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Alle befragten Jugendlichen kennen Maria. Für die meisten von ihnen ist sie die «Mutter von Jesus». Dogmatische Fragen nach ihrer Geburt und Jungfräulichkeit sind nur bei wenigen ein Thema.
Für viele Mittelstufenschüler und junge Erwachsene scheint es klar: Maria betet für uns Menschen. Nur für die Jugendlichen, die in der Pubertät sind, ist Marias Beten für die Menschen zweifelhaft. Dieselben Jugendlichen nennen als Vorbilder im Leben vor allem Familienangehörige. Als religiöse Vorbilder werden vor allem Grossmütter und Grossväter genannt.
9- bis 12-Jährige
Eine Viertklässlerin antwortet: «Maria war Josefs Frau und Jesu Mutter.» Mit dieser Antwort nimmt sie Maria im familiären Umfeld war und definiert sie über die Beziehung zu ihrem Mann und ihrem Kind. Gut 80% der befragten Mittelschüler(innen) teilen diese Ansicht. Als Vorbilder bezeichnen diese Schüler(innen) ihren Vater, ihre Mutter, ihre Eltern und Verwandte und vereinzelt auch Freunde. Nur einer dieser Schüler hat kein Vorbild und schreibt: «Ich kenne keine Menschen, die einen guten Charakter haben.» 15% dieser Mittelstufenschüler nehmen Maria auch als Mutter Gottes wahr. Dieser Ausdruck bezeichnet Maria als heilige Mutter des göttlichen Kindes. Maria wird auch mehrmals als Heilige und Frau von Josef erwähnt. Nur ein Mädchen berichtet von der Auserwählung Marias durch Gott.
13- bis 15-Jährige
Die Jugendlichen aus dem Kanton St. Gallen geben auch primär die Antwort: «Mutter von Jesus». Die Bezeichnung «Mutter Gottes» fällt fast gänzlich weg. Die soziale Situation oder die biblische Erzählung von Maria tritt vereinzelt ins Blickfeld. Eine Dreizehnjährige berichtet: «Maria kam aus armen Verhältnissen. Sie war eine gläubige Frau.» Eine ihrer Kolleginnen weiss aus der Bibel: «Gott hat den Engel Gabriel geschickt, um Maria zu sagen, dass Gott ihr ein Kind schenkt.»
Bei den Vorbildern fürs Leben bekommen neben den Familienangehörigen Sportler und Mannequins einen wichtigen Stellenwert. Gleichzeitig werden des Öfteren gar keine Vorbilder mehr genannt. Mit Nelson Mandela tritt auch ein politisch engagierter Mensch in den Gesichtspunkt mehrerer Jugendlicher.
Zwei Schülerinnen gehen eigene Wege. Die eine berichtet: «Ich habe viele Vorbilder, eines davon ist Gott. Von ihm habe ich noch nie etwas Schlechtes gehört. Ich bewundere, wie er all dies gemacht hat.»
Die andere Kameradin meint: «Ein kleines Kind aus Afrika ist mir Vorbild. Ich finde sein Durchhaltevermögen und seine Kraft bewundernswert. Es ist einfach etwas Spezielles! Ich möchte mal eine Patenschaft übernehmen.»
16- bis 18-Jährige
«Maria war eine normale junge Frau, die Grosses bewirkt hat», schreibt einer der Firmlinge. Die Frage nach Maria bringt viele in Verlegenheit. Wenn sie antworten, dann tun sie es ausführlicher: «Die Mutter von Jesus war eine heilige Frau, die ein perfektes christliches Leben geführt hat.» Oder «Der Jungfrau ist ein Engel erschienen, um ihr zu verkünden, dass sie Gottes Sohn, Jesus, zur Welt bringen wird.»
Die Stars haben als Vorbilder ausgedient. Die meisten haben keine Vorbilder mehr. Gelegentlich ist jemand aus der Familie ihr Vorbild.
«Sie hat zu Jesus gestanden»
Für die meisten der 9- bis 12-Jährigen aus dem katholischen Freiburg kann Maria ein Vorbild sein; bei älteren Jugendlichen nur noch für die Hälfte. Die Begründungen sind sehr vielfältig und teilweise auch speziell: Maria ist ein sehr guter Mensch; sie macht viel für die Menschen; sie macht mich im Gebet glücklich; Geld spielt ihr keine Rolle; sie wollte Jesus retten; ihr kann man in der Kirche alles anvertrauen; im Leben war sie stark und sie ist zu Jesus gestanden.
Adrian Müller
Der 40-jährige Kapuziner hat kürzlich mit einem religionspädagogischen Thema doktoriert.