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Die Strategie macht den Unterschied
Mit dem erfolgreichen Schreiben einer Abschlussarbeit wird ein akademischer Titel erreicht. Inhaltlich legt die Abschlussarbeit die Expertise des Autors dar, indem sie eine selbst durchgeführte wissenschaftliche Studie und deren Resultate präsentiert. Die Sprache, in der sie verfasst wird, muss wissenschaftlichen Konventionen entsprechen, also präzise, sachlich und korrekt sein. Mit genug Übung können Abschlussarbeiten eigentlich relativ schnell geschrieben werden. Da die meisten Verfasser von Abschlussarbeiten aber eher unerfahren sind, fällt der Prozess oft schwer. Der folgende Artikel bietet eine Zusammenfassung des Entstehungsprozesses einer Abschlussarbeit in drei Schritten.
Schritt 1: Den Inhalt strukturieren
Um eine gute Abschlussarbeit zu schreiben, muss man wissen, was man tut. Das klingt einfacher als es in Wahrheit ist. Denn ohne selber ein erfahrener Spezialist zu sein, ist es schwierig, genau zu definieren, worin der Mehrwert der eigenen Studie liegt. Und «um eine Abschlussarbeit zu schreiben» oder «weil der Betreuer das so gesagt hat» sind keine Gründe, die man aufführen sollte. Darum: bevor Sie beginnen, sollten Sie eine begründete Forschungsfrage formuliert haben.
Die Forschungsfrage
Die Forschungsfrage bildet das Rückgrat einer jeden Abschlussarbeit. Sie legt fest, wie lang die Arbeit wird, welche Sekundärliteratur relevant ist, welche Daten verwendet werden und ob die Arbeit eine Hypothese braucht oder nicht. Denn eine gute akademische Arbeit enthält nur diejenigen Informationen, die für die Beantwortung der Forschungsfrage relevant sind. Die optimale Formulierung der Forschungsfrage nimmt manchmal viel Zeit in Anspruch, ist aber wichtig, damit die Stossrichtung der Forschung von Anfang an klar definiert ist. Kleinere Anpassungen der Forschungsfrage können dann auch zu einem späteren Zeitpunkt noch gemacht werden.
Die Daten
Sobald die Forschungsfrage definiert worden ist, müssen die Daten, anhand derer die Forschungsfrage beantwortet werden soll, bestimmt werden. Die Art von Daten sowie die Methode der Datensammlung und -analyse geben die Struktur der Abschlussarbeit vor.
Die Argumentationsstruktur
Die Struktur der Argumentation ist je nach Datensatz und Methode unterschiedlich. Die meisten akademischen Abschlussarbeiten sind in fünf Teile unterteilt:
- 1Einleitung
- 2Literaturauswertung / Forschungszusammenhang
- 3
Methode und Datensatz
- 4Resultate
- 5Diskussion / Konklusion
Die Teile 2, 3 und 4 bilden den Kern der Arbeit. Sie beinhalten die Analyse des Problems, die Daten sowie die Auswertung der Daten. Die Inhalte dieser drei Teile sind das, was die Abschlussarbeit zum momentanen Forschungsstand beiträgt. Die Teile 1 und 5 situieren das Projekt im breiteren Forschungszusammenhang des Fachgebiets.
Schritt 2: Die Arbeit schreiben
Eine häufig gestellte Frage betrifft den Ablauf. Wann sollen die einzelnen Teile geschrieben werden? Soll zum Beispiel die Einleitung wirklich zu Beginn geschrieben werden? Ja, das sollte sie. Je früher, desto besser. Denn wenn Sie Ihre Einleitung nicht schreiben können, wissen Sie auch nicht genau, was Sie genau tun und wozu. Die Einleitung muss nicht von Anfang an in ihrer finalen Form stehen, und sie darf auch noch Lücken oder Füllwörter enthalten. Aber es ist ratsam, sie früh zu schreiben, denn sie setzt die Leitplanken. Details können jederzeit ergänzt oder angepasst werden. Auch die anderen Teile werden idealerweise in der vorgegebenen Reihenfolge geschrieben, da diese den Ablauf der Forschung wiedergibt.
Akademischer Stil
Akademische Abschlussarbeiten werden in akademischer Sprache geschrieben. Akademische Sprache ist präzise, unmissverständlich und sachlich. Idealerweise ist die akademische Sprache so präzise, dass keine Zweifel darüber aufkommen, was gemeint ist. Dies erfordert nebst einer fehlerfreien Rechtschreibung und Satzzeichensetzung insbesondere den Einsatz von ganzen Sätzen und das Vermeiden von Synonymen.
Manchmal wird bemängelt, dass akademische Sprache unpräzise sei. Ein Satz wie «diese Resultate hängen grösstenteils von sozialen Faktoren ab» ist vage. Das ist aber nur auf inhaltlicher Ebene der Fall. Denn die Sprache gibt im Grunde ganz klar wieder, was gemeint ist, nämlich, dass keine klare Aussage gemacht wird. So ist bei diesem Satz die Kategorie unscharf («wovon genau und wie hängen sie ab?») sowie die Aussage an sich unklar («was will damit überhaupt gesagt werden?»). Solche vagen Aussagen drücken aus, dass keine abschliessende Aussage gemacht wird. Sie sind häufiger in nicht-technischen Bereichen anzutreffen, stark konventionalisiert und erfordern etwas Übung.
Textüberarbeitung
Sobald der erste Entwurf der Abschlussarbeit fertig ist, braucht es eine professionelle Textrevision. Diese setzt andere Fertigkeiten als das Schreiben voraus und erfordert meistens einen erheblichen Zeitaufwand. Sie beinhaltet folgende Aufgaben:
Ist es ratsam, sich für die Textrevision ausschliesslich auf eine Korrektur-Software oder KI zu verlassen? Nein. Eine Software wird Rechtschreibfehler finden, allerdings werden viele Wörter und Ausdrücke im Deutschen ähnlich geschrieben (wie «gut geschrieben» und «gutgeschrieben») und bleiben deshalb von der Software unbemerkt. Entsprechend kann die Software nicht überprüfen, inwiefern der Inhalt logisch verbunden ist oder wirklich genau das aussagt, was gesagt werden soll. So kann ein Satz wie «Einrichtungen, die Passanten, Verpflegung und Auskunft anbieten» zwar grammatikalisch korrekt sein, wegen des überflüssigen Kommas aber versehentlich eine ungewollte Nachricht vermitteln.
Die Software wird ebenfalls nicht bestimmen können, ob Inkonsistenzen bezüglich Wortwahl und Format vorhanden sind. Vielmehr ist es bei hochspezialisiertem Vokabular wahrscheinlich, dass die Software die Begriffe nicht kennt und durch die Selbstkorrektur den Text inhaltlich abändert. Zudem ist es in akademischen Arbeiten wichtig, auch auf das Textformat wie z.B. Kursivschrift zu achten. Darum bringt ein professionelles Lektorat bessere Ergebnisse als eine Software.
Schritt 3: Die Metatexte verfassen
Die meisten Abschlussarbeiten benötigen Metatexte, welche die Arbeit umrahmen. Der wichtigste unter den Metatexten ist das «Abstract», zu Deutsch Kurzzusammenfassung. Ein Abstract ist eine prägnante Zusammenfassung der gesamten Arbeit in einem auf das Zielpublikum zugeschnittenen Format. Gegebenenfalls muss auch der sprachliche Stil der Kurzzusammenfassung auf die Zielgruppe ausgerichtet werden. Wenn die Abschlussarbeit nicht auf Englisch verfasst worden ist, ist zudem eine Übersetzung des Abstracts ins Englische sinnvoll, damit die Arbeit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden kann.
Andere optionale Metatexte sind Vorworte, Klappentexte, persönliche Stellungnahmen sowie das Schlusswort. Wenn die Abschlussarbeit publiziert werden soll, muss dem Verleger zusätzlich eine Marktanalyse beigelegt werden, damit er das Buch vertreiben kann. Auch wenn alle diese Metatexte ähnliche Formulierungen wie der Haupttext verwenden, nimmt ihr Verfassen meist mehr Zeit in Anspruch als erwartet, was die Abgabe der Arbeit verzögern kann. Es lohnt sich also, frühzeitig und gut zu planen.