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Vitamine gehören wie die Mineralstoffe zu den essenziellen Nährstoffen und sind weder wichtiger noch unwichtiger als die anderen essenziellen Nährstoffe. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Die Vitamine wurden erst 1912 entdeckt. Ihre Entdeckung löste einen Hype aus und legte das Fundament zur Industrie der Nahrungsergänzungen. Casimir Funk ist einer der einflussreichsten Wissenschaftler des letzten Jahrhunderts. Der polnische Chemiker studierte anfangs 1900 in Genf und Bern, bevor er weiter nach Paris, Berlin und London zog. Funks Interesse galt der Physiologie und Chemie. Im Speziellen interessierte er sich für die Spurenelemente und für Studien, die zur Entdeckung von damals noch namenlosen, aber lebensnotwendigen Stoffen führten.(1) 1912 nannte Funk diese Stoffe «Vitamine » – ein ganz bewusst gewählter Name, der die Aufmerksamkeit auf diese neuen Stoffe lenken sollte.(2, 3) Was ihm vortrefflich gelungen ist. Der Mensch braucht für sein Überleben Energie aus Fetten und Kohlenhydraten sowie essenzielle Nährstoffe. Vitamine gehören wie die Mineralstoffe zu diesen essenziellen Nährstoffen und sind weder wichtiger noch unwichtiger als die anderen essenziellen Nährstoffe. Auch wenn man häufig hört, ein bestimmtes Vitamin sei «besonders wichtig», so ist dies eine irreführende Beurteilung, denn kein Vitamin ist wichtiger als ein anderes Vitamin. Für den Menschen geht es einfach darum, von jedem einzelnen Vitamin genügend mit der Nahrung aufzunehmen. Mit einer vielseitigen Lebensmittelwahl ist dies gewährleistet. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Sind im Sport mehr Vitamine notwendig?
Die empfohlenen Mengen an Vitaminen werden sicherheitshalber höher als die effektiv im Körper benötigten Mengen festgelegt. Zudem werden die Vitamine während körperlicher Belastung nicht verbraucht, wie es beispielsweise bei den Kohlenhydraten der Fall ist. Daher gilt schon seit jeher, dass Sportlerinnen und Sportler keinen höheren Vitaminbedarf haben als Nichtsportler.(4) Diese Beurteilung ist auch heute noch die Grundlage anerkannter Empfehlungen zur Sporternährung.(5) Nur bei einem vorliegenden, d. h. klinisch diagnostizierten Mangel sollte man an einen Einsatz von Vitaminpräparaten denken.
Kann man als Sportler zu viele Vitamine erwischen?
Ja. Aber dies ist nicht auf den Sport begrenzt. In der Ernährung gibt es das Grundprinzip, dass man von allen Nährstoffen zu wenig oder auch zu viel einnehmen kann.(6) Dies gilt generell auch für die Vitamine. Das Risiko, über natürliche Nahrungsmittel zu viele Vitamine aufzunehmen, ist aber praktisch inexistent. Hingegen kann man durch Präparate durchaus zu hohe Dosen erwischen. Die Empfehlung lautet daher, dass die Dosierung von Präparaten prinzipiell nicht grösserer sein sollte als der empfohlene Tagesbedarf (der jeweils angegeben ist).
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Ist ein Vitaminmangel im Sport besonders häufig?
Eine suboptimale Ernährung kommt auch im Sport immer wieder vor. In einem solchen Fall besteht natürlich die Gefahr einer nicht ausreichenden Zufuhr beim einen oder anderen Vitamin. Ein höheres Risiko liegt vor, wenn man über längere Zeiten oder immer wieder generell wenig isst oder spezielle Diätformen befolgt, bei denen man ganze Lebensmittelgruppen weglässt. Wie häufig dies der Fall ist, lässt sich nicht sagen, denn entsprechende Untersuchungen fehlen. Relativ häufig ist bei Sportlerinnen und Sportlern ein tiefer Vitamin-D-Status, den man leicht über eine Blutuntersuchung ermitteln kann. Aber auch ein Vitamin-D-Mangel ist nicht auf den Sport beschränkt, sondern betrifft die gesamte Bevölkerung.
Wie lässt sich ein Vitaminmangel beheben?
Vor der Korrektur eines Mangels braucht es den entsprechenden klinischen Nachweis. Ist dieser erfolgt, steht an erster Stelle die Suche nach der Ursache. Danach muss man entscheiden, inwiefern der Mangel durch eine Anpassung der Ernährung zu beheben ist. Denn es ist gut möglich, dass ein Vitaminmangel ein Indiz für eine qualitativ minderwertige Ernährung ist. In diesem Fall würde die Behandlung des Vitaminmangels alleine nicht zielbringend sein. Je nach Dringlichkeit der Situation kann dann schlussendlich der Einsatz eines Präparats sinnvoll sein, so wie es häufig im Falle von Vitamin D vorgenommen wird.
Praktische Tipps
Im Sport ist ein chronischer Einsatz von Vitaminpräparaten nicht erforderlich, auch nicht als Prophylaxe. Viel sinnvoller ist eine vielseitige Auswahl an Lebensmitteln, die eine ausreichende Zufuhr an Vitaminen und anderen Nährstoffen gewährleistet. Isst man gemäss der Lebensmittelpyramide für Sportler, werden genügend Nährstoffe eingenommen. Wer dennoch Präparate konsumieren möchte, sollte auf eine maximale Dosierung entsprechend des Tagesbedarfs achten und Multipräparate nutzen. Dadurch ist die Gefahr einer Überschreitung der tolerierbaren Höchstzufuhr eingeschränkt.
Literatur
1. Piro A et al. Ann.Nutr.Metab., 2010; 57: 85–8
2. Funk C. Die Vitamine. Ihre Bedeutung für die Phyisologie und Pathologie, Vol 2. München/Wiesbaden, 1922
3. Funk C. J.State Med., 1912; 20: 341–68
4. Williams MH. Int. J .Vitam. Nutr. Res., 1989; 30: 163–91
5. Thomas DT et al. J.Acad.Nutr.Diet., 2016; 116: 501–28
6. Mertz W. Science, 1981; 213: 1332–8