Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03461.jsonl.gz/2861

Wesentlicher Bestandteil des Schnupftabaks war und ist nach wie vor der Tabak. Mit Tabak sind die getrockneten und fermentierten Pflanzenteile wie Stengel und Blätter der Pflanze Nicotiana tabacum L. (Solanaceae) gemeint. Als Hauptinhaltsstoffe gelten die Pyridin-Alkaloide Nicotin und Anabasin. Die Tabakpflanze stammt ursprünglich aus Südamerika und wird heute weltweit kultiviert. Der Gattungsname Nicotiana geht auf den französischen Diplomaten Jean Nicot von Nimes (1530-1600) zurück. Er baute als erster im Jahre 1560 die Tabakpflanze in Europa an und initiierte so ihre Kultivierung in Europa. Der Artenname (lat. species) tabacum entspringt wahrscheinlich der mexikanischen Provinz Tabasco oder dem karibischen Inselstaat Tabago.
Lange bevor die Kolonialisten den Tabak Ende des 15. Jahrhunderts in Süd- und Mittelamerika entdeckten und ihn anfangs des 16. Jahrhunderts nach Europa brachten, verwendeten die amerikanischen Ureinwohner seit längerem die Tabakpflanze für ihre medizinischen und rituellen Zwecke. Die Indianer konsumierten den Tabak in Form von Schnupftabak und nicht in Form von Raucherware. So brachte Christoph Kolumbus den Tabak in Pulverform nach Europa. So soll die französische Königin Katharina von Medici im 16. Jahrhundert den Schnupftabak als Medizin gegen ihre migräneartigen Kopfschmerzen eingesetzt haben. Im Jahre 1677 wurde die erste Schnupftabak-Manufaktur in Spanien gebaut, nämlich die königliche Tabakfabrik von Sevilla.
In deutschen Ländern war der Schnupftabak vorerst lediglich in Apotheken als Arzneimittel erhältlich. Der Schnupftabak diente als Transport-Vehikel für verschiedene Arzneistoffe. So zum Beispiel für Menthol, Kampfer und andere aetherischen Öle. Anfangs wurde auch die Pflanze Christrose (Helleborus niger L.) der Gattung Nieswurz alleine oder als Zutat zum pulverisierten Tabak eingesetzt. Dadurch wurde das befreiende, lösende und somit reinigende Niesen erreicht. Da sprach man auch von einem „Niespulver“. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte sich aber die Rauchform des Tabaks durch. Die Rauchtabake wurden in allen Schichten gesellschaftsfähig und insbesondere die Zigarette trat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Siegeszug an. Doch der Schnupftabak wurde nie vollständig zurückgedrängt. Im Gegenteil, in der heutigen Zeit des zunehmenden Rauchverbots in öffentlichen Lokalen ist das Schnupfen eine valable Alternative und erfreut sich steigender Beliebtheit.