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Künstlerpaare als Kunstkollektiv gehören heute längst zum Kunstalltag. Seit langem faszinieren innige künstlerische Beziehungen zwischen zwei Menschen, wie etwa die von Frida Kahlo (1907 – 1954) und Diego Rivera (1886 – 1957), eines der berühmtesten Künstlerpaare.
Frida Kahlo, die „Tochter der mexikanischen Revolution“, wie sie oft genannt wird, gilt als eine der wichtigsten und außergewöhnlichsten Malerinnen der mexikanischen und lateinamerikanischen Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Bestechende und Auffällige an ihrer Kunst: fast die Hälfte aller ihrer Werke, und dies dürften rund 140 sein, sind Selbstbildnisse. Dies lässt erahnen, um welche komplizierte, widersprüchliche und gequälte Persönlichkeit es sich bei Frida Kahlo (1907-1954) handelte. Ihre körperlichen und seelischen Verletzungen verarbeitete sie in ihren Bildern. Als Sechsjährige von Kinderlähmung geschlagen, mit 17 Jahren durch einen schrecklichen Busunfall schwer verletzt und lebenslang darunter leidend, zahlreiche Operationen und schließlich die Amputation des rechten Fußes: die autobiografischen Spuren in ihren Werken sind unübersehbar. Hinzu kamen Eheprobleme und eigene Affären.
Anerkennung als Künstlerin erhielt sie erst spät. Zeit ihres Lebens wurde sie von der Künstlerpersönlichkeit ihres Mannes überdeckt. Mit dem Maler Diego Rivera war sie zweimal verheiratet. Die erste Ehe dauerte von 1929 bis 1939. Rivera war da bereits ein weltberühmter Künstler. Ein Jahr nach der Scheidung heirateten Kahlo und der über 20 Jahre ältere Rivera im Dezember 1940 erneut. Das Künstlerpaar führte ein bewegtes Leben, unterstützte in den Dreißigerjahren den russischen Revolutionär Leo Trotzki und blieb zeitlebens den revolutionären Entwicklungen, auch im eigenen Land, aufs engste verbunden. Frida Kahlo war eine überzeugte Marxistin und vehemente Verfechterin der Frauenrechte. Sie notierte in ihren Tagebüchern, ohne die Liebe ihres Mannes hätte sie die lebenslangen Qualen nicht ertragen können. Der wiederum betonte nach ihrem Tod – Affären hin oder her – , sie sei das Wichtigste in seinem Leben gewesen. In den Siebzigerjahren wieder entdeckt und heute enorm populär, hat Frida Kahlo ihren Ehemann Diego Rivera in der Bedeutung längst übertroffen.
Quelle: rheinische ART 11/2014