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Es ist die Stunde des grossen Triumphs für François Fillon: Der frühere französische Premierminister, einst als «Mister Nobody» belächelt, hat sich mit einem haushohen Sieg über seinen Rivalen Alain Juppé die Präsidentschaftskandidatur der Konservativen gesichert.
Noch vor wenigen Wochen galt der 62-jährige Abgeordnete als so gut wie chancenlos bei der Vorwahl seiner republikanischen Partei – jetzt hat er beste Aussichten, 2017 als neuer Staatschef in den Elysée-Palast einzuziehen.
Mit einem sehr wirtschaftsliberalen und strikt wertkonservativen Kurs hat Fillon die Wähler des bürgerlich-konservativen Lagers für sich gewonnen: Die 35-Stunden-Woche will der einstige Premier von Staatschef Nicolas Sarkozy abschaffen, Steuern und Abgaben für Unternehmen senken, 100 Milliarden Euro einsparen und 500'000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen.
«Brutal» und «ultraliberal» nannte das sein Kontrahent Juppé, Kritiker verglichen Fillon mit der «Eisernen Lady» Margaret Thatcher in Grossbritannien – doch Fillon liess sich davon nicht beeindrucken: «Mein Projekt ist radikaler und vielleicht auch schwieriger», sagte er in einer TV-Debatte. «Wenn man will, dass das Land wieder auf die Beine kommt, müssen sich alle anstrengen.»
Auch dass Gegner dem überzeugten Katholiken und fünffachen Familienvater erzkonservative Ansichten vorwarfen, liess Fillon kalt. «Ich entschuldige mich nicht dafür, Werte zu haben: Ich glaube an die Familie, Arbeit, die Autorität des Staates.»
Überhaupt liess sich der Politiker mit den buschigen Augenbrauen, 1954 in Le Mans als Sohn eines Notars und einer Historikerin geboren, im Wahlkampf der Republikaner nie aus der Fassung bringen. Seine unerschütterliche Ruhe, seine sachlich vorgetragenen Argumente beeindruckten viele Wähler.
Das erklärte wohl auch den überraschenden Erfolg Fillons in der ersten Runde der Vorwahl am vergangenen Sonntag. Umfragen hatten den 62-Jährigen lange Zeit abgeschlagen auf dem dritten Platz gesehen.
Alle gingen von einem Duell zwischen Juppé und Sarkozy in der Stichwahl aus. Doch in den Tagen vor der ersten Runde legte Fillon eine atemberaubende Aufholjagd hin und gewann die erste Runde sensationell mit grossem Abstand.
So kegelte Fillon Sarkozy aus dem Kandidatenrennen – jenen Mann also, dem er von 2007 bis 2012 treu als Premierminister diente und der ihn in der Zeit abfällig als blossen «Mitarbeiter» bezeichnete. Dass er Sarkozy bei der Vorwahl schlug, dürfte für Fillon eine besondere Genugtuung gewesen sein. Kommentatoren sprachen gar von einer «Revanche».
Die jetzt errungene Präsidentschaftskandidatur der Konservativen ist der vorläufige Höhepunkt in der langen Karriere des Politikers, der meist im Schatten der anderen stand. 1976 war der Staatsrechtler als Mitabeiter eines Abgeordneten in die Politik gegangen. Als dieser starb, übernahm er dessen Wahlkreis und wurde mit 27 Jahren Frankreichs jüngster Abgeordneter.
Eine Reihe von Ministerposten hatte Fillon später inne – darunter nie einen sehr prestigeträchtigen – bis Sarkozy ihn 2007 zu seinem Premierminister machte. Unter dem «Hyperpräsidenten» kam der zurückhaltende Fillon aber kaum zur Geltung.
Nach Sarkozys Wahlniederlage 2012 erlebte Fillon einige der dunkelsten Stunden seiner Karriere: In einer von Betrugsvorwürfen überschatteten Wahl um den Vorsitz der Republikaner-Vorgängerpartei UMP unterlag er seinem Rivalen Jean-François Copé.
Es folgte ein erbitterter Machtkampf, der die Partei an den Rand der Spaltung brachte. Fillon musste schliesslich aufgeben und verschwand lange in der Versenkung.
Geduldig baute der Abgeordnete dann sein Projekt für eine Präsidentschaftskandidatur auf. Ein Projekt, das ihn nun zum ersten grossen Erfolg getragen hat. Als Kandidat der Republikaner nimmt der einstige «Mister Nobody» jetzt die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr ins Visier. Das Ziel ist klar: Er will «Monsieur le Président» werden. (sda/afp)