Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03327.jsonl.gz/100

Phelsuma abbotti erlebe ich als sehr einfache Pfleglinge, welche bei guter Haltung auch sehr schöne Farbe zeigen können. Es existieren drei valide Unterarten:
Phelsuma abbotti chekei ist praktisch an der gesamten Küste auf der Nordhälfte der Insel Madagaskar und vorgelagerten Inseln zu finden, wobei das Verbreitungsgebiet auf Nordwestmadagaskar liegt. Farblich unterscheiden sich die Populationen signifikant und möglicherweise ist in verschiedene Linien P. abbotti abbotti eingekreuzt. Im Norden sind die Tiere grundsätzlich grösser und weisen mehr Blauanteile auf. Im südlichen Verbreitungsgebiet sind die Tiere etwas kleiner und grün. Es gibt jedoch vor allem richtung Osten auch Zeichnungsvarianten, welche bräunlich oder schwarz weiss gefärbt sind und an Phelsuma masohala erinnern (eine vierte Unterart?). Die kleinen, blauen Tiere von Nosy Bé stimmen optisch in vielen Merkmalen mit P. abbotti abbotti überein.
Bilder meiner Tiere sind in der Galerie zu finden.
P. a. sumptio lebt auf der Insel Sumptio. Optisch ist P. abbotti sumptio an der wesentlich grösseren Gesamtlänge und der fehlenden Musterung (in Prachtfärbung komplett blau) erkennbar.
P. abbotti abbotti zeichnet sich durch die stark ausgeprägte Musterung und eine scharf abgegrenzte graue Flanke aus. Es ist die kleinste valide Unterart. Weiter fiel mir auf, dass meine "P. abbotti abbotti" einen gewirtelten Schwanz besitzen (bereits ab Schlupf erkennbar) und dass sie die Eier oftmals unter Steinen am Boden ablegen, was mit der Lebensweise auf Schildkrötenpanzern in der Natur zu erklären wäre.
Bilder meiner Tiere sind in der Galerie zu finden.
Ob sich die beiden Unterarten auf die Dauer taxonomisch aufrecht erhalten lassen, sei mal dahingestellt. Ich fände es schade, wenn nicht. Da sich die Unterarten genetisch und in der Haltung nicht (oder vernachlässigbar) unterscheiden, werde ich dies hier als Gesamtes abhandeln.
Ich halte ein Pärchen in einem Terrarium von 40x40x80, wobei dies eher knapp bemessen ist. Das Terrarium ist bestückt mit Herkulesstaude und Bambusrohren.
Als Beleuchtung verwende ich eine T-5 Röhren mit Tageslichtspektrum. Wie bei allen Arten achte ich auf eine ausreichende Belüftung des Terrariums. Auch wenn die Tiere wenig verblassen, ist eine sommerliche Aussenhaltung empfohlen, da P. abbotti so wirklich sehr intensive Farben zeigen kann. Mein Pärchen im Terrarium blieb eher olivgrün und zeigte nur sporadisch türkise Farbelemente (vorwiegend am Kopf). Tiere, welche ich nach draussen gesetzt habe, wiesen eine komplett türkise Farbzeichnung auf. Sogar die roten Zeichnungselemente begannen zu leuchten. Vermutlich liegt es hier einfach an der Lichtintensität.
Aus Temperaturgründen verzichte ich auf das Zuschalten von Wärmespots, dies ist aber in einem einzelnen Terrarium unabdingbar.
Ich füttere die Tiere mit Heimchen, Wachsmottenlarven, Stubenfliegen, verschiedenen kleinen Schabenarten, Bohnenkäfern, Getreidekäfern und Wiesenplankton. Ich versuche so viel Abwechslung wie möglich zu bieten. Die Futtertiere bestäube ich bei jeder Fütterung (ich füttere die Adulttiere einmal die Woche) mit einem entsprechenden Vitaminpräparat.
Zudem steht immer ein Schälchen bereit, welches mit einem Gemisch aus zwei Drittel zu Pulver verarbeiteten Blütenpollen und zu einem Drittel aus Vitaminpulver besteht. Während der Eiablage wird dies gerne angenommen und ist wichtig, da die Weibchen sehr legefreudig sein können und sonst schnell hinfällig werden. Gerade im Winter achte ich darauf, dass die Weibchen während der Legepause ein bisschen Fett-, und Kalkreserve aufbauen können.
Der Wasserbedarf wird über das Sprühwasser gedeckt, im Winter stelle ich zudem ein kleines Wasserschälchen bereit, das regelmässig gereinigt werden muss.
Phelsuma abbotti chekei scheint bezüglich Feuchtigkeit keine besondere Ansprüche zu stellen. Ich sprühe jeweils am Abend, im Winter jeden zweiten Tag und im Frühling und Sommer zusätzlich am Morgen.
Die Luftfeuchtigkeit beträgt nach dem Sprühen ca. 70-80% und vorher ca. 50%, im Winter sprühe ich nur jeden zweiten Tag und die Luftfeuchtigkeit ist entsprechend etwas niedriger. Im natürlichen Habitat leben sie in einer trockenen Region im Westen Madagaskars.
Im Sommer halte ich die Art tagsüber bei 27 Grad und in der Nacht fällt die Temperatur auf ca. 22-23 Grad. Im Winter erreicht die Temperatur lediglich 25 Grad am Tag und fällt in der Nacht auf 18-20 Grad ab.
Die Beleuchtungsdauer halte ich wie bei allen Arten bei 14 Stunden im Sommer und bei 8 Stunden im Winter.
Der Jahreszyklus ist bei dieser Art wichtig, nicht damit sie zu legen beginnen, viel mehr, damit die Weibchen eine Legepause einlegen, da sie sich sonst zu Tode legen.
Diese Art ist sehr einfach zur Fortpflanzung zu bewegen, wobei darauf geachtet werden muss, dass das Weibchen nicht hinfällig wird, da sie, selbst wenn die Reserven aufgebraucht sind, weiter Eier legen. Eine Winterruhe ist gerade deshalb wichtig.
Bei 27 Grad betrug bei mir die Zeitigungsdauer bei P. a. chekei 71 Tagen. Eidurchmesser beträgt gut 1cm und die Schalen sind im Vergleich mit zwei Milimetern sehr dünn. Bei den P. abbotti konnte ich nun schon mehrere Male auch sehr lange Eizeitigungsdauern feststellen (5 Monate und mehr). Es scheint fast so, als könnten sie eine Art Keimruhe einlegen.
Die robust gebauten, ca. 4.5cm langen Schlüpflinge lassen sich meist gut aufziehen, sofern konsequent auf eine Fütterung mit Drosophila verzichtet wird. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung halte ich sie in der Aufzucht für schwieriger als andere Arten. Mir ist anfangs kein einziges Jungtier hochgekommen. Seit ich keine Drosophila mehr verfüttere, habe ich nur noch wenige Ausfälle und die Jungtiere erweisen sich, wenn sie gut fressen, als sehr ausdauernd. Ich habe aber nach wie vor viele Futterverweigerer trotz breitem Futterspektrum. So sensibel reagierten bei mir bisher nur Phelsuma mutabilis und Phelsuma abbotti auf die Fütterung von Drosophila, wobei ich inzwischen auch an die anderen Arten keine Drosophila mehr verfüttere.
Grundsätzlich sehr zutraulich und mit etwas Geduld leicht an eine Fütterung von Hand oder Pinzette zu gewöhnen, natürlich gibt es auch hier Ausnahmefälle.