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Kommandant zum Brand im Tessin
«Die Häuser sind sicher, doch der Wald brennt noch»
Der Brand oberhalb von Verdasio im Centovalli hat sich in der Nacht weiter ausgeweitet, sodass in der Zwischenzeit eine Fläche von rund 50 Hektaren betroffen ist. Ein Ende ist aber in Sicht.
Der Brand oberhalb von Verdasio im Centovalli hat sich in der Nacht weiter ausgeweitet. Inzwischen brenne es auf einer Fläche von rund 50 Hektaren, sagte Tiziano Guarisco, Einsatzleiter der Feuerwehr Locarno, auf Anfrage von RSI. Zwei Ferienhäuser sind abgebrannt.
Am Donnerstagmorgen hatte die Feuerwehr den Brand für «unter Kontrolle» erklärt, doch am frühen Nachmittag brach das Feuer plötzlich wieder aus und kletterte rasch den Berghang hinauf.
Hatte man die Situation unterschätzt? Guarisco sagt: «Nein, wir haben keine Fehler gemacht. Das Wiederaufflammen des Brandes wurde durch Aufwinde begünstigt, die typischerweise am frühen Nachmittag zwischen 12 und 13 Uhr entstehen.»
Diese seien sehr stark gewesen und hätten die Situation noch viel schlimmer gemacht, sagt Guarisco weiter. Seit dem Start des Helikopter-Einsatzes und der Wiederaufnahme der Bodenarbeiten habe sich das Feuer jedoch nicht weiter ausgebreitet.
«Das Dorf hat kein Wasser mehr. Das Feuer hat die Leitungen vollständig zerstört, und wir bemühen uns, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden.»
Die Bewohner*innen des Dorfes Verdasio wurden in Sicherheit gebracht. Bürgermeister Michele Turri zeigte sich optimistischer als noch am Donnerstagabend: «Die Häuser in Verdasio sind nun praktisch alle sicher. Doch am Donnerstag waren zwei Bauernhäuser in Flammen aufgegangen», sagt er.
Alle bei Freunden, Familie oder im Hotel untergekommen
Die meisten der total 21 evakuierten Bewohner*innen hätten eine Unterkunft bei Bekannten, Freunden und Verwandten gefunden. Drei würden sich in einer Hotelresidenz in der Gegend befinden.
Für eine Rückkehr sei es indes noch zu früh: «Das Dorf hat kein Wasser mehr. Das Feuer hat die Leitungen vollständig zerstört, und wir bemühen uns, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden». Auch die Gemeinde Comino wurde vollständig evakuiert, weshalb die Bevölkerung gebeten wird, ihre dortigen Zweitwohnsitze nicht aufzusuchen. Sowohl die Kantonsstrasse als auch die Centovallina-Bahnlinie bleiben auf dem Höhepunkt des Brandes gesperrt.
Weil der Aqädukt des Centovalli leer ist, fehlt es nun an Wasser, um den Brand zu löschen. Deshalb müssten die Helikopter Wasser vom Lago Maggiore in die Hügel transportieren, sagte Guarisco. Acht Löschhelikopter standen am Freitag im Einsatz. Weiteres Wasser könnten Feuerwehrlastwagen ins Tal schaffen.
Aussergewöhnliche Trockenheit
Bereits Ende Januar wütete im Tessin ein grosser Waldbrand. Die Feuerwehr brauchte über zwei Wochen, um das Feuer am Monte Gambarogno zu löschen. Verursacht worden war der Brand durch Fahrlässigkeit und Unwissenheit: Zwei junge Männer hatten ihr Lagerfeuer nicht richtig gelöscht. Die beiden Deutschschweizer müssen sich wegen fahrlässiger Brandstiftung verantworten – schon damals galt im Tessin ein Feuerverbot im Freien.
Im Südkanton hat es seit vergangenem November nicht mehr richtig geregnet. Der Winter 2021/22 dürfte zu den trockensten seit Messbeginn zählen. Einige Gemeinden haben Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, sparsam mit dem Wasser umzugehen und nicht dringliche Putz- und Wässerungsarbeiten aufzuschieben.
evpf, sda