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Gasterenthal
(Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen). 1875-1260 m. Längsthal im Finsteraarhornmassiv, dem oberen Abschnitt des Lötschenthales parallel von O. nach W. in der Richtung der Hauptkette eingeschnitten, zwischen dieser und den ihr vorgelagerten Gruppen der Doldenhörner und Blümlisalp. Es ist die Fortsetzung des von den Eismassen des Tschingelgletschers und Kanderfirns ausgefüllten Einschnittes, dessen höchste Erhebung bei der Gletscherinsel des Mutthorns (3041 m) die Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der Lütschine und der Kander bildet.
Die Länge des
Thales beträgt vom Ende des
Kanderfirns (auch Alpetligletscher geheissen) bis zum Austritt der
Kander in den
Boden von
Kandersteg 11 km, wozu noch der bis zur Wasserscheide hinauf 5 km lange
Kanderfirn zu rechnen
ist. Seine grösste Breite erreicht das Thal mit 1 km beim
Gasterenholz. Das
Gasterenthal gehört zu den grossartigsten Hochgebirgsthälern
der
Alpen, in das man vom sog.
Stock (am Gemmipassweg) aus einen besonders prächtigen Einblick gewinnt.
Den Eingang ins
Gasterenthal bildet die zu hinterst im Thalgrund von
Kandersteg im sog.
Eggenschwand sich
öffnende finstere und enge
Klus, die sich thalaufwärts als wilde
Schlucht fortsetzt, durch welche die
Kander in prächtigen
Fällen und Stromschnellen über mächtige Felsriffe und Blöcke sich Bahn bricht. In 20 Minuten führt der Saumpfad zum
flachen Thalgrund des
Gasterenholz, einer von spärlichem
Wald bestandenen und von hohen Felswänden umschlossenen
Wiesenfläche. An der rechten Thalseite steigen die vom
Fisistock und weiterhin vom
Doldenhorn gekrönten gewaltigen Felsterrassen
auf, an der linken Thalseite die in der
Altels und im
Balmhorn gipfelnden Hänge, über die zahlreiche Gletscherbäche in Kaskaden
zu Thal stürzen. Unter diesen sind die
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bedeutendsten der die Schmelzwasser des Schwarz- oder Zagengletschers sammelnde Schwarzbach, dann der Abfluss des zwischen Tatlishorn und dem n. Ausläufer der Altels eingebetteten unbenannten Hängegletschers und endlich die dem Balmhorngletscher entströmenden Bäche.
Eine kleine Stunde hinter Gasterenholz verengert sich das Thal, um aber oberhalb einer bewaldeten Thalstufe wiederum sich zu einer breiten Thalsohle zu weiten, die mit schönen Alpweiden (Brandhubel- und Selden- oder Gasterenalp) bestanden und durch braune Sennhütten belebt ist. Hier zweigt sich an der Einmündung des vom Lötschengletschers herabkommenden Leitibaches nach S. der Lötschenpassweg ab, um in scharfer Steigung das vergletscherte Joch zwischen Balmhorn und Hockenhorn zu gewinnen.
Von Selden an biegt das Thal nach NO. um, und man erreicht nach 20 Minuten die in seinem obersten Abschnitt gelegene Alp
Heimritz (1620 m), über der sich die fast senkrechten Granitwände des Hockenhorns erheben. Der Pflanzenwuchs wird spärlicher
und macht allmählig Geröll und Felstrümmern Platz. Bald betritt man die gewaltige Kandermoräne, von
der aus man über den den Thalabschluss bildenden steilen und zerklüfteten Alpetligletscher in 2 Stunden die Höhe des Kanderfirns
und in zwei weiteren Stunden die Mutthornhütte des S. A. C. (7½ Stunden über Kandersteg) gewinnen kann. Wie die Entvölkerung
des Thales beweist, ist die Vegetation im
Gasterenthal gegen früher zurückgegangen. Im Gasterenholz finden
sich noch Fichten, Erlen, Salweiden und Vogelbeersträucher, weiter oben auf der zweiten Thalstufe noch Wäldchen von Rottannen
und Gruppen von Lärchen und Arven. Der letzte Bär wurde am Ende des 18. Jahrhunderts auf dem Lötschengletscher erlegt.
Die Basis der hochaufgetürmten
Jura- und Kreidewände des Doldenhorns u. Balmhorns und der Kern des Lötschenthalgrates
besteht im Hintergrund des
Gasterenthales aus einem Massiv echten Granites, sog. Grundgranites, der vom Brandhubel (bei den
Häusern von Gasteren) bis unterhalb der Alp Dolden zieht, wo er von einem Band von Quarzsandstein (Verrucano) und weiterhin
von Rötidolomit überlagert ist. Im obern Teil des Alpetligletschers taucht der Granit unter die Kalkmassen
des Fründenhorns zur Tiefe, bildet aber s. von diesem Gletscher das ganze linksseitige Thalgehänge bis hinauf zum Lötschenpass.
In den Gipfeln des Hocken-, Sack- und Birghorns auf dem Kamm des Lötschenthalgrates wird er von dünnen Bänken von eingelagertem Verrucano, Rötidolomit und Kalk und zu oberst von krystallinen Schiefern bedeckt, tritt aber in den s. Seitenthälern (Golnbach-, Mühlebach-, Telli-, Ausser- und Innerthal) überall zu Tage. Der Gasterengranit ist ein ächtes, nicht geschiefertes, in dicken Bänken und schaligen Absonderungen auftretendes Massengestein, das in den verschiedensten Richtungen zerklüftet ist.
Diese Absonderungsklüfte stehen meist senkrecht und streichen in sehr steilem Winkel vorherrschend NW.-SO.
Petrographisch ist der Gasterengranit ein Gemenge von weissen und graulichen Feldspäten, braunem u. grünem Glimmer und
glasigem Quarz. Oft ist der Feldspat auf weite Strecken hin von schön pfirsichblütroter Farbe. Vielfach sind Talkblättchen
und talkig-schiefrige Absonderungen im Granit mit eingeschlossen. In den erratischen Schuttmassen und
den Flusskiesen am rechten Aareufer und im Gürbethal sind die Blöcke und Geschiebe von Gasterengranit sehr leicht von den
aus sog. Grimselgranit bestehenden zu unterscheiden. Beide Seitengehänge des untern Abschnittes des
Gasterenthales sind
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bemerkenswert durch die zahlreichen zickzackförmigen Falten der Jura-, Kreide- und Tertiärschichten am Fisistock und Gellihorn. Vergl. Fellenberg, Edm. Itinerarium für das Exkursionsgebiet des S. A. C. für 1882-1883. Bern 1882. - Stettler, Karl. Das Frutigland. Bern 1887.