Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03636.jsonl.gz/1267

Bei der UBS nennt man sie die Decom-Liste. Auf ihr landen alle Software-Applikationen, die von der UBS im Rahmen der CS-Übernahme nicht integriert, sondern «decommissioned» - also ausgemustert - werden. Wie Tippinpoint erfahren hat, soll ein prominenter Name auf dieser Ausmusterungsliste stehen: Palantir Technologies.
Das Unternehmen aus dem Silicon Valley arbeitet seit 2016 mit der Credit Suisse zusammen. Die Idee des damaligen Chefs Tidjane Thiam war es, mit Palantir ein computergestütztes, automatisiertes Compliance-System zu entwickeln. Ausgestattet mit künstlicher Intelligenz sollte es in der Lage sein, kriminelle Verhaltensmuster zu erkennen, also zum Beispiel Geldwäscher aufzuspüren oder sogenannte Rogue Trader im Unternehmen zu identifizieren.
Dafür baute die Credit Suisse ab 2017 das «Digital Transformation and Product Lab» auf und investierte über die Jahre rund 500 Millionen Franken in die Integration der Software. Vorangetrieben wurde das Projekt von Lara Warner, der Compliance- und späteren Risikochefin. Doch die vermeintlich ausgeklügelten Computer-Algorithmen konnten Skandale wie Greensill oder Archegos nicht verhindern.
UBS übernimmt 300 von 3000 CS-Applikationen
Im Jahr 2022 wurde das «Digital Transformation and Product Lab» aufgelöst und in eine andere Abteilung integriert. Die Software wird nicht mehr lange im Einsatz sein. Nach früheren Angaben wird die UBS nur rund 300 von insgesamt 3000 CS-Applikationen weiterbetreiben. Palantir gehört nicht dazu. Eine UBS-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.
Für Palantir ist der Verzicht ein herber Schlag. Dass eine Schweizer Grossbank auf die Softwarefirma setzte, galt als gut vermarktbarer Showcase. Bekannt ist, dass Palantir in der Schweiz auch bei Swiss Re und dem Medienunternehmen Ringier im Einsatz ist.
Im Jahr 2019 wurde bekannt, dass Software von Palantir auch zur Überwachung von Mitarbeitenden der Credit Suisse eingesetzt wurde. Wie der SonntagsBlick enthüllte, soll Palantir das Verhalten der Angestellten «minutiös» protokolliert haben. Die Software habe sämtliche E-Mails der Mitarbeitenden gescannt.
Dies wurde im Zusammenhang mit der Beschattungsaffäre um Iqbal Khan bekannt. Die Anwendung Gotham von Palantir soll von mehreren westlichen Geheimdiensten als Spionagesoftware eingesetzt werden.
Aktienkurs halbiert
CEO von Palantir Technologies ist Alexander Karp, der das Unternehmen 2003 gemeinsam mit Peter Thiel gründete. Vor drei Jahren brachte er die Softwarefirma an die Börse. Heute wird es mit 33 Milliarden Dollar bewertet.
Das Unternehmen schreibt nach wie vor Verluste. Der Aktienkurs hat sich in den letzten 2 Jahren halbiert. CEO Karp soll nun in Liechtenstein leben, wie CH Media (Abo) im Mai berichtete. Zuvor soll er ein Haus in Freienbach SZ gekauft haben.