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Charlie English: Die Bücherschmuggler von Timbuktu. Von der Suche nach der sagenumwobenen Stadt und der Rettung ihres Schatzes.
Hoffmann und Campe 2018.
Charlie English, der für dieses Buch seine Stelle als Auslandsredaktor bei der Zeitung «The Guardian» aufgegeben hat, erzählt die Geschichte dieser Manuskripte, von deren – aus europäischer Sicht – Entdeckung durch die Engländer, deren Bekanntmachung in der Forschung durch einen der gegenwärtigen Bibliothekare und schliesslich von deren Rettung vor den Eroberern Timbuktus 2013.
English führt die Leserschaft durch die dilettantisch-abenteuerlichen Exkursionen der Engländer im 19. Jahrhundert ins afrikanische Inland, die alle nicht wieder heimkehren, deren letzter, Alexander Gordon Laing, 1826 aber immerhin ein Brief aus Timbuktu schreiben kann, in dem er angibt, er sei «…vollauf damit beschäftigt, Aufzeichnungen in der Stadt zu suchen, die reichlich vorhanden sind…» (Sehr zum Ärger des British Empire ist es ein Franzose, der wenige Jahre nach Laings Tod als erster Timbuktu erreicht, lebend von der Expedition zurückkommt, das Preisgeld der «Royal Geographic Society» einstreicht und damit eine diplomatische Krise auslöst.) Für die Geschichte und Quellen Westafrikas interessiert sich aber erst der Deutsche Forscher Heinrich Barth, der 1853-54 in Timbuktu ist und sowohl in der Stadt als auch auf dem Weg dorthin historische Werke zusammenfasst, teilweise kopiert und so Europäern zugänglich machte, wenn seine Reisebereichte denn gelesen worden wären.
Diese höchst amüsanten historischen Romanepisoden lässt English geschickt parallel laufen mit Reportagen aus dem 21. Jahrhundert über einen Chefbibliothekar und Manuskriptbeschaffer, der im Alleingang abertausende alter Schriften zusammenträgt, über die Ergriffenheit eines amerikanischen Professors ob dieser grossartigen Quellen, über Unabhängigkeitsbestrebungen und Erstarken des westafrikanischen Al Quaida-Ablegers, und schliesslich über die Besetzung Timbuktus, der immer extremeren Durchsetzung der Scharia, der Unterdrückung der Bevölkerung, der Zerstörung aller Kultur, die nicht ins Weltbild der Salafisten passt. Und vom Mut und Erfindergeist all der – bei Weitem nicht perfekten – Menschen, die das Erbe ihrer Stadt unter Einsatz ihres Lebens Kiste für Kiste aus Timbuktu herausschleusten.
«Die Bücherschmuggler von Timbuktu» ist eine gelungene Mischung aus Reportage, historischer Einführung, Abenteuerroman und Polit-Krimi, die gut unterhält und viele Denkanstösse liefert.