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Chiles spannende Legenden und Mythen
Eines der aufregendsten Länder in Südamerika ist Chile, das langgezogene Land, das sich auf der Westseite des Kontinents zwischen den Anden und dem Pazifik ausdehnt. Kein Land auf dem Erdball kann auf so eine aussergewöhnliche physische Geografie verweisen wie Chile. Auf der Karte Europas entspräche Chile einem langen dünnen Streifen, der sich von Dänemark bis in die heissen Regionen in der Sahara erstreckt.
An der engsten Stelle ist das Land gerade einmal 90 Kilometer breit, an der breitesten sind es etwas mehr als 400 Kilometer. Die Gesamtlänge beträgt dabei mehr als 4.300 Kilometer. Bei einer derartigen Ausdehnung bleibt es sicherlich nicht aus, dass sich im Laufe der Jahrtausende in den zahlreichen Regionen völlig verschiedene Kulturen entwickelt haben. Im eiskalten Süden, der arktischen Regionen rund um Punta Arenas, die südlichste Stadt der Welt, denkt man sicherlich anders als im heissen Norden, in dem die grossen Trockengebiete wie beispielsweise die Atacamawüste liegen.
Die Schöpfung Chiles
Heute wird davon ausgegangen, dass das Wort Chile aus der Sprache der Aymara-Indigenen stammt und so viel wie: „Land, wo die Welt zu Ende ist“ bedeutet. Nicht nur auf dem Festland, sondern auch auf einigen der zahlreichen Inseln wie Rapa Nui (Osterinsel) weit draussen im Pazifik oder der Robinson-Crusoe-Insel (Teil des Juan-Fernández-Archipels), sind im Laufe der Geschichte Mythen und Legenden entstanden, die nicht nur in Chile bekannt sind. Die Geschichte Chiles spiegelt sich damals wie heute sowohl in den modernen Appartments der quirligen Hauptstadt Santiago de Chile, in anderen Städten des Landes als auch in den aus Adobe-Stein gebauten Hütten im Norden wider.
Schon die legendenhafte Schöpfungsgeschichte Chiles hat es in sich. Sie scheint zwar auf den ersten Blick etwas reisserisch, ist im Grunde aber noch untertrieben. Das Land begeistert vor allem mit zahllosen und überwältigenden Naturschönheiten. Als Gott die Wunder der Erde schuf, so die Legende, wurde ihm am Schluss wohl bewusst, dass er einige Bruchstücke vergessen hatte. Da durchzogen glasklare wilde Flüsse das Land, die sich von den 5.000 Meter hohen Bergen in die Ozeane ergossen. Er sah scharf eingeschnittene Täler und gewaltige Gletscher hier und da. Bei genauerem Hinsehen entdeckte er grosse Salzwüsten, dichte Wälder, sich weit ausdehnende Pampas, fruchtbare Weiden und kristallklare Bergseen. Kurzerhand entschloss er sich wohl, alles an einem fernen Ort zusammenzufügen. So soll Chile entstanden sein.
Das Geisterschiff Caleuche
Wenn ein Land so nahe am Meer liegt, haben viele Mythen ganz selbstverständlich mit der See zu tun, so auch die Geschichte des Geisterschiffs Caleuche. Es schippere seit ewigen Zeiten in den Gewässern um die besuchenswerte Insel Chiloe und die vielen südlichen Kanäle herum. Mächtige Geister sollen seine Besatzung geschaffen haben. Dieses mysteriöse Schiff segelt angeblich nur des Nachts – das Tageslicht haben die Männer nie erblickt.
Mag man dem alten Mythos Glauben schenken, sammelt die Caleuche alle im Meer Ertrunkenen ein, um sie dann in das ewige Leben zu überführen. Wer es allerdings wagt, das Boot anzuschauen, dem dreht die Besatzung kurzerhand den Hals um. Es ist jedoch äusserst schwierig, dieses Geisterschiff überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Man sagt, dass es sich in ein einfaches Stück Holz verwandeln oder sogar ganz unsichtbar werden könne – wer weiss das schon. Wer Glück hat, den nimmt das Schiff mit auf den Meeresgrund, wo ihn unsagbare Reichtümer erwarten. Doch der Glückliche muss über die Lage der Orte schweigen, ansonsten wird er mit dem Tode bestraft.
Suchen Sie weniger nach monetären, sondern nach natürlichen Reichtümern unter Wasser, dann bietet Ihnen Chile eine Menge attraktiver Tauchspots – so auch um das Desventuradas-Archipel und die Ildefonso-Inseln.
La Añañuca
Im Tal Quilimarí, im warmen Norden des Landes und in der Region Coquimbo gelegen, wächst die Blume La Añañuca, mit der eine Liebesgeschichte voll Tragik verbunden ist. Lange vor der Unabhängigkeit Chiles von den spanischen Eroberern war la Añañuca eine zarte Pflanze aus Fleisch und Blut, die in einem abgeschiedenen Dorf lebte. Einst kam ein einsamer, junger und gut aussehender Glücksritter durch den Ort, der auf der Suche nach einer Mine war, die ihm zu Reichtum und Ansehen verhelfen sollte.
Doch wie es das Schicksal wollte, entdeckte er diesen Schatz in dem Mädchen La Añañuca. Die beiden verliebten sich ineinander. Der Glücksritter änderte wie so viele vor und so viele nach ihm der Liebe wegen seine Pläne und blieb. Die beiden lebten so lange glücklich, bis eines Nachts der junge Mann einen Traum hatte, in dem ihm die verheissungsvolle Mine erschien. Am nächsten Tag packte er seine sieben Sachen und ging fort. Die junge, in strahlender Schönheit erblühende Pflanze blieb allein zurück und wartete auf die Rückkehr ihres Liebsten. Doch er kam nie wieder zurück. Und so starb das junge Mädchen bald darauf und wurde an einem verregneten Tag in der Erde des Tals begraben. Am nächsten Tag schien wieder die Sonne und das ganze Tal war von einem Meer aus roten Blumen der La Añañuca bedeckt, das auch heute noch seit Generationen zu sehen ist.
Oberstes Bild: Sonnenaufgang auf der chilenischen Insel Rapa Nui (© Alanbritom, Wikimedia, CC)