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Ich steige in das obere Stockwerk der S-Bahn, suche mir einen Platz in einem Viererabteil. Mir gegenüber sitzt eine Frau in meinem Alter, also nicht mehr jung. Ein ordentliches Grüezi geht hin und her.
In das leere Viererabteil nebenan kommt ein Teenager. Der Bund seiner Hose hängt zu tief, den Schirm der Baseballmütze hat er im Nacken. Er fläzt sich in den Sitz, das Smartphone hat er in der Hand, wie soll es anders sein. Er hat diesen Blick, der sagt: Ihr könnt mich alle mal am…
Der Junge rutscht tiefer in den Sitz, die Frau und ich wechseln für einen Moment einen bedeutungsvollen Blick. Fehlt nur noch, dass er die Schuhe auf den gegenüberliegenden Sitz schiebt. Vielleicht merkt er, dass wir zu ihm hinüberschauen, jedenfalls bleiben die Füße auf dem Boden.
Er stiert auf seinen Handybildschirm, die Frau mir gegenüber schüttelt leicht den Kopf, die Augenbrauen nach oben gezogen. Wir verstehen uns.
Nebenan erklingt ein unverwechselbares «Pling». Der Teenie hat eine Whatsapp-Nachricht erhalten. Er macht eine Wischbewegung, er liest kurz, richtet sich auf, strahlt, sein Gesicht leuchtet. In diesem Moment ist er ein großer, freundlicher Junge, die Fassade des abweisenden, weil unsicheren Teenagers ist weg. Den Jungen dort drüben findet man sympathisch.
Ich schäme mich. Ich habe doch auch einen Jungen, der oft abweisend schaut und meiner Meinung nach ein herzensguter Kerl ist. Wir haben ihn mit Benimmregeln gefüttert, aber wenn man unsicher ist, will nicht alles gelingen.
Der Junge auf der anderen Seite ist einfach das Kind anderer Eltern, die genauso wie wir hoffen, dass man Verständnis für ihr Kind hat, die sich darum sorgen, dass ihr Kind gut heimkommt und dass es seinen Weg macht.