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der Benennung der Stadt Athen, die ihren Namen wegen des aus der Erde wachsenden Ölbaums erhielt, sowie auch Ihericho die Stadt der Palmen genannt wird 2 Paralip. c. 28, (1. 2 Chron. 28, 15) weil dort Palmen im Überfluß wachsen. Auch andere ziemlich viele Orte haben ihren Namen von den aus der Erde hervorkommenden Gewächsen erhalten, z. B. das Kloster Wingarta von Weinbergen und Weinreben (pag. 8), das Kloster der Karthäuser bei Memmingen wird nach einem Buchsbaum Buchshaim genannt, und die Stadt Stockgarten (Stuttgart) hat ihren Namen von Stock und Garten, weil damals, als die Stadt erbaut werden sollte, daselbst viele dastehende Bäume abgestockt (abgestrunkt) wurden, und das Volk gab dem Ort den Namen.
Andere sagen, daß sie so genannt werde von Stuten, hierüber gibt es aber keine Entscheidung, ob sie nun von jenem oder von diesem den Namen hat. Es gibt noch ziemlich viele Namen von Städten und Dörfern, über deren vernünftigen Grund man keine Vermutung haben kann, und doch sind sie durchaus nicht ohne Grund beigelegt worden. Über diese Begründung der Namen wird ausführlich abgehandelt bei Isidorus (Etymolog. lib. 15 cap. 1 ganz durch), der nach den Namen im Allgemeinen dem Ursprung der Städte nachgeht. So glaube ich es auch bei unserem vorliegenden Fall machen zu müssen.
Ulma ist nämlich nicht ein barbarischer, sondern ein lateinischer Name, deklinierbar, allen bekannt und leicht zu übersetzen, einer Reichsstadt beigelegt, aus einem dem Namen unzweifelhaft entsprechenden Grunde; denn der Platz der Stadt Ulm ist von Natur uliginosa d. h. sumpfig und die ganze Örtlichkeit feucht und wasserreich, was man uliginosus oder ulinosus nennt, teils wegen des Zusammenflusses der Gewässer dreier Flüsse, teils auch wegen des sumpfigen oder wässerigen Bodens, aus dem ziemlich viele Quellen entspringen und worin überall munter fließende Gewässer sich finden, so daß der Boden an sich ohne die Stadt in seinem Namen von Natur den Namen der Stadt anzeigt, ob ich nun sage sumpfiger oder wasserreicher (uliginosus vel ulinosus) Boden, was sich beides findet.
Denn uligo (Sumpf) ist eine natürliche Feuchtigkeit der Erde, die sie niemals verläßt, sie grünend und fruchtbar macht, und so ist der Platz der Stadt Ulm. Durch diese sumpfige Beschaffenheit der Erde aber pflegen besonders in großer. Menge Bäume hervorzuwachsen, welche auf Lateinisch ulmi heißen, aber insgemein und auf deutsch Felben oder Erlen oder Alber *) genannt werden, und obgleich es verschiedene Arten von Bäumen sind, nämlich Felben und Erlen, haben sie doch vielleicht denselben Namen, was ich beides gefunden habe in deutschen Büchern. über die Stelle Jesaja 41, 19: «ich will in der Wüste geben Tannen, Ulmen und Buchsbaum» und ebenso fand ich's in Wörterbüchern. Und es hat dabei nichts zu bedeuten, ob das Wort nur eine, oder zwei oder alle drei Arten bezeichnet: denn auf dem Boden des Ulmer Platzes wachsen alle diese Arten von Bäumen reichlich, (pag. 9) nämlich Felben-Ulmen, Erlen-Ulmen und Alber-Ulmen, und vor der Gründung der Stadt war daselbst ohne Zweifel ein Wald von Ulmen und ein dichtes Ulmenholz und ein ergötzliches Ulma d. h. Ulmenwald. Sowie nun in einem Sumpf (uligo) heranwachsende Bäume Ulmen genannt werden und ein Ulmenwald ulmerium oder ulma, so wird eine im Sumpf zwischen Ulmen oder auf einem Ulmenplatz gegründete Stadt am passendsten Ulm genannt, weil sie einen Ulmenplatz einnimmt. Wer aber
*) Veesenmeyer sagt: «Felbe ist salix alba L., Erle alnus glutinosa Gärtn. und incana Dec., letztere bei Ulm an der Donau und Iller häufig; Alber ist populus alba L., allerdings recht verschiedene Bäume.» ¶
Ulm in einem Ulmenwald gegründet hat, können wir finden, wenn wir die abergläubischen Vorstellungen der Alten und andererseits ihre Taten uns in Erinnerung bringen. Die Geschichte der Alten erzählt nämlich, die Amazonen, sehr tapfere aus unserem Böhmen stammende Frauen, haben, als sie unter zornmütiger Führung Asien und nicht den kleinsten Teil von Europa unterworfen hatten, die Gewohnheit ihres verfluchten Aberglaubens gehabt, daß sie an sumpfigen Plätzen zwischen Ulmen und auf Ulmen die Tempel der pfeiltragenden Diana erbauten, in denen sie ihren Gottesdienst nach heidnischem Gebrauch auszuüben pflegten, und sie glaubten, nirgends anders als an sumpfigen Plätzen zwischen Ulmen und in Ulmenhainen können sie die Diana sich versöhnen, von der sie annahmen, daß sie den Mondwagen lenke und überhaupt die Mutter der Gewässer und die Erzeugerin des Kalten und des Feuchten sei, und darum sei auch in sumpfigen Gegenden, nach der Geheimlehre der Mythologie, ihre Verehrung besonders groß.
Während sie aber in Kleinasien herrschten, sanden sie an einer Stelle am Meeresufer einen Ulmenhain, in welchem sie über einem Ulmenstamm zum Staunen und zur Bewunderung für alle Völker und Jahrhunderte einen Tempel von wunderbarer Kunst errichteten, und in der Umgebung desselben gründeten sie die große Stadt Ephesus, welche sie zugleich mit dem Tempel zu beständiger Verehrung der Diana weihten, und dieser blieb von da an bis zu den Zeiten der Apostel, wie aus act. 19 sich zeigt, diesem Dienst gewidmet über 2000 Jahre, denn so lange vor der Menschwerdung (Christi) begann die Herrschaft der Amazonen. Es war aber dieser Tempel der Diana so prächtig, daß, als der Perserkönig Xerxes alle asiatischen Tempel mit Feuer verbrennen ließ, er diesen allem verschonte;
aber nach einiger Zeit steckte Herostratus, um seinen Namen durch die Erinnerung an das Verbrechen auszubreiten, das edle Bauwerk in Brand, wie er selbst bekannte, aus Begierde, weiteren Ruhm zu erlangen, indem er etwas tue, wodurch das Andenken an ihn bei den Sterblichen fortdauere;
aber der Senat (sc. der ionischen Städte) gab den Befehl, daß niemand seinen Namen schriftlich überliefere;
aber man gehorchte durchaus nicht, denn bis auf unsere Zeit ist der Namen des tempelschänderischen Menschen gekommen, aber mit Schmach und Schande, gleichwie Neros und des Verräters Judas Namen niemals die Nachwelt verschweigen wird (pag. 10).
Aber an der Stelle des verbrannten Tempels erbauten sie einen anderen prächtigeren Tempel, zu dessen Zier die Anhängerinnen der Amazonen ihren Schmuck hergaben, und so wurde er sehr prächtig. Aber nicht nur in Asien führten die Amazonen die Verehrung der Diana ein, sondern an allen im Krieg besetzten Orten, daher gehen sie, nachdem sie Asien unterworfen, nach Europa und verwüsten die blühenden Länder Makedonien, Illyrien und Pannonien und von da kamen sie, nachdem sie in die Alpen eingedrungen, nach Schwaben und brachten die Stadt der Vindelicien jetzt Augsburg, in ihre Gewalt, wie die Chroniken dieser Stadt zeigen.
Als sie aber der Plünderung wegen die näheren Gegenden Schwabens durchstreifend an der Stelle, wo jetzt Ulm ist, einen Ulmenhain gefunden hatten, dachten sie, dieser Hain sei für ihren Aberglauben ganz geschickt und weihten ihn alsbald der Diana, indem sie den finsteren Wald einweihten, einen Tempel bauten und zum Priesterdienst Männer verschnitten, zu welchen sie nach der Weise der Verehrung der Diana noch Chöre von Jungfrauen fügten. Überdies besuchten sie die Heiligtümer der Nymphen sowohl bei der Vereinigung der Flüsse als andererseits bei den Höhlen und Verstecken der Quellen in diesem Ulmenwald und luden die gefangenen. ¶