Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03402.jsonl.gz/1842

Die teilweise verfallenen, historischen Gebäude des Schlosses von Courgevaux sanieren und neuen Wohnraum für kunst- und kulturinteressierte urbane Menschen schaffen: Das ist das Ziel der Wohnwerk AG in Murten. Ihr gehört seit Anfang 2018 das Schlossareal. Jann Fahrni, Architekt und Verwaltungsratspräsident der Wohnwerk AG, stellte im April vergangenen Jahres sein Vorhaben vor (die FN berichteten). Seit gestern liegen die Pläne auf der Gemeindeverwaltung von Gurwolf auf. Im Zusammenhang mit dem Projekt hätten «sehr intensive und zahlreiche Gespräche» mit den kantonalen Ämtern stattgefunden, sagt Fahrni.
Gästehäuser sind nicht erlaubt
Aus den Mietwohnungen im Herrenhaus, das um 1684 errichtet wurde, sollen sechs Eigentumswohnungen werden. Weiter sind hier Begegnungsräume wie eine Küchenwerkstatt und eine Schlosshalle mit Cheminée vorgesehen. Neu ist in den Plänen, dass Gästewohnungen unter dem Dach Platz finden sollen. Diese waren ursprünglich in Form von kleineren Gästehäusern im weitläufigen Garten vorgesehen. «Doch im Vorgesuch hat sich herausgestellt, dass nur Nebenbauten im Garten erlaubt sind», sagt Fahrni.
Unmittelbar neben dem Schloss befand sich eine Scheune, die 1936 abgebrochen wurde. Nur eine alte Mauer ist übrig geblieben. Fahrni wird hier wieder ein Gebäude errichten. «Mit dem Satteldach, der Holzfassade und den Schlitzfenstern wird es wie eine Scheune aussehen.» Zwei Wohnungen sowie ein Atelier mit Studio werden hier Platz finden.
Im Osten des Schlossareals steht ein Gartenhaus, bis 1917 gab es auch eine Kapelle. An dieser Stelle plant Fahrni ein längliches Gebäude mit grossen Fenstern für drei Wohnungen.
In der alten Ziegelei im Südosten des Geländes wurden Backsteine und Dachziegel gebrannt. Ihre Errichtung ist auf 1756 datiert. Die Trocknungshalle neben der Ziegelei wurde wahrscheinlich um das Jahr 1916 zum Grossteil abgebrochen. Fahrni möchte diese Halle wieder in ihrer ursprünglichen Länge errichten und die alte Dachform beibehalten. In der Ziegelei und der Trocknungshalle sind drei Wohnungen geplant. Vor Beginn der Bauarbeiten werden laut Fahrni Mitarbeiter des Freilichtmuseums Ballenberg die Ziegelei besichtigen. «Sie sagten mir, dass eine solch alte Ziegelei selten sei und es nicht viele Forschungen dazu gebe.»
Garten für Kultur öffnen
Im einen Hektar grossen Garten des Schlosses wachsen zahlreiche Pflanzen und Bäume, unter anderem Trompetenbäume, Akazien und Linden. Hier leben auch zwei Alpakas, Pfauen und Fasane. «Den Englischen Garten entwickeln wir nach Westen weiter», sagt Fahrni. Das Bambusfeld zähmen wir und werden es als Inseln gestalten.» Der neue Musikpavillon sei ideal für die Apérokonzerte anlässlich der Murten Classics. Es ist auch geplant, für bestimmte Kulturveranstaltungen den Schlosspark für die Bevölkerung zu öffnen. Auch eine Fasanerie und Kräuterinseln sind vorgesehen. Ein Gemüsegarten, Obstbäume und ein Tiergehege werden südlich der Wilerstrasse entstehen.
Auf den Dächern der Scheune und des Cottage werden in das Dach integrierte Fotovoltaikanlagen gebaut. «Diese werden aufs Jahr gesehen mehr Strom produzieren, als auf dem Schlossareal benötigt wird.» Zudem werde es Ladestationen für die Autos der Bewohnerinnen und Bewohner geben.
Saniert und gebaut werde in drei Etappen. Den Start plant Fahrni für diesen Herbst und einen Abschluss für Ende 2023 oder 2024. Die Baukosten schätzt er auf 10 bis 12 Millionen Franken. Wie viel die Wohnungen – jeweils etwa 100 bis 120 Quadratmeter gross – kosten werden, müsse noch berechnet worden, so Fahrni.
«Die Fotovoltaikanlagen werden aufs Jahr gesehen mehr Strom produzieren, als auf dem Schlossareal benötigt wird.»
Jann Fahrni
Architekt
Gemeinschaft
Ungezwungenes und spontanes Aufeinandertreffen
Architekt Jann Fahrni möchte mit der Gestaltung der Gebäude und des Gartens den Austausch unter den Bewohnerinnen und den Bewohnern des Schlossareals fördern. «Es wird nicht möglich sein, von der Einstellhalle direkt zu den Wohnungen zu gelangen», erklärt er. «Die Bewohner müssen die Wege nutzen, die durch den Garten führen.» Das ermögliche ein ungezwungenes und spontanes Aufeinandertreffen. Dies sei auch das Ziel der Gemeinschaftsräume im Herrenhaus, zum Beispiel die Küchenwerkstatt, die ein gemeinsames Kochen ermöglicht. «Ich bin überzeugt, dass eine solche Wohnform, die bislang eher in den Städten verbreitet ist, Zukunft hat», sagt Fahrni.