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Call for Abstracts
Format: Prof. Dr. Jean-Philippe Narboux (Bordeaux) wird einen Abendvortrag halten, und den Workshop als Experte begleiten. Der Workshop richtet sich vor allem an Forschende am Beginn ihrer akademischen Karriere. Es sind 6-7 Slots für Pre-Docs, und 3-4 Slots für Post-Docs geplant. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.
Zeit und Ort: Der Workshop findet vom 24.-26.10.2022 am eikones Zentrum für Theorie und Geschichte des Bildes, Universität Basel, statt. Der Workshop findet in Präsenz statt, Änderungen aufgrund der pandemischen Lagen sind vorbehalten.
Call for Abstracts: Um Einsendung eines Abstracts (500 Worte, Deutsch oder Englisch) wird bis zum 15. Juni 2022 gebeten an <email-pii>. Kosten für Reise und Unterkunft können für Eingeladene bis zu einem bestimmten Betrag übernommen werden.
Der Abendvortrag ist öffentlich. Falls Sie am Workshop teilnehmen möchten ohne einen Vortrag zu halten, senden Sie bitte ebenfalls eine kurze Bewerbung (Motivationsschreiben & Lebenslauf) bis zum 30. September 2022 an: <email-pii>
Die Sätze unserer Sprache besitzen Bedeutung, indem sie etwas sagen. Doch sie bedeuten noch auf andere Weise: Sie zeigen etwas. Die Unterscheidung von Sagen und Zeigen gilt als eine der wirkmächtigsten Lehren des Tractatus logico-philosophicus Ludwig Wittgensteins. Sie hat über die Grenzen der Philosophie hinaus in verschiedenen Disziplinen ein Echo erfahren, etwa in Kunst-, Literatur- und Bildwissenschaft.
Oftmals wird die Unterscheidung von Sagen und Zeigen in Verbindung gebracht mit dem erklärten Ziel des Tractatus, dem, was sich sagen lässt, eine Grenze zu ziehen. Der Kontrast von Sagen und Zeigen dient nach diesem Verständnis dem Zweck der Grenzziehung des Sagbaren: Was nur gezeigt werden kann, beschreibt den Bereich jenseits der Grenze sinnvollen Sprechens.
Nach diesem verbreiteten Verständnis leitet die Sagen-Zeigen-Unterscheidung direkt über in eine Debatte über die Unterscheidung von Sinn und Unsinn. Die Frage, was Unsinn sein mag, hat die Tractatus-Rezeption der letzten Jahre dominiert, und Fragen über die Unterscheidung von Sagen und Zeigen in den Hintergrund treten lassen.
Jüngere Deutungen hingegen haben die Relevanz dieser Unterscheidung als eine Unterscheidung eigenen Rechts hervorgehoben. Der Workshop widmet sich Fragen, die durch das erneuerte Interesse an Wittgensteins Überlegungen zu Sagen und Zeigen aufgeworfen worden sind, und möchte dabei eine Vielzahl von Perspektiven einbeziehen. Um nur eine Auswahl der Fragen zu nennen, denen sich der Workshop widmen wird: Ist es notwendig, die Unterscheidung von Sagen und Zeigen kontrastiv zu verstehen? Liegt das, was sich zeigt, jenseits des Sagbaren, oder mittten in ihm selbst, als eine Charakterisierung der Seinsweise von Sprache? Erlaubt der Begriff des Phänomens, als das «was sich von sich selbst her zeigt», eine Erhellung des Wittgenstein’schen Zeigens? Oder deutet das «Sich-Zeigen» auf ein Selbstverhältnis symbolischer Ausdrücke hin, die das philosophische Paradigma der Reflexion hinter sich lässt?
Neben Einsichten der aktuellen Forschung sollen philosophie-historische Erkenntnisse über Vorgänger der Sagen-Zeigen-Unterscheidung berücksichtigt werden, wie auch ihr mögliches Erbe im Spätwerk Wittgensteins und darüber hinaus. Willkommen sind Beiträge, die Verbindungen schlagen zu anderen zeitgenössischen philosophischen Strömungen, wie der Phänomenologie, ebenso wie zu anderen Disziplinen wie Symboltheorie und Bildwissenschaft. Gemeinsam wollen wir, neben anderen, die folgenden Problemstellungen bearbeiten:
- Satz und Bild. Wittgenstein bestimmt im Tractatus den Satz als logisches Bild. Was bedeutet die Bildlichkeit des Satzes vor dem Hintergrund der Sagen-Zeigen-Unterscheidung? Steht das «Sich-Zeigen» für eine Ontologie symbolischer Ausdrücke, die sowohl pikturale wie verbale Repräsentation gleichermassen umfasst?
- Expression und Rezeption. Wenn Sagen und Zeigen als zwei Formen des sprachlichen Ausdrucks unterschieden werden müssen, entsprechen diesem Unterschied zwei Formen des Verstehens?
- oratio obliqua und oratio recta. Ursache anhaltender Perplexität ist die Möglichkeit von Sprache, sich selbst zum Thema zu haben. Dies zeigt sich insbesondere an Debatten über die angemessene logische Analyse indirekter Rede. Kann die Sagen-Zeigen-Unterscheidung ein neues Licht darauf werfen? Wie verhält sie sich zu der häufig anzutreffenden Unterscheidung von «Erwähnung» und «Gebrauch»?
- Affirmation und Negation. Manche Passagen des Tractatus scheinen eine Verschränkung der Sagen-Zeigen-Unterscheidung mit der einflussreichen Trennung Freges von beurteilbarem Inhalt und behauptender Kraft anzudeuten. Ist die Sagen-Zeigen-Unterscheidung eine Abwandlung des Frege’schen Grundsatzes, oder dessen grundsätzliche Revision?