Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03405.jsonl.gz/2801

Nachbarschaft Vella
In der Bronzezeit bestand eine Siedlung in Pleif. Das erste nachgewiesene kirchliche Gebäude kann dem Jahr 800 in Pleif datiert werden. Einige Jahre später wird die Lumnezia das erste Mal im karolingischen Reichsguturbar mit dem Namen Legunitia, Leunizze und Leunicia genannt.
Seit dem 14. Jahrhundert besiedeln die Walser erstens das Seitental Peil, danach Vals vom Rheintal her und über den Valserberg. Vals war bereits im 11./12. Jahrhundert von Romanischen bevölkert. Der Pass des Valserberg war eine Verbindung von regionaler Wichtigkeit zwischen dem Vorder- und Hinterrhein, z. B. für den Export von Glarner Vieh als Verlängerung vom Tomül (Panixerpass) bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
In den Jahren 1350 gehört die Vogtei der Lumnezia als Feudum den Freiherren de Belmont. 1352 besiegt der Freiherr de Belmont den Graf de Werdenberg-Sargans in Sogn Carli am Fuss des Piz Mundaun. Gemäss Sage sollen die Lugnezerinnen bei Porclas den Kampf entschieden haben. Als Dank soll den Damen das Recht gewährt worden sein, in der Kirche von Pleif an der rechten Seite Platz zu nehmen. 1395 verbinden sich die Lugnezer mit dem Landfriedensbündnis von Ilanz, mit dem Zweck die Sicherheit auf den Strassen herzustellen, das Gewerbe und den öffentlichen Verkehr zu ermöglichen und das gemeine Männerrecht vor Gericht zu garantieren. 1424 wird dieses Bündnis zurückbehauptet und in Trun unter dem legendären Ahorn verstärkt, von da an Graues Bund genannt. Die romanische Lumnezia ist nach 1424 eine Gerichtsgemeinde, im Bund mit zwei Stimmen vertreten, Vals als selbstständige Gemeinde ist mit einer Stimme vertreten. 1538 kauft sich die Lumnezia vom Bischof von Chur frei. 1581 - 1629 breiten sich Pestepidemien in Lumnezia aus. 1770 - 1772 herrscht Hunger, danach wird die Kartoffelernte eingeführt. 1799 verliert die letzte Militärreserve (Landsturm) der Surselva eine Schlacht gegen die französischen Truppen in Tamins. Etwa 70 Lugnezer und Walser sind verunglückt.
Von 1800 bis zum ersten Weltkrieg begeben sich Kinder im Alter von 8 - 15 Jahren der Lumnezia und von Vals früh im Frühling ins Schwabenland um in Landwirtschaftsbetrieben zu arbeiten. Im November kehren sie wieder heim. Im Jahre 1849 arbeiten 356 Kinder der Lumnezia und von Vals im Schwabenland.
1851 wird Graubünden in Bezirke und Kreise eingeteilt. Der Kreis Lumnezia umfasst die zwei Gerichte Lumnezia und Vals. Aufgrund des Briefs vom 23. September 1524 der Drei Bünde waren 48 Gerichte in Graubünden in Betrieb. Die Ganzheit der Gerichte war die Höchstautorität der Republik. Jede hatte ein oder zwei Stimmen je nach Grösse. Das Gericht Lumnezia umfasste die Nachbarschaften von Camuns, Cumbels (Cumbel), Duvin, Furth (Uors), Igels (Degen), Lumbrein, Morissen, Neukirch (Surcuolm), Oberkastels (Surcasti), Peiden, St. Martin, Tersnaus, Vigens (Vignogn), Villa (Vella) und Vrin. Die Nachbarschaften waren also Unterabteilungen der Gerichte und waren hauptsächlich Gemeinschaften, welche den öffentlichen Grund, die Wälder, die Weiden und die Alpweiden nutzten.
Im 1840 hat ein grosser Brand das Areal von Cadorcat in Vella getroffen. 8 Häuser mit 15 Wohnungen und 6 Ställe hat der Brand zerstört.
Im 1867 wird ein neues Postbüro in Vella eröffnet, 1870 ein Telegrafiebüro. 1886/87 baut der Kanton die neue Strasse von Valgronda - Vrin. Im Jahre 1887 wird in Vella die Lugnezer Realschule mit zwei Klassen eingeführt. Der Schulrat war der Meinung, dass der Deutschunterricht in der neuesten Zeit immer nötiger wurde und hat in Betracht gezogen, dass diese Schule vielleicht im einen oder anderen Jahr die Errichtung einer zweiten Gemeindeschule hindern sollte, da die Anzahl der Kinder bereits jetzt schon gross war. Er hat aber auch beschlossen, dass die romanische Sprache wöchentlich eine Stunde gepflegt werden sollte. Im ersten Schuljahr sind 6 Mädchen und 15 Knaben an der Realschule aufgenommen worden.
1909 wird das erste Telefon in Vella in Funktion genommen. 1918 wird die Krankenkasse Lumnezia I gegründet. Die Gemeinden des Oberlugnez sind Träger der Kasse. Dreizehn Jahre später gründen die Gemeinden des Unterlugnez zusammen mit Vals die Krankenkasse Lumnezia II. 1918 beschliessen die Vertreter der Lugnezer Gemeinden, elektrisches Licht in den Gemeinden zwischen Cumbel und Vignogn einzuführen. 1922 wird ein Elektrizitätswerk in Vella gebaut, nachdem das Elektrizitätswerk der Surselva (E.W.B.O.) den Bau einer Wasserversorgungsleitung in der Lumnezia abgelehnt hatte. Um Löschwasser in Brandfällen beziehen zu können, wird eine Verbindung zur Druckleitung des Elektrizitätswerks hergestellt, da ein Projekt des Jahres 1919 für eine generelle Wasserversorgung nicht realisiert werden kann. Nachdem das Elektrizitätswerk im Verlauf der dreissiger Jahre geschlossen wird, fehlt die einzige Löschanlage in der Gemeinde.
1930 werden die ersten Mähmaschinen gebraucht, es gibt die ersten Radios in Vella, Lumbrein und Vals. 1943 gewährt der Bundesrat einen Kredit von 1.5 Millionen Franken für Drainagen und Dämme auf Gebiet der Gemeinden des Aussenlugnez.
1949/50 wird ein neues Schulhaus mit einer Turnhalle in Sutvitg gebaut. 1963 wird der erste Skilift in Lumnezia, "Plaunca Biala" in Vella, errichtet. 1967 öffnet die Tuchfabrik Trun ein Produktionsbetrieb in Vella. Dieser wird jedoch neun Jahre später geschlossen. 1970 nimmt die Gesellschaft "Bergbahnen Lumnezia AG" in Vella die Bergbahnen von Vella - Triel und von Triel - Platetg in Funktion. Im Jahre 1977 übernimmt die Gesellschaft "Crap Sogn Gion AG" von Laax diese und verkauft sie später an die Gesellschaft "Bergbahnen Piz Mundaun AG". 1972 führt die Nachbarschaft von Vella Frauenstimmrecht in Gemeindeangelegenheiten ein. 1973 genehmigt die Gemeindeversammlung die erste Raumplanung. 1977 wird beschlossen, eine Gesamtmelioration durchzuführen. 1978 nimmt die Nachbarschaft Vella eine Kläranlage in Funktion, welche 14 Jahre später umgebaut und erweitert wird. Von 1994 - 1997 werden ein neues Schulhaus und eine neue Turnhalle in Sutvitg gebaut. Von 2010 - 2012 baut die Stiftung "da casa val lumnezia" ein neues Alters- und Pflegeheim in Davos Cuort.
Mit der Gesamtmelioration ist eine neue Infrastruktur geschaffen worden, welche den wirtschaftlicheren Anbau von Boden erlaubt. Die Mechanisierung hat erlaubt, viel grössere Flächen anzubauen. Ein Feldstrassennetz von fast 18 km verbindet das Landwirtschaftsland und auch Waldteile. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte sind nur vier landwirtschaftliche Haupterwerbsbetriebe verblieben und einige kleine Nebenerwerbsbetriebe. Ein grosser Teil des Bodens in Vella wird an auswärtige Betriebe verpachtet. In Vella gibt es keine Kuhalp. Die Rinderalp wird mit Vieh von den Landwirten aus Vella und auswärts, vor allem von Cumbel, bestossen.
Als der erste Skilift in Vella geöffnet wurde, hat eine touristische Entwicklung begonnen, welche nach der Inbetriebsetzung der Bergbahnen von Vella - Triel - Platetg beflügelt wurde. Der Hotelbau, eine grosse Überbauung mit Ferienwohnungen und viele weitere Ferienhäuser haben die traditionelle Bauerndorfstruktur seit dem 1980 umgeformt. Die Nachbarschaft hat grosse Summen in die Eröffnung von Bauland investiert. Das überbaute Land ist im stetigen Wachsen. Jedoch sind zahlreiche Häuser für Einheimische errichtet worden. Die Nachbarschaft hat Land zu günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt, um die Errichtung solcher Häuser zu ermöglichen. Im Jahre 2009 hat sie eine neue Bauzone für Einheimische in Bual eröffnet und weitere Landreserven für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Ziel der Raumplanung ist eine konstante Entwicklung des Tourismus und zeitgleich gute Lebenskonditionen für die Ansässigen zu erhalten sowie gute Voraussetzungen zu schaffen, damit die Unternehmungen erfolgreich bestehen können. So können Arbeitsplätze gefördert werden. Der Weg zu einer guten touristischen Entwicklung ist die Verstärkung der Mitarbeit in der Region Lumnezia - Obersaxen - Mundaun und zum Teil über diese Region.