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Luzern den 21ten Mai 1878
Der Verwaltungsrath der Gotthard-Bahn-Gesellschaft an
Herrn Dr Alfred Escher Präsidenten der Direction in Zürich .
Hochgeachteter Herr!
In der ersten theilen Sie uns mit, daß Sie im Grund satze auf Ihrem ältern Entlaßungsbegehren beharren, indem die Situation welche daßelbe hervorgerufen hat, sich zweifelsohne erneuern werde, daß Sie aber Ihre Funktionen einstweilen fortsetzen.
Mit dem zweiten reichen Sie Ihre Demission endgültig ein, indem die erneuerten Schritte des Stadtrathes Luzern Ihnen die Pflicht auferlegen, durch Ihre persönlichen Verhältniße kein Hinderniß zur Rekonstruktion des Gotthardunternehmens zu bilden. Sie fügen aber gleichzeitig bei, daß der Zustand Ihrer Gesund heit, in der jüngsten Zeit, Sie, unabhängig von dem erstern Umstande, zwingt, auf ein so ausgedehntes Arbeitsfeld, für die Zukunft, Verzicht zu leisten, wenn nicht der Rest Ihrer Tage durch fortwährende Leiden verbittert werden soll.
Bei der Behandlung Ihrer genannten Zuschriften waren wir gleichzeitig in der Lage, die jüngsten Begehren des Stadtrathes Luzern und die Nothwendigkeit ins Auge zu faßen in der nächsten Zukunft eine neue Stelle in der Direktion der Gotthardbahn zu besetzen und wir haben auf den vereinigten Antrag unseres Präsidiums und des Vice-Präsidiums der Direktion folgenden Beschluß gefaßt:
Der Verwaltungsrath der Gotthardbahngesellschaft
unter Bezugnahme auf das erneuerte Entlaßungsgesuch des Herrn Dr Alfred Escher von der Stelle eines Präsidenten und Mitgliedes der Direktion datirt vom 30ten April a. c. | auf die Korrespondenz zwischen dem Stadtrathe von Luzern und der Direktion datirt vom 4ten 1 und 13ten Mai a. c. 2
beschließt:
I Der transitorische Beschluß vom 2ten April 1872 litt. b. 3 wird aufgehoben in der Meinung, daß das technische Centralbureau in seinem ganzen Umfange bei Anlaß der Wiederbesetzung der in der Direktion vakanten Stelle nach Luzern verlegt werden soll.4 II Das Präsidium erhält den Auftrag, Herrn Dr Alfred Escher zu ersuchen, seine Entlaßung zurückzuziehen und fortan unter Entlastung von der Leitung des Bauwesens und unter Bei behaltung seines bisherigen Wohnsitzes in Zürich , die Funktionen eines Präsidenten der Direktion mit einem Geschäftskreise auszu üben, deßen nähere Bestimmung im Sinne von Art. 4 und Art. 6.1 [...3?] der Geschäftsordnung vom 2ten April 1872 5 , vorbehalten bleibt. III Die Direktion wird eingeladen dem Verwaltungsrathe der veränderten Sachlage entsprechend neue Vorschläge zur Ersetzung des transitorischen Beschlußes sowohl, als des Geschäftsreglementes zu hinterbringen.6
Wir erlauben uns nun diesen Beschluß mit einigen Worten zu begleiten.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Fülle der Arbeitslast, welche vorschriftsgemäß dem 1ten Departement aufliegt und welche durch die Schwierigkeiten der Rekonstruktion seit zwei Jahren in bedeutendem Maaße gesteigert worden ist, die Kräfte eines Einzelnen und selbst Ihre eigenen ausnahmsweisen, übersteigt. – Wir haben denn auch längst mit innigem Bedauern wahrgenommen, daß Ihre Gesundheit durch diese ungewöhnliche Bürde in hohem Grade angegriffen wird, und glauben deßhalb auf eine Lösung hinarbeiten zu sollen, welche sowohl dem Intereße | des Unternehmens, als Ihren eigenen persönlichen Verhältnißen gerecht wird.
Sie sind immer die hauptsächlichste Stütze des Gotthard gewesen. – Wenn derselbe zur Verwirklichung herangereift, durch internationale Verträge möglich gemacht, finanziell begründet, und in Ausführung gesetzt worden ist, so gebührt Ihnen daran das vorwiegendste Verdienst. Wenn aber das Unternehmen heute mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, bei denen es sich um die Fortdauer oder um den Untergang deßelben handelt, so können Sie sich in diesem gegenwärtigen Momente von seiner Leitung nicht lossagen. – Es giebt Stellungen die vielleicht nicht zu den dankbarern, wohl aber zu den hervorragendern und ehrenvollern gehören, deren Träger berufen sind, bis zum letzten Augenblicke auszuharren. Eine solche ist die Ihrige. –
Wir hoffen durch die citirten Beschlüße eine Lösung vor bereitet zu haben, welche nach allen Richtungen befriedigen und welche namentlich auch von Ihnen angenommen werden dürfte. Ihr fortdauernder Wohnsitz in Zürich bleibt dadurch unbestritten, Ihr Geschäftskreis wird in einem Maaße entlastet, daß dadurch hoffentlich Ihre Gesundheit sich wieder gänzlich erholen kann.
Eine Umarbeitung des Geschäftsreglementes der Direktion wird es möglich machen, Ihnen als Präsident diejenigen Befugniße und Zweige zuzutheilen, welche der Natur der Sache nach mit dieser Stellung verbunden sein müßen. – So hoffen wir denn Ihnen die Möglichkeit bieten zu können, auf Ihren unterm 30ten April mitgetheilten Entschluß zu verzichten und ersuchen Sie unter Hinweisung auf die von uns angebahnten Aenderungen in der Organisation der Direktion, Ihr Entlaßungsbegehren zurückzuziehen.
Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr, die Versicherung unserer Hochachtung und Ergebenheit:
Der Praesident des Verwaltungsrathes
Feer-Herzog
Der Secretär:
Schweizer