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Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse"
Pressemitteilung Januar 2000
Historische Studie über das "Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse" wird
von den Kantonen gewürdigt
Ergebnisse einer Konsultation der Kantone durch das Eidgenössische
Departement des Innern
Die im Auftrag des Bundes erstellte und im Sommer 1998 veröffentlichte
Historische Studie über das "Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse" von
Roger Sablonier, Walter Leimgruber und Thomas Meier ist von den Kantonen mit
Betroffenheit zur Kenntnis genommen worden. Dies zeigte eine Konsultation
der Kantone, die vom Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) in diesem
Jahr vorgenommen wurde. Die Studie wird als wichtiger Beitrag zur
Aufarbeitung der Vergangenheit und zur Sensibilisierung für den Umgang mit
Minderheiten in der Schweiz - auch im Sinne einer Prävention für die
Zukunft - gewürdigt. Mit der Konsultation der Kantone konnte eine Grundlage
für die Kooperation aller an weiterer Aufarbeitung der Vergangenheit
interessierten politischen Instanzen geschaffen werden. Der Bundesrat hat
von den Ergebnissen der Konsultation Kenntnis genommen. Diese werden jetzt
an die Kantone weitergeleitet.
Im Anschluss an eine Fachtagung vom 4. Dezember 1998 zur Historischen Studie
über das "Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse" hat das Eidgenössische
Departement des Innern (EDI) im Februar 1999 eine Konsultation bei den
Kantonen zu den Ereignissen um das "Hilfswerk" eröffnet. Die Kantone wurden
ersucht, Stellung zur Historischen Studie zu nehmen und sich zu der bereits
erfolgten oder beabsichtigten Aufarbeitung der Vergangenheit zu äussern.
Dabei wurde namentlich auch die Frage nach Massnahmen zur Verbesserung der
heutigen Lebenssituation der Fahrenden gestellt.
Die Historische Studie ist in den Kantonen auf ein erfreulich grosses Echo
gestossen. Die Kantonsregierungen haben ausführlich zu den Ereignissen der
Vergangenheit und zur aktuellen Situation der Fahrenden Stellung genommen.
In vielen Kantonen hat die Studie Betroffenheit ausgelöst, auch in solchen,
die nicht oder nur am Rande an Aktionen des "Hilfswerks" beteiligt waren.
Die Ergebnisse der Umfrage sind insgesamt sehr wertvoll und informativ. Sie
zeigen die Bereitschaft zur Aufarbeitung der Ereignisse in vielen Kantonen.
Diese sind im Interesse der Sensibilisierung und der Prävention auch an
einer geeigenten Vermittlung der Ergebnisse der Studie in der Aus- und
Weiterbildung interessiert. Die Antworten der Kantone enthalten zudem
wichtige Informationen über die Aktenlage, die Regelung des Aktenzugangs für
Betroffene und für die Forschung sowie über die Möglichkeiten einer
Aktenberichtigung. Weitere, gemeinsam von Bund, Kantonen und
Forschungseinrichtungen getragene Folgestudien, namentlich solche mit
konkretem Bezug zum Geschehen in den Kantonen, werden ausdrücklich begrüsst.
Insgesamt 11 Kantone haben Interesse gezeigt, sich an einer weiteren
wissenschaftlichen Aufarbeitung der Vergangenheit zu beteiligen. Geäussert
wurde auch der Wunsch, dass künftige Forschung sich nicht ausschliesslich
auf die Opfer des "Hilfswerks" beschränken und das Thema ausgeweitet werden
sollte.
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Die Kantone haben sich aber auch zur aktuellen Situation und zu den
Lebensbedingungen der Fahrenden geäussert, insbesondere zum Problem der
Stand- und Durchgangsplätze, zur Rechtslage, zur Arbeitssituation sowie zur
schulischen Integration der Kinder. Hauptproblem ist nach wie vor der Mangel
an geeigneten Stand- und Durchgangsplätzen in den Gemeinden. Zudem besteht
offensichtlich ein Bedarf nach vermehrter interkantonaler Zusammenarbeit
(Informationsaustausch, bessere Koordination von Massnahmen). Die Ergebnisse
der Konsultation werden deshalb für die Arbeit der 1997 vom Bund errichteten
Stiftung "Zukunft für Schweizer Fahrende" von besonderer Bedeutung sein.
Die Ergebnisse der Konsultation wurden unterdessen dem Bundesrat zur
Kenntnis gebracht und an die Kantonsregierungen weitergeleitet. Aufgrund der
Ergebnisse der Konsultation wird das EDI:
- Ein Konzept für eine popularisierte Fassung der Studie für den Unterricht
sowie für die Ausbildung von Fachpersonen in den Sozial- und
Vormundschaftsbehörden erarbeiten lassen. Interessierte Kantone sollen dabei
die Möglichkeit haben, nach Bedarf einen eigenen, auf die Ereignisse im
Kanton bezogenen Teil zu gestalten.
- Eine französische und italienische Uebersetzung der Studie vorlegen.
- Mit den an weiterer wissenschaftlicher Aufarbeitung interessierten
Kantonen das Gespräch aufnehmen und eine Koordinationsfunktion für künftige
Forschungsvorhaben übernehmen. In der Zwischenzeit sind von 9 Kantonen
Kontaktpersonen für die Koordination möglicher Folgeforschungen ernannt
worden.
- Konkrete Anliegen von Kantonen, die im Zusammenhang mit der Aufarbeitung
der Vergangenheit an den Bund gerichtet wurden, weiterverfolgen.
- Die von den Kantonen eingebrachten Informationen über die aktuelle
Situation der Fahrenden in ihrem Gebiet (Plätze, rechtliche Aspekte,
Schulsituation, Arbeitsbewilligungen) an die Stiftung "Zukunft für Schweizer
Fahrende" weiterleiten mit dem Auftrag, die von den Kantonen angesprochenen
Probleme und konkreten Anregungen aufzunehmen und zu bearbeiten.
EIDGENÖSSISCHES DEPARTEMENT DES INNERN
Presse- und Informationsdienst
Die Zusammenfassung sowie die Auswertung der Ergebnisse können bezogen
werden bei:
Bundesamt für Kultur, Hallwylstr. 15, 3003 Bern, Tel. 322 92 68 (Stefanie
Brander).