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Ausgerechnet eine Klublegende nimmt Manchester United komplett auseinander. Paul Scholes kritisiert Trainer Mourinho, Superstar Pogba, Top-Verdiener Sanchez und Torjäger Lukaku scharf.
Ex Mittelfeld Manchester United
Paul Scholes
«Ich sage, was ich denke. Ich bin nicht sehr gut darin, meine Gefühle zu verstecken», sagt Paul Scholes im Interview mit «ESPN» und kündigt damit Klartext an. Die Klublegende von Manchester United, die sich selber als «frustrierter Fan, der mit seinem Sohn jedes Spiel besucht» beschreibt, analysiert die Situation seines Herzensvereins, der vor dem neunten Spieltag in der Premier League nur auf Rang 8 steht. Scholes nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.
Er hasse es, zu sagen, dass alles besser war, als er noch spielte, «aber ich sehe mir das aktuelle Team an und glaube nicht, dass es an Qualität mangelt. Doch dem Team fehlt ein Spieler im Format eines Kevin De Bruyne, Eden Hazard oder David Silva. Ein Schlüsselspieler zwischen Mittelfeld und Angriff». Paul Pogba sieht Scholes nicht in dieser Rolle, obschon der Franzose durchaus grosse Qualität hat. «Zuerst zeigt er uns mit einem tollen Pass oder Dribbling, dass er der Beste ist, um dann Sekunden später etwas Schreckliches zu machen. Als hätte er sein Hirn ausgeschaltet. Das macht es einfach, gegen uns zu spielen, weil du weisst, dass diese Frechheit kommen wird.»
Scholes macht Trainer José Mourinho dafür verantwortlich, dass einige Spieler ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen können: «Anthony Martial und Marcus Rashford sind sehr talentiert, doch für sie ist es sehr schwierig, Selbsvertrauen zu bekommen, weil sie nach einem schwachen Spiel geich drei oder vier Partien nicht mehr zum Einsatz kommen.»
Eher würde er den gesetzten Romelu Lukaku ersetzen. «Ich weiss nicht, ob du jemals die Liga gewinnen kannst, wenn Lukaku dein Torjäger ist. Ich glaube einfach, dass er ausserhalb des Strafraums zu wenig gut ist», so Scholes. «Ihm würde es vielleicht gut tun, wenn er mal zuschauen müsste.»
«Wie lange kann das noch funktionieren, wenn das Team so schlecht spielt?»
Auch Alexis Sanchez, der Top-Verdiener der Premier League, der seit Januar im Team ist, in dieser Saison bei Mourinho bisher aber kaum eine Rolle spielt, bekommt sein Fett weg. «Ich kenne seine Qualitäten und weiss, dass er ein guter Spieler ist, aber ich sah ihn nie als Spieler von Manchester United. Für mich spielt er egoistisch, ich denke nicht, dass wir ihn unbedingt gebraucht haben.»
Scholes denkt ohnehin, dass in der aktuellen Situation jeder Spieler Probleme hätte, wenn er zu United wechseln würde. «Es fühlt sich so an, als könnte uns momentan selbst Lionel Messi nicht weiterhelfen», sagt der frühere Mittelfeld-Star, der 2013 seine Karriere beendete.
Ohnehin sei es für die Scouts des Klubs extrem schwierig, die richtigen Spieler fürs Team zu finden. «Wie willst du wissen, welche Spieler du beobachten sollst, wenn der Trainer die Mannschaft jede Woche umstellt und die Formation ändert? Wie findest du so den richtigen Spielercharakter? Das muss unmöglich sein», sagt der 43-Jährige und kritisiert damit Mourinho erneut.
Früher habe er den Portugiesen sehr gemocht. «Ich liebte seine freche Art in seinen Interviews. Er war brillant, aber dieser Mourinho ist weg», so Scholes. «Jetzt frustriert er dich nur noch. Er meckert über seine Spieler und über Dinge, die er nicht hat. Aber schaut euch an, was er hat. Er sagt den Leuten, dass er der beste Trainer sei. Jetzt muss er es beweisen.»
Was Scholes am meisten frustriert, ist, dass Erzrivale Liverpool und Stadtrivale City aktuell das Mass der Dinge in England sind. Und dass United die wichtigste Sache im Fussball vermissen lässt: Gute Leistungen auf dem Platz. «Der Klub ist grossartig wenn es darum geht, Geld zu machen. Aber wie lange kann das noch funktionieren, wenn das Team so schlecht spielt? Es scheint, als wäre United heute das, was Liverpool vor ein paar Jahren war.»