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Der Sommer war endlich da. Eine strahlende Sonne beschien England an diesem Tag, dem 29. Juni 1994. Die Briten klebten trotzdem vor der Mattscheibe. An diesem Tag sprach Prinz Charles im Fernsehen erstmals über seine Affäre mit Camilla Parker Bowles, die der Klatschpresse seit Jahren Futter lieferte. Denn verheiratet war Charles mit Lady Diana. Noch. Die beiden lebten zwar getrennt, die Scheidung sollte erst zwei Jahre später unter Dach und Fach sein. Allen war klar: Charles würde es am kommenden Tag auf Seite 1 aller Zeitungen des Königreichs schaffen.
Es kam anders. Es kam im kleinen Schwarzen: Just an diesem Nachmittag erschien Diana an einer Gartenparty von «Vanity Fair». In einem schulterfreien, unroyal kurz geratenen Kleid. Sie sah atemberaubend aus. Die Bilder dieses Power-Auftritts zierten danach die Titelblätter. Die Reporter nannten es «the Revenge-Dress», das Rache-Kleid. Damit zelebrierte Diana ihre neue Freiheit, und sie machte klar: Ich lasse mich nicht unterkriegen. Im Gegenteil.
Mit Grazie und Eleganz
«The Revenge-Dress» sollte eines der ikonischsten Outfits von «Lady Di» werden, die ihren Stil unsterblich machten. Sie hatte damit einen Coup gelandet. Und es war bei weitem nicht der einzige, der ihr mittels modischer Statements gelang: 20 Jahre nach ihrem Tod, Diana starb im August 1997 bei einem Autounfall in Paris, wird sie immer noch als die Fashion-Ikone angesehen. Die Ausstellung «Diana – Her Fashion Story» im Kensington Palast, die im Februar eröffnet wurde, verzeichnet einen riesigen Besucheransturm.
Die Princess of Wales gilt etwa als Erfinderin des «Clean Chic», einer Mode mit einheitlichen Farben und schlichten Formen. Auf Charity-Reisen in Afrika trug Diana stets Hemd, Chino-Hosen und Loafers von Tod’s. Trotz der Einfachheit des Looks wirkte er chic an ihr; das rührt daher, dass sie, egal was sie trug, es mit Grazie und Eleganz tat. Sie schaffte es trotz des Rosenkriegs mit Charles, trotz der öffentlichen Demütigung, würdevoll zu wirken.
Es dauerte allerdings eine Weile, bis sich Diana traute, die Symbolkraft der Mode für sich zu nutzen. Zur Bekanntgabe der Verlobung mit Prinz Charles im Jahr 1981 trug die schüchterne Aristokratentochter ein Outfit, das an Biederkeit kaum zu übertreffen war. Sie wollte damals alles, nur nicht auffallen. Entsprechend wählte sie stockkonservative Stücke für öffentliche Auftritte, die mit der grau-grünen englischen Landschaft zu verschmelzen drohten. Das höchste der Gefühle waren ihre Blusen mit Rüschenstehkragen, sogenannte «pie-crust-blouses», weil sie wie ein Tartelettes-Rand aussehen. Sie wurden zu ihrem frühen Markenzeichen.
Die modische Einöde dauerte bis Mitte der 1980er-Jahre. Ab diesem Zeitpunkt schöpfte Diana Selbstvertrauen, indem sie auf auffällig-knallige Looks setzte. Eine Dosis gutes Ego-Gefühl hatte sie auch dringend nötig, da es mit Charles längst kriselte. Später trat sie stets in den traumhaftesten Abendkleidern auf. Unvergessen ihr letzter öffentlicher Auftritt im Juni 1997, als sie in einem eisblauen Kleid einer Aufführung des Balletts «Schwanensee» in der Royal Albert Hall beiwohnte.
Die Sonne schien an diesem Tag. Für die Mode-Queen Diana sowieso.
Von Rahel Koerfgen