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Etwa 10 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden an Endometriose. Die gutartigen Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut sind mit starken Schmerzen während der Menstruation verbunden. Valentina S. kennt die Beschwerden aus eigener, leidvoller Erfahrung.
Catherina Bernaschina
Valentina, seit wann leidest du an Endometriose?
Die Endometriose machte sich bei mir über die Jahre langsam bemerkbar. Meine erste Periode bekam ich bereits mit 11 Jahren. Die Menstruationsbeschwerden waren damals noch relativ erträglich. Als ich etwa 15 Jahre alt war, setzten die qualvollen Schmerzen ein. Mein damaliger Gynäkologe verschrieb mir die Antibabypille, da er annahm, dass es sich um ein hormonelles Problem handelte. Die Pille kaschierte aber lediglich den Krankheitsverlauf meiner Endometriose. Der Arzt verschrieb mir zudem ein Schmerzmittel, das mittlerweile in vielen Ländern nicht mehr zugelassen ist. Sagen wir es so: Er hat alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann.
Zu welchen Einschränkungen führte die Krankheit bei dir?
Als ich die Pille mit 17 Jahren ein erstes Mal absetzte, wurden die Unterleibsschmerzen unerträglich. Ich verbrachte jeweils die ersten beiden Tage meiner Periode schmerzgekrümmt auf meinem Bett. Wegen starker Blutungen war ich auf Spezialbinden angewiesen und konnte an vielen Aktivitäten meiner Altersgenossen nicht teilnehmen. Besonders stark war der Blutfluss im Sommer. Die Krankheit hatte entsprechend negative Folgen für mein soziales Leben. Mein Umfeld dachte, dass ich übertrieb und mir die qualvollen Schmerzen nur einbildete. Mein damaliger Gynäkologe war überzeugt davon, dass das Problem darin bestand, dass ich meine Weiblichkeit nicht akzeptieren wollte.
Hattest du noch weitere Symptome neben den Unterleibsschmerzen?
Ich litt während meiner Tage auch unter grossen Gefühlsschwankungen, an starken Kopf- und Rückenschmerzen sowie an Darmproblemen. Die Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut hatten sich in meinem Darm abgesetzt, weshalb ich während meiner Periode starken Durchfall mit Einblutungen bekam. Dazu kamen laute Darmgeräusche, die mich in manch peinliche Situation brachten. Auch hatte ich jeweils während der ersten Tage meiner Periode einen extremen Blähbauch. All dies führte dazu, dass ich mich während der schmerzhaften Tage gesellschaftlich zurückzog und mein Leben sozusagen um meinen Zyklus herum planen musste. Gerade als junge Frau war das überhaupt nicht leicht.
Wann erfolgte die richtige Diagnose?
Mit 26 Jahren. Als ich die Situation nicht mehr aushielt, wandte ich mich an meinen Hausarzt. Er hatte den Verdacht, dass es sich bei meinen Beschwerden um Endometriose handeln könnte. Eine Ultraschalluntersuchung bestätigte seine Annahme. Der untersuchende Arzt meinte nur: «Wissen Sie eigentlich, wie es um Sie steht?» Meine Endometriose befand sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Nebst dem stark beschädigten Darm und anderen Problematiken war auch einer meiner Eileiter verschlossen.
Was löste die Diagnose bei dir aus?
Ich brach in Tränen aus und war einfach nur wütend. Zehn Jahre meines Lebens hatte ich mit unerträglichen Schmerzen teils abgeschottet von meiner Umwelt verbracht. Ich hatte immer wieder vergebens nach Hilfe gesucht. Doch jedes Mal erhielt ich die Antwort, dass mein Leiden rein psychologischer Natur sei.
Wie ging es danach weiter?
Ich wurde relativ kurz nach der Diagnose operiert. Ein Spezialist entfernte die Zellherde mittels Video-Laparoskopie. Der linke Eierstock blieb jedoch verschlossen. Die Therapie nach der OP basierte auf der Einnahme einer Minipille, die meine Periode unterdrückte. Anstelle des chirurgischen Eingriffs wäre auch eine pharmakologisch herbeigeführte Menopause möglich gewesen. Das wollte ich jedoch keinesfalls.
Wie geht es dir heute?
Wesentlich besser. Die Symptome haben dank der Operation stark nachgelassen, auch wenn sie nicht ganz verschwunden sind. Als mein Kinderwunsch vor einigen Jahren stärker wurde, setzte ich die Minipille ab. Obwohl mich mein Frauenarzt über die geringe Chance einer Schwangerschaft vorgewarnt hatte, wollte ich es wagen. Wie durch ein Wunder wurde ich bereits nach zwei Monaten schwanger. Heute bin ich eine überglückliche Mutter von zwei gesunden Kindern. Die Endometriose hat sich zu meiner Erleichterung bis heute nicht weiter verschlechtert. Die Angst, dass das Problem zurückkehren könnte, bleibt jedoch bestehen.
Welchen Rat möchtest du anderen betroffenen Frauen mitgeben?
Sie sollen regelmässig zur Vorsorge zum Frauenarzt gehen – mindestens einmal pro Jahr. Sie sollen sie sich keinesfalls für ihre Menstruationsbeschwerden schämen, sondern mit ihrem Arzt darüber sprechen. Zudem rate ich, auf den eigenen Körper zu hören. Hätte ich auf meinen Körper anstatt auf andere Leute gehört, wäre mir viel Leid erspart geblieben.

Endometriose ist eine oft fortschreitende Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut-Inseln ausserhalb der Gebärmutter ansiedeln. Dieses verschleppte Gebärmutterschleimhautgewebe in Form von Wucherungen verursacht mitunter grosse Unterleibsschmerzen kurz vor und während der Menstruation. Befinden sich Herde in der Blase oder im Darm, treten die Schmerzen auch beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang auf. Auch grosses Schmerzempfinden beim Geschlechtsverkehr kann ein Anzeichen für Endometriose sein. Betroffene Frauen werden durch die qualvollen Schmerzen regelrecht ausser Gefecht gesetzt. Die Symptome lassen zwar bei den meisten Frauen nach den Wechseljahren nach. Bei einigen können sie jedoch auch weiter fortbestehen. In 20 bis 40 Prozent der Fälle von unerwünschtem Kinderwunsch ist Endometriose die Ursache. Bis heute ist nicht abschliessend geklärt, weshalb die Gebärmutterschleimhaut bei einigen Frauen an verschiedenen Körperstellen wuchert. Endometriose ist behandelbar, kann aber nach erfolgreicher Therapie immer wieder auflodern. Da viele Frauen über die Krankheit nicht Bescheid wissen, bleibt sie leider oftmals lange unerkannt.