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Snooks Eaglin (1936 - 2009)
Wie wir erst neulich zufällig sahen, ist kürzlich einer der bemerkenswertesten Musiker der New Orleans-Szene verstorben, der phantasische Snooks Eaglin (1936-2009). Snooks Eaglin kam am 21. Januar als Fird Eaglin, Jr. in New Orleans zur Welt, die er nach einer Herzattacke am 18. Februar dieses Jahres wieder verliess. Der Name Snooks erhielt er in Anspielung auf eine Figur im Radio der 1940er Jahre, die schelmische «Baby Snooks» http://en.wikipedia.org/wiki/Baby_Snooks]. Dazwischen liegen 72 Jahre seines Lebens, von denen er 67 mit der Gitarre und seinem Gesang bestritten hat. Eaglin, der zu Beginn seiner Karriere als «Blind» Snooks Eaglin bekannt war, nachdem er als Einjähriger sein Augenlicht verloren hatte, war primär ein Strassenmusiker in New Orleans, aber durch seine Aufnahmen wurde er auch einem weiteren Kreis bekannt. Eaglin war ein äusserst vielseitiger Musiker, der neben einer Vielzahl von Blues-Stilen und dem typischen New Orleans-Sound auch Jazz, Funk, Rock'n'Roll, Country oder lateinamerikanisch und karibisch inspirierte Musik spielte.
Seine musikalische Vielseitigkeit und seine Vorliebe, bei Konzerten keine feste Setlist zu spielen, sondern ein Programm jeweils zu improvisieren oder Publikumswünschen nachzukommen trug ihm den Beinamen «the human jukebox» ein, und er sagte selbst, sein gespieltes Repertoire umfasse 2500 Titel, was etwa demjenigen von Ella Fitzgerald entspricht. Der Mann verbrachte ein Leben in der Musiktradition der Südstaaten, er war ein begnadeter Unterhalter und guter, wenn auch eigenwilliger Sänger, der mit Ray Charles verglichen wird. Eaglin trat in den 50er Jahren sogar unter dem Namen «Little Ray Charles» auf. Seine Aufnahme von I Got a Woman auf That's All Right macht eindrücklich klar, wieso.
Snooks Eaglin erhielt seine erste Gitarre im Alter von fünf Jahren, und er lernte diese auf autodidaktische Weise spielen, indem er dem Radio zuhörte. Neben der Gitarre brachte der junge Snooks sich auch das Singen selbst bei und so entwickelte er einen individuellen Gesang, bei dem er leicht nuschelt und der bei Live-Aufnahmen von Zwischenrufen durchsetzt ist, die in den Gesang übergehen, wie es sonst nur James Brown tat. Eaglin betrachtete die Stimme als ein Instrument, und entsprechend legte er keinen Wert auf die Texte. Im Alter von elf Jahren gewann er 1947 einen Talentwettbewerb des Radiosenders WNOE, und 1950 verliess er die Blindenschule und widmete sich professionell der Musik. Er spielte mit allen Grössen der lokalen Szene zusammen, angefangen mit Allen Toussaint, in dessen Band The Flamingoes er ab 1952 spielte und den Gitarren- wie auch den Basspart spielte, indem er mit Fingerpicking beides abdeckte. Später spielte er mit den Pianisten Ellis Marsalis (dem Vater von Wynton und Bradford Marsalis), Boogie Bill Webb, Professor Longhair (Mardi Gras in Baton Rouge) und James Booker.
1953 kam seine erste Aufnahme, allerdings nicht unter seinem eigenen Namen. Dies gelang erst 1958, als Folklorist Harry Oster von der Louisiana State University das erste Mal Soloaufnahmen des Strassenmusikers machte. Diese und weitere Aufnahmen sind auf der Kompilation New Orleans Street Singer zu hören. Auf diesen Aufnahmen spielt er den Katalog des Country Blus (Careless Love, See See Rider, Walking Blues, Trouble in Mind) und wenn auch sein späterer Stil zu erkennen ist, klingt er hier sehr wie John Lee Hooker. Er zeigt weitere Stile, aber der Einfluss Hookers scheint unverkennbar. von
1960 wechselte Eaglin für drei Jahre zum Label «Imperial», wo er im Trio mit Booker und Schlagzeuger Smokey Johnson 26 tracks Titel einspielte, die als The Complete Imperial Recordings verfügbar sind. Dave Bartholomew schrieb seine Songs, die im typischen R&B Stil von New Orleans daherkommen, was bei dieser Band aber auch nicht verwundert. 1964 nahm er für den staatlichen schwedischen Rundfunk bei sich zuhause eine Schallplatte auf, und 1971 ging er zum schwedischen Label «Sonet». Obwohl er zahlreiche Aufnahmen unter seinem Namen machte, spielte er auch in anderen Bands, etwa 1973 auf dem Debutalbum der Band The Wild Magnolias, später auch mit Earl King oder Henry Butler und Tommy Ridgley. Mit Beginn der 1980er Jahre begann dann eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Label «Black Top».
Snooks Eaglin spielt die Gitarre mit einer Selbstverständlichkeit und einer Kreativität, die manche kleinen Fehler verzeiht, aber die stets originell und überraschend ist. Sein Rhythmusspiel ist unglaublich funky mit raffinierten Gegenschlägen und Synkopen. Sein Live-Album Live in Japan etwa ist eine Wundertüte an schöner und fröhlicher Musik. Dies beweist er auch auf Instrumentalstücken wie San-Ho-Zay oder Hideaway, die er dem Original getreu, aber doch vollkommen eigen spielt. Sein Gitarrenton ist zumeist ein Bridge-Humbucker mit dem Höhenpoti auf einer Stellung über 8, und damit näselt seine Gitarre, spricht aber perfekt auf winzige Feinheiten an, von denen sein Spiel voll ist. Seine Soli scheinen aus ihm heraus zu fliessen, und sein Gesang ist intim und berührend. Zur Hochform lief Snooks Eaglin aber auf, wenn er die grossen Hits seiner New-Orleans-Tradition zu spielen: St. James Infirmary, Hello Josephine. I Went to The Mardi Gras oder Let the Four Winds Blow.
Seine Fröhlichkeit, seine unbeschwerte und selbstverständliche Musikalität wird fehlen. Und für all jene, die Snooks Eaglin nicht kennen, abschliessend der folgende Tipp. CD kaufen und bei der nächsten Autofahrt einlegend: Gute Reise garantiert!