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Festzuhalten ist, dass es das Recht und die Chance jedes Teils der Gesellschaft, vornehmlich der jungen Generation, ist, immer wieder gesellschaftliche Vereinbarungen in Frage zu stellen, insbesondere eine Verschiebung der Gewichte von individuellen und gesamtgesellschaftlichen Ansprüchen zu versuchen. Zu diskutieren sind auf jeden Fall die Veränderungsansprüche – gerade in einer Demokratie gehört zwingend auch der Veränderungsstil. Auch wenn die Fernsehbilder im Frühling und Sommer die Gewalt etwa in Nordafrika geradezu zelebriert haben, gehört Gewalt (und das beginnt bereits bei der Wortwahl der Eskalation – “Rache” hat keinerlei Platz in einer rechtsstaatlichen Demokratie!).
Kaum zufällig ist im Tagesanzeiger vom 12. September 2011 gleichzeitig mit den Berichten und Kommentaren über die Bellevue-Nacht vom 10. auf den 11. September 2011 ein Beitrag von Jeffrey D. Sachs, Professor für Ökonomie an der Columbia-Universität, New York unter dem Titel “Uns fehlt eine Politik des Glücks” abgedruckt. Einige wortwörtliche Zitate aus diesem elektronisch nicht verfügbaren Text:
Wirtschaftlicher Fortschritt macht dort glücklich, wo Armut herrscht.
Glück entsteht durch eine Lebensbalance.
Gewinne von Unternehmen [beherrschen] alle anderen Aspirationen: Fairness, Gerechtigkeit, Gesundheit, Umwelt und Demokratie.
Umweltschäden, Klimawandel, Finanzkrise, die zunehmende Undurchschaubarkeit der Zusammenhänge – all das schwächt das soziale Vertrauen und die mentale Stabilität.
Es wird wenig ausgegeben, um die Ursachen für eine schwache Gesundheit, ein abnehmendes gesellschaftliches Vertrauen und die Umweltzerstörung zu benennen.
Für das soziale Vertrauen sind unerlässlich: Umweltverträglichkeit, die Werte Mitgefühl und Entwicklung.
Glück entsteht durch eine Lebensbalance.
Gewinne von Unternehmen [beherrschen] alle anderen Aspirationen: Fairness, Gerechtigkeit, Gesundheit, Umwelt und Demokratie.
Umweltschäden, Klimawandel, Finanzkrise, die zunehmende Undurchschaubarkeit der Zusammenhänge – all das schwächt das soziale Vertrauen und die mentale Stabilität.
Es wird wenig ausgegeben, um die Ursachen für eine schwache Gesundheit, ein abnehmendes gesellschaftliches Vertrauen und die Umweltzerstörung zu benennen.
Für das soziale Vertrauen sind unerlässlich: Umweltverträglichkeit, die Werte Mitgefühl und Entwicklung.
Dazu passt, dass Bastien Girod am gleichen Tag bekannt geben kann, dass der Bundesrat Bastiens Postulat “Glücks- statt Konsummaximierung” annimmt.
Wir können davon ausgehen, dass Armut im Sinne der Ausführungen Jeffrey D. Sachs in Zürich nicht besteht, allenfalls eine gewisse Knappheit der Mittel. Die “unerschwinglichen Veranstaltungsorte” haben auch genau deshalb ihren Preis. Oder anders: weil im Moment das Gewicht der Interessenabwägung insbesondere auf städtischer Ebene tendenziell leicht auf Seiten der Allgemeinheit liegt, kann davon ausgegangen werden, dass für die Benutzung der Veranstaltungsorte die vollen Kosten bezahlt werden müssen – z.B. Lärmschutz, sanitäre Einrichtungen, Mindestlöhne, lebensmittelrechtliche Vorgaben – selbstverständlich auch eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Risikokapitals (wobei “angemessen” am ehesten zu diskutieren geben dürfte ), Gagen der Live- und KonservenkünstlerInnen und so weiter und so fort, beispielsweise auch die Amortisation für Sound- und Lichtanlagen. Und es ist so: wahre Kosten wirken auf den ersten Blick unangemessen – und man sucht darum andere Möglichkeiten! Eine illegale Party kann den Nachweis der Deckung der wahren Kosten kaum erbringen.
Wenn ich mir Gedanken mache über die Aspekte, die Glück über “genügend Geld” hinaus ausmachen, gibt es eine ganze Reihe von Fragezeichen.
Fairness? Fairer Handel ist nach wie vor ein Nischenprodukt. Auch die miserablen Arbeitsbedingungen der ArbeiterInnen, die Apple- und weitere Produkte zusammenbauen für den Weltmarkt, sind bestens dokumentiert – Verbesserungen nicht erkennbar! Gerechte Löhne und gesunde Arbeitsbedingungen gehören ebenfalls nicht zu Anstellungsbedingungen dieser Industrien im Fernen Osten.
Gesundheit: genug Geld ist keine Gewähr für eine gesunde Lebensweise – zu viel Körpergewicht, ein unausgewogener Mix der Lebensmittel mit zu viel Fett und zu viel Zucker, … – und noch immer ist unsere Ernährung nicht an die aktuellen Bewegungsmuster, zum Beispiel am Computerarbeitsplatz, ausgerichtet.
Umwelt: Zumindest die ökologischen Grossfussgesellschaften – die Schweiz gehört dazu – sind alles andere als nachhaltig. Die SchweizerInnen leben im Mittel zu Lasten anderer Weltgegenden und nachfolgender Generationen!
Demokratie: Die $VP gilt zwar als politische Partei, ist aber nicht wirklich eine demokratische Kraft, sondern das Agitationsinstrument einer Milliardären-Oligarchie um Alt-Nationalrat Blocher und Co. Eine Offenlegung der Parteien-Finanzierung ist nicht in Sicht.
Undurchschaubarkeit: auch wenn die aktuelle Gesellschaft sich als Informationsgesellschaft bezeichnet, bleiben die Abläufe dieser Welt komplex, die Stellschrauben für eine Veränderung sind nicht erkennbar. Als ein Beispiel: der Mensch gemachte Klimawandel gilt zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit als nachgewiesen – die verbleibende Restunsicherheit wird von demagogischen und manipulativen Kräften zur allgemeinen Verunsicherung der Gesellschaft missbraucht.
Objektiverweise dienen nur schon die Benennung der Defizite der Glücksvoraussetzungen und die daraus resultierenden Sisyphos-Bemühungen zur Veränderung als Rechtfertigung einer rot-grünen Mehrheit in Politik und Gesellschaft der Stadt Zürich – das indirekte Ja der Stimmberechtigten zur Städte-Initiative am 4. September 2011 bestätigt einmal mehr das Glücksdefizit der Mehrheit der Stimmberechtigten. In aller Offenheit: es erscheint derzeit unmöglich, hier entscheidendes zu verändern, auch wenn derzeit noch Zweckoptimismus vorherrscht. Wird dies von der Jugend als Frustration erkannt? Und führt dies dazu, dass die mit diesen Aktivitäten verbunden Anstrengungen zur Verbesserung der Glückssituation als sinnlos un nicht erstrebenswert eingeschätzt werden? Ist aus dieser Sicht der Protest gegen die unerschwinglichen Veranstaltungsorte ein Hinweis darauf, dass Teile der Gesellschaft sich von der wirtschaftlichen Entwicklung ausgeschlossen fühlen – oder allenfalls als HedonistInnen trotz allem dem unbegrenzten Konsum frönen wollen? Zum Beispiel, weil das Glück als nicht erreichbar eingeschätzt wird?