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Ollon
(Kt. Waadt,
Bez.
Aigle). Kirche in 482 m. Gem. und Pfarrdorf, im
Rhonethal rechts vom Fluss; 5,5 km n.
Bex und 3,5 km sö.
Aigle. Station
Ollon-Saint Triphon der Simplonbahn und der elektrischen Strassenbahn
Aigle-Ollon-Monthey. Postbureau, Telegraph,
Telephon; Postwagen
Aigle-Villars.
Strassen nach
Aigle,
Bex,
Panex-Plambuit,
Huémoz,
Chesières,
Villars,
Gryon. Grosse
Jahrmärkte. 115 ha grosser
Rebberg mit geschätztem Ertrag; rund um das Dorf prachtvolle Baumgärten.
Fremdenindustrie. Oelmühle. Elektrisches Licht. Schiess-,
Turn-, Gesang-, Musikvereine, gemeinnützige Gesellschaft und Armenverein.
Dieses schöne Dorf, eines der ältesten der Gegend, war lange Zeit die bedeutendste Ortschaft im Bezirk
Aigle. Da das Trinkwasser
seiner Härte wegen zum Kochen (namentlich von Gemüsen) ungeeignet war, kaufte die Gemeinde 1904 die
am N.-Fuss des
Chamossaire entspringenden mächtigen Quellen von
Le Pontet an, die jetzt
Ollon und einige benachbarte
Weiler
mit vorzüglichem
Wasser versorgen.
Ollon ist mit einer Fläche von 5883 ha eine der ausgedehntesten Gemeinden des Kantons
und umfasst in der Ebene den Gemeinde- und Kreishauptort
Ollon nebst den Weilern
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forlaufend
Saint Triphon, La Tuilerie de Saint Triphon (Bahnstation) und Villy, am Berghang Vers Chiez, Plan d'Essert, Panex, Plambuit, Essergillod, La Pousaz, Glutières, Antagnes, Salaz, Les Fontaines, Forchex, Auliens, Pallueyres, Les Moulins, Combes Dessous, Combes Dessus, Huémoz, Chesières, Villars und Arveyes. Diese Weiler bilden zusammen die sog. Montagnes d'Ollon, unter welcher Bezeichnung man den ganzen bergigen Abschnitt der Gemeinde einschliesslich der Gemeinde- und privaten Weiden versteht.
Die grössten dieser Pâturages sind die von Ensex (80 Hütten), von La Croix, Coufin, Rembloz und Charmey (alle an den Hängen der Kette Le Meilleret-Le Chamossaire), die Alpweiden von Bretaye und Conche n. von diesem Kamm und endlich der Commun de la Saussaz und Les Tailles über Chesières. Gemeinde: 639 Häuser, 3428 Ew. (wovon 282 Katholiken);
Dorf: 190 Häuser, 1205 Ew.
Kirchgemeinden
Ollon und Huémoz und freikirchliche Pfarrei
Ollon.
Hauptbeschäftigung der Bewohner ist die Landwirtschaft.
In der Rhoneebene herrschen Acker-, Wiesen- und Obstbau, am Fuss und an den tiefern Gehängen der Bergflanke
gedeiht dank der geschützten Lage und der starken Insolation ein vorzüglicher Wein, über den Rebbergen stehen grosse Kastanienwaldungen,
die schönsten des Kantons, und üppige Mischwälder (Fichte, Lärche, Weisstanne, Buche), deren Bewirtschaftung eine der Erwerbsquellen
der Bewohner von
Ollon bildet. An den Hängen von Les Tombeys und Antagnes findet der Botaniker mehrere
charakteristische Typen der Walliser Felsenheide, wie die blassgelbe Lotwurz (Onosma vaudense), Astragalus monspessulanus,
Scorzonera austriaca, Viola Steveni, Diplachne serotina und ferner das insubrische (dem Wallis
fehlende) Bartgras (Andropogon gryllus).
Diese sonnigen und trockenen Gehänge beleben zwei Arten von Grillen, die Gottesanbeterin (Mantis religiosa) und einige südwestliche, Wallis mit Piemont und dem Dauphiné verbindende Falter. Gipsbrüche bei Villy, Lehmgruben und Marmorbrüche in Saint Triphon. Blühende Fremdenindustrie. Villars und Chesières sind heute Sommerfrischen ersten Ranges, deren Vorzüge und Schönheiten schon seit 1840 eine kleine Gemeinde von Bergfreunden erfreuten und seit etwa 1854 auch den grossen Fremdenstrom anzuziehen begannen.
Heute ist dieses Hochplateau durch eine elektrische Bahn über Arveyes und Gryon mit Bex verbunden. Daneben beginnen auch Huémoz,
Plambuit, Panex und Auliens die Liebhaber schöner landschaftlicher Szenerien und einer üppigen Vegetation anzuziehen. Das
in eine von den bewaldeten Höhen von La Glaivaz im N. und Confrêne im O. umrahmte Thalbucht gebettete
Dorf
Ollon ist von einem ganzen Wald von Obstbäumen umgeben, gegen den Wind geschützt und voll zur Sonne exponiert (wärmster
Ort des Kantons) und gewährt eine prachtvolle Aussicht auf das Thal und die gegenüberstehenden Berge.
Pfarrkirche zu St. Viktor, 1446 erbaut und 1496 durch ein Chor vergrössert; der Glockenturm datiert
aus 1828 und enthält eine aus 1413 stammende Glocke, die zu Mittag geläutet wird. An der Aussenseite hat die Kirche die
Standbilder von St. Martin und St. Theodul, während im Innern ein den Namen des Kaisers Licinianus Licinius († 325) tragender
römischer Meilenstein aufbewahrt wird. Hier predigte Farel die Reformation, die vom Ort 1528 angenommen
worden ist. Das Rathaus stammt aus 1772 und das Pfarrhaus annähernd
aus 1727. Wappengeschmückte Porten, deren eine z. B.
das Wappen des aus
Ollon stammenden und zur Zeit der Reformation nach Siders ausgewanderten Geschlechtes der de Chatonnay trägt.
Das Quartier La Tour erinnert an den Namen des mächtigsten der 15 mittelalterlichen Edelgeschlechter von
Ollon. Die 1476 eingeäscherte Burg La Roche d'
Ollon wurde wieder hergestellt und 1565 zu einem Privathaus umgewandelt.
Der Ort Aulonum wurde vom König Sigismund von Burgund zusammen mit dem ganzen pagus am obern Ende des Genfersees 516 der
Abtei Saint Maurice vergabt. Neben den durch einen Vitztum vertretenen Rechten der Abtei bestand noch die eigene Herrschaft
Saint Triphon. Die ältesten Vitztume von
Ollon gehörten dem Walliser Edelgeschlecht der La Tour an, die dieses Amt bis 1268 bekleideten; 1305 fiel
das Amt als Pfandschaft (gagerie) an die Abtei zurück, die es 1326 dem Grafen Eduard von Savoyen verkaufte
mit der Klausel, dass dessen Gerichtshoheit sich nur auf die Gotteshausleute und die Fremden erstrecken sollte.
Die Sache gestaltete sich nun so, dass neben den gräflichen und vitztümlichen Rechtshoheiten noch die des Abtes von Saint Maurice in der Pfarrei Ollon bestand, die vom Vitztum in erster Linie respektiert werden musste. Um die nicht ausbleibenden Streitigkeiten zu verhindern, vereinigte man für eine zeitlang alle Rechte in den Händen eines besonders zu diesem Zweck erwählten Vitztums. 1536 kaufte sich die Gemeinde Ollon um die Summe von 16500 Dukaten von der Abtei frei.
Das Lehen von La Roche d'Ollon bildete eine besondere Herrschaft, die aber unter Oberhoheit des Vitztums stand. 1345 verkauften die Herren von La Roche d'Ollon diese Gerichtsherrschaft mit den zu ihr gehörenden 82 Herdstätten (focages) an Mermet de Rovéréaz, dessen Familie sie lange Zeit verblieb. 1793 gehörten diese Rechte dem Geschlecht de Loës aus Aigle. Zur Zeit der Burgunderkriege wurden die Burgen von Ollon und Saint Triphon 1476 von den mit den Eidgenossen verbündeten Wallisern verbrannt. 1579 wütete in Ollon die Pest, die auch den damaligen Pfarrer Jean Sauge aus Payerne wegraffte.
Heimat des Kantonsrichters Cossy und seines als Arzt sehr bekannten Vetters Dr. Cossy. 516: Aulonum;
1157: Olonum;
1178: Oluns;
1252: Oulon. Ollon ist Hauptort eines einzig die Gemeinde Ollon umfassenden Kreises des Bezirkes Aigle.
Bis 1875 zerfiel die Gemeinde in 12 Zehnten (je 6 in der Ebene und im Bergland), deren jeder seine besondere Verwaltung hatte und seine Ausgaben mit dem Ertrag der Gemeindegüter, mit Steuern und Frohnen deckte. In der Ebene bildete das Dorf Ollon mit Umgebung vier, Saint Triphon einen und Antagnes mit den Weilern Villy, Fontaines und Salaz ebenfalls einen Zehnten; im Bergland lagen die Zehnten Forchex (mit La Pousax, Glutières, Pallueyres und Combes Dessous), Panex (mit Plambuit), Huémoz, Chesières, Villars und Arveyes.
Mit den Ormonts steht die Gemeinde Ollon über den Col d'Argnaulaz (1818 m), Col de Bretaye (1810 m), Col des Encrenaz (1938 m) und Col de la Croix (1735 m) in Verbindung, die alle die Gruppe des Chamossaire (2116 m) überschreiten. Der Chamossaire bildet das eigentliche Wahrzeichen von Ollon; höchster Gipfel der Gemeinde ist dagegen das Signal de Culant (2798 m). Die Gruppe des Chamossaire (s. diesen Art.) hat einen höchst verwickelten ¶
forlaufend
tektonischen Aufbau, an dem sich die Schichten des Jurasystems und der tertiäre Flysch beteiligen. Die Basis der Berge von Ollon besteht fast ganz aus Trias, d. h. Gips (Anhydrit) und dolomitischen Kalken (Rauhwacke). Die Reben von Ollon und Vers Chiez stehen zum weitaus grössten Teil auf Gipsboden, dem der Wein wahrscheinlich seinen ihn so beliebt machenden besonderen Geschmack (Erdgoût) verdankt. Zahlreiche Erdtrichter und Erdfälle (sog. puits perdus), in denen die Oberflächenwasser verschwinden.
Fund von Steinbeilen zwischen Ollon und Devens;
eine Giesserei aus der Bronzezeit bei Saint Triphon, Bronzegegenstände in Charpigny, Gräber aus der Bronzezeit (einige davon sog. Hockergräber) in Vers Chiez, Derrière la Roche und Charpigny, Einzelgrab in Ollon;
Gräber aus der Hallstattperiode in Charpigny, Antagnes, Fontaines, Saint Triphon und bei Villy;
Reste von Römerbauten mit verschiedenen Fundgegenständen (z. B. Henkelkrügen) in Antagnes, Villy und Saint Triphon, römische Inschriften in Saint Triphon und Ollon.
Eine karolingische Münze in Saint Triphon.