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Das Institut für Politikwissenschaft der Universität St. Gallen (IPW-HSG), die Münchner Sicherheitskonferenz und das Zentrum für Internationale Sicherheit an der Hertie School (Berlin) haben gemeinsam die European Nuclear Study Group (ENSG) gegründet. Die erste Sitzung der ENSG wird während der 60. Münchner Sicherheitskonferenz stattfinden, die vom 15. bis 18. Februar 2024 abgehalten wird.
Die Gefahr einer nuklearen Eskalation steht wieder ganz oben auf der euro-atlantischen Sicherheitsagenda. Russlands groß angelegter Einmarsch in der Ukraine beendete endgültig die vergleichsweise friedliche Ära nach dem Kalten Krieg, aus der das Ziel hervorging, internationale Stabilität mit weniger Atomwaffen zu erreichen. Russlands nukleares Säbelrasseln und die einseitige Aussetzung von New START sind die offensichtlichsten Anzeichen dafür, dass die nukleare Ordnung unter extremem Druck steht. Aber auch längerfristige geopolitische und technologische Veränderungen erodieren die traditionellen Grundlagen des nuklearen Gleichgewichts, das seit den 1950er Jahren zur internationalen Stabilität beigetragen hat. Die nukleare Ordnung ist komplexer geworden, wobei die strategische Stabilität nicht nur von den Arsenalen der USA und Russlands abhängt, sondern zunehmend trilateral ist, da China sein eigenes Atomwaffenarsenal rasch ausbaut. Die Situation wird zusätzlich durch beunruhigende Entwicklungen in mehreren regionalen Subtheatern, Veränderungen im globalen Informations-Ökosystem und zunehmende Zweifel an den politischen Entwicklungen in verschiedenen Staaten, die entweder bereits Atomwaffen besitzen oder danach streben, sie zu erwerben, erschwert.
In Anbetracht der neuen Realitäten ist es notwendig, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Abschreckung durch Atomwaffen zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu konzipieren. In den USA ist eine lebhafte Diskussion im Gange. Die European Nuclear Study Group bringt eine neue Generation von Wissenschaftlern und Praktikern zusammen, die sich mit den Auswirkungen der sich wandelnden nuklearen Ordnung auf Europa befassen, insbesondere mit der strategischen Doktrin, der nuklearen Modernisierung, der Rüstungskontrolle und der transatlantischen Zusammenarbeit.
Prof. James W. Davis, Ph.D. (Universität St. Gallen), Dr. Tobias Bunde (Münchner Sicherheitskonferenz & Hertie School) und Dr. Claudia Major (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin) werden als Co-Vorsitzende der European Nuclear Study Group fungieren, die im Februar 2025 auf der Münchner Sicherheitskonferenz einen Bericht über ihre ersten Ergebnisse vorlegen will.