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Kunst und Bau Hallenbad City
Karl Walser, «Badeszenen», 1941
Für Christian Morgenstern war Karl Walser (1877–1943) ein «Götterliebling»: «Er ist ein geniales Kind, ein Schweizer Bub, den irgendeinmal eine Grazie gesäugt hat, als seine Mutter nicht zu Hause war.» Der gebürtige Bieler, Bruder des Schriftstellers Robert Walser, der sich um die Jahrhundertwende in Berlin niederliess, genoss zu Lebzeiten eine unerhörte, heute nur noch schwer nachvollziehbare Wertschätzung. Sein Stern verblasste nach seinem Tod so unaufhaltsam, wie sich Robert Walsers Ruhm verbreitete.
Zum Auftrag für die Wandmalereien im Hallenbad City, dem zwischen 1939 und 1941 erstellten Bau von Stadtbaumeister Hermann Herter, einem hervorragenden Beispiel des «Neuen Bauens», kam es nur dank dem Ruf, der dem Maler Karl Walser vorausging. Der Auftrag erfolgte, nachdem der Wettbewerb, den die Stadt Zürich als Massnahme gegen die grassierende Arbeitslosigkeit unter der Künstlerschaft veranstaltet hatte, zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hatte. Auf Antrag von Stadtbaumeister Herter beschloss die Jury kurzerhand, den «für diese Aufgabe am ehesten befähigten» Walser «mit der Lieferung eines Entwurfes für die Bemalung des Erfrischungsraumes im Hallenbad zu betrauen». Der Entwurf lag innerhalb von einem Monat vor und überzeugte gleich.
Karl Walser hatte sich in Berlin als Buchillustrator und Bühnenbildner einen Namen gemacht. Man bewunderte die Virtuosität seines Strichs, seinen Sinn für das Dekorative und die Eleganz der Darstellung. Zum Wandmaler entwickelte sich Walser nach seiner Rückkehr in die Schweiz. Auf Arbeiten für den Kunstmäzen Oskar Reinhart in Winterthur folgte in den zwanziger Jahren der Auftrag von Martin Bodmer zur Ausgestaltung des Muraltenguts in Zürich. Walser fand in den grossformatigen bukolischen Szenen, die er für das Vestibül und den Ballsaal dieser heute im Besitz der Stadt befindlichen Villa schuf, zu seinem reifen, homogenen Stil. Diese Malerei mit den monumentalen, kantigen Figuren hat sich meilenweit von den zierlichen Kompositionen der Frühzeit entfernt. Geblieben ist indes der Sinn für das Ausgewogene und die in höhere Sphären entrückte Szenerie. In arkadischen Gefilden harmonisch vereinte Mädchen und Jünglinge werden zu Walsers Markenzeichen.
Die vier Wandbilder für das Zürcher Hallenbad bestätigen dies und beweisen gleichzeitig, wie subtil Karl Walser auf die gegebenen architektonischen Verhältnisse reagierte. Angefangen beim zurückhaltenden, von Ocker und Blau bestimmten Kolorit, das die Farbigkeit des von aussen durch grosse Fenster sichtbaren Baderaums aufnimmt. Als Motive ̶ je zwei über den Treppenaufgängen ̶ hat Walser neben schwimmenden Männern und Frauen zwei Jünglingsfiguren gewählt. Während die eine mit Abtrocknen beschäftigt ist, labt sich die andere noch an herunterfliessendem Wasser. In beiden Schwimmerbildern bewegen sich drei kräftige, stilisierte Körper im und über dem Wasser, wo sie neben der Horizontalen die Diagonale betonen. Die Trennung von Luft und Wasser ist unklar. Es kam Walser, der keine Modelle verwendete, auf den Rhythmus an. Zur Besonderheit dieser Wandbilder trägt die in Spachteltechnik auf den Verputz angebrachte Ölmalerei bei. Durch die unregelmässigen Umrisse entsteht der Eindruck, die Szenen würden wie Textilien vor unseren Augen aufgespannt.
Caroline Kesser, Juni 2013
Kunst
|Kunst||Karl Walser (1877–1943)|
«Badeszenen», 1941
Öl-Spachteltechnik auf Verputz; 4-teilig
verschiedene Dimensionen
Foto: Hannes Henz
|Bauzeit||1939–1941|
|Adresse||Hallenbad City|
Sihlstrasse 71
8001 Zürich