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in der Ferne ist; es war einst ein verabscheuungswürdiger Heidentempel, dann eine schreckliche Burg, ist aber jetzt durch Gottes Gnade ein verehrungswürdiges, liebliches Kloster. Über dieses ist, wenn man mit dem ersten Anfang beginnt, sechserlei zu sagen: erstens, wie seine natürliche Lage ist;
zweitens, was für ein heidnischer Götzendienst ehemals daselbst gewesen;
drittens, ein wie großer weltlicher Mißbrauch dort geherrscht hat;
viertens, wann und durch wen ein Gottesdienst daselbst eingerichtet worden ist;
fünftens, wie dann der Stand der Religion daselbst abgenommen hat;
sechstens, wie dort jetzt eine berühmte Vereinigung in tiefster Frömmigkeit blüht.
Zuerst muß man bei der Betrachtung der natürlichen Lage dieses Ortes Rücksicht nehmen auf den Namen des Ortes, der in seiner Erklärung die Beschaffenheit des Ortes darlegt. Er heißt nämlich Elchingen oder Eichlingen oder Eichklingen, Namen, die sich alle finden und auf dasselbe hinauslaufen, und meines Erachtens war der letztgenannte, Eichklingen, der erste, der zweite war Eichlingen, und der erste, Elchingen, war durch Verderbnis und Verstümmelung des Volkes gebildet worden und ist jetzt zuletzt in Gebrauch.
Denn Eichklingen ist ein gewöhnliches deutsches Wort, zusammengesetzt aus den beiden Wörtern Eich und Klingen und bedeutet einen Eichenhain. Daher schließen wir nach sicheren Vermutungen, daß vor jeder Wohnung von Menschen an dem Ort daselbst auf diesem Berg und den Tälern ein schrecklicher Eichenwald gewesen und der Berg Eichklingen genannt worden sei. Der zweite Name bedeutet das Gleiche: bei ihm hat das Volk einen Buchstaben weggelassen, und der Ort wird Eichlingen genannt als ein Ort mit allerlei Eichen (Stieleichen und Steineichen, quercuum et licum). Der dritte Name, den der Ort heute hat, gibt in Verbindung mit den zwei vorangehenden die erste Beschaffenheit des Ortes an und weist dann die Tätigkeit der Menschen der ältesten und ersten Zeit an dem Ort nach. Denn seitdem der Schöpfer der Welt hier zuerst einen Eichenhain pflanzte, kanten die Menschen der ersten Zeit, deren Speise Eicheln waren, vie Isidorus im 14. Buch seiner Etymologien und der Dichter sagt:
Mortales primi ructabant gutture glandes
(Eicheln schlangen die ersten der Menschen hinab in die Kehle)
in diesen Hain und lasen (eligebant) nach Belieben Eicheln, und dies scheint vielleicht ohne die Absicht des Volkes dieser Name Elchingen anzugeben, welcher so klingt, wie wenn er von eligere herkäme. Oder wenn wir lieber der Erklärung aus dem Hebräischen folgen wollen, so bedeutet nach Hieronymus Elchim «zu Gott aufsteigend und Gottes Besitz»; so steigt der Berg Elchingen zu Gott auf, daß er ihn als seinen Besitzer annehme. Es ist also Elchingen oder Eilchingen der Name des Berges, und dieser Berg ist hervorragend, überall von Tälern umgeben, (pag. 154) und es steht niemanden der Zugang zu dessen Gipfel offen, außer wenn er von einem Tal hinaufsteigt.
Doch ist seine Höhe mäßig, und er ist weder durch allzugroße Steilheit widerwärtig, noch wird er wegen zu geringer Höhe verachtet. Und obgleich er nicht durch seine eigene Masse sehr hoch ist, so ist er doch durch seine Lage in der Gegend sehr hervorragend. Daher sieht man von jeder Seite gegen diesen Berg herankommend von ferne einen Gipfel über alle Berge dieser Gegend hervorragen. Dieser ganze Berg ist feucht und sumpfig, und es entspringen überall auf ihm Gewässer, die er aus der Tiefe nach oben zieht. Auch scheint er der Phantasie aus den Gewässern sich zu erheben und sein Fuß scheint in unterirdischen Gewässern festzustehen und das Gewicht einer solchen Masse aus den Gewässern ¶
zu schwimmen. Daher hat der Berg, weil er feucht ist, ein fruchtbares Erdreich, besonders da er überdies einen sehr günstigen Blick nach der Sonne und anderen Gestirnen hat; aber niemand kann zweifeln, daß dieser Berg vor der Bewohnung des Ortes durch Menschen voll von gewaltigen Eichen gewesen ist. Nachdem aber die Bäume abgehauen waren, brachte der Boden Heilkräuter und aromatische Pflänzchen verschiedener Art hervor. Denn heute noch suchen die Kräutersammler an den Abhängen dieses Berges kräftige Wurzeln und wohlriechende Kräuter zur Destillation von Arzneien, zur Bereitung von Bädern und zur Anfertigung von Salben.
Denn was in fernen und warmen Gegenden wächst, findet sich hier, weil der Boden dieses Berges mit einer gewissen besonderen Fruchtbarkeit durch den Schöpfer getränkt zu sein scheint: hier ist die Luft reiner, die Erde fruchtbarer, das Wasser gesunder und das Feuer gewissermaßen heller leuchtend. Hier sind nicht nur die von selbst hervorsprossenden Gewächse der Erde kräftig, sondern es ist ausgemacht, daß alles was man pflanzt, sät und in den Boden legt reichlicher Frucht bringt.
Aber auch die hier erzeugten Tiere sind kräftiger und wertvoller, und besonders Pferde werden hier so gut und tüchtig erzeugt, daß Fürsten von weither sich Pferde von diesem Ort schicken lassen, oder von ihren Gegenden Stuten an den Ort schicken, damit sie hier gefüttert und gedeckt Junge bekommen. Ähnlich zeichnen sich die Kühe, Stiere, Schafe, Spanferkel durch Milch, Junge, Fleisch, Haut und Wolle aus. Aber auch die Hennen legen hier mehr Eier, und alles Übrige ist stark an Zeugungskraft. Und dies kommt von der natürlichen Lage des Landes her und von dem Einfluß der Sonne und der Gestirne. - Zweitens kommt die Betrachtung an den heidnischen Götzendienst, der einst an diesem Ort getrieben wurde. Obgleich unsere Alten hierüber uns nichts hinterlassen haben, (pag. 155) so können wir doch recht wohl auf die Vorgänge an dem Ort schließen nach der eben besprochenen Beschaffenheit des Ortes und des Berges und nach der Vorliebe der Alten für dergleichen Orte, wie wir es lernen aus den Gedichten, welche die Götterlehre behandeln.
Denn das, was die Alten, die später für Götter gehalten wurden, an einem Ort taten, feierten sie an allen gleichartigen Orten der Welt auf irgend eine Weife wie die erste Handlung, stellten es als Handlungen der Alten dar und hielten den Ort für geheiligt, wie wenn die Götter persönlich daselbst gewesen wären. So ist von Venus bekannt, daß sie in Cypern der Wollust dienend den höhlenreichen Berg Paphus sich heiligte und alle, die zu diesem Berge kamen, von jeglicher Zucht befreite und ihnen die Erlaubnis für jede beliebige Ansgelassenheit gab.
Und nach ihrem Tode wurde nicht nur dieser Berg in Cypern, sondern die Berge in vielen Gegenden als der Venus geheiligt angesehen. Und so töricht waren die Menschen, daß, wie die Cyprier sagten, sie sei bei ihnen gewesen und wohne noch in dem Berge, so auch die Apulier behaupteten, sie habe bei ihnen gelebt und genieße noch in ihrem Berg von Apulien mit den Göttern ihre Lust. Dies erklärten die Hibernier für falsch und bewiesen durch Zeichen und Wunder, daß Venus nirgends als bei ihnen gewesen sei, und sagten, sie hören sie oft in einem Berg ihrer Lüfte pflegen und spüren es merklich, und mehrere seien bei ihnen, die versicherten, sie haben an ihren Lustbarkeiten teilgenommen. So glaubten auch andere, Venus sei bei ihnen in einem Berge. Daher kommt es, daß es in vielen Gegenden einen Venusberg gibt, wie oben gezeigt wurde. Und doch konnte es nur eine Venus geben, die sie in allen höhlenreichen Bergen verehrten. Ebendasselbe ist von Jupiter bekannt, der als aus dem Berg Olymp ¶