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Die staatlichen Behörden befinden sich im Kampf gegen zuckerhaltige Produkte. Seit 2015 hat sich das Eidgenössische Departement des Innern über die Erklärung von Mailand mit Joghurt- und Getreideherstellern zusammengeschlossen, um den Zuckergehalt in deren Produkten zu senken und seit 2019 auch den Salzgehalt. Die Unternehmen haben aber schon lange die Initiative ergriffen, um den Zuckergehalt unabhängig von staatlichen Eingriffen zu senken. Tatsächlich haben die Unternehmen von 2005 bis Ende 2020 den Zuckergehalt freiwillig um 15 % gesenkt. Beachten wir auch, dass 40 % der in der Schweiz hergestellten Erfrischungsgetränke zuckerfrei oder mit einem reduzierten Zuckergehalt sind. Was ist also das Problem?
Der Komiker Pierre Doris sagte: «Meine Frau liebt alles, was raffiniert ist ... Zucker zum Beispiel.» Jenseits des Wortspiels machen wir alle mit Zucker eine einzigartige Erfahrung. Kurz gesagt: Zucker aktiviert das Belohnungssystem des Gehirns, das ein Gefühl des momentanen Wohlbefindens vermittelt. Ein übermässiger Konsum von Zucker führt also zu einer übermässigen Belohnung des Gehirns und zu der heimtückischsten Krankheit dieses Jahrhunderts: Fettleibigkeit.
Die Realität ist jedoch nicht so einfach, da der Zuckerkonsum mit einem Rückgang der sportlichen Aktivität im Allgemeinen und einem zunehmenden Mangel an ausgewogener Ernährung bei den Verbrauchern einhergeht.
Besteuerung ist lächerlich
Um dieses Problem zu lösen, werden oft zwei Alternativen vorgestellt: entweder den Zucker in den Produkten zu reduzieren oder eine Steuer auf die Produkte zu erheben. Mehrere Westschweizer Kantone haben vergeblich versucht, eine Zuckersteuer einzuführen, um Präventionsmassnahmen zu bezahlen. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass eine Besteuerung lächerlich ist, um ein Konsumproblem zu lösen. So wurde in Frankreich seit 2012 eine Steuer auf Getränke mit Zuckerzusatz erhoben. Dies hat zwar die Staatskasse mit 280 Millionen Euro pro Jahr gefüllt, aber das Ergebnis ist nicht überzeugend, da die Fettleibigkeit trotz der Massnahme zwischen 2012 und 2021 um 15 bis 17 Prozent gestiegen ist.
«niemand in der Schweiz will einen Staat, der uns vorschreibt, was wir konsumieren sollen und was nicht.»
Die Strategie, Zucker zu reduzieren, ist daher vielversprechender, wenn auch die Verantwortlichkeiten differenziert betrachtet werden müssen. Es geht nicht an, mit dem Finger auf die Unternehmen zu zeigen, während die Verbraucher selbst für ihren Konsum verantwortlich sind. Und niemand in der Schweiz will einen Staat, der uns vorschreibt, was wir konsumieren sollen und was nicht.
Angriff und Einschüchterung
Die Mailänder Erklärung ist auf den ersten Blick zwar interessant. Jedoch ist bedauerlich, dass der Staat hier die politische Funktionsweise der Schweiz umgeht, die normalerweise die Branchenverbände der Wirtschaft einbezieht. Und dies, um direkt die Unternehmen anzugreifen. So werden in der Mailänder Erklärung die Branchenverbände beiseite geschoben, um die Unternehmer und Produzenten einzuschüchtern.
Der Schweizerische Gewerbeverband sgv spricht sich klar gegen ein solches Vorgehen aus, bei dem die Zustimmung einiger weniger Unternehmen trotz der zahlreichen Differenzen der gesamten Branche eingeholt und als Erfolg verkauft wird. Die Geschichte des Zuckers ist ohnehin nicht ruhmreich. Soll nun angesichts der Probleme mit dem übermässigen Zuckerkonsum auch noch ein übermässiges Eingreifen des Staates hinzukommen, um die KMU zu zwingen und die Verbraucher umzuerziehen? Wohl kaum! Das fordern einige und vergessen dabei, dass sie damit den Weg für ein immer stärker interventionistisches System ebnen.
Mikael Huber,
Ressortleiter sgv