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Ausgezeichnet als «Chemical Landmark» am 20. September 2012.
Die vierte Auszeichnung einer «Historischen Stätte der Chemie» ging als Doppelauszeichnung nach Basel: Einerseits wurde das Rosental-Areal als eigentliche «Wiege der Basler Chemie» ausgezeichnet, andererseits wurde die Bedeutung des Firmenarchivs der Novartis als Artefakte-Sammlung gewürdigt.
Rosental-Areal
Das Werk Rosental ist das älteste der heute noch erhaltenen Basler Chemie-Areale. Im Jahr 1862 erbaute die J. J. Müller & Cie., eine Spin-off-Firma der J. R. Geigy AG, auf den Rosentalmatten eine moderne Produktionsstätte für synthetische Farbstoffe.
1888 trat Traugott Sandmeyer in die Firma ein und trug mit seinen Verfahren massgeblich zum Erfolg des Unternehmens bei. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Areal in neue Produktionsstätten erweitert. In den 1930er-Jahren begann man mit der Insektizid-Forschung und -Produktion, die durch die Entdeckung von Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) durch Paul Hermann Müller (Nobelpreis 1948) einen gewaltigen Aufschwung erlebte. Kurz darauf folgten Fungizide und Saatgutbeizen sowie pharmazeutische Produkte.
In der Mitte des letzten Jahrhunderts wurde das Areal durch Labor- und Bürogebäude erweitert. Die Produktion auf dem Rosental-Areal wurde in den 1960er-Jahren eingestellt und ins Werk Schweizerhalle verlegt. In der Folge wurden Betriebsbauten abgebrochen und an deren Stelle weitere Laborbauten errichtet. In den 1950er und 1960er-Jahren war die pharmazeutische Forschung vor allem bei der Entwicklung von entzündungshemmenden Antirheumamitteln sehr erfolgreich: Butazolidin®, Tanderil® und vor allem Voltaren® sind hier namhafte und international bekannte Produkte.
Ab ca. 1980 wandelte sich das Rosental-Areal immer stärker zum Firmensitz von Ciba-Geigy, Novartis und schliesslich Syngenta. Im Jahr 2007 wurden die letzten Forschungslabors der Syngenta verlegt. Derzeit befinden sich neben dem Hauptgeschäftssitz der Syngenta mehr als 30 Unternehmen und wissenschaftliche Institutionen der Life Sciences-Branche auf dem Rosental-Areal. Doch nebenbei steht noch eines der ältesten Gebäude auf dem Areal und zeugt stellvertretend von der reichen Geschichte der Basler Chemie und ruft bei Besuchern und Angestellten die historische Bedeutung des Geländes in Erinnerung.
Firmenarchiv der Novartis
Als ältestes Unternehmensarchiv der Schweiz verwaltet das Firmenarchiv der Novartis AG die Bestände all ihrer Vorgängerfirmen zurück bis in die 1860er-Jahre. Namentlich sind dies die folgenden, unabhängig voneinander gewachsenen bzw. noch wachsenden Bestände der Firmen J.R. Geigy AG (gegründet 1758), Durand & Huguenin AG (gegründet 1872), CIBA Aktiengesellschaft (gegründet 1884) und der darin integrierten Vorgängerfirmen, Sandoz AG (gegründet 1886) und darin integriert der Wander AG (ab 1967), Ciba-Geigy AG (Fusion von 1970) und Novartis AG (Fusion von 1996).
Ein grosses Stück der Geschichte der Basler chemisch-pharmazeutischen Industrie wird hier gesammelt, erschlossen und sicher aufbewahrt, aber auch Forschern, Historikern und weiteren Interessierten zugänglich gemacht. Das Firmenarchiv sorgt zudem dafür, dass auch künftige Generationen auf die aufbewahrten Unterlagen zurückgreifen können und setzt viel daran, die Bestände vor Zerfall, Zerstörung und Diebstahl zu schützen.
Das Archivgut umfasst verschiedenstes Schriftgut und nichtschriftliche Überlieferung, darunter Gründungsakten, Verträge, Protokolle von Generalversammlungen, Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungssitzungen, Geschäfts- und Revisionsberichte, Organisationsreglemente, Jahresabschlüsse, Investitionspläne, Statistiken, Personallisten, firmeneigene Publikationen, Areal- und Baupläne, Produktverpackungen sowie klassische und digitale Bild- und Tondokumente. Weiter befinden sich im Archiv auch die Nobelpreismedaille von Paul Hermann Müller oder auch früheste pharmakologische Wirkstoffe sowie eine umfassende Sammlung von Werbe- und Produktedesigns. Das Firmenarchiv der Novartis verfügt gegenwärtig über rund 2,6 Laufkilometer erschlossene Akten und ca. 700 Laufmeter unbearbeitete Ablieferungen.
Mit seinen historischen Beständen stellt es das umfassende Gedächtnis der aussergewöhnlichen Errungenschaften und Leistungen der Schweizer chemisch-pharmazeutischen Industrie dar.
Die Auszeichnung fand am 20. September 2012 statt. Der Einladung folgten knapp 120 Personen, darunter viele ehemalige und jetzige Mitarbeitende der Novartis AG und der Syngenta AG, aber auch Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft aus dem Grossraum Basel. Die Feierlichkeiten begannen auf dem Rosental-Areal, wo Prof. Dr. Felix Escher, Vize-Präsident der SCNAT, die Anwesenden im Namen der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz begrüsste. In seiner Laudatio würdigte Prof. Dr. Hans-Jürgen Hansen, emeritierter Professor für organische Chemie an der Universität Zürich, die Bedeutung des Rosental-Areals in der Geschichte der Baseler Chemie. Nach der Enthüllung der Gedenktafel übernahm Christoph Mäder, Geschäftsleitungsmitglied der Syngenta AG das Wort und bedankte sich für die Auszeichnung und unterstrich dabei nochmals die historische Bedeutung des Areals für die Basler Chemie und die Entwicklung der chemischen und pharmazeutischen Industrie am Standort Basel.
Am Ende des ersten Programm-Teils hatten die Anwesenden Gelegenheit, die eigens für die Auszeichnungsfeierlichkeiten errichtete Ausstellung zur Vergangenheit des Rosental-Areal zu besichtigen und eine kleine Erfrischung zu geniessen.
Der zweite Programmteil fand kurze Zeit später auf dem Novartis Campus statt. Nach der Begrüssung und einer kurzen Einführung in das Programm «Chemical Landmarks» durch Prof. Dr. Karl Gademann, Präsident der «Platform Chemistry» der SCNAT, gab Herr Walter Dettwiler, Leiter des Firmenarchivs der Novartis, in seinem Referat einen ausführlichen Einblick in die Geschichte der chemischen und pharmazeutischen Industrie in Basel. Hierzu verwendete er zahlreiches Bildmaterial des Firmenarchivs und offenbarte die unzähligen «Schätze» des nun ausgezeichneten Archivs. Weiter brachte er den Anwesenden auch die Geschichte des Firmenarchivs näher. In seiner Laudatio würdigte Prof. Dr. Dieter Seebach, emeritierter Professor für organische Chemie an der ETH Zürich, sowohl die historische Bedeutung des umfangreichen Archivs als auch dessen Nutzen für heutige und zukünftige Generationen. Nach der Enthüllung der zweiten Gedenktafel bedankte sich Pascal Brenneisen, Country President Switzerland der Novartis, für die Auszeichnung und betonte nochmals die Wichtigkeit der heutigen chemischen und pharmazeutischen Industrie für den Grossraum Basel, aber auch für die Schweizer Wirtschaft generell.
Nominieren Sie einen Ort für die «Chemical Landmarks»:
Jedermann – Chemiker oder Nicht-Chemiker, Historiker oder Nicht-Historiker – ist eingeladen, seine / ihre Nominierung bei der «Platform Chemistry» einzureichen. Senden Sie uns eine Beschreibung des Ortes mit detaillierten Informationen zur (chemie-)historischen Bedeutung (max. 3 A4 Seiten). Weitere Dokumentation (Bilder, Artikel, etc.) ist sehr willkommen.
Die Vorschläge werden von einer Jury aus Chemikern, Chemieingenieuren und Wissenschaftshistorikern evaluiert.
Kontakt:
SCNAT
Platform Chemistry
Laupenstrasse 7
3008 Bern
<email-pii> [ohne ".com"]