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Ernährung
Sodbrennen- Symptom mit mannigfachen Ursachen
Wenn die Speiseröhre oder der Magen «brennt», genügen Massnahmen gegen ein Zuviel an Magensäure nicht immer. Auch Leber und Galle sowie der Säuren- Basen- Haushalt gilt es in die Ursachenfindung einzubeziehen.
Der Magen ist Teil unseres Verdauungstrakts. Seine Funktion liegt primär darin, geschluckte Nahrungsbestandteile aufzunehmen, sie zu desinfizieren und portionenweise an den Dünndarm weiterzugeben. Darüber hinaus übernimmt der Magen einen wichtigen Teil der Eiweissverdauung. Damit alle diese Aufgaben erfüllt werden können, sondern verschiedene Drüsentypen der Magenschleimhaut ihr Sekret ab: den Magensaft. Wichtige Bestandteile des Magensafts sind Salzsäure, Schleim, das eiweissspaltende Enzym Pepsin sowie der Intrinsic-Faktor, der die Aufnahme des Vitamin B12 im Dünndarm ermöglicht.
Abgesonderter Magensaft weist einen pH von 1,0–1,5 auf; der hohe Säuregehalt hilft Nahrung aufzuschliessen und Krankheitskeime unschädlich zu machen. Vor der aggressiven Salzsäure wird die Magenschleimhaut durch den von den Nebenzellen produzierten Schleim geschützt. Eine weitere wichtige Aufgabe des Magensafts liegt darin, Pepsinogen in Pepsin umzuwandeln.
Ein Muskel, der sogenannte Ösophagussphinkter, schliesst die Speiseröhre gegen den Magen ab. Dies ist erforderlich, da unsere Speiseröhre nicht wie der Magen über einen Schutz gegen starke Säuren verfügt. Gelangt Magensäure dennoch in die Speiseröhre, greift sie die Schleimhaut an, was als schmerzendes Brennen hinter dem Brustbein spürbar ist. Dieses Brennen nennt man Sodbrennen.
Sodbrennen
Das Zurückfliessen der Magensäure (sowie des Verdauungssafts des Zwölffingerdarms) in die Speiseröhre wird als Reflux bezeichnet. Verschiedene Ursachen können zu einem Reflux führen. Oft tritt Sodbrennen nach übermässigem, fettem und scharfem Essen auf – häufig abends beim Sich-Hinlegen, da dann die Schwerkraft die Magensäure nicht am Zurückfliessen hindert. Auch bei starkem Druck auf den Magen, z.B. wenn sehr schwere Lasten in gebeugter Haltung gehoben werden, kann die Magensäure in die Speiseröhre gedrückt werden. Darüber hinaus wird Sodbrennen durch einen in seiner Funktion beeinträchtigten Schliessmuskel begünstigt.
Natürlich kommt es auch vermehrt zu Sodbrennen, wenn zu viel Magensäure produziert wird. Ebenso kann ein Zuviel an Magensäure den Schutzmechanismus des Magens überfordern und so zu Magenbrennen führen.
Bei Magen- und Sodbrennen helfen Säurepuffer zumindest kurzfristig, überschüssige Säure zu neutralisieren und das Brennen zu stoppen. Bis zur nächsten Mahlzeit.
«Morgenprobleme sind Leberprobleme»
Neben einem Zuviel an Magensäure oder Zuwenig an Schutzschleim kann das Problem auch von Leber und Galle herrühren. In der Naturheilkunde gibt es eine sehr allgemein gehaltene Faustregel, die besagt: «Morgenprobleme sind Leberprobleme.» Magendruck oder Magenbrennen am Morgen können somit auf ein Leberthema oder vielmehr auf ein Gallenthema hinweisen. Insbesondere wenn am Vorabend relativ fettig gegessen wurde. Manchmal gesellen sich weitere «Symptome» wie Müdigkeit dazu, die zumindest in der naturheilkundlichen Betrachtungsweise einen Bezug zur Leber-Gallen-Funktion aufweisen. Dann lohnt es sich, diesem Ansatz nachzugehen und ihn bei der Therapie zu berücksichtigen – etwa die Leberregeneration mit Mariendistel zu unterstützen oder die Leberfunktion mit Artischocken zu stärken.
Auch zu wenig Magensaft führt zu Magenbrennen
Tritt das Magenbrennen immer erst zweieinhalb bis drei Stunden nach dem Essen auf, kann das ein Hinweis auf zu wenig Magen- und Verdauungssäfte sein. Mangelt es an Verdauungssäften, wird der Nahrungsbrei nicht richtig verdaut. Im warm-feuchten Milieu des Magen-Darm-Trakts kommt es in der Folge zu Gärungsprozessen: Es werden Gase und Gärungssäuren gebildet. Durch die Gase fühlen wir uns gebläht und es kommt zu vermehrtem Rülpsen und Winden. Die Gärungssäuren können zu Magenbrennen führen; werden dann Antacida, also Mittel gegen ein Zuviel an Säure, eingenommen, kann das kontraproduktiv sein, da so der Verdauungsprozess noch mehr verlangsamt wird.
Bei der Lösungsfindung gilt auch hier, mehrere Ebenen zu beachten: das Brennen auf der einen Seite (kurzfristige Linderung) und die Ursache für das Brennen auf der anderen (langfristige Behebung respektive Reorganisation der Funktionen). Das Beratungsgespräch sollte Aufschluss darüber geben, welche Verdauungssäfte wie angekurbelt werden sollten.
Die Sache mit dem Säure-Basen-Haushalt
Wer häufiger unter Magenbrennen leidet, sollte beim Aufspüren der Ursachen auf alle Fälle den Säuren-Basen-Haushalt mitberücksichtigen. Für jedes Säureteilchen, das in den Magen abgegeben wird, braucht es ein Basenteilchen, und gerade bei der Basenreserve schwächelt ein übersäuerter Stoffwechsel.
Möchten Sie herausfinden, wie es um Ihren Säure-Basen-Haushalt steht, empfiehlt sich der Urin-Test nach Sander. Dabei wird die Veränderung der im Harn ausgeschiedenen Säure über einen Tag mittels fünf Proben bestimmt. Im Gegensatz zum einfachen Test mit Indikatorstreifen, den man zu Hause machen kann, werden beim Test nach Sander auch die nicht freien Säuren, die rund 99 Prozent der im Harn ausgeschiedenen Säuren ausmachen, nachgewiesen. Dies verleiht den Resultaten eine viel stärkere Aussagekraft.
Um den Säure-Basen-Haushalt wieder ins Lot zu bekommen, müssen die überschüssigen Säuren aus dem Körper gebracht und der Organismus muss mit genügend Basenersatz versorgt werden. Dazu bieten sich verschiedene Wege an, z.B. die Regulierung mit Schüsslersalzen sowie die Zufuhr von «Basenlieferanten».
Wichtig: Da es auch meist mehrere Jahre braucht, um in eine Übersäuerung zu gelangen, rechnet man für die «Entsäuerung» mit mindestens sechs bis zwölf Monaten. Auch hier beraten wir Sie gerne.
Text: Patrick Seiz