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über die zapotekischen und mixtekischen Sprachen. Pector sprach über die geographischen Namen von Zentralamerika [* 2] und zeigte an, daß er beabsichtige, ein geographisch-etymologisches Wörterbuch von Zentralamerika zusammenzustellen. Im Anschluß an diesen Vortrag wies Seler darauf hin, daß die übliche Verwendung des Wortes Anauac (Anahuac) für das Hochplateau von Mexiko [* 3] (Plateau von Anahuac etc.) ganz falsch sei. Anauac heißt »am Wasser«, und von allen alten Autoren wird das Wort einzig im Sinne von Küstenland gebraucht.
Nur Motolinia braucht das Wort für ganz Neuspanien, und dies hängt vermutlich mit der Phrase cem anauac zusammen, die im Sinne von »die ganze Welt« gebraucht wird, aber ursprünglich »das Ganze inbegriffen das Küstenland«, »das ganze Land bis zum Meer« bedeutet. In der Nachmittagssitzung hielt Pinart einen Vortrag über Altertümer und Felsinschriften der Großen und Kleinen Antillen und über die Felsinschriften der kleinen Insel Aruba bei Curaçao. Die Inschriften der Antillen sind in den Fels gehauen und gehören der vorkaribischen Bevölkerung, [* 4] der Haytirasse, an, die Inschriften der Insel Aruba sind dagegen in Farben ausgeführt.
Der Redner sprach sodann über die Bevölkerung des Isthmus von Panama. Er unterscheidet zunächst in Costarica die Guetares, die in geregelten politischen Verhältnissen lebenden zivilisierten Savannenbewohner, von den schweifenden Stämmen der Urwälder des Ostens, den Talamanca-Guatusos. Die erstern hält er für ethnisch identisch mit den Changuinas, den Anwohnern der Lagune von Chiriqui. Ferner kommen in Betracht die Mexikaner, deren Spuren bis an den Rio [* 5] Chagre und die unmittelbare Nachbarschaft der Strecke, wo jetzt der Kanal [* 6] gegraben wird, ja bis auf die Islas de Perlas zu verfolgen sind.
Den Hauptstock der Bevölkerung des Isthmus bilden neben den Guaymi-Changuinas die Cuna, die zu beiden Seiten des Isthmus, am Rio Chagre bis an den Golf von Uraba und den Rio Atrato aufwärts wohnen, eine in der Kultur ziemlich vorgeschrittene, starke, tapfere Nation, in beständigem Kampfe lebend mit den Chocoindianern, die ihrerseits wieder schon unter dem Einfluß der Hochlandstämme standen. Die Cuna hält der Vortragende für ethnisch verwandt mit der Bevölkerung des östlichen Costarica.
Alle diese Stämme, welche auf dem Isthmus längs des Antillenmeers wohnen, gebrauchen das Blasrohr, weshalb sie auch als Botoqueros, Chonteros (von chonta, das Blasrohr) bezeichnet werden. De Peralta bestreitet, daß die Guetares Savannenbewohner gewesen seien. Gestützt auf die alten Autoren, hält er sie für Bergindianer, die mit den Changuinas nichts zu thun hatten. Girard de Rialle hielt hierauf einen Vortrag über Verträge aus dem Jahr 1666 zwischen dem Gouverneur von Kanada und den Abgesandten von vier der fünf verbündeten Nationen der Irokesen, Onondaga, Oneida, Cayuga und Seneca.
Diese Verträge sind besonders interessant, weil auf ihnen die indianischen Abgesandten mit ihrem Totem, ihrem Familienwappen, Unterzeichnet haben. Delisle sprach über die künstliche Deformation der Tschinukschädel, welche meist eine sehr beträchtliche Verschiebung der Dimensionen zeigen. Bisweilen ist der Längsdurchmesser des Schädels 2,5mal so groß wie der Querdurchmesser. Die Nähte zeigen einen unregelmäßigen Verlauf, auch an der Basis sind beträchtliche Umformungen bemerkbar.
Das Knochengewebe selbst erleidet Veränderungen, das Osteoid wuchert stark, regelmäßig sind mehr oder minder starke Verdickungen der Schädeldecke vorhanden. Marcel Daly legte Pläne der Ruinenstätten von Copan in Honduras [* 7] und Utatlan, der alten Königstadt der Quiché, vor und erörterte die zentralamerikanische Architektur. Charakteristisch ist das Vorhandensein von Mauern im Innern der Tempelpyramiden und die durchgängige Bemalung der Baulichkeiten.
Neben den Tempelpyramiden finden sich stets lange Häuser mit Pfeilerreihen. Seler zeigte Pläne des großen Tempels von Mexiko, ebenfalls mit langen Pfeilerhäusern, und bemerkt, daß dies die Calmecac, die Behausungen der Priester, sind, wie bei dem der aztekischen Handschrift des P. Sahagun entnommenen Plane ausdrücklich angegeben ist. Zuletzt sprach Henriquez y Carbajal über die Authentizität der seiner Zeit nach Cuba gebrachten Gebeine von Christoph Kolumbus.
Der Vortragende hob hervor, daß nach Dokumenten zu seiten des Altars der Kapelle der Kathedrale von Santo Domingo [* 8] auf Hayti und zwar auf der Seite des Evangeliums der Admiral und sein Sohn, auf der Seite der Epistola ein Enkel des Admirals beigesetzt sei. Zur Zeit der Wiedereröffnung des Grabes und der Überführung der Gebeine nach Havana [* 9] habe keine Inschrift die Stelle des Grabes bezeichnet, vermutlich weil 1683 angesichts der drohenden Landung englischer Kriegsschiffe der Bischof Francisco Pio die ursprüngliche Inschrift verwischen ließ.
Bei der Eröffnung sei kein vollständiger Sarg hervorgezogen worden, keine Bleikapsel, kein Siegel, sondern nur ein paar Bretter und ein paar Knochen, [* 10] die ebensogut von dem einen wie von dem andern der beiden Colon herrühren konnten. Es erscheint hiernach sehr zweifelhaft, ob die nach der Havana übergeführten Gebeine wirklich die des Admirals gewesen seien. Anderseits zeigte der Vortragende die Abbildung einer Steinkiste, die angeblich bei der Eröffnung der Grabstätte gefunden worden, und auf der deutlich zu lesen ist, daß in ihr die Gebeine Cristóbal Colons enthalten seien.
Die Schriftcharaktere sollen von gelehrten Gesellschaften als dem 16. Jahrh. angehörig anerkannt sein. In der sehr erregten Diskussion, die sich an diesen Vortrag anschloß, wurde die Behauptung, daß sich die Academia de la Historia in Madrid [* 11] und die Akademie von Genua [* 12] für die Authentizität der Inschrift ausgesprochen haben, sehr energisch zurückgewiesen, und in der Versammlung herrschte der Eindruck vor, daß es sich hier um eine dreiste Fälschung handle. Man plant die Heiligsprechung des Kolumbus, und so erklärt sich das Interesse der einen und der andern Stadt, die Gebeine des zukünftigen Heiligen in ihren Mauern zu wissen.
Am fünften Kongreßtag sprach Berg über die Verhältnisse der grönländischen Eskimo und hob hervor, daß die dänische Regierung durch strenge Überwachung des Branntweinverkaufs von ihren arktischen Unterthanen die Pest fern gehalten habe, welcher schon so mancher eingeborne Stamm nach der Berührung mit den Europäern erlegen ist. Altamirano legte hierauf das handschriftliche Exemplar der äußerst seltenen Grammatik der Heguesprache vor, die von einem Indianerstamm der nördlichen Gebiete Mexikos gesprochen wird, ebenso die spanische Übersetzung zweier Arbeiten Bandeliers, die von der Kriegführung und der staatlichen Ordnung der Azteken handeln. In denselben wird gezeigt, daß das alte Mexiko niemals eine Monarchie, sondern eine militärische Demokratie gewesen sei. An der Spitze stand nicht ein König oder Kaiser, sondern zwei Beamte, der Tlacatecatl, dem die oberste Führung im Kriege zukam, und der Ciuacouatl, der die oberste Entscheidung in zivilen Angelegenheiten hatte. Ber ^[richtig: Berg] berichtete über ¶
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seinen Besuch der Ruinenstätte von Tiahuanaco. Das Baumaterial, ein Granit von eigentümlicher Färbung, soll von der Sonneninsel im Titicacasee stammen, der wahrscheinlich in alter Zeit bis an die Ruinenstätte (Tiyauanaco = ausgetrocknetes Ufer) reichte und noch heute fortwährend zurückgeht. Zuletzt sprach Seler über den Uitzilopochtli, den Kriegsgott der Azteken. Derselbe war gleich einer Reihe andrer lokaler Gottheiten eine Variante des alten Licht- und Himmelsgottes, des Feuergottes, und seine Verkleidung war wie die des letztern die himmlische Feuerschlange, deren Kopf beide Götter als Devise auf dem Rücken tragen.
Gewöhnlich trägt der Gott als Helmmaske den Kopf des Kolibri, welcher den alten Mexikanern als Symbol des Absterbens in der trocknen Jahreszeit und des Wiedererwachens mit den ersten Regengüssen galt. Der Kolibrigott, der Repräsentant der trocknen Jahreszeit, ist daher im Kultus vereint mit Tlaloc, dem Regen- und Gewittergott, dem Repräsentanten der nassen Jahreszeit. In der letzten Sitzung besprach Schmidt die Arbeit Steenstrups über die Lage der alten sogen. ostgrönländischen Kolonie.
Beide Kolonien, welche die Skandinavier in alter Zeit auf Grönland angelegt haben, die westliche wie die östliche, lagen auf der Westküste und nicht, wie man später angenommen hat, auf der Ostküste. Ring hat nachgewiesen, daß die Dialekte selbst der entlegensten Stämme der Eskimo auffälligste Übereinstimmung zeigen. Er ist geneigt, die Rasse mit den Indianerstämmen zu verknüpfen, anstatt sie, wie gewöhnlich geschieht, aus Asien [* 14] einwandern zu lassen. Zum Schluß berichtete Verneau, daß Moreno in Buenos Ayres [* 15] in der Pampa eine Tiahuanaco-Zivilisation, aztekische Städte und aztekische Thongefäße, entdeckt haben will und die Objekte dem nächsten Kongreß, der 1892 in Spanien [* 16] stattfinden soll, vorzuführen gedenkt.