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Mikrostaat-Gründer Jedlicka
"Auch 200 Schweizer wollen nach Liberland"
Der tschechische Politiker Vit Jedlicka gründet einen eigenen Staat: Liberland. Vorbild ist die Schweiz, erzählt er 20 Minuten.
Jedlicka (2. von rechts) rief die "Freie Republik Liberland" am 13. April aus.
Er ist führendes Mitglied der Partei der freien Bürger und ist für seine euroskeptischen,
liberalen Ansichten bekannt ist.
Auf seiner Website findet man auch die Flagge Liberlands und das Wappen.
Am 13. April kündigt der Tscheche Vit Jedlicka die Gründung einer neuen Mikronation namens Liberland an. Der 31-jährige Wirtschaftsabsolvent und Mitglied der libertären "Partei der freien Bürger" hisst auf einem Landstrich am westlichen Donauufer zwischen Kroatien und Serbien eine Fahne und ruft "heimatlose Freiheitsliebhaber" dazu auf, sich um eine Staatsbürgerschaft in Liberland zu bewerben.
So zeichnete der Gründer von Liberland, der Tscheche Vit Jedlicka,
die Grenzen seines neuen Minilandes ein. Die Karte lud er auf seiner Website hoch.
Liberland liegt zwischen Kroatien und Serbien. Nach dem Zerfall Jugoslawiens konnten sich die beiden Länder nicht einigen, wem der Landstrich gehört
In dem bewaldeten Gebiet an der Donau hisste Jedlicka seine Flagge.
250'000 Menschen haben bereits beantragt,
Bürger des sieben Quadratkilometer grossen Landes werden zu wollen.
Es gibt sogar schon Menschen, die sich per Anhalter auf den Weg nach Liberland gemacht haben
20 Minuten sprach mit Vit Jedlicka über seine Vision:
Herr Jedlicka, Sie suchen derzeit nach Einwohnern für Liberland. Haben Sie Einbürgerungsanträge aus der Schweiz erhalten?
Bisher haben wir etwa 200 Gesuche bekommen. Ehrlich gesagt, macht es fast keinen Sinn, dass sich die Schweizer für einen Übertritt in unser Land bemühen, weil Liberland ohnehin nach dem Schweizer Vorbild gestaltet wird. Der einzige Grund für einen Übertritt wären die Steuern, die in Liberland im Gegensatz zur Schweiz freiwillig sind.
Freiwillige Steuern, ein interessantes Konzept. Aber wenn niemand bezahlt?
Ich glaube, wir werden das gegenteilige Problem haben: Die Menschen werden gern freiwillig bezahlen, wenn sie merken, dass sie es für eine Regierung tun, die ihnen nicht mit Gefängnisstrafen droht. So funktioniert das auch im Privatleben: Wenn man jemanden zwingt, etwas zu tun, wird er es sehr wahrscheinlich nicht tun. Wenn man ihn hingegen darum bittet, sind die Chancen viel höher, dass er sich damit einverstanden zeigt und die Arbeit mit Begeisterung erledigt.
Was gefällt Ihnen am Schweizer Modell?
Wir mögen das Konzept der Volksabstimmung, durch die Bürger Gesetze verändern können, die ihr Leben beeinträchtigen. Wir mögen, dass die kantonalen Ausgaben letztlich der Kontrolle der Bürger unterliegt. In Bezug auf die Beschränkung der Befugnisse des Staates gehen wir jedoch weiter als das Schweizer Modell. Wir werden einen neuen internationalen Standard etablieren. Es mag ehrgeizig tönen, aber wir tun es.
Sie sind Mitglied der libertären Partei der freien Bürger. Ist Liberland vor allem ein Werbegag für Ihre Partei? Oder anders: Wird jemand wirklich jemals in Liberland leben?
Es ist ein sehr ehrgeiziges Projekt, das von einem kleinen Team von 7 bis 15 Personen entwickelt wurde. Ich glaube nicht, dass irgendjemand je versucht hat, das zu tun, was wir jetzt vorhaben. Wir haben das Völkerrecht auf unserer Seite und sind fest entschlossen, eine Siedlung in Liberland zu gründen. In den kommenden Wochen werden alle, die uns vorwerfen, nicht ernsthaft zu sein, erfahren, wie ernst wir es meinen.
Warum einen neuen Staat gründen? Gibt es denn in der EU oder in der Tschechischen Republik, wo Sie wohnen, nicht genügend Raum, um Ihre Vorstellungen zu verwirklichen?
Der Staat mischt sich zunehmend in die Angelegenheiten der Bürger ein. In der Tschechischen Republik zum Beispiel gibt es täglich neue Steuern und Regeln. Wir merkten, dass wir dies nicht über die üblichen politischen Kanäle stoppen können. Darum haben wir beschlossen, ein neues Land, eine neue Steueroase wie Monaco oder Liechtenstein zu gründen, aber mit neuen politischen Ideen, die dort nicht existieren.
Die so genannten Steueroasen werden heutzutage jedoch international nicht gutgeheissen. Die Schweiz wurde gezwungen, den Grundsatz des Bankgeheimnisses auszuhebeln. Wieso wollen Sie jetzt eine neue Steueroase gründen?
Ich möchte nicht mehr länger in der Steuerhölle leben, in die sich die Welt verwandelt hat. Die Europäische Union ist Teil eines Projekts der totalen Kontrolle. Wir wollen zeigen, dass wir die Dinge anders machen können. Ich hoffe zudem, dass das Schweizer Volk in der Lage ist, dem internationalen Druck zu widerstehen und der EU möglichst lange nicht beizutreten.
Ihre Partei glaubt nicht an das Prinzip der Umverteilung des Reichtums. Muss man also reich sein, um in Liberland zu leben? Wird es Platz geben für Menschen in Not?
Wenn in einem Land Wohlbefinden herrscht, dann neigen die Menschen zur Wohltätigkeit. So braucht der Staat diejenigen nicht zu unterstützen, die es nötig haben. In reichen Ländern ist Armut begrenzt. Selbst diejenigen, die arm sind, sind besser dran als anderswo.
In reichen Ländern wie den USA oder der Schweiz gibt es Armut sehr wohl. Wohltätigkeitsorganisationen kommen dagegen nicht an.
Das Problem in den Vereinigten Staaten ist, dass es sehr viele arme Menschen gibt und der Staat sich mithilfe der Steuern 38 Prozent von dem nimmt, was die Menschen produzieren. Die Leute sind daher weniger bereit, wohltätig zu sein.
Liberland hat mit sieben Quadratkilometern eine relativ kleine Fläche. Reicht der Platz für alle?
Wir sind doppelt so gross wie das Fürstentum Monaco, in dem etwa 30'000 Menschen leben. Im Moment ist dies also für uns kein Problem. Im schlimmsten Fall werden wir die meist besuchte Ausländerbehörde der Welt haben.
Was wollen Sie angehenden Liberland-Bürgern sagen?
Dies ist ein episches Abenteuer. Wir gründen ein neues Land. Wir brauchen verrückte Leute, die dieser Idee eine Chance geben. Wenn Sie eine solche Person sind, dann tragen Sie sich auf unserer Website ein und unterstützen Sie uns.
Quelle: 20 Minuten, http://www.20min.ch, von Dario Ornaghi
Bilder: Facebook
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Es ist vielleicht interessant auch einige am Internet gezeigten internationale Videos zu sehen:
https://www.youtube.com/watch?v=IcgBs8PUwTY
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Für das Portal zusammengestellt: Zvonimir Mitar, <email-pii>