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So Long, My Son
Regie: Xiaoshuai Wang
Darst.: Jingchun Wang, Mei Yong, Liya Ai, Jiang Du, Zhao-Yan Guo-Zhang, Jingjing Li, Xi Qi, Roy Wang, Cheng Xu u.a.
Sie sind miteinander verwandt oder befreundet, die sechs Menschen, die im Zentrum dieses epischen Melodrams stehen, das sich über einen Zeitraum von dreissig Jahren erstreckt. Ein tödliches Unglück, dessen Hintergründe in einer kunstvoll verschränkten Komposition erst allmählich enthüllt werden, erschüttert ihre Gemeinschaft nachhaltig und fügt ihr Verwundungen voller Trauer, Schuld und Scham zu, die unheilbar scheinen. Darum ziehen Yaojun und seine Frau Liyun nach dem Tod ihres Sohnes Xingxing vom Norden Chinas in einen Küstenort im Süden. 15 Jahre leben sie bereits im Süden, die Kontakte zu ihrem früheren Umfeld haben sie abgebrochen. Ihrem Adoptivkind haben sie den Namen des verstorbenen Kindes gegeben, doch nun verlieren sie auch ihren zweiten Sohn – nicht wegen eines Unfalls, sondern weil dieser nicht länger mit der Bürde eines Stellvertreters zurechtkommt. «So Long, My Son», der an der diesjährigen Berlinale zu den Höhepunkten im Wettbewerb gehörte und dessen zwei Hauptdarsteller Jingchun Wang und Mei Yong mit Schauspielpreisen ausgezeichnet wurden, spannt einen Bogen vom Ende der Kulturrevolution bis zum Kapitalismus der Gegenwart. Regisseur Xiaoshuai Wang («Beijing Bicycle») verbindet in bewegenden Szenen individuelle Schicksale mit zeitgeschichtlichem Kontext; er zeigt nachdrücklich, wie stark das Private vom Politischen durchdrungen wird. So erfahren wir in einer der Rückblenden, dass Liyun wegen der Ein-Kind-Politik gezwungen wird, ein Kind abzutreiben. Dies ausgerechnet von ihrer Schwägerin, die für Familienplanung zuständig und zudem die Mutter jenes Sohnes ist, der später auf ungeklärte Weise mit dem Unfalltod von Xingxing verbunden scheint. Das humanistische Drama dreht sich jedoch weniger um Schuldfragen als vielmehr um den schmerzvollen Weg, den die Beteiligten zurücklegen müssen, damit Versöhnung möglich wird. Über die ruhige Inszenierung, die sorgsame Ausstattung und die feinsinnige Bildsprache schreibt Olga Baruk auf critic.de: «Alles hier ist in sanfte, matte Farben getaucht, die Bilder von ‹So Long, My Son› sind angenehm klar, die Inszenierung ist schlicht. Wie eine Umarmung, die eine Zuschauerin fest an sich hält, ohne allzu aufdringlich und sentimental zu werden. Diese Contenance, diese Selbstbeherrschtheit ist das Schöne an dem Film.»