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Geschichte einer Nymphomanin
Der soeben auf deutsch erschienene Erstlingsroman der inzwischen berühmten französisch-marokkanischen Schriftstellerin Leïla Slimani ist skandalös und phänomenal. Dabei interessiert mich weniger die Debatte, ob das nun feministische oder postfeministische Literatur sei oder nicht. Literatur hat universell zu sein, oder sie taugt nichts. Hier sind fünf Gründe, «All das zu verlieren» zu lesen:
Die elegante Lakonie von Slimanis Prosa entfaltet eine Sogwirkung, zu der auch ihre melancholische Grundierung beiträgt.
Slimani behandelt ein Thema von universeller Bedeutung: Die Sorge, nicht richtig zu leben. Die Angst des Ich, sich selbst zu verfehlen, in der Spannung zwischen konventionellem Glück und individuellem Begehren.
Diese Geschichte einer Nymphomanin ist auf paradoxe Weise auch ein Liebesroman: Adèle und Richard, das Paar, das im Mittelpunkt steht, ist verbunden durch wechselseitige liebende Sehnsucht: Jeder verkörpert für den anderen das andere Leben, das ihn anzieht.
Leïla Slimani hat erklärt, die Hauptfigur Adèle sei eine Metapher für Marokko und seine sexuelle Schizophrenie. Adèle ist aber auch eine Metapher für unsere Gesellschaft und ihre Schizophrenie der Wahrnehmung und Bestätigung über den Körper, das leibliche Begehrtwerden als Flucht und Kontrolle.
Am Ende steht die Hoffnung.