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Wahr ist das, was ankommt. Der Hörer decodiert, was der Sprechende codiert hat. So werden wir heute durch Watzlawick & Co. über die Grundparadigmen der Kommunikation belehrt. Bereits Augustinus (365-430) hat in einem Frühwerk “De magistro” (389/90), das in einem Dialog mit seinem Sohn Aeodat abgefasst ist, über die Wirkung von Worten nachgedacht. Sein Standpunkt: Alles sinnvolle Fragen und Antworten im Gespräch ist nur möglich im Horizont bereits erreichten oder zumindest erstrebten Wissens. Den Wörtern an und für sich sprach er jeden Erkenntniswert ab. Sprache ist zwar nützlich für die Kommunikation; Kommunikation ist für ihn aber nicht wichtig für Erkenntnis, die von ihm sprachfrei konzipiert ist. Dass Worte nicht genügen, macht er gegen Schluss des Dialogs an verschiedenen Bespielen deutlich.
- Ein Sprecher kann etwas vorbringen, ohne von dem, was er vorbringt, überzeugt zu sein; es ist zumindest ungewiss, ob die geäusserten Wörter die Gedanken des Sprechers anzeigen.
- Durch Lügen werden die Gedanken des Sprechers bewusst entstellt.
- Eine geäusserte sprachliche Sequenz spiegelt nicht die Gedanken des Sprechenden wider, weil der Sprechende im Vollzug des Sprechens an anderes denkt als an das, was er artikuliert.
- Wörter werden entgegen ihrer gewöhnlichen Verwendung anders gebraucht.
- Die Nachlässigkeit beim Hören von Wörtern bringt unnötigen Streit hervor.
- Selbst wenn Wörter die Gedanken des Sprechenden anzeigen, so ist damit nicht ausgemacht, dass diese Gedanken Erkenntnisse sind.
Auch wenn diesem Werk spekulative Elemente anhaften, verdeutlicht es eines: Unsere “Wirkung im Ziel” ist nur beschränkt von uns abhängig.. Aedot formuliert es in seiner Zusammenfassung so:
Ich habe in der Tat durch die Aufforderung deiner Wörter gelernt, dass der Mensch durch Wörter lediglich aufgefordert werden kann zu lernen… (14,46)
Wissen erhält einen Vokalpunkt: Christus. Wer sich ihm innerlich zugewendet hat, lernt von ihm.
…ihn zu lieben und zu kennen, das ist das glückliche Leben, von dem alle laut verkünden, dass sie es suchen; nur wenige aber gibt es, die sich dessen erfreuen dürfen, es wirklich gefunden zu haben. (Ebd.)
Aus: Augustinus. De magistro. Philipp Reclam jun.: Stuttgart 1998.