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Da die Hirten ihre Herde
Ließen und des Engels Worte
Trugen durch die niedre Pforte
Zu der Mutter mit dem Kind,
Fuhr das himmlische Gesind
Fort im Sternenraum zu singen,
Fuhr der Himmel fort zu klingen:
«Friede, Friede! auf der Erde!»
Wer kennt ihn nicht, den Walzer Nr. 2 von Dmitri Schostakowitsch, der durch den Film „Eyes Wide Shut“ besondere Popularität erreichte? In vielen Einspielungen wird der Satz als Teil der Suite für Jazzorchester Nr. 2 angegeben.
Die Suite für Varieté-Orchester, aus dem der Walzer eigentlich stammt, entstand vermutlich in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre und umfasst acht Sätze. Jahre lang wurde die Suite fälschlicherweise für die 1938 entstandene und im Zweiten Weltkrieg verloren gegangene Suite für Jazzorchester Nr. 2 gehalten und leider auch heute – vermutlich aus Werbezwecken – oftmals noch als jene betitelt.
Wer die Suite mit dem bekannten Walzer gerne live hören möchte, sei herzlichst dazu eingeladen am 25. (14:00 Uhr) oder 26. (20:00 Uhr) Juni die Konzerte des Juventus Musica Basel (www.juventus-musica.ch) in der Kapelle der Adullam-Stiftung zu besuchen.
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Josef Erich “Joe“ Zawinul ist wahrscheinlich am besten als einer der zwei Kernmusiker (zusammen mit dem Saxophonisten Wayne Shorter) der Fusion-Jazz-Band „Weather Report“ bekannt, die mit ihrem eigenartigen Stil den Jazz ab den 70er Jahren prägte. Mit seiner Vorliebe für E-Pianos und Synthesizers gilt der österreichische Musiker und Komponist als Pionier der elektronischen Musik. Seine letzten Aufnahmen sind von einem Konzert mit dem Joe Zawinul Syndicate. Dieses Konzert fand 2007 in Lugano im Rahmen von „Estival Jazz“ statt. An dem Tag wurde Zawinul 75. Er befand sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium einer tödlichen Krebserkrankung. Seiner Frau Maxine ging es ebenfalls gesundheitlich sehr schlecht. Sie starb noch im selben Monat, er zwei Monate später. Dennoch war das Konzert erstaunlicherweise voller Energie und Kreativität. Als Zawinul gefragt wurde, warum er immer noch auf Tour wäre, war er ganz überrascht: Für ihn war es einfach selbstverständlich, dass ein Musiker bis zum Ende seines Lebens weiterspielen wolle.
Vom Konzert in Lugano möchte ich euch das zweite Stück “Madagascar”, komponiert von Joe Zawinul, vorstellen.
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Joaquín Rodrigo (1901-1999) ist vielleicht dem ein oder anderen als Komponist von Stücken für Gitarre bekannt. Sein wohl bekanntestes Werk das «Concierto de Aranjuez», hat jedoch auch den Weg in die Harfenliteratur gefunden. Rodrigo hat das Konzert für Gitarre und Orchester auf Bitten von Nicanor Zabaleta für Harfe arrangiert. Zabaleta gilt als einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Harfenist des 20. Jahrhunderts. Durch seine über 60 Jahre währende Weltkarriere etablierte er die Harfe als Soloinstrument.
Der Titel des Werks verweist auf den Palast von Aranjuez (UNESCO Welterbe), dessen Barockgarten musikalisch beschrieben wird. 1991 wurde Rodrigo vom spanischen König Juan Carlos I in den Adelsstand erhoben mit dem Titel «Marqués de los Jardines de Aranjuez».
Miles Davis und Jim Hall haben sich von Rodrigos Konzert inspirieren liessen und die Aufnahmen sind ein Reinhören wert.
Hier die Version mit Harfe.
Hier die Aufnahme von Milles Davis.
Hier die Version von Jim Hall.
Noch steht es da – vermutlich nur noch für Stunden –, prominent neben Geburts- und Sterbeort, neben den rahmenden Daten eines Lebens und der Zugehörigkeit zu seiner Groupe des Six: „Honegger ist auf der Schweizer 20-Franken-Note abgebildet.“ (Wikipedia-Artikel, eingesehen am 10.05.2017 um 10.42) Heute nun hat es ihn erwischt, er muss weichen – für einen Schmetterling. Nutzen wir die Gelegenheit, einmal mehr an Arthur Honegger zu denken und auch ihn mal zu fragen: „Tuet’s weh?“
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Jonathan Dove – Flight
Sage und schreibe 18 Jahre lang sass der iranische Flüchtling Mehran Karimi Nasseri am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle fest. Da er keine Papiere besass, durfte er weder weiterfliegen, noch nach Frankreich einreisen. Diese Geschichte inspirierte Steven Spielberg zu seinem bekannten Film „The Terminal“ mit Tom Hanks. Zuvor noch wurde das Schicksal des Flüchtlings allerdings für die Bühne adaptiert, in der Form einer Oper des britischen Komponisten Jonathan Dove (*1959), der den Flüchtling als Countertenor in die Musik überträgt. Die komische Oper „Flight“ fand aufgrund von Doves teils hektischem, rhythmisch anspruchsvollem, teils lyrischem, berührendem Kompositionsstil und dem direkten Libretto von April De Angelis beim Publikum sofort Anklang.
Nach der Uraufführung 1998 kommt es nun zu der Schweizer Erstaufführung mit der jungen Gruppe „New OPERation“. Am 22., 24. Und 25. Juni kann man in der Scala in Basel zu „Flight“ abheben.
Hier geht es zum Video der Erstaufführung.
Hier gibt es einen Einblick in eine andere Inszenierung.
Mehr Infos und Tickets gibt es hier.
Am 9. April 1917 begann am Zürcher Hauptbahnhof eine Zugfahrt, welche in die Geschichte eingehen sollte. Wladimir Iljitsch Uljanow, der besser unter seinem Kampfnahmen Lenin bekannt ist, reiste von seinem Schweizer Exil aus über Skandinavien in die damalige russische Hauptstadt Petrograd. Unter seiner Führung übernahmen die Bolschewiki anschliessend während der sogenannten Oktoberrevolution die Macht in Russland.
Viele Werke des russischen Komponisten Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch befassen sich inhaltlich mit der Oktoberrevolution. Zu den bekanntesten gehören die 2. Sinfonie „An den Oktober“ und die 12. Sinfonie „Das Jahr 1917“. Nur wenig Beachtung hat hingegen bisher seine sinfonische Dichtung „Oktober“ erhalten. Dieses Stück wurde anlässlich des fünfzehnten Jubiläums der Revolution geschrieben und markiert Stationen des Kampfs der Bolschewiki.
Hier geht es zum Video.
„Nice music! Who is that, Brahms?" – "No, it’s Mahler“
Die Filmmusik von Shutter Island ist nun nicht gerade das, was man von einem Hollywood-Streifen erwarten würde. Mit Kompositionen von Krzysztof Penderecki, John Cage, Morton Feldman und György Ligeti, bedienen sich Regisseur Martin Scorese und Music Editor Robbie Robertson einer Vielzahl an Musik des 20. Jahrhunderts. Auch die Musik Gustav Mahlers spielt im Film eine Schlüsselrolle. In der Szene im Büro des Arztes löst eine Schallplattenaufnahme des Klavierquartett’s in a-Moll bei Edward (Teddy) Daniels, gespielt von Leonardo di Caprio, eine Reihe von Kriegserinnerungen aus. Das unvollendete Werk Mahlers und die Verquickung von nichtdiegetischer und diegetischer Musik in dieser Szene verdeutlichen gekonnt die Vermischung von Wahn und Wirklichkeit des Protagonisten Daniels. Der Roman auf dessen dieser Film basiert spezifiziert die Musik Mahlers in der Handlung jedoch nicht explizit, nur die Verwechslung mit Brahms ist vom Buch aufgetragen.
Habt ihr die ewig selben barocken Ostervespern satt, könnt gleichzeitig aber doch nicht auf die grossen Bach-Oratorien verzichten? Dann bietet es sich an in das Oratorium „Golgotha“ des Schweizer Komponist Frank Martin (1890–1974) reinzuhören. Martin versuchte die musikalische Sprache seiner Zeit mit der frühneuzeitlichen Tradition in Verbindung zu bringen. Dabei schuf er, der Sohn eines calvinistischen Pfarrers, ein Werk welches das Monumentale mit dem intim Frommen verbindet.
Hier geht es zum ersten Video.
Hier geht es zum zweiten Video.
Wem die Youtube Aufnahme nicht reicht sei getröstet: Die Basel Sinfonietta und der Basler Bach-Chor spielen und singen das Oratorium am 8. Und 9. April in der Martinskirche! Tickets findet man auf baselsinfonietta.ch/konzerte
Kulturtransfer mit der U-Bahn:
In dieser Woche findet in Tokyo der 20th Congress of the International Musicological Society (IMS) unter dem Motto «Theory and Practice, East and West» statt. Theoretisch ist es klar, wie man sich – auch in einer riesigen Stadt wie Tokyo – von Ost nach West bewegt, doch wie findet man sich praktisch im dortigen U-Bahn-System zurecht? Nicht nur für unsere mutigen Musikwissenschaftler haben in Tokyo viele U-Bahn-Stationen Erkennungsmelodien, damit man zur rechten Zeit am richtigen Ort aussteigt. Ein alternatives System zur Koordination im dortigen Verkehrsnetz hat sich Klaus Wallendorf, ehemaliger Hornist der Berliner Philharmoniker, ausgedacht, das sich jeder Reisende als Eselsbrücke leicht merken kann.
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Die Hymne der Roma
Obwohl man von ‚einer‘ Roma-Musik nicht sprechen kann, da sie und ihre Gruppen äusserst vielfältig sind, gilt das traditionelle Volkslied Djelem Djelem (wörtlich: Ich ging, ich ging) heute als die internationale Hymne der Roma. Das ursprünglich aus Rumänien stammende und in Romanes verfasste Lied, handelt von der Vertreibung der Roma und wurde von verschiedensten Musikern interpretiert. Bekanntheit gewann das Lied vor allem durch den, oftmals als ‚König der Roma-Musik‘ bezeichneten, jugoslawischen Sänger Šaban Bajramovic. Deutlich erkennbar in nahezu allen Interpretationen bleibt jedoch der Einfluss des spanischen Flamencos.
Hier die Interpretation von Šaban Bajramovic.
Hier eine Version der ‚Queen of the Roma‘ Esma Redžepova.
Und schliesslich noch ein modernes Arrangement des Barcelona Gipsy Klezmer Orchestra.
Jean Sibelius gilt heute noch als einer der Komponisten des 20. Jahrhunderts, welcher mit seiner musikalischen Sprache gegen den Strom der Moderne schwamm. Aufgrund dieser angeblich konservativen Haltung wurde der finnische Komponist zeitlebens und auch in der Nachkriegszeit von den europäischen Avantgardisten oft nur belächelt. Der Meinung des Schönberg-Schülers René Leibowitz zufolge war Sibelius schlicht und einfach „der schlechteste Komponist der Welt“.
Wer sich aber beispielsweise seine Fünfte Symphonie anhört, wird sich damit schwertun die alten Konventionen der Sonatenform wiederzuerkennen. Laut dem Musikwissenschaftler James Hepokoski wohnt diesem Werk eine radikale Zirkularität der musikalischen Zeit inne, die sich vor allem strukturell durch eine Zergliederung und evolutionäre Veränderung des Materials charakterisiert. Was sich analytisch erschließen lässt, spiegelt sich auch in den Aussagen des Komponisten über die Natur als unerschöpfliche Inspirationskraft. In seinem Notizbuch berichtet er über das sich allmählich verwandelnde Hauptthema des Finales, dass er sich von einem über seinem Haus Ainola kreisenden Schwanenschwarm inspirieren liess. Hören Sie doch rein und stellen Sie – im letzten Satz ab 26’27 in der Videoaufnahme – fest, ob diese Naturvertonung radikal oder kitschig klingt.
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Audrey Hepburn singt Anton Webern?
Die erste Schallplattenproduktion von Anton Weberns Klavierliedern entstand 1956/57 in Hollywood. Auf dieser begleitet der Schönberg-Schüler Leonard Stein am Klavier eine Stimme, die wenige Jahre später in der Musical-Verfilmung My Fair Lady in den Gesangsszenen von Audrey Hepburn zu hören ist. Tatsächlich hört man in beiden Fällen die (im Sommer 2016 verstorbene) Sängerin Marni Nixon, die auch für Deborah Kerr oder Nathalie Wood als Dubbing-Sängerin aktiv gewesen ist. Die Aufnahmen haben neben ihrem historischen Ort auch den Reiz, dass man mit etwas musikalisch-cineastischer Phantasie auf ihnen die Lieder durch diese Schauspielerinnen interpretiert hören kann.
Hier kann man Weberns George-Lieder op. 4 mit Marni Nixon und Leonard Stein hören.
Hier kann man Audrey Hepburn sehen und Marni Nixon hören.
Hier kann man Marni Nixon sehen.
Heute vor 200 Jahren kam in Kopenhagen Niels W. Gade zur Welt. Schon in jungen Jahren sollte er die Musikwelt verzücken und vor allem in Leipzig enthusiastische Erfolge feiern, die selbst Mendelssohn und Schumann zeitweilen in den Schatten stellten. Am Anfang dieses unvergleichlichen Erfolgs stand Gades Op. 1, die Konzertouvertüre "Nachklänge von Ossian". Schumann erkannte darin einen "entschieden nordischen Charakter". Doch wie konstituiert sich dieses nordische Idiom, welche kompositorischen Mittel verwendet Gade? Könnte man auch von einem ossianischen oder dänischen Charakter sprechen? Welchen Einfluss haben Werktitel auf die Erwartungshaltung und was sagt Schumanns Urteil über ihn selbst aus? All das sind zentrale Fragen, die den "nordischen Charakter" als diskursives Phänomen zwischen ästhetischer Idee und musikalischer Substanz, ziwschen Komposition und Rezeption entlarven.
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Unter einem Standard wird gewöhnlich eine bekannte Jazz-Komposition verstanden, die heute, wie der Begriff bereits andeutet, zum Grundrepertoire des Jazz gehört und den Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Interpretationen und Arrangements darstellt.
Wenn unter modernen Jazztunes eine Komposition den Titel Standard verdient hätte, dann wäre dies wohl mit Sicherheit Strasbourg St. Denis von Roy Hargrove. Nicht nur in Clubs oder im Radio wird der Song oft gespielt, auch in Jazzschulen gehört er bereits zum Programm.
Der Song, welcher an sich nur aus einer einfachen Akkordfolge besteht, besticht vor allem durch den Groove der rhythm section und die sich stetig steigernden Soli. Und wie meistens, vermag eine Live-Aufnahme mehr zu überzeugen als die Studio-Version. So sei hier auch die Aufnahme von 2010 im New Morning Jazzclub in Paris empfohlen.
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Mittelalter einmal anders: 2010 nahm der österreichische Multipercussionist Martin Grubinger zusammen mit den Mönchen der Benediktiner Abtei Münsterschwarzach das Album "Drums 'n' Chant" auf. Der Musik-Tipp der Woche ist definitiv eine interessante Interpretation eines Agnus Dei’s, welches mit Hang, Oboe und E-Bass begleitet wird.
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Come In! von Vladimir Martynov. Er ist ein russischer Komponist und Musikethnologe, welcher in seinen frühen Werken seriell komponierte und sich in der zweiten Phase der Minimal Music widmete. Aus dieser zweiten Schaffensphase stammt das Werk Come In! für Violine und Orchester, welches er 1988 komponierte. Die Idee hinter seinem Stück beschreibt Martynov mit folgenden Worten:
"The staircase to Heaven is inside your heart; you enter through the door of your soul. Our whole life is but an attempt to find this miraculous entrance. All our deeds are but a timid knocking on this mysterious door All our hopes are to hear a voice that would respond, 'Come In!'"
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Wussten Sie, dass die Frauen einen ebenso wichtigen Platz in der mittelalterlichen Musikwelt innehatten wie die Männer? Wer wie Brigitte Lesne und ihrem Ensemble „Discantus“ in unserem Musik-Tipp mittelalterliche Gesänge wie das „Ave gloriosa / Salve Virgo“ einmal selbst singen möchte, kann dies anlässlich der Basler Museumsnacht, die diesen Freitag (20.01.2017) stattfindet, mit Kelly Landerkin im ehemaligen Dominikanerinnenkloster Klingental tun. Danach kann man sich zu uns ins klösterliche Skriptorium gesellen und wie der Schreiber des Las Huelgas Codex das Kratzen der Federn auf dem Pergament hautnah miterleben, indem man sich in frankonischer Notation übt. Wir freuen uns, euch zwischen 18:00 und 01:00 im Skriptorium des Museums Kleines Klingental begrüssen zu dürfen!
Weitere Infos zur Museumsnacht finden sich hier.
Die musikalische Einstimmung findet sich hier.
... der aktuellen Witterung entsprechend: „Der Schneemann“ von Erich Wolfgang Korngold. Der junge Komponist schreibt die Ballett-Pantomime mit 11 Jahren (für Klavier); die am 4.10.1910 uraufgeführte Orchesterfassung stammt dann allerdings doch von seinem versierten Kompositionslehrer Alexander Zemlinsky und wird ein großer Publikumserfolg. Auch Richard Specht lobt den Sohn seines Kritikerkollegen Julius Korngold in der Neuen Freien Presse und konstatiert „eine Musik von ungewöhnlicher Buntheit der Erfindung“. Ob das Stück tatsächlich, wie er schreibt, „eigentlich so ganz nebenbei, halb im Spiel“ entstanden ist? Dem Wunderkind-Mythos um Korngold junior haben solche Attribute sicher nicht geschadet…
Die vollständige Kritik hier.
Die winterliche Musik hier.
Mit Schwung und im ¾-Takt ins neue Jahr! Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker gehört, ebenso wie Feuerwerk und das Knallen der Champagnerkorken, zu einem gelungenen Jahreswechsel dazu.
Naheliegend ist also die Empfehlung eines Walzers – allerdings nicht aus der Feder des Walzerkönigs Johann Strauss, sondern vom amerikanischen Komponisten Leroy Anderson (1908–1975), der 1951 „Belle of the Ball“ schrieb. Anderson wurde einem breiten Publikum mit seinen eingängigen, manchmal originell besetzten Werken (u.a. „The Typewriter“) bekannt. Sein Walzerschaffen steht dem in Nichts nach, wie der amerikanische Musikwissenschaftler Michael Steinberg feststellt "Some have called Gershwin the Johann Strauss, Jr. of American music, but one might argue that the designation sits more comfortably on the shoulders of Leroy Anderson."
Das Musikwissenschaftliche Seminar rät den Musik-Tipp-Leserinnen und -Lesern, auf „Belle of the Ball“ ein Tänzchen zu wagen und wünscht ein schwungvolles, musikalisches, glückliches und erfülltes neues Jahr!
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1886 gedichtet (Conrad Ferdinand Meyer) – in den Jahren 1907 bis 1911 vertont (Arnold Schönberg) – auch heute aktuell:
Friede auf Erden!
Da die Hirten ihre Herde
Ließen und des Engels Worte
Trugen durch die niedre Pforte
Zu der Mutter mit dem Kind,
Fuhr das himmlische Gesind
Fort im Sternenraum zu singen,
Fuhr der Himmel fort zu klingen:
«Friede, Friede! auf der Erde!»
Seit die Engel so geraten,
O wie viele blut'ge Taten
Hat der Streit auf wildem Pferde,
Der Geharnischte vollbracht!
In wie mancher heil'gen Nacht
Sang der Chor der Geister zagend,
Dringlich flehend, leis verklagend:
«Friede, Friede… auf der Erde!»
Doch es ist ein ew'ger Glaube,
Daß der Schwache nicht zum Raube
Jeder frechen Mordgebärde
Werde fallen allezeit:
Etwas wie Gerechtigkeit
Webt und wirkt in Mord und Grauen
Und ein Reich will sich erbauen,
Das den Frieden sucht der Erde.
Mählich wird es sich gestalten,
Seines heil'gen Amtes walten,
Waffen schmieden ohne Fährde,
Flammenschwerter für das Recht,
Und ein königlich Geschlecht
Wird erblühn mit starken Söhnen,
Dessen helle Tuben dröhnen:
Friede, Friede, auf der Erde!
Das Musikwissenschaftliche Seminar wünscht allen Musik-Tipp-Leserinnen und -lesern ein frohes, friedliches, besinnliches und musikalisches Weihnachtsfest!
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In den Konzerthäusern um 1913 war ziemlich was los, zunächst war da das bekannte „Watschenkonzert“ in Wien und kurze Zeit später verbuchte Strawinsky mit der Uraufführung von Le Sacre du Printemps den nächsten Skandal. Es verwundert also nicht weiter, dass der amerikanische Komponist George Antheil, um sich sicherer zu fühlen, bei den Aufführung seiner Werke laut eigener Angaben stets eine Pistole dabei hatte.
So wahrscheinlich auch bei der von Tumulten begleiteten Uraufführungen seines Ballet mécanique 1926 in Paris.
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Am kommenden Montag, 12. Dezember erklingt in der Martinskirche die Basler Erstaufführung von «Scheherajazz». «Scheherajazz» heisst das Werk, das der amerikanische Jazz-Saxofonist und Arrangeur Skip Martin in den 1950er-Jahren auf der Grundlage von Nikolai Rimskij-Korsakovs berühmter Orchestersuite «Scheherazade» kreiert hat. Martin, der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, hat Motive und Melodien der Originalkomposition für Big Band umkomponiert und die neuen Teile gleichberechtigt ins Original eingewoben. Entstanden ist aus der Symbiose der beiden Stile ein ausgewogenes, facettenreiches Wechselspiel zwischen den beiden Sphären der Klassik und des Jazz.
Das Werk fand seine klangliche Umsetzung 1959 in einem Studio in Los Angeles, kam jedoch noch nie live zur Aufführung. Ich freue mich, dass dieses aussergewöhnliche Stück nun erstmals auch in Basel zu hören ist. Dazu erklingen zwei Jazzstandards sowie Alexander Borodins 2. Sinfonie, auch das eine Rarität im Konzertsaal.
Für Angehörige des Musikwissenschaftlichen Seminars gibts 5 CHF Rabatt auf alle Tickets. www.tipo.ch/uobbasel oder Abendkasse ab 18:30 Uhr.
Montag, 12. Dezember 2016, 19:30 Uhr, Martinskirche Basel
Uniorchester Bern, Leitung: Lena-Lisa Wüstendörfer Jazzorchester der Universität Bern,
Leitung: Wolfgang Pemberger
Leonard Bernstein war nicht nur ein herausragender Dirigent und Komponist, sondern genauso ein vielseitig engagierter Musikpädagoge. Als solcher wusste er selbstverständlich, dass sich musikalische Erlebnisse mit einem wohlgenährten Verdauungstrakt umso intensiver auskosten lassen. In jungen Jahren (1948) filetierte er aus dem Kochbuch "La bonne cuisine française" des französischen Feinschmeckers Emile Dumont (1829-1887) vier leckere Rezepttexte heraus und komponierte darauf unterhaltsame amuse-bouches/oreilles. Adventszeit ist auch Schlemmerzeit - wie wärs mit einem der folgenden Rezepte an einem der noch kommenden Adventssonntage?
Hier gehts zum Video.
Die vertonten Originalrezepte (siehe unten) gibt es auch in einer englischen Übersetzung. Viel Spass beim Hören und Nachkochen!
Plum Pudding
Deux cents cinquante grammes de raisins de Malaga,
Deux cents cinquante grammes de raisins de Corinthe,
Deux cents cinquante grammes de graisse de rognon de bœuf,
Et cent vingte cinq grammes de mie de pain émiettée,
Soixante grammes de sucre en poudre ou de cassonade,
Un verre de lait ; un demi verre de rhum ou d'eau-de-vie ;
Trois œufs ; un citron ! Muscade, gingimbre, cannelle en poudre, mélangés (
En tout la moitié d'une cuillère à café)
Sel fin la moitié d'une cuillère à café.
Queues de Boeuf
La queue de boeuf n'est pas un mets à dédaigner.
D'abord avec assez de queues de boeuf on peut fair' un pot-au-feu passable.
Les queues qui ont servi à faire le pot-au-feu peuv'nt être mangées,
panées, et grillées, et servies avec une sauce piquante ou tomate.
La queues de boeuf n'est pas un mets à dé daigner.
Tavouk Gueunksis
Tavouk gueunksis, poitrine de poule;
Fait' bouillir une poul',
dont vous prendre les blancs;
vous les pilerez de façon à cequ'ils se mett' en charpie.
Puis mêleslez, mêleslez avec une bouillie,
comme celle cidessus, comme celle cidessus du Mahallebi.
Tavouk gueunksis, poitrine de poule.
Civet à Tout Vitesse
Lorsque on sera très pressé,
voici un' manière de confectionner
un civet de lièvre que je recommande!
Dépecez le lièvre comme pour le civet ordinaire :
Mettez-le dans une casserole ou chaudron
avec son sang et son foie écrasé!
Un'demi-livre de poitrine de porc
(coupée en morceaux);
une vingtaine de petits oignons
(un peu de sel et poivr');
un litre e demi de vin rouge.
Fait' bouillir à tout' vitesse.
Au bout de quinze minutes environ,
lorsque la sauce est réduite de moitié,
approchez un papier enflammé,
de manière à mettre le feu au ragoût.
Lorsqu'il sera éteint, liez la sauce
avec un' demi-livre de beurre manié de farine.
Servez.
Musik konnte zu allen Zeiten sehr modern sein – und manche Musik ist es sogar nach Hunderten von Jahren. Ein gutes Beispiel hierfür gibt die Musik von Nicola Vicentino (1511–1577), der mit viel mehr als den heute üblichen 12 Tönen in der Oktave arbeitete, nämlich 31. Angeregt wurde er durch antike Musik, er komponierte aber in Formen seiner Zeit (wie Madrigale und Motetten).
Anlässlich eines Symposiums der Schola Cantorum Basiliensis vom 24.–26. November wird eine gerade fertiggestellte Orgel (Arciorgano) nach seinen Vorschlägen vorgestellt werden. Ein eindrückliches Beispiel eines seiner Madrigale, gespielt auf einem 31-tönigen Cembalo (Archicembalo), findet ihr im Video.
Hier geht es zum Video.
Mehr Infos zum Symposium finden sich hier.
Als Doktorandin wird man ab und an mit eher unnützem Detailwissen konfrontiert. So zum Beispiel mit dem turbulenten Eheleben der Madame Edwards. Sie wurde 1872 als Marija Godebskaja in der Nähe von Sankt Petersburg geboren und starb 1950 als Misia Sert in Paris. Was dazwischen passierte: Sie heiratete ihren Cousin Tadeusz Natanson, ließ sich scheiden, heiratete den Millionär Alfred Edwards, der bereits vier Scheidungen hinter sich hatte, ließ sich auch von diesem scheiden und heiratete schließlich den Künstler Josep Maria Sert, der sie wiederum wegen einer anderen sitzen ließ.
Anyways. Igor’ Stravinskij schenkte ihr einen vierhändigen Klavierauszug seines Sacre du printemps, und Maurice Ravel widmete ihr La Valse. Poème choréographique pour orchestre. Letzteres ist mein Musik-Tipp der Woche.
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Die Interpretation des Schubert-Liedes „Im Dorfe“ von Soap & Skin. Das Lied „Im Dorfe“ von Franz Schubert ist Teil des Liederzyklus „Winterreise“. Es geht um Tod, Einsamkeit, Kälte, Traurigkeit, alles ziemlich düstere Themen. Mich hat es daher immer gewundert, wenn die Fischer-Dieskaus dieser Welt diese todtraurigen bis verzweifelten Lieder mit vollbrüstigem Tenor herausschmettern. Da passt die zerbrechliche, dünne Sopranstimme der österreichischen Popsängerin Soap & Skin (alias Anja Plaschg) fast besser zur Stimmung des Liedes.
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Anja Plaschg ist übrigens gerade im Kinofilm „Die Geträumten“, einer Verfilmung des Briefwechsels zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, zu sehen. Zum Beispiel am 10. November, um 21h, im Stadtkino Basel.
Hier geht es zum Trailer.
Einen Blick auf ein Instrument zu werfen, das mit kleinsten Bestandteilen eine grosse Wirkung zu erzielen vermag: Mithilfe von 2000 Murmeln, verschiedenen Materialien und grossem Erfindungsreichtum kreiert Martin Molin eine sogenannte „Marble Machine“. In ihr werden mehrere Instrumente miteinander vereint, wodurch die Maschinerie wie eine Art Musikbox-Drehorgel funktioniert.
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Wer sich gerne mehr Musikmaschinen ansehen möchte, kann dies in der momentanen Ausstellung im Museum Tinguely tun.
The MIDI in Black – ein seit 2009 sich ausbreitendes Youtube-Phänomen, das die Grenzen des Musikübertragungsprotokolls MIDI spielerisch austestet. Um eine möglichst große Anzahl von MIDI-Noten in einem Musikstück unterzubringen, werden extrem kurze Notenwerte überlagert und wiederholt, wodurch sich das traditionelle Notenbild zunehmend einschwärzt und andere grafische Strukturen und Formen hervorbringt. Aber Achtung: Die mittlerweile bis zu 500 Milliarden Einzelnoten sind nichts für schwache Rechner, Grafik-/Soundkarten oder Ohren.
Hier eine leichtgewichtigere Variante (ca. 500.000 Noten).
Weitere Hintergründe im Interview.
Einen Besuch der Basler Premiere von Michel Roths Die künstliche Mutter (2016), einem Musiktheater nach der Romanvorlage von Hermann Burger. Bekannte Basler Gesichter präsentieren einen munteren Ritt durch die Literatur- und Musikgeschichte, verknüpft mit vielen Schweizerischen Eigenheiten, getragen von der Dramaturgie des Gottharddurchbruchs gen Süden...
I know, one shouldn’t speak about politics at table, in class, and in public. Nevertheless, with the apparently never ending appeal of nationalism, regionalism, or clan identity (e.g. Brexit), musicologists and music analysts can only look forward to all the amazing music that remains to be composed in the same vein as Erwin Schulhoff’s Symphonia germanica of 1919/20.
Musicologists sharpen your pitchforks, the past, present, and future is ours!
Noch wärmt uns die herbstliche Sonne, dennoch halten auch die dunkleren Seiten des Herbstes Einzug. Der perfekte Soundtrack dazu: Karma Police, interpretiert von Shefita (Israel). Sie verleiht dem bereits melancholischen, und wegen Thom Yorkes Stimme am Rande der Hoffnungslosigkeit treibenden Stück eine neue Kraft.
Geniesst die Herbstsonnenstrahlen, am besten mit Shefita und einem Gläschen starkem Schwarztee.
Wagner, so eine gängige Meinung, sei nur zu ertragen, wenn man den Gesang wegließe. Dies bringt – neben dem ästhetischen Aspekt – auch den Vorteil, dass sich nicht an problematisch gewordenen Inhalten der Opern abgearbeitet werden muss. Wem nun nicht nur die vokalen Partien, sondern der gesamte orchestrale und (typisch?) wagnerianische Klangrausch zuwider ist, dem möchte ich die vierhändige Klavierfassung des Parsifal von Wagners Assistenten Engelbert Humperdinck ans Herz legen: Reduziert, beinahe leicht blickt uns hier das Schwergewicht entgegen. Möglicherweise eine Einstiegsdroge?
In diesem Jahr jährt sich zum achzigsten Mal ein wichtiges musikgeschichtliches Ereignis: Arnold Schönberg, der kurz zuvor nach Brentwood Park, Los Angeles, gezogen war, spielte mit George Gershwin Tennis! Was verband die beiden Musiker, was hatten sie sich zu sagen – und wie schlug sich dies in ihrem Tennisspiel nieder? Es gibt einige Zeitzeugenberichte, aber viel aussagekräftiger ist der musikalische Rekonstruktionsversuch der Matches, den Kyo Yoshida vorgelegt hat. Hieraus könnte man jedenfalls einen fruchtbaren Musikgeschichts-Unterricht machen...
In diesem Sinne wünsche ich allen Muwi-Studierenden und Dozierenden einen kreativen und spannenden Semesterbeginn!