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Zur minimalinvasiven Chirurgie
Unter dem Begriff minimalinvasive Chirurgie werden verschiedene, meist neuere Operationstechniken zusammengefasst, welche die körperliche Belastung und die Wundflächen, die durch einen operativen Eingriff entstehen, so gering wie möglich halten.
Dies ist keine fundamental neue Entwicklung. Seit jeher zielen die Entwicklungen in der chirurgischen Therapie darauf, die Invasivität (das Eindringen in den Körper) und das Trauma (Verletzung des Körpers) durch den Eingriff selbst so gering wie möglich zu halten. Durch die Entwicklung von immer feineren Instrumenten, Möglichkeiten der Blutstillung und Möglichkeiten der besseren Visualisierung ist es immer besser möglich, lange, schmerzhafte Schnitte und Wunden wie auch auf innerlich grosse Wundflächen zu vermeiden.
Kürzere Rehabilitation, verminderte Schmerzen
Dies schlägt sich in einer rascheren Rehabilitation des Patienten, der Patientin nieder, aber auch in einem deutlich geringeren Schmerzmittelverbrauch als Folge der verminderten Wundschmerzen.
Die äusserlich häufig kleinen Schnitte dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Eingriff selbst den althergebrachten Regeln der Chirurgie bis ins Detail unterworfen ist. So dürfen in der chirurgischen Behandlung bösartiger Tumoren keine Kompromisse zu Ungunsten der radikalen Entfernung eines Tumors gemacht werden, nur um den Eingriff als minimalinvasiv bezeichnen zu können. Die Blutstillung muss bis ins Detail kontrolliert werden können (aufgrund der Vergrösserung durch die optischen Systeme ist dies sogar häufig übersichtlicher möglich als bei konventionellen, offenen Eingriffen) und auch die Übersicht über das Operationsgebiet muss zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein.
Blick auf die Entwicklung
Die ersten minimalinvasiven Eingriffe wurden ursprünglich von Frauenärzten bereits anfangs des 20. Jahrhunderts in Form von Bauchspiegelungen durchgeführt. Diese liessen damals lediglich diagnostische Aussagen zu, mit der Weiterentwicklung der Instrumentarien war bald auch die Unterbindung über die Bauchspiegelung möglich.
Neuere, auch kombinierte Methoden
Die herkömmliche Form der minimalinvasiven Chirurgie ist die Endoskopie (nach grch. "endo" = innen und "skopein" = betrachten), bei der über ein Kaltlichtkabel Körperhöhlen oder Gelenke ausgeleuchtet werden. Dies ist sowohl in der Bauchhöhle als auch in der Brusthöhle ein übersichtlicher Weg, die inneren Organe zu visualisieren. Durch zusätzliche kleine Schnitte können mit chirurgischen Instrumenten die Eingriffe vorgenommen werden. Neuere Entwicklungen in diesem Bereich zielen darauf ab, die Anzahl der Schnitte so gering wie möglich zu halten: So können beispielsweise natürliche Körperöffnungen dazu genutzt werden, die Schnitte in einem wenig schmerzempfindlichen Areal zu setzen und damit eine weitere Schmerzreduktion in der Genesungsphase zu erreichen. Diese Operationstechniken bezeichnet man als NOTES (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery = endoskopische Chirurgie durch natürliche Öffnungen).
Wird beispielsweise die konventionelle Bauchspiegelung mit einem zusätzlichen Zugang über die Scheide ergänzt, bezeichnet man den Eingriff als Hybrid-Operation, da zwei minimalinvasive Operationstechniken miteinander ergänzt werden.
Da die NOTES-Operationen einige Schwierigkeiten bezüglich des sicheren Verschlusses der Zugänge bieten (zum Beispiel, wenn über die Magenschleimhaut auf die Bauchhöhle eingegangen werden soll und die Magenwand hierzu willentlich durchbrochen wird), werden die konventionell-laparoskopischen Techniken (Laparoskopie = Bauchspiegelung) dahingehend erweitert, dass die Anzahl der Schnitte reduziert wird und beispielswese mehrere Instrumente und auch die Kameraoptik über einen einzigen Zugang am Nabel eingebracht werden (SPA, Single Port Access). Diese Technik stellt ans Instrumentarium besondere Anforderungen und ist mit den herkömmlichen Instrumenten der Laparoskopie nur schwer zu bewerkstelligen.
Allen minimalinvasiven Techniken gemeinsam ist, dass sie die gleichen Sicherheiten wie die herkömmliche offene und die herkömmlichen laparoskopischen und thorakoskopischen Methoden bieten können müssen (laparoskopisch = in der Bauchhöhle, thorakoskopisch = im Brustkorb).