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Der schwer verunglückte Radprofi Fabio Jakobsen ist nach Angaben der Rennärztin Barbara Jerschina nicht mehr in Lebensgefahr. «Jakobsen hat die Operation überstanden, sein Leben ist nicht mehr bedroht», sagte Jerschina am Donnerstagmittag nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur PAP.
Jakobsen, der am Mittwoch bei der Polen-Rundfahrt heftig gestürzte niederländische Radprofi, zog sich schwere Verletzungen im Gesicht zu. Noch am Morgen hatte sein Team-Chef Patrick Lefevere gesagt: «Der Zustand ist sehr schlimm. Wir beten weiter, dass er überlebt.»
Das Spital in Kattowitz lieferte Details zur der fünfstündigen Operation, die in der Nacht auf Donnerstag erfolgt war. «Die Hauptverletzungen liegen im Gesicht. Glücklicherweise sind die Augen nicht betroffen. Sein Zustand ist ernst, aber stabil», sagte ein Sprecher. Ein Scan habe ergeben, dass keine Hirnverletzungen vorliegen dürften. Auch die Wirbelsäule dürfte nicht betroffen sein. Jakobsen befinde sich im Koma, die Aufwachphase werde nun eingeleitet.
Renndirektor Czeslaw Lang hatte auch Nachrichten zum Gesundheitszustand des Funktionärs, in den Jakobsen mit rund 80 km/h geprallt war. Dieser habe eine Kopfverletzung erlitten, sei aber wieder bei Bewusstsein und in stabilem Zustand.
Die Schuld am verheerenden Massensturz trägt Dylan Groenewegen. Der Niederländer rempelte Jakobsen mit dem Ellbogen in die Absperrung. Groenewegen wurde der Etappensieg aberkannt, er wurde disqualifiziert und damit aus der Rundfahrt ausgeschlossen. Der Radsport-Weltverband UCI schrieb, es verurteile dieses gefährliche Verhalten aufs Schärfste: «So etwas ist inakzeptabel.» Die Disziplinarkommission des Verbands prüfe, ob weitere Sanktionen fällig werden.
Konsequenzen fordert Patrick Lefevere. «Dieser Typ gehört ins Gefängnis», findet Jakobsens Teamchef. Er kündigte an, gegen Groenewegen gerichtlich vorgehen zu wollen. «So ein Verhalten ist kriminell.»
Auch heute bedauere er seine Worte nicht, betonte Lefevere. «Wir werden Schritte unternehmen, um bei der UCI und der Polizei Anzeige zu erstatten.»
Von Jumbo-Visma, dem Team des Unfallverursachers Groenewegen, gibt es noch keine ausführliche Stellungnahme. «Stürze wie dieser sollten nicht passieren», teilte die Equipe lediglich mit und: «Wir möchten uns aufrichtig entschuldigen und zunächst intern das weitere Vorgehen besprechen, bevor wir uns öffentlich dazu äussern.»
Fast noch mehr als Groenewegen werden die Veranstalter der Polen-Rundfahrt und die UCI kritisiert. So sagte etwa Robbie McEwen, ein früherer Weltklasse-Sprinter aus Australien: «Was er machte, machten schon viele Sprinter vor ihm. Trotzdem ist die Disqualifikation korrekt. Aber die Absperrungen entsprachen nicht den Sicherheitsanforderungen der UCI. Wie wäre es, wenn sie sich darum kümmern würde, anstatt die korrekte Sockenhöhe der Rennfahrer zu messen?»
Für Unverständnis sorgt auch die Tatsache, dass die Zielgerade in Kattowitz abschüssig war. So erreichten die Fahrer ein Tempo von 80 bis 85 km/h, sie waren damit schneller als üblich in einem Massensprint, wo häufig Geschwindigkeiten von 60 bis 65 km/h erreichten werden.
Fabio Sabatini, im vergangenen Jahr noch ein Teamkollege Jakobsens und nun bei Cofidis, wandte sich an die Organisatoren: «Eine Ankunft mit 85 km/h ist immer Selbstmord. Seit Jahren denke ich das, aber sie wollen immer die Show. Hier ist die Show.» Auch sein Teamkollege Damien Touzé zog sich beim Sturz Verletzungen zu, Marc Sarreau (Groupama-FDJ) und Eduard Prades (Movistar) mussten ebenfalls in Spitalpflege.
Zu den Vorwürfen haben sich bislang weder die Ausrichter der Polen-Rundfahrt noch die UCI geäussert. Heute wird die Rundfahrt mit einer weiteren Flachetappe fortgesetzt, aber ohne einen Fahrer im Leadertrikot. Denn dieses würde Fabio Jakobsen tragen, dem die Jury nachträglich den Groenewegen aberkannten Etappensieg zugesprochen hat. (abu/sda/apa/dpa/afp)
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