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Bis vor 5900 Jahren waren die Alpengipfel auf 3000 bis 4000 Meter wahrscheinlich eisfrei, wie Forschende mit Beteiligung des PSI und der Uni Bern anhand von Eisbohrkernen herausgefunden haben. Nur die allerhöchsten Gipfel wiesen damals demnach eine Eiskappe auf.
Das Holozän ist die seit mehr als 11’000 Jahren andauernde warmzeitliche Klimaepoche der Nacheiszeit, die bis heute andauert. Obwohl das Zeitalter als relativ stabil in der Erdgeschichte gilt, wechselten sich dennoch kältere und wärmere Perioden regional immer wieder ab.
Um die Eisbedeckung während dieses Zeitalters in den Alpen zu bestimmen, zog das Forschungsteam aus der Schweiz, Österreich und Italien zwei Eiskerne auf dem Gipfel der 3518 Meter hohen Weissseespitze in den Ötztaler Alpen. Die Stelle der Probennahme liegt bloss zwölf Kilometer vom Fundort der mumifizierten Eisleiche Ötzi entfernt, deren Alter auf etwa 5300 Jahre datiert wurde.
Mithilfe von Radiokarbondatierungen fand das Team heraus, dass das älteste Eis der Weissseespitze, das in elf Metern Tiefe am Felsen festgefroren ist, rund 5900 Jahre alt ist. Demnach waren die Gipfel zwischen 3000 und 4000 Metern Höhe während des Mittelholozäns eisfrei oder von deutlich kleineren Gletschern als heute bedeckt, wie die Forschenden im Fachmagazin «Scientific Reports» berichten. Nur die allerhöchsten Gipfel wiesen während der gesamten Klimaepoche eine Eiskappe auf. Erst später – um die Lebenszeit von Ötzi – begannen sich auch in tieferen Lagen wieder grosse Gletscher zu bilden.
Indessen droht das wertvolle Klimaarchiv auf der Weissseespitze gemäss den Autoren verloren zu gehen. Der Klimawandel könnte den jahrtausendealten Gletscher in den nächsten zwei Jahrzehnten schmelzen lassen. (aeg/sda)