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Nur eine Kuh, die kalbt, gibt Milch
Die einzige Aufgabe einer Milchkuh ist es, viel Milch zu produzieren. Doch Milch gibt sie nur, wenn sie ein Kalb zur Welt bringt. So wird die Kuh mit Eintreten der Geschlechtsreife erstmals künstlich besamt. Kurz nach der Geburt ihres ersten Kalbes gibt die Kuh Milch, die der Mensch für sich beansprucht. Deshalb werden Kuh und Kalb nur wenige Stunden oder Tage nach der Geburt voneinander getrennt – eine erhebliche psychische Belastung für beide.
Das Kalb erhält zumeist Milchersatz, ein Gemisch aus Magermilchpulver und Wasser. In der Folge wird das Kalb oft krankheitsanfällig. Auch entwickeln sich Verhaltensstörungen, da das Kalb sein natürliches Bedürfnis, am Euter der Mutter zu saugen, nicht befriedigen kann. Die Fürsorge und Pflege ihrer Mutter erfahren diese Kälber nie – das Leid der Kälber ist schwer vorstellbar.
Einzelne Höfe zeigen, dass es auch anders geht – sie betreiben alternative Milchkuhhaltung. Bei dieser sogenannten muttergebundenen Kälberaufzucht darf das Kalb längere Zeit bei der Mutter bleiben. Lesen Sie dazu auch unser Interview über tierfreundliche Milch mit Hans Möller, Betriebsleiter eines Biolandhofs nahe Hamburg.
Nach der Geburt des letzten Kalbes wird eine Milchkuh so schnell wie möglich wieder besamt, damit sie möglichst viel Milch gibt. Die Milchleistung pro Kuh - das ist die Milchmenge, die eine Kuh pro Jahr abgibt - ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Hochleistungsmilchkühe geben zwischen 25 bis 30 Liter pro Tag. Diese Tiere erhalten enorme Mengen an Kraftfutter wie Getreide und Soja, um eine so hohe Milchleistung zu erzielen. Normalerweise müssen Wiederkäuer wie Kühe mit einem Futter gefüttert werden, das reich an Ballaststoffen und Raufutter wie Gras und Heu ist - Futtermittel mit hohem Kraftfutteranteil führen zu Veränderungen in ihrer Darmflora und zu Verdauungs- und Stoffwechselstörungen.
Was können Sie tun, um eine tierfreundliche Milchkuhhaltung zu unterstützen?
- Sich gegen qualvolle Haltungsbedingungen einsetzen
- Informieren Sie sich beim Kauf von Milchprodukten über die Haltungsbedingungen der Tiere und verwenden Sie keine Produkte, aus Haltungen, die den Kühen schlechte Bedingungen bieten
- Bevorzugen Sie stattdessen Produkte, die tierfreundlich und/oder biologisch produziert wurden
- Versuchen Sie, Ihren Milchkonsum einzuschränken
- Kaufen Sie mehr pflanzliche Alternativen wie Hafer- oder Reismilch oder daraus hergestellte Produkte. Es gibt mittlerweile eine grosse Auswahl an pfalnzlicher «Milch», «Joghurt» oder «Käse».
- Fragen Sie in Restaurants und Cafés auch nach der Herkunft der verwendeten Milch oder nach pflanzlichen Alternativen. Viele Restaurants bieten zum Beispiel pflanzliche Milch anstelle von Kaffeesahne an - oder wären bereit, diese in das Angebot aufzunehmen, wenn eine ausreichende Nachfrage besteht.
Es geht auch anders
Die Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht findet bei Landwirten wachsendes Interesse. Immer mehr Milchviehhalterinnen und -halter möchten die Kälber länger bei ihren Müttern lassen und die Kühe trotzdem melken. Die Kuh und ihr Kalb sollen damit ihre natürliche Beziehung intensiver ausleben können. Einige Bäuerinnen und Bauern haben mit der Mutter- und der Ammengebundenen Kälberaufzucht Erfahrungen gesammelt und eigene Verfahren entwickelt. Im Merkblatt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) werden diese Erfahrungen für andere Tierhalterinnen nutzbar gemacht. Die Broschüre vermittelt zahlreiche Ideen für die Organisation der muttergebundenen Kälberaufzucht und die passende Einrichtung des Stalls.
Probieren Sie es aus: Beim Verein Cowpassion können Sie Käse aus muttergebundener Kälberaufzucht bestellen.
Fast die Hälfte aller Milchkühe lebt in einem Anbindestall
In der Schweiz leben etwa eine halbe Million Milchkühe. Fast die Hälfte von ihnen kann sich nicht regelmässig frei in der Herde bewegen, sondern lebt immer noch in einem Anbindestall. Vielerorts werden auch noch die für den Bau neuer Ställer mittlerweile verbotenen, elektrischen Kuhtrainer eingesetzt. Dabei handelt es ich um eine Vorrichtung, die die Kuh mittels elektrischem Schlag dazu zwingt, beim Koten einen Schritt nach hinten zu gehen.
Die natürliche Lebensdauer einer Kuh beträgt etwa 20 bis 25 Jahre. In der Milchwirtschaft werden die auf Hochleistung gezüchten Rassen im Durchschnitt nur noch fünf bis sechs Jahre alt. Wenn eine Milchkuh nicht mehr ausreichend Milch produzieren kann oder nicht mehr fruchtbar genug ist, wird sie in der Regel geschlachtet. Weitere, häufige Todesursachen von Milchkühen sind Eutererkrankungen, Klauen/Gliedmassen-Krankheiten oder Unfälle.
Der frühe und ständige Abgang von Kühen aus ihrer vertrauten Herde ist für die zurückbleibenden Artgenossinnen äusserst belastend. Denn Kühe sind sehr soziale Tiere, die untereinander enge und lebenslange Freundschaften bilden.
VIER PFOTEN fordert...
...eine strukturelle Veränderung der gesamten Milchproduktion:
- Mutter- oder ammengebundene Kälberaufzucht - die Trennung eines Kalbes von seiner Mutter sollte verboten oder zumindest durch säugende Kühe ersetzt werden
- Vollständiges Verbot der Anbindehaltung der Tiere sowie eine geringere Anzahl Tiere in den Ställen
- Geringere Milchleistung und längere Abkalbeintervalle, da sich dies sehr positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere auswirkt
- Eine Verlagerung hin zu Doppelnutzungsrassen
Darüber hinaus strebt VIER PFOTEN einen allgemeinen Strukturwandel in der Milchwirtschaft an. VIER PFOTEN spricht sich gegen die gängige Praxis aus, Kalb und Mutter unmittelbar nach der Geburt zu trennen, da dies im Widerspruch zu den Bedürfnissen der Tiere steht. VIER PFOTEN unterstützt Landwirte, die ihr Managementsystem auf eine muttergebundene Aufzucht oder eine Kälberaufzucht in Pflegefamilien umstellen wollen. In grösserem Umfang werden jedoch Verbesserungen für die Tiere nur möglich sein, wenn der Verbrauch von Milchprodukten gesenkt wird.