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Es ist ein freundlicher Sommertag in Atlanta im Jahr 1965. Ein paar Kinder spielen Theater. Ein Bub küsst dabei ein Mädchen. Er ist als Fuchs verkleidet, sie als Schildkröte, beide tragen Masken, kein Mensch sieht, dass der Fuchs unter seinem Kostüm weiss und die Schildkröte schwarz ist. Aber alle wissen es.
Ein gemischtrassiges Kindertheater ist damals in der Südstaatenstadt Atlanta undenkbar. Und nur genau eine Theaterschule hat das Schildkrötenmädchen und seine beiden kleinen Brüder aufgenommen. Als sich Schildkröte und Fuchs jetzt endlich küssen, geht zehn Meter weiter, vor dem Theater, ein Buick in Flammen auf. Zum Glück nimmt nur das Auto Schaden, es steht zu weit weg.
Der Mann, der den Anschlag verübt hat, ist zwar ein sonst eher passives, aber dennoch sehr überzeugtes Mitglied des Ku-Klux-Klans, er hat den Anschlag bereits am Vortag angekündigt und er ist auch jetzt präsent, die Polizei kann ihn sofort festnehmen. Die Kinder spielen unterdessen ungerührt weiter.
Ziel des Anschlags war die kleine Schildkröte. Denn die ist nicht irgendein Mädchen, sondern Yolanda King, die Tochter des berühmten schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King. Die beiden, die Yolanda einen Platz in ihrem Theaterkurs gegeben haben, sind Betty Lou Bredemus und Walter Roberts, auf der Bühne hatten sie kein Glück, deshalb geben sie jetzt Schauspielunterricht, führen Regie und gastieren mit ihren Produktionen für Kinder oft in ärmeren Gegenden der Stadt.
Betty und Walter und Martin Luther Jr. und seine Frau Coretta werden Freunde. Yolanda wird sie später als «erweiterte Familie» bezeichnen. Und am 28. Oktober 1967 schlüpft das jüngste Küken in diese Familie: Julia Roberts. Betty und Walter gehören innerhalb dieser Familie ganz klar zum kreativen Prekariat. Sie haben viel Idealismus, aber kein Geld und keine Ahnung, wie sie im Spital die Rechnung für Julias Geburt bezahlen sollen.
Der Friedensnobelpreisträger MLK, wie Martin Luther King auch genannt wird, ist dagegen wohlhabend, dass er und seine Frau die Spitalkosten für Julias Geburt übernehmen, ist schnell entschieden, wie Julia Roberts jetzt in einem Gespräch mit Gayle King verriet. Julia wird MLK nicht mehr bewusst kennenlernen. Am 4. April 1968, als sie kaum ein halbes Jahr alt ist, wird der erst 39-Jährige vor einem seiner Auftritte auf dem Balkon eines Motels in Memphis erschossen.
Die Kinder tragen das Erbe ihrer Eltern weiter. Und das Erbe der erweiterten Elternschaft. Yolanda King wird Bürgerrechtlerin und Schauspielerin und gründet ausgerechnet mit Attallah Shabazz, der ältesten Tochter des anderen, ebenfalls im Alter von 39 Jahren ermordeten schwarzen Aktivisten, Malcolm X, eine gemeinsame Theaterkompanie. Und das, obwohl die beiden Frauen anfangs befürchtet hatten, sich aufgrund der divergierenden Ideen ihrer Väter schon beim ersten Treffen zu verkrachen. Auch Yolandas jüngerer Bruder Dexter wird Schauspieler und Dokumentarfilmer. Wie Yolanda stehen die meisten seiner Projekte ganz im Dienst des Vaters.
Julias älterer Bruder Eric Roberts wird Schauspieler und beginnt seine Karriere 1978 gleich mit einer Golden-Globe-Nominierung für seine Hauptrolle in «King of the Gipsies».
Julias eigene Geschichte kennen wir alle. Spätestens nach «Pretty Woman» (1990) wollte jeder ihr Romeo sein und ihr Lachen sprengt fortan die Leinwände dieser Welt. Den Kings sind sie und ihre Familie bis heute dankbar.
Leute, wir müssen reden. Auch wenn ihr mir ständig droht, dass ihr nie wieder mit mir reden wollt. Via Kommentarspalte. Ja, ich lese sie. Und meist amüsiere ich mich. Ausser beim letzten Mal. Da wurde ich zugegeben etwas wütend. Nicht weil ihr explizitere Beschreibungen vom Silvestersex wolltet, oder weil ihr meine langen Schachtelsätze verurteilt habt – die mag ich sehr und ich habe auch nicht vor, sie sein zu lassen, denn, nur dass wir das kurz geklärt haben: Ganz egal, wie laut ihr poltert, ich gehe nicht. Nicht heute und nicht morgen.