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Es ist sicher angebracht, die historischen Verdienste der Helvetischen Republik und der noch jungen Schweiz im Bereich der Bildung den heutigen Leserinnen und Lesern bewusst zu machen. Jedoch der Vergleich und die Schlussfolgerungen zur heutigen Schule ärgern mich. Kollege Aebersold meint, man könne „die Prügelstrafe, autoritäre Wertvorstellungen, Lehrerinnenzölibat usw.“ der Schule des 19. Jahrhunderts zwar kritisieren, heute seien wir aber daran, die tragenden Säulen der Volksschule zu schleifen, was für ihn offensichtlich schwerer wiegt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in eine Klasse mit 100 Schülern oder Schülerinnen zurück möchte. Ich selbst erinnere mich daran, wie ich an den Haaren hochgezogen wurde und wünsche das niemandem. Der systematischen Prügelstrafe entging ich dank meiner späten Geburt.
In weiten Strecken glich der Unterricht in der Volksschule des 19. Jahrhunderts eher einer Dressur als einem Unterricht, wie wir ihn heute verstehen.
In weiten Strecken glich der Unterricht in der Volksschule des 19. Jahrhunderts eher einer Dressur als einem Unterricht, wie wir ihn heute verstehen. Auch kann keine Rede davon sein, dass die Lehren von Pestalozzi den Schulbetrieb bestimmten. Seine Schriften wurden durchaus gelesen, aber eine Implementierung in alle Volksschulen wäre schon nur aufgrund des Föderalismus in der Schweiz nicht möglich gewesen. Mit den Worten von Professor Jürgen Oelkers: „Pestalozzis Anstalt ist durch Methodenbücher bekannt geworden, die die tatsächliche Praxis jedoch nie bestimmt haben“ (Regionale Schulentwicklung und die Modernisierung des Bildungswesens, UZH 2015, S.4). Welches Erbe hinterlässt uns also die Volkschule des 19. Jahrhunderts?
Die Schule muss allen zugänglich und kostenlos sein, das Wissen muss den Glauben ersetzen. Hinter diese Prinzipien stelle ich mich gerne, aber eben nicht hinter die Praxis.