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F. ist heute der weltweit populärste Mannschaftssport. Für das Spielen eines Balles mit Fuss oder Bein liegen aus allen Kulturen Zeugnisse vor. Im MA kannte man v.a. in England und Frankreich ein Kampfspiel, in dem die gegeneinander antretenden Ortschaften versuchten, einen Ball über Wege und Felder durch ein Tor im Dorf oder in der Stadt des Gegners zu treiben. Aus diesen volkstüml. Vorläufern entwickelten sich in engl. Schulen um die Mitte des 19. Jh. die Anfänge des modernen Fussballspiels. In den Auseinandersetzungen um einheitl. Regeln trennten sich die Anhänger der Schule von Rugby, die auch das Tragen des Balles mit den Händen erlaubten, von den Gegnern dieser Spielweise, die sich 1863 zur Football Association zusammenschlossen.
Engl. Internatsschüler führten zwischen 1855 und 1869 den F. in der Westschweiz ein. Später wurden viele schweiz. Fussballklubs von Studenten und Ausländern gegründet (ältester bestehender Verein: FC St. Gallen, gegr. 1879). Der F. hatte grosse Widerstände seitens der Lehrerschaft, der Kirche, der Behörden und auch der Eltern zu überwinden. Am 7.4.1895 wurde in Olten mit der Schweizer Fussball-Association (heute Schweizer Fussballverband, SFV) eine gesamtschweiz. Organisation ins Leben gerufen, der es gelang, das Bild des Fussballsports in der Öffentlichkeit allmählich zu verbessern. Unter ihrer Ägide wurde ab 1898-99 eine Schweizer Meisterschaft sowie ab 1926 der Schweizer Cup durchgeführt. Am 12.2.1905 fand in Paris das erste Länderspiel einer schweiz. Nationalmannschaft statt. Zu Beginn des 21. Jh. hat sie mehr als 640 Spiele gegen 66 Nationen bestritten. In den 1920er und 30er Jahren wandelte sich der F. zum Volks- und Massensport und dehnte sich nun auf das Land aus. Wesentl. Anteil an dieser Entwicklung hatten der Erfolg der Schweizer Vertretung am Olympiaturnier 1924 in Paris (2. Platz) sowie der Sieg über Grossdeutschland an der Weltmeisterschaft 1938, die jeweils nationale Begeisterungswellen auslösten. In der Folge begannen die Bundesbehörden den erzieher. Wert des F.s zu schätzen, richteten Subventionen für die Leiterausbildung der F.-Vereine aus und werteten seine Stellung innerhalb des Schulturnens auf.
Mit der Popularisierung des F.s setzten Professionalisierungs- und Kommerzialisierungstendenzen ein. Zwischen 1922 und 1934 entstanden zwölf Stadien mit einem Fassungsvermögen von über 10'000 Zuschauern. Die Einführung einer Liga, die teilweise aus Profispielern bestand, erfolgte 1931, jedoch hielten bei den meisten Vereinen die Einnahmen nicht mit den Ausgaben Schritt. Nach ersten Einschränkungen durch die Vereine und die Nationalliga wurde der Professionalismus durch den Fussballverband 1941 formell verboten.
Nach dem 2. Weltkrieg wandelte sich der F. zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor und Mediensport Nummer eins. Er hat alle einstigen Schranken überbrückt und sich gesellschaftlich und sozial integriert. Bis Mitte der 1950er Jahre war der SFV profisportfeindlich eingestellt; als Professionals entdeckte Spieler riskierten Sperren und Transfers wurden eingeschränkt. Zunächst erhielten die Spieler eine Trainingsentschädigung, ab den späten 1950er Jahren wurden im gesamten Bereich der Nationalliga Punkteprämien ausbezahlt. Mit dem stufenweisen Übergang vom Halbamateurismus zum Professionalismus Ende der 1970er Jahre entwickelten sich die Vereine der obersten Spielklasse zu Wirtschaftsunternehmen mit Jahresbudgets von teilweise weit über 10 Mio. Fr. (2003 Basel 40 Mio., Grasshopper-Club 15 Mio.).
Das Fernsehen, das als neues Massenmedium seit der Weltmeisterschaft 1954 Spiele für eine immer breitere Öffentlichkeit überträgt, bewirkte ein rasantes Wachstum der Werbemöglichkeiten und einen erneuten Kommerzialisierungsschub des F.s. Neben den Zuschauereinnahmen erschlossen sich die Vereine neue Einnahmequellen durch Leibchen- und Bandenwerbung, Sponsoring, Entschädigung für Übertragungen des Fernsehens und Merchandising. Einige Vereine wandelten sich in den späten 1990er Jahren in Aktiengesellschaften um. Trotzdem führten finanzielle Probleme durch überhöhte Transfersummen und Spielergehälter zu Klubkonkursen und Zwangsrelegationen.
Die Organisation des Fussballbetriebs in der Schweiz untersteht dem SFV (Sitz in Bern). Er besteht seit 1933 aus den drei Abt. (Dreikammersystem) Nationalliga (seit 2003 Swiss Football League), 1. Liga und Amateurligen sowie aus 13 Regionalverbänden. Der SFV zählte am 30.6.2005 rund 1'400 Vereine mit über 12'000 Mannschaften, 235'000 aktiven Spielern und rund 350'000 Mitgliedern. Gespielt wird in Stärkeklassen bei den Aktiven, sechs Altersklassen bei den Junioren und Schülern (6-8-Jährige). Über 98% der Aktiven sind Amateure. Erst seit den 1970er Jahren begann sich der Frauenfussball langsam gegen die grundsätzlich männl. Konnotation des F.s und gegen Widerstände im Verband durchzusetzen. Der SFV ist Mitglied der Fédération internationale de football association (Fifa), des 1904 in Paris gegr. Weltfussballverbandes (Sitz Zürich). Mit 204 angeschlossenen nationalen Verbänden und ca. 200 Mio. Fussballspielern stellt sie die höchste Autorität des Weltfussballs dar. Seit 1998 wird die Fifa vom Schweizer Joseph Blatter geführt. Auch der Kontinentalverband, die Union of European Football Associations (Uefa), hat ihren Sitz in der Schweiz.
Autorin/Autor: Walter Lutz
Als Ausdruck einer modernen, der Industriegesellschaft entsprechenden Geselligkeit fand der F. auch in der Schweiz im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jh. seine Förderer und Anhänger in den neuen techn. und wirtschaftl. Eliten sowie in städt. Bevölkerungsschichten. Ab ca. 1890 verbreitete er sich in den techn. und wirtschaftl. Hochschulen, deren Absolventen viele Vereine gründeten. Infolge berufsbedingter Umzüge von fussballbegeisterten Firmenkadern, Funktionären und Arbeitern drang der F. allmählich in versch. Regionen der Schweiz vor. Überdies waren ins Ausland gezogene Schweizer Ingenieure, Techniker und Geschäftsleute auch an der Verbreitung des F.s in diversen Städten beteiligt, so z.B. in Barcelona, Marseille, Bologna, Mailand und Bari. In den 1920er und 30er Jahren hatte sich der F. in allen grösseren städt. Agglomerationen, in den industriell und verkehrsmässig einigermassen erschlossenen mittleren und kleineren Orten sowie in allen Bevölkerungsschichten durchgesetzt. V.a. im Rahmen des Breitensports trug der F. zu einer Integretation der ausländ. Bevölkerungsteile bei.
Spätestens seit den 1990er Jahren erreichte der F. eine Medienpräsenz, die weit über derjenigen aller anderen Sportarten liegt. Die Bedürfnisse der Medien zogen dabei vielfältige Anpassungen beim Spiel nach sich (Anspielzeiten, Beschleunigung des Spiels). Wie in anderen Ligen führte die Konkurrenz durch TV-Übertragungen nicht zu einem Rückgang, sondern zu einem Anstieg der Zuschauerzahlen in den Stadien. Mit den Stadionneubauten und der weitgehenden Umstellung von Steh- auf Sitzplätze akzentuierten sich aber Veränderungen in der Zusammensetzung des Publikums (verstärkt finanzkräftigeres Zuschauersegment sowie Frauen und Fam.). Der schweiz. F. hat sich, wie der internationale, stark verändert: Schwebte den Förderern und Aktiven des F.s zu Beginn des 20. Jh. noch vor, ihren Sport mit allen Menschen jenseits von nationalen und kulturellen Schranken zu betreiben, so ist dieses universalist. Element heute eher in den Hintergrund getreten. Früh war die Zuschauerkultur geprägt durch die Ausbildung sinnstiftender Traditionen innerstädtischer (Derby) und überregionaler Rivalität oder Verbundenheit. Obwohl auch heute noch Verbände, Vereine und Spieler in versch. Aktionen zu Solidarität und Fairness aufrufen, kommen auf Zuschauerseite (Profivereine) und teils unter Spielern (Amateurvereine) verbale Angriffe gegenüber der gegnerischen Mannschaft sowie z.T. auch Gewalt und Rassismus vor. Durch seine grosse Medienwirksamkeit ist der F. geeignet, als Ventil für aufgestaute Frustrationen zu dienen. In der Schweiz traten ausländ. Fans anlässlich der Ausscheidungsspiele zur Europameisterschaft in den frühen 1980er Jahren erstmals als Hooligans auf. Auch wenn seit Ende der 1980er Jahre vereinzelt Ausschreitungen vorkamen, so hat der Hooliganismus in der Schweiz nicht dasselbe Ausmass erreicht wie in anderen Ländern. Um die Gewalt in den Stadien zu bekämpfen, hat die Schweiz 1990 die Europ. Konvention über Gewalt und Ausschreitungen der Zuschauer anlässlich von Sportveranstaltungen ratifiziert, die der Europarat 1985 verabschiedet hatte. Ein Bundesgesetz über Massnahmen gegen Rassismus, Hooliganismus und Gewaltpropaganda war Anfang 2003 in der Vernehmlassung.
Autorin/Autor: Marco Marcacci / PvC