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Nachdem die Neue Oper Freiburg zum Jahreswechsel mit Mozarts «Zauberflöte» eine klassische Oper par excellence auf die Bühne brachte, wendet sie sich jetzt der zeitgenössischen Oper zu: Kommende Woche zeigt sie das 2011 in Los Angeles uraufgeführte Stück «The Importance of Being Earnest» als Schweizer Premiere. Die komische Oper des irischen Komponisten Gerald Barry basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Oscar Wilde aus dem Jahr 1895.
Die Komödie, die der irische Schriftsteller als seine gelungenste betrachtete, handelt von den beiden englischen Lebemännern Jack und Algernon. Beide führen ein Doppelleben, um ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen zu entfliehen: Jack, der auf dem Land lebt, gibt vor, sich in London um seinen liederlichen Bruder Ernest kümmern zu müssen – und gibt sich dann in der Stadt selbst als Ernest aus. Algernon, der seinerseits in London lebt, erfindet einen kranken Freund vom Land, den er ab und an besuchen müsse. Als Jack sich jedoch in Algernons Cousine Gwendolen verliebt und Algernon in Jacks Mündel Cecily, sind die Probleme programmiert.
Das Theater wird zu Musik
Julien Chavaz, künstlerischer Leiter der Neuen Oper Freiburg und Regisseur der neuen Produktion, freut sich darauf, dem Freiburger Publikum die beliebte Wilde-Komödie als Oper zu präsentieren: Das Stück habe ihn sofort gepackt, sagt er. «Es ist ein Theater, das zu Musik wird.» Das sei an dieser Oper besonders schön: «Die Musik ist komplex und raffiniert, aber sie ist nicht intellektuell-abgehoben, sondern steht im Dienste der Geschichte und des Humors.» Damit sei «The Importance of Being Earnest» auch zugänglich für Leute, die nicht unbedingt zum klassischen Opernpublikum zählten. «Wer das Original von Oscar Wilde mag, wird dieses in der Opernversion wiederfinden.»
Die Musik von Gerald Barry, welche die Handlung so gut trägt und vorantreibt, ist für die Interpretinnen und Interpreten eine Herausforderung. «Diese Musik ist wie ein wildes Tier», sagt Julien Chavaz, «und die Solisten sind die Dompteure.» Gesang und Schauspiel seien intensiv und körperlich. «Die Darsteller müssen die Musik im Körper spüren und dies auf die Bühne bringen. Das ist eine harte, physische Arbeit.»
Damit das Ergebnis nicht nach harter Arbeit, sondern nach leichter Komödie aussieht, ist das Ensemble seit fünf Wochen am Proben. Vor eineinhalb Jahren haben die Vorbereitungsarbeiten und die Castings begonnen. Die acht Solistinnen und Solisten zu finden, sei nicht leicht gewesen, erzählt Julien Chavaz. «Dieses Stück fordert sehr komplexe Stimmtypen.» Ausserdem habe er hauptsächlich englischsprachige Interpreten gesucht, die gut mit dem Text umgehen könnten. Die Oper wird im englischen Original aufgeführt, mit deutschen und französischen Übertiteln. Mit Steven Beard und Nina van Essen sind zwei Solisten dabei, die bereits mit der Neuen Oper Freiburg respektive mit der früheren Opéra Louise aufgetreten sind. Den Orchesterpart übernimmt das Freiburger Kammerorchester.
Aufführungen in Paris
«The Importance of Being Earnest» ist eine Koproduktion der Neuen Oper Freiburg mit dem Théâtre de l’Athénée in Paris. Dort wird das Stück vom 16. bis zum 24. Mai zu sehen sein. Für Julien Chavaz ist dies eine schöne Anerkennung: «Diese Sichtbarkeit im Ausland ist nicht nur für uns gut, sondern für die ganze Freiburger Kultur.» Dies sei umso wichtiger, als das Théâtre de l’Athénée auf zeitgenössische Opern spezialisiert sei. «Wir spielen dort vor einem Publikum, das solche Opern kennt und schätzt. Wenn wir dort gut ankommen, bedeutet das viel.»
Equilibre, Freiburg. Di., 30. April, und Do., 2. Mai, 20 Uhr. Auf Englisch, mit deutschen und französischen Übertiteln. Infos und Tickets: www.nof.ch
«Die Musik von Gerald Barry steht im Dienste der Geschichte und des Humors.»
Julien Chavaz
Regisseur
Neue Oper Freiburg
Vereinte Kräfte für die Opernkunst
Die Neue Oper Freiburg ist 2018 aus der Fusion der Oper Freiburg und der Opéra Louise entstanden. Ihre erste grosse Opernproduktion zeigte sie zum Jahreswechsel: eine Inszenierung von Mozarts «Zauberflöte». Mit «The Importance of Being Earnest» zeigt sie jetzt, dass sie auch offen ist für zeitgenössische Opernwerke. «Wir wollen ein breites und abwechslungsreiches Repertoire auf die Bühne bringen», sagt der künstlerische Leiter Julien Chavaz. Die Oper Freiburg hatte seit 1986 eine grosse Opernproduktion pro Jahr realisiert. Die Opéra Louise wurde 2010 gegründet und realisierte ein bis zwei Produktionen pro Jahr.