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Eine leblose Frauengestalt treibt im schlammigen Wasser. Die roten Haare sind zerzaust und das durchnässte Kleid transparent. Es gibt den Blick auf ihren Körper frei. Ihre Gesichtszüge sind nur angedeutet. Die Vegetation rundherum ist nur schemenhaft dargestellt, vereinzelt sind efeuartige Blätter zu erkennen. Alexander Müllegg malt das Frauenbildnis auf einer doppelt so breiten wie hohen Leinwand und schafft so einen fokussierten, von oben herab gerichteten Blick auf die junge Frau. Der Maler schöpft dabei aus einer literarischen Quelle. In dem Gemälde gibt er Ophelia aus dem Trauerspiel «Hamlet» von William Shakespeare wieder. Ophelia, eine Nebenrolle mit grosser Bedeutung im Stück, ist verliebt in den Prinzen Hamlet. Dieser weist ihre Liebe zurück und tötet unbeabsichtigt ihren Vater Polonius. Beides treibt Ophelia zunächst in den Wahnsinn und später in den Tod im schlammigen Wasser. In der Kunst entwickelt sich die Figur der sterbenden oder toten Ophelia ab dem 18. Jahrhundert zu einer Muse mit unterschiedlichem Charakter: mal unschuldig und lieblich, mal als eine aufreizende Verführerin. Das Gemälde datiert von 1953. Vielleicht hat sich Müllegg die Aufführung des Stücks im Stadttheater Bern angesehen, wo es ab dem 19. September 1953 gezeigt wurde.
Anja Seiler
Eine Frau treibt im Wasser.
Das Kleid ist durch-sichtig.
Das lange rote Haar wirkt wild.
Die Frau ist leb-los.
Es ist Ophelia.
Ophelia ist eine Figur aus einem Theater-Stück.
William Shakespeare ist der Autor.
Gesprochen: Wiljam Scheiks-pier.
Er lebte vor über 400 Jahren in England.
Im Stück geht es um Liebe und Ent-täuschung.
Ophelia wird wahn-sinnig.
Sie sucht den Tod im Wasser.
Vielleicht sah der Künstler das Stück im Stadt-Theater Bern.
Es wurde im gleichen Jahr aufgeführt, als das Bild entstand.
Sara Smidt