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Wer Boris Pasternak war, wusste ich als Schüler, ohne eine Zeile von ihm gelesen zu haben. Dass Fritz Haber ein vortrefflicher Chemiker war, wusste ich auch. Aber was er erfunden oder erforscht hat? Noch heute keine Ahnung. An den Namen Otto Warburg kann ich mich auch noch erinnern. Und dann die ganz grossen: Albert Einstein und Nils Bohr. Mit der Aussprache des Vornamens von Tadeusz Reichstein hatten wir Schüler Mühe. Aber auch er war einer der Unseren: Immerhin hatte er etwas mit der Herstellung des Vitamins C zu tun. Felix Bloch merkten wir uns auch, war er doch an der Entwicklung der ersten Atombombe beteiligt, mit der die Verbündeten der Deutschen in Fernost in die Knie gezwungen wurden. Das Buch, das uns unsere Lehrerin Mirjam Hadar im Schulhaus Har Nevo in Tel Aviv zur Lektüre empfohlen hatte, hiess „Jüdische Nobelpreisträger“. Und uns wurde erläutert, dass der prozentuale Anteil jüdischer Nobelpreisträger an der Gesamtzahl der Nobelpreisträger überproportional hoch sei. Wir sollten stolz sein. Ich war stolz, ohne zu wissen, was prozentual und überproportional bedeuten. Aber wir hatten stolz zu sein. Stolz zu sein darauf, dass wir so viele Nobelpreisträger gestellt hatten, der Preis stand uns ohnehin zu für alle die Leiden und für all das Unrecht gegenüber dem jüdischen Volk. Und wir waren stolz darauf, dass gerade deutsche Juden so häufig einen Nobelpreis erhalten hatten. Recht geschah es den Deutschen, diesen üblen Nazis, dass sie nach dem Krieg keine neuen Nobelpreisträger mehr verzeichnen konnten. Klar, dass es keine arabischen Nobelpreisträger gab. Woher denn auch? Wurden wieder Nobelpreise vergeben, las uns die Lehrerin die ausführlichen Biografien der Geehrten vor. Und egal, ob Physik oder Chemie, Biologie oder Wirtschaftswissenschaften: Der Nobelpreis gehörte irgendwie uns, auch wenn es keinen einzigen israelischen Preisträger gab, die Juden in der Diaspora holten die Preise für uns.
Jahre später in der Schweiz empfahl uns der Klassenlehrer am Gymnasium ein Buch zur Lektüre, das „Schweizer Nobelpreisträger“ hiess. Für ein kleines Land wie die Schweiz sei der Anteil der Nobelpreisträger prozentual überproportional hoch. Jetzt verstand ich, worum es ging. Und wieder begegnete ich Albert Einstein in der Liste. Und auch Tadeus Reichstein und Felix Bloch. Als ich meiner deutschen Freundin von all diesen jüdischen und Schweizer Nobelpreisträgern erzählte, schaute sie mich an und sagte: „Fritz Haber, Max Born, Gustav Hertz, Paul Ehrlich und Albert Einstein waren ja Deutsche“.