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27 Experten der Ausgabe 2019 der «Francophonies de l'Innovation Touristique» befassten sich während 3 Tagen mit den Rahmenbedingungen für «die Aufnahme von Innovation in einem touristischen Gebiet». Sie stellten sich dabei die Frage, ob man das Ganze nicht in eine Formel bringen könnte.
Eine Gruppe von 27 französischen, belgischen, aus der kanadischen Provinz Quebec stammenden und schweizerischen Fachleuten traf sich im vergangenen Juli während der Francophonies de l'Innovation Touristique für einige Tage in Montreal. Im Anschluss an die bereits 2017 in Sierre begonnenen Arbeiten zu den Innovationsfaktoren konzentrierten sich die Diskussionen in diesem Jahr auf die Rahmenbedingungen, die geeignet sind, die Innovation im Tourismus in einer Region zu fördern.
Mehrstündige Brainstormings und Diskussionen führten zu folgender Formel:
WR < PM x HV x ES = MI
Mit anderen Worten: Die Mobilisierung für Innovation(MI) muss stärker sein als der Widerstand gegen Veränderungen (WR).MI in einem Gebiet steht in Abhängigkeit von 3 Hauptelementen: 1) Die Fähigkeit des Gebiets, seine eigenen Probleme und Möglichkeiten (PM) zu erkennen. 2) Seine Fähigkeit, eine Haltung und Vision zugunsten von Innovation (HV) zu entwickeln. 3) Seine Bereitschaft, einen ersten Schritt zu unternehmen (ES), indem es sich beispielsweise bereit zeigt, zu einem Experimentierfeld zu werden.
Erläuterung der Formel:
1. (PM) Problemstellungen und Möglichkeiten
Der Innovationsprozess muss von Anfang an von einer adäquaten Fragestellung begleitet werden:
1. Festlegung des Rahmens und Definition des wirtschaftlichen und sozialen Umfelds: Ermittlung der Problemstellungen, Erwartungen und Potenziale
Welche Probleme gibt es in meiner Destination? Wie gross ist das Entwicklungspotenzial meines Gebiets? Was sind meine Ziele in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung? Sollte die Innovation meinen Bedürfnissen und/oder denen der Akteure in meinem Gebiet entsprechen?
🤔 Zur Klärung dieser Fragen wird empfohlen, interne und externe Diagnosen durchzuführen, um die Bedürfnisse der Interessengruppen z. B. durch Konsultationen, Interviews und Umfragen zu ermitteln.
2. Die Kundennähe nicht aus den Augen verlieren: Identifizierung von Erwartungen und Bedürfnissen.
Meistens ist der Kunde im Mittelpunkt der Zielscheibe.
🤔 Um sicherzustellen, dass Innovationen einem tatsächlichen Bedürfnis der aktuellen und/oder potenziellen Kunden entsprechen, ist es wichtig, deren Verhalten und Erwartungen zu identifizieren. Umfragen und Kommentare, die online gestellt werden, unterstützen die weiteren Analysen.
3. Die Umwelt mit Monitoring und Benchmarking analysieren
Existiert das innovative Projekt bereits in einem anderen Gebiet? Könnte ich vom Feedback profitieren? Werde ich das Rad nicht neu erfinden?
🤔 Um vollständig in die Umgebung einzutauchen und sich möglicherweise von anderen Praktiken inspirieren zu lassen, ist es notwendig ein Wissensportfolio zu entwickeln, um über die Entwicklungen durch Monitoring oder Studien/Benchmarks (Produkte, Dienstleistungen, Wettbewerb, Zielmarkt usw.) informiert zu bleiben.
4. Einstieg in einen prospektiven Ansatz: Sich Szenarien vorstellen
🤔 Sich die Zukunft seines Reiseziels vorstellen, das heisst die touristische Aktivität in Funktion von gesellschaftlichen Umbrüchen durch fiktive Designszenarien und Workshops erkennen.
2. (HV) Haltung und Vision
1. Anerkennung des eigenen Gebiets als ein Gebiet der Innovation
Der Privatsektor ist am häufigsten die treibende Kraft für Innovationen im Tourismus. Je nach Gebiet variiert der Grad der Beteiligung und Proaktivität bei der Aufnahme von Innovationen. Drei Haltungen können identifiziert werden:
- Diejenigen, die man als "Opportunisten" bezeichnen könnte, die eine Chance zur Innovation nutzen.
- Die "Vernetzungs-Experimentierer" setzen verschiedene Massnahmen zur Innovationsförderung um, indem sie das Netzwerk der Unternehmer in der Region leiten oder Experimente positiv begrüssen.
- Für die "Freiwilligen" ist Innovation eine Achse der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine konkrete Politik und Ressourcen werden für die Gründung innovativer Unternehmen und Projekte umgesetzt.
🤔 Wie kann man die eigene Haltung erkennen? Es muss der aktuelle Stand der Mittel zur Innovationsförderung durch eine Diagnose bewertet werden. Die Referenten ziehen eine Skala in Betracht, die es dem Gebiet ermöglichen würde, die Skala bei dem eigenen Grad der Progression anzusetzen. Beispiel (auf französisch):
2. Definition einer Vision für das Gebiet
Welche Vision soll die Tourismusentwicklung bekommen? Ist diese Vision transversal und integriert sie die anderen Akteure? Steht die eigene Vision im Einklang mit der aktuellen Haltung (Opportunist, Connector, Freiwilliger) oder derjenigen, die gesucht wird?
🤔 Um eine möglichst breite Unterstützung zu erhalten, muss die strategische Vision gemeinsam, im Einklang mit den Werten und der Identität des Gebiets entwickelt werden.
3. Umsetzung eines Aktionsplans
Wie ist der Aktionsplan? Über welche Zeitspanne läuft er? Mit welchen Ergebnissen? Welche Ressourcen sind nötig?
🤔 Es muss ein Aktionsplan mit präzisen und messbaren Zielen erstellt werden. Wichtig ist zudem, dass die verschiedenen Rollen und Verantwortlichkeiten im Projekt klar definiert sind.
3. (ES) Erste Schritte
1. Aktivierung eines Managementmodells
🤔 Führung und Mobilisierung durch Identifizierung der Innovationsträger. Aufbau einer kollektiven Struktur zur Koordination von Innovationen (vertrauenswürdige Dritte), Identifizierung der zu mobilisierenden Fähigkeiten (Rekrutierung, wenn nötig).
2. Stimulierung des territorialen Ökosystems
🤔 Führung des Territoriums und Vermittlung von Impulsen für innovative Ansätze, indem Seminare, Workshops zur Ko-Kreation oder Ko-Idee und der Empfang organisiert werden. Präsentation einer vertrauenswürdigen Drittperson, die in ständigem Kontakt mit Destinationen, Unternehmen und Inkubatoren steht.
3. Begleitung/Konzeption
🤔 Strukturierung und Konsolidierung des Projekts durch Feinabstimmung der Spezifikationen, z. B. mit «design thinking».
4. Konkrete Experimente
🤔 Empfang und Niederlassung von innovativen Projekten oder Start-ups. Exkubation von "reifen" Projekten durch Feldversuche oder Inkubation eines neuen Projekts zur Verfeinerung des "Proof of Concept" und der Experimentierung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entwicklung der touristischen Innovation in einem Gebiet von folgenden Aspekten abhängig ist:
- einem anregenden Umfeld mit Zugang zum Wissen
- Begegnungen
- einer Idee/einer Vision, die oft von privaten Initiativen getragen wird
- der Aufnahmefähigkeit und Proaktivität der Behörden für Innovationen
- dem Experimentieren mit innovativen Lösungen und Prozessen (nicht nur technologisch!) von Reisezielen.
- einem Schritt zur Seite... ("Ja, packen wir an, versuchen wir, es anders zu machen")
- Nachsicht mit sich üben, indem man sich den Misserfolg erlaubt, um so wieder innovativ werden zu können...