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Pinscher können niedliche, freundliche Hunde sein, müssen aber nicht.
Ein bissiger Patient
Falco ist zwar klein, aber nicht wehrlos. Der Pinscher knurrt oder schnappt, wenn er zum Tierarzt muss. Bis er sich eines Tages wie ein Gentleman benimmt – eine Zeit lang.
Die nächste Konsultation hatte ich überhaupt nicht mit Freude erwartet. Es war ein kleiner Pinscher namens Falco. Er benahm sich bei mir wie ein kleiner Hai, biss immer zu und versuchte, sich an Frauchens Hals in Sicherheit zu bringen.
Irgendwie musste ich also den Hund untersuchen, ohne dass ich gebissen wurde oder er Frauchens Ohr lädierte. Sie nahm dann jeweils einen dicken Schal mit, und wir probierten den Kleinen hineinzuwickeln, damit er meine Spritze nicht sah.
Wie jedes Jahr musste er geimpft werden. Der Versuch, das Herz abzuhorchen, scheiterte. Auch die Augen oder Zähne konnte ich nicht untersuchen. Doch ich bemerkte die hässliche, gelbe Farbe seiner Zähne, als er mich zu beissen versuchte. «Sie müssen ihm auch noch die Krallen schneiden, und ach, er hat solchen Mundgeruch! Er kratzt sich auch ständig hinter den Ohren.» Ich versuchte, sein Ohr anzuschauen, doch ein Schnappen hielt mich davon ab.
Beim nächsten Besuch wollten wir den Kleinen schlafen legen, und dann alles erledigen. Diesmal kam der Besitzer. Er setzte den Hund auf den Tisch und hielt ihn am Kopf. Vorsichtig näherte ich mich mit dem Katheter und überlegte mir, ob ich ein Handtuch nehmen sollte, um meine Hand zu schützen. «Was macht ihr denn da?», fragte der verdutzte Besitzer, «Falco ist doch ein Lieber!» Tatsächlich liess sich Falco abhorchen und tolerierte sogar, dass wir ihm sein Beinchen schoren. Einzig beim Stechen der Nadel liess er ein leises Knurren hören. Ansonsten benahm er sich wie ein Gentleman.
Dem schlafenden Falco wurden die Ohren geputzt, die Krallen geschnitten und seine Zähne gereinigt. Kurz darauf wachte er auf und hatte statt des Mundgeruches eine Pfefferminzfahne. Der Besitzer hatte zugesehen und hielt ihn fest, damit wir ihm seinen Katheter wieder entfernen konnten.
Auch das liess er auf wundersame Weise ohne Reaktion über sich ergehen. «Ich staune, wie anständig Falco ist!», meinte ich. «Wenn Ihre Frau ihn hält, benimmt er sich nie so fein.» Der Besitzer drehte sich um und schaute für kurze Zeit weg. Ein leises «Klack» erinnerte mich daran, dass es immer noch derselbe Hund war. Er hatte soeben versucht, wieder zu beissen!
(Coopzeitung Nr. 14/2014)
Sprechstunde: Fragen Sie Chantal Ritter
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