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Vor 60 Jahren, mit dem Fahrplanwechsel am 2. Juni 1957, begann die Ära des «Trans Europ Express». Von Zürich aus starteten die eleganten Triebzüge zunächst nach Paris, Hamburg und Amsterdam. Ab 1961 waren dann die elektrisch betriebenen schweizerischen RAe TEE II-Kompositionen im Einsatz, die in den 60er und 70er Jahren zum Inbegriff des luxuriösen Bahnreisens wurden.
Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und zu Beginn der Wirtschaftswunderjahre waren die Bahnen in ganz Europa in einer schwierigen Lage: gegenüber der starken Zunahme des privaten Autoverkehrs und des sich ständig weiterentwickelnden Luftverkehrs waren innovative Ideen gefragt. Bereits Ende 1953 regte Franciscus Querien den Hollander, Präsident der Niederländischen Eisenbahnen, deshalb die Schaffung eines europäischen Schnellzugnetzes an. Die beteiligten Bahngesellschaften beschlossen, die Züge unter einem einheitlichen Markennamen fahren zu lassen: «Trans Europ Express», kurz TEE.
Eckpfeiler des Konzepts waren dabei die einheitliche Lackierung in Bordeauxrot und Creme, eine Bordküche, von Endpunkt zu Endpunkt durchlaufende Kompositionen und die Anordnung von höchstens drei Sitzplätzen auf die Wagenbreite. Die reinen Erstklasszüge sollten zudem repräsentative Namen führen.
Fuhren die ersten TEE noch mit Dieselantrieb, setzten die ab 1961 eingesetzten Schweizerischen Vierstrom-Triebzüge RAe TEE II bezüglich Technik neue Massstäbe. Noch nie hatte es zuvor eine Komposition gegeben, die unter allen vier in Europa üblichen Stromsystemen fahren konnte.
Die Beschaffung der Triebzüge durch die SBB wurde 1959 beschlossen. Bestellt wurden die Züge bei der SIG in Neuhausen, und zwar ohne eine weitere Ausschreibung. Der Preis pro Komposition betrug 2,2 Millionen Franken und lag damit unterhalb der eigentlichen Offerte der SIG. Offensichtlich war der Auftrag auch für die Herstellerfirma wichtig, begründete sie doch die Preisreduktion damit, «dass es sich für unsere Firma um einen vom technischen Standpunkt aus gesehen speziell wertvollen Auftrag handelt». Die eleganten SBB Triebzüge wurden zwischen Mailand, Paris, Brüssel und Amsterdam zur Visitenkarte der schweizerischen Rollmaterial-Industrie.
Auch punkto Innenausstattung und Reisekomfort erreichten die TEE ein neues Level. Vorzügliches Essen im Bordrestaurant, eine gut bestückte Bar und luxuriöse Reisesessel übertrafen den Komfort einer Flugreise bei weitem. Eine Besonderheit waren auch die separaten Damen- und Herren-Toiletten, wobei das Damenkompartiment auch noch mit einem dreigeteilten Beauty-Spiegel im Vorraum aufwartete.
Das Design der Innenausstattung schuf der Schaffhauser Architekt Walter Henne. Noch über 30 Jahre später wurde es als «eine der herausragendsten Leistungen schweizerischer Designkultur» gewürdigt.
Die letzte planmässige Fahrt einer schweizerischen TEE-Komposition führte am Abend des 24. September 1988 von Mailand nach Zürich. Zwar wurden die Züge später – nach entsprechendem Umbau – noch als IC bzw. EC-Züge eingesetzt, der ganze Charme des TEE-Zeitalters lässt sich heute aber nur noch auf einer Fahrt mit dem restaurierten RAe TEE II 1053 von SBB Historic erleben.
Text: Martin Cordes, Leiter Archive bei SBB Historic.
Bilder: SBB Historic
Quellen:
Chr. Zellweger, TEE. Ikone der Luxuszüge. 2003.
Fr. Romero, Die Ausgestaltung der TEE/EC Züge der SBB, in: Der Architekt, Ausg. 10/1992.