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© Marcel Burkhardt
Im Rahmen eines Artenförderungsprogramms sollen die Ursachen für den starken Bestandsrückgang der Lachmöwe erforscht und entsprechende Massnahmen umgesetzt werden.
In den vergangenen 20 Jahren wurde europaweit ein Bestandsrückgang der Lachmöwe im Binnenland und teilweise an den Meeresküsten festgestellt. Auch in der Schweiz hat der Brutbestand in dieser Zeitspanne um 74 % abgenommen. Die Entwicklung des Schweizerischen Brutbestands wird weiterhin überwacht. Gleichzeitig wird den Ursachen für den geringen Bruterfolg, bzw. für die hohe Nestlingssterblichkeit, nachgegangen.
In Zusammenarbeit mit freiwilligen Mitarbeitern wurden zwischen 2003 und 2006 der jährliche Brutbestand und der Bruterfolg der Lachmöwe in den Schweizer Brutkolonien erfasst. In einigen Brutkolonien wurde durch Direktbeobachtungen und mit Hilfe von Infrarot-Videokameras untersucht, ob Prädatoren für den geringen Bruterfolg und die hohe Nestlingssterblichkeit verantwortlich sein könnten. Direktbeobachtungen erbrachten auch Erkenntnisse zu zwischen- und innerartlicher Konkurrenz sowie zu den Einflüssen der Witterung und von Störungen. Analysen von Stoffwechselprodukten im Blut von Lachmöwen-Nestlingen sollten ein Bild über die Ernährungssituation geben. Bei den Brutkolonien in Rapperswil wurden Webcams installiert. Sie ermöglichen interessante Einblicke ins Brutgeschehen der Lachmöwen.
Anhand dieser populären, koloniebrütenden Vogelart kann exemplarisch gezeigt werden, welche Faktoren auf den Bestand einer Brutpopulation einwirken. Dank Ergebnissen aus unseren Projekten können die Förderungsmassnahmen gezielt auf die Lachmöwe abgestimmt werden. Dies ist erforderlich, weil die Lachmöwe eine von 50 Prioritätsarten der Schweiz ist, für deren Erhaltung spezifische Massnahmen ergriffen werden müssen.
Direkt- und Videoüberwachungen in den Brutkolonien ergaben, dass Prädation von Nestlingen zumindest lokal eine grössere Bedeutung für das Überleben der Nestlinge bis zum Flüggewerden hat. Die Hypothese, dass Lachmöwennestlinge unter Nahrungsmangel leiden, wurde weder durch unsere Messungen von Körpermassen noch durch unsere Analysen von Blutmetaboliten-Konzentrationen gestützt. Grössere Nestlingsverluste traten hingegen mehrfach durch Witterungseinflüsse wie Hochwasser, Stürme, Nässe und Kälte auf. Störungen von Brutkolonien durch menschliche Aktivitäten beobachteten wir wiederholt, und diese dürften sich vor allem während der Nestlingszeit negativ ausgewirkt haben. Zwischenartliche Konkurrenz trat v.a. in Form von Nistplatzkonkurrenz durch die Mittelmeermöwe auf und verhinderte wohl mehrmals die Ansiedlung von Lachmöwen. Innerartliche Konkurrenz trat hauptsächlich unter engen Platzverhältnissen in den Brutkolonien auf.
Als Förderungsmassnahmen bieten sich primär der flächenmässige Ausbau und die Optimierung bestehender Brutplätze an: Vielfach lässt sich schon mit einfachen baulichen Massnahmen an künstlichen Brutplätzen ein deutlich verbesserter Schutz der Nestlinge vor Prädation und extremen Witterungsereignissen erreichen. Menschliche Störungen können mit der Ausscheidung grosszügiger Seeschutzzonen oder Naturschutzgebieten minimiert werden.
Informationen zur Lachmöwe finden Sie im populärwissenschaftlichen, reich bebilderten Buch von Anderegg, K. & B. Walser (2007): "Weltenbummler und Sesshafte - Gefiederte am Zürichsee", Verlag Projektgruppe www.wasservoegel.ch.