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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

106. Vortrag
1.
Über diese Worte des Herrn wollen wir, wie er es gibt, in dieser Rede handeln. Sie lautet: "Ich habe Deinen Namen den Menschen geoffenbart, die Du mir gegeben hast von der Welt". Wenn er dies nur von den Jüngern sagt, mit welchen er das Abendmahl hielt und zu welchen er, ehe er zu beten anfing, so vieles redete, dann bezieht sich das nicht auf jene Verklärung oder, wie andere übersetzt haben, Verherrlichung, von welcher er vorher sprach, mit welcher der Sohn den Vater verklärt oder verherrlicht. Denn was für eine Herrlichkeit ist es, zwölf oder vielmehr elf Sterblichen bekannt worden zu sein? Wenn er aber mit den Worten: "Ich habe Deinen Namen den Menschen geoffenbart, die Du mir gegeben hast von der Welt", alle verstanden wissen wollte, auch diejenigen, die einst an ihn glauben und zu seiner großen, aus allen Völkern zu sammelnden Kirche gehören sollten, von der im Psalme gesungen wird: "In großer Versammlung werde ich Dich lobpreisen"1 , so ist das gewiß jene Verherrlichung, durch welche der Sohn den Vater verherrlicht, indem er seinen Namen allen Völkern und so vielen Geschlechtern von Menschen bekannt macht. Und was er mit den Worten sagt: "Ich habe Deinen Namen den Menschen geoffenbart, die Du mir gegeben hast von der Welt", hat Ähnlichkeit mit dem, was er kurz vorher gesagt hatte: "Ich habe Dich verherrlicht auf Erden"2 , indem er statt der künftigen Zeit dort und hier die vergangene setzt, wie einer, der wußte, es sei vorherbestimmt, daß es geschehen solle, und darum sagte, er habe getan, was er ohne jeden Zweifel tun wird.
1: Ps 34,18
2: Joh 17,4