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Hauptziel und Zielgruppen
ASA-Handicap mental möchte zur Umsetzung des Übereinkommens beitragen mit dem Ziel, Menschen mit geistiger Beeinträchtigung zu Wort kommen zu lassen und ihre eigenen Anliegen einbringen zu können, insbesondere bei bestehenden oder geplanten Massnahmen zur Verbesserung ihrer Lebensqualität.
Wirkung
Das Projekt hat dazu beigetragen, Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ihre Rechte und Pflichten als Bürgerinnen und Bürger, ihr Recht auf Meinungsäusserung und ihre Fähigkeit zur Ausübung ihrer Rechte bewusst zu machen. Für dieses Projekt wurden Gesprächsgruppen gebildet – jeweils eine in jedem der sechs Westschweizer Kantone (insgesamt 53 Personen mit einer geistigen Beeinträchtigung aus Institutionen und Vereinen, die bereit waren, sich an dem Projekt zu beteiligen). Die Personen erhielten eine Einführung in die BRK auf der Grundlage eines an die Schweizer Verhältnisse angepassten Lehrmittels in leichter Sprache. Ebenfalls eine Einführung erhielten die 16 Fachpersonen, die die Gesprächsgruppen leiteten. Das Projekt wurde je nach Kanton in 12 bis 17 Sitzungen mit einer Dauer von 90 bis 120 Minuten durchgeführt, an denen die wichtigsten Artikel der BRK diskutiert wurden. Die eingebrachten Vorschläge wurden aufgezeichnet, transkribiert, analysiert und in einer Dokumentation zusammengefasst: «Anerkennt unsere Rechte! Realitäten und Empfehlungen».
Ziele
Das Westschweizer Projekt verfolgte drei Ziele: 1) Personen mit einer geistigen Beeinträchtigung und Fachpersonen mithilfe eines Lehrmittels in leichter Sprache zu den im Übereinkommen verkündeten Rechten schulen; 2) Personen mit einer geistigen Beeinträchtigung dabei unterstützen, sich innerhalb der kantonalen Gruppen zu äussern, um sie in die Weitergabe ihrer Erfahrungen und Wünsche an Fachpersonen, Eltern und Politikerinnen und Politiker einzubeziehen; 3) Empfehlungen und Vorschläge für eine bedürfnisgerechte Umsetzung der BRK abgeben
Beispiel
Die gesammelten Vorschläge in der Dokumentation «Anerkennt unsere Rechte!» sowie die Antworten in den Evaluationsfragebögen und der Wunsch, den Prozess fortzuführen, zeigen, dass die Ziele erreicht wurden und das Projekt bei den Teilnehmenden etwas bewirkt hat. Bei den Personen mit einer geistigen Beeinträchtigung wurde durch den Austausch und die Reflexion in der Gruppe das Gefühl geweckt oder gestärkt, selbst über ihr Leben und ihre Umwelt bestimmen zu können (individuelles Empowerment). Durch das vermittelte Wissen und die Gespräche über ihre Lebenserfahrungen konnten sie Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen entwickeln. Ihnen wurde bewusst, dass sie selbst viel dazu beitragen können, sich Gehör zu verschaffen und für ihre Rechte einzustehen. «Seit ich meine Rechte kenne, bin ich selbstständiger und kann Pläne machen.» «Wenn man seine Rechte kennt, gibt das Mut, für sich einzustehen und zu sagen, was geht und was nicht.» Auf die Frage «Wie können Sie zur Anerkennung Ihrer Rechte beitragen?» lautet die Antwort: «Wir müssen uns trauen, das Wort zu ergreifen, damit wir selbst die Gesellschaft sensibilisieren können.» Von den Fachpersonen fordern sie: «Hört uns zu!» «Wir haben Fähigkeiten und Ressourcen – entdeckt sie!» «Wir wollen unseren Beitrag zur Gesellschaft leisten – lasst uns teilhaben.» «Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen – vertraut uns!» «Wir wollen den politischen Entscheidungsträgern Empfehlungen vorlegen.»
Den Gruppenleiterinnen und -leitern hat das Projekt zu einer anderen Sichtweise auf Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung verholfen – ihre Kompetenzen, ihre Fähigkeit, aktiv an Diskussionen zu ihren Rechten teilzunehmen, Ideen einzubringen, in einer Gruppe zu interagieren, haben die Wahrnehmung ihrer Betreuungsaufgabe verändert. Sie sagen, dass sie die Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen der Menschen mit geistiger Beeinträchtigung künftig besser wahrnehmen müssen.
Herausforderungen
Das Projekt «Rechte & Teilhabe» ist Teil einer breiten internationalen Bewegung, die durch die Entwicklung der Werte der partizipativen Demokratie und der effektiven Macht der Bürgerinnen und Bürger angetrieben wird. Die Teilhabe von Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung muss weiterhin mittels konkreter Aktionen gestärkt werden. Die Dokumentation «Anerkennt unsere Rechte!» enthält eine Vielzahl von Empfehlungen, die in den kantonalen Gesprächsgruppen erarbeitet wurden. Diese Empfehlungen müssen berücksichtigt und mit der Entwicklung von Projekten konkretisiert werden. Zu den Empfehlungen gehören beispielsweise die Stärkung der Fähigkeiten von Personen mit einer geistigen Beeinträchtigung, an institutionellen und/oder politischen Entscheiden teilzuhaben und ihr Stimmrecht auszuüben, oder die Schulung von Personen mit einer geistigen Beeinträchtigung, damit sie ihr Wissen den Fachpersonen in Ausbildung vermitteln können. Auf diese Weise würde ein Beitrag zur Stärkung der vom Bund geförderten Rechte von Menschen mit Behinderungen geleistet.
Gegenwärtig ist ASA-Handicap mental in folgenden Bereichen aktiv: a/ Zusammen mit Personen mit geistiger Beeinträchtigung wird ein Schulungskonzept zur BRK für verschiedene Zielgruppen erarbeitet; b/ Partnerinstitutionen, die uns ihre «Best Practices» vermitteln, werden einbezogen; c/ Projekte, die Personen mit einer geistigen Beeinträchtigung eine umfassende und effektive Partizipationsplattform bieten, werden unterstützt.
Organisation
Trägerschaft: ASA-Handicap mental
Projektregion: Romandie
Projektdauer: 2014–2018
Finanzierung: EBGB – Loterie romande – Genfer Privatstiftung
Kontaktperson: Viviane Guerdan, Präsidentin ASA-Handicap mental
Website: www.asa-handicap-mental.ch
VG/31.01.2019