Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03357.jsonl.gz/2927

In vier Monaten New York City habe ich sechs Skizzenbücher gefüllt. Ich zeichnete auf den Strassen, in Coffee Shops und Museen. In Parks, an Konzerten und am Strand. Unterwegs in der Subway, Galerien und in Diners. Meine einzige Regel: Ich akzeptiere das Resultat und reisse keine Seiten aus dem Buch – das ist mir fast gelungen. Hier Folge zwei aus dem Skizzenbuch.
New York ist.
Wenn Greta Thunberg in einem WBGO Radio Interview gefragt wird, wie ihr New York gefalle und sie antwortet: „People talk so loud and the city smells.“
Wenn mir ein junger Puerto Ricaner an der 32nd Strasse Ecke 5th Avenue erklärt: “We are all biological robots. And goldfish are a human invention.“
Wenn mir ein Dogwalker im Central Park den grössten von acht Hunden mit den Worten vorstellt: „This is Hank, he thinks he is small.“
New York ist.
Wenn ich in Harlem grossgewachsene Zwillinge in identischer Kleidung sehe und sie zu mir sagen: „What you looking at? Want to make a picture? For you five Dollars.“
Wenn mir ein junger Mann auf dem Weg zum Metropolitan Museum eine gebrannte CD mit Rap Musik in die Hand drückt und sagt: „Don’t be afraid of black people.“
Wenn ich in der Subway 1 Downtown eine Werbeanzeige sehe mit folgendem Text: Spiritual Consultant. Tells past, present and future. Call now. One free question by phone. Best Psychic Reader in Town.
New York ist.
Wenn Patti LaBelle im Apollo Theater zu ihren Auftritten in den 60er Jahren befragt wird und meint: „This was it, the place to be. The real deal. You know, black people are proud. They tell you when your performance is no good. They throw things at you.“
Wenn ich um zehn Uhr Morgens in der Kälte vor der Carnegie Hall für Rush Tickets anstehe, ein älterer Mann zu mir kommt und mir zwei Tickets in den vorderen Reihen mit folgenden Worten hinstreckt: „You look like a nice chap, I give you those for 40 Dollars.“
Wenn die Menschen in der Fussgängerzone, im Museum und im Supermarkt permanent ineinander laufen, weil sie so mit sich, den Eindrücken der Stadt, und ihren Smartphones beschäftigt sind.
New York ist.
Wenn die Leute in der Subway Station an der 86th Street Ecke Broadway anstehen, um die Treppe hoch zur Strasse zu kommen.
Wenn der Typ mit der weissen Schürze bei Barney Greengrass nur Cash akzeptiert. Und auf die Frage warum, meint: „We like it quick and dirty.“
Wenn ich im wiedereröffneten MoMa eine Pink Panther Figur von Jeff Koons zeichne, ihm zehn Minuten später im Korridor über den Weg laufe und er eine Widmung in meine Skizzenbuch zeichnet.
New York ist.
Wenn ein betrunkener Homeless in einem billigen Dumpling House an der Canal Street versucht Geld von den Gästen zu betteln und gleichzeitig die Bedienung beschimpft.
Wenn an der Prince Street wieder einmal eine lange Schlange von Menschen für eine gerade angesagte Salami Pizza ansteht.
Wenn mir der Vermieter bei der Schlüsselabgabe an der Amsterdam Avenue sagt: „Did you like New York? Yes? I’m happy every time I get out of town.“
Die Zeichnungen sind ein Auszug aus verschiedenen Skizzenbüchern, entstanden in einem viermonatigen Stipendium-Aufenthalt in New York City 2019.
Text und Illustration: Pirmin Beeler