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Der Name «Andalusien» klingt magisch. Das ist unter anderem den muslimischen Mauren zu verdanken. Sie eroberten ab dem Jahr 711 grosse Teile des heutigen Spaniens und herrschten bis 1492, als sie aus ihrer letzten Bastion Granada vertrieben wurden. Die Mauren nannten ihr ganzes spanisches Reich «al-Andalus», und ihr Einfluss ist bis heute gegenwärtig: Die schönsten Bauwerke stammen aus der islamischen Epoche, Teile der spanischen Sprache sind vom Arabischen beeinflusst, Kunst, Esskultur und auch der Tanz «Flamenco» haben Anleihen bei den Mauren genommen.
Die südlichste Region Spaniens ist mehr als doppelt so gross wie die Schweiz und mit rund 8,5 Millionen Einwohnern etwa halb so dicht besiedelt. Als hochzivilisierte, geschichtsträchtige und eindrückliche Gegend ist Andalusien das ganze Jahr über, aber vor allem im Herbst und Frühling ein erstrangiges Reiseziel.
Sevilla ist die Hauptstadt der Region. Die Altstadt ist eine aufregende Mischung aus engen, krummen Gässchen, schattigen Plätzen, Palästen, Kirchen und Cafés aus der maurischen Zeit, der Renaissance, dem Klassizismus und dem Jugendstil. Es gibt 165 Kirchen und 6500 Tapas-Bars. Der Einfluss der Mauren ist omnipräsent, etwa im Alcázar, dem Königspalast. Oder in der Giralda, dem mächtigen, viereckigen Turm neben der Kathedrale. Die Giralda war einst das Haupt-Minarett der Stadt; die gotische Kathedrale wurde im 15. Jahrhundert auf den Trümmern der Grossen Moschee erbaut.
Granada ist unbedingt einen Besuch wert. Die 740 Meter lange und 220 Meter breite Palastanlage der weltberühmten Alhambra besteht aus diversen Gebäuden und Gärten, viele von ihnen maurischen Ursprungs. Mittendrin liess der spanische König Karl I. im 16. Jahrhundert nach der Rückeroberung einen riesigen Palast errichten. Sehenswert ist auch das Albaicín, das ehemalige maurische Wohnviertel.
Córdoba ist ein weiterer Höhepunkt jeder Andalusienreise. Eine herausragende Sehenswürdigkeit ist die Mezquita, eine elegante, mehr als 1200 Jahre alte ehemalige Moschee mit 1250 Säulen, in die eine Renaissance-Kirche hineingebaut wurde. An der Avenida del Gran Capitán erwartet Besucher mit dem Palacio de Viano, dem Gran Teatro de Córdoba, einem römischen Tempel und der Kirche San Pablo ein erstaunliches Ensemble römischer, maurischer und spanischer Baukunst. Am nördlichen Ende der 2000 Jahre alten Römischen Brücke steht ein Triumphbogen, am südlichen Ende der 650-jährige Torre de Calahorra, ein Verteidigungsturm, der heute ein Museum beherbergt. Nicht zu übersehen in Córdoba ist auch der Alcázar: die palastartige, 700 Jahre alte Festung mit Gärten, Brunnen, Zitronen- und Orangenbäumen.
Cádiz liegt auf einer Landzunge im Meer und ist nur über einen schmalen Streifen mit dem Festland verbunden. Die exponierte Stadt am Atlantik war stehts begehrt: Vor mehr als 3000 Jahren kamen die Phönizier, später die Karthager, die Römer, die Westgoten und die Mauren. Cádiz profitierte besonders von der Entdeckung Amerikas. Kolumbus brach hier 1493 zu seiner zweiten Reise in die Neue Welt auf. Die Geschichte der Besiedlung Spaniens und seiner Zeit als Kolonialmacht präsentieren sich nirgendwo eindrücklicher und auf engerem Raum als hier.
Jaén ist zu Städten wie Cádiz, Granada, Córdoba und Sevilla mit ihren Touristenmassen und dem kosmopolitischen Flair, das spröde Gegenstück. Jaén fasziniert trotzdem. Hier findet noch das spanische Provinzleben statt, das man in den glamourösen Grosstädten nicht mehr findet. Statt dem Mittelmeer und dem Atlantik gibt es in der Provinz Jaén ein Meer von schätzungsweise 65 Millionen Olivenbäumen: Jaén ist die Welthauptstadt des Olivenöls. Das Castillo de Bury Al-Hamma erhebt sich über dem Städtchen Baños de la Encina rund 60 Kilometer nördlich von Jaén. Der gewaltige, mit Zinnen bekränzte Bau mit 15 Türmen wurde von den Arabern gebaut, später erweitert. Ausgrabungen unter dem Fundament brachten prähistorische und römische Mauerreste zum Vorschein. In diesem Burghügel in der Sierra Morena, dem Mittelgebirge, das Andalusien von der nördlich gelegenen Region Kastilien trennt, steckt die ganze wechselvolle Geschichte Andalusiens.
Pueblos Blancos heissen die weissen Dörfer, die zu den idyllischen Postkartenbildern Andalusiens zählen: Strahlend weisse Häuser, die Strassen geschmückt mit Blumen und Fähnchen, säumen steile Gassen und Bergflanken. Vejer de la Frontera unweit von Cádiz ist ein besonders schönes Dorf. Im Hinterland führt die Themenstrasse Ruta de los Pueblos Blancos an zahlreichen solchen Orten vorbei. Zu den attraktivsten Weissen Dörfern zählen Arcos de la Frontera, Zahara de la Sierra und Olvera.
Andalusien ist in Traditionen verwurzelt. Eindrücklich sind beispielsweise die Umzüge in der Karwoche. An der Feria de Abril, dem Frühlingsfest, geht es, wenn das lokale Brauchtum mit Essen, Trinken, Flamenco und traditionellen Trachten gefeiert wird, hoch zu und her. Geschmückte Pferde und Kutschen bringen die stolzen Gäste auf das Festgelände.
Ähnliche Bilder gibt es an der Feria de Caballo, der Pferdemesse in Jerez de la Frontera Anfang Mai. Jerez ist die Hochburg der andalusischen Pferdezucht. Berühmt ist die Stadt aber auch für ihren mal trocken, mal sehr süss ausgebauten Wein, den Sherry. Dieser darf nur zwischen den Städten Sanlúcar de Barrameda, Jerez de la Frontera und El Puerto produziert werden. Weinkeller, «Bodegas» genannt, bieten geführte Besichtigungen und Verkostungen an.
Vielen ist Andalusien ausschliesslich wegen seiner zahlreichen Strände bekannt: Die Costa del Sol oder Sonnenküste mit ihren zahllosen, zum Teil riesigen Hotelanlagen an rund 300 Strandkilometern rund um Málaga, Torremolinos/Benalmádena und Marbella verteilt, ist zum Inbegriff des mediterranen Massentourismus geworden. Eine weniger überlaufene Alternative ist die Costa de la Luz, die Küste des Lichts, die sich von Gibraltar etwa 200 Kilometer weit bis an die portugiesische Grenze hinzieht. Die Costa de la Luz liegt zwar am Atlantik, und das Klima ist etwas weniger lieblich als am Mittelmeer. Doch Wassersportlerinnen und Wassersportler lieben diese Küste, vor allem bei der Stadt Tarifa, und Badegäste mögen die ruhigeren Strände ohne «Halligalli».
Wer der trockenen Hitze Andalusiens entfliehen will, muss übrigens nicht weit reisen: Mitten in der heissesten Region Spaniens, zwischen Granada und Almería, liegt das Hochgebirge der Sierra Nevada: im Winter schneebedeckt, im Sommer ein Kletterparadies mit bis zu 3500 Meter hohen Gipfeln.
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