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Was als freundschaftlicher Briefwechsel begann, wurde zum literarischen Hauptereignis der Jahre 1730–1745: Der Streit zwischen den beiden Zürcher Gelehrten Johann Jacob Bodmer und Johann Jacob Breitinger auf der einen sowie dem »Leipziger Literaturpapst« Johann Christoph Gottsched auf der anderen Seite. Als »Zürcher Literaturstreit« ging diese Auseinandersetzung in die Geschichte ein und erfasste bald auch andere kulturelle Zentren Deutschlands und der Schweiz. Bodmer und Breitinger hatten sich gegen Gottscheds rationale Regelpoetik gewandt und für mehr Fantasie und literarische Vorstellungskraft plädiert. Und während Gottsched die Franzosen und ihre Klassiker verehrte, lobten Bodmer und Breitinger die englische Dichtung. 1741 drohte zwischen den Parteien der offene Krieg auszubrechen, ein Streitschriftenkrieg entbrannte, in dem beiden Seiten alle Hemmungen fallen liessen.
Für seine Auseinandersetzungen mit den Gegnern nutzte Gottsched die Belustigungen des Verstandes und des Witzes (1741–1745), bei denen er im Hintergrund die Fäden zog. Die Zeitschrift erschien als Antwort auf Bodmers und Breitingers Sammlung critischer, poetischer, und andrer geistvollen Schriften, zur Verbesserung des Urtheils und des Wizes in den Wercken der Wolredenheit und der Poesie. Beide waren aus den moralischen Wochenschriften hervorgegangen, mit denen man seit Beginn des 18. Jahrhunderts das bürgerliche Publikum nicht nur informieren, sondern auch zu dessen Meinungsbildung und zur Verbreitung aufklärerischer Ideen beitragen wollte. Die Discourse der Mahlern (ab 1721), die »erste bemerkenswertere Sittenschrift«, von Bodmer und Breitinger spielte dabei eine wichtige Rolle, wie auch Die vernünftigen Tadlerinnen (ab 1725) und Der Biedermann (ab 1727) von Gottsched.
Das eigentliche Ziel dieser Publikationen war die Volksaufklärung, doch die Fülle von Streitschriften gegen die Zürcher verlieh den Belustigungen des Verstandes und des Witzes in den ersten drei Jahren ihres Bestehens den Charakter einer literarischen Pamphletsammlung. Mit dem Entscheid, nur deutsche Originalarbeiten aufzunehmen, wollte man ausserdem die Vorwürfe, den Deutschen mangle es an Poesie und sie seien geschickter im Nachahmen als in Eigenschöpfungen zunichtemachen. Man wollte »hier kund machen […], wie viel der deutsche Witz vermag«.
Da die Kritik an diesem Vorgehen jedoch bald nicht mehr nur aus der Schweiz, sondern auch aus den eigenen Reihen kam und sich immer mehr Mitarbeiter gegen Gottsched auflehnten, sah sich dieser zum Handeln gezwungen. Die Belustigungen des Verstandes und des Witzes wurden 1743 einem Wandel unterzogen und der neuen Strömung widerwillig ihren Platz gegeben. Als Streitschrift gegen die Zürcher konnte Gottsched die Zeitschrift fortan nicht mehr benutzen.
Bodmers und Breitingers Angriffe waren in erster Linie gegen die Person Gottscheds gerichtet und da dieser die Redaktion der Belustigungen des Verstandes und des Witzes derart stark beeinflusste, bemühten sich die beiden Zürcher nicht um eine sachliche Auseinandersetzung mit ihren Inhalten. Durch ihre Vielfalt an Beiträgen haben die Belustigungen des Verstandes und des Witzes nämlich trotz allem erheblich »zur Ausbreitung der Lust zum Lesen angenehmer und nützlicher Schriften« beigetragen und ein breites Publikum erreicht. Ausserdem hat die Zeitschrift vielen jungen Autoren ermöglicht, ein erstes Mal an die Öffentlichkeit zu treten. Allerdings fanden die späteren, literarisch interessanteren Jahrgänge der Zeitschrift nicht mehr den gleich grossen Absatz wie die ersten, in denen der Streit mit Bodmer und Breitinger eine so zentrale Rolle spielte.
Im Gegensatz zu den Blättern Bodmers und Breitingers, die im Bestand der Museumsgesellschaft nicht vorhanden sind, haben die Belustigungen des Verstandes und des Witzes durch den Nachlass von Xaver Schnyder von Wartensee den Weg in die Museumsgesellschaft gefunden. S.L.