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Die Gründung einer Kantonalbank, die der Landwirtschaft und dem Gewerbe als volksnahe Bank dient, gehört zu den politischen Forderungen der Demokratischen Bewegung. 1869 setzt sie die Revision der Kantonsverfassung durch. Die Gründung der «Thurgauischen Kantonalbank» fällt in eine krisengeprägte Zeit. Dennoch sind die darauffolgenden Jahrzehnte eine Zeit des wirtschaftlichen Wachstums: Industrialisierung und Eisenbahnbau lassen die Thurgauer Wirtschaft blühen. Mit zinsgünstigen Hypotheken trägt die TKB dazu bei und wächst mit. 1893 eröffnen die ersten Filialen in Frauenfeld und Romanshorn. Von Anfang an profitiert die Thurgauer Bevölkerung auch vom Gewinn der Bank: Ein Teil der Erträge fliesst in einen neu geschaffenen kantonalen «Hülfsfonds», aus dem Unwetterschäden beglichen werden.
Das erste TKB-Gesetz
Ein Jahr nach dem Grundsatzentscheid für die Gründung der «Thurgauischen Kantonalbank» liegt das Kantonalbankgesetz vor. Die Stimmberechtigten genehmigen es am 3. April 1870 mit 53 Prozent Ja-Stimmen. Obwohl der Regierungsrat die Kantonalbank schnell eröffnen will, kommt es zu einer Verzögerung: Wegen des Ausbruchs des deutsch-französischen Kriegs im Juli 1870 entsteht eine Zinshausse. Die Emission der Staatsanleihe, mit welcher das Dotationskapital geäufnet werden soll, muss um ein Jahr verschoben werden. Ihren ersten Schalter eröffnet die Bank am 1. Mai 1871 im Weinfelder Rathaus.
Hauptsitz Weinfelden oder Romanshorn?
Die Frage nach dem Standort des Hauptsitzes der TKB birgt Zündstoff. Der Regierungsrat lädt die Gemeinden ein, Offerten einzureichen. Die Gemeinden Weinfelden und Romanshorn überbieten sich gegenseitig. Weinfelden bietet an, das künftige Bankgebäude zu bauen und es der TKB zehn Jahre kostenlos zur Verfügung zu stellen. Der Grosse Rat entscheidet sich am 7. Oktober 1869 mit nur einer Stimme Mehrheit für Weinfelden. Neben dem Bankgebäude kann die «Thurgauische Kantonalbank» zudem die gemeindeeigene Sparkasse übernehmen, die «Vorschusskasse Weinfelden». Mit 1,2 Mio. Franken bildet deren Kapital den «Grundstock» der TKB.
Thurgauer Banknoten
Bis zur Gründung der Schweizerischen Nationalbank liegt die Ausgabe von Banknoten in der Kompetenz der Kantone. So bringt die «Thurgauische Kantonalbank» nach ihrem Gründungsjahr Banknoten in den Umlauf. In Format und Grösse lehnen diese sich an die bereits bestehenden Noten der St. Galler Kantonalbank an. Die Gestaltung ist zeittypisch: Allegorische Figuren bilden symbolisch Landwirtschaft und Industrie ab, die beiden wichtigsten Kundenkreise der TKB. «Wenn auch das Produkt in künstlerischer Beziehung manches zu wünschen übrig lässt, so findet es doch ziemlich allgemeinen Beifall», hält der Geschäftsbericht der TKB 1871 selbstkritisch fest. Bis zu 5 Mio. Franken in Thurgauer Noten sind Ende des 19. Jahrhunderts im Umlauf. Als die Nationalbank 1907 eröffnet, zieht die TKB ihre Banknoten schrittweise bis 1910 zurück.
Neubau am Bankplatz Weinfelden
Im Jahr 1905 muss die unweit des Bahnhofs Weinfelden gelegene Wirtschaft «Zum Sternen» einem stattlichen Bank-Neubau weichen. Die bisherigen Räume an der Rathausstrasse sind zu klein geworden für die rasch wachsende TKB. Die Pläne für das neoklassizistische Bankgebäude stammen von Albert Brenner (1860–1938). Seit 1905 trägt der Hauptsitz der TKB die Adresse «Bankplatz 1».
Mit Einnehmereien zu den Leuten
Im 19. Jahrhundert ist die Mobilität noch eingeschränkt. Die TKB eröffnet 1876 im ganzen Kanton 30 Einnehmereien, um damit näher bei den Kundinnen und Kunden im Dorf zu sein. Die Einnehmereien sind nebenamtlich geführte Geschäftsstellen, bei denen nur Ein- und Auszahlungen möglich sind. Die Personen, welche die Einnehmerei im Nebenamt führen, sind gut im Dorf verankert: Lehrer, Pfarrer, Käserei-Inhaber oder Posthalter. Im Lauf des 20. Jahrhunderts nehmen die Posthalter aufgrund ihrer Erfahrung mit dem Zahlungsverkehr überhand. Die meisten Einnehmereien schliessen im Zuge des Wandels des Bankgeschäfts 1998, in Nussbaumen stellt die letzte Einnehmerei ihren Betrieb 2006 ein. Der Schliessungsentscheid erweist sich als richtig, da die Post in bestimmten Bereichen zunehmend zur Mitbewerberin der Schweizer Banken wird.
Filialen und Agenturen
Gute konjunkturelle Aussichten und eine hohe Nachfrage nach Bankdienstleistungen ermöglichen der TKB in der Gründerzeit starkes Wachstum. In Frauenfeld und Romanshorn eröffnen die ersten Filialen, in Kreuzlingen eine Agentur. Während in Romanshorn ein Neubau bezogen wird, übernimmt die TKB in Frauenfeld die älteste Bank im Thurgau, die Stadtsparkasse. 1895 übernimmt die TKB die Leih- und Sparkasse des Bezirks Bischofszell mit Geschäftsstellen in Bischofszell und Amriswil. Beide werden als Filialen weiterbetrieben.
Nächste Epoche
Kriege und Krisen, 1911–1947
Zwei Weltkriege und Wirtschaftskrisen fordern die TKB in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie meistert diese Zeit mit einer vorsichtigen Risikopolitik, Modernisierungsschritten und Massnahmen zur Wirtschaftsförderung.