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Sendung «Schawinski» mit Jonas Projer beanstandet II
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Mit Ihrer E-Mail vom 27. März 2018 beanstandeten Sie die Sendung «Schawinski» mit Jonas Projer (Fernsehen SRF) vom 26. März 2018.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«In der gestrigen Sendung von Roger Schawinski hatte er Jonas Projer zu Gast. Gegen Schluss des Interviews bezeichnete Herr Schawinski den renommierten promovierten Historiker Daniele Ganser als Verschwörungstheoretiker. Ausserdem unterstellte Schawinski, dass ‹solche Leute› jede Sendung manipulieren und nur über das reden was sie interessiert. Scheinbar hat die SRF nichts bei der Arena Sendung mit Ganser gelernt. Wie sonst könnte so etwas ausgestrahlt werden. Ich beschwere mich hiermit gegen die haltlose Diffamierung von Herrn Dr. Daniele Ganser.
Herrn Schawinski können Sie von mir ausrichten, dass er von der Objektivität von Hr. Ganser lernen könnte und das ich mich auf seine Pensionierung freue. Dann wird bedeutend weniger rein subjektiver Unsinn und Provokationen durch den Medienraum schwirren.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Frau Léa Burger, Redaktorin und Produzentin von «Schawinski», schrieb:
«In der Beanstandung vom 27.03.2018 beschwert sich X über Moderator Roger Schawinski, dass er Daniele Ganser einen Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Gerne nehme ich dazu Stellung:
Gansers Thesen und Theorien werden in der Wissenschaft kontrovers diskutiert, oftmals auch abgelehnt; Herr Ganser stellt sich in verschiedenen Fragen in Widerspruch zum derzeitigen Wissensstand. Dies beispielsweise rund um 9/11 oder auch in Bezug auf den Terroranschlag bei ‹Charlie Hebdo›. Hinter diesem könne eine sogenannte Operation unter falscher Flagge stehen, wie Ganser in einem Interview der ‹Basellandschaftlichen Zeitung› vom 2.2.2015 als Möglichkeit aufführt. Damit stellt er eine Theorie zur Disposition, welche eine Verschwörung suggeriert. Vor diesem Hintergrund sowie den eigenen Erfahrungen bei der ‘Arena’ vom 24.2.2017, in die sowohl Daniele Ganser als auch Roger Schawinski und andere als Gäste eingeladen waren, nennt Schawinski den Historiker Ganser einen Verschwörungstheoretiker.
Aus Sicht der Redaktion kann aus diesem Grund die Beanstandung von Herrn X zurückgewiesen werden.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Zunächst: ein großartiger, souveräner Jonas Projer in einer spannenden, schnellen Diskussion! Er sagt Grundsätzliches, Wichtiges, Bedenkenswertes zum Journalismus und zur Funktion der «Arena» in der direkten Demokratie. Man sollte diese «Schawinski»-Sendung in Journalistenschulen und in kommunikationswissenschaftlichen Hochschulinstituten im Unterricht einsetzen!
Dann: Die Sequenz, wo es um die Frage geht, ob Jonas Projer Daniele Ganser nochmals in die «Arena»-Sendung einladen würde, ist in der Tat heikel. Roger Schawinski nennt Daniele Ganser einen Verschwörungstheoretiker, Jonas Projer lehnt es ab, ihn so zu nennen. Beide haben ein wenig Recht. Daniele Ganser ist nicht wirklich ein Verschwörungstheoretiker, da er nicht behauptet, es habe diese oder jene Verschwörung gegeben, sondern vor allem Fragen stellt und die offizielle Doktrin (z.B. zu 9/11) anzweifelt. Da er aber die Fragen so hartnäckig stellt, gibt er den Verschwörungstheorien Auftrieb. Ist einer, der Verschwörungstheorien Publizität verschafft, ein Verschwörungstheoretiker oder einfach ein kritischer Forscher? Ich habe schon im Schlussbericht zu jener stark kritisierten «Arena»-Sendung vom 24. Februar 2017[2] die Meinung vertreten, dass Daniele Ganser sich zu wenig von extremistischen Positionen und Theorien distanziert und deshalb selber dazu beiträgt, dass man ihn in diese Ecke stellt.[3] Umgekehrt gibt es Wissenschaftler, die Ganser durchaus den Verschwörungstheoretikern zurechnen, so etwa der Tübinger Amerikanistikprofessor Michael Butter[4]. Die Bezeichnung Gansers als Verschwörungstheoretiker ist vor diesem Hintergrund keinesfalls eine haltlose Diffamierung, wie Sie unterstellen, da es durchaus auch seriöse Argumente gibt, die Bezeichnung zu bejahen. Man sollte daher Roger Schawinski die Titulierung Gansers als Verschwörungstheoretiker durchgehen lassen, zumal der Moderator der Talksendung keineswegs einfach in Stammtischmanier Behauptungen aufstellt, sondern weiß, wovon er redet, hat er sich doch für sein Buch eingehend mit Verschwörungstheorien befasst Aus all den Gründen, und weil es im Lauf der gesamten Sendung ein eher unbedeutender Nebenpunkt ist, kann ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
Noch eine Bemerkung am Rande: Wenn Sie vorschlagen, man solle so etwas nicht ausstrahlen, reden Sie der Zensur das Wort. Die Meinungsäusserungsfreiheit muss auch ungewohnte, harte, radikale, schonungslose Meinungen aushalten, nur so bleibt der öffentliche Diskurs lebendig.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
[3] Vgl. Andreas Tobler und Pascal Blum: „Wenn alles mit allem zu tun hat“ in der «SonntagsZeitung“ vom 13. März 2018: https://archive.is/4BzpN , die Gegenposition nahm Urs Gasche am gleichen Tag im „infosperber“ ein: https://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/Sonntags-Zeitung-geifert-faktenfrei-gegen-Daniel-Ganser
[4] Michael Butter hat das Buch veröffentlicht: „Nichts ist, wie es scheint“. Über Verschwörungstheorien. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2018.
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