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Neulich stellte in einem Biker-Forum jemand eine Frage zur korrekten Einstellung des Federbeins, nachdem sein Kennzeichen aufgrund unsachgemäßer Montage, in Verbindung mit einem – sagen wir – am oberen Ende des Erwartungsbereichs liegenden Fahrergewicht vom Hinterrad „gefressen“ worden war.
Der Fragesteller hatte natürlich völlig recht mit seiner Bemerkung, daß sein Motorrad ja auch einen Soziusbetrieb hätte aushalten müssen – das nur am Rande.
Egal. Er erhielt in kürzester Zeit eine Reihe von mäßig zielführenden Ratschlägen, darunter den, eine härtere Feder, z.B. eine 120er (Federsteifigkeit: 120 N/mm) zu montieren, die Druckstufe des Dämpfers zu erhöhen, oder sich gleich an einen kommerziellen Fahrwerksspezialisten zu wenden.
Ich staune bei solchen Gelegenheiten immer wieder, wie selbstbewusst Leute völlig faktenfreie Ratschläge vergeben, z.B. den, eine 120er Feder zu verwenden, ohne überhaupt zu wissen, welche Feder der Fragesteller denn aktuell verbaut hat.
Oder den Ratschlag, die Druckstufe des Dämpfers zu erhöhen, dessen Befolgung mit gravierenden Nebenwirkungen einhergeht, die ich in einem separaten Artikel noch darstellen werde.
Der von Mehreren erteilte Rat, sich doch gleich an einen (kostenpflichtigen) Spezialisten zu wenden, war dann die Kompetenz-mäßige Bankrotterklärung dieses Forums schlechthin. Denn die Fragestellung, wie denn ein Federbein einzustellen sei, war zwar dort seit meinem Beitritt vor mehr als vier Jahren bereits ungezählte Male auf unterschiedlichem Niveau diskutiert worden, allerdings ohne daß sich eine brauchbare Referenz-Erklärung dabei herauskristallisiert hätte. Und eigentlich sollte doch der Austausch technischer Anleitungen zum Kernbereich so eines Biker-Forums gehören.
Genug Anlass also für mich, meine Untersuchungsergebnisse zu dem Themenkomplex, welche inzwischen sogar Podestplätze im Google-Ranking (unter aktuell rund 95’000 Mitbewerbern) erzielen, dem Forum einmal vorzustellen.
Ich habe also die Zusammenhänge zwischen Einfederung am Hinterrad, der Vorspannung und zusätzlichen Kompression der Feder im Federbein mit Fahrermasse und Federsteifigkeit in Verbindung gebracht. Dabei auf das durch die Schwingengeometrie vorgegebene Übersetzungsverhältnis zwischen Einfederung an der Hinterachse und Verkürzung der Feder hingewiesen, und auch die Trennung zwischen Ungefederten und Gefederten Massen bei der Hinterradaufhängung mit einbezogen. Insgesamt eine vollständige und kohärente Darstellung, mitsamt einer schlüssigen Beispielrechnung anhand der vom Fragesteller beigesteuerten Messwerte, wie sie dieses Forum bis dahin nicht gesehen hatte.
Nichts Nobelpreis-Verdächtiges, sondern lediglich die gründliche und systematische Anwendung verschiedener einfacher Beobachtungen und Zusammenhänge, in einfachen Sätzen dargestellt, ohne Fremdworte oder fortgeschrittene Berechnungsverfahren zu bemühen. Alleine das Beherrschen der Grundrechenarten hat zum Verständnis vollkommen ausgereicht.
Allerdings, und darauf bin ich dann doch ein wenig stolz, hat diese Zusammenhänge weder im gegenständlichen Forum, noch in anderen öffentlich zugänglichen Publikationen im Internet (soweit mir bekannt) bisher jemand so vollständig analysiert und dann wieder so zusammengesetzt, daß Jeder, der eine Führerscheinprüfung bestehen kann, meinen Ausführungen auch folgen konnte.
Der Fragesteller im Forum hat sich dann herzlich bedankt, und auch sonst gab es eine Reihe von positiven Reaktionen. Also alles gut soweit.
Hätte man meinen können.
Wenig später ergab es sich, weil immer noch Corona-Time war, mit Lockdown und Home-Office bzw. Freistellung, daß ich mich im gleichen Forum in die Diskussion einschaltete, ob denn die neue Ducati Streetfighter V4S die 300 km/h Marke erreichen können würde. Meine dort vorgetragene Argumentation dazu habe ich in meinem Blog hier dargestellt. Meine Kurzfassung an dieser Stelle: sie schafft es nicht.
Und dann goss jemand, nennen wir ihn „Poster A„, den ich persönlich kenne und der genug Grips hat es besser zu wissen, nochmals frisches Öl in diese Diskussion mit einem Screenshot, in dem handschriftlich rot eingerahmt die Zahl „301,5 km/h“ bei einer Drehzahl von 15’000 U/min für die Streetfighter V4S markiert war. Verbunden mit dem Hinweis, wörtliches Zitat:
Mit Rückenwind oder bergab oder überhaupt: Echte 300 sind möglich.
Worauf ich dann erneut auf die Physik hinweise, die diesen Wunschtraum unrealistisch macht. Weil die 15’000 U/min im Roten Bereich liegen, und die Leistung dort sowieso bereits deutlich von der (ohnehin zu geringen) Maximalleistung am Hinterrad bei Nenndrehzahl abgefallen sei.
An der Stelle schaltet sich nun „Poster B“ ein, und wirft mir „gescheites und Oberlehrer-haftes Daherschreiben“ vor. Womit wir also endlich beim Thema dieses Beitrags angelangt sind. 😎
Eine Menge Dinge gingen mir bei diesem als Beleidigung gedachten Einwurf von „Poster B“ durch den Kopf:
Erstens: was mag im Leben dieses Menschen schief gelaufen sein, daß er bereits das Lernen an sich als negativ empfindet, und die Fähigkeit, anderen etwas beibringen zu können(!) meint, beschimpfen zu dürfen?
Dabei bestreite ich nicht, daß es mir Freude bereitet, Menschen etwas beizubringen. Das ist sogar ausdrücklich meine Absicht. Ich sehe mich da in bester Tradition eines Herrn Konfuzius, der bereits vor 2’500 Jahren erkannte:
Gibst Du einem Menschen einen Fisch, ernährst Du ihn für einen Tag. Lehrst Du ihn das Fischen, ernährst Du ihn für sein Leben lang.
Einzelne Fische, zum Teil ungenießbare und verdorbene, werden im besagten Forum bereits mehr als genug verteilt. Deshalb achte ich darauf, nicht mit kleinen Wissensbröckchen um mich zu werfen, sondern liefere regelmäßig Grundlagen, Quellen und Herleitungen meiner Aussagen mit dazu. Um Lesern zu ermöglichen, die für die Lösung eines Problems notwendigen Gedanken nachvollziehen und ggf. auch kritisch hinterfragen zu können. Und ultimativ: bei zukünftigen Problemstellungen selbst auf eine Lösung zu kommen!
Zweitens fragte ich mich: warum kam dieser Vorwurf genau jetzt, und nicht bereits bei meinen Ausführungen zum Federbein? Immerhin war mein Vorgehen und auch mein Schreibstil in beiden Fällen identisch: aufbauend auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten einzelne, als gesichert geltende Fakten logisch so zu verknüpfen, daß man die unbekannte Antwort auf eine neue Frage erhält.
Lag es nur an einer Wiederholung meines Verhaltens, daß jemand endlich genervt genug war, daran öffentlich Anstoß zu nehmen? Ich denke nicht, daß es so einfach ist. Statt dessen kam mir der Werbe-Slogan von Ducati in den Sinn, mit dem die neue Streetfighter V4S u.a. wie folgt beworben wird: „Ego Booster Design„.
Wir dürfen vorstellen: Das neue Ducati Super Naked Bike: voller Adrenalin und exzessiv, ohne jegliche Konkurrenz in diesem Segment, ist sie in der Lage, das „Ego“ ihres Fahrers zu pushen.Zitat: ducati.com
Ich glaube, jetzt wird es langsam warm.
Ob man in seinem Fahrwerk eine 90er oder 120er Feder fährt, ist für alle Unbeteiligten wurscht, genauso wie die Frage der eingestellten Vorspannung. Das sieht niemand, und eignet sich am Biker-Treffpunkt nicht als Unterscheidungs- oder gar Alleinstellungsmerkmal. Das Wissen um die Zusammenhänge am Federbein ist deshalb neutral, und nicht emotional aufgeladen.
Anders bei der Streetfighter V4S. Die wird idealisiert. Sie verspricht schon alleine aufgrund ihres Preises eine selten erreichte Exklusivität. Das Überschreiten der 300 km/h Marke wäre ein weiterer Ausdruck dafür, daß dieses Bike tatsächlich „in einer anderen Liga“ spielt. Was es ohnehin tut, völlig unabhängig vom Überschreiten einer willkürlich gesetzten Marke.
Aber diejenigen, die dafür empfänglich sind, scheinen die Grandiosität, die dieses Bike in Aussicht stellt, gedanklich auch ohne Kauf bereits vorweg zu nehmen und auf sich selbst zu übertragen. Und so scheint derjenige persönlichen Schmerz zu empfinden, aus dessen derart künstlich aufgeblasenem Ego mittels der Nadel der Physik die Luft heraus gelassen wird. Weil „Poster B“ offenbar die fachliche Kompetenz fehlte, mich auf der Sachebene zu widerlegen, blieb ihm so nur der Angriff auf meine Person.
So herum wird wohl eher ein Schuh daraus.
„Poster B“ war übrigens nicht alleine mit seiner Missbilligung. Zwei weitere Poster entblödeten sich nicht, öffentlich ihren Rückzug ins selbst-gewählte Tal der Ahnungslosen anzukündigen und meine Beiträge zukünftig ignorieren zu wollen. Wohl um sich durch meine Beiträge nicht länger in ihrem wohlig-dumpfen Dämmerzustand stören zu lassen. Tja dann. Man kann Esel nur zur Tränke führen …
Was „Poster A“ angeht:
Da ich sowohl hier in meinem Blog, als auch bei meinen inzwischen nur noch seltenen Beiträgen im besagten Forum einen emanzipatorischen Ansatz verfolge, der den Lesern anhand konkreter Problemstellungen Lösungskompetenz vermitteln soll, nehme ich es „Poster A“ persönlich übel, daß er wider besseres Wissen einen offenkundig verdummenden Effekt auf die Leser bezweckt. Denn daß von seinem widersprüchlichen Statement über „Rückenwind, Bergabfahrt und echten 300“ nur die „echte(!) 300 sind möglich“ im Gedächtnis des flüchtigen Lesers hängenbleiben würden, das wird ihm klar gewesen sein und genau so auch von ihm beabsichtigt.
Wenn ich das Ganze einmal in einen größeren Zusammenhang stelle, jenseits meiner eigenen, kleinen Befindlichkeiten:
So ist die Welt in ihren derzeitigen, kritischen Zustand nicht deswegen geraten weil zu viel nachgedacht wurde, sonder weil im Gegenteil zu wenig nachgedacht wird. Und weil von zu vielen Leuten einfach nur gedankenlos konsumiert wird, was von anderen vorgesetzt wird.
Die Ignoranz, die darin liegt, die Arbeitsergebnisse von Ingenieuren Göttinnen-gleich („Diva“) in den Himmel zu heben, aber die Arbeitsweise von Ingenieuren zu beschimpfen, die wird solchen Leuten garnicht bewusst. Dabei fällt auch die exklusivste Streetfighter V4S genauso in den Dreck wenn man sie nicht sorgfältig abstellt, wie eine rostige und Öl-versiffte MZ. Weil beide den gleichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Auch wenn beide Vorstellungen unterschiedlich schmerzhaft sein dürften. Und das gilt genauso für die Überwindung des Luftwiderstands bei Höchstgeschwindigkeit.
Konfuzius hat auch dazu seine Beobachtungen:
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch Nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.
So hat Jeder die Wahl.