Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03221.jsonl.gz/506

Gewinnsteuer juristischer Personen
Es werden zwei Gruppen von juristischen Personen unterschieden:
- Kapitalgesellschaften (Aktiengesellschaften [AG], Kommanditaktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung [GmbH]) und Genossenschaften;
- Vereine, Stiftungen und übrige juristische Personen (öffentlich-rechtliche und kirchliche Körperschaften und Anstalten sowie kollektive Kapitalanlagen mit direktem Grundbesitz).
Kapitalgesellschaften und Genossenschaften
Diese Gesellschaften entrichten eine Steuer auf dem Reingewinn. Es gibt keine eidgenössische Kapitalsteuer.
Der Steuersatz der direkten Bundessteuer (dBSt) ist proportional und beträgt 8,5 % des Reingewinns. Ein Steuerfuss kommt nicht zur Anwendung. Die entrichtete Steuer kann abgezogen werden. Dadurch reduziert sich der effektive Steuersatz.
Beteiligungsgesellschaften – d.h. Kapitalgesellschaften oder Genossenschaften, die zu mindestens 10 % am Grund- bzw. Stammkapital oder zu mindestens 10 % am Gewinn und an den Reserven anderer Gesellschaften beteiligt sind oder deren Beteiligung an solchem Kapital einen Verkehrswert von mindestens CHF 1 Million ausmacht – geniessen eine Steuerermässigung im Verhältnis des Nettoertrags aus diesen Beteiligungen zum gesamten Reingewinn. Dieser Beteiligungsabzug wird gewährt, um eine Mehrfachbelastung durch die Gewinnsteuer zu vermeiden.
Vereine, Stiftungen und übrige juristische Personen
Vereine, Stiftungen, öffentlich-rechtliche und kirchliche Körperschaften und Anstalten entrichten auf Bundesebene in der Regel eine Gewinn- bzw. Einkommenssteuer mit einem proportionalen Steuersatz von 4,25 % des Reingewinns, sofern sie nicht aufgrund ihres gemeinnützigen, sozialen oder ähnlichen Zwecks von der Steuerpflicht befreit sind.
Dasselbe gilt für die kollektiven Kapitalanlagen mit direktem Grundbesitz. Solange der Gewinn CHF 5000 nicht erreicht, bleibt er steuerfrei.
Gewinn- und Kapitalsteuern juristischer Personen
Auch für die Kantons- und Gemeindesteuern gilt – wie für die dBSt – der Grundsatz, dass die juristische Person dort Steuern zahlen muss, wo sie ihren Sitz oder ihre tatsächliche Verwaltung hat oder aufgrund bestimmter Tatbestände als wirtschaftlich zugehörig zu betrachten ist.
Fast alle Kantone und Gemeinden sehen für die Kapitalgesellschaften und Genossenschaften eine Steuer vom Reingewinn sowie eine Steuer vom einbezahlten Grund- oder Stammkapital und den Reserven vor.
Hingegen unterliegen im Kanton UR die ordentlich besteuerten juristischen Personen beim Kapital keiner Kantonssteuer. Nur die Holding- und Verwaltungsgesellschaften entrichten dem Kanton eine privilegierte Kapitalsteuer.
Im Kanton BS unterliegen die juristischen Personen keiner Gemeindesteuer.
Die Steuer wird für jede Steuerperiode veranlagt, welche dem Geschäftsjahr entspricht.
Die Steuer vom Reingewinn wird am häufigsten mit einem proportionalen Steuersatz (fester Steuersatz) festgelegt. Der in Prozent ausgedrückte Steuersatz richtet sich manchmal nach der Ertragsintensität oder Rendite (Verhältnis Gewinn zu Kapital und Reserven):
- Proportionale Steuer (fester Steuersatz): ZH, LU, UR, SZ, OW, NW, GL, SH, AR, AI, SG, GR, TG, TI, VD, NE, GE und JU; im Weiteren FR, wo der Tarif für die Gewinne bis zu einem bestimmten Betrag (CHF 50 000) progressiv ausgestaltet ist.
- Gemischtes System, bei dem mehrere Sätze nach Ertragsintensität oder Höhe des Gewinns kombiniert werden: BE, ZG, SO, BS, BL, AG und VS.
Die in Promille ausgedrückte Steuer vom Kapital ist in beinahe allen Kantonen proportional. In den Kantonen GR und VS hingegen ist der Tarif leicht progressiv (Doppelsteuersatz).
Die Kantone haben seit der Annahme der Unternehmenssteuerreform II die Möglichkeit, die Gewinnsteuer an die Kapitalsteuer anzurechnen (Art. 30 Abs. 2 StHG). Die steuerpflichtigen Personen bezahlen somit nur den Betrag der höheren der beiden Steuern.
Die Kapitalgesellschaften, deren Erträge ganz oder teilweise aus schweizerischen und ausländischen Beteiligungen stammen (Holding- und Beteiligungsgesellschaften), kamen bis am 1.1.2020 in den Genuss von Steuerermässigungen in allen Kantonen. In der Volksabstimmung vom 19. Mai 2019 wurde das Bundesgesetz über die Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) angeommen. Dieses Gesetz führte unter anderem zur Aufhebung des kantonalen Steuerstatus für Holding-, Beteiligungs, Domizil- und gemischte Gesellschaften.
Bis zum 1.1.2020 entrichteten beispielsweise Gesellschaften, die in der Schweiz keine Geschäftstätigkeit ausüben und deren Zweck zur Hauptsache in der längerfristigen Verwaltung von Beteiligungen besteht, keine Steuer auf dem Reingewinn, sobald die Beteiligungen oder Erträge aus den Beteiligungen mindestens zwei Drittel der gesamten Aktiven oder Erträge ausmachen (Holdinggesellschaften). Mit der Gewährung dieser Steuerermässigungen soll eine wirtschaftliche Mehrfachbesteuerung vermieden werden. Die Kantone erheben für solche Holdinggesellschaften nur eine reduzierte Kapitalsteuer.
Wie der Bund besteuern auch alle Kantone den Ertrag aus dem in der Schweiz (im Kanton) gelegenen Grundeigentum ordentlich.
Als Verwaltungsgesellschaften (Domizil- und gemischte Gesellschaften) werden diejenigen Gesellschaften bezeichnet, die im Kanton nur ihren Sitz haben, dort aber keine oder nur eine untergeordnete Geschäftstätigkeit ausüben, sondern ihre Geschäfte fast ausschliesslich im Ausland abwickeln. Auch diese Gesellschaften genossen bis die Vorlage STAF am 1.1.2020 in Kraft tratt eine spezielle steuerliche Behandlung, da ihre Beteiligungserträge steuerbefreit waren, während die übrigen Einkünfte aus der Schweiz vollständig (im Fall von Nebentätigkeiten im kommerziellen oder industriellen Bereich) zum ordentlichen Tarif besteuert wurden. Einnahmen aus ausländischen Quellen wurden nach Bedeutung der Verwaltungs- bzw. Geschäftstätigkeit in der Schweiz im Verhältnis zu den gesamten Einnahmen besteuert.
Bei der Kapitalsteuer kamen bislang in den meisten Kantonen reduzierte Tarife, ähnlich oder sogar identisch denjenigen für Holdinggesellschaften, zur Anwendung.
Weiter können die Kantone auf dem Weg der Gesetzgebung für neu eröffnete Unternehmen, die dem wirtschaftlichen Interesse des Kantons dienen, während maximal zehn Jahren Steuererleichterungen in Form zeitlich befristeter, vollumfänglicher oder teilweiser Steuerbefreiungen vorsehen.
Bei den übrigen juristischen Personen (Vereinen, Stiftungen etc.) wird bei der Besteuerung des Gewinns in der Regel wie bei den Kapitalgesellschaften vorgegangen, meistens aber kommen andere Tarife zur Anwendung (häufig mit eigenem Tarif, manchmal mit dem Tarif für Kapitalgesellschaften und nur in wenigen Fällen gemäss Tarif der Einkommenssteuer der natürlichen Personen).
Alle Kantone besteuern das Kapital dieser Körperschaften. Sie sehen meistens einen anderen Tarif oder andere Steuersätze für juristische Personen als für natürliche Personen vor.
Im Rahmen der Vorlage STAF gibt es verschiedene Instrumente anhand deren der steuerbare Betrag eines Unternehmens reduziert werden kann. Einen Überblick auf die Einflüsse auf den Jahresabschluss und dei Planung bietet der Beitrag "STAF".
Minimalsteuer
Die meisten Kantone kennen eine Mindestbelastung betreffend Kapitalsteuer für Kapitalgesellschaften und Genossenschaften, deren Minimum für die Kantonssteuer je nach Kanton jährlich zwischen CHF 100 und 900 liegt. Dazu kommt allenfalls noch die Gemeindesteuer.
Um auch sogenannte nicht gewinnstrebige Unternehmen, die eine wirtschaftliche Bedeutung haben, steuerlich zu erfassen, unterwerfen die Kantone LU, SZ, OW, NW, FR, BS, SH, AR, TG, TI, VD und VS gewisse juristische Personen einer Minimalsteuer auf Umsätzen, Grundeigentum oder investiertem Kapital, welche anstelle der ordentlichen Gewinn- und Kapitalsteuern erhoben wird, sofern sie diese übersteigt.