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«Jede Lektion ist eine Sprachlektion» ist einer der wichtigsten Leitsätze an der Oberstufe der SIS Basel. Dies unterstreicht die Tatsache, dass Sprachunterricht und -erwerb im gesamten Lehrplan tagtäglich stattfindet. Im Gegensatz zum traditionellen Konzept des Spracherwerbs, bei dem Grammatik, Syntax und Phonetik isoliert im Rahmen der jeweiligen Sprachlektion unterrichtet werden, tauchen unsere Lernenden in Deutsch und Englisch ein. Sie erwerben die Elemente der produktiven (Sprechen, Schreiben) und rezeptiven (Hören, Lesen) Sprachfertigkeiten durch die Linse des individuellen Fachwissens.
Im Laufe des Schultages in der Sekundarstufe besuchen die Schülerinnen und Schüler Unterrichtsstunden, die auf Englisch und wieder andere, die auf Deutsch unterrichtet werden. Dies hängt von der Muttersprache der Lehrperson ab. So kann es sein, dass in der 7. Klasse Mathematik auf Englisch und Naturwissenschaften auf Deutsch unterrichtet werden. Wenn die Lernenden die 9. Klasse erreichen, kann das Gegenteil der Fall sein, wodurch eine vertiefte Beherrschung beider Sprachen in Bezug auf das Fachwissen und den Wortinhalt während der gesamten Sekundarstufe gewährleistet ist.
Es gibt zwei getrennte Züge im Gymnasium der SIS Basel: Das Bilingual College führt zur Schweizer Matura und der IB-Lehrgang hat das International Baccalaureate Diploma (IB) als Abschluss. Beide Züge sind zweisprachig und führen bei erfolgreichem Abschluss zu einem bilingualen Schulabschluss, vorausgesetzt, Deutsch und Englisch werden beim IB auf höherem Niveau gewählt. Es ist den Schülerinnen und Schülern auch möglich mit einem Doppelabschluss Matura und IB abzuschliessen.
Das Hauptziel unserer Schule ist es, die Lernenden in die oberen Bereiche der Sprachkompetenz zu bringen, damit sie die Freiheit haben, im tertiären Bereich die eine oder die andere Sprache wählen zu können. Natürlich ist dies ein Prozess, der Zeit braucht. In der Bildungsforschung kann der Spracherwerb in zwei verschiedene Kategorien eingeteilt werden: BICS und CALP. BICS (Basic Interpersonal Communicative Skills) steht für grundlegende interpersonelle kommunikative Fähigkeiten und umfasst die Alltagssprache zwischen Freundinnen und Freunden usw. CALP (Cognitive Academic Language Proficiency) hingegen steht für die kognitive, akademische Sprachkompetenz und umfasst auch den Bereich des vertieften Verstehens und der Reflexion. Die Zeit, die benötigt wird, um diese Stufen zu erreichen, variiert von Person zu Person, aber diese bietet eine wichtige Orientierungshilfe für die Lehrpersonen, die sich mit den Anforderungen des bilingualen Unterrichts auseinandersetzen.
Wenn Schülerinnen und Schüler, die in die SIS Basel eintreten, nur geringe oder gar keine Vorkenntnisse in der einen oder der anderen Schulsprache haben, bietet die Schule einen «Jump-Start-Kurs» an. Dieser Kurs soll sie so weit wie möglich in Richtung des Endzieles der fliessenden Sprachbeherrschung bringen. Es ist das einzige Mal, dass Lernende in einem intensiven, achtwöchigen Sprachimmersionskurs für einen Teil ihres Schultages gemeinsam mit anderen Lernenden auf einem ähnlichen Sprachniveau isoliert werden. Dies, gekoppelt mit ihren regulären Fächern, die sie weiterhin besuchen, wirkt wie ein Sprungbrett auf den erfolgreichen Weg des Sprachenlernens.
Sobald der Weg geebnet ist und die Lernenden aus dem «Jump-Start-Programm» in den Schulalltag integriert sind, erhalten sie weiterhin Unterstützung durch zusätzlichen Sprachunterricht. Dieser dient nur dazu, ihre Fähigkeiten und ihr Verständnis für die Konzepte der Grammatik zu festigen.
Das Leben der Lernenden, die eine bilinguale Schule durchlaufen, kann ebenso aufregend und erfüllend, wie auch herausfordernd sein. Mit hunderten Lernenden in jedem Jahrgang – auf verschiedenen Stufen ihrer zweisprachigen Reise – sehen wir, dass das Erlernen einer neuen Sprache in der multikulturellen Welt, in der wir alle leben, für viele Familien eine wertvolle Bereicherung und ein zukunftsträchtiges Ziel ist.
Artikel von Adrian Bürgi, Stellvertretender Schulleiter