Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03131.jsonl.gz/965

Die Begriffe Jugend und Adoleszenz werden synonym für den Lebensabschnitt zwischen dem Ende der Kindheit und dem Beginn des Erwachsenenstatus verwendet, also etwa vom 10. bis zum 20. Lebensjahr.
Die Jugendphase beginnt mit der Geschlechtsreife, die biologisch bestimmt ist (z.B. Veränderung der Statur, des Wachstums, Anstieg an Kraft und Ausdauer, Entwicklung der Geschlechtsmerkmale etc.)
Mögliche psychische Auswirkungen dieser körperlichen Veränderungen:
Positive: Unabhängigkeitsgefühle, Zunahme des Selbstbewusstseins etc.
Negative: Selbstzweifel, Schamgefühle, Verletzlichkeit etc. Dies erfordert eine aktive Bewältigung.
Die Jugendphase endet mit der Übernahme einer gesellschaftlichen Rolle im Beruf, als Konsument, als politischer Bürger etc. sowie einer relativ autonomen Lebenssituation. Dies bedingt sowohl eine persönliche wie auch eine soziale Auseinandersetzung mit der Identitätsfrage.
Körperliche und soziale Entwicklung im Kontext des Übergangs von Schule zu Berufsbildung
Die körperliche und die soziale Entwicklung der Jugendlichen sind oft (noch) nicht im Einklang. Klaffen körperliche Entwicklung und Anforderungen an die soziale Reife und Selbständigkeit eines Lernenden auseinander, so kann dies zu beträchtlichem Stress bei Jugendlichen führen. Dies gilt sowohl für früh körperlich entwickelte mit einer kindlichen Gefühlswelt wie auch für spät körperlich entwickelte, welche jedoch bereits über gute Selbst- und Sozialkompetenzen verfügen. Stellen Sie sich dazu folgende Fragen:
Wenn sich die äusserliche Erscheinung und das Verhalten decken, haben wir zumindest keine Anzeichen für Spannungsfelder. Klaffen diese Bereiche hingegen auseinander, scheint es hilfreich, sich als Berufsbildner/in die Frage zu stellen, inwiefern eine Passung zwischen der körperlichen, sozialen und emotionalen Entwicklung des/der Lernenden und den Anforderungen der Berufsbildung besteht.
Der Übergang von der Schulzeit in die Phase der Berufsbildung verlangt von allen Lernenden eine Anpassungsleistung. Diese wird – je nach Ressourcen der Lernenden und ihrem privaten und beruflichen Umfeld – unterschiedlich gut bewältigt. Für einige Jugendliche stellt der Wechsel von der Schulzeit in die Berufsbildung «ein Sprung ins kalte Wasser» dar, d.h. dass sie sich in einer neuen und oftmals weniger pädagogisch umsorgten Umgebung behaupten müssen. Dies gelingt nicht allen gleich gut und ist sowohl vom Selbstbewusstsein und den Kompetenzen des Jugendlichen wie auch von der Beschaffenheit des Umfelds (Lehrbetrieb) abhängig.
Auffälliges Verhalten (z.B. unangemessene Sprache, unentschuldigte Fehlzeiten oder auch Rückzugverhalten) kann ein Hinweis darauf sein, dass die Passung aktuell noch nicht gegeben ist oder eine notwendige Anpassungsleistung zurzeit nicht adäquat erbracht wird. Unter Umständen ist die Anforderung an den Lernenden auf dem Hintergrund seiner Entwicklung zu hoch gesetzt. Er oder sie kann das Ziel noch nicht auf direktem Weg erreichen. Dies birgt Entwicklungsrisiken.
Es lohnt sich daher gemeinsam mit dem Jugendlichen zu klären:
Die Basis für eine gegenseitige Annäherung im oben skizzierten Spannungsfeld ist eine gute Beziehung zwischen Lernenden und Berufsbildnern/Berufsbildnerinnen.
Förderliche beziehungsweise erschwerende Entwicklungsbedingungen
Nicht alle Jugendlichen haben die gleichen Entwicklungsbedingungen. Die einen haben ein unterstützendes, förderndes und warmherziges Umfeld, andere wiederum wachsen in einem ablehnenden, vernachlässigenden oder stressbelasteten Umfeld auf. Je nach persönlichen (z.B. Bewältigungsstrategien) und sozialen Ressourcen (z.B. Familie, Freundeskreis, Berufsbildner/in) kann es Jugendlichen unterschiedlich gelingen eine gute und relativ unbeschadete Entwicklung – trotz chronischem Stress, psychosozialen Belastungen etc. – zu durchlaufen. Die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen durchlebt die Adoleszenz jedoch ohne dramatische Krisen