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Editorial
Vom Fliegenfischen und Investieren
Liebe Leserinnen und Leser,
es kommt vor, dass ich mich dabei ertappe, wie ich das Investieren mit dem Fliegenfischen vergleiche. Fliegenfischen wird von vielen Kennern als eine der Königsdisziplinen des Angelns angesehen. Der Fliegenfischer muss die Kunst beherrschen, eine künstliche Fliege (den Köder) elegant über ein beliebiges Gewässer zu führen, mit dem Ziel, die Fliege sanft auf der Wasseroberfläche zu platzieren und im Idealfall eine natürliche Anlandung einer Fliege in einem Fluss oder See zu imitieren. Neben den technischen Herausforderungen, mit denen ein Fliegenfischer konfrontiert ist, muss er sorgfältig abwägen, welche Fliege die höchsten Erfolgschancen bietet. Und dazu muss er vor allem Umweltfaktoren wie Temperatur, Wetter, allgemeine Flora und Fauna und vieles andere in der näheren Umgebung berücksichtigen.
Es gibt jedoch nicht wenige Menschen, die von einer alten japanischen Angeltechnik sehr angetan sind. Diese Technik nennt sich Tenkara-Angeln, wobei die Angel aus einer einfachen Rute ohne Rolle besteht, einer festen Schnur und nur einer Art von Köder. Die Erfolge dieser Angeltechnik sind sehr beeindruckend. Offensichtlich vor allem deshalb, weil sich der Angler auf diese Weise ganz auf die Umwelt, die Flora und Fauna und die unmittelbare Umgebung des Sees oder Flusses konzentrieren kann, ohne von der Technik der Angel und des Einsatzes des Köders zu sehr abgelenkt zu sein.
Ich möchte behaupten, dass es beim Investieren ähnlich ist. Auch wenn die erfolgreiche Beherrschung und Nutzung komplexer und ausgeklügelter Produktstrukturen natürlich sehr beeindruckend sein kann, so kann man doch durch die Konzentration auf einen Bereich oder die richtige Bewertung eines Wirtschaftssektors, eines Anlagethemas oder einer Anlagekategorie – also der genauen Kenntnis und Berücksichtigung des jeweiligen Marktes und seines Umfelds – und der Umsetzung einer eher einfachen Struktur zur Marktpositionierung ebenso attraktive Ergebnisse erzielen.
Die Anwendung der Tenkara-Methode auf reale Anlagen wäre wie der Kauf eines Tracker-Zertifikats zur Umsetzung einer Tradingidee. Das tun wir diesen Monat und haben es übrigens auch schon in einigen früheren Ausgaben des ideas-Magazins getan. Werfen Sie in dieser Ausgabe unter anderem einen Blick auf unser Titelthema, die Investitionsmöglichkeiten in die globale Abfallindustrie. Daneben möchte ich Ihnen noch unsere Branchenanalyse ans Herz legen, denn nach der Pandemie ist weltweit der Tourismussektor im Aufwind, wo eine Reihe von interessanten Investments winken. Ebenso von grossem Interesse dürfte die Aktienstrategie sein, die sich in dieser Ausgabe mit dem SMI und einigen seiner Schwergewichte befasst. Und daneben finden Sie wie immer eine Vielzahl von zusätzlichen Analysen und Anlageideen.
Ich wünsche Ihnen viel Spass mit dieser ideas-Ausgabe.
Ihr
Dominique Böhler