Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03514.jsonl.gz/1385

Auswanderung, die:
Verlassen des «Heimatlandes» auf Dauer. Der Begriff «Auswanderung» orientiert sich am Konzept des nach aussen abgegrenzten Nationalstaats.
Dieser Glossar bietet Ihnen Definitionen für die wichtigsten Begriffe der Migration, die Ihnen auf dieser Webseite begegnen werden. Der Glossar wird laufend weiterverarbeitet. Schreiben Sie uns, wenn Sie Begriffe vermissen!
Verlassen des «Heimatlandes» auf Dauer. Der Begriff «Auswanderung» orientiert sich am Konzept des nach aussen abgegrenzten Nationalstaats.
1954 hatte sich die Schweiz der internationalen Genfer lüchtlingskonvention angeschlossen. Erst 1981 tritt in der Schweiz erstmals ein Asylgesetz in Kraft. Im September 2006 stimmt das Schweizer Stimmvolk der Überarbeitung des Asylgesetzes und dem neuen Ausländergesetz (AuG) zu (siehe Zeitstrahl 1981 und 2006).
Um die Zahl der Asylgesuche zu vermindern, lanciert die Schweizerische Volkspartei 1999 eine Volkinitiative. Das Ziel ist es, nicht mehr auf Asylgesuche von Personen einzutreten, die von einem sicheren Drittstaat in die Schweiz kommen. Der Bundesrat und das Parlament sind gegen diese Volksinitiative und das Volk lehnt sie am 24. November 2004 ganz knapp mit 50,1% Nein-Stimmen ab (siehe Zeitstrahl 2004).
Die Schweizerische Volkspartei reicht eine Volksinitiative «Für die Ausschaffung krimineller Ausländer» ein. Dabei sollen alle Ausländerinnen und Ausländer automatisch ihr Aufenthaltsrecht verlieren und in ihr Heimatland zurück geschickt werden, wenn sie wegen bestimmter Delikte verurteilt werden oder wenn sie Sozialleistungen beziehen ohne ein Recht darauf zu haben. Am 28. November 2010 nimmt das Schweizer Stimmvolk die «Ausschaffungsinitiative» an (siehe Zeitstrahl 2010).
Siehe Asylgesetz, schweizerisches.
Zeitlich beschränkte Migration.
Wanderung, bei welcher die nationalen Grenzen nicht überschritten werden.
Im Jahr 1992 wird das Bürgerrechtsgesetz überarbeitet. In der neuen Fassung erlaubt die Schweiz zum ersten Mal die Doppelbürgerschaft. Das bedeutet, dass ein Zuwanderer, der sich in der Schweiz einbürgern lässt und einen Schweizer Pass bekommt, seine bisherige Staatsbürgerschaft des Heimatlandes nicht verliert. Gleichzeitig findet allerdings jetzt keine automatische Einbürgerung der ausländischen Ehegattinnen von Schweizer Bürgern mehr statt (siehe Zeitstrahl 1992).
Am 12. Februar 2017 stimmten das Volk und die Stände dem Bundesbeschluss zur Erleichterten Einbürgerung für junge Ausländerinnen und Ausländer der dritten Generation mit 60,4% Ja-Stimmen zu (siehe Zeitstrahl 2017).
Im Jahr 2010 hatte das Schweizer Stimmvolk die Initiative zur Ausschaffung krimineller Ausländer angenommen. Jetzt sollte das Parlament ein Gesetz erlassen, das die Ausführung dieses neuen Artikels regelte. Noch während das Parlament das Gesetz diskutierte, lancierte die Schweizerische Volkspartei ihre "Durchsetzungsinitiative". Diese wollte entgegen dem Willen der Parlamentsmehrheit keine Härtefälle zulassen und alle kriminellen Ausländer automatisch ausschaffen. Am 28. Februar 2016 lehnt das Schweizer Stimmvolk die «Durchsetzungsinitative» mit 58,9% der Stimmen deutlich ab. Der Abstimmungskampf war emotional und die Stimmbeteiligung war mit 63,4% sehr hoch (siehe Zeitstrahl 2016).
Das Ziel der Volksinitiative der Schweizerischen Volkspartei ist, dass Gemeinden selber entscheiden können, wie Einbürgerungsgesuche von Ausländerinnen und Ausländern behandelt werden. Der Bundesrat und das Parlament lehnen die Initiative ab und das Schweizer Stimmvolk spricht sich 2008 ebenfalls klar gegen die Initiative aus (siehe Zeitstrahl 2008).
Zuwanderung in einen Nationalstaat. Der Begriff orientiert sich am Konzept des nach aussen abgegrenzten Nationalstaats.
Staat, der Migrantinnen und Migranten anwirbt und in ihnen einen (meist ökonomischen) Gewinn für das Land sieht.
(siehe Auswanderung)
Der Sammelbegriff umfasst seit dem Spätmittelalter unterschiedliche Gruppen nicht sesshafter Menschen. Er wird bis heute von Nichtsesshaften zur Selbstbezeichnung und in der Amtssprache verwendet. Die Mehrheit des fahrenden Volkes bezeichnet sich seit dem 18. Jh. als Jenische. (Quelle: historisches Lexikon der Schweiz)
Die Erlaubnis, die nächsten Familienangehörigen (Ehegattin, Ehegatte, Kinder bis 18 Jahre, Verwandte, falls besondere Abhängigkeit) in das Land der Arbeitsniederlassung mit zu nehmen. Die wichtigsten Voraussetzungen dafür sind eine mindestens einjährige Arbeitsbewilligung sowie entsprechende finanzielle Verhältnisse.
Ab Sommer 2015 bestimmen in ganz Europa die Bilder von flüchtenden Menschen, vielfach Familien mit Kindern, die Schlagzeilen. Auch die Schweiz ist von der Flüchtlingskrise betroffen, allerdings deutlich weniger stark als ihre Nachbarländer. (siehe Zeitstrahl 2015).
ArbeitsmigrantInnen mit einer befristeten Anstellung, die aufgrund eines Mangels an Arbeitskräften häufig im Ausland angeworben wurden (siehe auch Saisonnier).
1951 unterschreibt die Schweiz die «Genfer Flüchtlingskonvention», und diese tritt 1954 in Kraft. Die Schweiz verpflichtet sich damit, Flüchtlinge aufzunehmen, wenn diese aus bestimmten Gründen in ihrem Heimatland verfolgt werden (siehe Zeitstrahl 1951).
In der Eidgenossenschaft wurde ab Mitte des 18. Jahrhunderts den Bürgern ein Heimatort zugeordnet. In der Regel handelte es sich dabei um den Wohnort des Familienvorstandes zu diesem Zeitpunkt. Die Heimatgemeinden hatten die Pflicht, für ihre Bürger Register zu führen. Diese sogenannten „Bürgerrodel“ waren Vorläufer des heutigen Zivilstandsregisters. Der Heimatort wird seither von Gesetzes wegen durch Eheschliessung auf die Ehefrau und infolge Kindesverhältnisses auf die Nachkommen übertragen. Bei Schweizer Bürgern figuriert der Heimatort auf beinahe allen Zivilstandsdokumenten sowie im Reisepass und auf der Identitätskarte.
(siehe Einwanderung)
Ein dynamischer gegenseitiger Lernprozess zwischen der Bevölkerungsmehrheit und den verschiedenen gesellschaftlichen Minderheiten. Wichtiger Bestandteil ist dabei die politische Integration, insbesondere politische Rechte, Gleichbehandlung, Chancengleichheit wie auch der Zugang zur Staatsbürgerschaft.
Freiwilliges oder erzwungenes Verlassen des „Heimatlandes“ einer ganzen Gruppe, meist aus religiösen, politischen oder wirtschaftlichen Gründen.
Erneut reicht die Schweizerische Volkspartei eine Volksinitiative zur Ausländerpolitik ein. Sie verlangt eine grundsätzliche Neuausrichtung der schweizerischen Zuwanderungspolitik. Am 9. Februar 2014 wird die Initiative in der Volksabstimmung mit einer knappen Mehrheit angenommen. Da dieser Entscheid gegen die bilateralen Verträge mit der Europäischen Union zur Personenfreizügigkeit verstösst, ist die zukünftige Gestaltung des Verhätnisses zur EU unsicher (siehe Zeitstrahl 2014).
Wanderung von Menschen, die einzeln oder in Gruppen ihre bisherigen Wohnorte verlassen, um sich an anderen Orten dauerhaft oder zumindest für längere Zeit niederzulassen.
Eine Gruppe von Einzelpersonen reicht im Juli 2008 die Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» ein. Gemäss Bundesrat und Parlament steht die Initiative jedoch im Widerspruch zu den Grundrechten der Bundesverfassung und verstösst gegen wichtige Prinzipien der Menschenrechte, nämlich die freie Ausübung der Religion. Trotzdem nimmt das Schweizer Stimmvolk die Volksinitiative an. Seither dürfen in der Schweiz keine neuen islamischen Kirchtürme mehr gebaut werden – die vier bestehenden dürfen aber stehen bleiben (siehe Zeitstrahl 2009)!
Meister, Arbeitgeber
Im Mai 2000 nimmt das Schweizer Stimmvolk die bilateralen Verträge an, in denen auch die Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union geregelt ist. Am 9. Februar 2014 wird jedoch die «Initiative gegen die Masseneinwanderung» der Schweizerischen Volkspartei knapp angenommen. Dieser Entscheid erschwert die Beziehungen der Schweiz zur Europäischen Union, weil diese auf dem Prinzip der Personenfreizügigkeit beharrt (siehe "Inititative gegen Masseneinwanderung", Zeitstrahl 2000 und 2002).
Auf Deutsch „Schwalben“, meint die seit dem 17. Jahrhundert vor allem nach Italien ausgewanderten Bündnerinnen und Bündner, welche regelmässig in die Heimat zurückkehrten.
Geldüberweisung von ArbeitsmigrantInnen an EmpfängerInnen (meist Familienangehörige) in ihren Herkunftsländern.
Status von GastarbeiterInnen mit einer befristeten Anstellung, die die Schweiz nach neun Monaten wieder für mindestens drei Monate verlassen mussten. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass die - vor allem im Eisenbahn- und Tunnelbau, im Tourismus, Land-wirtschaft oder Gastgewerbe tätigen - günstigen Hilfskräfte nach getaner Arbeit auch wieder in ihr Heimatland zurückkehrten. Dennoch zogen viele Arbeiterinnen und Arbeiter schliesslich mitsamt ihren Familien in die Schweiz. Mit dem Inkrafttreten der Bilateralen Verträge wurde das Saisonnier-Statut 2002 abgeschafft.
Verhilft Menschen zur Flucht in ein anderes Land und verdient Geld damit
Kinder von Bergbauernfamilien aus Vorarlberg, Tirol, Südtirol und dem Graubünden, die in früheren Jahrhunderten aus Armut alljährlich im Frühjahr durch die Alpen zu den Kindermärkten hauptsächlich nach Oberschwaben zogen, um dort als Arbeitskräfte für eine Saison an Bauern vermittelt zu werden.
James Schwarzenbach verlangt, dass nicht nur in der Schweiz insgesamt, sondern in jedem einzelnen Kanton der Ausländeranteil 10% nicht übersteigen darf. Genf wäre mit 25% die einzige Ausnahme. Die Initiative löst heftige Diskussionen aus. Am 7. Juni 1970 lehnen die Schweizer Stimmbürger die Schwarzenbachinitiative knapp mit 54% Nein-Stimmen ab (siehe Zeitstrahl 1970).
Leisten von militärischem Dienst gegen Bezahlung (Sold) für einen fremden Staat. Gegen Entlöhnung in den Krieg zu ziehen war vor allem im 15. und 16. Jahrhundert eine stark genutzte Verdienstmöglichkeit für Männer.
Beziehungsgeflecht, das Personen mit anderen Personen und Institutionen verbindet. Dies sind z.B. soziale Bindungen zwischen Freunden, Familie, Arbeitgeber oder gesellschaftliche Netzwerke wie soziale Dienste, Versicherungen oder die Schule.
Vorstellung, dass sich die Lebenswelt nicht an statischen Grenzen orientiert. MigrantInnen pflegen familiäre, soziale und ökonomische Verflechtungen (und entwickeln eine Identität,) die sich nicht an Nationalstaaten orientiert.
Ausbreitung städtischer Lebensformen in ländlichen Gebieten
Ort, an dem etwas ursprünglich entstanden ist, von dem etwas ursprünglich ausgegangen ist. Hier: ursprüngliches Wohnland und ursprünglicher Wohnort einer Familie.
Fremdplatzierung von Kindern. Kinder aus armen Familien aber auch Waisenkinder oder Scheidungskinder wurden in der Schweiz bis weit ins 20. Jahrhundert in eine Anstalt oder in die Familienpflege abgegeben, wo sie oft unter menschenunwürdigen Bedingungen wie Arbeitssklaven schuften mussten.