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Weitere Luftaufnahmen von Oberhofen
Mit den Schlössern von Thun und Spiez bildet jenes von Oberhofen ein berühmtes, seit den Anfängen des Tourismus von den Gästen des Berner Oberlandes beachtetes Burgendreigestirn. Spiez und Oberhofen waren Adelssitze, deren Herren zuerst aus dem einheimischen Landadel und nach einer Übergangszeit aus den führenden Familien Berns stammten. Es gab im Oberland weitere kleine Herrschaftsbereiche, die zum Teil unter der gleichen Hand vereinigt wurden. Mehrere Burgruinen Ringgenberg, Unspunnen, die Weissenau, alle drei im Umkreis des Bödelis bei Interlaken zeugen von ihrer Existenz. Untersuchungen und Ausgrabungen haben sehr interessante Resultate hervorgebracht.
Oberhofen ist mit dem Bödeli geschichtlich in besonders enger Weise verbunden, weil einer der Freiherren von Oberhofen um etwa 1130 das Kloster Interlaken als geistiges und wirtschaftliches Zentrum des inneren Oberlandes gründete. Die Feste dieser Adligen befand sich ursprünglich nicht am Seeufer, sondern gegen 500 Meter landein- und bergwärts. Auf einem Felskopf aus Nagelfluh, oberhalb einer « Burghalde » genannten Flur, sind noch Spuren einer Burg « Balm » zu entdecken, ein von einem Wallgraben umgebener kleiner Hügel und sehr wenig Mauerwerk. Vielleicht handelt es sich um eine Motte mit Holzkonstruktionen. Mauern sind kaum weiter zurück als ins 12. Jahrhundert anzusetzen.
Damals hatten die Herzöge von Zähringen die Oberherrschaft inne. Sie waren als Auswärtige, welche Thun zur Festung ausbauten, bei den oberländischen Adligen keineswegs beliebt. Es kam zur Auseinandersetzung. Berchtold V siegte und setzte in der Folge ihm genehme Mistreiter aus dem Aargau und Zürichgau als Dienstmannen ein, zu Unspunnen den Edlen von Wädenswil, in Oberhofen, nach dem Tod des letzten von dort stammenden Freiherrn (um 1200) dessen Schwiegersohn, Walter von Eschenbach. Zu diesem Zeitpunkt ist möglicherweise das Schloss Oberhofen als Wasserburg am See neu entstanden. Der im geviert 11 auf 12.5 Meter messende Bergfried mit seinen zwei Meter dicken Mauern geht vermutlich auf jene Epoche zurück. Der hochragende Turm, einst wohl die einzige Wohnstätte, bildet den Kern der Anlage. Um ihn herum gruppierten sich noch im Mittelalter in ziemlich regelmässigem Grundriss weitere Gebäude. Im ersten Geschoss eines Eckflügels gegen den See fand die 1473 geweihte Kapelle Platz. Der bauliche Aspekt, einschliesslich eines reizvollen Türmchens mit sehr spitzem Helm vor der Seefront, ist aus einer Darstellung Albrecht Kauws von 1680 ersichtlich.
Die Freiherren von Eschenbach, die für kurze Zeit auch Unspunnen erwarben, sahen sich zu beginn des 14. Jahrhunderts einer gänzlich veränderten Machtkonstellation gegenüber. Das zähringer Herzogshaus und die Grafen von Kyburg waren ausgestorben. Die Grafen von Neu-Kyburg sassen in Thun, doch das Oberland stand unter dem Einfluss des Hauses Habsburg. König Albrecht I strebte von Osten nach dem Thunersee, machte sich die Freiherren von Ringgenberg gefügig, die am Brienzersee Fuss gefasst hatten, und zwang auch die Eschenbacher, sich unterzuordnen. Diese kamen, darob offenbar schwer erzürnt, zum Entschluss, sich 1308 am Königsmord bei Windisch zu beteiligen. In den folgenden Jahrzehnten einer turbulenten Entwicklung, während welcher die Stadt Bern mehr und mehr an Durchschlagskraft gewann, wechselte das Schloss Oberhofen mehrmals den Besitzer.
Die stunde für eine neue Regelung der Herrschaftsverhältnisse im Oberland schlug nach der Schlacht bei Sempach (1386) und der Niederlage Österreichs. Bern, das zuvor schon die Hand auf Thun gelegt hatte, griff mit Hilfe der verbündeten Unterwaldner auf das Ringgenbergische gebiet sowie 1397 auf oberhofen und Unspunnen. Diese beiden Herrschaften wurden an das Geschlecht der von Scharnachthal verliehen, und damit begannen eine bis 1590 und anschliessend unter den Erlach bis 1651 währende ruhige Epoche bernischen Patriziertums.
Nach dem Aussterben des oberhofner Zweiges der von Erlach nahm der bernische Staat Mitte des 17. Jahrhunderts seine rechte zurück und richtete im Schloss einen Landvogteisitz ein. Baulich gab es nun mehrere Veränderungen. So entstand um 1700 ausserhalb der alten Burg, gegen den See hinein, ein im stil des Berner Barock gehaltener Vorbau, in dessen Erdgeschoss ein schöner Gartensaal eingerichtet wurde, dem aber auch das erwähnte Seetürmchen zum Opfer fiel. Ein durchgreifender Wandel der Architektur vollzog sich im 19. Jahrhundert, als das Schloss wieder Privatsitz geworden war. Unter dem Einfluss der neuenburgisch-preussischen Grafen de Pourtalès erheilt die Burg zwischen 1849 und 1852 das romantisch wirkende Aussehen, das ihr in leicht gemildertem Mass auch heute noch eigen ist. Die nordöstlichen Vorbauten des Bergfrieds wurden neu errichtet und die Westfront des Turms vollkommen erneuert. In seinem Inneren entstanden ein Speiseraum und ein Rittersaal, in den oberen Stockwerken die Bibliothek und ein grotesker türkischer Rauchsalon, alles nach damaligem Geschmack und Empfinden. Zugleich wurde der prächtige Park angelegt. Gegen Ende des Jahrhunderts entstand, freilich nicht in der Originalform, auch das Seetürmchen wieder.
Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte ein amerikanischer Staatsbürger, William Paul Measy, die Besitzung. Ihm ist die Errichtung einer Stiftung zu verdanken. Sie hat 1952 auf Dauer die Betreuung der ganzen Anlage und ihres Parks durch das Bernische Historische Museum ermöglicht, das die Schlossräume kostbar ausgestaltet hat.
Bibliographie