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Die Hoffnungen des Schweizerischen Turnverbandes STV an einem internationalen Grossanlass liegen einmal mehr auf Giulia Steingruber. Die 20-jährige Ostschweizerin ist das Aushängeschild des Verbandes und die Schweizer Medaillenhoffnung in der bulgarischen Hauptstadt, wo nächste Woche auch die Männer und Junioren ihre Titelkämpfe austragen werden. Nach dem Titel am Sprung vor gut einem Jahr an der EM in Moskau hoffen die Athletin und die Verantwortlichen auf eine Wiederholung des Triumphs. «Zumindest eine Medaille sollte es sein», so Steingruber. Für Nationaltrainer Zoltan Jordanov ist gar klar: «We go for another Gold».
Gesundheitliche Probleme
Die Vorbereitung Steingrubers auf die kontinentalen Titelkämpfe, an denen kein Einzel-Mehrkampf ausgetragen wird, verlief nicht ganz nach Wunsch. Eine im Training zugezogene Knieprellung zwang sie im Frühjahr zu einer zweiwöchigen Trainingspause, wodurch sie auch die beiden Wettkämpfe in Doha und Tokio verpasste. Steingruber hat sich von diesem kleinen Dämpfer jedoch gut erholt, «mental darf dieser Zwischenfall keine Rolle spielen». Am Boden rechnet Steingruber mit einer weiteren Qualifikation für den Gerätefinal, und auch am Balken sind ihre Chancen auf eine Klassierung in den Top 8 intakt. «Sie ist nicht 100 Prozent fit, aber sie weiss, wie sie damit umgehen muss», so Jordanov. Für den Schweizer Nationaltrainer ist die Reise nach Sofia eine Rückkehr in die zweite Heimat. Er hatte in den Siebzigerjahren dort studiert und seine Frau Snezsana kennengelernt.
Mit dem Tschussowitina und dem Jurtschenko mit Doppelschraube haben Jordanov und Steingruber am Sprung das gleiche Programm wie an den Weltmeisterschaften in Antwerpen geplant. In der Qualifikation morgen wird Steingruber kein Risiko eingehen und bei ihrem zweiten Sprung nur eine Schraube turnen. Ihre härtesten Widersacherinnen im Kampf um die Medaillen sind die Olympia-Vierte Janine Berger aus Deutschland, die im vergangenen Jahr in Moskau wegen einer Knieverletzung gefehlt hatte, die Rumänin Larisa Iordache und Teja Belak (Sln). Ebenfalls am Start ist die Russin Aliya Mustafina, die aber wohl nur am Stufenbarren und am Balken zum Einsatz kommen wird.
Rio und die Matur als langfristige Ziele
Steingruber muss in diesem Jahr ihre bisher beste Saison bestätigen. Nach dem EM-Titel am Sprung und ihrem Sieg am Eidgenössischen Turnfest in Biel vermochte die Ostschweizerin 2013 auch an den Weltmeisterschaften in Antwerpen zu überzeugen und gewann am Sprung (4.), am Boden (5.) und im Mehrkampf (7.) jeweils ein Diplom. Als Folge davon wurde sie zur «Schweizer Sportlerin des Jahres» gewählt. Ihr Bekanntheitsgrad hat zugenommen, «ich werde auf der Strasse oder im Ausgang mehr erkannt», so Steingruber.
Trotz des zunehmenden öffentlichen Interesses hat Steingruber den Fokus nicht verloren. Dieser liegt weiterhin klar auf dem Sport. Sofia ist für die ehrgeizige Gossauerin aber nur eine Zwischenstation. Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro sind das grosse Ziel Steingrubers, die zu ihren Ambitionen steht: «Grosse Träume und hohe Ziele darf man immer haben.» Auch neben dem Sport hat sie sich neu orientiert. Vor kurzem hat Steingruber ein Fernstudium mit dem Ziel, die Matura abzulegen, aufgenommen.
Sofia. Team-EM Frauen. Programm. Heute:Teamwettkampf Juniorinnen.Donnerstag:Qualifikation Frauen (Schweiz in der 2. Abteilung; 11.10 Uhr bis 13.10 Uhr MEZ).Freitag:Mehrkampffinal Juniorinnen.Samstag:Teamfinal Frauen (14 Uhr bis 15.40 Uhr).Sonntag:Gerätefinals Frauen (13 Uhr bis 15.20 Uhr) und Juniorinnen.
Nadia Mülhauser: Beim Sprung und am Barren im Einsatz
H inter der unbestrittenen Teamleaderin komplettieren Ilaria Käslin, Nadia Mülhauser, Laura Schulte und die Debütantin Stefanie Siegenthaler die Schweizer Mannschaft. Die EM in Sofia sind für die Düdingerin Mülhauser (SVKT Wünnewil) nach Brüssel 2012 die zweiten kontinentalen Meisterschaften. Im Vorjahr hatte die 18-Jährige die Einzel-EM in Moskau wegen eines Zehenbruchs und Rückenproblemen verpasst.
Nach dem 11. Rang vor zwei Jahren strebt das Schweizer Team in Bulgarien nun einen Platz in den Top 8 und damit das Erreichen des Team-Finals am Samstag an. In der Qualifikation stehen an jedem Gerät drei Turnerinnen im Einsatz, die drei Resultate kommen jeweils auch in die Wertung. Nadia Mülhauser dürfte dabei für die Schweiz an ihren Paradedisziplinen Sprung und Barren zum Einsatz kommen. «Mein Ziel ist es, die Übungen stabil zu turnen und unser Team so gut als möglich zu unterstützen», freut sich die Senslerin. Die Favoritinnen auf den Titel sind Russland, Rumänien und Italien. ms
Sofia. Team-EM Frauen. Programm. Heute: Teamwettkampf Juniorinnen. Donnerstag: Qualifikation Frauen (Schweiz in der 2. Abteilung; 11.10 Uhr bis 13.10 Uhr MEZ). Freitag: Mehrkampffinal Juniorinnen. Samstag: Teamfinal Frauen (14 Uhr bis 15.40 Uhr). Sonntag: Gerätefinals Frauen (13 Uhr bis 15.20 Uhr) und Juniorinnen.