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Abstract: Die Dissertation beschäftigt sich mit der Betrachtung eines Gebietes der Stadt Zürich aus archäologischer Sicht, genauer des Siedlungsteils zwischen der Fraumünsterkirche beim Münsterhof und dem Lindenhof, Ort des spätrömischen Kastells und der späteren Pfalzen in der Zeit zwischen Früh- und Hochmittelalter. Bisher wurden aus Grabungen auf Stadtgebiet vor allem vorläufige Auswertungen von Hausuntersuchungen publiziert, das Schwergewicht auf Aufgehendes gerichtet. Fund- und Befundvorlagen von archäologischen Ausgrabungen fehlen fast gänzlich – Ausnahmen sind die grossen Werke zur Ausgrabung aus den 1930-er Jahren auf dem Lindenhof einerseits (Vogt 1948), zu den Grabungen auf dem Münsterhof andererseits (Schneider et al. 1982).
Die Auswertung der grossen Altgrabungen im Zwischenbereich dieser zwei Eckpunkte – frühes Kloster und Pfalzbauten - soll ein wichtiges Gebiet in seiner städtebaulichen und sozialen Entwicklung genauer erfassen und dies auch mit Fundmaterial aus der Zeit vor der grossen Schriftquellenmenge ab dem 13. Jh. Je nach Ergebnissen der Auswertungen wird eine Erweiterung der archäologischen Quellenbasis auf Bereiche westlich und östlich des Lindenhofs angestrebt.
Fragen im Zusammenhang mit den Befund- und Fundauswertungen:
Wie hat sich das betreffende Gebiet zwischen Früh- und Spätmittelalter entwickelt und wie zeigt sich dies ganz konkret anhand von veränderten Wohn- und Lebensformen? Welche Rolle spielen die Fluktuationen des See- und Flussspiegels und die teilweise erkennbare Landgewinnungen durch Aufschüttung von Erdmaterial? Lässt sich im betreffenden Gebiet der Einfluss des Fraumünsterklosters ausmachen, welches – wie Schriftquellen zeigen – wenigstens ab dem Spätmittelalter in Bezug auf diesen Siedlungsteil Abgaben von seinen Ministerialen erhält? Welche archäologisch fassbaren Tätigkeiten in Zusammenhang mit handwerklicher Tätigkeit, Handel, Administration etc. wurden in diesem Gebiet ausgeübt, und welche Siedlungsverdichtung lassen sich im Laufe der Zeit nachweisen? Da die Fixierung der absoluten und relativen Abfolge der archäologischen Schichten und der Funde neben den naturwissenschaftlichen Möglichkeiten immer noch die typologische Datierung mit Hilfe von Keramiksequenzen benutzt, soll die 2010 von Homberger/Zubler vorgestellte Keramikseriation durch weiteres Fundmaterial aus Zürich ergänzt und verfeinert werden.
Projektbetreuung: Prof. Philippe Della Casa, Abteilung Ur- und Frühgeschichte des historischen Seminars der Universität Zürich, Prof. Georges Descoeudres, Kunsthistorisches Institut, Archäologie und Mittelalterliche Kunstgeschichte, Universität Zürich.