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Rund 722 Milliarden Euro an langfristigen Krediten, die den Banken von der EZB gewährt wurden, werden ab 2020 fällig, und neue aufsichtsrechtliche Standards bringen mit sich, dass Ersatzmittel bereits im nächsten Jahr benötigt werden könnten. Eine Sorge ist, dass die Kreditinstitute gezwungen sein könnten, sich genau dann zu refinanzieren, wenn die Marktzinsen steigen, ausgelöst durch eine straffere US-Politik und Spannungen wie dem Brexit und der italienischen Politik.
Einige Banken haben mit der EZB Kontakt aufgenommen, um das Risiko zu diskutieren, diese vierjährigen Kredite auslaufen zu lassen, ohne dass erschwingliche Alternativen vorhanden sind, berichten mit den Gesprächen vertraute Personen. Einige Diskussionen fanden am Rande der Tagung des Internationalen Währungsfonds in Bali in diesem Monat statt, sagten die Personen und baten darum, namentlich nicht genannt zu werden, da die Angelegenheit vertraulich sei. Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.
Jeglicher Druck auf die Banken droht die Kreditvergabe zu untergraben, was die wirtschaftliche Expansion des Euroraums verlangsamt und den Ausstieg der EZB aus den Stimulusmassnahmen der Krisen-Ära verzögern könnte. Der negative Einlagenzinssatz der Zentralbank belastet bereits die Rentabilität der Kreditinstitute, wie EZB-Präsident Mario Draghi auf einer Pressekonferenz nach dem IWF-Treffen einräumte.
Langfristige Refinanzierungsgeschäfte
Die günstigen vierjährigen Kredite der EZB - bekannt unter dem Namen gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte oder TLTROs - wurden von 2014 bis 2017 herausgereicht und sollten die Banken bewegen, mehr Kredite an Unternehmen und private Haushalte zu vergeben. Die Rückzahlungsfristen bedeuten, dass die massive Überschussliquidität der Region zu schrumpfen beginnt, was einen Aufwärtsdruck auf die Marktzinsen ausübt - es sei denn, die EZB startet eine neue Finanzierungsrunde.
"Noch wichtiger, es würde den geldpolitischen Entscheidungsträgern die Kontrolle über die eventuelle Bilanzreduzierung zurückgeben", sagte Anatoli Annenkow, ein Ökonom bei Société Générale. "Darüber hinaus würde dies dazu beitragen, eine hohe Überschussliquidität aufrechtzuerhalten und die Zinssätze am Einlagensatz zu verankern, was die Fähigkeit der EZB, die Zinssätze zu kontrollieren, unterstützt."
Das Thema wird wahrscheinlich nächstes Jahr mehr Aufmerksamkeit bekommen, wenn die Banken zu planen beginnen, wie sie ihren Finanzierungsbedarf unter Berücksichtigung von Standards decken können, einschliesslich der "Net Stable Funding Ratio" (NSFR) . Die sogenannte strukturelle Liquiditätsquote bestimmt die Art von Liquidität, die die Banken vorhalten müssen. Da Gelder mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr nicht in diese Berechnung eingehen, müssen die Banken ab Juni 2019 möglicherweise mit der Refinanzierung beginnen.
Die Auswirkungen der TLTRO-Laufzeit wurden am 25. September von Geldmarktteilnehmern in einer Kontaktgruppe diskutiert, die sich regelmässig bei der EZB trifft. In der am Montag veröffentlichten Zusammenfassung des Treffens hiess es: "der Ersatz von TLTRO-Fonds für NSFR-Zwecke wurde als eine Herausforderung angesehen und müsste sorgfältig geplant und in die langfristigen Finanzierungs- und Liquiditätspläne der Banken einbezogen werden."
Italiens Kredite
Laut Annenkov würden kleine und mittelgrosse Banken länderübergreifend den grössten Nutzen aus einer neuen TLTRO-Runde ziehen, da sie wahrscheinlich grössere Schwierigkeiten haben, Marktfinanzierung zu erhalten.
Deutsche Bank-Analystin Paola Sabbione sagte, dass italienische Banken besonders hart betroffen wären, wenn die EZB keine neue Finanzierung anbietet. In den vorherigen Runden nahmen sie etwa ein Drittel des Volumens in Anspruch.
"Angesichts des hohen TLTRO-Engagements und der steigenden Finanzierungskosten in Korrelation zur Spreadausweitung bei Staatsanleihen sind die italienischen Banken stärker von Ausstiegsstrategie-Risiken betroffen", schrieb sie in einer Mitteilung.
(Bloomberg)