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Computer-Pionier Alan Kay spricht über seine Zeit bei Apple
Veröffentlicht am Donnerstag, 04. April 2013, um 10:02 Uhr von Patrick Bieri
Das Time-Magazine hat ein Interview mit Alan Kay publiziert. Alan Kay ist ein Pionier der US-Tech-Industrie — Kay entwickelte bei seiner Arbeit für Xerox das «Dynabook Concept», welches die Enwicklung von Apples und Microsofts grafischer Benutzeroberfläche massgeblich geprägt hat. Das Konzept diente später zudem in Sachen Hardware als Grundlage für die Entwicklung von Notebooks und Tablets.
Im Interview zeigt sich Kay enttäuscht über den Umstand, wie Software heute auf den elektronischen Endgeräten implementiert wird. Das Wachstum der elektronischen Medien hat gemäss dem Tech-Experten dazu geführt, dass sich die Gesellschaft von der Schreib- und Lesekultur abwendet und sich in eine «mündliche Gesellschaft zurückentwickelt». Kritisiert werden von Kay auch die Bildungseinrichtungen, welche die elektronischen Geräte nicht richtig einsetzen würden. Der Computer wird so als Schreibmaschine missbraucht, anstelle dass man darauf fortschrittliche Lernprogramme installieren würde. Er stellt dabei die Frage, ob Computer in ihrem heutigen Einsatzbereich für die Unterrichtsqualität tatsächlich förderlich seien.
Ebenfalls enttäuscht ist der Entwickler, dass Apple mit iOS die Ideale der Begründer des PC-Konzepts verrät. Einem Kind sei es mit einem iOS-Gerät beispielsweise nicht möglich, ein Etoy (ein Lernprogramm) selbstständig herunter zu laden. Die von Apple vorgebrachte Rechtfertigung, dass man die Sicherheit gewährleisten will, lässt Kay dafür nicht gelten. Für ihn stellt dieses Argument eine Ausrede dar, welche das Resultat der eigenen schlechten Arbeit sei. Kritisiert wird von Kay auch der Umstand, dass sich die Benutzeroberflächen in den letzten Jahrzehnten nur spärlich weiterentwickelt haben. An diesem Trend konnte auch iOS nichts ändern, so Kay.
Kay äusserte sich auch zum Einfluss seiner Arbeit bei Xerox auf die Entwicklung der ersten Macintosh-Computer. Steve Jobs Besuch im Xerox-Entwicklungszentrum und das Treffen mit Alan Kay beeinflusste demnach die Entwicklung von Apples Lisa sowie den folgenden Macs stark. Kays Ausspruch, dass Software-Experten sich am besten auch um die Hardware kümmern sollten, wurde von Steve Jobs immer wieder zitiert. Dieser simple Leitgedanke wurde später auch zur Grundlage von OS X und iOS.
Für Alan Kay war die Entwicklung des Newtons bei Apple, an welcher er selbst beteiligt war, ein Fehlschlag. In seiner Arbeit am «Dynabook Concept» hat er seiner Meinung nach überzeugend dargelegt, wieso man für die Interaktion mit einem elektronischen Gerät eine Tastatur brauche. Die Marketing-Abteilung von Apple wollte zu dieser Zeit (Anfang 1990er-Jahre) aber ein Gerät ohne eine Tastatur, weil ein Gerät mit Tastatur mit den Macs in Konkurrenz gestanden hätte.
Der Newton wurde anschliessend wie von der Marketing-Abteilung gewünscht ohne Tastatur ausgeliefert, was zu einem grossen Fehlschlag für Apple führte.
Kay äusserte sich auch zu Apples wichtigsten Führungspersonen in den 1980er-Jahren, Steve Jobs und John Sculley. Für den Technik-Experten war es ein einschneidendes Erlebnis, als Steve Jobs im Jahr 1985 das Unternehmen verlassen musste.
John Sculley habe im Anschluss als Apple-CEO aber auch sehr gute Arbeit geleistet, stellt Kay im Interview fest. Gleichzeitig sei das Unternehmen zu schnell gewachsen und wies dabei unübersichtliche Strukturen auf. Diese beiden Gründe waren mit ein Auslöser dafür, dass Mitte 1990er-Jahre der kurzzeitige Abstieg von Apple begann.
Mehr über Apples Geschichte kann in unserer ausführlichen Apple History nachgelesen werden.
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