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Japans Pearl-Harbor-Besuche
Shinzo Abe ist am 26. Dezember in Hawaii angekommen, wo er sich mit US-Präsident Barack Obama traf. Er besuchte kurz nach seiner Ankunft den National Memorial Cemetery of the Pacific, wo über 50’000 US-Soldaten verschiedener Kriege begraben liegen. Am 27. Dezember wird er schliesslich Pearl Harbor einen Besuch abstatten; dort, wo das japanische Militär am 7. Dezember 1941 die US-Pazifikflotte angriff. 2403 Amerikaner starben damals, weitere 1100 Personen wurden verwundet. Die USA traten daraufhin in den Zweiten Weltkrieg ein.
Shinzo Abe werde als erster amtierender Premierminister Pearl Harbor besuchen, liess das japanische Aussenministeriums Anfang Dezember verlauten. Die grossen Medien übernahmen diesen Wortlaut. Auch ich übernahm es so in meinem Artikel vom 6. Dezember 2016 (Asienspiegel berichtete). Doch das ist so nicht korrekt.
Die Recherche der Hawaii Hochi
Denn kurz nach der Ankündigung des Aussenministeriums ergaben Recherchen, dass bereits Premierminister Shigeru Yoshida 1951 auf Hawaii einen Stopp einlegte, wo er beim National Memorial Cemetery of the Pacific den Toten des Krieges gedachte und später dem Hauptquartier der US-Pazifikflotte auf Pearl Harbor einen Besuch abstattete. Über das Ereignis wurde damals medial kaum berichtet und so geriet es offenbar in Vergessenheit. Yoshida hatte nur wenige Tage zuvor den historischen Vertrag von San Francisco unterzeichnet, mit dem Japan sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs seine Souveränität zurückerlangte.
Die zweisprachigen Zeitung Hawaii Hochi (siehe oben) stiess vergangene Woche auf weitere Fakten in ihrem Archiv, die zeigen, dass in den 50ern auch andere japanische Premiers Yoshidas Beispiel folgten. Die Hawaii Hochi hat auf Facebook mehrere Artikel von damals publiziert (siehe oben). Der eine beschreibt, wie der damalige Premierminister Ichiro Hatoyama (im Amt von 1954 – 1956) am 29. Oktober 1956 in Pearl Harbor war und dort in einer Zeremonie feierlich begrüsst wurde.
Abes Grossvater war auch dort
In einem weiteren Artikel vom 29. Juni 1957 steht, wie Hatoyamas Nachfolger Nobusuke Kishi (im Amt von 1957–1960) – der Grossvater von Shinzo Abe – einen Tag zuvor der Bucht einen offiziellen Besuch abstattete. «Der Premierminister besuchte Pearl Harbor und legte beim Fahnenmast des National Memorial Cemetery einen Kranz nieder», heisst es darin.
Bei Shinzo Abes handelt es sich also nicht um eine historische Premiere. Vielmehr setzt er einen Brauch fort, der in den 1950er-Jahren offensichtlich zur politischen Normalität in den Beziehungen zwischen den USA und Japan gehörte. Abe ist somit der vierte japanische Premierminister der Nachkriegszeit, der diese historische Stätte besucht.
Die japanische Regierung betont derweil, dass es sich dennoch in zwei Punkten um eine Premiere handle. So sei Abe der erste japanische Regierungschef, der zur 1962 eröffneten Gedenkstätte der USS Arizona gehe. Das Kriegsschiff wurde beim Angriff 1941 versenkt. 1177 Seeleute kamen damals ums Leben. Ausserdem sei Abe auch der Erste, der gemeinsam mit einem US-Präsidenten um die Toten trauern werde.