Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/2538

Nach dem Abbruch des Endspiels (13.12.2012) der Copa Sudamericana zwischen dem brasilianischen Klub FC São Paulo und dem CA Tigre haben Vertreter des argentinischen Fussball-Clubs massive Vorwürfe gegen die Polizei in Brasilien erhoben.
Laut Tigre-Trainer Nestor Gorosito sollen Beamte Spieler seiner Mannschaft vor den Umkleidekabinen mit Waffen bedroht haben. “Sie lauerten uns auf und einer von ihnen zog einen Revolver und hielt ihn unserem Torwart Damian Albil vor die Brust. Sicherheitskräfte und Polizei haben uns auch geschlagen, es waren um die 20 Personen“, sagte der Coach dem Sender “Fox Sports“. Argentinische Medien machten unterdessen Fotos von Blutflecken an den Wänden der Kabine publik.
Die Partie war nach Ende der ersten Halbzeit wegen Tumulten zwischen den Spielern auf dem Platz und in den Katakomben beim Stand von 2:0 für die Gastgeber abgebrochen worden, da die Mannschaft von Tigre sich nicht mehr sicher fühlte und in der Kabine blieb. Doch ungeachtet dieser Situation und der Proteste der Argentinier erklärte der südamerikanische Fussball-Verband Conmebol die Brasilianer zum Sieger. Für den brasilianischen Verein ist es der erste Titel im Südamerika-Cup, der mit der europäischen Europa League vergleichbar ist.
Zu den Reibereien zwischen den Profis vor rund 70 000 Zuschauern im Morumbi-Stadion war es in der 39. Minute gekommen. Tigre-Verteidiger Lucas Orbán schlug São Paulos Mittelfeldspieler Lucas, der das 1:0 erzielt hatte, mit dem Ellbogen ins Gesicht, wonach der Brasilianer das Feld stark blutend verlassen musste. Anstatt zu unterbrechen, liess der chilenische Schiedsrichter Enrique Osses weiterspielen, wogegen die Gastgeber-Mannschaft heftig protestierte.
Da es auch in der Kabine zu Aggressionen gekommen sein soll, musste die Polizei einschreiten. Die argentinische Mannschaft weigerte sich daraufhin, auf das Spielfeld zurückzukehren. São Paulos Kapitän, Torwart Rogerio Ceni, warf den Gästen eine rabiate Spielweise vor. “Sie sind hierhergekommen, um zu kämpfen, nicht um zu spielen“, sagte der Schlussmann. Spieler des argentinischen Gästeklubs gaben jedoch an, dass ihr Bus schon auf dem Weg ins Stadion von aggressiven Fans mit Steinen und Bierdosen beworfen worden sei.
Das Hinspiel in Argentinien war 0:0 ausgegangen. Die 2002 ins Leben gerufene Copa Sudamericana ist ein Turnier für Vereinsmannschaften, das stets in der zweiten Jahreshälfte ausgetragen wird und mit dem Finale im Dezember die Saison in Südamerika abschliesst.