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Die meisten seismischen Daten werden im SED-Datenverarbeitungszentrum an der ETH Zürich gesammelt, das ein Standard-SeedLink-Kommunikationsprotokoll verwendet. Traditionelle Nanometrics-Datenlogger verwenden nach wie vor Nanometrics NAQS, das aber nach und nach ausser Betrieb genommen wird. Die Daten aus den Starkbeben-, Breitband- und kurzperiodischen Stationen werden gegebenenfalls für alle Datenverarbeitungsvorgänge genutzt. Sofern die Signalqualität ausreichend ist, können selbst Starkbebenstationen an Orten mit hohem Rauschen bei der automatischen Lokalisierung von Erdbeben helfen, und alle seismischen Daten im Skalenbereich können für die Erstellung von ShakeMaps verwendet werden.
Um die Robustheit des Systems sicherzustellen und es gegen einzelne Hardwarefehler abzusichern, werden alle erfassten und verarbeiteten Daten an zwei verschiedenen Stellen an der ETH Zürich dupliziert.
Wellenformdaten werden mithilfe von SeisComP3, einer umfassenden, vom GFZ Potsdam entwickelten Erdbebenüberwachungsplattform, in Echtzeit verarbeitet. Diese Software wird auch für manuelle Prüfungen und das abschliessende Management des Erdbebenkatalogs verwendet. Die automatische Erkennung und Bezifferung von Ereignissen (Feststellung von Ort und Magnitude der Ereignisse) ist in der Regel binnen 60 Sekunden abgeschlossen, nachdem es zu einem Erdbeben kam. Aufzeichnungen aller seismischen Ereignisse werden unverzüglich auf der SED-Website veröffentlicht. Sofern das Erdbeben als stark genug gilt, um vor Ort gespürt zu werden, werden Alarmmeldungen an Behörden, Medien und zuständige Wissenschaftler gesendet, die das Ereignis überprüfen und es manuell binnen weniger Minuten lokalisieren. ShakeMaps und Momenttensoren sind auch für grössere Ereignisse verfügbar. Ein 3D-Geschwindigkeitsmodell wird verwendet, um die automatische Lokalisierung seismischer Ereignisse zu verbessern und den endgültigen Erdbebenkatalog zu erstellen.
Hochratige Wellenformdaten werden ständig im Standard-MiniSeed-Format archiviert. Ereignisinformationen und kontinuierliche Wellenformdaten, die vom SDSNet-Netzwerk geliefert werden, sind für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Das gesamte digitale Archiv wurde ebenfalls in dieses Format umgewandelt, einschliesslich der nur auf Ereignisse bezogenen Wellenformen aus der Zeit vor 1999 und des seit 1999 geführten vollständigen, lückenlosen Archivs. Alle Daten können auf dem SED-Wellenformportal WebDC3 eingesehen werden. Über das SED-Starkbebenportal kann auf das Wellenformarchiv und auf den Erdbebenkatalog sowie auf die technischen Spitzenwerte zugegriffen werden.
Die Wellenformdaten und Erdbebeninformationen aus der Schweiz werden in Echtzeit seismischen Netzwerken in den Nachbarländern (INGV in Italien, LED in Deutschland, ISTerre in Frankreich und ZAMG in Österreich) sowie verschiedenen Stellen in Europa und der Welt (ORFEUS, GFZ, IRIS, EMSC) zur Verfügung gestellt.