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In seinem Blog, der früher unter anderem auch zur Werbung für "christliche" Politik diente, versucht ein Blogger auf Johannes 20:28 eine Beweisführung aufzubauen, welche seiner Behauptung zu dieser Frage entspricht.
Von der Politik scheint er sich mittlerweile distanziert zu haben, doch die Art und Weise der Argumentation des ehemaligen Anhängers einer "bibeltreuen" Partei, ähnelt immer noch derjenigen in der Welt der Politik. (Zur Politik siehe: Über (christliche) Feste und Riten / Behauptungen)
Ist Jesus auch dein Gott?
Als Erstes zitiert er Johannes 20:24-31 aus der NWÜ, wogegen ich nichts einzuwenden habe, also schliesse ich mich dem an.
NWÜ, Johannes 20:24-31
24 Thomas aber, einer von den Zwölfen, der „Der Zwilling“ genannt wurde, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Infolgedessen sagten die anderen Jünger zu ihm: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Er aber sprach zu ihnen: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Spur der Nägel sehe und meinen Finger in die Spur der Nägel lege und meine Hand in seine Seite lege, will ich es bestimmt nicht glauben.“
26 Nun, acht Tage später befanden sich seine Jünger wieder drinnen und Thomas mit ihnen. Jesus kam, obwohl die Türen verschlossen waren, und er trat in ihre Mitte und sprach: „Friede sei mit euch!“ 27 Darauf sagte er zu Thomas: „Reich deinen Finger her, und sieh meine Hände, und nimm deine Hand, und leg sie in meine Seite, und sei nicht länger ungläubig, sondern werde gläubig.“ 28 Als Antwort sagte Thomas zu ihm: „Mein Herr und mein Gott!“ 29 Jesus sprach zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt? Glücklich sind die, die nicht sehen und doch glauben.“
30 Allerdings tat Jesus auch vor den Jüngern viele andere Zeichen, die nicht in dieser Buchrolle niedergeschrieben sind. 31Diese aber sind niedergeschrieben worden, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, durch seinen Namen Leben habt.
Zitat dieses Herrn:
Die Brisanz dieses Abschnitts ist enorm. An den Worten des Thomas (“Mein Herr und mein Gott”) sind mehrere Punkte wichtig:
Ausruf des Erstaunens oder Bekenntnis des Glaubens?
Zunächst müssen wir klären, an wen die Worte des Thomas gerichtet sind.
Manche Leute meinen, die Worte des Thomas seien Worte des Erstaunens gewesen, etwa wie in “O mein Gott, Du lebst”. Das wäre natürlich ein einfacher Weg, sich der Brisanz dieser Verse zu entziehen.
Dann folgen einige Mutmassungen von nichtiger Relevanz (wer könnte was glauben, wie wichtig wären diese Personen usw.). Seine darauf folgende Argumentation zur Frage, an wen diese Worte des Thomas gerichtet sind, lässt bereits ein bestimmtes Muster erkennen, hinter welchem der Bibelkontext nicht steht. Die Schlussfolgerung, welche er dann zieht, bildet das Kernstück seiner Argumentation.
Thomas spricht die Worte “Mein Herr und mein Gott” zu Jesus. Auch dies steht ausdrücklich im Text: “Als Antwort sagte Thomas zu ihm”. Thomas bringt hier nicht einen Ausdruck des Erstaunens hervor, wie z.B. “O Gott, Du lebst”. In diesem Fall müßte im Text etwas anderes stehen, wie z.B. “Thomas rief aus”. Stattdessen steht ausdrücklich im Text “Als Antwort sagte Thomas zu ihm“.
“ein Gott” oder “mein Gott”
Lässt sich daraus nun schlussfolgern, dass Jesus der allmächtige Gott ist?
Ist die Brisanz dieses Abschnitts enorm genug, um den ganzen Rest der Bibel ausser Kraft zu setzen?
Zunächst einmal sollte man sich fragen, ob der ganze Inhalt einer Antwort diese Person beschreiben muss, an welche die Antwort gerichtet ist. Ein vergleichbares Beispiel zeigt unmissverständlich, dass dem nicht so ist:
Eine Mutter sagte zu ihrem Sohn: „Hör auf zu glauben es gäbe niemanden der dich liebt, erkenne endlich wer dich liebt.“
Als Antwort sagte der Sohn zu ihr: „Mein Vater und meine Mutter.“
Vom sprachlichen Sachverhalt her kann hier also eindeutig nicht gesagt werden, beide in der Antwort des Thomas enthaltenen Titel müssten unseren Herrn Jesus Christus beschreiben.
Was sagt der Bibelkontext dazu? Was meint Jesus selbst dazu?
(Siehe unter: Dreieinigkeit – Jesus ist Gott? /Schriftstellen / Scheinbar dafür durch falsche Auslegung /Johannes 20:28)
Die Bedeutung dieser besonnenen Worte, die Jesus in seiner Vollkommenheit sprach (Johannes 17:3 / 20:17), entspricht zweifelsohne nicht der weit verbreiteten Interpretation der Worte des Thomas aus Johannes 20:28.
Ist es vernünftig anzunehmen, Thomas hätte einen anderen Gott als denjenigen, von dem unser Herr Jesus Christus unmissverständlich bestätigt, dass dieser sowohl sein Gott wie auch der unsere ist?
Der Blogger argumentiert weiter:
Thomas bezeichnet Jesus ausdrücklich als “seinen Gott”. Man mag über das Gottesbild der Zeugen Jehovas (Jehova ist “der Gott”, Jesus nur “ein Gott”) unterschiedlicher Auffassung sein. (Ich teile diese Ansicht nicht, davon an anderer Stelle mehr.) Aber hier wird vergessen, daß Thomas hier Jesus ausdrücklich zu seinem Gott erklärt. Übrigens verwendet Johannes hier auch noch den bestimmten Artikel. Und dies ist den Autoren der Literatur der Zeugen Jehovas auch bekannt. Wörtlich steht im Griechischen “ho kyrios mou kai ho theos mou”, und dies heißt laut “Einsichten” (Band 1, Seite 1336, Stichwort “Jesus Christus”) Der Herr meines und der Gott (ho Theos) meines“. Allein schon dieser Vers Joh 20:28 zeigt somit, daß die Auslegung der Zeugen Jehovas zu Joh 1:1 unsauber ist. Thomas hat Jesus hier also nicht einfach nur als “einen Gott” bezeichnet. Nein, Jesus ist für Thomas ”der mein Gott”
Mit dieser Konstruktion will er suggerieren, dass der Sohn „DER GOTT“ sei.
Die Argumentation dieses Bloggers macht deutlich, wie wichtig es ist, sich mit dem Kontext der Schrift vertraut zu machen, welcher auch in diesem Fall den richtigen Weg weist.
Der Gedanke drängt sich förmlich auf, dieser Blogger baue absichtlich darauf, dass seine Leser davon keine Kenntnis haben und auch zu wenig von Grammatik verstehen, um seine List durchschauen zu können. Oder aber er verfügt schlicht und ergreifend selbst nicht über dieses Wissen.
Jedenfalls möchte er es so hinstellen, als stünden Artikel (ho/der) zusammen mit Substantiv (theos/Gott) in jedem Fall für den allein wahren Gott.
Die Aussage des Thomas besteht aber aus Artikel (der), Substantiv (Gott) und Pronomen (meines). Der bestimmte Artikel (der) spielt in diesem Fall nicht dieselbe Rolle, wie wenn er sich alleine auf das Substantiv beziehen würde. Korrekt ins Deutsche übersetzt, wird er hier weggelassen (mein Gott).
„Das Griechische ist mit, das Deutsche ohne Artikel: 1. In Verbindung mit Pronomina...“ (Heinrich von Siebental, Griechische Grammatik zum Neuen Testament, S.183)
Ob „ho theos / der Gott“ für den allein wahren, allmächtigen Gott steht oder nicht, zeigt sich erst bei Betrachtung der vollständigen Aussage des jeweiligen Abschnitts.
Folgendes Beispiel zeigt deutlich, dass „der Gott“ nicht generell für den „Allmächtigen“ oder „allein wahren Gott“ steht, der Zusammenhang zeigt, von wem jeweils die Rede ist. Sehen wir doch, was uns die Bibel in 2. Korinther 4:4 sagt.
LB, 2. Korinther 4:3-5
3 Ist nun aber unser Evangelium verdeckt, so ist's denen verdeckt, die verloren werden, 4 den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. 5 Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen.
WH, Interlinear Translation, 2. Corinthians 4:4
en hois ho theos tou aionos toutou etuphlosen ta
IN WHICH ONES THE GOD OF THE AGE THIS BLINDED THE
noeemata ton apiston eis to mee augasai
MENTAL POWERS OF THE UNBELIEVERS INTO THE NOT TO BEAM FORTH
ton photismon tou euaggeliou tees doxees tou christou hos
THE LIGHTING OF THE GOOD NEWS OF THE GLORY OF THE CHRIST, WHO
estin eikon tou theou
IS IMAGE OF THE GOD.
Mit Sicherheit würde es diesem Herrn schwer fallen, jemanden zu finden der nicht bestätigen würde, dass sich „ho theos“ in 2. Korinther 4:4 auf Satan, den Herrscher dieser Welt, bezieht.
GNB, 2.Korinther 4:4 Der Satan, der Herrscher dieser Welt, hat sie mit Blindheit geschlagen, sodass sie der Guten Nachricht nicht glauben. Und so können sie auch deren hellen Glanz nicht sehen – den Glanz, in dem Christus aufleuchtet, der das Bild Gottes ist.
Ein gutes Beispiel dafür, dass Grammatikspiele niemals den Kontext der Bibel antasten können. Die Heilige Schrift bestätigt sich auf eindrückliche Weise immer wieder selbst.
Zum Thema Grammatikspiele sollte an dieser Stelle noch die sogenannte „Regel des Granville Sharp“ erwähnt werden. Eine angebliche "Grammatikregel" von einem Trinitarier, erfunden für Trinitarier und von denselben gerne auf 2.Thessalonicher 1:12 angewandt und mit besonderer Vorliebe auf Titus 2:13 und 2.Petrus 1:1.
Doch welchen Einfluss hätte diese Regel, würde sie in Bezug auf Johannes 20:28 angewandt? (Siehe hierzu: Dreieinigkeit – Jesus ist Gott? / Schriftstellen / Scheinbar dafür durch tendenziöse Übersetzung / 2.Thessalonicher 1:12 / Titus 2:13 / 2.Petrus 1:1)
Aber kommen wir nun wieder zurück zur Theorie unseres Bloggers bezüglich Johannes 20:28. Sehen wir uns an, welche Schlussfolgerungen dieser Herr sonst noch zieht.
Was folgt aus Joh 20:28?
Nachdem aus Joh 1:1 folgt, daß neben dem Vater auch Jesus selbst Gott ist, folgt aus Joh 20:28 sogar auch noch, daß ich Jesus als meinen Gott bezeichnen kann. Mehr noch: Jesus hat diesen Glauben des Thomas gelobt und als Vorbild hingestellt und uns damit klargestellt, daß auch wir das tun sollen. Er fordert damit auch Dich (egal ob Zeuge Jehovas oder nicht-Zeuge Jehovas) auf, es Thomas gleichzutun und Jesus als deinen Herrn und deinen Gott anzuerkennen. Ich hoffe und bete, daß auch Du dies erkennst.
(Auf Johannes 1:1 gehe ich ein unter: Dreieinigkeit – Jesus ist Gott? / Was Befürworter sagen)
Was folgt aus Joh. 20:28 wirklich?
(Siehe unter: Dreieinigkeit – Jesus ist Gott? /Schriftstellen / Scheinbar dafür durch falsche Auslegung / Johannes 20:28)
Wo dieser Herr erkennen will, dass Jesus den Glauben des Thomas gelobt und ihn sogar als Vorbild hingestellt haben soll, ist mir ein Rätsel.
Betrachten wir doch den Vers 29 noch einmal explizit:
SB, Johannes 20:29 Jesus spricht zu ihm: Thomas, du glaubst, weil du mich gesehen hast; glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Das Gegenteil ist der Fall. Jesus erteilt Thomas eine Lektion in Sachen Glauben; sein Lob gilt jenen, die nicht sehen und doch glauben.
Dass er nun auch noch für jene beten will, die seinen Irrtum nicht teilen wollen, ist so vermessen wie unangebracht.