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Ort und Datum
Die Tagung findet vom 16. bis 18. November 2017 an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften statt.
VeranstalterInnen
Prof. Dr. Elvira Glaser (Universität Zürich)
Dr. Michael Prinz (Universität Zürich)
Dr. Stefaniya Ptashnyk (HAW; Heidelberg)
Tagungs-Mailadresse
Call for Papers
Vom Mittelalter bis in die Neuzeit erscheinen Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt als prägende Faktoren der Sprachgeschichte Europas (vgl. etwa Mattheier 2010; Mihm 2010). Überall dort, wo Situationen gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit existierten, finden sich in den europäischen Schreibtraditionen gemischtsprachige Texte. Für Großbritannien etwa ist die spätmittelalterliche Kopräsenz von Englisch, Latein und Französisch intensiv dokumentiert und erforscht (vgl. etwa Trotter 2000; Jefferson/Putter 2013). Doch auch für das Deutsche ist ein umfangreicher Bestand an multilingualer Schriftlichkeit seit dem Frühmittelalter verfügbar (vgl. die Beiträge bei Wich-Reif 2016). Dabei werfen volkssprachige Inserte in frühen Rechtstexten (Prinz 2010) und medizinischer Fachprosa (Stricker 2009) ebenso wie Notkers lateinisch-deutsche Textensembles (Glaser 2016), spätmittelalterliche Mischtextpredigten (Kämmerer 2006), Luthers Tischreden (Stolt 1964), frühneuzeitliche Vorlesungen (Pörksen 1994) oder die mehrsprachige städtische Schriftlichkeit im 19. Jahrhundert (Ptashnyk 2016) ein Licht auf die jeweilige multilinguale Praxis historischer Sprachkulturen.
Zu den am weitesten verbreiteten Sprachkontaktphänomenen gehört dabei das Codeswitching, der abwechselnde Gebrauch verschiedener Kodes innerhalb einer Konversation oder Äußerung. Während diese Form des Sprachenwechsels für die mündliche Kommunikation aus soziolinguistischer, gesprächsanalytischer, grammatischer und kognitiver Perspektive seit langem intensiv untersucht wird, wurde schriftliches Codeswitching von der Forschung eher stiefmütterlich behandelt. Zwar geriet es im Zuge der Untersuchung computervermittelter Kommunikation verstärkt in den Fokus (vgl. etwa Androutsopoulos 2013); eine diachrone Tiefe fehlt dieser Forschungstradition jedoch noch weitgehend. Während historisches Codeswitching in der Anglistik mittlerweile ein etabliertes Forschungsfeld darstellt (vgl. etwa Schendl/Wright 2011; Pahta/Skaffari/Wright i.Dr.), spielen entsprechende Ansätze in der germanistischen Sprach- geschichtsforschung bislang kaum eine Rolle. Die Heidelberger Tagung soll deshalb dazu beitragen,
- die Rolle von Codeswitching in der Geschichte der deutschen Sprache näher zu beleuchten,
- das Erklärungspotential formaler und funktionaler Codeswitching-Modelle für die historische Linguistik des Deutschen auszuloten,
- eine theoretische, methodische und empirische Bestandsaufnahme der verstreuten Forschungsansätze in diesem Bereich zu liefern, sie zu bündeln und ihnen eine bessere Sichtbarkeit zu verschaffen.
Vorschläge für Vorträge in deutscher oder englischer Sprache (Abstract von max. 1 DINA4-Seite) werden erbeten bis zum 15.08.2017 an: <email-pii>.
Es besteht die Möglichkeit der Erstattung von Reise- und Übernachtungskosten für Referentinnen und Referenten. Es ist geplant, einen Tagungsband mit den Beiträgen zum historischen Codeswitching herauszugeben.