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Von Halifax nach Campbellton zur Halbinsel Gaspésie
28. Mai 2022 – 31. Mai 2022
Titanic und Halifax
Vor dem Rückflug von Hannelore wollen wir am 28. Mai das Maritime-Museum in Halifax besuchen. Wir parken Jupi auf der Nordseite der Stadt und wollen mit der Fähre über die Bucht von Halifax (auch Halifax Harbour genannt) zum Museum fahren. Der Himmel weint, Hannelore soll wohl bleiben, es regnet in Strömen. Wir laufen Richtung Fähre, sind nach wenigen hundert Metern trotz Regenjacke schon pflotschnass und kehren deshalb wieder um.
Das Museum hätte uns interessiert, weil es einen speziellen Teil über die Titanic gibt, die am 14. April 1912 etwa 1’500km östlich von Halfiax in einen Eisberg krachte und sank. Dabei kamen über 1’500 der 2’200 an Bord befindlichen Personen ums Leben. Etwa 300 Leichen wurden geborgen und nach Halifax gebracht. Rund die Hälfte konnte zu ihren Hinterbliebenen transportiert werden, die restlichen, teilweise unidentifizierten Opfer wurden hier beerdigt.
So verbringen wir den Tag mehrheitlich in Jupi und Einkaufszentren. Hannelore kauft noch letzte Souvenirs und Geschenke, bevor wir am späteren Nachmittag zum Flughafen fahren und dort zum letzten Mal für drei kochen. Hannelores Flug startet mit rund 50 Minuten Verspätung gegen 23 Uhr und wir übernachten gleich auf dem Flughafenareal. Guten Flug, es war wunderschön mit dir zusammen zu reisen!
Brücken-Zoll
Über die Bucht zu gelangen ist in Halifax mautpflichtig, d.h. die Brücken zu befahren kostet $3.50. Das Zahlsystem ist dabei sehr speziell, hier unser erste Brückenfahrt: Wir kommen ans (vermeintliche) Zahlstellen-Häuschen, eine Fahrt kostet $3.50. Wir geben dem Angestellten dort drin eine 20 Dollar-Note und erhalten Geld zurück. Dann fahren wir weiter zur Barriere, die sich aber nicht öffnet. Der Mann vom Häuschen kommt zu uns und erklärt, dass er nur das Geld gewechselt habe und wir nun $ 3.50 davon in das Körbchen neben uns werfen müssen…
Beim zweiten Mal fahren Bettina und Hannelore mit dem Mietcamper und ich mit Jupi hinterher zu einer zweiten Brücke über die Bucht. Bettina fährt vor mir, wirft das Geld ins Körbchen und fährt weiter. Und ich denke in dem Moment: «Oh Mist, ich habe ja gar kein kanadisches Bargeld bei mir.» Beim Häuschen frage ich, ob ich auch mit Kreditkarte bezahlen könne, ich hätte kein Bargeld. Der Mann im Häuschen: «Only Cash.» Ich: «Ich habe aber nur Kreditkarte». Er schaut Jupi an, schaut mich an, schaut in seinen Monitor und sieht wohl, dass hinter mir eine ganze Schlange kommt. Wortlos öffnet er die Schranke und ich kann durch.
Tidel Bore zum Zweiten – Touristenfalle
Wir besuchen das Fundy Tidal Interpretative Centre in South Maitland NS am Shubenacadie River. Auch hier soll eine Tidal Bore, also eine Gezeitenwelle, bei Hochwasser den Fluss hochkommen, ähnlich wie in Truro, was wir sehr eindrücklich erlebt haben. Zusätzlich wird hier aber noch beworben, dass man River Rafting machen kann und zwar bei Flut den Fluss aufwärts, sonst fährt man ja immer den Fluss runter.
Dieses Mal sind wir nicht bei Vollmond sondern bei Halbmond hier, so dass das Hochwasser in der Bay of Fundy natürlich geringer ist. Als die Wasserströmung des Flusses langsam kippt, gibt es einige eindrückliche Wirbel, die Tidel Bore selber sehen wir aber erst, als sie langsam über eine Sandbank kriecht und über die paar stehenden Wellen zu raften sieht in unseren Augen eher unspektakulär aus. Dass die Gummi-Boote dabei teilweise noch grosse Aussenborder besitzen, sagt eigentlich schon alles.
(wie immer: auf das Bild klicken, damit es grösser und schärfer wird)
Weisskopfseeadler
Schon mehrmals haben wir in Nova Scotia Weisskopfseeadler in der Luft gesehen, meistens während dem Fahren. Ich habe gelesen, dass in dieser Region die Sichtung gut möglich sei. Die Lady vom Tidal Interpretative Centre macht uns noch mehr Mut und erzählt, dass die Adler hier entlang des Flusses (Shubenacadie River) fast jeden Kilometer ein Nest in den Bäumen hätten, sie hätte heute Morgen bereits einige in der Luft gesehen, wir sollen doch den Trail hinter dem Haus mal ablaufen.
Wie empfohlen machen wir das und tatsächlich sehen wir in der Ferne zwei oder drei Weisskopfseeadler kreisen. Auf dem Rückweg fliegt plötzlich einer recht nahe an uns vorbei und landet in einer Tanne, der wir uns dann vorsichtig nähern. Er scheint an irgend etwas zu nagen, wir können es aber nicht richtig erkennen. Bettina und ich können einige Aufnahmen davon machen, vorallem als er wieder wegfliegt und nochmals bei uns vorbei fliegt, genial.
Daneben sehen wir wieder die schönen Rotschulterstärlinge, auf englisch heissen sie «red winged blackbird», sehr einfach zu merken.
Und entlang des Shubenacadie River darf Jupi zum ersten Mal in Kanada etwas Naturstrasse fahren.
New Brunswick
Auf unserer Fahrt Richtung Norden zur Halbinsel Gaspésie kommen wir wieder in die Provinz mit dem wunderschönen Wappen und den zweisprachigen Stoppschildern, New Brunswick (Neu-Braunschweig). Wie in Nova Scotia sind die Strassen teilweise in einem schlechten Zustand, der Winter scheint den Asphalt ziemlich in Mitleidenschaft gezogen zu haben, viele Schlaglöcher, Risse und teils tiefe Spurrinnen.
Hier fällt uns noch mehr als in Nova Scotia die Rückbesinnung zu den Akadiern auf. Die Akadier waren die ersten Siedler, die Ende des 16. Jahrhunderts aus Europa kamen, vorallem aus der Bretagne und der Normandie. Sie versuchten möglichst konfliktlos mit den lokalen Ureinwohner von hier zu leben, die seit rund 8’000 Jahren hier lebten. Zu dieser Zeit war die Kolonialisierung für die Herrscher Europas noch kein Thema, man war viel mehr auf der Suche nach der Nordwestpassage, also einem Seeweg nördlich des amerikanischen Kontinents vom Atlantik zum Pazifik, zu China und Indien, denn dort wollte man die grossen Geschäfte machen. Damals dachte man noch, es gäbe eine einfach Passage, heute wissen wir, dass diese (noch) während einem grossen Teil des Jahres zugefroren ist.
Der frühe Vogel fängt den Wurm…
Ich erwache morgens um 6 Uhr und schaue aus dem Fenster. In diesem Moment läuft gerade ein Fuchs dem Strand entlang. Es dauert eine Weile bis mein Hirn registriert, was ich sehe. Als die «Verbindung» klappt springe ich aus dem Bett und steige rasch in meine Kleider, gehe mit der Kamera nach draussen. Nach einer Weile entdecke ich den Fuchs wieder, er versteckt sich im Gras und lauert wohl ein paar Vögeln auf. Er sieht mich natürlich, der Vogel auch und beide schiessen im gleichen Moment nach oben. Alles geht blitzschnell, so dass ich trotz «schussbereiter» Kamera zu spät auslöse und den Moment verpasse. Ob der Fuchs den Vogel erwischt hat?
Die Vögel singen fleissig, mir gefallen die Wanderdrosseln mit den orangen Bäuchen am besten. Eine kann ich mit einem Wurm im Schnabel fotografieren, en Guete…
Auf dem Meer kurven derweil mehrere Lobster-Boote herum und heben ihre Körbe rein, die mit farbigen Bojen markiert sind.
Unterwegs an der Lobster-Küste
Wir fahren der Küste entlang, natürlich hat auch hier die Strasse einen schönen Namen, Sunrise Trail. Bereits in Nova Scotia hiess sie so. Es ist generell schöner der Küste entlang zu fahren als nur durch Wald, auch wenn er jetzt schön grün ist. Wir kommen an sehr schmucken Ortschaften vorbei, die Grundstücke am Meer werden wohl auch hier nicht ganz günstig sein.
Wir wollen zwar nicht zur kleinsten Provinz Kanadas, Prince Edward Island, aber die 12.9km lange Brücke wollen wir schon sehen und machen einen kleinen Abstecher dorthin. Bei der 1997 eröffneten Brücke mit dem Namen Confederation Bridge handelt es sich um die längste Brücke Kanadas, sie kostete 1 Milliarde kanadische Dollar und ist wirklich sehr eindrücklich. Wir besuchen dazu den kleinen Park auf der Festlandseite und können sie gut sehen. Neben uns hat es nur wenige Leute, dafür sehr viele Mücken, wir werden fast gefressen. Doch dank den wenigen Leuten entdecken wir auch zwei Hasen beim Spielen und Gras fressen.
Die ganze Küste ist Teil des Golfs von St. Lorenz. Der St. Lorenz-Strom bringt sehr nährstoffreiches Wasser, das Gebiet ist deshalb äusserst fischreich. An der Küste sehen wir viele Hummer-Fischer oder eben englisch Lobster-Fischer. Die Ortschaft Shediac scheint Lobster-City zu sein, hier gibt es auch den grössten Hummer zu sehen, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollen und dort einen Stopp einlegen.
Bettina und ich sind uns beide nicht sicher, ob uns Hummer schmeckt oder nicht, normalerweise stehen wir nicht so auf Seegetiere, natürlich mit Ausnahme von Fisch. Doch wir wollen es probieren und erkundigen uns, wo es wohl ein Hummersandwich oder so was ähnliches gibt. Obwohl wir Ende Mai haben, ist immer noch vieles geschlossen, doch im Lobster-Deck erhalten wir ein Hummer-Club-Sandwich, das natürlich die Grösse XXL hat und für uns beide reicht. Dabei ist auch eine Portion knackige Pommes-Frites und ein winziger Kabis-Salat, Mmmmh.
Erfahrungen mit Jupi – Wohnwagen XXL
In Nova Scotia wie auch in New Brunswick gibt es viele freizugängliche Entsorgungs-Stationen (Dumping-Station), so dass wir mit Jupi immer gut unser Abwasser entsorgen und neues bunkern konnten. Für das Frischwasser passen unsere Gardena-Adapter, es sind ja auch Zoll-Gewinde. Da man das Abwasser in ein Rohr leiten muss, brauchen wir nun zum Entsorgen immer einen Schlauch und diesen zu befestigen ist an unserem Bimobil EX366 echt mühsam, denn ich muss dazu immer unter Jupi kriechen. Ich glaube, bei den neueren Modellen wurde dies besser gelöst. Hier müssen wir schauen, ob wir nicht etwas besseres konstruieren können. Auch hat der Schlauch bereits einen Riss bekommen, temporär haben wir ihn mit Betonklebeband repariert.
Probleme bereiten uns die Abdeckungen an Jupi von Strom und Wasser, diese schliessen mit einem Magneten und diese rosten was das Zeug hält. Einmal während der Fahrt hörten wir von der Seite ein neues Geräusch und stellten fest, dass die Abdeckung des Stroms herumflatterte. Auch diese haben wir nun mal mit Beton-Klebeband festgeklebt. Bereits früher ersetzten wir ein solches Magnet. Aus meiner Sicht bewährt sich diese Konstruktion nur, wenn auch rostfreises Material verbaut wird.
Uns fällt auf, dass es in Nova Scotia wie auch in New Brunswick kaum Camper resp. Wohnmobile hat, die meisten Leute hier haben einen Wohnwagen, und dies im XXL-Format, d.h. sehr lang, mindestens zwei Achsen und natürlich Slide-Outs auf den Seiten. Auf Plätzen mit Dauermietern sind diese Anhänger dann fix ans Frisch- und Abwasser angeschlossen, damit hat man eine richtige kleine Ferienwohnung.
Danach geht es weiter, wir verlassen die Provinz New Brunswick in Campbellton über eine wunderschöne Eisenbrücke, die uns über den Rivière Ristigouche auf die Halbinsel Gaspésie in die Provinz Québec führt. Als wir die Bilder anschauen entdecken wir, dass wir möglicherweise gar nicht über die Brücke hätten fahren dürfen: Es hat ein Verbot für Wohnmobile…
Unsere Route
Im folgenden unsere Route, die wir mit Jupi während dieses Bericht-Zeitraums gefahren sind auf der Karte:
Die aktuelle Position von Jupi ist auf dieser Seite zu finden: https://www.jupi.bvision.ch/jupispot/