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«Manne mit Schnäuz» – Das EM-Gold-Team von 1986 mit Fritz Luchsinger, Daniel Streiff, Thomas Grendelmeier und Skip Felix Luchsinger
Im Jahr 1986 wurde das Team vom CC Stäfa mit Skip Felix Luchsinger Europameister! Ein sensationeller Erfolg, der in der damaligen Zeit leider etwas unterbewertet blieb. Denn während die Schweiz in den vorangegangenen zehn Jahren stolze fünf Europameistertitel feiern konnte, blieb Luchsingers EM-Gold das letzte für die darauffolgenden zwanzig langen Jahre!
In dieser Zeit gewann Felix Luchsinger nochmals eine EM-Bronzemedaille für die Schweiz, erneut in Kopenhagen, mit komplett anderem Team. Dannzumal besetzte Werner Attinger (der jüngste der legendären Attinger-Brüder) die Dreierposition, ein Jahr später stiess auch noch An-dreas Schwaller dazu – klangvolle Namen, viel Kompetenz. Dennoch folgte leider kein weiterer Titel und kurz darauf war ganz Schluss: Felix Luchsinger trat 2001 zurück, hinterliess dank seines Charismas und seiner unvergleichlichen Souveränität aber einen bleibenden Eindruck – für immer.
Lieber Felix, spielst Du noch aktiv Curling? Oder hängen die Schuhe von damals tatsächlich am sprichwörtlichen Nagel und bleiben dort?
Heute spiele ich nicht mehr und das bleibt auch so. Angefangen habe ich bei den Junioren (1973 bis 1980), von 1981 bis 2001 folgte dann «Meisterschaftscurling» bei den Herren. 1978 Junioren Schweizermeister, 1987 Schweizermeister Herren, 2 Weltmeisterschafts-Teilnahmen (1978 und 1987), die drei Europameisterschaften (1986/96/98), die unzähligen Turniere im In- und Ausland und danach bis 2006 noch ein paar ausgesuchte Turniere – das reicht definitiv; zumal mir mit der Zeit die Freude am Curling ein wenig verloren ging.
Hast Du noch irgendeinen Bezug zum Curling? Verfolgst Du beispielsweise die aktuellen Meisterschaften, kennst Du die Spitzenteams?
Natürlich verfolge ich das ganze Geschehen rund ums Curling, ich schaue mir z.B. die internationalen Meisterschaften und die Olympischen Spiele immer wieder gerne an. Die Spitzenteams kenne ich noch immer, vom Nachwuchs bis zur Elite. Viele Spieler und Spielerinnen hatte ich auch im Juniorentraining, welches ich über ein paar Jahre beim CC Dübendorf geleitet habe. Silvana Tirinzoni beispielsweise habe ich seinerzeit auf die Juniorinnen-WM vorbereitet. Leider konnte ich damals bei Ihrem WM-Titel 1999 in Östersund/SWE (der erste für die Schweiz) nicht dabei sein, dafür war der Empfang am Flughafen Kloten umso herzlicher. Die Arbeit hat Früchte getragen, vielleicht sogar immer noch ein wenig…?
Was hat Dich damals dazu bewogen, einen «Schlussstrich» zu ziehen?
Ich habe zum vierten Mal ein Team aufgebaut, um nochmals, ein letztes Mal, durchzustarten. Das hat gut angefangen, schlussendlich war ich dann aber masslos enttäuscht: Nach hartem Kampf (zwei Jahre Aufbau und Rückkehr in die «Nati A)», haben wir die letzte entscheidende Phase, um an der Finalrunde der Schweizermeisterschaft zu spielen, blödsinnig verspielt. Das hat mir zu schaffen gemacht, zumal ich mir auch eine Fehlbesetzung oder zumindest eine nicht gemachte Spielerumsetzung vorwarf.
Hast Du das Curling «ersetzt» durch einen anderen Sport, ein anders Hobby?
Seit ich klein war gehörte der Sport in unsere Familie. Mein Vater war ein super Sportler, er gab uns Kindern (vier) die Freude und Begabung quasi mit auf den Weg. Nebst Skirennfahren und Leichtathletik übte ich fast alle bekannten Spielsportarten aus. Beim Spielsport hatte ich am meisten Freude, beherrsche alle sehr gut, habe hier auch eine ansehnliche Medaillensammlung, demzufolge wird es mir nie langweilig. Seit vielen Jahren spiele ich regelmässig Darts (einige Jahre sogar Liga-mässig), ich kann mich aber auch ohne Sport beschäftigen: dann mache ich gerne mal eine Motorradtour oder einfach einen Ausflug irgendwohin für zwei oder drei Tage.
Natürlich geniesst man, nach so vielen Entbehrungen und dem gewaltigen Aufwand, seine Familie umso mehr; alles andere, inklusive dem Beruf, konnte ich immer unter einen Hut bringen – wie das ging, weiss ich bis heute nicht!
Gab es trotzdem Dinge, die damals wegen des Curlings keinen Platz mehr fanden? Was waren die Entbehrungen konkret?
Ich habe in einem Ingenieurbüro die Lehre als Bauzeichner absolviert und wollte danach eigentlich das Technikum mit Ausbildung zum Bauingenieur besuchen. Das habe ich zuerst aufgeschoben und danach fehlte mir effektiv die Zeit dazu. Beruflich habe ich trotzdem meinen Weg gefunden, allerdings in eine andere Richtung: ich bin seit vielen Jahren selbstständiger Versicherungsmakler mit eigenem Büro und sehr zufrieden damit.
In all den Jahren musste ich effektiv auf vieles verzichten und mich einschränken. Da waren immer wieder die unbezahlten Ferien (ich hatte stets super Arbeitgeber), denn nebst den Meisterschaften ist man ja während der Saison im In- und Ausland ständig unterwegs; es braucht eine liebe, verständnisvolle und unterstützende Frau (oder in meinem Fall Freundin), Sponsoren musste man wirklich lange suchen, nur vom Curling eine Zeit lang zu leben, das konnte man damals vergessen. Ja, es brauchte viel Euphorie und Enthusiasmus fürs Curling.
Und natürlich musste ich meine anderen Sportaktivitäten «na-dis-na» aufgeben respektive auf ein Minimum beschränken. Auch das tat ein bisschen weh.
Könntest Du die Zeit zurückdrehen: Würdest Du dem Curling wieder dieselbe Bedeutung zumessen? Und würdest Du zum selben Zeitpunkt «quittieren»?
Curling ist und bleibt eine wunderschöne Sportart, mit Freude würde ich Curling dieselbe Bedeutung geben, ich habe diese Zeit, mit allen Tiefen und Höhen, genossen, der Aufwand hat sich gelohnt! Wir haben im In- und Ausland unzählige Turniere gewonnen, hatten X Medaillenplätze, Höhepunkte wie z.B. die WM-Revanche-Turniere in Bern (wir schafften es an der damaligen «Bund Trophy» dreimal in den Final und haben diesen zweimal gewonnen); oder das «Manitoba Bonspiel» in Winnipeg/CAN, das grösste Turnier der Welt, damals mit 1250 Teams(!), wo ich (mit verschiedener Besetzung) fünf-mal spielten durfte – unvergesslich. Dann gab es aber auch spezielle Titel, ich darf mich sogar «Int. Deutscher Mixed-Meister 1985» nennen. All das, was ich an so vielen Orten erleben durfte, war wunderbar, niemand kann es einem mehr wegnehmen.
Es kam während dieser Zeit einige Male der «Aufhörgedanke» auf, vor allem dann, wenn wir den SM- Final oder das Finalspiel für die Teilnahme an der EM verloren haben (was doch einige Male vorkam).
Schlussendlich und aus heutiger Sicht betrachtet, würde ich drei Jahre früher aufhören, d.h. nach dem verlorenen SM-Final von 1998 in Bern.