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Küstenseeschwalben, die jedes Jahr von Pol zu Pol und wieder zurück fliegen, sind möglicherweise in der Lage, gewisse Auswirkungen des Klimawandels, mit denen sie außerhalb der Brutzeit konfrontiert werden, zu kompensieren.
Von allen Tieren der Erde unternimmt die Küstenseeschwalbe die längste Reise und überfliegt auf ihren Wanderungen von der Arktis in die Antarktis und wieder zurück alle Klimazonen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind entlang ihrer gesamten Route spürbar, am stärksten jedoch in den arktischen Brut- und den antarktischen Überwinterungsgebieten.
Ein interdisziplinäres Forschungsteam wollte daher herausfinden, wie sich der Klimawandel auf die Küstenseeschwalben außerhalb der Brutsaison auswirkt. Unter Verwendung eines Modells und virtuellen Küstenseeschwalben untersuchten sie die Veränderungen der Primärproduktivität an den für Küstenseeschwalben entscheidenden Orten, der vorherrschenden Winde und des antarktischen Meereises. Die Studie, geleitet von der University of Exeter und dem britischen Met Office, der nationale meteorologische Dienst des Vereinigten Königreichs, wurde in der Fachzeitschrift Global Change Biology veröffentlicht.
Das Team kam zum Ergebnis, dass die Küstenseeschwalben in Bezug auf die untersuchten Faktoren nur minimale Auswirkungen spüren könnten, zumindest bis zum Ende des Jahrhunderts. Die Nahrungsverfügbarkeit wird sich im Nordatlantik aufgrund einer geringeren Primärproduktivität zwar verschlechtern, aber die Forschenden gehen davon aus, dass dies die Zugvögel eher weniger beeinträchtigt und sie auf andere Regionen ausweichen können.
Für andere für die Küstenseeschwalbe wichtige Regionen wie das Benguela-Auftriebsgebiet vor dem südlichen Afrika, den subpolaren Indischen Ozean sowie den Südlichen Ozean sagt das Modell ebenfalls nur sehr geringe Auswirkungen voraus.
Welchen Einfluss eine veränderte Ausdehnung des antarktischen Meereises hat, das die Küstenseeschwalben während ihrer Mauser zum Ausruhen nutzen, ist noch ungewiss. Die Autoren der Studie befürchten jedoch, dass Antarktischer Krill — eine wichtige Nahrungsressource für die Vögel — wegen des wahrscheinlichen Meereisrückgangs bis 2100 stark abnehmen wird, mit erheblichen Auswirkungen für die globale Population der Küstenseeschwalben.
Hinsichtlich vorherrschender Winde sieht das Team ebenfalls nur «minimale Auswirkungen», solange die Änderungen klein sind. Über dem Südlichen Ozean könnte es jedoch zu stärkeren Winden kommen, was die Vögel dazu zwingen könnte, ihre Flugrouten zu ändern.
«Unsere Ergebnisse deuten zwar darauf hin, dass diese Art widerstandsfähig ist, aber das ist nur ein Teil eines größeren Bildes für Küstenseeschwalben und viele andere Arten», sagt Dr. Joanne Morten, Wissenschaftlerin an der University of Exeter und Erstautorin der Studie, in einer Pressemitteilung der Universität. «Küstenseeschwalben sind auf produktive Ozeane als Nahrungsquelle, auf Meereis als Rast- und Futterplatz und auf vorherrschende Winde während des Fluges angewiesen.»
Welche kumulativen Effekte die Veränderungen der untersuchten und weiteren Faktoren haben werden, ist der Studie zufolge noch nicht abzusehen. Aktuelle Studien berichten, dass die Größe einiger Brutkolonien bereits geringer wird und auch der Bruterfolg abnimmt. Mehrere kleinere Auswirkungen könnten den langlebigen Vögeln (bis zu 34 Jahre) so dennoch schaden.
Wie viele andere Arten, die in den hohen Breiten leben und/oder brüten, haben Küstenseeschwalben kaum die Möglichkeit, ihre Brutplätze weiter nach Norden zu verlagern, um den für sie günstigen Bedingungen zu folgen. Das Forschungsteam fordert angesichts des fortschreitenden Klimawandels daher «drastische Änderungen bei den Emissionen und der Politik», damit Arten wie die Küstenseeschwalbe eine Chance haben, sich an die neuen Bedingungen anzupassen.
«Die Einhaltung der Kohlenstoffemissionsziele ist von entscheidender Bedeutung, um die für das Ende des Jahrhunderts prognostizierten klimatischen Veränderungen zu verlangsamen und das Aussterberisiko für alle Arten zu minimieren», so Dr. Morten.
Julia Hager, PolarJournal
Link zur Studie: Morten, J. M., Buchanan, P. J., Egevang, C. et al. (2023). Global warming and arctic terns: Estimating climate change impacts on the world’s longest migration. Global Change Biology, 00, 1– 19. https://doi.org/10.1111/gcb.16891