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Das Sägistal ist ein Hochtal ohne oberflächlichen Abfluss in den Berner Voralpen. Aufgrund seiner geomorphologischen Disposition können hier sehr tiefe Temperaturen auftreten können. Erste Testmessungen und Vergleiche über Satellitendaten lassen vermuten, dass der Glattalp (hier wurden bisher häufig die tiefsten Minima in der Schweiz registriert) durch das Sägistal eine ernstzunehmende Konkurrenz erwächst.
Das Sägistal gehört als Oberstafel zur Alp Inner-Isleten: während gut 8 Wochen werden hier Rinder gesömmert .
Der See ist für die Nutzung als Fischgewässer seit 1885 an den Oberländischen Fischereiverein Interlaken verpachtet.
Lage
Das Sägistal liegt südlich des Brienzersees in der Faulhornkette auf dem Gebiet der Gemeinde Gündlischwand.
Gegen Nordwesten begrenzt die Schränni, eine riesige Karrenplatte, die Senke. Die Gratlinie weist eine Höhe um 2200 m auf, der höchste Punkt ist die Roteflue mit 2296 m. Gegen Norden liegt zwischen dem Furggenhoren (2170 m) und der Schonegg (2219 m) der niedrigste Sattel der Senke auf 1981 m: hier ergiesst sich die überfliessende Kaltluft ins Ochsentäli und weiter über den Wetzisboden und das Einzugsgebiet des Mülibaches Richtung Brienzersee. Im Osten bilden die Schonegg und die Fulegg, getrennt durch das markante Schwabhoren den Abschluss des Sägistal gegen die Bättenalp und die Fangisalp. Im Südosten bildet die Bonera, ein kleines Seitentälchen, eine sekundäre Senke. Sie wird von einem Rücken, der sich von der Ussri Sägissa (2426 m) und die Indri Sägissa (2462 m) weiter in Richtung Fulegg und Schwabhoren erstreckt, von der Hauptsenke abgetrennt. Der Winteregg-Grat bildet den Abschluss gegen das Tal der Schwarzen Lütschine hin; der Punkt 2572 ist der höchste im Kaltlufteinzugsgebiet des Sägitals. Gegen Südwesten hin bildet zwischen Schränni und Ussri Sägissa die Egg mit einer Höhe von 2127 m den zweitniedrigsten Sattel: Diese Öffnung macht das Sägistal anfällig für Südwestwind.
Abhängig vom Seestand weist die Senke gegenüber dem Übergang zum Ochsentäli eine Höhendifferenz von gut 46 m auf, sie gehört damit zu den 20 tiefsten geschlossenen Senken in der Schweiz. Während die Tiefe einer Senke vor allem einen Einfluss auf die Stabilität eines Kaltluftsees hat, ist vor allem der hohe Sky View Factor von über 0.9 eine wichtige Voraussetzung für sehr tiefe Minimaltemperaturen.
Es gibt keine Webcams, welche ins Sägistal hineinsehen. Über die folgenden Webcams aus der Umgebung können die Verhältnisse im Sägistal jedoch näherungsweise abgeschätzt werden:
Eigenschaften
|Tiefste Stelle||~1937 m||Seeschwinde|
|Höhe Überlaufstelle||1981 m||Übergang zum Ochsentäli zwischen Furggenhoren und Schonegg|
|maximale Tiefe||~46 m|
|Fläche auf Höhe der Überlaufstelle||0.4 km2|
|Volumen des Kaltluftsees||18’522’000 m3|
|Einzugsgebiet des Kaltluftsees||4.94 km2|
|Sky View Faktor||0.90- 0.92 im Bereich des Sees (SW und NE-Ufer)||sichtbarer Anteil des Himmels gegenüber einer Ebene|
Zwischen dem 23. November und dem 21. Januar erreicht die Sonne den aktuellen Standort der Messstation nicht. In dieser Zeit ist die Wahrscheinlichkeit besonders gross, dass die Inversion tagsüber nicht aufgelöst werden kann und sich ein persistenter Kaltluftsee entwickelt (vgl. )
Wie bei anderen Kaltluftseen in einer Senke mit See ist das Potential für die Ausbildung einer starken Inversion saisonal unterschiedlich ausgeprägt: Solange der Sägistalsee nicht mit Eis und Schnee bedeckt ist, hat er einen ausgleichenden Einfluss auf den Temperaturverlauf. Einerseits wirkt er als Wärmespeicher, andererseits als Feuchtequelle. Das Feuchteangebot führt in Strahlungsnächten zur vermehrten Bildung von Nebel.
Messungen im Gebiet
Das Sägistal und der Sägistalsee stand in der Vergangenheit im Fokus verschiedener wissenschaftlicher Aktivitäten von Geologen, Limnologen und und Speläologen:
- liefert eine schöne Übersicht über das Gebiet und gibt einen Abriss über die Aktivitäten
- Das Journal of Paleolimnology widmet dem Sägistalsee eine ganze Ausgabe. Ab ca. 9000 Jahre vor heute konnten aufgrund der Untersuchung der Seesedimente die natürlichen Schwankungen von Niederschlag und Temperatur und den damit einher gehenden Auswirkungen auf die Baumgrenze und Artenzusammensetzung der Wälder nachgewiesen werden. Vor 4400 Jahren zeigt sich der Einfluss des Menschen, vor gut 3700 Jahre wurde das Gebiet grossflächig entwaldet.
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Dennoch sind aus dem Sägistal keine historischen Temperaturmessungen bekannt.
Im vergangenen Winter durften mit Erlaubnis der Bergschaft „Inner-Isleten“ an der baufälligen Rinderhirtenhütte erste, vielversprechende Testmessungen in der Nähe des Sees durchgeführt werden.
Am 12. Februar 2022 konnte an diesem Standort ein Minimum von -38.0 °C registriert werden. Die Messresulate des vergangenen Winters finden sich hier.
Im Herbst 2022 hat die Bergschaft Inner-Isleten die Erlaubnis erteilt, eine Station in der Nähe des Sees zu erstellen. Diese wurde mit grossartiger Hilfe der Familie Lüthi Ende Oktober erstellt.
Über den kommenden Winter wird der neue Standort getestet, um diesen dann hoffentlich längerfristig betreiben zu können.
An einem Teleskopmast auf 3.60 m Höhe über dem Boden misst ein Gerät der Firma Decentlab Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Kernstück ist ein kombinierter Temperatur-/Luftfeuchte-Sensor (SHT35) von Sensirion, welcher einen Messbereich von -40 °C bis 125 °C bei einer Genauigkeit von +-0.3 K (bei -40 °C bis 0 °C) bzw. 0.1 K (zwischen 20 °C und 60 °C) aufweist. Als Strahlungsschutz kommt ein MeteoShield Professional der Firma Barani Design zum Einsatz. Wie eine Vergleichsmesskampagne des Belgischen Wetterdienstes gezeigt hat, liefert dieser Strahlungsschutz auch im Vergleich mit ventilierten Strahlungsschutzgehäusen sehr gute Resultate.
Die Daten werden in einer Auflösung von 2 Minuten erfasst und übermittelt. Die Übertragung erfolgt auf der Basis eines Low Power Wide Area Network (LPN oder LPWAN). Die Empfangsbedingungen im Sägistal sind grenzwertig: Viele Messwerte können nicht übermittelt werden, hierfür wäre ein zusätzliches Gateway notwendig, welches das Sägistal besser abdeckt. Da das Gerät von Decentlab jedoch mit einer SD-Karte bestückt ist, gehen keine Messwerte verloren. Sie müssen jedoch im Nachhineinen ausgelesen werden.
Bei der Wahl des Messstandortes wurden folgende Überlegungen angestellt:
- Die Aufstellung soll nach Möglichkeit gemäss den Vorschriften der World Meteorological Organisation (WMO) erfolgen (World Meteorological Organization, 2008)
- Die Aufstellung soll eine möglichst niedrige (d.h. gute) Klassifikation nach Leroy (Leroy, 2014) erreichen.
- Einschränkungen bei der Aufstellung ergeben sich durch die folgenden Anforderungen:
- Die Aufstellung soll stabil sein: Schnee und Wind können grosse Kräfte ausüben.
- Die Station soll in jeder Hinsicht möglichst wenig stören.
- Die Sensorik soll hochwassersicher und in genügender Distanz zum See angebracht werden.
- Die Sensorik soll auch bei grossen Schneehöhen nicht eingeschneit werden (vgl. maximale Schneehöhen an den nahe liegenden SLF-Stationen Schmidigen-Bidmeren).
- Das Material und Werkzeug muss von Hand an den Standort getragen werden: eine modulare und möglichst leichte Konstruktion ist notwendig.
Es wurde ein Teleskopmast aus Aluminium verwendet, an den Querstreben angebracht wurden. So kann der Mast ohne Beton oder Verschraubung mittels Steinen fixiert werden. Die Messhöhe von 3.60 m ab Boden weicht von den in der Schweiz üblichen 2 m ab, ist aber aufgrund der hohen zu erwartenden Schneemengen notwendig.
Verdankung
Vielen Dank an alle, welche den Stationsbau ermöglicht haben! Besonders zu erwähnen sind:
- die Bergschaft „Inner-Isleten“ für die Erlaubnis, auf ihrem Grund eine Station aufzustellen,
- der Internationalen Speläologischen Arbeitsgruppe Alpiner Karst (ISAAK) und dort insbesondere Chrigel Lüthi und Norbert Marwan, die mich in jeder Hinsicht unterstützt haben. Ohne die beiden wären im Sägistal keine Messungen möglich gewesen.
- Michi Kopp, der mit seinen Hinweisen und Vorschlägen für die Installation wesentlich zum Gelingen beigetragen hat,
- die Firma Decentlab, welche ihre hochwertigen Messgeräte zu grosszügigen Konditionen zur Verfügung stellt,
- Tim Wright, who has an extraordinarily broad and at the same time well-founded know-how in meteorology and climatology and who supported me in particular with his satellite analyses.
Literatur