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- Der Sultan von Oman, Kabus bin Said, ist im Alter von 79 Jahren einem Krebsleiden erlegen.
- Es wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.
- Sein Nachfolger wird der bisherige Kulturminister Haitham bin Tarik al Said. Er ist der Cousin des Verstorbenen.
Der Verteidigungsrat öffnete in Anwesenheit von Mitgliedern der Herrscherfamilie einen Brief von Kabus. Dort war der letzte Wille des Verstorbenen hinterlegt. Der Sultan hatte weder Kinder noch Brüder.
Kabus hatte das Sultanat Oman fast 50 Jahre im Alleingang regiert und es von einem rückständigen Landstrich in einen modernen, prosperierenden Staat verwandelt.
Liebe für den «Vater»
Im Oman ist die Trauer über den Tod des Herrschers denn auch echt. Das Volk liebte seinen «Vater» – obwohl den Omanis echte Mitbestimmung verwehrt blieb.
Am 23. Juli 1970 putschte er sich mit Hilfe des Militärs und des britischen Geheimdienstes an die Macht und stürzte dabei seinen Vater. Zu der Zeit verfügte das Land über zehn Kilometer an asphaltierter Strasse.
Die medizinische Versorgung wurde kostenlos und erreicht in den Städten sogar westliches Niveau. Auch Schulen sind beitragsfrei. Darüber hinaus wurden Renten für Alte, Witwen und Waisen sowie ein Mindestlohn eingeführt. Erdöl hat den Oman und seine Bewohner wohlhabend, aber nicht grössenwahnsinnig gemacht.
Gelenkte Medien
Stabilität und Wohlstand liessen Kabus zum unumstrittenen Alleinherrscher werden. Die Medien im Sultanat sind gelenkt, politische Mitbestimmung gibt es nur eingeschränkt – auch wenn der Herrscher es mit viel Fingerspitzengefühl verstand, auf die Bedürfnisse der verschiedenen Teile der Gesellschaft einzugehen.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren die begrenzte Meinungs- und Versammlungsfreiheit. So berichtete Human Rights Watch von Haftstrafen für Facebook- und Twitter-Nutzer, die angeblich Gott oder den Sultan beleidigt hätten. Im Oman blieb es aber auch während des arabischen Frühlings 2011 vergleichsweise ruhig. Der Herrscher erliess kleinere Reformen. Das Jahr der Umstürze zog unbeschadet an ihm und dem Fünf-Millionen-Land vorbei.
Schweiz des Nahen Ostens
Kabus baute das Land auch zu einem führenden Mittler der internationalen Diplomatie aus. Über viele internationale Konflikte wurde im und mit dem Oman verhandelt: So wurde die Basis für den Atomdeal mit dem Iran auch im Sultanat geschaffen. Voraussetzung dafür war, dass sich der Oman einen Namen als «Schweiz des Nahen Ostens» gemacht hatte und als neutral gilt.
Kabus zeigte sich in den vergangenen Jahren kaum noch öffentlich und schickte meistens seine Minister. In der 2011 eröffneten prachtvollen schneeweissen Oper Maskats blieb ein Stuhl seit Jahren leer: der mit rotem Samt überzogene Opernthron des Sultans.
Zeitweise musste Kabus sich in Garmisch-Partenkirchen behandeln lassen. In die bayerische Stadt reiste Kabus gerne, dort besass er ein Haus – und kam bis kurz vor seinem Tod immer zurück. Der Mann mit dem akkurat gestutzten weissen Bart litt Medienangaben zufolge an Krebs.
Herausforderungen für den Nachfolger
Der neue Sultan steht vor grossen Herausforderungen. Ähnlich wie in Saudi-Arabien besteht sein Haushalt zum allergrössten Teil aus Ölgeld, das eines Tages ausgehen wird. Die Region bleibt zudem konfliktreich. Die Iran-Krise und den Bürgerkrieg im benachbarten Jemen erlebt der Oman aus unmittelbarer Nähe.