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bei den Tieren dasjenige Stück des elterlichen Körpers, aus welchem auf ungeschlechtlichem Weg ein neues Individuum
heranwächst und entweder zeitlebens mit dem elterlichen Tier in Zusammenhang bleibt, oder sich erst später
von ihm loslöst. Im Gegensatz zum Ei,
[* 4] welches stets eine einzige Zelle
[* 5] darstellt, besteht die Knospe aus mehreren Zellen und zwar
sowohl aus solchen der Hautschicht (Ektoderm) als auch aus denen der Darmschicht (Entoderm), hat also die
wichtigsten Körperschichten (vgl. Keimblätter) bereits in sich, während sie im Ei sich erst neu bilden müssen.
Meistens steht nur eine einzige in der Blattachsel, doch finden sich z. B. bei Lonicera noch eine oder mehrere unmittelbar
über derselben; diese nennt man Neben- oder Beiknospen (Gemmae accessoriae). Die Achselknospen bedingen
die normale Verzweigung des Stengels, weil jede zu einem neuen Zweig erwächst; darum ist auch die Stellung der Zweige von der
Blattstellung des Muttersprosses abhängig, und darum bleiben Stämme, welche keine Seitenknospen entwickeln, auch unverzweigt
(Palmen,
[* 11] Baumfarne). Anderseits schlägt auch bei manchen Pflanzen regelmäßig die Gipfelknospe fehl, und
es übernimmt die zunächst darunterstehende Seitenknospe, die dann leicht mit einer wahren Endknospe verwechselt werden
kann, die Fortsetzung des Zweigs. Dies kommt besonders bei Holzgewächsen (Linde, Ulme, Hainbuche, Haselnuß) vor; bei Syringa
[* 3]
(Fig.
2) endigt der gipfelknospenlose Zweig mit zwei gegenständigen Seitenknospen.
Eigentliche Gipfelknospen haben z. B. Eiche, Roßkastanie, Pappel, Ahorn
[* 3]
(Fig. l), die Obstbäume. Je nach
der Art des Sprosses, zu welchem sich eine Knospe entwickelt, unterscheidet man: Blattknospen (Gemmae foliiparae), wenn sie zu
einem nur mit Blättern versehenen Sproß werden, Tragknospen oder Fruchtaugen (Gemmae floriparae), wenn sie einen blütentragenden
Sproß hervorbringen, endlich Blütenknospen (Gemmae florales s. Alabastra), welche die noch unentfaltete
Blüte
[* 12] selbst darstellen.
Bei allen Seitenknospen entsteht der Vegetationspunkt an der Oberfläche des Muttersprosses und zwar schon in der frühsten
Periode, kurz nach oder fast gleichzeitig mit der Anlage des Trugblattes, wenngleich die vollständige Erstarkung der in ein
späteres Alter des Sprosses fällt. Die sogen. zufälligen oder Adventivknospen (Gemmae adventitiae) bilden
sich dagegen immer nur an schon entwickelten, oft ganz alten Pflanzenteilen, sind in ihrer Stellung ganz regellos, indem sie
bald mehr zerstreut, bald haufenweise zum Vorschein kommen, wie besonders an ältern Baumstämmen (Stockausschlag), und entstehen
dann stets im Innern und zwar in der Kambiumschicht, so daß sie also die Rinde durchbrechen. Sie treten
auch an den obersten, horizontal an der Bodenoberfläche hinlaufenden Wurzeln auf und bedingen dann einen Wurzelausschlag (Pappeln,
Sauerkirschen und auch bei manchen krautigen Pflanzen,
wie Taraxacum, Sonchus u. a.); sogar auf Blättern entstehen sie bisweilen, besonders wenn
dieselben in feuchte Erde gesteckt werden, wie bei den Begonien, den Hyazinthenblättern u. a., oder auch an
nicht abgelösten Blättern, wie bei Cardamine. An jeder Knospe unterscheidet man die Knospenachse, d. h. den noch ganz
verkürzten Stengelteil, und die an dieser sitzenden, noch dicht aufeinander liegenden Blattorgane
[* 13]
(Fig.
3). Bei den Winterknospen unsrer Holzgewächse sind die letztern meist schuppenförmig, von mehr oder minder lederartiger Beschaffenheit
und meist dunkler Farbe.
Sie bedecken meist die Knospe vollständig und gewähren den zartern innern Teilen einen Schutz gegen die Einflüsse der winterlichen
Witterung (Knospendecken, Tegumenta; Knospenschuppen, Squamae s. Perulae); nach innen gehen sie in der
Gestalt und Ausbildung allmählich in die Laubblätter über, welche in der Knospe schon angelegt sind. Knospen, welche keine Knospendecken
besitzen und nur von den äußersten Laubblättern bedeckt sind, heißen nackte (Gemma nuda), z. B. bei Cornus sanguinea, Viburnum
lantana, Rhamnus frangula.
Häufig sind die äußern Blattorgane der Knospe mit einem Überzug bekleidet, durch welchen der Schutz vor äußern Einflüssen
erhöht wird. So finden sich Haarbildungen (Gemma pubescens), noch häufiger ein klebriges, aus Harz oder Harz und Gummi bestehendes
Sekret, welches die Knospenschuppen miteinander verklebt und sie überzieht (G. glutinosa). Sowohl die
Art, wie sich die Blätter der Knospe gegenseitig decken (Deckung, Follatio), als auch die Lage des einzelnen Blattes in der Knospe (Knospenlage,
Vernatio) zeigen wichtige Eigentümlichkeiten.