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Vor kurzem bin ich wieder einmal gefragt worden, ob Schüsslersalze zur Behandlung von Mineralstoffmangel geeignet sind. Diese Idee basiert wohl auf Beschreibungen, wie sie in Büchern und auf Websites von Behandlerinnen und Behandlern häufig zu finden sind.
Diese Beschreibungen tönen zum Beispiel etwa so:
Breitensport, Fitness, Spitzensport, Wellness zählen zur modernen Zivilisation. Dadurch aktivieren und verbrauchen wir zahlreiche Elektrolyte, die für die Zellfunktion von grosser Bedeutung sind. Ist der Mineralhaushalt in den Zellen gestört, können Funktionsstörungen im Organismus entstehen. Ein Mangel der verschiedenen Mineralstoffe kann an diversen Symptomen und Reaktionen festgestellt werden.
Die Schüsslersalze verbessern die Aufnahmefähigkeit der entsprechenden Mineralstoffe aus den Nahrungsmitteln…….
Sehr oft wird ein Mangel suggeriert, der durch Schüssersalze ausgeglichen werden kann. Solche Aussagen gibt es in grosser Zahl. Nichtsdestotrotz sind sie komplett falsch.
Schüsslersalze enthalten keine Mineralstoffe in relevanter Menge. Die darin enthaltenen Substanzen – zum Beispiel
Natrium chloratum D6
= Schüsslersalz Nr. 8
= Kochsalz verdünnt 1 : 1 000 000 mal mit Lactose (Milchzucker)
– enthält also überwiegendst Milchzucker. Jedes Glas Wasser enthält mehr Natrium chloratum = Kochsalz als eine Tablette Schüsslersalz Natrium chloratum D6.
Und für die Behauptung, dass Kochsalz 1 : 1 000 000 mal verdünnt die Aufnahme von Kochsalz aus der Nahrung verbessert gibt es keine Belege und keine auch nur ansatzweise glaubwürdige Begründung. Und selbst wenn die Behauptung stimmen würde wäre noch zu fragen, welchen Nutzen der Körper davon haben soll, wenn Kochsalz verstärkt in den Organismus oder in die Zellen aufgenommen wird.
Fazit: Die Vorstellung, dass Schüsslersalze einen Mineralstoffmangel ausgleichen, entbehrt jeder Grundlage. Schon die Idee Wilhelm Heinrich Schüßlers (1821 – 1898), des Erfinders der Schüsslersalze, dass alle Krankheiten durch Mineralstoffmangel ausgelöst werden, ist abwegig.
Besserungen, die nach der Einnahme von Schüsslersalzen auftreten können, lassen sich gut anderweitig erklären:
– Placeboeffekt,
– natürlicher Verlauf der Beschwerden (die meisten Beschwerden bessern auch ohne Behandlung),
– Regression zur Mitte bei chronischen Krankheiten (chronische Krankheiten haben oft einen schwankenden Verlauf. Es geht Auf- und Abwärts. Jede Besserung wird in solchen Situationen oft vorschnell dem verabreichten Arzneimittel zugeschrieben, obwohl sie nur dem natürlichen Verlauf der Krankheit entspricht.
Siehe dazu auch:
Zur Biografie Wilhelm Heinrich Schüsslers auf Wikipedia.