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Pompeji
[* 2] (ital. Pompei), alte, von den Oskern gegründete, später (um 425) von den Samnitern in Besitz genommene und durch griechischen Einfluß verschönerte Stadt in Kampanien, auf einer isolierten Anhöhe an dem einst schiffbaren und als Hafen dienenden Sarnus im Hintergrund einer Meeresbucht gelegen (s. Karte »Umgebung von Neapel«), [* 3]
mochte
kurz vor ihrem
Untergang (79
n. Chr.) etwa 30,000 Einw. zählen und war eine kommerziell rege Landstadt, welche die reichen
Römer
[* 4] auch gern zur
Villeggiatur benutzten. Seine Selbständigkeit verlor
Pompeji unter
Sulla, es mußte einen
Teil seines Gebiets für eine
Militärkolonie hergeben und wurde selbst als
Kolonie
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konstituiert. Nachdem schon 63 ein Teil der Stadt durch ein Erdbeben [* 6] zerstört worden war, wurde dieselbe nebst mehreren andern Orten (Stabiä, Herculaneum) infolge des bekannten Ausbruchs des Vesuvs 24. Aug. 79 n. Chr. durch einen Regen von Bimsstein und Asche verschüttet. Obgleich Nachgrabungen schon in antiker Zeit stattgefunden hatten, blieb die Stadt doch bis 1748 gänzlich verschollen. Seitdem begannen die Ausgrabungen, welche aber planmäßig erst unter Murat 1808-15 durchgeführt wurden und in neuester Zeit unter der Leitung Fiorellis mittels eines jährlich vom Staat hierfür ausgeworfenen Betrags von 60,000 Lire systematisch und mit sorglichster Erhaltung alles Gefundenen betrieben werden.
Man gräbt jetzt in wagerechten Schichten, und zwar wird möglichst erst ein von vier Straßen umgebener
Häuserkomplex, eine sogen. Insula, völlig aufgedeckt, bevor man weiter schreitet; das verkohlte Holz
[* 7] wird auf das genaueste
ersetzt. Bis jetzt ist nahezu die Hälfte der Stadt ans Tageslicht gebracht, darunter das Forum
[* 8] samt seinen Glanzbauten; Ruggiero
berechnet das Gesamtareal von
Pompeji auf 662,684 qm, wovon bis 1880: 264,424 qm ausgegraben waren
(vgl. obigen Plan).
Die 6-6,5 m starke Decke [* 9] besteht zu unterst aus einer 2-2,5 m dicken Schicht von Lapilli, größern und kleinern Bimssteinbrocken, sodann einigen Zentimetern Asche u. einigen Zentimetern schwerer, schwarzer Lapilli. Auf dieser ganzen über 3 m dicken Schicht liegt eine 60 cm dicke Aschenlage, dann gegen 10 cm schwarzer Lapilli, wechselnd mit einer dünnen Aschenschicht, endlich eine etwa 2,2 m dicke Lage von Asche, deren obere Hälfte allmählich in fruchtbare Erde umgewandelt ist.
Die Einwohner sind bei der längere Zeit andauernden Katastrophe zum größten Teil entkommen; man hat
bis jetzt nur einige Hundert Gerippe gefunden. Die Gebäude sind zum Teil durch Erdbeben und unter der Last der verschüttenden
Massen eingestürzt, die obern Stockwerke, soweit sie aus der Verschüttungsmasse hervorragten, durch die spätere Bearbeitung
des Landes zu Grunde gegangen. Trotzdem
bietet der bis jetzt ausgegrabene Teil
Pompejis (s.
Plan) das treue Bild einer alten griechisch-italischen Stadt der ersten Kaiserzeit (neben Resten älterer Epochen) dar, zumal
es derjenige ist, welcher das Forum und die bedeutendsten öffentlichen Gebäude, Tempel,
[* 10] Basilika,
[* 11] Bäder, Theater
[* 12] und Amphitheater,
umfaßt und überdies eine reiche Menge von Wohnhäusern, Läden und industrielle Anlagen enthält. Der
Abstand der entferntesten Punkte der Stadt, des Amphitheaters und des Herkulaner Thors, beträgt 1250 m; die Längenachse mißt 1045 m,
die kurze Achse 730 m, der Mauerumfang etwa 3160 m.
Die Straßen sind meist gerade, aber schmal (3-9 m), im rechten Winkel [* 13] sich durchkreuzende; die eigentliche Fahrstraße ist mit polygonalen Lavablöcken sorgfältig gepflastert. Die Trottoirs sind ¼ m hoch, 1-2 m breit und verschieden belegt. Von einem Trottoir zum andern führen große elliptische Trittsteine, zwischen welchen Raum für die durchfahrenden Wagen gelassen war. An manchen Kreuzungen der Straßen sind Brunnen [* 14] mit viereckigen Becken angebracht, an den Ecken stehen vielfach kleine, den Schutzgöttern der Straßen (Lares compitales) errichtete Altäre. Einen Einblick in das Alltagstreiben gewähren die an den Außenwänden der Häuser angemalten Inschriften, Empfehlungen von Kandidaten zu den städtchen Ämtern, Ankündigungen von Spielen u. a. enthaltend, sowie die überall angebrachten Kritzeleien des verschiedensten Inhalts. Der wichtigste Punkt der Stadt ist das schon erwähnte Forum civile, welches sich in einer Länge von 157 m und in einer Breite [* 15] von 33 m ausdehnt und auf drei Seiten von
[* 2]
^[Abb.: Plan der Ausgrabungen in
Pompeji bis 1888.
1 Apollotempel
2 Jupitertempel
3 Macellum
4 Curia
5 Merkurtempel
6 Eumachia-Gebäude
7 Schule
8 Gerichtssäle
9 Curia Isiaca
10 Gladiatorenkaserne
11 Temp d. Fortuna Augusta
12 Temp. d. kapit. Gottheiten
13 Isistempel
14 Thermengebäude
15 Großes Theater
16 Kleines Theater
17 Fullonica
18 Haus d. Poeta tragico
19 Haus des Sallustius
20 Haus des Meleager
21 Haus d. Kastor u. Pollux
22 Casa del Fauno
23 Haus des Lucretius
24 Casa di Pansa
25 Casa del Balcone.] ¶
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einer doppelgeschossigen Säulenreihe umschlossen wurde, wovon die untere dorisch, die obere ionisch war. Der ganze Platz ist von öffentlichen Gebäuden umgeben: der Basilika, dem Apollotempel, einer Verkaufshalle und einem für ein Gefängnis gehaltenen Gebäude auf der westlichen Langseite, dem Jupitertempel auf der nördlichen Schmalseite (mit einem Triumphthor an einer Seite und einem Eingangsbogen zu beiden Seiten), ferner dem Macellum, der Curia oder dem Senaculum, dem sogen. Merkurtempel, dem Gebäude der Eumachia und der sogen. Schule auf der östlichen Langseite, endlich den drei Gerichtssälen auf der südlichen Schmalseite.
Sieben Zugänge führten zu diesem Herzen der Stadt; aufgerichtete Steine vor demselben machten den Platz für Wagen unzugänglich. Durch Gitterthüren konnte er ganz abgesperrt werden. Der ganze Boden war mit Travertinplatten bedeckt; gegen die Säulen [* 17] hin sieht man Piedestale für Statuen, in der Mitte größere Basen für Reiterstatuen. Übrigens ist allerorts ersichtlich, daß zur Zeit der Katastrophe das meiste noch in Restauration begriffen war. Am Südrand der Stadt liegt ein zweiter, gleichfalls interessanter Platz, das Forum triangulare, welches man durch eine propyläenartige, schöne ionische Vorhalle betritt. Es ist von einer dorischen Säulenhalle vorn und an den beiden Langseiten begrenzt, während sich die dritte Seite frei auf die herrliche Aussicht öffnet.
Auf ihm liegen die geringen Reste eines altgriechischen, ohne Grund dem Herkules zugeschriebenen Tempels.
Östlich von diesem Platz liegt eine bedeutende Gruppe öffentlicher Gebäude: die beiden Theater, der Tempel der Isis,
[* 18] der Tempel
der kapitolinischen Gottheiten, die sogen. Curia Isiaca, wahrscheinlich ein Turnplatz (palaestra), die Gladiatorenkaserne.
Am westlichen Ausgang der Stadt führt das Herkulaner Thor, mit großem Bogen
[* 19] und kleinen Seitenbogen für
die Fußgänger, auf die berühmte Gräberstraße mit ihren Monumenten, mit den schönsten Blicken auf Golf und Berge. An derselben
liegen namentlich die Grabdenkmäler des Augustalen M. Cerrinius Restitutus, des Aulus Vejus, des T. Terentius Felix, des Munatius
Scaurus mit dem berühmten Gladiatoren-Stuckrelief, des Augustalen Calventius Quietus in sehr schönem
Stil mit niederer, hinten giebelförmig erhöhter Umfriedigung, des M. Alleius Luccius Libella, der Nävoleja Tyche
[* 20] u. a., ferner
die Villen des Cicero und des M. Arrius Diomedes.
Pompeji enthält außer dem schon oben genannten griechischen Tempel 7 hervorragende
Tempelbauten, von denen 2 in der Nähe des Forum triangulare, 4 unmittelbar am Forum civile und eine in
dessen Nähe liegen.
Der am Forum civile gelegene Tempel des Apollo (früher fälschlich Venustempel genannt, der richtige Name ergab sich aus einer
oskischen Inschrift im Fußboden), aus vorrömischer Zeit stammend, ist leider sehr zerstört, aber eine der
schönsten und größten Ruinen
Pompejis (54 m lang, 33 m breit). Innen bildete ein zum Teil noch erhabener Portikus mit 9 Säulen
an den Schmalseiten und 17 Säulen an den Langseiten ein großes Rechteck, dessen Wände einst mit Malereien geschmückt waren.
Vor dem Ausgang zur Cella sieht man einen großen Altar. [* 21] 14 Stufen von Kalkstein führen zum Tempel hinan, der auf einem Podium von 2 ⅓ m Höhe, 22 m Länge und 12 m Breite ruht; in ihm liegt der Omphalos, das bekannte Symbol des Apollo. An der Nordseite des Forums erhebt sich auf einem 3 m hohen Unterbau der Jupitertempel. In der Mitte der 15 Stufen, die hinaufführen, stand einst auf dem die Treppe [* 22] unten rampenförmig teilenden Vorplan (der wohl zugleich als Rednerbühne diente) der Altar.
Von der hoch gelegenen, 15 m breiten, 12 m tiefen Vorhalle sieht man nur noch 12 ungleiche Säulenstümpfe. Die Cella hinter der Vorhalle ist 18,5 m lang, zeigt aber nur noch Bruchstücke der bemalten Wände und des Mosaikfußbodens; sie enthielt eine kolossale Jupiterstatue. In der Mitte der Ostseite des Forums liegt der Tempel des Genius des Augustus. Vom Forum aus gelangt man zunächst in eine Säulenhalle und aus dieser auf den Vorhof, in dessen Mitte ein 1½ m hoher Marmoraltar mit in Relief dargestelltem Opfer steht.
Der kleine Tempel selbst, mit Postament für das Kultusbild, ist an die Rückseite des Hofs angelehnt. An der Forumstraße,
zu der man nordwärts durch den Triumphbogen rechts vom Jupitertempel gelangt, liegt der Tempel der Fortuna Augusta, ein
Bau aus der Zeit des Augustus, 24,5 m lang und 9,5 m breit, mit einer Vorhalle, welche 4 korinthische
Säulen in der Fronte hatte. Von Säulen und Gebälk aus Marmor sind nur geringe Reste vorhanden. Weiter nach O., an der die
Stadt von N. nach S. durchschneidenden Stabianer Straße liegt der Tempel der kapitolinischen Gottheiten
(Jupiter, Juno, Minerva), fälschlich Äskulaptempel genannt, der kleinste der pompejanischen Tempel, 21 m lang, 7 m breit, und
nahe dabei der laut einer Inschrift nach dem Erdbeben von 63 neuerbaute Isistempel, ein mit Stuck bekleideter Ziegelbau, einer
der vollständig erhaltenen von
Pompeji, 30 m lang, 18,5 m breit,
mit einem Tempelhof, dessen 4 Seiten von 22 unten roten, oben weißen dorischen Säulen umgeben sind, dazwischen 5 Altäre; in der
Mitte der über 8 Stufen erhöhte Tempel.
Pompeji besitzt außer den angeführten Tempelbauten eine Anzahl sehr interessanter öffentlicher Gebäude. Zu diesen
gehört die Basilika, für Handel und Rechtspflege bestimmt, das größte und älteste Gebäude am Forum
(s. den Plan bei Art. Basilika). Dasselbe ist dreischiffig und enthält 28 kannelierte Backsteinsäulen, welche 2 Umgänge zu
je 12 Säulen an den Langseiten und 2 von je 4 Säulen an den Schmalseiten bilden. Den Säulen entsprechen die aus den
Wänden (mit in Stuck nachgeahmter Marmorbekleidung) vortretenden Halbsäulen, über denen sich eine obere Säulenstellung mit
Fensteröffnungen befand. Am Ende des Baues befindet sich das Richtertribunal, unter demselben ein Gewölbe
[* 23] unbekannter Bestimmung.
Ferner, ebenfalls am Forum, östlich vom Jupitertempel, das sogen. Pantheon, in Wahrheit ein Macellum, d. h. eine Viktualienmarkthalle, welche zugleich eine Kapelle für den Kaiserkultus enthielt. Sie hat zwei Reihen Verkaufsläden, von denen eine auf die nördlich vorbeiführende Straße geöffnet ist, die andre, auch nach N., auf den innern Hof. [* 24] Dieser, 37,5 m lang, 27 m breit, war mit einer (nicht erhaltenen) Säulenhalle umgeben; in der Mitte befinden sich auf einer niedrigen zwölfeckigen Erhöhung 12 viereckige Basen, welche wahrscheinlich einen auf Säulen ruhenden Kuppelbau trugen, unter dem sich ein Brunnen befand und Fische [* 25] verkauft wurden.
Dem Eingang gegenüber, an der Ostseite des Gebäudes liegen 3 große Gemächer, von welchen das mittlere eine über 5 Stufen zugängliche Kapelle für den Kultus des Augustus ist. Seine Statue stand dem Eingang gegenüber, in den Seitennischen andre Statuen der kaiserlichen Familie. Das links anstoßende Gemach war vielleicht der Festraum des dem Kaiserkultus gewidmeten Kollegiums der Augustalen; das zur Rechten enthält eine Fleischbank. Südlich vom Macellum, auch am Forum, liegen die Curia ¶