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Die RhB besass am 01.01.1970 in ihrem Fahrzeugpark rund 400 zweiachsige gedeckte Güterwagen für den Transport von Gütern aller Art, die vor dem Einfluss der Witterung geschützt werden müssen. Ein Teil dieser Wagen wurde auch für Viehtransporte verwendet.
Die bisher üblichen gedeckten Güterwagen hatten beidseitig je ein Schiebetor von 1.5 bis 2 m lichter Weite. Sollen für das Beladen und Entladen der Wagen Hubstapler oder andere mechanische Hilfsmittel verwendet werden, was für die Rationalisierung des ganzen Transportablaufes von grosser Bedeutung ist, kann diese konventionelle Bauart der Wagen recht hinderlich sein. In jedem Falle, muss mit dem Stapler im Wageninnern manöveriert werden, wodurch der Ladevorgang erschwert und eine gute Ausnützung des Laderaums verunmöglicht wird.
Einsatz der Haik-Wagen
4 der 20 neuen Haik-Wagen verkehrten nach der Inbetriebnahme versuchsweise nach einem festen Transportplan mit Lebensmittelsendungen der USEGO. In Zusammenarbeit mit den SBB werden wöchentlich palettierte Sendungen mit Valser-Wasser nach Fribourg geleitet. Das Tafelgetränk gelangt in RhB-Haik-Wagen nach Chur und wurde dort mechanisch in SBB-Transportschutzwagen umgeladen. Heute erfolgt dieser Umlad in Untervaz.
Die Schiebewandwagen werden vor allem für grosse und voluminöse Sendungen wie etwa Kaffee, Zucker, Getränke aller Art, Malz, Obst und Kartoffeltransporte, die Gewichte bis zu 26 t aufweisen, verwendet. Mit Erfolg werden die Wagen für palettierte Sendungen wie z.B. Baustofftransporte (Kalk und Zement in Säcken) und für Tafelgetränke eingesetzt. Die Paletten können in diesen Wagen so abgestellt werden, wie sie im Normalbahnwagen eintreffen. Bei den herkömmlichen Güterwagen ist diese rationelle Verladeweise nicht möglich.
Die hohen Anschaffungskosten der Schiebewandwagen bedingten einen zielbewussten Einsatz und schnellen Umlauf. Die Haik-Wagen sind insbesondere für den Transport von palettierten und hochwertigen Gütern vorgesehen.
Beschaffung von weiteren Schiebewandwagen für Meterspur
Um das Beladen, Entladen und Umladen zu erleichtern – für eine Bahn, die durch den Spurwechsel ohnehin benachteiligt ist, von erstrangiger Bedeutung -, wurden sogenannte Schiebewandwagen beschafft. Im Gegensatz zu den normalen gedeckten Güterwagen können bei den Schiebewandwagen bekanntlich beidseits die ganzen Seitenwände in zwei Hälften (das heisst unter zwei Malen) auf einfache Weise geöffnet werden, was ideale Voraussetzungen für ein rationelles rasches Beladen und Entladen schafft. Solche Schiebewandwagen sind in zwei- und vierachsiger Version auf der Normalspur weitverbreitet, allein bei den SBB gibt es etwa 3000 solche Fahrzeuge. Für Meterspur sind solche Wagen nicht „ab der Stange“ erhältlich. Die RhB hat 1970 die ersten 20 vierachsigen Schiebewandwagen, Fabrikat SEAG/SIG, in Betrieb genommen. Man stellte sich damals die schwierige Aufgabe, einen vierachsigen Meterspur-Schiebewandwagen zu entwickeln, der in bezug auf die inneren Abmessungen und das Ladegewicht einem zweiachsigen normalspurigen Schiebewandwagen entspricht.
Angesichts des doch bescheideneren Konstruktionsprofils auf der Meterspur 12.7 m grösste Breite, gegenüber 3.15 m bei Normalspur ergaben sich
recht knifflige Probleme für den Konstrukteur, und es musste jeder Millimeter der zulässigen Umgrenzung ausgenützt werden. Aber die Schwierigkeiten wurden gemeistert, und es gelang, Sendungen ungeteilt auf rationelle Weise aus Normalspur-Schiebewandwagen in entsprechende Meterspurwagen umzuladen. Diese Wagen sind denn auch sehr gefragt und praktisch dauernd ausgebucht.
Verbesserte RhB-Schiebewandwagen mit Spezialeinrichtungen
Das Güterwagenbeschaffungsprogramrn der RhB (1977-1980) umfassend 76 Einheiten, sah auch den Bau von weiteren 25 vierachsigen Schiebewandwagen vor. Die Anzahl Schiebewandwagen konnte schliesslich von 10 auf 25 erhöht werden. 10 Wagen davon erhielten besondere Einrichtungen, wie Wärme/Kälte-Isolation, Heizung (z.T. für alle 3 Spannungen), Kühlaggregat (nur 2 Wagen) und Transportschutzeinrichtung. Das bewährte Grundkonzept der Wagen von 1970 (Abmessungen, Ladeﬂäche, Ladegewicht) wurde übernommen. Die Schiebewände der neueren Wagen sind jedoch anders konzipiert worden. Die Wandhälften heben sich nun beim Öffnen vorerst parallel nach aussen ab und distanzieren sich dabei vom allenfalls anlehnendem Ladegut, sie sind sehr viel robuster gebaut, sowohl in der Wandkonstruktion (zulässiger lnnendruck pro Wandhälfte = 25 kN) wie auch bezüglich des Verschiebemechanismus und der Verriegelung. Die Schiebewände sind bei sämtlichen 25 Wagen aussen und innen mit einer Alu-Haut überzogen, d.h. kein vorstehendes Gerippe, keine Kanten. Als weitere beachtliche Neuerung sind zehn dieser Schiebewandwagen wärme-/kälteisoliert, sie besitzen eine elektrische, thermostatregulierte Bodenheizung, und zwei Wagen haben ein Kühlaggregat.
Diese isolierten und heizbaren Schiebewandwagen werden vor allem für
Lebensmittel- und Getränketransporte über grössere Strecken, zum Beispiel
Landquart-Engadin-Puschlav, Ilanz-Landquart, Campocologno-Landquart
eingesetzt. Verschiedene Kunden haben solche Spezialwagen für längere
Zeit im Rahmen von Transportverträgen fest zugeteilt erhalten. Sie benützen die Wagen auch als Werbeträger. Technisch boten diese heiz- und kühIbaren Schiebewandwagen einige Probleme. Es galt vorerst einmal, pro Wagen rund 70 m Falz an den Schiebewänden mittels Gummiprofilen einigermassen befriedigend dicht zu bringen, wobei die ganze Anordnung sehr strapazierfähig sein musste. Sodann mussten 130 m2 Boden-, Dach-,
Seiten- und Stirnwandfläche isoliert werden, obschon gerade bei den Seitenwänden den Profilverhältnissen entsprechend nur sehr wenig Flaum
(etwa 50 mm) zwischen innerer und äusserer Alu-Blech-Verkleidung für
das Einbringen von lsoliermaterial verfügbar war. Als Isoliermaterialien wurden verwendet: Für die Schiebewände PU-Schaumplatten 50 mm, die Stirnwände und Hohlprofile sind mit PU-Schaum ausgeschäumt, für das Dach Vetroflex 50 mm, für den Boden auf Blech aufgeklebte „Roofmate“ (extrudiertes Polystyroll). Natürlich dürfen nicht lsolationswerte erwartet werden, wie sie zum Beispiel ein Kühlwagen aufweist. Für den Transport von Tiefkühlprodukten hat die RhB ja auch andere Fahrzeuge verfügbar. Es geht
vielmehr darum, für Lebensmittel inklusive Früchten, Gemüse und Getränken im Sommer und im Winter Raumtemperaturen zu garantieren, welche eine Qualitätseinbusse auf dem Transport verhindern.
Transportschutzeinrichtung
Sämtliche 25 Wagen wurden so gebaut, dass Transportschutzeinrichtungen montiert werden können. Diese wurden bei der Ablieferung bei 5 Wagen eingebaut. Mit dieser Transportschutzeinrichtung können verladene Güter fixiert und auf diese Weise Transportschäden vermieden werden.
Zwischen den palettierten Gütern werden an Gehängen Platten eingeschoben. Mittels eines aufblasbaren Balges werden die Güter unter einem bestimmten Druck spiellos aneinander geschoben und somit gegenseitig fixiert.
Die hohen Ansprüche der Konsumenten an die Qualität von Frischprodukten und die Anforderungen der Lebensmittelinspektorate an die technischen Einrichtungen der Transportmittel und Lagerräume bringen es mit sich, dass sich auch die Bahnen den Erfordernissen für heikle Transporte anpassen.
Die mit dieser Wärme-/Kälteisolation, Heizung und Kühlung ausgerüsteten Wagen können einegsetzt werden für Transporte von Getränken, Molkereiprodukten, Gemüse, weitere kälte- und wärmeempfindliche Güter.
Valserwasser als Transportgut der Bahn
Die seit 1976 zwischen der Valser St. Petersquelle, den Schweizerischen Bundesbahnen und der Rhätischen Bahn im Transportsektor gepflegte Zusammenarbeit kommt auch bildlich zum Ausdruck. Zwischen Ilanz und Landquart verkehren seit 1978 mit dem Valser Markenzeichen versehene RhB-Güterwagen, und ab dort tragen SBB-Wagen den Valser Namen quer durch die ganze Schweiz.
Der Transport von Getränken in grösserem Umfang ist dank den Spezialwagen für die Bahnen erst möglich geworden. SBB und RhB verwenden dabei übereinstimmende Systeme mit einer Kapazität von je 30 Paletteneinheiten. In den RhB-Wagen verhütet im Winter eine eingebaute Innenheizung ein Einfrieren der Getränke, bei den SBB mit höheren Transportgeschwindigkeiten und grossen Rangierbahnhöfen sichern Transportschutzeinrichtungen die Ladung. Bis zum Bahnverlad in Ilanz wird das Mineralwasser durch einen einheimsichen Transporteur mit Lastwagen befördert. Neuerstellte, wintersichere Verladerampen gewährleisten sowohl in Ilanz als auch in Landquart bzw. heute Untervaz einen rationellen Umlad.
Getränke sind für die Bahnen – vor allem seit Beginn der Rezession – willkommenes Transportgut geworden. Der Schienentransport erlaubt die Bildung schwerer Ladungen, zum zweiten bringt eine Verlagerung vom Lastwagen zur Bahn in diesem Fall eine dringend erwünschte Entlastung der Flimserstrasse zwischen Ilanz und Reichenau.
Aufgrund der gemachten Erfahrungen hoffen die Beteiligten, dass die mit der Bahn transportiert Menge erhöht werden kann.
Hinweis:
(Quelle: Rhätische Bahn AG, Archiv RhB, Lieferantenkatalog RhB, RhB-Nachrichten)
(sonstige Quellen: Franz Skvor, Gian Brüngger)