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An Geld für die Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen mangelt es nicht. Doch die Versorgung für Entwicklungsländer bleibt auf der Strecke. Es ist ein systemisches Problem, das nun auch Schweizer Investoren angehen wollen.Dieser Inhalt wurde am 15. Juli 2021 - 09:00 publiziert
- Italiano I primi a vedere opportunità di investimento in pazienti difficili da raggiungere in Africa
- Português Como atrair financiamento para sistemas de saúde nos países mais pobres
- Français Atteindre les patients reculés d’Afrique: une opportunité d’investissement
- English First movers see investment opportunity in hard-to-reach patients in Africa (Original)
Im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten existieren für Covid-19 wirksame Impfstoffe. Doch Afrika hat bislang wenig davon: Nur ein Prozent der Bevölkerung ist vollständig geimpft, während sich die hochansteckende Delta-Variante rasch auf dem Kontinent ausbreitet.
Die Pandemie hat die Schwächen der globalen Gesundheitsversorgung schonungslos enthüllt. "Die Gesundheitssysteme funktionieren vielerorts nicht so, wie sie sollten", sagte Mike Ryan von der Weltgesundheits-Organisation WHO jüngst an einer Pressekonferenz. "In diesem Kontext schaffen wir es nicht, die am stärksten gefährdeten Menschen vor Covid-19 zu schützen."
Der globale Impfstoff-Pool-Mechanismus, bekannt als Covax, zielt darauf ab, genügend Impfstoffe für 20 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern zu beschaffen. Doch er kratzt nur an der Oberfläche dessen, was benötigt wird.
Die Weltbank schätzt, dass 48 Staaten in Afrika mindestens 12,5 Milliarden Dollar aufbringen müssen, um 70 Prozent ihrer Bevölkerung zu impfen. Davon entfallen rund drei Milliarden DollarExterner Link auf die Versorgungskette, die Kühllagerung und die Leistungserbringung. In einem Land wie der Demokratischen Republik Kongo belaufen sich die geschätzten Kosten auf das Fünffache des Pro-Kopf-Gesundheitsbudgets.
Gemäss Zahlen der Stiftung KenupExterner Link haben Regierungen mittlerweile 93 Milliarden Euro für die Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen und Therapeutika ausgegeben, und zwar vom Beginn der Pandemie bis Januar 2021. Etwa 95 Prozent der Gelder gingen an Impfstoff-Unternehmen.
"Es ist wichtig, Impfstoffe zu produzieren, aber das bringt wenig, wenn Infrastruktur und Gesundheitspersonal fehlen", sagt Maya Ziswiler, Leiterin Social Finance bei der UBS Optimus Foundation.
Ursachen bleiben bestehen
Maximilian Martin leitet den Bereich Philanthropie bei der Schweizer Privatbank Lombard Odier. Für ihn könnten die Probleme bei der Finanzierung von Gesundheitssystemen zum Teil durch Innovation und die Hilfe der Kapitalmärkte gelöst werden.
Das Konzept ist nicht neu, die so genannte "erste Generation" innovativer Finanzierungsmechanismen hat bereits einige Erfolgsstorys hervorgebracht.
Sowohl der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, der 2002 eingerichtet wurde, als auch die Impfstoffallianz Gavi basieren auf dem Konzept der Bündelung von Nachfrage und Finanzierungsquellen. So können Käufe garantiert und letztlich die Preise gesenkt werden. Diese Idee ist auch Kern der Covax Advanced Market Commitments.
Bisher haben jedoch solche Mechanismen die Grundversorgung und Infrastruktur kaum verbessert. Es gibt "grossartige philanthropische Programme, um etwa Polio mit kostenlosen Medikamenten zu stoppen, aber Investitionen in die primäre Gesundheitsversorgung sind schwierig", sagt Florian Kemmerich, Managing Partner bei der in Genf ansässigen Impact-Investing-Firma Bamboo Capital.
"All die Anstrengungen, die unternommen werden, um diese Pandemie zu besiegen, sind erstaunlich. Aber leider helfen sie nicht bei der systemischen Ursache der schlechten Versorgung."
Gemäss Zahlen der WHO von 2017 hat rund die Hälfte der Weltbevölkerung keinen Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten. Millionen von Menschen werden in die Armut getrieben, weil sie sich Medikamente oder Spitalaufenthalte nicht leisten können. Experten betonen, dass die Covid-19-Pandemie die Lage nur noch verschlimmert hat.
Neue Ideen sind gefragt
Sneha Kanneganti, welche die Arbeit der GFF im Privatsektor leitet, sagt, dass viele Investoren durch politische und finanzielle Risiken in bestimmten Ländern entmutigt werden. "Wir müssen die richtigen Strukturen finden, um den Investoren Anreize zu bieten und das Risiko überschaubar zu halten", sagt sie gegenüber swissinfo.ch.
Einige Investoren versuchen, genau das zu tun, indem sie traditionelle Finanzinstrumente umgestalten.
Vor einigen Jahren vergab die UBS Optimus Foundation ein "Impact Loan" in Höhe von 400'000 Dollar an Hewatele, ein ostafrikanisches Startup, das Sauerstoff für die Medizin produziert.
Der Kredit war an ein klares Ziel gebunden: Hewatele muss neue und abgelegene Kliniken mit Sauerstoff-Flaschen versorgen. Als Covid-19 einschlug, erhöhte die Stiftung ihre Finanzierung, damit das Unternehmen expandieren konnte.
Die UBS-Stiftung entwickelte auch den ersten "Health Development Impact Bond", um die Kinder- und Müttersterblichkeit in Indien zu senken. Wenn die sozialen Ziele erreicht werden, erhalten die Investoren die volle Rückzahlung plus eine Rendite von acht Prozent.
In ähnlicher Weise arbeitete Lombard Odier mit dem in Genf ansässigen Internationalen Komitee vom Roten Kreuz zusammen, um einen "Humanitarian Impact Bond" für den Bau und Betrieb von drei Rehabilitationszentren in Afrika zu schaffen. Private Investoren bringen Geld ein und erhalten dieses von Spendern zurück, wenn die Ziele erreicht werden. Bislang konnten so 22 Millionen Euro gewonnen werden.
Auch die Genfer Impact-Investing-Firma Bamboo Capital hat ein innovatives Projekt auf die Beine gestellt. Gemeinsam mit Stop TB hat das Unternehmen den millionenschweren "Heal Fund" eingerichtet, der die Entwicklung und Einführung von Gesundheitstechnologien finanzieren soll. Auf diese Weise soll die Grundversorgung in den Gemeinden selbst modernisiert werden.
Bamboo und Stop TB suchen nun nach Spendern, die das finanzielle Risiko für private Investoren senken können.
Die Giganten ins Boot holen
Für die Pharma-Multis selbst steht viel auf dem Spiel, zumal Afrika als Markt immer attraktiver wird. "Die Unternehmen sollten das Gesundheitssystem verbessern, um die Nachfrage zu stärken und innovative Wege zur Bereitstellung ihrer Waren und Dienstleistungen zu erproben", sagt Maya Ziswiler.
Sie leitet bei der UBS Optimus Foundation den Bereich Social Finance, nachdem sie viele Jahre beim "Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria" in Genf gearbeitet hat. Viele grosse Pharmafirmen hätten Aktivitäten zur Stärkung der Gesundheitssysteme gestartet, aber oft nur als "nice to have"-Projekte und nicht als nachhaltige, skalierbare Investitionen.
Florian Kemmerich, Managing Partner bei Bamboo Capital sagt, dass seine Firma Gespräche mit Unternehmen geführt habe. Doch für viele Firmen sei es eine grosse Herausforderung, die 15 Millionen Franken Erstverlust-Kapital bereitzustellen, die für die Skalierung von Programmen benötigt würden.
Was wäre aber, wenn Finanzierungsinstrumente entwickelt werden könnten, um Anreize zu schaffen?
Martin von Lombard Odier hält die Idee für "gar nicht so weit hergeholt". So genannte Grüne Anleihen werden bereits eingesetzt, um Geld auf den Fremdkapitalmärkten zu beschaffen und Unternehmen bei der Finanzierung von Energieprojekten zu unterstützen.
"Es wäre interessant, die 50 führenden Unternehmen der Welt, welche Fachwissen und Erfahrung im Gesundheitsbereich haben, zusammenzubringen und zu überlegen, mit welchen Instrumenten gute Anreize geschaffen werden können", sagt Martin. "Ohne genügend Medikamente kann nicht geholfen werden. Aber Medikamente allein bringen nichts."
(Übertragung aus dem Englischen: Christoph Kummer)
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