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Die Schweizer Filmwochenschau lief von 1940 bis 1975 im Vorprogramm aller Kinosäle der Schweiz. Die so entstandenen über 6000 dreisprachigen (Deutsch, Französisch und Italienisch) Filmreportagen halten wertvolle Momente des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Schweiz fest. Als staatliches Informationsmedium im Dienst der geistigen Landesverteidigung prägte die Schweizer Filmwochenschau das kollektive audiovisuelle Gedächtnis der Schweiz.
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Beschreibung
Eine erste private Schweizer Filmwochenschau bestand ab Sept. 1923. Sie wurde vom Lausanner Office cinématographique hergestellt. Wegen der starken ausländischen Konkurrenz musste die Produktion im März 1936 eingestellt werden. Vier Jahre später, im Kontext des Zweiten Weltkrieges und der Geistigen Landesverteidigung, entstand die offizielle Schweizer Filmwochenschau. Sie sollte ein Gegengewicht zur erdrückenden Präsenz nationalsozialistischer und faschistischer Nachrichten schaffen. Produktionsfirma war die Genfer Cinégram, wobei der Bund sich an den Kosten beteiligte. Die erste Ausgabe der unter militärischen Zensur gestellten Schweizer Filmwochenschau lief am 1.8.1940 in Bern. Bis Ende 1945 war die Aufführung im Vorprogramm in allen Kinos der Schweiz obligatorisch. Während fünf bis acht Minuten brachte die Filmwochenschau jede Woche mehrere Beiträge zu gesellschaftlichen, kulturellen, sportlichen und politischen Themen in den drei Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch in die Schweizer Kinos. Ausnahmsweise erschienen Sondernummern, die sich auf ein Thema konzentrierten. Vom Januar 1946 an war die Ausstrahlung nicht mehr obligatorisch, worauf die Westschweiz, und später auch die grossen Städte der Deutschschweiz ihr Abonnement nicht mehr erneuerten. Die Schweizer Filmwochenschau verlor stetig an Bedeutung, woran auch die Einführung eines Magazinformats im Jahre 1973 nichts mehr änderte. Die Konkurrenz durch das Fernsehen, die Gegnerschaft eines Teils der Schweizer Filmszene und fehlende Mittel veranlassten den Bundesrat Anfang 1975, die Finanzierung der Wochenschau zu beenden. Die 1651. und letzte Ausgabe lief am 27. März 1975 nur noch in wenigen Kinos.
Der Filmbestand der Schweizer Filmwochenschau (SFW) zeichnet sich durch eine grosse Heterogenität aus. Er ist auf mehrere Standorte verteilt, wo 35-mm-Nitrat- und Azetatelemente, Positive und Negative, analoge Originale und Duplikate sowie digitale Kopien archiviert sind. Bis zur Nummer 526 (23.5.1952) wurden die Wochenschauen auf Nitratfilm produziert und gezeigt, danach auf Zelluloseazetat.
Die Cinémathèque suisse sammelte und archivierte bereits vor 1975 Projektionskopien, darunter auch viele Nitratfilme (rund 500 deutschsprachige, 220 französischsprachige und ein Dutzend italienischsprachige Kopien). Bei Auflösung der SFW kamen aus dem Archiv der SFW weitere Teil-Bestände hinzu: Azetatkopien der franz. Version (Nr. 527-1651), Azetat-Negative der deutschsprachigen Version (Nr. 527-1651), der franz. und der ital. Version (Nr. 1500-1651). Zusätzlich Positivkopien, die während eines ersten Erhaltungsprojektes in den 1960er Jahren durch die Produktionsfirma Cinégram und die Chefredaktion der SFW hergestellt worden waren. Bei diesem Projekt waren Nitratnegative auf Positiv-Material mit feinem Korn kopiert worden, um möglichst viel Informationen des Negativs aufnehmen zu können. Aus finanziellen Gründen musste eine Auswahl getroffen werden: Rund zwei Drittel der deutschsprachigen Beiträge vorzugsweise zu politischen, sozialen und militärischen Themen wurden dupliziert. Es ist davon auszugehen, dass die Nitratnegative nach dem Kopiervorgang aus Sicherheitsgründen vernichtet wurden. Auf den schriftlichen Communiqués wurden die nicht berücksichtigten Sujet als «ELIMINE» gekennzeichnet. Einige der nicht kopierten und vernichteten Sujets überlebten allerdings in der CS und stehen deshalb heute auch zur Verfügung.
Nicht nur in der Cinémathèque, auch im Bundesarchiv in Bern wurden nach Ende der Nitrat-Ära (ab 1952) deutsch- und italienischsprachige Projektionskopien archiviert. In den 1980er Jahren übernahm die Cinémathèque die deutschsprachigen Kopien, die italienischsprachigen blieben in Bern. Das Bundesarchiv besitzt ausserdem die Akten, die nach Auflösung der SFW 1975 nach Bern gebracht wurden.
Ebenfalls in den 1980er Jahren (1985-1990) entstanden erste Videokopien. Eine Zusammenarbeit zwischen der Cinémathèque, dem Bundesarchiv und dem Armeefilmdienst ermöglichte die Herstellung von U-Matic-Kopien der deutschsprachigen Ausgabe. Zusätzlich erfassten Journalisten des Schweizer Fernsehens, die ihren Militärdienst beim Armeefilmdienst absolvierten, die einzelnen Beiträge der Filmwochenschau. Diese Informationen standen dem späteren Erhaltungsprojekten in Form einer einfachen Datenbank zur Verfügung.
1996 startet ein grosses Erhaltungs- und Zugangsprojekt, das mit Bundesmitteln aus Anlass des 150. Geburtstags des Bundesstaats realisiert werden konnte. Dabei wurden von den in der CS noch vorhandenen deutschsprachigen Nitrat-Positiv-Kopien, die nicht bereits in den 1960er Jahren kopiert worden waren, neue Filmnegative (dup-neg safety) hergestellt. Zusätzliche wurden die Tonspuren von rund 200 französischsprachigen Nitratpositiven der Jahre 1940-1945 auf neue Filmnegative kopiert. Schliesslich transferierte die CS die gesamte deutschsprachige Ausgabe per Telecinema in SD-Auflösung (Standard Definition) auf das professionelle Videoformat Digital Betacam. Da nicht alle deutschsprachigen Ausgaben vorhanden waren, wurden die Lücken durch franz. oder ital. Versionen gefüllt. Da ausserdem einige Nitratfilme der Jahre 1949-1952 bereits stark zersetzt waren und nicht mehr abgetastet werden konnten, wurde auf die U-Matic-Kassetten aus den 1980er Jahre, die im Bundesarchiv archiviert sind, zurückgegriffen. Die Cinémathèque suisse organisierte alle Kopierarbeiten. Das Bundesarchiv stellte die Digital Betacam Kassetten als Teil des Projektes «Politische Information» für die Nutzung im Lesesaal zur Verfügung.
2015 starteten Memoriav, die Cinémathèque suisse und das Schweizerische Bundesarchiv, ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Ziel, alle Ausgaben der Schweizer Filmwochenschau in allen drei Sprachversionen auf dem Online-Portal Memobase und dem Online-Zugang des Bundesarchivs.
Die Projektpartner sorgten dafür, dass alle noch vorhanden Filmbeiträge in streambare Videofiles im Format MP4/h.264 transferiert und die Metadaten für die Integration in Memobase aufbereitet wurden.
Die Videostreams stammen aus verschiedenen Quellen, was die z.T. sichtbaren Qualitätsunterschiede erklärt: Das Schweizer Fernsehen SRF, das Anfang der 2000er Jahre eine Kopie des deutschsprachigen Digital-Betacam-Bestands des Bundesarchivs übernommen und später in Files umgewandelt hatte, stellte dem Projekt die Videodateien zur Verfügung. Die Cinémathèque digitalisierte einerseits die Videokopien, die sie über die Jahre v.a. von französischsprachigen Ausgaben hergestellt hatte, andererseits scannte sie Nitrat- und Azetatkopien v.a. der französischsprachigen Version, von denen keine Videos vorhanden waren, neu. Da von den italienischsprachigen Ausgaben der Filmwochenschau fast keine Dateien oder Videos existieren, wurden die noch vorhandenen 35mm-Filme im Zentrum Elektronische Medien (ZEM) des VBS neu gescannt und ebenfalls in Dateien umgewandelt.
Bei fehlenden Sprachversionen wurden Untertitel hinzugefügt. Dies betrifft die meisten italienischsprachigen und Teile der französischsprachigen Wochenschauen der Nitrat-Ära (1940 bis 1952). Auch fehlenden Ausgaben oder Beiträge nach 1952 wurden untertitelt. In gewissen Fällen mussten Sprachversionen neu zusammengesetzt werden und enthalten nun Beiträge in der Originalsprache und andere mit Untertiteln. Die Untertitel sind eine Übersetzung des gesprochenen Textes und entsprechen nicht genau der ursprünglichen Sprachfassung. Diese kann im Begleittext des Communiqués nachgelesen werden.
Auch nach Abschluss des Projektes 2020/2021 ist damit zu rechnen, dass verloren geglaubte Sprachversionen entdeckt und später publiziert werden.
Alle MP4/h.264-Dateien und die digitalisierten Comuniqués, auf die Memobase und die Plattform des Bundearchivs zugreifen, liegen auf einem Streamingserver des Zentrums Elektronische Medien (ZEM) des VBS.
1651 Filmwochenschau-Ausgaben mit über 6000 Themenbeiträgen
Einige der insgesamt 1651 Ausgaben der Schweizer Filmwochenschau sind nicht in allen Sprachversionen überliefert. Die fehlenden Beiträge werden mit Untertiteln versehen und ebenfalls zugänglich gemacht. Die einzig vollständig verschwundene Ausgabe ist Nummer 9 vom 27.9.1940. Obwohl die Filmbilder fehlen, ist deren Inhalt auf Memobase dank des erhaltenen Communiqués nachvollziehbar.
Ausserdem fehlen bei einigen Ausgaben v.a. der 1940er Jahre einzelne Beiträge. In diesem Fall steht in den Metadaten der Vermerk: Beitrag fehlt im Film.
Die Erschliessungsmetadaten stammen von verschiedenen Quellen und wurden zu unterschiedlichen Zeiten erfasst.
Das Deutschschweizer Schweizer Fernsehens SRF stellte seine Erfassungen aus der eigenen Archivdatenbank FARO zur Verfügung. Übernommen wurden das Abstract (kurze Inhaltsbeschreibungen), die Sequenzbeschreibung (Bildbeschreibung), Orte, Personen und Schlagworte. Für die italienisch- und die französischsprachigen Metadaten wurden Orte, Schlagworte und Personen übersetzt und übernommen. Abstract und Sequenzbeschreibungen sind nur auf Deutsch vorhanden.
Zusätzlich stellt Memobase die eingescannten Communiqués mit den Begleittexten zur Verfügung. Sie enthalten eine kurze Inhaltsbeschreibung sowie die von den Sprechern gesprochenen Original-Kommentare in den drei Sprachen. Dank automatischer Texterkennung und anschliessender Korrektur können die Texte und die Scans der Communiqués in Memobase recherchiert und studiert werden.
Weitere Metadaten, z.B. zur Sprache (inkl. Untertitelsprache) oder zum Filmmaterial (Zellulosenitrat oder Zelluloseazetat) wurde von Memoriav hinzugefügt.
Die Communiqués sind die Hauptreferenz für die Ansetzung der Beitragstitel, die in vielen Fällen nicht mit den Titeln aus der SRF-Datenbank übereinstimmten. In einzelnen Fällen, in denen die Texte keinen eindeutigen Titel führen oder das Communiqué fehlt, wurde auf französische Titelliste des Gesamtbestandes zurückgegriffen oder der Titel einer der anderen Sprachversionen übersetzt.
In einzelnen Fällen ist die Unterscheidung zwischen Beitragstitel und Abstract nicht klar, weshalb für beide Felder der Inhalt übernommen wurde.
Wenn ganze Communiqués oder einzelne Teile davon fehlen, ist dies mit einem Platzhaltertext in eckigen Klammern vermerkt.
Schliesslich stimmt bei einigen Ausgaben die Beitrags-Reihenfolge in den Communiqués nicht mit derjenigen im Videostream überein. In diesem Fall wurde entweder die Reihenfolge in den Metadaten geändert oder die Abfolge wie in den Communiqués beibelassen und die Beitragszuordnung im Videostream so angepasst, dass Bilder und Texte zueinander passen. In beiden Fällen macht eine Bemerkung auf die Problematik aufmerksam.
Schweizerisches Bundesarchiv, Bern; Cinémathèque suisse, Lausanne
Die Nutzungsrechte können von den oben erwähnten Rechteinhabern vergeben werden.
Bezug der Beiträge als Dateien:
Cinémathèque Suisse (wahlweise vollständige Ausgaben, Beiträge oder Ausschnitte nach Wunsch):
Schweizerisches Bundesarchiv (vollständige Ausgaben):
Bei den Beschreibungen der SFW-Beiträge führt der Eintrag „Link“ unter „Zugang“ direkt zum entsprechenden Beitrag im Online-Zugang des Bundesarchivs.