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Und: Atomwaffen sind zu ächten und zu vernichten, denn sie können nur vernichten. Wer mal im Museum in Hiroshima oder Nagasaki war und da keine Tränen in den Augen hatte, ist emotional tot.
Als am 6. August 1945 die Atombombe auf Hiroshima fällt, wird die Familie des 7-jährigen Issey Miyake bis auf seine Mutter ausgelöscht. Sie arbeitet noch vier Jahre lang als Lehrerin, dann erliegt auch sie den Folgen der Strahlung.
Issey erlebte die Zerstörung seiner Heimatstadt von seinem Klassenzimmer aus. Geblieben ist ihm von jenem Tag eine Knochenmark-Erkrankung. Darüber geredet hat er nur ungern. Sein Lebensziel war, alle Zerstörung vergessen zu machen. «Kleidung heisst auf Japanisch Hifuku. Und Hifuku heisst auch Glück», sagte er einmal.
Als Kind frass er sich durch ausländische Modemagazine und wollte Tänzer werden. Die japanische Kultur, erzählte er der «Vogue», sei damals ausgelöscht gewesen. «Meine Generation in Japan lebte in der Schwebe. Wir waren die Ersten, die wirklich mit Hollywood-Filmen und Hershey-Riegeln aufgewachsen sind, die Ersten, die nach einer neuen Identität in einer anderen Richtung suchen mussten. Wir träumten zwischen zwei Welten.»
Issey Miyake übersetzte sein Träumen in Mode. In eine Mode, die heute noch einzigartig ist und die alles zu überbrücken vermag, nicht nur zwei, sondern viele Welten, Zeiten, Grenzen und Geschlechter. Er war der modische Universalgelehrte, der Architekt einer Zukunft, die genau so auf Erden wie auch auf einem fernen Stern im All stattfinden könnte.
Es passt dazu, dass sein berühmtestes Stück der schwarze Pulli von Steve Jobs war, der mit dem halbhohen Rollkragen und der Ziernaht auf der Vorderseite. Jobs liebte ihn und bestellte bei Miyake «ein paar». Der Designer lieferte hundert. Der Pulli ist maximal minimalistisch, minimal futuristisch und eine Erinnerung an die erste grosse Lehrzeit des Designers Ende der 60er-Jahre in Paris, als er die Streetwear während der Studenten-Unruhen studierte und damit auch die Mode der Pariser Existenzialistinnen und Existenzialisten.
Sein bestes Stück war der Pulli selbstverständlich nicht und auch nicht besonders typisch für seine Mode. Seine besten Stücke waren zwei Ideen: das «One-Piece-Cloth», also ein Kleid, das aus einem einzigen Stück Stoff genäht ist; und das komplett exaltierte Plissieren.
Die Idee zum One-Piece-Cloth fand er in den Togen der Antike, in afrikanischer Kleidung, im indischen Sari und im japanischen Kimono. Er schuf daraus universale Körperhüllen, die selbst zu einer Art Zweitkörper wurden. Verbunden waren Mensch und Kleid durch die Bewegung, die für den Designer bis zuletzt zentral blieb.
Menschen lebten. Kleider lebten auch. Beide durften einander nicht beeinträchtigen, sie sollten sich ergänzen. Material war nicht nur materiell, sondern poetisch. Seine Kleider waren zwar voluminöse Skulpturen, aber federleicht und so beweglich wie ein Traumfänger im Wind.
1980, als er seine Lehrjahre in Paris und New York längst hinter sich hatte und seit zehn Jahren von Kyoto aus arbeitete, wandte er die Plissiertechnik an, Kleider wurden in Übergrössen genäht und dann mittels (chemisch erzeugter) Faltenlegung auf ihre eigentliche Grösse reduziert. Plisséfalten leiern nicht aus und erlauben weitere Möglichkeiten von Bewegungsspielereien. Weshalb Issey Miyake auch das Frankfurter Ballett mit Kostümen ausstattete. Er war ein Fan. Und tauchte eines Tages mit Abfallsäcken voller Kleidern beim Ballettchef William Forsythe in Frankfurt auf.
Neben der Mode wurde er auch als Parfumkreateur weltberühmt. Sein L'eau d'Issey klingt ausgesprochen wie Odyssee und steht noch einmal für die schwebende Suche nach einer alles heilenden Schönheit, der er sich sein Leben lang aussetzte.
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