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Alle Jahre wieder versuchen sich clevere Marketingstrategen daran, die eingeschlafene «Star Trek»-Reihe wieder neu zu beleben. Die ursprünglich erfolglose Fernsehserie aus den sechziger Jahren erfreute sich so diverser Fortsetzungen, Filmumsetzungen, Romane und Comics und ist - anders als die meisten Fernsehprodukte dieser Zeit - bis ins neue Jahrtausend höchst präsent geblieben.
Zu Recht: «Star Trek» ist (im Unterschied zu den meist militaristisch geprägten Science-Fiction-Welten wie «Star Wars» oder «Terminator») eine pazifistische, sozialistisch angehauchte Vision einer Gesellschaft, die Rassismus, Geschlechterkampf, Krieg und Hunger hinter sich gelassen hat.
Das Raumschiff Enterprise, um das sich die Geschichten der ersten Serie drehten, war denn auch kein Kriegs-, sondern ein Forschungsschiff. Und dass der philosophische Hintergrund der Serie nicht nur Pose war, bewies «Star Trek»- Erfinder Gene Roddenberry, der «grosse Vogel der Galaxis», als er 1968 gegen den Willen der Fernsehstudios eine Szene filmen liess, in der sich mit William Shatner als James Kirk und Nichelle Nichols als Lieutenat Uhura zum ersten Mal ein weisser Mann und eine schwarze Frau am US-Fernsehen küssten - in der Zeit der Rassenunruhen in den USA ein Skandal. Beziehungsweise eine Prophezeiung besserer Zeiten, in denen die Hautfarbe keinen Unterschied mehr machen würde.
Verwässerte Vorgeschichte
Nun versuchen sich ebendiese Studios erneut an den Wurzeln des «Star Trek»-Universums. Im neuen Film geht es im Unterschied zu den letzten «Star Trek»-Filmen denn auch nicht um eine der zahlreichen Nachfolgeserien wie «The Next Generation» oder «Voyager». Nein, das Team um J. J. Abrams, den Produzenten der erfolgreichen Endlosfernsehserie «Lost», versucht sich an der Vorgeschichte, am ersten Treffen der legendären Crew, bevor die Geschichten der Originalserie einsetzen. Dass er damit eine Art Majestätsbeleidigung sowie ein automatisches Scheitern in den Augen der «Trekkies», der weltweiten Fangemeinde der Serie, in Kauf nimmt, muss ihm vielleicht noch hoch angerechnet werden. Mehr aber auch nicht.
Abrams selbst ist bekennender Fan der «Star Wars»-Filme, die den «Star Trek»-Filmen mit ihrem philosophisch-wissenschaftlichen Hintergrund fast diametral entgegengesetzt sind. Während «Star Wars» in einem futuristischen, aber von New-Wave-Esoterik durchsetzten Universum Märchen von Rittern und Prinzessinnen, von Helden und Bösewichtern erzählte, ging es bei «Star Trek» um Entdeckertum: In einer Zeit, in der in der richtigen Welt die Mondlandung und die Eroberung des Weltalls vorbereitet wurden, erzählten die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise von den «unendlichen Weiten des Weltalls», von der «Entdeckung neuer Welten und neuer Zivilisationen» und vom Pioniertum, mit einfachen, begrenzten Mitteln Probleme zu lösen.
Ein schlechter Actionstreifen
Der neue «Star Trek»-Film tritt dieses Erbe mit Füssen: Die Raumschiffe, inklusive der Enterprise auf ihrem Jungfernflug, sind gigantische, leuchtende waffenstarrende Monster mit riesigen Maschinenkomplexen in ihrem Innern. Das Drehbuch zwingt den Film zusätzlich in ein von Actionfilmklischees geprägtes Korsett aus Prügeleien, Schiessereien und einsilbigen Dialogen. Diese sind gespickt mit ein paar Hommagen an die Originalfiguren, um die Fans nicht vollends vor den Kopf zu stossen. Nur: Selbst als einfacher Actionfilm kann der Film nicht bestehen: Spätestens als Hauptfigur Jim Kirk zum vierten Mal an der Klippe eines Abgrunds hängt, offenbart sich das äusserst begrenzte Repertoire des Produktionsteams.
Natürlich, einfach ist es nicht, ein inzwischen vierzig Jahre altes Universum nachzustellen: Was damals visionär war und fantastisch aussah, mag heute überholt erscheinen und blöd aussehen. Auf der visuellen Ebene mag das stimmen. Wer allerdings intelligente Geschichten und Charakterdarsteller billiger Action und banalen Dialogen vorzieht, dem sei empfohlen, sich lieber noch einmal die Original-«Star Trek»-Serie auf DVD zu Gemüte zu führen.
«Star Trek». Regie: Jeffrey Abrams. USA 2009. Ab 7. Mai in Deutschschweizer Kinos.
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