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Rechnungslegung des Spitalmeisters mit den Aussermeistern des Spitals
Die Jahrrechnungen dokumentieren den Rechnungsabschluss des Spitalmeisters vor den so genannten Aussermeistern, die hier in der Funktion von Rechnungsprüfern auftraten. Der Spitalmeister hatte für das zu Ende gegangene Jahr Rechnung abzulegen über alle Einnahmen und Ausgaben des Spitals.
Hinweise zur Transkription
Transkribieren Sie römische Ziffern mit arabischen Zahlen. Lösen Sie Währungseinheiten nie auf («lb», «d», «s»), sämtliche weiteren Abkürzungen jedoch schon (u.a. die en-, n- und m-Kürzungen). Schreiben Sie Namen («Hans Ramsperg» u.a.) jeweils gross. Transkribieren Sie u/v nach Lautwert und fügen Sie über der Zeile stehende Vokale hinter dem darunter stehenden Vokal ein. Nutzen Sie bei Unsicherheiten die Tipps.
Item als ich den ussermaister widerrechnot uff ain mitwuchen
nach sant Uolrichß tag anno 46 mit namen Cuonrat
von Ainwill, Hans Ramsperg und Andres Vogelwaider,
do ward uff mich geschriben ain schuld in den buecher, als
hernach geschriben stat.
Item im grosßen zinsbuoch ward uff mich geschriben ain
schuld 517 lib 3 ß 1 d.
Item im Rintal schuldbuoch ward uff mich geschriben, es sig
in Hoehst, in Bernang, in Marpach, in Altstetten, ain schuld
816 lib 13 ß 7 d.
Item im Almisdorff zinsbuoch ward uff mich geschriben
ain schuld 25 lib 19 d.
Die Rechnung wurde vom Spitalmeister den Aussermeistern «erzählt». Vielleicht verwendete er dafür Notizen als Rechnungsgrundlage oder als Gedächtnisstütze. Dieser Vorgang wurde «widerrechnen» genannt, und zwar deshalb, weil die beiden Parteien – auf der einen Seite der Geprüfte und auf der anderen die Prüfer – «gegeneinander» (= wider) abrechneten. Das Widerrechnen kann man sich so vorstellen, dass alle um einen Rechentisch oder Ähnliches sassen und der Geprüfte der Kommission Posten für Posten vorrechnete. In den Jahrrechnungen sind die Ausgabenposten einzeln aufgeführt. Am Schluss wird die Gesamtsumme errechnet.
Erklärungen
ussermaister: Aussermeister
sant Uolrichß tag/Uolrici: St. Ulrichs-Tag (4. Juli)
anno: im Jahre
lb/lib: Abkürzung für Pfund (libra)
s: Abkürzung für Schilling
d: Abkürzung für Denar
zinsbuoch: Zinsbuch
Rintal: Rheintal, Kanton St.Gallen
Hoehst: Höchst, Vorarlberg
Bernang: Berneck, Kanton St. Gallen, ehem. Bezirk Unterrheintal
Marpach: Marbach, Kanton St. Gallen, ehem. Bezirk Oberrheintal
Altstetten: Altstätten, Kanton St. Gallen, ehem. Bezirk Oberrheintal
Almisdorff: Allmannsdorf, nordöstlich von Konstanz, Baden-Württemberg
Item in Spaltistain ward uff mich geschriben ain schuld
12 lib 14 ß 10 1/2 d.
Item im vechbuoch ward uff mich geschriben ain schuld
1496 lib 17 ß 10 d.
Item im schuldbuoch ward uff geschriben an schuld
531 lib 17 ß 3 1/2 d.
Summa ain schuld in den buecher 3400 lb 8 ß 3 1/2 d.
Item so vindet es sich, das ich me ingnomen denn ußgen
ain barem gelt, als ich widerrechnot, tuot 110 lb 3 1/2 d,
uff ain mitwuchen nach Uolrici 46, bin ich och schuldig
zuo dem vordrigen.
Summa summarum 3510 lib 8 ß 7 d.
Der Spitalmeister hatte für die Einnahmen und Ausgaben sowie die gewissenhafte Kassaführung einzustehen. Was hier als «Schulden» des Spitalmeisters ausgewiesen wurde, waren Einnahmen aus verschiedenen landwirtschaftlichen Bereichen wie dem Weinbau oder der Viehwirtschaft (Viehgemeinschaften). Die Formulierung «ward uff mich geschriben ain schuld» bringt die allgemeine Auffassung zum Ausdruck, dass Finanzverwalter der Stadt oder von städtischen Einrichtungen als Schuldner (und für die Ausgaben als Gläubiger) für das ihnen anvertraute Vermögen betrachtet wurden: Der Spitalmeister «schuldete» den Aussermeistern die errechneten Einnahmen. Bei der Rechnungslegung wurde genau gerechnet; die bei der Rechnungslegung errechnete Gesamtsumme weicht nur 1/2 d von der effektiven Gesamtsumme ab.
Erklärungen
Spaltistein: Spaltenstein, nordwestlich von Friedrichshafen, Baden-Württemberg
vechbuoch: Viehbuch
summa: Summe
summa summarum: Gesamtsumme