Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/185645

<h2>SubmittedText<h2><p>Das Phänomen der bakteriellen Resistenz gegen Antibiotika ist ein grosses Problem für das Gesundheitswesen. Daher hat der Bundesrat die Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz lanciert. Ursachen für Antibiotikaresistenzen sind die übermässige Anwendung von Antibiotika, Hygieneprodukte, die antibakterielle Mittel enthalten, oder auch pathogene Bakterien und Rückstände von Antibiotika, die über das Abwasser aus Haushalten und die grossflächige Ausbringung von Gülle und Jauche aus der Nutztierhaltung in die Umwelt gelangen.</p><p>Mit dem laufenden Ausbau von Abwasserreinigungsanlagen, die zunehmend auch Mikroverunreinigungen eliminieren können, wird ein Teil der Antibiotikarückstände und der pathogenen Bakterien mithilfe der dafür eingesetzten Techniken zerstört werden. Doch das Abwasser aus der Landwirtschaft, das besonders stark mit Antibiotikarückständen und pathogenen Bakterien belastet ist, wird nach wie vor auf den Feldern ausgebracht und trägt somit zum Phänomen der Antibiotikaresistenzen bei. Gemäss wissenschaftlichen Berichten führt die Entwicklung von multiresistenten Keimen zu besorgniserregenden Problemen der Resistenz bei Nutztieren.</p><p>Die Mengen an Antibiotikarückständen und pathogenen Bakterien in der Umwelt können jedoch reduziert werden, indem Gülle mit spezifischen Verfahren der Vergärung weiterverwertet wird. Bei solchen Verfahren werden diese Kontaminanten grösstenteils zerstört, während der Düngwert des Gärgutes erhalten bleibt und das entstehende Methan als Quelle von Wärmeenergie oder elektrischer Energie genutzt wird. Darüber hinaus beseitigt die Vergärung den Geruch der Gülle und verhindert die Freisetzung von Methan, das wesentlich zur Klimaerwärmung beiträgt. Es handelt sich also um ein Verfahren, das für die Landwirtschaft eine interessante wirtschaftliche Diversifizierung darstellt.</p><p>Leider ist der Bau neuer Anlagen zur Vergärung von landwirtschaftlicher Biomasse ins Stocken geraten, da es schwierig ist, den erzeugten Strom zu einem Preis zu verkaufen, der die Investition rentabel macht. Hunderte Biomasseanlagen stehen auf der Warteliste für das Vergütungssystem zur Förderung erneuerbarer Energien.</p><p>Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass die Vergärung zu einer Verringerung des Phänomens der Antibiotikaresistenzen beitragen kann?</p><p>Sieht er vor, die notwendigen Massnahmen zu treffen, um die Anzahl der Anlagen zur Vergärung von landwirtschaftlicher Biomasse zu erhöhen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Ein geringerer Antibiotikaverbrauch trägt am meisten zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen bei. In der vom Bundesrat verabschiedeten Strategie sind diesbezüglich insbesondere die Handlungsfelder Prävention und sachgemässer Einsatz entscheidend. In der Tierhaltung werden vor allem präventive Massnahmen zur Förderung der Tiergesundheit realisiert sowie die sachgemässe Anwendung von Antibiotika durch den Tierarzt eingefordert. Massnahmen an der Quelle sind sicher kostengünstiger und effektiver als Massnahmen im nachfolgenden Prozess, zum Beispiel durch die Behandlung der Gülle.</p><p>Eine vom Bund finanzierte Studie zeigt, dass humanpathogene Keime in einer Biogasanlage nicht angereichert werden. Der Keim Escherichia coli (E. coli) wird in mesophilen Biogasanlagen reduziert (10-100x) und in thermophilen Biogasanlagen praktisch eliminiert. Dagegen vermögen mesophile Anlagen Enterokokken nicht zu reduzieren, während in thermophilen Anlagen eine deutliche Reduktion um einen Faktor 1000 stattfindet. Das Verhältnis von sensiblen zu resistenten Keimen, mit dem Leitkeim E. coli gemessen, reduziert sich weder in mesophilen noch in thermophilen Anlagen. Aufgrund dieser Resultate sind weitere Fördermassnahmen zur Produktion erneuerbarer Energie mittels Biogasanlagen nicht verhältnismässig. Landwirtschaftliche Biogasanlagen werden mit der Energiestrategie noch bis 2022 gefördert, allerdings nicht primär aus Gründen der Reduzierung von Antibiotikaresistenzen. Ob und wie diese Förderung danach weitergeht, ist abhängig von energie- und landwirtschaftspolitischen Überlegungen.</p>  Antwort des Bundesrates.