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In der Ostukraine haben die Konfliktparteien alle Truppen und schweren Waffen bei der Ortschaft Stanyzja Luganska abgezogen. Dort liegt wenige Kilometer nordöstlich von Lugansk der einzige Übergang zwischen dem Regierungsgebiet und dem der Rebellen im Lugansker Gebiet.
Es sei ein «erster Schritt zur Feuereinstellung entlang der gesamten Kontaktlinie», sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski am Montag. Für NZZ-Korrespondent Markus Ackeret ist der Truppenrückzug allerdings in erster Linie ein symbolischer Schritt.
Markus Ackeret
Russland-Korrespondent, NZZ
Markus Ackeret hat osteuropäische Geschichte sowie russische Literatur studiert. Seit 2006 arbeitet er in der Auslandreaktion der «Neuen Zürcher Zeitung», zunächst als Russland-Korrespondent, danach berichtete er zuerst aus Peking und später aus Berlin. Im Januar ist er als Russland-Korrespondent nach Moskau zurückgekehrt.
SRF News: Ist dies der Anfang vom Ende des Krieges?
Markus Ackeret: Es ist mehr symbolisch. Das bedeutet natürlich noch nicht das Ende des Krieges. Aber der Rückzug bringt einen grösseren Abstand zwischen den schweren Waffen der ukrainischen Regierungstruppen und der Einheiten dieser separatistischen Region Lugansk.
Das heisst, diese beiden Truppen sind auf Distanz gegangen?
Ja, sie sind an diesem spezifischen Ort auf Distanz gegangen. Das ist auch ein Erfolg: Dafür hat man lange verhandelt. Aber es bezieht sich halt nur auf ein kleines Gebiet. Gleichzeitig sind am Montag auch zwei ukrainische Soldaten im Konfliktgebiet durch einen Raketenbeschuss ums Leben gekommen. Die Kämpfe gehen auf kleinem Feuer weiter, das meldet auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die OSZE, jeden Tag.
Truppenrückzug ist Teil einer Vereinbarung
Der Truppenrückzug ist Teil einer Vereinbarung, die bereits 2016 für drei Gebiete getroffen worden war. In Petriwske und Solote gelang dies damals weitgehend.
Dies soll als Vorbild für die Entmilitarisierung der insgesamt 500 Kilometer langen Frontlinie dienen. In Stanyzja Luhanska liegt der einzige Übergang zwischen dem Regierungsgebiet und dem der Rebellen im Lugansker Gebiet.
Präsident Selenski hat betont, den Krieg in der Ukraine zu beenden sei sein wichtigstes Vorhaben. Hat man das im ersten Monat seiner Präsidentschaft gemerkt?
Ja, insofern es ein Thema ist, an dem Selenski nicht vorbeikommt. Es waren viele Erwartungen der Wähler in die Lösung dieses Konflikts gesteckt worden. Selenski reiste auch schon an die Kontaktlinie. Konkrete Handlungen gibt es aber noch nicht.
Trauen die Ukrainerinnen und Ukrainer Selenski zu, dass er den Krieg in der Ostukraine bald beenden wird?
Die Meinung zum neuen Präsidenten ist noch überall sehr vorsichtig. Die Leute sagen sehr wenig dazu, sie äussern sich sehr zurückhaltend. Sie haben Hoffnungen, deshalb haben sie Selenski auch gewählt. Die Ostukraine spielte bei dieser Präsidentenwahl eine grosse Rolle.
Die Menschen haben Hoffnungen, deshalb haben sie Selenski auch gewählt.
Die Menschen äussern die Hoffnung, dass sich die Lage entspannt und es neue Möglichkeiten des Austausches im Kleinen gibt. Dafür ist ein Truppenrückzug wichtig, weil dadurch auch der Kontakt über diese Linie hinweg für den Alltag und für die Bürger in diesem Gebiet etwas einfacher wird.
Das Gespräch führte Christoph Kellenberger.