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Wissenschaftler aus Taiwan untersuchten mit Hilfe von 65 Frauen, die nach einer Geburt unter Schlafstörungen litten, ob eine tägliche Fußreflexzonenmassage den Schlaf verbessern kann.
Die Forscher aus Taiwan teilten 65 Frauen, die nach einer Geburt über Schlafstörungen litten, nach dem Zufallsprinzip ( = Randomisierung) in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe erhielt fünf Tage lang täglich eine 30-minütige Fußreflexzonenmassage (FRZM), die andere erhielt keine derartige Behandlung.
Am Ende der Therapie gaben die mit Fussreflexzonen-Behandelten an, besser zu schlafen als die Patientinnen der unbehandelten Kontrollgruppe. Der Unterschied war statistisch signifikant. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Fussreflexzonenmassage eine bei dieser Indikation effektive Behandlung sei.
Dass eine sanfte Fußmassage angenehm sei, entspanne und so den Schlaf in stressvollen Lebenssituationen fördere, werde wohl kaum jemand bezweifeln, schreibt Prof. Edzard Ernst (Lehrstuhl für Alternativmedizin, Universität Exter) in einem Kommentar zu der Studie: „Anhänger der FRZM gehen jedoch sehr viel weiter. Sie glauben, dass sich auf der Fußsohle Reflexzonen befinden, die direkt mit Organsystemen in Verbindung stehen. So wurde dann auch von den Therapeuten in dieser Studie versucht, durch Druck auf „spezifische“ Punkte, das Schlafzentrum zu beeinflussen.“
Da es keine anatomischen Bahnen gebe, die solche Verbindungen herstellen, zähle die Fussreflexzonenmassage zu den wenig plausiblen Methoden der Alternativmedizin, schreibt Ernst weiter.
Studien hierzu seien Mangelware:
„Daher ist die vorliegende Arbeit es Wert, beachtet zu werden. Leider erlaubt das Studiendesign jedoch keine Aussage über eine spezifische Wirksamkeit der FRZM. Es fehlt jeglicher Versuch, auf unspezifische Therapieeffekte zu kontrollieren. Somit sind die beobachteten Effekte wohl eher durch die wohltuende Entspannung einer Fußmassage zu erklären. Manche werden meinen, das sei letztlich egal, Hauptsache es hilft. Diesem Argument mag ich mich nur teilweise anschließen – denn wenn dem so ist, dann brauchen wir weder den Hokuspokus der Reflexzonen noch speziell ausgebildete FRZM-Therapeuten.“
Quelle:
http://www.springermedizin.de/fussreflexzonenmassage-mehr-als-ein-placebo/882994.html
MMW – Fortschritte der Medizin 2011/41
Kommentar & Ergänzung:
Dass Fussreflexzonenmassage wirksam sein kann, zeigt diese Studie gut. Fraglich ist nur, ob es für dieses Resultat die Behandlung ganz spezifischer Punkte braucht, welche die Fussreflexzonen-Theorie vorsieht.
Ähnliche Phänomene sind bekannt aus Akupunktur-Studien, die zeigten: Akupunktur ist in manchen Fällen eine wirksame Methode, doch ebenso wirksam ist Scheinakupunktur, bei der an falschen Stellen gestochen wird:
Ähnlich auch eine Studie zur Homöopathie bei Rheuma, die zum Schluss kommt, dass Rheumapatienten von einer homöopathischen Behandlung (zusätzlich zur medizinischen Therapie) profitieren, dass es aber nicht die Globuli sind, die wirken:
Offenbar ist es nicht selten, dass eine Therapie zwar wirkt, aber nicht aufgrund derjenigen Faktoren, von deren Wirksamkeit ihre VertreterInnen überzeugt sind.
Siehe dazu auch:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch