Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03448.jsonl.gz/2132

Einer konkreten Röstphilosophie folgst du nicht. Was macht für dich eine gute Röstung aus?
Losgelöst von jeglichen wirtschaftlichen und konzeptionellen Überlegungen, ist es dann eine gute Röstung, wenn es dem Röstmeister bzw. der Röstmeisterin gelungen ist, die Stärken des Grünkaffees zu erkennen und diese in der Röstung bewusst zu unterstreichen. Diese Stärken darf man natürlich unterschiedlich gewichten: Gewisse bevorzugen eine leicht dominantere Säure in Kombination mit Süsse, andere wiederum bevorzugen eher einen stärkeren Körper mit leichten bittersüssen Schokoladennoten und einer feineren Säure. Süsse ist für mich jedoch Pflicht.
Es gibt für mich aber sowohl eine „falsche“, als auch eine „sinnbefreite“ Röstphilosophie. Falsch ist, den Kaffee, den man verkauft, ausschliesslich „aus dem Gefühl“ zu rösten. Das klingt zwar mystisch und romantisch, hat aber wohl eher mit Faulheit zu tun und ist gegenüber dem Käufer nicht fair. Aus experimentellen und lerntechnischen Gründen ist das natürlich erlaubt. Umgekehrt ist es falsch, einfach blind vordefinierten Röstkurven zu folgen.
Sinnbefreit ist es, einen kenianischen Spitzenkaffee zu kaufen, der sich durch seine feinen Säuren und die enorme Süsse auszeichnet und diesen dann bis zur Unkenntlichkeit zu rösten – ölig und verbrannt, oder „schonend“ 25 Minuten lang. Diese Geschmacksprofile hätte man auch mit einem günstigeren, weniger komplexen Kaffee haben können.