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Die Bekämpfungsschwelle beim Rapsglanzkäfer wurde nach oben angepasst. Unter den aktuellen Produktionsbedingungen können in einer Rapskultur bei bis zu zehn Rapsglanzkäfern pro Pflanze toleriert werden, ohne dass es zu Ertragseinbussen kommt. Unnötige Behandlungen können dadurch vermieden werden.
Der Rapsglanzkäfer ist der wichtigste Schädling in Rapskulturen. Dieser kleine schwarze Käfer verursacht Schäden durch den Frass an noch geschlossenen Blütenknospen, in die er sich bohrt, um zum Pollen zu gelangen, von dem er sich ernährt. Dabei kann der Blütenstempel beschädigt werden, wodurch die Knospe verloren geht. Sobald die Kultur blüht, verursacht der Käfer keine Schäden mehr.
Anpassung der Schwelle an die veränderten Anbaubedingungen
In der Schweiz wird Raps auf 23’000 Hektaren angebaut. Seit den 1980er-Jahren wird eine Bekämpfungsschwelle verwendet. Diese Schwelle gibt an, ab wie vielen Rapsglanzkäfern pro Pflanze eine Bekämpfung des Schädlings erforderlich ist. Dieser Schwellenwert ist aber seit 1996 gleich geblieben, obwohl sich der Anbau von Raps stark gewandelt hat - sowohl bezüglich der Sorten als auch der Anbaumethoden. Heute wird Raps weniger dicht ausgesät, damit die Pflanzen genügend Platz für die Entwicklung haben und ihr Potenzial zur Kompensierung verschiedener Schäden voll nutzen können. Aufgrund dieser Veränderungen war eine Neubestimmung der Bekämpfungsschwelle für den Rapsglanzkäfer erforderlich, um eine überflüssige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden. Die entsprechenden Forschungsarbeiten erfolgten zwischen 2017 und 2020 im Rahmen des Projekts «Bekämpfungsschwellen im Feldbau», das gemeinsam von Agroscope und der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) mit finanzieller Unterstützung des BLW durchgeführt wurde.
Versuche in Nyon und Zollikofen
Am Agroscope-Standort Changins (Nyon) wurden Versuche mit einem kontrollierten Schädlingsdruck durch den Rapsglanzkäfer durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen der Anzahl Schädlinge und dem Auftreten von Schäden zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass bei einem Druck von 5 Rapsglanzkäfern pro Pflanze ein Verlust von durchschnittlich 9 Blütenknospen pro Käfer beobachtet wird. Dieser Wert sinkt auf 5,5 Knospen pro Käfer, wenn der Druck bei 10 Käfern pro Pflanze liegt. Diese Werte decken sich mit den Ergebnissen von Forschenden in England.
Parallel dazu wurden mehrjährige Feldversuche an zwei Standorten (Zollikofen und Nyon) durchgeführt, bei denen die Auswirkungen der Rapsglanzkäfer auf die Schädigung der Blütenknospen und auf den Ertrag untersucht wurden. Um die Schäden im Feld zu simulieren, wurden im Zeitraum vor der Blüte, in dem der Rapsglanzkäfer normalerweise die Kultur befällt, der Hauptblütenstand entfernt. Gleichzeitig wurde die Kultur mit Pflanzenschutzmitteln vor diesem Schädling geschützt, um weitere Schäden zu verhindern. Die Resultate zeigten, dass die Entfernung des Hauptblütenstands einem durchschnittlichen Verlust von 76 Blütenknospen pro Pflanze entspricht. Selbst bei so hohen Schäden am Haupttrieb wurde der Ertrag nicht negativ beeinflusst (Abb. 1).
Grosses Anpassungspotenzial von Raps
Aus diesen Ergebnissen geht hervor, dass bei den aktuellen Produktionsbedingungen (geringere Dichte der Aussaat, Entwicklung der Sorten usw.) ein Schädlingsdruck von 10 Rapsglanzkäfern pro Pflanze toleriert werden kann, ohne dass ein Ertragsverlust zu befürchten wäre. Aufgrund seines grossen Anpassungspotenzials ist Raps in der Lage, den Verlust durch Verzweigungen und sekundäre Blütenstände auszugleichen.
Auf der Basis dieser Ergebnisse wurde entschieden, die Bekämpfungsschwelle für den Rapsglanzkäfer ab 2021 anzuheben (siehe Kasten). Die aktualisierten Bekämpfungsschwellen sind im Agridea-Merkblatt «Bekämpfungsschwellen für Massnahmen gegen die Schadorganismen im Feldbau (im ÖLN obligatorisch)» zusammengefasst (erscheint im März 2021).
Eine wissenschaftliche Publikation zu den detaillierten Ergebnissen ist in Vorbereitung.