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Seit den Wahlen im Jahr 2000 sind die Hip-Hopperinnen in Senegal das politische Sprachrohr der jungen Bevölkerung. Sister LB aka Selbe Diouf ist eine der bekanntesten Rapperinnen des Landes. Wie erlebt sie das Land, in dem am Wochenende Wahlen stattfanden, die der Oppositionskandidat Bassirou Diomaye Faye überraschend für sich entschied?
Sister LB aka Selbe Diouf
Rapperin
Die 35-Jährige ist so alt wie der Rap in Senegal und gehört zur zweiten Hip-Hop-Generation des Landes. Selbe Diouf ging bei Xuman und Didier Awadi von Positive Black Soul in die Reimschule. Ihre Texte schreibt sie ausschliesslich in der Landessprache Wolof. Ihr Kernthema als Solokünstlerin: die Sache der Frauen und ihre Zukunft in ihrem Heimatland.
SRF: Wie ist die Stimmung im Land – vor allem bei den Jungen, die die Mehrheit ausmachen?
Sister LB: Im Gegensatz zu früher engagieren sich heute viele Jungen politisch. Sie ziehen auf die Strasse und demonstrieren. Sie wollen wissen, welches Programm die Kandidierenden – darunter nur eine Frau – haben. Wie sie die Probleme des Landes lösen wollen.
Die Zivilgesellschaft und vor allem die Generation der Jungen sind viel kritischer geworden. Wegen der wirtschaftlichen Misere konnten bei früheren Wahlen Stimmen gekauft werden. Ich glaube, die Jungen lassen sich nicht mehr über den Tisch ziehen. Sie wissen: Jede Stimme zählt.
Sie haben als Rapperin an einer Debatte mit dem Kandidaten Khalifa Sall, dem ehemaligen Bürgermeister von Dakar, teilgenommen. Ihr Fazit?
Die Antworten, die er mir gegeben hat, waren enttäuschend. Er sagt, er wolle die Landwirtschaft und die Industrialisierung stärken. Auf meine Frage, was er denn tun wolle, um die Situation der Frauen zu verbessern, die zu einem grossen Teil in der Landwirtschaft arbeiten, blieb er sehr allgemein.
Ich sprach ihn auch auf das Problem an, dass meine Visumsanträge als Rapperin immer wieder abgelehnt werden, obwohl ich Engagements im Ausland habe. Er antwortete, dass auch er schon mit negativen Visa-Entscheidungen leben musste.
Ich wehre mich dagegen, dass wir daran gehindert werden, Geld zu verdienen.
Hier erwarte ich von einem zukünftigen Präsidenten ein konkretes Programm. Die Politik muss sich für eine Verbesserung einsetzen und darf sich nicht wegducken.
Apropos negativer Visumsbescheid: Sie haben auf der Petitionsplattform Change.org eine Unterschriftensammlung gestartet, weil die US-Botschaft Ihr Visum trotz einer Einladung erneut abgelehnt hat. Was erhoffen Sie sich davon?
In erster Linie möchte ich damit auf unsere Situation aufmerksam machen. In der heutigen Zeit, in der die Stärkung von Frauen, Diversität und Inklusion gefördert werden, ist es schwer zu akzeptieren, dass uns als Künstlerinnen das Recht zu reisen verweigert wird, während andere Menschen ohne Visum in unser Land einreisen können. Ich wehre mich dagegen, dass wir auf diese Weise benachteiligt und daran gehindert werden, Geld zu verdienen.
Das Gespräch führte Judith Wyder.
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