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In der Schweiz lange Zeit verboten
Das Aki, wie das von Jesuiten geführte Haus der Katholischen Hochschulgemeinde genannt wird, kann sein hundertjähriges Bestehen feiern. Vor allem die Umstände zur Zeit der Gründung muten abenteuerlich an.
«Von 1848 bis 1973 war der Jesuitenorden in der Schweiz verboten», sagt Franz-Xaver Hiestand, der Leiter des Aki und selber Jesuit. Nach dem Sonderbundskrieg 1847/1848 der konservativen katholischen Kantone gegen die liberalen Kantone verfügte der junge Staat das Verbot, weil zu befürchten war, dass die Elite der Katholiken nicht dem Staat gegenüber loyal sein würde, sondern zu Rom. Die Jesuiten waren die «Fundis», radikal, einflussreich aufgrund ihrer Gelehrsamkeit. Sie fernzuhalten sollte hilfreich sein für den religiösen Frieden. Doch sind die Jesuiten dennoch wieder in die Schweiz «eingesickert», kamen zuerst nach Basel und von dort nach Zürich. Das war 1918, vor hundert Jahren. Ein Verein katholischer Gewerbetreibender in Zürich und Leute aus der Innerschweiz gelangten zur Überzeugung, dass ihre Jungen, wenn sie an der ETH studieren, einen Ort haben sollten, an dem sie in ihrem Glauben gefestigt bleiben.
Und so kam es zur Gründung des Augustinusvereins. Das war ein Tarnverein mit Laien für die Jesuiten, die dahinter standen. Man hat eine Liegenschaft gekauft, wohl mit Geld des Jesuitenordens. Das Haus stand am Hirschengraben auf dem Steinfels-Areal mit Villa und Fabrik. Die Seifenfabrik der Familie Steinfels zog später ins Steinfels-Areal im Kreis 4, das heute anderen Zwecken als der Waschmittelherstellung dient. Das Haus am Hirschengraben 82 wurde später abgerissen, an seine Stelle kam das Swissair-Haus.
Haus mit Garten
Das Aki, wie das Haus der Katholischen Hochschulgemeinde liebevoll genannt wird und heute offiziell heisst, hatte seinen Sitz danach im zu diesem Zweck erstellten Neubau von 1934 am Hirschengraben 86. Es liegt über dem Central und grenzt direkt ans Trassee der Polybahn.
Das Gebäude bietet diverse Räume für verschiedene Zwecke. Im Erdgeschoss liegt die Cafeteria mit einer Terrasse. Im ersten Obergeschoss sind zwei Sitzungsräume und die Kapelle, als drei Räume unterteilt oder als langer Saal nutzbar, zudem ein weiteres Sitzungszimmer. Im zweiten Obergeschoss sind ein Foyer mit Bibliothek und ein Lernraum, der während des Semesters und zu Prüfungszeiten fleissig genutzt wird. Die Sitzungsräume werden zu günstigen Konditionen an gemeinnützige Organisationen vermietet, nicht jedoch an gewinnorientierte Unternehmen. Im dritten Obergeschoss sind die Wohnräume der Jesuitengemeinschaft und Gästezimmer.
Verschiedene Wege führen in den Garten, ein Wäldchen in Hanglage eher, in dem verteilt mehrere Sitzplätze liegen, möbliert mit schönen Gartentischen und Stühlen. Diese werden von den Studierenden der oben angrenzenden ETH gern in der Mittagspause genutzt, was von den Jesuiten toleriert wird. Später am Nachmittag kommen andere Benutzergruppen und am Abend ist es zunehmend ausgeartet in Trinkgelage, sodass der Garten neuerdings um 18 Uhr geschlossen wird. «In diesem Garten haben schon viele gute Gespräche stattgefunden», erklärt Franz-Xaver Hiestand. Gespräche, die sich um das Leben drehen, um Probleme, Sinn- und Glaubensfragen.
Im 1970 erbauten Nachbarhaus, ebenfalls durch den Garten zu erreichen, ist das Provinzialat, der Hauptsitz der Jesuiten der Schweiz, von der Strasse etwas zurückversetzt, am Hirschengraben 74. Von der Kanzel im Garten bietet sich ein prächtiger Blick über die Stadt. Dieser Garten, das Wäldchen mitten in der Innenstadt, gehört nach wie vor dem Augustinusverein.
Katholisches Milieu aufgelöst
Das Aki hiess früher Akademikerheim, dann Akademikerhaus, woraus sich die Kurzform entwickelte. Es bietet seelsorgerischen Beistand und diente als Treffpunkt der katholischen Studentenverbindungen, die hier ihre Trinkanlässe durchführten und Bildung fanden. «Der Leiter», so Franz-Xaver Hiestand, «war der Mentalcoach der Studenten und beim Saufen dabei.» Was ihm heute schon etwas fremd vorkomme. Am Samstagabend fand jeweils ein Gottesdienst statt, der bis in die 1970er-Jahre hundert Besucher zählte.
Von den 1920er-Jahren bis in die 1950er-Jahre hatte noch die klassische katholische Ehelehre ihren Stellenwert: Erst wird geheiratet, dann erst gibt es Sex. Verhütungsmittel waren kein Thema.
In dem Mass, in dem andere Studenten nach Zürich strömten, hat sich das Angebot verändert. Das katholische Milieu hat sich aufgelöst. Heute sind es vermehrt Bildungsveranstaltungen, soziale Themen, die aktuell sind, stehen Themen im Vordergrund wie soziale Gerechtigkeit, Ökumene, Sexualität.
Öffnung nach aussen
Eine Renovation des Hauses anfangs der 1990er-Jahre brachte grosse Veränderungen mit sich. Das Zusammen-unterwegs-Sein als Gemeinschaft wird seither stärker betont. «Es gibt mehr Öffentlichkeit im Haus und Aktivitäten nach aussen», wie Franz-Xaver Hiestand es ausdrückt, «Davor war die Mentalität des Sich-Versteckens noch vorhanden.» So sei beispielsweise das Sekretariat im zweiten Obergeschoss gewesen. Heute werde der Geist der Zugänglichkeit betont, ist das Haus zugänglich für Gastgruppen.
Es werden Gespräche angeboten, Essen, eine Bibliothek. Ein Alkoholverbot gibt es auch heute nicht. Wobei Studentenverbindungen nicht die primären Bezugsgruppen sind. Das Aki steht im Dienst aller (auch nicht-katholischen) Studierenden von ETH, Uni und Fachhochschulen in Zürich, die sich für religiöse und soziale Fragen interessieren und einen Ort der Begegnung suchen. (Finanziell getragen wird es von der katholischen Kirche im Kanton Zürich.)
Benutzende sind wie erwähnt die Leute im Garten, seien das Studierende von der ETH oder wer auch immer. Im Haus selbst werden Bildungsveranstaltungen angeboten. Den neuen Geist veranschaulichen mag das Beispiel der Veranstaltung mit einer Imamin aus Berlin, die man eingeladen habe und die auf reges Interesse gestossen sei. Viele Studierende seien gekommen, auch Muslime.
Weiter gibt es Leute, die nur zu Gottesdiensten kommen, das ist ein Pool von etwa vierzig Leuten. So nehmen an den Gottesdiensten am Donnerstagabend regelmässig zwischen zwölf und siebzehn Personen teil. Etliche kommen zum Lernen. Studierende holen einmal wöchentlich bei einem Gastrobetrieb Essensreste ab und bereiten sie am Dienstagmittag zu, zur Verminderung von «Food Waste». An diesem Mittagessen in der Cafeteria nehmen jeweils fünfzig bis achtzig Personen teil. Wie erwähnt gibt es viele Vermietungen an Non-Profit-Organisationen wie Vereine, Parteien, Verbände etc.
Seine Aufgabe sieht der Leiter des Aki darin, Gottesdienste zu gestalten, Predigten zu halten, Beziehungsarbeit, Vernetzen, Leute miteinander in Beziehung bringen, er sieht sich als «Sozial-Ingenieur».
Reformorientierte, ökumenische, soziale Themen stehen dabei im Vordergrund. «An dieser ausserordentlich guten Lage eine so gute Infrastruktur, Raum bieten zu können, sowohl im Haus wie auch im Garten, für das Gemeinwohl, ist eine schöne Aufgabe», freut sich Franz-Xaver Hiestand, «Gespräche zu bieten, Vermittlung, Versöhnung!»
Elmar Melliger
Jubiläumsfeierlichkeiten
Am Samstag, 15. September, gibt es im Aki einen Tag der offenen Tür, zu dem alle herzlich eingeladen sind, von 10.30 bis 18 Uhr. Zu besichtigen sind die Räumlichkeiten und der Garten. In Videoclips erzählen Ehemalige des Aki von ihren Erfahrungen. Von 17.15 bis 18 Uhr wird in der Predigerkirche eine Vesper abgehalten. Ab 18 Uhr steigt dann das Gartenfest. Am Sonntag, 16. September, findet unter anderem um 16 Uhr ein Festgottesdienst statt, in der Liebfrauenkirche. Zum Jubiläum ist eine Festschrift entstanden. Diese ist am Jubiläumsanlass gratis erhältlich. (Das detaillierte Festprogramm ist beim Aki am Hirschengraben 86 erhältlich oder zu finden unter www.aki-zh.ch.)
EM