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Die Argumentation, ob Boni an Teams oder an einzelne Mitarbeitende ausbezahlt werden sollen, spiegelt wohl die jeweilige Weltsicht, das zugrundeliegende Menschenbild wieder. Glauben Führungskräfte daran, dass ihre Mitarbeitenden intrinsisch motiviert sind, Verantwortung übernehmen und sich selbst verwirklichen oder, dass sie sich vor Verantwortung scheuen und deshalb angeleitet und kontrolliert werden müssen? Bei letzterem Menschenbild sind Boni für die Führungskräfte notwendige extrinsische Hygienefaktoren und dienen als Mittel zur Belohnung oder Bestrafung. Dabei haben Studien von Wirtschaftswissenschaftlern und Verhaltensökonomen wie Bruno S. Frey oder Ernst Fehr aufgezeigt, dass diese Art der finanziellen Anreize Korrumpierungseffekte hervorrufen können.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, was durch Boni gefördert werden soll. Konkurrenzkampf oder Kooperation? Soll das Verhalten von Einzelkämpfern belohnt werden, die ihren eigenen Lohn auf Kosten des Unternehmens optimieren und ihre individuellen Karriereziele verfolgen, indem sie auf ihre persönlichen Zielerreichungen hinarbeiten? Oder möchte man Verhalten belohnen wie die Zusammenarbeit in Teams oder ein Engagement zur kontinuierlichen Verbesserung abteilungsübergreifender Leistungsprozesse, um die Erfüllung der Kundenbedürfnisse in den Fokus zu stellen?
In vielen Unternehmen setzt sich das Management über alle Führungsebenen hinweg alljährlich in Workshops zusammen, um die Unternehmensziele auf die jeweiligen Stufen herunterzubrechen. Smarte Teilziele, tendenziell darauf ausgelegt, dass die Umwelt für die nächsten zwölf Monate statisch und nicht dynamisch ist, werden von der Geschäftsleitung über die verschiedenen Divisionen und Teams bis zu den einzelnen Mitarbeitenden definiert.
Doch wird der Grossteil der Leistungen nicht eigentlich arbeitsteilig durch Teams erbracht? Kann eine Projektmanagerin ein Vorhaben ohne ihr Team erfolgreich über die Ziellinie bringen oder ist es die Gesamtleistung des Teams? Kann ein Kundenbetreuer im Callcenter allein alle Kunden des Unternehmens professionell beraten oder ist es die Gesamtleistung des Teams? Kann eine Top-Managerin übergeordnete Ziele im Alleingang erreichen oder ist es das gesamte Team der Geschäftsleitung?
Der aus dem Unternehmenserfolg erarbeitete Bonus könnte von den einzelnen Teammitgliedern nach gemeinsamen sozialen Normen verteilt werden. Dabei erhält jedes Teammitglied beispielsweise eine gleichhohe Anzahl an Punkten, die dem Geldwert des Teambonus entsprechen. Alle Teammitglieder bewerten das Verhalten ihrer Kollegen auf Basis von Fragen: „Wie kooperativ war sie in der Zusammenarbeit?“ oder „Wie stark involvierte er sich an gemeinsamen Lösungsfindungen?” und verteilen entsprechend untereinander ihre Punkte: ein Feedbacksystem, das auf Vertrauen und der Belohnung von Verhalten beruht.
* Dieser Artikel erschien leicht gekürzt in HR Today, Heft 4, März 2018 in der Rubrik “Meinung”, in der ich die Pro-Sicht in der Debatte einnehme. Ich lade Sie herzlich ein, auch die Argumente der Kontra-Sicht zu lesen, die argumentiert, dass Boni an Teams Leistungsträger frustrieren und zu einem Leistungsabfall führen.