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US-Skistar Lindsey Vonn liebäugelt mit einem Start bei der Männer-Abfahrt in Lake Louise – wenn die FIS ihr grünes Licht gibt. Ski-Experte Bernhard Russi (64) nimmt dazu im Interview Stellung.
Bernhard Russi, was halten Sie von der Idee von Lindsey Vonn?
Man muss festhalten, dass bis jetzt bei der FIS noch keine offizielle Anfrage eingegangen ist. Grundsätzlich ist das sicher eine interessante Sache. Nur sprechen die Reglemente gegen eine Fahrt bei den Männern. Sie könnte dann nicht mehr bei den Frauen fahren in Lake Louise. Man kann leider keine Ausnahme, quasi eine Lindsey-Vonn-Regel, für sie machen.
Gibts trotzdem eine Möglichkeit für Vonn, sich mit den Männern zu messen?
Wenn sie das Gefühl hat, sie will wissen, wie schnell sie ist, kann sie sich bei den Veranstaltern als eine der sechs oder neun Vorfahrern bewerben. So würde sie aber einem jungen Kanadier den Platz wegnehmen. Das muss aber das dortige OK entscheiden. Ein anschliessender Start bei den Frauen wäre aber auch als Männer-Vorfahrerin nicht mehr möglich.
Was hätte Lindsey davon?
Auch bei den Vorfahrern wird die Zeit gestoppt, aber nicht sofort offiziell bekannt. Sonst könnte ein Vorfahrer einem Ski-Markenkollegen am Start Hinweise zu Pistenzustand oder Skipräparierung liefern. Vonn würde die Zeit am Abend erfahren.
Wie würde sie im Vergleich mit den Männern abschneiden?
Wenn die Renn-Piste damenmässig präpariert ist, also ruhiger, würde sie sicher besser aussehen. Ist sie aber «herrenmässig» hergerichtet, mit einer unruhigen Oberfläche, wäre es schwierig für sie.
Was trauen Sie Vonn auf einer «damenmässigen» Piste zu?
In Lake Louise würde ich ihr zutrauen, dass sie so einen Grossteil der Männer hinter sich lassen kann.
Konkret?
Mit einer idealen Startnummer und guten Verhältnissen traue ich ihr eine Fahrt in die Top 20 zu. Ich möchte aber betonen, dass das nur für Lake Louise gilt. In Kitzbühel beispielsweise wäre dies ganz anders.
Im Golf hat Annika Sörenstam einmal bei den Männern mitspielen dürfen. Sehen Sie da Parallelen zu Vonns Verlangen?
Spielsportarten wie Golf oder auch Tennis kann man nicht mit dem Skisport vergleichen. Dort ist die Gefahr auf einer Männer-Piste mit dem hohen Tempo viel grösser für eine Frau.
Gab es zu Ihrer Aktivzeit auch schon Frauen, die bei den Männern starten wollten?
Ich erinnere mich nur an Annemarie Moser-Pröll, die einmal bei den Männern im Kitzbühel-Training startete.