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Erinnerung an den französischen Arzt und Philosophen der Aufklärung, Julien La Mettrie, der einen "mechanistischen Materialismus" vertrat.
Wenn er das noch hätte erleben dürfen, dass die Liebe nach den beiden Wiener Lebenswissenschaftlerinnen, Susanne Schmehl und Elisabeth Oberzaucher, auch aus Sicht der Mechanismen der Evolution neue Einsichten vermitteln, die die Partnerwahlkriterien bestimmen und menschliche Verhaltenstendenzen verstehbar machen.
Oder dass der Neurowissenschaftler Bartels Sätze veröffentlicht wie «Liebe ist Hirnaktivität, scheint an sich immer gleich zu sein». Selbst für die romantische Liebe haben Hirnforscher nur einen rational - materialistisch ernüchternden Blick. Oder dass man dabei ist, Liebe im Hirn zu messen. Das wissenschaftliche Ergebnis: Bedingt durch ein einziges anders codiertes Gen, verbinden höhere Spezies, z.B. Menschenaffen und eben der Mensch, zusätzlich sog. «Economo-Neuronen», also eine besondere Art von Hirnzellen, die wiederum in einer bestimmten Hirnregion auf 'Gefühle' stossen, "die ausschlaggebend sein können".
Genug. An wen sollte erinnert werden mit dem Satz: "...wenn er das noch hätte erleben dürfen"? Antwort: An einen französischen Arzt und Philosophen der Aufklärung: Julien La Mettrie, der einen "mechanistischen Materialismus" vertrat. Er wurde 1709 in Saint-Malo geboren und starb im Jahr 1751 in Potsdam.
Wegen seiner Ansichten musste er aus Frankreich fliehen, nachdem zwei seiner Schriften, die philosophische (Naturgeschichte der Seele) und ärztekritische (Politique du Médecin de Machiavel) per Gerichtsbeschluss verbrannt wurden. Im liberalen Holland konnte er 1748 sein Hauptwerk «Der Mensch als Maschine» veröffentlichen, doch musste er deswegen erneut fliehen, erhielt Asyl in Preussen am Hof Friedrich II.
Alle seine Werke sind als skandalös bewertet worden: «Über das Glück» - «Die Kunst, Wollust zu empfinden»- «Le petit homme à longue queue». Und aus La Mettrie wurde der "amoralische Atheist". Er selbst: "Ich bin das Unkraut im Kornfeld des Lebens".
La Mettrie im Zitat: Körper und Seele sind eins - Die Seele hat ihren Sitz in den Organen - Die Natur ist in der Lage, das Leben zu verändern - Psychische Phänomene haben mit dem Nervensystem zu tun - Die Materie ist fähig zu empfinden - Lust als Seinserfahrung - Willensfreiheit ist ein Irrtum - Das Gehirn hat seine Denkmuskeln. Wenn etwas geschieht, wofür es keine Erklärung gibt, war es nicht der Herrgott, sondern ging von einer noch nicht erkannten Gesetzmässigkeit aus.
Mit seinem Buch «Der Mensch als Maschine» löste er einen Skandal aus. Die Gleichung, wonach "Tiere und Menschen aufrecht kriechende Maschinen sind, die selbst ihre Triebfedern aufziehen", und seine Definition des Menschen als Maschine ohne Seele und Geist im gewohnten Sinn, "das geht zu weit!" Nicht wahrgenommen aber hatte man La Mettries Bewunderung für die perfekte "Maschine" Mensch. Für das fantastische, compliqué, superbe Zusammenspiel von Muskeln, Nerven, Hirn, Herz und Körpersäften.
Mittlerweile zeigt sich ein neues Interesse an La Mettrie. Man will ihn offenbar als zu Unrecht verfluchten Philosophen und Wissenschaftler rehabilitieren. So war zu lesen, dass die EU das gesamte Wissen über das menschliche Hirn mittels computerbasierter Modelle und Simulationen zusammenführen will, um die Aktivitäten aller einhundert Milliarden Nervenzellen nachzubilden, die mit über 100 Billionen Synapsen kommunizieren, über die dann die Informationsübertragung von Nervenzellen zu anderen abläuft, im Gehirn kartiert werden und die menschlichen Sinnesorgane erreichen.
Die ZEIT im Jahr 1999: "Mit der Indienstnahme der Wissenschaften für seine Maschinenanthropologie kam La Mettrie reichlich zu früh. Inzwischen scheinen es die Wissenschaften selbst zu sein, die seine Gleichung zum Thema machen“. Man arbeitet heute mit neurokybernetischen Modellen, mit registrierten Sinneszellen, mit Signalen, in elektrochemische Impulse umgesetzt, mit Nervenzellen, die mit Nervenzellen verbunden sind und so weiter.
Wenn Julien La Mettrie das noch hätte erleben dürfen ...