Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03243.jsonl.gz/1012

Ein grosser Garten nach römischem Vorbild ist beim Vindonissa Museum in Brugg angelegt worden. Pflanzen, Kräuter, Hecken und Bäume in Verbindung mit Brunnen und Wasserspielen erinnern an die Freuden der römischen Legionsstadt vor zweitausend Jahren.
Der römische Garten beim Vindonissa Museum in Brugg ist eine Oase der Ruhe und Sinnlichkeit. In den Beeten wachsen bunte Pflanzen und Kräuter, aus den römischen Brunnen fliesst beruhigend das Wasser. So hätte der Garten im Innenhof des Wohnpalastes des Legionskommandanten von Vindonissa vor zweitausend Jahren aussehen können.
Nachbildung des römischen Gartens beim Vindonissa Museum in Brugg. Die Wasserspiele erfreuen vor allem auch die Kinder.
Die Römer bepflanzten ihre Ziergärten mit prächtig blühenden Blumen wie Rosen oder Lilien und auch von weither importierten exotischen Pflanzen. Viele Kultur- und Nutzpflanzen wie Knoblauch, Sellerie oder Thymian brachten sie in das Gebiet der heutigen Schweiz. Sie legten die Beete in symmetrischen Formen wie Rechtecke, Dreiecke oder Halbkreise an und begrenzten sie mit Hecken aus Rosmarin oder Buchs, der gerne fantasievoll geschnitten wurde. Ebenso gehörten aufwendige Wasserspiele und Statuen aus wertvollen Materialien sowie Speisesofas für Bankette zur Ausstattung eines Gartens; damit inszenierte die römische Oberschicht ihren Reichtum.
Die Wandmalereien im Säulengang setzten den Garten fort, wie das Fresko in Pompeji aus dem «Haus des goldenen Armreifs» zeigt. © Dea / L. Pedicini / De Agostini / gettyimages.
Der römische Garten befand sich in der Regel im Innenhof eines Palastes und war von einem Säulengang umgeben, die Wände mit Pflanzen- und Tierdarstellungen reich bemalt. Hier im Museumsgarten, der vierhundertfünfzig Quadratmeter gross ist, wird der Säulenumgang, der porticus, durch eine Holzkonstruktion angedeutet. Rund vierzig verschiedene Pflanzenarten, die für Vindonissa archäobotanisch bezeugt sind, wurden gepflanzt. Die Wasserspiele, Fusswege sowie die geometrischen Beetumrandungen orientieren sich an antiken Vorlagen, die später für die Gärten der Renaissance und des Barocks zum Vorbild wurden.
Modell vom Praetorium, dem Wohnpalast des Lagerkommandanten von Vindonissa. © Museum Aargau.
Wie viele Gärten es im Legionslager Vindonissa gab, ist ungewiss. Zwar gibt es archäobiologische Pflanzenreste, aber kaum archäologische Quellen, die auf Gartenanlagen hinweisen. Im Legionslager Vindonissa lebte der oberste Legionskommandant, der Praetorius, mit seiner Familie und den Bediensteten im grossen Wohnpalast mit einer eigenen Badeanlage. Der Palast hatte zwei Innenhöfe vermutlich mit einem Garten und einem Reitplatz. Dieser Luxus stand jedoch nur dem Praetorius zu, der sehr reich sein und die politische Position eines Senators innehaben musste. Fern der Heimat hatte er und seine Familie Anrecht auf ein feudales Leben wie zuhause in Rom.
Unter dem Porticus können sich Kinder und Jugendliche archäologisch betätigen und die passenden Teile der zerbrochenen Tongefässe suchen und zusammenfügen.
Beim Besuch gibt es für Kinder und Jugendliche Aktivitäten unter der Aufsicht eines römischen Legionärs. Unter dem Portikus sind Bänke und Holztische aufgestellt mit einem Haufen Tonscherben drauf. Der Legionär gibt gerne Auskunft und erklärt, wie man die Scherben finden und zusammenkleben kann. Zudem leitet er auch Spiele an, die schon römische Kinder und Erwachsene spielten.
Der mit einer roten Schleife markierte Granatapfelbaum hat noch heute eine grosse Bedeutung für die Jugendlichen in Brugg und Windisch.
Für den Gartenrundgang gibt es einen informativen Audio-Guide: Wo sich Eichenlaub und Granatapfel treffen ist das Leitmotiv. Dabei orientieren sich die Erzählenden an der Geschichte vom Tüüschle, einem Brauch, der am Brugger Jugendfest praktiziert wird: Die Mädchen tauschen Granatapfelblüten mit dem von den Knaben angebotenen Eichenlaub als Liebes- und Freundschaftszeichen. Sowohl Eiche als auch Granatapfel waren im römischen Vindonissa bekannt und wer weiss, vielleicht tüüschleten bereits römische Mädchen und Buben.
Der Rundgang mit dem Audioguide führt zum Schluss ins Museumsgebäude, wo einem das römische Leben mit unzähligen Exponaten begrüsst. Hier sind unter anderem zweitausendjährige Baumstämme ausgestellt, die neben römischen Schreibtafeln und zahlreichen anderen Funden 1903 auf einer Schutthalde entdeckt wurden.
Titelbild: Römischer Garten beim Vindonissa Museum. Foto: © Museum Aargau
Fotos: rv
Das Museum Aargau rückt 2021 mit dem Jahresthema «Aufgeblüht!» seine Gärten und die Natur auch in den Schlössern Wildegg, Lenzburg, Hallwyl, Habsburg ins Zentrum.
Vgl. auch Alltag im Legionslager Vindonissa