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Die CBM ist zutiefst betroffen über den Krieg in der Ukraine und das unermessliche menschliche Leid, das er verursacht.
Gleichzeitig sind wir tief beeindruckt von der grossen Empathie und Solidarität der Schweizer Bevölkerung gegenüber den Opfern der Ukraine-Krise und erleichtert, über die bedeutende schweizerische Nothilfe durch verschiedene humanitäre Akteure. Die Hilfe wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken und einen wichtigen Einfluss auf das zukünftige Leben und die Perspektiven einer grossen Anzahl von Menschen haben.
Menschen mit Behinderungen in Konfliktsituationen
In Krisen- oder Konfliktsituationen sind Menschen mit Behinderungen einem besonders hohem Risiko ausgesetzt zu sterben, vergessen zu werden, Gewalt zu erleiden oder keinen Zugang zu Schutz und Sicherheit oder zu notwendigen medizinischen Diensten zu erhalten.
Evakuierungen zum Beispiel sind sehr oft nicht an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen angepasst. Und in vielen Fällen sind auch Schutzräume nicht zugänglich für Personen im Rollstuhl. Überlebenswichtige Informationen über die Sicherheitslage, die Evakuierung in Notfällen, die Lage von Notunterkünften und die Möglichkeit, Hilfe anzufordern sind nicht barrierefrei. Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung etwa können diese Informationen daher nicht erhalten oder verstehen.
Die Forderungen und Arbeit der CBM
Zu Beginn dieser humanitären Massnahmen, die sich wohl in eine der wichtigsten Hilfsaktionen der Schweiz entwickeln werden, rufen wir die Gemeinschaft der schweizerischen humanitären Akteure auf, ihre Verpflichtung und Verantwortung wahrzunehmen, Menschen mit Behinderungen zu identifizieren und auf ihre Bedürfnisse und Rechte zu antworten. Und zwar so wie dies in der UNO-Behindertenrechtskonvention, insbesondere in Artikel 11 zu «Gefahrensituationen und humanitäre Notlagen», definiert ist. Dies gilt gleichermassen für alle Krisen dieser Welt: Menschen mit Behinderungen dürfen nicht vergessen werden.
Wir rufen daher auf sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen
- gleichberechtigten Zugang zu allen humanitären Hilfsmassnahmen haben, insbesondere zu Basisdiensten wie Wasserversorgung und Hygieneeinrichtungen, Zufluchtsorte, soziale Unterstützung, Bildung, Gesundheitsversorgung und Transport;
- durch ihre Selbstvertretungsorganisationen aktiv in die Planung und Umsetzung Ihrer humanitären Programme einbezogen sind;
- ermächtigt und unterstützt werden, in Ihren Notmassnahmen ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln;
- vor Gewalt, Missbrauch und Misshandlung geschützt werden;
- alle Informationen zu Ihren Nothilfemassnahmen in zugänglicher Form erhalten und Feedback- und Beschwerdemechanismen zugänglich sind;
- dank desaggregierten Daten gezählt werden und Inklusion gemessen wird;
- nicht zurückgelassen werden: Massnahmen müssen auch Menschen einschliessen, die in Institutionen oder Waisenhäusern leben und Umsiedlungen und Evakuierungen dürfen Menschen mit Behinderungen nicht in Institutionen zwingen.
Die Kernprinzipien der inklusiven humanitären Hilfe für Menschen mit Behinderungen sind in der Humanitarian Inclusion Charter festgelegt; die sektorspezifischen Leitlinien finden sich in den Inter-Agency Standing Committee (IASC) Guidelines on Inclusion of Persons with Disabilities in Humanitarian Action.
Die CBM stellt ihr Fachwissen zur Verfügung, um vor Ort tätige Akteure dabei zu unterstützen, dass ihre Nothilfemassnahmen Menschen mit Behinderungen und andere gefährdete Menschen explizit einbeziehen. Dies insbesondere im Bereich von inklusiven Cash Transfer. Hierzu hat die CBM gemeinsam mit dem European Disability Forum ein Handbuch für humanitäre Akteure erstellt.
Auswirkungen in Projektländern der CBM
Der Ukraine-Krieg zeitigt bereits weitreichende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, die gerade auch in den Armutsgebieten spürbar sind. So sind in vielen Einsatzländern der CBM beispielsweise gewisse Nahrungsmittel knapper oder teurer geworden. Dies trifft besonders die Armutsgebiete hart, die bereits unter gravierenden Dürren leiden.