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Für Roger Federer ist der Traum von der Rückkehr an die Spitze des ATP-Rankings vorerst geplatzt. Er verliert in den Viertelfinals am US Open gegen Juan Martin Del Potro 5:7, 6:3, 6:7 (8:10), 4:6.
Noch einmal lehnte sich Federer gegen die drohende Niederlage auf. Noch einmal verkürzte er bei eigenem Service auf 4:5 und holte bei Aufschlag des Argentiniers einen 0:30-Rückstand auf. Noch einmal kreischte, schrie und klatschte das New Yorker Publikum und feuerte seinen Liebling in der grössten Tennis-Arena der Welt frenetisch an. Doch im Gegensatz zur Partie der 2. Runde, als er gegen den Russen Michail Juschni einen 1:2-Satzrückstand noch hatte aufholen können, avancierte Federer gegen Del Potro nicht mehr zum Entfesselungskünstler.
Dass dies dem Schweizer nicht gelang, lag einerseits an seinem 1,98 m grossen Widersacher, der einmal mehr unter Beweis stellte, dass er mit seinen brachialen Grundlinienschlägen an einem guten Tag mit jedem problemlos mithalten kann, andererseits aber auch an Federer selber. Wie zu Beginn des Turniers verzeichnete der 19-fache Grand-Slam-Champion ungewohnt grosse Schwankungen in seinem Spiel, teilweise unterliefen ihm (zu) einfache Fehler. Symptomatisch dafür stand der zweitletzte Punkt, als Federer einen einfachen Volley ins Aus schlug, was anstatt einer Breakchance den ersten Matchball für Del Potro zur Folge hatte.
Als vorentscheidend hatte sich der dritte Durchgang erwiesen, in dem Federer einen Breakball zum 0:4 abgewehrt hatte und danach mit einem Rebreak in den Satz zurückfand. Die Kurzentscheidung entwickelte sich für den fünffachen US-Open-Champion zu einem Tiebreak der verpassten Chancen. Viermal lag der Schweizer mit einem Mini-Break in Führung, viermal gab er den Vorteil wieder aus der Hand. Während Federer seine vier Satzbälle nicht zu nutzen vermochte - zwei davon bei eigenem Aufschlag -, packte der Argentinier seine erste Chance beim Schopf.
Im vierten Durchgang gelang Del Potro (ATP 28), der bei seinem Fünfsatzsieg in den Achtelfinals gegen Dominic Thiem gesundheitlich angeschlagen war und zwei Matchbälle abzuwehren hatte, das entscheidende Break zum 3:2. Mit einer weiteren krachenden Vorhand, seinem 48. Winner der Partie, beendete der Argentinier kurz vor Mitternacht Ortszeit das Spiel und zog in seinen ersten Grand-Slam-Halbfinal seit Wimbledon 2013 ein.
Für Federer, der am Montag wieder die Nummer 2 der Welt sein wird, war es im 22. Duell mit dem 28-Jährigen aus Tandil die sechste Niederlage - die zweite bittere am US Open. 2009 war der Baselbieter im Final Del Potro nach einer 2:1-Satzführung unterlegen, womit für ihn eine Serie von 40 Einzelsiegen in Flushing Meadows endete.
Im Halbfinal trifft Del Potro auf den Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal, der nach der Niederlage Federers bis auf Weiteres seine Führung an der Spitze des Rankings verteidigen wird. Der Spanier hatte sich gegen den russischen Teenager Andrej Rublew diskussionslos in drei Sätzen durchgesetzt. In den Direktduellen zwischen Nadal und Del Potro führt der Spanier mit 8:5 Siegen. Das Duell im US-Open-Halbfinal vor acht Jahren entschied der Argentinier allerdings klar für sich.
Der US-Open-Triumph von 2009 ist bislang der einzige Sieg Del Potros an einem Grand-Slam-Turnier. In den letzten Jahren hatte die ehemalige Nummer 4 der Welt immer wieder mit gesundheitlichen Problemen - vor allem am Handgelenk - zu kämpfen.