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Vor 100 Jahren schuf der Schweizer Topograph Xaver Imfeld ein Riesenrelief des Dreigestirns Eiger, Mönch und Jungfrau, und Carl Meili, Zeichenlehrer, gestaltete unter der Anleitung des Geologen Albert Heim ein großes Säntisrelief in höchster Perfektion. Zum ersten Mal konnten naturbegeisterte Menschen Berge in großem Maßstab, unabhängig von Wetter und Gefahren am Modell betrachten.
Einige Jahrzehnte später modellierte Eduard Imhof, Professor für Kartographie an der ETH, Zürich, seine beiden Meisterwerke, das Bietschhorn und die Windgälle, für die Landesausstellung 1939. In späten Lebensjahren fragte er in seinem Buch "Bildhauer der Berge", wann wohl ein neuer Imfeld oder Meili die Tradition des Schweizerischen Reliefbaus weiterführen werde. Motiviert durch jahrelange Kontakte mit Eduard Imhof, begann der Geograph Toni Mair größere und kleinere Reliefs zu fertigen. Die morphologischen und geologischen Kenntnisse eines Geographen, handwerkliches und künstlerisches Flair sind notwendige und entscheidende Voraussetzungen für eine solche Tätigkeit. In Anlehnung an die Vorbilder Meili und Imhof versuchte Toni Mair die strengen Qualitätsmaßstäbe der alten Meister zu erreichen. So entstanden in den letzten Jahrzehnten Reliefs, die in mehreren namhaften Museen des In- und Auslandes ihren ständigen Platz gefunden haben.
Der Begriff "Relief"
Relief kommt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie "erhoben". Schon vor Jahrtausenden versuchte der darstellende Mensch, Sehenswertes hervorzuheben. Berühmte Reliefdarstellungen schmücken zahlreiche antike Bauwerke, z.B. den Zeusaltar von Pergamon. Auch das Negativrelief ist uralt. Ägyptische Pharaonen ließen Kartuschen, sozusagen ihre Visitenkärtchen in Stein als Vertiefungen in die Tempelfassaden einmeißeln.
Was bezeichnen wir heute als Relief? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir den Begriff präzisieren. Im vorliegenden Fall handelt es sich um die plastische Darstellung von Landschaftsausschnitten, heute häufig entweder Relief oder Modell genannt. Eigentlich ist jedes Relief ein Modell, doch nicht jedes Modell ein Relief. Analog dazu können wir sagen: Jeder Reliefbauer ist ein Modellbauer, aber nicht jeder Modellbauer ein Reliefbauer. Ein Modellbauer, der für einen Architekten ein Modell des Bauplatzes erstellt, richtet sein ganzes Augenmerk auf die Gebäudeanlagen, Fassaden, Dächer etc. Das Gelände deutet er vielleicht mit Treppenstufen an. Für den Reliefbauer ist das Treppenstufenmodell erst der Embryo des endgültigen Werkes. Die Gestaltung der Landschaftsformen muss für ihn im Vordergrund stehen. Daher steht der Begriff Relief für die dreidimensionale Darstellung eines Landschaftsausschnittes, der in Maßstab, Oberflächenformen, Bemalung, inhaltlicher Information usw. der Natur entspricht. Die Genauigkeit der Darstellung und der Informationsgehalt hängen von der Größe des Maßstabs ab.