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Übelkeit und Erbrechen treffen sehr viele Schwanger. Vor allem in der Frühschwangerschaft, bis zur 12. Woche, muss mit diesem Übel gerechnet werden. Viele betroffene Frau fragen sich, was die Gründe für Schwangerschaftsübelkeit sein könnten. Die Wissenschaft liefert einige Antworten, was hinter diesen sehr unangenehmen Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft stecken könnte.
Die grosse Mehrheit der Frauen, in gewissen Studien bis zu 85 %, leiden an Schwangerschaftsübelkeit. Einige müssen sogar erbrechen und ein sehr geringer Prozentsatz der Frauen leidet an so starken Symptomen, dass sie hospitalisiert werden müssen. Da Schwangerschaftsübelkeit einen derart grossen Teil der Schwangeren betrifft und sich bei den meisten auf das erste Schwangerschaftsdrittel beschränkt, ist anzunehmen, dass hier ein systematischer Mechanismus zugrundeliegt.
In mehreren Studien wurde festgestellt, dass Schwangerschaftsübelkeit positiv mit einer erfolgreichen Schwangerschaft zusammenhängt (Forbes, 2002). Hat der Embryo Chromosomendefekte und ist somit nicht lebensfähig, produziert der Körper der Mutter weniger Humanes Choriongonadotropin (HCG). Ausreichend HCG wird aber benötigt, um die Schwangerschaft aufrecht zu erhalten. Somit ist ein frühzeitiges Ende der Schwangerschaft wahrscheinlicher, wenn der HCG-Spiegel zu tief ist. Gleichzeitig ist ein tiefer HCG-Spiegel mit geringerer Übelkeit verbunden. Schwangere, denen schlecht ist, können sich somit zumindest etwas mit der grösseren Wahrscheinlichkeit für ein gesundes Kind trösten. Doch wieso sollte es Schwangeren überhaupt schlecht sein? Wäre es nicht viel besser, wenn sie keine solchen Symptome hätten?
Wissenschaftler haben ab den 70er Jahren darauf hingewiesen, dass Schwangerschaftsübelkeit durchaus einen Sinn haben könnte (Hook, 1976). Schwangerschaftsübelkeit sollte den Embryo demnach vor Toxinen, z.B. Koffein, schützen. Dass Schwangerschaftsübelkeit vor allem im ersten Trimester auftritt, ergibt vor diesem Hintergrund durchaus einen Sinn, zumal in dieser Zeit besonders störungsanfällige Prozesse stattfinden und Toxine grossen Schaden anrichten können. Eine genauere Betrachtung der Nahrungsmittel, die während der Schwangerschaft in besonderem Masse auf Ablehnung stossen, ergab, dass viele Schwangere vor allem Fleisch meiden (Abb. 1; Fessler, 2002). In früherer Zeit, bevor es Kühlschränke und durchgehende Hygienemassnahmen gab, waren Fleisch und tierische Produkte allgemein Träger von Krankheitserregern, die bei Schwangeren zu gefährlichen Infektionen führen konnte. Damit der Körper der Mutter den Embryo nicht abstösst, muss zudem ihr Immunsystem unterdrückt werden, was die Anfälligkeit für Infektionen erhöht. In der Evolution könnte sich daher eine Aversion gegen Fleisch entwickelt haben, die sich vor allem im ersten und delikatesten Schwangerschaftsdrittel durch unangenehme Symptome bemerkbar macht. Früchte, stärkehaltige Getreideprodukte, Milchprodukte und Süssigkeiten scheinen hingegen am häufigsten Heisshunger auszulösen. Interessanterweise wird in vielen Kulturen der Konsum von Fleisch während der Schwangerschaft traditionell eingeschränkt oder speziell geregelt (Fessler, 2002). Auch dies kann ein Hinweis darauf sein, dass sich über die Zeit hinweg die Erfahrung gebildet hat, dass Fleischprodukte während der Schwangerschaft ein Risiko darstellen können.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Schwangerschaftsübelkeit wohl durchaus einen Sinn hat. Die Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel, insbesondere Fleischprodukte, die vor allem im ersten Trimester besteht, könnte die Frau vor gefährlichen Infektionen schützen. Leidet eine Schwangere an Übelkeit oder Erbrechen, besteht zudem eine bessere Aussicht auf eine erfolgreiche Schwangerschaft, was für die Betroffenen vielleicht ein tröstlicher Gedanke sein kann.
Fessler, D. M. (2002). reproductive immunosuppression an diet. Curent Anthropology, 43(1), 19-39.
Forbes, S (2002). Pregnancy sickness and embryo quality. Trends in Ecology & Evolution, 17(1) 115-120.
Hook, E. B. (1976). Changes in tobacco smoking and ingestion of alcohol an caffeinated beverages during early pregnancy: are these consequences, in part, of feto-protective mechanisms diminishing maternal exposure to empryotoxins? In Birth Defects: Risks and Consequences, Hrsg. S. Kelly et al. New York: Academic Press.