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(Glockenweihe), die kirchlicheWeihe der
Glocken (s. d.), welche im 8. Jahrh. aufkam.
Die
Zeremonie der Glockentaufe bestand darin, daß die neue
Glocke zuerst gewaschen, dann vom
Bischof mit heiligem
Öl im Innern und äußerlich
gesalbt wurde.
Durch diese Glockentaufe sollten die
Glocken tauglich zu ihrem sechsfachen
Beruf werden, welchen die lateinischen, häufig
auf den
Glocken eingegrabenen
Verse schildern:
Laudo Deum verum, plebem voco, congrego clerum, Defunctos
ploro, nimbos fugo, festaque honoro.
Das spezifische Gewicht darf nie unter 8,8 betragen. Die Beimischung andrer Metalle ist unnütz oder schädlich, doch ist bei
ordinären Glocken des Preises wegen ein Zusatz von Blei
[* 4] und Zink gebräuchlich. Daß durch Silber der Ton der Glocken verbessert werde,
ist ein Vorurteil, und thatsächlich findet man in ältern Glocken niemals Silber, wenn auch fromme Gläubige
bereitwillig Silber zur Herstellung von Kirchenglocken gespendet haben. Eiserne Glocken, aus Spiegeleisen gegossen, sind wohlfeil,
von starkem, gutem Klang und haltbar; wichtiger sind die Gußstahlglocken von starkem, sehr vollem Ton, während die Δ-förmig
gebogenen, an der Spitze aufgehängten Stahlstabgeläute einen ziemlich grellen Ton besitzen.
Denkt man sich die Glocke, senkrecht auf ihrer Achse, in Ringe geteilt, deren jeder, insofern er einen verschiedenen Durchmesser
hat, seinen eignen Ton erzeugt, unter welchen indes der an der Mündung unmittelbar durch das Anschlagen
des Klöppels entstehende am stärksten und vorzugsweise hervortritt, so wird es erklärlich, daß der Ton einer Glocke kein
einfacher, sondern ein Gemisch von Tönen ist. In demMaß, in welchem der Durchmesser der Glocke gegen die Haube derselben hin
sich verringert, werden die Schwingungen der Metallteile schneller.
Ist der Durchmesser einer Glocke, welche den Grundton angibt, bekannt, so erhält man den Durchmesser für die Glocke des verlangten
höhern Tons, indem man den erstern durch die entsprechende Schwingungszahl dividiert. Werden die der einen Oktave angehörenden
Durchmesser verdoppelt, so erhält man die Durchmesser für die gleichnamigen Töne der Unteroktave. Ein
gut zusammengestelltes Geläute muß aber, um auf das Ohr
[* 9] den erforderlichen angenehmen Eindruck zu machen, aus Glocken bestehen,
deren Töne einen möglichst vollkommenen musikalischen Akkord bilden.
Der vollkommenste Wohlklang entsteht aus Grundton, Terz und Quinte, welchen man noch, wenn vier Glocken erfordert werden, die Oktave
hinzufügt. Nach Schafhäutl soll die Tiefe des Tons bei übrigens gleichen Verhältnissen zunehmen mit
dem Quadrat des Durchmessers, und wenn Glocken von gleicher Materie in ihren Dimensionen in gleichem Verhältnis zu- und abnehmen,
so sollen sich die Töne derselben umgekehrt wie die Kubikwurzeln aus dem Gewicht derselben verhalten. Übrigens haben auch
hohes oder niedriges Aufhängen, schwerer oder leichter Anschlag sowie Anschlag mit breiter oder scharfer
Fläche aus den Ton Einfluß. Den Ton durch Abdrehen auf der Drehbank
[* 10] zu ändern, ist wohl möglich, praktisch aber kaum ausführbar.
Eine zersprungene Glocke verliert den Ton. Den Riß durch Neuguß mit einer leichter schmelzbaren Legierung zu
füllen, ist unthunlich; vorteilhafter sägt man ein Stück heraus, so daß sich beim Schwingen die Sprungflächen nicht mehr
berühren.
Große Glocken werden in Lehmformen gegossen. Der Schmelzofen
[* 11] ist ein Flammofen von kreisrunder oder ovaler, wenig
vertiefter Form mit niedrigem Gewölbe,
[* 12] in welchem einige Löcher, Windpfeifen, angebracht sind, durch deren beliebiges
Öffnen oder Schließen der Zug
der Flamme
[* 13] nach den verschiedenen Teilen des Schmelzherdes geregelt und eine gleichmäßige Erhitzung
des Ofens bewirkt werden kann. Gegenüber dem Feuerherd befindet sich das Stichloch oder Auge
[* 14] zum Ablassen des Metalls. Bei
Zusammensetzung der Mischung muß man viel mehr Zinn anwenden, als die Glocke später enthalten soll. Man
nimmt auf 3 Teile Kupfer 1 Teil Zinn, schmelzt zuerst alles Kupfer, setzt demselben ⅔ des Zinns hinzu und zuletzt, wenn alles
in Fluß und das Gekrätz abgenommen ist, das übrige Zinn. Die Schmelzung erfordert
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mehr
4-6, bei großen Massen auch 12 Stunden. Ist alles geschmolzen, so wird das Auge aufgebrochen und das Metall durch die Gußrinne
in die Form geleitet. Diese wird in der vor dem Ofen befindlichen Dammgrube aufrecht stehend hergestellt. Man mauert zuerst
den hohlen Kern, welcher der Höhlung der Glocke entspricht, gibt demselben durch Auflegen von Thon genau
die richtige Form, bestreicht ihn dick mit einem wässerigen Brei aus Holzasche, um das Anhaften des Modells zu verhindern,
und trocknet ihn durch ein in seinem Innern angemachtes mäßiges Feuer.
Alsdann wird das Modell (Hemd), welches vollkommen mit der bestimmten Metallstärke der Glocke und im Umriß
mit der äußern Glockenform (ohne Henkel) übereinstimmen muß, auf den Kern aufgetragen. Der letzte dünne Überzug des
Modells, welcher auch Gesimse, Kränze, Inschriften etc. darstellt, besteht aus einer Mischung von Talg und Wachs. Über demselben
wird schließlich der Mantel geformt, welcher mit der ersten Schicht (Zierlehm), aus Lehm, Ziegelmehl, Pferdemist,
Kuhhaaren und Wasser gebildet, den Verzierungen genau sich anschmiegen muß und, nachdem diese Schicht getrocknet ist, mit Lehm
verstärkt wird.
Ist dies geschehen, so wird das auf dem Kern sitzende Modell stückweise weggebrochen, der Kern aber nötigen Falls ausgebessert,
soweit er hohl ist, mit Steinen und Erde gefüllt und dann die obere Öffnung desselben mit Lehm geschlossen
und gehörig abgeglichen. Gleichzeitig wird das Hängeeisen in den Lehm eingesenkt, so daß die mit Widerhaken versehenen
Schenkel beim Guß von dem Metall eingeschlossen werden. Zuletzt wird der Mantel über den Kern herabgelassen und, nachdem die
Fuge rund um seinen untern Rand mit Lehm verstrichen worden ist, die Dammgrube völlig mit Erde, Sand und Asche
gefüllt, diese Füllung, wodurch die Form eine größere Widerstandsfähigkeit gegen den Druck des Metalls erhält, mittels
einer Handramme
[* 18] festgestampft und die Gußrinne vom Ofen nach dem Gießloch angelegt. Nach dem Gießen läßt man 24-48 Stunden
abkühlen, entleert dann die Dammgrube, entfernt den Mantel und windet die Glocke heraus. Die Angüsse werden nun abgesägt,
die Glocke befeilt etc.
Jedenfalls blühte in Nola, begünstigt durch reiche und reine Kupfererze, schon früh der Glockenguß, weshalb die auch die
lateinische Benennung
Campana oder Nola (für kleinere Glocken) tragen. Das deutsche WortGlocke (engl. clock, dän. klokke,
schwed. klocka, althochd. clocca) stammt wahrscheinlich vom
althochdeutschen klochon oder kloppen, schlagen, woraus auch das französische cloche (mittellat.
cloca, provençal. cloca, walachisch clópot) gebildet zu sein scheint, und kommt schon
im 8. Jahrh. vor.
Den kirchlichen Gebrauch der Glocken soll nach einigen der heil. Paulinus, nach andern der Papst Sabinian (604)
eingeführt haben. Gewiß ist, daß sie bereits im 7. Jahrh. in Frankreich, unter Karl d. Gr. in Deutschland
[* 22] bekannt waren, und
daß im 8. Jahrh. die Sitte aufkam, sie feierlich zu weihen oder zu »taufen«. In der orientalischen
Kirche fanden die Glocken erst 871 Eingang, als der griechische KaiserBasilius von dem venezianischen Dogen Orso
I. zwölf große Bronzeglocken zum Geschenk erhielt und diese auf einem eigens hierzu auf der Sophienkirche errichteten Turm
[* 23] aufhängen ließ.
Ihren Höhepunkt erreichte die Glockengießerei zu Ende des 15. und zu Anfang des 16. Jahrh.
Die größten und wohlklingendsten Geläute gehören dieser Zeit an, in welcher auch 1467 die Glockenspiele
vom Glockengießer Bartholomäus Kneck zu Alost in Flandern erfunden wurden. Vanoccio verbesserte zu Anfang des 16. und Mersenne
zu Anfang des 17. Jahrh. die Konstruktionen, und Peter Emony in Amsterdam
[* 24] gab zu Ende des 17. Jahrh. bestimmte Gesetze und brachte
es dahin, daß der volle Grundakkord mit der Terz, Quinte, Oktave und obern Oktave gehört wurde.
ReicheKirchen haben von jeher in der Größe der Glocken miteinander gewetteifert, und es übersteigt fast allen Glauben, welche
ungeheuern Metallmassen man mitunter auf Türmen aufgehängt hat. Die größte GlockeDeutschlands
[* 25] ist die
dreimal umgegossene und 1875 in den Dom zu Köln
[* 26] abgelieferte »Kaiserglocke«; dieselbe ist 3,25
m hoch, hat am Schallrand 3,42 m Durchmesser und wiegt 26,250 kg. Die Dicke der Wandung am Schlagrand beträgt 29 cm, an der
Krone 8 cm. Der Klöppel ist 3 m lang und wiegt 765 kg. Der Ton der Glocke ist D (nicht Cis).