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Snow
Rüde, geboren 20.9.2002
Rudelplatz:
Snow ist der ranghöchste Rüde. Dem Treiben des Rudels schaut er lange ruhig zu, wenn es ihm zu bunt wird, steht er dazwischen und gibt ein kehliges Röhren von sich, das von den andern sogleich akzeptiert wird. Dasselbe tut er manchmal auch, wenn fremde Hunde am Gehege entlang gehen. Er muss unbedingt immer bei seinem Rudel sein, er verträgt es nicht, abgesondert davon zu sein!
Achtung:
Snow schnappt sich gerne etwas das herumliegt, zerrupft es mit den Zähnen und /oder frisst es dann auf. Die Decke auf der er liegt, ein Halsband, ein Stück vom Zaun, ein Lederhandschuh.
Fressen:
Er ist nicht futterneidisch, kann aber etwas mäkelig sein. Er liebt es gar nicht, Flüssigkeit am Futter zu haben und ist deshalb auch mühsam beim Wässern vor dem Training. Da nimmt er meist zu wenig, und frisst dann unterwegs Schnee oder will manchmal aus einer Pfütze saufen. Manchmal kommt er ganz schüchtern an den Tisch betteln, und geht aber gleich wieder, wenn ich sage „nein“ oder er ein Häppchen bekommen hat.
Gesundheitszustand:
Snow leidet an Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und erhält dafür das Medikament „Forthyron 200“.
Mit ein 1 Tabl. pro Tag ist er momentan gut eingestellt. Er frisst die Medi zusammen mit dem Futter problemlos, man kann sie ihm auch ohne Probleme in den Schlund geben. Die Blutwerte müssen einmal jährlich (im September fällig) getestet werden, um gegebenenfalls die Dosierung des Medis anzupassen.
Manchmal reisst er sich, vor allem an den Oberschenkeln, das Fell aus und ist dann dort ganz kahl. Das kann Ursache in der Hypothyreose haben, aber genau so auch in der Psyche, da er sehr, sehr sensibel ist. Die Haut wird aber nicht verletzt, und das Fell wächst immer wieder nach.
Am Schwanz hat er eine Art Einkerbung mit wenig Haarbewuchs, die immer unverändert bleibt. Frühere Verletzung?
Hat am re Oberschenkel einen Krebs, von einem Blutgefäss ausgehend. Das Beinchen ist drei mal so dick wie normal.
Erhält dafür momentan 100 mg Carprox tägl., morgens und abends je 1 Tbl à 50mg.
Im Gespann:
Snow kann nicht mehr eingespannt werden, dazu ist er zu alt, und der Krebs an seinem re Oberschenkel behindert seine Bewegung.
Kuscheln:
Von selber holt sich Snow selten Streicheleinheiten ab, er ist ziemlich zurückhaltend darin. Wenn man sich zu ihm auf den Boden legt, dann lässt er sich sehr gerne streicheln und küssen. Er mag es, wenn man ihn mit langsamen Bewegungen bürstet. In letzter Zeit liebt er es, am Nacken tief ins Fell hinein geknetet, massiert zu werden.
An der Leine:
Da zieht er, seinem Alter entsprechend nicht mehr, schnüffelt aber noch viel herum. "Fuss“ laufen kennt er nicht. Er kann nicht mehr abgeleint werden, da er nur noch schlecht hört.
Art:
Snow ist sehr, sehr sensibel, laute Stimme verträgt er nicht, Unruhe im Haus auch nicht. Steht heute ein Papiersack da, wo gestern noch keiner war, kann ihn das verunsichern. Dasselbe mit Lärm verursachenden Geräten, er braucht ein stilles Eckchen zum Liegen, wo nicht dauernd jemand vorbei geht. Das sucht er sich aber selber aus, man kann es ihm nicht zuweisen. Ruckartige Bewegungen mag er nicht.
Ein Stadtbummel bedeutet für Snow grossen Stress, ebenso, wollte man ihn zu Arbeit mitnehmen, (Büro, Altersheim, Restaurant etc). Er mag das alles nicht und zeigt das, indem er nichts mehr frisst, beim Gassigehen nicht pinkelt, mit dauerndem Hächeln und Speicheln.
Im Haus verhält er sich aber ruhig, macht nichts kaputt, kann auch mal mit dem Rudel alleine gelassen werden.
Er liebt das Autofahren sehr und geht gerne in eine Box.
Umgang mit fremden Hunden:
Vorsicht bei kleineren Hunden, ansonsten macht Snow keine Probleme. Er klärt souverän, nur mit Gesten, oder „schwatzen“ dass er der Chef ist.
Vorgeschichte:
Snow stammt aus einer Rennzucht aus Deutschland, und lebte vor mir in einem grossen Rudel bei einem Musher, der ihn sehr gut behandelt hat.
Er hat Rennerfahrung und wurde als Leader eingesetzt. Das Hausleben kannte er aber wenig.

Viel Freizeit und Herzblut haben Kollegen eines in Not geratenen bayrischen Mushers in den letzten Wochen aufgewandt, um ihm oder eigentlich mehr seinen Hunden zu helfen. Insgesamt 16 Siberians galt es unterzubringen, von denen einige (auch ältere) von ihren Züchtern zurück genommen wurden (auch ohne den Wunsch Sport zu treiben ist die Empfehlung, sich den Züchter seines Welpen sehr genau auszusuchen mitunter nicht nur im Notfall Gold wert). Auf allen Ebenen liefen Vermittlungsbemühungen für diejenigen, die nicht irgendwohin zurückgehen konnten, es gelang so, selbst für recht betagte Hunde Möglichkeiten zu finden. Für einen aber wollte sich so gar nichts auftun, einen siebenjährigen weißen Rüden mit Schilddrüsenunterfunktion und schließlich war es Zeit, nicht nur den Kontakt zur Nothilfe zu halten, sondern aktiv um Mithilfe zu bitten.
Bei Hunden mit Handicap wie Jarvi heißt es in Sachen Webvorstellung top oder flop – tut sich nichts in den ersten Tagen, wird es schwierig. Was nicht heißt, dass diejenigen, die sich auf solche Hunde melden, nicht gut überlegt hätten, im Gegenteil, viele davon sind überzeugte „Wiederholungstäter“ oder solche, die einen solchen kennen und dadurch keinerlei Berührungsängste mehr haben.
Für Jarvi allerdings ging das Türchen wo ganz anders auf, nämlich schon dort, wo seine Berufung, seine Passion liegt, also im sportlichen Einsatz, aber nicht mehr mit dem Erfolg als Ziel an erster Stelle, sondern der Zusammenarbeit im Team. Die meisten Mitglieder sind Vollblut-Tierschutzhunde aus ganz unterschiedlichen Haltungen, zu einer Einheit geworden durch das sorgfältige Auswählen neuer Mitglieder im Vorfeld, der hohen Sensibilität ihres Frauchens beim Zusammenführen und der späteren Leitung des tatsächlichen Einlebens.
Dem Team fehlte nach wie vor ein erfahrenes, umsichtiges etwas älteres, aber noch nicht altes Mitglied, das einerseits insgesamt zur Ruhe und Stabilität beitragen könnte, andererseits sportlich auch zwei- wie vierbeinige Mitglieder weiterbringen sollte. Jarvi’s Bilder sehen, Text lesen und das Gefühl haben, der könnte es sein waren ungefähr eins – in den nächsten Tagen wurde geklärt und organisiert, mit einem ganzen Team im Schlepptau will die Überwindung einer solchen Entfernung wie hier ja genauestens geplant werden.
Vor Ort angekommen klappte das Zusammenspiel mit dem bisherigen Besitzer gut, telefonisch hatte man das Meiste bereits abgeklärt und ging nun gemeinsam ruhig und besonnen an die Umsetzung, um diese reelle Chance für Jarvi nicht zu gefährden. Also nichts für Menschen, die gerne schnell zu Entscheidungen kommen, aber die im Vorfeld investierte Zeit zahlt sich in der Regel aus.
So auch in diesem Fall: Jarvi fuhr am Ende als weiteres Teammitglied mit zurück in die Schweiz und bereichert bereits jetzt den gesamten Rudelverband, schon nach wenigen Tagen machte sich die von ihm ausgehende Souveränität bemerkbar. Das neue Frauchen hat er bereits voll für sich gewonnen, einen neuen Namen übrigens auch, aus Jarvi wurde Snow:
“ ich bin überglücklich Snow bei mir zu haben.
Die lange Fahrt war sehr anstrengend, aber es hat sich wieder einmal mehr gelohnt, gelohnt, gelohnt! Er sprang mir ja auf dem Vermittlungsbild schon voll mitten ins Herz, und ist schon jetzt daraus nicht mehr wegzudenken.
Ein Wehrmutstropfen: Oft kommt mir der frühere Besitzer in den Sinn und mich schaudert eiskalt, wenn ich mir vorstelle, dass ich meine Freunde soo hergeben müsste. Um so mehr setze ich alles dran, dass sie es bei mir einfach nur gut haben, gut und noch einmal gut. Sie sind mein Leben geworden, diese wunderbaren Geschöpfe.
Nun steht aber Snow neben mir und bettelt die ganze Zeit, er möchte doch auch etwas sagen dürfen, denn schließlich könne er doch das alles am besten beurteilen. Nun, ich bin selbst gespannt, was er denn da schreiben wird: „
wir natürlich auch und haben fast ungläubig festgestellt, das ist ja ein richtiges Gedicht und ein schönes noch dazu:
Vielleicht ist Ihnen das Herz ähnlich aufgegangen wie uns und mehr denn je glauben wir, dass der sensible Snow genau am richtigen Platz angekommen ist – vielen, vielen Dank für all das, vor allem das Getane und noch zu Leistende.