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Der Artikel basiert auf eine grundlegende Recherche und einen Vortrag eines geschätzten Kameraden, welcher unter dem Pseudonym “Ypsilons 378″ bereits im vor gut zwei Jahren einen interessanten Artikel zu Chinas Datensammelaktivitäten geschrieben hatte.
In einer vorangegangenen Artikelserie hatten wir mit dem Wissenstand von Ende 2018 die Reform der russischen Streitkräfte untersucht und basierend auf dem staatlichen Rüstungsprogramm die mögliche weitere Entwicklung bis 2030 antizipiert. Trotz vollmundigen Bekanntmachungen konnte insbesondere bezüglich Kampfdrohnen zu diesem Zeitpunkt noch wenig Fassbares verortet werden. Auch die letzte Ausgabe der Military Balance hält fest, dass sich bei den russischen Streitkräften der operationelle Einsatz auf unbewaffnete Aufklärungsdrohnen und auf Mittel zur Drohnennbekämpfung beschränkt (International Institute for Strategic Studies, “Chapter Five: Russia and Eurasia”, The Military Balance, Vol 120, 2020, S. 172). Wenn jedoch der zunehmenden Relevanz der Kampfdrohnen auf dem modernen Gefechtsfeld Rechnung getragen wird – als Beispiel kann der entscheidende der zunehmenden Relevanz der Kampfdrohnen auf dem modernen Gefechtsfeld Rechnung getragen wird – als Beispiel kann der entscheidende Einsatz türkischer Bayraktar TB2s zugunsten des libyschen Government of National Accord gegen die russisch unterstützte Libyan National Army herangezogen werden – so sind Indienststellung und Einsatz von Kampfdrohnen auch bei den russischen Streitkräften nur eine Frage der Zeit.
Dieser Artikel beleuchtet deshalb die Geschichte und der aktuelle Stand der russischen Drohnennentwicklung. Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, hat sich eine grobe Klassifizierung bewährt, welche sich auf eine Kombination von Flughöhe, Einsatzdistanz, Einsatzzeit, Gewicht und Nutzlast abstützt (siehe auch Sascha Lange, “Flugroboter statt bemannter Militärflugzeuge?“, Stiftung Wissenschaft und Politik, Juli 2003):
Drohnenentwicklung während der Sowjet-Ära
Die erste sowjetische Drohne, die Lavochkin LA-17, wurde 1950 entwickelt und als fliegendes Ziel für die Flugabwehr und die Luftstreitkräfte der Sowjetunion eingesetzt. Da als Antrieb ein Staustrahltriebwerk verwendet wurde, musste sie durch eine umgebaute Tupolev Tu-4 auf rund 8’000-8’500 km Höhe gebracht und mit rund 500 km/h ausgeklinkt werden. Anschliessend durchlief die Drohne einen 90 Sekunden andauernden Sinkflug, welcher sie auf eine Geschwindigkeit von rund 900 km/h brachte, so dass sie mit aktiviertem Staustrahltriebwerk eine Flughöhe von maximal 9’750 m erreichen konnte. Mit einem Gesamtgewicht von 1’506 kg (davon 415 kg Treibstoff) konnte die LA-17 das Staustrahltriebwerk für maximal 10 Minuten aktivieren. Von der LA-17 wurden rund 250 Stück produziert. 1960 wurde sie durch die LA-17M (später LA-17MA, LA-17MM) abgelöst, welche mittels zwei abwerfbaren PRD-98 Festtreibstoff-Raketenantriebe von einer mobilen Rampe aus gestartet werden konnte. Ausserdem wurde das Staustrahltriebwerk durch ein Einstrom-Strahltriebwerk ersetzt, mit welchem die LA-17M bis zu 39 Minuten angetrieben werden konnte.
Ab 1962 wurde unter der Bezeichnung LA-17R bzw. TBR-1 eine modifizierte, rund 2’900 kg schwere Version zur Fotoaufklärung (PHOTINT), TV-Aufklärung und/oder für radiologische Messungen (RINT) bis zu einem Umkreis von 260 km (maximal 200 km hinter der gegnerischen Linie) und einer Einsatzzeit von bis zu 45 Minuten verwendet. Die LA-17R folgte während ihrer Mission entweder einer vorprogrammierten Flugroute oder konnte von Boden aus gesteuert werden. Sie landete relativ harsch mit 250-300 km/h auf ihrem an der Unterseite befestigten Einstrom-Strahltriebwerk, welches als Stossdämpfer diente. Es erstaunt also nicht, dass die Drohne nur ein einziges Mal verwendet werden konnte. Die LA-17R stand bis 1974 im Einsatz, als sie von der Tupolev Tu-143 (siehe weiter unten) abgelöst wurde, blieb jedoch bis anfangs 1980er-Jahre im Inventar der sowjetischen Streitkräfte.
Ungefähr zur gleichen Zeit wie die LA-17R wurde die Tupolev Tu-123 (das Gesamtsystem wurde DBR-1 bzw. Yastreb-1 benannt) als strategische Aufklärungsdrohne in Dienst gestellt. Die Tu-123 verfügte in einem Einsatzradius von 3’200 km sowohl über PHOTINT- wie auch elektronische Aufklärungsfähigkeiten (ELINT). Mit ihren 35,61 Tonnen Abfluggewicht (inklusive der Festtreibstoff-Raketenantriebe) und einer Geschwindigkeit von 2’700 km/h glich sie jedoch eher einem überdimensionierten Marschflugkörper als einer heutigen Aufklärungsdrohne. Die Tu-123 folgte während ihrer Mission einer vordefinierten Flugroute und konnten nicht nachgesteuert werden. Beim Rückflug übernahm das bodengestützte Landesystem bei einer Annäherung von 400-500 km die Kontrolle, trennte zum richtigen Zeitpunkt den vorderen Rumpf mit der Elektronik, den Sensoren und den gesammelten Daten ab und liess ihn an Fallschirmen zu Boden. Der Rest der Drohne konnte nicht wiederverwendet werden, und auch der abgetrennte vordere Rumpf wurde nach der Bergung einfachheitshalber verschrottet. Bis zum Produktionsende im Jahre 1972 wurden insgesamt 52 Tu-123 gebaut. Sie stand bis 1979 im Einsatz. (Yefim Gordon, “Soviet/Russian Unmanned Aerial Vehicles“, Band. 20, Red Star, Hinckley, 2005, S. 33ff).
Als dritte sowjetische Aufklärungsdrohne (PHOTINT, TV, RINT) wurde die Tupolev Tu-143 (Systembezeichnung VR-3 bzw. Reys) ab 1976 von der Roten Armee eingesetzt. Nicht nur landete die Drohne in ganzen Stücken (mittels Fallschirms) und konnte danach wieder eingesetzt werden (in der Regel fünf Mal), auch wurden die Sensorenwerte in Echtzeit zur Bodenstation übermittelt. Mit einem Gewicht von 1’230 kg (inklusive Festtreibstoff-Raketenantrieb) war sie bedeutend leichter als die LA-17R, die Fluggeschwindigkeit lag bei maximal 950 km/h und die Flughöhe während der Aufklärung bei 200-1’000 m. Trotz ihres Einsatzradius von bis zu 180 km war die Drohne nur für eine Aufklärungstiefe von bis zu 60-70 km hinter der gegnerischen Linie vorgesehen. Das sehr erfolgreich eingesetzte System wurde auch in die Tschechoslowakei, Rumänien und Syrien exportiert. Die syrischen Streitkräfte setzten es 1982 bei der Aufklärung israelisch eingenommener Gebiete im Libanon ein. Gemäss Military Balance hatte Russland diese Drohne bis 2017 in ihrem Bestand (International Institute for Strategic Studies, “Chapter Five: Russia and Eurasia”, The Military Balance, Vol. 117, 2017, S. 212). Mit der beinahe zeitgleich entwickelten Tupolev Tu-141 (Systembezeichnung VR-2 bzw. Strizh-1), welche effektiv einer vergrösserten Tu-143 entsprach, konnte sogar eine Aufklärungstiefe von mehreren hundert Kilometern erreicht werden. Diese Langstreckenaufklärungsdrohne wurde insbesondere an der Westgrenze der Sowjetunion eingesetzt und verblieb nach dem Zerfall der Sowjetunion in den jeweiligen osteuropäischen Staaten. (Gordon, S. 43ff.) Zur Aufklärung setzten die ukrainischen Streitkräfte solche Drohnen sogar noch 2014 über der Ostukraine ein. (Robert Beckhusen, “Ukraine Resurrects Soviet-Era Super Drones“, War Is Boring, 05.06.2014; David Cenciotti, “Ukrainian Soviet-Era Mini-Space Shuttle Shaped Drone Captured by pro-Russia Separatists“, The Aviationist, 02.08.2014).
Mit der Tupolev Tu-300 wurde ab 1990/91 versucht basierend auf der Tu-141/143 eine bewaffnete Drohne zu entwickeln. Nach den Flugtests und dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Projekt jedoch aus finanziellen und politischen Gründen eingestellt. Auf der anderen Seite des Spektrums wurde seit 1982 an einer kleineren taktischen Drohne für den Einsatz auf Regimentsstufe gearbeitet. Neben einer TV-Kamera kam auch ein Jammer zur Störung gegnerischer Funkübertragung zum Einsatz. Gegen Ende der 1990er-Jahre kamen noch weitere Sensoren dazu, wie beispielsweise eine Wärmebildkamera und ein Laser zum Markieren von Zielobjekten. Je nach Entwicklungsstand und Typ wurde die Drohne als DPLA-60 Pchela-1 (Systembezeichnung Sterkh), DPLA-61 Pchela-1T oder Shmel’-1 (für den Export; Systembezeichnung Stroy-P) benannt und hatte ein Gewicht zwischen 98-138 kg. Mit einer Geschwindigkeit von 120-180 km/h war sie deutlich langsamer als ihre Vorgänger. Sie konnte in einer Höhe von 100-2’500 m operieren und hatte bei einem Einsatzradius von 30-60 km eine Durchhalteleistung von rund 2 Stunden. Nicht nur konnte diese Drohne einem vorprogrammierten Flugplan nachfliegen, sondern der Drohnenpilot konnte jederzeit die manuelle Steuerung übernehmen. (Gordon, S. 63ff). Laut Military Balance soll sich diese Drohne auch heute noch im Bestand der russischen Streitkräfte befinden (International Institute for Strategic Studies, “Chapter Five: Russia and Eurasia”, The Military Balance, Vol 120, 2020, S. 196).
Anfangs der 1990er-Jahre baute Kamov mit dem KA-37 erstmals einen unbemannten Helikopter, welcher über zwei mal zwei Rotorenblätter betrieben im Koaxialrotor-Prinzip verfügte. Die 200 kg schwere Helikopterdrohne konnte somit maximal 135 km/h und einer maximalen Flughöhe von 2’500 m eine Nutzlast von 50 kg transportieren. In erster Linie war die KA-37 für den zivilen Einsatz konzipiert worden, zum Beispiel zum Besprühen von Feldern, zur Luftbildmessung zur Erstellung von Karten, zur Überwachung von Hochspannungsleitungen sowie Öl-/Gas-Pipelines, zur Ausstrahlung oder Weiterleitung von Radio- und Fernsehsignalen, zur Bewertung des Ausmasses von Natur- und Umweltkatastrophen usw. Für die russischen Sicherheitsbehörden baute Kamov ab 1994 als KA-137 einen weiterentwickelten Prototypen, welcher das Aussehen einer fliegenden Kugel hatte, bis zu 80 kg Nutzlast aufnehmen konnte und als Aufklärungs-, Überwachungs-, Transport- und Relay-Drohne eingesetzt werden sollte. Ein komplettes System sollte bis zu fünf solcher Helikopterdrohnen steuern. Die Drohne und das zugehörige System wurden jedoch nie in Serie gebaut. (Gordon, S. 85ff).
Die sowjetische Entwicklungsarbeit hinter den verschiedenen Drohnenprojekten während des Kalten Krieges war beachtlich. Die Sowjetunion konnte jedoch auch von externen Einflüssen profitieren. So fiel im November 1969 die erste der US-amerikanischen Lockheed D-21 (GTO-21 B) Überschallaufklärungsdrohnen, welche eine verkleinerte Version des Lockheed SR-71 Blackbird Mach 3 darstellte, bei der Aufklärung einer chinesischen Nuklearanlage in sowjetische Hände. Mit der Voron wollte Tupolev eine der D-21 ähnlichen Drohne entwickeln. Ein Prototyp der Voron verfügte über ein Staustrahltriebwerk und musste somit von einer Tupolev Tu-95 oder Tu-160 aus gestartet werden (ähnlich wie bei der LA-17). Eine vom Boden aus startende Variante wurde jedoch nie gebaut, und das Projekt schliesslich eingestampft. Doch für die zukünftige Weiterentwicklung konnten die sowjetischen Ingenieure viel von den Erkenntnissen der D-21 und des Voron-Prototyps profitieren. (Gordon, S. 61ff).
Unterbruch und Wiederaufnahme der Entwicklungstätigkeiten
Aus finanziellen und politischen Gründen wurde die Entwicklung neuer Drohnen nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht priorisiert. Faktisch kam es ab Mitte der 1990er bis nach dem Georgienkrieg 2008 zu einem nahezu kompletten Entwicklungsstop. Das dadurch verlorene Know-How liess Russland im Vergleich zu anderen Staaten zurückfallen. Dies fiel insbesondere während des Georgienkriegs auf, wenn Georgien zur Aufklärung von Israel gekaufte Elbit Hermes-450 Drohnen einsetzte [1], Russland jedoch nichts Vergleichbares vorweisen konnte. (Carolina Vendil Pallin und Fredrik Westerlund, “Russia’s war in Georgia: lessons and consequences“, Small Wars & Insurgencies, Vol 20, N0. 2, Juni 2009, S. 411f). Die russischen Drohnen wurden erst spät eingesetzt, konnten keine Echtzeitdaten liefern und waren wegen ihrer geringen Flughöhe verwundbar. (Nicholas Clayton, “How Russia and Georgia’s ‘little War’ Started a Drone Arms Race“, The World, 23.10.2012). Nach dem Georgienkrieg unterzeichnete Russland mit der Israel Aerospace Industries (IAI) einen Vertrag über rund 50 Millionen US-Dollar für die Lieferung von zwei Bird-Eye 400, acht I-View Mk 150 und zwei Searcher Mk II Drohnen. (“Unmanned Aerial Vehicles“, GlobalSecurity.org, 30.08.2020). [2] Ausserdem wurde die inländische Drohnennentwicklung wieder aufgenommen und die Searcher Mk II unter dem Namen Forpost (aka Outpost) in Lizenz gebaut (International Institute for Strategic Studies, “Chapter Four: Russia”, The Military Balance, Vol. 110, 2010, S. 213, 234). Die russische Eigenversion Forpost-R hatte ihren Erstflug 2019 und wird womöglich noch dieses Jahr operationell im Einsatz sein. Es handelt sich dabei um eine Aufklärungsdrohne mit einem Gewicht von rund 500 kg, einem Einsatzradius von 350 km, einer maximalen Flughöhe von 6’000-7’000 m und einer Einsatzzeit von 18 Stunden. (“Forpost R“, Deagel, 2020). Die Forpost kam unter anderem in der Ostukraine und in Syrien zum Einsatz – und mindestens eine wurde von israelischen Streitkräften über den Golanhöhen abgeschossen. (Patrick Hilsman, “How Russia Uses Israeli-Designed Drones in the Syria War“, The Intercept, 16.07.2019). Während des Syrieneinsatzes zeigte sich, dass trotz der laufenden Entwicklungen es Russland immer noch an Aufklärungs- und Kampfdrohnen fehlt. (“Unmanned Aerial Vehicles“, GlobalSecurity.org, 30.08.2020). [3]
Eine weitere Zusammenarbeit fand 2011 mit dem österreichischen Helikopterdrohnenproduzenten Schiebel statt, weshalb die russische Firma Gorizont den unbemannten Schiebel S-100 Camcopter (Gewicht: 110 kg; Nutzlast: 50 kg; Geschwindigkeit von rund 240 km/h; Reichweite: 180 km; maximale Einsatzhöhe von rund 5’500 m) in Lizenz unter dem Namen Horizon Air S-100 bauen kann. Diese Überwachungsdrohne kam bereits 2014 während den Olympischen Winterspielen und den Winter-Paralympics zur Überwachung der Schwarzmeerküste und des olympischen Dorfes zum Einsatz. Zynischerweise werden Schiebels S-100 Camcopter auch von der OSCE in der Ostukraine eingesetzt und von den russisch unterstützten Kräften abgeschossen. (David Oliver, “Russia’s Rapid UAV Expansion“, Armada International, 22.03.2019; Gabriella Gricius, “OSCE Drones Reintroduced into Ukraine’s Donbass & Donetsk Warzones“, Global Security Review, 25.04.2018).
Bevor jedoch die Forpost bei den russischen Streitkräften zum Einsatz kam, setzten die russischen Grenztruppen bereits 2010 die für den zivilen Einsatz konzipierte STC Orlan-10 als Überwachungsdrohne ein. (“Sept drones russes testés à la frontière avec le Kazakhstan (FSB)“, RIA Novosti, 03.06.2010). Mit einem Gewicht von 15 kg (inkl 5 kg Nutzlast), einer Geschwindigkeit zwischen 90-150 km/h, einer Reichweite zwischen 120 km (gesteuert) und 1’000 km (autonom), einer maximalen Flughöhe von rund 5’000 m und einer Einsatzzeit von 16 Stunden liegt sie von der Leistung im unteren Bereich eines Tactical Unmanned Aerial Vehicle (TUAV). Gestartet wird die Orlon-10 mittels Katapult und zum Landen wird ein Fallschirm verwendet. Das gesamte System kann in einer Kiste transportiert werden. Mit geschätzt mehr als 1’000 Stück bei einem Bestand von 1’900-2’000 Drohnen ist es das weitverbreitetste Modell bei den russischen Streitkräften und wurde bereits in der Arktis, in der Ostukraine und in Syrien eingesetzt. (Gareth Jennings, “Russia to deploy Orlan-10 TUAVs to the Arctic in May“, IHS Jane’s 360, 23.04.2015; Kelsey Atherton, “Will Russia Replace Orlan Orbits with Feniks Flocks?“, C4ISRNET, 10.09.2019; Oliver, “Russia’s Rapid UAV Expansion“).
Currently, unmanned aerial vehicles of small and medium range are in service. Next year we will start receiving long range UAVs capable of undertaking not only aerial reconnaissance, but to use high-precision munitions to destroy targets deep in the enemy territory. — Lieutenant General Sergei Dronov, commander-in-chief of the Russian Air Force, zitiert in Valius Venckunas, “Russian Air Force to Receive Long-Range Combat Drones in 2021“, Aerotime Hub, 12.08.2020.
Aufholjagd zu den grossen US-amerikanischen Kampfdrohnen
Im Bereich der Kampfdrohnen startete Mikoyan (RSK MiG) 2005 die Entwicklung der 10-Tonnen Drohne Skat (davon 2 Tonnen Nutzlast), welche der bereits existierenden Nurflügel-Tarnkappen-Drohne nachempfunden ist. An der MAKS 2007 wurde eine Attrappe in Orginalgrösse gezeigt, ein Prototyp wurde jedoch nie gebaut. Das russische Verteidigungsministerium entschied 2012, dass Sukhoi auf Basis der Skat – und wahrscheinlich auch auf Basis der US-amerikanischen Lockheed Martin RQ-170 Sentinel, welche anfangs Dezember 2011 von den iranischen Streitkräften vom Himmel geholt wurde – die 20-Tonnen-Kampfdrohne S-70 Okhotnik-B entwickeln soll. (Vladimir Karnozov, “Russia Prepares To Flight-Test the Sukhoi S-70 UCAV“, Aviation International News, 25.01.2019). Die Kampfdrohne soll bis zu 2 Tonnen Munition in ihren Waffenschächten transportieren, eine Höchstgeschwindigkeit von 1’000 km/h und eine Reichweite von 6’000 km aufweisen. Anfangs August 2019 hatte sie ihren Erstflug und bis 2024 soll die Auslieferung der Drohne an die Truppe beginnen. (Thomas Newdick, “Now Russia Wants Its First Okhotnik Combat Drone In Service By 2024“, The Drive, 04.08.2020). Es kann also sein, dass der russische autonome Bomber noch vor einem ähnlichen US-amerikanischen Model in den operativen Einsatz gestellt wird. (David Hambling, “Russia Seeks Lead Over U.S. With Accelerated Stealth Drone Program“, Forbes, 07.08.2020).
At this point, the U.S. and Israel have several decades more of actual experience in using drones in different roles. But the learning gap in using such technology can be closed rapidly by nations willing to put their technology in the field.— Samuel Bendett, adviser to the think tank CNA’s Russia program and a specialist in Russian unmanned military systems zitiert in David Hambling, “Russia To Field Long-Range Attack Drones In 2021“, Forbes, 12.08.2020.
Bereits in der Übung Zapad 2017 wurde auf taktischer Ebene zur Aufklärung, Zielerfassung und Wirkungsanalyse über 30 Drohnen-Systeme eingesetzt. (Michael Kofman, “Zapad Watch – Summary of Day Four“, Russia Military Analysis, 18.09.2017). In der Übung Vostok 2018 konnten die Dronenoperateure in speziellen taktischen Übungen in der Nähe von Leningrad, Voronezh und Moskau sich in der Aufklärung von motorisierten Infanterie-, Panzer-, Artillerie-, und Aufklärungseinheiten üben. An diesen Übungen waren etwa 500 Soldaten und bis zu 20 Drohnensysteme beteiligt. Zusätzlich war das Stören von Drohnen ein wichtiges Thema. Was bei Vostock 2018 ebenfalls auffällt, ist die konsequente Integration der verschiedenen Dronensysteme in die Aktionen und Operationen der Verbände. (Michael Kofman, “Vostok 2018 – Day 3“, Russia Military Analysis, 1409.2018). Auch die Tsentr 2019 bestätigte diesen Trend.
Neben der Orlan-10, der Forpost und der Horizon Air S-100 zeigen Fotos von den Übungen auch ein zunehmendes Arsenal von Mini Unmanned Aerial Vehicles (MUAV; im Gegensatz dazu sind im Bereich der Micro Unmanned Aerial Vehicles (MAV) keine relevanten Entwicklungen festzustellen), auf welche wegen der Vielzahl nicht eingegangen werden kann. Beispiele sind verschiedene Varianten der Eleron (Gewicht: 5,3 kg; Nutzlast: 1 kg; Geschwindigkeit: etwas mehr als 100 km/h; Reichweite: 25 km; Einsatzdauer bis zu 2 Stunden; maximale Einsatzhöhe von 4’000 m; Katapultstart) und der Granat (Gewicht: 30 kg; Nutzlast: 3 kg; Geschwindigkeit: 90 km/h; Reichweite: 70 km; maximale Einsatzhöhe von 3’500 m). (Oliver, “Russia’s Rapid UAV Expansion“).
Fazit
Die Sowjetunion gehörte zusammen mit den USA zu den Vorreitern bei der Entwicklung von Drohnen. Viel von diesem Know-How ging durch den Zerfall der Sowjetunion verloren. Um so beeindruckender ist der relativ zügige Fähigkeitsaufbau Russlands nach einer Dekade Stillstand. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Israel und das Studium US-amerikanischer Drohnen kann als Grundstein wichtiger russischer Drohnenprojekte angesehen werden. Abgesehen vom Bereich der Kampfdrohnen hat Russland den Rückstand aufgeholt – nicht nur hinsichtlich der Technologie, sondern insbesondere auch bei der Integration der Drohne auf taktischer Ebene. Bei den Kampfdrohnen sieht die S-70 Okhotnik-B zwar spektakulär aus, doch nur schon im Bereich der Stealth-Fähigkeiten kann sie der US-amerikanischen Konkurrenz (noch) nicht das Wasser reichen (beispielsweise bei der Montage des Triebwerks). Ausserdem muss langfristig bewiesen werden, dass die S-70 Okhotnik-B mehr als nur ein teures Prestige-Projekt darstellt, welches aus finanziellen Gründen bei der Truppe nicht oder nur zögerlich zum Einsatz kommen wird (der Armata T-14 und der Kurganets-25 lassen grüssen; siehe auch Waldemar Geiger, “Armata T-14 und Kurganetz 25 werden nicht in Serie gebaut“, Europäische Sicherheit & Technik, 19.12.2018).
Fussnoten
[1] Israel hatte die georgischen Streitkräfte nicht nur mit Drohnen beliefert, sondern sie auch in der Nutzung der Drohnen trainiert. (Noah Shachtman, “How Israel Trained and Equipped Georgia’s Army“, Wired, 19.08.2008).
[2] Vermutlich wurden 2015 10 weitere Searcher Mk II geliefert (Yaakov Lappin, “Moscow Purchased 10 Israeli Drones“, The Jerusalem Post, 08.09.2015).
[3] In der Literatur fällt auf, dass die Forpost als MALE bezeichnet wird, auch wenn ihre ausgewiesene Leistung eine solche Kategorisierung kaum gerecht wird.
[4] Die Angaben können ja nach Quelle und Drohnentyp variieren.
[5] Auch wenn die Orion nicht namentlich genannt wird, siehe auch: “Russia’s Aerospace Forces to start receiving attack drones in 2021“, TASS, 12.08.2020.