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Mitternachtsgedanken
06.05.2013
06.05.2013, at sea, position: 6°50' S; 122°25' W, 12.00 UTC; course over ground 250°
Du stehst hinter dem Steuerrad deines Segelbootes, aber du steuerst nicht. Das übernimmt die Windsteueranlage; sie kann das besser als du, braucht keine Energie und ermüdet nie. Du schaust auf die endlose Wasserfläche und hast das Gefühl, dass dir eine Dimension abhanden gekommen ist. Du segelst mit deinem Schiff auf dieser blauen Scheibe, einer Linie folgend, die nur auf der Seekarte sichtbar wird. Du bist stets der Mittelpunkt dieser Scheibe und erreichst den Rand der Scheibe nie. Dort, gegen das Ende dieser sichtbaren Welt, rücken die weissen Schaumkronen der Wellen immer näher zusammen, und die Scheibe verliert ihre blaue Farbe.
Nachts, wenn Wolken Mond und Sterne von dir fernhalten, starrst du jede Viertelstunde auf deinen Radarschirm. Er zeigt dir die blaue Scheibe des Tages, jetzt in die Senkrechte gekippt. Ein kleines Kreuz markiert dein Schiff; auch hier bleibst du immer im Zentrum.
Auf der Seekarte hast du eine Linie gezogen von den Galapagos zu den Marquesas. Deine Aufgabe ist es, ungefähr dieser Geraden entlang zu segeln und dabei Wind, Wellen und Strömung so einzubeziehen, dass du irgendwann - Bingo! - dein Ziel erreichst. Dann wird die Scheibe plötzlich einen neuen Mittelpunkt haben: Fatu Hiva! Und du wirst zurückschauen auf diese Gerade von 3000 Seemeilen und dir bewusst werden, dass du erst die Hälfte dieser gewaltigen Wasserfläche, die man Pazifik nennt, durchquert hast. Wenn du den Mittelpunkt des Pazifiks ins Zentrum deines Blickfeldes rückst, erkennst du die Ausmasse dieser Wasserfläche. Gut, dass einige Inseln auftauchen, die dir jeweils für kurze Zeit als Mittelpunkt deines begrenzten Kreises dienen können.
All is well on board. May 6 we reached our two third way mark between Galapagos and Marquesas. We now have eaten up our last fresh vegetables and fruits; there is only fruit juice, tins and nuts left. Sometimes these last days we thought we're nuts, too, as we were sitting in the cockpit eating our Muesli pushing one foot against the opposite bench to prevent us from sliding down and with one hand holding our tea cup to prevent it from being washed into the sea. Cooking and eating was no fun to us under these rolly conditions where you have to beware of broken ribs at all times and prevent everything you take out of the fridge from taking off for an uncontrolled flight through the galley.
Now as the wind calmed down, we are sailing under parasailor and life on board is much easier. We enjoy sunny days with tiny trade wind clouds dotted on the blue sky.
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