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Während der Konsum von Alkohol in unserem Land tief verwurzelt und fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens ist, sind fast 25% der erwachsenen Bevölkerung der Schweiz von Alkoholmissbrauch betroffen.
Alkohol, Feind Nr. 1 des Gedächtnisses
Neue Erkenntnisse erweitern die bereits bekannten negativen Auswirkungen von Alkohol um ein weiteres Argument. Eine kürzlich veröffentlichte Studie britischer Ärzte und Forscher kommt zu dem Schluss, dass der übermässige Konsum von alkoholischen Getränken bei 30- bis 40-Jährigen das Risiko, später an schweren Gedächtnisstörungen zu leiden, signifikant erhöht.
Langzeiteffekte
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Studie einen Zusammenhang zwischen Alkoholkrankheit und Demenz bzw. kognitiven Störungen untersucht, diesmal interessierten sich die Forscher jedoch für mögliche Langzeitfolgen „Wir wissen bereits, dass ein Zusammenhang zwischen Demenzrisiko und Alkoholkonsum bei älteren Personen besteht. Dies ist jedoch nur ein Teil des Puzzles, und es liegen kaum Daten über die Langzeitfolgen von Alkoholproblemen vor, die in jüngeren Lebensjahren aufgetreten sind“, erklärt Professor Lang.
Vier einfache Fragen
Die Krankengeschichte der Alkoholabhängigkeit wurde mittels CAGE-Test ermittelt (CAGE steht für Cut-down, Annoyed, Guilty, Eye-opener). Der Fragebogen enthält folgende Fragen:
• Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, dass Sie weniger Alkohol trinken sollten?
• Haben Sie sich schon einmal geärgert, dass andere Ihr Trinkverhalten kritisiert haben?
• Haben Sie sich wegen Ihres Alkoholkonsums schon einmal schlecht oder schuldig gefühlt?
• Haben Sie jemals bereits morgens Alkohol getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder einen Kater loszuwerden?
Doppeltes Risiko
Kognitive Tests haben gezeigt, dass in früheren Jahren aufgetretene Alkoholprobleme das Risiko, an schweren Gedächtnisstörungen zu erkranken, verdoppeln. Ähnlich verhält es sich mit Alkoholproblemen im Zusammenhang mit schweren kognitiven Störungen.
Für Professor Lange legen diese Ergebnisse drei Schlussfolgerungen nahe: Erstens handelt es sich dabei um ein Problem der öffentlichen Gesundheit, dem Rechnung getragen werden muss; zweitens sind weitere Studien zu den Folgen von Alkoholmissbrauch über die gesamte Lebensdauer erforderlich; drittens und letztens kann der CAGE- Test den Ärzten helfen, gefährdete Personen, die aufgrund von Alkoholproblemen an kognitiven oder Gedächtnisstörungen leiden könnten, zu erkennen und ihnen entsprechende Hilfe anzubieten.
In jedem Alter schädlich
Professor Doug Brown erinnert daran, dass die Medien sich oft auf die Gefahren des übermässigen Alkoholkonsums bei Jugendlichen konzentrieren. Ihm zufolge sollten sich die Massenmedien jedoch auch für die nun vorliegenden Ergebnisse interessieren: Alkoholmissbrauch ist in jedem Alter schädlich. „Natürlich wollen wir den Leuten nicht sagen, dass sie den Genuss von alkoholischen Getränken völlig aufgeben sollen, denn ebenso wie eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, der Verzicht aufs Rauchen und die Kontrolle des Körpergewichts kann auch ein Glas guter Rotwein das Risiko, an Demenz zu erkranken, vermindern. Es geht nur darum, Häufigkeit und Menge des Alkoholkonsums im Laufe der Zeit auf einem vernünftigen Level halten zu können.
Alkohol – eine angemessene Belohnung nach dem Sport?
Eine amerikanische Studie beleuchtet die Zusammenhänge zwischen einer sportlichen Aktivität und dem Konsum alkoholhaltiger Getränke.
Der Begriff „dritte Halbzeit“ illustriert auf treffende Weise, welch exzessive Formen die Kombination von Alkoholkonsum und intensivem Sport manchmal annehmen kann. Man kann darin eine Form von kollektivem „Trost“ sehen, der die ebenfalls gemeinsam geleisteten sportlichen Anstrengungen belohnt. Dieses ursprünglich dem Rugbysport vorbehaltene Ritual hat mittlerweile auch auf zahlreiche andere Sportarten übergegriffen.
„Entspannen“
Ist es ein Bedürfnis, sich nach der sportlichen Betätigung zu „stärken“ ? Eine Gelegenheit, „zu entspannen“? Ist es die Fortsetzung der sportlichen Begegnung in einem besonders geselligen Ambiente? Oder vielleicht eine Art, sich „selbst zu belohnen“? Ganz gleich aus welchem Grund, Tatsache ist, dass der Konsum alkoholischer Getränke an Tagen, an denen Bewegung und Sport auf dem Programm stehen, steigt.
Dies geht jedenfalls aus einer kürzlich veröffentlichten amerikanischen Studie hervor. Professor David E. Conroy erklärt, dass zahlreiche Personen mit Aussicht auf das nahende Wochenende bereits ab Donnerstag mehr Sport treiben und gleichzeitig den Alkoholkonsum erhöhen. Seiner Studie zufolge lässt sich dieser Trend in allen Altersstufen nachweisen. Schon 2011 hatten Forscher einen Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung und Alkoholkonsum belegt – allerdings bei Ratten.
Donnerstag geht‘s los
Diesmal ging es in der Studie darum, die (mittels Smartphone geführten) Logbucheinträge von 150 Freiwilligen im Alter von 18 bis 89 Jahren auszuwerten. In drei jeweils dreiwöchigen Etappen musste jeder von ihnen allabendlich die wichtigsten Informationen über seine sportliche Betätigung und den Alkoholkonsum des Tages eintragen. Die Analyse dieser Daten zeigt, dass sich die Probanden von Montag bis Mittwoch auf ihre beruflichen Aktivitäten oder ihr Familienleben konzentrieren und ihren Alkoholkonsum drosseln. Doch bereits ab Donnerstag nehmen sportliche Betätigung und Alkoholkonsum wieder zu – und zwar gleichzeitig. Ein wichtiger Hinweis: Es sind keineswegs diejenigen, die am meisten Sport treiben, die auch am meisten trinken.
Schlechte Muskelregeneration
Es handelt sich dabei um eine Feststellung, die für alle Studienteilnehmer gilt, unabhängig vom Alter oder vom sportlichen Niveau. Die Forscher geben dafür mehrere mögliche Gründe an. Einer davon ist die „wohlverdiente Belohnung“ nach einer körperlichen Anstrengung sowie die Gelegenheit zu Zusammenkünften, die sich zwangsläufig aus Sportveranstaltungen ergeben. Ein weiterer Grund, der die Gleichzeitigkeit der beiden Tendenzen erklären könnte, ist die Tatsache, dass die Probanden an den Wochenenden mehr Zeit haben. Weitere Untersuchungen sind vorgesehen, um den eventuellen Zusammenhang dieser beiden Variablen besser zu verstehen. Die Forscher hoffen, dass die Ergebnisse der kommenden Forschungsarbeiten zur Entwicklung von Interventionsprogrammen beitragen werden, mit denen Sport gefördert und vom Alkoholkonsum danach abgeraten werden kann.
„Wir werden versuchen, die dem Alkoholkonsum zugrunde liegenden Motivationen besser zu verstehen, um unsere Aktionen zur Förderung körperlicher Bewegung zu optimieren“, erklären die Autoren. „So ist es z. B.wichtig zu wissen, dass die im Alkohol enthaltenen Kalorien die vorher beim Sport mühsam verbrannten Kalorien schnell ersetzen und vor allem, dass Alkohol die Muskelregeneration nach einer körperlichen Anstrengung massiv verschlechtern kann“ – eine Information, die Sportler sicher interessieren wird.
Alkohol bei Senioren,
ein Tabu-Thema Einer 2012 veröffentlichten Schweizer Gesundheitsumfrage zufolge haben 6 % der 65- bis 74-Jährigen einen chronisch problematischen Alkoholkonsum (4 Gläser Wein oder mehr pro Tag bei den Männern und 2 Gläser Wein pro Tag bei den Frauen). Im Rahmen der Suchtpräventionsaktion „Dialogwoche Alkohol“, die vom 30. April bis zum 9. Mai unter der Schirmherrschaft des Bundesamts für Gesundheitswesen (BAG) stattfand, wurde eine Vielzahl von Themen angeschnitten, darunter das bislang noch tabuisierte Thema Alkoholismus bei Senioren. Es gibt sicher mehrere Gründe für dieses Tabu.
Zunächst ist es schwierig, ältere Menschen um ein Vergnügen zu bringen, dass ihnen scheinbar gut tut und nicht besonders schädlich zu sein scheint. Darüber hinaus ist es nicht leicht, diese Art von Problemen aufzuspüren, denn es muss berücksichtigt werden, dass es sich dabei um Menschen handelt, die regelmässig Medikamente einnehmen und deren Sehvermögen und Gleichgewichtssinn abnehmen. Diese Parameter sowie der Verlust des Fettgewebes bei älteren Personen müssen übrigens als erschwerende Faktoren für diese Altersgruppe betrachtet werden, denn bei gleicher Alkoholmenge sind die Blutalkoholkonzentrationen bei älteren Menschen wesentlich höher. Darüber hinaus gibt es weder eine kantonale noch eine nationale Verordnung, die diese Frage für in Pflegeheimen lebende Personen regelt. Somit liegt es im Ermessen jeder einzelnen Einrichtung, wie sie mit dieser Problematik umgeht. Einige Pflegeheimleiter haben jedoch beschlossen, die Frage bewusst zu thematisieren und stützen sich dabei auf Organisationen und Strukturen, die Alkoholikern Hilfe anbieten. Sobald die Alkoholprobleme identifiziert wurden, sind die Behandlungs- und Betreuungsoptionen dieselben wie bei jüngeren Patienten, d. h. der Hauptschwerpunkt liegt auf der Veränderungsbereitschaft des Patienten.