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Chronik
Die Anfänge
Die Anfänge 1981 fanden ein paar Sänger des Spiezer Männerchors, sie möchten einmal etwas nicht Alltägliches singen. So gründeten sie den "Seemannschor Spiez" und gruben alte Seemannslieder aus. Nicht die von Freddy Ouinn, Hans Albers und anderen Interpreten von der Waterkant, die als eingängige Schlager Furore gemacht hatten. Die acht Sänger widmeten sich vor allem den Shantys. Das sind Arbeitslieder, die auf den alten Lastenseglern gesungen wurden. Der Vorsänger, der Shantyman, erzählte eine Geschichte, ähnlich einem Blues, und die Crew sang den Refrain und bestimmte damit das Arbeitstempo, so wie wir es von Marsch- und Wanderliedern kennen. Diese Weisen wirkten im Alltag sehr monoton, zeitweise wie ein Sprechgesang und waren für die Bühne nicht geeignet.
Die Sänger konnten Edy Wyttenbach als Chorleiter gewinnen, welcher für das Doppelquartett eigens vierstimmige Chorsätze schrieb. Pro Stimme waren zwei Sänger engagiert. Begleitet wurden sie von Akkordeon und Gitarre. Ein erstes Foto gibt es von 1984. Darauf fehlt leider der Akkordeonist.
Sieben Gründungsmitglieder sind heute noch dabei. Naturgemäss sind sie gealtert, einige mehr, andere weniger.
Der Seemannschor trat öfters an Festen und an Vereinsanlässen auf und schuf sich bald eine eingeschworene kleine Fangemeinde. Wen wunderts, dass viele dieser Fans Segler waren, so wie einige Chormitglieder auch.
Anfangs 1985 nahm man in der Schlosskirche Spiez in klirrender Kälte den ersten Tonträger auf: die Musikkassette "Sailing" entstand. Eine erste kurze Auslandreise führte nach Mainz und auf dem romantischen Rhein durch die Loreley.
Von zwei auf drei
Zwei Mann pro Stimme genügen, doch wenn einer fehlt, tönt es auf der Bühne zu dünn. Deshalb wurde 1989 der Chor um einen Mann pro Stimme erweitert. Dazu gehörte auch Markus Schaad, der einzige echte Seemann unter uns, denn er war eine Zeitlang als Maschinist auf den Weltmeeren gefahren.
Der Chor widmete sich nun ganz den alten, überlieferten Shantys und trat von nun an unter dem Namen "Shanty-Chor Spiez" auf. Die Kunde von diesem besonderen Chor verbreitete sich und der Shanty-Chor überschritt bald einmal die Grenzen der Region.
Man wird seetüchtig
Im Juli 1992 gönnten wir uns, zum verspäteten Zehnjahre-Jubiläum, eine richtige Seefahrt. Auf einem russischen Schulschiff, der "Khersones" (siehe Titelbild), segelten wir von Willhelmshaven nach Brest. Als Landratten waren wir von der Grösse des Schiffs, den Naturgewalten und von der Genügsamkeit der russischen Kadetten sehr beeindruckt. Später nahmen wir am Seemanns-Festival in Arbon teil. Es folgten zahlreiche Auftritte bei Vereinen, Firmen, in Werften und an Bootstaufen.
Mit Stolz begleiteten wir am 21. März 1996 musikalisch die Jungfernfahrt der
"Berner Oberland" auf dem Thunersee. Wir sollten auf diesem Schiff
noch etliche Male singen dürfen.
Unser Hamburger Freund und Künstler
1995 erschien unsere erste volle CD "Up she goes". Das Titelbild sollte etwas Besonderes sein. So baten wir den Hamburger Seefahrtsillustrator "Kurt Schmischke" um Entwürfe.
Kurt lernten wir an einer Vernissage seiner Werke in Thun kennen. Wir überraschten ihn mitten in der Ausstellung mit einigen Shantys und gewannen auf Anhieb seine Sympathie und herzliche Freundschaft.
Zwei seiner Entwürfe liessen wir ausarbeiten und erwarben die Originale. Das eine ziert die erwähnte CD. Das zweite diente als Etikette für den Jubiläumswein 20 Jahre Shanty-Chor. Als wir die zweite CD "Haul away!" produzierten, fehlte uns erneut ein Titelbild. Zufällig weilte "Kurt Schmischke" bei seinen Freunden Esther und Ueli Stettler in Thun, und malte uns spontan ein passendes Bild. Unser Künstler starb im Herbst 2004 81-jährig.
Die vormalige Weinetikette wird jetzt als Cover unserer ofenfrischen Live CD "Haul the bowline!" zu neuem Leben erweckt.
Im Herbst 1997 wurden wir zum Jubiläum des Shantychors Isar-Möven nach München eingeladen. Dort lernten wir auch den Shantychor Cuxhaven kennen. "Ihr müsst unbedingt einmal zu unserem Tag der Shantychöre nach Cuxhaven kommen", beschworen uns die Norddeutschen. Warum nicht an die Quelle unserer Gesänge reisen? Nur liegt Cuxhaven 1000 Kilometer weit weg. Und unter Dutzenden Bewerbern werden 15 Chöre eingeladen, und sechs davon dürfen am Galakonzert auftreten. Die andern präsentieren sich in Parks und in Strandcafes. Wir pokerten und sagten, dass wir nur kommen, wenn wir auf die Hauptbühne dürfen. Wir durften.
Inzwischen entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen Spiez und Cuxhaven. Die Norddeutschen waren zweimal bei uns. 1999 traten wir mit ihnen auf dem Musikschiff Berner Oberland auf und 2003 durften wir sie zum Shantychortreffen im Kursaal Interlaken begrüssen. Unser "Shantychor aus den Bergen" reiste bereits viermal nach Cuxhaven. 1998, 1999 und 2002 zum Tag der Shantychöre. Und als 2004 das Tall Ships Race, eine Regatta der grossen Windjammer, in Cuxhaven endete, verbrachten wir dort eine volle Woche und gaben fünf Konzerte. Der Anblick So vieler Grosssegler am selben Pier hinterliess einen bleibenden Eindruck.
Es war nicht voraussehbar, dass dieser spezielle Chor das Vierteljahrhundert feiern kann. In der ganzen Zeit gab es sehr wenige Wechsel. Leider verliessen auch einige Kameraden die irdische Welt. Sie seien hier ehrend erwähnt:
- Werner Füeg - Sänger im 2. Bass
- Bernhard Binoth - Sänger im 1. Bass
- Fred Strasser - Sänger im 1. Bass
- Walter von Gunten - Akkordeonist
Die Welt, die wir in unseren Liedern besingen, existiert längst nicht mehr. Die Lastensegler wurden von Dampfern, später von Motorfrachtern verdrängt. Die Hafenromantik ist verschwunden. Wirtschaftlicher Druck bestimmt das heutige Geschehen und führte dazu, dass Frachter, die nicht fertig beladen oder gelöscht sind, übers Wochenende hinausfahren und ankern, um die teuren Hafengebühren nicht zahlen zu müssen. Reeperbahn ade!
Umso schöner finden wir es, ein Stück vergangener Kultur in aufgefrischter Form auf der Bühne besingen und nachleben zu können
In der ganzen Zeit gab es sehr wenige Wechsel, doch nagte die Zeit auch an uns Shantymen:
- Martin Güggi - Sänger im 1. Tenor
- Jörg Wiederkehr - Sänger im 1. Tenor
- Bernhard Steffen Sänger im 2. Tenor
- Werner Werren - Sänger im 2. Bass
- Toni Däppen - Musikalischer Leiter
verlassen unseren Chor auf Ende 2009.