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Marcel Mäder 1928 – 2020
Es kommt selten vor, dass ein Architekt sein aufsehenerregendstes Werk als Erstling realisiert. Marcel Mäder gelang dieser Coup. Nach einer Bauzeichnerlehre und dem Studium am Technikum Burgdorf hatte er einige Jahre im Büro von Hans und Gret Reinhard gearbeitet und sich danach selbständig gemacht. Beim Wettbewerb 1956/57 für die Schule im neu entstehenden Berner Wankdorf-Quartier – es war seine erste Wettbewerbsteilnahme und er reichte sein Projekt gemeinsam mit seinem Studienkollegen Karl Brüggemann (1928–1992) ein – gewannen die beiden den ersten Preis. Im Jahr darauf gründeten sie ein Büro und realisierten die Anlage, die sich mit niedrigen langgezogenen Kuben um einen quadratnahen Pausenplatz gruppiert, in mehreren Etappen. In ihrer Klarheit der Situierung und des Aufbaus, der Kargheit der formalen Mittel, den stimmigen Innenräumen und der sorgfältigen Detaillierung wurden die Sichtbetonbauten im regionalen Kontext zu Ikonen. Bereits mit der Fertigstellung der Schulanlage wurden die beiden Büroinhaber 1962 in den Bund Schweizer Architekten BSA aufgenommen.
Es sollte nicht der einzige Wettbewerbserfolg von Mäder + Brüggemann bleiben – die meisten ihrer Aufträge erhielten die beiden nach Wettbewerbserfolgen. Sie realisierten vor allem eine grössere Zahl weiterer Schulhäuser. Sie alle zeichnen sich durch eine klare Gesamtdisposition und eine strenge Formgebung aus. Neben Bauten wie die Mittelschule Niederwangen 1967–69, der Primarschule Münchenbuchsee 1970–72 oder der Primarschule Oberwichtrach 1976–78 sei als besonders bedeutendes Beispiel die Sekundarschule in Zollikofen von 1962–67 genannt. Ihre vier Hochbauten sind, für das Büro charakteristisch, mit offenen Gängen verbunden, in denen die Eingänge klar ersichtlich sind. Die prägnanten Sichtbetonbauten sind leider durch eine Blechverkleidung arg verunstaltet worden, nur ihre Volumetrie und Innenräume spiegeln noch die Intentionen der Architekten.
Eine weitere Baugattung pflegten Mäder + Brüggemann in besonderem Mass, die Heimbauten. Neben der Neuen Klinik der Waldau 1973–76 oder dem Krankenheim Gottesgnad Steffisburg 1983–85 bauten sie gegen Ende ihrer beruflichen Aktivität 1988–90 das Altersheim Worb. Es setzt sich von anderen Bauten des Büros ab. Mit den gegeneinander verschobenen Viertelskreisformen in der Volumetrie, in der Materialisierung mit gelblichen Sichtsteinen integriert es sich in die disperse Dorfsituation, in der Klarheit der Grundrissstruktur und den einprägsamen Räumen bleibt es aber mit den früheren Bauten eng verwandt.
Neben dem Bau von Schulen und Heimen entstanden zudem grössere Wohnanlagen, wie eine Gruppe von Terrassenhäusern in Bolligen 1968–70 oder ein Miethausblock in der Siedlung Morillon in Wabern 1980–83.
Mit der allmählichen Übergabe des Büros an jüngere Kräfte konnte sich Marcel Mäder vermehrt seiner zweiten Passion widmen, dem Zeichnen und Malen. Es entstanden viele grossformatige abstrakte Bilder, die er auch an Ausstellungen zeigte. Seine Erfahrungen mit der Malerei fasste er in der 2017 erschienen Publikation «Vom Zeichnen zum Malen» zusammen.
Marcel Mäder war ein umgänglicher Mensch, offenherzig und zurückhaltend zugleich. Als anregender Gesprächspartner wird er uns fehlen.
Verfasser: Bernhard Furrer