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Die Erdpyramiden von Zuort sind ein nationales Kulturdenkmal und ein aufgeschlagenes naturkundliches Geschichtsbuch. Geologie, Klimatologie und der Zahn der Zeit sprechen hier eine deutliche Sprache.
Im Laufe der letzten Eiszeit, von ca. 80.000 bis vor 10.000 Jahren, mit ihrem Kältemaximum vor 20. 000 Jahren, sind die beiden Gletscher des Val Laver und des Val Chöglias, deren Zungen sich knapp unterhalb Zuort vereinigten, abgeschmolzen. Zurückgeblieben sind zwei verdichtete Gletscherschutt-Moränen, dem Klima ausgesetzt und damit der Erosion. Tonnenschwere Gesteinsbrocken aus fünfzig Millionen Jahre altem Granit oder Serpentin, aus diesen alten Gebirgsformationen auf den Gletscher gestürzt, wurden vom Eis bis zu den Gletscherzungen talwärts transportiert. Nach seinem Abschmelzen waren die Moränen unter diesen Gesteinsbrocken vor Erosion relativ geschützt: hohe spitze Schuttkegel von bis zu 15 Metern Höhe mit ihrem jeweiligen Felsbrocken als tonnenschwere Kappe sind entstanden und heute Zeugnis dieses Erosionsvorganges der letzten paar tausend Jahre. Der Lokalname für diese Türme aus Moränenschutt ist denn auch ils Cluchers (phonetisch: klutcheers), die Kirchtürme von Zuort
Wollmammut, Höhlenbär und Säbelzahntiger sind seit der jüngeren Eiszeit verschwunden, und der vor 40.000 Jahren aus Afrika eingewanderte Homo sapiens hat vermutlich schon vor 15.000 Jahren im damaligen Unterengadin als Jäger und Sammler gelebt. Und dabei bald die Geländekammer um Zuort und die hohen Sommerweiden am Fimberpass entdeckt und genutzt. Die grüne Insel zwischen den beiden Moränen begannen damalige Jäger, die bald zu Hirten und Bergbauern wurden, von Gestein zu räumen und ihre Weiden durch Brandrodung zu vergrössern. Auch die Erdpyramiden müssen diese Menschen schon gekannt haben, allerdings in anderer Form und an anderer Stelle. Und bereits in hundert Jahren werden diese und weitere Moränenanteile wieder ganz anders aussehen.
Wie sehr im Gebiet Pra da Litta, auf der Waldstrasse durch den Moränenboden von Vnà her kommend, das Gelände in Bewegung ist, kann an den wöchentlich auftretenden groben Querrissen durch die Strasse und den umliegenden Moränenboden abgelesen werden. Eine Freude für denjenigen, der die Strasse zu unterhalten hat und seit 500 Jahren Diskussionspunkt mit dem Gemeinwesen…
Die innere Erosion der Pyramiden durch einsickerndes gefrierendes Wasser geht weiter und vor allem die Steilabrisse des Moränenrandes sind steitg am Abbröckeln, mit entsprechendem Steinschlag und umstürzenden Bäumen. Zudem sind in den kesselförmigen Endausläufern der Moränen feinpulvrige, klebrige Lehmansammlungen entstanden, die dauernd in Bewegung sind und für Mensch und Tier gefährliche Fallen bedeuten können. Es ist deshalb ratsam, im Bereich dieser Moränen (Lehm) und Erdpyramiden (Steinschlag) den Fuss- oder Fahrweg nicht zu verlassen.
Ein kürzlich bis zum Hals eingesunkener schwarzer Labrador-Rüde, der von seinem Besitzer – unter Inkaufnahme erheblichen Risikos – in letzter Sekunde aus dem weichen tiefen Lehmboden gezogen wurde, stellt eindrücklich Zeugnis dar. Die gefährliche Stelle befindet sich im offen liegenden Moränenschutt ziemlich unterhalb des Fussweges (zwischen Fussweg und Wasser vor Überqueren der Aua da Laver unterhalb von Zuort) auf der rechten Talseite von Val Sinestra her kommend (Flurname Crusch). Hier macht es speziell Sinn, Hunde nicht frei laufen zu lassen und auch selber nicht kreuz und quer in Sand und Lehm umherzusteigen.