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Wie speziell ist es, dass sich Angestellte einer grossen Kette in den USA in einer eigenen Gewerkschaft organisieren? Für die USA ist es dies eher ungewöhnlich. Nur etwa elf Prozent der Beschäftigten in den USA sind gewerkschaftlich organisiert. Das sind etwa halb so viele wie vor rund 40 Jahren und im internationalen Vergleich sehr wenig. Die Position der Gewerkschaften wurde in den USA unter anderem wegen eines Fluglotsenstreiks in den 1980er-Jahren geschwächt. Damals drohten ihnen Entlassungen und Verbote auf Wiedereinstellung.
Abstimmung in drei von 15'000 Coffeeshops
Mit über 32'600 Coffeeshops weltweit ist das US-amerikanische Unternehmen Starbucks die führende Kaffeekette und nach McDonald's die wertvollste Fast-Food-Marke der Welt. Es existieren in über 70 Ländern Filialen von Starbucks, über 15'000 davon in den USA.
Die Gründung einer Gewerkschaft wurde am Donnerstag bei den Abstimmungen in zwei Coffeeshops in Buffalo im US-Bundesstaat New York beschlossen, in einer dritten Filiale wurde sie abgelehnt. Starbucks hat sich bereits früher gegen solche Gewerkschaftspläne gewehrt. In der 80er-Jahren waren bereits einmal einige Cafés und eine Rösterei des Konzerns gewerkschaftlich organisiert.
Wieso wehrt sich Starbucks dagegen, dass die Angestellten eine Gewerkschaft gründen? Der Konzern mit Sitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington argumentiert, dass es am besten sei, wenn er als Arbeitgeber direkt mit den Angestellten sprechen könne, ohne Gewerkschaften. Kritikerinnen und Kritiker sehen darin ein vorgeschobenes Argument. Vielmehr würde Starbucks die Macht der Gewerkschaften fürchten.
Beispiele für die Macht der Gewerkschaften
In den letzten Monaten gab es mehrere Fälle von Streiks und Streikandrohungen in den USA. Etwa bei Kellogg's oder auch beim Landmaschinenbauer John Deere wurde gestreikt. Es kam daraufhin zu neuen Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen mit den Gewerkschaften.
In Hollywood haben Angestellte, unter ihnen viele Maskenbildnerinnen und Kulissenbauer, mit Streik gedroht. Auch sie sind gewerkschaftlich organisiert. Ihre Pausen müssen seitdem bezahlt werden. Und es gibt nun Regelungen für Ruhezeiten nach langen Arbeitstagen am Filmset.
Bekommen Gewerkschaften in den USA durch die gewerkschaftliche Organisation der Angestellten bei Starbucks Rückenwind? Sie stehen damit jedenfalls stark im Rampenlicht. Es gibt aber Fälle, bei denen sich Belegschaften gegen Gewerkschaftsvertretungen entschieden haben. Ein prominentes Beispiel dafür ist Amazon. Das von Jeff Bezos gegründete Onlineversandhaus ist mit rund 950'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den USA einer der grössten Arbeitgeber des Landes. Die Beschäftigten eines Logistiklagers in Bessemer, Alabama, stimmten im April gegen den Anschluss an die Handelsgewerkschaft RWDSU.