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|Geschichte von Genf

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Artikel vom 4. November 2003
Die Geschichte von Genf beginnt um 3000 bis 2500
v. Chr., als
sich die ersten Menschen an den
Ufern des Genfersees (Lac Léman) nieder liessen. Eine Pfahlbausiedlung
entstand um 2500 v. Chr. im heutigen Hafenbereich. Als erste befestigte
Siedlung auf dem heutigen Stadthügel gilt ein Oppidum der keltischen
Allobroger, die 120 v. Chr. von den Römern unterworfen.
In das Blickfeld der Weltgeschichte geriet die
Stadt erstmals im Jahr 58 v. Chr., als Julius Caesar die Helvetier vom
Einmarsch in Gallien abhielt, indem er die strategisch wichtige Rhonebrücke
zerstören liess. Caesar war es auch, der in De bello Gallico
Genf als "Geneva" erstmals namentlich erwähnte.
Die Stadt wurde um 400 Bischofssitz.
443 wurde Genf die erste Hauptstadt des Burgunderreiches. 534 gehörte die
Stadt zum Königreich der Merowinger, ein Königsgeschlecht der salischen
Franken. 887 kam Genf unter den Einfluss des zweiten Burgundischen Reiches (Hochburgund).
Mit diesem fiel die Stadt 1032 an das Heilige Römische Reich deutscher Nation.
1160 wurde
mit dem Bau der Cathédrale de Saint-Pierre (Petersdom) im Herzen der heutigen
Altstadt begonnen. 1260 wurden Markthallen errichtet und die Stadt erlebte
einen
Aufschwung dank seiner Handelsmessen. Bischof Adhémar Fabri gestand 1387 den
Genfer Bürgern in einer Charta das Selbstverwaltungsrecht zu.
1526 Schlossen sich Genf, Bern und Fribourg zu einem Städtebund zusammen.
1536 reiste der aus Paris geflohene Theologe Jean Calvin (1509-65) nach Genf,
wo der Generalrat der Stadt die Reformation annahm. Mit Hilfe des Genfer
Reformators Guillaume Farel (1489-1565), der seit 1532 in Genf für die neue
Lehre wirkte, erlangte Calvin insbesondere nach der Rückkehr aus einer
dreijährigen Verbannung 1541 in der Stadt grossen Einfluss auf die
Angelegenheiten von Staat und Kirche. Sie errichteten ein streng
theokratisches Regime. 1559 wurde die Genfer
Akademie als Vorläufer der heutigen Universität, an welcher der Schreibende
übrigens studierte, gegründet. Ursprünglich war sie zur Ausbildung
reformierter Theologen bestimmt. Calvin lenkte mit Hilfe der Akademie das
Interesse der Handelsstadt auf die Wissenschaften.
Ab 1550 wurde Genf zur Zufluchtsstätte der Reformierten im heutigen Italien
und Frankreich. Dank ihren internationalen Wirtschaftsbeziehungen gaben diese
Flüchtlinge der Genfer Industrie wichtige Impulse. Sie entwickelten die
Buchdruckerei, die Wirtschaft und Geistlichkeit miteinander verband. So wurden
die calvinistischen und reformatorischen Ideen in die Welt getragen und
brachten der Stadt erst noch Reichtum. Um 1600 wurde Genf zu einer der
führenden Städte der Seidenherstellung.
1584 schlossen Genf, Bern und Zürich einen Städtebund. 1602 versuchte der
Herzog von Savoyen, Karl Emmanuel I., erfolglos, Genf in einer nächtlichen
Aktion durch Übersteigen der Stadtmauern seinem Reich einzuverleiben. Die
Genfer pflegen jährlich das Angedenken an dieses Ereignis am patriotischen Fest
der "Escalade", das zum Symbol des Genfer Unabhängigkeitswillens
geworden ist.
Die Widerrufung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. 1685 bereitete der
Religionsfreiheit in Frankreich ein Ende. Viele Hugenotten flüchteten daraufhin
in einer zweiten Flüchtlingswelle in die Calvinstadt und bereicherten mit ihrem Wissen und Fleiss die
Stadt nicht nur kulturell, sondern auch wortwörtlich. Im 18. Jahrhundert
etablieren sich die grossen protestantischen Banken, deren Erbe die heutigen
Privatbanken sind. Insbesondere Händler, hugenottische Uhrmacher und Goldschmiede
erlebten
im 17. und 18. Jahrhundert einen Aufschwung. Genf zeichnete sich durch
Investitionen im Ausland aus. Die Bankiers machten auch im Ausland Karriere, so
wurde Jacques Necker allgemeiner Finanzdirektor unter Ludwig XVI. und Albert
Gallatin wurde der erste Staatssekretär für Finanzen in den Vereinigten
Staaten.
1712 wurde der Philosoph und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau (1712-78), der sich
"Citoyen de Genève" nannte, in der Stadt geboren. Er hatte grossen
Einfluss sowohl auf die französische Romantik als auch auf die nach seinem
Tod stattfindende französische Revolution. Von 1755 an hielt sich sein
philosophischer Gegenspieler Voltaire in Genf auf.
Nach Schwierigkeiten mit der calvinistischen Stadtregierung erwarb Voltaire 1758
Dorf und Schloss Ferney bei Genf, das noch heute als Ferney-Voltaire
existiert. 1778 reiste Voltaire von Ferney nach Paris, um der Uraufführung
seiner Tragödie "Irène" beizuwohnen. Kurz darauf verstarb er und
wurde bei Troyes begraben, ehe er 1791 von den siegreichen Revolutionären in
den Pariser Panthéon überführt wurde.
1798 annektierten die napoleonischen Truppen Genf, das zur Hauptstadt des
französischen Département du Léman wurde. Die stolze Genfer Republik wurde
erst 1813 wieder hergestellt. Am 1. Juni 1814 landeten zwei eidgenössische
Bataillons aus Fribourg und Solothurn in Port-Noir. Am 12. September stimmte
der Bundestag dem Beitritt Genfs zur Schweizerischen Eidgenossenschaft bei.
Der Einheitsvertrag wurde am 19. Mai 1815 unterzeichnet.
1842 wurde die Stadt Genf eine unabhängige Gemeinde mit einem vom Volk
gewählten Stadtrat. Nach der Revolution von 1846 wurde im Jahr darauf die
noch heute gültige Genfer Verfassung angenommen.
1863 gründeten Henry Dunant, der Genfer General Guillaume-Henri Dufour und
Gustave Moynier das "Internationale Hilfskomitee für
Kriegsverletzte", das sich später in "Internationales Komitee vom
Roten Kreuz" umbenannte. Mit der Unterzeichnung der ersten Genfer
Konvention von 1864 entstand das internationale humanitäre Recht. Die Villa
Moynier, in der das IKRK jahrelang seinen Sitz hatte, gibt es übrigens heute
noch. Der Schreibende hat darin als Student an Kolloquien und Vorlesungen
teilgenommen. Siehe auch das Exklusiv-Interview
von 1999 mit Cornelio Sommaruga, dem damals scheidenden Präsidenten des
IKRK (English
article).
In den Jahren 1850 bis 1880 wurden die Stadtmauern geschleift, um Genf Platz
zur Ausdehnung zu geben. 1879 öffnet das Grand Théâtre, die Genfer Oper,
ihre Türen.
1896 fand in Genf die Nationale Ausstellung statt. 1907 wurden Staat und Kirche
getrennt.
1920 entstand eine Landebahn am Flughafen Coinrin. 1924 fand die erste
Internationale Automobilmesse in Genf statt. 1930 wurden durch Volksentscheid
die Stadt Genf und ihre Vorortgemeinden zusammen gelegt.
Das Wahrzeichen Genfs, der Jet
d'Eau, war ursprünglich ein Überdruckventil der Wasserwerke von Coulouvrenière.
1891 fand der Jet d'Eau seinen heutigen Standort. Aber erst seit 1947 ist die Fontäne
mit einer Pumpe ausgestattet, die 500 Liter Wasser pro Sekunde in 140 Meter
Höhe spritzen lässt, natürlich nur noch wegen dem dekorativen Effekt, zur Freude
von
Touristen wie Genfern.
1918 fand das erste Konzert des Orchestre de la Suisse Romande
statt, das unter seinem Gründer Ernest Ansermet seine Glanzzeit mit
Uraufführungen von Werken von Igor Strawinsky, Manuel de Falla, Sergei
Prokofiev, Arthur Honegger, Frank Martin und anderen erlebte.
Bereits im 19.
Jahrhundert hatten sich die ersten internationale Organisationen in Genf
niedergelassen.
Nach dem ersten Weltkrieg wurde Genf 1919 Sitz des Völkerbundes, nach dem Zweiten Weltkrieg
1946 Sitz der Vereinten Nationen. 1953 liess sich die kernphysikalische
Grundlagenforschungsstätte CERN in Genf
nieder. Dort wurde 1991 das World Wide Web geboren, ohne das sie diesen
Artikel nicht lesen könnten.
2003 wurde das neue Fussballstadion eingeweiht und die Yacht "Alinghi" des
Genfer Milliardärs Ernesto
Bertarelli (Serono International AG) holte die berühmteste Segeltrophäe der Welt, den America's Cup,
in das Binnenland Schweiz. Nicht verschwiegen werden soll allerdings, dass die
Stadt der Bankiers es auch verstanden hat, einen Schuldenberg von rund 10
Milliarden Schweizerfranken anzuhäufen.

Der Jet d'Eau, das Wahrzeichen Genfs.
Foto: © Genève Tourisme.
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Le Mur de la Réforme/Die Reformmauer im Park des Bastions.
Foto: © Genève Tourisme.
Die Genfer Oper, das Grand Théâtre. Foto: © Genève Tourisme.
Schachspieler im Park des Bastions. Hier hat auch der Schreibende in
seinen Studienjahren einige Partien gespielt. Foto: © Genève Tourisme.
Place du Bourg de Four, Altstadt. Foto: © Genève Tourisme.