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In dieser dreistufigen Artikelreihe erklären wir, wie Führungspersonen und Organisationen zum Handeln inspirieren können. Grundlage bildet das weltweit erfolgreich eingesetzte Konzept des „Goldenen Kreises“, entwickelt vom britischen Unternehmensberater Simon Sinek. Nachdem die Frage nach dem „Why?“ geklärt wurde, geht es nun in diesem Teil um die zielorientierte zweite Frage: „How?“
In Simon Sineks Modell ist es unabdinglich, von Mittelpunkt des goldenen Kreises nach außen zu agieren und auch auf diese Art und Weise zu kommunizieren. Das „Warum?“ definiert die Einzigartigkeit des Vorhabens und gilt der Abklärung der intrinsischen Motivation. Nun stellt sich die Frage „Wie tun wir das, was wir tun wollen?“. Um herauszufinden, wie soziale Veränderung in der Welt geschaffen werden kann, muss eine konkrete Vision für das Wunschprojekt kreiert werden. Dabei werden bereits Konzepte und Strategien ausgearbeitet, die als Leitlinien zur Erfüllung des angestrebten Ziels dienen sollen.
Die Vision als Fixpunkt: Bindeglied zwischen Emotionalität und Rationalität
Der zweite Ring im Goldenen Kreis dient als Bindeglied zwischen den anderen beiden großen Fragen „Why“ und „What“. In erster Linie geht es beim „How“ darum, dass generelle Vorhaben in einfachen Worten zu beschreiben und zu schildern, durch welche Mittel und Wege die gewünschten Veränderungen und Ziele herbeigeführt werden sollen.
Während das „Why“ durch eine kurze, prägnante Botschaft auf eher unterbewusster Ebene anspricht und beeinflusst, geht es in diesem Schritt nun darum potentielle UnterstützerInnen von der eigenen Kompetenz, Motivation und Machbarkeit des Vorhabens zu überzeugen. Nicht durch Zahlen, Daten, Fakten und rein rationale Argumente („What“), sondern durch die Formulierung eines wohl durchdachten Konzeptes, welches die Eckpunkte der Kampagne festhält, in klarer verständlicher Sprache formuliert ist und sich dabei nicht in Details verliert.
Beispielhaft könnte es so aussehen, dass eine Organisation zuvor in ihrem „Why“ folgendes formuliert hat:
„Wir glauben, dass das Recht auf unbeschwerte Bildung und freies Lernen für Kinder ein unumstößliches Menschenrecht ist und möchten auf diese Weise weltweit in Krisengebieten dauerhaft positive Veränderung herbeiführen.“
Ein vorbildliches Ziel, das Assoziationen weckt und RezipientInnen auf emotionaler Ebene anspricht. Nach dem ersten positiven Eindruck stellt sich aber schnell die Frage, ob das Vorhaben machbar ist und sich Engagement und Unterstützung überhaupt bemerkbar machen. Nun muss die Organisation zeigen, dass sie Idealismus und Realismus verbinden kann und eine greifbare Vision für die Umsetzung des Zieles hat, die sich von bereits vorhandenen Projekten abgrenzt. Dies könnte zum Beispiel so aussehen:
„Durch Spendengelder und mit Hilfe der Unterstützung unserer hochmotivierten und gut ausgebildeten Volontäre, errichten wir Schulen in Krisengebieten. Dabei binden wir von Beginn an die Kommunen vor Ort in das Projekt ein, um das Gemeinschaftsgefühl und Eigenverantwortlichkeit zu stärken. Parallel bilden wir die Lehrkräfte lokal aus und unterrichten sie in der Nutzung digitaler Medien. Alle Vorteile und Methoden der Digitalisierung werden dabei genutzt, um langfristiges und lebenslanges Lernen zu unterstützen. Zudem werden Kommunikation und gegenseitiger Austausch zwischen MitarbeiterInnen, Lehrkräfte, SchülerInnen und UnterstützerInnen auf einer gemeinsamen Plattform gefördert.“
Eine solche Vision macht das gesamte Vorhaben seriös, greifbar und verwurzelt den Anspruch auf das eigene Handeln in der Realität. Durch ein gut durchdachtes Konzept wird gekonnt eine Brücke vom Emotionalen zum Rationalen geschlagen. Auf diese Weise hilft die Vision dabei, UnterstützerInnen langfristig an das Projekt zu binden und motiviert und leitet gleichzeitig MitarbeiterInnen und Freiwillige durch erreichbare Ziele und klare Leitlinien. Auch wenn sich die äußeren Umstände immer wieder verändern, kann die Vision somit als Fixpunkt dienen.
Wie findet man die passende Vision?
Oftmals ist es gar nicht so einfach die eigene Vision zu finden und in klare Worte zu fassen. Da Inspiration selten plötzlich und unforciert auftritt, empfiehlt sich der Einsatz förderlicher Methoden, wie zum Beispiel die Formulierung eines „Vision Statements“.
In jedem Menschen steckte zumindest früher einmal ein großer Visionär: Kinder sind nämlich besonders gut darin, sich große Visionen vor Augen zu rufen. Eine derart hilfreiche, „naive“ Unbefangenheit kann beim Suchen und Finden der Vision von großem Vorteil sein. Eine mehrstufige Herangehensweise ist empfehlenswert: Im ersten Schritt wird keine Idee abgelehnt, alle Denkrichtungen sind gestattet und ausgefallene Kombinationen der Einfälle sind ausdrücklich erwünscht. Um das nötige Mindset zu erreichen, können Methoden wie Design Thinking oder Brainstorming angewendet werden. Idealerweise wird das gesamte Team und Umfeld dabei in den Prozess mit einbezogen. Interdisziplinäre Gruppen mit flachen Hierarchien bringen viele unterschiedliche Betrachtungsweisen und Denkansätze mit sich. Zudem motivieren sich die MitgliederInnen gegenseitig zu persönlichen Beiträgen und lassen die Vision somit demokratisch wachsen.
Im Anschluss an die Ideensammlung, werden die verschiedenen Aspekte kritischer beleuchtet, selektiert und ausgewählt. Somit kann das eigene Profil geschärft und Alleinstellungsmerkmale herausgestellt werden. Die abschließend konkret formulierte Vision sollte die Einzigartigkeit des Vorhabens herausheben, Optimismus und Identifikation stärken und einen „brand pull“ auf RezipientInnen, InvestorInnen, Freiwillige und MitarbeiterInnen ausüben. Die erfolgreiche Beantwortung der Frage nach dem „Wie?“ bündelt Motivationen, schärft Ideen und schweißt alle Teilhabenden am Projekt enger zusammen.