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Die Nieren eines 1-jährigen Rehbocks (ca. 13 kg aufgebrochen) aus dem Kanton Luzern wurden aufgrund auffälliger Veränderungen im Juli 2011 zur Untersuchung an das FIWI gesandt. An den übrigen Organen sowie am Wildbret bemerkte der Jäger nach eigener Aussage keine Abweichungen. Beide Nieren waren nicht vergrössert und zeigten auf der gesamten Nierenoberfläche verteilte kleine kraterförmige, dunkelrot gefärbte Einziehungen. Auf der Schnittfläche wurde deutlich, dass es sich hierbei um viele, teils flüssigkeitsgefüllte Zysten handelte (Durchmesser bis etwa 0.5 cm). Diese beschränkten sich ausschliesslich auf die Nierenrinde, von der insgesamt knapp 50% verändert waren. Unter dem Mikroskop war erkennbar, dass hier jeweils Teile der sogenannten «Harnkanälchen», in denen der Harn gebildet wird, stark erweitert waren und so zu dem makroskopischen Bild einer «zerlöcherten» Niere führten.
An was für einer Krankheit litt der Jährling? Es handelt sich hierbei um sogenannte «Zystennieren». Diese Erkrankung ist häufig angeboren und schreitet mit zunehmendem Alter fort. Da die Niere über eine grosse Reservekapazität verfügt, kommt es erst zu Beeinträchtigungen des Gesundheitszustandes, wenn mehr als etwa zwei Drittel des Nierengewebes verändert sind. Im Verlauf der Erkrankung werden die Zysten immer zahlreicher und grösser, bis es schliesslich zum Nierenversagen kommt. Hinweise auf ein Nierenversagen können Abmagerung und zentralnervöse Störungen wie Apathie sein, da durch den Funktionsausfall der Nieren giftiger Harnstoff über das Blut ins Gehirn gelangt. Ausserdem können beim Aufbrechen eines solchen Tieres eventuell ein «harnartiger» Geruch und/oder Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) bemerkt werden. Auch bei vielen anderen Säugetieren und dem Menschen werden Zystennieren (auch «polyzystische Nierenerkrankung» genannt) beobachtet. Fälle beim Rehwild werden am FIWI vereinzelt diagnostiziert.