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Die Geschichte zum Haus der Gottesmutter Maria
Abbild 1
Das Heiligtum hütet in der Tat - alter Tradition zufolge, die heute ausführlich durch historische und archeologische Forschungen bekräftigt wird - das Haus der Gottesmutter aus Nazareth. Das Haus Marias bestand aus zwei Teilen: einer Felsgrotte, die noch immer in der Verkündigungsbasilika zu Nazareth verehrt wird, und einem vor der Grotte erbauten Haus aus Steinen (Abb.2).
Der Tradition nach wurde das Haus Mariens durch Engel auf wundersame Weise 1291 zuerst nach Illyrien (Tersatto in Kroatien) und dann am 10. Dezember 1294 auf den Hügel von Loreto gebracht, und zwar, nachdem die Kreuzfahrer endgültig aus Palästina vertrieben wurden und den Hafen von Akko verloren hatten.
Neue Erkenntnisse aus Dokumenten und aus den archeologischen Ausgrabungen im und unter dem Heiligen Haus, sowie philologische und ikonographische Studien erhärten die Hypothese, daß die Steine des Heiligen Hauses durch eine adelige Familie Angeli ("Engel"), die über den Epirus herrschte, per Schiff von den Kreuzfahrern über das Meer nach Loreto gebracht wurden. Ein vor nicht langer Zeit gefundenes Dokument vom September 1294 bestätigt, daß Niceforo Angelo, Beherrscher
des Epirus, anläßlich der Hochzeit seiner Tochter Ithamar dem Bräutigam Philipp von Tarant, Sohn des Königs von Neapel, Karl II von Anjou, verschiedene Geschenke überreichte. Darunter werden in besonders auffallender Weise "die heiligen Steine, weggetragen aus dem Hause Unserer Lieben Frau, der Jungfrau und Mutter Gottes" erwähnt.
Zwischen den Steinen des Heiligen Hauses wurden neben zwei Münzen von Guido de La Roche, Herzog von Athen, Sohn von Helena Angele und Lehensherr Philipp von Tarant, fünf rote Stoffkreuze der Kreuzfahrermäntel, oder was wahrscheinlicher ist, von Angehörigen eines Ritterordens gefunden, der im Mittelalter die heiligen Stätte und Reliquien verteidigte. Es wurden auch Reste eines Straußeneis gefunden. Das Straußenei galt in Palästina als Symbol der jungfräulichen Geburt Mariens.
Aufgrund seiner Struktur und des Steinmaterials, der Baukultur und der lokalen
Baugewohnheiten steht fest, daß das Heilige Haus in Italien ein Fremdkörper ist. Ferner haben technische Messungen und Vergleiche des Heiligen Hauses mit der Grotte in Nazareth ergeben, daß die beiden Teile, Grotte und Haus exakt zusammenpassen (Abb.2) Bestätigend kommt hinzu, daß eine neuere Studie über die Verarbeitungsart der Steine ergab, daß es sich um die Art und Weise der Nabatäer handelt, die zur Zeit Jesu in Galiläa verbreitet war (Abb.1). Von großem Interesse sind schließlich noch einige Inschriften in den Steinen, die von Experten für jüdisch-christlichen Ursprungs erklärt werden. Man findet die gleichen in Nazareth und in Loreto (Abb.3).
Ursprünglich sind im Heiligen Haus nur drei Wände. Die Ostwand, wo der Altar steht, gab es ursprünglich nicht, weil sich dort die Grotte in Nazareth anschloß (Abb.2). Die drei ursprünglichen Mauern gehen vom Boden bis zu einer Höhe von drei Metern. Sie haben kein Fundament und sind auf einer alten Straße aufgebaut worden. Das restliche Mauerwerk ist mit einheimischen Ziegeln dazugebaut worden, ebenso das Gewölbe (1536), um den Raum für den Gottesdienst geeigneter zu machen. Die äußere Marmorverkleidung ließ Papst Julius II nach Plänen Bramantes (1507) von berühmten italienischen Künstlern der Renaissance anfertigen. Im Laufe der Jahrhunderte haben etliche, namhafte Künstler den Wallfahrtsort verschönert. Sein Ruf verbreitete sich schnell auf der ganzen Erde und Loreto wurde das Ziel unzähliger Pilger.
Das Heilige Haus gibt dem gläubigen Pilger die Gelegenheit, über die geistlichen und theologischen Geheimnisse nachzudenken, die mit dem zentralen Ereignis der Verkündigung an Maria und die Menschwerdung Christi verbunden sind.