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Der rüstige Renter Carlo Giovannoni aus dem Tessin scheint zahlenaffin zu sein - und sehr belesen.
... ich fragte mich, ob sich die für die Gesundheit verantwortlichen Staatsangestellten mit dieser Möglichkeit wirklich auseinandergesetzt haben?
Was meint Carlo Giovannoni genau? Lesen Sie weiter und erfahren Sie mehr.
... ich fragte mich, ob sich die für die Gesundheit verantwortlichen Staatsangestellten mit dieser Möglichkeit wirklich auseinandergesetzt haben?
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Frage 1: Wie hat die Nachricht des Corona Virus Sie erreicht und persönlich geprägt?
Erreicht hat mich die Nachricht in mehreren Stufen: Angefangen mit den Agentur-Meldungen aus China und dann vor allem, als ein Bekannter von mir, emeritierter Forscher und Lehrbeauftragter, anfangs Jahr meinte, ein solches Virus würde sich vermutlich allmählich auf der ganzen Welt verbreiten. Geprägt hat mich am Anfang gar nichts. Zuerst musste ich mich schlau machen, was das für ein Virus war und was dieser Typus Corona überhaupt ist.
Frage 2: Wie wirkte sich die Krise auf Ihren Alltag aus? Was sind die Auswirkungen mit Blick auf 365 Tage?
Ich habe das Phänomen unter verschiedenen Aspekten sofort interessant gefunden – abgesehen vom Naturwissenschaftlichem, das ich kaum verstehe – sei es z.B. das Funktionieren des Staates oder der Wirtschaft, bzw. deren Verletzlichkeit. Beispiel: In der NZZ vom 21.03.20 erschien eine Zusammenfassung eines am 02.03.19 in der Schweiz publizierten, von chinesischen Forschern des Wuhan Institute of Virology verfassten Artikel, welche ich einfach herunterladen konnte. Darin fand ich Sätze wie „It is generally believed that bat-borne CoVs will re-emerge to cause the next disease outbreak” (nach Sars, Mers und dergleichen). Ich fragte mich, ob sich die für die Gesundheit verantwortlichen Staatsangestellten mit dieser Möglichkeit wirklich auseinandergesetzt haben? Wenn ja, habe ich das an den Pressekonferenzen, die ich alle übers Internet mitverfolgte, nicht wahrgenommen. Für das wirtschaftliche Geschehen fand ich es bemerkenswert, dass viele Grossunternehmen mit Schweizer Sitz offensichtlich ihre Katastrophenpläne geübt hatten und demzufolge fähig waren, und sind, sich sehr schnell anzupassen. Kleinere Unternehmen oder auch meist subventionierte Verbände hinterlassen jedoch einen eher hilflosen Eindruck und sehnen sich nach Staatsgeldern. Eine der Auswirkungen ist und wird sein, dass die gut geführten Einheiten gestärkt werden und weiterhin Steuern zahlen sowie Leute beschäftigen. Viele Einheiten, die früher schon kleine Margen hatten, werden verschwinden. Sinngemäss gilt dies auch für gut organisierte, wenig verschuldete und technisch fortgeschrittene Länder und andere.
Frage 3: Was ist für Sie das Positive an der Corona-Krise? Was wird sich auch in 365 Tagen noch positiv zeigen?
Wenn gewisse öffentliche Arbeitsstellen wachgerüttelt wurden, haben wir etwas gewonnen. Ob es beständig sein wird, kann man am Beispiel der SwissCovid App aufzeigen: offenbar technisch einwandfrei, wird sie kaum vom Staat, der die Entwicklung finanziert hat, gefördert. Des Weiteren wurden die digitale Arbeit und das Fernstudium begünstigt, was Bestand haben dürfte.
Frage 4: Das Tessin war stärker betroffen als der Rest der Schweiz. Wie merkte man das im Alltag?
Gemäss Aufstellung des BAG, ist am 17.08.20 die Inzidenz seit Ausbruch im Tessin 972 und im Kanton Genf 1,297 per 100,000 Einwohner. Gemäss www.corona-data.ch, ist die Inzidenz seit 01.06.20 23 im Kanton Genf, 10 im Kanton Zürich und 4 im Tessin. Soviel zum „...stärker betroffen...“.
Ich mag mich erinnern, dass bis zum 26.02.20 im Kanton Tessin diskutiert wurde, ob die Fasnachten (Kalender: 17.01.20 bis 08.03.20) beibehalten werden sollten – dann wurden die letzten annulliert. Der erste Covid-Fall war an jenem Tag im Tessin registriert worden, sowie 2 in Graubünden und 1 in Genf. Ein Monat später, wurde nicht nur den 65+-jährigen verboten sich in einem Laden zu begeben, sondern alle private Unternehmen mussten ihre Tätigkeit aufgeben („È confermata la chiusura di tutte le attività commerciali e produttive private...”), es sei denn, sie wären für die Ernährung oder die Gesundheit wichtig. Parallel dazu wurden die Touristen gebeten, über Ostern ja nicht ins Tessin zu kommen (die Message ist angekommen: die 13 km langen Auto-Schlangen am Gotthard bis 2019 sind diesen Sommer auf 4km geschrumpft). Auch ich wurde auf einer Autobahnausfahrt von der Polizei angehalten und erhielt den Befehl, nicht nach Giornico zu fahren. Zeitgleich wurde auch gefordert, den Gotthard-Auto-Tunnel sowie die Grenzübergänge zu Italien zu sperren. Im Alltag hat sich für mich seit Ausbruch wenig verändert: Ich halte mich einfach an die Hygieneregeln.
Frage 5: Hat sich deswegen etwas geändert? Auswirkungen? Wie sieht es heute aus?
Wenn ich es richtig mitbekommen habe, sind in diesem Jahr wenige ausländische Touristen ins Tessin gekommen. Das trifft vornehmlich das Luganese. Ich wüsste nicht, durch welche andere wirtschaftliche Tätigkeit dieser fehlende Fremdenverkehr kompensiert werden könnte. Wir werden daher vermutlich weiterhin eine leichte Schrumpfung der Bevölkerungszahl erleben.
Frage 6: Was wünschen Sie sich für die nach Corona-Zeit mit Blick auf 365 Tage?
Die Corona-Zeit ist nicht vorbei – wie lange sie dauern wird, weiss niemand.
Name: Carlo
Vorname: Giovannoni
Berufsbezeichnung: Rentner
Alter: 74