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Vor zehn Jahren eröffnete der Zoo Zürich das Semien Gebirge. Nun tummeln sich dort sieben Jungtiere in der Gruppe der Dscheladas.
Dscheladas leben in einer komplexen Sozialstruktur, die dynamischen Gruppenprozessen unterworfen ist. Sie sind in Harems organisiert. Diese setzen sich aus einem erwachsenen Männchen als Haremsführer und 3 bis 20, in der Regel untereinander verwandten, Weibchen mit ihren Jungen zusammen. Mehrere Haremsgruppen und Junggesellengruppen – Männchen ohne eigenen Harem – können sich zu mehrhundertköpfigen Herden zusammenschliessen.
Haremsführer können im Freiland ihre Position etwa fünf bis sechs Jahre lang halten – das ist auch das Alter, in dem ihre Töchter die Geschlechtsreife erlangen. Sie werden dann in zum Teil heftigen Auseinandersetzungen von anderen Männchen aus ihrer Position gedrängt. Dieser Austausch der Haremsführer wird unter Zoobedingungen kontrolliert durchgeführt: Abgabe der Haremsführer an andere Institutionen, Zufügen geeigneter neuer Männchen aus anderen Gruppen.
Ein solcher Männchentausch fand in der Zürcher Gruppe zuletzt 2016 statt. Nun sind dieses Jahr sind zwischen dem 27. Mai und dem 9. September gleich sieben Jungtiere auf die Welt gekommen.
«Eltern-Taxi»: ein Jungtier klammert sich auf dem Rücken der Mutter fest.
Viel Zeit verbringen diese Jungtiere, die zum Teil noch ihr schwarzes «Babykleid» tragen, mit ausgelassenem Spiel. Wobei dieses Spiel nicht nur Ausdruck ist von unbändiger Lebenslust. Jeder Stein, jede Felswand wird mit einer Leichtigkeit beklettert und mit spektakulären Absprüngen wieder verlassen. Saltos, Purzelbäume und wilde Verfolgungsjagden wechseln sich ab mit freundschaftlichem Gerangel. Man erhält den Eindruck, dass der Umgang mit Fels, das Klettern und Runterspringen, eine absolute Selbstverständlichkeit darstellt. Das macht auch Sinn, liegen doch die Schlafplätze der Dscheladas in schroffen, steilen und mehrere Hundert Meter abfallenden Felsen. Hier finden sie nachts Schutz vor Leoparden. Und hier ist ein geübter Umgang mit diesen Strukturen und eine «Trittsicherheit» überlebenswichtig und kann nicht früh genug erworben werden. Was als Spielfreude wahrgenommen wird, ist zugleich ernsthaftes Überlebenstraining.
Die jungen Dscheladas sind bereits akrobatisch in den Felsen des Semien Gebirges unterwegs.
Wie tönt ein Dschelada?
Dscheladas können ziemlich laut werden
STeinbock und Affe
Zur Dschelada-Anlage gehört auch eine Naturschutzausstellung. Sie befindet sich in der Rundhütte des Semine Gebirges. Die Ausstellung thematisiert die typischen Tier- und Pflanzenarten des äthiopischen Hochlands.