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Möttchen berichtet
Ich gestehe es: ich bin eine derer Von und Zu Jagd. Kumpels von meinem Hundetyp - Vorstehhunde - wurden genetisch so selektiert, dass wir die Verhaltensweisen des Vorstehens durch Verharren in der Bewegung mit angewinkeltem Vorderlauf anzeigen - so zumindest steht es im Rassestandard beschrieben.
Unterwegs auf Spaziergang werde ich von anderen Hundemenschen auch regelmässig als Jagdhund erkannt - wenn auch die wenigsten wissen, dass ich eine Bretona bin. Fast mitleidig wird Esther manchmal gefragt, ob sie mich denn immer an der Leine führen müsse und ob ich intensiv jagen würde. Um im gleichen Atemzug ungefragt zu erklären, dass ihr 4-pfotiger Freund zum Glück zu den Hunden gehört, die nicht jagen! Nienimmer würde er einem Wildtier hinterher hetzen. Nein, ihr Hund mache sowas nicht!
Dabei ist es aber schon so, dass bei jedem Hund die sogenannten formkonstanten Verhaltenselemente angelegt sind. Diese werden in die Funktionskreise
- Nahrungserwerb
- Fortpflanzung
- Sicherheit
unterteilt.
In den Funktionskreis "Nahrungserwerb" gehört das Sammeln von Essen und das Jagen von Essen.
Essen sammeln bedeutet Abfälle, Aas oder Kot finden und fressen (und manchmal noch kurz darin wälzen...), jagen tun wir kleine oder grosse Tiere (Insekten, Mäuse, Vögel, Hasen, Rehe...).
Die Basis der formkonstanten Verhaltenselemente bildet ein genetischer Rahmen - und zwar bei jedem Hund. Das heisst, die Ausführung dieser Verhaltenselemente muss nicht erlernt, sie kann allenfalls verfeinert werden.
Zum Verhaltenselement "Jagen von Essen" gehört aber nicht "nur" das Hetzen von Beute, es umfasst insgesamt 6 Module.
Module des Verhaltenselements Essen jagen
Orientieren meint, Ausschau halten in der Umwelt, ob da etwas "Jagdbares" rumläuft oder rumfliegt oder rumkriecht.
Ist ein jagdbares Objekt gesichtet worden, wird es fokussiert, die Wahrnehmung wird auf dieses Objekt eingeschränkt. Es wird beschlichen und erst an 4. Stelle folgt das Hetzen der Beute um sie schlussendlich festzuhalten und dann zu töten, zu zerlegen und zu fressen.
Je nach Hundetyp, je nach Hundepersönlichkeit und je nach züchterischer Selektion sind diese Module bei uns Hunden verschieden stark ausgeprägt.
Ich zeige euch mal die Unterschiede zwischen zwei Hunde-Typen auf. Die Grösse der einzelnen Puzzle-Teile zeigt an, ob ein Modul stark oder eher schwach ausgeprägt ist.
(Grosses Puzzleteil = Verhalten kann leicht ausgelöst werden; kleines Puzzleteil = Verhalten wird nicht so leicht ausgelöst.)
Typ Vorstehhunde
Gucken wir mal meine Wenigkeit, den Typ Vorstehhund, etwas genauer an. Wie aus meinen Puzzleteilen ersichtlich wird, orientiere, fokussiere und beschleiche ich gerne und gut. Hetzen kann ich auch - ohne Zweifel - dieses Verhaltensmodul wird aber a) nicht so schnell ausgelöst, bzw. ist b) leichter zu unterbrechen als zum Beispiel meinem Kumpel von den Windhundartigen.
Typ Windhundartige
Der Hundetyp der Windhundartigen orientiert sich intensiv in der Umgebung, er sucht diese nach Beute ab. Wenn er etwas gesichtet oder in der Nase hat, kommt er schnell und intensiv - quasi von 0 auf 100 - ins Hetzverhalten. Das ist seine Aufgabe, dafür wurde dieser Hundetypen auch "gemacht".
Jeder Hund - ob Chihuahua oder Dogge - verfügt über diese sechs Module im Verhaltenselement Nahrungserwerb; jeder ist in der Lage, Essen zu jagen.
Warum ich dieses Thema grad jetzt und heute aufgreife, habt ihr sicher bereits erraten. ;-)
Es ist nämlich Brut- und Setzzeit!
Unsere Fell- und Federfreunde in Wald und Flur sind mit der Produktion und Aufzucht ihrer Nachkommen beschäftigt.
Das bedeutet: Leinenpflicht für uns Hunde im Wald und am Waldrand bis Ende Juli.
Störungen und mögliche Risiken für Wildtiere durch Hundekumpels, die quer durch Wald und Flur streunen, sind vielfältig. Denn auch Hunde, die nicht wildern, können Wildtiere stören oder gefährden. Allein durch die Berührung eines Jungtieres kann sich dessen Geruch verändern. Folge kann sein, dass die erwachsenen Tiere den Nachwuchs verstossen.
Insbesondere Rehe, die hochträchtig in ihrer Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeit stark eingeschränkt sind, können mit ihren ungeborenen Kitzen Opfer von streunenden und jagenden Hunden werden. Diese stressenden Ereignisse können für das Reh zB. mit einer Fehlgeburt enden.
Vertreibt ein freilaufender Hund Bodenbrüter vom Nest, können die Eier im Gelege auskühlen oder bei Hitze kollabieren. Wenn die Elterntiere die Gelege öfter oder länger verlassen müssen, fallen Jungtiere leicht natürlichen Feinden zum Opfer oder können verhungern.
Und deshalb ist doch Ehrensache für uns alle, denen die Natur und die Tiere am Herzen liegen: Im Minimum die Leine drum! :-)
Mit bizzi Rücksichtnahme und Toleranz haben nämlich wir alle Platz in Feld, Wald und Flur!
Herzliches WuffWuff
eure Nayeli