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Fast ein Jahrhundert nach der Entdeckung Brasiliens drangen die portugiesischen Kolonisatoren zum ersten Mal in das Gebiet des heutigen Goiás ein. Die bekanntesten Unternehmungen wurden die Expeditionen von „Domingos Rodrigues“ (1596), „Belchior Dias Carneiro“ (1607), „Antônio Pedroso de Alvarenga“ (1615) und „Manuel Campos Bicudo“ (1673). Nicht zu vergessen die Expedition von „Bartolomeu Bueno da Silva“, einem typischen „Bandeirante“ vom harten Schlag, der seinen noch jugendlichen Sohn mitgenommen, um ihm das, was ihm noch zur Mannesreife fehlte, unterwegs beizubringen.
Mitten im „Sertão“ trifft er mit seiner bis unter die Zähne bewaffneten Truppe auf die Expedition des „Manuel Campos Bicudo“, der ihm von einem Dorf der „Araés-Indianer“ berichtet – und, dass er dort viele „Gold-Pepitas“ gesehen, welche die Indianer als Schmuck am Körper trügen.
Das war alles, was der alte Haudegen wissen wollte – nach den genauen Angaben von „Bicudo“ setzt er sich sofort in Marsch – erreicht das Dorf – nimmt alle Indianer gefangen und lässt seine Männer sämtliche „Pepitas“ einsammeln, die an Nasen, Ohren und Gürteln der Indianer baumeln. Allerdings ist er damit noch nicht zufrieden. Jetzt will er auch den Ort wissen, wo die Indianer das Gold gefunden haben, und, weil sie damit nicht rausrücken wollen, schüttet er etwas Zuckerrohr-Schnaps in eine Schale und zündet ihn an. Dann nutzt er die Verblüffung der Eingeborenen, um ihnen zu drohen, so wie das Wasser in der Schale, würde er alle Flüsse und Quellen der Region in Flammen aufgehen lassen, und sie würden alle verdursten, wenn sie ihm nicht die Goldfundstelle zeigten!
Zu Tode erschrocken führen ihn die Indianer zu der Stelle der Goldvorkommen – sie nennen ihn jetzt „Anhanguera“, was in ihrer Sprache „Zauberer“ bedeutet. Und mit diesem Namen sind „Bueno“ und sein Sohn in die Geschichte eingegangen. Dank dem Erfolg der Expedition von „Anhanguera“ und dank neuer Initiativen des portugiesischen Hofes zur Entdeckung der Reichtümer in der brasilianischen Erde, folgten noch viele Expeditionen kreuz und quer durch das Territorium von Goiás – einige drangen, aus Maranhão kommend, von Norden her ein.
Der zweite „Anhanguera“
Alle diese „Bandeiras“ genannten bewaffneten Expeditionen hatten nur noch ein Ziel: die Entdeckung und Vereinnahmung von Gold und anderen wertvollen Metallen, denn die Versklavung von Indianern war durch einen päpstliche Beschluss inzwischen verboten worden. Vielleicht waren daran die zahlreichen religiösen Expeditionen schuld, die in derselben Zeit den Goianischen Boden durchstreiften – angefangen beim Bruder „Cristóvão de Lisboa“, im Jahr 1625, der den Ehrgeiz hatte, die „Wilden“ bekehren zu wollen.
Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm – inzwischen war der zweite „Anhanguera“, jener Bartolomeu Bueno da Silva junior, soweit herangewachsen, dass er beabsichtigte, seine eigene Expedition zusammenzustellen. Seit jenem Abenteuer mit seinem Vater verfolgte ihn dieser Traum – er würde viel weiter vordringen, er würde vieles ganz anders handhaben, und er würde mit Gold beladen zurückkehren. 1720 tut er sich mit seinen beiden Schwagern „João Leite da Silva Ortiz“ und „Domingos Pires do Prado“ zusammen. In einem Schreiben an Dom João V. von Portugal ersuchen sie um „Ihre Majestät geschätzte Erlaubnis, die hohen Sertões zu durchqueren und gegen das Zentrum Amerikas vordringen zu dürfen, auf der Suche nach Goldminen, nach Silber und edlen Steinen“.
Ein Jahr später lässt der „Capitão-General“ von São Paulo, „Dom Rodrigo César de Meneses“, Bueno zu sich rufen und lässt sich von ihm erklären, wie er sich eine „Bandeira“ vorstelle, mit der er die von seinem Vater entdeckten Goldminen lokalisieren und ausbeuten könne. Und kurze Zeit später hat Bueno seine Truppe zusammen, ein gut bewaffnetes Regiment von Söldnern, alles Freiwillige, die darauf brennen, aus dem ewigen Garnisonstrott herauszukommen. Am 3. Juli 1722 verlassen sie São Paulo und marschieren, ohne dass sich ihnen ein Hindernis in den Weg stellt, bis zum Rio Paranaíba – der heute die Südgrenze des Bundesstaates Goiás bildet. Nach der Überquerung wenden sie sich gegen Nordosten, den Oberlauf des Rio São Marcos entlang in Richtung seiner Quelle, bis zu einer Lagune, genannt „Lagoa Mestre d‘ Armas“ – wenige Kilometer oberhalb der Stelle, an dem sich heute die Hauptstadt Brasília befindet.
Man muss sich einmal vorstellen, was diese Männer für eine Kondition gehabt haben müssen, um in entsprechender Waffenkleidung – mit Brustpanzer und Helm aus Metall – die Waffen und das Gepäck geschultert, hinter ihren Kommandanten, die auf Pferden sassen, herzumarschieren – rund 1.200 km bis zu jener „Lagoa Mestre d’Armas“ – in glühender brasilianischer Hitze und ohne vorhandene Strassen! Es wird nicht berichtet, aber sie müssen dazu wenigstens zwei bis drei Monate gebraucht haben! Was Wunder also, dass einige von ihnen nach solchen Strapazen die Lust verloren hatten, am Gelingen der Expedition zu zweifeln begannen und nicht mehr weiter wollten?
Berichtet wird, dass Bueno, ein paar Tagesmärsche hinter der Wasserscheide, die wir heute unter dem Namen „Aguas Emendadas“ kennen (im Distrikt der Satellitenstadt „Planaltina“), seine Truppe teilte – in Männer, die treu zu ihm und seinem Vorhaben standen, und andere, die ihre eigenen Ziele verfolgen oder lieber umkehren wollten.
Letztere überliess er ihrem Schicksal am Ufer des Rio Maranhão, wo sie sich Flösse bauten, um sich den Fluss hinabtreiben zu lassen. Inzwischen marschierten Bartolomeu Bueno und seine Getreuen weiter in Richtung Südwesten, auf der Suche nach der Region der „Goiase“-Indianer (die dem Bundesstaat Goiás später den Namen gaben).
Am 21. Oktober 1725, nachdem man in São Paulo länger als drei Jahre nichts mehr von Bartolomeu Bueno vernommen, ist er plötzlich wieder da – just in dem Augenblick, als man eine Suchexpedition nach ihm ausschicken will. Und „Dom Rodrigo“ macht grosse Augen, als der kühne Bandeirante Muster vor ihm auf dem Tisch ausbreitet, von den verschiedenen Goldminen, die er entdeckt hat.
Goldfieber
Die Nachricht vom Erfolg des „Anhanguera“ machte die Runde wie ein Lauffeuer und veranlasst Tausende von Brasilianern, sich in Richtung „Sertão“ davonzumachen.
Der „Capitão-General“ von São Paulo reagiert sofort, indem er Dom João V. von diesem allgemeinen Goldfieber in Kenntnis setzt, und dieser antwortet mit der „Carta Régia“ vom 29. April 1726, in der er verspricht, sämtliche von den Entdeckern formulierten Gesuche sofort offiziell zu genehmigen. Und Dom Rodrigo César de Menezes übergibt Bartolomeu Bueno und seinem Schwager João Leite da Silva Ortiz, am 2. Juli 1726, ein Dokument, welches ihnen das Recht auf Nutzung aller Flüsse innerhalb ihrer entdeckten Route verbrieft und ihnen, darüber hinaus, noch „seis léguasde terra“ – etwa 40 km Land – von jedem Ufer dieser Flüsse als Prospektionsgebiet zusichert.
Mit diesen Privilegien versehen, kehrt Bueno nach Goiás zurück und richtet sich in einem „Sítio“ (Landsitz) in der Nähe der „Serra Dourada“ ein, wo er verschiedene Minen entdeckt hat und jetzt die erste Siedlung gründet, mit dem Namen „Barra“ – heute „Buenolândia“. Einige Zeit später findet er in der Nachbarschaft neue Minen von wesentlich bedeutenderem Goldgehalt – und das ganze Volk, das sich inzwischen in „Barra“ angesammelt hat, zieht um und gründet am 26. Juli 1727 das „Arraial de Sant‘ Ana“, eine Siedlung, die später, im Jahr 1739 den Namen „Vila Boa“ bekommt – eine freie Übersetzung von „Vila Bueno“. Sie wird die Wiege der Stadt „Goiás“ (heute bekannt als „Goiás Velho“, das alte Goiás), Sitz der Regierung der späteren „Capitania“, dann der Provinz, der Republik und, bis vor ein paar Jahrzehnten, der Staatsregierung.
Bartolomeu Bueno hatte eine glückliche Hand, und die portugiesische Krone war entzückt über die regelmässigen Goldlieferungen aus den von ihm verwalteten Minen. Deshalb wird er 1728 zum „Superintendente-geral“ der Minen von Goiás ernannt und damit auch Herr über alle zivilrechtlichen, kriminalen und militärischen Entscheidungen in diesem Gebiet. Damit war die erste politisch-administrative Organisation in einem Gebiet geschaffen, welches bis dato nur von so genannten „Selvagens“ (Wilden) bewohnt war. Im Zuge der Endeckungen anderer Goldminen entstanden neue Siedlungen: „Meia Ponte“ – heute „Pirenópolis“, „Ouro Fino“, „Santa Rita e Anta“, „Santa Cruz“, „Crixás“, „São José“, „Água Quente“ und „Traíras“.
Gegen Ende des Jahres 1733, aus Gründen politischer Intrigen zwischen der Regierung in São Paulo und dem Hof in Portugal, wird Bueno seiner Ämter enthoben und ein gewisser „Gregório Dias da Silva“ an seine Stelle gesetzt. Seine Ankunft in Goiás fällt zusammen mit neuen, viel versprechenden Goldfunden, aber die Neueinführung von empfindlichen Steuern auf jeden Fund – anstelle des gewohnten „Quinto“ (ein Fünftel des Fundes) für die Krone – war der Grund für einen Aufstand, besonders in den Minen des Nordens von Goiás.
Emanzipation
Erst am 9. Mai 1748 verordnet Dom João V. von Portugal die Loslösung des Territoriums Goiás von der Regierung in São Paulo und entlässt die „Capitania de Goiás“ in die Selbständigkeit, unter ihrem ersten Gouverneur, „Dom Marcos de Noronha“, dem Ex-Gouverneur von Pernambuco und zukünftigen „Conde dos Arcos“.
Inzwischen waren die Goldfundstätten am Ende, das heisst, man fand nun kein Gold mehr einfach so zwischen den Steinen auf der Erde, sondern nur noch in so genannten Goldadern, die sich tief in den Fels und unter die Erde zurückzogen und im Bett der Flüsse. Grosse Schwierigkeiten für die primitive Technologie der Portugiesen, jetzt an das Gold heranzukommen. Man stand vor einem entscheidenden Rückgang der Minenförderung, die während zwanzig Jahren der portugiesischen Krone phantastische Gewinne eingebracht hatte. Mit dem Ehrgeiz, den Verfall aufzuhalten, entschloss sich Dom Marcos ein neues technisches System er Goldgewinnung einzuführen, dafür kürzte er die Staatsausgaben und konstruierte die Gold-Schmelz-Industrien von „Goiás“ und „São Félix“.
1754 wird er auf seinem Posten von „José Xavier Botelho Távora“ abgelöst, dem „Conde de São Miguel“ – ihm folgt „João Manuel de Mello“, der von 1759 bis zu seinem Tod, 1770, das Amt des Gouverneurs von Goiás innehatte und die ersten Schritte in Richtung einer Schiffsverbindung der Flüsse Araguaia und Tocantins mit denen anderer „Capitanias“ tat, um Goiás mit dem Rest von Brasilien zu verbinden.
Sein Nachfolger, „José de Almeida Vasconcelos Soveral e Carvalho“, mit den Titeln „Barão de Mossâmedes“ und „Visconde da Lapa“, war der erste Gouverneur, der sich weniger den Minen und mehr der Administration der „Capitania“ widmete. In diesem Sinne stimulierte er den gemeinschaftlichen Einsatz der Kräfte für die Landwirtschaft, interessierte sich für die Bekehrung der Indianer, für die Bildung des Volkes, und traf Vorbereitungen, den Rio Araguaia als Wasserstrasse zu integrieren. „Luís da Cunha Menezes“, sein Nachfolger, 1778, führte die Ziele seiner Administration fort, und so wurde im Jahr 1782 die Navigation auf dem grossen Fluss des Amazonasbeckens eingeleitet.
Übergang
Bezeichnend für die Regierungen der Folgezeit ist das Fehlen von Initiativen, die einer Aufzeichnung würdig gewesen wären. Die „Capitania von Goiás“ verfiel in eine vollkommene Lethargie, aus der sie sich erst wieder erholte, als 1804 „Dom Francisco de Assis Mascarenhas“, der „Marquês de São João da Palma“, die Regierung übernahm, sich mit der Entwicklung der landwirtschaftlichen Aktivitäten befasste und mit der Navigation auf dem Rio Araguaia – letzteres führte zur Gründung verschiedener Schiffsgesellschaften, die anfingen zwischen Goiás und Pará zu operieren.
„Fernando Freire“ wiederum, sein Nachfolger (1809 – 1820), verstand es nicht, aus dem relativen Wohlstand Nutzen zu ziehen, der sich in einigen Städten des Nordens von Goiás entwickelt hatte. Schuld daran war, unter anderem, sein exklusives Interesse an der Schifffahrt Araguaia-Tocantins, und so wurde, bereits kurz vor dem Übergang zum Imperium, der Fortschritt in Goiás auf die Süd- und die Südwestregion begrenzt.
Die politische Wirrnis, welche ab 1820, und in den Folgejahren, Portugal erschütterte und auch in Brasilien grosse Unruhen auslöste, verhinderte, dass der neue Gouverneur von Goiás, „Brigadeiro Manuel Inácio de Sampaio“, irgendwelche neuen Maßstäbe setzte oder Vorhaben verwirklichte. Und die Geschehnisse am Hof in Portugal erhitzten die Gemüter aller Brasilianer, wie man aus der Geschichte weiss – nicht nur die der „Goianos“! Zum ersten Mal organisierte sich in Goiás eine Gruppe von Oppositionellen gegen die Regierung – im Norden von Goiás proklamierte man, im September 1821, die Konstitution einer provisorischen unabhängigen Junta – die aber in sich zusammenfiel, weil ihr Präsident, der Distriktsrichter „Joaquim Teotônio Segurado“ gerade auf einer Reise in Portugal weilte.
Die Provinz
Obwohl radikal gegen alle liberalen Bewegungen, und die Art und Weise, wie sich jene Juntas anmassten, gegen die Regierung zu konspirieren, erreichte den Brigadeiro Sampaio die Order aus Lissabon, selbst eine „Junta interina“ der Regierung von Goiás zu gründen. Er selbst wurde in einer Kammer-Sitzung vom 3. Dezember 1821 als ihr Präsident vereidigt – und einen Monat später gezwungen, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Nach einer Neuwahl, im April 1822, übernahm eine neue Junta, unter dem Präsidenten Álvaro José Xavier“ die Regierung in der Provinz Goiás.
Obwohl in den Städten des Zentrums und des Südens ein gewisser Optimismus herrschte, breiteten sich im Norden schwere Unruhen aus – der Distrikt von „Palma“ erklärte sogar seine Unabhängigkeit vom Rest der Provinz. Man fühlte sich ausgeschlossen vom Fortschritt der Distrikte im Süden, vergessen von den Investitionen in die Wirtschaft und die Fortbildung der Provinz Goiás, die in den Distrikten des Südens verebbten und den Norden niemals erreichten. (Damals keimte bereits die Idee vom unabhängigen Bundesstaat „Tocantins“, der erst 150 Jahre später Wirklichkeit werden sollte).
Es ist einerseits persönlichen Anstrengungen des Paters „Luís Gonzaga de Camargo Fleury“ zu danken, der als Botschafter der Regierung in jedem nördlichen Distrikt verhandelte, andererseits auch dem allgemeinen Enthusiasmus, den die Unabhängigkeit Brasiliens (7. September 1822) auch im Norden von Goiás auslöste, dass man die Union der Provinz wiederherstellen konnte. Trotzdem konnte man von einer wiederhergestellten internen Ordnung erst sprechen, als der vom Kaiser Dom Pedro II. ernannte erste Präsident von Goiás, „Caetano Maria Lopes Gama“, im September 1824 sein Amt antrat.
Das Imperium
Nachdem er sich ein Bild von der Dekadenz und dem prekären wirtschaftlichen Zustand der Provinz gemacht hatte, befasste sich Lopes Gama mit einem praktischen Studium der dringendsten Schritte zur Abhilfe.
Dann setzte er sich für die entsprechenden Reformen in allen öffentlichen Stellen ein und schlug die Schaffung von Lehranstalten vor, eines Details, das in Goiás völlig in Vergessenheit geraten war. Sein Nachfolger, „Miguel Lino de Morais“, war von ähnlichem innovativen Geist, fand aber bei seinem Amtsantritt, 1827, eine leere Staatskasse vor und keine Einnahmen, um seine Pläne zu realisieren. Also motivierte er die Landbevölkerung, zur Konzentration auf die Landwirtschaft und die Viehzucht. Dank seiner Anstrengungen entwickelte sich die Baumwoll-Produktion in grossem Stil – eine Textilfabrik wurde von ihm selbst eingeweiht (1828), der erste handwerkliche Betrieb in Goiás.
Als nächstes befasste sich Lino de Morais mit der Idee, die Preise für die Anschaffung von landwirtschaftlichen Geräten und Werkzeugen zu drücken. Es gelang ihm, in „São José de Mossâmedes“ die Betreiber einer Eisenfabrik zu gewinnen, die einverstanden waren, ihre Preise wesentlich zu senken, wenn sie dafür den Auftrag der gesamten Provinz bekämen – sie machten das Geschäft ihres Lebens.
Lino de Morais interessierte sich auch für die Befriedung der Indianer – besonders der „Caiapó“ und der „Canoieros“ in seinem Gebiet. Eine Indianerin, mit Namen „Damiana da Cunha“, war ihm eine grosse Hilfe, weil sie sich heldenhaft gegen alle Feindseligkeiten zwischen ihren Stammesbrüdern und den katholischen Missionaren einsetzte.
Es war auch Lino de Morais, der als Erster die Notwendigkeit einsah, die Hauptstadt von Goiás in eine andere Region der Provinz zu verlegen. Im Jahr 1830 setzte er den „Conselho Geral“ von seiner Überzeugung in Kenntnis, die sich allerdings erst ein Jahrhundert später realisieren würde. Seine Absicht wurde Grund verschiedener Feindseligkeiten und Konspirationen gegen seine Regierung, und auch gegen seine Person. Als ihn ein politisch-militärischer Staatsstreich am 14. August 1831 seines Amtes enthob, war er fast völlig vereinsamt.
Die folgenden Regierungen – zum ersten Mal „Goianos“ aus den eigenen Reihen: „José Rodrigues Jardim“, Padre „Luís Gonzaga de Camargo Fleury“ und „José de Assis Mascarenhas“ – richteten ihre Aufmerksamkeit besonders auf das Bildungsproblem des Volkes. Und sie multiplizierten die Zahl der Schulen in der gesamten Provinz. Im Jahr 1835 wurde die Provinz-Zeitung „Correio Ofical“ gegründet, die über ein Jahrhundert hinaus die Meinungen und Aktivitäten der jeweiligen Regierungen unters Volk brachte.
Noch vor dieser Zeitung hatte es in „Meia-Ponte“ – dem heutigen „Pirenópolis“ – ein Blatt gegeben, der „Matutina Meiapontense“, gegründet 1830, nach drei Jahren eingestellt, das als erstes Medium der goianischen Presse gilt.
Die Anhebung des Erziehungs- und Bildungsniveaus führte 1846 zur Gründung des „Liceu de Goiás“, der ersten Hochschule in der Provinz. Allerdings sollte man jetzt nicht glauben, dass sich die Dirigenten der Provinz Goiás zu jener Zeit besonders für das Bildungswesen ihres Volkes interessierten oder eingesetzt haben. Aus ihren Aufzeichnungen geht hervor, dass sie stattdessen geradezu besessen von ihrem Navigations-Vorhaben auf dem Rio Araguaia waren – so wie einstmals ihre zahlreichen Vorgänger besessen waren vom Gold – und darüber sämtliche anderen administrativen Pflichten vernachlässigten.
Die Dampfschifffahrt auf diesem Fluss wurde erst im Jahr 1869 Wirklichkeit, dank persönlicher Anstrengungen von „José Vieira de Couto Magalhães“, der Goiás seit mehr als einem Jahr regierte, und der ebenfalls in Ungnade fiel, weil er für die Verlegung der Hauptstadt plädiert hatte. Leider entsprach dann die schwierige Befahrbarkeit des Flusses – durch viele Untiefen und andere Hindernisse und Gefahren – nicht den Erwartungen ihrer Idealisatoren, und die Verbindung mit den Distrikten des Nordens von Goiás gestaltete sich weiterhin schwierig.
1865 sah sich Goiás veranlasst, dem Vaterland beizustehen und Truppen in den Süden von Mato Grosso zu schicken, um die dort eingefallenen Paraguayer zu vertreiben. Der damalige Präsident von Goiás, „Augusto Ferreira França“, sandte ein Infanterie-Batallion, ein Geschwader Kavallerie und, darüber hinaus, noch ein Batallion freiwilliger „Goianos“ in die Auseinandersetzung, die als „Paraguay-Krieg“ in die Geschichte eingegangen ist, und den die Brasilianer, nicht ohne zahlreiche Opfer, schliesslich für sich entscheiden konnten.
Nach Ende des Paraguay-Krieges bis zur Proklamation der Republik folgt wieder eine Periode ohne nennenswerte Inhalte oder Geschehnisse, nicht zuletzt auch wegen der dauernden administrativen Unterbrechungen, Konsequenz der Instabilität, sowohl der liberalen wie der konservativen Politik, charakteristisch für die letzten Jahren des Zweiten Imperiums. Zum Ausgleich begannen ab 1870 die literarischen und journalistischen Aktivitäten zu erblühen, dank den Bemühungen von „Félix de Bulhões“, einem Poeten, Journalisten und Führer der Bewegung zur Sklavenbefreiung.
Die Republik
Mit der neuverkündeten Republik (am 15. November 1889) änderte sich vorläufig nicht viel im Leben der „Goianos“. Kurz nach Erstellung der ersten Republikanischen Verfassung erschien eine Expedition der Landesregierung auf goianischem Boden, unter der Leitung eines gewissen „Luís Cruls“, die ein Areal auf dem „Planalto Central“ zu vermessen hatte, wo man, so hiess es, den idealen Ort für den Sitz der brasilianischen Regierung gefunden (dass bis zur Verwirklichung dieser Idee noch ein knappes Jahrhundert vergehen würde, konnte niemand ahnen). Der riesige „mediterrane Bundesstaat“ Goiás, fast isoliert vom Rest der Welt, besass seine bedeutendste Existenzgrundlage in der Landwirtschaft und seiner Viehherden. Und das änderte sich auch nicht, als ab 1888, der offiziellen Freilassung aller Sklaven, plötzlich viele Arbeitskräfte fehlten.
Von den ersten Tagen der Republik an, bis zur Revolution 1930, wird die Macht von einer Hand in die andere weitergereicht, von einer Oligarchie zur andern, die sich in sterilen politischen Kämpfen aufrieben, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an irgendwelche Massnahmen für den Fortschritt ihres Bundesstaates zu verschwenden.
Während der gesamten Periode sind nur zwei Errungenschaften von Bedeutung für die Kultur und die Wirtschaft der Region zu nennen: einmal die Schaffung der „Akademie der Rechte“, 1903, unter der Regierung von „José Xavier de Almeida“ und zum andern, die Durchquerung des Bundesstaates durch die „Estrada de Ferro de Goiás“ (1911) – einer Eisenbahnlinie, die gewissermassen den alten Traum der Navigation auf dem Araguaia ersetzen sollte, um Goiás mit anderen Stationen der Nachbarstaaten zu verbinden – aber schon nach 200 km Schienenverlegung mussten die Arbeiten am Ufer des Rio Corumbá unterbrochen werden – und es dauerte Jahre, bis man endlich das Geld für eine Brücke über den Fluss und die Weiterführung des Schienenweges auftreiben konnte.
Optimismus
Erst ab den 30er Jahren kommt für Goiás eine Phase reellen wirtschaftlichen Aufschwungs. Die neue Regierung, unter „Pedro Ludovico Texeira“, betrachtet es als ihre erste Aufgabe, die Hauptstadt in ein geeigneteres Gebiet zu verlegen und beginnt im Dezember 1932 mit deren Planung in der Nähe von „Anápolis“, wo man die Verbindung mit der Schiene erwartet. Wenige Mittel stehen für den Bau der neuen Hauptstadt zur Verfügung – ein Darlehen von der „Banco do Brasil“ hilft – man beginnt mit den Bauarbeiten. Den Namen „Goiânia“ liefert ein Projekt des Ingenieurs „Atílio Correia de Lima“ und des Stadtplaners „Armando de Godói“. Im März 1937 stehen die wichtigsten öffentlichen Gebäude und einige Wohnhäuser – man hat es eilig und dekretiert den Umzug – aber erst am 5. Juli 1942 wird die Stadt offiziell eingeweiht. Der Bau von Goiânia fällt zufällig mit einer Werbung der Landesregierung für den „Marsch nach Westen“ zusammen – man will landwirtschaftlich orientierte Kooperativen in Goiás und Mato Grosso ansiedeln, den Bevölkerungszuwachs in den Städten an der Küste entlasten und den schier endlosen Raum des Westens erschliessen.
Zahlreiche Siedlungen gehen aus diesem Aufruf hervor: „Ceres, Rialma, Uruana, Britânia“ und viele andere.
Diese positive Entwicklungsphase, in der Goiás sich von seiner jahrzehntelangen Verspätung gegenüber fast aller Bundesstaaten der Föderation erholt, bekommt noch besonderen Aufwind durch die beabsichtigte Verlegung der Hauptstadt der Republik, von Rio de Janeiro nach jenem von „Luís Cruls“ im Jahr 1892 vermessenen Terrain des „Planalto Central“, innerhalb ihres Hoheitsgebiets. Die endgültige Einleitung der Bauarbeiten von Brasília, 1956, gibt der immensen Region des brasilianischen Zentralen Westens neues Leben – neue Strassen werden erschlossen und neue Siedlungen geboren, andere vergrössern sich, es gibt wieder viel Arbeit, auch für Ströme von Einwanderern aus anderen Staaten – und die Gedanken der Menschen werden wieder beflügelt vom Optimismus, besonders über sich selbst.