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Christian, du hast dich intensiv mit dem Klimawandel auseinandergesetzt. Was sind die Auswirkungen auf die Wasserversorgung?
Christian Moeck: Für Wasserversorger sind zum einen die Auswirkungen auf das Wasserdargebot im Sommer relevant. Wir können bereits heute beobachten, dass sich die jährliche Niederschlagsmenge insgesamt zwar kaum verändert, die Saisonalität der Niederschläge und deren Intensität aber zunehmen. Wir beobachten im Winter vermehrt langanhaltende Niederschläge und im Sommer längere Trockenphasen, die von Extremwetterereignissen unterbrochen werden. Gerade im Sommer wird es in Zukunft vermehrt lokal zu Wasserengpässen kommen. Zum anderen erhöhen langanhaltende Niederschläge im Winter das Risiko von Hochwassersituationen, was zu Qualitätsproblemen führen kann, weil die Verweilzeit des Grundwassers verkürzt wird oder das Hochwasser über das Gebäude direkt in die Fassung gelangen kann.
Wieso kommt es vermehrt zu Wasserengpässen, wenn insgesamt gleich viel Regen fällt wie früher?
CM: Im Winter sehen wir längere Regenphasen und eine steigende Schneefallgrenze. Das ist problematisch, da der Boden einerseits die Wassermengen nicht aufnehmen kann, weil der Untergrund bereits mit Wasser gesättigt ist. Andererseits verfügen wir über weniger Wasserreserven in Form von Schnee in den Bergen. Es fällt nicht nur Regen bis in hohe Lagen, auch die Schneeschmelze setzt mittlerweile bereits vor dem Frühling ein und es bleiben weniger Reserven für den Sommer übrig.
Gibt es Lösungsansätze, um den Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserversorgung zu begegnen?
CM: Die Herausforderung liegt im Kern darin, dass zwar jährlich genug Regen fällt, dieser aber nicht vom Boden aufgenommen werden und zur Grundwasserneubildung beitragen kann. Es stellt sich also die Frage, wie sich das Wasser zurückhalten lässt, insbesondere da der natürliche Rückhalt der Niederschläge im Winter in Form von Schnee in den Bergen immer geringer wird. Die naheliegendste Lösung liegt in einem künstlichen Rückhalt des Wassers, sei dies in Form von Rückhaltebecken und Retentionsflächen oder durch die Renaturierung von Flussläufen, die dann bei hohen Wassermengen in den vorgesehenen Gebieten über die Ufer treten. Wird das Wasser auf diese Weise zurückgehalten, bleibt mehr Zeit, damit es ins Grundwasser sickern und dieses anreichern kann. Aber bauliche Massnahmen allein werden kaum ausreichen. Die Wasserversorger müssen sich darauf vorbereiten, dass Hochwasser und extreme Trockenheit in Zukunft häufiger vorkommen werden.
Wie können sich Wasserversorger auf Extremwetterereignisse vorbereiten?
CM: Das kommt natürlich auf die spezifische Situation und Lage der einzelnen Versorgungsunternehmen an. Befindet sich ein Grundwasserbrunnen beispielsweise in einem Gebiet, das von Hochwasser bedroht ist, kann mit baulichen Massnahmen verhindert werden, dass Flutwasser in den Brunnen gelangt. Da es bei Hochwasser zu hygienischen Verunreinigungen kommen kann, bietet sich an, das Reservoir vorher zu füllen und den Pumpbetrieb während einer Hochwassersituation einzustellen. Um den Auswirkungen der Trockenheit zu begegnen, empfiehlt sich die Vernetzung mit benachbarten Wasserversorgern. Über die Vernetzung können sich Versorger gegenseitig aushelfen, wenn einmal in einer Versorgung wegen Trockenheit oder anderer Probleme das Wasser knapp wird.
Was können Brunnenmeisterinnen und Brunnenmeister tun, um sich auf Hochwasser oder Trockenheit vorzubereiten?
CM: Um sich vorbereiten zu können, braucht es ein gutes Vorhersagewerkzeug. Müssen wir mit einer Trockenphase rechnen? Wie hoch ist die Gefahr für ein Hochwasser? Mit der Website www.drought.ch (durch MeteoSchweiz, BAFU und WSL aufgebaut) entwickeln wir gemeinsam mit dem WSL ein Vorhersagewerkzeug, das die Grundwasserspiegel in den nächsten 30 Tagen modelliert mit dem Ziel, in Zukunft Vorhersagen für die nächsten Monate treffen zu können. Bereits heute sind auf der Website Informationen und Prognosen zu relevanten Kennwerten wie Schneeschmelze, Grundwasserpegel oder Abflüsse einsehbar. Vonseiten MeteoSchweiz gibt es Vorhersagen für mögliche Hochwasser, und das BAFU misst laufend die Grundwasserpegel. Es lohnt sich, diese Informationsquellen zu nutzen, um auf Extremwetterereignisse und Wasserknappheit vorbereitet zu sein. So können sich Versorger frühzeitig mit Sparappellen an die Bevölkerung wenden oder präventive Massnahmen ergreifen, sei dies, um den Gefahren eines Hochwassers zu begegnen oder die Auswirkungen einer langanhaltenden Trockenheit zu mindern.
|Christian Moeck hat an der Georg-August-Universität in Göttingen studiert und das Studium mit einem Master in Hydrogeologie und Umweltwissenschaften abgeschlossen. In seiner Doktorarbeit an der Universität Neuchâtel hat er sich mit der Bewertung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Grundwasserressourcen auseinandergesetzt. Nachdem er als Projektleiter für Hydrogeologie bei der Nagra tätig war, hat er 2020 die Leitung des Schweizer Grundwassernetzwerks (CH-GNet) an der Eawag übernommen.
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