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- Octave Mirbeau war ein «Enfant Terrible» der Belle Époque in Frankreich.
- Als kritischer Autor und Journalist wurde er vom herrschenden Bürgertum gefürchtet.
- Mirbeau kaufte als einer der ersten Kunstförderer die Bilder von Vincent van Gogh.
- Am 16. Februar 1917, seinem Geburtstag, starb Mirbeau – seinem Vorbild Tolstoi stark ähnelnd.
Priester, Politiker und Soldaten waren für ihn Verbrecher, seine Romane und Theaterstücke eine einzige Abrechnung mit dem französischen Bürgertum, das er auf grausam-schöne Weise genüsslich sezierte: Als Bestsellerautor der Belle Époque machte Octave Mirbeau Furore.
Schattenseiten der Belle Époque
Octave Mirbeau bespielte alle Seiten der Belle Époque, die für Glücksritter, Finanzbarone und Optimisten ein Segen war und für Realisten das genaue Gegenteil: Eine heuchlerische Zeit, in der betrogen, korrumpiert und bereichert wurde, dass sich die Balken biegen.
In dieser Zeit wird auch Mirbeau ein reicher Mann. Seine aus dem Leben gegriffenen Bühnenstücke wie «Geschäft ist Geschäft» (1903) werden landauf, landab gespielt. Mit seiner mondänen Frau, die exotische Hühner züchtete, lebte er auf einem Schloss und sammelte Autos, Edelkarossen aller Marken.
Zur Person
Octave Mirbeau (1848 -1917) war ein vielschreibender Tausendsassa der Belle Époque: Journalist, Kritiker – und der seinerzeits meistgespielte Bühnenautor im deutschsprachigen Raum. Sein Roman «Tagebuch einer Kammerzofe» ist bis heute bekannt – weil Luis Buñuel ihn 1964 verfilmte.
Autobuch und Hundegeschichte
Sein Lieblingsauto, ein Charron, war auch der Held seines Reiseromans «E628-E8». Mirbeaus freches Auto-Reisebuch, das die Zeichen seines Autoschildes im Titel führt, ist überdrehte Zeitdiagnostik am Vorabend des 1. Weltkrieges, kurz bevor die Lichter ausgehen im alten Europa bürgerlicher Behaglichkeit.
Später rückte er sogar einen Hund in den Mittelpunkt: Sein letzter Roman «Dingo» ist die fabelhafte Groteske eines Riesenhundes, der auf Anordnung seines Herrchens mordend durch Europa zieht und die von Mirbeau so gehassten Glücksritter und «Verbrecher» zur Strecke bringt.
Leben in vielen Farben
Octave Mirbeau war ein maliziöser Virtuose auf der Klaviatur des literarischen Betriebes im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, ein Chamäleon und eine Skandalnudel: Er war auch Fischer, sogar mal Landrat und in zahllose Duellaffären verstrickt.
Mirbeaus erotisch-drastische Romane wie «Garten der Qualen» und «Tagebuch einer Kammerzofe», das Luis Buñuel 1964 mit Jeanne Moreau verfilmte, waren monströse Abrechnungen mit der französischen Gesellschaft.
Belle Époque
Die rund 30 Jahre vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges waren voller Dynamik, Erfindergeist und Gegensätze. Das Special «Anno 1914» von «Schweiz Aktuell» zeigt, wie damals in der Schweiz gelebt und gearbeitet wurde.
Journalist linker Coleur
Als linker Enthüllungsjournalist schrieb Mirbeau gegen die Verbrechen von Klerus, Militär und Kapital an. Seine Romane waren in der herrschenden Klasse gefürchtet, denn auf jeder dritten Seite musste man befürchten, entlarvt oder beschuldigt zu werden.
Er war das genaue Gegenteil vom Klischee eines Schriftstellers, der in seiner Stube sitzt und wochenlang wie Flaubert an einem Adjektiv feilt. Octave Mirbeau war immer ein Mensch, der in der Öffentlichkeit steht, anklagt, aber auch hilft, wo er nur kann.
Van Goghs Förderer erster Stunde
In seinem Künstlerroman «Diese verdammte Hand» setzt er Vincent van Gogh, den er beansprucht entdeckt zu haben, ein Denkmal. Mirbeau setzt sich für Künstler wie Rodin und Monet sowie für Aussenseiter wie Van Gogh und Camille Claudel ein.
Buchhinweis
Octave Mirbeau: Diese verdammte Hand. Aus dem Französischen von Eva Scharenberg, Weidle Verlag, ET: März 2017.
Er ist einer der ersten Mäzene und Spekulanten, die Bilder von Van Gogh für wenig Geld gekauft und später mit grossem Gewinn verkauft haben. So ist Mirbeau der Käufer von Van Goghs «Sonnenblumen und Schwertlilien», das er 1891 für 600 Francs erwirbt und 21 Jahre später für 41‘000 Francs veräussert.
Am Ende wie Tolstoi
Mit zunehmendem Alter zieht Mirbeau sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Er lebt mit seinem wallendem, weissem Bart, äusserlich ein Double seines Verehrers Leo Tolstoi, abgeschieden in seinem pittoresken Fantasiehaus in Triel-sur-Seine. Am 16. Februar 1917, seinem Geburtstag, stirbt der kämpferische Kunstmäzen, Revoluzzer und vielschreibende Quälgeist der Belle Époque in Paris.