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Das wohl bekannteste und grundlegendste Denkmodell der östlichen Wissenschaften weist eine enorme Dynamik und Universalität auf.
Wie die ursprüngliche Bedeutung der Zeichen verdeutlicht, wurde anfänglich nur in statischen Entsprechungen gedacht: Das Schriftzeichen Yáng 陽 stand für "Sonnenseite des Hügels", Yīn 陰 für "Schattenseite des Hügels."
Doch seit spätestens 400 vor Chr. bedient man sich diesem Modell auch, um dynamische und zyklische Prozesse bei Mensch und Natur zu beschreiben. Mit Yin Yang lässt sich beispielsweise wunderbar die Entstehung und das Wesen des Universums bzw. der Erde beschreiben, wobei auch der Unterschied zum Dualismus deutlich wird.
Hier eine typische, statische Assoziationsreihe:
Eigenschaften von Yin Yang:
Yin Yang ist kein Mess-, sondern ein Beobachtungswerkzeug. Weder Yin noch Yang ist dem einen moralisch oder qualitativ überlegen.
Yin und Yang sind im Sinne der Naturgesetze nicht antagonistisch, sondern komplementär. (Nicht Gegenspieler, sondern ergänzende Partner.)
Yin Yang findet Verwendung als Grundstein für komplexere Denkmodelle (Ba Gang, Yi Jing, usw.), ist aber auch eigenständig und ganzheitlich für eine Vielzahl von Wissenschaften anwendbar. Besondere Bedeutung hat es natürlich im Feng Shui und in der TCM.
Es braucht immer ein bisschen Yang im Yin und umgekehrt. Dort wo das Yin am stärksten ist, enthält es auch am meisten Yang. (Als Vergleich stelle man sich eine Besatzungsmacht vor, die um so leichter Ihr Tun rechtfertigen kann, je "schlimmer" die Aufstände sind. Wogegen z. B. die britischen Kolonialisten gegen Gandhis gewaltlose Boykotte machtlos waren.)
Das Yin Yang Modell wird leider oft NUR in beschränktem Umfang, als statisches bzw. dualistisches Modell verstanden und eingesetzt. Auf der anderen Seite übersehen gerade fortgeschrittene Praktiker diese simple Interpretationsmöglichkeit zu Gunsten komplexeren Modellen. (Ein klassisches Yin Yang-Ungleichgewicht: Den Praktikern (Yang) fehlt es an Yin, den Theoretikern (Yin) fehlt es an Yang...;o)
Yin Yang hat einen dialektischen Charakter.
Verschiedene in der TCM eingesetzte Mittel können relativiert werden:
Yin-Yang bildet das relevanteste der ungefähr zwölf Denkmodelle, die in der TCM häufig eingesetzt werden. Zunächst bei der Diagnose, wo ermittelt wird, ob starke oder langanhaltende Ungleichgewichte vorherrschen. Falls ja, werden sie durch Massnahmen im Lebensalltag und mit therapeutischen Interventionen ausgeglichen. Exemplarisch für Yin und Yang in der Ernährung wären dies: Für das Yin Wurzeln, Nüsse, Eiweisse bzw. katabolische und dichte Nahrung, für das Yang Kohlenhydrate, Scharfes bzw. anabolische und schnellverdaubare Nahrung. Massnahmen im Lebensalltag wären viel Schlaf (Yin) bzw. viel Aktivität (Yang), und in der Therapie Akupunktur (Yin-Yang in den Leitbahnen regulieren), Akupunktur mit Moxibustion (Yang) oder Arzneitherapie (Yin oder Yang stärken oder regulieren, usw.), usw.