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An der Balkendecke hängen Lüftungsrohre und Leuchtelemente. Vor dem Sichtmauerwerk steht ein braunes Ledersofa. Dahinter reiht sich Holztisch an Holztisch – jeder mit einem Bildschirm auf der Platte. Anina Torrado (41) ist morgens um 7 Uhr die erste Kundin im Co-Working-Space Semilla in Medellín (Kolumbien). Kaum hat sie sich an einem der Tische eingerichtet, wird ihr ein Cappuccino serviert – ohne dass sie ihn bestellt hätte. In der kolumbianischen Bürogemeinschaft kennt man die Vorlieben der Frühaufsteherin aus der Schweiz. «Das gefällt mir», sagt die Ostschweizerin, «es gibt mir das Gefühl dazuzugehören.»
Anina Torrado ist digitale Nomadin. Sie reist von Stadt zu Stadt, bleibt jeweils einige Monate; lebt in Wohnungen, die sie über Airbnb mietet, und arbeitet meist in Co-Working-Spaces oder Cafés. Ihre Kunden sitzen in der Schweiz – etwa das Migros-Kulturprozent: Bei sozialen Projekten verantwortet sie im Mandatsverhältnis die Kommunikation. Die Bewegung moderner Weltenbummler stammt aus den USA und hat mit wachsender Bedeutung der digitalen Kommunikationsmittel Zulauf erhalten. Sie leben einige Wochen oder Monate in Kapstadt, Lissabon, Chiang Mai oder Mexiko City und arbeiten für ihre Kunden auf der ganzen Welt, um bald weiterzuziehen – etwa nach Medellín.