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In Deutschland [* 2] ist der [* 3] in der ausgedehntesten Weise für die Bedürfnisse des Publikums nutzbar gemacht worden und findet eine vielseitigere Verwendung als in irgend einem andern Lande der Welt. So hat die deutsche Verwaltung, um auch den Bewohnern der kleinern Städte und des platten Landes, welchen keine lokale Fernsprecheinrichtung zur Verfügung steht, die Möglichkeit des unmittelbaren Sprechverkehrs zu gewähren, seit 1889 die dem Fernsprechbetrieb dienenden Telegraphenleitungen für den unmittelbaren Verkehr des Publikums freigegeben und geht mit der Absicht um, diese Maßnahme auch auf die Telegraphenleitungen für den Morsebetrieb durch Ausrüstung der Telegraphenanstalten mit Fernsprechern auszudehnen.
Hiernach wird also jedermann in der Lage sein, mit irgend einer andern Person in einem benachbarten Orte zu sprechen, vorausgesetzt, daß beide Orte Telegraphenanstalten haben; es braucht nur ein bezüglicher Wunsch der Telegraphenanstalt mitgeteilt zu werden. Alles übrige besorgen die Verkehrsanstalten, ohne daß den Beteiligten für Botengänge, Herbeiholen der Personen etc. irgend welche Kosten erwachsen. Die Gebühr für ein dergestalt bewerkstelligtes Gespräch, welches 5 Minuten dauern darf und innerhalb der Dienstzimmer abgewickelt wird, beträgt 1 Mk.
Ferner übernimmt es die Reichspost- und -Telegraphenverwaltung, auf kürzere Entfernungen Fernsprechanlagen zur unmittelbaren telegraphischen Verbindung von Geschäftsstuben, Wohnungen etc. untereinander ohne Berührung einer Reichstelegraphenanstalt (sogen. besondere Telegraphen-Anlagen) herzustellen und an Privatpersonen zu deren eignem und ausschließlichem Gebrauch mietweise zu überlassen. Derartige Anlagen sollen zur telephonischen Vermittelung von Nachrichten zwischen verschiedenen Wohnungen und Geschäftsstellen einer und derselben Person oder Erwerbsgesellschaft, oder zwischen verschiedenen Personen und Geschäften dienen und werden sowohl in Ortschaften als auf dem platten Lande hergestellt. Für die Benutzung einer derartigen Anlage mit zwei Fernsprechstellen und einer Verbindungsleitung bis zu 1 km Länge sind jährlich 75 Mk. zu entrichten, für jedes weitere Kilometer 30 Mk, Zuschlag. Dafür wird die Anlage in allen ihren Teilen auf Kosten der Verwaltung hergestellt und fortdauernd in betriebsfähigem Zustand gehalten.
Verwendung des Fernsprechers zu besondern Zwecken.
1) Zu gunsten der Bewohner kleinerer Landorte, welche bei Unglücksfällen etc. auf Hilfe aus benachbarten Orten angewiesen sind, ist auch außerhalb der Telegraphendienststunden, insbesondere während der Nacht, ein besonderer Unfallmeldedienst eingerichtet. Derselbe bezweckt, namentlich bei Feuersbrünsten, den gefährdeten Ortschaften schleunigst Hilfe zu beschaffen. Die technischen Einrichtungen bestehen hauptsächlich in der Aufstellung besonderer Weckvorrichtungen, welche neben dem Fernsprecher eingeschaltet sind. Die beteiligten Gemeinden haben für die erste technische Anlage einen einmaligen Beitrag von 50 Mk. zu leisten; zur Zeit sind 700 Unfallmeldestellen eingerichtet.
2) Ebenso sind die Fernsprechnetze in den Städten für den Feuermeldedienst nutzbar gemacht, zumal durch dieselben (anders als bei den automatischen Feuermeldern) den Feuerwachen von der bestunterrichteten Stelle aus Ort und Ausdehnung [* 4] des Feuers mitgeteilt werden kann, ohne daß den Teilnehmern an der Fernsprecheinrichtung besondere Kosten erwachsen. Soweit die erforderlichen Verrichtungen den ohnehin während der Nacht anwesenden Beamten mitübertragen werden können, ist bei der betreffenden Dienststelle ein mit den Fernsprechleitungen verbundener Wecker aufgestellt. Wo dies nicht thunlich ist, sind bei den Vermittelungsanstalten selbstthätige Schaltungen angeordnet, durch welche die unmittelbaren Verbindungen zwischen dem Hilfe rufenden Teilnehmer und der Feuerwehr hergestellt werden können.
3) Die Stadt-Fernsprechnetze sind durch eine Reihe von Einrichtungen, welche von dem Ingenieur Mayrhofer ersonnen sind, für einen Zeitdienst verwendbar gemacht worden, welcher, sobald eine genügende Anzahl von Teilnehmern sich gefunden hat, ins Leben treten kann. Von gewissen Zentralpunkten aus, an denen die Uhren [* 5] auf Grund der Zeitmessungen der Sternwarte [* 6] richtig erhalten werden, werden täglich in einem geeigneten Zeitpunkt (morgens 5 Uhr), [* 7] wo der Fernsprechbetrieb gänzlich ruht, alle Leitungen zu den Abonnenten durch die regulierende Zentraluhr selbstthätig mit einem Signalgeber verbunden. Gleichzeitig verbinden sich die bei den Abonnenten aufgestellten Uhren für die Dauer einiger Minuten ebenfalls selbstthätig mit der Fernsprechleitung. Während dieser Verbindung empfangen sie einen elektrischen Strom, welcher, von dem Signalgeber der Zentraluhr ausgehend, alle die einzelnen Uhren jedesmal auf die Minute richtig stellt. Nachdem dies geschehen, erfolgt wiederum selbstthätig die Lösung aller Verbindungen.
4) Der Fernsprecher für den Dienst der Taucher ist von John Staar, einem Beamten der französischen Gesellschaft l'Unique Téléphone, konstruiert worden. Der Geber ist an der Taucherkappe gegenüber dem Munde des Tauchers, der Empfänger an einer Art Mütze befestigt, welche gegenüber dem einen Ohre angebracht ist. Die isolierten Leitungsdrähte gehen längs der Luftröhre bis zur Batterie des Fernsprechers, welche sich auf der Oberfläche befindet. Geber und Empfänger sind ganz klein, so daß sie an jeder Taucherkappe angebracht werden können; die Batterie befindet sich in einer Büchse von 20 cm Seitenlänge.
5) Die Verwendung des Fernsprechers bei Eisenbahnunfällen hat zur Voraussetzung, daß die Stationen an der Linie mit Fernsprechern ausgerüstet sind. Auf dem Zuge wird eine tragbare Fernsprechstelle mitgeführt, die aus einem Druckknopf [* 8] zur Abgabe der Anrufsignale, einem Mikrophon, einem Fernsprecher, einem empfindlichen Läutewerk, einem Umschalter [* 9] (um je nach Bedürfnis den Fernsprecher oder das Läutewerk einzuschalten) und aus einer Batterie von zehn kleinen Leclanché-Elementen besteht.
Soll die in einem Kasten untergebrachte Sprechstelle in Wirksamkeit treten, so werden an zwei an den Kasten befindlichen Klammern [* 10] zwei längere Kupferdrähte befestigt, deren einer in einem kupfernen Haken, der andre in einer passend eingerichteten Kontaktvorrichtung endet; letztere wird an einer als Erdleitung dienenden Schiene befestigt, der Kupferhaken wird an die längs des Bahnkörpers verlaufende Sprechleitung gehängt. Die Batterie ist genügend stark, um auf eine Entfernung von 20 km ein Läutewerk ansprechen zu lassen; die einfache Einrichtung entspricht also vollständig ihrem Zwecke, sofern die Entfernung zwischen je zwei Stationen 40 km nicht übersteigt.
Bautechnisches.
In der Bautechnik der Fernsprechleitungen, in welcher Beziehung mangels jeder Erfahrung von vornherein nur empirisch verfahren werden konnte, hat sich in den letzten Jahren ein vollständiger Umschwung vollzogen. An die Stelle des Eisen- und Gußstahldrahts ist Draht [* 11] aus Siliciumbronze ¶
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getreten, eine Legierung aus Kupfer, [* 13] Zinn, Blei [* 14] und geringen Mengen Eisen [* 15] mit einem Zusatz von Silicium. Dieser Bronzedraht besitzt eine bedeutend größere absolute Festigkeit [* 16] als Eisen- und ein größeres Leitungsvermögen als Gußstahldraht, und dieser letztere Umstand hat es ermöglicht, das gesprochene Wort auf viel weitere Entfernungen fortzupflanzen, er hat ferner gestattet, dünnern Leitungsdraht zu verwenden, und das hat wieder bewirkt, daß die Querträger wie Isolatoren in geringern Abmessungen hergestellt werden konnten.
Infolge dieser Verminderung des Eisengewichts der Leitungen können nun auch an einem Gestänge gegen früher viel mehr Leitungen angebracht werden. Für Neuanlagen werden seit 1890 Bronzedrähte von folgenden Stärken verwendet: Draht von 3 mm Durchmesser für die größern Verbindungen von 150 km Länge und darüber, von 2 mm für alle andern Verbindungsanlagen und von 1,5 mm für die Anschlußleitungen in den Stadt-Fernsprecheinrichtungen und in den Bezirks-Fernsprechanlagen. An den einfachen, als Stützpunkte dienenden, gewöhnlich auf den Dächern der Häuser aufgestellten Rohrständern mit Querträgern zu 6 Isolatoren können nun bis zu 30 Leitungen (bis jetzt 12-16), an Doppelgestängen bei Querträgern zu 20 Isolatoren bis zu 200 Leitungen (bis jetzt nur 40-60) und an Dreigestängen bei Querträgern zu 30 Isolatoren bis zu 300 Leitungen (bis jetzt etwa nur 126) angebracht werden.
Die seit 1882 seitens der deutschen Telegraphenverwaltung angestellten Versuche mit Fernsprechkabeln sind 1888 abgeschlossen worden. Man hat sich für die Verwendung von Erdkabeln und Luftkabeln entschieden, die gewöhnlich unter der Bezeichnung Bleikabel zusammengefaßt werden. Die Erdkabel werden aus 28 isolierten Leitungen hergestellt, welche in 7 Gruppen zu je 4 Leitungen angeordnet sind. Jede Leitung besteht aus einem 1 mm starken Kupferdraht, erhält eine Isolierschicht aus dreifacher Bewickelung mit imprägniertem Baumwollgarn und wird demnächst mit Stanniol umhüllt.
Der äußere Durchmesser jeder Ader, über der Stanniolhülle gemessen, beträgt 2,8 mm. Je 4 solcher Leitungen werden um einen blanken Kupferdraht von 1 mm Stärke [* 17] zu einer Litze vereinigt, und 6 solcher Litzen werden um die siebente, als Kern dienende Litze zu einem Seile zusammengedreht. Das Seil wird mit imprägniertem Bande bewickelt und dann mit einem doppelten Bleimantel von je 1,2 mm Starke umpreßt. Auf den äußern Bleimantel kommt eine Umwickelung mit imprägniertem Bande, dann wird das Ganze mit 19 verzinkten Façoneisendrähten umgeben, welche einen trapezförmigen Querschnitt von etwa 4,7 mm zu 4,3 mm und 1,7 mm haben.
Der äußere Durchmesser des Kabels beträgt etwa 32 mm und das Gewicht für das Meter ungefähr 4 kg. Die Luftkabel werden in der Regel mit 27 Leitungsadern verwendet. Jede Leitung besteht aus einem 0,8 mm starken Kupferdraht, isoliert durch eine doppelte Bewickelung mit imprägniertem Hanfgarn und mit Stanniol umhüllt. Sämtliche 27 Leitungen sind zusammen mit 3 je 1,2 mm starken Kupferdrähten, welche als Erdleitung dienen, verseilt. Die Lage dieser Erddrähte ist derart, daß eine möglichst innige Berührung derselben mit den Stanniolhüllen der einzelnen Adern hergestellt wird. Zu diesem Zwecke werden zunächst 3 Leitungsadern mit den 3 Erddrähten in der Weise verseilt, daß erst die zwischen je 2 anstoßenden Adern bleibende Rinne durch einen Kupferdraht ausgefüllt wird.
Der hierdurch gebildete Kern wird zunächst mit 9, dann mit den übrigen 15 Leitungsadern umgeben. Das Ganze wird hierauf mit imprägniertem Garn umwickelt, mit 2 Bleimänteln von wenigstens je 0,9 mm Wandstärke umhüllt und schließlich noch mit einer mit Zinkweiß behandelten Bandlage versehen. Die Aufhängung der Luftkabel an den Stützpunkten erfolgt mit Hilfe einer besondern Traglitze, die aus 7 verzinkten Stahldrähten von je 2,3 mm Stärke besteht. Die Traglitze hat eine Bruchfestigkeit von wenigstens 120 kg für das Quadratmillimeter Querschnitt oder für jeden Draht von rund 500 kg.
Die beispiellose Ausdehnung des Fernsprechwesens läßt, namentlich in den größern Städten, die unterirdische Führung der Fernsprechleitungen als den einzigen Ausweg zu, den immer steigenden Anforderungen des Publikums gerecht zu werden. In Berlin [* 18] ist 1890 zunächst der Anfang mit der Herstellung eines unterirdischen Leitungsnetzes gemacht worden. Zur Aufnahme der Erdkabel ist innerhalb der städtischen Straßenzüge ein Netz von gußeisernen Röhren [* 19] hergestellt worden, dessen Länge vorerst auf 41,200 m bemessen ist.
Die Weite der Röhren schwankt zwischen 20 und 40 cm mit einer Aufnahmefähigkeit von 20-90 Kabeln. Außerdem werden an besonders schwierigen Straßenkreuzungen etwa 100 m schmiedeeiserne Kasten in den Straßenkörper eingebettet und 165 m gemauerter Kanal [* 20] hergestellt. Die zur Verwendung kommenden Kabel sind mit Eisendrähten bewehrt und enthalten 28 durch getränktes Baumwollgespinst isolierte, zum Schutze gegen gegenseitige Lautübertragung mit Stanniolstreifen umwickelte Kupferleitungen von 1 mm Stärke.
Die Länge der zunächst ausgelegten Kabel beträgt 147,968 m und die Länge der Leitungen somit 4,143,104 m. Zur leichtern Einziehung der Kabel in die Röhren sowie zur Untersuchung der Leitungen sind im Laufe des Röhrenzugs etwa 400 gemauerte Einsteigbrunnen (Kabel-Untersuchungsbrunnen) hergestellt worden, während zur Verbindung der unterirdischen Leitungen mit den oberirdisch bewirkten Einführungen der Drähte in die Sprechstellen der Teilnehmer 46 Kabelaufführungsstellen dienen. Die Kosten der Herstellung des unterirdischen Leitungsnetzes haben rund 1,5 Mill. Mk. betragen. Mit dieser Anlage ist das Berliner [* 21] Fernsprechnetz, das größte der Welt, derart vervollkommt, daß auf absehbare Zeit seine ungehinderte Entwickelung sichergestellt ist. Auch in andern großen Städten des Reichspostgebiets, in denen sich das Bedürfnis dazu herausstellt, werden Röhrenstränge für Fernsprechkabel gelegt werden.
Verwaltung des Fernsprechwesens.
Es sind dreierlei Systeme zu unterscheiden:
1) die Staatsverwaltungen nehmen auf Grund bestehender Gesetze die Regalität des Fernsprechwesens in Anspruch und versagen Privaten die Anlegung von Fernsprecheinrichtungen;
2) die Staatsverwaltungen erklären das Fernsprechwesen zwar für ein Regal, erteilen aber Privaten die Erlaubnis zur Anlegung von Fernsprecheinrichtungen gegen Abgabe eines bestimmten Teils der Einnahmen und unter dem Vorbehalt, entweder jederzeit oder nach Ablauf [* 22] einer gewissen Frist die hergestellten Fernsprechleitungen und die zugehörigen Apparateinrichtungen gegen eine Entschädigung einzulösen, die durch gemeinschaftliches Übereinkommen oder nach Schätzung durch Sachverständige bestimmt wird, daneben aber behalten sie sich das Recht vor, gleichfalls neben dem Privatbetrieb staatliche Fernsprechanlagen in Betrieb zu setzen; und endlich 3) die Staatsgewalten überlassen Einrichtung und Betrieb der Fernsprecheinrichtungen ausschließlich der ¶