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Im Zuge der Recherchen zu dieser Ausgabe haben wir unseren Bern-Korrespondenten in die Gassen der Altstadt geschickt, um Passanten spontan nach dem Bundesrat mit dem grössten Charisma zu befragen.
Dass wir bis heute aus Bern keine Ergebnisse erhalten haben, dürfte in diesem besonderen Fall weniger an der sprichwörtlichen Langsamkeit liegen als an der Tatsache, dass Charisma hierzulande generell unterhab des messbaren Bereichs liegt. Im Gegenteil: Bei mindestens zwei amtierenden FDP-Bundesräten (die hier aus Diskretionsgründen namentlich nicht erwähnt sind) würde sich die Messnadel förmlich in den Minusbereich verbiegen - vorausgesetzt, es würde überhaupt ein solcher Detektor in der Logik eines Geigerzählers existieren.
Wer die Frage nach charismatischen Persönlichkeiten stellt, kriegt deshalb ausschliesslich Weltberühmtheiten zu hören: John F. Kennedy, Marilyn Monroe, Lady Diana, Kurt Cobain, James Dean, Adolf Hitler. Je nach Jahrgang werden Sie jetzt den einen oder anderen Namen nicht kennen. Allen Genannten gemeinsam ist aber ein todsicherer Charismatiker-Trick: Scheiden Sie früh genug aus dem Leben, so dass dem kollektiven Gedächtnis nur die Erinnerung an die Blütezeit Ihres Lebens bleibt.
Wer den Zeitpunkt zum richtigen Ausstieg verpasst, hat bereits verloren. Vermeiden Sie besonders folgende Fehltritte: Heiraten Sie als Kabarettist keine Grossnichte aus rein steuertechnischen Gründen. Schreiben Sie als Nobelpreisträger keine peinlichen Gedichte, die gar keine sind. Nehmen Sie als französischer Schauspieler nie den russischen Pass an mit dem Verweis auf die «tolle Demokratie». Und predigen Sie als erster schwarzer Präsident einer Supermacht nie den Wandel und verwandeln sich dann in eine lahme Ente.