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Andre revolutionierte in den 60er Jahren mit seiner kühl-geometrischen und anonymen Kunst aus Holzbohlen, Ziegelsteinen und Stahlplatten, die er am Boden stapelte oder grossflächig ausbreitete, den Begriff von Skulptur.
Erst vergangenes Jahr bekam Andre seine erste grosse Retrospektive in den USA - im Dia: Beacon Museum nördlich von New York. Der Bruch in Andres Leben war der Tod seiner Frau Ana Mendieta, die 1985 nach einem Streit mit ihm aus dem Fenster der gemeinsamen Wohnung im 34. Stock stürzte. Die Umstände ihres Todes sind bis heute ungeklärt. Andre wurde angeklagt, aber freigesprochen.
Wie kam der Künstler, der aus Geldnot zeitweise als Bremser und Zugführer arbeitete, überhaupt dazu, plötzlich Baustoffe aus Holz, Stein und Stahl auf dem Boden im Zickzack, Dreieck oder Quadrat zu «Skulpturenfeldern» gruppieren? Keine persönliche künstlerische Handschrift war noch zu erkennen. Nicht einmal eine tiefere Botschaft schienen die Stahlplatten zu enthalten.
Schuld war wohl Frank Stella, mit dem sich Andre ein Atelier teilte. Als Andre an einem Holzstück schnitzte, soll Stella ihm gesagt haben, die unbearbeitete Seite sei auch Skulptur. Von da an bearbeitete der Bildhauer Andre kein Material mehr, sondern er liess das Material die Räume einschneiden.
«Man kann fast alles erreichen, wenn man die Arbeit in Elemente einteilt, die den eigenen Fähigkeiten entsprechen. Deshalb bestehen meine Skulpturen fast immer aus Linien oder Feldern, deren Teile so leicht sind, dass ich sie heben kann», sagte Andre 2005. «Fragt man mich, wie ich je ein Ende finde, kann ich nur antworten: Wenn ich mich erschöpft habe.»
Mehr als 2000 Kunstwerke hat Carl Andre geschaffen und fast ebenso viele Gedichte. Offenbar ist er jetzt erschöpft. Andre hat im vergangenen Jahr aufgehört zu arbeiten. Er ist jetzt ein «retired artist», ein Künstler im Ruhestand. (SDA)Publiziert am 15.09.2015 | Aktualisiert am 15.09.2015