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Ich begegne an Kursen und Vorträgen über Heilpflanzen gelegentlich der Ansicht, dass Gentianaviolett ( = Kristallviolett) ein pflanzlicher Wirkstoff aus Enzian sei. Das ist ein Irrtum.
Gentianaviolett ist ein synthetisch hergestellter, violetter Triphenylmethanfarbstoff. Nur seiner Farbe wegen kam diese Substanz zum Namen Gentianaviolett. „Gentiana“ heisst die Gattung „Enzian“ in der botanischen Fachsprache. Darüber hinaus hat Gentianaviolett mit Enzian aber gar nichts zu tun.
Gentianaviolett ist aber ein interessanter Stoff.
Zur Verwendung von Gentianaviolett schreibt Wikipedia (kursiv und leicht modifiziert):
Gentianaviolett findet Verwendung als Farbstoff in Farbbändern oder Kopierstiften und vor allem in der mikroskopischen Färbetechnik. Hier bildet es den Hauptbestandteil der sogenannten Gram-Färbung, mit deren Hilfe sich Bakterien grob klassifizieren lassen.
Gentianaviolett wird als pH-Indikator bei der wasserfreien Gehaltsbestimmung von schwachen Basen eingesetzt. Säuert man eine Lösung von Gentianaviolett leicht an, erfolgt ein Farbumschlag von Violett nach Grün, weil das Auxochrom des dritten Kernes seine elektronenliefernde Fähigkeit und damit seine Farbrelevanz durch Addition eines Protons verliert. Ein stärkeres Ansäuern führt zu einer gelben Verbindung, bei der ein weiteres Auxochrom durch Protonierung deaktiviert wird.
Medizinisch wurde Gentianaviolett lange Zeit, bis zur Entdeckung anderer wirksamer Antimykotika, zur Behandlung von Hautpilzerkrankungen (Mykosen), insbesondere Fußpilzen, sowie von Mundsoor verwendet. Dazu wird es als sogenannte Pyoktaninlösung (1–2%) aufgepinselt. Heute wird es wegen der lästigen Einfärbung der Haut in der westlichen Welt fast nur noch in der Naturheilkunde verwendet. Nach Empfehlungen der WHO ist Kristallviolett jedoch als ein essenzielles Medikament einzustufen.
Intravenös wird es eingesetzt zur Therapie von sekundären Lungenmykosen. Die fungistatische Wirkung von Gentianaviolett ist, je nach Mykosenart, um den Faktor 10–100-stärker als das heute stark verbreitete Clotrimazol. Übertroffen wird es nur noch von Amphotericin B, welches jedoch im Vergleich stark toxisch ist. Daher wird Gentianaviolett häufig bei immungeschwächten Patienten eingesetzt.
Gentianaviolett darf nicht ins Auge gelangen, da es schwere Augenschäden verursachen kann. Ferner ist bei äußerlicher Anwendung eine Überdosierung zu vermeiden, da Gentianaviolett, ebenso wie die verwandten und ähnlich verwendeten Triphenylmethanfarbstoffe Malachitgrün und Brillantgrün, zelltoxisch auf die Haut wirkt.
Also gar nix mit Enzian
Die blauen Enziane werden im übrigen auch gar nicht als Heilpflanzen verwendet. Sie gehören einfach zu den Schönheiten unserer Alpenflora und es gibt davon viele verschiedene Arten. Wenn Sie diese Farbkünster näher kennenlernen möchten, dann kommen Sie doch in einen Kräuterwanderkurs zu Heilpflanzen und Alpenblumen in Lenk, Mürren, Vals oder Feldis.
Zu den Heilpflanzen zählt eindeutig der Gelbe Enzian, Gentiana lutea. Er kommt im Enzianschnaps zur Anwendung und in Heilpflanzen-Präparaten gegen Verdauungsschwäche und Appetitlosigkeit.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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