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Als im Jahre 1834 am Lorzenlauf beim Ausgang des Ägeritales die erste Spinnerei gebaut wurde, löste dies eine grosse Zuwanderung und Bautätigkeit aus. Die Bevölkerung verdoppelte sich innerhalb weniger Jahre. Im Jahre 1857 erfolgte die Begradigung und Absenkung der Lorze um drei Fuss (ca. 100 cm). Dadurch entstand ein trockener Talgrund, Epidemien verschwanden und das Klima sowie die Hygiene wurden besser.
Infolge der grossen Bevölkerungszunahme diskutierten die Kirchgenossen damals lange über eine Erweiterung der Marienkirche. Doch wurde im Jahre 1853 dem Bau einer neuen Kirche den Vorzug gegeben. Der reformierte Zürcher Architekt Ferdinand Stadler erhielt den Zuschlag zum Bau der neuen Kirche in neugotischem Stile. Die grosse Menge Sandstein, die verbaut wurde, stammt aus dem Hinteracher und aus Mittenägeri. Die Bauzeit betrug drei Jahre und konnte 1860 abgeschlossen werden. Die Innenarchitektur des imposanten Bauwerkes mit dem Mittelschiff und den 2 Seitenschiffen wurde schlicht gehalten. Die Kirche wurde die grösste des Kantons Zug mit etwa eintausend Sitzplätzen. Die feierliche Einweihung erfolgte am 14. Oktober 1860.
Die Baukosten wurden mit rund 130'000.-- Franken budgetiert. Finanziert wurde der Bau durch einen grossen Beitrag der Korporation, durch einen Beitrag à fonds perdu der Spinnereibetriebe (Innere und Äussere Spinnerei). Die Bevölkerung leistete sehr viel Fronarbeit (Feiwilligenarbeit). Beeindruckend ist, dass die in der Spinnerei Arbeitenden gemäss bischöflicher Dispens an 72 Sonn- und Feiertagen fronweise arbeiteten. Das veranschlagte Budget reichte aber bei weitem nicht, so dass der Bau schlussendlich über 350'000 Franken zu stehen kam. Dieser enorme Betrag belastete die Gemeinde sehr (zum Vergleich: die Gesamteinnahme der Gemeinde betrug im Jahre 1860 ganze 11'111.- Franken. 1857 erhielten bei der Spinnerei die Arbeiter der Webstube einen Lohn von einem bis drei Franken pro Tag, diejenigen der Spinnerei 65 Rp. bis 5 Fr.). Die Korporation beschloss, Land und Wälder zu verkaufen und die Spinnereibetriebe vergrösserten ihre Darlehen.
Da die vordere Kirchenhälfte auf Felsen steht und die hintere Hälfte auf Schwemmland, entstanden schon bald Senkungsrisse, die umfangreiche Messungen durch das eidgenössische hydrografische Büro nach sich zogen. Zur Sicherung der Kirche wurden über dem Mittelschiff und den Seitenschiffen (im Volksmund Himmel genannt) insgesamt vier Stahlseile über die ganze Kirchenlänge gespannt. Man kann aussen an der Vorder- und Rückwand die Stellen sehr gut an den je vier Rosetten erkennen.
1899 – 1901 erfolgte eine umfassende Renovationsarbeit an der gesamten Pfarrkirche. Dabei wurde besonders das Aussehen des Innenraumes stark verändert durch eine neugotische Ausmalung und Ausstattung.
Am 25. Januar 1902 geriet der Helm des Kirchenturms infolge eines Blitzschlages in Brand. Beim Neuaufbau erfuhr die Turmhöhe eine Kürzung.
1965 erfolgte eine weitere umfassende Renovation. Dabei wurden die neugotische Ausmalung und Ausstattung beseitigt. Die alten Chorfenster wurden durch die Glasfenster von Hans Schilter, Goldau, ersetzt.