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Die G-20 und die Frage der Weltregierung 27.09.2009 19:24

politonline d.a. Das erste Presseorgan, das den Begriff Weltregierung im Zusammenhang mit der soeben in Pittsburgh abgehaltenen Zusammenkunft der G-20 in Verbindung brachte,
war der Spiegel
mit dem Titel: »Vorstoß vor Gipfeltreffen - Brown will aus G-20 eine Weltregierung machen«. Andere folgten. Es ist nicht so leicht, abzuschätzen, ob der Bürger jetzt mittels der Ankündigung einer solchen Möglichkeit langsam und schrittweise, aber dennoch gezielt, mit der Etablierung einer Weltregierung öffentlich vertraut gemacht werden soll, oder ob dies dahingehend zu interpretieren wäre, dass das Aufzeigen dieser Bestrebung eine Art von Frühwarnung darstellen soll. Wir haben uns bereits verschiedentlich darum bemüht, darzulegen, dass die Weltregierung ein fester Bestandteil der seit langem auf uns wartenden Strategien ist und obwohl dieses Ziel in zahlreichen Aussagen politisch einflussreicher Kräfte ohne irgendwelche Einschränkungen vorgetragen wird, erzeugen Hinweise hierauf in der Regel meist nur ein ungläubiges bis müde abwehrendes Lächeln. Als ob nicht begriffen würde, was die Entmündigung der Nationen, die praktisch eine unabdingbare Vorraussetzung einer Weltregierung ist, für jeden einzelnen bedeutet. Wie lange diese Absicht zurückliegt, lässt ein Ausspruch von Paul Warburg erkennen, der am 17. Februar 1950 vor dem US-Senat erklärte: »Wir werden eine Weltregierung haben, ob Ihnen das gefällt oder nicht. Die einzige Frage ist die, ob eine solche mittels Eroberung oder durch Einwilligung zustande kommen wird.« Eine ähnliche Bemerkung machte David Rockefeller vor dem »UN Business Council«, dem Wirtschaftsausschuss der UNO im Jahr 1994: »Wir stehen am Beginn eines weltweiten Umbruchs. Alles, was wir brauchen, ist die eine richtig große Krise und die Nationen werden die Neue Weltordnung akzeptieren.« Und diese Krise hätten wir ja jetzt. Daher führt auch Olga Chetverikova in ihrem Bericht »Die Krise als Weg zur Schaffung eines globalen totalitären Zustands« 1 folgendes aus: »In dieser Krise«, schreibt sie, »versuchen die westlichen Führer der Menschheit die Idee einzuprägen, dass diese Umwälzung damit enden wird, dass die Welt in etwas anderes umgewandelt wird.« Schon bei den Vorbereitungen für den G-20 Gipfel in Berlin war Gordon Brown das Echo von Sarkozys New Deal, den dieser als erster in seiner Rede vor der UNO-Generalversammlung im September 2007 nannte. Aus diesem Grund veröffentlichen wir gleichzeitig einen diesbezüglich überaus aufschlussreichen Artikel von F. William Engdahl, den dieser bereits Anfang Februar letzten Jahres schrieb: »Gordon Browns geheime Pläne zur Neuen Weltordnung« 2. Ob man von einer neuen Weltordnung oder direkt von der Weltregierung spricht, bleibt sich selbstredend gleich. Auch der Begriff Weltwirtschaftsregierung steht für dasselbe Ziel.
Winston Churchill hatte sich 1947 sehr deutlich über die mit der europäischen Integration verbundenen Machtfragen geäussert. So sprach er in diesem Zusammenhang in seiner Rede in der Royal Albert Hall in London am 14. Mai 1947 von dem ›Endziel‹ einer zu errichtenden ›autoritativen allmächtigen Weltordnung‹. Ein unerlässlich erster Schritt zur Errichtung einer solchen ›Welt-Superregierung‹ war für ihn die Bildung eines vereinten Europas. Im April 2008 legte Alexander Benesch dar, dass das Hauptziel der Bilderberger, die allmählich immerhin etwas öfters in die Schlagzeilen gelangen, darin besteht, die Transformation der Vereinten Nationen in eine Weltregierung durchzuführen. »Wenn die Bilderberger ihre Ziele erreicht haben, wird Amerika fallen. Alle Länder werden ihre Souveränität verlieren. Ignoranz ist ihre [Anmerk. der Hintergrundmächte] stärkste Waffe. Die heutige Generation hat zwar die höchste formelle Schulbildung in der Geschichte, ist aber trotzdem die am schlechtesten informierte, die es je gab.« Auch hier weisen wir nicht zum ersten Mal darauf hin, dass die zweite Waffe darin besteht, dass diese Mächte darum wissen, dass das breite Desinteresse an der Politik verhindert, dass man Worte dieser Art bedenkt, geschweige denn ihnen nachgeht.
Laut Topic vom 4. April 2009 vertrat Kissinger in einem Interview mit CNBC folgende Auffassung: »Die gegenwärtigen weltweiten Turbulenzen und die Wertschätzung, die Barack Obama global entgegengebracht wird, bilden den idealen Hintergrund zur Errichtung einer Neuen Weltordnung.« Die Wertschätzung Obamas hat sich inzwischen allerdings schon recht relativiert, vor allem in seinem eigenen Land. Obamas Aufgabe, so Kissinger ferner, sei es, »in diesem Zeitraum, in dem wirklich eine neue Weltordnung geschaffen werden kann, eine übergreifende Strategie für Amerika zu entwerfen. Das ist eine grossartige Gelegenheit, nicht bloss eine Krise.« Wie grossartig das Ganze ist, davon können nicht nur Millionen an Arbeitslosen, sondern vor allem die Bürger, denen ein riesiger Anteil der Bankenschulden auf die Schulter gebürdet wurde, ein Lied singen. Warum auch nicht, denn »der Staat wird«, wie Chossudovsky ausführt, »von den Banken übernommen, sozusagen privatisiert. Das Etablieren eines weltweiten unipolaren Finanzsystems ist Teil eines grösseren Projekts der Wall Street-Finanzeliten auf dem Weg zur Konturierung einer Weltregierung«. 2008 erklärte Kissinger, dass wir gegenwärtig Zeugen der Schaffung einer neuen Ordnung seien, »weil Menschen, die in den Abgrund blicken, selbst in der islamischen Welt zu dem Schluss kommen müssen, dass gestellte Erwartungen irgendwann unter einem anderen System wiederkehren müssen.« Er verübelt es uns hoffentlich nicht, wenn wir der Auffassung sind, dass wir diesen Abgrund weitgehend der vielfach vorhandenen massiven Blindheit der uns Regierenden sowie der sich selbst so gern als Elite bezeichnenden Führungskräfte verdanken. Man geht ferner kaum fehl, wenn man von Kissingers ›anderem System‹, zumal von einem, an dessen Konzipierung er beteiligt wäre, alles andere erwartet, nur nicht die Erfüllung unserer eigenen Vorstellungen. So liess uns ja auch Joschka Fischer wissen - auch das veröffentlichen wir hier nicht zum ersten Mal, ohne dass dies eine Wirkung zeitigte - »Die neue Weltordnung werde internationale ›Ordnungsverluste‹ beseitigen und eine ›positive Globalisierung‹ durchsetzen. Dabei müssten sämtliche Mittel zur Anwendung kommen, so dass kriegerische Gewaltaktionen ausdrücklich nicht ausgeschlossen seien.« Wie muss man eigentlich als Parlamentarier resp. Volksvertreter beschaffen sein, um hierdurch nicht aufgeschreckt zu werden?
»Wir müssten wieder zu demokratischen Gewohnheiten zurückfinden«, sagt der Nationalökonom Albrecht Müller 3. Er war unter Willy Brandt und Helmut Schmidt Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt. »Davon sind wir weit entfernt. Heute entscheidet ein Konglomerat von Eliten aus Politik und Wirtschaft, aus Medien und Wissenschaft, wo es langgeht. Sie bestimmen die politischen Entscheidungen. Was die Mehrheit unseres Volkes will, spielt eine immer geringere Rolle.« Ähnliches entnimmt man Dr. Böttigers ›Spatz im Gebälk‹, der im Oktober 2007 - ebenso wirkungslos - konstatierte: »Wie so oft in der Klimadebatte wird auch hier Ursache und Wirkung vertauscht. Die angebliche Klimakatastrophe dient der Vorbereitung zur Feuertaufe aus Verknappung, Not und Elend und schließlich der Reduktion der Weltbevölkerung, um die Weltgesellschaft einheitlich unter die gleichen (Finanz)Machtinteressen zu zwingen, die im Westen bereits das Sagen haben.« Und solches ist ohne eine alles bestimmende Weltregierung natürlich nicht zu schaffen 4. Insofern mutet die von David Rockefeller auf der Bilderberger-Konferenz 1991 in Baden-Baden an die Presse ergangene Danksagung wie eine Verhöhnung der Bevölkerung an: »Wir sind dankbar gegenüber der Washington Post, der New York Times, dem Time Magazine und anderen großen Publikationen, deren Vorsitzende unseren Treffen beigewohnt und ihre Versprechen der Diskretion für beinahe 40 Jahre gehalten haben. Es wäre unmöglich gewesen, unseren Plan für die Welt zu entwickeln, wären wir in diesen Jahren dem Rampenlicht der Öffentlichkeit ausgesetzt gewesen. Doch die Welt ist nun fortgeschrittener und bereit, in Richtung einer Weltregierung zu marschieren. Die übernationale Herrschaft einer intellektuellen Elite und der Weltbankiers ist gegenüber der in früheren Jahrhunderten praktizierten nationalen Selbstbestimmung sicherlich vorzuziehen.«
Die folgenden Einzelheiten sind dem bereits oben erwähnten Bericht des Spiegels ›Vorstoß vor Gipfeltreffen - Brown will aus G-20 eine Weltregierung machen‹ 5 entnommen: »Brown verlangt, das Gremium langfristig in eine globale Wirtschaftsregierung umzuformen. So könnten die Folgen der Krise besser bewältigt und künftige Probleme verhindert werden;« was ihm ehrlicherweise keiner abnehmen kann. Man staunt nicht schlecht, wenn Brown uns erklärt, dass die G-20 die Welt gemeinsam vor dem Kollaps des Finanzsystems gerettet hätten, eine Rettung, von der man wohl behaupten darf, dass sie infolge der damit einhergehenden Schuldenwirtschaft das Wohlergehen der künftigen Generation aufs Spiel setzt. »Ein Anfang sei [jetzt] gemacht, jedoch würden die G-20-Staaten noch nicht eng genug zusammenarbeiten. Ihm schwebe ein ›neuer Weg‹ vor, um die »Weltwirtschaft global zu regieren«.
Markus Ziener und Daniel Goffart überschrieben ihren Bericht im Handelsblatt mit
›Weltregierung etabliert sich selbst‹ 6. Darin wird uns einiges versprochen: »Die G-20 wollen Merkels ›Charta für nachhaltiges Wirtschaften‹ weiterführen. Auf dieser Grundlage habe der Gipfel ›Grundwerte für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten angenommen, die Werte von Anständigkeit, Integrität und Transparenz einschließen‹, hiess es im Abschluss-Kommuniqué des Treffens in Pittsburgh. Diese Werte sollten die Grundlage für einen gemeinsamen Rahmen für ein starkes, stetiges und ausgeglichenes Wachstum bilden, den sich die G-20 gemeinsam schaffen würden.« Ob die Werte der EU, ob andere Werte wie die jetzt propagierten: nackte Tatsachen, die die Ausbeutung zahlloser Arbeitskräfte unseres Globus belegen, lassen an diesen hehren Worten erst einmal akute Zweifel aufkommen, zumal die Umsetzung derselben längst so erfolgt sein müsste, dass gerade die indigenen Völker in einigen Ländern nicht einen Dauerstreit mit den Konzernen auszufechten haben. Ferner erfährt man, dass »die G-20 übereingekommen sind, sich künftig stärker in die Karten schauen zu lassen. So wollen die Regierungen gegenseitig offenlegen, wie sie ihre Volkswirtschaften organisieren. Das würde insbesondere für die USA und China, die solchen Initiativen bislang zurückhaltend gegenüberstanden, einen enormen Schritt bedeuten.« Letzteres wird auch in Zukunft kaum kontrollierbar sein. Geradezu unglaublich, wenn nicht erschreckend, ist die Vorstellung, dass ausgerechnet der Internationale Währungsfonds hierbei eine Aufsichtsrolle erhalten könnte. Denn, schreibt John Pilger, »in Bretton Woods wurde der Grundstein für die Globalisierung der Armut und für die Praxis, Schulden als Druckmittel zu gebrauchen, gelegt. Mit ihren Strukturanpassungsprogrammen haben die von Washington gesteuerten Institutionen (IWF, Weltbank) ein hochverschuldetes Weltreich geschaffen, das grösser ist als das British Empire in seinen besten Tagen. Ein gutes halbes Jahrhundert später hat sich die Kluft zwischen den reichsten und ärmsten 20 % der Menschheit verdoppelt und eine privilegierte Minderheit von weniger als 1 Milliarde Menschen verfügt über 80 % des globalen Reichtums.« Man weiss also im Grunde genommen nicht so recht , wo die lauthals verkündeten Werte einzuordnen wären.
»Wenn Britanniens Premier Brown die G-20 als Schiedsrichter für Wirtschaftssachen installieren will«, schreibt Klaus Fischer in seinem Artikel ›Räuber ist Gendarm - G-20 - Staatskunst vom Feinsten‹ 7, »ist Gefahr im Verzug. Gefahr für den Rest der Welt und alle ihre Bewohner. Der neoliberale Hardliner, dessen heimisches Wirtschaftssystem wie kaum ein anderes auf globale Finanztricksereien angewiesen ist, hat dem Gremium damit unterstellt, im Interesse von Wall Street und City handeln zu können. Im Interesse der 7 Milliarden Erdenbürger kann das nicht sein. Ohnehin haben die sogenannten 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, deren Häuptlinge sich diese Woche in Pittsburgh treffen, keinen guten Ruf. Globalisierungskritiker, Klima- und Umweltschützer halten die Truppe für einen Teil des Problems. Hier hat sich eine Räuberbande zum Welt-Gendarme ernannt. Da ist es kein Trost, daß nicht mehr nur die Altmächte (G-7) zu Gange sind, sondern auch Brasilien, China, oder Südafrika mitmischen. Was auch immer die Interessen der G-20 sein mögen, das Wohlergehen der Welt und aller ihrer Bewohner gehört nicht dazu«; und: »In Pennsylvania wird nichts beschlossen, das den Abzockern mißfällt. Es wird nur so getan.«
1 http://en.fondsk.ru/article.php?id=2070 21. . 2009
Olga Chetverikova - Crisis as a way to build a global totalitarian state
2 http://info.kopp-verlag.de/news/gordon-browns-geheime-plaene-zur-neuen-weltordnung.html 1. 2. 2008 Gordon Browns geheime Pläne zur Neuen Weltordnung - Von F. William Engdahl
3 http://www.nachdenkseiten.de/?p=3841 23. 3. 09 Interview mit Albrecht Müller in 3sat
4 htp://www.spatzseite.de/20071007.htm 7. 10. 2007 Some like it hot: Klima-Tribut
5 http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,650429,00.html 22. 9. 09
6 http://www.handelsblatt.com/politik/international/weltregierung-etabliert-sich-selbst;2461446 25. 9. 09
7 http://www.jungewelt.de/2009/09-23/028.php 23. 9. 09 Räuber ist Gendarm - G-20 - Staatskunst vom Feinsten - Von Klaus Fischer
Siehe auch
www.politonline.ch http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=807
Der Weg in die neue Weltordnung - Schamlose Ausbeutung und schamlose Diktatur
von Prof. Dr. Michel Chossudovsky
http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=1225 23. 5. 2009
Weltregierung, Weltpolizei und die Bilderberger
http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_120b/T07.HTM und http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=10
Vorstufe der Weltregierung - 50. Bilderberger-Treffen vom 3. bis 6. Juni 2004 in Stresa (Lago Maggiore) - Von Doris Auerbach - Artikel 7: Zeit-Fragen Nr. 32 vom 23.8.2004