Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03533.jsonl.gz/695

|Georges Duby, Frauen im 12. Jahrhundert|
Heute habe ich das Buch "Frauen im 12. Jahrhundert" von Georges Duby, fertig gelesen und möchte es hier kurz vorstellen.
Es ist das letzte Buch des bekannten französischen Mediävisten und ist im deutschen Sprachraum leider vergriffen. Das Buch besteht aus drei Teilen die zum Teil einzeln jedoch noch erhältlich sind.
Teil I: Héloïse, Isolde und Andere, Teil II: Mütter, Witwen, Konkubinen, Teil III: Eva und die Prediger.
Duby versucht in seinem Werk, den Blick auf die Frau im 12. Jahrhundert zu schärfen und diesen in Texten nur schemenhaft vorkommenden Wesen ein Gesicht zu geben. Dabei behandelt er die Damen an den Französischen Höfen, da sie wenigstens ab und zu schriftlich erwähnt werden.
Anhand von vielen verschiedenen schriftlichen Quellen, die er auch untereinander vergleicht, versucht er ein Bild der Frauen im 12. Jahrhundert aufzuzeigen. Dies gelingt ihm jedoch nicht ganz. Die Gestalten der Frauen, ihre Gedanken und Wünsche bleiben schemenhaft in der von Männern dominierten Welt des 12. Jahrhunderts.
Duby schreibt in seinem Schlusswort:
"Ich wusste wohl, dass ich von ihrem Gesicht, ihren Gesten, von ihrer Art zu Tanzen oder zu Lachen nichts zu sehen bekommen würde ... Ich habe nur flüchtige, verschwommene, ungreifbare Schatten erblickt. Keines ihrer Worte ist auf direktem Weg bis zu mir vorgedrungen. Alle Reden die ihnen damals in den Mund gelegt wurden, stammen von Männern. ... Doch unter dem Schleier der männlichen Autorität und innerhalb der Grenzen die diese Autorität ihnen zugewiesen hat ... kann ich sie immerhin ahnen."
Im ersten Teil versucht Duby die Züge einiger Frauengestalten freizulegen. Er stellt dem Leser Damen vor wie Héloïse, Eleonore aber auch Maria Magdalena, wie sie zu dieser Zeit gesehen wurde.
Im zweiten Teil befasst er sich mit der Rolle der Frau in der Ehe und zeigt auf wie sie als Gattinnen der Herren ihr Leben führten.
Im dritten Teil geht es um die Sünde der Frau, die Notwendigkeit das gefährdete weibliche Geschlecht zu leiten und wie Frauen damals behandelt wurden.
Obwohl Duby uns nicht das deutliche Bild vorzeigen kann das wir uns wünschen, ist es für mich ein sehr lesenswertes Buch. Der Leser erfährt trotzdem viel über die Frauen zu jener Zeit. Über ihren Stellenwert und ihr Idealbild, aber auch ihre Macht und ihre Stärke. Darüber hinaus erfährt der Leser viel über das gesellschaftliche Gedankengut dieser Zeit. Das Buch ist spannend geschrieben und liesst sich flüssig.
Georges Duby,
Frauen im 12. Jahrhundert,
Fischer Taschenbuchverlag GmbH,
Frankfurt am Main, Deutsche Übersetzung Oktober 1999
ISBN: 3-596-14437-x