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Hunger, Krieg und Gewalt in der Spannung zwischen lokalen und globalen Gegebenheiten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert
vendredi, 8. février
14:30 jusqu'à 17:00 heures
Salle 3115
Kriege und Missernten standen im Mittelalter und der Frühen Neuzeit häufig am Ursprung von Hungerkrisen. Bedroht wurde die Nahrungssicherheit der Gesellschaften bis zur Entstehung überregionaler Wirtschaftsräume und der Entwicklung der Grossen Technischen Systeme auch durch lokale und fragmentierte Märkte. Das Panel baut auf dem Entitlement-Ansatz von Amartya Sen und Überlegungen von Hans-Georg Bohle zur sozialen Verwundbarkeit von Gesellschaften auf und fragt nach Beispielen, wie Kriege und Gewalt in unterschiedlichen Epochen die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gefährdeten.
Die soziale Vulnerabilität einer Gesellschaft ist das Produkt ihrer Vergangenheit. Die soziale Differenzierung der Gesellschaft, ihre Kultur und ihre Beziehung zur Umwelt beruhen auf komplexen historischen Phänomenen. Hunger wurde von langfristigen Prozessen wie dem Klimawandel, dem Bevölkerungswachstum, den konjunkturellen Wellenbewegungen, den Veränderungen durch die Grossen Technischen Systeme und der Entwicklung politischer und sozialer Systeme genauso beeinflusst wie von unmittelbaren Ereignissen wie Naturkatastrophen, Kriegen und Wirtschaftskrisen.
Das Panel folgt den Überlegungen des Entitlement-Ansatzes, der sich «zur Grundlage der sozialwissenschaftlichen Verwundbarkeitsdiskussion» (Bohle/Glade 2008: 101) entwickelt hat. Bohle seinerseits führte die Doppelstruktur der Vulnerabilität in die Diskussion ein. Er unterscheidet zwischen einer internen und externen Dimension der Vulnerabilität. Während sich die externe Dimension auf die Exposition der Gesellschaft bezieht, umschreibt die interne Dimension die Bewältigung des Ereignisses. Die Handlungen der Akteure folgen der Logik der gesellschaftlichen Bedingungen und Prozesse, in die sie eingebettet sind. Dazu zählen politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen wie Konflikte und Embargos.
Lokale Faktoren beeinflussten die Nahrungssicherheit und Konflikte im 14. Jahrhundert stärker als globale Prozesse, die im Verlauf der Jahrhunderte zusammen mit den dichter werdenden Handelsverflechtungen an Bedeutung gewannen. Die Referate sollen in die Ursachen der Hungerkrisen herausarbeiten und aufzeigen, inwiefern sich die Gewichte der lokalen und globalen Faktoren auf der Zeitachse verschoben. Die eingeplanten Referate decken eine Zeitspanne vom 14. bis zum 19. Jahrhundert ab und sollen durch zwei weitere ergänzt werden, die sich im 20. Jahrhundert mit den beiden Weltkriegen und/oder der Phase der Dekolonisierung beschäftigen. Komparativ angelegt, sollen die Beiträge eine epochenübergreifende Analyse der sozialen Vulnerabilität ermöglichen und die Forschung in diesem Punkt um eine historische Dimension erweitern.
Responsabilité
Intervenantes
Interventions
- Die Nahrungskrise von 1846/47: die Niederlande, Nordwestdeutschland und Preussen in vergleichender Perspektive
- Die Krise der 1890er–Jahre in der Kolonie Natal (Südafrika)
- Individuelle und obrigkeitliche Bewältigungsstrategien während der Hungerkrise 1816/17
- "Vulnerability in reverse"? Die australische Vieh- und Agrarwirtschaft, die britische Blockadepolitik im Ersten Weltkrieg und die daraus resultierenden Folgen in den 1920er Jahren
- Hunger, Krieg und Naturkatastrophen in Nicaragua, 1970-1998