Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03142.jsonl.gz/1512

Zeit
Editing
Während dem Filmschnitt im Mainstream-Kino oft die rein praktische Funktion zukommt, Bilder zu verbinden und unwichtige Zeitabschnitte zwischen ihnen zu vermeiden, kann «Editing» gleichzeitig ein wirkmächtiges Werkzeug sein, wenn es kreativ eingesetzt wird.
Elliptical Editing
Während der «unsichtbare Schnitt» dazu dient, eine Szene oder Sequenz so zu montieren, dass das Publikum ihn nicht wahrnimmt, kann «Editing» auch zur Zeitmanipulation benutzt werden. In diesem Ausschnitt aus Batman Begins (USA 2005; Christopher Nolan) sehen wir anhand des «Elliptischen Schnitts», dass Bruce Waynes Aufstieg ins Himalaya-Gebirge mehrere Tage – ja Wochen – dauert. Woran bemerken Sie das?
Montagesequenz
Die Königsdisziplin des Elliptical Editings ist die Montage-Sequenz, die beliebig lange «Erzählte Zeit» in kurze «Erzählzeit» rafft.
Bekannt für diese Technik sind die Trainingssequenzen aus den Rocky-Filmen. Hier Rocky III von und mit Sylvester Stallone (USA 1982).
Woran ist Rocky Balboas Trainingsfortschritt denn überhaupt abzulesen?
Parallelmontage
Die Parallelmontage erlaubt es, mittels Editing zwischen mehreren Handlungssträngen hin und her zu springen, um z.B. den Eindruck einer Gleichzeitigkeit der gezeigten Handlungen zu kreieren. Interessant wird es, wenn darüberhinaus auf metaphorischer Ebene eine erweiterte Bedeutung der Parallelmontage entsteht.
Bei dieser Sequenz aus Francis Ford Coppolas Der Pate reihen sich Bilder von der Taufe von Michael Corleones Göttibub an die Exekutionsszenen der verbleibenden 5 Dons von New York.
Wie verknüpfen sich symbolisch die beiden Handlungsstränge?
Überlappendes Editing
Durch Editing kann die erzählte Zeit nicht bloss gestaucht, sondern auch gedehnt werden – z.B. um eine erzählerisch wichtige Szene aus mehreren Blickwinkeln zu zeigen.
Wie schlüpft Ethan Hunt aus Mission: Impossible II (USA 2000; John Woo) auf seinem Motorrad zwischen den beiden roten Autos hindurch?
Match Cut
Ein Match Cut bezeichnet zunächst einmal einen Schnitt, der eine Bewegung unterbricht, sodass die Bewegung die in Einstellung A beginnt, in Einstellung B fortgeführt wird.
Interessant wird es, wenn auf diese Weise zwei Handlungsstränge in Verbindung gesetzt werden, die an sich räumlich oder zeitlich getrennt sind.
Bei diesem Beispiel aus Monty Python Meaning of Life (UK 1983; Terry Jones) erschafft der Match Cut eine interessante Analogie. Welche?
Kuleshow-Effekt
Diese Analogie hat auch mit dem sog. Kuleshow-Effekt zu tun. Der sowjetische Regisseur Lew Kuleschow stellte fest, dass das menschliche Gehirn zwischen zwei montierten Bildern A und B einen Zusammenhang C herstellt, obwohl dieser in den Bildern nicht angelegt ist. Das Gesicht eines Schauspielers (A), darauf das Bild eines Tellers Suppe (B) – und schon vermutet das Publikum, der Mann habe Hunger.
Achten Sie darauf, wie sich Stanley Kubrick in der folgenden Szene aus 2001 – A Space Odyssey (UK/USA 1968) mittels Match Cut und Kuleshow-Effekt eine Analogie zwischen Knochen und Raumschiff (und später Stift) herstellt.
Attraktionsmontage
In seinem Erstlingswerk Stratschka («Streik») zum ersten Mal seine Idee der Attraktionsmontage
filmisch um: Sie beruht auf der Überzeugung, dass die sinnliche Stimulation des Publikums durch die Aneinanderreihung drastischer Bilder zu Assoziationsketten passiert. Der Film entsteht also erst im Editing. Auf diesen affektiven Prozess soll ein intellektueller folgen: Das Publikum erhält ein vertieftes Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge.
Achten Sie darauf, wie Eisenstein seine Bilder montiert, sodass aus Bild A + Bild B eine Idee C entsteht.