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wieso auch? er ist ja neutral.
Inzwischen hat das saudische Team die Heimreise angetreten. Doch vorher hat es die grösste Überraschung des Turniers geschafft: Mit dem 2:1-Überraschungserfolg gegen Argentinien haben die Saudis für einen historischen Erfolg gesorgt. Der Sieg war so wertvoll, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman einen Feiertag ausrief und jedem Spieler einen Rolls-Royce schenkte. Zwar schied Saudi-Arabien doch noch in der Gruppenphase aus, doch es zeigte: Das Team ist im Unterschied zu jenem aus Katar konkurrenzfähig an einer Fussball-WM.
Schon in acht Jahren soll bereits wieder eine WM in der Wüste gespielt werden. Saudi-Arabien will sich gemeinsam mit Ägypten und Griechenland um die Austragung der Weltmeisterschaft bewerben. Wieder soll sie im Winter stattfinden. Die Saudis sollen als Bewerbungsanführer bereit sein, Infrastrukturprojekte bei den Mitstreitern zu unterstützen. Ägypten und vor allem Griechenland dienen bei dieser Kandidatur vor allem als Argumentationshilfe.
Denn eigentlich gibt es keinen Grund, warum die Fussball-WM nach dem Turnier 2026 in Nordamerika schon wieder auf die arabische Halbinsel zurückkehren soll. Nun entsteht aber eine fast romantische Erzählung: Die erste Weltmeisterschaft auf drei Kontinenten soll Europa, Asien und Afrika miteinander vereinen. Es ist eine Argumentation, wie sie die Fifa gerne weiterverbreiten würde.
Die Situation in Saudi-Arabien bezüglich Menschenrechten ist derweil noch deutlich schlimmer als in Katar. Laut Amnesty International kommt es zur systematischen Diskriminierung von Frauen, zu Folter in Gefängnissen, der Verfolgung von Personen, die im Journalismus arbeiten oder sich für Menschenrechte einsetzen, zu religiöser Diskriminierung sowie zu vielen Hinrichtungen.
An einem einzigen Tag im März dieses Jahres hatte das Königreich 81 Menschen hinrichten lassen. Und nicht zuletzt tobt im Jemen seit sieben Jahren ein von Saudi-Arabien angezettelter Krieg. Nach Schätzungen des Amts der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) hat dieser Krieg den Tod von fast einer Viertelmillion Menschen verursacht. Zudem sind Millionen von Jemeniten noch immer mit der grössten humanitären Krise der Welt konfrontiert, mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet unter akuter Nahrungsmittelknappheit.
Im Fussball werden solche Themen jedoch gerne ausgeblendet. Gerade auch bei der Fifa. Der aktuelle Präsident Gianni Infantino liess sich sowohl an der WM 2018 als auch am aktuellen Turnier in Katar gerne mit dem Kronprinzen ablichten. Vom WM-Eröffnungsspiel 2018 in Russland gibt es dieses Bild: Bin Salman links, der russische Präsident Wladimir Putin rechts und in der Mitte Infantino. Dass Infantino neben zwei Männern steht, die schon zu jenem Zeitpunkt Kriege angezettelt und für viele Menschenleben verantwortlich sind, scheint ihn nicht zu stören.
Bis heute achtet Infantino darauf, seine Partner nicht zu brüskieren. Den russischen Angriffskrieg in der Ukraine nannte er nie so, dafür spricht er sich beim G20-Gipfel für einen Waffenstillstand während der WM aus. Auch zu Saudi-Arabien und dem Kronprinzen pflegt der Fifa-Präsident gute Beziehungen. Es gibt Gerüchte, wonach er seine berufliche Zukunft im arabischen Raum sieht, falls er 2027 seinen Posten abgeben muss. Der Walliser soll bereits seit einiger Zeit in Katar wohnen, Steuern bezahlt er weiterhin in der Schweiz. Vielleicht verlegt er seinen Wohnsitz dann nach Saudi-Arabien. Zumindest taucht er sogar kurz in einem Werbevideo für das Land auf.
Marketing für Saudi-Arabien macht auch Lionel Messi. Der siebenfache Weltfussballer hat sich für viel Geld einspannen lassen. Und so wirbt Messi auf seinem Instagram-Kanal mit einem romantischen Foto und dem Hashtag «VisitSaudi» dafür, die Region am Roten Meer zu besuchen. Dabei plant Messis Heimatland Argentinien ebenfalls, sich als WM-Gastgeber 2030 zu bewerben – gemeinsam mit Paraguay, Uruguay und Chile.
Nun möchten die Saudis neben Messi auch noch dessen ewigen Rivalen Cristiano Ronaldo einspannen. Ihm soll ein Angebot des saudi-arabischen Klubs Al-Nassr vorliegen. Dort würde der portugiesische Nationalspieler in zweieinhalb Jahren rund 200 Millionen Euro kassieren. Für den Fall, dass Ronaldo doch lieber in Europa weiter kicken möchte, hat Saudi-Arabien eine Absicherung: Auch das mit saudischem Geld vollgepumpte Newcastle United soll an einer Verpflichtung des Portugiesen interessiert sein.
Nicht nur punkto Marketing haben sich die Saudis durch Katar (WM-Botschafter David Beckham) inspirieren lassen. Wie das kleine Emirat mischt auch Saudi-Arabien im europäischen Klubfussball mit. Während «Qatar Sports Investments» seit 2011 aus dem französischen Mittelfeldklub Paris St.Germain einen Weltklub formte, hat ein vom saudischen Staatsfonds Public Investment Fund angeführtes Konsortium im November 2021 Newcastle United übernommen. Der Premier-League-Klub wurde damit auf einen Schlag zum reichsten Klub der Erde. Damals war Newcastle Tabellenletzter der englischen Topliga, inzwischen steht das Team mit dem Schweizer Nationalspieler Fabian Schär bereits auf Rang 3. Es gilt als realistisch, dass auch Newcastle zu einem absoluten Spitzenklub Europas werden kann. Mit oder ohne Ronaldo.
Wie Katar nutzt auch Saudi-Arabien «Sportswashing» zur Imagepolitur. Geld spielt dabei keine Rolle. In der Golf-Region ist ein regelrechter Wettstreit um die prestigeträchtigsten Sport-Veranstaltungen ausgebrochen. Saudi-Arabien trägt etwa neuerdings Formel-1-Rennen oder gut dotierte Tennis-Exhibitions aus - und finanziert eine neue Golftour. Und nun soll wie in Katar der grösste Sportevent der Welt folgen: die Fussball-Weltmeisterschaft 2030. Spätestens dann soll für das saudische Team die WM länger dauern als nur drei Gruppenspiele. (aargauerzeitung.ch)
30 Jahre alt und schon Trainer in einer der Top-5-Ligen in Europa. Die Geschichte von Will Still ist nicht nur aufgrund seines Alters aussergewöhnlich.