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Dank unperfektem Lebenslauf zur Traumstelle?
Kandidaten stellen sich im Bewerbungsprozess immer wieder die Frage, wie sie sich am besten präsentieren sollen, damit sie aus der Masse an Bewerbern herausstechen. Liegt die Antwort vielleicht überraschenderweise darin, einen Lebenslauf zu präsentieren, welcher nicht perfekt ist?
Wer „perfekter Lebenslauf“ bei Google eingibt, erhält über 50‘000 Suchresultate. Als Bewerber erhält man also zahlreiche Tipps, wie die perfekte Bewerbung aussehen sollte. Selbstverständlich werden dabei primär die eigenen Stärken und Vorzüge dargestellt, damit man bei einem potenziellen Arbeitgeber so gut wie möglich dasteht.
Das relevante Résumé Experiment
Einer, der es anders gemacht hat, sorgte dieses Jahr für ziemlichen Aufruhr: Der amerikanische Kreativ-Direktor und Texter Jeff Scardino versandte Bewerbungen mit seinem Lebenslauf, in welchem er seine Schwächen hervorhob. Erfolgreiche Projekte sucht man in seinem CV vergeblich, vielmehr findet man Angaben wie „Ich habe an verschiedenen Pitches gearbeitet, welche wir dann in der Agentur nicht gewonnen haben“ oder „Ich habe in meinem ersten Jahr dort nichts erreicht, was erwähnenswert wäre“. Er sagt über sich selbst, er könnte pünktlicher sein, habe Mühe damit, sich an Namen zu erinnern und dass er in Meetings lieber vor sich hinzeichnet, statt sich Notizen zu machen. Jeff bewarb sich auf 10 verschiedene Jobs mit 2 verschiedenen Lebensläufen: Einmal mit dem richtigen, korrekten – und einmal mit dem, was er „The relevant Résumé“ nennt. Also einem Lebenslauf, welcher nicht auf Hochglanz poliert wurde, sondern welcher seine Schwächen hervorhob. Was danach geschah und welche Bewerbungen erfolgreicher waren, wird in diesem Kurz-Video erzählt:
Jeffs Geschichte ging viral und wurde von unzähligen Medien und Blogs aufgenommen. Er stellt auf der Webseite “The relevant Résumé” sogar einen Muster-Lebenslauf mit Schwächen-Hervorhebung zum Download bereit.
Kurzfristiger Trend oder nachhaltige Entwicklung?
Ob ein solch imperfekter Lebenslauf gut ankommt, ist zum einen sicherlich von der Branche abhängig, in welcher man sich bewirbt. In der Kreativbranche sorgt ein solches Schreiben vermutlich eher für einen „Aha“-Moment, als beispielsweise in der Bank- oder Versicherungsbranche. Zum anderen steht auch die Frage im Raum, ob der von Jeff beschriebene positive Effekt seiner Offenheit im eigenen Lebenslauf längerfristig anhält. Oder ob Personaler beim zehnten Lebenslauf in dieser Art eher genervt als positiv überrascht sind. In diesem Artikel wird ein weiteres Beispiel von einem Bewerber in Deutschland erzählt, welcher ebenfalls gute Erfahrungen damit machte, zu seinen Schwächen zu stehen.
Schlussendlich gibt es für Bewerber kein Geheimrezept, wie ihr Lebenslauf garantiert auf Beachtung stösst. Schliesslich ist jeder Recruiter individuell und findet andere Aspekte an Kandidaten relevant und interessant. Mit originellen Bewerbungen kann man sicherlich immer punkten. Ob man es mit einem auf Schwächen konzentrierten Lebenslauf auch kann, bleibt sicherlich ein Diskussionspunkt.
Am besten ist es wohl, wenn der CV „ehrlich“ ist. Oder was meinen Sie?
Ist ein solch unperfekter Lebenslauf ein Genie-Streich, um Aufmerksamkeit zu generieren oder eher ein ganz grosses No-No?