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| Athanasius (295-373) - Vier Briefe an Serapion v. Thmuis (Epistulae ad Serapion)

Erster Brief
16.
Man sollte also, wie ich schon bemerkte, darüber schweigen und sich um solche Leute nicht kümmern. Damit ihnen aber unser Schweigen nicht einen Vorwand für ihre Unverschämtheit biete, mögen sie folgendes hören. Wie man beim Vater keinen anderen Vater nennen kann, so auch beim Sohn keinen Bruder. [S. 425] Denn außer dem Vater gibt es, wie vorhin auseinandergesetzt wurde, keinen anderen Gott. Es gibt aber auch keinen anderen Sohn; denn er ist eingeboren, deshalb ist der Vater alleinig und einer, Vater des alleinigen und einen Sohnes, und in der einen Gottheit war und ist immer Vater und Sohn. Denn, wenn bei den Menschen jemand Vater genannt wird, so ist er doch eines anderen Sohn, und wenn jemand Sohn genannt wird, so ist er doch eines andern Vater, so daß bei den Menschen der Name Vater und Sohn im uneingeschränkten Sinne nicht bestehen bleibt. Abraham z. B. war Sohn des Thare und wurde Isaaks Vater, Isaak war Sohn Abrahams und wurde Jakobs Vater. Das ist das Eigentümliche der Menschennatur; denn die Menschen sind Teile voneinander, und ein jeder, der geboren wird, hat einen Teil vom Vater, damit er selbst wieder eines andern Vater werde. Bei der Gottheit aber ist es nicht so. Denn Gott ist nicht wie ein Mensch und hat keine teilbare Natur. Darum zeugt er auch nicht durch Teilung den Sohn, so daß auch dieser der Vater eines andern würde, weil er selbst von keinem Vater stammt. Aber auch der Sohn ist kein Teil des Vaters. Deshalb zeugt er auch nicht, wie er selbst gezeugt wurde, sondern ist ganz des Ganzen Bild und Abglanz. In der Gottheit allein ist der Vater im uneingeschränkten Sinn Vater und der Sohn im unbeschränkten Sinn Sohn, und darum war der Vater immer Vater und der Sohn immer Sohn. Und wie der Vater niemals Sohn, so wird auch der Sohn niemals Vater sein. Und wie der Vater niemals aufhören wird, alleiniger Vater zu sein, so wird der Sohn niemals aufhören, alleiniger Sohn zu sein. Wahnwitz ist es daher, überhaupt auch nur zu denken oder zu sagen, der Sohn habe einen Bruder und dem Vater komme der Name Großvater zu. Denn in der Schrift wird der Geist nicht Sohn genannt, damit er nicht für einen Bruder (des letzteren) gehalten werde, noch Sohn des Sohnes, damit der Vater nicht als Großvater betrachtet würde. Der Sohn wird vielmehr Sohn des Vaters, und der Geist wird Geist des Vaters genannt, und so gibt es eine Gottheit der heiligen Trinität und einen Glauben an sie. [S. 426]