Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03267.jsonl.gz/1658

Die Beweistextmethode
Die Bibel bildet eine Einheit von 66 Büchern, welche über einen Zeitraum von ca. 1600 Jahren geschrieben wurden. 39 Bücher im Alten Testament und 27 im Neuen Testament. Die heilige Schrift bildet nicht nur als Werk eine Einheit, sondern auch in ihrem Inhalt.
In vielen heutigen Bibelschulen und Theologischen Seminaren wird das Studium der Heiligen Schrift über die sogenannte "Beweistextmethode" gelehrt. Der Urspung dieser Vorgehensweise liegt am Ende des 16. Jahrhunderts. Protestantische Scholastiker(Scholastik: Wissenschaftliche Denkweise und Methode der Beweisführung, die in der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt des Mittelalters entwickelt wurde. Ein entwickeltes Verfahren des Aristoteles zur Klärung wissenschaftlicher Fragen mittels theoretischer Erwägungen) nahmen die Lehren der Reformatoren und systematisierten sie nach den Regeln aristotelischer Logik. Genau genommen hat Aristoteles die Grundregeln der klassischen Logik nicht erfunden. Er entdeckte lediglich die logischen Strukturen in der Schöpfung Gottes.
Was bedeutet das? Diese Theologen behaupten, dass jeder einzelne Bibelvers - unabhängig vom Kontext - das Wort Gottes darstellt. Dies bildet die Grundlage für die Vorstellung, dass jeder Bibelvers in sich wahr ist und zur Untermauerung einer Lehre herangezogen werden kann.
Die 66 Bücher der Bibel können somit bruchstückweise zerlegt werden und passen sich der menschlichen Logik an. Jeder findet somit aus der grossen Vielfalt der biblischen Zutaten sein Menü um seine Vorstellung von Gott, Gemeinde, Heil usw. zu belegen. Eine derartige Auslegung des Textes kann leicht zu fehlgeleiteten Schlüssen führen.
Es geht nicht um das infrage stellen der biblischen Verbalinspiration (göttliche Eingebung jedes einzelnen Wortes der Schrift). Die Schrift wird, je nach Betrachtungsweise des Übersetzers, aus dem Kontext herausgelöst und eine neue Bedeutung gegeben. Um den Inhalt zu bewahren ist es möglich, dass punktuell gewisse Änderungen in der Form unvermeidlich sind. Das Ziel sollte es immer sein die urspüngliche Botschaft zu erhalten, sowie eigenmächtige Deutungen zu vermeiden (2 Pet 1,20).
Ein unbiblisches Beispiel wäre wie folgt:
Jesus Christus sagt mehrmals im NT „Ich bin...“. Dies wird als Beweis gedeutet, dass der Messias = GOTT ist. Jesus sagt unter anderem: „Ich bin das Brot des Lebens“ (Joh 6, 35); „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8, 12); „Ich bin der gute Hirte“ (Joh 10, 14). Auf dieser Basis wird das Argument aufgebaut, dass dieses Rückverweise auf die Aussagen GOTTES in Exodus 3 sind, wo YHWH die Frage Moses nach Seinem Namen mit den Worten „Ich bin“ oder „Ich werde sein“ beantwortet hat. Hier wird das „Sein der Aussage“ mit dem „Sein der Existenz“ verwechselt.
Auch die Hebräer haben ganz sicher den Unterschied zwischen der Beschreibung einer besonderen Eigenschaft einer Sache oder der Feststellung deren Existenz verstanden. Zudem wären auch Johannes der Täufer („Ich bin eine Stimme, die da ruft in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn!“ (Joh 1, 23) ein Blinder „Er selbst sagte: Ich bin's!“ (Joh 9, 9) oder auch Paulus „Ich bin, was ich bin” (1. Kor 15, 10) ein Teil der Dreifaltigkeit oder bei der Summe aller Personen wohl eher eine "Zehnfaltigkeit".
Hier noch ein weiteres Beispiel eines amerikanischen Theologen, welches die Lächerlichkeit dieser Methodik aufdeckt:
Petrus hat Eva im Garten Eden versucht. Klingt das unlogisch? Wenn man nach der Beweistextmethode argumentiert nicht. Satan in Gestalt einer Schlange verführte Eva dazu, die Frucht zu kosten (1Mo 3). Jesus sagte zu Petrus "Geh mir aus den Augen, du Satan!" (Mat 16,23). Somit ist klar, dass Petrus Satan ist und Eva im Garten Eden verführt hat.