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Haruki Murakamis nächster Wurf
Haruki Murakami ist Japans Rockstar der Literaturszene. Wenn der 65-jährige Schriftsteller ein Buch publiziert, dann bilden sich vor den Buchläden lange Schlangen. Murakami braucht keine Literaturjournalisten, die ihn hochjubeln. Auf lange Ausführungen im Vorfeld und Buchlesungen kann Murakami getrost verzichten. Viel lieber belässt er es bei Andeutungen. Ein kurze Ankündigung auf der Verlagsseite reicht, um sein Buch zum Besteller zu machen.
Mit Naokos Lächeln (Originaltitel: Norwei no Mori, engl. Norwegian Wood) gelang dem japanischen Schriftsteller Haruki Murakami 1987 der ganz grosse Wurf. Die Geschichte des jungen Studenten Toru Watanabe und dessen Liebe zu zwei ganz unterschiedlichen Frauen in den aufwühlenden 1968ern wurde in 33 Sprachen übersetzt und ging alleine in Japan über 10 Millionen Mal über den Ladentisch (Asienspiegel berichtete).
Mit 1Q84 sprengte er vor vier Jahren alle Verkaufsrekorde für Neuveröffentlichungen. Alle drei Bände wurden zum Millionen-Hit (Asienspiegel berichtete). Mit dem letztjährigen Roman Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki wiederholte er den Erfolg (Asienspiegel berichtete). In nur sieben Tagen waren über 1 Million Exemplare verkauft.
Männer ohne Frauen
Ein Jahr später präsentiert Haruki Murakami in Japan bereits seinen nächsten Wurf. Onna no inai otokotachi, «Männer ohne Frauen», heisst sein neustes, 285-seitiges Buch. Dieses Mal sind die Voraussetzungen etwas anders. Es ist Murakamis erster Kurzgeschichten-Band seit 2005. Vier Erzählungen wurden bereits im renommierten verlagseigenen Literaturmagazin Bungeishunju publiziert. Eine weitere im Magazin Monkey. Nur eine Geschichte ist in diesem Sinne neu.
Die Kurzgeschichte Drive my Car (jp. ドライブ・マイ・カー) sorgte gar für eine kleine Kontroverse, weil darin die Bewohner der Stadt Nakatonbetsu in Hokkaido als Leute beschrieben wurden, die gerne ihre Zigaratten aus dem fahrenden Auto werfen. Murakami entschuldigte sich in der Folge und versprach den Stadtnamen für die Buchausgabe zu ändern. Der Ort trägt nun den Fantasienamen Kamijunitaki.
Auflage erhöht
Obwohl sich Kurzgeschichten in der Regel schwieriger verkaufen als Romane, ist auch Onna no inai otokotachi auf bestem Weg zum Kassenschlager zu werden. Der Verlag Bungeishunju musste aufgrund der vielen Vorbestellungen die Auflage von 200’000 auf 300’000 erhöhen.
Buchhändler Kinokuniya lancierte um Mitternacht die grosse Verkaufspremiere. Mediengerecht wurden die ersten Käufer mit viel Applaus eingedeckt. Bei Haruki Murakami ist eben alles ein bisschen anders.
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