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Seine hintergründigen, formal bestechenden Produktionen Get Out (2017) und Us (2019) loteten die Grauzonen des allgegenwärtigen Rassismus aus und erzeugen neben satirischen Zwischentönen ein tiefgehendes Unbehagen, das vordergründig mühelos die Genrevorgaben bedient und gleichzeitig Amerika kritisch durchleuchtet.
Candyman knüpft hier nahtlos an. Peele ist dieses Mal Produzent und Co-Autor. Die Regie übernimmt Nia DaCosta, die in ihrem Debütfilm Little Woods bereits einen feinfühligen Blick für die soziale Realität ihrer Schwarzen Protagonistin bewiesen hat. Geht es dort um eine Drogenhändlerin im ländlichen North Dakota, ist nun Chicago mit seinem sozialen Gefälle der Handlungsort. Beworben als «spiritual sequel», schreibt Candyman die Geschichte des gleichnamigen Kultfilms von 1992 fort. Darin forschte Helen Lyle für ihre Dissertation zu Urban Legends in den Projects, dem Ghetto Cabrini-Green, nach dem Serienmörder Candyman.
Der Sohn eines Sklaven wurde von einem Mob brutal umgebracht und sein Geist soll immer dann auftauchen, wenn man seinen Namen fünf Mal laut vor dem Spiegel spricht. Bernhard Roses Film war in den frühen Neunzigerjahren eine der ersten Genreproduktionen, die über ihren Schwarzen Boogeyman und vor dem Hintergrund des Ghettos explizit Themen wie Segregation und Rassismus ansprach.
Damit ist der Film auch ein Vorreiter für Peeles Horroruniversum. Die Fortsetzung versteht es, Roses Candyman Respekt zu zollen, aber gleichzeitig die kritischen Elemente aus einer Schwarzen Perspektive in die Gegenwart zu tragen: Lebt 1992 die Weisse Protagonistin in einem schicken Loft, das Reich von Arm trennt, ist es nun der Schwarze Künstler Anthony, der eine Luxuswohnung im mittlerweile gentrifizierten Cabrini-Green bezieht.
Spitz kommentiert der Bruder seiner Freundin, dass nun auch Schwarze der eigenen Community den Lebensraum wegnehmen. Dies bringt Anthony auf die Idee für eine kommende Ausstellung: In der Nachbarschaft sucht er nach den übriggebliebenen Spuren des Ghettos und stösst auf die Geschichte des Candymans. Unter dem Titel «Say His Name» präsentiert er in der Vernissage einen Wandspiegel (die Verneigung an den besten Jump Scare des Vorgängers) und bald beginnt erneut das Morden.
Während sich der Vorgänger etwas in der Legende verliert und immer mehr auf den Spuren von «Phantom der Oper» wandelt, wobei Helen noch zur White-Savior-Figur mutiert, korrigieren DaCosta und Peele diese Tendenz. Bei ihnen ist der Candyman enger mit der Schwarzen Geschichte der USA verknüpft. Als wiederkehrende Gestalt steht er in konkreten historischen Momenten für die Qualen und das Unrecht, aber eben auch für den tief verwurzelten Rassismus und die Wut der Schwarzen Community. Dieser Logik folgend, macht der Film mit der jüngsten Beschwörung eine direkte Verbindung zu Black Lives Matter, wodurch «Say His Name» nochmals eine zweite Bedeutung erhält.
Darüber hinaus reflektiert der Film über das Motiv der Kunst und die beleuchtete Kunstszene auch clever sich selbst (respektive den Hype um Peele) und was mit dem eigenen Selbstbild passiert, wenn die Darstellung der Schwarze Geschichte im kulturellen Mainstream zum Verkaufsargument gerät. Hier erhält auch das Spiegelmotiv eine weitere Bedeutung. Anthonys Kunst wird nur wegen seiner Biografie wahrgenommen und der Bruder der Freundin bringt es erneut auf den Punkt, wenn er vor dem Kunstwerk sagt: «Black people don’t need to be summoning».
Erst gegen Schluss hintergeht sich der Film ansatzweise selbst und ermüdet etwas mit seinen Erklärungen, die wohl den Weg für zukünftige Fortsetzungen bereiten sollen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Candyman aber bereits mehr als genug Unbehagen verbreitet.
START 26.08.2021 REGIE Nia DaCosta BUCH Jordan Peele, Win Rosenfeld, Nia DaCosta VORLAGE Bernard Rose, Clive Barker KAMERA John Guleserian SCHNITT Claire Simon MUSIK Robert Aiki Aubrey Lowe DARSTELLER*IN (ROLLE) Yahya Abdul-Mateen II (Anthony McCoy), Teyonah Parris (Brianna Cartwright), Nathan Stewart-Jarrett (Troy Cartwright), Colman Domingo (William Burke) PRODUKTION Universal Pictures, MGM, BRON Studios, Monkeypaw Productions, USA 2021 DAUER 91 Min. VERLEIH Universal
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