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| Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)

4. Buch
19. Kapitel: Der christliche Redner darf aber trotz seines erhabenen Stoffes nicht immer nur im erhabenen Stile sprechen
38. Obgleich der christliche Lehrer ein Redner über große Dinge ist, so darf er doch darüber nicht die ganze Zeit im erhabenen Stil sprechen, sondern muß auch einmal im niederen reden, wenn er über etwas belehrt, und im gemäßigten, wenn er etwas lobt oder tadelt. Soll aber etwas getan werden und sprechen wir zu jenen, die es tun sollen, es aber nicht tun wollen, dann müssen große Dinge in erhabener und auf Rührung des Gemütes berechneter Weise gesprochen werden. Und manchmal kann es sogar vorkommen, daß über eine und dieselbe bedeutsame Sache im niederen Stil gesprochen wird, wenn sie gelehrt wird, im gemäßigten, wenn sie gepriesen wird und im erhabenen, wenn das ihr abgeneigte Gemüt zur Umkehr bestimmt wird. Was gibt es denn Größeres als Gott selbst? Wird über sein Wesen niemals eine Belehrung gelben? Oder darf derjenige, der über die Einheit der Dreifaltigkeit belehren will, etwa nur im (gewöhnlichen) niederen Umgangston sprechen, damit man die schwerverständliche Sache so gut, als es überhaupt möglich ist, verstehen kann? Sucht man bei einer solchen Belehrung Schönheiten und nicht vielmehr Wahrheiten? Soll der Zuhörer gerührt werden, auf daß er etwas tue, oder soll er nicht vielmehr bloß über etwas belehrt werden, was er lernen soll? Wenn aber dann Gott in seinem Wesen oder in seinen Werken gelobt werden soll, welches Ideal eines schönen und glänzenden Stiles böte sich da demjenigen dar, der Gott loben kann, soweit überhaupt der gelobt werden kann, den kein Mensch in geziemender Weise zu loben vermag und den jeder irgendwie loben muß! Wo aber dieser Gott nicht verehrt wird oder wo neben und sogar vor ihm Götzen, Dämonen oder sonst irgendein Geschöpf verehrt wird, da muß gewiß die Größe dieses Übels und die Notwendigkeit der Abkehr der Menschen davon im erhabenen Stil dargelegt werden.