, welche ihrerseits begannen zu verkaufen, zu spekulieren, zu bauen und mit Hypotheken zu handeln.
Scheinbar wie durch Selbstbefruchtung wurden Hotels, Bars, Restaurants, Nacht-Clubs, Geschäfte und Wolkenkratzer erzeugt und aus der Taufe gehoben. Das blaue Paradies von Marc Chagall verkam zum verlorenen Paradies und die Dörfer mit ihrer Jahrhunderte alter Kultur waren zu banalen Vororten des Europäischen Ferientourismus geworden.
Dank der Kombination von Angebot und Nachfrage erfuhr die Küste innerhalb von 10 Jahren eine Transformation. Laut Yvette Barbaza gab es im Jahr 1953 gerade einmal 87 Hotels, während 1964 bereits 837 Hotels zu zählen waren. Jetzt wird die Costa Brava jährlich von mehr als 3 Millionen Besuchern besucht, welche in hunderten von Campingplätzen, 65‘000 Hotelzimmern und 200’00 Wohnungen logieren.
Die Landschaft war das erste grosse Opfer. Wie es Manuel Vázquez Montalbán an einer Debate über die Costa Brava einmal sagte, war der Verlauf der 60er Jahre wie das Spektakel einer grossen Brutalität: Es tauchten Maurern Schande auf zwischen Land und Meer, es entstanden gigantische Mauern von Berlin in der Form von Wohnungen; das Fehlen einer Planung und die räuberische Straflosigkeit ruinierten die Reinheit des Wassers. Von den drei physischen Fragen, der sich der Urlauber stellen sollte – Natur? – Meer? – Sonne? –, war lediglich die Sonne von der spekulativen Verschwörung verschont geblieben, vielleicht auch nur, weil viele Vorhaben auch nur im Hinblick auf die Sonne durchgeführt wurden und diese damals im Zentrum des Denkens stand.