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In Zug war er «General Halbfinal» und erreichte in sechs Jahren fünfmal den Halbfinal – und nie den Final. Doug Shedden sagt im Interview, wie er nun Lugano ausgerechnet gegen Zug in den ersten Halbfinal seit 2006 führen will.
Sie kennen Zug aus ihrer sechsjährigen Tätigkeit wie ihre eigene Hosentasche – aber die Zuger kennen auch Sie. Ist das nun ein Vorteil oder ein Nachteil für Lugano?
Doug Shedden: Es wäre vielleicht ein Vorteil, wenn ich spielen würde. Aber so? Es gibt nach sechs Partien in der Qualifikation keine Geheimnisse mehr. In den ersten zwei Partien war Lugano nicht so gut, in den letzten vier haben wir aber ganz ordentlich gespielt.
Sie haben mit Maxim Lapierre einen «Krieger» als zusätzlichen Ausländer geholt. Auch wenn der Ausdruck «Krieg» in der heutigen Zeit eigentlich daneben ist, in der Hockeysprache wird er halt verwendet und bringt es auf den Punkt: Muss sich Zug auf ein böses Lugano, gar auf «Krieg auf dem Eis» gefasst machen?
«Krieg auf dem Eis»? Nein. Soweit würde ich also schon nicht gehen. Aber Lapierre ist ein grosser und kräftiger Mann (188 cm, 100 kg – die Red.) und seine Checks tun weh. Er ist ein bisschen wie Josh Holden, aber weniger talentiert und dafür kräftiger. Wir sind insgesamt grösser und kräftiger als Zug (2,85 grösser, 2,6 kg schwerer, Neuzuzug Josh Primeau nicht eingerechnet – die Red.) Diesen Vorteil brauchen wir.
Wenn Sie Maxim Lapierre einsetzen, dann müssen Sie aber auf einen ihrer spielstarken, ausländischen Stürmer verzichten.
Ja natürlich. Pettersson und Klasen sind gesetzt. Ich gehe aber davon aus, dass ich im Laufe der Serie alle fünf ausländischen Stürmer einsetzen werde.
Werden Sie Lapierre rausschicken, um Bouchard umzunieten?
Wollen Sie mich mit einer solchen Frage provozieren? Natürlich müssen wir uns Gedanken machen, wie wir Bouchard stoppen können. Weil wir ihn stoppen müssen. Er ist der beste Skorer und der MVP dieser Liga. Ein unglaublich guter, smarter Passer. Wir kennen seine Karriere. Er ist kein Mann für das raue Spiel. Aber wenn wir diese Serie gewinnen wollen, dann dürfen wir nicht übertreiben. Strafen könnten uns teuer zu stehen kommen.
Das ist ja klar. Wie sieht nun die Strategie gegen Bouchard aus?
Er soll keine Ruhe haben, wo immer er sich auf dem Eis befindet.
Haben Sie denn jemanden, der Bouchard erwischen kann?
Es geht nicht darum, alles auf einen Einzelspieler auszurichten. Es geht darum, dass wir Zugs beste Offensivspieler im Laufe dieser Serie zermürben.
Etwas ist für Sie jetzt gleich wie damals in Zug.
So? Was denn?
Sie sind auch in Lugano auf einen Lottergoalie angewiesen.
Ach, jetzt kommen Sie schon wieder damit. Wie oft habe ich Ihnen erklärt, dass Jussi Markkanen ein grossartiger Goalie war, der uns durch die Qualifikation und auch durch die erste Playoffrunden getragen hat.
Ja, aber dann war Schluss.
Aber doch nicht, weil Jussi Markkanen nicht gut genug war! Zug war einfach während meiner Zeit nie gut genug, um das Finale zu erreichen.
Das mag sein, ändert aber nichts daran, dass die Torhüter in Lugano ein Problem sind.
Ich sehe das anders. Mir stehen mit Elvis Merzlikins und Daniel Manzato zwei sehr gute Goalies zur Verfügung.
Daniel Manzato? Der ist mit Lugano nie übers Viertelfinale hinausgekommen und hat ja seit dem letzten Dezember nicht mehr gespielt.
Aber jetzt ist er bereit.
Warum haben Sie ihn dann nicht wenigstens am Samstag in Ambri eingesetzt?
Weil er noch nicht bereit war!
Und jetzt ist er bereit? Hat es eine Wunderheilung gegeben?
Ich weiss es nicht. Ich wollte ihn in Ambri einsetzen. Aber er sagte mir am Samstag, er könne noch nicht spielen. Vielleicht war ihm die Valascia zu kalt. Jedenfalls hat er mir erst am Sonntag erklärt, dass er nun für die Playoffs bereit sei.
Werden Sie ihn gegen Zug einsetzen?
Ich denke schon.
Wenn er zum Einsatz kommt, haben Sie ein gröberes Problem.
Nein. Er ist ein sehr guter und sehr erfahrener Goalie.
Das ist er. Aber wenn Sie ihn einsetzen müssen, dann haben Sie ein Problem.
Ach so. Diese provokative Frage will ich jetzt weiter nicht kommentieren. Es ist in den Playoffs nun mal wie es ist: Kein guter Goalie, kein Erfolg.
Sie haben ja sicher auch eine Strategie gegen Tobias Stephan.
Er ist ein wichtiger Grund, warum Zug sorglos durch die Qualifikation gekommen ist. Ein grosser Goalie, der viele Fehler seiner Vorderleute ausbügelt. Deshalb haben wir ihn ja damals, als ich noch in Zug war, unter Vertrag genommen.
Ja, aber er hat, wie jeder Titan, auch eine Schwäche.
So?
Das wissen Sie doch ganz genau: Er mag es nicht, wenn er ständig attackiert wird. Dann verliert er die Konzentration.
Nun, wenn Sie es sagen, mag es so sein. Aber kein Torhüter mag das und es ist ja klar, dass wir Tobias unter Druck setzen, dass wir ihm keine Ruhe gönnen und ihm unter die Haut gehen werden. Wie sehen Sie denn die Playoffs?
Davos gegen Kloten 4:0 oder 4:1, ZSC gegen SCB 4:0 oder 4:1, Fribourg gegen Servette 4:3 und Lugano gewinnt gegen Zug in sechs Partien.
Oh, ich liebe Sie! Wie kommen Sie auf diese Prognose?
Zug ist über vier Linien etwas ausgeglichener besetzt. Aber Lugano ist grösser, kräftiger und böser. Und irgendwann wird Josh Holden ausrasten. Das macht die Differenz.
Hm, das tönt gut. Das mit der Ausgeglichenheit stimmt ja schon. Wenn einer wie Dario Bürgler im dritten Sturm auftaucht, dann spricht das für Ihre Theorie. Er hat zwar in der Qualifikation bloss zehn Tore erzielt – aber wenn er in den Playoffs heiss wird, dann kann er eine Differenz machen. Sie sollten aber auch bedenken, dass Zug während der Qualifikation die beiden ersten Linien sehr stark forciert hat.
Lugano hat seit 2006 …
… seit zehn Jahren!
… keine Playoffserie mehr gewonnen. Ist diese Erfolgslosigkeit inzwischen zum Problem geworden? Ihr Nordamerikaner habt ja für solche Situationen einen wunderbaren Ausdruck: Man trägt einen Affen auf dem Rücken.
Nach neun Jahren ohne Playoffs müsste es sogar ein Gorilla sein. Ich habe mich umgeschaut – aber ich habe nirgendwo einen Affen gesehen. Ich denke nicht, dass hier jemand ein Problem hat.
Aber wenn in kritischen Situationen die Gespenster der Vergangenheit wiederkehren? So im Sinne von: Jetzt geht es schon wieder schief.
Eher das Gegenteil ist der Fall. Die lange Zeit ohne Playoffs weckt eine Trotzreaktion. Wir haben ein paar Jungs, die seit 2006 dabei sind und die entschlossen sind, nun endlich diesen Playoff-Fluch zu brechen.
Hat das zweitletzte Qualifikationsspiel gegen Zug, das Lugano 2:1 nach Verlängerung gewonnen hat, schon eine Bedeutung fürs Viertelfinale?
Oh ja. Es war ein sehr gutes und intensives Spiel. Und es hat mir sehr gefallen, wie Julien Vauclair mit Reto Suri umgesprungen ist.
Sie meinen, wie er Reto Suri verprügelt hat?
Er hat ein Statement im Hinblick auf diese Serie abgegeben.