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Neben all den Artikeln zur Rechtschreibung und zum Texten wäre es mal an der Zeit, einen Ausflug in die Geschichte zu machen, dachte ich mir. Und zwar in die unserer vier Landessprachen. Wussten Sie, dass wir vier offizielle Landessprachen haben? Natürlich wissen Sie das. Aber irgendwie ist die vierte Sprache, also Rätoromanisch, so weit weg, dass man sie gerne mal ausblendet. Schon, dass sie die vierte Landessprache genannt wird, spricht für sich. Sie wird aber auch nur von ein paar Prozent der Schweizer Bevölkerung gesprochen. Und von den vielen Portugiesen, die im Engadin arbeiten. Denn Portugiesisch und Rätoromanisch stehen sich nun mal näher als Portugiesisch und Deutsch. Die Portugiesen haben so unserer vierten Landessprache einen überraschenden Auftrieb gegeben. Soll noch einer sagen, Immigration zerstöre traditionelle Werte und treibe die Schweiz in den Abgrund. Aber das ist ein anderes Thema.
Schweizer Werte
Ein Thema aber, das doch einigermassen verknüpft ist mit unserer vierten Landessprache, denn die Abstimmung dazu fand im Jahre 1938 statt und kann als wichtiger Teil der geistigen Landesverteidigung bezeichnet werden. Es ging darum, sich als Land zu identifizieren und zu definieren. Auch damals hatte man Angst um Schweizer Werte, weshalb man sie gesetzlich zu verankern versuchte. Konkret: Mussolini hatte sich zum Ziel gesetzt, die italienischsprachigen Gebiete ausserhalb Italiens zu «befreien». Und dazu gehörte neben dem Tessin auch Graubünden. Man war nämlich der Auffassung, dass es sich beim Rätoromanischen um einen lombardischen Dialekt handelte.
Diversität
Die Abstimmung, das Rätoromanische zur Landessprache zu machen, wurde mit einem Ja-Anteil von mehr als 90% angenommen und setzte ein Zeichen. Und zwar eines, das die Einheit der Schweiz ins Zentrum stellte. In den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts und auch bereits vorher ein wichtiges Zeichen, da sich rund um die Schweiz Nationalstaaten befanden, die sprachliche oder ethische Reinheit ihr eigen nannten und auch betonten. Die Schweiz konnte das nicht und darum musste man andere identitätsstiftende Merkmale finden: Diversität und Mehrsprachigkeit.
Die Schweizer Bürger hatten recht, vor 75 Jahren diese Werte hochzuhalten. Denn sie haben noch immer Bestand: Diversität ist das Konzept, das uns vorwärts bringt in der globalisierten Realität, in der wir leben. Wollen wir bestehen, gilt es, ebendiese Werte weiter hochzuhalten. Wir haben die idealen Voraussetzungen dafür.
Bild: Adrain Michael auf Wikimedia (by-sa 3.0)