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November / Dezember 2008
Diese Webseite beinhaltet den 3. Teil meiner Reise durch Indien und beschreibt Südindien mit Mumbai, Goa, Hampi, Mysore, Wayanad, Kerala und Kollam. Am Schluss finden sich ein paar Gedanken über diese Indienreise und über die angetroffenen Religionen.
Die ersten beiden Webseiten über Indien sind:
1. Nordindien mit Varanasi, New Dehli, Amritsar und dem Taj Mahal
2. Rajastan mit Jaipur, Pushkar, Bikaner, Jaisalmer, Jodpur, Ranakpur und Udaipur
Mumbai
Mit dem Nachtzug reisten wir weiter nach Mumbai. Wir kamen nur wenige Tage nach den terroristischen Anschlägen am 26. November 2008 an. Mehrere Ziele in der Stadt wurden angegriffen, darunter das Taj Mahal Palace Hotel (unten im Bild).
Unser Hotel befand sich nur einen Handgranatenwurf vom Taj Mahal Palace Hotel. Nach dem Angriff schätzten wir die Situation als sicher ein und so war es auch. Die Feuerspuren am Taj konnten wir immer noch sehen und auch Granateneinschüsse in einem Strassencafe, wo neben einigen Kunden auch zwei Angestellte ihr Leben lassen mussten. Für uns war Mumbai eine gute Gelegenheit, wieder einmal gutes westliches Essen zu geniessen und uns dem Alkohol hinzugeben (Weine, Cocktails etc.) und Bars in 5-Sterne Hotels zu geniessen.
Das Municipal Corporation Building
Der berühmte Bahnhof von Mumbai mit täglich drei Millionen Passagieren.
Goa
Im historischen Teil von Goa (engl. Old Goa) finden sich viele Kirchen und Klöster aus dem 16. Jahrhundert, als Goa das Zentrum der portugiesischen Herrschaft in Asien war. Diese sind nun als UNESCO Weltkulturerbe geschützt.
In Goa traf ich einen Kollegen, der als Manager in einem 5-Sterne Hotel in Mumbai arbeitet und den ich auf einer philippinischen Insel kennen gelernt hatte. Er erzählte uns einige Hintergrund-Geschichten des korrupten indischen Systems. Dazu passt auch, dass in vielen indischen Staaten Stimmenkauf gang und gäbe ist (üblich sind zwischen 20 bis 47% aller Stimmen!). So wird Demokratie natürlich zur Farce. Demokratie ist wohl für ein Land wie Indien mit einer ungebildeten Schicht von Armen, die rund die Hälfte der Bevölkerung ausmacht, nicht die richtige Staatsform. Es ist klar, dass diese riesigen Summen von den Politikern wieder eingespielt werden müssen, zum Beispiel über die Vergabe von Bauprojekten, Lizenzen oder Arbeitsstellen. Armut ist halt nicht einfach gottgegeben, sondern eine direkte Folge jahrzehntelanger Misswirtschaft und gesellschaftlicher Entwicklungshemmnisse wie dem Kastensystem, Aberglauben und überkommenen Bräuchen.
Wir waren nur zwei Tage an Goas Stränden und vielleicht war unser Strand nicht repräsentativ. Mir schien, dass viele westliche Touristen (vor allem Engländer) hauptsächlich wegen den billigen Flügen nach Goa kommen. An der Schönheit der Strände kann es kaum liegen, denn sie waren nicht besonders schön. Viele Läden hatten russische Beschriftungen. An einem Strand war ein russischer Öltanker angeschwemmt worden und niemand schien für ihn verantwortlich zu sein.
Hampi
Auch Hampi ist ein UNESCO Weltkulturerbe. Um 1500 war Hampi die Hauptstadt des hinduistischen Vijayanagara-Reiches und nach Peking die zweitgrösste Stadt der Welt. 1565 wurde das Reich von einer Koalition muslimischer Sultanate erobert und Hampi grösstenteils zerstört.
Heutzutage erstrecken sich 1’600 Bauten dieser historischen Stadt über 40 km2. Festungen, Uferanlagen, königliche und heilige Komplexe, Tempel, Schreine, Säulenhallen, Gedenkstätten und Wasserbauten können bestaunt werden.
Die berühmteste und älteste Sehenswürdigkeit ist der Virupakshya Tempel, zu dem immer noch unzählige Hindus pilgern.
Der Garuda-Schrein in Form eines Steinwagens beim Vitthala-Tempel.
Die Gegend besteht aus unzähligen grossen runden Steinen, die eine mystische Atmosphäre schaffen.
Mysore
Die Stadt Mysore diente von 1399 bis 1956 fast sechs Jahrhunderte lang als Hauptstadt des Königreichs Mysore.
Der Mysore Palast ist die königliche Residenz.
Ein Markt
Wayanad
Der Wayanad Distrikt liegt im Berggebiet der Westlichen Ghats zwischen 700 und 2’100 Metern.
Fleischverkauf ohne Kühlschrank
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Kaffee, Tee, Kakao, Pfeffer, Wegerich, Vanille, Reis, Kokosnuss, Kardamom, Tee, Ingwer und Reis wachsen hier.
Eine Teeplantage
Pfefferkörner
Gewinnung von Kautschuk
Kerala – Kollam Distrikt
Der indische Bundesstaat Kerala befindet sich an der südwestlichen Küste Indiens und war der Endpunkt meiner Reise durch ganz Indien. Wir kämpften immer mehr mit Übernachtungsproblemen wegen den aufkommenden Festtagen. Schlussendlich fanden wir im Süden Indiens im Kollam Distrikt ein kleines Paradies auf einer Landzunge, abseits von Lärm und Abgasen, wo wir uns mit einem Kanu auf Kanälen durch kleine Dörfer und Palmenwälder paddeln liessen.
Fischernetze
Die Backwater von Kerala. Der Reiseführer hatte nicht zu viel versprochen, als er die Gegend als eine der besten Erlebnisse in Indien lobte. Unzählige Kanäle schlängeln sich durch Palmenhaine. Die Leute wohnen in kleinen Dörfern am Wasser und leben hauptsächlich von Kokosnüssen, Bananen, Fischen, Krevetten und Muscheln.
Ein See
Frauen beim Schälen der Cashew-Nüsse
In einer Streichholzfabrik
Auch das Verpacken der Streichhölzer in Schachteln erfolgt selbstverständlich von Hand.
An einem indischen Fest
Auf unserer Indienreise haben wir fünf Religionen kennengelernt. Anbei meine subjektiven Eindrücke:
- Sikhismus: Sehr nette Leute, die es auf ihrem Verbreitungsgebiet auch wirtschaftlich zu etwas gebracht haben
- Islam: Aus der Zeit der Moslem-Herrscher stammen viele imposante Bauwerke wie der Taj Mahal
- Christentum: Die Kloster- und Missionarsschulen sind immer noch ausgezeichnet. Andererseits werden wie in den Anfangszeiten die Gläubigen teils verfolgt.
- Buddhismus: Als Religion, die mehr Wert auf das Meditieren als auf das Handeln legt, ist es nicht verwunderlich, dass sogar Buddhas Geburtsort Lumbini in Nepal ein lausiges Kaff ist mit regelmässigen Stromunterbrüchen und mit Tempeln, die auch nach Jahren noch nicht fertig gestellt sind.
- Hinduismus: Die Priester an allen heiligen Stätten des Hinduismus waren geldgierige Halsabschneider
Neben vielen tollen Eindrücken sind uns auch einige Negativpunkte aufgefallen. Indien ist trotz dem Hype in den letzten Jahren ein Entwicklungsland geblieben, mit einer seit Jahrzehnten gleich bleibenden Armutsquote von gut 50%. Mangels Bildung der vielen in ärmlichen Verhältnissen aufwachsenden Kindern wird sich das auch nicht so schnell ändern. Wie viele Länder dieser Art hat Indien riesige Umweltprobleme. Die Luft- und Wasserverschmutzung und die Abfallprobleme sind alarmierend. Zudem ist kein Bewusstsein vorhanden, dass dies überhaupt ein Problem ist.
Wie oben erwähnt ist Korruption weit verbreitet und sorgt dafür, dass die Missstände nicht angegangen werden, da riesige Mengen von Staatsgeldern in privaten Taschen versickern.
Mangels Unwissenheit und Nachlässigkeit ist der Umgang mit Lebensmitteln nicht sachgerecht, so dass man auch bei Einhaltung der üblichen Essregeln mit Magenproblemen zu kämpfen hat.
Wir haben viele nette Inder kennen gelernt, die unsere Reise bereichert haben. Andererseits trifft man vor allen in Touristengebieten auf Lügner, Betrüger und Kommissionsjäger. Und nicht alle sind so arm dran. Die Art der Tricks lässt auch Rückschlüsse auf die Naivität der anderen Reisenden zu, die manchmal grenzenlos zu sein schien. Die Inder sind keine Perfektion. Viele Inder, sei es ein Busfahrer, ein Kondukteur oder einfach ein Mitreisender sind sich nicht zu schade, ganz unverhohlen nach einer milden Gabe zu fragen. Dies kontrastiert mit den Menschen in Nepal, deren Lebensstandard um einiges tiefer ist als in Indien. Die Nepalesen sind viel zu zurückhaltend, als dass sie nach Geld fragen würden.
Die Indien-Reise war ein voller Erfolg und brachte viele Erlebnisse und Erkenntnisse. Schon die Anzahl Bilder zeigt, wie viel Sehenswertes es zu entdecken gab.