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Gründung der Schützengesellschaft Rohr
Die Gründung der Schützengesellschaft Rohr reicht in diesem Jahr volle 135 Jahre zurück – auf das Jahr 1877. Rohr war damals ein unscheinbares Dorf, mit 424 Einwohnern. Vom männlichen Geschlecht waren 21 Männer militär- und schiesspflichtig. Diese waren der Militärsektion Buchs zugeteilt. Warum diese Rohrer «Schützen» sich zu verselbständigen suchten, ist nicht klar. 1877 wurde von diesen jedenfalls die Schützengesellschaft gegründet. Ab diesem Jahr konnten die Rohrer ihre Schiesspflicht somit in der eigenen Gemeinde erfüllen.
Dieses Ereignis fiel in eine Zeit grossen Aufbruchs in der Eidgenossenschaft. Voraus gegangen war der deutsch-französische Krieg mit dem fluchtartigen Einfall der Bourbaki-Armee und der Internierung derselben im Jahr 1871 in der Schweiz. Gerade dieses Ereignis förderte in starkem Mass den Wehrwillen der Schweizer. Bezeichnend ist auch, dass im Jahr 1878 die aufrührerische Novelle von Gottfried Keller, mit dem bekannten Namen«Das Fähnlein der sieben Aufrechten» erschien, als unverkennbares Zeichen der politischen Aufbruchsstimmung.
Schiessplatzfragen
Nach den Protokollen gingen die Rohrer Schützen mit eifrigem Schiesstraining ans Werk. Sie waren so eifrig, dass sie wegen Übertretung des Sonntagsgesetzes schon bald mit einer Klage konfrontiert waren. Sie hatten sich erlaubt, am Sonntag vor Pfingsten, im Jahr 1881, an welchem in den Kirchen beider Konfessionen die Hl. Kommunion und das Abendmahl gefeiert wurde, ein Training durchzuführen. Das behagte der Bevölkerung gar nicht. Sie wurden beim Gemeinderat eingeklagt und von diesem zu einer Busse von Fr. 2.–,weiter zu 20 Rp. «Verleideranteil» und Gebühren von 20 Rp. verurteilt.
Wo zu dieser Zeit geschossen wurde, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall wurde bis ins Jahr 1910 im Freien, ohne jeglichen Unterstand, geschossen. Es gab auch ein unschönes Seilziehen mit dem Landbesitzer, da während der Vegetationszeit ein Schiessen über den Sommer nicht mehr möglich war. Die Situation war unbefriedigend. 1902 wurde mit dem Landbesitzer über den Kauf des Landstückes verhandelt. Die Situation blieb aber unbefriedigend. 1905 bewilligte der Gemeinderat Fr. 200.– für Verbesserungen des Scheibenstandes.1910 gelangten die Schützen erneut an den Gemeinderat mit dem Begehren fürden Bau eines eigenen Schiessstandes. Nach umfangreichen Verhandlungen konnte dann im Jahr1912 ein Schützenhaus im sogenannten Spiracker erstellt werden, nachdem die Gemeindeversammlung eine Landabtretung für den Scheibenstand bewilligt hatte.Das notwenige Land für das Schützenhaus musste auf dem Weg der Expropriation erhandelt werden, mit Kosten von Fr. 2‘150.–, welcher Betrag aber erst nach unschönem Feilschen zustande kam. Der Zugang zum Schützenhaus war fast unzumutbar und führte über einen schmalen Durchgang zwischen zwei Liegenschaften hindurch.
Das neue Schützenhaus
1913 wurde das neue Schützenhaus mit einem sechstägi-gen Ehr- und Freischiessen eingeweiht. Die Plansumme betrug 15‘000 Franken. Das Fest schloss mit einem will-kommenen Reingewinn ab, welches massgeblich half die Schulden abzubauen
1967 konnte dann endlich nach einem Landabtausch ein Parkplatz mit neuem Zugang eine befriedigende Situation erreicht werden. 1932 konnte auch ein elektrischer An-schluss ins Schützenhaus geführt werden. Heute zeugen noch kräftige Linden vom damaligen Stand des Schützen-hauses.
Das Schützenhaus Rohr gerät in die Kritik
Der Schiesssport entwickelte sich gewaltig. Die Roh-rer Anlage vermochte mehr und mehr den Anforde-rungen nicht mehr zu genügen. Dazu kamen auch Beschwerden wegen des Schiesslärmes von «der andern Talseite». In der Zwischenzeit,um 1966, hatte der Schützenbund Buchs eine topmoderne neue Anlage mit 24 Scheiben Distanz 300 m erstellt, ein Bijou schweizweit.
Das Rohrer Schützenhaus und die Scheibenanlage hatten eine dringende Sanierung nötig. Das wurde nach dem Buchser «Meisterstück» erst recht klar. Auch der Standort geriet mehr und mehr in die Kritik. Statt hier noch eine Menge Geld aufzuwenden, wur-den die Fühler nach Buchs ausgestreckt und die Möglichkeit nach einem Einkauf abgeklärt.
Die Rohrer Schützen stiessen auf offene Ohren und nach intensiven Verhandlungen konnte 1975 dieses Geschäft abgeschlossen werden. Die Einwohnerge-meinde bewilligte am 26.Juni 1975 den nötigen Kredit von 385‘000 Franken. Die Gesamtkosten betrugen 400‘000 Franken. Als Gegenleistung trat die SG Rohr den gesamten Grundbesitz von rund 20 Aaren Land an die Gemeinde ab und bezahlte zusätzlich 7‘000 Franken an die Gemeindekasse.
Aufbruchstimmung im Schiesswesen
Just ab dem Jahr 1977, mit dem Jubiläum «100 Jahre Schützengesellschaft Rohr», wickelten die Rohrer Schützen ihren gesamten Schiessbetrieb in Buchs ab. Es gab eine grossartige Jubiläumsfeier in der Turnhalle Rohr. Zusätzlich wagten sich die Rohrer im Herbst des gleichen Jahres an ein Jubiläumsschiessen der Kat. C, mit einer Plansumme von 61‘000 Franken, welche um satte 40‘000 Franken überschossen wurde. Diese markanten Ereignisse prägten die Vereinsgeschichte.
Die Entwicklung im Schiesswesen brachte der Anlage in Buchs eine neue Dynamik. Mehr und mehr kamen die Schiessvereine in den Nachbargemeinden wegen dem Schiesslärm in Zugzwang. Dringend musste als erste die Stadt Aarau eine Lösung für seine beiden Schiessplätze suchen. Nach harten Verhandlungen konnte Aarau sich in Buchs einkaufen. Mit von der Partie war auch der Waffenplatz Aarau. Dies erforderte allerdings eine Vergrösserung der Kapazität in Buchs. Dem beauftragten Architekten Robert Frei gelang es mit seinen Plänen zu überzeugen. Das Schützenhaus und der Scheibenstand wurden vergrössert, sodass nach Fertigstellung 32 Scheiben Distanz 300 m, 20 Scheiben Distanz 50 m, 15 Scheiben Distanz 25 m sowie 7 Scheiben als Indoor-Anlage Distanz 10 m für Luftgewehre zur Verfügung standen. Zudem wurde die Schützenstube erweitert. Sie bietet Platz für Anlässe bis 120 Personen und ist als öffentliches Restaurant anerkannt. Die Baukosten beliefen sich auf satte 8 Mio-Franken.
Nach der Einweihung konnte als erster Grossanlass die Durchführung des Aargauischen Kantonalschützenfestes im Jahr 1994 durchgeführt werden.
Einen noch grösseren Wettkampf erlebte die Anlage im Jahr 2010 mit der Durchführung des Eidg. Schützenfestes Aarau. Das Schiesssportzentrum Buchs gehörte neben der provisorischen Anlagemit Schiesszentrum in Hunzenschwil zum Hauptstand des über vier Wochen dauernden Anlasses.
Visionen
Die neue Anlage in Buchs hat (nicht nur) den Rohrer Schützen einen unverhofften Aufschwung gebracht. Sie kämpften in der Folge an den verschiedensten Schiessanlässen in der ganzen Schweiz um Lorbeeren und sorgten dann und wann für Furore.
Nun schreitet die SG Rohr in nicht allzu ferner Zeit auf das Jubiläum des 150jährigen Bestehens im Jahr 2027 zu. Der Chronist, der dannzumal ein Alter von genau 100 Jahrenerreichen haben würde, wird kaum mehr dabei sein. Er frägt sich aber, wie die Schützengesellschaft Rohr in jenem Jahr aussehen könnte und ob allenfalls einmal mehr «futuristische Ideen»in die Tat umgesetzt werden. Verwundern würde er sich nicht, wenn er die Vergangenheit des Vereins ins Visier nimmt.
11.12.2011 Max Burgherr