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Im 19. Jahrhundert wurde der Rhein begradigt. Wenig sah danach noch aus wie vorher. In Basel begannen die Arbeiten im Jahr 1840. Zuvor musste allerdings ein Vertrag zwischen Baden und Frankreich abgeschlossen werden, der die rechtlichen Rahmenbedingungen festlegte. Erst diese historische Begradigung ermöglichte die Rheinschifffahrt bis nach Basel hinauf.
Wildes Bild
Vorher gab unser Bach ein wildes Bild ab. So war zum Beispiel die Gegend, in der die Wiese in den Rhein mündet, ein mäanderndes Gewebe aus Wasserläufen unterschiedlicher Grösse, einige davon wenig tief und langsam fliessend. Zwischen diesen Flüsschen und Bächlein gab es eine Unmenge von Sandbänken und kleinen Inseln. Die ganze Zone zeichnete sich durch beachtliches Fischreichtum aus.
Deshalb war Kleinhüningen, damals eine kleine Siedlung, ein richtiges Fischerdorf. Die meisten Männer der Gegend bestritten einen grossen Teil ihres Lebensunterhalts mit der Fischerei. Und die Lachse – auch Salme genannt – gehörten zu ihrer begehrtesten Beute.
Lachs und Salm
Der Unterschied zwischen Lachs und Salm gibt immer wieder Anlass zu allerlei Diskussionen. Wer der Frage aber auf den Grund geht, wird herausfinden, dass es keine wirklich wissenschaftliche Grenze zwischen den beiden Bezeichnungen gibt, sie wurde in verschiedenen Epochen mit verschiedenen Argumenten gezogen. Doch im Wesentlichen bezeichnen beide Wörter den gleichen Fisch.
Jedenfalls hat der Lachs in Basels Geschichte seit dem Altertum seine Spuren hinterlassen. So war es im frühen 16. Jahrhundert verboten, Lachse mit Kugel oder geerzt zu Fischen. Bei Zuwiderhandlung wurden dem Täter die Augen ausgestochen. Für den Verkauf der Lachse und seiner Rogen gab es strenge Wäge- und Preisvorschriften. Zudem war der Domprobst dazu verpflichtet, seinen Domherren während der Fastenzeit Lachs mit Salz aufzutragen. Die Lachsfischerei war im alten Basel also eine sehr ernsthafte Angelegenheit.
Streitigkeiten und brutale Schlägereien
Im 17. Jahrhundert kam dann die Ortschaft Hüningen, von der Kleinhüningen ja seinen Namen ableitete, in französischen Besitz. Vorher hatte es zweitweise zu Basel und zu Österreich gehört. Kurz darauf begann eine epische Reihe von Streitigkeiten zwischen den Hüninger und den Kleinhüninger Fischern, die sich allesamt um die Fischgründe drehten, aus denen bei Parteien schöpften.
Schon im späten 17. Jahrhundert kam es zwischen den beiden Seiten immer wieder zu brutale Schlägereien, bei denen der eine oder andere Kämpfer tot am Rheinufer liegen geblieben ist.
1735 eskalierte dieser Streit. Es gab regelrechte Strassenschlachten, an denen hunderte von Männern beteiligt waren. Denn inzwischen mischten sich die baselstädtischen Fischer in die Geschichte ein, sie beanspruchten die Zone an der Wiesemündung nun auch für sich. Mit der Begründung, dass die alte Bannordnung nicht mehr gelte.
Die Franzosen schlagen zurück
1736 erhoben die Franzosen den Vorwurf, dass Jakob Christoph Frey, Obervogt von Kleinhüningen, und damit ein Beamter der Stadt Basel, mit seinen Leuten an den gewalttätigen Auseinandersetzungen beteiligt gewesen sei. Zudem habe der Dorftrommler seinen Kübel geschlagen, was dem Ganzen einen militärischen Anstrich gegeben habe. Diese Geschichte war auch deshalb brisant, weil Frey einen grossen Teil seines Einkommens mit dem Fischhandel erzielte.
Basel stritt diese Anschuldigungen zwar ab, doch Frankreich reagierte rigoros. Am 16. November schnitten die Behörden der grossen Nationen alle Verbindungen zu Basel ab, stellten jeglichen Import und Export ein. Militärische Verbände zogen an den Grenzen auf, Baslern wurde die Einreise verboten – und drei Bürger der Stadt am Rheinknie wurden zu Strassburg in den Kerker geworfen. Es herrschte – de facto – Kriegszustand.
Sieg der Diplomatie
Dies war für Basel sehr problematisch. Deshalb schickte der Stadtrat im November 1737 den Obervogt Frey nach Frankreich, in Begleitung des erfahrenen Diplomaten Lukas Schaub, der zwar in britischen Diensten stand, in diesem Fall seiner Heimatstadt Basel jedoch gerne zu Diensten stand. Durch seine Beziehungen erhielten sie eine Audienz beim Kardinal André-Hercule de Fleury, einem wichtigen Minister von König Ludwig XV.
Die beiden Basler unterwarfen sich seinem Urteil, schmeichelten dem mächtigen Mann und beteuerten ihm ihre Unschuld. Der Kardinal entschied zu Basels Gunsten, der Bann wurde aufgehoben – und die Diplomatie hatte wieder einmal gesiegt.
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