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Maria Lourdes nimmt unter den katholischen Kirchen Zürichs in doppeltem Sinn eine Sonderrolle ein: Sie ist im traditionell reformierten Kanton der einzige Marienwallfahrtsort von Bedeutung und ausserdem nach St. Anton Basel (Karl Moser, 1931) und St. Karl Luzern (Fritz Metzger, 1934) die dritte grössere katholische Kirche in der Schweiz, die in Sichtbeton gestaltet wurde.
|Patrozinium||Muttergottes|
|Baujahr||1935|
|Architekt||Fritz Metzger|
|Pfarreigrösse||7'000|
|Quartier
||Zürich-Seebach|
Geschichte
Die Pfarrei Maria Lourdes wurde von Herz Jesu Oerlikon aus gegründet. Als Mutterpfarrei kaufte diese 1914 einen ersten Baugrund in Seebach. Der Aufbau einer Seebacher Pfarrei wurde nötig, weil hier ab dem Ende des 19. Jahrhunderts ein Bauboom samt stetem Bevölkerungszuwachs eingesetzt hatte. 1930 konnte das Areal am heutigen Standort der Kirche gekauft werden. Im Architekturwettbewerb für den Bau der Kirche konnte sich der junge, aber bereits erfolgreiche Fritz Metzger durchsetzen, der Kirche samt Pfarrhaus 1933-1935 erbaute. Am 30. Juni 1935 wurde die Kirche durch Bischof Laurenz Matthias Vincenz geweiht und zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben.
Zur Pfarrei Maria Lourdes gehörten ausser Seebach zunächst auch noch weitere Gemeinden, die später zu eigenständigen Pfarreien erhoben wurden: Kloten (als Seelsorgestation 1942 gegründet, erste Kirche Christ-König 1948 erbaut), Rümlang (1945 Seelsorgestation, Kirche St. Peter 1964 erbaut) und Opfikon-Glattbrugg (Baugrund 1948 gekauft, Kirche St. Anna 1956 erbaut).
1967 wurde das Pfarrhaus um eine Etage aufgestockt und 1975 die Kirche im westlichen Teil unterkellert, um Vereins- und Versammlungsräume einzubauen, dies als Ersatz für den 1946 gekauften «Nationalhof», in dem sich bis dahin die Vereinsräume befunden hatten. Die Kirche selber wurde 1960 im Innern, 1984-1985 sowie 2008-2009 aussen und innen renoviert. 1985 wurde die Kirche Maria Lourdes ins Inventar der kunst- und kulturhistorischen Objekte und der archäologischen Denkmäler von regionaler und kantonaler Bedeutung aufgenommen.
Architektur & Kunst
Die Kirche liegt von der vielbefahrenen Schaffhauserstrasse etwas abgesetzt und leicht erhöht. Eine Freitreppe führt von der Strasse zum Portal der Kirche. Die Kirche Maria Lourdes präsentiert sich als schlichter Baukubus. Sie ist ein orthogonaler Bau mit einer Vorhalle, die in den Baukörper integriert wurde, und hochgesetzten Rundfenstern. Die Fassade der Kirche wurde in Anlehnung an den in den 1930er Jahren vorherrschenden Bauhausstil sehr einfach gehalten. Die Tradition, dass über dem Portal von Kirchenbauten oft eine Mariendarstellung anzutreffen ist, griff Fritz Metzger auch in Maria Lourdes auf. An die Seitenfassade zum Höhenring wurden sowohl der 38 m hohe Kirchturm als auch die Lourdes- und die Taufkapelle so angegliedert, dass deren Ecken jeweils direkt auf der Baulinie liegen. Eine Besonderheit ist, dass das Geläut nicht in einen eigentlichen Glockenstuhl eingebaut wurde, sondern an seinen Jochlagern direkt auf Auskargungen der Betonwand ruht.
Gestützt auf ein Gutachten der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt erhielt der Sichtbetonturm bei der Aussenrenovation von 1973 einen Verputz, was das Erscheinungsbild der Kirche veränderte.
Das Kircheninnere wird vom Hauptraum bestimmt, der als Halle mit schlanken Betonpfeilern und bewegten Quertonnen gestaltet ist. Maria Lourdes ist ein frühes Beispiel für die Sichteisenbeton-Technik, für die Fritz Metzger wegweisend war. Die schlanken, quadratischen Pfeiler sind zur Aussenwand gerückt, sodass die beiden Seitenschiffe zu schmalen Gängen werden.
Das Chorgemälde entstand in Fresko-Technik und wurde von Richard Seewald 1942 geschaffen. Es stellt die Immaculata, die unbefleckt empfangene Jungfrau Maria inmitten bittender Menschen dar. Der Tabernakel wurde von August Büsser 1942 gestaltet.
Die Glasmalereien in den Rundfenstern wurden 1959 von Ferdinand Gehr gestaltet. Dargestellt sind Ausrufungen der Lauretanischen Litanei. Die Fenster in der Taufkapelle wurden vom damals 91-jährigen Ferdinand Gehr anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Pfarrei 1985 geschaffen und zeigen die sieben Sakramente.
Da die Mutterpfarrei Herz Jesu Oerlikon 1935 von der dortigen reformierten Kirche die alte Orgel übernehmen konnte, wurde die erste Orgel von Herz Jesu der Tochterpfarrei Seebach geschenkt. Diese wurde 1951 durch die heutige Orgel ersetzt, ein Instrument der Firma Gebr. Späth.