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Hochma. benediktinischer Reformorden, benannt nach der Abtei Cluny (Burgund), seinem Ursprung und Zentrum. Cluny genoss von seiner Gründung (909/910) an eine weitgehende rechtl. Unabhängigkeit. Dieser Umstand begünstigte die Entwicklung der C. zu einem einflussreichen Orden. Beherrschendes Element der cluniazens. Reform war die feierlich ausgestaltete Liturgie. Den Mönchen blieb wenig Zeit zum Studium und zur geistl. Lesung, auch die körperl. Arbeit trat völlig zurück. Die Pflege des Totengedächtnisses, u.a. die Einführung des Allerseelentages im 11. Jh., veranlasste den Adel zu reichen Schenkungen an die C. Neugründungen und im Geiste Clunys reformierte Klöster führten zur Entstehung eines von der burgund. Mutterabtei abhängigen monast. Verbands. Seine Grundlage bildeten Priorate, deren Prioren durch den Abt von Cluny frei bestellt wurden. Der Klosterverband der C. verbreitete sich über ganz Westeuropa, mit Schwerpunkt im franz. Sprachgebiet.
Früh griff die Bewegung auf das Gebiet der Schweiz über. Bereits 20 Jahre nach seinem Entstehen war Cluny bedeutend genug, um von Gräfin Adelheid, Schwester Rudolfs I. von Burgund und Mutter des franz. Königs Rudolf, das Priorat Romainmôtier zu erhalten. Um 965 schenkte Kaiserin Adelheid, Tochter Rudolfs II., der burgund. Abtei die kurz zuvor von ihr gegründete Abtei von Payerne und veranlasste 999 die Schenkung des alten Klosters Saint-Victor in Genf. Die Könige Konrad und Rudolf III. von Burgund unterstützten und vollstreckten den Willen ihrer Verwandten. Somit verdankt Cluny seine Entwicklung in den ersten 100 Jahren zu einem grossen Teil den Rudolfingern. Bis Mitte des 11. Jh. führten die Äbte von Cluny zusätzlich den Titel eines Abts von Romainmôtier und von Payerne, bis diese zwei Ordenshäuser zu Prioraten herabgestuft wurden. Der Einfluss der Rudolfinger zeigt sich auch in der geogr. Verbreitung der cluniazensischen Niederlassungen in der Schweiz: Diese liegen alle im westl., burgund. Raum, im Dreieck Genf-Bern-Basel. Einige Gründungen, darunter das bedeutende Priorat Sankt Alban in Basel, erfolgten jedoch erst nach dem Untergang des Königreichs Burgund.
Im Gebiet der heutigen Schweiz gab es neun Priorate, die unmittelbar Cluny unterstanden (sog. immediate Priorate). Vier davon, St. Alban, Saint-Victor, Payerne und Romainmôtier, bildeten eigentliche Netze von insgesamt 25 Prioraten zweiten Ranges, vom Elsass bis nach Savoyen. Die beiden Priorate Rüeggisberg und Hettiswil umfassten je zwei Priorate, während Rougemont, Sankt Petersinsel und Münchenwiler Einzelpriorate waren. Cluniazens. Nonnenpriorate finden sich auf Schweizer Boden keine. Hingegen hat das Basler Sankt Albankloster zeitweise die Nonnen von Feldbach (Elsass), Istein und Sölden (Baden) betreut. Der Ordensverband unterstand der Autorität der Mutterabtei bzw. deren Abt und war nach dem Abschluss seiner institutionellen Entwicklung um 1200 in Provinzen gegliedert. Mit Ausnahme des Priorats Saint-Victor, das mit den fünf ihm unterstellten Häusern von der Provinz Provence abhängig war, gehörten alle Niederlassungen in der heutigen Schweiz zur Ordensprovinz Alemannia et Lothoringia. Die Berichte der Visitatoren, die über das gute Funktionieren der Priorate wachten, geben über deren Personalbestände und die materielle Situation ab der 2. Hälfte des 13. Jh. Auskunft. Da die Mönche, inbesondere die Prioren, in andere Priorate versetzt werden konnten, lebten in den deutschsprachigen Konventen oft auch Mönche franz. Muttersprache. Den C.-Prioraten verliehen ihr grosser Grundbesitz, ihre Rechte und die personellen Ressourcen (in Romainmôtier oder Payerne meistens 20-30 Mönche) in ihrem Umfeld viel Gewicht. Sie bildeten beinahe einen eigenen kleinen Staat, z.B. Romainmôtier, oder beeinflussten die Städte, die sie beherbergten, z.B. Saint-Victor in Genf oder St. Alban in Basel. Die Stadt Payerne verdankt sogar ihre Existenz zu einem grossen Teil dem Kloster.
Bis Mitte des 12. Jh. übten die C.-Priorate einen beträchtlichen Einfluss auf Adel, Gesellschaft und Politik aus. Dieser gründete auf der geogr. Lage der C.-Klöster, der führenden Rolle der C. in der Kirchenreform und der Vermittlerrolle, die Cluny selbst während des Investiturstreits zwischen dem Papst und dem Kaiser übernahm. So wurden einige der Kontakte, die schliesslich zum Wormser Konkordat von 1122 führten, in Genf und Basel geknüpft. Obwohl viele Schriften und Bauten der C. verloren gingen, lässt sich dennoch ermessen, wie gross ihre künstlerische und kulturelle Bedeutung vom Ende des 10. Jh. bis Mitte des 12. Jh. war. Davon zeugen etwa die Klosterkirchen von Payerne und Romainmôtier, die Fresken von Montcherand und die schriftl. Hinterlassenschaft der Kanzlei von Romainmôtier. Eine solche Ausstrahlung ging generell von Cluny aus. Da diese Klöster um hist. Legitimität bemüht waren, verfassten sie Texte (z.B. Anfang des 12. Jh. die hist. Passagen des Kopialbuchs von Romainmôtier) und fälschten manchmal auch Urkunden (etwa in Payerne zur selben Zeit). Sie setzten diese Anstrengungen bis ins 16. Jh. fort und prägten so die Ideenwelt der Westschweiz wesentlich mit; die Legende der Königin Bertha ist nur das offenkundigste Beispiel dafür. Aufgrund ihrer geogr. Verbreitung wurden alle cluniazensischen Ordenshäuser in der Schweiz in der Reformation aufgehoben. Dennoch bestanden die meisten ihrem rechtl. Status gemäss bis ins 18. Jh., da die Stadtstaaten Genf, Bern und Basel, die sie säkularisiert hatten, sich deren Einkünfte so besser sichern konnten. In der Tat besassen diese Priorate auch in jenen Gebieten bedeutende Grundrechte, die sich politisch und kirchlich anders entwickelten (z.B. Savoyen im Verhältnis zu Genf).
Literatur
– HS III/2, (mit Bibl.)
– Histoire du christianisme des origines à nos jours, hg. von J.-M. Mayeur et al., Bd. 5, 1993, 160-168
– J. Wollasch, Cluny, "Licht der Welt", 1996
Autorin/Autor: Jean-Daniel Morerod / MF