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Im Oberländer Tagblatt vom 30. August 1909 findet sich eine kuriose Meldung über das Nidelloch, eine Höhle im Jura, die gemäss Text noch immer ihrer «genauen Erforschung harrt». Interessant ist dabei ein Nebensatz, in dem der Oberländer Tatzel- oder Stollenwurm erwähnt wird:
Schon vor 70 und mehr Jahren, zur Zeit des bekannten Naturforschers Professor Hugi, der auch die Oberländer Höhlen, besonders Gletscherhöhlen erforscht hat, und dem einmal die Guttanner einen sagenhaften «Stollenwurm», so dick wie ein Männerschenkel zusandten — hat das Nidelloch die Aufmerksamkeit der Naturfreunde auf sich gezogen.
Mehr Infos zu einem Stollenwurm und einem Professor Hugi fand ich einer jährlichen Publikation der Naturforschenden Gesellschaft Zürich mit dem eigentümlichen Namen «An die zürcherische Jugend». Dies war gemäss E-Periodica eine Jugendzeitschrift, «welche die Ereignisse des Jahres oder spezielle Themen aus Natur und Wissenschaft zwar wissenschaftlich, aber nicht trocken beleuchtete» und auch das Ziel hatte, die Jugend auf die «Tätigkeiten der Naturforschenden Gesellschaft hinzuweisen und allenfalls als Nachwuchs zu gewinnen».
In der Ausgabe von 1832, die unter anderem Drachensagen behandelt, findet sich folgende Textstelle:
Eine einzige dieser Angaben verdient mehr Aufmerksamkeit, und es ist unbegreiflich, dass man die Sache nicht genauer untersuchte. Vor einigen Jahren, etwa im Jahr 1827 oder 1828 fand ein solothurnischer Landmann, der nach Biel gehen wollte, an einem einsamen Orte, in einer vertrockneten sumpfigen Stelle ein totes Tier, welches nach seiner Angabe mit einem Stollenwurme Ähnlichkeit hatte, da es einige Fuss lang und mit kurzen Vorderfüssen versehen gewesen sei; er dachte gleich daran, das Tier nach Solothurn zu Herrn Professor Hugi zu bringen, und legte es bis zu seiner Rückkunft auf die Seite, wo er glaubte, dass es niemand finden werde. Bei seiner Rückkehr ist es aber von Krähen halb verzehrt; doch bringt er das Skelett nach Solothurn, wo man es untersucht, aber nicht klug daraus werden kann, und daher das Ganze zu näherer Untersuchung nach Heidelberg sandte. Von daher ist es noch nicht zurückgekommen, sei es, dass man etwas gemeines darin fand, oder im Gegenteil eine Seltenheit, welche man nicht gerne mehr zurücksenden wollte. Wir sind daher so klug als vorher, da man in Solothurn nicht einmal eine Abbildung davon machte. Solange man aber keinen Stollenwurm einbringt, so lange kein Naturforscher einen solchen gesehen hat, müssen wir sein Dasein bezweifeln.
Nun, der Stollenwurm-Fund wird hier erwähnt. Ebenso ein Professor Hugi, bei dem es sich wahrscheinlich um den Geologen und Alpenforscher Franz Joseph Hugi handelte. Doch gemäss Text stammte der Stollenwurm nicht aus Guttannen, sondern aus der Region Solothurn-Biel.
Ich denke mal, dass sich beide Meldungen auf denselben Fund beziehen und der Autor des «Oberländer Tagblatt» etwas verwechselt oder schlicht hinzufantasiert hat, um dem Text einen Oberländer Bezug zu geben. Ich weiss es aber nicht. Vielleicht finde ich noch weitere Quellen…
Übrigens fand ich bei der Recherche noch diesen Text: Von Drachen und Stollenwürmern
Bild: Wikicommons