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Als die Universität Basel 1460 gegründet wurde, besass sie wohl von Beginn an eine Bibliothek, schriftlich nachweisen lässt sich diese allerdings erst anno 1471 durch einen Besitzervermerk in einer Handschrift. Sechs Jahre später, anno 1477, können aus den erlassenen Universitätsstatuten erste Schlüsse über die Aufbewahrung und den Umfang der Bibliothek gezogen werden: Die Statuten enthalten eine Benutzerordnung, worin unter anderem ein Eid des Schlüsselinhabers der libraria verlangt wird. Daraus lässt sich schliessen, dass die ersten Bücher der UB in einem abschliessbaren Schrank oder Raum an der alten Universität am Rheinsprung untergebracht waren. Genauere Angaben lassen die Quellen nicht zu. Bedeutend war die UB noch nicht, es dominierten bis zur Reformation 1529 die Klosterbibliotheken der Stadt, insbesondere das Dominikanerkloster und die Kartause (heute bürgerliches Waisenhaus).
Nach der Auflösung der Klöster im Zuge der Reformation sprach man die Bücher der Universitätsbibliothek Basel zu, der Bestand wuchs für damalige Verhältnisse stark an.[1] 1536 vernehmen wir aus einer Notiz von Bonifatius Amerbach, Rektor der Universität, dass man beabsichtigte neue Bibliotheksräume einzurichten oder gar eine neue Bibliothek zu bauen.[2] Allerdings konnte die Universitätsbibliothek erst 1558/9 die neu renovierten Räume des sogenannten Brabeuterium beziehen.
Das Gebäude kann man auf dem Basler Merianplan aus dem Jahre 1615 (Bild 1) genau erkennen: Es handelt sich um den kapellenartigen Saalbau, der vor dem Kollegienhaus der Alten Universität auf die Rheinmauern aufgesetzt wurde. Die Bibliothek war aber nicht im Prachtsaal des Obergeschosses, sondern gemäss einer Beschreibung von Christian Wurstisen im Kellergeschoss aufgestellt. Der Prachtsaal darüber diente als Hörsaal und Repräsentationsraum, wahrscheinlich zuweilen auch als Lesesaal. Das Büchermagazin, das um 1600 circa 2100 Bände umfasste, war nicht klug gewählt: Überschwemmungen des Rheins sowie die hohe Feuchtigkeit setzten den Beständen zu. Die UB bezog daher anno 1671 die Räume im Haus zur Mücke am Münsterplatz.
Das «Haus zur Mücke» (Bild 2) war bereits 1671 ein geschichtsträchtiger Ort. Hier wurde 1448 der letzte Gegenpapst – Amadeus VIII. von Savoyen alias Papst Felix V. – am Ende des Basler Konzils ausgerufen. Der Rat hatte bereits 1545 den Abriss des alten Gemäuers beschlossen, wenig später war ein Neubau fertiggestellt. Nachdem zur Mitte des 17. Jahrhunderts Risse in den Mauern des Brabeuterium sichtbar wurden, die wohl mehrere Hochwasser verursacht hatten, war ein Umzug der UB unumgänglich. 1671 bezog die UB Basel das Obergeschoss der im Volksmund genannten «Mücke», während in den unteren Geschossen das anno 1661 von der Stadt und der Universität angekauften «Amerbachkabinett» eingerichtet wurde (Bild34). Die Bücher aus dem Amerbachkabinett wurden dabei der UB Basel übergeben. Aus dem 1681 verfassten Bibliotheksreglement geht hervor, dass die UB damals nur einmal in der Woche für zwei Stunden ihre Pforten öffnete. Die Räume waren allerdings für die längere Nutzung vor Ort auch nicht eingerichtet – es fehlte gar eine Heizung. Die «Mücke» blieb die Heimat der UB für fast 200 Jahre. Schon nach 1800 war das Haus zur Mücke viel zu klein geworden, insbesondere in Anbetracht, dass die neu erschienenen Bücher anfangs 19. Jahrhundert exponentiell anstiegen. Die schlechten Bedingungen für die UB sowie für das Amerbach’sche Kunstkabinett waren somit nicht mehr tragbar. Diverse Neubauten und bestehende Gebäude wurden als neue Ort für die UB ins Auge gefasst, u.a. der Reinacher Hof, den man zur neuen UB umbauen wollte. Die Kassen der Stadt und der Universität waren nach der Kantonstrennung von 1833 leider viel zu klamm, um an derartige Projekte zu denken. Erst als man sich knapp 10 Jahre später vom Schock der Kantonstrennung erholt hatte, griffen Stadt und Universitätsleitung 1842 die Idee eines Neubaus für die in der «Mücke» untergebrachten Sammlungen wieder auf. Gleichzeitig erstelle der damalige Bibliothekar einen neuen Gesamtkatalog – ein Zeichen dafür, dass sich auch in Basel das Berufsbild des Bibliothekars zu etablieren begann.
1849 konnte die Universitätsbibliothek das neu gebaute Museum an der Augustinergasse (heute Naturhistorisches Museum Basel) beziehen (Bild 4). Architekt war der aus Basel stammende Architekt Melchior Berri. Das Museum beherbergte zwar noch immer vielerlei Sammlungen (u.a. das Amerbachkabinett), doch waren die verschiedenen Kollektionen in unterschiedlichen Räumen untergebracht und nicht mehr in den Räumen durchmischt. Selbst der Bibliothekar hatte im Museum selbst eine Amtswohnung. Die monumentalen Räume entsprachen dem Bild einer herrschaftlichen Bibliothek, bei der die Regale alle entlang der Wände platziert wurden. Leider konnte sich die UB in den neuen Räumen nicht wie gewünscht entfalten: Dies hing vorwiegend daran, dass die Leitung der Bibliothek, entgegen dem damaligen Trend, nicht an einen wissenschaftlichen Bibliothekaren übergeben, sondern noch immer en passant von einem Universitätsprofessor übernommen wurde. Das Museum an der Augustinergasse wurde mit 70'000 Bänden bezogen, 1890 waren es bereits 200'000 Bände. Erneut war kein Platz mehr da, zugleich wurden die Stimmen einer Bibliotheksreform immer lauter: Die Nutzung nahm parallel zum Bestand immer mehr zu, die Verwaltung war zugleich so veraltet, dass Sie den Reformwünschen nicht mehr nachkam. Man richtete provisorische Räume in ungeeigneten Büros und leeren Ausstellungsräumen des Museums ein. Nachdem der Wunsch eines naturwissenschaftlichen Instituts in den 80iger Jahren des 19.Jh. formuliert wurde, stiess auch die Frage nach einem Neubau für die Universitätsbibliothek auf offene Ohren.
[1] Wenngleich erst 1590 bestimmt wurde, dass noch die letzten vorhandenen Klosterbibliotheken an die UB übergingen.
[2] UBH C Via 90 [5], S. 10