Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03502.jsonl.gz/1585

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Die Literatur der ostsyrischen Kirche des 8. Jahrhunderts enthält eine Fülle von Texten, die Aufschluss geben, wie die Philosophie und insbesondere die Logik des Aristoteles im Raum des syrischen Christentums rezipiert und in den arabischen Raum weiter vermittelt wurden. Diese Texte sind bisher aber kaum ausgewertet worden.Von besonderer Bedeutung sind dabei die Werke des Patriarchen Timotheos I. (im Amt 780–823), der in Bagdad lebt und zu den wichtigsten Autoren des christlichen Orients überhaupt gehört. Aus derselben Zeit stammen auch die Scholien des Theodor bar Konai und der noch gänzlich unbekannte Brief des Metropoliten Aprem von Elam.
Diese Texte können dazu beitragen, Lücken zu füllen, die bei den Forschungen zum syrischen und arabischen Aristotelismus in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts bestehen: Einerseits lassen sich die Anfänge der arabischen Aristotelesrezeption (in der Zeit von 750 bis ca. 850) nur unscharf erkennen, weil die arabischen Nachrichten meist aus späterer Zeit stammen und die syrischen Quellen dazu nicht wahrgenommen werden. Andererseits ist auch der syrische Aristotelismus der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts in der Forschung weitgehend vernachlässigt worden.
Für diese Fragestellungen wurden die genannten syrischen Quellen bisher kaum ausgewertet, weil sie bisher nicht ediert oder nicht in Übersetzungen in modernen Sprachen zugänglich waren. Mit der Förderung des Nationalfonds konnte die Edition der Werke des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. abgeschlossen werden und liegt seit Sommer 2012 vollständig publiziert vor. Damit ist eine völlig neue Quellenlage entstanden und liegen hochinteressante unbearbeitete Texte vor. Im Anschluss an die Editionsarbeit sollen diese Quellen jetzt aufgearbeitet und im Hinblick auf die Aristotelesrezeption und ihre Bedeutung für das christlich-muslimische Religionsgespräch in der 2. Hälfte des 8. Jh.s erstmals monografisch erschlossen werden.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Das Projekt verbindet syrische und arabische, theologische und philosophische Quellen und zeigt so auf, wie Christen und Muslime in Bagdad im Rahmen der Übersetzungsbewegung miteinander vernetzt waren. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Geschichte der Philosophie, Theologie und Literatur im frühen Abbasidenreich.