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Aus der Geschichte des Kantonalverbandes
(Auszug aus der Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum)
Bereits 1916 hat eine Untersuchung der Seebecken im Kanton gezeigt, dass in 543 Seen keine Fische vorhanden waren. Es wurde beschlossen die Seen mit Jungfischen zu bewirtschaften. Die vorgenommenen Versuche in Hochgebirgseen haben durchwegs gutes bis vorzügliche Resultate gebracht. Es hat sich erwiesen, dass für den Besatz dieser Seen am besten die Regenbogenforelle geeignet ist. Als Fischfeinde wurden in den Anfangsjahren namentlich erwähnt: Wasseramsel, Wildenten, Fischotter und Wassermaus. Für den Erfinder einer gut funktionierenden Falle zum Fangen der Wassermaus wurde eine Prämie ausgesetzt. Es ist aber nicht aufgeschrieben, ob je eine Prämie ausbezahlt werden musste. Für einen Fischotter wurde eine Prämie bezahlt!
Wie würde es heute aussehen, wenn wir für das Abschiessen von Graureiher, Kormoran und Gänsesäger eine Prämie in Aussicht stellen würden?
Auszug aus dem Gründungsprotokoll
Auszug der ersten Statuten
Auszug aus dem Gründungsprotokoll von 23. April 1905. Auszug aus den Statuten vom 19. Dezember 1915.
1918/19 bestand der Kantonalverband aus 7 Sektoren mit 310 Mitgliedern und 15 Einzelmitgliedern. Angesichts der ausserordentlichen Zeitumstände wurde auf die Abgeordnetenversammlung ausnahmsweise verzichtet. 1921/22 wurde aus Spargründen auf die Abgeordnetenversammlung verzichtet.
Aus den Jahresberichten ist zu entnehmen: Arosa setzt den Fischverkaufspreis durch Vereinsbeschluss fest. Unter demselben darf kein Mitglied seinen Fang verkaufen.
Chur hat eine Fischhandelszentrale, die sich durchaus bewährt. Es wurden 783.75 kg Fisch umgesetzt. Auch ein Besatzversuch mit Regenbogenforellen – Sömmerlingen im kleinen Pradaschiersee oberhalb Churwalden wurde vorgenommen.
Poschiavo hat beschlossen eine Fangstatistik zu Führen.
Die Vereinsbibliothek umfasst zurzeit 58 Büchernummern. Die langen Winter- und Wartezeit kann durch solch ein Studium sehr vorteilhaft ausgenützt werden.
1921 wurden in den öffentlichen Gewässern des Kantons Graubünden 59’000 Stück Jungbrut und 44’320 Sömmerlinge ausgesetzt.
Der Verkauf von 1324 Fischereipatenten gab einen Ertrag von Fr. 24’601.50.
1922/23 Einsatz von Kanadischen Saiblingen (Namaycush) im Muntalla, Flixer und Grünsee, sowie im Teich von Rietberg.
1924 Der Fischbestand im Unterengadin ist sehr schlecht, Meldungen durch FV Unterengadin. Die Churer Fischer konnten in der Fischzentrale 1’637 kg Fische, mit einem Verkaufspreis von Fr. 8.25 pro kg verkaufen!
1925 wird im Jahresbericht der Sektion Unterengadin der Fang eines Fischotters von 11 kg und einer Länge von 1.5 m gemeldet. Dem Fänger wird aus der kantonalen – Kasse eine Prämie von Fr. 20.- bezahlt.
1928 Im Kanton sind 3 Fischbrutanstalten im Betrieb. Es sind dies: Klosters, Sils i.D. und Trun. Letztere gilt nach dem Umbau punkto Einrichtung und Ausbau als eine der modernsten Brutanstalten der Schweiz. Im Weiteren macht die Kehrichtabfuhr negative Schlagzeilen. Es kommt immer noch vor, dass feste Gegenstände in die Gewässer geworfen werden.
1932 Es wird vom Rheinlankenfang berichtet. C. Heinz von Sils i.D. hat 22 Stück mit einem Gewicht von122 kg und A. Caviezel von Trun, 228 Stück mit einem Gewicht von 866 kg gefangen. Die Fischer werden in Sils und Trun ausgebrütet. In der Aufzuchtanlage Sils konnte im Herbst ein Fischotter erlegt werden!
1934 Am 14. Februar 1934 teilt das Justiz – und Polizeidepartement mit, dass für Erlegung von Fischottern Fr. 30.- bezahlt werden. Die Kollegen Balzarini in Cama und Jochum in Poschiavo werden vom Kantonalvorstand zusätzlich Fr. 10.- zugesprochen. Seit 1925 hat Kollege Balzarini seinen 20. Fischotter erlegt. Ferner wird den Sektionen Disentis und Davos kundgetan, dass im Herbst genügend Bachsaibling – Sömmerlinge ausgesetzt werden können.
1935 Der Kantonalverein hat nun bereits 12 Sektionen mit 602 Mitgliedern verteilt über den ganzen Kanton.
1937 Der Jahresbeitrag wurde auf Fr. 1.50 festgesetzt, um der Kantonal – Kasse mehr Einnahmen zuzuführen. Eine heikle Sache war die Revision des Fischereigesetztes, das zur Abstimmung vor das Volk zu gelangen hatte. Das neue Gesetz wurde vom Volk mit Wucht verworfen. Aus dem Jahresbericht vom FV Albula ist zu entnehmen, dass Fischotter bis zum Bergünerstein vorkommen. Im Weiteren sind Frevelfälle durch Schulkinder in Surava durch den Aufseher festgestellt worden. In die Bündner Gewässer sind in diesem Jahr Total 221’339 Sömmerlinge und 258’000 Dotterfische eingesetzt worden.
1939 Der anfangs September zwischen unseren Nachbarländern ausgebrochene Krieg erfordert die Generalmobilisation unserer Armee. Auch die meisten Fischer mussten die Angelrute mit dem Gewehr tauschen. Die Aktivitäten der Vereine wurden sehr eingeschränkt. Der Fischbestand im Kanton wird mehrheitlich als sehr gut bezeichnet.
1941 Infolge des Krieges und der steigenden Mangel an Lebensmittel hat das Eidgenössische Kriegsernährungsamt eine Verfügung über die Regelung des Süsswasser – Fischmarktes herausgegeben. In diesem Jahr sind 71 Übertretungen des Fischereigesetzes angezeigt worden. War dies eine Folge des Krieges?
1942 Eine Expertise der Herrn Fehlmann und Vouga zur Verbesserung der Fischerei im Kanton bringt eine ganz Liste von Massnahmen. Es sind dies:
Schaffung einer Stelle eines Kantonalen Fischereiverwalters.
Jedes Flussgebiet muss einzeln bearbeitet werden.
Die Mitarbeit der lokalen Fischerei – Vereine ist unerlässlich.
Weiterbildung der Fischereiaufseher.
Ausbau der bestehenden Brutanstalten und Schaffung neuer in wirtschaftlich günstigen Gegenden.
Einführung einer Fangstatistik in den kommenden Jahren! Es hat nur 60 Jahre bis zur Einführung der Statistik gedauert.
Gesetzliche Grundlagen schaffen, sowie Einsatz und Züchtung der in einzelnen Gewässer vorkommenden Fischarten (Äsche, Regenbogenforelle, Rheinlanke).
In diesem Jahr sind Total 3’641 Patente mit einem Erlös von Fr. 67’527.- verkauft worden.
1943 Es ist festgehalten, dass die Äsche bisher nur im unteren Teil des Inn vorkommt. Heute ist im Oberengadin die höchst gelegene Äschenpopulation von Europa. der Kantonalverein hat bereits 20 Sektionen mit 775 Mitgliedern.
1947 Aus den Fischereibetriebsvorschriften ist folgendes zu entnehmen. Fangmass für Forellen und Saiblingen 22 cm, Äsche 25 cm. Im Weiteren ist in den meisten Regionen die Fischerei vom 16.4. an erlaubt. ein genaueres Studium der Vorschriften war aber nötig. Schontage, Beginn der Fischerei in Bergseen sehr unterschiedlich etc. Auch wird schon heftig in den Jahresberichten Werbungen gemacht. Eine Rute aus Bambus 4 x 1.25 m Fr. 19.60 Weitwurfrollen „Salmo + Blitz“ Fr. 38.- + 45.-.
Calanda-Werbung
Calanda-Werbung in den Betriebsvorschriften von vor 60 Jahren.
1952 In diesem Jahr wurde erstmals 2’300’000 Eier aus dem Laichfischfang gewonnen. Sie wurden in den Fischzuchten Trun, Klosters, Splügen, Cantone, Müstair und Norantola ausgebrütet.
1953 Im Jahresbericht des Kantonalpräsidenten wird von den Problemen der Kraftwerksbauten berichtet. In wenigen Jahren sind eine ganze Anzahl von Fliessgewässern durch Kraftwerksbauten zum Teil für die Fischerei geschädigt worden. Auf der anderen Seite ist im verflossenen Jahr die Zahl der Petri – jünger nochmals erheblich angestiegen.
1956 Aus den Jahresberichten der Sektionen ist zu entnehmen, dass der Fischbestand mehrheitlich schwach bis befriedigend ist. Hochwasser und Überfischung. Dem Kantonalverein sind angeschlossen: 21 Sektionen mit 1059 Mitgliedern.
1957 Bau der Brutanstalt St. Moritz.
1959 Wieder einmal sind 2 Vereine bereit, die Delegiertenversammlung durchzuführen. In schriftlicher Abstimmung wird den Puschlavern die DV 1960 zugesprochen.
1963 Die Revision des neuen Fischereigesetzes wird von den Vereinen rege benützt. Es kommen viele Vorschläge. Wiederhaken + Watverbot aufheben, Fangzahl freigeben usw.
St. Moritz will die Fischerei schon ab 12 Jahren erlauben, unter 16 Jahren aber nur in Begleitung eine verantwortlichen und ausgewiesenen „Petri – Jüngers“.
1968 Das Neue vom Bündner – Stimmvolk angenommene Fischereigesetz wird bis ans Bundesgericht bekämpft.
1971 In den 70er Jahren machen die zunehmenden Wasserverschmutzung und ungenügende Restwasser der Fischerei im Kanton immer mehr Probleme. Zum ersten Mal wird ein kantonales Wettfischen durchgeführt.
1972 Am kantonalen Wettfischen in St. Moritz haben 123 Fischerinnen und Fischer teilgenommen. Gefangen haben sie 166 Fische mit einem Gewicht von 31.370 kg,
1972 sind im Kanton Total 9183 Patente verkauft worden.
1974 In den Kantonalen Brutanstalten sind ca. 1’000’000 Jungfische aufgezogen und mit Hilfe der Fischereivereine in die Gewässer ausgesetzt worden. dem Kantonalverein sind nun bereits 33 Sektionen beigetreten.
Im weiteren Verlauf der 70er Jahre wurde der Aufzucht, und Einsatz von Jungfischen grösste Aufmerksamkeit geschenkt. Mehrheitlich beklagen sich die Vereine über schlechte Fischereiverhältnisse.
1979 Grosse Wellen wirft das Kraftwerksprojekt Ilanz 1 + 2. Trotz Beschwerde bis vor Bundesgericht sind die Anlagen gebaut und in Betrieb genommen worden.
1980 Bereits folgt ein weiteres Übel für die Fischerei. Der Kanusport wird an vielen Orten zum Problem. Dem folgt die Touristische Nutzung River – Ravting und Hydrospeed.
1981 An der DV wird entschieden auf das kantonale Wettfischen zu verzichten.
1984 Auch der Kanton Graubünden sammelt kräftig Unterschriften für die Volksinitiative zur Rettung unserer Gewässer. mit der Annahme des Gesetzes 1992 und der Umsetzung desselben ist es nicht zum Besten bestellt.
Daher hat der SFV im Jahr 2005 eine neue Initiative „Lebendiges Wasser“ ins Leben gerufen.
Auch wir Bündner Fischer unterstützen das Vorgehen des SFV. Es geht um die Zukunft der Fischerei.
1988 Auf Grund der Hochwasser 87 ist der Tagesfang von 10 Edelfischen auf 6 Stück, zum Schutz des Fischbestandes herabgesetzt worden. Auch wird zu dieser Zeit bereits über eine Jungfischer – Ausbildung verhandelt. Es hat aber noch einige Jahre gedauert bis die Ausbildung Tatsache geworden ist. Heute sind die Jungfischer – Kurse im Kanton sehr gut besucht. Waren es in den Jahren 1940-70 Kraftwerksbauten, Wasserverschmutzung und auftretende Fischkrankheiten die den Fischbeständen zugesetzt haben, sind es heute die veränderte Strom – Produktion der Kraftwerke (Sunk und Schwallbetrieb) aber auch vielerorts zu kleine Restwasser und das Spülen von Stauseen und Staubecken. Vergessen dürfen wir nicht: Graureiher, Kormoran und Gänsesäger.
Ich hoffe, Ihnen beim Lesen der Geschichte des Kantonal – Verbandes einiges aus alter Zeit zu vermitteln. Mögen Sie staunen, was in all den Jahren in unserem Kanton gemacht worden ist.
ich glaube fest daran, dass es den Kantonalen – Fischerei – Verband Graubünden auch in weiter Zukunft noch gibt.
Mit einem Petri – Gruss
Kantonalpräsident R. Gerhard
Die Kantonal-Präsidenten seit 1905 und ihre Amtsdauer
1906 – 1915 Prof. Florin A., Chur
1916 – 1922 Grass Christian Chur
1923 – 1925 Dicht Christian Davos
1926 – 1930 Lepori A. Davos
1931 – 1933 Färber Anton Chur
1934 – 1939 Solèr Anton Chur
1940 – 1942 Zala-Pozzi R. Poschiavo
1943 – 1945 Bärtsch Christian Chur
1946 – 1948 Nett Valentin Chur
1949 – 1951 Lendi Christian Chur
1952 – 1957 Hössli Christian Splügen
1958 – 1963 Krättli Christian Chur
1964 – 1969 Campell Riet Chapella
1970 – 1975 Balzer Beny Alvaneu Bad
1976 – 1978 Wunderli Gaudenz Chur
1979 – 1984 Bieler Erwin Bonaduz
1985 – 1990 Hirschi Hans Samedan
1991 – 2002 Domeni Felix Trin Mulin
2003 – heute Gerhard Rudolf Bergün