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Rund 500 Jahre lang vereinte das Osmanische Reich Gebiete im östlichen Mittelmeer, die heute kaum jemand mehr als zusammengehörend wahrnimmt. Auf den Trümmern des Ersten Weltkriegs entstanden moderne Nationalstaaten, die das osmanische Erbe als rückständig wahrnahmen. Zugleich hatte die Erfindung der Kleinkamera und deren Verbreitung durch knipsende Soldaten die Fotografie in der Region bekannt gemacht. Sie wurde nun auch für ärmere Kreise erschwinglich. In der Zwischenkriegszeit veränderte sich auch das Design türkischer und jugoslawischer Presseerzeugnisse grundlegend: Die fotografische Illustration hielt Einzug.
Ein wichtiges Motiv der ersten türkischen und jugoslawischen Pressefotografen war der öffentliche städtische Raum. Mit ihrer Kamera illustrierten sie die grossen Veränderungen in ihrer Stadt und dokumentierten städtebauliche Eingriffe, nationale Manifestationen, die Vergnügungen der Reichen, aber auch das Alltagsleben der einfachen Bevölkerung. Ihre Bilder sind eine erstklassige, bisher brachliegende Quelle, um das Spannungsfeld zwischen osmanischem Erbe und nationalem Aufbruch sowie die Frage, wie sich die betroffenen Stadtbevölkerung in ihrer Diversität darin positionierte, zu untersuchen.
Das Basler SIBA-Projekt (Sarajevo Istanbul Belgrad Ankara) nimmt diese Fotografien zum Ausgangspunkt, um das osmanische Erbe und die nationale Moderne in zwei türkischen und zwei jugoslawischen Städten zu vergleichen und ausgewählte Aspekte davon zu vertiefen. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt und vereint Spezialist/innen aus Südosteuropa- und Nahoststudien. Die Resultate sollen nebst den üblichen wissenschaftlichen Kanälen auch in einer Wanderausstellung präsentiert werden.