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Die Welt als Narrenschiff: Katherine Anne Porter (1890-1980)
Als sie 1932 in Basel auf Sebastian Brants «Narrenschiff» stiess, erschien Katherine Anne Porter ihre eigene Fahrt von New York nach Bremerhaven wie eine moderne Form der Allegorie von 1494. In Paris, Davos, Salzburg und New York bevölkerte sie in den folgenden Jahren, während die schlimmst denkbaren Prognosen von 1931 Wirklichkeit wurden, ihr imaginäres Schiff mit den Narren ihrer Zeit: mit Lizzi Spöckenkieker und Mrs. Treadwell, dem jüdischen Kaufmann Löwenthal und dem Nazi Siegfried Rieber, dem buckligen Karl Glocken, dem Liebespärchen Jenny und David und der opiumsüchtigen Condesa aus Kuba, die den melancholisch-todessüchtigen Schiffsarzt Dr. Schumann in ihre Einsamkeit locken will. Menschen mit ihren Hoffnungen und Sehnsüchten und mit der sich Tag für Tag verstärkenden Ahnung, dass sie längst alle verloren sind.
«Ship of Fools», 1962 endlich erschienen, machte Katherine Anne Porters Namen - nicht zuletzt dank Stanley Kramers Verfilmung mit Oskar Werner und Simone Signoret - einen Augenblick lang über den Kreis der literarisch Interessierten hinaus bekannt. Im Grunde aber brachte der 600seitige Roman nur auf plakativere Weise zum Ausdruck, was im sonst nur schmalen erzählerischen Œuvre der amerikanischen Literaturdozentin, die am 18.September 1980 90jährig starb, unverwechselbar präsent ist: Dass etwas wie ein Riss durch die Schöpfung geht, der das Glück fragwürdig und die Hoffnung zwiespältig macht. So, wie die tapfere, nach Shakespeares «Sturm» geheissene Miranda es in «Old Mortality» 1937 mit ihrem vergeblichen Ausbruchsversuch aus der bigotten Welt der amerikanischen Südstaaten erleben muss - und wie die gleiche Figur es 1939 in «Pale Horse, pale Rider» nach einem langen, zuletzt siegreichen Todeskampf am Ende des 1.Weltkriegs bestätigt sieht: «Kein Krieg mehr, keine Epidemie mehr, nur das betäubte Schweigen, das dem Verstummen der Kanonen folgt; stumme Häuser mit geschlossenen Läden, leere Strassen, das tote, kalte Licht von morgen...»