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Epilepsie wird oft fälschlicherweise mit heftigen Anfällen, wilden Zuckungen und Schaumbildung assoziiert. Allerdings ist diese Anfallsform nur eine von vielen. Die korrekte Diagnose der Art der Epilepsie ist entscheidend für die angemessene Behandlung.
Statistisch gesehen sind in Deutschland und der Schweiz etwa ein halbes bis ein Prozent der Bevölkerung von Epilepsie betroffen. Das Risiko, an Epilepsie zu erkranken, ist vor allem in den frühen Lebensjahren erhöht und steigt ab dem 60. Lebensjahr erneut.
Symptome von Epilepsie erkennen
Die Symptome von Epilepsie können vielfältig sein und variieren je nach Form. Zu den häufigsten Anzeichen gehören plötzliche Veränderungen im Verhalten, Bewusstseinsverlust, unkontrollierte Bewegungen, Zuckungen oder Krämpfe, ungewöhnliche Sinnesempfindungen und wiederkehrende Gedächtnislücken. Es ist wichtig, diese Symptome frühzeitig zu erkennen und ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um eine korrekte Diagnose zu erhalten.
Unterschied zwischen Epilepsie und epileptischen Anfällen
Ein epileptischer Anfall ist ein einmaliges, plötzliches Ereignis, das meist nach wenigen Sekunden oder Minuten abklingt. Erst wenn mindestens zwei solcher Anfälle ohne erkennbare Ursache innerhalb von 24 Stunden auftreten, wird von Epilepsie gesprochen. Diese langanhaltende Veränderung im Gehirn äussert sich in wiederkehrenden epileptischen Anfällen.
Ursachen und Einflussfaktoren
Epileptische Anfälle werden durch vorübergehende Störungen im Gehirn ausgelöst. Im Gehirn gibt es Milliarden von Nervenzellen. Diese senden elektrische Signale, um miteinander zu kommunizieren. Normalerweise arbeiten sie gut zusammen und sorgen dafür, dass unser Körper richtig funktioniert. Bei Epilepsie ist es jedoch so, dass einige dieser Nervenzellen kurzzeitig verrückt spielen. Stellen Sie sich die Nervenzellen als Menschen vor. Üblicherweise stehen diese still beieinander und unterhalten sich leise. Wenn nun aber einige anfangen, gleichzeitig zu reden und durcheinander zu laufen, entsteht ein totales Chaos. Genau das passiert im Gehirn bei Epilepsie. Die Nervenzellen senden viele Signale auf einmal, überdrehen also quasi, was zu den klassischen Symptomen eines epileptischen Anfalls führt. Diese überaktiven Signale können sich sogar im Gehirn ausbreiten und auch andere Teile des Gehirns stören.
Trotz verbesserter Diagnosemöglichkeiten bleibt die genaue Ursache von Epilepsie unklar. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass entweder das Erbgut oder aber Hirnschädigungen durch Kopfverletzungen, Hirntumore, Schlaganfälle oder Blutungen die chronische Krankheit auslösen.
Formen der Epilepsie
Von der internationalen Liga gegen Epilepsie (ILAE) werden die verschiedenen epileptischen Anfälle genau beschrieben. Unterschieden wird zwischen fokalen und generalisierten Anfällen. Bei fokalen Anfällen findet das Anfallsgeschehen in einer umschriebenen Region der Hirnrinde statt. Bei generalisierten Anfällen wird hingegen von Anfang an das ganze Gehirn von Entladungen der Nervenzellen erfasst. Je nachdem, in welchem Bereich des Gehirns der fokale Anfall stattfindet, äussern sich auch die Symptome. Breiten sich die Entladungen von Nervenzellen anschliessend über das gesamte Gehirn aus, spricht man von einer Generalisierung des Anfalls. Die generalisierten Anfälle werden wiederum in verschiedene Formen eingeteilt.
Zu den am häufigsten auftretenden Formen von generalisierten Anfällen gehören:
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Absencen (Petit-Mal-Epilepsie): äussert sich durch sekundenlange Bewusstseinsstörungen mit schwachen Muskelzuckungen.
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Myoklonischer Anfall: ist gekennzeichnet durch plötzliche, kurz dauernde Zuckungen einzelner Muskelgruppen.
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Tonischer Anfall: führt zu einer Verspannung der Muskeln, meist am Rücken, den Armen und/oder Beinen.
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Atonischer Anfall: äussert sich durch einen vorübergehenden Verlust des normalen Muskeltonus, aufgrund dessen Betroffene zum Beispiel stürzen.
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Grand-Mal-Epilepsie: ist die bekannteste Form der Epilepsie, die Anfälle werden als generalisierte tonisch-klonische Anfälle bezeichnet.
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Status epilepticus: bezeichnet jene Anfälle, welche länger als eine halbe Stunde dauern oder rasch aufeinander folgen. Ein Status epilepticus mit Krampfanfällen ist ein lebensbedrohlicher Notfall und muss sofort behandelt werden.
Wenn Sie detailliertere Informationen zum Thema suchen, empfehlen wir Ihnen unseren Artikel «Formen der Epilepsie».
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Behandlungsmöglichkeiten bei Epilepsie
Die Wahl der Behandlung hängt von der Art der Epilepsie, der Schwere der Anfälle und individuellen Faktoren ab. In der Regel werden zwei Hauptansätze verfolgt: medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie. Alle Behandlungsmethoden zielen darauf ab, Anfälle zu kontrollieren, die Lebensqualität zu verbessern und mögliche Nebenwirkungen der Erkrankung zu minimieren.
Medikamentöse Therapie
Antiepileptische Medikamente sind oft die erste Wahl zur Kontrolle von epileptischen Anfällen. Diese Medikamente helfen, die elektrische Aktivität im Gehirn zu stabilisieren und das Auftreten von Anfällen zu reduzieren. Die Auswahl des richtigen Medikaments und die Dosierung erfordern eine genaue Diagnose und regelmässige ärztliche Überwachung, um eventuelle Nebenwirkungen zu minimieren.
Nicht-medikamentöse Massnahmen
In Fällen, in denen medikamentöse Therapien nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden, können nicht-medikamentöse Ansätze in Betracht gezogen werden. Dazu gehören:
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Ketogene Diät: Eine fettreiche, kohlenhydratarme Diät, die die Anfallshäufigkeit reduzieren kann.
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Vagusnervstimulation (VNS): Eine implantierbare Vorrichtung, die durch regelmässige Stimulation des Vagusnervs die Anfallshäufigkeit verringert.
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Hirnchirurgie: Bei einigen schweren Fällen kann eine chirurgische Entfernung oder Modifikation des betroffenen Gehirngewebes in Erwägung gezogen werden, um Anfälle zu kontrollieren.
Unabhängig von der gewählten Behandlung ist eine kontinuierliche ärztliche Betreuung und Anpassung der Therapie erforderlich, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Die individuelle Behandlungsstrategie sollte immer in enger Absprache mit medizinischen Fachkräften erfolgen, um die Anfallshäufigkeit kontrollieren zu können und Betroffenen ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen.