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Als Dünndarmtumor bezeichnet man sowohl gutartige Geschwulste (Dünndarmpolypen) als auch bösartige Geschwulste (Dünndarmkrebs), die sich im etwa vier bis sieben Meter langen Dünndarm entwickeln. Die allermeisten Dünndarmtumoren sind gutartig.
Weshalb ein Dünndarmtumor entsteht, ist bisher nicht vollständig bekannt. Es gibt jedoch einige Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Tumoren im Dünndarm verbunden sind: zum Beispiel Morbus Crohn (eine chronisch entzündliche Darmerkrankung) oder bestimmte Erbkrankheiten (familiäre Polyposis-Syndrome, Peutz-Jeghers-Syndrom). Auch Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr – wie bei einer HIV-Infektion oder nach einer Organtransplantation – haben häufiger Dünndarmtumoren.
Entsteht ein Dünndarmtumor, läuft dies zunächst ohne typische Symptome ab, die frühzeitig auf einen Tumor hinweisen. In der Regel verursacht ein Dünndarmtumor erst mit zunehmender Grösse Beschwerden wie Blutungen, Bauchschmerzen und Übelkeit auf. Daher erfolgt die Diagnose oft spät.
Jeder Dünndarmtumor – egal ob Dünndarmpolyp oder Dünndarmkrebs – kann jedoch im Extremfall einen Darmverschluss (Ileus) auslösen, der lebensbedrohlich ist und eine sofortige Operation nötig macht. Typische Symptome für einen Darmverschluss durch einen Tumor im Dünndarm sind:
Bei einem Dünndarmtumor besteht die Behandlung vorrangig darin, den Tumor operativ zu entfernen. Dies gilt auch für einen gutartigen Dünndarmtumor, denn: Dünndarmpolypen können im Dünndarm Blutungen verursachen oder den Darm einengen. Wenn sich ein bösartiger Tumor im Dünndarm für eine operative Entfernung schon zu stark ausgebreitet hat, besteht die Möglichkeit, ihn vor einer Operation mit einer kombinierten Strahlenchemotherapie zu verkleinern. Bei einer bestimmten Form von Dünndarmkrebs, dem Dünndarmlymphom, reicht auch eine alleinige Strahlenchemotherapie als Therapie aus.
Da jeder Dünndarmtumor ständig an Grösse zunimmt, hängt der Verlauf stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Ein gutartiger Polyp im Dünndarm verläuft meist günstig. Bei Dünndarmkrebs ist die Prognose jedoch weniger gut. Dennoch ist die Lebenserwartung bei etwa der Hälfte der Betroffenen ab dem Zeitpunkt der Diagnose höher als fünf Jahre.
Ein Dünndarmtumor ist eine Geschwulst im zu den Verdauungsorganen zählenden Dünndarm. Zu den Dünndarmtumoren zählen:
Ein Dünndarmtumor kann sich grundsätzlich in jedem Abschnitt des Dünndarms entwickeln. Der Dünndarm befindet sich im unteren Bauchraum. In seiner Anatomie unterscheidet man drei aufeinanderfolgende Abschnitte:
Der erste Dünndarmabschnitt, der Zwölffingerdarm, schliesst sich unmittelbar an den Magen an. Er ist etwa 30 Zentimeter lang. Der bösartige Dünndarmtumor tritt in seiner häufigsten Form überwiegend im Zwölffingerdarm auf.
Leerdarm und Krummdarm sind zusammen etwa 4 bis 7 Meter lang, wobei etwa zwei Fünftel zum Leerdarm und drei Fünftel zum Krummdarm zählen. Dort, wo der Krummdarm in den Dickdarm übergeht, befindet sich eine Klappe, die den Rückstrom von Dickdarminhalt in den Dünndarm verhindert. Die gesamte Dünndarmschleimhaut ist mit kleinsten Zotten besetzt, um eine möglichst grosse Oberfläche für die Resorption (die Aufnahme der mit der Nahrung aufgenommenen und im Dünndarm verdauten Stoffe ins Blut) zu erreichen. Ein gutartiger Dünndarmtumor entwickelt sich meist im Krummdarm.
Obwohl der Dünndarm recht lang ist und seine Schleimhaut eine grosse Oberfläche aufweist, entwickelt sich nur selten ein bösartiger Dünndarmtumor (Dünndarmkrebs). Gutartige Dünndarmtumoren (Dünndarmpolypen) weisen eine deutlich grössere Häufigkeit auf als bösartige.
Ein bösartiger Dünndarmtumor zeigt auch im Vergleich zu anderen Tumoren des Verdauungstrakts eine geringe Häufigkeit: Nur vier Prozent aller Darmtumoren treten im Dünndarm auf, die übrigen betreffen den Dickdarm sowie den Enddarm. Und nur etwa fünf Prozent aller bösartigen Tumoren des gesamten Magen-Darm-Trakts entfallen auf den Dünndarm.
Ein gutartiger (benigner) Dünndarmtumor, auch als Dünndarmpolyp bezeichnet, ist wesentlich häufiger als bösartige Dünndarmtumoren (Dünndarmkrebs). Dünndarmpolypen können aus unterschiedlichen in der Dünndarmwand vorkommenden Geweben entstehen – einzeln oder auch in grosser Zahl.
Gutartig ist ein Dünndarmtumor, der weder in benachbartes Gewebe einwächst und dieses zerstört noch Tochtergeschwulste (Metastasen) in anderen Organen bildet. Dennoch kann ein gutartiger Dünndarmtumor durch sein Wachstum zu gesundheitlichen Problemen führen, wenn er benachbarte Organe einengen oder Hohlorgane wie den Darm durch seine Grösse verstopft. Zudem besteht die Möglichkeit, dass sich zunächst gutartige Dünndarmpolypen im Dünndarm im Verlauf bösartig entwickeln.
Ein bösartiger (maligner) Dünndarmtumor, auch als Dünndarmkrebs bezeichnet, ist äusserst selten. Hierbei ist zwischen folgenden Tumoren zu unterscheiden:
Ein primärer bösartiger Dünndarmtumor kann aus den verschiedenen in der Darmwand vorkommenden Geweben entstehen:
Worin ein Dünndarmtumor seine Ursachen hat, ist nicht vollständig bekannt. Die Tatsache, dass Tumoren im Dünndarm wesentlich seltener sind als Dickdarmtumoren, lässt sich mit der im Dünndarm kürzeren Passagezeit erklären: Die mit der Nahrung aufgenommenen unverdaulichen Stoffe bleiben nicht so lange im Dünndarm wie im Dickdarm. Dadurch kommen mögliche schädigende Substanzen, wie beispielsweise Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder andere Chemikalien, nur kurzfristig mit der Dünndarmschleimhaut in Kontakt und richten so weniger Schaden an.
Daneben gibt es verschiedene Faktoren, die das Auftreten von Dünndarmtumoren begünstigen können. So sind bestimmte Erkrankungen des Dünndarms bekannte Ursachen für ein erhöhtes Risiko, einen bösartigen Dünndarmtumor (Dünndarmkrebs) zu entwickeln: Dazu gehören der Morbus Crohn (eine chronisch entzündliche Darmerkrankung) sowie das Peutz-Jeghers-Syndrom. Beim erblich bedingten Peutz-Jeghers-Syndrom treten in Dünndarm und Dickdarm vielfach Tumoren auf, die zunächst gutartig sind (sog. Darmpolypen), sich aber zu bösartigen Tumoren entwickeln können. Zusätzlich entstehen im Bereich der Lippen und der Mundschleimhaut auffällige Pigmentflecken.
Auch bei einigen anderen Erbkrankheiten kommt es gehäuft zu Dünndarmpolypen, die entarten können (familiäre Polyposis-Syndrome). Ausserdem kommen als Ursachen Faktoren infrage, die das Immunsystem schwächen: So haben Menschen mit einer HIV-Infektion oder nach einer Organtransplantation ein höheres Risiko, einen Dünndarmtumor zu entwickeln.
Ein Dünndarmtumor äussert sich zunächst – wenn überhaupt – durch wenig kennzeichnende Symptome:
Bei jedem Dünndarmtumor – sowohl bei Dünndarmpolypen als auch bei Dünndarmkrebs – kann es im Extremfall zu einem Darmverschluss (Ileus) kommen, der sofort operativ zu beheben ist. Typische Symptome für einen Darmverschluss durch einen Dünndarmtumor sind:
Verursacht ein Dünndarmtumor einen Darmverschluss in einem höher gelegenen Abschnitt des Dünndarms, können die letzten drei Symptome des fehlen.
Bei einem Dünndarmtumor erfolgt die Diagnose aufgrund der anfangs wenig kennzeichnenden Symptome oft spät. Geeignete Untersuchungsmethoden zum Nachweis von Dünndarmtumoren sind:
Bei schlanken Menschen ist es manchmal möglich, einen grossen Dünndarmtumor durch die Bauchdecke zu ertasten. Die beste Methode zur Diagnose von Dünndarmtumoren ist jedoch die Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel: Hierbei gelangt das für Röntgenstrahlung undurchlässige Kontrastmittel über einen dünnen Schlauch, den der Arzt über den Mund und die Speiseröhre führt, direkt in den ersten Dünndarmabschnitt, den Zwölffingerdarm. Auf dem entstehenden Röntgenbild sind Tumoren dann sichtbar.
Zur Dünndarmtumor-Diagnose können auch weitere Untersuchungen beitragen:
Da der Dünndarm in vielfältigen Schlingen auf kleinstem Raum in der Bauchhöhle aufgeknäuelt liegt, eignen sich die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) zur Diagnose von Dünndarmtumoren weniger. Sie kommen erst zum Einsatz, wenn der Arzt überprüfen möchte, ob ein bösartiger Dünndarmtumor Tochtergeschwulste in anderen Organen gebildet hat.
Die bei einem Dünndarmtumor eingesetzte Therapie hängt davon ab, welche Form von Tumor vorliegt:
Auch ein gutartiger Dünndarmtumor (Dünndarmpolyp) kann eine Therapie erforderlich machen: Dünndarmpolypen können Blutungen verursachen oder den Darm einengen. Dann ist es ratsam, sie operativ zu entfernen. Neben der offenen Operation kann auch eine minimal-invasive Behandlung mithilfe der sogenannten Push-and-Pull-Enteroskopie in Doppelballontechnik (DBE) zum Einsatz kommen: Über das hierbei verwendete spezielle Endoskop kann der Arzt durch Dünndarmpolypen verursachte Blutungen stillen, die Lage der Tumoren im Dünndarm genau bestimmen und sie für eine nachfolgende Operation markieren oder sogar direkt entfernen. Wenn der Verdacht besteht, dass sich ein zunächst gutartiger Dünndarmtumor bösartig entwickelt (sog. Entartung), kann der Arzt darüber hinaus mit dem Endoskop Biopsien von dem verdächtigen Bereich entnehmen.
Bei einem bösartigen Dünndarmtumor (Dünndarmkrebs) kommen zur Therapie eine Operation sowie Strahlentherapie und Chemotherapie in Betracht. Es empfiehlt sich, den Dünndarmtumor chirurgisch zu entfernen, indem der Operateur den gesamten tumortragenden Darmabschnitt mit einem Sicherheitsabstand von mehreren Zentimetern beseitigt.
Bei einem ausgedehnten Dünndarmkrebs, der sich operativ nicht entfernen lässt, kann eine kombinierte Strahlenchemotherapie zu Einsatz kommen, um den Dünndarmtumor so weit zu verkleinern, dass eine Operation möglich ist (sog. neoadjuvante Therapie).
Ein Dünndarmlymphom (= aus Lymphgewebe entstandener bösartiger Dünndarmtumor) lässt sich auch mit einer alleinigen Strahlenchemotherapie behandeln. Die Operation ist bei dieser Form von Dünndarmkrebs für die Therapie von untergeordneter Bedeutung.
Eine alleinige Strahlentherapie kann ein Dünndarmkarzinom (aus der Schleimhaut entstandener Dünndarmkrebs), ein Sarkom (aus Muskel- und Bindegewebe entstandener Dünndarmtumor) und ein Dünndarmkarzinoid (aus bestimmten hormonbildenden Zellen entstandener Dünndarmkrebs) des Dünndarms nicht heilen, denn: Die Strahlendosis, die zur Therapie notwendig wäre, um diese bösartigen Dünndarmtumor-Formen zu zerstören, würde auch das umliegende, gesunde Dünndarmgewebe zerstören.
Da ein Dünndarmtumor, egal ob gutartig oder bösartig, ständig an Grösse zunimmt, hängt der Verlauf stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab.
Ein Dünndarmtumor fällt häufig erst dann auf, wenn es im Verlauf seines Wachstums zu Komplikationen kommt. Sämtliche dieser Komplikationen sind Notfälle, die eine Behandlung im Spital und eine sofortige Operation notwendig machen. Zu den möglichen Komplikationen bei einem Dünndarmtumor gehören der Darmverschluss (Ileus), Blutungen und der Durchbruch des Tumors durch die Darmwand (Perforation) mit nachfolgender Bauchfellentzündung (Peritonitis).
Ein bösartiger Dünndarmtumor (Dünndarmkrebs) bleibt häufig nicht auf die einzelne Darmwand beschränkt, sondern wächst im weiteren Verlauf in die unmittelbar benachbarten Dünndarmschlingen ein. Dabei bilden sich Verwachsungen, sogenannte Konglomerattumoren.
Häufig breitet sich ein bösartiger Dünndarmtumor auf Lymphknoten in der Umgebung aus (Metastasierung). Auch in anderen Organen, besonders in der Lunge und in den Knochen, können im Verlauf von Dünndarmkrebs Tochtergeschwulste (Metastasen) auftreten und dort Tumorschmerzen bereiten. Des Weiteren ist es möglich, dass sich der Dünndarmkrebs innerhalb des Bauchfells ausbreitet (Perintonealkarzinose). Dabei kann es zu teilweise erheblichen Wasseransammlungen im Bauchraum kommen (Aszites).
Ein gutartiger Dünndarmtumor (Dünndarmpolyp) nimmt trotz häufig später Diagnose einen recht günstigen Verlauf; bei einem bösartigen Dünndarmtumor (Dünndarmkrebs) ist die Prognose jedoch ungünstiger: Die Heilungschancen sind nicht hoch. Dennoch liegt die 5-Jahres-Überlebensrate aller Menschen mit bösartigen Dünndarmtumoren bei etwa 50 Prozent.
Bei einem kleinen Dünndarmtumor, der auf die Darmwand begrenzt ist und sich vollständig entfernen lässt, ist die Prognose deutlich besser: Hier liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei etwa 70 Prozent.
Ein bösartiger Dünndarmtumor erfordert trotz erfolgreicher Behandlung im weiteren Verlauf eine gründliche Nachsorge: Nur durch in regelmässigen Abständen stattfindende Nachuntersuchungen gelingt es, ein mögliches Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) rechtzeitig zu entdecken.
Zusätzlich kann bei einem Dünndarmtumor nach der Therapie im Spital ein Aufenthalt in einem spezialisierten Rehabilitationszentrum sinnvoll sein. Das Ziel der Rehabilitation besteht darin, die Lebensqualität der Betroffenen zu sichern und zu verbessern. Ob ein Reha-Aufenthalt nach der Entfernung eines Dünndarmtumors notwendig ist, ist jeweils im Einzelfall zu entscheiden und hängt von der Art und dem Ausmass der Operation ab.
Es sind keine Massnahmen bekannt, mit denen Sie einem Dünndarmtumor vorbeugen könnten. Den gesamten Dünndarm prophylaktisch zu entfernen, wenn Sie eine Erkrankung mit erhöhtem Risiko für bösartige Dünndarmtumoren (Dünndarmkrebs) haben (z.B. Morbus Crohn oder Peutz-Jeghers-Syndrom), ist nicht möglich, denn: Der Dünndarm ist für die Aufnahme der Nährstoffe aus dem Darm (Resorption) unverzichtbar.