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Er hallt noch in unseren Ohren nach, der sommerliche Medienrummel vor fünf Jahren aus Anlass des 100. Jahrestags des Ausbruchs des Grossen Krieges von 14/18. Der Erste Weltkrieg fegte drei europäische Kaiserdynastien von ihrem Thron und verbannte ihre letzten gekrönten Häupter auf die Schattenseite der Historie. Genau heute vor 100 Jahren, am 10. September 1919, unterzeichneten die Vertreter der alliierten Siegermächte und des besiegten Österreichs in der ehemaligen Residenz der Könige von Frankreich, im Schloss von Saint-Germain-en-Laye, den eben nach diesem Ort benannten Vertrag. Der Vertrag von Saint-Germain regelte am Ende des Kriegs sozusagen die Konkursmasse des erschütterten multiethnischen Österreichisch-Ungarischen Reichs, das implodiert war, als das Prinzips der Selbstbestimmung der Völker unaufhaltsam triumphierte. Das Abkommen beschloss den Frieden zwischen den alliierten Mächten und der Republik Österreich und veranlasste eine regelrechte Neuverteilung der Territorien des aufgelösten Reichs, wodurch die Landkarte Europas eine völlig neue Gestalt annahm. Denken wir in unserer Nähe an das Südtirol mit Bozen und Trento, aber auch an Gorizia, Gradisca, Triest und ganz Istrien, die dem italienischen Reich einverleibt wurden. Damit erfüllten sich die irredentistischen italienischen Wünsche, die auch auf Fiume und Dalmatien zielten, nur zum Teil. Nicht nur der österreichische Teil, sondern auch das Königreich Ungarn – die andere Hälfte des aufgelösten Österreichisch-Ungarischen Reichs – verlor mit dem nachfolgenden Vertrag von Trianon von 1920 viele seiner Gebiete und wurde territorial um zwei Drittel reduziert. Ein Jahr früher hatte der Vertrag von Versailles bereits die neuen engeren Grenzen von Deutschland festgelegt.
Aus einer Laune des Kalenders standen diese drei Verlierer des Ersten Weltkriegs gerade heute, vor 30 Jahren, im Zentrum des Prozesses, der den Kalten Krieg beendete. Denn genau am 10. September 1989 überraschte die ungarische Regierung die Weltöffentlichkeit mit dem mutigen Entscheid, die Grenzen für die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik, die über Österreich in die Bundesrepublik Deutschland gelangen wollten, zu öffnen. Es waren Tausende von Ostdeutschen, die durch Ungarn und Österreich in den Westen flüchteten. Diese kühne Entscheidung Ungarns öffnete einen breiten Spalt im sogenannten Eisernen Vorhang, der drei Monate später die Berliner Mauer und dann den ganzen Block der kommunistischen Länder Osteuropas auseinanderbrechen liess.
[Datum der Erstausstrahlung: Radiotelevisione Svizzera RSI, Rete Due, 10. September 2014, 07:05 Uhr]