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Kurz vor Mitternacht fragt CorrRsin1* (Name geändert) in einer Mail: «Fühlst du dich sicher? Bevor der grosse Sturm kommt und du alles verlierst?» Hinter der Zeile hockt ein lächelndes Smiley. Am Ende der E-Mail hängt ein verwackeltes Foto. Es zeigt das Auto von Nora Betschart*, das vor dem Haus ihres neuen Freunds steht. Die nächste Nachricht folgt ein paar Tage später. «Fühlst du dich wohl bei ihm zu Hause??? Coole Jogging-Strecke hast du da im Wald!!!»
Die Decknamen wechseln, der Mann dahinter ist derselbe: Jonas Zygg*. Ein Versicherungsberater und Golfer. Die Ex-Affäre, ein Stalker.
War sie zu naiv? Zu nett? Selbst schuld? Nein, nein, nein. Aber nur weil Nora die Antworten kennt, sind die Fragen nicht vom Tisch. «Immer wieder durchlebe ich Situationen und frage mich: Warum habe ich die Warnsignale nicht gesehen?» Es ist ein heisser Julitag. Die 43-Jährige sitzt auf ihrem Balkon und tut, wonach ihr ist. Essen, telefonieren, «sünnele». In der Ecke stehen die Veloschuhe, am See wartet das Stand-up-Paddle. Es ist der erste Sommer, in dem sie sich nicht beobachtet fühlt.
Der letzte war 2017. Damals hatte sie ganz andere Sorgen. «Ich steckte in der Scheidung, suchte einen Job und vermisste meinen Sohn.» Nach der Trennung lebt der Neunjährige nur zwei Wochen pro Monat bei Nora. Die restliche Zeit lenkt sie sich ab und spielt Golf. Da trifft sie Jonas, 28. Er ist neu im Golfclub. Aus dem Nachbarkanton und frisch getrennt, sagt er. Was sich, wie vieles andere, später als falsch herausstellt. Er flirtet früh, aber Nora will keine Beziehung. Nicht so frisch nach der Trennung, nicht mit einem zehn Jahre jüngeren Mann. Kein Problem, sagt Jonas. Noch eine Lüge.