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Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat der tschadische Staat eine Reihe von Massnahmen ergriffen. Dazu gehören beispielsweise das Verbot von Zusammenkünften von mehr als 50 Personen, die Einschränkung der Mobilität in Grossstädten, die Schliessung von Non-Food-Läden und die Einführung einer Ausgangssperre in Ndjamena, die auf einige weitere Provinzen und die Gebiete um Hauptstadt herum ausgedehnt wurde.
Vor diesem angespannten Hintergrund hat SWISSAID Tschad nun ein neues Nothilfeprojekt lanciert. Es hat zum Ziel, die Hygienestandards in ländlichen Regionen zu verbessern. In einem Land, in dem 43% der Bevölkerung keinen Zugang zu Trinkwasser und nur 10% Zugang zu sanitären Einrichtungen haben, ist es sehr schwierig, sich gegen das Virus zu schützen. Dies gilt ganz besonders für die ländlichen Gebieten.
Das neue Projekt umfasst die Sensibilisierung und den Zugang zu Informationen über Hygienevorschriften, die Bereitstellung von Hygieneausrüstung sowie die Unterstützung bei der Beschaffung von Saatgut. Diese Nothilfemassnahmen werden in den Provinzen Guera, Logone Oriental und Mandoul umgesetzt. Insgesamt werden 125’328 Menschen durch das Projekt unterstützt, 54% davon sind Frauen.
Solidarität macht uns stark
Adamou Moussa Abba, Leiter des SWISSAID-Büros in Niger, blickt im Interview mit zwei Mitgliedern von SWISSAID Genève auf die turbulenten letzten Wochen zurück. Dabei spricht er über die Auswirkungen des Virus auf sein Land, die Bevölkerung und die Projekte von SWISSAID.
Nach dem Lockdown standen Wanderarbeiterinnen und Arbeitsmigranten in Indien innerhalb von wenigen Stunden mit nichts da. Ohne Geld, ohne Essen, ohne Unterkunft – und eine halbe Ewigkeit entfernt von ihren Familien. «Sie nahmen ihren Brotbeutel, machten sich auf den Weg, ohne die Route zu kennen, kamen so auch immer in die Nähe von Polizeikontrollposten. Bei Temperaturen um 43-44 Grad und Distanzen von 35-40 km pro Tag erscheinen sie wie Geister auf den Strassen, in der Hoffnung, eines Tages ihr Zuhause zu erreichen. Unter ihnen sind junge Männer und Frauen, einige mit Kindern.» Gagan Sethi, Mitglied des lokalen Beirates von SWISSAID in Indien, hat einen Text geschrieben, der unter die Haut geht. Hier auf counterview.org lesen (englisch).
Das Coronavirus hat viele unserer Projekte zu einem temporären Stopp gezwungen. Da viele der begünstigten Personen in ländlichen Gebieten wohnhaft sind, waren auch keine Besuche vor Ort mehr möglich.
Im Niger können wir unsere Tätigkeit nun teilweise wieder aufnehmen. Das Team erhielt die Genehmigung, aus der Hauptstadt Niamey auszureisen. Die Projektbesuche wurden diese Woche unter Berücksichtigung der Sicherheits- und Hygienemassnahmen wieder aufgenommen. SWISSAID Niger geht davon aus, dass sie die durch das Coronavirus verursachten Verzögerungen in ihren Projekten geringhalten können.
Präventionsbotschaften im Radio
Niger, 12.5 | Im Niger trägt das neue Nothilfeprojekt von SWISSAID und dem «Réseau des Journalistes pour l’Eau et l’Assainissement» (REJEA) bereits erste Früchte. Im ganzen Land werden Radiospots ausgestrahlt, um die Bevölkerung über Hygienevorschriften zu informieren, welche die weitere Ausbreitung der Pandemie eindämmen sollen.
Saatgut-Festival findet online statt
Ecuador, 7.5 | «Es ist an der Zeit, ökologische und gemeinschaftliche Regenerationspraktiken ins Leben zu integrieren und so zum Aufbau einer integrativeren, gesünderen und nachhaltigeren Gesellschaft beizutragen.»
So beginnt das Programm des diesjährigen «Festival Madre Semilla», dem Saatgut-Festival in Ecuador. Die Veranstaltung wird von SWISSAID unterstützt und findet jedes Jahr in Quito statt. Angesichts der aktuellen Pandemie wurde nun beschlossen, das Festival virtuell stattfinden zu lassen. Es wurde gestern eröffnet und dauert bis zum 20. Juni an. Das Festival besteht aus fünf virtuellen Kursen und 15 Online-Vorträgen, die alle kostenlos sind.
Wie haben sich unsere Vorfahren ernährt? Wie kocht man ohne Verschwendung von Nahrungsmitteln? Wie wird die Zukunft des Nahrungsmittelsystems durch ecuadorianische Gesetze geprägt? Diese Workshops sind nur einige Beispiele des diesjährigen Programms.
Mit der Coronavirus-Pandemie sind die Lebensmittelpreise in vielen Ländern des Südens in die Höhe geschnellt. In Indien wurden Gemeinschaften durch die Ausgangssperre beispielsweise dazu gezwungen, ihre Waren von Händlern zu kaufen. Die Preise waren so hoch, dass sich einige Familien überhaupt nichts leisten konnten.
Die SWISSAID-Partnerorganisation Sahaja Samrudha beschloss deshalb, Nahrungsmittel in grossen Mengen einzukaufen. Durch diese Massnahme konnten sie die Ware zu einem normalen Preis erwerben und an bedürftige Gemeinschaften weiterverkaufen. In der ersten Phase begannen drei Selbsthilfegruppen (SHGs) in drei Dörfern mit dem Verkauf von Waren wie Zucker, Zwiebeln, Hülsenfrüchten, Speiseöl und Gewürzen. Die Mitglieder der SHGs fahren jeweils mit einem Lieferwagen zu Lebensmittelgeschäften, um Ausrüstung und Lebensmittel zu Grosshandelspreisen einzukaufen.
Die Gruppen verkaufen nun bereits seit mehr als 15 Tagen Grundbedarfsgüter. In Teertha, einem der Dörfer, hat das lokale Regierungsbüro (Gram Panchayath) den SHGs nun auch Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.
Infolge der restriktiven Massnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus konnten die Gemüsebäuerinnen in Guinea-Bissau kein Gemüse verkaufen. Das Geld fehlt nun fürs Ernähren ihrer Familien. Darüber hinaus wird aufgrund der niedrigen Einkommen die Produktion der nächsten Gemüseanbausaison wesentlich erschwert. Schliesslich wird das Saatgut für die nächste Gemüseanbausaison jeweils mit dem Einkommen der vergangenen Periode finanziert.
SWISSAID Guinea-Bissau hat deshalb ein Nothilfeprojekt ins Leben gerufen, um die Frauen und ihre Familien am Stadtrand von Bissau zu unterstützen. Insgesamt handelt es sich um 629 Frauen, die in vier verschiedenen Verbänden im agroökologischen Gemüseanbau tätig sind. Um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, sind Sensibilisierungsmassnahmen, wie etwa die Verbreitung von Informationen über Hygiene- und Gesundheitsvorschriften geplant. Nahrungsmittelhilfe und ein erleichterter Marktzugang sind zusätzliche Eckpfeiler des Nothilfeprojekts.
Geronimo Gutierrez nimmt uns mit auf einen Rundgang durch seine agroökologischen Äcker auf rund 3’000 Metern über Meer. Seine Anbaufläche liegt in Daita, ein Dorf im Departement Boyaca, Kolumbien. Der durch ein SWISSAID-Projekt unterstützte Bauer zeigt auf, wie sich dank der Agroökologie, Saatgut sowie auch die Bewässerung seiner Kulturen verbessert und diversifiziert haben. Dies ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass diese Gebiete in der Vergangenheit als «unproduktiv» abgestempelt wurden. Man sagte, auf dieser Fläche seien nur noch der Anbau von Kartoffeln in Monokulturen und Tierhaltung möglich. Das hat sich nun geändert.
Eine verbesserte Ernährungssicherheit ist ein Schlüsselfaktor beim Erreichen von Widerstandsfähigkeit gegen Krisen wie etwa jene rund um das neue Coronavirus. In Krisenzeiten geht es deshalb den Bäuerinnen und Bauern in abgelegenen Dörfern oft besser als jenen Menschen, die in Städten leben. Dort werden Lebensmittel knapp und die Preise für Grundnahrungsmittel schnellen in die Höhe.
Manuel Risi, Journalist und Mitglied von SWISSAID Zürich, interviewt Sneha Giridhari, Gender-Verantwortliche im SWISSAID-Büro in Indien. Sie berichtet über die Folgen der Corona-Krise und die Herausforderungen für unsere Arbeit.
«1) Waschen Sie Ihre Hände häufig mit Wasser und Seife. 2) Bedecken Sie Mund und Nase beim Husten oder Niesen (mit dem Ellbogen oder mit einem Handtuch, das anschliessend in einen geeigneten Mülleimer entsorgt werden kann). 3) Vermeiden Sie engen Kontakt mit Personen, die Erkältungs- oder Grippesymptome haben. 4) Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Sie Fieber, Husten oder Atembeschwerden haben. Bringen Sie Personen mit diesen Symptomen zum nächstgelegenen Gesundheitszentrum.»
Diese Präventionsbotschaften über gute Hygiene- und Sanitärpraktiken wurden im Rahmen eines SWISSAID-Projekts in Niger erstellt und der Coronavirus-Krise angepasst. Da die ursprünglich geplanten Aktivitäten nicht mehr möglich waren, wurden die Mittel für Aktivitäten eingesetzt, die der weiteren Ausbreitung des Coronavirus entgegenwirken. Beispiele für zusätzlich getätigte Investitionen sind etwa die Bereitstellung von Sanitärsets und die Erstellung von Präventionsbotschaften. Diese Umdisponierung war nicht zuletzt auch deshalb notwendig, weil in den beiden SWISSAID-Interventionsregionen (Tillabéry und Dosso) Fälle von Covid-19-Infektionen festgestellt wurden.
Das Netzwerk der Journalisten für Wasser und Siedlungshygiene (Réseau des Journalistes pour l’Eau et l’Assainissement (REJEA)), ein langjähriger Partner von SWISSAID Niger, wird für die Verbreitung der Botschaften verantwortlich sein. Das überarbeitete und der Situation angepasste Projekt beginnt heute.