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Am 30.Januar 2017 erscheint Reprinted by Huber Nr. 33
Paul Ilg: «Das Menschlein Matthias»
Vier zusammengehörende Romane
Kaum ein anderes Werk ist so stark von der Sehnsucht nach Geborgenheit, Liebe und sozialem Aufstieg bestimmt wie die 700seitige Tetralogie von Paul Ilg. «Lebensdrang» (1906) lässt den Schreiber Martin Link auf fast kriminelle Weise zu Wohlstand und Eheglück gelangen. Christian Knecht in «Die Brüder Moor» (1912) fliegt zwar aus dem Gymnasium, bringt es aber zum Redaktor und zum Gefährten einer mütterlichen Frau. Jost Vonwyler macht in «Der Landstörtzer» (1909) Karriere als Schriftsteller, findet aber weder bei der Jugendfreundin Elisabeth, noch bei der exzentrischen Berlinerin Wera sein Glück. Erst «Das Menschlein Matthias» (1913) lässt erahnen, dass die drei Glückssucher zwar unterschiedliche Namen, aber die gleiche Ursache für ihre Ruhelosigkeit haben. Matthias Böhi erfährt als Verdingkind auf dem «Gupf» soviel Verlorenheit und Unbehaustheit, dass er sein Leben lang auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit sein wird.
Paul Ilg
«Ein Knirps, kaum grösser als sein Tragkorb», habe man ihn mit 10 Jahren als Hausierer durch das Appenzellerland ziehen lassen, erzählte Paul Ilg über seine frühen Jahre. Am 14. März 1875 als uneheliches Kind einer Fabrikarbeiterin in Salenstein TG geboren, war er als ungeliebtes Pflegkind bei Verwandten auf dem «Gupf» bei Rehetobel AR aufgewachsen, bis der Elfjährige zu seiner Muter nach Rorschach floh und da die Nöte und Schwierigkeiten einer Fabrikarbeiterin erlebte. Die unbehauste Kindheit, die Ilg im Roman «Das Menschlein Matthias» nachgestaltet hat, sollte prägend für ein Leben sein, das vom Drang nach sozialem Aufstieg, der Sehnsucht nach Geborgenheit und der Suche nach Liebe bestimmt war. Er versuchte sich in den verschiedensten Berufen in St.Gallen, Zürich, Le Locle und Basel, war 1896 deutscher Sekretär der Schweizerischen Landesaustellung in Genf und schaffte 1902 den Sprung in die Redaktion der Berliner Illustrierte «Die Woche». Dort, in Berlin und später in München, entstanden die vier Romane des «Menschlein»-Zyklus: der die Zürcher Jahre spiegelnde Roman «Lebensdrang» (1906), die Schilderung der Berliner Erfahrungen in «Der Landstörtzer» (1909), der Gymnasiasten-Roman «Die Brüder Moor» (1912) und das Kindheitsbuch «Das Menschlein Matthias» (1913). Obwohl die Tetralogie ihm breite Anerkennung brachte, gelang es Ilg nicht, sich als Schriftsteller auf Dauer zu etablieren. Der gegen den preussischen Militarismus gerichtete Offiziersroman «Der starke Mann» (1916) machte ihm das deutsche Lesepublikum abspenstig, und der spektakuläre Erfolg mit dem Fliegerroman «Probus» (1922) verpuffte schnell wieder. Ilg war zweimal verheiratet, lebte nach dem Krieg in Zürich, Überlingen, Luzern und bis zu seinem Tod am 15.Juni 1957 in Uttwil am Bodensee, und obwohl er noch eine ganze Reihe Bücher veröffentlichte und unbeirrt weiterschrieb, gelang es ihm nicht, die Frische, die Intensität und die sprachliche Eigentümlichkeit seiner autobiographischen Tetralogie wieder zu erreichen.
Bibliographische Angaben
Paul Ilg: «Das Menschlein Matthias».
Aus Anlass der Neuerscheinung von Ilgs Tetralogie hat Markus Keller den Roman «Das Menschlein Matthias» szenisch bearbeitet und inszeniert. Die Aufführung hat am 4.Februar im Theater an der Effingerstrasse in Bern Premiere und geht dann auf Tournee. [FLYER]
Pressestimmen:
St. Galler Tagblatt vom 07.02.2017 Ostschweiz am Sonntag vom 19.03.2017