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1966: Nach sich zuspitzenden Differenzen mit Fidel Castro hat Che Guevara (Benicio del Toro) die kubanische Regierung und seinen Posten als Industrieminster verlassen. Nachdem er erst im Kongo seine revolutionären Ideen zu verwirklichen versucht hat - allerdings erfolglos -, reist er nun anonym nach Bolivien, wo er das Kommando einer bewaffneten Widerstandstruppe übernimmt.
Mit an Bord bei den Guerilleros ist auch die deutschstämmige Tamara Bunke (Franka Potente). Zusammen mit rund 40 weiteren Kämpfern versuchen sie, im südamerikanischen Land einen revolutionären Umsturz zu bewirken. Doch im Gegensatz zur Revolution in Kuba verläuft dieser Kampf nicht erfolgreich. Nach rund einem Jahr gelingt dem bolivianischen Militär - mit Unterstützung der CIA - Guevaras Festnahme.
Während der erste Teil von Steven Soderberghs monumentaler Che-Guevara-Biographie, The Argentine, das Augenmerk auf den Erfolg legte, steht im Zentrum des zweiten Teiles nun das Scheitern. Guerrilla zeichnet den Weg Che Guevaras in Bolivien, der schliesslich in seiner Festnahme und der darauf folgenden Erschiessung endete.
Im Gegensatz zu Teil 1 verläuft dieser Film chronologisch linear, ohne dazwischengeschnittene Sequenzen. Dies macht ihn etwas leichter verständlich, aber auch langatmiger, denn auch hier wird auf eine eigentliche Handlung verzichtet. Statt dessen wirft er einzelne Spotlights auf Episoden des rund einjährigen Kampfes. Lediglich mit Einblendungen ("Tag 1", "Tag 2", "Tag x") wird der Zuschauer ein wenig an der Hand genommen, damit er den Überblick behält.
Ansonsten kann vieles, was für The Argentine gilt, auch für Guerrilla gesagt werden. Dass die Vielzahl an Nebenfiguren teilweise überfordernd ist. Dass er fürs Massenkino wohl eher untauglich ist, weil zu sperrig. Dass er aber trotzdem sauber inszeniert ist. Allerdings gibt's deutlich weniger Action als in Teil 1, was den Grad an Langeweile noch ein wenig erhöht.
Was aber auf jeden Fall vom Film bleibt - und das gilt wiederum für beide Teile -, ist ein überzeugender Benicio del Toro. Der Hauptdarsteller lebt seine Rolle mit jedem Atemzug, und man nimmt ihm den hochidealistischen Freiheitskämpfer, der lieber seine eigene Gesundheit aufs Spiel setzt als gegen seine Guerrilla-Grundsätze zu verstossen, hundertprozentig ab. Mit Che hat Steven Soderbergh dem 41-jährigen Puertoricaner die Chance gegeben, die berühmte "Rolle des Lebens" spielen zu können. Und diese Chance hat er furios genutzt.
Dennoch bleibt dies zu wenig, um vollständig zu überzeugen. Che-Fans und Nachwuchs-Revoluzzern bietet Guerrilla eine Menge Interessantes. Doch insgesamt ist der Film zu langfädig und scheitert auf sehr hohem Niveau - und an seinen eigenen Ansprüchen.
Simon Eberhard [ebe]
Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.