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Alternative zu Turbinen: Der Wind in den Stäben
Drei spanische Ingenieure wollen die Windindustrie revolutionieren: Sie haben eine Anlage entwickelt, die nicht über Rotorblätter Strom generiert, sondern über Stäbe. Diese werden vom Wind in Schwingung versetzt.
Um 1940 erlangte die Tacoma Narrows Bridge im US-Bundesstaat Washington dramatische Berühmtheit: Die Hängebrücke mit einer der damals weltweit längsten Spannweiten (853 Meter) wurde von einem Sturm heimgesucht. Bei Windstärke acht versetzte er das Bauwerk derart in Schwingung, dass die Brücke durch die eigene Bewegung immer mehr Energie aus dem Wind aufnahm und zuletzt barst.
Filmaufnahmen zeigen dies eindrücklich: Unter der Gewalt der Luftmassen wellt sich die Fahrspur so stark, dass sie dabei an eine Art fliegenden Teppich erinnert bis sie schliesslich einbricht. Immerhin ist bei dem Unglück niemand zu Schaden gekommen. Die Brücke wurde gesperrt, nachdem sie angefangen hatte, gefährlich zu wackeln.
Die Aufnahmen und der Effekt, welcher die Brücke zum Einsturz brachte, haben die spanischen Ingenieure David Yanez Villarreal, Raul Martin und David Suriol zu einer Windturbinen-Alternative inspiriert: Sie wollen über dieselben Kräfte Energie gewinnen, welche die Tacoma Narrows Bridge vernichtete. Geschehen soll dies nicht mit herkömmlichen Windturbinen, sondern mit dem sogenannten Vortex Bladeless: Dabei handelt es sich um einen Stab, der von Wirbelbewegungen in Schwingungen versetzt wird, die entstehen, wenn ein Luftzug an einem Objekt vorbei zieht.
Der Stab oder der Mast besteht aus Glasfasern und verbreitert sich gegen oben. Er ist zweigeteilt: Der obere Bereich ist beweglich, der der untere bildet den Sockel und ist fest installiert. Bei Wind bewegt sich der obere Teil und wird schliesslich in Schwingung versetzt. Diese wiederum wird von einem Generator in Strom umgewandelt. Bisher haben die Ingenieure Erfindung vor allem im Labor und am Bildschirm getestet. Einen ersten Prototypen haben sie in der Provinz Kastilien-Léon installiert: Er ist mit einer Höhe von sechs Metern relativ klein. Später sollen weitere, bis zu 150 Meter hohe Testanlagen folgen.
„Der Vortex Bladeless ist vor allem ökonomisch, weil das Konzept simpel ist“, sagt Raul Martin im Promo-Video zum Projekt, für das sie auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo Geld sammeln. Die Herstellung und die Installation eines Windstabes sind offenbar lediglich halb so teuer wie der Bau einer Turbine. Ausserdem sei eine solche Anlage ökologisch, so Martin. „Sie verursacht keinen Lärm und bringt keine Vögel um.“
Das Ziel, das sich die drei gesetzt haben, ist ambitioniert. „Unsere Vision ist ein ‚Vortex Bladeless‘, der 150 Meter hoch ist und ein Megawatt Strom produzieren kann“, sagt David Suriol. „Wir werden die Windindustrie verändern.“ (mai)
Mehr Informationen (englisch) auf:www.indiegogo.com
Das Video des Brückeneinsturzes von 1940 sehen Sie hier: