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Facetten des Monats Oktober 2017

Rolf Ackermann
Was ein anderer Blickwinkel verändern kann...
Mit ca. 3 Jahren begann ich stark zu stottern, was mich damals nicht störte. Mit zunehmendem Alter und dann vor allem in der Schule bemerkte ich, dass ich anders war als alle anderen Kinder und dadurch anders behandelt wurde. Ich schloss mich mit einem anderen Jungen aus der Schule zusammen, der gleich hiess wie ich und kleinwüchsig war. So verbrachten wir gemeinsam viel Zeit und dachten uns nicht viel dabei, dass wir "anders" waren, denn wir verstanden uns.
Nach und nach hatten wir uns immer mehr mit Sticheleien auseinanderzusetzen, und es kam die Zeit, dass ich zu hadern begann und mich als Opfer fühlte.
"Weshalb gerade ich, warum kann ich nicht so sein wie die anderen", diese Fragen stellte ich mir immer öfter. Ich begann zu kompensieren, Stärken im Sport zu entwickeln, wo ich gerne in einem Team gesehen war, weil ich dem Teamgelingen viel beitragen konnte. So kam ich gut über die Runden, aber immer mit dem Gefühl des Haderns, dass dies doch ungerecht ist und weshalb ich dies zu ertragen hatte.
In der Ausbildung blieb ich in dieser Opferrolle, haderte weiter, konfrontierte mich aber immer mehr mit meiner Andersartigkeit. Durch einen guten Arbeitskollegen erhielt ich die Adresse eines guten Psychiaters, der sich in der ersten Sitzung fast kugelte vor Lachen. Er konnte mich noch zurückhalten, bevor ich aufgebracht von dannen gezogen wäre, und erklärte mir, weshalb er so lachen musste.
Er empfand es als lustig, dass ich mich über etwas ärgerte und mich als Opfer fühlte, was er als Kunst empfand und er niemanden kannte, der so sprechen konnte wie ich.
Diese Erfahrung veränderte mein ganzes Weltbild. Ich begann, mich mit mir auseinanderzusetzen, hinter die Kulissen zu schauen, und begann zu erahnen, was ich da als Geschenk erhalten hatte, obwohl es sich lange anders angefühlt hatte.
Von da an war ich nicht mehr Opfer, ich haderte nicht mehr mit dem Schicksal, sondern nahm es an, wie es war, und begann daraus das Bestmögliche zu machen.
Heute bin ich dankbar, dass ich dies alles erfahren durfte, denn es eröffnete mir viele Türen, hinter die ich nicht hätte schauen können ohne dieses Geschenk. Und ich freue mich immer wieder, wenn ich meinen Blickwinkel wieder mal verändern kann... Es konnte mir nichts besseres widerfahren, auch wenn es schmerzhaft war!