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Wanzentagung 2020, Strickhof
Populationsentwicklung 2020
2020 kam es zu geringeren Schäden als 2019 durch Halyomorpha halys. Zwar war die Schädigung vor Kulturende teilweise gleich hoch, aber die Schäden traten rund 6 Wochen verzögert auf. Während es 2017 und 2018 aufgrund des warmen Wetters im Freiland erstmals 2 Generationen gab und sich die Wanzen dadurch stark vermehren konnten, bildete sich in den darauffolgenden zwei Jahren mehrheitlich nur eine Generation aus. Da folglich 2020 weniger Wanzen aus der Überwinterung kamen und sich auch weniger stark vermehrten, kam es zu verzögerten und geringeren Schäden.
2020 lag der Flughöhepunkt der überwinternden Generation etwa in der dritten Aprilwoche. Im Gewächshaus fanden wir erste Eier um die Maiwende. Cornelia Sauer von Agroscope beobachtete im Juni den Eiablagepeak in den eigens dafür angelegten «Wanzenkäfigen». Im Freiland fanden Lea Andrae und David Szalatnay vom Strickhof in der dritten Juniwoche erste Eiablagen und ab dann auch zunehmend Jungstadien. Ab Mitte Juli fanden wir in Gewächshäusern alle Stadien von Wanzen, Cornelia Sauer erst gegen Ende Juli. Das mag unter anderem an der unterschiedlichen Temperaturführung liegen. Die sich entwickelnden Adulten der neuen Generation legten Ende Juli bis Mitte August Eier, wobei letzte Eigelege Anfangs September gefunden wurden. Ab Mitte September fanden sich dann vermehrt Adulte Wanzen, wobei diese einen Monat später plötzlich verschwunden waren. Es ist zu vermuten, dass sie trotz warmen Temperaturen im Gewächshaus andere Winterquartiere suchten.
Im Gewächshaus kam es aufgrund der früheren Eiablage und schnelleren Entwicklung zu einer Generation mehr als draussen. Wenn man die Temperaturkurven der Jahre 2017 bis 2020 vergleicht, so scheint ein warmer Mai der entscheidende Punkt zu sein, dass die Wanzen Anfang bis Mitte Juni Eier legen, woraus im Juli Adulte entstehen, die es nochmals zur Eiablage zur Juliwende schaffen. Die geschilderte Situation gilt bei Gewächshäusern, bei denen die Entwicklung mit dem externen Zuflug beginnt. Können in Jahreskulturen intern überwinternde Wanzen schon im ausklingenden Winter in die Sommerkulturen wechseln, so kann es schon im Mai zu 50% Ausfall kommen.
2020 wurden absterbende Blüten bei Aubergine auf Einstiche durch Lygus Arten zurückgeführt. Cornelia Sauer berichtete zudem von zunehmenden Schäden durch Palomena prasina.
Schlupfwespen: Versuche und Erkenntnisse
Tim Haye vom CABI überprüfte die Parasitierung von H. halys und einheimischen Wanzen. Im Tessin als auch in urbanen Gebieten in Zürich und Basel waren rund die Hälfte der Eier von H. halys entweder parasitiert oder gefressen. Die Parasitierung geschah vorwiegend durch Trissolcus japonicus, wobei die Parasitierung nie höher als 20% war. Erstmals wurde dabei auch Trissolcus mitsukurii nachgewiesen in der Schweiz. T. japonicus parasitiert neben H. halys gelegentlich auch die beiden einheimischen Schadwanzen, P. prasina und P. rufipes, nicht jedoch unschädliche Krautschicht bewohnende Wanzen. Zusammen mit der Population sank auch die Parasitierungsrate.
Samuel Stüssi von Andermatt Biocontrol führte Versuche mit T. japonicus in einem bisher stark mit H. halys befallenen Betrieb durch. In den Wochen 23 bis 35 wurden jede Woche 0.2 Schlupfwespen pro m2 ausgesetzt. Die zur Kontrolle ausgelegten sterilen Eier von H. halys wurden nicht parasitiert. Die Schadwanzen konnten in diesem Versuch mit den Nützlingen nicht ausreichend bekämpft werden. Die Nebenwirkung der Spinosad und Pyrethrum Anwendungen auf die Wanzen waren grösser, ebenso die Effekte der Einnetzung. Hingegen reduzierte ein ähnlicher Versuch mit T. basalis gegen N. viridula im Tessin die Schäden, verglichen mit der Kontrolle. Dies, obwohl zur Kontrolle ausgelegte Eigelege ebenfalls nicht parasitiert wurden. Es wurde durch Tim Haye schon beobachtet, dass künstlich ausgebrachte Eigelege schlechter parasitiert werden als natürliche. Sicher müssen noch Versuche gemacht werden, um den Schlupfwespeneinsatz zu optimieren bezüglich Zeitpunkt, Monitoring und allenfalls Einsatzmengen. In Deutschland wurde T. japonicus unterdessen in Baden-Württemberg erstmals nachgewiesen durch das Team des LTZ Augustenberg. Bezüglich eines Einsatzes von T. japonicus auch zu Versuchszwecken steht das LTZ mit den zuständigen Behörden in Kontakt.
Aussicht
Liegen die Maitemperaturen 2021 nicht über dem Schnitt, so kann gehofft werden, dass sich die Schäden nochmals reduzieren. Da die Wanzenpopulation im Herbst 2020 sehr klein war, wird in 2021 zudem eine sehr geringe Startpopulation erwartet. Diese können jedoch, wie man 2017 gesehen hat, nach einem warmen Jahr sprunghaft wieder ansteigen. Es müssen weitere Erfahrungen mit dem Schlupfwespeneinsatz gewonnen werden. An eine Einnetzung ist in Problembetrieben bereits jetzt zu denken. Jahresbetriebe müssen unbedingt wanzenfrei in die neue Kultur kommen. Das bedingt ein striktes Vorgehen in der Gewächshaushygiene beim Kulturwechsel. Weitere Versuche sind nötig. Unter anderem testet das FiBL Fangpflanzen und Blühstreifen.