Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03595.jsonl.gz/1601

Die Stiftung we-help wurde angefragt, ob sie sich an der Renovation des Daches einer Schule im Osten von Belarus beteiligen könnte. Während der Reise im Herbst 2006 haben wir auch ein Altersheim besucht. Die katastrophalen Verhältnisse haben uns bewogen, umgehend zu helfen.
Im Herbst 2006 führte uns eine Reise nach Klimovitschi, ganz im Osten von Belarus, mit dem Ziel, uns an den Kosten einer Renovation des Daches der Schule zu beteiligen. Diese Schule wurde nach der Katastrophe von Tschernobyl (26.4.1986) rasch gebaut, um die Kinder aus den verstrahlten Gebieten für den Unterricht aufzunehmen. Etwa 300 Schüler besuchen diese Schule, wovon 24 Internatsschüler aus sozial zerrütteten Verhältnissen.
Zuerst wurde ein Gebäude mit zentralem Mittelteil und Giebeldach erstellt und später beidseits zwei Anbauten angefügt. Diese haben je ein Flachdach, das trotz mehrmaliger Renovation immer noch nicht richtig abgedichtet werden konnte. Ein Giebeldach ist unmöglich, da wegen der schnellen und schlechten Bauweise die Fundamente zu schwach sind. Dieses Dach konnte dank dem finanziellen Einsatz der Rotary Clubs Bergh in Holland, Ingelheim in Deutschland und der Stiftung we-help perfekt saniert werden.
Anlässlich dieser Reise haben wir auch das unweit von Klimovitschi gelegene Altersheim in Vialiki Moh besucht. Ursprünglich war es für 30 Personen geplant und ist aktuell mit 40 alten Menschen belegt, wovon sieben nicht mehr gehfähig sind. Es herrschen katastrophale Verhältnisse. Die Bewohner werden wie Tiere in viel zu kleinen Zimmern zusammengepfercht und liegen in alten Betten mit matratzenähnlichen Gebilden. Es gibt keine Intimsphäre und die sanitarischen Verhältnisse lassen sehr zu wünschen übrig. Das Sanitätszimmer ist jedoch sauber, ebenso die Küche mit einem 7-jährigen teils defekten Herd. Der Zugang zum Heim ist sehr schwierig und nicht rollstuhlgängig.
Wir haben das Gefühl, dass unser Besuch geschätzt wurde. Das langfristige Ziel der Rotary Clubs Bergh und Ingelheim, sowie der Stiftung we-help ist, ein neues Altersheim zu bauen. Wir sind uns aber alle bewusst, dass der Weg dorthin sehr weit und schwierig ist. Die Bürokratie ist schwerfällig, es müssen Besitzverhältnisse abgeklärt werden und es braucht Bezugspersonen in den entsprechenden Ämtern, die sich für ein solches Projekt begeistern lassen. All dies übersteigt unsere Einflussmöglichkeiten. In der Organisation Heim-statt Tschernobyl (www.heimstatt-tschernobyl.org) haben wir einen Partner gefunden, der die nötigen Beziehungen zu Belarus hat und weiter ausbauen kann.
Das Altersheim in Vialiki Moh liegt im Osten von Belarus, ca 2.5 km von der russischen Grenze entfernt. Von Minsk aus ist das Dorf über sehr gute Strassen in rund sechs Stunden erreichbar. Es liegt ausserhalb der durch die Katastrophe von Tschernobyl verstrahlten Zone. Trotzdem gibt es in dieser Gegend ein Negativwachstum der Bevölkerung, da Angst vor Missbildungen herrscht.
Von aussen sieht das Heim noch akzeptabel aus, aber schon in der Nähe des Eingangs erschlagen einem die fürchterlichen Gerüche vom absolut desolaten Zustand der sanitären Einrichtungen. Die schlechte Hygiene, die vor allem auch baulich bedingt ist (Böden und Wände mit Rissen), setzt sich im Inneren fort.
Der einzige Aufenthaltsraum für die Bewohner ist der Gang zwischen den Zimmern. Wenn es das Wetter zulässt, können sich die alten Leute auch draussen aufhalten oder im Garten arbeiten.
Vor Weihnachten 2007 haben wir unseren Vertrauensmann und „Reiseführer“ aus Klimowitschi, Ivan Borschtschow, beauftragt, den Bewohnern des Altersheims mit einem kleinen Geschenk eine Freude zu bereiten. Ivan besorgte in unserem Auftrag für jeden eine Decke und Süssigkeiten.
In diesem Zimmer von etwa 12 m² Fläche stehen sechs Betten so, dass man zwischen diesen kaum durchgehen kann. Bettwäsche und „Matratzen“ sind vom Alter und der Inkontinenz der Bewohner gezeichnet.
Die ausserhalb des Heims gelegene Küche ist ein Lichtblick. Sauber, hell, mit brauchbaren, zum Teil leicht defekten Geräten ausgestattet. Ders Speiseplan ist abwechlungs-reich und ausgeglichen. Einige Bewohner können bei den Küchenarbeiten mithelfen.
Wir haben das Gefühl, dass unser Besuch und Einsatz geschätzt wird. Wir wurden vom Vorsitzenden des Exekutiv-komitees, Herrn Vitali Grischanov, empfangen. Diese Ehre steht nicht jeder Delegation zu. Über unseren Besuch wurde auch in der lokalen Zeitung ausführlich berichtet.