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Sind Sie auf Schwierigkeiten gestossen?
Nein, grössere Probleme hatte ich keine. Nur war es nicht möglich, meine Ehefrau, hierher zu bringen, bevor ich eine Arbeitserlaubnis hatte. Ende der 60- und Anfang 70- Jahre brauchte die Schweiz Arbeitskräfte in allen Sparten, so dass es keine Probleme gab, die Arbeitserlaubnis zu verlängern. Später, Mitte der 70-Jahre, kamen Initiativen der rechten politischen Parteien auf, die Anzahl der Ausländer in der Schweiz zu beschränken. Dies brachte etwas Unruhe für die Ausländer im Land. Positiv daran war, dass Menschen begannen, mehr zu sparen und in Kroatien zu investieren, vor allem in Immobilien. Damals stammten die Ausländer in der Schweiz, die Gastarbeiter, vorwiegend aus Europa. Die meisten aus dem Süden: Italien, Spanien, Portugal und natürlich aus dem ehemaligen Jugoslawien. Heute wären viele Schweizer froh, wenn diese Immigrantenstruktur erhalten geblieben wäre.
Womit haben Sie sich während Ihres Berufslebens beschäftigt?
Die ersten drei Jahre war ich in einer Industrieanlage für Produktion tätig, und zwar an der Maschinenmontage, wofür ich auch die Arbeitserlaubnis bekam. In dieser ersten Firma, die mir die Arbeitserlaubnis erteilte, arbeiteten viele Ausländer aus diversen Ländern Europas, wie: Italien, Spanien, Portugal, aber auch aus Kroatien. Wir wohnten in einem so genannten Hotel für Alleinstehende, unterhielten uns untereinander und trieben viel Sport, um das Heimatweh zu verscheuchen. Heute muss ich sagen, dass mir diese Zeit viele schöne Erinnerungen bereitet hat. Es dauerte allerdings nur achtzehn Monate, denn nach meiner Eheschliessung mietete ich im Oktober 1970 eine Wohnung. Nach drei Jahren, als mein Deutsch besser wurde und ich Firma und Beruf wechseln konnte, arbeitete ich während acht Jahren als Konstrukteur. Gleichzeitig habe ich mich in Informatik weitergebildet und begann als Informatiker 1980 zuerst in der Industrie in Baden und die letzten zehn Jahre bei einer Bank in Zürich zu arbeiten.
Tut es Ihnen leid, dass Sie so viele Jahre in der Schweiz verbracht haben; hätte alles anders sein können oder hat alles seine Gründe?
Nein, die Jahre in der Schweiz möchte ich nicht missen. Natürlich hätte immer alles anders sein können. Doch es ist unmöglich einzuschätzen, wie es für mich gewesen wäre, wenn alles anders ausgefallen wäre. Ich schaue nie zu viel auf die Vergangenheit, ich lebe nach dem Grundsatz „hier und jetzt“ und versuche daraus das Beste zu machen. Natürlich gibt es für alles Gründe. Diejenigen, die in Kroatien geblieben sind, und jene, die zurückgekehrt sind, hatten ihre Gründe genauso wie diejenigen, die im Auslandblieben. Wichtig ist, dass wir immer hinter den Beschlüssen stehen, die wir fassen, dass wir uns ein Lebensziel setzen, das uns motiviert und uns die nötige Energie gibt. Gleichzeitig müssen wir genug flexibel sein, unsere Pläne an veränderte Umstände anzupassen, genauso wie auch unser endgültiges Ziel. Mir war es sehr wichtig, Kontakt mit dem Heimatland aufrechtzuerhalten, mit der Verwandtschaft und mit Freunden. Kroatien war und ist für mich das erste Heimatland, die Schweiz ist mein zweites Heimatland geworden. Ich liebe unsere kroatische Adria wie auch die hiesigen, schweizerischen Alpen.
Warum und wann sind Sie dem Kroatischen Kulturklub beigetreten und was war damals die Hauptmotivation für Sie?
Dazu braucht es einen Blick zurück in die 70er-Jahre. Als 1971 der erste Kroatische Verein in der Schweiz gegründet wurde, die «Hrvatska kulturna zajednica» HKZ («Kroatische Kulturgemeinschaft») mit einigen Niederlassungen und Sitz in Zürich. Dieser Organisation trat ich 1976 bei, und zu Beginn der 90-Jahre zählten wir über 500 Mitglieder. Der Verein wurde vom damaligen jugoslawischen Konsulat oder der jugoslawischen Botschaft in Bern nicht anerkannt, weil er den Namen «Kroatische …. » trug und nicht «Jugoslawische». Doch dies ist eine ganz andere und lange Geschichte, die ich jetzt nicht im Detail erläutern möchte. Zu Beginn der neunziger Jahre kamen weitere, zahlreiche kroatische Vereine, wie auch diverse politische Parteien auf. Neue Mitglieder der HKZ wollten über den Verein auch Politik betreiben, obwohl die Satzung des Vereins klar festlegt, dass es sich um eine nichtpolitische und nur kulturelle Organisation handelt. Man hatte sogar die Idee, den gesamten Verein in eine damals neue politische Partei einzugliedern, was aber vielen Mitgliedern und dem Hauptzweig Baden-Zürich nicht akzeptabel war. Die Kroatische Kulturgemeinschaft hat bis dahin länger als 25 Jahre erfolgreich an der Pflege der kroatischen Kultur und Erhaltung und Stärkung der kroatischen Identität gearbeitet.
Die Gemeinschaft fiel im Jahre 2000 auseinander, als Opfer der Ausbildung in Demokratie. Aus dem zentralen Teil in Baden-Zürich entstand der heutige Kroatische Kulturklub HKK, an dem ich seit Beginn als einer der Organisatoren teilgenommen habe. Meine Motivation war, einen Verein zu schaffen, wo wir uns miteinander treffen, diverse Anlässe oder Kulturereignissen veranstalten, wie auch die kroatische Identität zu bewahren.
Es gibt jedoch etwas, das uns, genauso wie auch anderen Vereinen unserer Art nicht gelungen ist: die Integration unserer zweiten Generation, der so genannten Secondo-Generation, in unsere gesellschaftliche und kulturelle Arbeit. Diese begann mit dem Eintritt in die Schule, sich sehr früh in die hiesige Gesellschaft zu integrieren. Sie interessiert sich nur wenig für kroatische Vereine, ausser für sportliche oder kulturelle Events. Meiner Meinung nach hätten wir hier mehr machen sollen.
Da Sie schon viele Jahr aktiv sind, welche Aufgaben hatten Sie in der Arbeit im Kroatischen Kulturklub? Empfinden Sie sich als Aktivist auch in einigen anderen Bereichen?
Im HKK war ich seit der Gründung Mitglied im Vorstand und eine Zeit lang auch Kassier. Ich beteiligte mich am Organisieren von Anlässen und anderen Aktivitäten des Klubs, wie zum Beispiel an der Herausgabe unserer zweisprachigen Zeitschrift «Libra».
Während des Vaterländischen Krieges war ich ebenso aktiv. 1991 war ich einer der Organisatoren des «Kroatischen Humanitären Forums» HHF, das sehr engagiert Hilfe für Kroatien sammelte, vor allem für die Vertriebenen. Während des Krieges und auch einige Jahre danach hat der HHF über 300 LKW-Ladungen an diversen Hilfsgütern für Kroatien transportiert. Ich habe mich auch für die Selbstständigkeit der kroatischen Zusatzschule in der Schweiz engagiert, die damals noch als Teil der jugoslawischen zusätzlichen Ausbildung lief.
Ich war auch in anderen Bereichen aktiv. In meiner Gemeinde war ich Mitglied des sogenannten «Konsultativen Ausländerrates», und zwei Jahre auch dessen Vorsitzende.
Zu Beginn des Jahres 2000 leitete der Bundesrat Projekte für eine bessere und schnellere Integration von Ausländern ein. In meinem Kanton Aargau war ich an einem solchen Projekt beteiligt. Unsere Aufgabe bestand darin, den kantonalen Behörden Vorschläge zu machen und über Probleme der Ausländer zu berichten, so dass entsprechende Beschlüsse für eine bessere Integration dieser Ausländer gefasst werden. Vor allem Deutschkurse für die Eltern, aber auch für Kinder, die aus dem Ausland in höhere Klassen eintraten, aber unzureichend Deutsch sprachen. Es gab auch viel Bedarf an Ganztages-Kindergärten, denn bei ausländischen Eltern arbeiten meist beide.
Somit war ich neben meiner Arbeit auch im gesellschaftlichen Leben sehr aktiv. Dank meiner Frau Vesna konnte dies bewältigen., Sie unterstützte mich immer und übernahm oft einen Teil der häuslichen und familiären Pflichten. Dafür werde ich ihr immer dankbar sein. Man sagt in Kroatien ja auch, dass es die Frau ist, die die drei Ecken des Hauses hält!
Womit beschäftigen Sie sich heute, nachdem Sie in Rente gingen?
Als ich noch arbeitete, blieb neben den Familien-Pflichten und dem Engagement sehr wenig Zeit für Freizeit und Hobbies. Seitdem ich in Rente gegangen bin, nehme ich mir mehr Zeit für Natur und Wandern, oder für meinen Freundeskreis. Ich entspanne mich gern bei Musik oder beim Lesen. Ich verbringe auch mehr Zeit in Kroatien, als während meiner Berufsjahre.
Viel Zeit verbringe ich mit meinen Enkeln, so lange sie noch nicht zur Schule müssen und noch Lust haben, zu Grossvater und Grossmutter zu kommen.