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Thun, 1. Februar 2001 Medienorientierung des Vorstands PRO REGIO THUN
Stellungnahme von Pro Regio Thun zum Mitwirkungsverfahren neue Zonenplanung / neues Baureglement Thun
Wie anhand der einschlägigen Unterlagen und Informationen festgestellt werden konnte, soll gemäss Entwurf des neuem Thuner Baureglements nördlich der Allmendstrasse das gesamte heutige VBS-Gebiet (Zone für militärische Bauten und Anlagen) in eine "Zone für Arbeiten A" umgezont werden. (Das Gebiet erstreckt sich von der Regiebrücke via Aare bis zur Feuerwerkerstrasse). Dabei sollen offenbar auch Gebäudehöhen bis 17.5 Meter zugelassen werden, was bedeutet, dass das projektierte monumentale KVA Gebäude offensichtlich durch die Hintertüre der "Zonenplanänderung" vom Thuner Volk nachträglich genehmigt werden soll. Dies obschon die Einwohner und viele Organisationen in der Region Thun die KVA grossmehrheitlich ablehnen. Dieser Idee eines KVA Plebiszits unter dem Deckmantel "Zonenplanänderung" kann der Verein Pro Regio Thun auf keinen Fall zustimmen, denn die geplante KVA braucht es nicht mehr.
Kantonsweit und schweizweit trifft die Behauptung, dass die Abfälle in den letzten Jahren massiv zugenommen hätten, nicht zu. Gemäss Abfallstatistik des BUWAL verursachte die Schweizer Bevölkerung im Jahre 1995 insgesamt 3,14 Mio. Tonnen Abfall (inkl. Bauabfälle), 1999 waren es insgesamt 3,17 Mio. Tonnen Abfall, was einer geringfügigen Zunahme von 1 % entspricht (die Zahlen für das letzte Jahr sind noch nicht bekannt).
Im Jahre 1999/ 2000 standen einer Abfallmenge von 3.17 Mio. Tonnen Abfall (Angaben BUWAL) eine Verbrennungsabnahmekapazität von 3.277 Mio. Tonnen (Angaben VBSA) gegenüber. Es ergibt sich somit eine KVA - Überkapazität von 107'000 Tonnen.
Es wird von keiner Seite mehr bestritten, dass die Kehrichtmengenentwicklung weit unter den Prognosen geblieben ist, die als Berechnungsgrundlagen zur Erstellung der heutigen (Über-) Kapazitäten dienten: Die Auslastung der bestehenden Anlagen ist nach wie vor ungenügend und die Bereitschaft der Bevölkerung, die finanziellen Folgen dieser Fehlplanung mit zu bezahlen, sei es mit fixen Entsorgungsgebühren oder - immer häufiger - mit einer verursachergerechten Sackgebühr, nimmt stetig ab.
Nach der künftigen Entwicklung der Kehrichtmengen befragt, rechnen Experten heute sowohl mittel- wie langfristig mit einer Stagnation oder einem geringen Rückgang. Dabei überwiegt die Abnahme auf Grund weiter steigender Gebühren (eine Mehrheit von Gemeinden in der Schweiz kennt heute noch keine Sackgebühr), der weiter zunehmenden Separatsammlung und der Vermeidungsbemühungen der (Verpackungs-) Industrie gegenüber einer möglichen Zunahme wegen des Deponieverbotes für brennbare Abfälle. Folgerichtig meinen die Experten, auf den Bau zusätzlicher Anlagen zur Kehrichtverbrennung solle zurzeit zu Gunsten einer besseren Auslastung der bestehenden Anlagen verzichtet werden.
Abgesehen vom fehlenden Bedarf ist auch der geplante Standort für die KVA Thun inmitten von Wohngebieten eine krasse Fehlplanung. Die Stadt Thun ist punkto Luftbelastung schon heute Massnahmenplangebiet, d.h. dass diesbezüglich alles unternommen werden müsste, um eine zusätzliche Luftbelastung zu vermeiden. Verursacher von Schadstoffbelastungen bei KVA sind einerseits die Rauchemissionen der Verbrennung, andererseits die Abgase des dadurch geschaffenen Mehrverkehrs.
Eine weitere ungelöste Frage beim Projekt KVA Thun ist die des Grundwassers. In einer rechtsgültigen Grundwasserschutzzone eine KVA zu bauen, ist zwar technisch nicht unmöglich, verteuert aber durch die zu treffenden Schutzmassnahmen gemäss Schutzzonenreglement den Bau und somit den Betrieb beträchtlich. Risiken und mögliche Unfälle sind nicht auszuschliessen. Das räumen selbst die KVA Projektanten ein.
Das Trinkwasser der Stadt Thun wird in unmittelbarer Nähe des geplanten KVA-Standorts in Flussrichtung abwärts gefasst. Die Folgen einer allfälligen Katastrophe würden sich verheerend auf die Trinkwasserversorgung der Region auswirken.
Die Kleine Allmend als Standort für die geplante Anlage liegt zwischen dem Wohnquartier Lerchenfeld (400m) und dem Stadtzentrum von Thun; die KVA befände sich unmittelbar neben Unterkünften des Waffenplatzareals: Der gewählte Standort ist punkto Schadstoffemissionsradius denkbar ungeeignet. Mediziner aus der Region Thun warnen vor der zusätzlichen Belastung mit Schwebestaub (PM 10), CO2, Dioxin und Schwermetallen, insbesondere auch unter der Berücksichtigung der ungünstigen meteorologischen und geographischen Verhältnisse des vorgesehenen Standortes.
Verluste im KVA Geschäft sind vorprogrammiert. Je schwächer die Verbrennungs-Anlagen ausgelastet sind, desto teurer werden die Entsorgungskosten. Das Spar- und Reduktionspotenzial im Abfallwesen ist heute insbesondere auch in der AVAG-Region bei weitem nicht genügend ausgeschöpft.
Es besteht keine Notwenigkeit zum Bau der KVA Thun; einmal mehr sollen behauptete Sachzwänge über den gesunden Menschenverstand dominieren. Kein Wunder, ist das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Projektanten bei der Bevölkerung geschwunden.
Eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Lösung beinhaltet zwingend eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Die überstürzte Planung für die KVA Thun zielt nicht auf eine Verminderung des Kehrichts ab, sondern einseitig auf die Zementierung des Ist- Zustandes.
In autoritärer Manier soll in Thun unter Vermeidung jeglicher öffentlichen Diskussion ein Prestigeprojekt durchexerziert werden, dessen Resultat (wie auch immer es ausfallen wird) am Ende mit öffentlichen Mitteln berappt werden muss.
|05.01.2001|