Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/241416

<h2>SubmittedText<h2><p>Jährlich sterben weltweit etwa 700 000 Menschen aufgrund einer Infektion, welche aufgrund von antimikrobiellen Resistenzen (AMR) nicht mehr behandelt werden kann. Die Tendenz ist steigend: Bis 2050 könnte die Zahl auf 10 Millionen pro Jahr steigen.</p><p>Gemäss OECD Daten verursachen AMR in allen OECD-Staaten insgesamt jährlich mehr als 700 Millionen extra Tage im Spital. Diese angekündigte Krise stellt uns deshalb auch im Hinblick auf die zu erwartender Kostenentwicklung vor Herausforderungen. In seiner Antwort zu meiner Interpellation 21.4233 schrieb der Bundesrat, dass eine neue OECD-Studie eine Abschätzung der durch AMR in der Schweiz verursachten Gesundheitskosten enthalten könnte.</p><p>Mit der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) hat der Bundesrat wichtige Schritte unternommen. Überwachung und Prävention reichen jedoch nicht aus, um diese Herausforderung anzugehen. Die Pharmaindustrie hat sich aufgrund fehlender Anreize aus diesem Bereich zunehmend zurückgezogen. Wichtig wären sog. "Pull-Anreize", wie zum Beispiel Markteintrittsprämien, die unabhängig von der verkauften Menge gezahlt werden (neue Antibiotika sollen so wenig wie möglich eingesetzt werden!). Solche Pull-Anreizen sind in mehreren Ländern bereits Realität (u.a. in Form von Pilotprogrammen), (z.B. UK, Schweden oder USA).</p><p>In seiner Stellungnahme zum Postulat Heim 19.4291 hält der Bundesrat fest, dass er die Notwendigkeit finanzieller Anreize für neue Antibiotika anerkennt, aber dass nur ein international koordiniertes Vorgehen zu Lösungen führen kann.</p><p>Dennoch würde sich unser Land als Innovations- und Pharmastandort für eine führende Rolle besonders eignen.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Was ist der letzte Stand bezüglich Beteiligung der Schweiz an internationalen Projekten zu Pull-Anreizen? </p><p>2. Ist der Bundesrat bereit, dabei eine Führungsrolle zu übernehmen?</p><p>3. Ist der Bundesrat bereit, die Lancierung eines nationalen Pilotprojekts für Pull-Anreize in Betracht zu ziehen?</p><p>4. Ist inzwischen bekannt, ob die neue OECD-Studie (Abschätzung der durch AMR verursachten Gesundheitskosten) tatsächlich auch Daten über die Schweiz schildern wird und werden da auch indirekten Kosten (z.B. Produktivitätsverlust durch Arbeitsausfall) berücksichtigt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Schweiz unterstützt zwischenstaatlich koordinierte Ansätze zur Schaffung von Anreizen für die Forschung und Entwicklung (F&amp;E) neuer Antibiotika. Der Bundesrat ist überzeugt, dass die Probleme bei der Ausarbeitung von Push- und Pull-Anreizen global angegangen werden müssen. Deshalb engagiert sich die Schweiz in internationalen Foren und Partnerschaften, die sich mit dieser Thematik befassen.</p><p>Konkret beteiligt sich die Schweiz bereits an verschiedenen internationalen Programmen zur Entwicklung neuer Antibiotika. Sie leistet finanzielle Unterstützung für die Globale Antibiotika Forschungs- und Entwicklungs-Partnerschaft (Global Antibiotic Research and Development Partnership, GARDP) in Genf. Sie ist auch Mitglied des "Global Antimicrobial Resistance Research and Development Hub" in Berlin. Dieser arbeitet derzeit mit der WHO zusammen, um den Finanz- und Gesundheitsministern der G7-Staaten im Jahr 2022 eine aktualisierte Übersicht über die Fortschritte bei der Förderung der F&amp;E neuer Antibiotika vorzulegen. Darüber hinaus trägt die Schweiz im Rahmen der "Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance" (JPIAMR) zu einer umfassenden internationalen Förderung der F&amp;E im Bereich der Antibiotikaresistenzen bei. Die Schweiz verfolgt mit Interesse die Bestrebungen anderer Länder (z. B. Grossbritannien und Schweden), die neue Anreizmassnahmen für die Forschung testen.</p><p>2. Die Schweiz ist bereit, sich auf der Grundlage ihrer nationalen Erfahrungen weiterhin aktiv an den internationalen Foren und Partnerschaften zu beteiligen, die sich mit der koordinierten Einführung neuer Pull-Anreize befassen (siehe Antwort 1).</p><p>3. Wie bereits in der Beantwortung ähnlicher Vorstösse (Postulat Béglé 19.3860, Postulat Heim 19.4291, Motion Fiala 20.4529) dargelegt, kann das Problem der Antibiotikaresistenzen nicht nur durch neue Antibiotika gelöst werden. Zentral für die Eindämmung der Resistenzbildung sind Massnahmen, die den sachgemässen Antibiotikaeinsatz in der Human- und Tiermedizin sicherstellen, sowie die Verfügbarkeit insbesondere auch bestehender Antibiotika. Die im Rahmen der Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) lancierten Massnahmen zeigen hier bereits erste Erfolge.</p><p>Der Bundesrat erachtet die Durchführung eines nationalen Pilotprojektes, wie von der Interpellantin gefordert, zurzeit als nicht sinnvoll. Der Bundesrat ist jedoch bereit, die Erfahrungen anderer Länder, die diesbezüglich erste Schritte unternommen haben, weiterhin genau zu verfolgen. Mitte 2023 wird voraussichtlich die Zwischenevaluation der StAR vorliegen. In diesem Rahmen wird der Bundesrat überprüfen, inwieweit zusätzliche Massnahmen zum längerfristigen Erhalt der Wirksamkeit von Antibiotika notwendig sind und bei Bedarf entsprechende Anpassungen an der StAR vornehmen. Im Weiteren wird im Rahmen der Umsetzungsarbeiten des vom Bundesrat am 16. Februar 2022 verabschiedeten Berichtes des BAG zu Versorgungsengpässen mit Humanarzneimitteln in der Schweiz die Frage der Incentivierung der Herstellung und des Vertriebs von Humanarzneimitteln (inkl. Antibiotika) in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe vertieft geprüft werden.</p><p>4. Die OECD bestätigt, dass sie im Rahmen einer Studie Schätzungen der durch Antibiotikaresistenzen verursachten direkten und indirekten Kosten für die Schweiz vorzunehmen plant. Die Publikation wird für Ende 2022 erwartet.</p>  Antwort des Bundesrates.