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Es fehlt an Tagesstätten für Betagte
Beratende Kommission veröffentlicht umfassenden Bericht über die Pflegeheime
Zentren, in welchen Betagte von 8 bis 18 Uhr betreut werden, fehlen im Kanton fast gänzlich. Sie könnten jedoch einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass ein definitiver Heimaufenthalt hinausgeschoben oder gar verhindert werden kann.
Von ARTHUR ZURKINDEN
Die Betreuung betagter und pflegebedürftiger Personen ist im Kanton Freiburg noch nicht optimal. Eine beratende Kommission unter dem Vorsitz von Sébastien Barras, ehemaliger Vorsteher des Sozialvorsorgeamtes, hat in einem 20-seitigen Bericht einige Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet. Nebst den Tagesstätten fehlt es auch an Betten für Kurzaufenthalte. Zudem müssen laut Kommission zusätzliche Betten in den Pflegeheimen anerkannt werden. Schliesslich schlägt sie vor, für die Behandlung der Gesuche für einen Heimeintritt eine kantonale Zentrale zu schaffen, die von der Pro Senectute verwaltet werden könnte.
Gegenwärtig verfügt nur das Pflegeheim «Le Gibloux» in Farvagny über eine Tagesstätte. Gemäss Kommission müsste aber jeder Bezirk mindestens über ein solches Zentrum
verfügen. Wie Barras am Donnerstag vor den Medien ausführte, muss die Tagesstätte nicht unbedingt einem Pflegeheim angegliedert werden. Sie müsste jedoch Animations- sowie Pflege- und Betreuungspersonal anstellen, mindestens 0,25 Einheiten pro betreute Person. Die Tagesstätte sollte laut Barras fünf bis zehn Personen aufnehmen können und mindestens über einen Gemeinschaftsraum, ein Esszimmer und einen Ruheraum verfügen.
Für Alzheimer-Patienten
Gedacht sind die Tagesstätten für Personen, die sich dort an Wochentagen und am Samstag von 8 bis 18 Uhr aufhalten können, Personen, deren Angehörige vorübergehend eine Entlastung wünschen, aber auch Personen, die ihre Einsamkeit und Isolierung durchbrechen wollen oder die eine Stimulierung und/oder eine sozialmedizinische Betreuung benötigen, um noch bei sich zu Hause bleiben zu können.
Geeignet sind die Tagesstätten vor allem für Alzheimer-Patienten, deren Anzahl im Kanton gemäss einer Umfrage auf 2500 Personen geschätzt wird. Eine Tagesstätte für Alzheimer-Patienten entsteht gegenwärtig in Römerswil (Famille au jardin). Laut Barras haben auch eine Privatperson in Gurmels sowie das Heim «Le Soleil d’Or» in Freiburg bei der Direktion für Gesundheit und Soziales ein Gesuch um Anerkennung als Tagesstätte eingereicht.
Wer soll das bezahlen?
Die Kommission geht davon aus, dass der Aufenthalt in einer Tagesstätte pro Tag rund 120 Franken kostet. In den laufenden Projekten wird mit einem Preis zwischen 100 und 180 Franken gerechnet. Laut Gesetz müssen der Kanton und die Gemeinden höchstens 30 Prozent des Budgets einer Tagesstätte übernehmen. Unter gewissen Bedingungen gewährt der Bund einen Beitrag von 30 Franken pro Tag. «So verbleiben 54 Franken zu Lasten der betreuten Personen», sagte Barras und schlug vor, den Subventionssatz der öffentlichen Hand auf 50 Prozent zu erhöhen. Die Kommission vertritt nämlich die Ansicht, dass die betreute Person zwischen 30 und 40 Franken pro Tag selber berappen sollte.
Plätze für Kurzaufenthalte schaffen
Kurzaufenthalte in Pflegeheimen können ebenfalls beitragen, einen endgültigen Heimeintritt hinauszuschieben oder zu vermeiden. Heute bieten die verschiedenen Pflegeheime 20 Plätze an, wobei der Sense- und Seebezirk mit 7 resp. 6 Plätzen an der Spitze liegen. Laut Kommission fehlen aber noch 15 Plätze.
Ihrer Ansicht nach sollte ein Aufenthalt mindestens vier Nächte dauern. Die Gesamtdauer sollte jedoch 90 Tage nicht übersteigen.
Die Kommission stellte fest, dass die heutige Finanzierung der Kurzaufenthalte die Pflegeheime daran hindern könnte, solche Zimmer zur Verfügung zu stellen oder nur vorübergehend. Deshalb schlägt sie in ihrem Bericht vor, dass ein Kurzaufenthalt genauso finanziert werden sollte wie ein normaler Heimaufenthalt der Pflegestufe B. Bezieht heute eine Person keine Ergänzungsleistung, so hat sie den Kurzaufenthalt selber zu tragen.
Noch zusätzliche 150 Betten
in Pflegeheimen
Weil die Menschen immer älter werden, wird laut Kommission auch der Bedarf an Betten in den Pflegeheimen noch zunehmen. Je nach Berechnungsbasis – 6,5 Betten pro 100 Personen über 65 Jahren oder 25 Betten pro 100 Personen über 80 Jahren – variiert dieser Bedarf. Nach Worten von Sébastien Barras geht aber die Kommission davon aus, dass im Jahre 2005 noch 74 zusätzliche Betten und bis 2010 weitere 82 Betten in Pflegeheimen anerkannt werden müssten. So würde der Bestand von heute 2063 auf 2219 erhöht.
Aus Platzmangel
Spitalaufenthalt verlängert
Die Kommission gibt dabei auch zu bedenken, dass eine im Frühjahr 2003 durchgeführte Umfrage ergeben hat, dass 80 Betagte ihren Spitalaufenthalt verlängern mussten, bis Plätze in Pflegeheimen frei werden. Dazu gesellen sich weitere 16 Personen, die laut einer Umfrage vom Sommer 2003 zu Hause leben und von der Spitex betreut werden, aber dringend in einem Heim untergebracht werden sollten.
Andererseits ist die Kommission überzeugt, dass bei einem Ausbau der Spitex, der Tagesstätten und der Kurzaufenthalts-Möglichkeiten einige Personen ihren Lebensabend weiterhin zu Hause verbringen könnten.
Bericht geht in die Vernehmlassung
Der Bericht der beratenden Kommission wird nun mit einem Fragebogen in die Vernehmlassung gehen, wie Eric Joye, Vorsteher des Sozialvorsorgeamtes, ausführte. Er liess auch verlauten, dass mit den zwei Tagesstätten in Farvagny und Römerswil gestartet werden soll.
Nach Worten von Gesundheitsdirektorin Ruth Lüthi muss die öffentliche Hand tiefer in die Tasche greifen, sollen die Vorschläge der Kommission realisiert werden. Für die Tagesstätten werden die Kosten auf 940 000 Franken geschätzt, die der Kanton und die Gemeinden zu tragen hätten. Und für den Ausbau der Kurzaufenthalts-Möglichkeiten wären es 760 000 Franken. Die zusätzlichen Pflegeheim-Betten würden der öffentlichen Hand 11 Mio. Franken kosten, allein 6,5 Mio. für den Kanton. Gemäss Lüthi sind im Budget 2004 bereits 1,8 Mio. vorgesehen, für das Jahr 2005 wären es zusätzlich 2,5 Mio., für das Jahr 2006 2,1 Mio. Franken. az