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Leitung: Prof. Dr. Christina Thurner, Prof. Dr. Raji Steineck
Forschungsassistentin / Doktorandin: Dipl.Ling. Tanja Klankert
Wissenschaftliche Hilfskraft: Johanna Hilari
Die Rezeption japanischer Kunst, die mit der Öffnung Japans (1854) einsetzte, brachte den Japonismus hervor, der in verschiedenen Wellen der Japan-Rezeption im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die bildenden Künste prägte. Im europäischen Bühnentanz lässt sich der japanische Einfluss bis heute verfolgen: im Ballett vor 1900, im sogenannten freien Tanz um 1900, im Ausdruckstanz seit den 1920er Jahren, im deutschen Tanztheater und im neoklassischen Ballett seit den 1980er Jahren sowie in zeitgenössischen Tanz- und Musiktheaterproduktionen. Die Tanzproduktionen und Choreografien sind eingebettet in kulturelle Transfer- und Austauschprozesse, in denen kulturelle und künstlerische Artefakte, Praktiken und Vorstellungen zwischen Japan und Europa zirkulieren, rezipiert und, oft durch einen Medienwechsel, angeeignet werden. So wurden z.B. Bildmotive japanischer Farbholzschnitte (ukiyo-e: „Bilder der fließenden Welt“) in der europäischen Reisefotografie im 19. Jahrhundert adaptiert und von Ruth St. Denis, einer Pionierin des Modernen Bühnentanzes, in ihrem Tanzdrama „O-Mika“ (1910) inszeniert.
Anhand eines bislang kaum wissenschaftlich bearbeiteten, exemplarischen Materialkorpus (1854 bis heute) dokumentiert das Projekt die Rezeption japanischer Kunst im europäischen Bühnentanz und untersucht ihn ausgehend von der übergeordneten Frage: Wie verändern sich künstlerische Aneignung und ihre Rezeption im Kontext von kulturellen Transfer- und Austauschprozessen in einer diachronen Sicht? Das Projekt verfolgt dabei das Ziel, die künstlerische Aneignung von Elementen im europäischen Bühnentanz in ihrem historischen Kontext zu verorten und dadurch (i) ihre materiellen, medialen und kulturellen Bedingungen zu bestimmen und (ii) ihre ästhetischen und kulturellen Funktionen zu untersuchen. (iii) In einer diachronen Sicht werden erstmalig Veränderungen von künstlerischer Aneignung sowie ihrer Bedingungen (i) und Funktionen (ii) im Kontext von kulturellen Transfer- und Austauschprozessen herausgearbeitet, aus denen ein Erklärungsansatz für die Wellen des Japonismus und der Japan-Rezeption entwickelt werden soll.
Der exemplarische Materialkorpus umfasst u. a. einen (Teil-) Nachlass des international renommierten Choreografen Maurice Béjart, der in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Tanzarchiv erschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Dissertationsprojekt: Gesicht. Körper. Schrift. Die Rezeption japanischer performativer Künste im europäischen Bühnentanz.
Keywords: Japonism, Japanese art, dance history, theatre history, performance history, history of art, comparative aesthetics, cultural mobility, cultural transfer, postcolonial theory, intermediality