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«Ich suche Worte, um dieses Mädchen zu beschreiben, ohne dabei respektlos zu sein. Verdammt, Mädchen! Wer ist hier eine sexy Bitch?» Das sind die völlig ironiefreien Zeilen in einem Song des französischen DJs David Guetta und des US-amerikanischen Sängers Akon.
Das Lied mit nervtötendem Dance-Beat lief kürzlich in einem Fünf-Dollar-Hostel, in dem ich lärmbedingt eine schlaflose Nacht verbrachte. Erschienen ist es 2009, totzukriegen offensichtlich nicht. In der Zwischenzeit wurde es rund fünfeinhalb Millionen Mal gekauft und 21-mal mit Platin ausgezeichnet.
Man kann nicht sagen, dass meine Generation einen guten Musikgeschmack hat. Zumindest nicht die grosse Masse. Besonders die David-Guetta-Ära war ein tiefschwarzes Kapitel in unserer musikalischen Vergangenheit: billige Elektroklänge, lahmer Text und wenig Anspruch auf Originalität. Noch heute geht es in den chartstürmenden Songs in erster Linie ums Aufreissen und Feiern. In den Musikvideos räkeln sich halbnackte Menschen. Sex sells.
Alles zu profan? Früher war alles besser? Von wegen. Mozart beipielsweise war genauso vulgär wie Akon und David Guetta. Er hatte eine Vorliebe für Fäkalhumor und schrieb etwa die Zeilen: «Leckt mir den Arsch recht sauber.» Und in den alten griechischen Theateraufführungen trugen die Männer übergrosse Penisprothesen und fanden das irre komisch.
Zügeln wir also unseren Kulturpessimismus. Denn: Von damals sind halt einfach die anspruchsvolleren Werke in Erinnerung geblieben.
Autor: Anne-Sophie Keller