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Der gelernte Bankkaufmann war einer der bekanntesten Banker der Schweiz. Am Ende seiner Karriere stand er da als Symbolfigur des allzu riskanten Investmentbanking der 1990er und Nullerjahre: Ospel blieb in Erinnerung als Hauptverantwortlicher für den Versuch, die Schweizer Grossbank in amerikanische Grössenordnungen zu führen – ein Versuch, der 2008 krachend scheiterte.
Basel, London, New York
Der Basler begann seine Laufbahn 27-jährig beim damaligen Bankverein – danach wechselte er den Arbeitgeber bloss noch einmal. Für den SBV arbeitete er im Investmentbanking in London und New York, wechselte dann kurz zu Merrill Lynch, um ab 1987 die Leitung des Wertschriftenhandels in der Zürcher SBV-Zentrale zu übernehmen.
1990 stieg er in die Konzernleitung auf, und von 1996 bis 1998 war er CEO des SBV – und wurde zur treibenden Kraft bei der Fusion mit der Bankgesellschaft SGB. Der Zusammenschluss brachte ihn auf den Gipfel seiner Karriere: 1998 wurde er Präsident der Konzernleitung der UBS, drei Jahre später deren Präsident.
Bei breiten Bevölkerungskreisen verlor er Sympathien, als er sich beim Grounding der Swissair zurückhielt: Die grösste Bank der Schweiz bot keine Hand zu einer kurzfristigen Rettung der vielfach als «Nationalairline» empfundenen Gesellschaft – ein Entscheid, für den man ihm in einem weiteren Rückblick aber weniger Vorwürfe machte.
Amerikanisierung auf vielerlei Art…
In der Folge wurde auch sein Salär öfters zum Kritikstoff: Marcel Ospel verdiente als UBS-Präsident bis zu 26 Millionen Franken; das machte ihn zu einer helvetischen Symbolfigur für die Amerikanisierung der Managements und der Chef-Entlöhnungen in jenen Jahren. Im Gegensatz zu den meisten Zürcher Bankern sympathisierte er eher mit der SVP als mit der FDP, und er nahm auch gern direkt Einfluss in der helvetischen Politik. Recht offen erzählte er in kleinerem wie grösserem Kreis, dass er seinen Einfluss geltend gemacht habe, um im Dezember 2003 Christoph Blocher in den Bundesrat zu hieven.
Vollends in Verruf geriet Ospel dann durch die Finanzkrise 2008: Er galt als Hauptverantwortlicher der Milliardenverluste der UBS auf dem US-Wertschriftenmarkt, auch wenn damals Peter Wuffli als UBS-CEO amtete. Doch Ospel erschien seit der Jahrtausendwende als wenig beschränkter Herrscher der grössten Schweizer Bank. Die zeitgleich aufbrechenden Steuerskandale – welche die UBS in den USA beinahe eine ruinöse Anklage eingebracht hätten – wurden ebenfalls als Ospel-Problem abgehakt, auch wenn zahllose Banker seiner Ära in diesem Stil wirtschafteten und das Bankgeheimnis als Vehikel der Steuerhinterziehung missbrauchen liessen.
… und doch ein «klassischer Basler»
Die Finanzmarktaufsicht EBK legte ihm den Rücktritt nahe, nachdem die UBS in der Subprime-Krise nur noch durch Bundesgeld über Wasser gehalten werden konnte, und vor zwölf Jahren, am 23. April 2008, trat er von seinem Amt zurück.
Danach zog er sich auch weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück, gab keine Interviews mehr und wurde allenfalls noch gelegentlich als Mitglied einer Fasnachtsclique in seiner Heimatstadt gesichtet. Im Nachruf in der «Basler Zeitung» bezeichnet Hanspeter Hammel (alias –minu) ihn als «klassischen Basler».
Ospel war seit 2006 mit Unternehmerin Adriana Ospel-Bodmer in dritter Ehe verheiratet. Drei Jahre später wurde er Vater von Zwillingen. Aus seiner ersten und zweiten Ehe hat nochmals je zwei Kinder.
(sda — rap)