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Hoi miteinander, ich bin Shuya und ich bin sechzehn. Ich komme aus Bassersdorf. Ich bin momentan am Lee im Musischen.
Für mich ist bei Kunst vor allem wichtig, dass die Person, die das Kunstwerk erschaffen hat, auch einen Gedanken dahinter hat und mir diesen Gedanken übermittelt, so dass ich es auch verstehe und ich nachvollziehen kann, was sich der Künstler überlegt hat. Anstatt zum Beispiel nur ein roter Punkt, bei dem ich nicht verstehe, was dahinter ist.
SHUYA: Wir befinden uns gerade an der Pionierstrasse. Das ist die Strasse vom Bahnhof Richtung Skills-Park und dann gleich abbiegt. Heute haben wir eine Begegnung mit einem Kunstwerk von Mario Sala. Gehen wir es zusammen anschauen?
Wir sind jetzt beim Eingang von der Stadtverwaltung Winterthur und wir jetzt direkt vor einer Drehtüre und wenn man um die Ecke biegt, dann sehen wir bereits unser Kunstwerk durch die Glasscheibe. Und ich möchte jetzt noch nicht allzu viel verraten. Schauen wir es uns etwas genauer an.
Wir sind jetzt gerade reingekommen, wir sind in der Eingangshalle beim Empfang. Weil das Kunstwerk ist direkt neben dem Empfang. Es ist ein Halbkreis. Es sieht so aus, als würde man einen Kreis ausmalen und dann in der Hälfte durchschneiden. Und die Farben sind rötlich, Pink, bläulich und es ist so angeordnet wie ein Sonnenuntergang. Der Kreis hat einen bläulich-grünlichen Rand, der nicht gerade ist, sondern Wellen drin hat. Und das Werk ist so in verschiedene Scheiben unterteilt und zusammengesetzt.
Auf den ersten Blick hatte ich den Eindruck, dass es ein Sonnenuntergang am Meer ist, mit dem Unterschied, dass das Meer hier nicht blau, sondern pink ist. Und es hat so wie Flecken drauf. Am Anfang dachte ich, es wäre Dreck. Aber es ist ein Teil des Werks. Und es scheint so wie ein Segel zu sein, oder eine Sportart ist, die man halt auf dem Meer macht. Und ich weiss wirklich nicht, was das kreisrunde Ding sein soll. Es sieht aus wie ein kleiner Fleck. Ein schwarzes Viereck mit zwei Schwänzchen hinten dran. Ich hätte gesagt, dass es vielleicht ein Drache ist, den man aufsteigen lässt. Es ist alles in den Farben Blau, Grün, Rot, gemalt, mit weissen Übergängen. Und ich weiss nicht, ob dies Teil des Kunstwerks ist, aber ganz unten sieht man im Zentrum des Halbkreises nochmals einen schwarzen Halbkreis, welcher das Kunstwerk etwas abschneidet. Und ich weiss nicht, ob dies wirklich dazu gehört. Aber dies unterbricht das Ganze ein Bisschen.
Also jetzt noch ein paar Fakten zum Werk, vor welchem wir stehen. Das Werk heisst Sunscape und es ist von Mario Sala. Wie erwähnt, befindet es sich in der Eingangshalle der Stadtverwaltung Winterthur und es ist an der Pionierstrasse 7. Das Werk ist 2012 entstanden. Und es besteht aus mehreren Teilen, es ist ein achtteiliges Werk, die er zuerst einzeln angefertigt und dann zusammengesetzt hat – oder umgekehrt, ich weiss es nicht. Und es ist mit Autolack, Öl, Epoxyd auf Aluminium gemalt oder lackiert worden. Und die Masse sind 266 × 490 Centimeter.
Ich habe nun noch einige Fragen an den Künstler. Ich möchte Mario Sala gerne fragen, was genau die einzelnen Flecken auf dem Werk bedeuten oder darstellen sollen. Und warum er es in acht Teilen gefertigt hat. Bei einem “Sunset” stelle ich mir eher ein grosses Gesamtbild vor und nicht acht Einzelteile. Warum genau acht? Ich finde es auch noch cool, dass es alles so reflektiert, wahrscheinlich weil es auf Aluminium gemalt ist – die Lampe der Eingangshalle und die eigene Silhouette. Ob er sich etwas dabei überlegt hat, es genau hier in der Eingangshalle zu platzieren und ob dies hier zum Setting dazugehört und etwas damit zu tun hat.
MARIO SALA: Hallo Shuya, es freut mich sehr, dass du dir ein wenig Zeit genommen hast, um dir das Bild “Sunscape” anzuschauen. Es ist ja so gross, dass, wenn man nur vorbeigeht, es nur als roten Fleck im Raum wahrnimmt. Da kommt die Reflexion ins Spiel, wie du richtig bemerkt hast. Es ist wirklich Absicht, dass die Leute Teil werden und sich miteinander in dieser Sonnenlandschaft reflektieren, zusammen mit dem Raum und der Lampe. Es steigert eine übersteuerte Hitzesituation, eben eine “Sunscape”. Und wir ausserhalb des Bildes sind Teil davon.
Acht Teile braucht es, dass es wie einzelne Fensterflügel wirkt. Man steht vor einem halbkreisförmigen Panoramafenster mit feinen Streben. Das macht die Wirkung realer. Das Bild ist hier im Superblock verankert. Die acht Teile vom Bild, wie auch der zentrale, schwarze Halbkreis unten am Rand in der Mitte, sollen die Tiefe des Bildes nochmals steigern. Sie bilden damit auch eine Verbindung zwischen uns und dieser starkfarbigen Farbwolke. Ohne diese scharfe Linie dieser Unterteilung wäre das Bild viel diffuser. Und der untere Halbkreis ist wie eine Plattform, um ins Bild einzutauchen. Die einzelnen Flecken sind unterschiedliche Gegenstände, Fahrzeuge und menschliche Figuren. Das ist nun vielleicht nicht gerade ersichtlich, aber das macht nichts. Ich weiss auch nicht genau, was die einzelnen schwebenden Teilchen genau sind. Aber was ich sicher weiss ist, dass es ein Ausblick auf Winterthur ist in 30’000 Jahren. Eigentlich eine Alltagsszene. Das kegelförmige Gebilde auf der rechten Seite ist vermutlich der Super-Superblock in 30’000 Jahren.
SHUYA: Und eine weitere Frage ist, was der äussere Kreis um das Kusntwerk, dieser bläulich-grüne Rand für eine Bedeutung hat. Was soll er genau darstellen?
MARIO SALA: Der bläulich-grüne Rand ist gewählt als Silhouette und unterstreicht dieses wabernde von dieser Hitze im Bild. Er schafft auch einen Farbkontrast zum tiefen vorherrschenden Rot. Ebenso ergibt er eine Verbindung zum kalten Betongrau. Es ist so eine Art Auslaufen. Er ist auch etwas zurückversetzt und das Rot im Bild ist mehr in den Raum hineingestellt. Also tatsächlich hat es auch einen kleinen Absatz.
Shuya, ich grüsse dich ganz herzlich und wünsche dir auch in 30’000 Jahren noch so viel Interesse an der Kunst, die nicht immer ganz erklärbar ist.
Vielen Dank!
°°
ART'S COOL oder "Art is cool"!
Dies ist eine Begegnung mit einem zeitgenössischen Kunstwerk in der Schweiz, betrachtet, erkundet, und hinterfragt von jungen Menschen. Auf die Fragen der Jugendlichen geben wiederum die Künstlerin oder der Künstler auf ihre Weise eine Antwort. Ganz einfach, nicht?
In dieser zweiten Saison lädt unser Podcast dich ein, Werke ausserhalb der üblichen Ausstellungsorte zu besuchen, meistens im Freien! Fast jede Woche entdecken wir gemeinsam eine künstlerische Schöpfung, die irgendwo in der Schweiz im öffentlichen Raum zu finden ist.
Heute ging es um das Kunstwerk “Sunscape” von Mario Sala, untersucht vom neugierigen Blick von Shuya. Verpasse nicht, das Kunstwerk in Wirklichkeit selber zu entdecken, und zwar in der Eingangshalle der Stadtverwaltung Winterthur an der Pionierstrasse 7.
Sammle zeitgenössische Kunst mit deinen Ohren! Die Webseite artscool.ch/de präsentiert alle Episoden, die seit Herbst 2021 ausgestrahlt wurden. Eine vielfältige und wachsende Sammlung! Ausserdem findest du dort alle Portraits der jugendlichen Fans der zeitgenössischen Kunst, die Kurzbiographien der interviewten Künstlerinnen und Künstler und die Bilder der Werke.
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Der Podcast ART’S COOL wird realisiert und ausgestrahlt mit der grosszügigen Unterstützung der Loterie Romande, dem Migros-Kulturprozent, der Oertli-Stiftung, der Sandoz-Familienstiftung, den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Genf, Glarus, Graubünden, Obwalden, Sankt Gallen, Solothurn, Thurgau, Waadt, Wallis, Zug, Zürich, und den Städten Winterthur, Yverdon-les-bains, Zug und Zürich.
Mit der Stimme von Florence Grivel in der französischen Version und Stephan Kyburz in der deutschen Version.
Musik and Sounddesign von Christophe Gonet.
Dies ist eine Produktion Young Pods.