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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

XIV. Rede
9.
Manche verdienen unser Mitleid nur, weil sie arm sind; hier können vielleicht die Zeit, die Arbeit, ein Freund, ein Verwandter, veränderte Verhältnisse helfen. Andere sind ebenso, wenn nicht noch mehr mitleidswert, soferne sie infolge von Arbeitslosigkeit der notwendigen leiblichen Mittel beraubt sind und ihre Furcht vor dem Zusammenbruch immer noch größer ist als die Hoffnung auf Besserung der Verhältnisse, so daß ihnen die Hoffnung, das einzige Heilmittel für Unglückliche, wenig Hilfe bringen kann. Ein weiteres Übel, außer der Armut, ist die Krankheit; sie ist das gefürchtetste und schlimmste Übel, das von vielen auch bei Flüchen zunächst angewünscht wird. Ein drittes Übel besteht darin, daß man nicht besucht und nicht angeschaut werden darf, daß man geflohen und verabscheut wird und als Ekel gilt; noch schlimmer als die Krankheit selbst ist das Gefühl, wegen eines Unglückes auch noch gehaßt zu werden. Ihr Leiden verursacht mir Tränen, und schon die Erinnerung daran erschüttert mich. Möchtet ihr von gleichen Stimmungen ergriffen sein, damit eure Tränen euch [S. 280] den Tränen entreißen! Ich weiß aber auch, daß von den Anwesenden alle jene meine Empfindungen teilen, welche Christum und die Armut lieben und welchen Gott ein Herz geschenkt hat. An bitteren eigenen Erfahrungen fehlt es euch ja nicht.