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Die Aussaat im Herbst fand zum Teil spät und unter nassen Bedingungen statt. Die Kulturen waren anschliessend im April sehr trockenen und kühlen Bedingungen ausgesetzt. Es ist zu vermuten, dass diese Trockenperiode für die Stickstoffaufnahme der Pflanzen ungünstig war. Der Regen, die fehlende Sonneneinstrahlung und die kalten Nächte bis im Mai waren ebenfalls nicht förderlich für die Ertragsbildung und die Qualität. Wegen der Unwetter im Juni und Juli konnte ein Versuchsstandort gar nicht geerntet werden, da er zu stark beeinträchtigt wurde.
Schwache Resultate im ÖLN-Anbau
Der Ertragsdurchschnitt im ÖLN-Anbau liegt bei 81.6 dt/ha, das heisst 19.2 dt/ha tiefer als derjenige des Vorjahres (100.8 dt/ha). Der Versuchsdurchschnitt im Extenso-Anbau liegt bei 70.9 dt/ha, sprich ein Unterschied von 11.3 dt im Vergleich zur Ernte 2020 (82.2 dt/ha). Der Ertragsdurchschnitt im Extenso-Anbau wurde weniger stark beeinträchtigt als derjenige im ÖLN-Anbau. Der Ertragsunterschied zwischen ÖLN- und Extenso-Anbau (10.7 dt/ha) ist somit tiefer als derjenige der Jahre 2019 und 2020 (18.6 dt/ha).
Bezüglich der Erträge im Extenso-Anbau, stellt man eine grosse Variabilität zwischen den Standorten fest. Die Standorte in der Romandie erzielen bessere Resultate und liegen alle oberhalb des nationalen Durchschnittes, während die Standorte in der Deutschschweiz alle unterhalb des Durchschnittes liegen. Die Versuche im ÖLN-Anbau sind zwischen den Standorten homogener.
Dieses Jahr wurde sehr wenig Lager beobachtet. Die Halme waren durch die heftigen Gewitter in gewissen Regionen gestossen. Der Krankheitsdruck war mittelmässig. Rhynchosporium-Blattflecken traten jedoch im Kanton Jura stark auf. Im Gegensatz zum Vorjahr wurde der Gelbverzwergungsvirus nur auf einzelnen Pflanzen beobachtet, ohne messbare Auswirkung auf die Versuche.
Tiefere Kornqualität als in den Vorjahren
Die Hektolitergewichte sind schwächer als in den letzten zwei Jahren. Im ÖLN-Anbau liegt der Durchschnitt bei 61.5 kg/hl. 2020 und 2019 lag er bei 65.7 kg/hl. Die häufigen Niederschläge im Juni und Juli können diese tiefen Werte erklären.
Im Extenso-Anbau liegt er bei 60.0 kg/hl und ist somit um 4.5 kg/hl tiefer als 2020 bzw. 2.0 kg/hl tiefer als 2019. Der Unterschied zwischen beiden Anbaumethoden ist dieses Jahr mit 1.5 kg/h sehr gering.
Der Proteingehalt im Extenso und ÖLN-Anbau ist dieses Jahr tiefer als in den Vorjahren. Im Extenso-Anbau liegt er bei 10.1% (10.7% im 2020 und 11.4% im 2019). Der Durchschnitt im ÖLN-Anbau beträgt 11.1% (12.4% im 2020 und 11.8% im 2019).
Die neuen Sorten der Liste empfohlener Sorten bestätigen ihre Stärken
Die sechszeilige Sorte Esprit zeichnet sich dieses Jahr erneut durch einen hervorragenden Ertrag aus. Insbesondere im Extenso-Anbau liegt sie mit 76.4 dt/ha an erster Stelle und im ÖLN-Anbau erreicht sie 79.6 dt/ha. Das Hektolitergewicht liegt bei 58.9 kg/hl im Extenso-Anbau und 59.0 kg/hl im ÖLN-Anbau. Ihr Proteingehalt ist leicht tiefer als der Durchschnitt in beiden Anbaumethoden (9.7% im Extenso-Anbau und 10.9% im ÖLN-Anbau).
Adalina, eine sechszeilige Sorte, die hauptsächlich wegen ihrer Frühreife auf die Liste aufgenommen wurde, erzielt tiefere Erträge als der Durchschnitt der Sorten im Extenso (66.8 dt/ha) und ÖLN-Anbau (77.0 dt/ha). Ihr Hektolitergewicht, leicht höher als der Durchschnitt, weist denselben Wert im ÖLN und Extenso-Anbau auf: 62.3 kg/hl. Sie erreicht den höchsten Proteingehalt im ÖLN-Anbau (11.7%) und erzielt mit 10.3% den gleichen Wert wie KWS Tonic im Extenso-Anbau.
SU Celly bestätigt ihr hervorragenden Ertrag im Extenso (74.7 dt/ha) und ÖLN-Anbau (79.4 dt/ha). Sie platziert sich somit an erster Stelle der zweizeiligen Sorten. Beim HLG liegt sie an zweiter Stelle im Extenso-Anbau (62.6 kg/hl) und an dritter Stelle im ÖLN-Anbau (64.2 kg/hl). Ihr Proteingehalt ist mit 10.5% im Extenso-Anbau und 11.6% im ÖLN-Anbau höher als der Durchschnitt.
Die Hybridsorte SY Galileoo befindet sich auch dieses Jahr an erster Stelle im ÖLN-Anbau und an zweiter Stelle im Extenso-Anbau mit Erträgen von 86.9 dt/ha und 76.2 dt/ha (106.1 dt/ha und 87.9 dt/ha im 2020). Im ÖLN-Anbau befinden sich KWS Tonic (82.9 dt/ha) und KWS Higgins (82.6 dt/ha) an zweiter und dritter Stelle.
KWS Cassia erreicht das beste HLG im ÖLN und Extenso-Anbau mit 65.2 und 63.5 kg/hl. Im ÖLN-Anbau folgen Maltesse (64.8 kg/hl) und SU Celly (64.2 kg/hl). Im Extenso-Anbau liegt SU Celly mit 62.6 kg/hl an zweiter Stelle, dicht gefolgt von der Sorte SY Baracooda (62.4 kg/hl). Bezüglich des Proteingehalts befindet sich KWS Cassia mit 10.7% an erster Stelle. KWS Tonic und Adalina erreichen 10.3%. Im ÖLN-Anbau befindet sich KWS Cassia mit 11.5% an dritter Stelle hinter Adalina und SU Celly.
Die Ergebnisse dienen ausschliesslich zur Beurteilung der Sortenversuche und sind keine Beurteilung der Gerstenernte in der Schweiz.
Beschreibung der Wintergerstenversuchen 2021 von swiss granum
In Zusammenarbeit mit Agroscope, der Groupe Cultures Romandie, dem Forum Ackerbau und DSP (Delley Samen und Pflanzen AG) testet Swiss Granum 20 Wintergerstensorten im ÖLN-Verfahren (ökologischer Leistungsnachweis), die ebenfalls im Extenso-Versuchsnetz von Agroscope getestet werden. Das Versuchsnetz umfasst 8 Standorte in der ganzen Schweiz, wo die Versuche auf kleinen Parzellen mit 3 Wiederholungen durchgeführt werden. Dieses Versuchsnetz ermöglicht es, eine statistische Auswertung der Ergebnisse vorzunehmen. Dadurch können die Kenntnisse über das agronomische Verhalten jeder Sorte im ÖLN- und Extenso-Verfahren vertieft werden. Zusätzlich zu den offiziellen Versuchen im Extenso-Verfahren von Agroscope stellen diese Versuche eine wertvolle Grundlage dar, um die Sorten für die Liste der empfohlenen Sorten (LES) auszuwählen.
Um in die LES von Swiss Granum aufgenommen zu werden, muss eine Wintergerstensorte die zweijährigen Versuche im Extenso-Versuchsnetz von Agroscope und parallel die zweijährigen Versuche im ÖLN-Versuchsnetz von Swiss Granum erfolgreich bestanden haben. Diese Versuche erfolgen in Zusammenarbeit mit der Groupe Cultures Romandie und dem Forum Ackerbau. Das Saatgut wird von DSP vorbereitet und geliefert. Die Erntebehandlung und die ersten Qualitätsmassnahmen werden von Agroscope Reckenholz vorgenommen. Agroscope Changins koordiniert das Netz und wertet die Ergebnisse aus.
Die durchschnittliche Saatdichte liegt bei 180 Körner/m2 für Hybridsorten, 280 Körner/m2 für die sechszeiligen Sorten und 300 Körner/m2 für die zweizeiligen Sorten. Die Stickstoffdüngung wird aufgrund der Grundlagen für die Düngung im Acker- und Futterbau (GRUD) für jeden Standort spezifisch errechnet. Im Extenso-Anbau wird die Stickstoffzufuhr um rund 30 Einheiten vermindert. Im ÖLN-Netz erfolgen zudem eine bis zwei Fungizidapplikationen sowie ein bis zwei Wachstumsreglerapplikationen.
Quelle: Swiss Granum