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Der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse und der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) wehren sich gegen die Pläne zur Reform der Altersvorsorge. Frauen und Arbeitnehmende mit tiefen Löhnen würden benachteiligt.
Die «AHV 21»-Reform sei eine Rentensenkungsvorlage, erklärten die Gewerkschaften am Freitag an einer gemeinsamen Medienkonferenz in Bern. Mit den Beschlüssen, die das Parlament bisher bei der Reform der Altersvorsorge gemacht habe, würden Frauen effektiv ein Jahr länger arbeiten und höhere AHV-Beiträge bezahlen, erhielten aber ihre Rente ein Jahr weniger lang. Das sei ein Affront.
In Würde altern
Mit der Altersvorsorge habe die Schweiz ein Instrument schaffen wollen, um ihrer älteren Bevölkerung ein Leben in Würde zu ermöglichen, indem sie sie von der Arbeitspflicht befreit, sagte SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard. Die Schweiz habe sich 1948 wohlhabend genug gefühlt, diese Entscheidung zu treffen. «Heute versuchen uns die bürgerliche Mehrheit und die Wirtschaft weiszumachen, dass dies nicht mehr der Fall ist.»
Die Altersreform, die nun aufgegleist sei, richte sich gegen die Frauen, sagte auch Adrian Wüthrich, Präsident von Travailsuisse. Die Gleichstellungspolitik in der Altersvorsorge des Parlaments sei «zynisch». Schaden nehme aber auch das Vertrauen in eine stabile Altersvorsorge. «Junge Menschen müssen mit einer guten Altersvorsorge rechnen können. Es braucht deshalb eine langfristige Strategie.»
Sparen auf Kosten der Frauen
Frauen erhielten rund einen Drittel weniger Renten als Männer, sagte Gabriela Medici, stellvertretende Sekretariatsleiterin beim SGB. «Die Männer haben nun Anfang September so viel Rente erhalten, wie Frauen bis Ende des Jahres erhalten.» Trotz dieser «skandalösen» Rentenlücke wolle das Parlament in der AHV weitere 10 Milliarden Franken auf Kosten der Frauen sparen.
Bei der 2. Säule und dem Reformprojekt «BVG 21» seien in den Kommissionen Entscheidungen gefällt worden, die dazu führen würden, dass die Renten von Erwerbstätigen bei der obligatorischen Altersvorsorge um 12 Prozent sinken. Arbeitnehmende mit tiefen Löhnen würden besonders zur Kasse gebeten. Denn sie erhielten keinen Rentenzuschlag, müssten aber trotzdem für den Zuschlag anderer bezahlen, die mehr verdienten und hochprozentig arbeiteten.
Protest und allenfalls Referendum
«Dieser Vorschlag hat nichts mehr mit dem Kompromiss der Sozialpartner zu tun. Wir werden uns weiterhin für diesen Kompromiss einsetzen, wir werden uns aber auch damit auseinandersetzen, was passiert, wenn der Kompromiss nicht durchkommt», sagte Medici. Bereits früher hatten die Gewerkschaften angekündigt, allenfalls das Referendum zu ergreifen.
Die Gewerkschaften rufen die Arbeitnehmenden deshalb dazu auf, am 18. September während der Herbstsession an einer Demonstration in Bern teilzunehmen. Mit der Kundgebung solle ein Zeichen gegen einen Rentenabbau zulasten der Frauen gesetzt werden.