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Nicolas Séjan (1745–1819), auch Nicolas Sejanus, gilt als einer der grössten Organisten seiner Zeit. Er lernte das Orgelspiel bei seinem Onkel Nicolas Forquerays, Organist an St-Merri und Saints Innocents. Louis-Charles Bordier, der Chorleiter an Saints Innocents, unterrichtet ihn in Komposition. Im Alter von 13 Jahren improvisierte er ein Te Deum an der Orgel von St-Merri, welches grosses Aufsehen erregte. Im Alter von 26 wurde er einer von vier Organisten an Notre Dame, zusammen mit Claude-Bénigne Balbastre, Armand-Louis Couperin und Claude Luce. Nicolas Séjan wirkte auch an Saint-Sulpice und in der Königlichen Kapelle und war ein gefragter Experte für Orgelbau und Orgelrestaurationen. In der Pariser Gesellschaft war er ein hoch angesehener Lehrer für Orgel, Cembalo und Hammerflügel. Am neugegründeten Pariser Konservatorium unterrichtete Nicolas Séjan bis 1802 als erster Professor für Orgelspiel. Er war zweifellos einer der renommiertesten Pariser Organisten am Ende des 18. Jahrhunderts. Durch das Zeugnis von Guillaume Lasceux wissen wir, dass die Zuhörer in Scharen kamen, um Séjan in St-Sulpice spielen zu hören. Auch während der Revolution, in der er wie viele seiner Berufskollegen alle seine Anstellungen verlor, blieb sein Ruf erhalten.
Aus seinen beiden Ehen hatte Nicolas Séjan mindestens sechs Kinder, darunter Louis-Nicolas Séjan (1786–1849), Organist an St.-Louis-des-Invalides, St-Sulpice und in der Königlichen Kapelle. Über den Tod von Nicolas Séjan wird berichtet: «… er starb auf der Treppe seiner Orgel, nachdem er unbedingt die Vesper an einem hohen Feiertag spielen wollte, obwohl er sich sehr krank fühlte. Am Morgen des gleichen Tages war er noch sehr inspiriert, seine Improvisationen waren wunderschön und alle rühmten sein grosses Talent.»
Zu seinen Lebzeiten veröffentlichter Nicolas Séjan einzig eine Sammlung von Klavierstücken. Er hinterliess sechs Sonaten für Cembalo und Violine, drei Sonaten für Cembalo oder Fortepiano, Quartette, Ballett Airs, und einige Orgel- und Klavierwerke.
Orgelwerke von Nicolas Séjan
In einer Ausgabe von Nicolas Gorenstein liegen uns heute drei Fugen und drei Noëls vor. Séjans Kompositionsstil ist deutlich traditioneller als der seiner Zeitgenossen, wie z. B. Guillaume Lasceux. Séjans Fugen zeugen von einer hohen kontrapunktischen Könnerschaft, wie wir sie später bei Alexandre Boëly wieder antreffen. Das erste der drei Noëls (A la venue de Noël) steht noch ganz in der Tradition seines Vorgängers Louis-Claude Daquin, das zweite Noël (Chantons je vous prie) und dritte (Noël suisse) sind sehr fantasiereich gearbeitete Variationenwerke, durchaus vergleichbar mit Klaviervariationen von Haydn oder Mozart.