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Beim Format „Theatersport“ in der Kammgarn erfanden Teams aus Deutschland und der Schweiz Kurztheater mithilfe der Inputs des Publikum. Das Resultat war eine rasante Doppelvorstellung am Freitag und Samstag.
Bild: Teamplayer trotz Konkurrenzkampf. Team Berlin vs. Team Bremen. (Foto: Roberta Fele, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)
Beim Format „Theatersport“ in der Kammgarn erfanden Teams aus Deutschland und der Schweiz kreative Kurztheater mithilfe der Inputs vom Publikum.
„Fünf, vier, drei, zwei, eins – los!“ Beim Theatersport am Freitag- und Samstagabend in der Kammgarn wurde jede Szene kollektiv eingezählt. Am Freitag duellierten sich zwei Teams aus Bremen und Berlin, am Samstag wurde Bremen durch Bern ersetzt. Wie immer bei diesem Format existieren für die vielen Kurztheater keine Drehbücher. Das Publikum ist der Regisseur und bringt Inputs für die improvisierenden Schauspieler. Ein Ort, ein Beruf, eine Eigenschaft oder ein Gefühl. Je nachdem, was der kreative Schiedsrichter und Moderator Sven für die Kurzszenen haben musste. Am Schluss jeder Runde wurde mittels roter oder blauer Karte bewertet, welches Team besser war. Der Moderator fragte eine Dame nach ihrem Namen und ihrem Beruf. Die Archäologin Isabelle bekam sodann den Auftrag, im Saal eine kollektive La-Ola-Welle zu initiieren. Ihr Beruf wurde im Verlaufe des Abends ein Running Gag. Die Berliner nahmen Bezug auf die Ausgrabungen beim Barfüsserkloster. Sie liessen die Geschichte in der Vergangenheit spielen und erfanden eine witzige Story, warum dort überhaupt Skelette zu finden waren. Die Bremer wünschten sich aus dem Publikum zwei Mäntel und eine Stofftasche. Zudem einen Ort. „Spielplatz“ erklang es von den Gästen. Zunächst begann die Szene mit einer harmlosen Begegnung zweier Elternteile. Sie suchten jedoch in den Taschen der Zuschauermäntel nach interessanten Gegenständen und hatten plötzlich Medikamente und Tabletten in der Hand. Unter herzhaftem Gelächter der Gäste nahm das Stück sodann eine frappante Wendung. Plötzlich wurden auf dem Spielplatz Drogen gedealt und eine Liebesbeziehung schien sich zwischen den Protagonisten anzubahnen. Bei einem weiteren Spiel gaben die Besucher das Thema des Stücks und drei verschiedene Genres vor. „Aufklärung“ rief jemand und der Schiedsrichter grinste. Die Bienchen-und-Blümchen-Story musste sodann zuerst am Königshof, dann in einer James-Bond-Version und zu guter Letzt als Musical aufgeführt werden. Diese Szenen waren nicht nur spannend und witzig, sondern auch sehr beeindruckend. Scheinbar aus dem Nichts und nur mit wenigen „Zutaten“ stellten die Theatersportler jeweils ein Kurztheater auf die Beine, das wirklich beeindruckte. Ein kreativer Moment des Abends war auch, als der Schiedsrichter eine Sitcom aufführen wollte. Durch ein Missverständnis hiess die Hauptperson dann plötzlich „Munot“ und musste sich mit einem Untermieter, einem gefrässigen Piranha und einem kuschelbedürftigen Mondfisch herumschlagen. Das Highlight daran war aber, dass man wie die Amerikaner in den Sitcoms jeweils laut klatschen musste, wenn jemand neues die Bühne betrat oder im Kollektiv halblustige Szenen mit lautem Herauslachen, Weinen oder auch mit bedauernden „Ouuu“-Lauten kommentieren sollte. Normalerweise sieht man bei Sitcoms diese Zuschauer ja nicht, aber nun sass man mittendrin und merkte: Das macht unglaublich viel Spass. Es folgten viele weitere witzige Spiele. Beispielsweise jenes, bei welchem der Schiedsrichter ein gelbes Reclam-Schulheft dabei hatte und einer der Schauspieler für seine Sprechrolle nur Sätze aus Wedekinds „Frühlings Erwachen“ vorlesen durfte. Als sich die 130 Jahre alten Zitate mit einem Sozialpädagogen und einem Vermieterehepaar nicht vereinen liessen, kam es zu einem aberwitzigen Streit. Das Publikum war enthusiastisch gestimmt von den kreativen Kurztheatern. Auch die Organisatoren Katharina Furrer vom Schauwerk meinte: „Wegen Corona haben wir halb so viele Leute, aber die genauso scharfe und coole Stimmung wie sonst. „Ich bin total begeistert.“
Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Montag, 17. Januar 2022.