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Letzten Monat traf ich Matt von Cage The Elephant vor ihrem Konzert im Dynamo. Dabei erfuhr ich einiges über ihr neues Album „Tell Me I’m Pretty“, ihr Songwriting und über ihre Zukunftspläne.
Sprechen wir zuerst über euer neues Album. Was ist die Bedeutung und Geschichte hinter dem Coverfoto von „Tell Me I’m Pretty“?
Wir wollten jemanden finden, der sehr hübsch ist, aber eine Art Schönheit, die im Auge des Betrachters liegt. Wir wollten ein Mädchen, welche die richtige Erfahrung im Leben hatte, um eine verborgene Demut zu haben.
Während des Shootings haben wir wirklich versucht, nicht mit ihr zu interagieren, damit wir ihr reales Gesicht, ihre richtige Art einfangen konnten. Wir wollten nichts Gestelltes.
Also hat der Name des Albums auch etwas mit dem Bild zu tun?
Ja, „Sag mir, ich bin hübsch“, soll bedeuten, dass wir in einer Welt leben, in der du ständig deine eigene Darstellung deines Lebens bearbeitest und versuchst, deine Fehler zu verbergen. Also fanden wir ein Mädchen, das sehr hübsch war, aber ich spürte sofort, dass wir eine ähnliche Erfahrung im Leben hatten, die wirklich schwer zu verbergen war. Wir haben gerade auf den richtigen Moment gewartet und ihn dann eingefangen.
Was waren die grössten Herausforderungen beim Schreiben des Albums?
Ich denke, dass unsere Idee war, ein sehr schlichtes, bis auf das Minimum reduziertes Album zu machen. Theoretisch klang es sehr gut, aber sobald wir mit dem Schreiben begonnen haben, haben wir erkannt, dass Zurückhaltung sich nicht immer gut anfühlt. Das war wohl das Schwierigste, die richtige Menge an Zurückhaltung zu finden.
Warum wolltet ihr das Album so reduzieren?
Nun, wir glauben, dass die Energie, die wir haben, von Natur aus da ist. Es ist nicht etwas, das erzwungen oder übermässig verwendet werden muss. Wir dachten dann, wenn wir uns zurückhalten, entsteht ein ehrlicheres Endresultat.
Das Album wurde von Dan Auerbach (The Black Keys) produziert. Hat er dich kontaktiert oder wie lief das ab?
Wir haben schon einige Male zusammen getourt und wurden so Freunde. Auf den ersten beiden Touren, die wir mit ihm gemacht haben, lernten wir uns gegenseitig sehr gut kennen und auf der dritten Tour lud Dan uns in sein Hotelzimmer ein. Ich denke, unsere Gedanken vorher waren ähnlich, er hat sich wahrscheinlich überlegt, unsere Platte zu produzieren, und in der gleichen Zeit waren wir interessiert, dass er unsere nächste Platte produziert. Wir waren in seinem Zimmer und zeigten ihm einige Ideen, an denen wir arbeiteten. Einige Momente später, nachdem wir gegangen sind, hat er mir geschrieben: „Ich produziere euer neues Album, du hast keine Wahl“.
Ich habe gelesen, dass ihr euch, bevor ihr „Melophobia“ aufgenommen habt, euch eine Weile nicht kontaktiert habt. Habt ihr etwas Ähnliches mit diesem Album gemacht?
Ich denke, dass wir bei „Melophobia“ schon seit fünf Jahren auf Tour waren. Dann verbrachten wir ein Jahr zu Hause und gingen gewissermassen unseren getrennten Wege. Wir haben uns vorher Gedanken gemacht, wie das Album sein sollte und dann trafen wir uns. Die Herausforderung war nun, die manchmal völlig entgegengesetzten Ideen, wie die Platte klingen sollte, irgendwie zu vereinen.
Also war es dieses Mal ganz anders?
Ja, es war sehr anders. Den grössten Teil haben wir zusammen auf Tour geschrieben und dann, als wir nach Hause kamen, haben wir alles zusammengestellt. „Melophobia“ wurde in etwa einem Jahr geschrieben und „Tell Me I’m Pretty“ wurde nur in ein paar Monaten geschrieben und dann in etwa zweieinhalb Wochen aufgenommen.
Glaubst du, dass das viele Touren euren Sound verändert hat?
Ja absolut. Ich wurde eingeladen, mit Robby Krieger von The Doors am Bonnaroo Festival zu spielen. Das Publikum und einige andere Künstler, die auch dort waren, reagierten extrem gut – Also dachte ich mir „Wow, da ist eine Lücke in der Musik, welche momentan nicht gefüllt ist“. Also wollte ich diesen Bereich erkunden und mit diesem rohen Sound experimentieren.
Abgesehen von der Tour, was inspiriert dich?
Ich versuche zu erfassen, was in unserem Leben passiert, die Tour war für das neue Album also ein großer Teil davon.
Hast du ein Lied, das du sehr gerne magst, aber nie live spielst?
„Sweetie Little Jean“ und „How are you true“ wären diese Lieder für mich. Wir spielen sie nicht sehr oft, weil es einfach nicht genug Zeit im Set gibt. Nach mehreren Alben, kommt man zu einem Punkt, wo die Zeit begrenzt ist und man dann darüber abstimmen muss, welche Songs auf die Setlist kommen.
Mir ist aufgefallen, dass eure Setlists oft sehr ähnlich sind. Warum wechselt ihr die Songs nicht mehr?
Weil die Bands, die wir bewundern, zum Beispiel die Beatles oder die Rolling Stones, ihre Setlists ziemlich konsistent gehalten haben. Und es macht Sinn für uns, denn wir wollen die Lieder in- und auswendig kennen, die live spielen, damit wir uns eine gewisse Spontanität in unserem Set erlauben können. Wenn du die Songs oft wechselst, beschränkt dich das, weil du die Songs nicht gut genug kennst.
Wie entscheidet ihr, welche Songs auf die Setlist kommen?
Wir müssen sie ausprobieren, wie sie bei Live Shows funktionieren. Zu Beginn der Tour war die Setlist anders und abwechslungsreicher. Dann, nach dem Spielen der Songs, sehen wir, welche besser funktionieren. Manche Songs sind super auf der CD, aber live kommt die Stimmung nicht richtig rüber.
Wir werden eine Akkustik-Tour machen, da werden wir Songs spielen, die momentan nicht auf unseren Setlists sind und auch einige Songs nehmen, die wir bereits spielen. Das wichtigste sind die Atmosphäre und der Veranstaltungsort, das macht einen riesiger Unterschied. Die Tour ist geplant für die USA, die Songs werden aufgenommen und schlussendlich möchten wir ein Album daraus machen.
Wie hat sich dein Songwriting im Laufe der Jahre verändert?
Mit jedem Album haben wir ein konkretes Ziel, wir möchten uns in eine andere Richtung zu bewegen. Unsere Vorlieben und Abneigungen entwickeln sich im Laufe der Zeit und wir lernen neue Dinge dazu und versuchen, sie in das Album einzubringen. Unser Schreiben hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert. Mit „Tell Me I’m Pretty“ haben wir mehr Demos gemacht, als wir es je zuvor gemacht haben, bevor wir mit Dan ins Studio gingen. Er hat diese erstaunliche Fähigkeit, uns davon abzuhalten, dass wir zu viel darüber nachdenken, was wir aufnehmen. Er machte immer diese coole Sache, nachdem wir eine Spur geschnitten haben. Wir trafen uns alle im Kontrollraum und Dan liess komische Musik laufen, chilenischer Garage Rock oder so. Und nachdem wir in abgelenkt waren und wieder bei guter Stimmung waren, würden wir das Lied nochmals anschauen und meistens veränderte es das Lied komplett.
Seid ihr noch in Kontakt mit eurem ehemaligen Gitarristen, Lincoln? Er ist jetzt Produzent, könntet ihr euch jemals vorstellen wieder mit ihm zusammenzuarbeiten?
Ab und zu hören wir voneinander, ja. Ich denke, dass er mit seinen neuen Projekten sehr beschäftigt ist – so wie wir auch. Ich glaube nicht, dass er jemals unsere Musik produzieren wird, da er in eine andere Richtung gehen möchte, als wir uns für zukünftige Projekte vorstellen.
Zu guter Letzt – Welches ist dein Lieblingsfestival?
Es gibt so viele tolle, ich kann mich nicht für eines entscheiden. Pinkpop, Reading / Leeds, Glastonbury, Rock en Seine, Lollapalooza Chicago, Lollapalooza Südamerika (alle dort), Coachella, Bonnaroo… – Ich kann kaum aufhören.