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Durch einen Freund wurde ich auf eine bewegende biografische Serie zur umstrittenen Figur Rousas J. Rushdoony (1916-2001) aufmerksam gemacht. Sie wurde von seinem Sohn Mark R. Rushdoony, heutiger Vorsitzender der Chalcedon Foundation, verfasst. Mark schrieb, dass dies für ihn die schwierigste schriftliche Angelegenheit seit je war:
Teil I: Armenische Herkunft, erstaunliche Rettung aus dem vom Völkermord heimgesuchten Land
Teil II: Du wirst Schrifsteller werden; Schule und Ausbildungszeit. Rushdoony war von klein auf begieriger Leser. Als Student sparte er sich das Essensgeld vom Mund ab und investierte sie – in gebrauchte Bücher.
Teil III: Die sieben Jahre Pastoratszeit im Indianer-Reservat; viele Ideen, u. a. einer durch eine christliche Weltsicht erneuerte Bildung, findet dort ihren Ursprung; Rushdoony erlebte zahllose Fälle familiärer Gewalt und hielt fast im Wochentakt Beerdigungen!
Teil IV: Die schmerzensvollen Jahre; Rushdoony heiratete eine Frau, von der er drei Wochen nach der Hochzeit erfuhr, dass sie unter schweren psychischen Problemen litt. Er traf sie am offenen Fenster an, als sie sich das Leben nehmen wollte. Das Leid, das er über Jahre durch die zunehmende Erkrankung über der Familie lag, ist kaum vorstellbar. Oft musste Rushdoony neben seinen vielen Aufgaben noch mehrere Stunden Hausarbeit bis tief in die Nacht verrichten.
Teil V: Angestellter eines Think Tank und Gründer einer eigenen Stiftung. Die lange Leidensgeschichte bis zur Scheidung wird vom jüngsten der fünf Kinder, Mark Rushdoony, in einigen Einzelheiten inkl. öffentlicher Gutachten von Psychiatern und Gemeindeleitungen geschildert. Rushdoony hat später wieder geheiratet, ist als Pastor zurückgetreten und hat sich fortan als Leiter eines Think Tank mit voller Kraft der schriftlichen Arbeit gewidmet.
Teil VI: Jahrzehnte des intensiven Schreibens; Zeitschriften, Kolumnen, Bücher.
Rushdoony verfügte über enyklopädisches Wissen in vielen Fachbereichen. Er besass u. a. einen Master-Abschluss in Pädagogik von Berkeley. Er las über 50 Jahre täglich ein Buch und fertigte sich zu allem Gelesenen Notizen an. Zudem schrieb er sämtliche Ideen auf. Übrigens gehörte Rusdoony als Experte und Zeuge vieler wichtiger Prozesse zu den ersten Vordenkern, die Heimunterricht in allen 50 Bundesstaaten der USA gesetzlich legalisierten.
Vor einigen Jahren las ich die beiden sehr aufschlussreichen Bücher, die Rushdoony anfangs der 1960er-Jahre geschrieben hat: Intellectual Schizophrenia: Culture, Crisis and Education und die ausführliche Analyse der modernen Geschichte der (angelsächsischen) Pädagogik: The Messianic Character of American Education. Sie öffneten mir die Augen für die religiöse Dimension der Vordenker der modernen Pädagogik. Auch wenn einige Argumente überzeichnet erscheinen – sie zu lesen lohnt sich allemal! Beide Bücher gibt es zu moderaten Preisen für den Kindle.
Die kürzlich erschienene Biografie "Christian Reconstruction" liegt zur Zeit auf meinem Nachttisch. Der Autor Michael J. McVicar hatte Zugang zu sämtlichen Manuskripten, Tagebüchern und Notizen von Rushdoony. TGC spricht von einer ausgewogenen Berichterstattung über einen Mann, über den es wohl mehr Gerüchte als wahre Geschichten gibt.