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Fidschi-Affengesicht-Flughund
Pteralopex acrodonta
© 1997 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Die Inseln des Pazifischen Ozeans verdanken ihre Entstehung grossenteils dem Vulkanismus. Irgendwann in grauer Vorzeit waren sie aufgrund untermeerischer Eruptionen als rauchende, feuer- und lavaspeiende Vulkanschlote aus den Fluten aufgetaucht - nur um seither langsam unter ihrem eigenen Gewicht wieder abzusinken und durch die nagende Kraft von Wind, Regen und Wellen zu verwittern.
Rasch hatten sich seinerzeit Korallenstöcke rings um die aus dem Meer aufragenden Vulkangipfel gebildet. Während die Inselberge in der Folge allmählich tiefer sanken und durch Erosion kleiner wurden, wuchsen die nur im lichtdurchfluteten, oberflächennahen Wasser gedeihenden Korallen stetig in die Höhe. Sassen sie anfänglich in unmittelbarer Küstennähe den Vulkanschultern auf, so entfernte sich der abtauchende Vulkangipfel immer mehr von ihnen weg. Alsbald bildeten sie ein separates Riff. Und alsbald häufte die immerwährende Brandung Sand, Korallengeröll und ganze Korallenblöcke lagunenwärts, hinter dem Riff, zu kleinen Inselchen («Motus») auf.
In vielen Fällen ist die vulkanische Bergspitze inzwischen ganz im Ozean verschwunden, und zurück bleiben allein diese Motus - als mehr oder weniger kreisförmiger Inselkranz («Atoll»), der eine seichte Lagune umschliesst. In zahlreichen anderen Fällen ist es hingegen noch nicht so weit: Viele Pazifikinseln sind heute ein Mittelding zwischen Vulkaninsel und Atoll, das heisst die vulkanische Bergspitze ist noch nicht völlig untergetaucht, bereits hat sich aber ein ausgedehntes Atoll mit mehreren Motus gebildet. Dies gilt auch für die Hauptinseln der Republik Fidschi, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken.
Die Säuger auf Platz 3
Fidschi liegt im tropischen Südwestpazifik, zwischen Vanuatu im Westen, Samoa im Nordosten und Tonga im Südosten. Der Kleinstaat setzt sich aus 332 Inseln zusammen, welche eine gesamte Landfläche von 18 376 Quadratkilometern aufweisen. 87 Prozent hiervon enfallen auf die beiden Inseln Viti Levu (10 429 km2
) und Vanua Levu (5556 km2
), weitere 5 Prozent auf deren Nachbarinseln Taveuni (435 km2
), Kandavu (408 km2
) und Gau (140 km2
). Bei diesen fünf Inseln handelt es sich um felsige, hoch aus dem Meer aufragende Vulkaninseln, während der Grossteil der übrigen Fidschi-Inseln tiefliegende, kleinflächige Koralleninseln sind.
Teile des Fidschi-Archipels weisen ein beträchtliches Alter auf. Geologische Untersuchungen zeigen, dass Viti Levu im späten Eozän, also vor rund 40 Millionen Jahren, Vanua Levu gegen Ende des Miozäns, vor ungefähr 10 Millionen Jahren, und Taveuni sowie Kandavu im Pliozän, vor zwei bis fünf Millionen Jahren, über der Wasseroberfläche in Erscheinung traten. Soweit wir wissen, haben die vulkanischen Aktivitäten in der Region noch bis zu Beginn unserer Zeitrechnung angedauert, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie nicht irgendwann auch wieder einsetzen werden.
Hinsichtlich der Fauna und Flora des Fidschi-Archipels ist der Umstand von Bedeutung, dass keine der Inseln jemals direkten Kontakt zu einer der kontinentalen Landmassen hatte. Alle Pflanzen und alle Tiere, die vor dem Eintreffen des Menschen auf den Inseln heimisch waren, gehen also auf Vorfahren zurück, welche einst den weiten Weg über das offene Meer hierher fanden. (Wie überall auf der Welt hat der Mensch unterdessen auch auf Fidschi eine Vielzahl fremdländischer Pflanzen und Tiere eingebürgert, teils absichtlich, teils unbewusst, meistens jedoch zum Leidwesen der ursprünglich vorhandenen Inselflora und -fauna. Wir zählen diese «exotischen» Lebewesen im folgenden nicht zu den «eingeborenen».)
Selbst eingedenk des hohen Alters des Fidschi-Archipels erstaunt es nicht, dass es nur wenigen landlebenden Tierarten gelungen ist, die abgeschiedenen Inseln aus eigener Kraft zu kolonisieren. Unter den landlebenden Wirbeltieren - Säugern, Vögeln, Reptilien, Amphibien - sind die Vögel aufgrund ihrer guten Flugfähigkeit die erfolgreichste Sippe: Rund 75 einheimische Brutvogelarten finden sich auf Fidschi.
Platz 2 nehmen die Reptilien ein: Etwa 25 Arten sind auf Fidschi heimisch. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass sie recht robuste Lebewesen sind, welche nötigenfalls längere Zeit ohne Nahrung und Süsswasser auskommen können und deshalb verhältnismässig gute Chancen haben, eine mehrwöchige Meeresüberquerung auf Treibgut heil zu überstehen.
Auf Platz 3 stehen die Säugetiere mit sechs Arten. Wenig überraschend gehören sie allesamt der einzigen wirklich flugfähigen Sippe unter den Säugern an: den Fledertieren.
Platz 4 schliesslich nehmen die Amphibien ein, und zwar in Form von zwei Froscharten, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Woher sie stammen und wie es diesen wasserabhängigen, für eine Seereise und Inselkolonisierung höchst ungeeigneten Tierformen einst gelang, Fidschi zu erreichen, bleibt wohl für immer ein Rätsel.
Unter den sechs auf Fidschi vorkommenden Fledertieren findet sich eine endemische, also weltweit nur hier heimische Art: der Fidschi-Affengesicht-Flughund (Pteralopex acrodonta)
. Er gilt als eines der seltensten Säugetiere der Welt und wird von der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) als «stark bedroht» eingestuft. Von ihm soll nachfolgend berichtet werden.
Vier Vettern auf den Salomonen
Mit weltweit rund 950 Arten bilden die Fledertiere (Chiroptera) nach den Nagetieren (Rodentia) die zweitgrösste Ordnung der Säugetiere. Rund ein Viertel aller Säugetiere sind Fledertiere!
Von den Zoologen wird die Fledertiersippe in zwei Unterordnungen gegliedert: Die Fledermäuse (Microchiroptera), knapp 800 Arten, sind gewöhnlich eher kleingewachsene Fledertiere, die sich überwiegend von Insekten ernähren und weltweit verbreitet sind. Die Flughunde (Megachiroptera), rund 160 Arten, sind im allgemeinen eher grossgewachsene Fledertiere, verzehren überwiegend Früchte und sind nur in der Alten Welt heimisch: Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Bereiche Afrikas, Asiens und des Pazifiks, ostwärts bis zu den Cook-Inseln, wobei ihre Artenvielfalt im Bereich des indomalaiischen Archipels am grössten ist.
Die Gattung der Affengesicht-Flughunde (Pteralopex)
, eine von insgesamt 42 Flughundegattungen, setzt sich aus fünf Arten zusammen, welche alle in der westpazifischen Region heimisch sind. Vier von ihnen - der Bougainville-Affengesicht-Flughund (Pteralopex anceps)
, der Guadalcanal-Affengesicht-Flughund (Pteralopex atrata)
, der Berg-Affengesicht-Flughund (Pteralopex pulchra)
und der Neugeorgien-Affengesicht-Flughund (Pteralopex sp.nov.)
- sind im Pazifikstaat Salomonen heimisch. (Ersterer kommt ausserdem, wie sein Name sagt, auf der Insel Bougainville vor, welche zwar politisch zu Papua-Neuguinea gehört, geografisch aber ebenfalls Teil der Salomonen-Inselkette ist.)
Der Fidschi-Affengesicht-Flughund lebt also von seinen vier Vettern beträchtliche 1500 Kilometer entfernt. Biochemische Untersuchungen deuten im übrigen darauf hin, dass er nicht nur geografisch, sondern auch stammesgeschichtlich ein «Aussenseiter» der Gattung ist: Seine Vorfahren scheinen schon vor sehr langer Zeit nach Fidschi gekommen zu sein und sich hier eigenständig weiterentwickelt zu haben.
Äusserlich sieht der Fidschi-Affengesicht-Flughund seinen Verwandten auf den Salomonen aber noch immer sehr ähnlich. Bezüglich seiner Körpergrösse bewegt er sich im «Mittelfeld» der Gattung: Die Männchen weisen eine Kopfrumpflänge von ungefähr 20 Zentimetern und ein Gewicht von etwa 260 Gramm auf, während die Weibchen 17 bis 18 Zentimeter lang und etwa 240 Gramm schwer sind. Die Flügelspannweite bemisst sich auf 60 bis 70 Zentimeter, wobei sich die Flughäute der beiden Arme entlang der Rückenmitte berühren.
In moosbehangenem Nebelwald zu Hause
Der Fidschi-Affengesicht-Flughund ist bislang lediglich in einem einzigen, wenige Quadratkilometer grossen Gebiet mit Sicherheit festgestellt worden. Es handelt sich um die Gipfelregion des Des-Voeux-Bergs im Zentrum von Taveuni, der drittgrössten, nahe der Südostküste von Vanua Levu gelegenen Fidschi-Insel. Mit 1195 Metern Höhe ist der Des-Voeux der zweithöchste Berg auf Taveuni.
Eine kurze Feldstudie, welche 1990 von australischen Wissenschaftlern durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass sich der Fidschi-Affengesicht-Flughund zur Hauptsache in niedrigwüchsigem, knorrigem, moosbehangenem Nebelwald oberhalb etwa der 900-Meter-Höhenlinie umherbewegt. Ähnlichen Lebensraum gibt es noch bei ein paar anderen Bergspitzen auf Taveuni. Ob aber die Art dort auch vorkommt, wissen wir nicht, da verlässliche Sichtungen bislang fehlen.
1991 wurde hingegen ein Flughund in ähnlichem Lebensraum auf dem Delaikoro-Berg auf der Nachbarinsel Vanua Levu beobachtet, der mit grösster Wahrscheinlichkeit ein Fidschi-Affengesicht-Flughund war. Möglicherweise kommt die Art also auch in höheren Lagen auf dieser viel grösseren Insel vor. Der sichere Nachweis hierfür fehlt allerdings noch.
Nüsse auf dem Speiseplan?
Auch auf Taveuni konnte der Fidschi-Affengesicht-Flughund bislang erst wenige Male beobachtet werden, weshalb wir über seine Lebensgewohnheiten in freier Wildbahn so gut wie nichts wissen. Dies hat nicht nur mit seiner Seltenheit und der Unwegsamkeit seines Lebensraums zu tun, sondern auch damit, dass er wie die meisten Flughunde überwiegend nachts aktiv ist.
Die Flügel des Fidschi-Affengesicht-Flughunds sind so gebaut, dass er ausserordentlich langsam und dadurch überaus wendig zu fliegen vermag. Dies weist darauf hin, dass er sich vornehmlich innerhalb des dichten und oft nebelverhangenen Bergwalds fortbewegt, wo eine gute Manövrierbarkeit unabdingbar ist, um nicht ständig gegen «Hindernisse» zu stossen.
Bezüglich der Nahrung des Fidschi-Affengesicht-Flughunds ist überhaupt nichts bekannt, doch darf man davon ausgehen, dass er wie die allermeisten Flughunde ausschliesslich pflanzliche Stoffe zu sich nimmt. Während aber die meisten Flughunde eine deutliche Vorliebe für weiche Früchte und Blüten zeigen, scheint der Fidschi-Affengesicht-Flughund härtere Pflanzenteile zu bevorzugen. Jedenfalls hat er - wie auch seine vier Vettern auf den Salomonen - besonders robuste Zähne mit zahlreichen Höckern, die sich von den schwächeren Zähnen der meisten anderen Flughunde deutlich unterscheiden.
Vom Neugeorgien-Affengesicht-Flughund wissen wir, dass er die harten Nüsse der dortigen Ngalia-Bäume (Canarium sp.)
aufzubrechen vermag, um an deren Inhalt zu gelangen. Dies ist anderen Flughunden nicht möglich. Und der Guadalcanal-Affengesicht-Flughund wurde schon dabei beobachtet, wie er unreife Mangos, das heisst überaus harte und faserreiche Früchte, ass. Es ist also anzunehmen, dass sich auch der Fidschi-Affengesicht-Flughund von härterer Kost ernährt als die anderen Flughunde Fidschis.
Geborgenheit in Fidschis erstem Nationalpark
Eine wissenschaftliche Erhebung der Bestandsgrösse des Fidschi-Affengesicht-Flughunds existiert nicht. Die geringe Ausdehnung des bisher bekannten Verbreitungsgebiets der Art und die Seltenheit, mit der die Tiere gesichtet werden, lässt aber vermuten, dass die Gesamtpopulation ausserordentlich klein ist.
Erfreulicherweise ist die Insel Taveuni bislang vom Menschen erst geringfügig verändert worden. Etwa neunzig Prozent der Fläche sind noch von einer natürlichen oder doch naturnahen Walddecke überzogen. Da zudem die hochgelegenen Bergwaldgebiete der Insel für den Menschen praktisch unzugänglich sind, gilt der Fidschi-Affengesicht-Flughund im Moment nicht als unmittelbar in seinem Fortbestand gefährdet. Dies im Gegensatz zu vielen anderen Arten pazifischer Flughunde, welche erheblich unter Druck stehen: einerseits durch die Zerstörung ihrer Lebensräume, weil vielerorts die Naturwälder grossflächig in Kulturland umgewandelt worden sind und noch immer werden, und andererseits durch die direkte Bejagung, teils für den lokalen Verzehr, teils auch für den Export nach Guam und den Nördlichen Marianen, wo Flughunde eine begehrte Delikatesse sind.
Das Gebiet, in welchem der Fidschi-Affengesicht-Flughund auf Taveuni vorkommt, ist heute bereits Teil eines Waldreservats von 110 Quadratkilometern Fläche. Um die Zukunft dieser Naturlandschaft mitsamt der darin heimischen Fauna und Flora noch besser abzusichern, soll das Reservat nun in absehbarer Zeit ausgeweitet und sein Schutzstatus verbessert werden. Insbesondere bestehen Pläne, es mit dem 40 Quadratkilometer grossen Ravilevu-Naturreservat an der Südküste Taveunis zu verbinden und zum ersten Nationalpark Fidschis zu erklären.
Zwar wird der Fidschi-Affengesicht-Flughund aufgrund seines überaus eng begrenzten Vorkommens und seiner sehr geringen Bestandsgrösse auch weiterhin gefährlich nah am Rand des Untergangs schweben: Schon eine sehr lokale Naturkatastrophe - insbesondere ein neuerlicher Vulkanausbruch auf Taveuni - könnte seine ganze Population rasch und unwiederbringlich auslöschen. Dessen ungeachtet gilt es, die Überlebenschancen dieses seltenen und unerforschten Säugetiers durch den wirksamen Schutz seines Lebensraums und ein striktes Jagdverbot so hoch wie möglich zu erhalten.
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