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Aufgaben des Darms
Der Darm mit seinen schätzungsweise 100 Billionen «Mitbewohnern» – Bakterien, Pilze und Viren – ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Die Bakterien bauen Ballaststoffe aus der Nahrung ab, beeinflussen das Immunsystem, fördern die Aufnahme von Nährstoffen und produzieren Substanzen, die entzündungshemmend wirken. Bakterien vom Typ Bacteroides beispielsweise stellen die lebenswichtigen Vitamine C, B2, B5 und H her. Prevotella-Bakterien hingegen produzieren vor allem das Vitamin B1 und Folsäure. Keine andere Körperregion ist so dicht von Mikroorganismen besiedelt wie der Darm. Etwa 1,5 Kilo Bakterien leben hier.
Das Nervensystem des Darms
Man mag es nicht vermuten, aber der Darm ist ein intelligentes Organ. Er wird als unser «zweites Gehirn» bezeichnet, weil er über ein eigenes Nervensystem verfügt. Über den Nervus vagus, einen zentralen Nerv, der den Darm mit dem Gehirn verbindet, nehmen die beiden Organe Kontakt miteinander auf. Dabei sendet der Darm mehr Botschaften ans Gehirn als umgekehrt. Etwa 90 Prozent des Glückshormons Serotonin beispielsweise werden im Darm produziert. Die Darmbewohner – unser Mikrobiom – spielen dabei eine wichtige Rolle. Bei einer Depression kann sich die Zusammensetzung der Darmbakterien verändern.
Darmbestandteile und deren grössen
Rund sechs bis sieben Meter legt der Speisebrei auf dem Weg durch den Darm zurück. Inwendig ist das Organ nicht glatt wie ein Wasserschlauch, sondern vielfach gefältelt. Würde man ihn ganz ausbreiten, ergäbe das eine Fläche, etwa so gross wie ein Tennisplatz. Dank dieser grossen Oberfläche kann der Darm Nährstoffe besser aufnehmen.
Darm ist aber nicht gleich Darm: Es gibt verschiedene Abschnitte mit unterschiedlichen Aufgaben. Im Dünndarm wird vor allem verdaut und der Körper nimmt die Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei auf. Der Dickdarm holt Wasser und Salze aus dem Speisebrei, sodass der flüssige Brei eindickt. Im Mastdarm, dem letzten Abschnitt, wird der Stuhl bis zur Ausscheidung gespeichert.
Einfluss Bewegung auf den Darm
Um den Speisebrei zu befördern, macht der Darm Kontraktionsbewegungen (auch Peristaltik genannt). Doch er bewegt sich nicht nur selbst, er wird auch sehr gern bewegt. Regelmässige Bewegung und Spaziergänge fördern die Entspannung des Darms und verbessern seine Funktionsfähigkeit. Im Darm sportlich aktiver Menschen ist die Mikroflora vielfältiger und es dominieren andere Bakterienarten als bei Menschen, die sich wenig bewegen. So besitzen Sportlerinnen und Sportler meist mehr Bakterien, die Buttersäure und ähnliche Substanzen produzieren. Diese sogenannten kurzkettigen Fettsäuren helfen unter anderem, das Cholesterin zu senken.
Abwehrzellen im Darm
Gelangt etwas Giftiges oder Krankmachendes in den Darm, reagiert das Organ meist mit Durchfall – und befördert so unerwünschte sowie giftige Stoffe, Bakterien oder Viren schneller wieder aus dem Körper. Auch für das Immunsystem ist der Darm von Bedeutung. Hier lernen die Abwehrzellen zu unterscheiden, welche Mikroorganismen dem Körper wohlgesinnt sind und welche abgewehrt werden müssen. Unzählige Abwehrzellen in der Darmwand sind allzeit bereit, Krankheitserreger oder krank machende Fremdstoffe zu beseitigen.
So pflegen Sie Ihren Darm
Ernährung
Essen Sie vielfarbig und ballaststoffreich, aber knausern Sie bei Zucker und leicht verdaulichen Kohlenhydraten (zum Beispiel weissem Reis oder hellem Mehl). Ballaststoffe dienen den gesundheitsfördernden Bakterien, die im Darm leben, als Nahrung. Diese Bakterien produzieren im Gegenzug Stoffe, die dem Darm Energie liefern und dafür sorgen, dass der Körper gesund bleibt. Gemüse, Früchte und Vollkornprodukte enthalten viele Ballaststoffe. Auch fermentierte Lebensmittel haben eine positive Wirkung auf die Darmbakterien. Denken Sie zum Beispiel an Sauerkraut, Käse, Joghurt oder Apfelessig.
Pausen einlegen
Der Darm will nicht ständig gefüttert werden. Man kann es mit dem Paketzustelldienst vergleichen. Auf das erste Paket am Tag freut man sich und ist neugierig. Wenn aber jede Stunde ein Paket geliefert wird, nervt das. Darum: zwischen den Mahlzeiten mindestens vier- bis fünfstündige Pausen einlegen.
Den Darm nicht überfordern
Der Darm hat ein eigenes Nervensystem und ist schnell gestresst. «Unverdaute» Erlebnisse oder Emotionen tun ihm nicht gut. So können Darmbeschwerden Anzeichen für ein psychosomatisches Problem sein, sofern keine krankhafte körperliche Ursache für die Beschwerden vorliegt. Auf das Bauchgefühl hören heisst auch, den Darm nicht zu überfordern. Die Menge an Gemüse also besser langsam steigern.
Den Beckenboden entlasten
Wer bei Verstopfung presst, belastet den Beckenboden. Besser ist, die Füsse beim Sitzen auf dem WC auf einen kleinen Schemel zu stellen und so die Sitzposition zu verändern. Noch besser sind viel Bewegung, pflanzliche und vollwertige Kost sowie genügend Flüssigkeit, damit es gar nicht erst zur Verstopfung kommt.
Sich für den Darm Zeit nehmen
Langsam, besonnen und «leise» essen beugt nicht nur Blähungen vor, es erleichtert dem Darm auch die Arbeit. Meldet er sich mit Stuhldrang, sollte man das WC aufsuchen und sich den Gang nicht verklemmen. Der Darm mag ein «stilles Örtchen» – und keine dauernde Ablenkung mit Handy, Heftli oder Büchern im Toilettenraum. Sie verleiten dazu, länger auf dem WC zu sitzen als nötig. Das kann Hämorrhoiden am After begünstigen.
( Dipl. med. Maartje van Doormaal, Medbase Zürich Wiedikon)