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Laut der Studie eines kanadisch-schweizerischen Forschungsteams wird der Sommer die Übertragung des Coronavirus nicht verlangsamen. Die Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass Gebiete mit warmem Wetter im März einen Vorteil gegenüber kälteren Klimazonen hatten.
Peter Jüni, gebürtiger Berner und Hauptautor der Studie, warnt vor falschen Hoffnungen: «Wenn wir glauben, das warme Wetter kommt uns zu Hilfe, könnte dies zu einem massiven Rückschlag führen», so der Professor für Epidemiologie und Medizin an der Universität Toronto.
Das Coronavirus braucht keine günstigen Bedingungen, um zu gedeihen, weil wir nicht immun dagegen sind.
«Der Sommer wird die Pandemie auf der Nordhalbkugel nicht zum Verschwinden bringen», sagt auch Co-Autor Bruno da Costa, Epidemiologe und Statistiker am Berner Institut für Hausarztmedizin.
So gingen die Forscher vor
Um die Auswirkungen des Klimas zu messen, untersuchten die Forscher den Zeitraum direkt um die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche, in dem das Sonnenlicht die Nord- und Süd-Hemisphären gleichermassen bescheint. Somit konnten sie Breitengrad und Temperatur in Regionen weltweit den Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gegenüberstellen und deren Einfluss auf die Pandemie abschätzen.
Die Autoren untersuchten weltweit 144 Gebiete und Länder bei denen bis Ende der Studie mehr als 375'000 Covid-19-Fälle aufgetreten waren. Sie werden ihre Ergebnisse im Canadian Medical Association Journal (CMAJ) veröffentlichen.
Andererseits gilt: Die «Corona-Massnahmen» der Behörden wirken. «Je mehr Public-Health-Interventionen bis Mitte März in einem Gebiet eingeführt wurden, umso mehr schwächte sich die Pandemie zwei Wochen später ab», sagt da Costa.
Die Ergebnis, dass warmes Wetter keinen Einfluss auf das Fortschreiten der Pandemie hatte, überraschte die Autoren. «Wir hatten eine Pilot-Studie durchgeführt, die darauf hinwies, dass sowohl Breitengrad als auch Temperatur eine Rolle spielen könnte», sagt Jüni, der bis 2015 Direktor des Berner Instituts für Hausarztmedizin war. «Aber als wir die Studie unter viel strengeren Bedingungen wiederholten, kamen wir zu gegenteiligen Befunden.»
Studie: Schulschliessungen haben gewirkt
Jüni warnt auch vor allzu liberalen Schulöffnungen, bei denen die Schutzmassnahmen ungenügend beachtet würden. Es könne zu einem Wiederaufflammen der Pandemie führen, «wenn wir fälschlicherweise glauben, dass diese Massnahmen keine Rolle spielen, da Kinder mehrheitlich nicht krank werden.» In der Studie hätten Länder mit Schulschliessung Mitte März bei der Pandemiekontrolle weitaus besser abgeschnitten als diejenigen ohne Schulschliessung zu diesem Zeitpunkt.
Das Forscherteam fand ebenfalls, dass eine hohe Luftfeuchtigkeit dazu beitragen könnte, das Virus etwas zu bekämpfen – möglicherweise, weil Aerosole schneller zu Boden fallen oder Viruspartikel in feuchter Luft instabil werden. Aber der Effekt war im Vergleich mit demjenigen des Social Distancing schwach. Ein Vergleich Griechenlands und Singapurs verdeutliche den Einfluss von Public-Health-Interventionen, sagt Jüni.
Griechenland schloss seine Schulen nur 14 Tage nach seinem ersten positiven Test und verbot öffentliche Versammlungen. Singapur – mit wärmerem und feuchterem Klima als Griechenland – erlebte seinen ersten Fall im Januar, widersetzte sich jedoch der Schliessung von Schulen bis zum 8. April und erlaubte öffentliche Versammlungen. Auf dem Höhepunkt des Ausbruchs erlitt Singapur etwa zehnmal so viele Fälle wie Griechenland.
Vergleich mit Grippe hinkt
Da die Grippe bei wärmerem Wetter weitgehend verschwindet, hoffen viele, dass Covid-19 den gleichen Weg einschlagen wird. Jüni weist jedoch darauf hin, dass die meisten Menschen zumindest teilweise gegen die Grippe immun sind, und dass sich die Immunität aufbaut, wenn die Leute geimpft werden oder sich im Laufe der Jahre wiederholt infizieren.
Wenn die Grippesaison im Herbst zurückkehrt, hängt dies mit neuen Mutationen, dem Ende der Sommerferien und möglicherweise mit kälterem Wetter zusammen. Im Gegensatz dazu «braucht das Coronavirus keine günstigen Bedingungen, um zu gedeihen, weil wir nicht immun sind dagegen», so Jüni.