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Zuerst ein «böser» Berner, dann ein Innerschweizer
Der eidgenössisch diplomierte Spenglermeister mit eigener Firma in Wolfenschiessen setzte damals nicht nur am Kilchberger Schwinget Akzente: zuerst in seinem Heimatkanton Bern, später in der Innerschweiz. Das Rüstzeug für einen guten Schwinger eignete er sich noch im Bernbiet, an seinem Geburtsort Niederönz, an. Der Zugang zum Nationalsport erschien logisch, wenn man weiss, dass sein gleichnamiger Vater um 1950 herum als Eidgenosse ebenfalls zu den ganz «Bösen» in den Sägemehlringen gezählt wurde und sich seine drei Onkel Ernst, Paul und Walter wie sein Bruder Ueli ebenfalls dem Schwingsport verschrieben hatten. Hans Kopps Lehrmeister war aber Alfred Fankhauser. Sein Bruder Ueli musste sich verletzungsbedingt vorzeitig vom Schwingsport zurückziehen.
Vater und Sohn brillierten am Kilchberger Schwinget
Hans senior und junior prägten beide je einmal den Kilchberger Schwinget: der Vater 1952 mit dem Vordringen in den Schlussgang gegen den späteren Sieger und nachmaligen Schwingerkönig Walter Flach, der Junior 26 Jahre später mit seinem Sieg, den ihm der Erfolg nach 13 Minuten Kampfdauer im Schlussgang gegen den Berner Peter Lengacher bescherte. «Bei brütender Hitze überdrückte ich Peter am Boden. Mein Triumph löste ein Riesenecho aus. Einen solchen Rummel um meine Person hatte ich nicht erwartet», erinnert sich der dreifache Eidgenosse gerne an grössten Erfolg. Im ersten Gang hatte sich Hans Kopp nochmals mit dem sein letztes Fest bestreitenden Karl Meli zu messen. Der Kampf endete wie oft zuvor unentschieden. Dann folgten gegen Rico Kümin, Hans Studer, Jean Leuba und zweimal (im fünften Durchgang und im Schlussgang) gegen Peter Lengacher fünf Siege. Lengacher hatte übrigens Altmeister Meli im vierten Gang die letzte Niederlage in dessen einzigartiger Karriere zugefügt.
Bevor Hans Kopp zum Innerschweizer Verband übertrat, schwang er fünf bedeutende Siege auf Berner Verbandsgebiet heraus. 1971 triumphierte er am Oberländischen im Schlussgang über Peter von Weissenfluh und gewann in der gleichen Saison auch das Oberaargauische, welches er die beiden Jahre darauf ebenfalls für sich entschied.
59 Kränze in zwölf Jahren
1975 siegte Hans Kopp auch am Schwarzsee. Dieses Bergfest hat er in besonderer Erinnerung. 1967 stellte sich hier der erste der insgesamt 59 Kranzgewinne ein. Ein letztes Mal bekränzen liess er sich 1979 am Berner Kantonalen in Lyss, das er hinter Hansueli Mühlethaler auf dem 2. Platz beendete. In der Folge zwang ihn ein hartnäckiges Rückenleiden zum vorzeitigen Rücktritt.
«Ich hätte gerne noch eine Saison angehängt. Ich wollte auf auf jeden Fall noch in St. Gallen dabei sein.» Das wäre sein fünftes Eidgenössisches gewesen. 1972 in La Chaux-de-Fonds, l974 in Schwyz und 1977 in Basel resultierte ein Kranzgewinn, beim Debut 1969 in Biel fehlte ein Viertelpunkt dazu.
Beruflich bedingter Wegzug
Der Umzug in die Innerschweiz hatte berufliche Gründe. «Nach der Meisterprüfung als Spengler 1975 fand ich damals infolge Rezession kein geeignetes Wirkungsfeld und zog im selben Jahr nach Altdorf, später nach Engelberg.» Punkto Schwingen fühlte sich Hans Kopp in der Schwingersektion Nidwalden bedeutend wohler als bei den Urnern. «Den Übertritt in die Innerschweiz bedauerte ich überhaupt nie, zumal ich im Lager der Berner auch nicht immer eine faire Behandlung erfuhr.»
Als Innerschweizer glückten Kopp noch neun Siege an Kranzfesten: je einer am Innerschweizerischen, Luzerner und Urner Kantonalen, zwei am Rigi-Schwinget und vier von 1976 bis 1979 am Ob- und Nidwalder Verbandsanlass. Vergönnt blieb ihm ein Sieg am Brünig-Schwinget. «Einen solchen hätte ich sehr gerne realisiert. Zweimal stand ich einem Erfolg sehr nahe.»
Wie im Schwingen arbeitete sich der gebürtige Berner auch im Beruf kontinuierlich nach oben, gründete 1979 in Wolfenschiessen eine eigene, primär auf Spenglerarbeiten und Bedachung ausgerichtete Firma. Diese beschäftigt heute zehn Angestellte. Nach einer kurzen Tätigkeit als Kampfrichter befasst sich Hans Kopp heute mit dem Schwingsport nur noch am Rande. Stattdessen engagiert er sich in der Politik. Von seiner Frau Margrit hat er das Gemeindepräsidium von Wolfenschiessen übernommen. Das Innerschweizerische am l. Juli in Stans will er sich aber nicht entgehen lassen.
Autor: Karl Duss