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Es ist alles, wie es sein soll: das Flachdachhaus mit Garten und Garage 25 Kilometer vom Zentrum entfernt, die Gattin, die die selbstgenähten Vorhänge in die Schienen fügt, die Kinder, die im Garten Federball spielen – und doch fühlt Robert Haas auf seinem Liegestuhl unversehens «eine Spur Fremdheit». «Als ob sich zwischen ihn und die Aussenwelt eine Glaswand geschoben hätte.» Die Erzählung heisst «Die Uhr» und ist eine der sieben Geschichten, mit denen die am 14. Juni 1937 in Basel geborene Elisabeth Meylan 1972 unter dem Titel «Räume, unmöbliert» debütierte. Noch ein weiterer, für ihr Werk charakteristischer Satz steht in diesem Text. Als Haas Wochen später seine frisch reparierte Uhr in Gebrauch nimmt, heisst es: «Die Gewissheit, dass etwas ganz präzis an seinem Handgelenk abläuft und dass er Zeuge eines messbaren, unaufhaltsamem Vorgangs ist, erfüllt ihn mit heimlichem Behagen.» Elisabeth Meylan, die bei Walter Muschg Germanistik studiert und 1968 über Cécile Ines Loos doktoriert hatte, war nie eine naive Autorin. Von der existentialistischen gleicherweise wie von der absurden Literatur herkommend, evozierte sie in ihrer Prosa von allem Anfang an eine ihr selbst entfremdete, sinnentleerte Welt. Eine Welt, in der die Menschen kaum je eine beglückende Beziehung erleben und in der das einzig wirklich Unumstössliche das unaufhaltsame Vergehen von Zeit ist. Wobei die Exaktheit und Nüchternheit der Sprache, aber auch die Genauigkeit und Akribie der Beobachtung den Texten wie von selbst etwas Beklemmendes, in ihrer quälenden Monotonie Erschütterndes vermitteln. «Die Dauer der Fassaden» lautete vielsagend der Titel des ersten Romans von 1975: eine kühle, unsentimentale Dreiecksgeschichte unter Menschen ohne Illusionen, einem Architekten, einer Verlagslektorin und einem Arzt, die sich auf nächtlichen Rundgängen eine sich stetig verändernde Stadt erschliessen. 1980 erschien der zweite Roman: «Bis zum Anbruch des Morgens», die versuchte Annäherung zwischen zwei in ihrer Liebe Gescheiterten, die sich am Ende nicht zu einer neuen Bindung entschliessen können. «Das Ende von Weinbergs Schweigen» hiess 1992 der bislang letzte Roman: etwas wie eine Genfer Agentenstory, die aber im Kern wiederum die Geschichte einer missglückten Bindung ist. Stefan Weinberg ist in dunkle politische Machenschaften verstrickt und macht Renate, die sich in ihn verliebt hat, am Ende klar, dass in seiner bedrohten Situation eine Beziehung nur um den Preis des Schweigens möglich gewesen wäre. Dem Erstling hat Elisabeth Meylan, die nach einem längeren Aufenthalt in Genf heute wieder in Basel lebt, zwei weitere Erzählbände folgen lassen: «Zwischen Himmel und Hügel» (1989) und «Zimmerflucht» (1997): Geschichten, die wie die Romane von der Unmöglichkeit und vom Zerbrechen von Beziehungen handeln und in denen die Einsamkeit, ja die Verlorenheit der Menschen in einer immer unwohnlicher werdenden Welt auf bisweilen erschreckende Weise thematisiert ist. Stärker als die Prosa ist Elisabeth Meylans Lyrik, die in vier Publikationen gedruckt vorliegt, auf die «allernächsten Dinge» fokussiert, wie der letzte, 1994 publizierte Gedichtband heisst. Immer fassen diese Gebilde, die mal sieben Zeilen, mal neun Seiten lang sein können, Aspekte und Facetten unserer täglichen Welt so selbstverständlich, elegant und stilsicher in Worte, wie es nur den ganz Grossen der schreibenden Zunft gegeben ist.