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Während sich Regierungen und Institutionen weltweit bemühen, die aktuelle Pandemie einzudämmen, sehen sich die Zuständigen des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) offenbar nicht in der Pflicht, im Hinblick auf COVID-19 tätig zu werden. Für die Fondation Franz Weber ist diese Weigerung, Verantwortung zu übernehmen, nicht hinnehmbar. Die Schweizer NGO fordert die Generalsekretärin der CITES in einem offenen Brief dazu auf, den Konsumentinnen und Konsumenten auf der ganzen Welt eine klare Botschaft zu übermitteln.
Offener Brief an das Sekretariat der CITES:
Sehr geehrte Frau Generalsekretärin
Mit Erstaunen habe ich die offizielle Stellungnahme des CITES-Sekretariats zur aktuellen COVID-19-Krise und deren Ursprung gelesen. Im Namen der Fondation Franz Weber (FFW) möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich mich dem Standpunkt und den Argumenten des Sekretariats in Hinblick auf diese Pandemie nicht anschliessen kann.
Zunächst erklärt das Sekretariat, dass «Zoonosen nicht unter das Mandat der CITES fallen», da sich die CITES-Vertragsparteien «auf die Regulierung des internationalen Handels konzentrieren». Dieses Argument ist in mehrerlei Hinsicht beunruhigend.
Gemäss der Präambel des CITES-Übereinkommens erkennen die Vertragsparteien an, dass die «freilebenden Tiere und Pflanzen in ihrer Schönheit und Vielfalt einen unersetzlichen Bestandteil der natürlichen Systeme der Erde bilden, den es für die heutigen und künftigen Generationen zu schützen gilt». Die CITES setzt sich für den «Schutz bestimmter Arten freilebender Tiere und Pflanzen vor einer übermässigen Ausbeutung durch den internationalen Handel» ein. Mit anderen Worten beschränkt sich die Rolle der CITES nicht auf die Regulierung des Handels, sondern besteht zugleich und vor allem darin, Arten als Bestandteil der natürlichen Systeme der Erde zu schützen. Das Sekretariat, so scheint es, lässt ausser Acht, dass das Übereinkommen nicht nur als Handelsabkommen fungiert, sondern zugleich als Teil des internationalen Umweltrechts.
Selbstverständlich fällt die Koordination der Anstrengungen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die angemessene gesundheitliche Versorgung der Weltbevölkerung sicherzustellen, nicht in den Zuständigkeitsbereich der CITES. Nichtsdestotrotz kann diese Konvention ihre Verantwortung angesichts von Zoonosen nicht ignorieren.
Offenbar bezweifelt das Sekretariat, dass die Pandemie durch den Handel mit und den Verzehr von Wildtieren ausgelöst wurde. Dabei missachtet es die Tatsache, dass Schuppentiere als Wirte von dem Coronavirus ähnelnden Viren auftreten können, und verharmlost die Möglichkeit, dass zwischen dieser Krankheit und dem Verzehr von Schuppentieren in China ein Zusammenhang besteht, als «Medienkommentar». Die chinesischen Behörden dagegen nahmen diesen Zusammenhang sehr ernst und ergriffen – wenn auch etwas verspätet – Anfang März dringende Massnahmen mit dem Ziel, «den Verzehr von Wildtieren zu unterbinden, um das Leben und die Gesundheit der Menschen zu schützen». Auf Wunsch der CITES-Vollzugsbehörde von China gab das Sekretariat in der Folge eine Mitteilung über diese Massnahmen heraus, was deutlich macht, dass diese sehr wohl in den Zuständigkeitsbereich des Übereinkommens fallen.
COVID-19 ist nicht die erste Zoonose in der Geschichte der Menschheit und wird sicherlich auch nicht die letzte sein. Die fortschreitende Zerstörung von Lebensräumen und die Ausbeutung der Arten führt dazu, dass der Mensch immer häufiger unbekannten Viren ausgesetzt wird. Diese Faktoren, genauso wie der internationale Handel mit freilebenden Arten, sind ganz offensichtlich massgeblich für die Übertragung von Krankheiten auf den Menschen. Vor diesem Hintergrund ist die Stellungnahme des Sekretariats, wonach «die Menschen […] wie auch die freilebenden Arten von einem durch die CITES international regulierten, nachhaltigen und nachvollziehbaren Handel [profitieren]», nicht nur völlig unangebracht angesichts des unermesslichen Leids und der eskalierenden Zahl der Todesopfer, sondern auch äusserst gefährlich, und zwar sowohl für die bedrohten Tier- und Pflanzenarten, welche die Konvention schützen möchte, als auch für die menschliche Bevölkerung.
Tatsächlich hat der Handel mit freilebenden Arten, sei er legal oder illegal, die COVID-19-Epidemie ausgelöst. Die diesem Handel zugrunde liegenden Risiken zu leugnen, hieße, Konsumentinnen und Konsumenten auf der ganzen Welt fehlzuleiten.
Der CITES kommt in der aktuellen Krise und bei der Bekämpfung künftiger Zoonosen eine wesentliche Funktion zu. Eine verantwortungsvolle Führung und eine klare Haltung des Sekretariats sind dringend erforderlich: Die Botschaft, dass zwischen dem Handel mit freilebenden Arten und derartigen Epidemien ein Zusammenhang besteht, und dass der Schutz dieser Arten zur Priorität werden muss und werden wird, wenn wir künftige Katastrophen verhindern wollen, muss vom Sekretariat global vermittelt werden. Wie der UN-Generalsekretär Antonio Guterres vor Kurzem klar machte: «Indem uns diese Krise zum Handeln zwingt, bietet sie uns zugleich eine ausserordentliche Gelegenheit. Wenn wir die gebotenen Massnahmen ergreifen, können wir den Aufschwung in eine nachhaltigere und integrativere Zukunft lenken».
Mit freundlichen Grüssen
Vera Weber, Präsidentin FFW
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