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Gifs, Memes, Kaffeetassen, T-Shirts und ein preisträchtiger Dokumentar-Film: Die eigentlich als introvertiert geltende Ruth Bader Ginsburg genoss im hohen Alter ihren Kultstatus sichtlich. «Notorious RBG» nannten ihre jungen Fans die oberste Richterin, nach dem bekannten Rapper Notorious BIG.
Ruth Bader Ginsburg studierte als eine der ersten Frauen in Harvard und an der Columbia Universität das Recht. Nach dem Studium fand sie zuerst keinen Job. Sie lernte früh, was Diskriminierung heisst.
«Eine Person immensen Charakters»
Als Bürgerrechts-Anwältin gewann sie später gleich mehrere Gleichstellungsprozesse vor dem Obersten Gerichtshof und erreichte, dass hunderte von frauenfeindlichen Gesetzen in den US-Gliedstaaten abgeschafft wurden. Danach amtierte sie als Bundesrichterin in Washington DC.
1993 nominierte sie ein sichtlich beeindruckter Präsident Bill Clinton fürs Oberste Richteramt. Er nannte sie eine Person «immensen Charakters». In der darauffolgenden Anhörung im Senat erklärte Ruth Bader Ginsburg ihr dynamisches Rechtsverständnis.
Generell glaube ich, dass wirklicher Gesellschafts-Wandel Schritt für Schritt erfolgt, und nicht auf einen Schlag.
Ruth Ginsburg sprach sich klar für ein Abtreibungsrecht aus und wurde trotzdem von fast allen Republikanern bestätigt. Die Bewunderung für die zierliche Frau mit überragendem Intellekt sprengte die Parteigrenzen.
Trump will bald Nachfolge bekannt geben
In den letzten Jahren fand sich die liberale Oberste Richterin oft in der Minderheit im zunehmend konservativ geprägten Obersten Richtergremium. Aber auch ihre abweichenden Meinungen zu Urteilen des Supreme Court gelten als Meilensteine in der US-Rechtsprechung.
So kommentierte sie die Aufhebung der Wählerschutz-Gesetze für Minderheiten in den Südstaaten 2013 messerscharf: «Das ist, wie wenn man einen Regenschirm im Sturm wegwirft, weil man noch nicht nass geworden ist.»
Die oberste Richterin nahm ihr Amt trotz erneuter Krebserkrankung bis kurz vor ihrem Tod wahr. Sie äusserte den letzten Willen, dass ihre Nachfolge erst durch einen neu gewählten Präsidenten geregelt werde.
Doch dieser Wunsch geht sehr wahrscheinlich nicht in Erfüllung. Präsident Trump, will in den nächsten Tagen schon die Nachfolge bekannt geben. Er hat versprochen, eine streng konservative Wahl zu treffen, wie schon mit den von ihm ernannten Richtern Gorsuch und Kavanaugh.
Isabelle Jacobi
USA-Korrespondentin, SRF
Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.