Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03457.jsonl.gz/848

Das Ehepaar Tiruwork und Enyews hatte den Gedanken, Kinder zu bekommen, schon lange aufgegeben. Sie lebten in so grosser Armut, dass sie selber kaum über die Runden kamen.
Das junge Paar wohnt in der Nähe einer Müllhalde der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Ihr Zuhause ist winzig klein und besteht aus einem Einzelzimmer von etwa 2,5 Quadratmetern, das zu einem grossen Teil von einem Bett ausgefüllt wird. Trotz einiger Lichtstrahlen, die durch die mit Plastiktüten geflickten Holzwände dringen, ist das Innere des Hauses dunkel. Aber wenn man über die rosarote Metalltür hinein schaut, sieht man das strahlende Lächeln einer Mutter, Tiruwork, und ihre beiden Zwillinge, die friedlich auf dem Bett schlafen.
So friedlich war die Stimmung in der kleinen Behausung aber nicht immer. Tiruworks Verzweiflung war riesig, als sie erfuhr, dass sie mit Zwillingen schwanger war.
Nicht genug Geld, um Kinder zu haben
Mehrere Jahre lang hatte das Paar darüber nachgedacht, ob sie Kinder haben könnten. Aber das Geld schien einfach zu knapp. Also warteten Tiruwork und Enyew. Mit der Zeit wurde der Kinderwunsch aber stärker als die wirtschaftlichen Überlegungen.
Als das Paar entdeckte, dass Tiruwork schwanger war, freuten sie sich riesig. Bei der Vorsorgeuntersuchung beim Arzt gab es aber eine grosse Überraschung: „Sie werden Zwillinge bekommen!“
Während sie ihre Geschichte erzählt, sitzt Tiruwork auf dem Bett und schaut ihre beiden schlafenden Töchter zärtlich an. Aber sie erinnert sich noch gut an die Verzweiflung, die sie fühlte, als sie im dritten Monat schwanger war und erfuhr, dass sie nicht nur ein Baby erwartete. „Ich weinte den ganzen Weg nach Hause. Ich war wütend. Ich fragte mich, wie ich meine Kinder ernähren würde. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich darüber nachgedacht, wie man abtreiben kann, denn ich sah keinen Ausweg aus der Situation.“
„Meine Frau wollte die Schwangerschaft abbrechen, weil wir es uns nicht einmal leisten konnten, ein Kind zu bekommen, geschweige denn zwei", erzählt Enyew. „In meinem Herzen habe ich geschworen, mich um die Zwillinge zu kümmern. Selbst wenn das heissen würde, dass wir sie weggeben müssten, um ihr Überleben zu sichern“.
Funken der Hoffnung
Die Nachbarn der beiden und Enyews Familie konnten das Paar überzeugen, ihre Babys zu behalten. Kurz darauf erfuhr das Ehepaar vom Überlebensprogramm für schwangere Mütter und ihre Babys in einer nahe gelegenen Kirche. Tiruwork wurde ins Programm aufgenommen, als sie im achten Monat schwanger war.
„Als wir erfuhren, dass die Kirche uns konkret unterstützen würde und dass unsere Kinder sogar zur Schule werden gehen können, waren wir erleichtert", sagt Enyew. „Unsere Sorgen verschwanden schnell.“
„Als ich aufgenommen wurde und Beratung bekam und verstand, wie umfassend das Programm ist, bekam ich Hoffnung, und die Zweifel verstummten. Ich konnte jetzt mit Zuversicht an meine Babys denken.“
Am 24. September 2017 hiessen Tiruwork und Enyew ihre beiden hübschen kleinen Mädchen Eyerusalem und Absalat willkommen. Mitarbeitende des Kinder-Überlebensprogramms waren vor Ort, um ihnen zu helfen und ihnen vorbeizubringen, was sie für die Pflege der Zwillinge brauchten.
Und auch wenn sich die finanzielle Situation des Ehepaars nicht verändert hat, machte die Hilfe durch das Programm der lokalen Kirche den Unterschied. „Ich verdiene immer noch die gleiche Menge Geld“, sagt Enyew. „Mit meinem Einkommen hätte ich niemals all das für die Zwillinge tun können, was jetzt möglich ist. Wenn man Zwillinge bekommt, verdoppelt sich jede Ausgabe. Wir sind für alles sehr dankbar. Zu Weihnachten erhielten wir sogar ein Geschenk, das war eine unerwartete Überraschung.“
Nicht bloss überleben, sondern wirklich leben
"Meine Zwillinge sind ein Segen für mich. Obwohl ich keine Hoffnung hatte, als ich erfuhr, dass ich mit ihnen schwanger war, wurde ich Mutter, und meine Töchter geben mir jetzt Hoffnung für die Zukunft“, sagt Tiruwork. „Ich habe jetzt genug, um meine Kinder zu ernähren“.
Durch das Kinder-Überlebensprogramm sind Enyew und seine Frau voller Hoffnung für ihre Zwillinge. Wenn sie grösser werden, werden ihre Töchter ins Patenschaftsprogramm von Compassion aufgenommen. Sie werden in Sicherheit aufwachsen, zur Schule gehen und nicht bloss überleben, sondern wirklich leben.