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Wolfsnews
Mögliche Herkunft des Wolfes
Es liegen mittlerweile mehrere Foto- und Videoaufnahmen des Wolfes vor, welche seit Mitte Januar gemacht wurden. Ein Teil der Aufnahmen ist von guter Qualität. Es lässt sich anhand dieses Materials erkennen, dass es sich um einen Wolf im mindestens zweiten Lebensjahr handelt (kein Jungwolf). Denkbar ist, dass es sich um den männlichen Wolf M109 handelt, der im Sommer 2019 im Gotthardgebiet lebte und im November 2019 in Appenzell Ausserhoden nachgewiesen wurde. Er könnte in den Thurgau weiter gezogen sein. Denkbar ist aber auch eine Zuwanderung von Norden: Im südlichen Schwarzwald wurde Ende November 2019 ein Wolf auf Norddeutschland nachgewiesen, um die Weihnachtstage erfolgte ein bisher letzter fotografischer Nachweis des Tieres. Das Auftauchen des Wolfes im Thurgau nur wenige Wochen später, würde zeitlich dazu passen. Klarheit werden aber erst die genetischen Resultate bringen.
Gesundheitszustand des Wolfes
Das zur Verfügung stehende Bildmaterial des Wolfes belegt eine deutlich sichtbare Hauterkrankung des Tieres. Mitten im Winter haben Wölfe eigentlich einen vollen, buschigen Pelz. Ein vorzeitiger saisonaler Fellwechsel kann trotz Klimaerwärmung und milden Temperaturen im Mittelland weitgehend ausgeschlossen werden. Die mit Abstand häufigste Hauterkrankung von wildlebenden Caniden in Mitteleuropa ist die Räude, ausgelöst durch die Sarcoptes-Milbe. Somit besteht ein hinreichender Verdacht, dass der Wolf an der Räude erkrankt ist.
Die Räude ist eine natürliche parasitäre Erkrankung von Caniden. Sie konnte bereits zuvor in Einzelfällen bei Schweizer Wölfen nachgewiesen werden (z.B. bei Gsteigwiler (BE) 2006 überfahrener Wolf) und kommt auch bei den deutschen Wölfen gelegentlich vor. Die Räude kann für das erkrankte Tier tödlich verlaufen, aber auch überlebt werden. Der Wolf ist auf den zur Verfügung stehenden Bildern noch in einem guten Nährzustand. Die Räude kann in einem fortgeschrittenen Stadium aber auch dazu führen, dass Wölfe stark geschwächt werden, nicht mehr jagen können und daher vermehrt in Siedlungsnähe auftauchen. Dies konnte bereits in anderen Ländern beobachtet werden (z.B. Fall in der Lausitz in Deutschland Anfang 2018).
Möglicher Abschuss des Wolfes
Der Wolf ist in der Schweiz eine geschützte Tierart, kann aber unter gewissen Bedingungen abgeschossen werden. Für den Abschuss von Einzeltieren, wie es sich beim vorliegenden Fall handelt, sind die Kantone verantwortlich. Der Bund erlässt die Vorschriften:
Schreitet die Erkrankung des Tieres fort oder stellt es eine Bedrohung für Menschen dar, haben die Kantone bereits heute alle Möglichkeiten, um diesen Wolf abzuschiessen. Auch wenn die Rissserie anhalten sollte und die Risszahlen erreicht werden, ist eine Abschussbewilligung möglich. Die gültigen rechtlichen Grundlagen erlauben somit einen Abschuss von auffälligen Wölfen.