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28.05.2006: Woodward, OK -> Wheeler, TX -> Mc Lean, TX -> Hedley, TX -> Shamrock, TX (240 Meilen)
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Die besten Chancen auf Drylinegewitter bestehen heute wiederum im Texas Panhandle, dem hügeligen
Land der Dinosaurier ;-)|
Die Gegend hier liegt auf 800 Metern und wird oft von den Rockies her mit heisser und trockener Luft geflutet.
An der Grenze zur heiss-schwülen Luft weiter östlich entstehen oftmals selbst dann Gewitter, wenn die Deckelung in der schwülen Luft zu gross ist für eine Auslösung. Trockene Luft ist schwerer als feuchte und schiebt sich, wenn sie vorstösst, wie ein Keil unter die feuchte Luft rein, wirkt also trotz der hohen Temperaturen wie eine Kaltfront. Das beste an dieser Luft ist nun, dass sie selbst, im Gegensatz zu einer Kaltfront, extrem instabil geschichtet ist. Wenn ihr nur ein wenig Feuchtigkeit vor die Räder kommt, quillt diese sofort hoch. Hier der Blick von Osten her an die Front:
Kurze Zeit später entwickelt sich eine grössere Zelle:
Das ganze System kommt weiter noch Osten voran und findet mit jeder Meile mehr Feuchte in der Grundschicht vor. Die Lapse Rates, also die Temperatur-Differenz zwischen 850 und 500hPa betragen hinter dem Gewitter im Moment sagenhafte 38 Grad. Die Taupunkte vor der Linie betragen um die 17, dahinter 5 bis 0 Grad:
Es beginnt zu blitzen und ein grauer Hagelvorhang senkt sich ab:
Da die Gewitter nur langsam ziehen, fällt der ganze Regen konzentriert an einer Stelle runter und führt zu Wasserlachen:
Die Zelle wird bewarnt, Hagelkorngrösse 1cm, Nickel-Size:
Dafür fällt örtlich ne ganze Menge von diesem Hagel:
Nun beginnt die Gewitterzelle zu schwächeln, und es mischt sich trockenere Luft ins System rein. Damit wird allerdings der Blick frei auf den ehemaligen Updraft, also den Hauptaufwindkanal des Gewitters. Er stirbt langsam ab, aber es ist eindrücklich zu erkennen, wie er noch immer leicht rotiert. Eine Art "Hochschraubung" der Luft ist auf der Animation noch zu erahnen:
20 Meilen weiter südwestlich bildet sich erneut eine starke Gewitterzelle, die wir sofort abfangen. Man kann die Heftigkeit des Gewitters am Wolkenschirm erkennen, der ganz dunkelgrau ist und einen scharfen, ausgebeulten Rand aufweist. So lange er so aussieht, dehnt er sich rasch aus, was wiederum auf kräftigen Nachschub im Updraft- Bereich schliessen lässt.
Am Nordrand der Zelle findet sich ein Bereich mit Quellung, die zwar auch schon leidet, aber deutlich weniger ausgetrocknet ist als der beim Zeitraffer oben:
Der Updraft Richtung Westen schliesslich sieht noch sehr gesund aus. Tiefhängende, dunstige, dunkelgraue Basis, die vom Regenvorhang rechts nicht zugeschüttet wird und ein kleines Lowering aus Fraktus im Bereich der maximalen Ansauge:
Um den Kern dieses Updrafts noch zu erwischen, fahren wir in den kleinen Ort Hedley. Bereits drückt von Westen her die Sonne ins System rein, doch dann geht auf einmal die Post ab. Vermutlich ein Downburst bringt Sturm in den Ort, die Sicht sinkt und alles um uns herum wird weissgrau. Massen von Regen und Hagel kommen runter, als würde die gesamte Gewittersäule auf den Ort runterprasseln.
überall nur noch Wasser und Hagel:
Die Hagelkörner wachsen zudem ständig an. Sie erreichen plötzlich gefährliche Golfballgrösse, als wir mit dem Auto unter ein nahes Metalldach in Sicherheit fahren müssen.
Einzelne Geschosse mit geschätzten 4cm Durchmesser schlagen in die braune Brühe ein:
Nach etwa 15 Minuten lässt der enorme Niederschlag nach und ein Regenbogen wird sichtbar:
Wir können uns umschauen. Die Luft riecht sehr würzig nach Blättern und Gras, es hat einiges an Grün heruntergeschlagen:
Auf dieser Wiese liegen denn auch noch immer beachtliche Geschosse herum, die der Wärme des Bodens noch trotzen:
Wir sammeln einige von ihnen auf und messen. Teilweise kamen da sogar 5cm-Brocken runter!
Der Vergleich mit der ID in Kreditkarten-Format:
Die Stormreports sind dünn gesäht, aber der Hagelsturm über dem Ort Hedley wird prompt gemeldet. Das nächste Mal schreiben wir mit, wenn das örtliche SPC-Büro im Weather-Radio die Telefonnummer für Reports durchgibt:
Hinter dem Gewitter beginnt nun die untergehende Sonne mit der Beleuchtung der bereits wieder schwächelnden Strukturen. Schraubenhafte Updrafts kommen wieder zum Vorschein:
Wunderbarer Mammatus fehlt auch nicht:
Er wird mit zunehmender Rotfärbung immer fotogener:
Keine Farbbearbeitung, normale 1/50 sek bei Blendenzahl 5, es sah wirklich so aus:
So grossen Hagel bei nur mässiger Scherung hätten wir nicht erwartet. Wären wir nicht rechtzeitig unter dieses Metalldach gefahren, hätte das noch böse enden können mit unserem Mietauto. Da und dort sind leider trotzdem Dellen zu sehen, aber die führen nicht zum Abbruch unseres Chasings. Der Tag erreicht selbstverständlich 4 Sterne in der Wertung.
Video des Hagelsturms (28MB, DIVX)
Text und Bilder ©2006 Markus Pfister, Mark Vornhusen