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Gebet für den Frieden in der Ukraine
Am 24. Februar, dem Jahrestag des Einmarschs russischer Truppen, haben die beiden Kirchen von Gachnang zum ökumenischen Gebet für den Frieden in der Ukraine eingeladen.
Die ukrainischen Flüchtlinge in Gachnang haben zusammen mit Pfarrerin Sabine Schüz und Diakon Alex Hutter den Gottesdienst mit Liedern und Gebeten gemeinsam vorbereitet und gehalten.
Die Gebete, Bitten und Gedichte wurden von den Ukrainerinnen möglichst auf Ukrainisch und Deutsch vorgetragen, mit der grosszügigen Hilfe der beiden Übersetzerinnen Oksana Kusmina und Linda Morf. Die beiden Pianistinnen Vera Kusmina und Vera Masalitina duften die Lieder in einer gut besetzten Kirche vortragen – nebst den Flüchtlingen waren auch viele Gläubige aus Gachnang anwesend.
«Es lebten die Menschen»
Es lebten die Menschen,
sie lebten in Frieden,
jemand in seinem Haus,
jemand in seiner Wohnung,
jemand in seiner Stadt,
jemand in seinem Städtchen,
und jemand wiederum in einem Dorf,
nicht weit von diesen Städten entfernt.
Jemand backte Brot,
jemand betreute Kinder,
jemand baute ein Haus,
plante zu heiraten,
jemand träumte vom Meer,
von einer Reise im Sommer,
und jemand pflanzte schöne Blumen.
Jemand lernte zu gehen,
und jemand stellte in seine Vitrinen Blumengemälde,
jemand dachte, schweifend im Park, über die Ewigkeit nach,
und jemand drehte sich im Kreise der Gedanken.
Jemand vernachlässigte das alte Herz für ein neues,
und jemand gelangte zum Geburtshaus,
jemand säte aus,
und jemand schaute nach dem Rechten,
jemand suchte das Glück,
und jemand teilte das Glück.
Jemand kaufte etwas und gab es gratis ab,
jemand entschied die Dinge mit Güte,
jemand liebte innigst,
jemand kannte die Liebe noch nicht.
Und alles riss ab,
für einen Augenblick, für eine Minute,
der schwarze Krieg kam ins Land gezogen,
das ist ein Feind, der sich majestätisch hochgehoben hat,
der für sich dachte, dass er das Recht hat,
auf das menschliche Schicksal,
auf die menschlichen Gefühle,
auf fremde Ländereien,
auf das kostbare Leben.
Jemand verliess das Haus, bezwang die Müdigkeit,
und jemand hatte weder Wohnung noch Haus,
und jemand backte Brot, sodass das Leben nicht endete,
jemandem war es nicht vergönnt, bei Licht zu gebären.
Jemand sass still in verschlossenem Keller,
und die Stiefel des Feindes trampelten auf den Blumen herum,
jemand betete zu Gott, wegen dem Bruder, wegen dem Vater,
jemand führte seinen Sohn zum Kämpfen im Krieg.
Jemand bekreuzigte unter Tränen des Ehemanns Rücken,
jemand malte mit schwarzen Farben ein Bild,
jemand suchte alles Notwendige für die, die weder Sonne, noch Himmel sahen,
jemand teilte eine Brotrinde mit der hohlen Hand,
seine Brotrinde für einen fremden Sohn und eine fremde Tochter.
Jemand ging offen auf den feindlichen Panzern,
und jemand säte auf dem Boden Weizen und Roggen,
jemand säte Leben auf dem tödlichen Brückenkopf,
jemand griff am fünften Tag nicht an,
von uns gegangen im Krankenhaus,
vom tödlichen Rachen des Schicksals,
gekämpft für den Glauben und Wahrheit,
für unsere Liebe, für ein wunderschönes Ende
das beste Ende auf der ganzen Welt.
Die Zeit wird kommen,
weg das namenlose, gesichtslose, feindliche,
das Böse, wo ist es,
von allen Seiten wird Frieden sein,
jemand schreitet im freien Land.
Gedicht an der Gebetsfeier, 24.2.2023, übersetzt von Linda
Alex Hutter, Diakon