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Hans Widmer, 73, hat es oft getan. Als Chef von McKinsey & Co. in der Schweiz hat er mit der Gemeinkosten-Wertanalyse, einem Goldesel von McKinsey, zum Abbau von zehntausenden von Arbeitsplätzen beigetragen. Seinem Lebensgenuss, dem fortlaufenden Staunen, hat er nun ein Buch gewidmet („Modell des konsequenten Humanismus“, Rüffer & Rub), das ob seiner Mechanik von niemandem ausser Widmer verstanden wird. Der Ingenieur und Modell-Stratege „marthalert“ offensichtlich. Er hat sich eine eigene Welt geschaffen, weil ihm keine der gegenwärtigen gefällt.
Urs Rohner tut es schon einige Zeit. Als VRP der Credit Suisse Group übernimmt er schmunzelnd (siehe „Bulletin“ Nr. 5/2013, S. 25) die Verantwortung, das vom Schweizer Volk via Nationalbank gerettete Geldhaus zu redimensionieren. Rohner sagt: „Das waren zum Teil für die Mitarbeiter schmerzhafte Prozesse, die aber nötig sind.“
Gut fünf Jahre nach der US-Immobilienkrise, die eine Weltfinanzkrise ausgelöst hat, weil viele Staaten ohnehin schon hoch verschuldet waren, fordert Rohner: „Man wird wohl auch nicht um eine gewisse Vergemeinschaftung der Schulden herumkommen.“ Konkret heisst dies: Mittelstand zahle, denn die einen wollen nicht und die anderen können nicht.
In diesem Fall lohnt es sich, Thomas Jefferson zu erinnern, der schrieb: „Ich denke, dass Bankinstitute gefährlicher als stehende Armeen sind. Wenn die amerikanische Bevölkerung es zulässt, dass private Banken ihre Währung herausgeben, dann werden die Banken und Konzerne, die so entstehen werden, das Volk seines gesamten Besitzes berauben, bis eines Tages ihre Kinder obdachlos auf dem Kontinent aufwachsen, den ihre Väter einst eroberten.“ Diesen Zustand haben gut 40% der US-Bevölkerung jetzt erreicht. In Europa ist der bürgerliche Wohlstand weitgehend zusammen gebrochen. In der Schweiz, wo gegen 60% der Bevölkerung direkt und indirekt weitgehend von staatlichen Leistungen abhängig sind, zeichnet sich, verlangsamt, die gleiche Tendenz ab.
Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, weiss: „Es gibt heute einfach keine ernsthafte Alternative zum Kapitalismus. Und der Kapitalismus, der wächst.“ Sein Vorgänger Beat Kappeler ergänzt: „Es fehlt mir nicht das Vertrauen in den Kapitalismus, sondern in den gepfuschten Kapitalismus, in dem wir leben.“
„Gepfuschter Kapitalismus!“ gibt es das? Im Detail nachzulesen in der jüngsten Ausgabe des „Schweizer Monat“, der unter der Leitung von René Scheu einen erfreulichen Aufschwung genommen hat.
Besser zu verstehen lernte man Dr. h.c. Beat Kappeler, als er am 10. Dezember, also hoch aktuell, bei Dr. Olaf Böhme vor der Schweizerischen Gesellschaft für Ideen- und Innovationsmanagement (<email-pii>) in Zürich sprach. Dort sagte er: „Seit einigen Jahrzehnten werden die Probleme unseres Landes eher übertüncht als gelöst.“ Im Gange seien „Überschuldung einerseits und Versklavung anderseits“ aufgrund einer grenzenlosen Ausdehnung der Rechte nach innen („enfranchising“), verbunden mit „Roll back“-Strategien, die seit 30 Jahren in den USA, Kanada, Britannien und Schweden im Gange sind.
Die Schweizer fühlten sich, wie die Amerikaner, als „Land oft the free“. Dem stehe entgegen, dass zunehmend Freiheitsrechte gegen Sicherheit eingetauscht würden. Vermögen für alle, gegen die herrschende schiefe Vermögensverteilung, seien weder durch Banksparen noch durch AHV erreichbar, sondern alleine „durch das Sparen der Unselbständigen“ erzielbar.
Was haben uns Widmer, Rohner, Jefferson, Lampart und Kappeler heute zu sagen? Die Welt kann offensichtlich mit den Mitteln der Schweiz nicht (mehr) verbessert werden. Einzig handlungsfähig sind die kapitalstarken Finanzgruppen, Handelsfirmen und Industriekonzerne. Die Weltverbesserungs-Schweiz des 19. Jahrhunderts beruhte auf freiheitlichen Anstössen, die von aussen kamen. Heute heisst dieses Aussen „EU“ und, wie der Bundesrat mit seinem EuGH-Vorstoss unmissverständlich klar gemacht hat, dort liegt die Zukunft. Der Rest ist Folklore.