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Temperaturanstieg von durchschnittlich 1,4 bis 5,8°C bis 2100
Die südliche Hemisphäre wird sich wegen der grossen Ozeanmassen weniger stark erhitzen, während sich die Landmassen der Nordhalbkugel stärker erwärmen werden. In der Schweiz werden sich die Temperaturen zusätzlich stärker verändern, da kein Meer nahe genug ist, um ausgleichend zu wirken. Zu erwarten sind heissere Sommer, also auch mehr Hitzetage, im Winter mehr Starkniederschläge, aber insgesamt vermutlich eine gleichbleibende jährliche Niederschlagsmenge.
Will man wissen, wie sich etwa eine Temperaturerhöhung um 4,5°C auf die Schweizer Vegetation auswirken würde, kann man nicht einfach einen wärmeren Ort wie Bordeaux zum Vorbild nehmen. Die Modelle des WSL, der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, beziehen zusätzlich die neuen Verteilungsmuster von Temperatur und Niederschlag mit ein.
Vegetationsmodelle
In den Modellen wird deutlich, dass der Raum Bern – vorausgesetzt das Klima erwärmt sich langsam und stetig – in hundert Jahren immer noch vorwiegend von Buchen bewachsen sein dürfte. Zunächst würden grössere Veränderungen die Ausdehnungsgrenze der Wälder beeinflussen. Beispielsweise Sion wäre am Ende des 21. Jahrhunderts fast frei von Wald, während Davos oder Airolo vorwiegend von Flaum- und Traubeneiche sowie Waldföhren bewachsen wären.
Bei Temperatursteigerungen von 3-6°C könnte die Baumgrenze, welche bei uns auf zirka 2500 Metern über Meer liegt, um bis zu 1200 Meter auf über 3500 Meter über Meer ansteigen. Wie schnell die Waldgrenze aufsteigt, hängt vorwiegend von der Verbreitungsgeschwindigkeit der einzelnen Pflanzenarten ab.
Viele Arten werden verschwinden, weil sie sich nicht graduell und beschaulich anpassen können. Extreme Wetterereignisse werden auch die Verbreitung der ‘neuen‘ Baumarten stark beeinflussen. Bis sich neue Waldgesellschaften dauerhaft etablieren, könnte es Jahrzehnte dauern. Da auch die aktuellsten Klimamodelle potentielle Verbreitungsgebiete mittels vieler Unbekannten berechnen, sind diese nicht überaus verlässlich.
Vegetationsveränderungen
Beobachtungen zeigen, dass inneralpine Täler bereits im Umbruch sind. Im Zentralwallis dominierte in tieferen Lagen bis anhin die Waldföhre (Pinus sylvestris) – auch Weisskiefer, Rotföhre oder Forche genannt. Mehr und mehr wird jedoch die Flaumeiche dominant; vermutlich, weil die Flaumeiche besser mit Sommertrockenheit und -hitze umgehen kann. Im Schweizer Mittelland wurden Wälder vor allem durch Bewirtschaftung neu modelliert. Urs Amstutz (ehemaliger Direktor Waldwirtschaft Schweiz) geht davon aus, dass die heute als Bauholz begehrte Fichte früher oder später verschwinden wird.
Diese Anzeichen sollen nun nicht der Auslöser für grossflächige Plantagen von trockentoleranten oder exotischen Baumarten sein. Es ist jedoch höchste Zeit, lokal Experimente mit wärmetoleranten Arten durchzuführen.
In der Nähe von Tamins (GR) testete die WSL Samen von einheimischen Waldföhren und hitzegewohnten Sorten aus Spanien und Griechenland. Die klimatischen Bedingungen des ohnehin trockenen und warmen Schweizer Ortes wurden verstärkt, indem man die Sämlinge mit speziellen Schiebedächern überdachte. So fiel nur die Hälfte des ortsüblichen Niederschlags auf die Samen. Entgegen möglicher Erwartungen starben die fremdländischen Samen fast alle ab; kaum ein Keimling war überlebensfähig. Der Hauptunterschied zwischen trockenen Schweizer Standorten und mediterranen Standorten ist der Frühlingsniederschlag. Während es am Mittelmeer im Frühling kräftig regnet, bleibt der Niederschlag in der Schweiz aus. Die Exoten konnten also wahrscheinlich mit der Frühlingstrockenheit in Tamins nicht umgehen.
„Unsere Resultate belegen, dass die einheimischen Baumarten eigentlich gar nicht so schlecht sind.“ Thomas Wohlgemut, Geobotaniker beim WSL
Es werden weitere Exoten als mögliche Ersatzpflanzen getestet, eines steht jedoch schon fest: Wälder sollten zu ihrem eigenen Schutz möglichst gemischt sein. Aufforstungen sollten mit regionalem Saatgut getätigt werden. So bleiben die Wälder gefeit vor starken Veränderungen. Schliesslich soll es auch in Zukunft möglich sein, das einheimische Holz als Bauholz und Energiequelle zu nutzen. Denn die richtige Bewirtschaftung eines Waldes führt zu mehr CO2-Einsparungen, als wenn man die Wälder sich selber überlässt.