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Angenommen, da spielt ein Orchester. Jeder Musiker bläst, streicht oder schlägt sein jeweiliges Instrument. Und vorne steht einer, der mit beiden Armen wild in der Luft herumrudert, als wolle er dauernd Fliegen verscheuchen. Dem Laien mag das ebenso läppisch wie überflüssig vorkommen (dieser Mensch ist ja das einzige Orchestermitglied, das keine Töne erzeugt), doch für moderne Orchester ist der Dirigent von grösster Wichtigkeit. Wer wissen will, wie Daniel Barenboim, Zubin Mehta oder Sir Simon Rattle arbeiten, sollte Hermann Dechants Dirigieren lesen.
Wozu braucht man zum Beispiel einen Taktstock? Als masstäblich exakte Vergrösserung der Bewegung, welche die Kuppen von Daumen und Zeigefinger in der Luft beschreiben. Die sogenannte Schlagfigur wird dadurch für die Musiker besser sichtbar. Und der Stock hat meistens eine helle Farbe, damit er sich von der dunklen Berufskleidung des Dirigenten gut abhebt. Die Bewegungen beim Dirigieren sind keineswegs so willkürlich und unkoordiniert, wie es vielleicht manchmal den Anschein hat; Über hundert Seiten lang befasst sich der Autor nur mit Taktierbewegungen. Die Art des Dirigierens hat übrigens einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Interpretation eines Musikstücks.
Aber Vorsicht: Dechants Werk ist ein ausgesprochenes Fachbuch. Gewisse Grundkenntnisse in Musiktheorie sind unbedingt notwendig, sonst ist das Ganze ein einziges böhmisches Dorf.