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Geschichte
Wittenberg im 15. und 16. Jahrhundert
In dem vorliegenden Sammelband sind 21 Beiträge vereint, die sich mit den Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen der Einwohner und dem Erscheinungsbild der Stadt Wittenberg im 15. und 16. Jahrhundert befassen.
Den Beginn macht ein Beitrag von Enno Bünz, der anhand der Aufzeichnungen Hans Herzheimers herausarbeitet, was dieser als Reisender im Jahre 1519 von der Stadt Wittenberg wahrgenommen hat (und was eben auch nicht). Robert Mund widmet sich dem ältesten Wittenberger Stadtbuch als überkommenem Teil der städtischen Verwaltung im Spätmittelalter, bevor Insa Christiane Hennen in einer sehr detailreichen Studie aufgrund der Bewohner einer großen Anzahl von Hausstellen die Auswirkungen der Reformation und die allgemeine Stadtentwicklung im Hinblick auf "Einwohner und Nachbarschaften" untersucht. Es schließt eine aufschlussreiche Untersuchung von Vicky Rothe über das Wittenberger Buchgewerbe und den Buchhandel im 16. Jahrhundert an, der eine Untersuchung der baulichen Struktur und Nutzung der Kelleranlagen Wittenbergs vom 13. bis 18. Jahrhundert von Antonia Brauchle folgt.
Ralf Kluttig-Altmann stellt in zwei Beiträgen Ofenstrukturen und ihre Begleitfunde als Belege für feuergefährliches Handwerk in der Stadt sowie die Befunde zur Nutzung von Ziegeln vor, Elgin von Gaisberg arbeitet die bauhistorische Entwicklung von Stadtkirche und Kirchhofensemble heraus, worauf ein Beitrag von Jens Birnbaum und Peter Krämer zur Konstruktionsgeschichte des Kirchendaches anschließt. Die nächsten beiden Aufsätze von Antje J. Gornig und Insa Christiane Hennen sind dem Wittenberger Schulwesen vor der Reformation bzw. dem Wittenberger Schulbau der Jahre 1564 bis 1567 gewidmet, und Katja Pürschel wirft einen Blick über die Stadt Wittenberg hinaus auf die Kirche zu Klöden. Nach einem Beitrag von Armin Kohnle über die Wittenberger Theologische Fakultät in der Reformationszeit und Ulrike Ludwig zu den Bewohnern der Wittenberger Kollegien folgt eine Abhandlung der Baugeschichte des Collegium Augusteum während der Universitätsnutzung von Isabelle Frase. Christian Speer zeigt am Beispiel von Georg Rörer exemplarisch die Möglichkeiten und Grenzen der Stadtbuchforschung auf, worauf zwei Beiträge von Thomas Lang zu Baulichkeiten und Nutzung des Wittenberger Schlosses im 15. Jahrhundert folgen, die durch einen Beitrag von Anke Neugebauer über die Nutzung und Ausstattung der fürstlichen Räume abgerundet werden. Den Band beschließen ein Beitrag von Leonhard Helten und Anke Neugebauer zum Kleinen Chor der Wittenberger Schlosskirche sowie von Beate Böckem über den Kunsttransfer am Hof Friedrichs des Weisen.
Der zweite Teilband bietet auf 176 Seiten die Farbabbildungen der Publikation.
Bei einer solchen Vielzahl an Beiträgen scheint es willkürlich, einen oder mehrere Aufsätze heraussuchen und bewerten zu wollen. Vielmehr ist es die Gesamtheit der Beiträge, die auf eindrückliche Weise zeigt, wie interdisziplinäre Forschung ein zugleich faszinierendes und lehrreiches Bild einer Stadt im 15. und 16. Jahrhundert erschaffen kann. Eine solch facettenreiche Vielzahl an Zugangsweisen und Aspekten zum ernestinischen Wittenberg, wie sie in diesem Band vorgelegt werden, kann nur in den höchsten Tönen gelobt werden - und lässt die Lücken anderenorts nur umso schmerzlicher deutlich werden.
Der vorliegende Band sollte daher nicht nur von Lesern rezipiert werden, die sich dezidiert für Wittenberg interessieren oder zu diesem Ort forschen, sondern bietet auch weit darüber hinaus spannende Erkenntnisse. Dass der Band selber, und insbesondere der Bildband, den gewohnt hohen Anspruch des Verlages widerspiegeln, und daher auch ein angenehmes Lesegefühl vermitteln, sei nur am Rande erwähnt.