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«Mama, ich habe eine Englischaufgabe. Ich muss 6 Fragen zu einem Englischtext mit je einem Kreuz beantworten, zur Auswahl steht: Ja, nein und ich weiss es nicht.» Völlig überrascht beobachte ich, wie mein Sohn den Text auf Englisch nicht einmal liest. Er versucht, direkt die 6 Fragen zu beantworten, deshalb frage ich ihn: «Musst du den Text nicht zuerst lesen, bevor du die Fragen beantwortest?» Mein Sohn: «Nein, ich habe es in der Schule so gelernt. Ich muss nur schauen, ob die Frage im Text vorkommt. Wenn ja, muss ich ein Kreuz bei ‹ja› machen, kommt die Frage im Text nicht vor, muss ich mit ‹ich weiss es nicht› antworten. Wenn die Frage im Text verneint vorkommt, muss ich mit ‹nein› antworten.» So hat mein Sohn seine Englischaufgabe im Nu erledigt, ohne den Englischtext wirklich gelesen, verstanden oder übersetzt zu haben. Alle Lösungen standen bereits im Aufgabentext, er brauchte dafür nur die Lesekompetenz anzuwenden, das Fachwissen Englisch war dabei nicht erforderlich. Beim Frühenglisch spiele die Grammatik und das Wörterlernen sowieso eine untergeordnete Rolle. Es sei völlig ausreichend, wenn der Schüler in den Ferien einen Hamburger in englischer Sprache bestellen kann (Handlungskompetenz). Ob der Schüler dabei grammatikalische Fehler mache, sei egal, das Kind habe erreicht, was es wollte und der Englischunterricht damit auch, so im «St. Galler Tagblatt» vom 27.9.2013 «Wörtli fürs Real Life». Damit unsere Kinder ein solches Englisch-Niveau erreichen, geben wir Millionen von Steuergeldern aus, und wenn man bedenkt, wieviel Unterrichtszeit dafür investiert wird, welche für Grundlagenfächer wie Deutsch und Mathematik fehlt, ist dieses Resultat mehr als peinlich! Die Meinung, den Kindern die Freude am Lernen mit Grammatik und Wörterlernen zu verderben, ist falsch. Im Gegenteil, die Kinder durchschauen den Humbug, sie fühlen sich nicht mehr ernst genommen und nehmen dadurch die Schule auch nicht mehr ernst. Die Kinder wollen gefordert und ernst genommen werden. Der kompetenzorientierte Unterricht nach Lehrplan 21 ist ein Schritt in die falsche Richtung.
Dr. med. Gabriella Hunziker,
Mühlrüti
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