Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03209.jsonl.gz/518

Nachdem der top gesetzte und als erster Titelanwärter gehandelte Solothurner Christian Bösiger im Viertelfinal gescheitert war, schien für Olivier Andrey der Weg frei zu seinem siebten Schweizer Meistertitel im Einzel. Im Halbfinal schaltete Andrey den Waadtländer Oliver Colin (Yverdon-les-Bains) aus und zog souverän ins Endspiel ein. Colin, der Mann fürs Rustikale, der seine etwas unorthodoxe Schlagtechnik mit seiner Grösse, mit Kraft und einem unbändigen Willen kompensiert, vermochte mit Andrey jeweils nur bis Satzmitte mitzuhalten. Dann zog der 34-Jährige jeweils davon und setzte sich mit 21:15, 21:15 durch. Es war ein starker Auftritt, der für den Final hoffen liess.
Andrey fehlte die Kraft
Gegen Christoph Heiniger (Trogen-Speicher) konnte Andrey jedoch nicht mehr mithalten. «Heiniger hat ein enormes Tempo angeschlagen. Ich war physisch erschöpft, nachdem ich in den letzten drei Tagen unter einer Erkältung litt, und konnte nicht mithalten», sagte Olivier Andrey gestern nach seiner 11:21, 11:21-Finalniederlage. Vor einem Jahr hatte der Wünnewiler den 28-jährigen Ostschweizer im Endspiel noch bezwungen, gestern nahm Heiniger erfolgreich Revanche. Heiniger, der in den letzten Jahren bereits dreimal den Final erreicht, diesen aber ebenso oft verlor, war ein würdiger Meister. Er beeindruckte mit seiner Schnelligkeit und Schlagsicherheit. Olivier Andrey konnte sich dennoch über Silber freuen. «Nachdem ich am Samstag zweimal kurz vor dem Ausscheiden war, ist es toll, dass ich es überhaupt in den Final geschafft habe.»
Lehmann gewinnt Bronze
Grund zur Freude hatte auch Julian Lehmann. Der 18-Jährige–im Vorjahr noch in der ersten Runde gescheitert–spielte ein ganz starkes Turnier und scheiterte erst im Halbfinal gegen den neuen Meister (und kam gegen diesen als Einziger zu einem Satzgewinn). Nach dem klar verlorenen Startsatz (12:21) fand der Schmittner im zweiten Durchgang besser zu seinem Rhythmus und glich zum 1:1 aus. Im Entscheidungssatz missriet ihm der Start allerdings gründlich. Lehmann produzierte fünf leichte Fehler, so dass Heiniger, ohne grossen Aufwand betreiben zu müssen, auf 7:2 davonziehen konnte. Während Lehmann mit Fortdauer des dritten Satzes zunehmend mit seiner Leistung haderte, spielte der Ostschweizer seine ganze Routine aus und zog nach 48 Minuten Spielzeit in den Final ein. «Ich war im Kopf und körperlich müde. Heiniger brauchte nur den Ball im Spiel zu halten und auf meine Fehler zu warten. Ich freue mich aber mega über Bronze. Ich hätte nie gedacht, dass ich eine Medaille gewinnen könnte.»
Mit Benedikt Schaller (Schmitten) schlug sich ein weiterer junger Freiburger Akteur ausgezeichnet. Schaller, noch ein Jahr jünger als Lehmann, schied erst im Viertelfinal gegen Olivier Andrey aus, nachdem er diesen an den Rand einer Niederlage gebracht hatte.
Zwei Medaillen für Oliver Schaller
Erfolgreichster Freiburger Spieler war Oliver Schaller mit dem Gewinn einer Gold- und einer Bronzemedaille.
Schaller und Mathias Bonny (La Chaux-de-Fonds), im Doppel bloss als Nummer 5 gesetzt, waren ein überraschendes Siegerduo. Die beiden jungen Nationalspieler bezwangen im Final die Walliser Florian und Roger Schmid 21:16, 21:17, die zuvor ihrerseits mit den top gesetzten Christian und Thomas Heiniger ein anderes Brüderpaar eliminiert hatten. «Bisher habe ich mit Mathias in der Nationalmannschaft stets Doppel gespielt», sagt Oliver Schaller. «Da er sich aber künftig auf die Einzeldisziplin konzentriert, war dies unser letztes gemeinsames Turnier. Wenn man mit dem Meistertitel aufhören kann, ist das natürlich genial.»
Der Titelgewinn war Oliver Schaller eher im Mixed als im Doppel zugetraut worden. Doch für Schaller und Céline Burkart, die in den letzten Wochen einige Erfolge an internationalen Turnieren feiern konnten, bedeuteten Christian Bösiger/Sanya Herzig im Halbfinal Endstation. «Nachdem wir trotz schwerer Auslosung ziemlich leicht in den Halbfinal einziehen konnten, waren wir uns vielleicht etwas zu siegessicher », übte Schaller Selbstkritik. «Bronze kann sich aber durchaus auch sehen lassen.»
Frauen: Erneutes Triple für Jaquet
S abrina Jaquet gewann zum dritten Mal in Folge auf souveräne Art und Weise gleich drei Titel. Im Einzel blieb die 27-jährige Olympia-Teilnehmerin von London in allen vier Partien ohne Satzverlust. Sowohl Nicole Ankli (Adliswil), die im Halbfinal 17:21, 10:21 verlor, als auch die Aargauerin Ayla Huser, die im Final 16:21, 15:21 unterlag, mussten die klare Überlegenheit der Neuenburgerin neidlos anerkennen. Auch Jaquets erfolgreiche Titelverteidigung im Frauen-Doppel zusammen mit ihrer Einzel-Finalgegnerin Ayla Huser stand nie in Gefahr – ebenso wenig der Erfolg im Mixed an der Seite von Anthony Dumartheray (Yverdon).
Enttäuschend verliefen die Titelkämpfe für die Freiburgerin Tiffany Girona. Die Spielerin der Union Tafers-Freiburg, die zusammen mit Céline Burkart (Trogen-Speicher) an den Start ging und zum erweiterten Favoritenkreis zählte – schied bereits im Achtelfinal aus. Gegen Cendrine Hantz (Uzwil)/Sanya Herzig (Uni Basel) verloren Girona/ Burkart in drei Sätzen (18:21, 21:16, 12:21). ms
Badminton SM 2015
Die Freiburger Medaillengewinner
Gold
Oliver Schaller Doppel
Silber
Olivier Andrey Einzel
Bronze
Julian Lehmann Einzel
Oliver Schaller Mixed