Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03603.jsonl.gz/3836

2) Katharina von
Siena (Catharina Senensis), geb. 1347 zu
Siena, Tochter eines Färbers, gelobte schon im achten Jahr ewige
Keuschheit,
lebte fast nur von Kräutern,
Wurzeln und
Früchten und trat in den Dominikanerorden, wo sie drei Jahre lang, außer
in der
Beichte, kein
Wort sprach und sich vornehmlich der
Armen- und
Krankenpflege widmete. Durch ihre
Beredsamkeit bekehrte sie
die verstocktesten
Sünder und bewog den
PapstGregor XI. zur Rückkehr von
Avignon nach
Rom.
[* 3] Sie rühmte sich des unmittelbarem
Umgangs mit
Christus, der sich mit ihr verlobt, sein
Herz mit dem ihrigen vertauscht, sein
Blut ihr zu trinken
gegeben und die fünf Wundenmale ihrem Leib eingedrückt habe. Von
PapstUrban VI. 1378 zur Herstellung des Kirchenfriedens
nach
Rom gerufen, starb sie daselbst und wurde 1461 heilig gesprochen.
Ihre gesammelten Werke erschienen italienisch
(Siena 1707 und 1713, 5 Bde.). Die
Dominikaner sowie
Siena verehren sie als Schutzheilige. Ihr
Tag ist der 30. April.
4) Katharina von
Bologna
(Bononia), geb. 1413, trat in den dritten
Orden
[* 5] des St. Franziskus und wurde später Vorsteherin
des Klarissenklosters in
Bologna, wo sie 1463 starb. Sie ward 1724 kanonisiert; ihr
Tag (Todestag) ist der 9. März.
Die Neigung zu AnnaBoleyn bewog letztern jedoch 1529, beim PapstClemens VII. auf Scheidung der, wie er nun
behauptete, kanonisch nicht erlaubten Ehe mit seiner Schwägerin anzutragen, und da dieser, um Katharinas NeffenKarl V. nicht
zu beleidigen, sich weigerte, ließ der König die Ehe 1533 durch die Geistlichkeit für ungültig erklären, womit der erste
Schritt zur Losreißung Englands von Rom gethan war. Katharina lebte fortan eingezogen und starb 1536 in Kimbolton.
Die KöniginMaria die Blutige war ihre Tochter.
Als Katharina nach zehnjähriger EheKinder erhielt,
wurde das eheliche Verhältnis etwas besser, und da sie sich bei den Liebeshändeln
ihres Gemahls sehr nachsichtig bewies, so näherte sich derselbe ihr immer mehr und schenkte ihr später
sogar ein unbegrenztes Vertrauen. Nachdem Heinrich 1547 den Thron
[* 12] bestiegen, wurde Katharina 1549 gekrönt und von ihrem Gemahl während
seines Feldzugs nach Lothringen und Elsaß 1552 zur Regentin bestellt. Da nach dem Tod ihres Gemahls (1559) und ihres ältesten
Sohns, Franz' II. (1560), ihr zweiter Sohn, Karl IX., noch minderjährig war, so ergriff Katharina selbst die Zügel
der Regierung.
Obwohl äußerst ehrgeizig, war Katharina doch zaghaft und unentschlossen und suchte deshalb mehr durch schlaue und
listige Entwürfe, durch eine wechselvolle und den Umständen sich anpassende Politik als durch entschiedenes, festes und planmäßiges
Handeln zu herrschen. Ihr beweglicher und klarer Geist, ihre gewandte Rede unterstützten sie in diesem
Verfahren. Aus Abneigung gegen die übermächtigen Guisen, die Führer der katholischen Partei, näherte sie sich anfangs den
Hugenotten und der dieselben leitenden FamilieBourbon; aber deren Herrschsucht und die Überzeugung, daß die große Mehrheit
des französischen Volkes dem Katholizismus treu bleiben werde, machten sie bald zur leidenschaftlichen
Gegnerin der Hugenotten.
sie zur Geliebten und bewog sie, 1703 zur griechischen Kirche überzutreten (wobei sie von ihrem Paten, dem ZarewitschAlexei,
den Namen Katharina Alexejewna erhielt). Katharina gebar dem Zaren von 1706 bis 1709 drei Töchter: Katharina, welche früh starb, Anna, später
an den Herzog von Holstein vermählt und MutterPeters III., und Elisabeth, später Kaiserin von Rußland,
und mehrere Söhne, welche früh starben. Katharina wußte sich durch ihren Verstand, ihre Hingebung und ihre Nachsicht hinsichtlich
der Liebeshändel ihres Geliebten dessen Gunst zu erhalten;
die Verdienste, welche sich Katharina bei Gelegenheit des Feldzugs am Pruth 1711 erwarb,
ohne daß darüber etwas Zuverlässiges im einzelnen bekannt wäre, festigten das Verhältnis zwischen
Peter und Katharina;
IhreEhe war keine glückliche. Durch Geist und Bildung hoch über ihrem nur dem rohen Sinnengenuß ergebenen Gemahl stehend,
sah sie sich von demselben mit Kälte und selbst mit rücksichtsloser Härte behandelt und von ihrer Umgebung mit Haß und Argwohn
verfolgt. Trotzdem erlangte sie in den politischen Intrigen des Hofs bald maßgebenden Einfluß. Einst
als Kaiserin auch wirkliche Herrscherin von Rußland zu werden, war ihr fester Entschluß. 1753
erlangte der stattliche,
gewandte GrafSergius Soltykow die Liebe der Großfürstin, welche, nachdem sie einmal die Schranken der Sitte überschritten,
ihren Leidenschaften und ihren sinnlichen Trieben keinen Zügel mehr anlegte.
Auf die Nachricht von diesen Ereignissen verlor Peter allen Mut und erklärte sich bereit, die Krone niederzulegen und sich
nach Deutschland
[* 27] zurückzuziehen. Er wurde nach dem Schloß Ropscha gebracht und dort von einigen Verschwornen
ermordet. Den Hauptanteil an der That hatte, wie es scheint, AlexeiOrlow; der Mord geschah ohne Vorwissen Katharinas,
welche übrigens in der ersten Zeit ernstlich an eine Vermählung mit GregorOrlow dachte. Die ersten 13 Jahre ihrer Regierung,
solange ihr Verhältnis zu Orlow dauerte, der Katharina wahrhaft liebte und frei war von Selbstsucht, aber auch von Thatendrang und
nichts that, um sich durch Kriegsruhm oder Anteil an den Geschäften seiner Geliebten ebenbürtig zu machen, waren segensreich,
weil die neue Herrscherin den edlen Trieben ihres Geistes folgen konnte.
Darstellungen aus ihrem Leben zeigen die Fresken von Jak. Avanzi und Altichieri
in der St. Georgskirche zu Padua
[* 29] (1377), die von Masaccio in San Clemente zu Rom (15. Jahrh.). Häufig behandelt
ist in der Malerei ihre mystische Vermählung (Verlobung), wie das Jesuskind sie als seine Braut annimmt und ihr einen Ring
an den Finger steckt; so z. B. von Memling (im Johanneshospital zu Brügge), Correggio (Paris,
[* 30] Louvre, und Neapel, Museo Nazionale),
P. Veronese (Venedig,
[* 31] Santa
Caterina). Als von Engeln zu Grabe getragen ist sie dargestellt von B. Luini
(Mailand,
[* 32] Brera), Mücke (Berlin,
[* 33] Nationalgalerie); als herrliche Einzelfigur malte sie Raffael (London,
[* 34] Nationalgalerie) und
B. Luini (München,
[* 35] AltePinakothek). –
Vgl. Knust, Geschichte der Legenden der heiligen Katharina von Alexandrien und der heil. Maria
Aegyptiaca (Halle 1889);
Katharina von Siena, geb. als Tochter des Färbers Benincasa in Siena, vollzog von früh an die schwersten Kasteiungen
an sich und trat im 15. Jahre in den Dominikanerorden. Ihre bis zum Übermaße fortgesetzten Kasteiungen
hatten visionäre Zustände zur Folge, in denen sie mit Jesus und Maria vertrauten Umgang pflog; sie rühmte sich sogar, der
Heiland habe sich mit ihr verlobt, sein Herz mit ihr vertauscht, ihr sein Blut zu trinken gegeben und ihr
seine fünf Wundenmale aufgeprägt.
Bei der großen Pest 1374 übte sie aufopfernde Krankenpflege. Seitdem versammelte sich ein Kreis
[* 38] von Gesinnungsgenossen um
sie. Katharina erstrebte besonders Versöhnung der ital. Städte mit dem Papst und dessen Rückkehr nach Rom (s. Gregor XI.), die Eroberung
des HeiligenLandes und die Reformation der Kirche. Papst Urban VI. beschied Katharina zu sich nach Rom, wo sie starb. 1461 ward
sie heilig gesprochen; der Dominikanerorden sowie die Stadt Siena verehren sie als Schutzpatronin.
Katharina von Genua, Tochter des Vicekönigs Robert Fieschi von Neapel, 1447 zu Genua geboren,
führte seit 1474 als Witwe (bis ein frommes Leben, ausgezeichnet durch aufopferungsvolle Krankenpflege, namentlich
in den Pestjahren 1457 und 1501, und strenge Ascese. 1737 ward sie heilig gesprochen. Gedächtnistag: 22. März.
von Aragonien, erste Gemahlin Heinrichs VIII. von England, geb. als Tochter Ferdinands des Katholischen,
wurde, um England an das span. Bündnis zu fesseln, 1502 mit Heinrichs VII. ältestem SohneArthur vermählt.
Nach dessen Tode (1503) wurde sie sofort dessen BruderHeinrich bestimmt, die Ehe selbst aber erst nach Heinrichs Regierungsantritt
geschlossen. Besonders bekannt ist sie als das Opfer des um AnnaBoleyns willen angezettelten berüchtigten
Ehescheidungshandels (s. Heinrich VIII., Bd. 8, S. 990 a), der, da der Papst die Scheidung verweigerte, zur Lösung der engl.
Kirche von Rom führte. Im Mai 1533 mußte Cranmer die Ehe für ungültig erklären, nachdem Heinrich schon vorher AnnaBoleyn
geheiratet hatte. Von K.s Kindern ist nur eine Tochter, die spätere Königin Maria die Katholische, am
Leben geblieben. Katharina, nach der Scheidung streng überwacht und von ihrem Kinde getrennt, starb bis zuletzt auf ihrem
Recht beharrend.
I. (russ. Jekaterina), Kaiserin von Rußland (1725–27), geb. zu Jakobstadt in Kurland als Tochter
des Samuel Skawronskij, kam als Waise 1683 zum Pfarrer Glück nach Marienburg in Livland, wo sie sich 1702 mit einem schwed.
Dragoner verheiratete. Als Marienburg von den Russen eingenommen wurde, fiel sie als Gefangene in die Hände des
Generals Scheremetjew, von dem sie zum Fürsten Menschikow kam, der sie zu seiner Geliebten machte. Bei
diesem sah sie Peter d. Gr. und nahm sie, von ihrer Jugend und Schönheit gefesselt, zu sich.
Sie trat 1703 zur griech. Kirche über und erhielt dabei die Namen Katharina Alexejewna. Peter d. Gr. gebar sie vier Töchter,
Katharina, Anna, Elisabeth und Natalie, von denen die zweite die MutterPeters III., die dritte aber Kaiserin
von Rußland wurde. Seit 1707 war sie heimlich mit Peter vermählt, der sie öffentlich für seine Gemahlin erklärte.
Als Peter 1711 am Pruth gegen das türk. Heer verloren schien, gelang es ihr, in Gemeinschaft mit Ostermann und
Schaffirow, den Großwesir zu gewinnen und dadurch das russ. Heer aus seiner gefährlichen Lage zu befreien, worauf sich Peter feierlich
mit ihr trauen ließ.
Nach dem Tode des ZarewitschAlexej ließ sie Peter in Moskau als Kaiserin krönen. Doch mußte sie bald darauf seine
Unzufriedenheit empfinden, da er sie im Verdacht hatte, mit dem Kammerherrn Moens de la Croix, den er auch deshalb enthaupten
ließ, in vertrautem Verhältnisse zu leben. Als Peter d. Gr. starb, folgte ihm in der Regierung, die sie im Sinne
des Verstorbenen weiter führte. Auch eröffnete sie die von Peter gestiftete Akademie
der Wissenschaften. Sie starb ihr Nachfolger war Alexejs Sohn Peter II. –
Vgl. Arssenjew, Katharina I. (russisch, Petersb.
1856);