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Es begann im Jahr 1800
Die Gründung der Bleicherei in der Au, der ersten Fabrik in Bühler, wird von Bartholome Tanner (Chronik von Bühler 1723-1890, GA Bühler) ins Jahr 1800 festgelegt. Die Leute hätten so zum erstenmal die Gelegenheit gehabt, Vor- und Nachteile der Fabrikarbeit kennen zulernen, meint Tanner. Die erste Kaufverschreibung von Fr. 12'000.- stammt vom 22. September 1828. Die Liegenschaft umfasste damals Haus, Stadel, Walche- und Tröcknehaus. Der älteste Zedel (Grundstückpfand) datiert vom 27. Februar 1829. Käufer und Schuldner war Joh. Konrad Preisig ( 1802-1879), sein Gläubiger (und Verkäufer?) sein Vater Joh. Konrad Preisig.
Das bis 1935 zur Liegenschaft gehörende grosse Bauernhaus, das eigentliche Stammhaus, dürfte aus dem 18. Jahrhundert stammen. Seine überdurchschnittliche Grösse mit fünf Geschossen und einem Sockelgeschoss deutet auf eine wohlhabende Grossfamilie mit mehreren Familienmitgliedern und Mitbewohnern hin. Zwei Geschosse sind als Vollgeschosse, das Sockelgeschoss als Webkeller ausgebildet, angebaut ist der Ökonomieteil mit zwei Ställen und einem Tenn. Das Bevölkerungsverzeichnis von 1842 für Bühler führt unter dem Haus Nr. 148 total 19 Personen auf.
Am 17. Dezember 1862 verkaufte Preisig die Liegenschaft für Fr. 42'000.- an seinen Sohn Joh. Ulrich Preisig (1828-1903). Im Kaufvertrag sind nebst dem Haus, Stadel, Walche, Tröckne- und Brennereigebäude, Waldungen auch das Mobiliar sowie zwei Pferde und vier Kühe erwähnt
Joh. Ulrich Preisig verkauft die Liegenschaft am 22. Juni 1894 für Fr. 70'000.- an seinen Schwiegersohn (Tochtermann) Adolf Fisch. Dazu gehörte das Bleichereigebäude mit Kesselhaus und Tröcknerei, ein Brennereigebäude mit Tröcknerei und die Wasserkraft, ferner Bau- und Brennholz sowie alle zur Bleicherei gehörenden Gegenstände, drei volle Flaschen Chemikalien, 3 Fass canerische Soda.
Von Dampfkesseln und Turbinen
Bis zum Verkauf von 1916 investierte Fisch einiges und vergrösserte die Anlage stetig. 1904 bewilligt der Regierungsrat einen zweiten Kessel mit Umbau der Dampfmaschinenanlage. Noch im Jahre 1914, als bereits Kriegsgeschrei die Welt durchtobte, wurde eine neue geschmackvolle Anlage erstellt zur Aufnahme neuer Maschinen für das Mercerisieren der Ware (Bühler Chronik 1890-1914,S 153f. im G.A Bühler). Es dürfte sich dabei um die noch bestehende Sheddachhalle handeln. Ein Regierungsratsbeschluss vom 21. Mai 1951 betrifft die Bewilligung für die Dislokation der beiden Dampfgefässe (Aussiedekessel) in ein eigens vorgesehenes, neues Lokal, sowie die Aufstellung eines neuen vertikalen Dampfgefässes. 1915 umfasste der Betrieb somit drei Dampfkessel, 1 Dampfmaschine, 1 Turbine und 1 Haupttransmission (Assekuranzlagerbuch).
Am 1. August 1916 verkauft Adolf Fisch die gesamte Liegenschaft zum Preis von Fr. 400'000.- an die Firma Zürcher & Cie in Speicher. Die Liegenschaft umfasst Wohnhaus mit angebautem Stadel, dahinter liegender Wiese, Waldung im Leimensteig, Remise, Magazin und Keller, Sengerei-Bleicherei und Mercerisationsanlage inklusive diesbezügliche Maschinen nebst dem gesamten beweglichen und unbeweglichen Geschäftsmobiliar (Kaufvertrag).
Der hohe Verkaufspreis von Fr. 400'000.- gegenüber Fr. 70'000.- im Jahre 1894 ist ein Hinweis darauf, dass die damalige Bausubstanz hauptsächlich aus der Periode 1894-1916 stammte.
Bereits am 2. Dezember 1916 erfolgte die Planeingabe für ein neues Gebäude an der NW-Seite der Shedhalle. Das über 30 Meter lange Gebäude enthielt im Parterre die Bleicherei und im Dachraum die Töcknerei. Am 17. März 1917 erfolgte die Plangenehmigung für den Anbau einer neuen Turbinenanlage auf der SW-Seite. Darin befanden sich die Turbinen, die Chlorauflösung sowie die Akkumulatoren. Diese deuten auf eine Elektrifizierung hin. Ebenfalls 1917 erfolgten auf der Westseite der neuen Beicherei Anbauten für neue Akkumulatoren und ein Laboratorium samt Stützmauer gegen den Rotbach. Auf der Südseite entstand ein Anbau für Abnahme und Kontrolle der Rohwaren.
Ebenfalls 1918 erfolgte die Bewilligung für einen neuen horizontalen Dampfkessel von ca. 100m2 Heizfläche inkl. Abänderung des Daches des bestehenden Kesselhauses auf der Südwestseite des Tröckneturmes.
Am 27. November 1920 ging das Geschäft samt Liegenschaft aus der Erbmasse von Carl Zürcher sel. für Fr. 694'000.- an die unbeschränkt haftenden Gesellschafter Emil und Fritz Zürcher über.
Konkurs und langsamer Zerfall
1935 erfolgt der Konkurs. Die Konkursmasse ging an die Eidgenössische Bank AG in St. Gallen über. Die Liegenschaft wurde wie folgt aufgeteilt: Beim Grundstück 148 verblieben das Wohnhaus samt angebautem Stadel, die südwestlich gelegene Remise (abgebrochen) ohne darunter liegendem Reservoir und Filteranlage sowie ein Heuschopf, Wiesboden und Wald. Das neue Grundstück 148A bestand aus dem Bleichereigebäude, dem Magazin mit Keller, der Werkstatt und dem Reservoir, der Autogarage, dem Hochkamin (abgebrochen), der Hütte für die Weichwasseranlage, dem Reservoir (nicht mehr in Betrieb) unter der Remise 148, der an die Remise angebauten Filteranlage (abgebrochen) und 3 gedeckten Reservoirs auf dem Boden der Liegenschaft 148. Wegen des Konkurses von 1935 ist die Anlage bis1990 weitgehend im Ausbauzustande des Ersten Weltkrieges verblieben.