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Männchen mit geweihartig vergrösserten Mandibeln.

Foto: Uwe Schiewe

Dem Weibchen fehlt "das Geweih".

Foto: Thomas Reich (WSL)
Der grösste und auffälligste Käfer der Schweiz erhielt seinen Namen aufgrund des "Hirschgeweihs". Dabei handelt es sich um stark vergrösserte Mundwerkzeuge (Mandibeln), die jedoch nicht mehr zur Nahrungsaufnahme dienen. Dem Weibchen fehlt das "Geweih", weshalb weibliche Tiere oft erst auf den zweiten Blick als Hirschkäfer erkannt werden. Die Hirschkäfer sind trotz ihres beeindruckenden Aussehens harmlos. Wenn man Tiere in die Hand nimmt, können sie jedoch mit den Mandibeln zwicken.
Männliche Hirschkäfer werden bis 8 cm gross (inkl. Zangen), wobei die Grösse je nach den
Lebensbedingungen der Käfer beträchtlich schwankt. Die Weibchen erreichen 3 bis
4 cm.
Der Hirschkäfer kommt in weiten Teilen Süd- und Mitteleuropas vor. Im
Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis zum Baltikum, nach Südschweden und
England. In der Schweiz besiedelt der grosse Käfer nur die wärmsten Regionen.
Neben dem Tessin und den Bündner Südtälern lebt Lucanus cervus im Wallis, am Genfersee, am westlichen Jurasüdfuss,
in der Region Basel sowie in einigen Föhngebieten der Deutschschweiz. Im
Mittelland fehlt er weitgehend.
Hirschkäfer leben in alten Eichen- und Eichenmischwäldern, die einen gewissen
Anteil an Totholz bzw. absterbenden dicken Bäumen aufweisen müssen. Daneben findet man den Käfer
auch in alte Parkanlagen, Gärten oder Obstplantagen. Die Lebensräume befinden
sich oft an südexponierten bzw. wärmebegünstigten Lagen.

Verbreitung des Hirschkäfers in der Schweiz: Beobachtungen

vor 2000 (orange) und nach 2000 (rot). Stand: 01.12.2009.
Copyright CSCF.

Die Engerlinge des Hirschkäfers sind leicht mit anderen Käferlarven zu verwechseln.

Foto: H. Rothacher, Aigle (Wikipedia GNU Free Documentation License)
Erwachsene Hirschkäfer findet man von Anfang Juni bis etwa Mitte August. Sie sind dämmerungsaktiv und beginnen erst bei Einbruch der Dunkelheit herumzufliegen. Der Flug dieser "dicken Brummer" ist nicht besonders elegant. Ziel der Käfer sind so genannte "Hirschkäfertränken". Das sind offene Baumwunden, aus denen gärende Säfte austreten. Die Käfertränken entstehen durch Verletzungen und Pilzbefall an Bäumen. An den Baumwunden finden sich oft größere Ansammlungen von Käfern, aber auch Schmetterlinge und andere Insekten, z.B. Hornissen, werden durch den Baumsaft angelockt.
Um Rivalen zu vertreiben, die ihnen den begehrten Baumsaft streitig machen, versuchen die Hirschkäfermännchen, ihre Konkurrenten mit den Geweihzangen vom Baum zu stossen. Diese Rivalenkämpfe dienen aber vor allem dazu, den stärksten Käfer zu ermitteln, der sich danach mit dem Weibchen paaren darf. Die Kämpfe der Hirschkäfer beabsichtigen nicht den Tod oder die Beschädigung des Unterlegenen.
Das Weibchen legt seine Eier an die Wurzeln von toten oder absterbenden Bäumen oder unter halb im Boden liegende Stammstücke. Es gräbt sich dazu in der Nähe der Brutbäume in den Boden ein und legt die Eier ans Wurzelholz oder an morsche Baumstümpfe. Die Larven der Hirschkäfer können sich nur in stark von Pilzen zersetztem Holz entwickeln und befallen kein frisches Holz. Sie richten in Wald und Garten keine wirtschaftlichen Schäden an.
Die bis 10 cm langen Käferlarven "schroten" das verpilzte, morsche Holz zu Mulm. Hirschkäfer werden deshalb in verschiedenen Gegenden auch Schröter genannt. Das Schroten des Holzes ist humusbildend, es entwickelt sich nahrstoffreicher Waldboden. Weil die Cellulose des Holzes sehr nährstoffarm ist, dauert die Entwicklung bis zum fertigen Käfer sehr lang. Je nach Holzqualität braucht es 5-7 Jahre, bis endlich der eigentliche Käfer schlüpft.
Hirschkäfer sind stark gefährdet und europaweit geschützt. Grund für den Rückgang ist die Zerstörung des Lebensraums, beispielsweise durch zu intensive Forstwirtschaft. Wirtschaftswald ist meist zu dicht bestockt, als dass der Hirschkäfer hier einen geeigneten Lebensraum finden würde. Es gibt zu wenig alte, dicke, anbrüchige Bäume und Strünke. Lucanus cervus benötigt grosse, lichte Eichenwälder mit einer Mindestmenge an totem Holz. Das Anpflanzen nicht lebensraumtypischer Gehölze in grossem Stil oder Kahlschläge stellen eine erhebliche Gefährdung dieses imposanten Käfers dar.

Förderungsmöglichkeiten

Seitdem
die Förster in den Wäldern wieder vermehrt tote Stämme und Stümpfe liegen lassen
und alte Eichen schonen, zeichnet sich eine langsame Erholung der ausgedünnten
Populationen ab. Diese Tendenz könnte aber durch verstärkte Energieholz-Nutzung wieder umgekehrt werden.
Man hat beobachtet, dass Hirschkäfer ihre Eier nicht nur im Wald, sondern vermehrt auch in
die Restholzlager der Sägewerke, an Eisenbahnschwellen oder sogar in die
Komposthaufen der Gärten legen. Wie die Nashornkäfer scheinen sie sich damit an
durch den Menschen veränderte Bedingungen anzupassen. Allerdings werden beim Verwerten dieser Substrate die darin befindlichen Larven häufig vernichtet.
Hirschkäfer lassen sich am ehesten an warmen Sommerabenden nach Einbruch der Dämmerung beobachten. Häufig fliegen die Käfer künstliche Lichtquellen wie Strassenlampen oder offene Feuer an. Tagsüber bestehen die grössten Chancen, wenn man auf alten Eichen nach austretenden Saftstellen sucht.
Wenn Sie Hirschkäfer beobachten, so melden Sie Ihren Fund bitte an das Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna (CSCF).