Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/165630

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Trifft es zu, dass die Zahl der Psychiaterinnen und Psychiater in der Schweiz stetig abnimmt und sich zu wenig Nachwuchs finden lässt?</p><p>2. Wie stellt er sicher, dass kein Versorgungsengpass bei der Behandlung psychischer Krankheiten entsteht und psychisch kranke Menschen weiterhin effizient und effektiv über die Grundversicherung versorgt werden können?</p><p>3. Aus welchem Grund hat das Bundesamt für Gesundheit den laufenden Prozess für einen Systemwechsel (Ablösung delegierte Psychotherapie, Schaffung Anordnungsmodell auf Stufe KVV/KLV) unterbrochen? Wann werden die Arbeiten weitergeführt?</p><p>4. Wie kann sichergestellt werden, dass der Systemwechsel kostenneutral erfolgt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Statistik der FMH zu berufstätigen Ärzten in der Schweiz zeigt eine Zunahme der Zahl von Ärztinnen und Ärzten mit Hauptfachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie (von 2701 im Jahr 2008 bis 3521 im Jahr 2014). Auch die Daten des Medizinalberuferegisters zeigen eine Zunahme der erteilten Berufsausübungsbewilligungen im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie. Im stationären Sektor weist die Krankenhausstatistik eine Zunahme der ärztlichen Tätigkeit in psychiatrischen Kliniken aus.</p><p>Die Schweiz ist für die Rekrutierung des Nachwuchses jedoch vom Ausland abhängig. Der Anteil der Psychiaterinnen und Psychiater mit eidgenössischen Aus- und Weiterbildungsabschlüssen nahm von 77,3 Prozent im Jahr 2011 auf 67,6 Prozent im Jahr 2014 ab. Fast zwei Drittel der zwischen 2011 und 2014 neu erteilten kantonalen Berufsausübungsbewilligungen gingen an Psychiaterinnen und Psychiater, die ihre Aus- und Weiterbildung teilweise oder ganz im Ausland absolviert haben. Das Durchschnittsalter der Psychiaterinnen und Psychiater ist mit 55 Jahren um 1,5 Jahre höher als bei den Allgemeinpraktizierenden (53,5 Jahre). Der Anteil der über 55-Jährigen ist bei den Psychiaterinnen und Psychiatern in den letzten vier Jahren stabil geblieben und liegt bei 51 Prozent, im Vergleich zu rund 46 Prozent bei Ärztinnen und Ärzten der Grundversorgung.</p><p>2. Die unter Ziffer 1 aufgeführten Zahlen zur Entwicklung der Anzahl Psychiaterinnen und Psychiater in der Schweiz weisen nicht darauf hin, dass ein Versorgungsengpass vorhanden oder absehbar ist. Der Bundesrat hält in seinem Bericht "Zukunft der Psychiatrie" vom 11. März 2016 in Erfüllung des Postulates Stähelin 10.3255 (<a href="http://www.bag.admin.ch">www.bag.admin.ch</a>; &gt; Themen &gt; Gesundheitspolitik &gt; psychische Gesundheit &gt; psych. Gesundheit und psych. Krankheiten &gt; Postulat zur Zukunft der Psychiatrie) fest, dass die Schweiz über eine qualitativ hochstehende psychiatrische Versorgung verfügt. Dennoch zeigt der Bericht Handlungsbedarf auf: Verbessert werden sollen - in Zusammenarbeit mit den Kantonen und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren - die Koordination der Angebote, die Qualifikation der Fachpersonen sowie die Datenlage über die Versorgung. Diese Ziele decken sich mit jenen der Strategie "Gesundheit 2020", namentlich der Förderung der psychischen Gesundheit, der Verbesserung der Unterstützung psychisch erkrankter Personen und der Förderung von zeitgemässen Versorgungsangeboten. Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz plant, vermehrt im Bereich der psychischen Gesundheit tätig zu werden, indem sie u. a. kantonale Aktionsprogramme Psychische Gesundheit fördern will.</p><p>Der Bundesrat setzt sich für die Förderung des inländischen Ärztenachwuchses ein und will die universitären Hochschulen bei der Erhöhung der Anzahl Abschlüsse in Humanmedizin mit einem Zusatzkredit von 100 Millionen Franken unterstützen. Von 2017 bis 2020 soll damit ein gemeinsam mit der Schweizerischen Hochschulkonferenz erarbeitetes Sonderprogramm finanziert werden. Der Bundesrat hat die entsprechende Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Innovation 2017-2020 am 24. Februar 2016 an das Parlament überwiesen.</p><p>3./4. Bisher werden diejenigen Psychotherapien von psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) vergütet, die in der Praxis eines Arztes unter dessen Aufsicht und Verantwortlichkeit erfolgen ("delegierte Psychotherapie"). Mit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Psychologieberufe (SR 935.81) und der Verordnung über die Psychologieberufe (SR 935.811) auf den 1. April 2013 wurden geschützte Berufsbezeichnungen eingeführt und die Aus- und Weiterbildung sowie die Berufsausübung der psychologischen PsychotherapeutInnen geregelt. Zurzeit werden verschiedene Modelle der Zulassung geprüft.</p><p>Im Zentrum der Überlegungen steht die Prüfung der Zulassung der psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten als Personen, die auf Anordnung oder im Auftrag eines Arztes oder einer Ärztin Leistungen erbringen. Die Arbeiten dazu laufen seit 2013. Mit den beteiligten Organisationen wurden im Juli 2014 die vom Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) vorgegebenen Rahmenbedingungen diskutiert. Sie hatten die Möglichkeit, ergänzend zu den präsentierten Optionen umsetzbare Vorschläge insbesondere hinsichtlich Gewährleistung der Qualität und Wirtschaftlichkeit einzubringen. Gesucht wurden Lösungen, die eine nachweisbare Verbesserung der Versorgung bringen und gleichzeitig das Ausgabenniveau der OKP nicht ungebührlich belasten. Nach Prüfung verschiedener Lösungsansätze und deren Auswirkungen stellte das EDI im Sommer 2015 fest, dass in Bezug auf die Versorgungssituation nicht genügend Informationen für eine Entscheidung vorliegen, und es wurden entsprechende Studienaufträge vergeben. Die Ergebnisse werden im Herbst 2016 erwartet. Danach soll der Entscheid bezüglich eines allfälligen Wechsels vom Delegations- zum Anordnungsmodell getroffen werden.</p>  Antwort des Bundesrates.