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Weinwissen
Was ist der Vegetationszyklus der Rebe?
Jedes Jahr durchläuft die Rebe eine Ruhephase, auch Knospenruhe genannt, sowie eine Wachstumsphase, die zur Reifung der Trauben führt.
Der Übergangszeitpunkt von einer Phase zur nächsten variiert je nach dem Ort der Erzeugung : Der Breitengrad, die Höhenlage, die Sonnenexposition, der Wind, der Feuchtigkeitsgrad und die Bodenbeschaffenheit sind allesamt Faktoren, die einen erheblichen Einfluss auf den Vegetationszyklus der Rebe ausüben. Die Rebsortenvielfalt und ihre jeweilige Beschaffenheit spielen dabei ebenfalls eine entscheidende Rolle: Beispielsweise erlangt eine Grenache-Traube ihren optimalen Reifegrad zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt als eine Sauvignon Blanc-Traube.
Hierunter stellen wir Ihnen alle Phasen dieses Zyklus vor. Zu beachten ist, dass die Jahreszeiten zwischen den nördlichen und südlichen Hemisphären umgekehrt sind. Die wichtigsten Informationen sind am Ende des Artikels in einer Infografik für Sie zusammengefasst.
1. Die Knospenruhe
Nördliche Hemisphäre : November - März
Südliche Hemisphäre : Mai - September
Die Knospenruhe, auch Ruhephase genannt, ist die ausschlaggebende Phase innerhalb des Vegetationszyklus der Rebe. Die Blätter verlieren schrittweise ihre Farbe und fallen allmählich ab, die Triebe (die grünen Zweige, die den Trauben den Halt verleihen) werden immer brauner, erstarren allmählich und werden nun als Ranken bezeichnet. Die Weinstöcke können mit Erde oder Stroh an ihrem Ansatz abgedeckt werden, um sie gegen die Kälte zu schützen. Es ist eine Regenerationszeit für die Rebe, die ihr einen neuen Wachstumszyklus dank den im Laufe des Jahres angesammelten Nährstoffreserven ermöglicht. Zum Ende dieser Periode beginnen die Winzer mit dem Rebschnitt: Manche Ranken werden abgeschnitten, um das künftige Wachstum der Rebe einzuschränken und zu leiten.
2. Der Austrieb
Nördliche Hemisphäre : März - April
Südliche Hemisphäre : September - Oktober
Der Frühlingsbeginn und die steigenden Temperaturen (im Durchschnitt über 10°C) rufen den Knospenaustrieb hervor: Die Austriebphase hat somit begonnen. Die Knospen enthalten die späteren Blätter und Traubenbeeren in sich. Die mit Wasser angefüllten und ausgesprochen empfindlichen Knospen reagieren äusserst sensibel auf Frühlingsfröste, die sich auf den Jahresertrag schädlich auswirken können. Mit der Entwicklung der Knospen kommen die Triebe zum Vorschein, grüne Sprossen, die die ersten Blätter und Blütenstände enthüllen. Auf diesen wachsen später die Blüten, die die künftigen Trauben hervorbringen werden.
3. Die Blüte und der Fruchtansatz
Nördliche Hemisphäre : Mai – Juni
Südliche Hemisphäre : November – Dezember
Diese etwa zehn Tage dauernde Phase führt zur Befruchtung der Fruchtknoten und dem Fruchtansatz: Die Transformation der Blüten in Beeren findet statt. Ungefähr 30% der Blumen entwickeln sich zu Trauben. Dieser Anteil kann je nach der Beschaffenheit der jeweiligen Rebsorte und den meteorologischen Bedingungen stark variieren. In diesem Stadium sind die Trauben noch grün, klein und sehr sauer.
4. Die Traubenreifung
Nördliche Hemisphäre : Juli – August
Südliche Hemisphäre : Januar – Februar
Die Phase der Traubenreifung ist der Zeitraum, in dem die Beeren an Fülle zunehmen und ihre Farbe ändern: Hellgelb, Goldgelb, Lila, Schwarz…. je nach Traubensorte. Der Säuregrad nimmt allmählich ab und die Trauben gewinnen zunehmend an Süsse, werden aromatisch und füllen sich mit Wasser. Der Zeitpunkt für die Traubenlese lässt sich allmählich erahnen.
5. Die Reife
Nördliche Hemisphäre : August – September
Südliche Hemisphäre : Februar - März
Diese Phase unterscheidet sich je nach Region, Rebsorte und hängt nicht zuletzt vom gesuchten Weinstil ab. Die Trauben unterliegen einer regelmässigen Kontrolle des Winzers und des Önologen im Rebberg, um den optimalen Zeitpunkt für die Weinlese festzulegen und den idealen Reifegrad für den zu erzeugenden Wein zu erhalten. Schlussendlich ist alles eine Frage der Ausgewogenheit : An diesem Punkt kommt es insbesondere auf den Zuckergehalt, den Säuregrad, die Farbe, die Tannine und die Aromenreife (organoleptische Reife) an.
Beispielsweise werden die für die spritzigen und erfrischenden Weine bestimmten Chardonnay-Trauben zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt gelesen, als das Traubengut, das für stille, vollmundige Weine mit reifen Aromen gedacht ist.
6. Die Uberreife
Nördliche Hemisphäre : Oktober – November
Südliche Hemisphäre : April – Mai
Manche Rebsorten werden absichtlich länger am Rebstock gelassen, um erst nach dem herkömmlichen Erntezeitpunkt gelesen zu werden: Es handelt sich um Spätlesen. Die Reifung der Trauben ist abgeschlossen und das Dörren setzt langsam ein. Der allmähliche Wasserverlust trägt zur stärkeren Konzentration anderer Komponenten bei: Zucker, Säure und Aromen. Die Aromentypen unterliegen ihrerseits einer Weiterentwicklung. Weine aus spät gelesenen Trauben sind von hoher Qualität, ausgesprochen konzentriert und intensiv, bringen aber auch höhere Erzeugungskosten mit sich: Die herbst- und feuchtigkeitsbedingte Fäule sowie gierige Tiere stellen dabei ein erhebliches Risiko dar.
Nachfolgend finden Sie eine Infografik des Vegetationszyklus der Rebe: