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Mchiriku: «Hand-made Techno» aus den Vorstädten
Man nehme ein kleines, billiges Casio-Keyboard, schliesse es an ein Megaphon an, binde es an einen Laternenpfahl oder Baum. Dann braucht man noch Perkussion aus Plastikrohren, Kuhfell und Holz und kombiniere das mit Schlagzeug und Bass. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Tausende aus der Nachbarschaft herbeiströmen, um beim nächsten Mchiriku-Event dabei zu sein.
Im vergangenen Jahrzehnt hat sich Mchiriku zu einer alternativen Jugendmusik entwickelt. Dabei ist es den jungen Musikern aus den ärmeren Vorstadtvierteln Dar es Salaams besonders wichtig, sich vom US-amerikanisch orientierten Hip Hop der Mittelschicht, dem angesagten Bongo Flava, zu distanzieren. Allerdings stehen Mchiriku-Stars wie Jackie Kazimoto heute auch auf internationalen Bühnen.
Quasidas: «Disko für den Propheten»
Die Gewürzinsel Sansibar vor der Küste Tansanias verbindet das Land mit den Weiten und den kulturellen Welten des Indischen Ozeans. In Sansibar kann man die arabischen Einflüsse in der tansanischen Musik hören. Zum Beispiel in den Quasidas: Das ist eine arabische Form der Poesie, die vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand. Der mehrstimmige Gesang wird traditionell von Rahmentrommeln und Tanz begleitet.
Doch auch in Tansania hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan. Junge Männer wie Aman Ussi und Hafidh Haji, die Gründer des Ensembles «Tarbiyya Islamiyya», sagen: «Wir haben keine Lust mehr auf das, was die alten Männer da machen. Wir machen jetzt unser Eigenes!» Keyboards, Drum Machine und selbst geschriebene Texte sorgen aber manchmal schon für Argwohn und Skepsis: «Eine Disko für den Propheten?»
Baikoko: der letzte Schrei des Grossstadt-Nachtlebens
Wie verhütet man am besten? Was lässt sich gegen ungewollte Schwangerschaften tun? Wie kann man als Frau Lust empfinden? Im traditionellen Tanzritual «ngoma ya ndani» wurden Mädchen, wenn sie das erste Mal ihre Regel bekommen, durch Tänze und Lieder aufgeklärt. Waren auch männliche Musiker dabei, so mussten diese hinter einem Vorhang spielen, damit sie die sehr eindeutigen Tänze der Frauen – schnell kreisende, vibrierende Hüften im Stehen, Liegen und Sitzen – nicht sehen konnten.
Heute wollen sie alle sehen: Baikoko-Gruppen berauschen nicht nur ihr Publikum in den Nachtclubs und Bars. Auch bei Hochzeiten sind sie inzwischen gern gesehene Gäste. Da das Holz für die traditionellen Begleit-Instrumente immer seltener wird, spielen die kreativen Musiker nun auf Tonnen, Dosen, Abwasserrohren oder auch auf Schiffsbojen.
Black Warriors: Wiedersehen mit «Golden Afrique»-Legenden
Die 1980er-Jahre sind die Zeit des «Golden Afrique», der goldenen Ära der afrikanischen Popmusik. Aber auch die Zeit des tansanischen, sogenannten Ujamaa-Sozialismus. In ganz Tansania gibt es keine nennenswerte Musikindustrie. Und so machen sich 1981 Hassan Bichuka und Cosmas Chidumele, zwei der populärsten Sänger des Landes, mit ihren Musikern auf in Kenias Hauptstadt Nairobi. Nach mehr als 30 Stunden im Bus und einem Grenzübertritt zu Fuss bzw. auf dem Fahrrad erreichen sie das damalige Zentrum der Plattenfirmen und Musikkonzerne. In nur zwei Tagen nehmen sie mit Hilfe lokaler Musiker vor Ort zwei komplette LPs auf.
Inzwischen sind die übrigen Musiker der Band verstorben. Hassan Bichuka und Cosmas Chidumele aber stehen heute wieder auf der Bühne und lassen das goldene Repertoire in neuem Glanz erstrahlen.