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Die Gastkolumne hat Delf Bucher verfasst. Er ist Historiker und Journalist und organisierte zum Gedenken an die Luzerner Musegg-Predigt vor 500 Jahren einen Grossanlass.
Lass deiner sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen.
Psalm 40,17
Das Faszinierende an den Psalmen ist, dass sie in einer poetischen Unschärfe die Nöte und Hoffnungen des Einzelnen aufscheinen lassen. Auf der anderen Seite geben die darin enthaltenen Leerstellen gleichzeitig ein probates Sprungbrett ab, um grosse Ereignisse auszudeuten. So ist es auch mit dem Psalm 40. Der Einzelne, versunken im Morast, verleugnet von vielen, schreit seinen Hilferuf gen Himmel, um schliesslich den erlösenden Stossseufzer auszusprechen:
«Frohlocken sollen und deiner sich freuen alle, die dich suchen.»
Ich will hier mehr den Blick auf spätere Ereignisse lenken, nämlich die reformatorischen Aufbrüche in Luzern am 24. März 1522, das war kurz nach dem Wurstessen in der Druckerei Froschauer in Zürich. An diesem Tag verfasst der humanistische Gelehrte Myconius einen Brief an seinen Freund Zwingli. Der reformatorisch gesinnte Humanist ist in Hochstimmung. Kurz zuvor hat er die Predigt Konrad Schmids, Vorsteher der Johanniter-Komtur Küssnacht, an der Luzerner Musegg-Mauer gehört und schreibt nach Zürich: «Welch herrliche und christliche Predigt! Sie bewirkte, dass wir alles, was bisher verworren scheint, jetzt geglättet sehen.»
Vieles, was der Psalm 40 aufgreift, durchzieht Schmids Predigt. Heisst es da in Vers 7 «An Schlachtopfern und Speiseopfern hast du kein Gefallen», spricht sich Schmid gegen jede Werkgerechtigkeit aus. Wenn er den Gläubigen empﬁehlt, dass das Wichtigste der Glaube an den barmherzigen Gott selbst ist, vernimmt man das Echo der Weisheit des Psalms im Vers 9: «Deine Weisung trage ich im Herzen.»
Besonders auffallend ist die Parallele zwischen reformiertem Denken und dem David-Psalm in folgender Sentenz:
«In der Schriftrolle steht geschrieben, was für mich gilt.»
Sola scriptura, nur die Schrift, dieses Leitmotiv durchzieht Schmids Predigt. Und wir Nachgeborenen frohlocken und freuen uns nicht nur über unsere Gottessuche, sondern auch daran, dass vor knapp 2000 Jahren der davidische Psalmensänger vorgespurt hat, was vor 500 Jahren schliesslich in der Reformation Gestalt annahm.
Von Delf Bucher