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Tamedia-Ombudsmann Ignaz Staub äusserte sich in einer Kolumne im «Tages-Anzeiger» vom Dienstag zur Lage des weltweiten Ombudswesens. Gegenüber dem Klein Report erklärt er zudem, wie wichtig die freiwillige Selbstkontrolle für die Medienlandschaft ist und weshalb auch bei den Schweizer Medien in diesem Bereich noch viel Luft nach oben besteht.
«Einst in stolzer Zahl vertreten, sind Ombudsleute zu einer bedrohten Spezies geworden - Opfer des Sparstifts wie bei der `Washington Post`», beginnt Staub seinen Artikel mit Bezug auf die Rolle der Ombudsleute in den Medienhäusern der USA. Dabei seien die USA das Geburtsland freiwilliger Selbstregulierung. So habe die «New York World» bereits 1913 ein dreiköpfiges Bureau of Accuracy and Fair Play institutionalisiert.
«Gehen die Einsparungen bei den amerikanischen Medien aber auch in Zukunft so weiter, sehe ich keine Verbesserung für die Lage des Ombudswesens», sagt Staub gegenüber dem Klein Report. Andere Problemregionen sieht er in Afrika und Osteuropa, wo es bisher, mit einzelnen Ausnahmen, noch immer kein Ombudswesen gebe. «In Osteuropa hat meines Wissens das estische Fernsehen als einziges Medium einen Ombudsmann», so Staub.
In anderen Regionen der Welt helle sich das Bild in Sachen Selbstregulierung jedoch auf. «Gemäss der Organization of News Ombudsmen (ONO), die Publikumsanwälte weltweit vertritt, steigt die Zahl der Ombudsleute in Südamerika», so Staub. Dies obwohl Journalisten, zum Beispiel in Mexiko, nicht selten unter erschwerten bis lebensgefährlichen Bedingungen arbeiten würden. Eine Erklärung ist gemäss Staub der Umstand, dass mehrere Länder in der Region noch immer eine Transformation von autoritären Regimes zu Demokratien durchmachen würden.
«Und auch Asien regt sich», so der Ombudsmann, «seit Kurzem ist der Ombudsmann von ´Asahi Shimbun`, mit einer Auflage von elf Millionen die zweitgrösste Zeitung der Welt, ONO-Mitglied.» Und auch «The Hindu», Indiens drittgrösstes englischsprachiges Blatt, habe einen Ombudsmann.
Und wie ist die Lage in der Schweiz? «Das Ombudswesen in der Schweiz ist gemessen an der Zahl der Ombudsleute vergleichsweise weit entwickelt», sagt Staub. Das Bild werde jedoch dadurch verfälscht, dass alleine acht Ombudsleute für das SRF und für private Radio- und Fernsehstationen zuständig seien. «Von den privaten Medienhäusern haben nur die Tamedia, die AZ Medien und die `Neue Luzerner Zeitung` Ombudsleute. Medienunternehmen wie die NZZ-Gruppe oder Ringier verzichten jedoch noch immer darauf», so Staub.
Über die Gründe möchte er nicht spekulieren. Er sagt nur soviel: «Ombudsleute sind eine freiwillige Institution der Qualitäts- und Selbstkontrolle, die als Kontakt zum Publikum fungieren und meiner Meinung nach einiges zu einer funktionierenden Medienlandschaft beitragen». Er räumt jedoch gegenüber dem Klein Report auch ein, dass die Ombudsleute teilweise als «PR-Instrumente» eingesetzt werden, um Lesern und Zuschauern zu zeigen, dass man sie «ernst nimmt».