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Text: David Schnapp Fotos: Pascal Wasinger
Das Schweizer Speisesalz. Die Anlage steht ziemlich unauffällig an der rechten Strassenseite, wenn man den kleinen Ort Bex passiert hat. So unscheinbar die Ansammlung von Gebäude, denen man ihre lange Geschichte ansieht, auch aussehen mag, was hier drin geschieht, ist entscheidend für den kulinarischen Alltag der Schweiz.
Wertvoller Rohstoff. Das feine Salz, das hier gewonnen wird, ist so etwas wie die Grundlage jedes Haushalts in der Schweiz. Seit 1554 gewinnt man in Bex Salz aus den Tiefen des Berges, wo das Urmeer vor über 200 Millionen Jahren seine Spuren im Fels hinterlassen hat, bevor die Alpen entstanden sind. Entdeckt hat die wertvollen Salzvorkommen der Legende nach ein Bauer, dessen Ziegen immer am selben Ort Quellwasser geleckt hatten. Seither wird das weisse Gold aus dem Berg geholt und ist einer der wenigen Rohstoffe, welche die Schweiz überhaupt hat.
Aus der Tiefe des Berges. Arnaud Tamborini ist in Bex dafür verantwortlich, dass aus der Sole, welche drei Mineure in 500 bis 700 Meter Tiefe aus dem Berg holen, am Ende streufähiges feines Salz gewonnen werden kann. Der drahtige Salzexperte erklärt, wie das gemacht wird: «Die Mineure pumpen reines Quellwasser in den Fels, wodurch die Salzadern im Gestein gelöst werden. Die so gewonnene 30-prozentige Sole wird in unsere Fabrik gepumpt und hier erstmal gereinigt.»
Die Piccard-Maschine. Nun wird die Sole auf 120 Grad Celsius erhitzt, um Kalkrückstände zu entfernen. Anschliessend wird in einer Art riesigem Dampfkochtopf das Wasser verdampft, bis nur noch Salz zurückbleibt. Die Maschine wurde im 19.Jahrhundert vom Paul Piccard erfunden, ein Mitglied der grossen Waadtländer Familie von Forschern und Entdeckern, zu denen auch Ballonfahrer und Solarflieger Bertrand Piccard gehört. Die Besonderheit der Piccard-Anlage ist, dass sie durch das Prinzip der Thermokompression sehr viel weniger Energie braucht, als die Verdunstung in einer Salzsiedepfanne. Der Piccard-Verdampfungsapparat wird deshalb heute weltweit zur Salzgewinnung eingesetzt. Und weil die Salzminen von Bex die Wasserenergie des nahen Flusses Gryonne nutzen, sind sie unabhängig von externen Energielieferungen und können mit reinem Ökostrom produzieren.
Naturreine Spezialität. 30'000 Tonnen Salz werden so jährlich gewonnen und direkt vor Ort verpackt. Das «Sel de Bex» steht schliesslich in vielen Schweizer Haushalten, kann für einfaches Pastawasser ebenso verwendet werden wie für eine Salatsauce und wird entweder pur oder mit verschiedenen Kräutern und Aromen angeboten. Als Swiss Alpine Salt ist es sogar ein Exportschlager. Das feine Sel des Alpes aus Bex – eine Jahrmillionen alte naturreine Schweizer Spezialität.