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Man wundert sich doch ein wenig: Erst vor anderthalb Monaten, am 17 Mai, erschien «Egypt Station» als «Explorers Edition», eine Doppel CD bzw. eine Dreifach-Schallplatte, worauf alle auf den verstreuten Veröffenlichungen enthaltenen Songs sowie weitere aus den Album Sessions und vier Liveaufnahmen enthalten waren. Oder die «Traveler’s Edition», die in Kofferform erschien und neben den CDs noch die Schallplatten enthält. Es schien, dass damit der Veröffentlichungsreigen abgeschlossen ist. So war es 2014, als die sogenannte «Collector’s Edition» das Album «NEW» abschloss, alle Songs und ein paar Liveaufnahmen auf 2 CDs versammelte und auf einer Bonus DVD die Videoclips vereinigte. Nicht so dieses Mal. Ein weiterer Song des «Egypt Station»-Zyklus wird nachgereicht: Der Remix von «Nothing For Free» von DJ Chris Holmes.
«Nothing For Free» ist einer der drei Songs von «Egypt Station», die Paul McCartney mit Zach Skelton und Ryan Tedder produziert hatte, die beiden anderen waren «Fuh You» und «Get Enough». Tedder ist bei allen drei Songs auch als Co-Autor aufgeführt. Bekannt wurde er als Sänger der ehemaligen Boy-Group One Republic und produzierte u.a. Justin Timberlake, Jennifer Lopez oder Adele.
langjähriger Tour-DJ
Chris Holmes ist kein Unbekannter in Paul McCartneys Universum. Zwischen 2009 und 2018 war er Pauls Tour DJ. Seit der «New World Tour» (1993) läuft in der letzten Viertstunde vor dem Konzert ein Film über Paul, unterlegt mit remixter Musik. Bei der «04-Summer»-Tour 2004 war es Freelance Hellraiser, aus der Zusammenarbeit entstand 2005 das Album «Twin Freaks». Chris Holmes wirkte auch für Sinead O Connor, Daft Punk oder Radiohead und Smashing Pumpkins oder legte bei Events wie das Sundance Film Festival auf. Seine Remixe für Paul McCartney veröffentlichte er im Dezember 2013 auf Soundcloud. Über Paul sagt Chris Holmes:
«He’s the nicest boss in the world», er wäre der beste Chef der Welt.
Chris Holmes postete auf Instagram das Foto von McCartneys Auftritt in Fort Worth.
Chris Holmes McCartney-Remixes haben einen guten Ruf, besonders wird gelobt, dass er weiter geht als Freelance Hellraiser und in derselben Mashup-Technik auch Songs von den Beatles und den Wings ineinander einfliessen und miteinander verweben lässt.
Nichts Neues
Der klassische Remix, wie er in den 1990er- und 2000er-Jahren zu oft verwendet wurde, ist der undankbarste Job. Einen Song mit zusätzlichen Beats für die Danceflors aufzupeppen. Weshalb wohl so oft zu viele musikalische Schwerverbrechen begangen wurden und die Songs mit Technobeats unterlegt wurden und als Alibi noch ein oder zwei gesungene Takte der Originalkünstler. Etwas, was Paul McCartney ausser 1993 mit «Deliverance», den Remixes von «Hope Of Deliverance» von Steve Anderson nie getan hat.
Es gibt durchaus gelungene Remixe, wie das Remixalbum von Nick Caves «Grinderman 2», da haben die ohnehin schon intensiven Songs noch an Statur hinzugewonnen. Einen perfekten Songproduzenten wie Paul McCartney zu remixen dürfte eine der schwierigsten Aufgaben in der Musikbranche sein. Auf «Nothing For Free» erfüllt Chris Holmes die Aufgabe zwar, aber er scheitert am Song, er fügt dem Song keine neuen Facetten hinzu. Im Gegenteil, sind normalerweise Remixe wilder als die Originalsongs, zähmt Holmes McCartneys Song. Er reduzierte den treibenden Bass McCartneys, verstärkte das Schlagzeug und unterlegte tatsächlich einen billig wirkenden Technobeat. Zudem dämpfte er McCartneys Stimme bis zum ersten Refrain.
Nach einem Drittel des Songs setzt der Refrain ein und es folgen die üblichen Strophen. Was schade ist, denn zunächst nahm Chris Holmes den Kerngedanken des Songs auf: «My Brain stopped working today», also das Hirn, das nicht richtig funktioniert und mischte eine neue erste und zweite Strophe zusammen. In der ersten Strophe wiederholt er viermal das Muster: «I wonder why you’re coming/I wonder why you’re coming to me.» Ich wundere, weshalb du kommst/ich wundere mich, weshalb du zu mir kommst.»
die Formate
Die Veröffentlichungspolitik zu «Egypt Station» war zumindest fragwürdig mit vielen verschiedenen Formaten. Dass zunächst die limiterte «Concertina»-Version erschien und erst danach das reguläre Album, mag nett sein. Jedoch erhielt die europäische «Concertina»-Version diesselben Songs wie das reguläre Album, wobei die zeitgleich veröffentlichten US- und Japan-Versionen mit «Get Started» und «Nothing For Free» zwei Bonustracks enthielten. Auf der eingangs erwähnten «Explorers Edition» war dann «Nothing For Free» auch in Europa verfügbar. Chris Holmes Remix hätte die Veröffentlichung auf dieser limiterten Albumversion durchaus verdient. Stattdessen wurde er nun als Single, leider nur im virtuellen Streaming- und Downloadformat veröffentlicht.
Rezeption und Statistik
Die Single konnte sich nirgends in den Charts platzieren.
Links zu der mit der Single korrelierenden Aufnahmen:
Egypt Station, Album, 2018
Get Enough, Single, 2019
Home Tonight/In A Hurry, Single, 2019
Paul McCartney 2018 zuhause am Klavier, gesehen von seiner Tochter Mary.
Foto: instagram