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Milchwirtschaft,
Meierei, im engern Sinne die vornehmlich auf Milchnutzung gerichtete Viehhaltung, welche bei verhältnismäßig geringen Betriebskosten einen raschen Geldumsatz gestattet; im weitern Sinne rechnet man zur auch die Verarbeitung der selbst gewonnenen oder gesammelten Milch auf Butter und Käse, das eigentliche Molkereiwesen (s. d.). Während in letzterm ein besonderer Wert auf hohen Gehalt und gute Beschaffenheit der Milch gelegt wird, begnügt man sich beim Verkauf der Milch zum direkten Konsum meistens mit den ortsüblichen polizeilichen Anforderungen.
In den Milchviehhaltungen in den Städten selbst oder in der Nähe derselben trachtet man deshalb, möglichst milchergiebige neumelke Kübe zu halten, und wenn die Milchergiebigkeit nachläßt, durch andere zu ersetzen. Im allgemeinen ist der Gehalt, also der wahre Wert der Milch um so niedriger, je größer die ermolkene Milchmenge ist; in der Stadt wird die Milch aber nicht nach ihrem Gehalt, sondern nach der Anzahl Liter bezahlt. Die Milchleistung ist individuell;
manche Rassen und Schläge zeichnen sich indes durch besondere Milchergiebigkeit aus;
so erzielt man von den Niederungsrassen (Holländer, Oldenburger) und dem einfarbigen Gebirgsvieh (Schwyzer, Allgäuer) Jahreserträge von 3000 bis 4000 l. Sehr hohe Milcherträge (es wurden bis zu 8000 l beobachtet) erscheinen als krankhafte Zustände;
solche Tiere sind wenig widerstandsfähig gegen Krankheiten, und dadurch sind der Zucht auf Milchleistung, die bis zu einem gewissen Grade ihre volle Berechtigung hat und eine größere Beachtung verdient, ihre natürlichen Grenzen [* 2] gesetzt.
Ein hoher Wassergehalt des Futters (Grünfutter, Rüben, Schlempe u. s. w.) und eine warme Verabreichung desselben oder des Tränkwassers, reichliche Gaben von Salz, [* 3] welches die Tiere zu größerer Wasseraufnahme anregt, befördert die Menge und erniedrigt den prozentischen Gehalt der Milch. Medikamente und Geheimmittel, die zur Erhöhung des Milchertrags angepriesen werden, haben keinen Wert. Durch fleißiges, sorgfältiges Melken der jungen Kühe können dieselben zu größerer Milchleistung erzogen werden.
Die sog. Milchzeichen (weiches, kräftig ausgebildetes Euter, großer Milchspiegel, feiner Schwanz, Knochenbau, Haarwuchs u. s. w.) lassen nicht mit Sicherheit auf gute Milcherträge schließen, sind aber nicht ganz von der Hand [* 4] zu weisen. Arbeitsleistung (Zug) beeinträchtigt die Milchmenge. Die hygieinischen Bedenken gegen die auf hohen Milchertrag gerichtete Fütterung und gegen die meist sehr mangelhafte Stallwirtschaft in den Städten sowie die Furcht vor der Tuberkulose haben zur Errichtung kostspieliger Kindermilchanstalten geführt, in welchen tierärztlich beaufsichtigte Kühe nur mit Trockenfutter ernährt werden dürfen; nachdem man heute mit der Bahn aus weiterer Umgebung der Städte bei gut geregelter polizeilicher Milchkontrolle gehaltreiche Milch beziehen und den Tagesbedarf im Hause selbst sterilisieren kann, hat sich diese Einrichtung so ziemlich überlebt. Auch schmeckt die Milch von Weidevieh besser als von Stallvieh. Die Milchversorgung der Städte und die polizeiliche Kontrolle des Milchhandels hat eine große hygieinische Bedeutung. -
Vgl. Kurtze, Der Berliner [* 5] Milchhandel (Berl. 1888);
Martiny, Die Versorgung Berlins mit Vorzugsmilch (Brem. 1891);
Fleischmann, Lehrbuch der
Milchwirtschaft (ebd. 1893);
Milchzeitung. Organ für die gesamte Viehhaltung und das Molkereiwesen, hg. von Petersen (ebd., seit 1872).