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Mit dem Bass rund um die Welt
Nach über 20 Jahren in den USA ist Fredi Meli wieder in seine Heimat Glarus zurückgekehrt: mit seinem Kontrabass und einer neuen Aufgabe im Gepäck. Der Ennendaner ging damals nach Amerika, um seiner Leidenschaft für Musik nachzugehen.
Nach über 20 Jahren in den USA ist Fredi Meli wieder in seine Heimat Glarus zurückgekehrt: mit seinem Kontrabass und einer neuen Aufgabe im Gepäck. Der Ennendaner ging damals nach Amerika, um seiner Leidenschaft für Musik nachzugehen.
von Linda Hottinger
Es begann in Glarus. Vor 49 Jahren kam Fredi Meli im hiesigen Kantonsspital zur Welt. Aufgewachsen ist er im Nachbardorf Ennenda. Bei vielen Künstlern begannen die ersten kreativen Erfahrungen in den eigenen vier Wänden. So auch bei Fredi Meli. Die Musik ist in seiner Familie verankert. Sein Vater spielte in der Harmoniemusik Klarinette und Saxofon. Seine Brüder hörten die Musik von grossen Bands wie Pink Floyd und Santana, die er als Junge aufsog. Sein Grossvater beherrschte die Handorgel, sein Bruder spielte akustische Gitarre.
Aus dem Kindesalter entwachsen, traf er auf andere musikaffine Leute, die seine Begeisterung teilten. «Einen bestimmten Auslöser für die Musik gab es nicht, die Faszination dafür war einfach da», erklärt Meli lächelnd.
Fredi Meli hegte lange den Traum, in einer Band zu spielen. «Ich hörte Aufnahmen an und versuchte herauszufinden, was sie gespielt hatten», erzählt Fredi Meli. «Später nahm ich lokalen Unterricht und in Zürich Instrumentalunterricht in E-Bass. In St. Gallen studierte ich an der Jazzschule.» Die Hauptausbildung war dann am Berklee College of Music in Boston. Dass er die Musikrichtung Jazz studierte, war eher Zufall als Absicht. «Zuerst spielte ich Covers von Musikern wie den Beatles und Eric Clapton. Das machte mir grossen Spass. Später gelangte ich dann nebenbei zum Jazz», erklärt Meli. «Mich faszinierte der Improvisationsteil am Jazz. In einer Band gibt es immer ein Zusammenspiel, und im Jazz gibt es noch mehr Freiheiten und Interaktionen.»
Kulturelle Vielfalt
In Boston lernte er Kontrabass spielen. «Vom E-Bass zum Kontrabass ist es kein so grosser Gedankensprung. Die Technik ist jedoch unterschiedlich. Die Intonation muss man zuerst herausfinden, und die Spielposition ist ganz anders. Kontrabass hat einen speziellen Korpus, die Vibrationen gehen während dem Spiel auf den Körper über.» Kontrabass habe einen natürlichen Klang. Bei einem Auftritt mit der Band benötige er oft einen Verstärker.
Inspiriert von Artikeln in Fachzeitschriften und Gesprächen mit Berufskollegen, entschloss sich Fredi Meli, sein Studium in Boston abzuschliessen. «Das ergab sich einfach so», sagt er lachend. «Mir gefielen die vielen Vorteile, wie die Stadt, die neue Kultur und die Möglichkeit, Englisch zu lernen. Die Sprache kannte ich durch englische Songtexte schon ein wenig.» Boston habe ein europäisches Flair. «Der Hauptgrund war aber andere Leute zu treffen, welche die gleichen Interessen teilen wie ich», so Meli. Neben der Schule spielte er viel. An freien Abenden jammte er mit anderen Musikern. So sammelte er viele Erfahrungen.
Nach fünf Jahren zog er von Boston nach New York, wo er eine wichtige Entscheidung treffen musste. «Dort wollte ich nicht mehr bleiben. Ich liess mir die Option offen, entweder zurück in die Schweiz zu gehen oder nach New York zu ziehen.» Er entschied sich für New York, da die musikalische Vielfalt grösser war als in Boston. «Es ergab sich die Möglichkeit, bei Freunden in Brooklyn unterzukommen», sagt er. Am Big Apple mochte er die Multikulturalität, die immense Essensvielfalt und die verglichen zur Schweiz relativ günstigen Preise. «In New York kommen Stile und Menschen aus der ganzen Welt zusammen.»
Einmal um die Welt
Fredi Meli tourte mit namhaften Künstlern wie The Blacktails, The Josh Irving Quintett, der Jazz-Sängerin und Gitarristin KJ Denhert und vielen mehr. Das Leben auf Tour fasziniert ihn. «Man lernt immer neue Leute kennen. Das Zusammensein mit der Band sorgt dafür, dass man auch musikalisch immer mehr aufeinander abgestimmt ist.»
Er sei nie monatelang auf Tour gewesen, meist nur für etwa zwei Wochen. «Es ist an jedem Ort immer anders», erklärt Meli. Auf der Bühne zu stehen, mache ihm grossen Spass. «Am Anfang meiner Karriere war ich extrem nervös, aber das legte sich mit der Erfahrung. Trotzdem ist immer eine gewisse Spannung da.» Fredi Meli trat regelmässig im berühmten Jazzklub «Birdland» auf und durfte mehrfach im ausverkauften «Iridium Club» in New York City spielen. Seine Tourneen führten ihn durch die USA, Kanada, Asien und Europa.
Zurück zu den Wurzeln
Den Entscheid, wieder nach Glarus zurückzukehren, traf er nicht alleine. Sechs Monate lebte er in Manila auf den Philippinen, wo er ebenfalls Auftritte hatte. Die Shows dauerten teilweise bis in die Nacht hinein. «In Manila lernte ich meine jetzige Frau in einem Yogastudio kennen. Das war kurz vor meiner Rückkehr nach New York», sagt Meli. «Wir hatten drei Möglichkeiten: entweder auf den Philippinen oder in Amerika oder in der Schweiz zu leben. Wir entschieden uns, uns in der Mitte zu treffen». Nach so langer Zeit habe er Amerika genug erlebt. «Es war für uns beide ein neuer Schritt, nach 22 Jahren in die Schweiz zurückzukehren», so Meli, «aber für meine Frau der grössere. Für sie ist hier alles neu.»
Der Umzug war mit gewissen Umständen verbunden. «Nach 20 Jahren sammelt sich so einiges an», bilanziert Meli. Er habe alles verkauft und nur wenig mit nach Hause genommen. Es sei ein grosser Aufwand gewesen, alles loszuwerden.
Die Frage, wie immens der Kulturschock nach dieser Zeit war, bekommt Fredi Meli häufig zu hören. «Das werde ich oft gefragt», sagt er mit einem Schmunzeln. «Natürlich ist es logisch, aber ich fühlte mich immer wohl hier. Die Natur ist superschön, das vermisste ich in der Stadt.» In Glarus sei er oft mit dem Mountainbike unterwegs oder gehe wandern.
Mehr als nur Saiten zupfen
Auf die Frage, was die Musik für ihn bedeute, reagiert Meli nachdenklich. «Wenn ich spiele, tauche ich in eine andere Welt ein», sagt er versonnen. «Ich vergesse alles um mich herum. Alles ist eine Interaktion miteinander», sagt er. «Inspirieren lasse ich mich von Stilrichtungen mit dem gewissen Etwas.» Leuten, die ebenfalls Musik als Passion haben, rät Meli: «Viel üben! Als Musiker muss man immer dranbleiben und sich ein Repertoire an Stücken aufbauen.» Man brauche eine Inspiration, um weiterzumachen. «Es ist eine Balance zwischen üben und Spass an der Sache haben», fasst er zusammen.
«Musiker ist kein gewöhnlicher Beruf, bei dem man mit 65 pensioniert wird. Musik ist etwas, das mit einem mitkommt. So lange ich kann, werde ich Musik machen», stellt Meli klar. Als Musiker lebt man nicht immer auf grossem Fuss. «Es gibt einen ‘Business-Teil’ daran. Die Passion rückt deshalb in den Hintergrund. Es gibt beides», sagt Meli. Für den Business-Teil arbeitet er in der Glarner Musikschule, wo er E-Bass und Kontrabass in den verschiedensten Stilrichtungen unterrichtet.
Sobald er kann, bringt er Freunde für einen gemeinsamen Auftritt nach Glarus, mit denen er zusammen in den Staaten spielte. Geplant seien auch Auftritte auf den Philippinen.
Muss sagen ,finde diesen Glarner Bassplayer interessant .Könnte sogar sein das er mit meinem Sohn in die Schule gegangen ist in Ennenda.
W.Grämer Niederurnen