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«Alle Kredite konnten früher auch erlassen werden», sagt David Graeber im Interview mit «ECO». «In der Antike wurden Schulden periodisch gestrichen – das war die ursprüngliche Idee. Im Mittelalter gab es gar keine Kredite mit Zinsen. Das Resultat: Die Wirtschaft prosperierte fast auf der ganzen Welt.»
Es brauche nun ein Zurück zu dieser Auffassung des Schuldenmachens. Auch im Falle der hoch verschuldeten Staaten wie den USA oder krisengeschüttelten EU-Ländern: Ein weltweiter Schuldenerlass sei laut Graeber die Lösung, um den Kollaps abzuwenden und einen völligen Neustart zu machen. Heute leben die Staaten über ihren Verhältnissen, bezahlen Schulden mit neuen Schulden.
«Opfer werden zu Schuldigen»
Graeber wirft den Mächtigen vor, sich untereinander die Schulden zu erlassen – und am Ende seien es die kleinen Leute, die büssen müssten. «Schulden sind das effektivste Mittel der Menschheit, um ungleiche Beziehungen gewaltsam zu zementieren», so Graeber. «Heute ist das moralisch akzeptiert, man macht die Opfer zu Schuldigen.»
David Graeber provoziert mit seinem Ansatz. Ökonom und Publizist Beat Kappeler etwa stemmt sich gegen dieses Konzept. «Es wäre eine Erschütterung des Vertrauens in den Staat, der den Bürgern und Gläubigern gegenüber zurückzahlt, verantwortlich ist», sagt er gegenüber «ECO», «und es wäre eine Erschütterung der Idee des Geldes, welches dann nur noch Papiergeld wäre, das den Staat finanziert.»
David Graeber
Der Anthropologe und Professor an der London School of Economics ist bekennender Anarchist. Seit Jahren kämpft er gegen den Kapitalismus und ist Mitbegründer der «Occupy-Wall-Street»-Bewegung.