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Ehem. Ortsgem. TG, Bez. Frauenfeld, seit 1998 Teil der polit. Gem. Gachnang. Das westlich von Frauenfeld liegende Dorf bildete als Teil der ehem. Munizipalgemeinde Gachnang die Ortsgemeinde N., die ab 1812 die Weiler Bethelhausen und Strass umfasste. 1337 Niderenwille. 1831 234 Einw.; 1850 241; 1900 224; 1950 216; 1990 347.
1862 wurden im Egelsee, dem ehem. Torfmoor nördlich von N., im Zuge der intensiven Torfnutzung urgeschichtl. Siedlungsreste entdeckt. Jakob Messikommer, der bis 1884 mehrere Ausgrabungen vornahm, machte die Station bis nach Übersee bekannt. Eingehende wissenschaftl. Untersuchungen erfolgten aber erst 1962-63 durch ein holländ. Forscherteam der Univ. Groningen unter der Leitung Harm Tjalling Waterbolks. Die einperiodige Siedlung von N. gehört der Pfyner Kultur an und stammt gemäss dendrochronolog. Datierung aus der Zeit von ca. 3660 bis kurz nach 3585 v.Chr. Das ovalförmige Dorfareal erstreckte sich z.Z. der grössten Ausdehnung über eine Fläche von rund 2'000 m² und wurde in der Schlussphase sicher von einem wehrhaften Palisadenzaun umgeben. Auffallend ist die Anordnung in sechs durch Gassen getrennte Häuserzeilen aus stirnseitig zusammengebauten Häusern. In Anlehnung an die untersuchten Siedlungsteile rechnet Waterbolk mit gegen 35 in der Regel zweiräumigen Bauten von durchschnittlich 11 m Länge und 5 m Breite. Die Hausböden bestanden im Normalfall aus querverlegten, auf einem Schwellenrost ruhenden Rundhölzern oder Spaltbrettern. Örtlich lassen sich bis zu 15 Umbauphasen belegen, was einer durchschnittl. Lebensdauer der Hausböden von weniger als fünf Jahren entspricht. Zur Konstruktion des Oberbaus der Häuser existieren nur wenige Hinweise. Danach dürften die Wände aus horizontal liegenden Bohlenbrettern bestanden haben, die an eingerammte Aussenpfosten von gegen 1 m Abstand fixiert waren. Unter dem Fundmaterial ragen die trefflich erhaltenen Holzartefakte hervor, die wesentlich zur heutigen Kenntnis der neolith. Holzindustrie beitrugen.
Autorin/Autor: Albin Hasenfratz
N., Bethelhausen und Strass gehörten im 13. Jh. den kyburg., später habsburg. Dienstleuten von Strass, die vermutlich in Strass einen aus grossen Steinen gemauerten, im 12. und 13. Jh. erw. Wohnturm besassen. Später zogen sie nach Frauenfeld, wo sie den Strasshof errichteten. Um 1390 fielen die hohe und niedere Gerichtsbarkeit an Frauenfeld und verblieben dort bis 1798. N. war stets nach Gachnang kirchgenössig und teilte dessen Schicksal. In N. wurde Torf abgebaut. Im 19. Jh. betrieb man einen Steinbruch und 1850-80 eine Blutegelzucht. 1900 wurde eine Käserei gegründet. Zu Beginn des 21. Jh. besass das landwirtschaftlich geprägte Dorf (Wiesen- und Obstbau) mit der Ricoter AG einen Recyclingbetrieb, eine Lack- und Farbenfabrik sowie ein Unternehmen für Alarmanlagen. Die neuen Einfamilienhaussiedlungen wachsen zunehmend in die Landschaft hinein.
Autorin/Autor: Erich Trösch