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Nein, ich heisse nicht Johnny Depp. Meine Schulkameraden sind es, die mich so nennen. Johnny Depp. Ich weiss es. Sie machen nicht einmal ein Geheimnis daraus. Und nein, sie nennen mich nicht Johnny Depp, weil sie mich so cool finden wie den Schauspieler Johnny Depp aus der Piratenserie »Fluch der Karibik«. Ganz im Gegenteil. Sie nennen mich Johnny Depp, weil ich in ihren Augen ein Depp bin. Nein, ein Depp ist nichts Schönes.
Ich habe das Wort schon mehrmals gegoogelt, in der Hoffnung, ich könnte irgendwo eine nette, freundliche Bedeutung finden, eine, die nicht so wehtut. Aber wo immer ich suche, ich finde bloss: »Depp: Schimpfwort für einen einfältigen Menschen«. Oder, genauso schlimm: »Depp: Mensch mit einer geringeren Intelligenz oder Vernunft als die Allgemeinheit«. Und, noch schlimmer: »Depp: einfältiger, ungeschickter Mensch, Tölpel, Dummkopf, geistig Behinderter«. Bei den sinnverwandten Wörtern wird es auch nicht besser: »Hirni, Hohlkopf, Blödmann, Dummbeutel, Dödel, Idiot, Trottel, Vollkoffer«.
Dabei bin ich keineswegs ein Depp. Ich bin intelligent und vernünftig ohne Ende (okay, das war jetzt ein bisschen übertrieben), und meine Schulnoten sind (leider) erstklassig, was mich in den Augen meiner Mitschüler zu einem Streber macht. Das bin ich aber gar nicht. Ehrenwort!
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Tim Tabak. Tim raucht und trinkt, hat schon fleissig Joints ausprobiert, er hat die Jeans mit den grössten Löchern, und seine Haare sind ein wilder Haufen blonder Locken . Seine Frisur sieht ein bisschen aus wie eine explodierte Schüssel Spaghetti pomodoro.
Er besitzt eine elektrische Gitarre, spielt aber total mies, um nicht zu sagen beschhhheiden! Wenn man ihn nicht sehen könnte und nur den kreischenden Lärm hören würde, den er veranstaltet, wenn er wie ein Wahnsinniger über die Stahlsaiten seiner Fender-Stratocaster-Kopie schrammt, als hätten sie ihm etwas zuleide getan, also dann würde man eher vermuten, dass er mit einer elektrischen Diamant-Trennscheibe einen Panzerschrank aufzusägen versucht. Viel zu viel Verzerrer und Hall!
Tim Tabak scheint nicht zu wissen, dass es auch für die Gitarre Noten gibt und dass man, um dieses Instrument spielen zu können, üben muss, so wie für jedes andere halt auch. Ausser vielleicht für Luftgitarre, das ginge bei Tim ohne Lernen, da hätte er vermutlich sogar gute Chancen, ein Star zu werden, denn ein professionelles Auftreten hat er ja. Seine Bewegungen sind voll der Hammer. Neulich habe ich mir auf Youtube die Clips von den »20th Air Guitar World Championships« in Finnland reingezogen. Hart krass! Musst Du unbedingt mal spotten. Luftgitarren-Weltmeister wurde dort zum ersten Mal ein Russe: Kereel »Your Daddy« Blumenkrants. Er ist der lebende Beweis dafür, dass man Ritalin nicht rauchen sollte. Aber eben, Luftgitarre ist für Tim Tabak keine Option, denn er will nicht nur gesehen, sondern auch gehört werden. Deutlich. Unbedingt. Und vor allem laut!
Ich bin sicher, er hat schon längst einen schweren Tinnitus, ein chronisches Dauerpfeifen in den Ohren. Aber eben: Auch Tim redet nicht mit mir, weil ich halt nicht zu den Hang-Loosern, zu den Pausenplatz-Surfern gehöre. Höchstens macht er sich über mich lustig; also über meine Mutter.
Auch so ein Spitzname. Aber offensichtlich ein rundum positiver. Sara ist nämlich wirklich ein Vollflash. Sie ist gross, schlank, blond und hat schon Busen. Auch positiv. Sara ist ein Eye-Candy. Man munkelt sogar, sie hätte schon Sex gehabt. Ich meine, so richtig, nicht bloss knutschen und anfassen oder so. Zumindest sieht sie so aus. Mir würde sie so was natürlich nie erzählen, denn sie redet gar nicht erst mit mir. Sie gehört halt zu den Coolen, zu den Hang-Loosern.
Der Ausdruck kommt von den Wellenreitern auf Hawaii. Und die, die sind richtig cool. Die begrüssen sich mit einer Geste, die man auch oft bei den Hip-Hoppern sieht: Die Hand ist zu einer Faust geballt, und der kleine Finger und der Daumen sind voll abgespreizt. Dieses Handzeichen soll vom Hawaiianer Kalili Hamana stammen, dem an einer Hand die mittleren drei Finger fehlten. Dass sie ihm von einem Hai abgeknabbert wurden, ist kaum wahrscheinlich. Denn, das weiss jeder: Gibt man einem Hai den kleinen Finger, dann frisst er gleich die ganze Hand. Und wenn der Arm nicht mehr dran ist, ist man arm dran!
Auch Georg Gepard ignoriert mich. Er wurde nach dem schnellsten Raubtier der Welt benannt, weil er selber so unglaublich schnell ist. Hast du gewusst, dass ein Gepard eine Geschwindigkeit von 110 Kilometern pro Stunde erreichen kann? Allerdings nur für 800 Meter oder so, dann lässt auch der schnelle Gepard nach. Georg dagegen ist zwar nicht sooo schnell, aber er hält länger durch, wahrscheinlich weil er so viel Ovomaltine trinkt. Und er ist sportlich. Und beweglich. Und kräftig.
Er war sogar schon auf dem Matterhorn! Ja, weil sein Onkel ein Walliser Bergführer ist. Aber den Rekord hat er doch nicht geschafft: Der jüngste Matterhornbesteiger war der achtjährige Kevin Lauber, der Sohn des Wirts der Hörnlihütte. Dieser Zug ist also bereits abgefahren. Immerhin könnte Georg versuchen, eines Tages als ältester Matterhornbezwinger in die Geschichte einzugehen. Da liegt der Rekord bei Ulrich Inderbinen. Der legendäre Bergführer war 371 Mal auf dem 4478 Meter hohen Gipfel, das letzte Mal mit 89. Hier mitzuhalten, das wäre sicher auch für Georg Gepard eine echte Herausforderung. Aber auch ohne Rekorde hat er meine volle Bewunderung