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Etwa 13% der Mütter aber erleiden Ängste, Panikattacken, können sich nicht richtig über die Ankunft des neuen Erdenbürgers freuen – eine fachgerechte Behandlung hilft über die Phase hinweg.Dr. med. Paola Barbier ist Oberärztin Gynäkopsychiatrie und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie gab einen interessanten Einblick über die Vorgänge im Körper einer Frau während Schwangerschaft, Geburt und der oft schwierigen Zeit danach.
Postpartale Depression
Von einer postpartalen Depression, das heisst, einer Depression, die durch die Geburt des Kindes ausgelöst wird, trifft mindestens jede 10. Frau. Sie ist gut behandelbar. Symtome sind unter anderen: Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrations-probleme, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Schuldgefühle, Panikattacken bis zu Selbstmordgedanken. Bei der postpartalen Depression geht es um einen blockierten Entwicklungsprozess von der Frau zur Mutter aufgrund von biologischen, psychologischen und psychosozialen Faktoren.
Einmaliges Ereignis
Die Geburt eines Kindes ist ein alltägliches, allgegenwärtiges Ereignis, das das Leben komplett verändert. Viele Frauen haben Angst, dass das Baby stirbt, dass die Mutter es versehentlich erstickt, dass es zu wenig Nahrung bekommt, dass sie es fallen lässt usw. Dazu kommen eventuell Stillschwierigkeiten, Gedeihstörungen des Baby usw. Die soziale und emotionale Beziehung von Mutter und Kind sind intensiv und da entstehen Fragen wie: kann ich das Baby lieben, kann ich Muttergefühle erkennen usw., sehr zentrale Fragen, welche die Psyche belasten können.
Baby Blues oder postpartale Depression
Schwangerschaftsdepressionen liegen bei 10-12%, postpartale Depressionen bei 10-15%, leichte Depression / Anpassungsstörungen bei 20% vor. Der Baby Blues packt 50 – 85% der Frauen. Es ist eine Reaktion auf die hormonellen Veränderungen nach der Geburt. Es ist völlig normal, dass eine Mutter in den Tagen nach der Geburt nicht nur glücklich ist. „Während und nach der Geburt werden die meisten Frauen mit Gefühlen konfrontiert, die sie vorher nicht kannten und sich auch niemals vorstellen konnten“. Ein unterstützendes Umfeld oder alternative Therapiemethoden können Hilfe bringen.
Väter
Der Vater hat eine sehr wichtige Rolle und sein Verhalten Auswirkungen auf das Baby, auf die sozio-emotionale Entwicklung. Seine Unterstützung und die Feinfühligkeit sind sehr wichtig. Das elterliche Bindungsmuster ist ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung des Kindes. Wenn sie merken, dass etwas nicht stimmt, müssen sie darüber reden, Hilfe suchen und annehmen.
Behandlung
Niemand muss sich hilflos mit den Gegebenheiten abfinden. Die heutige Medizin bietet vielseitige Hilfestellungen, ambulante, stationäre oder medikamentöse Behandlung. Der erste Schritt heisst: zur Therapie gehen. Es gibt im Kantons St. Gallen drei Kompetenzzentren Gynäkopsychiatrie, und zwar und Heerbrugg, Wil und Uznach. Es ist keine «Schande» sich dort zu melden, sondern eine hilfreiche, lebensbejahende Unterstützung, die das gemeinsame Leben von Mutter und Kind wieder ins Lot bringt.