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III. Bewegung des Wassers durch das Rad.
Nach bekanntem Gesehe bewegt sich das Wasser innerhalb des Kreiselrades nach der Gleichung
Während der Bewegung tritt durch Reibung ein Geschwindigleitsverlust ein, dessen Größe nahezu gemessen wird Hurch die Höhe
e.o,'. 2e' es ist also
(1-5-?,) o,' - >,« - v.' ^. o,« ^ 2 8 (p, - p,) (5).
IV. Uebertritt des Wassers vom Rade in den äußeren Leitapparat.
Die Annahme, daß beim Uebertritt des Wassers vom Laufrad in das äußere Leitrad keinerlei plötzliche Geschwindig«
teitsänderung Statt hat, bedingt die Gültigkeit der Gleichungen
Ueber die Darstellung von Flechtenspiritus.
(Nach Professor Sten Stenberg.)
Es ist eine längst bekannte Thatsache, daß die Cellulose der Pflanzen durch Kochen mit verdünnter Schwefelsäure oder Salzsäure in Traubenzucker übergeführt werden kann, und man hat bis zur neuesten Zeit versucht, diese Methode für die
Gewinnung von Alkohol nutzbar zu machen, jedoch ohne Erfolg, denn die Ueberführung in Zucker erfolgt so langsam und ist so kostspielig, daß diese Methode mit den anderen üblichen nicht zu concurriren im Stande ist. Im Jahre 186? mit
Während also bei dem Mannmoos und Islandsmoos 29,4 pCt. und 32 pCt. des Zuckers von der Cellulose stammen, liefert das Rennthiermoos aus derselben den bei weitem größten Theil des. Zuckers und nur einen sehr kleinen Theil aus der vorhandenen Stärke. Dessenungeachtet eignet sich das Rennthiermoos ebenso gut zur Maischeerzeugung, weil die Cellulose ganz wie die Moosstärte selber sehr leicht und vollständig in Zucker übergeführt wird, was um so wichtiger ist, als gerade das Rennthiermoos das verbreitetste und deshalb am meisten angewendete ist.
Das Rennthiermoos wird in den bergigen und Holzreichen Theilen von Schweden hauptsächlich angetroffen, besonders in Smaland, in den bergigen Theilen von Ostgoth« land, einem Theile vom südlichen Dalsland, in gewissen
Gegenden von Nerike, Wermland, Südermanuland, Dalarne, auch in Lappland, woselbst es jedoch an den Stellen, an welchen es von den Rennthieren abgefressen wird, nur klein ist. Außer den angeführten Gegenden kommt es noch in Norwegen und Finnland vor. Man findet es oft auf Felsen wachsend, zuweilen auf Sandhaidcn und selbst auf Moorhaiden gemischt mit Sphagnumarten. Toll es in den waldigen Gegenden kräftig gedeihen, so muß das Holz dünn stehen, weil dichtes Gehölz dem Wachsthum schadet. Auf den Moorhaiden ist es mit Grashalmen vermischt und wechselt daselbst gewöhnlich mit Erdhügelchen ab, zwischen denen es steht und dadurch leicht der Beobachtung entgeht. Letzteres Vorkommen findet nur auf den trockenen Mooren Statt, während es in den feuchten Mooren auf den Crdhügeln selbst wächst. In Lappland findet es sich uugemeiu üppig in Waldregionen, in denen unfruchtbare Sand- und Kieshaiden vorhanden find, welche sich nur spärlich mit Tannen bewachsen finden. Auf abgebrannten Waldstächen entwickelt es sich sehr schnell und erlangt nach sechs Jahren seine vollständige Größe. Nach Grape braucht das Moos im stachen Lande fünf Jahre und in den Beigen sieben Jahre, ehe es als Nahrung für die Rennthiere gut ist; es braucht zwölf bis fünfzehn Jahre, bis es vollständig ausgewachsen ist. lieber die zwischen zwei Ernten liegende Zeit läßt sich nichts Bestimmtes angeben, es hängt dieses von der Lage der Moosfelder und den atmosphärischen Einflüssen ab; nach Angström ist für einen reichlichen Nachwuchs feuchtes Wetter unumgänglich nöthig, und es ist in diesem Falle, wenn es von den Rennthieren abgeweidet wird, im folgenden Jahre wieder von derselben Größe. Bei trockener Witterung und an ebensolchen Standorten wächst es gar nicht, daher es auf den feuchten Mooren am besten gedeiht und am kräftigsten nachwächst.
Das Einsammeln des Mooses muß mit der größten Vorsicht geschehen, damit dasselbe nicht verunreinigt, und der Nachwuchs nicht gestört wird. Das auf den Bergen wachsende Moos muß besonders vorsichtig behandelt werden, weil sonst bei dem Einsammeln die dünne Humusdecke von dem Felsen losgerissen und dadurch der Nachwuchs empfindlich gestört wird. In den nördlichen Landschaften von Schweden, in Norwegen :c., woselbst es als Viehfutter benutzt wird, harkt man es im Herbste, wenn der Boden schon gefroren ist, zusammen, läßt es in Haufen zusammeufrieren und führt es in diesem Zustande ein. Das auf diese Weise gewonnene Moos ist jedoch für die Spiritusgewinuung zu unrein, es muß vielmehr für diesen Zweck mit der Hand eingesammelt werden, und zwar nur dann, wenn es noch feucht ist, weil es sich in diesem Falle leicht büschelförmig abreißen läßt, ohne die Wurzeln zu beschädigen und ohne viel Pulver zu geben. In der trockenen Jahreszeit sammelt man es daher früh am Morgen, wenn der Thau noch nicht abgetrocknet ist, und läßt mau, um den Nachwuchs zu sichern, z bis ^ des Mooses auf der Erntestelle stehen. Das gesammelte feuchte Moos wird an einem reinlichen trockenen Platz dünn ausgebreitet und getrocknet; in der feuchten Jahreszeit läßt man eö gewöhnlich liegen, bis trockenes Wetter eingetreten ist. Im staubtrockenen Zustande enthält es noch 10 bis 12 pCt. Wasser; es wirddann in Säcke oder Körbe gepackt, eingefahren und in Schuppen aufbewahrt. Im feuchten Zustande ausgeschichtet. erhitzt es sich und verdirbt, wenn es nicht vorzeitig noch nachgetrocknet wird. Obgleich sich das Moos wegen seiner Beschaffenheit leicht trocknen läßt, vorausgesetzt, daß die Witterung günstig ist, so eignen sich Gras- und Tandplätze nicht zum Trocknen, weil das abgeriebene pulverige Moos nicht gesammelt weiden kann; man hat daher versucht, dasselbe auf geschlossenen Darrplatten 6 Zoll (I10°"°) hoch aufgeschichtet zu trocknen, jedoch ohne befriedigenden Erfolg. Am besten würden sich hierzu die durchbrochenen Doppeldarren eignen, wie sie allgemein zum Malzdarren jetzt eingeführt sind.
Beim Ankauf des Mooses muß der Wassergehalt und die Reinheit desselben berücksichtigt weiden, und es ist daher am besten, nur trockenes und reines Moos frei von anderen fremden Bestandtheilen zu verwertheu, weil alsdann der aus demselben gewonnene Spiritus besser ist, und die Kosten seiner Darstellung geringer werden. Das trockene Moos ist sperrig und erschwert dadurch den Transport und die Aufbewahrung; um sich hierin jedoch eine Erleichterung zu verschaffen, preßt man es zusammen oder mahlt es zu Pulver. Durch Tchraubenoder Hebelpressen preßt es sich nur so weit zusammen, daß 9 bis 10 Pfd. immer noch den Raum von 1 Cbkftz. einnehmen; hydraulische Pressen wirken zwar besser, aber sie finden sich nicht eingeführt, weil sie zu theuer und zu umständlich sind. Vielfach wird das Moos auf einer Tenne zu Pulver gestampft oder zertreten und nicht selten auch gemahlen oder mittelst einer Dreschmaschine zerkleinert, wobei es dann noch gleichzeitig gereinigt wird.
Das zerstampfte oder gemahlene Moos kann so weit zusammengepreßt werden, daß 80 bis 100 Pfd. eine Tonne ausfüllen.
Das Einsammeln des Mooses geschieht von Kindern und älteren Personen, welche sonst nichts verdienen können. Bei weniger vorsichtigem Sammeln kann jede Person bis 2 Ctr. MooS täglich einsammeln, welche Quantität jedoch bis auf
1 Etr. hcruuterfinkt, wenn dasselbe rein und für die Spiritusfabrication anwendbar sein soll. Wenn der Nachwuchs fünfzehn Jahre dauert, so darf jedes Jahr nur ^ der Pflanzstätte abgeerntet werden, wobei dann im Mittel und bei mittelmäßigem Wachsthum von jedem Tonnenland oder nahezu
2 preuß. Morgen 30 Ctr. trockenes Moos geerntet werden können. Bedeutende Dimensionen nimmt die Sache in denjenigen Gegenden an, wo Tausende von Tonnland mit Moos bewachsen sind, und besondere Aufmerksamkeit verdieut das Vorkommen des Mooses auf den reichlich vorhandenen Mooren, welche mit Weißmoos bewachsen sind. Nicht auf allen diesen Mooren trifft man das Moos an, doch finden sich solche reichlich mit Moos bedeckte Moore außer in den nördlichen Landstrichen auch in den südlichen Landtheilen, z. B. im Landstrich Säfsjö im Bezirk von Iöntöping, woselbst an einer mittelmäßigen Stelle pro Tonnenland 36 Ctr. geerntet werden tonnen. Da nun nach zuverlässigen Berichten in der dortigen Gegend ca. 30,000 Tonnenland Moore sich befinden, so kann man sich eine Vorstellung machen, welche große Mengen von Moos an diesem Orte zu treffen find.
Die Ueberführung der Cellulose im Moose geschieht durch Kochen mit verdünnter Salzsäure und nicht wie sonst üblich mit Schwefelsäure, weil Erste« energischer wirken soll und billiger ist, als die Letztere. Zum Kochen bedient man sich
eines aus 3 zölligen (78""") Bohlen hergestellten Holzbotticks von 6 Fuß (1°>8) Durchmesser und 170 Cbkfß. (0,52 Ebkmtr.) Inhalt, welcher im Stande ist, 1500 Pfd. Moos bei jeder Operation zu fassen. Der zum Kochen gebrauchte Wasserdampf von 1z bis 2 Atmosphären Ucderdruck strömt an sechs Stellen am Boden des Bottichs durch Bleirobre ein, die mit einem Hauptrohre verbünde« sind, welches sich von außen kreisförmig an den Bottich anschließt. Je nach der Reinheit des Mooses wendet man 7 bis 10 Gewichtsprocente Salzsäure von 1,i«5 spec. Gewicht an und verdünnt dieselbe mit so viel Wasser, daß eine 6procentige Säure resultirt. Von dieser Säure wird ungefähr die Hälfte in das Kochfaß gebracht und erwärmt, worauf alsdann das Gefäß bis obenhin voll Moos gefüllt und Dampf zugelassen wird. In dem Maße, als das Moos zusammensinkt, werden neues Moos und Säure zugesetzt, bis das ganze Quantum sich in dem Bottich befindet. Der Dampf wird von dieser Zeit an alle 20 Minuten abgesperrt und die Masse durchgearbeitet, welche gewöhnlich nach vier Stunden zu einem gleichförmigen Brei vou sehr geringem Volumen umgewandelt ist. In diesem Stadium ist jedoch die Zuckerbildung noch nicht beendigt, sondern das Kockcn muß noch 4 bis 5 Stunden fortgesetzt werden, so daß sich also die ganze Kochzeit auf 8 bis 9 Stunden hinzieht und die ganze Operation ca. 12 Stunden Zeit bedarf. Um sich über die Beendigung der Zuckerbildung zu orientireu, werden von Zeit zu Zeit Proben mit Glasstäbe» aus dem Kochgefäß genommen, welche, wenn sie sich nicht mehr butterartig aufühlen, die Beendigung des Processes anzeigen. Bildet nämlich die Probe im kalten Zustande eine nickt schmierige, aber ziemlich feste gelatinöse Masse, welche sich leicht als Ganzes vom Glase loslöst und mit dem Messer geschnitten glänzende Flächen zeigt, so ist die Znckerbildung als becudigt zu betrachten. Sicherer bestimmt man diesen Punkt, wenn man die Probe mit destillirtem Wasser verdünnt, hierauf filtrirt und einige Tropfen in Alkohol von 88 pCt. fallen läßt; entsteht dann eine Fällung, so muß noch weiter gekocht weiden, und zwar so lange, bis die Probe klar bleibt oder nur eine geringe Färbuug zeigt.
Die fertige Maiscke, welche- uur z des ursprünglichen Volumens besitzt, wird mit warmem Wasser bis zu Z oder zur Hälfte des Bottichs gemischt, nochmals durch Dampf erwärmt und sofort in die entsprechend großen Neutralisationsgefäße abgelassen und in diesen durch Kalt oder Kreide neutralisirt, was gewöhnlich 1 bis 2 Stunden Zeit erfordert. Nach beendigter Neutralisation wird die Maische durch ein Drahtseil von 7 bis 8Qdrtfß. (0,? bis 0,8 Qdrtmtr.) Tiebfläche geseiht und alsdann auf Kühlschiffen so weit abgekühlt, daß sie durch Zuführen von Wasser mit einer Concentration von 5 bis 6 pCt. und mit einer Temperatur von 32 bis 34" (!. in die Gährgefäße gelangt, in welchen sie direct mit Kuusthefe versetzt wird. Im Anfange wurden von den Hefenmaterialien 15 pCt. des angewendeten trockenen Mooses verwendet, welche aus 8 Gewichtstheilen Malzmehl und 1 Gewichtstheil Schwarz- oder Roggenmehl bestanden; neuerdings verwendet man jedoch nur 5 bis 8 pCt. Hefeumaterialien und erzielt damit den gleichen Erfolg. Die Moosmaische wirft bei der Gährung einen leichten großblasigen Schaum, die Temperatur steigt um 2Z bis 4" 6. bei einer Gährraumtemperatur von 15 bis 20° (!. Nach vier Tagen ist die Gährung beendigt und die Maische wild am fünften Tage in einem Pistorius'schcn Apparate abdestillirt.
Nach den Angaben des Betriebsjournales erhielt man aus 103,500 Pfd. gewöhnliches Moos, entsprechend 73,485 Pfd. reines Moos mit Hülfe von 7440 Pfd. Salzsäure, 6440 Pfd. Kreide und 15,222 Pfd. Hefenmaterialien 8820 Kannen oder 22,075 Liter Spiritus von 50 pCt. Von den 8820 Kannen Spiritus rühren 1446 Kannen von den Hefcnmaterialien her, so daß für das Moos allein 7374 Kannen resultiren, und also 20 Pfd. reines Moos fast 2 Kannen oder nahezu 5 Liter 50proccntigeu Spiritus geben. Eine Maische aus 3000 Pfd. unreinem oder dem entsprechend aus 2130 Pfd. reinem Moose bereitet enthält im Mittel 1356 Pfd. Traubenzucker oder pro Kaune 0,Z48 Pfd. und müßte ohue Verlust 678 Psd. oder 138,8 Kannen absoluten Alkohol liefern, man erhielt aber als Mittel nach dem Betriebsjournal nur ^ bis /« der theoretischen Ausbeute.
Die Concentration der Moosmaische ist, wie schon angegeben, durchschnittlich 5 bis 6 pCt. und also bei Weitem geringer, als diejenige der Korn- oder Kartosfelmaische; dem entsprechend muß also auch der Gäbrraum ein größerer sein. Es ist dieses eine Unbequemlichkeit, welche durch Concentrireu der Maische umgangen werden tonnte, allein die Erfahrung hat gezeigt, daß dann die Ausbeute an Alkohol viel geringer ausfällt und daß gerade die angegebene Concentration die zweckentsprechendste ist. Meines Erachtens ist jedoch die un
gemein geringe Concentration der Maische ein Uebelstand und nur bedingt durch die große Menge von Chlorcalcium, welche der Gährung hemmend in den Weg tritt und die den Fabricanten zwingt, nicht allein ein großes Quantum Hefenmaterial anzuweudeu, sondern auch die Maische bei einer ungebührlich hohen Temperatur vergähren zu lassen. Alle diese Uebelständc weiden verschwinden, wenn die Ucberführung der Ecllulose in Zucker durch Schwefelsäure vermittelt und nach der Operation die Säure durck Kreide als unlöslicher schwefelsaurer Kalt aus der Maische entfernt wird.
Anstatt die salzsäurehaltigc Maische mit Kalk zu neutralisireu, wodurch die Schlempe als Vichfutter unbrauchbar wird, hat man versucht, hierzu das kohlensaure Natron zu verwenden uud damit eine kochsalzhaltige Schlempe zu erzielen, welche als Futter Anwendung finde» kann. Abgesehen von dem Kostenpunkte, möchte der große Kochsalzgehalt dieser Benutzung der Rückstände im Wege stehen und gerade ein Fingerzeig für die Verwendung der Schwefelsäure sein.
Der Moosbramttweiu hat einen an Genevcr erinnernden Geschmack, welcher von den in dem Moose fast nie schlenden Tannennadeln und Zweigen herrühren soll. Der aus reinem Moose bereitete Spiritus besitzt einen angenehmen schwach mandelartigen Geruch und Geschmack, welcher durch Filtration durch Kohle beseitigt werden tan», so daß derselbe im gereinigten Zustande dem vorzüglichsten Getreide- oder Kornspiritus ebenbürtig zur Seite gestellt werden kann.
Trajectanstalten.
Von C. Schaltenbrand.
(Vorgetragen m der Sitzung des Eölncr Bczirksvcrcincs vom 25. Mär; 1869.)
(Hierzu Tafel I und II.)
Einer an mich ergangenen Aufforderung folge»», gebe Ich zunächst meine Ansicht über Trajectanstalten im Allgemeinen.
Jede ausgeführte Eisenbahn-Trajectanstalt betrachte ich als ein unvermeidliches Uebcl, welches nur dort angewendet werden sollte, wo der Bau einer Brücke localen oder finanziellen Verhältnissen nach zur Unmöglichkeit wird. Ganz abgesehen von den Uebelständen, welche durch ciue mehr oder weniger unvollkommene Construction bedingt werden, ist jede Trajectanstalt, anch die vollkommenste, bei unserem Klima durch den Eisgang einer Betriebsstörung ausgesetzt, deren Eintritt und Dauer sich nickt vorher bestimmen lassen. Noch empfindlicher wird dies, wenn die Bahn als Concurrenzbahn die Schissfahrt gerade in dieser Zeit ersetzen soll. Es trifft dann die Betriebsstörung stets mit dem lebhaftesten Güterverkehr zusammen.
Stellen sich jedoch dem Bau einer Brücke Hindernisse entgegen, deren Beseitigung nicht in der Macht des Erbauers liegt, oder handelt es sich nur um eine abkürzende Verbindung, so daß der Bau einer Trajectanstalt beschlossen wird, so bleibt es eine schöne Aufgabe des Iugeuicurs, diese Anstalt so einzurichten, daß sie den Mangel einer Brücke möglichst wenig fühlbar macht.
Aebnliche Gründe, wie die vorhin angedeuteten, veranlaßten die Directum der rheinischen Eisenbahngesellschaft beim Bau der Linie Eleve-Zevenaar für den Uebergang über den neue» Rhein, nahe der holländischen Grenze bei Ellen, die Anlage einer Trajectanstalt zu, verfügen, während der alte Rhein bei Griethauseu überbrückt wurde.
Sehr interessante Projecte hierzu wurde» von dem Baumeister Hrn. Sternberg bearbeitet, welcher jedoch bald zun, großherzogl. Baurath eruaunt, als Professor au das Polytechnicum in Carlsruhe berufen wurde.
Die später zur Ausführung gelangte Keltcnfähre bei Ellen, wohl zu untcrfchcidcn vo» der sich jetzt in Betrieb befindenden Anstalt, wurde nach Angabe des Geh. Oberbaurathes Hru. Hartwich unter Leitung des Ingenieurs Hrn. Bendel projectirt und unter Leitung des Abtheiluugsbaumeisters Hrn. Rocholl ausgeführt.
Im Jahre 1862, als mir die Pläne der Keltcnfähre zu Gesicht kamen, sprach ich mich sofort dahin aus, daß die Grundidee, uach welcher diese Anstalt erbaut werden sollte, eine unrichtige, und deshalb der Ersolg ein sehr zweifelhafter sei. Diese Ansicht, welche damals viel belächelt wurde, hat sich durch traurige Erfahrungen als nur zu waln bestätigt. Wenn ich deshalb hier die erste Anlage klitisiie, so kann mich der Vorwurf nicht treffen, daß es leicht sei, ein fertiges Werk zu bemängeln, und dies um so weniger, als es mir selbst beschieden war, die endliche Inbetriebsetzung herbeizuführen.
I. Die Kettenfähre bei Elten.
Die Grundidee der Kettenfähre war folgende: Es sollten Schiffsgefäße -an straff gespannten Ketten senkrecht über den Rhein fahren und genau geführt an den Schienen geneigter Ebenen landen, so daß mit Hülfe verstellbarer Anfahrtsbrücken die Wagen durch die Locomotive aufgeschoben weiden konnten. Diese Idee war insofern unrichtig, als dabei dem Stromdrucke gar leine Rechnung getragen war und man irrthümlich annahm, die Schiffe würden die gerade Fahllinie nicht verlassen. Da dies aller Theorie und Praxis widerspricht, so war vorauszusehen, daß die Ketten bei der Ueberfahrt sich buchten und immer mehr und mehr ablegen würden. Die Landepunlte der Schiffe liegen bei gewöhnlichem Wasserstande ca. 1200 Fuß (375") von den für Hochwasser vorgesehenen Befestigungspunkten der Ketten entfernt. Die Schisse mußten deshalb die Landepunlte regelmäßig verfehlen, wie Fig. 1, Taf. II im Grundriß zeigt.
Ebenso unrichtig war der Glaube, die zwischen straff gespannten Ketten geführten Schiffe noch steuern zu können, wie ich an betreffender Stelle nachweisen werde. Abgesehen von diesen Fehlern in der Grundidee waren auch die sonstigen Einrichtungen noch zu unvollkommen, als daß ein günstiges Resultat möglich gewesen wäre.
Die Kettenfähre besteht aus dem Maschinenschiffe (Flg. 1 und 3, Taf. I), 90 Fuß (28°» lang, 14 Fuß (4",4°) brett mit 6! Fuß (2°» Schissshöhe bei 27 Zoll (705"") mittlerem Tiefgang, zu dessen Seiten mit 15 Zoll (390°") Zwischenraum zwei flache Ponten schwimmen, von je 147 Fuß (45",i5) Länge, 20 Fuß (6°» Breite bei 37 Zoll (970"") Schissshöhe mit 24 Zoll (625"") hohen Langborden. Der Tiefgang dieser Ponten war unbeladen 16 Zoll (420"") und vollbeladen 30 Zoll (785"").
Ueber die Mitte jeder Ponte ist ein Geleise gestreckt zur Aufnahme von sieben beladenen Güter- oder fünf Personenwagen Um das Ablaufen der Wagen zu verhindern, wurden an den Enden der Geleise sogenannte Drehbusser angebracht. Diese Drehbuffer, der einzige Gegenstand, welchen ich für diese Kettenfähre construirte, haben sich allein von allen mechanischen Einrichtungen bei der verbesserten Anstalt erhalten und werden dort näher beschrieben werden.
Die Ponten, unter sich an den überstehenden Enden mtt Holzrahmen horizontalgelenlig verbunden, waren mit dem Maschinenschiff an den Punkten », d, o und c, der Flg. 1 bis 3, Taf. I mit der in Fig. 2, Taf. U stizzirten Kuppelung verbunden, so daß für den veränderlichen Tiefgang der Ponte und das Schwanken derselben der nöthige Spielraum blieb. Die Schiffsgefäße der Ponten und des Maschinenschiffes wurden auf Aniachen der HHm. Iatobi, Haniel sc Huyssen, welchen die Ausführung übertragen war, später m Eisen gebaut. In der Mitte des Maschinenschiffes ist in einem Räume von 14 Fuß (4",4) Breite, 26 Fuß (8",i6) Länge und 8 Fuß (2",«) Höhe eine Zwillingsmaschine von 40 Pftdst. bei 30 Umdrehungen aufgestellt, sowie der zugehörende Kessel nach Art
der Locomotivkessel construirt mit ca. 9 Qdrtfß. (0,9 Qditmtr.) Rostfläche für 3 Atmosphären Ueberdruck, welcher indessen wohl kaum den Dampf zu 12 Pftdst. liefern konnte.
Diese ganze Einrichtung war recht unglücklich zusammengebaut. Der Kessel heizte sich wegen mangelhaften Luftzutrittes und zu enger Röhren schlecht; dabei war die Hitze in dem engen Räume, von welchem noch die Kohlenräume abgetrennt waren, unerträglich.
Die Maschinenwelle war auf ca. 5 Fuß (1",5?) Länge viermal gelagert, ohne alle Stellvorrichtung. Die mittleren dieser Lager, unter dem Kessel dicht beim Roste liegnid, waren fast unzugänglich. Die Maschinenwellc trieb mit je einem Räderpaare mit Uebersetzung von 2 : 7 zwei zu beiden Seiten des Kessels über ihr gelagerte Triebwellen, auf bereu durch die Schiffswand ragenden Köpfen außerhalb die Kettenräder saßen, so daß sich die Letzteren in dem Zwischenräume zwischen Maschinenschiff und Ponten drehten.
Der Raum vor und hinter der Maschinenkammer enthielt Salon, Vorkajüte und Räume für Geräthe. Es lag die Absicht vor, die Personen während der höchstens 8 Minuten dauernden Ueberfahrt jedesmal mittelst Treppen auf das Maschinenschiff und hiuab in die Kajüten steigen zu lassen.
An jedem Ende des Maschinenschiffes war ein Steuer angebracht mit dem Schlüssel unter Deck von ca. 10 Qdrtfß. (1 Qdrtmtr.) eingetauchter Fläche, sowie ein Anker von 5 Ctr. Gewicht.
Die Ketten, zur Führung und Fortbewegung der Schiffe dienend, hatten Glieder von 1 Zoll (26"") Rundeisen bei 4^ Zoll (115"") Länge und 3z Zoll (90"") Breite mit eingesetzten Gußstegen. Die einzelnen Kettenstücke waren dabei mit sogenannten Nothgliedern, in Fig. 3, Taf. II slizzirt, verbunden, welche auch beim Reißen einer Kette eingesetzt wurde». Die beiden Ketten über die Kettenräder des Maschinenschisses hinwegliegend hatten eine senkrechte Entfernung von 15 Fuß (4",?X
In die Kettenräder war am Kranze die gewöhnliche Kettenspur mit Knaggen eingegossen (Fig. 4, Taf. II), welche. Letzteren zu zwei und zwei ein Kettenglied fassend die Fortbewegung vermitteln sollten. Die Anfertigung dieser Räder war mit Schwierigkeiten verknüpft, hauptsächlich weil die Theilung der Kette keine gleichmäßige war.
An den Ponten führten sich die Ketten bei l, 8, l, und m der Fig. 3, Taf. I zwischen je zwei Verticalrollen von 6 Zoll (155"") Durchmesser, während sie durch Horizontallollen von 18 Zoll (470"") Durchmesser getragen wurden. Diese Rollenführung, in einem Gußgestell an die Ponten angeschraubt, war in sofern mangelhast, als die Verticalrollen von 6 Zoll (155"") Durchmesser, welche, wie sich später ergab, vom Stromdrucke mit ca. 25 Ctr. gegen die Kette geschoben wurden, in die einzelnen Maschen hineinsprangen, wie Fig. 5, Taf. II verdeutlichen soll, wodurch ein fortwährendes Rütteln erzeugt wurde. Die Nothglieder gaben flachliegend sogar einen heftigen Stoß.
Die Ketten sielen in Folge ihres bedeutenden Gewichtes von den Fühlungen an der Ponte ab und «leichten je nach dei Wassertiefe auf velschiedene Längen den Boden des Rheinbettes. Uebel diesen liefen sie weg und stiegen an beiden