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Der in Tropenwäldern vorkommende Pilz Ophiocordyceps unilateralis ist imstande, die Kontrolle über Ameisen zu übernehmen und sie genau das tun zu lassen, was ideal für die Weiterverbreitung des Pilzes ist – dann tötet er die Ameise. Der «Zombie-Ameisenpilz» wächst durch den Körper des Insekts hindurch, entzieht ihm die Nährstoffe und übernimmt seine Gehirnfunktionen. Und das, ohne in das Gehirn einzudringen: Die Pilzzellen infiltrieren den gesamten Körper der Ameise, einschliesslich der Muskeln und des Kopfes, doch eben nicht das Gehirn.
Im Laufe von einer Woche nach dem Befall zwingt der Pilz die Ameise wie ein Puppenspieler, die Sicherheit ihres Nestes zu verlassen und auf einen nahe gelegenen Pflanzenstamm zu klettern – bis zu einer Höhe von etwa 25 Zentimetern. Denn dieser Bereich hat exakt die richtige Temperatur und Feuchtigkeit für das Wachstum des Pilzes. Dort bringt er die Ameise dazu, ihre Mandibeln dauerhaft in den Stamm oder das Blatt zu verankern. In dieser Stellung verendet die Ameise.
Zeit für den Fruchtkörper: Der Pilz stösst einen Stiel durch den Kopf der Ameise, welcher innerhalb einer Woche doppelt so lang wird wie der tote Wirt. Schliesslich wächst eine Kapsel voller Sporen am Stiel heran. Und da die Ameise in der Regel auf ein Blatt klettert, das über die Futterwege ihrer Kolonie hinausragt, regnen die Pilzsporen auf ihre Schwestern hinunter und übernehmen auch ihre Gehirnfunktionen.
Der Fruchtkörper von Ophiocordyceps unilateralis wächst aus einer toten Ameise heraus. Quelle: Medium.com/David P. Hughes
Weshalb denn dieser ganze Aufwand, anstatt die infizierten Ameisen in der Kolonie bleiben zu lassen und die Sporen direkt dort zu verbreiten? Weil infizierte Leichen sofort von den anderen Ameisen entfernt würden. Und so macht das der schlaue Pilz:
Forschungen zeigen, dass der Zombie-Ameisenpilz nach dem Eindringen in den Wirt als einzelne Zelle existiert, die im Blutkreislauf umherschwimmt und neue Kopien von sich abwirft. Doch irgendwann beginnen diese einzelnen Zellen sich miteinander zu verbinden, indem sie kurze Röhren bilden, wie man sie bisher nur bei Pilzen gesehen hat, die Pflanzen infizieren. Diese Verbindungen erlauben es den Zellen, zu kommunizieren und Nährstoffe austauschen.
Wissenschaftlern zufolge macht es Sinn, dass der Pilz nicht direkt in das Gehirn eindringt. Denn würden es solche Parasiten tun und lediglich neuronales Gewebe zerstören, wären die beobachteten, manipulierten Verhaltensweisen wohl kaum so präzise. Der Prozess muss also wesentlich komplexer sein. Und da der Pilz eine breite Palette von Chemikalien absondert, vermuten die Forscher, dass er damit das Gehirn aus der Ferne beeinflussen kann. Ich sagte es doch: schneller und effizienter als die CIA mit LSD.
So gruselig die Geschichte auch ist, sie hat dennoch eine Moral: Vernetzt ist man stärker und kann wesentlich mächtigere Wesen nicht nur überwältigen, sondern sogar beliebig steuern.
Herzlich
Konstantin Demeter
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