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Michelle Gisin stand am Samstag bei der zweiten Weltcup-Abfahrt von Lake Louise als Dritte auf dem Podest. «Wenn mir das vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, hätte ich ihn ausgelacht», sagte die 23-Jährige nach dem Erfolg.
Michelle Gisin, Sie schafften es in Ihrer erst sechsten Spezial-Abfahrt unter die ersten drei. Was fühlen Sie?
Das ist völlig crazy – unglaublich. So ganz begreife ich es noch nicht. Bisher stand ich in einer Weltcup- und in einer WM-Kombination auf dem Podest. In einer Spezialdisziplin ist es noch etwas spezieller. Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich 2017 in einer Abfahrt auf dem Podest stehe, und dann noch in Lake Louise, hätte ich ihn ausgelacht. Dass Marc (ihr Bruder - d. Red.) in Beaver Creek in die Top 30 gefahren ist, freut mich zusätzlich. Sich nach einem Schädel-Hirn-Trauma zurückzukämpfen, ist alles andere als einfach.
Der Top-10-Platz am Freitag trotz eines grossen Umwegs zeigte, dass im zweiten Anlauf etwas möglich ist.
Auf jeden Fall. Die Trainings im Sommer waren gut gelaufen, aber diese sind etwas ganz anderes. Ich kam ohne grosse Erwartungen nach Lake Louise, auch weil ich zum ersten Mal hier fuhr. Ich wollte nur die Strecke kennenlernen und später in Val d'Isère und St. Moritz bereit sein. In den ersten beiden Trainings war ich ausserhalb der Top 30, auch deshalb war ich mit dem Top-10-Platz im ersten Rennen schon überglücklich. Die Steigerung, die mir dann gelungen ist, ist unglaublich. Sicher ist sie auch mit etwas Glück verbunden. Dass ich den Lauf so gut herunterbringe, ist alles andere als selbstverständlich.
Worauf führen Sie die Fortschritte zurück?
Luca (De Aliprandini, ihr Freund und ebenfalls Skirennfahrer - d. Red.) und Marc haben mich über den Sommer gepusht. Mit so fitten Jungs zu trainieren, hilft massiv. Auch dank ihnen fühle ich mich fit und bereit für den Winter. Während der Saison helfen mir Dominique (die Schwester – d. Red.) und die Familie, indem sie oft an den Rennen vor Ort sind.
Vor den ersten Speedrennen der Saison nannten sie mit dem Startnummern-Reglement im Hinterkopf die 500-Punkte-Marke als Ziel. Dieses ist nun bereits erreicht.
Die Marke ist wichtig und bedeutet mir auch viel. Man muss sie sich aber erhalten. Vor allem in der Kombination habe ich einige Punkte zu verlieren. Nun hoffe ich, dass ich im Riesenslalom ein paar Mal mit der Nummer 31 starten kann; der «Riesen» ist für mich das Herzstück des Skisports. Abfahrten und Slaloms geniessen aber weiter die volle Priorität. (pre/sda)