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"Jeder Mensch kann singen!"
Christian Johannes Käser hat Philosophie studiert und als Schauspieler und Musiker in verschiedensten Theater- und Musicalproduktionen mitgewirkt (z. B. "Ewigi Liebi"). Er ist Gründungs-Mitglied der Improtheater-Gruppe anundpfirsich und coacht Leute an Hochschulen und Firmen in Kommunikation und Präsenz.
Als "Pumpernickel" hat er die musikalische Stegreif Comedy erfunden. Er schrieb zwei Jahre die monatliche Kolumne für das Appenzeller Magazin und ist ein gefragter Moderator von verschiedensten Anlässen. An der Atelierschule Zürich, einer kreativen Privatschule, arbeitet er zusätzlich als Coach mit Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten, unterstützt sie in ihrer Berufsfindung etc. Mit seiner Familie lebt Christian in Zürich.
Christian Johannes Käser: Wie kommt ein Philospoph zum Theater, zu Impro und zur Musik?
Ich habe früher am Gymi schon immer Musik gemacht. Also in Bands gespielt, damals als Gitarrist in einer Funk-Band. Im Gymi spielte ich auch Schultheater.
Als ich studierte, hat mich Roman Ricklin, ein Theaterautor und Musiker, für die Kinder-Theaterproduktion "Alfonsa di Monsa" angefragt. Damals hatte ich aber noch nie professionell Theater gespielt. Als er mich damals spontan fragte, dachte ich: "Ja spinnt er völlig? Ich kann das doch nicht!" Doch ich konnte tatsächlich in dieser Produktion mitspielen und wir waren damit auch auf Tournee. Wir spielten zum Beispiel an der Expo. Da hat es mich richtig "reingezogen". Da habe ich den Narren am Theater gefressen.
Mein Studium habe ich auch meinen Eltern zuliebe noch beendet. Sobald aber mein Studium fertig war und ich meine Liz-Arbeit abgeben hatte, habe ich gesagt: "Jetzt mache ich nur noch Theater!"
Nebenbei habe ich mit dem Fahrrad Flyer verteilt, in einem Museum an der Kasse gearbeitet und habe sonst nur noch Theater gemacht. Mit diesen Nebenjobs habe ich mich über Wasser gehalten und habe Kindertheater gespielt und mit-produziert. Da habe ich mich in den verschiedensten Bereichen ausgetobt. Natürlich habe ich mich auch noch weiter gebildet. Ich nahm Sprechunterricht und besuchte überall Workshops. Zum Beispiel in Deutschland oder in New York, da war ich auch mal einen Monat.
Zu der Zeit kam auch Impro ins Spiel. Eigentlich wollte ich mich in dem Bereich auch weiterbilden und habe einen Improvisationstheaterkurs besucht, damals zusammen lustigerweise mit Fabian Unteregger (Schweizer Parodist und Komiker). Und ich habe eigentlich gedacht, Impro als Trainingsfeld für das "richtige" Theater zu nutzen. Da hat es mir aber schon ziemlich den Ärmel reingezogen. Ich habe gemerkt, diese Form passt eigentlich fast am besten zu mir. Parallel spielte ich in klassischen Produktionen wie "Ewigi Liebi", "Pipi Langstrumpf" im Casino-Theater weiter.
Impro wurde für mich immer spannender und interessanter. Dann haben wir 2005 das Theater anundpfirsich gegründet. Das hat sich langsam als Impro-Institution aufgebaut. Damals spielten wir viel Theater-Sport gegen andere Teams in der Schweiz. Ich merkte, mit Impro fühle ich mich am wohlsten und das kann ich vermutlich auch am besten.
Impro ist für mich das, was alles verbindet was ich mache. Impro ist für mich wie ein Werkzeug. Wenn ich als Coach arbeite, wenn ich als Impro-Schauspieler, als musikalischer Improvisateur auftrete, ist Impro das, was alles zusammen hält.
Es gab Zeiten, wo ich vor allem (klassischer) Schauspieler war. Ich habe im Sprechtheater einiges gemacht, im Kinder- und Jugendtheater, Musicals, wo ich Sprechtheater gespielt und produziert habe.
Im Moment kann ich sagen ist eigentlich Improvisation der Kern meiner Arbeit.
Wie ist "Pumpernickel" entstanden?
Musik kam irgendwann wieder zurück. Man singt ja auch auf der Impro-Bühne beim Theater-Sport. Und ich wollte es einmal ganz alleine auf der Bühne ausprobieren. Wir hatten das Glück in der Töpferei eine Art Ausprobierbühne zu haben. Ich beschloss: "Jetzt mache ich einmal einen Abend, wo ich alleine auf die Bühne stehe und mit meiner Gitarre Lieder improvisiere." So im Sinne einfach mal ausprobieren.
Schon am ersten Abend war das Echo recht gut. Ich habe viele Leute eingeladen und habe diese Form ich alleine mit der Gitarre immer versucht etwas weiter zu entwickeln. Verschiedene Formen zu finden, wie kann man Songs aus dem Moment entwickeln und das ist stetig gewachsen.
Sicher hat mir die Casting-Show Schweizer Talente viel gebracht. Viele Anfragen sind daraufhin eingegangen. Inzwischen ist es so, dass ich viel an Kongressen und Tagungen mit meinem Solo-Programm spielen kann. Das mache ich sehr gerne, weil es ein Vorteil von Impro und der Musik-Impro ist, dass man überall hingehen kann. Ich habe überhaupt kein Problem, in einer lustigen Beiz in Appenzell zu spielen oder aber auch an einer ADHS-Tagung oder einem Demenz-Kongress. Die verschiedenen Welten gefallen mir sehr und ich spiele sehr gerne an verschiedensten Anlässen. Ich mag die Vielseitigkeit.
Mein erstes Programm hiess Pumpernickel und so kam es zum Namen "Pumpernickel". Inzwischen bewege ich mich zu Christian Johannes Käser als Solo-Improvisateur. Als Solist kreiere ich Lieder und Geschichten auf der Bühne.
Die Entstehung hatte auch familiäre Gründe. Produktionen wie "Ewigi Liebe" - oder ich spielte mal in einem Stück in München - waren mit Familie nicht mehr möglich. Man sieht das auch in den Casts dieser Produktionen, der grösste Teil hat entweder keine Kinder oder ist jung. Es ist einfach sehr schwierig, wenn Du fünf Wochen intensiv probst und dann drei Monate fünf mal in der Woche abends spielst.
Da habe ich mir gesagt, ich mache etwas, was ich selber organisieren kann. Das wurde dieses Solo, das ich ausprobiert habe. Da kommen auch die beiden Sachen, die ich am liebsten mache - Improvisation und Musik - zusammen. Klar habe ich auf der Bühne immer mal wieder gesungen, aber das mal wirklich ins Zentrum zu stellen, das war mit diesem Solo die Idee. Die Flexibilität schätze ich auch sehr. Es lässt sich auch gut mit Moderation, (Co-) Kommentator, als Reaktion auf einen Vortrag etc. verbinden.
Was ich auch gerne mag, dass ich innerhalb eines Kontextes, eines Themas improvisieren kann. Als Solist begann mich das noch stärker zu interessieren. Gerade auch wenn man als Solist ja keinen Spielpartner hat.
Du gibst ja auch Kurse und Coachings für improvisiertes Singen? Für wen sind diese Kurse etwas?
Mir ist es ein riesengrosses Anliegen, dass diese Kurse für ALLE sind. Also klar mache ich auch gerne Coachings Gruppen wie z. B. Impro-Gruppen, die an ihrem Impro-Singen arbeiten wollen.
Aber bei den Workshop lasse ich es offen. Da hatte ich auch schon Menschen ohne Impro-Erfahrungen oder sogar Menschen, die sagen, sie haben Angst vor dem Singen. Gerade das interessiert mich sehr, den Leuten die Angst vor dem Singen zu nehmen.
Warum möchtest Du den Menschen die Angst vor dem Singen nehmen?
Ich bin der festen Überzeugung, dass eigentlich alle singen können. Alle Menschen sind sehr, sehr musikalisch. Im Verlaufe meiner Unterrichtstätigkeit traf auch auf extrem viele Menschen, die sagen: "Ich kann nicht singen." Oft stellte sich auf Nachfrage raus, dass es irgendein ein Musik-Lehrer, oder eine Musik-Lehrerin oder manchmal ein Bruder, eine Mutter oder ein Vater, die sagten: "Du kannst nicht singen." Und das hat sich so festgebrannt bei denen, dass es zu riesengrossen Blockaden geführt hat.
Manchmal kann ich einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese Blockaden zu lösen. Aber wichtiger wäre, dass da draussen die Leute ihren Brüdern, Schwestern oder Kindern nie sagen, du kannst nicht singen. Das ist totaler Blödsinn! Das ist wie "Du kannst nicht zeichnen". Wirklich amusische Menschen gibt es eigentlich fast nicht. Es gibt da ein Buch "Hast Du Töne? Warum wir alle musikalisch sind von Christoph Drösser, der das wissenschaftlich untersucht hat. Es gibt da nur einen ganz kleinen Teil von Menschen, die da ein wirkliches Problem haben. Sonst sind wir sehr musikalisch.
Unser Hauptproblem ist ja in der Musik, dass wir uns mit den Roger Federers (Schweizer Welt-Tennisstar) vergleichen. Das wir immer meinen, dass man es wirklich können muss und sonst ja nicht singen kann. Was ja vollkommener Blödsinn ist! Zum Beispiel, wenn man ihn fragt: "Machst Du Sport?" und er antwortet: "Ja, ich jogge und spiele ab und zu Tennis." Dann sagt man ja niemanden, du musst jetzt den New York Marathon laufen oder in Wimbledon mitspielen. Sondern es gilt, ich mache einfach Sport, weil es mir Spass macht. Und das Gleiche gilt für mich beim Singen. Ich muss nicht eine grosse Bühne haben oder eine Opern-Sängerin werden, sondern singt einfach. Das finde ich recht wichtig.
Ich war mal eine Weile in Irland. Und Irland hat die Kultur, dass die Musik viel mehr im Alltag integriert ist. In Pubs singt man ständig und man singt eigentlich viel mehr als hier bei uns. Im Appenzellerland habe ich es in meiner Jugend auch noch ein bisschen so erlebt, dass man viel gesungen hat. So an Familienanlässen. Manchmal habe ich den Verdacht, dass das etwas verloren geht.
Und da haben natürlich Castings-Shows leider - ich war ja selber mal in einer - haben da dem Singen nicht gerade einen Dienst erwiesen. In Castings-Shows heisst es ja entweder Du bist wirklich ein Super-Talent oder Du bist ein Fail. Es gibt wie nichts dazwischen. Das ist mega schade! Es hat ja an Castings-Show auch immer wieder sehr, sehr gute Sänger*innen, das ist ja mega beeindruckend, wie die z. B. schon mit 17 Jahren so singen können.
Aber das heisst ja nicht, dass wenn ich kein Roger Federer bin, dass ich dann nicht auf den Tennisplatz gehen darf, obwohl er natürlich ein genialer Tennisspieler ist. Ich darf ja auch ein bisschen Tennis spielen (lacht). Ich spiele zwar kein Tennis, brauche das aber als Beispiel. Oder Beat Feuz beim Skifahren oder Messi beim Fussball spielen zuschauen, deswegen darf ich ja trotzdem Skifahren gehen oder ein bisschen Fussball spielen.
Damit will ich nicht sagen, dass man sich beim Singen nicht verbessern kann. Das ist schon richtig. Wenn ich zum Beispiel mehr mit dem Fussball jongliere, dann werde ich besser im Fussball. Beim Singen ist es ja auch so.
Welche Interview-Frage wolltest Du schon immer gestellt bekommen und beantworten?
Frage:
Was kann ich machen, wenn ich nicht singen kann?
Antwort:
Dann musst Du das ganz stark hinterfragen. Es kann JEDER Mensch singen. Wir sind viel, viel musikalischer als wir denken. Und was Du machen kannst, ist einfach mal singen. Und nicht den Anspruch haben, dass es gleich wie ein Pop-Song oder eine Opern-Arie klingen soll. In erster Linie einfach mal mit den Tönen musikalisch spielen.
Worüber kannst Du herzlich lachen?
(grinst) Wahrscheinlich im Moment am meisten über meine Kinder, wenn sie was Lustiges machen, wie etwas Unerwartetes, mit dem ich nicht gerechnet habe. Meine Frau bringt mich auch sehr oft zum Lachen. Wir lachen gerne über uns selber und über Situationen. Also am meisten lache ich vor allem im Alltag, mit Freunden oder Bekannten.
Was déformation professionelle ist, ist das ich wahrscheinlich kein so guter Zuschauer bin. Wenn ich irgendwo eine Kabarettistin oder sehe, denke ich: Das ist jetzt noch ein guter Witz, der funktioniert super-gut. Aber ich lache gar nicht so von innen heraus. Das finde ich, ist ein bisschen déformation professionelle. Das mich ein Comedian wirklich richtig zum Lachen bringt, braucht es schon recht viel. Da muss ich das Analysieren wie vergessen.
Es kann sein, dass mich mein zwei-jähriger Sohn am Tisch "Gagi" sagt und die Situation so absurd ist, dann lache ich. Da könnte man ja sagen, dass ist ein vollkommen doofer Witz von einem Zweijährigen. (lacht) Und auf der Bühne denke ich manchmal, hey, das ist recht genial, das ist politisch. Im Moment bin ich Fan von Patti Basler (Schweizer Bühnenpoetin, Kabarettistin, Autorin). Aber ich glaube, sie bringt mich auch nicht eruptiv zum Lachen sondern ich finde sie einfach gut (lacht).
Welche Vision hast Du? Was möchtest Du beruflich oder in Deinem Leben noch erreichen?
Ich möchte Improvisation in seiner Form noch weiter erforschen. Und ich möchte improvisierte Musik, improvisiertes Singen den Leuten weiter geben. Und weiterhin die Freude auch verteilen.
In einer Schublade, die nicht physisch ist, habe ich ein Buchprojekt. Ich möchte ein Buch herausgeben zum Impro-Singen. "Werkstatt improvisierte Lieder" ist der Arbeitstitel. Es ist schon einiges geschrieben und ich hoffe, dass ich es irgendwann veröffentlichen kann. Es könnte auch für Lehrer und Lehrerinnen, Theater-Pädagog*innen interessant, weil ich dazu recht viele Übungen entwickelt habe.
Das Genre von Lieder mit Text im Moment improvisieren ist im Moment noch gar nicht so voll ausgereizt. Ich finde es dürfte viel mehr Leute geben, die das auch machen, auch auf der Bühne und in Schulen oder an Workshops weiter tragen. Und da habe ich das Gefühl, da gibt es noch einiges zu machen und da möchte ich auch noch einiges erreichen.
Privat schaue ich nicht so fest in die Zukunft. Die Kinder werden älter und ich hoffe, dass ich sie sinnvoll begleiten kann. Aber sie sollen selber ihr eigenes Ding machen können und ich schaue, dass es genug Essen auf dem Tisch ist (lacht).
Du bist ja recht vielseitig. Wie bringst Du alles unter einen Hut?
Cool ist, dass mir das was ich mache Spass macht. Das ist mein Hauptantrieb. Manchmal ist es aber auch herausfordernd. Da müsste man noch meine Frau fragen, wie ich das schaffe (lacht). Mit Familie kann eine halbe Stunde das ganze System durcheinander bringen, wenn es heisst, du musst eine halbe Stunde früher dort sein. Und ich muss noch die Kinder meiner Frau übergeben. Das ist mit kleinen Kindern natürlich eine grosse Herausforderung.
"... dass man dem vertraut, was gerade passiert."
Was bedeutet für Dich persönlich improvisieren - vor allem im Leben? Beruflich spielt es ja eine ganz grosse Rolle.
Für mich bedeutet es vor allem Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit auf den Moment, dass man dem vertraut, was gerade passiert. Dass das eine wahnsinnige Kraft haben kann. Das man nicht zurück und nicht nach vorne schaut, sondern schaut, was passiert jetzt genau. Das unterschätzt man manchmal, dass das gar nicht so einfach ist, weil man ja immer einen Plan hat und man weiss, man muss noch irgendwo hin. Aber das man dort, wo man gerade ist. Das sich dort das Spannendste passiert. Das ist eigentlich Improvisation, die als Ruhen im Alltag stattfindet, die aber in einer anderen Form auch auf der Bühne stattfindet. Das ist für mich Improvisation.
Gibt es eine Geschichte à la Pleiten, Pech und Pannen, die Du erzählen möchtest?
Als ich bei "Ewigi Liebi" mitgespielt habe, ist während einer Vorstellung ein Lichttechniker aus 10 m Höhe herunter gefallen. Ich kann das jetzt auch erzählen, weil er hat zum Glück alles gut überstanden.
Die Show wurde natürlich sofort unterbrochen. Ich war gerade hinter Bühne und habe das nicht direkt gesehen. Es gab aber Schauspieler*innen die haben gesungen und haben das gesehen. Es kam sogar ein Care-Team mit zwei Psychologen. Da wusste man noch nicht, wie es dem Techniker genau ging.
Es war eine wirklich krasse Situation! Der Techniker hatte ganz viel Glück. Er fiel auf einen Sitz, ich glaube sogar noch auf einen Zuschauer, dem passierte zum Glück auch nichts Bleibendes. Deshalb kann ich es auch erzählen. Der Bereich dort oben wurde dann auch besser gesichert.
Das war wirklich krass! Es war ein grosser Schockmoment. Ich war in dem Murmel-Tier-Loch und es wurde gerade das Lied "Ewigi Liebi" gesungen und plötzlich hörte ich etwas. Der Gesang brach ab, die Band in ihrem Häuschen spielte noch ein paar Takte weiter und brach dann auch ab. Und irgendwann kam eine Durchsage und wir hoben dann auch mal den Deckel und haben geschaut, was los war. Sofort wurden die Zuschauer rausbegleitet. Die durften dann die Show zu einem späteren Zeitpunkt nochmals besuchen. Das ist wohl die krasseste Pleiten, Pech und Pannen-Geschichte, die ich jemals auf einer Bühne erlebt habe.
Was bedeuten Dir Deine TV-Auftritte bei Aeschbacher und der Casting-Show Schweizer Talente?
Vor den Schweizer Talenten hatte ich extrem Schiss und ich fragte mich auch, will ich das überhaupt machen? Das habe ich mir schon lange überlegt. Und ich bin glaube nie vor oder nachher so nervös gewesen wie bei diesem Auftritt. Weil da vermutlich auch die Ur-Angst der Impro herauskommt, so jetzt werde ich entlarvt, dass das alles nur Dilettantismus ist und ich dass eigentlich gar nicht kann und das noch vor Samstag-Abend-Publikum. Das ist ja zum Glück nicht passiert! (lacht)
Das war für mich wirklich noch eine gute Erfahrung, weil ich das selber schon sehr stark in Frage gestellt habe, will ich das überhaupt machen. Und dann ist es ja auch wieder das Impro-Prinzip: Hey, was ist das Schlimmste, dass jetzt passieren kann? Okay, ich kann auf die Schauze fallen. Aber wieso nicht ausprobieren? Ja, es war eine gute Erfahrung.
Und bei Aeschbacher war es auch eine gute Form, da konnte ich noch etwas erzählen. Es war gute Werbung und erreichte damit viele Menschen.
Ich nehme Dich als politisch interessierte Person wahr. Stimmt das?
Ich glaube, dass ich auf der Bühne nicht politisch sind. Und ich glaube auch, dass es bei der Improvisation sehr schwierig ist. Sobald ich in ein politisches Thema reinkomme, leuchten bei mir die Alarmglocken auf, die sagen, oh jetzt müsste ich mich eigentlich hinsetzen und das genau reflektieren.
Ursprünglich habe ich ja Philosophie studiert, da wird das Thema angeguckt und dann wird es von verschiedensten Seiten angeguckt. Und auf der Bühne ist das immer nur ein Kanal. Aber ich bin ein politischer Mensch und ich interessiere mich für das. Gerade während des Philosophie-Studiums habe ich mich noch viel stärker mit politischen Themen aus einander gesetzt, wie Tier-Recht und Feminismus. Solche Sachen haben mich während des Studiums geprägt. Ich habe auch viele Texte dazu gelesen. Klar wird man auch älter und manchmal kommen Themen wieder auf. Manche Menschen denken, jetzt greift er eine Modeströmung auf. Aber ich sage immer, ich habe mich schon in den 90er Jahren damit auseinander gesetzt. Sei es persönlich, im privaten Kreis oder in Lesegruppen.
Was meine Kindern vermitteln möchte, ist trotzdem keine Ideologie - ich glaube man kann sagen, ich bin Ideologie-feindlich - sondern kritisches Denken. Das man Sachen so oder so oder noch von einer anderen Seite anschauen kann.
Im Moment finde ich die Klima-Diskussion und dass die Schüler im Moment streiken, finde ich super! Gerade auch, weil man der Jugend lange vorgeworfen hat, dass sie nichts machen, dass sie apolitisch sind. Jetzt beweisen einige das Gegenteil und sagen wir haben eine Meinung und stehen dafür ein.
Ich danke Dir, Christian, für das interessante Gespräch und wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute und beruflich viel Erfolg!
Für das Interview: Manuela Ming
Mehr von Christian Johannes Käser
Alle Bilder wurden uns freundlicherweise von Christian Johannes Käser für dieses Interview zur Verfügung gestellt. Die Bilder vom Interview und das Doppel-Selfie sind von Manuela Ming. Sie unterstehen dem gültigen Urheberrecht!