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Station 3: Bruggeplatz
Entwicklung im 19. Jahrhundert vor dem Hintergrund der Industrialisierung
Hier auf dem Bruggeplatz, da wo heute das Swisscom-Gebäude steht, stand früher das Türmli-Schulhaus mit einer Feuerglocke auf dem Dach, welche ebenfalls zur Unterstützung der Kirchenglocken bei einem Brand geläutet wurden.
Im 19. Jahrhundert erfährt die Feuerwehr, auch in Adliswil, auf allen Ebenen eine Professionalisierung. Gleichzeitig bringt die Industrialisierung und damit verbunden das Bevölkerungswachstum neue Herausforderungen mit sich. Dazu kommen Entwicklung auf übergeordneter, kantonaler Ebene. Am wichtigsten war 1808 die Einführung der Gebäudeversicherung, der sogenannten Brandassekuranz, was der heutigen GVZ Gebäudeversicherung des Kantons Zürich entspricht. Die Gebäudeversicherung bzw. der Umfang der Leistungen, waren damals nicht unumstritten. Es gab Stimmen, die meinten, die Leute würden sorgloser werden, wenn sie wissen, dass es im Brandfall ja eine Versicherung gibt.
Im Bereich der Ausrüstung hat Adliswil im Dezember 1861 eine zweite Spritze erhalten, und zwar jetzt eine Saugspritze, die das Wasser gleichzeitig einsaugen und ausstossen konnte. Finanziert hat sie Hans-Konrad Günthardt, ein Vorfahre von Regierungsrat Alois Günthardt, dem die Gemeinde dafür eine Dankesurkunde ausstellte. Dass Adliswil die Spritze genau damals, Ende 1861 anschaffte, war kein Zufall. Im Mai 1861 waren grosse Teile von Glarus durch einen Brand zerstört worden. Dieser Brand hat den Nachthimmel derart hell erleuchtet, dass man es bis an den Zürichsee sehen konnte, angeblich sogar bis ins Sihltal. Durch den Brand wurden 3000 Menschen obdachlos. Auch Adliswil hat damals Geld für den Wiederaufbau gespendet. Adliswiler brochen auf um sich an den Aufräumarbeiten zu beteiligen. 10 Jahre später, 1872, hatte Adliswil dann bereits 3 Spritzen, 2 grössere, vielleicht noch immer jene von 1738 und sicher die erwähnte von 1861. Eine mittelgrosse Spritze wurde 1893 angeschafft, jetzt von der Firma Schenk in Worblaufen im Kanton Bern, einem der damals grössten Anbieter von Feuerspritzen. Die damaligen Feuereimer wurden durch Schläuche aus Leder oder Hanf ersetzt.
Die Feuerwehr führte jährlich eine Hauptübung und Inspektion durch. Diese fand, auch an anderen Orten, traditionell jeweils am Montag nach der Chilbi statt. Allerdings war der Termin nicht ganz ideal, nicht immer waren alle nüchtern und rechtzeitig zur Übung erschienen. In Adliswil fanden die Inspektionen hier auf dem Bruggeplatz statt.
1895 wurde dann die Feuerwehrkommission gegründet, die es bis 1997 gab. Sie hatte Aufsichtsfunktionen und prüfte die Rapporte der Übungen und Brandfälle und bereitete die Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen vor.
Die Industrialisierung und die Fabrikindustrie brachten auch neue Gefahren mit sich. Waren früher wie erwähnt offenes Feuer in den Haushalten und Holz als Baumaterial die grössten Gefahren, kamen nun neue Energieträger wie Petroleum, Gas und dann Elektrizität auf. In der MSA, die 1862 den Betrieb aufnahm, gab es mehrfach Brände und Explosionen.
Das schlimmste Unglück aber ereignete sich an der Albisstrasse. Dort wo heute die UBS-Filiale steht, befand sich im 19. Jahrhundert ein Ladengeschäft des Konsumvereins der MSA, in dem es 1886 zu einer Gasexplosion kam, weil ein Küfer, ein brennendes Stück Schwefel auf den mit Sprit getränkten Boden warf. Mauern, Fenster und Türen des Gebäudes wurden herausgeschleudert. Bei der Explosion kamen 4 Personen ums Leben und zwei wurden schwer verletzt.
Den Endpunkt der Entwicklung im 19. Jahrhundert sehen wir in der ältesten bisher bekannten Feuerwehrverordnung von Adliswil von 1902. Diese regelt die Dienstpflicht für alle Männer zwischen 20 und 50 Jahren. Weiter verpflichtet sie die Männer an den Übungen teilzunehmen, Hilfeleistung bei Brandfällen und anderen Unglücksfällen in Adliswil und in den Gemeinden des Wahlkreises Thalwil. Die jährliche Rekrutierung findet immer im Frühjahr statt. Dispensationen von der Dienstpflicht gab es für den Gemeinderat (heute Stadtrat) sowie für, Post-, Telefon- Telegraph- sowie Eisenbahn-Angestellte, ebenso für Nachwächter. Auswärtsarbeitende welche damals in der Minderheit waren und Dienstuntaugliche mussten einer Ersatzpflicht nachkommen. In der Verordnung wurde noch geregelt wie sich die Feuerwehrkommission zusammensetzt. Zudem wurde die Leitung Feuerwehr durch „Oberfeuerwehrkommandant“, der durch Gemeinde auf 3 Jahre gewählt.
Ältester bekannter Feuerwehrkommandant von Adliswil ist Heinrich Günthardt, der Grossvater von Heiri Günthardt; er war von 1895 bis 1909 im Amt. Von 1909 bis mindestens 1925 Alfred Spinner, der Grossvater von Karl Spinner. Der Mannschaftsbestand der Feuerwehr Adliswil setzte sich aus dem Stab mit 10 Mann zusammen. Es gab 2 Einsatz - Züge mit 57 Mann, ein Rettung Korps mit 32 Mann, bei der Saugspritze waren 64 Mann zugeteilt, im Leitern Korps standen 22 Mann vor, die Wachmannschaft setzte sich aus 22 Mann zusammen, im Alarmkorps waren 10 Mann zugeteilt, mit diverse anderen Aufgaben wurden weitere 8 Mann beauftragt, total standen 240 Mann im Dienst der Feuerwehr. Der Feuerwehrkommandant entscheidet über Hilfe durch Nachbargemeinden. Er veranlasst eine vierteljährliche Kontrolle der Hydranten. Er besucht zudem kantonale Fachkurse. Bei Einsätzen ausserhalb der Gemeinde stellte er sicher, dass auf dem Brandplatze, die Pflicht der Mannschaft, durch Eifer und Fleiss die Ehre hiesiger Gemeinde zu wahren, nachgekommen wird. Vergütet wurden Einsätze mit 50 Rappen innerhalb der Gemeinde bzw. 1.50 Franken ausserhalb der Gemeinde. Jeder Angehöriger der Feuerwehr trug die alleinige Verantwortung für die persönliche Ausrüstung.
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