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Der Eschenbergwald ist das grösste zusammenhängende Waldgebiet in der Stadt Winterthur. Seine Ausdehnung beträgt heute rund 840 Hektaren1 oder 8,4 Quadratkilometer. Das sind fast 29 Prozent der gesamten Winterthurer Waldfläche und entspricht etwa der Fläche von rund 1180 Fussballfeldern. Der Wald auf dem Eschenberg dürfte derzeit aus mindestens 260’000 Bäumen mit einem Stammdurchmesser von über zwölf Zentimetern bestehen. Vor bald 200 Jahren hat im Eschenbergwald die nachhaltige Bewirtschaftung der Winterthurer Stadtwälder ihren Anfang genommen. Historisch gesehen bildet der Eschenbergwald das Fundament der Winterthurer Stadtwaldungen.
Name
Die Herkunft des Namens Eschenberg ist bis heute nicht klar. Naheliegend ist die Ableitung aus dem Namen der hier häufig vorkommenden Baumart Esche. Die althochdeutsche Bezeichnung ask (Esche) könnte tatsächlich namengebend gewesen sein. Ebenso könnten aber auch die althochdeutschen Begriffe ezzisc (Saatfeld; Ort des Ackerbaus) oder asca (Asche; Rodung durch Feuer) zum Namen Eschenberg geführt haben. Alle drei Erklärungen ergäben durchaus einen Sinn.
Geschichte
Bereits im Jahr 1246 wurde der Aschaberk urkundlich erwähnt. Unter dem Gesichtspunkt der Besitzverhältnisse liegen die Wurzeln der Winterthurer Stadtwälder im 13. Jahrhundert. Damals kam die Stadt zwar noch nicht in den Besitz dieses Waldgebietes, doch immerhin zum unbestrittenen Nutzungsrecht. Die Kyburger, eines der grossen Herrschergeschlechter des 13. Jahrhunderts, dominierten damals die Region um Winterthur, und ihnen gehörten als Stadtherren von Winterthur unter anderen auch die Wälder Eschenberg und Lindberg.
Als 1264 Graf Hartmann, der letzte Kyburger Graf, ohne Nachkommen starb, fiel das ganze Erbe an seine Schwester, die mit einem Habsburger verheiratet war. Noch im selben Jahr erneuerte Graf Rudolf von Habsburg, ein Neffe des verstorbenen Kyburger Grafen, das Winterthurer Stadtrecht. Dadurch kamen die Winterthurer zum endgültigen Nutzungsrecht für den Eschenbergwald. Sie konnten den Eschenbergwald zwar auch früher nutzen, doch bis zur Erneuerung des Stadtrechts schuldeten sie der Obrigkeit dafür eine Abgabe.
Stadtrechtsbrief 1264
Nur die Bauern konnten seit je ihren Eigenbedarf unentgeltlich aus den Wäldern der Herrschaft decken. Der neue Stadtbrief räumte dieses Recht allen Bürgerinnen und Bürgern der Dorfgemeinde Niederwinterthur ein. Nun konnten auch sie sich nach Belieben aus dem Eschenbergwald bedienen: Holz schlagen, das Vieh weiden lassen oder Streue und Futter sammeln – alles ganz umsonst. Das Jagdrecht indes behielt Rudolf von Habsburg – ab 1273 deutscher König – für sich. Im Stadtrechtsbrief von 1264 heisst es:
Item der wald genant Eschaberg sol mit dem gemeinen rëchte, daz ze tütsch genëmt wirt gemeinmerch, von nun an fürbass hin in den brûch der genanten stat vallen; in zîlen und marchen, gerëchtigkeiten und burdinen, wie die bishin von altem hër kunt sint.
In der Übersetzung von Hans Kläui heisst es entsprechend:
Ebenso soll der Wald genannt Eschenberg kraft des allgemeinen Rechtes, welches im Volke «Gemeinmerche» genannt wird, von nun an hinfort in den Niessbrauch der erwähnten Stadt übergehen, so wie es festgestelltermassen von alters her bis jetzt gewesen ist.
Diese Bestimmung war klar: Der Eschenberg soll in alle Zukunft gemeinmerch – gemeine Mark oder im weiteren Sinne Allmend – der Stadt Winterthur sein, das heisst gemeines, unverteiltes Gut, das den Gesamtinteressen dient. Zu deren Schutz erliess die Stadt Verordnungen: Wer dagegen verstiess, wurde bestraft. Allerdings war die Stadt nicht alleinige Nutzniesserin des Eschenbergwaldes. Zahlreiche Mitnutzer, darunter der Veltheimer Weingarten und natürlich das Haus Kyburg selbst und die ihm gehörenden Höfe auf dem Eschenberg, bedienten sich vorerst nach Belieben aus diesem Waldgebiet.
Im Jahr 1433 wurde das Nutzungsrecht durch den römisch-deutschen Kaiser Sigismund nochmals bestätigt, nicht aber der Besitz des Eschenbergwaldes.
Herrschaft Zürich
Der Eschenberg wurde der Stadt also nicht geschenkt, sondern blieb zunächst im Besitz Rudolfs von Habsburg und ging dann 1452 in den Besitz der neuen Herrschaft, der Stadt Zürich über – mitsamt der Hofgemeinschaft Eschenberg und einigen anderen nahe gelegenen Höfen. Das Jagdrecht blieb wie schon erwähnt bei Kyburg, dann bei Zürich.
Für einige Brisanz sorgte die Falkenjagd. Ihretwegen gerieten sich Zürich und Winterthur im Jahre 1502 in die Haare. Winterthur bat Habsburg um Hilfe – vergeblich: Zürich stellte klar, dass das Federspiel im Eschenbergwald Sache der Bürger von Zürich sei. Später verpachtete die Hauptstadt die Falkenjagd, die bis ins 18. Jahrhundert gepflegt wurde, vor allem an Winterthur. Das war den Winterthurern indes nicht genug: Sie hatten mit Zürich ein Abkommen getroffen, in dem ihnen innerhalb der Landvogtei Kyburg bestimmte Jagdreviere zuerkannt wurden. Zu diesen gehörte ab 1715 auch der Eschenberg.
Vom Nutzungsrecht zum Eigentum
Nach und nach verwischten sich die Rechtsverhältnisse um den Eschenbergwald; das wirtschaftlich bedeutende Nutzungsrecht verfestigte sich zum Eigentum. Gleichzeitig verschwand das wirtschaftlich unbedeutende Jagdrecht der Obrigkeit. Nur die Höfe blieben vorerst Eigentum fremder Vögte. Nach und nach kaufte die Stadt Liegenschaften im und um den Eschenbergwald herum auf. So zum Beispiel die Höfe Höngg, Brunnenwinkel, Leisental, Häsital und Eschenbergwald. Alle diese Höfe wurden zwischen 1830 und 1850 aufgeforstet. Auch die Fläche des Eschenberghofes wurde durch Aufforstungen wesentlich verkleinert. Insgesamt hatte die Stadt in diesen Jahren rund 140 ha Kulturland im Gebiet Eschenberg aufgeforstet. Im Jahr 1875 wurden etwa 20 Hektaren im Gebiet Vogelsang für die Gewinnung von Bauland gerodet. Dafür kaufte sie ab 1873 am Kümberg oberhalb von Turbenthal kleine Bauernhöfe auf und forstete den grössten Teil des erworbenen Kulturlandes auf.
Aus diesem ursprünglichen Waldbesitz der Stadt Winterthur – rund 760 Hektaren – und dem ehemaligen Dorfwald von Seen im Ostteil des Eschenbergs (Gebiet Nübrechten), der mit der Eingemeindung der Vorote im Jahre 1922 zur Stadt Winterthur kam, ging der heutige Stadtwald auf dem Eschenberg hervor.
Heute gehören der Stadt Winterthur von der gesamten Fläche des Eschenbergwaldes über 97 Prozent. Etwa 2,4 Prozent gehören dem Kanton Zürich und etwa 0,6 Prozent des Eschenbergwaldes ist Korporations- und Gemeindewald. Auf dem ganzen Stadtgebiet sind rund ein Drittel der Wälder im Eigentum von Korporationen, Privaten oder dem Kanton.
|Eigentümer||Waldfläche|
|Quelle: Forstbetrieb Winterthur: GIS-Auswertung, Stand 27.02.2013|
|Stadt Winterthur||8’108’315 m2|
|Privatwald und Kantonswald (AWEL)||202’061 m2|
|Korporations- und Genossenschaftswald||48’602 m2|
|Total Wald Eschenberg||8’358’978 m2|
Zeit der Kahlschläge
Die Bewirtschaftung des Eschenbergwaldes in frühesten Zeiten ist nicht umfassend dokumentiert. Eine Pflege und Bewirtschaftung des Waldes im heutigen Sinn hat sicherlich nicht stattgefunden. Die durch Schläge entstandenen Lichtungen wurden sich selber überlassen, bis das nachgewachsene Holz schlagreif war. Immerhin ist die starke Förderung von Nadelbäumen schon früh belegt: Der Plan des Eschenbergs des Artillerie-Collegiums von 1758 zeigt bereits grosse Flächen von Nadelbaumbeständen.
Bis Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich in Winterthur eine Waldbautechnik, die aus kleinflächigen Kahlschlägen bestand. In dieser Zeit wurden auch grosse Teile des Eschenbergs auf diese Art regelmässig kahlgeschlagen. Bereits damals fanden sich im Eschenbergwald Spuren von künstlichen Kulturen. Diese Art von Kahlschlagbetrieb wich zunehmend rationelleren Betriebsformen. Der gesamte Holzvorrat sollte künftig genau eingeteilt und geplant werden. Den Anstoss zu einer geregelten Forstwirtschaft gaben schliesslich grössere Windwurfschäden und die Borkenkäferinvasionen von 1803 und 1807.
1813 wurde Andreas Weinmann zum ersten Forstmeister der Stadt Winterthur gewählt. Mit ihm begann die Zeit der Grosskahlschläge und anschliessender Anpflanzung, stellenweise verbunden mit landwirtschaftlicher Zwischennutzung.
Zwischen 1836 und 1842 wurden der Eschenberg und der Lindberg geometrisch vermessen: Im Jahr 1836 lag das erste Flächen-Fachwerk über den Eschenbergwald vor. Auf disem Plan wurde der ganze Eschenberg in Streifen eingeteilt, die dann je nach Alter des Bestandes zum Kahlschlag vorgesehen wurden. Die Schlagjahre wurden auf dem Plan eingetragen. Die Kahlschlagflächen umfassten etwa eine bis zwei Hektaren – pro Jahr insgesamt etwa 7,5 Hektaren – und in der Nähe dieser Schlagflächen wurden Pflanzgärten angelegt, die aber nach relativ kurzer Zeit wiederum aufgegeben werden mussten, weil der Boden rasch ausgelaugt war. Noch im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts gab es auf dem Eschenberg insgesamt neun Pflanzgärten. Auf den Kahlschlagflächen wurden während zwei bis drei Jahren Kartoffeln oder Hafer angebaut.
In der Amtszeit von Andreas Weinmann nahmen die reinen Nadelbaumbestände etwa 77 Prozent, die gemischten Bestände 7 Prozent und der Mittelwald etwa 16 Prozent der Fläche ein.
Erster Wirtschaftsplan
Aus dem Jahre 1836 stammt also der erste Wirtschaftsplan (heute: Betriebsplan) für den Eschenberg. Er stützte sich auf eine konsequente Einteilung in Reviere und Abteilungen und blieb bis 1847 in Kraft. Sein wichtigstes Ziel: die Erhaltung grosser Holzvorräte durch Ertragsabrechnung. Für die Pflege und den Unterhalt des Eschenbergwaldes wurde das Wegnetz massiv ausgebaut.
Beginn der modernen Waldwirtschaft
1860 wurde Kaspar Weinmann Nachfolger seines Vaters Andreas Weinmann. Mit seiner Amtszeit begann die moderne, auf die Ergebnisse der Wissenschaft abgestützte Waldbewirtschaftung. Zwei Jahre nach Weinmanns Amtsantritt präsentierte sich der ganze Stadtwald als Hochwald. Einzig der Wald am Tössrain wies damals den Charakter eines Mittelwaldes auf. Doch auch der sollte bald in einen Hochwald überführt werden. Reine Bestände von Laubbäumen waren damals nirgends vorhanden, hingegen dominierten vielerorts die Nadelbäume. In diesen meist künstlich aufgeforsteten Nadelbaumbeständen war die Rottanne am stärksten vertreten. Sie wurde bei der Aufforstung auch am stärksten bevorzugt: Von den 60’000 bis 130’000 Jungbäumchen, die damals jedes Jahr gesetzt wurden, waren etwa zwei Drittel Rottannen, etwa ein Fünftel bestand aus Buchen und etwa ein Zehntel aus Weisstannen. Der Rest teilte sich auf in Eichen, Lärchen, Föhren und Eschen.
Unter dem Titel Beschreibung und Wirtschaftsplan über die Stadtwaldungen von Winterthur erschien im August 1862 ein neuer, damals richtungsweisender Plan über die künftige Bewirtschaftung der Stadtwälder. Die drei Autoren, Oberforstmeister Elias Landolt aus Zürich, Forstmeister Wilhelm Friedrich Hertenstein von Kyburg und Stadtforstmeister Kaspar Weinmann, setzten darin folgende Schwerpunkte:
- Erzeugung möglichst grosser Mengen von brauchbarem Holz
- Sicherung des Waldes gegen Gefahren von aussen
- Erhaltung und Äufnung des Stammkapitals
Weil dieser Plan grosse Auswirkungen auf die Winterthurer Forstwirtschaft hatte, lohnt sich hier ein Blick auf die wichtigsten, stark gekürzten Grundsätze:
- Alle Stadtwälder sind als Hochwald mit einer durchschnittlichen Umtriebszeit von hundert Jahren zu behandeln oder in solche zu überführen.
- Allgemein sind gemischte Bestände anzustreben. Den Hauptbestand sollen aber Rot- und Weisstannen bilden. Die Laubbaumarten sollen höchstens zwanzig Prozent Anteil erreichen.
- Die Hiebe sollen für jeden Waldteil möglichst regelmässig erfolgen.
- Als Regel gilt der Kahlschlag.
- Alle Kahlschläge sind künstlich aufzuforsten. Gute Böden sollen landwirtschaftlich zwischengenutzt werden.
- Bei der Naturverjüngung durch allmählichen Abtrieb sind die Schläge dunkel zu halten und nach erfolgter Besamung sofort zu lichten.
- Jungwüchse sind sorgfältig zu pflegen.
- Das projektierte Wegnetz ist bis zur Vollendung zu realisieren.
- Die Nutzung unterliegt dem Prinzip der Nachhaltigkeit: Die Nutzung darf den Zuwachs nicht übersteigen.
- Die Anwendung dieses Prinzips ist streng zu kontrollieren.
- Die Jahreserträge an Holz sollen möglichst gleichmässig sein.
- Der Bewirtschafter bestimmt über:
- Reihenfolge der Hiebe
- Verjüngungsdauer
- Mischungsverhältnisse bei der Aufforstung
- Säuberungen und Durchforstungen
- Vervollständigung des Wegnetzes.
Er hat ausserdem auf die Pflanzung von Eichen, vor allem im Lindbergwald, zu achten.
- Im ersten Jahrzehnt des Planes soll die Hauptnutzung 2650 Klafter nicht übersteigen. Unter Hauptnutzung versteht man die entnommene Holzmasse aus mindestens 60-jährigen Beständen.
- Den ertragsreichen Nebennutzungen ist die nötige Beachtung zu schenken, indes nur soweit, als sie die Produktion einer möglichst grossen und brauchbaren Holzmasse nicht einschränkt.
Im Jahr 1894 wurde ein Reinertrag pro Hektare dokumentiert, der «schwer seinesgleichen nicht nur in der Schweiz, sondern in Europa finden lässt.» Als Gründe wurden unter anderem der gute Waldzustand genannt.
Mit dem Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert verschwanden die grossen Kahlschläge nach und nach. Sie wurden durch den so genannten Femelschlagbetrieb mit Berücksichtigung der Naturverjüngung und der Förderung standortgerechter Baumarten (s. Waldgesellschaften unten). Diese Form der Waldbewirtschaftung hat sich seither durchgesetzt und ist auch heute noch die gängige Bewirtschaftung der Winterthurer Wälder. Allerdings wurde die Fichte noch bis vor wenigen Jahrzehnten zu stark bevorzugt und gefördert.
Waldgesellschaften
Die häufigste Baumart auf dem Eschenberg ist deshalb heute noch immer die Fichte (Rottanne). Sie besetzt mehr als einen Drittel der gesamten Waldfläche. Recht häufig ist auch die Buche auf insgesamt 27 Prozent der Waldfläche. Sie würde natürlicherweise an den meisten Standorten auf dem Eschenberg dominieren. Die Esche besetzt rund 11 Prozent der Waldfläche, dahinter folgen Weisstanne, Bergahorn, Lärche und Föhre.
Die heutige Zusammensetzung des Baumbestandes auf dem Eschenberg ist das Eregbis einer über Jahrhunderte dauernden Bewirtschaftung. Ohne Einwirkung des Menschen würde sich an vielen Orten je nach Standortfaktoren eine andere Vegetation einstellen. Man nennt diese Vegetation Waldgesellschaften. Eine Waldgesellschaft beschreibt lediglich die potentielle natürliche Vegetation, die ohne menschliche Eingriffe zu erwarten wäre. Sie beschreibt nicht den tatsächlich vorhandenen Baumbestand.
Die Kenntnisse der natürlichen Waldgesellschaften sind für die Forstwirtschaft und den Naturschutz von grosser Bedeutung. Nachfolgend werden kurz die wichtigsten Waldgesellschaften auf dem Eschenberg und ihre Baum- und Krautschichten beschrieben.
Waldhirsen-Buchenwälder
Der Eschenberg ist hauptsächlich ein Waldhirsen-Buchenwald-Standort in verschiedenen Ausprägungen. Diese Standorte auf tiefgründigen, frischen bis feuchten Böden sind in den oberen Lagen im Kanton Zürich verbreitet bis sehr häufig und in allen Gebieten anzutreffen – ausser an sehr steilen Südhängen. Auf dem Eschenberg gedeiht also von Natur aus ein äusserst wüchsiger Buchenwald mit beigemischter Weisstanne, wobei hier viele verschiedene Baumarten wie Bergahorn, Esche und Rottanne ebenfalls problemlos gedeihen. Besonders auffällig in der meist üppigen Krautschicht sind die Farne. Daneben findet man in der Krautschicht Sauerklee, Wald-Veilchen, Busch-Windröschen, Waldmeister, Goldnessel oder Schlüsselblume.
Erlen-Eschenwälder
Ein grosses Gebiet zwischen Eschenberghof und Bruderhaus mit den Flurnamen Roossen und Riet, fast der ganze Talboden entlang der Töss und zahlreiche kleinere, feuchte oder vernässte Stellen gehören zur Gruppe der Erlen-Eschenwald-Standorte. Typische Baumarten dieser Gesellschaften sind die Esche, die Schwarzerle, und der Bergahorn. Auch die Wälder auf diesen nassen, nährstoffreichen Standorten sind teilweise äusserst wüchsig. Typische Krautpflanzen hier sind beispielsweise Lungenkraut, Kohldistel, Brennessel, Riesenschachtelhalm, Sumpfdotterblume, Bingelkraut oder Scharbockskraut.
Waldmeister-Buchenwälder
Südwestlich des Bruderhauses, in den Gebieten Chüeferbuck und Flöhrain/Vordere Stadtrütiwies, finden sich zwei grössere Standorte von Waldmeister-Buchenwäldern. Auch die Südhänge gegen die Töss hinunter sind Standorte dieser Wälder. Die Ausdehnung dieser wüchsigen und meist artenreichen Waldgesellschaften ist auf dem Eschenberg eher bescheiden. Waldmeister-Buchenwälder sind in anderen Gebieten der Stadt Winterthur wesentlich häufiger anzutreffen: auf dem ganzen Lindberg zum Beispiel, aber auch auf dem Brüelberg, Chomberg, Beerenberg, Ebnet oder Wolfensberg. Typische Baumarten sind neben der Buche die Stieleiche, die Traubeneiche, die Hagebuche, die Kirsche, die Esche, der Bergahorn sowie die Tanne und Fichte. Häufige Krautpflanzen sind hier der Waldmeister, der Sauerklee, das Wald-Veilchen, die Goldnessel, die Einbeere, das Busch-Windröschen oder das Lungenkraut.
Orchideen-Buchenwälder
Die Waldgesellschaften die zur Gruppe der Orchideen-Buchenwälder gehört sind der typische Weissseggen-Buchenwald, ein eher mässig wüchsiger, lichter Hangbuchenwald an südorientierten Hängen, und der Eiben-Buchenwald an steilen Hängen mit mergeligen, leicht wechseltrockenen Böden. Baumarten dieser Waldgesellschaften sind die Buche, die Traubeneiche, die Esche, der Bergahorn, die Hagebuche, die Kirsche, die Elsbeere, der Maulbeerbaum, die Tanne, die Fichte und dazu die Eibe. In der Krautschicht gedeihen das Bingelkraut, das Immenblatt, das Waldvögelein, das Maiglöckchen, die Schwalbenwurz, die Graslilie oder die Einbeere.
Lungenkraut-Buchenwälder
Ebenfalls an den Südhängen des Eschenbergs gegen die Töss, insbesondere aber gegen Sennhof hinunter trifft man auf verschiedene Ausprägungen der Lungenkraut-Buchenwälder. So zum Beispiel im Häsental oder im Steintobel. Die dominierende Baumart ist hier klar die Buche. Daneben kommen die Esche, der Bergahorn, die Traubeneiche, der Maulbeerbaum und die Kirsche vor, aber auch die Tanne und die Föhre. Häufige Pflanzen der Krautschicht sind das Lungenkraut, das Immenblatt, der Waldmeister, die Frühlingsplatterbse, die Gewöhnliche Akelei, der Aronstab oder der Haselwurz.
Neben den oben beschriebenen Waldgesellschaften kommen auf den eher sauren und eher basischen Standorten – insbesondere am Südhang gegen die Töss hinunter – verschiedene Ausprägungen von anspruchsvollen Buchenwäldern vor.
Waldfunktionen
Der Eschenbergwald erfüllt heute mehrere Funktionen, vielerorts gleichzeitig:
- Schutz
- Holznutzung
- Biologische Vielfalt
- Erholung
Während vieler Jahrhunderte war der Eschenbergwald vor allem Lieferant von Bau- und Brennholz. Diese Funktion hat er im Grundsatz bis heute behalten. Obwohl der Eschenbergwald fast überall mehrere Funktionen erfüllt, hat die Holznutzung vielerorts Vorrang vor anderen Waldfunktionen oder zumindest einen hohen Stellenwert. In den die beiden Gebieten Gamser und Hinterwald gegen die Töss hinunter hat allerdings die Schutzfunktion Vorrang. Beide Gebiete sind denn auch als Schutzwald ausgeschieden. Zudem hat an den Hängen gegen die Töss hinunter zwischen Reitplatz und Mühlau und im Gebiet Isler nördlich des Eschenberghofs die biologische Vielfalt Vorrang gegenüber anderen Waldfunktionen.2 Das Gebiet Isler ist ein Waldstandort von naturkundlicher Bedeutung.3
Überlagernd zu diesen vorrangigen Funktionen hat die Erholungsfunktion im stadtnahen Eschenbergwald einen hohen Stellenwert – insbesondere nördlich der Verbindungslinie Eschenberghof–Bruderhaus.
Weil die Bevölkerung der Stadt Winterthur in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen ist, steigt der Erholungsdruck auf die umliegenden Wälder, auch und insbesondere auf den Eschenbergwald. Damit der Eschenbergwald alle seine Funktionen langfristig erfüllen kann, sind Lenkungsmassnahmen notwendig. Der städtische Forstbetrieb unterteilt deshalb das Waldgebiet in vier Teilgebiete:4
|Charakteristik||Baumarten|
|Quelle: Betriebsplan 2010/11–2019/20 über den Stadtwald von Winterthur, Einrichtungsrevier Eschenberg|
|Intensiverholungswald||Intensiv genutzter Wald um Freizeit- und Sportanlagen.||Stabile, unempfindliche Baumarten|
|Erholungswald||Ästhetischer Wald, gut erreichbar für Waldspaziergänge, stille Erholung, Sportanlagen (Laufträff, VitaParcours u.ä.), ansprechende Waldbilder mit mächtigen Bäumen, gut erschlossen mit Fusswegen und Pfaden||Standortheimische «ästhetische» (blühende, mächtige…) Baumarten inklusive Exoten (Bsp. Mammutbaum, Roteiche). Sinnvoller Anteil Nadelholz (Wintergrün).|
|Multifunktionswald||Multifunktionaler Holzproduktionswald unter Berücksichtigung von Naturschutz und Erholung, naturnahe Baumartenzusammensetzung mit Gastbaumarten und maximalem Nadelbaumanteil nach Baumartenempfehlung, Umtriebszeit, Waldform und Betriebsart wirtschaftlich optimiert||Standortsgerechte Baumarten, maximaler empfohlener Nadelbaumanteil inkl. Gäste und Exoten (Dou, Lä, RE, Fi, Ta)|
|Naturvorrangwald||Naturgemässer «wilder» Wald ohne Gastbaumarten, strukturreicher Aufbau mit Zielsetzung Artenvielfalt, Totholz, Biotopbäume, wenig Störung, keine Erholungswaldinfrastruktur||Standortsheimische Baumarten ohne Gastbaumarten und Exoten. Förderung spezieller Baumarten (Sorbus, Eibe) und Strukturen|
Nachhaltigkeit
Ein zentraler Hinweis auf die verschiedenen Waldfunktionen und mithin die Grundlage für eine nachhaltige Waldwirtschaft findet sich bereits in der schweizerischen Bundesverfassung. Dort heisst es:
Art. 77 Wald
- Der Bund sorgt dafür, dass der Wald seine Schutz-, Nutz- und Wohlfahrtsfunktionen erfüllen kann.
- Er legt Grundsätze über den Schutz des Waldes fest.
- Er fördert Massnahmen zur Erhaltung des Waldes.
Auf dieser Verfassungsgrundlage will die Schweizer Landesregierung eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen und günstige Rahmenbedingung für eine effiziente und innovative Wald- und Holzwirtschaft schaffen. Sie beabsichtigt, den Veränderungen «im Umfeld der Wald- und Holzwirtschaft, des Klimas, der gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald wie auch dem langsam wachsenden Ökosystem Wald»5 Rechnung zu tragen. In seiner politischen Absichtserklärung Waldpolitik 2020 hat der Bundesrat auch eine Vision 2030 formuliert, mit der er «die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit optimieren will» (s. Abbildung 1).
Der Bundesrat verfolgt mit dem Zeithorizont 2030 folgende Vision:
- Der Schweizer Wald wird so bewirtschaftet, dass er die Funktionen und Leistungen nachhaltig und gleichwertig erfüllen kann. Dies sind: Gestaltung der Landschaft, Schutz von natürlichen Ressourcen, Holz und andere Waldprodukte, Artenvielfalt und Lebensräume, Schutz vor Naturgefahren sowie Freizeit- und Erholungsraum.
- Der Wald ist in seiner heutigen Fläche und in seinem gegenwärtigen Verteilungsmuster im Wesentlichen erhalten und in der Landschaft optimal vernetzt.
- Der Wald und die Holzverwendung tragen zur Minderung des Klimawandels bei und dessen Auswirkungen auf die Leistungen des Waldes bleiben möglichst gering.
- Holz ist prägender Teil der schweizerischen Bau- und Wohnkultur wie auch der Lebensqualität. Die Wald- und Holzwirtschaft leisten einen wichtigen Beitrag zu den energie-, klima- und ressourcenpolitischen Zielen des Bundes. Die Wertschöpfungskette vom Baum bis zum Endprodukt ist international wettbewerbsfähig und umweltverträglich gestaltet.
- Die von der Öffentlichkeit nachgefragten gemeinwirtschaftlichen Leistungen sind ausreichend bereitgestellt und finanziert. Mehraufwendungen oder Mindererträge der Waldwirtschaft (z.B. durch Verzicht auf Holzproduktion), werden auf der Basis eines transparenten und wirkungsvollen Finanzierungsmodells entschädigt.
- Die Waldpolitik ist eine Verbundaufgabe von Bund und Kantonen. Ihre Ziele werden zusammen mit den Waldeigentümern, im Dialog mit Interessengruppen und durch gut ausgebildete Fachpersonen im Wald- und Holzbereich erreicht. Eine enge Zusammenarbeit mit anderen Politik- und Wirtschaftssektoren wird praktiziert. Länderübergreifende Probleme werden über ein aktives Engagement der Schweiz auf internationaler Ebene angegangen.
Bewirtschaftung
«Der Wald», so steht es im eidgenössischen Waldgesetz, «ist so zu bewirtschaften, dass er seine Funktionen dauernd und uneingeschränkt erfüllen kann (Nachhaltigkeit).»6 Für die Bewirtschaftung des Eschenbergwaldes ist der städtische Forstbetrieb verantwortlich. Er muss dem Kanton Zürich für das Revier Eschenberg alle zehn Jahre einen Beriebsplan vorlegen, in dem er – genaue Angaben über die Standortverhältnisse und den Zustand des Waldes sowie über die Waldfunktionen und die geplante Bewirtschaftung für die nächsten zehn Jahre macht. Eine verbindliche Grundlage für den Forstbetrieb ist neben dem eidgenössischen und dem kantonalen Waldgesetz der Waldentwicklungsplan des Kantons Zürich. Dieser «erfasst und gewichtet die verschiedenen Ansprüche, legt die langfristigen Ziele der Waldentwicklung fest, zeigt Interessenkonflikte auf, setzt Prioritäten für den Vollzug und macht Aussagen für das weitere Vorgehen.»7 Zusammengefasst stellt er für das gesamte Waldgebiet im Kanton sicher, dass der Wald seine Funktionen nachhaltig erfüllen kann.8
Forstpolitische Ziele
Auch der Eschenbergwald muss gemäss den forstpolitischen Zielen des Kantons Zürich9 bewirtschaftet werden:
- Walderhaltung
- Der Wald ist in seiner Fläche und seiner räumlichen Verteilung geschützt und wird als vielfältige naturnahe Lebensgemeinschaft gepflegt.
- Aufbau
- Der Wald weist eine dem Boden und der Lage angepasste Baumartenvielfalt sowie einen nachhaltigen, stabilen Aufbau auf.
- Holznutzung
- Im langfristigen Interesse wird der Wald gepflegt, das Holz nachhaltig genutzt und dessen Verwendung gefördert.
- Naturschutz
- Der Wald trägt zur Erhaltung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, besonders der gefährdeten Arten bei.
- Funktionen
- Der Wald erfüllt mehrere Nutzungszwecke gleichzeitig (multifunktional), jedoch zeitlich und örtlich mit unterschiedlichen Schwergewichten (Vorrangfunktionen).
- Nutzen
- Die Bevölkerung kann die Wohlfahrtsfunktion des Waldes und die Leistungen der Waldwirtschaft weiterhin nutzen.
Waldzustand
Im Eschenbergwald ticken die Uhren anders als in der nahen Grosstadt. Selbst Ereignisse, die Jahrzehnte zurückliegen, haben hier bis heute ihre Spuren hinterlassen. Die sparsame Zeit der Nachkriegsjahre, zum Beispiel, oder der Orkan Lothar 1999 sowie die Käfer- und Trockenjahre 2003 und 2004 haben die Verteilung der Altersklassen gehörig durcheinandergebracht. Heute dominieren die ganz jungen Baumbestände und die ganz alten. Der Mittelstand der 30- bis 70-jährigen Bäume ist im Eschenbergwald untervertreten.
Extremereignisse
Die schlimmsten bisher aufgezeichneten Schäden in den Winterthurer Wäldern hat der Orkan Lothar vom 26. Dezmeber 1999 angerichtet. Auf dem Eschenberg verursachte Lothar auf einer Fläche von 5,8 Hektaren einen Totalschaden. Damit kam der Eschenberg im Vergleich etwa zum Lindberg noch relativ glimpflich davon. Die Hitze und der Borkenkäfer im Jahr 2003 sowie die Hitze und der Schneedruck im Jahr 2006 zogen den Eschenbergwald aber ebenfalls in Leidenschaft.
Aktueller Betriebsplan
Der Eschenbergwald wird heute noch nach dem seit hundert Jahren in der ganzen Schweiz üblichen Femelschlagbetrieb bewirtschaftet. Langfristig soll die Baumartenzusammensetzung im Eschenbergwald an allen Standorten naturnah werden. Die Verjüngung des Baumbestandes erfolgt denn auch fast vollständig durch Naturverjüngung. Die dafür angewendeten Techniken lassen sich in drei Kategorien einteilen:
- Durchforstung:
- Einzelne Bäume werden gezielt gefördert, in dem Konkurrenzbäume gefällt werden.
- Lichtung:
- Um mehr Licht auf den Boden zu bringen und so die Naturverjüngung zu fördern, werden einzelne grosse Bäume gefällt.
- Räumung:
- Um der Verjüngung das Aufwachsen zu ermöglichen, damit Jungwald entstehen kann, werden grosse Bäume gefällt.
Auf dem Eschenberg stehen heute über eine Viertel Million Kubikmeter Holz. Das entspricht etwa 355 Kubikmetern pro Hektare. Dieser sogenannte Holzvorrat entspricht dem Durchschnitt aller Winterthurer Stadtwälder und auch demjenigen des Schweizer Waldes.
Pro Jahr wachsen auf dem Eschenberg etwa 8000 Kubikmeter Holz nach. Im Winter 2012/2013 hat der städtische Forstbetrieb auf dem Eschenberg Bäume mit einem Gesamtvolumen von rund 5900 Kubikmetern gefällt. Das ist weniger als im Betriebsplan vorgesehen ist und insbesondere deutlich weniger als der jährlich Zuwachs. Das heisst konkret, der Eschenbergwald wächst und wächst. Der Holzvorrat nimmt laufend zu. Und das ist auch das Ziel in der laufenden Dekade.
Technik bis 1960
Bis 1960 wurden die Bäume im Winterthurer Stadtwald mit der Axt und der Hobelzahnsäge gefällt. Die so gefällten Bäume wurden anschliessend mit Pferden aus dem Wald abtransportiert. Erst ab 1960 hat der neu eingesetzte Stadtforstmeister Kurt Madliger den Einsatz von Motorsägen erlaubt. In den nachfolgenden Jahrzehnten hat die Mechanisierung der Holzernte auch in den Stadtwald Einzug gehalten.
Technik heute
Anmerkungen
- Forstbetrieb Winterthur: GIS-Auswertung, Stand 27.02.2013 ↩︎
- Waldentwicklungsplan Kanton Zürich 2010: Waldfunktionen ↩︎
- Waldentwicklungsplan Kanton Zürich 2010: Besondere Ziele ↩︎
- Betriebsplan 2010/11–2019/20 über den Stadtwald von Winterthur, Einrichtungsrevier Eschenberg ↩︎
- «Waldpolitik 2020» vom 31. August 2011, S. 8733 ↩︎
- Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über den Wald (Waldgesetz, WaG), Art. 20, Abs. 1 ↩︎
- Waldentwicklungsplan Kanton Zürich 2010 vom 7. September 2010, S. 5 ↩︎
- Kantonales Waldgesetz (KaWaG), § 12, Abs. 1 ↩︎
- Leitbild für den Zürcher Wald vom 13. August 1997 ↩︎
Der nachfolgende Film zeigt Mitarbeiter des Forstbetriebs Winterthur während den Holzschlägen am 13. Dezember 2012 im Eschenbergwald.
Bilder Holzschlag 2012/2013
Mitarbeiter des Forstbetriebs Winterthur Mitte Dezember 2012 im Eschenbergwald. (Alle Fotos: Michael Wiesner)