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Lectio VIII
Wohlhabende Römer besassen nicht nur ein Haus in der Stadt, sondern auch eine Villa auf dem Land, auf die sie sich in den Sommermonaten, wenn es in der Stadt unerträglich heiss wurde, gerne zurückzogen. Das konnte eine villa rustica sein, also ein Landgut, das von einem Verwalter als landwirtschaftlicher Betrieb unterhalten wurde, oder aber eine otium-villa (Villa auf dem Land, die einzig als idyllischer Rückzugsort diente), eine villa suburbana (Villa vor den Toren der Stadt) oder villa maritima (Villa am Meer), die eher der Musse und dem Genuss diente. Wir wissen, dass die römische Oberschicht viele solcher z.T. sehr luxuriöser Villen in Campanien, einem Landstrich um den Golf von Neapel herum, besass: Hier war das Klima aufgrund des lauen Seewindes auch im Sommer angenehm, das Land war äusserst fruchtbar (noch heute ist Campanien bekannt für seine landwirtschaftliche Produktion) und die Lage an der vom Meer aufsteigenden Küste war einfach schön. Viele reiche Römer bauten sich dort ihre Prachtvillen.
Unsere Cornelia erzählt aus ihrer Kindheit, von Ferien nicht auf dem Land, sondern bei den Grosseltern, die in Pompeii, einer mittelgrossen Stadt und römischen Kolonie am Golf von Neapel, in einer domus wohnten. Dieses Haus ist keine Erfindung, man kann es heute noch in Pompeii besuchen, es steht in der regio VIII, insula 4, Haus 15. Wie andere Städte der Region wurde auch Pompeii beim Ausbruch des Vulkans Vesuv im Jahre 79 n. Chr. verschüttet. Was eine Katastrophe für die dort lebenden Menschen war, wurde zu einem archäologischen Glücksfall: Da die Gebäude etwa 1600 Jahre begraben blieben und man erst im 17. Jahrhundert mit Ausgrabungen begann, fanden sich z.T. gut erhaltene Gebäude (einschliesslich Wandgemälden, Wandinschriften und Hausrat) und Infrastruktur (Strassen, Brunnen, Wasserleitungen, Stadttore, Friedhöfe etc.)
Pompeii ist trotz den Millionen Touristen, die es jährlich überschwemmen, ein grossartiges Reiseziel: Nirgends sonst kann man römischer Kultur so nahe kommen!
Ausserdem erlaubt der Vergleich zwischen Wandgemälden aus Pompeii, archäologischen Befunden und Textzeugnissen, sich historische Sachverhalte oder Ereignisse viel konkreter vorzustellen.