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Die prächtige Villa und die botanischen Gärten auf den Brissago-Inseln im Lago Maggiore erinnern an ihn: Max Emden, Kaufhaus-Tycoon, Mäzen, Aussteiger und Nazi-Opfer. Als Kunstsammler gibt er immer noch zu reden, wegen Raub- und Fluchtkunst.
Max Emden, Jahrgang 1874, entstammte einer angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie in Hamburg. Er gilt als Erfinder der Kaufhauskultur und baute das Familienunternehmen zu einem Kaufhaus-Imperium aus. Zudem war er ein grosser Kunstsammler und Mäzen.
Der Millionär mit den jungen Frauen
Mit rund 50 stieg er aus. Der Süden lockte. Das warme Klima in Ascona, die Natur und die Lebensreformbewegung auf dem Monte Verità – all das faszinierte ihn.
Auf den Brissago-Inseln errichtete er einen neoklassizistischen Palast. Dort führte er das Leben eines schillernden Aussteigers. Für die Einheimischen in Ascona war er der Millionär mit den jungen Frauen auf der Insel und den vielen Motorbooten. Er war umgeben von seiner Kunstsammlung mit Bildern von Canaletto, Van Gogh, Lieberman, Monet, Sisley und anderen.
Die Schweizer Behörden liessen ihn im Stich
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland kam der Bruch. Seine Kaufhäuser wurden «arisiert», durch Zwangsverkäufe seiner Immobilien verlor er grosse Teile seines Vermögens.
In einem aufreibenden Kampf stritt er um sein Eigentum. Er bat die Schweizer Behörden um Hilfe. Erfolglos. Es nützte ihm nichts, dass er 1934 die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen hatte.
Es nützte ihm auch nichts, dass er jung zum Christentum konvertiert hatte. Nach Hitlers Rassengesetzen galt er als Jude.
Verkauf von Bildern unter Wert
Emden kämpfte mit Depressionen und tiefen Ängsten. Liquiditätsprobleme zwangen ihn, Bilder zu verkaufen. Zwei Werke von Bernardo Bellotto, besser bekannt als Canaletto, sorgen bis heute für Diskussionen. Sie wurden 1938 unter Preis verkauft.
Eines der Bilder landete in Hitlers Privatsammlung, später hing es am Sitz des Bundespräsidenten. Eine Restitution wurde mit der Begründung verweigert, Emden habe die Bilder aus der sicheren Schweiz verkauft. Erst 2019 wurden die Bilder als Fluchtkunst anerkannt und den Nachkommen zurückgegeben.
Vom Kampf um sein Vermögen erschöpft und zunehmend einsam, starb Max Emden 1940 in Locarno.
Raubkunst und Fluchtkunst
Mit Raubkunst sind Kulturgüter gemeint, die zwischen 1933 und 1945 von den Nazis konfisziert und deren meist jüdische Besitzer enteignet wurden.
Der Begriff der Fluchtkunst ist relativ neu. Er wurde erst 1998 im Zusammenhang mit den «Washingtoner Richtlinien» eingeführt. Gemeint ist damit der Verkauf von Kunstobjekten unter Wert, aus einer Notlage heraus, um sich die Flucht vor dem Naziterror zu finanzieren.
Mit dieser Begründung verlangen die Nachkommen Max Emdens weltweit Wiedergutmachung. Im Falle von zwei Canalettos bekamen sie jetzt erstmals Recht.
Auch sein Nachlass gibt zu reden
Sein einziger Sohn, Hans Erich Emden, verkaufte weitere Kunstwerke während des Krieges. Eines davon ist das berühmte Bild von Claude Monet «Mohnfeld von Vétheuil». Es hängt heute in der Bührle-Sammlung in Zürich.
Auch hier bitten die Erben um Restitution. Denn die Nazis entzogen Hans Erich Emden «als Mischling ersten Grades» die deutsche Staatsangehörigkeit. Mehrmals bat er die Schweiz um Einbürgerung. Vergeblich. Schliesslich flüchtete er nach Chile.
Seit Jahrzehnten kämpfen die Nachkommen von Max Emden um Entschädigung und Restitution. Meist erfolglos. Es hiess: Max Emden lebte in der sicheren Schweiz ein mondänes Leben und sei nicht direkt an Leib und Leben gefährdet gewesen.
Der Umgang mit Fluchtkunst ist heikel und sollte dringend geklärt werden. In Deutschland und in der Schweiz.