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erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. auftretenden Kosaken historisch sowenig
nachweisen, als man über den Ursprung der Kosaken selbst im klaren ist. Mit Sicherheit läßt sich nur angeben, daß
Menschen energischen und kühnen Charakters, denen aus verschiedenen Gründen die Heimat zu eng wurde, sich in der bis dahin
gänzlich unbewohnten Wildnis zwischen der Südgrenze der slawischen und der Nordgrenze der tatarischen Besitzungen ansiedelten.
Gerade dieser Anfang hat dem Kosakentum die ihm eigne Signatur aufgedrückt.
Die Kosaken sprechen größtenteils den großrussischen Dialekt, nur von den Tschernomorischen Kosaken wird der kleinrussische gesprochen.
Gegenwärtig bilden die Kosaken einen wichtigen Teil des russischen Heers. Die verschiedenen Abteilungen (Donische, Kubanische,
Tereksche, Astrachanische, Orenburgische, Uralische, Sibirische, Semiretschinskische, Transbaikalische,
Amurische) haben eine Friedensstärke von 51,946 Mann mit 94 Geschützen und 38,707 Pferden und eine Kriegsstärke von 145,325
Mann mit 212 Geschützen und 138,036 Pferden.
Bei den Donischen Kosaken wird dieselbe in drei Klassen geteilt. Die erste, die vorbereitende, dauert 3 Jahre; in diese tritt jeder
Kosak mit dem erreichten 18. Lebensjahr. Im ersten Jahr muß er sich equipieren, in den beiden andern militärischen
Übungen obliegen. Darauf werden die jungen in die Regimenter verteilt und treten hiermit in die zweite
Dienstperiode ein, die 12 Jahre dauert, und nach welcher sie derReserve zugezählt werden. Bei den Terekschen und Kubanischen
Kosaken muß jede Staniza (Kosakendorf) einen gewissen Prozentsatz jährlich an Rekruten stellen.
Alle Kosaken sind in drei Kategorien geteilt, von denen in Friedenszeiten sich die erste, d. h.
ein Drittel aller Kosaken, im aktiven Dienst in den Regimentern befindet, während die beiden andern sich in den Stanizen aufhalten.
Während der Dienstzeit erhalten die Kosaken von der RegierungGehalt, Menage und Furage; dagegen müssen sie Waffen,
[* 5] Uniformierung,
Pferde
[* 6] und Sattelzeug selbst anschaffen. Die Bewaffnung besteht aus Pike, Kosakenbüchse, Kosakensäbel
und der Nogaika, einer kurzen Lederpeitsche, an deren Ende gewöhnlich eine Bleikugel eingenäht wird.
Der Oberbefehlshaber heißt Ataman, doch kommt dieser Titel jedem, der irgendwo den höchsten Posten einnimmt, zu, z. B.
Ataman der Staniza, Ataman des Stammes etc. Jeder Kosak hat das Anrecht auf einen Landteil von durchschnittlich 30 Deßjätinen
(gegen 27 Hektar), der ihm erblich verbleibt, und die Ausnutzung der Gemeindeweiden. Durch die schon seit vielen Menschenaltern
immer fortgeerbte besondere Lebensweise hat sich beim Kosaken ein ganz besonderer Typus gebildet.
Von Jugend auf gewöhnt, mit Waffe und Pferd umzugehen, dabei mit außergewöhnlicher Schärfe des Gesichts und Gehörs begabt,
ist er wie geschaffen zum Vorpostendienst sowie zum Krieg mit den asiatischen Völkern. Weder Luxus noch Bequemlichkeit kennend,
hält er die größten Strapazen aus. Seinen russischen Gott und Kaiser im Herzen, ist er das blinde Werkzeug
seiner Führer. Seine Wachsamkeit ist zum Sprichwort geworden. Außerdem sind Gutmütigkeit, sorgloser, heiterer Sinn und äußerste
Gemütsruhe dem Kosaken eigentümlich, während ihm der Trieb zu einer regelmäßigen Thätigkeit völlig abgeht.
Die Kosaken besitzen einen reichen Schatz von Heldengesängen, Liedern und Legenden; ihre sich meist in Molltönen
bewegenden Gesänge haben viel Melodie. Die nachfolgende, Schnitzlers 1862 erschienenem Werk »L'empire des Tsars« entnommene
Ausstellung, welche sämtliche auf 1,681,633 Seelen berechnet, bedarf zwar einer Erhöhung der Ziffern, gibt aber doch eine anschauliche
vergleichende Übersicht des numerischen Bestandes der in den verschiedenen russischen Landesteilen:
Die Donischen Kosaken existierten schon im 15. Jahrh., doch ist über ihre
Entstehung nichts Sicheres bekannt. Das offizielle Datum ihres Ursprungs wird durch
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mehr
die Urkunde bezeichnet, mit der Iwan Grosny 1570 ihre Organisation bestätigte. Von nun an nahmen sie eine bestimmte feindliche
Stellung gegen Tataren und Türken und erbauten kaum 60 km von Asow ihren befestigten Hauptort Tscherkask. Sie wurden schnell
mächtig; ja, sie verschonten gelegentlich auch russische Provinzen nicht und beraubten namentlich die
Karawanen, welche von Moskau
[* 8] nach Asow gingen. Auch auf dem Meer trieben sie ihr Unwesen und machten Raubzüge bis weit hinter
die Wolga.
Über ihre innere Einrichtung besitzen wir aus der ersten Zeit nur sehr dürftige Nachrichten. Obwohl Tscherkask schon damals
als Hauptort genannt wird, so ist es doch wahrscheinlich, daß keineswegs alle Kosaken einem Häuptling
gehorchten, sondern daß sich die meisten da anschlossen, wo es reiche Beute gab. Mit dem 17. Jahrh. wurde ihr Zustand geregelter.
Die Zentralregierung in Tscherkask wurde anerkannt, doch besaß jede Kosakenansiedelung (Staniza) noch ihren eignen Vorsteher
und ordnete ihre innern Verhältnisse selbst.
Alle Kosaken traten zu einem Kriegsrat (Woiskowoi Okrug) zusammen, in welchem entschieden wurde, ob ein Kriegszug
zu unternehmen sei oder nicht, wie die Beute zu teilen u. dgl. Präsident war ein besonderer Woiskowoi Ataman; für den Krieg
und die Streifzüge wurde jedesmal ein besonderer Anführer (Pochodnij Ataman) gewählt. Seit 1718 wurden die
Atamans von der Regierung bestimmt, und dies war der erste Schritt zur jetzigen Organisation der Kosaken. Als sich dieselben wiederholt
gegen die Eingriffe der Regierung in ihre alten Rechte aufgelehnt hatten und diese nun ihrerseits vollständig die Gefahr eines
solchen »Staats im Staat« einsah, gab der Pugatschewsche Aufstand 1774 und 1775, obwohl die Donischen Kosaken sich
wenig an ihm beteiligt hatten, günstige Veranlassung, ihre Freiheiten zu beschränken.
Die Volksversammlungen wurden aufgehoben, dagegen aus den Ältesten und Issauls ein Adel geschaffen, aus dem man von nun an
alle Ämter besetzte. An die Stelle des Kriegsrats trat eine Kanzlei, welche die Funktionen eines Gerichtshofs
übernahm, aber auch die administrativen und finanziellen Verhältnisse zu leiten hatte. Alexander I. schuf einen Bauernstand,
wie er in Rußland existierte, und endlich ward 1841 das letzte Zeichen der ursprünglichen Gleichheit unter den Kosaken beseitigt,
indem das Land, welches früher gemeinschaftliches Eigentum war, in der Weise verteilt wurde, daß jede
freie männliche Seele 30 Deßjätinen, jeder Leibeigne die Hälfte erhielt.
Gegenwärtig bildet das Land derDonischen Kosaken ein eignes russisches Gouvernement von 160,277 qkm (2911 QM.) Flächeninhalt.
Es ist eine große Steppe, die von den FlüssenDon, Donez, Medwjediza, Choper, Tschur, Kolitwa, Sal, Aksai, Mius und den
Grenzflüssen Manytsch und Kalmius bewässert wird. Der höchst fruchtbare Boden besteht aus einer ziemlich dicken SchichtHumus,
welche auf Lehm liegt. Weniger fruchtbar, wegen seines starken Salzgehalts, ist das linke Ufer des Don, eine ganz flache Fortsetzung
der aral-kaspischen Ebene, deren vollständige Einförmigkeit nur dann und wann durch einen künstlichen
Kurgan (Hünengrab) unterbrochen wird.
Das rechte Ufer ist hügeliger und steigt im Bezirk Mius bis 122 m an. Die Flora ist die südrussische, während dieselbe am
linken Ufer ganz den Charakter der aral-kaspischen trägt. Vom Areal sind 45 Proz. Ackerland, 42 Proz. Wiesen und Weiden, 2 Proz.
Wald und 11 Proz. unbrauchbares Land. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt
6,3° R. Der wärmste Monat (Juli) hat im Mittel 17,7° und der kälteste
(Februar) -5,7°. Trotz des strengen Winters gedeiht
Wein gut und könnte bei richtiger Behandlung eine große industrielle Bedeutung gewinnen. Zu den wichtigsten Landesprodukten
gehören ausgezeichnete Steinkohlen und der in unermeßlicher Menge vorhandene Anthracit.
Aus den Donischen Kosaken hervorgegangen sind die Nekrassowschen Kosaken, die nach Bessarabien übergegangen waren, 1812 aber, als dieses
russische Provinz wurde, sich den Russen unterwarfen; ferner die Jaikschen oder Jaizkschen Kosaken, welche nach
der Niedermachung der Donischen Kosaken durch den Heerführer des ZarenMurad Bei 1577 zuerst nach dem KaspischenMeer entwichen und
von da den Jaik hinaufgingen, an dessen Ufern sie 1584 eine Stadt erbauten. Sie waren 1773 die wärmsten
Anhänger Pugatschews, weshalb um das Andenken an diesen Aufstand zu verwischen, Katharina II. ihre Stadt Jaizk
und den Fluß Jaika in »Uralsk« und »Ural« umtaufen ließ und aus den Jaikschen Kosaken das Heer der Uralischen Kosaken bildete (s. unten).
Die Kaukasischen Linienkosaken hießen so, weil sie mit ihren Stanizen eine lange Verteidigungslinie
Rußlands gegen den Kaukasus bildeten. Schon im 16. Jahrh. hatten sich Kosaken am Terek angesiedelt, später andre auch längs des
Kuban; 1722 wurden hier die Terekschen und Kislarschen Kosaken organisiert, welchen dann je nach Notwendigkeit immer neue Kosakenregimenter
zugegeben wurden. So entstanden im ganzen 14 Regimenter, welche zwischen den Mündungen des Terek und des
Kuban eine ununterbrochene Linie bildeten. Unter allen Kosaken waren diese Linienkosaken die tapfersten. Durch die ewigen Überfälle
der Kaukasier in einem beständigen Krieg lebend, wetteiferten sie mit den Tscherkessen an TapferkeitundList. Auch Kleidung,
Waffen sowie manche Sitten und Gebräuche haben sie von letztern angenommen. Nach einem
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