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In den Sommern 1991 und dann 2001 haben wir den Canal du Midi befahren. Das zweite mal zusammen mit unseren Kindern - was nie ein Problem war. Dagegen kam jeweils eine gewisse Nervosität auf als es darum ging das Schiff hinauf- oder hinunter zu schleusen. Doch nach einiger Zeit waren auch diese Manöver alltäglich.
Die folgenden Abschnitte sollen allen zeigen wie schön es auf diesem Wasserweg ist. Wir haben jeweils nur den südlichen Teil des Kanals befahren. 1991 starteten wir in Beaucaire und fuhren bis Le Somail und dann wieder retour. 2001 starteten wir in Homps, oberhalb von Narbonne und fuhren bis Palavas-les-Flots.
Ein Traum von mir ist es den Kanal mal in seiner vollen Länge zu befahren. Mal sehen, vielleicht erfüllt er sich mal.
Die Bilder stammen mehrheitlich von der zweiten Reise.
Als im Mai 1681 der „Canal du Midi“ feierlich eröffnet wird, regiert König Louis XIV bereits über 20 Jahre lang. Er ist gerade dabei Versailles zu beziehen und als königliche Residenz auszubauen. Pierre Paul Riquet, Erbauer dieses einmaligen Bauwerkes, hat den Triumph nicht mehr erlebt. Er starb ein Jahr früher, erschöpft und nahezu verarmt, ohne die Beendigung seines Traumes, eines Kanals welcher die beiden Meere verbindet (Canal des Deux-Mers – wie er ursprünglich hiess), miterleben zu können.
Die Idee das Mittelmeer mit dem Golf von Gascogne in der Aquitaine zu verbinden war indes nicht neu. Bereits unter François dem Ersten (1515 – 1547) werden erste Studien erstellt. Auch später wird die Idee immer wieder aufgebracht, scheitert aber schlussendlich immer wieder an der Frage, woher das Wasser für diesen Kanal herkommen solle.
Ab 1666 wird Paul Riquet's Plan von Louis XIV wohlwollend geprüft. Colbert, zu diesem Zeitpunkt Finanzminister Louis XIV ist skeptisch und will die Finanzierung des Bauwerkes nicht übernehmen. Riquet, der die Lösung des Wasserproblems in den Montagne Noirs gefunden hat, wird in den folgenden Jahren seine ganze Energie und sein Vermögen in die Realisierung des Bauwerkes setzen.
Das eingesetzte Baumaterial ist vom besten was damals vorhanden war. Auch heute noch bestehen gewisse Bauwerke aus diesem Originalmaterial. Riquet, 1604 oder 1609 geboren, war auch einer der fortschrittlichsten Arbeitgeber der damaligen Zeit. Er bezahlte besser als andere Unternehmer und das auch bei Krankheit. Zu den Spitzenzeiten arbeiteten 12'000 Männer und Frauen auf den diversen Baustellen.
Der Kanal beginnt in Frontignan, kurz vor Sète, durchquert den Etang de Thau, folgt der Mittel- meerküste bis Cap-d’Agde, dreht ins Landesinnere nach Béziers weiter nach Carcassonne. Diverse Anschlusswerke wurden erstellt. Zum Beispiel den Canal "du Rhône à Sète" oder den "Canal de la Robine". Manche dieser Werke wurden noch vor dem Canal du Midi gebaut, andere als Folge des Kanals. Nun zieht sich der Kanal durch das Landesinnere und erreicht dann Toulouse.
Damit bestand nun endlich eine fahrbare Wasserverbindung quer durchs Land. Damit waren die langen Reisen über Gibraltar, Spanien und Portugal nicht mehr nötig. Die Wirtschaft wurde angekurbelt und bald gab es dem Kanal entlang rege Dienstleistungs- und Handelstätigkeiten.
Karte des südlichen Teils des Canal du Midi
Die Karte zeigt nicht das ganze Werk. Im Süden fehlt der Anschluss an die Rhône und im Norden fehlt der Teil um und nach Toulouse.
Ecluse de Fonserannes
Sieben aufeinderfolgende Schleusentreppen machen dieses Bauwerk zu einer Sehenswüdigkeit.
Der Bau des Kanals machte neue Bauwerke nötig. Noch nie wurden so viele neuartige Bauten im Verbund erstellt. Schleusen, oftmals mit meheren hintereinander folgenden Kammern, Wasserzu- führungen, Tunnels, befahrbare Aquädukte, Ausgleichsbecken, Flussdurchquerungen und andere Werke wurden in kürzester Zeit erstellt. Oftmals wurden Techniken angewandt welche noch nie erstellte wurden. Riquet war ein Mann mit Visionen und auch in der Ingenieurskunst bewandert und glaubte jederzeit an sein Werk. Diese Zuversicht hat dieses Werk wirklichkeit werden lassen.
Heute hat der Kanal seine Bestimmung als Transportweg für Waren mehrheitlich verloren. Der Tourismus hat eine grosse wirtschaftliche Rolle übernommen. Im Sommer fahren Hunderte mit eigenen oder gemieteten Booten durch den Kanal. Abseits vom Massentourismus, individuell reisend, geniessen Liebhaber solcher Ferien, die beschau- liche Fahrt (ca. 5 -7 Km/h), die Aussicht und das Wetter. Entlang des Kanals kann man historische Stätten besuchen oder einfach nur das Leben und die Natur des Südens geniessen.
NIvelierungswerk