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Netflix vor dem Schlafen ist weniger schädlich als gedacht
«Wir waren sehr überrascht über die Resultate», sagte Studienleiter Björn Rasch auf Anfrage am Dienstag. Aufregung werde eigentlich mit mehr Schlafschwierigkeiten, einer längeren Einschlafzeit oder Durchschlafstörungen in Verbindung gebracht.
Die Studie zeigt zwar, dass das Binge-Watching einer spannungsgeladenen Serie vor dem Schlafengehen das Stressempfinden erhöht. Die physiologischen Erregungssymptome wie beschleunigter Herzrhythmus oder eine Erhöhung des Cortisol-Levels wurden hingegen nur beobachtet, wenn die Serie mit einem Cliffhanger – also auf dem Höhepunkt der Handlung – endet.
«Nach einem Cliffhanger hat sich die Zeit verkürzt, die die Studienteilnehmer im Tiefschlaf verbrachten», erklärte Rasch. Dieser Effekt war insbesondere in den beiden ersten Schlafphasen (rund drei Stunden) ausgeprägt. «Wir hatten aber einen stärkeren Effekt erwartet.» Für einen guten Schlaf empfehlen die Schlafforscher deshalb, eine Serie einfach vor dem Cliffhanger aufzuhören, oder zwischen dem Schauen und dem Schlafen eine kleine Pause einzulegen.
Zwei Nächte im Labor
Für die Studie verbrachten 50 junge, gesunde Teilnehmende zwei Nächte in einem Schlaflabor. Am ersten Abend schauten sie sich vor dem Schlafengehen drei bis vier Episoden einer Thrillerserie an (How to Get Away with Murder, Orphan Black, Sense8 oder The Sinner).
Für die erste Teilnehmergruppe endete die Serie mit einem Cliffhanger, und dies direkt vor dem Schlafengehen. Für die zweite Gruppe wurde die letzte Episode der Serie leicht verkürzt, damit sie mit einer ruhigen Situation endete. Am zweiten Abend schauten sich alle Teilnehmenden vor dem Schlafengehen eine ebenso lange neutrale Dokumentarserie an.
Endete die Serie in einer ruhigen Szene, schliefen die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer sogar schneller ein, als wenn sie eine langweilige Doku schauten.
Schlafqualität und -empfinden gemessen
Die elektrische Gehirnaktivität der Probandinnen und Probanden wurde mithilfe einer Elektroenzephalographie (EEG) gemessen, um ihren Schlaf objektiv beurteilen zu können. Dabei wurde der Fokus auf die Einschlafzeit und die Schlafqualität gelegt. Zudem wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ihrem subjektiven Schlafempfinden befragt.
(sda/red.)