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Historische Holzbibliothek im Sitterwerk
Kleine Büchlein aus Holz – Preziosen aus dem späten 18. Jahrhundert – sind derzeit in der Kunstbibliothek des Sitterwerks in St.Gallen ausgestellt. Gleich daneben liegen die Hölzer des Materialarchivs – zum Anfassen.
Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war in Europa eine Zeit der Krisen und des Umbruchs. Gleichzeitig stieg die Bevölkerungszahl an und die industrielle Produktion nahm ihren Anfang. Das benötigte viel Energie. Wälder wurden massiv abgeholzt. Da kam der Begriff der «Holznot» auf und gab den Anstoss zur damals neuen Disziplin der Waldwirtschaft. Die aber brauchte zuerst Inventare und einheitliche Bezeichnungen der Bäume und Sträucher.
Einer, der mithalf die Informationen zusammen zu tragen, war der Benediktinermönch Candid Huber aus Ebersberg in Bayern. Er stellte im Auftrag von Johann Sebastian Clais (1742–1809), einem einflussreichen Wirtschaftsmann seiner Zeit, aus den verschiedenen Baum- und Straucharten Muster in Bücherform her: Auf dem Buchrücken jeweils ein Stück Rinde des betreffenden Baumes, die Hölzer gehobelt oder nur gesägt. Im Innern der Bücher ein Winter- und ein Sommerzweig, Knospen, Blüten, Blätter, Frucht, Keimling und Wurzeln.
Die Holzbüchlein haben unterschiedliche Grössen, sie sind zwischen 10 und gut 23 Zentimeter hoch und bilden die damals gültige Holzklassierung ab, die sich an der Verwendbarkeit des Materials orientierte. Die kleinsten Büchlein stellte Candid Huber aus rankenden Sträuchern her, die grössten aus Bauholz. Die heute übliche Unterscheidung von Laub- oder Nadelholz wurde damals nicht berücksichtigt.
Diese Holzbibliothek hatte der aus Bayern stammende, später in Winterthur wohnende Johann Sebastian Clais als «Gabe der Dankbarkeit» für das Bürgerrecht 1795 der Stadt Winterthur geschenkt. 1813 gelangte die Sammlung in den Besitz der Familie Sulzer zu Aadorf, 1950 kam die Holzbibliothek ins Naturmuseum Winterthur.
Die St.Galler Ausstellung in der Kunstbibliothek des Sitterwerks löst die kleinen Holzbücher vom rein historischen Kontext. Die Ordnung des 18. Jahrhunderts wird mit der Funkchip-Technik von heute zusammengebracht: Neben den in Vitrinen gezeigten Preziosen liegt jeweils ein gleiches Holzstück des Materialarchivs – hier ist Anfassen erlaubt. Gestaltet wurde die Ausstellung von Annett Höland und Yves Schweizer.
- Mittwoch, 11. Februar, 18.30 Uhr: Mirko Baselgia, Bildender Künstler, «Die Königin des Pflanzenreiches»
- Mittwoch, 4. März, 18.30 Uhr: Ueli Vogt, Kurator Zeughaus Teufen, Gärtner, Architekt und Sammler, «Original und Imitat»
- Mittwoch, 18. März, 18.30 Uhr: Felice Crottogini, Forstingenieur beim Kantonsforstamt St.Gallen und zuständig für die forstliche Aus- und Weiterbildung im Kanton St.Gallen, «Herbarium – aktuelles Lerninstrument in der Forstwartausbildung»
Weitere Infos: sitterwerk.ch
Fotos: Katalin Deér