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Das Crossover, das der US-Countrysänger Steve Earle anstrebt, ist vor allem ideologischer Natur. In der konservativen Countryszene ist der 65-Jährige als Linker und Alternativer bekannt. Er schreibt seit jeher gegen Krieg und die Todesstrafe, über Obdachlosigkeit und Drogensucht (unter anderem seine eigene). Mit seinen gesellschaftskritischen Liedern, die Eingang in mehrere Filme und Theaterstücke fanden, gewann er drei Grammys.
Das neue Album «Ghosts of West Virginia» nun, das Steve Earle mit seiner Band The Dukes eingespielt hat, ist den Bergleuten des US-Bundesstaats gewidmet, die immer noch und immer tiefer unter der Erde nach Kohle schürfen. 2010 starben 29 von ihnen bei einer Explosion in einem Bergwerk bei Montcoal; auf dem Album werden sie alle mit Namen genannt. Der grösste Teil von «Ghosts of West Virginia» entstand für «Coal Country», ein dokumentarisches Theaterstück von Jessica Blank und Erik Jensen über dieses Minenunglück, das auf die Nachlässigkeit des Kohlekonzerns Massey Energy zurückzuführen war. In bewährten Americana-Balladen, angereichert mit bemerkenswerten Mandolinensolos, lobt Steve Earle die Stärke der Bergarbeiter und tadelt die profitsüchtigen Unternehmen.
Die Frauen und die Männer in West Virginia haben 2016 mehrheitlich Donald Trump gewählt. Earle versucht, auch dieses Publikum zu erreichen, indem er betont, was er mit den Bergleuten gemeinsam hat: Respekt für harte Arbeit und Bewunderung für die traditionsreiche Kultur des Appalachengebirges. In «Black Lung» zum Beispiel singt er für diejenigen, für die Kohleabbau nach wie vor die einzige Möglichkeit ist, vor Ort ein anständiges Leben zu führen. Die Bergleute, deren Atem immer schwerer wird und die vorzeitig an einer Staublunge sterben werden, trösten sich damit: «Half a life is better than nothing at all», ein halbes Leben ist besser als gar keins.