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La bele m’ocit
Mon cuer mon ame
Quant define / Quant repaire, Motette
Mon cuer mon ame ist ein Ensemble, das von Marie Verstraete, Elisabeth Neyses und Angélique Greuter gegründet wurde, um die Gesänge von Henrik van Veldeke wiederzubeleben, von dem heute nur mehr die Texte erhalten sind. Während eines Meisterkurses, der 2011/12 im belgischen Alden Biesen stattfand, wurden die drei Musikerinnen von Benjamin Bagby und Marc Lewon in die Kunst der musikalischen Rekonstruktion und der Kontrafaktur eingeführt.Diese beiden Verfahren sind unerlässlich, wenn wir uns ein Bild vom Klang der Gesänge aus dem 12. Jahrhundert machen wollen, von denen wir heute jede Spur verloren haben. Sie bilden daher eine wesentliche Grundlage des künstlerischen Ansatzes für dieses Programm.
Das poetische Werk von Henrik van Veldeke überrascht durch seine knappen Formen und seinen etwas schrägen Geist. Viele seiner Lieder bestehen aus nur einer einzigen Strophe und enden mit einer humorvollen Pointe.
Wo Troubadoure und Trouvères die Fin’amor besingen, die höfische Liebe zu einer unerreichbaren, weil zu hohen Dame, propagiert Veldeke das Recht auf eine Liebesbeziehung in all ihrer erotischen Dimension (Manigem herzen, Alse die vogel vrölȋchen). Er lässt auch die Frau zu Wort kommen, indem er ihre Entscheidung verteidigt, ob sie die Avancen ihres Liebhabers annimmt oder nicht, und macht sich über diejenigen lustig, die hartnäckig „Birnen auf den Buchen suchen“ (In den zîten daz die rosen).
Nach Veldekes optimistischer Ansicht ist es besser, von der Liebe besiegt zu werden, trotz der Verletzungen, die sie verursachen kann, als sie nicht zu kennen, denn nur so findet man Glück und wahre Freiheit.
Programminhalt
- In vernali tempore, Mailied, Morten Børop zugeschrieben, 15.Jh.
- Par une matinee / O clemencie / D’un joli dart d’Amours, Motette, 13. Jh.
- Hintber, Estampie von Marie Verstraete, Fidel solo
- Es haben die kalten nehte getȃn, Minnelied von Heinrich von Veldeke, Rekonstruktion
- Manigem herzen, Minnetext von Heinrich von Veldeke, 12. Jh.
- In den zîten daz die rosen, Minnelied von Heinrich von Veldeke, Rekonstruktion
- Tota pulchra es, Marienantiphon, 13. Jh.
- Trotto, Estampie, 14. Jh., Flöte solo
- El mois d’avril / O quam sancta / Et gaudebit, Motette, 13. Jh.
- Parlamento, Estampie, 14. Jh., Flöte solo
- Quant la seson renouvele, Trouvèrelied von Richard de Semilli, 12. Jh.
- Alse die vogel vrölȋchen, Minnelied von Heinrich von Veldeke, Melodie von Quant la seson
- Quant define / Quant repaire / Flos filius, Motette, 13. Jh.
- Amours et ma dame aussi, Rondeau von Adam de la Halle, 13. Jh.
- Adan, li quels doit miex trover, Jeu parti von Adam de la Halle, 13. Jh., gesprochen
- Fi, maris de vostre amour, Rondeau von Adam de la Halle, 13. Jh.
- La bele m’ocit / In seculum, Motette, 13. Jh.
- Quant yver / In seculum, Motette, 13. Jh.
- La seconde estampie royal, Estampie, 13. Jh., Fidel solo
- Nu rue mit sorgen, Kanon von Oswald von Wolkenstein, 15. Jh.
- Der Blȋdeschaft, Minnelied von Heinrich von Veldeke, Rekonstruktion
Mon cuer mon ame, Biografien
Nach einer klassischen Tanzausbildung in Berlin und Jacques Lecoqs Theaterschule in Paris bildet sich Angélique Greuter bei Pavel Lissitsian in Moskau zur Opernsängerin aus. In Paris studiert sie weiter bei Camille Maurane und erhält an der Ecole Normale de Musique ihr Gesangsdiplom. Ihre Neigung fürs französische Repertoire führt sie zur Titelrolle in Pelléas et Mélisande von Debussy und zu Poulencs La voix humaine, einem gesungenen Monolog, in dem sie sich an der Kairoer Oper selbst inszeniert. An der Sorbonne spezialisiert sie sich u.a. unter der Leitung von Katarina Livljanic und Benjamin Bagby und erwirbt dort einen Master der Interpretation in Mittelaltermusik. In diesem Repertoire tritt sie mit den Ensembles Cum Jubilo und Mon cuer mon ame in namhaften Festivals auf (Voix et route romane im Elsass, Nuits romanes in Poitou-Charentes, Dag van de Oude Muziek in Alden Biesen (BE), Printemps de Bourgesu.v.m.). Mit dem Vokaltrio Les Elancées erforscht sie Neuland, kombiniert alte Musik mit freier Improvisation und arbeitet mit Komponisten, Tänzern und bildenden Künstlern.
Elisabeth Neyses absolviert ihr Gesangsstudium bei Elsa Cavelti an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Anschliessend führt ihr Weg nach London, wo sie ihre Studien bei Laura Sarti fortsetzt. Meisterkurse für Liedgesang bei Hartmut Höll und Mitsuko Shirai runden ihre Ausbildung ab. Als Opern- und Oratoriensängerin vor allem im Bereich der barocken Musik übt sie eine rege Konzerttätigkeit aus, unter anderem mit Orchestern wie der Capella Savaria und dem Drottningholm Baroque Ensemble. Rundfunkaufnahmen und Konzertreisen führen sie quer durch Europa. Ihre besondere Liebe gilt der künstlerischen Arbeit in kammermusikalischen Besetzungen. Mit Ensembles wie Donna e mobile, The EnCHANTing Consort und Ensemble de Luxe gibt sie Konzerte und Liederabende aus den musikalischen Epochen der Renaissance, des Barock und der Romantik. Seit einigen Jahren vertieft sie ihre Studien im Bereich der Musik des Mittelalters mit Meisterkursen von Marc Lewon, Benjamin Bagby und Katarina Livljanic.
Die gebürtige Belgierin Marie Verstraete spezialisiert sich sowohl als Musikerin als auch als Musikwissenschaftlerin auf Aufführungspraxis der alten Musik. 2009 absolviert sie ihr Masterstudium in Blockflöte bei Bart Spanhove, Bart Coen und Koen Dieltiens am Lemmensinstituut in Löwen, Belgien. In Trossingen absolviert sie 2010 einen Master of Music in der Musik des Mittelalters und der Renaissance. 2012 schliesst sie einen Master of Arts in Musikwissenschaft mit Auszeichnung ab. Für ihr Promotionsprojekt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bekommt sie 2013 ein Stipendium des Deutschen Historischen Instituts Rom. 2014-2017 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Schola Cantorum Basiliensis tätig. Aktuell arbeitet sie als begeisterte Musikpädagogin für jung und alt, in der Schweiz wie bei internationalen Musikfestivals. Sie konzertiert regelmässig in ganz Europa mit Ensembles wie Aquil’AlterA (BE), Il Nostromo del Sogno (BE), Isabella (FR/DE), Les Riches Heures (CH), Mon cuer mon ame (CH/DE), Officium (DE), La Reverdie (IT) und La fonte musica (IT).