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Prof. Dr. Laurent Stalder
Das Forschungsprojekt, ’Das Haus als Apparat’, beschreibt eine Konzeption von Architektur, die im ’langen’ 20. Jahrhundert die architektonische Debatte dominiert hat. Ziel der Arbeit ist es, die damit verbundenen unterschiedlichen Konzepte der Performanz in der Architektur zu durchleuchten, von ihren konstruktiven Fragen (z.B. Vorfabrikation), statischen Herausforderungen (z.B. plastische Theorie), bauphysikalischen Eigenschaften (z.B. Isolation), infrastrukturellen Veränderungen (z.B. Leitungen und Geräte), bis hin zu den räumlichen Herausforderungen (z.B. Habitat, Environment) und ihren ästhetischen Konsequenzen auf Mensch, Architektur und Umwelt. Letztlich wird es um die Fragen gehen, was es bedeutet, der klassischen Definition von Architektur als festes, dauerhaftes Konstrukt die eines sich ständig wandelnden ‘Environment‘ gegenüberzustellen. Das Forschungsprojekt ’Das Haus als Apparat’ stellt den Forschungsschwerpunkt des Autors dar. Es muss als Weiterführung der Arbeiten zur Architektur der Moderne gesehen werden (Stalder: Muthesius, 2008) und wird in Buchform erscheinen.
Die Arbeit geht von folgenden Hypothesen aus: 1. Performanz bezeichnet in der Architektur zuerst die Leistung eines Gebäudes oder einiger seiner Komponenten. Diese Perspektive erlaubt es, das Haus nicht mehr nur als Unterstand zu verstehen, sondern auch als Apparat zu verstehen, der die Aktivitäten des Menschen vereinfacht (Teyssot, 1989). 2. Unabhängig seiner exakten Leistungen – mechanisch, klimatisch, elektronisch, usw. –, das, was ein Verständnis des Hauses als Apparat auszeichnet, ist der Umstand, dass die Funktionen des Wohnens in dem Sinn ausgelegt sind, dass die Existenz in seinen sozialen, juristischen, aber auch technischen und ästhetischen Dimensionen expliziert werden (Sloterdijk 2004). 3. Der „Haus-Apparat“ ist nicht nur performativ, weil er ein bestimmtes Programm nach einem präzisen Ablauf erfüllt, sondern auch, weil er bestimmte Formen des Handels determiniert. In diesem Sinn kann er als anthropomorph bezeichnet werden: nicht nur, weil er vom Menschen gestaltet ist und seine Handlungen erleichtert oder ganz ersetzt, sondern auch, weil er diesen Gestalt gibt, indem er dem Benutzer und seinem Körper Handlungsvorschriften erteilt. Zwischen Komfortansprüchen und Disziplinarmassnahmen ist der Benutzer von nun an im eigentlichen Plan der Apparatur eingeschrieben (z.B. Kurokawa, 1969, Latour, 1992).
Entsprechend, und auch als Erweiterung der bisherigen Forschung über die Architektur der Moderne, die diese Epoche in ihrer diskursiven Dimension beschrieben hat, setzt das Forschungsprojekt an der Schnittstelle zwischen Architektur-, Technik- und Sozialgeschichte an. Die Architektur der Avantgarde wird – so die Grundannahme – als konkrete Antwort auf die veränderten technischen Bedingungen und sozialen Vorstellungen verstanden.
Die ersten Resultate des Forschungsprojektes wurden in internationalen, Zeitschriften (Archplus, Greyroom, Journal of Design History, Journal of Architecture) oder als Aufsätze in Büchern publiziert oder zur Publikation angenommen.