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Max Havelaar: Fairer Kaffee fördert Handel und Umweltschutz
Hinter Max Havelaar-zertifiziertem Kaffee steht ein Handelsmodell mit entwicklungspolitischen Zielen. Und er verlasse die Nische, sagt Karin Altherr, Kaffee-Verantwortliche von Max Havelaar. Noch liegt der Marktanteil in der Schweiz aber bei nur 4,8 Prozent.
Warum soll es gerade bei Kaffee wichtig sein, auf fairen Handel zu achten?
Weil Kaffee ein wichtiges Exportprodukt ist, rund 80 Prozent des angebauten Kaffees geht in den Export. Es gibt rund 25 Millionen Kaffeebauern in über 90 Ländern in der Welt, wovon ein grosser Teil Kleinbauern sind. Insgesamt müssen 120 Millionen Menschen vom Kaffeeanbau leben. Aber die Preise am Weltmarkt sind in vielen Fällen zu tief, um die Produktionskosten zu decken, geschweige denn den Lebensunterhalt zu bestreiten. Es sind ausschliesslich ärmere bis mittelarme Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen Kaffee angebaut wird.
Worin liegt begründet, dass der Kaffeepreis solchem Druck ausgeliefert ist?
Die Wertschöpfungskette des Kaffees ist sehr lange. Ein grundlegendes Problem sind die Zwischenhändler, auch Coyoten genannt. Denn der Kaffee gelangt nicht direkt vom Bauern in ein Konsumland. Bei den vielen Zwischenstufen auf dem Weg zu uns will jeder Coyote mitverdienen. Sie haken sich beispielsweise dort ein, wo der Kaffee vom Bauern, der selbst keinen LKW besitzt, in eine grössere Stadt transportiert werden muss und machen die Bauern abhängig von sich. Der Bauer weiss letztlich kaum, wie viel ihr Kaffee wert ist. Und hier greift fairer Handel ein, wobei ein direkterer Weg angestrebt wird. Der Bauer ist Mitglied in einer Kooperative, die direkt exportiert. Allenfalls über eine Zweitorganisation. Und die Kooperativen werden inzwischen zunehmend zu grösseren Unternehmen.
Wie will man verhindern, dass die Kooperativen dabei nicht selbst zu unsozialen Unternehmungen heranwachsen?
In den internationalen Fairtrade-Standards ist geregelt, wie die Kooperative aufgebaut sein muss. Es muss durch demokratische Strukturen und Prozesse ein hoher Grad an Mitbestimmung gewährleistet sein, sonst erhalten sie keine Zertifizierung. Ausserdem wird die Einhaltung der internationalen Fairtrade-Standards von unabhängigen Experten überprüft. Kontrolliert wird auch der Waren- und Geldfluss, so dass sichergestellt werden kann, dass der Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie zurück zu den Bauern fliessen.
Einige Produkte werden durch die Verringerung von Handelszwischenstufen preiswerter – weshalb macht genau das den Kaffee teurer?
Weil der Fairtrade-Kaffee einen Mehrwert hat. Der Mehrpreis geht zu den Bauern, zu den schwächsten in der Handelskette. Die Fairtrade-Bauern haben die Garantie eines gesicherten Minimumpreises und erhalten zusätzlich eine Prämie. Das macht den Kaffee teuer, doch der Mindestpreis fungiert wie ein Sicherheitsnetz. Er wird nach strengen Verfahren von der internationalen Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten des Fairtrade-Business festgelegt und alle zwei Jahre überarbeitet. Ziel ist, dass die Kosten der nachhaltigen Produktion gedeckt werden. Die Fairtrade-Prämie wird von den Importeuren zusätzlich auf den Kilopreis bezahlt und fliesst auf ein separates Prämienkonto in der Kooperative. Fairtrade-Kaffeebauern entscheiden selbständig und demokratisch, in welche Projekte investiert wird. Dies können zum Beispiel der Bau von Trinkwasserbrunnen und Schulen oder die Verbesserung von Zufahrtswegen sein. Kürzlich war ich bei Kaffeebauern in Mexiko, die die Prämienzahlungen in Schulungen beispielsweise über biologische Produktion, Aufzucht von Jungpflanzen, organische Düngemittel investieren.
Im Moment ist der Kaffeepreis immer noch sehr hoch und nicht mehr am Boden…
Das hängt mit dem leicht verknappten Angebot durch Witterungsverhältnisse zusammen – zum anderen ist Kaffee zu einer reinen Spekulationsblase geworden. Auch wir haben auf die Preisentwicklung reagiert und beim Kaffee 2008 den Mindestpreis angehoben. Er hatte von 1987 bis 1995 sehr gut gegriffen, weil ein Überangebot herrschte und die Preise sehr tief waren. Die nächste Preis-Überarbeitung kommt 2011.
Wie wirkt sich das alles auf den Konsumentenpreis für fairen Kaffee aus?
Wir haben allein in der Schweiz über hundert Fairtrade-Röstungen, da variieren Qualität und Preis. Aber ein Premium-Fairtrade-Kaffee ist nur wenig teurer als ein traditioneller Premium-Kaffee. In den mittleren Preissegmenten liegt der Unterschied zwischen einem und drei Franken pro Kilo. Auf eine Tasse Kaffee gerechnet, beträgt die Differenz durchschnittlich lediglich 3 bis 5 Rappen.