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Osteopathie - ein kurzer Überblick
Was genau ist Osteopathie? In welchen Fällen kann Sie helfen? Wie arbeitet eine Osteopathin? In Folge haben wir Ihnen einige Fragen sowie die entsprechenden Antworten zusammengetragen, die Sie allgemein oder im Vorfeld einer allfälligen osteopathischen Behandlung interessieren könnte.
Einen kurzen Überblick über die Osteopathie finden Sie zudem in der kleinen Broschüre des Schweizer Verbands der Osteopathen SVO (PDF-Download >>>).
Oben im Foto abgebildet finden Sie den Begründer der Osteopathie, den amerikanischen Arzt Andrew T. Still.
Was genau versteht man unter Osteopathie?
Die Osteopathie ist eine ganzheitliche und manuelle Medizin, die vor allem der Diagnose und Behandlung von reversiblen Funktionsstörungen dient. Diagnose und Therapie erfolgen dabei auf der Basis von spezifischen osteopathischen Techniken, die mit den Händen ausgeführt werden (manus lat. = Hand).
Dabei basiert die Osteopathie auf drei grundlegenden Prinzipien:
1. Der Mensch ist eine Einheit aus Körper, Geist und Seele.
2. Der Mensch verfügt über Selbstkeilungskräfte. Sind alle Körpersysteme im Gleichgewicht, können sich die Selbstheilungskräfte am besten entfalten.
3. Alle Körpersysteme stehen in direktem Zusammenhang miteinander.
Auf diesen drei Grundprinzipien entwickelte der amerikanische Arzt Andrew T. Still im 19. Jhdt. die Basis der Osteopathie. Er erkannte, dass alle Bestandteile des menschlichen Körpers miteinander in Zusammenhang stehen.
Nach A.T. Still schliesst die Osteopathie das Wissen der Philosophie, der Anatomie und der Physiologie des gesamten Körpers ein und zwar zusammen mit der klinischen Anwendung sowohl in der Diagnostik als auch in der Behandlung. Seine Denkweise und die manuelle Art des Verfahrens wurden später von seinen Schülern übernommen und weiterentwickelt.
Wie verbreitet ist die Osteopathie?
Seit der Eröffnung der ersten Osteopathieschule im Jahr 1892 in den USA stossen die Erfolge der Osteopathie auf reges Interesse. Sprunghaft entwickelt sich die Osteopathie in Amerika weiter.
Seit 1972 ist Osteopathie in allen Staaten von Amerika anerkannt und das Studium mit dem der Medizin gleichgestellt. Der heutige D.O., Doktor der Osteopathie, hat in den USA entweder Medizin studiert und eine Zusatzausbildung erhalten in Osteopathie oder die gesamte medizinische Ausbildung an einer Universität für Osteopathie durchlaufen. Heute existieren in den USA insgesamt 18 medizinische Fakultäten für Osteopathie an den Universitäten und es arbeiten ca. 40'000 Osteopathen in den USA.
Anfang des 20. Jahrhunderts schwappt die Osteopathie-Welle zunächst nach England. 1917 wird die erste Schule für Osteopathie in London gegründet. Das restliche Europa wird erst Mitte des 20. Jahrhunderts auf die Anwendungsmöglichkeiten aufmerksam – allen voran in den Benelux-Staaten und in Frankreich.
In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren erlebt die Osteopathie auch bei uns in der Schweiz - als vergleichsweise noch junge Medizin - einen regelrechten Nachfrage-Boom und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.
Welche konkreten Therapieformen bietet die Osteopathie?
In der Osteopathie unterscheiden wir vier unterschiedliche Therapieformen: Cranio-Sacrale Therapie, Myofasciale Osteopathie, Viscerale Osteopathie und Strukturelle Osteopathie.
1. Cranio-Sacrale Therapie
Das mobile Gefüge von Schädelknochen und Sacrum, verbunden über das unelastische Dualrohr, bilden eine funktionelle Einheit. Störungen in diesem Bereich können weitreichende Folgen für den gesamten Organismus haben (Durchblutung, nervale Steuerung, Lymphfluss).
2. Myofasciale Osteopathie
Spannungen im Körper werden über das Fasziennetz weitergeleitet. Myofasziales Arbeiten wirkt lösend und schmerzlindernd und verbessert so den Abfluss der Stoffwechselrückstände und der Lymphe.
3. Viscerale Osteopathie
Die Mobilität des jeweiligen Organs zu seiner anatomischen Umgebung und der Eigenrhythmus des Organs selbst werden untersucht und behandelt.
4. Strukturelle Osteopathie
Hier werden Techniken ähnlich der Manualtherapie und der Chiropraxie angewandt, welche Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder mobilisieren und korrigieren.
Welche Behandlungsziele verfolgt die Osteopathie?
Alle Systeme des Menschen sind vernetzt und beeinflussen sich wechselseitig. Diese Interaktivität nutzt die Osteopathie, um in den verschiedenen körperlichen Regelkreisen gezielte manuelle Reize zu setzen und so das Individuum in seiner Selbstheilung zu stimulieren.
An sich hat der Körper keine Mühe, kleinere Störungen selbst zu bewältigen, ohne dass man davon etwas bemerkt. Wenn aber die Kompensationsmöglichkeiten des Körpers erschöpft sind (z.B. durch Stress, Unfall, Überlastung, Übergewicht usw.) oder die Bewegung im osteopathischen Sinne eingeschränkt ist, kann dies zur Unterversorgung der Gewebestrukturen und damit zu funktionellen Störungen führen.
Ein Sprichwort besagt: Alles was lebt, bewegt sich. Diesbezüglich ist zum Beispiel der Rhythmus der Lunge und des Herzens allen bekannt, aber auch Darmtrakt, Blut, Nieren, Lymphe, Hirnflüssigkeit und andere haben ihre eigene typische Bewegung. Der Osteopath spürt allfällige strukturellen Beeinträchtigungen mit seinen Händen auf und versucht, diese zu lösen. Wenn ihm das gelingt, normalisieren sich die funktionellen Abläufe im Körper wieder und die Selbstheilungskräfte werden stimuliert und mobilisiert. Damit ist das Leben wieder im Fluss, wie die Osteopathen es ausdrücken.
Ziel der Osteopathie ist daher immer, dieses körperliche Gleichgewicht prophylaktisch zu bewahren oder im Rahmen einer Therapie wiederherzustellen.
Wie arbeitet eine Osteopathin/ein Osteopath?
Die Sitzung beim Osteopathen beginnt mit einer ausführlichen, osteopathischen Anamnese. Zu Beginn einer Behandlung ertastet der Osteopath den gesamten Körper, überprüft die Körperhaltung und sucht nach verminderter Beweglichkeit, Elastizität und Biegsamkeit sowie auffälligen und erhöhten Spannungen.
Mit Fingerspitzengefühl und exakten physiologischen und anatomischen Kenntnissen setzt er im Anschluss daran manuelle Impulse zur bestmöglichen Wiederherstellung der Beweglichkeit und Verbesserung der physiologischen Funktionen des Organismus.
Ziel der Behandlung durch den Osteopathen ist die Wiederherstellung des individuellen Gleichgewichtes im Körper unter Berücksichtigung der parietalen, viszeralen und kraniosakralen Ebene.
Die osteopathische Untersuchung kann u.U. durch medizinische Tests, Röntgenbilder, Labor- und Blutdruckergebnisse, welche der Haus- oder Facharzt erstellt hat, ergänzt werden.
An wen richtet sich die Osteopathie?
Grundsätzlich richtet sich die Osteopathie an Menschen jeden Alters und jeder Konstitution. Besondere Schwerpunkte setzt unsere Praxis bei Säuglingen, Kleinkindern und Babys sowie Frauen während der Schwangerschaft sowie davor und danach.
Wann ist eine osteopathische Behandlung zu empfehlen?
Die Osteopathie dient vordergründig der Behandlung reversibler Funktionsstörungen. In Folge finden Sie eine – sicherlich nicht ganz vollständige – Liste mit Krankheitsbildern, bei denen sich eine osteopathische Behandlung anbietet.
• Im Bereich des Bewegungsapparates
Gelenkprobleme, Verstauchungen, Sehnenentzündungen, Schleudertraumen, Anspannungen, Tennisarme, Golferellenbogen, Folgen von Arthrose, Haltungsstörungen, bestimmte Meniskusläsionen, andere Verletzungsfolgen…
• Im Rückenbereich
Hexenschuss, Kreuzschmerzen, Ischias, Schiefhals, Zervikalgien, Zervikobrachialsyndrom, Rückenschmerzen, Interkostalneuralgie…
• Im Schädel- und HNO-Bereich
Migräne, Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen, Nasennebenhöhlenentzündungen, chronische Mittelohrenentzündungen, Tinnitus, kindliche Nasenrachenbeschwerden, Schwindelgefühl, Trigeminusneuralgie, bissregulierende Massnahmen, kieferorthopädische Leiden und Kiefergelenkprobleme
• Im Verdauungssystem und internistischen Bereich
Einige Arten von Verstopfung und Durchfall, Hiatushernien, Verdauerungsstörungen, Sodbrennen, funktionelle Darmerkrankungen, Völlegefühl, Organsenkungen, nach Operationen bzgl. Narbenbehandlung und Verwachsungen, bei funktionellen Herzbeschwerden, Nierenprobleme, Prostatabeschwerden, Blasenentzündungen, Inkontinenz…
• Im gynäkologischen Bereich
Betreuung während und nach der Schwangerschaft, Illiosakralbeschwerden, Menstruationsschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, klimakterische Beschwerden, Infertilität, Vernarbungen und Verwachsungen nach OPs im Bauchbereich…
• In der Pädiatrie (Säuglinge, Kleinkinder und Kinder)
Schädel- und Gesichtsverformungen in Folge der Geburt, Behandlung von Spuckkindern, Schiefhals, KISS-Syndrom mit Assymetrien, Haltungsinsuffizienz, Regurgitationen, Schlafstörungen, Zahnstellungsfehler, Allergien, Bauchweh, Koliken, Skoliosen, Hüftdysplasien, Plagiozephalien, Bindehautentzündungen, bei Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, Hyperaktivität…
Wichtiger Hinweis: Sollte eine Behandlung seitens der Osteopathie nicht möglich sein, werden wir Sie gerne an kompetente medizinische Fachleute weiterleiten.