Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/1285

Elemente
Kordilleren
(span. Cordilléras, spr. -dillje-, »Bergketten«),
Beiname verschiedener Gebirge in Südamerika, [* 3] wird dann aber auch als Gesamtname auf das ungeheure Gebirgssystem angewendet, welches den ganzen Erdteil Amerika [* 4] von dem Feuerland-Archipel bis zur Beringsstraße im N. in geringer Entfernung vom Stillen Ozean in einer Längenerstreckung von mehr als 15,000 km durchzieht. Wenn auch die Kontinuität dieser gewaltigen Gebirgserhebung, wie neuere Forschungen nachgewiesen haben, an mehreren Stellen in Mittelamerika, wie auf den Landengen von Panama, [* 5] Nicaragua und Tehuantepec, Unterbrechungen erleidet (vgl. Amerika, Bodengestaltung), so stellt sich diese Massenerhebung doch in dem großen Rahmen der Oroplastik der Neuen Welt, in ihrer Einwirkung auf die Hydrographie, das Klima, [* 6] die Tier-, Pflanzen- und Menschenwelt des Kontinents immerhin als ein einziger mächtiger Gebirgswall dar, der den Erdteil vom Stillen Ozean scheidet, ihn mit seinem Verkehr wesentlich auf das Atlantische Meer hinweist, und für den die Bezeichnung als Gesamtname sich am meisten empfiehlt.
Durch jene Unterbrechungen aber, welche diese Kordilleren durch tiefe Einsenkungen erleiden, scheidet sich das ganze System in eine Anzahl Unterabteilungen, deren wir namentlich vier anzunehmen haben:
1) die südamerikanischen Cordilleras de los Andes oder die Andes schlechthin, vom Feuerland bis zur Senke auf dem Isthmus reichend;
2) die mittelamerikanischen Kordilleren, von hier bis zur Einsenkung von Tehuantepec sich erstreckend;
3) das Hochland von Mexiko, [* 7] welches wiederum durch eine Einsenkung zwischen dem Gilaplateau und dem Rio Grande [* 8] nur schwach geschieden ist von 4) den nordamerikanischen Kordilleren, welche bis zum Arktischen Meere reichen. Diese einzelnen, in mancher Beziehung selbständigen Glieder [* 9] des großen Hauptgebirgssystems der Kordilleren unterscheiden sich in ihrem Gesamtcharakter in der Weise, daß in Mittelamerika niedrige Tafelländer mit nur zerstreut aufgesetzten Vulkanschloten ohne bedeutendere Gesamterhebung überwiegen, daß in Mexiko gewaltige Hochebenenbildungen zwischen minder bedeutenden Randgebirgen vorherrschen, während im eigentlichen Nordamerika [* 10] wie in Südamerika der Typus des Gebirges bezeichnet ist durch die Einschließung großer Hochebenen zwischen hohen Kettengebirgen. Diese wie jene erreichen in Südamerika, in Bolivia, [* 11] Kolumbien [* 12] und Peru ihre höchste Erhebung; in Nordamerika dagegen ist die Breitenausdehnung der Hochebenen und die Zahl und reiche Gliederung ihrer Gebirge eine um so größere. S. die »Fluß- und Gebirgskarten von Nord- und Südamerika«.
1) Das Andessystem (oder die südamerikanischen Kordilleren) läßt zunächst seinem Bau nach drei Hauptabteilungen erkennen: die einkettigen Südandes, die doppelkettigen Mittelandes, mit plateauartigen Hochthälern und Gebirgsknoten und meerabgeschlossenen, salzigen Hochseen, und die ohne wieder vereinigende Knoten divergierenden Nordandes mit Tiefthälern. Gewöhnlicher werden sie jedoch nach den Ländern abgeteilt, welche sie durchziehen, und so unterscheidet man die Kordilleren Patagoniens und Chiles (die erste Abteilung), die von Bolivia, Peru und Quito (die zweite) und die von Kolumbien (die dritte Abteilung).
In den Gebirgen des Feuerland-Archipels beginnend, erheben sich die dicht an die Küste des Ozeans herantretenden Kordilleren von Patagonien, mit einer Kammhöhe von höchstens 1000 m, deren höchste Gipfel der Vulkan Minchinmadiva (2438 m) und der gleichfalls vulkanische Nevado de Corcovado (2289 m) zu sein scheinen. Die der von Fjorden zerrissenen Küste vorgelagerten Inseln sind als die Trümmer einer westlicher, niedrigern Gebirgskette zu betrachten. Vom 42.-25.° südl. Br. zieht sich die schmale Kette der Kordilleren von Chile, mit einer mittlern Kammhöhe von 3-4000 m und bedeutenden, nordwärts an Höhe rasch zunehmenden Hochgipfeln (darunter der 6834 m hohe Aconcagua).
Der Ostabfall geschieht stufenartig durch vorgelagerte Berglandschaften oder (im N.) durch Hochebenen; im W. fällt das Gebirge steil zum Stillen Ozean ab (vgl. Chile). Etwa am Wendekreis des Steinbocks beginnen die Kordilleren von Bolivia und Peru, indem sich aus einem mächtigen Plateau, in das sich die Kordilleren von Chile an ihrem nördlichen Ende ausbreiten, zwei gewaltige Gebirgsketten erheben, mit weiten Verzweigungen gegen O., an deren Fuß ein Saum von Sümpfen und Urwaldungen sich hinzieht, während der Küstenrand dürr und sandig ist. Von den beiden Hauptketten streicht die westliche (peruanische), die Küstenkordillere, auch speziell als Andes bezeichnet, mit einer mittlern Kammhöhe von gegen 4700 m längs des Ufers des Ozeans, zu dem sie jäh abfällt, mit zahlreichen kegel- oder glockenförmigen Vulkangipfeln (darunter der 6415 m hohe Sahama, der höchste thätige Vulkan der Erde) bis weit in die ¶
forlaufend
Region des ewigen Schnees sich erhebend, während die östliche Kette, die
Cordillera Real oder Königskordillere, zackige Kämme
mit einer Menge spitziger und zerrissener Piks zeigt, die ebenfalls, wie der Illimani (6400 m) und der Sorata (6544 m), in die
Region des ewigen Schnees hineinragen. Zwischen beiden Kordillerenästen liegt das große Hochplateau von
Bolivia (s. d.) in 3800-4000 m Mittelhöhe, ein, mit Ausnahme des östlichen
Teils, abflußloses Hochbecken, in dessen Innerm sich die Gewässer in dem Titicaca- und Aullagassee (s. d.)
sowie in Salzsümpfen sammeln. Im O. schließt sich an die
Cordillera Real das von ostwestlich streichenden Abzweigungen der
Andes gebildete bolivianische Gebirgsland an. Vom Titicacasee an nehmen die beiden Hauptketten und die
zwischen ihnen liegenden, durch Querjoche voneinander getrennten Hochebenen eine nordwestliche Richtung an. Die westliche Kette
behält ihre Geschlossenheit bei, während die östliche von einer Reihe von Querthälern des Marañon und seiner Zuflüsse
durchbrochen wird. An dem Gebirgsknoten von Loja wendet sich das System wieder in die ursprüngliche Meridianrichtung;
es beginnt die 2600-2800 m hohe, kaum 35 km breite Hochebene von Ecuador, welche durch Querjoche in drei Abteilungen geteilt
ist und auf den umrandenden Ketten im N. von der gewaltigen Doppelreihe der Vulkane
[* 14] von Ecuador beherrscht wird, unter denen
auf der Ostkette der Cotopaxi (5943 m) und Antisana (5746 m) die bedeutendsten sind, während sich auf der
Westkette der Iliniza und der 6310 m hohe Chimborazo erheben. Am Gebirgsknoten von Pasto beginnen die Kordilleren von Kolumbien, welche
in drei Ketten zerfallen, die nicht mehr hoch gelegene Plateaus umschließen, sondern durch tief eingeschnittene
Flußthäler geschieden sind und das Quellgebiet des Magdalenenflusses umfassen.
Die östliche Kette ist die Kordillere von Cundinamarca, die sich über die noch einmal bis 4580 m aufragende Sierra Nevada von Merida bis zu den Küstengebirgen von Venezuela hinzieht. Die mittlere Kette (mit dem Pik von Tolima, 5584 m) ist die höchste und erreicht unter 5° nördl. Br. die Grenze des ewigen Schnees; die westliche Kette, die Kordillere von Choco, deren mittlere Höhe nicht über 1500 m beträgt, bildet den Übergang zu den Gebirgen von Mittelamerika. Ein Zweig dieser Kette verläuft bis auf die Landenge von Panama, sinkt aber hier zu einem Hügelzug herab und ist im Quellgebiet des Atrato durch eine tiefe Schlucht von der eigentlichen Kordillere von Choco getrennt.
Man hat deshalb auch wohl diesen Ausläufer der westlichen Kette der Kordilleren von Kolumbien als Isthmuskordillere von Darien und Panama den Andes als selbständiges Glied [* 15] des Kordillerensystems von Amerika an die Seite gestellt. Von jener Schlucht, in welcher das Quellgebiet des Atrato mit demjenigen des dem Stillen Ozean zufließenden San Juan in offener Verbindung steht, zieht sich diese Isthmuskordillere mit einer mittlern Kammhöhe von kaum 500-600 m in weitem Bogen [* 16] bis zu der Senke bei Panama und bedingt durch ihren Verlauf, zuerst nach N., dann nach NW. und endlich nach W., die auffallende Abänderung der Küstenrichtung des Kontinents.
Das ganze Andessystem bedeckt einen Flächenraum von etwa 1,817,000 qkm (33,000 QM.). Die größte Längenausdehnung dieses Gebirgszugs beträgt mit allen Krümmungen 7300 km, die größte Breite [* 17] desselben (an der Wasserscheide zwischen dem Rio Madeira [* 18] und Pilcomayo zwischen 19 und 20° nördl. Br.) 920 km, die geringste bekannte Breite im südlichen Chile zwischen der Corcovadobai und der patagonischen Steppe 178 km, die mittlere Breite 500 km und die mittlere Kammhöhe gegen 3000-3500 m. Tiefere Einsattelungen, welche einen leichtern Verkehr zwischen den Ebenen des Ostens und der pazifischen Küste ermöglichen, besitzt das Andessystem nur im äußersten Norden [* 19] und im S., wo unter 40° südl. Br. noch ein Paß [* 20] von kaum 800 m von Valdivia allerdings nach den noch fast öden Landschaften Patagoniens hinüberführt.
Wenig nördlicher aber besitzen die Pässe bereits Höhen von nahezu 4000 m (Paß von Cumbre, 3221 m), und in den Kordilleren von Bolivia und Peru gibt es keinen einzigen Paß von unter 4000 m, während sich solche bis über 4700 m erheben. Trotzdem hat man begonnen, über solche Höhen durch Eisenbahnen Verkehrswege zu eröffnen, die alle andern Gebirgsbahnen der Welt an Großartigkeit und Kühnheit der Anlage weit hinter sich lassen. Während unsre Brennerbahn in 1367 m kulminiert, übersteigt die Arequipa-Punobahn in Südperu eine Paßhöhe von 4580 m, die berühmte Oroyabahn weiter im N. sogar eine solche von 4769 m Höhe, also fast der Höhe des Montblanc. - Das Charakteristische dieses Gebirgssystems sind die ungeheure Meridianausdehnung bei verhältnismäßig geringer Breite, die Teilung in Parallelketten, welche durch großartige Knoten zusammengeschürzt werden, um wieder auseinander zu laufen, die Mannigfaltigkeit der eingeschlossenen Hochländer, der steile Abfall nach W., die seltenen und höchst beschwerlichen Pässe, die engen Schluchten (quebradas) mit ihren bis zur kleinsten Krümmung und Windung aneinander passenden Wänden, die Seil- oder Hängebrücken, die, über Abgründe gespannt, bei jedem Luftzug wiegenartig hin- und herschwanken, der Reichtum an edlen Metallen, die Verteilung der zahlreichen Vulkane, die in drei Gruppen getrennt auftreten, welche der Richtungsachse der Kette folgen.
Auf die Gruppe von Neugranada und Quito mit 20 meist thätigen Vulkanen folgt nach einem vulkanlosen Zwischenraum von 1750 km die Vulkanreihe von Peru und Bolivia mit 15 Vulkanen, nach einer neuen Lücke von 1010 km die Gruppe von Chile mit 33 Vulkanen. Im ganzen kennt man 68 Vulkane, von denen etwa die Hälfte noch thätig ist (vgl. Amerika, geologische Übersicht). Von Gletschern zeigen die Gipfel in den tropischen Gegenden nur geringe Andeutungen (so z. B. am Illimani).
Erst unter 35° südl. Br. findet sich am Descabezado von Máule in Chile ein Eisfeld, und von da weiter nach S. werden die Gletscher, die ganz denen der Alpen [* 21] gleichen, immer häufiger; unter 46° 45' erreichen sie bereits das Meer. Den landschaftlichen Charakter der Kordilleren schildert Pöppig also: »Grausenhafte Einöde, völlige Nacktheit der unermeßlichen Felswände, ein riesiger Maßstab, [* 22] spärliche Vegetation der schluchtenähnlichen Thäler, fortdauernde Zerstörung und Herabrollen der in endloser Gleichförmigkeit und Kahlheit sich ausdehnenden Bergwände und eine furchtbare Wildnis, welche nirgends durch freundlichere Szenen unterbrochen wird, sind die ersten und auffallendsten Züge in dem ungewöhnlichen Bilde. Die Kordilleren erscheinen in der Ferne und Nähe stets als eine ungeteilte Wand, über die nur in seltenen Fällen einzelne Spitzen ragen. Ihre einzelnen Gruppen liegen als unermeßliche, aber gleichförmige Massen da, an denen sich ein besonderer Ausdruck der Trägheit und Starrheit bemerklich macht. Aber gerade der Umstand, daß die Natur es zu verachten schien, hier durch Kontraste den Ausdruck des Großartigen hervorzubringen oder zu erhöhen, veranlaßt es, daß die Kordilleren einem jeden mehr ¶
forlaufend
imponieren als die Alpen. Braune, graue, gelbliche Mittelfarben sind über das Gebirge überall verbreitet, wo nicht der ewige Schnee [* 24] weite, horizontal scheinende Ebenen bildet. Grell leuchtet hier und da der hochrote Porphyr von den halb zerstörten Jochen, und die engen, dunkeln Schluchten sind hoch mit seinen Trümmern überschüttet und bieten nur verkümmerte Sträucher oder vereinzelte Pflanzen dar.« Die niedern Abhänge der Kordilleren sind mit der gewöhnlichen tropischen Vegetation bekleidet.
In der Region der Paßhöhen treten Eichen und Nadelhölzer, [* 25] von der Wachspalme begleitet und überragt, auf. Auf den nebligen, täglich von Hagel und Schneegestöber heimgesuchten Paramos tränkt der häufige Niederschlag wohlthätig die Bergpflanzen. Die Bäume, meist großblätterige Lorbeerbäume und myrtenblätterige Alpensträucher, sind niedrig, schirmartig ausgebreitet, aber mit immergrünem, frischem Laub an ihren Zweigen geschmückt. Bis 4500 m werden noch mehrere Phanerogamen gefunden, Saxifragen kommen noch im ewigen Schnee auf Felsblöcken vor.
Ein Bild des Tierlebens in den hohen Regionen der Kordilleren lassen wir einen andern Reisenden entwerfen: »Längst haben wir jegliche Vegetation unter uns gelassen, und nur selten ist uns der belebende Anblick geworden, eine Herde scheuer Vicuñas und der verwandten Lamas, Alpakos oder Guanakos in der Ferne an uns vorüberjagen zu sehen. Hier und da taucht die friedliche Gestalt eines Andeshirsches vor uns auf, während um die Felsenspalten die kaninchenartigen Chinchillas spielen oder der schlanke Atok, der Fuchs [* 26] der Kordilleren, umherschleicht, um sich eins der schmackhaften Rebhühner dieser Höhen zum Frühstück zu holen. Irgend ein auf diese Höhen verirrter Kuguar sucht sich seinen Braten unter den Rehen oder Vicuñas. Der weißschnäuzige Gukumari, der Bär der Andes, ist ihm gefolgt, und um das wunderbar großartige Tierleben dieser sonst so pflanzen- und menschenleeren Höhen voll zu machen, umschwärmen neben raubsüchtigen Falken, scheuen Wasservögeln der Andesseen und andern beflügelten Verwandten zahlreiche Pitos, braun gesprenkelte Spechte mit gelbem Bauch, [* 27] in großen Scharen die Felsen der Hochebenen, wo kaum noch ein Insekt seinen Reigen im Sonnenstrahl tanzt. Über dem Ganzen aber beschreibt majestätisch in zierlichen Spiralen seine Kreise [* 28] der Kondor.«
2) Die mittelamerikanischen Kordilleren erstrecken sich von der Senke bei Panama bis zur Landenge von Tehuantepec, wo eine neue Einsenkung von nur 209 m die Grenze gegen das Hochland von Mexiko bildet, in einer Länge von 1500 km bei einer mittlern Breite von 120-125 km und einer mittlern Kammhöhe von kaum 2000 m, über welche die höchsten Gipfel bis gegen 4500 m emporsteigen. Wiewohl das Gebirgssystem durch die Querspalte des San Juanthals an der Grenze von Costarica und Nikaragua (s. Nicaraguasee) in zwei getrennte Glieder geteilt ist, so sind diese doch ihrer Bildung nach als zusammengehörig zu betrachten.
Die Richtung der Kammlinie geht vorherrschend von SO. nach NW., nähert sich aber an einigen Stellen, wie in Veragua, San Salvador und Guatemala, [* 29] der Richtung der Parallelkreise um 10-15 Grad. Im Gebiet von Costarica verlaufen die mittelamerikanischen Kordilleren mit beiderseits gleichmäßigem Abfall ziemlich in der Mitte des Landes, weshalb auch die hydrographischen Verhältnisse nach beiden Meeresküsten hin fast die gleichen sind. Weiter im NW. aber, in Nicaragua, San Salvador und Guatemala, treten die Ketten näher an die Südwestküste heran, von der sie sich steil und schroff erheben, während ihnen auf der Nordostseite weite, von transversalen Höhenzügen überragte Plateaulandschaften anlagern, welche zu jener auffallenden, tief in das Antillenmeer hineinragenden nordöstlichen Dreiecksbildung von Honduras [* 30] und Yucatan wesentlich beitragen.
An den Küsten gehen diese Plateaus allmählich in Tiefebenen und endlich in sumpfige, fieberschwangere Niederungen über. Die Stufenform, welche Mannigfaltigkeit der Klimate und Produkte bedingt, ist diesem Gebirgssystem in ausgezeichnetem Grad eigen; namentlich erscheint sie in besonderer Mannigfaltigkeit an den südwestlichen Terrassen und Plateaus von San Salvador und Guatemala. Wie die südamerikanischen Kordilleren sind auch diejenigen Mittelamerikas von Paßscharten wenig durchschnitten.
Einer der wichtigsten Pässe ist derjenige, welcher von der Fonsecabai in 853 m Höhe nach dem Quellgebiet des Rio Ulua in Honduras hinüberführt. Als wichtige Glieder des Gebirgsbaues treten auch in den mittelamerikanischen Kordilleren thätige und erloschene Vulkane auf; doch bilden sie nicht, wie in Südamerika, eine Doppelreihe auf den Hauptketten des Gebirges, sondern erheben sich meist am Südwestrand oder an den Vorstufen der Kordillere (vgl. Amerika, geologische Übersicht).
Als Scheide für Klima, Flora und Fauna steht das mittelamerikanische Gebirgssystem zwischen den südamerikanischen Andes und der Isthmuskordillere von Darien in der Mitte, insofern hier die klimatischen Kontraste weniger schroff sind und auch der Wanderung der Organismen keine so unübersteigliche Schranke entgegensteht wie in jenen, doch aber die Artenverbreitung bei weitem nicht so erleichtert wird, als es in Panama durch die geringe Kammhöhe der Kordillere geschieht.
3) Das mexikanische Gebirgssystem erstreckt sich zwischen 16 und 33° nördl. Br. in einer Länge von 2000 km bei einer mittlern Breite von 630 km (875 km in ca. 25° nördl. Br., aber 237 km zwischen 16-18° nördl. Br.) und einer mittlern Erhebung des Massengebirges von 2200 m, über welche die höchsten Gipfel, der Citlaltepetl oder Pic von Orizaba am Ostrand zu 5450 m, der Popocatepetl zu 5422 m und neben ihm der Iztaccihuatl zu 4785 m, ansteigen. Von der Kordillere Guatemalas ist es durch die schon erwähnte Einsenkung der Landenge von Tehuantepec getrennt, wo der Kettenbau der Kordillere unterbrochen und durch trachytische und doleritische Hügelgruppen ersetzt ist.
Die allgemeine Erhebungsachse nähert sich hier durchschnittlich um 10-15° mehr der Meridionalrichtung als in Mittelamerika. Was aber dieses Gebirgssystem vor allen übrigen Gebirgen Amerikas, ja der ganzen Erde voraus hat, das sind die ausgedehnten Plateaubildungen und das Zurücktreten hoher Randketten. Statt eines mannigfach gegliederten Kettengebirges, wie in Südamerika, tritt in Mexiko ein hohes und breites, fast ungeteiltes Massengebirge in der Gestalt eines großartigen Hochlandes auf, welches fast den ganzen Raum zwischen dem Mexikanischen Golf und dem Stillen Ozean einnimmt und als der breite, wellenartig gegliederte Rücken des Gebirges selbst anzusehen ist.
Zwischen den einzelnen Plateaus erheben sich nur niedrige Landrücken von 160-200 m Höhe, und es sind hier weder die schroff abfallenden Randketten der südamerikanischen Andes noch deren hohe und steile Querjoche zu finden. Es gilt dies namentlich von dem südamerikanischen Hochland, dem Plateau von Anahuac, während weiter im N. sich deutlichere Randgebirge einstellen und die Sierra Madre, ein Komplex lose aneinander gereihter Landrücken, das Hochland im Innern ¶