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aus dem Kunstmuseum Hamburg
In nebenstehendem Aufsatz ist die theoretische Ausbildung der Offiziere der Handelsmarine geschildert. Noch grösser sind naturgemäss die Anforderungen, die an die Offiziere der Kriegsmarine gestellt werden müssen. Schon die Bedingungen zur Annahme als Seekadett sind höher gestellt. Voraussetzung ist, wie bei der Armee, mindestens die Reife für die Prima einer höheren Lehranstalt mit nachfolgender Fähnrichsprüfung oder die Ablegung des Abiturienten-Examens. Letzterer Weg ist vorzuziehen. Die Kadetten machen zunächst eine praktische Ausbildungszeit durch und werden dann zur Marineschule kommandiert.
Am 21. November v. Js. fand in Gegenwart unsres Kaisers die feierliche Einweihung der neuen Marineschule 1) in Mürwik bei Flensburg statt. Seit 22 Jahren hatte die Marineschule in dem schönen Backsteinbau an der Düsternbroker Allee in Kiel in demselben Haus, das noch jetzt den Zwecken der Marineakademi e2) dient, ihr Heim gehabt. Zwischen den altehrwürdigen Buchen des Düsternbroker Gehölzes, inmitten freundlicher Gärten und Villen, unmittelbar an dem belebten Hafen mit seinen Kriegsschiffen und dem Hasten und Treiben des Verkehrs ragt der imposante Bau aus dem Grün hervor. Alljährlich hatten die Scharen der fröhlichen Fähnriche zur See dieses Gebäude nach glücklich überstandener Offiziersprüfung verlassen, um in die Front zu treten und nach 1 1/2 Jahren als Leutnant zur See endgültig in den gewählten Beruf überzugehen.
Mit der Vergrösserung der Marine und der durch das Flottengesetz gebotenen Personalvermehrung genügte aber bald das Gebäude in Kiel nicht mehr und man sah sich gezwungen, an einen Neubau zu denken, da die alte Marineschule, wie die Verhältnisse lagen, keine Vergrösserung zuliess. Gleichzeitig hoffte man die Marineschule nach einem stilleren Ort verlegen zu können, um sowohl die Ablenkungen und Störungen der Grossstadt von den Fähnrichen fernzuhalten, als auch um die schon reichlich durch die Marinebehörden und die Hochseeflotte belastete Stadt Kiel zu entlasten.
So kam es denn, dass die Stadt Flensburg an ihrer lieblichen, von Wäldern umkränzten Föhrde ein Gelände kostenlos der Kaiserlichen Marine für die neue Schule zur Verfügung stellte, einen Platz an dem hohen Ufer der landschaftlich so besonders ausgezeichneten Föhrde, wie er kaum schöner gefunden werden konnte.
Im Sommer 1906 wurde der Grundstein gelegt und nach den Plänen des im Aufträge des Reichs-Marine-Amts arbeitenden Marine-Intendantur- und Baurats Kelm mit dem Bau begonnen. In dem mittelalterlichen Backsteinbau nach dem schönsten und grossartigsten Vorbild, das wir davon in Deutschland besitzen, der Marienburg, ist dieser imposante Bau aufgeführt.
Schönheit des Ganzen und Stilreinheit bis ins Kleinste hinein bei schlichter Einfachheit und Grösse, das sind wohl für den Architekten die Hauptgesichtspunkte gewesen, unter denen diese Pflanzstätte deutschen Vorwärtsstrebens entstanden ist. Keine Kaserne, vereinigt sich in dem Bau doch die Schule mitsamt ihren Hörsälen und wundervoll ausgestatteten Modellsälen mit den behaglichen Wohnräumen und den vielen vollkommenen Nebeneinrichtungen. In jahrelanger emsiger Arbeit ist dieser herrliche Bau fertiggestellt. Bereits Ende September v. Js. war der mehrere Wochen dauernde Umzug aus dem alten Gebäude in den Neubau beendet, und am 4. Oktober konnte der Dienst und Unterricht in den neuen schönen Räumen beginnen.
Am 21. November ist nun im Beisein des Staatssekretärs des Reichs-Marine-Amts, zahlreicher hoher Seeoffiziere und des Oberbürgermeisters der Stadt Flensburg die Anstalt durch den Kaiser ihrer Bestimmung endgültig übergeben worden, wobei der Monarch beherzigenswerte Worte über den Ernst des Seeoffiziersberufs und über die Aufgaben bei der Erziehung des Seeoffiziernachwuchses an die Fähnriche der Marineschule richtete.
Möge nun aus dieser stolzen Burg alljährlich ein frischer, freudiger Nachwuchs in den herrlichen aber auch schweren Beruf des Seeoffiziers treten!
1.) Die Marineschule hat den Zweck, die Fähnriche zur See, die als Kadetten auf den Seekadetten-Schulschiffen gefahren sind, in wissenschaftlicher und berufstechnischer Beziehung für die Seeoffizierprüfung vorzubereiten. Die Marineschule entspricht der Kriegsschule der Armee. Der Lehrgang dauert ein Jahr.
2.) Die Marineakademie soll einer Anzahl befähigter Seeoffiziere Gelegenheit geben, ihre fach- und allgemeinwissenschaftliche Bildung zu erweitern und zu vertiefen, ihr militärisches Urteil zu klären und zu schärfen und sich für die höheren Stellen in der Marine vorzubereiten. Sie entspricht demnach der Kriegsakademie für die Armee. Der Lehrgang dauert zweimal 9 Monate.
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