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Ein Stück Automobilgeschichte wurde effektiv Geschichte, das Auto des Jahrhunderts wird nicht mehr gebaut. 59 Jahre nach der Aufnahme der Serienfertigung in Wolfsburg im Jahr 1946 rollte der
letzte Käfer am 30. Juli 2003 im mexikanischen Puebla vom Band. Die Geschichte des Käfers aber reicht zurück bis ins Jahr 1934, als Prof. Dr. Ferdinand Porsche den Auftrag des Reichsverbandes der
Deutschen Automobilindustrie bekam, einen "Volkswagen" zu entwickeln. Bei seiner Erstvorstellung auf der Berliner Automobilausstellung bezeichnete ein Korrespondent der New York Times den
Volkswagen spöttisch als Käfer: "It looks like a beetle". Ein Spitzname, der ihm geblieben ist, aber erst in den 70er-Jahren in den VW-Prospekten offiziell "anerkannt" wurde.
Der Käfer hat in Mitteleuropa und vor allem auch in der Schweiz die Mobilität der Menschen wesentlich beeinflusst und ermöglicht. Er galt als Symbol des Wirtschaftswunders, als Zeichen des wachsenden Wohlstandes breiter Bevölkerungsschichten. Schon von Beginn weg wurde der Käfer auch in die USA und später in alle Welt exportiert. In den USA wurde das schrullige Auto in den 50er und 60er Jahren zu einem wahren Kultauto. Viel dazu beigetragen hat auch die legen-däre Käfer-Werbung, in der man die Stärken des Käfers überzeichnete und sich über die eigenen Schwächen lustig machte.
Vom Käfer sind bis heute rund 21'500'000 Fahrzeuge produziert worden. Täglich kamen bis jetzt noch immer neue Käfer hinzu, die im mexikanischen VW-Werk neben dem New Beetle noch vom Band liefen. Der Käfer wurde damit das am längsten gebaute und wohl im klassischen Sinne (nur Detailverbesserungen) auch meistgebaute Auto der Welt. Alleine in der Schweiz wurden seit 1948 320'637 Käfer verkauft. Die ersten 25 Käfer wurden übrigens Anangs Mai 1948 in die Schweiz geliefert. Die Schweizer deckten sich mit dem Käfer ein, der ihnen nicht nur Mobilität, sondern auch gleichzeitig die Sicherheit eines engmaschigen Kundendienstes garantierte. Der Käfer wurde rasch zum beliebtesten Auto der Schweizer. Seit 1975 hat der Golf diese Position inne. So gesehen war es der Golf, der den Käfer beerbte und als Auto für alle für einen neuen Aufschwung der Marke VW sorgte.
Durch die enorm lange Lebensdauer des robusten Käfers konnte nahezu jeder Käfer mit einer langen Liste von Besitzern aufwerten. Statistisch gesehen hatte bis in die 70er-Jahre jeder Schweizer Haushalt irgendwann einmal einen Käfer. Der Käfer war längst nicht nur Transportmittel, sondern gehörte zum Haus wie ein Hund. Das war der Nährboden für die unglaublichsten Geschichten rund um den Käfer.
Der Käfer hat im Laufe seiner Produktionsgeschichte viele kleine Veränderungen mitgemacht. Diese wurden zum jeweiligen Modelljahresbeginn regelrecht "inszeniert". Ein Beispiel sind die Heckleuchten. Jede Veränderung wurde als Besonderheit gefeiert. Letztlich wurden beim Käfer im Laufe seiner Geschichte rund 80'000 Veränderungen vorgenommen, lediglich die Klemmleiste und die Gummidichtung des Kofferraumdeckels blieben unangetastet - und dennoch ist der Käfer immer gleich geblieben. Der Käfer hat durch seine Schlichtheit, durch die Eindeutigkeit seiner Linien einen Designausdruck geschaffen, der ihn in der ganzen Welt unverwechselbar und einprägsam machte. Wenn es überhaupt je so etwas wie ein Weltauto gegeben hat, dann war es der Käfer, der auf allen Kontinenten gebaut wurde und überall in der Welt in der gleichen Silhouette, mit dem gleichen Klang seines luftgekühlten Motors und mit den gleichen funktional reduzierten Bedienungselementen auftrat. Er vereinnahmte seine Besitzer, liess kein Statusdenken aufkommen. Mit dem Käfer fuhr jung und alt, arm und reich, Mann und Frau. Der Käfer war ein Auto für alle und für jeden Einsatz geeignet.
Den Käfer gab es natürlich auch in den verschiedensten Mutationen. Gleich nach Beginn seines Werdens musste der Volkswagen "einrücken" und wurde für die verschiedensten militärischen Zwecke genutzt, vom Schwimmwagen bis hin zum Kübelwagen. Zuvor wurde er für die politische Propaganda eingespannt. Erst nach dem Krieg wurde er als Volkswagen in millionenfacher Ausfertigung gebaut. Die bekannteste und zugleich begehrteste Mutation war das Cabrio. Schon bei seiner Vorstellung in den dreissiger Jahren wurde der Käfer als offenes Auto gezeigt. Als Karmann Ghia wurde das Konzept Käfer in einen Coupé-Klassiker der 50er- und 60er-Jahre verwandelt. Und schliesslich machte erst der Käfer auch die Sportwagenlegende Porsche 356 und somit den 911 möglich.
Das Ende des Käfers in der Schweiz brachten die verschlechterten Umweltbedin-gungen. Oder besser gesagt, die umweltpolitische Entscheidung, Fahrzeuge mit einem gewissen Lärmpegel ab dem 31.3.1983 nicht mehr neu zuzulassen. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Käferpopulation kräftig ab. Ausgerottet werden konnte der Käfer aber nie. Noch sind rund 5'000 Käfer im Schweizer Fahrzeugbestand. Gehegt und gepflegt oder einfach gefahren, bis er die MFK nicht mehr übersteht. Und das kann noch lange dauern.Die Neuschöpfung des Käfers: VW New Beetle
Der New Beetle, der modernste VW-Technik in die unverwechselbare Silhouette eines Käfers verpackt und durch eine aussergewöhnliche Designsprache beeindruckt, folgte 1998 und warebenfalls als Limousine und Cabriolet lieferbar. Selten erfuhr ein neues Auto weltweit ein derart grosses Medieninteresse wie der New Beetle.
Mittlerweile läuft bereits die zweite Generation, der "Beetle" vom Band.