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Stell dir vor, du spielst ein internationales Finanz-Spiel, in dem es darum geht, Botschaften zwischen den Spielern, den Finanzinstituten, aus verschiedenen Ländern zu übermitteln. Dieses Spiel existiert schon seit Jahrzehnten, und die Spieler haben über die Jahre hinweg ihre eigenen Regeln entwickelt, um diese Nachrichten auszutauschen. Einige haben Codes eingeführt, andere nutzen spezielle Symbole, und wieder andere haben ganz eigene, komplexe Systeme aufgebaut.
Diese Unterschiede machen das Spiel allerdings immer schwieriger und führen zu Missverständnissen und Fehlern. Also entscheiden sich die Spieler, ein einheitliches System zur Kommunikation zu entwickeln, den ISO 20022-Standard.
Doch während das neue System eingeführt wird, tritt eine neue Gruppe von Spielern auf den Plan. Sie nennen sich „Kryptowährungen“ und spielen nach völlig anderen Regeln. Sie sind schnell, effizient und dezentralisiert, und sie gewinnen schnell an Popularität.
Doch Finanzinstitute und Kryptowährungen spielen ganz verschiedene Spiele und stehen zu großen Teilen für ganz verschiedene Werte. Die einen für Zentralität und Macht, die anderen für Dezentralität und Selbstverantwortung eines jeden. Jetzt stell dir vor, in diesem Spiel finden sie über die Brücke des ISO 20022-Standards zueinander. Sind die Kryptowährungen, die sich daran beteiligen, Wölfe im Schafspelz?
CBDCs und Blockchains
- CBDCs sind zentralisierte programmierbare Geldsysteme, über die der Herausgeber eine ultimative Macht bekommt, darüber zu entscheiden, wer für was wie viel Geld ausgeben darf. Kombiniert mit anderen Überwachungssystemen sind sie sehr gut dazu geeignet, Social-Credit-Systeme zu betreiben.
- Eine Blockchain sollte dagegen ein dezentrales System sein, das den Menschen mehr Freiheit und weniger Einschränkungen bringt.
- Staaten können über CBDCs einfach das ganze Netz einer Blockchain innehaben, was die Dezentralität dieser Blockchain ad absurdum führt.
Aber braucht es für CBDCs überhaupt Blockchains?
Am 3. August 2022 erschien auf Forbes ein kleiner Artikel mit dem Titel ‚When The CBDC Revolution Comes, It Won’t Be On The Blockchain‘. (Wenn die CBDC-Revolution kommt, wird sie nicht auf der Blockchain stattfinden)
In dem Artikel wird auf das Projekt Hamilton, einer gemeinsamen Forschungsinitiative der Federal Reserve Bank von Boston und der Massachusetts Institute of Technology’s Digital Currency Initiative (MIT DCI) verwiesen. Das Ziel des Projekts ist es, den Entwurfsraum für eine Zentralbank-Digitalwährung (CBDC) zu erkunden und ein praktisches Verständnis der technischen Herausforderungen und Möglichkeiten einer CBDC zu erlangen.
Am Ende des Artikels steht:
In der Zusammenfassung von Phase 1 des „Project Hamilton“ heißt es, dass „ein verteilter Ledger, der unter der Zuständigkeit verschiedener Akteure betrieben wird, nicht erforderlich ist, um unsere Ziele zu erreichen.“
Im Klartext heißt das, dass für die Umsetzung einer CBDC keine Blockchain erforderlich ist. Außerdem entspreche ein verteiltes Hauptbuch nicht den „Vertrauensannahmen im Ansatz von Projekt Hamilton“, der davon ausgeht, dass die Plattform von einem zentralen Akteur (z. B. einer Zentralbank) verwaltet wird, und es wurde festgestellt, dass die Architektur, selbst wenn sie unter der Kontrolle eines solchen einzelnen Akteurs betrieben wird, „Leistungsengpässe“ verursacht.Forbes
(Their „Project Hamilton“ Phase 1 executive summary notes that they found „a distributed ledger operating under the jurisdiction of different actors was not needed to achieve our goals.“
In plain English they said that no blockchain is needed to implement a CBDC. What’s more, they said that a distributed ledger did not match the „trust assumptions in Project Hamilton’s approach“ which assumes that the platform would be administered by a central actor (eg, a central bank) and they found that even when run under the control of such a single actor, the architecture creates „performance bottlenecks“.)
Über die CBDCs soll alle Macht gebündelt werden
Die Richtung ist klar gegeben, dass für CBDCs nichts besser ist, als alle Macht in einer Hand zu halten. Andere Ansätze, wie die vom Projekt Hamilton, gehen von der Basis von Blockchains für CBDCs aus, was aber nichts gegenüber der Machtzentralität ändert.
Eine große Rolle in der Interaktion zwischen CBDCs und Kryptowährungen wird der ISO 20022-Standard spielen.
- ISO 20022 ist eine internationale Norm für elektronischen Datenaustausch zwischen Finanzinstituten. Diese Standards definieren Prozesse und Datenformate, um die Kommunikation zwischen diesen Instituten zu erleichtern und zu standardisieren. Es ist eine Sprache, die Finanzinstitute auf der ganzen Welt verstehen und sprechen.
Inzwischen gibt es verschiedene Kryptowährungen, die ISO 20022-kompatibel sind. Das bedeutet, dass es eine Kommunikation, ein Datenaustausch der zentralisierten CBDCs mit den dezentralisierten Kryptowährungen geben kann. Das stellt die dezentrale Ausrichtung dieser Kryptowährungen mehr als nur in Frage.
- Durch die Kommunikation anderer Kryptowährungen mit den ISO 20022-kompatiblen Kryptowährungen, können sich neue Anwendungsformen entwickeln, wobei immer geprüft werden sollte, ob diese Brücke nicht auch eine Hintertür für die Beeinflussung von CBDCs auf Kryptowährungen öffnet.
Ripple und Stellar Lumens basteln über ihre Kooperation mit der ISO und dem ISO 20022-Standard an CBDCs
Zu den ISO 20022-kompatiblen Kryptowährungen zählen Ripple (XRP), Stellar Lumens (XLM), XinFin (XDC), Iota (MIOTA) und Algorand (ALGO) und die Liste erweitert sich.
Ripple und Stellar Lumens (XLM), die beide von Jed McCaleb entwickelt wurden, heben sich besonders hervor, da sie als Mitglieder des ISO 20022-Standardskörpers gelten.
Beide Kryptowährungen sind auf schnelle und kostengünstige Geldtransfers ausgerichtet, wobei Ripple mehr auf den Bankensektor und Stellar Lumens auf Regierungen und digitale Währungen ausgerichtet ist. Die Ukraine hat beispielsweise Stellar Lumens ausgewählt, um ihre offizielle digitale Währung zu erstellen.
Auf Twitter schrieb Sammie dazu:
Stellar wird bald die erste und einzige öffentliche Blockchain sein, die eine CBDC in ihrem öffentlichen Hauptbuch hat.Twitter
(Stellar soon to become the first and only Public blockchain to have a CBDC on its Public Ledger.)
Wir können also wahrnehmen, dass es Bestrebungen gibt, CBDCs nicht auf Blockchain-Basis zu programmieren und welche, sie auf Blockchain-Basis zu programmieren. Das Schlüsselelement der Interaktion zwischen diesen verschiedenen Systemen ist der ISO 20022-Standard.
ISO 20022 für die Kommunikation
ISO 20022 ist eine Art Regelwerk, das festlegt, wie Finanzinstitute, also Banken und ähnliche Einrichtungen, Daten untereinander austauschen.
Stell dir vor, du sendest eine E-Mail: Sie benötigen ein bestimmtes Format, damit der Empfänger deine Nachricht verstehen und darauf antworten kann. ISO 20022 legt ein solches Format für Finanztransaktionen fest.
Das Regelwerk umfasst eine Vielzahl von Transaktionen, wie Überweisungen, Aktienhandel, Kreditkartenzahlungen und viele andere. Es hilft, alles auf einer gemeinsamen Grundlage zu halten, um Fehler und Missverständnisse zu vermeiden.
Um all diese Regeln zu organisieren, verwendet ISO 20022 etwas, das als „Repository“ bezeichnet wird.
Stell dir ein Repository als eine riesige Bibliothek vor, die vollgepackt mit Informationen und Regeln ist, die Banken verwenden können, um ihre Daten korrekt auszutauschen.
Innerhalb des Repository sind die Regeln in einer Sprache namens UML (Unified Modeling Language) geschrieben.
- UML ist wie eine universelle Sprache, die hilft, komplexe Informationen einfach und verständlich darzustellen. Sie hilft dabei, Prozesse und Datenstrukturen zu visualisieren, die in einer Bank oder einer anderen Finanzeinrichtung verwendet werden.
Kryptowährungen bekommen jetzt einen offiziellen Code nach den ISO-Regeln
In den letzten Jahren hat die Welt der Kryptowährungen an Bedeutung gewonnen. Aber für die Finanzinstitute gab ein Problem: Sie hatten keinen offiziellen Code nach den ISO-Regeln.
Mit dem ISO 20022-Standard ändert sich das. Wenn eine Kryptowährung den Anforderungen dieses Standards entspricht, kann sie einen offiziellen ISO-Code erhalten. Das wird es viel einfacher machen, Kryptowährungen in den traditionellen Finanzsystemen zu verwenden, da Banken und andere Institute eine klare und standardisierte Methode haben werden, um mit diesen digitalen Währungen zu arbeiten.
Imple – ein Vorreiter im Einsatz des ISO 20022-Standards
Impel, ein Fintech-Unternehmen aus Texas, hat kürzlich Bitcoin (BTC) zu seiner ISO 20022-kompatiblen Finanznachrichten-API hinzugefügt.
- Eine Finanznachrichten-API (Application Programming Interface) ist ein Software-Interface, das Entwicklern ermöglicht, auf Finanznachrichten und Daten zuzugreifen. Es dient als eine Art „Brücke“, die den Datenaustausch zwischen verschiedenen Softwareanwendungen ermöglicht.
Stell dir die API als Kellner in einem Restaurant vor. Der Kellner (die API) nimmt deine Bestellung (Datenanfrage) entgegen und bringt dir dann dein Essen (die angeforderten Daten) von der Küche (der Datenbank).
Diese Integration ermöglicht es, Bitcoin (BTC) als Sicherheit für Zahlungen zu verwenden und verbessert die Kundenerfahrung, erhöht die Sicherheit und spart erhebliche Betriebskosten.
- Wenn gesagt wird, dass Bitcoin als „Sicherheit“ für Zahlungen verwendet werden kann, wird damit gemeint, dass es als eine Art Garantie für den Wert einer Transaktion verwendet werden kann.
Stell dir vor, du möchtest einen Kredit von einer Bank oder einem anderen Kreditgeber aufnehmen. Üblicherweise musst du eine Art von Sicherheit bereitstellen, um zu versichern, dass du den Kredit zurückzahlen kannst. Das kann z.B. ein physischer Vermögenswert wie ein Haus sein.
Jetzt stell dir vor, du könntest Bitcoin als diese Sicherheit verwenden. Du würdest eine bestimmte Menge Bitcoin dem Kreditgeber überlassen, der sie verwahrt, während du den Kredit abbezahlst.
So lange wir die meisten Sachen nicht direkt in Bitcoin oder anderen Kryptowährungen kaufen können, kann das eine interessante Möglichkeit darstellen. Vor allem, wenn Du den Kredit zurückzahlen kannst und der Bitcoin-Kurs während der Zeit steigt.
Interessant ist bei diesem Beispiel auch, dass Bitcoin nichts mit dem ISO 20022 zu tun haben muss.
Impels Dienstleistungen sind auf dem XDC-Netzwerk (XinFin) aufgebaut, einem Layer-1-Blockchain-Protokoll, das eine optimierte Version von Ethereum ist. Das Netzwerk bietet erhebliche Vorteile, wie nahezu null Gasgebühren und schnelle Transaktionszeiten von nur zwei Sekunden.
- Layer-1
Das XDC-Netzwerk (XinFin), auf dem Impels Dienstleistungen basieren, ist ein Layer-1-Blockchain-Protokoll. In der Blockchain-Technologie bezieht sich Layer-1 auf die grundlegende Blockchain-Infrastruktur. Es stellt die Umgebung zur Verfügung, in der Transaktionen verarbeitet und in Blöcken zur Kette hinzugefügt werden – in diesem Fall Etherium.
Wer ist die ISO?
Die International Organization for Standardization, bekannt als ISO, setzt Standards in nahezu allen Branchen, darunter auch für die globale Finanzindustrie. Der Sitz der ISO ist in Genf, wo sie am 23. Februar 1947 ihre Tätigkeit aufnahm. Bis heute hat die ISO über 20.000 Standards gesetzt, darunter auch die für Kryptowährungen relevanten, wie die ISO 20022.
Eine Kryptowährung, die mit diesem Standard konform ist, könnte von einer zentralisierten Bank genehmigt werden, die Krypto-Zahlungen ermöglicht.
Wenn die ISO einen offiziellen Code für eine Kryptowährung vergibt, kann sie in die Datenbanktabellen führender Finanzdienstleister wie Visa und MasterCard aufgenommen werden.
Digital Token Identifiers (DTIs)
Ein weiteres wichtiges Element der ISO-Standards im Kryptobereich sind die Digital Token Identifiers (DTIs). DTIs sind Kennzahlen oder Symbole, die digitale Währungen repräsentieren.
- Die Integration von Digital Token Identifiers (DTIs) in den ISO 20022-Standard ermöglicht es Finanzinstitutionen, Transaktionen mit digitalen Token genauso zu behandeln wie Transaktionen mit traditionellen Währungen.
- Jede Kryptowährung oder jeder digitale Token erhält einen einzigartigen Digital Token Identifier (DTI). Dies verbessert die Fähigkeit der Systeme, zwischen verschiedenen Arten von Vermögenswerten zu unterscheiden und entsprechende Regeln für ihre Behandlung zu definieren.
Die ISO und ihre gemeinsame Macht mit CBDCs
Die International Organization for Standardization (ISO) ist eine Organisation, die internationale Standards in allen Bereichen der Produktion festlegt. Diese Organisation setzt auch die Standards für Finanzinstitutionen.
Diese Standards werden häufig zwingend vorgeschrieben, was der ISO eine große Macht gibt, vor allem in Verbindung mit Gesetzgebern.
Mit dem ISO 20022-Standard wird eine neue Kommunikation mit Kryptowährungen ermöglicht. So wie es in jeder Kommunikation ist, geht damit auch eine Einflussnahme einher.
Es muss abgewartet werden, welche Einflüsse das sind und welche regulatorischen Möglichkeiten sich für die Bestrebungen nach allein herrschenden CBDCs ergeben.
Quellen:
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