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Eine alte jüdische Weisheitsgeschichte erzählt von einem Rabbi, dass er jeden Morgen vor dem Frühgebet zum Himmel aufsteige. Einer, der ihm nicht wohl gesinnt war, lachte darüber und legte sich vor Morgengrauen auf die Lauer. Da sah er: der Rabbi verliess, als Holzknecht verkleidet, sein Haus und ging zum Wald. Der Mann folgte von weitem und sah den Rabbi Holz fällen und in Stücke hacken. Dann lud sich dieser das Holz auf den Rücken und schleppte es in das Haus einer armen kranken, alten Frau. Der Verfolger spähte durch das Fenster und sah den Rabbi, wie er auf dem Boden kniete und den Ofen anzündete. Als ihn die Leute später fragten, was es denn nun auf sich habe mit der täglichen Himmelfahrt des Rabbi, sagte er: «Er steigt nicht einfach bis zum Himmel, sondern bis zum siebten Himmel.»
Zum Glück sterben solche Menschen, die ein Herz für Mitmenschen in Not haben, nicht aus. Ich denke da an die Gedenktage des heiligen Martin, der als römischer Offizier die Hälfte seines Mantels einem frierenden Bettler schenkte und später als Bischof ganz für die Armen lebte. Aus dem gleichen Geist lebte und wirkte auch die heilige Elisabeth, die als Landgräfin von Thüringen ihr Hab und Gut den Armen verschenkte, mit ihrem Witwengut in Marburg ein Spital für die Bedürftigen stiftete und dort Kranke pflegte, bis sie – erst 24-jährig – sterben musste. Diese beiden christlichen Persönlichkeiten erinnern uns stets an die beglückende Wahrheit, die der Urwalddoktor Albert Schweitzer einst so formulierte: «Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.» Es ist zu hoffen, dass sich auch heute noch viele Zeitgenossen und -genossinen mehr an diesem Wort als an jenen Ratschlägen orientieren, die uns einen eiskalten Egoismus als Lebensweg empfehlen.