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Aus der Reihe: Kapellen in der Schweiz
Verschwundener Antonius
Gleich vorneweg: Die Kapelle existiert nicht mehr, genauso wenig wie die alte Brücke. Die Darstellung zeigt einen Ausschnitt aus einem Ölgemälde von einem unbekannten Maler um 1680. Das Original befindet sich im Museum Schiff in Laufenburg AG, dort ist ebenfalls ein Modell der Kapelle zu besichtigen.
Messe mit Fuhrwerk
Nach wiederholten Rheinhochwassern, welche die Brücke samt den hölzernen Pfeilern schwer beschädigten oder diese sogar wegspülten, beschloss man 1532, steinerne Pfeiler zu setzen. 1540 war das Brückenbauwerk fertig. Erst 1577 wurde auf dem massiven mittleren Joch die Antonius-Kapelle erbaut. Das Bild zeigt eine kleinere Kapelle auf dem zweiten Pfeiler von rechts, von der nicht weiteres bekannt ist, sie ist möglicherweise zusammen mit der Brücke errichtet worden. Im 30-jährigen Krieg wurde die Brücke, deren Tragkonstruktion und Fahrbahn aus Holz waren, niedergebrannt. 1653 erhob der Rat der Stadt eine Brückensteuer, um die zwischenzeitliche Notbrücke zu ersetzen. Der Bogen über die Hauptströmung wurde dabei überdacht und die Kapelle ausgebaut. Sie bekam jetzt auch ein «Türmlein mit einer welschen Haube, darinnen 2 Glögglein hangen konnten». Die Patres des nahen Kapuzinerklosters pflegten, einmal wöchentlich in der Brückenkapelle eine Messe zu lesen. Das Kuriose daran war, dass jederzeit auch Fuhrwerke über die Brücke und damit durch die Kapelle fahren konnten – Messe hin oder her… Am 20. Oktober 1796 besetzten französische Truppen das Kloster und verwüsteten dieses. Auch die Brücke wurde wieder ein Opfer der Flammen, die Kapelle brannte vollständig nieder und wurde nie mehr errichtet.
Alois Schmelzer