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Der September brachte viel Sonne und milde Temperaturen. Zum Monatsende wurde es aber weiss: Ein Wintereinbruch brachte im Norden Schnee bis gegen 1000 m. Dies erlaubte erste Skischwünge, führte aber auch zu einem Lawinenunfall, der glücklich ausging.
Der September 2020 war wärmer als normal und sonniger als normal, daran vermochte auch der Wintereinbruch zum Monatsende nichts zu ändern (vgl. Abbildung 1). Dieser war allerdings markant und brachte oberhalb von 2500 m bis zu 80 cm Neuschnee. Am Ende dieses Monatsberichts zeigen wir die Möglichkeiten und Grenzen der klimatologischen Einordnung dieses Ereignisses auf.
Wie das Wetter über den ganzen September gesehen klimatologisch einzuordnen war, zeigt der Bericht der MeteoSchweiz: Die Septembermonate werden immer wärmer, allerdings deutlich weniger stark als alle anderen Monate.
In der Nacht auf Dienstag gab es im Norden noch etwas Niederschlag, oberhalb von 2500 m als Schnee, wobei es bei wenigen Zentimetern blieb. Der Nordwind liess nach. Tagsüber war es dann trocken und im Westen und Süden recht sonnig. In der Nacht auf den Mittwoch gab es Schauer im Tessin und vom Bergell bis in die Bernina, wobei 5 bis 15 mm Niederschlag fielen. Die Schneefallgrenze lag bei 2400 bis 2700 m. Tagsüber gab es eine Mischung aus Sonne und Wolken und schwachen Schauern im Tagesverlauf.
Es herrschte Hochdruckwetter mit kühlen Nächten, sommerlichen Tagen und wenigen Quellwolken.
Eine Kaltfront brachte vor allem im Norden und Osten etwas Niederschlag. Die Schneefallgrenze sank am Sonntag auf 3000 m, am Montag vorübergehend auf 2500 m. Im Hochgebirge fielen am zentralen und östlichen Alpennordhang, in Graubünden und im östlichen Tessin 5 bis 10 cm, in der Bernina bis 20 cm Schnee. Am Montag war es tagsüber im Westen recht sonnig, in den Voralpen, im Tessin und in Graubünden noch trüb.
Zur Monatsmitte gab es viel Sonne und mit einer Nullgradgrenze meist zwischen 4000 und 5000 m sommerlich milde Temperaturen.
In der Folge war es nicht mehr ganz so sonnig. Am Dienstag war es vor allem im Süden bedeckt, allerdings fiel nur wenig Niederschlag. Am Mittwoch war es dann im Norden und Osten meist bewölkt und es fielen bis 10 mm Niederschlag. Die Schneefallgrenze lag auf 3000 m. Im Westen und Süden war es freundlicher. Am Donnerstag kam Föhn auf, im Nordosten gab es Aufhellungen und im Süden und Westen setzte Niederschlag ein, oberhalb von 3000 m als Schnee.
Es war überwiegend stark bewölkt und gab immer wieder Niederschlag, teils intensiv. Die Schneefallgrenze sank in der Nacht auf Freitag rasch von 2500 auf 1500 m, am Samstag sogar gegen 1200 m. Der Wind blies aus Nordwest bis West, in der Höhe verbreitet stark bis stürmisch, ganz im Westen mässig bis stark. Am zentralen Alpensüdhang setzte starker Nordwind ein und am Samstag gab es Aufhellungen. In der Nacht auf Sonntag endete der Schneefall. Bis am Sonntagmorgen fielen gebietsweise bis 80 cm Neuschnee (vgl. Abbildung 3).
Nach dem Ende der Niederschläge war es am Sonntag tagsüber trocken, im Osten und Süden meist sonnig, im Westen vorwiegend bedeckt. Am Montag schien ausser in Nordbünden und im Unterengadin oft die Sonne. Der Dienstag war dann mehrheitlich trüb, nur im Süden war es sonnig. Am Alpennordhang fielen 5 bis 15 mm Niederschlag, wobei die Schneefallgrenze auf 2000 bis 2200 m anstieg. Der letzte Septembertag, der Mittwoch, zeigte sich dann nochmals von seiner sonnigen Seite. Die Nullgradgrenze stieg gegen 3500 m.
Mit den milden Temperaturen verschwand der Schnee, welcher Ende August und Anfang September im Hochgebirgen fiel, während der Monatsmitte wieder weitgehend. Nur auf Gletschern oberhalb von etwa 3200 m lag noch Schnee.
Der Wintereinbruch zum Monatsende war dann markant: Vor allem auf der Alpennordseite fiel Neuschnee bis fast 1000 m hinunter.
Daten vom Weissfluhjoch (GR, 2536 m) und den IMIS-Stationen zeigen, dass solche September-Schneefälle mit Neuschneemengen von mehr als 20 cm auf über 2000 m ca. alle 5 Jahre vorkommen. Unterhalb 1800 m sind September-Schneefälle von über 20 cm auf jeden Fall ein seltenes Ereignis. In den letzten 30 Jahren haben das nur gerade die Stationen Davos (GR, 1560 m) und Montana (VS, 1590 m) erlebt. Genauere Zahlen dazu sind aber mit grossen Unsicherheiten behaftet. Warum?
Dank dem öffentlichen und wissenschaftlichen Interesse an solchen Schneefällen haben wir heute einen guten Überblick wann, wo, wieviel Schnee in den letzten Septembertagen 2020 gefallen ist. So wurde der vergangene Schneefall dank Aufruf an die Beobachter und deren Einsatz von über 50 Stationen aufgezeichnet. Dies war aber nicht immer so, weil z.B. die SLF-Stationen normalerweise erst ab November kontinuierliche Messungen liefern und keine klare Anweisung vorlag solche Schneefälle aufzuzeichnen. Im Gegensatz dazu hatten die MeteoSchweiz-Stationen schon immer den Auftrag Schnee an 365 Tagen im Jahr zu messen. Nur haben leider auch die wenigen langjährigen MeteoSchweiz-Stationen oberhalb 1500 m teilweise grössere Lücken in den Schneemessungen während der Randmonate. Darum sind auch September-Schneerekorde, wie der aktuell in den Medien gemeldete von Montana (Messbeginn 1931), immer mit Vorsicht zu betrachten, weil die Messreihe lückenhaft ist und von 12 Jahren gar keine September-Daten vorhanden sind. Die vorhandenen Aufzeichnungen von September-Schneefällen aller MeteoSchweiz-Stationen zeigen allerdings klar, dass grössere September Schneefälle unterhalb 1800 m früher häufiger vorgekommen sind als in den letzten 30 Jahren. Der extremste bekannte September-Schneefall seit Beginn regelmässiger Aufzeichnungen ereignete sich am 28./29. September 1885. Damals wurden sogar in Zürich 9 cm Neuschnee verzeichnet, in Elm (GL), Guttannen (BE) und Wildhaus (SG, alle auf rund 1000 m) waren es sogar 65, 58 und 55 cm.
Die Lawinenaktivität verbunden mit dem Schneefall zum Monatsende beschränkte sich hauptsächlich auf Gleitschneelawinen in Lagen zwischen etwa 1800 und 2600 m (vgl. Abbildung 5). Trockene Lawinen wurden keine gemeldet, wobei während des Schneefalls auch kaum Leute im Hochgebirge unterwegs gewesen sein dürften.
Der Wintereinbruch Ende September wurde mit drei situationsbezogene Lawinenbulletins beschrieben (am 24., 26. und 28.09.).
Am Sonntag, 27.09. wurde eine Wanderin im Alpsteingebiet (AI, Südosthang, ca. 1650 m) von einer kleinen Lawine erfasst und ganz verschüttet. Sie konnte durch Sondieren geortet und leicht unterkühlt geborgen werden.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.