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Der Blick auf die Fischergasse zeigt die Zeile der Fischerhäuser mit dem Stadel zur Aufbewahrung der Gerätschaften und vermutlich der getrockneten Gangfische.
Im Mittelalter war Gottlieben auf allen Seiten durch Wasserwege begrenzt: In Blickrichtung durch den Rhein, parallel zur Zufahrtsstrasse bis zum rund ums Schloss laufenden Wassergraben durch den östlichen Dorfbach, im Westen durch den westlichen Arm des Dorfbachs und im Süden durch einen Wassergraben. Dieser verband die beiden Arme des Dorfbachs und verlief hinter der heutigen Hüppenbäckerei und hinter der Kirche und mündete in den Schlossgraben. Dazwischen befanden sich kleinere Kanäle.
Den Fischern kam während der Herrschaft der Bischöfe eine besondere Bedeutung zu: Gemäss der Offnung von Gottlieben, dem Gesetz der Bischöfe für Gottlieben, durften die Fischer keinen Grundbesitz erwerben. Die Bischöfe bestimmten die Gottlieber Fischenz, den Abschnitt im Rhein, den die Gottlieber Fischer befischen durften, und drei Kategorien von Fischern mit verschiedenen Rechten und Pflichten. Die erste Kategorie waren die sechs Segifischer: Sie durften den Rhein mit einem Schleppnetz – ausgenommen während einer festgelegten Schonzeit – ausfischen. Die zweite Kategorie waren Fachenfischer: Sie durften im Rhein Richtung Ermatingen Fachen, d.h. aus Gerten geflochtene Hindernisse an die Seehalde stellen und an deren Ende einen Sack, den Behren, befestigen. Die Fische schwammen entlang der Seehalde und – gelenkt durch die Fachen – in die Behren. Diese mussten vor Tagesanbruch gehoben werden, da die Fische bei Tageslicht den Ausgang gefunden hätten. Die dritte Kategorie Fischer durfte nur im Dorfbach angeln.
Gegenleistung für alle Kategorien waren Ruderfahrten für den Bischof in den der Kategorie entsprechenden Distanzen und Steuern in Form von getrockneten Fischen: 12'950 Gangfische mussten jährlich – entsprechend der Kategorie – abgeliefert werden.
Im Haus direkt an der Strasse auf der rechten Seite der Kirchgasse befand sich in den Anfangszeiten die Schule, dann während langer Jahre die Gemeindekanzlei: In Ermangelung eines eigentlichen Gemeindehauses hatte der damalige langjährige Gemeindeammann Kurt Meyer Räume im Parterre seines Hauses zur Verfügung gestellt.
Das Haus gegenüber wurde zu Zeiten der Helvetik als Bezirksgefängnis genutzt. Nach einer kurzen Zeit der Freiheit war Gottlieben neben Steckborn, Frauenfeld, Weinfelden , Bischofszell und Tobel unter Napoleons Herrschaft Hauptort des jeweils gleichnamigen Verwaltungsbezirks geworden. Das Gefängnis war gemäss der Obrigkeit vonnöten, hatte sich Gottlieben doch nach der Verarmung während der Kriegswirren zum Schmugglernest par excellence entwickelt. Vor allem Salzschmuggel war beliebt. Anstatt das von Frankreich vorgeschriebene lothringinische Salz importierten die Gottlieber heimlich das billigere aus Bayern, das von Napoleon mit hohen Steuern belegt worden war. Sie transportierten das bayerische Salz in Weinfässern, Kornsäcken und Gipskisten und färbten es notfalls auch schwarz ein. Obwohl die Beschlagnahme der Schiffe drohte und gar militärische Vorkehrungen in Erwägung gezogen wurden, entspannte sich die Lage erst, als die Preise angeglichen und Gottlieben offiziell zum Eintrittsort für bayerisches und Tiroler Salz erklärt wurde.
Es war die Zeit des Johann Melchoir Aepli, des hochgeschätzten Statthalters der helvetischen Regierung, des Präsidenten des Distriktsgerichts Gottlieben, der Gottlieben in dieser schweren Zeit lange vor überhöhten Steuern bewahrte, indem er die dafür notwendigen Katasterpläne nicht lieferte und der – selber Arzt - dem Kanton auch als reformfreudiger Sanitätsrat diente.
Beschrieben unter Standort 3.
Hier beginnt das Handwerkerquartier von Gottlieben: Nachgewiesen sind Schreiner, Glaser, Schiffsbauer, Schlosser, Schuhmacher, Töpfer, Metzger, Bäcker, Drucker, Händler jeder Art, Rosshaarspinner, Küfer, Messerschmiede, Maurer, Maschinenbauer und – wie man sieht – Seidenfärber.
In diesem Haus war während des Zweiten Weltkriegs der englische Pilot John Bickers als Internierter einquartiert: Er ist aktenkundig geworden, weil er im Traum glaubte, aus dem Flugzeug abspringen zu müssen, durchs Fenster sprang und unsanft, aber nur wenig verletzt auf dem Gottlieber Strassenplaster landete.
Im Haus dahiner befand sich eine Malerwerkstatt.