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So viel Wasser steckt in unserem Alltag
Mehr als ein Tropfen auf dem heissen Stein: Das meiste Wasser verbrauchen wir, ohne je sein Rauschen zu hören. «Virtuelles Wasser» ist jene Menge an Süsswasser, die für Anbau, Herstellung und Weiterverarbeitung von Produkten anfällt.
Fleisch: Rind, Schwein, Poulet
Nahrungsmittel aus tierischen Produkten enthalten aufgrund der Intensivhaltung von Nutztieren einen besonders hohen Anteil an virtuellem Wasser. So schlägt ein saftiges Rindssteak (250 Gramm) mit satten 3800 Litern zu Buche. Das gleiche Steak vom Schwein verbraucht mit 1200 Litern weniger als ein Drittel davon. Eine Pouletbrust (250 Gramm) kommt auf immerhin 975 Liter.
Bei der Tierhaltung wird Wasser auch für das Futter, das Schlachten und die Weiterverarbeitung von Fleisch benötigt. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Wasserverbrauch stark gestiegen: Haben Rinder früher fast ausschliesslich Gras gefressen, werden sie bei der heutigen Intensivhaltung mit Weizen, Mais und Soja gefüttert.
Um den Wasserfussabdruck zu verringern, kann man seinen Fleischkonsum reduzieren und Fleisch aus heimischen Biobetrieben bevorzugen.
Früchte: Banane, Pfirsich, Orange, Erdbeeren
Unter den Früchten sind Bananen das wichtigste Welthandelsgut. Ihr Anbau in Mittel- und Südamerika, Südwestasien oder Zentralafrika verschlingt grosse Mengen Wasser.
So kommt eine Banane auf rund 160 Liter Wasser. In den Anbaugebieten ist die Wasserverschmutzung ein grosses Problem. Damit die Plantagen leicht bewirtschaftet werden können, werden grosse Mengen an Dünger und Pestiziden benutzt. Ein Blick in den Früchtekorb zeigt: Ein Apfel kostet 125 Liter Wasser, ein Pfirsich kommt auf 140 Liter, eine Orange auf 80 Liter und eine Handvoll Erdbeeren auf fast 30 Liter.
Beim Obstkauf lohnt es sich, auf Herkunft und Jahreszeit zu achten: Je kürzer Transportwege und Lagerung sind und je weniger Pestizide verwendet werden, desto weniger hoch ist der Wasserverbrauch.
Gemüse: Oliven, Spargel, Rüebli, Gurken, Kartoffeln
Auch bei Gemüse gilt: Kommt es aus der Region und hat es Saison, schont es die Umwelt, das Wasser und oft auch das Portemonnaie. Gebiete, die tendenziell eher trocken sind, benötigen zur Kultivierung der Pflanzen mehr Wasser.
So kommt beispielsweise eine Handvoll Oliven aus Spanien auf 275 Liter und die gleiche Menge aus Tunesien auf 915 Liter Wasser. Kartoffeln sind als Beilage in der Schweiz besonders beliebt: Bis zu 45 Kilogramm isst eine Person pro Jahr. Heimische Kartoffeln verbrauchen nur 135 Liter Wasser pro Kilogramm, während Frühkartoffeln etwa aus Ägypten mit 430 Litern zu Buche schlagen.
Eine Gemüsesorte, die besonders viel Wasser benötigt, ist Spargel: Ein halbes Kilogramm verbraucht 700 Liter Wasser. Der Grund ist der besonders intensive Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden. Zum Vergleich: Die gleiche Menge Gurken verbraucht 170 Liter, Rüebli sogar nur 70 Liter Wasser.
Getränke: Kaffee, Tee, Wein, Bier
Kaffee gilt weltweit als eines der beliebtesten Getränke – Schweizer trinken im Schnitt mehr als drei Tassen am Tag. Doch die wenigsten wissen, dass Kaffee mit 6 Prozent an der Spitze jener Güter steht, die den globalen Wasserhandel ausmachen. Eine Tasse Kaffee benötigt fast 140 Liter Wasser. Beim Tee schaut es besser aus: Eine Tasse Tee verbraucht knapp 30 Liter Wasser.
Um den persönlichen Wasserfussabdruck zu verkleinern, lohnt es sich, Arabica- statt Robusta-Kaffee zu trinken, Kaffee aus Gebirgsländern zu bevorzugen und auf ein Nachhaltigkeitssiegel zu achten.
Bei den alkoholischen Varianten schlägt ein Glas Wein mit rund 110 Litern zu Buche. Eine etwas bessere Ökobilanz weist ein kleines Bier auf – es verbraucht etwa 75 Liter Wasser.
Bekleidung: Baumwolle, Leder
Natürlich und hautfreundlich: Baumwolle hat bei den Konsumenten ein positives Image. Doch ihre Produktion ist für die Umwelt alles andere als erfreulich. Für ihren Anbau werden auf den Feldern grosse Mengen an synthetischen Düngern und giftigen Pflanzenschutzmitteln benutzt. Das erklärt, warum für ein Paar Jeans über 10’000 Liter oder für ein T-Shirt bis zu 4000 Liter Wasser anfallen können. Den weltweit höchsten Wasseranteil verschlingt die konventionelle Baumwollproduktion in Indien mit 22500 Litern pro Kilogramm.
Je länger man als Konsument seine Textilien trägt, desto günstiger fällt die Ökobilanz aus. Kleidungsstücke aus Hanf oder Leinen stellen eine umweltschonende Alternative dar.
Nach den Werten zum Wasserverbrauch von Rindfleisch verwundert es nicht, dass auch Lederprodukte eine ähnliche grosse Menge verschlingen. Hinter einem Paar Lederschuhe verstecken sich 8000 Liter Wasser. Die Zahlen variieren je nach Land, in dem das Rind gezüchtet und die Schuhe hergestellt und verarbeitet werden.
Technik: Auto, PC, Mikrochip, Handy
Mehr als Blech, Aluminium und Technik: Um einen Computer herzustellen, werden grosse Wassermengen benötigt: 20000 Liter pro Gerät können da schon mal anfallen. Schon allein in einem winzigen Mikrochip stecken 32 Liter virtuelles Wasser. Da fällt für die Herstellung von eines Smartphones mit rund 1280 Litern vergleichsweise wenig an. Die vielen elektronischen Einzelteile, die in technischen Geräten stecken und die in verschiedenen Teilen der Welt angefertigt werden, sind der Grund für die hohen Werte. Absoluter Spitzenreiter beim Wasserverbrauch ist das Auto. Mit 400 000 Litern verschlingt es von der Rohstoffgewinnung bis zur Endmontage ungeheure Wassermengen. Hinzu kommt, dass Autos auch Kraftstoffe wie Benzin benötigen, die zusätzliches Wasser verbrauchen.
Wasserfussabdruck einer Person in der Schweiz
Quellen: waterfootprint.org, Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V., auf der Basis von weltweiten Durchschnittswerten