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1) Schiffshistoriker Jürg Meister: «Trauriger Rekordhalter ist bezogen auf die Dampf- und Motorschfffahrt die ‘Mont-Blanc’ auf dem Genfersee. Im Juli 1892 explodierte der Dampfdom und 26 Menschen sind mit tödlichen Verletzungen verbrüht. Der Zusammenstoss des Motorschiffes Schwalbe mit dem Nauen Schwalmis hält den Rekord mit der grössten Anzahl der Ertrunkenen. Der Untergang der ‘Neptun’ auf dem Bielersee forderte 1880 deren 15 Todesopfer. Die ‘Schwalbe’ erinnert (rein optisch) fatal an den Fall ‘Neptun’ vom Bielersee: trotz Aufbauten hatten beide Schiffe halt letztlich bloss offene Schalen.»
Das grösste Schiffsunglück in der Schweizer Schifffahrtsgeschichte ereignete sich 1687, also vor dem Dampf- und Motorenzeitalter. Rund 60 000 Hugenotten, wie die französischen Protestanten hiessen, mussten flüchten, weil Frankreich 1658 die Religionsfreiheit einschränkte. Die Flucht führte durch die Schweiz als Transitland. Reisen auf Strassen und Wegen war damals sehr beschwerlich, weshalb der Wasserweg wenn immer möglich bevorzugt wurde. Den Hageneckkanal gab es damals noch nicht, so benützte ein Teil des Flüchtlingsstromes den Lauf der Alten Aare, die sich stark mäandrierend von Aarberg Richtung Büren und Solothurn schlängelte. Eines von zwei überfüllten und zusammengebundenen Weidlingen fuhr auf diesem Weg auf einen Holzstrunk auf. Dieser zerbrach und brachte auch den anderen zum Kentern. Mit 111 ertrunkenen Menschen ist dies das bis heute grösste Schiffsunglück in der Schweiz.
2) «Die Braut fiel mir aber ins Wasser» Vom Hochzeitsfest in die Katastrophe, Schiffsunglück 12. Oktober 1944 auf dem Vierwaldstättersee, Sämi Studer 156 S. illustriert, bei uns erhältlich (Link)
3) Hauptrollen: Dominique Müller als Gottfried Studer, Judith Koch (super Besetzung) als Pia Portmann, Regie Wendy Pillonel, Drehbuch und Produzent Rolf Elsener; Link zum Film
4) Rolf Gwerder ist Verfasser verschiedenster Lastschiff- und Nauenbücher, u.a. hat er sich mit der Dokumentation «Nauen auf dem Vierwaldstättersee – die Geschichte des Gütertransports mit Motornauen» (vergriffen) einen Namen gemacht. Der Berufsunteroffizier der Schweizer Armee interessiert sich seit seiner Jugend für die Nauen auf dem Vierwaldstättersee und hatte bedingt durch seinen Wohnort das Glück, den Bodä Rädi während etwa 20 Jahren und seinen Bruder, den im Artikel erwähnten Bodä Edy, kennen zu lernen. Gwerder: «Von den beiden ‘Bedäler’ konnte ich sehr viel für meine berufliche und meine private Zukunft als ‘Freizeitseegusler’ auf dem Vierwaldstättersee mitnehmen.»
5) Das MS Aero wurde 1910 durch die Hitzler Werft für die Genossenschaft AERO in Luzern gebaut. Es wurde zum Personenverkehr vom Bahnhof Luzern zur Luftschiffstation Tribschen eingesetzt. Nach dem ersten Weltkrieg kam die „Aero“ in den Besitz der DGV und war dort das erste nicht dampfbetriebene Fahrgastschiff. 1959 ausgemustert kam es zu diversen Eigentümern und wird seit 2016 durch A. Fischer und N. Schwarz betrieben. Der Heimathafen ist Sisikon.
6) Die «Schwalmis»-Besatzung bestand aus dem Schiffsführer Bodä Edy (Eduard Murer) und dem Seehof Sepp (Josef Amstad, Cousin meiner Mutter, dem Verfasser dieses Blogbeitrages) als Beimann. Gwerder: «Die Bezeichnung ‘Matrose’ verwendet man auf Lastschiffen nicht.».
7) Bezüglich Edy’s Sehvermögen hat Rolf Gwerder Informationen aus erster Hand: «Ihm wurde 1935 das linke Auge durch einen unglücklichen Vorfall im Schwanengässli in Beckenried durch einen Messerstich unwiederbringlich verletzt. Es ging um einen vermeintlichen Velodiebstahl. Edy war sich seiner Beeinträchtigung sehr wohl bewusst und hielt ausgesprochen Sorge zu seinem gesunden Auge. Zur Aufrechterhaltung seiner Führerausweise für Motorrad, Auto und Güterschiffe musste er in festgelegten Abständen zur Seh-Kontrolle und hat diese ausnahmslos bestanden. Der Bodä Edy war ein erfolgreicher Kranzschütze. Während vielen Jahren wäre ein Rütlischiessen ohne ihn ein Drama gewesen. Als er einmal an einem Schützenfest einen Nuller geschossen hat, musste man ihm allerdings erst die Scheibe bringen, bevor er es auch wirklich geglaubt hat…»
8) Laut dem Luzerner Tagblatt vom 13. Oktober 1944 sollen dann die beiden DGV-Schiffe Reuss und Mythen in der Nacht für die Suche und Bergung der Ertrunkenen aufgeboten worden sein. «Die ‘Mythen’ mit ihren starken Scheinwerfern musste dabei von Gersau herbeigeholt werden. … Den Bergungsorganen bot sich vor Ort und Stelle ein grauenvoller Anblick.» In der Kabine sassen die Reihen der ertrunkener nebeneinander auf den Bänken. «Diese Leichen konnten erst geborgen werden, als gegen 2 Uhr morgens das Boot … ans Ufer geschleppt und das Dach entfernt werden konnte.»
9) Die drei beteiligten Protagonisten im Vergleich: «Schwalbe», Inhaber R. Müller-Kleinmayer, Baujahr noch offen, 13 m L, 2.55 m B, 30 Personen / «Aero», Inhaber 1944 DGV (heute A. Fischer/N. Schwarz), Baujahr 1910, 13.20 m L, 3.05 m B, 60 Personen / «Nicolas», Inhaber heute SNG, Baujahr 1901, 11.7 m L, 2.18 m B, 20 Personen (heute)
Allgemeiner Hinweis
Der Ende Jahr jeweils erschienene Medienbericht über die Änderungen und Neuerungen der Schiffs-Angebote für die kommende Saison entfällt dieses Mal. Die Planungsunsicherheit wegen den behördlichen Massnahmen im Zusammenhang von Covid-19 ist dermassen gross, dass zur Zeit leider keine seriösen Aussagen über die Angebote im 2021 gemacht werden können.