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Viele verbinden Argentinien mit Fussball. Ich verbinde Argentinien mit dem Pleitegeier. Schon siebenmal ist das fruchtbare Land im Süden Südamerikas pleitegegangen: 1827, 1890, 1951, 1956, 1982, 1989 und 2001. Fussball-Weltmeister sind die Gauchos hingegen bloss zweimal geworden: 1978 und 1986.
Dabei ist das Turnier von 1978 im eigenen Land erst noch als Skandal-WM in die Geschichte eingegangen. So soll die argentinische Militärjunta von Diktator Videla den 6:0-Sieg gegen Peru mit 50 Millionen Dollar und 35'000 Tonnen Getreide erkauft haben. Auch über den Titel von 1986 konnten sich die Argentinier nur freuen, weil sie keinen Skrupel kennen. Es war jene WM, an welcher Superstar Maradona das Siegestor gegen die Engländer mit der Hand erzielte. Mit der Hand Gottes, wie er später sagte.
Sie merken es: Ich bin kein Fan von Argentinien, zumal sich die Südamerikaner auch an der zurückliegenden WM in Brasilien nach meiner Wahrnehmung in den Final mogelten. Diesmal zumindest mit
legalen Mitteln, soweit ich das beurteilen kann. Meine fehlende Sympathie rührt auch daher, weil ich Argentinien vorab als Pleitenation wahrnehme. Nach der Zahlungsunfähigkeit vor dreizehn Jahren
konnte sich die Regierung mit den meisten Gläubigern auf einen teilweisen Schuldenerlass einigen, aber nicht mit allen. Sie mogelten sich also auch hier irgendwie in den Final. Doch das
Penaltyschiessen gegen die unerbittlichen Hedgefonds werden die Argentinier verlieren.
Wer chronisch über seine Verhältnisse lebt und gegen die Spielregeln der Kapitalmärkte verstösst, erhält irgendeinmal die Quittung. Da nützt auch das Wettern von Präsidentin Kirchner gegen die «Geierfonds» nichts. Natürlich ist es schwierig, die Geierfonds sympathisch zu finden. Sie haben Anleihen billig gekauft, als das Land pleite war, nur um es auf die Zahlung seiner Schulden zu verklagen. Doch wie es schon mein Kollege Manfred Rösch in der «Finanz und Wirtschaft» sagte: «Wo Geier kreisen, muss Aas liegen – und wirtschaftspolitisches Gammelfleisch produzieren die Versager in der Casa Rosada seit vielen Jahrzehnten verlässlich, seien sie nun gewählt oder uniformiert.»
Erschienen in der BZ am 12. August 2014