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Neue Schülerbefragung: Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum nach wie vor auf hohem Niveau
Die 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in der Schweiz trinken, rauchen und kiffen 2010 etwa gleich viel wie vier Jahre zuvor. Bei näherer Analyse zeigen sich auch spezifische Unterschiede. Heute hat Sucht Info Schweiz die Resultate der repräsentativen Schülerstudie an einer Medienkonferenz in Bern vorgestellt. Die Untersuchung wird alle vier Jahre im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) durchgeführt.
In der Schülerstudie 2002 hatte der Alkohol- und Cannabiskonsum der Jugendlichen in der Schweiz einen Höhepunkt erreicht. Ein Rückgang zeichnete sich 2006 ab. Das Rauchen war unter Jugendlichen im Laufe des letzten Jahrzehnts rückläufig. Die neusten Daten der Befragung 2010 zeigen nun, dass der Substanzkonsum mit Ausnahmen im Wesentlichen stagniert. Sucht Info Schweiz hat die für die Schweiz repräsentative Befragung im letzten Jahr im Auftrag des BAG durchgeführt. Befragt wurden über 10 000 Schülerinnen und Schüler aus allen Landesteilen. Im Fokus stehen nachstehend die Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren – eine für die Entwicklung bedeutende Phase.
Risikoverhalten Rauschtrinken
Rund ein Viertel (27%) der 15-jährigen Knaben trinkt mindestens wöchentlich Alkohol (2006: 25%). Bei den gleichaltrigen Mädchen ging dieser Wert 2010 auf ungefähr 13% zurück (2006: 17%). Der Anteil der Knaben, die im Monat vor der Befragung mindestens einmal bei einer Trinkgelegenheit fünf oder mehr alkoholische Getränke konsumiert haben, liegt bei 35%, bei den Mädchen bei 30%. Ein solches Trinkmuster im Jugendalter erhöht nicht nur die Gefahr für Unfälle und Alkoholvergiftungen. Je früher Jugendliche Rauscherfahrungen haben und je früher sie regelmässig Alkohol trinken, desto grösser ist das Risiko, später Alkoholprobleme zu entwickeln.
Knaben trinken vorzugsweise Bier. Ein Fünftel der 15-jährigen Buben gibt an, mindestens wöchentlich davon zu trinken. Die gleichaltrigen Mädchen konsumieren nebst Bier häufig auch Alcopops und Spirituosen. Diese Getränke werden von den Mädchen je zu gut 5 bis 7% mindestens wöchentlich getrunken. Bedenklich stimmt die Zunahme beim Spirituosenkonsum. Sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen sind die Werte gestiegen. Mehr als ein Viertel der Knaben und gut ein Fünftel der Mädchen trinken mindestens einmal im Monat eine Spirituose. Sucht Info Schweiz nimmt an, dass die Mädchen eher eine Spirituose anstelle eines Alcopops wählen; letztere waren im 2010 rückläufig.
Danach gefragt, wo sie den Alkohol herhaben, nannten die meisten Jugendlichen eine Party oder den Freundeskreis. Von Gesetzes wegen darf an Jugendliche unter 16 Jahren kein Alkohol abgegeben werden. Es erstaunt daher, dass dennoch 28% der 15-Jährigen mit Alkoholerfahrung angeben, alkoholische Getränke gekauft zu haben.
Die Beweggründe für den Alkoholkonsum sind vielfältig. „Um eine Party besser zu geniessen“, „weil es einfach Spass machte“ und „weil es dann lustiger wurde“; dies sind die häufigsten Gründe. Mehr als ein Drittel der betroffenen Jugendlichen gibt an, zu konsumieren, um sich bei schlechter Stimmung aufzumuntern – dies ist besonders Besorgnis erregend.
Eine/r von zehn raucht täglich
Nicht nur bei den Erwachsenen, sondern auch bei Jugendlichen ist das Rauchen im Laufe des letzten Jahrzehnts zurückgegangen. Bei den Schülerinnen und Schülern zeigt sich 2010 eher eine Stagnation. 72% der 15-jährigen Knaben und 79% der gleichaltrigen Mädchen rauchen nicht. Doch sind es 13% der Knaben und 10% der Mädchen, die täglich zum Glimmstängel greifen. Davon rauchen nahezu ein Fünftel der 15-Jährigen mindestens eine halbe Packung Zigaretten pro Tag. Beim mindestens wöchentlichen Tabakkonsum liegt der Anteil bei den Mädchen bei etwa 15%. Bei den Jungen beläuft sich dieser Wert auf 19%, wobei sich bei den Knaben ein leichter Konsumanstieg abzeichnet. Nach wie vor ist der Anteil rauchender Jugendlicher relativ hoch. Nikotin macht rasch und stark abhängig. Aus einem gelegentlichen wird oft ein täglicher Konsum.
Cannabis: Die meisten ohne Erfahrung
Zwei Drittel der 15-jährigen Jungen und drei Viertel der gleichaltrigen Mädchen geben an, nie in ihrem Leben Cannabis konsumiert zu haben. Die meisten jener Jugendlichen, die Cannabis konsumiert haben, tun dies unregelmässig. Dennoch gibt es Jugendliche, die in den letzten 30 Tagen vor der Befragung 10 Mal oder öfters gekifft haben. Dies betrifft 4% aller 15-jährigen Jungen und 1% der Mädchen: Sie stehen für die Prävention im Zentrum.
Was bleibt zu tun?
„Uns macht die heutige Situation Sorgen, da einige Jugendliche beträchtliche Risiken eingehen“, erklärt Michel Graf, Direktor von Sucht Info Schweiz. Die Prävention will einerseits alle Jugendlichen erreichen, um zu verhindern, dass sie mit dem Rauchen oder Cannabiskonsum beginnen oder zu früh in den Alkoholkonsum einsteigen. Anderseits müssen präventive Massnahmen diejenigen Jugendlichen möglichst früh erreichen, die gefährdet sind oder bereits problematisch konsumieren. Sucht Info Schweiz erinnert hier an die spezifischen Hilfsangebote. „Es braucht einen besonderen Zugang, der nicht nur den Substanzkonsum, sondern auch das soziale Umfeld, die Erhältlichkeit, die Beziehungen zu Gleichaltrigen und erwachsenen Bezugspersonen einbezieht“, erläutert Michel Graf. Bei Jugendlichen, die konsumieren, um Sorgen zu vergessen, müssen die zugrunde liegenden Schwierigkeiten angegangen werden. Hier ist das Risiko erhöht, dass sich Konsummuster verfestigen.
Handlungsbedarf besteht weiterhin. Bedenklich ist beispielsweise der Trend bei den 15-jährigen Mädchen, die zwar weniger häufig Alkohol trinken, aber anscheinend häufiger eine Trunkenheit erlebt haben. Sorgen bereiten auch die 15-jährigen Raucherinnen und Raucher: Fast die Hälfte von ihnen rauchen täglich. Jugendliche, die früh regelmässig rauchen, setzen diese Gewohnheit im Erwachsenenalter oft fort. Deshalb ist es besser, gar nie anzufangen oder dann früh wieder aufzuhören.
Nebst ihren Präventionsprojekten setzt sich Sucht Info Schweiz auf politischer Ebene für einen wirksamen Jugendschutz ein. „Im Rahmen der Totalrevision des Alkoholgesetzes fordern wir ein Verbot der Lifestyle-Werbung für Alkohol“, betont der Direktor von Sucht Info Schweiz. Die Alkohol- und Tabakabgabe ist noch besser zu überwachen. Die gesetzliche Verankerung von Testkäufen im Alkoholgesetz ist daher angezeigt, so dass sie vermehrt durchgeführt werden können, um die Einhaltung der Vorschriften zu kontrollieren. Da nicht alle Kantone eine gesetzliche Altersgrenze für die Abgabe von Tabakwaren kennen, fordert Sucht Info Schweiz eine nationale Regelung, welche den Verkauf erst an über 18-Jährige erlaubt.
Studie HBSC
Seit 24 Jahren untersucht Sucht Info Schweiz (ehemals SFA) das Gesundheitsverhalten und den Substanzgebrauch der Schülerinnen und Schüler in der Schweiz. Die Studie HBSC (Health Behaviour in School-aged Children) wird alle vier Jahre unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in über 40 Ländern durchgeführt. Im Erhebungsjahr 2010 haben in der Schweiz 628 Klassen bzw. über 10 000 Schülerinnen und Schüler im Alter von 11 bis 15 Jahren an der anonymen, mittels Fragebogen durchgeführten, nationalen Studie teilgenommen. Die vom BAG und den Kantonen finanzierte Befragung ist repräsentativ für die gesamte Schweiz.