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KunstturnenDer einfachere Sprung hatte den schwierigeren zuletzt in den Hintergrund gedrängt. Seit dem Gewinn der WM-Silbermedaille vor einem Jahr in London war im Zusammenhang mit Ariella Kaeslin und ihrem sportlichen Tun viel mehr vom «Jurtschenko» als vom «Tschussowitina» die Rede. Den «Jurtschenko» um eine halbe Schraube zu erschweren stand im Zentrum aller Bemühungen.
In Rotterdam wagte Kaeslin die Variante mit Doppelschraube erstmals in einem Wettkampf. Frei nach dem Motto «No risk, no fun». Der Poker ging auf. Kaeslin brachte den «Jurtschenko» perfekt zum Stand.
Was die Souveränität beim «Jurtschenko» noch verblüffender machte, war die Tatsache, dass der Wettkampf für Kaeslin alles andere als optimal begonnen hatte. Das Kampfgericht rechnete ihr den «Tschussowitina» nur in gebückter statt gestreckter Ausführung an. Das ergab einen Schwierigkeitswert von 5,9 statt 6,3 Punkten.
Kein Hadern
Kaeslin konnte sich die Gelassenheit leisten, stand sie doch nach ihrem Wettkampf bereits als Finalistin fest, obwohl noch zwei Abteilungen ausstehend waren. Kaeslin hatte die 5,9 auf der Anzeigetafel zwar gesehen, negative Gedanken aber sofort ausgeblendet. «Was passiert ist, ist passiert. Und ich war zu nervös wegen der bevorstehenden Jurtschenko-Premiere, um mir über den Tschussowitina den Kopf zu zerbrechen.» Die Freude, den Zweitsprung so sauber geschafft zu haben, stand Kaeslin dann auch ins Gesicht geschrieben. «Schliesslich habe ich fast noch härter dafür arbeiten müssen als einst fürs Erlernen des Tschussowitina.»
Kaeslin präsentierte sich in deutlich besserer Form als an den Europameisterschaften in Birmingham, wo sie als Titelverteidigerin an ihrem Paradegerät den 5. Platz belegt hatte. «Wäre Ariella in Birmingham so gut gesprungen wie heute, hätte sie gewonnen», meinte Nationaltainer Zoltan Jordanov. In Rotterdam ist die Konkurrenz grösser.
Angeführt wird das Qualifikations-Ranking von Aliya Mustafina. Die erst 16- jährige Russin geht beim WM-Debüt auch am Boden und im Mehrkampf aus der Pole-Position in die Entscheidung.
Erste Bronze-Anwärterin
Am Sprung zeigte Mustafina einen «Jurtschenko» mit zweieinhalb Schrauben und turnte insgesamt um 0,5 Punkte schwieriger als Alicia Sacramone und Ariella Kaeslin, deren Programm identisch ist. Die Amerikanerin Sacramone konnte als einzige mit Mustafina mithalten. Die punktgleichen Jade Fernandes Barbosa (Br) und Jekaterina Kurbatowa (Russ) auf den Plätzen 3 und 4 bekamen nur 0,03 Punkte mehr als Kaeslin. Klappt der «Tschussowitina» wie gewohnt, ist Kaeslin am Samstag erste Anwärterin auf die Bronzemedaille. Für noch mehr wäre sie wohl auf Patzer von Mustafina und/oder Sacramone angewiesen.
Nicht mehr gefährlich werden kann Kaeslin die Erfinderin ihres Paradesprungs. Oxana Tschussowitina, mit 35 Jahren die grosse alte Dame des Kunstturnens, zeigte «ihren» Sprung tatsächlich nur gebückt und trat gar nicht mehr zu einem zweiten an. Si