Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/1

«Ach, es gibt zwei Zypern?» ist nur eine von vielen Fragen, die ich Freunden und Bekannten nach meinen Strandferien beantworten musste. Da die schöne Insel im Mittelmeer in meinem Umfeld nicht gerade die berühmteste Feriendestination ist, waren einige faktische Erklärungen nötig. Unter anderem eben auch die Erklärung, was es denn mit den zwei Zyperns auf sich hat.
Selbstverständlich gibt es nur eine Insel Zypern. Diese liegt im östlichen Teil des Mittelmeers, nahe an der Türkei, Syrien und dem Libanon. Die Annahme von den zwei Zypern kommt jedoch daher, dass die Insel seit ziemlich genau 45 Jahren geteilt ist. Es gibt den Griechisch-Zypriotischen Teil im Süden und den Türkisch-Zypriotischen Teil im Norden. Sogar die Hauptstadt Nikosia ist geteilt, da sie in der Demarkationslinie liegt, also dort, wo die Grenze durchgeht.
Ist man als Badetourist in Zypern und logiert an einem Ort wie Paphos, Protaras oder Agia Napa, ist man eigentlich weit weg von dem ganzen Konflikt und kann in Ruhe seine Drinks im Sand schlürfen. Doch wer anfängt, sich mit den Leuten zu unterhalten, die dort arbeiten und wohnen, erfährt man schnell viel neues über das vermeidliche Paradies. Vor 45 Jahren, also im Sommer 1974, wollten Putschisten den Zypriotischen Anschluss an Griechenland durchsetzen. Darauf reagierten türkische Streitkräfte und besetzen den nördlichen Teil des Landes. Denn auch schon vor der Teilung lebten auf der Insel sowohl Griechenzyprioten als auch Türkenzyprioten. Einige Jahre später wurde die Türkische Republik Nordzypern ausgerufen, welche allerdings niemand ausser die Türkei selbst anerkennt.
Nun ist das Land gespalten, der Konflikt ist noch immer aktuell und auch wenn eine Wiedervereinigung erstrebenswert wäre, sieht es momentan nicht danach aus. Zwar gibt es Verhandlungen und mittlerweile auch schon neue Grenzübergänge, doch das Vorkommen von Erdgas rund um Zypern könnte den territorialen Konflikt, wortwörtlich, wieder aufheizen. So kommt es, dass Zypern auch heute noch sehr stark militarisiert ist. Die Entmilitarisierte Zone, auch Pufferzone genannt, wird zudem von der UNO überwacht.
Die Einwohner Zyperns, zumindest die, mit denen ich gesprochen habe, erzählten auch Geschichten der Geisterstadt Varosia. Was heute auf Grund der Teilung militärisches Sperrgebiet ist, war früher ein grosser Tourismusmagnet, welcher heute verlassen und zum Teil noch mitten in der Bauphase stillsteht. Nun verfallen die Gebäude wieder und die Natur erobert langsam aber sicher die verlassenen Hotels, die einst Profit versprachen.
Was Profit und auch Tourismus angeht, kann das der Griechisch-Zypriotische Teil im Gegensatz zum nördlichen Türkisch-Zypriotischen Teil nicht klagen. Die Menschen kommen, bringen ihr Geld und geniessen ihre Ferien im Süden. Der Norden jedoch gilt als ein eher weniger frequentiertes Ferienziel. Grund dafür ist natürlich die schwierige Situation der Türkisch-Zyprioten, da sie sozusagen von niemandem anerkannt werden. Allerdings gibt es aber auch keinen internationalen Flughafen, über welchen man anreisen könnte.
Wie die Zukunft Zyperns als Ganzes aussieht, ist ungewiss. Ich wünsche mir für das Land eine möglichst friedliche Lösung für beide Parteien. Wie wahrscheinlich das ist, bleibt jedoch unklar, da sogar das schönste Ferienparadies und das gastfreundlichste Land noch immer profit- und machtorientiert regiert wird, statt durch Menschlichkeit und Einigkeit. Doch wer weiss, denn Hoffnung besteht immer. Vor allem für eine Insel, auf der laut der Mythologie die griechische Göttin Aphrodite, die ja bekanntlich für Liebe steht, geboren sein soll.