Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03396.jsonl.gz/396

Alle wissen es: Trotz einigen Unkenrufen hat das Stockwerkeigentum einen unglaublichen Aufschwung erlebt - in den letzten Jahren scheint es sogar einen eigentlichen Boom gegeben zu haben. Eine kurze Internetrecherche dazu zeigt, dass fast immer davon ausgegangen wird, dass sich die Anzahl Wohnungen im Stockwerkeigentum seit den 80erJahren alle zehn Jahre verdoppelt hat. Im Jahr 1980 soll die Zahl der Wohnungen im Stockwerkeigentum rund 60000, im Jahr 1990 rund 120000 und im Jahr 2000 rund 240000 betragen haben.
Während die Behauptung, dass sich die Zahl der Wohnungen im Stockwerkeigentum alle zehn Jahre verdoppelt habe, mehr oder weniger zutrifft (1980-1990: +107%, 1990-2000: +81%), sind die angegebenen Zahlen jedoch völlig falsch. Sie sind durchwegs um rund 60% zu tief. Mit anderen Worten: Es gab in den betreffenden Jahren rund 2,5-mal mehr Wohnungen im Stockwerkeigentum, als häufig behauptet wird.
Oder in Zahlen: 1980 gab es nicht 60000, sondern 150000, 1990 nicht 120000, sondern 310000 und 2000 nicht 240000, sondern 560000 Wohnungen im Stockwerkeigentum (H.-R. Schulz/P. Würmli, Miete und Eigentum, Detailauswertung der Gebäude- und Wohnungserhebung 2000, S. 21). Doch woher kommen diese grossen Differenzen? Die Erklärung ist relativ einfach: Bei den tieferen Zahlen handelt es sich lediglich um diejenigen Wohnungen, welche von den Eigentümern als Erstwohnung selbst bewohnt werden. Das ist aber nur bei rund der Hälfte der Wohnungen im Stockwerkeigentum der Fall. Daneben dient rund ein Fünftel als Zweitwohnungen und rund ein Viertel aller Wohnungen im Stockwerkeigentum werden vermietet. Überhaupt nicht berücksichtigt sind bei sämtlichen Zahlen die nicht dem Wohnen dienenden Stockwerkeigen-tumseinheiten.
Bei näherer Betrachtung zeigt sich zudem, dass die prozentuale Zunahme in den 90er Jahren etwas abgenommen hat, dass aber die absolute Zunahme mit über 250000 neuen Wohnungen im Stockwerkeigentum enorm war. Über die jüngste Entwicklung gibt es noch keine offiziellen Zahlen, da die nächste Erhebung des Bundes erst im kommenden Jahr erfolgen wird. Aufgrund der regen Bautätigkeit kann aber sicher davon ausgegangen werden, dass die Zunahme wiederum erheblich war.
Kontinuierliches Wachstum
Betreffend die Entwicklung der Angebotspreise kann festgehalten werden, dass diese in den letzten zehn Jahren fast kontinuierlich gestiegen sind, und zwar insgesamt um rund 35%. Dies, nachdem sie Ende der 90er Jahre innert kurzer Zeit zunächst um rund 7% nachgegeben, aber bereits Ende 2001 wieder das Niveau von 1996 erreicht hatten. Nicht weiter verwunderlich ist, dass sich auch die Transaktionspreise in ähnlicher Art erhöht haben. Dies allerdings nicht gleich kontinuierlich wie die Angebotspreise. Bemerkenswert ist insbesondere, dass die Transaktionspreise von 1999 bis 2005 nur um insgesamt rund 8% zugelegt haben, von 2005 bis 2008 hingegen fast um einen Viertel. Angesichts des gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeldes kann wohl nicht davon ausgegangen werden, dass sich der Markt im bisherigen Stil weiterentwickeln wird. Das ändert aber natürlich nichts daran, dass sich die Einführung des Stockwerkeigentums vor bald 45 Jahren als richtig und zukunftsweisend erwiesen hat. Nicht zuletzt war es auch das Stockwerkeigentum, welches der Schweiz zu einer Wohneigentumsquote von knapp 35% (Stand 2000) verholfen hat.