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Die Niederlande führen auch 2019 das globale Vergleichsranking der Rentensysteme im Melbourne Mercer Global Pension Index (MMGPI) an. Mit einem Indexwert von 81,0 und der Note «A» platziert das Land vor Dänemark (80,3, «A») und Australien (75,3, «B+»). Die Schweiz schafft es nur auf Rang 12 (66,7, «B»), noch hinter Ländern wie Finnland, Kanada und Chile. Thailand belegt mit dem niedrigsten Indexwert (39,4) den letzten Platz.
Der MMGPI, unterstützt von der Regierung Viktorias in Australien, ist ein gemeinschaftliches Forschungsprojekt zwischen der Monash University in Melbourne und dem Beratungsunternehmen Mercer. Der Index vergleicht 37 Rentensysteme auf der ganzen Welt hinsichtlich Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Dabei deckt er fast zwei Drittel der Weltbevölkerung ab. Neu berücksichtigt wurden in diesem Jahr die Philippinen, Thailand und die Türkei.
In den einzelnen Subindizes gehen die Höchstwerte an Irland (81,5 im Index Angemessenheit), Dänemark (82,0 im Index Nachhaltigkeit) und Finnland (92,3 im Index Integrität). Die niedrigsten Werte erhalten Thailand für Angemessenheit (35,8), Italien für Nachhaltigkeit (19,0) und die Philippinen für Integrität (34,7). Die Schweiz erreicht im Bereich Integrität mit 83,0 Punkten einen guten Wert, jedoch zeigen sich bei der Nachhaltigkeit (65,4) und insbesondere bei der Angemessenheit (57,6) Schwächen.
Die Schweiz kann von Spitzenreitern lernen
«Unser Rentensystem ist nicht grundsätzlich anders als die Modelle der Spitzenreiter. Unterschiede zeigen sich vor allem darin, wie wir in der Schweiz mit den Gegebenheiten des Systems und des Marktes umgehen» kommentiert Samuel Lisse, CEO von Mercer Schweiz. «Was uns vor allem fehlt ist eine höhere Flexibilität bei den Rentenleistungen unter Berücksichtigung demografischer Entwicklungen und der erzielten Anlagerenditen. Ausserdem ist in anderen Ländern eine deutlich höhere Risikobereitschaft auf der Anlageseite zu beobachten, was sich in einer höheren Rendite niederschlägt.» Als Resultat liege die Schweiz besonders im Bereich Angemessenheit weit hinter den Bestplatzierten. «Unsere Ersatzquoten liegen unter denen einiger anderer Länder.»
Lernen könne man z. B. von den Niederlanden und Dänemark, den beiden einzigen mit «A» bewerteten Ländern im Index. «In beiden Ländern steigt das Rentenalter mit der tatsächlichen Lebenserwartung. Das macht das System als Ganzes nachhaltiger und führt zu höheren Leistungen.» In den Niederlanden seien die Pensionszahlungen ausserdem an die Deckungsgrade der Kassen gekoppelt – liegt der Deckungsgrad über einen gewissen Zeitraum unter 100 Prozent, so werden die Leistungen entsprechend gekürzt. Umgekehrt können die Versicherten aber auch von entsprechenden Erhöhungen profitieren.
Auch von Dänemark könne man sich etwas abschauen: «In der dritten Säule sehen wir in Dänemark eine deutlich höhere Bereitschaft zu risikoreicheren, dafür aber auch renditestärkeren Anlagestrategien. Kumuliert über ein Arbeitsleben kommen so teilweise sehr hohe Leistungen zustande», so Lisse. «In unserer eigenen Pensionskasse setzen wir ebenfalls auf einen hohen Anteil risikoreicher Anlagen, um damit langfristig bessere Renditen für unsere Mitarbeitenden erwirtschaften zu können.»
Starke Korrelation zwischen Haushaltsverschuldung und Pensionsvermögen
Der MMGPI 2019 zeigt eine starke Korrelation zwischen dem Niveau des Pensionsvermögens und der Nettoverschuldung der Haushalte, wobei das Wachstum der Haushaltsverschuldung in den Industrie- und Wachstumsländern mit dem Wachstum der von den Pensionsfonds gehaltenen Vermögenswerte gepaart ist.
Der Bericht ist die erste internationale Studie dieser Art, die den ‘Vermögenseffekt’ –d. h. die Tendenz, dass die Ausgaben mit steigendem Vermögen steigen – im Verhältnis zum Vorsorgevermögen dokumentiert. Laut Dr. David Knox, Senior Partner bei Mercer und Autor der Studie, deutet das Wachstum der Vermögenswerte, die von Pensionsfonds gehalten werden, darauf hin, dass sich die Haushalte mit Blick auf ihre Rentenersparnisse finanziell sicherer fühlen. Dadurch fühlen sie sich in der Lage, vor der Pensionierung Schulden aufzunehmen, um ihren derzeitigen und zukünftigen Lebensstandard zu verbessern.
«Mit dem Vermögen eines Einzelnen, sei es in Form von Wohneigentum, in Anlageportfolios oder in der Altersvorsorge, wächst auch der Komfort bei der Schuldenaufnahme. Unsere Untersuchung deutet darauf hin, dass weltweit für jeden zusätzlichen Dollar, den eine Person im Pensionsvermögen hat, die Nettoschuld um knapp 50 Cent steigt», so Dr. Knox.
Index zeigt Verbesserungsmöglichkeiten auf
Obwohl jedes Rentensystem eine Reihe von Besonderheiten aufweist, macht der MMGPI 2019 deutlich, dass es vor dem Hintergrund der weltweit ähnlichen Herausforderungen durchaus generelle Verbesserungsmöglichkeiten gibt. «Die Systeme auf der ganzen Welt sind mit einer beispiellosen Lebenserwartung und einem zunehmenden Druck auf die öffentlichen Mittel zur Unterstützung der Gesundheit und des Wohlergehens älterer Menschen konfrontiert. Es ist unerlässlich, dass sich politische Entscheidungsträger mit den Stärken und Schwächen ihrer Systeme auseinandersetzen, um langfristig bessere Ergebnisse für die Rentner der Zukunft zu erzielen», so Dr. Knox.
Der Index verwendet den gewichteten Durchschnitt der Teilindizes Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität, um jedes Rentensystem anhand von mehr als 40 Indikatoren zu bewerten. Der Index 2019 verfolgt dabei einen neuen Ansatz bei der Berechnung der Nettoersatzrate, d. h. der Höhe des Alterseinkommens, das an die Stelle des bisherigen Arbeitseinkommens tritt. Während die meisten früheren Indexberichte eine Nettoersatzrate basierend auf dem Median-Einkommensempfänger berechnet haben, verwendet der aktuelle Bericht eine Reihe von Einkommensniveaus basierend auf den Daten der OECD. Damit kann eine breitere Gruppe von Rentnern dargestellt werden.
«Der Melbourne Mercer Global Pension Index ist auch in seinem elften Jahr eine wichtige Datenquelle für Rentensysteme auf der ganzen Welt, und das hohe internationale Ansehen des Berichts zeugt von Melbournes Ruf als globalem Zentrum für Industrieforschung, Innovation und Finanzexpertise», kommentiert der Minister für Arbeit, Innovation und Handel der Regierung Viktorias, Martin Pakula.
Nachhaltigkeit nach wie vor eine Schwäche
Der Nachhaltigkeits-Subindex zeigt weiterhin die Schwäche vieler Systeme auf. Hierbei geht es um die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rentensystem auch in Zukunft ausreichende Leistungen erbringen kann.
Insbesondere das Nachhaltigkeitsproblem vieler südamerikanischer und asiatischer Systeme wurde mit einer durchschnittlichen Note von «D» bestätigt. Während Chile in diesem Subindex noch einen starken Wert von 71,7 erreicht, fallen Brasilien und Argentinien mit 27,7 bzw. 31,9 deutlich ab. Ähnliches zeigt sich in Asien, wo Singapur 59,7 Punkte erreicht, Japan dagegen nur 32,2.
Dieses Thema ist jedoch nicht nur auf die Entwicklungsländer beschränkt. Viele europäische Volkswirtschaften stehen unter ähnlichem Druck. Dänemark erreicht mit 82,0 zwar die höchste Punktzahl im Bereich Nachhaltigkeit, Italien und Österreich erhalten jedoch deutlisch schlechtere 19,0 bzw. 22,9 Punkte.
Während einige Faktoren, die zum Nachhaltigkeitswert beitragen, schwer zu ändern sind, könnten andere so beeinflusst werden, dass die langfristige Wirksamkeit eines Systems gestärkt wird. Zu den Empfehlungen gehören z. B. die Förderung eines erhöhten Sparniveaus für die Zukunft, die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters und Massnahmen, die Menschen befähigen und überzeugen, etwas länger zu arbeiten.
«Obwohl in einigen Rentensystemen immer noch leistungsorientierte Pensionspläne verankert sind, die oft verbindlichkeitsorientierte Anlagestrategien verfolgen, spielen beitragsorientierte Pläne eine immer wichtigere Rolle bei der Anhäufung von Altersguthaben. Die Maximierung der risikobereinigten Anlagerenditen für beitragsorientierte Pläne durch Diversifizierung der von einer Pensionskasse gehaltenen Vermögenswerte ist hier entscheidend», sagt Professor Deep Kapur, Direktor der MCFS.
«Es ist wichtig, dass die staatliche Rente oder das Rentenalter im Einklang mit der zunehmenden Langlebigkeit neu betrachtet werden, um die Kosten für öffentlich finanzierte Rentenleistungen zu senken. Einige Regierungen haben diesen Schritt bereits unternommen», so Kapur weiter.
Weiter Informationen zum MMGPI 2019 finden Sie auf dieser Website.
Über das Monash Centre for Financial Studies
Als Forschungszentrum der Monash Business School der Monash University, Australien, will die MCFS die Erforschung von Fragen von praktischer Relevanz für die Finanzindustrie mit akademischer Genauigkeit voranbringen. Darüber hinaus fördert es durch seine Engagement-Programme den gegenseitigen Wissensaustausch zwischen Wissenschaftlern und Praktikern. Die Forschungsagenda des Zentrums ist breit angelegt, konzentriert sich aber derzeit auf Themen, die für die Vermögensverwaltungsbranche relevant sind, einschliesslich Altersvorsorge, nachhaltige Finanzierung und technologische Disruption.
Über Mercer (www.mercer.com)
Mercer bietet Beratung und digitale Lösungen, die Unternehmen dabei helfen, die Anforderungen in den Bereichen Gesundheit, Wohlstand und Karriere in einer sich wandelnden Arbeitswelt zu erfüllen. Mit mehr als 23.000 Mitarbeitenden in 44 Ländern ist Mercer in über 130 Ländern tätig. Mercer ist ein Tochterunternehmen der Marsh & McLennan Companies (NYSE: MMC), dem führenden globalen Anbieter von professionellen Dienstleistungen zu den Themen Risiko, Strategie und HR. Mit einem Jahresumsatz von fast 17 Mrd. USD und fast 75.000 Mitarbeitenden weltweit hilft Marsh & McLennan Companies seinen Kunden dabei, in einem immer dynamischeren und komplexeren Umfeld erfolgreich zu agieren. Zu Marsh & McLennan Companies gehören auch Marsh, Guy Carpenter und Oliver Wyman.
Mercer Schweiz AG (www.mercer.ch)
In der Schweiz ist Mercer mit rund 80 Mitarbeitenden an den Standorten Zürich und Nyon vertreten. Die Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit liegen in der Beratung von Unternehmen rund um die berufliche Vorsorge inkl. der Verwaltung von Versicherungsverträgen, Investments sowie Human-Capital-Strategien und Vergütung/Mobilität von Arbeitnehmenden. Für weitere Informationen besuchen Sie uns auf www.mercer.ch oder folgen Sie uns auf Twitter @MercerSwiss.