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Evangelisch-reformierte und presbyterianische Kirchen
«Reformiert» ist die nähere Bezeichnung für die Glaubensanschauungen, die in ihren geschichtlichen Wurzeln auf die Reformation Calvins und Zwinglis zurückgehen. «Presbyterianismus» ist der Name für eine bestimmte Art kirchlicher Verfassung, wie sie in Anlehnung an das Neue Testament ebenfalls von den genannten Reformatoren vertreten wurde. Die aus den reformatorischen Anfängen entstandenen Kirchen nennen sich heute auf dem europäischen Festland zur Hauptsache «reformiert», im angelsächsischen Gebiet jedoch eher «presbyterianisch».
Die evangelisch-reformierten und presbyterianischen Kirchen sind aus der Tätigkeit Huldrych Zwinglis und Johannes Calvins hervorgegangen.
Die Lehren des Zürcher Reformators Huldrych Zwingli (1484–1531) und besonders diejenigen des Genfer Reformators Johannes Calvin (1509–1564) verbreiteten sich in der Schweiz, in Frankreich und in weiteren europäischen Gebieten. Unter der Führung von John Knox (1505 – 1572) fand die Reformation in Schottland Eingang. Aus jenen ersten Anfängen entstand die Church of Scotland, die bedeutendste reformierte Kirche Grossbritanniens. In Nordamerika schufen Einwanderer eine ganze Reihe reformierter oder presbyterianischer Kirchen. Am bedeutendsten ist die Presbyterian Church (USA) mit 1,3 Mio Mitgliedern. Reformierte und presbyterianische Kirchen bestehen heute hauptsächlich in vielen Ländern der westlichen Welt, aber auch in zahlreichen Ländern Afrikas, Asiens, Australiens, Südamerikas und in Neuseeland.
Die Gemeinde hat gegenüber der Gesamtkirche an Bedeutung gewonnen. Die Kirche lebt in den Gemeinden. Im Gottesdienst kommen der Verkündigung und der Austeilung des Abendmahls besondere Bedeutungen zu. Liturgische Elemente treten in den verschiedenen Kirchen in unterschiedlichem Ausmass zurück.
Für die Leitung der Gemeinden schuf Johannes Calvin das Ältestenamt, den Presbyter (ein Laienamt). Daraus bildete sich die Bezeichnung «presbyterianische Kirche».
Während im Kongregationalismus die einzelne Gemeinde keiner höheren menschlichen Autorität unterstellt ist, kennt die presbyterianische Kirchenverfassung, der die Mehrzahl der Kirchen verpflichtet ist, einander übergeordnete, leitende Körperschaften vom Gemeindekirchenrat, Presbyterium, über die Bezirkssynode bis zur obersten Synode.
Das eine kirchliche Amt, das presbyteriale, umfasst die Dienste der Wortverkündigung (Pastor, Pfarrer), der Ordnung in der Gemeinde (Ältester, Presbyter) und des Helfenden (Diakon). Die reformierten und die presbyterianischen Kirchen sind zum Teil Volkskirchen. Sie üben in der Regel die Kindertaufe. Die Glaubensanschauungen der meisten reformierten und presbyterianischen Kirchen wurzeln ursprünglich im calvinistischen Denken: sie betonten die Bibelautorität, die Souveränität Gottes sowie die Rechtfertigung durch Jesus Christus mit deutlicher Verpflichtung zur Heiligung.
Durch weitere Einflüsse entstanden zwischen den einzelnen Kirchen gewisse Unterschiede. Eine Reihe reformierter Kirchen verzichtet heute auf eine Bekenntnisschrift. Der grössere Teil der reformierten und presbyterianischen Kirchen ist Mitglied des ÖRK (Ökumenischer Rat der Kirchen). Die hier erwähnten Kirchen führen ihre eigene Missionsarbeit, oder sie beteiligen sich aktiv an weiteren Missionswerken. Die auffallende Nüchternheit des reformierten Glaubens förderte einerseits eine ausserordentliche Weltnähe, andererseits ein sich Auflösen aller spirituellen Anteile christlicher Existenz und eine Verwandlung des Glaubens in eine reine Bürgerethik oder in eine neue Form scheinbar bibeltreuer Gesetzlichkeit.