Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03660.jsonl.gz/1727

Judith Leupis aktuelle Bilder basieren auf komplex verschachtelten Arbeitsprozessen. Sie fotografiert zunächst mit der Analogkamera Architektur, oft unscheinbare Zweckarchitektur an Unorten, etwa Geländer, Träger oder Brandmauern. Die so gewonnenen Abbilder faltet sie zu Papierobjekten, die sie in einem Modellsetting vor einem monochromen Hintergrund arrangiert und wieder fotografiert. Für die Werkbeiträge sind mit diesem Verfahren ein grossformatiger Pigmentprint und ein kleinerer, Lambdaprint entstanden. Der grossformatige ist flach an der Wand montiert, während der kleinformatige gerahmt ein Volumen bildet. Leupis Bilder sind sichtbar handgemacht – Fäden, Stützen sind zu sehen, gar ein Klebstreifen, der sich gelöst hat, und werden zu Architektur. Sie spiegeln jedoch die omnipräsenten digitalen 3D-Konstruktionen von Architektur-Renderings oder Computerspielen.
Die Jury anerkennt mit dem Werkbeitrag Leupis sorgfältige, eigenständige und vertiefte Auseinandersetzung mit einer der grundlegenden Fragen der Kunst: Wie kommt der Raum auf die Fläche, und wie wird er in unserem Kopf wieder zu Raum? Die Künstlerin hat dabei nicht die perfekte Illusion mit einer Modellwelt im Sinn. Vielmehr erzeugt sie subtile Irritationen, etwa bezüglich des Massstabes, der Schwerkraft oder der Perspektive und stellt die Gemachtheit ihrer Bilder aus, ohne sie vollständig zu offenbaren.