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Centrale elettrica Campocologno
Die Postkarten und Fotos von Campocologno und der Kraftwerkzentrale zu separieren ist fast ein Ding der Unmöglichkeit! Das Ortsbild wird dominiert von den Druckrohren und dem - im Verhältnis zu den Wohnhäusern - riesigen Kraftwerksgebäude. Deshalb sollen hier Ansichten mit dem Fokus auf die Kraftwerkszentrale publiziert werden - es gibt deren viele! Ansichten von Campocologno findest Du hier.
Die Geschichte und die Finanzierung der Berninabahn und der Kraftwerke Brusio (Erstellerin und Besitzerin u.a. der Zentrale Campocologno) sind aufs Engste miteinander verwoben - eine Symbiose zwischen Erstellerin und Abnehmerin von Energie. Das bisschen Strom für die Berninabahn war alleine klar kein 'Business Case' für das Kraftwerk mit einer Leistung von 36'000 PS. Im Vordergrund stand die Lieferung von Elektrizität in eine vor Ort aufzubauende Industrie, später für die ferne Wirtschaftsmetropole Milano, um den rasant steigenden Energiebedarf von Industrie und Bevölkerung zu decken und anderseits, um aus der Abhängigkeit der Firma Edison zu kommen. So wurde schon bald eine Übertragungsleitung von über 100 Kilometern Länge von Campocologno nach Milano erstellt!
Das Kraftwerk Campocologno war zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme das Wasserkraftwerk mit dem höchsten Gefälle (418 Meter).
Mehr über die spannende Geschichte der Kraftwerke Brusio KWB (Forze motrice Brusio FMB) und der einhergehenden Energieproduktion im Puschlav wird im Laufe der Zeit folgen.
Oben eine meiner Top-50 Postkarten!
Sie dokumentiert den absoluten Beginn des Baus der Kraftwerkzentrale. Noch ist der Poschiavino in seinem natürlichen Bett. Doch bald wird dieser Bereich ganz anders aussehen, der Fluss auf die linke Talseite gezwungen und das riesige Gebäude der Kraftwerkzentrale wird seinen dominanten Platz einnehmen. Über die Steinbrücke links führt die Kantonsstrasse, der Durchlass ist notwendig für die Druckrohre, welche zu den Turbinen in der späteren Kraftwerkszentrale führen werden.
Das Gebäude am Wasser - wohl eine Mühle - wird bis in die späten 60er-Jahre bestehen bleiben. Interessant sind die aufgereihten Schubkarren auf der Behelfsbrücke und herumliegende Schienenstücke für eine Transportbahn von Baumaterialien.
Rechts eine Ansicht von Campocologno kurz vor dem Bau des Kraftwerks - ein verträumtes Nest mit Zollstation. Grosse Veränderungen werden das Kraftwerk, die Berninabahn und der Bahnhof mit sich bringen. Unvorstellbar, wenn sich hier im engen Tal und beschränkt durch den Grenzverlauf noch die ursprünglich gewünschte Industrie angesiedelt hätte.
Fantastische und äusserst seltene Ansicht vom Bau der Anlagen!
Sichtbar sind die Druckrohre, die erst im unteren Drittel des Gefälltes montiert sind!
Der Kraftakt für das Hochziehen der Rohre ist enorm, der Eingriff in die Landschaft auch!
Weitere Details siehe Vergrösserung unten.
Die Vergrösserung zeigt die eiserne Strassenbrücke. Jene der Berninabahn wird erst später etwas oberhalb erstellt - Zuerst muss Wasser die Rohre hinunterstürzen, um in den Turbinen den Strom für die Berninabahn produzieren zu können.
Wir erkennen links ein Druckrohr auf einem Strassen-Transportwagen. Die Rohre sind sehr wahrscheinlich von Italien her angeliefert worden, genauso wie die Generatoren, wie andere Bilder zeigen - die damalige Berninastrasse war nur für Postkutschen ausgebaut und im oberen Teil im langen Winter nicht befahrbar.
Gut zu erkennen ist auch das Geleise der parallel zu den Druckrohren verlaufenden Materialbahn, welche zum Wasserschloss hinaufführt. Diese ist heute noch vorhanden.
Ein bisheriges Einzelexemplar, das mir in meiner 30-jährigen Sammeltätigkeit begegnet ist!
Historisch interessant sind folgende Dinge: Das Dörfchen Campocologno ist noch gedrängt und kompakt auf dem Hügel, die Kirche existiert noch nicht.
Des weiteren....
...hat der Fotograf einen Moment festgehalten, bei dem das grosse Kraftwerksgebäude noch mit dem Baugerüst versehen ist. Es ist im Endstadium des Baus. Die wichtige Wasserschutzmauer ist ebenfalls noch nicht ganz fertig.
Spannend ist auch zu erkennen, dass die Rohre der Druckleitung erst hingelegt und noch nicht verschraubt sind.
Diese Vergrösserung gibt einen Blick frei auf das unendlich steile "Trassee" der Rohrleitungen und der verschiedenen Gefällsbrüche.
Ebenso die in mühseliger Arbeit über lange Jahre mühsam erstellten Terrassen der Landwirtschaft. Es war ein harter Kampf, dem steilen Tal eine nutzbare Fläche abzutrotzen!
Das grosse Gebäude ist fixfertig gebaut und jetzt wird die Mauer zum Poschiavino fertig gestellt, welche die Fundamente vor Hochwasser und Unterspülung schützen wird.
Die gewaltigen Dimensionen der Kraftwerkzentralen werden hier eindrücklich ersichtlich. Besonders wenn man bedenkt, dass Campocologno sonst nur aus kleinen Häusern besteht.
Interessant ist auch die Vergrösserung: Hier wird das "Trasse" der Druckrohre erstellt. In diesem steilen Gelände ähnelt es wohl eher einem Mauerbau! Unvorstellbar, wie diese Massen von Steinen bearbeitet und hinauftransportiert wurden.
Leider erlaubt die damalige Druckqualität der Postkarte keine bessere Auflösung, um mehr Details zu erkennen.
Spektakulär war der Bau des unterirdischen, 6 km langen Wasserstollens von Meschino (Miralago) zum Wasserschloss oberhalb Campocologno in sehr kurzer Zeit. Um die Arbeiten zu beschleunigen, wurde ein Zwischenangriff bei Brusio installiert und auf der rechten Talseite eine Luftseilbahn für den Transport in die sonst nicht erreichbare Baustelle gebaut.
Die Firma Alioth hatte den Auftrag für alle elektrischen Installationen des Kraftwerks - und war danach der Generalunternehmer für die Berninabahn.
Ein schönes Foto aus der Anfangszeit der Zentrale, vermutlich bei deren Installation.
Drei Monteure stellen sich dem Fotografen um einen noch nicht fertig montierten Generator - da hängen mir noch zuviele Kabel herum :-)
Leider gibt es keine weiteren Information zu diesem schön arrangierten Berufsbild.
"Campocologno, Centrale elettrica forza 36,000 cavalli"
Stolz erläutert der Text auf der Vorderseite die Dimension des Kraftwerks, 36000 PS!
Die Anlagen scheinen fertig gebaut. Der relativ grobkörnige Druck könnte auch vermuten lassen, dass die Rohre etwas nachgezeichnet sind. Der Gefällsbruch der Rohre für die letzten paar Meter ist dick einbetoniert - hier herrscht ein gewaltiger Wasserdruck auf die Rohre.
Ein tolles, frühes Zeitdokument! Die Foto wurde vor der Inbetriebnahme der Berninabahn gemacht.
Pola ist der einzige mir bekannte Verlag in Campocologno, für mehr war wohl auch kein Platz...
Damals gab's noch keine SUVA und keine Sicherheitsbeautragten: Man beachte die lange Leiter und der Arbeiter, der sich in schwindelerregender Höhe irgendwie festhält, um etwas zu erledigen.
Aufmerksam beobachtet von Alain Hospenthal, Danke!
Empfängerin der Karte war das Fräulein Winkler aus Niederurnen im Kanton Glarus.
Der Schreiberling war mit grosser Sicherheit ein Deutschschweizer, der sich sehr Mühe gegeben hat, in beinahe perfektem italienisch zu schreiben. Mit der verschlungenen Unterschrift wollte er wohl dem neugierigen Pöstler die Identität verdecken :-)
Eine zweite Top-Rarität!
Sehr frühe Ansicht von Campocologno, die Strasse ist noch schmal und staubig, es gibt kaum Häuser bergseits der Strasse. (Vgl. 570-002)
Unten links die kleine Zollstation. Die Berninabahn ist noch nicht erstellt.....
....aber mit grosser Wahrscheinlichkeit im Bau. In der Vergrösserung meine ich Geländeabtragung zu erkennen, genau in der Bildmitte, die Strecke verläuft dann oberhalb des Hauses am linken Rand.
Wenn das so ist, schreiben wir etwa das Jahr 1906, kurz vor der Inbetriebnahme des Kraftwerks (1907). Das Gebäude der Zentrale steht schon, aber das ist der einfachste Teil der Arbeit....
Die Strecke der Berninabahn von Tirano nach Poschiavo wurde am 1.7.1908 offiziell eröffnet. Da die Aufnahme im Sommer gemacht wurde passt 1906 ziemlich gut. Damals konnte man Bahnanlagen in atemberaubendem Tempo bauen.
Dass das Kraftwerk noch nicht in Betrieb ist, zeigt die offensichtliche Manipulation der Foto: Die Druckrohre wurden im obersten Abschnitt von Hand eingezeichnet. Die Spuren der Geländebearbeitung sind schon da, aber sicherlich die Rohre noch nicht gelegt.
Detail aus einer Postkarte vergrössert:
Hier sind die Gefällsbrüche der Druckrohre und das Wasserschloss sehr gut zu erkennen.
DIe Originalkarte ist hier zu finden.
Hier eine beeindruckende Ansicht der eigentlichen Centrale im langen Haus! In der linken Reihe stehen die Wasserturbinen, daran angeflanscht die stromerzeugenden Generatoren.
Der Boden ist aufwändig mit sog. Tozzetti-Plättli belegt.
Solche Ansichten gibt es von Albert Steiner, Hugo Kopp, Chr. Meisser und anderen. Die Kraftwerkzentrale war bei Inbetriebnahme das stärkste Elektrizitätwerk der Welt und fand riesige Beachtung in der Presse rund um den Globus. Alle Fotos weichen in Nuancen voneinander ab. Das Spezielle an dieser Karte ist, dass es sich um eine Werbepostkarte der Firma "Elektrizitätsgesellschaft Alioth, Münchenstein-Basel" handelt, welche nicht nur die Ausrüstung der Kraftwerke lieferte, sondern auch diejenige der Berninabahn, inkl. der Triebwagen.
Weshalb ein Basler Unternehmen (später BBC, heute ABB)? Zu dieser Zeit war Basel das Finanzzentrum der Schweiz und somit massgeblich an der Finanzierung von grossen Industrieanlagen beteiligt. Auch die Berninabahn hatte viele Basler Lieferanten - der "Daig" reichte also bis ins Puschlav. Namen wie Alfred Sarasin sind aus der Geschichte von KWB und BB nicht wegzudenken.
Eine einmalige Postkarte aus sehr früher Zeit!
Obwohl das Unkraut zwischen den Rohren suggeriert, dass das ganze schon lange in Betrieb ist, erkennen wir an verschiedenen Details, dass die Aufnahme zu einem sehr frühen Zeitpunkt gemacht wurde.
Anhaltspunkte sind
- die noch neu aussehende Trockenmauer links
- weiter oben die noch nicht bewachsene Flanke
- der frische Schotter der Transportseilbahn,sowie
- die deutlich sichtbaren Teerimprägnierungen der Mastfüsse rechts.
Die Karte wurde 1911 verschickt, der Hintergrund ist dramatisch und interessant, siehe unten.
"Telegramm" steht auf dieser Postkarte, die am 6. April 1911 an Herrn Felder in die Eisenfabrik in (Ebnat) Kappel im Toggenburg geschickt wurde:
Alle Nägel, Nieten, Schrauben Marke St. (andere taugen nichts) postwendend Elektrizitätswerk senden. Prompte Bedienung. (Das war der geschäftliche Teil, dann wird es privat) Seit vorgestern erster Schnee im Kastanienwald, also Wettersturz auch im Süden! Reise morgen mutig Bernina retour St. Moritz. Viel erlebt. Alles mündlich! Euch liebe Freunde herzliche Grüsse aus Puschlavertal (....)
Hier ein schöne Ansicht der komplett fertigen Anlagen des Kraftwerks Campocologno und das nun vorhandene Gleise der Berninabahn.
Wuchtig und dominant die mächtige Kraftwerkzentrale mit ihren zwölf Peleton-Turbinen. Das Gebäude musste 1965 einer modernen, leistungsfähigeren und dennoch kleineren Anlage weichen. Dann wurden auch die Druckrohre ersetzt und die Zahl reduziert.
Links sehen wir die Kantonsstrasse durch Campocologno - es sind erstaunlich viele Personen zu Fuss unterwegs. Neu ist das turmartige Haus am Dorfeingang, nicht zu verwechseln mit dem Wachtturm der Italiener an der Grenze. Rechts eröffnet sich ein interessantes Detail: Die Kirche ist noch im Bau, der Turm stehe noch nicht. Wir schreiben also wahrscheinlich das Jahr 1911, denn der Bau wurde 1912 abgeschlossen.
Hier eine Ansicht einige Zeit nach der Inbetriebnahme: Die Vegetation hat die Wunden an der Natur schon deutlich zurückerobert, das Gebäude, in der Mauer am Wasser haben sich schon Pflanzen ausgebreitet und der Metallsteg eine Patina erhalten.
Hinten rechts sehen wir die Kirche, welche von 1910 bis 1912 erbaut worden ist. Die Karte ist als Foto gedruckt, somit dürfte die Aufnahme in den zwanziger/dreissiger Jahren anzusiedeln sein.
weiter zu Grenze nach Italien