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Ricinusöl
(Wunderbaumöl, Kastoröl, lat. oleum Ricini, O. Palmae Christi, frz. huile de ricin; engl. castor oil). Dieser Artikel des Droguenhandels wird aus den Samen der Ricinuspflanze (Ricinus communis) gewonnen und gehört zu den fetten Ölen. Der Ricinus oder Wunderbaum ist ein ursprünglich ostindisches, jetzt aber über viele Länder durch Verpflanzung verbreitetes Gewächs aus der Familie der Wolfsmilcharten, in wärmern Ländern Strauch- und baumartig wachsend, während er bei uns bloß als zierende, höchstens 2-2½ m hoch werdende, Blattpflanze in Gärten und Anlagen gezogen wird, nur einen Sommer dauert und jährlich aus Samen zu ziehen ist. In seinem Vaterlande Ostindien wird er 7-10 m hoch. Seine großen Blätter sind handförmig, sieben- bis zehnspaltig, auf langen Stielen schildartig sitzend. Die Blüten stehen in großen Trauben und bringen stachliche, aufspringende Samenkapseln.
Als Nutzpflanze dient er durch seine Samen, deren Ölgehalt ausgepreßt wird. Sie sind unter dem Namen große Purgierkörner oder Purgiernüsse (semen ricini, semen cataputiae majoris) bekannt, von elliptischer, zusammengedrückter, auf der einen Seite stumpfkantiger, auf der andern gewölbter Gestalt, haben eine glatte, glänzende, hellgraue, rotbraun getüpfelte Oberfläche, welche der harten, dünnen, leicht zerbrechlichen Samenschale angehört, in welcher ein gelblichweißer ölhaltiger Kern liegt, der anfangs mandelartig mild, hinterher etwas kratzend schmeckt. Die Samen wurden früher als Laxans gebraucht, indem man sie zerquetschte oder Absude davon machte, doch sind sie in dieser Weise gefährlich und haben Vergiftungen bis zum Tode veranlaßt. Sie sind daher jetzt ganz außer Gebrauch und man hält sich an das Öl, das eine gelinder abführende Wirkung ohne schlimme Nebenerscheinungen hat.
Das Öl aber erhalten wir fertig aus zwei Quellen, Ostindien und Italien, welche für unsern Handel allein Bedeutung haben, da aus andern Erzeugungsländern nichts an den Markt gelangt; namentlich die Zufuhren aus Nordamerika, wo es massenhaft erzeugt wird, scheinen ganz aufgehört zu haben. Das Öl wurde früher durch Auskochen der zerquetschten Samen mit Wasser erhalten; jetzt enthüllst man dieselben und preßt sie kalt oder warm. Die kalte Presse bringt von dem etwa 40% betragenden Ölgehalt wenig aus, man erhält jedoch ein mildschmeckendes, fast farbloses Öl. Man preßt daher in der Regel heiß und erhält fast den ganzen Ölgehalt, aber braun, trübe und scharf schmeckend. Man kocht es dann einige Zeit mit Wasser, wobei es fremde Bestandteile fallen läßt, sich klärt, hellfarbiger und milder schmeckend wird.
Die größte Sorgfalt verwendet man in Italien auf die Herstellung dieses Öles, weshalb auch das italienische R. die gesuchteste Sorte ist. Nebenbei gewinnt man jedoch dort auch ordinärere und billigere Sorten für technische Zwecke. Das Öl ist im reinem Zustande hell und farblos oder nur schwach gelblich, ohne Geruch und Geschmack, obschon das beste doch nach dem Verschlucken ein schwaches Gefühl von Schärfe hinterläßt. Es ist dickflüssiger als andre fette Öle; in der Kälte setzt es festes Fett (Ricinstearinsäure) ab und erstarrt bei starken Kältegraden völlig. Es ¶
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muß mit 90grädigem Weingeist eine klare Lösung geben; eine Trübung zeigt Verfälschung mit andern fetten Ölen an. Das Kilo kostet im Detail gewöhnlich 2-3 Mk. Außer zu medizinischen Zwecken hat dasselbe auch technische Benutzung, hauptsächlich zu Schmiermitteln. Es bildet einen gewöhnlichen Bestandteil der käuflichen Lederöle, ist auch für sich allein ein vorzügliches Konservierungsmittel für Schuh- und andres Lederwerk. Die gewöhnliche Verpackung des ostindischen Öls sind viereckige Blechdosen (Kanister) von 20 kg Inhalt, deren je vier in eine Kiste eingesetzt sind; das gelbe Öl kommt in Fässern.
Hierzu kommt noch das in letzter Zeit sehr beträchtlich gewordene Produkt Italiens, das dem indischen
auf dem Kontinent und selbst in England Konkurrenz macht. Die Kultur hat dort ihren Platz vorzüglich in den Abhängen der
Alpen und geht bis nach Südtirol herein. Die italienische Ware ist in der Regel in der guten Medizinalsorte sehr fein und
wird daher der ostindischen vorgezogen, da sie zugleich den Vorteil größerer Frische für sich hat
und die Preise gewöhnlich gleich stehen. Je frischer nämlich das Öl, um so wirksamer ist es; ranziges Öl darf zu medizinischen
Zwecken nicht verwendet werden. - Zoll:
Ricinusöl in Fässern, dgl. in Blechgefäßen
von mindestens 15 kg Bruttogewicht oder in Flaschen oder Krügen aus anderem Material von mindesten 50 kg
Bruttogewicht gem. Tarif im Anh. Nr. 26 a 4. In kleineren Blechgefäßen,
bzw. Flaschen oder Krügen gem. Tarif Nr. 26 a 1.