Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03376.jsonl.gz/462

Wir geben unser Wissen gerne weiter – mit einer Palette interessanter Module
Educational Cupping 2
Gestern führten wir bereits unser zweites “Educational Cupping” durch. Das Thema lautete diesmal “Kaffeeanbauland Taiwan“
Wir wussten vor kurzem selbst auch noch nicht, dass man in Taiwan Kaffee anbauen kann. Uns war lediglich bekannt, dass Taiwan das Heimatland von fünf Kaffeeweltmeistern ist:
2014: Jacky Lai - World Coffe Roasting Champion
2014: Pang-Yu Liu - World Cup Tasters Champion
2016: Berg Wu - World Barista Champion
2017: Chad Wang - World Brewers Cup Champion
2017: Yi Snah Yang - World Syphon Champion
Yi Snah Yang arbeitet übrigens bei unseren Kollegen von UCC Taiwan. Unser eigene Kaffeehauskette heisst dort COFFEE LOVER's PLANET.
Aus diesem Grund wollten wir etwas tiefer in die Kaffeekultur von Taiwan eintauchen und unsere Erfahrungen im Anschluss mit Ihnen teilen. Aus Büchern haben wir erfahren, dass englische Handelsleute ca. 1880 den ersten Kaffee aus den Philippinen nach Taiwan brachten. Im Anschluss waren es die Japaner, welche die allgemeine Kaffeekultur jedoch besonders die japanischen Kaffeehaushauskultur in Taiwan prägten. Es waren auch die Japaner, welche den Kaffeeanbau in Taiwan vorantrieben. Leider zerstörte der gefürchtete Blattrost, ein Mikropilz, beinahe den kompletten Kaffeebaumbestand zwischen 1950 bis 1960.
In den letzten Jahren hat das Coffee Quality Institute (Q-Grader) bereits mehr als 60 Kaffees, welche in Taiwan angebaut wurden, mit dem Prädikat „Spezialitätenkaffee“ ausgezeichnet (auf einer Punkteskala von 0 bis 100 über 80 Punkte). 2009 hat Alliance for Coffee Excellence dem Kaffee von „Tropical Galliard Speciality Coffee“ sogar den Titel „Coffee of the Year“ vergeben.
Wissenswertes über den Kaffeeanbau in Taiwan?
Anbauhöhe: 100 bis 1‘500m
Aufbereitung: Tiefer gelegene Regionen: natural. Höher gelegene Regionen: gewaschen. Mittlerweile kann man auch „Honeys“ aus Taiwan geniessen.
Varietäten: Typica, Bourbon, Caturra, Catuai, Villa Sarchi, Pacamara, sogar auch schon Gesha.
Ernte: Tiefer gelegene Regionen: November bis Februar. Höher gelegene Regionen: Dezember bis März.
Der Kaffee aus Taiwan, den wir gestern verkosten durften, stammte aus der Region „Taichung“. Diese ist lediglich 45 Minuten mit dem Zug von der Hauptstadt Taipei entfernt. Die Farm „Chia-Hua Estate“ liegt auf 700m und wird von Frau Chia-Hua Tasi geführt. Die Varietät war Typica und der Kaffee wurde als „Natural“ aufbereitet. Vom Profil her ähnelte er einem "Pulp Natural" aus Brasilien: Kräftiger Körper, geringe Säure mit ausgeprägten Noten von Schokolade, Karamell und Nüssen.
Um diesen Kaffee aus Taiwan besser einordnen zu können, haben wir noch drei weitere Kaffees verkostet. Diese stammten aus Äthiopien (Yirgacheffe), Kenia (Kirinyaga) und Panama (Nitety Plus Panama Estate 36).
Äthiopien ist die Geburtsstätte von Arabica Kaffee. Yirgacheffe liegt innerhalb der bekannten Region Sidamo. Der Kaffee schmeckte wunderbar floral. Er wies eine ausgeprägte Zitrussäure auf und im Abgang war er sehr süss und schmeckte nach Aprikosen. Der Kaffee aus Kenia stammte aus der Region „Kirinyaga“. Diese lieg östlich von der sehr bekannten Anbauregion „Nieri“. André hat selbst in Kenia gelebt und war von diesem Kaffee total begeistert: Sehr beerige Noten, eine ausgeprägte, spritzige Säure und langanhaltend saftig im Abgang.
Der letzte Kaffee stammte aus Panama und wurde dort vom Team von Ninety Plus auf deren Panama Estate 36 angebaut: Competition Lot #52. Bereits beim Öffnen der Verpackung rochen wir, dass dies ein ganz spezieller Kaffee sein muss. Cacao, Ananas, tropische Früchte und Beeren. In der Tasse ging dieses Feuerwerk für die Sinne gleich weiter: Jasmin, Veilchen, Papaya, Pfirsich und Rum. Die beiden Tassen waren im Nu ausgeschlürft. Wie kommt es zu so einem ungewöhnlichen Tassenprofil? Beim Aufbereitungsprozess wurde eine spezielle Hefe und gewisse Bakterien beigegeben. Merh wissen wir leider selbst nicht.
Nach dem Verkosten haben wir 50g von diesem Kaffee auf unserem IKAWA Coffee geröstet. Dabei erklärte André im Detail, wie er das Röstprofil entwickelte. Zum Erstaunen aller Gäste roch der Kaffee während dem Rösten zu beginn nach Balsamico Essig und später nach Gorgonzola, Raclette-Käse und Parmesan. Zum Ende des Röstens kamen plötzlich die Cacao und die floralen Noten zum Vorschein. Ein unvergessliches Erlebnis.
Ein herzliches Dankeschön an unsere beiden Arabica Q-Grader Marco Guélat und André, die zusammen durch das dreistündigen „Educational Cupping“ führten.