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Am Samstag wurde ein Video veröffentlicht, das Donald Trump dabei aufnimmt, wie er mutmasslich sagt, dass er die Ukrainische US-Botschafterin Marie Yovanovitch «loswerden» wolle.
Die Aufnahme wurde der «PBS NewsHour» zugespielt. Der Anwalt einer der Personen, die während des Gesprächs anwesend gewesen war, leitete das Video an die News-Website weiter. Aufgenommen soll es an einem Abendessen in Washington D.C. Ende April 2018 worden sein. Ein Jahr später wurde Yovanovitch tatsächlich entlassen.
Lev Parnas, der Mitarbeiter von Trumps persönlichem Anwalt Rudy Giuliani, soll an diesem Abendessen dabei gewesen sein. Dies bestätigt einer der Anwälte von Lev Parnas. Auf der Aufnahme ist zu hören, wie Parnas folgendes zu sagen scheint: «Das grösste Problem dort, wo wir, so glaube ich, anfangen müssen, ist, dass wir die Botschafterin loswerden müssen. Sie ist immer noch übrig von der Clinton-Regierung.»
Danach ist Trump zu hören, der zu sagen scheint: «Wo? Die Botschafterin in der Ukraine?» Parnas entgegnet: «Ja. Sie läuft im Grunde genommen herum und sagt allen: ‹Wartet, er wird impeached, wartet nur ab›.» Wenige Sekunden später ist wieder Trump mit vermeintlich diesen Worten zu hören: «Werden Sie sie los! Bringen Sie sie morgen raus. Das ist mir egal. Holen Sie sie morgen raus. Bringen Sie sie raus. OKAY? Tun Sie es.»
Lev Parnas' Anwalt, Joseph Bondy, sagte aus, dass Parnas gemeinsam mit Igor Fruman – ein weiterer Geschäftspartner von Giuliani – am Abendessen teilnahm. Die beiden Herren wurden unterdessen unter anderem wegen Verstosses gegen die Gesetze der Wahlkampffinanzierung angeklagt.
Bondy entschloss sich, das Video zu veröffentlichen, weil er es als wichtig für den laufenden Impeachment-Prozess gegen Trump erachtet:
Das Video soll angeblich von Fruman stammen und «ABC News» soll das Video als erstes eingesehen und darüber berichtet haben. Parnas bekam davon Wind und suchte das Video, das ihm Fruman zugespielt hatte. Als er es fand, liess er es via Bondy an die Ermittler im Impeachment-Verfahren schicken.
Doch das Video hat noch eine weitere wichtige Passage. Kurz bevor das Thema auf Yovanovitch gelenkt wird, geht das Gespräch um den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. Dieser Konflikt ist ein wichtiger Grund, weshalb die Ukraine auf US-Militärhilfe angewiesen war.
Im Video ist eine Stimme zu hören, die sagt: «Die Ukraine verfügt über gewaltige Ressourcen.» Eine weitere Stimme sagt, dass die Ukraine Teil der europäischen Pipelines sei. Trump scheint das zu interessieren, weshalb er anscheinend nachfragt: «Die Ukraine hat Öl?» Eine Person bejaht die Frage und Trump scheint danach weiter zu fragen: «Warum gehen die Unternehmen nicht hinein? Zu riskant?» Jemand antwortet: «Genau. Sie haben die Clintons all die Jahre unterstützt.»
Es verstreichen nochmals einige Sekunden bis Trump schliesslich zu fragen scheint: «Wie lange könnte [die Ukraine] in einem Kampf mit Russland bestehen?» Die Antwort: «Ohne uns nicht sehr lange.» Danach, so scheint es, wiederholt Trump die Worte: «ohne uns».
Kurze Zeit später wird die US-Militärhilfe an die Ukraine angesprochen. Trump dazu: «Immer sind wir es, die alle unterstützen müssen? Man muss sich fragen, warum unterstützt Deutschland sie nicht? Warum unterstützen die anderen sie nicht?» Jemand antwortet: «Die unterstützen alle Russland. Viele Länder fallen uns in den Rücken und helfen Russland.»
Im Video ist ausserdem zu hören, wie Trump Deutschland für die Energie-Partnerschaft mit Russland kritisiert und sich enerviert, dass viele andere EU-Länder zu wenig Beiträge an die NATO leisten.
Das Video wurde gerade rechtzeitig auf den Tag veröffentlicht, als die Beweisführung im Impeachment-Prozess startete. Die Ukraine-Affäre ist der Auslöser für das Impeachment von Donald Trump. Die Parteien streiten sich darüber, ob Trump seine Macht missbraucht und ob es ein sogenanntes «quid pro quo» gegeben hat.
(mim)
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