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Therapeutische Sprachgestaltung anthrop. 177
Die therapeutische Sprachgestaltung ist eine der Kunsttherapien, die zu den Behandlungsmethoden der anthroposophischen Medizin gehören.
Die therapeutische Sprachgestaltung ist aus der künstlerischen Sprachgestaltung hervorgegangen und wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Schauspielerin Marie Steiner (1867-1948) zusammen mit ihrem Ehemann Rudolf Steiner entwickelt. Die Sprachgestaltung führte zu neuen Formen der Rezitation und des Schauspiels.
Der österreichische Wissenschaftler und Philosoph Rudolf Steiner (1861-1925) begründete in Zusammenarbeit mit der holländischen Ärztin Ita Wegman (1876-1943) um 1920 die anthroposophische Medizin. Bereits 1921 entstanden in Arlesheim (Baselland) und Stuttgart erste klinische Einrichtungen, in denen der neue medizinische Ansatz praktisch zur Anwendung kam. Darauf aufbauend hat sich die anthroposophische Medizin im Lauf der Jahrzehnte über die ganze Welt verbreitet.
Grundlage der therapeutischen Sprachgestaltung ist das anthroposophische Menschenbild. Nach Rudolf Steiner besteht der Mensch aus vier Wesenseinheiten, die sich gegenseitig beeinflussen: Der physische Leib ist der sichtbare Körper, der Ätherleib die Summe der Lebenskräfte (Wachstum, Regeneration), der Astralleib beinhaltet das seelische Innenleben (Empfindungen, Gefühle, Bewusstsein) und das „Ich“ bzw. die Ich-Organisation ist das Zentrum der Persönlichkeit (Selbstbewusstsein).
Alle vier Wesenseinheiten stehen in enger Verbindung zueinander und werden erst nach dem Tod getrennt. Ihr Zusammenspiel bestimmt den gesundheitlichen Zustand des Menschen. So entsteht eine Krankheit durch ein Ungleichgewicht dieser vier Elemente, zum Beispiel kann sich eine Krebserkrankung nach anthroposophischer Auffassung durch ein lang andauerndes Überwiegen des Ätherleibs entwickeln. Eine Behandlung muss demnach darauf abzielen, die Kräfte der vier Wesenseinheiten auszubalancieren und die Harmonie wiederherzustellen.
Krankheit wird in der Anthroposophie nicht als Defekt verstanden, der repariert werden muss, sondern vielmehr als Chance zur Neu- und Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Den vier Wesensarten werden folgende Grundtypen von Krankheiten zugeordnet: skleroseartig (physischer Leib), geschwulstartig (Ätherleib), entzündungsbedingt (Astralleib), lähmungsbedingt (Ich-Organisation). Alle Krankheiten gelten als Äusserung der Seele und des Geistes. Jedes Krankheitsbild ist individuell zu therapieren, da jede Krankheit vom persönlichen Befinden des Patienten abhängig ist.
Der anthroposophische Arzt hat die Möglichkeit, anthroposophische Kunsttherapien zu verordnen. Zu diesen zählen plastisch-therapeutisches Gestalten, Maltherapie, Sprachgestaltung und Musiktherapie. Begleitet von einem Therapeuten wird der heilende Prozess hier durch die Eigentätigkeit des Patienten gefördert. Bewegung, Form, Farbe, Klang oder Sprache regen den Patienten an, sich aktiv am Heilungsprozess zu beteiligen. Welche der Kunsttherapien zur Behandlung ausgewählt wird, hängt von den Beschwerden, Bedürfnissen und Fähigkeiten des einzelnen Patienten ab. Die therapeutische Sprachgestaltung beispielsweise wird vor allem bei Störungen im Bereich des Ich-Wesens eingesetzt, denn Sprache ist immer auch eine seelische Äusserung. Die Sprachgestaltung verändert, wie jedes Sprechen, die Ausatmung und kann somit regulierend auf die Sprech- und Atemorgane wirken. Wichtig ist hierbei die räumliche Ordnung der Laute im Mund: Im gewöhnlichen Sprechen ist diese chaotisch, da die Laute mittels Lippen, Zähnen, Zunge und Gaumen artikuliert werden. Durch gezielte Übungen können jedoch Laute an einer einzigen Artikulationsstelle geübt und korrigiert werden.
Quelle: EMR Schweiz
Notwendige Ausbildungsdauer in Std. für die Krankenkassenanerkennung in der Schweiz:
Methodenausbildung: 500
Schulmedizinische Ausbildung: 150
EMR-Methode Nr. 177
Weitere Begriffe: Therapeutische Sprachgestaltung anthroposophische