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Herausforderungen einer Welt der Medienvielfalt
Die Weltkommission für Kultur und Entwicklung der UNESCO, die moderne Entwicklungen in der Kommunikation und die zentrale Rolle der westlichen Kultur im Globalisierungsprozess analysiert, sieht in den neuen Technologien ein Mittel für die Medien, enorme Reichweiten zu erzielen. Herkömmliche Formen von Zensur werden immer schwieriger, die Medien können den Sinn für globale Solidarität stärken und Multimedia-Technologien schaffen neue künstlerische und intellektuelle He-rausforderungen. Durch die einfache Reproduktion und Übertragung ist es für alle Regierungen sehr schwer geworden, Informationen zu kontrollieren – geschweige denn zu zensieren – die von Menschen versandt oder empfangen werden. Die Medien von heute tragen dazu bei, Volksbewegungen aufrechtzuerhalten und Menschen besser zu informieren. Außerdem stärken sie das Gefühl der globalen Solidarität, ohne die sich keine globale Ethik herauskristallisieren könnte. „Mediale Bilder von menschlichem Leid haben andere motiviert, ihre Besorgnis und ihre Solidarität mit Menschen an weit entfernten Orten zum Ausdruck zu bringen, indem sie Hilfsaktionen unterstützen und von Regierungen Erklärungen und praktische Maßnahmen fordern.
Doch es gibt auch negative Aspekte. Mehr als 100 Journalist/innen sitzen in über 20 Ländern im Gefängnis, nur weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausgeübt haben. Andere haben die Ausübung ihres Berufs mit dem Leben bezahlt.
Ein weiteres Problem ist die Verfügbarkeit der Mittel. Wie kann die Revolution der Kommunikationstechnik die Milliarden Menschen ohne Elektrizität in hunderttausenden von Siedlungen in den Ländern des Südens erreichen? Sie sind nach wie vor die Ausgeschlossenen des Informationszeitalters. Diejenigen, die über einen Zugang verfügen, sind eine Minderheit und zumeist Bürger/innen aus Ländern des Nordens oder Stadtbewohner/innen anderswo, die die Möglichkeit haben, an das Satellitenfernsehen oder die internationalen Informationsnetze angeschlossen zu werden.
Wussten Sie, dass ...
In den Ländern des Südens liegt der Schwachpunkt in der Infrastrukturkette oft bei der „letzten Meile“ vom kommunalen Anschluss bis zum Haushalt. Einige afrikanische Länder verfügen über so geringe Telekommunikationsstrukturen, dass auf 1000 Menschen weniger als eine Telefonleitung kommt. Oder, um es noch drastischer zu formulieren: In Tokio oder Manhattan gibt es mehr Telefone als in ganz Afrika. Der Bericht über die menschliche Entwicklung von 1999 stellt einen ausführlichen Vergleich der weltweiten Verfügbarkeit von Telefonkabeln, Fernsehgeräten, Faxgeräten, PCs und Internet-Hosts an. Länder des Nordens haben durchschnittlich 502 Telefonanschlüsse, 595 Fernsehgeräte, 45 Faxe, 204 PCs und 35 Internet-Hosts pro 1000 Einwohner/innen, während ärmere Länder pro 1000 Einwohner/innen im Durchschnitt 4 Telefonanschlüsse, 36 Fernseher, 0,2 Faxgeräte und keine nennenswerte Anzahl von PCs oder Internetzugängen aufweisen. Fürs Erste bleibt das Radio das einzige Medium, das ausreichend über den Erdball verbreitet ist und auch die Bedürfnisse mündlicher Kulturen befriedigt.