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Kolumbans Kloster in Bregenz 610 bis 612
Dr. Karl Dörler, Obmann Bildungswerk Bregenz der kath. und evang. Pfarrgemeinden (leitete das Kolumban- und Gallus-Jubiläum 2010 in Bregenz)
Auf den runden Bronzetafeln entlang des Kolumbanswegs, die auch an den Bregenzer Pfarrkirchen St. Gallus und St. Kolumban angebracht sind, stehen die vier Klosterorte, in denen Kolumban einige Zeit lebte und wirkte: Bangor, Luxeuil, Bregenz und Bobbio.
Nachdem der sittenstrenge Kolumban die unmoralischen Verhaltensweisen der merowingisch-burgundischen Königsfamilie heftig kritisiert hatte, verbannte König Theuderich ihn und alle aus Irland stammenden Mönche 610 aus ihrer Klostergründung Luxeuil und aus dem Frankenreich. Auf Umwegen kamen sie zu seinem Bruder und Gegner Theudebert, der das ostfränkische Austrasien mit dem Herzogtum Alemannien regierte. Er stellte Kolumban unter seinen Schutz und gab ihm den Auftrag, die Alemannen zu missionieren. Dies sollte aus königlicher Sicht die Verbundenheit mit den Franken und den Aufbau von Verwaltungs- und Bildungsstrukturen fördern. Kolumban nützte die königliche Unterstützung zur Glaubensverbreitung. In Arbon wies ihnen der Priester Willimar den Weg nach Bregenz, wo die römische Zivilisation und die christliche Gemeinde untergegangen waren und nun Romanen und seit wenigen Generationen auch Alemannen siedelten.
In Bregenz errichteten die Mönche auf der Flur „im Dorf“ eine einfache Klosteranlage aus Holz nahe einem ehemaligen christlichen Gotteshaus. Dieses Kirchlein – vermutlich am Standort der Pfarrkirche St. Gallus – weihten sie der hl. Aurelia. Sie hatten eine Glocke mitgebracht, die sie zur Versammlung zum Gebet schlugen. Höchstwahrscheinlich war es das alte Glöcklein, das heute barock bemalt im Chor der Kathedrale St. Gallen hängt. Die Missionsmethoden bestanden in Bregenz – im Unterschied zu Luxeuil – nicht nur aus fesselnden und mahnenden Predigten in der Volkssprache und im Vorbild mönchischer Spiritualität und Bildung. Mit der Zerstörung antiker Götterbilder und der spektakulären Verhinderung eines alemannischen Bieropfers wollten sie beweisen, dass der christliche Gott den heidnischen Göttern überlegen war, da ihnen diese keinen Schaden zufügen konnten. Zumindest ein Teil der Bregenzer Bevölkerung wehrte sich. Sie stahlen ihnen Vieh, erschlugen zwei Mönche und beschwerten sich beim Herzog in Überlingen, dass das Scheppern der Glocke ihre Vogeljagd störe. Nach fast drei Jahren wurden die Mönche ausgewiesen, nachdem ihr Auftraggeber und Schutzherr Theudebert im Kampf gegen den gemeinsamen Gegner Theuderich ums Leben gekommen war. Verbittert klagte Kolumban: „Wir haben hier eine goldene Schale gefunden, aber sie ist voller Schlangen.“ Kolumban und seine Mönche flohen über die Alpen ins Langobardenreich, wo sie in Bobbio in den Apenninen ein neues Kloster gründeten, in dem Kolumban 615 starb. Gallus trennte sich von der Gruppe und zog sich in eine Einsiedelei an der Steinach zurück, wo heute die Stadt St. Gallen steht.
In der Kolumbansvita und in der Gallusvita aus dem 7. Jahrhundert wird Bregenz erstmals schriftlich erwähnt. Vom Kloster St. Gallen aus erfolgte ab etwa 750 die nachhaltige Christianisierung von Bregenz. Die St. Gallus-Kirche wurde um 800 für viele Jahrhunderte die Pfarr- und Taufkirche für das Vorarlberger Unterland und Teile des Westallgäus.
Reste des Kolumbanklosters im Dorf gibt es nicht, doch Strassennamen in dieser Gegend erinnern an Kolumban, Gallus, dessen Schüler Magnus, an die Kirchenpatronin Aurelia und den Freund Willimar in Arbon.
In und um die Kirche St. Kolumban sind Kolumbans Spiritualität und die Stationen seines Lebens umfassender dargestellt als an irgendeinem anderen Ort: ein Stein von der Meeresküste in Bangor, die Statue des für seinen Glauben einstehenden Kämpfers als Kopie aus Luxeuil, ein Reliquiar aus Bobbio sind neben weiteren Erinnerungen an den engagierten Christen und Europäer zu finden. Das Zeltdach der Kirche verweist auf seinen und unseren irdischen Pilgerweg und der Kirchturm ist sein Fingerzeig auf Gott.
Die Pfarrkirche St. Gallus enthält jahrhundertealte, kulturgeschichtlich wertvolle Erinnerungen an Gallus und andere Schüler Kolumbans. Auf Kolumban und Gallus weisen auch das ehemalige Gallusstift (heute Landesbibliothek), ein keltisches Kreuz nahe der ehemaligen St. Gallenstein-Kapelle und Kultgegenstände im ehemaligen Benediktinerkloster Mehrerau wach, das sich in seiner Tradition auf Kolumban berief.
Zum Schluss noch ein Hinweis: Dr. Karl Dörler bietet Führungen auf den Spuren von Kolumban und Gallus in Bregenz und auf dem Kolumbansweg St. Gallen – Bregenz – Feldkirch (www.bodenseeguides.at) an.