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Der Hartmannswillerkopf, heute zu Frankreich gehörend, war besonders zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein umstrittener, aber auch strategisch wichtiger Berg, welcher den unrühmlichen Namen «Menschenfresser» erhielt.
Grundsätzlich ist über den 1. Weltkrieg (1914-1918) weniger bekannt, als über den 2. Weltkrieg (1939-1945). Die Mechanisierung der einzelnen Truppen im 1. Weltkrieg war noch nicht soweit fortgeschritten, wie beim 2. Weltkrieg und auch Flugzeuge gab es damals nicht. Gasangriffe und ermündender Stellungskrieg, aber auch blutige Schlachten waren an der Tagesordnung. Diese FotoEpoche bringt einen kleinen Teil des 1. Weltkriegs zum Vorschein.
Mit dem Auto fuhren wir via Basel in Richtung Elsass. Schnell sah man den Hartmannswillerkopf. Unscheinbar, prächtig und unschuldig steht der Berg auch 100 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkrieges da. Durch die französische Ortschaft Cernay gelangen wir auf den 957 Meter hohen Berg. Nichts erinnert anfänglich daran, was sich vor genau 100 Jahren an jenem Berg in den Südvogesen im heute französischen Elsass ereignet hatte und trotzdem - es ist still, die Menschen flüstern und der Natur sieht man die schrecklichen Momente zwischen 1914 und 1918 an - die Bäume wachsen nur spärlich und das Gras ist sehr dünn.
Soldatenfriedhof
Begonnen hatte der Kampf um den Gipfel am 31. Dezember 1914. In den Schanzenkämpfen am Hartmannswillerkopf fanden 30'000 französische und deutsche Soldaten den Tod. Etwa doppelt so viele wurden verletzt. Sie führten jedoch für keine Seite zu einem Ergebnis und steht heute deutlich für die Sinnlosigkeit des Krieges. Die gefallenen Soldaten waren ein Umstand, welcher die Bergkuppe als «Menschenfresser» oder «Berg des Todes» einbrachten.
Grenze: Frankreich vs. Deutschland
In den vier Kriegsjahren von 1914 bis 1918 wechselte der Hartmannswillerkopf insgesamt vier Mal den Besitzer. Zwischen den Linien existierte dabei oftmals ein Niemandsland von weniger als 50 Metern. Ab etwa Mitte 1916 reduzierten beide Seiten ihre Truppe, intensivere Kämpfe fanden in nördlicheren Frontabschnitten statt. Ab 1916 fanden im wesentlichen nur noch Artillerieduelle statt. Beide Seiten beschränkten sich darauf, ihre Linien zu halten.
« Der Tag bricht an. Der Anblick ist schrecklich. Der zementierte Graben, dessen Überreste wir besetzt halten, ist angefüllt mit einem Durcheinander an Balken und Leichen. Ich bin besiegt und bin am Boden des Abgrunds wo so viele Männer verzweifelt ihre Angst und ihre Schmerzen hinaus geschrien haben. Die Wahrnehmung meiner Einsamkeit auf diesem blutigen, mit Leichen bedeckten Felsen erfüllt mich einen Augenblick lang mit unendlicher Hoffnungslosigkeit. »
André Maillet, Literaturprofessor im Zivilleben und Gefreiter des 23. französischen Infanterieregiment, Dezember 1915.
Chevassus-Stellung
Im Chevassus-Unterstand konnte man ein Maschinengewehr in Stellung bringen, welches auf die deutschen Stellungen im «Zuckerbrot-Bereich» ausgerichtet war. Die Stellung bestand aus einem Schiessstand mit einer Munitionsnische und im hinteren Bereich mit einem Schutzraum für den Maschinengewehrschützen. Benannt ist der Unterstand nach dem französischen Unterleutnant Faustin Georges Chevassus à l'Antoine, welcher aus dem französischen Jura stammte. Er fiel am 21. Dezember 1915 bei einem französischen Angriff auf die Nordflanke des Hartmannwillerkopf.
Vorderste deutsche Linie
Der Johann Albrecht Graben ist ein ehemaliger französischer Graben, der im September 1915 von den Deutschen eingenommen wurde. In Gegenrichtung bildet er seitdem die erste deutsche Linie, die den Zugang zur Cuisse gauche oder Ziegelrücken verteidigte. Er ist verbunden mit dem Dortmunder Graben, auch ein ehemals französischer Graben.
Relikte - über 100 Jahre alt
Die vier Kriegsjahre hinterliessen bis heute sichtbare Spuren und Relikte am Hartmannswillerkopf. Ursprünglich bewaldet, zeigt sich die Bergkuppe mehrheitlich grün überwachsen und mit eher spärlichem Baumwuchs. Von den erstarrten Stellungskrieg zeugen heute noch ein gut erhaltenes System von ungefähr 6000 Stollen und Unterständen. Daneben etwa 90 Kilometer Schützengräben, Drahtverhauhe und Granattrichter.
Gedenksstätte und Krypta
Die Gedenksstätte beim Hartmannswilerkopf besteht aus dem französischen Nationalfriedhof «Nécropole national du Silberloch - Hartmannswillerkopf» und einer Krypta mit je einem katholischen, evangelischen und jüdischen Altar und wurde als eines der vier französischen Denkmäler nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 errichtet, sowie 1921 unter Denkmalsschutz gestellt.
Am 3. August 2014, dem 100. Jahrestag der Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich (1. Weltkrieg), trafen sich auf dem Hartmannswillerkopf der damalige deutsche Bundespräsident Joachim Gauck und der damalig französische Staatspräsident Françoise Holland. Am 10. November 2017 weihte der deutsche Bundesrpräsident Frank-Walter Steinmeier und Staatspräsident Emanuel Macron ein geminesames deutsch-französisches Museum zum Gedenken an die Gefechte ein.