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Valentin Groebner
06.11.2023
Korruption bedeutet heute etwas anderes als vor drei oder vier Jahrhunderten, auch wenn die Menschen damals dasselbe Vokabular gebrauchten. Damals stand es für negativ bewertete sexuelle Beziehungen, von lateinisch "corrumpere", wörtlich: verunreinigen. Das deutsche Äquivalent "Bestechung" hat ähnliche sexuelle Untertöne.
Die moderne Bedeutung, dass nämlich Amtspersonen durch Geldgeschenke dazu bewegt werden, Gesetzesverstösse nicht zu verfolgen oder geltende Bestimmungen zu verletzen, hat das Wort erst im 19. Jahrhundert erhalten. Erst ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielten Amtsträger ausreichend hohe staatliche Gehälter, um von solchen Zuwendungen oder Geschenken von Privaten ökonomisch unabhängig zu sein. Zuvor bestand ihr Einkommen teilweise aus einem persönlichen Anteil erhobener Gebühren oder Geldstrafen.
Es existieren zahlreiche Schriften über Korruption in der Frühen Neuzeit; sie verwenden aber andere Worte für das beklagte Verhalten. In der Eidgenossenschaft war das Wort "trölen" für den verbotenen, aber praktizierten Kauf von Stimmen bei Wahlen und Abstimmungen üblich. Zahlungen von Auswärtigen an eidgenössische Amtsträger wurden ab dem späten 15. und vor allem im 16. Jahrhundert als "Pensionen" häufig beklagt – gemeint sind damit Stipendien, d.h. regelmässige Zuwendungen ohne Gegenleistungen.
Gegen die dadurch bewirkte ökonomische und politische Abhängigkeiten von Amtleuten richteten sich populäre Unruhen und Proteste (etwa 1487, 1513, 1515 und 1521) und die Predigten der Reformer wie Huldrych Zwingli. Nicht nur die administrativen und juristischen Regeln, auch die jeweils dafür verwendeten Begriffe ändern sich.
Weiterführende Literatur:
Valentin Groebner, Pensionen, in: Historisches Lexikon der Schweiz,
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