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Im Zustand der Entrücktheit erscheint Parzival ein Tagtraum. Er beschreibt das Ritual der Gralsgesellschaft auf der Burg Munsalvaesche als Vorahnung auf seinen späteren Besuch.
Wir befinden uns im Hochmittelalter. Rittersänger und Angehörige des Klerus erzählen uns ihre Geschichten, so auch Wolfram von Eschenbach, Autor des berühmten Parzival.
Das Geflecht aus Texten von Eschenbachs achthundert Jahre alter Fabel und Adolf Muschgs zeitgenössischer Parzival-Darstellung Der Rote Ritter bildet die Rahmenhandlung unserer heutigen Aufführung. In die gespielte und erzählte Parzival-Episode eingebettet sind Werke der Musik und der Bildenden Kunst sowie Tanz und Bewegungstheater.
Die kurze Episode zeichnet die Begegnung Parzivals mit Sigune nach dessen Aufenthalt in der Gralsburg Munsalvaesche.
Ist Parzival seiner Erlöserrolle gerecht geworden, oder hat er ein weiteres Mal versagt? Wird er neuer Gralskönig, oder gerät er zur Spottfigur? Die Episode handelt vordergründig von Ehre, Enttäuschung und Treue. Denn auf der Skala der Gemütsregungen werden weitere Facetten zum Vorschein kommen. Die Grenzgänger Parzival und Sigune präsentieren sich in Schauspiel, Tanz und Bewegungstheater.
Die Episode beginnt nach Parzivals folgenschwerer Nacht auf der Gralsburg Munsalvaesche. Mit dem Ausbleiben der alles entscheidenden Frage nach dem Befinden seines Gastgebers, des schwerkranken Gralskönigs Anfortas, verwirkt er seine Bestimmung als Retter in der Not und zukünftiger Gralskönig. Anfortas leidet weiter, Parzival verliert seine Ehre.
Verzweifelt nimmt er zur Kenntnis, dass die Leute vom Hof alle weg sind. Wütend und beleidigt verlässt er die Burg.
Der Wehlaut einer Frau lässt Parzival während des Ritts durch die Gegend aufhorchen. Er führt ihn schliesslich zu einer Linde, in deren Astgabel sich eine Frauengestalt mit einem Leichnam im Arm zeigt – Sigune.
In den darauffolgenden Dialogen zwischen Parzival und Sigune verändert sich das vorerst harmlose Gespräch in eine komplizierte Geschichte. Schon bald erkennt Sigune ihren Cousin Parzival. Er erzählt vom Besuch auf der Gralsburg mit dem arg geschwächten Burgherren Anfortas und dem sagenhaften Gral-Erlebnis. Sigunes folgender Monolog ist zwar eine schwärmerische Lobrede an Parzival, doch es nagt auch der Zweifel, ob er die entscheidende Frage gestellt und König Anfortas von seinem Leiden erlöst habe.
Der zweite Dialog thematisiert die Anwesenheit des Leichnams in ihrem Arm, welcher offenbar ihr verstorbener Geliebter Schionatulander ist, mit dem sie in Treue weiterhin ihr Leben verbringt. Im weiteren Verlauf des Gesprächs bahnt sich, mit einem unbeabsichtigten Seitenhieb an Parzival, der unheilvolle Ausgang der Ereignisse an.
Der Schlussdialog klärt:
Parzival hat nicht gefragt!
Sigune verstummt. Das Bild des heroischen und edlen Parzival stürzt in sich zusammen.
Totaler Ernüchterung folgen Wut und Verbitterung.
Er hat versagt!
Übrig bleibt die abgrundtiefe Verachtung.
Zum Teufel mit ihm!
Gekränkt und beschämt verlässt Parzival den Ort des Geschehens.
Auf zur nächsten Aventiure!