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Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen)
Archiv für Familienforschung Genealogische Zweigbibliothek Samstag 9.0016.00.
Geschichte
Die ersten Mormonen kamen 1850 in die welsche Schweiz, 1853 in die deutsche Schweiz. Schon 1855 gab es acht Gemeinden in der Schweiz. Während der beiden Weltkriege mussten alle Missionare das Land verlassen. 1955 wurde in Zollikofen der Tempel geweiht, 1992 nach der Renovation neu geweiht. 1996 zählte die Schweiz
6 700 Mitglieder.
In Pratteln wurde als Tochter der Basler Gemeinde 1937 eine eigene Gemeinde gegründet. Interessantes über die Gemeinde kann in einem Heft nachgelesen werden: «19371997. Erinnerungen. 60-Jahr Feier der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Gemeinde Pratteln». Die Gemeinde begann ihre Aktivitäten in einem Saal eines Restaurants. Die ersten Neubekehrten wurden in der Ergolz getauft.
Basel stagnierend, Landgemeinden zunehmend (50% eigene Kinder, 50% Konvertiten).
Ab rund 200 Mitgliedern kann eine Gemeinde auch geteilt und eine neue Gemeinde gegründet werden.
Lehre
Die Glaubensartikel, wie sie von Joseph Smith formuliert wurden:
2. Wir glauben, dass der Mensch für seine eigenen Sünden bestraft werden wird und nicht für die Übertretung Adams.
3. Wir glauben, dass dank dem Sühnopfer Christi alle Menschen errettet werden können, indem sie die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums befolgen.
4. Wir glauben, dass die ersten Grundsätze und Verordnungen des Evangeliums sind: erstens der Glaube an den Herrn Jesus Christus, zweitens die Umkehr; drittens die Taufe durch Untertauchen zur Sündenvergebung; viertens das Händeauflegen zur Gabe des Heiligen Geistes.
5. Wir glauben, dass man durch Prophezeiung und das Händeauflegen derer, die Vollmacht haben, von Gott berufen werden muss, um das Evangelium zu predigen und seine heiligen Handlungen zu vollziehen.
6. Wir glauben an die gleiche Organisation, wie sie in der Urkirche bestanden hat, nämlich Apostel, Propheten, Hirten, Lehrer, Evangelisten usw.
7. Wir glauben an die Gabe der Zungenrede, Prophezeiung, Offenbarung, der Visionen, der Heilung, Auslegung der Zungen usw.
8. Wir glauben, dass die Bibel, soweit richtig übersetzt, das Wort Gottes ist; wir glauben auch, dass das Buch Mormon das Wort Gottes ist.
9. Wir glauben alles, was Gott offenbart hat, und alles, was er jetzt offenbart; und wir glauben, dass er noch viel Grosses und Wichtiges offenbaren wird, was das Reich Gottes betrifft.
10. Wir glauben an die buchstäbliche Sammlung Israels und die Wiederherstellung der Zehn Stamme, dass Zion (das Neue Jerusalem) auf dem amerikanischen Kontinent errichtet werden wird, dass Christus persönlich auf der Erde regieren wird und dass die Erde erneuert werden und ihre paradiesische Herrlichkeit empfangen wird.
11. Wir beanspruchen für uns das Recht, Gott den Allmächtigen zu verehren, wie es uns das Gewissen gebietet, und wir gestehen allen Menschen das gleiche Recht zu, mögen sie verehren, wie oder wo oder was sie wollen.
12. Wir glauben, dass es recht ist, einem König oder Präsidenten oder Herrscher, einer Obrigkeit untertan zu sein und den Gesetzen zu gehorchen, sie zu achten und für sie einzutreten.
13. Wir glauben, dass es recht ist, ehrlich, treu, keusch, gütig und tugendhaft zu sein und allen Menschen Gutes zu tun, ja, wir können sagen, dass wir der Ermahnung des Paulus folgen - wir glauben alles, wir hoffen alles, wir haben viel ertragen und hoffen, alles ertragen zu können. Wenn es etwas Tugendhaftes oder Liebenswertes gibt, wenn etwas guten Klang hat oder lobenswert ist, so trachten wir danach.
Das wichtigste in der Kirche sind intakte, gesunde Familien, weil diese die Grundlage einer gesunden Gesellschaft darstellen und vor allem, weil diese der Lehre des Erlösers Jesus Christus entsprechend über den Tod hinaus weiterbestehen können.
Als Unterschied zu anderen Glaubensgemeinschaften mag Folgendes aufgezählt werden: Wir glauben an ein Vorherdasein, ein Leben vor diesem Leben in der Gegenwart Gottes. Wir glauben, dass dieses Leben eine Prüfungszeit darstellt, welche uns auf das Leben nach dem Tod vorbereiten soll. Wir glauben an die buchstäbliche Auferstehung und ewiges Weiterleben des Menschen. Wir glauben, wie dies den Glaubensartikeln entnommen werden kann daran, dass Jesus Christus Seine Kirche auch heute führt und leitet und zwar durch fortlaufende Offenbarung wie seit jeher.»
Organisation, Finanzen
Mehrere Gemeinden sind in einem Pfahl (= Diözese, Bezirk) zusammengeschlossen. Pfahl Bern umfasst die westliche Deutschschweiz mit 14 Gemeinden.
Die Kirche wird weltweit geleitet von einem Präsidenten und 2 Ratgebern, welche als Prpheten, Seher und Offenbarer anerkannt werden, sowie vom Kollegium der 12 Apostel. Mehrere «Siebzigerkollegien». Der Sitz ist in Salt Lake City (Utah; USA).
Alle würdigen Männer erhalten das Priestertum.
Frauen leiten ebenfalls jeweils mit 2 Ratgeberinnen die Organisationen für Frauen, für Kinder und für jugendliche Mädchen. Auch sind sie in grösserem Umfang als Lehrerinnen auf allen Stufen des Religionsunterrichtes eingesetzt, zudem nehmen sie genau wie die Männer soziale Aufgaben wahr.
Die Mitgliedschaft ist durch die (Gläubigen-)Taufe möglich. Kinder werden durch Segnung Mitglied, ab 8 Jahren erfolgt die Taufe.
Alle Beamtinnen und Beamte der Kirche leisten auf Gemeinde- und Pfahlebene ihren Dienst als Laien ehrenamtlich.
Biblischer Zehnten. Fastopfer für die Bedürftigen. Zentrale Verwaltung für die Schweiz. Ein Teil fliesst für die Gemeindebedürfnisse wieder zurück. Auf Gemeindeebene offene Rechnung. Mission wird grösstenteils privat finanziert.
Versammlungslokale, Angebote, Auftreten in der Öffentlichkeit
Jeden Sonntag: Abendmahlsversammlung, Sonntagsschule für Alle (nach Altersgruppen getrennt), Priesterschaftsversammlung (für Männer), parallel Frauenhilfsvereinigung.
Montagabend: Heimabend (jede Familie für sich)
Jeden Mittwochabend: Seminar (theologische Schulung für 12-18 Jährige). anschl. Jugendgruppen. Parallel theologische Schulung für 18-30 Jährige.
Ein mal monatlich an einem Abend: Frauenhilfsvereinigung.
Bei Bedarf Konferenzen und weitere Versammlungen.
Zweimal jährlich findet unter der Leitung des Präsidenten der Kirche eine Generalkonferenz statt, welche über Satellit weltweit ausgestrahlt wird und an der praktisch alle Mitglieder der Kirche entweder in ihren Heimen, oder in den Versammlungsgebäuden überall auf der Welt live teilnehmen können.
Regelmässige soziale- und gesellschaftliche Veranstaltungen wie:
Soziale Dienste, Krankenpflege und Besuchsdienste werden von den Kollegien der «Brüder» und von der Frauenhilfsvereinigung organisiert. Alle Brüder und alle Schwestern in einer Gemeinde sind jeweils zu zweit für eine kleine Gruppe, in der Regel max. 5 Familien oder Alleinstehende verantwortlich. Sowohl Brüder («Heimlehrer») als auch Schwestern («Besuchslehrerinen») besuchen die ihnen zugeteilten Familien in der Regel einmal monatlich, resp. Im Krankheits- oder Pflegefall nach Bedarf.
Der Bischof (=Gemeindeleiter, ehrenamtlich) leistet bei Bedarf Seelsorge.
Gemeindebibliothek für den internen Gebrauch. Buchverkauf.
Die Genealogische Zweigbibliothek in Pratteln steht seit Februar 1999 über Satellit und Internet direkt mit der weltweit grössten Genealogischen Gesellschaft in Verbindung: http://www.familysearch.org Diese Dienstleistung steht der Öffentlichkeit für ihre Forschungsarbeiten unentgeltlich zur Verfügung.
Die Kirche versteht sich entsprechend dem Auftrag von Jesus Christus ganz klar als Missionskirche. Junge Männer und Frauen leisten während 2, resp. 1 1/2 Jahren Missionsdienst. Derzeit sind weltweit rund 60'000 Missionarinnen und Missionare unterwegs. Auch aus der Schweiz sind laufend mehr als 100 Missionarinnen und Missionare in aller Welt am missionieren. Selbstverständlich dienen Missionare und Missionarinnen auch in zahlreichen sozialen und sozialmedizinischen Bereichen.
Auf Gemeindeebene erfolgt Mission auch mittels Infostand auf öffentlichem Grund. Information auch über Internet.
Literatur
Zeitschrift
[int.Nr.: 1121]
Aktualisiert: 5.2.2005