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Washington DC ist das politische Machtzentrum der USA. In unmittelbarer Nähe des Weissen Hauses und Kapitols lässt die Federal Reserve ihre Dollars drucken – im «Bureau of Engraving and Printing». So lautet der offizielle Name der US-amerikanischen Notendruckerei.
Der Eingang mit seiner neoklassizistischen Fassade und den riesigen Säulen gleicht einer Festung. Über drei Strassenblocks erstreckt sich der gewaltige Gebäudekomplex.
Stars and Stripes sind omnipräsent
Innen ist der Lärm ohrenbetäubend. Paletten mit Druckbögen stehen herum. Es ist eng, stickig und patriotisch. Überall ist der Sternenbanner zu sehen.
Heute werden Zwanzigernoten hergestellt. Auf die Vorderseite presst die Offsetmaschine das Porträt von Andrew Jackson: Der siebte Präsident der USA und Mitbegründer der Demokratischen Partei liess auf seiner Plantage Sklaven für sich arbeiten und galt als berüchtigter Indianerhasser.
Stand heute: Keine Frauen weit und breit
Doch nicht um seine Vergangenheit ist ein handfester Politstreit entstanden. Es geht darum, ob eine Frau auf die Geldnote gedruckt werden soll: Martha Washington und Pocahontas waren bisher die einzigen Frauen, die die Vorderseite des Dollarscheins zierten. Doch beide Noten werden seit über 100 Jahren nicht mehr gedruckt.
Das sollte sich endlich ändern. So jedenfalls hatte es die Obama-Administration im April 2016 beschlossen. Die Wahl fiel auf die schwarze Bürgerrechtlerin Harriet Tubman.
Für die Trump-Regierung keine Priorität
Tubman wurde 1822 als Sklavin geboren, konnte als junge Frau fliehen und unterstützte später im Untergrund zahlreiche Sklaven dabei, ebenfalls den Weg in die Freiheit zu finden. Bis zu ihrem Lebensende setzte sich Tubman für die Gleichberechtigung der Schwarzen ein, kämpfte gegen Sklaverei und für Frauenrechte.
Sie wäre die erste Afroamerikanerin, die auf einer Dollarnote verewigt wäre – doch daraus wird wohl nichts, sagt Tubman-Experte Brent Burkhardt: «Vermutlich wird sich der neue 20-Dollarschein verzögern.»
Für die Trump-Regierung hat die 20-Dollar-Note mit der schwarzen Bürgerrechtlerin keine Priorität, so Burkhardt. «Vielleicht wird der 20-Dollarschein auch nie erscheinen.»
«Wir dürfen Harriet nicht vergessen.»
Harriet Tubman ist zum Politikum geworden. Und der Verdacht steht im Raum, dass Donald Trump alles tilgen und vergessen machen will, was die Ära Obama hinterliess, sagt Ernestine Wyatt. Die freundliche Mittsechzigerin ist Ururur-Grossnichte von Harriet Tubman.
Sie hält regelmässig Vorträge über ihre mutige Vorfahrin: «Es scheint, dass man versucht, die ganze Sache auf Eis zu legen. Aber wir dürfen Harriet nicht vergessen. Sie ist ein Vorbild für uns.»
Veteranen-Rente von 20 US-Dollar
Ernestine Wyatt hofft, dass die neue 20-Dollarnote 2020 mit dem Konterfei ihrer berühmten Vorfahrin der Öffentlichkeit präsentiert wird. Niemand habe das bisher offiziell abgestritten – zumal 2020 ein symbolisches Datum ist. Dann jährt sich zum 100. Mal die Einführung des Frauenwahlrechts in den Vereinigten Staaten.
Die USA schulden Harriet Tubman diese späte Anerkennung, davon ist Ernestine Wyatt überzeugt. Tubman verhalf nicht nur Hunderten Landsleuten in die Freiheit, sie kämpfte auch im Bürgerkrieg für die Union gegen die Südstaaten.
Zudem befreite sie Gefangene, pflegte als Krankenschwester verwundete Soldaten und kundschaftete unter Lebensgefahr Stellungen der konföderierten Feindarmee aus. Dafür wurde sie erst im hohen Alter kurz vor ihrem Tod 1913 gewürdigt – mit einer monatlichen Veteranen-Rente in Höhe von 20 US-Dollar.
Ausgang noch offen
Ob der Entwurf für den neuen 20-Dollar-Greenback mit der ehemaligen Sklavin Harriet Tubman 2020 tatsächlich fertig sein wird, ist offen. Bis dahin wird weiterhin der Sklavenhalter und passionierte Indianerhasser Andrew Jackson auf der Vorderseite des Dollarscheins bleiben.
Dafür hat Hollywood einen grossen Spielfilm mit Staraufgebot angekündigt. Die Dreharbeiten für das biografische Drama «Harriet» beginnen in diesem Herbst.