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Im Oktober 1998 wurde im Stände- und Nationalrat je eine Motion eingereicht, die auf die sprachliche Förderung der ausländischen Bevölkerung abzielte. Beide Motionen verwendeten nebst ähnlichem Wortlaut die Metapher, dass Sprache der Schlüssel zur Integration sei. Dies markierte eine politische Wende, da Sprache somit zur Voraussetzung für Integration wurde, wenn auch (noch) auf einer symbolischen Ebene. Zuvor ging man davon aus, dass vielmehr die Integration in den Arbeitsmarkt der Wegbereiter für die soziale Integration und den Spracherwerb darstellt. Nach diesen Motionen wurde nun die Sprache zum zentralen Element im Integrationsprozess. Die Metapher „Sprache ist der Schlüssel zur Integration“ hat sich seither im Sprachgebrauch etabliert. Als Folge dieser Logik wurden nationale und kantonale Gesetze verfasst, die Metapher also quasi gesetzlich institutionalisiert. Zum Beispiel ist mittlerweile in sogenannten Sprachartikeln (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer; Integrationsgesetz Basel) die Erteilung/Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung an die Bedingung gekoppelt, dass man einen Integrations- oder Sprachkurs besucht. Da der Sprache mittlerweile eine derartige Relevanz eingeräumt wird, kommt es kaum überraschend, dass sie nicht mehr nur als Bedingung, sondern nun auch als Indikator von Integration verstanden wird.
In diesem Zusammenhang setze ich mich in meiner Dissertation mit den folgenden zwei Forschungsfragen auseinander: Wie gestaltet sich der Prozess von der Metapher „Sprache ist der Schlüssel zur Integration“ zum Gesetzesartikel? Wie interpretieren von der Integrationspolitik betroffene Expertinnen und Experten die (sozialen, politischen, gesetzlichen) Konsequenzen dieser Entwicklung? Mit anderen Worten ist es mein Ziel zu verstehen, wie Sprache in der Integrationspolitik derart gewichtet wird, wie dies zu verstehen ist und was die Konsequenzen sind. Zu diesem Zweck analysiere ich auf der einen Seite das Emergieren der Gesetze und, auf der anderen Seite, Interviews mit Expertinnen und Experten im Gebiet der Integration und/oder Migration in Basel.
Für die Analyse der Emergenz der Gesetze und insbesondere der Sprachartikel wende ich das Foucaultsche Konzept der Genealogie an. Dieses Konzept basiert auf einer sorgfältigen Sichtung der (gesellschaftlichen und parlamentarischen) Prozesse durch welche die Gesetze in Kraft gesetzt worden sind. Intertextuelle und interdiskursive Verbindungen werden mit Hilfe des analytischen Instruments der „diskursiven Ereignisse“ etabliert, welche Schlüsselmomente der Geschichte darstellen, die sich in Dokumenten, Texten oder Interaktionen manifestieren.
Die Interviews ihrerseits werden mittels „interpretativer Repertoires“ analysiert, die als Analysekonzept aus der diskursiven Sozialpsychologie stammen. Dieser Ansatz ermöglicht eine linguistische Analyse der Interviews, während auch diskursive Strategien von Sprecherinnen und Sprechern (Positionierungen, Distanzierung, Personalisierung etc.) nachgezeichnet werden können. Angewendet wird dies auf 16 qualitative Interviews, die je etwa eine Stunde dauern. In den Interviews wurde jeweils ein Leitfaden angewendet, um gewisse thematische Bereiche abzudecken, wie zum Beispiel Integration als politisches Konzept, das Basler Integrationsgesetz und die Rolle der Sprache im Integrationsprozess. Der doppelte Ansatz hilft mir, meine Forschungsfragen anzugehen und mein Ziel zu erfüllen, die diskursive Konstruktion der Metapher und ihre „Übersetzung“ in die Sprachartikel zu verstehen und nachzuzeichnen.