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Abstinenz hilft gegen Vorhofflimmern
Ohne Alkohol im Rhythmus
Wer unter Vorhofflimmern leidet, sollte auf Alkohol verzichten – am besten komplett. Das verringert die Gefahr für ein Wiederauftreten der Rhythmusstörung. Aber wer macht da mit?
Schränken Patienten mit Vorhofflimmern ihren Alkoholkonsum drastisch ein, bleiben sie eher vor erneuten Symptomen verschont als Patienten, die das nicht tun. Das berichten der Kardiologe Dr. Aleksandr Voskoboinik vom Alfred Hospital in Melbourne und seine Kollegen.
Sie hatten 140 Erwachsene rekrutiert, die mindestens zehn alkoholische Standardgetränke wöchentlich konsumierten und unter vorübergehendem oder dauerhaftem Vorhofflimmern litten. Die eine Hälfte liessen sie ein halbes Jahr so weit wie möglich Alkoholverzicht üben (was sechs von zehn Patienten gelang), die anderen durften als Kontrollgruppe weiter wie gewohnt trinken.
Anhand regelmässiger Rhythmusaufzeichnungen diagnostizierten die Autoren bis sechs Monate nach Studienbeginn bei etwa der Hälfte der abstinenten Teilnehmer erneutes Vorhofflimmern. In der Kontrollgruppe war dies bei nahezu drei Vierteln der Probanden der Fall.
Symptomatische Zeit mehr als halbiert
Auch verging mehr Zeit bis zur Wiederkehr der Symptome, und die Patienten verbrachten durchschnittlich 0,5 % ihrer Tage mit Beschwerden, im Gegensatz zu etwa 1,2 % bei den Kontrollteilnehmern. Personen, die Alkohol tranken, hatten ein höheres Risiko für Vorhofflimmern als diejenigen, die komplett darauf verzichteten. Bei ein bis neun Drinks pro Woche lag es doppelt so hoch, ab zehn Getränken 2,3-mal so hoch.
Das zeige, schreibt Professor Dr. Anne M. Gillis vom Libin Cardiovascular Institute of Alberta in Calgary, dass Alkohol ein wichtiger und veränderbarer Faktor in der Therapie des Vorhofflimmerns sei. Allerdings waren etliche Probanden schlicht nicht bereit, sich noch länger einzuschränken – weshalb die Studiendauer von zwölf auf sechs Monate verkürzt wurde. Für viele Patienten mit Vorhofflimmern, so die ernüchternde Erkenntnis, scheint Abstinenz ein Ziel zu sein, das nur schwer zu erreichen ist.
1. Voskoboinik A et al. N Engl J Med 2020; 382: 20–28.
2. Gillis AM. A.a.O. 83–84.