Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03392.jsonl.gz/1861

Identifikation
Signatur:
Ar 629
Entstehungszeitraum / Laufzeit:
1990-2008
Umfang:
2.3 m
Kontext
Abgebende Stelle
Max Havelaar-Stiftung (Schweiz), Malzgasse 25, 4052 Basel
Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Die Max Havelaar-Stiftung (Schweiz) ist eine 1992 gegründete Stiftung mit Sitz in Zürich. Stifterwerke sind Caritas Schweiz, Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, HEKS (Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz) und Helvetas. Die Max Havelaar-Stiftung (Schweiz) setzt sich für faire Produktionsbedingungen und fairen Handel ein und vergibt zu diesem Zweck in der Schweiz mehrere Fairtrade-Labels gemäss den Richtlinien von Fairtrade International. Als erstes Produkt wurde in Zusammenarbeit mit der Importgenossenschaft 3. Welt OS3 (heute claro fair trade ag) sowie der Grossverteiler Coop und Migros Kaffee zertifiziert. Das Sortiment wurde in der Folge laufend erweitert. Im Jahr 2016 konnte die Stiftung einen Umsatz von 628 Mio. Franken für Fairtrade-Produkte verzeichnen. Der Pro-Kopf-Konsum in der Schweiz lag damit bei 75 Franken.
Das Fairtrade-Label für Blumen wurde 2001 eingeführt. Partner waren Blume3000, Migros, Coop und Volg. Die Schnittblumen waren das erste Agrarprodukt ausserhalb des Nahrungsmittelbereiches mit Max Havelaar-Gütesiegel. Zunächst wurden Blumen aus den Ländern Kenia und Simbabwe eingeführt. Der Absatz von zertifizierten Blumen stieg von 21 Mio. Stielen im Jahr 2001 auf 72 Mio. im Jahr 2003 an und pendelte sich anschliessend bis ins Jahr 2016 zwischen 72 Mio. und 89 Mio. ein. Die mit dem Label zertifizierten Blumenproduzenten verpflichteten sich, auf ihren Farmen Sozial- und Umweltstandards, wie zum Beispiel gleichen Lohn für Mann und Frau, einzuhalten. Gleichzeitig müssen die Importeure pro verkaufter Blume eine Fairtrade-Prämie an die liefernde Farm bezahlen. Diese Gelder werden durch eine paritätische Kommission des Managements und der Angestellten der Farm („Joint Body“ oder „Comité Mixta“ genannt) verwaltet und dienen der Finanzierung von Entwicklungsprojekten. In den Anfangsjahren zertifizierte, kontrollierte und unterstützte Max Havelaar Schweiz die Blumenfarmen eigenständig. Anders als bei anderen Produkten konnte diese Aufgaben nicht die internationale Fairtrade Labelling Organization (FLO) übernehmen, da man sich innerhalb der FLO nicht auf gemeinsame Sozial- und Umweltstandards einigen konnte.
Das Fairtrade-Label für Baumwolle wurde nach einer drei Jahre dauernden Vorbereitungsphase im Jahr 2005 lanciert. Im Jahr 2010 konnte mit 1‘209‘500 verkauften Produkten ein Höchststand verzeichnet werden. 2016 wurden noch 246‘831 Stücke verkauft, wobei die Stückzahl nicht mit der Menge von Fairtrade-Baumwolle korreliert. Baumwolle wird zum grössten Teil von Kleinbauern in ländlichen Gebieten von Entwicklungsländern produziert. Weil sie in der Regel auf Zwischenhändler angewiesen sind, können sie ihre Produkte oft nur zu schlechten Preisen absetzen. Mit festgelegten Mindestpreisen will Max Havelaar die ökonomische Situation der Produzierenden verbessern. Zudem setzt sich die Stiftung für demokratische Mitbestimmung in den zertifizierten Betrieben ein. Mit der sogenannten Fairtrade-Prämie werden Projekte im Bereich Produktivität und Qualität, aber auch Infrastruktur und Bildung unterstützt. Die zertifizierten Betriebe unterliegen zudem Umweltschutz-Vorschriften.
Übernahmemodalitäten
Die Akten wurden dem Schweizerischen Sozialarchiv am 12.03.2015 übergeben. Die Übergabe wurde von P. Fuhrimann und M. Staub betreut.
Inhalt und innere Ordnung
Form und Inhalt
Archivsplitter; dokumentiert sind zwei Projekte von Max Havelaar: Schnittblumen und Baumwolle/Textilien.
Der Bestand dokumentiert das Aushandeln, Umsetzen und Durchsetzen von Sozial- und Umweltstandards. Vorhanden sind Akten betr. Sozial- und Umweltstandards, Kampagnenmaterialien, Protokolle, Korrespondenzen, Tagungs-, Schulungs- und Audit-Unterlagen sowie Geschäftsakten. Die Akten stammen von Max Havelaar Schweiz und ihren Angestellten in den Produzentenländern, von zertifizierten Importeuren und Produzenten sowie von den Arbeiterorganisationen und paritätischen Kommissionen in den Produktionsbetrieben.
Bewertung und Kassation
Die Unterlagen wurden selektiv übernommen. Für das Projekt "Baumwolle" waren informative Überblicksordner vorhanden, deren Inhalt integral übernommen wurde. Für das Projekt Schnittblumen wurden v.a. bei den Produzenten-Akten Kassationen vorgenommen. Kassiert wurden rein administrative Akten wie Quittungen, Hotelbuchungen, Raumreservationen u.Ä., Mehrfachexemplare, Gesetzestexte, sachfremde Unterlagen sowie im Sozialarchiv bereits vorhandene Kleinschriften.
Neuzugänge
Es werden keine Neuzugänge erwartet.
Zugangs- und Benutzungsbedingungen
Zugangsbestimmungen
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.
Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher englischer französischer und spanischer Sprache Vereinzelte Akten in italienischer niederländischer und singhalesischer Sprache
Sachverwandte Unterlagen
Verwandte Verzeichnungseinheiten
Verzeichnungskontrolle
Informationen der Bearbeiter*in
Bearbeitet im Juni/Juli 2015 von M. Ruoss und M. Geissbühler sowie im August 2017 von M. Gafner.