Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03467.jsonl.gz/2322

Zürcher Obergericht muss über Therapie für „Carlos“ entscheiden
In Zürich steht heute Mittwoch einmal mehr der junge Straftäter „Carlos“ vor Gericht. Er will vor Obergericht erreichen, dass er keine Therapie machen muss. Auslöser für den Prozess sind Angriffe auf Polizisten, Mithäftlinge und Gefängnispersonal.
Im November 2019 hatte ihn das Bezirksgericht Dielsdorf zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 9 Monaten und einer Geldstrafe verurteilt. „Carlos“ hatte im Gefängnis Pöschwies randaliert und dabei Polizisten, Mithäftlinge und Aufsichtspersonal verletzt.
Statt diese Jahre normal im Gefängnis abzusitzen, verknurrte ihn das Gericht aber zu einer Therapie hinter Gittern. „Carlos“, der eigentlich Brian heisst und mittlerweile auch so genannt werden möchte, wurde zu einer stationären, therapeutischen Massnahme nach Artikel 59 verurteilt, auch „kleine Verwahrung“ genannt.
Dabei wird alle fünf Jahre überprüft, ob die Therapie anschlägt oder ob weitere fünf Jahre notwendig sind.
„Carlos“ und sein Anwalt wollten das Urteil nicht akzeptieren, weshalb der Fall nun vor Obergericht kommt. Im Prozess hatte der Anwalt lediglich eine „angemessene“ Freiheitsstrafe gefordert, die der junge Kampfsportler ohnehin längst abgesessen hätte.
Eine Therapie sei bei seinem Mandanten aber nicht zielführend, so der Anwalt. In den vergangenen Jahren hatte sich „Carlos“ immer geweigert, eine Therapie zu absolvieren. Gutachter sind jedoch der Ansicht, dass es eine „kleine Wahrscheinlichkeit“ gibt, dass eine Therapie trotzdem anschlagen könnte.
Neben dem Berufungsprozess wird sich „Carlos“ auch noch einem neuen Strafverfahren stellen müssen: Noch während der aktuelle Gerichtsfall in Arbeit war, randalierte er hinter Gitter nämlich weiter. Der Staatsanwalt eröffnete bereits ein neues Verfahren.
Wegen seiner Odyssee durch Psychiatrien und Gefängnisse tritt „Carlos“ inzwischen aber auch als Kläger auf: Er brachte die drei Psychiater vor Gericht, die ihn als Teenager 13 Tage lang auf ein Bett gebunden hatten und verklagte den Kanton Zürich wegen unmenschlicher Haftbedingungen im Gefängnis Pfäffikon.
Beide Fälle verliefen bisher nicht in seinem Sinne. Die drei Psychiater wurden freigesprochen und der Kanton wurde zwar gerügt, allerdings nicht zur Zahlung von 40’000 Franken verpflichtet. Der 25-Jährige, der seit seiner Kindheit negativ auffiel, sitzt aktuell in der Strafanstalt Pöschwies in Sicherheitshaft.
(text:sda/bild:unsplash)
Veranstaltungen:
Jun