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Mit der Lebensphase des Alters verbindet sich heute mehr als der Ruhestand, der den Rückzug aus dem beruflichen und weiteren sozialen Umfeld markiert; aber auch mehr als die Reduktion der Betrachtung auf die Pflegebedürftigkeit. Eine bessere Gesundheit und die Verlängerung der Lebenserwartung haben neue Grundlagen geschaffen. Entsprechend wird heute in den westlichen Industriegesellschaften zwischen dem dritten und vierten Alter, d.h. zwischen „jungen Alten“ und „Hochaltrigen“ unterschieden. Im Kanton Solothurn sind etwa drei Viertel der insgesamt rund 40’000 über 65-Jährigen bis 79 Jahre alt, ein Viertel sind 80 Jahre und älter. Rund 94% der über 65-Jährigen leben in Privathaushalten.
Ausländer/innen sind in dieser Bevölkerungsgruppe mit 6% deutlich weniger vertreten als in der Gesamtbevölkerung, wo ihr Anteil 18% beträgt.
Das Alter ist „weiblich“: 55% der 60- bis 70-Jährigen sind Frauen, bei den 80-Jährigen und Älteren beträgt der Frauenanteil bereits zwei Drittel. Bei den unter 60-Jährigen ist der Anteil der Frauen und Männer in der Bevölkerung hingegen ausgeglichen.
Die durchschnittliche finanzielle Situation älterer Personen ist im Vergleich mit den unter 65-Jährigen durch ein tieferes Äquivalenzeinkommen (Glossar) gekennzeichnet. Gesamtschweizerisch wohnen 7.0% der über 65-Jährigen in Haushalten, die als arm zu bezeichnen sind: Sie verfügen über ein Äquivalenzeinkommen von weniger als 1’750 Franken. Schweizer und Schweizerinnen sind hierbei seltener von Armut betroffen: So wohnen 6.5% der über 65-jährigen Schweizer/innen in armen Haushalten gegenüber 11.3% der Ausländer/innen.
Ältere Personen verfügen mit der Altersrente, den Ergänzungsleistungen und einer allfälligen Rente der beruflichen Vorsorge über ein gesetzlich geregeltes Einkommen. Dadurch sind Personen im AHV-Alter selten auf Sozialhilfe angewiesen, wie die Zahlen der Sozialhilfe im Kanton Solothurn zeigen.
Bei geringem Einkommen kann das Vermögen dazu beitragen, den Lebensunterhalt zu finanzieren. Die Vermögenssituation älterer Menschen kann durchschnittlich als gut bezeichnet werden. Die Steuereröffnungen in der Steuerstatistik zeigen, dass 63% des steuerbaren Vermögens von 65-Jährigen und Älteren deklariert wird, ihr Bevölkerungsanteil aber nur 16% beträgt.
Auch die Wohnsituation kann im Alter zu einer entspannten finanziellen Situation beitragen. Im Kanton Solothurn verfügen 55% der Schweizer/innen ab 65 Jahren über Wohneigentum, bei den ausländischen Personen gleichen Alters sind es 25%. 2002 hatten vier Fünftel der über 64-Jährigen in ihrem Haushalt zwei oder mehr Zimmer pro Person zu Verfügung.
Im Durchschnitt leben ältere Menschen heute länger gesünder als noch vor ein oder zwei Generationen. Trotzdem zeigen sich im Alter gesundheitliche Einschränkungen: 2002 lebt im Kanton Solothurn ein gutes Viertel (27%) der 65- bis 74-jährigen Bevölkerung mit einer Behinderung. Sie haben körperliche oder psychische Probleme, die seit mehr als einem Jahr andauern und sie in den alltäglichen Aktivitäten einschränken. 22% der Wohnbevölkerung ab 65 Jahren stufen ihren Gesundheitszustand als mittelmässig bis sehr schlecht ein.
2003 besteht im Kanton Solothurn folgende Versorgung mit Pflegeleistungen: 6% der 65- bis 79-Jährigen und 29% der 80-Jährigen und Älteren beziehen Spitexleistungen. In Alters- und Pflegeheimen leben im Jahr 2000 rund 15% der 80-Jährigen und Älteren.
Von den Bewohner/innen der Alters- und Pflegeheime im Kanton Solothurn sind 78% Frauen (siehe Tabelle).
Der überwiegende Teil der Pflege von älteren Menschen wird in der Schweiz unentgeltlich geleistet, meistens von Frauen. Die längerfristige Sicherstellung dieser privaten Pflegearbeit ist nicht gesichert. Eine Herausforderung ist ihr Erhalt und die Entlastung der Pflegenden. Das ist auch deshalb wichtig, weil die Pflege älterer Menschen in Zukunft eine zunehmende Bedeutung erhält [Interview mit Pasqualina Perrig-Chiello, Sozialbericht, Kapitel Alter].
Eine wichtige Funktion für das Alter hat auch die Gesundheitsförderung. Für die Verlängerung der gesunden Lebensjahre spielen Ernährung, körperliche Betätigungen und soziale Kontakte eine grosse Rolle. Im Kanton Solothurn wird die Gesundheitsförderung im Alter seit 1999 in einem Pilotprojekt (SO!PRA) erprobt.
Abgesehen von der gesundheitlichen Situation sind ältere Menschen sozial gut integriert und< leisten auch selber wichtige gesellschaftliche Beiträge.
2002 sagen im Kanton Solothurn drei Viertel der Personen im AHV-Alter, dass sie nie Einsamkeitsgefühle haben. Ein Indiz für die gute gesellschaftliche Integration sind auch Mitgliedschaften in Vereinen oder Clubs. Gut die Hälfte der Altersgruppe ab 65 sind Mitglieder in solchen Organisationen. Diese Altersgruppe kann auch in ähnlichem Masse wie die jüngere Bevölkerung auf soziale Unterstützung zählen.
Die über 65-Jährigen nehmen aber nicht nur Unterstützung in Anspruch, sondern leisten auch selber wichtige gesellschaftliche Beiträge. Im Kanton Solothurn bieten 49% der 65- bis 74-Jährigen regelmässig unentgeltliche Hilfeleistungen für andere Personen an, von den über 74-Jährigen sind es gar 52%. Diese Anteile sind höher als bei den 15- bis 64-Jährigen. Von ihnen erbringen nur 38% regelmässig unentgeltliche Hilfeleistungen. Häufige Dienstleistungen älterer Personen sind: Das Erledigen von Haushaltsarbeiten und Einkäufen oder die Zubereitung von Mahlzeiten für andere Personen. Stark verbreitet ist auch die Betreuung von Familienmitgliedern, vor allem die Beaufsichtigung von Kindern. Diese Leistungen haben einen hohen volkswirtschaftlichen Wert.