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Für das Befahren der Rheinstrecke Schaffhausen - Stein am Rhein sind genaue Kenntnisse der Schifffahrtswege erforderlich. Unter anderem tragen auch die noch vorhandenen Findlinge dazu bei, dass eine spezielle Schiffsführerprüfung zum Erlangen des Schifferpatentes für diese Teilstrecke abgelegt werden muss.
Ein Findling, auch erratischer Block oder Erratiker genannt, ist ein heute meist einzeln liegender sehr grosser Stein, der durch Gletscher während der Eiszeiten in seine heutige Lage transportiert und abgelegt wurde. Die erratischen Blöcke liegen im Strombett der Schifffahrts-Strecke Untersee - Schaffhausen. Obwohl diese Felsen seit Jahrtausenden unverrückbar an derselben Stelle ruhen, besitzen sie doch eine bewegte Vergangenheit: die einen als gefürchtete Schifffahrtshindernisse, die anderen als Marken von Hoheits- und Fischereigrenzen.
Auf der Karte werden die Positionen der Findlinge im Rhein sowie anschliessend ihre zum Teil tragischen Geschichten aufgeführt.
Der Apfelfresser befindet sich etwa 50 Meter oberhalb des ehemaligen badischen Forsthauses 'Geisshütte' mitten im Rhein.
Beim Apfelfresser wurde im Jahre 1642 das Schiff des Konstanzer Schiffmanns Heinrich Sauter, eines Bürgers der Stadt Stein am Rhein, von Soldaten der Festung Hohentwiel überfallen und geplündert. Abgeordnete der eidgenössischen Orte Schwyz, Luzern und Zürich erhielten von der Tagsatzung den Auftrag, mit dem Festungskommandanten Conrad Wiederholt zwecks Rückgabe der geraubten Waren zu verhandeln.
Der Unfall jenes Apfelschiffes, welches den offiziell als Geissmeyerstein benannten Stein zum Apfelfresser werden liess, hat sich wahrscheinlich erst nach 1770 zugetragen. Der Apfelfresser wurde im 19. Jahrhundert gesprengt.
In unmittelbarer Nähe des Fahrkopfes, welcher unterhalb des Schifffahrtzeichens 53 liegt, traversierte am 1.Mai 1860 unter den Klängen französischer Feldspiele und dem Gewehrgeknatter der nordwärts sich zurückziehenden Österreicher die Armee des Generales Lecourbe. Die Schiffbrücke erreichte sehr wahrscheinlich 150m östlich des Punktes 407.7 das Ufer. Nach der Überlieferung soll bei dem in aller Eile erfolgten Übergang eine schwere Kriegskasse von einem Fourgon (Kastenwagen) gerutscht und in der Mitte des Rheines in den gurgelnden Fluten versunken sein.
Der Hattingerstein wird auch Nellenburgerstein genannt. Anlässlich der Grenzbereinigung im Jahre 1839 wurden um die Enklave Büsingen herum 122 Landesgrenzsteine mit der Nummerierung 2 bis 123 gesetzt. Als Grenzstein Nr. 1 gilt heute wie schon ums Jahr 1839 der unterhalb der 'Lage' mitten im Rhein liegende Hattingerstein. Etwa 30 Meter oberhalb des Hattingesteines liegt ein weiterer Block. Er ragt noch etwas näher an die Wasseroberfläche hinauf. Dieser oder der Hattingerstein wird jenen sich zugetragenen Schiffsunfall verursacht haben, von welchem ein Chronist aus dem Bezirk Diessenhofen berichtete: "1795 oben auf dem Schaaren, beim Diessenhofer Galgen, im Rhein ein grosses Schiff, mit Salz beladen, sei aufgefahren. Man sagt, dass 40 Salzfässer seyen verderbt worden, so dass der ganze Schaden auf 2000 Gulden könnte gerechnet werden."
Jenseits des Dorfes Hemishofen in der Nähe des linken Ufers ist der 'Mörder' zu finden. Dieser Stein ist von jeher als eines der heimtückischten Hindernisse im Rhein bekannt. Er soll wiederholt die Ursache schwerer Unglücksfälle gewesen sein, daher sein Name. Über ein beim 'Mörder' sich zugetragenes Unglück wird folgendes berichtet:
Junge Eheleute feierten am Freitag den 13. August 1813 den zweiten Tag ihrer Hochzeit. Mit einer zahlreichen Gesellschaft von Verwandten und Freunden fuhren sie auf einem mit einem Dach versehenen Nachen (kompaktes flaches Boot) von Stein am Rhein nach der Bibermühle. Am Abend übergab man die mitgenommene kleine Kinderschar den Schiffsleuten. Die Erwachsenen wollten auf der nördlichen Uferseite nach Hemishofen heimspazieren. Der Steuermeister, einige Freunde des Bräutigams und vier Spielleute fuhren mit den Kindern über den Rhein, um das Schiff dem südlichen Ufer entlang nach Stein zurückzuziehen. Unter Musikklängen und Freudenschüssen gelangte der fröhliche Nachen glücklich bis zum 'Mörder'. Das Schiff drehte sich ab, wahrscheinlich war es mit der rechten Seite seines Vorderteiles an den Mörder gefahren und von diesem gegen die Strommitte zu angetrieben worden. Die vier ziehenden Männer hörten die Rufe der bestürzten Schiffleute infolge des rauschenden Wassers nicht. Das an der Spitze des Segelbaumes befestigte Zugseil riss das Schiff seitwärts um. Die Ziehenden fanden kaum Zeit, sich vom Seil loszumachen. Die Väter und Mütter der zu Fuss heimkehrenden Hochzeitsgesellschaft mussten zusehen, wie für ihre Kinder ein Kampf auf Leben und Tod begann. Den Schiffsleuten gelang es mehrmals, die Kinder auf den Boden des umgestürzten davon schwimmenden Schiffes zu setzen. Doch der auf dem Grund aufstossenden Segelbaum brachte das Schiff immer wieder zum Umwälzen und die Kinder wurden weggespült. Bei diesem Unglück ertranken 8 Kinder und 3 Erwachsene.
Am Fuss des Staffelwaldes in der Mitte des Rheines liegt der Salzfresser. Der Block war das grösste und gefährlichste Hindernis auf der Strecke Stein - Schaffhausen. Ein hier zerschelltes Salzschiff soll dem Stein den Namen gegeben haben. Nachdem der Salzfresser bereits im 16. Jahrhundert durch die Lindauer Schifffahrtsgesellschaft Mellin mit Pulver gesprengt worden war, wurde er Jahre später von der Dampfbootgesellschaft zerlegt.
Der Wellenstein liegt ca. 250 Meter unterhalb der Bibermühle auf der rechten Rheinseite. Hier treten bei Niederwasser riesige Bänke zutage, vornehmlich Nagelfluhfelsen.
Der Werdlistein liegt nördlich der Insel Werd bei Eschenz. Der Block ist ca. 4 Meter lang, 3.5 Meter breit und 1.5 hoch. Viele römische Münzfunde beim Felsblock deuten auf einen Opferstein hin. 1959 wurde eine Miniaturmumie aus Ton gefunden. Bei niedrigem Wasserstand ragt der Werdlistein über die Wasseroberfläche hinaus und ist weithin sichtbar.
Der Wucherstein befindet sich etwa 450 Meter unterhalb der Mündung des Hemishoferbaches mitten im Rhein. Er ist heute mit einem Schifffahrtszeichen, einer sogenannten Wiffe, versehen.
Die Namensgebung ist unklar, doch scheint er der Schifffahrt manchen Zoll 'erwuchert' zu haben.