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Nicht ganz leicht in der Verarbeitung, aber vielseitig in der Verwendung: Plexiglas ist ein wichtiger Baustoff und häufig eine sehr gute Alternative zu echtem Glas.
Plexiglas begegnet uns im Alltag an allen Ecken und Enden. In der Baubranche, in der Medizin und sogar in der Schmuckherstellung ist Plexiglas mittlerweile unverzichtbar geworden. In diesem Beitrag haben wir alles Wichtige über Plexiglas als Baustoff zusammengefasst und beantworten Ihre Frage: Wie kann ich Plexiglas zuhause eigentlich richtig bearbeiten?
Was ist Plexiglas?
Der Begriff "Plexiglas" ist strenggenommen ein Markenname, der auf die Entdeckung des Kunststoff-Forschers Dr. Otto Röhm zurückgeht. Heute werden alle Produkte der Röhm GmbH unter der Marke PLEXIGLAS® vertrieben. Die Produktpalette ist in den vergangenen Jahren stetig erweitert worden. Heute bietet die Firma eine Vielzahl an Produkten wie Massivplatten, aber auch Stäbe und Folien mit unterschiedlichen Oberflächen an. Es handelt sich beim Plexiglas in den meisten Fällen um ein hochwertiges Acrylglas – wobei aber nicht jedes Acrylglas zwangsweise auch ein Plexiglas ist. Plexiglas ist hochgradig anpassungsfähig und daher in vielen Bereichen des Lebens flexibel verwendbar.
Die Erfindung des Plexiglases war ein Zufall
In den 1920er Jahren arbeitete der Chemiker Otto Röhm intensiv daran, ein durchsichtiges Plastik zu entwickeln. Der Weg war geprägt von zahlreichen Fehlversuchen. Im Jahr 1933 konnte er dann aber endlich einen Erfolg verbuchen. Röhm ließ versehentlich eine Versuchslösung auf einem Fensterbrett stehen. Durch den Kontakt mit Tageslicht wurde eine Reaktion ausgelöst – es entstand eine transparente Masse. Laut Überlieferung war Otto Röhm daraufhin so perplex, dass der Name "Plexiglas" geboren wurde.
So wird extrudiertes Plexiglas hergestellt
Als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Plexiglas dient ein sehr feines Granulat mit der Bezeichnung Polymethylmethacrylat. Dieses Granulat kann ganz unterschiedliche Farben annehmen, je nachdem, wie das Endprodukt später aussehen soll. Polymethylmethacrylat wird im sogenannten Extruder eingeschmolzen, bis es eine zähe Masse ergibt. Diese Masse wird zwischen zwei Walzen bewegt, um die gewünschte Dicke zu erreichen. Ist die Masse nun in die richtige Form gebracht, kühlt sie ab. Dieser Verfahrensschritt nennt sich "Extrusion". Nach dem vollständigen Abkühlen der Masse ist die typische Plexiglasscheibe entstanden.
So vielseitig sind die Einsatzbereiche von Plexiglas
Plexiglas begegnet uns nahezu überall im Alltag. An Bushaltestellen sind die Werbetafeln meist aus Plexiglas gestaltet, da das Material robuster und widerstandsfähiger gegenüber Schäden durch Vandalismus ist, als Glas. In der Medizin setzen beispielsweise Optiker und Orthopäden das Plastikglas für die Herstellung von Brillen oder orthopädischen Hilfen ein. Darüber hinaus ist Plexiglas unverzichtbar in der Fotografie. Auch Schmuck (z.B. Piercings oder Plugs) bestehen heute zu großen Teilen aus Plexiglas. Duschwände, Terrassenwände und sogar ganze Aquarien werden aus Plexiglas gebaut.
Das sind die wichtigsten Eigenschaften von Plexiglas
Plexiglas gilt in vielen Bereichen des Alltags als Alternative zu gewöhnlichem Glas. Es ist ebenso transparent und lichtdurchlässig, dabei aber wesentlich stabiler. Bei der Betrachtung der Eigenschaften von Plexiglas muss zwischen extrudiertem und gegossenem Material unterschieden werden.
Unterschied zwischen extrudiertem und gegossenem Plexiglas
Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Produkten liegt in der Art und Weise der Herstellung. Extrudiertes Plexiglas wird wie bereits beschrieben in einem Extruder hergestellt. In diesem Gerät wird das Granulat geschmolzen und durch Walzen und Platten geformt, bis es anschließend langsam abkühlt. Gegossenes Plexiglas wird auf eine etwas andere Weise erzeugt. Das flüssige Granulat wird dabei in eine feste Form gegossen, dann polymerisiert und abgekühlt. Je nach gewünschtem Verwendungszweck des Endproduktes haben beide Verfahren Ihre Vorzüge und Nachteile.
Eigenschaften von extrudiertem Plexiglas:
- Günstiger Preis durch vollautomatische Herstellung
- Hohe Stärketoleranz
- Verwendbar bei Temperaturen bis 70°C
- Witterungs- und UV-beständig
- Für die Anwendung im Freien geeignet
- Hervorragende Optik
Als nachteilig kann gewertet werden, dass es für extrudiertes Plexiglas nur eine begrenzte Auswahl an Stärken und Farben gibt. Das Färben im Extrusions-Vorgang gestaltet sich wesentlich schwieriger als bei der Herstellung von gegossenem Plexiglas.
Eigenschaften von gegossenem Plexiglas:
- Unbegrenzte Auswahl an Stärken und Farben
- Höherer Preis
- Schlechtere Toleranz der Plattendicke
- Kann bei Temperaturen bis 82° verwendet werden
- Hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Chemikalien und Kratzern
- Hervorragende Eignung für Lasergravuren
Für DIY-Projekte in Haus und Garten eignet sich in der Regel das extrudierte Plexiglas am besten. Es ist günstiger in der Anschaffung und bringt meistens alle erforderlichen Eigenschaften mit. Extrudiertes Plexiglas ist bereits ab einer Stärke von 1,5 mm erhältlich bis zu einer maximalen Dicke von 20 mm.
Plexiglas richtig bearbeiten: Tipps zum Schneiden, Biegen, und Kleben
Ob für die Herstellung von Gewächshäusern oder zur Errichtung von Trennwänden oder kleinen Infokästen: Es gibt für Heimwerker und DIY-Künstler zahlreiche Möglichkeiten, Plexiglas zu bearbeiten und in die gewünschte Form zu bringen. Im Folgenden finden Sie alle wichtigen Tipps und Informationen, wie Sie Plexiglas am besten zuschneiden, biegen, bohren oder kleben können.
Plexiglas zuschneiden: So geht es richtig
Sehr dünne Plexiglas-Platten können Sie einfach mit einem Cuttermesser zuschneiden. Bei einer dünnen Platte mit 1,5 bis 4 mm Dicke sollte dies problemlos möglich sein. Dazu ritzen Sie die Platte an der gewünschten Stelle an, legen Sie dann mit der Sollbruchkante auf eine Tischplatte und üben dann so viel Druck auf die Platte aus, bis sie bricht. Sollte dies nicht gleich gelingen, dann setzen Sie die Schnitte am besten schrittweise. Wollen Sie allerdings eine etwas dickere Plexiglasscheibe bearbeiten, braucht es dafür spezielles Werkzeug. Je nach Dicke kommt hier entweder eine Stichsäge oder eine Kreissäge zum Einsatz.
Schritt 1: Plexiglas fixieren
Spannen Sie eine dickere Plexiglasscheibe mit Schraubzwingen auf einem Arbeitstisch fest. Um Platz zu schaffen für den Schnitt, legen Sie kleine Holzstücke unter die Klemmen. Die Scheibe sollte nicht zu weit über die Werkbank hinausragen, damit sie nicht in eine Schwingung gerät.
Schritt 2: Schnittverlauf markieren
Kennzeichnen Sie jetzt den gewünschten Schnittverlauf mit einem Stift auf der Plexiglasscheibe. Um die Scheibe dabei nicht zu beschmutzen, können Sie die Schutzfolie belassen.
Schritt 3: Säge ansetzen
Um Risse zu vermeiden, sollten Sie die Säge mit laufendem Motor an die Plexiglasplatte ansetzen. Üben Sie ausreichend Druck aus und schieben Sie die Säge langsam entlang des Schnittverlaufes nach vorne. Wenn sich ein Vorschub auf der Säge einstellen lässt, dann entscheiden Sie sich am besten für den mittleren Vorschub. Bei einer Kreissäge ist eine hohe Drehzahl wichtig.
Schritt 4: Werkstück kühlen
Ist die Plexiglasscheibe dicker als 5 mm, dann sollten Sie das Material zwischendurch kühlen. Dafür eignet sich allerdings kein Wasser, sondern eher ein Druckluftspray.
Plexiglas biegen: Mit einem Fön gelingt es
Möchten Sie eine Plexiglasscheibe in eine kreative Form biegen? Dann gelingt das unter Einwirkung von Hitze am besten. Legen Sie dazu die Plexiglasscheibe an die Kante des Arbeitstisches und fixieren Sie diese. Nehmen Sie einen Fön zur Hand und richten Sie die heiße Luft auf die Platte. Das erhitzte Material lässt sich jetzt gut biegen. Gehen Sie dabei langsam vor, um Risse oder Brüche zu vermeiden.
Plexiglas kleben: Verwenden Sie am besten Spezialkleber
Im zwei Werkstücke aus Plexiglas miteinander zu verbinden, verwenden Sie am besten einen Spezialklebstoff. Einige Hersteller bieten dafür Kleber aus einem lichthärtenden Polymerisationsklebstoff an, der für transparente Materialien entwickelt wurde, eignet sich natürlich aber auch für nicht transparente Plexiglasscheiben.