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Biographie
Richard Lewinsohn (Morus) (1894-1968)
Autorin: Alexa Renggli, 16.12.2011
Richard Lewinsohn wurde am 23. September 1894 in Graudenz (damals Deutschland, heute Polen) geboren. Nach seinem Abitur 1913 studierte er Medizin und Ökonomie in Berlin und München. Er leitete als junger Arzt im Ersten Weltkrieg einen Frontlazarettzug, dann eine Unfallstation in Berlin. Nach Abschluss seiner beiden Dissertationen begann er 1922 als Journalist beim "Börsen-Courier", daneben schrieb er für die "Vossische Zeitung" und unter dem Pseudonym "Morus" für "Die Weltbühne". 1926 wurde er Chefredaktor des Finanz- und Wirtschaftsteils der "Vossischen Zeitung", bis er 1930 als Leiter des Ullstein-Büros nach Paris ging. Zwischen 1925 und 1935 machte er sich einen Namen als Verfasser von zeitgeschichtlichen Büchern.
Nach der Gleichschaltung der Ullstein-Blätter durch das Hitler-Regime schrieb er als Mitarbeiter für die französischen Zeitungen "Paris-Midi" und "L'Intransigeant" sowie als Pariser Korrespondent für die portugiesische "República". Unter dem Pseudonym "Campanella" veröffentlichte er zudem Artikel in der Exilzeitschrift "Das Neue Tage-Buch". Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde er 1939 in Colombes und weiteren Lagern interniert. Es gelang ihm aber die Flucht, die ihn 1940 über Lissabon nach Rio de Janeiro führte, wo er ein Institut für Konjunkturforschung und im November 1947 die Wirtschaftszeitschrift "Cunjuntura Econômica" gründete. Gleichzeitig war er als Finanz- und Wirtschaftsberater der brasilianischen Regierung tätig.
1952 kehrte er als Korrespondent von "Cunjuntura Econômica" nach Paris zurück und wurde dort zudem Berichterstatter zahlreicher weiterer Zeitungen. Daneben widmete er sich immer stärker kulturgeschichtlichen Themen und der Musik, wobei die von ihm verfassten Bühnenstücke und Opern grösstenteils unveröffentlicht blieben. Als er 1958 nach einem Herzinfarkt monatelang im Rotkreuzspital in Zürich lag, diktierte er das Buch "Weltgeschichte des Herzens". Anschliessend nahm er sein unstetes Reiseleben sogleich wieder auf und lebte weiterhin ständig in Hotels. Er war auch unterwegs auf einer Studienreise in Madrid, als er dort am 9. April 1968 starb. Sein Grab befindet sich auf dem Madrider Zivilfriedhof.