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Pilotprojekt Tacheles: Allergikerfreundliches Bauen
Derzeit wird im Osten Berlins das ehemalige Kunsthaus «Tacheles» und die umgebende Brache zu einem gemischt genutzten Quartier mit einer Geschäftsstrasse entwickelt. Der Masterplan dazu stammt von Herzog & de Meuron. Es ist zugleich das Pilotprojekt der Gesellschaft AFBA, die allergikerfreundliches Bauen unterstützt.
Quelle: Robert Mehl
Der bekannte Eingang zum ehemaligen Kunsthaus «Tacheles» führt demnächst wieder in eine Passage zur Friedrichstrasse.
Nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung avanciert insbesondere der marode, aber kostengünstige Ostteil der Stadt Berlin zum Zentrum der Jugend. Hier wurde der Techno mitentwickelt, der Soundtrack einer eigenen Subkultur. Getanzt wurde in Gebäuden, die dem Verfall preisgegeben waren, die aber den Sozialismus überdauert hatten. Dancefloors wie der «Tresor», das «Berghain» oder eben das «Tacheles» entwickelten sich zu Kultstätten.
Letzteres war einmal der Zugang von der Oranienburger Strasse zu den 1909 eröffneten Friedrichstadt-Passagen. Diese waren frühe Vertreter einer Shopping Mall, die nach dem sogenannten Shop-in-Shop-Prinzip betrieben wurde. Viele kleine Läden wurden von Detaillisten geführt. Es handelte sich um Einzelhändler, die den Einkauf, die Logistik und das Kassensystem zentral organisierten. Die Friedrichstadt-Passagen, insbesondere deren grosse zentrale Kuppel, wurden im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Was noch stand, wurde zu DDR-Zeiten weitgehend abgerissen.
Übrig blieb allein der Torbau, bei dem es um die Jahrtausendwende bauliche Veränderungen gab. Private Initiativen sanierten partiell den maroden Altbau. Allmählich etablierte sich daraus das Kunsthaus «Tacheles», in dem Ausstellungen, Happenings und musikalische Events stattfanden. Die Eigentümerverhältnisse wechselten und waren mitunter dubios. Es gab zahlreiche Prozesse, eine Hausbesetzung, wiederholte Duldungen und am Ende eine polizeiliche Räumung.
Das Kunsthaus Tacheles, ein früherer Hort der Spontikultur
2014 kaufte die britische Fondgesellschaft Aermont Capital das «Tacheles»-Grundstück und beauftragte Pwr Development mit der Projektentwicklung. Bereits seit Ende der 1990er-Jahre lag ein Bebauungsplan vor, der als Basis eines Nutzungskonzepts diente für einen grossvolumigen Baukörper. Die neuen Eigentümer bewerteten das Konzept jedoch als nicht adäquat für den Standort und stadträumlich als unbefriedigend.
In der Folge erhielt Herzog & de Meuron (HdM) den Auftrag, ein neues städtebauliches Konzept zu entwickeln, das auf Basis des bestehenden Bebauungsplanes eine neue Baukörperkonfiguration vorsah. Das Ergebnis dieser Überlegungen ergab ein städtebauliches Modell, das aktuell im ersten Obergeschoss des früheren Kunsthauses «Tacheles» zu finden ist. Denn während derzeit auf den ehemaligen Brachflächen rund um das einstige Kunsthaus sieben Wohngebäude und drei Bürohäuser in den Himmel wachsen, werden die alten Räumlichkeiten mustergültig konserviert und restauriert.