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Aralsee im Grenzgebiet von Kasachstan und Usbekistan
Das dramatische Schrumpfen des Aralsees
Der dramatische Rückgang der Wasserfläche beim Aralsee in Zentralasien ist in erster Linieauf die von der Regierung der ehemaligen Sowjetunion (= UdSSR = Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) veranlassten Wasserregulierungsmassnahmen zurückzuführen. Die Auswirkungen des Klimawandels und der erhöhte Wasserbedarf einer stark wachsenden Bevölkerung in der Region der beiden Zuflüsse Syr Darja und Amu Darja haben den Trend zum Verschwinden des Binnengewässers verstärkt.
Der Aralsee, welcher heute in Kasachastan und Usbekistan liegt, verschwindet allmählich. Das Austrocknen des Gewässers hat in erster Linie menschliche Ursachen. Die sich gegenwärtig abzeichnende Klimaerwärmung hat den Prozess beschleunigt. Das Wasser des Aralsees, welcher keine Verbindung zu einem der Weltmeere besitzt, wird zur Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen benutzt. Das Bewässerungsprojekt begann in der Mitte des letzten Jahrhunderts unter der Leitung von Ingenieuren der ehemaligen Sowjetunion.
Ab 1960 begann der See auszutrocken. Ein Damm trennt seither den südlichen vom nördlichen Teil des Sees ab. Der nördlich gelegene Seeteil wird mit Wasser aus dem südlichen Teil immer wieder aufgefüllt.
Der Fischbestand hat sich inzwischen soweit erholt, dass die Fischer, ihre Zwischen- und Grosshändler wieder Gewinne erwirtschaften können. Mit der wirtschaflichen Gesundung der Fischerei konnte sich das lokale Gewerbe weiterentwickeln. Ein Stück Wohlstand kehrte an die Ufer des Kleinen Aralsees zurück.
In einer zweiten Bauphase beabsichtigt die Regierung, den Seespiegel mit Unterstützung der Weltbank auf 46 m anzuheben. Auf diese Weise würde das Seewasser wieder in den ehemaligen, nun ausgetrockneten Hafen von Aralsk zurückehren.
Umweltorganisationen vermuten, dass die Fische, welche im Kleinen Aralsee gefangen werden, mit gesundheitsschädlichen, chemischen Stoffen belastet sind. Zu Zeiten der Sowjetunion wurden auf einer Insel im ehemaligen grossen Aralsee geheime Experimente mit biologischen und chemischen Waffen durchgeführt. Die Anlage verrottet gegenwärtig unkontrolliert. Winde verteilen den offenbar mit Schadstoffen belasteten Sand in der weiteren Umgebung des Aralsees. Die Umweltorganisationen bemängeln, dass die Regierung von Kasachstan die Lebensmittel nicht auf ihren Schadstoffgehalt untersuchen lässt.
Das 2005 vollendete letzte Dammprojekt bedeutete den Todesstoss für den südlichen Aralsee. Der gesamte Wassernachschub des Syr Darja Flusses verblieb nun im nördlichen Aralsee. Das Wasser kann sich nun wegen des Damms nicht mehr wie früher gegen Süden in das trockene Wüstenbecken verteilen.
Zwischen 2005 und 2006 erholte sich der Wasserstand des nördlichen Teils vorübergehend. Ausserordentlich trockene Wetterbedingungen liessen 2014 den östlichen Teil des südlichen Aralsees zum ersten Mal seit Jahrhunderten vollständig austrocknen.
Die grössten Verfrachtungen trägt der Wind in Richtung Norden. Mit den Staubstürme werden auch die gesundheitsgefährdenden Stoffe in Siedlungsgebiete geweht.
Im Verlaufe der Zeit hat sich der Aralsee in drei Teilflächen aufgeteilt.
Am stärksten war ab 2000 der südöstliche Seeteil Veränderungen unterworfen. Dieser Seeteil umfasste die grösste Fläche des ursprünglichen Aralsees. Im Südosten mündet in regenreichen Jahren der Fluss Amu Darja in den Aralsee. Dieser Fluss entspringt im Grenzgebiet von Tadschikistan und Afghanistan. Er fliesst über eine gewisse Strecke als Grenzfluss abwechslungsweise zwischen den Ländern Afghanistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. $
An den Ufern des Flusses Amu Darja liegen grössere turkmenische und usbekische Städte, welche als Folge ihres Bevölkerungswachstums, einen immer grösserenWasseranteil abzweigen.
Usbekistan und Kasachstan wurden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wie die anderen Sowjetrepubliken 1991 unabhängig. In den neuen Staaten in Zentralasien blieben die Kasten der politisch Mächtigen die gleich zwei zu Zeiten des von Moskau gelenkten kommunistischen Sowjetstaaten. Neu war für diese Staaten, dass die Finanzen und die wirtschaftlichen Direktiven nicht mehr aus dem Kreml in Moskau kamen. Die "alten Seilschaften"; teilten die wirtschaftlichen Rosinen untereinander auf. Ehemalige Kolchosen und Kombinate wurden privatisiert. Die neuen Besitzer kamen vor allem bei den Rohstoffvorkommen in Kürze zu riesigem Reichtum. Die neue Schicht von Oligarchen und ihre Nachkommen machten sich auch im Westen als Käufer von Firmen, Liegenschaften und Sportvereinen bemerkbar.
Die starke Mann in Kasachstan, das Staatsoberhaupt Nursultan A. Nasarbajew, beherrscht von der Hauptstadt Nursultan aus ein riesiges Reich, das sich vom Kaspischen Meer im Westen bis zu den Ausläufern des Tien Shan-Gebirges im Osten an der Grenze zur Volksrepublik China ausdehnt. Erst 2019 hat die herrschende Klasse veranlasst, dass die Hauptstadt Adana künftig Nursultan heissen soll. Kasachstan verfügt über riesige Rohstoffvorkommen wie Uran und Erdöl. Das Land produzierte grosse Mengen an landwirtschaftlichen Produkten für deren Erzeugung grosse Bewässerungsanlagen in den Steppen gebaut wurden. Das Wasser des Flusses Syr Daja wurde so stark genutzt, dass der Fluss seit dem Ende des letzten Jahrhunderts nicht mehr in den Aralsee fliesst (Flussversickerung). Für den Export seiner Rohstoffe und Landwirtschaftlicher Produkte ist Kasachstan auf den Goodwill seiner Nachbarstaaten, allen vor an Russland, angewiesen.
In Kosmodrom Baikonur (Kasachstan) befindet sich weiterhin das russischen Raumfahrtszentrum, welches auch von der Europäischen Weltraumagentur ESA genutzt wird. In der sogenannten Hungersteppe, eine steppenartige Halbwüste in Kasachstan, landen jeweils die Besatzungen der Internationalen Raumstation ISS bei ihrer Rückkehr zur Erde.
Usbekistan ist ein durch und durch moslemisches Land. Er verfügt über die höchste Bevölkerungszuwachsrate in Zentralasien. Taschkent, dicht an der Grenze zu Kasachstan gelegen, ist die Hauptstadt des Landes und gleichzeitig die grösste Stadt im nördlichen Zentralasien. Das Staatsoberhaupt Islam Karimov regiert wie sein kasachischer Amtskollege Nasarbajew seit 1990 mit eiserner Hand.
Usbekistan ist ein Land mit vielen Steppen, Halbwüsten und Wüsten. Die Bevölkerung konzentriert sich auf einen Landstreifen entlang der Grenze zu Turkmenistan im Süden des Aralsees sowie im Osten um die Städte Samarkand und Taschkent. Die Landesgrenze zu Kirgistan, Tadschikistan und Afghanistan im Osten liegt in Gebirgsketten des Tien-Shan- und des Pamir-Alai-Systems. Entlang des Flusses Amu Darja hat sich beidseits der Grenze zu Turkmenistan eine ausgedehnte, intensive bewässerte Landschwirtschaftzone ausgedehnt. Baumwolle war und ist dabei ein wichtiges Anbau- und auch Exportprodukt. Die Übernutzung des Flusses hatte zur Folge, dass das Flusswasser nur noch in sehr regenreichen Jahren Aralsee erreichen kann. Usbekistan verfügt auch über Erdgas- und Erdölvorkommen.
In Ländern wie Usbekistan gehen mehr als 70 Prozent des Wassers insbesondere für Baumwollbewässerung verloren, rechnen Experten vor. Und in nicht wenigen Ländern versickern und verdampfen über 50 Prozent des gewonnenem Frischwassers auf dem Weg durch marode Leitungen.
Das Drama an den Ufern des Aralsees: Eine menschgemachte Katastrophe
In den 1960er Jahren trieb die Regierung der ehemaligen Sowjetunion im Gebiet der heutigen Staaten Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan Projekte voran, welche das Ziel verfolgten, das Tiefland von Turan und die Wüste Kysylkum mit Regen- und Schmelzwasser aus den östlich gelegenen, rund 1'000 km entfernten und über 5'000 m hohen Gebirgszügen an den Grenzen von Afghanistan zu versorgen.
Das Flusswasser dient seit dem nach Abschluss der Entwicklungsprojekte den neu entstanden Gutbetrieben in der Wüste als Bewässerungswasser für ihre Baumwollplantagen und für die Erzeugung von Lebensmitteln auf anderen Kulturflächen.
Bereits vor der Vollendung der Bewässerungsprojekte hatte die Sowjetunion die Gebiete östlich und südlich des Aralsees in den ihre drei ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan ans nationale Eisbahnnetz angeschlossen.
Das Bewässerungswasser brachte die Wüste zum Blühen, gleichzeitig wurde der Aralsee weitgehend zerstört. Durch die Entnahme von Bewässerungswasser verkleinerte sich die Seefläche. Es entstanden Teilflächen, welche vorerst noch miteinander verbunden waren. In einer ersten Phase trennte sich der nördliche Teil von den beiden südlich gelegenen Seeflächen.
Die beiden südlichen Teile blieben vorerst an ihrem nördlichen undsüdlichen Ende miteinander verbunden. 2001 wurde die Verbindung am südlichen Ende aus klimatischen Gründen unterbrochen. Der weniger tiefe östliche Teil verkleinerte sich in den folgenden Jahren stark. Besonders einschneidend war eine Trockenzeit zwischen 2005 und 2009, in welcher der südöstliche Teil schliesslich vom Zufluss des Amu Darja abgeschnitten wurde.
2005 beendete die Regierung von Kasachstan e inen Damm zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil des Aralsee. Das Bauwerk war der letzte Ausweg, wenigstens noch einen Teil des Sees, den Kleinen Aralsee, zu retten. Das Wasser des Flusses Syr Darja floss künftig nur noch in den nördlichen Teil. Der Damm bedeutet allerdings das "Todesurteil" für den südlichen Seeteil. Die Experten hatten die Zuversicht verloren, ihn irgendwie langfristig retten zu können.
Bis 2014 schwankte der Wasserspiegel im südöstlichen Teil als Folge von regenreichen und trockenen Jahren. 2014 trocknete dieser Seeteil zu ersten Mal in der Neuzeit vollständig aus.
Die Dürreperiode ab dem Jahr 2005 verminderte ebenfalls die Fläche des Kleinen Aralsees. Seit diesem Zeitpunkt konnte er seine Fläche kaum mehr vergrössern.
Für die Fischer und die Betriebe, welche ihre Produkte verarbeiteten, war die Austrocknung des Aralsees eine Katastrophe. Der Hafen von Aralsk verlor seine Verbindung zum See.
Die wirtschaftliche Niedergang der Fischereiindustrie war begleitet von einer Umweltkatastrophe. Der Rückgang der Seefläche führte zu einer Klimaänderung. Die ausgleichende Wirkung der grossen Wasserfläche auf den Temperaturverlauf und die Niederschlagstätigkeit wurde immer kleiner. Die Winter wurden kühler und die Sommer heisser. In den heissen Sommern benötigten die landwirtschaftlichen Betriebe immer mehr frisches Flusswasser für Bewässerungszwecke.
Der Salzgehalt in allen Seeteilen erhöhte sich ständig, weil sich der Wasserkörper laufend verkleinerte. Das Seewasser wurden durch den Zufluss von Agrochemikalien (Pestizide, Fungizide, Düngemitteln usw.) immer stärker belastet. Die Verunreinigung sammelten sich in den Seesedimenten an. Ohne die Wasserbedeckung wurden die staubtrockenen, gesundheitsschädlichen Sedimente mit Staubstürmen in die Siedlungsgebiete und Landwirtschaftzonen verfrachtet. Die Entwicklung bedroht bis heute die Gesundheit der Bevölkerung.
Der südöstliche Seeteil war bis 2014 vollständig verschwunden. Bis 2018 bildete sich wieder eine seichte Seefläche. 2020 war diese Fläche wieder verschwunden.
Aus Teilen des Aralsees enstand die Wüste Aralkum
In den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts war der Aralsee als eines der grössten Binnengewässer der Welt rund 67'000 km2 gross, was mehr als der eineinhalbfachen Fläche der Schweiz entsprach. Im See lebten zahlreiche Fischarten. Vom Fang der Fische lebten sehr viele Menschen an den Gestaden des Aralsees. Eine blühende Fischindustrie gab den Leuten Arbeit und Nahrung. In den besten Zeiten der Fischindustrie in der Mitte des letzten Jahrhunderts waren rund 80% der arbeitenden Bevölkerung in den Betrieben beschäftigt, welche die Fisch fingen, diese verbreiteten und zu den Verbrauchern transportierten.
Die Staatsführung der ehemaligen Sowjetunion im fernen Moskau förderten Pläne für den Anbau von noch mehr Baumwolle in der Aralregion. Baumwolle war ein Produkt, welches beim Verkauf auf den Weltmärkten die dringend benötigten Deviseneinnahmen für die Wirtschaft der UdSSR brachte. Im gleichen Masse wie die Erträge auf den bewässerten Baumwollfeldernzunahm, schrumpfte die Fangmenge der Fische aus dem Aralsee derart, dass die Betrieb der Fischindustrie nach und nach stillgelegt wurden.
Die Folgen der exessiven Wasserentnahme wurdenim Aralsee von Jahr zu Jahr stärker sichtbar. Der Salzgehalt im See nahm kontinuierlich zu. Die Wasserlebewesen starben aus. Der See verkümmerte an vielen Stellen zu einer salzig, wässrigen Suppe. Allmählich entstand eine rund 60'000 km2 grosse Wüste, die den Namen Aralkum erhielt. Die Deckschichten dieser Wüste bestehen aus einer Mischung von Stoffen, von denen einige eine grosse Gefahr für die Umwelt und damit für alle Lebewesen darstellen. Jedes Jahr werden Millionen von Tonnen dieser gesundheitsgefährdenden Partikel aufgewirbelt und von den Winden sogar in weit entfernte Region verfrachtet.
Umweltaktivisten versuchen, Teile der Aralkum-Wüste mit wüstentauglichen und salzvertragenden Pflanzenarten wie Saxaul oder Quinoa zu bepflanzen. Beide Pflanzenarten verwurzeln stark, so dass dort wo sie wachsen, die Bodenerosion stark vermindert wird. Saxaul ist ein Strauch, welcher sich zu einem kleinen, mehrere Meter hohen Baum entwickeln kann. Sein Holz kann als Brennmaterial verwendet werden. Die Quinoa ist eine einjährige Pflanze. Die Nüsschen der stark wuchernden Pflanze kann als Lebensmittel verwendet werden.
Die Regierung von Usbekistan hat das Schneiden und das Ausreissen der Schutzpflanzen unter Strafe gestellt. Trotz der Strafandrohung ist vor allem das Schneiden von Saxaulholz in dieser Gegend stark verbreitet. Das Holz wird als Brennmaterial verwendet. Die Landbevölkerung am Rand des ehemaligen Aralsees bessert mit dem Holzverkauf das äusserst bescheidene Einkommen auf. Zum Schutz der Umwelt benötigen die Menschen in der Region dringend alternative Erwerbsmöglichkeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Die usbekische Regierung ist bestrebt, die wirtschaftliche Situation für die Bevölkerung zu verbessern und die Erwerbsmöglichkeiten auszubauen. Es entstand die Idee, den Südrand des ehemaligen Sees um die Ortschaft Muynak zu einem Zentrum für den Ökotourismus auszubauen.