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Für die erste Ausgabe von "10 Fragen an" haben wir passenderweise Steffen Semmet, den Chef von Swiss Wrestling Entertainment persönlich, ausgewählt. Die Fragen für diese Ausgabe lauten:
1. Wie bist du zum Wrestling gekommen?
2. Wer ist dein Lieblingswrestler und warum?
3. Wer ist für dich der beste Indywrestler, Eurowrestler und welches das beste Indy Tag Team und warum?
4. Welche Wrestling Liga verfolgst du, ausser der SWE?
5. Wie schwer ist es, das Wrestling mit dem Privatleben zu vereinbaren?
6. Was ist dein lustigstes Erlebnis, seit du im Wrestling tätig bist?
7. Wer war für dich der netteste und schwierigste Gaststar der SWE?
8. Was war für dich das Verrückteste, was du selbst im Wrestling Business gemacht hast?
9. Was sind deine weiteren Ziele im Wrestling Business?
10. Wo siehst du die SWE in 5 Jahren?
1. Wie bist du zum Wrestling gekommen?
Ich habe Wrestling schon als Jugendlicher im Fernsehen verfolgt. Ich erinnere mich noch genau, als ich zum ersten Mal Hulk Hogan im Fernsehen sah. Es war so eine Mischung aus „was zur Hölle ist das für ein Scheiss“ und „meine Güte ist das Geil“. Ich konnte es leider nicht immer regelmässig verfolgen, bis ich mir Ende der 90er Jahre zum ersten Mal Pay-TV leisten konnte (damals Premiere) und dann die PPVs der WWE verfolgen konnte.
Mein erster LIVE Event war auch die WWE. Damals mit Shawn Michaels, Bret Hart, Diesel, den Body Donnas, dem Undertaker und SCSA noch als Ringmaster live in Frankfurt. Mein erster Euroevent war damals ein Fantreffen von Power Wrestling bei der ACW in Weinheim, die damals wahnsinnig tolle Shows zeigten. Dort begegnete ich auch zum ersten Mal Kovac (ja, so alt ist der schon) mit seinem damaligen Schüler Bambi. Ich erinnere mich an einen Piledriver auf einem Autodach auf dem Parkplatz bei ca. -10°C Aussentemperatur. Dann sah ich Werbung für einen GSW Event (German Stampede Wrestling) im Sauerland, bei dem Bret Hart und Molly Holly auftreten sollten. Ich musste einfach dorthin fahren, war sofort begeistert und vom GSW Spirit gefangen. Danach war es um mich geschehen. Ich habe jeden GSW Event besucht, egal wo in Deutschland der stattfand. So war es nur eine Frage der Zeit bis ich damals Ingo Vollenberg kontaktierte und fragte, ob sie nicht mal in unserer Stadt (ich wohnte damals in Landau in Rheinland-Pfalz) kommen würden und wie man bei der GSW helfen oder sich engagieren konnte.
So nahm alles seinen Lauf und nicht mal 10 Monate später gab es den ersten GSW Event in Landau mit Al Snow als Stargast. Es kamen ca. 300 Leute. Ich habe mich vom Plakate aufhängen, Stühle aufstellen, Ring aufbauen, Hotels buchen, Sponsorensuche, Shop betreuen, DVDs verkaufen, etc. hochgearbeitet, bis ich soweit war, eine Liga selbst zu leiten. GSW hatte ein tolles Team damals, was ich bis heute vermisse und noch immer hängt mein Herz an dieser Liga und dieser tollen Zeit. Aber auch das heutige SWE Team macht mich stolz. Es dauerte zwar etwas, bis wir uns alle gefunden hatten und es musste auch der eine oder andere das Team verlassen, bis wir alle in die gleiche Richtung ruderten.
2. Wer ist dein Lieblingswrestler und warum?
Für mich ganz klar Chris Jericho. Jericho ist für mich ein „Total Package“. Er ist ein super Wrestler. Kann jeden Stil mitgehen, Heel & Face in Perfektion zeigen und hat Comedy Talent wie kein Zweiter. Auch seine Bücher habe ich verschlungen und mir einiges davon angeeignet bzw. als Ratschlag gesehen. Da ich auch ein grosser Fan von Hardrock Musik bin, verfolge ich auch Fozzy schon seit Tag 1 und war bereits auf mehreren Konzerten. Ich hatte auch schon das Vergnügen mich lange mit ihm zu unterhalten und erinnere mich an ein interessantes Gespräch über unsere beider Lieblingsband Helloween. Als wir uns das letzte Mal über den Weg liefen, war er gerade mit Fozzy in der Schweiz und ich hatte ihm einen SWE Hoodie zum Geburtstag geschenkt. Leider warte ich bis heute auf ein Facebook oder Instagram Posting von ihm, wo er diesen trägt;-)
3. Wer ist für dich der beste Indywrestler, Eurowrestler und welches das beste Indy Tag Team und warum?
Den besten Indywrestler zu nennen ist momentan sehr schwierig für mich, da ich nicht alle Ligen so intensiv verfolge. Aber ich denke Kenny Omega, falls man ihn noch Indywrestler nennen kann, ist sicher ganz oben mit dabei. Jay Lethal mag ich auch sehr. Er hat Charisma, das fehlt leider einigen Wrestlern gänzlich. Und bis zu seinem NXT Debut war ich sicher auch ein Fan von Adam Cole, der seinen Weg an die Spitze der WWE machen wird.
Bei den Eurowrestlern ist für mich immer noch Michael Kovac das Mass der Dinge. Klar gibt es auch andere sehr sehr gute Leute wie Walter, Bambi, Haskins, Angelico, aber ich kenne niemanden, der das Wrestling Business so lebt und zelebriert wie Kovac. Er kann in seinem Alter (gleich alt oder eher jung wie ich) immer noch mit allen US Top Stars mithalten und zu jeder Tag- und Nachtzeit die Leute unterhalten. Schon zu GSW Zeiten war Kovac der Mann, der gegen die Stars wie Brian Danielson, AJ Styles, Jeff Jarrett etc. antrat. Auch bei der SWE zählt sein Auftritt nach wie vor zu den unterhaltsamsten und viele Fans freuen sich explizit auf ihn, auch wenn er gerade den Mega Heel verkörpert. Ich habe selten gesehen, dass ein Wrestler so ausgebuht wird, es extra Fangesänge auf Schwizerdütsch gibt und gleichzeitig so respektiert wird. Gleichzeitig nutze ich auch bis heute sein Wrestling Wissen für die SWE und frage ihn um Rat. Ob man es glaubt oder nicht, unter vier Augen kann man tolle Gespräche mit ihm führen und immer noch was lernen.
Als Tag Team finde ich die Young Bucks natürlich sehr unterhaltsam und ich hoffe immer noch, dass wir sie irgendwann einmal in der SWE sehen, aber ein noch grösserer Fan bin ich von den Briscoes. Diese Gangart der beiden, immer am Limit, sehr hart, unterhaltsam, charismatisch und spektakulär, raubt mir jedes Mal aufs Neue den Atem.
4. Welche Wrestling Liga verfolgst du, ausser der SWE?
Ich bin ganz klar ein Fan von ROH. Ring of Honor zeigt für mich persönlich das beste Wrestling der Welt. Live habe ich noch nie etwas Besseres gesehen und ich habe schon einige ROH Shows inzwischen gesehen. Klar bietet die WWE mehr Entertainment, klar bietet NJPW perfektes Wrestling, aber das Gesamtprodukt, welches ich immer wieder sehen kann ohne mich zu langweilen und mich schon während der Show auf die nächste zu freuen, das finde ich ganz klar bei ROH.
5. Wie schwer ist es, das Wrestling mit dem Privatleben zu vereinbaren?
Sehr schwer. Wenn man natürlich noch einen Vollzeit Job hat und gleichzeitig eine Indy Liga führt, die regelmässig veranstaltet, ist das natürlich, als hätte man zwei Jobs und zwei Leben. Meine Partnerin bringt das mehr als einmal an ihre Grenzen, aber letztendlich steht sie immer an meiner Seite und macht mich somit noch stärker und zu einem glücklichen Mann.
6. Was ist dein lustigstes Erlebnis, seit du im Wrestling tätig bist?
Naja, es gab viele lustige Dinge. Manchmal waren sie erst im Nachhinein lustig. Aber eine Geschichte, die ich immer wieder gerne erzähle, stammt von einer GSW Show im Südwesten von Deutschland. Wir hatten uns mit den Wrestlern und dem Team in einem riesigen Hotel in der Stadt eingemietet und natürlich nach der Show ordentlich gefeiert. Morgens war ich dafür zuständig, die Hotelrechnung zu begleichen und musste dann umgehend beim Hotelmanager antreten und Rede und Antwort stehen, warum einige Wrestler mitten in der Nacht eine 200kg schwere, 3m hohe Palme von der 3. in die 5. Etage umgetopft hatten. Ich musste mich sehr beherrschen, nicht laut los zu lachen, denn der Kopf des Managers war so rot wie eine Tomate. Wenn ich so darüber nachdenke, sollte ich einmal ein Buch über diese vielen Geschichten schreiben. ;-)
7. Wer war für dich der netteste und schwierigste Gaststar der SWE?
Nette Gaststars gab es sehr viele. Matt Cross ist inzwischen sogar ein Freund der Familie geworden und wohnt quasi bei uns, wenn er auf Europatournee ist. Auch mit Dalton Castle und Tommaso Ciampa habe ich immer noch regelmässig Kontakt. Klar gab es auch mal einen Gaststar, der etwas anstrengend war oder sich wie eine Diva aufgeführt hat, aber da werde ich sicher keine Namen nennen und die sind wirklich sehr rar. Eigentlich sind wir besonders bei der SWE wie eine kleine Familie, das spüren die Gaststars sofort und geben das auch speziell in den USA gerne an andere Wrestler weiter, die sich inzwischen sogar bei uns bewerben und nur noch selten von uns zuerst angefragt werden.
8. Was war für dich das Verrückteste, was du selbst im Wrestling Business gemacht hast?
Als Fan hatte ich mir vor einem WWE Event Anfang der 2000er mal eine Glatze rasiert und ging mit einem „What“ Shirt, Lederweste und Jeans zusammen mit 3 anderen Kollegen, die genauso aussahen, zum Event. Wir sahen alle aus wie Stone Cold Steve Austin, aber für Wrestling Fremde sahen wir wohl nach etwas anderem aus, wenn du verstehst was ich meine. ;-) Wenn ich diese Bilder heute sehe, kann ich nur noch den Kopf schütteln. Als Promoter bleibt mir sicher die Geschichte um Tommaso Ciampa in Erinnerung. Tommaso war zweimal bei uns in der Schweiz und bei seinem ersten Besuch erzählte er mir, dass er in Italien noch Familie hat. Einen Cousin und eine Cousine die er seit über 15 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Bevor er das zweite Mal in die Schweiz kam, um bei uns anzutreten, habe ich die beiden ausfindig gemacht, sie eingeladen und in der ersten Reihe platziert. Tommaso wusste natürlich nichts davon. Als er dann zu seinem Match gegen Bad Bones rauskam, die beiden sah und seine Maske, die er damals noch hatte, absetzte, hatte er Tränen in den Augen. Das war es mir wert, sicher verrückt aber auch gleichzeitig sehr schön. Noch heute schreibt er mir regelmässig und bedankt für die tolle Zeit in der SWE und meine selbstgemachte Lasagne
9. Was sind deine weiteren Ziele im Wrestling Business?
Meine aktuellen Ziele sind, das SWE Team weiter auszubauen und noch professioneller zu machen. Aktuell sind wir im Leitungsteam sehr gut besetzt und haben sehr fähige Leute im Team, die mir viel Arbeit abnehmen können, damit ich mich auf wichtigere Dinge konzentrieren kann und auch mein Privatleben mehr geniessen darf. Gerade wurde das Filmteam optimiert und die DVD, VOD Produktion bei King of Switzerland setzt neue Massstäbe. Helfer/Freiwillige sind bei uns aber immer willkommen und dürfen sich jederzeit melden bei Interesse.
Das nächste grosse Ziel ist, die SWE in der Schweizer Medienwelt präsenter zu machen. Meiner Meinung nach haben wir auch in der Schweiz das Potential, vor 1000 Leuten aufzutreten, was aber ohne medienwirksamen Auftritt nicht möglich sein wird. Selbst bei mehr als 10 Shows pro Jahr, die wir z. B. schon in Bern hatten, gibt es immer noch Wrestling Fans dort, die nicht wissen, dass es regelmässig gutes Pro Wrestling in der Stadt gibt.
10. Wo siehst du die SWE in 5 Jahren?
King of Switzerland 10 im Hallenstadion in Zürich. Nein, Spass beiseite. Aber eine Halle mit über 1000 Leuten zu füllen sollte das Ziel sein. Da in der Schweiz Dinge wie Traversen, Licht, Mischpulte, Effekte, Bühnenelemente usw. um einen Vielfaches teurer sind als in Deutschland, sind mehr eigene Effekte sicher ein grosses Ziel. Eine Trainingsschule ist ja gerade im Aufbau. Da würde z. B. ein eigener Transporter mit grossem SWE Logo, der natürlich beste Werbung für uns wäre, uns auch gut zu Gesichte stehen. Aber das sind Träume und Zukunftsmusik. Momentan denken wir eher von Show zu Show und versuchen bei jeder Show einen kleinen Schritt besser und entspannter zu werden.
Wir bedanken uns bei Steffen für die ausführlichen und interessanten Antworten!