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Emma Herwegh war eine unerschrockene Republikanerin. Im April 1848 erlebte sie das Scheitern der badischen Revolution.
Im Frühling des Jahres 1848 war halb Europa in Aufruhr. In Paris war am 24. Februar der «Bürgerkönig» Louis-Philippe gestürzt und die Republik ausgerufen worden. In Frankfurt trafen sich Ende März Abgesandte aus den verschiedenen deutschen Fürsten- und Königstümern, um die Einberufung einer Nationalversammlung vorzubereiten.
«Schilderhebung» in Südwestdeutschland
Entschiedenen Republikanern wie Friedrich Hecker (1811–1881) aus dem Grossherzogtum Baden ging das zu langsam. Sie beschlossen, die freie Republik mit einer «Schilderhebung» des Volkes zu erkämpfen. Am 12. April marschierten sie von Konstanz Richtung Karlsruhe los. Dabei erhofften sie sich kräftigen Zustrom aus den Dörfern, durch die sie ihr Weg führte.
In Paris hatte der Sturz von Louis-Philippe auch die revolutionäre Begeisterung vieler dort weilender deutscher Handwerker geweckt. Sie gründeten im März kurzentschlossen die Deutsche Demokratische Legion. Ihr Ziel: die Revolution in den Südwesten Deutschlands zu tragen. Zu ihrem politischen Sprecher wählten sie den Dichter und Publizisten Georg Herwegh (1817–1875). Dieser hatte mit seinen 1841 erschienenen «Gedichten eines Lebendigen» bei der radikalen Jugend Furore gemacht.
Emma Herwegh reist zu Hecker
Mitte April traf die Deutsche Demokratische Legion in Strassburg ein, rund 1000 Mann an Zahl, von denen allerdings nur rund die Hälfte über Gewehre verfügte. Von Strassburg aus wollte man über den Rhein und die Kräfte mit jenen Heckers verbinden.
Emma Herwegh in jungen Jahren. (Bild: Dichter- und Stadtmuseum Liestal)
Um den Kontakt herzustellen, reiste Herweghs Ehefrau Emma (1817–1904), die den Freischarenzug begleitete, zweimal unerkannt nach Deutschland, wo sie mit Hecker zusammentraf. Hecker zeigte sich zurückhaltend. Denn der Deutschen Demokratischen Legion eilte das – unzutreffende – Gerücht voraus, sie sei ein Haufen brandschatzender und mordender Polen. Schliesslich kam man überein, dass die Vereinigung am 22. April bei Banzenheim stattfinden sollte. So weit kam es nicht mehr.
Beide Freischarenzüge enden im Fiasko
Sowohl der Hecker- wie der Herwegh-Freischarenzug wurden ein Fiasko. Heckers Hauptharst wurde am 20. April bei Kandern nach einem kurzen Gefecht mit regulären Truppen auseinandergejagt. Die Deutsche Demokratische Legion erlitt am 27. April bei Dossenbach das gleiche Schicksal. Zuvor waren die «Legionäre» mehrere Tage durch den Schwarzwald geirrt, wo zum Teil noch immer Schnee lag.
Emma und Georg Herwegh gelangten schliesslich auf abenteuerlichen Wegen in die Schweiz. Dass die unerschrockene Emma in den Apriltagen 1848 ihre Pistolen zog, ist unwahrscheinlich. Denn Kämpfen galt damals auch bei Republikanern als Männersache.
Quellen
– Barbara Rettenmund, Jeannette Voirol: Emma Herwegh – die grösste und beste Heldin der Liebe. Zürich 2000.
– Emma Herweghs Bericht über den Zug der Deutschen Demokratischen Legion: Zur Geschichte der deutschen demokratischen Legion aus Paris. Von einer Hochverräterin. Grünberg 1849. Ganzer Text zum Blättern auf Archive. org
– Hartmut Hermanns: Auf den Spuren von Georg Herwegh. Ein historischer Wanderführer durch den Südschwarzwald. 4. Auflage 2014. Detailinfos. ISBN 978-3-9812648-8-3
– Der Grossteil des literarischen Nachlasses von Emma und Georg Herwegh, namentlich Emma Herweghs Tagebücher, befindet sich im Dichter- und Stadtmuseum Liestal.