Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03239.jsonl.gz/19

von Jürg Schweizer
Im 15. und 16. Jh. wechselte eine erhebliche Zahl von kleineren Herrschaften aus dem Ministerialadel (Niederadel) in die Hand von aufstrebenden stadtbernischen Familien. Zur Demonstration ihrer politischen und wirtschaftlichen Macht liessen diese Stadtbürger die verfallenden mittelalterlichen Burgen zu zeitgemässen Landsitzen um- oder ausbauen. Dabei kam es zu unterschiedlichen architektonischen Lösungen. Wurde in einen Fall die mittelalterliche Bausubstanz mehr oder weniger sichtbar gelassen und mit zeitgemässen Wohnbauten umgeben, wurde sie im zweiten Fall teilweise abgetragen und in den Wohnbau integriert. Im dritten Fall verschwand der mittelalterliche Vorgänger ganz und an seine Stelle trat ein völliger Neubau, im vierten entstand das neue Schloss neben der mittelalterlichen Anlage, die man einfach stehen liess. Als wesentliches neues Element wird in dieser Zeit der zwei- und dreiseitig umschlossene Innenhof (Burgistein) in die Herrschafts-Architektur eingeführt.
Um 1500 kommt als neue Bauform der Wohnstock auf, bestehend aus einem rechteckigen Wohnteil und einem Treppenturm, der die ursprünglich innen liegenden steilen Treppen ersetzte. Hinsichtlich der Stellung des Turmes zum Gebäude, seiner Form und Höhe ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten. Auch die innere Struktur der Wohnbauten (Erschliessung durch Korridore) wie die Ausstattung der Räume (Täfer, Stuck, Bemalung) erfahren einen starken Wandel. Um 1530 taucht in Spiez z.B. der erste Fayence-Ofen der Schweiz auf.
Am Ende des Ancien Régime gab es etwa 50 Landvogteien. Als Sitz dieser kleinen "Feudalherren auf Zeit" dienten in der Regel alte Herrschaftszentren, Schlösser und ehemalige Klöster, die Bern im Laufe der Zeit dem jeweiligen Komfortanspruch und Geschmack anpasste. Zentrum der Landvogtwohnung bildeten die grosse Stube und die Küche für den privaten Bereich. Die alten Hauptsäle mehrerer Schlösser, die eigentlichen "Rittersäle", wurden für repräsentative Zwecke und Anlässe instand gehalten und ausgebaut; die mit den Wappen der jeweils residierenden Landvögte ausgestatteten "Schiltensäle" gehörten somit zur Standardausrüstung der Landvogteien.
All diese Veränderungen werden im Beitrag mit zahlreichen Beispielen aus der Landschaft Bern dargestellt.
, Jürg : Schlösser und Landsitze in der Landschaft Bern
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 14. Jahrgang 2009, Heft 2, 42 - 57.