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Die Eisenbahn revolutionierte nicht nur den Verkehr und sorgte für dessen Beschleunigung, sondern brachte zudem eine einheitliche Zeitrechnung in Kontinentaleuropa.
Zunächst verkehrte die Eisenbahn auf einzelnen kurzen Strecken. Mit der Zeit wuchsen richtige Netze heran. Die verschiedenen Zuggesellschaften hatten alle ihre Eigenheiten, die sich mit zunehmendem Wachstum weiter verbreiteten. Dabei gab es Unterschiede in den Spurweiten, Uniformen, Betriebsvorschriften und vielem mehr. Eines besassen sie aber alle: einen Fahrplan. Allerdings ist dieser Fahrplan nicht mit dem heutigen zu vergleichen, was zum Beispiel die Uhrzeit betrifft. Solange die Reisenden sich nicht über lange Distanzen bewegten und nach dem Rhytmus von Sonnenauf- und Untergang lebten, war es kein Problem, wenn in einem Ort eine andere Uhrzeit galt als in einem anderen. Die Uhrzeit war nach der einfachsten Regel bestimmt: Wenn die Sonne am höchsten steht ist es 12 Uhr mittags.
Herausforderung: Welche Uhrzeit gilt?
Irgendwann wurde es zu einer grossen Schwierigkeit, dass ein Zug mehrere Zeitzonen durchfuhr. Es stellte sich die Frage: Welche Uhrzeit gilt für diesen Zug? Die Uhrzeit bei der Abfahrt, bei der Ankunft oder immer die lokal gültige Zeit? Welche Uhrzeit wird im Fahrplan für die Kunden veröffentlicht und welche verwendet das Bahnpersonal?
Zunächst wurde die Ortszeit einer bedeutenden Stadt zur überregional gültigen Zeit herangezogen; diese Stadt lag meist an einem Endpunkt einer Eisenbahnlinie. Das Vorgehen stiess an seine Grenzen, wenn mehrere Linien in einem Bahnhof endeten. Die Reisenden mussten somit wissen, welche Uhrzeit für welche Linie an ein und demselben Bahnhof galt. Heute wäre es undenkbar, wenn in Zürich für Züge in Richtung Bern eine andere Zeit gelten würde als für Züge ins Tessin. Eine Veränderung war notwendig: die Einführung einheitlicher Zeitzonen. Eingeführt wurden diese nicht von staatlicher Seite, sondern durch die Bahngesellschaften. In Nordamerika geschah dies um 1883. Es war für andere Bereiche ebenfalls vorteilhaft, wenn eine einheitliche Zeit galt. So führte die Schweiz 1894 die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) für die Verkehrsbetriebe sowie für den Post- und Telegrafieverkehr ein. Die bereits gesamtschweizerisch gültige Berner-Zeit wurde um 30 Minuten vorgestellt. Viele Kantone entschieden sich, teils nach heftigen öffentlichen Debatten, in ihren Hoheitsgebieten ebenfalls dieser Weisung zu folgen. In den anderen zwei deutschsprachigen Ländern Deutschland und Österreich war die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) zu diesem Zeitpunkt standardmässig eingeführt.
Die heutige Einteilung in Zeitzonen und der Bezug auf die koordinierte Weltzeit (UTC) sind mittlerweile wissenschaftlich bestimmt. Sie folgen historischen und politischen Motiven. Die Eisenbahn ist noch heute teilweise von der Zeitfrage betroffen, denn weiterhin verkehren Züge durch mehrere Zeitzonen. Sowohl die Transsibirische Eisenbahn wie auch die transkontinentalen Verbindungen in Amerika oder Asien sind davon betroffen. Die Festlegungen dazu treffen nicht mehr die Bahngesellschaften.