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Der Film beginnt mit einem Kinderfaschingsfest: Max (Marinus Hohmann) kämpft als Zorro verkleidet gegen drei Jungs in SS-Uniform. Seine Schwester Anna (Riva Krymalowski) ist als Bettelkind verkleidet. Diese spielerische Szene nimmt bereits das ernste Schicksal der jüdischen Geschwister voraus.
Ihr Vater Arthur Kemper (Oliver Masucci) muss 1933 Berlin verlassen, weil er als Nazi-kritischer Theaterkritiker dem neuen Regime ein Dorn im Auge ist. Wochen später fliehen auch Max und Anna mit ihrer Mutter Dorothea (Carla Juri) ins südliche Nachbarland.
SRF Koproduktion
«Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» wurde vom Schweizer Fernsehen SRF koproduziert.
Jedes Kind darf aus Platzgründen nur zwei Bücher und ein Spielzeug in die Schweiz mitnehmen. Anna entscheidet sich für ihren neuen Plüschhund und lässt ihr geliebtes rosa Stoffkaninchen zurück.
Das vielsagendste Zitat
«Die Schweizer sind zu ängstlich darauf bedacht, ihre Neutralität zu wahren, dass sie von einem eingefleischten Gegner der Nazis nichts veröffentlichen wollen», sagt Arthur Kemper frustriert.
Deshalb reist der Journalist mit seiner Familie weiter nach Paris. Dort, so hofft er, wird er für eine Zeitung arbeiten können.
Die Schauspielerin
Da der Film eine schweizerisch-deutsche Koproduktion ist, bekam die Tessinerin Carla Juri eine wichtige Rolle. Die 34-Jährige spielt die Berliner Mutter von Anna und Max mit warmherziger Zurückhaltung.
Juri hatte zuvor unter anderem in «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» (2012) brilliert. Danach fiel sie durch ihr unerschrockenes Spiel in der Verfilmung des Skandalromans «Feuchtgebiete» (2013) positiv auf. Unvergessen ist auch die kleine, aber entscheidende Rolle, die sie 2017 im Science-Fiction-Film «Blade Runner 2049» verkörperte.
Fakten, die man wissen sollte
1974 gewann Judith Kerr für ihren Roman «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» den Deutschen Jugendliteraturpreis. Im Buch verarbeitet sie eigene Erlebnisse: 1933 musste sie als Neunjährige mit ihrer Familie aus Berlin fliehen.
Die Namen änderte sie. Ihr Vater, der damals berühmte Theaterkritiker Alfred Kerr, heisst im Buch Arthur Kemper. Und sich selbst nennt die im Mai 2019 verstorbene Autorin Anna.
Das Urteil
Ausser beim Grenzübertritt von Deutschland in die Schweiz hat man als Zuschauer nie wirklich Angst um die Familie Kemper. Das soll wohl so sein, denn letztlich hat Judith Kerr die Geschichte explizit für Kinder geschrieben.
Buch und Film streichen heraus, wie wichtig es ist, auch in schwierigen Situationen die Hoffnung zu behalten. Dadurch wirkt der Film auf Erwachsene fast zu harmlos für eine Flüchtlingsgeschichte.
Aus schauspielerischer Perspektive überzeugt das ganze Ensemble. Herausragend ist aber nur die jüngste im Bunde: Die 2008 in Zürich geborene Berlinerin Riva Krymalowski (11) ist richtig stark. Und das nicht nur, weil sie ein richtig starkes Mädchen spielt.
Kinostart: 25.12.2019