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Mittwoch, 06. Juli 2011
Connect. Kunst zwischen Medien und Wirklichkeit
Eine Ausstellung mit Medienkunstarbeiten des Sitemapping-Programmes (BAK) 2005-2011
Eröffnung: 13. Juli 2011, 19 Uhr
Ausstellung: 14. Juli – 11. September 2011
Spezialprogramm am 3. September 2011, 19 – 2 Uhr (Lange Nacht der Museen Zürich)
Kuratorinnen: Anke Hoffmann, Yvonne Volkart
knowbotiq (Yvonne Wilhelm, Christian Hübler): kotomisi – non essential mix Vol 1, 2011, Installation Kleidung/Hüllen/Ornamente/Stimmen
Die aus heterogenen, maschinell miteinander verbundenen Teilen bestehende Installation „kotomisi – non essential mix Vol 1“ bezieht sich namentlich auf ein traditionelles Kleidungsstück, das seit dem 16. Jahrhundert von Sklavinnen in der ehemaligen niederländischen Kolonie in Surinam, Südamerika, getragen wurde. Dieses mehrteilige Kleidungsstück „Kotomisi“ kommuniziert bis heute einen vielfältig codierten Emanzipationsprozess. So weisen die Stoffe, die zuerst in Indien, danach in Europa (auch in der Schweiz) für einen afrikanischen und südamerikanischen Markt produziert wurden, auf das globalisierte Verhältnis von Textilien- und Sklavenhandel.
Die in Anlehnung an die jeweiligen lokalen Moden produzierten Stoffe und Muster wurden oft nach aktuellen Ereignissen benannt, in Nachrichten transformiert und über „Mittelsfrauen“ distribuiert. Auch die Faltung zur Kopfbedeckung oder der Schnitt der Kleidungen wurden zur Nachricht: Sozialer Stand, psychische Befindlichkeiten der Trägerin oder klandestine Informationen im Kontext der Sklaverei wurden so für jene lesbar, die in die Geheimnisse der Codes eingeweiht waren. kotomisi als ein Medium steht gleichermaßen für die anfängliche Unterdrückung und die spätere Selbstermächtigung und gipfelt in einer voluminösen, prunkvollen und überzeichneten (weiblichen) Figuration. Aufgrund seiner Mehrdeutigkeit, Undurchsichtigkeit und Hybridität entzieht es sich jedoch einer eindeutigen Zuschreibung; zurück bleibt eine semantische Leere bei gleichzeitiger ornamentaler Überfrachtung.
Wie schon in q’s Arbeiten mit der vieldeutig-uneindeutigen MacGhillie-Figur, so steht dieser Überschuss und Rest im Kotomisi für experimentelle Möglichkeiten im Umgang mit Unbestimmtheiten und Undurchschaubarkeiten in unserer fröhlichen, auf Effizienz und formale Eindeutigkeit hin optimierten Kontrollgesellschaft. Es steht aber auch, wie die für diese generative Installation produzierte Radiosendung der Moderatorin in Niederländisch/Sranantongo und deren Un/verständlichmachen durch die männliche Stimme in Deutsch verdeutlicht, für eine un/erledigte, un/verstandene Geschichte, deren Codierung und Dechiffrierung weiterer „Mittelsmänner und –frauen“ bedarf.
Yvonne Volkart