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Wolkenparade
Nebst der heute leicht angestiegenen Schauerneigung, stand der Tag aus meteorologischer Sicht besonders im Zeichen von nicht alltäglichen Wolkenformationen. Ansonsten präsentierte sich das heutige Wetter, abgesehen von zeitweise dichteren hohen Wolkenfeldern und einzelnen Schauern oder Gewittern, nochmals vorwiegend sonnig und der Jahreszeit entsprechend angenehm mild.
Abnehmender Hochdruckeinfluss
Das gestern noch wetterbestimmende flache Hochdruckgebiet über Mitteleuropa hat sich heute abgeschwächt und die Schweiz gelangte allmählich auf die Vorderseite eines Troges über Westeuropa. Dadurch gelangte mit einer schwachen südwestlichen Höhenströmung etwas feuchtere und instabil geschichtete Luft zur Schweiz.
Nochmals sonnig und angenehm mild
Am Morgen startete der Tag ganz lokal mit etwas Wiesennebel sowie westlich der Reuss mit ersten, stellenweise dichteren hohen Wolkenfeldern. In der Ostschweiz, im östlichen Alpenraum sowie im Tessin war die erste Tageshälfte hingegen noch weitgehend wolkenlos. Die hohe Bewölkung verlagerte sich im Tagesverlauf unter Ausdünnung ostwärts, wodurch der Himmel in fast allen Regionen zeitweise etwas milchig getrübt war. Gebietsweise wurde die Sonne kurzzeitig auch ganz verdeckt.
Nebst den hohen Wolkenfeldern bildeten sich im Tageverlauf bevorzugt über dem Jura und den Voralpen sowie am Nordrand der Schweiz in Richtung Schwarzwald, aber auch im Tessin einige Quellwolken. Am Nachmittag entstanden daraus lokale Schauer, zum Teil auch Gewitter wie beispielsweise bei Schangnau im Emmental oder im Mittel- und Südtessin.
Nichtsdestotrotz war der Tag an den meisten Orten überwiegend sonnig. Bis Redaktionsschluss wurden vielerorts rund 9 bis 11 Stunden Sonnenschein registriert. Am wenigsten Sonnenschein gab es im Südtessin. Dort war die Quellbewölkung in den Nachmittagsstunden sehr kompakt und es reichte in Lugano für nicht einmal 3 Stunden Sonnenschein.
Die Temperaturen erreichten auf der Alpennordseite im Flachland Höchstwerte zwischen 21 und knapp 24 Grad, im Tessin reichte es für rund 22 bis knapp 25 Grad. Einen Sommertag gab es im Wallis mit bis zu 26 Grad in Sion.
Wolkenparade
Wie in der Einleitung bereits erwähnt, war der Himmel heute sehr facettenreich und bot dem aufmerksamen Beobachter oder Beobachterin so einiges. Nebst Schleierwolken in diversen Variationen stach ein Wolkenexemplar besonders heraus. Am Vormittag zwischen 9 und 11 Uhr konnten in Nord- und Mittelbünden zwei bis drei nicht alltägliche Wolken beobachtet werden. Nämlich diese hier:
Dass diese Wolke äusserst selten ist, lässt sich nur schon dadurch erahnen, weil wir noch immer am „werweissen“ sind, wie die Wolken entstanden sein mag und was die passende Bezeichnung ist.
Zu diesem Zeitpunkt war es in Graubünden abgesehen von wenigen Schleierwolken fast wolkenlos. Gemäss Wettermodellen war die Atmosphäre allerdings in den höheren Luftschichten, das heisst zwischen rund 6500 bis 7500 m ü.M. leicht angefeuchtet. Dies entsprach auch in etwa der gemessenen Höhe der Wolkenbasis der Schleierwolken. Dementsprechend war der Wasserdampfgehalt der Luft in dieser Höhe höher als in den umliegenden Schichten, bloss reichte er noch nicht aus, um eine Wolkenschicht zu bilden.
Möglicherweise durchquerte nun ein Flugzeug diese mit Wasserdampf angereicherte Luftschicht und führte Aerosole hinzu, welche in der Folge als Eiskondensationskeime dienten. An diesen Eiskondensationskeimen konnte nun Wasserdampf kondensieren und es entstanden Eiskristalle. Die Eiskristalle liessen anschliessend diese spezielle Wolke entstehen.
Rein visuell handelt es sich wahrscheinlich um eine Cirrus floccus virga. Die Entstehung beziehungsweise Umwandlung der Wolke erinnert aber auch an so genannte Hole Punch Clouds, die üblicherweise in einer Altocumulus oder Cirrocumulus Wolkenschicht auftreten. Der offizielle Name hierfür wäre Cavum (weitere Informationen finden Sie hier: https://cloudatlas.wmo.int/clouds-supplementary-features-cavum.html). Bei den heutigen Exemplaren fehlte einfach die Wolkenumgebende Cirrocumulus-Schicht, weshalb der Name auch nicht passend ist.
Falls Sie eine passendere Bezeichnung oder Entstehungserklärung haben, sind wir auf Ihre Theorie gespannt.