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Geschichtliches und Angaben zur Konstruktion
- Das zweigeschossige, nicht unterkellerte historische Gebäude stammt aus dem 17./18. Jahrhundert.
Viele z. T. erhebliche Veränderungen von früheren Generationen traten bei der Renovation zu Tage
und forderten eine vielseitige Anpassungsfähigkeit heraus.
- Die originale Grundstruktur sollte beim Umbau weitgehend erhalten bleiben. So blieben
die Bruchstein-Aussenwände und die Decke über EG sowie die tragenden Trennwände im EG
und OG erhalten. Leichtbautrennwände wurden herausgenommen.
Interessantes zeigte sich bei der Giebelwand zum Wirtschaftsgebäude: eine frühere Generation
verschob die Giebelwand ab OG 80 cm Richtung Wirtschaftsgebäude, um in den oberen Stock-
werken mehr Platz zu gewinnen. Diese lagerte auf den Stallbalken. Vielleicht war die ursprüngliche
Dachkonstruktion so stark reparaturbedürftig, dass sich eine Erweiterung anbot. Diese Veränderung
passierte vor 1900.
Die Korrektur dieser statisch unglücklichen Massnahme wurde beim Umbau im 2003 so angegangen,
indem der "fliegende" obere Giebel mit einer Pfostenkonstruktion im EG abgefangen wurde.
Die damit erhaltene Erweiterung des EG's war eine willkommene Fügung.
- Das Wohnhausdach mit Mansarden und zwei kleinen Gauben musste mit der Decke über OG
vollständig ersetzt werden. Dies war besonders für die Decke über OG schade, denn es handelte
sich um eine über 100 Jahre alte, gestrichene Kassettendecke, welche vollständig verwurmt war.
- Der Anbau aus dem Jahre 1953 mit Bad und Waschküche zum Garten und mit einer Terrasse
im OG fielen zusammen mit dem Naturkeller und Schweinestall sowie dem ganzen hinteren Teil
des Wirtschaftsgebäudes (ehem. Boutique) dem Abbruch wegen mangelnder Qualität zum Opfer.
Neubauteile
- Diese Massnahmen boten Platz für einen EG-erweiternden Anbau zum Garten hin mit Bad/WC
in Holzbauweise. Ein wichtiger und schöner Raum, welcher die EG-Wohnung erheblich aufwertet.
Im OG darüber entstand gleichzeitig eine wertvolle Terrasse. Auch ergab die Öffnung der Schüre
nach hinten eine räumliche Verbesserung und Option für einen späteren Ausbau.
- Das ab 2003 im EG untergebrachte Architekturbüro kann später mit einfachen Mitteln
in eine alters- und behindertengerechte Wohnung umfunktioniert werden.
- Der ehemalige Stall wurde zum internen, unbeheizten Treppenhaus (Aufgang zur Wohnung OG)
mit angehängtem Haustechnikraum.
- Die Aussenwand des Wohnhauses zum Wirtschaftsgebäude ist vollflächig thermisch isoliert
und beinhaltet alle Installations-Steigzonen.
- Das neu ausgeführte Dachgeschoss in Holzelementbauweise erhielt neu eine raumhohe Öffnung
zum Garten hin. Strassenseitig wurden drei Gauben in die Dachschräge gesetzt, um den Baukörper
dem geforderten Ortsbild gerecht zu werden.
- Die Giebelwand zum Gässli wurde nicht in Bruchstein weiter aufgemauert, sondern
in 39 cm dicken POROTON-Hochdämmbacksteinen. Ein langes Fensterband zeigt sich
als ein neues Element unübersehbar in der traditionellen Fassade.
- Über dem neuen DG wurde ein unbeheizter Dachraum gelegt, welcher im Sommer/Winter
raumklimatisch viel zum Komfort der Schlafräume beiträgt. Die Dämmung des Daches
ist aus Zellulose und Holzweichfaser 25 cm dick.
- Der offene Holz-Laubenanbau nach Osten über drei Etagen bietet viel gedeckten Aussenraum
und willkommenen Wetterschutz.
- Alle Aussenwände wurden raumseitig mit einer mit 8 cm-Naturzellulose isolierten Vorwand-
konstruktion und 15 mm Fermacellplatten beplankt. In dieser Schicht sind auch die Wand-
heizelemente von Thermotec integriert.
- Die Gas-Zentralheizung ist im Haustechnikraum untergebracht.
- Die Elektroinstallation wurde elektrobiologisch konzipiert.
Lehmbau im Speziellen
- Die Ausfachungen von neuen und teilweise alten Fachwerken wurden in allen Geschossen
in Schweizer Lehmsteinen von ZZ-Wancor (ex-Ziegelei Keller) ausgeführt. Die Produktion dieser
hervorragenden Leichtlehmsteine mit Chinaschilfanteil (1'200 kg/m3) wurde 2001 aus wirtschaftlichen
Gründen eingestellt. Es wurden die letzten CH-Lagerbestände in diesem Haus verbaut.
- Alle Wände wurden mit farbigen Lehmputzen versehen, welche auf der Baustelle hergestellt wurden.
- Als Besonderheit gelten die 65 m2 Stampflehmboden in den drei heute als Büro genutzten
EG-Räumen. Die Bauherrschaft, mit 2 Helfern der IG Lehm und Martin Rauch als Fachmann,
bauten 9 m3 Stampflehmmischung aus Schlins/Vorarlberg ein. Dieser Stampflehmboden lagert
auf einem 40 cm-Rundkieskoffer und einem 15 cm dicken Isolier-Unterlagsboden aus Trasszement
und rezykliertem Korkgranulat.
Anderes
- Das gartenseitige Dachwasser versickert via 10 m3 Teich in ein 80 m3 Trockenbiotop aus Gelbkies.
Das strassenseitig anfallende Dachwasser versickert in einem Sickerschacht, der mit Kies
eingekoffert wurde.
- Aus den Bruchsteinen des ehemaligen Naturkellers entstand
eine eigenwillig gestaltete Gartentrockenmauer.