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Ein Link ist ein Versprechen
Jedes gebrochenes Versprechen, gross oder klein, reduziert das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit. Der Text einer Linkbezeichnung liefert wichtige Informationen über die Seite, auf die verlinkt wird. Die Zielseite sollte erfüllen, was der Linktext verspricht.
by Kara Pernice (deutsche Übersetzung) - 14.12.2014
Jedes gebrochene Versprechen, gross oder klein, reduziert Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Ein Verehrer verabredet sich mit Ihnen, taucht dann aber nicht auf. Ein Elternteil verspricht, ein Spiel zu spielen, tut es allerdings nie. Ein Link auf einer Website lautet Produkte & Services, es öffnet sich allerdings eine Anmeldeseite. Diese gebrochenen Versprechen sorgen dafür, dass sich Personen getäuscht, frustriert, geringgeschätzt, enttäuscht und betrogen fühlen. Kurz gesagt, sie haben keine positiven Auswirkungen. Wenn ein Link andererseits hält was er verspricht, bewegen sich Besucher ohne Unterbrechungen vertrauensvoll durch die Webseite.
Links sollten auffallen
Im Rahmen von Eyetracking-Studien (engl.) beobachte ich häufig (engl.), dass Menschen versuchen, die geringste Menge an Inhalten zu scannen, um die benötigten Informationen zu finden. Menschen sind so programmiert, dass sie Effizienz suchen und versuchen, die Interaktionskosten (engl.) zu minimieren: Sie reduzieren die Anzahl von Fixationen (Dinge, die sie sich direkt ansehen) und scannen zuerst nur den Text bzw. jene Elemente der Nutzeroberfläche, von denen sie glauben, dass sie ihnen dabei helfen werden, den Inhalt zu verstehen und ihre Aufgabe zu lösen.
Bei einem häufig beobachteten Seiten-Scanningmuster (engl.), dem so genannten "Spotted Pattern", scannen Menschen die Website auf scheinbar zufällige Weise. Nach einer eingehenden Analyse stellt sich allerdings heraus, dass sie sich Dinge ansehen, die mit gesuchten Aspekten in Verbindung stehen oder die wichtig erscheinen bzw. anders als der Rest des Inhalts aussehen. Das beinhaltet:
- Überschriften
- Aufzählungen
- Inhalte (Wörter) die so aussehen wie das was die Nutzer suchen
- Ziffern, falls die Nutzer nach einem Wert, der eine Zahl enthält, suchen (zum Beispiel einer Temperatur oder einem Gewicht)
- Grossbuchstanden, falls sie nach Dingen suchen, die diese häufig enthalten (wie Abkürzungen von Ländern und Staaten)
- Buttons, wenn sie sichtbare Kennzeichen, wie einen rechteckigen Rahmen oder Schatten, aufweisen
- Links, wenn sie sich vom normalen Text unterscheiden (zum Beispiel, wenn sie eine andere Farbe haben, unterstrichen sind oder fettgedruckt wurden)
Wenn Links und Buttons anders formatiert wurden, als der umgebende Text, ziehen sie die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich. Das Resultat ist, dass sich viele Nutzer die nebenstehenden Inhalte nicht durchlesen und Links als separate Objekte betrachten. Der Begriff, der in einem Link verwendet wird, sollte aus diesem Grund auch dann verständlich sein, wenn er aus dem Zusammenhang gerissen und alleine gelesen wird (von dieser Vorgehensweise profitieren auch Nutzer von Screenreadern (engl.)). Tauschen Sie zum Beispiel Wörter, wie los, mehr und weiterlesen, gegen beschreibende Sätze, wie chatten Sie mit einem Spezialisten, Produkte und Services oder Baby in Flugzeug geboren.
Die besten Links sind salient und beschreibend. Personen sollten einen ausdrucksstarken Link oder Button-Text sehen, dann die Stärke der Informationsfährte bestimmen können, entscheiden, ob sie auf den Link klicken oder nicht, darauf klicken, warten, bis die nächste Seite geladen wurde, die Seite scannen und sofort bestätigt bekommen, dass sie sich am richtigen Ort befinden. In vielen Fällen bestätigen Websites die Vermutungen der Nutzer und so kann die Person die Seite vertrauensvoll weiterscannen oder weiterlesen.
Bestätigen Sie die Vermutung der Person
Sobald ein Nutzer auf einen Link klickt, liegt die Beweislast bei der Website - sie kann das Versprechen des Links einhalten oder brechen. Idealerweise sollte die Zielseite die Nutzer darüber informieren, dass sie am richtigen Ort angekommen sind, und wie sie von hier aus fortfahren können. Effektive Möglichkeiten, um die Annahmen der Nutzer zu bestätigen, inkludieren:
- Erwartete Inhalte im standardmässig sichtbaren Bereich zu platzieren, wodurch Nutzer nicht gezwungen sind, zu scrollen, zu klicken oder zu tippen, um die Informationen zu sehen
- Eine verständliche und sichtbare Seitenüberschrift
- Falls zu einem Applet verlinkt wird, sollten Sie das Applet oder zumindest die ersten Schritte des Workflows des Applets anzeigen
- Falls zu einem Formular verlinkt wird, zeigen Sie standardmässig einige Felder an
- Ein Bild, das mit dem Thema in Verbindung steht
Inkorrekt Seite mit einer vagen Beschreibung
Manchmal rufen Link- und Button-Texte Erwartungen hervor, die Links führen allerdings zu Dingen, die sich die Nutzer nicht erwarten. Noch schlimmer ist, dass manchmal nicht einmal klar ist, wovon die Seite überhaupt handelt. In diesen Fällen sind Nutzer gezwungen, zu raten und selbst den richtigen Weg zu suchen. Die Website der kanadischen Universität McGill enthält zum Beispiel im Bereich Graduate & Postdoctoral Studies den Link Programm, Kosten & mehr. Menschen, die nach Informationen über Studiengebühren suchen und auf den Link klicken, finden sich auf einer Seite wieder, die keine Gebühreninformationen enthält - es gibt nicht einmal Links zu Seiten, die Gebühreninformationen enthalten.
Der Link Programm, Kosten & mehr führt zu einer Seite, auf der erklärt wird, dass McGill zu den Top 25 der Universitäten gehört. Nutzer erwarteten sich wahrscheinlich eine Tabelle mit Studiengebühren und anderen geschätzten Kosten, stattdessen landen sie aber in einer Sackgasse ohne Links zu Gebühren und keinen weiteren Vorschlägen in der Informationsarchitektur.
Ein anderes Beispiel ist eine E-Mail von GoDaddy.com an eine Person, die eine Internetdomain kaufen möchte. Die Handlungsaufforderung ist ein grosser grüner Button mit dem Text Klicken, um Min/Max einzugeben. Er lässt vermuten, dass Sie durch einen Klick ein Formular erreichen, in das Sie ein Gebot für die Domain eingeben können. In Wirklichkeit öffnet sich aber eine Login-Seite (welche zwar üblich ist, aber dennoch den Gedankengang der Nutzer unterbricht und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass diese die Seite verlassen), die dann auf eine Website führt, auf der sich eine Tabelle mit zwei Domains befindet - inklusive einer, die der Nutzer besitzt. Auch auf dieser Seite können keine Mindest- oder Maximalgebote für die Domain eingegeben werden. Stattdessen muss die Person die Seite durchsuchen, den Text Domainkauf finden (welcher nicht leicht zu sehen ist, da er so positioniert wurde, dass er Teil eines Werbebanners im oberen Bereich der Seite zu sein scheint), die Nachricht Warten auf Min/Max-Gebot des Nutzers lesen, welche für die zweite Domain erscheint, und dann auf den Link klicken, welcher der zweite Domainname ist. Erst dann öffnet die Seite die Lightbox Domainservice für xxx.com einrichten, in welche Nutzer das Mindest- und Maximalgebot eingeben können.
Der Button-Text lässt vermuten, dass er zu einem Formular mit Feldern führt, in die das Minimal- und Maximalgebot eingegeben werden können. Stattdessen wird eine Login-Seite geladen, auf der Sie sich anmelden müssen. Danach sehen Sie eine Tabelle mit mehreren Domains, müssen eine Nachricht und einen Link zur Domain finden, um schliesslich das Formular zu erreichen, in das Sie das Mindest- und Maximalgebot eingeben können.
Erwartete Seite mit offensichtlichen Bestätigungen
Einige Linktexte beschreiben genau, wohin sie führen - und die nachfolgende Seite zeigt den Nutzern klar, dass sie sich am Ort befinden, den sie sich erwartet haben. Zum Beispiel lautet ein Titel im Karussell der Website der US-amerikanischen Food and Drug Administration: Three Encouraging Steps Towards New Antibiotics. Nachdem Sie auf diese Geschichte geklickt haben, erwarten Sie keine Überraschungen. Es lädt sich die Seite mit dem richtigen Artikel über Antibiotika. Der Titel erscheint im oberen Bereich der Seite und der Artikel folgt direkt darunter.
Der Linktext stimmt mit dem Titel der Seite, auf die er verlinkt, überein, was eine deutliche Bestätigung für den Nutzer ist.
In einem anderen Beispiel, nämlich auf ISoldMyHouse.com, sehen die Nutzer die Immobilienanzeige des Hauses, das sie verkaufen möchten, und können einen Tag der offenen Tür festlegen. Nachdem sie auf den blauen Button Tag der offenen Tür festlegen geklickt haben, erscheint ein Formular mit mehreren Elementen, die den Nutzern bestätigen, dass sie sich am richtigen Weg befinden. Dazu gehören:
- Ein auffälliger, orangefarbener Titel, der die Schlüsselwörter Tag der offenen Tür für… enthält.
- Derselbe Titel bestätigt auch die Nummer, die der Anzeige zugeordnet wurde (Anmerkung: für Menschen, die mehrere Immobilien zum Verkauf anbieten, wäre es hilfreich, an dieser Stelle die Adresse anzuzeigen, damit sie sich nicht an die Nummer jeder Immobilie erinnern müssen).
- Das Formular mit Feldern, wie Datum und Zeit für den Tag der offenen Tür, plus ein Button mit dem Text Tag der offenen Tür hinzufügen, um das Formular abzusenden. Dieser bestätigt die Aktion, die über die Seite getätigt wird.
Der Button weist auf eine Aktion auf der nächsten Seite hin und führt zu einem Formular, das sich die Menschen erwarten und mit dem sie interagieren können.
Zusammenfassung
Egal, ob es sich um eine nicht eingehaltene Verabredung, einen nie geworfenen Ball oder eine Produktseite, die auf Anfrage nicht lädt, handelt, Versprechen zu brechen ist unhöflich, unprofessionell und schadet Ihrem Unternehmen langfristig. Denken Sie daher zweimal darüber nach, bevor Sie ein Versprechen geben, das Sie nicht einhalten werden. Befolgen Sie stattdessen diesen einfachen Plan, der aus zwei Schritten besteht:
- Verwenden Sie beschreibende, wahre Linktexte und
- zeigen Sie sofort jene Dinge an, die sich der Nutzer erwartet - direkt auf der Zielseite des Links.
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