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Gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte die Abstinenzbewegung zu den wichtigsten sozialen Bewegungen in Europa und den USA.
In der Schweiz waren um 1900 etwa 60‘000 Personen in Abstinenzvereinen tätig.
Als sich nach dem Ersten Weltkrieg die Konsumgewohnheiten der Bevölkerung und die gesamtgesellschaftliche Situation änderten, verlor die Abstinenzbewegung an Bedeutung und Einfluss. 1908 stimmten noch 63 % der Schweizer Stimmberechtigten für ein Verbot des Absinths; 20 Jahre später wurde ein Volksbegehren zur Einführung der Möglichkeit der Schweizer Gemeinden, in ihrer Gemeinde die Prohibition einzuführen, mit 67 % Nein-Stimmen abgelehnt.
Der gesellschaftliche Einfluss der Abstinenzbewegung erreichte Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts seinen Höhepunkt. Die Änderungen in den Trinkgewohnheiten der Bevölkerung (weg vom Schnaps, hin zu Bier und alkoholfreien Getränken) sind zum Teil dadurch zu erklären, dass Abstinenzvereine und Mediziner das Thema Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch öffentlich diskutierten und so die damit einhergehenden Probleme ins Bewusstsein der Öffentlichkeit brachten.
Die Prohibition in den Vereinigten Staaten war das landesweite Verbot des Verkaufs, der Herstellung und des Transports von Alkohol durch den 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von 1919 bis 1933. Diese Prohibition wurde auch als „The Noble Experiment“ (engl. Das ehrenhafte Experiment) bezeichnet.
Die isländische Abstinenzbewegung erstarkte in den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts, vor allem in Gestalt der Guttempler, und feierte ihren grössten Erfolg 1908, als beim ersten Referendum in der Geschichte Islands die Mehrheit (60,1 % der wahlberechtigten Männer) für ein totales Alkoholverbot stimmte. Das Totalverbot trat allerdings erst sieben Jahre später am 1. Januar 1915 in Kraft. Um das Volk vom Trinken abzuhalten, liess die Regierung auf allen hochprozentigen Flaschen Totenkopf-Zeichen kleben, weshalb der isländische Brennivín im Volksmund heute noch „Schwarzer Tod“ genannt wird.
Mitte der 1880er Jahre brachte der Basler Professor Gustav von Bunge sozialhygienische Argumente in die Abstinenzbewegung ein. Der wichtigste Vertreter dieser Richtung in Mitteleuropa war Auguste Forel. Der Psychiater war Mitbegründer des Schweizer Guttempler-Ordens und gründete in Ellikon an der Thur eine Klinik für Alkoholiker; er ist für viele Fortschritte in der Behandlung Alkoholkranker verantwortlich. Die Guttempler nennen sich heute IOGT-Mitglieder eines Verbandes der Suchtprävention.
IOGT ist eine internationale Organisation, die sich für Abstinenz von Alkohol und bewusstseinsverändernden Drogen sowie für Solidarität und Frieden einsetzt. IOGT ist in über 60 Ländern aktiv, politisch und religiös ungebunden! IOGT ist eine Selbsthilfeorganisation bei Alkoholproblemen und daneben auch in der Entwicklungshilfe aktiv.