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Heidy Weber konnte am Neujahrstag in der Pfarrkirche Seewen eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft zum 14. Neujahrskonzert begrüssen. Die russische und slawische Musik fand begeisterte Aufnahme.
Als sich im 19. Jahrhundert die Königreiche, Grafschaften, Herzogtümer … auflösten und sich daraus demokratische Staatsgebilde zu formen begannen, suchte man allenthalben nach neuen Identitätshilfen. Einen entscheidenden Teil konnte da die Musik beitragen. In vielen Ländern wurden (werden) Komponisten, welche es verstanden, die musikalischen Eigenheiten ihres Volkes in Kunstmusik umzusetzen, als grosse Helden gefeiert. Als Aleksandr Alab‘jev mit dem Lied «Nachtigall» die Russische Romanze erfand, löste er eine riesige Begeisterung aus. Die Russische Romanze ist der Form nach ein Kunstlied, welches sich jedoch stark an den Eigenschaften vonVolksliedern orientiert. Am Neujahrskonzert gelang es der russisch-schweizerischen Formation hervorragend, die schwerblütigen, elegischen Melodien verschiedener Romanzen in die Herzen des Publikums zu giessen. Da blieb es selbst bei langsamen, langen, ruhigen Melodien aus Russlands Weiten mäuschenstill. Die schwierige Aufgabe, zwischen echter Betroffenheit und unappetitlicher Sentimentalität zu unterscheiden, haben die zwei Damen und drei Herren meisterhaft gelöst.
Russische Volkslieder
Den grösstmöglichen Gegensatz zu den oft traurigen, melancholischen Romanzen bilden die «bytovaja pesnja», die städtischen Volkslieder. Da ist einTempo, einWitz und eineVirtuosität in der Musik, dass es unmöglich ist, still sitzen zu bleiben, selbst auf einer Kirchenbank nicht. Als Alexander Ionov auf seiner Balalaika «Barinja» oder «Kalinka» in mitreissender Geschwindigkeit vortrug, sah man ganze Bankreihen mitwippen. Eine kleine Balalaika, bespannt mit drei kurzen Saiten, vermochte (ohne Verstärkung!) eine ganze Kirche voll Zuhörer von den Bänken zu reissen – Volksmusik in künstlerischer Vollendung.
Russische Seele
Mikhail Glinka komponierte im Jahre 1848 «Kamarinskaja», ein Orchesterstück nach einem traditionellen Hochzeitslied und einem russischen Volkstanz. Es gelang ihm erstmals, sich von den westlichen Formen der klassischen Musik zu lösen und eigene zu finden. Das war die Geburtsstunde der klassischen russischen Orchestermusik. Die Melancholie der Romanzen und die ironische Spritzigkeit der zänkischenVolkslieder waren vereint, vom «Vater der russischen Komponisten». Fides Auf der Maur ist es gelungen, höchst kompetente Musiker zu finden, welche die einmaligen Gegensätze in der slawischen Musik glaubwürdig interpretieren: Für Sergej Simbirev (Akkordeon) und Alexander Ionov (Balalaika) aus Russland und für Alexander Cebanica (Kontrabass) aus Moldawien war es zumeist Musik aus ihrer Heimat. Patricia Draeger (Akkordeon) und Fides Auf der Maur (Klarinette) haben sich in hohem Masse in die unendlichen Weiten der russischen Seele eingefühlt.
Länd(l)ermusik
Klarinette, Akkordeon und Kontrabass kamen aus der Sakristei – eine Ländlermusik? Das ist das grosse Glück und Verdienst der slawischen Musik: Volksmusik wird Kunstmusik, Kunstmusik ist volkstümlich. Das Programm hat diese Tatsache erfreulicherweise berücksichtigt. Man konnte bei der hohen Qualität des Musizieren nicht herausfinden, ob es sich um komponierte Kunstmusik oder um anonymeVolksmusik handelt. Dies ist natürlich auch den zumeist gut gelungenen Arrangements zu verdanken. Es gab höchstens einzelneWerke, welche die Stimmung der Originale nicht erreichten, so etwa Borodins «Steppenskizze aus Mittelasien», wo auch die Schwierigkeit der Intonation bei fixierten (Akkordeon) und flexiblen Tonhöhen (Klarinette) bei Unisono- Stellen hörbar wurden. Im Namen aller Besucher darf ich gewiss wünschen, dass Heidy Weber nach dem sehr erfolgreichen Neujahrskonzert Nummer 14 uns auch mit einem Neujahrskonzert Nummer 15 beschenken möge.
Bote der Urschweiz
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Musik
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/saMUVE