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Jetzt Kompromisse eingehen!
Wir haben gestern an der Ligaversammlung entschieden, dass es in der Saison 2020/21 keine Absteiger gibt, dass wir Pre-Playoffs spielen und dass der Swiss League-Meister, falls er alle nicht-sportlichen Bedingungen erfüllt, aufsteigen kann. Aus meiner Sicht ist das im Moment die einzige Lösung, die vernünftig ist und die das Überleben aller A-Clubs sicherstellen kann.
Keine Absteiger. Auch im professionellen Sport ist es leider so, dass das Geld nicht an den Bäumen wächst. Auf der einen Seite werden von den Fans nur Top-Transfers akzeptiert. Auf der anderen Seite fordern viele Leute, dass endlich die Gehälter auf ein vernünftiges Mass reduziert werden. Wenn ein Club in sportliche Schwierigkeiten oder gar in Abstiegsgefahr gerät, werden Trainerwechsel und Spielerwechsel gefordert. Das alles kostet Geld. Hat der Club keinen Mäzen, der bereit ist, dieses Geld aufzuwenden, wird dann oft auf gut Glück und mit hohem finanziellem Risiko gehandelt. Solches Tun ist bei der Ausgangslage für die kommende Saison schlicht keine Perspektive. Alle Clubs befinden sich aus unternehmerischer Sicht schon jetzt in einer sehr schwierigen Situation. Abstiegsgefahr wäre unter diesen Umständen existenzbedrohend.
Pre-Playoffs. Der Modus mit den Pre-Playoffs hat sich in mehreren Ländern durchgesetzt. Es gibt zwei Striche und somit mehr Spannung. Spannung im positiven Sinn. Der Neunte und der Zehnte haben eine letzte Chance, um sich noch für die Playoffs zu qualifizieren. Zudem wird die Qualifikation aufgewertet, wenn nicht mehr acht, sondern nur sechs Teams die Playoff-Qualifikation auf sicher haben.
Solidaritätsspiele. Die Clubs geben damit ihren Fans das letzte Heimspiel der Saison 2019/20 zurück, welches als Geisterspiel stattfand. Nicht mehr und nicht weniger.
Mehr Ausländer. Lese ich in diversen Kolumnen, dass zusätzliche Ausländer viel mehr kosten als Schweizer, muss ich sagen: Rechnen ist Glückssache. Oder der Kolumnist wird von Spieleragenten beeinflusst, die Angst haben, dass gewisse überteuerte Schweizer keinen Job mehr finden. Mehr Angebot hat noch nie zu höheren Preisen geführt. Zudem ist es so, dass gewisse Mannschaften in der Schweiz bereits heute mit 10 Ausländern spielen, auch wenn die meisten davon sogenannte Lizenzschweizer sind. Das hat bis heute noch nie jemanden gestört. In Zukunft soll einfach Hockeyspieler geben. Spieler, die sich für ihre Farben «den Arsch aufreissen» und den Fans Freude bereiten.
Wir haben letzte Saison mit sechs Ausländern gespielt. Justin Krueger und Calle Andersson sind Lizenzschweizer. Auch nächste Saison werden wir mit sechs Ausländern spielen. Denn statt des Deutsch-Kanadiers Justin Krueger steht nun mit Thomas Thiry ein Franzose im Kader.
Selbst ohne jegliche Ausländerbeschränkung würde der SCB niemals nur mit Ausländern spielen. Wir wissen, was wir dem Publikum schuldig sind. Nicht zu vergessen ist auch folgendes: Sollte eine Mannschaft beispielsweise mit acht sogenannten Topausländern spielen, kämen die besten Schweizer im Powerplay und Boxplay nicht zum Einsatz. Stattdessen kämen sie dann auf den Markt. Es wird also die Kunst der Clubs sein, einen guten Mix zu finden. Ich bin sicher, dass wir so noch attraktivere Spiele erleben werden und unsere Nationalmannschaftsspieler davon profitieren können.
Ich bin überzeugt, dass wir im Herbst unsere Meisterschaft mit Zuschauerinnen und Zuschauern starten können, weil es ein Medikament oder eine Impfung gibt. Dennoch ist es unsere betriebswirtschaftliche Pflicht, alles zu unternehmen, um auch im schlechtesten Fall überleben zu können. Ob es gelingen würde, ist nicht hundert Prozent sicher. Aber wir arbeiten daran. Es würde auf jeden Fall für alle schmerzhaft.
Liebe SCB’lerinnen und SCB’ler. Es gilt, lieber jetzt einen oder zwei Kompromisse mehr zu machen und dann wieder anzugreifen. Denn eines ist sicher «ds Füfi, ds Weggli u d’Bratwurscht» hat es nie gegeben und gibt es in der jetzigen Situation schon gar nicht.
In diesem Sinne wünsche ich eine coole Woche. Nun, da wieder alles offen ist, gilt umso mehr: Haltet die Corona-Regeln ein! Das Einzige, was die Saison 2020/21 sicherstellen kann, sind tiefe Fallzahlen.
Marc Lüthi
PS: Wie wir das Thema Saison-Abonnemente angehen, werde ich nächste Woche erläutern.