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Schmersammler, Engadin, 17./18. Jh.
Arven- und Hartholz, länglich - rechteckiger Sitz mit abgerundeten Stirnseiten, mittig mit später ausgeschnittenem Abort-Loch, die Füsse schräggestellt und durch die Gratleiste im Sitz verkeilt, die Rückentraverse getragen von runden und eckigen Staketen - eine fehlt, starke Gebrauchsspuren, insgesamt skulpturale Erscheinung, der Deckel neuzeitlich ergänzt.
49 cm Sitzhöhe
Möbelgeschichten von Tim Krohn
Der Schmersammler
Tante Cilgia befahl jeden Samstagnachmittag die Kinder der Verwandtschaft in ihr Haus, damit sie ihre kostbaren, mit Messingleisten verlegten Linolböden polierten. Zwei Stunden lang rutschten wir auf den Knien über den Boden, während sie in ihren schweren Holzpantoffeln auf und ab ging und uns Anweisungen gab. Anschliessend zwängte sie sich in den Lehnstuhl, der im Erker stand, und während wir uns um ihre Füsse scharten, zündete sie sich eine Zigarette an und erzählte uns Schauergeschichten von ihrem Grossvater, der noch Hexer gewesen war, oder von den Zwillingsgeschwistern Adom und Ada, die zum Zeitvertreib Ratten kreuzigten und barfuss auf glühenden Kohlen gehen konnten. Ihre Geschichten waren allesamt furchtbar, und wir blieben nur, weil sie zuletzt jedem von uns einen Batzen in die vom Leinöl stumpfe Hand drückte, wo das Geld brannte, als hätte sie es auch gerade aus der Glut gezogen.
CHF 3'800.–
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