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Gemäss einem Artikel [1] der Westschweizer Zeitschrift l'Hebdo haben in der Westschweiz im letzten Jahr 11% der Bevölkerung auf eine medizinische Behandlung verzichtet, weil sie es sich finanziell nicht leisten konnten. Dabei stützt sich der Artikel auf eine Untersuchung des Universitätsspital Lausanne für welche mehr als 2000 Patienten in 47 Hausarztpraxen befragt wurden.
Nicht überraschend sind Patienten, die aus finanziellen Gründen auf eine Behandlung verzichten, häufig jung, arm oder arbeitslos. Häufig beziehen sie Sozialhilfe oder bekommen ein Stipendium.
Beim betrachten dieser Fakten stellt sich für mich die Frage, inwiefern sich das Schweizer Gesundheitssystem mit dem Solidaritätsgedanken vereinbaren lässt und ob es nicht radikal reformiert werden müsste. So kann für die Beteiligung der Patienten an den Behandlungskosten zwar angeführt werden, dass dies unnötige Arztbesuche verhindere. Allerdings stellen Franchise und Selbstbeteiligung für arme eine viel höhere Hürde dar, als für reiche, sodass manch einer aus finanziellen Gründen keinen Arzt aufsucht, auch wenn dies nötig wäre.
Deshalb sollte das Schweizer Gesundheitssystem mit seinen privaten Krankenkassen, Franchisen und Patientenbeteiligungen überdacht und mit einem Modell ersetzt werden, dass dem Solidaritätsgedanken eher entspricht.
[1] Logean, Sylvie: Ces Suisse qui renoncent aux soins médicaux faute d'argent. l'Hebdo Nr. 37 (10. September 2014): Seite 31