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Geschichte des Windsurfens
1948 hatte Newman Darby die Idee, ein Sailboard zu entwickeln. 1965 segelte er erstmals auf einem solchen Board und kam damit ins Gleiten. Er verkaufte mit seiner Firma „Darby Industries“ Boards und Riggs (Segel). Diese Erfindung wurde in den USA schnell bekannt. 1967 stand jedoch ein anderer Mann, namens Jim Drake, mit seinem Prototyp im Wasser. Wie immer am Anfang einer technischen Entwicklung gab es viele «Kinderkrankheiten». Die grösste Schwierigkeit bestand darin, dass das Segel beweglich und drehbar befestigt werden konnte. 1969 wurde die Erfindung patentiert. In den siebziger Jahren entwickelte sich Technik und Sport rasant und verbreitete sich überall auf der Welt, so auch in Europa. Wie beim Surfbrett die «Leash», war es beim Windsurfing die Erfindung der «Fussschlaufen», die dem Surfer einen besseren Halt und eine optimale Steuerung des Bretts ermöglichten. Mitte der achtziger Jahre kam der weltweite Durchbruch des Windsurfens. (1) Auch die Entwicklung kürzerer und leichterer Bretter trug zum Erfolg des Windsurfings bei. Natürlich war wiederum Hawaii ein Kristallisationspunkt der Entwicklung dieser Sportart. Einer der Hauptakteure war Robby Naish, der zahlreiche Verbesserungen und vor allem natürlich auch das Marketing professionalisierte.
Heute ist das Windsurfen ein Sport, der von tausenden von Menschen jeglicher Altersgruppen, interessanterweise von 90 % Männern, betrieben wird und sich als Wassersportart durchgesetzt hat. (2)
Material
Um im Wind zu surfen werden grundsätzlich vier Sachen gebraucht. Ein Segel, welches zwischen 1.5 m2 und 12.2 m2 aufweist. Ich selbst surfte mit einem 4.2er. Anfänger nehmen in der Regel eher kleinere Segel. Bei den Segeln gibt es ganz unterschiedliche Arten, wie z.B. Crossovers, Youth Performance, All Round Wave, Freeride, Racing, On-Shore/Powerwave, Freestyle, usw. Es kommt immer darauf an, wie gut gesurft und wo es verwendet wird. Dazu wird natürlich ein Mast benötigt, welcher in das Segel gesteckt wird. Dieser variiert je nach Grösse des Segels. Zudem muss am Segel ein sogenanntes „Boom“ angebracht sein. An diesem kann sich der Windsurfer halten. Es ist in der Regel um die 50 bis 60 cm lang, da sich der Surfer auf beiden Seiten des Segels halten können muss. (3)
Das Board kann auch ganz unterschiedlich angepasst werden. Es gibt Boards für Freestyle Waves, Waves, Freestyle, All Ride, Super Lightwind, Slalom, für jüngere z.B. ein Young Gun Magic Ride (kürzer und schmäler), Racing, Freeride, Carving und viele weitere. Diese sind jedoch nicht für Anfänger geeignet. Auch gibt es Inflatable Boards, also solche, die aufgeblasen werden. Schlussendlich gibt es solche, welche SUP und Windsurfboard in einem sind. Es gibt auch Tandem Windsurfboards, welche zu zweit gesurft werden können. Diese Boards sind sehr lang. Die Boards bestehen aus einem harten Kern und mehreren Materialschichten, welche aus Holz, Carbon, Laminat oder Glasfaser hergestellt werden.
Technik
Zuerst wird das Surfbrett zum Wasser getragen. Die Brettgrösse hängt einerseits von der Grösse des Surfers und andererseits von seinem Können ab. Aber auch individuellen Bedürfnisse können berücksichtigt werden. Anschliessend wird das Brett mit dem Segel, per Power U-Base (Verbindungsstück) im Wasser verbunden. Das Schwert, welches das Board stabilisiert, darf nicht vergessen werden. Es muss im Wasser heruntergedrückt werden. Der Gabelbaum wird auf die Höhe der Brust eingestellt. Nun muss der Surfer zuerst auf das Brett knien und aufstehen. Die Fussposition muss individuell bestimmt werden. Normalerweise werden die Füsse schulterbreit auf dem hinteren Brettende positioniert. Es gibt auch Bretter mit Fussschlaufen für die Füsse, damit die genau richtige Position gefunden wird. Dann wird die Leine, welche am Mast befestigt ist, mit der Hand, welche in Fahrtrichtung zeigt, langsam hochgezogen. Dabei kommt das Segel, wie von alleine hoch. Die Boom, welche aus Aluminium oder Carbon sein kann, wird in die linke Hand genommen und anschliessend wird die rechte Hand ebenfalls an die Boom gesetzt. Durch die Anströhmung wird das Segel direkt in den Wind gedreht. Mit der Hand, welche in Fahrtrichtung schaut, wird der Gabelbaum gegriffen und mit diesem wird der Segelmast nach vorne gebogen oder der Segelspitz nach hinten, um anzuluven.
Ein Profi springt auch über Wellen. Er kann ein Trapez anlegen, mit welchem er sich direkt mit dem Mast verbindet und somit die Geschwindigkeit erhöhen kann.
Orte
Windsurfen kann selbstverständlich nur da ausgeführt werden, wo es genügend Wind hat. Und diesen haben die meisten, grösseren Schweizer Seen vor allem in der Frühlings- und Herbstzeit, aber teilweise auch im Sommer.
Murtensee
Bei Bise Noir, auf der "Pantschau" in Murten, kann das gesamte Windsurfmaterial gemietet werden, inklusive Neoprenanzug und Schuhe. Es werden auch Windsurfkurse, oder Privatstunden angeboten. Der Wind ist natürlich nicht so stark, wie z.B. auf dem Silvaplanersee, aber es reicht, um den Sport auszuüben. Manchmal hat es kleine Luftlöcher, dann geht gar nichts mehr. Aber an einem windigen Tag ist es super, vor allem für Anfänger, da der Murtensee viel Raum bietet und es nicht allzu viele Motorboote hat. (4)
Silvaplana
Silvaplana im Oberengadin ist der Schweizer Windsurfhotspot schlechthin. Dort weht ein andauernder, dynamischer Wind. Dieser sogenannte Malojawind frischt bei schönem Wetter jeden Tag gegen die Mittagszeit auf und bläst mit bis zu 30 Knoten von Italien (Süden) her ins Oberengadin. Noch kräftiger ist der Julierwind. Dieser erreicht bis zu 40 Knoten, bei stabiler Nord/West Wetterlage. Er ist sehr böig und ablandig. Dieser Wind ist jedoch nur für geübte Windsurfer zu empfehlen. Direkt am See, im Windsurfcenter Silvaplana, kann Material gemietet, eingestellt und, oder Surfkurse belegt werden. (5)
Neuenburgersee
Der Neuenburgersee ist natürlich auch sehr geeignet für das Windsurfing, da es auf diesem See besonders oft und lang, einen stetigen Wind hat; auch im Sommer. (6)
Urner- und Sempachersee
Auch auf dem Urner- oder Sempachersee kann Windsurfing betrieben werden. (7) Bei Nottwil, am Sempachersee, gibt es sogar eine kleine karibische Surfoase, genannt "Caribbean-Village". Es ist eine Windsurfschule, die einen integrierten Beachshop und eine Beachbar hat. Es werden Windsurfkurse angeboten, es kann Material getestet und auch SUP können gemietet werden. (8)
Meine persönlichen Erfahrungen
Silvaplana
Als wir in Silvaplana ankamen, sahen wir zuerst hauptsächlich nur Windsurfer. Der Silvaplana-See ist in einen Naturschutzbereich und einen Surfbereich aufgeteilt. Am unteren Ende Richtung St. Moritz ist der Bereich, der wiederum in einen Windsurf- und einen Kitesurf-Bereich gegliedert ist. Der vordere Windsurf-Bereich ist wiederum in einen Teil für Anfänger und einen für Fortgeschrittene aufgeteilt. Die Kitesurfer surfen manchmal im Bereich der Windsurfer und umgekehrt, aber grundsätzlich halten sich die Sportler an die Regeln, insbesondere nehmen alle Rücksicht auf die Naturschutzgebiete.
Die Windsurfschule direkt am See hat sehr viel Material zum Vermieten. Zudem gibt es ein spezielles Ausstiegbecken, welches mit einem textilen Belag belegt ist und so das Aussteigen aus dem See erleichtert. Ich fand es einen sehr coolen Spot. Am ersten Tag meines Besuchs am späteren Nachmittag waren zahlreiche Windsurfer auf dem See. Am Morgen des zweiten Tages war ich um die Mittagszeit dort und der Wind kam erst richtig auf, so dass weniger Sportler am Surfen waren.
Im Restaurant des Campingplatzes kann eine kleine Zwischenmahlzeit gegessen werden. Auf dem direkt beim See gelegenen Campingplatz werden Plätze vermietet, um nach einem anstrengenden Tag auf dem Wasser direkt am See den Sporttag ausklingen zu lassen.
Murtensee
Schon als kleines Kind beobachtete ich in Murten die Windsurfer an der Pantschau. Es war jedoch ein Sport, welcher ich bis am 19. August 2017 nie selber ausprobiert hatte. Ich weiss auch nicht genau warum, obwohl ich in den Ferien immer wieder Windsurfer gesehen habe. Vielleicht, weil ich das Surfen nur mit Brett und ohne Segel gewohnt war. Vielleicht war es auch meine Zurückhaltung, ähnlich wie beim Kitesurfen, welche mich davon abhielt.
Nun zum Windsurftag am Murtensee. Ich ging am Samstag gegen Mittag nach Murten. Es war ein sehr sonniger Tag und es windete recht stark, im Vergleich zu anderen Tagen. An der Pantschau angekommen ging ich in den Surfshop, welcher sich direkt am See befindet. Zuerst beobachtete ich einige Windsurfer, wie sie das Material bereitlegten und sich anschliessend ins Wasser stürzten. Einer flitzte anschliessend wie ein Wahnsinniger über das Wasser mit einem super Brett, sehr schnell und nach hinten gelehnt.
Als mein Kolleg sein Material auslieh, wählte er zuerst das falsche Brett, welches auf dem Brett montierte Fussschlaufen hatte. Dieses war ihm zu schmal, darum fiel er immer wieder vom Brett, was er sich anfangs nicht erklären konnte. Bis er sich ein grösseres, bzw. breiteres Brett holte, welches keine Schlaufen hatte. Nun probierte er wieder aufzustehen und das Segel hoch zu nehmen, was beim ersten Versuch funktionierte. Nun fuhr er zügig aus der Strandzone hinaus und surfte in den See hinaus.
Jetzt war ich an der Reihe. Anfangs war ich mir nicht so sicher, ob ich es auch ausprobieren sollte. Dann aber überwand ich mich, schnappte mir ein Brett mit Segel und trug alles zum Wasser. Mein Freund half mir Segel und Brett zusammen zu stecken und stand anschliessend auf eine kleine Steinhalbinsel, um mich vom Land aus zu coachen. Ich versuchte nach seinen Anleitungen auf das Brett zu steigen und es funktionierte beim ersten Versuch! So zog ich langsam an dem Seil, welches am Mast befestigt war und das Segel richtete sich auf. Nur zweimal fiel mir das Segel ins Wasser, aber dann funktionierte es und ich konnte langsam aus der Bucht surfen.
Nachdem ich eine grössere Strecke zurückgelegt hatte, wollte ich umkehren. Ich drehte mein Brett gegen den Wind, stand wieder auf und surfte ein wenig weiter. Irgendwie funktionierte nun nichts mehr und ich konnte nicht mehr weiter surfen. So fiel ich in Ufernähe ins Wasser und konnte nicht mehr aufstehen, bzw. drehte sich mein Brett immer gegen das Land und ich wollte ja keine Bruchlandung hinlegen. Natürlich fuhr in diesem Moment ein Segelboot mit vier Seglern vorbei und stoppte neben meinem Brett. Ich nenne die Besatzung jetzt einmal „pensionierte Segel-Truppe mit Anhang zu Champagner Abenden“. Ich lag gerade erschöpft neben meinem Brett im Wasser und die Segler fragten mich ob alles in Ordnung sei. Ich sagte ja kein Problem, es sei nur mein erster Tag auf dem See. Sie lachten und wollten mir ein Schwimmring zu werfen, was ich dankend ablehnte. So setzten sie ihre Champagner Fahrt weiter. Was blieb mir anderes übrig, als mit der ganzen Ausrüstung etwas weiter in den See hinaus zu paddeln, damit ich anschliessend wieder Richtung Strand surfen konnte. Es funktionierte einigermassen, da mein Surfbrett immer wieder Richtung Land steuerte. Also sprang ich schlussendlich vom Brett und schwamm mit Board und dem Segel zurück an Land. An Land angekommen war ich relativ erledigt, aber glücklich über meinen ersten, mehr oder weniger gelungenen Windsurfversuch.
Meine Tipps für Anfänger
Wenn möglich, besorge dir einen Windsurflehrer. Auch wenn es nur eine Stunde ist, er kann dir im Wasser helfen, wieder weiter zu surfen.
Nehme nicht gleich ein Freeride oder Freestyle Brett, ein normales All-Round Brett reicht absolut aus.
Verzweifle nicht im Wasser, du kommst schon irgendwie an Land zurück, auch wenn dich die Seglercrew retten muss.
Auf Schweizer Seen wird ein Neopren Anzug immer empfohlen. Wenn man länger im Wasser ist, kann es kühl werden.
(3) vgl. Bise Noire Broschüre 2017
(4) vgl. www.bisenoire.ch
(7) vgl. http://www.windsurfing-urnersee.ch/