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Nach Schätzungen leiden ca. 500’000 Frauen in der Schweiz an Harninkontinenz und Blasenschwäche. Diese können unterschiedlichste Gründe haben und in jedem Lebensalter auftreten. Aufgrund des weiblichen Körperbaus sind Frauen häufiger als Männer von Blasenschwäche betroffen, besonders in der Zeit um die Menopause und danach. Viele Frauen nehmen die Belästigung resigniert als unabänderlich hin. Die psychische Belastung kann aber auch so weit gehen, dass sich betroffene Frauen aus Angst vor Peinlichkeit völlig zurückziehen. Hier ist Aufklärung dringend nötig, denn gegen Inkontinenz kann etwas getan werden: am Anfang mit konservativen Behandlungen wie z. B. Physiotherapie und später bei fehlender Besserung mit minimal-invasiven Eingriffen.
Die richtige Trinkmenge
Die Nieren und ableitenden Harnwege haben eine wichtige Aufgabe im Wasserhaushalt des Körpers und bei der «Entsorgung» der Endprodukte des Stoffwechsels. Der Flüssigkeitsbedarf beträgt bei normaler Tätigkeit ca. 25–30 ml Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Sport und warmen Temperaturen sollte man mehr trinken. Viele Frauen denken, sie trinken zu wenig. Das Führen eines Blasentagebuchs, in welchem die gemessenen Trinkmengen und Urinportionen festgehalten werden, ist deshalb sehr hilfreich und informativ. Das normale Fassungsvermögen der Blase beträgt 3–5 dl. Wird diese Kapazität nicht trainiert, so kann die Blase kleiner werden. Der Harndrang erfolgt dann immer früher oder kann so plötzlich auftreten oder so stark sein, dass sich die Blase spontan zusammenzieht und unaufhaltsam Urin entleert.
Die Belastungsinkontinenz
Bei der Belastungsinkontinenz kommt es durch körperliche Aktivitäten wie Husten, Niesen, Laufen oder Springen zum Urinabgang. Auch das Heben schwerer Lasten kann zu Inkontinenz führen. Von Belastungsinkontinenz spricht man, weil die Belastung der Blase, also ein Druck auf die Blase, die Inkontinenz bewirkt. Diese Form der Inkontinenz ist die häufigste Form. Die Fähigkeit, während einer Belastungssituation den Urin zurückzubehalten, hängt von der koordinierten Zusammenarbeit ausgewählter Muskeln, Nerven und Bänder des Beckenbodens ab. Die häufigsten Ursachen der Belastungsinkontinenz sind Harnröhrenschwächung und Schädigung des Blasenhalteapparats als Folge von Geburten und zunehmendem Alter.
Das Beckenbodentraining
Die Beckenbodenmuskulatur und das Beckenbindegewebe spielen eine wichtige Rolle zur Sicherung der Kontinenz. Bei der urogynäkologischen Abklärung erfährt man, wie stark der Beckenboden ist und ob ein Beckenbodentraining sinnvoll wäre. Mittels Ultraschall kann man sehen, was das gezielte Anspannen des Beckenbodens bewirkt und ob man die Beckenmuskeln richtig anspannen kann.
Das Kontinenzbändchen
Kann eine Belastungsinkontinenz mit konservativen Therapiemassnahmen nicht zufriedenstellend behandelt werden, so kann eine Inkontinenzoperation weiterhelfen. Die «Bändchenoperation» wurde Mitte der Neunzigerjahre erfunden und hat die Inkontinenzchirurgie revolutioniert. Dabei wird ein Kontinenzband (TVT: Tension free Vaginal Tape) unter die Harnröhre eingeführt, das den Verschluss der Blase unterstützt. Es hat sich in vielen Millionen Operationen bewährt. Die Erfolgsraten sind abhängig von der Erfahrung des Chirurgen und liegen bei 80 bis 90 Prozent.
Die Reizblase
Was man im Volksmund nervöse Blase, Reizblase oder Dranginkontinenz nennt, heisst in der Fachsprache überaktive oder hyperaktive Blase. Das Hauptsymptom der überaktiven Blase ist ein plötzlich auftretender, störender, krankhafter Harndrang. Als Folge davon kommt es zu gehäuftem Wasserlösen am Tag und teilweise sogar in der Nacht. Unter Umständen kann die Harninkontinenz eintreten, bevor die Toilette erreicht wird: Dann spricht man von Dranginkontinenz. Mindestens jeder sechste Erwachsene leidet an einer überaktiven Blase. Damit gehört das Krankheitsbild der überaktiven Blase zu einer der häufigsten Krankheiten und ist verbreiteter als z. B. die Zuckerkrankrankheit oder Rheuma. Blasentraining und Verhaltensänderung Beckenbodentraining hilft auch bei der hyperaktiven Blase. Ausserdem kann die Aktivität der Blase auch mit Medikamenten und Hormonen gesteuert werden. Schliesslich wären auch Injektionen von Botox (Botulinumtoxin) eine Option, um den Blasenmuskel, der die Hyperaktivität auslöst, ruhig zu stellen.
Weitere Informationen zum Thema Inkontinenz finden Sie auf unserer Webseite im Goldletter Seite 3.
Klinik Pyramide am See
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Autor:
PD Dr. med. Daniele Perucchini, Facharzt FMH für Gynäkologie, Urogynäkologe