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Diese Woche verlief wie eine Sinuskurve. Sie fing oben an, ging mit Schwung nach unten und dann langsam wieder rauf. Alle Emotionen inbegriffen. Eigentlich verbrachte ich die Woche in einem einzigen, endlosen Meeting: gutes Meeting, schlechtes Meeting, mittleres Meeting, gutes Meeting. Nach dem letzten (guten) Meeting hatte ich dann noch einen Business-Lunch mit einer jungen Geschäftspartnerin im Restaurant Helvti. Die Helvti war – wie die meisten besseren Lokale Zürichs – durchwegs vollbesetzt von Männern in Anzügen, von sogenannten Anzugstypen. Meine Verabredung sass oben, und ich konnte sie zwischen den dunklen Anzügen leicht erspähen. Männer auf zwei Stockwerken, die sich alle an warmem Essen labten, dazu Wein tranken und so viel redeten wie ein Haufen Marktfrauen.
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Zur Person
Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.
Wie merkwürdig, dachte ich, wo sind eigentlich die Frauen, denn diese Mittags-Männer sind mir schon oft aufgefallen. Machen Frauen mittags keine Geschäfte? Holen sie sich einen Salat in der Migros und essen irgendwo? Oder haben sie Angst, dick zu werden? Ich habe keine Ahnung, wenn es jemand weiss, soll er es mir bitte mitteilen.
Ich setzte mich zur Frau an den Tisch, wir redeten über unsere Geschäfte, dann fragte sie mich, ob ich verheiratet sei oder mal war. «Nein, weder noch. Ich wollte das nie und werde es nie machen.»
Daraufhin wollte sie wissen, warum ich nie heiraten wollte. «Weil Männer nerven», sagte ich, und meinte das auch so. «Schau dich doch um, wie sie hier und unten sitzen und sich gegenseitig hochschaukeln und für wichtig nehmen. Es kann doch nicht sein, dass Frauen sich kein gediegenes Mittagessen erlauben können in unserem Land.» Mein Gegenüber schüttelte den Kopf: «Daran liegt es nicht, Frauen haben bloss keine Zeit, weil sie in der Mittagspause in den Supermarkt gehen, um einzukaufen. Weil sie abends für ihre Familien kochen. Oder ins Yoga gehen, damit sie nachmittags die Kinder aus der Kita holen können.»
Keine Zeit fürs Mittagessen! «Haha», lachte ich, «und dann fragst du noch, warum ich nicht verheiratet bin?» Also nannte ich ihr die Gründe. Weil ich mich in Ruhe einem Lunch widmen möchte, ohne daran zu denken, wer sich ums Kind kümmert und was ich von einem Mann habe, der sich mittags unbesorgt seine Hackbratensaucenreste mit einer Damast-Serviette abtupft. Weil ich abends nach einem strengen Tag gerne faul auf dem Sofa liege, ohne aus Zutaten, die ich in der Mittagspause kaufen musste, das Abendessen zuzubereiten – während er sich mit seinen Freunden in gut geschnittenen Anzügen trifft. Und damit prahlt, wie viel er von der Welt besitzt und wie er sie beherrscht.
Nein, Heiraten ist eine Lose-lose-Lösung, ganz klar.