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The moment we stop fighting for each other, that’s the moment that we lose our humanity.
Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Master of Destruction durfte sich Roland Emmerich bereits nennen. Kann er sich nun auch noch mit dem Titel «Prophet» schmücken? 2010 schüttelten Erdbeben in Haiti (mindestens 212’000 Todesopfer), Chile (342 Todesopfer) und China (mindestens 1300 Todesopfer) die Erde durch. Nun legt der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island seit mehreren Tagen den Flugverkehr in Nordeuropa lahm und sorgt für apokalyptische Bilder. Erste Anzeichen für den in «2012» vorhergesagten Weltuntergang?
Wenn es einen Filmemacher gibt, der durch sein bisheriges Werk dazu vorherbestimmt ist, die Welt zu zerstören, dann ist das ganz bestimmt Roland Emmerich. Auf New York hat er es ganz besonders abgesehen. Schon dreimal hat er die Stadt ordentlich demoliert. Zuerst durch Ausserirdische in «Independence Day», dann durch eine Riesenechse in «Godzilla» und zuletzt durch den Klimawandel in «The Day After Tomorrow». In «2012» inszeniert Emmerich gleich den Weltuntergang. Vor allem Los Angeles muss in diesem Katastrophenfilm leiden – und John Cusack.
Im Jahre 2009 erhält die amerikanische Regierung einen vertraulichen Bericht, der bestätigt, dass die Erde schon in wenigen Jahren dem Untergang geweiht ist. Wegen gewaltigen Eruptionen der Sonne wird das Innere der Erde durch Neutronen aufgeheizt. Die relativ stabilen Erdplatten beginnen sich zu verschieben. Während engagierte Wissenschaftler rund um Adrian Helmsley (Chiwetel Ejiofor, «Children of Men») fieberhaft nach Auswegen aus der Katastrophe suchen, wird an oberster Stelle ein geheimer Katastrophenplan entwickelt, der jedoch nicht die Rettung aller Menschen vorsieht. Die Katastrophe tritt sowieso früher ein, als erwartet.
Der erfolglose Schriftsteller Jackson Curtis (Cusack, «High Fidelity») und seine zwei Kinder machen gerade einen Familienausflug in den Yellowstone Nationalpark. Dabei stossen sie nicht nur auf eine gigantische militärische Forschungseinrichtung, sondern auch auf den exzentrischen Radiomoderator Charlie Frost (Woody Harrelson, «Seven Pounds»), der alle Anzeichen vom bevorstehenden Ende der Welt akribisch festhält. Als bald darauf in Los Angeles die Strassen aufbrechen, weiss Jackson, dass er den Kampf gegen die Naturkatastrophe aufnehmen muss. Vielleicht gibt es ja sogar noch Platz für ihn, seine Kinder und seine Ex-Frau Kate (Amanda Peet) auf den Archen, die in China gebaut wurden.
Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Roland Emmerich lässt sich bestimmt ganz gerne vorwerfen, dass er Gigantismus betreibt. Dieses Mal hat es ihm nicht einfach ausgereicht, dass sich die Menschen nur vor einer Gefahr in Sicherheit bringen müssen. So inszeniert er Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis. Da erstaunt es auch nicht, dass das fertige Produkt wie eine Mischung aus «Earthquake», «Volcano» und «Poseidon» aussieht. «2012» bietet also sozusagen drei Filme zum Preis von einem. Jetzt noch das Popcorn gratis dazu und wir haben schon fast ein Sonderangebot.
Der Anspruch auf minimalen Realismus kann gleich an der Kasse abgegeben werden. Grösser, lauter und näher sind die Gefahren in «2012». Jede Sekunde, in jeder Szene. Die visuellen Effekte sind grundsätzlich ganz anständig, teilweise aber auch ziemlich grotesk. Dazu sind auch die Situationen zu exzessiv. Drei Mal kann ein Flugzeug gerade noch starten, bevor die Startbahn versinkt. Die Protagonisten sind dabei immer genau einen Millimeter oder weniger vom Tod entfernt. Das ist schon so stark übertrieben, dass es wirklich nur noch komisch ist. Gut möglich, dass das von Emmerich auch so beabsichtigt ist. Eine solche Bedrohung ist schliesslich jenseits von jeglicher Glaubwürdigkeit. Selbst wenn sie einmal eintreffen sollte.
Auch sonst ist der Film ordentlich humorvoll. Die Figuren sind von einem den Umständen entsprechenden Sarkasmus geprägt. Enthalten sind ausserdem Seitenhiebe auf die Schwäche des Dollars (die Kosten für einen Platz auf der Arche sind in Euro angegeben), auf Kritiker («What do they know?») und den Gouverneur von Kalifornien («The guy’s an actor, he’s reading a script»). Ansonsten dienen die Dialoge zwischen den Figuren erwartungsgemäss mehr oder weniger als mittelmässige Lückenfüller. Da wird zwar auch noch eine Geschichte von einem Vater erzählt, der wieder zu seiner Familie finden will, aber das stammt geradewegs aus dem Handbuch für sentimentale Rührstücke und ist daher wenig überzeugend.
Mehrmals verabschieden sich ausserdem Väter schwerfällig und pathetisch von ihren Kindern (wo sind bloss die Mütter?). Die Wiederholungen von mehreren solcher Szenen führt dazu, dass der Film über 150 Minuten lang ist. Das ist auch für eine derart gewaltige Ansammlung von Katastrophen zu viel. Da entsteht zwischendurch der Eindruck, dass Emmerich zu viel auf negative Kritiken gehört hat und sich nun eine umfassende Rahmenhandlung leisten wollte. In «The Day After Tomorrow» hat Emmerich noch bewiesen, dass er auf überflüssige Szenen verzichten kann, in «2012» sind nun doch einige zu viel davon vorhanden. Langweilig wird es dennoch selten. «2012» ist ein kolossaler Katastrophenfilm mit meist zügigem Tempo, ausreichend Humor und Selbstironie und einzig einer ein wenig zu umfangreichen Rahmenhandlung.
Die Bildqualität der Blu-ray-Disc ist grundsätzlich tadellos. Nur in einigen mit digitalen Kameras gedrehten Szenen ist die Pixelierung nicht ganz sauber und erzeugt einen seltsamen künstlichen Eindruck. Überwältigend wuchtig ist die Tonspur in DTS-HD MA 5.1. Umfangreich, aber teilweise doch nur mittelmässig ist das Bonusmaterial. Bezeichnend dafür ist der Beitrag «Science Behind the Destruction» (13 Minuten), in dem vor allem Vertreter von Weltuntergangs-Theorien zu Wort kommen, die dann am Schluss aber durch Emmerich mit der flüchtigen Bemerkung «Who knows?» relativiert werden. Nicht gerade besonders wissenschaftlich.
Emmerich führt auch zusammen mit Co-Drehbuchautor und Komponist Harald Kloser auf einem Audiokommentar durch den Film. Sie beschränken sich aber zu häufig auf die Erklärung der Figuren. Ziemlich zufällig zusammengestellt sind die Video-Beiträge auf einem Bild-in-Bild-Kommentar, der zudem technisch durch zu leisen Ton enttäuscht. Solide sind dafür die meisten übrigen, konventionelleren Extras, wie die entfallenen und alternativen Szenen (8 Minuten) und die Drehberichte «Designing the End of the World» (26 Minuten), «The End of the World: The Actor’s Perspective» (7 Minuten) und «Roland Emmerich: The Master of the Modern Epic» (10 Minuten). Zum letzten Beitrag muss ergänzt werden, dass ganz bestimmt nicht Emmerich der Meister des modernen Epos ist. Den Titel würde ich eher Ridley Scott zusprechen. Emmerich ist dafür wie eingangs erwähnt der «Master of Destruction».
Bewertung:
Bildqualität (Blu-ray):
Tonqualität (Blu-ray):
Bonusmaterial (Blu-ray):
(Bilder: ©2009 Sony Pictures Releasing GmbH)
2 Kommentare to “«2012» von Roland Emmerich (Blu-ray)”
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