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Ace wird uns von unserer Partnerpraxis in Biel für weitere Abklärungen wegen eines Verdachts des Befalls mit Herzwürmern überwiesen.
Der Hund ist über eine Hilfsorganisation aus Rumänien in die Schweiz gelangt. Sowohl ein Schnelltest in Rumänien als auch ein Bluttest, welcher die Hilfsorganisation nach Ankunft des Hundes in der Schweiz veranlasst hatte, diagnostizierten einen Befall mit dem Herzwurm Dirofilaria Immitis. Der Besitzer berichtet, dass es dem Hund sehr gut gehe - insbesondere zeige er keinen Husten oder schnelle Ermüdung bei Belastung.
Im Auftrag der Hilfsorganisation waren Bruströntgen angefertigt worden - auf den Bildern sind keine offensichtliche Veränderungen am Herzen zu sehen, wie sie bei unbehandeltem Herzwurmbefall auftreten könnten. Der Laborbericht eines Schweizer Grosslabors (Labor A) zeigt aber, dass im Blut Dirofilaria-Antigen gefunden wurde - ein Hinweis auf einen Herzwurmbefall.
Der vermutete Herzwurmbefall ist eine schwere Erkrankung - ohne entsprechende (und recht risikoreiche) Behandlung würde der Hund an diesem Parasit sterben. Zur Sicherung der Diagnose wird dem Hund erneut Blut entnommen: Im Blutausstrich sind in unserem eigenen Labor die sogenannten Mikrofilarien (junge Entwicklungsstufen des Wurmes) gut und in grossen Mengen zu sehen. Um so erstaunter sind wir, dass der Test auf Dirofilaria-Immitis-Antigen (d.h. Bestandteile von erwachsenen, im Herzen parasitierenden Würmern) in unserem externen Labor (Labor B) diesmal im Unterschied zum ersten Test negativ ausfällt.
Zur weiteren Klärung wird nun noch eine PCR-Untersuchung des Blutes angeordnet. Hier wird untersucht, zu welchem Typ Wurm die im Blut gefundenen Wurmlarven gehören. Dieser Spezialuntersuch liefert nun eine neue Verdachtsdiagnose: Ace leidet zwar an einem Dirofilarien-Parasiteninfekt - aber offensichtlich nicht am gefürchteten Herzwurm (Dirofilaria Immitis), sondern am deutlich weniger gefährlichen Hautwurm Dirofilaria Repens.
Beunruhigend ist aber die Diskrepanz dieser Resultate gegenüber den beiden anderslautenden Befunden aus Rumänien und dem Labor A: Wie sind die unterschiedlichen Resultate erklärbar? Welchem Befund soll nun geglaubt werden?
Rund 2 Monate später wird der Antigentest deshalb wiederholt, und zwar parallel im Labor A und Labor B. Nun sind beide Tests negativ - offenbar waren die initialen Tests aufgrund des Befalls mit dem Hautwurm fälschlicherweise positiv ausgefallen.
Ace erhält nun monatlich ein Parasitenmittel zum Auftropfen auf die Haut, welches die im Blut zirkulierenden Larvenstadien abtötet. Solange die in der Haut parasitierenden erwachsenen Würmer keine Probleme (Entzündungen, Ekzeme) verursachen, benötigen sie keine entsprechende Therapie. Allerdings muss die monatliche Larvenbehandlung für mehrere Jahre fortgesetzt werden, da die erwachsenen Würmer ebenso lange in der Haut überleben und Larven produzieren können.
Es sind fünf Typen der Parasitenart der Filarien bekannt: Neben dem gefürchteten Herzwurm Dirofilaria Immitis existiert der in der Haut parasitierende Dirofilaria Repens sowie drei weitere Wurmformen, welche in der Haut, dem Muskelgewebe und der Bauchhöhle von Hunden parasitieren können. In Europa findet sich der Parasit im Mittelmeerraum, dem Balkan und den kanarischen Inseln. Der Herzwurm hat auch in subtropisch gelegenen Industriestaaten wie den USA (zB Louisiana) eine grosse Bedeutung; neben der Impfung gegen Infektionskrankheiten gehört in solchen Gegenden auch eine monatliche Herzwurmprophylaxe zur Standart-Gesundheitsprophylaxe bei Hunden.
Die erwachsenen Filarien produzieren Nachwuchs in Form von Larven (sogenannte L1). Diese werden bei einer Blutmahlzeit von einer Mücke aufgenommen und entwickeln sich im Insekt zu infektiösen L3, welche beim Stich der Mücke auf den nächsten Hund übertragen wird und sich im Hundekörper dann zum erwachsensen Wurm im jeweiligen Wirtsorgan entwickelt.
Beim Hautparasit Dirofilaria Repens kann der Befall symptomlos verlaufen - die im Blut zirkulierenden Larven bewirken meist keine Symptome; die erwachsenen Würmer in der Haut können aber Knoten und Ekzeme bewirken. Ausserdem ist die Krankheit eine Zoonose - Mücken, welche infizierte Hunde gestochen haben, können den Parasiten auch auf Menschen übertragen. Der Wurm kann bis zu 5 Jahre in der Haut überleben - entsprechend lange sollte bei einem betroffenen Hund eine mikrofilarizide (d.h. larvenabtötende Therapie) erfolgen.
Bei Ace hat sich glücklicherweise der initiale Herzwurmverdacht nicht bestätigt. Der im rechten Herzen und den Lungenarterien parasitierende Wurm führt mit der Zeit zu schweren Problemen (Husten, Lungenblutungen, Herz- und Organversagen) und dem Tod des Tieres. Die Behandlung ist aufwendig: Um dem Problem Herr zu werden, müssen die erwachsenen Würmer im Herzen mittels eines 2- bis 3-mal injizierten Medikamentes abgetötet werden. Das Präparat ist sehr teuer und in der Schweiz schwierig zu beschaffen; ausserdem können die so abgetöteten Würmer in der Lunge schwere Schäden oder sogar den Tod des Hundes bewirken.
Um so glücklicher sind wir, dass sich der Ursprungsverdacht eines Herzwurmbefalls bei Ace nicht bestätigt hat.