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Rotschwanzbussard
Buteo jamaicensis
© 2009 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) ist ein mittelgrosses Mitglied der rund 240 Arten umfassenden Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Die erwachsenen Individuen weisen meist eine Länge von 48 bis 63 Zentimetern, eine Flügelspannweite von 110 bis 145 Zentimetern und ein Gewicht von 700 bis 1300 Gramm auf, wobei die Weibchen - wie bei vielen Greifvögeln - durchschnittlich etwas grösser und schwerer sind als die Männchen.
Das Artverbreitungsgebiet des Rotschwanzbussards ist überaus weit. Es erstreckt sich über die meisten Bereiche Nordamerikas, von Alaska bis Mexiko, und weiter entlang der mittelamerikanischen Landbrücke bis nach Panama. Ferner umfasst es die Mehrzahl der Westindischen Inseln, südostwärts bis Barbados. Ganz im Norden des Verbreitungsgebiets hält sich der Rotschwanzbussard nur im Sommer auf, um dort zur Fortpflanzung zu schreiten. Den unwirtlichen Bedingungen des hochnordischen Winters weicht er aus, indem er südwärts zieht und mehrheitlich im mexikanischen Raum sein Winterquartier bezieht. In den übrigen Bereichen des Verbreitungsgebiets ist er ein Standvogel, bleibt also das ganze Jahr über seinem Brutgebiet treu.
Innerhalb seines weiten Verbreitungsgebiets erweist sich der Rotschwanzbussard als ökologisch sehr anpassungsfähig: Er bewohnt ein überaus breites Spektrum von Lebensräumen, und zwar in Höhenlagen von 0 bis ungefähr 2000 Metern ü.M. Vorzugsweise hält er sich in offenen bis halboffenen Graslandschaften auf, denn wie alle der weltweit 26 Arten Echter Bussarde (Gattung Buteo) ist er ein breitflügliger, relativ kurzschwänziger Greifvogel - und damit weniger für das schnelle Manövrieren im hindernisreichen Wald als vielmehr für das ruhige Segeln und Gleiten im Offenland gebaut.
Der Rotschwanzbussard bejagt fast ausnahmslos kleinere Wirbeltiere, die am Boden leben oder sich zumindest zeitweilig dort aufhalten. Am liebsten späht er von einem erhöht liegenden Ansitz aus nach Beutetieren. Hat er ein mögliches Opfer entdeckt, gleitet er in schnellem Sinkflug darauf zu und packt es schliesslich zielsicher mit seinen kräftigen Fängen. Zur Hauptsache erbeutet er Mäuse, Hörnchen und andere kleinere Nagetiere. Er überfällt aber auch Hasentiere, Vögel, Echsen und Schlangen, ja verschmäht bei sich bietender Gelegenheit selbst grosse Insekten und frischtote Tiere nicht.
Die erwachsenen Rotschwanzbussarde leben monogam und im nördlichen Bereich des Verbreitungsgebiets während der Fortpflanzungszeit, im südlichen ganzjährig territorial. Ihre Reviere weisen gewöhnlich eine Fläche von ein bis vier Quadratkilometern auf. Um ihren Besitzanspruch kundzutun, lassen sie häufig im kreisenden Segelflug, oft aber auch von exponierten Warten aus ihren rauen, in der Tonhöhe abfallenden «Kiiieer»-Ruf vernehmen.
Seinen Horst legt das Rotschwanzbussardpaar normalerweise in einer Höhe von zehn bis zwanzig Metern über dem Boden auf einem kräftigen Baum an. Das Gelege besteht aus zwei bis fünf, meistens aber aus drei Eiern. Die beiden Partner wechseln einander beim rund vier Wochen dauernden Bebrüten des Geleges regelmässig ab, doch übernimmt das Weibchen stets erheblich längere Schichten als das Männchen. Das Männchen revanchiert sich gewissermassen hierfür, indem es dem Weibchen regelmässig Beutetiere als Zwischenverpflegung ans Nest bringt. Auch nach dem Schlüpfen der Jungen, während der Nestlingszeit, bleibt diese Arbeitsteilung bestehen: Das grössere, kräftigere Weibchen behütet mehrheitlich die Jungen, das kleinere, wendigere Männchen schafft Nahrung für die ganze Familie herbei.
Im Alter von sechs bis sieben Wochen sind die Jungvögel flugfähig, und mit ungefähr fünfzehn Wochen lösen sie sich von ihren Eltern und Geschwistern und machen sich selbstständig. Zur Fortpflanzung schreiten sie erstmals im Alter von knapp drei Jahren. Der Altersrekord in freier Wildbahn liegt bei 21, in Menschenobhut bei 29 Jahren.
Der Rotschwanzbussard gilt als nicht gefährdet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass seine Gesamtpopulation innerhalb des weiten Verbreitungsgebiets auf mehrere 100 000 Individuen geschätzt wird und dass seine Bestände als stabil gelten. Erhebungen zur Bestandsgrösse oder -entwicklung liegen allerdings keine vor.
Vereinzelt werden junge Rotschwanzbussarde für die Haltung in Falknereien gefangen. Überall im Artverbreitungsgebiet werden ferner einzelne Rotschwanzbussarde durch schiesswütige Personen getötet, andere durch den Strassenverkehr. Wahrscheinlich fallen auch einzelne unerfahrene Jungvögel sowie Nestlinge und Gelege Fressfeinden, Nestplünderern oder Nistplatzkonkurrenten zum Opfer. Zu nennen sind beispielsweise Kojote (Canis latrans), Rotluchs (Lynx rufus) und Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Die dadurch verursachte Sterblichkeit dürfte jedoch keinen wirklichen Einfluss auf die Bestände haben, da der Rotschwanzbussard solche Ausfälle via die natürliche Nachzucht durchaus wettzumachen vermag.
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