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Fotografie
Eine frühzeitige und fruchtbare Verbindung
Von Françoise Jaunin
Lausanne Liebesbeziehung zur Fotografie reicht weit zurück. Die langjährige Verbindung, die 1840 mit der ersten Ausstellung eines gewissen Compar, einem «Schüler Daguerres», ihren Anfang nahm, wurde im Jahr 1985 mit der Eröffnung des Musée de l’Elysée offiziell besiegelt. Seither trägt die Fotografie den Namen der Stadt in die ganze Welt, wo Lausanne entsprechende Ausstellungen organisiert und sich aktiv am fotografischen Dialog beteiligt.
Berühmte und vergessene Pioniere
Die Anfänge der Fotografie in Lausanne sind mit einer kleinen Gruppe von Pionieren verbunden. Darunter finden wir insbesondere den Physiker Marc Secrétan, der in Paris eine der ersten fotografischen Abhandlungen veröffentlichte, den Graveur Frédéric de Martens, der zu den Wegbereitern der alpinen Fotografie zählt, und Adrien Constant de Rebeque, der unter dem Namen Constant Delessert zu den herausragendsten Schweizer Fotografen seiner Zeit zählte. Martens und Delessert war jedoch, so brillant und bekannt sie zu Lebzeiten waren, nach ihrem Tod ein trauriges Schicksal beschert: ihre Fotosammlungen wurden durch Brand zerstört oder gingen verloren, weshalb sie zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten sind.
Zwischen Rückzug und neuem Wind
Die Fotografie konnte sich in Lausanne rasch in angrenzende Felder ausbreiten: André Schmid arbeitete in der ersten Röntgenabteilung des Kantonsspitals, Rodolphe Archibald Reiss war in der forensischen Abteilung tätig, Pierre Gillard, Privatlehrer beim letzten Zar, brachte aus Russland ein einzigartiges und ergreifendes Fotojournal mit. Die de Jongh-Familie mit Edouard, Francis und Gaston betrieb in der Stadt ein berühmtes Fotostudio.
Während des regionalistischen Rückzugs der Jahre 1930-1940 brachten lediglich zwei Frauen neuen Wind nach Lausanne: Germaine Martin, bekannt für «Nouvelle Photographie», und Gertrud Fehr, die in Lausanne eine Kreativschule eröffnete, bevor sie als Lehrerin an die Kunst- und Gewerbeschule in Vevey wechselte, deren hervorragenden Ruf sie massgeblich mitbegründete.
Während Henriette Grindat ihren eigenen poetischen Weg im Strom des Surrealismus ging, dominierte doch die Pressearbeit mit den Fotojournalisten Pierre Izard oder Yves Debraine die Mitte des Jahrhunderts. Als Langzeitberichterstatter bereiste Luc Chessex Lateinamerika und Afrika mit einem engagierten fotografischen Auge, während sich Monique Jacot und Simone Oppliger mit grossem Feingefühl sozialen Themen zuwandten und Marcel Imsand eine eher humanistische und regionalistische Ausrichtung verfolgte.
Die Popularität wird zum Hype
Seit 1985 hat die Dynamik des Musée de l’Elysée zahlreiche Nacheiferer hervorgebracht, das Interesse für fotografische Aufnahmen verstärkt und zu einem regelrechten Hype rund um das Thema Fotografie geführt; Auslöser hierfür waren Veranstaltungen wie die 7 Ausgaben der «Nuit de la photo» in den Gärten des Museums sowie die grossen Fresken «Cent photographes venus de l’Est» nach dem Fall der Berliner Mauer oder auch die Ausstellungen «Voir la Suisse autrement» und «Nouveaux itinéraires» im Zusammenhang mit dem 700-jährigen Jubiläum der Eidgenossenschaft.
Eine opulente und facettenreiche Szene
Eine opulente und facettenreiche Szene
In den 90er-Jahren und mit dem Rückzug des Fotojournalismus verschob sich die Fotografie in das Umfeld von Galerien, Museen und Verlagshäusern, wie beispielsweise jenes von Jean Genoud, einem der weltweit besten Spezialdrucker.
Seit 1995 leitet Pierre Keller die Ecole d’Art de Lausanne mit einem Akzent auf den neuen Medien wie Kino, Video und Fotografie, in denen er auf eine engere Bindung zwischen Dokumentation und künstlerischem Ausdruck, zwischen Realität und Interpretation, setzt.
Die nicht mit der ECAL in Verbindung stehenden Fotografen Mario del Curto und Yves Leresche verleihen ihren zahlreichen Dokumentarprojekten eine moderne Note. Magali Koenig begibt sich auf eine introspektive, traumgleiche Reise in schwarz-weiss, während Philippe Pache Nacktheit mit zurückhaltender Zartheit neu interpretiert. Der hochbegabte, aber viel zu früh verstorbene Jean-Pascal Imsand beschritt einen ganz eigenen Weg zwischen fantastischer Fotomontage und der tragischen Seite der Gesellschaft. Olivier Christinat betrachtet die Kunstgeschichte und Pressebilder unter neuen Gesichtspunkten und hinterfragt diese. Mit Anoush Abrar, Leo Fabrizio (zwei ehemalige ECAL-Schüler) und Annaïk Lou Pitteloud verfügt die nächste Generation über vielversprechende und bereits heute starke, individuelle Persönlichkeiten.
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LEB: Lausanne-Flon