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Frage: Ich besitze seit längerem Ciba- und Clariant-Aktien. (Fast) alle Aktien steigen, nur diese zwei fallen und fallen. Ich habe es langsam satt. Ein Kollege sagte mir, ich sollte jetzt
erst recht von den tiefen Kursen profitieren und «Moyenne» machen. Was würden Sie an meiner Stelle tun?
D.D., via E-Mail
«Moyenne» heisst Durchschnitt. Wenn eine Aktie auf 80 Franken fällt, für die man ursprünglich 100 Franken bezahlt hat, so kann man gleich viele neue Titel zu 80 Franken kaufen. Damit fällt der
ursprüngliche Einstandswert von 100 auf 90 Franken - gerade in der Mitte von 80 und 100 Franken. «Moyenne machen» ist nur sinnvoll, wenn Sie vom Kurspotenzial einer Aktie überzeugt sind.
Zumindest was Ciba betrifft, fehlt mir dieser Glaube. Chemiefirmen brauchen zur Herstellung ihrer Ware Erdöl. Wenn nun der Ölpreis derart ansteigt wie in den zurückliegenden Monaten, so verteuert das die Produktion. Es wäre aber zu billig, die schlechte Aktienrendite von Clariant und Ciba mit dem steigenden Erdölpreis zu entschuldigen. Beide Konzerne hatten in den vergangenen Jahren mehrere und zum Teil milliardenschwere Fehlentscheide getroffen.
Auch dem heutigen Management ist nicht zu trauen. Bei Clariant ist ein Neuer am Werk. Da sind Zweifel immer angebracht. Aber immerhin besteht die Hoffnung, dass sich einiges zum Besseren wendet. Bei Ciba wurden ähnliche Hoffnungen mehrmals zerschlagen. Mit Armin Meyer ist ein Alleinherrscher an der Macht, der hinlänglich bewiesen hat, dass er es nicht kann. Er ist Verwaltungsratspräsident und gleichzeitig operativer Chef. Der anhaltende Rückgang der Ciba-Aktie ist zu einem grossen Teil ihm zu verdanken. Leider deutet nichts darauf hin, dass er das Zepter abgeben will.
Die Clariant-Aktie ist im Vergleich zu Ciba tiefer bewertet. So tief, dass die Gefahr besteht, von einem Dritten übernommen zu werden. Zumindest das könnte dem Aktienkurs Auftrieb geben. Wenn schon Chemie - dann lieber Clariant als Ciba. Trotzdem - statt «Moyenne» machen würde ich mich an Ihrer Stelle an eine wichtige Börsenregel halten: «Man soll nicht gutes Geld schlechtem Geld nachwerfen.»
Erschienen im BLICK am 2. September 2006