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Judi Dench (87) hat einen offenen Brief an die Zeitung «The Times» geschrieben, in dem sie die Netflix-Serie «The Crown» kritisiert. Die Darstellung der britischen Königsfamilie in der TV-Show sei «auf grausame Art ungerecht», meint die Schauspielerin darin. Die Oscarpreisträgerin betonte zudem, dass sie künstlerische Freiheit unterstütze, und forderte Netflix auf, jeder Episode eine Erklärung hinzuzufügen. Durch diese sollen die Zuschauer darauf hingewiesen werden, dass die Serie eine fiktive Darstellung historischer Ereignisse ist.
In dem Beitrag schreibt Dench, je näher die Serie der Gegenwart komme, desto eher scheinen die Macher bereit zu sein, «die Grenzen zwischen historischer Genauigkeit und plumper Sensationsgier zu verwischen». Der offene Brief kommt damit kurz vor dem Start der fünften Staffel von «The Crown», die ab 9. November auf Netflix zu sehen sein soll. Die neuen Folgen handeln von einigen der turbulentesten Jahre der königlichen Familie in den 1990er Jahren. In diese fiel unter anderem die Trennung von König Charles III. (73), damals Prinz von Wales, und seiner ersten Frau, Prinzessin Diana (1961-1997). Das Paar wird in Staffel fünf von «The Crown» von Elizabeth Debicki (32) und Dominic West (53) gespielt.
«Auf grausame Art ungerecht»
Judi Dench spricht in ihrem Brief zudem weitere angebliche Handlungsstränge aus den kommenden Episoden an: dass Charles zum Beispiel geplant haben soll, seine Mutter auf dem Thron zu ersetzen, oder einmal behauptete, die Erziehung seiner Mutter sei so schlecht, «dass sie möglicherweise eine Gefängnisstrafe verdient hätte». Dazu meint die Schauspielerin: «Angesichts einiger der verletzenden Behauptungen, die offenbar in der neuen Staffel enthalten sind», sei die Serie sowohl auf «grausame Art ungerecht für die Einzelpersonen als auch schädlich für die Institution, die sie vertreten». Dench fügte hinzu: «Niemand glaubt mehr an künstlerische Freiheit als ich, aber das kann nicht unwidersprochen bleiben.»
Weiter heisst es in dem Brief, dass sich die Serienmacher bisher allen Forderungen widersetzt hätten, zu Beginn jeder Episode einen Disclaimer zu veröffentlichen. «Für Netflix ist es an der Zeit, dies zu überdenken - zum Wohle einer Familie und einer Nation, die vor kurzem trauerten, als Zeichen des Respekts für eine Königin, die ihrem Volk 70 Jahre lang so pflichtbewusst gedient hat, und um den eigenen Ruf zu wahren bei den britischen Abonnenten». Die Forderung nach einem Disclaimer, der verhindern soll, dass Zuschauer die Darstellung nicht fälschlicherweise als historische Wahrheit interpretierten, kam bereits vor vergangenen Staffeln von «The Crown» auf, bisher ohne gehört zu werden.
Auch John Major übt Kritik
Vor Denchs Brief hatte es bereits viel Kritik an den neuen Folgen von «The Crown» gegeben. «The Telegraph» berichtete, im Palast sei man besorgt wegen der Darstellung von König Charles in der Serie. Eine anonyme Quelle, die dem König nahestehen soll, bezeichnete die Netflix-Show demnach als «ausbeuterisch». Auch der ehemalige Premierminister John Major (79), der in der Serie von Jonny Lee Miller (49) verkörpert wird, hat die angeblich negative Darstellung von Charles in der fünften Staffel kritisiert.
Stars hinter und vor der Kamera von «The Crown» haben unterdessen Kritik zurückgewiesen, dass die Netflix-Serie die britische Königsfamilie nach dem Tod von Queen Elizabeth II. (1926-2022) in den Schmutz ziehe. Im Gespräch mit dem US-Branchenportal «Variety» wiesen der Schöpfer von «The Crown», Peter Morgan (59), und die Schauspieler Elizabeth Debicki und Dominic West Behauptungen zurück, die Serie sei «unfreundlich» den Royals gegenüber. «Ich denke, wir müssen alle akzeptieren, dass die 1990er eine schwierige Zeit für die königliche Familie waren, und König Charles wird mit ziemlicher Sicherheit einige schmerzhafte Erinnerungen an diese Zeit haben», sagte Morgan.
«Aber das bedeutet nicht, dass die Geschichte im Nachhinein unfreundlich zu ihm oder der Monarchie sein wird. Die Serie ist es sicherlich nicht.» Er habe «enorme Sympathie für einen Mann in seiner Position» und diese Familie, so Morgan. «Die Menschen sind verständnisvoller und mitfühlender, als wir manchmal erwarten.»
«Peter und die gesamte Crew geben ihr Bestes, um wirklich alles mit einem solchen Feingefühl, Wahrheit und Komplexität zu handhaben, genau wie die Schauspieler», sagte Debicki zu «Variety» über die Dreharbeiten zu Dianas Tod. West erklärte, Dianas Tod darzustellen, beinhalte «eine schwere, schwere Verantwortung, es richtig zu machen, und etwas, von dem ich denke, dass wir es alle ziemlich ernst nehmen».