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Mehr als die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer betrachten den Antisemitismus als ernst zu nehmendes Problem. Dies besagt eine Umfrage des gfs-Forschungsinstituts, deren Resultate am Mittwoch (15.03.) in Bern vorgestellt wurden.Dieser Inhalt wurde am 15. März 2000 - 20:00 publiziert
Mehr als die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer betrachten den Antisemitismus als ernst zu nehmendes Problem. Dies besagt eine Umfrage der Schweizerischen Gesellschaft für praktische Sozialforschung (gfs), deren Resultate am Mittwoch (15.03.) in Bern vorgestellt wurden.
Wie der Leiter des gfs-Forschungsinstituts, Claude Longchamp, an der Medienorientierung erklärte, müssen 16 Prozent der Befragten als antisemitisch eingestuft werden. Zu dieser Gruppe, die findet, der Einfluss der Juden auf der Welt und in der Schweiz sei zu gross, gehören viele Männer über 65 Jahren und Anhänger der Schweizerischen Volkspartei SVP. Von den unter 25-Jährigen stimmten dagegen nur acht Prozent mit den antisemitischen Aussagen überein.
Einflussreiche Kontroverse um Rolle der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs
Bezüglich der Rolle der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs ist eine Mehrheit von 65 Prozent der Meinung, die Regierung habe sich damals richtig verhalten, wie die gfs-Studie weiter feststellt. Andererseits gehen 56 Prozent der Befragten mit der Kernaussage des Bergier-Berichts einig, die Schweiz habe damals an Leib und Leben bedrohte Flüchtlinge abgewiesen. Über 81 Prozent sind weiter für die Einführung von Holocaust-Unterricht an den Schulen.
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Kontroverse um die Rolle der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs das heutige Verhältnis zum Judentum stark geprägt hat. Ausserdem wurde festgestellt, dass sich die meisten der Befragten des generellen Problems von Antisemitismus und Rassismus bewusst sind.
Das Wissen der Schweizerinnen und Schweizer um den Holocaust bleibt im internationalen Vergleich eher bescheiden. Gemäss Studie wussten nur gerade 32 Prozent der Befragten, was Shoah oder Holocaust bedeuten. In Frankreich zum Beispiel hatten 56 Prozent die Frage richtig beantwortet.
Jüdische Organisationen sind besorgt
Vertreter jüdischer Organisationen zeigen sich überrascht und besorgt über die Resultate der gfs-Studie. Man habe zwar in letzter Zeit einen wachsenden Antisemititsmus festgestellt, sagt der Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes Martin Rosenfeld. Man sei jedoch überrascht, dass der Antisemitismus so verbreitet sei. Eine Auseinandersetzung mit dem Holocaust, vorab in den Schulen, sei deshalb vordringlich.
Die Studie war von der Genfer Antisemitismus-Organisation CICAD (Coordination intercommunautaire contre l’antisémitisme) und dem New Yorker American Jewish Comittee in Auftrag gegeben worden. Das Institut hatte vom 10. bis 24. Januar 2000 insgesamt 1'210 Stimmberechtigte in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz befragt.
swissinfo und Agenturen
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