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Im Schweizer Mittelland ist etwa jeder vierte Waldbaum eine Buche, im Jura sogar jeder dritte. Damit ist die Buche in den tieferen Lagen der Schweiz (kolline und untere montane Höhenstufen) die häufigste Baumart unseres Landes. Aber sie könnte in Zukunft ein Problem haben: Die Buche gilt als schlecht gerüstet für künftige Klimabedingungen, da sie mit extrem trockenen Sommern nicht gut klarkommt. Die Ökophysiologen Marcus Schaub und Matthias Arend interessierten sich daher für Buchen, die seit Langem an trockenen Standorten wachsen, aber auch an die klimatischen Bedingungen im Schweizer Winter angepasst sind. Können sie vielleicht als Stammeltern für zukünftige Buchengenerationen dienen, wenn es im Schweizer Mittelland trockener wird?
Matthias Arend verpflanzte im Frühling 2011 junge Buchen aus trockenen, inneralpinen Waldbeständen des Rhone- und Rheintals in die Modellökosystem-Anlage (MODOEK) in Birmensdorf – eine Versuchsanlage, in der die Bodentrockenheit genau gesteuert werden kann. Zum Vergleich verpflanzte Arend auch Buchen von deutlich feuchteren Waldbeständen, ebenfalls aus dem Rhone- und Rheintal. In den Sommern 2013 und 2014 durchlebte die Hälfte der Bäume eine künstliche, kontrollierte Sommertrockenheit, während die andere Hälfte unter feuchteren Bedingungen wuchs. Die Forscher untersuchten, wie die Bäume während und nach der Trockenheit wuchsen, ob sich ihr Stoffwechsel veränderte und wie sie sich jahreszeitlich entwickelten. Wie erwartet ging die Fotosyntheseleistung der Bäume aus trockenen Waldbeständen weniger stark zurück, und sie erholten sich nach der Trockenheit schneller. Zudem war ihr jährliches Stammwachstum weniger stark beeinträchtigt. Ein erstaunliches Ergebnis: Bäume aller Herkünfte zeigten nach der Trockenheit eine höhere Fotosyntheseleistung als solche, die immer genug Wasser gehabt hatten. Sie konnten so einen Teil der erlittenen Einbussen kompensieren. «Damit hatten wir nicht gerechnet», sagt Marcus Schaub.
Die vorsorgliche Anpassungsstrategie gemäss Waldpolitik 2020 empfiehlt Waldbewirtschaftern, trockentolerante Baumarten und Herkünfte zu verwenden. Dieser Versuch zeigt, dass es bei den Schweizer Buchen Herkünfte gibt, die dafür geeignet sein könnten. (Birgit Ottmer, Diagonal 2/16)