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Die Partnerschaft mit der Fondation BNP Paribas Suisse
Die Fondation BNP Paribas Suisse engagiert sie sich seit über 20 Jahren in der Restaurierung von Kunstwerken in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten mit dem Anliegen, aktiv daran mitzuwirken, dass Museumsbestände erhalten bleiben und so an zukünftige Generationen weitergegeben werden können. In der Schweiz hat sie bereits über ein Dutzend Projekte gefördert, die dem Erhalt bedeutender Werke von Max Ernst, Mattia Preti, Auguste Rodin, Bram van Velde und Paolo Veronese galten. Die Fondation Beyeler freut sich, mit der Unterstützung der Fondation BNP Paribas Suisse drei Hauptwerke der Sammlung restaurieren zu können. In einem Zeitraum von drei Jahren wird das Restauratoren-und-Kuratoren-Team sich den folgenden Werken widmen: Fernand Légers Le passage à niveau (1912), Max Ernsts The King Playing with the Queen (1944) und Henri Rousseaus Le lion, ayant faim, se jette sur l’antilope (1898/1905).
Kunsthistorischer Hintergrund
Die Skulptur The King Playing with the Queen zählt zu Max Ernsts bedeutendsten bildhauerischen Erfindungen und stellt einen Höhepunkt in der Skulpturensammlung der Fondation Beyeler dar. Die sich hier befindende kostbare Gipsfassung von The King Playing with the Queen realisierte Max Ernst während seines amerikanischen Exils im produktiven Jahr 1944 und liess später davon mehrere Exemplare in Bronze giessen.
Das Werk zeigt eine gehörnte Gestalt, die an einem Schachbrett sitzt und spielt. Die Hauptfigur – der König des Spiels – lässt an den Minotaurus aus der griechischen Mythologie denken, ein Ungeheuer, halb Mensch, halb Stier. Max Ernst hat diese wichtigste Figur des Schachspiels vom Brett genommen und selber in einen Schachspieler verwandelt. Dabei wird die Königin von der rechten Hand des Königs geschützt und zugleich am Voranschreiten gehindert, während er in der anderen eine weitere Spielfigur verbirgt. Der dämonische König spielt mit seinen Untertanen offenbar nach eigenen Regeln – das Spiel spielt sich selbst.
Bereits ab 1934 führte Max Ernst eine Reihe von figürlichen Skulpturen aus, die als surrealistische Werke "mit symbolischer Funktion" auftreten. Maler, Bildhauer und Objektkünstler des Surrealismus zielten darauf ab, Bilder und Gegenstände aus einem Fundus von Mythen und Visionen frei zu schaffen.
Dokumentation des Zustands
Seit der Eröffnung der Fondation Beyeler 1997 wurde die Skulptur innerhalb des Hauses nur mit grösster Vorsicht bewegt und präsentiert. Darüber hinaus wurde gänzlich auf eine Ausleihe des Werks verzichtet. Den Grund dafür stellte in erster Linie das verwendete fragile Fertigungsmaterial Gips dar, welches bereits alte Bruch- und Rissstellen aufweist. Des Weiteren sieht man sich im Werk von Max Ernst mit einer strukturellen Besonderheit konfrontiert. Alte Atelieraufnahmen zeigen, dass Ernst seine Skulpturen aus Einzelteilen zusammensetzte. Somit stellt sich die Frage, ob diese Vorgehensweise auch bei der vorliegenden Skulptur verfolgt wurde. Die Oberfläche der Skulptur weist eine augenfällige, inhomogene farbige Erscheinung auf. Diese Fassung spiegelt verschiedene historische Farbschichten wider, die das Weiss des Gipses überdecken.
Ziele des Restaurierungsprojekts
1. Ein erstes Ziel ist es, den komplexen strukturellen Aufbau von Max Ernsts plastischer Arbeit in Gips nachvollziehen zu können. 2. Durch eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Schichtaufbau der farbigen Fassung soll zudem ein Weg gefunden werden, die ästhetische Erscheinung des Werkes und deren Entstehung ((Zustandekommen)) besser zu verstehen. 3. Ausserdem sollen die Fragilität des Werkes in Bezug auf seine Beweglichkeit inner- und ausserhalb der Sammlung besser beurteilt und eine stabile und angemessene Präsentation gewährleistet werden.
RESULTATE
Struktureller Aufbau
Hochaufgelöste Röntgenaufnahmen konnten aufschlussreiche Erkenntnisse über den strukturellen Aufbau des Gipses liefern. Das Innere der Skulptur besteht aus einer Armierung mit verschieden starken Drähten. Weiter verwendete Ernst feine Metallgitter um flächige Bereiche zu verstärken. Der Aufbau der Gipsskulptur erfolgte durch ein aneinander Fügen von Einzelelementen für die Ernst Formen anlegte, diese ausgoss und armierte und letztlich zusammensetzte. Weiter lieferte die Röntgenuntersuchung konkrete Hinweise über ein mehrfaches Abgiessen der Gipsskulptur in Bronze, findet man z .B nicht vom Künstler selbst verwendete Gewindestangen, Nägel und Schrauben im Inneren der Skulptur. Die vergrösserten Röntgendetails zeigen, dass die originale Armierung partiell zerschnitten wurde (Abb.1). In Kombination mit dem erfolgreichen Auffinden von Archivmaterial konnte so ein umfassender Eingriff der Giesserei an der Skulptur nachvollzogen werden. Die Giesserei musste für den komplexen Abformprozess die Skulptur in Einzelelemente zerlegen, um diese abschliessend formgetreu wieder zusammen zu setzten. Es handelt sich dabei um ein typisches Vorgehen bei einem Abguss-Verfahren. Dies belegt eine historische Abbildung. So handelt es sich bei den gipssichtigen hellen Bereichen der Skulptur ohne Fassung (siehe Hals, Schulter, Handgelenke etc.) um die Ergänzungen der Giesserei nach dem Abform Prozess. Dabei wurde die originale Fläche der durch das Zerlegen verlorenen Bereiche von der Giesserei ebenfalls in Gips rekonstruiert (Abb.2).
Ästhetische Erscheinung und ihr Zustandekommen
Durch die Analyse der Farbschicht konnte herausgefunden werden, dass die Skulptur eine zweischichtige blaue Fassung besitzt (Abb.3). Die blaue Farbschicht ist original und wurde bereits kurz nach der Entstehung der Skulptur vom Künstler selbst aufgetragen. Bei den nachgewiesenen Pigmenten und Bindemitteln handelt es sich um die typischen Materialien wie sie Max Ernst auch für Werke auf Leinwand verwendete. Die Erkenntnisse wurden an Hand einer frühen Modefotografie aus Jahre 1945 bestätigt (Abb.4). Die Modeaufnahme zeigt die Gipsskulptur mit einer homogenen farbigen Fassung bereits kurz nach ihrer Entstehung. Die originäre blaue Farbigkeit ist von blossem Auge für den Betrachter in ihrer heutigen Form jedoch nur noch schwer erfahrbar. Diverse Schichten die vom Abguss Prozess und späteren Eingriffen an der Skulptur herrühren liegen über dieser noch sichtbaren blauen Fassung. Diese Vielzahl an Schichtfragmenten ist sehr interessant, da sie dem Betrachter aufzeigen, welche Geschichte die Skulptur erfahren hat. Sie sind Teil einer historisch geworden Oberfläche. Die Wiederherstellung eines authentischen Zustandes ist aus heutiger technischer und ethischer Sicht kaum möglich.
Fragilität
Die Untersuchungen haben bestätigt, dass die Gipsskulptur fragil ist. Die empfindlichen Bereiche (Schnittstellen durch die Giesserei, Bearbeitungen) stellen weiterhin ein Risiko für die Handhabung und Ausleihe dar.