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Alle Pferde sollten die gleiche Chance haben
Am Frühjahrsmeeting, das am 3. Juni auf der Frauenfelder Rennbahn stattfindet, ist das Grand Handicap der Höhepunkt. Der Schweizer Handicapper Thomas Peter erklärt, was das Besondere daran ist.
Nicole D’Orazio
Herr Peter, als Handicapper schätzen Sie die Rennpferde in der Schweiz ein. Nach welchen Kriterien gehen Sie vor?
Der Handicapper oder auch Ausgleicher genannt, gleicht die Formen der Pferde in bestimmten Rennen, den Handicaprennen, an. Da formstarke Pferde sonst immer gegen schwächere Pferde gewinnen würden, gleicht man die Leistung mit Gewichten, die der Reiter unter der Satteldecke trägt, an. Also bekommen die starken Pferde Gewicht zugeteilt, den schwächeren nimmt man weg.
Wie oft schätzen Sie die Pferde ein?
Nach jedem Rennen wird die Leistungsstärke aller Pferde berechnet, um auch den Wert eines Rennens ermitteln zu können. Dies gibt dem Galoppsport eine Transparenz auch im Hinblick auf die Zucht und den Marktwert des Vollblüters.
Am 3. Juni findet in Frauenfeld das Grand Handicap statt. Was ist die Idee eines solchen Rennens und wie funktioniert es?
Es handelt sich um ein Handicaprennen der Kategorie 1, ein Premium Handicap für die besten Pferde auf dieser Strecke. Durch die errechneten Gewichtsunterschiede haben theoretisch alle Pferde die Chance, als Sieger durch das Ziel zu gehen. Es gibt aber auch Faktoren, die man nicht berechnen kann wie Tagesform und die Bodenbeschaffenheit der Bahn. Auch gibt es Pferde, die eine Vorliebe für die Frauenfelder Bahn haben.
Bei welchem Ausgang haben Sie einen guten Job gemacht?
Der Handicapper freut sich über jeden Sieger. Die Arbeit ist gelungen, wenn die Pferde 50 Meter vor dem Ziel noch alle eine Chance auf den Sieg haben.
Wie wird sichergestellt, dass jedes Pferd das richtige Gewicht trägt?
Das zu tragende Gewicht wird von der Rennbehörde in Avenches errechnet und am Renntag von der Rennleitung überprüft. An der Waage wird kontrolliert, dass die Reiter das richtige Gewicht mitnehmen und nach dem Rennen wieder zurückbringen.
Was passiert, wenn ein Reiter zu leicht ist? Wie erreicht er dann das vorgeschriebene Gewicht?
Das kann man mit kleinen Bleiplatten in einer Gewichtsdecke unter dem Sattel ausgleichen. Eher haben die Reiter oft das Problem, das geforderte Gewicht nicht auf die Waage zu bringen und müssen schon Tage vor dem Rennen hungern oder in der Sauna das Gewicht abschwitzen.
Müssen Sie jeden Renntag live mitverfolgen?
Es gibt für mich ca. 50 Renntage im Jahr, auch in einer anderen Tätigkeit in Deutschland. Man versucht so oft wie möglich live die Rennen zu verfolgen, da man gewisse Details besser erkennen kann als am Monitor.
Wie haben Sie den Job des Handicappers erhalten?
Seit meiner frühesten Jugend war ich schon in Baden-Baden auf dem Rennplatz und habe verschiedene Tätigkeiten als Funktionär ausgeübt. Galopp- Schweiz hat mich für die Tätigkeit des Handicappers angefragt und bis heute mache ich den Job mit Freude.
Erhalten Sie von Trainern und Besitzern Reaktionen auf Ihre Einschätzungen? Sind diese auch mal nicht zufrieden?
Natürlich kommuniziere und diskutiere ich oft mit Trainern und Besitzern. Ich kann versichern, dass es das höchste Bestreben eines Handicappers sein muss, absolut gerecht zu sein und niemanden zu benachteiligen.