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Südliche Glattwale ziehen jedes Jahr von den reichen Gewässern der Antarktis und Subantarktis in die temperaten Bereiche, um dort ihre Kälber zu gebären. Damit die kleinen und unbedarften Kälber nicht so einfach als Mahlzeit von Orcas enden, treiben die Mütter ihre Jungen häufig in brandungsreiche, flache Küstenzonen und flüstern mit ihnen. Zu diesem Ergebnis ist ein dänisches Forschungsteam gekommen. Ihre Arbeit ist im Journal of Experimental Biology erschienen.
Wale sind grundsätzlich für ihre weittragenden und lauten Rufe bekannt. Auch Glattwale bilden da keine Ausnahme. Doch scheinbar können die Tiere auch flüstern, besonders wenn sich Mütter mit ihren Kälbern in brandungsreichen, flachen Küstenbereichen aufhalten. Zu diesem Schluss kommt die Arbeit von Mia Nielsen und ihrem Team, die an der Westküste Australiens Südliche Glattwale (Eubalaena australis) untersucht haben. Die Arbeit der Forscher wurde in er neuen Ausgabe des Fachmagazins Journal of Experimental Biology veröffentlicht.
«Eine der Anfangsschwierigkeiten war, die Wale in unserem Gebiet ausfindig zu machen und zu unterscheiden», erklärt Nielsen. Sie und ihr Team untersuchten die Südlichen Glattwale in der Flinders Bay an der Südspitze Westaustraliens. «Die Anzahl der Wale in der Bucht war sehr klein», erklärt sie weiter. Sie und ihr Team waren auch sehr überrascht, die Wale nicht im offenen Bereich zu finden, sondern nahe der Küste im durch Wellen aufgewirbelten Teil. Doch warum sollten die Mütter ihre Kälber in diese Bereiche führen. Hier drohte die Strandung, das Todesurteil für jeden Wal. Sollte die Geräuschkulisse die Tiere schützen? Und wie kommunizieren die Tiere miteinander in dem lauten Bereich? Dazu besenderten die Wissenschaftler insgesamt 9 Mütter und ihre Kälber vorsichtig und nahmen die Geräusche auf. «Die Sender blieben an den Müttern durchschnittlich sieben Stunden. Doch an den Kälbern fielen sie bereits nach 40 Minuten ab», sagte Nielsen. «Südliche Glattwale sind sehr körperbetonte Tiere. Die Jungen verringen viel Zeit damit, sich an der Mutter zu reiben, über ihren Rücken, ihre Schwanzflosse oder ihr Rostrum zu rollen», meint sie weiter. Dadurch blieben die Sender nicht lange an den Jungen. Trotzdem konnten die Forscher insgesamt 63 Stunden Geräusche aufnehmen.
Glattwale produzieren verschiedene Grunz- und Muhlaute, die sie häufig ausstossen, um miteinander zu kommunizieren. Überraschenderweise waren die «Gespräche» zwischen Müttern und Kälber jedoch auf einzelne Rufe pro Tauchgang beschränkt. Ausserdem war die Lautstärke der Rufe so gering, dass sie beinahe in den Hintergrundgeräuschen der Aufnahmen verloren gingen. Die Forscher vermuten, dass lautstarke Rufe zwischen den beiden nicht notwendig sind, da das Kalb sich im trüben Wasser sehr nahe bei der Mutter aufhält. Damit und mit ihrem doch aussergewöhnlichen Aufenthaltsort sind die Tiere wohl etwas besser gegen zuviel Aufmerksamkeit vor Orcas geschützt.
Quelle: Journal of Experimental Biology