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Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen Dossier zum Thema Land Grabbing. Sie finden dieses auf www.sehen-und-handeln.ch/publikationen.
14 Prozent aller Land-Grabbing-Fälle betreffen Europa. In Frankreich etwa haben chinesische Investoren jüngst 1700 Hektar Land gekauft.
«Die Chinesen wollen bei uns Mehl produzieren, um in China Bäckereien ‹à la Française› zu eröffnen», empört sich Michel Apostolo, Leiter der Landkommission des nationalen Bauernverbandes. 2015 und 2016 kauften die Unternehmen HongYang und Beijing Reward International Trade sowie zwei chinesische Privatpersonen 1700 Hektar Land im französischen Departement Indre. Der Verkaufspreis lag mit geschätzten 10 000 Euro pro Hektar weit höher als die üblichen 4000 Euro.
Der chinesische Landkauf hat in Frankreich hohe mediale Wellen geworfen. Dabei kaufen europäische Investoren in Frankreich seit Jahren Land (zu einem höheren Preis als dem Marktpreis), bewirtschaften es eine Weile wenig ertragreich und verkaufen es schliesslich mit Gewinn weiter. Und es gibt auch französische Investoren, die den Boden für sich entdeckt haben, wie etwa der Bauunternehmer, der einen 3000-Hektar-Hof mit 1000 Kühen in der Picardie kaufte. Der Trend, dass immer mehr Investoren und Finanzgesellschaften Land an sich reissen, macht auch vor Frankreich nicht halt.
Doch was bedeutet Land Grabbing in einem Land, in dem Grundeigentum klar geregelt ist? Michel Apostolo sagt es in seinen Worten: «Es bedeutet, Land seinem Zweck zu entfremden, nämlich der Ernährung der lokalen Bevölkerung. Das geschieht, wenn ausländische Investoren Land kaufen, bewirtschaften und die Erträge exportieren. Aber auch, wenn französische Investoren einfach die Landnutzung ändern. Frankreich verliert jedes Jahr 70 000 bis 80 000 Hektar Landwirtschaftsland, weil darauf Hochgeschwindigkeitsstrecken, Gewerbeflächen oder Agrotreibstoffe angebaut werden.»
Die bestehende Gesetzgebung zu umgehen, ist einfach. Wer in Frankreich Land verkaufen will, muss lediglich eine landwirtschaftliche Gesellschaft gründen und nur einen Teil zum Verkauf anbieten. Denn SAFER, eine dem Ministerium für Landwirtschaft angeschlossene Behörde, besitzt zwar ein Vorkaufsrecht mit dem Zweck, die Nutzung von Landwirtschaftsland zu erhalten. Sie kann das Land aber nur dann anstelle eines Investors kaufen, wenn alle Anteile einer Gesellschaft zum Verkauf stehen. «Der Landwirtschaftsminister wurde überrumpelt», sagt Michel Apostolo. «Deshalb ist nun ein neues Gesetz in Vorbereitung, das SAFER ein Vorkaufsrecht auf allen landwirtschaftliche Flächen einräumt.» Gemäss den Statistiken der Land Matrix betreffen 14 Prozent der Land-Grabbing-Fälle Europa. Am meisten betroffen sind die Länder Osteuropas gefolgt von Frankreich, Italien und Spanien.