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Vom Versuch, der Abholzung Einhalt zu gebieten
Von Stephan Suhner
Drei der Departemente Kolumbiens, wo am stärksten abgeholzt wird, sind Chocó, Norte de Santander und Amazonas. Grund für die starke Abholzung ist u.a. die fehlende Kontrolle und Überwachung durch die staatlichen Behörden. Nun gibt es aber Hoffnung auf Besserung: Die Procuraduría (Untersuchungsbehörde für Staatsbeamte) hat wegen Unregelmässigkeiten in der Überwachung der Abholzung in Schutzgebieten der drei Departemente zwischen 2017 und 2020 Disziplinaruntersuchungen gegen die drei Gouverneure eingeleitet. Von diesen Disziplinarmassnahmen sind auch die Generaldirektoren der drei Umweltgebietskörperschaften Corporación para el Desarrollo Sostenible del Sur de la Amazonia (Corpoamazonía), Corporación Autónoma Regional para el Desarrollo Sostenible del Chocó (Codechocó) und Corporación Autónoma Regional de la Frontera Nororiental (Corponor) betroffen. Es ist zu hoffen, dass diese Verfahren Signalwirkung haben.
Zudem ist die Regierung daran, ein CONPES-Dokument (Nationaler Rat für Sozial- und Wirtschaftspolitik) zu erarbeiten, um die Abholzung bis 2030 drastisch zu reduzieren. Dazu werden drei Zwischenziele vorgeschlagen: Bis 2022 soll die erwartete Entwaldung um 30% reduziert werden, bis 2025 soll die jährliche Entwaldung auf maximal 100‘000 Hektaren begrenzt werden und bis 2030 soll die Entwaldung auf Netto Null sinken (Abholzung und Aufforstung im Gleichgewicht). Um das zu erreichen, werden vier Strategien vorgeschlagen. Die erste soll nachhaltige Produktionsalternativen konsolidieren, die die ländliche Entwicklung fördern und die Agrargrenze stabilisieren sowie bei der Substitution von Koka hilft.
Die zweite Strategie zielt auf die Stärkung der sektorenübergreifenden Artikulations- und Managementmechanismen, u.a. die Harmonisierung von Planungsinstrumenten, bei der Raumplanung oder mit dem Mehrzweckkataster. Dazu soll auch der Zugang zu Land und Eigentumstitel gefördert werden, wozu die Nationale Landbehörde (Agencia Nacional de Tierras) 2021 die soziale Aufarbeitung der Besitzverhältnisse in sieben von Abholzung besonders betroffenen Gemeinden beginnt. Zur zweiten Strategie gehört auch die Legalisierung und Kontrolle illegaler Aktivitäten wie Goldabbau oder illegale Viehweiden. Auch soll die verkehrsmässige Erschliessung abgelegener Gebiete mit minimalen Auswirkungen auf den Wald erfolgen.
Die dritte Strategie umfasst verschiedene Aktionen, um die Kontrolle über das Territorium zurückzugewinnen und die illegalen Dynamiken, wie beispielsweise illegale Pflanzungen, illegale Rohstoffgewinnung und illegale Landaneignung sowie Korruption zu reduzieren. Zuständig dafür sind die Streitkräfte und die Untersuchungs- und Umweltbehörden. Koordiniert werden sollen diese Aktionen durch den Consejo Nacional de Lucha contra la Deforestación y otros Crimenes Ambientales Asociados CONALDEF (Nationaler Rat für den Kampf gegen die Abholzung und andere damit verbundene Umweltverbrechen). CONALDEF wird Aktionen wie Sanktionsmechanismen, Polizeioperationen und strafrechtliche Prozesse in Gang bringen müssen. Das Verteidigungsministerium wird dazu eine Einheit zum integralen Schutz der Umwelt (Fuerza de Protección Integral Ambiental) aufbauen, um die Wasser-, Biodiversitäts- und Umweltressourcen vor externen und internen Bedrohungen zu schützen.
Die vierte und letzte Strategie will die Systeme für Monitoring und Follow-up verbessern, um die Waldressourcen effizienter verwalten zu können. Die notwendigen Informationen sollen vertrauenswürdig und präzise sein, wozu auch das nationale Umweltsystem digitalisiert werden soll. Inwiefern dieser komplexe Plan mit all den neuen Instrumenten, Institutionen und Datenbanken tatsächlich die Abholzung verhindert, ist fraglich. Der kolumbianische Staat ist sehr gut darin, immer neue Pläne und Instrumente zu kreieren, ohne die Grundübel effektiv anzugehen, z.B. die Verstrickung der Sicherheitskräfte in illegale Aktivitäten und die Ineffizienz der Bürokratie.
Quellen: