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Universität Zürich Irchel – Der Blaue Platz
Leben und Werk
1917
Gottfried Honegger wird am 12. Juni in Zürich geboren. Seine Mutter, Georgina Margadant, stammt aus einer Bauernfamilie aus dem Kanton Graubünden. Sein Vater, Gottfried Honegger, Maurer von Beruf, schafft es später zum unabhängigen Architekten. Seine Kindheit verbringt er bei den Grosseltern in Sent im Engadin. Seine Muttersprache, das Romanische, bestimmt für immer seine Verbundenheit mit der lateinischen Kultur.
1932
Während eines Jahres besucht er den Vorkurs an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Sein Lehrer, Ernst Georg Rüegg, nimmt ihn für eine Picassoausstellung zu seinem ersten Museumsbesuch ins Kunsthaus Zürich mit.
1993
Er macht eine Lehre als Schaufensterdekorateur bei Coop St. Annohof in Zürich. Danach dekoriert er die 25 Filialen des Lebensmittelvereins Zürich.
1936
Er wird Chefdekorateur bei Spira-Textilien AG in Zürich. Er mietet ein Atelier im Künstlerhaus am Seilergraben und stellt seine ersten Werke im Rahmen dieses Vereins aus. Er arbeitet als unabhängiger Dekorateur.
1937
Er übernimmt das Fotostudio von Kurt Meissrer und gründet ein Atelier für Grafik, Dekoration und Fotografie mit seiner zukünftigen Ehefrau Warja Lavater, ehemalige Schülerin der Kunstgewerbeschule Zürich. Rolf Lutz, Achille Wieder, Heinz Stieger, Hans Freisager, Gottlieb Soland, Morkus Löw und andere machten ihre Lehre im Atelier HoneggerLavater.
1938
Er wird von Berthold von Grünigen, Sekretär der Kunstgewerbeschule, zum Lehrer für Schaufensterdekoration berufen.
1939
Hans Hofmann, Chefarchitekt der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich, beauftragt ihn mit dem Konzept und der Gestaltung der Abteilung Wirtschaft. Nach Ende der Ausstellung geht er nach Paris und entscheidet, sich vollständig der Kunst zu widmen. Sein Cousin Joos Hutter verschafft ihm ein Atelier an der Rue de l'Université. In Paris entdeckt er, im Gegensatz zum neutralen Klima, das er aus der Schweiz kennt, die Realität einer «zerrissenen» Welt und in den Galerien die neue Kunst, die Kunst der Avantgarde.
1945
Er zieht mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern Bettina und Cornelia in ein Atelier an der Kirchgasse in Zürich.
1946
Er gestaltet den Schweizer Pavillon für die Schweizer Handelszentrale in Mailand und Borcelona. Er trifft den Maler Joan Miro und seine Freunde, die ihm nach den Jahren der Isolation eine Welt der Kunst voller Utopie eröffnen. Er wird mit der Neugestaltung der sechzehn Schaufenster für die Schweizerische Kreditanstalt in Zürich beauftragt und ist während zehn Jahren für deren Dekoration verantwortlich.
1947
Er trifft den Künstler Friedrich Vordemberge- Gildewart, Mitglied der Künstler-vereinigung De Stiil, und Willem Sandberg, Direktor des Stedelijk Museum Amsterdam. Dieser schlägt ihm die Leitung der Schule für angewandte Kunst in Amsterdam vor. Er lehnt ab und zieht die Tätigkeit als freier Künstler vor.
1948
Johannes Itten, ehemaliger Professor am Bauhaus und Direktor der Kunstgewerbe-schule Zürich, ernennt ihn als Nachfolger Walter Morachs zum Professor. Auf Anfrage des Stadtpräsidenten von Zürich, Adolf Lüchinger, gestaltet er in Zusammenarbeit mit Konrod Farner die Ausstellung «Vom Staaten-bund zum Bundesstaat 1848-1948» im Helmhaus Zürich.
Er gründet das ständige Sekretariat des Verbonds Schweizer Grafiker. Während eines Aufenthalts in Paris realisiert er seine ersten Lithographien im Atelier von Fernand Mourlot. Sie erscheinen 1949 bei Les Editions Henri Kaeser, Lausanne.
1949
Er begegnet erstmals Le Corbusier in Paris. Er erhält den zweiten Preis am Internationolen Plokat-Wettbewerb für den Marshall-Plan.
Er arbeitet mit dem Grafiker Heinrich Steiner, Mitbegründef der Aliance graphique internationale an der UNESCO in Paris.
1950
Er macht seine ersten Erfahrungen mit Glas, Textilien undTeppichen. Willy Rotzler zeigt einen Teil dieser Arbeiten im Kunstgewerbemuseum in Zürich. Er verwirklicht seine erste Reise noch Amerika. Dort trifft er beim Dadaisten Richard Huelsenbeck die Maler Hans Arp, George Grosz und Hans Richter. Er arbeitet regelmässig in der Litho-Bude in Zürich und entwickelt mit dem Drucker Emile Mathieu eine Reihe neuer Drucktechniken. Der Girsberger Verlag publiziert eine bibliophile Ausgabe.
1955
Der Chemiekonzern I. R. Geigy AG ernennt ihn zum Direktor der Grafikabteilung in Basel. Er baut in Gockhousen, ausserhalb Zürichs, einen Wohn- und Atelierkomplex nach eigenen Entwürfen.
1957
In Paris kreiert er mit dem Verleger Frédéric Ditis die wissenschaftliche Taschenbuch-reihe «Visuel», die in verschiedene Sprechen übersetzt wird. Er selbst ist Autor des Bandes Astronomie.
1958
Er gestaltet für die Kunsthalle Basel zusammen mit dem Kurator Arnold Rüdlinger die Ausstellung Kunst und Naturform/ Form in Art and Nature/ Art et Nature.
Die Edition Basilius Presse AG Basel gibt 1960 ein Buch mit einem Text von Georg Schmidt, Direktor des Kunstmuseums Basel, heraus. Auf Einladung der I. R. Geigy AG nimmt er den Posten als Art Consultant in Ardsley, in der Nähe New Yorks an. Charles Suter, Präsident des Unternehmens, gibt ihm die Möglichkeit, eine Sammlung für zeitgenössische Kunst aufzubauen.
In New York besucht ihn Arnold Rüdlinger und macht ihn mit den Künstlern Al Held, Sam Francis, Al Jensen, Barnett Newman, Franz Kline, Mark Rothko und Alexander Calder bekannt. Er besucht mit dem Architekten Konrad Wachsmann Chicogo, der ihn mit der zeitgenössischen amerikanischen Architektur bekannt macht.
1959
Erste Ausstellung in der Martha Jackson Gallery in New York. Der grosse Sommler G. David Thomson und Alfred Borr, Direktor des Museum of Modern Art New York, erwerben Werke von ihm. Er lernt den Künstler Fritz Glarner kennen, mit dem er ein Leben lang befreundet ist und von dem er ein Werk in seiner Sammlung besitzt. Für die Gartenausstellung J 59 an der Seepromenade in Zürich-Wollishofen verwendet er farbiges Neon, eine neue Etappe in der Ausstellungsarchitektur. Er gibt seinen Beruf als Grafiker auf und wird freischaffender Künstler.
1960
Zurück in Paris, wohnt er während einiger Zeit bei seinem Freund Sam Francis.
1961
Er stellt das erste Mal in der Galerie Fillon in Paris aus und trifft den Kunsthistoriker Herbert Read, der den Text für seinen Katalog schreibt. In seinem Buch A Letter to A Young Painter (Thames ond Hudson, London 1962) spricht Herbert Read lange über seine Arbeit. Er trifft Michel Seuphor und gibt mit ihm 1964 das Buch Hommage à Cercle er Carré (Adolf Hürlimann Verlag, Zürich) heraus. Er trifft ebenfalls Aurelie Nemours, Marcelle Cahn und Sonia Delauncy. Ein erster Kontakt mit dem Goleristen Peter Gimpel aus London führt zu einer langjährigen Zusammenarbeit.
1963
Er reist noch Moskau, wo er den ersten Sekretär der russischen Künstlerunion trifft.
1965
Er nimmt an der Ausstellung Zéro in der Galerie 20 in Arnheim (Niederlande) teil. Er schliesst Freundschaft mit dem Künstler Bernard Aubertin.
1966
Er gründet die Vereinigung Peau de Lion, die für rund zwanzig Sammler Werke kauft, die 1970 im Kunsthaus Zürich ausgestellt werden.
1967
Er nimmt zum dritten Mal an der Ausstellung Carnegie International im Museum of Art, Carnegie Institut in Pittsburgh (Pennsylvania) teil, wo er den Mr. And Mrs.James Bovard Purchase Prize erhält.
1969
Er wird dank dem Sammler Jim Clark als Gastprofessor an die Universität Dallas (Texas) eingeladen.
1970
Er reist mit dem Schriftsteller Max Frisch nach New York, der ihm das Theaterstück Triptychon widmet.
1972
In Paris nimmt er an den Ausstellungen La Création artistique en France 1960-1972 und 31 artistes suisse contemporains teil, organisiert durch die Galeries nationales du Grand Palais. Der Kunsthistoriker Kurt W. Forster schreibt und publiziert die erste Monogrophie (Niggli Verlag AG, Teufen)
1975
Jacques Lassaigne, Direktor des Musée d'art moderne de la ville de Paris, lädt Honegger ein, Frankreich an der XIIIe Biennale von Sao Paulo zusammen mit Francois Morellet und Bernar Venet zu vertreten.
1977
Er realisiert seine ersten Mormorskulpturen in Carrara, Italien. Das ist der Anfang einer Reihe von Werken in verschiedenen Graniten. Er veröffentlicht in der Zürcher Kulturzeitschrift Du (Nr. 435) eine Studie über die kulturelle Vielfalt in Europa.
1983
Die zweite Monogrophie Tableaux-Reliefs/Skulpturen, 1970-1983 erscheint, konzipiert und geschrieben von Serge Lemoine, Direktor des Musée de Grenoble (Waser Verlag, Zürich/Gerd Hatje, Stuttgart/Editions Jean- Michel Place, Paris).
1984
Ein Werkkatolog seiner Skulpturen von 1953-1983 erscheint in Editions Liliane et Michel Durand-Dessert, Paris/Waser Verlag, Zürch, mit einem Text von Serge Lemoine. Régie Renault beauftragt ihn mit der Architektur einer Giesserei in Cacia, Porfugal.
1985
Er wird vom französischen Kulturminister Jack Lang zum Chevalier de l'Ordre des Arts et des lettres ernannt.
1987
Er erhält den Kunstpreis seiner Geburtsstodt Zürich. Er gestaltet die Kirchenfenster der Kathedrale von Saint-Cyr in Nevers.
1988
Auf Anfrage von Serge Lemoine fertigt er anlässlich des zweihundertjährigen Jubiläums der Französischen Revolution eine monumentale Skulptur für das Museum in Grenoble.
1989
Er realisiert ein monumentales Gemälde für La Grande Arche de la Défense in Paris und gestaltet ein Werkensemble für die Universität Zürich-Irchel. Für die S-Bahn-Station Zürich-Stettbach übernimmt er die Wandgestaltung. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sybil Albers-Barrier gründet er in Mouans-Sortoux in der Nähe von Cannes, Südfrankreich, den Espace de l'Art Concret. In der Galerie Dorothea van der Koelen in Mainz zeigt er den aus sieben Bildern bestehenden Werkzyklus Cercle et Carré. Der Walser Verlag publiziert die dritte Monogrophie, Werke vor 1960/OEuvres avant 1960.
1991
Im Limmat Verlag publiziert er Widerstand aus Verantwortung, einen Text über Urbanismus, Kunst und Politik.
1992
In der Stifung für konkrete Kunst, Reutlingen, Deutschland, ist ihm eine Retrospektive gewidmet, kurotiert von Manfred Wandel.
1993
Er richtet sich - neben Paris - ein zweites Atelier in La Roquette-sur-Siagne ein. Der Filmemacher Peter Münger dreht eine Videodokumentation über ihn. Er konzipiert und realisiert ein urbanistisches Projekt für das Parkhaus des TGV-Bohnhofs in Rennes. Es wird ihm die Ehrenmedaille verliehen. Er realisiert die ersten Fenster für die Kathedrale Saint-Cyr in Nevers.
1995
Er gestaltet Reliefs für die Mauern des Universitätsspitals Zürich. Er erhält die Ehrenmedaille der Académie de Poitiers. Es erscheint der Viseur, ein Spiel zum Erlernen des Sehens. Er gestaltet den Blauen Platz (Georg-Büchner- Platz) der Universität Zürich-Irchel.
1996
Er wird vom französischen Kulturminister Philippe Douste-Blazy zum Commondeur des Arts et des Lettres ernannt. Er gestaltet eine Fassade der Universität Créteil, Paris.
1997
Er schafft ein Mosaik für die U-Bahnstation Anagnina in Rom. Catherine Trautmann, Ministerin für Kultur und Kommunikation, weiht die pädogogi-schen Ateliers «Arts, Recherche, Imagination» im Schloss von Mouans-Sortoux ein. Er gestaltet ein Zimmer des Hotels Windsor in Nizza. Er verwirklicht das Projekt Culur, eine Installation auf der Rückhaltemauer in Salecina Maloja, Kanton Graubünden. Für die Société Générale in La Defense, Paris, entwirft er die Sitzbänke in der Eingangs-halle sowie drei monumentale Bilder für einen Konferenzsaal.
1998
Er gibt sein Pariser Atelier an der Rue de Thorigny sowie das Atelier in La Roquette-sur-Siagne auf und lässt sich definitiv in Cannes nieder. Es erscheint die bisher letzte Videokassette für den Schulunterricht, entstanden in Zusammenarbeit mit Roland Axel Mannarini. In Zusammenarbeit mit dem Zürcher Architekten Theo Hotz entsteht eine Installotion für das Zahnärztliche Institut der Universität Zürich. Er verkauft seinen Nachlass, Bilder und Skulpturen, an eine Gruppe von Sammlern und Kunstmäzenen und sichert sich so den Fortbestand und die Verwaltung seines Werks. Die Bibliothèque nationale de France in Paris erwirbt sein komplettes grafisches Werk
1999
Er fertigt die Entwürfe für die Kryptafenster der Kathedrale Saint-Cyr in Nevers. Seit 1980 konzipiert und realisiert er für den Espace de l'Art Concret in Mouans-Sartoux drei Ausstellungen pro Jahr. Zusammen mit Sybil Albers-Barrier vermacht er ihre Sammlung dem französischen Staat, der seinerseits im Park des Château von Mouans-Sortoux einen Pavillon baut, der die Werke beherbergen soll.
2003
Im Treppenhaus des Verwaltungsgebäudes der Franke Holding AG installiert er drei farbige Aluminiumrohre, die frei von der Decke hängen.
2005
In einem Kreisel in Hohenems, Österreich wird eine 600cm hohe Plastik aus bemaltem Metall aufgestellt. Im Institut der Schweizer Paraplegiker-Stiftung stellt er eine Aussenraum-Installation in Form eines 80 cm hohen Segmentbogens aus bemaltem Beton auf. Er führt die Farbgestaltung zweier Liftschächte im Bahnhof Mouans-Sartoux aus.
2006
Acht Kirchenfenster in der Eglise St. André, Mouans-Sartoux werden von ihm mit Glasmalereien versehen.
2007
Er gestaltet Fenster und Eingangshalle des Hauptitzes der Helsana Versicherung AG in Dübendorf ZH. Zum 90. Geburtstag veranstaltet die ETH Zürich im Hauptgebäude die Ausstellung: Gottfried Honegger Arbeiten im öffentlichen Raum.
Ausstellungskatalog Galerie Proarta AG, Zürich. Ergänzt.