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Jäggli-Pünter, Rudolf Jakob, Industrieller, 1852-1934
Rudolf Jäggli, der hochgewachsene Leiter des Unternehmens „Jakob Jaeggli & Cie.“ in zweiter Generation, hatte alle Gaben eines Industriellen. Zielbewusst stand er der Firma vor. Er war frühmorgens der erste und abends der letzte auf dem Platze.
Rudolf Jakob Jaeggli verbrachte seine Jugendzeit in der Villa „Jakobsbrunnen“ an der Schwalmenackerstrasse 4. Mit dem Besuch des Gymnasiums eignete er sich eine vortreffliche Allgemeinbildung an. Schon als Kadettenhauptmann bewies der kräftige Knabe seine Führerqualität. Von 1869 bis 1872 durchlief er in Lausanne bei Fröhlich & Co. die kaufmännische Ausbildung. Anschliessend ging er nach Nottingham um Sprach- und Berufskenntnisse zu erweitern. In dieser Stadt, dem Zentrum der englischen Spitzen- und Tüllindustrie, suchte er den Einblick in die Textilverarbeitung.
Anschliessend reiste er nach Mailand, um dort das Seidengeschäft gründlich kennen zu lernen. Die sieben Lehr- und Wanderjahre haben aus Rudolf bereits einen erfahrenen Mann werden lassen. Im August 1876 trat er in die väterliche Firma ein. Für seinen Vater bedeute dies eine willkommene Entlastung für die künftigen Aufgaben.
Diese Aufgaben standen sofort an. Auf Drängen der französischen Industrie begann Jaeggli die Fabrikation von Baumwoll-Webstühlen. Für die Ausführung der ersten Bestellung von 30 Webstühlen mussten von Escher-Wyss & Co. zuerst auch noch die entsprechenden Ausrüstungen der Werkstatt angeschafft werden. Eine grundlegende Veränderung der Firma Jäggli wurde damit in die Wege geleitet. Bis Ende 1879 konstruierte Jaeggli 220 Webstühle, den grössten Teil für Frankreich. Die englische Konkurrenz und die Zollpolitik des Auslandes liessen diesen Zweig nicht weiter wachsen.
Die Bestellungen versiegten. Das innovative Unternehmen wagte sich an eine neue Aufgabe und begann Seidenwebstühle zu bauen. Im Oktober 1879 wurde der hervorragende Konstrukteur Henry Meyer-Täuber angestellt, dem der Bau von Webstühlen übertragen wurde. Nach harzigem Beginn kam die Seidenwebstuhl-Herstellung in Schwung.
1890 baute man in Oberwinterthur die letzten Baumwollwebstühle für von Moos in Weisslingen. Seidenstühle gingen nebst Schweizer Abnehmern vor allem ins Ausland, nach Frankreich, Deutschland und Amerika. Ab 1890 wurden mehr Stühle exportiert als im Inland verkauft. Die Jahresproduktion war von 80 auf 264 Maschinen gestiegen.
Im April 1882 gründete Jakob Jaeggli junior mit Aline Pünter aus der Gerbe zu Uerikon am Zürichsee eine eigene Familie. Der Ehe waren 10 Kinder beschieden, von denen zwei Mädchen schon früh verstarben. Die vier Töchter und die vier Söhne wuchsen wohl behütet in ihrem Heim an der Hermannstrasse 22 auf.
Ab dem 1. Januar 1886 trat Hans Jakob Jäggli-Furrer kürzer und übergab die Geschäftsleitung seinem Sohne Rudolf Jakob Jäggli junior. Der neue Chef modernisierte und erweiterte die Werkstatt. Es entstand ein Shedbau im Geviert der bisherigen Anlagen. 1889 wurde das Rekordergebnis von 428 verkauften Webstühlen erzielt. Wenig später waren die neuen Fabrikanlagen in Oberwinterthur unter Vollbetrieb. Es wurden bis über tausend Seidenwebstühle produziert. Bis zur Jahrhundertwende hatten die Jäggli-Webstühle die Welt erobert. Neben den grossen Erfolgen der Maschinenfabrik gilt es nicht zu vergessen, dass nach wie vor auch erstklassiger Nähfaden hergestellt wurde. Es wurden gebleichte und gefärbte Garne, Zwirne, Nähfaden, Nähseide, Strickgarne, indigoblaue und anilin-schwarze Baumwollgarne geliefert.
Jägglis geschäftlicher Erfolg und seine Persönlichkeit trugen ihm auch andere Berufungen zu. Er wirkte als Präsident des Verwaltungsrates der Mechanischen Seidenstoff-Weberei AG, als Vizepräsident der Schweiz. Bankgesellschaft und der Hypothekarbank Winterthur. Gewissenhaft und im vollen Umfange erfüllte Jäggli auch diese Mandate.
Die Weiterentwicklung der Seidenwebstühle blieb nicht stehen. Stets wurden sie den mannigfaltigen Ansprüchen der sich verändernden Stoffarten angepasst. Auch die Produktionsstärke musste immer wieder erhöht werden. Das Modell 1914 erzielte wiederum weltweite Beachtung, kurz bevor mit dem ersten Weltkrieg schwierigere Zeiten anbrachen. Der Betrieb musste zwar eingeschränkt werden, aber die vorhandene Zeit wurde genutzt für mancherlei Versuche und weitsichtige Verbesserungen. Sie wurden inzwischen unterstützt durch die drei Brüder Hans, Max und Fritz Jäggli der dritten Generation.
Jakob Jaeggli-Pünter war in seinem Lebenswerk der Fürsorgegedanke stets ein Anliegen, den er bereits von seinem Vater übernommen hatte. Bereits 1858 war eine Betriebskrankenkasse gegründet worden. 1926 wurde ein Stiftungsfond geschaffen, um den langjährigen, in den Ruhestand getretenen Mitarbeitern durch regelmässige Zuwendungen den Lebensabend zu erleichtern. Im Jubiläumsjahr 1942 –100 Jahre seit der Gründung- wurde der Fonds grosszügig aufgestockt und jedem Beschäftigten pro Dienstjahr 20 Franken, mindestens 50 Franken, ausbezahlt.
Beharrlich war Rudolf Jakob Jäggli-Pünter stets darauf bedacht durch den fortschrittlichen Ausbau seiner Firma und seinen Arbeitern gesunde Arbeits- und Lebensbedingungen zu verschaffen. Recht und Gerechtigkeit gingen ihm über alles. Einen grossen Teil seiner Freizeit verbrachte er mit seinen vier Pferden. Bis ins hohe Alter gehörte der tägliche Ritt zu seiner Passion. Jaeggli ist am 22. Februar 1934 82-jährig verstorben.
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