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Langenbruck liegt entlang der Passstrasse am Oberen Hauenstein und ist das höchstgelegene Baselbieterdorf im südlichen Teil des Kettenjuras. Ausgeprägte Nord- und Südhänge, mit Wäldern auf den Höhenzügen und Wiesen und Weiden in den unteren Partien, charakterisieren die Landschaft um Langenbruck. Mulden und Täler werden landwirtschaftlich genutzt. Die oft steilen Hänge und Berge hingegen sind bewaldet. Das Dorf liegt in einer Senke.
Der Obere Hauenstein (731 m ü. M.) gehört wegen seiner topografisch und geografisch günstigen Lage zu den ältesten Passübergängen der Schweiz. Er gilt als kürzeste Verbindung zwischen Oberrhein und dem Mittelland und verbindet die Gebiete nördlich und südlich des Juras. Der Pass brachte dem Dorf einst Verkehr und Verdienst.
Noch im 15. und 16. Jh. spielte die Eisenverarbeitung wegen des Passverkehrs eine wichtige Rolle. Die Passstrasse stellte hohe Anforderungen an das Material. Speziell Hufnägel, Hufeisen und Radreifen mussten häufig ersetzt werden. Der Ersatz wurde vor Ort hergestellt, was einen grossen Bedarf an Eisen und einen intensiven Erzabbau um Langenbruck zur Folge hatte. Gruben, sogenannte Pingen, wurden dafür im Tagbau angelegt und abgetieft. Die «Pingenreihen» folgten im Gelände den eisenhaltigen Schichten.
Auch der Verbrauch an Brennholz und Holzkohle zur Eisenverarbeitung war hoch und führte zur Übernutzung des damals ausgedehnten Waldes. Im 19. und 20 Jh. waren deshalb zahlreiche Gebiete unbewaldet. Heute ist der Langenbrucker Wald ein durchforsteter Mischwald mit einem hohen Buchenanteil. An einigen Stellen gibt es Aufforstungen mit der schnellwüchsigen Fichte – Ersatz für Abholzungen beim Autobahnbau der A2 (1970 Eröffnung). Die Aufforstung schafft einen natürlichen Wasserrückhalt, mit dem die häufigen Überschwemmungen im Waldenburgertal vermindert werden.
Von seiner Höhenlage, vom Klima und der Geländegestaltung her war die Landwirtschaft in Langenbruck seit jeher ein wichtiger Wirtschaftszweig und ausschlaggebend für die Entwicklung zum Kurort. Die grossen Hofgüter lagen ausserhalb des Dorfs und waren zum grossen Teil im Besitz wohlhabender Basler Familien, die dort ihre Sommerferien verbrachten und Langenbruck über die Region hinaus bekannt machten.
Wichtig für die Entwicklung zum Kurort war die Eröffnung der Bahnlinie Basel – Olten 1858. Damit wurde der Passverkehr stark reduziert, die Langenbrucker mussten sich, neben der Arbeit in der Seidenbandweberei und in der Uhrenindustrie, nach zusätzlichen Erwerbsmöglichkeit umsehen. Was lag näher, als den in Ansätzen bestehenden Fremdenverkehr zu fördern und sich dafür die reizvolle Lage von Langenbruck zunutze zu machen?
«Auf den lichten Jurahöhen lebt sich’s glücklich, lebt sich’s schön. Wer da fühlt des Lebens Druck, steig hinauf nach Langenbruck» (aus einem Albumvers eines Kurgastes). Langenbruck war ab Mitte des 19.Jh. eine gefragte Destination: Die klimatisch günstige Lage und die ausgezeichnete Wasserqualität begünstigten die Entwicklung zum Kurort. Bekanntester Förderer und Begründer des Kurorts war Martin Binder, Arzt aus Langenbruck. 1854 logierten im Dorf und auf den Höfen mehr als 500 Kurgäste jährlich. Die noch fehlende Infrastruktur wurde nach und nach gebaut. Das neue Kurhaus nahm 1874 seinen Betrieb auf. 1896 wurde das Sanatorium eröffnet und wurde zu einer der ersten Tuberkulose-Heilstätten in der Schweiz. Neue Kinderheime und Pensionen folgten. Zu Beginn des 20.Jh. wurden Waldwege, Bänke und Orientierungstafeln angelegt sowie ein Führer über den Kurort Langenbruck publiziert.
1910 überstieg die Zahl der international zusammengesetzten Kurgäste mit über 1000 pro Saison die Zahl der Einwohner, welche noch rund 770 betrug. Obwohl der Kurbetrieb florierte, blieben die Langenbrucker im Gegensatz zu den Hofbesitzern arm. Die Verarmung der Bewohner war ein Grund für den Bevölkerungsrückgang. Die Leute wanderten nach Amerika oder in die umliegenden Städte aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden das Sanatorium, das Kurhaus und die Kinderheime geschlossen. Langenbruck verlor seine Stellung als Kurort. Dafür stieg die Bedeutung als Wintersportort. In den 60er-Jahren begannen Ferien- und Wochenendhäuschen das Landschaftsbild zu dominieren.
Heute ist Langenbruck als gut erschlossenes und landschaftlich vielfältiges Wandergebiet sowie als kleiner, aber feiner Wintersportort bekannt. Der Skisport wurde vereinzelt bereits Ende des 19.Jh. betrieben. Aufschwung erfuhr er mit der Gründung des Ski-Clubs 1909. Nach dem Zweiten Weltkrieg kurbelten die Langenbrucker den Skisport wieder an. 1951 wurde der erste Skilift gebaut, gefolgt von einer Skisprungschanze. Langebruck wurde zum bekannten Schanzendorf. Langlauf-Loipen wurden angelegt, es folgte eine Kneippanlage, eine Rodelbahn und in jüngster Zeit ein Seilpark. Der Betrieb des Skilifts wird hingegen wegen der zunehmenden Klimaerwärmung immer schwieriger.
Bekannt ist Langenbruck auch für das Ökozentrum, das 1979 durch die Stiftung für angepasste Technologie und Sozialökologie gegründet wurde. Im Jahre 2000 wurde im ehemaligen Benediktinnerkloster Schönthal nahe Langenbruck eine kulturelle Begegnungsstätte eröffnet. Heute arbeitet die Gemeinde auch mit dem regionalen Naturpark Thal zusammen. Anfang des 21.Jh. ist Langenbruck ein bekannter Naherholungsort. Im Zentrum stehen Outdoors-Aktivitäten, Natur-, Kultur- und Kunsterlebnisse.
MJ