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Rhythmus
Musikalität der Sprache entsteht aus dem mehr oder minder gewaltvollen und gestalteten Konflikt zwischen der Silbenschwere (s. Metrum) und dem Sprachfluss im Vers selbst. So kann ein eigentlich schwerer Laut innerhalb eines Versmasses leichter gewichtet werden, sodass eine Spannung zwischen Laut und Sprachfluss entsteht. Dieses Spiel zwischen Metrum und Rhythmus ist insbesondere in der klassischen Metrik sehr fruchtbar und kann durchaus auch metaphorisch ausgenutzt werden (s. unten). Der Rhythmus kann innerhalb eines Verses durch bewusste Zäsuren betont oder verdeutlicht werden. (Im freien Vers, der selten auf ein Versmass zurück greift, wird der Rhythmus meist mittels des Zeilenfalls hergestellt.)
Beispiel: Im Vers ‹Zieh du mich hinein in das Strömen der Sprache›, auf Daktylen basierend, bleiben die ersten drei Silben ambivalent: jede der Silben kann einen Akzent tragen (am ehesten ‹Zieh› aufgrund des längenden Hs), erst das ‹hinein› aber trägt ganz klar einen Akzent auf der zweiten Silbe. Eine solche Ambivalenz kann vom Dichter bewusst aufgebaut und gestaltet werden; sie löst sich erst im Vortrag selbst. Im obigen Fall kann der Vortragende sogar so weit gehen, dass er die ersten drei Silben alle mit flacher Stimme intoniert und erst mit dem ‹hinein› eine erste Höhe erreicht; damit gelingt ihm eine laut-metaphorische Verdeutlichung der Bewegung des ‹(Hinein-) Ziehens›.