Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03281.jsonl.gz/1144

Die Körperfärbung ist für Fische ein wichtiges Kommunikationsmittel. Unter anderem kann sie bei der Partnerwahl und beim gegenseitigen Erkennen unter Artgenossen eine bedeutende Rolle spielen. Auch die Gemütslage oder der gesundheitliche Zustand lässt sich daran erkennen. Zudem können Fische ihre Körperfarben auch anpassen, wenn sie jagen oder umgekehrt sich vor Feinden verstecken.
Farbgebung bei Fischen
Bei Fischen gibt es verschiedene Pigmentzellen (Chromatophoren), die die Farbe der Haut und Schuppen beeinflussen: Die Xanthophoren sorgen für die gelbe und orange, die Erythrophoren für rote Färbung, die Melanophoren sind verantwortlich für die rote, braune und dunkle, die Cyanophoren für blaue Färbung. Alle diese Zellen absorbieren Licht. Leukophoren und Iridophoren hingegen reflektieren Licht. Erstere sorgen für weissliche Färbung und letztere für schillernde Effekte (Cho 2020; Burton 2011).
In der Natur kommen sowohl an Land als auch im Wasser immer wieder Individuen mit fehlender Farbstoffbildung vor, sogenannte Albinos. Gezielt gezüchtet werden sie in der Tierversuchsforschung, aber auch bei Heimtieren. Bei Albino-Fischen kann das Hormon Melatonin und das Enzym Tyrosin aufgrund eines Gendefekts nicht hergestellt werden.
Albinismus wirkt sich nachteilig aus
Verschiedene Studien haben aufgezeigt, dass Färbung und Verhalten wechselwirken. Individuen mit intensiver Färbung sind häufig aggressiver und dominanter und stressresistenter. Albino-Organismen hingegen sind sowohl auf physiologischer Ebene als auch bezüglich Verhalten eingeschränkt. Albino-Ratten beispielsweise riechen und sehen schlechter, sind weniger aktiv und brauchen mehr Schlaf (zitiert in Slavik 2016).
Bei Fischen ist der Albinismus noch wenig untersucht, doch gibt es Hinweise, dass er sich nachteilig auswirkt. Bei Zebrafischen (Danio rerio) gibt eine genetisch manipulierte Albinoform, deren Larven blind und später als erwachsene Fische stark sehbehindert sind, was ihre Fluchtreaktion langsamer macht. Zudem sind sie lichtscheu (Ren 2002). Katzenwelse (Ictalurus punctatus) pflanzen sich weniger erfolgreich fort, weil ihr Nachwuchs schlechter überlebt. Verschiedentlich wurde beschrieben, dass Albino-Fische stressanfälliger sind und weniger gute Überlebenschance haben (Slavika 2021, Cho 2020).
Der Blaue Malawibuntbarsch (Maylandia zebra) ist ein Maulbrüter. Züchter haben von dieser Art über Generationen eine Albinoform gezüchtet. In einer Studie zu Brutparasitismus unter Buntbarschen zeigte sich, dass im Vergleich zu den anderen getesteten, normal gefärbten Arten der Albino-Buntbarsch am meisten fremde Eier in seinem Gelege hatte (Cohen 2018). Vermutet wird, dass er weniger aggressiv ist und weniger gut sieht, analog zu den Zebrafischen. Daher hatte der Kuckucks-Wels (Synodontis multipunctatus), der eine Reihe von Buntbarscharten parasitiert, wohl leichteres Spiel bei ihm.
Albinotische Welse sind stressanfälliger
Auch beim Europäischen Wels (Silurus glanis) gibt es albinotische Exemplare, sowohl im natürlichen Lebensraum als auch in der Fischzucht. Sie werden häufig auch als Forschungssubjekte genutzt. Eine Studie zeigte, dass Albinowelse ein grösseres Risiko haben, erbeutet zu werden, weniger aggressiv und gesellig sind (Slavik 2015, 2016).
In einer anderen Studie wurde untersucht, wie sich Albino-Welse verhalten, wenn sie gestresst werden. Tatsächlich kamen sie verglichen mit normal gefärbten Individuen weniger gut mit der Stresssituation klar. Sie waren aktiver, ihre Atmungsfrequenz war erhöht und sie wechselten häufiger die Schwimmrichtung. Diese Verhalten sind typische Anzeichen von Stress. Auch die biochemischen Parameter und Blutwerte, die in Zusammenhang mit Stress stehen, waren bei ihnen erhöht.
Bei den Albinoformen addieren sich also verschiedene nachteilige Auswirkungen auf das Fischwohl. Insbesondere im Zusammenhang mit der schlechteren Überlebenschance und der erhöhten Stressanfälligkeit fragt sich, ob man solche Farbformen züchten sollte.