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war und deren Kraut und Blüten als sehr beliebtes Küchengewürz zu Braten u. dgl. zugesetzt werden. Gleichfalls als Gewürzpflanzen
werden der aus Sibirien stammende Dragon oder Estragon, Artemisia DranunculusL., sowie die aus Kleinasien und Südeuropa eingeführte
sog. Eberraute, Artemisia Abrotanum L., in Gärten gezogen. Von besonderer Bedeutung als offizinelle Pflanzen
sind einige in Turkestan einheimische Arten, deren Blütenköpfchen den Wurm- oder Zitwersamen Flores Cinae, Semina santonici)
liefern. Sie enthalten Santonin, sind eins der wichtigsten Mittel gegen Würmer und werden in der verschiedensten Weise zu Heilmitteln
verarbeitet. Es stammt diese Drogue wohl von mehrern aralo-kaspischen Formen, die gewöhnlich als Artemisia Cina
Berg. zusammengefaßt werden. Neuerdings wird als wichtigste Stammpflanze eine Varietät der Artemisia maritima L.:
Fürstin von Halikarnassos und der Inseln Kos, Nisyros und Kalydna, begleitete Xerxes auf dessen Zuge gegen
Griechenland und zeichnete sich in der Schlacht bei Salamis, 480 v.Chr., durch Mut und Entschlossenheit,
im Kriegsrate durch Klugheit aus. - Eine andere Artemisia, anscheinend aus demselben Dynastengeschlecht, Königin
von Karien, regierte von 352 bis 350 v. Chr. Sie war die Schwester und Gemahlin des Mausolus, dem sie in der Regierung folgte
und in ihrer Hauptstadt Halikarnassos das sog. Mausoleum (s. d.) errichtete.
(spr. art'näh), Hauptort des Kantons Artenay (196,27 qkm, 11 Gemeinden, 6647 E.)
im Arrondissement Orléans des franz. Depart. Loiret, in der Landschaft
Beauce an der Straße und der Linie Paris-Orléans der Franz. Orléansbahn, hat (1891) 914, als Gemeinde 1064 E., Post und Telegraph.
Hier stieß General von der Tann bei seinem Vormarsche nach der Loire mit der 1. bayr. Division,
der Korpsartillerie und der 2.und 4. preuß. Kavalleriedivision auf die Vorhut der franz. Loire-Armee (eine Division des 15. Korps
unter General Reyau) und schlug dieselbe vollständig. Auch in den spätern Kämpfen der Deutschen mit der franz. Loire-Armee
(1. bis 4. Dez.) wird Artenay öfter genannt.
(grch.), Pulsadern, in der Anatomie diejenigen Blutgefäße, welche das Blut aus dem Herzen wegführen und in
den verschiedenen Körperteilen verteilen. Bei denjenigen Tieren, bei welchen kein Herz als bewegendes Centralorgan, sondern
nur kontraktile Gefäße existieren (z. B. bei den meisten Würmern), oder bei welchen die Richtung der
Zusammenziehung des Herzens von Zeit zu Zeit sich ändert (bei Ascidien und Salpen), kann natürlich von einer Unterscheidung
zwischen centrifugalen Gefäßen (Arterien) und centripetalen (Venen) nicht die Rede sein.
Bei den höhern Tieren dagegen, wo ein centralisiertes Herz existiert, das rhythmische Zusammenziehungen ausführt, pflanzt
sich die durch die Zusammenziehung des Herzens hervorgebrachte Welle in den größern Stämmen der Arterien fort
und wird so als Pulsschlag
gefühlt, z. B. an der oberhalb des Daumens am Vorderarme hinlaufenden Radialarterie (wo die Ärzte
den Puls zu befühlen pflegen). Die Arterien zerfallen bei den höhern Wirbeltieren und dem Menschen in zwei
Hauptklassen.
Die eine führt das durch das Atmen mit Sauerstoff gesättigte, seiner Kohlensäure teilweise beraubte, gerötete und zur Gewebebildung
geeignete sog. arterielle Blut nach allen Körperteilen; ihr Hauptstamm heißt die Aorta (s. d.) und läuft aus der linken
Herzkammer in der Mittellinie des Körpers erst vorn nach oben, dann hinten herab vor der Wirbelsäule
her. Die andere Klasse besteht aus den Lungenarterien, welche das dunkle, schwärzliche, mit Kohlensäure beladene sog. venöse
Blut aus der rechten Herzhälfte nach den Lungen führen, wo es wieder in rotes, arterielles umgewandelt werden soll.
Die Arterien müssen einen starken Druck der vom Herzen her in sie hineingepreßten Blutmasse aushalten und
sind daher mit festen und elastischen Häuten versehen, von denen namentlich die mittlere oder Ringfaserhaut sehr fest und
dehnbar, die innerste sehr glatt und zart ist. Alle Arterien enthalten in ihrem Gewebe, außer den elastischen Fasern, deutliche
sog. glatte Muskelfasern, durch deren vom Nervensystem abhängige Thätigkeit die Arterien verengt und wieder
erweitert werden können, so daß die Schnelligkeit und die Größe des Blutstroms in den einzelnen Körperteilen durch die
Nerven beeinflußt und reguliert wird. (S. Kreislauf des Blutes und Tafel: Die Blutgefäße des Menschen.)
Von den Arterienkrankheiten ist die häufigste eine chronische Entzündung ihrer innern Haut, welche zu
fettiger Entartung oder Verknöcherung der Arterienwände und dadurch zu Aneurysma (s. d.) oder Apoplexie (s. d.) führt (s.
Arterienentzündung). Verletzungen einer Arterie sind immer von mehr oder minder beträchtlichen, bisweilen lebensgefährlichen
Blutungen begleitet und erheischen den künstlichen Verschluß des durchschnittenen Gefäßes mittels eines umgelegten und
fest zugeschnürten Fadens (s. Blutung und Unterbindung). Krankhafte Verstopfung und Verödung einzelner
Arterien verursachen bisweilen die schwersten Kreislaufsstörungen (s. Thrombose und Embolie).
Pulsaderentzündüng (Arteriitis), tritt in zwei voneinander wesentlich verschiedenen Formen auf,
nämlich als akute Entzündung der Außenhäute der Arterien (Periarteriitis) und als chronisch verlaufende Entzündung der
Innenhaut der Arterien (Endoarteriitis oder Endarteriitis). Die erstere schließt sich entweder an Verletzungen
an oder sie wird durch Weitergreifen der Entzündung und Vereiterung benachbarter Organe und Gewebe auf die Pulsaderwand hervorgerufen
und führt meist rasch zur Verstopfung und Verschließung der befallenen Arterie durch Blutgerinnsel (s. Thrombose).
Die zweite Form, die sog. chronische oder deformierende Endarteriitis, wohl auch als Arteriosklerose, atheromatöser Prozeß
oder atheromatöse Entzündung der Arterien (Arteriitis chronica deformans) bezeichnet, welche eine häufige Krankheit des höhern
Mannes- und Greisenalters ist, beginnt immer mit entzündlichen Vorgängen an der innern Arterienhaut, durch welche die
Gefäßwandungen stellenweise oder in größerer Ausdehnung fettig entarten und erweichen oder auch verkalken, verknöchern
und brüchig werden, infolgedessen sie ihre Festigkeit und Elasticität verlieren und so dem Blutdruck
nicht
mehr
mehr den erforderlichen Widerstand entgegensetzen können. Nicht selten bilden sich dabei auf der Innenfläche der Arterien
kleinere oder größere Substanzverluste, welche als atheromatöse Geschwüre bezeichnet werden. Atheromatöse Arterien zerreißen
sehr leicht und führen zu Blutungen, insbesondere Gehirnblutungen oder Schlagflüssen, zur Bildung von Aneurysmen (s. d.), zu
Altersbrand (s. Brand) sowie zu Thrombose und Embolie (s. d.). Deshalb müssen sich alte Leute vor übermäßigen
Aufregungen des Gefäßsystems, besonders vor unmäßigen Mahlzeiten und Trinkgelagen, übertriebenen Muskelbewegungen, sowie
heftigem Husten und starkem Pressen beim Stuhlgang hüten, da hierdurch der Blutdruck plötzlich gesteigert und damit den kranken
Gefäßwänden mehr zugemutet wird, als sie ertragen können.