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Die Rory McIlroy und Joe LaCava Situation
Joe LaCava war im Unrecht mit seiner Aktion beim Ryder Cup, aber aus dem richtigen Grund. Caddie Mitchell Knox sagte einmal: "Wenn sie über dich reden, hast du es vermasselt". Das gilt auch für LaCava am Samstag in Marco Simone, nachdem Patrick Cantlay seinen lächerlichen Putt versenkt hatte.
LaCava stand direkt in der Linie – also im Blickfeld von Rory McIlroy, bevor er zum letzten Putt des Spiels ansetzte. Sie haben das Video gesehen und wahrscheinlich auch das Video eines frustrierten McIlroy auf dem Parkplatz später in der Nacht. Was die Fernsehsender nicht gezeigt haben, ist, wie lange LaCavas Pöbelei wirklich dauerte – ganze 90 Sekunden – und dass in übergriffiger Nähe zu McIlroy. Bedenkt man rückblickend, mit was McIlroy in den letzten zwei Jahren alles zu kämpfen hatte und dabei immer anmutig blieb. Also muss sich LaCava schon ungeheuerlich verhalten haben, damit McIlroy so ausgerastet ist.
Es scheint, als habe sich LaCava entschuldigt und alles sei nun gut zwischen den beiden. Die Sache ist die, kann es sein dass LaCava zu kurz gekommen ist, weil er gar nicht der Provokateur war? Ryder Cups sind so emotionsgeladen wie kein anderer Sportevent, und jeder auf dem Platz spürt diese Elektrizität. Einmal hat sogar ein europäischer Offizieller die Faust gehoben, nachdem Ross Fisher einen Putt gelocht hatte. Diese Art von Mitfiebern verleiht dem Ganzen eine besondere Note – das ist Liebe. Diese Liebe macht die Leute auch nervös, und manchmal wird eine Grenze überschritten.
LaCava…
An jenem Samstag in Rom war nicht nur das Verhalten der Zuschauer gegenüber Cantlay grausam. Shane Lowry – wohl bemerkt ein verdammt guter Kerl – ließ sich am Nachmittag als Zuschauer viel zu sehr gehen. Es ist nicht nur der Jubel oder das Brustklopfen; Lowry tänzelte das 18. Loch hinunter, als würde er für den Nussknacker in seinem örtlichen Gemeindetheater vorsingen. Eigentlich sein gutes Recht, und man könnte argumentieren, dass diese Art von Emotionen der Grund dafür ist, dass Europa den Amerikanern in diesem Wettbewerb weiterhin in den Hintern tritt. Die Kehrseite der Medaille ist, dass man sich dann aber nicht aufregen darf, wenn der Gegner einem sagt, man solle sich verziehen.
Cantlay gibt nicht viel von sich preis und hat keine Lust auf Kontroversen. LaCava hingegen war eindeutig der Meinung, dass Lowry und die europäischen Zuschauer seinem Spieler Unrecht getan haben. LaCavas Jubel war übertrieben, aber er war kein schlechter Sportsmann. Er hat nur versucht, sich für seinen Spieler einzusetzen. Jeder Spieler wünscht sich diese Unterstützung von seinem Caddie. Fast jeder Caddie, gibt zu, dass LaCava zu weit gegangen ist, aber ist auch stolz auf ihn, weil er sich für das eingesetzt hat, was er für richtig hielt. Hand aufs Herz, das war nicht das erste Mal, dass ein Caddie seine Grenzen überschritten hatte.
Caddies und ihre Grenzen
Einmal gab es bei einem Spitzenspieler ein Problem mit dem Score, auf das sein Spielpartner nach der Runde im Zelt hinwies. Es war ein ehrlicher Fehler, der immer wieder vorkommt. Beide Spieler sassen am Punktetisch und gingen die Runde Loch für Loch durch, um sicherzustellen, dass alles stimmte. Einer der Caddies – ein Caddie, den jeder Golffan beim Namen kennt – beschloss, einzugreifen, schwebte über seinen Spieler und zeigte auf eines der fraglichen Löcher. Der andere Spieler drehte seinen Kopf in Richtung des Caddies und sagte ruhig, aber streng: "Entschuldigen Sie, aber die Spieler kümmern sich selbst darum." Wenn sich das anhört wie von einem Arschloch, dass sei dahingestellt, aber der Spieler, der das gesagt hat, ist einer der nettesten Jungs auf und neben dem Platz, und der Caddie, nun ja, nicht unbedingt. Selbst die netten Jungs haben keine Geduld für Caddies, die die Grenze überschreiten.
Ein anderes Scenario – ebenfalls ein grosser Name in der Golf-Branche –, also der Caddie arbeitete mit seinem Spieler und dessen Trainer spät nachts auf dem Grün. Dieser Spieler hatte seit Monaten mit dem Putter zu kämpfen, und es war mitten in einem Major. Der Spieler lag zwar im Rennen, hätte aber auch in Führung liegen können, wenn ein paar Putts mehr gefallen wären. Dieser Caddie schätzt sich selbst ziemlich hoch ein und sieht sich auch als Lehrer. Nachdem der Spieler eine Reihe von Putts aus 3 Mertern daneben schob, erwähnte der Caddie, dass der linke Fuss des Spielers etwas offen sei. Sowohl der Trainer als auch der Spieler straften ihn mit dem Blick der töten kann. Dieser Blick ... nun ja, haben Sie schon einmal Möbel verschoben, die an einer Ecke feststeckten, und ein Zuschauer schlägt vor: "Hey, versuch’s doch mal mit drehen." Ja, so wurde der Rat des Caddies befolgt.
Eine nette Geschichte über einen Caddie, der seinen Platz nicht kennt, stammt von der Korn Ferry Tour. Ein Spieler hatte ein sehr gutes Ergebnis erzielt, das seine PGA-Tour-Karte im Wesentlichen sicherte. Dies geschah zufällig an einem Ort, an dem der Caddie studiert hatte, so dass die örtliche Zeitung diesen Aspekt intensiv bearbeitete. Der Caddie war es nicht gewohnt, von den Medien beachtet zu werden, und übertrieb es mit der Beschreibung seiner Rolle bei der Leistung des Spielers. In dem Artikel wurde der Eindruck erweckt, der Caddie sei der Grund dafür, dass der Spieler seine Karte erhalten hat.
Spieler und Caddies sind ein Team, und die Caddies können viel für den Erfolg des Spielers beitragen. Ganz genau das sagen immer die Spieler und nicht die Caddies. Bei der nächsten Veranstaltung kam der Caddie zum Turniergelände, und der Spieler hatte dafür gesorgt, dass mehrere Spieler und Caddies Bleistifte als Mikrofone in die Hand nahmen und dem Caddie mit ihren Handys vom Parkplatz bis zu Range folgten, um ihn zu "interviewen". Der Caddie fand das lustig, aber die Botschaft war angekommen.
Was sagen uns all diese Geschichten?
Als Caddie haben Sie nur dann Recht, wenn der Spieler der Meinung ist, dass Sie im Recht sind. Wenn Sie glauben, dass das falsch ist, sind Sie im falschen Beruf.