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| Tertullian († um 220) - Über das Gebet (De oratione)

17. Kap. Über das Aufheben der Hände beim Gebete.
Dagegen empfehlen wir Gott unsere Bitten viel besser, wenn wir mit Bescheidenheit und Demut anbeten, ohne auch nur einmal die Hände selbst zu hoch emporzustrecken, sondern indem wir sie nur mäßig und anständig aufheben und auch den Blick nicht zu zuversichtlich erheben. Der bekannte Zöllner, der nicht bloß in seiner Bitte, sondern auch in seiner Miene, da er betete, Demut und gebeugten Sinn zeigte, ging gerechtfertigter von dannen als jener übermütige Pharisäer. Auch der Ton der Stimme muß gedämpft sein, oder was für [S. 261] einer Kehle würde man bedürfen, wenn die Erhörung von der Stärke der Stimme abhängig wäre? Gott ist aber kein Hörer der Stimmen, sondern des Herzens, welches er ja auch durchschaut. "Ich verstehe auch den Stummen und höre den, der nicht redet", so lautet ein Orakel des pythischen Dämons. Sollte das Ohr Gottes den Schall der Stimme abwarten müssen? Wie hätte dann das Gebet des Propheten Jonas aus dem tiefen Bauche des Walfisches, aus dem Innern eines solchen Tieres, vom Abgrunde heraus, durch die gewaltig große Meeresflut bis zum Himmel gelangen können? Was werden die, welche mit zu lauter Stimme beten, weiter erreichen, als daß sie ihre Nachbarn stören? Oder vielmehr, indem sie den Gegenstand ihrer Bitten verraten, was tun sie da weniger, als wenn sie auf offener Straße beteten!