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In den Bergen westlich von Korça liegen zwei kleine Dörfer, die zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Albaniens zählen, Einst waren es grosse und weit bekannte Handelsstädte – heute zeugen nur noch ein paar Kirchen vom alten Glanz. Viele dieser Gotteshäuser weisen eindrückliche Wandbemalungen auf oder sind architektonisch speziell.
Lage
Voskopoja liegt zwanzig Kilometer westlich von Korça in den Bergen auf fast 1200 Metern Höhe. Rundherum steigen die bewaldeten Berghänge noch flach auf über 1600 Meter an. Es ist ein abgeschiedenes Gebiet, wo Fuchs und Haas und wohl auch Wolf und Bär sich Gutnacht sagen.
Vithkuq liegt südlich von Voskopoja, etwas mehr als 25 Kilometer von Korça entfernt. Vithkuq liegt etwa gleich hoch wie Voskopoja, die Berge werden hier leicht höher und sind etwas steiler.
Die beiden Dörfer sind nicht miteinander durch eine Strasse verbunden.
Voskopoja
Als die Osmanen Albanien eroberte, entwickelte sich in Voskopoja ab dem 15. Jahrhundert eine Stadt. Es waren vor allem Aromunen: Kaufleute, die damals Handel auf dem ganzen Balkan trieben und Waren bis nach Deutschland, Venedig und Konstantinopel verkauften. Um 1700 erreichte der Wohlstand in Voskopoja seinen Höhepunkt. Es gab zahlreiche orthodoxe Kirchen, Ikonenmaler, eine der ersten Druckereien im europäischen Teil des osmanischen Reichs, eine »Akademie« genannte Hochschule und Banken. Man zählte mehrere Zehntausend Einwohner – heute sind es deutlich weniger als Tausend. Nachdem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wiederholt Diebesbanden die Stadt angegriffen hatten, entvölkerte sie sich rasch, und der Aufschwung Korças begann.
Heute sind in Voskopoja noch mehrere alte Kirchen zu sehen – viele sind in einem sehr schlechten Zustand. Während des Kommunismus wurden sie nicht unterhalten, auch Kulturgüter wurden teilweise als Ställe gebraucht. Erst in den letzten Jahren sind einige wieder restauriert worden, oder es wurden zumindest die wichtigsten Unterhaltsarbeiten durchgeführt.
Die Besichtigung beginnt am Dorfplatz, wo die Strasse von Korça endet. Ein kommunistisches Denkmal erinnert hier an die Partisanenkämpfer des Zweiten Weltkriegs. Gleich auf der linken Seite des Platzes sind ein paar Touristeninformationsschilder zu sehen – in einem gut unterhaltenen, eher neuen kleinen Häuschen liegt da die Touristeninformation. Dies ist eine guter Startpunkt, erhält man hier doch Dokumentationsmaterial und auch Auskunft über Zugänglichkeit der einzelnen Kirche. Auch Führer mit Schlüsseln für die einzelnen Kirchen sind hier anzutreffen.
In Voskopoja wurde in den letzten Jahre viel in den Tourismus investiert. Nebst der Touristeninformation wurden alle Sehenswürdigkeiten angeschrieben. Wegweiser führen durchs Dorf – und viele der holprigen Wege rund um den Dorfplatz wurden neu gemacht.
Sehenswürdigkeiten
Grösste Sehenswürdigkeiten Voskopojas sind die alten Kirchen. Von ehemals mehr als zwei Dutzend christlichen Gotteshäusern sind heute noch fünf mehr oder weniger vollständig erhalten. Mehrere weitere Ruinen finden sich rund um das Dorf verstreut.
Kisha e Shën Kollit – Ein kurzer Spaziergang vom Platz nach Süden führt zur Nikolauskirche, wohl die bedeutendste und noch am besten erhaltene Kirche. Sie stammt aus dem Jahr 1721. Betreten wird die Anlage durch ein Tor in einem schmalen Turm. Der dem kleinen Hof zugewandte Seite der Kirche ist ein Arkadengang angebaut, der mit schönen Wandmalereien verziert ist.
Das Innere der Kirche enthält ebenfalls reiche Wandmalereien. Die Ikonostase ist wie in den meisten Orten Albaniens nicht mehr im Original vor Ort erhalten. Das düstere Licht, die kalte Luft versetzen den Besucher rasch in vergangenene Zeiten, als hier noch mehr Leben herrschte. Die wenigen Fenster lassen kaum Licht rein. Fotografieren ist im Inneren leider nicht erlaubt.
Wie die meisten Kirchen der Region sieht man dem Gebäude von Weitem seinen Zweck nicht an, wäre da nicht der Turm. Die Osmanen haben verboten, dass man Kirchen baut, deren Kuppeln weit sichtbar sind, weshalb die Architekten die Kuppeln mit Schrägdächern überdecken mussten.
Kisha e Shën Marisë – Die Marienkirche befindet sich etwas nördlich vom Hauptplatz, etwas rechts unterhalb, aber noch im Dorf. Der Bau liegt hinter einem Glockenturm mit Tor, das in die Anlage mit grösserem Umschwung führt. Die Kirche wurde vermutlich in den 90er Jahren des 17. Jahrhunderts erbaut. Der Kirche sieht man gut an, wie sie in der kommunistischen Periode gelitten hat – und noch immer wurde nicht viel für die Erhaltung getan: Teile des Gebäudes wurden in kommunistischer Zeit abgetragen und auch das Innere ist noch weitaus profaner als bei der Niklauskirche.
In einer Ecke der Hauptfassade sind noch Reste der Wandbemalungen sichtbar. Im Inneren ist die Kirche deutlich grosszügiger und heller als die Nikolauskirche – sie diente einst als Kathedrale Voskopojas. Auch in dieser Kirche finden sich bedeutende Wandmalereien, die aber mehrheitlich in einem schlechten Zustand sind.
Kisha e Shën Mëhillit – Die Erzengel-Michael-Kirche liegt schon etwas ausserhalb von Voskopoja im Südwesten. Wegweiser führen den Weg von der Niklauskirche hierher – ein gemütlicher Spaziergang von zehn Minuten. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Kirche wenig von den umliegenden Ställen aus kommunistischer Zeit.
Der Säulengang dieser Kirche wurde wie bei der Marienkirche in kommunistischer zerstört und somit auch die meisten Fresken auf der Aussenseite. Nur noch ein kleiner Teil konnte erhalten werden. Das dunkle Innere der Kirche ist aber auch hier sehr reich ausgeschmückt – die Malerarbeiten wurden im Jahr 1722 vollendet. Die Ikonostase ist komplett neu, das Original wurde aber schon vor über 100 Jahren zerstört. Die Kirche verfügt über einen grösseren Narthex, der vielleicht für die Frauen gedacht war.
Kisha e Profet Ilias – Die Basilika St. Elija liegt etwas ausserhalb im Nordwesten auf einem Hügel – etwas daneben zwischen Bäumen der Glockenturm. Auch diese Kirche hat sehr gelitten in kommunistischer Zeit: Der Säulengang fehlt wiederum. Der Schmuck im Inneren blieb nicht erhalten, so dass das leere Gebäude meist nicht verschlossen ist. Die hübsche Gegend rechtfertigt den Spaziergang hierher. Die Kirche ist mit 1751 datiert und das Dach ist hier anders errichtet als bei den übrgien Kirchen des Dorfes.
Kisha e Shën Athanasit – Die kleine Athanasiuskirche liegt nördlich des Dorfes beim Bach. Sie ist noch recht gut erhalten – der Narthex wurde zwar entfernt – und das Innere wiederum sehr aufwändig ausgestattet. Sie stammt aus dem Jahr 1724.
Kisha e Shën Prodhomit – Das Kloster des Johannes des Täufers liegt auf dem Berg nördlich von Voskopoja und kann auch gemütlich erwandert werden mit Zwischenstopp in einem der Restaurants unterwegs. Der Weg ist nicht besonders gut und empfiehlt sich nur mit 4×4-Fahrzeugen, da er ab dem Hotel Akademia nochmals schlechter wird. Die kleine Klosterkirche hat als einzige eine von aussen erkennbare Kuppel. Ein paar Gebäude gruppieren sich um die Kirche, so dass eine hübsche Anlage entststand. Der Bau stammt aus dem Jahr 1632, die Malereien im Inneren aus dem Jahr 1659.
Rund um und in Voskopoja finden sich noch weitere Ruinen von Kirchen und alten Gebäuden. Etwas hinter der Michaelskirche finden sich Reste der Kirche des Heiligen Haralambos – leider ohne Dach. Innerhalb des Dorfes am westlichen Rand ist die Stelle, wo sich früher die Akademie befand. Zwischen Shën Ilias und Shën Athanasit befinden sich die Ruine von Shën Pjetrit. Gleich jenseits der Brücke auf dem Weg zum Kloster liegt noch die Kapelle Shën e Premtë.
Umgebung
Shipcka – Das Dorf rund fünf Kilometer nördlich von Voskpoja enthält eine weitere Kirche, die interessant ist, weil sie vor ein paar Jahren mit Geldern eines griechischen Sponsors äusserst aufwändig restauriert worden ist. Die Kirche sei auch älter als andere Kirchen der Region. Die Anfahrt (vor der Brücke zum Kloster links) ist wohl nur für Offroad-Fahrzeuge zu empfehlen. Es gibt aber auch eine Wanderroute von Voskopoja am Kloster vorbei nach Shipcka und zurück.
Vithkuq
Vithkuq ist noch etwas abgelegener und deutlich weniger touristisch als Voskopoja. Es war zwar auch mal eine Stadt mit vielen Kirchen. Und wie Voskopoja wurde auch dieses Dorf zerstört. Zwei Kirchen sind besonders eindrücklich. Eine dritte Kirche im Ort wurde 2014 restauriert – vielleicht kann auch diese Marienkirche zwischenzeitlich besichtigt werden. Shën Gjergj ist wohl soweit restauriert, dass nicht mehr viel von der historischen Kirche zu sehen ist. Weitere Kapellen rund ums Dorf und meist nur zu Fuss erreichbar sind Shën Minait, Shën Vangjelizmoi und Shën Konstantini.
Etwas unterhalb des Dorfes erreicht man eine rund hundertjährige Steinbrücke über den Fluss Osum, der in der Nähe von Vithkuq entspringt und später durch Berat fliesst. Ein Weg geht hier rechts ab; er führt zum ersten Wasserkraftwerk Albaniens, das hier in den 1930er Jahren erbaut worden ist, und den Berg hoch zum Kloster St. Peter und Paul. Der Besucher sollte aber zuerst die Brücke überqueren und der asphaltierten Strasse ins Dorf folgen.
Im Dorfzentrum macht man am besten bei der neuen Kirche halt, um sich nach dem Schlüssel (»çelësi«) für die alten Kirchen zu erkundigen. Der Pfarrer sollte den Schlüssel haben; ansonsten können sicherlich die Leute in den umliegenden Cafés helfen.
Sehenswürdigkeiten
Kisha e Shën Mihailit – Um die Michaelskirche zu erreichen, folgt man der Asphaltstrasse weiter durch die verschiedenen Viertel des Dorfes bis ans entfernte Ende. Auch dieser Bau wäre nur schwer als Kirche zu erkennen, wären da nicht die 13 Bögen des Vordachs an der Längsseite. Wohl keine andere Kirche des Landes hat ähnlich viele Bögen (siehe auch Bild ganz oben). Eine Wiese, die von einer Mauer umgeben ist, liegt vor der Kirche.
Nebst dem aufwändigen Äusseren bietet die Kirche auch im Inneren sehr eindrückliche Wandmalereien, die im Narthex fortgesetzt werden. Auch in der Michaelskirche ist es innen recht düster, da es nur wenige Fenster, viel Holz und dunkle Malereien hat. Die Ikonostase ist zum Teil noch original, während alle Ikonen entfern worden sind und sich heute in Museen befinden.
Geweiht wurde sie im Jahr 1728 nach über 40-jähriger Bauzeit und Malerarbeiten von zwei lokalen Künstlern.
Kloster St. Peter und Paul – Um das Kloster (albanisch: »Manastiri i Shën Pjetrit«) zu erreichen, muss man zurück zur Osum-Brücke unterhalb des Dorfes fahren – Schlüssel nicht vergessen! Auf der gegenüberliegenden Nordseite der Brücke geht es links auf einen unasphaltierten Weg ab, der bald den Hügel hochführt. Man erreicht einen Sattel, wo es scharf rechts abgeht. Der Weg wird schlechter, wenn er sich zum Teil sehr steil den Hügel hochschlängelt – man kann diesen Teil aber auch in ca. zehn Minuten zu Fuss machen.
Vom alten Kloster aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind vor allem noch Ruinen zu sehen. Die noch erhaltene Kirche ist deutlich kleiner als die Michaelskirche, aber wiederum innen mit reichhaltigen Fresken geschmückt. Schon im turmartigen Vorbau am Eingang finden sich diverse Wandmalereien.
Hinter der Kirche liegt noch ein weiterer Bau, die Kosmas- und Damian-Kirche. Diese einfache Kapelle ist auch im Inneren bemalt. Interessant sind auch die Gewölbe des Untergeschosses: hier findet sich ein Ossarium mit vielen Totenschädeln und weiteren Knochen.
Wer das Gelände noch weiter erkundet, findet nicht nur eine im Baum hängende Kirchenglocke – wer braucht schon einen Turm? – , sondern wird auch mit einer hübschen Aussicht auf Vithkuq und die Bergwelt rundum belohnt.
Transport
Die beiden Dörfer sind gut von Korça aus per Strasse erreichbar.
- Auto – Die Strasse nach Voskopoja geht in Korça von der äusseren Ringstrasse westlich des Bazars ab: kleiner Kreisverkehr, sollte ausgeschildert sein. Es sind rund 20 Kilometer zuerst durch die Ebene, durch den Ort Voskop und dann in die Berge hoch. Das flache Stück ist eher schmal, ab Voskop bis Voskopoja ist die Strasse gut ausgebaut.
Um nach Vithkuq zu gelangen, verlässt man die äussere Ringstrasse im Süden auf der Landstrasse in Richtung Erseka: grössere Kreuzung ohne Kreisverkehr (2015). Die Strasse führt nach Süden westlich des Morava-Gebirges und passiert den Ort Kamenica mit dem Tumulus-Museum (siehe Beschreiung im Artikel Korça). Nach 13 Kilometern, kurz bevor die Landstrasse nach Erseka aus der Ebene in die Berge ansteigt, muss man nach einer Brücke rechts abbiegen. Die Strasse nach Vithkuq steigt an einer Bergflanke an und passiert die von Weitem sichtbare Wasserleitung eines Kraftwerks. Bis Vithkuq sind es nochmals rund ein Dutzend Kilometer, jetzt aber durch einsames Bergland. Man passiert nur zwei kleine Dörfer und ein Wasserreservoir. Die Strasse ist asphaltiert und problemlos, aber schmal, kurvenreich und nicht immer in gutem Zustand. Ab der oben beschriebenen Osum-Brücke steigt sie nochmals steiler an bis zum Dorfzentrum.
Über diese beiden Dörfer hinaus gibt es keine asphaltierten Strassen und meist nur sehr schlechte Wege, die auch mit Offroad-Fahrzeugen oft ein Abenteuer sein dürften.
- Öffentlich – Die Dörfer sind von Korça aus mit Bussen respektive Furgon zu erreichen. Für Details muss man sich vor Ort erkundigen – zur Not direkt beim Furgon-Abfahrtsplatz beim Basar. Es ist nicht garantiert, dass es am gleichen Tag eine Rückfahrgelegenheit gibt (oftmals fahren die Busse morgens vom Dorf in die Stadt und nachmittags zurück aufs Land).
Essen & Trinken & Schlafen
Während Vithkuq noch nicht touristisch erschlossen sind, ist das Angebot in Voskopoja für albanische Verhältnisse schon fast sehr touristisch. In beiden Dörfern gibt es einige Restaurants und Möglichkeiten, privat ein Zimmer für die Übernachtung zu mieten. In Voskopoja gibt es zudem diverse Hotels und Ausflugsrestaurants – einige davon sehr schön und aufwändig gestaltet. Einige liegen im Dorfzentrum, anderen nördlich des Orts am Weg zum Kloster.
Zwischen Dorf und Kloster liegt zum Beispiel das »Hotel Akademia« – eine sehr gepflegte Anlage mitten im Wald. Früher war dies ein Pionier-Lager, und auch heute dürften hier bei schönem Wetter am Wochenende zahlreiche Kinder über den englischen Rasen wuseln.
Freizeit & Kultur
Die Region eignet sich gut für Wanderungen. Die Touristeninformation in Voskopoja hat auch Unterlagen mit Wandervorschlägen. Es gibt ansonsten aber kaum markierte Routen. Im Internet finden sich zahlreiche Routenvorschläge – zum Beispiel von Voskopoja nach Shipcka und zurück oder von Voskopoja nach Vithkuq.
Immer wieder findet sich auch die Information, dass man in Voskopoja skifahren könne. Es gibt dort aber keinen Skilift.
In Voskopoja gibt es auch Personen, die selber hergestelltes Handwerk anbieten.
Wetter
Wegen der Höhe und der Berge ist das Klima hier etwas frischer und feuchter als in weiten Teilen Albaniens. Wie überall in den Bergen ist mit ungemütlichen Wetterumschwüngen zu rechnen, sei es ein Sommergewitter oder ein Schneesturm im Winter.
Natürlich kann es in der Region auch schön heiss werden im Sommer.
Die meisten Häuser haben Heizung, aber in vielen Räumen kann es bis in den Spätfrühling und auch wieder im Herbst schon empfindlich kühl sein. Im Winter liegt in den Dörfern meist lange Schnee.