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|Verhütungsmittel - Kleintier

|CliniTox

Klinische
Toxikologie

I. Allgemeine Toxikologie
1. Chemisch-physikalische Eigenschaften
Kontrazeptiva enthalten unterschiedliche Mengenanteile von Östrogenen und Gestagenen, oder nur jeweils eine der genannten Hormongruppen.
Einige Substanzbeispiele sind Chlormadinonacetat, Desogestrel, Dienöstrol, Ethynodioldiacetat, Ethinylestradiol, Hexöstrol, Levonorgestrel, Medroxyprogesteronacetat, Mestranol, Norgestimat, Norgestrel, Norethindron, Norethisteron, Proligeston.
2. Quellen
Verschiedene Östrogene und Gestagene sind als so genannte Anti-Baby-Pillen auf dem Markt. Diese liegen als Einzelstoffe oder als Kombinationsstoffe in Form von Ein-, Zwei- oder Drei-Phasenpräparaten vor.
3. Kinetik
Die Resorptionsquote der Substanzen richtet sich nach der pharmakologischen Aufbereitung des Medikaments, die aber eine hohe gastrointestinale Resorptionsrate zum Ziel hat, weswegen auch im Fall einer akzidentellen Ingestion von der Aufnahme der gesamten im Präparat enthaltenen Hormonmenge ausgegangen werden kann. Die Hormone liegen im Plasma zum Teil an Proteine gebunden vor. Bei der Verteilung im Organismus wird die höchste Konzentration im Fettgewebe erreicht.
Die Metabolisierung der Substanzen erfolgt vor allem in der Leber, bevor die daraus resultierenden Konjugate mit Glucuronsäure oder Sulfat über Galle und Harn ausgeschieden werden.
Die Halbwertzeit der verschiedenen synthetischen Wirkstoffe bewegt sich im Rahmen von 24 Stunden.
4. Toxisches Prinzip
Die Toxizität der Substanzen ist selbst bei oraler Aufnahme grosser Mengen sehr gering und hat kaum die Ausbildung einer klinischen Symptomatik zur Folge. Im Zuge einer langzeitigen Exposition mit Östrogenen ist eine Knochenmarksdepression zu erwarten, die wegen der Thrombozytopenie mit Blutungen einher gehen könnte. Einige Anti-Baby-Pillen enthalten hohe Eisenkonzentrationen, die zu Symptomen einer Eisenvergiftung führen können.
5. Toxizität bei Labortieren
Die akute orale LD50 der beteiligten Hormone liegt für Mäuse und Ratten im Bereich von 1-10 g/kg Körpergewicht.
II. Spezielle Toxikologie - Kleintier
1. Toxizität
Toxische Dosis Katze/Hund: 1 mg Östrogen/kg Körpergewicht.
Die Dekontamination ist ab dieser Menge, wegen der möglichen Gefahr einer Knochenmarkssuppression, indiziert.
Die akute Toxizität der in Anti-Baby-Pillen vorkommenden Substanzen ist sehr gering und es kommt daher fast nie zur Ausbildung einer klinischen Symptomatik.
2. Latenz
Die Resorptionszeiten für die Substanzen sind abhängig von der pharmakologischen Zubereitung des Medikaments. Da es jedoch fast nie zur Ausprägung klinischer Symptome kommt, ist eine Latenzzeit nicht eindeutig zu bestimmen.
3. Symptome
|3.1||Allgemeinzustand, Verhalten|
|Keine Symptome|

|3.2||Nervensystem|
|Keine Symptome|

|3.4||Oberer Gastrointestinaltrakt|
|Keine Symptome|

|3.5||Unterer Gastrointestinaltrakt|
|Durchfall|

|3.6||Herz, Kreislauf|
|Keine Symptome|

|3.7||Bewegungsapparat|
|Keine Symptome|

|3.8||Augen, Augenlider|
|Keine Symptome|

|3.9||Harntrakt|
|Keine Symptome|

|3.10||Fell, Haut, Schleimhäute|
|Keine Symptome|

|3.11||Blut, Blutbildung|
|Anämie, Hämorrhagien|

|3.12||Fruchtbarkeit, Jungtiere, Laktation|
|Es kann zu Zyklusunregelmässigkeiten oder auch Aborten kommen.|
4. Sektionsbefunde
Es gibt keine pathologischen Befunde, die in Zusammenhang mit einer akuten Vergiftung durch Kontrazeptiva stehen. Chronische Überdosierung mit Gestagenen führt zu Atrophie der Schilddrüse, unilateraler Nierenhypoplasie, Hypertrophie und Dilatation der rechten Herzkammer und Hodenatrophie beim männlichen Tier. Östrogene verursachen nach chronischer Überdosierung Leukopenie, Thrombozytopenie und Hämorrhagien der inneren Organe.
5. Weiterführende Diagnostik
|-||Der direkte Nachweis der verschiedenen Hormone in Vollblut oder Serum ist möglich.|
|-||Differentialblutbild: Leukopenie, Thrombozytopenie|
6. Differentialdiagnosen
Bei chronischen Vergiftungen kommen differentialdiagnostisch Knochenmarkserkrankungen und Tumoren in Betracht.
7. Therapie
Hormonpräparat absetzen, sofern es therapeutisch eingesetzt wurde.
|-||Kreislauf stabilisieren, wenn wegen des Durchfalls eine Dehydratation aufgetreten ist.|
|7.2||Dekontamination und Elimination|
|-||Emesis auslösen, wenn die Aufnahme des Präparats in der vorangegangen Stunde erfolgt ist.|
|-||Eine Magenspülung sollte innerhalb von 2-4 Stunden erfolgen.|
|-||Aktivkohle oral verabreichen, evtl. kombiniert mit Glaubersalz.|
8. Fallbeispiele
|8.1||Ein Rottweiler-Rüde (7 Monate) hat am vorangegangenen Abend eine vollständige Packung eines Kontrazeptivums gefressen.|
|Symptome: Keine|
|Behandlung: Keine|
|Verlauf: Der Zustand des Tieres bleibt unverändert|
|(Tox Info Suisse).|
9. Literatur
Gfeller RW & Messonnier SP (2004) Handbook of small animal toxicology and poisonings. Mosby-Verlag, St. Louis, pp 111-113
Lüllmann H, Mohr K & Ziegler A (1994), Hormone. In: Taschenbuch der Pharmakologie und Toxikologie, Thieme-Verlag, Suttgart, pp 246-251
Windholz M (1983) The Merck Index. Merck & Co, Rahway, New Jersey