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John Adams als Dirigent
Als Dirigent tritt John Adams regelmässig mit grossen Orchestern wie dem London Symphony Orchestra, dem Royal Concertgebouw Orchestra und den Berliner Philharmonikern auf.
Gern kombiniert er dafür eigene Werke mit einem breiten Repertoire aus Kompositionen von Beethoven und Mozart über Wagner bis hin zu Ives, Strawinsky, Carter, Zappa und Ellington. Dabei stellt er natürlich auch einen gewissen Anspruch an das Orchester, das seinem – für seine Werke notwendigen – bis in die kleinsten Notenteile unterteilten Dirigat minutiös folgen muss.
Unverzichtbares Erlebnis
Anders als andere dirigierende Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts (wie etwa Hindemith oder Strawinsky) verfolgt John Adams nicht das Ziel, eine «falsche» Aufführungstradition seiner Werke zu verhindern, sondern ist durchaus der Meinung, dass auch Berufsdirigenten für die Uraufführungen seiner Werke geeignet sind. Adams besitzt einen anderen inneren Antrieb: «Ich könnte mir nicht vorstellen, ein Komponist zu sein ohne die abschliessende Tätigkeit eines Interpreten. Das bedeutet nicht, dass ich das Gefühl habe, ich sei die einzige Person, die meine Musik dirigieren kann. Die meisten grossen Dirigent*innen und grossartigen Instrumentalist*innen und Sänger*innen der Welt spielen meine Musik regelmässig, ich bin also doppelt gesegnet. Aber ich bin mit einer Mutter aufgewachsen, die Amateursängerin war, und meine ersten Auftrittserfahrungen habe ich mit ihr auf der Bühne gemacht, als ich in ‹South Pacific› oder ‹Oklahoma› oder ‹Carousel› gesungen habe. Diese unmittelbare Begeisterung, die man vom Publikum bekommt, ist mir sehr wichtig.»
Zwischen zwei Welten
Auch wenn John Adams die (Ur-)Aufführungen seiner Werke seinen dirigierenden Kolleg*innen regelmässig anvertraut, hat natürlich niemand einen so besonderen Zugang zu den Kompositionen wie er selbst. Die Musik, die er sich einst in seinem Kopf vorgestellt hat, wird nun zur Realität. Dafür wird Adams in kurzer Zeit von einem einsamen Denker in seinem Komponierstudio zu einer Person der Öffentlichkeit, die ihre Musik mit Hunderten Menschen teilt. Eine Aufgabe, die Adams nicht so leichtfällt, wie man im ersten Moment vielleicht vermutet:
«Wenn ich einen Monat oder länger zu Hause bin und weiss, dass ich irgendwohin muss, um zu dirigieren und in der Öffentlichkeit aufzutreten, beginne ich, seltsame Träume zu haben. Normalerweise geht es darum, dass ich meine Partitur verloren habe oder dass das Flugzeug plötzlich an Höhe verliert oder dass ich vor einem Orchester stehe, das nicht vollständig bekleidet ist. Ich denke, das ist eine psychologische Vorbereitung auf den Wechsel von einem introvertierten zu einem extrovertierten Leben.» Es sind Aussagen wie diese, die unterstreichen, welche Charaktereigenschaften John Adams auszeichnen: vielseitig, sympathisch und reflektiert.
Franziska Gallusser