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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch V.
21.
Dergleichen lehren sie in unzähligen Abhandlungen; sie raten ihren Schülern, die Lehre über Vermischung und Vermengung kennen zu lernen, mit welcher sich viele beschäftigt haben, insbesondere aber der Peripatetiker Andronikos. Die Sethianer nun sagen, die Lehre von der Vermischung und Vermengung habe folgenden Aufbau: Der leuchtende Strahl von oben und der kleinste Funke seien in die dunklen Wasser unten ganz fein hineingemengt und mit ihnen verbunden und bilden ein Gemenge, wie ein Duft aus vielem auf dem Feuer zusammengemischten Räucherwerk besteht; und es muß der Kenner, wenn er einen feinen Geruchsinn hat, aus dem einen Geruch des Räucherwerkes genau jeden der auf dem Feuer gemischten Wohlgerüche herausfinden, wie z. B. Gummiharz, Myrrhe, Weihrauch [S. 131] oder was sonst beigemischt ist. Sie verwenden noch andere Beispiele und sagen: dem Gold ist Erz beigemischt, und es ist ein Verfahren erfunden, womit man das Erz vom Golde scheiden kann. Ebenso auch, wenn sich im Silber die Beimischung von Zinn oder Erz oder von einem verwandten Stoffe findet, so wird durch ein noch kunstvolleres Mischungsverfahren auch dies ausgeschieden. Es kann einer schon die Beimischung von Wasser im Wein bemerken. So wird nach ihnen alles, was zusammengemischt ist, geschieden. Ja, lerne, so sagen sie, von den Tieren. Wenn ein Tier verendet ist, so scheidet sich alles, und während alles sich auflöst, verschwindet das Tier. Dies bedeutet das Wort: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert“1, d. h. das Vermengte zu trennen und zu scheiden. Alles Vermischte wird nämlich getrennt und geschieden, wenn es an den ihm zustehenden Ort kommt. Wie es nämlich für alle Lebewesen einen Ort der Vermischung gibt, so besteht auch einer für die Sonderung; niemand weiß ihn als nur wir, die wir als Geistige wiedergeboren sind, nicht als Fleischliche, deren „Bürgerschaft im Himmel“2 oben ist. So verderben sie auf Schleichwegen ihre Hörer, indem sie Worte mißbrauchen und richtigen Aussprüchen einen beliebigen schlechten Sinn unterschieben, und mit willkürlichen Vergleichen verbergen sie ihr Verbrechen. Alles Vermischte aber hat, wie gesagt, den ihm eigentümlichen Ort und drängt dahin, wohin es gehört, wie das Eisen zum Magneten und die Spreu in die Nähe des Bernsteins und das Gold zum Sporn des Seeadlers. So eilt der Strahl des mit dem Wasser vermischten Lichtes, nachdem er den ihm zustehenden Ort durch Unterricht und Lehre erfahren hat, zum Logos, der von oben in Knechtsgestalt gekommen ist, und weilt mit dem Logos als Logos dort, wo der Logos ist, (er drängt) mit mehr Gewalt (dorthin) als das Eisen zum Magneten. Erkenne, daß dies so ist und alles Vermischte an den ihm eigentümlichen Orten gesondert wird. In Persien in der [S. 132] Stadt Ampe am Tigris liegt ein Brunnen; neben der Brunnenöffnung ist ein Reservoir errichtet, das außerdem noch drei Behältnisse hat. Es schöpft nun einer aus dem Brunnen, befördert das Geschöpfte, was immer es ist, mit einem Eimer herauf und gießt es in das danebenliegende Reservoir. Das Ausgegossene fließt nun in die anderen Behältnisse und zersetzt sich und sammelt sich in je einem, und zwar zeigt sich im ersten kristallisiertes Salz, im zweiten Behältnisse Asphalt und im dritten Öl. Das Öl ist aber schwarz, wie auch Herodot erzählt, und strömt einen schweren Geruch aus; die Perser nennen es Rhadinake. Zum Erweis des Vorgelegten, sagen die Sethianer, dient die Ähnlichkeit mit dem Brunnen weit mehr als alles, was vorher gesagt worden ist.
1: Matth. 10, 34.
2: Phil. 3, 20.