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Die Welt kämpft immer noch mit dem zwiespältigen Vermächtnis von Alan Greenspan als Präsident der amerikanischen Notenbank zwischen 1987 und 2006. Es ist also noch zu früh, um zu beurteilen, ob sein jetzt ebenfalls scheidender Nachfolger Ben Bernanke in den Keller oder auf das Podest der Geschichte gehört. Aber die wichtige internationale Rolle, die Bernanke und die Fed während seiner Amtszeit spielten – einer Zeit, in der die schwache amerikanische Wirtschaft zu einer Schwächung der Rolle Amerikas als Weltmacht führte –, darf nicht übersehen werden.
In den vergangenen fünf krisengeschüttelten Jahren hat die amerikanische Notenbank die Weltwirtschaft auf zweierlei Weise beeinflusst: Über die sogenannte quantitative Lockerung und über ihre grösstenteils unbeachtete Rolle bei der Bereitstellung internationaler Liquidität. Ich werde auf beide genauer eingehen.
Welt profitierte von quantitativer Lockerung
Ungeachtet der Folgen der quantitativen Lockerung für die US-Wirtschaft waren ihre Folgen für den Rest der Welt insgesamt vorteilhaft. Die erste Runde war positiv, weil das Risiko einer globalen Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 minimiert werden konnte.
Die darauffolgenden Massnahmen der Fed wurden im Rest der Welt mit gemischten Gefühlen aufgenommen. 2010 und 2011, als die quantitative Lockerung Kapital in die Schwellenländer brachte, wurden Beschwerden laut, die USA würden eine Art Währungsmanipulation betreiben. Seit Mai 2013, als Bernanke ankündigte, die Lockerung auslaufen zu lassen, sind die Schwellenländer einem gegenteiligen Druck ausgesetzt: Kapitalabwanderung und harte Währungsanpassungen.
Beide Fälle spiegeln Probleme, für welche die Notenbank kritisiert wurde. Sie sind aber grösstenteils auf makroökonomisches Missmanagement in den betroffenen Ländern zurückzuführen. Brasilien zum Beispiel beklagte sich am lautesten über Kapitalzuwanderung, weil die Währung innerhalb kurzer Zeit überbewertet wurde, doch hauptverantwortlich waren interne Lohnerhöhungen und eine Überhitzung der Wirtschaft, nicht die Politik der amerikanischen Notenbank.
Indien seinerseits war stark von Bernankes Ankündigung betroffen, die Fed würde die quantitative Lockerung auslaufen lassen – aber nur, weil sich die indische Wirtschaft durch eine hohe Inflation und hohe Budget- und Zahlungsbilanzdefizite auszeichnet. Man gewann fast den Eindruck, die Schwellenländer hätten vergessen, dass die Politik der amerikanischen Notenbank Teil des Deals war, den sie eingegangen waren, als sie sich für eine finanzielle Globalisierung entschieden hatten.
US-Notenbank unterstützte die Schwellenländer
Die Fed hat jedoch nichts anderes getan, als sich auf ihre internationalen Verpflichtungen zu besinnen und eine konstruktive Rolle zu spielen, indem sie die Dollarliquidität in Zeiten extremer Turbulenzen auf den Finanzmärkten erhöhte. Das bedeutete in der Folge des Lehman-Ausfalls Dollarliquidität (über Swap-Kreditlinien) für die Zentralbanken von Brasilien, Mexiko, Singapur und Südkorea. Und auch die Zentralbanken von Europa und die Bank of Japan erhielten fast unbegrenzte Mengen ähnlicher Liquidität. Diese Massnahmen trugen dazu bei, eine extrem angespannte Finanzlage und die entsprechende Marktvolatilität zu beruhigen.
Die Unterstützung der Notenbanken der Schwellenländer durch die amerikanische Notenbank war aussergewöhnlich, weil die meisten dieser Länder beschlossen hatten, nicht vom Internationalen Währungsfonds (IWF) zu leihen, der im Zuge der Finanzkrise in Asien in den 1990ern als Instrument der US-amerikanischen Vorherrschaft galt. Sie zogen einen direkten Umgang mit den Vereinigten Staaten über die Fed vor, die von dem Stigma des Internationalen Währungsfonds nicht betroffen war. Die Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Effektivität der Unterstützung durch die Fed haben jetzt dazu geführt, dass man über die Institutionalisierung ähnlicher Mechanismen beim IWF nachdenkt.
Die Unterstützung Europas durch die amerikanische Notenbank war ähnlich bemerkenswert, weil der Rest der US-Regierung zu der Zeit ein unbeteiligter Zuschauer war, der den geplagten Volkswirtschaften der Euro-Zone zwar billige Ratschläge anbot, aber kaum harten Cash. Sogar Anstrengungen, die Ressourcen des IWF aufzustocken, scheiterten an der Tiefe der politischen Dysfunktion Amerikas. Alle grossen Volkswirtschaften, einschliesslich wichtiger Verbündeter der USA, haben den IWF gestärkt. In den USA jedoch gab es aufgrund des Widerstands im Kongress seit 2010 keine vergleichbaren Massnahmen.
Die Erklärung der aussergewöhnlichen Rolle der Fed im Kontext einer ansonsten anämischen amerikanischen Führung in der Welt ist einfach: Obwohl die US-Wirtschaft schwach ist und obwohl die amerikanische Politik bis zum Stillstand polarisiert ist, gibt es noch immer eine Nachfrage nach dem Dollar. Unter diesen Umständen hat Bernanke seine Rolle als Kontrolleur der mächtigen Dollardruckmaschinerie, die die US-Notenbank ist, effektiv umgesetzt.
Vom «Helikopter-Ben» zum «Botschafter Ben»
Die Vorherrschaft des Dollar wird nicht ewig dauern, er wird immer mehr vom chinesischen Renminbi herausgefordert, wie ich in meinem Buch «Eclipse: Living in the Shadow of China’s Economic Dominance» beschreibe. Aber diese rudimentäre Quelle amerikanischer Vorherrschaft hat aus Bernanke eine konstruktive und effektive internationale Führungspersönlichkeit gemacht. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wird die Beurteilung seiner Leistung als «Helikopter-Ben», der der US-Wirtschaft Bargeld in Millionen bescherte, ernsthaft beginnen. Aber die Geschichte sollte auch nicht seine wichtige globale Rolle als «Botschafter Ben» vergessen.
Arvind Subramanian ist Senior Fellow am Peterson Institute für Internationale Wirtschaft und am Center für Globale Entwicklung. © Project Syndicate, 2014