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Bromium
ZENTRALE BEGRIFFE
Worauf richtet sich der Fokus der inneren Aufmerksamkeit?
Bromium reagiert dort empfindlich, wo er nach Weite und Auflösung strebt, dabei aber eine Gefährdung seines Ich-Bewusstseins wahrnimmt. Er ist wie jemand, der sich verlocken lässt, immer weiter ins Meer hinaus zu schwimmen, und dabei plötzlich von Panik befallen wird, dies könnte das Ende seines Lebens darstellen. Analoge Situationen können in zwischenmenschlichen Beziehungen auftreten, aber auch wenn man sich in einer Arbeit, einer Lektüre Th 7, 15, in einem Rausch usw. zu verlieren droht.
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Die Themenliste umfasst eine inhaltlich gruppierte Sammlung von Original Prüfungssymptomen
Wie zeigt sich das Leiden des Patienten? (Sekundäre Psora)
Wie kompensiert er sein Leiden? (Egotrophie, Egolyse, Alterolyse)
Wie lautet die eigentliche Hypothese „nach Masi“? (Primäre Psora)
Hier finden Sie spannende Interpretationen von einzelnen Themen oder Symptomen
1. Fremde Anwesenheit
Abends beim Alleinsein ist es ihm, als müsse er sich umsehen, und würde irgend eine Erscheinung da erblicken. He* 12
Phantasie-Täuschung, es scheint ihr, als ob ihr fremde Personen über die Achsel sähen. He* 13
2. In der zweiten Nacht ein lebhafter Traum, als steige man in eine abschüssige Stelle, und sucht sich nun in der Wirklichkeit nach der andern Seite zu retten, indem man auf dieser Seite das Bett verlässt, und hier erst durch Verschieben der Morgenschuhe und Kälte des Bodens den Irrtum merkt, ohne jedoch ganz aus dem Schlaf zu kommen. Lem 22
3. Nachts lebhafte Träume; er steigt in die Höhe. He* 441
4. Lebhaft träumend von Reisen, Steigen, Mord und Streit; mit deutlicher Erinnerung beim Erwachen. He* 442
5. Sie träumt von nichts als Sterben, Särgen und Begräbnis. He* 442
6. Ist nicht er selbst
Sie fühlt sich nicht wie gewöhnlich, kann aber nicht sagen warum. He 1.8
Sie ist nicht sie selbst; verzweifelt, sitzt allein in ihrem Zimmer ohne etwas zu tun; schaut die ganze Zeit in eine Richtung ohne etwas zu sagen. He 1.15
7. Arbeit
Unlust zu geistiger Arbeit. Lem 27
Drang zu geistigen Arbeiten. He* 10
Klopfende Stiche im linken obern Augenliede, nach den Brauen, der Stirn und der linken Schläfe ziehend, durch äussern Druck, Bewegung und Bücken vermehrt, in Ruhe gebessert; ein Schmerz, der ihn zu aller Arbeit unfähig macht. He* 58
Grosse Ermattung; sie kann nicht mehr arbeiten und muss sich niederlegen. He* 411
Brenngefühl im ganzen Körper, worauf, während mässiger Handarbeit, ein klebriger Schweiss ausbricht, Abends, zwölf Stunden nach dem Brennen im Ohre. He* 464
Sein Geschäft ist ihm zuwider; es ist ihm, als ob er es aufgeben müsse. He* 8
Grosse Geschäftigkeit. He* 9
Drang zu geistigen Arbeiten, zuvor Abneigung gegen seinen eigenen Beruf. He 1.4
Abneigung gegen jede Art von Arbeit, selbst Lesen; hat kein Interesse an den häuslichen Pflichten. He 1.6
Heitere Stimmung, kein Verlangen nach geistiger Arbeit. He 1.7
8. Die Gedanken sind schwer auf einen Gegenstand zu fixieren; auch den Zustand eines gestrigen Patienten ins Gedächtnis zu rufen hält schwer. Lem 89
9. Gedankenlos
Gedankenmangel. Lem 103
Gedankenlos. Lem 112
Sehr grosse Vergesslichkeit. He* 11
10. Niedergeschlagen
Niedergeschlagen und schlecht gelaunt. He 1.12
Sehr stark niedergeschlagen und untröstlich, bei Brustkrebs. He 1.11
Traurig und entmutigt, bei Schwellung des Hodens. He 1.14
11. Heiterkeit
Heitere Gemütsstimmung bei einem Hypochonder. He* 4
Heitere Träume und heiteres Erwachen. He* 451
Heitere Stimmung, kein Verlangen nach geistiger Arbeit. He 1.7
12. Lichtscheu
Das Tageslicht ist etwas empfindlich für die Augen. Lem 50
Die Augen etwas lichtscheu, müssen von den Augenbrauen stärker beschattet werden. Lem 102
Empfindlichkeit der Augen gegen helles Licht. He* 68
Blitze vor den Augen. He* 70
Lem 111, 138
13. Vor dem rechten Auge ein mit den Bewegungen des Auges auf- und absteigender grauer Punkt, beim Sehen in die Ferne und in die Nähe. Lem 228
14. Dinge springen und hüpfen
Erwartet etwas am Boden springen zu sehen. He 1.3
Gesichtstäuschung; es scheint ihr, als ob allerlei Dinge auf dem Boden vor ihr her hüpften. He* 14
15. Lesen
Zum Lesen unaufgelegt. Lem 7
Die noch kurz vorher bestehende Lust zum Lesen vergeht. Lem 36
Drückender Schmerz in der Stirn, in der Tiefe der Augen mit Empfindlichkeit der Augen beim Lesen. Lem 169
Stechen in den Lidern des linken Auges beim Lesen. Lem.
Beim Sitzen und Lesen des Abends eine Art Vergehen des Gesichts, als wenn ein Wind vor den Augen das zu Sehende wegwehete. He* 71
Abends zur ungewöhnlichen Zeit wird er beim Lesen schläfrig, so wie er aber das Licht auslöscht, und schlafen will, kann er nicht, er liegt ohne Ursache stundenlang wach. He* 437
16. Fliessendes Wasser
Schwindel, besonders wenn er über ein kleines fliessendes Wasser geht. He* 17
Sobald er den Fuss über das Wasser setzt, Schwindel; er zieht dann den Fuss unwillkührlich in der Richtung des Stromes hin. (Anmerkung: Bei einem jungen, starken Manne, der nichts weniger als nervös ist.) He* 18
17. Rauch, Dampf, Feuchtigkeit
Schwindel, schlimmer bei feuchtem Wetter. He* 19
Gefühl, als ob die Luftwege voller Rauch wären, manchmal wie von Schwefeldampf oder Teerqualm erfüllt. Rauhe Stimme; rauhe, kruppartige, scharrende Atmung. Kt
Innerliches Brenngefühl, dann ist es, wie wenn man sich in einem heissen Dampfe befände, jedoch ohne zu schwitzen. Vormittags. He* 466
Gegen Abend, ein Brenngefühl im linken Ohre, als ob eine Kohle oder heisses Wasser darinnen wäre. He* 80
18. Wie fernes Rauschen in den Ohren. Lem 106
19. Im rechten Ohre ein Klingeln, als ob alles voll Schellen wäre. He* 83
20. Heisses unangenehmes Gefühl im Gesichte, besonders unter der Nase, kitzelnd schründend, wie von Spinneweben, besonders beim Bewegen der Nase, zugleich Fliessschnupfen und Thränen des rechten Auges. He* 99
21. Reif um den Kopf
Der Kopf ist eingenommen, als läge ein Reif herum, den ganzen Tag, schwindlicht machend. He* 24
Abends beim Schreiben, fast unwiderstehliche Schläfrigkeit mit Kopfeingenommenheit; es ist ihm, als ob die Kopfhaut dichter anläge, oder als ob ein Reif um den Kopf gespannt wäre, mit geringem Schmerze in den Schultern. He* 434
22. Als wenn alles heraus wollte
Vormittags, Schmerz im Vorderhaupte, als wenn alles oben hinauswollte. He* 43
Nachmittags Hals, Nacken, Arme und Beine steif, so dass sie befürchtet, sie würde nicht mehr fort können, mit Kopfschmerz vom Hinterhaupte nach der Stirne zu, schiebend und drängend, als wenn alles vorn heraus wollte. He* 406
23. Nachmittags Hals, Nacken, Arme und Beine steif, so dass sie befürchtet, sie würde nicht mehr fort können (…) He* 406
24. Kopfweh nach Milchtrinken, wie ein hartes Klopfen links und ein harter Puls daselbst; gebessert wenn er sich auf die rechte Seite legt, mit den Armen über den Kopf. He* 30
25. Bei Seeleuten, sobald sie an Land kommen, Asthma, das wieder besser wird auf See. Kt
26. Atembeengung
Ängstlichkeitsgefühl in der Brust mit schwerem Athem. Lem 137
Athembeschwerden: es ist als würde das Einathmen durch etwas Hemmendes in der Mitte der Brust gehindert. Noch sechs Wochen nachher. He* 308
Leichtes Vollheitsgefühl in der Brust und im Halse, zunehmend gegen Mittag, fortwährend bis Abends. Gefühl als wäre eine weiche Substanz zwischen Lungen und Brustbein. He* 309, 311
27. Beim Befühlen, besonders der linken Brust, Gefühl als ob das Fleisch los und zerschlagen wäre. He* 357
28. Bei Kehlkopfentzündung ein Gefühl, als wäre der Kehlkopf mit Daunen bedeckt oder mit Samt überzogen. Dabei Kältegefühl. Kt
29. Stein im Magen
Stetes Drücken auf den Magen, wie von einem Steine; späteste Wirkung. He* 167
Magendrücken, wie von einem Steine, mit innerlicher Hitze. He* 168
30. Inneres Brennen
Vormittags neun Uhr ein innerliches Brennen; später ist es wie zwischen Haut und Fleisch. He* 465
Innerliches Brenngefühl, dann ist es wie wenn man sich in einem heissen Dampfe befände, jedoch ohne zu schwitzen. Vormittags. He* 466
He* 464
31. Hitze oder Frost vom Rücken her
Hitze im Rücken, die in den Kopf und ins Gesicht hineinsteigt. Lem 4
Heftiger Schmerz in der Magengegend, durch Druck verstärkt, leichter beim Vorwärtsbeugen; dabei Leib aufgetrieben, zugleich vom Rücken entspringende überlaufende Hitze. Lem 150
Frösteln im Rücken beim Sitzen, einige Male fünf Stunden. Lem 212
Gruseln den Rücken hinunter. He* 457
Lem 6, 127
32. Gefühl, wie von einer Kugel im linken Hypochonder. He* 185
33. Geschlecht
Geschlechtstrieb vermehrt. He* 239
Lauter Windabgang aus der Scheide, vom fünften bis achtzehnten Tage. He* 245
34. Beim Reiten und Gehen
Beim Reiten und Fahren schwinden die Beschwerden ganz. He* 499
Beim Herumgehen ist die Stimmung und das Körperliche besser. Lem 71
Empfindlich gegen kühle Luft, namentlich beim Gehen, es geht sogleich Kältegefühl durch den Rücken bis in die Beine. Lem 127
Abends beim Ausgehen, klopfender Schmerz in beiden Beinen, am meisten rechts, mit Steifheit der Beine bis in die Füsse, und mit Steifheit und Schmerz in der rechten grossen Zehe und den Mittelzehen. He* 387
In der Bewegung wurden die meisten Beschwerden nicht so stark empfunden, als in der Ruhe und im Liegen. He* 500
Lem 147, 216, He 34, 50
35. Seit dem Bromgebrauch wird eine grosse, früher nicht vorhandene Neigung zu entzündlicher Affektion der Schleimhaut der Nase, des Rachens und der Respirations-Organe bemerkt, auch Herzklopfen zeigt sich öfter, bisweilen im Gehen, bisweilen indem man sich vom Stuhle erhebt. So war am 12. Mai eine bedeutende Affektion jener Theile mit Schmerz, schwerem Schlucken, Husten, Heiserkeit, gelbem Nasenschleime und gelblichem Auswurfe, welcher Zustand acht Tage anhielt. Lem 147
36. Die meisten Brom-Symptome treten im Kehlkopf auf. Beim Einatmen ein rauhes und wundes Gefühl im Kehlkopf. Rauhigkeit im Kehlkopf. Verlust der Stimme. Heiserkeit durch Überhitzung. Kt
37. Charakteristisch für Brom ist das Erkranken nach Erhitzung. Kt
Wenn Bromium am Zwiespalt zwischen Freiheitswunsch und Identitätsverlust leidet, sehen wir einen sehnsüchtig in die Ferne strebenden Menschen, der nie dort glücklich ist, wo er sich gerade aufhält. Beim Überqueren eines Gewässers macht er die Erfahrung, dass das Wasser ihn mitnehmen will Th 18. Das Symptom: Asthma bei Seeleuten, sobald sie an Land kommen Th 25, ist eine weitere Verbildlichung dieser Problematik.
Auch die Beziehungswelt von Bromium können wir uns wie in klassischen Seefahrer-Erzählungen vorstellen: An Land sehnen sie sich nach Freiheit und Ungebundenheit, kaum sind sie auf See, träumen sie von der zurückgelassenen Liebe.
Die Auseinandersetzung mit dem Mitmenschen wird für Bromium leicht zu einer Bedrohung seines Ichs. Das kann so weit gehen, dass er meint, es sei jemand anwesend und schaue ihm über die Schulter Th 1. Wenn man Bromium zu nahe tritt, nimmt es ihm buchstäblich den Atem und er hat das Gefühl, nie mehr fort zu können Th 23, 25.
Im Berufsleben kann Bromium getrieben, ruhelos, von Fernweh geplagt sein. Am meisten leistet er sicher dort, wo er seine Sehnsucht ausleben kann: Als Fernfahrer, Matrose, Reiseleiter usw.
Die Angst vor dem Tod kann deutlich formuliert werden. Hier wird Bromium ultimativ mit seinem Zwiespalt zwischen Auflösungswünschen und drohendem Ich-Verlust konfrontiert. Schon leichtere Krankheiten führen zu hypochondrischen Ängsten Th 10.
Egotrophie
In seiner Vollkommenheits-Vorstellung ist Bromium ein Reisender, jemand der sich möglichst wenig in häusliche Verpflichtungen einbindet Th 7 und lieber unterwegs ist in aller Welt Th 34. Er ist heiterer Stimmung, ohne grossen Arbeitsdrang. Er schwärmt lieber von einer idealen Liebe als sich wirklich mit jemandem einzulassen. Seine Träume zeigen den Drang nach Höhe und Ferne Th 3.
Wenn er hingegen sein Verlust-Erleben kompensiert, kann er der stets drohenden Ego-Auflösung mit Rigidität und strengen Konzepten begegnen. Er stürzt sich dann bewusst in eine geistige Arbeit, wird sich sehr stark mit dieser identifizieren und grosse Geschäftigkeit an den Tag legen Th 7.
Die Angst vor Krankheit – vor der drohenden Auflösung, die sie mit sich bringen kann – leugnet er durch Heiterkeit, egal wie die Diagnose lautet Th 11. Nach aussen macht es den Anschein, als begreife er den Ernst seiner gesundheitlichen Situation nicht wirklich.
Er kann auch einigen Aufwand betreiben, um sich ständig selbst zu definieren. Er versucht dann zu erklären, wie er sich fühlt Th 6, warum er dies oder jenes so und nicht anders wahrnimmt und handhabt.
Egolyse
In der Phase der Resignation gibt Bromium jeden Versuch auf, die Polarität zwischen Abgrenzung und Verschmelzung bearbeiten zu wollen. Er zieht sich in stumpfe Vergesslichkeit zurück Th 9, kann seine Gedanken nicht mehr auf einen Gegenstand fixieren Th 8, kann nicht mehr lesen Th 15, nicht einmal seine gewohnten Tagesgeschäfte und häuslichen Pflichten erfüllen Th 8. Es kann vorkommen, dass das vorher ausschweifende, ruhelose Leben hier in Erschöpfung und Niedergeschlagenheit endet Th 7, 10.
Alterolyse
Alles was ihn zwingt, an Ort und Stelle zu bleiben und seinem Drang nach Auflösung nicht nachzugeben, kann den Zorn von Bromium erregen. Er träumt dann von Mord und Streit Th 4, er beschuldigt die anderen, ihn zu behindern und einzusperren. Auch hier stellen wir uns den raubeinigen Seemann vor, der zuschlägt, wenn man ihn auf etwas festlegen, ihn einengen will. Bromium ist in dieser Phase ein ungeduldiger, übellauniger Kranker Th 10.
Welche „Conditio humana“ lehnt er ab? Wo wünscht er sich Vollkommenheit?
Die Grundproblematik von Bromium lässt sich mit Hilfe der Idee darstellen, wonach das menschliche Leben einem Wassertropfen gleicht, der sich bildet, einen bestimmten Weg durchläuft und sich am Ende des Kreislaufs im Meer wieder auflöst.
Goethe fasste dies in seinem "Gesang der Geister über dem Wasser" wie folgt: "Des Menschen Seele / Gleicht dem Wasser: / Vom Himmel kommt es, / Zum Himmel steigt es, / Und wieder nieder / Zur Erde muss es. / Ewig wechselnd."
Bromium lehnt die Tatsache ab, dass es für den Menschen unmöglich ist, gleichzeitig individuell definierter "Tropfen" und in der Weite des Meeres zerfliessendes Wasser zu sein. Mit anderen Worten: Der Mensch muss die Ich-Identität immer ein Stück weit loslassen, wenn er eine Erfahrung des sich Verlierens, des Aufgehens in einem wie auch immer gearteten grösseren Ganzen machen will.
Bromium wünscht sich, sein individuelles Ego über alle Auflösung hinweg zu bewahren, selbst über den Tod hinaus.
Wo erlebt er deshalb ein Nichtgenügen, einen Verlust?
Sein Ego scheint ihm deshalb immer zu wenig abgegrenzt, zu wenig klar definiert, er ist nicht er selbst Th 6. Er kann seine Gedanken nicht mehr auf einen Gegenstand fixieren Th 8. Beim Lesen scheint ihm ein Wind vor den Augen das zu Sehende wegzuwehen. Die Lust am Lesen vergeht ihm insgesamt Th 15.
Seine Interessen richten sich in die Ferne, in die Weite, in die Höhe Th 3, 4, 16, 34. Das Gefangensein im Alltag kommt ihm wie ein Freiheitsverlust vor. Er ist deshalb jeder Art von Arbeit abgeneigt, hat kein Interesse an den häuslichen Pflichten, er meint gar, sein Geschäft aufgeben zu müssen Th 7.
Was empfindet er infolge der Ablehnung als Bedrohung oder als Strafe?
Jeden Kontakt mit seinen Mitmenschen kann Bromium als Angriff auf seine Ego-Grenzen erleben: Er fühlt sich von einer fremden Anwesenheit begleitet Th 1.
Seine Freiheit, sein Streben nach Weite und Aufgehen im Universum scheinen ihm vor allem gefährdet, wenn er in seiner Bewegung behindert wird: Befürchtung, dass er nicht mehr fort kann Th 23. Er möchte mit seinem ganzen Ego – d.h. auch mit seinem Körper – in einem grösseren Ganzen aufgehen. Stattdessen träumt er von nichts als Sterben, Särgen und Begräbnis Th 5.
Er leidet auch an einer ängstlichen Atembeklemmung und an verschiedenen Missempfindungen in der Brust Th 26. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass wir auf die Mitte der Brust deuten, wenn wir "ich" sagen – diese Stelle ist für Bromium besonders bedroht.
Wie könnte sich ein bewusster Umgang mit der Grundproblematik darstellen?
Gemäss der buddhistischen Lehre besteht die "Abtrennung des Ego-Wassertropfens" nur in unserer Vorstellung.
Wenn Bromium sich dessen bewusst ist, leidet er nicht mehr unter der Angst vor Ego-Auflösung, sondern bleibt vielmehr bei sich, in seiner eigenen Mitte, ungeachtet dessen, wo er sich gerade befindet oder was er tut. Er kann unterwegs sein, ohne heimatlos zu werden.
Etliche Symptome von Bromium beschäftigen sich mit auf- und absteigenden Phänomenen. Wir erinnern deshalb noch einmal an das eingangs zitierte Goethe-Gedicht: Des Menschen Seele / Gleicht dem Wasser: / Vom Himmel kommt es, / Zum Himmel steigt es, / Und wieder nieder / Zur Erde muss es. In der Arzneimittelprüfung finden wir: Vor dem rechten Auge ein mit den Bewegungen des Auges auf- und absteigender grauer Punkt Th 13. Traum, als steige man in eine abschüssige Stelle Th 2. Träume vom Steigen Th 3. Als ob allerlei Dinge auf dem Boden vor ihr her hüpften Th 14 – letzteres erinnert an prasselnde und wieder vom Boden aufspringende Regentropfen.
Der Anspruch von Bromium, sein individuelles Ego bewahren und sich gleichzeitig mit dem grossen Ganzen verbinden zu können, macht ihn empfindlich für alle Auflösungsprozesse.
Er erlebt Schwindel, der schlimmer ist bei feuchtem Wetter, dann also, wenn sich das Wasser in der Atmosphäre auflöst Th 17. Charakteristisch für Bromium ist das Erkranken nach Erhitzung Th 37 – wenn sich Körperflüssigkeit verflüchtigt. Dazu passt die Beschreibung von inneren Brenngefühlen – wie wenn man sich in heissem Dampf befände Th 17, respektive als ob eine Kohle oder heisses Wasser im Ohr wären Th 19.
Eine grosse Furcht quält Bromium in Bezug auf den Tod. Er träumt von nichts als Sterben, Särgen und Begräbnis Th 5. Die Tatsache, dass sich Materie zersetzt und irgendwann auflöst, möchte Bromium nicht wahrhaben. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die meisten Brom-Symptome im Kehlkopf auftreten Th 36: Der Hals symbolisiert die Verbindung der Seele mit dem Körper DDS.
Er hat ein Gefühl, als ob die Luftwege voller Rauch wären, manchmal wie von Schwefeldampf oder Teerqualm erfüllt Th 17. Man könnte assoziieren, dass er seine Substanz "wie Pech und Schwefel" zusammenhalten will.
Der Teer kann zudem mit der Seefahrt in Verbindung gebracht werden. Schiffe werden damit abgedichtet – und können somit vor dem Untergang bzw. der Auflösung bewahrt werden.
Bei Kehlkopfentzündung ein Gefühl, als wäre der Kehlkopf mit Daunen bedeckt oder mit Samt überzogen Th 28. Soll die "Verbindung zwischen Seele und Körper" in Samt gebettet und damit besonders sorgsam behandelt werden? Einen ähnlichen Hinweis gibt das Gefühl, als wäre eine weiche Substanz zwischen Lungen und Brustbein Th 26.
Beim Befühlen, besonders der linken Brust, Gefühl als ob das Fleisch los und zerschlagen wäre Th 27. Interessanterweise scheint diese Empfindung über dem Herzen erst durch Berührung ausgelöst zu werden. Im übertragenen Sinne empfindet Bromium Schmerzen, wenn er sich auf einen Herzenskontakt mit jemandem einlässt, oder es schmerzt ihn umgekehrt, dass er sich nicht darauf einzulassen vermag. Hinter beiden Haltungen steht die Furcht, das eigene Ego durch die Verschmelzung mit dem anderen Menschen zu verlieren.
Kopfweh nach Milchtrinken Th 24. Milch ist die Nahrung der Säuglinge. In dieser Lebensphase ist der Mensch noch in vollkommener Symbiose mit der nährenden Mutter – ein Zustand, den Bromium ablehnt.
Die Augen empfindlich gegen helles Licht, sie müssen von den Augenbrauen stärker beschattet werden Th 12 – ein interessantes Symptom, wenn man sich die Lichtempfindlichkeit der Substanz bewusst macht!
Das Verlangen, in die Ferne zu streben, teilt Bromium mit Allium cepa. Dort wird das Eingesperrtsein im jetzigen Dasein und in einem begrenzten Körper abgelehnt RMM 1, ganz im Gegensatz zu Bromium, wo das Ego – inklusive Körperlichkeit – über alle Erfahrungen hinweg unversehrt bewahrt werden möchte.
ZUR SUBSTANZ
Bromium, Brom
Das einzige bei Raumtemperatur und Normaldruck flüssige nichtmetallische Element. Es wurde 1826 erstmals durch den französischen Chemiker Antoine-Jérôme Balard aus Meeresalgen isoliert. Eine technische Herstellung erfolgte erst ab 1860. Auf Grund seines stechenden Geruchs schlug Joseph Louis Gay-Lussac den Namen Brom (von altgriechisch brómos "Gestank") vor.
Die kinetisch gehemmte Reaktion wird durch (Sonnen-)Licht beschleunigt, Bromwasser wird daher in braunen, wenig lichtdurchlässigen Flaschen aufbewahrt. Feuchtigkeit erhöht die Reaktivität des Broms stark. wikipedia
ANMERKUNGEN
Aus dem Vorwort zur Symptomensammlung von Brom von Constantin Hering, im Neuen Archiv für die homöopathische Heilkunst, 1845:
"Dass Ähnlichkeiten sein müssen zwischen Jod und seinen Salzen, Brom und den seinigen, das ist ganz klar, aber ebenso klar ist, es müssen Unterschiede sein, sehr grosse, sehr bedeutende. Weiss man die nicht, so muss man sie suchen. Versteht man das nicht, so muss man das erst, ehe man Kranke damit bestürmt. So weit hat sich aber die rationelle Medizin noch nicht erhoben, dass ein Unterschied sein muss zwischen Bromkalium und Bromnatrium, und zwar ein ebenso grosser, als zwischen diesen beiden Alkalien; das ist über alle Zweifel erhaben. Sogar der Indianer merkt es, wenn er nothgedrungen Chlorkalium aus Palmenasche bereitet, dem Küchensalz substituiert, dass es nicht dasselbe ist; können es denn rationelle Ärzte nicht? Ist nicht der Schluss ganz richtig, dass die Schuld an den Ärzten liegen muss, nicht an den Dingen liegen kann, die verschieden sein müssen?
Statt den Chemikern nachzulaufen, und von ihnen alles abhängig zu machen, warum wird ihnen nicht lieber die Schärfe der Versuche nachgemacht? Wenn die Chemiker in ihren Laboratorien so sudeln wollten, wie die Ärzte an den Krankenbetten thun, da würden sie auch nicht im Stande sein und nie dahin kommen, Jod und Brom zu sondern, und deren verschiedene Salze."
QUELLEN
Überarbeitung im Rahmen der Arzneimittelstudiengruppe Olten, September 2006
|Lem

He*
He
Kt
RMM
DDS
Bild
|Dr. Lembke, AMP Brom in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung, No 8, Leipzig 1849|
Hering Constantin, Neues Archiv für die homöopathische Heilkunst, Band 2/1, Leipzig 1845
Hering Constantin, The Guiding Symptoms of our Materia Medica, New Delhi 1989, Band 2
Kent, James T., Kents Arzneimittelbilder, Heidelberg 1988
Studer Susanne, Ostermünchner Esther, Revidierte Materia Medica Homoeopathica Band 1, 2, HIZ, Hägglingen 2002, 2005
Chevalier/Gheerbrandt, Dictionnaire des Symboles, Laffont, Paris 1982
Esther Ostermünchner