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Visp: die drei Rhonekorrektionen
Es gilt, die Siedlungen und das industrielle Zentrum Lonza-DSM vor Hochwasser zu schützen. Die verheerenden Überschwemmungen vom Oktober 2000, als in der Ebene tausend Hektar überflutetet wurden, haben gezeigt, dass umfassende Bauarbeiten erforderlich sind. Dieser Abschnitt, der in Kürze fertiggestellt wird, vermittelt ein anschauliches Beispiel für die dritte Korrektion, mit Flussverbreiterungen, die einen 50% höheren Wasserdurchfluss ermöglichen.
Das Gesicht der Rhone zwischen Gletsch und Saint-Gingolph wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten verändern. Mit Kiesbänken im Wellenstrom, sanft abfallenden bewachsenen Ufern und öffentlichen Räumen auf beiden Seiten wird der Fluss besser zugänglich. Trotz des Widerstands aus der Landwirtschaft wurde die Finanzierung des Projekts im Juni 2015 von 57% der Wählerschaft angenommen. Die Rhone gefährdet 100.000 Menschen und eine Fläche von mehr als 11.000 Hektar. Das gesamte Schadenspotenzial übersteigt 20 Milliarden Franken. Rund drei Viertel der Kosten für das dritte Korrektionsprojekt werden vom Bund subventioniert. Dank dieser Bundesgelder hat das Wallis bereits die vorherigen Korrektionen, die in unterschiedlichen historischen Kontexten stattgefunden haben, finanzieren können.
Die erste Korrektion (1863-1894) diente der Einbindung des katholischen Wallis in die vom Sonderbundskrieg zerrissene Schweiz. Der Bund, der bereits die Rheinkorrektur in den Kantonen Graubünden und St. Gallen finanziell unterstützt hatte, beschloss, dem vom Krieg und dem Hochwasser von 1860 arg gebeutelten Kanton Wallis zu Hilfe kommen. Die erste Berichtigung korrigierte den Verlauf der Rhone in der Ebene und verursachte Kosten von mehr als 20 Millionen Franken, wovon ein Drittel vom Bund übernommen wurde. Die Anrainergemeinden hingegen trugen den Grossteil der Ausgaben. Die Rhone wurde nun systematisch in ein Korsett zwischen zwei parallelen Dämmen gezwängt, die Strömung durch gegenüberliegende und senkrecht zur Flussachse errichtete Buhnen in Richtung Flussmitte geleitet.
Ungeachtet dieser Flusskorrektion fanden weitere Überschwemmungen statt, insbesondere in den Jahren 1877, 1883, 1896, 1897 und 1914. Durch die Zufuhr von Geschiebe aus den Nebenflüssen stieg das Flussbett. Darüber hinaus dehnten sich Sumpfgebiete aus, weil das Abwasser wegen der bestehenden Dämme nicht mehr in den Fluss abfliessen konnte. Als Gegenmassnahme wurden Entwässerungskanäle gebaut. Infolge der Melioration in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Talebene schliesslich entwässert und aufgewertet.
Nachdem neuerliche Überschwemmungen die Grenzen der ersten Korrektion aufgezeigt hatten, begann in der Zwischenkriegszeit, einer Zeit, in welcher sich der Patriotismus in der Bindung an die Scholle manifestierte, die zweite Korrektion (1934-1961). Diese bestand aus der Verstärkung und Anhebung der Dämme sowie einer Einengung des Flussbetts, damit die Geschiebetransportkapazität erhöht werden konnte. Ab den 1960er Jahren konnte durch den Betrieb von Kieswerken entlang des Flusses die Ablagerung von Geschiebematerial im Flussbett reduziert werden.