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Ähnlich wie im Tennis können sich auch im Golfsport die besten Spieler viele Jahre lang an der Spitze halten. Vor etwa zehn Jahren sprach man in Analogie zu den Beatles von den Fabulous Four, den berühmten vier. Dies waren Tiger Woods, Phil Mickelson, Ernie Els und Vijay Singh. Aber die Dominanz des Quartetts ist längst vorüber. Derzeit scheint von den vier nur Phil Mickelson einigermassen in der Lage zu sein, im Kampf um den Sieg am prestigeträchtigsten Turnier ein Wort mitzureden, während der dauerverletzte Tiger Woods nicht einmal mitspielen kann.
Heutzutage geben drei junge Golfer den Ton an, deren Namen man vor zehn Jahren noch nicht einmal kannte. Drei Spieler aus drei Kontinenten: der Amerikaner Jordan Spieth, der Nordire Rory McIlroy und der Australier Jason Day. Sie gewannen zusammen fünf der letzten sechs Majorturniere. Seit Mitte August letzten Jahres lösten sie sich untereinander neunmal an der Spitze der Weltrangliste ab.
Derzeit hat zum dritten Mal Jason Day die Nase vorn. Der 28-Jährige ist auch der Golfer mit der besten Form. Er bewies sie vor wenigen Wochen mit den aufeinanderfolgenden Siegen an den hochwertig besetzten Turnieren in Orlando und Austin. Day hat überdies das bislang letzte Majorturnier gewonnen, die US PGA Championship im August 2015. Er ist der erste Siegesanwärter in dieser Woche.
Jason Day ist auch der Erste, an den man denkt, wenn sich die Frage nach einem möglichen Grand-Slam-Triumphator stellt. In der ganzen Golfgeschichte hat noch keiner alle vier grossen Turniere in einem Kalenderjahr für sich entschieden. Tiger Woods kam dem für unmöglich Gehaltenen im Jahr 2000 mit den Siegen am US Open, am British Open und an der US PGA Championship am nächsten; jedoch hatte er damals schon das erste der vier Turniere, das US Masters im April, nicht gewonnen. Jordan Spieth hielt sich letztes Jahr bis im Juli im Gespräch, nachdem er sowohl am US Masters als auch am US Open triumphiert hatte. Am British Open spielte er lange Zeit um den Sieg mit, aber zuletzt musste er seinem überraschenden Landsmann Zach Johnson gratulieren.
Day, Sohn eines Australiers und einer Philippinin, weiss offenbar gut mit dem Erwartungsdruck umzugehen, der in dieser Woche im Augusta National Golf Club auf ihm lastet. Ein paar Jahre lang hatte Day nach vielen Ehrenplätzen an den grossen Turnieren als ewiger Zweiter gegolten, aber jetzt ist alles anders geworden. “Dieser Sieg an der PGA Championship hat für mich vieles verändert. Ich weiss jetzt, dass ich auch dann gewinnen kann, wenn es ganz wichtig wird.“ Day hält allerdings fest, dass in dieser Woche viele Spieler für den Sieg in Frage kommen: “Ob Spieth, McIlroy, Fowler oder Matsuyama. Es sind alles junge und grossartige Spieler. Um vor ihnen zu sein, braucht man sicher auch Glück.“
Jason Day windet dem abwesenden Superstar Woods ein Kränzchen: “Er hat so viel in unseren Sport gebracht. Er hat uns junge Spieler vorwärts und auf ein höheres Niveau getrieben. Es ist einfach faszinierend, was Tiger alles erreicht hat. Für unseren Sport war er das Beste, was passieren konnte.“
Nebst den derzeitigen Big Three Day/Spieth/McIlroy gibt es auch die Anti-Big-Three. Es ist ein imaginärer Zusammenschluss dreier grossartiger und spielstarker Profis, von denen noch keiner jemals ein Major gewonnen hat. Der Gruppe gehören zurzeit die Amerikaner Dustin Johnson und Rickie Fowler sowie der Schwede Henrik Stenson an, der sich seit langem weit vorne in der Weltrangliste hält.
Als Zach Johnson letzten Juli in St. Andrews das British Open gewann, sprachen und schrieben viele vom Sieg des “falschen” Johnson. Der Longhitter und Alleskönner Dustin Johnson hat das wesentlich grössere Potential als der mit ihm nicht verwandte Namensvetter. Aber Zach Johnson führt unterdessen schon zwei Majortitel im Palmares, nachdem er auch am US Masters 2007 triumphiert hatte. Der Golfsport ist so unberechenbar und bisweilen undankbar, dass nächsten Sonntag in Augusta vielleicht erneut der unscheinbare Zach Johnson jubeln wird, während Dustin Johnson abermals sein Scheitern wird erklären müssen.
(SDA)