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Mindestens 15 Jahre lang hat Bernard Madoff sein Schneeballsystem betrieben. Für manche seiner Opfer könnte es wohl genauso lange dauern, bis sie ihr Geld zurückbekommen. Der vom Gericht bestimmte Insolvenzverwalter Irving Picard hat bisher erst 1,2 Mrd Dollar der geschätzten Nettoverluste in Höhe von 13,2 Mrd gesichert, die Investoren seit Dezember 1995 entstanden sind.
Zunächst einmal erhalten anspruchsberechtige Opfer bis zu 500 000 Dollar von der Gesellschaft für Anlegerschutz SIPC, die im Auftrag des Kongresses Rücklagen für betrogene Investoren verwaltet. Die darüber hinausgehenden Verluste werden jedoch teilweise aus den Vermögenswerten erstattet, die Picard im Rahmen des Liquidationsverfahrens sichern kann. Vor Kurzem stimmte Madoffs Ehefrau Ruth einem Vergleich mit der Staatsanwaltschaft zu, der den Verzicht auf das gemeinsame Vermögen vorsieht. Sie behält lediglich 2,5 Mio Dollar. Ihr Mann wurde zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt.
Staatsanwälte und die US-Börsenaufsicht untersuchen nun gemeinsam mit Picard, wie Zuwendungen, die Familienmitglieder und enge Mitarbeiter erhalten hatten, zurückgeholt werden können. Der Grossteil der bisher eingetriebenen 1,2 Mrd Dollar stammt aus der Liquidation von Madoffs Geschäften. Aus dem Verkauf seiner Market-Maker-Firma konnte Picard 25,5 Mio Dollar lösen. Weitere 235 Mio kommen von der Banco Santander. Das spanische Finanzhaus, das der Investmentfirma von Madoff grosse Summen an Anlegergeldern übertragen hatte, zahlte diese Summe, um mögliche rechtliche Ansprüche Picards abzugelten.
Ab jetzt wird der Insolvenzverwalter in erster Linie versuchen, mithilfe von Rückforderungsklagen gegen die Anleger, die in den vergangenen Jahren Geld aus der Madoff-Firma entnommen haben, Vermögen zurückzuholen. Dabei wird im Fall von Schneeballsystemen geltend gemacht, dass vor Kurzem erhaltene Zahlungen unrechtmässig seien, da sie - indirekt - von anderen betrogenen Anlegern stammen.
Das Konkursrecht gestattet es Picard, Anleger zu verfolgen, die am oder nach dem 12. September 2008 - 90 Tage vor Auffliegen des Schwindels - Geld aus Madoffs Firma abgezogen haben. Im Staat New York kann Picard sogar versuchen, fiktive Gewinne, die innerhalb der vergangenen sechs Jahre ausgezahlt wurden, zurückzuholen. Entsprechende Klagen über eine Gesamtsumme von 10 Mrd Dollar hat Picard bereits eingereicht.
Die Diskussionen darüber, wie viel Geld Picard letztlich zurückholen kann, schlagen hohe Wellen. Der Insolvenzverwalter sagte, er wolle Ansprüche auf Basis des «Nettovermögens» bezahlen. Das ist die Differenz zwischen dem Kapital, das die Kunden einbezahlt haben, und jenen Summen, die sie entnommen haben.
Doch viele ehemalige Madoff-Kunden wollen mehr. Einige sagen, die Ansprüche sollten auf der Basis ihrer Kontoauszüge vom November 2008 berechnet werden. Damals, kurz bevor der Betrug aufflog, waren das knapp 65 Mrd Dollar. Entsprechende Klagen gegen Picard sind bereits hängig.