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Film-Tipp des Tages: «American Beauty»
Aus dem Jenseits erzählt der Durchschnittsamerikaner Lester Burnham die Geschichte seiner Midlifecrisis. «American Beauty», der Debütfilm des britischen Theatermachers Sam Mendes, ist eine brillante Gesellschaftssatire, ausgezeichnet mit fünf Oscars.
«Ich bin 42 Jahre alt. In weniger als einem Jahr werde ich tot sein. Natürlich weiss ich das jetzt noch nicht. Aber irgendwie bin ich jetzt schon tot». So beginnt Lester Burnham (Kevin Spacey) die Geschichte seiner Lebenskrise.
Auf den ersten Blick verkörpert seine Familie den gutbürgerlichen Traum eines jeden US-Amerikaners. Die perfekt arrangierte Luxuseinrichtung im herausgeputzten Vorstadthaus widerspiegelt ihren Erfolg. Doch der Schein trügt: Lester hasst seinen Job, seine pubertierende Tochter Jane (Thora Birch) hält ihn für einen Versager, seiner Frau Carolyn (Annette Bening), die als Immobilienmaklerin Karriere machen will, hat er nichts mehr zu sagen - und Sex ist schon gar kein Thema mehr. Den Höhepunkt des Tages erlebt Lester jeweils morgens beim Onanieren unter der Dusche.
Fitnessstudio und Marihuana
Alles ändert sich schlagartig, als Lester Janes Schulfreundin begegnet, der verführerischen Angela (Mena Suvari). In seiner Fantasie verfällt er der minderjährigen Lolita völlig. Beflügelt von seiner geheimen Leidenschaft beginnt er, seine verlorene Jugend wieder zu beleben: Er kündigt seinen Job, stemmt Gewichte und raucht Marihuana, das ihm der Nachbarsknabe Rick (Wes Bentley) beschafft. Rick seinerseits - ein Aussenseiter mit weichem Herzen, vom faschistoiden Vater (Chris Cooper) der Homosexualität verdächtigt - beobachtet Lesters Tochter mit der Videokamera. Damit hat Jane ein Problem. Erst nach und nach erkennt sie im sensiblen Jungen einen Seelenverwandten. Dann, in einer stürmischen Nacht, bahnt sich in der trügerischen Vorstadtidylle eine Tragödie an.
«Es geht um das Verlangen nach Jugend, Respekt, Macht und, natürlich, Schönheit. Wenn ein Mann aufhört zu träumen, erstarrt er innerlich», kommentiert Filmkritiker Roger Ebert treffend die mit fünf Oscars preisgekrönte Gesellschaftssatire «American Beauty».
In seinem Filmregiedebüt wirft der britische Theaterregisseur Sam Mendes, gemeinsam mit Drehbuchautor Alan Ball, einen geistreich-bösen Blick auf den Zustand der US-amerikanischen Familie. Zurzeit leiht Mendes sein Regietalent der James-Bond-Filmreihe. Nach «Skyfall» wird im Oktober 2015 bereits das zweite Bond-Abenteuer unter seiner Regie in den Kinos anlaufen.
Alan Ball hat seit «American Beauty» als Autor der Fernsehserien «Six Feet Under» und «True Blood» bewiesen, wie er auf originelle, aber auch subtile Weise mit Themen wie Familie und Liebe, Ausgrenzung und Selbstverwirklichung umzugehen vermag. Kevin Spacey hat mit dem freiheitsuchenden Lester Burnham die Rolle seines Lebens gefunden. Annette Bening, die bereits vier Mal für einen Oscar als Beste Darstellerin nominiert war, verkörpert hier Lesters neurotische Ehefrau Caroline. Mit Chris Cooper ist die Rolle des Militärkopfs Fitts perfekt besetzt. Daneben verhalf der Film den Jungstars Thora Birch, Mena Suvari und Wes Bentley zum Durchbruch.
Sendeplatz
Sonntagnacht um 23:50 Uhr auf SRF zwei