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Interview mit Hugo Figueiredo; der Apotheker hat Massenimpfungen gegen COVID-19 durchgeführt
ST-IMIER (BE) - Hugo Figueiredo besitzt mittlerweile fünf Apotheken in drei französischsprachigen Kantonen mit rund 50 Mitarbeitern. Er ist ausserdem Verwaltungsratsmitglied der Pharmacieplus-Gruppe. Mit seinem charakteristischen Dynamismus war er bei der Impfung gegen Covid-19 während des ganzen Monats Mai 2021 besonders aktiv. Er injizierte mehr als 1600 Dosen in 3 Gemeinden des Kantons Bern (La Neuveville, St-Imier und Tramelan). Die Impfung fand nicht in der Apotheke statt, sondern in Räumlichkeiten, die von den Gemeinden zur Verfügung gestellt wurden. Pharmapro.ch konnte ihn im Juni 2021 in einer seiner Apotheken in St-Imier (BE) interviewen. Das Gespräch wurde vor der Veröffentlichung geführt.
Können Sie uns ein wenig über Ihren Werdegang erzählen?
Ich habe in Lausanne Pharmazie studiert. Anschliessend promovierte ich zum Doktor. Im 4. und 5. Jahr meines Pharmaziestudiums (Anm. d. Red.: Zu Beginn der 2000er Jahre war anders als heute im Studienplan des Pharmaziestudiums noch ein Praktikumsjahr im 3. Studienjahr vorgesehen). Ich war ersatzweise in verschiedenen Apotheken tätig. Manchmal habe ich in mehreren Apotheken am selben Tag gearbeitet. Ich habe diese Zeit in meinem Leben sehr genossen, ich konnte damals viele Erfahrungen sammeln.
Kamen Sie dann schnell in Besitz einer Apotheke Ich habe als Leiter in Moutier gearbeitet und hatte dann 2006 die Gelegenheit, mit weniger als 30 Jahren Inhaber einer Apotheke in Saint-Imier (BE) zu werden. Seit 15 Jahren bin ich nun Inhaber der Pharmacieplus du Vallon.
Im Laufe der Jahre haben Sie nun 5 Apotheken übernommen, war dies eine bewusste Strategie oder geschah dies eher durch Zufall?
Ich hatte keinen Plan, fünf Apotheken zu erwerben. Ich hatte das Glück, in den letzten 15 Jahren ... (unvollendeter Satz, Anm. d. Übers.) Die letzte ist eine Apotheke in Avenches (VD) - die wichtigste Apotheke in Avenches, und wir sind gerade dabei, sie zu erweitern.
Ich habe den Eindruck, dass der Beruf des Apothekers in den letzten Jahren interessanter oder zumindest abwechslungsreicher geworden ist. Sehen Sie dies als positiv oder fürchten Sie das Risiko einer Überlastung der Apothekenteams?
Ja, ich denke, dass der Beruf des Apothekers eindeutig interessanter geworden ist, was die Teams mehr motiviert, sowohl die Apotheker als auch die Pharma-Assistenten/Assistentinnen. Wir können Impfungen durchführen, insbesondere gegen Covid-19, aber auch verschiedene Diagnose- und Screening-Tests. Diese Leistungen müssen natürlich bezahlt oder zu einem angemessenen Preis erstattet werden. Der Kipppunkt ist langsam erreicht, und wir orientieren uns zunehmend an Dienstleistungen und weniger an der Marge von Medikamenten, wie es früher der Fall war. Ausserdem wird der Beruf des Apothekers von den Teams während dieser langen Covid-19-Pandemie besonders geschätzt. Apotheken gehören zu den wenigen Geschäften, die nie geschlossen wurden.
Wie stehen Sie zu Apothekenketten?
Als Apotheker, der einer Gruppe (Pharmacyplus) angehört, verfolge ich die Aktivitäten der Apothekenketten mit Interesse, ohne jedoch auf sie «fixiert» zu sein. Für mich stehen meine Kunden an erster Stelle. Ich habe eine langfristige Vision, ich kann meine Apotheke hier in Saint-Imier als Beispiel nehmen. Es ging darum (Anm. d. Übers.) ab Beginn der Pandemie im März 2020 genügend Paracetamol, Masken, Tests und dann die Kapazität zur Impfung gegen Covid-19 für alle unsere Kunden/Patienten zu haben. Ich denke, wir haben es geschafft, alle unsere Kunden zufriedenzustellen, auch wenn wir etwas Geld verloren haben, weil wir zu teure Masken kauften.
Was sind die nächsten Herausforderungen oder «Kämpfe», denen sich Apotheker stellen müssen?
Es muss sichergestellt werden, dass die aufgewendete Zeit für eine Dienstleistung angemessen vergütet wird. Es scheint, dass die LOA (5. Version der leistungsorientierten Abgeltung der Apothekerinnen und Apotheker) in die richtige Richtung geht.
Kommen wir schliesslich auf den Punkt: Erzählen Sie uns, wie Sie auf die Idee gekommen sind, an mehreren Orten im Berner Jura eine Massenimpfung durchzuführen?
Ich hatte schon recht früh im Jahr 2021 die Idee, die Bevölkerung zu impfen. Ich musste jedoch rasch feststellen, dass der Platz in meinen drei Apotheken dafür nicht ausreichen würde. Deshalb habe ich mich zunächst direkt an die betroffenen Gemeinden (z. B. St-Imier) gewandt, um einen grösseren Raum zu bekommen. Sobald dieser Schritt realisiert war, nahm ich Kontakt mit den Behörden in Bern auf. Wir schafften es, in fünf Tagen an den drei Standorten mehr als 1.600 Dosen zu injizieren.
Wenn wir uns die Statistiken in bestimmten Ländern ansehen, in denen die Impfung weit fortgeschritten ist (z. B. in den Vereinigten Staaten) - wobei es immer schwierig ist, Länder zu vergleichen -, stellen wir fest, dass die Impfung an einem bestimmten Punkt eine Höchstgrenze erreicht und es sehr schwierig wird, z. B. eine Durchimpfungsrate von 95 % zu realisieren. Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, haben oft verschiedene Gründe, von denen einige in sog. «Fake News» zu finden sind. Mit welchen Methoden überzeugen Sie Impfgegner?
Wir haben uns überlegt, einen Flyer mit verschiedenen Argumenten für die Corona-Impfung zu drucken, in dem verschiedene Fragen beantwortet werden. Aber wir stellten bald fest, dass die Fragen zu viele und zu persönlich waren. Ich denke, wir können direkt mit unseren Kunden/Patienten sprechen. Das Vertrauen, das sich im Laufe der Jahre entwickelt hat, hilft uns manchmal, einige von ihnen zu überzeugen. Ich konnte skeptische Leute beruhigen, die schliesslich zustimmten, sich impfen zu lassen. Wir werden nie alle Menschen impfen können, aber ich habe das Gefühl, dass viele Menschen, zum Beispiel in der Region St-Imier, geimpft werden wollen, eine Mehrheit der Bevölkerung. In unserer Apotheke wird weiterhin geimpft. Ich kann behaupten, dass die grosse Mehrheit der Ärzte in St-Imier das Covid-19 bekämpfen wollen.
Siehe hierzu auch ein Video
Wir danken Hugo Figueiredo für das Gespräch und die Zeit, die er uns zur Verfügung gestellt hat.
Interview geführt am 14. Juni 2021 von Xavier Gruffat (Apotheker) in St-Imier (BE), die Fragen wurden mit Hilfe von Dr. Patrick Eichenberger und der Redaktion von Pharmapro.ch erarbeitet. Korrekturen: Korrekturlesen durch Hugo Figueiredo, Redaktion Pharmapro.ch. Bildnachweis: Hugo Figueiredo.