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Es ist eine Illusion, anzunehmen, dass wir nur aus einer einzigen Persönlichkeit bestehen. Viel eher macht uns eine Vielzahl von Teilpersönlichkeiten aus.
Teilpersönlichkeit bezeichnet die verschiedenen psychischen Identitäten eines Menschen, die alle relativ autonom innerhalb seines gesamten Persönlichkeitsspektrums existieren. Jeder Mensch hat unzählige Teilpersönlichkeiten, und obwohl es gewisse Teilpersönlichkeiten gibt, die einen archetypischen Charakter haben und daher bei allen Menschen vorkommen, zum Beispiel «der Vater» «die Mutter» «das ängstliche Kind» oder «die Großmutter», so sind sie in ihrer Form und ihrem Ausdruck doch bei jedem einzigartig und einmalig. Jede Teilpersönlichkeit repräsentiert eine ganz eigene kleine Welt, besitzt eine eigene Dynamik und ein eigenes Leben.
Wir bekommen beispielsweise nicht wirklich mit, dass wir uns in der Rolle des Mitarbeiters vollkommen anders verhalten, denken und fühlen als in der Rolle des Ehepartners oder in der eines Elternteils.
Schwierig wird es jedoch im komplizierten zwischenmenschlichen Zusammenspiel. Oder wenn sich eine Teilpersönlichkeit derart stark entwickelt hat, dass sie unser Ich besetzt und wir aus der Rolle des Workaholics, des Opfers oder etwa des Hilfsbereiten nicht mehr ohne Weiteres herauskommen. Dann sind wir nicht mehr „Herr im eigenen Haus“ oder „Dirigent“ des Ensembles der Teilpersönlichkeiten. Unser wachbewusstes Ich verliert seine Handlungs- und Wahlfreiheit und wir haben keinen Kontakt mehr zu den verbindenden Aspekten.
Bei fast allen Psychologischen Richtungen geht man mit der Annahme, dass es unterschiedliche Grade der Bewusstheit über die verschiedenen Teilpersönlichkeiten und unterschiedliche Grade der Verbundenheit zwischen Teilpersönlichkeit und dem Selbst gibt. Ebenso einig ist man sich darüber, dass es einen Bereich in der Psyche gibt, der die Teilpersönlichkeit leitet oder lenkt und dass es einen Chef im Orchester der Vielstimmigkeit gibt, dessen letztes Wort Ordnung in die unterschiedlichen Bestrebungen bringt. Roberto Assagioli hat den Begriff des „Höheren Selbst“ dafür geprägt, andere Begriffe dafür sind „Selbst“, „Organismische Selbstregulation“ oder „Innere Führung“.
Nun können Teilpersönlichkeiten entweder gut miteinander über ein entwickeltes Selbst verbunden sein oder unverbunden oder abgespalten vom Selbst sein. Je verbundener und bewusster die Teilpersönlichkeit miteinander agieren, desto authentischer agiert der Mensch.