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Das Alter hinterlässt auch bei Katzen Spuren. Stress sollten sie nicht mehr ausgesetzt werden.
Das geht an die Nieren
Zwei Vielflieger kommen in die Praxis: eine Katze und ihr Herrchen. Dem Tier geht es seit einiger Zeit nicht gut. Das könnte an den vielen Reisen liegen – oder auch nicht.
Es war ein als harmlos angekündigter Besuch. Die Katze kauerte auf dem Tisch und versteckte ihren Kopf in der Armbeuge ihres Besitzers. Er sprach nur schlecht Deutsch und erzählte mit einem wunderbaren englischen Akzent, er reise sehr viel mit seiner Katze. «Ich bin Lehrer in einer englischen Schule und fliege jährlich mehrmals nach Hause oder zu Freunden in ganz Europa. Chester kommt immer mit!»
Chester hatte eine ungewöhnliche, flache Transportkiste. Offensichtlich konnte der Besitzer ihn darin mit in die Kabine des Flugzeugs nehmen. Das Problem war, dass Chester neuerdings ungewöhnlich oft erbrach. Ich untersuchte die alte Katze. Die Iris war wegen ihres Alters gelbbraun gesprenkelt, das etwas matte Fell leicht filzig. «Ich sehe ihm von blossem Auge nur sein Alter an. Um Weiteres zu erkennen, muss ich ihm etwas Blut nehmen.» Chester musste Herrchens Armbeuge verlassen und wurde festgehalten. Ich hatte Mühe, eine seiner feinen Venen anzustechen. Sofort bildete sich ein blauer Fleck unter der faltigen, dünnen Haut. Während die beiden warten mussten, leckte die Katze beleidigt ihre Pfote. Sie sassen ansonsten mit einer routinierten Flughafen-Passagier-Miene im Wartezimmer. Chester auf dem Schoss des Mannes, der in einer englischen Tageszeitung blätterte.
Dann endlich waren die Blutwerte da. Druckfrisch hatte ich das Blatt in der Hand und setzte mich zu ihnen hin. Es fiel mir schwer, anzufangen. «Chester ist eine alte Katze, er hat ein Nierenleiden, was häufig vorkommt bei so alten Tieren.» Tatsächlich war die Krankheit bereits weit fortgeschritten. Es ist für mich immer erstaunlich, wie gut Katzen ihr Leiden vor ihrem Herrchen verheimlichen können. Wir besprachen das weitere Vorgehen. Mochte Chester lieber Dosen- oder Trockenfutter? Wie gut nahm er Tabletten? Und vor allem, wie würde sich die Krankheit weiter entwickeln?
Chester durfte nicht mehr allzu sehr gestresst werden, denn häufig reagieren Katzen auf grosse Gewohnheitsumstellungen mit einem erneuten Schub der Erkrankung. Es stellte sich jedoch die Frage: War Fliegen für so eine Katze noch Stress oder nahm sie das locker hin, da sie gewohnheitsmässig mehrmals jährlich Flugpassagier war? «Ich werde die Fliegerei trotzdem stark einschränken», erklärte Chesters Herrchen. «Schliesslich bin ich ihm das schuldig.» Nach einer längeren Pause fügte er hinzu «Denn was mache ich dann mal ohne Chester? Wir haben uns so aneinander gewöhnt!» Und er streichelte die Katze in seiner Armbeuge.
Sprechstunde: Fragen Sie Chantal Ritter
Falls Sie ein gravierendes Problem haben, können Sie eine Frage an Tierärztin Dr. Chantal Ritter stellen. Beachten Sie aber, dass Chantal Ritters Ratschläge eine erste Einschätzung der Lage sind, doch im Ernstfall nicht den Besuch eines Tierarztes ersetzen können. Die Tierarztsprechstunde finden Sie in unserer Online-Tiercommunity.
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