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Seit 2012 bietet das Arab Film Festival Zurich alle zwei Jahre die Gelegenheit zu interkulturellen Begegnungen zwischen dem hiesigen Publikum und dem vielfältigen arabischen Filmschaffen sowie seinen Vertreterinnen und Vertretern.
In der 5. Ausgabe 2020 war das nicht anders – nur eben unter strenger Einhaltung der Covid-19-Schutzmassnahmen.
15 Langfilme der letzten zwei Jahre (sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilme), drei Klassiker und 18 Kurzfilme konnten während des Festivals entdeckt werden. Zum ersten Mal wurden die neuen Langfilme im Rahmen eines Wettbewerbs gezeigt. Eine dreiköpfige Jury – zusammengesetzt aus der Kuratorin Rasha Salti, der Filmjournalistin Catherine Silberschmidt und der Filmemacherin Yasmine Chouikh – hat am 29. November die Preisträgerinnen und Preisträger in den Kategorien «Bester Film» und «Beste Regie» mit einer eigens dafür geschaffenen Trophäe gekürt. Die Auszeichnung für den «Besten Film» hat Ala Eddine Slim für Tlamess (Tunesien/Frankreich 2019) erhalten. Ahmad Ghossein erhielt den Preis «Beste Regie» für seinen Film All This Victory (Libanon/Frankreich 2019).
Das Cabinet des Dr. Caligari (Robert Wiene, Deutschland 1920)
Die Pastorenwitwe (Carl Theodor Dreyer, Schweden 1920)
Get Out and Under (Hal Roach, USA 1920)
Karin Ingmarsdotter (Victor Sjöström, Schweden 1920)
Die Spinnen, 2. Teil: Das Brillantenschiff (Fritz Lang, Deutschland 1920)
Within Our Gates (Oscar Micheaux, USA 1920)
Der Erste Weltkrieg hat durch die Kriegshandlungen und die Kriegszerstörungen das filmwirtschaftliche Kräfteverhältnis verändert. Im zuvor führenden Frankreich fehlten Kapital, Filmschaffende und zusehends auch die Infrastruktur, um die Produktion auf dem hohen Niveau zu halten. Deutschland erging es ähnlich, bis 1917 die militärische und politische Führung den Film als wesentliches Mittel zur Meinungsbildung einstufte und die bis dahin eher zersplitterten Strukturen der Filmwirtschaft mit der Gründung der Universum-Film-Aktiengesellschaft (UFA) bündelte. Weil die europäischen Filmproduktionsländer geschwächt aus diesem Krieg hervorgingen und die amerikanischen Filme in der entstandenen Lücke Fuss fassen konnten, entstand die bis heute andauernde marktbeherrschende Position der US-Filmindustrie.
Der Fuhrmann des Todes (Victor Sjöström, Schweden 1921)
Der Gang in die Nacht (Friedrich Wilhelm Murnau, Deutschland 1921)
Der müde Tod (Fritz Lang, Deutschland 1921)
Die Bergkatze (Ernst Lubitsch, Deutschland 1921)
Fièvre (Louis Delluc, Frankreich 1921)
Im Kampf mit dem Berge (Arnold Fanck, D 1921)
L'Atlantide (Jacques Feyder, Frankreich 1921)
La belle dame sans merci (Germaine Dulac, Frankreich 1921)
Manhatta (Charles Sheeler, Paul Strand, USA 1921)
Orphans of the Storm (D.W. Griffith, USA 1921)
Seven Years Bad Luck (Max Linder, USA/Frankreich 1921)
The Kid (Charles Chaplin, USA 1921)
The Pet (Winsor McCay, USA 1921)
Blätter aus dem Buche Satans (Carl Theodor Dreyer, Schweden 1921)
Zugleich erhöhte sich der Kapitalbedarf mit dem (spätestens Ende der 1910er-Jahre abgeschlossenen) Übergang zum Langspielfilm als dominanter Form des Kinofilms. Um die Risiken der gewachsenen Investitionen in die Produktion abzusichern, setzte sich immer stärker die vertikale Konzentration, die Zusammenführung von Produktion, Verleih und Kinoketten in einer Firma durch. Die Übernahme der zusätzlichen Bereiche erforderte jedoch zusätzliche Kapitalien, so dass die grossen Filmfirmen in den USA rasch in die Abhängigkeit von Banken und Industriekonzernen gerieten.
Mit L’Assassinat du Duc de Guise begann 1908 eine Entwicklung, die für das Kino der 1910er-Jahre prägend werden sollte: Die einstige Jahrmarkt-Attraktion Film erkämpfte sich eine kulturelle Reputation. Die Produktionsgesellschaft mit dem programmatischen Namen «Le Film d’Art» engagierte für diesen Film als Drehbuchautor ein Mitglied der Académie Française, Henri Lavedan, und verpflichtete ein Mitglied der Comédie Française, Charles LeBargy, für die Titelrolle und als Co-Regisseur (mit André Calmettes). Die weiteren Hauptrollen besetzte sie ebenfalls mit Mimen aus dem Hause Molières, sie liess sich historisch exakte Dekors bauen und gab bei einem renommierten Komponisten, Camille Saint-Saëns, eine Originalpartitur zur Begleitung des Films in Auftrag.
Man nennt sie gern die «Kinderjahre» der Kinematographie, die anderthalb Jahrzehnte nach der ersten Filmprojektion im März 1895. Damit ist gemeint: Der Film hatte noch viel zu lernen. Und schliesst auch den «Jööö-Effekt» ein, den erste ungelenke Gehversuche auslösen. Es spricht daraus die «Erwachsenen»-Perspektive, die zu wissen glaubt, wo das hinführt.
Auf die frühen Filme bezogen, ist diese Betrachtungsweise so zutreffend wie einseitig. Natürlich haben sich die Filmtechnik und ihr Einsatz zu künstlerischer Gestaltung erst nach und nach entwickelt. Die rückblickende, teleologische Optik bedarf aber der Ergänzung in der Gegenrichtung. Es ist durchaus spannend, gewissermassen ergebnisoffen zuzuschauen, wie sich das «Kind» Film in wenigen Jahren ungeahnte Fähigkeiten zulegte. Und man sollte dabei nicht jene vielversprechenden Anlagen übersehen, die später verkümmerten.
Das ursprüngliche Filmpodium-Logo, einst von Ralph Schraivogel gestaltet, gelangt zurück in unser Erscheinungsbild. Dies, weil die Stadt Zürich ihren Kulturinstitutionen wieder mehr Eigenständigkeit in Sachen Corporate Identity zugestanden hat. Wir hoffen, Sie freuen sich über dieses frühe Weihnachtsgeschenk ebenso wie wir.
Gabriel García Márquez schrieb von «Liebe in den Zeiten der Cholera»; uns beim Filmpodium beschäftigt Cinephilie in den Zeiten von Corona: Unter welchen Bedingungen dürfen Kinos noch Filme zeigen? Dürfen Filmschaffende zu Besuch kommen? Darf Live-Musik gespielt werden? Wie viel Aufwand soll oder darf man treiben, wenn höchstens 50 Personen anwesend sein dürfen – und auf die Gefahr hin, dass wegen eines plötzlichen Lockdown alles für die Katz war? Wenn unser Publikum einen Kaffee oder ein Glas Wein nur noch im Saal auf nummerierten Sitzplätzen mit Contact Tracing trinken darf, wie gastlich ist unser Kino dann noch? „Editorial: Deuxième Vague“ weiterlesen →
Am 4. Oktober ist das 16. ZFF zu Ende gegangen. Unter der neuen künstlerischen Leitung von Christian Jungen hatte das europäische, allen voran das französische und Schweizer Filmschaffen einen besonderen Rang, und die zahlreichen daran beteiligten Gäste machten die Corona-bedingte Zurückhaltung der Stars aus Übersee wett. Dank der Breitenwirkung des ZFF haben viele Besucherinnen und Besucher nicht nur den Weg ins Kino wiedergefunden, sondern dabei die Erfahrung machen können, dass das Maskentragen im Saal eine selbstverständliche Geste mitmenschlicher Rücksichtnahme ist, um die kein Aufhebens gemacht werden muss. Für diese Sensibilisierung des Publikums – und die guten Filme! – danken wir dem ZFF herzlich. Unser eigenes Festival, das Arab Film Festival Zurich, das wir zusammen mit dem Verein International Arab Film Festival Zurich organisieren, feiert heuer seine 5. Ausgabe. Das biennale Festival präsentiert vom 19. bis 29. November die Vielfalt des engagierten Filmschaffens aus dem arabischen Kulturraum. Diesmal sind Marokko und Tunesien die Schwerpunktländer, aus denen auch Klassiker gezeigt werden und über deren aktuelles Filmschaffen mit Fachleuten diskutiert wird. Ob die zum Festival eingeladenen Filmschaffenden tatsächlich anreisen dürfen, um ihre Werke persönlich vorzustellen, wird sich erst kurzfristig entscheiden; gegebenenfalls werden wir auf Skype-Gespräche ausweichen. Bitte beachten Sie dazu unsere Website. „Editorial: Filmfeste und Abschiedsfeiern“ weiterlesen →