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Amt für Justizvollzug
Uffizi per l'execuziun giudiziala
Ufficio per l'esecuzione giudiziaria
Das Gefängnis in Antike und Mittelalter
Das antike und mittelalterliche Strafrecht kannte eine Vielzahl von Sanktionen, von denen das Gefängnis eine untergeordnete Rolle spielte und bei weitem nicht so grosse Bedeutung hatte wie heute. Gleichwohl konnten Gefängnisse damals unterschiedliche Funktionen erfüllen:
Kriminalstrafen im 15. Und 16. Jahrhundert
Die Strafgerichtsbarkeit zu Beginn der Neuzeit lag bei einer Unzahl von Personen und Behörden. Eine grosse Bedeutung kam den kirchlichen Gerichten zu, den bischöflichen Gerichten vor Ort und der Inquisiten. Entsprechend gross war die Vielzahl der Strafen, die von einfachen Ermahnungen bis zu grausamlichen Verstümmelungen und verschiedenen Formen der Todesstrafe reichte.
Strafarten:
Das Amsterdamer Zuchthaus von 1596
Das Gefängniswesen ist bei weitem nicht so alt, wie man vielleicht annehmen möchte. Erst Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Gefängnis zur Standardstrafe für alle Formen der Kriminalität.
Eines der ersten modernen Gefängnisse war das Amsterdamer Tuchthuis (Zuchthaus), das 1596 eingeweiht wurde. Hier traf zum ersten Mal die Besserung der Straftäter in den Vordergrund und verdrängte den Vergeltungsgedanken. Durch harte Arbeit sollten die Gefangenen an ein anständiges Leben in Freiheit gewöhnt werden. Ausserdem wurde den Gefangenen Unterricht erteilt.
Der Gedanke der Besserungsanstalten sprang auf ganz Europa über. In der Schweiz wurden folgende Schellenwerke gebaut:
1614 Bern
1616 Basel
1617 Freiburg
1639 Zürich
1661 St. Gallen
Meist waren die früheren Arbeitshäuser Familienbetriebe, die von einem „Vater“ und einer „Mutter“ geleitet wurden. Diese waren für die Versorgung der Gefangenen aber auch für die Aufrechterhaltung der Disziplin verantwortlich. In den meisten Arbeitshäusern wurden Kleidungsstücke hergestellt, es wurde gewoben, gesponnen und genäht. Arbeitshäuser für Frauen wurden deswegen auch „Spinnhäuser“ genannt.
Reformen im 19. Jahrhundert
Am besten lassen sich die Gefängnisformen des 19. Jahrhunderts an drei Mustergefängnissen in den USA und England veranschaulichen. Sie dienten auch in der Schweiz als Vorbild für Reformen.
„solitary system“ – The Eastern State Penitentiary Philadelphia (USA)
Wichtige Impulse zur Reform der Gefängnisse gingen von der Religionsgemeinschaft der Quäker aus. Sie kämpften für die Abschaffung von Todes- und Prügelstrafen und machten eine breitere Öffentlichkeit auf die Missstände in den Gefängnissen aufmerksam. Sie pflegten die Tradition, Gefangene im Gefängnis zu besuchen und so die Öffentlichkeit ins Gefängnis einzubeziehen. Durch vorbildliches, freundliches Verhalten, nicht durch Bestrafung, versuchten sie die Gefangenen zur Umkehr zu bewegen.
Im Jahre 1787 wurde im US-Bundesstaat Pennsylvania das Philadelphia Society for Alleviating the Miseries of Public Prisons von den Quäkergemeinschaften gegründet. Sie setzten 1821 auch den Bau Eastern State Penitentiary durch, wo Gefangene nach den religiösen Vorstellungen der Quäker in ein Leben mit Gott zurückfinden sollten. Die Gefangenen wurden in strengster Isolation untergebracht, durften nicht arbeiten und erhielten nur Besuche von Anstaltsgeistlichen. Die Bibel war die einzig erlaubte Lektüre. In der Einsamkeit sollten die Gefangenen zur Reue und Umkehr gelangen.
„silent system“ – The Auburn State Prison New York (USA)
Im Gegensatz zum „solitary system“ wurde das Auburn State Prison in New York nach dem „silent system“ verwaltet. Die Gefangenen verbrachten nur die Nacht in Einzelzellen. Untertags mussten sie gemeinsam arbeiten. Um eine kriminelle Ansteckung zu verhindern, durften sie dabei allerdings nicht miteinander sprechen. Der kleinste Laut und die geringste Mimik oder Gestik wurden bereits mit Peitschenhieben bestraft.
„progressive system“ – Pentonville (GB)
Erbaut nach dem Vorbild des Eastern State Penitentiary öffnete im Jahre 1842 das Londoner Gefängnis Pentonville seine Tore. Anders als in Philadelphia war hier die Isolationshaft nur die erste Stufe eines „progressive system“. Nach neun Monaten Einzelhaft konnten die Gefangenen zu Gemeinschaftsarbeiten zugelassen werden. Insgesamt gab es drei Stufen erleichterte Haft, auf denen die Gefangenen je nach ihrem Verhalten auf- und absteigen konnten, schlimmstenfalls drohte die Rückkehr in die Isolationshaft. Wer allerdings die oberste Stufe erreichte, konnte nach drei Vierteln der Haftzeit vorläufig entlassen werden.
In Irland wurde dieses Stufensystem weiter perfektioniert. Vor ihrer Entlassung auf Bewährung kamen die Gefangenen in „intermediate prisons“, vergleichbar den Halbfreiheitshäusern, wo sie nur die Nacht zubrachten, während sie untertags draussen arbeiten durften.
Bau ähnlicher Anstalten in der Schweiz:
1817 Chur
1825 Genf
1826 Lausanne
1839 St. Gallen
1864 Lenzburg
1864 Basel
1900 Regensdorf
Die Entwicklung in der Schweiz: Vereinheitlichungs-Bestrebungen