Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03330.jsonl.gz/737

Beide heissen gleich, aber was hat der Appenzeller Biber mit dem türkischen Wort für Pfeffer zu tun? Ein Erklärungsversuch.
Wer hat’s erfunden? Frau Frogg. Leicht geschockt hat sie sich schon vor längerem in ihrem Blog damit auseinandergesetzt, dass Pfeffer auf Türkisch „Biber“ heisst, um dann gleich festzustellen, dass Biber nicht gleich Biber ist. Was in diesem Tütchen ist, ist eigentlich Karabiber, schwarzer Pfeffer. Biber wiederum ist der türkische Überbegriff für Peperoni, Paprika, Paprikaschoten, Pfeffer etc. sowie – das haben wir im Türkisch-Crashkurs gelernt und gekostet – eine Gewürzmischung, die individuell zusammengemischt wird und in keinem türkischen Haushalt fehlen darf, weil sonst das Essen nicht wie türkisches Essen schmeckt.
Das türkische Wort Biber ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen (Piper nigrum). Frau Frogg meint, dass die Wörter Pfeffer, Piper und Biber alle indogermanischen Ursprungs sind, was höchstwahrscheinlich zutrifft, stammt doch der Pfefferstrauch ursprünglich aus Indien. Gemäss Wikipedia entstammt das Wort Pfeffer der indischen Bezeichnung für Langpfeffer, „Pippali“. Pfeffer war ein kostbares Gut und wurde zeitweise mit Gold aufgewogen. Im Mittelalter hatten die Türken und Araber, später die Venezianer, das Monopol auf den lukrativen Gewürzhandel.
Aber warum nur heisst der türkische Biber gleich wie der Appenzeller Biber? Eine mögliche Antwort liefert die Wortgeschichte von Christian Schmid auf Radio DRS mit dem Titel «Biber» oder «Biberli», die der Frage nachgeht, warum das Appenzeller Lebkuchen-Gebäck „Biber“ heisst. Es gäbe Belege, dass „Biber“ oder „Biberli“ früher Bezeichnungen für „Pfefferchüechli“ oder „Lebchüechli“ gewesen seien. Lebkuchen sind mit Pfeffer gewürzt, deshalb sei es gut möglich, dass Lebkuchen, die aus der klösterlichen Backtradition kommen, einmal – aus dem Lateinischen entlehnt – „Piper-Fladen“ geheissen haben, meint Schmid. Ausserdem nenne man Lebkuchen weiter östlich nach wie vor „Pfefferkuchen“.
Höchstwahrscheinlich ist der Appenzeller Biber also tatsächlich mit dem türkischen Biber sprachlich verwandt – der Missing Link ist der Pfeffer. Und wer’s bezweifelt, soll doch von mir aus ins Pfefferland!