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Am 21. Mai entscheidet die Schweizer Stimmbevölkerung über die Energiestrategie 2050, eines der ambitiösesten Projekte in Europa zur Transformation des Energiesystems. Zu den Pfeilern der neuen Strategie gehört die Förderung erneuerbarer Energien. Die Schweiz hat sich in diesem Bereich in den letzten Jahren nur sehr langsam fortbewegt.
Die Energiestrategie 2050 – Frucht von fünf Jahren Arbeit – wurde 2011 nach dem Nuklearunfall von Fukushima in Angriff genommen, mit dem Ziel, dem Atomzeitalter in der Schweiz ein Ende zu setzen. Das komplexe Projekt will darüber hinaus auch den Import fossiler Energien reduzieren. Es enthält Massnahmen, um den Energieverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen und erneuerbare Energien zu stärken.
Das sind die wichtigsten Punkte der vorgeschlagenen Revision des Energiegesetzes, die vergangenes Jahr vom Parlament angenommen wurde und von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) mit dem Referendum bekämpft wird:
- Die Schweiz baut keine neuen Atomkraftwerke mehr. Die fünf bestehenden AKWs – die vergangenes Jahr 22,1 TWh produziert haben – können so lange in Betrieb bleiben, wie sie die Sicherheitsnormen erfüllen. Aller Voraussicht nach müssten folglich die letzten Atomkraftwerke in 20 bis 30 Jahren abgeschaltet werden.
- Angesichts der Tatsache, dass dadurch etwa ein Drittel der nationalen Elektrizitätsproduktion wegfallen wird, sind diverse Massnahmen zum Energiesparen vorgesehen. Das neue Gesetz sieht vor, den durchschnittlichen Energieverbrauch pro Kopf bis 2035 um 43% zu senken – im Vergleich zu den Zahlen von 2000.
- Die fehlende Elektrizität soll zudem durch eine Steigerung der Produktion aus erneuerbaren Energien ersetzt werden. Wasserkraftwerke, die im Jahr 2015 36,2 TWh produzierten, müssten bis 2035 37,4 TWh erreichen. Die neuen erneuerbaren Energien (Solar, Wind, Erdwärme und Biomasse) müssten einen grösseren Sprung bewältigen, von 1,7 auf 11,4 TWh.
Schon heute gehört die Schweiz zu den europäischen Ländern mit dem höchsten Anteil der Elektrizitätsproduktion aus erneuerbaren Energien. Überholt wird sie bloss von Norwegen – wo die aus erneuerbaren Energien produzierte Elektrizität sogar den Bedarf des Landes übersteigt –, Island, Österreich und Schweden.
Im Falle der Schweiz muss allerdings präzisiert werden, dass etwa 95% der aus erneuerbaren Energiequellen produzierten Elektrizität aus Wasserkraftwerken stammt, von denen die überwältigende Mehrheit im vergangenen Jahrhundert gebaut wurde. Im Bereich der neuen erneuerbaren Energien bewegt sich der Bund hingegen sehr viel langsamer als andere europäische Länder.
Windenergie beispielsweise hat 2015 in der Schweiz bloss 0,17% des Elektrizitätsverbrauchs gedeckt, in der EU hingegen 8,3%. In Dänemark deckt die Windkraft bereits über 40% des Elektrizitätsbedarfs. Und Solarenergie deckt in der Schweiz bloss 1,7% des Elektrizitätsbedarfs, während es in der EU 3,2% sind. Belgien und Deutschland, zwei Länder mit vergleichbarer Sonneneinstrahlung wie in der Schweiz, haben bereits 4,7% respektive 6,1% erreicht.
Der Anteil ökologischer Energien im Verhältnis zum nationalen Verbrauch ist in der Schweiz in den Jahren 2005 bis 2015 weniger schnell gewachsen als in den meisten anderen Ländern.
Die Aussichten auf die Weiterentwicklung erneuerbarer Energien in der Schweiz stehen im Zentrum der Debatten über die Energiestrategie 2050. Laut Gegnern wird das Massnahmenpaket zur Förderung des Energiesparens und der erneuerbaren Energiequellen die Preise für Elektrizität in unhaltbarer Weise in die Höhe treiben. Das aktuelle Energiesystem – das Atomkraft, Erdöl und Gas umfasst – solle aufrechterhalten werden, um die Versorgungssicherheit zu garantieren.
Für die Regierung und eine Mehrheit des Parlaments hingegen wird die Förderung erneuerbarer Energien die Preise nur leicht steigen lassen. Die Preissteigerung werde zudem durch eine erhöhte Energieeffizienz kompensiert. Die neue Energiestrategie bezwecke darüber hinaus eine Reduktion der Abhängigkeit vom Ausland, wodurch Innovation, Produktion und Arbeitsplätze in der Schweiz gefördert würden.
(Übertragung aus dem Italienischen: Sibilla Bondolfi)