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Es
gibt nichts Natürlicheres, als seine Kinder vegetarisch zu ernähren.
Dies
gilt zunächst offensichtlich für das Neugeborene und den Säugling; hier wird
auch niemand ernsthaft daran zweifeln, dass die Muttermilch, oder, wenn diese
fehlt, eine voll angepasste (adaptierte) Kuhmilchzubereitung die richtige
Nahrung ist.
In
den Empfehlungen für die Säuglingsernährung, die von der Ernährungskomission
der schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) herausgegeben werden, wird
ab 5. Lebensmonat die Gabe von Fleisch und/oder gekochtem Eigelb 1-2 mal
wöchentlich empfohlen, um eine genügende Eisenversorgung sicherzustellen. Einem
5-monatigen Säugling Fleisch zu verfüttern, mag fleischverzehrenden Menschen
normal erscheinen, vegetarischen Eltern nicht. Es entspricht überhaupt nicht
ihrem Empfinden. Es entspricht auch nicht einer Notwendigkeit für ein gutes
Gedeihen des Kindes. Die Mutter wählt die Nahrung für das Kind aus. Die
Familie, die Gesellschaft, die Industrie wird sie dabei wortkräftig
unterstützen und unter Druck setzen; die Entscheidung bleibt aber bei der
Mutter. Dieser Mutter soll gesagt sein: Dein Säugling braucht kein Fleisch, um
zu gedeihen.
Beim
Kleinkind ändert sich die Situation. Die Nachahmung des Essverhaltens der
Eltern spielt nun eine grosse Rolle. Wenn es sieht, wie die Eltern Fleisch
essen, wird es dies auch tun und wird sogar Gefallen daran finden. Es isst
(meistens) die von den Eltern zubereitete Nahrung. Von selbst wird ihm kaum
einfallen, lebende Kleintiere zu essen, und es wird keine Tiere töten, um diese
zu essen. Vegetarisch lebende Eltern werden nicht auf die Idee kommen, Fleisch
zu füttern, und das ist gut so. Nach wie vor fehlt die Notwendigkeit, Fleisch
zu essen.
Während
meiner pädiatrischen Ausbildung bekam ich für meine Anliegen sehr viel
mitleidiges Lächeln. Immerhin war aber der damalige Gastroenterologe
(Magendarmspezialist) am Berner Kinderspital, Michael Lentze, der inzwischen
als Professor wieder in Deutschland arbeitet, in all seinen Ausführungen über
alternative Ernährungsformen im Kindesalter der Meinung, dass eine
ovo-lakto-vegetarische Ernährung zweifelsfrei problemlos sei.
Natürlich
trennen sich die Meinungen: Die Mehrheit der westlichen Bevölkerung betrachtet
es als normal, Tiere zu töten und zu essen. Eine Minderheit sieht es anders:
Nach ihrem Bild des Menschen müsste er ein verantwortungsbewusstes, ethisch
denkendes Wesen sein, und seine Gewohnheit, Tiere für seine Bedürfnisse zuerst durch Dritte misshandeln und dann schlachten zu lassen, wäre
als kulturelle Fehl - oder Mangelentwicklung zu betrachten. Vor mehr als 2
Millionen Jahren erlaubte die Jagd unseren Vorfahren, sich trotz einer
bedrohlichen Klimaverschlechterung im Sinne der Eiszeiten und Rückbildung der
Urwälder neue Territorien zu erobern. Die geistig-intellektuellen Fähigkeiten
unserer Vorfahren genügten damals, um mit primitivsten Werkzeugen und Waffen
auf die Jagd zu gehen; sie genügten jedoch nicht, sich im anspruchsvolleren
Landbau zu betätigen. Wir haben die Eiszeit seit 10'000 Jahren hinter uns, und
es wäre jetzt möglich, schlechte Gewohnheiten abzulegen.
Hier seien
einige theoretische Facetten vegetarischer Kostformen als Beispiele beleuchtet:
Es
gilt zu beurteilen, ob die Nährstoffzusammensetzung den Erfordernissen des
wachsenden Kindes gerecht wird. Als Beispiele interessieren hier neben der
Gesamtenergiezufuhr vor allem Eiweisse, Eisen, Kalzium, Zink, Vitamin B 12 und
Vitamin D. Der Schwerpunkt liegt auf den bei uns häufigeren laktovegetarischen
und ovo-laktovegetarischen Kostformen.
Energiezufuhr
Eine
genügende Energiezufuhr ist die Basis des Gedeihens. Sie findet Bestätigung in
einer normalen Wachstumskurve und in einem aktiven Kind. Der Energiebedarf
steigt jenseits des 6. Monates rasch an; mit Milch, Milchprodukten und üblicher
Beikost ist die Energieversorgung kein Problem. Mit rein pflanzlicher Kost
hingegen, die weniger energiedicht ist, wird das Volumen der Nahrung für den
unreifen Magendarmtrakt verhältnismässig gross, der Anteil an Fasern und
Phytaten bringt unter Umständen Probleme, die der Erwachsene nicht spürt.
Eiweiss
Nahrungseiweisse
werden zu Aminosäuren abgebaut, dann aufgenommen und schliesslich wieder zu
körpereigenem Eiweiss aufgebaut. Einige Aminosäuren sind unentbehrlich; man
nennt sie essentiell. Die Zusammensetzung der Nahrungseiweisse stimmt nicht mit
unserem Körpereiweiss überein. Deshalb können aus 100 g Nahrungseiweiss nicht
100 g Körpereiweiss umgebaut werden. Man bezeichnet die Menge Körpereiweiss,
die aus 100 g Nahrungseiweiss umgebaut wird, als biologische Wertigkeit. Eine
hohe Wertigkeit haben z.B. Milchprodukte, Eier, Fleisch und Soja (84-92),
gefolgt von Reis (81), Roggenmehl (76), Bohnen und Mais (72), Weizenmehl (56).
Ein
Nahrungsmittel kann also eine tiefe Wertigkeit haben, weil ihm eine essentielle
Aminosäure fehlt. Ein anderes Nahrungsmittel kann aber gerade von dieser
Aminosäure verhältnismässig zu viel haben. Daraus folgt, dass 2 verschiedene
Nahrunsgmittel mit einer tiefen Wertigkeit einander zu einer hohen Wertigkeit
ergänzen können (Ergänzungswert). Anstelle von komplizierten Berechnungen, die
beweisen können, was wir schon längst vermutet haben, nämlich, dass es auch
ohne Fleisch sehr gut geht, seien hier einige Beispiele sinnvoller
Kombinationen angeführt:
Eier+Kartoffeln,
Milchprodukte+Kartoffeln, Milchprodukte+Getreide, Milchprodukte+Hülsenfrüchte,
Hülsenfrüchte+Eier, Hülsenfrüchte+Getreide.
Über
den Proteinbedarf ist man sich nicht überall einig. Richtwerte für Kleinkinder
werden mit 2 g/kgKG/Tag angegeben. Meistens ist es richtig, eine
Sicherheitsmarge einzubauen.
Leichte
Mangelerscheinungen können zunächst gar nicht erkannt werden, und wir möchten
keine Spätschäden, zum Beispiel am Nervensystem, riskieren. Die bescheidenen
Bedürfnisse eines gesunden Erwachsenen dürfen nicht einfach auf Kinder
übertragen werden. Die laktovegetarische Kost kennt kein Eiweissproblem. Der
Spielraum ist hier noch gross. Wer sich auf rein pflanzliche Nahrungsmittel,
also auf eine vegane Kost, beschränkt, kann sich nicht mit einem Merkblatt
begnügen; er muss die Bilanz gründlich überprüfen und wachsam verfolgen.
Eisen
Da
steht eine Front von Karnivoren und Professoren mit erhobenem Zeigefinger.
Tatsächlich muss auf das Eisenproblem möglichst sachlich und ohne Vorurteil
eingegangen werden. Eisenmangel ist weltweit ein häufiger Zustand.
Drei
Hauptfunktionen des Eisens sind wichtig :
1.
Eisen ist das zentrale Element des Farbstoffes der roten Blutkörperchen, des
Hämoglobins, Grundlage des Sauerstofftransportes. Ein Eisenmangel kann zu einer
verminderten Bildung von Hämoglobin und damit zu einer Blutarmut (Anämie)
führen.
2.
Eisen ist das zentrale Element des Farbstoffes des Muskels, des Myoglobins,
dessen Funktion ebenfalls wichtig und kompliziert ist.
3.
Eisen ist wesentlicher Bestandteil lebenswichtiger Enzymsysteme. Obwohl sich
hier nur ein kleinerer Teil des Körpereisens findet, wirkt sich ein Eisenmangel
gerade hier zuerst aus, und zwar bevor eine Anämie sichtbar wird. Nachgewiesen
sind Zeichen wie Verhaltensstörungen, Appetitlosigkeit und verminderte
Leistungen in Entwicklungstests.
Daneben
findet sich im Körper Speichereisen (Ferritin und Hämosiderin) im Knochenmark
und im reticuloendothelialen System (in der Milz, in den Lymphknoten, in der
Leber) und eine kleine Menge Transporteisen, ganz gebunden an ein Eiweiss,
genannt Transferrin.
5
Umstände können zum Eisenmangel beitragen:
1.
Die angeborenen Eisenreserven. Diese sind mehr vom Geburtsgewicht abhängig als
vom Ernährungszustand der Mutter. Frühgeborene sind demnach im Nachteil und
haben ihre Eisenreserven frühzeitig aufgebraucht.
2.
Die Wachstumsrate. Je schneller ein Säugling wächst, desto schneller hat er
seine Eisenreserven aufgebraucht, und desto grösser ist sein Eisenbedarf. Bis
zum Erreichen des 2,5-fachen Geburtsgewichtes ist kein Eisenmangel zu erwarten,
wenn nicht Blutverluste auftreten.
3.
Blutverluste im Darm können unsichtbar sein. Sie treten häufig bei zu früher
Verfütterung von Kuhmilch auf.
4.
Der Eisengehalt der Nahrung. Eisen findet sich, abgesehen vom Fleisch, in allen
Hülsenfrüchten, vor allem in Linsen und Sojabohnen, in Vollkornprodukten, in
Nüssen und Samen, besonders in Pistazien, Kürbiskernen und Sesam, in
dunkelgrünen Blattgemüse, in Trockenfrüchten, besonders Aprikosen und Pflaumen,
in Meeresgemüse, Melasse und natürlich im Eigelb.
5.
Die Eisenaufnahme aus dem Darm ist von vielen Faktoren abhängig und etwas
problematisch:
-
Reifezustand der Darmschleimhaut,
-
Eisengehalt der Nahrung (kleine Eisendosen werden zu einem höheren %-Satz
resorbiert als grosse Dosen),
-
Form des Eisens (2-wertiges Eisensalz, z.B. Ferrosulfat, wird besser resorbiert
als 3-wertiges Eisen),
-
Füllungszustand des Darmes (Eisen im leeren Dünndarm wird besser resorbiert)
-
Interaktionen mit einigen Stoffen können die Resorption verbessern:
-
Vit.C (Ascorbinsäure) in Fruchtsäften sind willkommen.
-
Interaktionen mit anderen Stoffen können die Resorption verschlechtern:
-
Tannate aus Tee bilden mit Eisen Tannatkomplexe, die nicht mehr lösbar sind.
-
Oxalate (z.B im Spinat) vermindern die Resorption gewaltig.
-
Phytoferritine und Phosphate bilden schlecht resorbierbare Komplexe.
- Die
Eiweissumgebung der Eisens spielt eine grosse Rolle:
-
Das Eisen der Frauenmilch wird hervorragend resorbiert (50-70%)
-
Das Eisen im Reis wird miserabel resorbiert (1%)
-
Infektionen im Darm vermindern die Resorption, gleichzeitig wird die
Überlebenszeit der roten Blutkörperchen verkürzt.
-
Entzündungen der Darmschleimhaut beschleunigen deren Erneuerung, sodass
Schleimhautzellen mitsamt Eisen abgestossen werden, bevor das Eisen ins Blut
gelangen kann.
- Bei
Eisenmangel resorbiert die Schleimhaut mehr Eisen als bei Eisensättigung.
Dies
alles sei erwähnt, damit unlautere Vereinfachungen zum vorneherein wegfallen.
Unter
Berücksichtigung dieser Faktoren und nach zahlreichen Beobachtungen scheint
Folgendes zu gelten:
1.
Ein termingeborener, voll gestillter Säugling erhält in den ersten 6 Monaten
mit der Muttermilch genügend Eisen, die nächsten drei Monate sind fraglich und
ab neun Monaten bekommt er zu wenig.
2.
Ein nicht gestillter Säugling sollte spätestens ab 3 Monaten eine mit Eisen
angereicherte Milchzubereitung erhalten. Der Eisengehalt muss wesentlich höher
sein als in der Muttermilch, da die Resorptionsquote kleiner ist.
3. Im
2. Lebenshalbjahr ist die Beikost die wichtigste Eisenquelle. Vegetarier sind
theoretisch gefährdeter, einen Eisenmangel zu entwickeln. Sie weisen im
Durchschnitt niedrigere Serumeisenwerte auf, was aber nicht mit einem
Eisenmangel gleichzusetzen ist. Untersuchungen der Eisenbindungskapazität und
des Serumferritins haben gezeigt, dass sowohl Karnivoren wie Vegetarier und
Veganer normale Eisenverhältnisse zeigen können, dass andererseits aber auch
alle an Eisenmangel leiden können, wenn der Beikost nicht genügend Beachtung
geschenkt wird.
4.
Bei Eisenmangel trotz angepasster Beikost ist eine Behandlung mit
Eisenpräparaten durchzuführen. Dass die Eisentherapie zur erhöhten
Infektanfälligkeit von Säuglingen beitrage, konnte widerlegt werden. Vielmehr
kommt es bei Eisenmangel zu einer Störung zellulärer Abwehrmechanismen und die
Bakterienabtötung innerhalb der Zelle ist vermindert. Demnach kann es nicht
richtig sein, Eisenmangel einfach als normal gelten zu lassen. Für den Nachweis
des zunächst unsichtbaren Eisenmangels ist man auf Laboruntersuchungen
angewiesen.
Kalzium
Kalziumquelle
im 1. Lebensjahr ist die Milch und ihre Produkte. Auch in der zweiten Hälfte
des 1.LJ. sollte jeder Säugling 500 ml Milch (oder Milchprodukte) zu sich nehmen.
So sind keine Probleme zu erwarten. Schwieriger wird es ohne Milch; es gibt
zwar genügend andere Kalzium-Quellen, aber es ergibt sich nicht von selbst,
daran zu denken.
Ferner
ist zu berücksichtigen, dass eine faserreiche und phytatreiche Pflanzenkost die
Resorption von Ca hemmt. Rachitis und später Osteoporose könnten die Folge
sein. Als pflanzliche Kalziumquellen seien erwähnt: Hülsenfrüchte,
Sojaprodukte, Nüsse und Mandeln, getrocknete Feigen, Sesamsamen,
Sonnenblumenkerne, dunkelgrüne Gemüse.
Zink
Das
Spurenelement Zink ist unentbehrlich für mehrere Enzymsysteme und ist wichtig
für Wachstum, Wundheilung, sexuelle Reifung, Geschmackssinn, Appetit und
Hauteigenschaften. Fleisch enthält genügend Zink, ebenso wie Käse, Eier und
Milch. Strenge Vegetarier müssen wiederum mit einer Resorptionshemmung bei
einer allzu voluminösen Pflanzenkost rechnen. Sie bekommen aber wahrscheinlich
genügend Zink mit folgenden Nahrungsmitteln: Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte,
Weizenkeime, Hafermehl, Erdnüsse, Bierhefe, Sesamsamen, Kürbiskerne,
Gemüsemais, Erbsen getrocknete Feigen u.a.
Vitamin
D
Im
ersten Lebensjahr wird bei allen Säuglingen zur Rachitisprophylaxe die Gabe von
400 E.Vit D/Tag empfohlen, damit der angenommene Bedarf von 800 E/Tag erreicht
wird. Es spielt dabei keine Rolle, ob das Kind Fleisch bekommt oder nicht.
Vitamin
B12
Vitamin
B12 in minimalen Mengen ist enorm wichtig; ein Mangel kann schwere Schäden zur
Folge haben. Das kommt bei Kindern häufiger vor als bei Erwachsenen.
B 12
ist in tierischen Produkten angereichert. Mit Milchprodukten und Eiern bekommt
ein Kind genügend Vit. B 12. Mit Rohkost bekommt es zu wenig. Rohköstler
fühlen sich trotzdem wohl, aber sie sind als Erwachsene weniger empfindlich auf
einen Mangel als Säuglinge und Kleinkinder. Deshalb kann ausschliessliche
Rohkost bei Kleinkindern nicht empfohlen werden, ohne dass dieser Frage die
nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Fermentierte Sojaprodukte (Miso, Tempeh,
Natto), Bierhefe, einige Meeresalgen und andere Spezialitäten sind
unzuverlässige Lieferanten. Ferner spielt die enterale Eigenproduktion durch
Bakterien eine Rolle, auf deren vollständige Klärung wir noch warten.
Wo
sind die Grenzen?
Eine
laktovegetabile Kost ist gut zu verantworten. Strengere Diäten
(Schnitzer-Rohkost, Makrobiotik und andere) sind schwieriger zu beurteilen,
weil das Risiko einer Mangelernährung und daraus folgender Schäden kaum
kalkuliert und kontrolliert werden kann. Solche Schäden sind dokumentiert. Es
ist nicht zu verantworten, eine Kostform, die dem Erwachsenen genügen mag, auf
Säuglinge und Kleinkinder anzuwenden.
Praktische
Empfehlungen für eine ovo-laktovegetarische Kost:
Geburt
- 9. Monat
-
Muttermilch ist die Idealnahrung für die ersten 6 Monate.
- Bei
Muttermilchmangel adaptierte bzw. teiladaptierte Kuhmilchpräparate.
Selbsthergestellte
Milchzubereitungen erreichen nicht die Qualität der industriell
adaptierten
oder teiladaptierten Säuglings Milch, deren Zusammensetzung mit grossem
Aufwand
optimiert wurde. Als Ersatz für Kuhmilch kommen Sojamilchpräparate in Frage.
- Die
Trinkmenge beträgt während 4 Monaten ein Sechstel des Körpergewichtes (150 -
180
ml/kg),
obere Grenze bei 1 l/Tag.
- Die
Reduktion der Trinkmenge erfolgt individuell (!), aber bis Ende des 1. LJ.
sollten 500 ml Milch/Tag getrunken werden.
-
Rachitisprophylaxe: 400 I.E. Vit.D täglich ab 4 Wochen bis 1 Jahr.
-
Beikost:
ab 4
Monate kann allmählich eine Löffelmahlzeit eingeführt werden, beginnend mit
einem halben Teelöffel Gemüsebrei (Karotten, Kartoffeln), Früchtebrei (reife
Bananen, Pfirsiche, Mangos, Avocados, alle zerdrückt, oder sehr fein geraffelte
Äpfel, Birnen), oder glutenfreiem Getreidebrei (Hirse oder Reisflocken). Es
wird immer nur ein neues Nahrungsmittel aufs mal eingeführt und die Reaktion
beobachtet; der Darm muss sich jeweils wieder neu einstellen.
Allmählich
und dem einzelnen Kind angepasst wird die Menge gesteigert, entsprechend wird
die Milchmenge reduziert. Von Kind zu Kind sind erhebliche Unterschiede im
Essverhalten sichtbar. Die Zufriedenheit des Kindes und seine Gedeihkurven
bestätigen den richtigen Weg. Ab 5 Monaten könnte es so aussehen, dass zu drei
Trinkmahlzeiten eine Breimahlzeit kommt, ab 6 Monaten könnten es zwei Trink-
und zwei Breimahlzeiten sein. Vollkornbrei ist jetzt erlaubt, ebenso ein Eigelb
im Brei.
Unverdünnte
Kuhmilch ist frühestens nach 6 Monaten zugelassen, jedoch erst mit 8
Monaten
zu empfehlen.
Die
Eisenzufuhr kann verbessert werden durch Eigelb (ab 5. Lebensmonat 2 x/Woche)
oder/und durch eisenreiche Gemüse (Spinat / Mangold / Fenchel / Schwarzwurzeln
/ Randen / Kohlrabi).
Mit 8
Monaten kommen gekochte und zerdrückte Bohnen dazu, pürierte Linsen,
zerdrückter
Tofu, Erdnussbutter, fein gemahlene Nüsse und Samen, Weizenkeime,
Hüttenkäse,
Joghurt, Hartkäse und Quark (auch wenn dieser nach Meinung von Experten wegen seines
hohen Eiweissgehaltes im 1. Lebensjahr nicht zu empfehlen sei).
Mit 9
Monaten wird vielleicht nur noch einmal gestillt. Dafür sind Nahrungsmittel
interessant, die von Hand gegessen werden: Brot, Zwieback, Apfelstücke,
Karotten usw.
Allmählich
wird das ganze Angebot eingeführt, ein Tagesbeispiel könnte so aussehen:
-
Frühstück:
Vollkornschoppen
oder Vollkornbrei (200-250g) mit Vollmilch zubereitet,
Vollkornbrot
/ Margarine / Honig oder Quark/Käse
-
Vormittag:
Obst
-
Mittag:
Gemüse
(100 - 150 g), Kartoffeln (-püree) (50 - 100 g), ein Ei, Fruchtsaft (1 dl)
-
Zvieri:
Joghurt
(180 g) oder Quark (125 g), Früchte, Vollkornzwieback oder Vollkornflocken mit
Joghurt
-
Abendessen:
Vollkornbrei
(200 -250 g) mit Früchten, oder Müsli, oder Gemüse mit Quark, Käse oder Tofu.
- Als
Getränke Tee, Fruchtsäfte, Milch.
Zusammenfassung
Ich
möchte davon ausgehen, dass es für eine natürliche, menschengerechte Ernährung,
die ohne das Töten von Tieren auskommt, weder ein abgeschlossenes Studium, noch
dicke Bücher, noch einen Computer für komplizierte Berechnungen braucht.
Vielmehr denke ich, dass der gesunde Menschenverstand genügen sollte, grobe
Fehler zu vermeiden. Diejenigen, die daran denken, auf das Essen von Fleisch
zu verzichten, vielleicht gerade mit einem Kind, möchte ich dazu ermuntern,
diesen Schritt zu tun. Dieses Merkblatt sollte gezeigt haben, dass eine
ausgewogene laktovegetabile Ernährung problemlos ist, und dass man deswegen
nicht dauernd überlegen muss, ob jetzt dies oder jenes zu kurz kommen könnte.
Diejenigen,
die sich von tierischer Nahrung schon ganz entfernt haben, möchte ich ermahnen,
ihre eigenen Grenzen nicht mit den Grenzen ihres Kindes zu verwechseln. Sie
sollten sich näher mit Ernährungslehre beschäftigen, um ihren Kindern nicht zu
schaden. Wir müssen zu Kompromissen bereit sein! Der Weg zur vegetarischen
Ernährung scheint vorgezeichnet zu sein und bedarf in unseren Breitengraden
einer langsamen Entwicklung; ein überstürztes Vorgehen ist anfällig für
Rückschläge.
Quellen:
-
Bruker M.O. : Vit. B 12
-
Elliot R. : Vegetarische Küche
-
Ernährungskomission der schweizerischen Gsellschaft für Pädiatrie: Empfehlungen
für die Säuglingsernährung
-
Grüttner Rolf: Die alternative Ernährung des Kindes, Vorzüge und Risiken
-
Hambidge K.M : The Role of Zinc and Other Trace Metals
-
Hanning Rhona et al. : Unconventional Eating Practices and Their Health
Implications
-
Haschke F. : Eisenmangel - verhindern oder behandeln?
-
Kaiser M. und Leitzmann C. : Bietet die sog. alternative Ernährung Vorteile?
-
Leitzmann C. :Vegetarische Ernährung
-
Lentze M.J. : Vegetarische Ernährung und Aussenseiterdiäten im Kindesalter
-
Oski F.A. : Iron Deficiency - Facts and Fallacies
-
Seiler Hp. : Nahrung als Heilmittel
-
Sussman V. : Die vegetarische Alternative
-
Vyhmeister Irma et al. : Safe Vegetarian Diets for Children
-
Woodruff C.W. : Iron Deficiency in Infancy and Childhood