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Während in grossen Teilen der Welt das öffentliche Leben mehr oder weniger zum Stillstand gekommen ist, herrscht auf Tristan da Cunha dank seiner isolierten Lage courant normal. Am 18. Januar kam die Edinburgh von Kapstadt herkommend vor Tristan da Cunha an. Sie fuhr anschliessend gleich weiter zur 400 Kilometer entfernten Gough Island, wo sie Lobster-Proben nahm in der Region, wo im letzten Jahr die Geo Searcher sank. Anschliessend fuhr sie nach Inaccessible, einer gut 30 Kilometer vor Tristan da Cunha gelegenen Insel. Da wurde ein Team an Land gebracht, das sich um die Ausrottung des dort nicht heimischen Neuseeland-Flachses kümmert. Am 26. Januar schliesslich ankerte die Edinburgh wieder vor Edinburgh of the Seven Seas, um auch die zwei Passagiere auszuschiffen, nachdem sie seit dem Verlassen von Kapstadt zwei Wochen an Bord ihre zweiwöchige Quarantäne verbracht hatten und maskenfrei auf der Insel begrüsst werden konnten und sich auf ein restriktionsfreies Leben auf Tristan da Cunha freuen dürfen.
Tristan da Cunha, nun wirklich nicht der Nabel der Welt und mit aktuell 246 Einwohnern weit entfernt vom Stadtrecht, kann aber trotz seiner Abgeschiedenheit viel für die Natur tun. James Glass, der Chief Islander von Tristan da Cunha, verkündete diesen Monat stolz, dass 754'000 Quadratkilometer ( = 18 x die Schweiz!) rund um das Tristan da Cunha Archipel im Rahmen des Blue Belt Programms der britischen Regierung als Meeresschutzzone ausgewiesen werden.
Das von der britischen Regierung initierte Projekt "Blue Belt" umfasst insgesamt mehr als 4 Millionen Quadratkilometer Schutzzone in Gebieten, die unter britischem Einfluss stehen: Ascension Island (440'000 km2), British India Territory (640'000 km2), Pitcairn (830'000 km2), St. Helena (440'000 km2), Südgeorgien und Südliche Sandwich Islands (1,2 Mio km2) wie auch das British Antarctic Territory. Speziell an der Schutzzone um Tristan da Cunha ist, dass 80 % des Einkommens der Insel durch das Fischen von Langusten und St. Pauls Five-Fingers generiert wird und die Schutzzone deshalb einen markanten Einfluss auf die Einkünfte der Insel hat.
Chief Islander Glass und die Insulaner begrüssen die Marineschutzzone ausdrücklich, da es auch dem langfristigen Schutz ihres Einkommens dient. Glass weist jedoch darauf hin, dass der Insel durch den Verlust von Einnahmen durch die Fischerei weniger Geld für die öffentlichen Dienste zur Verfügung stehen: weniger Geld für die Infrastruktur, Bildung oder Gesundheit. Auch die Verbindungen der Insel nach/von Kapstadt können tangiert sein, wenn weniger Fischerboote Tristan da Cunha mit Südafrika verbinden. Er bedankt sich deshalb beim britischen Naturschutzbund RSPB, der verschiedene Spenden von Organisationen als Ausgleich für den Einkommensverlust vermitteln konnte.
Reiseinformationen für nach Tristan da Cunha finden Sie hier
Dramtische Stunden am frühen Vormittag des 15. Oktobers 2020 im Südatlantik. Die «Geo Searcher» fischte nach Hummer vor der Küste von Gough Island, die zum Tristan da Cunha Archipel gezählt wird. Am frühen Vormittag rammte das Schiff einen Felsen. Ein massiver Wassereintritt im Maschinenraum und einer Krängung von 45 Grad nötigte die letzten Besatzungsmitglieder um 10:30 Uhr das Schiff zu verlassen, bevor es in den Fluten des Südatlantiks versank. Vier gut motorisierte Beiboote der «Geo Searcher», die zum Zeitpunkt des Unglücks bereits im Wasser an der Arbeit waren, schleppten die Rettungsflosse mit den 62 Geretteten im Konvoi zur 16 Kilometer entfernten Transvaal Bucht, wo sie nach vier Stunden eintrafen. Dort mussten die Geretteten mit einem Kran eine 50 Meter hohe Klippe hochgezogen werden, wo sie dann von Mitarbeitern der südafrikanischen Wetterstation empfangen wurden. Dies dauerte nochmals vier Stunden, bis die ganze Rettungsaktion um 19 Uhr beendet werden konnte. Das Unglück forderte - von zwei Leichtverletzten abgesehen - zum Glück keine Opfer oder ernsthaft Verletzte. Die Gestrandeten warten jetzt auf das von Kapstadt ausgelaufene Versorgungsschiff «SA Agulhas II», um sie wieder zurück nach Hause zu bringen. Ein Arbeitstag, den die Involvierten wohl nicht so schnell vergessen werden. Weitere Details und Fotos findet man hier.