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Sie sind zwar erfolgreich im Job, fühlen sich aber nicht qualifiziert genug? Haben Sie manchmal die Befürchtung, dass aufliegt, dass Sie für Ihren aktuellen Job eigentlich nicht geeignet sind? Möglicherweise leiden Sie am Hochstapler-Syndrom (Impostor Syndrome).
Qualifikation und Anforderungsprofil
Unter- oder Überqualifizierung stellen oft grosse Herausforderungen an die arbeitende Person und die Organisation. Eine exakte Passung der Fähigkeiten einer Person und dem Anforderungsprofil der Stelle ist allerdings kein Garant für Erfolg. Der Raum für Wachstum und Weiterentwicklung des Mitarbeiters ist hier tendenziell kleiner, als wenn man etwas unterqualifiziert ist – und sich im Job weiterqualifizieren kann mit anspruchsvollen Aufgaben. Was aber, wenn man qualifiziert ist, aber von Selbstzweifeln gequält wird?
Impostor – Hochstapler
Unter dem Impostor Syndrome versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem sich Leute fühlen, als wären sie Hochstapler – es aber nicht sind. Es handelt sich dabei um ein falsches und manchmal lähmendes Gefühl, dass der eigene Erfolg das Ergebnis von Glück, Zufall oder Betrug ist, und nicht von den eigenen Fähigkeiten abhängig ist (vgl. Merriam-Webster). Während ursprünglich angenommen wurde, dass vor allem Frauen unter dem Hochstaplersyndrom leiden, zeigten verschiedene Studien, dass Männer und Frauen gleich häufig davon betroffen sind (Langford & Clance, 1993).
(Hoch-)Qualifiziert, und doch nicht gut genug
Das Phänomen Impostor Syndrome (Hochstapler-Syndrom) wurde in den Achtziger von Clance und Imes aufgenommen (1978). Sie arbeiteten mit über 150 sehr erfolgreichen Frauen, denen ein Erfolgsgefühl fehlte. Die untersuchten Frauen führten ihre Erfolge nicht auf ihre Fähigkeiten und Kompetenzen zurück, sondern auf Glück oder Beziehungen. Trotz ausserordentlichen akademischen und beruflichen Leistungen fühlten sich Frauen, die das Hochstapler-Syndrom erleben, als nicht gut genug. Sie hatten das Gefühl, andere getäuscht zu haben, die sie für klug halten. Um nicht «entlarvt» zu werden, arbeiteten die Frauen oft besonders hart, was sich wiederum positiv auf ihre Leistung auswirkte. Diese Erfolge konnten die untersuchten Frauen aber nicht geniessen und sich selber zuschreiben – ein Teufelskreis.
Stolperstein für die Karriere und die Familie
Nebst dem potentiell sehr belastenden Gefühl, ein Hochstapler zu sein, kann das Hochstapler-Syndrom sich negativ auf die eigene Karriere auswirken. Neureiter & Traut-Mattausch (2016) zeigten auf, dass Gefühle des Hochstapelns verstärkt wurden durch die Angst vor Scheitern, aber auch durch die Angst vor Erfolg. Das Gefühl, ein Impostor zu sein wirkte sich negativ auf die Karriereplanung und den Wunsch zu führen aus. Auch für das Privatleben kann das Hochstapler-Syndrom negative Folgen haben. Personen, die unter dem Impostor Syndrome leiden, fühlen sich häufiger emotional erschöpft, was sich negativ auf das Privatleben auswirken kann (Crawford, Shanine, Whitman, & Kacmar, 2016).
Was kann ich gegen das Imposter Syndrome tun?
Die Journalistin Kristin Wong (2018) interviewte verschiedene Personen zum Hochstapler-Syndrom. Ihre Tipps, wie man mit dem Imposter Syndrome umgehen kann:
- Es kann helfen, sich einer Gruppe anzuschliessen, zu der man sich verbunden fühlt, durch gemeinsame Interessen, Hintergründe oder Erfahrungen. Es hilft, über die eigenen Gefühle und Unsicherheiten zu sprechen in einem Kreis von Personen, die Ähnlichkeiten zu einem selber aufweisen. Andere kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen – auch mit dem Impostor Syndrome.
- Suchen Sie sich einen Mentor/eine Mentorin. Ein Mentor kann unterstützend dabei sein, die eigenen professionellen Fähigkeiten besser einzuordnen. Am besten sucht man sich eine Person, deren Arbeitsweise, Denkweise und Art, wie sie mit anderen Personen umgeht, man schätzt.
- Dokumentieren Sie Ihre Erfolge. Ein Tagebuch, in dem man kleinere und grössere Erfolge festhält, hilft dabei, ein realistischeres Bild der eigenen Tätigkeiten und Erfolge zu erhalten. Ein zusätzlicher schöner Nebeneffekt: Die zusammenstellten Erfolge können beim nächsten Lohngespräch wertvolle Argumente liefern. Dann stehen einem die eigenen Erfolge bei der Karriere nicht im weg, sondern werden positiv genutzt.
Auch wenn eine gewisse Demut vor den eigenen Fähigkeiten kaum schadet – Erfolge sollen und dürfen anerkannt werden. Auch von einem selber.
Weiterführende Informationen und Quellen:
Clance, P. R. & Imes, S.A. (1978). The Impostor Phenomenon in high-achieving women: Dynamics and therapeutic intervention. Psychotherapy: Theory, Research and Practice, 15(3), 241-247.
Crawford, W. S., Shanine, K. K., Whitman, M. V., & Kacmar, K. M. (2016). Examining the impostor phenomenon and work-family conflict. Journal of Managerial Psychology, 31(2), 375–390. https://doi.org/10.1108/JMP-12-2013-0409
Langford, J., & Clance, P. R. (1993). The imposter phenomenon: Recent research findings regarding dynamics, personality and family patterns and their implications for treatment. Psychotherapy: Theory, Research and Practice (30), 3.
Neureiter, M., & Traut-Mattausch, E. (2016). An Inner Barrier to Career Development: Preconditions of the Impostor Phenomenon and Consequences for Career Development. Frontiers in Psychology, 7. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2016.00048
Wong, K. (2018, 12. Juni). Dealing With Impostor Syndrome When Youʼre Treated as an Impostor. The New York Times.
Merriam Webster: Impostor Syndrome
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