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Im «Regierungs- und Adress-Calender des Cantons Zürich auf das Jahr 1818» ist erstmals die Thalwiler Textilfirma Kölliker, Wieland u. Co. aufgeführt. Sie produzierte «Basin, Cambricks, Nastücher, Cravatten, Cottones, Ballaseres» und später Seidenstoffe. Der prosperierende Betrieb wurde 1821 in ein neu erbautes dreigeschossiges Fabrikgebäude am See verlegt, das ab 1837 auch eine Wohnung enthielt.
Nach verschiedenen Eigentümerwechseln machte die Firma 1868 Konkurs. Heinrich Hiestand-Beisler aus Wädenswil erwarb die Fabrik und liess sie 1869 zum Wohnhaus umbauen. Sein Wegzug nach Worms dürfte der Grund gewesen sein, weshalb er die Liegenschaft nur zwei Jahre später an den Färbereibesitzer August Weidmann (1842–1928) veräusserte. Dieser war im Alter von 19 Jahren in die väterliche Färberei eingetreten und hatte den Betrieb trotz Bedenken des Vaters innert weniger Jahre modernisiert und ausgebaut. Seine zweite Heirat mit Lucie Züst (1850–1919) liess offenbar den Wunsch nach einem standesgemässen Wohnsitz wach werden. Zwischen 1876 und 1911 liess der umtriebige Fabrikant das Haus in mehreren Etappen umbauen und erweitern. So verwandelte sich der nüchterne ehemalige Fabrikbau nach und nach in ein eigenwilliges, etwas heterogen wirkendes Schlösschen. Das Innere wurde mit schweren Täfern, Malereien auf Holz und Verputz, Stuckdecken und Farbfenstern ausgestattet. Modernste Haustechnik, Zentralheizung mit Radiatoren, Entlüftung im Fumoir, Speiselift, Wasser-Closett und Bad etc. sorgte für Wohnkomfort. Während die Bauteile der 1880er- und 1890er-Jahre noch von der Neurenaissance geprägt sind, bestimmen Heimatstil und Jugendstil die jüngste Bauetappe von 1911, zu der nicht nur der Treppenhausanbau, sondern auch ein polygonaler Pavillon samt Verbindungsbrücke gehörten. Ein Ökonomiegebäude mit angebautem Gewächshaus, ein ausgedehnter Park, ein Badehaus und ein Schiffsschopf vervollständigten das Anwesen. In seiner «Villa am Gstad» empfing das kinderlos gebliebene Ehepaar Weidmann-Züst viele Geschäftsfreunde, Politiker, Maler und Musiker.
Nach August Weidmanns Tod erwarb Hans Kern (1867–1940), Kantonsrat und alt Stadtrat von Zürich, 1930 die Liegenschaft. In den 1950er-Jahren wurde die Parkanlage abgetrennt und mit Mehrfamilienhäusern überbaut. Die Restparzelle mit der Villa gelangte an die Paul Eggimann AG, Chemische Produkte und pharmazeutische Spezialitäten. 1976 erwarb Julius Schmid, Wirt des Restaurants «Kindli» in Zürich und Bruder des legendären Trios «Geschwister Schmid», die Liegenschaft. Trotz der vielen Handwechseln erfuhr die prachtvolle Fabrikantenvilla im Laufe der Jahrzehnte nur wenige Veränderungen. Die gegenwärtigen Eigentümer haben das Gebäude mit seiner reichen Innenausstattung einer sorgfältigen Restaurierung unterzogen.