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«One thing about good music, when it hits you feel no pain, so hit me with music, hit me with music, yeah, reggae is the feeling okay.» Liedzeilen aus dem «Trenchtown Rock», der nicht nur Bob Marleys Liebe zur Musik, sondern auch seine Herkunft aus dem Ghetto von Kingston, der Hauptstadt Jamaikas, belegt. «Trenchtown Rock» ist das erste Stück von Bob Marleys Platte «Live! At the Lyceum», aufgenommen am 18. Juli 1975 in London, zugleich akustisches Dokument einer Tour, die für Bob Marley & The Wailers den Durchbruch in Europa bedeutete. Mit seinen Ghettoklängen, einer Mixtur aus westindischer Folklore, Rock-Beats und afrikanischen Rhythmen, in denen schneidende Rhythmusgitarren und wummernde Bässe, weiblicher Chorgesang und tröpfelnde Keyboard-Einsprengsel, ein verlangsamter Achtelrhythmus und sparsame Orchestrierung den Stil bestimmen, stieg er zum König des Reggae auf. Diese frenetische Lebensfreude, verbunden mit politisch engagierten Texten, sorgte in den siebziger Jahren für umjubelte Konzerte.
Kevin MacDonald (The Last King of Scotland) hat nun die erste abendfüllende Dokumentation über den charismatischen Sänger gedreht. Mehrere Jahre zogen sich die Vorbereitungen hin, viele rechtliche Probleme galt es zu lösen, sogar Regisseure wie Martin Scorsese und Jonathan Demme waren im Gespräch. Erst mit der Unterstützung von Marleys Witwe Rita sowie dem Einstieg seines Sohnes Ziggy und Chris Blackwell, Gründer des Island-Labels, als Executive Producer kamen die Dinge ins Rollen.
MacDonald spannt in 144 Minuten den Bogen von Robert Nesta Marleys Geburt als Sohn eines fünfzigjährigen britischen Hauptmanns und einer einheimischen Kolonialwarenhändlerin am 6. April 1945 bis zu seinem Krebstod am 11. Mai 1981 in Miami – mit einem unendlichen Reichtum an biografischen, sorgfältig recherchierten Informationen über Ehe, Affären, Kinder, Exil sowie politische und soziale Hintergründe im Jamaika der sechziger und siebziger Jahre. Spannend zu erfahren, dass Marley nicht nur darunter litt, ohne Vater aufzuwachsen, sondern auch als Mischling. MacDonald stellt Marleys Bedeutung als Musiker heraus, aber auch als politische Galionsfigur, die Haile Selassie verehrte und die «Back to Africa»-Bewegung in seinen Liedern propagierte. Der Regisseur hat dazu zahlreiche Weggefährten befragt, von Chris Blackwell bis Rita Marley, von Bunny Livingston (einzig überlebendes Mitglied der Ur-Wailers, der mit ironischen Einsichten unterhält) bis Lee Scratch Perry, auch weisse Mitglieder von Marleys Familie und Freundinnen wie Cindy Breakspeare, Miss World von 1976, kommen zu Wort. Geradlinig und elegant, fast beiläufig treibt der Film so seine biografische “Erzählung” voran: Erste Anfänge Mitte der sechziger Jahre als «Wailers» mit der Single «Simmer Down», zwischenzeitlicher Aufenthalt von Bob Marley bei seiner Mutter in den USA, Neuformation der «Wailers» 1969 unter den Fittichen des genialen Produzenten Lee Scratch Perry, bis Marley im Herbst 1972 bei Island anheuerte. Von da an ist sein Aufstieg nicht mehr aufzuhalten, Songs wie «No Woman, No Cry» oder «I Shot the Sheriff» stürmen die Charts. Im Dezember 1976 wird Marley in seinem Haus niedergeschossen, weil er im politisch zerrütteten Jamaika für den sozialistischen Premierminister eingetreten war. Marley geht für eineinhalb Jahre nach London, um dann nach Kingston zurückzukehren – als kultisch verehrter, charismatischer Messias, der die Menschen und – in einer denkwürdigen Szene – die Politiker mit seiner Musik eint. MacDonald spielt jetzt die Stärken seines Films aus: aufregende Live-Auftritte, in denen Marley in seiner Musik aufgeht und alles um sich herum vergisst. Für Bob-Marley-Fans ist dieser Film ein Geschenk, gerade wegen seiner Länge und Ausführlichkeit.