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Namibia, eine der jüngsten Nationen der Welt
Mit gerade mal 2,5 Millionen Einwohnern ist Namibia nach der Mongolei das am dünnsten besiedelte Land der Welt. Zwei Drittel Namibias werden von den Wüsten Kalahari und Namib geprägt. Von der Namib-Wüste leitet sich der Name der jungen Republik ab. Erst deutsche Kolonie, dann unter südafrikanischer Verwaltung erlangt das Land nach über 100-jähriger Fremdbestimmung erst am 21. März 1990 seine Unabhängigkeit. Seit der Unabhängigkeit regiert die ehemalige Befreiungsbewegung SWAPO mit hoher Mehrheit und das Land ist politisch stabil. Obwohl es inzwischen zu den Ländern mittleren Einkommens zählt, stellt Armut und Mangelernährung als Folge von extrem ungleich verteiltem Land, Einkommen und Wohlstand immer noch ein Problem dar. Rund 23 Prozent der Namibier leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Arbeitslosenquote liegt bei circa 28 Prozent.
Wieso Namibia?
Seit ich selber mehrere Jahre in Namibia gelebt und gearbeitet habe, musste ich mein hauptsächlich vom Norden und von der Tourismusbranche geprägtes ursprüngliches Bild ständig korrigieren. Namibia geht es weit schlechter als die Eindrücke von den Dünen in Sossusvlei, von der deutsch geprägten Küstenstadt Swakopmund oder von der Safari im Etosha Nationalpark ahnen liessen. Ein Grossteil der Bevölkerung hat Ende Geld noch ganz viel Monat und damit viel Zeit, Hunger, Arbeits- und Hoffnungslosigkeit in voller Wirkung zu spüren.
Grund 1: Bildung
Im Bildungswesen Namibias fehlen qualifizierte Lehrkräfte, die Infrastruktur ist unzureichend und die Leistungen sind mangelhaft. In diesem Umfeld versucht das namibische Bildungsministerium das Schulwesen zu verbessern, was angesichts der vielen Probleme und der fehlenden Unterstützung von aussen nur geringfügigen Erfolg hat.
Die Klassen sind oft viel zu gross, 60 Schülerinnen und Schüler pro Klassen sind nicht selten und als Schulzimmer dient oft nur ein zerrissenes Zelt oder die Krone eines grossen Baumes. Die Regierung macht ihr Möglichstes, aber die Last und die Aufgaben sind einfach zu gross, um ausreichend Wirkung und Fortschritt zu erzielen.
Grund 2: Hunger
Im Welthunger-Index 2018, rangiert Namibia auf Platz 80 von 119 Ländern. Mit einem WHI-Wert von 24,3 fällt Namibia in die Schweregradkategorie ernst.
Das Schulernährungsprogramm (Maismehl) ist ein wesentlicher Bestandteil der Strategie der Regierung, Ungleichheiten anzugehen und benachteiligten Kindern den Zugang zu Bildungschancen und Nahrung zu verbessern. Und so kochen Mütter von Schulkindern den von der Regierung zur Verfügung gestellten Maisbrei auch für die Schülerinnen und Schüler der Schule Ngwa-Ngwa.
Grund 3: Wirtschaft
Niedrige Rohstoffpreise drosseln den Bergbausektor. Stark schwankende Wechselkurse verursachen steigende Importpreise und lassen die Wirtschaft schrumpfen. Die Regierung muss ihre Ausgaben bremsen, die Staatsschulden steigen auf fast 43 Prozent des Brutto-Inlandproduktes (BIP) an.
Das BIP Namibias beläuft sich auf 14 Milliarden Dollar und liegt damit bei 5500 $ (4950 €) pro Einwohner und Jahr. 5% der Bevölkerung besitzen 75% des gesamten Wirtschaftsaufkommens des Landes (Gini-Index Rang 143 von 145), wohingegen 55% der Bevölkerung mit 1€ pro Tag überleben müssen. Die Arbeitslosenquote beträgt in Namibia 35%, in Rundu (Region Kavango) 50%.