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HIV: Frühdiagnose reduziert Neuinfektionen
Eigentlich wissen wir es schon sehr lange. Bei gut der Hälfte der HIV-Infektionen erfolgt die Infektion von einer Person, welche auch erst kürzlich mit HIV angesteckt wurde. Könnten wir die HIV Diagnose früher stellen, könnten wir vermutlich sehr viel mehr Neu-Infektionen verhindern. Diese Zusammenhänge verstehen wir nun schon seit vielen Jahren, doch noch immer werden viele frische HIV-Diagnosen verpasst.
Phänomen längst bekannt und gut erklärt
Eigentlich wurde das Phänomen schon vor über 15 Jahren von Genfer Virologen erstmals beschrieben. Anhand einer Analyse des genetischen Fingerabdruckes der HIV-Viren und Nachweis sog. Cluster bei frisch infizierten Personen konnte Sabine Yerly et al zeigen, dass mindestens 30%-50% der frischen Infektionen von einer Person übertragen wurden, die sich auch erst kürzlich mit HIV angesteckt hat. Auch die Erklärung für das Phänomen ist unterdessen bekannt. HIV-Viren können Eigenschaften aufweisen, welche Ihnen die Fähigkeit verleihen, relativ einfach sexuell übertragen zu werden.
Frühdiagnose reduziert Neuinfektionen
Nun will ein Studienteam in San Diego den Beweis erbracht haben, dass ein gezieltes Programm zur Früherkennung von HIV-Diagnosen nicht nur zur vermehrten Diagnose von HIV-Primoinfektionen führt, sondern dass diese Intervention auch weitere Infektionen verhindern kann. Tatsächlich konnten die Autoren zeigen, dass im Verlauf von sechs Jahren die Zahl der Neu-Infektionen deutlich abfiel, nachdem in dieser Region ein sehr gezieltes Programm zur Frühdiagnose von HIV eingeführt wurde. Die Autoren weisen darauf hin, dass ausser der veränderten Methode zur Frühdiagnostik in einige Testzentren in der Stadt San Diego, sich kaum etwas verändert hat, was den abnehmenden Trend erklären könnte (Häufigkeit von Geschlechtskrankheiten eher zunehmend, Anteil behandleter Patienten).
Tatsächlich ist der Trend, den die Autoren beobachtet haben, bescheiden, wenn man die obenstehende Figur betrachtet. Die rote Linie betrifft die Inzidenz im Stadtzentrum, wo am meisten HIV-Infektionen stattfinden. Der Abfall der Inzidenz ist in dieser Region in den letzten Jahren am deutlichsten. Dies war auch die Region, in der die intensivierten Früh-Testungen angeboten wurden. Die Autoren berechnen (punktierte Linie), dass die Anzahl von Neuinfektionen deutlich höher wäre, wenn das Frühdiagnoseprogramm nicht eingesetzt worden wäre. Möglich, dass der Effekt deutlicher ausgefallen wäre, wäre die Behandlung in der Region effizienter durchgeführt. Im Durschnitt dauerte es immer noch eineinhalb Jahre von der Diagnose bis zum Therapiebeginn.
Im Vergleich zu diesem Effekt der Frühdiagnostik in San Diego konnten wir in der Schweiz beobachten, dass mit einem deutlichen Anstieg der HIV Behandlungen (ab 2008, nach dem Swiss Statement), auch die Anzahl der Neuinfektionen sank. Besonders effizient war diese Wirkung in der Gruppe der Männer die Sex mit Männern haben: Hier kam es über 5 Jahre fast zu einer Halbierung der frischen Infektionen.
Kommentar
Diese Arbeit Zeigt, dass der Fokus, den auch das Nationale Programm HIV und STD 2011-17 in der Schweiz verfolgt, richtig ist: Das Programm fordert, dass wir – neben der Verhaltensprävention – HIV und Geschlechtskrankheiten früh erkennen und richtig und effizient behandeln müssen. Dieser Ansatz funktionierte offenbar in San Diego und er funktioniert auch in der Schweiz. Wichtig wäre noch, dass wir erreichen, dass die Ärzte HIV-Primoinfektionen erkennen und entsprechend diagnostizieren. Noch immer ist der Anteil der diagnostizierten Primoinfektionen rund 10% aller Patienten, die vermutlich wegen einer solchen Symptomatik zum Arzt gehen.