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Disla
Disla enthält das lateinische Wort ‚insula‘ (Insel). Gemeint ist die Insel am Rhein, was eine Erklärung gibt, dass der untere Dorfteil älter ist. Gut möglich, dass Disla früher noch näher zum Fluss gebaut war. 670 fallen die Hunnen in das Gebiet des Vorderrheins ein. Bei Disla sollen sie 670 nach Chr. von tapferen Männern aufgehalten worden sein.
Die Idylle trügt nicht! Heute besitzt das Dorf Disla die idealste Infrastruktur: ausserhalb des Zentrums und doch schnell dorthin, sonnige Lage, windgeschützt, schöne Häuser und neuerdings eine neue Verbindungsstrasse, ideal für junge Familien, aber auch für Feriengäste. Obwohl das Dorf dreigeteilt ist, sind die Einwohner umso engagierter und halten zusammen, immer bereit, neue Projekte zu organisieren. So wurde in den letzten Jahren die alte Leinsamenstampfe wieder in Betrieb genommen, altes Handwerk wiederbelebt und ein neues Restaurant eröffnet (übrigens: das Restaurant befindet sich in einer 200jährigen alten Schmiede, und ist stillgerecht renoviert).
Früher führte die Hauptverbindung von Sumvitg nach Disentis über Disla. Die alte Saumstrasse ist noch zu sehen und wird heute als Wander- und Veloweg gebraucht. Besonders zu erwähnen ist die im Jahre 1710 (gem. G. Gadola) eingeweihte Kapelle, dem Heiligen Luzius (Bistumspatron) geweiht. Die Kapelle ist wegen seiner achteckigen Form auffallend und einzigartig und zählt zu den schönsten Barockbauten der Schweiz. 1822 wird die Schmiede (Haus Caduff) neben der Kapelle gebaut. Dieses Gebäude gehörte dem Kloster und soll damals die einzige Schmiede der Cadi gewesen sein. 1824 wurde dort die erste Feuerwehrspritze der Gemeinde durch Josef Schatz, einen tirolischen Schmied, gebaut. Bis 1834 gab es auch Häuser in der Nähe des Rheins. Diese 22 Gebäude wurden vom Wasser mitgerissen. Eine Färberei existierte bis anfangs des 1. Weltkrieges und war weit herum sehr bekannt.
Wie die Bilder zeigen, wächst das Dorf noch heute. Neue Häuser entstehen am Dorfrand, die alten werden renoviert. Im nach Süden ausgerichteten Dorf gedeihen neben Äpfeln und Birnen auch Aprikosen und Trauben. Ein Besuch lohnt sich also.
Römisch-katholische Kapelle St. Luzius
Die Kapuzinermönche, die die Pfarrei im 16. und 17 Jahrhundert betreuten, errichteten 1704 eine ganz spezielle, achteckige Kapelle in Disla. Diese Bauform ist in Graubünden unüblich, zeugt aber von der italienischen Herkunft der Mönche. Aus dieser Zeit stammte wohl auch die erste Glocke, welche 1770 eine Begleiterin bekam. Die Kirche wurde aber erst 1716 eingeweiht. Aus dem Jahre 1730 stammte die Marienstatue. 1910 wurde das Schindeldach durch ein Blechdach ersetzt. Aber bei der Gesamtrenovation von 1990-91 entschied man, das Blech wieder mit Lärchenholzschindeln zu ersetzen.
Die Kirche ist nach Norden gerichtet. Das Bild im Chor zeigt Jesus mit drei Engeln. Wie in Acletta, ist der Schiff auch in Disla mit einem Bildstreifen verziert. Dieser zeigt verschiedene Landschaften. Der Rokoko-Altar ist aus Holz geschnitzt und zeigt auf dem Hauptbild den Heiligen Luzius (Bistumspatron) mit Christuskind, begleitet von einem Priester. Seitlich befinden sich zwei Statuetten: die Heiligen Antonius und Joseph.
Das Kruzifix datiert um 1740. Über der Türe steht die Inschrift: DEDICATIO HUIUS ÆCCLESIA SS. LUCIJ AC BONAVENTURÆ CELEBRATUR SINGULIS DOMINICA IIa OCTOBRIS, QUÆ ECCLESIA CONSECRATA FUIT ANNO DOMINI 1704. (Die Weihung dieser Kirche, den Heiligen Luzius und Bonaventura gewidmet, wird jeweils in der zweiten Oktoberwoche gefeiert).