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In der lyrischen Porzellanbemalung manifestiert sich die gestalterische Auffassung Berta Tappolets (1897–1947), die in verschiedenen Gattungen stets die Absicht verfolgte, durch ein dichtes Dekor Produkte mit Narrativen zu vervollkommnen.
Mit freiem Strich hat Berta Tappolet Tasse und Untertasse als Teil eines Teeservices bemalt. Die vorwiegend zarten Pastelltöne der Porzellanmalfarben sind wässrig-transparent aufgetragen und breiten sich in gleichmässigem Duktus aus. Entspannt am Fenster sitzend betrachtet eine Frau eine harmonische traumartige Landschaft, in der sich Wildtiere zwischen Pflanzen sowie fragmentarisch angedeuteten Gebäuden tummeln und sich weitere Figuren erquicken. Klug gesetzte Farbflächen runden die variantenreiche Komposition ab. Zunächst absolvierte Tappolet gemeinsam mit ihrer Freundin Luise Strasser (1894–1974) eine Lehre als Stickereizeichnerin im Atelier von Bertha Bear (1872–unbekannt), um anschliessend drei Jahre an der Münchner Kunstgewerbeschule dekorative Malerei zu studieren. Nach der Rückkehr betrieben die beiden ab 1917 am Zürcher Neumarkt 11 ein Atelier und von 1926 bis 1935 am Jupitersteig eine «kunstgewerbliche Werkstätte». Tappolets malerischer künstlerischer Ausdruck, den sie in Buchillustrationen (z.B. Kinder im Garten), dekorativer Möbelgestaltung (auf Truhen und Schränken) und in Wandgemälden bereits in der angewandten Form perfektioniert hatte, drang auch in der Porzellanmalerei wie der Textilkunst durch. Mit den Gestalterinnen Luise Strasser, Cornelia Forster und Amata Good eröffnete Tappolet 1937 in Zürich den Cornelius, ein Geschäft, in dem die Künstlerinnen ihre Werke verkauften. Die dadurch erlangte Bekanntheit verhalf ihnen auch zu Aufträgen. Die Keramische Werkstätte in Uster liess Ziervasen und -krüge von Tappolet und Strasser bemalen, während Tappolet auch für die Porzellanfabrik Langenthal dekorierte. (Sabine Flaschberger)