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In der Zwischenkriegszeit wurde die Sowjetunion zu einem beliebten Reiseziel westlicher «Revolutionstouristen». Die Auswirkungen der Oktoberrevolution und der Aufbau des ersten sozialistischen Staates zogen Sympathisant*innen sowie Gegner*innen des neuen Systems an. Gefördert wurde das ausländische Interesse durch die sowjetische Kulturdiplomatie und Institutionen zur Betreuung von ausländischen Reisenden. In den 1930er Jahren waren Reiseberichte, Presseberichte und Vortragsreihen in der Schweiz die wichtigsten Quellen, um sich über die Geschehnisse in der UdSSR zu informieren. In der Schweizer Bevölkerung wie auch in Regierungskreisen herrschte eine starke antikommunistische Grundstimmung, was sich auch in der Politik der Nichtanerkennung der Sowjetunion ausdrückte. Der Sowjetunion-Diskurs in der Schweiz war stark polarisiert und die Rezeption der Reiseberichte oft von politischen Kontroversen geprägt. Das vorliegende Forschungsvorhaben setzt an diesem Moment der Interaktion zwischen Sowjetunionreisenden, ihren Reiseberichten und der Schweizer Öffentlichkeit an. Es richtet den Blick auf Schweizer Sowjetunionreisende, die für sich und ihre Berichterstattung eine gewisse Objektivität beanspruchten und versuchten, die politischen Kontroversen zu umgehen. Das Forschungsprojekt analysiert, welche Erzählungen in diesem Kontext entstanden und wie der Objektivitätsanspruch in den Texten umgesetzt wurde. In einem zweiten Schritt wird diskursanalytisch die Rezeptionsgeschichte der Berichte in der Schweiz und ihre Einbettung in den polarisierten Schweizer Sowjetunion-Diskurs untersucht. Das Dissertationsprojekt verspricht damit, einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der schweizerisch-sowjetischen Beziehungen in der Zwischenkriegszeit zu leisten.