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350 km nordwestlich von Bangkok und nur wenige Kilometer von der burmesischen Grenze entfernt liegt Huaymalai, ein kleines idyllisches, abgelegenes Dorf, bewohnt von einigen hundert Thais, aber vor allem auch von diversen ethnischen Minderheiten wie Karens und Mons.
Seit vielen Jahrzehnten haben die andauernden Probleme in Burma die Menschen gezwungen, hier auf der thailändischen Seite vor allem Schutz, aber auch Arbeit zu suchen. Im Laufe der Zeit wurden viele dieser Flüchtlinge entweder in Flüchtlingscamps untergebracht oder sogar wieder nach Burma deportiert.
1992 wurde das „Huaymalai Safe House“ vom TBBC (Thailand Burma Border Consortium) gegründet, um vorwiegend ältere Flüchtlinge mit gesundheitlichen Problemen mit dem Nötigsten wie Essen, Unterkunft, Hygieneartikel aber auch mit einfacher medizinischer Betreuung zu versorgen. Viele dieser Flüchtlinge haben mentale Probleme, einige wissen nicht einmal mehr, woher sie kommen.
Paw Lu Lu, die heutige Leiterin und eine Karen, die nach den Studentenunruhen in Rangoon im Jahre 1988 nach Thailand floh und nach einer langen Odyssee über Flüchtlingslager zuerst nach Mae Sot und dann nach Sangkhlaburi kam, eröffnete hier zuerst einen kleinen Shop, in dem sie auch Medikamente verkaufte. Weil sie eine Ausbildung im Pflegebereich hatte, kamen viele Einwohner aus der Gegend zu ihr, um sich von ihr helfen zu lassen. Durch ihre eigene Geschichte kannte sie auch die Probleme ihrer Landsleute aus Burma.
Mittlerweile als Flüchtling in Thailand anerkannt, wurde sie 1993 vom TBBC angefragt, die Leitung des „Safe House“ zu übernehmen. Zur Zeit als sie zusagte war sozusagen noch fast nichts vorhanden. Paw Lu Lu brachte sogar ihre eigenen Pfannen und Geräte aus ihrem Haushalt, bis einige Hilfswerke, die in dieser Gegend tätig sind, auch tatkräftig mithalfen.
Schon bald nach der Gründung gab es Probleme mit der einheimischen Bevölkerung in Huaymalai. Weil im „Safe House“ auch viele HIV-infizierte Leute betreut wurden, verlangten sie die Schliessung des Projektes. Sie glaubten, dass das Abwasser aus dem Haus gefährlich für sie werden könnte.
Mit der Hilfe eines Doktors im nahegelegenen Spital, der die Bevölkerung aufklärte und mit der Gewissheit, dass HIV-Kranke nicht im „Safe House“, sondern im Spital selber betreut werden, konnte schliesslich das Problem behoben werden.
Heutzutage ist das „Safe House“ aber bei den Einwohnern von Huaymalai weitgehend akzeptiert und einige Einheimische helfen sogar mit Essensspenden aus.
Momentan leben im „Safe House“ ca. 60 Leute aus verschiedenen Ethnien wie Karens, Mons, Arakans, Shans, aber auch von Kambodscha und Malaysia. Viele von ihnen haben körperliche Behinderungen, andere aber mentale Probleme wie Depressionen, Schizophrenie oder Epilepsie. Einige dieser Patienten haben auch ihre Kinder dabei. Für diese Kinder wird ebenfalls gesorgt mit Ausbildung, soweit es möglich ist.
Das eigentliche Ziel von „Safe House“ ist es aber, den meisten Menschen so zu helfen, dass sie eines Tages wieder ohne Hilfe leben können. Über 1600 sind seit der Gründung von „Safe House“ betreut worden, viele konnten nach einiger Zeit wieder ein selbständiges Leben führen. Patienten, die sich gesundheitlich erholt haben, aber nirgendswo ein Zuhause haben, weil sie Papierlos sind, leben aber weiterhin im „Safe House“.
Weil viele Bewohner psychische Probleme haben, hat Paw Lu Lu für vielseitige Beschäftigung gesorgt. So hat sie im Dorf Huaymalai wo die Weberei Tradition hat, einige Leute gefunden, die den Patienten das Weben beigebracht haben. Heute hat das „Safe House“ eine eigene Weberei wo die Bewohner mit Freude arbeiten. Die hergestellten Artikel werden im eigenen Laden verkauft.
Paw Lu Lu: „Einer unserer Bewohner, der durch einen Unfall querschnittgelähmt ist, sah keinen Sinn mehr im Leben und wollte sterben. Wir haben ihn ermutigt, das Weben zu lernen. Heute arbeitet er mit viel Freude und ist ein sehr zufiedener Mensch.“
Das „Safe House“ liegt am Rande des Dorfes Huaymalai und ist in alten, teils baufälligen Gebäuden untergebracht. Küche, sanitäre Einrichtungen und die Schlafräume sind sehr einfach. Es fehlt an Vielem, dringend notwendige Reparaturen an der Anlage konnten wegen Geldmangels nicht immer durchgeführt werden.
Dazu muss das ganze Projekt im Jahr 2013 disloziert werden, weil der Landbesitzer einen Teil seines Landes selber in Anspruch nehmen will. Glücklicherweise konnte ganz in der Nähe ein Stück Land gekauft werden. Das Ziel ist nun in kürzester Zeit Gebäude für die Unterkunft der Bewohner sowie Küche und Aufenthaltsräume auf dem neuen Land zu erstellen. Natürlich muss auch für die Weberei ein neues Gebäude errichtet werden. Das neue Land liegt glücklicherweise an einem Bach, und so ist die Wasserversorgung schon einmal besser als am jetzigen Ort.
Das Gemeinschaftsleben spielt sich im und um das Hauptgebäude ab. Die Bewohner sind erfreut an jedem Besuch. Manchmal kommen Kinder eines Waisenhausprojektes aus dem 20 km entfernten Sangkhlaburi und führen Theater- und Joga-Auftritte auf oder singen für die Bewohner. Das ist jeweils eine ganz besondere Abwechslung für die alten Bewohner.
> Gespräch mit Pi Fa, Managerin des Safe House