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Liegt ein Kernkraftwerk an der Küste und kann Prozessdampf ausgekoppelt werden, ist dies günstiger als die Entsalzung mit fossilen Energien. Ein Hilfsmittel für Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen ist das computergestützte volkswirtschaftliche Modell DEEP (Desalination Economic Evaluation Program), das eine Arbeitsgruppe der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) seit 1998 erarbeitet hat. Die Arbeitsgruppe begleitet auch neue Projekte für Meerwasserentsalzung mit Kernenergie. Demonstrationsanlagen sind namentlich in Indien, Südkorea und Russland in Planung. Studien laufen auch für Standorte in Ägypten, Indonesien, Marokko, Pakistan und Tunesien.
Am weitesten fortgeschritten ist ein Projekt, das auf Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des indischen Bhabha Atomic Research Centre (BARC) zurückgeht und vor der Fertigstellung steht: An die beiden 170-MW-Kernkraftwerkseinheiten Madras-1 und -2 bei Kalpakkam werden Hybridanlagen zur Meerwasserentsalzung angekoppelt. Jede Anlage umfasst einen mehrstufigen Verdampferblock mit einer Tagesleistung von 4500 m3 und einen Umkehrosmose-Block mit einer Tagesleistung von 1800 m3. Das Produkt hat Trinkwasserqualität. 900 m3 im Tag erzeugt die Einheit zur Deckung des Eigenbedarfs des Kraftwerkblocks und 5400 m3 fliessen in die öffentliche Wasserversorgung der Umgebung. Die Einbusse bei der Stromerzeugung ist gering: Die nominelle Nettoleistung sinkt von 170 MW auf rund 166,5 MW.
Das Projekt wurde 1998 lanciert. Im laufenden Jahr werden die Hauptkomponenten am Standort installiert. Gegen Ende 2002 sollten die Anlagen den Betrieb aufnehmen. Die Erfahrungen bei Bau und Betrieb dieses Demonstrationsprojekts werden unter der Ägide der IAEO in internationaler Zusammenarbeit ausgewertet. Ziel ist, eine optimale Auslegung für eine standardisierte Entsalzungseinheit zu entwickeln.
Quelle
P.B. nach Nuclear Engineering International, März 2002