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Die eigene Zentralregierung in Paris hat die Region Elsass auf den 1. Januar dieses Jahres einfach aufgelöst und mit den benachbarten Landesteilen Lothringen und Champagne-Ardenne zu einer neuen grossen Région mit über 5,5 Millionen Bewohnern zusammengeschlossen. Die Sache ist endgültig erledigt und bald bereits seit einem Vierteljahr in Kraft. Bis zum 1. April kann die Bevölkerung der bisherigen Regionen im Internet nun nur noch über den neuen gemeinsamen Namen abstimmen. Die Bezeichnung Elsass kommt darin aber definitiv nicht mehr vor. Zur Auswahl stehen lediglich vier zum Teil groteske Vorschläge: Rhin-Champagne, Acalie, Nouvelle Austrasie und Grand Est.
Spargeln aus Nouvelle Austrasie und Croustade von Mömpelgard?
Irgendwie klingt "Nouvelle Austrasie" wie Neu-Australien, erinnert vielleicht noch entfernt an Österreich nach 1945. Doch bestimmt erinnert der absurde Begriff nicht an die grosse Zeit von Elsass und Lothringen. Der Name würde Vergangenheit und Zukunft verbinden, heisst es an der Seine. Doch das Gegenteil ist der Fall. In Wirklichkeit soll nichts mehr an Geschichte und frühere Zeiten erinnern.
"Alcalie" wiederum wurde aus den bisherigen französischen Namen der drei Regionen zusammengeschustert und versuche laut dem Élysée-Palast die Einheit zum erzwungenen Grossdepartement aufzuzeigen. "Rhin-Champagne" hingegen könne leicht zu nutzen und in andere Sprachen übersetzbar sein, zudem spiegle der Name die wirtschaftliche Dynamik einer Region im Hinblick auf das geschichtliche und kulturelle Erbe seit dem Altertum wieder. Zu guter Letzt bleibt nur noch der geografisch begründete Wahlvorschlag "Grand Est", also grosser Osten der "Grande Nation".
Elsass oder Alsace, von der Landkarte getilgt
Der Name "Elsass" leitet sich vom frühalthochdeutschen ali-sāzzo "Bewohner des anderen Rheinufers" oder dem ali-land-sāzzo "Bewohner im fremden Land" ab. Seit dem 17. Jahrhundert wechselte das Elsass verschiedene Male die politische Zugehörigkeit von Frankreich zum Deutschen Reich und umgekehrt. Noch im letzten Jahrhundert besetzte die deutsche Wehrmacht mit dem Abschluss des Westfeldzugs im Jahre 1940 das Elsass. Es wurde einer reichsdeutschen Zivilverwaltung unterstellt und mit Baden zum neuen Gau Baden-Elsass zusammengeschlossen. 42'500 verloren meist zwangsrekrutierte Elsässer im zweiten Weltkrieg unter deutscher Flagge ihr Leben. Der gösset Teil fiel an der Ostfront, gezwungen zu Einsätzen nicht gegen, sonder für den verhassten, eigenen Feind. In einer Offensive im November 1944 rückten die westlichen Alliierten unter Beteiligung der französischen 1re Armée wieder in weite Bereiche des Elsass ein, der grösste Teil des Nordelsass kam erst im März 1945 durch die Operation 'Undertone' wieder unter französische Kontrolle.
Die Départements Haut-Rhin und Bas-Rhin bildeten ab 1973 bis Ende Dezember des letzten Jahres mit der "Région Alsace" auf 8.280 Quadratkilometern und mit circa 1'860'000 Einwohnern die flächenmässig kleinste Region auf französischem Festland. Die seit Kriegsende sowohl von amtlicher, wie politischer Seite marginalisierte elsässisch Sprache und Kultur hatte zu Folge, dass der grösste Teil der elsässischen Bevölkerung "Französisch" zur Standardsprache erkor und dass Amts- und Schulsprache im Elsass heute ausschliesslich Französisch ist. Im Rahmen der Regionsfusionen wurden am 1. Januar 2016 die Region Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine gegründet, deren Hauptstadt weiterhin Strassburg ist und das Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne umfasst. Die hohe Arbeitslosenrate im Elsass die gerade bei der jungen Generation der unter 25-Jährigen 13,6 Prozent beträgt (Schlüsselzahlen CUS 2014), veranlasst viele junge Elsässer als Grenzgänger in der Schweiz zu arbeiten, was wiederum die neu aufkommende Pflege des alemannischen Dialekts fördert, das beherrschen der von Paris so gehassten deutschen Sprache für einen Job im nahen Ausland unabdingbar macht.
Ämmel: Salade du nom, nicht nur im Elsass
Als Barfi-Meteorologe Jörg Kachelmann anlässlich der Medienkonferenz zum Start des Basler News-Portals auf seinem Smartphone das Wetter in der Barfi-App den Journalisten zeigte, kam ein erstauntes "Oha" über seine Lippen. Auf der Karte von Apple, die Basel, das angrenzende Deutschland sowie das Elsass zeigt, trägt das französische Montbéliard den Namen Mömpelgard. Die deutsche Bezeichnung steht für die Grafschaft Württemberg-Mömpelgard, den linksrheinischen Besitzungen des Landes Württemberg zu uralten Zeiten. Genauer von 1397 bis 1796.
Auf Anfrage in der Mairie, dem Bürgermeisteramt der Stadt Montbéliard, erhielt barfi.ch die Auskunft, dass es sich beim Eintrag Mömpelgard zum grosssen Ärger noch um die deutsche Ursprungsbezeichnung der eigenen Stadt handle. In Frankreich und erst recht in Monbéliard selber sei der ungeliebte deutsche Name aber seit Jahrhunderten absolut nicht gebräuchlich. Der Informationsbeauftragte der Stadt bat uns gar im Namen von Monbéliard ausdrücklich bei Apple zu intervenieren und die Bezeichnung umgehend auswechseln zu lassen. So schrieb barfi.ch dann also an die Firma aus Cupertino. Umgehend erhielten wir per Mail von einem freundlichen Herrn namens Christian mit "Guten Morgen, Barfi" und der Nachfrage: "Vorab möchte ich kurz fragen, ob wir uns auf das 'Du' oder das 'Sie' einigen wollen" begrüsst und wir einigten uns auf ein 'Du'. Weshalb, so also unsere Frage, steht auf der Apple-Karte anstelle von Montbéliard Mömpelgard? Auf Bitte von Christian schickten wir ihm einen Screenshot des Kartenausschnitts. Christian bat uns eine Weile zu gedulden, damit er und sein Team das Bild checken könnten. Zudem schrieb er: "Ich habe Verständnis für Deine Lage. Als jemand, der sich beruflich auch mit unseren Karten befasst, hast Du natürlich ein besonderes Interesse an deren Fehlerfreiheit. Das ginge mir genau so".
Schon mal gut, dachten wir uns, wir werden ernst genommen. Christian schien nicht nur ein sehr sympathischer Typ zu sein, er hatte auch noch Ahnung von Geografie. Doch die Aussicht auf eine schnelle Umbenennung von Mömpelgard in Montbéliard wurde schnell getrübt: "Du kannst sehr gerne ein Feedback geben über apple.com/feedback. Wir nehmen das sehr ernst. Ob dann eine Änderung erfolgt, kann ich Dir nicht versprechen", denn Christian sei für den technischen Support zuständig. Die Kollegen würden das Feedback aber auf jeden Fall lesen, doch wichtig: Das Feedback sollte in Englisch erfolgen. Leicht angesäuert erlaubten wir uns nachzufragen, ob es sich bei Christian eventuell um einen Computer handle, die prompte Antwort aus der Apple-Welt überraschte: "Ja, ich bin ein echter Mensch und keine Maschine". Sieben Monate sind seither vergangen und auf der Apple-Karte findet sich noch immer der Name Mömpelgard. Dank Terminstau der Amerikaner wird uns der Name Elsass wenigstens beim IT-Riesen noch mindestens 250 Jahre erhalten bleiben. Ob es später in Nouvelle Austrasie umbenannt wird ist fraglich ...und uns, um ehrlich zu sein, dann auch völlig egal.