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".swiss": Das ist eine neue Endung für Schweizer Internetadressen. In der ersten Phase der Registrierung, die am Montag abgelaufen ist, haben mehr als 8000 Firmen und öffentliche Körperschaften die neue Domain beantragt. Sie hoffen, damit ihre Schweizer Identität besser zu betonen als mit der aktuellen Version ".ch", das im Ausland oft missverstanden wirkt.
2011 hatte die ICANNexterner Link, die US-Organisation, die das System der Domain-Namen auf dem Internet verwaltet, ein umfangreiches Programm gestartet, um die Anzahl der so genannten Top-Level-Domains (TLD) auszuweiten. Das sind die Spitzen-Adresszonen. Dabei geht es um die Bezeichnung, die auf den letzten Punkt in der jeweiligen Internet-Adresse folgt.
Zu den traditionellen Domains ".com", ".org" oder ".edu" kommt nun eine Vielzahl neuer Endungen hinzu, die sich auf Marken, Aktivitäten, Themen oder Produkte beziehen. Es wird auch möglich werden, geografische Namen als Domain zu verwenden. Im Fall der Schweiz bedeutet dies, dass es im Internet neben der aktuellen Endung ".ch" (für Confoederatio Helvetica) in Zukunft nun auch die Domain ".swiss" geben wird.
Reger Zuspruch
Konkret müssen öffentliche Körperschaften, Organisationen oder Firmen, die eine neue Domain schaffen möchten, bei der ICANN ein Gesuch einreichen. Das taten die Schweizer Behörden im Fall der Bezeichnung ".swiss" mit Erfolg.
Nun kann die Eidgenossenschaft diesen neuen Domain-Namen verwalten. Organisationen oder Unternehmen, die eine Internetadresse mit der neuen Endung möchten, müssen bei den dafür zugelassenen Registrierungsstellen ein Gesuch einreichen. Den definitiven Entscheid über die Zulassung fällt das Bundesamt für Kommunikationexterner Link (BAKOM).
Die erste Phase zur Einreichung von Gesuchen dauerte vom 7. September bis zum 9. November 2015. Nur öffentliche Organisationen oder Unternehmen, die in einem Schweizer Handelsregisterexterner Link und im Trade Mark Clearing House, dem Markenregistrierungs-Mechanismus der ICANN – eingetragen sind, konnten in dieser Phase einen Antrag stellen.
Kostspielig
Das Verfahren bei der ICANN zur Einführung einer neuen Domain kostet 185'000 Dollar. Einmal etabliert, erhält die ICANN von den Institutionen, die den Domain-Namen verwalten, im Fall von ".swiss" ist dies die Eidgenossenschaft, eine Jahresgebühr von 25'000 Dollar.
Die Kosten für eine Adresse mit der Endung ".swiss" werden von den Registrierungsstellen festgelegt und unterliegen den Marktregeln. Aktuell bewegen sich die Preise auf dem Markt zwischen 120 und 200 Franken.
Die generischen Bezeichnungen – die so genannten Namensmandate – werden aufgrund ihrer Komplexität mehrere Tausend Franken kosten. Zudem werden für die Überwachung der generischen Bezeichnungen pro Jahr Kosten in Höhe von mehreren Hundert Franken anfallen.Infobox Ende
"Anfang November war die Marke von 8000 Gesuchen bereits überschritten. Wir hatten keine Prognosen erstellt, sind mit dem Resultat aber sehr zufrieden", freut sich BAKOM-Sprecherin Caroline Sauser.
Bis hin zu Versteigerungen
Ab dem 10. November können vorübergehend keine weiteren Gesuche mehr eingereicht werden. Das BAKOM wird die Gültigkeit der eingegangenen Anträge überprüfen, zum Beispiel, in dem kontrolliert wird, ob die Unternehmen im Handelsregister eingetragen sind, und ob sie wirklich einen Sitz in der Schweiz haben und hier aktiv sind.
Mitte November wird eine Liste der ausgewählten Dossiers veröffentlicht. Während 20 Tagen können dann Konkurrenzgesuche oder Anmerkungen eingereicht werden. Danach wird das BAKOM entscheiden, wer eine solch neue Domain-Adresse erhalten wird.
Was passiert im Fall von Konkurrenzgesuchen? Um mit solchen Situationen umzugehen, wurden spezielle Verfahren geschaffen. "Wir haben Kriterien zur Festlegung der Prioritäten etabliert", erklärt Caroline Sauser. "So hat zum Beispiel eine öffentliche Körperschaft Vorrang vor einer Organisation oder einem Unternehmen. Innerhalb der öffentlichen Behörden hat die Eidgenossenschaft Vorrang vor Kantonen und Gemeinden."
Daneben gebe es weitere Kriterien, wie zum Beispiel den direkten Bezug zur Schweiz oder das Image der Marke Schweiz mit Blick auf das Ausland. Im Fall von konkurrierenden Gesuchen, die sich auf derselben Ebene befänden, werde es "wahrscheinlich eine Versteigerung" geben, so die BAKOM-Sprecherin.
Erhoffter Mehrwert
Was ist der Vorteil der neuen Domain ".swiss" gegenüber ".ch"? Nach Angaben von dot.swissexterner Link – der eigens von der Eidgenossenschaft eingerichteten Website zum Thema – bringt der neue Domain-Name einen Mehrwert, indem er "die Herkunft und die Verankerung von Schweizer Unternehmen und Organisationen unmissverständlich aufzeigt", die "Identifikation mit der Marke Schweiz unterstreicht", dem "Webauftritt von Schweizer Unternehmen die Exklusivität verleiht, die er verdient" sowie die "Schweizer Marken im Heimmarkt und weit über die Grenzen hinaus profiliert".
Xavier Studer, Autor eines Blogsexterner Link über neue Technologien und Telekommunikation sowie früherer Fachspezialist des Schweizer Fernsehens, glaubt an die Wirksamkeit des neuen Domain-Namens. "Es ist sehr interessant, denn '.ch' ist nicht wirklich eine Bezeichnung, die in der ganzen Welt klar und deutlich ist." Bei ".swiss" hingegen könne man davon ausgehen, dass die Bezeichnung grundsätzlich klar sein dürfte, sagt Studer.
Auch swissinfo.ch gehört zu den Unternehmen, die ein Gesuch eingereicht haben. Christian Burger von der Marketingabteilung bei swissinfo.ch teilt die Ansicht Studers. "Im Ausland ist nicht klar, dass '.ch' für die Schweiz steht. Die neue Domain '.swiss' wird viel klarer sein."
Private müssen warten
Der Normalbetrieb mit dem neuen Domain-Namen soll am 16. Januar 2016 starten. Zugleich wird auch die Vergabepolitik etwas gelockert werden. "Ab Januar werden auch Vereinigungen oder Stiftungen, die nicht im Handelsregister eingetragen sind, Gesuche einreichen können", sagt BAKOM-Sprecherin Sauser.
Privatpersonen werden jedoch weiterhin keine Anträge stellen können. Und noch ist nicht klar, ob sie das überhaupt je können. "Es ist zu früh zum Beurteilen, ob ".swiss" auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, denn dies hängt von der Entwicklung ab." Die zuständige Medienministerin Doris Leuthard habe klar betont, dass es sich um ein Förderwerkzeug für den Wirtschaftsstandort Schweiz im Ausland gehe. "Die neue Domain ist daher in erster Linie auf Unternehmen ausgerichtet."
Ebenfalls ab Januar können Gesuche für so genannt generische Bezeichnungen eingereicht werden. Dies sind Domainnamen, die ganze Sektoren betreffen. "Der Name 'watch.swiss' zum Beispiel dürfte für die ganze Schweizer Uhrenbranche von Interesse sein", erläutert Caroline Sauser. "Man könnte sich vorstellen, dass diese Bezeichnung an den Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie vergeben wird, der dann etwa Rolex die Möglichkeit geben könnte, die Adresse 'rolex.watch.swiss' zu nutzen, oder im Beispiel von Omega die Adresse 'omega.watch.swiss'.
Der Markt wird entscheiden
Die erste Phase der Adressvergabe deutet auf ein grösseres Interesse für die neue Domain ".swiss" hin. Frühere Erfahrungen zeigten jedoch, dass sich Erweiterungen wie ".biz" oder ".name" gegenüber traditionellen Endungen nicht durchsetzen konnten. Zu stark waren ".com" oder Länder-Endungen wie ".ch", ".de" oder ".fr" in den Köpfen der User verhaftet.
"Unternehmen und Private sind sich daran gewöhnt, mit nationalen oder anderen wichtigen Bezeichnungen wie '.com' oder '.org' zu arbeiten", sagt Caroline Sauser. "Die neuen Namen haben jedoch den Vorteil, dass sie sehr viel präziser sind. So ist '.pizza' zum Beispiel für eine Firma aus der Pizzabranche sehr viel aussagekräftiger als '.biz'. Und auch geografische Endungen sind viel präziser."
Xavier Studer weist seinerseits darauf hin, dass Adressen mit der Endung ".com" weiterhin sehr breit genutzt würden. "Aber es ist nicht unbedingt eine Frage des Widerstands von Nutzern und Nutzerinnen. "Solche Erweiterungen sind oft verbunden mit Marketingfragen und dem Bild, das eine Firma von sich selbst vermitteln will."
Man kann sich generell die Frage stellen, ob die neuen Domain-Endungen wirklich nützlich sein werden. Denn alle Suchmaschinen lenken den Nutzer jeweils sehr rasch direkt zu einem Unternehmen, ohne dass man dessen genaue Internetadresse kennen muss. "Man kann sich schon Fragen zur Nützlichkeit stellen", räumt Xavier Studer ein. "Aber letzten Endes wird der Markt entscheiden. Man muss den freien Markt gewähren lassen und dann wird man sehen, was in einigen Jahren geschehen wird."
(Übertragung aus dem Französischen: Rita Emch)