Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03122.jsonl.gz/1517

Verlagert sich die Lastaufnahme bei einem (von Natur aus) steilwandigen Huf vermehrt in den Trachtenbereich, rollen die Trachten in der Folge der Überbelastung ein.
Bei einem überbelasteten Trachtenbereich ist oftmals auch eine Kombination aus eingerollten und untergeschobenen Trachten zu beobachten.
Als Ursache kommen auch hier die bereits bei den untergeschobenen Trachten genannten Faktoren zum Zuge.
Hufmechanismus und physikalische Gesetze am Huf
Analog den untergeschobenen Trachten gilt auch hier:
Wenn bei einem unbeschlagenen Pferd zu wenig Abrieb stattfindet, werden die Wände zu lang und verbiegen sich in der Folge nach aussen. Davon betroffen ist insbesondere die Zehenwand, da diese von allen Wandabschnitten am schrägsten zum Boden steht und sich somit am schnellsten verbiegt. Eine verbogene bzw. zu schräg zum Boden stehende Zehenwand ist nicht mehr in der Lage Last aufzunehmen und weicht in der Folge bei jedem Schritt nach vorne aus.
Dadurch müssen andere Bereiche des Hufes mehr Last übernehmen.
Bei steilwandigen Hufen sind es nicht nur die Trachten, sondern auch noch die Seitenwände, die ein Mehr an Last übernehmen müssen. Sind die Trachten- und Seitenwände überbelastet, rollen diese unter der Überbelastung ein. Der Huf wird in der Folge (noch) steiler und enger.
Aus der Sohlenansicht zeigt sich oftmals, dass der Huf eine längsovale Form angenommen hat.
Der Huf wird dabei insgesamt nach hinten gekippt. Die Zehenwand gewinnt durch diese zu schräge Stellung zum Boden an Tragrandbreite (der Tragrand im Zehenbereich erscheint, sofern dieser nicht von aussen beraspelt wurde, aus der Sohlenansicht sehr breit). Der schrägere Winkel als auch die höhere Tragrandbreite verlangsamen den Hornabrieb in diesem Bereich. Im Gegensatz dazu findet im Trachtenbereich durch die Überbelastung bereits ein vermehrter Abrieb statt. Die Zehenwand kürzt sich also im Verhältnis deutlich weniger als die Trachtenwände.
Da im Bereich der Seitenwand und der Trachten kaum oder keine Hufmechanik nach aussen hin mehr stattfinden kann, ist die Wand grossen vertikalen Scherkräften ausgesetzt. In der Folge kann sich eine hohle Wand bilden und/oder der Tragrand aufspreisseln. Die Hufwand bietet nun Einlass für Fäulnisbakterien, zudem können in der eröffneten Hufwand Steinchen
eingetreten werden.
In der Folge der Überbelastung und des ungünstigen (zu steilen) Winkels zum Boden sind in diesem Bereich oftmals Tragrandausbrüche zu finden. Mit der Verengung der mittleren und seitlichen Strahlfurchen wird die Ansiedlung von Fäulnisbakterien begünstigt.
Wie fühlt sich ein trachtenlastiger Huf mit eingerollten Trachten für das Pferd an?
Die Auswirkungen auf das Pferd sind ähnlich wie bei den untergeschobenen Trachten:
Die wegpendelnde Zehenwand zieht einerseits an der darunterliegenden Wandlederhaut sowie an den Terminalpapillen in diesem Bereich und quetscht andererseits die Kronlederhaut. Um diesem unangenehmen Effekt auszuweichen, stellt sich das Pferd deshalb noch mehr auf den bereits überbelasteteten Trachtenbereich. Zudem erschwert die schräg zum Boden stehende
Zehenwand das Abfussen. Um den Huf aus dieser Extensionsstellung anheben zu können, muss ein vermehrter Kraftaufwand geleistet werden.
Ferner kann der Zwang im hinteren Hufbereich zu einem klammen, vorsichtigen Gang führen.
Im fortgeschrittenen Stadium kann beobachtet werden, dass davon betroffene Pferde versuchen, je nach vorliegender Hufsituation eine bestimmte Schonhaltung einzunehmen.
Um eine gewisse Entlastung zu erfahren, werden die Vorderhufe z.B. abwechslungsweise nach vorne gestellt, wobei oftmals gleichzeitig die diagonale Hintergliedmasse entlastet wird.
Langfristige Entwicklung
Die überbelasteten Seitenwände werden steil bzw. stehen in einem steilen Winkel zum Boden und „schieben“ mit der Zeit nach oben (die Bodenhöhe verlängert bzw. vergrössert sich). Je länger der Prozess fortschreitet umso „steiler“ kann der Huf dem Betrachter erscheinen.
Im fortgeschrittenen Stadium verformen sich die übersteilen Seiten- und Trachtenwände bei jedem Schritt immer weiter nach innen und es stellt sich somit eine Hebelwirkung nach innenein. Dies lässt den Pro zess nun noch schneller voranschreiten.
Infolge der Fäulnisprozesse und des nach innen gerichteten Druckes der Trachten, wird die Strahllederhaut gereizt, dabei kann die mittlere Strahlfurche bis hoch in die Ballenregio n gespalten sein. Da weniger Hufmechanik der Seitenwände nach aussen hin stattfindet, werdennebst der Wandlederhaut in diesem Bereich auch die Strahl- und die Sohlenlederhaut
ungenügend durchblutet. Infolge der Minderdurchblutung wird weniger und auchminde rwertigeres bzw. auf Fäulnisbakterien anfälliges Strahlhorn produziert. Das Sohlenhornerscheint oftmal s mehlig oder mürb und lässt sich leicht abkratzen bzw. entfernen.
Da diese Hufe optisch gesehen oftmals als „zu steil“ erscheinen, wird häufig versucht durch kürzen der Trachten eine bessere „Hufform“ bzw. eine bessere Winkelung der Zehenachse zu erreichen. Ein der Situation nicht angepasstes, bzw. übermässiges Kürzen der Trachten, kann in diesem Fall jedoch die Trachtenlastigkeit fördern.