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Roger Federer hat sein Startspiel beim Tennis-Masters in Schanghai überraschend verloren. Die Schweizer Nummer 1 der Welt unterlag dem Chilenen Fernando Gonzalez.
In einem Interview hatte der Weltranglistenerste kurz vor der Dreisatzniederlage erklärt, dass Raphael Nadal sein Hauptrivale bleibt.
Fernando Gonzalez heisst der neue Angstgegner von Roger Federer. Der Chilene gewann am Montag in Schanghai überraschend das Startspiel gegen den Schweizer 3:6, 7:6, (7:1) 7:5. Der Weltranglistensiebte machte die Sensation nach 2:08 Stunden perfekt.
Für Federer war die Startpleite gleichbedeutend mit zwei bitteren Premieren: Der Baselbieter musste nach zehn Siegen seine erste Niederlage gegen Gonzalez hinnehmen. Zudem musste er sich erstmals auch an einem Rundenturnier (Jeder gegen jeden) geschlagen geben: Seit seiner ersten Teilnahme am Masters im Jahr 2002 hatte er sämtliche 15 Begegnungen für sich entschieden.
Kurz vor Turnierbeginn hatte Federer dem chinesischen Fernsehen ein längeres Interview gewährt. Anwesend war auch swissinfo-Mitarbeiter Fabian Gull. Der Baselbieter Journalist nutzte die Gelegenheit und stellte seinem Landsmann einige Fragen.
swissinfo: Wie fühlen Sie sich in Schanghai?
Roger Federer: Es ist grossartig, wieder in Schanghai zu sein. Mein Ziel ist es natürlich, meinen Titel zu verteidigen. Es ist eine Ehre für mich, am Masters Cup zu spielen, an dem nur die acht besten Tennis-Spieler des Jahres teilnehmen. Ich versuche mein Bestes zu geben. Doch ich bin nicht ganz zufrieden mit meiner Form.
swissinfo: Kürzlich wurden Sie von Novak Djokovic geschlagen. Auch gegen David Nalbandian haben Sie zweimal verloren. Wer ist ihr stärkster Gegner?
R. F.: Nalbandian spielte phantastisch. Aber ich spiele mit viel Vertrauen. Mein grösster Rivale bleibt Nadal - egal auf welchem Boden.
swissinfo: Hatten Sie in dieser Saison je Angst, die Position Nummer 1 an Rafael Nadal zu verlieren?
R. F.: Ja, vielleicht ein bisschen nach Wimbledon. Dort spielte er hervorragend auf Rasen. Es war sehr hart, ihn im Wimbledon-Final zu schlagen. Mir war klar: Wenn ich während der US-Open nicht gut spiele, wird es sehr schwierig für mich. So legte ich nochmals zu, spielte gut - und werde dieses Jahr die Nummer 1 bleiben.
swissinfo: Und wie sieht es nächstes Jahr aus?
R. F.: Es wird schwierig, das ist klar. Nadal ist ein guter Spieler. Ich habe ihn noch nie schlecht spielen sehen. Sein grösstes Problem sind seine Verletzungen. Er hat Schwierigkeiten mit den Knien und vielleicht auch mit der Hand - ich weiss es nicht genau. Doch die harten Kämpfe mit ihm sind spannendes Tennis.
swissinfo: Was könnte Sie vom Siegen abhalten?
Hoffentlich keine Verletzung! Ich hoffe, dass ich in Form bleibe und noch viele Jahre dabei sein kann. Doch es werden Junge nachkommen. Ich spiele gerne gegen Spieler verschiedener Altersgruppen wie Agassi, Sampras, Hewitt, Safin, Roddick und Nadal. Ich mag immer wieder die Herausforderung.
swissinfo: Manche sagen, es gebe zu viele Turniere im Männer-Tennis.
R. F.: Ja, vielleicht ein bisschen zu viele. Vielleicht ist es besser, sich auf einige Turniere zu konzentrieren. So hat man genug Erholungszeit und kann sich gut vorbereiten.
Ich nehme nur an rund 18 Turnieren pro Jahr teil, bei manchen Spielern sind es 30. Da ich bei diesen Spielen oft gewinne, sind es im Endeffekt jedoch auch rund 80 Matches pro Jahr. Das ist viel.
swissinfo: Wie lange spielen Sie noch ohne Trainer?
R. F.: Ich weiss es nicht. Ich denke ernsthaft darüber nach. Denn Coaching und Feedback sind wichtig. Ich kann jedoch noch nicht sagen, wann ich einen Trainer haben werde und wer es sein wird.
swissinfo: 2008 wird mit den Olympischen Spielen in China in Peking ein Sport-Highlight sein, auch für Sie?
R. F.: Ja, absolut. Die Olympischen Spiele sind eines meiner grossen Ziele, die ich mir für nächstes Jahr gesetzt habe. Das Olympia-Jahr ist etwas Besonderes. Doch auch ein Tennis-Jahr hat zahlreiche Highlights: Da sind natürlich Wimbledon, die Australian und US Open, die French Open und hoffentlich auch wieder der Masters Cup in Schanghai.
swissinfo/Interviewaufzeichnung, Fabian Gull, Schanghai
(Übersetzung aus dem Englischen: Corinne Buchser)
In Kürze
Dieses Jahr hat Roger Federer sieben Turniere gewonnen: Das Australian Open, die Turniere in Dubai, Hamburg, Wimbledon, Cincinnati, das US Open und das Swiss Indoors in Basel.
Vier Mal hat er das Finale erreicht: in Monte Carlo, im Roland Garros, in Montreal und in Madrid.
Der 1981 geborene Roger Federer steht seit 2004 an der Spitze der ATP-Weltrangliste.
Insgesamt hat er bisher 52-Einzeltitel geholt. 547 Matches hat er gewonnen, 133 verloren.
MASTERS CUP SCHANGHAI
Das Turnier ist mit 4,45 Mio. Dollar dotiert.
In der Gruppe Rot spielen: Roger Federer (CH/ATP-Rangliste 1), Nikolai Dawidenko (Russland/4), Andy Roddick (USA/5), Fernando Gonzalez (Chile/7).
In der Gruppe Gold: Rafael Nadal (Spanien/2), Novak Djokovic (Serbien/3), David Ferrer (Spanien/6), Richard Gasquet (Frankreich/8).
Im ersten Spiel der Roten Gruppe hatte sich der Amerikaner Andy Roddick in drei Sätzen gegen den Russen Nikolai Dawidenko mit 6:3, 4:6, 6:2 durchgesetzt.