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News
Hintergrund
Die Batterie - Knackpunkt der Elektromobilität
Ohne massiven Ausbau der Elektromobilität ist die Abkehr von fossilen Energien und eine klimaverträglichere Verkehrsentwicklung kaum zu erreichen. Im Zentrum steht dabei der Akku, der die Energie für den Betrieb der Elektrofahrzeuge speichert.
Zahlen und Fakten
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Zunehmende ElektrifizierungVon 2010 bis 2018 stieg die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Akkus, dem heutigen Standard-Energiespeicher für Elektrofahrzeuge, jährlich um 30 Prozent. Dafür verantwortlich sind gemäss der Global Battery Alliance die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs sowie der wachsende Bedarf an Energiespeichern für Stromnetze.
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Steigende NachfrageLaut Prognosen der Weltbank dürfte sich die Nachfrage nach Batterierohstoffen bis 2050 gegenüber 2018 vervier- bis verfünffachen.
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Wichtigste BatterierohstoffeZu den wichtigsten Batterierohstoffen für Elektrofahrzeuge gehören Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Graphit.
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Gefährliche ArbeitsbedingungenEin grosser Teil dieser Rohstoffe wird in Ländern mit hoher Armut und schwachen Verwaltungs- und Gouvernanzstrukturen abgebaut. Während lokale Eliten mit der Rohstoffförderung teils saftige Gewinne erzielen, profitiert die Bevölkerung nur sehr begrenzt. Minenarbeiterinnen und Minenarbeiter leiden oft unter miserablen und gefährlichen Arbeitsbedingungen.
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Klagen über MenschenrechtsverletzungenGemäss dem Business & Human Rights Resource Centre beziehen sich weltweit die meisten Klagen über Menschenrechtsverletzungen auf den Rohstoffsektor. Im Vordergrund stehen etwa die Umsiedlung ganzer Dörfer im Anschluss an die Vergabe von Minenkonzessionen, die Zerstörung landwirtschaftlicher Anbauflächen, Wasserverschmutzung, Wasserknappheit, sowie die Beeinträchtigung von Sicherheit und Gesundheit der lokalen Bevölkerung durch Minenaktivitäten.
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Lithium-Dreieck in Chile, Argentinien und BolivienDas sogenannte Lithium-Dreieck in Chile, Argentinien und Bolivien hält über 60 Prozent der weltweit bekannten Reserven am “weissen Gold”. Es ist vergleichsweise günstig, weil der Rohstoff Bestandteil einer unterirdischen Salzlösung ist, und durch natürliche Verdunstung gewonnen wird. Für die Förderung einer Tonne Lithium werden etwa 2 Millionen Liter Salzlösung benötigt. Dies führt zum Absinken des Grundwasserspiegels und beeinträchtigt die Frischwasserreserven für das sensible Ökosystem und die indigene Bevölkerung.
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Kobalt aus der DR KongoIn einer Elektroauto-Batterie stecken heute etwa acht Kilogramm Kobalt. Das Schwermetall stammt fast ausschliesslich aus der Demokratischen Republik Kongo und hat einen schlechten Ruf, weil beim Abbau im Kleinbergbau Kinderarbeit weit verbreitet ist, trotz bestehender Kinderschutzgesetze und Vorschriften.
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China als grösster Produzent und AbnehmerChina ist nicht nur der grösste Markt für Elektrofahrzeug-Akkus, sondern dominiert gleichzeitig auch weite Teile der globalen Batterielieferketten, insbesondere die Verarbeitung der Rohstoffe und die Herstellung der Speicherzellen.
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TeslaTesla gehört zu den beliebtesten Automarken. Das Unternehmen hat sich Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung auf die Fahne geschrieben und strebt kobaltfreie Batterien an. Vorerst wird das umstrittene Metall jedoch weiterhin benötigt. Tesla hat gemäss Financial Times im Sommer 2020 mit Glencore einen Liefervertrag für bis zu 6000 Tonnen Kobalt pro Jahr abgeschlossen.
Das tut Brot für alle
Elektrofahrzeugbatterien unter der Lupe
Im September 2020 haben Brot für alle, Fastenopfer und der Verkehrs-Club der Schweiz VCS eine Studie zur Geschäftspolitik der sechs grössten internationalen Hersteller von Elektrofahrzeugbatterien aus China, Südkorea und Japan veröffentlicht. Ebenfalls unter die Lupe genommen wurde der Schweizer Technologiekonzern ABB. Analysiert wurden firmeneigene Daten aus den Nachhaltigkeits- und Corporate Social Responsibility-Berichten zum Umgang der Unternehmen mit Umwelt- und Menschenrechtsfragen, insbesondere in ihren Lieferketten.
In der Gesamtbewertung schneidet der südkoreanische Hersteller Samsung SDI am besten ab, während just der chinesische Weltmarktführer CATL auf dem Schlussrang landet – vor allem aufgrund mangelnder Transparenz. Die Rückverfolgbarkeit der Lieferketten weist jedoch bei allen Herstellern erhebliche Mängel auf. So fehlen praktisch überall Angaben zu den Minen, aus denen die Rohstoffe stammen.
Ausserdem beschränken die Unternehmen ihre Sorgfaltspflicht auf sogenannte Konfliktmineralien und auf Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo, das wegen verbreiteter Kinderarbeit in den Minen als problematisch gilt. Andere Rohstoffe wie etwa Lithium oder Nickel, deren Abbau ebenfalls gravierende soziale und ökologische Schäden verursacht, werden weitgehend ausgeblendet.
Beim Umweltmanagement liegt der Fokus der Batteriehersteller auf den CO2-Werten. Dabei haben nur drei der sieben untersuchten Unternehmen ihre Emissionsziele auf die Forderungen des Pariser Klimaabkommens abgestimmt.
Das fordert Bfa
Sorgfaltspflicht und Kreislaufwirtschaft
- Sorgfaltspflicht
Batteriehersteller müssen ihre Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette und für alle verwendeten Rohstoffe wahrnehmen. Entscheidend sind dabei mehr Transparenz in Bezug auf die Herkunft der Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen in den entsprechenden Minen und die sozialen und Umweltfolgen in deren Umfeld.
- Öffentliche Beschaffer
Öffentliche Beschaffer sollen dank ihrer Kaufkraft und entsprechend ihrer Vorbildrolle Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Herstellungsbedingungen einfordern, indem sie basierend auf dem revidierten öffentlichen Bundesbeschaffungsgesetz auch beim Kauf von Elektrofahrzeugen entsprechende Kriterien anwenden.
- Investoren
Die Anlagestrategie von Investoren in «grüne» Energietechnologien ist fragwürdig, solange die sozialen und Umweltrisiken beim Rohstoffabbau nicht mitberücksichtigt werden.
- Recycling
Verbesserungsmöglichkeiten bestehen gleichzeitig im Ausbau des Recyclings. Die Politik muss entsprechende Innovationen fördern sowie Anreize und Regulationen schaffen, damit Batterien möglichst lange genutzt und anschliessend möglichst vollständig wiederverwertet werden. Recycling vermindert den Bedarf an ständig neu geförderten Rohstoffen, und die damit einhergehenden sozialen und Umweltschäden.
Das können Sie tun
Alternatives Mobilitätsverhalten
Dokumente
«Die Batterie – Knackpunkt der Elektromobilität», Studie von Brot für alle, Fastenopfer und dem Verkehrs-Club der Schweiz VCS, August 2020: