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Graffiti des „Savoyischen Ritters“.
Das kleine Zimmer inmitten der herrschaftlichen Gemächer (Raum Nr. 20) enthält den ältesten Kamin des Schlosses, der im Jahr 1336 errichtet wurde. Er befindet sich gleich neben einem noch älteren Mauerstück, das zu grossen Teilen von mittelalterlichen Graffiti bedeckt ist. Die Zeichnung des „Savoyischen Ritters“ wurde mit sicherer Hand auf Brusthöhe in die südliche Mauer eingeritzt.
Die sehr präzise Ausführung des Graffitis erlaubt es, den vollständig bewaffneten Ritter auf seinem sich aufbäumenden Pferd genau zu erkennen: Er trägt einen Helm, einen Harnisch, der von einem Kettenhemd bedeckt ist, Beinschienen und Eisenschuhe, die mit Sporen bestückt sind. Die rechte Hand umfasst fest eine Lanze, während ein Schild seine linke Schulter schützt.
Sein Pferd trägt eine ausgearbeitete Rüstung. Das Tuch, das sie bedeckt, zeigt das Wappen von Savoyen – ein weisses Kreuz auf rotem Grund. Die Grafen und später Herzogen von Savoyen sind von mindestens 1150 bis 1536 die Herren von Chillon.
Durch stilistische Vergleiche ist es möglich, dieses Graffiti auf anfangs des 14. Jahrhunderts zu datieren. Es handelt sich übrigens nicht um eine originelle Zeichnung, sondern um eine Kopie des Pferdesiegels von Graf Amadeus V., der in Chillon von 1285 bis 1323 herrscht. Die Kopie ist jedoch nicht exakt: Das Pferd wird nicht mehr im Galopp gezeigt, sondern hebt die Vorderbeine an, rundet seinen Hals und senkt den Kopf, als wollte es angreifen. Der Reiter hält kein Schwert in der Hand; dieses wurde durch eine lange Lanze ersetzt. Die Komposition ist also weniger dynamisch, dafür ausgeglichener.
Graffiti des „Savoyischen Ritters”
1300-1325
Gravur auf Verputz