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Agroscope untersuchte, ob auf Pflanzenschutzmittel mit hohem Risikopotential für die Umwelt verzichtet werden kann. Die Resultate zeigen, dass ein effektiver Schutz der Kulturen, besonders im Feld- und Gemüsebau, aber auch im Biolandbau erschwert würde.
Verschiedene agrarpolitische Massnahmen (Aktionsplan PSM, parlamentarische Initiative) haben zum Ziel, Einsatz und Risiken von Pflanzenschutzmitteln (PSM) zu senken. Mit der AP22+ soll auch im ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) künftig die Verwendung gewisser PSM-Wirkstoffe stärker eingeschränkt werden. Dabei sollen die Risiken für Oberflächengewässer und Bienen, sowie die Belastung des Grundwassers reduziert werden und gleichzeitig der Schutz der Kulturen erhalten bleiben. Agroscope hat mit der vorliegenden Studie Möglichkeiten und Folgen einer Einschränkung der Verwendung von PSM-Wirkstoffen mit hohem Risikopotential analysiert.
Risiko von PSM für Gewässer und Bienen
Die Risikopotentiale der zu Beginn der Studie (März 2019) zugelassenen PSM-Wirkstoffe wurden mit Risiko-Scores (Risiko-Beurteilungen mit einem vereinfachten, normierten Verfahren) für Grundwasser, Oberflächengewässer und Bienen bestimmt. Risikomindernde Massnahmen, resp. Auflagen flossen nicht in die Beurteilung ein.
Mit Hilfe der Risiko-Scores konnte eine Rangliste der Risikopotentiale erstellt werden:
- Unter den 15 PSM-Wirkstoffen mit dem höchsten Potential für Grundwasserbelastung durch Metaboliten fanden sich zehn Herbizide (Unkrautbekämpfung) und fünf Fungizide (Bekämpfung von Pilzkrankheiten).
- Die höchsten Risiko-Scores für Oberflächengewässer zeigten Insektizide (Bekämpfung von Schadinsekten) und Akarizide (Bekämpfung von Milben).
- Für Bienen wurden ebenfalls vorrangig Insektizide und Akarizide als potentiell risikoreich identifiziert.
Schutz der Kulturen mit weniger Risiken für die Umwelt
Agroscope prüfte, inwiefern PSM-Wirkstoffe mit einem höheren Risiko-Score durch Wirkstoffe mit einem niedrigeren Risiko-Score ersetzt werden können. Hierzu wurde eine agronomische Beurteilung bewilligter PSM-Wirkstoffe mit Voll- oder Teilwirksamkeit unter Berücksichtigung vorhandener oder zu erwartender Resistenzprobleme durchgeführt. Die Forschenden haben analysiert, wie der Schutz der Kulturen betroffen sein könnte, wenn die PSM eingeschränkt eingesetzt würden – und zwar für zwölf Insektizide/Akarizide, elf Herbizide, fünf Fungizide und einen Phytoregulator (reguliert das Pflanzenwachstum).
PSM im Feld- und Gemüsebau schwierig zu ersetzen
Mit einer Einschränkung der Anwendung der Insektizide mit den höchsten Risikopotentialen wäre ein wirkungsvoller Pflanzenschutz im Feld- und Gemüsebau für gewisse Kulturen nicht mehr möglich. Insbesondere im Gemüsebau hätte auch eine Einschränkung der untersuchten Herbizide und Fungizide negative Auswirkungen.
Im Obst-, Beeren-, und Weinbau stehen im Gegensatz dazu in den meisten Fällen mehrere wirkungsvolle Alternativen zu den untersuchten Insektiziden zur Verfügung.
Spinosad wichtig im Bio-Landbau
Bei einem Verzicht auf Spinosad, einem in der biologischen Landwirtschaft zugelassenen Insektizid, müsste mit grösseren Schwierigkeiten in der integrierten und biologischen Produktion in allen Kulturbereichen gerechnet werden.
Fazit
- Die Studie von Agroscope bildet eine Entscheidungsgrundlage, um Einschränkungen der verfügbaren PSM-Wirkstoffe im ÖLN festlegen zu können.
- Auf Grundlage eines normierten Risiko-Scores wurden die PSM-Wirkstoffe mit den höchsten Risikopotentialen identifiziert.
- Vor allem für den Schutz der Kulturen im Feld- und Gemüsebau hätte eine breite Einschränkung der PSM-Wirkstoffe mit hohem Risikopotenzial weitreichende Folgen.
- Eine Einschränkung des Spinosad-Einsatzes könnte zum Teil zu grossen Problemen im biologischen Pflanzenbau führen.
- Eine aktive Weiterentwicklung von Pflanzenschutzstrategien, die mit reduzierter PSM-Anwendung auskommen, ist notwendig. Dadurch können die Folgen von Einschränkungen der PSM-Wirkstoffe entschärft werden.
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Letzte Änderung 29.09.2020