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50. Jahrestag Hochwasser Lienz
Vor einem halben Jahrhundert trat der Lienzbach über die Ufer und verwüstete das Dorf.
Der Montag, 03. Juli 1967 war ein herrlicher Tag. Einige Männer des Dorfes waren damit beschäftigt, die Gräben für das Regenwasser an den Strassenrändern zu säubern. Einer dieser Männer war «Metzgers Chöbi». Heute mit 81 Jahren erinnert er sich noch an den Tag, als ob es gestern gewesen wäre.
Dunkle Wolken über dem Hohen Kasten
Der Tag hätte nicht schöner sein können. Chöbi liebte die Hitze trotz der harten Arbeit an den Gräben. Ein Blick zum Himmel verriet ihm jedoch, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit heute noch ein Gewitter geben würde. Um die Vesperzeit wurde es über dem Hohen Kasten immer schwärzer. Die Winde drückten die dunklen Wolken regelrecht in den Schindlerenschlitz unterhalb des Hohen Kastens. Plötzlich setzte der Regen ein. Metzgers Chöbi beschreibt den damaligen starken Regen mit dem Bild von dicken Stricken, die vom Himmel fielen. Er und die anderen Männer, die eben noch die Gräben gesäubert hatten, liefen zur damaligen Schule hinauf. Da kam ihnen bereits eine gut 30 Zentimeter hohe Wassermasse entgegen. Sie versuchten noch bei der Brücke im Dorfteil Stocken die Gräben zu erweitern. Da floss schon so viel Wasser, dass die Männer nicht mehr über die Brücke zurück auf die Stockenstrasse gelangen konnten.
Ein See entsteht
Und dann kam sie, die Welle aus Wasser und Geröll. Wie eine Lawine rollte sie heran, meterhoch und brach Buchen und Linden wie Zündhölzer. Wasser, Schutt, Holz und Geröll bahnten sich einen Weg durch die Strassen, Wege, Wiesen, Häuser und Ställe des Dorfes. Langsam bildete sich in der Ebene zwischen Sennwald und Lienz ein See, da auch der Bovelbach am südlichen Dorfrand viel Wasser brachte. Nur mit Mühe gelangten die Männer wieder zurück ins Dorf, mussten sie doch zunächst den neu gebildeten See umgehen. Die Hauptstrasse war an mehreren Stellen verschüttet. In den Dorfstrassen hatten sich tiefe Gräben aufgetan und gaben den Blick frei auf die Rohre, die normalerweise tief unter den Strassen vergraben lagen.
Im Buch «Die Rhode Lienz» (1995, S. 195/196) erfährt man, dass während und nach dem tragischen Ereignis rund 120 Feuerwehrleute aus Altstätten, Lienz, Plona, Rüthi und Sennwald im Einsatz standen. Sie pumpten Keller aus und erstellten eine 1400 Meter lange Wasserleitung von Rüthi her, um die Wasserversorgung provisorisch wiederherzustellen. Sechs Häuser im Quartier Stocken waren unbewohnbar geworden; zehn Personen waren obdachlos.
Gedenkfeier zum Jahrestag
Zum 50. Jahrestag dieses verheerenden Hochwassers werden am Montag, 03. Juli um 17 Uhr die Glocken der Kirche Lienz läuten. Die Rhode Lienz und die Dorfgemeinschaft laden die Bevölkerung ab 19 Uhr zu einer Gedenkfeier beim Schulhaus Lienz ein. Der Anlass wird durch das Platzkonzert der Musikgesellschaft Rüthi und die Jungmusik umrahmt. In einer kleinen Ausstellung besteht die Möglichkeit mit Zeitzeugen zu reden. Die Festwirtschaft sorgt für das leibliche Wohl.
Text: Susanne Aebi