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Urfaust
Faust hat tatsächlich gelebt. Er war ein obskurer Wahrsager und windiger Scharlatan, der die Menschen auf den Jahrmärkten mit seinen Kunststücken zu begeistern vermochte. Er führte ein Wanderleben als Alchemist, Geisterbeschwörer, Wunderdoktor und Astrologe.
Geboren wurde Johann Georg Faust wahrscheinlich um 1480 im württembergischen Knittlingen. Gestorben ist er 1530 oder 1531 in Staufen im Breisgau. Es war insbesondere sein Tod, der zur Legendenbildung beigetragen hat. Nachdem es im Gasthaus Löwen, in dem sich Dr. Faust einquartiert hatte, zu einer gewaltigen Explosion gekommen war, wurde sein Leichnam in «grässlich deformiertem Zustand» vorgefunden. Die frommen Zeitgenossen schlossen daraus, dass der Teufel höchstpersönlich seine Seele geholt haben müsse. Das Volksbuch erzählt die Geschichte des Dr. Faustus und ist geprägt von mittelalterlichem Aberglauben. Das Buch warnt davor, Regeln zu verletzen und sich gegen Staat und Kirche aufzulehnen. Und doch gehören wohl schon damals die Sympathien des Lesers der Hauptfigur «Faust», dem schillernden Rebellen.
Das berühmte Theaterstück von Johann Wolfgang Goethe existiert in verschiedenen Fassungen. Das Theater Sarnen spielt eine überarbeitete Version der frühesten Fassung, den «Urfaust». Den Text hatte Goethe bereits geschrieben, als er mit 26 Jahren nach Weimar kam. Jedoch vernichtete er das Manuskript, bevor er 1808 den ersten Teil des «Faust» veröffentlichte. Durch eine Fügung des Schicksals hat der «Urfaust» trotzdem überlebt. Im Nachlass der Weimarer Hofdame Luise von Göchhausen fand sich eine Abschrift dieser Szenen, die man längst verloren geglaubt hatte.
Im «Urfaust» ist die Gelehrtentragödie um die Hauptfigur noch nicht ausgebaut; im Zentrum stehen die Liebe zwischen Faust und Margarete und die unglücklichen Begleitumstände dieser Beziehung. Dem Werk merkt man die jugendliche Kühnheit an. Er ist die Schöpfung eines glühenden jungen Mannes, welcher gegen die überkommenen Konventionen aufbegehrt. Der «Urfaust» ist damit ein exemplarisches Beispiel der literarischen Epoche des Sturm und Drang.
Fotos: Erika Reiser