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Erst nachdem darin eine gewisse Sicherheit erzielt war, begann der Unterricht im Schreiben. Diese rein
mechanische Weise des ersten Leseunterrichts enthält den doppelten Fehler, das aus seiner natürlichen engen Verbindung mit
dem Schreiben zu reißen und von den ziemlich willkürlich gegriffenen Zeichen und Namen (den Buchstaben), statt von der Sache
selbst (den Lauten), auszugehen. Die Schwierigkeiten, welche daraus hervorgehen, empfand man von jeher,
ohne jedoch die Ursache zu erkennen.
Schon war man ziemlich allgemein zu dem Ergebnis gekommen, daß vom Lautwert des Buchstabenzeichens auszugehen sei, als
dies zuerst klar und folgerichtig von dem bayrischen SchulratStephani (1804, »KurzerUnterricht in der gründlichsten und leichtesten
Methode, Kindern das Lesen zu lehren«),
dem eigentlichen Schöpfer der Lautiermethode, durchgeführt ward.
Seine Methode strebten Krug, Pöhlmann u. a. zu vervollkommnen; da indes ihre Verbesserungen dieselbe nur künstlicher
machten, brach sich die Lautiermethode fast überall in der ihr von Stephani gegebenen Form Bahn. Eine wirkliche Verbesserung
erfuhr dieselbe durch Joh. Bapt. Graser (s. d.), der ebenfalls bayrischer Schulrat war, etwa ein Jahrzehnt
nach ihrem Hervortreten, indem dieser darauf drang, daß von vornherein das Schreiben mit dem Lesen in engster Verbindung gelehrt
werden müsse. Er wurde dadurch der Urheber der Schreib-Lesemethode, für welche sich allerdings schon Ansätze bei Ratichius
(s. d.) und bei einigen französischen Pädagogen (de Launey u. a.) seit der Mitte des 18. Jahrh.
nachweisen lassen.
Übrigens gehen im einzelnen die Methoden sehr weit auseinander. Auf dem ganzen Gebiet herrscht ein reges Streben, das noch
fortwährend auf Vereinfachung und Verbesserung des ersten Leseunterrichts hindrängt. So gewinnt z. B.
immer mehr Gebiet die reine Schreib-Lesemethode, bei der die Kinder im Anfang nur eine Schrift, die deutsche Schreibschrift,
erlernen, mit der übrigens große Verschiedenheit des Verfahrens vereinbar ist. Im weitern Verlauf des Leseunterrichts kommt
es besonders auf ein dreifaches Ziel an: die Lautrichtigkeit, die Sinngemäßheit (logische Richtigkeit)
und die Schönheit des Lesens.
Danach hat man auch wohl die Stufen des Leseunterrichts (das mechanische, das logische, das ästhetische Lesen) unterschieden.
Dieselben lassen sich jedoch nicht streng auseinander halten; auch gehört das ästhetische Lesen, welches eine Kunst ist, nur
in seinen ersten Anfängen zum Bereich der Schule.
Vgl. Kehr, Geschichte des Leseunterrichts (in der »Geschichte
der Methodik des deutschen Volksschulunterrichts«, Bd.
2);