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Der ganze Gebäudekomplex an der Ecke Petersgraben / Peterskirchplatz ist 1843 für Christoph Socin-Sarasin errichtet worden. Es ist ein selten reines Beispiel der klassizistischen Romantik und stellt einen unersetzbaren Abschluss des Peterskirchplatzes gegen Südwesten. Der Komplex wurde auf zwei verschiedenen Parzellen errichtet, die hier kurz historisch umrissen werden sollen.
Ursprung der einen...
Einst befand sich auf dem Grund von Nr. 27 die Gemer'sche Friedhofskapelle, deren Westfassade über dem Stadtgraben stand und dessen Chor über den Kreuzgang hinaus ragte und nördlich davon den Kirchvorplatz gegen den Graben zu abschloss. Auf dem Merian-Plan von 1615 öffnet sich an der nördlichen Kapellenwand eine Türe gegen den Kirchplatz. Unter dem Kreuzgang, oder vielmehr durch dessen oberes, südliches Ende öffnete sich ein kleines Tor gegen eine schmale Brücke, die den inneren Stadtgraben gegen den baumbestandenen Petersplatz zu überspannte.
1413 stifteten Cunrad zem Haupt und seine Gemahlin Anna Offenburg eine Altar-Kaplanei für diese St. Niklaus-Kapelle. Aus dem Jahr 1505 erfahren wir, dass der Bürgermeister Junker Peter Offenburg beständig einen Kaplan unterhielt. Der Ostteil des Gebäudes war 1573 bis 1659 Begräbnisstätte der Familie Offenburg. Seit 1830 teils Magazin, im oberen Teil Fruchtschütte, im unteren Kreuzgang, wurde 1837 die ehemals Offenburgische Kapelle von Christoph Socin-Sarasin ersteigert. Zugleich war der Kreuzgang zum Abbruch bestimmt. Der Abbruch der Kapelle erfolgte 1838.
…und der anderen nötigen Parzelle
Der grösste Teil der heutigen Liegenschaft aber steht auf einem Grundstück, das einst ziemlich umfangreich und mit verschiedenen Gebäulichkeiten belegt war. Der "Hof", 1302 zum ersten Mal als "zem Hohen Huse" erwähnt, wurde damals von den Kindern des Grafen von Pfirt der Basler Kirche verschenkt. Diese setzte einen Johann Rezagel gegen einen (Grund-)Zins, aber offenbar bereits als Eigentümer, ins Haus. 1310 im Besitz der Witwe des Ritters Göttmann Münch, um 1400 in dem der Greda von Girsberg-Waldner, wurde das Haus 1419 von ihrem Sohn, dem Junker Wilhelm Edelknecht, seiner Gemahlin vermacht. Sie und ihre Tochter Dorothea verkauften wiederum einen Teil 1428 an Greda, die Witwe des Junkers Lüthold von Bärenfels. Ein Jahr später wurde offenbar der andere Teil von Anna, der Witwe des Junkers Claus Meyer, gekauft; auch Hans Conrad Surlin wird im gleichen Jahr als Besitzer erwähnt. Ihm folgte spätestens 1435 Ritter Götzmann Heinrich von Eptingen, der aber immer wieder, namentlich von 1444 an, betrieben wurde. 1461 bis 1512 waren Jacob von Sennheim und seine Erben dort sesshaft.
1560 verkaufte Jakob Hiltbrand-Mutschler, Schlossherr zu Schauenburg, die Liegenschaft an den berühmten Druckerherrn Johannes Oporin-Nachpürin. Dann veräusserte sie der Kaufmann Daniel Peyer-Bischoff 1574 an den Stiftsschaffner, Prof. Dr. med. Isaak Keller-Höcklin von Steineck. Dieser hatte schon zwei Jahre als Mieter darin gewohnt; da er 1580 flüchtig war, wurde das Anwesen versteigert; als neuen Eigner nennen die Akten 1585 bis 1610 Hans Jacob Wasserhun, dem 1615 die Familie des Hauptmanns Caspar Krug-Fäsch folgte, 1672 der Sohn, Ratsherr und Eisenkrämer Hans Ludwig, verehelicht mit einer Falkner, 1676 der Enkel, Hans Heinrich, Hauptmann in französischen Diensten, dessen Witwe, eine geborene Seiler, das "Hohe Haus" 1710 dem Handelsmann Johannes Werenfels verkaufte. Mit der Witwe des Abel Socin, 1746, und ihrem Sohn Abel, 1761, begegnen wir den Vorfahren des oben erwähnten Bauherrn Christoph Socin-Sarasin (bis 1839). Die Familie war seit 1746 im Besitz eines Grossteils des Grundstücks, und 1837 erwarb Socin-Sarasin die Friedhofskapelle und liess sie abreissen, um den Plan für ein neues Haus im Biedermeierstil zu verwirklichen. 1843 wurde der Neubau fertiggestellt, und ein Jahr später wurde auf der Rückseite, an der Stiftsgasse, eine Holzlaube angefügt. 1862 gehörte die Liegenschaft Petersgraben 27 dem Kaufmann Abel Socin-Le Grand, der mit seinem Sohn eine Tuchhandlung betrieb. In Nr. 29 wohnte Eduard Socin-Frey. Später war Nr. 27 bis 1938 Sitz der Allgemeinen Armenpflege und enthielt in den Kriegsjahren und bis in die 1960er Jahre Notwohnungen.
Die Häuser gelten als aus einem Guss, architektonisch sehr dezent und differenziert gegliedert. Sie enthalten typische Fassadenelemente aus dem Klassizismus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der oft seine Vorbilder in den griechischen Tempeln suchte, sowie romantische Rundbogenfenster im Erdgeschoss. Ausserdem sind die Fensteröffnungen des zweiten Stocks etwas niedriger gehalten als die des ersten, was darauf hindeutet, dass der erste Stock der bedeutungsvollste ist. Die beiden Türen sind möglichst unauffällig dem schlichten Baukörper eingefügt.
Der Beinahe-Abbruch
In den 1950er Jahren muss das Äussere des Gebäudes einen derart vernachlässigten, abbruchreifen Eindruck gemacht haben, dass seine Zukunft ungewiss war. Eine Renovation stand im Raum genauso wie ein Abbruch. Der Heimatschutz meldete sich zu Wort mit Voten wie: "Wir wollen ja nicht nur Baudenkmäler, wir wollen unsere lebendige Stadt Basel gesichert wissen!" oder "Das Gebäude ist der Eckstein, mit dem der ganze obere Petersgraben, der ganze Peterskirchplatz, die Stiftsgasse und die Wirkung des Petersplatzes selbst steht und fällt." Hier war noch einmal die Chance gegeben, mit einem einzigen Gebäude das Gesicht einer ganzen Stadtpartie zu retten. Die Bedeutung der Häuserzeile am Petersgraben wurde einem bewusst, wenn man den Petersplatz anschaute. Gegen Süden wurde der Platz durch das Kollegiengebäude abgeschlossen, gegen Norden zu bildeten die Fassaden des Wildtschen Hauses und seiner Nachbarhäuser eine annehmbare Platzseite. Die Häuser am Petersgraben gaben dem Petersplatz erst dominierenden Halt und Abschluss.
Was war denn der Grund für die Gerüchte um den Abbruch?
Die Grossratskommission beriet über die Erstellung eines Verwaltungs-, Geschäfts- und Parkinggebäudes an Stelle des ehemaligen Hotels "Storchen" und schlug eine Ausfahrt aus der Auto-Einstellhalle am Peterskirchplatz vor. Diese sollte ein Portal neben dem Marthastift am Nadelberg erhalten, und ihr wollte die Kommission auch das Haus Petersgraben 27 opfern, um die Übersicht bei der Einfahrt in den Petersgraben zu verbessern. Nach Protesten in der Bevölkerung wurde schliesslich entschieden, Nummer 27 im Anschluss an Nummer 27 zu renovieren und Seminarien der Universität einziehen zu lassen.
Dass das Phantom der Verkehrsbedürfnisse das vernünftige Denken nicht lähmte, ist sehr erfreulich. Der Kirchplatz zu St. Peter wäre durch einen Rück- oder Neubau doch arg verschandelt worden. Auch die Kinder der Petersschule danken für die Entscheidung, denn viele Schüler, um in die Stiftsgasse zu gelangen, hätten die Garagenausfahrt zu überqueren gehabt.
Quellen:
- Basler Volksblatt vom 24. Juli 1954
- National-Zeitung vom 10. April 1956
- Abendzeitung vom 14. April 1956
- Petersgraben 27/29