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Geigenbauer/in
Geigenbauerinnen und Geigenbauer verfertigen, unterhalten, reparieren und restaurieren Geigen und andere Streichinstrumente wie Celli, Bratschen und Kontrabässe. Einige Geigenbauerateliers haben auch weitere Saiteninstrumente wie Gitarren oder Lauten in ihr Repertoire aufgenommen.
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Die wichtigsten im Geigenbau verarbeiteten Holzarten sind Bergahorn und Fichte. Fichte ist ein ausserordentlich guter Schallleiter und wird für die Decke des Geigenkorpus, den Stimmstock und den Bassbalken verwendet. Ahorn verfügt nicht nur über eine schöne Zeichnung, sondern ist auch robust; es wird für den Boden, die Zargen (Seitenwände), den Hals und den Steg bevorzugt eingesetzt. Das Griffbrett, das dem Saitenzug und damit besonders starker Beanspruchung standhalten muss, besteht meist aus dem harten Ebenholz, häufig auch die Wirbel.
Ein qualitativ hochwertiges Streichinstrument kann nicht industriell hergestellt werden. Der Bau einer Geige erfolgt daher auch heute noch überwiegend in Handarbeit. Ausgangsmaterial von Decke und Boden der zukünftigen Geige sind ca. 15 mm dicke Bretter. Diese werden zunächst in die gewünschte Form gesägt und anschliessend auf beiden Seiten mit Meissel, Hobel und Ziehklinge bearbeitet, um die charakteristische Wölbung zu erreichen. Der fertige Boden wird auf den Zargenkranz aufgeleimt. Dieser besteht aus mehreren dünnen Brettchen, die in Dampf gebogen und anschliessend zusammengefügt werden. In die Decke werden nun die F-Löcher aufgezeichnet und sorgfältig ausgesägt, anschliessend wird der Bassbalken, der unter anderem als Deckenstütze dient, eingepasst. Dann wird auch die Decke auf den Zargenkranz geleimt. Nach Fertigstellung des Korpus wird der Hals geschnitzt. Auf die Trägerleiste aus Ahorn wird das Griffbrett aus Ebenholz geleimt. Der Hals läuft in den Kopf, bestehend aus Wirbelkasten und Schnecke, aus. Nach sorgfältiger Einpassung des Halses in den Korpus ist die Geige in Rohform fertig. Nach dem Lackieren werden die letzten Arbeiten durchgeführt: Wirbel, Stimmstock und Steg werden eingepasst, ganz zum Schluss werden die Saiten aufgezogen und gestimmt.
Zum Verleimen der einzelnen Teile wird wasserlöslicher Leim verwendet, damit das Instrument zu Wartungs- oder Reparaturzwecken wieder auseinandergenommen werden kann. Häufig vorzunehmende Reparaturen an Geigen und anderen Streichinstrumenten umfassen das Ersetzen von Stegen, Hälsen und Stimmstöcken, die Erneuerung von Griffbrettern und Wirbeln, das Leimen von offenen Randstellen und Rissen und das Ausbessern von Lackschäden. Viele Geigenbauateliers übernehmen auch die Reparatur von Zubehör, zum Beispiel die Neubehaarung von Streichbögen.
Geigenbau – mehr als ein Handwerk
Um eine klanglich vollendete Geige herstellen zu können bzw. ein beschädigtes Instrument nach der Reparatur in klanglicher Hinsicht wieder höchsten Ansprüchen genügen zu lassen, reicht handwerkliches Können allein nicht aus. Der Geigenbauer* muss auch das Spiel der Violine (oder eines anderen Streichinstruments) beherrschen sowie über ein gutes Musikgehör verfügen. Die Klangqualität des fertigen Instruments liegt allein in seinen Händen, wobei der erste entscheidende Schritt bereits in der Auswahl der verwendeten Hölzer liegt. Hierfür muss der Geigenbauer ein ausgezeichneter Holzkenner sein. Nur langsam und gleichmässig gewachsenes Holz eignet sich für die Verarbeitung. Sind Decke und Boden zugeschnitten, müssen sie klanglich aufeinander abgestimmt werden. Der Geigenbauer bestimmt den Eigenton der Hölzer durch Anschlagen und verändert ihn durch sorgfältiges Abhobeln und Schleifen, bis das gewünschte Resultat erreicht ist. Bestimmend für die Klangqualität sind insbesondere die Wandstärken von Decke und Boden sowie deren Wölbung.
Die Ausbildung zum „Gelernten Geigenbauer EFZ“ dauert vier Jahre. Der Geigenbau ist ein ausgesprochenes Kunsthandwerk, dessen Beherrschung handwerkliche, musikalische und künstlerische Begabung gleichermassen voraussetzt. Vom angehenden Geigenbauer werden daneben insbesondere Geduld, Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit und eine exakte Arbeitsweise verlangt.
Geschichte
Verglichen mit anderen traditionellen Handwerken, blickt der Geigenbau auf eine relativ kurze Geschichte zurück: Die Violine wurde erst im 16. Jahrhundert aus verschiedenen Vorläufern entwickelt. Saiteninstrumente mit Schallkörpern findet man jedoch bereits in der Antike, so sind zum Beispiel Kithara und Lyra bei den Griechen ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. belegt. Wann und wo aus den frühen Zupfinstrumenten das erste mit Bogen bespielte Streichinstrument entstand, ist unklar. Im europäischen Mittelalter sind spätestens seit dem 11. Jahrhundert Streichinstrumente in diversen Formen anzutreffen. Aus den beiden Haupttypen, Fiedel und Lira, kristallisierte sich schliesslich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Oberitalien die in ihren wesentlichen Charakteristika bis heute unveränderte Violine heraus.
Oberitalien behielt bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts die unbestrittene Führung im Geigenbau; herausragendes Zentrum war Cremona, Wirkstätte grosser Meister wie Nicola Amati, Andrea Guarneri und Antonio Stradivari, durch deren Schaffen die Periode von 1550 bis 1750 bis heute als unübertroffene Blütezeit des Geigenbaus gilt. Antonio Stradivari (1644-1737), der im Laufe seines langen Lebens über 1000 Instrumente verfertigte, setzte den Massstab für alle auf ihn folgenden Geigenbauer; für eine Geige aus seiner Hand werden heute schwindelerregende Preise bezahlt.
Während der grossen Zeit des italienischen Geigenbaus gab es nördlich der Alpen nur wenige Geigenbauer von auch nur bescheidener Bedeutung. Die eine herausragende Ausnahme ist der Tiroler Jacob Stainer, der im 17. Jahrhundert, nachdem er seine Ausbildung vermutlich in Italien erhalten hatte, bei Innsbruck wirkte, und dessen Ruhm als Geigenbauer weithin ausstrahlte.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts büsste Oberitalien seine Vormachtstellung in der Geigenbauerkunst allmählich ein. Einspar- und Rationalisierungsbestrebungen sowie zunehmende Arbeitsteilung in der Herstellung der Instrumente wirkten sich qualitätsmindernd aus. Aus der Arbeitsteilung entwickelte sich schliesslich der Fabrikbetrieb; die erste Geigenfabrik entstand 1790 allerdings nicht in Italien, sondern im lothringischen Städtchen Mirecourt.
Veränderungen in Form und Bau
Die heutige Violine weist in ihrer Bauweise gegenüber den frühen Modellen aus dem 16. und 17. Jahrhundert einige Unterschiede auf. So war ursprünglich zum Beispiel der Hals kürzer als bei modernen Instrumenten und stand senkrecht zu den Zargen; für den nötigen Winkel der Saiten über den Steg sorgte stattdessen ein keilförmiges Griffbrett. Nicht zuletzt als Folge des wechselnden Musikgeschmackes begann man ab ca. 1730, mit leicht veränderten Formen – Verlängerung und Rückwärtsneigung des Halses, Verringerung des Keiles, dickere und längere Saiten – zu experimentieren. Diese Phase endete 1840 mit dem Erreichen der modernen Gestalt der Geige. Bereits damals wurden aber die alten Instrumente der grossen Meister in hohen Ehren gehalten. Man begann, diese zu modernisieren, sprich: umzubauen. Dieser Modernisierungswut sind im Laufe der Zeit die meisten alten Meisterinstrumente zum Opfer gefallen.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts steigt das Interesse an Instrumenten der ursprünglichen Bauweise. Da kaum noch unverändert gebliebene Geigen vorhanden waren, baut man seither auch wieder neue Instrumente in der klassischen Bauweise nach.
Geigenbau in der Schweiz
Grosse Zentren des Geigenbaus, wie sie sich in Italien, aber auch in Frankreich und Deutschland entwickelten, gab es in der Schweiz zu keiner Zeit, ebenso wenig wie Geigenfabriken. Vor dem 19. Jahrhundert waren Geigenbauer in der Schweiz dünn gesät. Im 19. Jahrhundert brachte das aufstrebende Bürgertum dem Instrumentenbau einen Aufschwung: Das Spielen eines Instrumentes begann zum guten Ton zu gehören, vor allem in den Städten konnten sich Instrumentenbauer etablieren. Von grösster Bedeutung für die Entwicklung des Schweizer Geigenbaus im 20. Jahrhundert war die Gründung der Geigenbauschule Brienz im Jahr 1944, die unter wechselnder Trägerschaft bis heute in Betrieb ist und hohes Ansehen weit über die Landesgrenzen hinaus geniesst. Seit ihrer Gründung lässt sich in der Schweiz eine stetige Zunahme gut ausgebildeter Geigenbauer feststellen, welche dank der steigenden Nachfrage nach qualitativ höchsten Ansprüchen genügenden Instrumenten gegenwärtig über gute Zukunftsaussichten verfügen.
* Für bessere Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.
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Literatur
Boltshauser Hans: Die Geigenbauer der Schweiz, Degersheim 1969.
Hösli Hans Rudolf: Schweizer Geigenbau – Geigenbau in der Schweiz, Brienz 2004.
König Adolf: Die Schweizer Geige. Ihre Entwicklung zur klassischen Form und ihre Herstellung in der Gegenwart, Bern 1958.
Kurszentrum Ballenberg & Schweizerischer Gewerbeverband sgv (Hg.): Die Jungen Schweizer Macher: Handwerk 2014. Handwerk 1/2014, Sonderausgabe Swissskills Bern 2014, S. 14-15. PDF
Melkus Eduard: Die Violine, Bern 1973.
www.berufsberatung.ch → Eintrag Geigenbauer/in, https://www.berufsberatung.ch/dyn/show/1900?lang=de&idx=12&id=4047, abgerufen am 18.02.2017
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