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Kanada wird von den verheerendsten Bränden seiner Geschichte heimgesucht. Der Rauch dieser Brände breitet sich bis nach Europa und in die Arktis aus und sorgt für eine smog-erfüllte Atmosphäre und einen leuchtend roten Himmel. In mehreren Regionen, insbesondere in den Vereinigten Staaten, hat sich die Luftqualität drastisch verschlechtert, was die Behörden veranlasst hat, Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen. Während sich weite Teile des kanadischen subarktischen Waldes in Rauch auflösen, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen diese Brände auf die Arktis haben.
Die Waldbrände, die derzeit in Kanada wüten, haben eine Fläche von 10 Millionen Hektar verwüstet. Mindestens 120’000 Menschen wurden vertrieben und zwei Feuerwehrleute kamen ums Leben. Nahezu 900 Brände, darunter auch Großbrände, sind noch aktiv, von denen fast 600 inzwischen außer Kontrolle geraten sind. Die kanadischen Behörden mussten sich entschließen, einen großen Teil davon brennen zu lassen.
Die Brände konzentrieren sich vor allem auf die am wenigsten bewohnten Regionen, wodurch sich die Schäden für Menschen und an Infrastrukturen in Grenzen halten, der boreale Wald jedoch in Mitleidenschaft gezogen wird, was schwerwiegende und weitreichende Folgen für die Umwelt hat.
Rauchwolke und rote Sterne
Die Brände wirkten sich auch indirekt auf Europa und die Vereinigten Staaten aus, da sich der Rauch der Waldbrände über die nördliche Hemisphäre ausbreitete, die Städte mit Smog überzog und die Luftqualität in mehreren Regionen verschlechterte.
Seit Ende Juni wird die Nachricht in der Presse breitgetreten, und in den sozialen Netzwerken kursieren spektakuläre Bilder glutroter Sonnenuntergänge und eines roten Mondes – ein Phänomen, das mit der Anwesenheit von Rauchpartikeln in der Luft zusammenhängt.
Die riesige Rauchwolke betraf auch die Arktis, was mögliche Folgen für diese bereits stark von der globalen Erwärmung betroffene Umwelt hat.
Ein Teufelskreis
Waldbrände bringen giftige Partikel und Gase wie Stickstoff- und Schwefeldioxide, Kohlenmonoxid und CO2 in die Luft. Diese werden dann von den Windsystemen aufgenommen, über weite Strecken transportiert und setzen sich überall ab. Die Auswirkungen eines solchen Transports sind massiv und betreffen nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung. Wenn sich diese Partikel auf Oberflächen absetzen, können sie Eiskappen und Gletscher verdunkeln. Anstatt die Sonnenstrahlen zu reflektieren, absorbieren dann Schnee und Eis die Strahlung, so dass sie schmelzen und sich weiter erwärmen. Außerdem trocknen die steigenden Temperaturen und Hitzewellen die Wälder aus, was zu einer Zunahme von Bränden führt, die wiederum noch mehr Partikel und Gase in die Atmosphäre freisetzen.
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hatte berechnet, dass im Jahr 2014 durch die Megabrände in Kanada über 103 Millionen Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangten. Damals gingen mehr als 4 Millionen Hektar in Flammen auf.
Die ausgedehnten Brände, die in den letzten Jahren vor allem die Wälder am Polarkreis heimgesucht haben, ob in Kanada, Alaska, Sibirien oder Skandinavien, sind Teil eines besorgniserregenden Trends: Subarktische Wälder und die arktische Tundra brennen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß und mit einer nie dagewesenen Intensität. Und der Teufelskreis setzt sich fort: Durch die Freisetzung von Gasen tragen diese Brände zu einem Temperaturanstieg bei, der den Permafrost auftaut, der seinerseits große Mengen an Methan, einem starken Treibhausgas, enthält.
Wenn sie sich erwärmen, trocknen Torf- und Permafrostböden aus und geben mehr verdampftes Wasser ab, was Stürme und damit Blitze verstärkt, die neben menschlichen Aktivitäten die Hauptursache für die Entstehung von Flächenbränden sind.
Es wurden mehrere Projekte ins Leben gerufen, um das Problem einzudämmen. Einige Initiativen stützen sich vor allem auf die Zusammenarbeit mit indigenen Völkern und deren Wissen. Aber ohne internationale Mobilisierung und konkrete Maßnahmen ist es schwer vorstellbar, dass diese Brände, die die Wälder verwüsten, drastisch zurückgehen.
Eines ist jedoch sicher: Wir werden wahrscheinlich weiterhin die Tag- und Nachtsterne rot leuchten sehen. Im Laufe der Jahrhunderte haben verschiedene Kulturen diese Phänomene als schlechtes Omen oder als Warnung vor drohendem Unheil angesehen. Wie soll man ihnen jetzt das Gegenteil beweisen?
Mirjana Binggeli, PolarJournal / Deutsche Version: Julia Hager, PolarJournal
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