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Grenzerfahrungen. Die Magellanstrasse als europäischer Projektionsraum um 1600
Die frühen Reiseberichte über die Magellanstrasse entwerfen das Bild einer elenden, gottverlassenen Gegend am Ende der Welt, fern jeglicher Zivilisation. Ich möchte in meinem Beitrag zeigen, wie sehr es bei der Konstruktion und Besetzung des imaginären Raumes des "Fretum Magellanicum" um eine Arbeit an Definitionen und Positionierungen ging, die mit ganz realen Kämpfen um Einflusssphären ebenso zu tun hatten, wie mit dem Erschreiben einer Identität als künftiger Kolonialmacht, deren Berechtigung und Umsetzung allererst noch zu beweisen war, oder mit Grenzziehungsanstrengungen gegenüber dem Wilden und Anderen, das zugleich in die Menschheitsgeschichte integriert werden sollte und im Falle der betroffenen Feuerländer eine Langzeitwirkung bis ins 19. Jahrhundert und zu Darwin hatte. Die Magellanstrasse als spezifischer Diskursort, an dem intensiv an der Konstruktion der kolonialen Welten um 1600 mitgearbeitet wurde, hat - so meine These -als Ort europäischer Konkurrenz vor allem zwischen Spanien, England und den Niederlanden widersprüchliche Differenzen hervor gebracht.