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Glaube & Wissenschaft
Gerhard von Cremona
Der Gelehrte übersetzte im 12. Jahrhundert Werke antiker und arabischer Autoren ins Lateinische.
Die mathematischen, physikalischen und astronomischen Erkenntnisse antiker griechischer Gelehrter waren in Europa im Frühmittelalter in Vergessenheit geraten und haben nur im byzantinischen und arabischen Raum überdauert. Das gilt auch für die «Grösste astronomische Zusammenstellung», den Almagest von Claudius Ptolemäus aus dem 2. Jahrhundert, der den mathematisch-astronomischen Wissensstand der Antike zusammenfasst. Das darin fundierte Ptolemäische Weltbild ist fast 1500 Jahre bestimmend.
In Europa wächst im 12. Jahrhundert überall das Interesse an astrologischem und damit astronomischem Wissen. So hört der junge Gerhard vom Almagest, und möchte mehr über seinen Inhalt wissen. Gerhard wird vermutlich 1114 im lombardischen Cremona geboren. Über seine Herkunft wissen wir nichts, aber da er lateinisch lesen und schreiben kann und später als Kanoniker dem Domkapitel in Toledo angehört, hat er wohl eine theologische Ausbildung genossen.
Um das Jahr 1140 trifft Gerhard in der spanisch-kastilische Hauptstadt Toledo ein, wo arabische, jüdische und christliche Kultur zusammentreffen. Gerhard lernt arabisch und übersetzt nicht nur den Almagest, sondern über 70 Schriften antiker und arabischer Autoren ins Latein. So macht er auch Werke von Aristoteles und Euklid wieder für europäische Gelehrte zugänglich. 1187 stirbt Gerhard, er wird in Cremona begraben.
Text: Tobias Grimbacher