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Am Telefon war Silvio Borner ein freundlicher Mann. Er nahm sich viel Zeit, als die WOZ über KlimaleugnerInnen in der Schweiz recherchierte; dabei war klar, dass er nicht gut wegkommen würde. Vergangene Woche ist Silvio Borner, eine der einflussreichsten wirtschaftswissenschaftlichen Stimmen der Schweiz, mit 79 Jahren gestorben. Der Ökonom lehrte von 1974 bis 1978 an der HSG in St. Gallen und danach bis zu seiner Emeritierung 2008 an der Uni Basel. Zu seinen SchülerInnen gehörten Aymo Brunetti, langjähriger Chefökonom beim Staatssekretariat für Wirtschaft und heute Wirtschaftsprofessor in Bern, oder Thomas Straubhaar, Wirtschaftsprofessor an der Uni Hamburg.
Borner war anfänglich Anhänger des US-Ökonomen John Maynard Keynes, der dem Staat eine zentrale Rolle bei der Konjunktursteuerung zuschrieb, verfocht aber bald einen Neoliberalismus in der Prägung des rechtslibertären Ökonomen Milton Friedman. Mit dieser Ideologie im Gepäck schrieb er mehrere Publikationen, 1990 etwa mit Brunetti und Straubhaar «Die Schweiz AG – vom Sonderfall zum Sanierungsfall?». Darin fordern die Autoren die Senkung der Sozialausgaben und die Deregulierung der Wirtschaft. Zudem seien die Volksrechte einzuschränken, da sie das wirtschaftliche Gedeihen hemmten. Borner war auch eine treibende Kraft bei der Gründung des wirtschaftsliberalen Thinktanks Avenir Suisse, finanziert von Grosskonzernen wie Credit Suisse, ABB, Nestlé und Novartis.
Spätestens die Klimadebatte machte klar, wie weit Borner in seiner Ideologie gefangen war, unfähig, die zerstörerische Kraft eines von staatlicher Aufsicht befreiten Kapitalismus einzugestehen und Erkenntnisse der Naturwissenschaften anzuerkennen. In immer gehässigeren Kolumnen und Kommentaren behauptete er etwa, es sei «rein wissenschaftlich unverantwortlich», einen Zusammenhang zwischen CO2-Ausstoss und Erderwärmung zu fixieren (NZZ), der Klimawandel sei zum «religiösen Ersatz für die Hölle verkommen» («Schweiz am Wochenende») und die eingeschlagene Klimapolitik sei «klar schädlicher als der Klimawandel» («Basler Zeitung»).