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Ar SGG
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Ar SGG
1791-1965
30.0 m
Die SGG wurde 1810 in Zürich vom Freundeskreis des Zürcher Stadtarztes Hans Caspar Hirzel (1751-1817), Mitglied der Zürcher Hülfsgesellschaft, ins Leben gerufen. Die SGG verstand sich als Erbin der Helvetischen Gesellschaft und verfolgte aufklärerisch-patriotische Ziele, wobei sie die Gemeinwohlorientierung ins Zentrum stellte und sich in den ersten Jahrzehnten besonders auf die Armutsbekämpfung sowie die Förderung von Bildung, Erziehung und wirtschaftlichem Fortschritt konzentrierte. Dabei profilierte sich die SGG, deren liberal gesinnte Angehörige sowohl reformierter wie katholischer Herkunft waren, als reformorientiertes Diskussionsforum der politischen, wirtschaftlichen und geistlich-seelsorgerischen Eliten und wirkte dadurch national integrierend und staatstragend.
Ab 1823 diskutierte die SGG an ihren Jahresversammlungen auf Basis empirischer Vorarbeiten ihrer Mitglieder über konkrete Fragestellungen. Referate und Diskussionsvoten wurden in den "Verhandlungen der SGG" bzw. ab 1862 in der "Schweizerischen Zeitschrift für Gemeinnützigkeit" publiziert und stellen ein wichtiges Archiv der sozialpolitischen Diskussion dar. Anfänglich überliess die SGG die Umsetzung ihrer Reflexionen lokalen Akteuren, nach 1830 gewann die eigene praktische Tätigkeit an Gewicht. Erstmals trat die SGG 1834 mit der Koordination der Geldsammlung für die Geschädigten einer grossen Unwetterkatastrophe im Voralpengebiet öffentlich hervor. Mit dem Ankauf der Rütliwiese (Rütli) 1859 und deren Schenkung an die Eidgenossenschaft schrieb sie sich nachhaltig ins öffentliche Bewusstsein ein. Im 19. Jahrhundert wardie SGG hauptsächlich in den von ihr gegründeten und betriebenen Erziehungs- und Besserungsanstalten (Hilfs- und Sonderschulen) aktiv. Ausserdem richtete sie ihr Augenmerk u.a. auf die Bekämpfung des Alkoholkonsums und des Glückspiels um Geld, auf die Popularisierung von Gesundheits- und Ernährungswissen und die Förderung der Berufsbildung. 1901 initiierte die SGG den Fonds für Hilfe bei nicht versicherbaren Elementarschäden.
Um 1900 wurde die SGG zunehmend Destinatärin von Schenkungen und Legaten. Im Lauf des 20. Jahrhunderts stieg das verwaltete Vermögen von 180'000 Fr. (1910) auf 5,7 Mio. Fr. (1980) bzw. 63 Mio. Fr. (2009). Die Vergabe von Subventionen und Einzelfallhilfe wurden nun zu einem Schwerpunkt. Parallel verlor die SGG als Diskussionsforum an Gewicht. Gründe waren die komplexen Wechselwirkung zwischen dem Ausbau sozialstaatlicher Strukturen und dem zunehmend wertkonservativ, wirtschaftsliberal und sozialstaatskritisch geprägten Selbstbild der SGG sowie die verpasste Integration der sozialistisch orientierten Reformkräfte. Als traditionsreiche sozialpolitische Gesellschaft rief die SGG im 20. Jahrhundert private Wohlfahrtswerke ins Leben, so 1912 die Pro Juventute, 1917 die Pro Senectute, 1918 die Stiftung zur Förderung von Gemeindestuben und Gemeindehäusern und 1978 die Pro Mente Sana. Mit der Gründung und Unterstützung von Konferenzen sowie der Einrichtung eines professionellen Sekretariats 1930 leistete die SGG einen Beitrag zur Verständigung in der Familienpolitik (Schweizerische Familienschutzkommission, 1931), zur Koordination der privaten Wohlfahrtswerke und zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit (Schweizerische Landeskonferenz für soziale Arbeit, 1932 bzw. Schweizer Berghilfe, 1942). Weiter gab sie den Anstoss zur Gründung der Zentralauskunftsstelle für Wohlfahrtsunternehmungen (Zewo, 1934). Nach 1990 setzte eine Neuorientierung ein, die zur verstärkten Förderung von Freiwilligkeit und sozialer Verantwortung führte.
Organisatorisch wandelte sich die SGG nach 1850 zu einem zentral geführten Verein. Die Mitgliederzahl erreichte 1860 rund 1'000, stagnierte auf diesem Niveau bis um 1890, stieg infolge von Werbeaktionen nach 1920 vorübergehend auf 10'000 an und sank in der Folge kontinuierlich. Im Jahr 2009 zählte die SGG rund 2'300 Mitglieder. Im 19. Jahrhundert waren v.a. Pfarrer, Exekutivpolitiker, Unternehmer und hoch qualifiziertes Bildungspersonal in der SGG vertreten, wobei die Attraktivität für politische Amtsträger nach 1870 nachliess, dagegen für Unternehmer und Gewerbetreibende stieg. In den 1880er Jahren traten der SGG erstmals vereinzelt Frauen bei, deren Zahl jedoch auch Ende des 20. Jh. noch verhältnismässig klein war. Die Verankerung der SGG in der Westschweiz und im Tessin blieb insgesamt gering.
Die historischen Akten der SGG, d.h. die Akten von der Gründung im Jahr 1810 bis 1960, gelangten am 29. Juni 2010 als Dauerleihgabe ins Schweizerische Sozialarchiv. Die Gesellschaftsakten ab 1960 bis ca. 2000, insgesamt 2096 Verzeichnungseinheiten, wurden im Jahr 2017 abgeliefert (Akten, chronologisch 1960-2000, Kommissionsakten Ablieferung 2017, einzelne Protokollbücher (ohne Signatur)).
Mehr oder weniger vollständiges Gesellschaftsarchiv, das in drei historisch gewachsene Serien unterteilt ist: eine nach chronologischen Gesichtspunkten geordnete Aktensammlung (Aktenserie A), die Unterlagen der diversen Kommissionen (Aktenserie B), die gebundenen Protokoll-, Korrespondenz- und Aktenbücher (Aktenserie C). Die vorhandene Ordnung wurde im Wesentlichen übernommen. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Dossierbezeichnungen, insbesondere jene für die chronologisch geordneten Dossiers der Aktenserie A, in vielen Fällen nicht korrekt sind.
Zum Zeitpunkt der Übernahme des SGG-Archivs durch das Schweizerische Sozialarchiv war ein Aktenverzeichnis in Form einer File-Maker-Datei vorhanden. In dieser Datei waren die SGG-Akten auf Dossier-Ebene verzeichnet. Diese Informationen wurden im vorliegenden Findmittel als Titel der Verzeichnungseinheiten übernommen. Detaillierte Inhaltsangaben zu den einzelnen Dossiers wurden mit Hilfe des Schlagwortkatalogs der SGG zusammengestellt. Dieser Katalog mit rund 8'000 Karteikarten befand sich in den Sekretariatsräumen der SGG in Zürich; er wurde mit den Archivalien ins Schweizerische Sozialarchiv überführt. Die Ergänzung des vorhandenen Archivverzeichnisses mit den den Angaben aus der Schlagwortkartei stellte einen zentralen Aspekt der Archivübernahme dar.
Neuzugänge werden erwartet.
Für die neueren Akten der SGG bestehen Benutzungsbeschränkungen, während die Unterlagen bis 1960 im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar sind. Die Akten ab 1960 sind im Verzeichnis ohne Signaturen dargestellt und somit auch nicht bestellbar. Die Einsichtnahme in neuere Akten ist für wissenschaftliche Zwecke möglich, setzt aber die Einwilligung der SGG voraus. Wenden Sie sich bitte an die Leitung des Schweizerischen Sozialarchivs.