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Die bildliche Darstellung Buddhas als reale Person kam erst einige Jahrhunderte nach seinem Tod auf, und zwar in Gandhara (heute Pakistan), wurde dann aber ausserordentlich populär und verbreitete sich über ganz Asien. Jede Darstellung Buddhas, ja selbst sein Fussabdruck geniessen bei den Buddhisten in Thailand grössten Respekt. Sie bringen Räucherstäbchen, Kerzen und Blumen zum Bildnis des Erhabenen, knien nieder und verneigen sich mit gefalteten Händen dreimal bis zum Boden. Dabei wird nicht das Bildnis an sich, sondern Buddha selbst und seine Lehre verehrt. Im Volksbuddhismus wird einzelnen Bildern auch magische Kraft zugesprochen.
Die mannigfaltigen Formen der Darstellung drücken unterschiedliche Aspekte der Lehre und des Leben des grossen Meisters aus. Das Bildnis lädt den Betrachter überdies ein, dem Beispiel des Lehrers auf dem Weg ins Nibbbana zu folgen. In Thailand sind neben den Abbildern des historischen Buddha auch Figuren aus dem Mahayana-Buddhismus präsent.
Die Stellung der Beine wird „Asana“ (Sitzposition), die Stellung der Hände „Mudra“ (Symbolgesten) genannt. Die Bildsprache ist typisiert und folgt bestimmten Erzählschemen. Körperhaltungen und Handgesten drücken deshalb einen dem kundigen Betrachter auf Anhieb verständlichen Inhalt aus. Das heisst: Buddha-Darstellungen sind mehr als kunsthistorisch „interessante“ Objekte. Sie legen Zeugnis vom historischen Buddha ab, verkünden gleichzeitig dessen Lehre und dienen als Anleitung für den Lebenswandel des Betrachters.
In Thailand sehr verbreitet ist beispielsweise die Darstellung der Erdberührung (bhumisparsa oder maravijaya mudra): Der sitzende Buddha weist mit der rechten oder (selten) mit der linken Hand auf die Erde, was die Herrschaft über ein Territorium, die Verbindung mit dem Land andeutet. In Sukhothai kann die Geste auch ausdrücken, dass sich an diesem Ort buddhistische Reliquien befinden. Die andere, linke Hand verweilt in der Meditationshaltung. Diese Darstellung erinnert den Betrachter an die Legende von der Versuchung Buddhas kurz vor seiner Erweckung: Mara, der Herrscher der Begierden, erkennt die Gefahr, die vom künftigen Buddha ausgeht, und er attackiert ihn mit einer ganzen Dämonenarmee. Buddha ruft die Göttin der Erde (Thoranie) zur Zeugin seines Sieges über das Reich der Begierden an. Nach dem Eingreifen der Erdgöttin, die ihre mit Wasser getränkten Haare auswringt und damit die Dämonenarmee Maras fortschwemmt, kann Buddha seine Meditation fortsetzen und zur vollkommenen Klarheit gelangen. Bei jeder grosszügigen Tat des künftigen Buddhas hatte die Erdgöttin das Wasser in ihren Haaren gesammelt. Wegen der unendlich vielen guten Taten ist daraus ein ganzer Strom geworden.
In Thailand ist seit dem 19. Jahrhundert jedem Wochentag eine bestimmte Buddha-Pose zugeordnet:
Sonntag: stehender Buddha, Hände vor dem Bauch übereinandergeschlagen (Buddha betrachtet den Bodhi-Baum).
Montag: stehender Buddha, rechte Hand oder selten beide Hände mit Handfläche zum Betrachter erhoben (abhaya mudra).
Dienstag: liegender Buddha (mahaparinirvanasana).
Mittwoch: stehender Buddha mit Almosenschale, die der Aufnahme von Essenspenden dient.
Donnerstag: sitzender Buddha in Meditationshaltung (samadhi mudra).
Freitag: stehender Buddha, Hände vor der Brust übereinander geschlagen (nachdenkliche Pose).
Samstag: sitzender Buddha in Meditationshaltung (samadhi mudra) mit siebenköpfiger Naga-Schlange.
Da die Wochentage und ihre Zuordnung zu Buddha-Posen auch mit neun „Planeten“ (Sonne, Mond, Mars, Merkur, Rahu, Jupiter, Ketu, Venus und Saturn) in Verbindung gebracht werden, braucht es für den Mittwoch- und den Donnerstagnachmittag zwei zusätzliche Körperhaltungen („europäische“ Sitzhaltung für den Mittwochnachmittag, Buddha in der Erdbeschwörungsgeste für den Donnerstagnachmittag). In zahlreichen Tempeln sind Sieben-Tage-Buddhas mit je einem Spendenbehälter aufgestellt. Die spendefreudigen Besucher werfen in der Hoffnung auf die Verbesserung ihres Kammas an jenem Wochentag eine Spende ein, an dem sie geboren wurden.