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ePoster Gallery 3/2022
Nährend und wärmend: Das Heissgetränk in der Werbung
Heissgetränke steigern unser Wohlbefinden und werden auch als innere Wolldecke bezeichnet. Sowohl Kaffee als auch Tee und Kakao sind lange ein exotisches Luxusgut. Erst im 18. und 19. Jahrhundert können sich weitere Teile der westlichen Welt diese Güter leisten.
Auf den präsentierten Plakaten wird mit wiederkehrenden Bildmotiven wie der Mutter-Kind-Darstellung oder dem Rund der Tasse Heimeligkeit, Geborgenheit und Wärme suggeriert. Der bewegte Dampf des frisch gebrühten Heissgetränkes spricht neben dem visuellen Sinn auch unseren Geruchs- und Geschmackssinn an. Bei der Bewerbung der überseeischen Genussmittel zeigt sich aber auch häufig der hegemoniale, kolonialistische Blick: Rassistische Stereotypen werden unreflektiert verbreitet.
3 Fragen zur kulturellen Verbreitung von Heissgetränken. Erläutert von Nico Lazúla, Dokumentarin der Plakatsammlung des Museum für Gestaltung Zürich.
Wie hat sich Kaffee als Genussmittel verbreitet?
Die Industrialisierung verändert die Lebensumstände entscheidend. Durch die Abnahme der körperlich schweren Arbeit, die Zunahme der sitzenden oder stehenden Arbeitsweise und durchwachsende Ansprüche an die geistige Konzentrations- und Adaptionsfähigkeit kommt es zu deutlichen Veränderungen in der Ernährung. Der Konsum von Genussmitteln wie Kaffee als Belohnung hilft, die langen Arbeitszeiten durchzuhalten und dem Tag Zäsuren zu geben.
Durch Beeinträchtigungen des Imports, die den Kaffee stark verteuern, aber auch aufgrund von Mangelernährung werden gegen Ende des 19. Jahrhunderts Kaffeeersatzprodukte lanciert, die einen höheren Nährwert haben als Bohnenkaffee.
Gibt es Regionen in Europa, in denen die Teekultur dominiert?
In Europa dominiert die Kaffeekultur, während Tee nur wenig getrunken wird. Zu den Teeregionen Europas gehören die Britischen Inseln, Polen, Russland, die Türkei und einige Gegenden in Deutschland. In den meisten Teeregionen hat Kaffee nur eine marginale Bedeutung. In südlichen Ländern ist oft zu beobachten, dass Menschen ständig warmen Tee in kleinen Schlucken trinken, wodurch sie ein leichtes Schwitzen in Gang halten und so die Abkühlung des Körpers unterstützen. Das scheint physiologisch sinnvoll, die Tradition hat dort aber auch einen anderen Hintergrund: den Mangel an sauberem Trinkwasser.
Wie hat sich die Trinkschokolade in Europa verbreitet?
Die Trinkschokolade ist das dritte Heißgetränk, das sich in der Neuzeit in Europa ausbreitet und zur Entwicklung einer eigenen Trinkkultur führt. Ursprünglich aus Mittelamerika stammend, wird das Getränk im 16. Jahrhundert erstmals am spanischen Königshof getrunken; am französischen Hof in Versailles breitet sich Schokolade im 17. Jahrhundert als Modegetränk aus. Neben der Verbreitung als aristokratisches Getränk ist die Trinkschokolade im 17. Jahrhundert vor allem in Klöstern ein beliebter Energielieferant in der Fastenzeit, weil sie nicht unter die kirchlichen Speiseverbote fällt. Erst mit der Erfindung des löslichen Kakaopulvers im 19. Jahrhundert entwickelt sich Trinkschokolade zu einem Massenprodukt.