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Geschichte des Wallfahrtsortes und der Klostergemeinschaft
Die Anfänge des Wallfahrtsorts Mariastein gehen zurück ins Ende des 14. Jahrhunderts. Nach der Legende soll ein Kind über den Felsen herunter gefallen und von der Gottesmutter Maria gerettet worden sein. Eine natürliche Höhle wurde zur Kapelle umgewandelt, die ein Priester betreute. Nach einem Brand übergab der Basler Bischof 1470 den verödeten Ort den Augustiner-Eremiten von Basel. Sie erbauten eine oberirdische Kapelle, die Siebenschmerzen-Kapelle.
1515 kaufte die Stadt Solothurn die Herrschaft Rotberg, wozu Mariastein gehörte, heute solothurnische Enklave Leimental. In den Reformationswirren wurde der heilige Ort verwüstet. Doch wurde 1534 die Wallfahrt wieder erneuert und von Weltpriestern besorgt. 1636 übernahmen die Mönche des Benediktinerklosters Beinwil, das um 1100 gegründet worden war, die Wallfahrtsbetreuung und verlegten 1648 ihr Kloster nach Mariastein. Sie bauten die grosse Klosterkirche. Die Wallfahrt erlebte daraufhin eine Blütezeit. Kloster, Wallfahrt und Klosterschule fanden 1798 ein abruptes Ende durch die französische Besetzung.
1802 konnten die Mönche ihr verwüstetes Kloster wieder in Besitz nehmen. Wallfahrt und Schule wurden wieder eröffnet. Durch den unseligen Kulturkampf wurde das Kloster 1874 aufgehoben. Die meisten Mönche wurden ausgewiesen. Einige Mönche durften aber weiterhin zur Betreuung der Wallfahrt in Mariastein verbleiben. Die anderen fanden 1875 im französischen Städtchen Delle eine neue Heimat. Durch den französischen Kulturkampf mussten sie 1901 die dortige neue klösterliche Niederlassung wieder aufgeben.
Nach langem Suchen konnten die Mariasteiner Mönche 1906 in Bregenz am Bodensee ein neues Kloster begründen, das St. Gallusstift. Gleichzeitig übernahmen sie (bis 1981) die Leitung des neu begründeten Kollegiums mit Gymnasium und Internat in Altdorf UR. 1941 wurde das St. Gallusstift durch die Nazis liquidiert und die Schweizer Mönche ausgewiesen. Die Solothurner Regierung erlaubte den Vertriebenen im alten Kloster Mariastein Asyl zu nehmen. Nach dem Krieg suchte man eine juristische Lösung trotz Klosterverbot der Bundesverfassung der hier lebenden Klostergemeinschaft die staatsrechtliche Anerkennung wieder zu geben. Dies erfolge durch eine kantonale Volksabstimmung 1970. Seit 1971 ist das Kloster öffentlich-rechtlich wieder anerkannt. In den folgenden Jahren wurde die ganze Klosteranlage einer baulichen Sanierung und Erneuerung unterzogen.
Die Klosteranlage
Die Mariasteiner Klosteranlage konnte nicht nach einem Grundkonzept verwirklicht werden. Sie entstand allmählich je nach Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten. Als die Beinwiler Mönche nach Mariastein kamen, bestanden schon vorklösterliche Bauten. Als Erstes erstellten sie den Konventstock als klösterlichen Wohnraum. Rechtwinklig dazu wurde 1648-1655 die grosse geostete Klosterkirche nach damaligem Empfinden noch in spätgotischem Stil errichtet. Andere Gebäulichkeiten kamen hinzu, sodass schlussendlich ein Klostergeviert entstand, das kreuzgangartig den Klostergarten umgibt. Nach 1700 entstand über der Gnadenkapelle unter Einbezug vorklösterlicher Bauteile die so genannte Alte Abtei. Daneben wurden Gebäude errichtet, die aktuellen Bedürfnissen entsprangen: Schulhaus, Remise, Schmiede, Waschhaus. Durch die Zunahme der Wallfahrt wurde schon im 17. Jahrhundert der Bau eines Gasthauses nötig (Hotel Kurhaus Kreuz).
Die Klosterkirche erfuhr im Verlaufe der Jahre Erneuerungen und Stilanpassungen je nach Zeitgeschmack. Der letzte grosse Eingriff erfolgte um 1900 durch eine neubarocke Umgestaltung. Diese verblieb auch bei der Restaurierung im Jahre 2000. So zeigt sie sich heute als lichtfrohe, nicht überladene Wallfahrtskirche, angepasst an die Bedürfnisse der heutigen Liturgie.
Die Klosterkirche
Wer auf die Klosterkirche zugeht, durchschreitet zuerst den vom Künstler Ludwig Stocker gestalteten Vorplatz. Er ist beseitet von je sieben freistehenden Marmorsäulen, die links an die sieben Gaben des Heiligen Geistes und rechts an die sieben Schmerzen und sieben Freuden Mariens erinnern. Der Brunnen stellt, diagonal zu betrachten, die Verkündigung des Engels an Maria dar.
Die mächtige Turmfassade wurde 1834 vor die Kirche gestellt als Ersatz für die ursprünglichen Dachreitertürme über den Seitenkapellen. Die beiden Figuren stellen symbolisch die göttlichen Tugenden dar: Glaube (mit Kreuz), Hoffnung (mit Anker) und die Liebe (Dreieck mit dem Auge Gottes). Die alte barocke Kirchenpforte datiert von 1692.
Die dreischiffige Basilika ist durch fünf Arkaden unterteilt, getragen von vier Pfeilern. Die jetzige Ausmalung durch Lothar Albert fand erst nach der Neubarockisierung 1932/34 statt. Zwei Deckengemälde stellen die Legende von der Rettung des Kindes dar. Die Bilder an den Hochwänden zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Benedikt. Dazwischen stehen die heiligen Gründergestalten der Schweizer Benediktinerklöster. Die Kanzel mit den Apostelfiguren ist eine Stiftung des Abtes von Muri (1733). Die grosse Orgel mit 39 Registern wurde durch die Firma Metzler 1978 erstellt unter Verwendung des alten Prospektes aus dem 19. Jahrhundert. Die zwei Seitenaltäre (St. Ursula und St. Pantalus) bergen viele Reliquien, die aus dem Basler Münsterschatz stammen und 1834 nach Mariastein gelangten. Überhöht sind die beiden Altäre durch Reliefs mit der Darstellung der Übergabe des Rosenkranzes und des Skapuliers durch die Gottesmutter.
Durch das Chorgitter, - das Mittestück stammt aus dem Jahre 1695, die seitlichen Ergänzungen aus dem Jahre 1929, - blicken wir auf den mächtigen Hochaltar, gestiftet 1680 vom französischen König Ludwig XIV. Die grossen Bilder im Altar werden je nach Festzeit ausgewechselt. Das Chorgetäfer ist um 1750 zu datieren. Im einfachen Chorgestühl verrichten die Mönche das benediktinische Stundengebet. Zur Begleitung des Chorgebetes dient auch die kleine Chororgel (Orgelbau Steiner, 2000). Im Chor ist an den Spitzbogenfenstern und am Deckengewölbe die ursprüngliche spätgotische Bausweise der Kirche noch gut erkennbar.
Literatur: P. Lukas Schenker, Mariastein, Führer durch Wallfahrt und Kloster, 2014.
Der Hahn auf dem Kreuz auf der Turmfassade
In unseren Schweizer Gegenden weist ein Hahn auf dem Kirchturm sehr oft auf eine reformierte Kirche, ein Kreuz auf eine katholische Kirche. Warum hat die Klosterkirche Mariastein beides vereint? Wir wissen es nicht. Der drehbare Hahn funktioniert hier über dem feststehenden Kreuz als Windfahne. Der Hahn ist aber auch ein altchristliches Symbol: Der erste Hahnenschrei kündet das Ende der Nacht und den Anbruch des neuen Tages an und ruft zum morgendlichen Gotteslob auf. Der Hahnenschrei führte Petrus zur Einsicht und Reue über seine Verleugnung Jesu. So soll der Anblick des Hahns die Gläubigen zu Reue und zur Bitte um Vergebung führen.