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Antwort: wenn ein Pferd im Schritt auf geradem Boden geht, sollte jeder Huf entweder flach (parallel zum Boden), oder leicht mit der Trachte zuerst auf den Boden auftreffen. In allen schnelleren Gangarten sollten die Hufe mit den Trachten zuerst auftreffen, und dann, nach dem auffussen, sollte die Zehe rollend auf den Boden kommen. Wenn die Hufe auf diese Art landen, haben sie enorme «eingebaute» stossdämpfende Qualitäten. Die Basis für die vordere Hälfte des Hufes ist Knochen – perfekt zum Abstossen, d.h. Kraft. Die Basis für die hintere Hälfte des Hufes ist flexiblerer Knorpel – perfekt, um einen grossen Teil der Erschütterung beim Aufschlag des Hufes zu absorbieren.
Ausserdem wird Blut durch Meilen von feinen Kapillaren im Fuss gepresst, wenn der Huf auf der Trachte landet. Diese Kapillaren sind nicht für die Ernährung der Gewebe zuständig, sondern sie sind buchstäblich ein sehr komplexer hydraulischer Stossdämpfer.
Wenn ein Pferd hingegen auf der Zehe landet, muss viel mehr von der Aufschlagsenergie durch die Beine und den übrigen Körper absorbiert werden. Zehenlandung nutzt auch die Zehe zu sehr ab, sie führt zu Zerreissung der Blättchenschicht, dadurch zu vertikalem Absinken des Hufbeins in der Hufkapsel, zu untergeschobenen Trachten, zu dünnen Sohlen – und sehr wahrscheinlich auch zu Gelenksproblemen, Beschädigung von Sehnen und Bändern, und zu Rückenproblemen… die Liste kann noch weitergeführt werden.
Heisst das, dass ein Pferd nie auf der Zehe auffussen sollte? Nein – der Bewegungsapparat und die Hufe sind stark genug, um ein gewisses Mass an Zehenlandung zu vertragen. Gesunde Pferde zeigen Zehenlandung beim Navigieren auf schlüpfrigem Terrain, beim Beschleunigen, und beim Aufwärtsgehen. Das ist normal, und vollkommen gesund. Der wirkliche Schaden an den Hufen, den Gelenken, den Bändern und den Muskeln passiert auf lange Sicht, wenn das Pferd ständig oder meistens auf der Zehe landet – darauf muss der Pferdebesitzer unbedingt achten, da es die Nutzungsdauer des Pferdes wirklich verkürzen kann.
Wenn Sie lernen, auf Trachtenlandung zu achten, so ist das ein Frühwarnsystem, mit dem sie verhindern können, dass kleine Probleme zu ernsthaften werden.
Photo reprinted from the book Care and Rehabilitation of the Equine Foot, P. Ramey.
Wie lernt man, Zehenlandung wahrzunehmen?
Der erste Schritt dahin ist, zu erkennen, wie wichtig sie ist – einfach, indem sie darauf achten. Beobachten Sie nur einen Huf auf’s Mal, zuerst im Schritt, dann im Trab. Wenn Sie Mühe haben, zu sehen, wie der Hufrand auf den Boden trifft (was auf weichen Böden das Normale ist), schauen Sie stattdessen auf den Kronsaum. Von der Seite schauend sollten Sie fähig sein, den Ruck beim Aufschlag zu sehen. Unmittelbar danach wird der Kronsaum entweder leicht nach vorne oder leicht nach hinten ausschlagen, je nachdem, ob die Trachte oder die Zehe zuerst aufgetroffen ist. Üben Sie einfach; es wird eine Weile dauern, bis Sie’s gepackt haben. Wenn das misslingt, filmen Sie Ihr Pferd in der Bewegung, und schauen Sie es immer und immer wieder an, wenn nötig auch in Zeitlupe. Die meisten Leute werden es nach einer Weile sehen können, wenn sie nur erst zu üben angefangen haben.
Aber warum landet mein Pferd auf der Zehe?
Der häufigste Grund ist einfach: das Pferd will vermeiden, auf einem überempfindlichen Strahl zu landen. Behandeln Sie jede Strahlinfektion, und nehmen Sie sie ernst! Die meisten Leute denken, Strahlfäule (= Strahl-Infektionen) seien nicht viel mehr als ein Schönheitsfehler. Aber wenn Sie einmal die Auswirkungen der Zehenlandung verstanden haben, werden Sie realisieren, dass Strahlfäule eine ernsthafte Ursache für Lahmheiten, und recht gefährlich für das Pferd ist. Wenn ein Strahl so infiziert ist, dass Sie mit dem Hufkratzer vorsichtig sein müssen, um dem Pferd nicht weh zu tun, wie können Sie da hoffen, dass das es schmerzfrei läuft?
Etwas anderes, bei dem man aufpassen muss, ist, dass ihr Hufschmied den Strahl nicht zu sehr zurückschneidet. Oft, wenn der Strahl auf ein schönes, glattes, feines Ding zurückgeschnitten wurde, ist das Gewebe zu sehr ausgedünnt, und das kann genug Schmerz verursachen, dass das Pferd auf der Zehe landet.
Die Haltung spielt eine wichtige Rolle: wenn das Pferd auf weichem, matschigem Boden lebt, kann es sein, dass der Strahl nicht stark genug ist, der Landung auf steinigem Terrain zu widerstehen – es kann sein, dass das Pferd für’s reiten Schuhe oder Eisen braucht. Ironischerweise ist die leichteste kurzfristige Lösung der Beschlag mit Sohlenpolstern, aber das schwächt den Strahl langfristig noch mehr. Das ein gefährlicher Weg, und es muss erwähnt werden. Meiner Meinung nach ist meistens langfristig die beste Lösung, im Auslauf rauhere Bereiche einzubauen, und wenn man in harscheres Gelände geht, Schuhe anzuziehen.
Typisches Abnutzungsmuster eines Hufes mit Zehenlandung. Die Zehenwand ist bis auf Sohlenniveau abgenutzt, während der Rest der Wand (und die Eckstreben) frei wachsen können, mit wenig oder gar keiner natürlichen Abnutzung. Der Strahl ist schwach und empfindlich – ein Grundfür dieses inadäquate Bewegungsmuster, aber auch eineFolge.
Photo reprinted from the book Care and Rehabilitation of the Equine Foot, P. Ramey.
Zudem gibt es ein etwas kontroverses und schlecht verstandenes Phänomen, das der Forscher und Tierarzt Robert Bowker, (VMD und PhD) entdeckte: die inneren Gewebe im hinteren Teil des Hufes (Hufknorpel und Hufpolster) können und sollten sich langfristig entwickeln und stärker werden (abgängig von Bewegung und Terrain), so dass diese Strukturen weit stärker werden als bei Pferden, die zu wenig Bewegung haben. So ist früher Weidegang bei Fohlen und frühe leichte Arbeit bei Jungpferden für viel mehr gut als für den Körper und die Psyche – es kann ihnen tatsächlich helfen, von innen heraus bessere und stärkere Hufe zu entwickeln.
Wenn Sie schon alles tun, was Sie können, um diese Weichteile des Hufes zu kräftigen, gibt es gleichzeitig wichtige Faktoren, die Sie erkennen sollten, wenn sie die Trachtenhöhe der Hufe festlegen. Wenn die Trachten zu hoch sind, kann es für das Pferd rein mechanisch unmöglich werden, auf den Trachten zu landen. Stellen Sie sich vor, wie Sie in Stöckelschuhen rennen würden – auf Ihren Zehen, nicht? Wenn hingegen die Trachten zu tief gelegt werden, kann der Strahl überlastet werden, und das bringt das Pferd wieder zur Zehenlandung, um Schmerz zu vermeiden. Das heisst, das Trimmen der Trachten ist ein Hochseilakt. Zu viel oder zu wenig Trachtenhöhe kann die schädliche Zehenlandung verursachen. Um es noch schwieriger zu machen: die «richtige» Trachtenhöhe variiert von Pferd zu Pferd, von Gelände zu Gelände, und manchmal sogar beim gleichen Pferd rund ums Jahr. Ja, die Trachtenhöhe eines Pferdes festzulegen verlangt allerhöchste Aufmerksamkeit und Geschick.
Ein weiterer häufiger Grund für diesen zerstörerischen Bewegungsablauf hat mit den Hufen nichts zu tun. Ich habe viele Pferde gesehen, die aus dem Stall gezogen werden, um ein paar Stunden hart zu arbeiten, und dann werden sie direkt wieder in den Stall gestellt. Ihre Muskeln versteifen sich, und am nächsten Tag werden sie wieder gearbeitet, bevor sie all ihre schmerzenden Muskeln strecken konnten. Es scheint, dass es fast eine Stunde dauert, bevor sie so weit gelöst sind, dass sie sich richtig strecken können. Dann ist das Training schon fast wieder vorbei, und der Prozess wiederholt sich. Stretching, aufwärmen und freie Bewegung auf der Weide sind so wichtig. Überspringen Sie diese Schritte nicht!
Über all dem beeinflussen Gebäudefaktoren - manche ererbt, manche im Laufe des Lebens erworben – die Art, wie sich das Pferd bewegt, und also auch, wie hoch oder tief die Trachten getrimmt werden sollten. Dies alles mag überwältigend scheinen, aber glauben Sie mir, das war noch die allzu sehr vereinfachte Version! Meine Absicht hier war, Ihnen die Wichtigkeit der Trachtenlandung bewusst zu machen, sowie einige der Faktoren, die sie verhindern können. Kümmern Sie sich um die Strähle Ihres Pferdes, und achten Sie auf Zehenlandung. Wenn Sie herausfinden, dass Ihr Pferd auf den Zehen herumtrippelt, ist es Zeit zu handeln. Vielleicht braucht es nur mehr freien Auslauf, vielleicht braucht es Stretching, einen besseren Hufbearbeiter, oder tierärztliche Behandlung. So oder so, es ist auf jeden Fall etwas, das man nicht ignorieren darf.
Originaltitel: Pete Ramey:Why Does my Horse Land Toe-first?Horseback Magazine 7-10-2013
Übersetzung mit freundlicher Genehmigung vom Autor Pete Ramey,www.hoofrehab.com
© Pete Ramey