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Hase
Zwei Pflanzenfresser des Gebirges, der Schneehase und das Murmeltier, bewohnen die gleichen Regionen des Wallis in Höhen von 2000 bis 3000 m ü. M. Das Murmeltier hat eine Vorliebe für Alpenrasen, Wiesen und Weiden, während der Hase die Weidenbüsche und Wacholderdickichte aufsucht, die er benagt;Gräser (Borstgras) nimmt er nur im Sommer. Das Murmeltier lebt gerne auf den Maiensässen, vorausgesetzt, man dulde seine Höhlen; für letzteren trifft das nicht zu, weil er zu hohe Temperaturen nicht zu schätzen scheint. Um in Gebieten mit schwierigen Bedingungen überleben zu können, haben die beiden Arten unterschiedliche Strategien angenommen, die zu vergleichen interessant ist.
Der Name Schneehase weist auf sein Winterfell hin. Dieses Merkmal, das er mit dem Hermelin und dem Schneehuhn teilt, macht eine Beobachtung schwierig. Glücklicherweise lässt er im Schnee eine typische Spur zurück, grosse T-förmig verteilte Abdrücke, die seine Aktivität verraten: so überquerte einer im eher milden Januar 1990 den Dent Blanche-Pass auf 3500 m ü. M. Zur gleichen Zeit war ein anderer auch an der Nordwand der Pointes-de-Veisivi oberhalb von Les Haudères und an der ebenso lebensfeindlichen des Tounot oberhalb von St. Luc, zwischen 2500 und 3000 m ü. M., anzutreffen. Man kann seine Bevölkerungsdichte schlecht an den Winterspuren ablesen, weil er fähig ist, weite Verschiebungen vorzunehmen. Tatsächlich erlauben ihm seine langen, breiten Tatzen, die mit regelrechten Haarschneeschuhen ausgerüstet sind, nächtliche Wanderungen von vier bis fünf Kilo- metern zu unternehmen, wenn dies die Nahrungssuche erfordert. Im tiefen Schnee benützt er für mehrere Futtergänge oft die gleiche Spur.
Im Winter scheinen sich die grössten Bestände an der Waldgrenze, in der Nähe von Wacholderbüschen, Erlen und Birken, aufzuhalten, um deren erreichbare Zweige zu benagen. Doch es gibt Jahre, in denen die Hasen auf den Gräten weilen, wo Wind und Gemsen den Schnee räumen und den Zugang zur Nahrung sicherstellen.
Um im Hochgebirge zu überleben, ist der Schneehase gezwungen, Energie zu sparen. Sein gedrungener Körperbau, seine kurzen Ohren und sein dicker Pelz verringern die Wärmeverluste und seine kleine Gestalt erlaubt ihm, mit wenig Nahrung auszukommen; schliesslich sind seine Würfe seltener und geringer als diejenigen des Feldhasen.
Der Zufall gab mir Gelegenheit, einer verblüffenden Szene beizuwohnen, die mir zeigte, wie wichtig Tarnung und Ruhe für das Überleben des Schneehasen sind. Den Flug eines Adlerpaares im April 1989 im Jolital verfolgend, bemerkte ich plötzlich eine Bewegung an der Ostflanke des Chistehorns. Ein Fuchs verfolgte einen Schneehasen. Dessen Vorsprung gab ihm eine gute Chance, entweichen zu können, aber der Fuchs hatte es einfach; er brauchte lediglich den Spuren im Schnee zu folgen. Doch das war die Rechnung ohne - die Adler gemacht. Seine Kreise unterbrechend, stürzte sich der eine der Raubvögel hinab, packte den Hasen und entführte ihn in die Lüfte. Der zweite Adler war an der Beute auch interessiert und bemühte sich, sie an sich zu reissen. Während die Adler im Streit um die Beute ein Schauspiel hoher Flugkunst boten, den Hasen als weissen Bindestrich zwischeneinander haltend, war der Fuchs am Ort des Raubes eingetroffen und begann, um das Ende der Spur herum zu suchen. Nach einer Viertelstunde vergeblichen Bemühens zog er unverrichteter Dinge ab.
Im Wallis fand man Reste von Schneehasen sowohl in Horsten von Adlern, Uhus und Habichten als auch in Fuchsbauten. Trotz dieser eindrücklichen Liste von Verfolgern, der noch die Jäger zuzurechnen sind, sind es Infektionskrankheiten und Parasiten, welche die Bevölkerungszahlen im Rahmen halten. Davon sind vor allem Jungtiere in regnerischen und feuchten Frühjahren betroffen. Dennoch erlebt der Schneehase nicht den Rückgang des Feldhasen in der Ebene, der durch die Verarmung seiner Umgebung gefährdet ist. Wie man aus den Spuren schliessen kann, geht es unserem Berghasen zur Zeit gut: in St. Luc soll er gar Brotreste von den Skipisten holen.
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