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Sendung «Mann oder Frau – eine Frage des Gefühls?» von «Sternstunde Philosophie» beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 5. Februar 2018 beanstandeten Sie die Sendung «Sternstunde Philosophie» (Fernsehen SRF) vom 28. Januar 2018 zum Thema «Mann oder Frau – eine Frage des Gefühls?».[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«Ich reiche hiermit Beschwerde ein gegen die Sendung Sternstunde Philosophie vom 28. Januar 2018 11:00 Uhr mit dem Thema ‹Mann oder Frau - eine Frage des Gefühls?› aufgrund der Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots.
Sternstunde Philosophie vom 28. Januar 2018 „Mann oder Frau – eine Frage des Gefühls?
Die Sternstunde Philosophie definiert sich selber wie folgt:
«Die ‹Sternstunde Philosophie› pflegt den vertieften und kritischen Ideenaustausch und geht den brennenden Fragen unserer Zeit auf den Grund.» [2]. Die Fragestellung im Lead für diese Sendung lautete: Männer im Frauenkörper, Frauen im Männerkörper. Für viele ist das noch immer ein Tabu. Warum? Und was ist das eigentlich: unser Geschlecht?
Diese Ausgangslage der Sternstunde Philosophie und vor allem der beanstandeten Sendung wecken in der Erwartungshaltung des Publikums somit förmlich eine vielfältige und vor allem sachgerechte Sendung. Doch bereits das Setting der Sendung punkto Gästeauswahl war einseitig. Aber auch die Sendung selber war inhaltlich eine ausgesprochen einseitige Herangehensweise an die Fragestellung. Mit dem zusätzlichen Auslassen von relevanten und wichtigen Aspekten des Sendungsthemas, die für eine freie Meinungsbildung des Publikums zwingend nötig gewesen wären, erfüllte die Sendung die Ansprüche an die Sachgerechtigkeit auf keine Art und Weise. Die einseitige Gästeauswahl, mit namentlich in der Öffentlichkeit bekannten Lobbyisten der Gender-Ideologie, wirkte wie wenn zwei Impfgegner über den Sinn von Impfungen diskutiert hätten. Es spricht natürlich nichts dagegen, dass ein Betroffener zu solch einem Gespräch geladen wird. Dass jedoch gleich zwei, und nur zwei Anhänger der Gender-Ideologie bei dieser Fragestellung zu Wort kommen, ist nicht sachgerecht. Es hätte mindestens ein Betroffener, der seinen Entscheid bereut, eingeladen sein oder wenigstens jemand, der mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Argumenten einen kritischen Ideenaustausch ermöglicht hätte. Zu Betroffenen, die ihren Entscheid der Umwandlung bereuen, gibt es bereits viele bekannte Fälle und Dokumentationen.[3] [4] Doch offenbar war das Gästesetting bewusst so gewählt, was mit sachlichen Argumenten nicht nachvollziehbar ist. Denn die Fragestellung der Sendung war gemäss eigener Beschreibung ein ‹auf den Grund gehen› über ‹Was ist das eigentlich: unser Geschlecht›? Diese Fragestellung verlangt vielfältige Antworten bei dem derart kontrovers diskutierten Thema in Wissenschaft und Gesellschaft.[5] Doch was folgte, war leider eine einseitige, Gender-theoretische Einbahnstrasse ohne jegliche Gegenmeinung und Gegensicht aus Wissenschaft und Gesellschaft, noch von Betroffenen, die diese Ideologie nicht (mehr) teilen.
Neben der einseitigen Gästeauswahl war die Sendung inhaltlich mindestens an folgenden Stellen nicht sachgerecht:
Beispiel 1: Es wurde das Phänomen ‹Transkinder› erwähnt und ein Einspieler aus einer Dokumentation gebracht, jedoch ohne die gefährlichen und gesundheitsschädlichen sowie irreversiblen Wirkungen der Hormontherapien speziell bei Kindern und Jugendlichen zu erwähnen.[6] Dass über sogenannte Pubertätsblocker bei Kindern kaum Langzeitstudien vorhanden sind, jedoch bekannt ist, dass diese Hormone die normale Entwicklung von Knochen und Gehirn negativ beeinflussen können. Dass bei Persistenz der Geschlechtsidentitätsstörung nach Gender-Theorie die gegengeschlechtlichen Hormone folgen, die eine irreversible Unfruchtbarkeit des Jugendlichen zur Folge haben und die auch lebenslang eingenommen werden müssen. Dass auch eine hohe Suizidalität bei Transgender-Personen festgestellt wird. Dass zwischen 80-95% der Kinder mit Geschlechtsidentitätsstörung im Lauf der Pubertät ihr biologisches Geschlecht trotzdem annehmen und der Konflikt beendet ist, wird ebenso unterschlagen.[7] Durch das Auslassen dieser wichtigen Aspekte der Thematik wird dem Publikum die Botschaft übermittelt, dass diese Transition alternativlos ist und medizinisch quasi unbedenklich sei. Das ist nachweislich gravierend falsch und dieses Weglassen verhindert eine sachgerechte Darstellung der Thematik, was die freie Meinungsbildung des Publikums erheblich behindert.
Beispiel 2: Des Weiteren wurde die Frage nach der Geschlechtsidentität angesprochen, wobei aber auch hier von der Gender-Ideologie dominierten Definition ausgegangen wurde, dass ein Junge oder Mädchen trotz eindeutigen biologischen Merkmalen im ‹falschen Körper› geboren worden sein könne. Oder wie wörtlich erwähnt gar einen ‹fluiden Zustand (gender fluid)› haben könne. Das ist die Terminologie der Gender-Lehre. Leider fehlte aufgrund der einseitigen Gästeauswahl auch hier die andere objektive Meinung seitens Wissenschaft und Gesellschaft.[8] Dieses damit aber übermittelte Narrativ ist unter Wissenschaftlern und erst recht in der Gesellschaft stark umstritten. Eine freie Meinungsbildung für den Zuschauer wurde somit durch die fehlende Sachgerechtigkeit auch hier verhindert.
Beispiel 3: Intersexualität hat zuerst einmal nichts mit Transgender zu tun. Denn Intersexualität ist nach vorherrschender Definition ein genetisch, anatomisch oder hormonell nicht eindeutig männlich oder weiblich zuzuordnendes Neugeborenes. Im Gegensatz zur suggerierten Botschaft wehren sich aber viele Betroffene gegen eine Instrumentalisierung ihres Leidens durch die Gender-Ideologie. So hat gerade zum Thema ‹Drittes Geschlecht› die Betroffenenorganisation ‹zwischengeschlecht.org› in den Medien klargemacht, dass sie keine dritte Option im Pass wollten. [9] Das würde im Gegenteil zu einem Zwangsouting führen, was sie klar ablehnen. Dies zeigt exemplarisch, wie die Sendung lediglich der einen Seite eine Plattform bot, jedoch nicht mal die relevanten Organisationen der Intersexuellen dazu integrierte. Auch hier war die Sendung darum nicht sachgerecht, weil lediglich in einem Einspieler eine einzige Betroffene gezeigt wurde, die offenbar einen dritten Eintrag wünscht. Dass es von in der Schweiz relevanten Betroffenenorganisationen aber ausdrücklich keinen Wunsch nach ‹drittem Geschlecht› gibt, wurde in der Sendung schlicht unterschlagen. Das führte im Rahmen der Meinungsbildung dazu, dass der Zuschauer denkt, die Intersexuellen stünden da hinter diesem Anliegen und diese Forderung sei sinnvoll und mehrheitsfähig.
Fazit: Die Sendung war nicht sachgerecht, sondern nachweislich irreführend und stark ideologisch geprägt. Wichtige Aspekte der Thematik wurden alleine durch das gewählte Setting der Gästeauswahl unterschlagen. Die offene Fragestellung der Sendung (‹Was ist das eigentlich: unser Geschlecht?›) konnte so nicht sachgerecht beantwortet werden, was dann auch eine freie Meinungsbildung für die Zuschauer verunmöglichte. Ich bitte Sie deshalb, um Unterstützung der Beschwerde.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Frau Dr. Judith Hardegger, Redaktionsleiterin der «Sternstunden», antwortete wie folgt:
«Uns liegt die Beanstandung von Herrn Y zur Sendung ‹Sternstunde Philosophie› vom 28. Januar 2018 mit dem Titel ‹Mann oder Frau - eine Frage des Gefühls?› vor. Herr Y wirft der Sendung vor, sie sei nicht sachgerecht gewesen, sondern <nachweislich irreführend und stark ideologisch geprägt>.
Gerne teile ich Ihnen hiermit meine Stellungnahme mit:
Herr Y stört sich zunächst an der Gästeauswahl, die er als einseitig kritisiert, weil mit Hannes Rudolph und Myshelle Baeriswyl zwei Transpersonen eingeladen waren. Hierzu ist zu sagen: Die Diskussion war weder als Kontroverse noch als politische Diskussion angelegt. Sie sollte also nicht ‹pro und contra› abbilden, sondern einen Einblick geben in die Anliegen und die Gefühlswelt von Transmenschen. Zur Sendung gehörte die eine Woche zuvor ausgestrahlte ‹Sternstunde Religion› mit dem Titel ‹Kampfbegriff Gender›. Dabei kam mit dem Arzt und Psychiater Wilf Gasser von der Schweizerischen Evangelischen Allianz ein erklärter Skeptiker aus dem evangelikalen Lager zu Wort.
Abgesehen davon hat die Redaktion nicht irgendwelche Transpersonen eingeladen, sondern ausgewiesene Experten. Myshelle Baeriswyl ist Psychologin und Leiterin der Sprechstunde für gendervariante Menschen in St. Gallen und Hannes Rudolph ist ebenfalls Psychologe und Leiter der Zürcher Fachstelle für Transmenschen.
Herr Y meint, es hätte mindestens auch ein Betroffener eingeladen werden müssen, der seinen Entscheid bereut und fügt als Fussnote folgenden Film an: ‹Tranzformed: Finding Peace with your God-Given Gender› - ein Film, in dem Ex-Transmenschen Zeugnis ablegen, was Jesus Christus für diejenigen tun kann, die mit Gender Dysphorie kämpfen. Und in einer weiteren Fussnote verweist Herr Y auf das ‹Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft DIJG›, bei welchem notabene homophobe FundamentalistInnen ‹Therapien› gegen Homosexualität propagieren. Ein Institut, das nach eigenen Angaben ‹auf der Grundlage eines jüdisch-christlichen Menschen- und Weltbildes, gespeist aus den Wurzeln unserer europäischen Geschichte› agiert. So viel zu Herrn Ys Wunsch nach Sendungsgästen, ‹die mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Argumenten einen kritischen Ideenaustausch ermöglicht hätten›.
Dann moniert Herr Y, dass in der Sendung das Phänomen ‹Transkinder› erwähnt und ein Einspieler aus einer Dokumentation gebracht wurde, <jedoch ohne die gefährlichen und gesundheitsschädlichen sowie irreversiblen Wirkungen der Hormontherapien speziell bei Kindern und Jugendlichen zu erwähnen>. Nun, es wurde explizit erwähnt, dass bei Kindern keine medizinischen Eingriffe vorgenommen werden, sondern dass Hormonbehandlungen wie auch Operationen deutlich später stattfinden. Moderator Yves Bossart hat insistiert und mehrfach nachgefragt, wie stabil Geschlechtsidentitäten sind (min. 26). Dass Transitionen im Gespräch als ‹alternativlos› dargestellt werden, wie Herr Y behauptet, ist nicht richtig. Myshelle Baeriswyl sagt: <Es ist eines der Dogmen in unserer Gesellschaft, dass geschlechtliche Zugehörigkeit über das ganze Leben stabil bleibt. Ich habe jetzt keine Studien, die belegen, dass es anders ist, aber ich kann das schon hinterfragen, dass auch das etwas ist, was sich im Leben ändern kann, wie vieles in der Biografie sich ja ändert. Rollenzuschreibungen, Vater sein, Mutter sein, Grossvater, Grossmutter sein. Ich glaube wir können es fluider denken, das machen andere Kulturen auch so.> Selbstverständlich hätte man auch über medizinische Massnahmen bei minderjährigen Transmenschen sprechen können. Das war aber nicht Thema des Gesprächs und hätte wohl eine eigene Sendung mit medizinischem Fachpersonal gebraucht. In diesem Gesprächsteil hingegen ging es um die Frage der Geschlechtsidentität und deren Stabilität.
Herrn Ys Kritik in seinem Beispiel 2 verstehe ich nicht. Wenn Menschen von sich aussagen, sie seien im falschen Körper geboren, hat das nichts mit Gender-Ideologie zu tun. Es kann in einer freiheitlichen Gesellschaft nicht darum gehen, jemandem seine persönliche Befindlichkeit abzusprechen.
Schliesslich kritisiert Herr Y die Passage über Intersexualität. Dass Intersexualität nichts mit Transgender zu tun hat, wird im Gespräch explizit erwähnt. Besonders Hannes Rudolph betont, dass sich die Non-Binarität ausdrücklich auf das Gefühl beschränkt und nichts mit dem eigentlich körperlichen Geschlecht zu tun hat, somit auch nicht mit der Intersexualität.
Zum dritten Geschlecht: Der von Herrn Y zitierten Website von Zwischengeschlecht.org[10] kann man entnehmen, dass die offizielle Position sehr wohl für den dritten Geschlechtseintrag plädiert, sofern er freiwillig bleibt. Natürlich hätte man hier diskutieren können, dass dieses X im Pass automatisch ein Outing mit sich bringt. Aber das X im Pass wurde besonders in Bezug auf Non-Binäre Menschen erwähnt und nicht Intersexuelle. Bei Non-Binären ist es klar, dass sie sich auch als non-binär outen wollen. Das Thema Intersexuelle wurde nicht spezifisch angesprochen.
Zusammenfassend halte ich fest, dass aus Sicht der Redaktion die Sendung sachgerecht war und das ihr zugesprochene Mandat erfüllt hat und bitte Sie, die Beanstandung von Herrn Y zurückzuweisen.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Ich entnehme Ihrer Beanstandung, dass Sie sich einlässlich mit dem Thema befasst haben und sich in vielen der damit verbundenen Fragen auskennen. Da Sie aber aus einer christlich-evangelikalen Position heraus argumentieren, glaube ich nicht, dass Sie berechtigt sind, Ihre Auffassung als objektiv und die Ihnen nicht passende als «Gender-Ideologie» zu bezeichnen. Ich halte viel mehr dafür, dass hier unterschiedliche Gesellschaftsbilder aufeinanderprallen. Das Gesellschaftsbild, das in der Sendung vertreten worden ist, wurde von Frau Baeriswyl treffend mit «Vielfalt und Selbstbestimmung» umschrieben, und dieses Gesellschaftsbild entspricht auch dem Geist der Menschenrechtserklärungen der Uno und des Europarates sowie der Philosophie der Schweizerischen Bundesverfassung, auch wenn in der Praxis noch nicht alles realisiert ist, was dem Ideal nahekäme. Ich beschränke mich daher in der Folge auf die Frage, ob eine solche Sendung nach dem Radio- und Fernsehgesetz statthaft ist.
In der Schweiz herrscht Medienfreiheit. Sie wird im Radio- und Fernsehgesetz für die Rundfunkmedien übersetzt als «Programmautonomie». In Artikel 6, Absätze 2 und 3, steht:[11]
«Sie (die Programmveranstalter) sind in der Gestaltung, namentlich in der Wahl der Themen, der inhaltlichen Bearbeitung und der Darstellung ihrer redaktionellen Publikationen und der Werbung frei und tragen dafür die Verantwortung.
Niemand kann von einem Programmveranstalter die Verbreitung bestimmter Darbietungen und Informationen verlangen.»
Es gibt daher außerhalb der heiklen Phasen vor Wahlen und Abstimmungen keine Vorschriften, wie Diskussionssendungen zu gestalten sind. Die Redaktion ist frei, ob sie ein Gespräch in der «Sternstunde Philosophie» als Interview, als kontroverse Debatte oder als exploratives Gespräch anlegen will. In diesem Fall hat sie das explorative Gespräch gewählt, und das war gut so, weil nur auf diese Weise ohne dauernde Ideologisierung und ohne Rechtfertigungszwang aufgezeigt werden konnte, was Transgender ausmacht. Es geht immerhin um rund 50‘000 Menschen in der Schweiz, so viele wie die Zahl der Bauern!
Es stellt sich lediglich die Frage, ob das Publikum dadurch manipuliert worden ist, dass ein wichtiger und zwingender Aspekt des Themas ausgelassen wurde. Das ist meiner Meinung nach nicht der Fall, und deshalb kann ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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