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Mit dem Tod von Ueli W. Suter am 12. August 2023 haben wir eine der grössten Persönlichkeiten der Schweizer Wissenschaft verloren. Ueli war einer der wenigen Menschen, die einen Raum beim Betreten förmlich zum Leuchten bringen konnten. Mit seinem scharfen Verstand und seinem verschmitzten Lächeln konnte er seine Mitmenschen mühelos unterhalten und erbauen, und durch den subtilen Einsatz seines (gelegentlich auch scharfen) Humors konnte er die schwierigsten zwischenmenschlichen Situationen entschärfen.
Nach seiner Kindheit und frühen Ausbildung in Baden (AG) studierte Ueli W. Suter Chemie an der ETH Zürich und promovierte 1973, bevor er den Atlantik Überquerte, um als Postdoc bei P.J. Flory an der Stanford University zu arbeiten. Er kehrte als Oberassistent an die ETH zurück und habilitierte 1980. Dann brach er erneut in die USA auf, arbeitete ein Jahr lang als Gastwissenschaftler am IBM Almaden Research Center, San José, und wurde 1982 als Professor am Department of Chemical Engineering des MIT angestellt.
Während der folgenden sechs Jahre betrat Ueli Neuland bei der rechnerischen Untersuchung von Materialien, insbesondere bei Polymergläsern und Polypropylen. Damit zog er nicht nur die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf sich, sondern auch die des damaligen ETH-Präsidenten. Dieser unternahm, Berichten zufolge, eigens eine Reise in die USA, um Ueli zu Überreden, an seine Alma Mater zurückzukehren. 1988 Übernahm er die ETH-Professur für Makromolekulare Chemie im neuen und schnell wachsenden Departement Werkstoffe, das später zum Departement Materialwissenschaft wurde.
Uelis Forschung an der ETH war breit gefächert, doch die Beziehungen zwischen Struktur und Eigenschaften von polymeren Materialien waren ein wiederkehrendes Thema. Ueli war von Computern begeistert und befürwortete ihre Anwendung in allen Aspekten von Forschung und Lehre. Seine Bücher über atomistische Modellierung und Konformationstheorie grosser Moleküle beeinflussten die weltweite Polymergemeinschaft stark.
Seine Forschungsgruppe war gross, divers und sehr erfolgreich. Mehrere seiner ehemaligen Mitarbeiter sind heute an renommierten Universitäten tätig. Auch sie waren Ueli treu ergeben, dessen Charisma der Kitt war, der die Gruppe zusammenhielt und zu grossen Leistungen anspornte. Seine Lehrund Forschungsvorträge waren erhellend und unterhaltsam, und seine Fähigkeit, rote und grüne Laserpointer gleichzeitig entlang der x- und y-Achse zu richten, erlangte weltweiten Ruhm!
Schon bald nach seiner Berufung an die ETH wurde Ueli Vorsteher des im Entstehen begriffenen Departements Werkstoffe und steuerte dieses mühelos durch Zeiten grosser Veränderungen und Erweiterungen. Seine Eignung für ein höheres Amt fiel auch der ETH-Schulleitung auf: 2001 wurde er zum ETH-Vizepräsidenten für Forschung ernannt.
Die folgenden vier Jahre waren eine Zeit des finanziellen Umbruchs für die ETH Zürich, die eine gewisse Verwaltungsautonomie vom Bund erlangte. Diese Zeiten forderten die Schulleitung besonders heraus, doch Ueli führte die ETH-Forschungsgemeinschaft mit gewohnter Souveränität durch diese schwierige Phase.
Im Jahr 2008 trat Ueli in den Ruhestand und wurde Präsident der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW). Er setzte zudem seine Tätigkeit als wissenschaftspolitischer Berater der Regierung von Singapur fort eine Tätigkeit, die er nach seinem Rücktritt als ETH-Vizepräsident aufgenommen hatte. Sein Einfluss auf die Entwicklung Singapurs zu einem weltweit anerkannten Forschungsund Entwicklungszentrum kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. 2017 verlieh ihm der Präsident Singapurs die Ehrenbürgerschaft für seine Verdienste um das Land.
Nach seiner Pensionierung widmete Ueli seine Zeit und Energie auch dem Wohlergehen und der Förderung der wissenschaftlichen und technischen Gemeinschaft in der Schweiz und weltweit.
Ueli wird allen, die das Glück hatten, mit ihm zusammenzuarbeiten, als wunderbarer Kollege, Mentor und Freund in Erinnerung bleiben, als Mensch, dessen Gesellschaft wir stets schätzten. Während seiner Zeit an der ETH hat er sowohl als Wissenschaftler als auch als Administrator viel bewegt.
Er wird uns allen sehr fehlen.
Nicholas Spencer