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Was braucht es, um nachhaltig Gold zu gewinnen? Das ist gar nicht so einfach, wie eine Besichtigung einer peruanischen Goldmine zeigt, die sich an einem von der Schweiz unterstützten Projekt für eine nachhaltige Goldwertschöpfungs-Kette (BGI-Initiative) beteiligt.
Es tönt fast ein bisschen wie in einem Touristenort, wo Angestellte versuchen, Urlauber in Restaurants zu locken: In den Strassen der peruanischen Stadt Juliaca sind es aber Händler, die Goldverkäufer aus den vielen informalen Goldminen in der südöstlichen Region von Puno und darüber hinaus anlocken.
Nur ein kleiner Teil des Handels hier ist legal, entspricht peruanischem Gesetz oder internationalen Umweltverträgen wie beispielsweise der Minamata-Konventionexterner Link zur Vermeidung von Quecksilber. Kriminalität in diesem Zusammenhang grassiert in der Hauptstadt der Provinz San Román.
Aus diesem Grund sind zu viele Fragen über die Herkunft des hier gehandelten Goldes nicht besonders willkommen. "Wenn andere herausfinden, dass Sie hier sind und Fragen stellen, werden sie Sie lynchen", warnt ein Händler.
Vom Alpaka-Hirten zum Tagbau-Mineur
Rund 150 Kilometer nördlich, auf einer Höhe von 4700 Metern, liegt Ananea. Ein grosser Teil der bergigen Region ist abgetragen. Grasiges Hochland fiel der Suche nach dem wertvollen Mineral zum Opfer.
Hier befindet sich das Areal von CECOMIP, einer legalen Bergbau-Gewerkschaft. Die lokale Gemeinschaft hat sie 2006 gegründet. Zuvor lebten die Menschen hier von Alpaka-Herden. Getrieben von einem Goldpreis-Boom begannen die Mineure das Land ihrer Ahnen abzutragen. Mit Baggern und Lastwagen beschleunigten und vereinfachten sie die Suche nach dem Mineral.
Zu tausenden migrierten andere Mineure in die Region. Sie hatten ähnliche Pläne und machten ihren ersten Spatenstich in der Nähe. 22 Prozent der peruanischen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze – entsprechend gross ist die Anziehungskraft des Bergbaus.
Claudio Mara arbeitet im Betrieb von CECOMIP. Mit seinen 50 Alpakas hätte er 400 Dollar pro Jahr verdient. Er und seine Arbeitskollegen werden bald Partner der vor drei Jahren lancierten "Better-Gold-Initiative" (BGI). Das von der Schweiz unterstützte Projekt zum Aufbau einer nachhaltigen Goldwertschöpfungskette von der Mine bis zum Markt wurde lanciert, nachdem Medien Schweizer Goldraffinerien in Verbindung mit illegal abgebautem Gold aus der südlichen Region Madre de Dios gebracht hatten.
Das Public-Private-Partnershipexterner Link BGI produziert nun 700 Kilogramm Gold jährlich. Zwar ist das bedeutend mehr als die 25 Kilogramm zu Beginn. Doch entspricht die Zahl lediglich einem Bruchteil der weltweit gewonnenen 2700 Tonnen, von denen 70 Prozent in der Schweiz raffiniert werden. CECOMIP schürft an seinem Standort rund 4,5 Kilogramm Gold pro Monat.
Geld für Umweltschutz und Sozialleistungen
Die Schweizer Initiative unterstützt eine nachhaltige und umwelt- sowie sozialverträgliche Goldproduktion. Guillermo Medina ist der nationale Programmkoordinator. Er sagt, dass Programm belohne geprüfte Mineure mit Boni, die für Verbesserungen im Sozialen oder mit Blick auf den Umweltschutz eingesetzt werden können.
Die Goldminenorganisation SOTRAMI beispielsweise, die ebenfalls am BGI-Projekt teilnimmt, hat von der in Genf sesshaften Investment-Firma Impact Financeexterner Link einen Kredit von mehreren hunderttausend Dollar erhalten.
Ziel sei, die Goldproduktion auf kleinem Niveau zu halten, sagt Thomas Hentschel, Direktor der BGI-Initiative. Das Projekt ermöglicht Mineuren den direkten Vertrieb des Edelmetalls. So können sie Zwischenhändler umgehen, die 5-6 Prozent des internationalen Preises für sich einstecken.
Für die Mineure in Ananea sind die Projekt-Bedingungen reizvoll. Es sei ihnen wichtig, dass ihr Produkt unter den besten Bedingungen auf den Markt komme – auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, sagt der Präsident der Genossenschaft, William Yamparra.
Krux mit giftigem Schwermetall
Aus einer Lastwagenladung Erde lassen sich normalerweise nur ein paar Gramm Gold gewinnen, wie Arbeiter von CECOMIP erzählen. Die Erde stammt aus der rund 30 Meter tiefen Grube in der Nähe. Sowohl hier als auch in Madre de Dios wird das Gold in angeschwemmter Erde gefunden: Einzelne Goldstücke finden sich entlang von Flussbetten, im Gegensatz zu Gold aus geologischen Goldadern.
In der letzten Phase der Goldgewinnung brauchen die Arbeiter Quecksilber, das anschliessend wiederverwendet wird. Unter anderem hier unterscheidet sich CECOMIP von illegalen Gruben. Letztere nutzen mehr Quecksilber und sorgen sich wenig um die Verschmutzung von Boden, Wasser und Luft.
Die peruanischen Behörden schätzen, dass alleine in Madre de Dios rund 40 Tonnen Quecksilber jährlich in den Amazonas gelangen. Auch in Ananea ist illegales Minieren weit verbreitet. Illegale Mineure hatten gar einen Teil der zu CECOMIP gehörenden 74 Hektaren Land besetzt. Nur ein paar hundert Meter entfernt vom CECOMIP-Standort sah swissinfo.ch Arbeiter Rohre in Richtung einer nahegelegenen Lagune ziehen. Sie zapften Wasser für eine illegale Mine ab.
Richtlinien respektieren kostet
Der Bau der nötigen Vorrichtungen von CECOMIP zur Goldgewinnung hatte seinen Preis. Gerardo Smith, Chef für Sicherheit und Technologie der Mine, spricht von rund 150'000 Dollar, die nötig waren, um den nationalen Richtlinien zu entsprechen – eine Bedingung, um am BGI-Projekt teilzunehmen. Für die armen Arbeiter, die keinen Zugang zu Krediten haben, ist das viel Geld.
Hinzu kamen zusätzliche Ausgaben und bürokratische Verzögerungen wegen administrativer Abwicklungen wie Gültigkeitsprüfungen von Landrechtnutzungen, von Umweltzertifikaten und sogar von archäologischen Bewilligungen.
Das führte dazu, dass sich die Arbeiter von CECOMIP von den nationalen Behörden ungerecht behandelt fühlten, wie viele der anderen 100'000 Mineure in Peru. "Wir wollen, dass sich uns dieselben Tore öffnen, wie mittleren und grossen Mineuren mit Zugang zu Krediten", sagt Andres Cotrina, Einsatzleiter von CECOMIP.
BGI expandiert
BGI-Direktor Hentschel gibt zu, die legalen Voraussetzungen wie auch "wirtschaftliche Gründe" seien die grössten Hindernisse für kleinere Bergleute, die der Initiative beitreten möchten.
Laut Fidel Huisa Mamani, einem Bergbau-Ingenieur, der Bergleute in diesem südperuanischen Departement berät, haben von 11'500 Bergleuten seit 2013 nur zehn eine formelle Genehmigung erhalten.
"Jetzt geht es um eine Aufstockung", sagt Hentschel. Er hofft, dass mehr Minen in diesem Departement der Initiative beitreten werden.
Nächstes Jahr solle das Schweizer Programm – neben weiteren peruanischen Minen – auch auf Bolivien und Kolumbien ausgedehnt werden, so Hentschel.
Better Gold Initiative
Die "Better Gold Initiative" (BGI) ist ein öffentlich-privates Projekt des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) und der "Swiss Better Gold Association" (SBGA) – eine privatwirtschaftliche Gruppe, der die wichtigsten Schweizer Goldraffinerien Metalor, PAMP, Argor-Hereaus und Valcambi wie auch die Juweliere und Uhrenhersteller Cartier und Swatch Group angehören.
Gegenwärtig sind die an der peruanischen Küste ansässigen Bergbau-Genossenschaften SOTRAMI und MACDESA jene beiden zertifizierten Produzenten, die voll beim Programm dabei sind.
Thomas Hentschel, Direktor der BGI, erklärte gegenüber swissinfo.ch, dass sowohl CECOMIP wie auch CECOMSAP, eine andere Mine im südperuanischen Departement Puno, dem Projekt in den nächsten Monaten beitreten sollten.
Die Initiative "hat zum Ziel, dass sich einzelne Bergleute und Kleinbetriebe für bessere Lebensbedingungen und nachhaltige Entwicklung zusammenschliessen".
Die BGI bietet den Bergleuten einen direkten Marktzugang. Sonst müssten diese ihr Gold über Zwischenhändler verkaufen, die dafür 5-6% des internationalen Preises kassieren.
Anders als andere wirtschaftliche Abkommen bietet die BGI zertifizierten Bergleuten Boni, die für soziale und ökologische Verbesserungen eingesetzt werden können.
(Übertragen aus dem Englischen: Kathrin Ammann und Christian Raaflaub)