Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/114407

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, zusammen mit den Universitäten und den zuständigen kantonalen Behörden in allen medizinischen Fakultäten ein Institut für Hausarztmedizin einzurichten und die Hausarztmedizin im ganzen universitären Bereich und in den Fakultäten durch ein Hausarzt-Curriculum zu fördern. Zudem soll eine gemeinsame Fakultät für Medizin und Pflege geprüft werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Meinung, dass für die Sicherstellung und die Qualität der zukünftigen medizinischen Grundversorgung die Hausarztmedizin eine wichtige Rolle spielt. Allerdings werden zukünftig nicht nur die Hausärzte und Hausärztinnen, sondern weitere Gesundheitsfachpersonen in der medizinischen Grundversorgung in neuen Zusammenarbeitsformen eine wichtige Rolle spielen. Von dieser Vorstellung einer vernetzten, koordinierten und multiprofessionell erbrachten medizinischen Grundversorgung geht auch der direkte Gegenentwurf zur Volksinitiative "Ja zur Hausarztmedizin" aus. Zudem soll schon bei der Revision des Medizinalberufegesetzes (MedBG; SR 811.11), die voraussichtlich im Sommer 2011 in die Vernehmlassung geht, eine Anpassung der Aus- und der Weiterbildungsziele der medizinischen Grundversorgung bzw. Hausarztmedizin vorgenommen werden.</p><p>Betreffend die Anzahl Institute für Hausarztmedizin ist festzustellen, dass inzwischen an allen fünf medizinischen Fakultäten der Schweiz entsprechende Institute für Hausarztmedizin eingerichtet worden sind. Es liegt in der Kompetenz der Universitätskantone, diese Institute zu unterstützen und sie allenfalls auszubauen. Wichtig ist die Klärung der Relevanz von Aus- und Weiterbildung in Humanmedizin. Die universitäre Ausbildung ist nicht spezifisch auf die spätere Tätigkeit in einem Spezialgebiet ausgerichtet. Sie soll eine solide Wissens-, Kompetenz- und Fähigkeitsbasis für die an die Ausbildung anschliessende Phase der Weiterbildung (Assistenzarztzeit) vermitteln (vgl. Art. 3 Abs. 3 MedBG). Eine Spezialisierung in Richtung Hausarztmedizin (Hausarzt-Curriculum) bereits in der Phase der Ausbildung ist kaum geeignet, die Attraktivität des Fachs zu erhöhen. Für die bessere Verankerung der Hausarztmedizin in der Ausbildung wurden inzwischen aber zahlreiche konkrete Anstrengungen unternommen, z. B. Mentoringprogramme in Hausarztpraxen während des Bachelor-Studiums und Blockpraktika in Hausarztpraxen während der Phase der Master-Ausbildung. Es sind zudem im Praktikumsjahr vor der eidgenössischen Prüfung Wahlpraktika in Hausarztmedizin möglich. Erst die Weiterbildung führt zu einer Spezialisierung in einem bestimmten Fachgebiet, so auch in der allgemeinen inneren Medizin. Unter der Leitung des Schweizerischen Instituts für Aus-, Weiter- und Fortbildung haben die Fachgesellschaften der inneren und der allgemeinen Medizin einen neuen Weiterbildungsgang "Allgemeine innere Medizin" kreiert. Dieses Weiterbildungsprogramm schafft die Möglichkeit, einen grösseren Teil der Weiterbildung bei einer Hausärztin oder einem Hausarzt (sogenannte Praxisassistenz) zu absolvieren. Die sogenannten Hausarztprogramme, die in der Romandie, am Kantonsspital St. Gallen und neu am Universitätsspital Zürich angeboten werden, sind mit dem neuen Weiterbildungsprogramm "Allgemeine innere Medizin" vollumfänglich kompatibel. Bei entsprechender Planung kann die Weiterbildung innert fünf Jahren abgeschlossen werden. Faktisch besteht heute in allen Kantonen mit der Einführung von Pilotprojekten die Möglichkeit, einen Teil der Weiterbildung in Form der sogenannten Praxisassistenz bei Hausärztinnen oder -ärzten zu absolvieren. Problematisch erscheint, dass nicht in allen Kantonen eine langfristige Finanzierung dieser Projekte gesichert ist.</p><p>Der Bundesrat findet den Ansatz der Motionärin, bereits während der Hochschulausbildung Medizinstudierende und Studierende der Pflegewissenschaften zusammenzubringen, wichtig und richtig. Die Kompetenz, gemeinsame Fakultäten zu schaffen, liegt grundsätzlich bei den Kantonen. Es stellt sich aber die Frage, ob angesichts der heutigen Bildungslandschaft gemeinsame Fakultäten anzustreben sind. Die Ausbildung für die Gesundheitsberufe auf Hochschulstufe erfolgt heute primär an den Fachhochschulen. Wichtiger scheint indessen, die Zusammenarbeit und Durchlässigkeit zwischen den Bildungsinstitutionen zu fördern und in den beruflichen Ausbildungsgängen den Kompetenzen, die für die Zusammenarbeit in interprofessionellen Teams zentral sind, mehr Bedeutung zu geben. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die 2010 von der Berner Fachhochschule und der medizinischen Fakultät Bern ergriffene Initiative zu einem Kooperationsprojekt "Gesundheitsberufe im Dialog": Mit einem gemeinsamen Modul sollen die Angehörigen der Fachhochschulberufe Gesundheit (Pflegende, Ergo- und Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Ernährungsberaterinnen und -berater, Hebammen) und die Medizinstudierenden Lernpartnerschaften bilden und konkrete, realisierbare Massnahmen für eine förderliche interprofessionelle Zusammenarbeit ableiten. Solche Projekte im Hochschulbereich sollten weiter verfolgt werden.</p><p>Bezüglich der Verankerung der Hausarztmedizin an den Fakultäten, bei der Verbesserung der Weiterbildung wie auch bezüglich der Förderung der interprofessionellen Ausbildung sind wesentliche Schritte unternommen worden. Diese Bestrebungen sind vornehmlich durch die Kantone weiter zu intensivieren.</p><p>Aus den vorgenannten Überlegungen beantragt der Bundesrat die Ablehnung der Motion, da vonseiten des Bundes zurzeit keine zusätzlichen Massnahmen notwendig erscheinen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.