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Nino Niederreiter ist nach dem Wechsel zu Carolina aufgeblüht. In der Nacht auf Freitag startet er mit den Hurricanes auswärts gegen Titelverteidiger Washington Capitals in die Playoffs.
Es ging alles sehr schnell am 17. Januar. Niederreiter befand sich mitten in der Vorbereitung auf das Spiel gegen die Anaheim Ducks, hatte mit seinen alten Teamkollegen von den Minnesota Wild noch Mittag gegessen. Nachdem er nach Hause zur Freundin und den Eltern, die ihn besuchten, zurückgekehrt war, klingelte plötzlich das Telefon. Als er sah, dass General Manager Paul Fenton anrief, «wusste ich, dass der Tag des Trades gekommen war». Fenton bedankte sich, wünschte viel Glück und «innerhalb von drei Stunden» sass Niederreiter im Flugzeug.
Zwar hatte es schon lange Gerüchte gegeben, dass Minnesota den Churer Stürmer abgeben wollte, «darauf vorbereiten kann man sich jedoch nie», betonte Niederreiter. «Es war sicher nicht einfach.» Die Eltern und die Freundin reisten einen Tag später «mit den wenigen Kleidern» nach. «Ich war froh, dass sie mir helfen konnten.»
So hart es für Niederreiter im ersten Moment war, der Wechsel entpuppte sich für ihn als Glücksfall. Carolina hatte schon im Sommer die Fühler nach ihm ausgestreckt. «Es war das Beste, was mir passieren konnte», erklärte Niederreiter.
«Ich wusste, dass ich gut Eishockey spielen kann. Ich wurde jedoch gebremst, erhielt (bei den Wild) nicht die Chance, die ich mir erhofft hatte. Wenn du das Vertrauen vom Trainer nicht hast, ist es extrem schwierig, erfolgreich zu spielen. Ausserdem passt mir die Spielweise in Carolina besser wie jene bei Minnesota. Dort stand mehr die Defensive im Vordergrund, hier kannst du in der Offensive deine Sachen machen.»
Niederreiter spielte bei den Hurricanes nicht nur durchschnittlich 3:31 Minuten mehr (18:17) als bei den Wild, er wurde auch in der ersten Linie zusammen mit Center Sebastian Aho und Justin Williams eingesetzt. «Bei Minnesota erhielt ich nie gross die Möglichkeit, mit einem Spielmacher zu agieren. Ich wäre gerne mit Granlund eingesetzt worden. Ich brauche Spieler wie Aho und Williams neben mir, um meine Stärke, Tore zu schiessen, einzubringen.»
Tatsächlich steigerte sich Niederreiter punktemässig enorm. Hatte er bei den Wild in 46 Partien neun Tore und 14 Assists erzielt, waren es bei den Hurricanes in 36 Begegnungen 14 Treffer und 16 Assists.
Der Wechsel brachte nicht nur nur neuen Schwung in die Karriere des Bündners, sondern auch im Team. Von den 36 Spielen mit Niederreiter gewannen die Hurricanes deren 24. So machten sie einen Rückstand von sieben Punkten auf einen Playoff-Platz wett und erreichten erstmals seit 2009 die entscheidende Meisterschaftsphase. «Vielleicht brauchte die (sehr junge) Mannschaft einen etwas älteren Spieler, der schon gewisse Erfahrungen machen durfte», so Niederreiter. Er wollte seine Rolle aber nicht überbewerten.
Der zweifache WM-Silbermedaillen fühlt sich auch neben dem Eis wohl. «Es gefällt mir sehr gut hier. Es ist extrem grün und flach, kommt mir vor wie in Finnland», sagte Niederreiter. Er hat eine Wohnung gemietet. Die Freundin, die er im Sommer kennengelernt hatte und die in Zürich studiert, half ihm bei der Suche. Die Wohnung in Minneapolis hofft er bald verkaufen zu können, sie befindet sich auf dem Markt.
Derzeit interessieren ihn aber nur die Playoffs. Die Aufgabe gegen die Capitals bezeichnete er als sehr schwierig. «Wir sind sicher nicht der Favorit in dieser Serie, hoffen jedoch, Washington einen guten Kampf liefern zu können. Es ist alles möglich, wenn wir unser Spiel spielen. Sie sind nicht übermächtig.»
Sollte es mit dem Einzug in die nächste Runde dennoch nicht klappen, wird Niederreiter die Weltmeisterschaft in Bratislava bestreiten. Darob liess er keine Zweifel offen. So oder so dauert für ihn die Saison also noch an. (abu/sda)