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European Law Moot Court
Teilnahme am Regionalfinale des European Law Moot Courts in Lille 2023
Auch der European Law Moot Court (ELMC) hat die Pandemie-Beschränkungen der letzten beiden Austragungen hinter sich gelassen: Im Herbstsemester 2022 wurde der stark auf studentischer Gruppenarbeit aufbauende europäische Wettbewerb rund um einen fiktiven Rechtsfall, der vor dem Europäischen Gerichtshof hängig ist (2022/23 Moot Court Case), lanciert. Auch am Europainstitut Basel haben sich mit Fabia Betschart, Adam Bujalka, Dario Mathys, Oriana Polero Cardoso, Oleksandr Sliepanov und Elisa Zoletto insgesamt sechs Studierende in den Fall vertieft. Bezugnehmend auf die aktuelle Weltlage dreht sich im laufenden Moot Court-Jahr alles um Sanktionen der EU gegen einen Drittstaat, der die territoriale Integrität eines Beitrittskandidaten in Frage stellt. Ein von den Sanktionen direkt betroffener Geschäftsmann und seine Tochter mit EU-Pass - in Form eines nicht ganz unumstrittenen "Golden Passport"-Programms erworben - setzen sich gegen die Massnahmen zur Wehr. Diese treffen einen Wildpark im Minderheitsbesitz des Geschäftsmanns ebenso wie dessen Hochseeyacht und das Influencer-Business der Tochter.
Im vergangenen November hat das EIB-Moot-Court-Team dieser sechs Studierenden zwei juristische Schriftsätze für die beteiligten Parteien - die betroffenen Geschäftsleute respektive die Mitgliedstaaten, die die Sanktionen umsetzen - verfasst und zum Wettbewerb eingereicht. Der Gruppen-Effort hat sich gelohnt: Drei der Studierenden sind zusammen mit ihren Coaches Mpoi Hilpert und Lukas Lusser nach Lille gereist, um vom 3. bis zum 6. März am Regionalfinale an der Université Catholique de Lille teilzunehmen.
Dort sind Fabia Betschart (in der Rolle der klagenden Partei), Oriana Polero Cardoso (als Vertreterin der Verteidigung) und Adam Bujalka (als Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs) in drei Runden gegen die Teams der Universität Athen, der Universität Fribourg, der Universität Genf, der Colombia Law School New York und der Universität Ghent angetreten, um ihre Argumente in englischer und französischer Sprache vorzutragen und die Plädoyers gegnerischer Teams zu parieren. Jeweils fünf Richterinnen und Richter – in ihre Rolle schlüpften sowohl Professoren der Gastuniversität Lille wie auch Mitarbeitende der Europäischen Kommission und des Europäischen Gerichtshofs – hinterfragten dabei beinahe jedes vorgebrachte Argument der Parteien hartnäckig und stellten neben Faktenkenntnis und europarechtlichem Wissen auch die Präsentations- und Reaktionsfähigkeit aller Teilnehmenden auf eine harte Probe.
Als einzige Vertreter:innen eines interdisziplinären Studienganges behaupteten sich „unsere“ Moot-Court-Teilnehmenden dank sicherem Auftreten, guter Faktenkenntnis und aufmerksamer Reaktion auf die Argumente der Gegner derart eloquent und überzeugend, dass keines der sie bewertenden Mitglieder des „Gerichts“ an ihrer juristischen Herkunft zweifelte. Für den Sieg reichte es zwar nicht, dass man aber als „Aussenseiter“ in der Punktevergabe diverse Teams juristischer Fakultäten hinter sich liess, ist ein mehr als nur verdientes Ergebnis für das sehr gut eingespielte und motivierte Basler Team des ELMC 2022/23 – Chapeau!
Wie in einer TV-Gerichtsshow – European Law Moot Court in Lissabon 2019
Die letzten Stunden vor der Abgabe unseres schriftlichen Plädoyers für den European Law Moot Court 2020 waren stressig: Verschiedene Versionen wurden zusammengefügt, Inputs wurden laufend eingearbeitet und gleichzeitig formatierten wir nach allen Regeln der Kunst. Dann, irgendwann Ende November 2019, haben wir je ein Plädoyer für Anklage und Verteidigung eingereicht. Was blieb, war Ungewissheit: Wir hatten keine Ahnung, wie unsere Chancen standen, wie gut unsere Plädoyers sind. So haben wir die rechtzeitige Abgabe der Plädoyers als Erfolg gewertet und sahen alles was noch kommen mochte als Zugabe.
Zwischen Weihnachten, Prüfungen, Skiferien und Semesterbeginn erfuhren wir dann zu unserer Überraschung, dass wir es geschafft hatten – Léo Gotarda, Lisa Karsten, Maria Tereza De Alencar und ich waren unter den besten 48 Teams und durften unsere Plädoyers in Lissabon vor einer renommierten Jury vortragen. Nach einer kurzen, aber intensiven Vorbereitung reisten wir nach Portugal. Da waren wir also, das nationalitätstechnisch- und disziplintechnisch kunterbunt zusammengesetzte EIB-Team, auf einmal am Eröffnungsapéro in der Universidad de Lisboa, das aus einem Anwaltsfilm hätte stammen können. Zwischen den ersten Eindrücken von Lissabon und Smalltalk mit anderen Teams, machte sich langsam Nervosität breit, denn die Stärke unseres Teams lag eher in der Interdisziplinarität als im Formaljuristischen.
Nach einer kurzen Nacht ging’s los: Gleich zu Beginn durfte unsere Anklage vortragen. Nach getaner Arbeit lernten wir schnell, dass die Richterinnen am Morgen wohl noch schläfrig waren, denn je länger der Tag dauerte, desto bissiger wurden sie. Das kamen dann auch unser Generalanwalt und unsere Verteidigung zu spüren: Case-Law, Grundrechte, Sekundärrecht, Richtlinien, Verordnung – und das Ganze in englisch und französisch. Wir wurden gegrillt. Aber nicht nur wir, auch die teils hochspezialisierten Teams von den besten Rechtsschulen des Kontinents waren am Anschlag. Nach diesem intensiven Tag kam es uns recht, dass wir es nicht in die nächste Runde geschafft haben. So konnten wir am Samstag Lissabon erkunden und den Finals als Zuschauer beiwohnen.
Rückblickend war der Moot Court und die vorbereitenden Arbeiten eine einmalige Erfahrung. Die Teilnahme an den Regional Finals geht über einen coolen Abschnitt im CV hinaus; in einem Kreuzverhör den klügsten Köpfen des Europarechts Rede und Antwort zu stehen, prägt die Karriere junger Studierenden – egal in welcher Disziplin. In diesem Sinne vielen Dank an unsere beiden Coaches Sebastian Meyer und Lukas Lusser, die sich mit unermüdlicher Geduld unseren Fragen gestellt haben und uns optimal auf Lissabon vorbereitet haben. Dank gilt auch dem EIB, das uns die Reise nach Lissabon finanziell ermöglicht hat. Zum Schluss möchte ich alle Studierenden des EIBs ermutigen, eine Teilnahme am Moot Court in Erwägung zu ziehen. Selbst wenn der Beginn hart und vieles unbekannt ist, der Lerneffekt und die Erfahrungen sind unermesslich.
Renato Perlini
Regionalfinale des European Law Moot Court in Athen 2015
Das Team des Europainstituts konnte sich 2015 für das Regionalfinale des European Law Moot Court in Athen qualifizieren und dort ervorragende Ergebnisse erzielen.Mit dabei waren Andrea Weber, Sibylle Mäder (beide Studentinnen des Master European Global Studies) und Nadine Dünner (Master European Studies). Obwohl die drei keine „reinen“ Jus-Studentinnen sind, sondern interdisziplinär studieren, konnten sie sich gegen die starke Konkurrenz zahlreicher prestigeträchtiger juristischer Fakultäten durchsetzen.
In einem Atemzug genannt mit den Spitzenuniversitäten Columbia University New York, London School of Economics und der Université de Liège konnte das Team des Europainstituts ins Halbfinale einziehen und sich auch dort glänzend präsentieren, so dass Nadine Dünner schliesslich mit dem “Ole Due” Award als insgesamt beste Sprecherin ausgezeichnet wurde – eine Leistung, die ohne die tatkräftige Unterstützung ihrer beiden Teamkolleginnen Andrea Weber und Sibylle Mäder, die ihr während ihrer Plädoyers als Counsel mit ihrem fachwissen weiterhelfen konnten, nicht möglich gewesen wäre.
Bei der Erarbeitung der Schriftsätze wurde das Team von Kommilitonin Carmen Scheuber (European Studies) unterstützt. Lukas Lusser und Janine Dumont betreuten das Team als Coaches. Die grossartige Platzierung des Europainstituts zeigt, dass unsere interdisziplinäre Ausbildung sich bestens mit den klassischen Studiengängen messen kann und bezeugt die hohe Qualität der juristischen Studienanteile.
Moot Courts sind Übungsveranstaltungen, in denen Studierende ihre anwaltlichen Fähigkeiten und ihre juristischen Fachkenntnisse anhand eines konkreten Falles ausprobieren können. Dabei sind in der Regel sowohl Kläger- und Beklagtenschriften zu erstellen als auch mündliche Plädoyers in einer gespielten Gerichtsverhandlung zu halten. Dieses Unterrichtsmodel ist im englischsprachigen Raum weit verbreitet und erfreut sich inzwischen auch in anderen Ländern zunehmender Beliebtheit.
Das Europainstitut kann auf eine sehr erfolgreiche Geschichte der Teilnahme am European Law Moot Court zurückblicken. Auch im kommenden akademischen Jahr ist eine Teilnahme am Wettbewerb vorgesehen.