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Irgendwie scheint es bei Ferdinand Beneke wellenförmig oder zyklisch zuzugehen, was die Auswahl seiner Beilagen zum Tagebuch betrifft. Hatten wir in den Beilagen der Jahre 1802 bis 1805 kaum Spuren der politischen Ereignisse jener Zeit gefunden, so mussten wir für die beiden folgenden Jahre feststellen, dass in Bezug auf die Beilagen die Jahre 1806 und 1807 nach außen gerichtet, politisch waren. Und nun die Jahre von 1808 bis 1810, in denen wieder vermehrt Privates Eingang in die Beilagen gefunden hat – Briefe naturgemäß. Zwar irrlichtert vor allem Napoléon immer wieder auch durch private Schreiben – um ihn kam man wohl in jener Zeit kaum herum. Als Gegengewicht dann bei Beneke oft die Betonung des Deutschen. So findet man sogar in den Briefen von ihm und an ihn plötzlich den Namen Johann Gottlieb Fichtes, dessen Reden an die deutsche Nation 1808 erschienen waren, und die so völlig den deutschen Nerv der Zeit und des Ferdinand Beneke trafen. Doch langsam schieben sich bei Beneke auch wieder Überlegungen zur Bildung einer neuen Hanse dazwischen; diesbezügliche Briefe seines Freundes Smidt aus Bremen scheinen auf Dauer nicht ohne Wirkung geblieben zu sein.
Daneben aber erleben wir auch den Kartografen Beneke, der Aufträge von Bertuch in Weimar erhält und der in einer von dessen vielen Zeitschriften auch etwelches zur norddeutschen Geografie veröffentlicht, in die sich Beneke zu jener Zeit – zusammen mit der Geologie – geflüchtet hat, um seinen patriotischen Trieb nicht ganz verkümmern lassen zu müssen.
Last but not least der kurze Briefwechsel mit Jean Paul Richter. Durch seinen Freund, den Verleger Perthes, vermittelt, schreibt Beneke einen Fan-Boy-Brief, der sich davon distanziert, ein Fan-Boy-Brief zu sein. Jean Pauls Antwort ist liebenswürdig und nett, aber ein wenig zurückhaltend. Beneke hingegen kennt keine Grenzen. Er projiziert auf Richter alle seine patriotischen Bedürfnisse und Wünsche, in der Meinung, einen Gleichgesinnten vor sich zu haben. Jean Paul bleibt zurückhaltend, auch wenn er gewisse ideologische Gemeinsamkeiten nicht leugnen will. Dann aber trägt irgendjemand Beneke zu, dass Jean Paul für Napoléon wärmste Verehrung hege. Der Hamburger Jurist konfrontiert den Schriftsteller mit diesem Vorwurf – im beleidigten Ton eines Kindes, das erfahren hat, dass es das Christkind nicht gibt und die Geschenke von seinen Eltern unter den Baum gelegt werden. Jean Paul antwortet ausweichend. Für Beneke ist das offenbar Grund genug, den Briefwechsel, der 1808 erst begonnen hat, schon 1810 wieder einschlafen zu lassen. (Wer die Briefe lesen will, aber Benekes Tagebücher nicht zur Hand hat, kann das übrigens auch in der 3. Abteilung der historisch-kritischen Werkausgabe Jean Pauls tun.)
Natürlich hinterlässt Benekes Familienglück – mit der Geburt zweier Töchter – auch Spuren in den Beilagen. Aber was der Jurist dazu in den Beilagen ablegt, sind meist recht konventionelle Briefe und Karten. Interessant als Sittenbild der Epoche und des Standes Benekes; die Person Ferdinand Beneke erhält durch solche Dokumente kaum schärfere Konturen.
Als Kuriosum wäre vielleicht noch zu vermelden eine Bitte um Subskription für eine Ossian-Übersetzung. Warum die bei Beneke gelandet ist, und warum Beneke sie bei Seite gelegt hat, kann man nur raten. Vielleicht, weil der Verleger sein Freund Perthes war?
Dennoch natürlich auch dieser Band voller interessierender Zeitdokumente.

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