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Um die der Festung Sargans zu Grunde liegende Konzeption zu verstehen, muss man sich kurz mit den Besonderheiten des Raum Sargans auseinandersetzen,
welche diese massgeblich beeinflusst haben. Der Rhein teilt das Gebiet in einen Ost- und Westabschnitt und bildet ab dem Ellhorn die Landesgrenze.
Wichtige Nord-Südachsen führen hier durch. Die Walenseebahn und -strasse sind die einzigen wintersicheren Verbindungen des Kantons Graubünden mit dem
Rest der Schweiz und führen ebenfalls durch den Kessel von Sargans. Alle Kommunikationen führen durch topografisch geformte Engnisse, welche aber eine
Reihe von Umgehungsmöglichkeiten haben.

Die eigentliche Achillesferse der Festung Sargans war das alles dominierende Ellhorn, welches sich damals auf liechtensteinischem Staatsgebiet befand.
Es hat bei der Konzeption den Planern einiges an Kopfzerbrechen bereitet.
Und dann war da noch das Problem der Arlbergachse mit seiner leistungsfähigen und winterfesten Bahnverbindung, die im Vorfeld von Sargans bei Feldkirch
ins Rheintal eintritt. Dieser Raum sollte die Planungen bis zur letzten Generation von Sargansfestungen beeinflussen.
Anstoss für die Festung Sargans
Am 16. März 1934 brachte der aus Maienfeld stammende Genieoberst H. v. Gugelberg den Stein ins Rollen. In einem Brief an EMD-Vorsteher Bundesrat Minger
verlangte er, dass der Kessel von Sargans - neben St. Maurice und St. Gotthard - zur dritten Landesfestung ausgebaut wird. Er argumentierte, dass die
Festungen von St. Maurice und St. Gotthard nur drei von neun Alpenpässen sperren. Es sei daher naheliegend, dass fremde Generalstäbe die unbefestigten
sechs Bündnerpässe in ihre operativen Planungen einbezögen. Die Verteidigung von Sargans erhalte ausserdem eine zusätzliche Aktualität, weil im Fürstentum
Lichtenstein Bestrebungen im Gang seien, welche einen Anschluss an Österreich suchen. Aus Gründen der Landesverteidigung sei die Schweiz an einer
Neutralisierung des Fürstentums interessiert.
Den topografischen Besonderheiten bewusst, insistierte er schon damals auf einen Gebietsabtausch mit Liechtenstein mit dem Ziel, das Ellhorn für die
Schweiz zu gewinnen. Minger beauftragte den Chef der Generalsstabsabteilung, die Angelegenheit zu prüfen. Viel geschah nicht, und man verpasste die Chance
das Ellhorn zu erwerben. Dies zu einem Zeitpunkt, an dem Nazi-Deutschland auf einen solchen Entscheid noch keinen Einfluss gehabt hätte. Als man 1938 auch
in Bern erkannte, wie wichtig das Ellhorn ist, war es bereits zu spät.
Es war der 29. August 1934, als der Chef der Generalstabsabteilung KKdt Roost zuhanden des Chefs des EMD sein "Memorial zur Grenzbefestigungsfrage" einreichte.
Darin hielt er fest, dass die Schweiz, im Gegensatz zu seinen Nachbarn, in Friedenszeiten keine Truppen zum Grenzschutz unter Waffen habe. Unter Hinweis auf
die Bedrohungslage - Nazideutschland hatte eben die Wehrpflicht wieder eingeführt und rüstete seine Wehrmacht wieder offen auf - und den Stand des Aufbaus
eines neuen Grenzschutzes, wies er eindringlich darauf hin, dass die Vorbereitungen zur Abwehr eines Überfalls voranzutreiben seien. Er schlug vor, im
Grenzgelände Strassensperren in Form von Tankbarrikaden und Sprengobjekten zu errichten. Diese seien durch Infanteriewerke zu decken, und permanente
Artilleriewerke sollten für die artilleristische Unterstützung sorgen. Entlang der Grenzzone sind an Übersetzstellen und Furten weitere Infanteriewerke
und Blockhäuser zu erstellen. Alle diese Anlagen müssten dem Gelände gut angepasst, in genügender Anzahl vorhanden sein und dem Feuer schwerer Artillerie
standhalten können. Unter Hinweis auf das in Vorbereitung befindliche erste Arbeitsbeschaffungsprogramm des Bundes könnte ein erster Posten von 8 Mio. CHF als
erste Rate für Grenzbefestigungsarbeiten eingesetzt werden. Im Vorschlag für die in der ersten Bauetappe auszuführenden Arbeiten des Waffenchefs der Genietruppen
vom 12. Februar 1935 wurde dann für die Ostfront ein Sperrwerk im Talkessel von Sargans vorgeschlagen. Es sollte aus vier 10.5 cm Kasematt-Kanonen, 2 Mg und 2 Lmg
bestehen. Dieser Vorschlag beruht auf einem Bericht des Kurses für Ingenieur-Offiziere vom Sommer 1934, welcher im Auftrag der Generalstabsabteilung
Vorschläge für Grenzbefestigungen ausarbeiten sollte. Der neue Generalstabschef, Jakob Labhart, legte aber das Schwergewicht auf die Nordfront und so wurde
ab 1936 an den Südufern des Rheins zwischen Stein am Rhein und Leibstadt mit einer regen Bautätigkeit begonnen.
Der Kurs für Ingenieur-Offiziere im Raum Sargans
Im Sommer 1936 fand ein Kurs für Ingenieur-Offiziere im Gebiet des St. Galler Rheintals und Raum Sargans statt. Ziel des Kurses war es, die Befestigungsmöglichkeiten in
diesem Raum zu rekognoszieren und ein generelles Projekt auszuarbeiten. Der Bericht hob dann auch die Bedeutung des Schlüsselraums Sargans hervor: "Es ist für
die Landesverteidigung von grosser Wichtigkeit, dass die Verbindung unserer Armee mit der selbstständigen Brigade im Kanton Graubünden durch den Talkessel von
Sargans erhalten bleibt. Diese Aufgabe kann nur durch eine stark ausgebaute und gut armierte Festung Sargans in wirksamer und erfolgversprechender Weise gelöst
werden." Es wird darauf hingewiesen, dass gegen Norden der Fläscherberg sowie der Rhein zwischen Ellhorn und Schollberg einen natürlichen Riegel bilden. Gegen
Süden falle die Landquart quer durch das Rheintal als starkes Hindernis ins Auge. Ebenfalls führen die Anmarschachsen vom Prättigau her durch eine enge Klus.
Um die erforderliche Tiefe zu gewinnen, seien weitere Talsperren notwendig.
Ebenso listet der Bericht eine ganze Anzahl von zu erstellenden Werken und Sperren auf. Das zentrale Kernwerk (mit 6 Panzertürmen und 2 Kasematt-Geschützen)
solle auf dem Fläscherberg errichtet werden. Es habe die vordringliche Aufgabe, einen vordringenden Gegner in alle Richtungen auf grosse Distanz schon im Anmarsch
bekämpfen zu können. Als Ergänzung zum Kernwerk seien weitere Werke notwendig, welche sich gegenseitig flankieren könnten.
Im Winter 1936/37 erarbeitete die Generalstabsabteilung ein umfassendes Befestigungsprogramm. Sie ermittelte "für eine einigermassen befriedigende Lösung" minimale
Kosten von 69 Mio. CHF. Dieser Voranschlag musste aber auf 52 Mio. CHF reduziert werden, und so enthielt des sogenannte 52 Millionen-Programm für die Ostfront nur
noch die beiden Artilleriewerke Ansstein und Schollberg sowie Tankbarrikaden für das St. Galler Rheintal. Die neu entwickelte Befestigungskonzeption unterschied
nun zwischen Grenz- und Landesbefestigungen (St. Maurice und St. Gotthard).
Die Schaffung der Grenzbrigaden
Schon in den 1920er Jahren erkannte man, dass zum Schutz der Grenzen auch organisatorische Massnahmen ergriffen werden mussten. Man unterschied beim Grenzschutz
zwischen dem normalen Grenzschutz (Fall A) und dem verstärkten Grenzschutzes (Fall B). Entscheidend für den Einsatz beim Grenzschutz war nicht die militärische
Einteilung, sondern nur der Wohnort.
Diese Organisation hatte den Charakter einer "militärisch organisierten Volkserhebung". Ausschlaggebend für diese Organisation - welche Ende 1935 in Kraft gestellt
wurde - war die neue Bedrohungsform des "strategischen Überfalls", der die Armeeführung dazu zwang, schnell verfügbare Truppen an der Grenze zu haben und die
Mobilmachung der Feldarmee zu ermöglichen.
Aus heutiger Sicht kann man sich den Organisationsgrad und den Ausbildungsstand eines durch Alarm ausgelösten "Volksaufstands" gar nicht primitiv genug vorstellen.
In den Jahren 1936 und 1937 fanden Grenzschutzalarmübungen statt. Bei diesen Übungen sollte mit den bunt zusammengewürfelten Männern der Grenzregion bis zum frühen
Nachmittag die Stellungen bezogen werden, um die Kontrolle bis zur Mittagszeit des Folgetages zu beenden und die Übung abbrechen zu können.
Alarmiert wurden die Angehörigen des "Volksaufstandes" gemeindeweise. Dazu läutete man die Kirchenglocken Sturm und blies die Feuerhörner. Die gesamten wehrpflichtigen
Männer der Gemeinde rückten ein, und ein im Vorhinein bestimmter Unteroffizier führte sie zu bestimmten Sammelplätzen. Dort fasste man die Männer gemeinde- oder
gebietsweise zusammen, und es wurden ihnen ad hoc Aufträge erteilt. Die entsprechenden Aufträge waren im vornherein von Kommandostellen (Rgt, Bat) formuliert und
an die entsprechenden Kader erteilt worden. Das Ausführen der Aufträge hing dann hingegen wieder vom dem Vorhandensein des entsprechenden Kaders ab.
Die Verpflegung für die Übung wurde selber mitgebracht, Korpsmaterial gab es nicht, ebenso wenig Sanitätsmaterial. Die Kollektivwaffen (Lmg, MG) waren nur sehr
selten vorhanden, da diese in den Zeughäusern eingelagert waren und erst irgendwie herangeschafft werden mussten. Es wird berichtet, dass einzelne Werke und Abschnitte
während ganzen solchen Übungen ohne MG waren. Die Berichte über die Alarmübungen waren unterschiedlich. So gab es Berichte über ernsthaftes Arbeiten, aber auch von
"unorganisierten Haufen", "Freischärlerzügli" und vom "lustigen Grenzschutz". Die Übungen waren eine deprimierende Sache und von einem ernsthaften "Ausexerzieren
der Stellungen" - wie sich dies die Generalstabsabteilung vorgestellt hatte - konnte keine Rede sein. Zwar verlief die Alarmübung 1937 um einiges besser, trotzdem
waren viele Mängel noch nicht behoben.
Es war damals selbstverständlich, dass man dem Alarm folgte. Ebenso war es selbstverständlich, dass man mit Pflichterfüllung die Aufträge ausführte, dort, wo eine
geordnete Führung vorhanden war. Die Ergebnisse der Grenzschutzalarme blieben aber enttäuschend und zeigten die desolate Organisation auf, in der sich der Grenzschutz
befand. Man erkannte, dass es einer Neuordnung der Organisation mit militärisch geordneten Verbänden bedurfte.
Die ernüchternden Resultate des organisierten "Volksaufstandes" machten klar, dass für den Schutz des Grenzraumes eigene Truppen aufgestellt werden mussten. Aufgabe
dieses Grenzschutzes sollte es sein, dank einer raschen Mobilmachung und der Werke im Grenzraum "jeden strategischen Überfall abstoppen zu können, mit dem Ziel, den
Divisionen auf den in der Nähe der Grenzzonen gelegenen Korpssammelplätzen die ungestörte Mobilmachung zu sichern und so lange zu halten, bis das Gros der Armee in
den Grenzkampf eingreifen kann". So zumindest drückte sich Bundesrat Minger aus.
Um dieses Ziel zu erreichen war eine Mobilmachungsorganisation notwendig, die es erlaubte, die Grenzformationen noch vor einer allgemeinen Mobilmachung aufzubieten.
Material und Munition für die Grenztruppen musste grenznah gelagert werden und die Aufträge der einzelnen Verbände mussten bekannt und einexerziert sein. Mit dem
Bundesbeschluss vom 7.10.1936 über die neue Truppenordnung war der Weg frei, damit zu beginnen. Sie mündeten dann in der Einsetzung von 8 Grenzbrigaden für den
nichtalpinen Raum per 1. Januar 1938. Für den Raum des Rheintals und des unteren Prättigaus war die neu geschaffene Grenzbrigade 8 zuständig. Der rechte Flügel mit
dem Raum Sargans unterstand dabei dem Inf Rgt 57 mit KP in Bad Ragaz.
Im März näherten sich die braunen Horden nun auch von Osten der Schweiz. Am Morgen des 12. März 1938 überschritt die Wehrmacht kampflos die Grenzen zu Österreich und
Hitler verkündet in Wien vor einer jubelnden Menschenmenge den Anschluss an Nazi-Deutschland. Mit dem Anschluss war nun auch die schweizerische Ostgrenze massiv gefährdet.

Eine neue Landesfestung im Défilé von Sargans

Nun - 4 Jahre Später - erkannte auch die Generalstabsabteilung die sehr grosse Bedeutung des Fürstentums Liechtenstein für die Landesverteidigung. Am 25. März 1938
schrieb KKdt Labhart in einem Exposé an Bundesrat Minger, dass drei Varianten zu Liechtenstein entwickelt wurden. Variante A sah den Bau von Befestigungen auf Liechtensteiner
Gebiet vor, Variante B ein Besetzungsrecht und Variante C ein Belassen des Ist-Zustandes. Man versuchte, nun das Ellhorn zu erwerben, jedoch verzichtete Liechtenstein
"aus neutralitätspolitischen Gründen" auf einen Landabtausch. Nazi-Deutschland sorgte dafür, dass es zu keinem Landabtausch kam.
Am 21. März 1938 fordert das EMD die Generalstabsabteilung auf, über weiteren Kreditbedarf für Befestigungsbauten Bericht zu erstatten. Diese antwortete am 27. April 1938
und forderte vom EMD den Bau einer neuen Landesfestung: "Die sehr grosse Bedeutung des Talkessels von Sargans für unsere Landesverteidigung erfordert den Bau einer
eigentlichen Festung wie Gotthard und St. Maurice." Diese neue Landesfestung liege genau auf der Linie, welche die Armee als letztes unbedingt halten wolle. Wie bereits
1934 Oberst v. Gugelberg argumentierte jetzt die Generalstabsabteilung, dass Sargans die sechs unbefestigten Bündnerpässe an einem Ort sperre. Im Bericht wurde auf die Studie
des Kurses für Ingenieur-Offiziere hingewiesen und betont, dass man aus Kostengründen nicht alle vorgeschlagenen Werke in das vorliegende Programm aufgenommen habe.
Neben den bereits im 52-Millionen Programm vorgeschlagenen Werke Ansstein und Schollberg sollten zwei Artilleriewerke an der Südfront, Talsperren in der Prättigauer Klus
und bei St. Peter sowie ein Turm-Artilleriewerk am Buchserberg erstellt werden. Die Kosten für alle neu geplanten Werke schätzte die Generalstabsabteilung auf 39 Mio. CHF,
was neu zu 91 Mio. CHF Gesamtkosten für das Grenzbefestigungsprogramm führte.
Vom 3. bis 5. Mai 1938 tagte die Befestigungskommission ein erstes Mal in Bad Ragaz. Dabei wurde herausgestrichen, dass das Schwergewicht auf die Nordfront gelegt werden
müsse. Trotzdem behielt man die beiden Art-Werke für die Südfront im Programm. Auf das Kernwerk und einige Sperren wurde verzichtet, ebenso auf ein Werk bei Mels. Dafür nahm
man neu ein Art-Werk am Buchserberg in Aussicht. Bei der Rekognoszierung vor Ort wurden die einzelnen Werke und Sperren besprochen und teilweise Korrekturen beschlossen.
Im Bericht "Landesbefestigung" vom 28. Oktober 1938 begründete die Generalstabsabteilung dem EMD nochmals die Notwendigkeit der Landesbefestigung im Detail und sprach sich
für eine weitere Landesfestung Sargans aus. Die in Sargans geplanten Anlagen wurden erläutert und begründet. Noch immer hoffte man auf einen Erwerb des Ellhorns und wollte
dort ein Werk zur Deckung des Schollbergs einbauen. Entgegen der Konferenz in Bad Ragaz hat man die beiden südlichen Art-Werke gestrichen. Begründet wurde dies mit den in
Graubünden geplanten Werken bei Sufers, am Julier, an der Albula und am Flüela. Diese würden zusammen mit Sargans den inneren Teil von Graubünden zu einer geschlossenen
Festung gestalten. In dieser Begründung steckt jedoch ein Widerspruch. Einerseits sprach man von der Landesfestung auf der Linie Gotthard - Sargans, was den Kanton Graubünden
zum Vorfeld der Entscheidungsschlacht degradierte und somit nicht bis zum äussersten verteidigt werden sollte. Andererseits wird ohne Einschränkung auf eine geschlossene
innere Festung Graubünden gesprochen. Fehlte es hier an der Schärfe des Denkens oder der Formulierung?
Das Gerippe der Festung Sargans
Es war Februar 1939, als die Generalstabsabteilung zusammen mit dem BBB eine Erkundung im Raum Sargans vornahm. Ziel war es, ein detailliertes Projekt für die Befestigung
des Talkessels von Sargans vorlegen zu können. Am 13. März 1939 erstattete die Generalstabsabteilung der Befestigungskommission Bericht. In diesem wird die dreifache Rolle
der Festung Sargans umschrieben. Erstens unterbinde sie Operationen aus dem Raum Vorarlberg in Richtung Zentralschweiz zur Umgehung einer gegen Nordosten gerichteten
Armeestellung. Zweitens widersetze sich die Festung sowohl einer Vereinigung von Streitkräften Deutschlands und Italiens, als auch Operationen dieser beiden Streitkräfte
gegeneinander. Drittens halte sie den eigenen Zugang vom Zürichsee zum Kanton Graubünden offen. Die Festung Sargans müsse daher als Ringstellung gegen Norden, Osten und
Süden gebaut werden. Am unmittelbarsten sei die Nord-Ostfront bedroht, weil das deutsche Aufmarschgebiet praktisch vor der Haustüre liege. Daher musste zu Beginn hier das
Schwergewicht der Bautätigkeit liegen. Im Nord-Westen werde die Festung durch die Armeestellung gedeckt. Im Süden müssen die Italiener zuerst das in die Tiefe gestaffelte
Stellungssystem der Geb Br 12 durchbrechen. Der Abschnitt von Trimmis bis zur Linie Hornspitz - Vilan - Dalans wurde als Südfront bezeichnet, der Rest als Nordfront. Im
Bericht wurde gefordert, dass aus der Festung die folgenden Räume unter Feuer genommen werden können: Feldkirch, der Aufstieg ins Toggenburg und die Gegend von Wildhaus,
Jeninser und Fläscher Alp, Gegend des Voralpsees und der Kunkelspass bis auf seine Südrampe. Den Gegebenheiten und Forderungen entsprechend plante man ein Werk bei Rans
(später Magletsch) und teilte die früher für ein Fort auf dem Fläscherberg vorgesehenen Panzertürme auf zwei Werke bei Pfäfers (Furggels) und Mels (Castels) auf. Das Werk
Mels wurde als neues Zentralwerk bezeichnet, in welches auch die Kommandoräume zu liegen kämen. Der Bericht kündigte auch weitere Abklärungen für den Bau von Bunkerlinien
und Infanteriewerken an.
Am 11./12. April 1939 trifft sich die Befestigungskommission ein weiteres Mal in Sargans. Nachdem ein Teilnehmer, der nicht als ständiges Mitglied der Kommission angehörte,
einige Grundsatzfragen gestellt hatte, antwortete KKdt Labhart: "Der Bau der Festung Sargans hat mit Ansstein und Schollberg bereits begonnen. Zudem müssen wahrscheinlich
noch mehr Anlagen errichtet werden, als im vorliegenden Exposé der Generalstabsabteilung genannt sind. Es muss aber heute das Gerippe dieser Festung bestimmt werden, damit
die Projektierung in Angriff genommen werden kann". Dazu muss man wissen, dass zu jener Zeit bereits fünf Panzertürme für Sargans in Fabrikation waren. Bei der
anschliessenden Rekognoszierung vor Ort wurden die definitiven Standorte für die Werke von Furggels, Castels und Magletsch verabschiedet. Die bauliche Realisation sollte
ab Oktober 1939 beginnen und alle Werke bis Ende 1943 fertig erstellt sein.
Was waren die Gründe für diesen späten Entscheid für eine Gesamtkonzeption und umfangreiche Inangriffnahme einer dritten Landesfestung? Wie immer musste erst die Gefahr
so gross sein, dass es fast schon zu spät ist, bis die politische Bereitschaft vorhanden ist, grosse militärische Investitionen zu machen. Der zweite Grund war der noch
1938 diskutierte Einbezug des Fürstentums Liechtenstein. Die Minimalvariante mit dem Landabtausch am Ellhorn war erst 1939 definitiv vom Tisch. Wäre bereits 1934, nach dem
Brief von Oberst H. v. Gugelberg mit der Planung und Bau begonnen worden, so wäre am 2. September 1939 mit der Mobilmachung mehr schussbereit gewesen, als vier notdürftige
7.5 cm Kanonen.
Die Festung Sargans wird gebaut
Am 1. Mai 1939 nimmt Hptm Schüepp, der neuernannte Ing Of Festung Sargans und Leiter des Büros für Befestigungsbauten (BBB), seine Arbeit auf. Hptm Schüepp war ein erfahrener
Ing Offizier, war er doch bis zu seiner Abkommandierung Ing Of der Festung St-Maurice. Obwohl die Finanzen vorhanden waren, ergaben sich Probleme bei der Bauorganisation.
Hptm Schüepp wurden nur drei eingearbeitete Ingenieure zur Verfügung gestellt und er musste die notwendige Ergänzung für das Baubüro Sargans erst besorgen. Ebenso musste zuerst
eine passende Räumlichkeit gefunden werden. Bis Ende des Jahres wuchs der Personalbestand auf 32 Mann an.
Am 16. Mai 1939 wurde der ausgebildete Architekt und Instruktions-Offizier der Artillerie, Oberst Fritz Gubler, vom Bundesrat zum Kommandanten der Festung Sargans ernannt und
gleichzeitig zum Oberstbrigadier befördert. Er nahm am 5. Juni 1939 seine Arbeit in Sargans auf.
In den Sommermonaten traf das Baubüro Sargans Vorbereitungen und projektierte die einzelnen Anlagen. Es nahm Detailrekognoszierungen vor, erarbeitete taktische und technische
Studien sowie Kostenvoranschläge und führte Landerwerbsverhandlungen durch. Die erste Ausschreibung für den Doppel-Mg Bunker Wiesli erfolgte bereits am 5. Juli 1939 und bereits
am 27. Juli 1939 wurde der Bau in Angriff genommen. Bis 6. Juli 1939 hatte das Baubüro ein Gesamtprojekt ausgearbeitet, welches einen Finanzbedarf von 48 Mio. CHF auswies. Das
Projekt ging aber von Idealvorstellungen aus und so mussten die Vorschläge aus Kostengründen überarbeitet und etappiert werden. Abstriche machte man bei den Nahverteidigungsanlagen,
reduzierte die Unterkunftsräume auf 2/3 der Mannschaftsbestände, reduzierte die Flab und Minenwerfer, strich den Kommando-und Unterkunftstrakt in Castels und reduzierte sogar
die Munitionsdotationen.
Das neue, bis an die Grenze des Zulässigen reduzierte Konzept, wurde am 14. August 1939 unter Vorsitz von Generalstabschef Labhart diskutiert. Die Teilnehmer der Konferenz
einigten sich auf ein Projekt im Umfang von 36 Mio. CHF sowie auf die folgende Dringlichkeitsreihenfolge. In erster Priorität sollten die bereits begonnenen Sperren bei
Schollberg und Ansstein vollendet werden. Zweite Priorität bekamen die Werke Furggels und Castels mit dem Gegenwerk Passatiwand, die Seilbahn auf die Jeninseralp und Kavernen
oberhalb des Voralpsees. Dritte und letzte Priorität bekamen das Werk Magletsch sowie Mg-Stände zwischen Schollberg und Rheinknie unterhalb des Ellhorns und am Rhein.
Am Vorabend, bevor die Lichter in Europa endgültig ausgingen und die Dunkelheit des Krieges hereinbrach, wurde das Projekt mit dem Gerippe der Festung Sargans vom Bundesrat
bewilligt und die 36 Mio. CHF Brigadier Gubler zur Verfügung gestellt. Gerade noch rechtzeitig oder viel zu spät?

Die Festung Sargans im Aktivdienst 1939

Am 29. August 1939 mobilisierte der Bundesrat den eben erst neu geschaffenen Grenzschutz. Einen Tag später wird Henri Guisan von der vereinigten Bundesversammlung
zum General gewählt. Am 2. September 1939 wird die Armee mobilisiert und das Gz Rgt 57, welches zu diesem Zeitpunkt noch zur Gz Br 8 gehört, rückte in Sargans ein.
Auf Befehl des Generals übernahm Brigadier Gubler zusätzlich zur bestehenden Aufgabe des Festungsbaus auch noch den Auftrag, mit den ihm neu unterstellten Truppen
die Zugänge zum Talkessel Sargans zu sperren. Die neue Landesfestung Sargans bestand zu diesem Zeitpunkt nur auf dem Papier. Im Schollberg und in Ansstein waren
gerade einmal notdürftig vier 7.5 cm Kanonen feuerbereit. Dazu kamen noch total fünf Festungs-Mg und die Infanteriekanone im Schollberg. An Truppen verfügte die
Festung Sargans über das Inf Rgt 57 mit seinen drei Gz Füs Bat, sowie über ein Ter Füs Bat. Die Grenzbrigade 8 war neu nur noch bis Sevelen für den Grenzschutz
am Rhein zuständig.
[ Situation Feuerbereitschaft am 2. September 1939 ]
Der Op Bf OBA Nr 1 hatte gewaltige Auswirkungen auf die Gestaltung des Abwehrdispositivs der (zukünftigen) Festung Sargans. Der Talkessel musste in alle vier
Richtungen verteidigt und somit die Verteidigungslinie praktisch komplett anders gezogen werden. Was mag in Brigadier Gubler in diesem Zeitpunkt vorgegangen sein?
Praktisch ohne Truppen, ohne Artillerie und ohne Festungen sollte er die "Festung Sargans" rundherum verteidigen. Am 5. September traf Verstärkung ein. Die "Festung
die (noch) keine Festung war" erhält mobile Artillerie in Form von Geschützen aus der Zeit von vor dem Ersten Weltkrieg. Auch erhielt die Festung zusätzliche
Infanterie. Bis Mitte September war die Anzahl Infanterie Bataillone von 4 auf 7 angestiegen, bis Oktober auf deren 10. Bei einem Treffen zwischen KKdt Lardelli und
Brigadier Gubler wurde festgestellt, dass "die jetzige Front .....lässt sich mit den jetzigen Mitteln nicht länger als einige Stunden und im günstigsten Falle 1 - 2
Tage halten." Der Antrag von Gubler auf mehr Truppen und Waffen wurde aber abgelehnt, jedoch erhielt er mehr mobile (total veraltete) Artillerie. Anfang Dezember
befahl der General die Aufstellung des Stabes Festung Sargans sowie der Stäbe Sargans Nord- und Südfront. Am 12.12.1939 war dann die längst fällige Neuorganisation
der Grenztruppen Festung Sargans durchgeführt und die Festung erhielt ihre ersten fünf eigenen Infanterie Bataillone zugeteilt.
Die Mobilmachung hatte auch gravierende Auswirkungen auf den Festungsbau. Da alle Bauarbeiter und Unternehmer einrücken mussten, ruhte die Arbeit auf den Baustellen
für die kommenden vier Wochen. So lange dauerte es, bis über Beurlaubungen und Dispensationen die Freistellungen der benötigten Arbeiter geschehen waren. Entsprechend
ernüchternd liest sich der Bericht über den Stand der permanenten Befestigungen per Ende 1939. Die Bauvergaben und Start der Arbeiten an den grossen Turmwerken konnten
erst im Oktober / November 1939 erfolgen.
Weiterhin war der Festungsbau die primäre Aufgabe von Brigadier Gubler, um die er sich kümmern musste. Neben den Verzögerungen bei den Bauarbeiten bereiteten Gubler
Preiserhöhungen bei Material und Treibstoffen Sorgen. In den ersten drei Kriegsmonaten waren diese so sprunghaft angestiegen, dass er vor sehr beträchtlichen
Kostenüberschreitungen warnen musste.
Aufbau der Festung Sargans und neue Mobilmachung
Am 1. Januar 1940 wird die Festung Sargans zur Heereseinheit ernannt. Der General bemerkt dazu schriftlich, dass dies eine Gleichstellung mit einer Brigade oder
Division ist. Ab diesem Zeitpunkt verfügte die Festung Sargans über 12 Inf Bat und die noch Anfang Oktober beklagte Unterdotierung war behoben. Ende Januar wurden
die Artillerie-Einheiten der Festung Sargans auf Pikett entlassen. Bis zur 2. Generalmobilmachung am 11. Mai 1940 waren keine Art-Einheiten mehr im Dienst.
Obwohl die Werke noch nicht bezugsbereit sind, bildete man am 4. März 1940 die ersten Festungsartillerie-Einheiten der Festung Sargans. Die Fest Art Kp 39 für Ansstein
/ Fläscherloch und 40 für Schollberg wurden der Fest Art Abt 12 unterstellt. Anfang 1940 waren die ersten Mg Bunker beim Schollberg und bei der Sperrlinie am Fläscherberg
fertig erstellt und bezugsbereit. Gleichzeitig begann das Baubüro mit Studien zum Bunkerkampf. Das ganze Jahr hindurch wurden neben den Artilleriewerken auch die zahlreichen
Bunker, Unterstände und Tankhindernisse im Bereich der Nordfront gebaut. Parallel erfolgte die Organisation der Beobachtungs- und Kommandoposten. Die Posten erstreckten
sich in geschützten Anlagen auf exponierten Lagen über den gesamten Festungsraum. Mit permanent verkabelten Verbindungen sollte man von hier das Feuer der Artillerie
leiten können.
Am 10. Mai 1940 startete die Wehrmacht ihren Westfeldzug und die Schweizer Armee mobilisierte erneut. So auch die Truppen der neu gegründeten Festung Sargans. In der
Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1940 erwartete die Schweiz einen Überfall, der sich dann im Nachhinein als eine perfekte Täuschung der Wehrmacht herausstellte. Während
dieser Mobilmachung bezog der Stab das erste Mal den provisorischen Kriegs-KP in Berschis und die ersten Festungs-Artillerie Kompanien wurden gegründet.
Noch vor dem Reduitbefehl erhielt Brigadier Gubler den Befehl, die Festung gegen Süden zu schliessen und entsprechende Anträge zu formulieren. Dem kommt das Kommando
nach und stellt am 7. Juli 1940 eine ganze Reihe von Anträgen betreffend den Ausbau der Festung. Der Antrag umfasst Verstärkungen von in Bau befindlichen Werken und
neue Werke aller Art. Derweil nimmt die Festung langsam Formen an, denn am 2. Juli 1940 konnte Brigadier Gubler persönlich den ersten Panzerturm (Furggels) der
Festung anschiessen.
Frankreich war geschlagen und die Schweiz praktisch umzingelt. Der Reduitbefehl des Generals mit dem Operationsbefehl 12 vom 17. Juli 1940 brachte eine
Schwergewichtverlagerung ins Landesinnere, was den weiteren Ausbau von Grenzbefestigungen praktisch weitgehend stoppte. Dies galt nicht für die Festung Sargans. Sie
wurde östliche Verankerung des Reduits. Entsprechend wurden neue Befehle formuliert und das Dispositiv angepasst. Am 8. August 1940 fand eine Konferenz in Sargans statt,
an welcher die weiteren Ausbauten besprochen und beschlossen werden sollten. Die Südfront sollte nun bei Trimmis geschlossen werden, und die entsprechenden Artillerie- und
Infanteriewerke wurden genehmigt. Des Weiteren erhielt die Festung vier weitere Panzertürme zugeteilt und auch die Kommandoposten Nordfront und Festung Sargans wurden
genehmigt. Wegen der beschränkten finanziellen Mittel konnten aber nicht alle Projekte bewilligt werden. Dies zeigte sich am deutlichsten im Abschluss der Westfront, wo
praktisch alle Verstärkungsmassnahmen abgelehnt wurden. Die entsprechenden Kostenvoranschläge lieferte das Baubüro dann bis Ende September. Einen Monat später - am 23.
Oktober 1940 - formuliert der General in einem Bericht an das EMD die Rolle der Festung wie folgt: "Die beiden Festungen St. Maurice und Sargans bilden den Eckpfeiler der
Zentralraumstellung der Armee." Der Ausbau der Festung war damit zu einem unumgänglichen und dringenden Erfordernis geworden - so sollte man zumindest meinen. Schon
nach wenigen Wochen wird sich die Frage nach Sinn und Unsinn eines weiteren Ausbaus der Festung erneut stellen.
Inzwischen hatte der Nachrichtendienst der Armee das Kampfverfahren der Wehrmacht gegen Befestigungsanlagen studiert und die Truppenkommandanten informiert. Brigadier
Gubler nimmt dies zum Anlass, seinen Stabschef zu beauftragen, eine Studie zu machen, wie die darin erwähnten Verteidigungsfehler zu verhindern sind. Die Resultate der
Studie münden darin, dass ein Reglement für die Bunkerverteidigung erlassen wird. Ebenso beantragte der Stabschef beim Kommandanten die notwendigen und dringlichen
Massnahmen. Wichtigste Massnahme sollte sein, dass die ganze Sarganserau mit einem tief eingegrabenen Tf-Netz versehen werden muss. Am 5. Dezember 1940 besuchten General
Guisan und EMD Chef Minger die Festung Sargans. Beim Bunker Melserau 1 wurde eine Demonstration der neu entwickelten Bunkerverteidigung vorgeführt. Die Vorführung
hinterliess einen derart überzeugenden Eindruck, dass der kürzlich nachträglich eingereichte Kredit für das Telefonnetz bewilligt wird und das fertige Reglement bezüglich
Bunkerkampfs in der ganzen Armee eingeführt wird.
Ausbau der Festung Sargans gegen Süden
Gegen Ende des Jahres kommt jedoch neues Ungemach für die fleissigen Männer im Baubüro der Festung Sargans. Eine Kommission des EMD inspizierte das Baubüro und die
Baustellen. Die Inspektoren hatten dabei einen schlechten Eindruck bekommen und fragten im Bericht an den General "ob es angezeigt ist, im gegenwärtigen Zeitpunkt derart
hohe Mittel vor der eigentlichen Front des Zentralraums festzulegen". Der Kreditantrag von 38 Mio. CHF schreckte den General ab und er stellte die Rolle der Festung
Sargans im Rahmen des Reduits in Frage. Er warf die Frage auf, ob dieser grosse Brückenkopf östlich des Rheins unabdingbar sei und ob die Nordfront der Festung nicht
auf einer kürzeren Strecke westlich des Rheins direkt an die Gruppe Glärnisch angeschlossen werden könnte.
Der Chef des Generalstabs, Divisionär Huber, setze sich entschieden für den bestehenden dreiteiligen Auftrag der Festung Sargans ein und damit auch für den Ausbau
der Südfront. Er argumentierte, dass ohne Sargans der Gegner in einer Zangenbewegung über Luzisteig und Prättigau praktisch kampflos bis in den Raum Chur - Reichenau
vordringen und so die Geb Br 12 abschneiden könne. Die damals praktisch noch offene Ostflanke der Festung Gotthard würde eingedrückt, und um dies zu verhindern brauche
es die Festung Sargans, wie sie nun konzipiert war. Der General beugte sich den Überlegungen und beantragte beim Bundesrat einen etwas zurecht gestutzten Kredit über
29 Mio. CHF. Ausgerechnet die beantragten Werke im Westen der Festung, welche an die Gruppe Glärnisch anschlossen, wurden unter anderem gestrichen. Ende Januar bewilligte
der Bundesrat den Kredit und der Ausbau der Festung gegen Süden konnte in Angriff genommen werden.
Bis 21. Mai 1941 konnte das Baubüro eine stattliche Anzahl von Anlagen als fertiggestellt melden. Dazu gehörten die Talsperre zwischen Fläscherberg und Schollberg, die
Bunker in der Sarganserau, die Sperren im Seeztal und der Chlus und die ersten zwei Bunker und Sperren bei Trimmis.
Der am 14. Mai 1941 erlassene Operationsbefehl 13, welcher die Rücknahme des Heeres ins Reduit einleitete, und bis Ende Jahres abgeschlossen sein sollte, hatte für
die Festung Sargans noch keine Änderungen zur Folge. Auf Grund eines Antrags des Festungskommandos wurde im August 1941 die Reduitlinie verkürzt und auf eine Linie
zurückgenommen, die bei der Feldrüfi in Fläsch verläuft. Dies hatte zur Folge, dass nun neue Anlagen geplant werden mussten. Darunter auch drei zusätzliche Artilleriebunker,
welche auf dieses neue Hindernis wirken konnten. Auch nahm man eine Kavernenanlage für die mobile Artillerie an der Römerstrasse beim Luzisteig in die Projektliste auf. Der
entsprechende Kredit über 12 Mio. CHF wurde in der Folge dann auch bewilligt.
Eine weitere Auswirkung der Verkürzung war auch eine Umorganisation der Frontabschnitte. Neu wurde zwischen Nordfront, Südfront, Westfront und Kampfgruppe Luzisteig
unterschieden. Weil aber kein geeigneter Kommandant gefunden werden konnte, unterstand die Kampfgruppe Luzisteig interimistisch der Südfront.
Bis Jahresende war der Bestand des Baubüros auf 140 Mann angestiegen und auf den Baustellen waren ca. 1'500 Arbeiter beschäftigt. Dies entspricht einer effektiven Dotation
von nur 50%, denn es herrschte überall Arbeitermangel. Unter diesen Umständen ist die Leistung der Arbeiter und Ingenieure kaum hoch genug einzuschätzen. Denn bis zu diesem
Zeitpunkt waren neun Art Werke und fünfzig Inf Werke als schussbereit gemeldet. Sieben Art Werke und fünfunddreissig Inf Werke waren noch in Projektierung oder Bau.
In den Jahren 1941 und 1942 wurde auch die Auskundschaftung des Reduits und Festung Sargans durch die deutsche Spionage immer intensiver. Landesverräter, die im Festungsraum Dienst
taten, waren hier besonders aktiv. Im "Bericht des Generaladjutanten über den Aktivdienst 1939-45" sind dazu einige Beispiel aufgeführt. So verriet der Gefreite Herrmann Vinzens
Details und Versorgungslage der Festung Furggels. Zur Spionagegruppe um Vinzens gehörte auch der in der Festungsinfanterie Sargans eingeteilte Soldat Hermann Grimm. Er hatte
Skizzen über die innere Festungsorganisation herzustellen und genaue Einzelheiten über die dort stehenden Einheiten, die Bewaffnung und Verbindungswege herzustellen. Ausserdem
lieferte er Details eines Bunkers beim Kurhaus Alvier, Skizze über Lage und Schussfeld des Bunkers bei Plattis sowie Informationen zu den Anlagen beim Luzisteig. Für diesen
Verrat wurden die beiden Nazi-Spione mit dem Tode bestraft und hingerichtet. Auch erwähnt wird der Spion Zwicky, welcher während eines Militärdienstes Zeichnungen der Stellungen am
Guschagrat und der Tanksperre bei Ansstein machte. Er kam mit einer Zuchthausstrafe davon. Es ist anzunehmen, dass neben diesen drei Beispielen, noch zahlreiche andere Spione
die Festung Sargans ausgekundschaftet und verraten haben.
Unter neuem Kommando in eine aktive Besetzung der fertigen Werke
Per 1. Januar 1942 übernahm Jacques Wichser das Kommando über die Festung Sargans. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hatte er nun etwas, dass auch langsam die Bezeichnung
Festung verdiente. Eine weitere Neuerung war die Gründung des Festungswacht Korps per 1. April 1942. Die ersten Festungswächter stammten primär von der Freiwilligen Grenzschutz
Kompanie 13 und bezogen ihr neues Quartier in Mels. Nachdem im August 1942 endlich ein geeigneter Kommandant gefunden werden konnte, war es auch möglich die Kampfgruppe
Luzisteig zu bilden.
Ende 1942/Anfang 1943 wurden immer mehr Anlagen fertig gestellt. So zum Beispiel die Artilleriewerke an der Südfront oder die drei Artilleriebunker, welche auf die verkürzte
Reduitfront bei der Feldrüfi wirken konnten. Dies keinen Moment zu spät, denn 1943 sollte ein unberechenbares Jahr werden. Weil der General die Bedrohung durch deutsche
Überraschungsangriffe hoch einschätzte - zu Unrecht, wie wir heute wissen - wurde am 1. März 1943 eine dauernde Bereitschaft der Festungs-Artillerie mit reduzierten Beständen
befohlen. Dieser Zustand dauerte dann bis Kriegsende an.
Als am 3. September 1943 Italien kapitulierte und somit aus dem Krieg ausschied, befürchtete man im Armee Hauptquartier, dass es zu Kämpfen an der Südfront kommen könnte oder
die Deutsche Wehrmacht via Schweiz versuchen könnte, ihre Truppen zu verstärken. Deshalb ordnete der General am Sonntag, den 12. September 1943 eine Mobilisierung der Südfront an.
21'000 Mann der Festung Sargans rückten ein und bezogen zum ersten Mal auch die grossen neuen Artilleriewerke. Dies, obwohl der Innenausbau noch nicht abgeschlossen war und die
Soldaten zum Teil auf Stroh schlafen mussten.
Während Ende 1942 das Baubüro von Major Schüepp nun 200 Personen umfasste, waren zum Jahresende 1943 nur noch 160 Mann beschäftigt. Dies zeigt auch, dass die Bauarbeiten nun
dem Ende entgegen gingen und das Baubüro zurück gefahren werden konnte. Trotzdem sollte 1944 nochmals ein intensives Planungsjahr werden. Auslöser dafür war der Wechsel der
Festung Sargans vom 4. Armeekorps zum 3. Armeekorps. Damit verbunden verlor die Festung Sargans ihren stärksten mobilen Artillerieverband - die Motorkanonenabteilung 31. Dieser
Verband wirkte primär für die Nordfront, und das Festungskommando wollte diesen Verlust an Feuerkraft ausgleichen.
Dazu arbeitete das Festungskommando diverse Projekte zum Ausbau der Festungen Castels, Furggels und Tschingel aus. Während in den ersten genannten Werken für die Feuerunterstützung
je vier 15 cm Kanonen eingebaut werden sollten, plante man für den Tschingel eine Panzerabwehrbewaffnung bestehend aus 7.5 cm BK. Dieser Antrag wurde am 4. April 1944 eingereicht und
am 10. Juni 1944 bereits wieder modifiziert. Wegen der beschränkten Mittel wurde auf einen Ausbau von Castels verzichtet. Der letzte grosse Ausbau der Festung Sargans für 6 Mio. CHF
wurde knapp vor Kriegsende im Dezember 1944 bewilligt. Weil man festgestellt hatte, dass die Panzerung der Panzerkampfwagen während des Krieges laufend zunahmen und die 7.5 cm nur
noch beschränkt zur Panzerabwehr taugten, beschloss man, im Tschingel vier 10.5 cm Panzerabwehrkanonen einzubauen. Diese deckten so auch das ganze Seeztal bis zum Walensee mit Feuer
ab.
Am 8. Mai 1945 war der Krieg mit der Kapitulation von Nazi Deutschland zu Ende. Als letzte Einheit der Festung Sargans wurde die Fest Art Kp 38 am 17. Mai 1945 aus dem Aktivdienst
entlassen. In nur sechs Jahren hat Major Schüepp mit seinem Baubüro, den zähen Mineuren und unermüdlichen Bauarbeitern aus einem unbefestigten Talkessel eine dritte Landesbefestigung
in den Fels gehauen, welche es nun verdiente, Festung Sargans genannt zu werden. Mehrere dutzend Kilometer Stollen waren ausgebrochen und eine Festung errichtet, in welche 74 Kanonen
jeglichen Kalibers und 309 Mg / Lmg fest eingebaut waren. Eine Leistung, vor welcher man auch heute noch, nur den Hut ziehen kann.

Die Festung Sargans und Festungsbrigade 13 im Kalten Krieg

Der heisse Krieg war zu Ende, aber noch waren Projekte abzuschliessen. Die gegen Ende des Aktivdienst begonnenen Ausbauten der Werke Furggels und Tschingel konnten bis Ende
1946 abgeschlossen werden. Im Herbst 1945 - also nach Ende des Zweiten Weltkriegs - beantragte der Artillerie Chef der Festung Sargans den Bau eines Artilleriewerks
Schollberg 3, in welches vier mobile 7.5 cm Kanonen 03/22 hinein gerollt werden sollten. Dem Antrag wurde statt gegeben und das Annex AW Schollberg 3 ebenfalls 1946
erstellt.
[ Wirkungskarte aller erstellten und entklassifizierten Artilleriewerke ]
Damit war aber der Ausbau der Festung Sargans bei weitem noch nicht abgeschlossen. Bis 1997 sollten noch zahlreiche Projekte folgen, welche den Wert der Festung erhalten
und sogar noch steigern sollten. Zuerst erfolgte aber eine grosse organisatorische Umstellung. Mit der Truppenordnung 51 schlug die Geburtsstunde für die Festungsbrigade
13. Aus der Nordfront wurde nun das Inf Rgt 72 und aus der Südfront das Inf Rgt 62. Mit den zwei selbstständigen Auszugsbatallionen der Brigade verfügte sie nun total
über 10 Inf Bat. Die Festungsartillerie wurde in eine Regimentsstruktur (Fest Rgt 20) mit zwei Fest Art Abt (Nr. 11 und 12) überführt. Dies ermöglichte nun eine
integrierte organische Feuerführung auf Stufe Brigade.
1949 lag das Ellhorn endlich auf Schweizer Gebiet. In einem Landabtausch mit dem Fürstentum Liechtenstein konnte die Schweiz diesen Felsen erwerben, den Genieoberst H. v.
Gugelberg 1934 in seinem Schreiben an das EMD erwähnt hatte. Sofort begann man mit der Planung und ab 1953 mit dem Bau eines kleinen Panzerabwehrwerks. Dieses konnte bereits
ein Jahr später an das FWK übergeben werden. Gleichzeitig sicherte man den Felsrücken des Ellhorns und das ganze Festungsgebiet mit zahlreichen Unterstandskavernen. Diese
dienten als Ersatz für die vielen Feldunterstände, welche nach dem Krieg wieder abgebrochen wurden.
Anfang 1960 wurde der Kalte Krieg immer intensiver. Dies führte dazu, dass sich die Armee neu organisierte und die Truppenordnung 61 eingeführt wurde. Für die Fest Br 13
bedeute dies eine Verkleinerung des Brigaderaumes und damit verbunden den Verlust eines Bataillons. Gleichzeitig führte man im Fest Rgt 20 wieder drei Art Abt ein und die
Fest Art Abt 13 wurde neu formiert. Eine weitere Veränderung betraf die wichtige Fliegerabwehr. Diese wurde wieder als eigener Verband vom Fest Rgt losgelöst und in die
Fest Flab Abt 20 eingebracht. Zum gleichen Zeitpunkt führte man für die 10.5 cm Kanonen die Spitzgranate ein. Erstmals konnten nun die Panzertürme die alten Forderungen
aus dem Zweiten Weltkrieg erfüllen: Feuer auf den Aufstieg zum Kunkelspass von Reichenau, den Abstieg von der Lenzerheide nach Chur und in den Raum Feldkirch.
Mit der Armee 61 startete auch eine neue intensive Bauphase im ganzen Festungsgebiet, welche das ganze Jahrzehnt hindurch andauern sollte. Der Akzent lag zuerst beim Bau
von Schutzmassnahmen für die Abschnittstruppen. Die Stäbe der Inf Rgt und Inf Bat erhielten endlich eigene KP Kavernen. Das ganze Dispositiv der Infanterie verstärkte man
durch neue, vorfabrizierte Beton-Unterstände vom Typ U4 und U12. Daneben baute das FWK in Eigenregie in zahlreichen Werken zusätzliche Stände für Infrarot-Scheinwerfer ein.
Damit sollte erstmals auch eine effektive Feuerführung bei Nacht möglich sein. Parallel wurden schon vorher die alten Panzerabwehrwaffen zurückgezogen und teilweise durch
leistungsfähige 9 cm Panzerabwehrkanonen ersetzt.
Ab 1962 baute man ein Schleusensystem, welches es ermöglicht hätte, die ganze Sarganserau zu fluten und für Panzer und Infanterie unpassierbar zu machen. Zur Verstärkung der
Aussenverteidigung wurden zwischen 1965 bis 1967 in den Werken Castels, Magletsch, Molinära und Neuenburg total zehn 8.1 cm Festungsminenwerfer integriert. Auch passte man die
Werke gegen die AC Bedrohungen an und baute neue Atom-Feinstaub Vorfilter ein. Höhepunkt des Ausbaus der 1960er Jahre war der erste 12 cm Festungsminenwerfer, der 1969
angeschossen werden konnte. Dieser Werfer wurde noch im Stile der alten Festungen als Felswerk errichtet. Diesem ersten Werfer sollten 1971 nochmals zwei weitere folgen,
welche als echte Monoblocks gebaut wurden. Damit war Ende 1971 der absolute Höhepunkt der Feuerkraft der "alten" Festung Sargans erreicht.
Als erste Einheit aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde die Kompanie Römerstrasse mit ihren vier 12cm Hb 12/39 aufgelöst. Das ganze verkaufte man den Medien und dem
Fürstentum Liechtenstein übrigens als eine Wiedergutmachung für ein verunglücktes Artillerieschiessen. 1970 schoss ein Panzerturm des AW Furggels aus Versehen nach Malbun
und zerstörte dabei einen Gartentisch. Man stellte es so dar, dass der missglückte Schuss aus dem Werk Römerstrasse stammte, welches man in der Folge medienwirksam still legte,
damit es nicht wieder zu so einem "Missgeschick" kommen könne.
Die 1970er Jahre brachten nur wenig offensichtliche Veränderungen in der Festung Sargans. Das Dispositiv verstärkte man laufend mit einzelnen Atomschutz-Unterständen (ASU).
Die alten MG 11 musste langsam dem neuen MG 51 Platz machen. Wichtigste Neuerung war aber die Einführung des Permanenten Sprengdispositivs 75 (PSD75). Da im Kalten Krieg die
Vorwarnzeiten immer kürzer wurden, sollte das PSD75 helfen, die Reaktionszeiten erheblich zu reduzieren. Dazu wurden die bestehenden Sprengobjekte (SprO) technisch und taktisch
beurteilt. An verschiedenen Orten brachte man sogar neue SprO an, im Besonderen an der neu erstellten Autobahn N13/N3, welche direkt durch die Schlüsselräume der Festung Sargans
führt. Wichtigste Änderung des PSD75 gegenüber früher war, dass der Sprengstoff und die Übertragungseinrichtungen für die Zündung bereits im Frieden ins Objekt eingebaut wurden.
Für die effektive Zündung wurden nur noch Richtplatte, Zündschnur und Sprengkörper benötigt. Dadurch senkte sich die Erstellung der Zündbereitschaft auf wenige Stunden, was
für damalige Verhältnisse einen Quantensprung bedeutete. Für die Sprengung benötigte der Sprengobjektchef einen Zündcode, welcher als GEHEIM eingestuft war. Die Mannschaften
rekrutierten sich aus Soldaten, die in der Nähe eines Objektes wohnten. Damit die Sprengtechnik auch funktionieren würde, übernahmen die Angehörigen der Festungswacht Kp 13 die
notwendigen Sicherheits- und Unterhaltskontrollen am System.
Als Folge der Einführung der 12 cm Festungsminenwerfer mit ihren 360° Wirkungsräumen fand 1978 eine Neustrukturierung des Festungsregiments statt. Nur noch Werke, welche zu
Gunsten mehrerer Infanterieverbände wirken konnten, verblieben im Regiment. Die eigentlichen Sperrwerke, die mit ihren 9 cm Pak und 7.5 cm BK ausschliesslich zur Verteidigung
der eigenen Sperrstellung einsetzbar waren, wurden in neu aufgestellte Werkkompanien überführt. Der nächste Schlag für die 7.5 cm Festungsartillerie kam Ende 1983. Überraschend
wurde deren Ausserbetriebnahme verfügt. Zwar war dieser Schritt schon länger absehbar, trotzdem kam der Entscheid überraschend. Denn obwohl das Kaliber veraltet war, war diese
verbunkerte und gut geschützte Waffe mit einer Kadenz von 15 - 20 Schuss pro Minute gegen Infanterie noch äusserst wirksam. Der direkte Auslöser für den Rückzug war die Munition.
Da man wegen Rohstoffmangel im Krieg die Hülsen nicht aus Messing, sondern aus einer Aluminiumlegierung mit Namen "Avional" herstellt, machten die Hülsen einen rascheren
Alterungsprozess durch. Zudem begannen die Zündpatronen sich zu zersetzen, was zu Fehl- oder Selbstzündungen hätte führen können. Dies alles zusammen genommen hatte den raschen
Rückzug der Munition zur Folge. Auch das Werk Tschingel verlor 1983 seine Panzergranaten mit Bodenzünder aus seinen Beständen. Folglich verlor das Werk seinen Panzerabwehrauftrag
und wurde zum reinen Artilleriewerk degradiert.
Ein Ersatz von 7.5 cm Geschützen in den selben Kavernen durch neue 10.5 cm Festungshaubitzen war mit der Reorganisation 1987 vorgesehen. Es waren vier Geschütze in zwei Batterien
geplant. Da jedoch andere Brigaden über weniger 10.5 cm Rohre verfügten als die Festung Sargans, wurde diesen eine höhere Priorität zugebilligt. Am 1. Januar 1987 strich man die
7.5 cm Geschütze der Festungsbrigade 13 aus den Etats. Als Ersatz für die nicht erhaltenen 10.5 cm Haubitzen konnte die Brigade 1987 einen weiteren 12 cm Festungsminenwerfer in
Betrieb nehmen. Gleichzeitig rüstete man die bisherigen drei Werfer auf den Stand der neuen Generation nach.
Mit der Mechanisierung der Artillerie der Feldarmee wurden bis 1988 die Geschütze von insgesamt 36 Batterien mit 10.5 cm Haubitzen frei. Diese wurden sukzessive den Kampfbrigaden
als sogenannte Aussenbatterien zugeteilt. Die Festungsbrigade erhielt vier voll mobile Batterien. Sie sollten den Verlust der 7.5 cm Batterien ausgleichen. Rein rechnerische ergaben
die 24 Rohre grösseren Kalibers - gegenüber 22 von früher - eine Verbesserung der Feuerkraft. Allerdings darf das Überleben dieser Batterien nicht überschätzt werden. Der benötigte
Flab-Schutz für diese Batterien wurde der Brigade nicht zugeteilt. Somit mussten die bestehenden Falb-Batterien nicht nur die exponierten Panzertürme schützen, sondern neu auch
die mobilen Batterien. Trotz dieser Einschränkung erlaubten die mobilen Batterien wieder eine gezielte Unterstützung von einzelnen Infanterie Bataillonen. Zur Feuerleitung mussten
die Batterien aber an die Festungsabteilung angeschlossen werden.
[Fest Br 13 im Grunddispo "Zeus" - Ausgabe Oktober 1991]
In Folge der knapper werdenden Finanzmittel mussten im Laufe des Jahres 1982 die Abwehrwerte der Anlagen neu beurteilt werden. Dies führte dann dazu, dass ab den Folgejahren begonnen
wurde, die Infanteriewerke und Bunker zu Unterständen zu deklassifizieren und die Bewaffnung zu entfernen. Zum Beispiel wurde 1985 das Ellhorn entwaffnet und fortan nur noch als
Unterstand benutzt. Überall, wo das MG nicht mehr als 300 Meter weiter feuern konnte, wurde es samt Lafette ausgebaut. Mit dem Fall der Berliner Mauer kam es zu einer erneuten
Beurteilung des Abwehrwertes der Anlagen. Bis 1990 waren dann praktisch alle Pak zurückgezogen.
Mit ein Grund dafür war der Paradigma-Wechsel im Festungsbau. Neu sollten nicht mehr grosse Felswerke mit aufwändiger Infrastruktur den Feuerkampf führen, sondern kleine
Monoblockanlagen mit wenig Besatzung und kompakter Bauweise. Bei den grossen Werken investierte man nur noch Geld in Anlagen, die auch in Zukunft weiter genutzt werden sollten. Ab
1988 begann man so in den drei Artilleriewerken Castels (Brigade KP), Furggels und Tschingel die AC-Schutzmassnahmen zu modernisieren. Wie bei modernen Grossanlagen üblich, wurde
die geschützte Zone auf einen Trakt reduziert und die Filter- und Lüftungseinrichtungen modernisiert. 1993 schoss man dann zum letzten Mal im Rahmen eines WK mit den Turmkanonen.
Am Vorabend des grossen Umbruchs im schweizerischen Festungswesen erhielt die Festung Sargans nochmals neue Kampfanlagen. Im Bereich Sarganserau konnte man auf Anfang 1992 die beiden
Centurion-Bunker und 1994 dann in der Südfront noch einen weiteren 12 cm Festungsminenwerfer in Betrieb nehmen.

Die Festungsbrigade 13 der Armee 95

Am 1. Januar 1995 trat die Armeereform 95 in Kraft. Die als Armee 95 bekannte Reform war die tiefgreifendste Veränderung für die Festungstruppen in der ganzen Schweiz.
Alle Grenz- und Reduitbrigaden wurden aufgelöst. Die Festungsbrigaden blieben zwar erhalten, mussten aber eine erhebliche Umstrukturierung über sich ergehen lassen. Für die
Festungsbrigade 13 bedeutete die Auflösung der Heeresklassen Landwehr und Landsturm die Auflösung der beiden Inf Rgt 62 und 72 und ihrer Bataillone. Die beiden bisherigen
Regimenter ersetzte man durch das neue Geb Inf Rgt 35 und alimentierte dieses durch zwei Bataillone aus der Geb Div 12. Zwei bisherige Bataillone blieben der Brigade erhalten.
Dies alles bedeutete eine Reduktion von bisher 8 auf neu 4 Kampfbataillone und führte zu einem enger umschriebenen Verteidigungsauftrag für die Brigade. Man konzentrierte sich auf
das Sperren des Raum Sargans. Das Aufrechterhalten einer Südfront südlich von Landquart war unmöglich geworden.
Gliederung der Fest Br 13 in Armee 95
Nach beinahe 50 Jahren löste man auch das Fest Rgt 20 per 1. Dezember 1994 auf und mit ihm die Führungsstrukturen. Erhalten blieben in der ganzen Schweiz nur noch
Artilleriewerke mit vier oder mehr Geschützen der Kaliber 10.5 cm und grösser. In Sargans bedeute dies, dass ausser Furggels und Tschingel alle anderen Werke als Kampfanlagen
ausgedient hatten. Für den Betrieb der verbliebenen zwei Artilleriewerke war nur noch die Fest Abt 13 zuständig.
Als neuer Artillerieverband kam aus der Geb Div 12 die Haubitzen Abteilung 53 in die Festungsbrigade 13. Dieser Verband wurde im Vorjahr eben erst von der alten Kan35 auf
die Hb42 umgeschult und neu ausgerüstet. Mit der gleichzeitigen Umrüstung der Fest FLAB Abt 20 auf die Lenkwaffe Stinger war immerhin der Schutz gegen Bedrohungen aus der
Luft erheblich verbessert worden. Dies im Besonderen, weil gleichzeitig die alten Turmwerke aufgelöst wurden und somit kein Flabschutz dafür mehr benötigt wurde.
Die alten Infanteriewerke und Bunker wurden aufgegeben und die Werkkompanien aufgelöst. Erhalten blieben noch als zweckmässig erachtete örtliche kompakte Infrastrukturanlagen
wie die ehemaligen Regiments- und Bataillons-Kommandoposten. Ebenso erhalten blieben die modernen Monoblockanlagen wie die 12 cm Festungsminenwerfer, Centurion
Panzerabwehrbunker und Atomschutz Unterstände. Neu bewertet wurden die Sperrstellen. Wo sie noch Sinn machten, blieben sie teilweise erhalten. Dies galt im Besonderen für
die Sprengobjekte und Panzerhindernisse. Auch einige der alten Festungswerke übernahm man, da sie als Zündstelle für die Sprengobjekte und Unterkunft für die Objektmannschaften
noch benötigt wurden. Für die Bedienung der Festungsminenwerfer, Centurion Bunker und die Betreuung der Sprengobjekte und Tankbarrikaden wurde das Festungspionier Bataillon
38 (Fest Pi Bat 38) neu gebildet. Die Kompanie III war die Stammeinheit für alle Festungsminenwerferbatterien, während die anderen Kompanien für die restlichen Permanenzen zuständig waren.
1995/96 baute man den Unterkunftstrakt der Festung Magletsch zu einer modernen Kaserne für 200 Mann um. Die obere Etage wurde vom Verein AFOM übernommen und fortan als
Festungsmuseum betrieben. Die Umnutzung der Unterkünfte von alten Artilleriewerken als Kasernen war nicht neu. Weil nach dem Fall der Berliner Mauer die Geheimhaltungsvorschriften
gelockert wurden, konnten nun auch andere Waffengattungen in den Festungen untergebracht werden, weshalb Schollberg, Ansstein, Passati, Molinära und Haselboden seit 1990 als
Unterkunft dienten. Erst nach einem Unfall in Ansstein im Jahr 1999 untersagte man dies.
Auch der Lebenszyklus der noch verbliebenen Festungswerke war mit dem Schritt Progress 2 vom Bundesrat per Ende 1999 verkürzt worden. Alle verbliebenen Artilleriewerke in
der Schweiz wurden vorzeitig geschlossen und die verbliebenen zwölf Haubitzenabteilungen der Armee ersatzlos gestrichen. Am 2. Mai 1998 feuerte die Festungsartillerieabteilung
13 in ihrem WK zum letzten Mal mit den Kanonen aus Furggels und dem Tschinggel. Die Festung Sargans verlor ihre gesamte grosskalibrige Artillerie und ihre letzte
Festungsartillerieabteilung. Dies 60 Jahre, nachdem die erste Festungskompanie im Zweiten Weltkrieg gegründet wurde.
Mit dem Rüstungsprogram 93 beschaffte die Armee vier Festungsartilleriebatterien Bison. Diese modernen Monoblockanlagen wurden ab 1984 noch im Kalten Krieg entwickelt und
erst nach dem Fall der Mauer und Auflösung des Warschauer Pakts zur Serienreife gebracht. Obwohl man das ganze Bison-Programm halbierte, war auch für die Festung Sargans
eine Bison Batterie a zwei Monoblocks mit je zwei 15.5 cm Fest Kann 1993 L 52 vorgesehen. Diese beiden Monoblocks wurden 1997/98 auf dem Gebiet des Kantons Graubünden erbaut.
Dank der grossen Reichweite konnte auch, wie früher mit den Panzertürmen von Magletsch, bis nach Feldkirch gewirkt werden. Rechtzeitig zur Auflösung der letzten alten Festungen
waren die Bison einsatzbereit. Die vier Rohre Bison glichen den Verlust der beiden "alten" Festungen mehr als aus. Dank moderner Kanistermunition und intelligenten
selbstzielsuchenden Granaten für Bison und Festungsminenwerfer waren ab dem Jahr 2000 eindrückliche Fortschritte im Fall eines möglichen Abwehrkampfes erreicht worden. Dies
ermöglichte einen Panzerabwehrkampf mit Artillerie - ein Problem, welches die alten Festungen von Anbeginn an hatten. Leider kam aber dieser Quantensprung viel zu spät.
Die Bison-Batterien können - obwohl geografisch im ehemaligen Festungsgebiet gelegen - nicht zur Festungsbrigade 13 dazu gezählt werden, denn sie waren direkt dem Geb AK 3
unterstellt worden. Per 1. Januar 2000 formierte man die Fest Art Abt 13 zum Ausbildungsverband für die Bison Batterien in GR (Fest Art Kp 13/II) und VS (Fest Art Kp 13/I) um.
Unterstellt war die Fest Art Abt 13 der Fest Br 23, der Gotthard-Brigade. Die Umschulung der Truppe fand im Jahr 2000 und 2001 statt.
Die Armeereform 95 währte kurz. Bereits Ende 2002 war sie vorbei und die Armee XXI trat an ihre Stelle. Für die Festung Sargans und die Festungsbrigade 13 bedeutete dies das Ende.
Mit Ausnahme der Fest Art Abt 13 wurden alle Festungsformationen und -Brigaden aufgelöst. Festungen hatten - zum Teil wenigstens - ausgedient. Per 31. Dezember 2002 hat die
Festungsbrigade 13 und mit ihr die Festung Sargans als Bollwerk im Osten ausgedient.

Armee XXI

In der Armee XXI war die Festungsartillerie Abteilung 13 als Stammeinheit für alle Bison und Festungsminenwerfer zuständig. Infrastruktur Bataillone, und später Hauptquartier
Bataillone, betreuen die verbliebenen Kommandoposten.
Es liegt bei genauer Analyse der Aussagen von Bundesrat Maurer und KKdt Blattman allerdings die Vermutung nahe, dass dieser Entscheid eher dazu dient, die "Kalten Krieger" zu beschwichtigen
und so in Bern endlich Ruhe für die wichtigen Arbeiten zu haben. Die Armeeleitung ist viel zu klug, als das sie nicht wüsste, dass es unsinnig ist, diese Anlagen zu behalten.
Denn am 12. Dezember 2011 erklärte Bundesrat Maurer dazu im Ständerat: "Das ganze Konzept der Minenwerfer geht eigentlich auf das Abwehrkonzept der Schweizer Armee etwa aus dem Jahre
1960 zurück. Dieses wurde als Antwort auf einen mechanisierten Gegner entwickelt ... Nun, dieser Kampf, dieser Krieg hat nie so stattgefunden, wie wir uns das vorgestellt
haben ... wir müssen heute davon ausgehen, dass ein Kampf, wie wir uns ihn damals vorgestellt haben, ... vor fünfzig Jahren haben wir angefangen, uns darauf vorzubereiten -,
zum Glück gar nicht so stattfinden wird ... Hier in der Schweiz in einem Konfliktfall mit Artilleriemunition in bewohnte Gebiete hineinzuschiessen, scheint uns doch auch fragwürdig zu
sein, weil Konflikte nicht mehr so stattfinden, wie man sich das damals vorgestellt hat ... Aber aus heutiger Sicht ist es kaum sinnvoll, solche Systeme noch weiter zu erhalten, weil
sie einfach nicht mehr ins Konzept passen. Sie sind nicht technisch veraltet, aber sie sind taktisch veraltet. Sie entsprechen nicht mehr der Kriegführung, und das ist wohl auch in
Zukunft nicht der Fall."

Am 22. Juni 2011 ist auch der letzte Festungsverband - die Festungsartillerie Abteilung 13 - aufgelöst worden. Mit Bundesratsbeschluss vom Mai 2011 sollten alle Festungsminenwerfer,
Bison Batterien und Sperrstellen per Ende Jahr aufgelöst werden. Neben finanziellen Gründen spielten primär die veränderten Bedrohungen eine Rolle. Auch wenn es manche noch nicht wahr haben
wollen, die Zeit der Festungen in Fels und Monoblocks ist endgültig abgelaufen. Die dritte Dimension, unsere dicht besiedelten Siedlungsräume und der Cyberraum lassen sich nicht mit
starren Monoblocks verteidigen. Diese Wahrheit einzusehen fällt vielen schwer, weshalb einige traditionell orientierte Kreise versuchen, die Festungen zu erhalten. Dies scheint auch zu
gelingen, denn im März 2012 sprach der Armeechef KKdt Blattmann in der NZZ wieder davon, die Festungsminenwerfer behalten zu wollen. Dies angeblich, weil das Parlament inzwischen
die Kanistermunition verboten hat und die Festungsminenwerfer dafür ein - wenn auch suboptimaler - Ersatz seien (so Zitat KKdt Blattman).

So sind also diese Monoblockanlagen aus der alten Festung Sargans auch heute immer noch klassifiziert und kosten Geld, dass dringend wo anders benötigt wird. Dies obwohl keine
Unterhaltsorganisation, keine Festungstruppen (für Einsatz, Unterhalt, Instruktion) und mit dem Verbot der Kanistergranaten keine wirksame Munition gegen mechanisierte Gegner mehr vorhanden
ist. Es fällt manchmal eben schwer, sich von einem Mythos zu verabschieden, der wie kein anderer mehrere Generationen dieses Landes geprägt hat. Wie sagte einst KPdSU Generalsekretär Gorbatschow:
"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Sorgen wir dafür, dass wir dieses Mal nicht wieder zu spät in der Realität ankommen, wie dies 1938 schon der Fall war! Denn Terroristen,
Hacker und verbrecherische Organisationen jeder Art werden sich nicht durch Festungen beeindrucken lassen. Sie freuen sich darüber, wenn wir noch immer im Geiste des Reduits verharren. Dies
gilt es aber unbedingt zu verhindern.
Kommen wir zum Fazit: Wenn uns die Geschichte der Festung Sargans etwas lehrt, dann die Tatsache, dass jede Generation die Pflicht hat, sich rechtzeitig und adäquat gegen die Bedrohungen
ihrer Zeit zu wappnen. Dies ist bei Gott schon seit 1991 - also seit 20 Jahren - nicht mehr die Panzerarmee aus dem Norden oder Osten.
Epilog - Was von der Festung Sargans blieb
Im Festungsraum Sargans stehen auch heute noch die Beton-Überreste der einstigen Landesfestung. Die meisten haben inzwischen den Besitzer gewechselt und sind heute in privatem Besitz.
Einige Werke sind Museen geworden, andere private Ferienresidenzen oder Abstellkammern. Die restlichen Bunker sind in Vergessenheit geraten und werden jeden Tag mehr von Pflanzen
überwuchert. Die Festungswächter, welche die Anlagen einst im Geheimen betreuten, sind schon lange gegangen und die Armee hat gar kein Interesse, die alten Betonklötze zu erhalten,
geschweige denn dabei in irgendeiner Art und Weise zu helfen.
So bleibt es privaten Freaks und Enthusiasten überlassen, sich um die Hinterlassenschaft zu kümmern und zumindest die Erinnerung daran für zukünftige Generationen zu erhalten. Unser
Projekt mit seinen vielen Reportagen und Fotos ist ein Versuch, die Erinnerungen im virtuellen Raum zu erhalten und die enormen Leistungen früherer Generationen im Lichte der damaligen
Bedrohungen in Ehren zu halten. Sich an etwas erinnern heisst aber nicht, es auch zu verherrlichen.
An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei all den vielen Menschen und Organisationen, welche uns bei der Erstellung der Dokumentation zur Festung Sargans in verschiedener Art geholfen haben.
Ein ganz spezieller Dank geht dabei an die Vereine AFOM und Tschingel für die tatkräftige Unterstützung.