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Welche Fähigkeiten muss ein neuer UBS-CEO mitbringen, wenn Sergio Ermotti in ein paar Jahren abtritt? Schweiz-Chefin Sabine Keller-Busse, die der mit Abstand profitabelsten Einheit der UBS vorsteht, wäre eine logische Nachfolgerin. Aber sie wird wohl nicht mehr zur Verfügung stehen.
Der Hauptgrund ist ihr Jahrgang. Keller-Busse ist 1965 geboren und dürfte 62 Jahre alt sein, wenn Ermotti abtritt. Wie aus seinem Umfeld zu hören ist, hat der Tessiner Ambitionen, nicht nur bis zum Ende der Integration im Jahr 2025 zu bleiben. Als Sicherheitsmarge dürfte er noch ein bis zwei Jahre dranhängen. Sein Rücktritt könnte also erst 2027 erfolgen. Dann wäre er 67 Jahre alt.
Auf dem Papier ist Keller-Busse dann zu alt, um die neue Grossbank nach der schwierigen Integration der Credit Suisse in die Zukunft zu führen. Der Verwaltungsrat dürfte sich für eine jüngere Person entscheiden, welche die Perspektive bietet, die UBS in den nächsten zehn Jahren zu leiten.
Genügend Zeit für die Nachfolge
UBS-Präsident Colm Kelleher kann sich also genügend Zeit für die Nachfolge Ermottis nehmen. Dabei dürfte er auch den Nachfolgeprozess bei Morgan Stanley genau studieren, wo er vor der UBS lange tätig war. Überraschend wurde dort Ende Oktober nach einem mehrjährigen Prozesses ein Handelsspezialist gewählt. Ted Pick setzte sich gegen Wealth-Management-Chef Andy Saperstein und Dealmaker Dan Simkowitz durch.
Der Bank ist es nicht nur gelungen, drei valable Kandidaten für die Nachfolge von CEO James Gorman aufzubauen, sondern auch die beiden unterlegenen Kandidaten an die Bank zu binden. So wie damals Kelleher selbst, der 2009 Gorman den Vortritt lassen musste, aber bei der Bank blieb.
Bis zur Übernahme der Credit Suisse sah es gut aus für Sabine Keller-Busse. Sie hätte Chance gehabt, Ralph Hamers an der Spitze der Bank abzulösen. Es war offensichtlich, dass Kelleher nicht gut mit Hamers auskam. Hamers kannte eigentlich nur das Retailbanking, vom Private Banking und vom Kapitalmarktgeschäft verstand er nicht viel. Keller-Busse und Kelleher dagegen verstanden sich auf Anhieb gut, obwohl auch Keller-Busse keine Bankerin mit breiter Erfahrung ist.
Eine Spätzünderin
Sie ist eine Spätzünderin im Bankgeschäft. Erst mit 43 Jahren wechselte die promovierte HSG-Ökonomin ins Business, nachdem sie 13 Jahre als Beraterin für McKinsey gearbeitet hatte. Zunächst ging sie zur Credit Suisse, wo sie ab 2008 das Privatkundengeschäft in der Region Zürich leitete. 2010 wechselte sie zur UBS, wo sie eine steile Karriere hinlegte. In nur sechs Jahren stieg sie in die Konzernleitung auf.
Als Chefin des Schweizer Geschäfts leitet sie die mit Abstand profitabelste Einheit der Grossbank. Die Cost/Income Ratio liegt bei 55 Prozent. Alle anderen Einheiten liegen deutlich darüber. Im Wealth Management (C/I-Ratio im Q3: 82%), im Asset Management (95%) und im Investment Banking (110%) drischt die UBS viel leeres Stroh. Es ist der Home Turf, auf dem die Schweizer Grossbank ihr Geld verdient.
Weit offene Türen für VR-Mandate
An diesen Machtverhältnissen wird sich so schnell nichts ändern. So wäre es eigentlich nur logisch, wenn Keller-Busse CEO der UBS würde. Doch UBS-Präsident Colm Kelleher will die UBS international positionieren. Obwohl die UBS in den USA weit weniger profitabel ist, will er das Geschäft dort strategisch ausbauen. Um den Aktienkurs der Bank auf amerikanisches Niveau zu hebeln, muss er das tun.
Für Sabine Keller-Busse werden sich andere Türen öffnen. Schon jetzt sitzt sie im Verwaltungsrat der Zürich-Versicherung. Ihr würden andere VR-Mandate nur so zufliegen, sollte sie die Bank verlassen.