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Dem US-Aussenminister John Kerry liegt das Meer am Herzen. Er wuchs mit dem Meer auf und unterstützte viele fortschrittliche Meeres-Richtlinien im US-Senat. Seine emotionale Verbundenheit konnte man an der «OurOcean conference», die er die letzten zwei Tage in Washington D.C. geleitet hatte, regelrecht spüren. Das Programm der «OurOcean conference» war äusserst eng und im Gegensatz zu anderen politischen Konferenzen wurden an dieser eine Menge Beschlüsse gefasst:
Die Vereinigten Staaten kündigten eine weitreichende Ausweitung des pazifischen Meeresschutzgebiets und Massnahmen gegen illegale Fischerei in US-Gewässern an. Die Bahamas setzten sich zum Ziel 20% ihres Ozeans bis 2020 (und 10% schon in diesem Jahr)zu Meeresschutzgebiet zu erklären und nebenbei $200 Millionen in die Verbesserung der Verwaltung ihrer geschützten Zonen zu investieren. Die Inselstaaten Palau und Kiribati haben ein Verbot des kommerziellen Fischfangs in riesigen neuen Gebieten ausgerufen, damit sich deren Fischbestände (vor allem Thunfisch) wieder erholen können. Norwegen will $150 Millionen in Forschungsprojekte zu nachhaltiger Fischerei investieren und Togo versprach, dem Beispiel Senegals zu folgen und illegale Fischerei vor seinen Küsten zu bekämpfen. Diese Massnahme könnte lokalen Fischern massgebliche Vorteile schaffen. Bei vielen dieser Verkündigungen steckt der Teufel jedoch im Detail – denn nur weil in Washington gute Worte gesprochen wurden, heisst das noch lange nicht, dass sich die Veränderungen auch auf dem Meer durchsetzen werden.
Dennoch macht diese Liste Mut, wenn man bedenkt, dass zurzeit weniger als 2% der Meere unter Schutz stehen und Fischbestände auf der ganzen Welt ausgebeutet werden. Ausserdem hat sich Chile dazu verpflichtet, nächstes Jahr ein Nachfolgetreffen zu veranstalten, um zu überprüfen, ob auf die Worte auch wirklich Taten gefolgt sind.
Kerry’s Vorgehen war erfrischend. Seine Reden waren mitreissend und energisch – und erinnerten uns daran, dass ohne gesunde Meere keine Sicherheit herrschen oder Fortschritt stattfinden kann. Er hat auch offenherzig eingestanden, dass bislang noch zu wenig getan wurde. Er hat sogar das Publikum dazu aufgerufen, eine weltweite Massenbewegung in Gang zu setzen, um Politiker dazu zu drängen, den Meeresschutz (noch) ernster zu nehmen. Daran wollen wir auf jeden Fall teilhaben!
Doch gleichzeitig ging Kerry seltsamerweise in keiner Weise auf die bereits existierende und auch starke Bewegung zum Schutz der Hochsee ein! «OurOcean» ignorierte die Zehntausenden von Unterstützerinnen und Unterstützern, welche den dringenden Schutz von 64% der Weltmeere fordern. Die Notwendigkeit eines Hochseeschutzgebiets wurde zwar erwähnt: Leonardo di Caprio rief zu einem sofortigen Stopp der «dem Wilden Westen ähnlichen» Ausbeutung der Hochsee auf und machte klar, dass von den Regierungen Massnahmen erwartet würden. Aber von den über 10’000 Tweets zum Hochseeschutz tauchte nicht einer auf dem Twitterfeed in der Konferenzhalle auf! Und während John Kerry «einen globalen Plan für die Meere» forderte, versäumte er es, den Schutz der Hochsee auch nur ein einziges Mal zu erwähnen.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Wenn Kerry über den Schutz der Hochsee gesprochen hätte, hätte er erkennen lassen, wie widersprüchlich die amerikanische Position ist. Denn während «OurOcean» in Washington stattfand, liefen gar nicht so weit weg in New York weltweite Verhandlungen über einen Rettungsplan für die Hochsee. Und während Kerry zu Recht stolz auf die Massnahmen war, welche er in Washington verkünden konnte, unterstützt sein eigenes Verhandlungsteam die geplanten Schutzmassnahmen der Vereinigten Nationen kaum. Das ist schlichtweg nicht haltbar und hat viele von uns verwirrt, unter anderem auch den Vorsitzenden von Greenpeace International, Kumi Naidoo.
Doch nach den letzten zwei Tagen will ich noch einmal ein Auge zudrücken. Kerry hat das Thema des Hochseeschutzes möglicherweise nur unter den Teppich gekehrt, weil er sich für das inkonsequente Vorgehen seiner Regierung schämt. Also werden wir ihm noch ein wenig Zeit geben, um die amerikanische Position zum «Hochsee-Biodiversitäts-Abkommen» zu ändern. Und wir erwarten, dass er dabei die gleiche Effizienz und Leidenschaft an den Tag legt, mit der er auch die Konferenz geleitet hat.
Es liegt auf der Hand, dass wir unsere Meere nicht schützen können, wenn wir 64% von ihnen ausser Acht lassen. Lasst uns also John Kerry beim Wort nehmen und eine Bewegung aufbauen, welche er nicht ignorieren kann. Mach mit bei unserem Aufruf für weltweite Meeresschutzgebiete!