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Das Justiz- und Polizeidepartement legt die Akten vor, welche auf sein Ansuchen die Regierung des Kts. Aargau mit Schreiben vom 25. April2 abhin ihm Übermacht hat und welche die Wühlereien und versuchte Spionage des Herrn Wohlgemuth, kais. deutschen Polizeiinspektors zu Mülhausen, gegenwärtig in Rheinfelden in Verhaft befindlich, betreffen.
Das Departement stellt den Antrag, die Ausweisung des Herrn Wohlgemuth durch Dekret nach dem vorgelegten Entwurf zu verfügen.
Nachträglich hat dasselbe einen zweiten Entwurf zu einem Ausweisungsbeschluss vorgelegt, nach welchem gleichzeitig auch der Schneider Balthasar Anton Lutz-Ehrle, aus Forst (Bayern), in Basel, ausgewiesen werden soll.
Das Departement des Auswärtigen erklärt sich in seinem Vortrage mit lezterem Antrage einverstanden und legt seinerseits den Entwurf einer Herrn von Bülow, K. Deutschen Gesanten, diesfalls zu machenden Mitteilung vor.
Bei Eröffnung der heutigen Verhandlung gibt der Vorsteher des leztgenannten Departements, Herr Bundesrat Droz, dem Rate Kenntnis vom Inhalte von zwei Besprechungen, welche am 28. dies, zwischen ihm und Herrn von Bülow stattfanden (vide die bei den Akten befindlichen Notizen).3
Im Verlaufe der Diskussion wird der Antrag gestellt, es sei heute lediglich die Ausweisung von Wohlgemuth und nicht auch diejenige von Lutz zu beschliessen, dagegen sei das Justiz- und Polizeidepartement zu beauftragen, die sofortige Verhaftung des Lutz anzuordnen und die Untersuchung mit Bezug auf diesen vervollständigen zu lassen.
Diesem Antrage gegenüber wird derjenige auf sofortige und gleichzeitige Ausweisung auch des Lutz aufrecht erhalten.
Der Vorsteher des Departements des Auswärtigen, welcher sich lezterem Antrage anschliesst, beantragt ausserdem, die Untersuchungsakten Wohlgemuth dem K. Deutschen Gesanten zum Behufe der Mitteilung an die K. Deutsche Regierung zu übergeben.
Der Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements macht den Vorschlag, es sei, nach Genehmigung des Herrn Wohlgemuth betreffenden Ausweisungsbeschlusses, die Regierung von Aargau einzuladen, Herrn Wohlgemuth noch heute, nach Eröffnung des Beschlusses, dass er auf Grund des Art. 70 der Bundesverfassung4 ausgewiesen sei, sowie des Art. 63, litt, a, des Bundesstrafrechts von 18535, aus der Haft zu entlassen und denselben zu veranlassen, das Schweiz. Gebiet sofort zu verlassen.
In der Abstimmung unterliegt der Antrag, Lutz heute schon auszuweisen, mit 2 gegen 4 Stimmen; der Antrag, denselben verhaften zu lassen, wird jedoch einstimmig angenommen. Der Antrag des Vorstehers des Departements des Auswärtigen betreffend Mitteilung der Akten und derjenige des Vorstehers des Justiz- und Polizeidepartements betreffend die an die aargauische Regierung zu erlassende Weisung werden nicht beanstandet. Demzufolge wird beschlossen:
I. Erlass folgenden Bundesratsbeschlusses:
«Der schweizerische Bundesrat, nach Einsicht der bezüglichen Untersuchungsakten und von Art. 70 der Bundesverfassung, dahin lautend: «Dem Bunde steht das Recht zu, Fremde, welche die innere oder äussere Sicherheit der Eidgenossenschaft gefährden, aus dem schweizerischen Gebiete wegzuweisen, »
in Betracht, dass August Wohlgemuth, Polizeiinspektor aus Mülhausen, gegenwärtig in Rheinfelden, Kts. Aargau, verhaftet, auf schweizerischem Gebiete Handlungen begangen hat, welche in ihrem Resultate geeignet sein könnten, die innere oder äussere Sicherheit der Eidgenossenschaft zu gefährden,1. August Wohlgemuth, 56 Jahre alt, ist aus dem Gebiet der schweizerischen Eidgenossenschaft weggewiesen.
3. Das eidgen. Justiz- und Polizeidepartement ist mit der Überwachung der Vollziehung beauftragt.
II. Das Justiz- und Polizeidepartement wird beauftragt, den Schneider Anton Lutz-Ehrle, aus Forst (Bayern), in Basel, verhaften und die Untersuchung mit Bezug auf Lutz vervollständigen zu lassen. Zu diesem Behufe wird Herr Dr. Trachsler, I. Sekretär des Justiz- und Polizeidepartements, nach Basel abgeordnet.
III. Die Untersuchungsakten Wohlgemuth sind durch das Departement des Auswärtigen dem deutschen Gesanten zuhanden der Kaiserlichen Regierung mit folgenden Worten zu übergeben, und es ist dem lezteren von der mündlichen Eröffnung eine Kopie zu überlassen:
«Je n’ai pas manqué de faire rapport au Conseil fédéral sur nos deux entretiens d’hier, dans lesquels vous avez demandé la mise en liberté pure et simple de l’inspecteur de police Wohlgemuth. Mes collègues qui, depuis notre séance de vendredi, ont pu prendre une connaissance approfondie du dossier de cette affaire, sont arrivés à la conviction unanime que la Suisse, par le fait de cet agent, a subi un dommage effectif, attendu que les agissements de Wohlgemuth étaient de nature à compromettre notre sûreté intérieure et à troubler nos bons rapports avec nos voisins. Nous sommes persuadés que dès que le gouvernement impérial aura reçu communication du dossier dans sa totalité, il arrivera à la même conclusion. En conséquence nous mettons ce dossier à votre disposition, en vous priant de le transmettre à Berlin. Vu les agissements du fonctionnaire dont il s’agit, nous n’avons pu, à notre grand regret, consentir à ce qu’il fût remis en liberté purement et simplement comme si son arrestation n’avait par été justifiée, mais nous avons déféré, autant qu’il était possible, au désir du gouvernement impérial, en faisant abstraction de poursuites judiciaires contre Wohlgemuth et en nous bornant à ordonner son expulsion, ce que le gouvernement argovien a été invité par télégramme à lui faire connaître en le mettant en liberté sur le champ. Quant à Lutz, comme en dehors de ses relations avec Wohlgemuth, d’autres faits le concernant sont encore l’objet d’une enquête, nous avons décidé de le faire arrêter immédiatement, et nous prendrons à son sujet un arrêté dans une prochaine séance.»
IV. Telegraphische Weisung an die Regierung des Kts. Aargau im Sinne des Antrages des Vorstehers des Justiz- und Polizeidepartements.