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Garcinia cambogia gehört zur Pflanzenfamilie der Clusiaceae und ist ein mittelgrosser, zwischen 5-20 Meter hoher, immergrüner Baum, der in Indien und Sri Lanka heimisch ist.
Extrakte aus den Früchten von Garcinia cambogia werden in zahlreichen Ländern als Schlankheitsmittel vermarktet.
Eine grosse Anzahl von Präparaten wird vor allem im Internet verbunden mit unrealistischen Erfolgsversprechungen beworben.
Der Pharmavista-Newsletter hat soeben dazu einen kritischen Text veröffentlicht:
„Der gewünschte Gewichts- und Fettverlust wird der Wirkung der Hydroxycitronensäure (HCA, hydroxycitric acid) zugeschrieben. Der HCA-Gehalt in Pflanzenextrakten kann bis 50% betragen. HCA hemmt die ATP-abhängige Citratlyase, welche im Fettstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt. Zurzeit fehlen allerdings aussagekräftige klinische Studien, welche die Wirksamkeit eindeutig bestätigen.“
In der Schweiz gibt es keine registrierten Produkte mit Garcinia cambogia.
In Frankreich darf die Pflanze in der Apotheke seit 2012 nicht mehr zur Produktion von Schlankheitsmitteln verwendet werden. Laut einem Expertenbericht wird Garcinia cambogia wegen seiner hypoglykämischen und hypolipämischen Eigenschaften als Medikament eingestuft. Die Pharmakovigilanz dieser Pflanze wurde verstärkt, das heisst: Sie steht unter verstärkter Beobachtung hinsichtlich allfällige Nebenwirkungen.
Es wird vermutet, dass Präparate aus Garcinia cambogia zu hepatischen und muskulären Nebenwirkungen sowie Konvulsionen führen können.
Der Text im Newsletter schliesst mit der Aussage:
„Produkte mit Garcinia cambogia, welche nicht der behördlichen Kontrolle unterliegen, werden weiterhin via Internet vertrieben. Vom Konsum wird jedoch strikt abgeraten.“
Quelle:
http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4993&NMID=4993&LANGID=2
Kommentar & Ergänzung:
Fundierte Aussagen zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Garcinia cambogia sind in der Fachliteratur tatsächlich ausgesprochen rar.
Es gibt ein paar Laboruntersuchungen, die eine Wirksamkeit nahelegen:
„Hydroxycitronensäure (engl. hydroxycitric acid, HCA; 1,2-Dihydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure) wurde in verschiedenen tropischen Pflanzen nachgewiesen, z.B. in den citrusähnlichen Früchten der südostasiatischen Garcinia cambogia (Tamarinde) sowie Hibiscus subdariffa, einer Hibiskus-Art. Das Diastereomer (2S,3R)-HCA hemmt in vitro die α-Amylase der Bauchspeicheldrüse und die α-Glucosidase und damit den Kohlenhydrat-Metabolismus inklusive der nachgeschalteten Liponeogenese (Umwandlung von Kohlenhydraten in körpereigenes Fett). Es wird auch über eine Hemmung der ATP-abhängigen Citrat-Lyase (EC <ip-pii>) berichtet. Die Citrat-Lyase katalysiert die Spaltung von Citrat in Oxalacetat und Acetyl-Coenzym A (AcCoA) im so genannten Citrat-Malat-Pyruvat-Cyclus. AcCoA ist als zentrale Stoffwechseldrehscheibe auch die Ausgangssubstanz für die Biosynthese von Fetten. Aufgrund dieser Laborbeobachtungen werden Garcinia cambogia-Extrakte und HCA als diätunterstützendes Nahrungsergänzungsmittel angeboten.“
Quelle: http://www.chemgapedia.de/vsengine/glossary/de/hydroxy_00045citronens_00228ure.glos.html
Laboruntersuchungen sagen aber noch kaum etwas darüber aus, ob die im Reagenzglas festgestellten Effekte auch im menschlichen Körper in vergleichbarer Weise auftreten.
Und solide klinische Untersuchungen an Menschen existieren nicht.
Interessant ist der Hinweis auf Hydroxycitronensäure in Hibiscus sabdariffa („subdariffa“ ist wohl ein Druckfehler), der Karkade (Afrikanische Malve). Für diese Pflanze gibt es nämlich passend dazu Hinweise auf hypolipämische Effekte (allerdings aus Tierexperimenten):
Zu möglichen Nebenwirkungen von Hydroxycitronensäure schreibt Chemgapedia:
„Aufgrund der strukturtellen Ähnlichkeit mit der Stammverbindung Citronensäure ist es wahrscheinlich, das HCA in erhöhten Dosierungen ebenfalls als Chelatbildner fungiert und somit die Resorption essentieller Mineralstoffe und Spurenelemente stört.“
In den USA warnte die Food and Drug Administration (FDA) bereits im Jahr 2009 vor Garcinia-cambogia-haltigen Präparaten aufgrund von Fallberichten über Leberschädigungen.
Siehe zum Beispiel hier:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3952288/
Fallberichte belegen allerdings noch keinen ursächlichen Zusammenhang.
Trotzdem ist es schon erstaunlich, mit welch grossartigen Versprechungen Präparate vermarktet werden, bei denen weder Wirksamkeit noch Sicherheit geklärt sind.
Dazu kommt noch, dass im Internet jede Qualitätskontrolle fehlt: Konsumentinnen und Konsumenten haben keinerlei Gewissheit, dass in den Präparaten auch drin ist, was drauf steht – und dass nur drin ist, was drauf steht.
Jedenfalls gibt es immer wieder angeblich rein pflanzliche Schlankheitsmittel, die riskante Appetitzügler wie Sibutramin enthalten.
Zum Beispiel:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch