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Rafael Nadal ist an den Australian Open wieder von einer Verletzung gebremst worden – schon wieder. Und schon wieder in Melbourne. Zurücktreten will der 36-Jährige aber noch nicht.
Rafael Nadal (ATP 2), der Vorjahressieger, ist am Australian Open in Melbourne in der 2. Runde mit 4:6, 4:6, 5:7 gegen den Amerikaner Mackenzie McDonald (ATP 65) ausgeschieden. Der Versuch, seinen sensationellen Titelgewinn aus dem Vorjahr erfolgreich zu verteidigen, endete für den Spanier auf traurige Art. Nadal hatte gehofft, nach einer schwierigen zweiten Saisonhälfte 2022 im neuen Jahr wieder in Form zu kommen und – vor allem – gesund zu bleiben. Doch beides klappte in Melbourne nicht. Nadal spielte nicht gut – weder im Startspiel gegen Jack Draper noch in der 2. Runde gegen McDonald bis zur Verletzung. Nach dem Verlust des zweiten Satzes sass Nadal apathisch in seinem Stuhl. Ehefrau Xisca hatte Tränen in den Augen. Das enttäuschende Ende war absehbar.
Natürlich gab Nadal nicht auf. Das tut er nie. Aber läuferisch war Nadal nicht mehr auf der Höhe; er versuchte bloss noch, die Ballwechsel kurz zu halten. Nach 2:32 Stunden beendete McDonald die Partie mit dem ersten Matchball.
«Es ist nicht der Moment…»
Es sei jetzt nicht der Moment, sagte Rafael Nadal nach dem Spiel. Nicht der Moment, um über seine Probleme zu reden, denn «das würde die Leistung von Mackenzie McDonald schmälern». Aber es ist auch schon gar nicht der Moment, sich wieder zu verletzen. Und es ist auch nicht der Moment, um über den Rücktritt zu sprechen.
Die Frage nach dem Rücktritt stand nach der Niederlage gegen McDonald, einem 27-jährigen ehemaligen amerikanischen College-Meister, durchaus im Raum. Nadal verlor seit dem US Open sieben seiner letzten neun Einzel. Eine derartige Negativserie erlebte er zuletzt mit 17 in einem seiner ersten Jahre auf der Tour.
Regelmässiger in seiner Karriere machten ihm Verletzungen zu schaffen. Alleine in Australien handicapierten ihn der Reihe nach das Knie (2010), die Rippen (2011), ein Magen-Darm-Infekt (2013), der Rücken (2014), muskuläre Probleme (2019), der Oberschenkel (2020) und wieder der Rücken (2021).
Am Boden zerstört
Diesmal bereitete ihm die Hüfte Probleme – nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal so, dass er kaum noch sprinten konnte. «Es ist jetzt überhaupt nicht der Moment, schon wieder eine Verletzung einzufangen», so Nadal. «Das ist frustrierend, demoralisierend und schwierig zu akzeptieren – alles andere wäre gelogen. Am Ende des Tages darf ich mich sicher nicht über mein Leben und meine Karriere beklagen. Aber im Moment kann ich nicht sagen, dass ich nicht mental am Boden zerstört bin.»
Dennoch: Nadal will und wird nicht aufgeben. Er hofft, dass die Hüftprobleme so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Dass er nicht wieder längere Zeit pausieren muss. Die Antwort, warum er sich dieses Schuften für Comebacks immer wieder antut, fiel Nadal fast am leichtesten diese Woche in Melbourne: «Das ist einfach. Ich liebe, was ich tue. Ich liebe es, Tennis zu spielen. Ich mag es, kompetitiv zu sein. Und ich weiss, dass ich das (auf der Tour) nicht für immer tun kann.»
Wer wird Nummer 1?
Auch für das Australian Open ist Nadals Ausscheiden ein schwerer Schlag. Das Turnier verlor im Vorfeld des Turniers und an den ersten drei Tagen mit Carlos Alcaraz, Naomi Osaka, Nick Kyrgios und Nadal schon vier Zugpferde.
Weil Alcaraz wegen einer Beinverletzung fehlt und Titelhalter Nadal schon ausgeschieden ist, stellt sich die Frage, wer bei den Männern die nächste Weltrangliste anführen wird. Vier Akteure rechnen sich noch Chancen aus: Novak Djokovic, Casper Ruud und Stefanos Tsitsipas können mit einem Turniersieg in Melbourne die Nummer 1 übernehmen. Ruud übernimmt erstmals die Führung im Ranking, wenn er den Final erreicht und nicht Djokovic oder Tsitsipas das Turnier gewinnen. Und wenn nichts von alledem passiert, bleib Carlos Alcaraz die Nummer 1.
Australian Open
Weitere Enttäuschung für Jil Teichmann
Der Befreiungsschlag für Jil Teichmann nach einer enttäuschenden zweiten Saisonhälfte 2022 lässt auf sich warten. Auch das Australian Open endet für die Schweizerin enttäuschend. Teichmann unterlag in der 2. Runde der Chinesin Zhu Lin (WTA 87) sang- und klanglos in 86 Minuten mit 2:6, 2:6. Die Partie begann wegen Regens mit sechseinhalb Stunden Verspätung und wurde unter widrigen Bedingungen (Wind, Feuchtigkeit) gespielt. Teichmann konnte sich mit diesen Voraussetzungen überhaupt nicht anfreunden und abfinden.
Was wohl auch damit zu tun hatte, dass sie nach wenigen Minuten 0:4 hinten lag und nie ins Spiel fand. Derweil die Chinesin das Beste aus der Situation machte, haderte Teichmann permanent. Für ihre Forderung, die Partie wegen des feuchten Platzes zu unterbrechen, hatten weder das Turnier noch der Schiedsrichter Gehör.
So verlor Teichmann erstmals in dieser Saison gegen eine Spielerin von ausserhalb der Top 50. Und die Serie, dass sie in einem Hauptfeld nicht zwei Einzel hintereinander gewinnen kann, geht weiter. Zuletzt erreichte sie im August in Toronto mit Siegen über Venus Williams und Anett Kontaveit (damals die Nummer 2 der Welt) die Achtelfinals.
Zhu Lin, die ehemalige Top-60-Spielerin, gewann derweil erstmals an einem Major-Turnier gegen eine Top-50-Spielerin.