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An der
Spitze dieser steht die preuß. Hauptbibelgesellschaft in
Berlin
[* 10] seit 1814, der schon 8 Jahre früher eine
Berliner
[* 11] Bibelgesellschaft
vorangegangen war. Sie hatte 1893 eine Jahreseinnahme von 254374 M. und einen
Umsatz an heiligen
Schriften
von über 136000 Exemplaren; seit ihrem Bestehen hat sie 2184866
Bibeln und 554968
NeueTestamente verbreitet. An zahlreichen
Orten bestehen Tochtergesellschaften, die im Interesse der Hauptbibelgesellschaften arbeiten.
seit 1831 sind im ganzen 1060321
biblische
Bücher verteilt worden, und zwar in luth.-deutscher, kath., poln.
und litauischer
Übersetzung.
Die deutschen Bibelgesellschaften vereinigten sich 1887 zu einem
Verbande, grenzten ihre Arbeitsgebiete ab, verabredeten
gemeinsame Bibelausgaben und einheitliche Verkaufspreise und verständigten sich über die
Verbreitung derBibel im deutschen
Heere und in der Marine sowie unter den
Deutschen im
Auslande.
In den J. 1825-27 entbrannte im
Schoße der engl. Bibelgesellschaft der
Apokryphenstreit. Die Frage, ob die
Apokryphen (s. d.
und
Bibel) würdig seien, mit den kanonischen
Schriften gedruckt und verbreitet zu werden, wie dies nach dem Vorgange
Luthers
in
Deutschland verlangt und geübt wird, wurde in England meist verneint. Nach langen Verhandlungen
ließ die engl. Bibelgesellschaft die
Apokryphen weg und entzog den Gesellschaften, welche die
Apokryphen verbreiten, ihre
Unterstützung, während die Bibelgesellschaften auf dem Kontinent sich von der britischen ablösten. In neuerer Zeit
beginnt die letztere sich ganz aus
Deutschland zurückzuziehen. Die nach langjähriger
Arbeit fertig gestellte
Revision der luth.
Übersetzung ist von einer Anzahl Bibelgesellschaften, wie von der preußischen und württembergischen, angenommen
worden.
(frz., spr. bibloh), Bezeichnung aller der verschiedenartigsten
kleinern Kunstgegenstände zumal der Kunstindustrie, welche zum Schmuck der Wohnung, zur
Ausstattung der
Etagèren und Vitrinen,
oder nur als
Kuriositäten dienen.
Ähnliche Bibelverbote wurden in England gegen die Wiclifiten z. B. auf der
Synode zu Oxford
[* 13] 1408 erlassen. Trotzdem kamen seit Mitte
des 15. Jahrh. zahlreiche Bibelübersetzungen in die
Hände des
Volks. Um die
Verbreitung der Lutherbibel zu hindern, veranstaltete
Hieronymus Emser eine kath. Bearbeitung derselben. Das
Konzil von
Trient
[* 14] erlaubte das
Lesen «häretischer»
Übersetzungen des
NeuenTestaments gar nicht, des Alten nur mit bischöfl. Genehmigung; kirchlich approbierte
Übersetzungen
in der Volkssprache sollten nur mit ausdrücklicher bischöfl.
Erlaubnis auf
Grund einer vom
Beichtvater ausgestellten Empfehlung gelesen werden. Nachdem gegen Ende des 18. Jahrh.
vielfach eine mildere Praxis Eingang gefunden hatte, rief zu Anfang des 19. Jahrh.
die Thätigkeit der prot.
Bibelgesellschaften (s. d.) wieder härtere Gegenmaßregeln der Päpste hervor.
Dergleichen namentlich gegen die
Verbreitung prot. Bibelübersetzungen gerichtete Verordnungen gingen aus von
Pius VII. 1816,
Leo XII. 1824,
Pius VIII. 1829,
Gregor XVI. 1844 und
Pius IX. 1846, 1849 und in seiner Encyklika 1864.
Ohne
das Bibellesen den Laien geradezu zu verbieten, erneuern diese päpstl.
Erlasse die Grundsätze von
Trient, deren strenge Durchführung
einem thatsächlichen Bibelverbot ziemlich nahe kam. Ähnliche Verbote der
Bibelgesellschaften und nichtautorisierten Bibelübersetzungen
kamen auch in der griech.
Kirche vor, wie 1826 in
Rußland durch
KaiserNikolaus und 1839 durch den
PatriarchenGregor von Konstantinopel.
in einzelnen feinen Sorten nach dem
FranzösischenCastorin und nach dem
EnglischenBeaver genannt, ein beidrecht
geköpertes
Woll-, jetzt meist Baumwollgewebe mit feiner, starkgedrehter
Kette und grobem, schwachgedrehtem
Einschlag, das auf beiden Seiten sehr stark gerauht ist;
hiernach bilden die in der Längenrichtung des
Stücks nach dem
Strich
liegenden Härchen des Einschlags eine dichte
Decke,
[* 15] wodurch der
Stoff das Aussehen eines dicken, langhaarigen
Tuchs gewinnt.
(CastorL.), eine Gattung der Säugetiere aus der Ordnung der Nager, welche sich durch den
horizontal abgeplatteten, breiten, schuppigen
Schwanz und die mit Schwimmhaut versehenen Hinterfüße auszeichnet. Die Nagezähne
sind sehr stark, die obern mit keilförmiger Schneide, Backenzähne überall vier, mit Schmelzleisten, und die Füße kurz,
fünfzehig. An der zweiten Hinterzehe befindet sich ein Doppelnagel. Man kennt nur eine Art, den gemeinen
Biber
(CastorfiberL., s.
Tafel: Nagetiere
[* 16] IV,
[* 1]
Fig. 1), welcher gesellig die Ufer großer
Flüsse
[* 17] Nordeuropas, Nordasiens und Nordamerikas
bewohnt, in den größern
Flüssen des westl. Europas nur noch vereinzelt und meist unter
¶
mehr
gesetzlichem Schutze stehend angetroffen wird; die nordamerik. Form hielt man lange für eine eigene Art (Castorcanadensis
Kuhl). In Deutschland ist der Biber gegenwärtig noch in der Elbe, von Wittenberg
[* 19] bis gegen Magdeburg,
[* 20] und in der Saale, von ihrer
Mündung in die Elbe bis nach Trabitz unterhalb Calbe, zu finden. Einzelne kommen in der Salzach an der
österr.-bayr. Grenze und in der Rhône in Südfrankreich vor. Von den übrigen europ.
Ländern beherbergen ihn noch am häufigsten Bosnien,
[* 21] Rußland und Norwegen.
[* 22]
Früher hielt er sich auch südlicher, z.B. in Asien
[* 23] am Euphrat und sogar in Indien auf; jetzt wird er auch
im Norden,
[* 24] besonders in Nordamerika,
[* 25] durch die vielen Nachstellungen seltener; doch werden immerhin große Mengen von dorther
in den Handel gebracht (s. Biberfelle). Der hat ungefähr die Größe und plumpe Gestalt eines Dachses, mißt 75-80 cm ohne
Schwanz, ist oben rotbraun bis ins Schwärzliche und unten heller gefärbt; auch kommen weiße, gelbe
oder gefleckte Spielarten vor.
Der Schwanz ist braunschwarz. Der Körper ist dick, gedrungen, der Nacken, vorzüglich in der Ruhe, gewölbt, der Hals kurz
und dick, der Kopf rundlich-dreieckig, rattenähnlich, die Nase
[* 26] breit und kahl mit großen, verschließbaren Nasenlöchern;
die Augen stehen seitlich; die Ohren sind sehr klein und fast unter dem Pelze versteckt. Bekannt ist der
Kunsttrieb und die gesellschaftliche Thätigkeit der Biber, über welche aber mancherlei Übertreibungen und Fabeln
verbreitet worden sind. Um sich nämlich gegen die Winterkälte und Strömungen zu schützen, errichten die Biber Bauwerke,
welche sie, da zu deren Herstellung die Kräfte des einzelnen nicht ausreichen, gemeinschaftlich aufführen.
Sie bauen kunstlose, stumpf kegelförmige Wohnungen, welche aus zusammengeschichteten Ästen, Reisern, Schlamm und Steinen
bestehen, 1,50 bis 1,60 m über das Wasser emporragen, ihren Eingang unter dem Wasser haben und in dem untern Teile die Wintervorräte
enthalten. Damit nun der Stand des Wassers um ihre Wohnungen herum gleichhoch bleibt, errichten die Biber noch
Dämme um die letztern, welche auf gleiche Weise aus Holzstücken, Schlamm und Steinen kunstlos zusammengesetzt sind. Niemals
aber bedienen sich die Biber ihres Schwanzes beim Bauen als Kelle oder gar als Schlägel.
[* 27] Das nötige Holz
[* 28] verschaffen sie sich,
indem sie die Stämme der am Ufer stehenden Sträucher und auch ziemlich starke Bäume durch Nagen fällen;
sie können mit einemmal einen zolldicken Ast durchbeißen. Weil nun auch die Nahrung meist aus Baumrinde besteht, so fügen
sie den Wäldern viel Schaden zu.
Die Biber werden gejagt teils wegen ihres wertvollen, dichtwolligen, mit langen, glänzenden Grannenhaaren
durchspickten Pelzes (s. Biberfelle), teils wegen des Bibergeils (Castoreum), einer käseartigen, eigentümlich und durchdringend
riechenden, in der Heilkunde gebräuchlichen Substanz, welche in zwei dem After naheliegenden Beuteln enthalten ist. Man unterscheidet
im Handel nur zwei Sorten des Bibergeils, russ., moskowit. oder sibir. und amerik., canad.
oder engl. Bibergeilbeutel, von denen die erstern geschätzter und teurer
sind; beide Sorten waren früher offizinell; in neuerer Zeit indes nur das amerikanische und auch dieses hat in dem neuesten
DeutschenArzneibuche (1891) keinen Platz mehr gefunden. Es wurde früher in der Medizin bei Nervenzufällen, insbesondere
bei
der Hysterie, sowie bei Typhus als krampfstillendes, beruhigendes und belebendes Mittel, sowohl in Pulver-
und Pillenform, wie als Tinktur (Tinctura Castorei Sibirici und Tinctura Castorei Canadensis aus 1 TeilBibergeil und 10 TeilenSpiritus
[* 29] bereitet) vielfach angewandt.
Ehedem war auch das Bibergeilfett (Pinguedo oder Axungia Castorei), welches sich in zwei neben und unter den Bibergeilbeuteln
befindlichen Ölsäcken vorfindet, in der Heilkunde gebräuchlich. Als billiges Ersatzmittel des Bibergeils
diente wohl auch eine ähnliche Substanz, das vom Kap der Guten Hoffnung eingeführte Hyraceum oder Dasjespiß, welches aus eingedicktem
Harn des sog. Klippdachses (Hyrax capensis) besteht. Das Zurückdrängen des Biber bringt
es mit sich, daß auch in den zoolog. Gärten nur höchst selten europ.
Exemplare zu finden sind, daß diese Gattung vielmehr meist durch den amerikanischen Biber vertreten ist.
Derselbe wird mit 200 M. bezahlt und hält in der Regel gut aus. Sichtbar ist er nur in der Dämmerungsstunde, denn den Tag
verbringt er schlafend in seiner Schutzhütte. Als Futter giebt man ihm Brot,
[* 30] Wurzeln und Weidenäste,
deren Rinde er verzehrt und an deren Holz er seine Schneidezähne abnutzen kann. Von den echten Biber sind wohl zu
unterscheiden der Zibethbiber, der auch Bisamratte (s. d.) oder Ondatra (Fiber zibethicusCuv.) genannt wird, eine große Wasserratte
Nordamerikas, und der in Südamerika
[* 31] lebende Sumpfbiber (s. d.) oder Coypu (Myopotamuscoypus Geoffr.).
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