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(Bolívar, 1887)
- DE: Westliche Dornschrecke
- EN: Sand Groundhopper | Cepero's Groundhopper
- FR: Le Tétrix des vasières
- Syn.: Tetrix jarockii Bazyluk, 1962
Morphologie
Tetrix ceperoi gehört zu den kleinsten und zierlichsten Dornschrecken in Mitteleuropa. Die Grundfarbe ist vor allem bei den Weibchen sehr variabel und es treten neben grauen und braunen Farbtönen oft grüne und andere Farbvarianten auf. Die Männchen sind meistens schlichter einfarbig. Die Körperoberfläche ist runzelig und damit nicht so glatt wie bei Tetrix subulata. Das Halsschild reicht deutlich über den Hinterleib und die Hinterknie hinaus und wird von den Hinterflügeln um höchstens 1 mm überragt. Kurzdornige Formen sind bei Tetrix ceperoi sehr selten und bis anhin nur auf Mittelmeerinseln nachgewiesen. Typischerweise ist der Halsschild-Mittelkiel klingenartig erhöht. Von der Seite betrachtet überragt er die Seitenkiele bis zum Ende des Halsschilds. Besonders im vorderen Bereich ist das Halsschild stark erhöht, was ein gutes Unterscheidungsmerkmal zu Tetrix subulata ist. Von oben betrachtet ist der Kopfgipfel zwischen den Augen stumpf abgeschnitten (nur die Stirnrippe schaut hervor) und ist nicht vorspringend. Der Augenabstand ist an der engsten Stelle ungefähr so breit wie ein Auge. Bei Tetrix subulata ist dieser Abstand grösser.
Gesang
Bei den Männchen von Tetrix ceperoi konnten wir ein ähnliches Verhalten wie bei den Ödlandschrecken beobachten. Bei Kontakten mit anderen Männchen oder Weibchen bewegten sie die Hinterbeine lautlos auf und ab. Ob die Tiere vor der Paarung mit den Hinterbeinen auf den Boden trommeln, ist nicht bekannt.
Verbreitung
Die tatsächliche Verbreitung von Tetrix ceperoi hat sich aufgrund der Ähnlichkeit mit anderen Dornschrecken erst in den letzten Jahren gezeigt und es werden sicherlich weitere Fundorte dazukommen. Tetrix ceperoi ist von Spanien über ganz Frankreich, den Süden Englands, die Benelux-Staaten und Deutschland bis Osteuropa und auf der Balkanhalbinsel verbreitet. In der Schweiz beschränkt sich das Verbreitungsgebiet auf das Südufer des Neuenburgersees (Grande Cariçaie) und die Region Genf. In Deutschland sind Vorkommen entlang des Rheins, aus Ostdeutschland und auf den Ostfriesischen Inseln bekannt. In Österreich wurde die Art 2015 im Nordosten des Landes erstmals nachgewiesen. Es ist anzunehmen, dass Tetrix ceperoi weiter verbreitet ist, aber wegen den lokalen und kleinen Vorkommen oft übersehen wird. Besiedelt werden Habitate vorwiegend in tiefen Lagen und nur ausnahmsweise auf über 1000 m.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Tetrix ceperoi durchläuft pro Jahr zwei Generationen und überwintert als ausgewachsenes Tier. Im zeitigen Frühjahr pflanzt sich die erste Generation zwischen April und Mai fort. Die Eier werden an feuchten Bodenstellen abgelegt. Rund 10-20 Tage später schlüpfen die Larven, welche sich in 5 (Männchen) bzw. 6 (Weibchen) Stadien bis im August und September zu ausgewachsenen Tieren entwickeln. Die Tiere der zweiten Generation überwintern. Es ist anzunehmen, dass auch Larven in älteren Stadien überwintern können.
Lebensraum
Tetrix ceperoi ist wärme- und feuchtigkeitsliebend und bevorzugt Lebensräume in unmittelbarer Nähe von Seen, Fliessgewässern oder an der Küste. Es werden Feuchtwiesen mit vegetationslosen Stellen und dynamische Uferbereiche von Gewässern mit Kies- und Sandbänken besiedelt. Häufig hält sich die Art im Übergangsbereich zwischen Wasser und Land auf, wo ein sandig schlickiger Untergrund vorherrscht. Die Umgebung von Pioniergewässern, wie feuchten Fahrspuren oder -rinnen, die sich mit Wasser füllen, bilden ebenfalls geeignete Habitate für Tetrix ceperoi.
Gefährdung & Schutz
Die Lebensräume von Tetrix ceperoi sind in Mitteleuropa stark gefährdet. Der Fortbestand der Art ist vielerorts vom Zustand der Feuchtgebiete und Auen abhängig sowie von der Dynamik der Ufer der Fliessgewässer. Wie bei Tetrix tuerki, mit der Tetrix ceperoi in Auen gemeinsam vorkommen kann, gilt es, die natürliche Dynamik der Flusssysteme aufrecht zu erhalten. Am Südufer des Neuenburgersees dienen zum Beispiel Fördermassnahmen für die Gelbbauchunke auch Tetrix ceperoi. Indem neue Pioniergewässer mit vegetationsfreien Ufern ausgegraben werden, können wertvolle Flächen für Tetrix ceperoi geschaffen werden. Tetrix ceperoi kann neu geschaffene Lebensräume durch Abwanderung schnell besiedeln. In der vor kurzem renaturierten Ausgleichsfläche Krümmi bei Müntschemier (BE) war Tetrix ceperoi innert kürzester Zeit häufig.
- CH: EN (Stark gefährdet)
- DE: D (Ungenügende Datengrundlage)
- AT: NE (Nicht beurteilt)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Tetrix ceperoi wird oft mit Tetrix subulata verwechselt, diese ist aber grösser und kräftiger gebaut. Tetrix subulata konnten wir zudem noch nie mit grünlicher oder rötlicher Zeichnung sehen. Sie ist meist einheitlich grau bis braun. Die Ausprägung des Kopfgipfels ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal. Bei Tetrix subulata ist der Stirngipfel winklig nach vorn gezogen und der Augenabstand ist an der schmalsten Stelle ca. 1,5x so breit wie ein Auge. Bei Tetrix ceperoi ist der Stirngipfel nicht winklig nach vorne gezogen, sondern stumpf abgeschnitten und der Augenabstand ist an der engsten Stelle nur ca. 1-1,25x so breit wie ein Auge. Bei Tetrix subulata ist der Halsschild-Mittelkiel weniger klingenartig erhöht, wodurch das Halsschild flacher wirkt. Langdornige Individuen von Tetrix undulata erinnern von der Seite betrachtet stark an Tetrix ceperoi. Auch bei Tetrix undulata ist der Kopfgipfel von oben betrachtet winklig nach vorn gezogen. Die Form der Vorderflügel ist bei Tetrix ceperoi eher oval und deutlich höher als bei den schmalen Vorderflügeln von Tetrix undulata. In Südeuropa ist bei der Bestimmung von Tetrix ceperoi unbedingt auch auf die beiden Arten Tetrix bolivari und Paratettix meridionalis zu achten.