Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03479.jsonl.gz/424

Besonders viel los scheint in den Städten (alle haben weniger als 3000 Einwohner!) im Owens Valley nicht zu sein – auch bei der Namensgebung. Die einsame Sequoia die Lone Pine den Namen gegeben hat, steht nirgends mehr. Independence als Hauptort des Inyo County mit weniger als 700 Einwohnern hat nebst dem überdimensioniert erscheinenden Justizpalast aus den 1920er Jahren und ein paar Gefängnissen gar nichts zu bieten. Die grosse Sequoia, die Big Pine den Namen gegeben hat, steht reichlich verloren am Dorfausgang an der Kreuzung mit dem State Highway 168. Um das ganze etwas aufzupeppen haben sie ein paar Fahnenstangen und Tafeln hingestellt, was diesen Ort nicht wirklich bedeutsamer macht – allenfalls etwas patriotischer. Und dieser patriotische Lack hat die Gegend durchaus nötig, um die unrühmlicheren Kapitel zu verdecken, die diesen Landstrich kontaminieren. Vor Independence liegt mit Manzanar eines von 10 Lagern, in jenen im zweiten Weltkrieg Menschen einer bestimmten Herkunft interniert wurden; hier waren es Leute aus Japan. Diese Lager werden oft auch als US-Konzentrationslager bezeichnet; einen Vergleich, den ich ungerechtfertigt finde, denn es wurden hier ja nicht Leute systematisch umgebracht – im Gegensatz zu anderen Orten. Dass es aber bis 1992 gedauert hat, bis eine nationale Gedenkstätte errichtet wurde, mutet schon sehr seltsam an, grad auch wenn man sich die Menschenrechtspredigten von US-Offiziellen vor dem geistigen Ohr nochmals anhört. Oder Fort Independence: Von hier wurden in den 1870er Jahren rund 1000 internierte hiesige Indianer in ein anderes Fort verlegt. Eine Aktion die mehrere 100 nicht überlebt haben.
Das geht uns nochmals durch den Kopf, als wir im Pool der Keough Hot Springs die Wadenmuskeln von den letzten 80 km revitalisieren lassen. Dieses Thermalbad ist eine Nummer für sich. Es ist immer noch das Original von 1919, was man natürlich an jeder Ecke sieht. Da muss es den Vergleich mit Kanijza in der Vojvodina/Serbien oder Geogagiu Bai in Rumänien absolut nicht scheuen! Das Wasser kommt etwas heisser als badetauglich aus der Erde. Um es auf eine angenehmere Temperatur herunterzukühlen, wird es mit Hochdruck durch Feuerwehrdüsen ins Becken gespritzt. Das ergibt einen permanenten Starkniederschlag aus unterschiedlich temperiertem Thermalwasser. Ein einmaliges Badevergnügen!
PS: Diesen Beitrag habe ich abends um 8 in den Badehosen am Campingtisch bei einem angenehmen Lüftli geschrieben. WiFi auf dem ganzen Campingplatz ist schon cool 🙂