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| Zosimos (um 500) - Neue Geschichte (Historia nea)

Erstes Buch
Neuntes Kapitel.
1. Viele Städte schmückte er mit kostbaren Gebäuden aus, ernannte seinen Sohn Antoninus zum Kaiser, 2. und, als er sterben wollte, bestimmte er denselben und seinen zweiten Sohn Geta zu Nachfolgern. Zu ihrem Vormund bestellte er den Papinianus, einen sehr gerechten Mann, der an Kenntnis der Gesetze und der Kunst, sie in Gang zu bringen, alle Römischen Gesezgeber, vor und nach seiner Zeit, übertraf. 3. Aber er, der Oberster der Prätorianer1 war, wurde dem Antoninus [S. 40] bald verdächtig, weil er bei Bemerkung seines Hasses gegen Geta, denselben, so viel möglich, von Nachstellungen gegen dessen Leben abhielt. 4. Dieses Hinderniß aus dem Wege zu schaffen, trieb er insgeheim die Prätorianer zu dessen Ermordung an, und tödtete, da er nun freie Hände hatte, seinen Bruder,2 ohne daß selbst die Mutter, zu welcher derselbe seine Zuflucht nahm, ihn zu retten im Stande gewesen.
1: Severus hatte zwar die Prätorianer, welche dem Didius Julianus den Kaiserthron verkauft hatten, aufgehoben und verwiesen; allein Politik fand es nothwendig, wiederum eine Leibwache zu errichten. Diese wählte er nicht, wie vormahls geschehen war, aus der italienischen Jugend; sondern er nahm die ausgezeichnetsten Soldaten aus den Gränzlegionen und errichtete aus denselben eine neue, der Zahl nach weit stärkere, Leibwache, welche nunmehro um so gefährlichern Einfluß erhielt, weil sie meistens aus Ausländern bestund, und ihrem Obersten ausserdem noch andere sehr wichtige Verrichtungen angewiesen wurden. Er hatte nächst dem Kaiser den obersten Befehl über die Kriegsmacht; unter seiner Aufsicht stand die Verwaltung der Finanzen und die Gerechtigkeitspflege.
2: Antoninus, dessen erster Name, Bassianus, durch den von ihm angenommenen Antoninus, verdrängt werden sollte, ist unter dem, ihm nach seinem Tode beigelegten Spottnamen Karakalla bekannter, lebte mit seinem Bruder von Jugend auf in unversöhnlicher Feindschaft; und ließ denselben in den Armen ihrer beiderseitigen Mutter ermorden. Allein darin ist die Angabe des Verfassers unrichtig, daß er den Papinianus zuerst ermorden und dadurch den Weg zu Geta’s Ermordung gebahnet werden lässet. Vielmehr erhielt dieser von Karakalla Befehl, dessen begangenen Brudermord durch eine öffentliche Schrift zu rechtfertigen. Papinianus Antwort: Es ist leichter einen Brudermord zu begehen, als zu rechtfertigen, welche ihm den Tod zuzog, ist zwar bekannt genug, verdient aber wohl, als Beweis einer seltenen Tugend, zu unsern Zeiten wieder in Erinnerung gebracht zu werden, wo die philosophischen Gesetzgeber Frankreichs, welche ihre Hände im Blute ihrer Brüder, Verwandten und Mitbürger etc. tauchen, so viele Lobpreiser und Anhänger finden.