Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03527.jsonl.gz/2636

Die Schweiz spielt als Direktinvestor weltweit in der obersten Liga.
Gemäss einer Credit Suisse-Studie ist die Schweiz mit fast 227 Milliarden Franken Auslandinvestitionen hinter Grossbritannien, Japan und Frankreich auf Platz 4.
Die Schweizer Direktinvestitionen im Ausland lagen im Jahr 2002 bei 111% des Bruttoinlandprodukts. Gemessen an ihrer Wirtschaftskraft ist die Schweiz nach Hongkong sogar der grösste Direktinvestor im Ausland.
Monika Engler, Ökonomin bei Credit Suisse, sieht den Grund des hohen Rankings der Schweiz in kapitalstarken Unternehmen, die im Ausland expandieren, weil ihnen der Markt in der Schweiz zu beschränkt ist.
"Interessanterweise geht der grösste Teil der Schweizer Direktinvestitionen im Ausland in Industriestaaten und nicht, wie oft gedacht, in Entwicklungsländer, wo die Löhne tief sind", so Engler zu swissinfo.
Eher Standortstärke
Seit Mitte der 90er-Jahre übertreffen die Investitionen im Ausland auch die Waren- und Dienstleistungsausfuhren aus der Schweiz. Direktinvestitionen - definiert als Vermögensanlagen, welche einen langfristigen Einfluss auf das im Ausland befindliche Investitionsobjekt ermöglichen - könnten dabei sowohl durch Stärken wie auch durch Schwächen eines Wirtschaftsstandortes ausgelöst werden.
Die Direktinvestitionen aus der Schweiz würden aber eher aus einer Position der Standortstärke getätigt, lautet das Fazit der Studie von Credit Suisse, die am Montag veröffentlicht wurde. Schweizer Unternehmen profitierten vom wirtschaftlich und politisch stabilen Umfeld, von einer hohen Kaufkraft, von niedrigen Kapitalkosten und einer im europäischen Vergleich moderaten Steuerbelastung.
Weiter erwähnt wird in der Studie die "hohe Qualität des Faktors Arbeit" und die gut ausgebaute Infrastruktur. Als Schwächen werden dann das hohe Preisniveau, die fehlende Marktöffnung im Infrastrukturbereich und der mangelnde Binnenwettbewerb genannt.
Gewichtiger Finanzsektor
Die Investitionen - beispielsweise in Form von Neugründungen von ausländischen Tochtergesellschaften - seien Ausdruck einer "offensiven Strategie", neues Marktpotenzial zu erschliessen. Vorangetrieben werden die Direktinvestitionen auch durch die Deregulierung von Märkten und dem damit zusammenhängenden erleichterten Kapitalverkehr.
Der Finanzsektor macht einen grossen Teil der Direktinvestitionen aus: Banken und Versicherungen bestreiten 38% der Investitionen, Finanz- und Holdinggesellschaften weitere 25%. 14% stammen von den Branchen Chemie und Kunststoffe, und der ganze übrige industrielle Bereich steuert 16% dazu bei.
Viele Angestellte im Industriesektor
Von den 1,7 Millionen Angestellten von Schweizer Tochterfirmen im Ausland sind über die Hälfte im Industriesektor tätig. Hier dürften Kostenspargründe ausschlaggebend für die Direktinvestitionen sein, im Gegensatz zum Dienstleistungssektor.
"Interessante Perspektiven" aus den Direktinvestitionen sehen die Autoren der Studie auch für den Bankensektor: Den Investmentbanken würden Beratung und Abwicklung von Fusionen und Übernahmen und die Sicherstellung der Finanzierung zufallen, beschreiben sie ihre Rolle.
Auslandinvestitionen in der Schweiz
Obwohl die Schweiz ein Netto-Kapitalexporteur ist, sind 2002 rund 55 Milliarden Franken Auslandinvestitionen in das Land geflossen.
Monika Engler von Credit Suisse: "Die Schweiz erlebt einen Investitionsschub von ausländischen Unternehmen, die ihren Hauptsitz in unserem Land errichten." Gründe dafür sieht die Ökonomin in der niedrigen Unternehmensbesteuerung und den hochqualifizierten Arbeitskräften in der Schweiz.
swissinfo und Agenturen
Fakten
2002: 227 Mrd. Franken Netto-Auslandinvestitionen der Schweiz
2002: 111% des Bruttoinlandprodukts Direktinvestitionen im Ausland
2002: 55 Mrd. Franken Auslandinvestitionen in der Schweiz
In Kürze
Die Schweiz gehört laut einer Studie von Credit Suisse weltweit zu den bedeutendsten Direktinvestoren im Ausland. Mit 227 Milliarden Franken Netto-Auslandsinvestitionen rangiert die Schweiz hinter Grossbritannien, Japan und Frankreich an vierter Stelle der wichtigsten Kapitalexporteure.
Gemessen an ihrer Wirtschaftskraft ist die Schweiz nach Hongkong sogar der grösste Direktinvestor im Ausland.
Zu dieser Spitzenposition beigetragen haben laut der Studie Standortfaktoren wie ein wirtschaftliches und politisch stabiles Umfeld, niedrige Kapitalkosten sowie eine im europäischen Vergleich moderate Steuerbelastung.