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Der Hohlfuss ist eine Fehlstellung des Fusses, die nicht nur wie der deutsche Name suggeriert einem hohen Fussrist entspricht, sondern alle 3 Dimensionen des Raumes betrifft. Der lateinische Name Pes cavovarus et adductus beschreibt dies besser: in der Längswölbung hat der Patient ein hohes Rist, was als Hohlfuss bezeichnet wird. Der Rückfuss selbst zeigt nach innen (O-Stellung), was als Varus bezeichnet wird. Zusätzlich drehen sich Mittel- und Vorfuss nach innen, was als adductus bezeichnet wird. Bei sehr ausgeprägtem Krankheitsbild kommt zusätzlich eine Spitzfussstellung dazu (der Fuss zeigt permanent nach unten und kann nicht mehr über die 90° Stellung angehoben werden), welche als Pferdefuss (Pes equinus) bezeichnet wird. Da es sehr viel verschiedene Grade der Ausprägung des Hohlfusses gibt, gibt es sehr viele Therapiemöglichkeiten. Diese sind auch abhängig davon, wo am Fuss die Hauptdeformität besteht, was das Leitsymptom des Patienten ist, und was mit welchem Aufwand respektive Risiko für den Patienten (zum Teil 4-stündige Operationen mit 3 Monaten Teilbelastung an Stöcken) erreicht werden kann.
- Die Symptome des Hohlfusses sind abhängig vom Schweregrad und umfassen typischerweise:
schmerzhafter Gang auf der Aussenseite des Fusses mit Entwicklung von übermässiger Hornhaut bis hin zu sogenannten Druckulcera (druckbedingten Wunden in der Haut und Gewebe).
Instabilität des oberen Sprunggelenkes mit Umknicken und Riss der Bänder auf der Aussenseite des oberen Sprunggelenks mit entsprechender Instabilität beim Gehen. Häufig haben die Patienten das Gefühl, permanent ein erneutes Umknicken aktiv verhindern zu müssen bzw. fühlen sich beim Treppensteigen und Hinuntergehen unsicher und wackelig.
- Schmerzen im Bereich der Achillessehne.
- Achillessehnenkontraktur (Verkürzung der Achillessehne) mit blockiertem Abrollvorgang und entsprechenden Schmerzen im Vorfuss aufgrund der chronischen Mehrbelastung in diesem Bereich.
- Entwicklung von Krallenzehen und einer gebeugten Grosszehe.
Ein Hohlfuss kann einerseits angeboren oder erworben sein. Der angeborene Hohlfuss kann bei Kindern heute sehr gut nach der Methode von Ponsetti nicht operativ behandelt werden. Der erworbene Hohlfuss steht häufig im Zusammenhang mit einer Nervenschädigung, z.B. bei einem Unfall oder durch eine langsam auftretende krankheitsbedingte Nervenschädigung (Polyneuropathie). Beim gesunden Menschen kontrollieren die Nerven das Gleichgewicht zwischen Beuge- und Streck-Muskeln am Unterschenkel und Fuss. Wenn durch eine Nervenschädigung diese Kontrolle abnimmt, überwiegen die Beuge-Sehnen und -Muskeln, da diese stärker sind, und ziehen den Fuss in die obengenannte Hohlfussstellung. Die häufigste krankheitsbedingte Ursache ist eine Polyneuropathie, welche oft vererbt (hereditär) ist. Hierzu gibt es eine sehr grosse Anzahl von Auslösern, welche beim Neurologen abgeklärt werden müssen. Andere Ursachen für eine Nervenschädigung sind nach einem Unfall oder im Rahmen eines Rückenleidens (z.B. Diskushernie).
Wie bei jeder Erkrankung am Fuss und Sprunggelenk wird versucht, zuerst konservativ (das heisst ohne Operation) die Beschwerden des Patienten zu lindern: in erster Linie wird hierzu Physiotherapie verschrieben, um die gespannten Sehnen, insbesondere die Achillessehne, aufzudehnen. Desweiteren können orthopädische Einlagen verordnet werden, um die Fussstellung zu korrigieren (z.B. mit lateraler Fussrand-Erhöhung). Zusätzlich kann orthopädisches Schuhwerk verschrieben werden, welches genug weit ist, sodass der deformierte Fuss nirgends drückt oder scheuert.
Operativ wird von den Leitsymptomen des Patienten ausgehend und nach Schweregrad aus einer Vielzahl von Operationsschritten durch den Fuss-Spezialisten die passende Kombination individuell ausgewählt. Hierzu gehören zum Beispiel:
- eine Achillessehnen-Verlängerung am Sehnenspiegel
- eine Z-förmige Achillessehnen-Verlängerung
- eine Verlängerung der Tibialis posterior-Sehne
- ein Transfer der Tibialis anterior Sehne auf den Mittelfuss
- ein Release der Plantarfaszie
- eine Release der medialen Bänder
- eine Fersenverschiebe-Osteotomie
- eine hochklappende Metatarsale 1 (Mittelfuss)-Osteotomie
In schweren Fällen wird sogar oberhalb vom Sprunggelenk (supramalleolärer) eine Osteotomie durchgeführt oder es müssen Versteifungen des oberen oder unteren Sprunggelenks und auch der Mittelfussgelenke (Chopart) durchgeführt werden. Diese Arthrodesen sind besonders wirksam, wenn die Gelenke des Patienten, als Folge der lange vorbestehenden Deformität mit Fehlbelastung, bereits arthrotisch verändert sind. Auch erlaubt eine Versteifung bestimmter Gelenke sehr ausgeprägte Deformitäten besonders effizient und sicher zu korrigieren, z.B. können schwere Spitz- und Hohlfüsse über eine Arthrodese nach Lambrinudi korrigiert werden.
Betrifft die Operation nur Weichteile, kann die Nachbehandlung nach 4-12 Wochen abgeschlossen sein (dies ist abhängig von der Operationstechnik). Sind Osteotomien (Knochen-Durchtrennungen) involviert, ist die Nachbehandlung meist um 12 Wochen Teilbelastung an Stöcken.
Hohlfussoperation sind meist aufgrund der vielen Operationsschritte sehr zeitaufwendig (Operationszeit zwischen 2 bis zu 5 Stunden). Entsprechend sind Weichteilprobleme häufiger, da viele Schnitte am Fuss gemacht werden müssen. Daher kann es auch sein, dass eine Operation zweiseitig, d.h. in zwei Operationen erfolgen muss. Man sollte nie gleichzeitig an mehr als 2 Regionen am Fuss (Rückfuss, Mittelfuss oder Vorfuss) operieren. Desweiteren kann durch die Korrektur einer schweren Hohlfussstellung zurück in die Normalität der Nervus tibialis gedehnt werden und es kann damit zu einer Minderung der Sensibilität an der Fusssohle kommen.
Weitere Informationen zu Hohlfuss und den genannten Operationstechniken finden Sie unter:
Inhaltsübersicht
- Was ist ein Hohlfuss?
- Welche Symptome treten bei Betroffenen auf?
- Was sind mögliche Auslöser/Ursachen für einen Hohlfuss?
- Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
- Wie ist die Nachbehandlung nach einer Hohlfusskorrektur?
- Welche Risiken haben Hohlfusskorrekturen?
- Weitere Informationen zum Thema (tiefergehendes Wissen)