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Im Rahmen unserer Studie zur Entwicklung der Einstellung und Motivation von Studierenden haben wir vielfältige Aspekte untersucht. Anlässlich eines Calls der Zeitschrift für Hochschulentwicklung haben wir den Blick speziell auf die Herausforderungen der Studienanfänger/-innen gelenkt. Anstatt deskriptiv zu beschreiben, wie Studierende den Übergang von der Schule in die Hochschule erleben, haben wir einen etwas anderen Zugang gewählt: Auf Basis der Selbstwirksamkeit der Studierenden (erhoben ca. einen Monat vor Beginn ihres Studiums) konnten wir die Studierenden in drei verschiedene Gruppen einteilen, die sich durch hohe, mittlere und relativ geringere Selbstwirksamkeit kennzeichnen lassen. Dabei ist festzuhalten, dass bei allen drei Gruppen die Selbstwirksamkeit auf einer Skala von 1 (= stimme gar nicht zu) bis 6 (= stimme voll und ganz zu) zu Beginn des Studiums oberhalb des Wertes 4 lag, d.h. gut bis sehr gut ausgeprägt ist. Gleichwohl lassen sich unterschiedliche Entwicklungen der Studierenden im Verlauf des ersten Studienjahrs nachzeichnen und auch die Wahrnehmung der Herausforderungen ist zwischen den drei Gruppen verschieden.
So nimmt die Gruppe mit der relativ niedrigen Selbstwirksamkeit sämtliche studienbezogene Herausforderungen, z.B. das Erlangen guter Noten, die Bewältigung des Prüfungsdrucks, das Zeitmanagement, aber auch nicht studienbezogene Herausforderungen wie das Zurechtfinden am Studienort als signifikant schwieriger wahr als die anderen beiden Gruppen.
Interessant ist vor allem, dass eine relativ niedrige Selbstwirksamkeit nicht unbedingt mit einer schlechteren Leistungsfähigkeit (operationalisiert über die Matura- resp. Abitur-Note) einhergeht. So ist zwar die durchschnittliche Matura-Note für diese Gruppe geringer, allerdings sind in der Gruppe prozentual die Frauen am stärksten vertreten. Da Frauen mindestens dieselbe Leistungsfähigkeit aufweisen wie ihre männlichen Kollegen, sind sie anteilig zu stark in der Gruppe mit der relativ niedrigen Selbstwirksamkeit vertreten. Es zeigt sich also, dass die Gruppen in sich nochmals eine hohe Heterogenität aufweisen.
Am 26.11.2014 nahmen Christoph Meier und ich an der SAGUF-Jahrestagung in Zürich zum Thema „Zukunft gestalten: Nachhaltigkeits-Kompetenzen in der Hochschulbildung“ teil. Ziel der Veranstaltung war es, Expertinnen und Experten der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung zusammenzubringen und aus theoretischer wie auch praktischer Perspektive ein Kompetenzverständnis für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu diskutieren. Eingebunden wurden konkrete Forschungsprojekte wie auch die Erfahrungen der Lehrenden beim Unterrichten von BNE-Aspekten.
Leitfragen der Veranstaltung waren (vgl. Programmbeschreibung):
„Welche Kompetenzen brauchen Hochschul-Abgänger/innen, um einen Beitrag für eine nachhaltige Transformation der Gesellschaft leisten zu können?“
„Status Quo: Was wird angeboten, mit welchen Bildungszielen?“
„State of the art: Welche theoretischen Grundlagen, Erfahrungen & Erfolgsmodelle gibt es? Welche Kompetenzen wollen sie fördern? Welche Herausforderungen und Hindernisse bestehen?“
Die Tagung war von den Organisierenden methodisch vielfältig gestaltet. Am Vormittag konnte man sich an „Marktständen“ über die verschiedenen Forschungsprojekte informieren und gleichzeitig mit Hilfe der Leitfragen mit anderen Forschenden wie auch Lehrenden darüber diskutieren. Für unsere beiden Projekte, denen jeweils ein spezifisch ausgestaltetes Kompetenzverständnis nach Euler & Hahn (2014) zugrunde liegt, war es eine gute Möglichkeit, Rückmeldungen zu erhalten. Am Nachmittag gab es so genannte „Erntesessions“. Eine war u.a., dass die geladenen namhaften internationalen Experten (Regula Kyburz-Graber , Arnim Wiek und Arjen Wals) eine Rückmeldung auf die Darstellungen des Vormittags gaben.
Insgesamt war es in den Erntesessions spannend zu sehen, dass man mit der Frage „Was sind eigentlich BNE-Kompetenzen?“ nicht alleine ist. Die Arbeitsgruppe der SAGUF nutzte auch die Gelegenheit, ihre konzeptionelle Arbeit zum Kompetenzverständnis vorzustellen, was sehr interessant war und ein möglicher ganzheitlicher Bezugspunkt in der Zukunft sein könnte. Verständnisüberschneidungen wie auch -abweichungen regten dazu an, die Ideen weiterzuspinnen und am Nachmittag in den weiteren „Erntesessions“ zu diskutieren. Dazu wurden fünf Entwicklungsfelder von den Veranstaltern aus den Beiträgen des Vormittags konsolidiert: „Kompetenz- und Referenzprofil“, „Bildungsziele“, „Institutionelle Rahmenbedingungen & Umsetzungsstrategien“ „Kompetenzen der Dozierenden“ sowie „Kompetenzen – Lernformen – Assessment“.
Besonders gut kam in den Entwicklungsfeldern der Link zwischen unseren beiden Projekten am IWP zur Geltung : So zum Beispiel die Frage „Was müssen Lehrende können und welche Tools können sie nutzen, um BNE zu gestalten sowie zu evaluieren und damit BNE-Kompetenzen der Studierenden zu fördern.“ – Wir können uns diese beiden Perspektiven auf Lernende und Lehrende stets gegenseitig spiegeln und diese diskutieren. Außerdem können wir bei der Verständnisklärung auch gegenseitig von Erkenntnissen profitieren und konnten diese bei der Tagung einbringen. So führen wir in einem Projekt eine studentische Fokusgruppe, die uns wichtige Einsichten in die Studierenden-Perspektive ermöglicht. Auf der anderen Seite stehen wir mit (lernenden) Lehrenden in Kontakt, die ihre Veranstaltungen im Sinne von BNE weiterentwickeln möchten. Außerdem unterliegen die beiden Projekte denselben institutionellen Rahmenbedingungen.
Unser Fazit ist, dass es ein gelungener Tag und eine wertvolle Austauschplattform war. – Wir freuen uns, die aufgeworfenen Fragen in dieser übergeordneten Diskussion um BNE-Kompetenzen nun zu vertiefen und an dieser Stelle wieder zu berichten.
Heute war ich eingeladen, unseren Prozess der Curriculumsentwicklung im Rahmen des Treffens des „Netzwerks Lehre“ bei der CRUS vorzustellen.
Da nur zehn Minuten zur Verfügung standen, habe ich auf ein Beispiel fokussiert und unsere Erfahrungen daran erläutert. Mehr dazu ist z.B. in der ZfHE geschrieben. Eine Präsentation dazu ist hier zu finden.
Auch Vertreter der Universitäten Lausanne und Basel sowie der ETH Zürich haben ihre Prozesse vorgestellt. Bei der Universität Lausanne steht zur Zeit insbesondere die Formulierung von Learning Outcomes für alle Studienprogramme im Vordergrund. Die ETH Zürich hat einen umfassenden Prozess definiert, der mit verschiedenen Programmen umgesetzt wird. Im Unterschied zu uns wird dabei das Prozessmanagement – sofern gewünscht – von der dortigen Stelle für Lehrentwicklung komplett übernommen und auch finanziert. Für uns ist es wesentlich, dass das Ownership für die Prozesse direkt bei den Studienprogrammen verbleibt, damit diese kontinuierlich in einem Programmentwicklungsprozess bleiben.
An der Universität Basel ist für neue Studienprogramme ebenfalls ein sehr detaillierter Prozess definiert, an dem sich die Departmente orientieren können, wenn sie ihre Studiengänge weiterentwickeln oder neue Angebote ins Leben rufen wollen. Dabei greift die Universität Basel auf ein ausgebautes SAP-System zurück, welches umfassende Daten zur Studiengangssteuerung liefern soll.
Die vier Beispiele waren sowohl hinsichtlich der umgesetzten Prozesse wie auch mit Blick auf den Umfang der Umsetzung an den Universitäten sehr unterschiedlich. Gleichzeitig konnten verschiedene Gemeinsamkeiten identifiziert werden, die als Zusammenfassung des Workshops dienen sollen:
Die Studienprogrammentwicklung startet – aus didaktischer Perspektive wenig überraschend – mit der Zieldefinition, um die Kompetenzorientierung der Studiengänge zu gewährleisten.
Für die Zieldefinition und die Gestaltung der Studienprogramme werden verschiedene Stakeholder involviert (insbesondere Lehrende, Studierende, Alumni, Arbeitgeber, Wissenschaft).
Wesentlich ist auch die Evaluation der Zielerreichung durch die Einbindung von studienprogrammbezogenen Aspekten in die Evaluation von Lehrveranstaltungen, die Befragung von Alumni und ggf. gesonderten Programmevaluationen.
Die Veranstaltung wurde geschlossen mit einer Analogie zur Metamorphosen von Ovid, da es sich auch bei Curriculumsentwicklungsprozessen um langfristige Veränderungen handelt, die viel Zeit brauchen. In diesem Sinne bleiben wir an diesem Thema weiter dran…