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Ramosch und der holländische Dirigent
19 October 2020
Das Dorf Ramosch und seine nahe gelegenen Weiler Vnà, Seraplana, Griosch und Raschvella im Unterengadin (Kanton Graubünden) liegen inmitten jahrhundertealter Ackerbauterrassen (siehe auch unter Natur).
Das Gebiet ist seit 4 500 v. Chr. besiedelt. Das trockene, niederschlagsärmste Klima der Schweiz und der fruchtbare Boden machten den Ackerbau möglich. Die mittelalterlichen Terrassen sind nationales Kulturerbe. Sie wurden ab 2 200 v. Chr. angelegt.
Ramosch liegt an der alten Transitroute nach Tirol und zum Bodensee sowie am linken Innufer. Das Schloss Tschanüff (neues Haus in romanischer Sprache) zeigt die strategische Bedeutung des Ortes.
Graf Meinhard von Tirol (1238-1295) erlaubte 1256 den Bau des Schlosses. Im Jahre 1475 wurde die Burg von Tiroler Truppen im sogenannten Hennenkrieg zerstört.
Die Burg wurde wieder aufgebaut, um während des Bündner Wirren (1618-1639) erneut zerstört zu werden. Im Jahre 1780 wurde die Burg aufgegeben, was zur heutigen Ruine führte.
Der romanische Vorgänger der St. Florianskirche wurde im Schwabenkrieg (Engadinerkrieg/Schweizerkrieg) 1499 zerstört und kurz darauf von Bernhard von Puschlav, der in der Region (u.a. in Scuol und Tschlin) tätig war, wieder aufgebaut.
Ramosch kaufte sich 1652 frei, nachdem das Dorf bereits den protestantischen Glauben angenommen hatte.
Ein Brand im Jahre 1880 zerstörte den grössten Teil des Dorfes. Der Wiederaufbau erfolgte hauptsächlich durch italienische Handwerker und Architekten. Der italienische Stil erinnert daran.
Die Dörfer Vnà, Seraplana, Griosch und Raschvella zeigen jedoch viele schöne Engadiner Bauernhäuser.
Die Villa Mengelberg und die Kapelle von 1920 erinnern an den Aufenthalt des holländischen Dirigenten Willem Mengelberg (1871-1951).
Er errichtete die Kapelle auf seinem Landgut aus Dankbarkeit für die Neutralität der Schweiz und der Niederlande während des Ersten Weltkriegs.