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Als Kind war ich gelegentlich zu Besuch bei einer Tante. Ich hatte mich immer darauf gefreut, denn es gab dort so viel Schönes zu bewundern.
Über ihrem Schreibsekretär hing ein Bild. Dieses hatte eine ihrer Freundinnen gemalt und es ihr geschenkt. Der Titel des Bildes: Emmental.
Jedes Mal, wenn ich bei meiner Tante vorbeischaute, nahm sie mich bei der Hand und führte mich vor den alten Tisch. Andächtig standen wir davor und sie sagte: «Schau mal, mein Schatz. Das ist das Emmental». Jedes Mal! Ehrfürchtig schaute ich darauf und versuchte zu verstehen. In meiner kleinen Welt war es einfach ein Wasserfarben-Bild mit sanften Hügeln und grünen Wiesen. Das Emmental war mir damals kein Begriff.
Die Jahre gingen vorbei und meine Tante verstarb leider viel zu früh. In ihrem Testament hatte sie verfügt, wer das Bild bekommt – und das war leider nicht ich. Ich kontaktierte den Willensvollstrecker, um mich zu erkunden, wer denn das «Emmental» erhalten sollte? Ich konnte mein Glück fast nicht fassen: Die begünstigte Person wollte es nicht und gab es an mich weiter.
Heute bin ich im Besitz dieses Gemäldes, das einen hohen emotionalen Wert für mich hat. Es hängt nun in unserem Wohnzimmer. Jedesmal wenn ich darauf schaue muss ich schmunzeln: «Das ist das Emmental.» Bildschön.