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In der Zeitgeschichte spielt die Sonne eine zentrale Rolle. Kulminiert sie im Zenit, so sprechen wir im allgemeinen vom Mittag. Die ersten Uhren - Sonnenuhren - geben diese sogenannte Wahre Ortszeit (WOZ) an. Diese Zeit ist aber nur für einen bestimmen Längengrad (Meridian) gültig. Die Wahre Ortszeit unterscheidet sich also in West-Ost-Richtung. Würden wir in der Schweiz nach WOZ messen, so bestünden zwischen Bodensee und Genfersee bereits einige Minuten Differenz.
Die Wahre Ortszeit stimmt zwar immer, doch ergibt sich ein kleines Problem: sie ist nicht vollständig regelmässig. Da die Erde die Sonne nicht in einem perfekten Kreis, sondern einer Ellipse umkreist und die Erdachse zudem geneigt ist geht die Wahre Ortszeit im Vergleich mit einer regelmässigen Uhr je nach Jahreszeit vor oder nach. Dieser Umstand wird mit der Zeitgleichung zum Ausdruck gebracht. Korrigiert man die Wahre Ortszeit mit der Zeitgleichung, so erhält man die Mittlere Ortszeit (MOZ). Die Mittlere Ortszeit entspricht zwar nun sehr genau der lokalen Zeit, ist aber immer noch nur auf einem bestimmten Meridian absolut korrekt. Das heisst, die MOZ unterscheidet sich zwischen Paris und Prag erheblich, was natürlich beim Aufkommen schnellerer Transportarten (Eisenbahn) zu gewissen Schwierigkeiten führte. Es bestand also ein Wunsch nach einer einheitlichen Zeit.
Im Oktober 1884 traf man sich in Washington an der Internationalen Meridiankonferenz zur Festlegung des Nullmeridians. (Dieser ist ja im Gegensatz zum Äquator nicht geographisch, sondern willkürlich definiert). Der Meridian in Greenwich (nahe London) war bereits sehr gebräuchlich und da England eine Weltmacht war, wurde der Meridian von Greenwich als internationaler, weltweit gültiger 0°-Meridian anerkannt und festgesetzt. Zum gleichen Zeitpunkt teilte man auch die Erde in 24 Zeitzonen ein (je 15 Längengrade) und setzte die Greenwich Mean Time (die bereits seit 1880 im Vereinten Königreich galt), kurz GMT, als erste Weltzeit fest. Die GMT ist also nichts anderes als die MOZ in Greenwich. Damit war auch bei unterschiedlichen Ortszeiten ein fixer Bezugspunkt garantiert und man konnte einheitlich rechnen und messen.
Die GMT wurde 1928 in UT (Universal Time) umbenannt, der Begriff GMT ist aber auch heute noch sehr gebräuchlich. Die erste Weltzeit war ein durchschlagender Erfolg und hatte nur einen kleinen Haken: sie war von der Erdrotation abhängig. Da die Erde aber immer wie langsamer rotiert (die Tage werden länger) und die Tageslänge weiteren Schwankungen unterworfen ist, dauert ein GMT-Tag nicht wirklich immer gleich lang. Für eine supergenaue und konstante Zeitmessung musste also ein Weg gefunden werden, die Zeit von der Erdrotation zu entkoppeln.
Bis 1956 galt die Sonnensekunde: sie war als ein 86'400stel eines Sonnetages definiert (24*60*60). Vorübergehend wurde die Sekunde auch von den Gestirnen abgeleitet, bevor die Erfindung der Atomuhr eine überaus genaue Zeitmessung ermöglichte. Die Sekunde, und somit die Zeit wurde nun also erstmalig unabhängig von Erdrotation, Sonne und Gestirnen gemessen. Resultat war die TA (Temps Atomique, zu Deutsch: Atomzeit) welche von jeder Atomuhr und jedem Land herausgegeben werden konnte. Zur internationalen Standardisierung wurde die TAI (Temps Atomique International), also die Internationale Atomzeit eingeführt. Sie ist die eigentliche, heute gebräuchliche Weltzeit. Eine genaue und regelmässige Zeitmessung war nun also gefunden. Da der Mensch aber einerseits eine genaue Zeit braucht und wünscht, gleichzeitig aber seinen Tagesablauf nach der Sonne ausrichtet, musste eine Kompromisslösung gefunden werden: Diese sollte einerseits die Genauigkeit der TAI erreichen, andererseits mit der GMT Synchron bleiben. Aus diesem Grund wurde die GMT (UT) am 1. Januar 1972 durch die Universal Time Coordinated (UTC) abgelöst. Diese läuft nach der TAI. Um die UTC im Einklang mit der alten GMT (UT) zu halten, werden - je nach Bedarf - Schaltsekunden eingeführt. Mit dieser Massnahme wird garantiert, dass die UT (GMT) und die UTC (meistens als Weltzeit bezeichnet) nie mehr als 0.9 Sekunden auseinanderliegen. Die genaue Zeit ist auch im Internet verfügbar. Dank dem NTP (Network Time Protocol), welches 1980 entwickelt wurde, können Computer bei Zeitservern die genau Zeit abfragen. In der Schweiz unterhält Metas, das Bundesamt für Metrologie den Zeitserver mit der aktuellen und einzig gültigen Schweizerzeit.
Als ob das ganze System der genauen und international abgestimmten Zeitmessung nicht schon genug kompliziert wäre, erfand der Mensch die Sommerzeit. Diese wurde 1916 in Irland erfunden. Der englische Name ist zudem selbsterklärend: Daylight Saving Time. Es sollte also eine Zeit gültig sein, die eine maximale Anzahl an Stunden mit Tageslicht garantiert. Es ist wohl kein Zufall, dass sich die Frage der optimalen Ausnutzung des Tageslichts ausgerechnet in den Kriegsjahren stellte. Nach dem Krieg wurde die Sommerzeit wiederum abgeschafft. Erst während des 2. Weltkriegs wurde die Sommerzeit erneut eingeführt, 1947 gab es sogar eine 'Hochsommerzeit', während der die Uhren zwei Stunden vorgestellt wurden. Nach einer erneuten Pause nach dem Krieg wurde 1980 die Sommerzeit in ganz Europa, 1981 auch in der Schweiz wieder eingeführt. Der tatsächliche ökonomische Nutzen bleibt aber weiterhin umstritten.
Thomas Jordi, SF METEO