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Biosphärenreservat Beresina
Das Biosphärenreservat Beresina ist ein hauptsächlich von Nadelwäldern bedecktes Gebiet, das sich mit Niedermooren und Flussniederungen abwechselt. Das Reservat mit einer Gesamtfläche von 85.200 Hektar befindet sich circa 100 km nordöstlich von Minsk. Unberührte Wälder und ausgedehnte Niedermoore kennzeichnen das Reservat. Die Gesamtfläche der Moore beträgt 50.700 Hektar, es ist so eines der größten zusammenhängenden Moorgebiete Europas. Das Moorgebiet kann eine große Menge an Kohlenstoffdioxid aus der Luft binden und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Dank seiner biologischen Vielfalt hat das Biosphärenreservat eine über Belarus hinausgehende Bedeutung. Vor Ort gibt es vier beherrschende Ökosysteme: dichte Wälder, tiefe Sümpfe, wasserreiche Seen und weite Wildwiesen. Vorherrschend ist Wald, dieser nimmt circa 89% der Gesamtfläche ein. Von besonderer Bedeutung sind die ursprünglichen Vegetationsformationen der Kiefern-, Schwarzerlen- und Moorbirkenwälder, die sich inmitten der weitläufigen Sumpfgebiete befinden.
Zum Wassersystem des Biosphärenreservats gehört der Fluss Beresina (belarussisch: Bjaresina), etliche kleinere Flüsse, Bäche, und Verbindungskanäle sowie alte Flussbette und zahlreiche Seen.
Das Biosphärenreservat liegt auf den Flussbecken von Beresina und Essa, die entsprechend zum Becken des Schwarzen Meers und der Ostsee gehören. Die Wasserscheide zwischen ihnen liegt im nordöstlichen Teil des Reservats. Der Fluss Beresina entspringt 45 km weiter am nördlichen Rand des Reservates. Der Fluss durchläuft das Reservat in einer Länge von 110 km. Der Verlauf des Flusses ist sehr kurvenreich, an seinen Ufern liegen zahlreiche Altwasser und Seen. Dank ihres interessanten Laufs sind Kanutouren auf der Beresina sehr beliebt. Der größte Nebenfluss der Beresina ist der Sergutsch mit 35 km Länge. Die Flüsse sind sehr wasserreich, üblicherweise überschwemmt das Frühlingshochwasser im März Teile des Reservats und bleibt 20-40 Tage.
Die Seen des Reservats, die größtenteils miteinander verbunden sind, sind sehr nährstoffreich (eutroph). Der See namens Palik ist mit einer Fläche von 712 Hektar der größte See und wirkt wie eine Flussbettverbreiterung der Beresina an der südlichen Grenze des Reservats. Durch das Reservat verläuft außerdem ein Teil des künstlichen Wassersystems Beresinskaja, das die Flüsse Beresina und Düna verbindet. Das System spielt eine wichtige ausgleichende Rolle, indem es den Wasserstand konstant hält. Das Wassersystem wurde zwischen den Jahren 1797 und 1805 auf Befehl Pauls I. (1796-1801 Kaiser von Russland) als Teil des uralten Handelsweges von den Warägern zu den Griechen ausgebaut. Heutzutage hat der Fluss Beresina seine wirtschaftliche Bedeutung verloren, weil er für große Schiffe nicht mehr befahrbar ist. So ist er ganz sich selbst überlassen und bietet einer reichen Flora und Fauna Heimat.
Diese Ungestörtheit schuf die Grundlage von Flora und Fauna. So leben im Biosphärenreservat mittlerweile 230 Vogelarten, 56 von diesen stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Zu den seltensten Arten gehören die Rohrdommel (Botaurus stellaris) und der Wachtelkönig (Crex crex). Beide Arten sind akut vom Aussterben bedroht.
Die Flora des Biosphärenreservat besteht aus über 2000 bekannten Pflanzenarten, dies ist mehr als die Hälfte der gesamten Flora in Belarus. 37 Arten davon stehen auf der Roten Liste. An der Beresina wurden auch immer wieder neue Arten entdeckt, die drei zuletzt entdeckten Pflanzenarten sind das Zwerg-Ruhrkraut (Omalotheca supina), die Riesel-Segge (Carex paupercula) und der Sudeten-Blasenfarn (Cystopteris sudetica).
Die Fauna ist ebenfalls vielfältig und umfasst 56 Arten von Säugetieren, darunter der Wisent (Bison bonasus), der Braunbär (Ursus arctos), der Europäische Dachs (Meles meles), der Eurasische Luchs (Felis linx), die Teichfledermaus (Myotis dasycneme), der Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri), die Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii), und der Gartenschläfer (Eliomys quercinus). Alle diese befinden sich auf der Roten Liste bedrohter Tiere. Vom besonderen Interesse ist der Braunbär. Der Bestand in Belarus beträgt etwa 100-130 Einzeltiere. Im Biosphärenreservat lebt ein Drittel der belarussischen Population der Braunbären (circa 35 Tiere).
Für die Gründung eines artenreichen Biosphärenreservat waren die Voraussetzungen ursprünglich denkbar schlecht. In den Jahren des Ersten Weltkrieges und des Polnisch-Sowjetischen Krieges (1914-1921) wurden riesige Waldflächen vernichtet, dabei verringerte sich auch die Anzahl der Wildtiere. Elche, Hirsche, Rehe, Wildschweine, Bären, Otter und Marder waren schon fast ausgestorben. Biber hielt man schon für die ausgestorben bis Anfang der 20er Jahren der belarussische Zoologe Anatolij Fedjuschin am Oberstrom der Beresina eine Ansiedlung des europäischen Bibers entdeckte. Um diese und andere Tierarten zu schützen, wurde entschieden, dass Biosphärenreservat zu gründen. Auf diesem Territorium verbot man die Jagd, die Abholzung sowie das Ansiedeln und Einwirken des Menschen auf die Wälder und Sümpfe. Zu diesem Zwecke wurden sogar lokal ansässige Bewohner vom Territorium des Reservats umgesiedelt.
Allmählich fing man auch mit der wissenschaftlichen Forschungstätigkeit an. Es gelang nicht nur den Biber zu erhalten, sondern diesen auch in anderen Gebiete anzusiedeln. Wie in anderen belarussischen Nationalparks gibt es im Biosphärenreservat Beresina verschiedene Schutzzonen. Die absolut geschützte Zone beträgt 47,2% des Gesamtterritoriums. Dort ist jedwede menschliche Tätigkeit untersagt. Heute gehört das Biosphärenreservat Beresina zur UNESCO-Liste der Biosphärenreservate.
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