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«Nicht die Bäume sehen, sondern den Wind, den sie sichtbar werden lassen. Die Strömungen des Wassers mehr als die Ufer.
Es ist eine Entscheidung, ein Risiko, eine Hypothese, die Möglichkeit einer Intervention, die sich in der Komplexität eines Ortes erahnen lässt, und dann folgt die Anpassung an die immer enger werdenden Zwänge. In der Konfrontation mit dem widerständigen Charakter der Dinge, der Welt, finden wir die Form.» Georges Descombes
Georges Descombes
«Nicht die Bäume sehen, sondern den Wind, den sie sichtbar werden lassen. Die Strömungen des Wassers mehr als die Ufer.
Statement der Jury
«Wenn ich mit Georges Descombes spreche, bedauere ich, dass ich seinen Lehren und dem disziplinären Aufbrausen nicht beiwohnen konnte, das er innerhalb der Schule für Architektur in Genf, in seinem Seminar ‹Architektur und Landschaft›, umgeben von Koryphäen des Territoriums und der Philosophie, zu erzeugen vermochte.» (Victoria Easton)
© BAK, Marie-Eve Hildbrand / Terrain Vague, Lausanne
Georges Descombes (geboren 1939 in Genf, lebt in Genf)
Georges Descombes ist ein «Architekt des Territoriums». Ein Territorium, das von Genf bis Zürich reicht und darüber hinaus und das er während seines Architekturstudiums bereiste. Nach prägenden Jahren bei Pier Luigi Nervi und Marc-Joseph Saugey entdeckte er zu Beginn der 1970er Jahre London für sich. 1975 kehrte er von dort nach Genf zurück, wo seine akademische Karriere begann und er an der damaligen École d’Architecture de Genève das CREX (Centre de Réalisation Expérimentale) gründete. Seine Lehrtätigkeiten führten ihn daneben immer wieder in die weiten Ebenen Amerikas, an die Harvard University, Graduate School of Design in Cambridge (1999) oder an die University of Virginia, School of Architecture in Charlottesville (2000).
Zeitgleich zu seinen akademischen Tätigkeiten und architektonischen Projekte realisierte Georges Descombes Projekte in der Landschaft, die stets von der jeweiligen Geschichte vor Ort geleitet waren – ohne jemals nostalgisch zu werden.
Stattdessen sollten sie immer etwas über die entsprechende Gegenwart, vor allem aber über die mögliche Zukunft erfahrbar machen. In seinen ersten Projekten wie dem Parc de Lancy in den 1980er Jahren, dem Genfer Abschnitt des Weges der Schweiz rund um den See der vier Kantone zu Beginn der 1990er oder dem Bijlmer Monument in Amsterdam Ende der 1990er Jahre ging er mit dem jeweiligen Territorium wie mit einem Palimpsest um – immer auf der Suche nach den sichtbaren wie unsichtbaren Spuren. Denn für ihn war es entscheidend, «nicht in der Vergangenheit [zu] leben, sondern mit der Vergangenheit.»
Ab 2000 setzte er sich mit dem Stadtteil Lyon-Confluence, den Südhäfen Antwerpens und dem Quai des Matériaux in Brüssel auseinander. In Form partizipativer Prozesse widmete er sich der Frage, was es bedeutet, heute eine Landschaft in einem städtischen Umfeld zu gestalten. Überzeugt von starken Gesten, strebte Georges Descombes dabei immer wieder nach Emotion ganz im Sinne seiner Überzeugung von Architektur als «einer Kunst der Erfahrung par excellence ». Und um es mit den Worten von Ludwig Hohl zu sagen: In seinem Schaffen war es ihm stets ein Anliegen, «die Temperatur des Bestehenden zu erhöhen».
Ebenfalls zu Beginn der 2000er Jahre begann Georges Descombes mit der Studie zur Renaturierung der Flusslandschaft Aire im Kanton Genf, die im Verlauf und bis zu deren Abschluss 2015 zu einem seiner prägendsten Projekte wurde: Wie ein Manifest der Landschaft und des «entlarvenden» Urbanismus führte dieses Projekt dazu, über die Natur in ihrer ganzen Gewalt und Künstlichkeit, in ihrer Souveränität und ihres herrschenden Charakters nachzudenken, zugleich über das Verhältnis zum Menschen, der sowohl Verantwortlicher wie Opfer des Zeitalters des Anthropozäns ist.