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Jahrzehntelang gehörte es zum ökonomischen Grundwissen, dass die Schweiz stets ein strukturelles Handelsbilanzdefizit aufweist. Nur 1916, das heisst während des Ersten Weltkriegs, als die Importe zurückgingen und die Exporte florierten, stellte sich vorübergehend ein Überschuss ein. Es war die Ausnahme, welche die Regel bestätigte.
Seit rund zehn Jahren gilt dies nicht mehr. Beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit und zur Überraschung vieler Aussenwirtschaftsökonomen hat die Schweiz nun jedes Jahr eine positive Handelsbilanz, wie die Grafik der SNB zeigt:
Wie lässt sich dies erklären? Eine populäre Erklärung ist, dass die Schweiz von den Billigimporten aus China profitiert. Diese Erklärung scheint aber falsch zu sein, wie die SNB ihrem letzten Jahresbericht zur Zahlungsbilanz der Schweiz erklärt hat (S. 34-35). Gemäss SNB lässt sich der Handelsbilanzüberschuss «zu einem Grossteil auf einen strukturellen Bruch bei den Exporten» zurückführen. Vor allem zwei pharmazeutische Warenkategorien – Arzneiwaren sowie Antisera und Impfstoffe – hätten den Umschwung bei der Handelsbilanz herbeigeführt. Die folgende Grafik zeigt das rasante Wachstum der Arzneiwarenexporte im Verhältnis zu den Importen ab Mitte der 1990er-Jahre:
Damit zeigt sich einmal mehr, wie wichtig die Basler Pharmaindustrie für die Schweiz geworden ist (vgl. hier). Ohne diesen ausserordentlichen Exporterfolg würde die wirtschaftliche Situation heute anders aussehen. Das Ironische daran ist, dass die Basler die chemische Industrie zunächst gar nicht willkommen hiessen. Vor allem der Basler «Daig» blieb lange Zeit skeptisch – mit Ausnahme der Familie Geigy. Erst als sich abzeichnete, dass diese neue Industrie enormes Wachstumspotenzial hatte, stiegen sie als Kapitalgeber ein. Ein Meilenstein war die Übernahme der Ciba durch den Bankverein im Jahr 1884. Zwei Jahre später erfolgte die Gründung der Kern & Sandoz (später Sandoz AG), 1896 begann Fritz Hoffmann-La Roche mit der Produktion von Pharmaprodukten. Der Rest ist Geschichte.