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Gouverneurs-Wahl in Kalifornien
Die Republikaner hatten keine Chance, aber die schlachten sie aus
Kalifornien hat heute darüber entschieden, ob Gavin Newsom Gouverneur bleibt oder ein Ersatzkandidat sein Amt zu Ende führt. Die Niederlage der Republikaner war absehbar, also feilen sie an der Fabel des Wahlbetrugs.
«Ich bringe Kalifornien Glück», sagt die Dame mit dem Dekolleté in den Schmink-Spiegel hinein. «Die reine Tatsache, wird es Glück geben. Und natürlich ist Kalifornien auch für mich Glück.» Und während der pinke Schriftzug «AngelyneForGovernernor.com» eingeblendet, haucht eine Frauenstimme «Vote!».
Tatsächlich steht Angelyne alias Ronia Tamar Goldberg heute quasi zur Wahl im Sonnenstaat der USA, wenn die Bürger dort darüber entscheiden, ob der Demokrat Gavin Newsom aus dem Amt entfernt werden soll.
Entscheidet sich ein Wähler dafür, muss er einen Ersatzkandidaten herauspicken der bis zur nächsten Wahl im Januar 2023 Newsoms Amt übernimmt. Neben dem 70 Jahre alten New-Wave-Model gibt es weitere bunte Kandidaten.
Die bekannteste unter ihnen ist wohl Caitlyn Jenner, die früher als Mann olympische Goldmedaillen gewonnen hat. Sie tritt ebenso für die Republikaner an wie der konservative Talkshow-Host Larry Elder, Rapper Nockolas Wildstar oder der Pastor und Software-Entwickler Sam Gallucci.
Kandidaten-Kuriositätenkabinett
Doch auch Demokraten stellen sich gegen den eigenen Gouverneur – etwa der Youtuber und Immobilien-Mann Kevin Paffrath, der College-Student John Drake, die Cannabis-Befürworterin und Geschäftsfrau Jacqueline McGowan oder Holly Baade, ihres Zeichens spirituelle Lehrerin und Coach.
Es ist ein Kuriositätenkabinett, in dem der republikanische Unternehmer John Cox mit einem Bären auf Wahlkampftour gegangen ist. Abgerundet wird die Auswahl von Kandidaten wie Dennis Richter, einem Walmart-Angestellten, der in der Sozialistischen Arbeiterpartei ist.
Der Lehrer David Moore steht für die Sozialistische Gleichberechtigungspartei und Hair-Stylistin Heather Collins tritt für die Grünen an – neben Staatsanwalt Dan Kapelovitz, der einst Herausgeber des Herrenmagazins «Hustler» war.
Taktische Geplänkel
Angelyne indes will sich keiner Partei zuordnen – wie auch andere potenzielle Gouverneure wie Major Sing, Software-Ingenieur, Adam Papagan, ein Entertainer und Tour-Guide, oder Kevin Kaul, der als Immobilien-Manager das US Global Business Forum gegründet hat.
Dass dieser bunte Haufen überhaupt zur Wahl steht, liegt an einer Zeit, in der alles noch umgekehrt war: Als sie 1911 noch die progressivere Partei war, haben die Republikaner in Kalifornien das Frauen-Wahlrecht und Elemente direkter Demokratie eingeführt. So kann dort der Gouverneur zur Abwahl gestellt werden, wenn 12 Prozent der Wähler unterschreiben.
Gavin Newson hat sich diesen Urnengang durch seinen Umgang mit der Pandemie, seine Steuer- und Sozialpolitik verdient, sagen seine Kritiker. Die Demokraten bezichtigen die Republikaner dagegen taktischer Geplänkel: Kalifornien ist traditionell ein blue state, in dem fast zwei Drittel zuletzt für US-Präsident Joe Biden gestimmt haben.
Newsom auf Kurs
Die roten Republikaner hätten keine Chance, hier den Gouverneur zu stellen – ausser über den Weg der recall election, bei dem ein Gegenkandidat schon mit rund 15 Prozent der Stimmen als Sieger hervorgehen könnte. Kein Wunder, dass die Partei-Elite von Ex-Präsident Barack Obama über Kamala Harris bis zu Joe Biden für Newsom gerade die Wahlkampftrommel rührt.
Wie es zurzeit aussieht, haben Newsoms Gegner nicht den Hauch einer Chance: Neuesten Umfragen zufolge sprechen sich gut 57 Prozent der Wahlberechtigten für den Verbleib des Amtsinhabers aus. Ein Wert, der angesichts der Wählerlager kaum noch zu drehen ist.
Doch auch für diesen Fall sorgen die Republikaner offenbar schon vor: Schon jetzt spricht die Partei von angeblichem Wahlbetrug, weiss die «New York Times». Ihr Spitzenkandidat Larry Elder bekundete, er sei ob des Themas «besorgt» – und hat bereits eine Website aufgeschaltet, auf der um entsprechende Berichte der Wähler gebeten wird.
«Es kann sehr gut sein, dass es Gaunereien geben wird»
Auch der Erdenker dieser politischen Strategie ist mit an Bord: Ex-Präsident Donald Trump hat ebenfalls prophezeit, der Urnengang in Kalifornien sei «eine geschobene Wahl». Doch der Schachzug könnte auch zu eigenen Lasten gehen: Wenn die republikanischen Wähler denken, ihre Stimme zähle ohnehin nicht, könnten einige dem Urnengang gleich ganz fernbleiben.
Fest steht dagegen der Schaden für die Demokratie, den das stete Anzweifeln der Ergebnisse anrichtet. Elder und seine Mitstreiter*innen wollen zwar die Auszählung genau beobachten lassen, doch dass sie es gut sein lassen, wenn es zu keinen Auffälligkeiten kommt, muss bezweifelt werden.
«Es kann sehr gut sein, dass es Gaunereien geben wird», hat Elder vor der heutigen Wahl bereits gewarnt, deren Legitimität ein spezieller Ausschuss seiner Partei überprüfen soll. Gaunereien, die es nach Elders Meinung bereits im November gegeben habe.
Newson bereits bestätigt
Insofern kann man nur hoffen, dass die Republikaner es für den Fall einer Niederlage bei Geheule über vermeintliche Manipulationen bewenden belassen. Dem Sturm aufs Kapitol in Washington muss nun wirklich nicht auch noch eine Belagerung in Sacramento folgen.
Das Wahlrennen ist an diesem Mittwochmorgen aber bereits gelaufen: Nach Auszählung von etwa 60 Prozent der Stimmen lag die Zahl der Nein-Stimmen bei der ersten Frage doppelt so hoch wie die der Ja-Stimmen. Newsoms Vorsprung war nicht mehr einzuholen, auch wenn er im weiteren Verlauf der Auszählung noch etwas schrumpfen dürfte.