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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

50. Vortrag
2.
„Es war nun das Osterfest der Juden sehr nahe.“ Jenes Fest sollte nach dem Willen der Juden mit dem Blute des Herrn befleckt werden. An jenem Feste ist das Lamm geschlachtet worden, welches uns eben dieses Fest durch sein Blut heilig gemacht hat. Es fand unter den Juden eine Beratung statt wegen der Tötung Jesu; er, der vom Himmel gekommen war, um zu leiden, wollte sich dem Orte seines Leidens nähern, weil die Stunde des Leidens bevorstand. „Es gingen nun aus dieser Gegend viele vor Ostern hinauf nach Jerusalem, um sich zu heiligen.“ Dies taten die Juden gemäß der durch den heiligen Moses im Gesetze gegebenen Vorschrift, daß am Osterfeste alle von jeder Himmelsrichtung zusammenkommen und durch die Feier jenes Tages sich heiligen sollten. Aber jene Feier war ein Schatten des Zukünftigen. Was heißt „ein Schatten des Zukünftigen“? Eine Prophetie auf den einst kommenden Christus, eine Prophetie auf denjenigen, der für uns an jenem Tage leiden sollte, damit der Schatten [S. 736] vorübergehe und das Licht komme, damit das Vorzeichen vorübergehe und die Wahrheit festgehalten werde. Die Juden hatten also Ostern im Schatten, wir im Lichte. Denn wozu hatte der Herr notwendig ihnen vorzuschreiben, daß sie an jenem Festtage ein Schaf schlachten sollten, außer weil er es war, von dem geweissagt wurde: „Wie ein Schaf ist er zur Schlachtung geführt worden“1? Mit dem Blute des geschlachteten Schafes wurden die Türpfosten der Juden bezeichnet; mit dem Blute Christi werden unsere Stirnen bezeichnet. Und von jener Bezeichnung wurde, weil sie ein Vorzeichen war, gesagt, daß sie von den bezeichneten Häusern den Verderber abhalte2: das Zeichen Christi hält von uns den Verderber ab, wenn unser Herz den Erlöser aufnimmt. Warum habe ich dies gesagt? Weil bei vielen die Türpfosten bezeichnet sind, und drinnen weilt nicht der Bewohner; sie haben wohl auf der Stirne das Zeichen Christi, aber im Herzen nehmen sie das Wort Christi nicht auf. Darum, Brüder, habe ich gesagt ― und ich wiederhole es ―: Das Zeichen Christi vertreibt von uns den Verderber, wenn unser Herz Christus zum Bewohner hat. Dies habe ich gesagt, damit nicht etwa einer sich denke, was denn jene Feste der Juden zu bedeuten haben. Es kam also der Herr wie zu einem Schlachtopfer, damit wir das wahre Ostern hätten, indem wir sein Leiden wie die Schlachtung eines Schafes feiern.
1: Is. 53, 7.
2: Exod. 12, 22 f.