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aus dem Kunstmuseum Hamburg
Das Denkmals-Problem wurde an dieser Stelle vor einiger Zeit geistvoll behandelt, mit der Schlußempfehlung, die Denkmalsucht unserer Zeit wo möglich in die Raumkunst zu leiten, mit anderen Worten, dem Persönlichkeitskultus eine Lösung ins Sachliche zu verleihen. Der Verfasser wünschte, daß man den Heroen ihrem Wirken entsprechende Stätten weihte.
Ich glaube nicht, daß man auf diese Weise dem Bedürfnisse der Menschheit, den um sie Verdienten ein Standbild zu setzen, abhelfen kann. Man will den Helden, den großen Gelehrten, den berühmten Künstler in unsrer Zeit mehr denn je im Bilde sehen und hat dazu ein Recht. Wenn diese Bilder nicht zu der Wirkung kommen, die ein künstlerisch empfindendes Herz verlangt, so liegt das meist in der willkürlichen Art, wie solche Personendenkmäler in das Stadtbild eingegliedert werden. Am wenigsten geeignet ist z. B. in Gegensatz zu herrschender Meinung, die Wahl eines großen freien Platzes. Freie Plätze sind an sich schöne Valeurs im Stadtbilde, man sollte sie daher nie so verzieren, daß der Eindruck des Freien gestört wird.
Dann aber auch: in der Mitte eines großen freien Platzes kann ein Denkmal niemals monumental wirken, und wäre es das wuchtigste Reiter-Denkmal.
Hintergrundlos verliert es sich auf dem weiten Plan, der Rahmen und der Kontrast fehlen, die für jede Monumentalität in der Plastik als Maßstab geltend, nötig sind. Auf großen Plätzen soll man Denkmäler, wofern sie dafür in Betracht kommen, stets in die Nähe der umsäumenden Gebäude aufstellen, und zwar womöglich gegenüber der Mündung des Hauptzuflusses zu den Plätzen. Ein enger Platz, von stattlichen Gebäuden umsäumt, ein Platz, der einer gewissen Intimität nicht ermangelt, ist viel mehr geeignet, ein Standbild aufzunehmen.
Auf ihm ist die Möglichkeit einer monumentalen Wirkung gegeben, dadurch, daß keine Entfernung eine Verkleinerung über das Maß des Vorteilhaften zuläßt. Der höchste Abstand, der möglich ist, läßt das Monument immer noch gewaltig und erhaben erscheinen. Beispiel: Colleoni in Venedig. Gegenbeispiel: die meisten Königsmonumente, welche wir in Deutschland haben. Ferner ist auf einem kleinen Platze dem Denkmal der einzig vorteilhafte Hintergrund gegeben, den eine freie Naturform nachahmende Plastik haben kann: architektonisch strenge Linien: Kontrast freier Formen zu gebundenen, die Garantie für ein künstlerisch Wirksames.
Aus dem Fehlen eben dieses Kontrastes ist auch eine andere Art, Denkmäler aufzustellen, die von unserer Zeit beliebt wird, nicht empfehlenswert: Die Aufstellung in gärtnerischen Anlagen. Auf der Zeichnung eines Architekten, der sein Werk empfehlend hervorheben will, ist die dunkelschattierte Baumgruppe der denkbar günstigste Hintergrund, in Wirklichkeit ist sie es nicht. Abgesehen davon, daß sie durch die Jahreszeiten in einem ständigen Wechsel begriffen ist, sind ihre plastischen Naturformen der Plastik ungünstig. Es tritt da ein Wettstreit zwischen verwandten Formenarten ein, in dem die menschlich begrenzten den göttlich unbegrenzten und ewig reichen der Natur unterliegen. Dazu noch: farblich wirken Bronze und Marmor auf Grün wenig erfreulich.
Ein weiteres: gärtnerische Anlagen auf dem Untergründe von Denkmälern, z. B. in Form von Teppichbeeten, sind wenig ratsam. Abgesehen davon, daß sie etwas putzmacherischkleinliches haben, stören sie durch die Kraft ihrer Vielfarbigkeit und lenken das Auge ab.
Will man den Untergrund verzieren, so wähle man die dafür gegebenen Ausdrucksmittel: Mosaik, Terrazzo oder Quaderung. — Man sollte für Denkmäler – Aufstellung vor allem den sozialen Gesichtspunkt im Auge haben. Sie sind Ehrungen der Allgemeinheit für Geister, die sich um die Allgemeinheit verdient gemacht haben. Man stelle sie in diesem Sinne auf: nicht einzeln, nicht dorthin, wo der Verkehr an ihnen vorüberhastet, wo die Pracht der Schaufenster die Augen magisch anzieht, nicht dort, wo sich die Aufmerksamkeit um Pfennige dreht, man gebe ihnen einen Platz, wo es möglich ist, sie zu genießen.
Man schaffe in den Städten Ehrenplätze, wo man die Bilder aller derer, die sich um Stadt und Volk verdient gemacht haben, vereint: Zentralisation der Monumente in einem großen Rahmen. Welche Vorteile in künstlerischer und praktischer Beziehung! Die Antike hatte ihre Fora. Wir könnten ähnliches haben. Arbeiten wir darauf hin, die Hauptwerke der Architektur, die öffentlichen Gebäude um einen Platz zu gruppieren und räumen wir diesen Platz ganz und gar der Kunst und dem Andenken.
Vereinen wir die Statuen der Verdienten zu einer Ehrengemeinde auf diesem Platze, es wäre das eine würdige Aufgabe für den modernen Städtebauer. Die Denkmalsucht, von der Widmer hier neulich sprach, würde zu einem fruchtbaren, der Schönheit der Städte, der Geschichte, dem Gemeinsinn und in vielen Fällen auch der Kunst nützlichen Charakterzuge unseres Zeitalters werden. Die albernen Denkmals-Anlagen, mit zehntausend-stiligem Beiwerk, würden fortfallen zu Gunsten reiner Plastik, die auf reine Menschendarstellung gerichtet sein müßte. Die Bildhauer müßten stets auf den Wettbewerb mit Besseren auf diesem konkurrenzreichen Platze gefaßt sein und anstatt einen architektonischen Sockeldilettantismus zu üben, sich plastisch so hoch einstellen, wie nur möglich. —
K. GRAF HARDENBERG.
Siehe auch:
Die Kunst und die Gegenwart
Die Lebensfrage der Kunst
Die Landschaft ist ein Seelenzustand
Vom Wert der Anschauung
Ein Kriegerdenkmal
Was ist Expressionismus?
Linie und Form in der Plastik
Der Tastsinn in der Kunst
Fritz Boehle
Ratschläge vorm Verkauf von Kunstbesitz
Waldemar Rösler
Franz Hoch
Silhouetten
Die Kunst nach dem Kriege
Ein Deutsches Ledermuseum
Heldenhaine und Ehrenhaine
Kriegs-Gedächtnis-Male
Lebenswerte der Kunst
Constantin Meunier-Denkmal der Arbeit
Die Anfänge einer neuen Architektur-Plastik
III. Deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung
Neue Brunnen und Denkmäler von Franz Metzner
Monumentale Kunst
Franz Metzner-Steinmetz und Bildhauer
Bildhauer Georg Kolbe