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Mærjelensee
(Kt. Wallis, Bez. Goms). 2367 m. Kleiner Gletscherstausee, in einem linksseitigen, durch den Gletscher abgedämmten Seitenthälchen des Grossen Aletschgletschers, zwischen dem Eggishorn und den Strahlhörnern und s. unter der Märjelenalp. Der See zerfällt durch einen unterseeischen Rücken in ein östl. und ein westl. Becken. Er ist sowohl in Bezug auf seine Oberfläche als seine Wasserhaltung sehr beträchtlichen Schwankungen unterworfen. Während er für gewöhnlich entweder nach W. durch den Aletschgletscher zur Massa, oder bei Stauung von dieser Seite her nach O. durch den Seebach zum Fiescherbach abfloss, pflegte er sich von Zeitzu Zeit in plötzlichem, gewaltsamem Ausbruch durch und unter dem Aletschgletscher in 2-3 Tagen völlig zu entleeren und dann das Rhonegelände unterhalb der Massamündung zu überfluten. Eine kurz nach dem Ausbruch vom 18./19. Juli 1878 erfolgte amtliche Vermessung ergab für den See beim höchsten vorher bekannten Stand eine Fläche von 0,445 km2 und ein Wasservolumen von 10400000 m3, nach dem Ausbruch für das w. Becken eine Fläche von 0,085 km2 mit einem Wasserinhalt von 150000 m3, für das ö. eine solche von 0,025 km2 mit 30000 m3, ferner als Niveaudifferenz des Wasserspiegels im w. Becken vor und nach der Entleerung 45 m (maximale Tiefe des Sees 47 m). Um diesen gewaltsamen Ausbrüchen des Sees und der bei ihrem zeitlichen Zusammentreffen mit hohem Rhonestand zu befürchtenden Gefährdungen der Rhonekorrektion vorzubeugen, ist 1889-1894 an der O.-Seite des Sees unter der Märjelenalp ein den kontinuierlichen Abfluss nach dem Fiescherbach sichernder, 489 m langer Stollen mit sich anschliessendem 100 m langem, gedecktem Gewölbe durchgetrieben worden. Durch die damit verbundene Senkung des ¶
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Wasserspiegels ist das Fassungsvermögen des Seebeckens auf 5200000 m3 und seine maximale Fläche auf 0,315 km2 reduziert worden. Es hat aber diese ganze Anlage deswegen nicht den bezweckten vollen Erfolg gehabt, weil die obere Stollenöffnung zu hoch gelegen ist und der See daher nur teilweise entleert werden kann. Stündliche Aufzeichnungen des Limnigraphen in Sitten ergaben bei Anlass des Seeausbruches vom eine am 10. Juli um 1 Uhr Morgens eintreffende maximale Hochflut der Rhone von 6,6 m (normaler Stand 5,3 m). Man erklärt sich die plötzlichen Ausbrüche des Sees durch den Aletschgletscher damit, dass hier unter dem Eis eine kanalförmige Höhlung vorhanden ist, in deren über dem Mittelwasserstand des Sees gelegenen oberen Mund sich das Seewasser bei rascher Niveauerhöhung (wie eine solche z. B. eintreten kann, wenn ein mächtiger Eisblock von oben in den See fällt) hineinstürzt und von dem es dann nach dem Heberprinzip nachgesogen wird. Im See sollen Fische leben. Für die Touristen stehen seit einigen Jahren Ruderboote bereit. (Vergl. Geographische Zeitschrift. V, 1899; S. 598).