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1825 / 1854
Die industrielle Entwicklung beginnt
An der Töss, dem längsten Flusslauf des Kantons Zürich, entstehen im Jahr 1825 die Baumwollspinnerei in Turbenthal und im Jahr 1854 die Tuchfabrik in Pfungen.
Das Klappern der Handwebstühle verstummt zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz. Ächzende Wasserräder, sirrende Transmissionsriemen und surrende Turbinen begleiten schon bald die rasante Entwicklung der schweizerischen Textilindustrie.
1884
Militärdecken
Ermutigt durch ein florierendes Geschäft, erweitert die Familie Ernst rund um den Geschäftsführer Ferdinand Ernst die Tuchfabrik um eine Weberei in Pfungen. Im gleichen Jahr beginnt die Deckenfabrikation. Wenige Jahre später machen Militäraufträge, konkret Militärdecken und -uniformen, 50% des Gesamtumsatzes aus. Die Arbeitszeiten in der Industrie betragen in der Regel 11 Stunden pro Tag, 6 Tage die Woche.
1890
Wagners übernehmen
1890 übernehmen die Gebrüder Wagner aus Deutschland die Baumwollspinnerei in Turbenthal. Sie bezahlen 90’000 Schweizer Franken für die gesamte Baumwollspinnerei inklusive Nebengebäuden. Der erst 29jährige Oskar Wagner leitet die von nun an eigene Fabrik mit dem neuen Namen «Deckenfabrik Zoeppritz, Wagner & Cie».
1891
Heiratsgespräche
Aufgrund der immer grösser werdenden Konkurrenz im Schweizer Textilmarkt und einer Konjunkturflaute streckt die Direktion des Pfunger Unternehmens 1891 die Fühler aus und führt erste Fusionsgespräche mit der Firma in Turbenthal. Diese scheitern jedoch. Zu dieser Zeit stellt die Textilindustrie die Hälfte aller industriellen Arbeitskräfte in der Schweiz.
1900
Die grosse Fusion
Knapp zehn Jahre nach den ersten Gesprächen wird am 21. Juli 1900 die Fusion der beiden Firmen beschlossen. Das Unternehmen «Schweizerische Decken- und Tuchfabrik Pfungen-Turbenthal AG» wird ins Handelsregister eingetragen. Innert weniger Jahre wird das Fabrikationsprogramm erweitert. Es umfasst Decken, Militärtuch, Halbleinen, Flanelle, Herrenstoffe und Schuhflanelle. 1907 arbeiten 218 Mitarbeitende im Betrieb.
1920
Die goldenen 20er Jahre
Der Schock, ausgelöst durch den 1. Weltkrieg, hält beim Unternehmen nur kurz an: Die komplett auf Militärtuch umgestellte Produktion verdreifacht den Umsatz des Unternehmens innert weniger Jahre. Erste Exportgeschäfte werden eingefädelt. 9650 Decken gehen nach Südafrika, 23’000 nach England.
1945
Modernisierung
Nach Ende des 2. Weltkriegs wird in Turbenthal und Pfungen kräftig an der Zukunft gebaut. Ein Färbereilabor, ein Wollschuppen und ein weiteres Turbinenhaus entstehen. Mit dem modernisierten Maschinenpark lassen sich fortan 520 Kilometer Tuch pro Jahr fertigen.
1954
Frischer Wind hält Einzug
Mit dem unerwarteten Tod des aktuellen Direktors entschliesst sich der Verwaltungsrat, den in Amerika weilenden Enkel des Firmengründers Oskar Wagner in die Schweiz zu holen. Bruno Aemissegger kommt dem Wunsch nach und wird im Jahr 1956 der neue Direktor der Firma. Mit der Übernahme beantragt der junge Direktor in einer 26seitigen Standortbestimmung eine Gesamterneuerung der Betriebe in Pfungen und Turbenthal.
1978
Weltbekannte Werbemarke
Die «Schweizerische Decken- und Tuchfabrik Pfungen-Turbenthal AG» wird zusammen mit der Einführung des neuen Logos in «Eskimo Textil AG» umbenannt. Hintergrund ist die mittlerweile etablierte Bekanntheit der qualitativ hochstehenden Decken aus Wolle, Kamel- und Lamahaar sowie Kaschmir und entsprechenden Mischungen. Diese sorgten für wohlige Wärme beim Schlafen – denn von geheizten Schlafzimmern war damals noch kaum die Rede.
1960 und 1970er Jahre
Starkes Wachstum
Das Werk in Turbenthal wird zur grössten Deckenfabrik der Schweiz und stellt Schlaf-, Reise-, Couch- und Kinderdecken her. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist allerdings angespannt. Neue Arbeitskräfte zu finden, ist schwierig. Das Unternehmen entwickelt ein Wohnbauprojekt mit 100 Wohnungen für aktuelle und potenzielle Mitarbeitende.
1980er Jahre
Exportschlager Decken
Die Internationalisierung schreitet voran. Das Unternehmen exportiert mittlerweile erfolgreich nach Asien und Amerika. Auch dank dem Geschäft mit Decken für über 50 Airlines macht der Export zeitweise knapp 70% des Umsatzes aus. Und illustre Kundschaft wie Tina Turner, Roger Moore oder der Sultan von Brunei zählen sich zu den Abnehmern von den beliebten Kaschmir-Decken. Währenddessen tritt Ralph Aemissegger, der Sohn des aktuellen Geschäftsführers, als Verkaufsleiter in das Unternehmen ein und übernimmt 1987 den Posten als Direktor. Aufgrund des florierenden Geschäfts werden weitere Liegenschaften für Mitarbeitende gebaut, gleichzeitig modernisiert man die Maschinenparks.
1990er Jahre
Gefragte Qualität
Das Unternehmen verlagert die Produktion mehr und mehr nach Turbenthal. In Pfungen werden die Fabrikhallen umgenutzt und an Dritte vermietet. Gleichzeitig springen erste Kunden wie die Post oder die SBB ab, um sich im Ausland mit Decken zu versorgen. Dank der überragenden Qualität der Textilien bleibt das Exportgeschäft ein grosser Treiber.
2000
Neue Herausforderungen
Die Asienkrise zu Beginn der Jahrtausendwende trifft das Unternehmen hart. Die Preise für Flugzeugdecken kollabieren, was die Eigenproduktion empfindlich trifft. Zahlreiche Textilfirmen in der Schweiz, Österreich und Deutschland müssen ihre Betriebe schliessen. Der rund 150jährige Textilbetrieb sieht sich zusätzlich mit der Konkurrenz aus China und Pakistan konfrontiert, die mit günstigen Produktionsstandorten den Markt aufmischen. Eine Neuausrichtung des Betriebs wird geprüft.
2003
Nutzungskonzept mit Weitblick
Das Unternehmen entscheidet sich, die Produktion einzustellen und den Fokus auf den Handel, die Fabrikläden und den kontinuierlich aufgebauten Immobilienbereich zu legen. Die modernen Maschinenparks werden verkauft, rund 10 Quadratkilometer Gewerbefläche wird frei. Ralph Aemissegger erarbeitet einen visionären Plan, um die erhaltenswerten Gebäude neu zu nutzen. 2003 werden umfangreiche Bauarbeiten an die Hand genommen, 2004 beziehen erste Privatmieter die grosszügigen Loftwohnungen in den ehemaligen Produktionshallen. Ein Prozess des Wandels beginnt.
2013
Fokus auf Textilhandel
Die Textilproduktion wird durch die neu entstandene, eigenständige Firma Eskitex AG weitergeführt. Die Eskitex AG entwirft, entwickelt, fabriziert und vertreibt die textilen Produkte, die Eskimo Textil AG handelt sie in ihrem Fabrikladen in Turbenthal.
2020
Frauenpower
Was zu Beginn der Jahrtausendwende eingeläutet wurde, ist 20 Jahre später ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Zur Blütezeit der Textilherstellung beschäftigte die Eskimo Textil AG über 400 Mitarbeitende. Heute verantworten rund 20 Personen den Textilhandel und die stetig ausgebaute Bewirtschaftung alter und neuer Immobilien in Turbenthal und Pfungen. Nach dem unerwarteten Tod des Geschäftsführers Ralph Aemissegger 2019 übernimmt seine Tochter Nina Strapp-Aemissegger die Geschäftsleitung in der 5. Generation.