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Kevin Merz’ berührendes Requiem für einen verstorbenen Freund.
Eine feuchtfröhliche Party mit Whiskyshots, Joints und Luftgitarreneinlagen, nächtliche Skateboardstunts in den leeren Strassen von Lugano – unbeschwertes Teenagerdasein in der Schweizer Provinz. Und immer wieder bleibt Kevin Merz’ Kamera – einst selber einer dieser Teenager – auf dem Gesicht eines Kollegen haften, eines hübschen Jungen mit traurigen Augen und einem verschmitzten Blick: Stefano Terranova, genannt Terra.
Am 11. September 2009 starb Terra beim Überqueren eines Zuggleises am Bahnhof von Paradiso, Lugano. «Ich legte mir seinen Tod als eine seiner letzten Kunstperformances zurecht: am 11. September an einer Zugstation mit dem Namen Paradies zu sterben», sagt Merz aus dem Off in seinem Film «Terra». Der 34-jährige Merz erinnert sich an seinen Freund. An einen talentierten Künstler, der immer an sich und der Gesellschaft zweifelte, einen, der seine Rolle als Aussenseiter zelebrierte und schliesslich sein Leben dem Heroin opferte. Merz ist voller Bewunderung für seinen Freund und versucht zugleich immer wieder, ihn von der Sucht zu befreien.
Der fünfzigminütige Film «Terra» wechselt zwischen Archivaufnahmen Terras – einmal voller Tatendrang in ein Kunstprojekt verwickelt, am Ende abgemagert und lethargisch auf dem Sofa, der einzige Gedanke: «Wie komme ich zum nächsten Schuss?» – und den Eltern, die die Wohnung ihres verstorbenen Sohnes räumen. Die Mutter hat eine Wut im Bauch und weiss nicht, worauf, die Zügelmänner versuchen mit kernigen Weisheiten die Stimmung aufzulockern, und der Vater zeigt Merz besorgt eine mit Blut verschmierte Kartonschachtel. Ein intimer und berührender Film über ein zu früh erloschenes Talent und eine tiefe Freundschaft.
Kino Canva Club, Fr, 20. Januar, 14.15 Uhr, und Landhaus, Sa, 21. Januar, 14 Uhr.