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Da Wasser für das lederbearbeitende Gewerbe unabdingbar war, siedelten die Gerber an den damals noch offen durch die Stadt fliessenden Gewässern Birsig und Rümelinbach an. 1248 ist zum ersten Mal von einer gemeinsamen Zunft der Gerber und Schuhmacher die Rede. Die gewerblich eng verwandten Handwerker zerstritten sich in der Folge derart, dass der Rat die eigensinnigen Lederzünftler wiederholt zur Brüderlichkeit ermahnen musste. Doch auf die Dauer war eine Spaltung nicht zu verhindern. 1441 wurden das Zunftgut geteilt, die "Bruttlöuffe" und das Totengeleit getrennt durchgeführt. Und für die Bedienung des Fronaltars und das Feiern der Jahrzeiten wie auch für die Abordnung eines gemeinsamen Zunftmeisters war jede Halbzunft alternierend verantwortlich.
Das Zunfthaus der Rotgerber (die Weissgerber waren zu Safran zünftig), die so genannte Gerberlaube, ist 1294 erstmals urkundlich erwähnt. Es lag im Zentrum der Lederproduktion am Häute- und Rindermarkt an der Ecke Gerbergasse und Gerbergässlein. In unmittelbarer Nähe stand der Richtbrunnen, der Gerberbrunnen, der an die Gerichtsstätte der Pröpste zu St. Leonhard erinnerte und in dessen Tiefen Basels Fabeltier, der Basilisk, gehaust haben soll. Mehrere Male musste der Rat die Gerber ersuchen, den Brunntrog, in dem auf Standbäumen die Häute geschabt wurden, "in iren kosten rumen und süferen" zu lassen. Vom ebenfalls in nächster Umgebung gelegenen Haus zum Richtbrunnen ist die schreckliche Nachricht aus dem Jahre 1294 überliefert, wonach in dessen Mauern beim grossen Stadtbrand zwanzig Menschen im Feuer ums Leben kamen.
Das 1652 und 1753 umfassend renovierte Zunfthaus diente einerseits unter Aufsicht des Laubenmeisters als Verkaufslokal für Gerberrinde, andererseits als stark frequentierte Gaststätte. Dem für die Verwaltung zuständigen Stubenknecht war es verboten, Logisnehmer als Kostgänger zu versorgen oder die Ablage von Hanf zu gestatten; zum Rapport hatte er sich wöchentlich beim Zunftmeister einzufinden. Viel Unangenehmes hatte der Stubenknecht zu Ende des 18. Jahrhunderts zu ertragen. Erst schlugen 30 Landbürger, welche während acht Wochen bei ihm einquartiert waren, Mobiliar und Geschirr in Stücke, und dann brachten 13 grobschlächtige Fuhrknechte, die sich während Monaten im Zunfthaus verköstigten, ihn und seine Familie "manchmal sogar in Lebensgefahr!" Im Erdgeschoss des Zunfthauses war ein Waaglokal für Butter und Jungvieh eingerichtet, der Zunftsaal stand regelmässig den Knaben des Quartiers als Sonntagsschule zur Verfügung. 1852 wurde das Zunfthaus mit Gaslicht ausgerüstet, sieben Jahre später entschloss sich der Zunftvorstand zum Verkauf der Liegenschaft an den Staat. Da vorläufig aber keine Einigung erzielt werden konnte, wurde das Parterre Rudolf Gnöpff zum Betrieb einer Dienstmänneranstalt vermietet, 1873 übernahm dann die öffentliche Hand das "sichtbar in einem baulich defekten Zustand" befindliche Gerbernzunfthaus zum Preis von Fr. 45'000,- um es, wie die Zunfthäuser der Gärtner und Schneider, für die Korrektion der Gerbergasse abzureissen. Die auf dem historischen Boden der Gerbernzunft errichtete Adlerapotheke hatte dann Bestand bis 1959, bis der Schuhhändler Joseph Fricker ein modernes Geschäftshaus bauen liess, das heute noch an der prominenten Ecke steht.