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Etwas vereinfacht gesagt, kann man den überwiegenden Teil aller Suizide als psychische Unfälle auffassen. Wie bei der Unfallprävention gibt es auch zur Verhinderung von Suiziden wirksame Ansätze. Besonders wirksam sind Interventionen zur Einschränkung der Suizidmethoden, Sensibilisierung der Medien, die Früherkennung und Frühintervention, aber auch die Stärkung der Lebenskompetenzen bei jungen Menschen (WHO, Live Life 2021). Diese Interventionen werden auch in den Massnahmen des kantonalen Suizidpräventionsprogramms berücksichtig und umgesetzt.
Beispiel: Einschränkung der Suizidmethoden
Die Forschung hat gezeigt, dass der erschwerte Zugang zu einer bestimmten Suizidmethode Leben rettet. Wenn eine Suizidmethode nicht sofort oder nicht einfach verfügbar ist, verschafft das der suizidgefährdeten Person zusätzliche Zeit. Der drängende Impuls zum Suizid lässt im gewonnenen Zeitfenster vielfach nach. Deshalb gilt die Zugangserschwerung zu Suizidmethoden als eines der wirksamsten Mittel der Suizidprävention.
Einige Beispiele:
Verschärfung von Waffengesetzen: In Ländern wie Kanada, Grossbritannien und Österreich hat die Verschärfung der Waffengesetze dazu geführt, dass die Suizide mit Schusswaffen markant abgenommen haben (ca. 40-60%) ohne dass Suizide mit anderen Methoden zugenommen haben.
Verkleinerung des Waffenbestandes: Durch die Armeereform XXI in den Jahren 2003/ 2004 wurde der Armeebestand (Soldaten) auf etwa die Hälfe verkleinert, was auch zu einer Reduktion der Anzahl Waffen in Schweizer Haushalten führte. In der Folge konnte ein markanter Rückgang in den Suizidzahlen durch Waffen in der betroffenen Altersgruppe (Männer zwischen 18 und 43 Jahren) festgestellt werden. Nach der Armeereform starben jährlich rund 30 Männer weniger durch Waffensuizide.
Die Entgiftung von Haushaltsgas: Um 1960 wurde das Haushaltgas entgiftet. In verschiedenen Ländern, so auch in der Schweiz, konnte danach ein Rückgang der Suizide durch Gasvergiftungen festgestellt werden.
Installation von Sicherungsnetzen / Gittern: Die Sicherung der Münsterplattform in Bern durch Netze hat dazu geführt, dass seither von dieser Plattform keine Person mehr in den Tod gesprungen ist.
Es ist nicht auszuschliessen, dass einige Suizidgefährdete zu einer anderen Methode wechseln. Zahlreiche wissenschaftliche Studien konnten jedoch zeigen, dass durch Einschränkung von Methoden ein Teil der Suizide verhindert werden kann.