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Jean-Marc Probst vor seinen über 4500 verschiedenen Ausgaben von "Le Petit Prince". Die Sammlung soll zum Kernstück eines Zentrums für Jugendliteratur in Lausanne werden.
Keystone/VALENTIN FLAURAUD(sda-ats)
Über 4571 "Le Petit Prince"-Bücher befinden sich im Besitz des Westschweizer Unternehmers Jean-Marc Probst. Der 61-Jährige richtet sein Leben nach den idealistischen Grundsätzen des Buches aus. Bald gründet er in Lausanne ein Zentrum für Jugend-Literatur.
Der freundliche Waadtländer mit Hornbrille und einem karierten Kittel lädt zum Rundgang ein. "Ich zeige Ihnen einige besondere Stücke meiner Sammlung", sagt er und nimmt ein für Personen mit Autismus geschaffenes Buch aus Italien hervor, in dem Symbole die Sprache ergänzen. Dann präsentiert er eine fingernagelgrosse Ausgabe, die nur mit der Lupe lesbar ist.
Überraschend zeigt der Unternehmer auch eine Ausgabe, die durch die Hände des argentinischen Revolutionshelden Ernesto Che Guevara ging und eine Widmung des Kommandanten trägt.
Probst ist Präsident von Handel Schweiz und Vize-Präsident des Arbeitgeberverbandes und sitzt im Vorstand von economiesuisse. Sein Lebenslauf aber bleibt vom "Petit Prince" geprägt. Während seines Ingenieur-Studiums an der ETH Zürich reiste er 1980 für die damals beliebte Sendung "La Course autour du monde" des Westschweizer Fernsehens rund um die Welt. Ein bisschen wie der kleine Prinz, der seinen schönen Planeten mit einer Rose und drei Vulkanen verliess und über sechs Planeten zur Erde reiste.
In Tokio entdeckte Probst im Schaufenster den "Petit Prince" auf Japanisch. "Das Titelbild sprach mich sofort an, also ging ich in diese Buchhandlung und kaufte es", sagt er. Das war der Startschuss für seine Sammlung, die heute 350 Sprachen und Dialekte umfasst.
Mission Übersetzung
Vor elf Jahren schlug er ein zweites Kapitel auf und lancierte Übersetzungen des Buches von Antoine de Saint-Exupéry. In der Schweiz gibt es den "Petit Prince"auf Berner oder Walliser Mundart, in Waadtländer oder Freiburger Patois und in Tessiner Italienisch.
Mittlerweile hat sich Probst auf vom Aussterben bedrohte Sprachen konzentriert. Kürzlich kam Wayuu hinzu, eine im Grenzgebiet zwischen Venezuela und Kolumbien gesprochene Sprache. Warum macht er das? "Um die Botschaft des Petit Prince auch Völkern zugänglich zu machen, die bislang nicht das Privileg hatten", sagt Probst.
Auch in der afrikanischen Konfliktregion Somalia hat Probst den "Petit Prince" schon herausgeben und dem Bildungsminister der autoproklamierten Republik Somaliland persönlich vorbeigebracht. Er bereiste bisher über 100 Länder.
Zentrum in Lausanne geplant
Seine persönliche Sammlung ist nur der Anfang seines Engagements für den Petit Prince - Jean-Marc Probst will in Lausanne ein Zentrum für Jugend-Literatur gründen. "Der kleine Prinz wird der rote Faden, auch weil dafür Geld gespendet wird."
Die Familie de Saint-Exupéry und der Kanton Waadt unterstützen sein Projekt. Probst möchte Jugendliche wieder zum Lesen von Texten anregen, die länger als eine SMS oder ein Chat sind. Auch seine Sammlung mit den 4571 Ausgaben des "Le Petit Prince" wird er ins Zentrum einbringen. Der Arbeitstitel lautet B-612, nach dem Asteroiden des "Petit Prince".
SDA-ATS