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Zu den wesentlichen Aufgaben, die eine Grossorganisation wie die Uno zu erfüllen haben beziehungsweise hätten, gehört meiner Meinung nach der Umweltschutz. Es gab verschiedene entsprechende Konferenzen und Übereinkommen. Was ist davon zu halten? Mir scheint, dass sich nicht alle hohen Erwartungen erfüllt haben.
M.R., CH-9242 Oberuzwil
Dürftig ist auch das Resultat des so genannten Brundtland-Berichts, benannt nach der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, die ab 1983 eine UNO-Sonderkommission, die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, präsidierte. Diese Kommission hat ihren Abschlussbericht "Our common future" 1987 vorgelegt. Der Bericht hat 2 vorherrschende Thesen:
1) "Die globale Umweltkrise ist Realität und Bedrohung für die ganze Menschheit; Verhaltensänderungen sind unabdingbar. Gründe für die Umweltkrise sind Armut, wachstumsbedingter Ressourcenverbrauch und die Wirtschaftskrise im Süden.
2) Es ist möglich, eine Zukunft mit grösserer wirtschaftlicher und sozialer Sicherheit zu erreichen, bei gleichzeitiger Berücksichtigung der natürlichen ökologischen Grenzen. Probleme der Armut und die der Umwelt- und Ressourcenzerstörung können gleichzeitig gelöst werden. Dafür muss eine neue Qualität des Wachstums verwirklicht werden. Wachstum ist erforderlich, um die Probleme von Armut und Ungleichheit zu lösen; es ist ein entscheidender Faktor in der Verhinderung der Umweltproblematik."
Dieser argumentativ unbefriedigende, widersprüchliche Brundtland-Bericht war die Grundlage für den Begriff der "nachhaltigen Entwicklung" (sustainable development), der zur Leitidee der 90er-Jahre wurde. Er forderte vieles, was durch die gleichzeitig vorangetriebene Globalisierung gleich zunichte gemacht oder ins Gegenteil verkehrt wurde: Veränderung der Wachstumsqualität; auf Verknappung der Rohstoffe ausgerichtete Preispolitik; Reformierung von Institutionen in der Art, dass ökonomische und ökologische Strategien sich tatsächlich ergänzen; Verbesserung von Qualität und Quantität von qualifizierten Arbeitsplätzen usf.
Der Bericht gab den Anstoss zur 2. Internationalen Umweltkonferenz in Rio (Juni 1992), bei welcher die nachhaltige Entwicklung das zentrale Leitbild war, und dieses wurde zur Legitimation für ein ökologisch unbedenkliches Wachstum (vor allem in den Industrieländern). Seither hat die ökologische Diskussion aus den verhängnisvollen Verirrungen nicht mehr herausgefunden. Denn eine wirkliche Lösung könnte nur aus einem zurückhaltenden Umgang mit den beschränkten Ressourcen und einem vernünftigeren Lebensstil in den Zivilisationsländern bestehen.
Mit anderen Worten: Die gesamte bisherige Umweltdebatte, wie sie von der UNO angeregt worden ist, brachte nicht nur nichts, sondern sie mündete ins Gegenteil des Angestrebten aus: Umweltabbau, mehr Ressourcenverschleiss, verheerende gesellschaftspolitische Defizite. Es war vergessen worden, den Ressourcenverbrauch wirksam zu limitieren und für alle, auch für verschwenderische, uneinsichtige Umweltschurkenstaaten, verbindlich zu erklären und beim Konsumverhalten anzusetzen. Stattdessen wurde das Allheilmittel Wachstum gepredigt, wie es auch US-Präsident George W. Bush jr. im Rahmen seiner am 14. Februar 2002 vorgeschlagenen Alternative zum Kyoto-Protokoll einmal mehr ebenfalls tat.
Dieser bezeichnende Gegenvorschlag zur Kyoto-Übereinkunft beruht auf Freiwilligkeit und gewährleistet, dass die Energiegeschäfte nicht gestört werden. So stattete Bush seinen Wahlkampf-Financiers, zu denen auch der zusammengebrochene riesige und trickreiche Energiekonzern Enron gehörte, den verbindlichen Dank ab. So fügte sich eines ins andere: Die US-Wirtschaftsmedien hatten den seinerzeitigen Enron-CEO (Chief Executive Officer) Jeff Skilling als Erfinder eines neuen Unternehmensmodells vergöttlicht. Das Wirtschaftsmagazin "Fortune", das ausgeprägt unter der grassierenden US-Rangierungs-Krankheit (Ranking) leidet, wählte das Pleite-Unternehmen vor dem Bekanntwerden der schiefen Machenschaften sechsmal hintereinander zum "innovativsten Unternehmen". Die Innovationen betrafen allerdings eher das Erfinden von Falschmeldungen als Aktionen zu einem verantwortungsvollen Energieeinsatz (Schweizer Energieunternehmen veröffentlichen demgegenüber Spartips, insbesonde die Elektrizitätswerke).
Wo mit Spendengeldern Politik gemacht wird, bleiben Ethik und Natur auf der Strecke. Und die UNO muss auch hier hilflos zusehen.
Walter Hess
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