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Weltgebetstag: Kultur, Demut und Toleranz
Vanuatu – ein Land im Südpazifik, das meistens nur durch Zeitungsmeldungen über starke Tornados, Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis bekannt wird – ist eine Inselgruppe im Südpazifik. Seine Hauptstadt Port Vila liegt auf der Insel Efate. Die mehr als 80 Inseln erstrecken sich über 1300 Kilometer und gehören zu den Neuen Hebriden.
Am Freitag, den 5. März 2021 werden der Name Vanuatu, seine Geschichte und seine als die fröhlichsten Menschen der Erde bezeichnete Bevölkerung im Munde von Millionen Menschen sein. An diesem Tag wird der Weltgebetstag (WGT) 2021 in 170 Ländern mit der von christlichen Frauen aus Vanuatu geschriebenen Liturgie innerhalb von 24 Stunden rund um den Erdball gefeiert. Über die WGT-Geschäftsstelle in New York wird jeweils die Liturgie an über 170 nationale WGT-Organisationen verteilt, die sie in ihre Landessprachen übersetzen und den Gemeinden weitergeben.
Durch die Feiern entstehen eine Verbundenheit in Gedanken und im Gebet, ein Funke der Hoffnung für Frieden und Toleranz, eine gegenseitige Unterstützung in Worten und Taten. Beten und Handeln lautet das Motto unserer internationalen ökumenischen Organisation von christlichen Basisfrauen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts von einigen mutigen Frauen in den USA entstand und sich bald weiterverbreitete.
Bei uns fand die erste Feier 1936 in der französischen Schweiz statt. Heute gestalten gegen 700 Gemeinden am ersten Freitag im März eine ökumenische Feier. Der Verein WGT Schweiz bietet die Unterlagen in all unseren Landessprachen an. Die Mitglieder, inklusive Präsidium und Vorstand, erarbeiten dieses Material in Freiwilligenarbeit. Einzig die beiden Teilzeitangestellten im Sekretariat werden entlöhnt. Unsere Einnahmen sind die Kollekten an den WGT-Feiern im März sowie Spenden und Vergabungen über das Jahr. Unser Ziel ist es, möglichst nachhaltige Projekte zu unterstützen. Ein Teil der Einnahmen geht an einjährige Projekte in das Land, in dem die Liturgie geschrieben wurde, der grössere Teil fliesst in mehrjährige Projekte auf allen Kontinenten. Unser Hauptanliegen ist die soziale, wirtschaftliche, schulische und medizinische Unterstützung durch nachhaltige Projekte für Frauen und Kinder, damit ihnen eine Grundlage für die Zukunft ermöglicht wird.
Dem WGT-Gedanken verfiel ich als junge Frau an der Feier im März 1971 mit der Liturgie aus Ägypten. Seither reise ich jedes Jahr durch den WGT in Gedanken in ein anderes Land. Es sind nicht nur geografische Kenntnisse, die ich dadurch erwarb, sondern auch grosses Verständnis für andere Kulturen, ihre Lebensarten, ihre Kunst, ihre Lieder und Musik, ihre Bedürfnisse und Nöte, ihre einzigartigen Gaben. Vor allem aber lernte ich Demut und Toleranz. Mein aktiver Weg im WGT seit 1971 ging von der Basisebene über die kantonale zur nationalen Organisation WGT Schweiz, aus der ich Ende März 2021 als Präsidentin austreten werde. Persönlich ist der WGT für mich eine Lebenshaltung, darum gilt: «Eine Weltgebetstagsfrau bleibt eine Weltgebetstagsfrau.»
Heidi Wettstein ist Präsidentin des Vereins Weltgebetstag Schweiz.
*In dieser Rubrik wirft jede Woche eine prominente Persönlichkeit einen achtsamen Blick auf die Schweiz und beschreibt aus ihrer Sicht, was zählt. Diese Meinung muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.