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Ozeane gelten als Puffer: Gäbe es sie nicht, wären die globalen Temperaturen wohl noch viel stärker angestiegen. So aber konnten sie bis anhin viel Wärme aus der Atmosphäre aufnehmen. Ein Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPSS) aus dem Jahr 2013 zeigt, dass seit den 1970er Jahren über 93 Prozent der überschüssigen Wärme aus Treibhausgasemissionen von den Ozeanen absorbiert wurde. Was erst einmal gut klingt, hatte allerdings zur Folge, dass die Ozeantemperaturen enorm in die Höhe getrieben wurden.
Wassertemperaturen höher als je zuvor
Zwar stiegen die Temperaturen bereits im Hitzejahr 2016 in die Höhe und 2020 entwickelte sich mit einer durchschnittlichen Meeresoberflächentemperatur von fast 20.7 Grad zum wärmsten Jahr überhaupt. Allerdings sprengt die aktuelle Erwärmung der Weltmeere noch einmal alle Rekorde. Gemäss Daten der amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA ist die globale Durchschnittstemperatur an der Meeresoberfläche seit über einem Monat nicht unter 21 Grad gefallen. Dies hat es seit Beginn der Satellitenaufnahmen 1981 noch nie gegeben. Nach einer drei Jahre anhaltenden La Niña-Wetterlage im Pazifik, die die globalen Temperaturen leicht abzusenken vermochte, wird nun das erfahrungsgemäss von höheren Temperaturen begleitete El Niño-Wetterphänomen erwartet. In Kombination mit den bereits extremen Temperaturen des Klimawandels wird 2023 daher erneut als sehr heisses Jahr prognostiziert.
Auswirkungen temperierter Ozeane
Mittlerweile ist bekannt, dass wärmere Ozeane im Zusammenhang mit extremen Wetterkapriolen wie Stürmen, Dürren und Überschwemmungen stehen – mit oft erheblichen, sozioökonomischen Folgen. Wärmeres Wasser nimmt ausserdem mehr Raum ein als kaltes Wasser. Durch diese thermische Ausdehnung wird der globale Meeresspiegel weiter in die Höhe getrieben. Da die grösste Ozeanerwärmung in der südlichen Hemisphäre stattfindet, trägt dies auch massgeblich zum Schmelzen der antarktischen Schelfeise unter der Oberfläche bei.
Auch der Sauerstoffgehalt von Gewässern hängt von der Temperatur ab: Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff kann darin gelöst werden. Durch den immer weiter abnehmenden Sauerstoffgehalt der Meere werden bestimmte Regionen zu sogenannten Todeszonen, die für Massenfischsterben bekannt sind.
Ein grosser Teil der Weltbevölkerung ist auf die Fischerei angewiesen - als Nahrungs- oder Einkommensquelle. Über 3.3 Milliarden Menschen weltweit beziehen beispielsweise mindestens 20 Prozent ihrer täglichen tierischen Proteinzufuhr von Fisch. Die Erwärmung der Ozeane bedeutet also ein ernsthaftes Risiko für die globale Ernährungssicherheit und Lebensgrundlage vieler.
Übersättigte Meere
CO2 wird in grossen Quantitäten von den Ozeanen aufgenommen und gespeichert. Ihre Funktion als Kohlenstoffsenke ist enorm wichtig, um unsere Umwelt im Gleichgewicht zu halten. Selbst die riesigen Ozeane können allerdings nicht eine unendliche Menge an CO2 aufnehmen. Sind die Meere übersättigt, sammelt sich unweigerlich mehr Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre an, was die Erderwärmung weiter vorantreibt.
Mit grossen CO2-Mengen in den Weltmeeren nimmt der pH-Wert immer mehr ab, was schliesslich zur Versauerung der Meere führt. Die Folgen der Versauerung betreffen insbesondere kalkskelettbildende Organismen wie Seeigel, Muscheln und Korallen, deren Fähigkeit, Exo- bzw. Endoskelette zu bilden, dadurch stark eingeschränkt wird. Da zahlreiche Meereslebewesen von wertvollen Ökosystemen wie den Korallenriffen abhängig sind, ist die Versauerung der Ozeane problematisch für das gesamte Nahrungsnetz.
Es gibt Handlungsbedarf
Das Erreichen der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens, insbesondere die Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur, ist absolut entscheidend, um solch drastische Auswirkungen in Schach halten zu können. Die Einrichtung von Meeresschutzgebieten sowie die Beschränkung von menschlichen Aktivitäten wie der Fischerei zur Verhinderung der Überfischung kann die Meeresökosysteme zusätzlich schützen. Grosszügige Investitionen in die Forschung sind nötig, um das Ausmass der Meereserwärmung und ihre Auswirkungen messen und überwachen zu können. Diese Daten könnten anschliessend verwendet werden, um die Auswirkungen zu mindern und angemessene Anpassungsstrategien umzusetzen.