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Märenberg-Ortstockkette, die über dem Urnerboden und an den Abhängen des Bisithales zu Tage treten, sowie das imposante Doppelgewölbe des Bösen Faulen und Pfannenstocks, mit welchem die Juraschichten rasch in die Tiefe sinken, so dass nördl. davon die Berge ganz aus Kreide aufgebaut sind.
In der Silbern treten über der Kreide der Axendecke noch vier höhere, platt übereinander geschobene Decken auf, die jedoch alle ausschliesslich aus Kreide, zu der sich hie und da noch Nummulitenkalk gesellt, bestehen und nicht als selbständige, am S.-Rand des Aarmassivs wurzelnde Ueberfaltungsdecken, sondern nur als Zweigdecken aufzufassen sind, die sich vom Rücken der Axendecke abgelöst haben. Diese Zweigdecken sind auch westl. von der Silbern, im Wasserberg und in der Kaiserstockkette zu beobachten; in der Gipfelregion des Glärnisch sind sie mit Ausnahme der tiefsten bereits durch die Erosion abgetragen worden.
Die Stirn der Axendecke tritt uns nördl. vom Klönthal in der zur Sihlgruppe gehörenden Deyenkette entgegen und liegt weiter westwärts unter dem schmalen Eozänband verborgen, das von Sisikon her durch das Thal von Riemenstalden über Muotathal und den Pragelpass ostwärts in die Wiggiskette hineinstreicht. Auf diesem Eozän ruhen in der NW.-Ecke der Tödigruppe als wurzellose Masse die Kreidefalten der Frohnalpstockkette. Sie gehören einer vierten grossen Ueberfaltungsdecke, der Drusbergdecke an, die mit ihren tiefern Abzweigungen, Rädertendecke und Säntisdecke, den grössten Teil der Sihlgruppe und der Thurgruppe aufbaut. Südl. der Linie Sisikon-Pragel-Näfels muss sie einst auch das ganze Gebiet der Axendecke überdeckt haben, ist aber dort bis auf ein kleines auf der Silbern sitzendes Erosionsrelikt, das Roggenstöckli, verschwunden.
Von einer Ueberfaltungsdecke zur andern zeigen die Gesteine eines bestimmten geologischen Alters allmählige Faziesänderungen, so dass oft in zwei dicht nebeneinanderliegenden Ketten oder sogar am gleichen Berg die Gesteine der selben geologischen Stufe sehr verschieden ausgebildet sind. Wir nennen hier in Kürze die auffälligsten Faziesdifferenzen innerhalb der Tödigruppe. Der Verrucano ist in der Glarnerdecke vorwiegend konglomeratisch ausgebildet und durch die eruptiven Melaphyrlager des Kärpfgebietes ausgezeichnet; in den höhern Decken besteht er vorwiegend aus roten und grünen Tonschiefern.
Der Trias besteht im autochthonen Gebirge und in der Glarnerdecke aus kompaktem Rötidolomit und schwach entwickeltem Quartenschiefer; von der Mürtschendecke an ist der Rötidolomit vorwiegend als Rauhwacke (Zellendolomit) ausgebildet und nimmt der Quartenschiefer an Mächtigkeit zu. Der Lias fehlt im autochthonen Gebirge und in der Glarner- und Mürtschendecke noch fast ganz, tritt jedoch in der Axendecke und (ausserhalb der Tödigruppe) in den höhern Decken in grosser Mächtigkeit auf.
Der Dogger besitzt in den autochthonen Falten, wie in der Glarner- und Mürtschendecke erst eine Mächtigkeit von 10-50 m, schwillt dagegen in den höhern Decken zu 200-300 m Mächtigkeit an und zeigt eine reichere stratigraphische Gliederung. Der untere und der mittlere Malm sind vom autochthonen Gebirge an durch alle Decken hinauf mit auffallender Gleichförmigkeit ausgebildet; dagegen treten an Stelle der korallogenen Kalke, welche im autochthonen Gebirge und in den beiden untern Decken vorwiegend den obern Malm (Tithon) repräsentieren, in der Axendecke tiefmeerische dunkelgraue Mergel, die eine Mächtigkeit von 300-500 m erreichen (Gipfel des Vorder Glärnisch, Glattalp, Galtenebnet westl. Bisithal).
Zahlreiche Faziesänderungen lassen sich innerhalb der Kreide beobachten. In den tiefsten, also nördlichsten Falten des autochthonen Gebirges fehlt sie noch ganz oder fast ganz, stellt sich dann in den höhern Falten (Bifertenstock, Kistenpass) in bereits ziemlich vollkommener Gliederung, aber noch sehr geringer Mächtigkeit ein und gewinnt eine immer grössere Mächtigkeit und reichere Gliederung, je mehr wir in die höhern Decken emporsteigen. Ihre untersten Stufen (Berrias und Valangien) sind im autochthonen Gebirge nur undeutlich zu erkennen, dagegen schon in der Glarnerdecke deutlich vorhanden.
Während sie aber hier noch völlig kalkig ausgebildet sind, nehmen in den obern Decken die Mergelbildungen an der Basis der beiden Stufen zu, bis sie in der Drusbergdecke auf der Linie Sisikon-Pragel-Richisau zu 200-300 m Mächtigkeit anschwellen. Das Neokom, das noch in der Glarnerdecke am Glärnisch nicht 50 m Mächtigkeit erreicht, wächst in der Drusbergdecke (S.-Abhang der Fronalpstockkette) zu 600 m Mächtigkeit an und imponiert durch die enorme Entwicklung des Kieselkalks.
Der Schrattenkalk (Urgon und unteres Aptien) gewinnt in der Axendecke, besonders aber in der Säntis- und Rädertendecke (ausserhalb unserer Gebirgsgruppe) seine grösste Entwicklung, schrumpft dagegen im südl. Teil der Drusbergdecke (S.-Abhang der Fronalpstockkette) wieder auf ein schmales Felsbändchen zusammen. Der Gault ist im autochthonen Gebirge und den tiefern Decken nur einige Meter dick, repräsentiert nur das Albien und sitzt transgredierend auf dem Schrattenkalk; in den Zweigdecken der Axendecke stellt sich darunter noch der Aptien-Gault (Echinodermenbreccie) ein, dessen Mächtigkeit rasch zunimmt und in der Drusbergdecke (Fronalpstock) 120 m erreicht. Auch der Seewerkalk ist in den höhern Decken viel mächtiger als in den tiefern und geht nach oben allmählig in eine Mergelbildung über (Wangschichten in der Fronalpstockkette), die in den tiefern Decken gänzlich fehlt. Die Nummulitenbildung ist in den autochthonen Falten als quarzreicher Sandkalk und als schiefriger Mergel, in den Ueberfaltungsdecken vorwiegend als glaukonitreicher Kalksandstein entwickelt.
Während man im autochthonen Gebirge sozusagen gar keine Brüche beobachtet, mehren sie sich in den Ueberfaltungsdecken. Sie treten schon in ziemlicher Zahl in der breiten Juratafel zwischen der Märenberg-Ortstockkette und dem Glärnisch, in zahlloser Menge aber in der Kreideregion des Glärnisch und der Silbern auf, ohne jedoch einen starken gestaltenden Einfluss auf die Tektonik oder Orographie des Gebirges zu gewinnen. Sie sind oft zu ganzen Systemen paralleler Brüche gruppiert und durchschneiden die Falten quer, greifen bisweilen sogar von einer Ueberfaltungsdecke in eine andere über, ein Beweis dafür, dass sie grösstenteils entstanden sind, als die Faltung in der Hauptsache schon vollendet war.
4. Touristik.
Wenn auch wichtige Verkehrsstrassen (Gotthardbahn, Oberalpstrasse, Linie Glarus-Linthal) die Tödigruppe berühren, zählt sie doch nicht zu den Hauptgebieten des schweizerischen Fremdenverkehrs. Doch übt sie ihrer reichen Naturschönheiten wegen eine grosse und immer noch steigende Anziehungskraft auf die Touristenwelt aus. Einen lebhaften Impuls hat ihr Besuch durch den Bau der Klausenstrasse erhalten, welche die Gebirgsgruppe in ihrer Mitte der ganzen Länge nach durchschneidet.
Eine Reihe von Klubhütten erleichtern den Besuch der hochalpinen Teile des Gebirges (Grünhornhütte, Fridolinshütte, Puntaiglashütte oder Reinharthütte in der Tödikette, Claridenhütte und Hüfihütte in der Claridenkette, Glärnischhütte und Hütte auf Erixmatt in der Glärnischkette). Des lebhaftesten Touristenverkehrs erfreuen sich die Umgebung des Tödi, das Maderanerthal und die Klausenstrasse. Berühmte und vielbesuchte Aussichtspunkte sind ausser den Hochgipfeln der Hauptkette der Gemsfayrenstock, der Ruche Glärnisch und der Fronalpstock bei Brunnen. Braunwald bei Linthal steht im Begriff, zu einem wichtigen Fremdenpunkte sich zu entwickeln, seitdem es durch eine Drahtseilbahn mit der Thalsohle verbunden ist.
5. Bibliographie.
Heim, Alb. Mechanismus der Gebirgsbildung im Anschluss an die Monographie der Tödi-Windgällengruppe. Basel 1878. - Heim, Alb. Geologie der Lochalpen zwischen Reuss und Rhein. (Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz, 25). Bern 1891. - Heim, Alb. Itinerarium für das Exkursionsgebiet des S. A. C. Tödi-Sardona-Kärpfgebiet. 1876-77. - Baltzer, A. Der Glärnisch. Zürich 1873. - Wehrli, Leo. Das Dioritgebiet von Schlans bis Disentis. (Beitr. z. geolog Karte der Schweiz. N. F. 6). Bern 1896. - Weber, F. Ueber den Kali-Syenit des Piz Giuf. (Beitr. z. geolog. Karte der Schweiz. N. F. 14). Bern 1904. - Arbenz, P. Geolog. Untersuchung des Frohnalpstockgebietes. (Beitr. z. geolog. Karte der Schweiz. N. F. 18). Bern 1905. - Näf-Blumer. Klubführer durch die Glarneralpen. Glarus. 1902. - Führer durch die Urneralpen; herausgeg. vom Akadem. Alpenklub Zürich. 2 Bde. Zürich 1905.
[J. Oberholzer.] ¶