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Kennen Sie Hans Carl von Carlowitz? Nein? Kein Problem. Wenn ja, gehören Sie einer auserlesenen Gruppe von Experten an. Den Begriff Nachhaltigkeit hingegen dürften Sie auf jeden Fall kennen. Dieser tritt heute mehr denn je als Modewort und Metapher für aktuelle Problembeschreibungen in Erscheinung, wenngleich bei der Definition erstaunliche Differenzen auftauchen. Dazu später mehr.
Zurück zu Carlowitz. Er wird als eigentlicher Begründer des Nachhaltigkeitsgedankens gehandelt. Der Oberberghauptmann aus dem sächsischen Freiberg veröffentlichte 1713 das Werk «Sylvicultura Oeconomica, oder Hausswirtschaftliche Nachricht und Naturgemässe Anweisung zur Wilden Baum-Zucht». Darin fordert er eine Form der Holzwirtschaft, bei der immer nur so viel Holz geschlagen wird, wie durch Wiederaufforstung nachwachsen kann. In seinen Ausführungen spricht er von «nachhaltender Nutzung der Wälder» und plädiert dafür, «einen Anbau des Holzes anzustellen, dass es eine kontinuierliche, beständige und nachhaltige Nutzung gebe.» Damit war der Begriff geboren. Es sollte aber weitere 259 Jahre dauern, bis er den Weg aus der Forstwirtschaft und hinein ins gesellschaftliche Leben fand.
«Nachhaltigkeit als eine Form der Holzwirtschaft, bei der immer nur so viel Holz geschlagen wird, wie durch Wiederaufforstung nachwachsen kann.»
Club of Rome
Erst 1972 stiess der Club of Rome, eine gemeinnützige Organisation bestehend aus Experten unterschiedlichster Disziplinen aus mehr als 30 Ländern, die Auseinandersetzung mit einem «verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt» an. In einem Bericht erwähnten die Autoren ein «nachhaltiges Weltsystem», das in sich selbst aufrechterhaltbar (engl: sustainable) sein soll und so für nachkommende Generationen tragbar wird. Hohe Beachtung fand ausserdem das Werk «Das Prinzip Verantwortung» des in Deutschland geborenen Philosophen Hans Jonas. Er veröffentlichte seine bis heute wirkungsstarke Schrift 1979 und forderte darin verantwortungsvolles Handeln jedes Einzelnen. Bei Jonas hört sich das so an: «Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.»
«Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.»
Brundtland-Bericht und Rio Konferenz
Der Start für den weltweiten Diskurs und die moderne Begrifflichkeit wird gemeinhin dem Brundtland-Bericht von 1987 zugeschrieben. Der frühere norwegische Ministerpräsident Gro Harlem Brundtland verfasste zuhanden der Vereinten Nationen einen Bericht, in dem er langfristige Perspektiven für eine Entwicklungspolitik, die zugleich umweltschonend ist, aufzeigen sollte. Erstmals war die Rede von «nachhaltiger Entwicklung» (engl: sustainable development). Der Brundtland-Bericht war denn auch Basis für den Weltgipfel der Vereinten Nationen 1992 in Rio. Mit der Agenda 21 wurde ein globales Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung verabschiedet und erstmals das 3-Säulen-Modell mit den Leitbegriffen Ökonomie, Ökologie und Soziales vorgestellt.
Nur ein Modewort?
Per heutiger Definition erfordert Nachhaltigkeit langfristiges und ganzheitliches Denken: Die Geschäftstätigkeit und die einzelnen Handlungen sollen wirtschaftlich nützlich, zugleich aber auch sozial verträglich und ökologisch sinnvoll sein und künftige Generationen nicht benachteiligen. Zugegeben: Nicht selten ein Dilemma! Und je nach persönlichem Hintergrund und eigener Betrachtungsweise lässt der Begriff Spielraum für weitere Interpretationen. Die Kritik, dass Nachhaltigkeit zu einem nichtssagenden Gummiwort verkommen sei, hört man deshalb nicht selten. Heute ist denn auch Nachhaltigkeit mehr denn je ein Modewort, das immer wieder zu Marketingzwecken missbraucht wird (wer würde schon zugeben, nur an kurzfristiger Gewinnmaximierung interessiert zu sein und egoistisch zu handeln?) – kritisches Hinterfragen ist deshalb angebracht.
«Bei Nachhaltigkeit ist kritisches Hinterfragen angebracht.»
Für die BEKB ist Nachhaltigkeit schon lange ein zentraler Wert und eine Grundhaltung: Wir orientieren uns am langfristigen Erfolg, engagieren uns für eine gesunde Entwicklung unserer Region, nehmen ökologische Verantwortung wahr und bieten attraktive Arbeits- und Ausbildungsplätze an. Unsere Produkte tragen zu einem sinnvollen Geldfluss bei. Dieses verantwortungsvolle Handeln schafft Vertrauen und Mehrwert – unabhängig davon, ob der Begriff Nachhaltigkeit gerade «in» ist oder nicht.