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Die nordanatolische Verwerfung trennt die eurasische und die anatolische tektonische Platte auf einer Länge von 1200 Kilometern zwischen der östlichen Türkei und der nördlichen Ägäis. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben Starkbeben mit Magnituden stärker als 7 dort mehr als 20 000 Tote gefordert. Der Bereich unterhalb des Marmara-Meeres südlich von Istanbul ist der einzige Bereich der gesamten Plattengrenze, der seit dem Beben von 1766, also seit mehr als 250 Jahren, kein Starkbeben mehr generiert hat. Demzufolge ist ein Erdbeben der Magnitude bis zu 7,4 überfällig.
In einer neuen Studie, die von Peter Malin und Marco Bohnhoff vom «Deutschen GeoForschungsZentrum» GFZ geleitet wurde, berichten die Autoren über die Beobachtung von Vorläufer-Ereignissen, die bei entsprechender Analyse und mit Echtzeit-Verarbeitung möglicherweise die Frühwarnzeit vor einem grossen Erdbeben von nur wenigen Sekunden auf bis zu mehrere Stunden verlängern könnten.
Die Studie von Malin, Bohnhoff und Kollegen des türkischen Katastrophenschutzes AFAD nutzt Wellenformendaten aus dem kürzlich errichteten Bohrlochobservatorium «GONAF». «GONAF» überwacht die Erdbebenzone vor Istanbul und detektiert auch Erdbeben von geringer Magnitude. So zeichnete es eine Reihe von Mikrobeben auf, die vor einem Erdbeben der Stärke 4,2 im Juni 2016 südlich von Istanbul stattfanden. Das 4,2-er Beben war das grösste lokale seismische Ereignis seit vielen Jahren. An dieser Stelle sind die Erdplatten verhakt und bauen deshalb kontinuierlich Spannung auf.
Artikel aus factum 09/2018.