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Weg-Wort vom 27. Mai 2021
Der brasilianische Bischof Dom Hélder Câmara erzählte einmal die folgende kleine Geschichte:
«Zwei Kutscher waren mit ihren voll beladenen Karren unterwegs. Es hatte stark geregnet und die Wege waren so voller Schlamm, dass beide Gefährte im Morast stecken blieben. Der eine Kutscher war ein frommer Mann. Mitten im Schlamm fiel er auf die Knie und flehte zum Himmel, dass Gott ihm doch helfen möge. Er betete ohne Unterlass, rief alle Heiligen an und tat zahllose Versprechungen. Der andere Kutscher fluchte währenddessen und krempelte die Ärmel hoch. Er suchte nach Zweigen, Blättern und Steinen und legte sie unter die Räder. Er zerrte und zog am Karren. Dabei schimpfte, ächzte und stöhnte er.
Plötzlich geschah ein Wunder: Der Himmel öffnete sich, und ein Engel stieg hinunter. Zur Überraschung der beiden Kutscher wandte er sich dem Fluchenden zu und half ihm. Ganz verwirrt stammelte dieser: ‘Das … das ist bestimmt ein Irrtum. Der andere hat doch die ganze Zeit gebetet!’ Der Engel schaute ihn an und sagte: ‘Die Hilfe gilt dir. Gott ist bei denen, die ihre Ärmel hochkrempeln und den Karren aus dem Dreck ziehen.’»
Dom Hélder Câmara beendete seine Geschichte mit einem Augenzwinkern und fügte hinzu: «Gewiss werden wir aus dieser Erzählung nicht entnehmen, es sei richtig zu fluchen. Wer aber die Verantwortung für alles Gott aufbürdet, hat das Christentum nicht verstanden.»