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Die letzte Bitte
In jungen Jahren litt ich an einer schweren Krankheit. Durch die Zeit der Therapien und Operationen wurde ich von meinem Partner getragen. Leider konnten wir nach der Krankheit keine eigenen Kinder mehr bekommen. An einem sonnigen Junitag heirateten mein Mann und ich. Mein Schwiegervater störte sich sehr daran, wollte er für seinen Sohn doch Kindersegen. So begann er seinen Sohn während des Studiums finanziell nicht mehr zu unterstützen. Er würde wieder zahlen, wenn mein Mann mich verlässt. Für mich als Frau war es schwierig genug, meine eigene Kinderlosigkeit zu akzeptieren und zu sehen, wie in der Verwandtschaft die Enkel heranwuchsen. Die schwierigsten Momente waren die Familienfeste, an denen ich von meinem Schwiegervater gedemütigt wurde.
Eines Tages erkrankte mein Schwiegervater ernst. Die ganze Familie traf sich am Krankenbett, alle waren bestürzt und traurig im Wissen, dass nun der Abschied kommen würde. Natürlich wurde auch ich ans Krankenbett gebeten. Mein Schwiegervater nahm meine Hand, und sagte, dass er mich jahrelang geplagt hätte, und dass ich ihm jetzt verzeihen soll, es täte ihm so leid. Rundherum sassen seine lieben Familienangehörigen.
In diesem Moment drückte ich ihm die Hand und sagte: «Nein, ich kann dir noch nicht vergeben, du hast mich jahrelang geplagt. Jetzt, wo es dir schlecht geht, möchtest du, dass ich dir vergebe, so kurz, bevor du gehst, nein, ich kann dir noch nicht vergeben.» Erschrocken über meine Worte und die entsetzten Gesichter verliess ich das Krankenzimmer. Es war mir bewusst, dass mein Schwiegervater bald sterben würde. Nach Jahren durften wir ein Baby adoptieren. Wir wurden eine richtige kleine Familie.
Später, bei einem Grabbesuch, zündete ich eine Kerze an, schickte einen Kuss in den Himmel zu meinem Schwiegervater und sagte zu ihm: «Lieber Papi, jetzt habe ich dir verziehen, alles fügt sich, alles ist gut.»