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Heinrich Stulz
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: ca. 1499
Grosskellner: 1513–1548
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Hensli Stulz und der Elsbeth Durrer.
Schwester: Dorothe Stulz.
Lebensbeschreibung[1]
P. Heinrich wird ausdrücklich als "Subsilvanus ex Stans" bezeichnet.[2] Über sein Alter gibt er selbst Auskunft in seiner Reisebeschreibung der Heiliglandfahrt, wo er sagt: "und das ist geschechen do ich zwoy jor und drissig jor alt was und ein halb jor". Sein Geburtsjahr war demnach 1486.[3]. Sein Vater Hensli Stulz war Landesbaumeister und hatte 1484 das Stanser Rathaus erstellt. Die Mutter war Elsbeth Durrer, er hatte eine Schwester Dorothe. Heinrich verlor früh seinen Vater und kam mit zehn Jahren mit Erlaubnis der Schirmorte ins Kloster Engelberg.[4] Er machte dann das Noviziat, legte Profess ab und kam zum Studium der Theologie nach St. Gallen, wie ein Brief des Abtes Heinrich Porter an Abt Gotthard von St. Gallen vom Mittwoch vor Mariae Himmelfahrt 1499 belegt. Er möge den Frater, der zu guten Hoffnungen berechtige, in die Schule, wohl vor allem zum Studium der Theologie und zur Vorbereitung auf die heiligen Weihen für einige Zeit in sein Kloster aufnehmen. Er habe kürzlich seine Profess abgelegt. Am 12. Dezember 1500 stellt ihm Abt Porter noch die Dimissorialien für den Empfang der heiligen Weihen in Konstanz aus. Von hier an verlieren sich seine Spuren in Engelberg. Offenbar noch vor den Weihen muss er aus dem Kloster ausgetreten sein und kehrte von St. Gallen aus wieder in die Welt zurück, um sich zu verheiraten. Auf jeden Fall sind von ihm Kinder beglaubigt, die er im Nekrolog III[5] zum 14. September nennt.[6] So kommt man zum Schluss, Stulz sei von St. Gallen ausgetreten, habe geheiratet, Kinder bekommen, habe sich dann aber eines bessern besonnen, sei 1513 bereits wieder im Dienst des Klosters gewesen, vielleicht auf Wunsch seines Abtes, der seine Fähigkeiten kannte und schätzte, und sei dann von den Schirmorten wieder für das Kloster zugelassen worden.[7] Abt Barnabas Bürki ernannte P. Heinrich erneut zu seinem Schaffner oder Ökonom, dessen Eifer und Geschäftstüchtigkeit verbunden mit Klugheit und Umsicht er in seinem Aufbauwerk für den äussern Stand des Klosters ihm überaus wertvolle Dienste leistete. In den folgenden Jahren, bis zu seinem Tode 1548, kehrt sein Name bei den Jahrrechnungen der Schirmorte, bei Käufen und Verkäufen, Pachtverträgen, Marchrevisionen, immer wieder, sodass er im besten Sinn als rechte Hand des Abtes in wirtschaftlichen Fragen erscheint. Dabei trat er mehr als einmal entschieden für die Rechte Engelbergs ein, auch wenn er sich damit unbeliebt machen musste. So gelang es ihm, zusammen mit seinem Abt, bei dem er volle Unterstützung und wirksame Hilfe fand, aus den Schulden heraus zukommen, in denen das Kloster bisher noch tief steckte, sodass die Abrechnungen immer vorteilhafter ausfielen und das wirtschaftliche Niveau sich von Jahr zu Jahr hob. Alte Schulden wurden zurückbezahlt, liegen gebliebene Unterpfänder abgelöst. In Luzern war das Engelbergerhaus, das von Abt Walter von Cham 1271 erbaut und im Stadtbrand von 1340 zerstört worden war, von Abt Wilhelm neu gebaut worden, jedoch nur in Holz. Auf Drängen der Luzerner nahm Abt Barnabas einen Neubau in Angriff, in dem ein Haus für beide Klöster errichtet wurde. Im untersten Geschoss waren die Räumlichkeiten den Schwestern reserviert, darüber die Wohnung für die Patres. Auch bei diesem Bau muss P. Heinrich Stulz, zusammen mit den Schirmorten und dem Luzerner Baumeister Bircher, 1538 eine massgebende Rolle gespielt haben.[8]
1519 unternahm Stulz eine Reise ins Heilige Land. Was ihn im tiefsten zu dieser beschwerlichen mit vielen Gefahren verbundenen Fahrt bewog, sagt er nicht klar. In der Renaissance lagen solche Reisen im Trend, es zog die Menschen ins Weite und Ungewisse. Darum waren mit Vorliebe Männer von Bildung, Männer geistlichen und weltlichen Standes und weltlichen Standes daran beteiligt.[9] Für Stulz ist aber anzunehmen, dass noch tiefere Beweggründe ihn zur weiten Pilgerfahrt bestimmt haben. An zwei Stellen geht er auf seine Beweggründe zur Pilgerfahrt ein: In der Einleitung sagt er, er wolle die Reise unternehmen "zur Ehre Gottes und seiner Heiligen" und "zur besserung mines süntlichen läbens und um widerbringung miner verlorenen zit, darum ich vil versummen gehept han und so ich mich hinterdenk da ich mich bekenn gar dik vergangen und süntlich gelebt". Und zum Schluss, nach seiner Rückkehr ins Kloster, erklärt er: "und da (im Kloster) ob Got wil, wil ich min läben verschlissen nu für". Einleitend also das klare Bekenntnis seines bisherigen sündhaften Lebens, anderseits am Schluss das stille Versprechen, hier im Kloster für immer zu bleiben und es nicht wieder zu verlassen. Als letztes Werk des unermüdlichen Grosskellners Heinrich Stulz entstand unter seiner Leitung der Bau der sogenannten Grafenortskapelle, früher meist "im Kaltenbrunnen" genannt. Mitstifter waren der neue Abt Bernhard Ernst und der Engelberger Görgi Barmettler, der zugleich als Baumeister beteiligt war. Die Kapelle stand noch auf dem alten Platz beim sogenannten Steinhaus, am alten Weg nach Engelberg und war geweiht "zur Ehre des Heiligen Kreuzes". Das heutige Gotteshaus indes wurde erst durch Abt Ignaz Burnott 1689 auf dem heutigen Platz verlegt, da sich der frühere Standort als zu feucht und schattig erwies.[10] Stulz erlebte allerdings die Vollendung seines Werkes nicht mehr. Er fiel einer neuen Pestwelle am 14. September 1548 zum Opfer.[11]
Werke
- Reisebeschreibung nach Jerusalem, StiBiEbg cod. 342.
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
- HBL, Bd. 6.
- Reisebeschreibung, StiBiEbg cod. 342, f. 2v.
- Für die Aufnahme P. Heinrichs Stulz‘ in die Klostergemeinschaft bedurfte es der schirmörtlichen Erlaubnis. Am Tag zu Luzern (9. August 1496) erlauben die klösterlichen Schirmorte Luzern, Schwyz und Unterwalden "des Stulzen sel. Sohn in das Gotteshaus Engelberg aufzunehmen", vgl. Amtliche Sammlung der älteren Eidgenössischen Abschiede 1478-1499, hg. von Anton Philipp Segesser, Bd. 3, Abt. 1, Zürich 1858, S. 511.
- StiBiEbg cod. 11, f. 33v.
- Durrer, Robert Nachträge zum Album Engelbergense. Durrer beschäftigte sich eingehend mit Heinrich Stulz, die Notizen sind aber ungedruckt geblieben. Durrer kannte die Einträge in Cod. 11, f. 33v. Doch stellte er fest, dass die Stellen über Stulz mit dem nur in Kopie vorhandenen Jahrzeitbuch in Stans nicht überall übereinstimmen, gerade in Bezug auf Kinder und Ehe von P. Heinrich. Zudem stiess er sich daran, dass Stulz bereits wieder 1513 Grosskellner gewesen sei. Er übersah aber, dass er dort eben nicht als Ökonom des Klosters erscheint, während später Stulz durchweg diesen Titel trägt. Hier ist nur von Vogt (dem Klostervogt) und Herr Heinrich Stulz" die Rede, vgl. Geschichtsfreund 30, S. 22, 1875.
- Vgl. Eidgenössische Abschiede, 13. Mai 1316, III 2, S. 975
- Schmid, Pilger, S. LVIII.
- Schmid, Josef: Quellen und Forschungen zur Kulturgeschichte von Luzern und der Innerschweiz, Bd. 2: "Luzerner und Innerschweizer Pilgerreisen zum Heiligen Grab in Jerusalem vom 15. bis 17. Jahrhundert", Luzern 1975. Hier ist u.a. auch die Fahrt des P. Heinrich Stulz aufgenommen und in vollem Umfang wiedergegeben.
- Über die Kapelle in Grafenort, vgl. Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 332.
- StiBiEbg cod. 11, f. 33v.
Bibliographie
- De Kegel, Rolf: Ein Engelberger Mönch im Heiligen Land 1519. Der Reisebericht des P. Heinrich Stultz, in: Titlisgrüsse 94 (2008/1), S. 12-23.
- Esch, Arnold: Vier Schweizer Parallelberichte von einer Jerusalem-Fahrt im Jahre 1519, in: Gesellschaft und Gesellschaften. Festschrift zum 65. Geburtstag von Ulrich Im Hof, hg. von Nicolai Bernard und Quirinus Reichen, Bern 1982, S. 138-184.
- Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 96.
- Schmid, Josef: Luzerner und Innerschweizer Pilgerreisen zum Heiligen Grab in Jerusalem vom 15. bis 17. Jahrhundert (Quellen und Forschungen zur Kulturgeschichte von Luzern und der Innerschweiz Bd. 2), Luzern 1957, S. LV-LVIII. (Ausführliche Biografie, ausserdem Edition der Reisebeschreibung ebenda S. 223-256.)
- StiArEbg Professbucheinträge nach P. Gall Heer.