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Liquorzirkulationsstörungen welche mit einem erhöhten oder erniedrigtem Druck im Kopf einhergehen werden als intrakranielle HYPERtension (erhöht) und HYPOtension (erniedrigt) bezeichnet. Die Ursachen der beiden Erkrankungen sowie Behandlung und Diagnostik sind jedoch vollkommen unterschiedlich.
Bei der intrakraniellen Hypertonie sind mögliche Ursachen eine vermehrte Produktion von Hirnwasser oder eine Engstellung der Venen im Kopf.
Bei der Hypotension liegt zumeist ein Leck der harten Hirnhaut an der Wirbelsäule vor, welches es zu finden und zu verschliessen gilt.
Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH): Die IIH, auch Pseudotumor cerebri, ist eine Erkrankung, bei der ein erhöhter intrakranieller Druck vorliegt (>20 cm H2O) ohne unmittelbar nachweisbare Ursache. Die Erkrankung betrifft vor allem adipöse Frauen im gebärfähigen Alter, des Weiteren gibt es viele weitere Risikofaktoren. Aktuell wird zusätzlich diskutiert, ob das Vorliegen einer Engstelle der abführenden Venen im Kopf für die Symptome verantwortlich sein kann.
Die Symptome der Erkrankung sind meistens Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Sehprobleme wie Doppelbilder und verminderte Sehschärfe bis hin zum Vollbild der Erblindung.
Im Rahmen der Abklärung werden bei uns Aufnahmen von Kopf und Wirbelsäule durchgeführt (MRI) zum Nachweis von Zeichen für einen erhöhten Druck im Kopf sowie mögliche Ursachen hierfür. Ausserdem führen wir Lumbalpunktionen zur Druckmessung durch. Bei Vorliegen einer Engstelle der Venen im Kopf kann in einem weiteren Schritt eine Druckmessung dieser Venen im Rahmen eines kurzen invasiven Eingriffs durchgeführt werden.
Auf gleiche Weise kann bei Bedarf und nach interdisziplinärer Diskussion mit den Kollegen der Neurologie und Neurochirurgie die Engstelle mittels Stentimplantation behandelt werden. Ansonsten kommen als Therapiemöglichkeiten zunächst konservative Verfahren in Betracht inklusive wiederholter Liquorpunktionen sowie die Anlage einer dauerhaften Ableitung von Liquor (Shunt).
Intrakranielle Hypotension: Beim Vorliegen eines Liquorverlustsyndroms kommt es zu einem Absinken des intrakraniellen Drucks (Synonym: Spontane intrakranielle Hypotension (SIH)) mit charakteristischen Kopfschmerzen, die sich beim Aufrichten verschlechtern und im Liegen bessern (orthostatischer Kopfschmerz). Ursächlich für den Verlust von Liquor ist zumeist eine Verletzung der harten Rückenmarkshaut im Spinalkanal mit nachfolgendem Austritt des Liquors in das umgebende Gewebe. Der hierdurch entstehende Unterdruck leitet sich anatomisch bis in den Kopf weiter und verursacht die charakteristischen Beschwerden.
Ursächlich hierfür sind häufig kleine knöcherne Sporne an der Bandscheibe oder Einrisse an den Nervenwurzeln nach einem Trauma/Unfall.
In Zusammenarbeit mit den Kollegen der Neurochirurgie wurden ein diagnostisches Stufenschema erarbeitet und diagnostische Verfahren entwickelt, um die Erkrankung weiter abzuklären. Vor einer möglichen operativen Versorgung des Lecks ist es notwendig, dieses zunächst punktgenau zu finden, was mit hohem Aufwand und sämtlichen apparativen Möglichkeiten vor Ort zumeist gelingt.
Im Rahmen des Stufenschemas werden durch uns zunächst spezielle MRI-Aufnahmen von Kopf und Wirbelsäule angefertigt zum Nachweis von ausgetretenem Liquor. In einem zweiten Schritt erfolgt die genaue Lokalisation des Lecks mittels dynamischen Untersuchungen in der Myelographie, CT und MRI.
Die nachfolgende Therapie mittels Blutpatch und/oder einer Operation erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Kollegen der Neurochirurgie.