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Kurze Geschichte der Mammographie
1913
Die ersten "Mammographien" wurden in Deutschland von dem Berliner Chirurgen Albert Salomon (1883-1976) von ca. 3000 Operationspräparaten nach erfolgter Mastektomie angefertigt. Salomon verglich diese Präparatemammographien mit dem entfernten Gewebe und beobachtete insbesondere Präsenz der Mikroverkalkungen im Tumorgewebe sowie die Tumorausbreitung in die axillären Lymphknoten. Salomon entdeckte in dieser Studie weiterhin, dass es mehrere Arten von Brustkrebs gibt.
Charlotte Salomon, Deutsch-Jüdische Künstlerin, Berlin 1917- Auschwitz 1943, und ihr Vater Albert, 1927 (02)
1927
Otto Kleinschmidt (1880-1948), ebenfalls ein Chirurg, führt weltweit erstmals die Mammographie an einer Patientin durch. Er veröffentlichte im Jahr 1927 in dem Lehrbuch von Zweifel und Payr (1927) „Die Klinik der bösartigen Geschwülste" das Vorgehen bei der Mammographie bei Frauen. Es war der Beginn der präoperativen Mammographie, die in späteren Jahren für viele Chirurgen zur Routineuntersuchung vor einer Brustoperation wurde.
Prof. Otto Kleinschmidt (03) - Mammographie 1927 (01)
1929
Es erfolgt die systematische Beschreibung der "Tumorzeichen in der Mammographie" von Carlos M. Dominguez (1929) und seinem Schüler Raul Leborgne (1953), die eine Systematik der Kalkablagerungen in der Brustdrüse vermuteten. Sie verglichen den Mikrokalk im Röntgenbild des Operationspräparates und das histologische OP-Präparat und entwickelten eine bis heute gültige Differentialdiagnose der Mikroverkalkungen.
1930
Berichtete Stafford L. Warren, Radiologe am Rochester Memorial Hospital, New York, über die präoperative Mammographie bei 119 Patientinnen. Stafford verwendete einen neuen feinkörnigen Doppel-Emulsions-Film von Kodak.
1931
Walter Vogel, Dozent an der Leipziger Medizinischen Gesellschaft, erstellt eine radiologische Klassifikation der gutartigen Veränderungen und erklärt, wie diese vom Karzinom unterschieden werden. Ein Jahr später beschreibt Vogel, dass er nun routinemäßig von allen Brust-Operationen eine Mammographie durchführen lässt.
1934
Versuchte der Chirurg Finsterbusch (Leipzig) eine Differentialdiagnose der intraduktalen Verkalkungen. Er beschreibt spezifische Verkalkungen für Karzinome, die er von gutartigen Verkalkungen unterschied.
1938
Veröffentlichen Jacob Gershon-Cohen und Albert Strickler einen Artikel mit der Beschreibung der Veränderungen der Brust in der Mammographie in Abhängigkeit von Alter und Menstruationszyklus. Es erscheinen erste Mitteilungen über das Mammographiebild intraduktaler Karzinome, anderer Tumorentitäten und deren pathomorphologisches Korrelat.
1951
Leborgne veröffentlicht seine Forschungsergebnisse, aus denen hervorgeht, dass in 30% der Brustkrebserkrankungen Mikroverkalkungen zu finden sind. Er beschreibt diese als „punktförmig oder etwas länglich, salzkornähnlich, zahllos, gruppiert". Diese Mikroverkalkungen können „innerhalb oder außerhalb des Tumorschattens oder ohne Tumorschatten vorkommen". Leborgne sah keine differentialdiagnostischen Schwierigkeiten gegenüber Verkalkungen benigner Genese.
1959
Hoeffken und Lanyi haben 1959 gemeinsam mit dem Gynäkologen Kaufmann und dem Pathologen Hamperl die Vorverlegung der Frühdiagnose zum okkulten Karzinom und in das Stadium des präinvasiven Carcinoma in situ beschrieben. Mit dem Mammographie-Lehrbuch „Röntgenuntersuchung der Brust" haben Hoeffken und Lanyi (1973) ein bis heute gültiges Standardwerk zur Mammographie vorgelegt.
1964
Egnan bestätigt die Ergebnisse von Leborgne, dass bestimmte Mikroverkalkungen pathognomisch für ein Mammakarzinom sind. 14 Jahre später relativiert er diese Aussage und vertritt die Auffassung, dass bestimmte Mikroverkalkungen histologisch abgeklärt werden müssen. So kam es in der Anfangszeit dazu, dass die wegen Mikroverkalkungen durchgeführten Operationen nur zu einem geringen Prozentsatz (ca.10-16%) ein Karzinom als histologisches Ergebnis erbrachten.
Es werden vier Mammographietypen unterschieden, die in der Vorsorge, Diagnose und Therapie zum Einsatz kommen:
- Die Präparatemammographie,
- Die präoperative Mammographie,
- Die diagnostische Mammographie und
- Die Screening Mammographie
Bei der Präparatemammographie handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung, bei der ein operativ entferntes Stück Brustgewebe in der Regel bereits intraoperativ daraufhin untersucht wird, ob der gesamte, in der diagnostischen oder Screening Mammographie beschriebene Befund erfasst wurde. Die Entwicklung der Präparatemammographie beginnt im Jahr 1913 mit der Arbeit des Berliner Chirurgen Albert Salomon. Er erstellt die ersten Mammographien in Deutschland von ca. 3000 Operationspräparaten und untersuchte diese, um die Ausbreitung des Tumors im Gewebe und in die Lymphknoten zu sehen. Kleine, von ihm als Tumorzerfall beschriebene Pünktchen auf den Präparatemammographien entsprechen nach heutigem Kenntnisstand Mikrokalzifikationen. Das Ziel dieser ersten Mammographien war es, eine optimale Operationstechnik zu entwickeln. Salomon zeigte, dass man radiographisch zwischen glatt begrenzten und infiltrierenden Tumormassen unterscheiden kann.
Die präoperative Mammographie dient dazu, einen bereits ertasteten (palpatorisch) oder mit einem anderen diagnostischen Verfahren, z.B. dem Ultraschall, entdeckten Tumor darzustellen. Es ist die Aufgabe eines erfahrenen Radiologen, den Tumor in seinen Eigenschaften, d.h. Morphologie und Ausdehnung, zu beschreiben. Aus den mammographischen Tumoreigenschaften können bereits erste Rückschlüsse auf seine Aggressivität gezogen werden.
Die diagnostische Mammographie wird dann durchgeführt, wenn der Verdacht besteht, dass sich eine pathologische Veränderung des Brustgewebes entwickelt hat.
Die Screening Mammographie wird an einer scheinbar gesunden Population durchgeführt, bei der kein Hinweis auf ein Mammakarzinom besteht. Man versucht, Tumoren in einem sehr frühen Stadium zu entdecken und damit die Lebenserwartung der Patientinnen zu erhöhen.
Weblinks
- Pioniere der Mammographie (Siemens Healthineers)
- Die Brustkrebs-Früherkennung im Jahr 2016 (Dr. Claire Dillenbourg-Wertz)
- Weltweit erste Mammografie in Leipzig
Quellen:
(01) Zweifel, P.& Payr, E. Die Klinik der bösartigen Geschwülste, Band III, 1927, page 58
(02) http://orplid.tumblr.com/post/109571881142/charlotte-salomon-german-jewish-artist-berlin
(03) Von Tobias1984 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55541451
(04) https://pubs.rsna.org/doi/pdf/10.1148/radiographics.10.6.2259767