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Das Leben ist ungerecht, könnte man aufgrund der Statistiken zur Lebenserwartung sagen. Wer eine bessere Ausbildung oder einen höheren Lohn hat, lebt eindeutig länger (Mackenbach et al., 2019, Remund et al., 2019, Tanaka et al., 2019). Daran hat sich leider auch in den letzten Jahren nichts geändert. Die Lebenserwartung hat zwar insgesamt zugenommen. Doch die Unterschiede zwischen den Einkommens- und Bildungsklassen haben sich kaum verändert.
Doch diese Ungleichheiten werden in der Diskussion über die Altersvorsorge zu wenig beachtet. Im Gegenteil reiten UBS & Co vor allem auf der Generationenfrage herum, um Stimmung für eine Individualisierung der Altersvorsorge zu machen – weil sie damit mehr Geld verdienen. Dabei rechtfertigen diese Ungleichheiten nicht nur sozialpolitisch, sondern auch rein versicherungstechnisch höhere Renten für untere Einkommen.
Naheliegend ist natürlich die Stärkung der AHV, wie sie in der SGB-Initiative für eine 13. AHV-Rente gefordert wird. Doch auch innerhalb des Pensionskassensystems kann man sich entsprechende Überlegungen machen. Bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern zur Reform des BVG hat der SGB darauf bestanden, dass eine Umlagekomponente eingeführt wird. Von den Löhnen bis rund 850'000 Fr. sollen 0.5 Prozent in einen allgemeinen Topf gehen, aus dem nachher für alle, die nach der Revision in Rente gehen, pro Kopf eine Zusatzrente von 200 Fr./Mt. ausbezahlt wird (später 150 und dann 100 Fr./Mt.). Damit werden jährlich rund 500 Mio. Fr. von den oberen Lohnklassen an die unteren Löhne umverteilt.
Weil die Statistiken zu den Pensionskassen in der Schweiz sehr lückenhaft sind, ist es nicht möglich, die Verteilungswirkungen in der 2. Säule einigermassen genau zu schätzen. Man kann aber vermuten, dass die durch die unterschiedliche Lebenserwartung bedingte Umverteilung von unten nach oben grösser ist, als die Zurückverteilung von oben nach unten.