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<h2>SubmittedText<h2><p>In der Schweiz werden zwischen 45 000 und 55 000 Insektenarten vermutet. Diese bilden mit rund 55 Prozent die grösste Gruppe unter den mehrzelligen Organismen, Pilze bilden mit rund 23 Prozent die Zweitgrösste und Wirbeltiere mit rund 1 Prozent die Kleinste. Angesichts dieser Verhältnisse erschliesst sich zweifellos, welche immense Bedeutung, welchen immensen Wert die Insekten haben müssen. Der Bundesrat hat in der Vergangenheit denn auch mehrfach betont, welche grossen Risiken mit dem Insektensterben für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt verbunden sind (19.5042, 17.4162).</p><p>Insekten bilden eine wichtige Nahrungsgrundlage für zahlreiche andere Insekten, Spinnen, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische oder Säugetiere. Der Rückgang von Insekten verstärkt sich somit selber, wirkt sich aber auch unmittelbar auf andere Artengruppen aus.</p><p>Die meisten Singvögel, aber auch Spechte, Schwalben oder Mauerläufer ernähren sich und ihre Jungen ganz oder teilweise mit Insekten! Eidechsen, Frösche oder Salamander ernähren sich fast ausschliesslich von Insekten. Viele Fische fressen wasserlebenden Insektenlarven. Auch Fledermäuse, Igel und andere kleine Säugetiere sind für ihr Überleben auf Insekten angewiesen.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Frage zu beantworten:</p><p>1. Wie gross ist jeweils der Anteil der Insekten, Spinnen, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und Säugetiere, die sich ganz oder teilweise von Insekten ernähren?</p><p>2. Welche Anzeichen/Belege gibt es dafür, dass diese Gruppen bzw. einzelne Arten daraus von den Konsequenzen des Insektensterbens positiv betroffen sind?</p><p>3. Welche Anzeichen/Belege gibt es dafür, dass diese Gruppen bzw. einzelne Arten daraus bereits heute von den Konsequenzen des Insektensterbens negativ betroffen sind?</p><p>4. Welche Konsequenzen könnte es für die Tierwelt in der Schweiz in den nächsten 10, 20 bzw. 50 Jahren mit sich bringen, wenn das Insektensterben unvermindert fortschreitet oder lediglich gebremst werden kann?</p><p>5. Angesichts der Bedeutung der Insekten für die Bestäubung, Humusbildung, Bodenfruchtbarkeit, Schädlingsbekämpfung oder in der Nahrungspyramide: Besteht das Risiko eines Kollapses der Ökosysteme, falls das Insektensterben weiter voranschreitet? Wenn nein, warum? Wenn ja, wie viel Zeit bleibt, für das Ergreifen von ambitionierten Massnahmen, in allen relevanten Politikbereichen?</p><p>6. Wie viele finanzielle und personelle Mittel sind dafür nötig? und Wo?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Eine solche Statistik ist nicht verfügbar, da die Ernährungsweise zahlreicher Arten nach wie vor unbekannt ist. Aus dem 2021 von der Akademie der Naturwissenschaften herausgegebenen Bericht "Insektenvielfalt in der Schweiz" geht hervor, dass Insekten in fast allen Nahrungsnetzen vertreten sind.</p><p>2. Es gibt keine Belege dafür, dass einzelne Arten oder Artengruppen vom Insektensterben profitieren.</p><p>3. Am deutlichsten sind die negativen Folgen des Insektensterbens für andere Arten bei den insektenfressenden Vögeln im Landwirtschaftsgebiet erkennbar. So haben etwa die Bestände des Neuntöters, des Braunkehlchens oder der Feldlerche in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Für andere Artengruppen sind keine Beispiele dokumentiert.</p><p>4. Die negativen Konsequenzen des Insektenschwundes für die übrigen Arten lassen sich nur schwer von den Auswirkungen der anderweitigen Belastungen trennen, denen die Biodiversität ausgesetzt ist. Voraussagen über die unmittelbaren Folgen des Insektensterbens sind daher nur sehr begrenzt möglich. Der Bundesrat ist bestrebt, mit wirksamen Schutzmassnahmen den Verlust von Tier- und Pflanzenarten einzudämmen und die Verbesserung des Zustands der Biodiversität und der Insektenpopulationen zu fördern. Er tut dies namentlich im Rahmen seines indirekten Gegenvorschlags zur Biodiversitätsinitiative und des Aktionsplans zur Strategie Biodiversität.</p><p>5. Insekten tragen in allen Lebensstadien und auf vielfältige Weise zum Funktionieren der Ökosysteme und zu den damit verbundenen Ökosystemleistungen bei. Die ökologischen Prozesse sind jedoch derart komplex, dass Voraussagen über die direkten Folgen des Insektensterbens auf die Ökosystemleistungen nicht möglich sind. Dort, wo die bisher ergriffenen Massnahmen vollständig umgesetzt werden, sind positive Wirkungen erkennbar. Gewisse Tagfalterarten beispielsweise profitieren von den Biodiversitätsförderflächen, deren Errichtung im Rahmen der Agrarpolitik unterstützt wird. Dies deutet darauf hin, dass sich auch geschwächte Insektenpopulationen erholen können.</p><p>6. Mit der Annahme der Motionen 19.3207 "Das dramatische Bienen- und Insektensterben rasch und konsequent stoppen" von Nationalrat Bernhard Guhl und 20.3010 "Das Insektensterben bekämpfen" der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates (UREK-N) hat das Parlament den Bundesrat beauftragt, gezielte Massnahmen zum Schutz und zur Förderung der Insekten auszuarbeiten. Unter anderem ist vorgesehen, dass der Bundesrat ergänzend zum Nationalen Massnahmenplan für die Gesundheit der Bienen (2014) und zum Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (2017) weitere Massnahmen ergreifen muss. Der Bundesrat wird die Umsetzung dieser Vorstösse mit den anderen zweckmässigen Vorhaben im Bereich der Biodiversität und insbesondere mit dem indirekten Gegenvorschlag zur Volksinitiative "Für die Zukunft unserer Natur und Landschaft (Biodiversitätsinitiative)" koordinieren. Die Kosten hängen von den Bedürfnissen und Massnahmen ab, die sich aus laufenden und künftigen Gesetzgebungsvorhaben sowie aus Aufträgen des Parlaments ergeben.</p>  Antwort des Bundesrates.