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Runaway Train ist ein ausserordentlicher Film. Ausserordentlich weil die Ausgangslage damals, 1985, als der Film herauskam, auf Grund von Cast und Crew etwas besonderes war. Immerhin ist es ein Film aus der Cannon Produktionsschmiede von Menahem Golan und Yoram Globus, die das Kino seinerzeit mit Dutzendware überschwemmten. Runaway Train aber hatte als Regisseur einen Andrei Konchalowsky (Sibiriada, Shy People), als Kameramann Alan Hume (Return of the Jedi, Octopussy) und Akira Kurosawa, der das ursprüngliche Drehbuch schrieb und den Film auch inszenieren sollte, zu bieten. Als Star wurde Jon Voight verpflichtet, der nach seinen grossen Vehikeln Ende der 70er (Champ, Coming Home) damals eine kleinere Durststrecke verzeichnete. Neben ihm standen Eric Roberts und Rebecca DeMornay (The Hand that Rocks the Cradle) vor der Kamera. Voight und Roberts übrigens wurden für einen Oscar nominiert, eine Tatsache, die man heute fast vergessen hat. Aus dem ganzen Golan/Globus Haufen ist Runaway Train wohl einer der besten Filme.
Von Trevor Jones stammt die Musik. Jones war zu jener Zeit wegen seiner Arbeiten an Excalibur und dem tollen Score zu The Dark Crystal, wohl seiner besten Arbeit überhaupt, durchaus für Aufsehen sorgte und der es auch verstand mit elektronischen Mitteln umzugehen. Die waren für Runaway Train denn auch gefragt.
Der Score mit seinen brodelnden Synthies, ausgeprägten 80er Rhythmen (Clear the Tracks) und Simmons-Drums ist sicher nicht nach jedermanns Geschmack, im Gegenteil. Ohne jeglichen Filmbezug und wenn man elektronischer Musik aus jener Zeit wie etwa einem 48 Hours oder Commando nichts abgewinnen konnte, dürfte vieles hier ganz schön schwierig zu geniessen sein. Ich habe durchaus ein Faible für diese Scores der 80er, aber das ist ein höchst persönliche Sache, bin ich im damaligen Videozeitalter doch mit vielen dieser Filme in Berührung gekommen.
Am gefälligsten sind die pulsierenden Actionstücke wie Boarding the Train/The Runaway Sets Off, Runaway with Crashes Eastbound 12 oder The Race to the Front Part 1/Part 2/Finale, während ausgedehntere Spannungsstücke wie I Wish I Could (noch zusätzlicher verlängert in Reflections) doch eher dröge vonstatten gehen.
Eines der interessantesten Stücke, und zwar in der Filmversion, stammt allerdings nicht von Trevor Jones: Gloria in D Major – et in Terra Pax (Track 11) beruht auf Antonio Vivaldis Werk und wurde mit ethnischen und synthetischen Klängen angereichert. Es entsteht ein gelunger Klangmix, der einen fremdartigen, irgendwie übernatürlichen Charakter produziert. Aber auch hier gilt, ohne Film geht es fast nicht.
Die Lalaland-CD bietet neben der bisher nur auf LP erhältlichen Albumversion die im Film zu hörende Musik. Diese fällt mit 29 Minuten kürzer aus als der Albumschnitt, der rund 10 Minuten länger ausfällt. Einige der Tracks wurden erweitert um mehr Material für die LP zu haben, das kommt dem Ganzen aber nicht wirklich zu gute. Die knappen 29 Minuten Filmscore sind interessanter und abgerundeter.
In der kleinen Musikerabteilung gibt es übrigens auch den ein oder anderen bekannten Namen zu lesen: So spielt der Jazzmusiker Ray Russell (der einst mit John Barry in der Band tourte und auch das uns allen bekannte Bond-Thema einspielte) die E-Gitarre und Schlagzeuger Harold Fisher betätigt sich im Rhythmusbereich. Russell erinnert sich daran, so hat er mir erzählt, dass seine Gitarre hier als overdub aufgenommen wurde, wie auch die anderen Instrumente.
Runaway Train ist ein sehr spezieller Score, der in seiner hier vorliegenden 3000 Stück Limitierung wohl noch lange auf Lager sein wird und eigentlich nur etwas für Fans des Films ist, selbst für eingefleischte Trevor Jones Fans. Die Bewertung abschliessend ist nur dem Nostalgiefaktor geschuldet.
RUNAWAY TRAIN Trevor Jones Lalaland Records LLLCD 1095 77:41 Min. / 18 Tracks Limitiert auf 3000 Stk.