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Der Bezirk wird seiner ganzen Länge (45 km) nach vom Inn durchflossen, in den von links bei
Süs die
Susasca, bei
Guarda der
Bach des
Val Tuoi, beiArdez die
Tasna, bei
Schuls die
Clozza, von rechts bei
Zernez der
Spöl und der Scarlbach
bei
Schuls münden. Die Fläche des Bezirkes beträgt 101070 ha, wovon aber der grösste Teil auf
Gletscher,
Felsen, Alpweiden
u. Wälder entfallen. Mit seinen 6283 Ew. ist der Bezirk daher nur sehr wenig dicht besiedelt, indem
auf 1 km2 nur 6,2 Ew. entfallen. 1477
Häuser, 1621 Haushaltungen.
Die Sprache ist fast allgemein die romanische, nur in der durch ihre geographische Lage auf den Verkehr mit dem Tirol angewiesenen
Gemeinde
Samnaun wird ausschliesslich deutsch gesprochen. Im Uebrigen macht das Deutsche auch im Unter
Engadin, das ein
eigenes ladinisches Idiom spricht, zwar langsame aber unaufhaltsame Fortschritte und wird durch den grossen Fremdenverkehr
in
Schuls und
Tarasp mächtig gefördert. 5006 Ew. sprechen romanisch, 947 deutsch und 329 italienisch.
Samnaun und die einzige auf der rechten
Seite des Inn liegende Gemeinde
Tarasp, die bis Ende des 18. Jahrhunderts eine
österreichische Besitzung war, sind katholisch, alle anderen Gemeinden
dagegen reformiert. Die Verkehrsverhältnisse brachten
es aber mit sich, dass heute auch in allen diesen Gemeinden zahlreiche Katholiken wohnen. Die Gesamtzahl der Reformierten
beträgt 4914 4923, die der Katholiken 1377.
^[Supplement 1358.] Wie fast überall im Kanton bilden auch hier Landwirtschaft
(besonders als Wiesenbau und Alpwirtschaft) und Viehzucht den Haupterwerbszweig der Bevölkerung.
Der früher eifrig gepflegte Getreidebau ist in stetigem Rückgang begriffen; Obst gedeiht zwar recht gut, wird aber wenig
gebaut. In früheren Jahrhunderten wurde im
Scarlthal auch Bergbau betrieben, der heute völlig verschwunden ist. Dafür ziehen
die auf Boden der Gemeinden
Schuls,
Tarasp und
Sent in grosser Zahl reichlich sprudelnden
Mineralquellen
jährlich Tausende von Fremden an, so dass
Tarasp und
Schuls heute einen einzigen grossen Kurort bilden und der Gewinn, den
die Bewohner aus der Hotelindustrie ziehen, ein sehr bedeutender ist. Die Viehstatistik ergibt folgende Zahlen:
1886
1896
1901
Rindvieh
4540
4693
4561
Pferde
188
304
380
Schweine
929
1588
1751
Schafe
5063
5895
5464
Ziegen
4045
4470
4198
Bienenstöcke
336
586
418
Den Bezirk durchzieht seiner ganzen Länge nach die Engadinerstrasse, von der bei
Zernez die über den
Ofenberg führende Münsterthalerstrasse
und bei
Süs die nach
Davos gehende Flüelastrasse abzweigen.
Tarasp auf der rechten Thalseite wie die am
linksseitigen Gehänge stehenden
DörferFetan,
Sent und
Schleins sind alle durch Kunststrassen mit der
Thalstrasse verbunden.
Sehr weit und beschwerlich sind die Zugänge nach
Samnaun; wenn man österreichisches Gebiet vermeiden will, kann man nur
im Sommer über hohe Bergpässe dahin gelangen.
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Der Bau einer Fahrstrasse auf Schweizer Boden längs dem Schergenbach wird geplant, doch stehen der Ausführung noch bedeutende
Schwierigkeiten entgegen. Passwege führen auf der linken Thalseite von Süs nach Klosters im Prätigau, von Guarda über den
Fermunt nach Pattenen im Montavon, von Ardez über den Futschöl nach Galthür im Paznaun, auf der rechten
Thalseite von Zernez ins italienische Livignothal und nach dem Veltlin, von Schuls durch das Scarlthal nach dem Münsterthal
und von Sent durch das Uinathal nach Mals im Tirol. In wenigen Jahren wird von Bevers eine Bahn nach Schuls gebaut und damit
der grosse Unter Engadiner Kurort Tarasp-Schuls direkt mit den Ober Engadiner Fremdenzentren verbunden sein.
Die meisten Häuser stehen zerstreut im Thalboden und an den Gehängen. 48 Häuser, 363 kathol. Ew.
Die Pfarrkirche steht am rechten Ufer der Wäggithaleraa und stammt aus 1364. Früher kirchlich zu Tuggen gehörig, seit 1545 eigene
Kirchgemeinde.
Schöne Wiesen, die aber stellenweise
sumpfig sind.
Zahlreiche fette Alpweiden und grosse Waldungen.
Wird thalauswärts durch einen Engpass von Vorderthal getrennt.
Die Gemeinde umfasst eine
Fläche von 4830 ha. Es besteht der Plan, hier in der Thalsohle einen grossen Stauweier anzulegen,
der von den Wassern der Aa, des Schlierenbaches, Hundsbaches und Fleischibaches gespiesen und einem grossen Elektrizitätswerk
dienen würde.
Von der künftigen Pragelstrasse (Muotathal-Klönthal) wird ein Zweig über den Schweinsalppass nach
Innerthal geführt werden.
Heute steht die Gemeinde mit dem Klönthal und dem Pragelpassweg nur durch den Fussweg über die
Schweinsalp (1545 m) in Verbindung.
Lebhafter Viehhandel, besonders an Markttagen. Seidenweberei und Holzschnitzerei. Die 1840 erbaute Pfarrkirche steht auf
einer Anhöhe rechts über der Aare und nahe dem Dorf Bottigen. Bis 1713 war die ganze Thalschaft in Meiringen
eingepfarrt, dann ward Innertkirchen oder Hasle im Grund mit Gadmen und Guttannen zu einer eigenen Kirchgemeinde erhoben. Nachdem 1816 Gadmen
und Guttannen ihren eigenen Pfarrer erhalten, wurde Hasle im Grund neuerdings der Pfarrei Meiringen angegliedert, bis es 1835 zuerst
als Filiale und 1860 als eigene Kirchgemeinde endgiltig von der ThalkircheMeiringen losgelöst ward.
Das Dorf wurde 1562 durch eine Feuersbrunst gänzlich in Asche gelegt; ein anderes Grossfeuer zerstörte 1655 neuerdings 24 Häuser.
Grabhügel aus der Hallstatt Periode mit vielen Schmuckgegenständen aus Bronze und Gold, einzelnen Stücken von Wagen etc.
Schalenstein, Heimat des Generals in holländischen Diensten Hans Weber, der als Befehlshaber der helvetischen
Legion 1799 bei Frauenfeld in einem Kampf gegen die Franzosen den Tod fand, und des berühmten Malers Albert Anker (geb. 1831).
Landwirtschaftliche Strafkolonie.
Grosse Kiesgrube in fluvioglazialen Ablagerungen. Das Dorf scheint früher wenigstens zum Teil dem französischen Sprachgebiet
angehört zu haben, worauf noch einige französische Flurnamen hindeuten. Auch ist der Name Anet älter
als Ins. 1009 gehörte ein Teil des Ortes der Abtei Saint Maurice, worauf er im folgenden Jahrhundert an das Kloster St. Johann
bei Erlach kam. In Ins waren viele der alten Berner Patriziergeschlechter begütert, und heute noch kann man hier einige schöne
alte Landhäuser sehen. Auch der Spital Pourtalès zu Neuenburg
besitzt hier Land. Die schon 1228 erwähnte Kirchgemeinde
wurde im Laufe der Zeiten zu einer der reichsten in bernischen Landen. Die Pfarrkirche steht schön auf einem mit schattigen
Bäumen bepflanzten Hügel. 851: Anes. Vergl. Hermann Emmanuel. Beschreibung des Ortes und Kilchen zu Ins. (Manuskript auf der
Berner Stadtbibliothek).
Nahe dabei einstige Kupfererzgruben und eine jetzt in Trümmern stehende
Alaunfabrik. 1291 Untschinon;
1302: Untzenon;
1321 und 1370: Unschi;
im Urner Dialekt Inschi gesprochen.
Nach Urkunden aus dem Urserenthal (1411-1431) bedeutet der Ausdruck Inschinen so viel wie angebaute Landparzellen, und der
Dictionnaire von Ducange und Lexer sagt, dass Unz, latein. uncia, den zwölften Teil einer Juchart Landes bezeichne. Es bedeutet
somit der Name Inschi einen Komplex von bebauten Landparzellen. (Vergl. darüber Jos. Leop. Brandstetter's
Art. Inschi im Geschichtsfreund. Bd. 42, S. 204).
durchfliesst das Inschithal in raschem Lauf von W.-O., geht im Unterlauf durch das finstere
Zgraggentobel, wo er einen schönen Fall bildet und von einer kühnen Brücke der Gotthardstrasse überspannt
wird, und mündet nach 5,5 km langem Lauf beim WeilerInschi
von links in die Reuss.
(Kt. Uri)
2600-630 m. Kleines linksseitiges Nebenthal zum Thal der Reuss, in das es 2,5 km sw. Amstäg ausmündet.
Steigt vom Fuss der hohen Wände des Wichelhorns (2769 m) und seiner Nachbarn mit starkem Gefäll nach
W. ab und trägt in seinem breiten oberen Abschnitt die schöne Inschialp.
Der oberste Abschnitt
heisst Schinlachthal. 5,5 km lang.
Ist in senkrecht stehenden Gneis eingeschnitten, in den bei der Schwandenegg
noch ein spitzer Keil von jurassischen Gesteinen eingeklemmt ist. Es ist dies ein Stück derselben Sedimentmulde, die auch
noch bei Fernigen im Meienthal zu einem Teil erhalten ist.
zwischen denen als tiefe Lücke das Lütschinenthal eingeschnitten ist, aus welcher in majestätischer Erhabenheit die Jungfrau
sich erhebt. Interlaken bildet mit dem jenseits der Aare gelegenen Unterseen und mit dem südwärts angrenzenden Matten eine
einzige grosse Ortschaft und ist im Sommer der Mittelpunkt des Oberländer Fremdenverkehrs. Der Ort hat
zwei Bahnhöfe, den Ostbahnhof als Ausgangspunkt der Berner Oberlandbahnen (nach Lauterbrunnen, Grindelwald, Schinige Platte
etc.) und den Hauptbahnhof als Einmündung der Thunerseebahn. Nahe dem Ostbahnhof die Dampfschiffstation für den Brienzersee
und beim Hauptbahnhof Hafenanlagen und Dampfschiffstation für den Thunersee, mit diesem durch einen 2772 m langen Schiffahrtskanal
verbunden. Vom Hauptbahnhof setzt sich die Thunerseebahn noch über den Ostbahnhof bis nach Bönigen am
Brienzersee fort. Postbureau zweiter Klasse, Telegraph, Telephon. 328 Häuser, 2962 Ew., wovon
260 Katholiken. Kirchgemeinde
Gsteig.
Hauptbeschäftigung der Bevölkerung ist die Fremdenindustrie. Sehr reger Geschäftsverkehr in jeder Beziehung, Handel mit
Fremdenartikeln (Holzschnitzereien etc.) und Hotelbedürfnissen. Daneben etwas Landwirtschaft und. Gemüsebau.
Magenbitterfabrikation. Chalet- und Parketteriefabrik. Wasserversorgung aus dem Saxetenthal und Hydrantennetz. Gasfabrik. Ein
Elektrizitätswerk an der Aare liefert elektrisches Licht. Knaben- und Mädchensekundarschule mit je 5 Klassen, Fortbildungs-
und Handwerkerschule. Bezirksspital, für den gegenwärtig ein grossartiger Neubau errichtet wird; Privatspital und -sanatorium.
Vereine zur Hebung des Fremdenverkehrs sind die Kurhausgesellschaft und der Oberländische Verkehrsverein
mit Bureau. Ausserdem viele gesellige Vereinigungen, besonders rege Pflege des Gesangswesens. Das Aeussere Interlakens verrät
seine
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Stellung als Fremdenort ersten Ranges. Die Hauptstrasse, mit stattlichen Neubauten, führt durch einen der neuem Teile der
Ortschaft, verengt sich oberhalb des Postgebäudes auf eine kurze Strecke, um dann in die weltberühmte Promenade des Höheweges,
das Zentrum und den Korso von Interlaken, einzumünden. Der Höheweg besteht aus einer von alten, mächtigen
Nussbäumen eingefassten Allee von 1 km Länge, deren N.-Seite eine imposante Reihe von Hotelpalästen begleitet, während der
Blick nach S. frei ist und uns besonders die Jungfrau in unvergleichlicher Schönheit erkennen lässt.
Hier stehen u. a. der Kursaal, ein Prachtbau in Holzkonstruktion nordischen Stils, und ein Musikpavillon für Promenadenkonzerte.
Südlich vom Höheweg finden wir das sog. Schloss mit den Aemtern der Bezirksverwaltung und an dasselbe angelehnt die bedeutend
älteren Reste des ehemaligen Klosters. Die einstige Klosterkirche mit ihrem hohen Chor ist jetzt für den englisch-hochkirchlichen,
den französisch-reformierten, den römisch-katholischen und den freien schottischen Gottesdienst eingerichtet. Interlaken
bietet noch eine Fülle von schönen Spaziergängen, z. B. den Rugenpark, auf die Heimwehfluh, nach den
Schlossruinen Unspunnen und Weissenau, zum Pavillon Hochbühl, in die Wagnerenschlucht mit grossem erratischem Block und Inschrift
zu Ehren des Geologen Bernhard Studer und in die meist ebenfalls herrlich gelegenen benachbarten Ortschaften des Bödeli.
Interlaken (inter lacus = «Zwischenseen») war im Mittelalter
der Sitz eines wie man glaubt 1130 durch die Edeln Seliger von Oberhofen gestifteten Klosters, das schon früh zu grossem Besitz
gelangte und in seiner Blütezeit das ganze Oberland von der Grimsel bis zum Beatenberg und zu den Quellen der beiden Lütschinen
beherrschte. Um
die Mitte des 14. Jahrhunderts schon begann der Verfall des Klosters, das durch den Aufstand
der Gotteshausleute (1349) u. unter den Verheerungen durch die Hasler und Unterwaldner (1330, 1342) stark gelitten hatte.
Nachdem es schon im 13. Jahrhundert mit Bern
verburgrechtet gewesen, trat es mit dieser Stadt 1344 in ein noch engeres Verhältnis.
Eine gegen Ende des 14. Jahrhunderts von Rom aus angeordnete Reorganisation des Klosters half wenig. 1484 wurde das mit dem
Stift verbundene, etwas später entstandene Frauenkloster aufgehoben, und 1528 ging durch die Einführung der Reformation
überhaupt das ganze Kloster ein. Ein Aufstand der Gotteshausleute gegen die bernische Okkupation wurde mit
Waffengewalt unterdrückt und strenge bestraft. So ward Interlaken eine bernische Landvogtei. Die Bewohner beteiligten sich 1653 auch
am Bauernkrieg; zu kleinen Unruhen kam es ferner 1814 nach der Auflösung der Mediationsverfassung und in den politisch bewegten
Jahren 1830 und 1850. Man hat in der Gegend verschiedene Altertümer aufgefunden, so Bronzegegenstände
(z. B. ein Schwert) und Alemannengräber (in Matten).
Das Bekanntwerden Interlakens als Fremdenstation datiert schon aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, zu welcher Zeit hier eine
Molkenkuranstalt eingerichtet wurde. Die zuerst noch sehr einfachen Gasthäuser mehrten und vervollkommneten sich mit der
zunehmenden Zahl der fremden Besucher. Interlaken hat im Jahre 1901 eine Frequenz von 322345 hier abgestiegenen
Personen aufzuweisen gehabt. Hier haben auch eine ganze Anzahl von berühmten Männern gewohnt: Alex. v. Humboldt, Felix
Mendelssohn, Rich. Wagner, Kaiser Wilhelm I. u. v. a.
Vergl. die Veröffentlichungen des Oberländischen Verkehrsvereins und die Angaben in den
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