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Nicht ganz einfach zu überschauen und nachzuvollziehen ist nicht allein der »Untergang« unserer nationalen Fluggesellschaft – der »Swissair« -, sondern auch Ihre Entstehungsgeschichte.
In den Jahren 1919 und 1931 wurde in der Schweiz der zivile Luftverkehr »richtig Erwachsen«. Am 15. Mai 1919 gründeten die Militärkollegen Oblt. Walter Mittelholzer und Oblt. Alfred Comte die Kollektivgesellschaft »Comte, Mittelholzer & Co. Aero Luftbildverlagsanstalt und Passagierflüge«. Diese Unternehmung hatte sich, nebst Luftbilder zu erstellen, zur Aufgabe gemacht, den Flugverkehr zwischen Zürich und St. Moritz abzuwickeln. Ihren Heimflugplatz hatte sie in Schwamedingen-Mattenhof installiert, denn der am 22. Oktober 1910 eingeweihte Flugplatz Dübendorf war vorerst, bis Ende 1921, vorwiegend dem Flugwesen der Armee vorbehalten. Am 20. September gleichen Jahres wurde von den drei Piloten Ernst Frick, Friedrich Rihner und Henry Pillichody die Luftverkehrsgesellschaft »Frick & Co.«, welche ihren Flugbetrieb in Anlehnung an die Idee von Oskar Bider am Wasserflughafen Zürichhorn aufnahm, gegründet. Oskar Bider, der zusammen mit Fritz Rihner im Juli 1919 die »Schweizerische Gesellschaft für Lufttourismus« gründete, war überzeugt, dass die Schweiz mit ihren zahlreichen Seen für den Einsatz von Wasserflugzeugen prädestiniert sei.
Die »Ad Astra Aero« war eine am 15. Dezember 1919 als Aktiengesellschaft im Handelsregister eingetragenen Firma, die ihre Tätigkeit nach der Fusion der »Frick & Co.« mit der »Comte, Mittelholzer & Co. Aero Luftbildverlagsanstalt und Passagierflüge« am 24. Februar 1920 aufnahm. Die »Ad Astra Aero AG«, die nun über Wasserflugzeuge und mit Radfahrwerken ausgerüstete Flugzeuge verfügte, übernahm am 21. April 1920 auch die am 25. Juni 1919 gegründete »Avion Tourisme SA«, die ihren Sitz in Genf hatte. Die neue Firma nannte sich »Ad Astra-Aero, Avion Tourisme SA«. Sie hatte ihren Sitz in Zürich und eine Zweigstelle in Genf. Die Unternehmung fuhr in den ersten Betriebsjahren erhebliche Verluste ein und konnte, dank der profitablen Strecke Genf-Zürich-München, erstmals im Jahr 1923 eine ausgeglichene Rechnung präsentieren. Zunehmend gewann der landgestützte Flugverkehr an Bedeutung und die Wasserflughäfen, die mittlerweile im ganzen Land anzutreffen waren, wurden kontinuierlich heruntergefahren.
In Basel gründete 1925 Balz Zimmermann die »Basler Luftverkehrs AG« kurz »Balair«. Diese Unternehmung entwickelte sich rasch und bereits 1929 unterhielt sie ab dem damals grössten Flugplatz der Schweiz – Basel-Sternenfeld – neun Fluglinien. Auf Druck des »Eidgenössischen Luftamtes«, welches am 9. März 1920 geschaffen wurde, fusionierte die Unternehmung mit der zürcherischen »Ad Astra-Aero« zur in Zürich domizilierten nationalen Fluggesellschaft der Schweiz, zur »Swissair«, deren offizielle Bezeichnung »Swissair – Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft« lautete.
Die »Swissair« gehörte bereits seit Beginn zu den Pionier-Gesellschaften der europäischen wie auch der internationalen Zivil-Aviatik: Sie kaufte als erste Fluggesellschaft Europas amerikanische Flugzeuge – zwei vierplätzige »Lockheed L-9 Orion« und zwei zehnplätzige »Clark GA-43«, die damals schnellsten Verkehrsflugzeug der Welt, sie flog die erste transalpine Linie – Zürich-Mailand, sie setzte am 1. Mai 1934 als erste europäische Fluggesellschaft Stewardessen ein und sie legte seit ihrer Gründung grossen Wert auf die Ausbildung der Piloten im Blindflug.
Die Fotografie zeigt eine der beiden von der Swissair beschafften zehnplätzigen Maschine des Typs Clark GA-43. Sie hatte eine maximale Fluggeschwindigkeit von 240 km/h – die »Lockheed Orion 9-B« brachte es auf eine Fluggeschwindigkeit von 290 km/h und war damals das schnellste Zivilflugzeug der Welt.
Am 29. August 1939 musste die »Swissair« ihren Betrieb infolge des Zweiten Weltkrieges, der die Sperrung der Lufträume von Deutschland und Frankreich mit sich zog, einstellen. Knapp sechs Jahre später jedoch, nach der Kapitulation Deutschlands am 8./9. Mai 1945, konnte sie ihren Flugbetrieb am 30. Juni 1945 wieder aufnehmen. Die Unternehmung stockte ihr Aktienkapital auf – die »Schweizerische Eidgenossenschaft«, verschiedene Kantone und Gemeinden, sowie die »Schweizerischen Bundesbahnen« wie auch die »Schweizerischen PTT-Betriebe« beteiligten sich mit rund 30% am Aktienkapital der »Swissair«.
Bis zur Eröffnung des neu erstellten »Interkontinental-Flughafen Zürich-Kloten« im Jahr 1948 war der Flugplatz Dübendorf der Heimatflughafen der »Swissair«. Der heutige Flughafen Zürich wird von der börsenkotierten »Flughafen Zürich AG« betrieben. Er gehört zu den besten Flughäfen der Welt, wurde 2009 zum besten Flughafen Europas gewählt und erhielt in der Kategorie »Führender Flughafen Europas« schon sieben Mal den »World Travel Award«.
Ab den 1960er Jahren profitierte die »Swissair«, wie auch viele andere Fluggesellschaften, vom zunehmend wachsenden Luftverkehr. Die »Swissair« kam aber im Besonderen durch ihren ausgezeichneten Ruf als Qualitätsairline, dank der Möglichkeit, aufgrund der Neutralität unseres Landes auch Staaten in Afrika und im Nahen Osten anzufliegen und der zentralen Lage in Europa in den Genuss hohe Gewinne zu erzielen. Doch die Liberalisierung des Luftverkehrs, welcher einen aggressiven Preiskampf unter den Gesellschaften auslöste, der weltweit schwachen Konjunktur ab 1990 und die Nichtintegration der Schweiz in den Europäischen Wirtschaftsraum führte endlich gesehen zur Gründung der »SAirGroup« in der die »Swissair« eine von vielen Tochtergesellschaften bildete.
Obenstehende Abbildung zeigt die verschiedenen Tochtergesellschaften, die in der aus der »Swissair« im Jahr 1997 geschaffenen »SAirGroup« zusammengefasst waren.
Welche Umstände und in welchem Mass sie stimmen und gewertet werden – seien es – unter Berücksichtigung, dass nach den Terroranschlägen auf die beiden Türme des »World Trade Centers« in New York City vom 11. September 2001 ein gewaltiger Rückgang des Luftverkehrs zu verzeichnen war – allfällige Fehlleistungen oder Unvermögen, bürokratische Sturheit, unüberlegtes, nichfertiggedachtes Handeln oder was auch immer -, am 1. April 2002 – es hört sich wie ein schlechter Aprilscherz an – fand auf dem »Interkontinentalen Flughafen Zürich« die letzte Landung einer Maschine der »Swissair« statt. Ein einundsiebzig Jahre dauerndes Kapitel der »Schweizer Luftfahrt« wurde mit der Landung SR145 aus Sao Paulo beendet.
Im Buch »Sturmflug« schildert André Dosé seinen Kampf um die SWISS. In seinem kurzen Schlusswort schreibt er auch: «… Denn die Schweizer Öffentlichkeit braucht auch SWISS. Sie braucht sie, weil wir ein Land sind, das seinen Wohlstand zu mehr als der Hälfte seinen geschäftlichen Beziehungen zum Ausland verdankt. Die Schweiz ist deshalb auf eine gute Verbindung zum Rest der Welt angewiesen, und nur eine eigene nationale Airline garantiert diesen Anschluss. Wer anderes behauptet, der irrt sich. Aber die Schweiz braucht SWISS auch, weil ihr Erfolg ein Zeichen setzen wird. Der Erfolg von SWISS wird zeigen, dass wir uns unter widrigsten Umständen behaupten können. Meine Erfahrungen als CEO von SWISS haben mir leider gezeigt, dass dieser Glaube in unserem Land nicht mehr weit verbreitet ist. Resignation und Gleichgültigkeit haben sich breit gemacht. Sie äussern sich in Neid, Skepsis, Zynismus und Angst.»
Die Fluggesellschaft SWISS – seit November 2011 mit neuem Logo – mit Sitz in Basel und Drehkreuz auf dem »Interkontinentale Flughafen Zürich« ist heute zu 100% eine Tochtergesellschaft der »Deutschen Lufthansa AG«.
Ihr Heimatflughafen ist ebenfalls der »Interkontinentale Flughafen Zürich« und die 68 Flugzeuge der SWISS – alles Maschinen des Herstellers »Airbus« – tragen weiterhin unser – auf die Seitenleitwerke lackierte – Schweizer Hoheitszeichen in alle Welt.