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Der Wanderer, welcher bequem zur Ruine Hohensax pilgern will, ist überrascht: Auf steilem, steinigen, recht feuchtem Weg muss er den Hang gegen die Saxerlücke hinauf erklimmen. Auf einer bewaldeten Kuppe sieht er dann unmittelbar eine Wand eines ehemaligen Bergfrieds sich zwischen Tannen und Buchen hinaufzuwängen. Auch zwei Reste der seitlichen Wände sind noch erkennbar. Der Turm war einst aus behauenen Steinplatten sorgfältig aufgeschichtet wurde. Die Wand weist noch einen schmalen Luftschlitz auf, der sich nach innen weitet und von einer flachen Platte oben abgeschlossen ist. Der Turm besitzt quadratischen Grundriss von knapp zehn Metern äusserer Länge, bei einer Mauerdicke von etwas über zwei Metern. In der noch am besten erhaltenen Südmauer ist der alte Hocheingang, gegen den Burghof gerichtet, vorhanden. In den Eckverbänden sind die Platten rechtwinklig geschlagen, ohne eine gefassten Kantenschlag aufzuweisen. Gegen Süden sind die Grundmauern des Palas und zum Teil beträchtliche Stücke der Ringmauer, welche einen Burghof begrenzte, erhalten. Der Hocheingang ist, wie dies in der Wende von 12. zum 13. Jahrhundert üblich war, an eine Mauerkante angelehnt, in diesem Fall an die Ostflanke, und ist nicht zentral in den Turm geführt. Der Sturz besteht aus einer wuchtigen, behauenen Platte. Im Innern des Turms geben Balkenlöcher noch einen ungefähren Hinweis über die Stockwerkeinteilung. Auch die Ringmauer besitzt die lagerhafte Schichtung aus Steinplatten. Aussenseitige Balkenlöcher rühren von der Bauzeit der Mauer her und dienten der Stabilisierung des Gerüstes.
Ein Burggraben existiert nicht. Der Felsklotz, auf dem die Anlage errichtet wurde, steigt so unmittelbar aus dem Alpweidboden auf und ist dermassen zerklüftet, dass ein Graben sich erübrigte.
Die Geschichte der Burg ist aufs engste mit jener von Forstegg verknüpft. Ein Zweig der weiterverbreiteten Misoxer Familie von Sax errichtete sie bei ihrem Vordringen über den Alpenkamm ins Rheintal und Alpsteingebiet im späten 12. Jahrhundert. Sie wurde der Stammsitz derer von Sax, welche sich seit dem Ende des 12. Jahrhunderts von Hohensax zu nennen pflegten. Die zwei Stämme führten getrennte Wappen, aber die gleiche Helmzier, einen wachsenen Bären.
Die Burg wurde auf Rodungsland als freies Eigen zur Sicherung des dortigen Besitzes errichtet.
Im 13. Jahrhundert zählen die Dörfer Sax und Gams und der Hof Sennwald zur Herrschaft. Man nimmt an, dass auch ein Teil von Wildhaus als Lehen der Abtei St. Gallen dazugehörte. Ulrich (II), der Stammvater, hatte als Erbe die Herrschaft Hohensax sowie die Vogteien über Untervaz und hälftig von Balgach erhalten. Seine Enkel Ulrich Brandthoch und Ulrich Eberhard III besassen sie gemeinsam. Sie versuchten, ähnlich wie ihre Verwandten auf der Forstegg, sich mehr und mehr der österreichischen Abhängigkeit zu entziehen. Aus diesem Grund ergriffen sie sehr bald Partei für ihre Nachbarn, die Appenzeller, und gestatteten diesen, auf der über Hohensax liegenden Saxerlücke eine Befestigung, eine Letzi, anzulegen.
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kam es allerdings zu einem Familienzwist, da sich Ulrich Eberhard (der Ältere) als alleiniger Besitzer von Hohensax aufzwang. Vier Neffen, von denen einer in der Schlacht von Näfels 1388 fiel, zogen vor die Burg und nahmen sie ihrem Onkel weg. Aber Herzog Leopold von Österreich, und dies zeigt immer noch den Einfluss der Habsburger, entschied, dass die Feste an Ulrich Eberhard zurückzugeben sei. Und noch im selben Jahr verkaufte dieser die Herrschaft an Österreich, das sechs Jahre später den Besitz an Ulrich Eberhard (den Jüngeren), welcher mit Elisabeth von Werdenberg-Sargans verheiratet war, abtrat, an denselben, der zusammen mit seinem Bruder und zwei Vettern dem Onkel die Burg mit Gewalt entrissen hatte. Die Sax ihrerseits arrangierten sich nun, wie bereits erwähnt, mit den Appenzellern und erklärten die Burg für die mit Österreich und dem Abt von St. Gallen im Kampf stehenden Hirtenkrieger als offenes Haus. Diese konnten also die Feste als eigenen Stützpunkt benützen, was den Vorteil hatte, dass in den Kriegswirren zu Beginne des 15. Jahrhunderts Hohensax und Forstegg unversehrt blieben.
Um 1450 gelangte die Burg, wohl als Pfand des Hauses Österreich, an die Herren von Bonstetten. Als im Alten Zürichkrieg die Limmatstadt im Kampf gegen die Eidgenossen Österreich zu Hilfe rief, da wurden von den Eidgenossen und den mit ihnen verbündeten Appenzellern viele Besitzungen von Adeligen, welche mit Österreich sympathisierten, heimgesucht und gebrandschatzt. So zogen die Appenzeller 1446 auch vor die Burg Hohensax und stürmten und verbrannten sie. Sie ist nie mehr aufgebaut worden. Restaurierungsarbeiten wären dringen notwendig. Gleichzeitige archäologische Untersuchungen würden bestimmt von Erfolg gekrönt sein.
Bibliographie