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Wohlriechendes Veilchen - Viola odorata
Duftveilchen (syn. Heckenveilchen, Märzveilchen, Veilchen, Wohlriechendes Veilchen).
VORKOMMEN
Das Duftveilchen bevorzugt als Standort lichte bis halbschattige Plätze und fühlt sich unter sommergrünen, nicht zu dicht stehenden Sträuchern beispielsweise gemeinsam mit Leberblümchen oder auch als Rosenbegleiter im Garten sehr wohl. In der freien Natur ist es an Waldrändern und in sommergrünen Hecken und Gebüschen zu finden.
MERKMALE
Das Duftveilchen ist vor allem wegen seines süssen Dufts bekannt. Es handelt sich um eine rhizombildende, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 5 bis 15 Zentimeter erreicht. Die in einer grundständigen Blattrosette zusammenstehenden Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Am rückwärts behaarten Blattstiel befinden sich in der Mitte zwei Vorblätter. Die grasgrünen, einfachen Blattspreiten sind etwa gleich lang wie breit und rundlich nierenförmig bis breit eiförmig. Die breit lanzettlich bis eiförmigen Nebenblätter tragen einzelne Fransen oder sind kahl. Die Blütezeit erstreckt sich von März bis April. Die wohlriechenden, manchmal kleistogamen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind stumpf. Die fünf dunkelviolettfarbenen Kronblätter bilden eine 2 bis 3 Zentimeter grosse Krone. Der Sporn ist meist gerade ausgebildet.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Oleum Violae - (syn. Oleum Violae odoratae aethereum); Veilchenblütenöl (syn. Veilchenöl, Viola odorata-Blütenöl), das äther. Öl der frischen Blüten.
2. Violae odoratae flos - (syn. Flores Violae odorata); Veilchenblüten, die getrockneten Blüten.
3. Violae odoratae folium - (syn. Folia Violae odoratae); Veilchenblätter, die zur Blütezeit gesammelten und an der Luft getrockneten Blätter.
4. Violae odoratae herba - (syn. Herba Violae odoratae); Veilchenkraut, das blühende Kraut.
5. Violae odoratae rhizoma - (syn. Radix Violae, Radix Violae odoratae, Rhizoma Violae, Rhizoma Violae odoratae); Echte Veilchenwurzel, der getrocknete Wurzelstock.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Oleum Violae - Das ätherische Öl der frischen Blüten enthält unter anderem Parmon
(trans-α-Ionon, das Duftprinzip des Öles), ferner Undecanon-2,
Isoborneol, 2,6-Nonadien-1-al sowie u. a. die Sesquiterpene
(-)-Zingiberen, (+)-α-Curcumen, α- und β-Ionon.
2. Violae odoratae flos - Ätherisches Öl (siehe Viola odorata-Blütenöl), Flavonoide, unter anderem Rutosid, Anthocyane, besonders Violanin und Gauin, Schleimstoffe, Salicylsäuremethylester. Saponine wurden nachgewiesen.
3. Violae odoratae folium - Schleimstoffe, Triterpene, u. a. Friedelin, β-Sitosterol, Salicylsäuremethylester, Phenolcarbonsäuren, u. a. Ferulasäure und Sinapinsäure sowie das Alkaloid Violin. Auch in der Blattdroge wurden Saponine nachgewiesen.
4. Violae odoratae herba - siehe Violae odoratae folium.
5. Violae odoratae rhizoma - Der getrocknete Wurzelstock enthält ätherisches Öl (0,038 %) mit β-Nitropropionsäure und Salicylsäuremethylester (gebildet als Spaltprodukt bei der Wasserdampfdestillation), das Salicylsäureglucosid Gaultherin sowie das Alkaloid Violin. Die Anwesenheit von Saponinen wurde in älteren Arbeiten festgestellt.
PHARMAKOLOGIE
Moderne Forschungen konnten für Extrakte aus Viola odorata eine blutfettsenkende und vasodilatative Wirkung feststellen [Lit. 1]. Dies würde
unterstützende Anwendung bei erhöhten Blutfettwerten und Hypertonie
zumindest teilweise erklären. Die blutfettsenkende Wirkung soll auf
einer verminderten Aufnahme und Synthese von Lipiden als auch auf den
antioxidativen Eigenschaften von Viola odorata beruhen. Für ein Peptid
aus Viola odorata, das Cyclopeptid Cyclovioloycin 02 (ein
Cyclotid), konnten krebswidrige, chemosensibilisierende [Lit. 2] als auch
antibakterielle Effekte aufgezeigt werden. Neben ihrer potentiell
antitumoralen Wirkungen könnten Cyclotide aus Viola odorata auch auf Grund ihrer besonderen chemischen und biologischen Stabilität
als Muster für neue Medikamente gegen Krebserkrankungen dienen [Lit. 3].
ANWENDUNG
1. Oleum Violae - Das kostbare Veilchenblütenöl wird in der gehobenen Parfümerie zur Herstellung von Parfüm und Pomade verwendet.
2. Violae odoratae flos - Die Blüten finden Verwendung in Teezubereitungen zur Schleimlösung bei Bronchialkatarrh, bei chronischer Bronchitis, Asthma und Migräne. Speziell als Kinderarznei in Form von Veilchensirup bei Bronchialkatarrh zur Reizmilderung und Schleimlösung. Die Wirksamkeit der Veoilchenblüten bei diesen Indikationen ist nicht belegt.
3. Violae odoratae folium - wie Violae odoratae herba.
4. Violae odoratae herba - Veilchenkraut findet als Teeaufguss Verwendung bei Husten, Heiserkeit, Lungenentzündung und als schweisstreibendes Mittel. Auch bei Halsentzündungen und Bronchitis mit festsitzendem Schleim findet das Kraut Anwendung. Die Wirksamkeit bei den genannten Indikationen ist nicht belegt.
5. Violae odoratae rhizoma - Veilchenwurzel wird bei Erkrankungen der Atmungsorgane, insbesondere bei trockenen Katarrhen mit spärlicher Sekretion angewendet. Durch die vorhandenen Saponine kann man die Droge zu den auswurffördernden Hustenmitteln rechnen. Die Wirkung ähnelt jener der Schlüsselblume, gilt aber als schwächer. Die Wirksamkeit der Droge bei den genannten Anwendungsgebieten ist nicht ausreichend belegt.
"Veilchenwurzel" wird traditionell gegen Schmerzen und Beschwerden beim Zahnen von Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt. Hierbei handelt es sich aber um die Wurzel von Iris-Arten, vor allem der Deutschen Schwertlillie.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Violae odoratae flos - Als Teeaufguss 1 gehäufter Teelöffel auf 1 Tasse Wasser. Zweimal täglich 1 Tasse schluckweise trinken.
Violae odoratae herba - Teezubereitung: 2 Teelöffel Veilchenkraut auf 250 mL Wasser. Zwei- bis dreimal täglich 1 Tasse trinken.
Violae odoratae rhizoma - Mittlere Einzelgabe der Echten Veilchenwurzel zum Einnehmen: 1,0 g.
STATUS
- Kommission E: - negative Bewertung (Blüte, Kraut und Wurzel)
- ESCOP: - Keine Bearbeitung
- HMPC: - Keine Bearbeitung
HOMÖOPATHIE
Viola odorata HAB 34; die frischen, zur Blütezeit gesammelten, oberirdischen Pflanzenteile.
Anwendungsgebiet: Entzündungen der Atemwege, Rheuma der Handgelenke.
DUFTVEILCHEN IM GARTEN
Als einer der ersten Frühlingsboten zeigt das Veilchen seine schönen Blüten. Duftveilchen sind im Garten völlig problemlos zu halten, solange der Standort nicht allzu heiss ist. Die Pflanze bevorzugt kühle und luftfeuchte Plätze im Halbschatten von Gehölzen bei lehmigen und nährstoffreichem Boden. Gute Begleiter sind z.B. die Weisse Taubnessel oder das Lungenkraut. Solange das Wohlriechende Veilchen genug Wasser und nicht zuviel Sonne hat, können sie sich regelmässig über das Parfüm des Frühlings freuen.
SONSTIGES
Bereits Hippokrates und Dioscurides verwendeten Veilchen als Arzneipflanzen.Das Duftveilchen war im griechischen und römischen Altertum eine mehreren Gottheiten geweihte Kultpflanze. Aufgrund des Duftes und der dunklen Blüten galt das Veilchen den Griechen auch als Blume der Liebe.
Letzte Änderung: 16.03.2017 / © W. Arnold