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Kette und Schuss
Kettgarn für Knüpfgewebe muss sehr stark und zugfest sein; es wird immer kräftig verzwirnt. Als Material wird gewöhnlich eine ausgesuchte, zug-feste, langfaserige Schafwolle (W) verwendet; sie bleibt in der Regel ungefärbt und wird zweifach, gelegentlich auch drei- oder vierfach verzwirnt. Woll-kettgarn ist meist Z-gesponnen und S-verzwirnt. Von der nomadischen und sesshaften Bevölkerung wird gelegentlich kräftiges Ziegenhaar (ZH) verwendet.
Daneben findet Baumwolle (BW), meist mehr als dreifach verzwirnt, immer mehr Verwendung als Kettgarn. Sie ist stark und wenig dehnbar und ver-leiht dem Grundgewebe hohe Festigkeit. Baum-wolle lässt sich gut verspinnen und verzwirnen. Es kommt vor, dass für die Kette Wolle und Baumwolle oder Wolle und Ziegenhaar kombiniert werden. Andere Materialien finden sich äusserst selten. Eher selten wird Seide als Kettmaterial verwendet. Für sehr fein geknüpfte Teppiche eignet sie sich wegen ihrer hohen Zugfestigkeit besonders gut.
Das starke und gleichmässige Aufspannen oder Aufbäumen der Kette über Kett- und Warenbaum des Knüpfstuhls erfordert sehr viel Kraft und wird in der Regel von Männern ausgeführt. In Manufakturen ist dies die Aufgabe des Kettenrichters. Um sie besser greifen zu können und ihre Festigkeit zu erhöhen, werden sie gelegentlich mit einer Stärke- oder Leimlösung bestrichen. Je dichter die Kett-fäden nebeneinander liegen, desto feiner wird die Struktur des Teppichs. Gewöhnlich werden ca. 35-180 Kettfäden pro Dezimeter aufgezogen. Oft liegen sie so dicht nebeneinander, dass sie nach dem Weben und Knüpfen eines ersten Teils des Teppichs in zwei Lagen fallen müssen.
Stärke bzw. Dicke des Kettgarns, Qualität und Farbton (meist ungefärbt) liefern Anhaltspunkte über Erzeuger und Herkunft.
Der Schuss eines Knüpfgewebes besteht mehr-heitlich aus demselben Material wie die Kette. Im Gegensatz zu dieser wird er aber öfters eingefärbt. Er hat die Aufgabe, den Teppich in Querrichtung zusammenzubinden. Als Material findet meist Wolle, aber auch Ziegenhaar und öfters auch Baumwolle Verwendung, während Kamelhaar und Seide eher selten sind.
Für die meisten Grundbindungen von Knüpfge-weben muss das Schussgarn weich sein; es ist deshalb im allgemeinen schwach zwei- oder drei-fach gezwirnt oder gar ungezwirnt, d.h. dass die ineinander verdrehten gesponnenen Fäden auf einer Breite von etwa drei Knoten keine ganze Umdrehung machen. Gelegentlich wird auch nur einfacher, unverzwirnter Faden verwendet. Auf die-se Weise lässt sich der Schuss beim Nieder-schlagen mit dem Kamm zwischen den Knoten-reihen dicht zusammenpressen. Auch das regel-mässige gewellte Einlegen des Schusses lässt sich so besser bewerkstelligen.
Die Lage der Kettfäden im Grundgewebe und dementsprechend auch die Stellung der Knoten hängen nicht allein davon ab, wie dicht die Kette liegt, sondern auch von der Form, in der der Schuss in die Kette eingelegt wird. Das Eintragen des Schusses erfordert Erfahrung und Gefühl. Un-regelmässiges Einführen des Schusses ergibt beim fertigen Teppich Blasen, Falten oder un-gleichmässige Breite.
Grundbindung
Grundsätzlich unterscheidet man nach der Lage der Kettfäden drei Bindungsarten, die alle auf dem Prinzip der Leinwandbindung beruhen:
a) Die Kettfäden liegen in einer Ebene, d. h. sie lie-gen flach nebeneinander. Der Schuss wird locker eingetragen; er verhält sich zur Kette passiv und verändert die Lage der flach nebeneinanderlie-genden Kettfäden nicht (vgl. Fig. 14). Als Knoten erscheinen bei dieser Bindung die Formen Sy 1, As 1 und As 2. Meist werden nach jeder Knotenreihe zwei Schüsse eingetragen, manchmal auch nur einer. Es kommt jedoch auch vor, dass drei oder mehr Schüsse eingelegt werden. Nur sehr selten aber folgt ein Schuss erst auf zwei Knotenreihen. Die Bindung mit flach liegender Kette ist weit verbreitet; sie wird hauptsächlich von Nomaden und Bauern angewandt.
b) Die Kettfäden liegen auf zwei Ebenen, d.h. sie sind gestaffelt (geschichtet). Der erste Schuss wird mehr oder weniger straff eingelegt; er hebt auf diese Weise jeden zweiten Kettfaden nach oben. Er verhält sich zur Kette aktiv, denn er verändert die Lage der Kettfäden. Der zweite Schuss wird locker einge-tragen und umläuft die nun gestaffelten Kettfäden wellenförmig (vgl. Fig. 15). Als Knoten erscheinen bei dieser Bindung die Formen Sy 2, Sy 3, As 3 und As 4. Der straffe Schuss wird stets als erster eingelegt; der wellenförmige zweite Schuss kommt damit zu den freien Enden des Knotens zu liegen.
In der Bidjar-Bindung (Knoten Sy 2, Sy 3, As 3 und As 4) wird der erste, extrem dicke und gut verzwirnte Schuss (gelegentlich feucht) gerade, der zweite, dünne und verzwirnte Schuss wellenförmig einge-tragen. Er umläuft die Kettfäden in enger Wellen-form (vgl. Fig.16). Diese Bindung wird in Bidjar angewandt sowie in verfeinerter Form auch in Täbriz, Sarugh, Keschan, Isfahan und gelegentlich sogar in Sivas.
Bei dieser und der nachfolgend aufgeführten Bindung werden die Kettfäden besonders stark gestaffelt. Die Schichtung der Kettfäden und somit auch die des Knotens kann fast 90 Grad erreichen.
In der Kirman-Bindung (Knoten As 3 und As 4) werden der erste und dritte Schuss gerade ein-getragen. Sie bestehen meist aus Baumwolle und sind dick und gut verzwirnt. Der mittlere oder zweite Schuss ist dünn und wird wellenförmig eingelegt. Auch er ist meist aus Baumwolle, hie und da aber auch aus Seide (vgl. Fig. 17). Diese Bindung wurde bei frühen, sehr feinen persischen Manufaktur- oder Hofteppichen angewandt; sie ist heute im Kirman-Gebiet immer noch üblich.
c) In der Hamedan-Bindung (Knoten Sy 1) wird normalerweise ein einziger, dicker, schwach ver-zwirnter Schuss aus Wolle oder Baumwolle gerade eingetragen. Gelegentlich können es auch zwei oder mehr Schüsse sein, die dann aber im gleichen Fach liegen. Jeder zweite Kettfaden wird dadurch sichtbar nach unten und der benachbarte Kettfaden nach oben gedrückt. Auf diese Weise verschwindet dieser unter dem Schuss. Der nach der nächsten Knotenreihe folgende Schuss hebt die vorher nach unten gedrückten Kettfäden nach oben, und die vorher nach oben gehobenen Kettfäden werden wieder nach unten gedrückt (v gl. Fig. 18). Diese Bindung ist im Hamedan-Gebiet allgemein üblich; sie ist nach ihm benannt worden. In Westpersien ist sie weit verbreitet.
Flor
Knüpf- oder Florfäden: Geknüpft wird fast aus-schliesslich mit Schafwolle, die von elastischer, widerstandsfähiger Qualität (Schulter- und Flanken-wolle) sein muss, damit der Florfaden sich stets wieder aufrichtet "Sprung". Die Wolle sollte daher sorgfältig sortiert werden. In manchen Knüpferei-betrieben verarbeitet man heute allerdings alle Wollqualitäten unsortiert.
In einigen türkischen und turkmenischen Teppi-chen erscheint, wegen ihres blendenden Weisses, auch Baumwolle. Sie wird aber nur in einzelnen Partien und nur spärlich verwendet, denn sie ist wegen ihrer Neigung zum Verfilzen als Knüpffaden weniger geeignet.
Seide kommt teilweise bei chinesischen Teppi-chen sowie manchmal auch bei persischen und türkischen Teppichen vor. Bei turkmenischen Te-ppichen kann man in Seide geknüpfte Details antreffen.
Die Knüpffäden bestehen fast immer aus zwei (seltener drei und mehr) ungezwirnten Fäden, die lose miteinander verdreht sind, damit die Knüpferin die Fäden nicht zwei- oder dreifach nehmen muss und damit ihren Zeitaufwand reduzieren kann. Sie werden höchstens schwach verzwirnt, denn sie müssen sich auf der Teppichoberfläche zu kleinen Faserbüscheln öffnen. Stark verzwirntes Knüpfgarn ergibt eine "krisselige" Teppichoberfläche.