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Wenn Corona auf die Nerven geht
Neurologische Komplikationen treten bei einer SARS-CoV-2-Infektion zwar selten auf, können jedoch tödlich enden oder langfristige Folgen haben. Daher sollte bei Krankheitsbildern wie dem Guillain-Barré-Syndrom oder einem Schlaganfall auch an eine mögliche Covid-19-Infektion gedacht werden.
Zwar ist SARS-CoV-2 kein klassisches neurotropes Virus, das bevorzugt Nervenzellen infiziert, kann es dennoch Schäden im Nervensystem verursachen, fassen britische Autoren zusammen (1).
Hintergrund sind dabei vermutlich systemische Prozesse wie eine fehlregulierte Entzündungs- oder Immunantwort sowie Vaskulopathien.
Neurologische Komplikationen selten, aber vielfältig
Zu den neurologischen Syndromen, die im Zusammenhang mit Covid-19 beschrieben wurden, gehören unter anderem:
- Schlaganfälle
- zerebrale Sinusvenenthrombosen
- entzündliche ZNS-Syndrome wie Enzephalitis, akute nekrotisierende Enzephalopathie und akute disseminierte Enzephalomyelitis, sowie das
- Guillain-Barré-Syndrom
Diagnose und Management von mit Covid-19 assoziierten neurologischen Störungen basieren zum einen auf einer detaillierten Anamnese, bei der unter anderem der Zeitraum zwischen Infektion und Symptombeginn erfasst werden sollte. Eine sorgfältige klinische Untersuchung und die angemessene Interpretation von radiologischen und Labordaten sind ebenfalls entscheidend.
In schwierigen Fällen, wie zum Beispiel bei einem komplexen Schlaganfall, hat sich eine multidisziplinäre Zusammenarbeit bewährt.
Neuropsychiatrische Störungen bei Long Covid
Symptome, die vier bis zwölf Wochen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 anhalten und nicht durch eine andere Diagnose erklärt werden können, werden als Long Covid bezeichnet.
Zu den neurologischen und psychiatrischen Symptomen, über die Betroffene berichten, gehören:
- Kopfschmerzen
- Brain Fog
- Anosmie
- kognitive Störungen
- Angst
- Fatigue
Die genauen Ursachen für diese Manifestationen sind weitgehend unklar, daher sind weitere Forschungsbemühungen erforderlich, um wirksame Therapien für Betroffene zu entwickeln.
Insbesondere ischämische Schlaganfälle, die durch den Verschluss eines grossen arteriellen Gefässes (LVO, large vessel arterial occlusion) verursacht werden, treten im Zusammenhang mit Covid-19 auf. Die Behandlung orientiert sich an den allgemeinen Leitlinien zur Schlaganfall-Behandlung. Eine mechanische Thromboektomie oder Thrombolyse ist innerhalb eines engen Zeitfensters möglich. Allerdings sind die Ergebnisse bei LVO schlecht.
Eine Metaanalyse, die die Daten von 2000 Patienten berücksichtigte, zeigte protektive Effekte einer Antikoagulation. Die Entscheidung für oder gegen eine Antikoagulation sollte in einem multidisziplinären Team getroffen werden. Bei der zerebralen Sinusvenenthrombose orientiert man sich an den nationalen Leitlinien für entsprechende Fälle, die vor der Pandemie erstellt wurden.
Ein Guillain-Barré-Syndrom behandelt man heutzutage genauso wie vor der Pandemie
Entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Enzephalitis oder akute disseminierte Enzephalomyelitis werden mit Kortikosteroiden behandelt. In therapierefraktären Fällen können intravenöse Immunglobuline oder ein Plasmaaustausch in Betracht gezogen werden. Bei nicht-entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie der Enzephalopathie kann eine ähnliche Therapie wie bei der Enzephalitis erwogen werden.
Ansonsten besteht die Behandlung aus unterstützenden Massnahmen. Das Guillain-Barré-Syndrom wird heutzutage genauso behandelt wie vor der Pandemie, schreiben die Autoren. So führen etwa intravenöse Immunglobuline und Plasmapherese zu ähnlichen Therapieerfolgen.
Systemische Behandlung hat sekundären Nutzen
Neue Daten unterstreichen den sekundären Nutzen einer systemischen Behandlung bei neurologischen Komplikationen im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion. Eine retrospektive Beobachtungsstudie mit fast 185.000 stationär behandelten Patienten ergab, dass diejenigen, die Dexamethason und Remdesivir erhielten, seltener neurologische Ereignisse wie Schlaganfall, Krampfanfall, Meningitis oder Enzephalitis erlitten als diejenigen, die eine Standardbehandlung erhielten.
Dexamethason reduzierte die Schlaganfall-Inzidenz sowohl in schweren als auch in nicht hypoxämischen Fällen, was darauf hindeutet, dass Entzündungsprozesse bei einem Covid-19-assoziierten Schlaganfall eine Rolle spielen. Die positiven Effekte von Dexamethason, Remdesivir oder einer Kombination davon in Bezug auf Krampfanfälle und andere neurologische Manifestationen könnten multifaktoriell bedingt sein, so die Autoren.
Neurologische Komplikationen durch Corona-Impfungen?
Es ist gut dokumentiert, dass Impfprogramme die Inzidenz und den Schweregrad von Covid-19 reduzieren.
Obwohl vektorbasierte Impfstoffe mit einigen wenigen neurologischen Komplikationen wie dem Guillain-Barré-Syndrom oder zerebraler Sinusvenenthrombose in Verbindung gebracht wurden, lässt die aktuelle Studienlage den Schluss zu, dass das Risiko für neurologische Ereignisse aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion bei weitem grösser ist als das Risiko nach einer Impfung.