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Biologischer Zustand der Fliessgewässer
Anhand der Bioindikatoren Kieselalgen, Makrozoobenthos, Wasserpflanzen und Fische lässt sich beurteilen, wie gut ein Gewässer seine Funktion als Lebensraum für Tiere und Pflanzen erfüllt und ob die ökologischen Ziele der Gewässerschutzverordnung (GSchV) erreicht werden.
Tier- und Pflanzengesellschaften in Gewässern sind oft nicht naturnah, besonders in den dicht besiedelten und intensiv genutzten Gebieten des Mittellands. Dies macht die biologische Beurteilung der Bäche und Flüsse deutlich. Ein Grossteil der untersuchten Fliessgewässer kann ihre Funktion als Lebensraum nur ungenügend wahrnehmen.
Die verwendeten biologischen Indizes reagieren unterschiedlich auf Gewässerbelastungen. So wird beispielsweise ein Fliessgewässerabschnitt mit geringer Nährstoffbelastung, aber hohen strukturellen Defiziten mit dem Kieselalgen-Index als gut bewertet, mit dem Fisch- und Makrophyten-Index jedoch als schlecht. Aus diesem Grund ist der Prozentsatz der Fliessgewässer, welche die ökologischen Ziele nicht erreichen, je nach Indikator unterschiedlich hoch.
Der Kieselalgen-Index weist an über 90% der Messstellen eine gute bis sehr gute Wasserqualität aus. Daraus kann in erster Linie auf die Nährstoffsituation in den untersuchten Gewässern geschlossen werden. Diese hat sich seit den 1980er Jahren insbesondere durch den Bau der Abwasserreinigungsanlagen (ARA) stark verbessert.
Besonders schlecht fällt die Beurteilung anhand der Indikatoren «Fische» und «Wasserpflanzen» aus. Diese beiden Indikatoren reagieren auf eine Vielzahl von Belastungen und sind daher besonders gut geeignet, die Summe und das komplexe Zusammenspiel der menschlichen Einflüsse gesamthaft abzubilden. Der biologische Zustand wird daher insgesamt als schlecht bewertet.
Die grössten Defizite gibt es im dicht besiedelten und intensiv genutzten Mittelland. Die Gründe dafür sind Verunreinigungen, das Fehlen vielfältig strukturierter Lebensräume und die starke Zerstückelung der Gewässer durch Wanderhindernisse.
Bis heute wurden erst drei nationale Messkampagnen durchgeführt. Über diese Zeit ist die Beurteilung mittels biologische Indikatoren sehr ähnlich geblieben. In der Graphik "Bewertung der Entwicklung anhand der Fische" wird die zeitliche Entwicklung des Gewässerzustands basierend auf dem Fisch-Index dargestellt, da der Fisch-Index die Summe der Belastungen besonders gut abbildet. Weil bisher keine deutlichen Verbesserungen ersichtlich sind, wird die Entwicklung als unbefriedigend klassiert. Aufgrund der kurzen Zeitreihe muss diese Beurteilung jedoch mit Vorsicht betrachtet werden.
Um den Zustand der Gewässer zu verbessern, werden ausgewählte ARA mit einer Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen ausgebaut. Flüsse, Bäche und Seen werden revitalisiert, den Gewässern wird mehr Raum gegeben und es gilt, die negativen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung zu verringern. Diese Massnamen zeigen positive Auswirkung auf die Wasserlebewesen und die Wasserqualität. Diese Verbesserungen sind aber meist erst lokal messbar.
- Verwandte Indikatoren
- Nährstoffe in Fliessgewässer
Die Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, Richtlinie 2000/60/EG) stellt eine einheitliche Basis für die Gewässerüberwachung in der EU. Die Mitgliedstaaten beurteilen die verschiedenen Qualitätskomponenten jeweils mit ihren eigenen nationalen Methoden gemäss den Vorgaben von AnhangV der WRRL. Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zwischen den Mitgliedsstaaten zu gewährleisten, sieht die WRRL die Interkalibrierung der nationalen Methoden vor. Die Beurteilung Schweizer Fliessgewässer gemäss Modul-Stufen-Konzept erfolgt analog zu den Vorgaben der WRRL in einer fünfstufigen Skala, so dass die Ergebnisse aus Untersuchungen in den Nachbarländern auf der Ebene der abschliessenden Klassierung mit Ergebnissen von Untersuchungen in der Schweiz vergleichbar sind.
Die Beurteilung der Organismengruppen Wirbellose, Kiesalgen, Wasserpflanzen und Fische erfolgt gemäss dem Modul-Stufen-Konzept mittels 5 Qualitätsklassen.
Die Gesamtanzahl der bewerteten Messstellen unterscheidet sich je nach Organismengruppe. Wirbellose: 107, Fische: 63, Kieselalgen: 104 und Wasserpflanzen: 38 Messstellen.
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