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Die 1754 von Viktor Ferdinand Bossart vollendete Orgel des oberen Chores wurde 1811 bis 1812 durch Anton Braun unter Verwendung alten Materials der Hauptorgel Bouthiliers wiederhergestellt und 1827 bis 1828 mit nunmehr zwei Manualen und Pedal durch Franz Anton Kiene umgebaut. Revisionen und Reinigungen erfolgten 1866 durch Johann Nepomuk und Johann Franz Anton Kiene sowie 1871 durch Kuhn & Spaich. Das Jahr 1875 brachte den Einbau neuer «Trompetten» im Manual und Pedal durch die Werkstatt Kuhn, die 1895 für die Töne C - H des Bourdon 16' sowie C - h° des Cornetto 8' des Hauptwerks pneumatische Zusatzladen einfügte, 1916 den Winddruck erhöhte, das Pfeifenwerk damaligen Klangintentionen entsprechend umintonierte sowie 1959 bis 1960 das Werk umdisponierte. Der heutige Zustand der historischen Orgel geht auf die sorgfältige Restaurierung 1982 bis 1985 durch die Firma Mathis in Näfels zurück, die - da die Rekonstruktion des von Bossart geschaffenen Originals zu grossem Substanzverlust geführt hätte - das wertvolle Werk auf den 1827 bis 1828 von Franz Anton Kiene geprägten gewachsenen Zustand zurückführte. Im Restaurierungsbericht lesen wir zusammenfassend:
«An akustisch günstiger Stelle plaziert, erreicht diese Orgel Zuhörer im ganzen Kirchenraum. Neben diesem ungewohnten Aufstellungsort, den Bossart gegen etwelche Widerstände im Konvent durchgesetzt hatte, erstaunt uns seine Kühnheit, das Pedal im epistelseitigen Gehäuse unterzubringen und eine dazu notwendige, im Mittel circa fünfzehn Meter lange Traktur zu wagen.
1827/28 erfuhr diese Orgel durch Kiene technische Verbesserungen, die
teilweise als genial eingstuft werden können. Das Klangbild, welches
unter Verwendung des Bossartschen Pfeifenmaterials entstand, ist charakteristisch
für Kienes Art; das Orgelwerk befriedigte in jeder Beziehung. Man
kann die Einsiedler Chororgel mit Fug und Recht als typische Kiene-Schöpfung
klassifizieren. Diese Umstände wiesen die einzuschlagende Richtung
für die Restaurierung von 1985: die kritisch korrekte Wiederherstellung
des Kiene-Zustandes von 1828.
Die Stimmungen Bossarts und Kienes liessen sich nicht eruieren. Sicher waren sie 1828 tiefer; sowohl die relativ weiten Pfeifenmensuren als auch die Tatsache, dass sämtliche Pfeifen (auch gedeckte) verkürzt wurden, deuten darauf hin.
Die technische Anlage ist in der originalen, von Kiene geschaffenen Gestalt erhalten und die Windanlage rekonstruiert. Das gesamte Pfeifenwerk entspricht mensurmässig dem Originalzustand.»
Disposition der historischen Chororgel
Fotos: © Günter Lade
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