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48. Konrad IV. Tanner von Arth
Konrad IV. Tanner von Arth (1808-25).
Als sich am 30. Mai 1808 das Kapitel unter dem Vorsitz des Nuntius Testaferrata versammelte, konnte kaum ein Zweifel sein, wer als Abt aus der Urne hervorgehen würde. Schon im ersten Wahlgang fielen von den 49 Stimmen 29 auf P. Konrad Tanner, den bisherigen Novizenmeister. Er hatte auf den verschiedenen Posten, die er bekleidete, solch tüchtige Proben seines Könnens gegeben, daß er der Großzahl des Kapitels als der geeignete Mann erschien, das Stift in den immer noch schweren Zeiten leiten zu können.
Jodocus Meinrad Tanner, wie P. Konrad in der Welt hieß, war am 29. Dezember 1752 in Arth am Zugersee geboren worden. Sein Vater hieß Jodocus Meinrad Tanner und war Schulvogt der Gemeinde; die Mutter Maria Elisabeth von Hospenthal gehörte ebenfalls einer angesehenen Familie an. Der Vater starb freilich schon frühe, erst 46 Jahre alt. Um die Familie sorgte sich alsdann vor allem Landammann Josef Viktor Lorenz von Hettlingen, den darum P. Konrad wie seinen zweiten Vater verehrte. Mit jungen Jahren kam Jodoc Meinrad an die Klosterschule in Einsiedeln, wo er sich mit 18 Jahren für das Kloster meldete. Am 8. September 1772 legte er als Fr. Konrad seine hl. Profeß ab. Wann er die Subdiakonats- und Diakonatsweihe empfing ist nicht mehr ersichtlich, da diese Papiere im Laufe der Exils verloren gingen. Die Priesterweihe erhielt er den 24. Mai 1777 und am 1. Juni dieses Jahres feierte er seine erste hl. Messe.
Nach Abschluß der theologischen Studien, der gewöhnlich ein bis zwei Jahre nach der Priesterweihe erfolgte, kam P. Konrad als Lehrer an die kleine Klosterschule. Er trat damit in jenen Kreis schulfreundlicher Männer ein, von dem wir schon gehört haben. Durch sie wurde P. Konrad ebenfalls gründlich in das Schulwesen eingeführt, wie seine spätere Wirksamkeit zeigte. Zwar wurde er 1781 Lehrer der Theologie und kam deshalb weniger mehr mit der studierenden Jugend in Berührung. Aber schon am Dreikönigstage 1782 bestimmte ihn Abt Beat als Lehrer an das Gymnasium in Bellenz. Zugleich mit dem zum Propst ernannten P. Beda Müller sollte er dorthin gehen. Auf den Höhen des Gotthard gerieten sie zwar in große Lebensgefahr, erreichten aber doch glücklich ihr Ziel. P. Konrad sollte die Präzeptur übernehmen. Seine Grundsätze, die er schriftlich niederlegte, zeigen, wie ernst er es mit seiner Aufgabe, der Jugenderziehung nahm. Daneben war er aber auch darauf bedacht, die Jugend zu erheitern, durch frohe Spiele und Spaziergänge zu unterhalten. Auch für den eigentlichen Schulbetrieb stellte er genaue Vorschriften auf, die zeigen, daß neues Leben in den alten Betrieb kommen sollte. Daneben fand er aber auch noch die nötige Muße, um sich schriftstellerisch zu betätigen. Im Jahre 1786 erschienen bei Johann Schweighauser in Basel seine «Versuche in Briefen unter jungen Schulfreunden aus einer Ennetbürgischen Pflanzschule», denen 1787 ein zweites Bändchen folgte. Er wollte damit «Naturkindern zur Ermunterung etwas zum Buchstabieren, zum Lesen, zum Schreiben und zum Denken in die Hände geben». Die zwei Büchlein, die anonym erschienen waren, kamen 1813 unter dem Titel Schulbriefe aus den Bergkantonen nebst einer Anleitung zum Brief schreiben bei Benziger & Eberle in Einsiedeln in zweiter und 1839 bei Marian Benziger durch P. Gall Morel in dritter Auflage heraus. Schon damals trug sich P. Konrad auch mit dem Gedanken, eine Schweizergeschichte herauszugeben, doch kam er nicht dazu. Hingegen erschienen 1787 in Zürich, wiederum anonym, «Vaterländische Gedanken über die mögliche gute Auferziehung der Jugend in der helvetischen Demokratie». Der gesamte Unterricht, von den ersten Anfängen über die Volksschule bis zu den höhern Schulen, wird hier dargelegt. Auch von der eidgenössischen Schule oder, wie wir heute sagen würden, vom «staatsbürgerlichen Unterricht» ist ausführlich die Rede, ebenso von «der ökonomischen Schule», worin von Landwirtschaft, Ackerbau, Viehzucht, Handel und Gewerbe die Rede ist. Er regt die Schaffung einer Volksbibliothek und einer Gelehrtenakademie an. In gar manchen Punkten ist er damit seiner Zeit weit vorausgeeilt und nicht mit Unrecht hat später Gall Morel 1853 dieses «Programm über vaterländische Erziehung» wieder herausgegeben. Auch für unsere Zeit wäre noch viel Beherzigenswertes darin. P. Konrad fand übrigens schon in seiner Zeit viel Anerkennung dafür, so u. a. auch von Dalberg und Johannes v. Müller in Schaffhausen.
Schon 1787 fand indessen die Tätigkeit P. Konrads in Bellenz ein Ende. Anfangs Oktober kam er nach Hause, um hier die Obsorge für die Stiftsbibliothek zu übernehmen. Er sollte hier vor allem eine Neuordnung und Katalogisierung der Bibliothek durchführen. Abt Beat sandte ihn eigens nach auswärts, um andere Klosterbibliotheken sich anzusehen. Dem Abte ging freilich die Neuordnung zuwenig rasch voran, wie gelegentliche Notizen in seinem Tagebuche zeigen. Aber P. Konrad konnte eben die Feder nicht ruhen lassen. Im Verein mit P. Sebastian Imfeld verfaßte er eine «Geschichte der berühmtesten Heiligen Gottes», die freilich erst 1793 im Drucke erschien. Dabei legten die Verfasser ein besonderes Gewicht auf die Darlegung der Glaubens- und Sittenlehre. Auch der Gedanke, eine Geschichte der drei Länder zu schreiben, beschäftigte ihn wieder lebhaft. Aber es kam anders als er sich dachte. Zur Wiederherstellung seiner angegriffenen Gesundheit mußte er im Sommer 1789 das Bad in St. Moritz (Graubünden) aufsuchen. Im November des gleichen Jahres erfolgte sodann seine Ernennung zum Propst in Bellenz. So bekam er Gelegenheit, sich in die Verwaltung einzuleben. Abt Beat war denn auch mit seiner Amtsführung sehr zufrieden, wie sich aus seinem Besuche von 1791 in Bellenz ergibt. Die kluge Umsicht, mit der P. Konrad nicht nur den großen Wirtschaftsbetrieb versah, sondern auch als Oberer über die Patres und Schüler wachte, legten Abt Beat 1795 den Gedanken nahe, ihn heimzuberufen und zum Stiftsstatthalter zu ernennen. Da kamen freilich andere Zeiten für P. Konrad. Große Teuerung herrschte und weitherum im Schweizerlande machten sich Unruhen bemerkbar. P. Konrad hatte darum eine recht undankbare Aufgabe, denn statt daß er Geld an die Abteikasse abliefern konnte, mußte er diese noch für sich in Anspruch nehmen. Und doch zeigte die Folge, daß der rechte Mann am rechten Posten stand. Gerade in den Schreckenstagen, die über Einsiedeln kamen, war es P. Konrad, der die Führung und Leitung der Dinge in den Händen hatte, zumal nachdem Abt Beat Einsiedeln verlassen hatte. Besonders in den letzten Tagen, die der Flucht voraufgingen, entfaltete er eine unermüdliche Tätigkeit. Er hatte nicht nur mit der Regierung in Schwyz die Verhandlungen zu führen, dorthin, soweit es möglich war, Mittel zur Verfügung zu stellen, sondern mußte auch auf die Rettung der eigenen Habe bedacht sein. Wenn manches in Sicherheit gebracht werden konnte, so ist dies vor allem dem Statthalter zu verdanken. Schließlich mußte aber auch er fort. Er war einer der letzten, die am 2. Mai, kurz bevor die ersten Franzosen nach Einsiedeln kamen, das Kloster verließen. Er kam zunächst ebenfalls nach St. Gerold, von dort wandte er sich nach Konstanz und Petershausen. Er führte mit P. Isidor Moser die Verhandlungen über eine Besiedlung der Reichenau. Im Herbst versuchte er wieder in die Schweiz zu kommen, erhielt aber die nachgesuchte Erlaubnis nicht. Im Frühjahr 1799 ließ er sich einen Paß nach Schwäbisch-Österreich und Tirol ausstellen. Ob er aber dorthin ging, ist nicht sicher. Wahrscheinlich blieb er in Feldkirch oder doch in der Nähe, denn als die Kaiserlichen siegreich vordrangen, erwirkte er sich schon am 22. Mai 1799 von General Hotze einen Paß, um nach Einsiedeln zurückkehren zu können. Erst am 15. Juni war er aber dort. Die Wiederherstellung des Klosters wurde ihm unterstellt. Er nahm auch am 8. August den Bewohnern von Reichenburg auf deren Verlangen den Eid der Treue und des Gehorsams wieder ab, den sie ehedem als Untertane von Einsiedeln zu leisten hatten. Aber ein paar Tage später, den 14. August, mußte er mit seinen Mitbrüdern Einsiedeln wieder verlassen. Er ging zunächst nach Freudenfels, dann nach Oberstaad und Peterhausen. Im Oktober 1799 erhielt er vom Abt den Auftrag, das Gnadenbild, das Haupt des hl. Meinrad und die Pontifikalornate nach Tirol zu flüchten. Er hielt sich zuerst im Kapuzinerkloster zu Imst auf. Bis im Mai 1800 blieb er hier, die Zeit redlich mit literarischen Arbeiten ausfüllend. Dann mußte er weiter flüchten. Einige Zeit hielt er sich in Hall auf, mußte dann aber weiter nach Bruneck im Pustertale, wo der dortige Bürgermeister Fritz von Buol ihn mit seinen Schätzen gastfreundlich aufnahm. Nach drei Monaten hieß es abermals fortziehen. P. Konrad kam nach Linz. Als aber die Franzosen auch in Steiermark und Kärnten einrückten, sandte P. Konrad seine Sachen durch den zuverlässigen Kaufmann Oberhuber nach Triest, wo sie gut aufgehoben waren. P. Konrad selber blieb zunächst in Linz, war aber entschlossen, wenn nötig, sich ebenfalls nach Triest und von dort aufs Meer zu begeben. Da kam im Februar 1801 der Friede von Luneville zustande. Alsbald begab er sich nach dem Kloster Wilten bei Innsbruck, wohin man ihm die Sachen aus Triest nachsandte. Nach gut acht Monaten konnte er nach St. Gerold zurückkehren, wo er am Vorabend des St. Meinradstages 1802 mit dem Haupt des hl. Meinrad eintraf. Kurz darauf wurde er zum Pfarrer von St. Gerold ernannt. Damit erhielt er einen Posten, wo er sich von den großen Mühsalen seiner Reise ausruhen konnte, denn die kleine Gemeinde zählte nur etwa 200 Seelen. Noch im gleichen Jahre wurde allerdings St. Gerold dem Kloster entrissen und dem Fürsten von Nassau zugesprochen. Als Pfarrer von St. Gerold wurde er im Amt belassen und erhielt eine jährliche Pension von 300 Gulden, die er bis zu seinem Lebensende genoß.
Die unfreiwillige Muße, die ihm während des Exils an den einzelnen Orten beschieden war, nutzte er zu reicher schriftstellerischer Tätigkeit aus. 1799 schrieb er seine «Gedanken über den Freiheitsbaum», die später unter dem Titel: «Kurze Gedanken für die jetzigen Zeiten, an die braven, biedern Tiroler» im Drucke erschienen. In Imst begann P. Konrad schon am 4. November 1799 an seinem großen Betrachtungswerk, das ihm für immer eine ehrenvolle Stelle im Kreise der asketischen Schriftsteller seiner Zeit sicherte. Einen Teil desselben, die «Betrachtungen zur sittlichen Aufklärung im neunzehnten Jahrhundert sowohl für Geistliche als W eltleute», das zur Hauptsache in St. Gerold entstand, gab er selber seit 1804 bei Doll in Augsburg im Drucke heraus, während die frühern «Betrachtungen auf Feste des Herrn» usw. erst sein Nachfolger Abt Cölestin Müller im Drucke erscheinen ließ. Eine für Geistliche geschriebene «Bildung des Geistlichen durch Geistesübungen» kam 1807 bei Riger in Augsburg in zwei Bänden heraus und erlebte fünf Auflagen; sie wurde auch ins Französische übersetzt.
Diese Tätigkeit auf asketischem Gebiete war wohl eine Hauptursache, daß Abt Beat, als es sich 1806 in Einsiedeln darum handelte, wieder ein Noviziat zu eröffnen, P. Konrad als Novizenmeister heimberief. Am 29. September 1806 fand die Einkleidung von vier Novizen statt. Es war außerordentlich wichtig, wer den Nachwuchs des Klosters, der in eine neue Zeit sich einleben mußte und doch das Erbe der frühern Tage heilig halten sollte, erzog. Freilich die Tätigkeit des neuen Novizenmeisters sollte von kurzer Dauer sein. Am 18. Mai 1808 starb Abt Beat und ihm folgte, wie wir schon sahen, am 30. Mai P. Konrad nach. Am 11. September empfing er durch Nuntius Testaferrata, unter Assistenz der Äbte Januarius Frei von Rheinau und Augustin Bloch von Fischingen, die feierliche Benediktion. Pfarrer und Kammerer Martin Strübi von Oberkirch-Kaltbrunn hielt die Ehrenpredigt.
Wie sein Vorgänger sah auch er in erster Linie darauf, daß der wahre klösterliche Geist erhalten und gemehrt wurde. Seine Kapitelsansprachen legen heute noch Zeugnis für diesen Eifer ab. Die Förderung der wiederauflebenden Wallfahrt lag ihm besonders am Herzen. Er ließ die kleinen Horen und die Komplet täglich wieder singen, wie dies vor der Revolution der Fall gewesen war. In der Kirche, deren durch die Franzosen entweihte Altäre schon sein Vorgänger wieder konsekriert hatte, restaurierte er die meisten Altäre. Vor allem ließ er sich den Wiederaufbau der Gnadenkapelle angelegen sein, der allerdings erst 1817 vollendet war. Er selbst übertrug das Gnadenbild an seine alte Stätte. Die Paramentenkammer, die durch die Franzosen besonders in Mitleidenschaft gezogen worden war, bereicherte er durch viele Neuanschaffungen. Für den Hochaltar ließ er neue, versilberte Leuchter bei Neyer in Bludenz anfertigen. Die Orgeln ließ er zum Teil neu aufstellen, zum Teil renovieren. Für die Festtage ließ er von auswärts musikalische Kräfte kommen, um die eigenen Musikanten zu unterstützen.
Sehr lag dem Abt auch die Pflege der Wissenschaften am Herzen. Kam er selber wenig mehr dazu, sich auf diesem Gebiete zu betätigen, so sorgte er nach Kräften, daß andere es konnten. Er ließ den Klerikern auch Unterricht in Physik, höherer Mathematik und Hebräisch erteilen. Mehrfach sandte er Patres in die französische Schweiz oder nach Frankreich, um sich in der französischen Sprache auszubilden. In der Bibliothek sorgte er vor allem dafür, daß das Fach der Schweizergeschichte sehr gepflegt wurde. Aber auch auf die Klostergeschichte nahm er Bedacht. Die einzelnen Patres sollten ihre Erlebnisse während des Exils aufzeichnen, P. Cölestin Müller eine allgemeine Darstellung der damaligen Vorgänge geben. Die alte Klosterchronik wurde 1823 durch P. Josef Tschudi neu herausgegeben. Eine Reihe von Patres beschäftigte sich auf den verschiedensten Wissensgebieten und gaben manche Werke heraus. Er förderte auch die Herausgabe der Monumenta Germaniae, sodaß er von der Gesellschaft «pro aperiendis fontibus historiae medii aevi» zum Ehrenmitglied ernannt wurde.
Als alter Schulmann wandte der Abt dem Schulwesen seine ganz besondere Aufmerksamkeit zu. Er hielt darauf, daß der Klosterschule tüchtige Kräfte zugeführt und daß mehr als bisher die Naturwissenschaften berücksichtigt wurden. Eine hübsche Sammlung von physikalischen Apparaten, sowie von Mineralien wurde angelegt. Fünf Konventualen gehörten der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft an. Auch Bellenz vergaß der Abt nicht, wenn er auch dem 1809 von der dortigen Munizipalität geäußerten Wunsch um Erhöhung der Professorenzahl und Erweiterung des Unterrichtspensums vorderhand nicht nachgeben konnte. Ein Schulreglement, das der Rat einseitig von sich aus aufgestellt hatte, wies der Abt zurück und erreichte, daß man im Einvernehmen mit der Residenz die Frage regelte. Gern hätte die Behörde auch den Betrieb nach dem Muster der mailändischen Schulen eingerichtet, aber davon wollte man nichts wissen. Doch machten sich auch hier die neuen Zeitströmungen geltend; 1809 legte die Kantonsregierung der Residenz ein Zwangsanleihen von 1000 Mailänderlire auf, ein gleiches tat 1812 auch die Stadt Bellenz. Im Jahre 1816 drohte bereits zum ersten Male die staatliche Inventarisation. Doch wurde dieses Übel für diesmal noch abgewandt. In Schwyz führte der dort seit 1805 allein zurückgebliebene P. Aemilian Gstreinthaler den hochklingenden Titel eines «Rektor aller deutschen und lateinischen Schulen», obwohl er seit 1808 nur mehr Beichtiger in St. Peter auf dem Bach war. Er kehrte 1812 endgültig heim. Dafür mußte nun der Abt freilich die im Convenium ausbedungenen 800 Gulden erlegen; doch wußte er später dieser Gabe, die ermäßigt wurde, den Charakter einer mehr freiwilligen Spende zu geben. Um 1820 hörte sie ganz auf. Im Jahre 1824 tauchte allerdings nochmals der Plan auf, Einsiedeln die höhern Schulen in Schwyz zu übergeben, ein Gedanke, den der Abt freudig aufgriff. Eine Gegenpartei wußte dies aber zu hintertreiben und zerrte dafür das alte Convenium wieder hervor, um das Kloster wieder zur Zahlung der dort stipulierten Summe anzuhalten. Das Ende der Verhandlungen erlebte Abt Konrad nicht mehr; sie bildeten aber eine herbe Enttäuschung für ihn.
Es war dies freilich nicht die einzige Enttäuschung, die dem Abte beschieden war. Er fand beim Tode seines Vorgängers in der Abtei ganze 3920 Gulden vor. Sein erstes Streben ging darum darauf, die drückende Abgabe, die man nach Schwyz jährlich zu leisten hatte, herabzumindern. Es gelang ihm, für 1808 einen Nachlaß von 300 Louisdor, also der Hälfte zu erreichen. In der Folge zahlte er nur mehr diese Summe. Als 1815 das Ende der Mediation kam, hielt er den Vertrag von 1804 für erloschen und zahlte nichts mehr, denn die neue Bundesverfassung, der Fünfzehnervertrag, enthielt die Bestimmung, daß die Klöster wie anderes Privatgut den Steuern und Abgaben unterworfen sein sollten. Dafür hatte der Abt aber stets eine offene Hand, wenn die Landesväter ihm ihre Finanznot klagten. So stellte man 1812 der Standeskommission das Gut Sonnenberg zur Verfügung, damit man 1000 Louisdor aufnehmen konnte, um den Übernehmern von Linthaktien Geld vorstrecken zu können. Als 1813, um die Kosten der Grenzbesetzung bestreiten zu können, eine Kriegssteuer aufgenommen wurde, gab der Abt freiwillig 150 Louisdor und lieh weitere 100 Louisdor zur Anschaffung von Waffen für das Zeughaus. Auch 1815 bürgte man wieder dem Lande für 4000 Louisdor, die es wegen der abermals notwendig gewordenen Grenzbesetzung in Zürich aufnehmen mußte. Für Straßenverbesserungen gab der Abt 1815 2000 Gulden und bald darauf nochmals 94 Louisdor. Als man 1816 darauf drang, das Kloster möchte wieder, ähnlich wie zur Zeit der Mediation, jährlich eine bestimmte Summe entrichten, lehnte der Abt dies ab, übernahm aber dafür freiwillig die Bezahlung der Schuld des Kantons Gersau gegenüber, die 10,400 Gulden betrug. Auf erneute Vorstellungen über die Finanznot des Landes schenkte er 1820 60, 1821 100 Louisdor. Man darf allerdings nicht vergessen, daß es damals außer den Kriegssteuern, die gelegentlich erhoben wurden, keine regelmäßigen direkten Steuern gab. Die indirekten hatte das Kloster wie jeder andere zu entrichten. Im Jahre 1821 suchte man die Steuerverhältnisse des Klosters zum Kanton endgültig zu regeln, als eine neue Kantonssteuer erhoben werden sollte. Man anerbot sich, für diesmal 100 Louisdor zu geben, was auch angenommen wurde. Schon 1824 wurde die Frage neu aufgeworfen. Im Zusammenhang mit der Schulfrage (s. o.) wollte man das Convenium wieder in Kraft erklären. Der Antrag wurde zwar abgelehnt, aber dafür beschlossen, mit dem Kloster einen neuen «Subsidien-Vertrag» abzuschließen. Doch erlebte Abt Konrad den Ausgang dieser Verhandlungen, die seinem Nachfolger viel Sorge bereiten sollten, nicht mehr.
Zu dieser Belastung kamen noch die Steuern und außerordentlichen Beiträge, die im Kanton Schwyz für den Besitz in Pfäffikon, in andern Kantonen für die dortliegenden Güter erhoben wurden und die indirekt auch die Abteikasse belasteten. Daher ist es begreiflich, daß Abt Konrad seine größten Hoffnungen auf die Wiedergewinnung des s. Z. dem Kaiserhaus geliehenen Anleihens setzte. Die letzten 100,000 fl., die man geliehen, mußte man selbst noch verzinsen. Er betraute noch 1808 den schweizerischen Geschäftsträger in Wien, Freiherrn von Müller, mit der Besorgung der Angelegenheit. Aber man sah sich den österreichischen Beamten gegenüber vor ungeheure Schwierigkeiten gestellt. Wie alles nichts half, entschloß sich der Abt 1811, Alois von Reding nach Wien zu senden, in der Hoffnung, dieser hochangesehene Mann werde eher etwas erreichen. Wirklich weilte Reding vom 29. Oktober 1811 bis zum 22. Januar 1812 in Wien, wo er mit allen Ehren aufgenommen und mit den besten Versprechungen bedacht wurde. Aber er erreichte trotz allen Audienzen bei Kaiser und Ministern nichts. Auch in der Folge tat der Abt alles, was irgendwie Aussicht auf Erfolg zu bieten schien. Man wandte sich 1813 an Metternich, als er in Freiburg i. Br. weilte; als Kaiser Franz 1814 nach Basel kam, sprach Reding wieder bei ihm vor. Man nahm die Hilfe des Papstes Pius VII., wie die der Tochter des Kaisers, Marie Louise, der Gemahlin Napoleons, in Anspruch. Alles war umsonst. Bis zu seinem Lebensende ließ der Abt diese Angelegenheit nie aus den Augen, erneuerte seine Eingaben immer wieder ohne jeden Erfolg. Gelegentlich versuchte man auch, St. Gerold wieder zurückzuerhalten. Aber auch diese Unterhandlungen zerschlugen sich. Der Abt galt immer noch als Pfarrer von St. Gerold und bezog daher eine Pension. Er ließ durch andere Patres seine Stelle vertreten, um so die Verbindung mit diesem alten Besitz, der für Einsiedeln vor allem als Zufluchtsstätte großen Wert hatte, aufrecht zu erhalten.
Auch bei der Rückforderung des 1794 dem emigrierten Erzbischof von Paris geliehenen Kapitals halte man, trotz der Intervention der Bundesbehörden, keinen Erfolg. Hingegen zahlte die Stadt Sitten ihr Kapital zurück. Einiges Geld begann indessen durch den Zehntenloskauf, der allmählich einsetzte, einzugehen. Aber mit dieser Ablösung hörten eben die jährlichen fließenden Einkünfte auf; die Auslösungssumme konnte man nicht anlegen, da man sie für die laufenden Bedürfnisse vorweg brauchte, und so war bald nichts mehr herum.
Die Bürger von Reichenburg hatten 1814, nach dem Falle der Mediation, beschlossen, sich wieder an das Kloster Einsiedeln anzuschließen, da man nicht gerne bei der March blieb. Abt Konrad war dem Plane nicht abgeneigt und so kam 1817 ein Vertrag zustande, der einen Teil der alten Fürstenherrlichkeit wieder aufleben ließ. Die Frage des Ehrschatzes in der March führte 1820 zu größern Anständen, die aber schließlich in Güte beigelegt werden konnten. Weit schwieriger waren die Verhandlungen, die mit Einsiedeln selbst wegen den sogen. Dreizertheilten Gütern zu führen waren. Der Abt beanspruchte das alte Miteigentumsrecht, über das man sich seit Jahren herumgestritten hatte. Den 19. November 1816 kam ein Vergleich zustande, der beiden Teilen gleichberechtigten Anteil gewährte und die Verteilung des jährlichen Ertrages nach dem schon 1564 getroffenen Übereinkommen regelte. Das Hungerjahr 1817 bot dem Abte reiche Gelegenheit, die über diesen Handel erbitterten Gemüter zu versöhnen. Das Kloster selber spendete nach besten Kräften Lebensmittel; der Waldstatt schoß man über 60,000 fl. zum Ankauf solcher vor. Neben diesen Geschäften liefen natürlich noch ungezählte kleinere Sorgen des Alltags nebenher, die dem Abte oft viel zu schaffen gaben. Auch die Wiederherstellung und Renovation der Gebäulichkeiten nahm ihn noch viel in Anspruch. Vor allem galt es, eine neue Gnadenkapelle zu erstellen. Br. Jakob Natter und der Maler Meinrad Birchler entwarfen hierfür Pläne, die man dem berühmten Mailänder Architekten Luigi Cagnola vorlegte. Man begann 1816 mit dem Bau, wobei man nach Möglichkeit das Material der alten Kapelle benützte. Das Gnadenbild, das man bisher auf einem Notaltar zwischen den beiden Pfeilern aufgestellt hatte, wurde auf den St. Annaaltar übertragen. Auf die Engelweihe 1817 war der Neubau vollendet. Am Abend des 11. September übertrug der Abt das Gnadenbild an seinen neuen Platz, am 12. sang man zum ersten Male seit der Revolution wieder das Salve Regina und am Engelweihtage selber, zu dem der päpstliche Nuntius Zeno erschienen war, wurde die Kapelle wieder bezogen. An die 20,000 Menschen waren herbeigeeilt. Durch den Bildhauer Abart erhielt die Kapelle ihren äußern Schmuck. Auch der Hochaltar wurde 1821 renoviert und am 2. September neu konsekriert, ebenso die beiden großen Altäre neben der Gnadenkapelle. Der Kirchenplatz und die Kramgasse wurden ebenfalls restauriert, ebenso 1813 die St. Gangulphs- und 1823 die Friedhofkapelle auf dem Platze. Auch an den Ökonomiegebäuden im Stift und anderwärts war manche Reparatur notwendig. Ein Brandausbruch drohte am 9. Februar 1815 in den Ökonomiegebäuden großes Unheil anzurichten, doch konnte er rechtzeitig gelöscht werden. Der Bau einer neuen Pfarrkirche und eines neuen Pfarrhauses in Kaltbrunn legte dem Kloster ebenfalls große Opfer auf. Für die Verbesserung und teilweise Neuanlage der Etzelstraße mußte das Stift 1820 über 14,000 fl. auslegen. Der Abt ließ auch die Klosterwaldungen neu vermessen. Im Stifte legte er, um größere Ersparnisse zu machen, wiederum eine Wollfabrik an.
Neben dieser Sorge für das eigene Stift gingen die Sorgen für die andern schweizerischen Klöster, deren Lage nicht die beste war, nebenher. Das bisher führende Kloster St. Gallen, war den Stürmen der Revolution zum Opfer gefallen. Alle Bemühungen des Abtes Pankratius Vorster, den unser Abt nach Kräften unterstützte, es wieder herzustellen, waren umsonst. Trotzdem durch die Mediation die übrigen Klöster in ihrer Existenz sichergestellt waren, tauchten bald da bald dort neue Befürchtungen auf; insbesondere war die Lage jener Klöster, wie Muri und Rheinau, die in reformierten Kantonen lagen, keine rosige. Bei den Beratungen über die neue Verfassung übernahm der Nuntius 1814 auf 1815 die Vertretung der Interessen der Klöster, deren Fortexistenz und Eigentumsrecht gewährleistet wurde. Da der Abt von St. Gallen sich immer mehr von den Geschäften zurückzog, übertrug der Nuntius unserm Abte die Leitung der Benediktinerkongregation. Doch erst 1819 war es möglich, die Äbte zu einer Versammlung nach Einsiedeln einzuladen. Auf den 24. Mai fanden sich die Äbte von Muri, Engelberg, Fischingen, Rheinau und Mariastein, sowie ein Vertreter des Kapitels von Pfäfers, wo kurz vorher der Abt gestorben war, ein; nur Disentis war nicht vertreten. Abt Konrad wurde zum 1. Visitator gewählt. Bei den Verhandlungen drang man vor allem auf die Durchführung einer gewissen Uniformität in den Klöstern der Kongregation, nicht zuletzt auch auf dem Gebiete der Schule. Im Jahre 1821 visitierte Abt Konrad die einzelnen Klöster; besonders das Stift Pfäfers bereitete schon damals große Schwierigkeiten. Durch Entsendung eines Paters als Novizenmeister und Professor der Philosophie und Theologie hoffte Abt Konrad dort eine Wandlung herbeizuführen; aber nur allzubald mußte P. Benedikt Müller, den der Abt mit dieser Aufgabe betraut hatte, den Umtrieben in Pfäfers weichen und wieder heimkehren. Auf der zweiten Äbteversammlung im Kloster Muri, 28. bis 30. Juli 1823, beriet man vorab über die Abänderung der alten Statuten. Auf den 10. Oktober 1824 kam man ein drittes Mal in Rheinau zusammen, wo man sich vor allem mit einer Klostergründung in Galizien, zu der man eingeladen worden war, befaßte; doch zerschlug sich in der Folge dieser Plan.
Viel zu reden gab unter Abt Konrad das Projekt der Errichtung eines Bistums der Waldstätte, an dessen Spitze unser Abt stehen sollte. Schon als Wessenberg 1808 verlangte, daß die Urkantone ihre Priesteramtskandidaten inskünftig zur Vollendung ihrer Studien an ein bischöfliches Seminar in Luzern oder Meersburg senden sollten, wollten diese nichts davon wissen und planten, ein eigenes Seminar in Einsiedeln zu errichten. In Einsiedeln, wohin Reding am 24. Juli 1809 davon Kenntnis gab, war man dem Gedanken nicht abgeneigt, wofern Konstanz sich einverstanden erklärte. Konstanz ging scheinbar darauf ein, verlangte aber die Oberaufsicht darüber. Abt Konrad aber fand, daß weit nötiger als ein solch halbjähriger Kurs, die voraufgehende philosophische und theologische Bildung sei und wollte darum lieber diese in den Lehrplan der Klosterschule aufnehmen. Die Orte kamen übrigens später von selbst von diesem Plane wieder ab. Umso lebhafter wurde dafür die Frage der völligen Lostrennung von Konstanz besprochen. Am 20. Januar 1813 fand eine Konferenz der drei Urstände in dieser Angelegenheit statt. Schon damals tauchte das Projekt eines Bistums, mit dem Abt von Einsiedeln an der Spitze, auf. Abt Konrad hatte bereits am 30. Dezember 1812 Reding gegenüber seiner ablehnenden Haltung in dieser Frage Ausdruck verliehen. Die Angelegenheit fand indessen 1814 eine andere, freilich nur provisorische Lösung; denn die schweizerischen Gebietsteile wurden damals von Konstanz losgetrennt und dem bisherigen Propst von Beromünster, Franz Bernhard Göldlin von Tiefenau, als Apostolischem Vikar unterstellt. Er wurde den 10. Januar 1815 feierlich installiert. Aber gerade weil es sich um ein Provisorium handelte, tauchten bald die verschiedensten Vorschläge für eine definitive Lösung auf. Die einen wollten das alte Bistum Basel neu gestalten, andere das Kloster St. Gallen in Verbindung mit einem Bistum wieder erstehen lassen. Zu Beginn des Jahres 1817 trug man sich in den Urkantonen mit dem Gedanken, ein Bistum der Urkantone zu schaffen. Wieder war es Reding, der vor allem für Einsiedeln als Bischofssitz eintrat, während Abt Konrad auch jetzt aus seiner ablehnenden Haltung keinen Hehl machte. Eine eigene Bistumskommission wurde bestellt, die Projekte für ein Saekulär- und Regularbistum ausarbeiten ließ. Schon daraus erhellt, daß die Geistlichkeit selber verschiedener Meinung war. Am 12. Januar 1818 lagen diese Pläne in Schwyz vor; am folgenden 21. Januar fand eine Konferenz der Urkantone und Zugs in Gersau statt. Aber auch da gingen die Meinungen auseinander. Durch die Nuntiatur waren die beiden Projekte nach Rom geleitet worden und der Abt erhielt ein vom 23. Mai 1818 datiertes päpstliches Breve, worin ihm mitgeteilt wurde, daß ihm durch den Internuntius die Wünsche Roms eröffnet würden. Am 4. Juni teilte der Internuntius mit, daß Rom gewillt sei, die Abtei zum Bischofssitz zu erheben, zunächst für den Kanton Schwyz, dann aber auch für weitere schweizerische Gebietsteile, die den Anschluß wünschen würden. Das auf den 8. Juni berufene Kapitel beschloß, ein Schreiben an den Papst zu richten und ihn zu bitten, von diesem Projekt abzustehen, denn man befürchtete für das Kloster und seine Disziplin das schlimmste. Am 11. Juni kamen indessen von Schwyz - wo Alois Reding diese Lösung nicht mehr erlebt hatte, denn er war den 5. Februar 1818 gestorben - geistliche und weltliche Herren, um dem Abte zu gratulieren und die nötigen Besprechungen einzuleiten. Man setzte aber den Abgeordneten von dem bereits nach Rom abgegangenen Schreiben in Kenntnis. Diese Mitteilung nahm man in Schwyz nicht ungnädig auf, denn man befürchtete bereits, Rom möchte in dieser Angelegenheit allzu selbständig vorgehen. Auch Unterwaiden und Uri, die durch päpstliche Schreiben zum Beitritt aufgefordert worden waren, nahmen eine abwartende Stellung ein. Der Papst beharrte indessen auf seinem Willen, wie aus einem Schreiben an Abt Konrad vom 11. Juli hervorging. Auf den 3. September wurde darum ein Generalkapitel einberufen, dem alle Patres, bis auf drei beiwohnten. Der Abt selber verließ dasselbe, nachdem er es eröffnet hatte, um dem Konvent freie Hand zu lassen. Es wurde in der Folge eine achtgliedrige Kommission bestellt, die der Abt präsidieren sollte. Aber auch diese kam zu einem ablehnenden Entscheid. Da erschien am 5. September der Internuntius Belli persönlich in Einsiedeln, um hier mit dem Abt und den Schwyzern zu verhandeln. Er nahm selbst an der Kapitelsversammlung teil und versuchte alles, den Plan Roms durchzusetzen. Während der Nuntius die Bedingungen der Kurie für die Errichtung bekannt gab, stellte auch das Kloster die seinen auf; darüber sollten die von Schwyz erschienenen Gesandten heimberichten. Erst am 15. September ging das Generalkapitel auseinander, dessen entschiedener Wille sowohl beim Internuntius als auch in Schwyz Eindruck machte. Unterdessen regte sich aber in den Kreisen der schwyzerischen Weltgeistlichkeit der Widerspruch gegen ein Regularbistum, mit welchem man sich auch in Uri nicht befreunden konnte. Ein Sextariatskapitel in Schwyz beschloß am 17. Dezember 1818, die ganze Frage vertrauensvoll dem hl. Stuhl zu überlassen, gleichzeitig aber zu bitten, daß dem Säkularklerus auch ein Säkularbischof gegeben würde. Eine Konferenz des Sextariatskapitel der Urschweiz in Gersau, den 27. Januar 1819 schloß sich diesem Vorgehen an. Damit war die Einsiedler Bistumsfrage erledigt. Der neue Nuntius, Macchi, brachte 1819 die Kunde, daß man in Rom, sofern Schwyz auf einem Regularbistum bestehe, Einsiedeln zum Bischofssitze erheben werde. Ein solches Verlangen lag aber nicht mehr vor, dazu kam, daß durch den Tod des Generalvikars Göldlin (16. September 1819) die Frage für die ganze Schweiz wieder aufgerollt wurde. Die Teile des alten Bistums Konstanz wurden zunächst provisorisch Chur unterstellt und damit der Gedanke - den übrigens Abt Konrad schon früher nahegelegt hatte - wachgerufen, sich endgültig an Chur anzuschließen. Für Schwyz kam diese Verbindung wirklich den 16. Dezember 1824 definitiv zustande. Darüber freute sich niemand mehr als Abt Konrad, der wirklich nie nach der bischöflichen Inful Ausschau gehalten hatte1018.
So hatte auch Abt Konrad ein reich gerütteltes Maß Arbeit zu bewältigen. Seine Gesundheit war, solange er an der Abtei gewesen, nie eine gute zu nennen. Der Aufenthalt in St. Gerold hatte ihm vor allem schlecht bekommen. Er litt stark an Engbrüstigkeit. Schon 1810 mußte er auf den Rat von Dr. Landis in Richterswil Baden aufsuchen, die folgenden Jahre mußte er meist nach Pfäfers gehen; 1822 war er das letzte Mal dort, kam aber eher kränker heim. Am 8. September dieses Jahres konnte er sein goldenes Profeßjubiläum feiern, welchen Anlaß der Konvent benützte, um den Abt seiner Dankbarkeit und Treue zu versichern. Ende August 1823 suchte er für acht Tage das Bad Nuolen auf. Schon im Frühjahr 1824 war man für sein Leben sehr besorgt. Den 3. Januar 1825 ging er selbst nochmals zu Dr. Landis. Zu Beginn der Fastenzeit trat Brustwassersucht auf, die allen Künsten der herbeigerufenen Ärzte (Dr. Fuchs, Vater und Sohn, von Einsiedeln, Dr. Landis von Richterswil, Dr. Maag und Dr. Hegetschwiler von Stäfa) spottete. Am hohen Donnerstag, den 31. März, empfing er die hl. Sterbesakramente, doch ging es noch bis in die Nacht auf den 7. April, wo er gegen morgens 2 Uhr verschied. Am 11. April fand die feierliche Beisetzung statt, die Abt Ambros Bloch von Muri vornahm. Die Leichenrede hielt der Guardian von Rapperswil.
Treffend schrieb von ihm der «Erzähler» (St. Gallen, 15. April 1825) : «Mit vorzüglichen Gaben vereinte er besondere Gewandtheit. Er war bekannt als gastfreier, leutseliger Prälat, munterer und kenntnisreicher Gesellschafter und mit heller Gottesfurcht verband er rege Liebe zur Wissenschaft und Bewanderung in manchen Zweigen derselben. Den durch die deutschen und schweizerischen Staatsereignisse herbeigeführten Verlust des Fürstentitels, den 45 seiner Vorfahren trugen, bedauerte er nicht, und sehnte sich nicht nach andern sich darbietenden, aber der Zeit und den Interessen seines Stiftes wenig zusagenden Erhebungen. Diesem nützte er nicht bloß als geschickter Ökonom; umsichtig hat er dem letzten Fürsten in Herstellung des schon aufgehobenen und aufgegebenen Klosters beigewirkt, und seither einer gebieterischen Zeit manches durch kluges Nachgeben entwunden. Von Conrad dürfte, wie von Joachim geschrieben werden: ,vir magnae apud omnes auctoritatis, existimationis, virtutis jure optimo fundator et benefactor eximius dicendus'».
Von der hohen Achtung, deren sich Abt Konrad erfreute, zeugt die aufrichtige Freundschaft, die ihn mit Männern wie Alois von Reding, Karl Zay, Kommissar Thomas laßbind in Schwyz, G. von Mülinen in Bern, Regierungsrat A. Glogger in Luzern, Escher in Zürich u. a. verband. Unter ihm besuchten auch das Stift Fürst Karl von Hohenzollern (1810), König Ludwig von Bayern (1813), Großfürst Nikolaus von Rußland, der spätere Zar, Großherzog Leopold von Baden und Exkaiserin Maria Louise von Frankreich (1814), Königin Hortense von Holland mit ihrem Sohn, dem spätern Napoleon III. (1816 und später noch mehrmals). Im Jahre 1819 kamen Eugen Beauharnais, Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere König und Kronprinz Ludwig von Bayern.
Die neue Gnadenkapelle wird ein fortwährendes Denkmal an diesen großen Abt bilden. Ebenso sehr wird er aber auch fortleben durch seine asketischen Werke, die ein Zeugnis seiner ernsten Geistesrichtung bleiben werden. Nicht umsonst führt der Abt darum auch auf den erhaltenen Bildern (eines von Annen in Arth 1809 gemalt) den Totenkopf in seinen Händen, der ihn immer wieder an die Vergänglichkeit aller irdischen Größe erinnerte.