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Manche Umbrüche fühlen sich an wie Lottogewinne, andere passieren unfreiwillig. Die berufliche Biographie von Fabrice Umiglia (1971), ehemaliger Orchestermusiker und heutiger Orchestermanager, ist geprägt von einer Zerreissprobe.
1997 hat es Umiglia geschafft. Aus mehr als 100 internationalen Bewerberinnen und Bewerbern erhält er die Stelle als Oboist am renommierten Luzerner Symphonie Orchester (LSO): «Das ist wie, wenn ein Sportler ein ganz grosses Turnier gewinnt», beschreibt Umiglia sein Glück, «unfassbar!». Die Konsequenzen waren weitreichend für den jungen Musiker: Umzug von Lausanne nach Luzern. Und vor allem das Durchstehen eines Probejahrs, in dem Umiglia nicht nur seine Virtuosität unter Beweis stellen musste, sondern ebenso seine sozialen Kompetenzen und seine Fähigkeit, mit Kritik und Stress umzugehen. Noch im gleichen Jahr spielte er mit dem LSO das Eröffnungskonzert am Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) – ein Meilenstein fürs Orchester wie für die Stadt Luzern. «In dem Moment hat die ganze Musikwelt auf uns geschaut», schwärmt Umiglia. Das Publikum kam aus ganz Europa angereist.
20 Jahre später, noch immer Teil des LSO und auf der Höhe seiner Solistenkarriere, kam die Diagnose: Fokale Dystonie, eine neurologische Erkrankung, die sich in nicht beeinflussbaren Muskelkontraktionen äussert. Umiglia verlor die Feinmotorik des vierten und fünften Fingers an der rechten Hand. Über Therapien, die ihn von Sevilla, New York nach Zürich führten, versuchte er zurück ins Orchester zu kommen. Er konnte seine Diagnose nicht akzeptieren. Aber es war nicht möglich, mit dieser Krankheit die verlangte Leistung abzurufen: «Ich wusste nicht mehr, wer ich bin», beschreibt Umiglia diese Zeit, «Ich war im Scheinwerferlicht. Ich war auf der Bühne. Ich war Musiker. Und plötzlich war ich niemand mehr.»
Nach drei Jahren Therapie hat Umiglia realisiert, dass er sich lieber früher als später Umschulen musste. Geholfen, welche Richtung er dabei einschlagen sollte, haben die prompten Anfragen von verschiedenen Orchestern, die ihn für ihr Management gewinnen wollten. Heute managt Umiglia das Kammerorchester Camerata Schweiz sowie das Festival Strings Luzern. Daneben unterrichtet er an zwei Musikschulen und dirigiert auch. «Ich habe mich weniger gefreut, Manager zu sein als Orchestermusiker», sagt Umiglia. Trotzdem: Manager wie Musiker müssten leidenschaftlich sein. In beiden Positionen zähle man keine Arbeitsstunden.
Seine Umschulung wollte Umiglia mit einem Diplom bestätigen, weshalb er sich für das SKM entschieden hat. Kulturmanagement bedeutet für ihn auch immer Kulturvermittlung. Die Kultur hat an Stellenwert eingebüsst. Die Lehrpläne der obligatorischen Schulzeit zum Beispiel sehen weniger musische Fächer vor, und die Kinder singen weniger in der Schule. Hier kann Kulturmanagement Sensibilisierungshilfe leisten. Und Umiglia erkennt darin für sich eine neue Aufgabe.