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Das “Zurich Pride Festival” findet jedes Jahr statt und bietet ein mehrtägiges Rahmenprogramm mit Fachtagungen, kulturellen Anlässen und Open-Air-Konzerten. Der Höhepunkt ist der Demonstrationsumzug. Noch nie waren die Teilnehmer vielzähliger: 16000 Menschen liefen gemeinsam durch die Strassen von Zürich, um für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Menschen mit Transidentität (kurz: LGBT) einzustehen.
Der Ursprung dieses Festivals liegt in Amerika beim ersten bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten im Jahr 1969. Dieser ist heute als Stonewall-Protest bekannt. Dazumal war es nicht unüblich, dass in Lokalen, die vor allem von Homosexuellen besucht wurden, Polizei-Razzien stattfanden in denen die Homosexuellen verhaftet, registriert und anschliessend in der Presse vorgeführt wurden. “Anstössiges Verhalten” oder “Erregung öffentlichen Ärgernisses” wurde als Grund genannt. Der erste grosse Widerstand gegen diese massive Diskriminierung wird als Wendepunkt im Kampf für die Rechte von LGBT angesehen und deshalb auch jährlich als “Christopher Street Day” gefeiert – auch bekannt als “Pride”.
Heute sieht es glücklicherweise ganz anders aus. Man wird als Homosexueller meistens akzeptiert oder zumindest toleriert. Aber wofür gehen die Leute dann noch auf die Strassen?
Man ist als “Anderssexueller” beinahe gleichgestellt. Doch nur beinahe. Als Homosexueller hat man immer noch nicht die Möglichkeit, seinen Partner zu heiraten. Die Eingetragene Partnerschaft, die im Jahr 2007 eingeführt wurde, war schon ein sehr weiter Schritt in Richtung der Gleichstellung, aber sie garantiert immer noch nicht die gleichen Rechte, überträgt aber ausnahmslos alle Pflichten einer Ehe. Der grösste Unterschied ist das Adoptionsrecht. Es wurde schon mehrmals wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufwuchsen, deswegen keine Schäden davontragen. Trotzdem ist momentan weder die Volladoption, noch die Stiefkindadoption als eingetragenes Paar erlaubt, obwohl es bereits heute Kinder gibt, die in diesen Verhältnissen aufwachsen und somit rechtlich nicht vollkommen geschützt sind beim Todesfall eines Elternteils.
Der Demonstrationsumzug soll auf diesen Missstand aufmerksam machen und zeigen, wie viele Leute für eine komplette Gleichstellung einstehen. Doch es ist kein herkömmlicher Demonstrationsumzug mit lauten Pfiffen, wütenden Chören und aufgebrachten Leuten. Viel mehr ist es eine Zusammenkunft von Menschen aus allen Lebensbereichen, die alle zusammenkommen um für Liebe und Akzeptanz einzustehen. Und das merkt man auch.
Für Isabelle war es das erste Mal, dass sie an der Pride war, Ricardo war nun bereits zum dritten Mal dabei. Wir war die Pride für uns?
Isabelle: “Ich war zum ersten Mal an der Pride.
Regenbogen, strahlende Gesichter und ein bisschen Trotz. Jene Art von Trotz, die einem als Teenie einen extra grosses Stück vom Geburtstagskuchen schneiden lässt: Die Art von Trotz, die aussagt: Ich geniesse mein Leben so wie es mir gefällt.
Diese Dinge habe ich vom Festival-Umzug mitgenommen.
Immer dann, wann die Menschen sich selbst sein können, aus sich heraus kommen und frei ihre Lebensfreude ausdrücken können, geht mir das Herz auf. Und so war es auch an der Pride. Es gibt nichts schöneres, als einen Menschen im Einklang mit sich selbst zu sehen. Viel zu selten sehe ich das im zurecht grau genannten Alltag. Meiner Meinung nach sollten wir uns ein Beispiel nehmen, an der Pride, an den Menschen der Pride. Denn wir alle können stolz sein: Darauf, wer wir sind und wie wir sind. Scheuen wir uns nicht, diesen Stolz auszudrücken.”
Ricardo: “Ich war bereits das dritte Mal an der Pride.
Es gibt kaum einen Ort, an dem ich mich freier fühle, als an der Pride. So viele Menschen, die etwas ähnliches durchgemacht haben und wissen was es bedeutet, anders zu sein. Es ist wie eine grosse Familienzusammenkunft.
In den letzten Jahren ist die Akzeptanz in der Gesellschaft sehr gestiegen. Es sind weltweit bereits 20 Länder, die die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert haben – sogar die USA seit neustem! Und für jedes neue Land, das dazukommt, freue ich mich umso mehr. Auch in der Schweiz werden die Leute immer offener. Und wenn ich all die lebensfrohen Menschen sehe, die auf die Strassen gehen und die komplette Gleichstellung einfordern, bin ich zuversichtlich, dass es weiterhin in die richtige Richtung gehen wird und irgendwann auch mir das Recht zusteht, die Person heiraten zu dürfen, die ich liebe.”
Unser Pride-Film
Ricardo ist Berater bei du-bist-du. Eine Beratung- und Informationsplattform für junge Menschen, die Fragen zu den Themen sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität haben. Du-bist-du war ebenfalls an der Pride dabei. Wir haben für die Organisation einen Film gedreht in dem man in zwei Minuten einen Einblick erhaltet in den Demonstrationsumzug. Von der glamourösen Drag-Queen, zur Regenbogenfamilie bis hin zu der du-bist-du-Crew konnten wir viele tolle Aufnahmen und Eindrücke einfangen!
Nächstes Jahr im Juni wird die Pride wieder stattfinden. Falls auch ihr für die komplette Gleichstellung und Akzeptanz aller Menschen einstehen wollt und einen Nachmittag erleben möchtet voller Liebe und Akzeptanz, solltet ihr nächstes Mal unbedingt auch kommen!