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Zusammenfassung: Eva
Die Burg Zug lag im Mittelalter ausserhalb der ersten Mauern der Stadt auf einer kleinen natürlichen Kuppe, die sich zwischen zwei Armen des Bohlbaches gebildet hatte. Erst die äussere Stadtbefestigung, die in den Jahren 14781530 erbaut wurde, schloss auch die Burg ein. Archäologische Untersuchungen des Burgareals fanden 1967 unter der Leitung des Schweizerischen Landesmuseums (SLM) Zürich statt. Innerhalb der beiden Burghöfe wurden damals radial verlaufende Suchschnitte angelegt. In den Jahren 1970/71 erfolgten eine fotogrammetrische Aufnahme der Burgfassaden (ETHZ), 1979 eine Flächengrabung und weitere Sondierschnitte (SLM) sowie zwischen 1974 und 1982 eine Bauuntersuchung des Burggebäudes (Kantonale Denkmalpflege Zug) im Zuge des mit einer umfassenden Renovierung einher gehenden Um- und Ausbaus der Burg zum historischen Museum.
Schwerpunkte der vorliegenden Veröffentlichung bilden die Aufarbeitung der archäologischen Ausgrabungen, die Vorstellung der Ergebnisse der Bauuntersuchung sowie die Präsentation der Funde aus den Grabungen und der Bauuntersuchung (Kapitel II und III). Die archäologischen Quellen ergänzend wurden auch historische Nachrichten wo vorhanden einbezogen und in Form von Kastentexten den jeweiligen Phasen der Baugeschichte zugeordnet (Kapitel II).
Es fanden jedoch nicht nur archäologische und historische Forschungen Eingang in die Publikation, sondern im Sinne einer Erweiterung des Blickwinkels bis hin zur Oral History auch das Portrait einer der letzten Bewohnerinnen der Burg, von Frau Marianne Schildknecht-Hediger. Ausserdem ist ein weiterer Teil dem Restaurierungskonzept des Gebäudes, den denkmalpflegerischen Fragestellungen und dem Ausstellungskonzept des «Museums in der Burg» gewidmet, das nach der Restaurierung in der Burg eingerichtet wurde (Kapitel IV).
Zuletzt erfahren das ausserordentliche Gebäude und seine Geschichte eine umfassende Würdigung, welche die Burg als kulturgeschichtliches Denkmal mit anderen Herrschaftsbauten vergleicht und den Versuch einer Einordnung in historischer, typologischer, geografischer und politischer Hinsicht vornimmt (Kapitel V).
Die Auswertung der Grabungen und bauhistorischen Untersuchungen ergab eine Gliederung in 25 siedlungs- bzw. baugeschichtliche Phasen. Diese decken die Geschichte des Burghügels von den ersten Spuren menschlicher Einwirkung (8.11. Jh.) bis zum vorletzten grossen Umbau des Burggebäudes in den Jahren 19001926 ab. Der letzte Umbau betraf dann die archäologischen Untersuchungen und die Restaurierung der Burg 19781982.
Als älteste Befunde gelang im Bereich des späteren Burghofes die Erfassung von Gruben und Pfostengruben sowie einer Feuerstelle, die nur relativ grob in die Zeit zwischen dem 8. und 11. Jh. datiert werden können (Phase I). Wir interpretieren sie als Überreste einer zwei- oder sogar dreiphasigen Besiedlung. Die Funktion der Gruben ist indes nicht eindeutig geklärt: Sowohl eine Interpretation als so genannte Grubenhäuser wie auch als gewerblich genutzte Gruben käme grundsätzlich in Frage. Die vermutlich mehrheitlich nicht zu den Gruben gehörenden Pfostengruben weisen auf die Existenz von mehreren Pfostenbauten unbekannter Grösse und Struktur hin.
Mit dem Bau einer ersten Ringmauer und einer künstlichen Anböschung im Innern wird im 11./12. Jh. eine erste befestigte Anlage auf dem Burggelände erstmals klar fassbar (Phase IIb). Es handelte sich sehr wahrscheinlich um eine so genannte Motte, die im Zentrum der Aufschüttung vermutlich einen befestigten Turm aufwies.
In einem nächsten Schritt wurde im 12. Jh. die Aufschüttung der Motte sowie der mutmassliche Turm im Zentrum abgetragen und durch eine breite Rundmauer ersetzt (Phase III). Zudem wurde die Ringmauer erneuert und mit einer Toranlage versehen. Die Anlage ist burgentypologisch nicht klar einzuordnen: Sie kann sowohl als Sonderform einer so genannten «Mantelmauerburg» als auch als regionale Ausprägung des bisher vor allem in Westeuropa verbreiteten Bautyps des Shell-Keep angesprochen werden. Über eine mutmassliche Innenbebauung dieser Anlage lässt sich nichts sagen, da allfällig vorhandene Spuren späteren Bautätigkeiten zum Opfer fielen.
Die nächsten beiden Phasen beinhalten die Errichtung der heute noch erhaltenen Bauteile des quadratischen Turmes (Phase IV) und des Nordannexes (Phase V) innerhalb der bestehenden «Mantelmauer» in der ersten Hälfte des 13. Jh. Zudem entstand in Phase IV der eigentliche Burggraben durch die Kanalisierung der bestehenden Bachläufe ausserhalb der Ringmauer und die Errichtung einer Grabengegenmauer.
Mit grosser Wahrscheinlichkeit war es diese Anlage mit zinnenbewehrter «Mantelmauer», Ringmauer und Graben, die 1352 im Zuge der Belagerung von Stadt und Burg Zug durch die Eidgenossen erobert wurde und in Flammen aufging. Der unter der Turmmauer durchführende Angriffsstollen und die Brandspuren an Turm und Nordannex zeugten dann von diesem Ereignis.
Die ausgebrannte Burg wurde 13531355 wiederhergestellt (Phase VI): Der Turm wurde erhöht und vermutlich mit einem hölzernen Obergaden versehen. Zudem wurde dem Nordannex und den nördlichen Teilen der «Mantelmauer» ein hölzernes zweites Obergeschoss in Bohlenständer-Bauweise aufgesetzt. Die südlichen und westlichen Teile der «Mantelmauer» wurden abgebrochen, so dass zwischen der Ringmauer und den Burggebäuden der obere Burghof entstand. Während von der Aufstockung des Turmes heute nur noch geringe Reste vorhanden sind, hat sich der Holzaufbau des Nordannexes in grossen Teilen erhalten.
In der Folge wurde das Burggebäude kontinuierlich erweitert und umgebaut. Fast in jeder Generation wurden eine oder mehrere bauliche Veränderungen vorgenommen. Genannt werden sollen hier exemplarisch die Errichtung zweier Giebelfelder und eines Giebeldaches am Turm (nach 1488, Phase IX), der Neubau der äusseren Ringmauer mit Zinnen auf der bestehenden Grabengegenmauer (nach Mitte 16. Jh., Phase XI), die Erweiterung und Aufstockung des in Phase VII entstandenen Ostannexes (zweite Hälfte 16. Jh., Phase XII) und des Nordannexes (vor 1719/23, Phase XVII), der Einbau einer einheitlichen Befensterung mit Einzelfenstern sowie das Anbringen eines deckenden Aussenverputzes (letztes Drittel 18. Jh., Phase XXI). Da es in der Bauentwicklung kaum zu grösseren Brüchen kam, wurde die Burg allmählich zu dem vielschichtigen Gebäude, das bis heute erhalten geblieben ist.
Die ältesten Funde des Burgareals stammen aus römischer Zeit. Es handelt sich um verlagerte Fragmente von Terra-sigillata-Gefässen und von Baukeramik (tubuli), die ins 1. oder 2. Jh. n. Chr. datiert werden können. Eine einzelne umgelagerte Randscherbe aus dem Frühmittelalter kann ins 6./7. Jh. datiert werden. Sowohl die römischen als auch die frühmittelalterlichen Funde beweisen jedoch noch keine Besiedlung des Burgareals selbst, sondern legen lediglich eine Siedlungstätigkeit im näheren Umkreis, vermutlich hangaufwärts, nahe.
Mit den Gruben und Pfostengruben der ersten Siedlungsphase setzen auch die ersten spärlichen Funde ein, die ins Hochmittelalter datiert werden können. Allerdings handelt es sich hierbei mit Ausnahme von drei Wandscherben ebenfalls um verlagertes Fundmaterial.
Für die Zeit des späten Hochmittelalters und des Spätmittelalters ist die Fundmenge äusserst gering, was mit der mehrfachen Abtragung und Planierung des Burggeländes in Zusammenhang stehen dürfte. Die typologisch ansprechbaren und datierbaren Stücke zeigen aber immerhin das zeittypische Spektrum an Keramikgefässen, Hohlglas und Metallgegenständen. Zu erwähnen sind besonders Kochtopf-, Pfannen- und Schüsselfragmente, Reste gläserner Nuppenbecher sowie spätmittelalterliche Messer.
Die stratifizierten Funde aus der Bauuntersuchung setzen in Phase VII ein, werden jedoch erst ab Phase XII (zweite Hälfte 16. Jh.) zahlreicher. Beachtenswert sind u. a. eine Messerscheide des 16. Jh. aus versilbertem Messingblech mit Portraitdarstellungen oder ein Laschenschuh desselben Zeithorizonts, dessen Abnutzungsspuren auf ein Fussleiden des Trägers hinweisen.
Zudem gibt es interessante Ensembles wie dasjenige aus Raum RN 37, das aus einem Schutt- und Mörtelestrich der Phase XVII stammt: Es enthielt zahlreiche Ofenkacheln des 17. Jh. sowie eine Häufung religiöser Objekte wie Rosenkranzketten, -perlen und Heiligenbilder. Diese Fundvergesellschaftung legt eine Interpretation des Raumes als «Stube» oder repräsentativen Wohnraum nahe, der vermutlich mit einem Kachelofen und einem so genannten Herrgottswinkel einer Art Hausaltar ausgestattet war.
Weitere Fundgruppen geben das neuzeitliche Alltagsleben auf der Burg noch unmittelbarer wieder: Beispielsweise konnten in Raum RN 25 in Schichten des 19. Jh. diverse Textilreste und Nähutensilien geborgen werden, die von den täglichen Näh- und Flickarbeiten der Bewohnerinnen zeugen. Auch spielende Kinder hinterliessen ihre Spuren, indem sie Papiersoldaten, zerschnittene Spielkarten und Heiligenbilder in einem Wandschrank in Raum RN 31 versteckten.
Über die Essgewohnheiten der Burgbewohner geben uns Tierknochen ausschnittartig Auskunft: So konnte beispielsweise in einem Vergleich zwischen einem Handwerkerbetrieb aus der Stadt Zug und der Burg anhand von Speiseresten des 17. Jh. festgestellt werden, dass im Haushalt der Handwerker tendenziell mehr Schweinefleisch verzehrt wurde als auf der Burg und dass umgekehrt auf der Burg Schaf- und Ziegenfleisch sowie Hühner und Wildtiere bevorzugt wurden.
Das Fundensemble der Burg Zug zeichnet sich durch eine unerwartete Fülle verschiedener Fundgattungen und interessanter Einzelstücke aus. Dadurch kann das bisherige Bild namentlich des frühneuzeitlichen und neuzeitlichen Alltags in einem Wohnhaus der sozialen Oberschicht präzisiert und erheblich ergänzt werden.
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Josef/ ,
Toni/ , Peter:
Die Burg Zug, Archäologie Baugeschichte
Restaurierung. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und
Archäologie des Mittelalters 28,
hrsg. vom Schweizerischen Burgenverein
(Basel 2003).
ISBN 3-908182-12-3/ISSN 1661-4550