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Universität Bern • FS 2021
Das Geschäft der Neutralität. Schweizerische Aussenhandelspolitik im Kalten Krieg 1942–1989
Quellenkurs (2-stündig)
Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte es zum weitverbreiteten politischen Selbstverständnis, dass die Schweiz eigentlich keine Aussenpolitik betreibe, sondern nur punktuelle Sachfragen mit dem Ausland klären solle. Die schwach ausgeprägten bundestaatlichen Strukturen hatten zur Folge, dass die Aussenpolitik praktisch ausschliesslich von Milizdiplomaten, also Schweizer Kaufleuten im Ausland, geführt wurde. So erstaunt es kaum, dass die internationalen Beziehungen des «Kleinstaates» lange Zeit unter dem Primat der Aussenhandelspolitik standen.
Der in der Zwischenkriegszeit und in der Folge des Zweiten Weltkrieges entwickelte und emporstilisierte Neutralitätsbegriff stellte den perfekten diskursiven Rahmen dar, um in der Bipolarität des Kalten Krieges eine (vermeintlich) ideologiefreie und nach allen Seiten offene Aussenhandelspolitik zu betreiben und zu legitimieren. Dennoch musste sich die Schweiz bald dem US-amerikanischen Druck beugen, ihren Ost-West-Handel drosseln und sich ins westliche Lager integrieren. Die internationalen Entwicklungen besonders beim GATT und in der UNO sowie die Herausforderungen der europäischen Integration führten immer wieder vor Augen, dass die Interessen der Aussenhandelspolitik mit innenpolitisch gepflegten Souveränitätsvorstellungen zunehmend kollidierten.
Die Lehrveranstaltung richtet sich an Studierende, die sich für die Geschichte der Aussenbeziehungen der Schweiz interessieren und in diesem Bereich quellenbasiert arbeiten möchten. Der Kurs beinhaltet eine gezielte Einführung in die Funktionen und Dokumente der Datenbank Dodis (www.dodis.ch) und die Edition der Diplomatischen Dokumente der Schweiz. Ausgehend von verschiedenen thematischen Ansätzen soll die Aussenhandelspolitik der Schweiz während des Kalten Krieges untersucht werden. Dabei soll insbesondere die Vielschichtigkeit der schweizerischen Aussenpolitik zwischen dem herrschenden Neutralitätsdiskurs und der starken Integration in die Weltwirtschaft und in den Westblock untersucht werden. Von den Teilnehmenden wird erwartet, dass sie mit Hilfe der Datenbank Dodis selbstständig zu einem bestimmten Thema Quellen suchen, analysieren und quellenkritisch diskutieren können.