Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03571.jsonl.gz/2637

Ist der Krieg der Vater aller Gerechtigkeit?
Ungleichheit ist nicht einfach eine Frage der Gerechtigkeit, sondern des Überlebens. Man kann sich das bildlich anhand eines Gemüsegartens vorstellen, in dem sich die Pächter ihren Lebensunterhalt verdienen. Je grösser die Vermögen und Ansprüche der Besitzer sind, desto weniger bleibt für die Pächter übrig. Ab einem gewissen Punkt setzt der Hunger ein und Revolten werden wahrscheinlich. Gelingen sie nicht, zerstört der Hunger schliesslich die Arbeitskraft, das System bricht zusammen und reisst Pächter wie Besitzende mit sich.
Scheidel, Geschichtsprofessor an der renommierten Stanford-University bleibt pessimistisch: «Die Vergangenheit legt nahe, dass es keinen plausiblen Weg mit Wahlen, Regulierungen oder Bildung zurück zur Gleichheit gibt, den die Nachkriegsgeneration genoss. Die Geschichte kann nicht die Zukunft vorhersagen; aber die Botschaft ist ebenso ungeniessbar wie klar: Mit sehr seltenen Ausnahmen wurden grosse Korrekturen der Ungleichheit nur im Schmerz erreicht.»
Solange noch die Chance besteht, es anders zu machen, darf man diesen pessimistischen Ausblick nicht so stehen lassen. Angesichts der Tatsache, dass das private Geldsystem der Banken (gesichert durch die Zentralbanken) den grössten Umverteilungseffekt bewirkt, müsste eine Geldreform im Vordergrund stehen. Ein politisch realistischer erster Schritt ist die Vollgeld-Initiative, die die private Geldschöpfung durch die Banken unterbinden will. An die andere Möglichkeit, die freiwillige Aufgabe der grössten Vermögen, wagen wir nicht zu denken. Aber wenn die acht reichsten Menschen ihr Vermögen auf eine Yacht und ein Ferienhaus reduzierten, wäre die Schuldenlast der ärmeren Hälfte der Menschheit beseitigt und ein Neustart möglich. Wer nicht für eine solche wundersame Wendung beten will, tut besser daran, sich für Geldreform einzusetzen.
Zwei gute Adressen dazu: www.monetative.de
Walter Scheidel: The Only Thing, Historically, That's Curbed Inequality: Catastrophe
von:
Über
Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. "Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen".