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SI Style: Was brachte Sie auf die Idee zum Dokfilm «Der grosse Kanton»?
Viktor Giacobbo: Vor der inhaltlichen Idee war der formale Wunsch, einen satirischen Dokumentarfilm zu machen. Das Thema Deutschland und die Schweiz ist dafür ideal: Es ist immer aktuell, emotional, und es hat ein satirisches Potenzial.
Wann wird Deutschland so weit sein, der Schweiz beizutreten?
Das entscheiden wir, wenn beide Völker meinen Film gesehen haben.
Welches wäre der ideale Nationalfeiertag?
Der 4. Juli?! Leider besetzen die USA diesen Tag schon. Am 4. Juli 1954 fand an der Fussball-WM das «Wunder von Bern» statt, als Deutschland im Final Ungarn besiegte.
Wann haben Sie Ihr Talent als Imitator entdeckt?
Wahrscheinlich als ich als Jugendlicher die Lehrer oder meine Verwandten imitierte und mir das einigen Ärger einbrachte.
Wie hoch war Ihr erster Stundenlohn?
Das war ein Leistungs-, kein Stundenlohn: drei Karamell-Bonbons für das Verleimen der Türklingel eines bösen Nachbarn.
Was ist Ihre früheste Erinnerung?
Das Ende des Siebenjährigen Krieges.
Was ist am längsten in Ihrem Besitz?
Eine durch Coop-Treuepunkte erworbene Billiguhr namens Bettina Incabloc. Ich trage sie schon lange nicht mehr, bringe es aber nicht übers Herz, sie zu entsorgen.
Hätten Sie gern früher gelebt?
Ja, aber höchstens drei Tage früher.
Was macht alt?
Ein jugendliches Outfit (in meinem Alter) und gefärbte Haare.
Verwenden Sie Anti-Aging-Produkte?
Ja, unter dem Vorwand, eine extrem sensible Haut zu haben.
Wie meistert man die Midlife-Crisis mit Stil?
Indem man sie überspringt. Am besten die Pubertät gelassen ins Seniorenalter hinüberretten.
Ihr Held in der Geschichte?
Donald Duck wegen seines cholerischen Optimismus und seines Muts, ohne Hosen durchs Leben zu gehen.
Wann werden Sie schwach?
Beim Duft von frisch gebackenem Brot.
Wann vergessen Sie Ihre Contenance?
Bei Tierquälerei und ideologischer Verbohrtheit.
Hatten Sie jemals einen Aussetzer?
Was heisst da einen? Pro Sendung mindestens einen – allerdings kann man in meinem Beruf gut behaupten, das sei so inszeniert gewesen.
Sind Sie ein pünktlicher Mensch?
Ja. Ich streite gern mit Mitmenschen, für die Unpünktlichkeit eine Art kreatives Kavaliersdelikt ist.
Womit verplempern Sie gern Zeit?
Damit, neue Apps oder Programme zu installieren und Einstellungen zu ändern, dabei versehentlich wichtige Daten oder Funktionen zu löschen, die ich dann in nervender Kleinarbeit wiederherstellen muss.
Welche exzentrische Marotte wollen Sie im Alter kultivieren?
Da bin ich schon dabei: Ich lese Bücher.
Heute soll das Glück Sie finden. Was ziehen Sie dafür an?
Natürlich eine Warnweste. Damit das Glück mich ja nicht übersieht!
Viktor Giacobbo, 61, Autor, Kabarettist, präsentiert mit «Der grosse Kanton» seinen ersten Dokfilm. Jetzt im Kino. Die These: Deutschland soll der Schweiz beitreten.