Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03396.jsonl.gz/2163

Am 5. März 2014 hat der Verein „Hausarbeit aufwerten – Sans-Papiers regularisieren“ dem Bundesrat eine Petition mit 21875 Unterschriften eingereicht. Die im Verein zusammengeschlossenen 30 Mitgliedsorganisationen fordern darin Aufenthaltsbewilligungen für Hausarbeiterinnen ohne geregelten Aufenthaltsstatus sowie deren sozialen Schutz und Zugang zu Arbeitsgerichten ohne das Risiko einer Ausweisung.
In der Schweiz arbeiten mehr als 40‘000 Arbeiterinnen* ohne geregelten Aufenthalt (so genannte Sans-Papiers) in einem Privathaushalt (Reinigung, Unterhalt, Betreuung von Kindern oder älteren und kranken Menschen). Diese Hausarbeiterinnen – 90% davon sind Frauen – arbeiten unter prekären Bedingungen und ohne sozialen Schutz. Ihre Arbeit ist aber unerlässlich für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Es gibt nicht genügend Schweizerinnen und Migrantinnen mit einer Aufenthaltsbewilligung, die bereit sind, in diesem Bereich zu arbeiten. Deshalb müssen legale Möglichkeiten geschaffen werden, damit diese Arbeit unter menschenwürdigen Bedingungen ausgeübt werden kann.
* Wir verwenden generell die weibliche Form, männliche Hausarbeiter sind mitgemeint.
Die Arbeitsbedingungen im Bereich Privathaushalt sind besonders prekär: ungeregelte Arbeitszeiten (von der Häufung von Kleinstpensen in verschiedenen Haushalten bis zur totalen rund um die Uhr Verfügbarkeit); niedrige Löhne; soziale Isolation; grosse Abhängigkeit von den Arbeitgebenden; Unterbringung am Arbeitsort. Es mangelt in dramatischer Weise an sozialem Schutz: Fehlen von Unfall-, Mutterschafts-, Arbeitslosen- und Altersversicherung. Ohne Aufenthaltsbewilligung steigen die Risiken von Ausbeutung, sexueller Belästigung und Gewalt.
Die Nachfrage in diesem Arbeitsbereich ist in vollem Wachstum begriffen. Die Berufstätigkeit beider Elternteile, die demographische Alterung der Bevölkerung, der Abbau und die Privatisierung der öffentlichen Dienste, das Fehlen einer modernen Familienpolitik und die ungleiche Verteilung der Haus- und Betreuungsarbeit zwischen Frauen und Männern sind die wichtigsten Gründe dafür. Die wachsende Zahl von Einelternfamilien, von Alleinstehenden und von älteren Menschen haben neue Bedürfnisse geschaffen, die durch die öffentlichen Dienste nicht abgedeckt sind. Die Hausarbeiterinnen ohne geregelten Aufenthalt tragen in bedeutender Weise dazu bei, dass der Wohlstand und die Lebensqualität unzähliger Menschen in der Schweiz zunehmen.
Arbeiten im Haushalt werden immer noch als weibliche Arbeit angesehen und dementsprechend nicht genügend anerkannt. Zur Zeit sind weder die Reformen für bessere Rahmenbedingungen zur gerechten Arbeitsteilung im Privathaushalt zwischen Männern und Frauen fortgeschritten, noch decken die finanzierbaren Betreuungsangebote (Krippen, Tagesschulen, sozio-medizinische Angebote) die steigende Nachfrage. Die Frauen, die Hausarbeit übernehmen, sollen zumindest unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten können. 2011, z. B., wurde die ILO Konvention 189 “für menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte“ angenommen. Die Schweiz hat diese aber noch nicht ratifiziert.
Die Haltung unserer Gesellschaft von den Arbeitskräften ohne geregelten Aufenthalt zu profitieren und ihnen gleichzeitig kaum eine Möglichkeit zu geben, eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen, ist in höchstem Masse ungerecht. Damit diese Situation endet, fordern die Unterzeichnenden daher den Bundesrat auf, die Arbeits- und Lebensbedingungen von Hausarbeiterinnen zu verbessern, indem er:
1. Aufenthaltsbewilligungen für ArbeitnehmerInnen ohne geregelten Aufenthalt insbesondere im Sektor Privathaushalt erteilt.
2. Den sozialen Schutz für Hausarbeiterinnen ohne geregelten Aufenthalt garantiert, ohne Risiko einer Ausweisung.
3. Den Zugang zu Arbeitsgerichten für Personen ohne geregelten Aufenthalt garantiert, ohne das Risiko einer Ausweisung.