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|aus: Informationsblatt Nr. 4/1991

Wie gross ist heute der Einfluss der Alice Ann Bailey-Theosophie? Die Engländerin Alice Ann Bailey (1880-1949) hat sich 1915 in Kalifornien der Adyar-Theosophischen Gesellschaft von H. P. Blavatsky angeschlossen. Sie machte sich die theosophischen Vorstellungen eines göttlichen Plans für die Menschheit zu eigen und rechnete mit einer "Hierarchie geheimer Meister", mit dem Gesetz des Karma und der Reinkarnation. Die "Hierarchie der Meister" war in ihren Augen mehr als nur eine fiktive Vorstellung. Ab 1919 empfing sie durch telepathische Verbindung die Botschaften des "Tibeters", des "Meisters Djwhal Khul". Er "übermittelte" ihr ihre eigenen Lehren und "diktierte" ihr eine Reihe von Büchern. In diesen klingt bereits der Gedanke eines "Neuen Zeitalters" an, wie er in unseren Jahren von der New Age-Bewegung aufgenommen worden ist. Spannungen in der Theosophischen Gesellschaft Adyar führten 1920 zur Spaltung. 1923 übernahm Alice Bailey auf Anregung "der Meister" für ihre Vereinigung den Namen "Arkanschule". In der Schweiz ist die Organisation unter der Bezeichnung "Lucis Trust" bekannt - mit der Arcane School, mit World Goodwill (seit 1932) und mit den Triangles (seit 1937) als ihren Tätigkeitszweigen. Sekretariate, von denen aus die Tätigkeit geleitet wird, befinden sich in Genf, London und New York.
Mitgliederzahlen werden weder in den USA noch in der Schweiz veröffentlicht. Auch die Zahl der Sympathisanten ist Aussenstehenden nicht bekannt. Hingegen ermöglicht der Finanzbericht für den Bereich des Genfer Sekretariats, veröffentlicht im Rundbrief der Association Lucis Trust vom September 1990, gewisse Rückschlüsse über den Einfluss der Alice Bailey-Theosophie in Europa. Die Arkanschule verzeichnet für 1989 Einnahmen in der Höhe von Fr. 425 733.- (1988 waren es Fr. 477 529.-). Stark zugenommen von Fr. 95 941.- im Jahr 1988 auf Fr. 260 974.- im Jahr 1989 hat der Buchverkauf. Lager und Verteilstelle sind von Deutschland in die Schweiz verlegt und an Classico (Olten) vergeben worden. Gesamthaft sind im Berichtsjahr in deutscher, französischer, italienischer, holländischer und spanischer Sprache rd. 20 Bücher, vor allem Werke Alice Baileys, neu aufgelegt worden. Das Literaturangebot findet über die eigenen Reihen hinaus besonders in New Age-Kreisen Beachtung.
Das Jahr 1991 ist für die Lucis Trust Association von besonderer Bedeutung; denn vom 21. bis 28. Dezember wird das nur alle sieben Jahre stattfindende Fest der "Neuen Gruppe der Weltdiener" begangen. Die "Neue Gruppe der Weltdiener", ein Zweig des Lucis Trust, gilt als Vermittlerin zwischen der "Hierarchie der Meister" und der Menschheit. Ihre Mitglieder vereinen sich jeden Tag im Geist, um durch die Wiederholung eines Mantra Licht und Kraft zu empfangen und so an der neuen Welt zu bauen.
Von den drei regelmässig alle Jahre gefeierten "geistigen Festen" wird dem Welt-Invokationstag (auch als "Christusfest" bezeichnet) die höchste Bedeutung zugemessen. Der letzte Welt-Invokationstag ist Dienstag, 28. Mai 1991 gefeiert worden. Die Erklärung dazu lautete: "Am Welt-Invokationstag bilden Menschen guten Willens überall auf der Welt mit verschiedenen Religionen und geistigem Hintergrund eine Einheit, indem sie die höheren Energien durch die Grosse Invokation anrufen." Alle Mitglieder von Lucis Trust werden eingeladen, an diesem Tag die Grosse Invokation in ihre Gedanken, Gebete und Meditationen aufzunehmen.
Sie lautet: "Aus dem Quell des Lichts im Denken Gottes / ströme Licht herab ins Menschendenken. / Es werde Licht auf Erden. - Aus dem Quell der Liebe im Herzen Gottes / ströme Liebe aus in alle Menschenherzen / Möge Christus wiederkommen auf Erden. - Aus dem Zentrum, das den Willen Gottes kennt / lenke planbeseelte Kraft die kleinen Menschenwillen / zu dem Endziel, dem die Meister wissend dienen. - Durch das Zentrum, das wir Menschheit nennen, / entfalte sich der Plan der Liebe und des Lichtes / und siegle zu die Tür zum Übel. - Mögen Licht und Liebe und Kraft / den Plan auf Erden wieder herstellen."
Alice Bailey will die Grosse Invokation auch vom "tibetischen Meister Djwhal Khul" empfangen. haben. Die grosse lnvokation ist kein Gebet im christlichen Sinn. Ihre Sätze bringen andere Vorstellungen zum Ausdruck. Es handelt sich zudem eher um eine Herabrufung von Licht und Liebe auf Erden. Die Gottheit wird erwähnt, aber nicht angesprochen. An Stelle von "Christus" können in der 2. Strophe, so wird gesagt, auch Lord Maitreya, Krishna, Imam Mahdi oder Messias genannt werden.