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Um zu verstehen, warum einige Fans von Omonia Nikosia sich jüngst von ihrem Herzensklub abgewendet haben, muss man im Mai 1948 beginnen. In Griechenland und damit auch auf dem griechisch geprägten Teil Zyperns herrscht Bürgerkrieg. Das Königreich Griechenland, unterstützt von der Kirche, Grossbritannien und den USA, kämpft gegen die griechischen Kommunisten, die unter anderem von der Sowjetunion unterstützt werden.
Der Krieg hat auch Einfluss auf den Fussball. Weil die Verantwortlichen von APOEL Nikosia ein Telegramm an den Verband schicken, in dem sie diesen auffordern, die «kommunistische Meuterei» zu bekämpfen, fühlen sich einige Mitglieder linker Gesinnung provoziert. Sie spalten sich ab und gründen am 4. Juni 1948 Omonia Nikosia.
Die Vereinsfarben Grün und Weiss stehen für Hoffnung und Freude. Das griechische Wort Omonia bedeutet Eintracht. Und siehe da, fünf Jahre später spielt der Verein in der höchsten Liga und damit auch gegen den noch heute grössten Rivalen APOEL.
«APOEL und Omonia sind die beiden grössten Klubs in Zypern», sagt Kyricacos Nicolaou. Der Journalist der «Cyprus Mail» verfolgt den zypriotischen Fussball schon lange und weiss, was Omonia so besonders macht. Sportlich sind da vor allem 21 Meistertitel und 14 Cupsiege zu nennen, inklusive sechs Meistertiteln in Serie in den 70er-Jahren.
Aber Omonia fällt vor allem auch neben dem Platz positiv auf. Der Verein gehört wie auch der FC Basel, St.Pauli oder Celtic Glasgow dem European Football for Development Network an. Die Organisation finanziert zahlreiche Fussballprojekte, die der Gesellschaft zugutekommen. Bemerkenswert ist ebenfalls, dass Omonia im Gegensatz zu allen anderen zypriotischen Profivereinen darauf verzichtete, sich in eine Aktiengesellschaft und damit in eine Firma zu verwandeln. «Die Fans lebten die romantische Version des Fussballs», sagt Nicolaou.
Doch das ist seit drei Jahren vorbei. Nachdem Omonia sportlich und finanziell immer grössere Probleme bekommt, übernimmt Stavros Papastavrou 2018 das Ruder. Der amerikanisch-zypriotische Hypothekenmakler gründet jetzt doch eine AG, investiert auf einen Schlag fünf Millionen Euro in den Klub und finanziert ein neues Trainingszentrum. Der Bau eines Stadions und weitere Investitionen werden zudem in Aussicht gestellt.
Doch den nach wie vor sozialistisch geprägten Fans passt diese Entwicklung nicht. Wie schon die Gründerväter 1948 spaltet sich auch 2018 der härteste Kern ab und gründet einen neuen Verein. Diesmal heisst er: Peoples Athletic Klub Omonia 1948. Der spielt seither mit überdurchschnittlich vielen Zuschauern – bis zu 600 Tickets gehen sogar bei Auswärtsspielen weg – in der untersten Amateurliga und fällt nach wie vor durch zahlreiche soziale Aktionen neben dem Platz wie jüngst dem Bau eines Fussballplatzes für eine Schule auf.
Beim Omonia, das am Donnerstag auf den FC Basel trifft, geht es seither bergauf. Sportlich und finanziell lenkt Papastavrou den Verein zurück auf die richtige Spur. Omonia ist «das Sprungbrett» für die talentiertesten einheimischen Talente, wie Nicolaou sagt. Aktuell sorgen die 20 und 18 Jahre alten Marinos Tzionis und Loizos Loizou für Furore. Sie bekommen vom norwegischen Trainer Henning Berg viel Einsatzzeit und werden von ein paar erfahrenen Spielern in den Mittdreissigern wie Jordi Gomez oder Fotis Papoulis geleitet.
Eine Strategie, die erfolgreich ist. 2020 ist Omonia Erster, als die Saison wegen Covid abgebrochen und annulliert wird. 2021 holt der Traditionsverein dann den ersten Meistertitel seit elf Jahren. Das bedeutet auch, dass Omonia zum zweiten Mal hintereinander in einer europäischen Gruppe spielt. Erst Europa League, jetzt Conference League. «Das hilft, den Verein zu konsolidieren», sagt Nicolaou, der aber auch darauf hinweist, dass Omonia noch immer 10 bis 14 Millionen Euro Schulden hat und deswegen trotz reichem Investor der nationalen Konkurrenz vorerst nicht enteilen wird.
Wie es mit Omonia weitergeht, ist ungewiss. Gemäss Medienberichten von vergangener Woche hat Papastavrou signalisiert, dass er den Klub gerne wieder verkaufen würde. Ein möglicher Abnehmer steht mit John Christodoulou bereit. Der in Monaco lebende Brite ist in Zypern geboren, Omonia-Fan und ein milliardenschwerer Immobilieninvestor. Aktuell wird noch über den Verkaufspreis der Aktien verhandelt, doch eine Einigung scheint nah.
Bei Omonia hofft man aus sportlicher Sicht einerseits, dass Christodoulou endlich das ersehnte eigene Stadion baut und der Verein so an die erfolgreichen 70er-Jahre anknüpfen kann. Doch Hunderte Fans, die heute beim Peoples Athletic Klub Omonia 1948 an der Seitenlinie stehen, schauen schockiert auf ihre Ex-Geliebte, die innert kürzester Zeit zu einem Spielzeug reicher Männer geworden ist.