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| Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe

VI. (Mauriner-Ausgabe Nr. 8)
6.
[S. 33] Deinetwegen weiß er auch die Stunde und den Tag des Gerichtes nicht1, obschon der wesenhaften Weisheit nichts verborgen ist; „durch sie ist ja alles entstanden2.” Kein Mensch aber, der je nicht wüßte, was er gemacht hat. Diese Verfügung3 aber trifft er mit Rücksicht auf deine Schwachheit, damit nicht die Sünder in Anbetracht einer knapp bemessenen Frist verzweifeln, als wäre ihnen keine Zeit zur Buße belassen, noch auch anderseits die, welche lange Zeit mit der feindlichen Macht kämpfen, im Hinblick auf eine lange Zeit vom Kampfe ablassen. Mit der vorgeblichen Unwissenheit sorgt er also für beide: dem einen kürzt er wegen des herrlichen Kampfes die Zeit ab, dem andern behält er mit Rücksicht auf seine Sünden eine Zeit der Buße vor. Wenn er sich nun auch in den Evangelien wegen der Schwachheit der meisten Menschen, wie ich sagte, den Unwissenden beigezählt hat, so sagt er doch in der Apostelgeschichte, wo er sich mit (den Jüngern als) Vollkommenen unterhält, in Abrechnung seiner selbst also: „Es steht euch nicht zu, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat4.” Das mag im Vergleich mit der ersten Entgegnung etwas stark gesagt sein. Nun gilt es, den höheren Sinn des Ausspruches zu erforschen und an der Türe der Erkenntnis anzuklopfen, ob es mir etwa gelänge, den Hausherrn aufzuwecken, der den Bittenden das geistige Brot bricht — sind es doch Freunde und Brüder, die wir zu bewirten wünschen.
1: Mark. 13, 32.
2: Joh. 1, 3.
3: Die Ungewißheit des Gerichtstages.
4: Apg. 1, 7.