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Gründung: 16/03/1843
Lage: 809 Meter über Meer
Bevölkerungszahl: 295.917 (Stand 11/2010)
Grösse/km2: 776.0 km²
Bevölkerungsdichte/km2: 371,85 Einw./km2
Regenzeit: Dezember bis April
Für diejenigen, denen die Berge mehr zusagen als das Meer, gibt es, ebenfalls ganz in der Nähe von Rio, ein Refugium auf den Höhen der Serra do Mar – Petrópolis – welche die Atlantische Küstenregion vom Hinterland trennt. Nach 68 km – über schwindelerregende Serpentinen, die vom Atlantischen Urwald bedeckte Berge umrunden, erreicht man auf 840 Metern Höhe, die alte Sommerresidenz des Kaisers Dom Pedro II. aus der Mitte des 19. Jahrhunderts,
1843 kamen, vom Kaiser Dom Pedro II. ins Land gerufen, deutsche Einwanderer in diese Bergidylle. Sie bestellten das Land und legten unter Leitung des deutschen Ingenieurs „Júlio Frederico Koeler“ eine Stadt an, die sie nach ihrem neuen Kaiser und Gönner benannten.
Dieser, begeistert von dem städtebaulichen Konzept, dem angenehmen Klima und der üppigen Natur, gab hier seine Sommerresidenz in Auftrag. Die oberen Dutzend zogen sogleich nach und die restliche Hautevolee folgte während der nächsten Jahrzehnte. Und wenn dann die Temperaturen in Rio de Janeiro den Siedepunkt zu erreichen drohten zog man sich in das Bergstädtchen zurück und steuerte die Geschicke des brasilianischen Volkes von hier oben aus.
Später, in der Republik, wurde es zum beliebtesten Refugium für Staatschefs und Diplomaten mit Ihren Familien, die sich umgeben von immergrüner Vegetation, vor einer imposanten Bergkulisse, nach kaiserlichem Vorbild Sommerresidenzen bauen liessen, und die der Stadt im Laufe der Zeit eine Schönheitsoperation nach der anderen verordneten.
Und die Stadt, in ihrem historischen Kern mit geradlinigen Strassen, erfuhr ein unkontrolliertes Wachstum, welches bis heute nicht zum Stillstand gekommen ist. Viele europäische Emigranten zog es ebenfalls in die Bergregion mit dem ihnen vertrauteren kühlen Klima – Stadtviertel mit Namen „Bingen“ und „Mosela“ zeugen von ihren deutschen Einwanderern.
Petrópolis liegt heute nur eine knappe Busstunde von Rio de Janeiro entfernt. Die Stadt hat inzwischen über 306.000 Einwohner und hat sich zum Lieblingsziel der Cariocas und anderer Küstenbewohner während der Wochenenden und in der Ferienzeit entwickelt. Eine gute Gastronomie und charmante Hotels und Pousadas können dem Besucher fast jeden Wunsch erfüllen. Aber die beschauliche Ruhe, die noch vor wenigen Jahrzehnten in den zum Teil kopfsteingepflasterten Strassen herrschte, ist dahin – schmal und mit zahlreichen Windungen können sie den wachsenden Verkehr kaum mehr verkraften.
Architekten aus zwei Jahrhunderten haben sich in dieser Stadt verewigt. Kirchen, Paläste, Pavillons, Villen in allen Stilrichtungen, sind an der „Avenida Koeler“ und „Avenida Ipiranga“ entstanden. Unter ihnen der neoklassische Palácio Rio Negro und der Palácio da Princesa Isabel. Schon diese seltene Gebäude-Sammlung macht die Stadt sehenswert. Und die wunderschöne Anfahrt über die von dichter Vegetation gesäumten Serpentinen der Serra ist ein Erlebnis für sich.
Der kaiserliche Sommer-Palast (Museu Imperial) – heute ein gut verwaltetes Museum – enthält noch die komplette Ausstattung des kaiserlichen Interieurs sowie die Kronjuwelen der Kaiserfamilie – zweifellos die grösste Attraktion von Petrópolis. Die Kaiserkrone – ebenfalls unter den Exponaten – ist im Wappen von Petrópolis verewigt. In Filzpantoffeln rutschen die Besucher über den kostbaren, mit Intarsien eingelegten Boden und durch weiträumige Korridore, vorbei an wertvollen Zeugen und Zeugnissen der Geschichte. Viele der Räume sind so belassen, dass man glaubt, die Kaiserfamilie habe sie erst gestern verlassen. In einem Nebengebäude befinden sich die Kutschen und andere Transportmittel der Kaiserfamilie, unter anderem auch die bekannte Leopoldina-Lokomotive, benannt nach Dom Pedros II. Mutter, die zwischen Rio und Petrópolis von 1883 bis 1964 verkehrte. Die Gartenanlegen rund um den Palast sind wunderbar für einen Spaziergang.
Eine Fahrt mit einer der vielen Pferdekutschen vor dem Palast, über alte Plätze und die Parks der Stadt, sollte man nicht auslassen. Sehenswert ist die Kathedrale São Pedro de Alcântara, von 1883, in der Dom Pedro II. und seine Gemahlin Teresa Cristina begraben liegen. Ganz in der Nähe befindet sich der Palacio de Crystal (Kristall-Palast), der in allen seinen Teilen aus Frankreich importiert wurde (1879), und in dem der Kaiserhof rauschende Bälle veranstaltete. Im Casa do Colono (Haus des Siedlers) bekommt man anhand einer kleinen Asservaten-Sammlung einen Einblick in die Geschichte der deutschen Besiedelung. In der „Rua do Encanto“ steht das Haus des brasilianischen Pioniers der Fliegerei „Santos Dumont“, dessen Mini-Museum den Besucher mit einer abenteuerlichen Figur aus der brasilianischen Geschichte vertraut macht, dem hiesigen Volkshelden der Luftfahrt, der bereits 1901 den Eiffelturm mit einem steuerbaren Luftschiff umrundete und für die Brasilianer unwiderlegbar als „Erfinder des Flugzeugs“ gilt.
Im Höhenklima von Petrópolis gedeihen Orchideen besonders gut. Überall kann man schöne Exemplare bewundern und auch kaufen. Eine besondere Augenwaide ist die Sammlung „Orchidário Binot“ in der „Rua Fernandes Vieira, 390“, die für den interessierten Besucher Exemplare aus ganz Brasilien bereithält.