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Wenn allgemein von Portwein die Rede ist, muss man sich vor Augen halten, dass es sich um eine grosse Produktfamilie mit sehr unterschiedlichen Sprösslingen handelt. Gleich ist die Basisdefinition – und die lautet: Portwein oder Port ist ein aus dem im Norden Portugals gelegenen Douro-Tal stammender weisser oder roter Likörwein beziehungsweise Dessertwein und hat seinen Namen von der Hafenstadt Porto.
Der Alkoholgehalt des Portweins liegt zwischen 18 und 21 Prozent und wird durch das Abstoppen des Gärprozesses mit Branntwein erzielt. Im Portweinbusiness heisst dieser Vorgang «Benefício».
Die Süsse des jeweiligen Portweins wird durch den Zuckergehalt des Mosts und den Zeitpunkt bestimmt, zu dem hochprozentiger Branntwein zugesetzt wird. Vintage Port wird üblicherweise in eigene Flaschen aus sehr dunklem bis hin zu schwarzem Glas mit einer Füllmenge von 0,75 Liter abgefüllt. Für Tawnys haben sich mittlerweile auch kleinere Füllmengen und hellere Flaschengläser durchgesetzt. Die Zone, in der heute die Trauben für Portwein wachsen, liegt von der Hafenstadt Porto aus betrachtet achtzig Kilometer flussaufwärts entfernt. Sie erstreckt sich entlang des Douros und seinen Seitentälern hinauf Richtung spanische Grenze.
Hier liegen die zu Recht für ihre landschaftliche Schönheit gerühmten Steillagen mit ihren für die Reben perfekten feinen Schieferverwitterungsböden.
Jahrhundertelang spielte der Fluss nicht nur für das spezielle Klima eine besondere Rolle, er war auch der einzige Verkehrsweg, auf dem man die Fässer mit dem Jungwein nach Porto oder besser gesagt nach Vila Nova de Gaia, eine kleine Stadt am Douro-Fluss, direkt gegenüber von Porto, transportieren konnte. Hier hatten sich die Portweinhäuser niedergelassen und ihre «Lodges» errichtet, in denen die Weine ihrer perfekten Reife entgegendämmern konnten. Mit der Errichtung einer Eisenbahnlinie konnten die beträchtlichen Risiken, die mit dem Transport der Weine auf den «Barcos Rabelos» verbunden waren, deutlich verringert werden. Heute liegen diese Boote wie bunte Werbeschilder vor den Lodges am Fluss vor Anker.
Portwein gibt es von weissen und von roten Trauben, wobei die rote Variante den weitaus grösseren Anteil hat. Weisse Portweine sind in der Regel recht einfache Produkte, die heute nicht allzu lange gelagert werden, bevor sie abgefüllt werden und in den Handel gelangen.
Rote Portweine werden grundsätzlich in die Kategorien «Ruby» und «Tawny» unterteilt. Der relativ junge Portwein, genannt «Ruby», zeigt eine dunkle rubinrote Farbe, die sich mit zunehmender Alterung im Fass Schritt für Schritt in einen bernsteinfarbenen Ton verwändert, der im englischen «Tawny» heisst (die Farbe einer Löwenmähne). Die Tawnys und gereiften Tawnys sind aromatischer, delikater und leichter im Stil als Rubys, was sie der längeren Verweildauer im Holzfass verdanken. Die klassische Einheit für ein Reifefass beträgt 630 Liter. Hier kommt ein in jeder Hinsicht elementarer Unterschied zum Vorschein. Tawnys reifen je nach
Qualität für einen sehr langen Zeitraum im Holz, während der Vintage Port sehr früh auf die Flasche kommt und dort auf ganz andere, nämlich reduktive Weise heranreift.
Der Ruby
Eine weitere Möglichkeit, Portweine einzuteilen, ist die nach dem Alter. Der mit Abstand grösste Teil kommt ohne Jahrgangsbezeichnung auf den Markt. Der klassische Ruby entspricht stilistisch einem Port mit dreijähriger Fasslagerung, wird allerdings aus Chargen verschiedener Jahrgänge zusammengestellt. Bei einer Premium-Ruby-Reserve handelt es sich um Ruby aus höherwertigen Grundweinen – verglichen mit einem einfachen Ruby –, und zwar in Form einer Jahrgangscuvée, die nach vier bis fünf Jahren trinkfertig auf die Flasche kommt.
Diese Produkte weisen eine dunkle Farbe auf und haben eine ausdrucksvollere Aromatik. Man könnte sagen, es handelt sich um eine stilistische Vorstufe des Vintage Ports, weshalb man dieses Segment früher als «Vintage Character» bezeichnete. Führende Häuser bedienen sich heute eines Markennamens, um jede Verwechslung mit einem hochwertigen Vintage Port zu vermeiden. Als Beispiele seien Graham’s mit «Six Grapes» oder Taylor’s mit «First Estate» erwähnt.
Der Tawny
Wird der Portwein hingegen über einen längeren Zeitraum im Holzfass ausgebaut, entwickelt er sich durch die Mikro-Oxidation vom Ruby zum Tawny. Im Holz gereift, zeigt sich dieser Weintyp in gehobener Qualität als eleganter Tawny Reserve Port, eine Kombination aus Frische, jugendlicher Frucht mit gewissen Elementen der Reife. Seine Farbe hat sich bereits in ein mittleres Goldbraun verwandelt.
Es gibt auch Tawnys mit Altersangabe, und in dieser Gruppe findet der Kenner einige der besten Portweine überhaupt. Vier Altersangaben sind für diese Stilgruppe der im Holz gereifen Ports zugelassen, nämlich Tawny 10 years old Port, Tawny 20 years old Port, Tawny 30 years old Port und Tawny 40 years old Port. Für diese Produkte ist ein jeweils typisches Geschmacksbild vorgesehen, dem diese Tawny-Cuvées entsprechen müssen.
Die Produkte weisen auf dem Vorder- oder dem Rücketikett zusätzlich das Jahr aus, in dem sie abgefüllt wurden. Die raren Colheita Ports sind Tawnys aus einzelnen Jahrgängen, die zunächst zumindest sieben Jahre im Holzfass verbringen müssen.
Der Spezialist für Colheita Port ist das Haus Niepoort, das bis zum heutigen Tag wie kein anderer Produzent über enorme Bestände an alten Jahrgangs-Tawnys verfügt. Bei einem Colheita Port steht – wie bei einem Vintage Port auch – der Erntejahrgang auf dem Hauptetikett, es ist aber auch das Jahr der Abfüllung angegeben.
Der Vintage Port
Der unangefochtene König der Kategorie Port mit Altersangabe ist der berühmte Vintage Port. Nur ausserordentlich gute Jahre werden von allen Erzeugern zu Vintage-Jahrgängen erklärt. Die Trauben stammen allesamt aus einem tollen Jahrgang, der Wein muss verpflichtend im Zeitraum vom 1. Juli des zweiten Jahres bis zum 30. Juni des dritten Jahres auf die Flasche gefüllt werden. Der gesamte Erzeugungsprozess wird vom IVP (Portweininstitut) strengstens überwacht.
Tiefdunkel, muskelbepackt und von überbordender Frucht und Würze begleitet, müssen diese Weine einen Reifeprozess in der Flasche durchmachen, um all ihre überreich angelegten Tugenden zu einem harmonischen Ganzen zu vermählen. Von zehn bis jenseits der fünfzig Jahre dauert die Entwicklungsspanne eines Vintage Ports.
In sehr guten, aber nicht komplett ausgezeichneten Jahrgängen bringen manche Produzenten Vintage Ports heraus, die man auch als «Single Quinta Vintages» bezeichnet, weil hier der Grundwein von einem einzigen Weingut mit besonders bevorzugten Lagen stammt. Diese Weine bilden dann das spezielle Terroir dieser Quinta in einem einzigen Jahrgang ab, es fehlt aber vielleicht die Komplexität des Hausstiles eines Shippers. Nicht zu verwechseln sind diese «Single Quinta Vintages» mit den Produkten einzelner Weingüter, die den Begriff «Quinta» im Namen führen (wie Quinta do Vesuvio oder Quinta do Crasto).
© Artur Bodenstein
Dazu kommt noch ein relativ neues Phänomen: die «Alten Reben» – das sind
speziell selektionierte Parzellen mit besonders alten Rebstöcken. Als Vorbild dient die Parzelle Quinta do Noval, die eine derartige Parzelle mit uralten wurzelechten Reben unter der Zusatzbezeichnung «Nacional» als Vintage Port aus den allerbesten Jahrgängen auf den Markt bringt. Taylor’s etwa hat von seiner berühmten Quinta de Vargellas Single, wo 60 Prozent der Rebstöcke über 80 Jahre alt sind, im Jahrgang 2011 einige tausend Flaschen «Vinha Velha», also «Alte Reben», von den besten Reben selektioniert. Ein Wein, der von Portweinfans begeistert gefeiert werden wird.
Auch Dirk van der Niepoort hatte 2007 erstmals seinen «Vinha da Pisca» aus dem Vintage-Blend separiert. Bei Graham’s wiederum hat man 2011 erstmals einen «The Stone Terraces» aus Reben bevorzugter alter Terrassen, mehrheitlich aus der Quinta dos Malvedos, erzeugt. Entstanden sind dabei nicht mehr als 250 Kisten mit nummerierten Flaschen.
>> Zu den VERKOSTUNGSNOTIZEN
Die gesamte Story mit Infos zu den besten Vintage-Port-Jahrgängen, den populärsten Late Bottled Vintage Ports und einem Hintergrundartikel mit allem, was Sie über Portwein unbedingt wissen sollten, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Falstaff Schweiz Magazins Nr. 02/2015.
Text von Peter Moser
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