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Karla die Grosse
Wäre Karl der Grosse (748-814) eine Frau gewesen, hätte er/sie Karla die Grosse geheissen. War er aber nicht, er hatte mindestens fünf Gemahlinnen.
Lust auf einen Hugo? Das ist an einem schönen Altweiber(männer)sommerabend sicher nicht falsch: Prosecco mit Holunderblütensirup, Minze und Limetten. Im Bistro Karl der Grosse bestellen wir jetzt stattdessen eine Himiltrud aus Schaumwein, Soda, Holundersirup, Limette und Minze (16 Franken). Himiltrud war Karls erste Ehefrau. Mit Hildegard, der dritten Gattin, hatte er neun Kinder. Fastrada, die vierte, geriet samt ihrem hochmögenden Gatten auf dem Umbrail in einen Schneesturm. Als Dank für die Errettung gründete das edle Paar das Kloster Son Jon in Müstair. Luitgard starb, kurz bevor der vielgeliebte und -liebende karolingische Hüne (1,84 Meter) Weihnachten 800 im Petersdom in Rom endlich zum Kaiser gekrönt wurde.
Die neue Drinks-Karte ist total frauenlastig. Und das Haus, das seit dem 8. Jahrhundert «Karli» hiess, wurde ja jetzt sozusagen offiziell in «Karla die Grosse» umgetauft. Ein Diskussionshaus. Direkt vis-à-vis vom Grossmünster, das der leidenschaftliche Jäger Karl der Grosse gemäss Legende Mitte des 8. Jahrhunderts als Gedenkstätte für Felix und Regula initiiert haben soll. – Noch nie hat es in Zürich eine öffentlichere und schnellere Geschlechtsumwandlung gegeben!
Sollte man vielleicht auch Dieter Bührle (1890-1956) posthum umbauen? Hätte das «kontaminierte» neue Kunsthaus dann weniger Scherereien, von wegen Raubkunst usw.? Seinerzeit wurde Zürich freisinnig regiert, vom Stadtpräsidenten Emil Landolt, dessen Devise lautete: «Sind lieb mitenand.»
Ihm verdanken wir auch das 1959 eröffnete Hechtplatz-Theater, ehemals ein Feuerwehrlokal, das der kürzlich, im Mai 2021 verstorbene Architekt Ernst Gisel in der ihm eigenen Formensprache entworfen hatte. Jetzt sagen die Gerüchte, dass das Haus umgenutzt werden soll. Nichts Genaues weiss man noch nicht.
Es scheint die Strategie der Beamten zu sein, erst mal Unruhe zu stiften und die beliebten gewerblichen Mieter aufzuschrecken: Die gepflegte Weinboutique von Walter Hüppi (Gentner) und die «Bellevue-Alp», einer der nützlichsten Läden der Stadt, weil er alle Uhrenbatterien ersetzen kann, was er mit dem Verkauf von Souvenirs quersubventioniert. Und über allem wacht der winzige «Flumi». Sieht aus wie ein Hund, ist ein Hund und soll jeden beissen, der an diesen freundlichen Zuständen «i de Mitti vo de City» herumfingern will!
Regula