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„Dans la nuit“ – „Cinq Poèmes d’Henri Michaux“ (2010)
Bekenntnismusik muss nicht wie ein bedeutungsschweres Bekenntnis klingen, nicht wortreich, nicht pathetisch, nicht überladen. Wer Hans Ulrich Lehmanns Abneigung gegen das Laute und die übergrosse, pathetische Geste kannte, wusste doch, wie wichtig ihm das „espressivo“ war, das sich in der Melodie, im Leisen und in der Nüance äusserte und nur selten, aber umso heftiger ins grelle Laute ausbrach. Darin verbarg sich ein Bekenntnis der innigeren Art. Er wählte dafür später gern die verknappte Gedichte, von e.e.cummings etwa oder hier in „Dans la nuit“ vonHenri Michaux. Diese Texte sprechen in schlichten und klaren Worten aus, was ebenso schlicht und klar in den Tönen angedeutet wird: die Einsamkeit und den im Nichts verhallenden Ruf; den Lärm, dem die Stimme ihren Lärm entgegenstellt; das Komponieren, in dem das Übel ertränkt werden soll; die Stille, die in ihm überhand nimmt, die Nacht, mit der er eins wird. Kein Versteckspiel, keine Gewundenheit, keine Verschlüsselung ist in diesem späten Werk von 2010 für Sopran, Klarinette, Violoncello und Perkussion zu finden. Wesentliches ist – vielleicht ein letztes Mal? – zum Ausdruck gebracht, unmittelbar: Es soll nochmals gesagt werden, es wird gesagt.