Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03151.jsonl.gz/1317

Flury startet mit guten Gefühlen in die Saison
Mehr Konstanz, das ist das Ziel der Bündner Speed-Spezialistin Jasmine Flury in diesem Winter. Am Freitag startet sie mit der Abfahrt in Val d'Isère in eine spezielle Weltcup-Saison.
An den Saisonstart vor einem Jahr hat Flury keine guten Erinnerungen. Anfang Dezember erlitt sie beim Einfahren vor dem ersten Training zu den Weltcup-Abfahrten in Lake Louise eine Knochenimpression am äusseren Schienbeinplateau sowie eine Zerrung des Innenbandes am rechten Knie. Deshalb bestritt sie erst am 24. Januar dieses Jahres in Bansko ihr erstes Rennen, bei dem sie ausschied. Am Ende war der 11. Platz in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen ihr bestes Ergebnis. Allerdings war für sie schon «sehr positiv», dass sie überhaupt noch Rennen bestreiten konnte - 2015/16 hatte sie wegen einer Hüftverletzung die gesamte Saison verpasst.
Nun will die 27-jährige Flury wieder an frühere Erfolge anknüpfen. Von Januar 2017 bis März 2019 schaffte sie im Weltcup zwölfmal den Sprung in die Top Ten, wovon sechsmal in die Top 5. Den Höhepunkt bildete der Triumph beim Super-G in St. Moritz am 9. Dezember 2017, Flurys bislang einziger Podestplatz auf dieser Stufe. Zuversicht, wieder zur alten Stärke zurückzufinden oder gar darüber hinaus zu wachsen, gibt ihr die gute und verletzungsfreie Vorbereitung.
Zwar reiste das Schweizer Team wegen der Coronavirus-Pandemie nicht wie gewohnt nach Südamerika, sondern trainierte mehr auf den heimischen Gletschern und weniger auf Winterschnee. In Saas-Fee und Zermatt fand die Nationalmannschaft der Frauen aber ideale Bedingungen vor und genoss im Vergleich zu anderen Nationen gewisse Privilegien. «Klar ist der Schnee auf dem Gletscher anders und wäre es schön gewesen, öfter auf Winterschnee zu trainieren, aber es ist so, wie es ist und ich bin sehr dankbar, dass wir überhaupt so gut trainieren konnten», gibt sich Flury im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA pragmatisch.
Ohnehin beschäftigt sich die Davoserin nicht mit Dingen, die sie selbst nicht beeinflussen kann, was in der aktuell schwierigen Zeit umso wichtiger ist. Seit etwa zwei Jahren nimmt sie sportpsychologische Hilfe in Anspruch. «Nach einer Verletzung gibt es mitunter Gedanken, dass es erneut passieren könnte. Sobald solche aufkommen, gehe ich im Kopf einen guten Lauf durch und sehe mich, wie ich im Ziel glücklich und zufrieden abschwinge. Das gibt mir Sicherheit. Erst danach gehe ich auf die Skier und beginne mit dem Training», erklärt Flury. «Allerdings kommen solche Gedanken aus irgendwelchen Gründen, man muss diese ernst nehmen, verarbeiten und für die Zukunft etwas daraus lernen.»
Flury weiter: «Es ist nicht einfach, eine Verletzung wegzustecken. Obwohl bei guter Sicht und regelmässigem Schnee das Vertrauen schnell wieder da ist, führt schlechtes Licht tendenziell dazu, passiver zu fahren, was nicht hilft. Das ist wohl der bedeutendste Unterschied nach einer Verletzung.» Auch hier kommt ihr die mentale Arbeit erneut zu Gute. Ein weiteres Thema sind Unterbrüche während eines Rennens. Wie gelingt, es, sich zu entspannen und dann innert kurzer Zeit wieder voll fokussiert zu sein?
Einiges profitiert hat Flury dabei vom Militär, sie ist seit dem 1. August 2018 als Zeitsoldatin angestellt, was ihr monatlich 2000 Franken Sold einbringt. «Das gibt Stabilität und Sicherheit.» Als Gegenleistung stehen regelmässig Repräsentationsaufgaben an. Sie hatte schon die Spitzensport-Rekrutenschule absolviert, in der sie Einblicke in diverse Bereiche wie die Ernährung erhielt, aber auch Englischkurse standen auf dem Programm. «Das Angebot war vielfältig und gross», sagt Flury. Sie sammelte gezielt Inputs, um den nächsten Schritt zu machen. Nach Bedarf vertiefte sie ihr Wissen, so ging sie beispielsweise zu einem Ernährungsberater.
Was ihre Skitechnik betrifft, sieht Flury noch einiges an Potenzial, «auch wenn es den perfekten Schwung wahrscheinlich gar nicht gibt. Wenn ich aber meine zentrale Position halte, dann funktioniert alles ziemlich gut.» Insofern arbeitet sie daran, neutral auf den Skiern zu stehen und saubere Wechsel zu machen. Das Gefühl für den neuen Ski stimmte jedenfalls bestens in der Vorbereitung, «nun bin ich gespannt, wie es läuft, wenn es wirklich losgeht.»
Ein gutes Gefühl geben Flury auch die bisherigen Resultate der Schweizer in diesem Winter. In den bisherigen zwölf Weltcup-Rennen, die Männer mit eingerechnet, holten sie zwei Siege und insgesamt acht Podestplätze. «Das ist extrem cool und gibt mir zusätzliche Motivation», sagt Flury. Die Basis für eine gute Saison scheint also durchaus gelegt.
Kommentieren
Zurück am Ort ihres grössten Erfolgs
An diesem Wochenende starten die Speedfahrerinnen in St. Moritz in den Weltcupwinter. Mit dabei: Jasmine Flury aus Davos Monstein.
«Früher war schon etwas Harakiri»
Ein Weltcup ohne Alex Fiva und Armin Niederer? Kaum vorstellbar. Die beiden Bündner sind die «alten Hasen» im Skicrosszirkus.
Michelle Gisin: «Absolut surreal fühlte sich das an»
Ihre letzte Saison war ein Auf und Ab, in der jetzigen kennt sie bisher nur Hochs. Michelle Gisin über die surreale Laufbestzeit in Levi und die Bestätigung des guten Gefühls.
Die Schweizer Alpinen konnten sich nochmals steigern
Die Schweizer Alpinen werden dem Status als Skination Nummer 1 bislang gerecht. Gisin, Odermatt und Co. können ihren Vorsprung auf Erzrivale Österreich vergrössern.
Drei Rennen für Jasmine Flury und Rahel Kopp
Bei den Skirennen am Wochenende stehen drei Fahrerinnen aus der Südostschweiz im Starthaus. Jasmine Flury und Rahel Kopp fahren alle Rennen.