Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03488.jsonl.gz/1715

[* 3] (wahrscheinlich v. kelt. alp oder alb, s. v. w.
»hoch,
Berg«),
Hochgebirge, welche, unähnlich gewöhnlichen
Gebirgsketten, aus einzelnen Gebirgsstöcken
(Gruppen) zusammengesetzt
sind. Die einzelnen
Berge sind durch sattelförmige
Erhebungen
(Cols) und schmale
Rippen
(Joche), oft auf
langen
Distanzen, zusammengeknüpft. Von bedeutender absoluter
Höhe, steigen sie öfters über die
Schneelinie empor und haben
gemeiniglich eine breite
Basis.
Ihre Gehänge sind tief gefurcht, zerrissen, gezackt, mit schroffen, oft lotrecht abstürzenden,
häufig sehr tiefen Schluchten. Die Alpen werden gewöhnlich nach dem Land benannt, in welchem
sie liegen. Schlechthin führt den
NamenAlpen das große Hochgebirge Zentraleuropas (bestehend aus den
Schweizer, Savoyischen,
Tiroler,
Salzburger, Steirischen etc. Alpen). Außerdem sind zu nennen: die Siebenbürgischen,
die
Skandinavischen in
Europa,
[* 4] die Abessinischen in
Afrika,
[* 5] die
NordamerikanischenSeealpen etc.
[* 3] (hierzu
Karte»Höhenschichten der Alpen«). Der
Name dieses mächtigen Hochgebirges im mittlere
Europa, des höchsten dieses
Erdteils und zugleich des vollkommensten und am besten entwickelten aller Hochgebirge der
Erde,
wurde schon von den
Römern bei der
Bevölkerung
[* 6] vorgefunden und ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs (alb, s. v. w. hoch).
Die Alpen erstrecken sich vom untern Rhônethal gegen O. bis an die
Ebenen Oberungarns und erscheinen, von
N. wie von S. gesehen, schon aus der
Ferne wie eine durch
Höhe und
Reichtum der
Formen überwältigende Gebirgsmauer, auf dem
größten Teil ihrer
Länge von Hochgipfeln überragt, die mit ewigem
Schnee
[* 7] bedeckt sind. An allen Seiten erheben sich die
Berge schroff und von den daran grenzenden
Landschaften scharf geschieden; den schroffsten Abhang wenden sie jedoch der Südseite
zu, wo auch die relative
Höhe die bedeutendste ist.
Dasselbe dehnt sich hiernach über zwölf Längengrade (6-18° östl. L. v. Gr.)
von dem untern
Rhône bis zum Donauthal bei
Wien 1036 km weit aus, während die
Breite
[* 14] im W. kaum 75, im O. dagegen durch das
strahlenförmige Auslaufen der
Ketten bis über 300, durchschnittlich etwa 175 km beträgt. Die Alpen nehmen
also, von 43-48° nördl.
Br. liegend, fast genau die Mitte zwischen
Äquator und
Nordpol ein. Sie bedecken ohne die angrenzenden
Hochebenen ein Gebiet von etwa 240,000 qkm und haben eine mittlere
Erhebung von 1400 m. Man erhält ein
Bild von der
Masse des
Gebirges, wenn man bedenkt, daß
¶
Diese römische Alpenbenennung hat sich seither jahrhundertelang fast bis in die Gegenwart hinein in der
Litteratur erhalten. Erst als man gegen Ende des vorigen Jahrhunderts durch topographische Kartierungen und geologische Aufnahmen
mit dem Bau des Gebirges näher bekannt wurde, brach sich die ErkenntnisBahn, daß die Begrenzung der Gebirgsgruppen den dieselben
trennenden Thälern und tiefsten Paßeinsenkungen folgen müsse. Von diesem Gesichtspunkt aus hat vor allem
Karl v. Sonklar versucht, das Gebirge nach dem Verlauf der tiefsten Flußläufe zu zergliedern.
Die Alpeneinteilung v. Sonklars wurde in neuerer Zeit mit mehr oder weniger bedeutenden Veränderungen von verschiedenen Seiten
angenommen und verbreitet. Neben der Aufstellung von
zahlreichen Gebirgsgruppen hat man aber auch die Alpen wie
in longitudinaler Beziehung auch in große transversale Hauptabschnitte zerlegt, deren man bald zwei, bald drei angesetzt
hat, und über deren gegenseitige Begrenzung man nicht minder uneinig ist, als über jene der einzelnen Gebirgsgruppen, aus
denen sie sich zusammensetzen.
Die Zweiteilung in östliche und westliche Alpen ist die ältere und überdies diejenige, welche
den geologischen Verhältnissen der am besten entspricht. Nach ihrer Entstehungsgeschichte, Struktur und Zusammensetzung zerfallen
die in zwei große Abschnitte, welche in der Gegend des Adulagebirges aneinander stoßen. Bei einer Dreiteilung sind die Ansichten
nicht bloß über die Abgrenzung der West- und Mittelalpen geteilt, sondern ebenso und noch mehr über
diejenige der Mittel- und Ostalpen.
Überdies gibt die Bezeichnung des mittlern transversalen Hauptabschnittes als Mittelalpen Anlaß zu Mißverständnissen,
indem von einer Seite auch die kristallinische Zentralzone mit demselben Namen belegt wird. Bei der Zweiteilung fällt diese
Zweideutigkeit des Ausdrucks zwar weg, doch ist es immerhin besser, für Zentralalpen die Bezeichnung Gneisalpen
zu setzen. Die bisherigen Einteilungsversuche der Alpen gingen fast ausschließlich von den plastischen Verhältnissen
des Gebirges aus, indem man den Verlauf des Flußnetzes zu Grunde legte und den geologischen Aufbau vollkommen vernachlässigte.
Bei einer naturgemäßen Einteilung müssen aber beide Momente, das oroplastische und geologische, gleichmäßig berücksichtigt
werden; beide zusammen bedingen die Physiognomie eines Gebirges, die den besten Anhaltspunkt zur Beurteilung von orographischer
Gleichartigkeit und Verschiedenheit liefert.
Kärtchen: Einteilung der Ostalpen, nach Alpen. Böhm. Von diesem Grundsatz ausgehend hat Alpen. Böhm eine neue »natürliche« Einteilung
für die Ostalpen durchgeführt (s. obige Kartenskizze). Das Alpensystem setzt sich aus
zwei gegen NW. gerichteten Bogenstücken zusammen; dort, wo der westliche Bogen
[* 17] auf den östlichen stößt, tritt eine auffallende
Unterbrechung in dem Höhenzug ein, in
¶
In einer Länge von 1200 km erstrecken sich die Alpen als gewaltiger Bogen von Savona (bei Genua)
bis nach Wien. Die durchschnittliche Breite beträgt 180 km, die Fläche, welche sie bedecken, 220000 km2. Die mittlereHöhe der ganzen Massenerhebung ist 1400 m; d. h. so hoch
wäre die ganze Fläche, wenn das Gebirge auf derselben ausgeebnet
würde. Begrenzt wird das Alpengebiet auf 3 Seiten von Tiefebenen: der Rhoneebene im W., der Poebene im
S. und den Donautiefebenen im O. Einzig im N. gehen die Alpen in die schweizerisch-schwäbisch-bayrische Hochebene über,
welche sich in einer mittlern Höhe von 400-600 m von Genf
bis Linz ausdehnt, während z. B. der Südfuss der Alpen aus etwa 200 m
Meerhöhe aufsteigt. Der Südabhang geht aber nicht bloss tiefer hinunter, er ist auch schmäler, also
aus doppeltem Grunde steiler als der Nordabhang. Z. B. ist die Distanz MonteRosa-Biella = 45 km, der Höhenunterschied = 4222 m,
das Gefäll des Südabhangs daher = 9,38% = 5° 22'. Auf der Nordseite dagegen ist die Distanz MonteRosa-Bern
= 115 km, die Höhendifferenz 4096 m; daher das Gefäll = 3,48% oder 1° 59'.
A. OROGRAPHIE.
Die Einteilung der Alpen fällt verschieden aus, je nachdem man den geologischen oder den orographischen Gesichtspunkt voranstellt.
Die Geologen unterscheiden nur zwei Hauptteile: Westalpen, von Savona bis zu der Linie Rheinthal (bis
Reichenau)-Greina-Tessin-Langensee, und Ostalpen (von da bis Wien). - Mit Rücksicht auf die Orographie empfiehlt sich
aber die alte Dreiteilung besser: a) Westalpen von Savona bis zur Linie Arve-MontBlanc-Aostathal; b) Zentralalpen von da bis
Reschenscheideck-Etschthal; c) Ostalpen von da bis zur Donau bei Wien.
Bei dieser Einteilung zeigt sich dann als prinzipieller Unterschied der drei Teile: die Westalpen bestehen
aus einer Hauptkette, ohne grosse Längsthäler;
die Querthäler beherrschen die Terrainformen vollständig.
Die Zentralalpen
bilden im W. 2, im O. 3 Parallelketten mit grossen Längsthälern ersten Ranges; in den Ostalpen endlich finden wir, auch
von W. nach O. an Zahl zunehmend, 3-5 solcher parallelen Ketten mit der entsprechenden Zahl von Längsthälern.
Für die Schweiz kommen nun einzig die Zentralalpen zwischen den beiden Eckpfeilern Mont Blanc und Ortler in Betracht. Die
weitere Einteilung, welche in erster Linie auf orographische Momente gestützt ist, ergibt sich aus der Kartenskizze. Die
erste Teilung ist gegeben durch das grosse Längenthal, eine Furche, welche von S.-W. nach N.-O. sich
hinzieht, und welche zugleich eine geologische Trennungslinie ist. Sie setzt sich zusammen aus dem Chamonixthal, Col de Balme,
Rhonethal von Martigny bis Furkapass, Urserenthal, Oberalppass, Vorderrheinthal bis Chur. Von da an folgt sie dem Querthal des
Rheins bis zum Bodensee. Dadurch erhält man zwei Teile, die man am besten als Nordalpen und Südalpen unterscheidet. - Quer
zu dieser tektonischen Linie geht nun eine zweite Hauptfurche, gebildet durch die Querthäler der Reuss und des Tessin.
So entstehen
aus den Zentralalpen vier grosse Abschnitte, die sich z. T. mit den alten landläufigen Benennungen:
Berner-A., Glarner-A., Walliser-A., Bündner-A. decken, aber meistens etwas grössere Gebiete umfassen, als man gewöhnlich
mit obigen Namen bezeichnet.
Die Hauptwasserscheide liegt ganz nahe an der Rhone; nach S. gehen nur kurze, steile Thäler, während auf der sanftem Nordseite
sich eine grosse Zahl bedeutender Querthäler ausgebildet hat. Dies drückt sich auch in folgenden Zahlen aus:
Der horizontale Abstand zwischen Wildstrubel und Sierre ist 10 km, der Höhenunterschied 2728 m, also das Gefäll 27,28% oder
15° 16'. Dagegen ist der Abstand vom Wildstrubel bis Bern
65 km, der Höhenunterschied 2730 m;
das gibt ein Gefäll von 4,20%
oder 2° 20'. Die einzelnen Gruppen sind:
¶
das mächtigste Gebirge Europas und im Herzen dieses Erdteils, in der Mitte zwischen Äquator
und Nordpol, zwischen 43½ und 48° nördl. Br. und 5 und 16½° östl. L. von Greenwich gelegen, dem allgemeinen Umriß nach
ein langgezogener, quer gegen den Meridian gerichteter, von S. über N. in NO. verlaufender
Schlangenbogen, dessen im W. sehr scharfe Krümmung sich gegen O. zusehends verflacht. Die Länge dieses
Bogens von Savona bis Wien mißt etwa 1100 km. Ihrem plastischen Aufbau und ihrer geolog.
Zusammensetzung nach bestehen jedoch die Alpen aus zwei gegen NW. und N. konvexen Bogen, die sich zwischen dem Lago Maggiore und
dem Bodensee schräg gegeneinander legen. Beide Bogen enthalten je in ihrer Mitte die größten Massenerhebungen:
die Gebirgsstöcke des Montblanc und Monte-Rosa im W. und die Ötzthaler Alpen im O. Dort aber, wo der westalpine
Bogen auf den ostalpinen stößt, befindet sich eine Unterbrechung in dem stetigen Höhenzuge. Diese Zweiteilung tritt
auf jeder guten Übersichtskarte (besonders auf Schichtenkarten) deutlich zu Tage.
Grenzen. Die Grenzen des Alpengebirges lassen sich nicht allenthalben durch eine scharfe Linie bezeichnen,
weil der Übergang vom Gebirge zur Ebene nicht immer sprungweise, sondern oftmals sehr allmählich erfolgt; in letzterm Falle
wird daher die Grenze durch einen mehr oder weniger breiten Saum vergegenwärtigt, dessen Lage am besten beim Anblick aus
großer Ferne
bestimmt wird, da an Ort und Stelle die unbedeutenden Aufragungen der nächsten Umgebung
gegenüber der höhern, aber weiter abstehenden Hauptmasse des Gebirges unverhältnismäßig stark zur Geltung kommen. Im
allgemeinen können folgende Orte als Markpunkte für den Verlauf der Alpengrenze betrachtet werden:
3) östlicher Saum: Marburg, Eibiswald, Stainz, Graz,
[* 24] Hartberg, Friedberg,
[* 25] Güns, Kirchschlag, Ödenburg,
[* 26] Neudörfel, Neunkirchen,
[* 27] Wurflach, Leobersdorf, Baden,
[* 28] Wien. Innerhalb dieser Umgrenzung umfassen die Alpen ein Gebiet von 176000 qkm; ihre größte Breite
findet sich in der Mitte des ganzen Gebirgszugs und mißt von Kempten nach San Bonifacio 275 km; der schmalste
Durchschnitt ist jener von Chambery nach Avigliana mit 125 km. Mitunter werden die Grenzen des Alpengebietes weiter gezogen,
indem jenes ganze Gebiet ins Auge
[* 29] gefaßt wird, das in hydrogr.
Beziehung von den Alpen abhängig ist, und das sich beispielsweise im W. bis zur Rhône, im N.
bis zur Donau, im S. bis zum Po und zur Adria erstreckt. Daher findet man häufig weit größere Zahlen als Ausmaß der Alpen verzeichnet,
doch gelten dieselben nicht dem Gebirge allein, sondern auch einem Teile der angrenzenden Ebenen. Diese, die als Basis des Gebirges
zu betrachten sind, liegen in sehr verschiedener Höhe, und zwar im Süden weit tiefer als im Norden.
[* 30] Während der Südfuß der Alpen auf der Poebene zwischen 50 und 300 m schwankt, liegt der Nordfuß auf der schweiz.
Hochebene zwischen 400 und 600 m, auf der oberbayr.
Ebene zwischen 600 und 900 m und im österr. Donaulande zwischen 200 und 500 m.
Die westl. Begrenzungslinie erhebt sich von 50 bis gegen 400 m, die östliche hält sich ziemlich
regelmäßig zwischen 300 und 400 m. Den mächtigsten Anblick gewähren deshalb die von Süden aus betrachtet, und zwar nicht
nur wegen der tiefern Lage des Standortes, sondern auch, weil man sich dort innerhalb der Krümmung des
Gebirgszugs befindet. Am berühmtesten ist mit Recht die Alpenansicht vom Mailänder Dom, die vom Monte-Viso bis zu den Gipfeln
an den Quellen des Oglio reicht; sehr schön ist auch die vom Markusturme zu Venedig,
[* 31] vom Ortler bis zum Triglav.
Auf der Nordseite genießt man den schönsten Anblick der Alpen vom Gipfel des Feldberges oder
von dem des Belchen im Schwarzwalde, von wo aus man dieselben, den herrlichen Gipfeln des Berner Oberlandes gegenüberstellend,
vom Montblanc bis zum Zugspitz übersieht. Auch der Frauenturm zu München
[* 32] gewährt eine umfassende Ansicht. Innerhalb der Alpen selbst
sind von den leicht erreichbaren Gipfeln ihrer Rundsicht wegen am berühmtesten: Faulhorn, Pilatus, Rigi, Säntis, Pfänder,
Hohe Salve, Kitzbühler Horn, Schmittenhöhe, Gaisberg, Schafberg, Dobratsch u. a. m.
Höhe. Der Höhe nach unterscheidet man in den Alpen die Region der Niederalpen, die bis zur Grenze
¶