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Diverse News
Kampf gegen die Verwüstung
Die Wüsten breiten sich aus. Unaufhaltsam verwandeln sich große Teile des fruchtbaren Bodens in ödes Land – auch Europa bleibt nicht verschont.
Das Land verdörrt unter den Händen der Menschen. Fast ein Drittel der Erdoberfläche ist von der sogenannten Desertifikation bedroht. Vor allem sind es die ärmsten Länder in Afrika, die um ihren fruchtbaren Boden fürchten müssen. Aber auch Mittelmeer-Anrainerstaaten gehören zu den bedrohten Gebieten – unter anderem Spanien. 1994 unterzeichneten 193 Staaten das Abkommen gegen das weitere Ausbreiten von Wüsten (UNCCD) und erklärten den 17. Juni zum Welttag zur Bekämpfung von Wüstenbildung.
Spätestens bei der Unterzeichnung des Abkommens war klar, dass nicht nur Afrika mit dem Problem der Austrocknung von Böden zu kämpfen hat. „Brasilien bringen die meisten Menschen mit der Zerstörung des Tropenwaldes in Verbindung, aber der Nordosten Brasiliens leidet sehr stark unter Desertifikation“, erklärt Anneke Trux von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Genau wie Teile Zentralasiens, der Vordere Orient, die Sahelzone in Afrika, das südliche Afrika sowie Teile Lateinamerikas, Mittelamerikas und Mexikos. Die GTZ arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an Projekten im Kampf gegen die Wüstenbildung.
Büsche statt Weidegräser
Desertifikation bedeutet dabei nicht, dass sich bestehende Wüsten ausweiten. Vielmehr geht es um sehr trockene Gebiete, die auf jede Störung äußerst empfindlich reagieren. Und diese Störungen sind vor allem eine zu intensive Landnutzung durch den Menschen. Die Folge: Der Boden ist unfruchtbar, frei von Vegetation, oder aber die Vegetation ändert sich. So wie es teilweise in Namibia passiere, erklärt Trux. Fressen die Rinderherden die Weidegräser immer wieder weg, können sich diese nicht mehr regenerieren. Widerstandsfähige, dornige Büsche setzen sich stattdessen durch. „Das ist auch eine Form der Degradierung, obwohl dort Vegetation steht“, sagt Trux. Die Farm von der Verbuschung zu befreien stelle eine große finanzielle Belastung dar, die die meisten Bauern nicht tragen könnten.
Falsche Bewässerung kann unter anderem zu einer Versalzung der Böden führen. Werden die natürlichen Wasserreserven durch Bewässerung zu sehr belastet, kann es sein, dass irgendwann kein Grundwasser oder auch kein Oberflächenwasser mehr vorhanden ist. „Ein bekanntes Beispiel ist der Aralsee“, so Trux. „Wegen der Übernutzung der Zuflüsse über viele Jahre ist er in großen Teilen ausgetrocknet.“ Auch in Spanien werden die Grundwasservorräte zu sehr ausgebeutet. Etwa in der Region von Almeria, erklärt die Expertin. „Von dort beziehen auch wir den Großteil unseres Gemüses.“ Das Bewässern der Pflanzen mit dem Grundwasser habe schwere wirtschaftliche Auswirkungen.
Der Klimawandel verschlimmert die Situation für die betroffenen Menschen. „Trockengebiete sind dadurch gekennzeichnet, dass sie sowieso schon extreme Klimabedingungen haben“, erklärt Trux. So sind etwa die Niederschläge der westafrikanischen Sahelzone nicht nur sehr gering, sondern auch sehr unregelmäßig. „Die Menschen dort müssen mit unglaublichen Schwankungen fertig werden.“ Außerdem konzentrieren sich die Regenfälle auf Regenzeiten, deren Beginn nicht genau vorherzusagen ist. „Der globale Klimawandel kommt jetzt noch oben drauf“, sagt Trux. So stellten die Wissenschaftler anhand von Klimadaten und Befragungen der Bauern fest, dass sich seit den 90er-Jahren die extrem feuchten und trockenen Jahre sehr schnell abwechseln. Die Bauern berichten außerdem, dass sie den Beginn der Regenzeit nicht mehr an den üblichen Indikatoren vorhersagen können.
Um die Wüstenbildung einzudämmen, setzen die Experten einmal auf technische Maßnahmen wie etwa Erosionsschutzwälle oder das Entsalzen der Böden. Rotationsverfahren schließen bestimmte Bereiche des Landes eine Zeitlang von der Nutzung aus, damit sich die Vegetation regenerieren kann. „Auch die politischen Rahmenbedingungen müssen stimmen, um Anreize zum nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen zu geben“, sagt Trux. Etwa, dass die Bauern die Rechte auf den Boden, den sie bewirtschaften, besitzen. „Die Staaten haben in der Regel relativ schwache Strukturen jenseits der Hauptstadt“, erklärt Trux weiter. „Wenn man auf regionaler Ebene arbeiten will, dann muss jemand da sein, der vor Ort berät.“