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Coopzeitung: Was symbolisiert für Sie eine schwarze Orchidee?
Malia: Diese Blume ist sehr mystisch, unwiderstehlich schön und selten. Ich liebe Orchideen. «Black Orchid» ist die Verkörperung dessen, was ich über Nina Simone denke, deren Repertoire ich aktuell interpretiere.
Wie ist diese grosse Jazz- und Bluessängerin in Ihr Leben getreten?
Ich war etwa 18 oder 19 Jahre alt, als ich sie «I Love You Porgy» singen hörte. Ich kannte diesen Klassiker von Billie Holiday und Sarah Vaughn, aber als Nina Simone es interpretierte, klang es wie aus einer anderen Welt. Der Song nahm mich gefangen und ich habe mich total in ihre Stimme verliebt.
Können Sie diese Faszination genauer erläutern?
Ich denke, Nina Simone hat meine Seele angesprochen. Es waren nicht nur die Musik und die Worte. Etwas hat meinen ganzen Körper durchdrungen. Es war eine spirituelle Erfahrung für mich. Ich möchte nicht blasphemisch sein, aber was ihr Gesang in mir geweckt hat, war eine reine Liebe, wie wenn andere Leute Gott treffen. Für mich wurde sie meine Göttin.
Haben Sie sich deshalb erst jetzt getraut, eine CD mit ihren Songs aufzunehmen?
Nina Simone hat mich gelehrt, dass es beim Singen nicht nur auf die Technik ankommt, sondern auch, dass man die Lieder mit Geist und Tiefe erfüllen kann. Bis ich mich dazu bereit fühlte, musste ich lange reifen. Nach der Geburt meiner Tochter und einer längeren Pause produzierte ich das Album auf eigenes Risiko. Ich dachte, ich würde es übers Internet verkaufen, dann bekam ich von Universal einen Plattenvertrag.
Nina Simone litt sehr unter dem Rassismus, mit dem sie lange konfrontiert war. Was haben Sie als Tochter einer Malawi und eines Engländers selber erlebt?
Ich habe ein paar sehr bittere Erfahrungen gemacht. Gemischte Ehen waren in diesem kleinen ostafrikanischen Land in meiner Jugend noch die Ausnahme. Die Malawi haben Mischlinge «rote Menschen» genannt und ich wurde als Kind nach Schulschluss mit Steinen beworfen. Viel schlimmer fand ich jedoch, dass die Ex-Kolonialisten meine Mutter und mich wie Luft behandelten, weil sie fanden, dass wir weniger wert wären als die Weissen. Aber wer keine Schmerzen kennt, kann auch sein Glück nicht schätzen. Wenn ich glücklich bin, berühre ich den Himmel!
Mit welcher Musik sind Sie aufgewachsen?
Mein Vater besass ein paar Beatles-Alben, meine Mutter hat uns ein paar Volkslieder beigebracht und im Radio lief viel afrikanische Folklore, aber damals spielte die Musik in meinem Leben noch keine wichtige Rolle. Ich ging lieber schwimmen und fahrradfahren oder bin auf Bäume geklettert.
Wie hat sich das im Lauf der Zeit verändert?
Als wir nach London zogen, hat es mir beim Erwachsenwerden sehr geholfen, dass mir die Arbeit in einem Jazz-Club eine wundervolle neue Welt erschlossen hat. Die selbstbewussten Jazz-Diven wurden zu Vorbildern. Von ihnen habe ich viel gelernt. Sie haben mich als Frau befreit.
Und wie wurde aus Ihnen eine Sängerin?
Als die Musik für mich zu einer Religion wurde, habe ich mir eines Tages einen Auftritt besorgt, ohne überhaupt zu wissen, ob ich richtig singen konnte. Ich zog mir Schuhe mit hohen Absätzen an, trug roten Lippenstift auf und flehte den Chef des Londoner Restaurants Pierre Victoire an: «Geben Sie mir einen Gig, bitte!» Er fand, ich sähe wie eine Sängerin aus, worauf ich mir einen Pianisten suchen und Lieder lernen musste ... Später wollte ich Gitarre- und Klavierspielen lernen, aber mir fehlte die Geduld. Ich war einfach hungrig, wollte auf der Bühne stehen und singen.
Was hat Sie aus der Weltstadt London nach Zürich verschlagen?
Ich habe mich 2003 in einen Schweizer verliebt. Ein Freund nahm ihn nach Luzern an ein Konzert von mir mit. Als sich unsere Blicke trafen, hat es zwischen uns gleich gefunkt. Trotzdem haben wir noch mehrere Jahre lange Telefongespräche geführt und gependelt, ehe ich zu meinem heutigen Ehemann zog, da ich von meinem Beruf her weniger ortsgebunden bin.
Was gefällt Ihnen an Zürich?
Ich mag, dass alles funktioniert, die Ruhe, Sauberkeit und Sicherheit. In London waren die Busse dauernd defekt. Ich getraute mich nicht einmal, am helllichten Tag in einem Park zu joggen. Hier kann ich sogar meine fünfjährige Tochter allein zur Schule gehen lassen.
Wie verbringen Sie mit ihr einen Frühlingsnachmittag?
Wir sind oft im Wald oder am See. Ich schaue gerne auf die Wellen hinaus oder lese ein Buch. Ich liebe aber auch die Altstadt, setze mich auf eine Bank und betrachte die historischen Gebäude – oder ich sündige bei «Sprüngli» ...
Stammt der Kakao, den man dort trinken kann, möglicherweise aus Ihrer Heimat?
Nein, in Malawi wird hauptsächlich Tee, Zucker und Tabak angebaut.