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Das Wichtigste in Kürze
- Pierre Maudet steht wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung vor Gericht.
- Im Zentrum der Verhandlung steht eine Luxus-Reise nach Abu Dhabi im Jahr 2015.
- Wann das Urteil gefällt wird, ist noch nicht bekannt.
Der frühere Genfer FDP-Staatsrat Pierre Maudet und vier Mitangeklagte müssen sich seit Montag vor dem Genfer Polizeigericht verantworten. Der Vorwurf lautet Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung. Im Fokus der Verhandlung steht eine Luxus-Reise nach Abu Dhabi im Jahr 2015.
Der Prozess erregt grosses Medieninteresse. Er findet im grössten Saal des Justizgebäudes statt, unter Einhaltung der durch die Corona-Pandemie erforderlichen Hygienevorschriften.
Luxus-Reise kostete über 50'000 Franken
Die Gerichtsverhandlung dreht sich um eine Luxus-Reise, die der Magistrat 2015 in Begleitung seiner Familie unternommen hatte. Auch sein ehemaliger Stabschef war dabei. Die Rechnung in Höhe von mehreren Zehntausend Franken wurde vom Kronprinzen des Emirats, Scheich Mohamed Bin Zayed bin Al-Nahyan, beglichen.
Ein Firmenchef und ein Unternehmer, beide Freunde des Staatsrats, die Beziehungen vor Ort haben, bereiteten die Reise vor. Angeklagt sind sie wegen Vorteilsgewährung.
Die beiden Männer sind auch angeklagt, weil sie mit 34'000 Franken eine Umfrage über die Anliegen der Genfer Bevölkerung finanzierten. Diese sollte dem Interessen des Staatsrats dienen. In diesem Zusammenhang ist auch Maudet angeklagt, weil er diese Finanzierung genehmigte.
Wegen Vorteilsannahme angeklagt
Als Mitglied einer Behörde sowohl bezüglich der Reise nach Abu Dhabi als auch betreffend dieser Umfrage hat Maudet Vorteile angenommen. Dieser Ansicht ist die Staatsanwaltschaft. Dabei habe er das Risiko in Kauf genommen, dass ihm diese Vorteile mit dem Ziel gewährt werden. Dies, um ihn bei der Ausübung seiner dienstlichen Pflichten zu beeinflussen.
Am Montag ging es zunächst um einen Nebenaspekt des Falles: Um die Bewilligung für eine Bar, in die einer der Angeklagten investiert hatte. Patrick Baud-Lavigne ist der frühere Stabschef von Maudet. Er wird beschuldigte, dem damaligen Leiter der Genfer Handelsaufsicht die Erteilung der Betriebsgenehmigung für die «L'Escobar» empfohlen zu haben. Dies trotz unvollständiger Akte.
«Ich bin enttäuscht, instrumentalisiert worden zu sein», sagte der frühere Leiter der Handelsaufsicht, der wegen Amtsmissbrauchs strafrechtlich verfolgt wird. Er habe Baud-Lavignes Bitte, den Fall L'Escobar zu priorisieren, als einen Befehl von oben interpretiert.
Pierre Maudet hat über Finanzierung gelogen
Die Affäre Maudet hat einen Skandal ausgelöst, der das politische Leben in Genf seit fast drei Jahren belastet. Der ehemalige Polit-Superstar hatte zunächst über die Finanzierung seines Aufenthalts in den Emiraten gelogen. Erst später hat er gestanden und bedauert. Er verlor mit dem Fortschreiten der gerichtlichen Untersuchung an Vertrauen und Unterstützung - bei Amtskollegen, Parteigenossen und der Bevölkerung.
Heute steht Maudet ohne Partei da, die FDP hat ihn aus ihren Reihen ausgeschlossen. Und ohne Departement: Er wurde von seinen Kollegen in der Exekutive entmachtet und schrittweise fast aller Kompetenzen enthoben.
In diesem Prozess steht für Maudet viel auf dem Spiel. Für ein mögliches politisches Überleben des einstigen Hoffnungsträgers des Freisinns wird der Ausgang der Verhandlung wohl Konsequenzen haben. Es gibt aber auch Beobachter, die sagen, dass es keine so grosse Rolle spiele, da Maudets Ruf sowieso ruiniert sei.
Prozess dauert mehrere Tage
Der Staatsrat hatte im Oktober seinen Rücktritt aus der Regierung angekündigt. Am 7. März tritt Maudet bei der Ersatzwahl als Kandidat für seine eigene Nachfolge an. Bis dahin wird das Polizeigericht wahrscheinlich sein Urteil gefällt haben.
Der Prozess dauert voraussichtlich die ganze Woche. Wann das Urteil gefällt wird, ist noch nicht bekannt.