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Geschichtliches zum Bärlauch (Allium ursinum)
Der Bärlauch bei den Kelten
Bärlauch ist eine sehr alte Heilpflanze und war schon den Germanen und Kelten bekannt. Nach verschiedenen Quellen verehrten die Kelten in Wales den Lauch (vielleicht aber ursprünglich auch den wilden Lauch sprich Bärlauch). Sie assen die Pflanze vor der Schlacht, um gestärkt in den Kampf zu ziehen. Eine andere Quelle meint, dass sich die Waliser während der Schlachten gegen die Sachsen einen Lauch an den Helm steckten, um sich zu erkennen. Noch heute wird am Nationalfeiertag in Wales, St.Davids-Day am 1. März traditionell Lauch an der Kleidung getragen. Es gibt Lauch-Wettbewerbe und der Lauch wird (roh!) gegessen. Auf der britischen 1-Pfund-Münze ist der Lauch als Wappen von Wales abgebildet. Der Lauch auf dem Wappen wurde dann durch die Narzisse ersetzt, die etwas hübscher aussieht und aber in der walisischen Sprache den gleichen Ursprung wie Lauch hat (Lauch = Cenhinen und Narzisse = Cenhinen Pedr).
Funde bei Pfahlbauten wiesen eindeutig nach, dass der Bärlauch bereits zu germanischen Zeiten im Europa nördlich der Alpen verbreitet war. Die in manchen Landstrichen heute noch übliche Bezeichnung "Ramser" oder "Rämsch" stammt vom germanischen Ausdruck hramusan beziehungsweise vom althochdeutschen Ausdruck ramsada. Das mittelhochdeutsche Wort Rams findet sich noch heute in vielen Ortsnamen, etwa Ramsthal, Ramsloh oder Ramsau (Deutschland). Aber auch in der Schweiz gibt es einige Ortsnamen, bei denen eine Verbindung zum Rams resp. eben dem Bärlauch möglich ist.
Sogar in jungsteinzeitlichen Siedlungen des Alpenvorlandes fand man Überreste von Bärlauch. So ist es wahrscheinlich, dass die Menschen ihn bereits vor 5000 Jahren kannten und assen.
Der Bärlauch bei den Römern
Bereits die Römer kannten den Bärlauch als Herba salutaris (= heilsames Kraut). Sie zogen den Bärlauch dem Knoblauch vor. Sie schätzten ihn als magen- und blutreinigendes Mittel und schrieben ihm heilsame Wirkung bei Bluthochdruck, Bronchitis, Hautleiden und Müdigkeit zu.
Tabernaemontanus mochte Bärlauch hingegen nicht besonders, denn er schrieb über den Waldt Knoblauch:
Dieses ist in seiner gantzen Substanz eines ublen starcken Geruchs unnd bösen Geschmacks: also dass wann das Rindviehe es in der Weyde versucht/ so schmackt unnd reucht die Milch/ Käss und die Butter so starck nach dem Knoblauch/ dass dieselbige nicht leichtlich kan genossen werden.
Der Bärlauch wird auch bei Hieronymus Bock (Vergleich mit dem Knoblauch: vbeler dann der zam stincket... wobei ... er villeicht inn der Artzney Gifft zuvertreiben krefftiger sei) und bei Matthiolus und Leonhart Fuchs in deren mittelalterlichen Kräuterbüchern erwähnt und der Schweizer Pfarrer und Naturarzt Johann Künzle (1857-1945) (Kräuterpfarrer Künzle) schrieb: Wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut wie der Bärlauch.
Der Wert des Bärlauch als vorbeugende Medizin spricht auch aus einem alten englischen Reim: Eat leeks in Lide (March) and ramsins in May, and all the year after physicians may play (Iss Lauch im Frühling und Bärlauch im Mai, dann haben die Ärzte im nächsten Jahr frei!).
Mythologie
Im Zauberglauben sollte der Bärlauch, wie Knoblauch, Vampire vertreiben und Hexen und Schlangen abwehren. Auch als Liebestrank war Bärlauch geschätzt. Die bösen Geister hielt man mit einer Suppe aus Bärlauch, in der Walpurgisnacht gekocht, fern.
Der Bärlauch zählt zu den Teufelsaustreibemitteln, er sollte in der Lage sein, Dämonen und Plagegeister zu vertreiben. Aus diesem Grund musste er auch vor der Walpurgnisnacht gesammelt werden, weil dann seine Zauberkräfte zerstört wurden.
In Thüringen (Deutschland) wurde bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Brauch des sogenannten Ramschelfests gepflegt. Am Sonntag vor Walpurgis zogen die Bewohner kleiner Dörfer im Raum Erfurt in die Wälder um Bärlauch (damals Ramschel) zu sammeln, zu essen und zu trinken und dann geschmückt mit den Blüten heimzukehren und so die bösen Geister zu vertreiben.
Der Bärlauch als Heilmittel
Ein Witz:
Ein Ehepaar, seit sechzig Jahren verheiratet, stirbt kurz hintereinander und kommt sofort in den Himmel. Petrus zeigt ihnen das Paradies. Die Frau kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, während ihr Mann immer mürrischer wird. Da dreht sie sich um und schimpft: “Was machst du denn für ein bitteres Gesicht, wenn doch alles so schön ist hier oben?” Er antwortet: “Das hast du jetzt von deinem Bärlauch, das hätten wir schon vor zehn Jahren haben können!”
Bärlauch soll dem Knoblauch in der heilenden Wirkung überlegen sein und es werden ihm folgende gute Eigenschaften zugeschrieben: gut bei Verdauungsstörungen, Arteriosklerose und Bluthochdruck und gegen Hautausschlägen, stärkt das Immunsystem, wirkt durchblutungsfördernd, fördert die Herzfunktion, ist blutzucker-und cholesterinsenkend, entgiftend (durch die Schwefelverbindungen), generell desinfizierend und enthält viel Vitamin C.
Bärlauchblätter weisen sehr hohe Konzentrationen an Schwefelverbindungen, Magnesium, Mangan und Adenosin sowie an Eisen auf.
Sein Aroma ist stärker als beim Knoblauch und nach dem Genuss von Bärlauch hat man am nächsten Tag keinen Mund- oder Körpergeruch. Das könnte vom hohen Chlorophyll-Anteil herrühren oder davon, dass die geruchsverursachenden Schwefelsubstanzen an bestimmte Eiweisse gebunden werden.