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Diane Kruger: «Wir sind als Frauen wie abgerichtet»
Es gibt zu wenige Spionage-Filme mit Hauptdarstellerinnen. Dies hat Schauspielerin Jessica Chastain nun geändert. Sie produzierte und finanzierte den Thriller «The 355» mithilfe ihrer Kolleginnen.
Für den Spionage-Thriller «The 355» konnte Produzentin und Kopf hinter der Idee, Jessica Chastain, auf ihre Kolleginnen zählen: Die Finanzierung des Films übernahmen die Frauen gleich selbst, «um ein Zeichen zu setzen, zu rebellieren». Dies sagte Chastain vor dem Drehstart.
Im Interview mit ihr und ihren Co-Stars Lupita Nyong'o («12 Years a Slave») und Diane Kruger erzählen sie von der Idee eines weiblichen Ensemble-Films, Verletzungen beim Dreh und den Frauen- und Männerrollen in Hollywood.
Wer oder was war die «355»?
Jessica Chastain: Das war der geheime Codename für eine Spionin aus Washington. Niemand kennt – bis heute – ihre wahre Identität, sie wurde schlicht als «The 355» bezeichnet. Frauen, die in der Spionage tätig sind oder waren, nutzen diesen Code als Symbol für ihre Arbeit im Schatten. Erfahren habe ich dies von einer ehemaligen Spionin, und ich dachte mir: Das muss in den Film, um diese Frauen zu ehren.
Bei der Produktion des Films: Wie viel Aufmerksamkeit haben Sie der Diversität beim Casting und dem Zeichnen der Figuren geschenkt?
Jessica Chastain: Das war sehr wichtig für mich. Dieser Film sollte antinationalistisch sein. Auch die Figuren im Film realisieren, dass sie zusammen effektiver arbeiten. Die Landesgrenzen verschwinden nicht nur auf der Karte, sondern auch in den Köpfen. Was gerade jetzt in unserer Pandemie-Realität auch wichtig ist.
Hat sich Hollywood nach der MeToo-Bewegung verändert, was die Diversität betrifft?
Lupita Nyong'o: Ganz ehrlich glaube ich, es ist zu früh, um das beurteilen zu können. Die Veränderung, die wir suchen, soll kein Trend sein. MeToo ist immer noch im Rückspiegel, wir brauchen noch mehr Zeit.
Können Frauen leichter zusammenspannen als Männer?
Jessica Chastain: Ich fange gerade an, keine Geschlechter mehr zu sehen. Ich versuche, die Menschen so zu sehen, wie sie sich geben. Deswegen ist das eine schwierige Frage. Es sind nicht die Gruppen, welche einfacher miteinander auskommen. Es sind die Individuen und wie sie erzogen worden sind. Es lässt sich schlicht nicht verallgemeinern.
Diane Kruger: In meinem Leben habe ich es mit beiden Geschlechtern weder einfacher noch schwieriger gehabt. Ich glaube, wir sind als Frauen wie abgerichtet, auf eine gewisse Art zu sprechen, uns zu kleiden. Wir sprechen anders mit Frauen als mit Männern. Ein Gespräch mit einem Mann kann ich leichter manipulieren irgendwie, mit Frauen ist es echter, roher. Es gibt da kein Verstecken hinter einer Fassade.
Woher kam die Idee für diesen Spionage-Film mit weiblichen Hauptfiguren?
Jessica Chastain: Während meiner Zeit in der Jury von Cannes. Es hat mich traurig gemacht, dass Frauen in diesem Genre – oder bei Ensemble-Filmen generell – unterrepräsentiert sind. All diese Poster mit männlichen Hauptdarstellern. Es gab auch wenig Regisseurinnen. Darum hab ich mit meiner Agentin darüber gesprochen und meine Kolleginnen, die nun im Film sind, kontaktiert. Wir haben den Film selbst finanziert und produziert. Am ersten Tag am Set war ich schockiert, dass wir es so weit geschafft haben.
Diane Kruger, in der Vergangenheit haben Sie betont, dass Sie gern deutsche Rollen spielen. In diesem internationalen Film haben Sie Text auf Deutsch und Englisch. Kann es besser nicht werden?
Ich komme nur noch selten dazu, deutsche Rollen zu spielen, darum hat mich das sehr gefreut. Wie ich mich verhalte, sogar meine Garderobe, alles sollte deutsch angehaucht sein. Die Coolness von Berlin in einem internationalen Film, wissen Sie, was ich meine? (lacht)
Wie haben Sie sich auf die Stunts vorbereitet? Gab es Verletzungen am Set?
Jessica Chastain: Die Kämpfe haben wir selbst choreografiert – nur bei Saltos oder Sprüngen von Dächern hat die Stuntcrew übernommen. (lacht) Verletzt habe ich mich bei der Auktionsszene: Wegen einer falschen Bewegung bin ich ausgerutscht und mein Kopf hat auf den Marmorboden geschlagen. Ich dachte, ich hörte ein Splittern. Mein Stuntdouble kam zu mir und meinte nur: «Ich muss das wieder reindrücken.» Was denn bitte reindrücken? Was ist mit meinem Kopf? Es war schlicht ein Bluterguss und sie drückte darauf. Alles halb so schlimm.
Diane Kruger: Mir hat das Waffentraining Mühe bereitet, ich bin nicht gut damit. Eine Waffe zu manipulieren, das dauerte bei mir wohl länger als bei meinen Kolleginnen. Ich hatte diverse Verbrennungen, eine am ersten Tag, die mich fast den Daumen gekostet hat. Generell versuche ich eigentlich, alle meine Stunts selbst zu machen.
Hat Ihnen die sehr athletische Figur gefallen?
Diane Kruger: Ich habe es geliebt! Ich hatte gerade ein Baby und darum war es eine Herausforderung, vor der ich grossen Respekt hatte. Aber auch eine Chance, die Kontrolle über meinen Körper wiederzubekommen. Den hatte ich der Schwangerschaft komplett überlassen (lacht). Ich würde sagen, ich bin jetzt sogar fitter als vor der Schwangerschaft.
«The 355» läuft ab sofort in allen blue Cinema Kinos.