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| Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Dreizehntes Buch
38. Gott und der Mensch sehen die Dinge auf verschiedene Weise.
Wir sehen daher alle Dinge, die du gemacht hast, weil sie sind; sie sind aber nur, weil du sie siehst. Und wir sehen mit den Sinnen, daß sie sind, mit dem Geiste aber, daß sie gut sind; du aber sahest sie damals bereits geschaffen, als du sahest, daß sie erst noch geschaffen werden sollten. So haben auch wir uns erst dann bewegen lassen, das Gute zu tun, nachdem unser Herz den Entschluß dazu auf Eingebung deines Geistes gefaßt hatte; vorher aber, da wir dich verließen, ließen wir uns bewegen, Böses zu tun. Du aber, einziger, gütiger Gott, hast nie aufgehört, uns Wohltaten zu erweisen. Auch wir bringen ja infolge deiner Gnade einige gute Werke von statten; aber sie sind nicht ewig; doch hoffen wir, daß wir nach ihrer Vollbringung in deiner unendlichen Heiligkeit ausruhen werden. Du aber, du Gut, das keines anderen Gutes bedarf, ruhst immer, weil du selbst die Ruhe bist. Welcher Mensch wird aber einem anderen das Verständnis dieser Wahrheit vermitteln? Welcher Engel einem anderen? Welcher Engel einem Menschen? Von dir muß man sie erbitten, in dir sie suchen, bei dir anklopfen; dann, dann wird man sie empfangen, dann sie finden, dann wird sie uns erschlossen werden. Amen.