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Wie nun das Zusammenwirken von mental und physisch gedacht wird ist von den vertretenen Dualismuskonzepten abhängig. Für Popper ist hauptsächlich die Interaktionsthese von Bedeutung, die von einer Wechselwirkung physisch – mental bzw. mental – physisch ausgeht. (Historisch bedeutsam war der okkasionalistische Ansatz von Malebranche und Leibniz, wobei diese These nicht ohne die Annahme eines zwischen den Entitäten vermittelnden Gottes auskommt.) Damit verbunden ist die Frage, ob mentalistische Sachverhalte reduktiv erklärbar sind (was im Grunde schon durch die Verschiedenheitsthese ausgeschlossen wird). Für Popper hat die Annahme, dass eine solche Reduktion nicht immer möglich sei, zwei wichtige Aspekte, die in seiner Philosophie von Bedeutung sind: Zum einen betrachtet er den Geist als ein emergentes Phänomen, das durch keine naturwissenschaftliche Analyse hätte vorhergesagt werden können. Zum anderen dient diese Annahme der Nichtreduktivität dem Postulat eines freien Willens, der ansonsten weder im deterministischen noch im probabilistischen Sinne frei sein könnte.
Gegen die Nichterklärbarkeitshypothese der mentalen Zustände aus physischen gibt es triftige Einwände: Zum einen methodologische (den die Autonomie des Mentalen erschwert etwa eine Verbindung von Biologie und Psychologie), zum anderen evolutionsbiologische: Da man davon ausgeht, dass alle Organismen (einschließlich des Menschen) aus physischen Systemen sich entwickelt haben, weshalb es naheliegt, auch die entstandenen mentalen Entitäten auf physische zurückzuführen. Des weiteren lässt sich aus den Einflüssen von Drogen die Wirkung physischer Mittel auf den Geist eindrucksvoll nachweisen.
Popper hat verschiedene Argumente gegen diese Einwände vorgebracht: So etwa die großen Schwierigkeiten, die emergenten Eigenschaften eines Systems vorherzusagen bzw. sie auf seine Bestandteile und deren Wechselwirkungen zurückzuführen. Allerdings ist die Feststellung einer solchen Schwierigkeit keineswegs ein schlüssiges Argument für das Bestehen einer reduktiven Grenze: Selbst wenn Popper in dieser Hinsicht der Problematik reduktiver Erklärungen Recht haben würde, so kann man die bislang von den Wissenschaften vorgelegten Ergebnisse bezüglich Reduktion eher als ermutigend denn als Grund zum Pessimismus ansehen. Aus vorhandenen Schwierigkeiten kann jedenfalls keineswegs auf die Unmöglichkeit oder das Vorhandensein einer Grenze geschlossen werden.
Ein weiteres Argument Poppers nimmt Bezug auf das Phänomen der “Verursachung nach unten”. Denn generell würde im reduktiven Programm nur von einer “Verursachung nach oben” ausgegangen: Beispielsweise werden soziale Tatsachen von Individuen bewirkt, diese durch biologische Faktoren gelenkt, die Biologie hinwiederum wird durch chemische bzw. physikalische Tatsachen beeinflusst. Popper bestreitet nicht eine solche Wirkung, weist aber auf die genannte Vernachlässigung einer “Verursachung nach unten” hin. So erzeuge etwa die Masse eines Sternes einen Gravitationsdruck, der hinwiederum die einzelnen Teile zum Verschmelzen bringe oder der Tod einer Person habe den Tod der einzelnen Zellen zur Folge. Allerdings ist das alles in Bezug auf das Leib-Seele-Problem bedeutungslos: “Die Tatsache, dass (einige) mentale Ereignisse physische Ereignisse verursachen, ist damit vereinbar, dass sie selbst durch physische verursacht und damit prinzipiell reduktiv erklärbar sind. Aus der Annahme ihrer kausalen Effektivität lässt sich also kein Argument für die Nicht-Erklärbarkeits-These gewinnen.”
In einem weiteren Einwand bemüht Popper die Quantentheorie und deren probabilistischen Charakter. Aufgrund dieses Charakters vermutet Popper, dass auch die Möglichkeit extrem unwahrscheinlicher Ereignisse besteht (wobei er die Entstehung des Geistes für ein solch unwahrscheinliches Ereignis hält). Wer alle Naturgesetze bzw. die singulären Tatsachen gekannt hätte, wäre zu dem Schluss gekommen, dass so etwas wie Geist nicht entstehen werde. (Dies setzt allerdings einen Erklärungsbegriff voraus, der die rationale Erwartbarkeit eines Ereignisses zum Kriterium der Erklärung macht.) Das Hauptproblem bei diesem Einwand besteht darin, dass die Nichterklärbarkeit des Geistes mit keinerlei Wahrscheinlichkeitsgesetzen in Zusammenhang steht – bzw. nur mit den subjektiven Wahrscheinlichkeiten Poppers, etwas, das auch aus der Tatsache, dass er selbst diese Wahrscheinlichkeiten mehrfach geändert hat, abzulesen ist.
So bleibt bezüglich der Nichterklärbarkeitsthese festzuhalten, dass sich für sie keine schlüssigen Argumente vorbringen lassen. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass auch das reduktive Programm bisher keine wirklichen Lösungen des Problems geliefert hat (im Gegenteil: Die meisten mentalen Ereignisse, Zustände (Entitäten) harren noch ihrer Erklärung). Allerdings sollte man aufgrund des Erfolgs des reduktiven Programmes auf zahlreichen Gebieten sich nicht dieses Instrumentariums begeben, etwas, gegen das sich auch Popper gewandt hat (er hat das reduktive Erklärungsprogramm explizit gutgeheißen).
Die Interaktionsthese ist nun mit jenen bereits oben angedeuten Probleme des Energieerhaltungssatzes konfrontiert. Wie schon Descartes so muss auch ein moderner Dualist diese Interaktion erklären. Vollmer hat m. E. plausibel dargestellt, dass Kausalität an Energieübertragung gebunden ist. Hier schließt nun das Problem an, wie eine solche Energieübertragung von einem physischen in ein mentales – und – noch schwieriger – von einem mentalen in ein physisches System erfolgen soll. Man kann natürlich entweder den Energiesatz aufgeben (der allerdings im Gegensatz zur Interaktionsthese sehr viel besser bestätigt ist) oder aber argumentieren, dass eine solche Übertragung in ein nichtphysisches System einfach nicht notwendig wäre. (Wenn man – wie Gadenne – die Energieübertragung innerhalb des Systems vonstatten gehen lässt, führt dies m. E. zu einem Monismus, wobei Gadenne diesen Vorschlag wohl nur der Vollständigkeit halber angeführt hat.)
Ein weiteres Argument für die Interaktionsthese sieht Popper in der Tatsache, dass sich die mentalen Entitäten in der Evolutionsgeschichte offenbar bewährt hätten (denn sonst gäbe es sie nicht mehr), wodurch auch ihr Einfluss offenbar sei. Hier aber macht er sich einer petitio principii schuldig: Denn er setzt den Dualismus voraus, den er eigentlich beweisen möchte. Würden die mentalen Eigenschaften als physisch verursacht aufgefasst werden, so wäre ebenso plausibel gemacht, weshalb sie sich erhalten haben.
Alle diese Argumente scheinen also nicht wirklich schlüssig zu sein, wenngleich sie auch nicht als widerlegt oder vollkommen irrelevant betrachtet werden können. Anders steht es mit dem Substanzdualismus, den Gadenne m. E. mit Recht vernachlässigt, da auch nie nur in Ansätzen etwas über die Beschaffenheit, das Verhalten oder das Wesen dieser Substanz entdeckt worden wäre; ihr ontologischer Status ist ähnlich dem von Feen oder Waldwichteln. Der Eigenschaftsdualismus muss hingegen differenzierter betrachtet werden: Auch wenn die obigen Verteidigungsstrategien wenig erfolgreich sind, so bleibt – bei einer Definition des Physischen, die alle Gegenstände, ihre Eigenschaften, Bestandteile, Relationen (auch komplexe Systeme) umfasst – die Qualität von Bewusstseinszuständen, die nicht bloß über ihre Funktionalität erklärt werden kann – besser: Die Qualität eines Zahnschmerzes für das Individuum ist etwas anderes als seine Funktion. Diese Qualitäten sind real und es sind keine eliminativen Materialismustheorien bekannt, die sie überflüssig machen würden. Insgesamt ist die dualistische These fragwürdig, allerdings kann ihre Annahme durchaus zu interessanten Forschungsprogrammen führen, die – vielleicht irgendwann – ihre Relevanz in einem klareren Licht wird erscheinen lassen.