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Die MotoGP präsentiert sich so spannend wie kaum je zuvor. Seit 1993 das jetzige Punktesystem eingeführt worden ist, war nach sieben Saisonrennen die Ausgeglichenheit an der Spitze nie grösser.
Nur 28 Punkte liegen zwischen dem Leader Maverick Viñales und dem in der WM fünftklassierten Altmeister Valentino Rossi. Dem Yamaha-Werkduo gelang zwar der (fast) perfekte Saisonauftakt. Während Viñales in Katar und Argentinien zweimal gewann, klassierte sich Rossi dreimal in Serie in den Top 3. Doch die Yamaha-Dominanz hielt nicht an. In den letzten vier Grands Prix gab es nur noch einen Sieg, durch den 22-jährigen Spanier in Le Mans. Mit 111 Punkten weist Viñales nach sieben Saisonrennen den tiefsten Wert eines WM-Spitzenreiters seit 1993 auf.
Der 114-fache GP-Sieger Rossi ist heuer noch sieglos. In den vergangenen Jahren befand sich Jorge Lorenzo, der zu Ende der letzten Saison zu Ducati wechselte, in der Rolle des spanischen Teamkollegen, der (zumeist) besser abschnitt als der mittlerweile 38-jährige "dottore". Diesen Part übernahm 2017 bislang Viñales, der Rossi bis auf Austin (Sturz) im Griff hatte. Beim letzten GP vor knapp zwei Wochen in Mugello kämpfte das Yamaha-Duo mit (Reifen-)Problemen und verpasste die Top-Ränge gänzlich. Damit war für Rossi, der seit fast acht Jahren seinem zehnten WM-Titel nachrennt, der schlechteste Saisonstart seit 2012 Tatsache. Damals befand er sich im zweiten und letzten Jahr seines missglückten Abstechers zu Ducati.
Dovizioso erster Verfolger
Der Mann der Stunde im ausgeglichen besetzten MotoGP-Fahrerfeld heisst Andrea Dovizioso. Der 31-jährige Italiener liegt nach seinen jüngsten Erfolgen in Mugello und Montmeló nur noch sieben Punkte hinter Viñales zurück und ist in seinem fünften Jahr bei Ducati zum Titelanwärter avanciert. Allerdings sehen dies nicht alle so. "Bei allem Respekt für Dovizioso stufe ich doch Viñales, Rossi und auch meinen Teamkollegen Pedrosa als gefährlicher ein", sagt beispielsweise Marc Marquez. Dovizioso und Ducati sind also gefordert, mit weiteren Erfolgen die Einschätzung von Titelverteidiger Marquez zu falsifizieren.
Tatsächlich ist Dovizioso einer der erfahrensten und beständigsten Fahrer in der Strassen-WM. Nur fünf Fahrer haben eine längere Zeitspanne zwischen ihrem ersten und letzten GP-Sieg. Doviziosos Premieren-Triumph datiert vom 16. April 2004. Nun sind ihm erstmals in der Königsklasse zwei Siege in Serie gelungen. Einen WM-Titel gabs für "Dauerbrenner" Dovizioso jedoch erst einmal: 2004 in der 125-ccm-Kategorie, als Vorgänger des gleichaltrigen Berners Tom Lüthi. Dazu war "Dovi" zweimal WM-Zweiter in der 250er-Klasse. In der obersten Kategorie klassierte er sich zum Saisonende bislang nur einmal in den Top 3, 2011 als Dritter auf einer Honda. Er denke nicht gross an den Titel, denn noch lägen viele Rennen vor ihm, beschied Dovizioso zuletzt in Katalonien.
Marquez 23 Punkte zurück
Mit Marc Marquez kam der erfolgreichste Fahrer der vergangenen Jahre (noch) nicht wie gewünscht auf Touren. Der letztjährige Weltmeister, der den Titel schon in seinen ersten zwei MotoGP-Saisons gewonnen hatte (2013 und 2014), legte bis zum jetzigen Zeitpunkt mit nur drei Podestplätzen einen vergleichsweise enttäuschenden Saisonstart hin. Nur vor zwei Jahren, als der Titelkampf zwischen Rossi und dem nachmaligen Weltmeister Lorenzo entschieden wurde, kam der 24-jährige Spanier ähnlich schlecht in die Gänge.
Als WM-Dritter mit 23 Punkten Rückstand hat er die Titelverteidigung aber nach wie vor in den eigenen Händen. "Die Strecke in Assen mag ich sehr", so die Kampfansage von Marquez, der auf diesem Circuit in den letzten sieben Jahren immer auf dem Podest stand, viermal davon zuoberst. Auch sein Honda-Teamkollege Dani Pedrosa verfügt weiterhin über intakte WM-Chancen, da er nur vier weitere Zähler hinter Viñales zurückliegt.
Aufsteiger Zarco
Für Aufsehen sorgten in diesem Jahr noch weitere Fahrer, allen voran Johann Zarco. Der zweifache Moto2-Weltmeister fand sich nach seinem Aufstieg in die Königsklasse gleich bestens zurecht und ist WM-Sechster. Vor allem zu Beginn der Rennen fährt der Franzose stark, im Heim-GP in Le Mans reichte es ihm zum 2. Rang. Auch zeigte Zarco bislang wenig Respekt vor den Stars der Szene, die er fast allesamt schon mit harten Überholmanövern bedachte. Zarco, aktuell in einem Privatteam fahrend, erhofft sich bei Yamaha den baldigen Aufstieg zum Werkfahrer.
SDA-ATS