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1460-1800: Die Universität am Münsterhügel
Die ersten vier Jahrhunderte der universitären Geschichte in Basel spielten auf dem Münsterhügel. Schauplätze der universitären Vormoderne waren das Münster selbst, das Untere Kollegium am Rheinsprung und das Obere Kollegium an der Augustinergasse. Die Gebäude der frühen Universität waren eng aufeinander bezogene Multifunktionsgebäude für Unterricht, Sammlung, Forschung und Wohnung.
Räumlicher Ausgangspunkt der Basler Universitätsgeschichte ist das Münster. Der Bischofsaal im Münster bzw. dem angrenzenden Bischofshof ist der Ort der Universitätsgründung und verband die neue Institution symbolisch mit ihrer Vorgängerin, der Konzilsuniversität. Noch lange nutzte die Universität die Räumlichkeiten und vor allem die hohe Symbolkraft dieser Örtlichkeit – im Chor des Münsters fanden im Sommer die theologischen Vorlesungen statt, im Bischofssaal waren Bibliotheksbestände untergebracht, lange wurden hier die Promotionsfeiern abgehalten und immer seit 1660 feierte die Universität hier ihre Jubiläumsfeiern – in der Wahl des Veranstaltungsortes verbinden sich auch die Jubiläumsfeierlichkeiten des Jahres 2010 mit dieser Tradition.
Das erste eigene Gebäude der Universität war das Untere Kollegium am Rheinsprung, das die Stadt unmittelbar vor der Gründung für die Universität erworben hatte. Es beherbergte unter seinem Dach eine Vielzahl von Funktionen und alle damals zugehörigen Fächer und Fakultäten. Hier tagte die Regenz, gab es Wohnraum für Dozenten und Studentenbursen, Sammlungen und Unterrichtsräume. Später kam ein botanischer Garten und ein halbrundes Amphitheater für die Sektion von Leichen hinzu.
Die Reformation stürzte die Universität nach gut zwei Generatioonen in eine heftige Krise, verhalf ihr aber auch zu einer räumlichen Ausdehnung: Ab 1538 konnte sie das ehemalige Augustinerkloster nutzen. Das Obere Kollegium – wie es nun genannt wurde - ergänzte das untere bei der Unterbringung von Fächern, Sammlungen, Vorlesungsräumen und Wohnungen, von Veranstaltungen und Konzerten. Zwischen Oberem und Unterem Kollegium spielten sich nun für lange Zeit alle Prozesse des universitären Alltags ab.
Einbezogen waren in die Topographie der Universität vor 1800 auch andere Räume in der Nachbarschaft, wie das Haus «zur Mücke », das die Bibliothek und auch die Sammlungen beherbergte. Generell: Die Orte des Wissens beschränkten sich in der vormoderne Zeit nicht auf die eigentlich universitären Gebäude – die Trennung von «öffentlichen» universitären und «privaten» Räumen erweist sich als Konstruktion unserer Moderne. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert waren die «privaten» Sammlungen der Familien Faesch und Amerbach Anziehungspunkt für die internationale Gelehrtenwelt und renommierte Forschungsorte. In der Zeit des Humanismus erfüllte das Wohnhaus «zum Sessel» im Totengässlein nicht nur die Funktion als Werkstatt und Wohnhaus von Johannes Amerbach und Johannes Froben, sondern bildete ein Zentrum der aktuellen Debatten der Zeit.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird die räumliche Unterbringung der Universität als unzureichend und desolat beschrieben. Abriss und Neubau des Oberen Kollegiums wurden diskutiert. Durch die Kantonstrennung gerieten Stadt wie Universität in eine zusätzlich schwierige politische und finanzielle Situation. Und es gab noch andere Notwendigkeiten – etwa die Unterbringung der weithin bekannten Basler Sammlungen und Bibliotheksbestände. Ein enormes bürgerschaftliches Engagement gab diesem Projekt den politischen Rückenwind – das Obere Kollegium wurde abgerissen und 1849 durch einen gewaltigen Museumsneubau ersetzt. Die Universität musste sich in ihren Kernfunktionen wieder auf das Untere Kollegium einschränken, profitierte aber von der Unterbringung der Bibliothek und der Sammlungen und von dem neuen Vorlesungsraum im Museum, in dem bis heute die Antrittsvorlesungen der neu eintretenden ProfessorInnen inszeniert werden.
Mit der Entscheidung gegen einen Universitätsneubau in der Augustinergasse schlug die Raumentwicklung der Universität eine andere Richtung ein. Das Untere Kollegium wurde im Zuge des Jubiläums von 1860 noch gründlich renoviert. Wenig später setzte mit der Errichtung der grossen naturwissenschaftlichen Neubauten die Verlagerung des universitären Zentrums auf die andere Seite der Stadt ein, die zum neuen Universitätsareal um den Petersplatz führen sollte – ein Prozess von langer Dauer, der genau betrachtet bis heute nicht ganz abgeschlossen ist.
Die Gebäude des Münsterhügels blieben lange noch der Ort für die Behausung einer steigenden Anzahl von Fachbereichen, Seminaren, Instituten und Spezialeinrichtungen. Im Zuge der Ausdifferenzierung der Disziplinen und der Entwicklung neuer Unterrichtsformen, der Seminarien, stieg der Raumbedarf auch der Geisteswissenschaften immens an. Zur Unterbringung der anfangs meist sehr kleinen Fachbereiche wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts neben dem Unteren Kollegium auch viele andere Baulichkeiten herangezogen: Herbergen für Seminare wurden die Lesegesellschaft am Münsterplatz Nr. 8, das Doppelhaus «unter den Linden» am Münsterplatz 6/7, das Haus «zur Mücke» am oberen Schlüsselberg, der Rollerhof am Münsterplatz Nr. 21, der Falkensteinerhof am Münsterplatz Nr. 11, das Haus Rheinsprung Nr. 21, die Augustinergasse Nr. 8 und Nr. 19. Einen Brennpunkt der Raumgeschichte der Philosophisch-Historischen Fakultät und eine Durchgangsstation für viele ihrer Seminare und Institute ist bis heute der Bärenfelserhof am Stapfelberg 7/9.

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