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In die Trauer um den Tod von König Bhumibol (†88), mischt sich zunehmend Sorge um die Zukunft des Landes. Grund: Nur wenige Stunden nach dem Ableben des Monarchen verkündete Regierungschef Prayut Chan-O-Cha gestern, dass Kronprinz Maha Vajiralongkorn seinem Vater auf den Thron folgen werde.
Für viele Thailänder ist das ein Schock. Im Gegensatz zu Bhumibol, der vom Volk wie ein Gott oder zumindest wie ein «zweiter Vater» verehrt wurde, ist Vajiralongkorn in höchstem Masse unbeliebt – zumal er sich bislang kaum für die Belange der Monarchie zu interessieren schien.
Unerklärliche Tierliebe
Vielmehr sorgte er mit seinem exzentrischen Lebensstil für Aufsehen, der sich neben Playboy-Allüren (sieben Kinder mit drei Frauen), fragwürdigem Kleidergeschmack (Tanktop, Tattoos, tiefsitzende Jeans) in einer unerklärlichen Tierliebe manifestiert: Seinen vergötterten (und inzwischen verstorbenen) Pudel Foo Foo beförderte sogar zum Offizier der Luftwaffe.
Zwar ist es den thailändischen Medien aufgrund strenger Gesetze gegen Majestätsbeleidigungen verboten, über die Eskapaden des Prinzen zu berichten. Doch im privaten Bereich wird der Klatsch über Vajiralongkorn sehr wohl verbreitet.
«Praktischer alle Thais wissen über die Untaten des Kronprinzen Bescheid, sagt der britische Journalist und Monarchie-Kenner Andrew McGregor Marshall, dem «Guardian». «Er ist bereits seit den 70er-Jahren eine Hassfigur.
Auch die Elite lehnt ihn ab
Die Abneigung gegenüber dem Prinzen ist indes auch in der gesellschaftlichen und politischen Elite des Landes tief verankert.
In 2010 geleakten Depeschen aus US-Diplomatenkreisen heisst es, Mitglieder des thailändischen Kronrats hätten «offen ihre Besorgnis über Vajiralongkorns Einmischung in die Politik und seine peinlichen Finanztransaktionen geäussert.»
Der einstige Premierminister Anand Panyarachun wird in dem Schreiben gar mit der Aussage zitiert, er und auch das Volk glaube nicht, dass der Kronprinz im Alter von 57 Jahren noch zur Vernunft komme und «in der Lage sei, sein Verhalten zu ändern.»
Grosser Respekt
Viele Thailänder sähen deshalb anstatt des unberechenbaren Vajiralongkorn lieber eine seiner Schwestern auf dem Thron. Insbesondere Bhumibols zweitjünstes Kind, Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn geniesst im Volk grossen Respekt.
Die unverheiratete und kinderlose 61-Jährige spricht mehrere Fremdsprachen fliessend und gilt als volksnah, weil sie – ähnlich wie ihr Vater – öfters auch das ländliche Thailand bereist.
Nur wenn Vajiralongkorn stirbt …
Doch das Sirindhorn die nächste Königin Thailand wird, dürfte eine Wunschtraum bleiben. Zwar hat Bhumibol-Nachfolger Vajiralongkorn gestern um einen Aufschub bei der Thronbesteigung gebeten. Er liess aber auch verlauten, dass er mit den Pflichten eines Königs bereits vertraut sei und sie übernehme, wenn «die geeignete Zeit kommt».
Nur eine letzte Hoffnung scheint es noch zu geben. Der verstorbene frühere Luftwaffenoffizier Siddhi Savetsila formulierte sie laut einer der geleakten US-Depeschen so: «Wenn der Kronprinz stirbt, könnte alles passieren – und Sirindhorn vielleicht ihrem Bruder nachfolgen.» (bau)Publiziert am 14.10.2016 | Aktualisiert am 18.10.2016