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Ascension-Zwergkaiserfisch
Centropyge resplendens
© 2008 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork © Owen Bell
Der Boden des Atlantischen Ozeans ist keineswegs flach, wie wir oft annehmen, sondern weist ein lebhaftes Relief auf. Unter Wasser verbirgt sich eine vielfältige Landschaft mit tiefen Schluchten, weiten Ebenen und hohen Gebirgen. Besonders markant ist der in nordsüdlicher Richtung verlaufende «Mittelatlantische Rücken», ein 1000 bis 2000 Kilometer breiter untermeerischer Gebirgszug, der hinsichtlich seiner Höhenunterschiede den Alpen nicht nachsteht.
Der Mittelatlantische Rücken markiert die Grenze zwischen der amerikanischen Kontinentalplatte im Westen und der eurasischen sowie afrikanischen im Osten. Da sich die Platten, welche auf dem glutflüssigen Magma des Erdinneren treiben, auch heute noch voneinander wegbewegen, und zwar um jährlich 1,5 bis 2 Zentimeter, reisst an dieser «Nahtstelle» die Erdkruste immer wieder auf, Magma, nun «Lava» genannt, dringt aus dem Erdinnern hoch und formt den besagten Gebirgszug. Im Lauf der Jahrmillionen hat sich der Mittelatlantische Rücken mancherorts bis zum Meeresspiegel erhoben, ja seine höchsten Spitzen ragen sogar darüber hinaus. Wir kennen diese «Berggipfel» im Nordatlantik als Island und die Azoren, im Südatlantik als Ascension, Sankt Helena und Tristan da Cunha.
Ascension liegt knappe acht Breitengrade südlich des Äquators auf halber Strecke zwischen Südamerika und Afrika und weist eine Landfläche von 88 Quadratkilometern auf. In den meisten Bereichen liegt die Insel 150 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel, doch steigt sie beim Green Mountain bis auf 859 Meter an. Seit 1815 ist Ascension im Besitz Grossbritanniens, und seit 1922 ist es dem britischen Gouverneur von Sankt Helena als Verwaltungsdependenz unterstellt. Dieser ernennt einen lokalen Administrator, dessen Büro sich im Hauptort Georgetown befindet.
Ascension ist einerseits ein bedeutender Knotenpunkt des internationalen Kommunikationsnetzes und andererseits ein wichtiger Stützpunkt des britischen Militärs für seine Operationen im Südatlantik. In der Tat leben alle erwachsenen Personen nur deshalb auf dem abgeschiedenen Eiland, weil sie entweder in der Welt der Elektronik die eine oder andere Aufgabe erfüllen oder aber Militärdienst leisten. Eine «echte» einheimische Bevölkerung gibt es nicht. Ohne britisches Militär beträgt die Einwohnerschaft heute rund 1100 Personen.
Das Klima auf Ascension ist warm und ausgesprochen trocken. Die Vegetation, welche in der versengten, ausgedörrten Landschaft aus schwarzem Basalt, grauem Tuff und rotbrauner Asche gedeiht, ist spärlich. Entsprechend artenarm ist die Landtierfauna. Und dennoch kommt Ascension erhebliche faunistische Bedeutung zu: Zum einen stellt die Insel einen unentbehrlichen Brutplatz der südatlantischen Meeresvögel dar, zum anderen beherbergen ihre Küstengewässer eine sehr interessante Meeresfauna mit mehreren Arten, welche nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Eine davon ist der Ascension-Zwergkaiserfisch (Centropyge resplendens), von dem hier berichtet werden soll.
Aus dem Indischen Ozean stammend
Innerhalb der Ordnung der Barschartigen (Perciformes) gehört der Ascension-Zwergkaiserfisch zur ungefähr dreissig Mitglieder umfassenden Gattung der Zwergkaiserfische (Centropyge), der grössten Gattung innerhalb der rund achtzig Arten zählenden Familie der Kaiserfische (Pomacanthidae). Die Kaiserfische kommen in den tropischen Bereichen aller drei Weltmeere vor; schwergewichtig befindet sich ihre Heimat aber im Indopazifik. Tatsächlich leben nur neun Kaiserfischarten im Atlantik.
Die Zwergkaiserfische sind, wie ihr Name andeutet, besonders kleinwüchsige Mitglieder der Kaiserfischfamilie. Der Ascension-Zwergkaiserfisch gehört zu den mittelgrossen Vertretern seiner Gattung: Erwachsene Individuen erreichen eine Länge von bis zu 7 Zentimetern. Seine Kleinwüchsigkeit macht er gewissermassen durch seine leuchtende Färbung wett: Bauch und Seiten sind lebhaft kobaltblau gefärbt, Oberkopf, Rücken, Rückenflosse und Schwanzflosse schwefelgelb.
Der Ascension-Zwergkaiserfisch ist einer von bloss drei Zwergkaiserfischen, welche im Atlantik heimisch sind. Bei den beiden anderen handelt es sich um den Blauen Zwergkaiserfisch (Centropyge argi), welcher in der Karibik weit verbreitet ist, und den Gelbrücken-Zwergkaiserfisch (Centropyge aurantonotus), welcher in den südlichen Bereichen der Karibik und den Küstengewässern Brasiliens vorkommt. Die drei atlantischen Zwergkaiserfischarten sind von ähnlicher Grösse und auch ähnlichem Aussehen: Alle drei sind blau-gelb gefärbt, wobei aber die Verteilung der beiden Farben unterschiedlich ist.
Die drei ähneln im Übrigen stark dem Orangerücken-Zwergkaiserfisch (Centropyge acanthops), welcher im westlichen Indischen Ozean vorkommt. Unlängst durchgeführte DNS-Analysen haben gezeigt, dass erstens die vier Arten in der Tat eng miteinander verwandt sind, dass zweitens die drei atlantischen Arten von ihrem Vetter im Indischen Ozean abstammen, und dass drittens ihre Vorfahren erst vor 250 000 bis 500 000 Jahren in den Atlantik eingewandert sind, wo sie sich dann in die heutigen drei Arten aufgespalten haben. Interessanterweise sind es die karibischen Zwergkaiserfisch-Bestände, welche am engsten mit den Zwergkaiserfisch-Beständen im westlichen Indischen Ozean verwandt sind. Offensichtlich hatten sich die in den Atlantik eingewanderten Tiere zunächst in der Karibik angesiedelt und erst danach südwärts nach Brasilien und südostwärts nach Ascension ausgebreitet.
Sie verspeisen Aufwuchs
Fast alle Kaiserfische kommen im Bereich von Korallenriffen vor. Diesbezüglich bildet der Ascension-Zwergkaiserfisch eine Ausnahme. Das hat damit zu tun, dass in Ascensions Küstengewässern zwar zahlreiche Korallen vorkommen, diese aber keine richtigen Korallenriffe bilden, weil die örtlichen Wassertemperaturen hierfür offenbar zu tief liegen, obschon Ascension in den Tropen liegt.
Die Flanken der Insel bestehen meistenorts aus vulkanischem Fels, Geröll und Sand. Wo sie nicht allzu steil in die Tiefe abfallen, in 15 bis 40 Metern Wassertiefe, finden sich die bevorzugten Lebensräume der Ascension-Zwergkaiserfische. Hier leben sie in kleinen Gruppen. Jede Gruppe beansprucht ein klar definiertes Territorium zur alleinigen Nutzung. Darin befinden sich einerseits ausreichend grosse bzw. ergiebige Nahrungsplätze und andererseits mehrere kleine Felshöhlen und -nischen, die sich als Rückzugsorte eignen. Die Nacht verbringen die Ascension-Zwergkaiserfische gut versteckt in den besagten Unterschlupfen. Am Morgen, nach Sonnenaufgang, kommen sie hervor, um sich tagsüber dem Nahrungserwerb zu widmen.
Die Hauptnahrung der Ascension-Zwergkaiserfische sind grüne, faserige Algen, welche an Felsen und Steinen wachsen. Beim Beweiden derselben nehmen die blaugelben Fische auch andere kleine Organismen zu sich, darunter Bakterien, Kieselalgen sowie mikroskopisch kleine Tiere, welche im Bereich der Algen leben. Diese pflanzlichen und tierlichen Mikroorganismen, welche viele untermeerische Flächen manchmal wie einen glatten, manchmal wie einen pelzigen Belag überziehen, werden kollektiv als «Aufwuchs» oder «Biofilm» bezeichnet. Der Aufwuchs bildet eine wichtige Nahrungsquelle für ein breites Spektrum von Fischarten.
Paarungsritual in der Abenddämmerung
Jede Gruppe der Ascension-Zwergkaiserfische besteht aus einen erwachsenen Männchen, einem bis vier erwachsenen Weibchen und bis zu neun jugendlichen Weibchen. Das Männchen ist für die Verteidigung des Territoriums verantwortlich. Tagsüber patrouilliert es immer wieder dessen Grenzen ab und vertreibt etwaig eingedrungene Artgenossen sowie andere kleine Fische.
Wie bei zahlreichen anderen Fischarten ist das Geschlecht der Ascension-Zwergkaiserfische nicht so klar festgelegt wie bei den Säugetieren und Vögeln: Ihr Leben beginnen alle Individuen als Weibchen. Nach Abschluss ihrer Jugendzeit werden sie zu geschlechtsreifen Weibchen und nehmen als solche am Fortpflanzungsgeschehen innerhalb einer Gruppe teil. Unter den Haremsweibchen herrscht eine strenge Rangordnung, welche zur Hauptsache auf der relativen Körpergrösse beruht. Stirbt das Männchen oder verschwindet es sonstwie, wandelt jeweils das ranghöchste Weibchen sein Geschlecht um und übernimmt die Rolle des Männchens in der Gruppe. Es dauert etwa eine Woche, bis es männliches Verhalten zu zeigen beginnt, das heisst andere Fische aus dem Territorium vertreibt. Als Männchen fortpflanzungsfähig ist es nach rund drei Wochen.
So weit wir wissen, erzeugen die Weibchen praktisch täglich, das ganze Jahr hindurch, eine kleinere Anzahl Eier. Das Ablaichen findet jeweils in der Abenddämmerung statt und verläuft nach einem festen Ritual: Gegen Abend versammeln sich die Weibchen bei einem besonderen Felsstück innerhalb des Territoriums. Das Männchen patrouilliert derweil eifrig im Territorium umher, besucht und umkreist aber zwischendurch immer wieder einzelne der wartenden Weibchen. Irgendwann wird dann eines der Weibchen paarungsbereit. Dicht gefolgt vom Männchen schwimmt es über dem Felsstück ins freie Wasser. Dort nimmt das Männchen unterhalb des Weibchens eine senkrechte Haltung ein und berührt mit der Schnauze den Bauch des Weibchens. In dieser Stellung schlagen beide Partner heftig mit ihren Flossen. Schliesslich, nach ungefähr zehn Sekunden, gibt das Weibchen ein paar Dutzend Eier ins Wasser ab, worauf sich das Männchen sogleich dreht und seinen Samen auspresst, um die Eier zu befruchten. Anschliessend schwimmen die beiden zum Ausgangsort zurück - und das Männchen wendet sich einem der anderen Weibchen zu, worauf sich das Paarungsritual wiederholt. Wenn alle Weibchen abgelaicht haben und die Dunkelheit hereinbricht, ziehen sich die Fische einzeln in ihre Unterschlupfe zurück.
Die Eier sind durchsichtige Kügelchen mit einem Durchmesser von lediglich etwa 0,7 Millimetern. Da sie leichter sind als das umgebende Wasser, steigen sie zur Meeresoberfläche auf. Die Jungen schlüpfen zumeist innerhalb von 24 Stunden. Es sind kaum zwei Millimeter grosse Wesen, welche ihren Eltern überhaupt nicht ähnlich sehen, weshalb sie als Larven bezeichnet werden. Anfangs sind sie durchsichtig, haben weder Augen noch einen Mund noch funktionsfähige Flossen. Für ihre Ernährung sind sie vollständig auf ihren Dottersack angewiesen. Sie schweben frei («planktonisch») im oberflächennahen Wasser. Nach ein paar Tagen entwickeln sie einen funktionsfähigen Verdauungstrakt sowie ein Blutgefässsystem und nehmen eine rote Farbe an. Sie ernähren sich fortan sowohl vegetarisch von Kieselalgen als auch räuberisch von Ruderfusskrebschen (Copepoda) und anderen winzigen tierlichen Organismen.
Im Alter von sieben bis acht Wochen beginnen die Larven, sich zu jungen Fischchen mit kaiserfischförmiger Gestalt und arttypischer Blaugelbfärbung umzuwandeln. Diese Umwandlung kann weitere sieben bis acht Wochen dauern. Am Schluss derselben verlassen sie die oberflächennahen Wasserschichten, halten sich von da an in Bodennähe auf und schliessen sich früher oder später einem bestehenden Harem an.
Fang für Meerwasseraquarien
Das Verbreitungsgebiet des Ascension-Zwergkaiserfischs ist auf die Küstengewässer einer einzigen, kleinflächigen, isolierten Insel beschränkt und ist damit erheblich kleiner als das der meisten anderen Meeresfische. Über die Bestandsgrösse wissen wir nichts Genaues, denn es wurden bisher keine gezielten Erhebungen durchgeführt. Die Art scheint zwar innerhalb ihres Verbreitungsgebiets weder besonders häufig noch besonders selten zu sein; insgesamt ist die Population aber zweifellos als klein einzustufen.
Zwergkaiserfische sind als Bewohner von Meerwasseraquarien beliebt, weil sie einerseits bunt und lebhaft sind, andererseits sich erheblich besser an die beengten Verhältnisse im Aquarium anpassen als ihre grösser gewachsenen Vettern. Tatsächlich wurde in den 1980er- und 1990er-Jahren auch dem Ascension-Zwergkaiserfisch aus diesem Grund nachgestellt. Zahlreiche Individuen wurden damals vor allem für den US-amerikanischen Aquarienbedarf gefangen.
Das kleine Artverbreitungsgebiet, der entsprechend beschränkte Artbestand und die darum zu befürchtende schnelle Ausdünnung desselben durch den gezielten Fang haben die Weltnaturschutzunion (IUCN) Mitte der 1990er-Jahre dazu veranlasst, den Ascension-Zwergkaiserfisch als «Verletzlich» auf die Rote Liste der gefährdeten Tierarten zu setzen. Inzwischen haben aber die Behörden der Insel Ascension den Export aller marinen Arten, so auch des Ascension-Zwergkaiserfischs, verboten, weshalb heute keine Gefahr durch den Fang mehr besteht. Es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass die Fänge in den 1980er- und 1990er-Jahre die Population dauerhaft geschwächt haben.
Auch die Beeinträchtigung des Lebensraums, insbesondere die Befrachtung der Küstengewässer mit Schadstoffen, welche vielerorts bedenkliche Ausmasse angenommen und zur Schädigung der Meeresfauna geführt hat, dürfte für den Ascension-Zwergkaiserfisch kaum eine Gefahr darstellen, da die menschliche Bevölkerung auf seiner Heimatinsel gering ist und keine Landwirtschaft betreibt. Alles in allem scheint der Fortbestand des Ascension-Zwergkaiserfischs derzeit nicht gefährdet zu sein, weshalb seine Entlassung aus der Roten Liste in Erwägung gezogen wird.
Legenden
Der Ascension-Zwergkaiserfisch (Centropyge resplendens) ist ein kleines Mitglied der rund achtzig Arten umfassenden Familie der Kaiserfische (Pomacanthidae). Erwachsene Individuen erreichen eine Länge von bis zu sieben Zentimetern. Wie alle Kaiserfische ist er ein buntes, hochrückiges Tier mit einer Rückenflosse, welche über die ganze Länge des Rückens verläuft.
Der Ascension-Zwergkaiserfisch ist einer von lediglich neun Kaiserfischen, welche nicht im Indopazifik, sondern im Atlantik vorkommen. Seine Heimat sind die Küstengewässer der Insel Ascension. Wo die Flanken der Insel nicht allzu steil in die Tiefe abfallen, in 15 bis 40 Metern Wassertiefe, befinden sich seine bevorzugten Lebensräume.
Die Ascension-Zwergkaiserfische leben in Gruppen, die sich aus einem Männchen, ein bis vier erwachsenen Weibchen und bis zu neun jugendlichen Weibchen zusammensetzen. Jede Gruppe hält ein klar definiertes Territorium besetzt, in welchem sich einerseits geeignete Nahrungsplätze und andererseits sichere Verstecke in ausreichender Zahl befinden.
Die Ascension-Zwergkaiserfische sind tagaktive Tiere. Ihre Nahrung besteht zur Hauptsache aus grünen, faserigen Algen, welche an Felsen, Steinen und Korallen wachsen. Beim Beweiden derselben nehmen die blaugelben Fische aber auch diverse andere pflanzliche und tierliche Organismen zu sich, welche im Bereich der Algen leben.
Als Larven schweben die Ascension-Zwergkaiserfische frei im oberflächennahen Wasser. Im Alter von etwa fünfzehn Wochen, sobald sie sich zu Jungfischen mit kaiserfischförmiger Gestalt und arttypischer Blaugelbfärbung umgewandelt haben, lassen sie sich auf dem Meeresboden nieder und schliessen sich früher oder später einer bestehenden Gruppe an. In Menschenobhut können Ascension-Zwergkaiserfische sechs und mehr Jahre alt werden.
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