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Die Blüte von Paris
Mit ihrer Graphic Novel "Die Blüte von Paris" erzählt uns Gaëlle Geniller die Geschichte einer Identitätssuche und Emanzipation jenseits von Geschlechtergrenzen.
Die Geschichte um Rose, einen 19-jährigen Mann, ist im Paris der 1920er Jahre angesiedelt. Also in die Zeit des Aufbruchs nach dem 1. Weltkrieg. Eine Zeit, in der viele Künstler*innen, Musiker*innen und Schriftsteller*innen ihr freies und kreatives Leben in Paris genossen.
Rose wächst in einem Kabarett auf, das seine Mutter führt. Von klein auf bewundert er die tanzenden Frauen, liebt Kleider und möchte als junger Mann selbst vor Publikum tanzen und seine feminine Seite zeigen. Die anderen Blumen unterstützen die kleine Knospe, wie sie ihn liebevoll nennen, dabei und schon sein erster Auftritt wird zum Erfolg. In einem Verleger und Millionär namens Aimé hat er schnell einen Verehrer, der den Kontakt mit ihm sucht und mit der Zeit zu einem guten Freund wird.
Das Gerücht eines tanzenden Mannes lockt auch die Presse an und so gibt Rose sein erstes Interview, zieht immer mehr Gäste an. Er beginnt aber auch über seine Identität und sein tänzerisches Können zu grübeln, fühlt sich mehr und mehr unter Druck. Eine Auszeit auf dem Land mit Aimé führt den jungen Mann erstmals aus Paris heraus. Hier tritt er als Frau auf und wird auch von den Dorfbewohner*innen als solche wahrgenommen.
Wie sich die Geschichte in "Die Blüte von Paris" weiterentwickelt und ob Rose dem Kabarett treu bleibt, müsst ihr selbst herausfinden.
Diverser Comic über Geschlechterrollen
Gaëlle Geniller erzählt mit "Die Blüte von Paris" eine wunderbar diverse Geschichte über eine Identitätssuche jenseits von klaren Geschlechts- bzw. Genderzuordnungen. Rose wächst in einer Umgebung voller starker Frauen und Empathie auf, wird umsorgt und unterstützt, fühlt sich immer geborgen. Seine Mutter, die anderen Frauen des Etablissements und Aimé nehmen ihn, wie er ist, lieben ihn bedingungslos.
Die Graphic Novel ist wunderschön gezeichnet. Die Illustrationen erinnern mit den Blumenmustern und den geschwungenen Linien und auch von der Farbgebung her stark an den Jugendstil - beispielsweise die Plakate von Alfons Mucha. Die Panels sind abwechslungsreich und die Geschichte wird mal mit Dialogen, mal ganz ohne Worte vorangetrieben. Besonders eindrücklich finde ich den Umgang mit Licht und Perspektive. Hier spielt bestimmt eine Rolle, dass Gaëlle Geniller auch Animationszeichnerin ist und "Die Blüte von Paris" ursprünglich ein Kurzfilmprojekt war. Spannend ist auch der Einblick in die Entstehung des Comics, den die Autorin auf den letzten Seiten des Buches gibt.
Wenn ihr mehr über die Hintergründe erfahren möchtet, kann ich euch ein Interview empfehlen, das Gaëlle an der Leipziger Buchmesse gegeben hat:
Fazit
"Die Blüte von Paris" von Gaëlle Geniller ist eine wunderschöne Graphic Novel mit einer diversen Coming-of-Age-Geschichte. Ich habe sie bereits zweimal gelesen bzw. angeschaut und würde es jederzeit wieder tun! Es ist ein grosser Genuss und kann Jugendliche darin bestärken, ihren eigenen Weg zu gehen.
Die Fakten
Gaëlle Geniller (Text + Illustration)
Christiane Bartelsen (Übersetzung aus dem Französischen)
Carlsen Verlag
224 Seiten
Erschienen am 02.05.2023
Hardcover
ISBN: 978-3-551-76016-6
Ab 12 Jahren
PS: Herzlichen Dank an den Carlsen Verlag für das digitale Rezensionsexemplar.
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