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Die Brieftaubenredaktorin, Rita Schmidlin, hat häufige Fragen zu Brieftauben gesammelt, nach Themen geordnet und die entsprechenden Antworten dazu gesetzt.
Der Bericht wurde in drei Teilen in der «Tierwelt» (Nr. 03/41, 42 und 43) veröffentlicht. Er wird hier mit einigen Ergänzungen und Fotos wieder gegeben. Er kann z.B. für Schüler als Grundlage für einen Vortrag dienen.
Viel Vergnügen beim lesen.
haben?
Eine Brieftaube ist ein Vogel mit einem Gewicht von zirka 300 bis 500 Gramm und einer Flügelspannweite von etwa 70 Zentimetern. Sie wird im Schnitt acht bis zwölf Jahre alt, es gibt aber bedeutend ältere Tauben, man weiss von Tieren, die bis 30 Jahre alt wurden.
Die Brieftauben stammen wie alle Haus- und Strassentauben von den Felsentauben ab, die ihren Ursprung im Mittelmeeraum/Orient haben. Heute gibt es noch Felsentauben in Sardinien, Spanien (Costa Brava) und auf verschiedenen kleineren Inseln im Mittelmeer.
Auch die Farbentauben, von denen es rund 800 verschiedene Rassen und über 250 Taubenarten gibt stammen von den Felsentauben ab.
Die Stadttauben sind ebenfalls Nachkommen der Felsentauben. Die Fassaden von Kirchtürmen und Hochhäusern sind ihr Felswand-Ersatz. Für den Laien ist zwischen Brief- und Stadttaube kaum ein Unterschied feststellbar. Brieftauben sind kräftiger, sie werden auch seit 5000 bis 6000 Jahren richtig gefüttert und versorgt und vom Menschen in der Zucht gezielt auf Stärke und Schnelligkeit gefördert.
Von den Felsentauben weiss man, dass sie von ihren Nestern an den Küsten für die Futtersuche auf den Feldern bis 100 Kilometer landeinwärts fliegen. Unsere heutigen Brieftauben können in der Freiheit kaum überleben. Wie bei Beobachtungen der Stadttauben in Basel festgestellt wurde, schaffen es verirrte Brieftauben kaum, sich selber zu ernähren.
- Gibt es einen Verband für Brieftaubenzüchter?
- Wie viele Leute in der Schweiz züchten Brieftauben?
- Wie sind diese organisiert?
- Was sind die Hauptaktivitäten des Verbandes?
Der Schweiz. Brieftaubensport-Verband (SBV) wurde am 6. Dezember 1896 unter dem damaligen Namen Zentralverband Schweizerischer Brieftaubenzüchter (ZV) in Olten gegründet. Ende 2002 zählte der SBV rund 500 Mitglieder. Es gibt regionale Vereine und Regional-Verbände, sowie Einzelmitglieder.
Die wichtigste Zeit während des Jahres sind für die Brieftaubenzüchter die Wettflüge, die von Mai bis August durchgeführt werden.
Im Winter finden die Ausstellungen statt, wobei die nationale Brieftaubenausstellung, üblicherweise im Januar an wechselnden Orten in der Schweiz durchgeführt, die wichtigste ist. Bei den Brieftauben zählt als erstes die Flugleistung, die Bedingung ist, um überhaupt an eine Ausstellung zu gelangen. Erst an zweiter Stelle wird sie nach dem Standard auf Schönheit bewertet.
An der 'Nationalen' findet auch die jährliche ordentliche Delegiertenversammlung mit anschliessendem Züchterabend und Siegerehrungen statt.
Die Ringvertriebsstelle und der Zugeflogenendienst sind weitere wichtige Aufgaben des Verbandes. Viel Wissenswertes über den Verband und seine Aktivitäten kann man im Internet unter www.brieftaubensport.ch erfahren.
Der SBV ist Mitglied im Internationalen Brieftaubenverband FCI, der alle zwei Jahre die Brieftaubenolympiade (Weltausstellung) organisiert und jeweils einen WM-Flug durchführt.
Bekannt ist, dass Brieftauben folgende Orientierungshilfen benützen: Sonne, Erdmagnetismus, Gehör, Sicht und Geruch. Weltweit sind Forschungen im Gang, aber ganz genau weiss man immer noch nicht, wie die Brieftaube den Weg zurück nach Hause findet.
Es wurden auch Versuche gemacht, Brieftauben zwischen zwei Orten hin und her fliegen zu lassen, auch das funktioniert, wenn man die Tauben richtig trainiert. Die Brieftauben haben dann wie ihre Vorfahren einen Wohnort und einen Futterplatz.
Die Brieftaube fliegt mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 60 km/h, Höchstleistung bis 130 km/h.
Es gibt regionale und Schweizer Meisterschaften sowie As-Tauben und Ausstellungssieger. Die Preise sind eher bescheiden, gewinnen kann man Pokale, Medaillen, Urkunden oder kleinere Geldpreise. An Derby-Flügen kann man mehr Geld gewinnen und dies vor allem an den WM-Flügen.
In anderen Ländern, wie Belgien, Portugal, Südafrika, Thailand, Argentinien, geht es bei den Spitzenzüchtern bei den Wettflügen um hohe Geldpreise oder Autos, Reisen und vieles mehr. Gute Brieftauben werden an internationalen Versteigerungen zum Teil auch für mehrere tausend Franken verkauft.
Die Taubeneltern machen eigentlich alles selber. Pro Gelege hat es immer zwei Eier. Die Brut dauert ungefähr 18 Tage, das Männchen, oder wie es in der Fachsprache heisst, der Vogel, brütet am Tag, das Weibchen nachts.
Die erste wirkliche Arbeit des Züchters ist die Beringung der Jungtauben. Das muss zwischen dem 5. und 7. Lebenstag geschehen, sonst ist der Fuss zu gross und der Ring kann nicht mehr angezogen werden. Ohne Fussring des Schweizerischen Brieftaubensport Verbandes (SBV) ist die junge Taube keine richtige Brieftaube und kann nicht eingesetzt werden. Beide Eltern füttern die Jungen. Nach 22 bis 25 Tagen sind die Jungtauben selbstständig.
Man sollte die Brieftauben mindestens einmal täglich füttern und Freiflug geben können, je nach Jahreszeit. Im Winter ist Letzteres schwierig wegen der Greifvögel, Habichte, Sperberweibchen und Wanderfalken. Die Reinigung des Schlags hängt mehr vom Bedürfnis des Züchters ab, ob täglich oder wöchentlich, da gehen die Meinungen auseinander. Allzu sauber ist auch nicht gut für die Tiere.
Das Futter besteht aus Körnern: Erbsen, Wicken, Weizen, Gerste, Mais, Reis, Dari, Bohnen, einfach allem, was in Körnerform existiert. Dazu brauchen sie für die Verdauung Gritstein/Muschelgrit. Frisches Leitungswasser zum Trinken ist für die Brieftaube unentbehrlich, aber auch um ab und zu ein Bad zu nehmen; und zwar zu jeder Jahreszeit. Auch Grünfutter kann man den Brieftauben geben, allerdings lohnt sich das eigentlich nur für Züchter, die über einen eigenen Garten verfügen.
Brieftaubenschläge waren früher praktisch nur im Estrich oder in Scheunen untergebracht. Also immer zuoberst in den Häusern. Die Tauben konnten so direkt durch Ein- und Ausflüge auf das Dach gelangen. Heute gibt es viele so genannte Gartenschläge, Brieftaubenhäuser, die separat erstellt werden. Aber es gibt nach wie vor viele Taubenschläge in den Häusern, auch in Städten.
Für Neubauten braucht es eine Baubewilligung. Durch die Ausschreibung kommt es dann meistens zu Kontakten mit den Nachbarn. Diese müssen mit der Haltung der Brieftauben einverstanden sein, da diese natürlich im Freiflug nicht über dem eigenen Grundstück bleiben. Gut eingewöhnte und gehaltene Brieftauben sind aber entweder in der Luft, auf dem eigenen Hausdach oder im Schlag. In bewohnten Quartieren wird die Anzahl der Brieftauben, die gehalten werden dürfen, meistens festgelegt.
Es kann vorkommen, dass Brieftauben durch atmosphärische Störungen wie Gewitter, Regen oder Nebel die Orientierung verlieren und erschöpft irgendwo Zuflucht suchen. Auch die Verletzungsgefahr durch Greifvögel oder Drähte ist erheblich.
Wenn man eine verirrte Brieftauben findet, sollte man ihr Wasser geben, mindestens 1 cm tief in einem Geschirr, und eventuell etwas zu fressen (Reis, Erbsen, Hamster- oder Hühnerfutter).
Wenn man die Brieftauben einfangen kann, kann man auf dem Fussring die Landesbezeichnung, den Jahrgang und die individuelle Nummer ablesen. Deutsche und Schweizer-Wettflugtauben tragen zudem einen zweiten Ring, auf welchem die Telefonnummer des Besitzers steht. In diesem Fall kann man direkt mit diesem Kontakt aufnehmen und abklären, woher die Taube kommt und was mit ihr geschehen. Ueber www.zugeflogen.contactus.ch kann man den Besitzer von Schweizertauben direkt selber ausfindig machen.
Vorne: Brieftaubenringe, rechts: elektronischer Ring mit Tel. Nr.; hinten: Rassetaubenring (SRTV)
Die Adressen der Zugeflogenendienste für Brief- und Rassetauben findet man in der «Tierwelt» auf der Seite 4 unter Auskunftsstellen. Anhand des Ringverzeichnisses kann man den Schweizer Züchter feststellen. Sehr oft werden in der Schweiz auch ausländische Brieftauben aufgefunden, am häufigsten handelt es sich um Tauben aus Deutschland (Bezeichnung DV auf dem Ring).
Der Transport einer Brieftaube per Post (Kurier) ist sehr teuer. Von der Ostschweiz nach Bern etwa kostet er rund 100 Franken. Am besten ist es, wenn man mit einem Züchter in der Region Kontakt aufnehmen kann.
Wenn eine zugeflogene Brieftaube nicht verletzt ist und sich körperlich wieder erholt hat, kann man sie auch fliegen lassen. Sie wird gerne schnell nach Hause weiterfliegen.
Der Brieftaubendienst wurde im Jahr 1994 abgeschafft. Der ideale Einsatz für die Brieftauben war der Kurierdienst. Sie wurden beispielsweise zum Transportieren von Originaldokumenten, Erd- oder Blutproben und Medikamenten eingesetzt. In der Brusthülse können bis 40 Gramm, in der Fusshülse 5 Gramm getragen werden.
Die Armee verfügte über rund 30'000 Tauben, 2'000 bis 3'000 gehörten der Armee, für den Rest gab es Verträge mit privaten Züchtern. Pro Brieftaube und Tag erhielt man 20 Rappen Sold sowie eine pauschale Futterentschädigung für das ganze Jahr. Die Brieftauben wurden, wie es hiess, aus finanziellen Gründen abgeschafft, aber sie waren für die heutige Zeit wohl einfach zu altmodisch.
Die ehemalige Militärbrieftaubenstation 'Sand' in Schönbühl BE ist heute im Besitz der Schweizer Brieftaubenstiftung. Hier ist heute ein beliebter Treffpunkt von Brieftaubenfreunden und anderen Kleintierzüchtern. Ausserdem sind hier auch der Zugeflogenendienst und der Ringvertrieb untergebracht.
Eine gute Ausbildung hat man früher in der Armee erhalten. Vieles kann man sowieso nur in der Praxis lernen. Für die theoretische Ausbildung ist der Kontakt mit Züchtern empfehlenswert.
Bücher gibt es ziemlich viele, aber die meisten richten sich an Züchter, die bereits ein gewisses Grundwissen haben. Von vielen empfohlen wird der Beginn mit einigen Zuchttauben, erst dann versucht man es mit ersten Trainings und Wettflügen mit den Jungtauben. Der tägliche Umgang mit den Brieftauben ist die beste Ausbildung. Wer sich ernsthaft damit befasst, sich Brieftauben anzuschaffen, ist gut beraten, sich mit dem Brieftaubensport-Verband in seiner Region in Verbindung zu setzen.
Sehr beliebt sind so genannte Hochzeitsflüge, aber auch an kirchlichen Anlässen, Geburtstagen, Einweihungen und vielem mehr, werden Tauben fliegen gelassen. Besonders schön für Brautpaare sind natürlich weisse Brieftauben. Meistens lässt das Brautpaar gemeinsam zwei Tauben starten, daneben lässt man noch weitere Tauben fliegen, sodass ein schöner Schwarm dem Himmel entgegenfliegt. Das ist für die Zuschauer attraktiver, und die Brieftauben fliegen lieber in der Gruppe als allein.
Unter www.tierwelt.ch findet man die aktuelle Liste der Züchterinnen und Züchter, die Brieftaubenanlässe organisieren. Die Kosten belaufen sich auf 150 bis 200 Franken, je nach Distanz und Zeitaufwand, die der Züchter aufwenden muss.
Aber auch von anderen Einsätzen hört man hin und wieder. Da gibt es Armee- oder Polizeieinheiten, die Brieftauben für verschiedene Aufgaben einzusetzen versuchen, oder man liest wilde Geschichten von Schmugglern und Erpressern, die für ihre schwarzen Geschäfte Brieftauben einsetzen.
Die Taube wird seit Menschengedenken entweder geliebt oder gehasst. Das ist bis heute so. Beispiele dafür gibt es unzählige. Wieso das so ist, kann man nur vermuten. Die Tauben wirken sehr friedlich, sie sind auch sehr treue, liebevolle, zärtliche Partner und fürsorgliche Eltern.
Die friedliche Stimmung, die in einem Taubenschlag herrschen kann, wenn alle Vögel auf ihren Plätzen oder in ihren Zellen sind, zufrieden aufgeplustert dasitzen und hie und da eine noch leise gurrt, ist einmalig und ein beglückendes Erlebnis. Doch heisst es auch nicht ohne Grund, dass "es zu- und hergeht wie in einem Taubenschlag" wenn alles drunter und drüber geht. Die Tauben kennen keine feste Rangordnung, es wird täglich um die besten Plätze gekämpft und gestritten.
Richtig böse werden die Tauben, wenn eine Fremde in ihre Zelle will. Jungtauben, die sich verirren, werden da manchmal mit Schnabelhieben traktiert und manchmal arg zugerichtet.
Zum Schluss noch dies: Wer in Brieftaubenzüchterkreisen verkehren möchte, sollte sich den «Tübelergruss» merken. Der lautet ganz einfach
«Gut Flug!»
Text: Rita Schmidlin, Ergänzungen Hansueli Tschannen
Fotos: Alfons Schmidlin, Hansueli Tschannen & Wikipedia