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Verantwortlich für das Lexicon Istoric Retic sind Marco Jorio, Chefredaktor HLS (Mitte), und Adolf Collenberg, Redaktor LIR (rechts), sowie für die Linguistik Redaktor Manfred Gross (links).
Das rätoromanische Lexicon Istoric Retic ist erschienen. Am Freitag, 10. Dezember 2010, wurde in Chur in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Corina Casanova der erste Band des Lexicon Istoric Retic (LIR)vorgestellt. Damit erhält die rätoromanische Schweiz zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein historisches Lexikon in ihrer Sprache.
Nach jahrelangen Vorbereitungsarbeiten erscheint das Lexicon Istoric Retic (LIR), die rätoromanische Teilausgabe des Historischen Lexikons der Schweiz (HLS), in Buchform. Am Freitag hat der Präsident der Stiftung HLS, der Berner alt Regierungsrat Peter Schmid, Bundeskanzlerin Corina Casanova und dem Bündner Regierungspräsidenten Claudio Lardi den ersten der beiden LIR-Bände überreicht.
Nachdem die deutsche, französische und italienische Schweiz bereits über je neun Bände des Historischen Lexikons der Schweiz in ihrer Sprache verfügen, bekommen nun auch die Rätoromanen zum ersten Mal eine eigene Geschichtsenzyklopädie in ihrer Sprache.
Die Bände des LIR sind mit knapp 600 Seiten zwar etwas dünner als die Bände des HLS, kommen aber innen und aussen in der gleichen Aufmachung daher. Im Vergleich zum HLS ist das LIR mit rund 700 Bildern, Grafiken, Karten und Tabellen reicher illustriert. Darüber hinaus bringt das LIR als Spezialität in Band 1 in sieben thematischen Schwerpunkten, auf sogenannten Focus-Seiten, vertiefte Informationen zur Geschichte der Rumantschia, so z.B. zur Entwicklung der Bibelübersetzungen, zur Bauernhausforschung oder zur Elektrifizierung Graubündens.
Als Nachschlagewerk behandelt das LIR vorwiegend den bündnerischen Raum, wobei in erster Priorität die heute noch rätoromanischen Gebiete, dann die ehemals rätoromanischen und schliesslich die anderssprachigen Teile Graubündens dargestellt werden. Ausserhalb der heutigen Kantonsgrenzen wird die von Epoche zu Epoche unterschiedliche geographische Situation Rätiens erfasst, so der Raum der Räter, die römische Provinz Raetia, das mittelalterliche Churrätien, der Dreibündestaat mit den Untertanengebieten und der eidgenössische Kanton Graubünden. Zudem werden auch die für die Rätoromanen wichtigen Emigrationsziele "Länder und Städte" kurz behandelt. Das LIR ist also nicht einfach ein Bündner Kantonslexikon, sondern ein Nachschlagewerk zur Geschichte des rätischen Raumes mit einem besonderen Fokus auf der über 1000-jährigen Geschichte des rätoromanischen Kulturkreises.
Aus praktischen Gründen erscheint das LIR in der neu geschaffenen Schriftsprache Rumantsch Grischun. Die Lia Rumantscha hat denn auch die rätoromanische Redaktion, die zuerst unter Leitung von Martin Bundi und ab 1991 von Adolf Collenberg stand, linguistisch unterstützt. Die 3135 Artikel des LIR, verfasst von fast 300 Autorinnen und Autoren, wurden zu rund einem Drittel unverändert vom HLS übernommen und ins Romanische übersetzt. Die anderen Personen-, Familien-, Orts- und Sachartikel wurden entweder für das LIR eigens verfasst oder auf der Basis der HLS-Artikel vollständig auf die Verhältnisse in der Rumantschia umgeschrieben.
Die LIR-Artikel sind seit 2004 im Internet (www.e-lir.ch)abrufbar. Die Bündner Ortsartikel sind von 1999 bis 2007 in den "Annalas de la Societad Retorumantscha" abgedruckt worden.
Das gedruckte LIR wird von der Chasa editura Desertina in Chur verlegt. Die beiden Bände werden zusammen zu einem Preis von Fr. 298.- verkauft und können nur gemeinsam bezogen werden. Der zweite Band des LIR wird im Frühjahr 2012 erscheinen.