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30 Mai 13
Polizeigewalt bei Protesten gegen peruanische Goldmine Yanacocha: GfbV ruft Schweizer Raffinerie Valcambi zum Handeln auf
Die Gesellschaft für bedrohte Völker GfbV verurteilt die Polizeigewalt anlässlich der Proteste vom vergangenen Dienstag gegen die Erweiterung der peruanischen Goldmine Yanacocha. Der Polizeieinsatz, bei dem ein Campesino verletzt wurde, ist deshalb besonders problematisch, weil die peruanische Nationalpolizei im Solde der Minenbetreiberin Minera Yanacocha steht. Diese gehört wie die Schweizer Raffinerie Valcambi SA zum us-amerikanischen Newmont-Konzern. Die GfbV fordert deshalb Valcambi auf, beim Mutterkonzern auf die Auflösung des Sicherheitsvertrages zwischen der Polizei und der Minenbetreiberin hinzuwirken.
Der Polizeieinsatz von letztem Dienstag forderte einen Verletzten: José Guillermo Cueva Huamán wurde am Bauch und am Arm verletzt, als er zusammen mit 1500 Campesinos gegen das Auspumpen des Bergsees «El Perol» durch die Minenbetreiberin Minera Yanacocha protestierte. Die Campesinos befürchten, dass das Auspumpen des Sees im Zusammenhang mit der Erweiterung der Goldmine steht. Dieses Erweiterungsprojekt ist durch die Behörden zwar vorläufig gestoppt worden. Die lokale Bevölkerung befürchtet aber, dass Minera Yanacocha illegalerweise mit den Bauarbeiten beginnen könnte. Die Erweiterung der Mine hätte für die Bauern der Region dramatische Folgen, wie zum Beispiel Wasserknappheit und die Verschmutzung der Gewässer.
Brisant am Polizeieinsatz ist, dass zwischen der Nationalpolizei und der Minenbetreiberin Minera Yanacocha ein als geheim deklarierter Zusammenarbeitsvertrag besteht, welcher der GfbV vorliegt. Minera Yanacocha kann demnach gegen Entgelt jederzeit einen Polizeieinsatz beantragen. Das Minenunternehmen Minera Yanacocha bezahlt den Polizisten eine Tagespauschale und stellt ihnen Materialien, Kost und Logie, Transport, juristische Beratung und Versicherungen während ihrer Einsätze zur Verfügung.
Geheimvertrag widerspricht Zielsetzung der «Voluntary Principles on Security and Human Rights»
Die Minenbetreiberin Minera Yanacocha ist mehrheitlich im Besitz des us-amerikanischen Konzerns Newmont. Dieser hat die «Voluntary Principles on Security and Human Rights» (die «freiwilligen Grundsätze für Sicherheit und Menschenrechte») unterzeichnet. Mit diesen soll sichergestellt werden, dass Militär, Polizei oder private Sicherheitsfirmen bei Einsätzen zu Gunsten von Unternehmungen im Rohstoffsektor die Menschenrechte einhalten. Für die GfbV ist klar, dass diese «Voluntary Principles» auch für sämtliche Tochterunternehmungen des Newmont-Konzerns gelten. Die GfbV beurteilt die Existenz eines Zusammenarbeitsvertrages zwischen der peruanischen Nationalpolizei und der Minenbetreiberin als eklatanten Widerspruch zu den Zielsetzungen der «Voluntary Principles».
Zum Newmont-Konzern gehört auch die Tessiner Goldraffinerie Valcambi SA. Das Gold aus der peruanischen Problemmine Yanacocha wird zu einem grossen Teil bei Valcambi raffiniert. Die GfbV fordert deshalb die Tessiner Raffinerie auf, bei Newmont zu intervenieren, damit der Sicherheitsvertrag zwischen der peruanischen Nationalpolizei und Minera Yanacocha umgehend gekündigt und ein seriöser Dialog mit der Lokalbevölkerung aufgenommen wird. Valcambi darf kein «schmutziges» Gold einführen und raffinieren.
Letzten Sommer kamen bei Protesten der Lokalbevölkerung gegen den Ausbau der Goldmine fünf Menschen ums Leben. Die peruanische Regierung unter Ollanta Humala verhängte bisher zweimal den Ausnahmezustand über die Region.