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Infolge derselben werden die Atmung und der Kreislauf des Bluts [* 2] beeinträchtigt, es entsteht eine blausüchtige Färbung des Gesichts, der Finger und Zehen, Schaum tritt vor den Mund; die Hände und Füße sind dabei meist kalt, während sich Kopf und Leib heiß anfühlen. Der Puls ist überaus schnell und klein. Zuweilen gehen Kot und Urin unwillkürlich ab. Die geschilderten Erscheinungen, welche einen ausgeprägten Anfall charakterisieren, sind jedoch nicht immer gleichzeitig vorhanden; manchmal beschränken sich dieselben auf krampfhafte Zustände, welche nur die Augen und das Gesicht [* 3] betreffen oder sich als Kontraktionen der Finger und Zehen darstellen.
Eine selbst geringfügige Veranlassung vermag aber oft den Anfall in seiner vollen Stärke [* 4] hervorzurufen. Die Anfälle währen meist nur kurze Zeit, von einigen Augenblicken bis zu fünf Minuten und selbst noch länger. Zuweilen beschränkt sich die Krankheit auf einen oder wenige Anfälle; oft besteht sie aus einer ganzen Reihe von Anfällen, welche dann mehrere Tage und sogar wochenlang periodisch wiederkehren. Die Eklampsie gehört zu den gefährlichern Krankheiten des zarten Kindesalters, denn zuweilen führt schon der erste heftige Anfall zum Tod und zwar meist dadurch, daß die Muskeln [* 5] der Stimmritze diese krampfhaft verschließen und dadurch Erstickung veranlassen.
Oft aber, namentlich bei Gehirnkrankheiten, wird die die Anfälle hervorrufende ursprüngliche Krankheit die Ursache des tödlichen Ausganges. Oft bleiben auch nachhaltige Störungen zurück, wie z. B. Schielen, [* 6] das während der Anfälle selten fehlt. Auch Blödsinn kann sich ausbilden, oder die Anfälle wiederholen sich fort und fort und gehen in wahre Epilepsie über. Der häufigste Ausgang ist aber vollkommene Genesung, namentlich in den Fällen, wo nicht ein wichtiges Organ, besonders das Gehirn, [* 7] tiefer erkrankt ist.
Die Behandlung der Anfälle kann leider wenig eingreifen. Bricht ein eklamptischer Anfall aus, so muß vor allem jede festere Bekleidung entfernt werden, besonders am Hals; man legt das Kind so, daß es sich keinen Schaden zufügen kann, gibt reizende Klystiere, macht kalte Umschläge oder Begießungen auf den Kopf und gibt, sobald das Kind wieder schlucken kann, Baldrianthee oder ähnliche nervenerregende ^[wohl: nervenberuhigende] Arzneimittel. Alles, was das Kind in Aufregung versetzen könnte, muß vermieden werden. Im übrigen richtet sich die Behandlung nach der veranlassenden Krankheit. Behufs der Verhütung neuer Anfälle nehme man auf angemessene körperliche Pflege des Kindes Bedacht, lasse Luftveränderung stattfinden, gebe lauwarme Bäder und sorge besonders für Regulierung des Stuhlganges.
Die der Schwangern und Gebärenden, weit seltener als die vorher beschriebene Krankheit, befällt vorzugsweise Frauen, welche zum erstenmal schwanger sind, und zwar selten vor dem sechsten Monat, meist erst während des Gebäraktes, nur zuweilen auch während des Wochenbettes. In der Regel leiden nur kräftige, vollblütige, zugleich aber nervös reizbare Personen an Eklampsie. Die Ursache dieser Krankheit ist nicht genügend aufgehellt. Auch bei dieser Form von Eklampsie gehen zuweilen Vorboten voraus, namentlich heftiger Kopfschmerz, Flimmern vor den Augen, einzelne Zuckungen etc. Wenn der Anfall ausbricht, was in der Regel plötzlich geschieht, so verliert sich das Bewußtsein oft so lange, daß Gebärende von dem ganzen Geburtshergang nichts wissen, welcher sich während eines Anfalles vollzogen hat.
Gleichzeitig sind während dieser Zeit Zuckungen und krampfhafte Zusammenziehungen der Muskeln vorhanden; Rücken und Kopf sind nach hinten gebogen, die Daumen eingeschlagen. Auch hier stellt sich infolge der Atembehinderung Blausucht ein, Schaum tritt vor den Mund, die Zähne [* 8] sind übereinander gebissen, und wenn die Zunge zwischen denselben sich einklemmt, wird sie gewöhnlich stark gequetscht. Der Puls ist überaus schnell und hart, die Kranke trieft von Schweiß, Kot und Urin werden nicht selten unwillkürlich entleert.
Zusammenziehungen der Gebärmutter [* 9] fehlen selten dabei, oft wird das Kind sehr schnell, zuweilen tot geboren; manchmal aber tritt ein krampfartiger Zustand der Gebärmutter auf, ohne daß dadurch die Geburt in ihrem Verlauf befördert wird. Die Anfälle währen verschiedene Zeit, von einigen Minuten bis zu einer Viertelstunde, und gehen in der Regel in einen schlafsüchtigen Zustand über, der kürzere oder längere Zeit andauert. Selten bleibt es bei Einem Anfall, derselbe wiederholt sich vielmehr, wenn er nicht gar schon zum Tod führt, in meist sehr kurzen Zwischenräumen, wodurch die Kräfte der Patientinnen sehr geschwächt werden und der tödliche Ausgang beschleunigt wird.
Nur bei manchen gehen die Anfälle in ruhigen Schlaf über, aus dem die Kranken zuweilen erst nach längerer Zeit erwachen. Die Eklampsie gehört zu den gefährlichsten Krankheiten, von welchen schwangere und gebärende Frauen befallen werden können; etwa ein Drittel aller davon Befallenen sterben an dieser überaus schnell verlaufenden Krankheit. Die Behandlung, da sie sich nicht gegen die noch unbekannten Ursachen richten kann, ist eine rein symptomatische. Bei heftigem Blutandrang nach dem Kopf ist ein Aderlaß nicht zu versäumen; reizende Klystiere, Hautreize, sobald es geht, kräftige Abführungsmittel müssen zur Anwendung kommen; in neuester Zeit hat man mit Glück die Anästhetika, vornehmlich Chloroform, sowie die Opiate in Anwendung gebracht, um die Krampfanfälle zu verhüten und abzukürzen. Als Regel gilt, den Geburtsvorgang so schnell wie möglich, unter Umständen durch Wendung und Extraktion des Kindes oder durch Anlegung der Zange, [* 10] zu beendigen, weil andernfalls auch das Leben des Kindes neben demjenigen der Mutter aufs äußerste bedroht ist, und weil man beobachtet hat, daß die eklamptischen Anfälle häufig aufhören, sobald die Geburt erfolgt ist.