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Von Sarah Heiniger
Zwischen Anfang Juni und Ende Dezember 2020 wurden in der Schweiz über 440’000 laborbestätigte Coronavirus-Fälle verzeichnet. Das sind über 440’000 Personen, welche in Isolation mussten. Hinzu kommt eine nicht genau bekannte Zahl von Personen, welche eine Quarantäne einhalten musste, weil sie in engem Kontakt mit einer positiv getesteten Person standen. Wer selbst davon betroffen war oder miterlebte, wie sich ein Haushaltsmitglied für eine Isolation/Quarantäne in ein Zimmer zurückzog, weiss, wie sich das anfühlt. Daten des Covid-19 Social Monitors zeigen: Personen in Quarantäne/Isolation, die sich auf das Coronavirus testen liessen, fühlen sich einsamer, sind häufiger energielos und stärker psychisch belastet.
Personen in Quarantäne/Isolation sind tendenziell einsamer…
Rufen wir uns die Isolations- und Quarantäneregeln ins Gedächtnis: 10 Tage Isolation bei einem positiven Testresultat bzw. Quarantäne, wenn ein enger Kontakt zu einer positiv getesteten Person bestand. Es gilt in dieser Zeit jegliche Kontakte zu meiden – auch innerhalb des eigenen Haushalts. Erfahrungsberichte zeigen, dass der Rückzug in ein Zimmer sehr einsam werden kann. Daten des Covid-19 Social Monitors, erhoben zwischen dem 14. und dem 23. Dezember 2020, bestätigen: Der Anteil Personen, die sich sehr häufig einsam fühlen, ist bei den Personen in Quarantäne beinahe doppelt so hoch wie bei denen, die nicht in Quarantäne waren. Allerdings liegt der Anteil der Personen, die sich in der Quarantäne (sehr) einsam fühlen, mit 17% eher unter den Erwartungen und der Unterschied ist nicht statistisch signifikant.
…deutlich energieloser
Personen in Quarantäne geben mit 70% deutlich häufiger an, unter Müdigkeit, allgemeiner Schwäche und Energielosigkeit zu leiden als Personen, die nicht in Quarantäne waren (45%). Auch bei Personen, die gerade erst eine Quarantäne abgeschlossen haben, ist dieser Anteil mit 73% noch erhöht. Diese Ergebnisse erstaunen kaum: einerseits berichten Corona-Betroffene von anhaltender Müdigkeit während und nach der Erkrankung, andererseits führen die Quarantänemassnahmen zu weniger Bewegung und Aktivität, was das Gefühl von Energielosigkeit verstärken kann.
…und psychisch belasteter
Personen in Quarantäne sind zudem stärker psychisch belastet. 47% leiden an erhöhter psychischer Belastung, das ist deutlich mehr als bei den Personen nicht in Quarantäne (29%). Bereits frühere Studien zu den Folgen von Corona-Viren (z.B. SARS) weisen auf die psychosozialen Folgen von Quarantänemassnahmen hin (Röhr et al. 2020). Psychische Reaktionen, die bisher in den Zusammenhang mit Quarantänemassnahmen gebracht wurden, sind unter anderem Ängstlichkeit, Einsamkeit und Sorgen um die eigene Gesundheit und die der Familienmitglieder.
Fazit – Quarantäne/Isolation ist für viele Betroffene eine schwierige Zeit
Die Zeit in der Quarantäne/Isolation ist für viele körperlich und psychisch belastend. Auch wenn während der Isolation/Quarantäne keine direkten sozialen Kontakte möglich sind, ist es wichtig unsere Familienmitglieder, unsere Freunde und Bekannten in dieser Zeit zu unterstützen – sei dies mit einem Einkauf für die Betroffenen, einem Telefonat oder einem Video-Call.
Datengrundlage: COVID-19 Social Monitor
Der COVID-19 Social Monitor ermöglicht seit März 2020 ein zeitnahes Monitoring der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Schweizer Bevölkerung. Seit Dezember 2020 stellen wir auch Fragen zur Isolation und Quarantäne. Dank der kontinuierlichen Datenerhebung können die psychosozialen Auswirkungen von Quarantänemassnahmen künftig weiter beobachtet werden. Weiterführende Analysen werden Aufschluss über die mittelfristigen Auswirkungen von Isolation und Quarantäne geben.
Weitere Details: COVID-19 Social Monitor
Sarah Heiniger ist wissenschaftliche Assistentin an der Fachstelle Versorgungsforschung am WIG.