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| Hieronymus († 420) - Briefe

VII. Briefe an Augustinus von Hippo
112. An Augustinus
11.
Wir haben also gesehen, daß sich Petrus und Paulus in gleicher Weise anstellten, als ob sie die Vorschriften des Gesetzes beobachteten. Wie konnte nun Paulus mit kühner Stirn am anderen rügen, was er selbst getan hatte? Ich, oder besser gesagt, andere haben bereits vor mir hierfür eine Begründung gegeben, die sie für richtig hielten. Hierbei machten sie sich keineswegs zu Verteidigern einer Gefälligkeitslüge, wie du es darstellst. Vielmehr wollten sie zeigen, daß es auch ein ehrenhaftes Abwägen gibt. Sie wollten die Klugheit der Apostel hervorheben und die anmaßenden Schmähungen eines Porphyrius abwehren. Hatte dieser doch behauptet, Petrus und Paulus hätten sich zwei Knaben gleich gezankt. Ja, er verstieg sich zu der Bemerkung, [S. 446] Paulus sei auf die Verdienste Petri eifersüchtig geworden und habe, sich rühmend, Dinge berichtet, die gar nie geschehen seien oder, falls sie doch geschehen wären, ein großes Maß von Frechheit bedeuteten, da er einem anderen vorwerfe, was er selbst getan habe. So wurde diese Stelle von den Alten nach bestem Können erklärt. Wie willst Du sie nun deuten? Gewiß hast Du etwas Besseres zu sagen, da Du die Meinung der Alten verwirfst.