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Innere Medizin
1865–1871 Carl von Liebermeister (1833–1901)
Seine Publikationen über Leberkrankheiten und zur Physiologie und Pathologie des Wärmehaushalts hatten die Basler Behörden auf den Extraordinarius Carl von Liebermeister in Tübingen aufmerksam gemacht. Dank der Erweiterung des Bürgerspitals in den Jahren 1855–1860 und dem bevorstehenden Abschluss des sog. Klinikenvertrags zwischen dem Bürgerspital und der Universität fand er gute Arbeitsbedingungen. Die Zahl der Studenten nahm rasch zu. Gerade zu Beginn seiner Tätigkeit war er konfrontiert mit einer schweren Typhusepidemie. Die schädliche Wirkung des hohen Fiebers auf den Gesamtorganismus liess sich durch die Katwasserbehandlung soweit verringern, dass die Mortalität stark zurückging. Die Ursache sah Liebermeister im Trinkwasser, weshalb er sich in der Folge für die Trinkwassersanierung einsetzte. Er vertrat in seinen Publikationen die These, dass die ansteckenden Krankheiten durch ein spezifisches Contagium vivum verursacht seien. Die Bakterien wurden erst später entdeckt. 1871 wurde Liebermeister nach Tübingen berufen. (siehe Wikipedia)
1871–1899 Hermann Immermann (1838–1899)
Er studierte Medizin in Halle, Würzburg, Greifswald, Tübingen und Berlin. 1860 wurde er promoviert und von 1864 bis 1866 war er Assistenzarzt in Tübingen. Während seiner Habilitation arbeitete er als Sekundararzt in der Erlanger Poliklinik. 1871 nahm er den Ruf als Liebermeisters Nachfolger auf den Lehrstuhl der Inneren Medizin in Basel an, wo er bis zu seinem Tod wirkte. 1880 war er Rektor der Universität Basel. Die Stadt hatte ihm das Ehrenbürgerrecht geschenkt. (siehe Wikipedia)
1899–1902 Friedrich von Müller (1858–1941)
Friedrich von Müller hatte in Würzburg und Berlin studiert. Bereits 1889 wurde er Leiter der medizinischen Poliklinik in Bonn, nachher in Breslau und Marburg, bis er schliesslich nach Basel berufen wurde. Bereits nach drei Jahren folgte er einem Ruf nach München, wo er in grösserem Wirkungskreis die Klinik zu Weltruf brachte. Seine wissenschaftlichen Arbeiten befassten sich mit Stoffwechsel-, Respirations-, Kreislauf- und Nierenkrankheiten und der Neurologie. Sein "Taschenbuch der medizinisch-klinischen Diagnostik", der sog. "Müller-Seiffert" wurde mit 50 Auflagen zum Lehr- und Nachschlagewerk zahlreicher Ärztegenerationen. (siehe Wikipedia)
1902-1906 Wilhelm His jun. (1863-1934)
Wilhelm His war der Sohn des Anatomen gleichen Namens. Er studierte in Basel und Leipzig, wo er das Atrioventrikularbündel und seine Funktion entdeckte und beschrieb. 1902 kam er als Oberarzt an ein Krankenhaus in Dresden und wurde von dort als Nachfolger von Müller nach Basel berufen. Er befasste sich hier mit der Gicht und dem Purinstoffwechsel. 1906 nahm er einen Ruf nach Göttingen an, wurde aber bereits ein Jahr später als Nachfolger von Leidens nach Berlin gewählt. Während des Ersten Weltkriegs leistete er Dienst als beratender Internist in der deutschen Armee. Seine Kriegserfahrungen schilderte er im Buch "Die Front der Ärzte" von 1931. Er hat als erster das Wolhynische oder Fünftagefieber beschrieben. (siehe Wikipedia)
1907–1911 Dietrich Gerhardt (1866–1921)
Nach dem Medizinstudium in Jena war Dietrich Gerhardt zunächst Assistent am pathologischen Institut in Würzburg und danach in Strassburg, wo er sich 1894 habilitierte. 1903 übernahm er dort die Leitung der Poliklinik und 1905 diejenige in Jena. Von dort wurde er 1907 nach Basel berufen. Die Behörden hatten Gerhardt verpflichtet, mindestens vier Jahre in Basel zu bleiben, weil sein Vorgänger Fritz Voit nur ein Semester in Basel gelehrt hatte. Ein Ruf aus Würzburg konnte Gerhardt nicht an der Universität Basel halten. Der hervorragende Wissenschaftler betätigte sich vor allem auf dem Gebiet der Kreislaufpathologie. Auskultation und die Interpretation der Befunde waren seine Stärke. Publikationen über Herztöne, Herzmuskelerkrankungen und Herzklappenfehler belegen seine Pioniertätigkeit auf diesem Gebiet.
1911–1944 Rudolf Staehelin (1875–1943)
Der Basler Rudolf Staehelin wurde 1901 in Basel promoviert. Ab 1902 wirkte er als Dozent in Basel. 1907 ging er mit Wilhelm His nach Göttingen und ein Jahr später nach Berlin, wo er Extraordinarius wurde. 1911 wurde er als Nachfolger von Dietrich Gerhardt als Ordinarius und als einer der jüngsten Leiter an die medizinische Universitätsklinik Basel berufen. Er war 1924 Rektor und anfangs 1940er Jahre massgeblich beim Spitalneubau, dem heutigen Klinikum 1, beteiligt. Sein wissenschaftliches Lebenswerk galt der Tuberkulose, den Stoffwechsel-, Lungen-, Herz- und Blutgefässeerkrankungen. Er war Mitherausgeber eines wichtigen Handbuchs für innere Medizin. Im Springer’schen Lehrbuch für innere Medizin hatte er in mehreren Auflagen über die Infektionskrankheiten geschrieben. Er hielt zahlreiche Vorträge und veröffentliche Aufsätze. (siehe Wikipedia)
1944–1962 Hans Staub (1890–1967)
Hans Staub hatte in Zürich, Heidelberg und Basel studiert und an der Universität Zürich 1917 promoviert. 1919 wurde er Assistenzarzt an der medizinischen Universitätsklinik Basel, 1922 Privatdozent und von 1931 bis 1943 ordentlicher Professor für Pharmakologie, bevor er 1944 zum Ordinarius und Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin gewählt wurde. Staub war v. a. in der Insulin- und Diabetesforschung tätig und entdeckte u. a. 1921 das Reglersystem des Blutzuckers, wonach die Zufuhr von Kohlenhydraten nach anfänglicher Erhöhung des Blutzuckers zu einem vorübergehenden Abfall infolge der Insulinausschüttung führt.
1962–1975 Fritz Koller (1906–1999)
Bereits in den 1950er Jahren begann sich die Innere Medizin aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in verschiedene Fachgebiete aufzuteilen (Gastroenterologie, Kardiologie, Hämatologie, Nephrologie, Angiologie und Pneumologie). Wenig später wurde die entsprechende technische Infrastruktur für die Dialyse-, Beatmungs-, Kardiologische- und Angiologische Station aufgebaut. Unter Fritz Kollers Leitung und in einem wirtschaftlich positiven Umfeld wurden die Entwicklung der Spezialdisziplinen energisch weiterentwickelt: dazu gehören die Toxikologie, Endokrinologie, Diabetologie, klinische Pharmakologie und Onkologie wurden personell etabliert. Eine Intensivpflege- und eine Herzüberwachungsstation wurden geschaffen und die bisher eher informellen Spezialstationen der verschiedenen Disziplinen wurden zu formellen Spezialabteilungen ausgebaut. Dies war möglich dank Spezialärzten, die Fritz Koller nach Basel geholt hatten. Koller selbst forschte auf dem Gebiet der Blutgerinnung und ihrer Störungen und beschrieb 1954 den Blutgerinnungsfaktor X.
1976 – 1995 Werner Stauffacher (1931–2023)
Werner Stauffacher wurde 1931 in Basel geboren, durchlief hier die Schulen und studierte nach der Matur am Humanistischen Gymnasium (1951) Medizin in Basel. Nach dem Staatsexamen 1958 arbeitete er bis 1962 an der Medizinischen Universitätsklinik bei Hans Staub. Die Doktorwürde erlangte er mit einer Arbeit über „Bewusstseinsstörungen notfallmässig eingelieferter Patienten“.
1962 und 1963 forschte er an der Harvard School of Public Health in Boston über den Fettstoffwechsel. 1963 folgte er seinem dortigen Chef Prof. Albert E. Renold nach Genf, um seine Studien über den Fettstoffwechsel und den Diabetes mellitus bei Mensch und Tier am Institut für Klinische Biochemie in Genf fortzusetzen. Diese Arbeiten trugen ihm internationale Anerkennung ein. Sein Forschungsthema sollte im Verlauf seiner Tätigkeit zum alles überragenden Problem der klinischen Medizin werden. Seine Ausbildung in Innerer Medizin bei Alex F. Müller schloss er mit der Habilitation 1970 in Genf ab.
Bereits 1972 wurde er als Chefarzt an die Medizinische Universitätsklinik Bern berufen.
Nach einer kurzen Zeit als Mit-Direktor der Berner Medizinischen Klinik erhielt er 1976 den Ruf als Ordinarius, Chefarzt und Vorsteher des Departements Innere Medizin nach Basel. Dieses Amt füllte er bis zu seiner Emeritierung 1995 mit Begeisterung aus.
Werner Stauffacher entwarf bei Amtsantritt ein Rahmenstatut für das Departement Innere Medizin, das eine klare Gliederung in Kliniken und Spezialabteilungen vorsah. Damit wurde das Primat der allgemein-internistischen, ganzheitlichen Betreuung der Patienten unter dem gemeinsamen Dach des Departements gewahrt. Angesichts der stürmischen Entwicklung der Infektionskrankheiten und der zunehmenden Bedeutung von Resistenzphänomenen wurden 1991 auf seine Initiative hin die Abteilungen für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene geschaffen.
Werner Stauffacher verstand es in besonderem Masse, die komplexen Aufgaben des Departements vorstehers, Chefarztes, akademischen Lehrers und Forschers zu vereinigen. Als Synthese davon war ihm die Förderung des akademischen Nachwuchses und die Frauenförderung ein besonderes Anliegen.
In seiner langen und erfolgreichen Laufbahn zeigte sich sein administratives und organisatorisches Geschick begleitet von Empathie und Konzilianz. Bereits als Assistent war er als Präsident der Assistentenvereinigung erfolgreich bei der Einführung der Risikoversicherung für Mediziner. Seinen Kenntnisreichtum und seine Arbeitskraft stellte er in den Dienst der Wissenschaftsgemeinschaft, lokal regional und national.
Er war viele Jahre lang Präsident der Stiftung für Biologisch-Medizinische Stipendien, der Expertenkommission für das MDPhD-Programm und der SAMW, sowie der Roche Research Foundation sowie des Wissenschaftlichen Beirats der Helmut Horten-Stiftung. Er war Mitglied des Forschungsrates des Schweizerischen Nationalfonds und Präsident der Abteilung Biologie und Medizin. Als Präsident der SAMW war ihm auch die Institutionalisierung der Pflegewissenschaften in Basel sowie das Projekt «Zukunft Medizin Schweiz» ein besonderes Anliegen.
Im Jahr 2002 ehrte ihn die Universität Genf mit dem Ehrendoktortitel.