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Wir haben die vermeintliche Tatsache gehört oder irgendwo gelesen, und seither gehört sie zu den Dingen, die wir wissen und gern erwähnen, wenn das Gespräch geeignete Anknüpfungspunkte hergibt. Doch manchmal stimmt gar nicht, was so schlüssig oder interessant klingt. Auch im Bereich der Technik. Hier sind 9 beliebte Technik-Mythen.
Objekte, die aus grosser Höhe herunterfallen, können tödlich sein. Gilt das auch für Münzen? Manche Leute glauben das. Das Beispiel, das traditionellerweise dabei herangezogen wird, ist ein Dime – die leichteste Umlaufmünze in den USA –, der von der Aussichtsplattform auf der 102. Etage des Empire State Building (373 über Grund) geworfen wird. Die Münze soll eine derart hohe Geschwindigkeit erreichen, dass sie einem Menschen angeblich letale Verletzungen zufügen kann. In Wahrheit wäre es zwar durchaus schmerzhaft, wenn man von einer solchen Münze getroffen würde, aber nicht tödlich.
Selbst im Vakuum, in dem der Dime ungebremst beschleunigen könnte, würde er während seines Falls höchstens eine Geschwindigkeit von etwa 88 m/s (knapp 317 km/h) erreichen. Unter realen Umständen würde er aber vom Luftwiderstand gebremst; die maximale Geschwindigkeit dürfte dann bei etwa 40 m/s (144 km/h) liegen. Die meisten Münzen, die vom Empire State Building geworfen werden, landen übrigens ohnehin auf einem der darunterliegenden vorstehenden Stockwerke.
Bleiben wir noch bei den Münzen: Ein Geldstück auf die Schiene legen und schauen, was passiert, wenn das Tram oder der Zug drüberfährt – ein typischer Lausbubenstreich. Solche Experimente sind nicht ungefährlich, aber nicht etwa, weil das Schienenfahrzeug entgleisen könnte – dazu ist es viel zu schwer. Die Gefahr liegt vielmehr darin, dass jene, die die Münze auf die Schiene legen oder das Ergebnis begutachten wollen, selber unter den Zug kommen. Die Münze – egal, ob es sich um einen Fünfräppler oder einen Fünfliber handelt – wird übrigens zu einer länglichen Scheibe gepresst. Anders verhält es sich jedoch mit weiteren Dingen, die schon von gedankenlosen oder böswilligen Personen auf die Schienen gelegt wurden: Grosse Steine, Betonplatten und dergleichen können ein Schienenfahrzeug tatsächlich zum Entgleisen bringen.
Ganz falsch ist das nicht. Magnete können herkömmliche Festplatten, die Informationen magnetisch speichern, tatsächlich zerstören. Degausser – das sind Geräte, die magnetische Datenträger durch Entmagnetisierung löschen – tun genau dies. Damit ein Magnet aber eine ausgeschaltete Festplatte löscht, werden starke Kräfte benötigt. Dafür ist ein Industriemagnet erforderlich; ein Haushaltsmagnet reicht bei weitem nicht aus. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn die Festplatte in Betrieb ist: Der Magnet kann die empfindliche Mechanik stören und einen Totalausfall herbeiführen. Flash-Speicher, wie sie in SSDs und USB-Sticks vorkommen, sind hingegen auch vor starken Magneten gefeit, da sie Informationen nicht magnetisch speichern und auch keine beweglichen Teile haben.
Bei einem Bunsenbrenner ist eine blaue Flamme – wenn die Verbrennung mit mehr Sauerstoff abläuft – heisser als eine gelbe. Gelb und orange werden Flammen dann, wenn bei der Verbrennung mehr Russpartikel entstehen, die dann glühen. Auch bei einem Feuerzeug ist die Flamme an der Spitze der bläulichen Zone am heissesten. Dies gilt jedoch nicht für Kerzen – dort ist die Spitze der gelben Zone mit ca. 1300 °C am heissesten. Die blauen Anteile der Flamme erreichen dagegen nur etwa 800 °C.
Dieser auf den ersten Blick seltsam anmutende Unterschied zwischen einer Kerzen- und einer Feuerzeugflamme hat seinen Grund in der Art des Brennstoffs. Beim Feuerzeug strömt Gas aus der Düse, das sich mit dem Sauerstoff der Luft mischt. In der untersten, dunklen Zone ist noch zu wenig Sauerstoff vorhanden, während an der Spitze der Flamme das meiste Brennmaterial bereits verbrannt ist – deshalb ist die Temperatur im inneren Kegel der Flamme am höchsten. Bei der Kerze indes ist der Brennstoff Wachs. Es muss zuerst verdampfen, was in der blauen Zone geschieht. Der Wachs-Dampf verdrängt jedoch Sauerstoff, so dass die Temperatur hier noch nicht ihr Maximum erreicht – dies geschieht erst an der Spitze der Flamme, wo genügend Sauerstoff vorhanden ist.
Der hitzebeständige Kunststoff Teflon, der beispielsweise zur Beschichtung von Bratpfannen dient, wird gern als Beispiel für einen «Kollateralnutzen» der Raumfahrt angeführt. Das ist ein Mythos. Die Raumfahrt hat zwar tatsächlich neue Materialien gebracht, aber Teflon gehört nicht dazu. Der Kunststoff Polytetrafluorethylen (PTFE) wurde bereits 1938 von dem Chemiker Roy Plunkett entdeckt, der auf der Suche nach Kühlmitteln für Kühlschränke mit Tetrafluorethylen (TFE) experimentierte. Zunächst fand sich kein Verwendungszweck für das neue Material, doch dann kam der Zweite Weltkrieg. In den USA begann man im Rahmen des Manhattan-Projekts an der Entwicklung der Atombombe zu arbeiten.
Bei der dafür notwendigen Anreicherung von Uran aus Uranhexafluorid in Zentrifugen benötigte man ein extrem widerstandsfähiges Material für die Dichtungen, da Uranhexafluorid extrem korrosiv ist. Teflon erwies sich als ideal dafür. Man könnte das Material daher mit mehr Recht als Nebenprodukt der Atombombe bezeichnen. Erst 1954 kam Colette Grégoire, die Frau eines französischen Chemikers, auf die Idee, Pfannen mit Teflon zu beschichten. Auch in der Raumfahrt wurde der Kunststoff genutzt, und dies gab der Werbebranche einen Vorwand für die Behauptung, Teflon sei ein brandneuer High-Tech-Stoff, der aus der Raumfahrt stamme.
Verkäufer im Elektronikgeschäft preisen sie gern an: teure HDMI-Kabel, die gut abgeschirmt sind und oft auch noch mit einem vergoldeten Stecker glänzen. Sie sollen ein qualitativ besseres Fernsehbild garantieren. Leider hat dies nicht viel mit der Realität zu tun. Die Übertragungsqualität wird durch vergoldete Steckverbindungen nicht besser – egal, ob es nun um analoge Signale, etwa bei Cinch-Verbindungen, oder um digitale wie bei HDMI-Kabeln geht. Kupfer und Silber sind billiger, leiten aber besser als Gold. Allerdings hat Gold tatsächlich einen Vorteil: Es ist korrosionsbeständiger und dadurch langlebiger. Dies hat aber mit der Qualität des Fernsehbilds oder Audiosignals nichts zu tun. Die Anschaffung eines teureren, abgeschirmten HDMI-Kabels ist übrigens dann von Vorteil, wenn es länger als vier Meter sein muss. Lange, schlecht abgeschirmte Kabel können Bildstörungen verursachen.
Das Herzstück jedes Rechners ist die CPU (Central Processing Unit), deutsch meist Hauptprozessor genannt. Ihre Taktfrequenz, die in Hertz (Hz) angegeben wird, ist eine der hauptsächlichen Kennziffern, um die Leistungsfähigkeit eines Rechners auszudrücken. So kann eine CPU mit 1 GHz (Gigahertz) 1 Milliarde Stromimpulse pro Sekunde verarbeiten. Deshalb gehen viele Leute davon aus, dass ein Computer mit höherer GHz-Zahl auch leistungsfähiger ist. Das stimmt allerdings nur bedingt – eigentlich nur dann, wenn die CPUs, die verglichen werden, abgesehen von der Taktfrequenz baugleich sind und auch sonst alle Parameter weitgehend identisch sind. So sind moderne Chips effizienter als ältere, und darum kann ein neuer Prozessor mit 3,3 GHz schneller sein als ein älteres Modell mit einer Taktfrequenz von 3,5 GHz.
Dazu kommt die Anzahl der Kerne des Prozessors. Eine CPU mit mehreren Kernen kann mehr Maschinenbefehle pro Sekunde verarbeiten; die Rechenlast verteilt sich gleichmässig auf alle Kerne, was die Leistung erhöht – vorausgesetzt, die Software ist auf Mehrkern-Prozessoren ausgelegt. Schliesslich sollte sich das Augenmerk auch auf die Grafikkarte richten: Sie trägt entscheidend zur Geschwindigkeit des Computers bei, und wenn sie langsam ist, kann sie auch den schnellsten Prozessor bremsen.
Smartphones zeigen mit Säulen oder Punkten in der Statusleiste des Displays an, wie stark der Empfang ist. Je mehr Säulen, desto besser der Empfang – könnte man also meinen. Das trifft jedoch nicht unbedingt zu. Das kleine Säulendiagramm zeigt nämlich die Stärke des Signals – je näher man sich am Funkmast befindet, desto stärker ist es. Über die Qualität ist damit noch nicht viel gesagt. Sind nämlich gerade in diesem Moment viele andere Smartphones mit demselben Mast verbunden, bleibt die Signalstärke gleich, aber die Datenrate sinkt massiv, da sie unter allen verbundenen Geräten gleichmässig aufgeteilt wird.
So mancher, der seine kostbaren Familienbilder auf optische Datenspeicher wie CDs, DVDs oder Blu-Rays brennt, geht davon aus, dass diese Datenträger nahezu ewig halten. Leider ist dem nicht so. Die durchschnittliche Lebensdauer dieser Scheiben variiert allerdings stark, je nach Typ und Verarbeitung. Gebrannte Datenträger sind etwas kurzlebiger als gepresste (das sind beispielsweise Film-DVDs oder Musik-CDs, die man kauft). Die durchschnittliche Lebensdauer von selbst gebrannten CDs beträgt 5 bis 10 Jahre, während sie bei gepressten CDs unter Idealbedingungen auf 50 bis 80 Jahre geschätzt wird. Auch bei DVDs besteht dieser Unterschied; während gebrannte DVDs vermutlich 30 Jahre halten, sollen gepresste 100 Jahre überdauern. Bei den Blu-Rays sind es 50 bzw. 100 Jahre.
Diese Richtwerte gelten bei sorgsamem Umgang mit den Scheiben. Wer sie Wärme und Licht aussetzt oder die Oberfläche zerkratzt, läuft Gefahr, die Lebensdauer dieser Datenträger drastisch zu reduzieren. Flash-Speicher wie USB-Sticks, SD-Karten oder SSDs sollen etwa 10 bis 30 Jahre halten. Bei diesen Datenträgern ist die Lebensdauer höher, wenn sie nur als Archiv eingesetzt werden und nicht im täglichen Gebrauch stehen, da die Schreibzyklen begrenzt sind. Auch herkömmliche mechanische Festplatten haben eine geringere Lebensdauer, wenn sie laufend in Betrieb sind – im Mittel etwa 5 Jahre. Als Archiv gelagert sollen sie dagegen etwa 10 bis 30 Jahre halten. Virtuell ewig halten die Daten in der Cloud, da dort stets Backups erstellt werden. Die Gefahr besteht dort eher darin, dass die Cloud gehackt wird und die Daten in fremde Hände gelangen. Auch kann der Anbieter pleitegehen, was eventuell mit dem Verlust der Daten enden kann.
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