Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03613.jsonl.gz/3221

Die Kirche St. Peter steht im Kern des alten Zürichs, links der Limmat, gleich unterhalb des Lindenhofes. Dort hatten schon die Römer zum Schutze des Flussüberganges ein Kastell erbaut. An der Stelle der heutigen Kirche stand vermutlich schon im 7. Jahrhundert ein kleines, einfaches Gotteshaus, welches von den Stadtbürgern bezahlt worden war. Dieses wird erstmals in einer Urkunde Ludwigs des Deutschen aus dem Jahre 857 erwähnt.
Der St. Peter war während des ganzen Mittelalters die einzige Kirche, die nie mit einem Kloster oder Stift verbunden war. Sie wurde somit zur eigentlichen Stadt- oder Pfarrkirche. Ihr Amtsbereich umfasste das Gebiet zwischen Limmat und Albis, von Schlieren bis Leimbach.
Die Schirmherrschaft über die Kirche lag ursprünglich beim König und ging vermutlich im 9. Jahrhundert an die Fraumünsterabtei über. 1345 kaufte Bürgermeister Rudolf Brun der Abtei die Schirmherrschaftsrechte ab. Die Gläubigen von St. Peter besassen seit dem Mittelalter das Recht, ihren Pfarrer selber zu wählen, was sich auch nach der Reformation nicht änderte.
Eigenartig sind die Besitzrechte beim St. Peter: Das Gotteshaus gehört der Kirchgemeinde, während der Turm Eigentum der Stadt Zürich ist. In der Turmstube übte bis 1911 ein städtischer Brandwächter seinen Dienst aus. Er hatte die Aufgabe, die Stadtbevölkerung bei einem ausbrechenden Feuer durch sein Feuerhorn zu alarmieren. Als Brauch ist es heute noch üblich, dass vor dem Kinderumzug des Sechseläutens nicht der von der Kirchgemeinde angestellte Sigrist, sondern ein städtischer Beamter die Zürcherfahnen am Turm aufzieht. Diese Fahnen zeigen der Stadtbevölkerung, dass der Umzug stattfindet.
Der Turm ist 64 Meter hoch und 9,2 Meter breit. Die Stube des Feuerwächters befindet sich auf 40 Metern Höhe. Die Zifferblätter sind mit 8,7 Meter Durchmesser die grössten Europas. Ihr Umfang beträgt 27,3 Meter. Der Minutenzeiger ist 4 Meter lang, 92 Kilo schwer und rückt nach jeder Minute 45,5 Zentimeter vor. Der Stundenzeiger ist bei 3,1 Meter Länge immerhin 74 Kilo schwer. Die Stundenziffern haben eine Grösse von 90 bis 110 Zentimetern. Im Turm hängen fünf Glocken mit einem Totalgewicht von 11'115 Kilogramm. Die einzelnen Glocken wiegen 6203 Kilo, 2573 Kilo, 1445 Kilo, 582 Kilo und 312 Kilo.
In den Jahren 1970-74 wurde die Kirche innen und aussen gründlich renoviert. Dabei kamen im Chor alte Wandmalereien zum Vorschein, die wohl zu Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden. Heute zeigt sich die Kirche wieder so, wie sie 1705-06 erneuert worden war.
Autor: Röbi Eberhard
Schwierigkeitsgrad: ab 10 J.
Selbstständige Einzelteile: 1
Sprache: d