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Digitale Aufnahmetechniken im Animationsfilm - Animation mit digitalen Fotokameras (DSC)
Will man eine Animation mit einer mittleren Auflösung (zB. TV PAL) erstellen, bietet es sich an, statt einer DSC eine digitale Videokamera mit FireWire-Ausgang zu verwenden. (DV oder Digital8) Dabei kann man die Kamera direkt mit dem Computer verbinden und mit einem Capture-Programm die Einzelbilder speichern. (z.B. DRAGONFRAME, www.dragonframe.com)
Da eine Videokamera auf eine Bildgrösse von 768 x 576 (720x576) Pixel beschränkt ist, benötigt man für Aufnahmen mit höherer Auflösung (1920x1440 oder 1920x1080) eine andere Aufnahmetechnik. (Anmerkung: gängige HDV Kameras schleifen das HD-Videosignal nicht auf den Firewire-Ausgang durch) Eine höher aufgelöstes Bild erhält man mit einer digitalen Fotokamera (DSC)
Prinzipielle ist es möglich jede digitale Fotokamera für Animation zu verwenden, dabei treten jedoch verschiedene Schwierigkeiten auf, die das Ergebnis beeinträchtigen.
Dies können sein: - Helligkeitsschwankungen - Unschärfe - fehlende Schärfentiefe - fehlende Kontrolle über die Schärfeneinstellung - schwankende Farbtemperatur - Bildrauschen - nicht eindeutige Bildbenennung
Auch ist der Produktionsablauf mit einer DSC aufwendiger als mit einer Videokamera. Eine Fotokamera speichert in der Regel das aufgenommene Bild intern auf einen Speicherchip und man muss die Daten im Nachhinein über ein USB-Kabel auf den Rechner überspielen. Dort werden die Einzelbilder dann mit einer Videoschnitt-Software (zB. FinalCutPro/PREMIERE) zu einem Film montiert.
Um eine direkte Kontrolle während der Aufnahme zu haben kann man bei den meisten DSCs das Display-Bild über den AV-Ausgang ausspielen. Hierbei handelt es sich aber im besten Falle um ein Composit-Signal in PAL Auflösung. Will man dieses Bild während der Aufnahme als Kontrollbild in den Rechner laden, so muss man es erst einmal über einen Videokonverter (Canopus oder Datavideo), der zwischen DSC und Rechner geschaltet ist, in ein digitales Format konvertieren. Von dem digitalen Videobild können dann mit einem Capture-Programm Einzelbilder im TIFF oder PICT Format abgespeichert werden. Dies ist nicht nur nützlich für die Kontrolle der Animation, sondern kann im weiteren Produktionsprozess auch für den Schnitt verwendet werden.
Ein hochauflösendes Bild im TIFF oder PICT Format hat eine Grösse zwischen 3 und 9 MB. Bei Animationen mit solchen Bildern entstehen Datenmengen, die ein Videoschnitt-Programm nicht mehr ohne weiteres in Echtzeit darstellen kann, darum verwendet man immer wieder gerne Einzelbilder in PAL-Auflösung, die eine Grösse von ca. 1 MB haben, um den Schnitt und die Postproduktion vorzunehmen. Diese Bilder in mittlerer Auflösung werden dann in der Endfertigung durch die hochauflösenden Bilder, aus dem Speicherchip der Kamera, ersetzt. Wichtig: Dieser Arbeitsschritt setzt aber voraus, das die hochauflösenden Bilder exakt die gleiche Bezeichnung haben wie die PAL-Bilder.
Spezielle Probleme der digitalen Aufnahme für Animation
Helligkeitsschwankungen: Da Digitalkameras einen sehr viel geringeren Abbildungsumfang/Blendenumfang(+/- 2,5 Blenden) als chemischer Film (+/- 4 Blenden) haben, wirken sich Helligkeitsschwankungen sehr viel störender aus, als bei der Aufnahme auf Film.
Für Helligkeitsschwankungen während der Aufnahme gibt es drei Ursachen:
1. Spannungsschwankungen im Netz, die ein Flackern der Scheinwerfer verursachen. Abhilfe schafft ein AC-USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung), Spannungsregeler oder Netzstabilisator welches eine gleichmässige Stromversorgung garantiert. Der Regler sollte auf 190 Volt Ausganngsspannung einstellt werden, damit man auch bei starken Stromschwankungen immer dieselbe Spannung hat. Als Richtwert für die Genauigkeit gelten 2%.
2. Bei längerer Benutzung einer DSC erwärmt sich der Aufnahmechip der Kamera und belichtet sich selber, was zu Überbelichtungen und Helligkeitsschwankungen führt. Dies tritt besonders bei Compact-Kameras auf, bei denen der Aufnahmechip nicht nur zur Aufnahme aktiviert wird, sondern auch, um ein Preview Bild zu produzieren. Abhilfe kann eine digitale Spiegelreflex-Kamera (D-SLR)schaffen.
3. Bei einigen Kameras ist festzustellen, dass auch bei manueller Blenden- und Zeiteinstellung, die Blende sich von Aufnahme zu Aufnahme nicht exakt schliesst. Für Abhilfe kann ein Objektiv mit mechanischer Blendeneinstellung sorgen, bei einigen D-SLR Kameras ist es möglich ältere Objektive zu verwenden, die eine mechanische Blendeneinstellung erlauben.
Um Probleme wie wechselnde Fokussierung, Farbschwankungen, Helligkeitsschwankungen vorzubeugen gilt grundsätzlich: ALLE AUTOMATIKEN ABSCHALTEN. Es ist auch ratsam statt eines Zoom-Objektiv mehrere Festbrennweiten zu verwenden. (zB. ein 35mm Marcro)
Um eine möglichst gut Kontrolle während der Aufnahme zu haben, empfiehlt es sich eine digitale Spiegelreflex-Kamera mit mit LiveView Funktion zu verwenden oder eine SLR Kamera mit einer Okular-Videokamera zu versehen. Dies elektronische Sucherbild kann dann parallel zur Aufnahme mit einem Capture-Programm in den Rechner geladen werden.
Als SLR Kamera mit LiveView Funktion ist die Olympus E-330 zu empfehlen, die einen zusätzlichen Chip im Sucher enthält (wird aber leider nicht mehr gebaut). Sehr gute Ergebnisse liefern auch Canon D-SLRs in Verbindung mit der Capture-Software DRAGONFRAME. Die meisten anderen Kameras (Nikon, Panasonic, Leica etc.) erzeugen das LiveView-Bild bei hochgeklapptem Spiegel über den Aufnahme-Chip, welcher sich dadurch erwärmt, was zu Fehlbelichtungen führt.
Als Okular-Kamera haben sich Firewire-Kameras von "The Imaging Source" (www.theimagingsource.com/de) bewährt, deren digitales Bildsignal sich direkt mit einer Capture-Software abspeichern lassen. Verwendet man Sucherkameras wie zB den "Kaiser ZigView S2" oder eine D-SLR Kamera mit LiveView-Funktion so erhält man an deren AV-Ausgang ein PAL Video Signal welches mittels eines D/A Konverters (zB Canopus oder DataVideo) in ein digitales DV-Signal umgewandelt werden muss, um es in den Rechner laden zu können. Okularkameras zeigen oft nicht den ganzen Bildausschnitt.
Demnächst werden wir an dieser Stelle einige brauchbare Konfigurationen beschreiben, mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben.
Weitere sehr hilfreiche Informationen findet man auch auf der homepage von Kinsman Physics Production, Rochester NY: www.sciencephotography.com/how2do2.shtml unter "Time-Laps Photograhpy FAQ; Chapter 2: Digital Camera Equipment"
Gerd 07/13