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Nun besprechen sie, wie sie die Dose öffnen könnten. Der Physiker: «Nehmen wir einen Stein und schlagen den Deckel der Dose ein.» Der Chemiker schlägt vor, die Dose in die Sonne zu legen und
zu warten, bis der Inhalt fermentiert, sich dabei ausdehnt und die Dose sprengt. Als Letzter kommt der Ökonom mit seinem Vorschlag: «Nehmen wir mal an, wir hätten einen
Büchsenöffner …»
Der Witz, den ich vor einiger Zeit in der «Finanz und Wirtschaft» gelesen habe, geniesst derzeit hohe Aktualität. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Finanzinstitut zu einem Anlass
lädt, an welchem ein Ökonom Vorhersagen für 2015 macht. Es ist interessant, dass die Kristallkugeln rund um den Globus das Gleiche verraten. Wobei die Ökonomen den Vergleich mit
Wahrsagern nicht sonderlich schätzen. Sie stützen sich auf Modellrechnungen. Und wenn das Ergebnis anders herauskommt, so war nicht die Rechnung falsch, sondern die zugrunde liegende Annahme.
So wie beim gestrandeten Ökonom auf der einsamen Insel.
Da sich alle Volkswirte mehr oder weniger auf gleiche Annahmen berufen, kommen die Prognosen wie ein Einheitsbrei daher. Und häufig passiert etwas, das in den Modellrechnungen keinen Eingang
gefunden hatte. Oder hat jemand vor zwölf Monaten die Einverleibung der Krim durch die Russen vorausgesagt? Es wäre mir entgangen.
Das erinnert an den Bestseller «Der schwarze Schwan». Nassim Taleb beschreibt darin, dass jene Ereignisse, die die Welt massgeblich verändert haben, nicht vorausgesagt wurden. Man sichtet sie
weder in der Kristallkugel noch in den Modellrechnungen der Ökonomen Deshalb gibt es nicht wenige Verfechter des Contrarian-Ansatzes. Das sind jene, die das pure Gegenteil dessen machen,
was Ökonomen empfehlen.
Erschienen in der BZ am 9. Dezember 2014