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Seine Abwesenheit wirft keinen Schatten auf das Turnier, wie das viele befürchtet hatten. Auch ohne Rekordsieger Novak Djokovic wird bei den Australian Open packendes Tennis gezeigt. Und doch ist das Schicksal der vier Halbfinalisten – Daniil Medwedew, Stefanos Tsitsipas, Rafael Nadal und Matteo Berrettini auch eng mit dem Namen des Serben verknüpft.
Mit einem Finalsieg bei den US Open verhinderte der 25-jährige Russe, dass Novak Djokovic als erst zweiter Mann nach Rod Laver den Kalender-Grand-Slam komplettiert, den Gewinn aller vier Major-Turniere innerhalb einer Saison. Vor einem Jahr war Daniil Medwedew im Final der Australian Open noch chancenlos geblieben, nun könnte er Djokovic nicht nur als Titelhalter, sondern auch als Nummer 1 der Weltrangliste ablösen. Dabei hätte der Serbe auch seinen Anteil. Beim 6:7, (4:7), 3:6, 7:6 (7:2), 7:5, 6:4 gegen den Kanadier Félix Auger-Aliassime (ATP 9) war Medwedew lange chancenlos und musste im vierten Satz sogar einen Matchball abwehren.
Als er danach gefragt wurde, wie er die Partie, die 4:42 Stunden dauerte und erst um 00:30 Uhr Ortszeit endete, sagte Medwedew: «Ich weiss nicht, ob das jetzt gut bei euch ankommt. Aber ich habe mir gedacht: Was würde Novak machen?» Vereinzelte Buhrufe nahm er mit einem verschmitzten Lächeln entgegen. Erst zum zweiten Mal in seiner Karriere gewann er noch eine Partie gewonnen, in der er die ersten beiden Sätze verloren hatte.
Wie Djokovic hatte sich Stefanos Tsitsipas lange impfkritisch geäussert. Im Gegensatz zum Serben liess sich der Grieche dann aber doch noch impfen. Tsitsipas war es auch, der Djokovic deutlich kritisierte. «Er spielte nach seinen eigenen Regeln. Keiner dachte, er könne ungeimpft nach Australien kommen.» Djokovic lasse alle anderen wie Dummköpfe aussehen.
Mit Djokovic verbindet er eine schmerzhafte Erinnerung: 2021 hatte Tsitsipas im Final der French Open eine 2:0-Satzführung nicht nutzen können. Zwar hatte er 2019 und 2021 in Melbourne die Halbfinals erreicht, in diesem Jahr kommt der Vorstoss dennoch überraschend. Denn in den drei letzten Turnieren hatte Tsitsipas aufgeben müssen. Ende des letzten Jahres liess er sich in der Muttenzer Rennbahnklinik am rechten Ellbogen operieren. Bis zuletzt liess er offen, ob er überhaupt in Melbourne wird antreten können. Auf dem Weg in die Halbfinals gab der 23-Jährige schon vier Sätze ab, in den Viertelfinals aber machte er kurzen Prozess mit dem 20-jährigen Italiener Jannik Sinner (ATP 10). Im Direktvergleich mit Medwedew liegt Tsitsipas 2:6 hinten, das letzte Duell gewann aber der Grieche. Allerdings auf Sand. Medwedews klar schwächster Unterlage.
In den letzten zwei Jahrzehnten überliessen Novak Djokovic, Rafael Nadal (und mit Abstrichen Roger Federer) der Konkurrenz bei grossen Turnieren fast nur Brosamen. Nun stehen die drei bei jeweils 20 Grand-Slam-Titeln. Eigentlich galt es als ausgemacht, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein würde, bis Djokovic diese Rekordmarke bald für sich alleine beanspruchen kann.
Doch nun könnte Rafael Nadal diese an sich reissen. Auch das käme eher überraschend. Im letzten Jahr hatte der 35-Jährige nur sechs Turniere bestritten, zuletzt musste er wegen einer hartnäckigen Blessur am Fuss ein halbes Jahr pausieren. Ende 2021, so erzählte es Nadal, sei nicht nur unklar gewesen, ob er in Australien spielen könne, sondern ob er überhaupt noch einmal zurückkehren würde. Er tat es. Und wie. Gleich sein erstes Turnier, in Sydney, gewann Rafael Nadal, der Mann der erstaunlichen Comebacks.
Ein solches zeigte er auch in den Viertelfinals. Zwar gewann Nadal die ersten beiden Sätze gegen den Kanadier Denis Shapovalov, danach ging ihm aber die Energie aus, weil ihm Magenprobleme zu schaffen machten. In Melbourne hat Rafael Nadal allerdings erst ein einziges Mal gewonnen: 2009 nach einem Fünfsatzsieg im Final gegen Roger Federer.
Gleich zwei Mal musste der Italiener Matteo Berrettini (ATP 7) auf dem Weg in den Halbfinal über fünf Sätze: gegen den Spanier Carlos Alcaraz und gegen den Franzosen Gaël Monfils. Nun trifft er im Halbfinal erst zum zweiten Mal auf Rafael Nadal. 2019 war der 25-Jährige im Halbfinal der US Open chancenlos geblieben.
Auch damals hatte Berrettini bereits zwei Fünfsätzer in den Knochen, darunter wie nun bei den Australian Open einen Viertelfinal gegen Gaël Monfils. Verloren hat der Wimbledon-Finalist in den letzten drei Grand-Slam-Turnieren in Paris, Wimbledon und New York aber nur gegen einen Gegner: Novak Djokovic. Auch ihm bietet sich nun die Chance, von der Abwesenheit des Rekordsiegers zu profitieren.
In Moskau kommt es zum ersten rein englischen Champions-League-Final. Chelsea trifft im Luschniki-Stadion auf Manchester United. Für die «Blues» soll er endlich in Erfüllung gehen, der lang gehegte Traum, auf Europas Thron zu sitzen. Unzählige Millionen hatte der russische Besitzer Roman Abramowitsch seit dem Kauf 2003 in den englischen Traditionsklub gesteckt. Die Ausbeute blieb mässig: Lediglich zwei Meisterpokale und einen FA-Cup durfte man sich in fünf Jahren an der Stamford Bridge in die Vitrine stellen.