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Kein Freispruch für Cannabis als Medizin
Ein unmenschliches Urteil gegen einen schwerkranken Aids-Patienten fällte ein deutscher Richter. Ein ehemaliger Heroinsüchtiger wurde mit einer Busse von 1350 Euro bestraft, weil er seine Nervenschmerzen und seinen Appetitmangel mit Cannabis behandelt.
Autoritäre Haltung des Richters
Darf ein Todkranker zur Linderung seiner Leiden Cannabis einsetzen? Amtsrichter Helmut Berger beantwortete diese Frage gestern in Wolfratshausen mit "Nein". Er verurteilte den im Landkreis ansässigen Aids-Patienten Franz S. zu einer Geldstrafe von 1350 Euro, weil ihn die Polizei mit zehn Gramm Cannabis erwischt hatte. Wie berichtet führt der 44-Jährige an, Cannabis zu konsumieren, um Nervenschmerzen und Appetitlosigkeit infolge seiner Erkrankung zu bekämpfen. "Sie sind nicht der einzige, der an Aids erkrankt ist", entgegnete Berger. "Es gibt andere Möglichkeiten der Behandlung. Der Weg mit Betäubungsmitteln ist der falsche."
Immerhin: Der Argumentation der Verteidigung verschloss sich der Richter nicht ganz. Die Summe aus dem ursprünglichen Strafbefehl reduzierte er um 2150 Euro. Berger räumte ein, dass S. nicht als "Normalverbraucher" von Drogen einzustufen sei. "Bei Ihnen steht nicht die Lust am Rausch im Vordergrund, sondern medizinische Gründe, und das glaube ich Ihnen." Allerdings verwies Berger gestern auch auf das einschlägige Vorstrafenregister des Angeklagten, in dem sich seit 1977 zahlreiche Verurteilungen wegen Drogendelikten angesammelt haben.
Genau die Drogenkarriere ihres Mandanten führte Rechtsanwältin Claudia Wüllrich aber ins Feld, um die Alternativlosigkeit des Cannabis-Konsums ihres Mandanten zu begründen. Eben weil er früher heroinsüchtig war, komme für ihn eine Schmerzbehandlung mit Opiaten nicht in Frage, weil sie ihn zurück in die Abhängigkeit von harten Drogen bringen könne. "Cannabis zu konsumieren, ist für ihn die einzige Möglichkeit, ein lebenswertes Leben zu führen."
Ärzte hatten S. schriftlich bestätigt, dass der Cannabis-Konsum bei ihm "dringend indiziert" sei und seinen Zustand verbessert habe. An Nervenschmerzen mit Spastiken leidet er nicht mehr, auch der Appetit ist zurückgekommen - er habe in den vergangenen Monaten sieben Kilogramm zugenommen.
Anwältin Wüllrich zitierte zudem ein Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe, das die Leiden eines Aids-Patienten als "rechtfertigenden Notstand" für Cannabis-Konsum anerkannt hatte. Das Urteil wollen sie und ihr Mandant nicht auf sich sitzen lassen, sondern vor dem Landgericht München für ihre Sache weiterstreiten.