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Heute Morgen bin ich an einem Café vorbei gelaufen, das draussen gestuhlt hatte, es war spärlich besetzt, die Temperatur angenehm, ein leichter Wind wehte. Zwei Männer sassen dort, ich würde sagen zwei Handwerker, und der eine sagte relativ laut und bestimmt: „Ja, Thomas, so ist das Leben!“.
Er sagte dies so laut und bestimmt, dass ich mich natürlich gefragt habe, was Thomas wohl gerade gesagt hat. „So ist das Leben“ ist ja eine Antwort, die auf vieles passt. Hat er gesagt: „Die Wahrscheinlichkeit für einen Sechser im Lotto beträgt beim Einsatz von 5 Franken 0,0000064 Prozent“? Oder vielleicht: „Ich habe mich unsterblich in Brigitte verliebt, aber sie ignoriert mich einfach“? Oder möglicherweise: „Ich verstehe nicht, wie Real Madrid Spanischer Fussballmeister werden konnte“?
Umgekehrt ist „So ist das Leben“ auch eine Antwort, die sehr unterschiedlich gemeint sein kann. Ich persönlich setze sie meistens ein, wenn ich in etwa sagen will: „Da kann man leider nichts machen, steht ausserhalb unserer Einflussbereiches, finde dich damit ab, dann geht es dir schon wieder viel besser“. Es kann aber auch meinen: „Ich habe keine Lust, darüber zu reden“. Aber natürlich auch: „Das Leben ist eine fiese alte Tante, die dir nichts schenkt“.
„So ist das Leben“ ist eindeutig nicht positiv gemeint, das ist schon noch erstaunlich. Es könnte ja auch heissen: So ist das Leben – voller Blumen, Freude und Liebe. Tut es aber nicht. Das Leben ist kein Ponyhof, kein Zuckerschlecken, kein Wunschkonzert.
Das alles ging mir durch den Kopf, als ich diesen Satz gehört habe. Ich hätte Thomas ja auch fragen können, was er denn gesagt hat. Aber ich habe mich nicht getraut. Was soll ich sagen? So ist eben das Leben.