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Sulfur.
Schwefel.
S 32.
Der Schwefel besitzt in seinem gewöhnlichen Zustände eine blassgelbe Farbe, welche bei minus 50° verschwinden soll. Er ist hart, leicht zu pulvern, in reinem Zustände geruch- und geschmacklos; unlöslich in Wasser, sehr wenig löslich in absolutem Weingeist und Aether, leichter in Schwefelkohlenstoff, Chlorschwefel, Benzol, Steinkohlentheeröl, konzentrirter Essigsäure, ferner in ätherischen und fetten Oelen (Schwefelbalsam). Er schmilzt bei 111-115° zu einer dünnen, hellgelben Flüssigkeit, bei 160° wird er dickflüssiger und dunkelgelb, bei 240-260° sehr zäh und rothbraun. (Wenn man ihn in diesem Zustände durch Eintauchen in Wasser rasch abkühlt, so bleibt er mehrere Tage weich und lässt sich, da er später wieder hart und krystallinisch wird, zur Herstellung ganz vorzüglich scharfer Abdrücke benutzen.) Ueber 360° wird er wieder dünnflüssig und verwandelt sich bei 450°, nach Anderen bei 420°, in dunkelrothbraune Dämpfe, welche sich, rasch abgekühlt, als feines Schwefelpulver verdichten (Sulfur sublimatum). An der Luft entzündet er sich und verbrennt mit blauer Flamme zu schwefliger Säure.
Der Schwefel ist polymorph, d. h. er kann in verschiedenen Formen auftreten. Wird er in amorphem Zustände langsam abgekühlt, so krystallisirt er in braungelben, schiefen rhombischen Säulen, aus seinen Lösungen dagegen in blassgelben, octaedrischen Krystallen. Auch der natürlich vorkommende krystallisirte Schwefel und der sublimirte sind octaedrisch. Die verschiedenen Formen des Schwefels bedingen auch eine verschiedene Löslichkeit.
Er kommt in den Handel als Sulfur griseum, S. totum, S. sublimatum, S. lotum und S. praecipitatum. In der Natur findet er sich in grossen Massen, theils gediegen in mehr oder weniger reinem Zustände, theils verbunden mit Metallen (sog. Kiese oder Glanze, Eisenkies, Kupferkies, Bleiglanz etc.), theils verbunden mit Sauerstoff, als Schwefelsäure, in zahllosen Mineralien. Seine Gewinnung ist eine sehr verschiedene, je nach den Mineralien, welche dazu verwandt werden. Denn während früher nur der natürlich vorkommende Schwefel und die Schwefelkiese verarbeitet wurden, benutzt man jetzt eine grosse Menge schwefelhaltiger Abfallprodukte, wie sie bei den verschiedensten chemischen Operationen vorkommen, zur Wiedergewinnung des Schwefels.
1. Gewinnung aus natürlich vorkommendem Schwefel. Gediegener Schwefel findet sich vor Allem als vulkanisches Sublimat, theils an den Kratern verschiedener Vulkane, theils in Gängen und Spalten des vulkanischen Gesteins, namentlich auf Sicilien, welche Insel fast ganz Europa mit Schwefel versorgt; endlich in dünneren Schichten eingesprengt in Gyps, Thonmergel, auf Stein- und Braunkohlenflötzen, seltener im Schiefer.
Die Gewinnung des Schwefels ist sehr einfach, wenn es sich um mehr ¶
oder weniger reines Material handelt, wie solches auf Sicilien in Gesteinsgängen gebrochen wird. Hier schmilzt man den Schwefel in eisernen Kesseln, schöpft das mitgeführte Gestein aus und lässt den geschmolzenen Schwefel in steinerne Gefässe ablaufen. Nach dem Erkalten wird er in Stücke zerschlagen und als Rohschwefel an die Raffinerien gesandt. Handelt es sich um schwefelärmere Gesteine, so wird derselbe aus diesen entweder durch Destillation oder durch Aussaigern gewonnen.
Das Letztere geschieht aus thönernen, schräg nach unten gerichteten Röhren, welche an ihrer oberen Oeffnung mittelst einer Steinplatte geschlossen, an ihrer unteren mit einer siebartig durchlöcherten Thonplatte versehen sind; durch diese läuft der geschmolzene Schwefel in untergestellte Gefässe ab. Ganz arme Gesteine werden zuweilen, wie dieses z. B. in einem schwefelhaltigen Mergellager bei Krakau geschieht, mit Schwefelkohlenstoff extrahirt. Der Verlust an Letzteren soll hierbei nur ¼ bis ½ % betragen und der gewonnene Schwefel ist von vornherein absolut rein.
Der gewonnene Rohschwefel wird nun durch Destillation gereinigt und entweder als geschmolzener resp.
Stangenschwefel oder als Schwefelblumen hergestellt. Im ersteren Falle wird die Kammer, in welche die Schwefeldämpfe eingeleitet werden, nicht gekühlt, sondern auf einer Temperatur von über 115° erhalten. Der Schwefel verdichtet sich hierbei in flüssiger Form und sammelt sich am Boden der Kammer an, von wo er von Zeit zu Zeit durch eine Oeffnung abgelassen und in Stangen geformt wird. Sollen Schwefelblumen hergestellt werden, so wird die Verdichtungskammer kühl gehalten. Der Schwefel fällt nun in ungemein kleinen Partikelchen pulverförmig nieder und wird von Zeit zu Zeit durch eine zu diesem Zweck angebrachte Thür ausgeschaufelt. Der Retortenrückstand, welcher 10-20% des angewandten Rohschwefels beträgt und immer noch viel Schwefel enthält, wurde früher als «Sulfur griseum, grauer Schwefel» oder als «Sulfur
^[Abb: Fig. 188. a Flammenfeuer. b gusseiserner Cylinder. c Röhrenleitung. d Schornstein, k Kanal, welcher die Schwefeldämpfe in die gemauerte Kammer leitet. p Thür zum Herausnehmen der Schwefelblüthen. e Abflussöffnung für geschmolzenen Schwefel. m Schwefelreservoir. f Formapparat der Schwefelstangen.] ¶