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Zwar lief das Rennen nicht nach dem Gusto von Nicola Spirig, weshalb sie als Sechste ihre dritte Medaille an Olympischen Spielen verpasste. Dennoch überwog die Zufriedenheit.
«Es liegt nicht alles in meinen Händen», hatte Spirig vor dem Rennen gesagt. Sie befürchtete, dass die besten Schwimmerinnen auf dem Velo eine gut harmonierende Gruppe bilden, und genau so kam es heraus. Die Zürcher Unterländerin versuchte zwar alles, um auf der 40 km langen Radstrecke den Rückstand nach ihrer schwächsten Disziplin, der 68 Sekunden betrug, aufzuholen. Es fehlte ihr jedoch die nötige Unterstützung.
Spirig lag vor den vier Laufrunden à je 2,5 km gut eine Minute hinter dem Top-Quartett. Das Hauptproblem war aber, dass der für ihren Trainer Brett Sutton «fantastische Effort» auf dem Velo viel Kraft kostete, die in der Folge natürlich fehlte. Oder wie sich Sutton martialisch ausdrückte: «Sie war tot vom Radfahren.» Zudem war er überhaupt nicht glücklich über den Radkurs. Von der Leistung seines Schützlings dagegen war er beeindruckt, diese stufte er als «hervorragend» ein.
Spirig hadert nicht
Spirig selber gab sich gelassen, dass sie auf dem Velo praktisch auf sich alleine gestellt war. «Vor drei Jahren hätte ich mich genervt. Nun bin ich langsam daran gewöhnt. Viele in meiner Gruppe waren gar nicht fähig zu führen.» Zu taktieren kam für sie nicht infrage. «Ich wollte alles geben, um in die vorderste Gruppe zu fahren. Mit einem Rückstand von zwei, drei Minuten vor dem Laufen hätte ich sowieso keine Chance mehr auf eine Medaille gehabt.» Von daher wurde sie schlichtweg Opfer der Rennkonstellation. Sie haderte jedoch auch nicht mit dem Schwimmen, da sie dort eine ihrem Niveau entsprechende Leistung zeigte.
Zu Gold hätte es wohl ohnehin nicht gereicht, zu stark präsentierte sich Flora Duffy im Laufen. Mit einer Zeit von genau 33 Minuten über die zehn Kilometer war sie um 52 Sekunden schneller als die Zweitbeste, die Britin Georgia Taylor-Brown, die in der letzten Disziplin drei Plätze gutmachte und Silber gewann. Spirig benötigte 1:28 Minuten länger als Duffy. «Ich fühlte mich nicht schlecht während dem Laufen», sagte sie.
«Eine riesige Leistung»
Ohnehin zog sie ein positives Fazit, sah sie doch das grosse Bild, nämlich dass es bemerkenswert ist, mit 39 Jahren, als Mutter dreier Kinder, zum fünften Mal an Olympischen Spielen dabei zu sein und noch mit der Weltspitze mithalten zu können. «Das ist eine riesige Leistung, auf die ich stolz bin. Mit einer anderen Konstellation hätte es anders ausgesehen. So waren andere schlichtweg stärker als ich.»
Im Vorfeld war die Hitze in Tokio ein grosses Thema gewesen. Stattdessen war es nass und hielt sich die Temperatur in Grenzen. «Brett hatte das schon lange vorausgesagt», führte Spirig aus. «Als er vor zwei Wochen von einem Taifun sprach, lachten wir noch. Doch er hat wie immer recht behalten. Ich fand es gut so. Es war nicht zu warm und nicht zu kalt. Auf dem Velo musste man etwas aufpassen, die weisse Farbe hier ist allerdings nicht so rutschig wie bei uns, von daher war es nicht allzu gefährlich.»
«Meinen Rücktritt gebe ich nicht»
Spirig hatte schon vor dem Rennen betont, dass es sich für sie ohnehin gelohnt habe, die Karriere fortzusetzen. Ihr war wichtig, sich nichts vorwerfen zu müssen, und das setzte sie in die Tat um. «Ich bin fit hierhergekommen. Ich weiss nicht, was ich hätte besser machen können. Wir haben, glaube ich, alles richtig gemacht in der Vorbereitung. Insofern bin ich glücklich», bilanzierte Spirig.
Am Samstag startet sie noch in der Mixed-Staffel. Ist danach Schluss, abgesehen vom Sub-8-Projekt, dem Versuch, den Ironman unter «Laborbedingungen» unter acht Stunden zu bewältigen? «Meinen Rücktritt gebe ich nicht.» Aber sind es die letzten Olympischen Spiele? «Ich sagte in London, es seien meine letzten Olympischen Spiele. Ich sagte es in Rio. Nun sage ich nichts. Ich denke … (lacht laut). Es heisst eh nichts, wenn ich etwas sage.»