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KLOSTERNEUBURG
Klosterneuburg (ca. 30'000 Einwohner), eine Stadt
mit Geschichte und Tradition, geprägt durch das Stift Klosterneuburg,
eingebettet in die malerische Landschaft des Wienerwaldes und der Donauauen,
liegt direkt am nördlichen Stadtrand von Wien. Vom Zentrum Wiens ist
Klosterneuburg innerhalb etwa 15 Minuten per Auto erreichbar.

Stift
Klosterneuburg
Das Gebiet ist sehr geschichtsträchtig. Hier
erstellte die römische X. Legion ab ca. 50 n.Chr. ein erstes Hilfstruppenkastell und betrieb bereits Weinbau.
Das bekannte
Chorherrenstift wurde vom Babenberger Markgrafen Leopold III. (1073-1136)
gegründet. Nach der Legende soll an dieser Stelle der vom Wind verwehte Schleier
seiner Gattin Agnes gefunden worden sein.
Im Jahr 1114 liess Leopold III. den Grundstein für
die monumentale Stiftskirche legen. Die Kirche war ursprünglich ein Kollegium
für weltliche Kanoniker und wurde später, im Jahr 1133 in ein
Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt.
Der Heilige
Leopold ist auch der Landespatron von Niederösterreich.
Als im Jahre 1330 in Klosterneuburg ein grosser
Brand ausbrach, ging das Löschwasser aus. Die Mönche schleppten Eimerweise Wein
zum Altar und es gelang ihnen, damit zumindest dort das Feuer zu löschen.
Klosterneuburg selbst wurde durch diesen Brand beinahe zur Hälfte zerstört.
Beim Herannahen der Türken
im Jahre 1683 wurden vorweg aus dem Klosterneuburger Stiftskeller 6.000 Eimer Wein (rund 360.000 l) nach
Bayern in Sicherheit gebracht. Ab 24. August belagerte der Oberbefehlshaber Kara
Mustapha mit einem 13'000 Mann starken Heer die Stadt. Da öffnete der Chorherr Wilhelm Lebsaft das Tor des dreistöckigen Stiftskellers und begann Wein an die Verteidiger
auszuschenken. Diese wurden dadurch offenbar so motiviert und gestärkt, dass es
gelang,
den Angriff vorerst abzuschlagen.
Dass die Klosterneuburger trotz ihrer
schwachen Kräfte bis zuletzt durchhalten konnten und somit einen wichtigen
Flankenschutz beim Anmarsch der verbündeten Christenheere zum Entsatz von Wien
bilden konnte, war - nebst dem Wein - in erster Linie das Verdienst der
Chorherren und der starken Solidarisierung zwischen Stift und Stadt. Der
schlecht umwehrte und schwer zu verteidigende untere Bereich der Stadt musste
immer wieder den feindlichen Belagerungen preisgegeben werden. Er wurde mehrfach
geplündert und zerstört, während sich die Bevölkerung in den Schutz der stark
befestigten Oberen Stadt begab. So auch während der Türkenbelagerungen von 1529
und 1683.
Schon zu dieser Zeit war der Klosterneuburger Wein
weithin berühmt und das Stift bekam vom Volk den Namen "Zum rinnenden
Zapfen".
Auf Grund der rigorosen Kirchenreformen unter Kaiser Joseph II. (1741-1790)
reiste im Jahre 1782 Papst Pius VI. (1717-1799) nach Wien und besuchte am
20. April auch das Chorherrenstift in Klosterneuburg. Der damals kredenzte
Wein fand sein Wohlgefallen - im Gegensatz zum einige Tage vorher
kredenzten Schilcher.
Kaiser Napoleon (1769-1821) weilte zweimal in
Klosterneuburg. Am 2. Dezember 1805 besiegte er in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz die Truppen der Österreicher und Russen. Danach rückten die Franzosen
in Klosterneuburg ein. Am 20. Dezember besuchte Napoleon das Stift
Klosterneuburg und den Weinkeller; man kredenzte ihm einen "alten Österreicher".
Er lobte ihn mit den Worten, "dass dieser dem Rheinwein nicht unähnlich sei".
Im Jahre 1809 besetzte Napoleon zum zweiten Mal Wien und zog vorher wieder in
Klosterneuburg ein.

Das
1'000-Eimerfass im Binderstadl in Klosterneuburg, wie es sich heute zeigt
Seine Soldaten plünderten dabei 8.241 Eimer besten Weines. Sie zapften auch das
berühmte "Tausendeimer-Fass" an, dass seit dem Jahre 1711 zur Aufnahme
des Zehentweines diente.
Die Franzosen betranken sich tagelang und liessen den
Rest auslaufen.
Danach
wurde das Fass nie mehr gefüllt, sondern nur mehr zum bekannten Fassl-Rutschen
verwendet, das jährlich um "Leopoldi" (15. November, dem Todestag des Heiligen
Leopold) stattfindet..
Damals bewirtschaftete das Stift allein in Klosterneuburg insgesamt
1.200 Hektar Rebfläche. Heute sind das nur mehr 30 Hektar, also etwa 2,5%. Zum
größten Teil hat daran die Reblaus schuld, die auch hier Ende des 19.
Jahrhunderts erbarmungslos zuschlug und viele Weingärten vernichtete.

Weine aus
Klosterneuburg sind international begehrt.
Im Jahre 1860 wurde hier die Klosterneuburger Weinbauschule gegründet und
zum ersten Direktor August-Wilhelm Freiherr von Babo (1827-1894) bestellt. Durch
seine Lage eignet sich Klosterneuburg besonders für den Weinbau, denn seine
zumeist gegen Süden abfallenden Hügel werden den ganzen Tag mit Sonne
beschienen. Die Weingärten liegen nahe der Donau und werden vom die Feuchtigkeit
regulierenden Wienerwald begrenzt. Zu Klosterneuburg zählen die Orte Gugging,
Kierling, Scheiblingstein, Weidling und Weidlingbach. Die Gesamt-Rebfläche
beträgt rund 170 Hektar, die zu 75% mit weißen Rebsorten bestockt sind. Der
Anteil an Gemischtem Satz ist relativ hoch, aus dem der typische Wein für
die zahlreichen Heurigen in der Umgebung gekeltert wird. Zu den besten Rieden
zählen die Franzhauser (großteils Riesling) von wo in der Monarchie Weine
an den Hof in Wien geliefert wurden, Hengstberg (Grüner Veltliner),
Weidling (großteils Riesling), die mit bis zu 70% Neigung sehr steile und
teilweise terrassierte Wieden und Ziegelgrub (vorwiegend Riesling). Das
Augustiner Chorherrenstift ist mit über 100 Hektar Rebfläche einer der größten
Weinbaubetriebe Österreichs. Im unter Kaiser Karl VI. (1685-1740) errichteten
vierstöckigen Kellergewölbe werden die Weine gekeltert und gelagert. Die
Rebflächen befinden sich nicht nur in Klosterneuburg, sondern auch in den
Weinbau-Gemeinden Kahlenbergerdorf, Tattendorf und Gumpoldskirchen.
Klosterneuburger Mostwaage
Österreichische Maßeinheit (KMW) bzw. Senkwaage für das Bestimmen vom
Mostgewicht.
Klosterneuburger Weinbauschule
Das zu den ältesten Weinbauschulen der Welt zählende Institut wurde am 12. April
1860 über Initiative Eduard Freiherr von Hohenbruck (Vizedirektor der k.k.
Landwirtschafts-Gesellschaft Wien) im Chorherrenstift Klosterneuburg
(Niederösterreich) als "Niedere Stiftsweinbauschule" feierlich eröffnet. Die
Oberleitung hatte der Stifts-Prälat Adam Schreck inne, die fachliche Leitung
wurde als erstem Instituts-Direktor August-Wilhelm Freiherr von Babo (1827-1894)
übertragen, dem Erfinder der Klosterneuburger Mostwaage. Auf dessen Vorschlag
wurde das Institut 1874 zur staatlichen Lehranstalt erhoben und in
Gumpoldskirchen, Krems, Mistelbach und Retz Weinbau-Fachschulen gegründet. Im
Jahre 1863 erfolgte eine Übernahme durch das Land Niederösterreich. 1870 wurde
die Oenochemische Versuchs-Station etabliert und mit der Leitung Leonhard
Roesler (1839-1910) betraut.
Im Jahre 1902 erfolgte eine Reorganisation, es gab nur mehr einen Direktor, der
sowohl für die Lehr-, als auch für die Versuchs-Anstalt zuständig war. Die
Oenochemische Versuchs-Station wurde als selbständige Anstalt aufgelassen und
die Abteilung Weinuntersuchung der chemisch-landwirtschaftlichen
Versuchs-Station in Wien angegliedert. Die verbleibende Abteilung Weinbau wurde
der Weinbauschule angeschlossen und um den Bereich Hefereien-Zucht erweitert.
Bezüglich dieses Themas erwarb sich der spätere Instituts-Direktor Wenzel
Seifert (1862-1942) große Verdienste. Im Jahre 1897 wurde in Kierling eine vier
Hektar große Obstbau-Versuchanslage angelegt und dem in der neuen Bezeichnung "k.k.
Höhere Lehranstalt für Wein- und Obstbau" Rechnung getragen. Im Jahre 1909 wurde
Seifert neuer Direktor, dem 1922 Ludwig Linssbauer (1869-1940) nachfolgt. Im
Jahre 1938 wurde Fritz Zweigelt (1888-1964) als Direktor ernannt. Im April 1945
wurde in den letzten Kriegstagen durch einen Bombentreffer die gesamte Vinothek
mit wertvollen Beständen bis zurück in die Gründerzeit vernichtet. Von 1995 bis
1998 erfolgte eine Generalsanierung des gesamten Institutes.
Die „Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau mit Institut
für Bienenkunde Klosterneuburg“ führte im Verlaufe seiner Geschichte zahlreiche
Neuerungen ein. Dazu zählen schwefelfreier Wein, neue Rotwein-Technologien,
erste Farbdeckweine aus österreichischen Sorten, Qualitäts-Weinbrand aus
heimischen Trauben und ein erster entalkoholisierter Wein. Es erfolgten auch
zahlreiche Neuzüchtungen wie z. B. Blauburger, Goldburger, Jubiläumsrebe und
(die nach den ehemaligen Direktoren benannten) Ráthay, Roesler, Seifert und
Zweigelt. Durch Selektion alter Rebsorten-Bestände wurden Verbesserungen bei
den Sorten Weißburgunder, Riesling, Traminer und Welschriesling erzielt. Ab den
1990er-Jahren erzielte das Institut bei genetischen Rebsorten-Untersuchungen
wichtige Ergebnisse. Unter anderem wurde von Ferdinand Regner die
Elternschaft des Müller-Thurgau geklärt und die hohe Bedeutung der
Rebsorten-Familien Fränkisch und Heunisch als Genpool für viele europäische
Sorten nachgewiesen. Berühmte Schüler des Institutes waren unter anderem Lenz
Moser III. (Erfinder der Hochkultur) und der Weinbau-Fachmann Franz Kober
(1864-1943).
Dieser Bericht wird zur Zeit neu überarbeitet
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