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Kurz vor 20 Uhr strahlte das Schweizer Fernsehen einen Werbespot von Tierschützern aus: Bilder von gequälten Schweinen und Hühnern, deklariert mit «Schweizer Fleisch». Eine Stimme aus dem Off kommentiert: «Auch für den Festtagsbraten müssen Tiere leiden. Essen Sie vegan.»
Der Spot irritiert nicht nur der Bilder und der Platzierung (er unterbricht einen anderen Werbespot), sondern auch der Botschaft wegen: Am Ende wird die Internetadresse des Vereins eingeblendet, verbunden mit dem Satz: «Was das Schweizer Fernsehen totschweigt.»
Wie kommt es, dass das SRF zur besten Sendezeit einen Werbespot ausstrahlt, in dem es selber kritisiert wird?
Hinter dem Spot steckt ein radikaler Tierschützerverein, dessen Präsident Erwin Kessler seit Jahren mit Provokationen gegen das SRF (und die Moderatorin Katja Stauber) schiesst. So hatte Kessler Stauber als Tierquälerin beschimpft, weil sie sich Botox spritzen lasse. Die Moderatorin erstattete Anzeige wegen Persönlichkeitsverletzung, Kessler wurde gebüsst.
Vor einem Jahr aber errang Kessler vor Bundesgericht einen Sieg in einem anderen Rechtsstreit: Sein Verein hatte 2011 bei der SRG-Tochter Publisuisse Werbezeit für einen Spot gebucht. Darin wurde die Internetadresse des Vereins gezeigt, mit dem Hinweis «Was andere Medien totschweigen». Später reichten die Tierschützer eine abgeänderte Version mit dem Text «Was das Schweizer Fernsehen totschweigt» nach.
Die erste Fassung wurde Ende 2011 mehrmals gezeigt. Die Ausstrahlung der zweiten Version wurde verweigert, da sie imageschädigend sei. Kessler beschwerte sich und erhielt schliesslich vom Bundesgericht recht. Die Begründung: Die SRG sei im Werbebereich an die Grundrechte gebunden und müsse eine gewisse Kritik gegen sich selber zulassen.
SRF, Publisuisse und Kessler waren am Sonntagabend nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
(dwi)