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Der Weg ins Finale ist für die ZSC Lions gar nicht so schwierig. Sie müssen bloss das Kartenhaus Servette zum Einsturz bringen.
Was ist der Unterschied zwischen dem SC Bern und Servette? Der Zwang zum haushälterischen Umgang mit den finanziellen Mitteln dient dem SCB als Ausrede für ausbleibenden Erfolg und miserable Transfers. Für Servettes Chris McSorley ist es eine Herausforderung.
Kein anderes Hockeyunternehmen holt aus dem investierten Geld so viel heraus. Chris McSorley hat Servette aus den Niederungen der NLB in die Spitzengruppe der NLA geführt und zuletzt sogar den Spengler Cup gewonnen. Jetzt spielt er gegen die ZSC Lions um den Einzug ins Finale.
Servette ist auf den ersten Blick eine mächtige Hockeymaschine. Weil keiner in dieser Liga über die eigenen und gegnerischen Spieler so viel weiss wie Chris McSorley, kann der Kanadier das Geld gezielt investieren: Er verpflichtet pro Position nur einen Spieler. Den richtigen. Er hat nicht genug Geld, um verschiedene Positionen mehrfach erstklassig zu besetzen. Das bedeutet: Wenn alle fit sind, dann kann Servette sehr weit kommen. Aber wenn nur einer ausfällt, hat es meistens weitreichende Konsequenzen fürs gesamte System McSorley.
Servettes Erfolg steht also seit jeher auf dünnem Eis. Deshalb sind die Genfer am Ende im «Abnützungskampf» Playoffs immer wieder gegen ein breiter besetztes, defensiv zähes Team auf der Strecke geblieben. Zweimal erst ganz kurz vor der Zielankunft im Finale. 2008 gegen die ZSC Lions (nach einer 2:0-Führung) und 2010 gegen den SC Bern (im 7. Spiel). Und im letzten Frühjahr reichte auch eine 3:1-Führung im Viertelfinale nicht zum Triumph über den SCB. Wäre Servette da weiter gekommen, wäre der erste Titel möglich gewesen. Nicht umsonst fürchtet Chris McSorley Teams mit grosser Kadertiefe und vier ausgeglichenen Blöcken.
Servettes offensive Ausrichtung ist logisch und wird durch die knappen finanziellen Mittel diktiert: In der NLA ist ein offensiv spektakuläres Team immer billiger als ein defensiv stabiles. Sogar die SCL Tigers hatten unter Trainer Christian Weber zeitweise die beste Offensive der Liga. Gute Stürmer sind einfacher zu finden und kosten weniger als erstklassige Verteidiger. Wenn es gelingt, das Spektakel mit der offensiven Kavallerie vors gegnerische Tor zu tragen und den Gegner davon abzuhalten, offensiv zu spielen, dann ist der Erfolg möglich. Mit seinem Mut zur Offensive hat Chris McSorley etwa beim Spengler Cup im Finale auch ZSKA Moskau überrannt (5:3). Die Russen kamen erst ins Spiel, als die Genfer schon 4:0 führten.
Die Playoffs schaffte Servette im Vorwärtsgang. Nur die ZSC Lions (167) haben in der Qualifikation noch mehr Tore erzielt als die Gefner (158). Aber die ZSC Lions, Lausanne, Lugano, Ambri, Bern und Kloten haben weniger Tore kassiert als Servette. Obwohl Torhüter Tobias Stephan zu den besten der Liga zählt. Zahlen, die die Verwundbarkeit des bestgeführten Sportunternehmens der Romandie aufzeigen. Servette ist ein offensiver Formel-1-Bolide ohne defensive Winterreifen.
Die ZSC Lions haben sich im ersten Spiel überrumpeln lassen (0:5). In der zweiten Partie haben sie aus dem Debakel gelernt, liessen sich durch Chris McSorleys offensive Kavallerie nicht mehr durcheinander bringen, nützten gezielt die defensive Schwäche der Genfer und siegten (5:3). Die ZSC Lions sind defensiv stabil genug, um Servettes Angriffskraft standzuhalten und offensiv stark genug, um die Abwehrschwächen der Genfer auszunützen. Und sie sind über vier Linien ausgeglichener besetzt.
Wenn die Zürcher kühlen Kopf bewahren, die Fehlerquote in der eigenen Abwehr tief halten, keine Angst vor Servettes offensiver Kavallerie haben und selber geradlinig und mutig vorwärts spielen, dann können sie Servettes defensives Kartenhaus zum Einsturz bringen. Eigentlich ist der Erfolg gegen die Genfer nur eine Frage des Mutes zur Offensive. Das Finale gegen dieses berechenbare, defensiv auf tönernen Füssen stehende Servette zu verpassen, wäre für die ZSC Lions ein Misserfolg sondergleichen.