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Der Begriff "Ministrant" erscheint zum ersten Mal in einem Dokument zur Neuordnung der Heiligen Woche im Zuge der Liturgiereform von 1955. Doch der Dienst des Ministranten als Assistenztätigkeit für den Vorsteher des Gottesdienstes dürfte bereits in der Frühzeit der Kirche existiert haben. In den ersten christlichen Gemeinden war es so, dass ein Gottesdienst von verschiedenen Menschen mitgestaltet wurde und die Dienste noch nicht festgeschrieben waren. Dennoch lassen Texte aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus eine erste Aufgabenteilung vermuten. Dort ist unter anderem von „Akolythen" die Rede. Akolyth ist ein griechisches Wort und bedeutet „Begleiter". Akolythen brachten die Kerzen, den Wein und das Wasser zum Altar und halfen dem Bischof im Gottesdienst. Damit war der Mini-Dienst geboren.
Minis im mittelalterlichen Gottesdienst
Bereits im frühen Mittelalter sind Minis im Gottesdienst unerlässlich. Zu dieser Zeit war es nämlich üblich, dass Priester jeden Tag einen Gottesdienst feierten. Etwa ab dem 6. Jahrhundert stieg die Zahl der Priester in den Klöstern, da durch die Beteiligung von Mönchen an der Mission deren Ordination nötig wurde. Da es nun also immer mehr Priester gab, wurden die grossen Kirchen mit Seitenaltären ausgestattet, damit alle Priester eine Messe "lesen" konnten. Wenn am Hauptaltar ein Gottesdienst gefeiert wurde, nahmen viele Menschen daran teil. Die Priester an den Seitenaltären dagegen mussten mit einem einzigen Altardiener auskommen. So erfolgte eine Abkehr von den allein üblichen Konventmessen hin zu „Privatmessen" mit wenigen oder keinen Gläubigen. Im Rahmen dieses Prozesses konzentrierte sich auch die einst übliche Differenzierung verschiedener Dienste auf den Dienst zumindest eines einzigen Helfers bzw. einer kleinen Gruppe von Altardienern.
Der Ministrant als Vertreter der Gemeinde
Papst Leo IV. verfügte in diesem Zusammenhang im 9. Jahrhundert, dass jeder Priester bei der Messe einen Kleriker oder einen "Scholaren" zu Seite haben müsse, der die Lesungen liest, ihm bei der Messe antwortet oder mit ihm die Psalmen singt. Gemäss dem Konzil von Trient (1545-1563) machte sein Fehlen die Messe zwar nicht ungültig, aber unerlaubt. Aus dem jugendlichen Lektor wurde somit der Ministrant als Vertreter der Gemeinde. Seine Beteiligung wurde daher auch zu einer rechtlich festgeschriebenen Voraussetzung für eine gültige Messfeier. Neben erwachsenen Ministranten übten vor allem Knaben den Mini-Dienst aus. Dies darum, weil sie wegen ihrer hellen und kräftigen Stimme gut für die Gesänge einzusetzen waren.
Kleriker oder Laien?
Lange wurde darüber gestritten, ob der Mini-Dienst für künftige Priester vorbehalten sein soll. Da die Aufgabe als Ministrant eine besondere Ausbildung erforderte, wurden die Knaben in Schulen auf ihren Dienst am Altar vorbereitet. Aufgrund dieser speziellen Ausbildung wurden sie gerne als Priesternachwuchs angesehen. Das Ideal, den Ministranten als "Einstieg in den Klerikerdienst" zu sehen, konnte am ehesten in Klöstern oder Pfarreien verwirklicht werden, die über eigene Ausbildungsstätten (scholen) verfügten. Trotz der Forderung, dass dieser Dienst einem Kleriker vorbehalten sein sollte, übernahmen ab dem 11. Jahrhundert immer auch Laien diese Aufgabe, vor allem in ländlichen Gemeinden, die naturgemäss nicht über die ausreichende Zahl an Klerikern verfügten. Ein Streitpunkt, der auch mehrere Synoden beschäftigte. Doch wurde die Frage, ob es sich beim Ministranten um einen Kleriker- oder Laiendienst handelt, bis in die Neuzeit hinein nicht abschliessend beantwortet. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 sprach im betreffenden Kanon lediglich von einem "minister", der mit diesem Begriff einzig die Frauen vom Dienst ausschloss.
Die Anfänge des heutigen Mini-Dienstes
Die letzten grossen Veränderungen im Bereich der Liturgie brachte das II. Vatikanische Konzil. So wird der Gottesdienst nun in der eigenen Landessprache gefeiert, und es werden neue Dienste geschaffen oder die Bedeutung von bestehenden Diensten hervorgehoben. Durch die Betonung der tätigen Teilnahme aller an der Liturgie veränderte sich auch das Verständnis des Ministrantendienstes. Die Minis sind heute nicht mehr StellvertreterInnen oder gar "Ersatz" der feiernden Gemeinde. Sie haben eine eigenständige Rolle innerhalb des liturgischen Geschehens. Die Konstitution "Sacrosanctum Concilium" vom 1963 spricht vom MinistrantInnendienst als einem "wahrhaft liturgischen Dienst" und stellt damit klar, dass die Träger dieses Dienstes eben "nicht erst durch Delegation vom priesterlichen Zelebranten her ausgerüstet werden müssen." Mit der Dogmatischen Konstitution über die Kirche "Lumen gentium" von 1964 sind auch die früheren niederen Weihen endgültig überwunden.
Nur Knaben als Minis?
Die Abkehr von dem Verständnis, dass Ministranten "Minikleriker" sind, und die Feststellung des neuen kirchlichen Gesetzbuches, dass dieser Dienst allen Laien zusteht, ermöglichte es, dass heute selbstverständlich auch Frauen und Mädchen als Ministrantinnen tätig werden können. Der Streit um diese Frage wurde viele Jahre geführt. Seit der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils begannen viele Pfarreien Mädchen als Ministrantinnen zu beauftragen. Konflikte mit Bischöfen waren nicht selten die Folge. Noch die 1980 herausgegebene Instruktion für den Gottesdienst "Inaestimabile donum" enthielt aber weiterhin das Verbot für Frauen, die Ämter der "Akolythen oder am Altar Dienenden" auszuüben. In can. 230§1 werden ausdrücklich die Dienste der durch den Bischof auf Dauer bestellten Lektoren und Akolythen den Männern vorbehalten.
Ministrantinnen und Ministranten
1992 entschloss sich Papst Johannes Paul II. zu einer "authentischen Interpretation" des can. 230§2, nach dem alle anderen Funktionen ausser den auf Dauer bestellen Lektoren und Akolyten unterschiedslos von Männern und Frauen wahrgenommen werden können. Zu diesen Funktionen gehört auch das Ministrieren, denn MinistrantInnen werden nicht durch einen vorgeschriebenen Ritus auf Dauer zum Akolythat bestellt. Diese Entscheidung des Papstes wurde aber erst in einem Schreiben der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramente vom 15. März 1994 allgemein veröffentlicht. Seitdem sind Mädchen und Frauen offiziell zum Altardienst zuzulassen und ihr vielerorts längst übliche Einsatz wurde "legalisiert".
Zusammenstellung: David Rüegsegger
Quellen: Andreas Büsch, Handbuch der Ministrantenpastoral, Düsseldorf 1999 und www.minis.at