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Watling, Marlin 2016. The Marriage of Heaven and Earth. A Visual Guide to N.T. Wright. Create Space.
Auf das Erscheinen dieses Buches zur Theologie von N.T. Wright habe ich mich gefreut. Und die Vorfreude wurde nicht enttäuscht.
Watlings Buch stellt für Wright-Neueinsteiger einen guten Startpunkt dar, um sich je nach Interesse in ein Thema zu vertiefen. Für Wright-Erfahrene ist Watlings Veröffentlichung eine Hilfe zur Reduktion und Sortierung der eigenen Gedanken.
Inhalt
Watling bietet eine kurze, übersichtliche Darstellung der Theologie des populären anglikanischen Neutestamentlers N.T. Wright. Er versteht es, wesentliche Aussagen von Wright prägnant zusammengefasst wiederzugeben und die Hauptaussagen in einfachen Skizzen darzustellen. Trotz der Kürze wirkt die Darstellung von Wattling stringent und man kann dem roten Faden ohne Probleme folgen.
Nach einem Kapitel zum kirchlichen und akademischen Werdegang von Wright, sowie zu seinem Anliegen, folgt eine Darstellung der «frischen» Elemente, die Wright in das theologische Gespräch einzubringen vermag (Bibel als Story lesen u.a.). Das dritte Kapitel beschreibt die Implikationen, welche sich aus einem veränderten Verständnis der Story ergeben. Im abschliessenden vierten Kapitel fasst Watling zusammen, was es nach Wright konkret bedeutet, in Gottes neuer Welt, die in Jesus Christus angebrochen ist, zu leben. Hier geht es um eschatologische Fragen, hier heiraten schliesslich Himmel und Erde (s. Buchtitel).
Zwei Anhänge bereichern das Buch. Im ersten Anhang beantwortet Watling sog. FAQ’s zu Wrights Theologie. Die Antworten zeigen sich als Meinung des Autors, der auf Wright referiert.
Äusserst gelungen ist der zweite Anhang «Digging deeper». Zu jedem Kapitel des Buches führt Watling an dieser Stelle in übersichtlicher Form weiterführendes Material von Wright auf. Leider wird hauptsächlich auf die allgemeinverständlichen Bücher und nur vereinzelt auf Wrights Hauptwerk verwiesen.
Watling nimmt Fragen, Feststellungen und Begebenheiten aus seinen Erfahrungen im täglichen Leben der Kirche auf und bietet mit Wright Alternativen. So z.B. wenn er davon spricht, dass häufig in Predigten aus dem Drama der Bibel nur Ideen und Prinzipien destilliert werden. Dem setzt Watling mit Wright entgegen, dass es darum geht, die Akte des Dramas der Bibel und die intendierte Fragestellung zu erkennen. Die Frage, welche den Metanarrativ der Bibel durchzieht lautet nach Wright: «Wie rettet/schützt Gott sein Projekt Welt?». Wenn diese Frage und der Verlauf der Akte im Drama erkannt werden, befähigt dies die Gemeinschaft der Kirche, im letzten Akt zu improvisieren.
Eine Leseprobe als PDF findest du hier.
Kritische Würdigung
Hilfreiche Reduktion
Selber befinde ich mich mitten in den Anfängen meiner Master-Arbeit zur Theologie von N.T. Wright. Hier hat mir Watlings Zusammenfassung enorme Dienste geleistet. Sein Buch half mir, mich nochmals auf das Wesentliche in Wrights Theologie zu konzentrieren und mich nicht in Fussnoten-Diskussionen und interessanten Debatten zu verlieren. Bei Wrights umfangreichem Werk ist dies nur allzu leicht möglich.
Weiterführende Quellen
Die aussagekräftigen Zitate mit entsprechenden Quellenangaben erlauben es, für eine vertiefte Auseinandersetzung mit einer interessierenden Thematik direkt bei Wright selber weiterzulesen.
Hilfreich sind auch die aktuellen Verweise auf relevante Internetdokumente im Kapitel zur Vita von Wright (Videos, Interviews, Berichte in namhaften Zeitschriften). Daraus lässt sich vieles zur Intention und Motivation von Wright erfahren. Die Berichte zeigen auf, dass Wright bestrebt ist, Theologie, Praxis und Spiritualität nicht als gesonderte Disziplinen zu verstehen. Die einzelnen Bereiche der christlichen Existenz sollen sich gegenseitig fruchtbar erweitern.
Zu unkritisch?
Mancherorts scheint die Darstellung der wright’schen Theologie etwas gar unkritisch und fulminant. Nach Watling gibt es ein «vor» Wright und ein «danach» in der Theologie (Bsp.: Das Verständnis des Königreiches Gottes). Dies ist vielleicht etwas gar hoch gegriffen. Würden Wrights Erkenntnisse tatsächlich so alleine und herausragend in der Landschaft stehen, wäre dies im Gegenteil kein Zeichen theologisch fundierter Arbeit. Zu beinahe allen Themen, von der Bibel als Metanarrativ über das Königreich Gottes bis zur Eschatologie haben sich auch andere Theologen schon vor und mit Wright in ähnliche Richtungen geäussert. Was Wright auszeichnet ist sicher, dass er die verschiedenen Aspekte seinerseits zu einer Story zusammenzufassen vermag und seine Erkenntnisse v.a. interessierten Laien aus unterschiedlichsten Kontexten vermitteln kann. Aber Watling vertritt auch nicht den Anspruch einer kritischen Reflexion der Theologie von Wright. Er will explizit den Ansatz von Wright zusammenfassen. Jede Diskussion im Gespräch mit anderen theologischen Meinungen würde dem Ziel nicht gerecht werden.
Wünschenswert wäre…
In einer nächsten Auflage wäre ein Kapitel zur Hermeneutik von Wright (kritischer Realismus) wünschenswert. Sein Schriftverständnis ist doch bezeichnend und welcher Neutestamentler legt schon seine Methodologie so transparent dar wie Wright (in: Das Neue Testament und das Volk Gottes)? Seine Hermeneutik ist es ja gerade, die ihn zwischen Stuhl und Bank, zwischen «Konservativ» und «Liberal» stehen lässt. Und die schliesslich zu all den wichtigen, neuen, frischen Einsichten führt, die Watling exzellent zusammenfasst.
Es ist zu hoffen, dass dieses gelungene Buch bald in deutscher Sprache erscheint. Damit könnten die wichtigen, frischen Gedanken von Wright die berechtigte weitere Verbreitung im deutschsprachigen Raum finden. Es gibt leider immer noch viele Studierende, Theologen, Pfarrerinnen und Pastoren, die sich kaum an englische Literatur wagen.