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Der ehemalige Langstreckenläufer Markus Ryffel spricht über alles, was zum Laufen gehört. Er verrät uns einige Geheimtipps und warum Frauen auf die lange Distanz gehen.
Ihre Meinung zum Thema Doping: Wie soll mit Profi-Langstreckenläufern verfahren werden, die positiv getestet wurden?
Der Fall ist klar: Doping hat im Leistungssport nichts zu suchen.
Wie sehen Sie die Entwicklung im Leichtathletiknachwuchs der Schweiz?
Die Entwicklung im Leichtathletiknachwuchs verläuft sehr erfreulich, was unter anderem am Überflieger Julien Wanders erkennbar ist.
Sie sind Mitorganisator des Schweizer Frauenlaufs Bern. Warum gibt es bisher noch keinen reinen Männerlauf?
Gute Frage. (Lacht.) Ich lasse mir die Antwort auf diese Frage gerne offen. Wer weiss, was in den Sternen der Zukunft steht.
Frauen sind auf den kurzen Distanzen schon sehr gut vertreten, auf der Marathondistanz sind sie immer noch unterrepräsentiert. Zumindest ist es in Europa noch so, dass der Frauenanteil bei der Marathondistanz nur etwa ein Drittel beträgt. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Auch auf der Marathondistanz holen die Frauen deutlich auf. Dass aber immer noch mehr Männer vertreten sind, hängt sicher auch damit zusammen, dass es Frauen früher untersagt war, die 42,195 Kilometer zu bestreiten. Kathrine Switzer lief 1967 am Boston-Marathon, getarnt mit Wollmütze und Trainingsanzug, erstmals über die verbotene Marathondistanz. Ich gehe davon aus, dass der Frauenanteil auch über die Marathondistanz weiter zunehmen wird. Beispielsweise waren bereits 2013 beim San Diego Marathon 57 Prozent Frauen vertreten.
Haben Sie schon einmal einen wichtigen Wettkampf abbrechen müssen und warum?
In meiner Zeit als Leistungssportler und auch in der Zeit danach hatte ich immer versucht, keine Wettkämpfe aufzugeben. Meine Devise war, wann immer möglich, jedes Rennen zu beenden. Es sei denn, ich wäre von einer Verletzung geplagt gewesen, wie dies im Europameisterschafts-Final 1986 mit einer Wadenzerrung der Fall war.
Welchen Ratschlag geben Sie den Hobby-Langstreckenläuferinnen mit, um schneller zu werden, ausser Intervalltraining?
Um möglichst effizient und energiesparend zu laufen, ist es unerlässlich, an der Lauftechnik zu arbeiten und in die Kraftkomponente zu investieren. Kraft ist die beste Verletzungsprophylaxe überhaupt und bringt Tempo. Durch einen ökonomischeren Laufstil lassen sich schnell einige Sekunden pro Kilometer herausholen.
Sie sind Sportler aus Leidenschaft; wie stehen Sie zu den «eingekauften» Athleten?
Duelle wie Haile Gebrselassie oder Kenenisa Bekele am Grand Prix von Bern sind Highlights für Fans und Läufer. Am Schweizer Frauenlauf Bern und am Greifenseelauf Uster verzichten wir bewusst auf ausländische Athleten und Athletinnen und setzen stattdessen auf den Schweizer Nachwuchs. So unterstützen wir an diesen beiden Events seit 2016 den Schweizer Nachwuchs gezielt mit einem eigenen Preisgeld.
Markus Ryffel
Geboren am 5. Februar 1955 in Bern.
Ehemaliger Langstreckenläufer. Heute erfolgreicher Unternehmer und Organisator diverser Events: Survival Run Thun, Nachwuchslauf Uster, Schweizer Frauenlauf Bern, Greifenseelauf Uster und Santarun Bern.
Silbermedaille
Olympische Spiele 1984, 5000 m
Silbermedaille
Europameisterschaften Rom 1974, 5000 m
Bronzemedaille
Leichtathletik-Weltcup Montreal 1979, 5000 m
Bronzemedaille
Halleneuropameisterschaften San Sebastián 1977, 3000 m
Goldmedaille
Halleneuropameisterschaften Mailand 1978, 3000 m
Goldmedaille
Halleneuropameisterschaften Wien 1979, 3000 m
Silbermedaille
Halleneuropameisterschaften Göteborg 1984, 3000 m
Ihr Geheimtipp: Der beste natürliche Recovery-Drink ist ...?
Ein Glas Milch mit einem grossen Löffel Ovomaltine-Pulver.
Ihr sportliches Vorbild?
Mein sportliches Vorbild war der Marathon-Olympiasieger von 1972 in München, der US-Amerikaner Frank Shorter. Vorbild und Vaterfigur in einem war Heinz Schild, mein Jugendtrainer. Heinz kannte mich fast besser als ich mich selbst und wusste immer genau, welches Training ich wann und wie schnell laufen sollte. Das faszinierte mich.
Was hat sich in den letzten Jahren seit Ihrer Profizeit im Laufsport verändert?
Seit meiner Aktivzeit hat sich im Laufsport sehr viel verändert. Ich lief noch mit einer analogen Uhr. Heutzutage hat praktisch jeder eine hochintelligente digitale Sportuhr, mit welcher das Training äusserst exakt analysiert werden kann. Auch bei den Laufschuhen gibt es eine viel breitere Palette.
Welches sind Ihre wichtigsten Trainingstipps?
Ganz nach dem Motto «Ruhe ist auch Training». Oft beobachte ich, vor allem auch im Hobbybereich, dass eher zu viel trainiert wird und die Zeit zur Erholung zu kurz ist. Ebenso ist es wichtig, Zeit in die «Hausaufgaben» wie Rumpfstabilisation und Fussgymnastik zu investieren.
Was war Ihr schönstes und Ihr schlimmstes Marathonerlebnis?
Schöne Marathonerlebnisse habe ich viele. Jede Marathonreise mit meinen Kunden ist einmalig, und ich möchte keine dieser Reisen missen. Das schlimmste Marathonerlebnis war bei meinem Marathondebüt. Ich unterschätzte die 42,195 Kilometer völlig und ging das Rennen viel zu schnell an. Das Rennen beendete ich in 2:19 Stunden.
Die meisten (Schweizer) Profi-Langstreckenläufer können nicht von ihrem Sport leben und müssen noch einem Nebenjob nachgehen. In anderen Sportarten ist das nicht so. Welchen Vorschlag haben Sie, damit auch Langstreckenläufer sich zu 100 Prozent auf die Karriere konzentrieren können?
Im Langstreckenbereich können nur sehr wenige vom Spitzensport leben. Ich empfehle aber auch Leistungssportlern, einem kleinen Arbeitspensum nachzugehen. Denn ein Tapetenwechsel kann zwischendurch sehr wohltuend sein, und so sind die Gedanken nicht rund um die Uhr beim Laufen.
In den 80er-Jahren war das technische Equipment für Profi- und Hobbysportler noch nicht so ausgereift wie heute mit Trainingsanalyse oder Laufuhren. Haben sich die Trainingseffekte im Zuge der Digitalisierung verbessert?
Dank den fortschrittlichen Trainingsauswertungen konnten sicher zusätzliche Trainingseffekte erzielt werden. Dies kann jedoch auch in die andere Richtung führen, falls auf die Trainingsanalyse mehr Wert gelegt wird als auf das Körpergefühl. Es ist sehr wichtig, die Zeichen des Körpers wahrzunehmen.
Wenn Sie Hobbyathleten betreuen und coachen, was sind Ihrer Erfahrung nach die auffälligsten Unterschiede zwischen Männern und Frauen?
Die Unterschiede sind minimal. Beiden ist gemeinsam, dass sie meist sehr motiviert sind und ich sie eher bremsen als fördern muss.
Wer kommt zu Ihnen ins Coaching, warum und wie lange?
Das ist sehr unterschiedlich. Ich führe Privatcoachings mit Frauen und Männern, Einzelpersonen und Gruppen, jüngeren und älteren Personen, Laufeinsteigern und leistungsorientierten Läufern und Läuferinnen durch.
Haben Sie schon einmal jemanden ablehnen müssen?
Das kommt leider ab und zu mal vor. Die Nachfrage ist relativ hoch und meine Zeit beschränkt. Ich versuche aber, wann immer möglich alle Coachings durchzuführen, auch wenn dies oft mit einer Wartezeit verbunden ist.
Sie sind ein recht erfolgreicher Unternehmer nach dem Profisport geworden, bieten Reisen an und organisieren Laufveranstaltungen und Kurse. Wie wurde aus dem Langstreckenläufer ein so erfolgreicher Unternehmer?
Ich kann von Glück sprechen und erachte es als Privileg, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Ein Grund dafür ist sicher, dass Laufen meine Leidenschaft ist, und ich versuche auch, dies unseren Kunden so weiterzugeben.
Wo hängt Ihre Silbermedaille?
Die Silbermedaille ist in einem Glasschrank in den Büroräumlichkeiten in Worb aufgestellt.
Was braucht es, um Profisportler zu werden?
Das Wichtigste ist, Freude am Sport zu haben. Denn es fliessen viele Stunden ins Training, und da ist es unerlässlich, mit dem Herzen dabei zu sein. Auch das persönliche Umfeld ist sehr entscheidend. Und natürlich der Durchhaltewille, um etwas Grosses zu erreichen und Niederlagen wegstecken zu können. Wichtig ist auch, Geduld zu haben und nicht zu schnell zu viel zu wollen.