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| Papstbriefe - Echte und unechte Papstbriefe 2 (310—401)

Siricius (384 — 398)
9. Brief d. P. Siricius an Anysiuss v. Thessalonich u. d. and. Bischöfen Jllyriens v.J.392
IX. Brief des Papstes Siricius an Änysius von Thessalonich und die anderen Bischöfe Illyriens.1
Einleitung.
Die Abfassungszeit dieses Briefes ist durch die Erwäh- [S. 456] nung der Synode von Capua als vor Kurzem gehalten festgestellt; da jene Synode zwischen dem 26. November 391 und dem 15. Mai 392 2gehalten wurde, gehört unser Schreiben der Mitte des J. 392 an. Allein über den Autor desselben war man nicht einer Ansicht. Entschieden falsch, weil chronologisch unmöglich, ist es, wenn Nicolaus Cusanus und einige Andere dieses Schreiben dem Papste Damasus zuweisen.3In den alten Ausgaben des Ambrosius und einigen Handschriften wird es als Brief des hl. Ambrosius aufgeführt; auch die Mauritier 4nahmen es unter die Briefe des hl. Ambrosius auf. Justellus5 aber, Lucas Holstein,6Launoi,7Coustant u. A.8vindiciren vorliegendes Schreiben dem Papste Siricius. Die Veranlassung desselben aber war folgende: Die schon erwähnte Synode von Capua, welche vor Allem das antiochenische Schisma beilegen sollte, leider aber Dieß nicht vermochte, hatte auch über die Irrlehre des Bischofs Bonosus von Sardica9 zu urtheilen, welcher die beständige Virginität [S. 457] Mariens geleugnet und behauptet hatte, sie habe ausser Jesus mehrere Söhne geboren; sie übertrug die genauere Untersuchung und Aburtbeilung dieser Sache den Nachbarn des Bonosus, den Bischöfen Macedoniens, unter dem Vorsitze des Anysius; diese nun befragten hierüber den Papst, welcher sie aber anwies, nach dem Ausspruch der Synode von Capua die Angelegenheit selbst zu untersuchen und zu entscheiden.
1: Coustant p. 679, Mansi III. p. 674, L. Holsten. Coll. I. p. 189, Ambros. Opp. (ed. Maur. Venet) III. p. 1091.
2: Nach Coustant; Hefele und viele Andere geben entschieden das J. 391 an.
3: Sie wurden dadurch getäuscht, daß dieser Brief in der Sammlung der ambrosianischen Briefe unmittelbar einem Schreiben vorausgieng, in welchem Damasus noch als lebend erwähnt wird.
4: A. a. O., jedoch ohne in der Ueberschrift einen Autor zu nennen, und mit anderen Lettern, weil sie die Frage nicht entscheiden wollen.
5: In den Noten zu c. 48 Cod. eccl. Afric.
6: A. a. O.; von ihm rührt auch die folgende Begrüßungsformel her, welche er, wie Coustant richtig bemerkt, jedenfalls einem alten Codex entnahm.
7: T. I. epist. ad Samboeuvium.
8: Labbé u A. nahmen in ihren Conciliensammlungen unser Stück als Brief des Siricius auf; auch Jaffe und Maassen zählten ihn als solchen.
9: Die Annahme, daß es zwei Bischöfe dieses Namens gegeben habe, ist schon längst und vielfach widerlegt; s. Kirchenlex. von Wetzer u. Welte unter dem Namen und Hefele II. S. 53 Note 3.