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Ausbildung in Dillingen
Mit dem Namen Antonius Nikolaus Vetter wird er am 18. Februar 1697 in Kirchheim im Unterallgäu getauft. Der heute in Bayern liegende Marktort ist damals eine Herrschaft der Fugger. Bis zu seinem neunten Lebensjahr besucht der junge Antonius die Lateinschule in Babenhausen. Hier ist sein Vater Schulmeister. 1706 kann er in Augsburg das Gymnasium des Chorherrenstifts St. Georg besuchen. Im Juni 1712 kommt er an die Klosterschule der Prämonstratenser in Rot an der Rot, wo er am 11. Juli 1714 Profess unter dem Klosternamen Ignatius leistet. Einen Monat vorher leistet auch der zwei Jahre ältere Benedikt Stadelhofer aus Feldkirch das Gelübde.[1] Beide werden später wichtige Positionen im Kloster einnehmen und die Achtung aller Mitbrüder gewinnen. Der seit 1711 in Rot regierende Hermann Vogler[2] ermöglicht den beiden Fratres ein Studium an der Jesuitenuniversität Dillingen. Nach dem Erwerb des Doktors beider Rechte (Doctor juris utriusque) kehrt Ignatius nach Rot zurück, wo er am 29. März 1721 Primiz feiert.
Pfarrer in Steinbach und Grosskeller in Rot an der Rot
Die Ämter, die er nach der Rückkehr bekleidet, sind nur unzureichend erfasst. 1724 bis 1729 wird er als Pfarrhelfer in Steinbach erwähnt, wo Abt Hermann Vogler und der zu dieser Zeit amtierende Pfarrvikar Pater Hieronymus Richter für das Aufblühen der Wallfahrt sorgen. Er ist Zeuge oder Protokollant der ersten 40 stattfindenden Mirakel. Vor dieser Tätigkeit als Seelsorger dürfte ihn Abt Hermann aber, wie viele andere Paters nach ihrem Studienabschluss, als Lehrer am hauseigenen Gymnasium eingesetzt haben. 1730 bis 1738 ist er Grosskeller der Abtei. Er zählt damit zur Wirtschaftsverwaltung und ist verantwortlich für die Gesamtrechnung der Klosterwirtschaft, auch für die Finanzierung der Bauprojekte.
Abt in Rot an der Rot
Anfang 1739 wird Abt Hermann die Resignation gewährt. Sein Ansehen im Konvent ist derart gross, dass die 28 wahlberechtigten Konventualen Ignatius Vetter am 29. Januar 1739 als seinen Wunschkandidaten zum neuen Abt wählen. Er ist ihm in einigen Punkten, vor allem in der Verehrung von Mystikerinnen des Ordens der unbeschuhten Karmelitinnen und in den Frömmigkeitsübungen recht ähnlich. Auch ist er trotz grosser Strenge im Konvent beliebt und scheint, im Gegensatz zum Vorgänger, im Provinzialkapitel keine Feinde zu haben. Er muss sich allerdings auch nicht als Generalvikar der Zirkarie exponieren. Dieses Amt hat Abt Hermann dem Roggenburger Abt Kaspar Geisler verschafft. Abt Ignatius ist auch Literat. 10 veröffentlichte und 18 unveröffentlichte Schriften aus seiner Hand sind bekannt. Probleme während seiner Regierungszeit verursacht wieder einmal ein Krieg. Nach fast drei Jahrzehnten Ruhe verbündet sich 1741 der nach der Kaiserkrone strebende bayerische Kurfürst wieder mit Frankreich und tritt in den Krieg gegen Österreich ein. 1744 sind es französische Truppen, die in der Herrschaft Rot Winterquartiere beziehen und das nahe Vorderösterreich besetzen, sich aber bedeutend gesitteter benehmen als die Vorgänger von 1702.
Nach 16 Jahren Regierung stirbt Abt Ignatius Vetter am 13. Januar 1755 im Alter von 58 Jahren in Rot an der Rot.
Bauherr und Gestalter
Abt Hermann, der sich 1739 zurückzieht, hinterlässt dem neuen Abt Ignatius das laufende Bauvorhaben der Bruderschaftskirche St. Johann in Rot. Die Bauleitung des wahrscheinlich noch von Abt Hermann geplanten Neubaus führt Pater Benedikt Stadelhofer. Der Dillinger Studienkollege des Abtes Ignatius ist auch Vertrauter des resignierten Abtes. Die Anteile der drei Baukunst-Liebhaber an der Planung dieser Kirche sind deshalb unklar, das theologische Programm der Deckenfresken könnte noch von Alt-Abt Hermann stammen. Erst beim Neubau der Wallfahrtskirche Maria Steinbach ist der Anteil des Abtes Ignatius klarer zu fassen. Schon 1742 beginnt er die Planung, nun sicher mit Pater Benedikt, den er 1744 als Wallfahrtspräfekt und Grosskeller nach Maria Steinbach versetzt. 1749 bis 1758 führt Pater Benedikt den Neubau durch. Die Planung des Sakralbaus wird heute ihm zugeschrieben, Abt Ignatius ist sicher mitbeteiligt. Er ist Konzeptor der Ausstattung und des theologischen Programms. Auch die Auswahl und Beauftragung der Künstler ist ihm zu verdanken. Die Wallfahrtskirche Maria Steinbach ist daher das gemeinsame Werk von Abt Ignatius Vetter und Pater Benedikt Stadelhofer.

Wappen
An seinem Hauptwerk Maria Steinbach ist erstaunlicherweise kein Wappen des Abtes Ignatius zu finden. In der Bruderschaftskirche St. Johann ist es geschnitzt auf der vordersten Bankwange mit der Jahreszahl 1740 vorhanden. Der quadrierte Schild des Abtes enthält zwei persönliche Wappen, in Feld 1 einen Pelikan mit seinen Jungen und in Feld 4 fünf 2:1:2 gestellte sechsstrahlige Sterne. In Feld 2 und 3 sind die beiden Wappen der Abtei, der Vogel Greif und der Verenafisch mit dem Ring im Maul gelegt. Zu den beiden Wappen siehe den Beitrag in der Baugeschichte von Rot an der Rot dieser Webseite.

Pius Bieri 2019

Literatur:
Goovaerts, Fr. Léon OPraem: Ecrivains, artistes et savants de l'ordre de Prémontré. Bruxelles 1899.
|Tüchle, Hermann und Schahl, Adolf: 850 Jahre Rot an der Rot. Sigmaringen 1976.|
|Rummel, Paul: Die Beziehungen der Abtei Marchtal und der anderen oberschwäbischen Prämonstratenserstifte zur Universität Dillingen, in: Marchtal, Festschrift. Ulm 1992.|
|Wolf, Fabian: Maria Steinbach, Studien zum Bildprogramm einer spätbarocken Wallfahrtskirche. Magisterarbeit Freiburg im Breisgau 2008.|
Anmerkungen:
[1] Benedikt Stadelhofer (1694–1760) aus Feldkirch. Schulen in Feldkirch und Weingarten. 1714 Profess in Rot, dann Studium in Dillingen. Vermutlich Bauleiter der Bruderschaftskirche, sicher aber Planer und Bauleiter der Wallfahrtskirche Maria Steinbach. 1758–1760 Abt in Rot. Er ist Onkel des bekannten gleichnamigen Chronisten und Literaten im Kloster Rot, Benedikt Stadelhofer (1742–1802), mit dem er verwechselt werden kann. Mehr siehe in der Biografie in dieser Webseite.
[2] Hermann Vogler (1680–1749) aus Oberstdorf im Oberallgäu. Abt in Rot 1711–1739. Sein Taufname ist Joseph. Profess in Rot 1697. Studium in Dillingen. Primiz 1704. Professor für Philosophie, Theologie und der Rechte in Rot. Wie sein Vorgänger ist Hermann Vogler vor seiner Wahl Pfarrer in Haisterkirch, und wie seine drei Vorgänger wird er relativ jung gewählt. Auch das Generalvikariat kommt mit ihm 1721 wieder nach Rot. Als Generalvikar der Zirkarie Schwaben wird er zum gefürchteten Visitator und will einige verdiente, aber zu wenig zelotische Äbte (Ströbele Schussenried, Schwaninger Roggenburg) zur Resignation zwingen. Nur in Schussenried erreicht er sein Ziel. Ausserhalb dieser sektiererisch anmutenden Visitatoren-Tätigkeit ist er ein typischer Barockprälat, Reliquiensammler und Förderer von Wallfahrten. Im Maria Steinbach eröffnet er 1723 mit einem geschenkten Kreuzpartikel die berühmte Wallfahrt. Mehr zu Hermann Vogler siehe in der Biografie in dieser Webseite.
Maria Steinbach, Deckenbild der Vorgängerkirche
Abt Ignatius Vetter ist Konzeptor der Innenraumgestaltung in Maria Steinbach. Im zentralen Teil des Deckengemäldes im Langhaus ist die von Engel getragene Vorgängerkirche sehr genau dargestellt. Auf dem Spruchband darunter ist «Vidi aquam egredientem a latere dextro» zu lesen. Der Text aus der Tempelvision in Ezechiel 47.1 bezieht sich auf die Quelle, die aus dem Felsen unter der Kirche hervorschiesst. Er lautet: «Und er führte mich zurück zum Eingang des Hauses; und siehe, Wasser floss unter der Schwelle des Hauses hervor nach Osten, denn die Vorderseite des Hauses war nach Osten gerichtet; und das Wasser floss untenherab an der rechten Seite des Hauses, südlich vom Altar».
Foto: Bieri 2016.
|Geburtsdatum||Geburtsort|
|18. Februar 1697||Kirchheim Unterallgäu D|
|Titel und Stellung|
|Abt OPraem in Rot an der Rot|
|Sterbedatum||Sterbeort|
|13. Januar 1755||Rot an der Rot, Baden-Württemberg D|
|Land 18. Jahrhundert|
|Herrschaft Fugger|
|Regierungszeit|
|1739–1755|
|Land 18. Jahrhundert|
|Reichsherrschaft Rot|