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Heisst die Schweizer Medaillenhoffnung am Sonntag auf der Normalschanze Gregor Deschwanden? Der 22-Jährige ist in einer tollen Verfassung – er scheint gar in einer besseren Form zu sein als Vierfach-Olympiasieger Simon Ammann.
Simon Ammann hat am zweiten Trainingstag mit besseren Leistungen aufgezeigt als bei der ersten Begegnung mit der Normalschanze von Sotschi. Im dritten Satz des Tages landete er mit 99,5 Metern auf Rang 7 und sagte danach, er habe bloss 80 Prozent gegeben.
Gregor Deschwanden hat den guten Eindruck von gestern bestätigt. Im ersten Durchgang des zweiten Trainings sprang er am Freitagmorgen 99 Meter weit und damit auf Rang 3. Nur der Japaner Taku Takeuchi und Favorit Kamil Stoch aus Polen segelten mit jeweils 100,5 Metern noch weiter.
Der vierfache Olympiasieger Simon Ammann war im ersten Sprung heute besser als in seinen drei Sprüngen gestern. 97,5 Meter bedeuten Rang 11 für den Toggenburger.
Im zweiten Trainingssprung erreichte Deschwanden mit 98 Meter erneut eine gute Weite. Ammann segelte wie im ersten Sprung auf 97,5 Meter. Bestweite stellte erneut Weltcup-Leader Stoch auf (102,5 Meter), dahinter folgen der Sieger der Vierschanzentournee Thomas Diethart (Österreich) und Takeuchi.
Deschwanden zeigte auch im dritten Durchgang, dass er die Normalschanze ausgezeichnet im Griff hat. Er landete noch einmal nach einem Satz bei 99 Metern (9.). Ammann zeigte mit 99,5 Metern (7.) seinen besten Sprung des Tages und bewies, dass er keinesfalls abzuschreiben ist. Kamil Stoch setzte im dritten Durchgang erst nach 103 Metern auf, hinter ihm folgen in der Rangliste die beiden Österreicher Gregor Schlierenzauer und Thomas Diethart.
Die beiden Schweizer gehören nach den Trainingseindrücken zum Kreis der Medaillenanwärter. Der Topfavorit auf die Goldmedaille ist allerdings eindeutig Stoch. Der polnische Weltmeister 2013 von der Grossschanze möchte schaffen, was seinem berühmten Landsmann Adam Malysz nie gelungen ist und Olympiasieger werden.
«Ich habe noch Steigerungspotenzial», sagte Ammann. «Im letzten Sprung steckte bloss 80 Prozent Topleistung, trotzdem verliere ich nur drei Meter auf die Besten. Ich hoffe, dass mich das Fahnenschwingen an der Eröffnungsfeier noch beschwingt», scherzte er. Und in ernstem Ton fügte er hinzu: «Früher wäre ich der Rolle als Fahnenträger nicht gewachsen gewesen, weil ich den zusätzlichen Aufwind nicht mit meiner Wettkampfvorbereitung hätte vereinbaren können. Nun sehe ich dies als Motivation an, nicht als Hindernis.»
Der Schweizer Trainer Martin Künzle würdigte die Leistungen seiner Athleten. «Die Entwicklung verläuft positiv», sagte er. «Simon ist bereits nahe an der Spitze dran, obwohl das Timing noch nicht ganz stimmt.»
Deschwanden knüpfte an seine überzeugenden Leistungen vom Donnerstag an. «Mit gelingt es, mehr Tempo in die zweiten Flugphase mitzunehmen», erklärte er seinen Fortschritt. Deschwanden habe schon mehrmals im Training überzeugt, im Wettkampf dann aber geschwächelt, meinte Künzle. «Nun hat er seinen Absprung nochmals verbessert. Er kommt harmonischer über den Ski, was auch eine geringere Bremswirkung zur Folge hat.»
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