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In Sachen Filmmusik wurde zu Antoine Fuquas The Magnificent Seven (2016) schon viel geschrieben. Während Fuqua mit Komponist James Horner die Arbeit an Southpaw (2015) abschloss, diskutierten sie bereits sein nächstes Filmprojekt – ein Remake des legendären Westerns von 1960. Horner soll das Drehbuch gelesen haben und, gemäss CD-Booklet-Notizen von Simon Franglen, von der Idee des Remakes sehr angetan gewesen sein. Es solle ihn gereizt haben, das musikalische Erbe von Elmer Bernsteins legendärer Filmmusik der 1960er Version auf das Remake und damit auf das Filmschaffen der Gegenwart und Fuquas Filmstil adaptieren zu können. Daher habe Horner sogleich mit dem Komponieren von Themen begonnen, während Fuqua mit den Dreharbeiten startete. Eine Woche später, am 22. Juni 2015, verunfallte Horner tödlich. Seine Arbeit an The Magnificent Seven blieb unvollendet, doch Simon Franglen und seine langjährigen Arbeitskollegen präsentierten Horners Musikideen dem Regisseur. Daraufhin wurde beschlossen, dass Simon Franglen und Simon Rhodes – zwei langjährige Weggefährten von Horner – während neun Monaten die Filmmusik zu The Magnificent Seven komponieren und Horners Themen in diese einarbeiten würden. So werden denn auch James Horner und Simon Franglen als Komponisten genannt und Simon Rhodes ist als „additional composer“ und Arrangeur sowie als Aufnahmeleiter aufgeführt.
Wie gut Franglen und Rhodes mit dem Kompositionsstil Horners vertraut waren, demonstriert die knapp 77-minütige Filmmusik zu The Magnificent Seveneindrücklich. Das Ergebnis trägt an allen Ecken und Enden die Handschrift von James Horner. Der affine Horner-Hörer vernimmt in jedem Stück Klangschöpfungen, Musikeffekte und Orchestrationsstilismen, welche in früheren Arbeiten Horners bereits zu hören waren. Dies jedoch nicht in Form von wiederkehrenden Themen aus früheren Arbeiten, sondern bezogen auf die Rolle einzelner Instrumente und Motive. Die Shakuhachi-Flöte als „vertraute Stimme“, die Gitarren und das Klatschen à la Zorro, das ominöse, dramatische Glockenspiel, das Vier-Ton-Gefahrenmotiv, die akustischen Sologesänge, die teils aus weiter Ferne drohend hallenden Perkussionshiebe, kombiniert mit dem gläsern-geisterhaften Klingen von Röhrenglocken (?). Dazu kommen Anlehnungen an frühere Arbeiten bezogen auf längere Sequenzen: Das erste Stück, Rose Creek Oppression, spannt mit seinem Trompetenspiel berührenderweise einen Bogen bis zurück zu Battle Beyond the Stars (1980), Horners erste aufsehenerregende Orchestermusik. Street Slaughter wartet mit gequält-kraftvollem Gesang à la Shutting Down Grace’s Lab aus Avatar (2009) auf und in Takedown werden die Revenge-Ideen aus Legends of the Fall (1994) und Braveheart (1995) gezückt. Diese Anlehnungen, geschaffen von Franglen, Rhodes und allenfalls auch Horner selbst, aber auch das Mitwirken langjähriger Arbeitskollegen von Horner wie Jim Henrikson, Joe E. Rand, J.A.C. Redford und Tony Hinnigan machen aus The Magnificent Seven ein „Treffen eines altbekannten Freundes“ (eine passende Analogie des Filmmusikkritikers James Southall in Bezug auf jüngere Horner-Arbeiten), dem man einfach gerne und in diesem Falle auch wehmütig zuhört, auch wenn nicht nur Neues zu vernehmen ist.
Und das Erbe von Elmer Bernstein? Sein weltberühmtes und brillantes Hauptthema für den gleichnamigen Westernklassiker von 1960 kann im Remake-Score nur ansatzweise vernommen werden. Ein Zitat des legendären Rhythmus ist am Ende von Lighting the Fuse zu vernehmen und im abschliessenden Seven Riders. Sein „Geist“ umweht hingegen auch die Stücke Seven Angels of Vengeance und Volcano Springs, zwei herrliche Stücke, wie man sie in einer Westernmusik erwartet. Neben diesen Bernstein-Referenzen baut die Filmmusik auf das neue Hauptthema von Horner, welches hingegen erst in der zweiten Albumhälfte wirklich zum Tragen kommt und das man bis zum Ausklang des letzten Stücks gerne ins Herz schliesst, sowie auf den melanchlisch-geisterhaften Frauensologesang. Die weiteren hier präsentierten Ideen sind eher punktueller Natur, als dass sie einem als wiederkehrendes Motiv auffallen würden.
Fazit: Die Filmmusik zu The Magnificent Seven (2016) von James Horner und Simon Franglen ist definitiv sehr unterhaltsam und das neue Hauptthema (aus Horners Feder) ist gelungen. Das Thema ist kein „unsterblicher Klassiker“ von jüngst à la Wolf Totem (2015) oder The Amazing Spider-Man (2013) geworden und die Musik im Ganzen betrachtet keine „Vollblut-Westernmusik“, doch die hier präsentierten Musikmomente sind eine schöne, aufrichtige und von Wehmut umhauchte Hommage an das reiche Schaffen von James Horner geworden. Damit wäre es abschliessend sehr zu begrüssen, wenn man in den Händen dieses umsichtig arbeitenden Teams auch die anstehenden Avatar-Sequels sehen dürfte, denn damit würde der Geist Horners auch in den kommenden Jahren weiter durch die Kinosäle wehen.