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© Markus Jenny
Führen Freizeit- und landwirtschaftliche Aktivitäten beim Rebhuhn zu Störungen und damit zu chronischem Stress? Die Beantwortung dieser Frage ist wesentlich, will man das vom Aussterben bedrohte Rebhuhn erfolgreich wiederansiedeln.
In der Schweiz werden im Klettgau seit 1998 und in der Champagne genevoise seit 2004 Rebhühner wiederangesiedelt (siehe Wiederansiedlung Rebhuhn). Die Hauptursache für das Verschwinden des Rebhuhns ist die Verarmung des Lebensraumes. Hingegen sind sowohl im Klettgau als auch in der Champagne genevoise die Freizeitaktivitäten (Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer, nicht angeleinte Hunde, Landwirtschaft) beträchtlich. Diese beeinflussen die Rebhühner sowohl kurzfristig im Verhalten als auch langfristig über Änderungen in der Raumnutzung. Im Klettgau haben vermutlich die durchgeführten Hundesport-Grossveranstaltungen Agility, die genau während der Brutzeit durchgeführt wurden, den Bruterfolg beeinträchtigt. Unklar ist, ob und wie stark Störungen bei den wiederangesiedelten Rebhühnern eine chronische Stressantwort hervorrufen. Mit der Untersuchung der Konzentration von Stresshormonen im Kot konnte diese Frage untersucht werden. Die Methode wurde bereits mit Erfolg beim Auerhuhn (Thiel et al. 2005) und Birkhuhn (Baltic et al. 2005) angewendet.
Die Untersuchung von Kotproben eignet sich besonders für wildlebende Arten, da die Individuen nicht durch Fang oder Blutentnahme gestresst werden. Hormonwerte im Kot geben den hormonellen Zustand der Tiere integral und retrospektiv über die letzten paar Stunden wieder.
In beiden Wiederansiedlungsgebieten sind die Störungen beträchtlich. Daher wurden anhand von Kotproben die beiden wiederangesiedelten Populationen mit wenig gestörten in Deutschland und Polen verglichen. Im Winter sind die Rebhühner in Ketten zusammengeschlossen und suchen oft schützende und Deckung gebende Strukturen wie dichte Hecken oder sehr niedrige „Unterstände“ auf. Hier kann der Kot gut gesammelt und auch datiert werden, indem alter Kot vorher entfernt wird. Als Vorversuch mussten zuerst in einem Experiment die Corticosteron-Metaboliten im Kot bestimmt und geeignete Antikörper evaluiert werden.
Die Masterarbeit von Cornelia Keiser, ETH Lausanne, hat vor allem den biochemischen Assay zur Bestimmung von Metaboliten im Kot erarbeitet, sowie Studien zur Haltbarkeit beziehungsweise der Abbaugeschwindigkeit der Hormonmetaboliten untersucht.
Die Masterarbeit von Benjamin Homberger, Universität Zürich, hat die Konzentration von Corticosteronmetaboliten im Kot von Rebhühnern in den Schweizer Wiederansiedlungsgebieten mit weniger gestörten Gebieten im Ausland verglichen. Zudem wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Corticosteronmetaboliten im Kot und Fitness gibt.
Der Assay zur Bestimmung der Corticosteronmetaboliten im Kot konnte aufgebaut werden. Vorstudien im Labor zeigten, dass Temperatur und Feuchtigkeit die Konzentration der Corticosteronmetaboliten beeinflussen, die Proben daher also möglichst frisch gesammelt werden müssen. Die Feldstudie in der Schweiz erbrachte, dass die Rebhühner hauptsächlich in Gebieten vorkamen, in denen sich wenig Menschen aufhielten. Dies verhinderte, dass genügend Proben aus stark frequentierten Gebieten gesammelt werden konnten. Somit konnte der Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die Freisetzung von Corticosteron nicht untersucht werden. Nicht nur die Rebhühner, auch die Greifvögel mieden von Menschen stark frequentierte Gebiete und es machte den Anschein, dass beide in störungsarme Gebiete abgedrängt wurden. Wenn viele Greifvögel anwesend waren, waren hohe Corticosteronwerte zu beobachten. Das Erscheinen der Greife löst das Freisetzen von Corticosteron aus. Ferner konnte die Variation der Konzentration der Corticosteronmetaboliten durch Saison und Gruppengrösse erklärt werden. Während der Brutzeit sind die Werte – wie auch bei vielen anderen Vogelarten gezeigt wurde - höher als vor oder nach der Brutzeit. Dies war zu erwarten, da die Brutzeit eine Phase erhöhter Ansprüche an den Stoffwechsel ist und Corticosteron dabei hilft, die nötige Energie bereitzustellen. Tiere, die sich in Gruppen bewegten, hatten wesentlich niedrigere Corticosteronmetaboliten als Einzeltiere. Dieses Ergebnis unterstützt die Theorie, dass das Leben in der Gruppe für Rebhühner vorteilhaft ist, insbesondere, um sich vor Prädatoren zu schützen.
Prof. Dr. Rupert Palme, Veterinärmedizinische Universität Wien