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Krebsprävention: ASS verhindert Darmkrebs bei Patienten mit Lynch-Syndrom
Der Grossteil der verfügbaren klinischen Evidenz spricht für einen chemopräventiven Effekt von Azetylsalizylsäure (ASS) gegen kolorektale (und wahrscheinlich auch anderen) Tumoren. Dennoch kann ASS noch nicht routinemässig zur Krebsprävention empfohlen werden. Dies könnte sich bei Patienten mit Lynch-Syndrom, bei denen eine erbliche Veranlagung für Kolorektalkarzinome besteht, bald ändern.
In der CAPP2-Studie nahmen 861 Patienten mit Lynch-Syndrom bis zu vier Jahre lang täglich entweder 600 mg ASS oder Plazebo ein. Primärer Endpunkt war die Inzidenz kolorektaler Karzinome. In der Studie wurde zudem der Effekt eines Stärkepräparats geprüft, was aber nicht Gegenstand dieser Auswertung war.
Nach median 55.7 Monaten war bei 18 von 427 Patienten der ASS-Gruppe und bei 30 von 434 Patienten der Plazebo-Gruppe ein kolorektales Karzinom aufgetreten. In der Analyse nach ursprünglicher Gruppenzuteilung (Intention-to-treat) war der Unterschied jedoch nicht signifikant (HR=0.63, p=0.12). Erst in der Auswertung mittels Poisson-Regression (korrigiert nach Teilnehmern mit mehreren Darmkrebserkrankungen) wurde eine signifikante Risikosenkung um 44% gesehen (HR=0.56, p=0.05). Bei jenen, die ASS mindestens zwei Jahre einnahmen, lag das Darmkrebsrisiko sogar um 69% niedriger (HR=0.41, p=0.02). Bei den Nebenwirkungen (Blutungen, Ulzera, Anämien) wurden während der gesamten Behandlungszeit keine signifikanten Unterschiede beobachtet.
Konklusion der Autoren: Unter täglicher ASS-Einnahme (600 mg über mindestens zwei Jahre) war die Inzidenz von kolorektalen Karzinomen bei Patienten mit Lynch-Syndrom nach median 55.7 Monaten signifikant gesenkt worden. In der Nachfolgestudie CAPP3 soll nun die optimale Dosierung und Therapiedauer ermittelt werden.
Lancet 2011, online Publikation am 28 Oktober - Burn J on behalf of the CAPP2 Investigators
30.10.2011 - gem