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Die Savoys und Penninsulas dieser Welt mit ihren wertvollen Immobilien besitzen naturgemäss eine ereignisreiche Vergangenheit. Doch es gibt viele weitere bekannte Hotels, die eine äusserst spannende Geschichte geschrieben haben.
So eröffnete beispielsweise 1979 auf einem einsamen Wüstenteil ausserhalb der katarischen Hauptstadt das Hotel Sheraton Doha, eigens für eine Konferenz der «Organization of Arab States» errichtet. Heute ist die Lage absolute «prime location» und das Hotel mit seiner ausgeprägten Pyramidenform Kult.
Drei Jahre später entstand in Peking auf einer staubigen Zufahrtsstrasse das Hotel Jianguo; der Schweizer Niklaus Leuenberger führte es. Auch dieses Hotel ist noch im Betrieb, nur gehört die Jianguomen Road mittlerweile zum absoluten Zentrum der chinesischen Hauptstadt. Das Land, auf dem das Jianguo steht, ist mittlerweile fast unbezahlbar geworden und dürfte bald schon mit Wolkenkratzern zugepflastert werden.
Abu Dhabis Masterplan
Bis in die 1960er Jahre bestand der bis dahin kleine Inselstaat Abu Dhabi aus einfachsten Bauten und die Menschen lebten von Fischfang und dem Anbau von Datteln. Mit der Unabhängigkeit der Vereinigten Arabischen Emirate am 2. Dezember 1971 und dem Beginn der Erdölförderung änderte sich alles schlagartig.
Zu dieser Zeit entstand in Abu Dhabi ein Masterplan, der von 600'000 Einwohnern sprach – was zwanzig Jahre später auch erreicht wurde – und dieser Masterplans schlug entsprechende Infrastrukturmassnahmen vor. An der dem offenen Meer zugewandten nordwestlichen Flanke der Insel befindet sich die Corniche, damals ein offenes sandiges und unbenütztes Stück Land. Der Masterplan wollte dieses Gebiet entwickeln, auch wenn es nicht absehbar war, wie gewaltig Abu Dhabi sich in den darauffolgenden 48 Jahren entwickeln sollte.
Ein Expat-Hub
Das Hilton Abu Dhabi an der Corniche war dann das erste Kettenhotel und wurde am 23. Mai 1973 von Sheikh Zayed eröffnet. Das Archivfoto der Britischen Botschaft (Hauptbild, rechter Teil) zeigt, wie einsam das Hotel mit der eigens angelegten Zufahrtsstrasse damals lag. Das Abu Dhabi Hilton wurde in den 70er-Jahren in der ganzen Region berühmt, unter anderem auch, weil erstmals Esswaren wie Eisbergsalat, Räucherlachs oder Avocado eingeführt wurden. Vieles wurde aus London importiert und half dem Hotel, ein internationales Flair zu erhalten. Dann gab es auch die erste Diskothek und aus dem Ausland wurden Stars wie Tina Turner eingeflogen.
Nach zwanzig erfolgreichen Jahren wurde das Haus renoviert und erhielt zusätzliche Zimmer und einen Beach Club. Das Problem war weiterhin, die heissen Sommermonate zu füllen, aber die wachsende Expat-Community Abu Dhabis war in den 90er-Jahren ein wichtiger Markt; sie brauchte Zimmer und benützte den Beach Club sowie Restaurants und Bars.
In den 2000er-Jahren explodierte die Entwicklung entlang der 7,7 km langen Corniche regelrecht und brachte viele neue Hotelanbieter. Die Gründung der Etihad Airways im Juli 2003 war ein weiterer Meilenstein, genauso wie 2005 die Eröffnung des Emirates Palace; damals ein globales PR-Werkzeug. Der Palast liegt übrigens knapp zehn Fussminuten vom Hilton entfernt. 2007 eröffnete dann das Abu Dhabi National Exhibition Centre, die Formel 1 kam zwei Jahre später, und 2017 erfolgte der nächste gross Coup, die Eröffnung des beindruckenden Louvre Museums.
Nächste Etappe
Für Hilton und ihr klassisches Konzept des Hotelmanagements wurde es immer schwieriger, sich im dynamischen Abu Dhabi zu behaupten. Mittlerweile waren die Zimmer veraltet, die Lobby zu dunkel, und die Motivation wohl auch etwas raus. Im November 2018 war die Zeit reif für einen nächsten grossen Schritt: Die Radisson Gruppe übernahm das Hotel, nennt es nun das «Radisson Blu Hotel & Resort Abu Dhabi Corniche», und begann auch umgehend mit dem Umbau von Zimmern.
Dieser Prozess ist noch im Gange, aber die bereits neu eingerichteten Zimmer sind hell, freundlich, im skandinavischen Stil eingerichtet und mit Nasszellen, die der heutigen Nachfrage entsprechen. Bald sind also 47 Jahre Hotelgeschichte vergangen, mit erneut einem Abschnitt, diesmal mit neuen Betreibern, und bald auch mit neuen Gästen. Denn die Region rund um das Emirates Palace und die Marina entwickelt sich als eigenständiges Quartier, welches auch neue Nachfrage auslösen dürfte – auch aus dem internationalen Kundennetzwerk der Radisson Gruppe.
Das Radisson Blu Corniche bietet derzeit, trotz kaum sichtbarem Umbau, ein gutes 4-plus Sterne-Angebot. Dazu gehören mehrere Gastro-Einrichtungen, zum Beispiel das italienische Bocca, oder die Jazz Bar mit Live-Unterhaltung. Erlebenswert ist auch der private 10'000 m2-grosse Strand mit diversen Pools und weissem Sand. Auf TripAdvisor wird das Hotel mit 4,5 Punkten als «ausgezeichnet» bewertet.
Die Radisson Gruppe investiert nun in dieses Hotel, auch wenn man sich langfristig fragen muss, ob die aggressive Immobilienwelt diesen mittlerweile unbezahlbaren Plot, trotz herrlichen Geschichten und durchaus berechtigten Sentimentalitäten, nicht bald mit Grossüberbauungen vergolden will. Aber noch ist es nicht soweit und man wünscht der Radisson Gruppe Erfolg in der Aufgabe, das Erbe weiter zu pflegen.