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| Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe

LXVII. (Mauriner-Ausgabe Nr. 223)
4.
Werden wir doch der Gotteslästerung beschuldigt, obschon wir diese Anschuldigung nicht verdienen, weder auf Grund einer von uns früher über den Glauben herausgegebenen Schrift noch auch auf Grund von Worten, die wir ohne schriftliche Aufzeichnung mündlich in den Kirchen Gottes immer offen und frei gesprochen haben. Ja es fand sich nicht einmal ein Zeuge, der sagen könnte, er habe in vertraulichem Gespräche aus unserem Munde etwas Gottloses gehört. Weshalb werden wir also verurteilt, wenn wir weder gottlos schreiben noch zum Schaden predigen, noch in Privatgesprächen die verführen, die uns besuchen? Oh, das neue Schauspiel! [S. 263] Dieser Mensch1, heißt es, hat in Syrien etwas geschrieben, was nicht dem Glauben entspricht! Du aber hast ihm vor zwanzig und noch mehr Jahren einen Briefe geschrieben. Du stehst also mit diesem Menschen in Verbindung, und seine Vergehen müssen auch die Deinigen sein. Aber, o Mensch, der Du die Wahrheit liebst, der Du belehrt bist, daß die Lüge eine Geburt des Teufels ist, wie bist Du zur Überzeugung gekommen, daß jener Brief von mir ist? Du hast ja nicht zu mir geschickt, mich nicht gefragt, dies auch nicht von mir erfahren, der ich Dir die Wahrheit sagen könnte. Wenn aber wirklich auch das Schreiben von mir wäre, woher ist Dir bekannt, daß die Schrift, die jetzt Dir in die Hände gefallen, so alt wie mein Schreiben ist? Wer hat es Dir gesagt, daß die Schrift zwanzig Jahre alt ist? Woraus erhellt sodann, daß die Schrift wirklich von dem Manne herrührt, an den auch mein Brief adressiert worden? Wenn aber auch jener der Verfasser wäre und ich ihm geschrieben hätte, und mein Brief mit jenem Schreiben zeitlich zusammenfiele, wo ist der Beweis, daß ich die Gesinnung der Schrift übernommen habe und sie jetzt in meinem Innern trage?
1: Apollinaris von Laodicea.