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Wenige haben noch den Überblick, wenn es um wirtschaftliche Zusammenhänge geht. Georg Keller wendet sich in «Primitive Economics», der aktuellen Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, den einfachen Handlungsstrukturen primitiver Ethnien zu. So eröffnet er einen neuen Blickwinkel auf ökonomische Strukturen, wie wir sie kennen.
Seit seinem Abschluss beschäftigte sich der in Zürich lebende Künstler Georg Keller in seinen Arbeiten mit der Globalisierung und den Auswirkungen der Wirtschaft auf die Menschen. Vor sechs Jahren schuftete er in der Performance «Der Arbeiter in vier Teile geteilt» während 24 Stunden in vier verschiedenen Jobs. Ein Jahr später eröffnete er eine Bank, deren Inhalt in einen einzigen Koffer passte und somit den Vorteil der Mobilität mit sich brachte. Georg Keller kritisierte die ökonomischen Strukturen für ihren starken Einfluss auf unser Privatleben und suchte schon immer nach alternativen Systemen.
Handel ohne Geld
In diesem Jahr erhielt Georg Keller den bedeutenden Manor-Kunstpreis Luzern 2016, der es ihm ermöglichte, eine Ausstellung im Luzerner Kunstmuseum und eine Publikation zu realisieren.
In «Primitive Economics» vertieft er sein Interesse an der Wirtschaft und dem Handel zum einen und verknüpft es mit einer zweiten Leidenschaft: der Geschichte und den Ritualen von Kulturen. Mittels Texten von Ethnologen und Anthropologen sowie eigener Recherchen erarbeitete er die Basis dieser Arbeit: Handelssysteme, die ohne Geld funktionieren. Keller recherchierte über diverse Ethnien und deren Handelsformen. Mit dabei sibirische Inuit «Chukchi», Stämme auf den Troiband-Inseln in Papua-Neuguinea oder ethnische Gruppen aus dem frühen Japan. Seine Recherchen übersetzte Georg Keller dann in sieben Skulpturen, die Geschichte und Aktualität vereinen. Geschichte manifestiert sich in seiner Recherche über Rituale als Fundament, während der Aktualitätsbezug sich durch die Konfrontation mit dem Betrachter ergibt, der diese fremden Rituale einordnet und in Bezug setzt.
Yams House
Die Lagerhaus-Skulptur «Yams House», links vom Eingang, stellt einerseits einen geschichtlichen Tresor dar und thematisiert andererseits mit seiner Transparenz ein aktuelles Thema. Das Häuschen besteht aus mehreren Holzlatten, die einen direkten Blick auf das Innere gewähren. Die darin platzierten Schätze in Form von Gemüse, genannt «Yams», waren Tauschware für die Troiband’schen Stämme. Sie wurden in einem ähnlichen Bau gelagert, geschützt durch die transparente Öffentlichkeit in der Mitte des Dorfes.
Georg Keller gelingt die Verbindung zwischen jener Kultur und der hiesigen durch das Muster auf dem Dach von «Yams House». Die drei farbigen Streifen erinnern an das Logo einer Bank. Die Skulptur lässt den Besucher über das aktuelle Banken- und Wirtschaftswesen nachdenken, bei dem eine gewisse Einsicht hie und da zu wünschen übrig lässt.
Kein Fingerzeig
Es scheint auf den schnellen Blick so, als ob Georg Keller einem weismachen will, dass diese einfachen wirtschaftlichen Strukturen nützlicher oder sympathischer seien als unser aktuelles System. «Primitive Economics» ist jedoch kein Fingerzeig, sondern soll dem Betrachter neue Perspektiven eröffnen. Die Figuren sind in ihrer Idee simpel und regen zu Vergleichen und kritischen Überlegungen an. So lassen einen glasige Speerspitzen weiter über Transparenz nachdenken, eine Metallplatte über materielle Werte sinnieren oder ein Armreif geteilten Reichtum erwägen. Die Skulpturen verbindet neben der Thematisierung des Handelns und der Rituale auch ihre Ästhetik. Georg Keller wählt zusammenpassende Materialien, hat ein Flair für die Farbwahl und die Grössenverhältnisse. Die Skulpturen sind eine gelungene Übersetzung von Kellers Recherchen und ein ästhetischer Augenöffner.
Die Ausstellung eröffnet am 3. September und schliesst am 27. November.
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