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In folgendem Text machen wir eine kurze Zusammenfassung der Inhalte einer Studie, welche am 19. September 2013 in der Fachzeitschrift "International Journal of Impotence Research" veröffentlicht wurde. Der Titel der Studie heisst übersetzt: "Die sexuelle Anziehungskraft von Behinderungen: eine vorläufige internetbasierte Studie".
Die Studie in Englisch finden Sie unter diesem Link:
The sexual attraction toward disabilities: a preliminary internet-based study | International Journal of Impotence Research
Zusammenfassung
Amelotatismus (in englisch "devotism"), definiert als sexuelle Anziehung oder Vorliebe zu Behinderungen, wurde bisher nicht umfassend untersucht. Um zu überprüfen, ob Devotees (das heisst Personen mit einer solchen sexuellen Vorliebe, auch Amelos oder Amelinen genannt) Merkmale aufweisen, die auf ein paraphiles Verhalten hindeuten, wurde ein Ad-hoc-Internet-Fragebogen entwickelt, um eine Population von 209 Probanden zu untersuchen, die aus Online-Gemeinschaften von Devotees stammen.
In Bezug auf die sexuellen Präferenzen beobachten wir eine erste Gruppe von Personen, die sich sexuell zu Behinderungen an sich hingezogen fühlen und diese als erotisches Objekt betrachten. Wenn keine Behinderung vorliegt, ist diese Gruppe auch nicht in der Lage, sexuell erregt zu werden, und empfindet aufgrund ihrer sexuellen Anziehung Unbehagen.
Die zweite Untergruppe umfasst Personen, die sich von spezifischen Eigenschaften von Menschen mit Behinderungen angezogen fühlen, wie Anpassungsfähigkeit, Tapferkeit, Mut und die Fähigkeit, Hindernisse zu überwinden. Diese Gruppe empfindet ein geringes Maß an Unbehagen aufgrund ihrer sexuellen Vorliebe. Weitere Studien sind erforderlich, um diese Daten zu bestätigen.
Probanden
Zwischen Juni 2009 und Juli 2010 wurde eine Population von Personen gemäß einem zuvor angenommenen und veröffentlichten Studienprotokoll untersucht. Bei der Studiengruppe handelte es sich um eine internationale bevölkerungsbezogene Stichprobe von Männern, die sich bereit erklärt hatte, an Internetumfragen teilzunehmen.
Definition Paraphilie
Das DSM-IV-TR definiert Paraphilien als "wiederkehrende, intensive, sexuell erregende Phantasien, sexuelle Triebe oder Verhaltensweisen, die sich im Allgemeinen auf (1) nichtmenschliche Objekte, (2) das Leiden oder die Erniedrigung der eigenen Person oder des Partners oder (3) Kinder oder andere nicht einwilligende Personen beziehen und über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten auftreten (Kriterium A). Bei einigen Personen sind paraphile Fantasien oder Stimuli für die erotische Erregung obligatorisch und werden immer in die sexuelle Aktivität einbezogen. In anderen Fällen treten die paraphilen Präferenzen nur episodisch auf (z. B. in Stresssituationen), während die Person zu anderen Zeiten in der Lage ist, sexuell ohne paraphile Fantasien oder Stimuli zu funktionieren. (...) Die Diagnose wird gestellt, wenn das Verhalten, der sexuelle Drang oder die sexuellen Phantasien klinisch bedeutsamen Stress oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen verursachen (Kriterium B).
Die DSM-5-Untergruppe schlägt eine neue Definition von Paraphilien vor, die auf der Grundlage von Kriterium B zwischen Paraphilien und paraphilen Störungen unterscheidet. Die meisten Menschen mit atypischen sexuellen Interessen leiden nicht an einer psychischen Störung, die eine paraphile Störung darstellt www.dsm5.org. Nach der neuen Definition ist eine paraphile Störung "eine Paraphilie, die gegenwärtig eine Belastung oder Beeinträchtigung für die betreffende Person darstellt, oder eine Paraphilie, deren Befriedigung zu einer persönlichen Schädigung oder zur Gefahr einer Schädigung anderer geführt hat. Eine Paraphilie ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für das Vorliegen einer paraphilen Störung, und eine Paraphilie an sich rechtfertigt oder erfordert nicht automatisch eine klinische Intervention www.dsm5.org".
Ergebnisse
Obwohl unsere Umfrage nicht auf die Untersuchung von Merkmalen wie Intensität und Spezifität der Paraphilie zugeschnitten war, scheinen unsere Daten darauf hinzudeuten, dass eine Teilmenge unserer ersten Unterpopulation von Anhängern die Paraphilie dem konventionellen Geschlechtsverkehr vorzieht. Obwohl sie auch konventionelle sexuelle Aktivitäten ausüben können, fallen diese Personen möglicherweise in die Kategorie "bevorzugte Paraphilie".
Die zweite Subpopulation besteht aus Personen, die sich nicht von der Behinderung an sich sexuell angezogen fühlen, sondern von der Art und Weise, wie Menschen mit Behinderungen mit ihrem Zustand umgehen ("ihre Anpassungsfähigkeit, Stärke, ihr Mut und ihre Fähigkeit, Hindernisse zu überwinden"). Dies ist das Hauptunterscheidungsmerkmal, das uns zu der Annahme veranlasst, dass diese sexuelle Anziehung nicht als eine Form von Fetischismus betrachtet werden kann, da das Objekt der Anziehung als Ganzes und nicht in Bezug auf die Behinderung gesehen wird und nicht das Wesen der Paraphilie widerspiegelt. Darüber hinaus empfinden diese Personen aufgrund ihrer sexuellen Vorliebe nur ein geringes Maß an Unbehagen und sind in der Lage, dauerhafte Beziehungen zu ihren Partnern aufzubauen und aufrechtzuerhalten, unabhängig davon, ob sie behindert oder nicht behindert sind.
Auf der Grundlage dieser Überlegungen könnte diese zweite Subpopulation die Grenze zwischen einem echten pathologischen Zustand, der von einer paraphilen Störung bis zu einer "ungewöhnlichen" sexuellen Präferenz (Paraphilie) reicht, und dem, was gesellschaftlich als "konventionelle Sexualität" angesehen wird, darstellen.
Schlussfolgerung der Autorin
Kurz gesagt nicht jeder Mensch, der sich zu Menschen mit Behinderungen sexuell angezogen fühlt ist automatisch krank. Eine sexuelle Vorliebe macht noch keinen Täter aus der Person. Eine einvernehmliche Sexualität zwischen zwei Menschen muss Standard sein ohne Ausnützung der Machtverhältnisse.
Viele Devotees fühlen sich ausgegrenzt und werden automatisch verurteilt. Die Frage ist, ob dies nicht aufgrund der Tatsache ist, dass Sexualität von Menschen mit Behinderungen immer noch als unnatürlich gilt und somit Amelotatismus ähnlich wie Pädophilie verurteilt wird.
Die Studie zeigt jedoch auch auf, auf was Menschen mit Behinderungen achten können in ihrer Partnersuche. Achtet auf die zwei Subgruppen der Untersuchung. Bei Sexualpartnern, welche ausschliesslich die Behinderung erregt, ist die Chance viel grösser eine krankhafte Pädophilie zu haben, als bei einer Person, welche die Charakterstärke von Menschen mit Behinderungen sexuell anziehend findet.
Maja Cuk Greiner, 28.7.2021