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Grusswort von Urs Würgler
Sehr geehrte Damen und Herren,
Für die Universität Bern ist es eine Ehre, in diesem Frühjahr der erste Gastgeber der neu ins Leben gerufenen Schweizerischen Geschichtstage zu sein. Das reichhaltige Programm zum Thema “Zeiten des Umbruchs“ weckt hohe Erwartungen, und ich bin überzeugt, dass diese im Verlaufe der Tagung erfüllt werden. Die Organisatoren, das Historische Institut und unsere Universität, werden jedenfalls ihren Beitrag dazu leisten.
Die Geschichte ist für die Universität Bern ein bedeutendes Fach, nicht nur weil die Berner gerne und zuweilen etwas nostalgisch auf ihre eigene Geschichte zurückblicken und dazu wiederholt gewichtige Werke - auch im buchstäblichen Sinne des Wortes - verfasst haben. Auch von der grossen Zahl der Studierenden her spielt die die Geschichtswissenschaft in der Universität eine bedeutende Rolle. Deshalb hat sich die Universitätsleitung kürzlich auch für die Schaffung einer neuen Professur für Zeitgeschichte und für den Erhalt der bestehenden Professur für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte (WSU) eingesetzt.
Die Universität Bern blickt selber auf eine längere Geschichte zurück. Die erste Universität der Schweiz wurde 1460 in Basel gegründet. Mit der Reformation zog die bernische Obrigkeit 1528 nach und gründete zunächst eine aus drei Professuren bestehende “Hohe Schule“, die vorwiegend der Ausbildung von Theologen diente. Im Verlaufe des 17. Jahrhunderts wurden drei weitere Professuren geschaffen. Im achtzehnten Jahrhundert wurden die ersten Professuren für Mathematik und Jurisprudenz eingerichtet. Auf die Verpflichtung akademischer Grössen, die wie Albrecht von Haller alle anderen überstrahlt hätten, wurde jedoch verzichtet, weil dies der republikanischen Tradition des understatements und der Verpflichtung zur sparsamen Haushaltsführung widersprochen hätte. Zu beachten ist dabei, dass die Republik Bern damals zu den wohlhabendsten Staaten des europäischen Festlands gehörte.
Der Einmarsch der französischen Truppen in die Schweiz 1798 brachte der bernischen Hochschullandschaft einen Modernisierungsschub. Die “Hohe Schule“ wurde in eine Akademie mit vier Fakultäten, einer philosophischen, einer juristischen, einer medizinischen und einer theologischen, umgewandelt, ohne dass die bernische Obrigkeit ihre „Hohe Schule“ bei diesem Anlass als Universität bezeichnet hätte. Dies geschah erst 1834 mit unüblicher bernischer Dynamik, nachdem die Zürcher im Jahr zuvor ihre eigene Universität gegründet hatten.
In 19. Jahrhundert entwickelte sich die Universität Bern nach heutigen Gesichtspunkten gemächlich. 1885 überschritt die Zahl der Studierenden die Marke von 500. Dann sorgte der Zugang ausländischer Studierender für ein rascheres Anwachsen der Studentenzahlen. Um die Jahrhundertwende waren 1000 Studierende eingeschrieben, wobei russische Studentinnen ab 1868/1870 eine Bresche für das Frauenstudium schlugen.
Heute besteht die Universität Bern aus 8 Fakultäten mit insgesamt ca. 12'500 Studierenden, wobei 51% davon Frauen sind. Die Universität Bern ist eine „Volluniversität“ mit einem sehr reichhaltigen Studienangebot und einigen international auf höchstem Niveau etablierten Schwerpunktsbereichen wie etwa Klimawissenschaften, Biomedizinische Wissenschaften, Weltraumforschung, internationales Handelsrecht etc.. Sie ist eine klassische Stadtuniversität, welche gut in das politische, ökonomische und soziale Umfeld eingebettet ist und – auch aufgrund der geografischen Lage – den Studierenden exzellente Bedingungen bietet.
Die jüngste Geschichte der Universität Bern ist einerseits geprägt von Studienreformen – Stichwort Bologna – aber auch vom Bestreben, durch eine konsequente strategische Neupositionierung ein klareres Profil im Rahmen der Hochschule Schweiz zu gewinnen und unsere Wissenschaftler zu Höchstleistungen auf internationaler Ebene anzuspornen. Dies gilt auch und gerade für die Geschichtswissenschaft. Die ersten schweizerischen Geschichtstage bieten dafür eine geeignete Plattform. Es ist an der Zeit, dass nach der 121. Jahrestagung der American Historical Association und dem 46. Deutschen Historikertag endlich auch in der Schweiz ein Forum für die historische Debatte geschaffen wird, an welchem Fachhistoriker und Fachhistorikerinnen über neue Forschungsansätze diskutieren können und an welchem auch eine breitere Öffentlichkeit mehr darüber erfahren kann, was Geschichte heute bedeutet. In diesem Sinn freut es mich auch, dass die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte beschlossen hat, die ersten schweizerischen Geschichtstage an der Universität Bern durchzuführen, die auf Grund ihrer Lage und ihrer Tradition ein Bindeglied zwischen dem deutschen und dem französischen Landesteil bildet.
Prof. Dr. Urs Würgler
Rektor der Universität Bern