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Raucher und Nichtraucher können sich oft nicht riechen. Im Alltag reicht es meist, wenn sie sich aus dem Weg gehen. Doch was, wenn in einer Liebesbeziehung ein Partner raucht und der andere nicht? Gesundheitspsychologin Urte Scholz verrät, was in einer solchen Situation helfen kann.
Wie wirkt es sich auf die Beziehung aus, wenn einer der beiden Partner raucht ?
Urte Scholz: In einer vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Studie, die wir mit Raucher-Nichtraucher-Paaren an der Universität Zürich durchgeführt haben, war die von den Paaren berichtete Beziehungsqualität im Durchschnitt sehr hoch. Wenn der nichtrauchende Partner sich nun aber am Rauchen des anderen stört, wird er höchstwahrscheinlich versuchen, seinen Partner dazu zu bewegen, mit dem Rauchen aufzuhören. Das kann zum einen durch Unterstützungsangebote passieren, also beispielsweise durch ganz praktische Hilfe wie das Heraussuchen von Informationen im Internet. Das kann zum anderen aber auch durch eine sogenannte soziale Kontrolle geschehen. Der Nichtraucher versucht beispielsweise durch Nörgeln oder Diskussionen, den anderen zum Aufhören zu bewegen.
Was bewirken Sprüche wie «Ich küsse doch keinen Aschenbecher!» oder «Du stinkst!»?
Manche Studien zeigen, dass solche Aussagen des Partners beim Raucher eine positive Verhaltensänderung begünstigen – aber dass es sehr ungünstig für das Wohlbefinden des Betroffenen sein kann. Andere Studien belegen wiederum, dass Nörgeln gar nicht effektiv ist oder manchmal sogar dazu führt, dass die Rauchenden extra noch mehr zur Zigarette greifen. Wir haben ein paar Studien durchgeführt, bei denen wir herausgefunden haben, dass die Beziehungsqualität des Paares einen Unterschied macht: Nur bei guter Beziehungsqualität war die «soziale Kontrolle» auch hilfreich für die Verhaltensänderung und hat dem Wohlbefinden nicht geschadet. Bei schlechter Beziehungsqualität zeigte die «soziale Kontrolle» dagegen gar keine Zusammenhänge mit dem Verhalten.
Kann Rauchen ein Trennungsgrund sein?
Eine Trennung basiert ja immer auf einer ganzen Reihe von Ursachen. Deshalb würde ich eher nicht davon ausgehen, dass das Rauchen ein alleiniger Trennungsgrund ist – wenn man eine ernsthafte Beziehung hat.
Wie spreche ich das Problem am besten an?
Das ist wie mit allen potenziellen Konfliktthemen: Erst einmal sachlich die eigene Sichtweise darlegen und erklären, warum man es beispielsweise lieber hätte, wenn der Partner oder die Partnerin mit dem Rauchen aufhört. Selten startet eine gute Diskussion, wenn man gleich mit Forderungen oder sogar Anschuldigungen loslegt.
Soll ich dem rauchenden Partner die möglichen gesundheitlichen Konsequenzen vor Augen führen?
Eigentlich wissen alle Raucher, dass Rauchen ungesund ist. Doch dies alleine reicht nicht aus, um das eigene Verhalten zu ändern. Der Raucher muss das allgemeine gesundheitliche Risiko auf sich selbst beziehen. Er muss realisieren, dass die eigene Gesundheit – und nicht nur die Gesundheit der anderen Rauchenden – gefährdet ist. Das ist gar nicht so einfach, zum Beispiel, weil die gesundheitlichen Probleme ja häufig nicht sofort einsetzen. Erst wer die eigene Gesundheit durch das Rauchen gefährdet sieht, wird darüber nachdenken, was es für Vor- und Nachteile hätte, mit dem Rauchen aufzuhören.
Vielleicht sieht ein Raucher aber mehr Nachteile darin, nicht mehr zu rauchen.
Genau! Hier ist schon die nächste Hürde. Ein typisches Beispiel: Der Nachteil, dass ein Raucher meint, sich ohne Zigaretten nicht mehr entspannen zu können, wiegt womöglich schwerer als eventuelle gesundheitliche Folgen. Es kann aber auch sein, dass der Raucher in einem Leben ohne Zigaretten wirklich mehr Vor- als Nachteile sieht. Dann stellt sich aber immer noch die Frage, ob er sich überhaupt zutraut, es zu schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören. Vielleicht hat er es schon einige Male erfolglos versucht und möchte sich nicht noch weiteren Misserfolgen aussetzen. Traut man sich einen Rauchstopp aber zu und nimmt sich wirklich vor, mit dem Rauchen aufzuhören, ist das ein wichtiger erster Schritt.
Wie kann ich meinen Partner beim Aufhören unterstützen?
Leider ist hier die Forschungslage noch zu uneindeutig, um klare Empfehlungen abgeben zu können. In der vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Studie an der Universität Zürich haben wir festgestellt, dass die Unterstützung durch den Partner oder die Partnerin nur dann hilfreich war, wenn die Rauchenden sich den Rauchstopp selbst zugetraut und bereits Pläne für schwierige Situationen gemacht haben. Grundsätzlich denke ich, dass es sicher gut ist, mit dem Rauchenden gemeinsam herauszufinden, was ihm oder ihr helfen könnte und was nicht. Das kann von Person zu Person und tatsächlich auch von Situation zu Situation unterschiedlich sein. Das Paar sollte gemeinsam überlegen, wie der Rauchstopp erreicht werden kann. Wenn die rauchende Person aber gar nicht möchte, dass der Partner oder die Partnerin sich einmischt, sollte man das besser akzeptieren.
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- Quelle
«Drogistenstern»