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(Fischer, 1853)
- DE: Sumpfgrille
- EN: Marsh-cricket
- FR: Le Grillon des marais
- Syn.: Nemobius lateralis Costa, 1855
Morphologie
Pteronemobius heydenii ist die kleinste Grillenart der Schweiz. Die Grundfarbe ist einheitlich dunkelbraun bis annähernd schwarz. Eher etwas hellere Tiere findet man in der Südschweiz. Nur Kopf und Beine tragen undeutliche, hellere Zeichnungen. Der Halsschild ist besonders am Vorderrand mit langen Borsten besetzt. Die Fügel bedecken beim Weibchen etwa die Hälfte bis zu zwei Drittel des Hinterleibs, beim Männchen fast den gesamten Hinterleib. Die kurze Legeröhre ist gerade und höchstens am Ende leicht nach oben gebogen, an der Spitze etwas verdickt und fein gezähnt. Sie ist etwas kürzer als bei Pteronemobius lineolatus. Die Hinterschienen tragen auf der Oberseite beidseits je 4 Dornen.
Gesang
Der mässig laute Gesang von Pteronemobius heydenii besteht aus ca. 2 s lang anhaltenden Versen, die durch 0,5-2,5 s lange Pausen unterbrochen sind. Ein einzelner Vers beginnt relativ leise und erreicht die maximale Lautstärke nach dem ersten Drittel, selten erst kurz vor Schluss. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum zwischen 6 und 8 kHz. Die Tiere sind bei uns vor allem tagaktiv und singen in der Nacht deutlich weniger schrill, mit längeren Pausen zwischen den Versen. Pteronemobius heydenii singt auch bei Regen. Der Werbegesang ist etwas leiser, die Verse sind in ihrer Länge variabel und die Pausen dazwischen kürzer. Der Ton ist weniger rein als beim Spontangesang. Dabei wird der ganze Körper in der Längsachse vor und zurück bewegt. Die Schüttelbewegungen sind im Vergleich zu denjenigen der Antaxius-Arten langsam, die Amplitude ist aber mit bis zu 0,5 cm viel grösser. Dieses Verhalten konnten wir auch bei Männchen beobachten, die in der Vegetation herumliefen, ohne zu werben. Die Form der Silben beim Werbegesang unterscheidet sich deutlich von derjenigen beim Spontangesang.
Spontangesang von Pteronemobius heydenii - CH, TI, Gudo, 25 °C, sonnig.
Einzelner Vers aus dem Spontangesang von Pteronemobius heydenii - CH, TI, Gudo, 25 °C, sonnig.
Verbreitung
Pteronemobius heydenii ist eine mit mehreren Unterarten in Europa, Afrika und Asien verbreitete Art. Die hier behandelte Nominatform Pteronemboius heydenii heydenii ist mediterran, zentraleuropäisch und südwestasiatisch verbreitet. Das Verbreitungsgebiet reicht von Spanien über Frankreich, Italien, Süddeutschland und Osteuropa bis ans Schwarze Meer. Die nördliche Arealgrenze verläuft durch das nördliche Frankreich und Baden-Württemberg. In der Schweiz ist Pteronemobius heydenii in allen Landesteilen ausser im Graubünden lokal verbreitet. Die meisten Vorkommen liegen im Mittelland in der Region zwischen Vierwaldstätter- und Bodensee. In Deutschland beschränkt sich das Verbreitungsgebiet auf das südwestliche Baden-Württemberg und die Bodenseeregion.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Individuen von Pteronemobius heydenii können von Anfang Mai bis Ende August beobachtet werden. Die meisten Tiere findet man im Juni und Juli. Nur vereinzelt können Sänger noch später im Jahr (bis Oktober) gefunden werden.
Die Eier werden vermutlich nachts in den feuchten Boden abgelegt und die Larven schlüpfen bereits nach knapp zwei Wochen. Sie durchlaufen 9 Stadien und überwintern als Larve im Boden.
Lebensraum
Pteronemobius heydenii ist eine typische Art von feuchten Lebensräumen. Neben den hohen Ansprüchen an die Feuchtigkeit stellt nördlich der Alpen das Wärmebedürfnis der Art einen limitierenden Faktor dar. Besiedelt werden Uferbereiche von Seen und Flüssen, Sümpfe, Feuchtwiesen, Quellaufstösse und Kiesgruben. Vielfach ist der Lebensraum reich strukturiert und mit unterschiedlicher Vegetationsdichte und -höhe sowie feuchten und trockeneren Bereichen ausgestattet. Im Sommer findet man die Tiere zum Teil an ausgetrockneten Hängen. Typische Begleitarten sind Conocephalus fuscus, Ruspolia nitidula und Stethophyma grossum.
Gefährdung & Schutz
Lebensraumverlust durch Trockenlegungen und die Isolation durch immer kleiner werdende Feuchtgebiete in der intensiv genutzten Landschaft führten zu bedeutenden Bestandesrückgängen von Pteronemobius heydenii. Auch unbewirtschaftete Gebiete führen durch zunehmende Verbuschung zu Lebensraumverlusten. Die Art ist in der Schweiz als verletzlich eingestuft. Mit einer späten Mahd im Sommer oder Herbst oder extensiven Beweidung kann die Art einfach gefördert werden. Verletzungen der Grasnarbe durch den Tritt der Weidegänger oder durch Wendemanöver bei der Mahd führen zu vegetationslosen Stellen, welche für Pteronemobius heydenii wichtig sind.
- CH: VU (Verletzlich)
- DE: 3 (Gefährdet)
- AT: VU (Verletzlich)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
In der Südschweiz und im Mittelmeerraum kann Pteronemobius heydenii mit den beiden etwas grösseren Grillen Pteronemobius lineolatus und Nemobius sylvestris verwechselt werden. Eindeutige und konstante Merkmale befinden sich an den Hinterschienen. Pteronemobius lineolatus besitzt auf der Aussenseite der Hinterschienen lediglich drei Dornen. Nemobius sylvestris hat innen wie aussen drei Dornen währenddem Pteronemobius heydenii jeweils vier Dornen hat. Das Weibchen von Nemobius sylvestris hat ausserdem eine deutlich längere und gerade Legeröhre und die Flügel sind bei beiden Geschlechtern deutlich kürzer. Der Gesang der Männchen von Nemobius sylvestris ist im Gegensatz zum hellen Sirren von Pteronemobius heydenii ein stotterndes Gurren. Pteronemobis lineolatus unterscheidet sich zudem durch die etwas längere Legeröhre der Weibchen und durch das spätere Auftreten der ausgewachsenen Tiere gegen Ende August, wenn der Zyklus von Pteronemobius heydenii bereits zu Ende geht. Der Gesang von Pteronemobius heydenii kann mit demjenigen von Tettigonia cantans in grösserer Distanz verwechselt werden. Auf kurze Distanzen klingt der Gesang von Tettigonia cantans anders und ist viel lauter. Die Gesänge von Feldschwirl (Locustella naevia) und Rohrschwirl (Locustella luscinioides) können auf Distanz an die Gesänge von Pteronemobius heydenii erinnern. Sie halten länger an, sind lauter und werden nicht so regelmässig unterbrochen.