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Beim grossen Aktiencrash 1929 verdoppelte Irving Kahn sein Vermögen. Er blieb bis ins hohe Alter an der Börse aktiv. Nun verstarb er und hinterlässt Anlegern sein Investitionsgeheimnis.
Sein erstes grosses Geld machte Irving Kahn in der grossen Finanzkrise – vor über 80 Jahren. Während Millionen Amerikaner und Europäer ihr Vermögen im dramatischen Börsenherbst 1929 verloren und darauf die schwerste Weltwirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts folgte, machte der damals 24-Jährige Kasse. Nun ist Kahn, der älteste professionelle Geldinvestor der Welt, im Alter von 109 Jahren gestorben.
Der Sohn jüdisch-polnischer Einwanderer studierte am City College in New York und der Columbia Business School. «In meinen frühen Tagen wurde der Aktienmarkt von Spekulanten dominiert, die auf Trinkgelder aus waren», sagte Kahn in einem Interview im vergangenen Jahr «Die einzigen ernsthaften Investitionen wurden von einigen wenigen grossen Institutionen gemacht, die Anleihen und Anteile an gut etablierten Firmen hielten.»
Kahn setzte auf sinkende Kurse
Kahns Investmentansatz war es, unterbewertete Aktien zu finden und zu kaufen. Im fieberhaften Sommer von 1929 habe die Spekulation «die Preise auf unverschämte Niveaus getrieben». Also entschied er sich, auf fallende Kurse zu setzen. Der erste Handel, an den er sich erinnern könne, so Kahn, sei der Leerverkauf von Aktien des Bergbauunternehmens Magma Copper gewesen. Damit habe er sein Vermögen, das er sich zunächst von einem Verwandten geliehen habe, verdoppeln können.
«In den Dreissigerjahren entwickelte unter anderem Professor Ben Graham Konzepte zur Bewertung von Aktien. Value Investing ist die Grundlage für eine analytische Investition», sagte Kahn noch im vergangenen Jahr. Die Theorien gehören bis heute zu den einflussreichsten in der Investmentbranche.
«Nicht möglich, wenn man der Masse folgt»
Ziel der Value-Investitionsstrategie ist es, unterbewertete Aktien zu finden und zu kaufen. Bis ins hohe Alter blieb auch Kahn mit seiner Investmentfirma «Kahn Brothers Group» aktiv. Bis zuletzt arbeitete er angeblich noch drei Tage in der Woche.
«Ich bevorzuge die langsame und stabile Art. Bei der Analyse eines Unternehmens denke ich darüber nach, wie viel Ertrag das Unternehmen in vier oder fünf Jahren generiert», sagte Kahn in dem Interview mit dem britischen «Telegraph» und mahnte: «Günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen, ist nicht möglich, wenn man der Masse folgt.»