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«‹Ihr, die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren›, ist in blutroten Lettern auf die Wand der Chemical Bank an der Ecke Eleventh und First geschmiert.» Mit diesem Zitat beginnt der Roman «American Psycho» des US-amerikanischen Schriftstellers Bret Easton Ellis, ein Satz, der passt - gerade in Zeiten der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Ein Satz, der eigentlich über dem Eingang zur UBS am Paradeplatz stehen müsste, hingesprüht mit roter Farbe, jeden Morgen frisch aufgetragen, sodass die Farbe auf die BankerInnen tropft, wenn sie ein und aus gehen.
Der Satz ist aber auch eine Warnung an die LeserInnen von «American Psycho». Ellis beschreibt in seinem Snuff-und-Splatter-Roman die Welt des Wall-Street-Yuppies Patrick Bateman in den achtziger Jahren, der tagsüber in New Yorker High-Class-Restaurants diniert, mit Kollegen - Stolis schlürfend und Kokain schnupfend - über Benimmregeln und Kleidung spricht, um dann nach Feierabend, «wie es der Zufall so will» (Ellis), zu einem Frauen aufschlitzenden Psychokiller zu mutieren.
Als der Roman 1991 erschien, war die Bevölkerung der USA schockiert: Frauenrechtsgruppen demonstrierten, Ellis’ Verlag weigerte sich, das Buch zu veröffentlichen. Die Rechte gingen an einen anderen Verlag, und wurde zum Bestseller.
Ellis behauptet, das Buch nachts während Xanaxräuschen geschrieben und nie gelesen zu haben. Der Roman als Protokoll eines dreijährigen Deliriums, in dem Ellis von einer Stimme heimgesucht wurde, die ihm fortwährend diktierte, was er zu schreiben hatte. Das Buch ist nichts für schwache Nerven, aber es eignet sich, ungeliebte Zeitgenossen zu verschrecken: Genervt von zahllosen Rundmails tippte ich vor einigen Jahren in einem von Whisky erfüllten Tobsuchtsanfall ein Kapitel daraus ab (Inhalt: eines der zahlreichen bis ins Detail beschriebenen Gewaltverbrechen - beim Lesen hatte ich das Buch mehrmals weglegen müssen) und verschickte es als Rundmail mit dem unverdächtigen Titel: «Fröhliche Weihnachten.» Niemand antwortete. Bis heute nicht.