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Ein Jahr mit George Verwer
Die meisten Menschen erkennen den Gründer von OM, George Verwer, an seiner Windjacke mit der Weltkarte darauf und dem riesigen Globus, mit dem er bei seinen Reden hantiert. Wer ihn aber näher kennt, weiss, dass er der König der Korrespondenz ist, immer mit allen in Verbindung durch E-Mails, Briefe und Anrufe. Doch es gibt eine Gruppe von Männern, die die meisten Stunden mit George verbracht haben und wohl am tiefsten von ihm geprägt worden sind – seine „go-fers“ (junge Männer, die George Verwer für ein Jahr begleiten und ihn unterstützen).
Sie reisen ein Jahr lang mit ihm, helfen ihm dabei, mit den E-Mails auf dem Laufenden zu bleiben, verkaufen Bücher und spielen Fahrer, Leibwächter, Botenjunge und was George sonst noch braucht. Dafür begleiten seine „go-fers“ ihn überall hin. 2005 sagte George zu seinem go-fer Nathan Smith: „Ich nehme dich durch die ganze Welt mit. Ich werde dir wichtige Gelegenheiten zum Dienst geben. Ich werde dir die Möglichkeit bieten, manches Unglaubliche zu tun.“
Die Lektionen, die die go-fers von George gelernt haben, kann man nie vergessen.
Go-fer werden
Nathan hörte George zu ersten Mal sprechen, als er Student am Moody Bibel-Institut war. „Alle waren wie elektrisiert, weil er da war,“ erinnert sich Nathan. „Er redete offen über seinen Kampf mit der Sünde. Und doch hat er diese erstaunliche Organisation ins Leben gerufen, die über eine Milliarde Menschen mit dem Evangelium erreicht hat.“
Nathan weiss noch, wie er auf dem Globus seine Hand auf die Grenzen des Irak legte und für seine Freunde dort betete. Nathan war überwältigt von der Vorstellung, dass man im Irak und auf der ganzen Welt Freunde haben konnte. Er dachte: „Es wäre wirklich cool mit George zu reisen ... aber das wird mir nie geschehen.“ Doch zwei Jahre später bestieg Nathan ein Flugzeug, um George in London zu treffen, und er erinnert sich, dass er dachte: „Herr, du hast mich erhört und mir diese Möglichkeit geschenkt.“ Mit George bereiste Nathan 39 Länder. Das letzte war der Irak, wo Nathan nun auch Freunde hat.
Georges Vermächtnis
Nathan hat zwei bedeutende Dinge gelernt. Als Erstes, dass Gott zerbrochene Menschen gebraucht, und so arbeitete George bei OM: Nie sagte er Nein zu jemandem, der dienen wollte, selbst wenn er ihm in theologischer Hinsicht nicht zustimmte. „Er sorgte für einen geschützten Ort, wo man ein Mensch sein konnte, der mit allem, was er hatte, Gott dienen wollte,“ sagt Nathan. „Niemand hatte je zuvor so etwas geschaffen – immer hatte es geheissen: Du musst perfekt oder ganz heilig oder wirklich gut sein, um grosse Dinge in Gottes Reich zu tun. George hat mir klargemacht, dass das nicht stimmte.“
Als Zweites lernte Nathan, dass ein guter Leiter nicht nur sein eigenes Zerbrochensein erkennt, sondern auch das Zerbrochensein anderer Menschen annimmt. Ein Beispiel dafür war Georges Bereitschaft, Menschen aufzusuchen, die Probleme mit ihm hatten. „Er hat in all den Jahren immer wieder Feinde gehabt, die ihn angriffen, verspotteten und kritisierten, und er konnte direkt zu diesen Personen hingehen und versuchte Brücken zu bauen,“ erzählt Nathan. „Manche von ihnen, die seine härtesten Kritiker gewesen waren, wurden daraufhin seine eifrigsten Unterstützer.“
George bat auch Menschen, oft unter Tränen, um Verzeihung für ein Unrecht, für das er nicht einmal verantwortlich war. Er fand immer, dass Beziehungen wichtiger waren als recht zu haben.
Nigel erzählte, dass George ihn gelehrt habe „weitherzig zu sein oder aber Gefahr zu laufen, voreingenommen und desillusioniert zu werden. Ich erkannte, wie sehr Gott die Kombination von der Sicht auf das grosse Ganze mit realistischen Strategien und einfachem Gehorsam gebrauchen konnte.“
Ein Licht scheint in der Dunkelheit
Einmal sass George in London im Bus, als er einen Schlag hinten auf den Kopf spürte. Ein paar Teenager hatten eine Papierkugel nach ihm geworfen. Zuerst beachtete George es nicht, aber dann geschah es noch einmal. Er holte ein paar Bibeltraktate heraus und ging zu ihnen nach hinten. „Ich weiss, wie das ist, wenn man jung ist,“ sagte er. „Ich habe als Junge in New Jersey eine Gang angeführt, aber jetzt habe ich Jesus lieb, und ich möchte euch diese Traktate geben.“
Er ging zu seinem Platz zurück, spürte aber bald wieder, wie eine Papierkugel seinen Kopf traf. Diesmal war es ein zusammengeknülltes Traktat. Aber einer der Jungen verliess die Gruppe und setzte sich neben ihn. George erzählte ihm, was Christus für ihn getan hatte und was er auch für diesen Jungen tun könnte.
„Man sagt, dass die grössten Leiter die sind, die den schlimmsten Missbrauch erdulden können, besonders, wenn er aus dem eigenen Umkreis kommt, und dennoch Liebe und Würde ausstrahlen können, ohne Gegenleistung zu erwarten,“ schrieb Nathan über diesen Vorfall. „Ich glaube, dass die Christus-Ähnlichkeit, die George diesen jungen Männern zeigte, für immer Gnade und Liebe in ihre Herzen einprägen wird, die bis dahin nur Verurteilung, Vergeltung und Verlangen danach, was man verdient, gesehen hatten. Dies ist das Licht des Evangeliums, das den Menschen in der Dunkelheit scheint.“
Ein nachhaltiger Eindruck
Während seiner Zeit bei George wurde Nigel dazu inspiriert, seinen eigenen Dienst aufzubauen, ‚MoveIn‘, der Christen bewegt, zu den unerreichten Armen in der Stadt zu ziehen. Zu dieser Organisation gehören 39 Teams in 14 Städten in England, Deutschland und Kanada. Nigel brachte ebenso ein Jüngerschaftsschulungszentrum (DC) für junge Männer auf den Weg, wo sie leben, essen, beten und zusammen Andacht halten in der Hoffnung, ihrer Umgebung Christus deutlich zu machen. 29 Männer aus Ländern wie Kasachstan, Iran, Kenia und Mexiko haben bei DC gelebt.
Nathan und seine Frau Abby haben ihr Haus zu einem ‚geschützten Ort’ für andere gemacht. Er ist Jugendpastor und praktiziert die Geduld, Liebe und Nachsicht, die er von George gelernt hat.
„Als ich nach zwei Jahren OM verliess, sagte ich: ‚George, du bist wie ein Vater zu mir gewesen’“, sagt er. „Es gibt nur wenige Männer auf diesem Planeten, die näher an Jesus dran sind, als George Verwer.“ Als Nathan heiratete, war George Trauzeuge. „Es gibt niemanden wie ihn, und es wird auch niemanden wie ihn wieder geben,“ bekräftigt er.
Megan R. hat 2013 drei Monate bei OM im Nahen Osten verbracht und geschrieben und Fotos gemacht. Jetzt arbeitet sie als verantwortlicher Herausgeber der OM-Nachrichten-Website neben ihrer vollzeitlichen Kommunikationsarbeit für ein theologisches Seminar in den USA. Sie und ihr Mann Erik lieben Musik, erforschen gern neue Orte, lieben guten Kaffee und sind gern mit Freunden und mit ihrer Familie zusammen.