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Titel:
Die erste Bevölkerungsstatistik
Thema: Leute
Datum: --.--.1667
Masse: 19 x 21.5 cm
Standort: Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, Aa.52
Urheber/-in: Johann Heinrich Stephan, Pfarrer in Urnäsch
Beschreibung:
Der unscheinbare Zettel trägt den rückseitigen Vermerk „Visitation und Verzeichnussschein aller Seelen, in der Gemeind Urnäschen betreffend, Ao 1667“. Ausgewiesen wird eine Gesamtzahl von 1775 Menschen. Darin eingeschlossen sind 71 vorübergehend ortsabwesende Bürger. Davon hielten sich 20 in anderen Ausserrhoder Gemeinden und 16 in St. Gallen auf. Weitere 35 Personen waren in Frankreich, in der Pfalz, im Schwabenland oder im „Schwytzerland“ ansässig.
Geschichte:
Im Jahr 1667 fand nach Zürcher Vorbild die erste kantonale Bevölkerungszählung statt. Die meist die Unterschriften der Ortspfarrer tragenden „Statistikblätter“ im Staatsarchiv belegen, dass die Pfarrer massgeblich an der Erhebung mitwirkten. Kantonsweit ergab die Zählung eine Einwohnerzahl von 19'823. Aufgrund dieser Erhebung fand nachfolgend die Verteilung der Schützen- und Armengelder zuhanden der einzelnen Gemeinden statt. Während heute nur mehr 0,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung in Appenzell Ausserrhoden wohnen, betrug der damalige Bevölkerungsanteil stattliche 15 Prozent.
Im innerkantonalen Vergleich stand Urnäsch gut da. Sein Einwohneranteil war rund doppelt so hoch wie heute. Die damals auch Schönengrund einschliessende Hinterländer Gemeinde hatte nur geringfügig weniger Einwohner als etwa Gais oder Teufen.
Überdies dokumentiert das Urnäscher Zeitzeugnis eine erhebliche Bevölkerungsmobilität.
Der Verweis auf Leute in der „Pfaltz“ schlägt den Bogen zur nach dem Dreissigjährigen Krieg einsetzenden Auswanderungsbewegung in diese kriegsversehrte Region. Bei den sich in Frankreich aufhaltenden Ortsbürgern dürfte es sich mehrheitlich um Söldner in königlichen Militärdiensten gehandelt haben.
Das im Papier aufscheinende Wasserzeichen (Bär mit Dogge in Rosette) zeigt das klassische Sujet der 1604 von Abt Bernhard II. Müller erbauten Papiermühle Obere Chräzeren im Westen der Stadt St. Gallen. Die Unterschrift verweist auf Heinrich Stephan (1609-1670) aus Zürich, der 1636 bis 1670 als Pfarrer in Urnäsch wirkte.
Autor: Peter Witschi, Herisau
Literatur:
Appenzellisches Monatsblatt 1835, S. 175.
Hächler, Fredi: St. Galler Wasserzeichen. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 124/2006. S. 139-155.
Schläpfer, Walter: Appenzeller Geschichte, Band 2. Herisau 1972. S. 100.
Transkription:
"Ich underschrybner hab in myner letstgehaltner
huss visitation in uhrneschen anno 1667 funden
der seelen von man und wybs personnen jungen
und alten 1775
Under dennen hab ich auch verzeichnet die jenigen
die dismals dienend hin und wider im land der
selben sind 20
Item die da dienend in St. Gallen ders sind 16
Wie auch die jenigen die dismals sich befinden
in Franckrych, in der Pfaltz Schwaaben und
Schwytzerland deren sind 35
Summa 71
Bezuget Joh. Heinrych
Steffan Pfarrer
daselbsten."
Aus: StAAR, Aa.52.
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