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Geschichte
Auch Galenos, letzter grosser Arzt der Antike und Arzt der Gladiatoren, hat die Bedeutung und Behandlung von "Wirbelverschiebungen" in 22 Bänden ausführlich beschrieben. Mit dem Untergang der Antike verschwanden aber auch viele Aufzeichnungen. Die Kunst der Behandlung der Wirbelsäule (WS) geriet in Vergessenheit. Einzig gewisse Naturvölker haben diese Behandlungen von Generation zu Generation weitergegeben (Darstellungen aus Mexiko, Hawaii, Thailand).
Dem Amerikaner und Kolonialwarenhändler David Daniel Palmer (kurz DD genannt) fällt das Verdienst zu, im Jahre 1895 die in Literatur und Brauchtum überlieferten Manipulationen wieder aufgegriffen und als Verfahren zur Behebung reversibler Störungen der Wirbelsäulenfunktion erkannt zu haben. Er behandelte seinen tauben Angestellten, worauf der wieder hören konnte. Also liess DD sämtliche tauben Menschen in seiner Umgebung zu sich kommen. Der Erfolg war jedoch mässig, ja sogar saumässig. Trotz der Misserfolge liess sich DD nicht beirren und forschte mit grossem Ehrgeiz weiter (Anatomie, Physiologie und Pathologie hatten ihn schon früher immer fasziniert). Er gründete 1895 die erste Schule für Chiropraktik, das spätere Palmer College of Chiropractic.
Das Ganze tönt aus heutiger Sicht überaus abenteuerlich, wir dürfen aber nicht vergessen, dass zu dieser Zeit die Schulmedizin ebenfalls noch in den Kinderschuhen steckte. Die Medizin glaubte zum Beispiel, dass Beinschmerzen durch einen Tumor am Ischiasnerv ausgelöst würden. Palmer hingegen war der Auffassung, dass die Symptome beim Austritt der Nervenwurzel an der WS ausgelöst werden. Durch seine minimalen Kenntnisse war er im Vergleich zu den Medizinern weniger im Kastendenken eingepfercht und war vielleicht gerade deshalb als Denker der damaligen Schulmedizin in gewissen Bereichen weit voraus.
Einige Jahre später gesellte sich sein Sohn Bartlett Joshua (kurz BJ genannt) zu ihm. Es war BJ, der die Chiropraktik zu dem machte, was sie heute ist. BJ entwickelte verschiedenste Behandlungstechniken, forschte, sammelte (z.B. die grösste Sammlung von krankhaft veränderten Wirbelsäulen der Welt) und untersuchte, wie man Probleme im Bereich der Wirbelsäule behandeln konnte ohne zu operieren.
Die ersten in den USA ausgebildeten Chiropraktoren kamen in den 20er Jahren zurück in die Schweiz und eröffneten die ersten Praxen, obwohl die Ausübung des Berufes im Gesetz nicht verankert und deshalb illegal war. Als zum Beispiel Simon Müller 1932 auf Zürcher Boden eine Praxis eröffnete, hatte auch er nicht mit der unerbittlichen Reaktion der etablierten Medizin gerechnet, deren Standesorganisation die Justiz in Bewegung setzte: Er wurde gebüsst und seine Praxis wurde versiegelt. So behandelte er seine zahlreichen Patienten nun einfach im Treppenhaus. Die daraus resultierende Gefängnisstrafe hatte er im Bezirksgefängnis Meilen abzusitzen.
So wie ihm erging es längere Zeit auch noch anderen Chiropraktoren. Die harten Verurteilungen lösten bei den sich benachteiligt fühlenden Patienten weitherum Reaktionen aus: Sie organisierten sich und gründeten den Verein Pro Chiropraktik. Es entbrannte ein heftiger Kampf zwischen den Justizorganen, der Aerzteschaft und den Anhängern der Chiropraktik.
Zürichs Regierungs- und Kantonsrat stellten sich der Legalisierung der Chiropraktik. Sie staunten nicht schlecht, als sich das Zürcher Volk dem Initiativbegehren im Januar 1939 zustimmte.
Damit war Zürich nach Luzern (1937) der zweite Kanton, der die Chiropraktik anerkannte: Die Chiropraktik als gesetzlich verankerte Heilkunde war geboren. Weitere Kantone folgten nach und nach, so auch Bern 1964.
Eine durch 400 000 (!) Unterschriften unterstützte Petition hatte anlässlich der Revision des Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes (KUVG) im Jahre 1964 den Einbau der chiropraktischen Tätigkeit in den Leistungsbereich der Krankenkasse zur Folge. Es folgten 1976 auch noch die Unfall- und Militärversicherungen. Seit Januar 1965 werden also die Leistungen der Chiropraktoren von den Kranken(grund)versicherungen übernommen.