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Frage No 08
08 Hat die Technologisierung uns weiter gebracht?
Die Spezialisierung schadet dem Bürgersinn. So ein Befund. Der andere: technologischer Nutzen ist keine Garantie für positive gesellschaftliche Entwicklungen. Die Antwort auf die Frage fällt bei Rousseau also einmal mehr negativ aus. Allerdings muss man auch hier zweimal hinschauen: Die Nützlichkeit der angewandten Wissenschaften, die die Technologisierung fördern, muss sich beweisen angesichts der Frage, ob ihr Fortschritt auch positive Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Diese ist noch schwerer zu beantworten für die Philosophie und die Künste. Sie erscheinen als Parasiten und Schmarotzer. Natürlich ist das insofern höchst widersprüchlich, als Rousseau ja selber nichts anderes ist als der Prototyp eines solchen „Parasiten“. Ähnliches gilt für den Buchdruck, den Rousseau selber fleissig nutzt und dessen propagandistische Wirkung er in einer Fussnote thematisiert.
„Antwortet mir doch, Ihr berühmten Philosophen, Ihr, durch die wir nun wissen, inwiefern sich Körper im leeren Raum anziehen, wie sich bei der Kreisbahn der Planeten in gleicher Zeit durchlaufene Räume zueinander verhalten, welche Kurven konjugierte Punkte, Wendepunkte und Rückkehrpunkte haben, wie der Mensch alles in Gott erblickt, wie Seele und Leib ohne Wechselwirkung wie zwei Uhrwerke einander entsprechen, welche Gestirne bewohnbar sind, welche Insekten sich auf ungewöhnliche Weise fortpflanzen: Antwortet mir, sage ich, Ihr, durch die wir solch erhabene Kenntnisse erlangten: Wenn Ihr uns von all diesen Dingen nie etwas gelehrt hättet, wären wir dann weniger an der Zahl, weniger gut regiert, flößten wir weniger Furcht ein, hätten wir weniger Wohlstand – oder wären wir noch perverser?“
„Wir haben Naturkundler, Landvermesser, Chemiker, Sternkundige, Dichter, Musiker, Maler, aber keine Bürger mehr. Oder, sofern uns noch einige verblieben sind, so sind sie in verödete, ländliche Gegenden zerstreut und gehen dort in Elend und Verachtung zugrunde“
„Betrachtet man dieses entsetzliche Durcheinander, das der Buchdruck in Europa bereits angerichtet hat, und beurteilt man die Zukunft anhand des Fortschritts, den das Übel tagtäglich vergrößert, dann lässt sich leicht voraussehen, dass die Herrscher unverzüglich genauso viel Mühe darauf verwenden werden, diese fürchterliche Kunst aus ihren Staaten zu verbannen, wie es kostete, sie dort einzuführen“
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