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Auch eine Frau kann Vater werden
Weihnachten ist ja traditionell die Zeit, in der das christliche Abendland eine unorthodoxe Empfängnis und eine ungeklärte Vaterschaft feiert. Die Geschichte von «Brigitte», die das Oberlandesgericht Köln vor Wochenfrist per Urteil zum Vater gemacht hat, passt deshalb durchaus zum vierten Advent: Sie begab sich zu einer Zeit, in der die Geschlechtergrenzen überwunden werden konnten und unbefleckte Empfängnisse an der Tagesordung waren. «Brigitte», die als «Bernd» zur Welt kam, hat sich 1998 einer Geschlechtsumwandlung unterzogen und zuvor ein Spermiendepot anlegen lassen. Damit liess sich ihre Freundin «Irene» künstlich befruchten. Der gemeinsame Sohn kam 2007 zur Welt, ein Jahr später liessen «Irene» und «Brigitte» ihre gleichgeschlechtliche Partnerschaft registrieren. Als «Brigitte» Anfang dieses Jahres vor dem Jugendamt die Vaterschaft für den Jungen anerkennen wollte, brachte sie die Kölner Behörden in Verlegenheit: Kann sich eine Frau offiziell als Vater eintragen lassen?
Ja, entschieden die obersten Kölner Richter. Das Verhältnis zum Kind soll von einer Geschlechtsumwandlung unberührt bleiben und die Abstammung urkundlich festgehalten werden. Allerdings musste sich «Brigitte» mit «Bernd» im Register eintragen lassen. Im Interesse des Kindes. Was bisher gelebte Praxis in zahlreichen homosexuellen Partnerschaften war, ist in Deutschland nun ganz offiziell möglich.
Wie sieht eine richtige Familie aus? Diese Frage wurde nach der Veröffentlichung des Urteils in diversen Online-Foren hitzig diskutiert. Sie ist nicht nur zur Weihnachtszeit brandaktuell: Seit nämlich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte 2007 befand, eine adoptionswillige Person dürfe nicht wegen ihrer sexuellen Ausrichtung diskriminiert werden, wird in einigen europäischen Ländern das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare gefordert. So auch in der Schweiz: Lesben und Schwule formierten sich im vergangenen Juni zum Komitee «Familienchance» und reichten eine Petition ein, welche die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare mit Ehepaaren in Bezug auf Elternrechte und Adoption fordert. Christliche Parteien, etwa die EVP, distanzierten sich sofort vom Begehren mit dem Argument, Kinder hätten «das Recht auf eine Mutter und einen Vater».
«Brigitte» und «Irene», das kann niemand abstreiten, sind biologisch gesehen ein ganz normales Elternpaar. Ihr Sohn hat also einen Vater und eine Mutter, wie das konservative Familienpolitiker fordern. Sie leben aber als homosexuelles Paar mit Kind. Und ihr Sohn wächst demnach mit zwei Müttern auf. Eine verzwickte Ausgangslage: Bilden sie, als Vater, Mutter und Kind, nun eine richtige Familie? Oder unterwandern sie durch ihre Lebensform als Mutter, Mutter, Kind die Institution Familie, wie das Gegner der homosexuellen Elternschaft befürchten? Und was bedeutet das Gerichtsurteil für alle anderen homosexuellen Paare, die auf das Elternrecht pochen?