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Von Dr. Erich Ritter
Am 1. November 2001 erliess das Wildtierkomitee Floridas (Florida Wildlife &
Conservation Committee, FWCC) an seiner letzten Sitzung dieses Jahres in Key
Largo, dass in Floridas Gewässern ab 1. Januar 2002 keine Haifütterungstauchgänge
mehr durchgeführt werden dürfen.
Vor mehr als zwei Jahren reichte eine kleine Gruppe von vier Harpunenfischern
einen Antrag für eine Gesetzesänderung ein, die Organisatoren von Hai-Tauchgängen
das Anfüttern von Haien verbieten sollte.
Sie argumentierten, dass angefütterte Haie zunehmend aggressiver würden und so
Badegäste - und eben auch Harpunenfischer - vermehrt in Gefahr geraten würden,
gebissen zu werden. Es wurden mehrere Sitzungen abgehalten und sowohl Befürworter
als auch Gegner von Haifütterungen kamen hierbei zu Wort. Das FWCC beschloss
schlussendlich, dass Haifütterungen auf Grund des Gehörten zu reglementieren
wären und verordnete, dass die Tauchanbieter ein Reglement ausarbeiten müssten,
das dann in einer späteren Phase von Seiten des Komitees begutachtet würde.
Vertreter der Tauchindustrie und Wissenschaftler setzten sich zusammen und
gründeten das GIMEC (Global Interaction Marine Experience Council). GIMEC
erarbeitete ein Protokoll, das alle problematischen Punkte berücksichtigte.
Das Protokoll wurde im Frühling 2001 eingereicht und vom zuständigen staatlichen
Institut FMRI (Florida Marine Research Institute) begutachtet. FMRI veränderte
jedoch alle im Protokoll enthaltenen Richtlinien in einer Art, die eine
Durchführung solcher Tauchgänge für alle vier Anbieter verunmöglichte. Die
Tauchindustrie wurde so gezwungen, die vorgelegten Änderungen bei der nächsten
Sitzung am 6. September 2001 in Amelia Island, Florida, als inakzeptabel
zurückzuweisen. Das Wildtierkomitee argumentierte jedoch, dass man mit den
Richtlinien den Tauchanbietern eigentlich hätte entgegen kommen wollen, um so ein
Gesetz Floridas umgehen zu können, das schon seit sehr langem existiert. Dieses
Gesetz verbietet das Füttern von Wildtieren. Doch gerade hier zeigte das FWCC
seine wahren Interessen, denn ein solches Gesetz gilt nur innerhalb bestimmter
Grenzen. Diese Grenzen schliessen zum Beispiel Sportfischer nicht mit ein, die
ihre Beute mit Futter anlocken um sie zu fangen.
Ein wesentlicher Punkt in der Argumentation der Haitauchgegner und der
Regierungsstelle war, dass angefütterte Haie aggressiver reagieren, ihr Verhalten
verändert würde und die Gefahr bestünde, dass Badegäste entsprechend vermehrt
gefährdet seien. Dass keiner der angeführten Punkte bis heute wissenschaftlich
bestätigt werden konnte, beeindruckte das Komitee kaum. Die Ausgangslage für die
letzte Sitzung in Key Largo war klar: Haitauchen muss verboten werden - unter dem
Deckmantel der hohen Zahl von Haiunfällen in Florida.
Die Bühne in Key Largo war für eine sehr emotionsgeladene Sitzung bereit. Die
Anwesenheit der Polizei, gemischt mit Vertretern von Presse und Fernsehen,
unterstrich die Situation noch deutlicher. Auf der einen Seite standen rund 15
Befürworter des Verbots von Haitauchen, auf der anderen mehr als 200 Taucher, die
mit T-Shirts unterstreichen wollten, dass sie gegen ein solches Verbot sind. Die
Sache war zwar bereits entschieden, doch das Protokoll verlangte, dass beide
Seiten ein weiteres Mal angehört werden mussten. Obwohl es ein verlorener Kampf
für die Haitauchbefürworter war, nutzten sie zumindest die Zeit, das FWCC auf
mögliche legale Konsequenzen hinzuweisen.
Das entscheidende Argument der Befürworter eines Verbots von Haifütterungen in
allen Diskussionen war die relativ hohe Zahl von Haiunfällen in Florida. Diese
Unfälle würden dem Tourismus schaden und es müsste etwas dagegen unternommen
werden. Dabei kam mehr als ein Mal der tragische Unfall von Jessie Arbogast vom
6. Juli in Pensacola zur Sprache. Doch bei diesem Unfall konnte von Vertretern
des Global Shark Attack File (GSAF, Princeton) gezeigt werden, dass die in der
Nähe fischenden Sportfischer der eigentliche Grund waren, und nicht
Haifütterungen. Ganz allgemein wurde von Vertretern des GSAF unterstrichen, dass
die Mehrzahl der Unfälle in Florida auf die Sportfischerei zurückzuführen ist.
Entsprechend wurde von deren Seite auch darauf hingewiesen, dass ein Ignorieren
der wahren Ursache das Komitee in legale Schwierigkeiten bringen würde. Ereignet
sich im Jahr 2002 auch nur ein Unfall, der durch die Sportfischerei verursacht
wird, werden legale Schritte eingeleitet.
In den letzten Jahren gewann der Ökotourismus stark an Bedeutung. Diese Form von
Freizeitaktivität kombiniert Vergnügen mit Umweltverständnis - eine Kombination,
die immer wichtiger für die Erhaltung der natürlichen Lebensräume wird.
Haitauchen ist eine Form dieses Ökotourismus. Tauchen mit Haien zeigt den
Menschen die Haie in ihrem natürlichen Lebensraum und den Tauchern wird schnell
klar, dass es sich bei Haien nicht um die heimtückischen Monster handelt, als die
sie oft dargestellt werden. Haitauchen bringt Haie einer breiten Bevölkerung
näher und trägt somit direkt zu ihrem Schutz und dem Schutz ihres Lebensraumes
bei.
Seit dem 11. September 2001 haben viele Urlaubsorte mit dem Überleben zu kämpfen.
Auch die Tourismusindustrie Floridas, dem Ferienstaat der USA, musste etliche
Rückschläge hinnehmen. Durch den Verlust des attraktiven Haitauchens werden die
Probleme noch zusätzlich verstärkt. Auch wenn das Verbot am 1. Januar 2002 in
Kraft treten wird, sind noch nicht alle Würfel gefallen, denn das Wildtierkomitee
wurde bereits verklagt.
* Dr. Erich Ritter Chief Scientist, Global Shark Attack File, Shark Research
Institute, Princeton
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Dr. Erich Ritter