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Autor: Angelia Schwaller
DÜdingen «Die Stadt Freiburg betreibt einen Minimalismus, was die Zweisprachigkeit anbelangt» – so lautete die verbreitete Meinung in der Diskussion der CVP Sense 60Plus. Müssten die Deutschsprachigen selbstbewusster auftreten, um die Situation zu verbessern? Ist es ausreichend, wenn ein Stadtpräsident unter zweisprachig versteht, passive Kenntnisse der anderen Sprache zu besitzen?
Subjektives und Emotionales
Diese aufgeworfenen Fragen in der Diskussionsrunde zeigten, worauf Claudine Brohy in ihrem Vortrag hingewiesen hatte: «Mit Sprache wird viel Subjektives und Emotionales verknüpft.»
Sprache betrifft uns alle. Claudine Brohys Aufgabe als Lehrbeauftragte im Sprachenzentrum der Universität Freiburg ist es, «Sprache objektiver und globaler anzusehen». Anhand der Freiburger Kantonsverfassung von 2004 stellte sie dar, wie man die Sprachensituation auf der institutionellen Ebene beurteilen kann. Gemeinden können Deutsch und Französisch als gemeinsame Amtssprachen festlegen, wenn sie eine bedeutende angestammte sprachliche Minderheit haben. Unter «bedeutend» fasst das Kantonsgericht laut Brohy 30 bis 35 Prozent auf. «Das ist enorm für eine Minderheit» und sei einmalig im internationalen Vergleich, sagte die Linguistin. Die Kantonshauptstadt Freiburg ist offiziell nicht zweisprachig. Dadurch verpasse sie es, ihren kulturellen und wirtschaftlichen Standort zu stärken. Im Gegensatz zur Universität Freiburg, welche die Mehrsprachigkeit als Chance erkannt habe.
Interessant sind für Claudine Brohy Vergleiche zwischen Freiburg und anderen mehrsprachigen Städten und Ländern. Mehrsprachigkeit könne etwas Motivierendes und Kreatives sein, das komme in Biel zum Beispiel durch den Namen eines TV-Senders zum Tragen, der sich «Biellingue» nennt. Spannend sei der Vergleich zwischen Biel und Freiburg besonders bei der Strassenbeschilderung. In Biel sei der deutsche und französische Strassenname auf einem Schild vereint. In Freiburg hingegen seien die französische und deutsche Bezeichnung, falls die Strasse oder der Platz zweisprachig benannt ist, auf zwei separaten Schildern aufgeführt. Der Blick aus der Distanz zeigt, dass Freiburg kein Einzelfall ist. Ungefähr zwei Drittel der Menschheit sei gemäss der Unesco mindestens zweisprachig, betonte Claudine Brohy.