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(Dieser Artikel stammt aus meiner Kolumne der NZZ am Sonntag)
Ich stehe in der Badehose am Ufer der Aare, die Lufttemperatur beträgt minus vier Grad, es bläst eine kalte Bise. «Das ist nicht Ihr Ernst, Sie wollen jetzt doch nicht schwimmen?!», ruft eine Frau, eingepackt in eine Winterdaunenjacke und mit einer Wollkappe auf dem Kopf. «Nein, das wird kein richtiges Schwimmen», antworte ich grinsend. «Ich sitze dort, wo es keine Strömung hat, kurz rein, plansche einige Minuten und komme wieder raus.» Die Frau starrt mich ungläubig an. Ich steige ins Wasser.
Ich bin bei weitem nicht der Einzige, der sich freiwillig der Kälte aussetzt. Winterschwimmen wird immer beliebter. Richtig angewandt, kann sich dieses Eisbaden günstig auf unsere Gesundheit und unsere Stimmung auswirken.
Durch die Kälteexposition werden die Blutgefässe trainiert, indem sie dazu gezwungen werden, sich zu verengen und sich anschliessend wieder zu erweitern. Wie beim Muskeltraining.
Die Vorteile betreffen ebenso die Produktion der weissen Blutkörperchen, die den Körper gegen Infektionen durch Fremdkörper und Eindringlinge wie Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze verteidigen. Weitere positive Nebeneffekte sind eine straffe Haut, glänzendes Haar, mehr Selbstvertrauen und ein Energie-Boost.
Um einer Unterkühlung vorzubeugen, sollten ein paar Regeln beachtet werden:
1.
Wenn Sie sich im Winter in ein Gewässer wagen, dann gehen Sie die ersten Male nicht allein.
2.
Suchen Sie sich eine untiefe Stelle ohne Strömung, die Ihnen einen einfachen Ein- und Ausstieg ermöglicht.
3.
Tauchen Sie langsam ins Wasser ein, und behalten Sie den Kopf über Wasser.
4.
Atmen Sie bewusst und ruhig, obwohl dies während der ersten 30 Sekunden eine Herausforderung wird. Sie werden dann feststellen, dass Ihr Körper die Kälte akzeptiert, und Sie können sich entspannen.
5.
Machen Sie keinen Wettbewerb daraus, steigen Sie aus, wenn Ihnen danach ist, und ziehen Sie etwas an.
Wichtig: Um zu verhindern, dass sich das kalte Blut Ihrer Extremitäten mit warmem Blut Ihrer Körpermitte vermischt und Ihre Körpertemperatur absinkt, führen Sie Übungen wie Liegestützen oder Kniebeugen durch, um den Körper von innen nach aussen aufzuwärmen.
Wem dieses Eisbaden zu viel des Guten ist, der kann täglich 90 Sekunden kalt duschen, um von den erwähnten Vorteilen zu profitieren.