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| Fulgentius von Ruspe (467-533) - Ausgewählte Predigten

1. Von den Verwaltern des Herrn
9.
Wenn wir dieses Wort des Herrn in buchstäblichem Sinn verstehen wollen, können wir in ihm nichts zu unserem geistlichen Vorteil entdecken. Was nützt es nämlich für das Heil der Seele, wenn jemand in sinnfälliger Weise die Lenden umgürtet oder eine Lampe anzündet? In dem Wort von den umgürteten Lenden und brennenden Lampen muß also ein anderer, geistiger Sinn zu suchen sein, der eines göttlichen Gebotes würdig ist und für unser Seelenheil angemessen und vorteilhaft erfunden wird. Denn nicht ohne Grund spricht der Herr an irgendeiner Stelle: „Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und Leben.“1 Durch die Lenden also wird die fleischliche Begierde, durch die Lampen der christliche Glaube und die christliche Liebe angezeigt. Mit dem Befehl, die Lenden zu umgürten, gebietet uns der Herr ohne Zweifel, die Begierden des Fleisches zu zähmen; mit dem weiteren Befehl aber, brennende Lampen zu tragen, stellt er gewiß das Gebot auf, daß wir im Licht des wahren Glaubens erstrahlen und von den Werken heiliger Liebe erglühen sollen. Mit dem Gebot, die Lenden zu umgürten, befiehlt er uns, [S. 198] die bösen Begierden und Werke zu fliehen; mit der Aufforderung, daß unsere Lampen brennen sollen, mahnt er uns, das Gute zu lieben und zu tun.
1: Joh. 6, 64.