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Danke für die Aufforderung und Gelegenheit, meine Pioniertaten aus den Ur- und Frühzeiten des Internets zu beweihräuchern. Ich tue es lieber selber, damit nicht andere zu sehr übertreiben und mich mit Lobeshymnen in Verlegenheit bringen. Ich tue es aber auch, um zu zeigen, dass wir uns tatsächlich schon vor 14 Jahren genau mit jenen Dingen befassten, die uns auch heute beschäftigen:
Blogging anno 1997
Im Jahr 1997 machte ich von New York aus das „NYC Diary“. Ich dürfte wohl einer der ersten gewesen sein, die für sowas bezahlt worden sind: Ich schrieb jeden Tag über das, was mir in der City gerade so begegnet war und versah es mit Fotos (Sony hatte drei Kameras gesponsort). Das ganze war in der Schweiz auf The Blue Window zu sehen, also jenes Portal, das zwei Jahre später von der Swisscom gekauft und zu Bluewin umbenannt werden würde. Ich nannte das Format Diary, weil es das Wort Weblog noch nicht gab, und natürlich gabs auch keine Weblog-Software. Ich schrieb alles direkt in HTML-Seiten. Aber was vorn rauskam, war in der Tat nichts anderes als ein Weblog.
Mobile Web anno 1998
Im Jahr 1998 fuhr ich während 30 Tagen in einem Oldsmobile von New York nach Los Angeles und übertrug die Reise live im Internet. Mein Equipement: Eine Webcam, auf eine Yankees-Baseballmütze montiert. Diese verbunden mit einem Laptop, das etwa so hoch war wie eine Schwarzwäldertorte. Mit diesem verbunden ein Handy in der Grösse eines Herrenschuhs. Ich war in der Lage, aus dem fahrenden Auto Live-Bilder zu senden, wenn ich auch auch ständig die Verbindung verlor. Tagsüber sammelte ich Fotos, kurze Filme, Begegnungen, die ich abends im Motel zu einem Reisetagebuch verarbeitete. Das Publikum in der Schweiz konnte mich steuern, in dem es mir Tipps oder Bekannte angab.
Live Streaming anno 1999
1999 fand in Bern eine Ausstellung mit allen Künstlern statt, die in den Jahren davor im New Yorker Atelier der Stadt Bern residiert hatten. In ebendiesem Atelier an der 5th Street organisierte ich gleichzeitig eine Ausstellung mit Webcams und Chatstationen, so dass die Besucher der beiden gleichzeitigen Veranstaltungen in Bern und New York in Bild und Wort übers Internet miteinander verbunden waren.
Social TV anno 2000
Im Jahr 2000 wurde in der Schweiz das Endemol-Format Big Brother vom Stapel gelassen. Es wurde ein sitgesoffers.com grosser Erfolg für den jungen Sender TV3. Aber es wurde auch ein Riesenerfolg auf dem Portal Bluewin: Wir hatten gerade einen TV-Guide für das Portal gelauncht und auf diesem begleiteten wir die ersten beiden Staffeln mit einem satirischen Magazin und jeder Menge Social TV ante verbum: Die Leute voteten und nominierten und kommentierten wie von Sinnen, auch jeweils während der Sendung, die wir live mit Texten kommentierten. Die Zugriffe brachen alle Rekorde und zwangen Moneygram en linea regelmässig unsere Server in die Knie.