Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03541.jsonl.gz/2510

Aus dem Rechenbrett entwickelten die Römer einen Handabakus. Nieten ersetzen die losen Steine, das Gerät wird dadurch leicht und transportabel.
Europeana / Heinz Nixdorf MuseumsForum
Wie die 7 nach Europa kam
Lange Zeit sperrte man sich in unseren Breitengraden gegen das indisch-arabische Zahlensystem. Das konnte selbst Mathematiker Fibonacci nicht sofort ändern. Die wirtschaftlichen Vorteile waren aber schliesslich so gross, dass der Widerstand aufgegeben wurde.
Mit Zahlen können die Eidgenossen ziemlich gut umgehen. Schweizer Banken zählen nach wie vor zu den beliebtesten Finanzinstituten und auch in der globalen Wirtschaft mischen wir kräftig mit. Zu verdanken haben wir das unter anderem dem Italiener Leonardo Pisano (1170-1240), besser bekannt unter dem Namen Fibonacci. Der Mathematiker aus der Toskana verbreitete im 13. Jahrhundert die indisch-arabischen Zahlen in Europa. Entdeckt hatte er sie in Nordafrika. Dorthin war er mit seinem Vater, Guglielmo Bonacci, einem Notar, gereist. Im heutigen Algerien lernte Leonardo das Dezimalsystem kennen und schätzen. Dieses ermöglichte den Kaufleuten, ihre Berechnungen in einem einfacheren Schema zu tätigen.
Vor Fibonacci wurden die sieben römischen Zahlenzeichen (I, V, X, L, C, D, M) verwendet. Weil diese immer den gleichen Wert hatten, waren mathematische Berechnungen bereits ab vierstelligen Zahlen unübersichtlich und arithmetische Operationen konnten kaum lesbar dargestellt werden. Die Addition 2688 + 2786 = 5474 hätte beispielsweise so ausgesehen: MMDCLXXXVIII + MMDCCLXXXVI = MMMMMCDLXXIV. Da waren Krämpfe in der Schreibhand und Kopfweh beim Rechnen garantiert.
Im Umgang mit grossen Zahlen verwendeten die Römer zwar Abbreviaturen, Abkürzungen, diese variierten jedoch von Region zu Region und waren deshalb nicht für einen internationalen Handel geeignet.
Trotz buchhalterischen Vorteilen brauchte das System, das der Italiener nach Italien gebracht hatte, Zeit, um sich durchzusetzen. Die Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und die 0 wurden in unseren Breitengraden skeptisch betrachtet. Die Kirche bezeichnete sie als teuflische Zeichen der Araber und einige Städte verboten sie sogar. In Florenz beispielsweise argumentierte man, dass die arabischen Ziffern leichter zu fälschen seien als die römischen. Auch die schlechte Lesbarkeit in den Kaufmannsbüchern wurde kritisiert. Die Stadt verbot 1299 die Verwendung von arabischen Zahlen in Verträgen und offiziellen Dokumenten.
Besonders die Null hatte es schwer. Eine Zahl, die gar keine Zahl ist und trotzdem einen Wert verzehnfachen kann, war den Italienern nicht geheuer. Misstrauen bestand auch gegenüber negativen Werten. Die rechnerischen Vorteile des indisch-arabischen Zahlensystems überzeugte die Händler allerdings sofort und irgendwann mussten auch die grössten Skeptiker zugeben, dass sich so besser Rechnen und Berechnen liess. Von Italien aus verbreitete sich das System über die Handelsrouten Richtung Norden und gelangte im 15. Jahrhundert auch in die Schweiz.
Ihr Kommentar