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|Die paar leuchtenden Jahre|

BERLIN (1918-1938)
Emigrantin von Kind auf, fand Mascha in Berlin, wohin die Familie nach Kriegsende umgezogen war, endlich eine scheinbare Heimat.
In Berlin gehörte sie zum Kreis der schöpferischen Boheme, die sich Ende der Zwanziger- und Anfang der Dreissigerjahre das »Romanische Café« zum Treffpunkt erkoren hatten. Maler, Schauspieler und Literaten wie Tucholsky, Ringelnatz, Klabund, Else Lasker-Schüler, Erich Kästner und Walter Mehring saßen hier, dichteten und diskutierten, träumten von einer besseren Welt, bis die meisten von ihnen in die Emigration gingen, in die äussere oder die innere.
Im Januar 1933, als die Signale gesetzt wurden, die auch Mascha Kaléko in die Emigration zwingen sollten, war gerade ihr erstes Buch erschienen: ›Das lyrische Stenogrammheft‹. »Großstadtliebe« oder »Langschläfers Morgenlied« lauteten die Titel ihrer Stenogramme aus dem Berliner Alltag, mit denen sie sich die Herzen der Leser eroberte. Mascha Kaléko wurde getragen von einer Woge des Erfolges.
Ernst Rowohlt wagte noch ein zweites Buch der jungen Autorin: ›Kleines Lesebuch für Große‹. Doch am 8. August 1935 wurde Mascha Kaléko aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und erhielt Berufsverbot. Das ›Kleine Lesebuch‹ wurde noch in der Druckerei beschlagnahmt, ihre Bücher nur noch unter dem Ladentisch verkauft oder von Freunden für Freunde abgeschrieben.
Fast hätte Mascha Kaléko den Absprung ins Exil verpasst, weil sie sich von Berlin nicht trennen mochte. Erst 1938 verließ sie Deutschland. Auch ihr privates Leben hatte in diesem Jahr eine bedeutsame Wende genommen. Nach zehnjähriger Ehe war sie von dem Philologen Saul Kaléko geschieden worden und emigrierte mit ihrem zweiten Mann, dem Musiker Chemjo Vinaver, und beider kleinem Sohn nach New York.
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