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Chiara Weber
In den 1990er-Jahren wurde der Geriater William Thomas in Amerika wegen eines Ausschlages zu einer alten Dame gerufen. Als er sie behandeln wollte, griff sie nach seinen Arm und sagte:»Herr Doktor, der Ausschlag ist nicht mein Hauptproblem. Mein Hauptproblem hier ist die Einsamkeit.» Er nahm sich des Anliegens der alten Dame an, indem er das Heim beobachtete. Es war ein moderner Bau mit sehr guter Ausstattung, das Personal war freundlich, aber die Bewohner hatten keine Beschäftigung. Zusätzlich zu der Einsamkeit fand er zwei weitere Qualen, Hilflosigkeit und Langeweile. Hilflosigkeit entsteht daraus, dass das Personal unter Zeitdruck steht und den Bewohnern viel abnimmt, das sie eigentlich auch selbst noch erledigen könnten. Der Geriater William Thomas arbeitete schliesslich die Eden-Alternative aus. Die Eden-Alternative ist eine Betreuungsphilosophie mit dem Ziel, die Lebensqualität und Menschlichkeit in Pflegeheimen in den Mittelpunkt zu stellen und den Qualen in Pflegeheimen entgegenzuwirken. Die Eden-Alternative besteht aus zehn Prinzipien. Diese zehn Prinzipien sind darauf ausgelegt, das Wohl der alten Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Durch liebevolle Begleitung und gemeinsame Aktivitäten wird der Einsamkeit, Hilflosigkeit und Langeweile entgegengewirkt. Eine menschliche Gemeinschaft sorgt für Abwechslung und Spontanität. Auch der Kontakt zu Tieren soll alten Menschen nicht verwehrt werden. Aber auch eine gute Führung und gute Schulung des Personals sind wichtig. Die Leiterin oder der Leiter sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Die Eden-Alternative ist weltweit vernetzt und wird in fünf Kontinenten eingesetzt.
Eden im Pflege- Kurzentrum Dorfplatz
Als Renate Klein, die Geschäftsführerin des «Dorfplatzes», vor 23 Jahren im «Dorfplatz» in Oberhelfenschwil als Leiterin angefangen hat, begann sie, das bestehende System zu hinterfragen. «Wieso müssen die Bewohner alle um acht am Frühstückstisch sitzen? Und dann um halb neun vor den Fernseher mit einem Glas Tee in der Hand? Ist das noch lebenswert?» Sie hat das alte System umgestellt, um dem Neuen mit der Eden-Alternative eine Identität gegeben.
Für die Eden-Alternative wurde das ganze Personal geschult. Auch die Mitarbeitenden des Restaurants, der Küche, des Hausdienstes und des Solebades. «Es ist wichtig, dass alle zusammenarbeiten und wissen, was sie dürfen und was nicht. Was ist in dieser Situation angebracht? Das muss von der Leitung kommuniziert werden. So kann auf individuelle Bedürfnisse und Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner eingegangen werden,» sagt Silvia Lüdi, Koordinatorin der Eden-Alternative.
«Der ‹Dorfplatz› ist eigentlich schon ein Eden-denkendes Haus. Wir wollen mit dieser Schulung alle Mitarbeiter mehr einbeziehen, sensibilisieren und dem Ganzen einen Namen geben», sagt Renate Klein. «Das Personal soll selbstständig Entscheidungen treffen dürfen, die für unsere Bewohnerinnen und Bewohner mehr Lebensqualität bringen. Wir sehen uns als eine Gemeinschaft, die das Wohl der von uns betreuten Menschen in den Mittelpunkt stellt und ein lebenswertes Leben ermöglicht.» Eine Gemeinschaft, die nach der Eden-Alternative praktiziert, sorgt mit Abwechslung und Spontanität für ein Umfeld, indem unerwartete und unvorhergesehene Ereignisse stattfinden dürfen.
Es ist wichtig, den alten Menschen Respekt entgegenzubringen, findet Renate Klein. Eigentlich sind die Mitarbeitenden die Besucher im Heim, die Bewohner sind hier zu Hause. Drei intensive Schulungstage haben die Mitarbeiter hinter sich und ihr Tun und Handeln mit Blick auf Eden hinterfragt. «Die Rückmeldungen der Mitarbeitenden nach der Schulung auf die Eden-Alternative sind sehr positiv» sagt Silvia Lüdi. Das Pflege- und Kurzentrum wird die Eden-Alternative als gesamtbetriebliche Philosophie weiterführen und so die spezielle Atmosphäre beibehalten, die nur hier in Eden-Heimen anzutreffen ist.
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