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Der Stiefpapi muss nicht mehr hetero sein
Wer in der Schweiz ein Kind adoptieren will, muss diverse Bedingungen erfüllen, wovon einige durchaus als fragwürdig bezeichnet werden dürfen. So schreibt das aktuelle Gesetz etwa vor, dass nur Ehepaare zu Adoptiveltern werden können. Und auch wer das Kind seines Partners oder seiner Partnerin adoptieren will, muss mit dem Elternteil verheiratet sein.
Das soll sich nun ändern. Der Ständerat und der Nationalrat haben sich auf ein neues Adoptionsgesetz geeinigt, gemäss dem künftig alle heterosexuellen Paare Kinder adoptieren können – unabhängig vom Zivilstand. Zudem soll das Mindestalter für eine Adoption von 35 auf 28 Jahre gesenkt werden. Des Weiteren soll die Stiefkindadoption erlaubt sein, wenn man mit dem Vater oder der Mutter des Kindes verheiratet ist, in eingetragener Partnerschaft lebt oder eine faktische Lebensgemeinschaft führt. Mit anderen Worten: Zukünftig dürften auch homosexuelle Menschen das leibliche Kind des Partners adoptieren, wenn der zweite leibliche Elternteil unbekannt, verstorben oder mit der Übertragung seiner Rechte einverstanden ist.
Das wollen einige Politiker aus der SVP, CVP und EDU nicht hinnehmen und haben bereits das Referendum angekündigt, falls die Räte das neue Gesetz gutheissen sollten. Schliesslich habe man bei der Einführung der registrierten Partnerschaft immer wieder betont, dass gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder adoptieren dürften. Werde nun die Stiefkindadoption legal, würde es bestimmt nicht mehr lange dauern und man erlaube den homosexuellen Paaren auch die normale Adoption oder sogar die Leihmutterschaft, so die Befürchtungen.
Während die Legalisierung der Leihmutterschaft in der Schweiz utopisch ist, sind Kinder, die mit zwei Vätern oder zwei Müttern aufwachsen, schon lange Realität – und diese Realität können die Gegner auch mit einem Nein nicht aus der Welt schaffen. Bisher sind diese Kinder rechtlich klar benachteiligt. Stirbt der leibliche Elternteil, kann es passieren, dass ein Kind von seinem zweiten, ihm vertrauten Elternteil getrennt und fremdplatziert wird, weil dieser rein juristisch gesehen keine familiäre Verbindung zum Kind hat. Stirbt der nicht-leibliche Elternteil, bekommt das Kind aus demselben Grund keine Waisenrente. Auch bei einer Trennung wäre das Kind künftig bessergestellt. Es hätte nämlich dank dem neuen Gesetz das Recht, den zweiten Elternteil weiterhin zu sehen und auch die Unterhaltszahlungen wären geregelt.
Alleine das Kindswohl wäre also Grund genug, das neue Gesetz gutzuheissen. Dass damit auch die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare gemindert würde, ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Und seien wir ehrlich: Revolutionär wäre die Neuerung keineswegs. In Deutschland und Finnland existiert die Stiefkindadoption bei gleichgeschlechtlichen Paaren bereits. Grossbritannien, Frankreich, Österreich und viele andere Länder gehen noch weiter und erlauben sogar gemeinschaftliche Adoptionen. Auch in der Schweiz ist es übrigens alleinstehenden Homosexuellen von Gesetzes wegen erlaubt, ein Kind zu adoptieren. Erst wenn sie in einer Partnerschaft leben, wird ihnen dieses Recht verwehrt. Mir erschliesst sich die Logik hinter dieser Regelung nicht. Und Ihnen?