Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03279.jsonl.gz/3281

Etwa fünf Prozent der Kinder leiden an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS genannt. Die Betroffenen haben seit der Kindheit Probleme sich zu konzentrieren, sind impulsiv und können sich nicht beherrschen.
Manchmal kommen eine starke körperliche Unruhe (Hyperaktivität), Stimmungsschwankungen und eine verminderte Belastbarkeit in Stresssituationen hinzu. Die Lebensqualität der Betroffenen leidet unter den Beschwerden. Viele ADHS-Kinder erhalten deshalb neben Psychotherapie und Erziehung zum Umgang mit der Erkrankung auch Psychopharmaka. Am häufigsten wird der Wirkstoff Methylphenidat (enthalten in Ritalin®) verordnet, obwohl etwa 30 Prozent der ADHS-Betroffenen nicht darauf ansprechen und unerwünschte Wirkungen oft zum Therapieabbruch führen.
Jetzt gibt es ein rotgoldenes Licht am Horizont. Denn inzwischen weisen vier Untersuchungen darauf hin, dass Safran – auch «rotes Gold» genannt – bei ADHS dem Wirkstoff Methylphenidat nicht unterlegen ist, und dass eine zusätzliche Gabe von Safran dessen Wirksamkeit verstärkt. In einem Beitrag der Zeitschrift für Phytotherapie von 2023 wurden vergleichende Forschungen zu Safran und Methylphenidat zusammengefasst und kommentiert.
Aufgrund des breiten Wirkungsmechanismus im Gehirn scheint die Effektivität von Safran bei ADHS plausibel, denn die Inhaltsstoffe des Safrans wirken unter anderem an denselben Nervenschaltstellen wie Methylphenidat.
In mehr als 30 Untersuchungen wurde darüber hinaus die antidepressive und angstlösende Wirkung des Safrans untersucht: Safran war wirksamer als ein Scheinmedikament und synthetischen Antidepressiva und Angstlösern nicht unterlegen. Die Signalwege des Wirkungsmechanismus sind weitgehend bekannt und stimmen auch mit denen von Johanniskraut, Curcumin und Lavendel überein.
Weitere Forschungen zeigen, dass Safran – wie Curcumin – die Denkleistung und Merkfähigkeit erhöht; und – wie Baldrian – die Einschlafzeit verkürzt sowie die Schlafqualität bessert.
Zappeligen Kids und Erwachsenen mit ADHS kommen alle diese Wirkungen zugute. Safran erhöht bei ADHS die Aufmerksamkeit, dämpft die Hyperaktivität und Impulsivität, stärkt das seelische Gleichgewicht und erhöht die Belastbarkeit bei Stress. Auch bessert sich die Erholung nach dem Schlafen und damit das Gesamtwohl der ADHS-Betroffenen.
Am besten untersucht ist die Einnahme eines Extraktes aus den Safran-Stigmen in einer Tagesdosis von 30 mg. In allen Untersuchungen wurde diese Safrandosis ohne Nebenwirkungen vertragen. Nur gelegentlich kommt es unter Safranzufuhr zum Auftreten einer Allergie.
Die Wirkung tritt relativ schnell ein.
Kinder mit ADHS zwischen 3 und 6 Jahren sollten nicht mehr als 10 mg Safranextrakt pro Tag einnehmen; Kinder ab 6 Jahren mit einem Gewicht unter 30 kg nicht mehr als 20 mg pro Tag; und bei einem Gewicht über 30 kg maximal 30 mg pro Tag. Ab einem Alter von 12 bis 18 Jahren können bei Bedarf bis zu 60 mg pro Tag und bei Erwachsenen mit ADHS bis zu 120 mg pro Tag eingenommen werden.
Nach dem Absetzen von Safran treten keine Entzugserscheinungen auf wie nach Einnahme von Psychopharmaka. Die Anwendung von Safran sollte deshalb bei ADHS vor dem Einsatz von Psychopharmaka geprüft werden. Da die Grenzen zwischen «aktiv» und «hyperaktiv» meistens fliessend verlaufen, kann man mit einer niedrigen Safran-Dosis starten und die Dosierung allenfalls später anpassen.