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Disentis oder rätaromanisch Mustér, ist ein verkehrstechnisch strategisch wichtiger Ort. Hier gabelt sich die Strasse der Surselva Richtung Tessin zum Lukmanierpass und Richtung
Gotthard / Andermatt zum Oberalppass. Ebenso endet hier die Vorderrheinlinie der Rhätischen Bahn und wird nach Westen von der Matterhorn-Gotthard-Bahn weitergeführt. Kein Wunder
wurde dieser wichtige, östliche Zugang zum Reduit durch zahlreiche Sperren, Festungswerke und einen 8.1 cm Festungsminenwerfer gesperrt.

Panorama Anlagen Nord
Kartenausschnitt der Anlagen der Sperrstelle 2306 Russein (1:25'000)
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Die Sperrstelle 2306
Obwohl geografisch im Kanton Graubünden gelegen, gehört die Sperre Russein integral zur Gotthardbefestigung. Da das Gros der Geb Br 12 (gemäss Operations Befehls des Generals vom
21. Juli 1941) eine eigene Stellung zu halten hatte und als westlichsten Eckpfeiler die Sperren bei Trin unter allen Umständen zu halten hatte, musste die 9. Division (Gotthard) nun
die östlichen Zugänge zum Gotthard selber verteidigen. Ab Frühlig 1941 wurde bei Russein durch das Baubüro der 9. Div eine besonders starke Sperrstelle, bestehend aus 3 Infanteriewerken,
2 MG-Bunkern und einer IK Garage für eine mobile Panzerabwehrkanone, erstellt. Diese Sperre sollte einen Angriff aus dem Vorderheintal auf die neue Zentralraumstellung nachhaltig verzögern.
Durch Verschiebung der Abschnittsgrenzen von Mai bis August 1941 von der Geb Div 9 zur Geb Br 12 und wieder zurück zur Geb Div 9, wechselte die Bauaufsicht zeitweilig vom Geniebüro der Geb
Div 9 zum Geniebüro der Geb Br 12 und wieder zurück. Trotz dieses Hin und Her waren die meisten Anlagen bis November 1941 fertig gestellt.
Erst mit dem abgeänderten Operations Befehl vom 1.10.1942 wurde die Zentralraumstellung nach Osten bis zur Linie Versam - Trin ausgedehnt und das Bündner Oberland, einschlisslich seiner
Seitentäler, wurden Teil des Reduit. In deser Zeit verteidigten Teile der Kampfgruppe Gotthard-Ostfront der 9. Div diese Sperrstelle. Zur Bewachung wurde auch die Ortswehr Disentis eingesetzt.
Auch im Kalten Krieg behielt die Sperrstelle bei Russein seine wichtige Bedeutung und wurde entsprechend ausgebaut. Das Dispositiv verstärkte man von 1963 bis 1965 zuerst mit fast 70
Unterständen (Solitär, U4, ASU) und 1967 kam noch ein 8.1 cm Festungsminenwerfer als Verstärkung hinzu. Unterstellt war die Sperrstelle bis zu ihrer Aufhebung der Festugsbrigade 23.
Pläne von
A8711
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A8716
A8717
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Die Sperre Russein hat zahlreiche Besonderheiten in Sachen Tarnung zu bieten. Die liebevoll getarnte Bunker machen es dem ungeübten Auge schwer, die "Scheunen und Häuser" sofort als Bunker
zu erkennen. Besonders die aufgemalten Fensterläden, Türen, Holzbalken oder Tannen sind fast einmalig und noch heute bestens erhalten. Sie stellen besonders gut erhaltene Zeitzeugen der
Tarnungskunst dar, welche im Schweizer Festungsbau praktiziert wurde.
Der 8.1 cm Festungsminenwerfer 1956/60
Gegen Ende der 50er Jahre begann man in der Schweiz damit, bestehende Sperrstellen und Artilleriewerke mit 8.1 cm Festungsminenwerfern zu verstärken.
Im Rahmen dieses Bauprogramms erstellte man 52 Werfer in 24 Anlagen entlang der nördlichen und südlichen Landesgrenze sowie entlang wichtiger Achsen im Alpenraum.
Alle Anlagen wurden mit Einführung der Armee 95 nicht mehr weiter benötigt und entklassifiziert.
Es gab vier verschiedene Bauformen:
- mit Fertigelementen
- angehängt an bestehendes Felswerk
- als separates Felswerk mit/ohne Unterkunft/Infrastruktur
- als separater Monoblock mit/ohne Unterkunft/Infrastruktur
Alle Werke verfügten über 2 oder 4 (je nach Konfiguration) 8.1 cm Festungsminenwerfer 1956/60. Diese als Hinterlader mit Bajonett-Verschluss konstruierte
Waffe hatte eine Rohrlänge von 1340 mm und einen Seitenschwenkbereich von 6400 A o/oo, was 360 Grad entspricht. Das Rohr ist in einem Kugelgelenk am obersten
Punkt der Stahl- oder Betonkuppel aufgehängt. Die Feuergeschwindigkeit betrug - je nachdem wie gut eingespielt die Mannschaft war - 8 bis 10 Schuss pro Minute.
Je nach Munition und Ladung betrug die Reichweite bis zu 5 km.
A8717 Lumpegna
Der Festungsminenwerfer A8717 Lumpegna war als Felswerk konzipiert worden. Er besteht aus einem Stollen (55 m) mit zwei Felskavernen für Munition, Unterkunft, Küche, Stromversorgung, Lüftung und Feuerleitung.
Die beiden Geschützstellungen sind auch mit diesem Gang verbunden und über eine kleine Leiter aus dem darunter liegenden Laborierraum zu erreichen. Am anderen Ende vom Gang befindet sich der Notausgang. Das
Werk verfügte über eine Besatzung von 24 Mann und war Dank eigener eigenen Wasserversorgung und Notstromgruppe autark.
Plan des Festungsminenwerfer A8717 "Lumpegna"
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Filmausschnitt: 8.1 cm Festungsminenwerfer im scharfen Schuss
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Lumpegna ist heute der einzige noch erhaltene 8.1cm Festungsminenwerfer, Typ Felswerk. Alle anderen Anlagen dieses Typs sind in der Zwischenzeit leer geräumt und rückgebaut. Im Jahr 2009 hat die Gemeinde
Disentis die Anlage gekauft. Seit 2011 betreibt nun der Verein Fortezia Stalusa den Festungsminenwerfer als ein Festungsmuseum.
Wir danken an dieser Stelle dem Verein recht herzlich für seine Gastfreundschaft und die Möglichkeit, dass wir die Anlage besuchen und fotografieren durften. Wenn auch ihr einmal in Disentis seid, so plant
einen Besuch hier ein. Neben einem bestens erhaltenen Werk, bekommt man auch eine äusserst interessante Waffensammlung zu sehen.

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Anlagen Pardomat
Anlagen Madernal
Anlagen Brücken
[ Fest Mw A8717 Lumpegna ]
Aussen
Eingang / Stollen
Minenwerfer Stände
Unterkunft