Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03633.jsonl.gz/1322

In Brunnen ist die Föhnenwache auferstanden. Das Interesse an den neuen Führungen war gross.
Gestern und am Mittwoch ist in Brunnen die Föhnenwache auferstanden. Der pensionierte Journalist Josias Clavadetscher führte eine Schar von über 30 Personen in die Vergangenheit von Brunner Unglücken und Verbrechen und von Dorforiginalen. Als Clavadetscher, verkleidet als Föhnenwächter, mit seinen Zuhörern an der «Kleinstadt» vorbeikam, fragte ein Gast, der vor dem Restaurant sass: «Wie geht das nun mit den Dorforiginalen?» Der Gast gab die Antwort gleich selbst: «Das Original läuft voraus.»
Durch den Ortskern
Von der Bundeskapelle gings in die Alte Gasse – früher die Hauptstrasse nach Schwyz – dann vorbei an der 14. Nothelfer Kapelle zur «Mostrose», zur «Helvetia» und schliesslich durch via «Kleinstadt» vor den «Waldstätterhof» an den See. Anfänglich erläuterte der Föhnenwächter, wie es zu seiner Zunft gekommen ist. Nämlich dass früher die Dörfer oft lichterloh brannten, 1719, 1759, 1764. Und wie daraufhin in Ibach eine Ziegelei gebaut wurde, damit durch den Einsatz von Ziegeln die Dächer nicht mehr so schnell entflammten. Oder wie am Ort der heutigen Ingenbohler Schule einst eine hochexplosive Fabrik stand, die Pulverstampfi, die dann auch selbst zweimal in die Luft flog.
Zwei interessante Stunden
In rund zwei Stunden liess der Föhnenwächter eindrücklich Bilder auferstehen, beschrieb diese mit Fakten, machte Querverweise und heimste manch einen Lacher ein. So zum Beispiel, als er von Dorforiginalen sprach, wie dem Severin Gwerder. Der in Brunnen wohnhafte Muotathaler gab sich gerne gross. Und als ein Verwandter Primiz feierte, liess er sich von einem Lateinkundigen ein Telegramm aufsetzen. Da Gwerder kein Latein verstand, wusste er nicht, was wirklich im Telegramm stand: «Ich bin ein Esel und gratuliere.»
Spannende Geschichten
Der Föhnenwächter verstand es, Geschichte, die er aus verschiedenen Quellen zitierte, mit Zeitungsartikeln und eigenem journalistischen Wissen zu vermengen. So kamen nebst Bränden, Explosionen und Zugunglücken auch das Wasser und deren Gefahren zur Sprache. Hochwasser war und ist in Brunnen ein Thema, 1584, 1624, 1639, 1640, 1651, 1680, 1730, 1762, 1764 und 1831 gab es Überschwemmungen. Die Hochwasser von 1910 und 2005 sind noch im kollektiven Gedächtnis. 1762 dauerte das Hochwasser 15 Tage lang, 1764 vier Wochen, «die Leute fuhren mit Schiffen von Brunnen nach Ibach». Nach 1910 wurde die Wuhrkorporation Muota/Starzeln gegründet – die Brunner wollten nicht mitmachen, es kam zu Rechtsverfahren, die bis vor das Gericht nach Lausanne führten. Schliesslich mussten die Brunner beitreten und bewältigten die Niederlage im Bartlispiel «Das Perimetergericht».
Dorforiginal»
Wilhelm Inderbitzin war ein Brunner Schneider, der als «Gflüged» in die Dorfgeschichte einging. «Gflüged» hat reich geheiratet, Europa bereist und ist dann verarmt. Als die Kleiderbügelfabrik an der Wegscheide in Muotathal, damals noch ein Hotel, versteigert wurde, machte «Gflüget» ein Angebot, um zu zeigen, dass er zu bieten vermag. Vermochte er aber nicht – nicht einmal die Anzahlung konnte er nach dem unerwarteten Zuschlag entrichten. Dorforiginale seien meist keine wohlhabenden Leute gewesen, wusste der Föhnenwächter zu berichten: «Randständige, oft auch kurios.» Künftig werden wohl in Brunnen auch die Föhnenwächter zu dieser Kategorie gezählt, oder wie der Gast vor der «Kleinstadt» sagte: «Das Original läuft voraus.»
Bote der Urschweiz / Andreas Seeholzer
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Dies & Das
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/fBaYqK