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Ich stand politisch schon immer links. In Bern war ich in den dreissiger Jahren bei kommunistischen Zellen aktiv auch nach dem Verbot der Kommunistischen Partei. Mein Mann und ich waren Mitbegründer der Partei der Arbeit der Schweiz (PdA). Als sich 1948 die Möglichkeit auftat, das «Experiment DDR» mitzugestalten, zögerten wir nicht lang. Mein Mann war zum Leiter der Musikabteilung des Berliner Rundfunks berufen worden.
Beruflich waren die ersten Monate in Ostberlin ungeheuer schwierig. Ausdruckstanz vermochte sich in der DDR anfangs nicht durchzusetzen, und so konnte ich meinen Beruf als Tänzerin nicht ausüben. Dank einem Zufall konnte ich dann aber mit einer Laiengruppe eine Choreographie für die Weltfestspiele der Jugend 1949 in Budapest einstudieren. Meine Arbeit gefiel; jedenfalls bot man mir kurz darauf die Leitung des neu gegründeten Balletts des DDR-Volkskunstensembles an. Für meine Arbeit an den nächsten Weltfestspielen in Ostberlin wurde ich als erste Tanzschaffende überhaupt mit dem DDR-Nationalpreis ausgezeichnet. Die Arbeitsbedingungen waren hervorragend. Die Ensembles, mit denen ich arbeitete, wurden vom Staat grosszügig unterstützt.
Mein Mann und ich kritisierten zwar, wenn uns etwas nicht passte. Aber wir hielten uns auch zurück, denn wir wollten unsere Kraft für den Aufbau des Staates einsetzen, nicht zu dessen Zerstörung. Wir hatten Angst, dass wir mit zu viel Kritik nur dem Gegner, dem Westen, in die Hände spielen würden.
Ich bin 1994 in die Schweiz zurückgekommen, weil in Ostdeutschland nach der Wende alle Grundlagen für meine Arbeit kaputtgemacht wurden. Wenn ich schon in einem kapitalistischen Staat leben muss, dann lieber in der kapitalistischen Schweiz als im kapitalistischen Deutschland. In Deutschland ist für mich mit der Wende ein Traum zerbrochen.