Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03177.jsonl.gz/1363

"Wo es stagniert, werden Schmerzen auftreten. Entferne die Stagnation, und der Schmerz verschwindet." - Der Gelbe Kaiser
Diese alte Maxime der chinesischen Medizin besagt, dass Schmerzen durch Überlastung, Stagnation und Blockade von Qi, Lymphe, Schleim und Blut verursacht werden. Wenn Schmerz die Essenz einer Krankheit ist, ist Leiden eine Folge von unregelmässigem und blockiertem Energiefluss im Körper.
YIN & YANG
DAS PRINZIP DER POLARITÄT
In Das grosse Buch der chinesischen Medizin schreibt Ted. J Kaptchuk: "Die Yin-Yang Theorie beruht auf dem philosophischen Konzept von zwei polaren Gegensätzen: Yin und Yang genannt. Diese komplementären Gegensätze stellen weder Kräfte noch materielle Wesenheiten und auch kein mythisches Konzept dar, welches die Rationalität transzendiert. Vielmehr müssen sie als nützliche Bezeichnungen betrachtet werden, die der Beschreibung der Beziehung der Dinge zueinander und zum Universum dienen. Sie werden benutzt, um den immerwährenden Prozess natürlicher Veränderung zu erklären. Die Begriffe Yin und Yang drücken aber nicht nur universale Zusammenhänge aus. Sie repräsentieren ebenso eine Weise des Denkens. Innerhalb dieses Gedankensystems werden alle Dinge als Teile des Ganzen gesehen. Das einzelne Phänomen kann niemals von seiner Beziehung zu anderen Phänomenen getrennt werden. Kein Ding kann an und für sich selbst existieren. Es gibt nichts Absolutes. Yin und Yang beinhalten notwendigerweise in sich selbst die Möglichkeit des Gegensatzes und der Veränderung. Obgleich Yin und Yang unterscheidbar sind - getrennt werden können sie nicht. Sie definieren sich gegenseitig, und die Dinge, in denen Yin und Yang unterschieden werden, könnten ohne die Existenz dieser Eigenschaften nicht definiert werden. So kann man nicht von Temperatur sprechen, ohne Yin- und Yang-Aspekte (kalt und heiss) mit einzubeziehen. Genausowenig könnte man von Höhe sprechen, gäbe es keine Tiefe. Solche gegensätzlichen Aspekte hängen voneinander ab und definieren sich gegenseitig. Als weiteres Beispiel möge die Beziehung eines Paares dienen, in der ein Partner nur (relativ) passiv sein kann, wenn der andere (relativ) aktiv ist, und umgekehrt. Passivität und Aktivität können nur im Vergleich zueinander gemessen werden. Die Aktivität (das Yang) des Körpers wird von seiner physischen Form (dem Yin) genährt, und die physische Form des Körpers wird durch seine Aktivität geschaffen und erhalten."
Um körperliche und krankhafte Phänomene zu erklären, wird das Modell von Yin und Yang verwendet. Die Qualität der Lebensenergie (Qi) hängt massgeblich von diesen beiden Kräften ab. Eine Störung des Gleichgewichts von Yin und Yang führt über eine veränderte Qi-Qualität zu Krankheit. Der Heilungsprozess liegt in der Wiederherstellung dieses Gleichgewichts.
Yin und Yang symbolisieren paarweise entgegengesetzte Pole wie hell - dunkel, kalt - warm oder feucht - trocken. Diese sind wie im Menschen so auch in der Natur zu beobachten. Das heisst, dass das medizinische Geschehen im Organismus "Mensch" in Wechselwirkung mit seiner Umwelt steht. Diese Verbundenheit des Menschen und seiner äusseren Welt wird zudem anhand der 5 Elemente deutlich. Diese 5 Phasen zeigen bildhaft, wie alles miteinander verbunden ist. Der Mensch mit seinen Organen, mit seinen Emotionen, Talenten und Grenzen. Deswegen werden die körperlichen Befunde nicht nur zueinander, sondern eben auch zur Umwelt in Beziehung gesetzt.
5 WANDLUNGSPHASEN
DAS SYSTEM ZYKLISCHER BEWEGUNG
Diese 5 Elemente beschreiben alles, was im Universum existiert, und stellen es in eine höhere Sinngebung und Ordnung, deren Ausgangspunkt das Dao ist. Diese Wandlungsphasen sind unmittelbar aus der Natur abgeleitet. Nach
dem Verständnis der Chinesen lassen sich alle Dinge zwischen Himmel und
Erde nach dem Prinzip von Yin und Yang und der 5 Elemente einteilen. Aufgrund von astronomischen und
astrologischen Beobachtungen über die Jahrhunderte wurden dann nicht nur
die Jahreszeiten, Formen und Farben, sondern auch jedes Tier und jede
Pflanze einem Element zugeordnet. Auch der menschliche Körper als Teil
der universellen Schöpfung folgt diesen Gesetzmässigkeiten. Unser
Organismus mit seinen geistigen, körperlichen und seelischen Funktionen
spiegelt die Ordnung der Natur und ist ein Mikrokosmos des Universums.
So lassen sich auch unsere inneren Organe,
die Körpergewebe, die Sinnesorgane und unsere Empfindungen den fünf
Elementen und Yin und Yang zuordnen. Mit Hilfe der Fünf Elemente Lehre
können wir Naturgesetze erkennen und müssen uns an diese Vorgaben
halten, wenn wir ein erfülltes Leben führen wollen.
Holz 木 - Wiedergeburt und Erneuerung
Jahreszeit: Frühling / Tageszeit: Morgen / Himmelsrichtung: Osten / Planet: Jupiter / Farbe: Grün / Witterung: Windig / Geschmack: Sauer / Energie: Aufwärts / Emotion: Zorn / Einstellung: Positiv, begeistert / Organe: Leber, Gallenblase / Sinnesorgan: Auge / Gewebe: Sehnen
Das Element Holz steht in erster Linie für Wachstum. Von den Jahreszeiten
bezeichnet Holz den Frühling, die Zeit der Keime und Knospen, das
frische Grün. Als Tageszeit ist ihm der Morgen zugeordnet, die Zeit der
aufsteigenden Sonne und entsprechend als Himmelsrichtung der Osten.
Die Farbe Grün repräsentiert das Holzelement genauso wie der saure
Geschmack. Auf körperlicher Ebene sind die Organe Leber und Galle diesem
Element zugeordnet. Besonders Gefühle wie Wut können sich in der Leber
stauen und zu gesundheitlichen Problemen in diesem
Funktionskreis führen. Das Element Holz nährt das Element Feuer und wird vom Metall kontrolliert.
Feuer 火 - Liebe und Erleuchtung
Jahreszeit: Sommer / Tageszeit: Mittag / Himmelsrichtung: Süden / Planet: Mars / Farbe: Rot / Witterung: Heiss / Geschmack: Bitter / Energie: Ausdehnung / Emotion: Exzessive Freude / Haltung: Gesellig, warm, ausdrucksvoll, sozial / Organe: Herz, Dünndarm / Sinnesorgan: Zunge / Körpergewebe: Blutgefäss
Das Element Feuer steht für Aktivität und pure Lebenskraft. Unter den Jahreszeiten bezeichnet Feuer den Sommer mit der am Zenit stehenden Sonne und der Hitze. Unter der Sonneneinstrahlung entwickeln sich die Pflanzen am schnellsten und verströmen ihre Düfte und ihre Pollen. Als Tageszeit ist ihm der Mittag zugeordnet und entsprechend als Himmelsrichtung der Süden. Die Farbe Rot repräsentiert das Feuerelement und der bittere Geschmack. In unserem Körper sind Herz, Dünndarm, Perikardium und der Dreifach Erwärmer die zum Feuer gehörenden Elemente. Ein gestörtes Feuerelement manifestiert sich häufig in Herz- und Kreislauferkrankungen. Das Element Feuer nährt das Element Erde und wird vom Wasser kontrolliert.
Erde 土 - Stabilität und Anreicherung
Saison: Spätsommer / Tageszeit: Nachmittag / Himmelsrichtung: Mitte / Planet: Saturn / Farbe: Gelb / Witterung: Feucht / Geschmack: Süss / Energie: Nach unten / Emotion: Sorge / Einstellung: Stabilität / Organe: Magen, Milz / Sinnesorgan: Mund / Gewebe: Muskeln
Tu, steht für Stabilität, Sicherheit und äussert sich oft in einer eher unflexiblen und konservativen Geisteshaltung. Erde bedeutet Tradition, Verbundenheit und die Bereitschaft, sich für andere Menschen einzusetzen. Erde symbolisiert die Mitte und im Allgemeinen die Zeit der Reife, im Leben wie im Jahreslauf. Als Tageszeit ist ihm der Nachmittag zugeordnet. Die Farbe Gelb repräsentiert das Erdelement genauso wie der süsse Geschmack. In unserem Körper zählen Magen und Milz zum Erdelement. Auf unserer Gefühlsebene zeichnet sich die Erde dadurch aus, dass sie sich ständig sorgt, deshalb schlagen uns Sorgen häufig auf den Magen. Das Element Erde nährt das Element Metall und wird vom Holz kontrolliert.
Metall 金 - Fokus und Vervollständigung
Das Element Metall steht für Tatkraft, Entschlossenheit, Fortschrittlichkeit, Zähigkeit und einen ideellen Abstand zu den Dingen. Metall steht ausserdem für ein kühles strategisches Denken und taktisches Vorgehen im Umgang mit den Mitmenschen, sowie für einen rationalen Umgang mit Geld. Als Tageszeit ist ihm der Abend zugeordnet und entsprechend als Himmelsrichtung der Westen. Die Farbe Weiss repräsentiert das Metallelement genauso wie der scharfe Geschmack. In unserem Körper sind Lunge und Dickdarm die zum Metall gehörenden Elemente. Die Emotion des Abschieds, die Trauer, geht einher mit einer Bewegungsrichtung nach innen und unten und wird entsprechend dem Metall zugeordnet. Auf der Körperebene zeigen sich Störungen des Metallelementes vor allem im Bereich der Lungen und des Dickdarms. Das Element Metall nährt das Element Wasser und wird vom Feuer kontrolliert.
Wasser 水 - Reflexion und Flow
Jahreszeit: Winter / Tageszeit: Nacht / Himmelsrichtung: Norden / Planet: Merkur / Farbe: Schwarz / Witterung: Kalt / Geschmack: Salzig / Energie: Fliessend / Emotion: Angst / Haltung: Objektiv, kreativ, originell, flexibel / Organe: Niere, Blase / Sinnesorgan: Ohr / Gewebe: Knochen
Das Element Wasser steht für die Zeit der Kälte, in der alle Pflanzen, alle Lebewesen zur Ruhe gekommen sind und ihre Essenz im Innern bewahren und speichern. Es ist die Zeit der Ruhe und inneren Einkehr. Als Tageszeit ist ihm die Nacht zugeordnet und entsprechend als Himmelsrichtung den Norden. Von den Jahreszeiten entspricht das Wasser dem Winter. Die Farben Schwarz und Dunkelblau stehen ebenso für Wasser wie der salzige Geschmack. Das Wasserelement im Körper wird repräsentiert durch die Nieren und die Blase, die besonders durch das Gefühl Angst und Schock aus dem Gleichgewicht gebracht werden können. Das Element Wasser nährt das Element Holz und wird von der Erde kontrolliert.
MERIDIANE
DAS PRINZIP DER LEITBAHNEN
Es gibt zwölf Hauptleitbahnen und acht ausserordentliche Gefässe, auf denen sich das Qi bewegt. Das Qi fliesst im Lungen Meridian beginnend und beim Leber Meridian endend in den 12 Leitbahnen. Der Qi Fluss in den zwölf Leitbahnen steht im Zusammenhang mit dem Qi Fluss innerhalb von 24 Stunden, respektive zwei Stunden pro Leitbahn. Dieses Wegsystem (Meridiane) liegt teilweise an der Körperoberfläche, durchspannt aber auch den gesamten Körper netzartig und verbindet sich mit den inneren Organen und jeglichen Körpergeweben. Dabei sind die oberflächlichen Anteile, auf welchen eben auch die Akupunkturpunkte liegen, therapeutischen Behandlungen zugänglich.
PUNKTE
DAS PRINZIP DER ENERGIEPUNKTE
Es gibt 365 reguläre und zusätzliche Extrapunkte. Als Akupunkturpunkte werden bestimmte Stellen am ganzen Körper bezeichnet, die von energetischer Bedeutung sind. Diese Punkte können durch Nadelstiche oder Akupressur gereizt werden und der Therapie dienen. Diese Energiepunkte liegen unterschiedlich tief im Gewebe und können mit der Akupunkturnadel in etwa 2 mm Tiefe am Finger oder bis zu 10 cm Tiefe am Gesäss gestochen werden. Diese Punkte sind mit den Meridianen über ein energetisches Netz verbunden und nehmen auf innere Organe oder das Qi Einfluss. Üblicherweise lässt sich ein Akupunkturpunkt durch Druck stimulieren und dadurch in seiner Funktion beeinflussen. So können die Punkte als Leiter oder Blocker von Qi fungieren und Energie anstauen oder fliessen lassen.
DIAGNOSE
DIE METHODEN ZUR BESTIMMUNG VON PATHOLOGIEN
In der TCM gibt es ein eigenes diagnostisches System mit den Veränderungen von Yin, Yang und Qi beobachtet und beurteilt werden können. Es handelt sich hierbei um die Befragung, Beobachtung und die Zungen- und Pulsdiagnose.
5 SÄULEN
DIE METHODEN ZUR BEHANDLUNG VON PATHOLOGIEN
Auf den oben genannten Grundlagen von Yin und Yang, den 5 Elementen, den Meridianen und Akupunkturpunkten basieren die folgenden 5 Säulen der TCM:
- Säule 1: Akupunktur und Moxibustion
- Säule 2: Die Arzneimittel (CAT)
- Säule 3: Die Koordinationsübungen (Qigong und Taiji)
- Säule 4: Die Massage (Tuina)
- Säule 5: Die Ernährung (Diätetik)
All diese Verfahren zielen darauf ab, Blockaden zu lösen, das Qi zum Fliessen und das Yin und Yang ins Gleichgewicht zu bringen, um damit Schmerzen zu lindern, das Immunsystem zu stärken und Krankheiten zu heilen. Denn, wenn Körper, Geist und Seele im Einklang sind, sind wir gesund.
Quellen:
Das grosse Buch der chinesischen Medizin - Die Medizin von Yin und Yang in Theorie und Praxis,
Ted J. Kaptchuk, Knauer Menssana, ISBN: 978-3-426-87530-8
Die Fünf Wandlungsphasen Das Tor zur chinesischen Medizin, Klaus-Dieter Platsch, 2. Auflage, Urban & Fischer in Elsevier, ISBN: 978-3-437-56712-4
www.giovanni-maciocia.com/the-five-elements-clinical-application_10