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Ist Nachvertonung schlimm, wenn man eine Sprache lernt?
Fünfundzwanzig Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist Europa erneut gespalten. In Frankreich, Spanien, Deutschland, Österreich, in der Schweiz und in Italien werden beinahe alle ausländischen Fernsehprogramme und Filme in der lokalen Sprache nachvertont. In Skandinavien, den Niederlanden, Portugal, im Vereinigten Königreich und in den baltischen Staaten kommt der gezeigte Inhalt mit Original-Ton und Untertiteln.
Willkommen zur grossen Debatte „Nachvertonung gegen Untertitel“.
Wenn man bedenkt, wie viele Menschen weltweit Filme und TV-Serien anschauen ist es keine Überraschung, dass dieses Thema leidenschaftlich diskutiert wird. Gemäss dem Rapport der Europäischen Kommission über die Europäer und ihre Sprachen (Europeans and their Languages) geben Menschen in einem Land mit Nachvertonungskultur meistens ihre Vorliebe für Nachvertonung bekannt. Leute, die mit Untertiteln aufgewachsen sind, bekennen sich wahrscheinlich zu dieser Methode.
Was ist denn also besser: nachvertonen oder untertiteln? Hier kommen jeweils fünf Argumente für beide Methoden:
Fünf Gründe für Untertitel und gegen Nachvertonung:
1. Untertitel sind perfekt für Leute, die eine Sprache lernen
Wenn Sie einen Film anschauen mit Untertiteln in der Sprache, die Sie lernen oder in einer Sprache, die Sie bereits sprechen, so haben Sie es mit zwei Sprachen gleichzeitig zu tun. Es kann tatsächlich von Hilfe sein, den Film in der Sprache zu sehen, die Sie lernen oder die Untertitel in dieser Sprache zu lesen.
2. Leute in Ländern mit Untertitel-Kultur sind (gewöhnlich) besser in Fremdsprachen
Einwohner von Ländern, in denen bei englischen Fernsehsendungen Untertitel eingeblendet werden, haben normalerweise einen besseren Standard im gesprochenen Englisch als Einwohner von Ländern, in denen alles nachvertont wird. Besonders die Aussprache und das mündliche Verständnis werden gefördert, wenn die Originalversion in Englisch angehört werden kann.
3. Die Finessen können bei der Übersetzung verloren gehen
Das ist im allgemeinen das Problem bei Übersetzungen, denn mit totalem Ausschalten der Originalsprache kann man an den Subtilitäten eines Werks vorbeigehen. Vielleicht verstehen Sie nicht genau, was die Schauspieler sagen wollten, doch…
4. Bei der Schauspielerei geht es nicht nur um das Bewegen eines Körpers
Oder wenigstens nicht mehr seit zu Ende der 1920er-Jahre die Stummfilme zu Tonfilmen wurden. Ein grosser Teil der schauspielerischen Künste geht verloren, wenn die Stimmen lippensynchronisiert werden. Ist es nicht auch eigenartig, Leuten zuzuhören, die mit Stimmen anderer Leute sprechen? Oder Schauspieler, die man kennt und liebt mit einer seltsamen fremden Stimme zu hören?
5. Ungeduld wird belohnt
Wenn eine Story wirklich so fesselnd ist dass Sie nicht auf den nächsten Dialog warten möchten sind Untertitel perfekt für Sie.
Fünf Gründe, warum Nachvertonung top ist und Untertitel überhaupt nicht
1. Untertitel sind langweilig
Einen Film „lesen“ oder „anschauen“ sind zwei verschiedene Dinge, und wenn ich etwas lesen möchte schlage ich ein Buch auf. Untertitel beanspruchen Platz auf dem Bildschirm und es ist schwierig, zu lesen und gleichzeitig die Aktion zu verfolgen.
2. Einige Filme sind echt besser mit Nachvertonung
Es macht zum Beispiel keinen Sinn, Zeichentrickfilme mit Untertiteln zu versehen. Leute, die Sprachen lernen sollten imstande sein, mit einem Disneyfilm mitzuhalten – und vor allem mit einem, den sie bereits in ihrer Muttersprache gesehen haben.
Dann gibt noch den Anreiz des Lippenlesens:
3. Es gibt immer wieder Arbeit für Schauspieler
Einige Schauspieler werden als Zweitstimme von englischsprachigen Schauspielern bekannt und in den Studios wird Nachhaltigkeit für eine Schauspielerkarriere gross geschrieben. Ein guter Job für den, der ihn bekommt!
4. Viele Leute schauen sich keine Filme an, um eine Sprache zu lernen
Leute, die eine Sprache lernen, sehen sich einen Film anders an als normale Zuschauer. Die meisten möchten diese Erfahrung einfach nur mit ein paar Stunden totalem Eintauchens in die Sprache machen und empfinden die Untertitel als Behinderung. Dagegen kann man einwenden, dass die Untertitel dem Zuschauer helfen, bis zum gewünschten Eintauchen in die Originalsprache eben diese gut zu verstehen (und das ist dann bestimmt eine authentischere Form des Eintauchens).