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Eine kräftige Südströmung brachte zu Beginn dieser Berichtsperiode milde Luftmassen mit viel Saharastaub. Wärme und Regen verursachten etliche Gleitschneelawinen. Im Süden fielen in der Höhe bis zu 80 cm Neuschnee, was am Wochenende vorübergehend für eine kritische Lawinensituation sorgte. Danach fiel auch in den übrigen Gebieten etwas Schnee. Zusammen mit dem Südwest- bis Nordwind entstand störanfälliger Triebschnee. Während der ganzen Berichtsperiode blieb vor allem in Graubünden das Altschneeproblem präsent (vgl. Bildstrecke, Bild 1).
Der Verlauf der Nullgradgrenze verschafft einen ersten Überblick über den Wetterverlauf dieser Berichtsperiode. (vgl. Abbildung 1).
Mit zunächst starkem, in der Nacht auf Sonntag auch stürmischem Südwind in den Alpen und Föhn in den Tälern wurden nebst milder Luft auch grosse Mengen an Saharastaub in die Schweiz transportiert, besonders im Westen. Die Staubkonzentrationen waren ausserordentlich hoch. Das letzte ähnlich markante Saharastaub-Ereignis dürfte im Februar 2004 zurückliegen (vgl. auch Blog MeteoSchweiz). Die Atmosphäre färbte sich rötlich (vgl. Abbildung 2) und der Staub wurde am Samstag im Süden, am Sonntag dann auch im Norden zusammen mit dem Niederschlag auf der Schneedecke abgelagert (vgl. Abbildung 3).
Immer wieder wird uns die Frage gestellt, ob Saharastaub eine Schwachschicht für die Bildung von Schneebrettlawinen sei. Der Staub selbst dürfte die mechanischen Eigenschaften des Schnees nicht verändern. Allerdings absorbiert eine oberflächennahe mit Saharastaub verunreinigte Schneeschicht mehr kurzwellige Strahlung, d.h. es gelangt mehr Energie in die Schneedecke. Wird eine Schicht im Vergleich zu den umliegenden Schichten stärker erwärmt, dann können die umliegenden Schichten durch aufbauende Umwandlung zu Schwachschichten werden. Es lohnt sich daher auf jeden Fall, die Schicht mit dem Saharastaub und deren Nachbarschichten im Auge zu behalten. Ein weiterer Effekt des Saharastaubs ist eine raschere Schneeschmelze im Frühjahr. Weitere Infos zum Thema Saharastaub finden sich im Schwerpunktthema Saharastaub und in einem wissenschaftlichen Artikel vom International Snow Science Workshop 2014 in Banff, Kanada .
Nebst Saharastaub brachte die Südströmung auch sehr milde Temperaturen (vgl. Abbildung 1) und am Samstag lokal Regen bis gegen 2000 m. Verursacht durch diese Wärme gingen an allen Expositionen einige Nass- und Gleitschneelawinen ab (vgl. Abbildung 4).
Gleichzeitig fielen in den Staugebieten des Alpensüdhangs und im Oberengadin beachtliche Schneemengen (vgl. Abbildung 5). Mit dem Durchgang der Kaltfront fiel am Sonntag, 07.02. auch nördlich des Alpenhauptkamms etwas Schnee. Der Schwerpunkt lag dabei im Osten.
Während und nach dem Schneefall wurden etliche mittlere bis grosse spontane Lawinen beobachtet. Vereinzelte sehr grosse Lawinen wurden aus dem Engadin und Bergell gemeldet. Bei diesen wurden meist Teile der Altschneedecke mitgerissen. Am Montag, 08.02. wurden in den neuschneereichen Gebieten zusätzlich viele Lawinen zur Sicherung der Infrastruktur künstlich ausgelöst.
Am Montag und Dienstag war es tagsüber in den Bergen recht sonnig. Nachts fiel im Westen und im Norden wenig Schnee. Am Mittwoch und in der Nacht auf Donnerstag fiel verbreitet etwas Schnee, am meisten am Alpennordhang. In Summe fielen von Montagabend bis Donnerstagvormittag am Alpennordhang und im westlichen Unterwallis verbreitet 15 bis 30 cm, sonst verbreitet 5 bis 15 cm Schnee, im südlichen Oberwallis fiel kaum Schnee.
Zeitweise starke Winde aus Südwest bis Nord verfrachteten den Neuschnee dieser Woche, aber auch den Neuschnee vom vergangenen Wochenende (vgl. Abbildung 5). Es entstanden störanfällige Triebschneeansammlungen (vgl. Abbildung 6).
In den letzten Wochen hatte das Altschneeproblem einen prominenten Platz in den Wochenberichten. Im Unterschied zum Neuschnee- Triebschnee- und Nassschneeproblem ist das Altschneeproblem weniger ‘volatil’ und weniger direkt vom aktuellen Wetter abhängig. Nach dem vielen Neuschnee der letzten knapp 30 Tage drehte sich vieles um die Frage, ob die schwachen Altschneeschichten inzwischen so stark überlagert waren, dass Lawinen in den tief liegenden Schwachschichten kaum mehr durch Personen ausgelöst werden konnten.
Während am Alpennordhang und im Wallis nur noch vereinzelt Lawinen im Altschnee ausgelöst wurden, dauerte das Altschneeproblem vor allem in den inneralpinen Gebieten Graubündens und im Oberengadin weiter an. Der Hauptgrund für diesen regionalen Unterschied dürfte die geringere Überlagerung der schwachen Altschneeschichten in den betroffenen Gebieten Graubündens sein. Vor allem an schneearmen Stellen und an Übergängen von wenig zu viel Schnee konnten nach wie vor Lawinen im Altschnee ausgelöst werden (vgl. Video 1).
Video 1: Auslösung von mehreren Schneebrettlawinen in Serie an den Westhängen der Zenjiflue (Arosa, GR) auf einer Höhe zwischen 2200 und 2400 m. Die Lawinen wurden gleichzeitig ausgelöst. Dies veranschaulicht, dass die störanfällige Schwachschicht verbreitet vorhanden ist und dass sich Brüche über Distanzen von mehreren hundert Metern in der Schneedecke ausbreiten können (Video: S. Gartmann, 05.02.2021).
Wie so oft bei Altschneeproblemen war die Gefahr schwer erkennbar. Die Häufigkeit von Wummgeräuschen nahm ab, am häufigsten wurden sie aber noch aus den betroffenen Gebieten Graubündens gemeldet (vgl. Abbildung 7). Zudem war der ungünstige Schneedeckenaufbau in vielen Profilen aus diesen Regionen offenkundig (vgl. Abbildung 8).
Abgesehen von den Voralpen wurde die Lawinengefahr am Alpennordhang, im Wallis und in Graubünden seit dem 12.01. durchgehend als erheblich (Stufe 3) oder höher eingestuft. Gründe für diese langandauernde Periode mit hoher Lawinengefahr waren zum einen die wiederholten Schneefälle im Januar und der ungünstige Schneedeckenaufbau. Am Sonntag, 07.02. endete diese Periode am Alpennordhang und am Dienstag, 09.02. auch im Wallis. Die Gefahr wurde auf mässig (Stufe 2) zurückgestuft. Mit Neuschnee und Wind stieg am nördlichen Alpenkamm die Gefahr zum Ende der Berichtsperiode allerdings bereits wieder auf erheblich (Stufe 3) an.
In Graubünden setzte sich die lange Phase mit erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) über das Ende dieser Berichtsperiode fort.
In dieser Berichtsperiode ereigneten sich bis Redaktionsschluss glücklicherweise keine tödlichen Lawinenunfälle. In 7 Lawinenunfällen wurden 7 Personen erfasst. Keine davon wurde ganz verschüttet. Zusätzlich wurden 8 Lawinen gemeldet, bei welchen Lawinenablagerungen durch die organisierte Rettung abgesucht wurden, weil nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden konnte, ob jemand verschüttet war. Es ist wichtig, Lawinenabgänge den zuständigen Rettungsorganisationen zu melden. Dies gilt auch, wenn niemand erfasst oder verschüttet war. Diese Meldungen können aufwändige Suchaktionen vermeiden.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.