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«Du würdest dein Leben hingeben, sagst du, um zu Ruhm und Glück unseres Vaterlandes beizutragen. Wohlan denn, Robespierre, halte dein Wort und erlöse dein Land!» Wer Derartiges in den 1790er Jahren an die Hauswände von Paris plakatieren liess, musste sich über die Konsequenzen im Klaren sein. Doch schreckhaft war die 1748 bei Toulouse geborene Okzitanierin nicht.
Beinahe ebenso früh verwitwet wie verheiratet, hatte sie sich gegen eine zweite Heirat entschieden und das freiere Leben an der Seite vermögender Geliebter in den Pariser Salons vorgezogen. So konnte sie tun, was sie wollte – und das war Schreiben. Als Verfasserin von Liebesromanen hätte sie vermutlich länger und ruhiger gelebt. Sie aber schrieb Theaterstücke (die aufgrund des falschen Geschlechts der Autorin kaum Chancen auf Aufführung hatten) und politische Artikel (die sie aus dem gleichen Grund selbst drucken und aushängen lassen musste). So forderte sie etwa die Abschaffung der Sklaverei und die Einführung einer allgemeinen Steuer, von der auch Adel und Klerus nicht ausgenommen wären.
Einen historischen Schritt aber unternahm sie nach der «Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte» von 1789: Empört, dass die vermeintlichen Revolutionäre nichts an der untergeordneten Stellung der Frau zu ändern gedachten und die Bürgerrechte nur Rechte für Männer waren, veröffentlichte sie ihre eigenen Vorstellungen von Menschenrechten. Als sie dann noch auf Kollisionskurs mit Robespierre ging, waren ihre Tage gezählt: Am 3. November 1793 wurde die unerschrockene Frauenrechtlerin geköpft.
Wie heisst dieses «unmoralische Wesen», nach dem in der Schweiz eine Zeitschrift benannt wurde?
Wir fragten nach Olympe de Gouges, die 1791 erstmals eine «Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin» verfasste.