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Schablonendekor auf Geschirrkeramik wird im 16. Jahrhundert in der Schweiz entwickelt, findet jedoch grössere Verbreitung auf Ofenkacheln. Die Schablonen mit ausgeschnittenen Mustern bestehen meist aus Pergament, Ziegenleder oder Ölpapier. Sie werden auf die meist engobierte Gefässwandung aufgelegt und dann hellbrennender Ton aufgestrichen, der entsprechend der ausgeschnittenen Löcher ein Muster bildet. Darüber folgt regelhaft eine transparente oder farbige Glasur.
Schablonendekore finden sich aber im 19. und 20. Jh. auch auf Fayence, Steingut und Porzellan. Die Schablonentechnik mit dünnen Blechschablonen wurde in der keramischen Industrie bereits im späten 19. Jahrhundert eingesetzt und findet sich bei fast allen europäischen Herstellern. Dabei konnte die Farbe sowohl mit dem Pinsel als auch mit der Spritzpistole aufgetragen werden (zur Schablonentechnik: Gauvin/Becker 2007, 29). Die Erfindung des Farbauftrags mit Hilfe einer Spritzpistole und Druckluft wurde 1886 in den USA patentiert und im selben Jahr in der Zeitschrift «Der Sprechsaal» in Deutschland vorgestellt. Die Porzellanmanufaktur in Sèvres zeigte bereits 1889 spritzdekorierte Arbeiten auf der Weltausstellung in Paris, andere, auch deutsche Herstellungszentren folgten um die Jahrhundertwende. 1910 besassen 93 deutsche Hersteller eine entsprechende Anlage. Abstrakte Spritzdekorationen wurden erst zwischen circa 1925 und 1928 entwickelt und waren vor allem in der Zeit der Weimarer Republik im Kontext des Art Deco topmodern (Anthonioz 2019).
Frz.: décor au pochoir
Engl.: decoration with templates or patterns
Bibliographie:
Anthonioz 2019
Stanislas Anthonioz, À la table de l’art moderne. Céramiques de la République de Weimar (1919-1933), Genf 2019.
Gauvin/Becker 2007
Henri Gauvin/Jean-Jacques Becker, Cent ans de faïences populaires peintes à Sarreguemines et à Digoin, Sarreguemines 2007.