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Einstein soll einmal gesagt haben, es gäbe keine andere vernünftige Art der Erziehung, als Vorbild zu sein. Wenn es nicht anders geht, ein abschreckendes. Das hat was. Denn auch Mütter und Väter, die an Elternrolle und Erziehungsaufgabe scheitern, prägen ihre Kinder. So hat es Barack Obama, 59, erlebt.
«Ich kannte meinen Vater nicht wirklich», schreibt der ehemalige US-Präsident auf Instagram. «Er hat meine Mutter und mich verlassen, als ich zwei Jahre alt war.» Nur einmal habe sein Vater, ein kenianischer Ökonom und Regierungsberater, der ebenfalls Barack Obama hiess, ihn in den USA besucht. Während dieses Besuchs ist das Foto entstanden, das Obama auf Instagram teilt. Er ist als zehnjähriger Bub zu sehen, der den Arm seines Vaters mit beiden Händen festhält.
«Dieser Besuch war das erste und letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe», so Obama. Nur durch gelegentliche Briefe habe sich der Vater gemeldet. Zeilen, die er jeweils auf dünnes Airmail-Papier geschrieben habe, gefaltet und adressiert ohne Couvert.
Dieser eine kurze Besuch seines Vaters habe ihn stark beeinflusst, erinnert sich Barack Obama: «Mein Vater schenkte mir meinen ersten Basketball und zeigte mir Jazzmusik. Der Besuch hinterliess jedoch mehr Fragen als Antworten. Danach wusste ich, dass ich alleine herausfinden muss, wie man ein Mann ist.»
Barack Obama spricht mit Bruce Springsteen über Väter und deren Einfluss
Darüber, wie sehr die Abwesenheit einer Vaterfigur und eines männlichen Rollenvorbilds ihn geprägt hat, spricht Barack Obama in seinem neuesten Podcast «Renegades» auf Spotify mit seinem guten Freund, Musiklegende Bruce Springsteen – der mit seinem Vater ähnliche Erfahrungen gemacht hat.
Bruce und er seien beide mit «fehlerhaften Vaterfiguren» aufgewachsen. Bruce sagt, auch er habe seinen Vater kaum gekannt, denn dieser habe sein Leben und seine Gefühle stets unter Verschluss gehalten. Er sei regelmässig einfach verschwunden und habe massiv Alkohol konsumiert. Das sei alles, was er von seinem Dad über Männlichkeit gelernt habe, so Bruce. «Ich war mit der Information, die mir mein Vater über Männlichkeit gegeben hat, nicht fähig, ein Leben zu führen.»
Obama wiederum erzählt, dass er sich durch die fehlende Vaterfigur in seinem Leben vor allem an der Popkultur identifiziert habe. Als Teenager schaute er James Bond und glaubte der Werbung, die ihm vermittelte, dass Männlichkeit sich vor allem über sexuellen Wettbewerb, Gewalt und Sport definiert.
So beeinflusste sein Vater Barack Obama aus der Ferne
Viel später erst entdeckte Barack Obama, dass sein Vater auch aus der Ferne einen massiven Einfluss auf ihn hatte. «Meine Frau Michelle fragt sich oft, wieso ich so getrieben bin, viel zu erreichen. Ich glaube das kommt daher, dass ich manchmal dachte, mein Vater habe mich verlassen, weil ich es nicht wert war, zu bleiben.» Also habe er ein Leben lang versucht, seinem Vater und sich selber das Gegenteil zu beweisen.
Heute ist Barack Obama froh, dass er ohne seinen Vater aufwuchs
Aus heutiger Sicht denkt Barack Obama, dass es ein Glück war, weit weg von seinem Vater aufzuwachsen, der in Kenia eine neue Familie gegründet hat. «Nachdem ich seine anderen männlichen Nachkommen kennenlernte, begriff ich, dass es gut war, dass er während meiner Kindheit nicht da war. Er hatte Probleme. Sein Leben war von Chaos, Wut, Zerstörung und Schmerz geprägt. Damit musste ich mich nicht herumschlagen.»
Ein Autounfall raubte Barack Obama 1982 die Möglichkeit, seinen Vater richtig kennenzulernen. Wenige Monate vor einem geplanten Besuch seines Sohnes in Kenia kam Barack Obama Senior ums Leben.