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«Gold und Silber»
Das Pfäffiker Kammerorchester «Amici dell’arte» führt seit 2007 die traditionellen Silvesterkonzerte durch. Was anfänglich wohl ziemlich Mut brauchte, hat sich in kurzer Zeit vom Insideranlass zu einem beliebten Event der Pfäffiker Bevölkerung und weit darüber hinaus gemausert. Viele schätzen es, nach einem feinen Silvesteressen einen Verdauungs-Spaziergang zur reformierten Kirche zu machen und dort das rund einstündige Konzert zu geniessen, um dann wieder rechtzeitig für das Dessert und die Silvesterparty zu Hause zu sein. Im Silvester-Trubel einen besinnlichen Kontrapunkt mit einem Konzertbesuch zu setzen, scheint einem echten Bedürfnis zu entsprechen.
Programmnotizen
Franz von Suppe (1819-1895) schrieb 1865 die Operette «Die schöne Galathée» als Auftrag des Wiener Impresarios Karl Treumann. Dieser wollte – analog zu Offenbachs «Die schöne Helena» – einen mythologischen Stoff in komischer Aktualisierung auf die Wiener Operette übertragen. Besonders populär wurde dabei die Ouvertüre (und darin besonders der mitreissende G-Dur-Walzer), welche noch heute viel auf Konzertbühnen gespielt wird.
Piotr Illijtsch Tschaikowsky (1840-1893) schrieb in seiner letzten Schaffensperiode seine berühme Ballettmusik «Der Nussknacker». Im 19. Jahrhundert erfreuten sich Suiten grosser Beliebtheit, denn sie waren wie verkürzte, kurzweilige Fassungen eines langen Balletts oder einer Oper, in der das Wesentliche zum Klingen gebracht wurde. Auch Tschaikowsky fasste daher seine Musik zu Suiten zusammen. Die Nussknacker-Suite ist sicherlich die beliebteste unter Tschaikowskys Suiten. Seine grossartigen melodischen Einfälle sprudeln einem geradezu entgegen, alles ist wunderbar instrumentiert. In der Ouverture minature spürt man eine tänzerische Leichtigkeit, die Tschaikowsky durch das Weglassen der ursprünglich beteiligten Celli und Kontrabässe erreicht hat. Es folgt ein kleiner Marsch, der ganz leise mit den Klarinetten, Trompeten und Hörnern einsetzt, die dann wiederum von den Streichinstrumenten abgelöst werden. Fast frech und vorwitzig spielen danach die Mirlitons (Rohrflöten) auf. Weil auf dem Fest der Zuckerfee natürlich ordentlich getanzt wird, spielt die Kapelle Tänze aus aller Herren Länder: Im chinesischen Tanz erfreut man sich an hohen, beinahe schrillen Klängen. Der Tanz der Zuckerfee besticht durch seinen silbrigen, märchenhaften Klang. Spätestens beim abschliessenden Walzer-Finale befindet sich auch der letzte Zuhörer inmitten der Zauberwelt - mit schmelzenden Sahnebonbon-Klängen in den Ohren und dem Geschmack von allerlei süssen Köstlichkeiten auf der Zunge.
Léo Delibes (1836-1891) komponierte sein Ballett «Coppélia» 1870 und errang damit an der Pariser Oper einen triumphalen Erfolg. Die Musik von Léo Delibes stellt Ende des 19. Jahrhunderts einen grossen Fortschritt dar, nachdem die meisten Ballettkompositionen dieser Zeit aus reinen Tanzfolgen bestanden. Die Erfolgsgeschichte von Coppélia ist nicht nur der grandiosen Musik des französischen Komponisten zu verdanken. Das Ballett greift zudem eine Thematik auf, die die Menschheit schon lange faszinierte und als Folge der Aufklärung einen neuen Aufwind erlebte: Die Entfremdung menschlicher Beziehungen durch die als bedrohlich und konkurrierend empfundene Welt der Maschinen und Automaten.
Charles Gounod (1818-1893) errang mit seiner 1859 uraufgeführten Oper «Faust» einen Welterfolg. Diese Oper, die auf Goethes «Faust» basiert, gilt als der Gipfelpunkt romantischen Komponierens im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Der Walzer aus dem 2. Akt ist eines der bekanntesten Stücke aus der Oper und eines der sinnlichsten. Es ist ein sehr schönes Beispiel für die wunderbar erfindungsreiche Melodik Gounods, die er an der Stelle einsetzt, wo Faust Marguerite zum allerersten Mal trifft und ihr eine Liebeserklärung macht: bei einem leidenschaftlichen Walzer.
Gioachino Rossini (1792-1868), der wohl bedeutendste Opernkomponist des italienischen «Belcanto», schrieb während zweier Jahrzehnte 39 Opern. Seine letzte Oper, «Wilhelm Tell», komponierte er 1829 für die Pariser Oper. Dem damaligen Pariser Geschmack entsprechend, reicherte er die Oper mit Ballettszenen an. Diesem Umstand verdanken wir diesen bezaubernden «Pas de Six» aus dem ersten Akt.
Franz Lehár (1870-1948) war einer der bedeutendsten Vertreter der Operette im 20. Jahrhundert. Er gilt als DER Meister der «Silbernen Operettenära». Seinen ersten grossen Erfolg als Komponist feierte Lehár 1902 mit dem Konzertwalzer «Gold und Silber», den er für eine Redoute der Fürstin Pauline von Metternich in Wien komponierte. Der Dirigent Max Schönherr schrieb über diesen Walzer: «Mit den drei Walzerketten seines Walzers «Gold und Silber» erfand Lehár nach achtzig Jahren weltumspannender Wiener Walzerrhythmen, etwas Neuartiges, Vibrierendes, das sich mehr in der Melodie und in der Harmonie ausdrückte, als wie bisher im vorherrschenden Rhythmus».