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Eine bevölkerungsbezogene Studie der Universität Göteborg zeigt, dass Frauen mit längerer Fruchtbarkeit im Vergleich zu denjenigen, die über einen kürzeren Zeitraum fruchtbar waren, ein erhöhtes Risiko für Demenz im Alter hatten.
Jenna Najar, Ärztin und Doktorandin an der Sahlgrenska-Akademie, äußert sich zu den Resultaten: "Unsere Ergebnisse könnten erklären, warum Frauen nach dem 85. Lebensjahr ein höheres Risiko haben, an Demenz und Alzheimer zu erkranken als Männer. Außerdem stützen sie die Hypothese, dass Östrogen das Demenzrisiko von Frauen beeinflusst."
Die Studie, die jetzt in der Zeitschrift Alzheimer's & Dementia veröffentlicht wurde, richtet den Fokus auf 1.364 Frauen, die zwischen 1968 und 2012 Teil der Bevölkerungsstudien "Prospective Population-based Study of Women in Göteborg" (PPSW) und "Göteborger H70-Geburtskohortenstudien in Schweden" (die H70-Studien) waren.
Von den untersuchten Frauen mit einer kürzeren fruchtbaren Phase (32,6 Jahre oder weniger) erkrankten 16 Prozent (53 von 333 Personen) an Demenz. In der Gruppe der Frauen, die über einen längeren Zeitraum (38 Jahre oder mehr) fruchtbar waren, entwickelten 24 Prozent (88 von 364 Personen) eine Demenz. Der Unterschied lag somit bei 8 Prozentpunkten.
Die Studie weist auf, dass das Risiko für Demenz und Alzheimer sukzessiv mit jedem weiteren Jahr, in dem die Frau fruchtbar bleibt, ansteigt. Am stärksten war dieser Zusammenhang bei Personen mit einer nach dem 85. Lebensjahr einsetzenden Demenz zu erkennen. Der Effekt war am stärksten mit dem Alter in den Wechseljahren verknüpft.
Diese Ergebnisse hatten auch nach der Anpassung bezüglich anderer Einflussfaktoren, wie Bildungsniveau, körperliche Aktivität, BMI, Rauchen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bestand. Allerdings war kein Zusammenhang zwischen dem Demenzrisiko und dem Alter zu Beginn der Menstruation, der Anzahl der Schwangerschaften, der Dauer des Stillens oder der Einnahme von exogenem Östrogen in Form einer Hormonersatztherapie (HRT) oder oraler Kontrazeptiva zu erkennen.
Mehrere Studien haben bereits in den Fokus gerückt, wie Östrogen in Form der Hormonersatztherapie das Demenzrisiko beeinflusst. Einige Untersuchungen weisen dabei auf ein sinkendes Demenzrisiko hin, andere Studienergebnisse lassen hingegen insbesondere bei Frauen, die Östrogen erst spät im Leben einnehmen, ein erhöhtes Risiko erkennen.
In der aktuellen Studie hat Jenna Najar hingegen den langfristigen Zusammenhang zwischen Faktoren, die endogenes Östrogen und Demenz verbinden, untersucht.
"Neu an dieser Studie ist auch, dass wir Informationen zu unterschiedlichsten Ereignissen im Leben einer Frau beziehen konnten, die ihren Östrogenspiegel beeinflussen können. Beispiele sind Schwangerschaften, Geburten und Stillen. Eine Schwangerschaft führt zu einem enormen Anstieg des Östrogenspiegels, der nach der Geburt des Kindes wieder abnimmt, und wenn Frauen stillen, sinkt der Östrogenspiegel auf extrem niedrige Werte. Je mehr Indikatoren wir erfassen, umso zuverlässiger sind unsere Ergebnisse", sagt Najar.
Ingmar Skoog, Professor für Psychiatrie an der Sahlgrenska-Akademie der Universität Göteborg und Leiter der Studie, äußert sich zu den neuen Erkenntnissen: "Die unterschiedlichen Ergebnisse für Östrogen könnten darauf zurückzuführen sein, dass Östrogen früh im Leben eine schützende Wirkung hat, aber potenziell schädlich ist, sobald eine Demenz-Erkrankung aufgetreten ist." Zugleich weist Skoog darauf hin, dass die Dauer der fruchtbaren Periode bei Frauen ein Risikofaktor unter vielen für Demenz ist.
Die meisten Frauen, deren Menopause sich verzögert, erkrankten nicht allein aufgrund dieses Faktors an Demenz. Die Studie könnte jedoch einen Anhaltspunkt dafür liefern, warum Frauen nach dem 85. Lebensjahr, dem häufigsten Alter für den Ausbruch einer Demenz, einem höheren Erkrankungsrisiko ausgesetzt sind als Männer. Die Alzheimer-Krankheit hingegen beginne sich etwa 20 Jahre vor dem Auftreten von Symptomen der Erkrankung zu entwickeln.
"Die meisten Betroffenen sind über 80 und weiblich", fügt Najar hinzu. "Als Folge der weltweiten Bevölkerungsalterung wird die Zahl der von Demenz betroffenen Menschen zunehmen. Um präventive Strategien umsetzen zu können, müssen wir Menschen mit einem erhöhten Demenzrisiko identifizieren."
Quelle: Reproductive period and dementia: A 44-year longitudinal population study of Swedish women