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In ihrem vierten grossen Roman schildert Elizabeth Gaskell die Geschichte der neunzehnjährigen Margaret Hale, die, als sie nach Helstone in ihre Heimat im Süden Englands zurückkehrt, nachdem sie zehn Jahre bei ihrer Tante Shaw und ihrer Cousine Edith in London gelebt hat, die Idylle im ruhigen, ländlichen Süden nur kurz geniessen kann. Denn ihr Leben ändert sich grundlegend, als ihr Vater, der Seelsorger der kleinen Gemeinde Helstone, der anglikanischen Kirche den Rücken kehrt und beschliesst, mit der Familie künftig in der Fabrikstadt Milton im Norden Englands zu leben. Aus dem überschaubaren, ruhigen Leben in Helstone wird die junge Frau mitten in die Geschäftigkeit, den Lärm und den Schmutz einer im Zuge der Industrialisierung rasch wachsenden Stadt katapultiert. Zwar hält sich Margaret für stark genug, es mit allen Wechselfällen des Lebens aufnehmen zu können, doch auf die Verhältnisse in ihrer neuen Heimat ist die junge Frau nicht gefasst: konfrontiert mit der Armut und den Nöten der arbeitenden Klasse, der Selbstherrlichkeit reicher Fabrikanten und der sich daraus fast zwangsläufig ergebenden Arbeitskämpfe, sowie schicksalhaften Wendungen, die ihr einerseits die Menschen nehmen, die sie am meisten liebt, und sie andererseits mit Menschen in Berührung bringt, um deren Liebe sie sich nie bemüht hat und die sie gar verachtet, muss Margaret ihre Werte und Prinzipien unter völlig veränderten Umständen und unter einem gänzlich anderen Menschenschlag als dem bisher gewohnten behaupten.
Elisabeth Gaskell veröffentlichte „North and South“ ursprünglich als Fortsetzungsroman in Charles Dickens’ Wochenmagazin „Household Words“. Das Buch wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 2004 von der BBC mit Richard Armitage in der Rolle des John Thornton.
Überarbeitete Fassung auf Basis der von der Autorin erweiterten Buchausgabe mit zusätzlichen Anmerkungen.
Portrait
Elizabeth Gaskell wurde 1810 als Elizabeth Stevenson in London geboren, aufgewachsen ist sie in Knutsford (Cheshire) bei ihrer Tante. Die junge Frau heiratete 1832 William Gaskell, einen unitarisch freikirchlichen Geistlichen und Universitätsdozenten in Manchester, mit dem sie fünf Kinder hatte. Während sich ihr Mann für die Bildung der Arbeiter engagierte, ist in Elizabeth Gaskells Korrespondenz immer wieder von den sozialen Härten des Frühkapitalismus die Rede. Ihr Erstlingsroman "Mary Barton" verhalf ihr zur Bekanntschaft mit Dickens, für dessen Zeitschrift "Household-Words" sie von nun an literarische Beiträge lieferte. Ihr Erfolg brachte dem nicht gerade reichlich ausgestatteten Haushalt der Gaskells eine finanzielle Entlastung; nun konnte die Schriftstellerin Reisen unternehmen und in den literarischen Salons von London verkehren. Ein halbes Dutzend Romane und rund vierzig Erzählungen entstanden, außerdem eine Biographie von Charlotte Bronte. Sie starb 1865.