Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03587.jsonl.gz/1148

Im 17. Jh. wurde Basel erstmals vermessen. Anlass dazu gab ein Befestigungsprojekt. Der Auftrag dazu wurde von der Stadt Basel an den Maler Bock vergeben. Mit seinen Söhnen vermass er 1620 die Grenzen des Kantons Basel. Im Jahr 1615 war der Basler Matthaeus Merian für kurze Zeit nach Basel zurückgekehrt. Dabei erstellte er Vogelschaupläne, welche das damalige Stadtbild bis ins Detail festhielten. Bock und Merian waren Künstler. Mit Jakob (Vater) und Georg Friedrich Meyer (Sohn) übernahm um die Mitte des 17. Jh. die Berufsgruppe der Ingenieure die Führungsrolle bei der Vermessung.
In Basel schuf dann vor allem der Vermesser Georg Friedrich Meyer in der Zeit von 1680–1690 zahlreiche Ämterkarten und fasste sie in einer grossen, nicht fertig ausgeführten Karte 1:10 000 zusammen, die den ganzen damaligen Kanton Basel abdeckte. Die Kartographie im 17. und zu Beginn des 18. Jh. ist vor allem unter dem militärischen Aspekt und zunehmend unter dem Gesichtspunkt des Ausbaus der Verwaltungstätigkeit des Staates zu sehen. Viele dieser Karten und Pläne waren nicht öffentlich.
Die Landschaftsveränderung verläuft schleichend. Und doch ist der Landschaftswandel vor allem seit der Mitte des 20. Jh. gravierend. Es ist heute kaum mehr vorstellbar, wie die Landschaft früher ausgesehen hat.
Für die Dokumentation, Visualisierung und Quantifizierung dieses Landschaftswandels sind topographische Karten wichtig. Kartensammlungen haben die Funktion eines Speichers räumlichen Wissens. Allerdings gibt es erst seit dem letzten Viertel des 19. Jh. gute topographische Karten, welche ein recht genaues Bild der Landschaft wiedergeben.
Andere Wissensquellen vor allem für das 19. Jh. sind gemalte und gezeichnete Landschaftsbilder und Panoramen. Ab der Wende zum 20. Jh. dokumentieren alte und am gleichen Standort heute neu aufgenommene Fotos diesen Landschaftswandel. Näheres dazu findet man in den Modulen Maler bzw. Fotografen.
Die Triangulation berechnet mit Winkelmessungen und mathematischen Berechnungen (Trigonometrie) Längen und Höhen. Ausgehend von einer Basislinie werden mit Hilfen von Dreiecksmessungen weitere Längen und Höhen berechnet.
Im 17. Jh. verwendete G. F. Meyer ein einfaches und noch ungenaues Winkelmessinstrument (Goniometer). Später wurden Theodoliten als Winkelmessinstrument verwendet, mit denen auch Huber auf dem Wisenberg arbeitete. Der Theodolit besteht aus einem Zielfernrohr und kann gleichzeitig sowohl Vertikal- als auch Horizontalwinkel messen.
Die vielen im 17. Jh. entstandenen Pläne und Karten vereinfachten die Arbeit der Kartenhersteller des 18. Jh., denn diese konnten auf dieses Kartenmaterial zurückgreifen und mussten nicht mühsame Feldaufnahmen selbst vornehmen. Ein wichtiges Werk für die Kenntnis der Landschaft war das zwischen 1748 und 1763 von Daniel Bruckner herausgegebene Werk «Versuch einer Beschreibung historischer und natürlicher Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel». Das Werk wurde mit Karten und Zeichnungen von Emanuel Büchel illustriert.
Bis Mitte des 18. Jh. fand die Kartenherstellung mehr oder weniger ohne Höhenmessung statt. Der Basler Professor für Mathematik und Physik Daniel Bernoulli begann dann Höhen mit dem Barometer (Luftdruckmesser) zu messen. So nahm er 1755 Höhenmessungen vor, welche er gleich in Bruckners «Merkwürdigkeiten» veröffentlichte.
In mehreren Wellen erreichten etwa ab Mitte des 18. Jh. Messungen französischen Kartografen die Schweiz. Namentlich die letzte Welle zwischen 1803 und 1813 unter der Herrschaft Napoleons war bedeutungsvoll. 1804 wurde bei Ensisheim zwischen Sausheim und Oberhergheim eine rund 19 Kilometer lange Strecke als Grundlinie für das französische Dreiecksnetz vermessen. Darauf aufbauend setzte die topographische Aufnahme ein.
Bis zum Niedergang von Napoleon 1813 wurden in knapp 10 Jahren 5 800 Quadratkilometer der heutigen NW-Schweiz vermessen und 1818/19 als «Carte topographique de l'ancienne Souab 1:100 000» publiziert. Dieses Kartenwerk war bis vor kurzem in der Schweiz beinahe unbekannt. Dabei bietet es eine für damalige Zeiten einmalige präzise Abbildung der Landschaft und der Siedlungen und somit eine Fülle an Informationen.
Um der Kantonsvermessung, insbesondere der Katastervermessung, eine sichere Grundlage zu geben, musste ein trigonometrisches Netz über den ganzen Kanton gelegt werden. Dies wurde dem Basler Professor Daniel Huber übertragen. Huber begann seine Messungen mit der von den Franzosen schon früher bestimmten Linie Münster-Wisenberg. Die französischen Ingenieure hatten diese anlässlich ihrer Dreiecksmessungen über das Elsass 1804 auf der Basis von Ensisheim gemessen.
Die Trennungswirren zwischen den beiden Basel 1833 brachten in der Folge die ganze Entwicklung und Kartierung zum Erliegen. Bis dahin waren nur 20 Gemeinden vermessen worden. Viele dieser Karten stehen im Staatsarchiv Basel-Stadt oder Basel-Landschaft online zur Verfügung.
Ende 18. Jh. war immer noch die «Nova Helvetiae tabula geographica» von Johann Jakob Scheuchzer aus den Jahren 1712/13 massgebliche Karte der Schweiz. Erst mit dem zwischen 1796 und 1802 in sechzehn Blättern erschienenen «Atlas Suisse» wurde die Scheuchzerkarte abgelöst. Offiziere des eidgenössischen Quartiermeisterstabs, dem späteren Generalstab, nahmen sich ab 1809 der Landesvermessung auf eidgenössischer Ebene an.
1832 übernahm Guillaume-Henri Dufour (1787-1875) die Leitung der Landesvermessung. Als Gerüst für die Erstellung von Landeskarte musste vorgängig das Gelände mit Hilfe der Triangulation mit einem Netz von Dreiecken überspannt werden. Die Folge war, dass die Koordinaten zum Beispiel des Basler Münsters oder des Wisenbergs nun auf die alte Sternwarte in Bern bezogen wurden. Unter lokaler Mithilfe aus Basel musste 1836 Friedrich Baader für Dufour die detaillierten Pläne auf 1:25 000 reduzieren. Jakob Christen reduzierte anschliessend die Baaderkarten auf 1:100 000. Diese wurden zum Schluss in Kupfer gestochen.
Kantone gaben meist eigene, nicht oder gegenüber der Geländeaufnahme weniger stark reduzierte Karten (zum Beispiel in den Massstäben 1:25 000 oder 1:50 000) heraus, in denen gegenüber der Dufourkarte auch verschiedene Arten der Geländedarstellung und der Reproduktionstechnik realisiert wurden. So finden wir beispielsweise Schraffen als Höhenlinien, aber auch Höhenlinien mit Schummerung.
In Basel-Stadt brachte Baader eine Karte «Kanton Basel Stadttheil» heraus (1:25 000, Basel 1838, vier Blätter) und für Basel-Stadt und Basel-Land benutzte Andreas Kündig Baaders Manuskriptkarte der Kantone Basel-Stadt und -Land 1:25 000 für seine Karte vom Canton Basel. (1:50 000, 1849). Zwischen 1845 und 1864 erschien die erste amtliche Gesamtkarte der Schweiz in 24 Blättern. Das Blatt II Belfort, Basel erschien 1846. Diese Kupferstichkarten im Massstab 1:100 000 stellten das Gelände mittels Schraffen und Schattenplastik dar. 1939 wurde die Dufourkarte zum letzten Mal aktualisiert.
Ab 1870 entstand der «Topographische Atlas der Schweiz» unter der Leitung von Hermann Siegfried (1819 – 1879), der als Nachfolger Dufours 1866 die Direktion des Topographen-Bureaus übernommen hatte. Die meisten der bis 1926 herausgegebenen 604 Kartenblätter im Massstab 1:25 000 bzw. 1:50 000 mit Höhenkurven und Felszeichnung basierten auf revidierten Landschaftsaufnahmen oder neuen Vermessungen.
Die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Aargau und Solothurn mussten mit einer Neutriangulation zwischen 1870 und 1881 nochmals aufgenommen werden. Die Blätter der Region Basel erschienen dann zwischen 1877 und 1881.Da die Blätter der Siegfriedkarte bis 1949 etwa alle 10 Jahre aktualisiert worden sind, kann man mit den Karten eine Art Zeitreise vornehmen und die Entwicklung der Landschaft quasi miterleben.
Ab 1938 erschienen die ersten Blätter der neuen Landeskarte 1:50 000. Im Jahr 1964 waren das Kartenwerk im Massstab 1:50 000 und 1965 die Karten im Massstab 1:100 000 abgeschlossen. 1979 erschien das letzte Blatt im Massstab 1:25 000. Seither werden diese Karten im Turnus von sechs Jahren überarbeitet. Als nationale Atlanten werden der «Geologische Atlas der Schweiz» (ab 1930), der «Atlas der Schweiz» (ab 1965), der «Klimaatlas der Schweiz» (ab 1982) und der «Hydrologische Atlas der Schweiz» (ab 1992) erarbeitet und fortlaufend nachgeführt, wobei für die Herstellung einzelner Karten weitgehend digitale Technik eingesetzt wird.
Mit der Entwicklung des Computers und des Internets aber auch des Mobiltelefons (Handy) hat die Entwicklung der digitalen Karten eine rasante Entwicklung mitgemacht. Hochauflösende Flug- und Satellitenbilder ermöglichten dier Herstellung immer besserer und genauerer Karten. Mit Hilfe des Computers konnten Daten erfasst und mit Karten verknüpft werden.
Heute werden solche Geoinformationen und standortbezogene Daten für viele Bereiche wie zum Beispiel öffentlicher Verkehr, Umweltschutz, Planung, Katastrophenmanagement, Energieversorgung, Land- und Forstwirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologien und Bildungswesen verwendet. Generell spricht man heute bei solchen Systemen von «Geographischen Informationssystemen» (GIS). Bekannt im Bereich Online-GIS sind Google Maps mit Google Earth, Bing Maps sowie OpenStreetMap als Open-Source-Projekt. Auch die Kantone und Gemeinden bieten heute GIS-Dienste für die Öffentlichkeit an.
«Am 1. Juli 2008 trat das neue Geoinformationsgesetz (GeoIG) in Kraft. Damit hat die Schweiz erstmals in ihrer Geschichte und als eines der ersten Länder Europas ein modernes und zukunftsorientiertes Geoinformationsgesetz. Es bezweckt, dass Geodaten den Behörden sowie der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Wissenschaft für eine breite Nutzung zur Verfügung stehen – nachhaltig, aktuell, rasch, einfach, in der erforderlichen Qualität und zuangemessenen Kosten.» (swisstopo)
HPM