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Einer der »Macher« des neuen Bolivien, Vizepräsident Álvaro García Linera, erklärt uns eines der weltweit interessantesten politischen Projekte der Gegenwart.
Die Neugestaltung von Staat und Gesellschaft in Bolivien
Neben der Rolle als Vizepräsident der Regierung von Evo Morales ist Álvaro García Linera einer der herausragenden Intellektuellen Boliviens und Protagonist einer neuen internationalen Linken. Die Auswahl einiger Schlüsseltexte lassen uns mitverfolgen, wie der Autor den Kampf der indigenen Bevölkerungsmehrheit mit einer Waffe unterstützt, deren Gebrauch er vorzüglich beherrscht: dem Wort. Die Regierung Morales/García Linera will Staat und Gesellschaft in Bolivien von Grund aufneu ordnen und die Lebensbedingungen der Bevölkerung nachhaltig verbessern.
García Linera zeigt, dass die Befreiung der Ausgegrenzten nur dann gelingen kann, wenn das Verständnis der sozialen Kräfte in Bolivien von den klassischen eurozentrischen Sichtweisen – liberalen wie marxistischen – »entkolonisiert« wird. Wir erfahren, wie die von der Politik Ausgeschlossenen ihre Stimme fanden, wie sich die sozialen Bewegungen formierten und sich von der Einvernahme durch orthodoxe marxistische Ideologien befreien konnten. Der Kernbegriff des politischen Projekts, der »Plurinacionalismo«, wird erörtert, ebenso die Hindernisse und Probleme bei der Erarbeitung der neuen Verfassung.
In einem Interview vom Januar 2011 geht García Linera zudem auf Fragen ein, die ihm Stephan Rist und Andreas Simmen zu seiner politischen Theorie, aber auch zur Aktualität Boliviens stellen.
Álvaro García Linera, geboren 1962 in Cochabamba, studierte zunächst Mathematik. In Bolivien schloss er sich den Roten Ayllus an, einer Gruppe von unorthodox marxistisch inspirierten indigenen Bauerngemeinschaften. Der linke Aktivist wurde 1992 verhaftet und verbrachte ohne Prozess und Richterspruch fünf Jahre im Gefängnis. Dort studierte er Soziologie. Bis er 2005 Vizepräsident der Regierung von Evo Morales wurde, war er Dozent für Soziologie, Politik und Kommunikationswissenschaften an verschiedenen Universitäten Boliviens. Zahlreiche Publikationen.
»Das soeben erschienene Buch von Álvaro García Linera ist aus mehreren Gründen bemerkenswert und allen zur Lektüre empfohlen, die sich für die ›Linkswende‹ in Lateinamerika und ihre Erklärung aus marxistischer Perspektive interessieren.«