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| Gregor der Grosse († 604) - Vier Bücher Dialoge (Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum)

Viertes Buch
XVII. Kapitel: Vom Tode des Mädchens Musa
Ich möchte hier auch anführen, was der erwähnte Diener Gottes Probus1 oftmals von seiner Schwester Musa, einem kleinen Mädchen, erzählte. Es erschien ihr nämlich in der Nacht in einem Gesichte die heilige Gottesgebärerin und immerwährende Jungfrau Maria und zeigte ihr gleichalterige Mädchen, die mit weißen [S. 209] Kleidern angetan waren. Sie hätte sich gerne zu ihnen gesellt, wagte aber doch nicht, zu ihnen hinzugehen; da fragte sie die heilige Jungfrau Maria, ob sie gern bei diesen sein und zu ihrem Gefolge gehören möchte. Das Mädchen sagte: „Ja, ich will”, und erhielt von ihr sogleich den Auftrag, sie solle nun nichts Leichtsinniges und Mädchenhaftes mehr tun und sich von allem Lachen und Scherzen fernhalten; denn sie möge nun wissen, daß sie am dreißigsten Tage in ihr Gefolge aufgenommen und den Mädchen, die sie gesehen, beigesellt werde. Auf diese Erscheinung hin änderte das Mädchen ihr ganzes Betragen und streifte mit ernster Hand allen Leichtsinn des Mädchenlebens von sich ab. Als die Eltern mit Verwunderung die Änderung in ihrem Wesen wahrnahmen und sie darüber befragten, erzählte sie, was ihr die Gottesmutter aufgetragen, und offenbarte, an welchem Tage sie in ihre Gefolgschaft eintreten dürfe. Hierauf wurde sie am fünfundzwanzigsten Tage von einem Fieber ergriffen. Als aber am dreißigsten Tage das Ende herannahte, sah sie die heilige Gottesmutter wieder mit den Mädchen, die sie früher in dem Gesichte geschaut hatte, zu sich kommen. Maria rief sie, und das Mädchen antwortete laut darauf mit ehrerbietig niedergeschlagenen Augen: „Siehe, Herrin, ich komme! Siehe, Herrin, ich komme!” Mit diesen Worten hauchte sie ihre Seele aus und verließ den jungfräulichen Leib, um bei den heiligen Jungfrauen zu weilen.
Petrus. Das Menschengeschlecht ist vielen, ja unzähligen Lastern unterworfen; ich glaube darum, daß der größte Teil des himmlischen Jerusalem mit jugendlichen Seelen und mit Kindern bevölkert werden wird.
1: siehe oben Kap. 12