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Winterzeit auf dem Franz Weber Territory in Australien
Von Juni bis August ist Winter in Australien! Dann herrscht die kühle Trockenzeit auf Bonrook mit dem gemässigtsten Wetter des Jahres. Das bedeutet warme Tage um die 30 Grad und kühle Nächte bis zu 9 Grad. Es gibt weder Regen noch Luftfeuchtigkeit. Der Himmel ist klar und blau, wenig bis keine Wolken. Morgens weht der kühle Südost-Zephir durch Bonrook, der aus der Antarktis kommt.
In der Winterjahreszeit sind die Brumbies in Bestform! Sie sind gut genährt, ihr Fell und ihre Mähne sind geschmeidig und glatt. Die Fohlen vom letzten Jahr sind zu gesunden Jährlingen herangewachsen. Aufgrund der diesjährigen starken Regenzeit erwarten wir eine gesunde Anzahl neuer Fohlen im Oktober und November. Das gesamte Franz Weber Territory ist mit reichlich grünem, saftigem Gras und viel Wasser gesegnet.
«Der Winter markiert normalerweise das Ende der Abbrennsaison. Ich habe die letzten sechs Wochen damit verbracht, kontrollierte Abbrände durchzuführen, um mögliche Brandgefahren später im Jahr zu vermeiden», erklärt Sam. Üblicherweise dauert das Abbrennen mindestens zwei Monate und zwischen April und Juni durchgeführt. Der Boden ist dann noch feucht, die Bäche und Flüsse führen genug Wasser, um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern.
Der letzte Abbrand «Im Moment befinden wir uns in der letzten Phase des Abbrennens. Die Regierung des Northern Territory erteilt uns jedes Jahr erneut eine Genehmigung für die Durchführung von Abbränden», bestätigt Sam, während er ganz nebenbei ein brennendes Streichholz in ein gelb-vertrocknetes Grasfeld wirft. Beruhigend fährt er fort: «Es besteht keine Gefahr, dass dieses Feuer ausser Kontrolle gerät, da es von bereits verbranntem Boden, Sümpfen und einem Bach umgeben ist.»
Während das Gras nun grösstenteils vertrocknet ist, stehen die Pflanzen und Blumen der Trockenzeit in voller Blüte. Wie zum Beispiel die in Australien heimische Rosella (Hibiscus sabdariffa) mit ihren feuerroten Blüten, die sich ideal zum Marmelade kochen eignen oder direkt in ein Glas Sekt geben lassen! Der rosafarbene Turkey Bush (Calytrix exstipula) gedeiht auf sandigen Böden und aufgewühlter Erde, wie z.B. am Strassenrand, Wanderwegen und Pfaden. Und der Graulaubenvogel (Great Bowerbird) baut gerne sein exquisites Nest unter ihm!
Die Pflanze hat zwar keine Blätter, aber die gelben Blüten des einheimischen Kapokstrauches (Cochlospermum fraseri) blühen gerade prächtig. Die Fasern in seinen Samenkapseln sind achtmal feiner als Baumwolle und werden schon seit Jahrzehnten als Naturfaser für die Füllung von Matratzen und Kissen verwendet. In leuchtendem Orange blüht zu dieser Jahreszeit auch die einheimische Fernblättrige Grevillea (Grevillea pteridifolia).
Obwohl sie in Australien nicht heimisch sind, schmücken rosafarbene Bougainvilleen die Gärten rund um Bonrooks Homestead. Die majestätischen afrikanischen Mahagonibäume sind üppig grün und spenden unseren pensionierten Reitpferden, den Brumbies und vielen einheimischen Tieren auf dem Franz Weber Territory wertvollen Schatten.
Abwechslungsreiches Terrain auf dem Franz Weber Territorium Steht man auf dem höchsten Hügel Bonrooks (232 m) und blickt auf die weite, offene Waldsavanne, wirkt das Gelände wie ein einheitlicher Wald. Aber durchquert man das Land wird schnell klar, dass Bonrook aus einer riesigen Vielfalt an Landschaften besteht: Weideflächen mit weichem Gras, felsige Aufschlüsse, Granitsand, graue Böden, rote Böden, Schotterpisten und Sümpfe. Dazu kommt eine grosse Diversität an Eukalyptus- und Teebäumen sowie viele andere einheimische Bäume, Büsche und Sträucher. Das gesamte Grundstück wird von einer Vielzahl von Bachsystemen, Billabongs, Sümpfen und den Nebenflüssen des Cullen River durchzogen.
Ein weiterer interessanter Teil dieses Landes sind die zahllosen, auffallend riesigen Termitenhügel, Cathedral Mounds genannt, die über das gesamte Franz Weber Territory verteilt stehen. Der Aufbau dieser Hügel ist sehr kompliziert. Im Inneren des Hügels befindet sich ein ausgedehntes System von Tunneln und Kanälen, das als Belüftungssystem für das unterirdische Nest dient. Um eine gute Belüftung zu erhalten, bauen die Termiten mehrere Schächte, die in den Boden unter dem Nest führen. «Die Termiten bauen und reparieren ständig die Hügel; sie werden hier auf Bonrook bis zu sechs Meter hoch. Jeder Erdhügel hat eine Königin und bleibt bis zu 50 Jahre lang aktiv. Wenn die Königin stirbt, verlässt die Kolonie das Nest und als Folge beginnt der Hügel zu verfallen», erklärt Sam.
Der Star der Show Die besondere Attraktion auf Bonrook ist im Moment ein sehr interessanter, kleiner Vogel: der Kapuzenpapagei (Hooded Parrot, Psephotellus dissimilis). Dieser bis zu 26 cm lange Papagei ist heimisch im Northern Territory, insbesondere in der Gegend um Pine Creek. Er ist in der Savanne und in offenen Wäldern zu finden und hat ein sehr eigenartiges Brutgebiet: Termitenhügel! «Das Franz Weber Territory mit seinen vielen riesigen Termitenhügeln ist sein idealer Lebensraum», erklärt Sam.
Kapuzenpapageie graben ein Einflugloch in den oberen Teil des Termitenhügels – immer von der Ostseite aus – und schaffen einen grossen offenen Raum im Inneren des Hügels, um dort ihre Eier auszubrüten. Das Nest liegt hoch genug im Termitenhügel, um vor Raubtieren wie Dingos und Schlangen sicher zu sein. Ausserdem schützen die soliden Hügelwände die Eier und Jungvögel in diesem raffiniert gebauten Nest vor Buschfeuern. Kapuzenpapageie sind zwar territorial, jedoch wählen sie nie denselben Termitenhügel zum Nisten im Folgejahr.
Das auffällig aussehende Männchen hat einen schwarzen Kopf, einen leuchtend türkisfarbenen Körper, einen braunen Rücken, braun-gelbe Flügel und einen olivgrün-blauen Schwanz. Das Weibchen ist ein mattgrüner Papagei mit einem graubraunen Kopf und rosa Unterschwanzdecken. Der Kapuzenpapagei ist im Moment wirklich der Star der Show! Eine britische TV-Produktionsfirma verbrachte zwei Wochen im März und Mai auf Bonrook, um diesen aussergewöhnlichen Nestbauer für ihre Wildlife Show zu filmen.
Auch Pferde müssen zum Zahnarzt Bereits im April dieses Jahres ging Sam mit den beiden pensionierten Reitpferden Dizzy (16) und Pepper (17) zum Zahnarzt in der nahe gelegenen Stadt Katherine. Bei beiden wurde festgestellt, dass sie für ihr Alter ein recht gutes Gebiss haben, jedoch mussten kleine Sporne und Haken an den Backenzähnen abgefeilt werden. Zusätzlich musste bei Pepper ein oberer Schneidezahn entfernt werden, der lose und beschädigt war, was ihn beim Fressen störte. «Pepper begann grosse Mengen an Futter aus seinem Futtereimer zu verschütten. Da wusste ich, dass mit seinen Zähnen etwas nicht stimmen kann», erinnert sich Sam.
Im Juni war Red an der Reihe. «Angesichts seines hohen Alters von 20 Jahren wusste ich, dass er wiedermal zum Zahnarzt gehen sollte», erklärt Sam. Auch bei Red mussten einige kleine Sporne und Haken von den Backenzähnen abgefeilt werden.
Hauspferde können schon in jungen Jahren Probleme mit ihren Zähnen bekommen, weil sie mit Fertigfutter leben, keinen Zugang zu natürlichem, frischem Gras haben und durch die klaren Fütterungszeiten weniger Zeit mit Kauen verbringen.
Die pensionierten Reitpferde auf dem Franz Weber Territory sind zwar Hauspferde, leben aber in Freilandhaltung. Nur etwa eine Stunde am Tag verbringen sie in den Ställen, um ihre Frühstücksration zu fressen, während sie den Rest des Tages und die Nacht frei auf der 2,5 km2 grossen Weide verbringen und stets auf einheimischen Gräsern kauen.
Brumbies hingegen müssen nicht zum Zahnarzt gehen. Sie haben von Natur aus sehr gute und gesunde Zähne, weil sie so leben und fressen, wie es die Natur vorgesehen hat; bis zu vierzehn Stunden am Tag grasen sie frei auf den harten einheimischen Gräsern. Daher wachsen keine Sporen oder Haken an ihren Backenzähnen und Zahnprobleme sind nicht bekannt.