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61.20.20 Coronavirus mit gestärktem Immunsystem bekämpfen
Einfache Anfrage Bruss-Diepoldsau:
«Coronavirus mit gestärktem Immunsystem bekämpfen
Gegen diese Pandemie ist noch kein Kraut gewachsen. Ausser sorgfältigen Hygienemassnahmen und Abschottung wurden der Bevölkerung noch keine weiteren Vorschläge unterbreitet.
Was ist mit unserem Immunsystem – unserer besten Waffe gegen jegliche Krankheiten?
Ich bitte die Regierung um die Beantwortung folgender Fragen:
1. Warum wird die Stärkung unseres Immunsystems nicht in die vorbeugenden Massnahmen
einbezogen?
2. Hat sich die Regierung schon Gedanken darüber gemacht, dass z.B. mit Vitaminen, Probiotika, Echinacea usw. die Bevölkerung dem Virus besser trotzen könnte? 3. Wird die Regierung diese Erkenntnisse auch breitflächig der Bevölkerung unterbreiten? 4. Brustscreening und Darmspiegelung werden teilweise prophylaktisch subventioniert. Wäre es in dieser Ausnahmesituation auch möglich, allenfalls zusammen mit den Unternehmen auf freiwilliger Basis dem Bürger erleichterten, günstigeren Zugang zu Nahrungsergänzungsmitteln zu gewähren?» 13. März 2020 Bruss-Diepoldsau
Coronavirus mit gestärktem Immunsystem bekämpfen
Schriftliche Antwort der Regierung vom 12. Mai 2020
Carmen Bruss-Diepoldsau erkundigt sich in ihrer Einfachen Anfrage vom 13. März 2020, ob für die
Bevölkerung ausser den Verhaltenshinweisen wie sorgfältige Hygienemassnahmen, Abstand zu
halten und zu Hause zu bleiben auch Massnahmen zur Stärkung des Immunsystems geplant sind.
Die Regierung antwortet wie folgt:1. Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit ist es wichtig, die individuellen Massnahmen zum Schutz vor dem neuen Coronavirus auf breiter Bevölkerungsebene möglichst einfach und verständlich zu kommunizieren, mit praktischen und erwiesenermassen wirksamen Handlungsempfehlungen wie Handhygiene, Abstandhalten usw. Der Kanton St.Gallen orientiert sich dabei an den Massnahmen des Bundes, damit sowohl auf nationaler als auch auf kantonaler Ebene die gleichen Informationen verbreitet werden. Weder der Bund noch europäische oder internationale Organisationen wie das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) oder die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben Richtlinien herausgegeben, die eine mögliche Stärkung des Immunsystems einer Person als vorbeugende Massnahme beinhalten. Neben den breit kommunizierten Empfehlungen zu individuellen Hygienemassnahmen und Abstandhalten gibt es durchaus Ansätze, um dem eigenen Körper möglichst optimale Voraussetzungen zu geben, Viren jeglicher Art abwehren zu können. Es ist jedoch grosse Vorsicht geboten, damit keine falschen Signale gegeben werden und der Eindruck entsteht, mit einem gestärkten Immunsystem sei ein Schutz vor COVID-19 gegeben. Zudem weisen Fachleute darauf hin, dass beim körperlichen Abwehrsystem die Balance wichtig sei und ein zu schwaches Immunsystem ebenso ein Problem sein kann wie ein überreagierendes. Das heisst, eine verstärkte Reaktion des Immunsystems kann in bestimmten Fällen (Allergien, Asthma) sogar schädlich sein. 2. COVID-19 ist erst seit kurzer Zeit bekannt. Soweit ersichtlich, gibt es noch keine Studien, die eine Wirksamkeit von bestimmten Vitaminen, Mineralstoffen oder Pflanzen gegen dieses Virus beweisen. Das heisst, der Nutzen von bekannten Immunstimulanzien wie Echinacea, Zink, Zistrose, Vitamin C und Vitamin D ist für die Vorbeugung gegen COVID-19 bisher nicht nachgewiesen. Vorhandene Studien beziehen sich in der Regel auf andere (Corona-)Viren. Aktuell wird für verschiedenste Mittel gegen eine Ansteckung mit COVID-19 geworben. Die deutsche Verbraucherzentrale warnt, dass diese Werbeversprechen von der antiviralen Wirkung von Pflanzen, Getränken und Vitaminen gegen COVID-19 falsche Sicherheit suggerieren und wissenschaftlich nicht bewiesen sind. Vitamine gehören in der Schweiz zu den Nahrungsergänzungsmitteln. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) weist ausdrücklich darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel keine Arzneimittel, sondern Lebensmittel sind. Schutz- oder Heilversprechen im Zusammenhang mit COVID-19- Erkrankungen sind daher nicht zulässig. Allfällige gesundheitsbezogenen Anpreisungen bei Nahrungsergänzungsmitteln – wie zum Beispiel der Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus – wären nur zulässig, wenn wissenschaftliche Studien diese belegen und die 2/2 gesundheitsbezogene Angabe bewilligt wurde. Es gibt gemäss BLV zurzeit keine wissenschaftlichen Studien, die eine Wirksamkeit eines Nahrungsergänzungsmittels gegenüber dem Coronavirus zeigen. 3. In Bezug auf COVID-19 weisen sowohl das Bundesamt für Gesundheit als auch das Amt für Gesundheitsvorsorge des Kantons St.Gallen die Bevölkerung ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere Rauchen das Immunsystem schwäche und daher eine Infektion mit COVID-19 begünstigen könne. Rauchen erhöht auch deutlich das Risiko, einen schwerwiegenden Velauf einer Coronavirus-Erkrankung zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund werden ein Rauchstopp und das Vermeiden von Passivrauchen dringend empfohlen. 4. Die Haltung der Regierung zu Nahrungsergänzungs- und weiteren Mitteln wurde unter Ziff. 2 ausgeführt. Verschiedene klinische Studien unter anderem zur Prophylaxe gegen COVID-19 laufen derzeit. Sobald greifbare Resultate vorhanden sind, kann über weitere Empfehlungen diskutiert werden. Angesichts der länger dauernden Gefahr durch das neue Coronavirus kann im Zusammenhang mit der Propagierung eines gesunden Lebensstils künftig ausdrücklicher darauf hingewiesen werden, dass dieser auch ein gesundes Immunsystem fördere bzw. die Abwehrkräfte stärke und somit einen besseren Schutz vor Infekten mit Viren gebe.