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Die Geschichte des weltweit ersten schwimmenden Hotels
1988 fand am Great Barrier Reef in Australien eine Premiere statt: Die Eröffnung des weltweit ersten schwimmenden Hotels. Der siebenstöckige Bau legte insgesamtüber 14‘000 Kilometer über den Ozean zurück, bis er in einem Touristenresort in Nordkorea landete.
Quelle: Unbekannt via messnessychic.com
So präsentierte sich das weltweit erste schwimmende Hotel bei seiner Eröffnung um 1988.
Damals, vor 32 Jahren, versprach das schwimmende Hotel das «Paradies auf See». Die Mega-Struktur wies verteilt auf sieben Stöcke fast 200 Zimmer auf und konnte mit Nachtclubs, Bars, Restaurants, einem Hubschrauberlandeplatz, einem Tennisplatz und einem Unterwasserobservatorium mit 50 Sitzplätzen aufwarten.
Verankerungssystem im Ölbohrinsel-Stil
Das Hotel selbst war aber kein Kreuzfahrtschiff, sondern – ganz simpel gesagt – ein Hotel mit einem Verankerungssystem im Ölbohrinsel-Stil und wurde deshalb auch «Floatel» genannt. Erbaut wurde die Konstruktion in den 80er Jahren in einer Werft in Singapur. Den Entwurf dazu lieferte der mittlerweile verstorbene Doug Tarca, der das Potenzial vom Riff-Tourismus erkannte, als er in den 50ern als Bergungs- und Vermessungstaucher arbeitete.
Ironischerweise mussten für die Einschiffung des «Floatels» in die Lagune von Queensland in Australien riesige Mengen an Korallen am John-Brewer-Riff entfernt werden. Trotz grossem Widerstand und Warnungen von Naturschutzgesellschaften fand am Riff im Februar 1988 die Eröffnungsfeier des Hotels statt. Die Verwaltung des «Floatels» übernahm die Four-Seasons-Hotelkette.
Quelle: Nguyen Ngoc Chinh, flickr
In der Stadt Ho-Chi-Minh in Vietnam taufte man das «Floatel» auf den Namen «Saigon Floating Hotel».
Wirbelsturm und Munitions-Fund
Die Feier wurde jedoch jäh unterbrochen, als ein tropischer Wirbelsturm aufkam. Dabei wurden mehrere Einrichtungen beschädigt, darunter der Pool und das Unterwasserobservatorium. Auch das Shuttle-Boot für den Gästetransfer wurde dabei zerstört. Nach der Schadensbehebung konnte das «Floatel» daraufhin doch noch die ersten Gäste empfangen.
Doch das schwimmende Hotel stand unter keinem guten Stern: Innerhalb weniger Wochen nach der offiziellen Inbetriebnahme wurden auf dem Meeresboden mehr als 100‘000 Munitionsstücke aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, die mit Panzerminen und Artilleriegeschossen gefüllt waren. Innerhalb von nur einem Jahr musste das Hotel wieder schliessen.
Nach dem unglücklichen Fund wurde es daraufhin zur Stadt Ho-Chi-Minh in Vietnam gebracht, in der man das «Floatel» schliesslich auf den Namen «Saigon Floating Hotel» taufte. Für fast ein Jahrzehnt lang lief es daraufhin gut und das Hotel wandelte sich zu einem beliebten nächtlichen Unterhaltungsort der Stadt. Später geriet das Saigon jedoch in finanzielle Schwierigkeiten.
Quelle: Nguyen Ngoc Chinh flickr
So präsentierte sich der Innenraum des «Floatel».
Nordkorea kauft schwimmendes Hotel
Daraufhin wurde die schwimmende Unterkunft 1997 von Nordkorea gekauft und in die Touristenregion Kŭmgang-san in der Nähe der demilitarisierten Zone (DMZ) verschifft, die die Grenze zwischen Nord- und Südkorea markiert. Die Region Kŭmgang-san selbst stellte ein Nord-Süd-Experiment dar, mit dem der Tourismus angekurbelt werden sollte. Einmal mehr taufte man das «Floatel» neu: Fortan war es unter dem Namen Hotel Haegumgang bekannt.
Das schwimmende Hotel wurde daraufhin bald zu einem offiziellen Ort für die Wiedervereinigung von Familien, die durch den Koreakrieg 1950/53 getrennt wurden. Das änderte sich 2008 aber schlagartig, als ein nordkoreanischer Soldat einen südkoreanischen Touristen im Resort erschoss. Seoul stellte daraufhin alle Touren in die Region ein. Seither ist es um das «Floatel» still geworden. Lange Zeit lag es im nordkoreanischen Resort vor Anker und rostete ohne Wartung vor sich hin.
Kim Jong un ordnet Abbruch an
Die nordkoreanische Regierung plant trotz allem eine Wiederbelebung des Touristenresorts. In diesem Zusammenhang scheiterte aber bereits eine Inspektion im Oktober 2019, als Kim Jong Un selbst das Resort besuchte. Laut der KCNA – der zentralen staatlichen Nachrichtenagentur von Nordkorea – sah er die Gebäude als «ein Mischmasch ohne nationalen Charakter» an und bezeichnete die Architektur als rückständig.
Daraufhin ordnete der Nordkoreanische Machthaber den Abriss und die Entfernung aller «unangenehm aussehenden Einrichtungen der Südseite» an und gab den Bau von «neuen modernen Serviceeinrichtungen» durch Nordkorea in Auftrag. Damit ist die Geschichte des weltweit ersten schwimmenden Hotels nun definitiv am Ende angelangt.
Quelle: www.messynessychic.com
Quelle: Nguyen Ngoc Chinh flickr
In Vietnam angekommen wandelte sich das Saigon Floating Hotel zu einem beliebten nächtlichen Unterhaltungsort der Stadt.