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|Fürst Hans Ulrich von Eggenberg

Biografie, Biographie
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Artikel vom 27. September 2003
Die Biografie von Hans Ulrich Eggenberg (1568-1634)
Ursprung und Herkunft der Familie Eggenberg lassen sich nicht mit Sicherheit nachweisen. Klar ist jedoch, dass die Eggenbergs im 16. Jahrhundert nicht zum historischen Adel der seit Jahrhunderten in der Steiermark eingesessenen Familien gehörten. Der erste urkundlich nachweisbare Vertreter war Ulrich Eggenberg (Ulreich Egkenperger), der 1432 als Ratsbürger und Stadtrichter in Graz erwähnt wird. Damals gab es zwei Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs, erfolgreichen Kriegsdienst oder Geldgeschäfte und Güterspekulationen. Die Familie Eggenberg sollte durch ihr grosses kaufmännisches Talent zu Ansehen und Wohlstand kommen.
Hans Ulrich von Eggenberg stieg in der Frühphase des 30jährigen Krieges (1618-1648) als Diplomat und Vertrauter von Kaiser Ferdinand II. zur neben Wallenstein einflussreichsten Persönlichkeit des Habsburgerreichs auf.
Hans Ulrich wurde 1568 in Graz als eines von vier Kindern von Seyfried von Eggenberg zu Eggenberg und Herbersdorf (1526-1594) geboren. Der Vater soll angeblich bereits 1555 Bürgermeister von Graz gewesen sein, was allerdings nicht direkt belegt ist.
Hans Ulrich Eggenberg ging 1583 an die protestantische Universität Tübingen, ein Zentrum der reformatorischen Bewegung und Zufluchtsstätte religiöser Freidenker. Die nächsten zwölf Jahre des Lebens von Hans Ulrich bis 1595 sind nur schlecht belegt. Es ist nicht bekannt, bis wann er in Tübingen studierte und ob er die Studien abschloss. Es gilt jedoch als sicher, dass er sich danach durch ausgedehnte Reisen in die Niederlande, nach Spanien und Italien weiterbildete und dank der so erworbenen Sprachkenntnisse seine späteren diplomatischen Missionen mit Geschick durchführen konnte.
Beim Tod seines Vaters 1594 kehrte Hans Ulrich nach Graz zurück, um die Sicherung und Verwaltung seines Erbes zu übernehmen. Nach einigen Monaten in Diensten der protestantischen Stände erkannte Eggenberg, dass sich die Zeiten geändert hatten und eine Karriere nur im Hofdienst möglich sein würde. Wahrscheinlich gelang ihm dank der Vermittlung seines Vetters, des erfolgreichen Generals Ruprecht von Eggenberg, der Einstieg in den Hofdienst.
Noch vor diesem Schritt trat Eggenberg zum katholischen Glauben über, denn Ferdinand (Erzherzog seit 1590, Regent ab 1595, Kaiser von 1619-37) verfolgte eine kompromisslose Haltung gegenüber den innerösterreichischen Protestanten. In der Folge unterstützte Hans Ulrich die rigoros gegenreformatorische Politik seines Herrn. Selbst Mitglieder von Eggenbergs Familie mussten, wie alle lutherisch gebliebenen Adligen, das Land verlassen.
1598 brach Hans Ulrich im Gefolge des jungen Ferdinand zu einer Pilgerreise nach Maria Loreto bei Ancona auf, wo es zu einer Begegnung mit Papst Clemens VIII. kam. Noch im selben Jahr wurde er zusammen mit seinem Vetter Ruprecht von Eggenberg, der bei Sisseg erfolgreich gegen die Türken gekämpft hatte, vom Kaiser in den Freiherrenstand erhoben.
Die nächste Reise unternahm Hans Ulrich im Gefolge der Erzherzogin-Mutter Maria nach Ferrara, wo Margarethe, eine Schwester Ferdinands, mit dem spanischen König Philipp III. vermählt wurde. Danach ging die Reise weiter nach Spanien.
Von seiner Mutter übernahm der junge Erzherzog Ferdinand die Gepflogenheit, sich in allen wichtigen Fragen vom zehn Jahre älteren Hans Ulrich beraten zu lassen. Eggenberg wurde bald zu seinem engsten Freund und Vertrauten - und blieb es ein Leben lang.
1598 heiratete Hans Ulrich eine Tochter des Erblandjägermeisters Conrad von Thannhausen, Sidonia Maria. Der Schwiegervater war am Hof vom Vater Ferdinands, Erzherzog Karl II., eine einflussreich Persönlichkeit gewesen, die vor allem bei der streng katholischen Erzherzogin Maria, der Gemahlin von Karl II., in hohem Ansehen stand.
Für adlige Ehen jener Zeit war jene von Hans Ulrich und Sidonia insofern ungewöhnlich, als sie durch eine tiefe und lebenslange Liebe verbunden war. Sidonia verstarb 1614. Noch sechs Jahre später liess Eggenberg von Pietro de Pomis eine Medaille mit dem Doppelportrait der Gattin und dem Motto "Nec morte solvetur" (Durch den Tod nicht gelöst) anfertigen. Die Gattin brachte vier Töchter sowie den Erben Johann Anton zur Welt. Nach dem frühen Tod Sidonias blieb Hans Ulrich trotz der mit nur einem Sohn schwach abgesicherten Erbfolge den Rest seines Lebens unvermählt.
Auf Grund seiner profunden Spanischkenntnisse und seines Verhandlungsgeschicks wurde Eggenberg 1605 nach Barcelona und Madrid entsandt, wo er die Einstellung des Königs zu einem geheimen Abkommen der Erzherzoge in Fragen der allmählichen Entmachtung Kaiser Rudolfs sondieren sollte. Die intriganten Gepflogenheiten am spanischen Hof widerstrebten ihm, doch Kunst und Kultur beeindruckten ihn. Das Schlug sich nicht nur in seinen literarischen Vorlieben nieder, sondern bei seinem Projekt des Neubaus einer fürstlichen Residenz in Eggenberg dienten ihm Palladio und Oberitalien sowie vor allem das Kloster El Escorial Philipps II. als wichtigstes Modell.
Eggenbergs Aufstieg führte ihn nicht nur zu Missionen ins Ausland. Ab 1602 wurde er als Konsulent zu den Sitzungen des Geheimen Rates zugezogen und im selben Jahr zum Landeshauptmann von Krain bestellt. Ende 1603 wurden ihm die Aufgaben des Präsidenten der Hofkammer übertragen, was dem Amt eines innerösterreichischen Finanzministers entsprach.
Im später als "Bruderzwist im Hause Habsburg" bekannt gewordenen Konflikt zwischen Kaiser Rudolf II. und seinen Verwandten, insbesondere seinem Bruder Matthias, konnte Eggenberg durch seinen Rat einen bewaffneten Konflikt vermeiden helfen. Ferdinand hatte in Abwesenheit von Eggenberg unvorsichtigerweise ein Geheimdokument der Erzherzöge unterzeichnet, in denen sie Matthias als Nachfolger von Rudolf II. anerkannten. Das missfiel Eggenberg, der Ferdinand erfolgreich riet, sich mit beiden Seiten zu bereden.
Nach dem Tod von Erzherzogin Maria 1608, die in Abwesenheit ihres Sohnes die Regierungsgeschäfte getätigt hatte, stieg die Bedeutung Ferdinands wie auch Eggenbergs weiter.
1608 musste Rudolf II. die Erblande und Mähren an Erzherzog Matthias abtreten, der im November jenen Jahres zum König von Ungarn ernannt wurde. Da Erzherzog Ferdinand auf Anraten Eggenbergs seit dem Bruderzwist neutral geblieben war, wurde er nun von König Matthias als Vermittler kontaktiert. Der Kaiser wurde langsam entmachtet. 1611 wurde sein Bruder König von Böhmen und nach Rudolfs Tod im folgenden Jahr auch Kaiser.
Da Kaiser Matthias keine leiblichen Nachkommen hatte, sollte Eggenberg nun die Nachfolgerfrage im Sinne von Ferdinand günstig regeln. Doch ein Konflikt mit Venedig kam dazwischen. Da Eggenberg beim Kaiser in Wien nur geringe Waffenhilfe für Ferdinand erwirken konnte, war der Erzherzog auf Albrecht von Wallensteins Hilfe angewiesen. Das Waffenglück blieb den Grazern hold. 1617 wurde in Madrid Frieden zwischen der Republik Venedig und Innerösterreich geschlossen.
1617 wurde Erzherzog Ferdinand auf Empfehlung des Kaisers zum König von Böhmen, 1618 zum König von Ungarn gewählt, woran das diplomatische Geschick von Eggenberg grossen Anteil hatte.
Kaiser Matthias verstarb 1619, woraufhin Ferdinand in Frankfurt einstimmig zum Römischen Kaiser gewählt wurde. In seinem Gefolge befand sich sein neuer Obersthofmeister und Direktor des geheimen Rates, Hans Ulrich von Eggenberg, der nun zum massgeblichen Mitgestalter der Reichspolitik wurde.
Der neue Kaiser und sein Berater Eggenberg wurden sofort mit Problemen und Konflikten konfrontiert. Gefahr drohte von den Türken und Ungarn. Der calvinistische Fürst von Siebenbürgen Bethlen Gabor drohte ganz Ungarn in seine Gewalt zu bringen. Der böhmische Adel erhob sich gegen den Kaiser und verband sich dabei mit dem Pfälzer Kurfürsten Friedrich, dem Schwiegersohn des englischen Königs und Oberhaupt der protestantischen Union. Eggenberg gelang es, in letzter Minute einen von Friedrichs Minister Christian von Anhalt angezettelten Aufstand in der Steiermark zu verhindern.
Herzog Maximilian von Bayern, der letzte mächtige katholische Verbündete, verlangte für seine Hilfe nicht nur vollen Kostenersatz, sondern auch mehrere Ländereien innerhalb der österreichischen Erblande. Ferdinand versprach ihm zudem die Einsetzung in den Kurfürstenrang, falls Friedrich von der Pfalz wegen Hochverrats geächtet werden sollte. Mit dem Ulmer Vertrag von 1619 schlossen die katholische Liga und die protestantische Union vorerst einen Nichtangriffspakt. 1610 wurde das Heer Friedrichs von der Pfalz, der sich in der Zwischenzeit die Prager Residenz und Böhmen einverleibt hatte, von den Kaiserlichen in der Schlacht am Weissen Berg geschlagen und Böhmen zurückerobert. Friedrich gelang nur mit Glück die Flucht.
Eggenberg und die kaiserlichen Räte traten danach für eine rigorose Bestrafung der Anführer des böhmischen Aufstands ein. Fürst Karl von Liechtenstein leitete eine Verhaftungswelle ein, die Vermögen der Rebellen wurden grösstenteils konfisziert, die Köpfe der Anführer rollten unter dem Beil des Henkers. Der Besitz der Rebellen wurde an Ferdinands Getreue verteilt, die eine neue, verhasste Oberschicht im Land bildeten. Insbesondere im Fall von Liechtenstein, Wallenstein und Eggenberg wurde von Korruption und Bereicherung gesprochen, nicht zuletzt wegen undurchsichtiger Geschäftspraktiken des Münzkonsortiums. Zu Teil 2 der Biografie.
Quelle: Barbara Kaiser: Landesmuseum Johanneum. Schloss Eggenberg. Lernbehelf für Guides, mit Beiträgen von Thomas Höft, 2001, 191 S.

Schloss Eggenberg. Foto Copyright: Graz Tourismus.
Schloss Eggenberg. Foto Copyright: Graz Tourismus.
Diana mit Pfau im Schlosspark. Foto Copyright: Schloss Eggenberg,
Landesmuseum Joanneum, Graz.
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