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und den Anbau billiger zu gestalten, indem man andre
Pflanzen, welche die frische Mistdüngung besser lohnen, vorausgehen
läßt.
Mehr und mehr geht man zur Drillkultur über und sucht durch Phosphatdüngung den Körnerertrag zu steigern. Je extensiver
die
Landwirtschaft betrieben werden muß, um so mehr
Areal (bis über 60 Proz.) wird dem
Getreidebau gewidmet;
je intensiver, um so mehr wird er beschränkt, selbst unter 40 Proz. des
Areals. S.
Getreidehandel und
-Produktion.
Zusammensetzung, Nahrungswert etc. der
Getreidearten.
Das
Getreide enthält alle vier
Gruppen von
Nahrungsstoffen: eiweißartige
Substanzen von verschiedener
Beschaffenheit, welche in ihrer
Gesamtheit den
Kleber bilden, der bei den einzelnen
Getreidearten abweichende
Eigenschaften besitzt, ferner
Stärkemehl,
Fette und
Salze, und zwar in einem verhältnismäßig günstigen
Verhältnis für die
Ernährung des
Menschen. Neben
dem
Stärkemehl findet sich auch wenig
Dextrin, und das
Fett ist in sehr geringer
Menge vertreten. Unter den unorganischen
Bestandteilen
des
Getreides herrschen
Phosphate der alkalischen
Erden und der
Alkalien vor, es findet sich mehr
Kali als
Natron u. mehr
Magnesia als
Kalk. Die Abbildung
[* 1]
(Fig. 1) zeigt die verschiedenen Teile des Weizenkorns, die rechte Seite
gibt einen Längsschnitt, auf der linken sind die über dem Mehlkern liegenden
Schichten aufgerollt angedeutet.
[* 1] Fig. 2 zeigt einen Querschnitt. Die das ganze Korn umhüllende äußere Haut [* 2] a besteht aus vier Schichten mit leeren Zellen, der Oberhaut (längsgestreckte, tafelförmige Zellen, welche am Scheitel der Frucht polygonale Gestalt annehmen und aus sich spitze, dickwandige Haaren hervortreten lassen), der Mittelschicht (mit ähnlichen Zellen), der Querzellenschicht (deren langgestreckte Zellen quer gegen die Hauptachse des Korns gerichtet sind) und der Samenhaut (zwei übereinander liegende Zellenschichten, die in ihrer Längsrichtung senkrecht zu einander stehen).
Unter der äußern Schicht liegt die Kleberschicht b, welche aus einer einfachen Schicht von Zellen besteht, die im Querschnitt fast quadratisch, von der Fläche gesehen polygonal erscheinen. Unter der Kleberschicht liegt der Mehlkern c, aus großen, dünnwandigen Zellen gebildet, und in einer Grube desselben der Embryo oder Keim d. Was die Verteilung der chemischen Bestandteile des Korns betrifft, so enthält der Embryo das fette Öl, von dem sich etwas aber auch in der äußern Haut vorfindet.
Die großen
Zellen des Mehlkerns sind mit Stärkekörnern angefüllt.
Zellstoff bildet die
Wand der
Zellen.
Die
Oberhaut besteht aus Korkstoff. Von den stickstoffhaltigen
Körpern
findet sich ein in
Wasser löslicher neben dem
Stärkemehl
in den großen
Zellen des Mehlkerns; die Hauptmasse der stickstoffhaltigen
Körper aber ist in der Kleberschicht und im
Keim,
also vornehmlich in den Teilen des
Getreides enthalten, welche beim
Mahlen die
Kleie bilden. Vgl. folgende
Tabellen:
Mittlere
Zusammensetzung der
Getreidearten.
|Wasser||Eiweißartige Körper||Fett||Stärkemehl, Dextrin||Holzfaser||Asche|
|Weizen||Minimum||5.33||8.19||1.00||61.28||1.23||0.95|
|Maximum||19.10||24.16||2.65||77.32||6.42||2.59|
|Mittel||13.56||12.42||1.70||67.89||2.66||1.77|
|Roggen||Minimum||8.51||7.89||0.90||62.46||1.06||1.40|
|Maximum||19.43||17.36||2.81||72.44||3.93||2.20|
|Mittel||15.26||11.43||1.71||67.82||2.01||1.77|
|Spelz (Dinkel)||Minimum||7.00||9.07||2.53||-||0.78||1.22|
|Maximum||15.25||14.49||2.96||-||8.64||3.43|
|Mittel||12.09||11.02||2.77||66.44||5.47||2.21|
|Gerste||Minimum||8.34||6.19||1.02||56.10||2.22||0.60|
|Maximum||20.88||18.27||3.24||74.70||10.80||5.60|
|Mittel||13.78||11.16||2.12||65.51||4.80||2.63|
|Hafer||Minimum||7.66||8.56||4.20||47.98||8.50||0.94|
|Maximum||15.67||18.50||7.38||64.90||16.21||5.14|
|Mittel||12.92||11.73||6.04||55.43||10.83||3.05|
|Mais||Minimum||8.09||5.82||1.54||59.03||0.99||0.60|
|Maximum||22.40||15.12||9.16||72.69||8.50||4.09|
|Mittel||13.88||10.05||4.76||66.78||2.84||1.69|
|Reis||Minimum||9.80||6.94||0.10||74.50||0.08||0.30|
|Maximum||14.41||8.91||1.76||77.61||2.21||2.80|
|Mittel||13.23||7.81||0.69||76.40||0.78||1.09|
|Hirse||13.15||10.91||3.67||56.89||13.06||2.32|
|Hirse, geschälte||12.01||12.25||3.31||64.26||4.65||3.52|
[* 1] ^[Abb.: Fig. 1. Schematische Abbildung des Weizenkorns, rechts im Querschnitt, links in aufgerollten Schichten.
Fig. 2. Ansicht eines Querschnitts in 500facher Vergrößerung a Stärkekörner.] ¶
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Veränderungen des Korns von der Ausbildung bis zur vollendeten Reife.
|Wasser||Eiweißartige Körper||Fett||Stärkemehl, Dextrin||Holzfaser||Asche|
|Roggen||1. Periode||-||10.2||2.6||81.2||3.1||2.8|
|2. Periode||-||8.2||2.2||83.6||3.0||3.0|
|3. Periode||-||8.8||1.8||84.6||2.6||2.3|
|4. Periode||-||8.8||1.1||85.3||2.4||2.5|
|5. Periode||-||8.4||0.7||85.9||2.4||2.6|
Welche Veränderungen von der Ausbildung des Korns bis zur vollendeten Reife in demselben vorgehen, mögen folgende Analysen von Roggen zeigen, die in verschiedenen Reifungsperioden von Lucanus ausgeführt wurden. Es enthalten 100 Teile Körner:
|1.||2.||3.||4.||5.|
|Stickstoffhaltige Stoffe||10.2||8.2||8.8||8.8||8.4|
|Stickstofffreie Stoffe||81.2||83.6||84.6||85.3||85.9|
|Holzfaser||3.1||3.0||2.6||2.4||2.4|
|Fett||2.6||2.2||1.8||1.1||0.7|
|Asche||2.8||3.0||2.3||2.5||2.6|
|Stärke und Zucker||67.3||67.7||70.9||73.3||76.6|
Die Pflanze nimmt bis zu ihrer letzten Reifezeit noch Stoffe aus dem Boden auf. Wird ihr durch frühere Ernte [* 4] dieser Zuschuß entzogen, so bleibt die Ausbildung der Körner hinter den normalen Entwickelungszuständen zurück. Das Nachreifen scheint als einzigen Vorteil herbeizuführen, daß die Keimungskraft der Körner erhöht wird. In der Entwickelung der aus solchem Samen [* 5] gezogenen Pflanzen selbst treten Unterschiede zu gunsten des Nachreifens nur wenig hervor, und ebenso war der Ertrag der Pflanzen aus nachgereiftem Samen gegenüber solchem, wo ein Nachreifen ausgeschlossen war, bei sonst gleicher Reife nicht oder nur unbedeutend gestiegen.
Die im G. enthaltenen stickstoffhaltigen Körper sind sehr vom Klima [* 6] abhängig. Der Weizen der wärmern Gegenden enthält mehr Kleber als der in kältern Ländern gewonnene. Weizen aus der Umgegend von Lille [* 7] zeigte im Gehalt an eiweißartigen Bestandteilen geringere Schwankungen als algerischer Weizen, aber in letzterm kamen höhere Maximalwerte vor. Der aus dem Süden stammende Weizen war reicher an Fett und aromatischen Stoffen sowie auch an Asche als der nördliche.
Das Mehl
[* 8] des Sommer
getreides ist reicher an Kleber als das des Winter
getreides, und Weizen aus mittelmäßig trocknen Jahren
enthält weniger Kleber als aus sehr trocknen Jahren. Stickstoffreicher Dünger vermehrt die Menge der eiweißartigen Stoffe im
G. in bedeutendem Maß. Bei ungünstiger Witterung erreichen die
Getreidekörner nicht ihre normale Größe;
sie liefern dann weniger und schlechteres Mehl, aber mehr Kleie. Das gleiche Maß Weizen, welches in guten Jahren 260 kg wiegt, 200 kg
Mehl und 40-50 kg Kleie gibt, wiegt leicht in schlechten Jahren nur 160 kg, gibt 60-80 kg Mehl und 80-100 kg Kleie.
Ferner erhält man 1 kg Brot [* 9] aus 3/5 kg gutem, aber erst aus ¾-7/8 kg schlechtem Mehl. Die schlechten Körner haben ein geringeres spezifisches Gewicht als die guten, mehlreichen; wenn man aber deshalb das Getreide wägt, so treten diese Differenzen weniger hervor als beim Messen, weil dann in derselben Gewichtsmenge mehr Körner enthalten sind. Durch Feuchtigkeit wird das Volumen des Getreides stärker verändert als das Gewicht. Befeuchtet man guten, lufttrocknen Weizen von 12,2 Proz., Roggen von 9,4 Proz., Gerste [* 10] von 9,1 Proz. und Hafer [* 11] von 9,9 Proz. Wassergehalt mit 5 Proz. ihres Gewichts Wasser, so beträgt nach 24 Stunden, wenn das Wasser vollständig aufgesogen ist, die Raumvergrößerung beim Weizen 15, beim Roggen 13 und bei Gerste und Hafer 10 Proz., während doch die Gewichtszunahme nur 5 Proz. ausmachte.
Ein neuer Zusatz von 5 Proz. Wasser bewirkt nach 24 Stunden beim Weizen eine Raumvergrößerung von 25 Proz., beim Roggen ebenfalls 25 Proz., beim Hafer 22 Proz. und bei der Gerste 18 Proz. Nach abermaligem Zusatz von 5 Proz. Wasser ist das Volumen des Weizens im ganzen um 35,5, des Roggens um 33 Proz., der Gerste um 32, des Hafers um 35 Proz. gestiegen, während die Gewichtszunahme doch nur 15 Proz. betrug. Trocknet man feuchtes Getreide, so wird es zwar runzelig, behält aber immer noch ein größeres Volumen als nicht feucht gewesenes.
Dauert die Einwirkung der Nässe auf das Getreide fort, so keimt es und beginnt »auszuwachsen« oder geht in Gärung über. Hierbei erleidet das Getreide eine wesentliche Veränderung: die Stärke [* 12] verwandelt sich zum Teil in Dextrin und Zucker, [* 13] letzterer wird zersetzt, und auch der Kleber erleidet eine Umwandlung. Hat sich das Getreide durch wenig Nässe erhitzt, so rötet es sich, schimmelt dann leicht und wird moderig. Diesem Übelstand kann man abhelfen, wenn man das so veränderte Getreide mit Kohlenpulver mischt, es nach 14 Tagen auf die Getreidereinigungsmaschine bringt und die Kohle wieder entfernt.
Die Temperatur muß bei dieser Operation eine mittlere sein, wo dann der Modergeruch vollständig verschwinden soll. Ist das Getreide feucht eingeheimst worden, und will man es trocknen, so kann man dies dadurch erreichen, daß man etwa 0,6 cbm gebrannten Kalk in eine Anzahl kleiner Körbe verteilt, die man mit Papier bedeckt und in angemessenen Entfernungen voneinander auf den Fruchtboden stellt, und das Getreide nunmehr in gewöhnlicher Weise aufschüttet. Die Feuchtigkeit des letztern wird durch den Kalk angezogen und absorbiert, und das Getreide trocknet sehr bald.
Das angegebene Quantum Kalk ist hinreichend für etwa 150 Ztr. Weizen. Der vollständig zerfallene Kalk kann später zu Kompost u. dgl. gebraucht werden. Über die Verarbeitung des Getreides s. Brot, Kleie, Mehl etc.
Vgl. Langethal, Handbuch der landwirtschaftlichen Pflanzenkunde (5. Aufl., Berl. 1874);
Bibra, Die Getreidearten und das Brot (Nürnb. 1860);
Jessen, Deutschlands [* 14] Gräser [* 15] und Getreidearten (Leipz. 1863);
Körnicke und Werner, Handbuch des Getreidebaues (Bonn [* 16] 1885, 2 Bde.);
»Die Getreidearten« (2 Wandtafeln, Stuttg. 1871).