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Wie schon sein Vater und seine Vorfahren war Josef Johann Baptist Zimmermeister. Dieses Handwerk lernte auch er bei seinem Vater im Betrieb am Schlossberg. Nach den üblichen Wanderjahren, kehrte er 1884 in den Familienbetrieb am Schlossberg zurück, an der damaligen Luzerner Stadtgrenze.
- Josef Johann Baptist
- 23.3.1862 in Luzern geboren / 15.5.1923 in Luzern 61-jährig gestorben
- Als das Eisenbahnzeitalter in Luzern einsetzte kam Josef Johann Baptist 1862 in Luzern auf die Welt. Die Lehre als Zimmermann machte im Betrieb seines Vaters. Anschliessend zog er für drei Jahre ins Ausland, um neue Erfahrungen zu sammeln. Mit seiner Heimkehr 1884 brachte er diese in den väterlichen Betrieb nach Luzern mit. Nach dem Tod des Vaters Ende 1893 stand er dem Familienbetrieb am Schlossberg vor.
- Firmenübernahme Ende Dezember 1893
Um 1900 dachte in Europa niemand an Krieg. Die Menschen lebten in einer widersprüchlichen Zeit, welche von Wachstum und Beschleunigung bestimmt war. Ein enormer Fortschrittsglaube schuf Innovationen und erstaunliche Leistungen: neue Techniken trieben die Mobilität zu Land sowie zu Wasser und neuerdings auch in der Luft voran. In immer kürzerer Zeit produzierte die Industrie in Masse und immer besserer Qualität. Das Leben auf dem Land und in den wachsenden Städten unterschied sich zunehmend. In ländlichen Gebieten bestimmte die traditionelle Erfahrung den Alltag, in der Stadt galt es sich täglich neu zu orientieren. Solch rasante Umwälzungen führten zu Angst und Unsicherheit.
Machtpolitisch stand Europa auf dem Zenit. Alte Dynastien hatten als Imperien die Welt unter sich aufgeteilt. Krieg war eine Option der Politik. Dennoch überraschte der Kriegsausbruch im Sommer 1914 alle. Er wurde unterschätzt, führte zur Katastrophe und leitete den Niedergang Europas als machtpolitisches Epizentrum ein. Die kriegführenden Länder setzten alle Ressourcen ein, um mit ihrer Industrie Kriegsgüter und Maschinen zu produzieren und damit möglichst viele Menschen zu vernichten.
Über neun Millionen Menschen aus allen Kontinenten überlebten diesen Weltkrieg nicht. Ebenso verschwanden vier Imperien: das Russische Zarenreich, Österreich-Ungarn, das Deutsche Kaiserreich und das Osmanische Reich. Auch in der Psyche der Menschen blieben traumatische Erfahrungen haften: Die einen wollten nun eine Welt ohne Waffen, für andere sollte es nicht vergebens gewesen sein, dritte hofften auf die Demokratie und vierte glaubten an die klassenlose Gesellschaft.
Mitten in diesen verheerenden Ereignissen blieb die Schweiz vor Zerstörung verschont, war aber über Handel und Finanzgeschäfte miteinbezogen. Kurz vor Kriegsausbruch zeigte sich der neutrale Kleinstaat an der Landesausstellung in Bern vielfältig und modern als Industrie- und Gastgeberland. Im Sommer 1914 vertrieben die Kriegserklärungen innert zwei Wochen die ausländischen Gäste aus allen Tourismusregionen der Schweiz. In Luzern standen nun rund 30'000 Betten leer und die Jalousien der Hotels gingen nieder. Die Angestellten mussten in die Armee einrücken oder wurden entlassen. In der Schweiz führte der lange, unentlöhnte Aktivdienst bei Arbeitenden und Angestellten zu grosser sozialer Not. Es kam zu gesellschaftlichen Spannungen, zu sozialer Unruhe und letztlich zum Landesstreik von 1918.
Josef Johann Baptist wurde 1862 in Luzern in die sogenannte Gründerzeit hineingeboren. Mit dem Abschluss seiner Lehrzeit als Zimmermann, die er im väterlichen Betrieb am Schlossberg absolviert hatte, begann er seine Wanderjahre und ging nach Deutschland und Belgien. 1884 kehrte er aus seinem Auslandaufenthalt in den Familienbetrieb zurück. Heimgekehrt in Luzern erlebte er mit, wie die neu eröffnete Gotthardbahnstrecke dazu führte, dass die mittelalterliche Flussstadt Luzern sich rasch in eine mondäne Fremdenstadt zu wandeln begann. Dank diesen Entwicklungen fing für das Luzerner Gewerbe und Handwerk eine gute Zeit an. Im Mai 1890 heiratete er Mathilde Ulrich, mit welcher er drei Söhne hatte. Als 31-Jähriger, nach dem Tod seines Vaters Ende 1893, folgte er als Patron ins Familiengeschäft.
Im Rückblick auf sein Berufsleben wird Josef Hunkeler in seinem Nachruf wie folgt beschrieben: "Herr Hunkeler war noch ein Handwerker nach altem Schrot und Korn. Tüchtig in seinem Berufe, unermüdlich in der Arbeit, verstand er sein Geschäft zielbewusst auszubauen und den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Sein Ruf als vorzüglicher Meister brachte ihm grosse Kundschaft, so dass sein Zimmergeschäft eines der grössten und gesuchtesten war." Weiter ist zu erfahren, dass er in den letzten Jahren trotz seiner Krankheit sich immer um das Geschäft gekümmert hat und "[...] die grosse Energie und Tatkraft, die Herrn Hunkeler eigen waren, liessen den Unermüdlichen sich nicht ergeben." (Firmenarchiv, 175, Nekrolog von 1923). Die Nachfolger dieses dynamischen Patrons waren seine zwei ältesten Söhne Julius und Loenz Josef.