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Marquard Wocher
Basel, um 1809
Aquarell über Bleistift
auf braunem Karton
H. 52,5 cm, B. 38,5 cm
Inv. 2002.260.
Am Grabmal des Vaters und Gatten
Im Jahre 1809 starb der Handelsmann Peter Merian-Stückelberger im Alter von 31 Jahren. Kurz nach seinem Tod entstand dieses Aquarell, das seine junge Frau Salome, die er 1803 geheiratet hatte, und ihre drei gemeinsamen Söhne zeigt. Es ist wohl als Studie für ein grösseres Trauerbild anzusehen, und der spitzbogige Abschluss des Bildfeldes lässt vermuten, dass es in eine Nische oder einen spitzbogigen Rahmen eingepasst werden sollte.
Ganz in ihren Schmerz versunken, sitzt die dunkel gekleidete und verschleierte Witwe an ein steinernes Grabdenkmal gelehnt und umfasst mit der linken Hand eine schlichte Urne. Diese enthielt, wie aus einer rückseitigen Beschriftung des Bildes hervorgeht, das Herz ihres verstorbenen Gatten.
Während Salome Merian-Stückelberger wie versteinert wirkt und völlig in ihren Schmerz versunken ist, ist den Kindern, die in zärtlicher Anhänglichkeit die Nähe der Mutter suchen, ganz offensichtlich die Situation nicht bewusst.
Sie spielen mit einem gefangenen Schmetterling und gestikulieren lebhaft.
Die beiden älteren Knaben Rudolf (geb. 1804) und Eduard (geb. 1805) sind in Schwarz gekleidet, nur der jüngste Sohn, der 1807 geborene Albert, ist von der Trauerkleidung ausgenommen. Er trägt, wie auch noch sein Bruder Eduard, das Kleidchen des Kleinkindes. Es zeugt vom anhaltenden Geist der Aufklärung, dass der Maler die kleinen Knaben nicht trauernd oder in verhaltener Stimmung darstellt, sondern sie in ihrer kindlichen Lebensfreude und altersgemässen Unbefangenheit zeigt. Dass sie den Verlust des Vaters noch gar nicht ermessen können, lässt im Kontrast die Trauer ihrer Mutter umso grösser erscheinen.
Salome Merian-Stückelberger starb im Jahre 1850 im Alter von 66 Jahren.
In ihrer Leichenrede wird ausdrücklich erwähnt, «dass sie es war, die in Basel durch ihr aufopferndes Vorangehen die erste Anregung gab zu den seither so segensreich blühenden und weiter verzweigten Kleinkinderschulen und Sonntagsschulen.»