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Share International
Andere Namen: Transmissions-Gruppen, Tara-Center
Share International repräsentiert eine Weiterentwicklung der Theosophie Alice Baileys, welche die in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts weit verbreitete Sehnsucht nach einer friedlicheren und gerechteren Welt und einem einfacheren Lebensstil aufgreift und seit 1982 die Gegenwart eines Meisters verkündigt, welcher dabei ist, die Welt im genannten Sinne umzuformen.
Gründer und Leiter von Share International war der schottische Kunstmaler Benjamin Creme (sprich: kräm, 1922-2016). Creme interessierte sich schon in jungen Jahren für die Lehren von Wilhelm Reich und stiess später auf die Theosophie, wo ihn insbesondere deren Ausprägung durch Alice Bailey ansprach. Um 1957 wirkte Creme in einem Kreis mit, welcher Botschaften von Ufonen empfing, entdeckte dort eine eigene Befähigung zum Heilen, zog sich aber von Ufo-Lehren wieder zurück. Stattdessen will Creme Anfang 1959 auf telepathischem Wege Botschaften eines theosophischen Meisters empfangen haben. Für die folgenden dreizehn Jahre klafft in den Angaben zu Cremes Leben eine Lücke. 1972 trat der Meister wieder zu Creme in Kontakt und veranlasste diesen im März 1974, eine erste Transmissions-Gruppe zu gründen. In den Transmissionsgruppen werden, so die Vorstellung, positive Energien von den theosophischen Meistern auf die Erde übermittelt («transmittiert»). Im Juni meldete sich bei Creme neben seinem Meister, dessen Name Creme bisher nicht enthüllt hat, auch Maitreya. Der Begriff Maitreya bezeichnet in Spekulationen des Mahayana-Buddhismus den Buddha der Zukunft, der allerdings erst in Tausenden von Jahren zu erwarten wäre. Die Theosophie übernahm den Begriff als Namen für einen ihrer Meister, z.T. gilt er, so schon bei Bailey, als das «Haupt unserer planetaren Hierarchie», also als höchster auf unserem Planeten wirkender Meister. Dieser Maitreya wolle nun, so der Inhalt der Botschaften, die Creme empfing, nächstens wieder auf der Erde auftreten und ein neues Zeitalter einleiten.
Am 7.7.1977 war es soweit: Creme erfuhr, dass Maitreya nun wieder körperlich auf der Erde gegenwärtig sei. Er sei aus dem Himalaya, wo er sich durch Schaffung eines erwachsenen Körpers inkarniert habe, nach London gereist, wo er seither als ein Sprecher der pakistanischen Volksgruppe wirke und darauf warte, zu einem günstigen Zeitpunkt vor die Weltöffentlichkeit zu treten und sich zu erkennen zu geben (dieser Termin wurde als «Day of Declaration» bezeichnet). Creme selbst hat Maitreya nie zu Gesicht bekommen; Journalisten, die Cremes Angaben überprüfen wollten, gelang es nicht, Maitreya ausfindig zu machen.
Am 24. April 1982 wurde von Cremes Anhängerschaft in einer weltweiten Anzeigenkampagne das öffentliche Auftreten Maitreyas binnen zweier Monate angekündigt. Nach dem Nichteintreten dieser Ankündigung konzentrierte sich Creme auf zeitweilige Erscheinungen Maitreyas vor Einzelnen und Gruppen, wofür er Wunderberichte aller Art und Qualität heranzog.
Nach 1982 bereitete das Ausbleiben des «Day of Declaration» zunehmend Schwierigkeiten. Ausserdem steht Share International vor dem Problem, erklären zu müssen, warum sich die Welt trotz Wirksamkeit Maitreyas so gar nicht in der angekündigten Richtung entwickelt hat. Der Zuspruch zu Cremes Lehren scheint deshalb deutlich zurückhaltender geworden zu sein. Mancherorts haben sich lokale Gruppen aufgelöst oder stehen kurz vor ihrer Auflösung.
Ziel von Share International ist eine friedlichere, gerechtere und sozialere Welt, in welcher alle Menschen zum Leben genug haben. Der Weg dorthin führt über das Teilen («Share»), die Menschen, die im Wohlstand leben, sollen die überschüssigen Güter an diejenigen abgeben, die zum Leben zu wenig haben. Creme verstand sein Konzept während des Kalten Krieges als «dritten Weg» zwischen Kapitalismus und Kommunismus.
Benjamin Creme präsentierte eine Variante der Theosophie, welche im Vergleich mit anderen theosophischen und esoterischen Richtungen erstaunlich stark sozial und politisch engagiert ist.
Dieweil sie auf den «Day of Declaration» warten, sind die Anhänger von Share International gehalten, sich zu Transmissions-Gruppen zu treffen und darauf hinzuarbeiten, dass die Welt im Sinne Maitreyas umgestaltet wird.
In der Schweiz existiert eine Transmissionsgruppe in Zürich, die jeweils am Sonntag, welcher dem Vollmond nächstgelegenen ist, Transmissionsmeditationen im Zürcher Volkshaus anbietet. Zudem werden im Frühling ebenfalls im Volkshaus Frühlingsfeste angeboten: das Osterfest, das Wesakfest und das Christusfest.
In kritischer Sicht negativ auffällig ist bei Creme eine gewisse Neigung zu spirituellem Oberlehrertum: Creme bewertet in seinem Schrifttum und bei Vorträgen alle Traditionen und halbwegs bekannten Menschen nach Wahrheitsgehalt und Einweihungsgrad. Die in der Theosophie ohnehin angelegte Gefahr des Elitarismus begegnet hier in ausgeprägter Form.
Share International (englische und deutsche Ausgabe)
In der Schweiz existiert eine Transmissionsgruppe in Zürich.