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Nach neusten Zahlen aus der statistischen Küche der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften gab es in China im Jahr 2009 über 230 Millionen Mittelständler, Tendenz stark steigend.
Weder Rentenanspruch noch Krankenversicherung
Der Vergleich zwischen einem europäischen oder Schweizer und einem Chinesischen Mittelständler ist allerdings schwierig. Die europäische Mitteklasse verfügt über Rente, Krankenversicherung, eine freie oder kostengünstige Erziehung und was der Sicherheiten mehr sind. Die chinesische Mittelklasse kann davon nur träumen. Eine Folge davon: Chinesen sparen, Europäer und Amerikaner konsumieren.
Weniger als 37 Prozent des zur Verfügung stehenden Einkommens fürs Essen und Trinken
Die enorme Zahl von 230 Millionen Mittelständlern in China ruft nach einer weiteren Interpretation. Wie bei allen Statistiken kommt es aufs Kleingedruckte an, also auf die Definition. Der chinesische Mittelstand setzt sich zusammen aus kleineren und mittleren Privatunternehmern, gut gebildeten Büro-Angestellten, Ingenieuren, Anwälten, Partei- und Regierungskadern sowie erfolgreichen Berufsarbeitern.
Nach Definition der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften gehören dem Mittelstand all jene an, die weniger als 37 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die tägliche Nahrung ausgeben.
Es ist das Ökonomen vertraute engelsche Gesetz. Nach Definition der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO bedeutet ein Koeffizient (Anteil der Ausgaben für Nahrung) über 59 Prozent absolute Armut, 50 bis 59 Prozent Armut und 40 bis 50 Prozent «moderat lebend». Dieser Massstab wurde vom deutschen Statistiker Ernst Engel im 19. Jahrhundert entwickelt. Es besagt, dass der Einkommensanteil, der in einem Haushalt für Ernährung ausgegeben wird, mit steigendem Einkommen sinkt. Der Anteil des für die Ernährung ausgegebenen Einkommens wird auch Engel-Koeffizient genannt. Anders ausgedrückt: Ein niedriger Engelkoeffizient gilt gemäss dem engelschen Gesetz als Indikator für hohen materiellen Wohlstand.
Deng Xiaoping redete von flacher Einkommenspyramide
Und hier kommt die Olive ins Spiel. Die Einkommensverteilung müsste nach Ansicht chinesischer Wirtschaftswissenschafter idealerweise ausgeglichen sein. Also bildlich gesprochen darf es keine Pyramide sein. Der Mittelstand ist sozusagen Garant für die Olive, das heisst an einem Enden Reich und am andern Arm, in einer breiten Mitte Menschen mit einem bescheidenen Wohlstand. Genau das war das vom grossen Reformer und Revolutionär Deng Xiaoping erklärte Ziel: «Xiaokang», bescheidener Wohlstand.
Deklarierte Ziele sind ambitiös
Ob China dieses Ziel für seine über 1,3 Milliarden Einwohner erreichen wird, ist trotz des rasanten Wachstums ungewiss. Yao Bin schrieb als leitender Redaktor in der offiziellen «Pekinger Rundschau» zu diesem Thema, dass sich Partei und Regierung sputen müssen. Die Einkommens-Verteilung müsse rasch reformiert, das soziale Sicherheitsnetz verbessert und ein besserer Zugang von Privat-Unternehmern zum Markt garantiert werden. Die Wirtschaftsplaner der Zentrale fördern zudem den Übergang zu «nachhaltigem Wachstum», das heisst weg von der einseitigen Export-Abhängigkeit und hin zu mehr Konsum.
Ohne breiten Mittelstand sind Systeme in Ost und West in Gefahr
Nur unter diesen Voraussetzungen wird die chinesische Mittelklasse stark und selbstbewusst. Und nur so kann die Partei das «Mandat des Himmels», also die Macht, bewahren und «Stabilität» im Reich der Mitte wahren. Der Mittelstand also ist in Ost und West, Hüben und Drüben der alles entscheidende Faktor. In der demokratischen, liberal-kapitalistischen Welt genauso gut wie in der autoritären «sozialistischen Marktwirtschaft chinesischer Prägung».
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine