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Kaspar Jodok von Stockalper und Napoleon: Beide Namen sind untrennbar mit dem Simplon verbunden, der Verkehrs-Verbindung zwischen der Schweiz und Italien.
Seit 200 Jahren führt Napoleons Strasse über den Simplon, seit 100 Jahre besteht der Eisenbahntunnel. Die Geschichte des Passes geht aber viel weiter zurück.
Nach dem Zeitalter der Römer, das belegen zahlreiche historische Dokumente, war die Strasse über den Simplon die Verbindungsbrücke zwischen der Poebene und dem Rhonetal, zwischen Italien und der Schweiz, für den Handel und für den Transport militärischer Güter.
Der langen Beziehungsgeschichte zwischen den beiden Ländern wird offiziell am 19. und 20. Mai gedacht. Und die beiden Städte Domodossola (Italien) und Brig (Schweiz), die Veranstaltungsorte der Jahrhundert-Jubiläums-Festlichkeiten, haben bereits letztes Jahr damit begonnen, in dem sie Partnerstädte wurden, ein Zeichen der Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden und ihren Bevölkerungen.
Die lange Geschichte dieses Passes ist auch verbunden mit illustren Namen, Schriftstellern, Reisenden und Feldherren. Und unter den Namen, die dem Pass zur Bekanntheit verhalfen, befindet sich, wie man noch lesen wird, auch ein Schweizer.
Es waren einmal die grünen Weiden
Die Geschichte des Simplons verliert sich im Laufe der Zeiten. Schon in prähistorischen Zeiten war das Simplongebirge zuerst Jagd- und dann Weidegrund. Unter der Kontrolle Leponzen, der Bevölkerung der Lepontiner Alpen (Südseite des Simplona) wurde der Pass zur Hauptverbindung zwischen dem Wallis, Italien und Mitteleuropa.
Bereits der römische Kaiser Settimo Severo (196 n. Chr.) verlangte eine Strasse über den Simplon, welche die römischen Provinzen dies- und jenseits der Alpen miteinander verband. Die römische Zeit war also die erste Epoche, die für die Simplon-Gegend eine goldene Ära bedeutete.
Der Niedergang des römischen Reiches wirkte sich auch auf die Passstrasse aus: die mangelnde Wartung verursachte eine Abnahme bis ins frühe Mittelalter. Aber auch in den Kälteperioden behielt der Simplon seine Funktion als Transitweg, weil die anderen Alpenübergänge nicht mehr passierbar waren.
Baron Stockalper, der "König des Simplon"
Obgleich das 16. Jahrhundert ein eher finsteres Zeitalter war, nahm der Verkehr über den Simplon um 1630 zu, da der Alpenübergang als Verbindung zwischen Nord- und Südeuropa zunehmend wichtiger wurde. Der Briger Kaufmann Kaspar Jodock von Stockalper war dabei der wichtigste Akteur.
Als Abkömmling einer reichen Briger Familie mit italienischen Wurzeln wurde Stockalper schon sehr jung Notar und öffentlicher Schreiber. Er nutzte die Wirtschaftslage des Dreissigjährigen Krieges geschickt aus, brachte das Salzmonopol im Wallis in seine Hand und organisierte Verkehr und Transport über den Simplonpass, indem er einen Saumweg errichten liess. Weiter trieb er Export- und Importhandel im grossen Stil.
Er betrieb im Wallis auch eigene Blei-, Kupfer und Gold-Bergwerke. Stockalper wurde auch Bankier und Grossunternehmer und liess viele Häuser und Warenlager bauen. So wurde er zum Sinnbild eines neuen Zeitalters im Wallis.
Seine weiten Reisen verschafften ihm Geschäfts-Beziehungen von Spanien bis Flandern. Sein Reichtum und sein Erfolg trugen ihm den Namen "König des Simplon" ein. Gleichzeitig schuf er sich aber auch viele Feinde.
Saumtiere und Postservice
Stockalpers wichtigster Erfolg, was die Beziehungen der Schweiz zu Italien betrifft, war die Wiedereinrichtung des mittelalterlichen Saumwegs über den Simplon, der auch den Namen "Stockalperweg" erhielt. Der Pass wurde einer der wichtigsten Passagier- und Handleswege zwischen Nord- und Südeuropa.
Die von Stockalper geförderten Arbeiten ermöglichten auch die Entwicklung eines effizienten Postservices, den Verkehr von fahrenden Musikern, Bettelmönchen und wahrscheinlich auch Kirchen-Kurieren. Stockalper hatte begriffen, dass die Einrichtung eines fixen Postdienstes dem Handel sehr förderlich war.
Weiter institutionalisierte er einen Pferdekurier, der Briefe von Genf nach Mailand beförderte, im Sommer innert acht Tagen, im Winter in 10 Tagen. Entlang der neuen Simplonstrasse liess er Poststationen mit Pferdeställen errichten. Zudem erlaubten fixe Abkommen während des 17. Jahrhunderts einen kontinuierlichen Postdienst über den Simplon.
Von Napoleon zum Orient-Express
Der Bau einer richtigen Strasse zwischen dem Genfersee und dem Lago Maggiore führte durch das Rhonetal und über den Simplon. Er wurde durch Napoleon Bonaparte vorangetrieben – vor allem aus militärischen Erwägungen.
Die Arbeiten begannen 1801 und wurden in der Rekordzeit von weniger als 5 Jahren vollendet. Dazu gehörte auch ein 222 Meter langer Tunnel. Sein Bau dauerte 15 Monate und beschäftigte rund 1200 Arbeitskräfte.
Die 60 Kilometer lange Militärstrasse hatte schlussendlich 611 Brücken und 7 Felsgalerien. Sie galt als Meisterleistung der damaligen Ingenieur-Kunst.
Mailand als Hauptstadt der Cisalpinischen Republik hatte damit eine direkte Verbindung zu Genf und Paris.
Und zum Schluss wurde der Simplon auch eisenbahntechnisch erschlossen. Am 19. Mai 1906 wurde der Tunnel unter dem Pass als längster Eisenbahntunnel der Welt eröffnet. Dies bedeutete auch "freie Fahrt für den Orientexpress", den berühmtesten Zug der Eisenbahngeschichte.
swissinfo
In Kürze
Der Simplon-Tunnel feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag. Er wird mit offiziellen Feiern und zwei Sondermarken der Schweizer Post begangen.
Der Simplon-Tunnel wurde in zwei Phasen gebaut: die erste Röhre von 1898 bis 1905, die zweite von 1912 bis 1921.
Für lange Zeit war der Simplon mit seinen 19,8 km Länge der längste Gebirgstunnel der Welt. Heute werden die beiden Röhren täglich von über 100 Zügen befahren, welche die Schweiz mit Italien verbinden.
Fakten
1893: Die Jura-Simplon-Kompanie beschliesst das Eisenbahntunnel-Projekt
1895: Unterzeichnung des internationalen Simplon-Vertrags zur Lancierung des Tunnels in Bern
1989: Beginn der Arbeiten
1899, 1901: Streik der Tunnelarbeiter
1905: Durchstich
1906: Einweihung des Tunnels