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Die hermetischen Schriften
Es gibt ein Recht auf Blasphemie,
sonst gibt es keine wahre
Freiheit.
Liber Freakonomicon
nter
den so genannten hermetischen Schriften (Corpus Hermeticum) versteht man
im esoterischen Volksmund gut und gerne all jene Texte und Abhandlungen, die
angeblich von Hermes Trismegistos verfasst worden sein sollen und
die durch die Zeiten einen enormen Einfluss auf die Entwicklung des westlichen
Okkultismus und der Magie ausgeübt haben.
Auf die weit zurückreichende Geschichte dieser doch schillernden Schriftstücke,
möchte ich an dieser Stelle nun ein wenig näher eingehen.

Marsilius Ficinus
(1433-1499)
Schon Manetho (ca. 300 v.u.Z.), ein ägyptischer Priester der die
ägyptische Geschichte auf griechisch niederschrieb und Jamblichus von Chalkis,
ein neuplatonischer syrischer Philosoph (ca. 240-325 v.u.Z.) erwähnen einen
Hermes Trismegistos, der angeblich 3226 Jahre regierte und stolze 36`525
mystische, magische und astrologische Bücher über die Gesetze der Natur
hinterlassen haben soll.
Nachfolgend beschreibt der römische Philosoph, Jurist und Staatsmann
Cicero
(106 – 43 v.u.Z.) in seinem Werk "Über die Natur der Götter - De natura Deorum"
(III, 22, 56) fünf Götter und Heroen namens Hermes. Der letzte in der Reihe sei
der legendäre Ägypter Hermes Trismegistos gewesen.
"Den fünften verehren die Pheneaten
und er gilt als derjenige, welcher der Sage nach den Argus
getötet hat, deshalb nach Ägypten floh und den Ägyptern ihre Gesetze gegeben und
sie die Buchstabenschrift gelehrt hat. Die Ägypter nennen ihn Theuth, und mit
demselben Namen wird bei ihnen auch der erste Monat des Jahres benannt."
Der christliche Kirchenvater
Clemens von Alexandrien (150 - 215)
berichtet in den Stromata (VI, 4, 35-38) von 42 philosophischen und
medizinischen Büchern, die er bei einer feierlichen Prozession hat umhertragen
sehen und die von ihm für den ägyptischen Tempeldienst angeblich als
unentbehrlich bezeichnet wurden.
Als "Bücher" müssen hier aber im antiken Sinne wohl einzelne Hauptabschnitte
oder Kapitel eines grösseren Werkes verstanden werden. Leider sind die Bücher,
die Clemens anscheinend noch genau kannte, verloren gegangen, seufz...
Ein anderer Kirchenvater
Tertullian (150 – 230) erwähnt Hermes Trismegistos
lobend und nennt ihn den Lehrmeister aller Naturforscher und Laktanz (250 – 325)
betont die Übereinstimmungen der hermetischen Theologie mit den Lehren des
Christentums. Im Jahrhundert darauf verdammt allerdings Augustinus von Hippo
(354 – 430) Hermes und seine Lehren in einer gut christlichen Tradition als
heidnisch.
Der arabische Gelehrte und Astronom
Albuzar (787 – 886) erzählt die Legende vom
ersten Hermes, der noch vor der Sintflut das Urwissen der Menschheit
niedergeschrieben, vom zweiten, der es nach der Flut wiederbelebt und dem
dritten, der alchemistische Werke verfasst habe.
Von all den oben erwähnten Schriften, die Hermes Trismegistos zugeschrieben
werden, sind uns letztendlich jedoch nur eine kümmerliche Anzahl von Schriften
überliefert worden.
Diese sind das
Corpus Hermeticum, der Asklepios-Dialog, sowie die
Tabula Smaragdina Hermetis, die einen besonders grossen
Einfluss auf die Alchemie ausgeübt hat.
Erwähnenswert mögen an dieser Stelle noch das dubiose astralmagische
Picatrix
"Das Pechschwarze" (Ghayat Al-Hakim - "Das Ziel des Weisen"), deren
Hauptgegenstand die Astrologie und die Talismanologie ist, sowie das in neuerer
Zeit entstandene Kybalion sein, die sich an die drei oben erwähnten
Basiswerke anlehnen.
(Das Piatrix wurde übrigens ca. 1000 n.u.Z. in arabischer Sprache verfasst und
1256 für den castilianischen König Alfonso den Weisen in die lateinische Sprache
übersetzt.)
Wie dem auch sei, ein griechisches Manuskript des Corpus Hermeticum, eines der
wichtigsten Basiswerke der hermetischen Schriften, wurde jedenfalls 1460 von
einem Mönch in Mazedonien entdeckt und nachfolgend nach Florenz spediert. Dort
wurde es anschliessend von dem Florentiner Humanist Marsilius Ficinus
(1433 – 1499) im Auftrag von Cosimos di Medici 1463 ins Lateinische übersetzt
und erstmals unter dem Titel "Mercurii Trismegisti liber de potestate et
sapientia die" (Das Buch des Hermes Trismegistos über die Macht und Weisheit
Gottes) gedruckt.
Bei religiösen Sinnsuchern und esoterischen Schwarmgeistern der damaligen
Zeitepoche fiel diese Schrift nun auf äusserst fruchtbaren Boden.
So betrachtet der deutsche Mystiker
Sebastian Franck (1499 – 1542) die
hermetischen Schriften als den biblischen ebenbürtig. Später wirbt der
französische Staatsmann und Theologe Philippe de Mornay (1549 – 1623), ein
Anhänger der Reformation, mit den Lehren des Hermes für religiöse Toleranz.
In der dem Mediziner, Alchemisten und Philosophen
Paracelsus (Theophratus
Bombastus von Hohenheim, 1493 – 1541) zugeschriebenen "Aurora Philosophorum"
(Morgenrot der Weisen) wird die arabische Hermeslegende aufgenommen und die
Anhänger des Paracelsus erklären ihn sogar zum "zweiten
(oder deutschen) Hermes", der die Urweisheit wiederbelebt habe.
Und was mag das Corpus Hermeticum wohl beinhalten?
Das Corpus Hermeticum ist eine anonyme Sammlung von moralisch-verbrähmten,
pseudochristlich formulierten griechischen Traktaten in Brief-, Dialog- und
Predigtform, vorgeblich zwischen Schüler und Meister oder zwischen Hermes
Trismegistos und seinen Söhnen (d.h. Jüngern). Sie behandeln die Entstehung der
Welt, die Gestalt des Kosmos, sowie menschliche und göttliche Weisheit. Sie
wiederholen sich oft und behandeln meist dasselbe Thema mit verschiedenen Graden
der Komplexität.
Mit Sicherheit ist festzuhalten, dass sich die hermetischen Schriften im
Schmelztiegel alexandrinischer Mystik und Philosophie während der ersten drei
Jahrhunderte nach Christus bildeten. So finden sich mystische und philosophische
Ideen der Gnosis, des Judentums, neuplatonische Gedanken, sowie der ägyptischen
und orphischen Mysterien darin.
So neu ist diese Erkenntnis aber keineswegs, denn schon Isaac Causaubon (1559-1614), ein überaus gelehrter Protestant, Philologe und
bedeutender Humanist, hat in seinem Buch "De Rebus Sacris et Ecclesiasticis
Exercitationes XVI - 1614, London" (Von den heiligen und kirchlichen
Dingen) den Nachweis erbracht, dass das Corpus Hermeticum nicht vor dem
2. nachchristlichen Jahrhundert von griechischen Autoren in Ägypten verfasst
worden war. Das Corpus Hermeticum beinhalte keine authentischen altägyptischen
Weisheiten, geschweige denn vorsintflutliches Urwissen. Stil, Wortwahl und
christliche Bezüge weisen klar darauf hin.
Sein vernichtendes Urteil lautet schliesslich: "Das Corpus Hermeticum hat nichts
mit ägyptischen Altertümern zu tun, sondern ist eine christliche Fälschung, die
der Heidenmission dienen sollte". (S. 73-75)
Nun, dies mag gewisslich enttäuschend für viele der damaligen
Renaissance-Neoplatoniker, Hermetiker und Okkultisten gewesen sein. Sie glaubten
doch bis anhin, dass in diesen ausserbiblischen hermetischen Schriften,
Offenbarungen aus mosaischer, oder sogar vormosaischer Zeit zu Wort kommen, die
nicht nur aus einer höheren Quelle gespeist, sondern direkt von Gott "himself"
verkündet worden sind.
Doch ein wahrer Hermetiker aus echtem okkulten Schrot und Korn wusste sich in
solchen misslichen Situationen gut auszuhelfen und profitierte von seinem
jahrelang praktizierten magischen Training: Der Konzentration!
Konzentration ist ein Akt, der befähigt Unwesentliches aus dem Bewusstsein
auszublenden und was gibt es letztendlich unwesentlicheres als eine unliebsame
Wahrheit, hmmm...!?
Nur so ist es letztendlich zu verstehen, dass die Aufklärungsschrift von
Causaubon herzlich wenig genutzt hat, denn schon im 1756 gegründeten
esoterischen "Orden der Gold- und Rosenkreuzer" wird weiterhin Hermes als
uralter Weiser gefeiert, der das göttliche Wissen der Menschheit aus der Zeit
vor der Sintflut für spätere Generationen gerettet habe.
Diese Vorstellung hat bis in die Gegenwart überdauert, denn wer sich in der
heutigen Esoterik- und Okkultszene mal unbefangen umschaut wird erschreckt
entdecken, dass die reale Existenz eines Hermes Trismegistos immer noch als
Tatsache verkauft, sowie der Glaube an eine uralte, wenn nicht sogar atlantische
Lehre in diversen okkulten Orden, Zirkeln und abstrusen Büchern ausgesprochen
kritikresistent propagiert wird.
Erkennen könne dies jedoch freilich nur der Eingeweihte, logo!
Da nützt es auch nichts, dass anfangs des 19. Jahrhunderts
Jean-François
Champollion (1790 – 1832) die Hieroglyphen entzifferte. Weder er noch
Forscher nach ihm fanden in den bis dahin so geheimnisvollen Texten der Ägypter
eindeutige Hinweise auf hermetisches Wissen.
Die esoterisch-okkulten Schwarmgeister bleiben auch heute noch zu gerne bei
ihrem Glauben.
Hier nun einige erbauliche Texte
aus dem "Corpus Hermeticum".
(Mensch Göttin, was bin ich froh,
dass von den 36`525 Büchern 36`508 Bücher verloren gegangen sind, so dass ich
hier, nebst der Tabula Smaragdina und dem Kybalion, nur
17 Traktätlein veröffentlichen muss, uffff...!!!)
Das Kybalion
Die
Smaragdtafel des Hermes Trismegistos
Die siebzehn Bücher des Hermes Trismegistos
Das erste Buch - Poimandres
Das andere Buch Hermetis - Das Gemüt an Hermes
Das dritte Buch - Die Sermon oder Rede
Das vierte Buch - Die geheiligte Rede Hermetis Trismegisti
Das fünfte Buch - Von
der Gottseligkeit und der Liebe zur Wahrheit
Das sechste Buch - Eine
allgemeine Rede Hermetis Trismegisti an Asclepium
Das siebente Buch -
Der Becher oder Einheit an Tatium
Das achte Buch - Dass der unoffenbarte Gott am
alleroffenbarlichsten sei
Das neunte Buch - Dass von den wesentlichen Dingen nichts
untergeht
Das zehnte Buch - Dass das Gute alleine Gott ist
Das elfte Buch - Von der Besinnung und dem Verstand
Das zwölfte Buch -
Schlüssel an Tatium
Das dreizehnte Buch
- Von dem gemeinen Gemüt
Das vierzehnte Buch
- Die verborgene Rede auf dem Berge
Das fünfzehnte Buch
- Recht weise zu sein
Das sechzehnte Buch
- Von den Seelen
Das siebzehnte Buch
- Von der Wahrheit