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Mehr als 11 Millionen Menschen aus Syrien sind auf der Flucht, etwa die Hälfte davon sind Kinder. Caritas Schweiz leistet seit 2012 Nothilfe und langfristige Unterstützung in einem Umfang von 18 Millionen Franken in Jordanien, Syrien, im Libanon und im Nordirak.
20.10.2015 - Caritas hat ihre jährlichen Beobachtungen zur Armutspolitik vorgelegt. Sie sind dieses Jahr der Familienarmut gewidmet. Basis des Berichts ist eine Umfrage bei allen Kantonen. Fazit: Nur eine Minderheit der Kantone betreibt eine systematische Familienpolitik, die darauf abzielt, entweder Armut zu verhindern oder Armut zu bekämpfen.
Rund eine Viertelmillion Eltern und Kinder sind in der Schweiz von Armut betroffen. Bei Familien mit drei und mehr Kindern trifft es jede zwölfte, bei Alleinerziehenden jede sechste Familie. Auch in der Sozialhilfe sind Familien überdurchschnittlich vertreten. Jeder fünfte Haushalt in der Sozialhilfe ist alleinerziehend. Viele Familien in der Schweiz sind zudem von Armut bedroht. Das heisst: sie leben nur knapp oberhalb der Armutsgrenze.
Ein zentraler Grund für die hohe Armutsbetroffenheit von Familien sind die Kinderkosten in der Schweiz. Jüngst hat der Bund die durchschnittlichen Ausgaben für ein Kind in der Schweiz berechnet. Die Kosten bewegen sich zwischen 11 000 Franken jährlich für eine Zweielternfamilien mit einem Kind und 14 500 Franken für Alleinerziehende mit einem Kind.
Ohne System
Die Analyse der kantonalen Familienpolitik zeigt, wie wenig diese bis anhin als Instrument der Armutsbekämpfung und Armutsprävention verstanden wird. Mit Bern verfügt heute ein einziger Kanton über ein strategisches Dokument zur Familienpolitik aus Armutsperspektive. Die Kantone Jura und Fribourg erarbeiten derzeit eine Strategie. Obwohl die meisten Kantone einzelne Massnahmen zur Bekämpfung der Familienarmut kennen, gehen sie diese nicht systematisch an. Ganze acht Kantone kennen sogar weder ihre Situation im Blick auf die Familienarmut, noch verfügen sie über Ansätze diese zu bekämpfen.
Das Bundesparlament ist gefordert
Die grösste Ablehnung erfährt die Armutsproblematik jedoch im Bundesparlament. Entweder wird die Armutsrealität klein geredet, oder sie wird als Aufgabengebiet an die Kantone abgeschoben. Diese seien für die Sozialhilfe verantwortlich und deshalb für die Armut zuständig, heisst es. Damit geht eine problematische Verkürzung der Armutsproblematik einher. Es wird angenommen, dass Armut durch Sozialhilfe bekämpft und beseitigt werden soll.
Die Sicht der Caritas ist eine grundlegend andere: Armut soll verhindert und nicht bloss durch Zuschüsse der Sozialhilfe abgefedert werden. Armutsbekämpfung verlangt Investitionen. Die Investitionen müssen an den Ursachen der Armut ansetzen, und sie sind nicht einfach eine Angelegenheit der Kantone. Es ist höchste Zeit, dass das neu gewählte Bundesparlament sich in der kommenden Legislatur eingehend mit den Ursachen von Armut beschäftigt und entsprechende Gegenmassnahmen trifft.
Das zentrale Instrument zur Bekämpfung von Familienarmut etwa sind die Ergänzungsleistungen für Familien. Die Bundesebene muss in dieser Sache Verantwortung übernehmen und die Ergänzungsleistungen, die bereits in einigen Kantonen verankert sind, gesamtschweizerisch einführen und mitfinanzieren.