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Am 14. Juli 1995 haben deutsche Forscher das MP3-Format erfunden - nicht in Kalifornien, sondern im fränkischen Erlangen. Das hat die Übertragung von Musik im Internet überhaupt erst ermöglicht und die Musikindustrie für immer verändert. Forscher am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen einigten sich darauf, die Dateinamenserweiterung „.mp3“ für den von ihnen maßgeblich entwickelten Dateistandard zu verwenden.
Die Anfänge des Projekts reichen bis in das Jahr 1982 zurück. Ursprünglich ging es darum, Musikdateien so zu komprimieren, dass man sie über eine digitale Telefonleitung (ISDN) in akzeptabler Zeit übertragen kann. Aber schon bald hat sich ein Team von Forschern an die Aufgabe gemacht, die nächste Generation des Tons für Hörfunk und Fernsehen zu entwickeln. Finanziert wurde das Projekt vor allem aus dem EU-Projekt „Eureka“.
Das Datenformat MP3 hat nicht nur die Übertragung von Musikstücken im Internet möglich gemacht, es hat auch die gesamte Musikindustrie auf den Kopf gestellt. "1000 Songs in Deiner Tasche." Sagte Apple-Chef Steve Jobs bei der Premiere des ersten iPods im Oktober 2001 und hat damit das revolutionäre Konzept des Musik-Dateiformats MP3 auf den Punkt gebracht und massentauglich gemacht. Selbstläufer war der Siegeszug von MP3 allerding nicht, mussten die Forscher anfänglich gegen massive Vorbehalte aus der konkurrierenden Wirtschaft ankämpfen. Weil sich die Moving Picture Experts Group (MPEG) nicht auf ein Verfahren einigen konnte, wurden gleich drei verschiedene Methoden standardisiert, wie in Zukunft Musik und Audio gespeichert, im Internet und über digitalen Hörfunk übertragen werden sollen. MPEG Layer 1 spielt mittlerweile keine Rolle mehr. Layer 2 kommt noch bei älteren Fernsehgeräten beim Stereosound zum Einsatz. Auf breiter Front durchgesetzt hat sich dagegen Layer 3, der mit der Namensgebung der Dateiendung vor 25 Jahren allgemein als MP3 bekannt ist.
"Wir haben über unsere Technik bestehen müssen", sagt ein beteiligter Forscher. Zur MP3-Revolution hat aber auch ein Hack beigetragen. Die Fraunhofer Forscher hatten einen Referenzcode veröffentlicht, die die Fähigkeiten von MP3 demonstrieren sollte und der nur eine Minute Musik encodieren konnte. Ein Student hat das Programm „gehackt“, die Spielzeitbeschränkung aufgehoben und die geknackte Version des Programms ins Netz gestellt. Das erst löste die MP3-Welle aus, die in der Plattform Napster (damals illegales Music-Sharing) ihren ersten Höhepunkt erreichte. Die Musikindustrie war im Mark getroffen und hat Jahre gebraucht, auf dieses neue Nutzerverhalten zu reagieren. Erst mit dem iTunes Music-Store im Jahr 2003 und späteren Bezahl-Diensten und Streaming-Angeboten hat die Erholung der Branche langsam begonnen.