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Streicher und Bläser
Obwohl dies viele "echte" Basler Fasnächtler nur mit Mühe glauben wollen, gehören andere Instrumente als die Trommel und das auch erst im letzten Jahrhundert an der Fasnacht belegbare Piccolo seit langem zur Basler Fasnacht. Im Basler Kupferstichkabinett wird eine getuschte Federzeichnung von Niklaus von Riedt aus dem Jahre 1589 aufbewahrt, die einen Fasnachtsumzug mit einem Lautenspieler und einem Posaunisten wiedergibt. Wohl noch vor 1800 wurde eine im Historischen Museum Basel befindliche lavierte Tuschzeichnung angefertigt: Sie zeigt auf dem Münsterplatz einen Fasnachtsumzug, auf die Revolutionswirren von 1798 anspielend, und lässt hinter den Tambouren eine Musikantengruppe mit Instrumenten wie Fagott, Horn, Trompete, Violine und Pauke erkennen. Von einem politischen Fasnachtsulk auf Kosten des Basler Staatsmannes Peter Ochs hören wir 1803: "Auf dem Petersplatz begrub man unter Waldhornfanfaren einen Ochsenkopf samt grün-rot-gelben Kokarden und deutete damit symbolisch das Ende des helvetischen Einheitsstaates an". Dem Reiseschriftsteller Gottlob Heinrich Heinse (1766-1812) verdanken wir in seiner ausführlichen Schilderung des Fasnachtsgeschehens im Jahre1809 die Mitteilung, dass der Zug von einem "Chor Berghoboistens eröffnet wurde und dass ferner berittene Trompeter dabei waren". Wenigstens von Alphörnern ist die Rede bei einem folkloristischen "Älplerzug" am Fasnachtsmontag 1812. Die sich in nichts von damaligen historischen Festumzügen unterscheidenden Fasnachtszüge des 19. Jahrhunderts haben selbstverständlich immer auch Musiken dabei. Einer der frühesten Züge ist dargestellt auf einer kolorierten Radierung von 1820 (Historisches Museum Basel), der dem Thema "Brautzug des Grafen Otto von Thierstein und der Katharina von Klingen anno 1376" gewidmet war. Das Bild zeigt unter anderem berittene Fanfarenbläser und eine Musik mit Bläsern und Streichern auf einem Wagen. Eher fasnächtlich im heutigen Sinn wirkt auf einer Lithographie von 1845 die kleine Musikgruppe mit Pauke, Becken, Horn und Schalmei, welche einer Tambourengruppe folgt. Richtige Blechmusiken sind u.a. bezeugt an den Fasnachtszügen 1835,1841 und 1853, die aber vermutlich seriös spielten. Wenn wir der bekannten Morgenstreich-Darstellung von Hieronymus Hess für das Jahr 1843 Glauben schenken dürfen, kamen damals Blechinstrumente, wohl Fanfaren, zum Ertönen. Aus einem "Karneval-Bericht" von 1852 erfahren wir Details über "Gruppen, die den Morgenstreich zusammentrommelten, pfiffen, trompeteten und schrieen". Unter anderem ist die Rede von einer "Janitscharen-Musik, gekleidet in Schlafrock und Zipfelkappe" mit Trompeten und Pauken, und von "Schnurrantens mit Piccolo und Bombardon, Kornet und Pauke usw". Dass gerade Trompeten an der Fasnacht durchaus üblich waren, zeigen auch zeitgenössische Inserate ("Instrumente für Fastnacht"). Womit an der Basler Fasnacht Lärm erzeugt wurde, zeigt die ab 1869 in der Presse publizierte "Polizeiliche Bekanntmachung betreffend die Fastnacht", wo es unter Artikel 1 heisst: "Montags und Mittwochs darf vor 4 Uhr morgens nicht getrommelt und in keiner Weise gelärmt werden. Ebenso ist Lärm mit Hörnern, Klapperinstrumenten, Geschellen u. dgl. untersagts". Um 1870 lesen wir in den Fasnachtsberichten wiederholt vom nachmittäglichen Mitwirken einer "humoristischen Zukunftsmusik, die mit ihren Produktionen die Aufmerksamkeit auf sich zog". Wie Inserate von Bierwirtschaften der ganzen Regio zeigen, handelte es sich dabei um eine Musikgruppe, die auch ausserhalb der Fasnacht u.a. mit "komischen Couplets" für sonntagnachmittägliche, "komisch-musikalische Unterhaltung" besorgt war. Ob wir uns darunter tatsächlich einen Vorläufer heutiger Guggenmusiken vorstellen dürfen, kann ich nicht entscheiden. Solange nichts näheres zur Instrumentierung und zum Stil bekannt wird, gilt dasselbe auch für die vor 1872 existierende "Kontingentenmusik", etwa auch "Waschweibermusik" genannt, eine "musikpflegende Fastnachts-Clique", deren Mitglieder zum Teil an der Gründung des Basler Musikvereins beteiligt waren.