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Buch - Feuer Gottes - Lebensquell - Vater der Armen
«Die bedrohlichen Zeiten, in denen wir Leben, rufen nach einem ernsthaften Nachdenken über den Schöpfergeist», schreibt Leonardo Boff, ehemaliger Franziskaner und Träger des alternativen Nobelpreises, in seinem neuen Buch «Der Heilige Geist». Der Heilige Geist, so Boff, werde in der lateinischen Kirche gerne an den Rand gedrängt, weil er «der Motor der Veränderung» sei. Vier Veränderungen aus der jüngeren Kirchengeschichte sind nach Boffs Lesart Werke des Heiligen Geistes: Das Zweite Vatikanische Konzil, die lateinamerikanische Bischofskonferenz von Medellin (1969), das Aufkommen der Theologie der Befreiung und die Entstehung der Charismatischen Katholischen Bewegung in den USA (1967) und in Lateinamerika (seit 1970).
«Die Charismatische Bewegung rückte wieder das Gebet, die Spiritualität und das Charisma des Geistes in den Mittelpunkt», so Boff. Auch wenn Boff anerkennt, dass die Charismatiker auch den Beistand für Arme und Kranke pflegen, vermisst er aber ihr politisches Bewusstsein, das er das «Charisma der Prophetie» nennt. Sein Text schliesst Exegese, Theologiegeschichte, mystische Traditionen (Fiore, Bingen, Norwich) und die neuen Erkenntnisse aus der Kosmologie mit ein. Das grosse Fest des Heiligen Geistes, Pfingsten, «war erst der Anfang», betont Boff. Mensch und Schöpfung leiden. Das Nachdenken über den Schöpfergeist kann Perspektiven schaffen. Das Buch ist dafür ein hilfreicher Begleiter.
Jürg Meienberg