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Gil Scott-Heron kommt am 1. April 1949 in Chicago zur Welt und verbringt die Kindheit bei seiner Grossmutter im ländlichen Tennessee. Bei ihr lernt er lesen, schreiben und Klavier spielen. Aber auch, Menschen und ihre Taten zu hinterfragen und – ganz wichtig – dass Bildung Macht bedeutet. Mit seiner Rückkehr ins urbane Leben und seinen Erfahrungen in den schwarzen Ghettos beginnt er Gedichte und Bücher zu verfassen. Mit seinem Studienfreund und Musiker Brian Jackson gründet er eine Band und schreibt die ersten Songs. Darunter auch «The revolution will not be televised» – eines seiner bekanntesten Werke.
«Ich hielt mich nie für einen komplexen Mann, oder jemanden, den man nur schwer versteht», sagte er später von sich selber. Seine bildliche Sprache und lineare Erzählweise fand deshalb bei der ungebildeten Unterschicht Anklang. Mit seinen Texten schaffte es Gil Scott-Heron, die unterdrückte, schwarze Bevölkerung zu beflügeln und ihnen mögliche Auswege aufzuzeigen. Hinzu kam seine warme, tiefe Stimme, die jeden Hörer sofort in seinen Bann zog.
Wegbereiter des Hip Hop
Der bescheidene Gil Scott-Heron verstand sich nie als Leader. Malcolm X und Martin Luther King waren für ihn die wahren Anführer. Sie hatten der afro-amerikanischen Bevölkerung die nötigen Ideologien und Werkzeuge für eine Revolution bereits mitgegeben. Dieses Gedankengut musste nur noch umgesetzt werden.
Gil Scott-Heron wird oft als «Godfather des Hip-Hop» bezeichnet, eine Bezeichnung, die im ebenfalls nie recht behagte. Dennoch: Aus heutiger Sicht ist klar, dass Gil Scott-Heron mit seinen «Spoken Words» massgeblich die Entwicklung des Hip-Hop beeinflusst hat. Im Song «Message to the messengers» aus dem Jahr 1994 ging er mit den jungen Rappern hart ins Gericht. Er ermahnte die Vertreter des immer populärer werdenden Gangster Raps, Verantwortung zu übernehmen und nicht grundlos Gewalt, Drogen und Strassengangs zu glorifizieren.
Der Absturz
Was er einst kritisierte, wurde Gil Scott-Heron selbst zum Verhängnis: Ab dem Jahr 2000 war er in Drogengeschichten verwickelt und sass sogar zeitweise im Gefängnis. Zudem veränderten sich auch die Verhältnisse für viele Afroamerikaner in den USA nicht – oder nur langsam. Gil Scott-Heron sah seinen Kampf für die soziale Gleichstellung verloren. Auch seine musikalische Karriere schien vorbei zu sein.
Im Jahr 2010 erschien schliesslich «I’m new here» – sein erstes Album seit 16 Jahren. Auf dem Album versöhnte sich Scott-Heron mit der Welt, mit sich selber und mit seinen eigenen Fehlern. Musikalisch bewegte er sich erstmals weg vom Jazz und Soul hin zu Blues, Folk und Trip-Hop. Mit Erfolg: «I’m new here» gefiel und erntete Lob vom britischen Musikmagazin «NME» bis zum amerikanischen Online-Portal «Pitchfork Media».
Gil Scott-Heron starb am 27. Mai 2011 im Alter von 62 Jahren an den Folgen von Aids.