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<h2>SubmittedText<h2><p>In der Schweiz etablieren sich zunehmend neue Arbeitsformen, die von den Potenzialen der Digitalisierung profitieren. Dazu zählen Ansätze wie Village Office, Coworking Spaces, Work Smart oder Home-Office. Diese, gesellschaftlich betrachtet, intelligenten und damit smarten Arbeitsformen haben das Potenzial, die Arbeitswelt grundlegend zu verändern. Sie stellen damit auch eine Chance für periphere Regionen dar, die ansonsten mit dem Handicap grosser räumlicher Distanzen konfrontiert sind. Sie können somit auch zu einer Reduktion der Pendlerströme führen. Dies nicht nur innerhalb der Schweiz, sondern auch grenzüberschreitend. In diesem Zusammenhang gestatte ich mir, dem Bundesrat folgende Fragen zu stellen: </p><p>1. Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat, um Unternehmungen Anreize zu geben, damit sie vermehrt auf smarte Arbeitsformen setzen?</p><p>2. Wie beurteilt er die Auswirkungen smarter Arbeitsformen auf den Pendlerverkehr innerhalb der Schweiz und vom Ausland in die Schweiz?</p><p>3. Wie schätzt er in diesem Zusammenhang die Entwicklung der Nachfrage nach Geschäftsimmobilien ein?</p><p>4. Welche Potenziale sieht er in den erwähnten neuen Arbeitsformen für die Entwicklung peripherer Regionen?</p><p>5. Welchen Handlungsbedarf sieht der Bundesrat für die Ausstattung peripherer Regionen mit digitalen Infrastrukturen, damit sie die Potenziale der smarten Arbeitsformen nutzen können?</p><p>6. Unterstützt er eine Ausweitung der Work-Smart-Charta, welche er unterschrieben hat, auf die Wirkungsthemen der peripheren Gebiete?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat unterstützt aus ökologischen, sozialpolitischen und wirtschaftlichen Gründen flexible Arbeitsformen, welche beispielsweise durch Coworking Spaces oder Home-Office ermöglicht werden. Wenn Arbeitnehmende vermehrt zu Hause oder in der Nähe ihres Wohnortes arbeiten, werden Pendlerströme mit öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln reduziert. Ausserdem kann durch flexible Arbeitsformen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert werden. Telearbeit führt aber auch aufseiten der Arbeitgeber zu positiven Effekten. </p><p>1. Der Bundesrat setzt Unternehmungen keine konkreten Anreize, flexible Arbeitsformen einzusetzen, sondern überlässt die Entscheidung den Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Zu beachten ist, dass rund 45 Prozent aller Erwerbstätigen nicht mobil arbeiten können (Quelle: FHNW 2016: Flex Work Survey). Zudem stellen sich oft grosse Herausforderungen an die Arbeitsorganisation und die Zusammenarbeit im Betrieb. </p><p>Um Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine Orientierung über Telearbeit bzw. über Home-Office im Speziellen zu verschaffen, veröffentlichte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) dieses Jahr eine Broschüre (Arbeiten zu Hause - Homeoffice; www.seco.admin.ch &gt; Publikationen). Diese dokumentiert, welche geeigneten Vorkehrungen gemäss geltendem Arbeitsrecht für den Gesundheitsschutz getroffen werden müssen, falls die Möglichkeit für Home-Office besteht, und zeigt wichtige Faktoren auf, die dabei beachtet werden sollten. </p><p>2. Der Bundesrat geht davon aus, dass moderne Arbeitsformen auf Basis digitaler Technologien die Verkehrsinfrastruktur entlasten können. Sie ermöglichen, auf Arbeitswege und Dienstreisen zu verzichten, diese auf kollektive Transportmittel zu verlagern oder ausserhalb der Spitzenzeiten zu reisen und die Verkehrsspitzen zu entlasten. Studien schätzen das Entlastungspotenzial in Spitzenzeiten auf 10 bis 25 Prozent (Quellen: Ecoplan, 2015: Verkehrsinfrastrukturen smarter nutzen dank flexibler Arbeitsformen; SBB und Swisscom/FHNW, 2013: Work anywhere). Grenzüberschreitend sind die Entlastungspotenziale vermutlich kleiner, da dort Beschäftigte mit fixen Präsenzzeiten überwiegen. Wie stark diese Effekte in Zukunft wirken werden, hängt von der Verkehrs- und Raumordnungspolitik sowie von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen ab. </p><p>3. Mit höheren Anteilen von Mitarbeitern mit modernen Arbeitsformen wird z. B. Desk Sharing begünstigt, was eine Abnahme des Flächenbedarfs pro Mitarbeitenden mit sich bringt. Experten gehen von einem Rückgang von rund einem Drittel des heutigen Bedarfs an Büroarbeitsplätzen aus (Quelle: Rat für Raumordnung, 2019: Megatrends und Raumentwicklung Schweiz). Dies könnte die Nachfrage nach Geschäftsimmobilien in zentralen Lagen etwas vermindern. Durch die Entwicklung des ortsunabhängigen Arbeitens werden andere Arten von Arbeitsplätzen benötigt (u. a. Arbeitsplatz zu Hause, Third Places wie z. B. Coworking Spaces). Dies könnte im Gegenzug zu einer gewissen Nachfragesteigerung in Orten mit mittlerer Zentralität und in Wohngebieten führen. </p><p>4. Die Digitalisierung erleichtert ortsunabhängiges Arbeiten und erweitert den Radius für die Arbeitskraftrekrutierung von Unternehmen. Durch Home-Office und Coworking-Angebote lässt sich auch in ländlichen Regionen vermehrt ein attraktives Umfeld für Unternehmen und Arbeitskräfte schaffen. Weiter können dezentrales Wohnen und Konsumieren Aufwind erfahren. Auch der sogenannte Arbeitstourismus birgt ein Potenzial für periphere Gebiete. </p><p>5. Dem Bundesrat ist - wie in seiner Antwort auf die Interpellation Candinas 16.3337 ausgeführt - eine gute Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit digitalen Infrastrukturen wichtig. Dabei setzt er primär auf eine marktgetriebene Erschliessung aller Landesgegenden mit leistungsfähigen Telekominfrastrukturen. Der Grundversorgung kommt eine subsidiäre Rolle zu. Die Einführung des neuen Mobilfunkstandards (5G) bietet neue Möglichkeiten punkto Breitbandversorgung. Im Rahmen der neuen Regionalpolitik des Bundes (NRP) werden Coworking-Angebote in peripheren Regionen gefördert (z. B. Mountain Hub Adelboden, Kreativfabrik Oberkirch, Mia Engiadina). Die NRP kann zudem bei vorwettbewerblichen und überbetrieblichen Projekten im Zusammenhang mit digitalen Infrastrukturen in peripheren Gebieten eingesetzt werden. Im Rahmen der Agrarpolitik wird derzeit eine Verordnungsanpassung für eine gezielte Förderung des digitalen Zugangs für landwirtschaftliche Betriebe geprüft. Darüber hinaus sieht der Bundesrat aktuell keinen weiteren Handlungsbedarf. </p><p>6. Der Bundesrat hat die Charta der Work Smart Initiative in seiner Funktion als oberstes Führungsorgan der Bundesverwaltung unterzeichnet. Damit stärkt die Bundesverwaltung ihre Positionierung auf dem Arbeitsmarkt als moderne Arbeitgeberin mit attraktiven Anstellungsbedingungen und nimmt gleichzeitig eine Vorbildrolle ein. Die Frage wird dahingehend verstanden, dass eine bessere Bekanntmachung und Unterstützung der Charta bei und von Unternehmen im peripheren Raum gewünscht wird. Dies ist begrüssenswert. Der Bund wird sich im Rahmen des Netzwerkes der Work Smart Initiative auch dafür einsetzen. </p>  Antwort des Bundesrates.