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|Thema||Orte||Personen|

1851: Die Walliser Auswanderung nach Algerien
Um die Dörfer, aus denen die Einheimischen vertrieben worden sind, wieder zu bevölkern und das Land zu kultivieren, beauftragt die Regierung die Präfekten, in Nordeuropa Werbung zu betreiben, um Kandidaten für eine Auswanderung zu rekrutieren. So suchen die Anwerber auch im Wallis nach Kandidaten, während gewisse Walliser aus eigener Initiative mit den französischen Behörden Kontakt aufnehmen, um sich nach den Bedingungen für eine Auswanderung nach Algerien zu erkundigen.
Die ersten Walliser, die sich in Algerien niederlassen, bewirken mit Briefen an ihre Angehörigen zu Hause die Ausreise anderer Kandidaten. So wandern zwischen 1851 und 1855 einige Dutzend Familien aus dem Unterwallis in den Norden Algeriens aus, insbesondere ins Dorf Ahmar El Aïn, und treffen dort auf die Auswanderer, welche sich bereits in den 1840er-Jahren dort niedergelassen haben. Diese Auswanderungen werden als «Abschiebung» betrachtet, und zwar sowohl von der Walliser Presse, welche diese scharf verurteilt, als auch von den französischen Behörden, welche bei der Walliser Regierung dagegen protestieren. In den Jahren nach den ersten Auswanderungen trifft die Walliser Regierung Massnahmen, um strengere Bedingungen für eine Auswanderung festzulegen, indem sie insbesondere verlangt, dass die Kandidaten über genügend Geld zur Deckung der Auswanderungskosten verfügen. Trotzdem müssen die meisten Auswanderer ihr ganzes Hab und Gut verkaufen, um die Reise und ihre Niederlassung in Algerien zu finanzieren.
In gewissen Walliser Ortschaften nimmt diese Auswanderung nach Algerien ein beträchtliches Ausmass an. Im Verlauf des Jahres 1851 wandern allein aus Saxon 186 Personen aus, was beinahe einen Fünftel der Bevölkerung ausmacht. Während desselben Jahres versuchen insgesamt mehr als tausend Walliser, die fast ausschliesslich aus den Bezirken des Unterwallis stammen, ihr Glück in Algerien. Im Oberwallis zählt man insgesamt 16 Auswanderungen nach Algerien.
Die schlechten Nachrichten, welche die Verwandten ab dem Ende des Jahres 1851 von den Auswanderern erreichen, führen zu einer starken Abnahme der Auswanderung. Im Verlauf von zwei Jahren nach der Niederlassung in Algerien sterben nämlich 170 Walliser vor allem an Malaria. Während der folgenden drei Jahre kehren mehr Walliser zurück als auswandern: 200 kehren bereits im Jahr 1851 zurück und bis 1857 sind es noch weitere 153. Ihre Wiedereingliederung im Wallis erfolgt unter sehr schwierigen Bedingungen.
Im Jahr 1854 kommt die Idee auf, im Wallis und in anderen katholischen Kantonen erneut Kandidaten zu rekrutieren, um die Gemeinde Medjez-Amar zu besiedeln, in der sich ein Waisenheim befindet, das von den Mönchen der Abtei von Saint-Maurice geführt wird. Dieses Projekt, das die französische Regierung als Gelegenheit ansieht, ein Gegengewicht zur Anwesenheit von Schweizer Protestanten in Algerien herzustellen, wird allerdings nie realisiert.
Referenzen
Eric MAYE, « L’émigration valaisanne en Algérie au XIXe siècle », in Annales valaisannes, 1997, S. 131-232.
Patrick WILLISCH, « Das Wallis in Bewegung. Ein Forschungsbericht zur Migrationsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert », in Blätter aus der Walliser Geschichte, 48 (2016), S. 85-172.
François-Marie BUSSARD, « La coopération de l'Abbaye de St-Maurice à l'oeuvre missionnaire », in Echos de Saint-Maurice, 34 (1935), S. 25-134.