Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03229.jsonl.gz/1726

Eine Traumaphobie, die zur Gewohnheitsphobie geworden ist.
Ein wunderbares Beispiel für eine Traumaphobie zeigte eine Frau, rund 60 Jahre alt, die wegen einer Vogelphobie zu mir kam. Sie geriet in Panik, wenn Vögel in der Nähe waren, konnte nicht in Gartenrestaurants, wenn da Spatzen und Tauben zu sehen waren, die nach Futter suchten. In unserer Sitzung erzählte sie sofort, dass sie wisse, woher das komme. Sie wuchs auf einem Bauernhof auf. Als sie etwa 4 Jahre alt war, sah sie ihrem Vater zu, wie er ein Huhn schlachtete. Er köpfte es erfolgreich, aber es entwischte ihm ohne Kopf, blutend und mit den Flügeln schlagend. Das kleine Mädchen bekam grosse Angst, weinte, der Vater aber fing das Huhn – wahrscheinlich fluchend und damit die Angst des Mädchens verstärkend – wieder ein.
Das Ereignis führte noch nicht zu einer Phobie. Erst als sie etwa 25 Jahre alt war, in einer Lebensphase grosser Unsicherheit über ihren beruflichen Werdegang, geriet sie wegen eines Vogels in Panik. Sie sass auf einer Gartenterrasse mit Freunden, über den Köpfen eine Laube mit Reben. Da flog ein grosser Vogel heran und wollte sich auf die Rebe setzen, erkannte die Menschen und flatterte sofort wieder davon. Dieses laute Flattern erinnerte ihr Unbewusstes an das kindliche Erlebnis und löste die gleiche Angst wie damals aus. Die Phobie installierte sich und blieb 35 Jahre lang ähnlich intensiv.
Für die Behandlung schätzte ich die langjährige, ursprünglich traumatische Phobie als Gewohnheitsphobie ein, die aktuellen Lebensumstände der Frau waren gut und stabil, es gab keine spezifischen Stressfaktoren und die Phobie hatte sich über viele Jahre erhalten.
Dank einer Standardbehandlung, die bei Gewohnheitsphobien sehr oft genügt, liess sich die Phobie in nur einer Sitzung heilen. Das war für die Frau eine grosse Erleichterung, die sie nicht so einfach erwartet hatte.
Nun, viele Betroffene erinnern sich nicht an ein bestimmtes Ereignis, das am Ursprung der Phobie stehen könnte. Für die Behandlung ist das nicht entscheidend, auch ohne diese Erinnerung können traumatische Phobien behandelt werden. Manchmal erinnern sich die Betroffenen erst in der Sitzung wieder, in anderen Fällen bleibt der Ursprung verborgen. Mit entsprechender Ressourcenarbeit lässt sich das sehr oft trotzdem gut auflösen.
Es braucht nur den Schritt, sich auf diese einfache Methode einzulassen.