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Mein Name ist Charlotte Cotton. Ich komme ursprünglich aus Frankreich und habe lange Zeit in Hongkong gelebt und gearbeitet. 2019 bin ich in einen Sonderzug namens Jagriti Yatra gestiegen. Ein Zug, der 400+ Unternehmer auf eine 8’000 km lange Reise durch Indien mitnahm. Auf dieser besonderen Reise traf ich Laad Lohar, eine Aktivistin für Menstruationshygiene, die als “Pad Woman of Rajasthan” bekannt ist, eine Anspielung auf den Bollywood-Film “Pad Man”.
Zwangsverheiratet mit 14, geschieden mit 20
Laad wuchs auf in ihrer Kultur wie die meisten Mädchen. Im Alter von 14 Jahren wurde sie zwangsverheiratet. Mit Anfang 20 liess sie sich scheiden, was den Beginn ihrer Nichtkonformität mit den Normen der Gemeinschaft markierte. Um das Stigma der Menstruation zu beseitigen, entwickelte sie ein System zur Aufklärung über Menstruationshygiene. Eines der grössten Tabus in Indien.
Ich beschloss sie bei ihrer Mission zu unterstützen. Wir gründeten die Mewar Collective Group mit dem Ziel, Gesundheit und Würde für alle menstruierenden Frauen in Indien zu schaffen. Hier ist die Geschichte einer unserer Begünstigten. Die Namen wurden geändert, um die Identität zu schützen.
Die neugierige und abenteuerlustige Laxmi
Laxmi hatte einen ganz normalen Start ins Leben, in einer friedlichen ländlichen Gemeinde im Norden Rajasthans. Ihr Vater war ein ausdrucksstarker und lustiger Milchmann und ihre ruhige und sanfte Mutter kümmerte sich um die große Familie. Laxmi war ein neugieriges und abenteuerlustiges Mädchen. Sie ging gerne zur Schule und stellte viele Fragen. Sie hatte eine bescheidene, aber glückliche Kindheit.
Laxmi wurde gezwungen, einen Mann zu heiraten, der doppelt so alt war wie sie und den sie nicht kannte. Nachdem sie im Alter von 17 Jahren ihr erstes Kind bekam, musste sie ihre Ausbildung abbrechen.
Das Tabuthema Menstruation
Als sie heranwuchs, bemerkte sie, dass das Reden über die Menstruation in ihrer Umgebung einfach kein Thema war. Die Leute gaben dem Zyklus verschiedene Namen, wie “Diese Zeit des Monats”, “Code Red” oder “Die Mädchengrippe”.
Laxmi bemerkte das Unbehagen an diesem Thema und dachte immer, Menstruation sei schmutzig, unrein und beschämend. Sie bemerkte, dass ihre eigene Mutter während ihrer Periode nicht frei war: Sie konnte nicht im selben Bett wie ihr Mann schlafen und durfte bestimmte Lebensmittel nicht schneiden.
Die schmutzige Grippe
Als Laxmi zum ersten Mal ihre Periode bekam, dachte sie, sie hätte sich mit einer schmutzigen Grippe angesteckt. Sie fühlte sich hoffnungslos und traurig. Da sie nicht wusste, wie sie mit der Situation umgehen sollte, schnappte sie sich einige alte rote Stoffstücke, die sie im Haus der Familie fand, um das Blut aufzusaugen. Es war unangenehm, aber ihrer Mutter Fragen zu stellen, wäre noch schlimmer gewesen.
Nach und nach bekamen auch andere Freunde ihre Zyklen und fingen an, darüber zu sprechen. Ihr Lieblingskindermädchen, Harini, war nicht wie die anderen Frauen des Dorfes und beantwortete Laxmis Fragen mit Aufrichtigkeit und Humor. Laxmi fühlte sich bei Harini wohl, konnte aber nicht alle ihre Ängste zu diesem Thema äußern.
Laad Lohar - die Menstruationsaktivistin
Eines Tages kam Laad Lohar, eine Menstruationsaktivistin, in ihr Dorf, um waschbare und biologisch abbaubare Binden zu verteilen und Fragen zu beantworten. Es war das erste Mal, dass Laxmi eine junge Frau sah, die so kämpferisch und selbstbewusst über ihre Periode sprach. Das inspirierte Laxmi dazu, Fragen zu stellen und ihre Zweifel mitzuteilen.
Nachdem sie die waschbaren Binden von Mewar Collective erhalten hatte, änderten sich die Dinge für Laxmi. Der Umgang mit ihrer Menstruation war nicht mehr so unangenehm, und vor allem konnte sie verstehen, wie ihr Körper funktionierte. Sie erkannte, dass ihre Periode weder schmutzig noch etwas ist, wofür man sich schämen muss.
Langsam bricht das Tabu
Auch die Gemeinschaft veränderte sich. Die Frauen hatten nicht mehr so viel Angst vor dem Thema, und sie hörte sogar, dass die Leute das richtige Vokabular benutzten, um den Zyklus zu beschreiben. Sogar Jungen hatten Fragen, was sich am Anfang etwas seltsam anfühlte, aber nach einer Weile ganz normal war.
Laxmi weiß, dass es immer noch Tabus in Bezug auf die Menstruation gibt. Sie hat immer noch das Gefühl, dass sie während ihres Zyklus keine Tempel in Ruhe betreten kann. Ausserdem hat sie keine Lust Sport zu treiben, weil es entweder schmerzhaft ist oder sie Angst hat, dass die Leute etwas bemerken könnten.
Frauen wir Laxmi unterstützen
Laxmi hat gelernt, während ihrer Menstruation freundlicher zu sich selbst zu sein. Sie gönnt sich endlich Ruhe und benutzt Heißwasserbeutel, um die Schmerzen zu lindern. Laxmi hat vor kurzem eine wunderschöne Tochter bekommen und hofft sehr, dass sie frei über ihren Körper und den Umgang mit ihrer Periode sprechen kann. Sie wünscht sich auch, dass ihre Tochter die Schule fortsetzen und eine gute Ausbildung erhalten kann, um finanziell frei zu werden und nicht auf einen Mann angewiesen zu sein.
Die Geschichte von Laxmi ist nur eine von vielen. Mit unserer Initiative Mehar Collective möchten wir viele weitere Frauen wie sie unterstützen und stärken. Wir bieten Hygieneberatung an, damit Mädchen frei von diesem Tabu leben, die Schule besuchen, einen Beruf erlernen und finanziell unabhängig werde