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<h2>SubmittedText<h2><p>Aufgrund des Berichtes der WHO über die Therapietreue kann geschlossen werden, dass es 50 Prozent der Patienten nicht gelingt, die mit den Therapeuten abgemachte Therapie konsequent umzusetzen (WHO Report 2003). Mangelnde Therapietreue ist eine Hauptursache für Therapieversagen. Darüber hinaus werden zusätzliche Kosten generiert durch weitere Untersuchungen, Therapiewechsel und Hospitalisierungen. Gemäss Experten schafft es lediglich ein Drittel der Patienten, die Therapie konsequent umzusetzen. Auch in der Schweiz gibt es unterschiedliche Erfahrungen mit Non-Compliance. Vonseiten der Ärzte und Krankenkassen wird Eigenverantwortung postuliert, oft aber nicht abgeklärt, inwieweit der Patient in der Lage ist, den Plan konsequent umzusetzen. Im Gesundheitswesen wird häufig nur mündlich kommuniziert. Zudem werden von den Leistungserbringern nur geringfügig unterstützende Massnahmen eingesetzt. Die Gesamtkosten im Gesundheitswesen werden wohl zu 80 Prozent durch lang andauernde Krankheiten verursacht. 27,3 Prozent der Bevölkerung geben an, ein chronisches Leiden zu haben. Wird angenommen, dass die Kosten eines Patienten, der "non-compliant" ist, das Vierfache jener eines therapietreuen Patienten betragen, so werden von den Gesamtkosten von 58,5 Milliarden Franken (2008) rund 28 Milliarden Franken durch die Non-Compliance verursacht. Dies entspricht rund 48 Prozent der gesamten Gesundheitskosten.</p><p>Vor diesem Hintergrund wird der Bundesrat ersucht, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie beurteilt er die Situation bezüglich Therapietreue, deren Einfluss auf die Gesundheit und die damit verbundenen Kosten?</p><p>2. Welche Massnahmen sieht er betreffend Non-Compliance vor?</p><p>3. Wie könnten Anreizstrukturen geschaffen werden, sodass Leistungserbringer und Patienten ein Interesse an einer konsequenten Umsetzung der Therapie haben?</p><p>4. Sieht er Möglichkeiten, die Leistungserbringer zu einer intensiveren Zusammenarbeit zu verpflichten, um Therapiepläne effektiver umzusetzen und Zusatzuntersuchungen sowie Hospitalisierungen zu vermeiden?</p><p>5. Sieht er Möglichkeiten, Modelle, die in anderen Ländern funktionieren, zu übernehmen (z. B. Diabetes-Management in den Niederlanden)?</p><p>6. Wie gedenkt er neue technologische Möglichkeiten zur Förderung der Therapietreue zu fördern?</p><p>7. Ist er bereit, in grossen und kostenintensiven therapeutischen Gebieten Programme zu entwickeln und Massnahmen zur Umsetzung evidenzbasierter Therapiepläne zu realisieren?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Mangelnde Therapietreue der Patientinnen und Patienten ist ein allgemein bekanntes wesentliches Problem in der Krankheitsbehandlung, insbesondere bei chronischen Krankheiten. Die Schätzung der Kosten der nichteingenommenen Arzneimittel in der Schweiz ist schwierig. Nicht nur die ärztliche Verschreibung, sondern auch die effektiv bezogenen Arzneimittel wären zu berücksichtigen. Entsprechende Erhebungen und Studien sind nicht vorhanden. Der Branchenverband der schweizerischen Krankenversicherer Santésuisse geht in einer Medienmitteilung aus dem Jahre 2002 von Zusatzkosten von 0,5 Milliarden Franken aus. Für Deutschland schätzt die Deutsche Gesellschaft für bürgerorientierte Gesundheitsversorgung diese Kosten auf rund 2,3 Milliarden Euro (Journal Med, 2009). Die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände schätzt die Folgen von nichteingenommenen Arzneimitteln auf 10 Milliarden Euro. Der Bundesrat beurteilt die mangelnde Therapietreue als ein von allen Akteuren des Gesundheitswesens ernstzunehmendes Thema.</p><p>2. Der Bericht der WHO zur Therapietreue bei chronischen Krankheiten aus dem Jahre 2003 sowie die Fachliteratur beurteilen die Ursachen und die Handlungsoptionen bezüglich mangelnder Therapietreue als vielfältig und vernetzt. Für die Therapietreue sind Faktoren aufseiten der Ärztinnen und Ärzte, der Therapeutinnen und Therapeuten, der Apothekerinnen und Apotheker wie auch aufseiten der Patientinnen und Patienten ausschlaggebend. Die Ansatzpunkte sind von verschiedenen Akteuren zu verfolgen. Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) fordert von den Leistungserbringern, dass die vergüteten Leistungen wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich erbracht werden müssen (Art. 32, 56 KVG; SR 832.10). Bei der Ausgestaltung der Tarifverträge haben nach Artikel 43 KVG die Tarifpartner und zuständigen Behörden darauf zu achten, dass eine qualitativ hochstehende und zweckmässige gesundheitliche Versorgung zu möglichst günstigen Kosten erreicht wird. In der Qualitätsstrategie für das schweizerisches Gesundheitswesen, die der Bundesrat im Oktober 2009 gutgeheissen hat, werden als Handlungsfelder unter anderem auch die Therapietreue, die vermehrte Verankerung von Qualitäts- und Patientensicherheitsthemen in der Aus- und Weiterbildung der Gesundheitsberufe, das Patienten-Empowerment und das Instrument der nationalen Qualitätsprogramme zur Förderung der Qualität und Patientensicherheit genannt. Die Vorbereitungsarbeiten für die Umsetzung der Qualitätsstrategie sind im Gange. </p><p>3. Die Schaffung von Anreizen, die direkte Auswirkungen auf die Leistungserbringer und die Patientinnen und Patienten hinsichtlich Steigerung der Therapietreue haben, ist aufgrund der multifaktoriellen Sachlage aus Sicht des Bundesrates problematisch. Indirekt kann vermehrte Transparenz durch die Weiterentwicklung und Publikation von Indikatoren zu Qualität und Wirtschaftlichkeit im Bereich des Medikationsprozesses und die Analyse vermeidbarer Spitalaufenthalte das Bewusstsein für die Thematik auf allen Seiten schärfen und das Verhalten beeinflussen. </p><p>4. Ein grosses Potenzial zur Erreichung einer intensiveren Zusammenarbeit unter den verschiedenen Leistungserbringern und zur Vermeidung von nichtnotwendigen Untersuchungen und Hospitalisierungen sieht der Bundesrat vor allem in der Gesetzesvorlage betreffend Managed Care, die sich in der parlamentarischen Beratung befindet. </p><p>5. Disease-Management-Modelle (wie beispielsweise im Bereich Diabetes) erachtet der Bundesrat als geeignet zur Förderung einer kostengünstigen und qualitativ hochstehenden Behandlung. Im Bericht des Eidgenössischen Departementes des Innern (EDI), welcher am 4. April 2007 an die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N) überwiesen wurde, wird die Schaffung von Disease-Management-Programmen für potenziell aufwendige und folglich kostspielige Krankheiten, in Verbindung mit der Einrichtung eines Hochrisikopools, vorgeschlagen. Es obliegt dem Parlament, den Vorschlag des EDI aufzunehmen und die notwendigen Entscheide zu treffen. Die neue Spitalfinanzierung mit einem differenzierteren Risikoausgleich unter den Versicherern wird die sogenannte Jagd nach guten Risiken vermindern und damit den Aufbau von Disease-Management-Programmen erleichtern.</p><p>6. Im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) können nur gezielte Leistungen zur Diagnose und Behandlung von Krankheiten/Unfällen und bei Mutterschaft sowie Massnahmen zur Prävention finanziert werden. Andere technologische Systeme zur Förderung der Therapietreue, wie beispielsweise die Erinnerung zur Arzneimitteleinnahme über Telefonanrufe oder SMS-Mitteilungen, sind nicht im Geltungsbereich der OKP. Die Entwicklung technologischer Systeme liegt nicht im Wirkungsbereich des Bundes. Forschenden steht es jedoch offen, entsprechende Forschungsgesuche beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) oder bei der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) einzureichen.</p><p>7. Der Bundesrat unterstützt im Rahmen der unter Ziffer 2 dargelegten Voraussetzungen das Anliegen, die Thematik der Therapietreue in nationale Programme zur Förderung der Qualität zu integrieren. Er hat ferner dem Parlament den unter Ziffer 5 ausgeführten Vorschlag unterbreitet. Die spezifische Entwicklung von Therapieplänen, vereinfachten Therapieformen, Hilfsmittelunterstützung und anderen Massnahmen liegt massgeblich im Zuständigkeitsbereich der Leistungserbringer, welche im Sinne der vom KVG geforderten qualitativ hochstehenden und zweckmässigen gesundheitlichen Versorgung ihre Verantwortung konsequent wahrnehmen sollen.</p>  Antwort des Bundesrates.