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Shinohara in der Schweiz
Mitte der 1970er-Jahre wurden eher beiläufig erste Bauten von Kazuo Shinohara in der Schweiz veröffentlicht. Damit setzte eine Rezeption ein, die in verschiedenen Phasen erfolgte und dazu führte, dass heute viele Architekt*innen in der Schweiz Shinohara kennen und schätzen.
Text: Susanne Kothe – 23.9.2021
Durch gelegentliche Veröffentlichungen war Shinoara in der Schweiz seit Mitte der 1970er-Jahre präsent. Besondere Aufmerksamkeit wurde ihm aber am Lehrstuhl von Fabio Reinhart an der ETH Zürich in den 1980er-Jahren zuteil, als die Studierenden nicht zuletzt durch Miroslav Šik animiert wurden, nach interessanten und starken Bildern und Referenzen zu suchen. Auch Christian Kerez studierte ab 1985 am Lehrstuhl Reinhart, als «vergessene» Architekten sowie regionale und traditionelle Architektur dort zum Thema wurden – mit dem Ziel, aus diesen Referenzen Wesentliches herauszuarbeiten, zu abstrahieren und zu verallgemeinern.
Kurz zuvor hatte Kerez in Eindhoven einen Vortrag von Shinohara besucht. Es war der Beginn seiner Faszination für den Architekten und seiner Auseinandersetzung mit ihm. Mit ihrem Bezug zur Tradition und ihrer Abstraktion korrelierten die Werke mit dem damals am Lehrstuhl behandelten Themenspektrum. Kerez und weitere Studierende beschäftigten sich auch deswegen mit Shinoharas Architektur. So bildete 1988 sein House in Ashitaka den Ausgangspunkt für Kerez’ Diplomentwurf am Lehrstuhl Reinhart und Šik.
Das Interesse der Studierenden galt Shinoharas Architektur auch aufgrund ihrer Bildhaftigkeit, da in der etwas späteren Phase der «Analogen Architektur» unter Šik Bilder an Gewicht gewannen. Inzwischen waren Publikationen zu Shinohara in der Schweiz erhältlich, auch in der Bibliothek der ETH. Aus diesem Fundus wurden viele Werke Shinoharas zu Referenzen von Entwürfen – nicht nur am Lehrstuhl von Reinhart und Šik – und so weiter bekannt.
Shinohara wurde also nicht etwa von Reinhart oder Šik als Referenz eingeführt, sondern das Interesse kam von den Studierenden selbst. Unter ihnen fanden sich neben Christian Kerez auch Valerio Olgiati, Andrea Deplazes, Alberto Dell’Antonio und später Tibor Joanelly. Alle diese Akteure beschäftigten sich auch nach ihrem Studium weiter mit Shinohara und trugen später durch ihre Lehre oder mit ihren Publikationen zur Intensivierung der Rezeption Shinoharas in der Schweiz bei.
Alles über Shinohara und seine Rezeption in der Schweiz in der neusten Ausgabe der archithese.