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Winterkonzert 2023Sonntag, 22. Januar 2023, 17 Uhr Uhr, Kirche Blumenstein
MusikerDaniel Kobyliansky, Violine
Katrin Burger, Viola
Mirjana Reinhard, Cello
Yuka Oechslin, Klavier
Programm
- Modéré
- Sans vitesse et à l'aise
- Vite et nerveusement rythmé
- Moderato ma appassionato
- Andante molto semplice
- Allegro vigoroso
- Allegro
- Scherzo
- Andante
- Finale
Rebecca Clarkes 1921 komponiertes Trio für Violine, Cello und Klavier kann als ihr Meisterwerk bezeichnet werden. Ebenfalls für den Coolidge-Wettbewerb entstanden, belegte das Trio, wie bereits die Bratschensonate 1919, erneut den zweiten Platz. Beide ebengenannte Kammermusiken zählen zu ihren bedeutendsten Werken und werden in ihrem recht schmalen Oeuvre nur noch von wenigen Liedern und Instrumentalstücken ergänzt. Dies hatte vielfältige Gründe: Zunächst vor allem ihrer erfolgreichen Karriere als Bratschistin und Kammermusikpartnerin von grossen Interpreten wie Casals, Rubinstein, Thibaud, Heifetz, Schnabel und Szigeti zuliebe; vor allem aber resultierte ihre definitive Übersiedlung nach Amerika, die sie durch ein verweigertes Rückkehrvisum bei Kriegsausbruch 1939 zu einer Tätigkeit als Nanny zwang war, in einer Abnahme der kompositorischen Arbeit. Als sie anschliessend einem alten Freund aus dem Royal College, dem Pianisten James Friskin, wiederbegegnete und heiratete, verabschiedete sie sich, ihrer Rolle als verheiratete Frau zuliebe, endgültig von ihrer Karriere als Komponistin. Trotz des überschaubaren Umfangs ihrer kompositorischen Arbeit kann sie als eine der interessantesten und eigensinnigsten britischen Komponist:innen beschrieben werden. Clarkes konzentriertes Denken, ihren spitzen Humor und ihre gewinnende Energie sind die von Freunden und Bekannten beschriebenen charakteristischen Eigenschaften, die sich auch in ihrer Musik wiederfinden. In ihrer musikalischen Sprache vereint sie Einflüsse vom Impressionismus mit volksmusikalischen Elementen aus England, leidenschaftlicher Lyrik und einem expressiven Einsatz von Dissonanzen. Dabei zeigt das Klaviertrio ihre „hoch entwickelte, kunstvolle Rhythmik und ihre Fähigkeit, aus den kleinsten melodischen Fragmenten die längsten und ausdrucksstärksten Phrasen zu formen“ (Ponder). Oft als musikalische Verarbeitung und Reaktion auf die Geschehnisse und Erlebnisse des Ersten Weltkrieges interpretiert, wird das ausdrucksvolle und elegische Trio als eine der „grössten Leistungen der britischen Kammermusik jener Zeit“ (Ponder) geachtet.
Eine gleichartige inbrünstige Leidenschaft und wehmütige Lyrik fand sich auch in der nationalrussischen Musik wieder, angefangen bei Glinka, über Tschaikowski bis zu Rachmaninoff. Letzterer setzte jene Tradition das Klaviertrio mit elegischem Inhalt zu füllen mit seinem ersten Klaviertrio in g-Moll, dem hochexpressiven Trio élégiaque, fort. Der erst 18-jährige Komponist hatte seine Oper Aleko und das 1. Klavierkonzert bereits geschrieben, als er das einsätzige tief melancholische Stück im Lento lugubre erschuf. Berühmt-berüchtigt als schwermütiger Mann, der nie lachte, gar lächelte, kann der Titel auch als eine Art Selbstbekenntnis verstanden werden. Inmitten des russischen Winters mit seinem erdrückenden Schnee und Düsterkeit entstanden, ist dessen Schwermut jedoch womöglich Ausdruck einer Stimmung, die für uns, aufgrund modernen klimatischen Bedingungen, vielleicht nur noch über musikalische Lyrik zugänglich und nachvollziehbar ist.
Auch beim ersten der Drei Stücke für Violoncello und Klavier setzt Nadia Boulanger auf die besondere Wirkung einer ergreifenden und lyrischen Mollmelodie, gespielt von einem für seinen melancholischen Klang bekannten Instrument, dem Cello. Selbst nur mittelmässig von ihrer Begabung als Komponistin überzeugt, liess sie ihre frühzeitig verstorbene kleine Schwester Lili den Vortritt. Als Musikpädagogin hatte sie dennoch einen erheblichen Einfluss auf eine ganze Generation von namhaften europäischen und amerikanischen Komponisten, wie Copland, Piazzola, Glas, Meyer, Ravel, Bernstein, Honegger und viele mehr. Ihre herausragenden kontrapunktischen Fähigkeiten werden im zweiten Stück durch einen Doppelkanon in a-Moll zur Schau gestellt. Im dritten Stück zeigt sie eine ganz andere Seite von jugendlichem Überschwang; ein kraftvolles Scherzo "Vite et nerveusement rythmé".
Ebenso "jugendlich brausend" und „eroberend“ ist nach Richard Specht das Klavierquartett in c-Moll von Richard Strauss. Das 1884 vom erst 19-Jährigen verfasste Quartett galt als Geniestreich und wurde mit dem 1. Preis im Kompositionswettbewerb des Berliner Tonkünstlervereins auch als solches anerkannt. Der starken Förderung von öffentlicher Hand setzte der junge Komponist eine rasante kompositorische Entwicklung entgegen, die selbst Stipendienskeptiker Brahms überzeugte. Mit diesem Klavierquartett legte Strauss ein kammermusikalisches Werk vor, das das Vorbild Brahms’ in einer eigenen Charakteristik übersetzt und bereits von einem ausgeprägten Personalstil zeugt. Die Themengruppen im Kopfsatz, die Strauss statt der üblichen Motive einsetzt, zeigen laut Ludwig Finscher bereits den späteren Meister und seine typische Motivverarbeitung: Das erste Thema soll noch „reichlich brahmsisch“ klingen, während das zweite „eine der ersten grossen Strauss-Kantilenen“ darstellt, „eine riesige Melodie aus pathos-gesättigten Gesten“. Mit dem geistreichen Finale, einem „schroffen, fast nur noch aus motivischen Gesten bestehenden“ Stück mit rhythmisch prägnantem Hauptthema im rondoartigen Wechsel mit scharfsinnigen leichteren Themen, erschafft Strauss ein neumodisches, dem Zeitgeist entsprechendes Werk, das seine Stellung als damaligen Hoffnungsträger der deutschen Instrumentalmusik alle Ehre erweist.Wegbeschreibung