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«Ich drücke dir die Daumen!», versicherte mir die Kollegin, nachdem ich ihr von einer bevorstehenden Konferenz erzählt hatte, die mir auf dem Magen lag. Etwas irritiert überlegte ich mir, ob ich auf dieses Angebot des Daumendrückens mit einem «Danke» zu antworten hätte.
Persönlich fehlt mir nämlich die Überzeugung, dass sich die Leistung eines Athleten oder einer Fussballmannschaft verbessert, wenn ich die Sportübertragung am Bildschirm mit gedrücktem Daumen verfolge. Auch die Konferenz wird für mich wohl kaum angenehmer dadurch, dass sich meine Kollegin durch dreistündiges Daumendrücken eine schmerzhafte Entzündung des Daumengelenks einfängt. Vermutlich wollte sie mir einfach nur zu spüren geben, dass sie mir gutes Gelingen wünscht oder mich in Gedanken unterstützt. Für diese warme zwischenmenschliche Anteilnahme will ich mich von Herzen bedanken. Wirksamer als das Daumendrücken erlebe ich persönlich das Händefalten.
Damit meine ich nicht, dass diese Geste an sich schon etwas bewirkt. Veränderung ist möglich, wenn das Händefalten mit einem Gebet verbunden ist. Ich lasse meine geschäftigen Hände zur Ruhe kommen und lege das Anliegen eines Mitmenschen bewusst in Gottes Hände.
Als der alttestamentliche König Ahasja in einer Notlage war, schickte er Boten los, um Hilfe bei der Gottheit eines Nachbarvolkes zu finden. Da stellte sich der Prophet Elia diesen Boten in den Weg und stellte ihnen die Frage: «Ist denn kein Gott in Israel, dass ihr hingeht, den Baal-Sebub, den Gott von Ekron, zu befragen?» (2. Könige 1.3)
Offenbar war der Gott Israels bei König Ahasja in Vergessenheit geraten. Vielleicht kannte er ihn noch vom Hörensagen, doch rechnete er nicht mehr mit seiner Hilfe. Möglicherweise würde Elia heute seine Frage so formulieren: «Gibt es für dich denn keinen lebendigen Gott, dass du versuchst, dein Schicksal mit Daumendrücken zu beeinflussen?»