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Weltreiche
Als Weltreiche bezeichnet man Reiche, die sowohl grosse Teile der jeweils bekannten Welt umfassten als auch bedeutenden Einfluss auf die geschichtliche Entwicklung (politisch, geographisch, technologisch, sozial, kulturell oder sprachlich) hatten.
Das Perserreich gilt als das erste Weltreich der Geschichte; in den davor liegenden Jahrhunderten gab es zwar mehrere Mächte, die kurz- oder mittelfristig die umliegenden Territorien und Völker beherrschten, jedoch war ihre Grösse mit der des Perserreiches nicht vergleichbar. Das grösste vor dem Perserreich existierende Imperium war das heute relativ unbekannte Neuassyrische Grossreich, das sich zur Zeit seiner grössten Ausdehnung vom Süden Ägyptens bis zum persischen Golf und dem heutigen Armenien erstreckte.
In seiner Ausdehnung fast noch übertroffen wurde das Perserreich vom Reich Alexanders des Grossen, das von Nordgriechenland und Ägypten bis zum Indus reichte. Es war zwar nur äusserst kurzlebig (333 v. Chr.-323 v. Chr.), bewirkte aber über seine Nachfolgestaaten, die Diadochenreiche, die Entstehung eines einheitlichen hellenistischen Kulturraums im östlichen Mittelmeer.
Das klassische Beispiel für ein Weltreich ist das Imperium Romanum. Es umfasste in seiner Blütezeit nicht nur grosse Teile Europas, Vorderasiens und Nordafrikas, sondern übte auf die von ihm über längere Zeit beherrschten Gebiete auch einen tiefgreifenden und nachhaltig prägenden zivilisatorischen, kulturellen und sprachlichen Einfluss aus, der (auch durch die spätere Verbindung mit dem Christentum) in vielen Bereichen bis heute nachwirkt. Heutige sprachliche und staatliche Strukturen können in vielen Fällen direkt mit dem römischen Imperium in Verbindung gebracht werden.
Infolge des vorherrschenden eurozentrischen Geschichtsbildes wurde und wird bis heute nur unzureichend wahrgenommen, dass die absolut wie relativ grössten Reiche bis zum Beginn der Neuzeit ausserhalb von Europa existierten. Während man beim Mongolenreich Dschingis Khans im 13. Jahrhundert eine längerfristige historische Nachwirkung in Zweifel ziehen kann, lässt sich diese beim Reich der Kalifen (ca. 700-900 n. Chr.) und beim chinesischen Kaiserreich (ca. 200 v. Chr.-1800 n. Chr.) nicht bestreiten: Sie waren bestimmend für Entwicklung des islamischen bzw. des ostasiatischen Raumes.
Insbesondere das chinesische Kaiserreich sah sich als Universalmonarchie, d. h. dem Kaiser als dem "Sohn des Himmels" kam die Oberherrschaft über alle anderen Fürsten der Welt zu. Eine ähnliche Vorstellung verband man im Europa des Mittelalters mit dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, unter Berufung auf den heiligen Hieronymus, der den Bibeltext Dan 2, 21ff. vom Traume Nebukadnezars so auslegte, dass es nur vier Weltreiche geben werde: das des Nebukadnezar, das Perserreich, das Reich Alexanders des Grossen und das Römische Reich, das bis ans Ende der Tage dauern sollte. Unter dieser Voraussetzung konnte das Heilige Römische Reich sich nur als Nachfolger des römischen fühlen, eine Kontinuität, die von Karl dem Grossen bewusst hergestellt wurde (Translatio Imperii). Allerdings verband sich mit diesem universalen Anspruch keine entsprechende reale Macht. Erst nach der Entdeckung Amerikas lässt sich unter Karl V., in dessen Reich "die Sonne nicht unterging", wieder von einem Weltreich sprechen.
In der Zeit des Kolonialismus und Imperialismus bauten einige europäische Länder Weltreiche auf und prägten nachhaltig die Länder, die sie kolonisierten. So wurden Lateinamerika durch Spanien und Portugal, Nordamerika, Afrika und Asien durch Frankreich und Grossbritannien sprachlich und kulturell geformt.
Die Tatsache, dass das britische Empire die grösste Kolonial- und Handelsmacht der Welt war, hatte die weltweite Verbreitung der englischen Sprache zur Folge. Der dominierende Einfluss der USA setzte diese Entwicklung fort, so dass Englisch heute zur universellen Welt- und Verkehrssprache geworden ist.
Auch die zeitgenössische Geschichte kennt Weltreiche, wie die USA und die ehemalige Sowjetunion. Sie werden als Supermächte bezeichnet. Kennzeichen dieser modernen Form eines Weltreichs ist nicht die direkte Einverleibung in das eigene Territorium oder die Kontrolle durch von der Supermacht eingesetzte Verwalter, sondern die mehr oder weniger starke Einflussnahme auf politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Entscheidungen. Die Gesamtheit der auf diese Weise beherrschten Gebiete nennt man Einflusssphäre.

Perserreich
Reich Alexander des Grossen
Römisches Reich
Weltreich der Mongolen
Kaiserreich China
British Empire
Sowjetunion