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Die A. Tomatis-Methode geht davon aus, dass der menschliche Fötus schon in einem frühen Stadium im Mutterleib hört, nämlich mit viereinhalb Monaten. Heute ist das Allgemeingut, aber als Professor Tomatis diese These vor 40 Jahren vertrat, stiess er auf heftige Kritik seiner Kollegen. Sowohl klinische Beobachtungen bei Kindern als auch Untersuchungsergebnisse des englischen Kehlkopfspezialisten Negus liessen ihn an seiner damaligen These festhalten.
Negus hatte Folgendes beobachtet: Werden die Eier von Singvögeln von nicht singenden Vögeln ausgebrütet, singt diese Brut nicht. Werden sie von einer anderen Art von Singvögeln ausgebrütet, entspricht ihr Gesang weder der eigenen, noch der anderen Art.
Die Entwicklung des Ohrs als Organ ist mit viereinhalb Monaten abgeschlossen. Der Gehörnerv ist als erster Nerv im Körper myelinisiert, das heisst, er ist von einer Isolierschicht umgeben, was ihn voll funktionstüchtig macht.
Das Mittelohr des Fötus ist mit Fruchtwasser gefüllt. Das Becken fungiert als Resonanzkörper, die Wirbelsäule leitet den Klang, den der Fötus ausschliesslich über die Knochenleitung wahrnimmt.
Dieses spezielle akustische Milieu lässt den Fötus nur die hohen Frequenzen hören. Das Gleichgewichtsorgan, welches sich im Innenohr befindet, wird durch die Bewegungen der Mutter stimuliert. Der Fötus nimmt also schon in diesem Stadium eine sprachliche Verbindung zur Mutter auf, indem er sowohl die hohen Frequenzen ihrer Stimme als auch den Sprachrhythmus hört und integriert.
Nach der Geburt beginnt zunächst einmal eine recht schwierige Zeit für den kleinen Erdenbürger, da er sich an eine völlig neue Hörart gewöhnen muss und sich zunächst in einem akustischen Vakuum befindet. Er hört die hohen Frequenzen nicht mehr und die tiefen noch nicht. Nach der Geburt stellen sich Aussen- und Mittelohr auf die Frequenzen der Luft um, während das Innenohr im flüssigen Milieu bleibt.
Die Umstellung von Knochen zur Luft als übertragungsmedium ist ein langer Lernprozess, in dem sich das Ohr von den tiefen Frequenzen zu den hohen langsam öffnet. Diese kritische Phase (Fötus, Geburt, erste Beziehung zur Mutter) kann die Ursache vieler Traumata in der Entwicklung des Ohrs, aber auch der Psyche sein.
Das Ohr nimmt also gleich von Anfang an eine sehr wichtige Stellung im Leben eines jeden Menschen ein und hat sehr viel mehr Funktionen, als uns im täglichen Leben bewusst ist.
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