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| Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen.

Vorrede zu dem Buche der Psalmen
19.
In Hinsicht auf die Anwendung der Tonkunst aber gibt es folgende verschiedene Arten. Ein Psalmus (Psalm) ist es, wenn, indem der Gesang schweigt, nur der Schlag des erklingenden Instrumentes gehört wird. Ein Canticum (Gesang) ist es, wenn der Chor der Singenden seine Freiheit gebraucht, sich nicht an die Uebereinstimmung mit den Tönen des Instrumentes bindet, und nur im Gesange mit wohltönender Stimme frohlockt. Ein Canticum Psalmi (Psalm.-Gesang), aber ist es, wenn das Instrument vorspielt, und die Stimme des singenden Chores sich an das Instrument hält und mit ihm wetteifert, indem sie die Tonweise des Psalters mit ihren Tönen nachahmt. Ein Psalmus Cantici (Gesang-Psalm) aber ist es, wenn der Chor vorsingt, die Kunst des dazu erklingenden Instrumentes sich nach den Tönen des menschlichen Gesanges richtet, und die Modulationen der vorsingenden Stimme mit gleicher Lieblichkeit auf dem Psalterium spielt. Nach diesen vier Arten des Gebrauches der Tonkunst also sind den einzelnen Psalmen die entsprechenden Ueberschriften angepaßt worden. Aus den Bedeutungen der Psalmen aber, und aus den Verschiedenheiten der Lehre der Tonkunst erklärt sich die Ursache einer jeden Ueberschrift.