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Oder darf man gar «des Bundesrat» sagen? Bei männlichen und sächlichen Substantiven ist die Genitiv-Endung nicht immer eindeutig.
Einen Genitiv erkennt man an seiner Endung. Es gibt jedoch mehrere Ausprägungen:
- -s
- -es
- -en
- keine Genitiv-Endung
Zwei einfache Faustregeln:
- Endet ein Substantiv auf einen Zischlaut, also -s, -ss, -z oder -tz, benötigt die Genitivform ein e: des Hauses, des Tanzes, des Sitzes. Endet ein Substantiv mit einem Vokal oder einem Vokal und -h, so wird im Genitiv ein -s angefügt: des Schnees, des Baus, des Hais, des Strohs.
- Endet ein Substantiv mit -en, -em, -el, -er oder auch mit einer Verkleinerungssilbe, wird der Genitiv nur mit -s gebildet: des Fahrens, des Problems, des Igels, des Lesers, des Wägelchens, des Bübleins.
Häufig sind allerdings beide Formen möglich und die Wahl der Endung richtet sich nach dem Satzrhythmus. Sind Sie unsicher, so lesen Sie den Satz in beiden Varianten laut vor und geben Sie der Version Vorrang, die in Ihren Ohren besser klingt. Die Variante mit -es wird vor allem dann verwendet, wenn das Wort im Genitiv vor dem zu bezeichnenden Wort steht, wie zum Beispiel «des Bundesrates Ausflug» – diese Form mutet auch immer ein bisschen poetisch an. Ist die Reihenfolge jedoch umgekehrt, wird die Form mit -s bevorzugt: «der Ausflug des Bundesrats».
Wann steht ein -n?
Zudem gibt es die Deklination mit -en: des Hirten Stab, des Studenten Nebenjob, des Franzosen grösster Stolz. Zu dieser Gruppe zählen ausschliesslich männliche Substantive, viele davon sind Bezeichnungen von Berufen und Tieren. Bei Unsicherheit, ob ein Wort mit -n oder -s dekliniert wird, gibt oft die Betonung in der mündlichen Sprache Anhaltspunkte.
Wird das Wort auf der letzten Silbe betont, erhält es im Genitiv ein -n:
Der Fotograf /des Fotografen
Der Elefant/des Elefanten
Der Journalist/ des Journalisten
Ist die Betonung weiter vorne, wird mit -s dekliniert:
Der Moderator/des Moderators
Der Animator/des Animators
Der Autor/des Autors
Wann darf das -s weggelassen werden?
Wenn das Wort auf -x endet: des Fax, des Sex, des Mix (alternativ: Genitiv mit -es). Ansonsten: Grundsätzlich dann, wenn es sich um ein Fremdwort handelt. Aber Achtung, bei dieser Kategorie gibt es verschiedene Stadien:
- neuere Wörter, die der deutschsprachigen Leserschaft noch nicht sehr bekannt sind
- Wörter, die sozusagen im Einbürgerungsprozess sind
- und solche, die bereits so stark in die deutsche Sprache integriert sind, dass sie nicht mehr als fremd wahrgenommen werden, wie «das Internet», «der Manager» oder «der Lobbyist».
Sobald das Wort nicht mehr als fremd empfunden wird, muss es auch dekliniert werden – und das geschieht in unserer globalisierten Welt mit ihren zahlreichen Kommunikationskanälen immer schneller. Setzen Sie also im Zweifel ein Genitiv-s. Gewisse Quellen sagen, der einzige Fall, bei dem eine Genitiv-Endung wegfallen kann, sei bei Eigennamen. Aber auch darüber sind sich Sprachexperten nicht einig – bei den folgenden Beispielen sind gemäss Duden beide Schreibweisen korrekt:
- des BWM/des BMWs
- des Irak/des Iraks
- des Berner Jura/des Berner Juras
Duden-Tipp
Auf der Duden-Website wird die Angabe der Genitiv-Form unterschiedlich gehandhabt. In vielen Fällen steht eine ganze Deklinationstabelle, bei der man die gesuchte Form einfach ablesen kann. Wenn eine solche Tabelle fehlt, findet man die Angabe zur Genitiv-Bildung meistens unter «Grammatik», z. B. «das Haus; Genitiv: des Hauses». Im gedruckten Duden, bei dem noch platzsparend gearbeitet werden musste, findet sich die Angabe der Genitivform direkt hinter dem Artikel des Substantivs: -s oder -es. Wenn beide Formen möglich sind, steht -[e]s», wie z. B. bei «Blut, das; -[e]s».
(Bild: iStockphoto)