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2023 jährt sich der Geburtstag des Komponisten George Gershwin zum 125. Mal. Dies nimmt das City Light Symphony Orchestra zum Anlass, Gershwins unermessliche musikalische Brillanz mit dem abendfüllenden Programm «The Sound of George Gershwin» am 11. November 2023 im KKL Luzern zu feiern. Dabei erklingt natürlich auch die ikonische „Rhapsody in Blue“, die wir in diesem Beitrag etwas genauer betrachten wollen.
Die Rhapsody in Blue wurde 1924 unter anderem zusammen mit Edward Elgars Pomp and Circumstance – Marche 1 in der Aeolian Hall in New York uraufgeführt. Der Konzertabend trug den Titel „An Experiment in Modern Music“, wobei für den Veranstalter und die Komponisten die musikgattungsübergreifende Arbeit zentral war. Unter diesem Aspekt fügte sich denn auch George Gershwins Komposition Rhapsody in Blue perfekt ins Programm ein. Der gestandene Broadway-Komponist Gershwin wollte ein Stück schreiben, welches Jazz-Elemente und klassische Kompositionsarbeit miteinander verband. Hierfür komponierte er für eine Orchesterbesetzung (statt die klassische Jazz-Band-Formation), wobei er Rhythmik, Metrik und Tongestaltung aus dem Jazz und der Klassik bewusst kombinierte. Dass er das Stück als „Rhapsodie“ betitelte, macht absolut Sinn. Eine Rhapsodie ist eine Vokal- oder Instrumentalkomposition, welche an keine bestimmte musikalische Form gebunden ist. Dabei kann eine Rhapsodie auf auskomponierte Themen oder einzelne Motive bauen, welche regelmässig oder in loser Form miteinander interagieren.
Der Idee Gershwins, ausgerechnet Jazz und Klassik in dasselbe Stück harmonisch einzubinden, wohnt eine grosse Herausforderung inne. Eines der wichtigsten Elemente des Jazz ist die Improvisation. Diese zeichnet sich durch musikalische Direktheit, Lebendigkeit, Unvorhersehbarkeit und Emphase aus – alles Eigenschaften, welche im klassischen Musikverständnis bis zu diesem Punkt überwiegend ausgeschlossen waren. Diesen inhärenten, künstlerischen Konflikt umging Gershwin, indem er von der ausgeprägten Improvisation des originären Jazz abliess und diese auf eine ‚kontrollierte Verspieltheit‘ reduzierte (damit bewegte er sich eher im Gefilde des den Hörgewohnheiten „der Weissen“ angepassten – Kritiker sagen „verwässerten“ – Sweet-Jazz-Form der 1920er-Jahre). So konnte er den Stil-Sprung zwischen Jazz und Klassik soweit verkleinern, dass eine Kombination eher möglich war, wobei einzelne Einflüsse und die jeweils vorherrschende Stilrichtung in der finalen Komposition noch recht genau ausfindig gemacht werden können.
„Ich habe drei Wochen gebraucht, um die ‹Rhapsody in Blue› zu schreiben.
Ich wollte schon immer etwas Heiteres komponieren
und wurde von Paul Whiteman inspiriert.“
– George Gershwin
Unser Konzert-Tipp
«The Sound of George Gershwin»
125th Anniversary Celebration
City Light Symphony Orchestra
Samstag, 11. November 2023 | 19:30 Uhr
KKL Luzern · Konzertsaal
Es ist wohl aufschlussreich zu erwähnen, dass Gershwin während des Klavierunterrichts in seinen jungen Jahren die Arbeiten von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin, Franz Liszt sowie Claude Debussy und Maurice Ravel eingehend studierte. Grundsätzlich kann man festhalten, dass sich die jazzigen Wurzeln der Rhapsody in Blue jeweils während den solistischen Passagen offenbaren – am 11. November 2023 spielt diese der Pianist Dejan Lazić –, während die Musikpaten aus der Klassik die Tutti-Momente prägen. In Rhapsody in Blue sind vor allem Stilelemente der Klassik aus den Schöpferphasen der Romantik und des Impressionismus zu finden. Während den Orchestertutti im ersten und dritten Teil der Rhapsody in Blue machen sich Einflüsse aus sinfonischen Werken und Solokonzerten von Robert Schumann, Piotr I. Tchaikovsky oder Anton Bruckner bemerkbar. Dem Klavierspiel wohnen die Virtuosität der Klaviermusik von Franz Liszt und Frédéric Chopin mit ihren rasant-filigranen Läufen, Oktavgriffen und wuchtigen Akkordblöcken inne. Doch widerspiegeln sie auch bevorzugte Kompositionsformen von Claude Debussy und Maurice Ravel.
Die Rhapsody in Blue entnimmt dem Impressionismus auch die gern vorgenommene Vertonung von Komik, Humor, Skurrilem und Bizarrem. Hierzu werden Tonrepetitionen hervorgehoben, Figuren abrupt abgebrochen und extreme Lagen und Spielweisen von den Musikerinnen und Musikern verlangt.