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Von Beat D. Hebeisen
Der Halbleiterhersteller Micronas hat die Investoren mit den Zahlen zum ersten Quartal 2006 enttäuscht (vgl. FuW Nr.32 vom 26.April). Die Aktien verloren binnen weniger Tage 22%. Ähnliches hatte sich im Oktober 2005 ereignet. Die Börse quittierte damals die miesen Zahlen des dritten Quartals mit einem Abschlag von 18%. Zwischen den beiden Ereignissen gibt es eine weitere Parallele: Damals wie in jüngster Vergangenheit verkaufte VR-Präsident Franz Betschon ein grösseres Aktienpaket, das er durch die Ausübung von Optionsrechten unmittelbar zuvor erstanden hatte, nur wenige Wochen vor der Publikation der Unternehmenseckwerte.
Managementtransaktionen müssen seit Mitte 2005 veröffentlicht werden. Das verlangen die per 1.Juli 2005 von der SWX Swiss Exchange eingeführten Richtlinien. Micronas publiziert die Käufe und Verkäufe des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung schon seit dem 1.Oktober 2002. Der Grund war die Zweitkotierung der Aktien an der Frankfurter Börse. Die früheren Transaktionen zeigen: Fast das ganze Management und die Mehrheit des VR übten ihre Optionen jeweils konzertiert aus. 2003 war das nach der Bekanntgabe der Jahreszahlen. Ein Jahr später wurden die Titel erst im April, nach der Veröffentlichung der ausgezeichneten Zahlen des ersten Quartals, verkauft. Wieder ein Jahr später war es der 3.Januar. Auch dieser Zeitpunkt war gut gewählt.
Im laufenden Jahr wurde erst eine Transaktion gemeldet. Betschon wandelte am 1.März 13200 Optionen und verkaufte 10100 Aktien. Er hatte in der Vergangenheit Aktien zu den unterschiedlichsten Terminen verkauft. Das bestätigt er gegenüber «Finanz und Wirtschaft». Er und weitere VR-Mitglieder hätten sich den Abmachungen im Management nicht anschliessen wollen.
Vergleiche der Transaktionsdaten der Familie Betschon mit der Unternehmensberichterstattung sowie Meldungen zur Entwicklung der Branche lassen ein gewisses Muster erkennen. Betschon und Frau Ruth ist es mehrheitlich gelungen, die Titel zu einem idealen Zeitpunkt zu verkaufen (vgl. Chartgrafik). Der VR-Präsident erklärt, in seiner Ehe bestehe Gütertrennung. Er hätte Aktien für die soziale Absicherung seiner Frau auf sie überschrieben und es sei ihr frei gestellt gewesen, diese Aktien zu verkaufen. Ruth Betschon löste im April 2004 aus verschiedenen Aktienverkäufen 1,9 Mio. Fr. Betschon selbst erklärt, er habe jeweils nur so viele Titel verkauft, wie für die Auslösung der Optionen notwendig gewesen seien.
Das stimmt für die Transaktion im März. Im letzten September dagegen löste der VR-Präsident netto um 500000 Fr. Und auch in den früheren Verkäufen ging die Rechnung zu seinen Gunsten auf. Dass Betschon seine Aktien verkaufen kann, steht nicht zur Diskussion. Diskutabel ist höchstens der Zeitpunkt. Die Managementtransaktionen können von der Börse nicht lückenlos überwacht werden. Besteht der Verdacht auf Insidertransaktion, werden dagegen die Behörden aktiv, bestätigt der SWX-Mediensprecher Jürg von Arx. Betschon ist sich keines Verstosses bewusst. Er habe immer nur in den vorgesehenen Zeitfenstern verkauft. Und wenn sich die Newslage unvermittelt verändert habe, hätte er schon veranlasst, dass ein solches Zeitfenster umgehend geschlossen werde.
Für den Investor hinterlassen derartige Transaktionen ein ungutes Gefühl. Das Management von Micronas profitiert von einem grosszügigen Optionsplan. Das Unternehmen hat letzten Herbst zudem beschlossen, die für Optionsprogramme nötigen 300000 Aktien pro Jahr jeweils über den Markt zu kaufen. Solche Programme wie auch der beschlossene Aktienrückkauf im Umfang von 100 Mio. Fr. helfen, den Kurs zu stabilisieren. Im Fall von Micronas wäre es im Sinne der Good corporate governance zu begrüssen, wenn auslaufende Managementoptionen einheitlich zu einem fixen Zeitpunkt gewandelt würden. So gäbe es keinen Raum für Mutmassungen. Auf jeden Fall müsste von Führungspersonen erwartet werden dürfen, dass sie, ausgestattet mit Insiderwissen, etwas geschickter mit Börsentransaktionen umgehen.