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Wenn man einem politischen Vorstoss zum Durchbruch verhelfen will, dann verleiht man ihm am besten das Attribut «sozial gerecht». Die beiden Wörter bedeuten zwar dasselbe. Was sozial ist, ist auch gerecht und umgekehrt.
Worauf bezieht sich das Wort «Gerechtigkeit»? Aus dem Ur-Kodex, den Zehn Geboten, kann man ableiten, dass die Gerechtigkeit auf das menschliche Handeln bezogen ist. Verhaltensregeln gelten nur dann als gerecht, wenn sie der Mensch freiwillig akzeptiert. Die «soziale Gerechtigkeit» stellt diese Grundsätze auf den Kopf. Dass die Akteure auf dem freien Markt unterschiedlich abschneiden, wird als ungerecht empfunden, dies obwohl dem erfolgreichen Marktteilnehmer keine ungerechte Handlung nachgewiesen werden kann. Die Spielregeln gelten dementsprechend als gerecht, das Verhalten der Spieler als regelkonform, trotzdem wird das Resultat nicht akzeptiert und im Nachhinein korrigiert.
Als Korrekturmassnahme bietet sich die «Umverteilung» an. Hauptinstrument, die Steuerprogression. Überproportional hohe Steuern empfinden die Erfolgreichen ungerecht. Als Trost bleibt ihnen zwar die achtbare Bezeichnung «Nettosteuerzahler». Würde man die «soziale Gerechtigkeit» im Sport einführen, dann müsste Roger Federer jeden dritten gewonnenen Punkt dem Gegner abgeben. Wäre Federer dann immer noch zu Spitzenleistungen motiviert?
Die «soziale Gerechtigkeit» führt zu moralischen Irrungen und Wirrungen. Die Staatsprofiteure, die den Gewinn letztlich umverteilen, gelten als solidarische Menschen, obwohl sie das Geld nicht selber erarbeitet haben. Andererseits sind sie jedoch auf den Ertrag, der auf dem freien Markt erwirtschaftet wird, angewiesen, denn ohne Ertrag gibt es nichts zu umverteilen. Sie selber entziehen sich aber dem Wettbewerb. «Soziale Gerechtigkeit» ist deshalb weder sozial noch gerecht.