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Das vom Kirchplatz her sichtbare südliche Seitenschiff endet abrupt mit einer glatten Stirnwand vor dem sich aus dem Mittelschiff entwickelnden Chor. Er ist von bezeichnender Einfachheit. Seine hohen und schmalen Lanzettbogenfenster sind wie die spitzbogigen Fenster der Seitenschiffe mit Gewänden aus Muschelkalk – früher Sandstein – gefasst.
Die Übergangsstelle vom Schiff zum Chor bezeichnet der sechseckige Dachreiter. Er ist eine Rekonstruktion von 1965 und beherbergt eine kleine as''-Glocke mit einem Gewicht von 81 kg. Ein Hahn, der nach dem Entwurf des Aarauer Künstlers Felix Hoffmann gefertigt wurde, schliesst den spitz aufsteigenden Dachreiter nach oben ab.
Der Turm ist durch abgeschrägte Gurtgesimse in sechs Stockwerke gegliedert. Im obersten Turmgeschoss ist der Glockenstuhl mit den sieben Glocken der traditionsreichen Aarauer Glockengiesserei Rüetschi.
Blick auf das oberste, erst 1663 entstandene barocke Turmgeschoss
Das oberste Turmgeschoss, 1663 entstanden, zeigt eine interessante Verbindung von gotischen und barocken Stilmerkmalen. Die spitzbogigen gotischen Schallfenster werden in ihrem unteren Teil von einer Balustrade durchzogen. Die mit barockem Schwung ausgeführten Ziergiebel erheben sich über einem Kranzgesims, das von einem aus Dreischlitzen und Rundbogenfeldern gebildeten Fries geschmückt wird. S-förmig geschwungene Profile rahmen das rotgoldene Zifferblatt. Sie laufen in der charakteristisch barocken Schneckenform aus. Ein muschelartig gefächertes Segmentgiebelchen und zwei weitere, obeliskähnliche Aufbauten bekrönen die Giebel, die mit ihren goldenen Turmknäufen über Aaraus Dächer hinweg in den Himmel weisen.
Während rund zwei Jahren (2011–2013) wurde im und am Turm der Stadtkirche gearbeitet: Die Firma Rüetschi AG baute einen neuen Glockenstuhl ein, gleichzeitig wurde die Fassade renoviert.
Der Turm der Stadtkirche erstrahlt in neuem Glanz (PDF, 310 KB)
Das Glockengeläut ertönt nun heller (PDF, 1 MB)
Der Turm der Stadtkirche beherbergte seit jeher auch allerlei Gefiedertes. Bereits in den Dreissigerjahren verlangte der offensichtlich ornithologisch engagierte damalige Sekretär der Kirchgemeinde, O. Schmuziger, in einer Eingabe an den Gemeinderat – heute Stadtrat – Aarau, bauliche Veränderungen an den Schallöchern des Turms, damit Vögel, speziell Turmfalken und Dohlen wieder Nistgelegenheiten hätten. Der Gemeinderat jedoch verwies auf bekannte «erhebliche Unannehmlichkeiten» durch das Nisten von Vögeln im Turm und präzisierte: «Insbesondere der Platz zwischen Kirche und Pfarrhaus sah oft derart verunreinigt aus, als ob er lange Zeit nicht gereinigt würde.» Der Bauverwalter beantragte, die Eingabe abzulehnen. Schmuziger wird kurz und bündig mitgeteilt, «dass seinem Wunsche nicht entsprochen werden kann.»
Die Zeiten ändern sich, und so wurde anlässlich der umfassenden Renovation des Turmes von 2011-2013 auch die Expertise eines Ornithologen miteinbezogen, um Turmfalken und Mauerseglern «ein komfortables Zuhause» bieten zu können.
Alpensegler im neuen Glockenstuhl (PDF, 3,75 MB)
Umgebung
Um den dreiseitig geschlossenen Chor herum führt der Platz zu einer Treppe nördlich der Stadtkirche. Rechterhand ist das Pfarrhaus Adelbändli zu sehen: ein spätgotisches, im 18. Jahrhundert umgebautes stattliches Altstadthaus. Ihm gegenüber liegt die Nordseite der Stadtkirche, die aus dem zweigeschossigen Sakristeianbau, dem dreiachsigen Seitenschiff, dem Turm und dem Treppenhaus besteht.