Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03262.jsonl.gz/132

Krisen prägen die Jahre um den Ersten Weltkrieg. Noch vor Kriegsbeginn platzt 1911/12 eine Immobilienblase, die eine Reihe von lokalen Sparkassen in Schwierigkeiten bringt und sich in der wirtschaftlich schweren Zeit nach dem Krieg zu einer eigentlichen Bankenkrise auswächst. Erst in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre kommt es zu einer Erholung. Diese mündet aber nach dem Sturz der New Yorker Börse 1929 in eine weitere Wirtschaftskrise und schliesslich in den Zweiten Weltkrieg. Dank einer vorsichtigen Risikopolitik ist die TKB von den Krisen wenig betroffen. Sie nutzt die dynamischen Zwanzigerjahre für Modernisierungen: Sie baut die Handelsabteilung mit einem zweiten Direktor auf, führt die interne Revision ein und beteiligt sich an Strukturen, die Unternehmen und Private vor dem Abschwung schützen sollen.
Das erste «Bureau-Fräulein» wird eingestellt
Banken sind im 19. Jahrhundert eine Männerdomäne. Nach dem Ersten Weltkrieg beginnt sich dies zaghaft zu ändern. Die Direktion beantragt dem Bankausschuss, «für leichtere Bureau-Arbeiten ein Fräulein einzustellen». Die Protokolle zeigen, dass die Bankvorsteherschaft zunächst skeptisch ist. Sie stimmt aber schliesslich zu und so tritt die erste Mitarbeiterin am 1. Juli 1919 ein. Ihr folgen bald schon weitere Frauen.
Rechenmaschinen halten Einzug
1912 genehmigt der Bankausschuss den Kauf der ersten Rechenmaschine. «Die Direktion ist vollständig überzeugt, dass uns eine solche Maschine speziell für Abschluss-Arbeiten vorzügliche Dienste leisten wird», vermerkt das Protokoll. Bis dahin werden sämtliche Rechenarbeiten von Hand bearbeitet. Die mechanische Additionsmaschine, ein amerikanisches Fabrikat der Marke Burroughs, kostet ansehnliche 3450 Franken – nach heutigem Geldwert entspricht dies fast 40'000 Franken.
Ein Sparheft für jedes Baby
In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen nimmt der Wettbewerb zwischen den Banken zu. Neue Werbestrategien sind gefragt. Ab 1927 schenkt die TKB jedem Baby, das im Thurgau geboren wird, ein Sparheft mit einer Einlage von fünf Franken. «Wir hoffen damit, die Sparidee in möglichst weite Kreise zu tragen», hält der Geschäftsbericht für 1926 fest. Jahrzehntelang hält sich diese erfolgreiche Aktion. 1957 wird der Betrag von fünf auf zehn Franken erhöht.
Hilfe für Bauern, Private und Unternehmen
In der Weltwirtschaftskrise der frühen 1930er-Jahre leiden viele Bauernbetriebe unter starkem Preisdruck. Da der Anteil der Landwirtschaft am Hypothekargeschäft der TKB zu diesem Zeitpunkt mehr als die Hälfte beträgt, setzt sich die Bank für Unterstützungsmassnahmen ein. Sie beteiligt sich 1932 an der Gründung der Thurgauischen Bauernhilfskasse, die im Krisenfall günstige Darlehen vergibt, und schafft 1936 die Stelle eines landwirtschaftlichen Betriebsberaters. 1938 fördert die TKB die Gründung der Hypothekar-Bürgschaftsgenossenschaft im Thurgau, die als «Hypo» bis 1998 Bestand hat. Diese löst risikoreichere Einzelbürgschaften bei Kreditvergaben ab. Mit der Gründung der Pfandbriefzentrale schaffen die Schweizer Kantonalbanken 1931 zudem gemeinsam ein wichtiges Instrument zur Refinanzierung von Hypotheken.
Nächste Epoche
Aufschwung und Hochkonjunktur, 1947–1973
In der Hochkonjunktur werden die internationalen Finanzmärkte auch für die TKB wichtiger. Dennoch bewahrt sie ihre Verankerung im Kanton und wächst stark – die Bilanzsumme steigt in diesem Vierteljahrhundert von rund 550 Mio. Franken auf 2,8 Mia. Franken.