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AUTOBAHNRASTÄTTE:
Nächtlicher Treffpunkt bleicher, hohlwangiger Musiker, die mit geschlossenen Augen
lederne Käsebrote verzehren. Die Augen öffnen sich nur dann erschreckt, wenn es bei der
Gagenverteilung weniger Geld gibt als erwartet. Danach geht es weitere 260 km bis zur
nächsten Raststätte.
BIOGRAPHIEN:
Beginnen oft so: ,,Schon seit seinem zweiten Lebensjahr spielte er Baritonsaxophon, wandte
sich alsbald vom Hardbop ab und dem Koran zu.........
CHORUS:
Ist die Strophe im Jazz - oft auch eine Katastrophe. Chorusse bei Jam-Sessions wirken oft
stärker als Valium. Nach Schlagzeug- oder Basschorus erfolgt automatisch der
Zwischenbeifall.(siehe unter Z).
DOPPELGASTSPIEL:
Liegt dann vor, wenn der Clubbesitzer aus Versehen 2 Bands am gleichen Abend bestellt hat.
In diesen Fällen muß erfahrungsgemäß die zweite Gruppe von Mitternacht bis 3 Uhr
morgens spielen. Die konkurrierenden Musiker begrüßen einander mit dem traditionellen
Satz: ,"Ich wußte gar nicht, daß Ihr noch existiert!"
EHEFRAUEN:
Von Jazzmusikern zeichnen sich darin aus, daß sie ,E.S.P' von Miles Davis und ,Freedom
Jazz Dance' von Eddie Harris fehlerfrei vor sich hersummen, während sie im Bandwagen, mit
der großen Trommel auf dem Schoß und einem chinesischen Becken im Rücken von Oslo nach
Dübendorf fahren.
EINSTEIGER:
Überfallen eine Band unverhofft und meistens bei wichtigen Clubgastspielen oder
Fernsehaufnahmen. Man unterscheidet den kurzen, unbemerkten Einsteiger und den
hartnäckigen Einsteiger. Dieser ist nur durch ein brachiales Schlagzeugsolo zu
vertreiben, in wenigen Fällen durch schnelle Beendigung des Stückes.
FRÜHSCHOPPEN:
Begegnungsstätte für Dixielandfreunde. Je nach Aufgeschlossenheit des Publikums werden
als Zugabe die Titel ,,Ice Cream" , "When the Saints" oder ,,Alte
Kameraden" gespielt.
GÄSTE:
Sind wichtig für die Resonanz eines Jazzkonzertes. Ungute Stimmung kommt auf, wenn bei
einem Gastspiel mehr Garderobenfrauen als Zuhörer vorhanden sind.
HAUSKAPELLE:
Eine unglückliche Vereinigung von Musikern, die das Pech haben, ein halbes Jahr oder
länger in ein und demselben Club spielen zu müssen. Nach der ersten Woche hassen sie den
Wirt, nach der zweiten die Gäste, später sich selbst. In der kurz bemessenen Nachtruhe
träumen sie von einen Karriere als Berghirt oder Schäfer.
JAZZKRITIK:
Wird aus Zeitmangel oft schon vor dem Konzert geschrieben. Die besprochene Gruppe darf
sich glücklich schätzen, wenn ihr Name einigermaßen richtig wiedergegeben und die
Bassklarinette nicht mit der Posaune verwechselt wird.
KONZERTBEGINN:
ist die unsicherste Sache, die es im Jazz gibt. Bei Jazzrockgruppen mit 70 Tonnen
Elektronik kann schon ein falsches Kabel oder ein nicht passender Bananenstecker
Verschiebung, wenn nicht gar das Ende des Konzertes bedeuten. Weitere Verschiebungs-
gründe sind: die Band hat bei Konzertbeginn plötzlich Hunger, der Schlüssel vom Klavier
ist weg, der Zoll zerlegt an der Grenze das Vibraphon in seine Bestandteile. Oft erscheint
auch nur ein Teil der Bandmitglieder pünktlich: Dann wird zu Konzertbeginn in der
Besetzung Tuba und Piccoloflöte musiziert.
MUSIKZEITSCHRIFTEN:
In diesen findet der Jazz üblicherweise auf einer viertel Seite statt, im günstigsten
Falle auf einer halben. Schwierige Erläuterungen wie ,Dur' und ,Moll', ,Swing' und
,Improvisation' werden weggelassen. Dafür erfahren die jungen Leser, daß ,,Elsa
Fezzgebald auch Popbeat singt".
NACHTRUHE:
findet für den Jazzer in der Zeit von 4.30 Uhr bis 13.00Uhr statt, in ungünstigen
Fällen von 5.45 Uhr bis 9.00 Uhr. Telefonanrufe bei ihm in den frühen Morgenstunden sind
- wenn nicht völlig zwecklos - so doch von geringem Erfolg gekrönt.
ORGANISIEREN:
Ist besonders bei einer längeren Tournee wichtig. Von einer mangelnden Organisation
spricht man, wenn für Dienstagabend ein Konzert in Amsterdam und für Mittwochmorgen
Studioaufnahmen in Rom vorgesehen sind. Gute Organisation wird dagegen gelobt, wenn ein
Jazzquartett auf demselben Hotelflur wie vier Folkloresängerinnen untergebracht ist.
RHYTHMUSGRUPPE:
hat meistens nicht nur das umfangreichste Gepäck, sondern ist auch an allem Schuld.
(Siehe Einsteiger)
SOLOABENDE:
finden immer größere Verbreitung. Clubwirte sehen diese Entwicklung schon wegen der
Gagenzahlung nicht ungern. Relativ ausgeschlossen ist dabei auch, daß mehr Musiker als
Gäste erscheinen. Soloabende mit Fagott oder Triangel lösten bisher allerdings geringen
Enthusiasmus aus.
TOURNEE-ERINNERUNGEN:
Lassen sich kurz wie folgt zusammenfassen:
Paris = prima indonesisches Restaurant,
Zürich = verstimmter Flügel,
Rom = Instrument geklaut,
Kopenhagen = Hotelzimmer nicht geheizt,
Düsseldorf = Christine,
Wien = Gagenkürzung,
Berlin = morgens um 9 ins Bett,
Dübendorf = nur 13 Zuhörer,
Brüssel = Übernachtung im Ziegenstall,
London = prima schweizer Küche.
VERTRÄGE:
werden auch für Jazzbands immer umfangreicher und komplizierter. Gewarnt werden muß vor
Kleingedrucktem: Die Gruppe verpflichtet sich, mit Zylinder, weißen Manschetten und
Zigarre im Mund aufzutreten. Im Honorar von 800.-- Fr. sind einbegriffen: Autogrammstunde
im Kaufhaus Jelmoli, 25-Minuten Auftritt im Seniorenheim ,,Alpenrösli", 30 Minuten
fröhliches Musizieren auf dem Winterflohmarkt sowie je ein Tusch bei den Siegerehrungen
im Preisschiessen und Kegeln.
ZWISCHENBEIFALL:
Löst bei Jazzmusikern in einem Konzert ähnliche Gefühle aus, wie sie Blumen bei warmem
Regen haben müssen. Zwischenbeifall kommt über Gerechte und Ungerechte. Das Ausbleiben
des Zwischenbeifalls bedeutet oft nur, daß die Gäste das Ende eines Solos verschlafen
haben oder das nachfolgende leise Basssolo nicht stören möchten. Für zwei Solisten
stellt sich dieses Problem kaum: Bassisten und Schlagzeuger, die keinen Zwischenbeifall
erhalten gibt es nicht.