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Viele von uns Älteren haben eine Wohnung oder ein Haus im Tessin. Jetzt müssen wir damit rechnen, dass die Italiener unsere Spaziergänge entlang des Lago Maggiore weniger attraktiv machen, denn sie verlangen einen stark erhöhten Pegelstand. Dies wird zur Folge haben, dass die Strände im Tessin noch kleiner werden, als sie es heute schon sind. Kommen die gefürchteten Herbst-, Winter- und Frühlingsstürme, die das Seewasser auf die Piazza treiben, ist mit noch mehr Hochwasser zu rechnen.
Niemand kann die Italiener daran hindern, diesen Plan zu verwirklichen. Sie kontrollieren das Stauwehr am südlichen Ende des Sees in Sesto Calende. Dahinter liegen tausende von Bauernbetrieben und Reisfarmern, die aufgrund der Seewasser-Reserve mehr Anbausicherheit wollen. Die mehr berühmten als schönen Kanäle von Milano, die vor wenigen Wochen wegen Wassermangels unpassierbar waren, werden auch mit Schweizer Wasser versorgt.
Ein Vergleich: Während Israel das Wasser des Jordan kontrolliert und es seinen Nachbarn, vor allem den Palästinensern, einfach zuteilt, haben bei uns die Italiener die Kontrolle über das Seewasser. Theoretisch können sie grosse Teile des Tessins unter Wasser setzen, werden dies aber schon deshalb nicht tun, weil sie selber gerne in Lugano und Locarno spazieren gehen und einkaufen.
Dieser Vorgang zeigt wieder einmal die Schwäche unserer Aussenpolitik: Im Süden bedrohen uns die Italiener, im Norden die Deutschen, im Westen die Franzosen, letztere aber weniger als die anderen. Nur die Österreicher im Osten unseres Landes sind friedlich, ganz wie die Liechtensteiner auch, die wir an dieser Stelle nicht vergessen wollen.
Haben Sie in den letzten Jahren, seit FDP-Bundesrat Didier Burkhalter das Aussendepartement führt, aussenpolitische Erfolge in Erinnerung? Nein, wir sind ständig in der Defensive und verkünden dies als grosse Erfolge.
Der Tessin spielt in der Schweizer Politik ohnehin kaum noch eine Rolle. Einzig Massimo Lombardi, Ständerat, Eishockey-Präsident und Freund Russlands, darf als gewichtige Persönlichkeit gelten. Mit seinen Vorstössen trägt er dazu bei, die Darbellay’sche CVP ganz zu zertrümmern, will er doch einen zweiten SVP-Bundesrat unterstützen. Mancher muss hier tief durchatmen.
Der Tessin ist ein wunderbarer Lebensraum, der uns manche Reise nach Afrika oder in den Nahen Osten ersetzt. Wenn wir älteren Menschen uns dort wohl fühlen, weil einfach alles stimmt, muss dies nicht heissen, dass dies nicht für unsere Enkel gilt. Hier ist die Einschränkung zu akzeptieren, dass das Locarnese sprachlich offener und das Schwiizerdütsch weit verbreitet ist, während die Luganeser Jugend, soweit es sich noch um Schweizer handelt, das Italienische vorzieht.
Derlei Mühen sind es, welche unsere Schweiz spannend und attraktiv machen.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH