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Nun gibt es eine überarbeitet Version des INCOBIs, einem Inventar zur Computerbildung, das ich an der ein oder anderen Stelle schon eingesetzt habe. Im ersten Moment habe ich mich sehr gefreut, denn es mangelte meines Erachtens nach an validen Messinstrumenten für diesen Bereich, und eine revidierte Fassung, so dachte ich, nimmt doch bestimmt aktuelle Entwicklungen (Web 2.0, usw.) sicherlich mit auf. Doch leider war meine Freude zu früh. Doch worum geht es eigentlich beim INCOBI-R? Im Abstract heisst es:
Das INCOBI-R ist eine überarbeitete Form eines bereits eingeführten Instruments zur Erfassung von praktischem und theoretischem Computerwissen, Computerängstlichkeit und computerbezogenen Einstellungen (vgl. Richter, Naumann & Groeben, 2001). Computerbezogene Einstellungen werden dabei über 8 Einstellungsskalen operationalisiert, die inhaltlich nach evaluativem Fokus (persönliche Erfahrung vs. gesellschaftliche Folgen), Nutzungsdomänen (Lernen und Arbeiten vs. Unterhaltung und Kommunikation) und Valenz (positive vs. negative Einstellungskomponenten) unterschieden sind. In einer Untersuchung mit 444 Universitätsstudierenden wurden Aspekte der Konstrukt- und Kriteriumsvalidität des INCOBI-R überprüft. Alle Skalen erwiesen sich als intern konsistent. Im Sinne der Konstruktvalidität des Instruments zeigten sich höhere Korrelationen für Skalen, die konzeptuell zusammenhängende Konstrukte erfassen. Die Testitems der Computerwissenstests zeigten eine gute Passung mit dem 1PL-Modell (Rasch-Modell) der Item-Response-Theorie. Zudem hatte ein zweidimensionales Modell, in dem praktisches und theoretisches Computerwissen getrennte Faktoren sind, eine bessere Passung als ein eindimensionales Modell. Mit geschachtelten konfirmatorischen Faktorenmodellen konnte die angenommene inhaltlich differenzierte Struktur computerbezogener Einstellungen belegt werden. Im Sinne der Kriteriumsvalidität zeigten die Skalen des INCOBI-R inhaltlich gut interpretierbare Zusammenhänge mit Maßen der tatsächlichen Computernutzung. Reliabilitätsschätzer und Kovarianzstruktur der Skalen des INCOBI-R konnten anhand der Daten einer zweiten Stichprobe mit 87 Universitäts- und Fachhochschulstudierenden repliziert werden. (Quelle: Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, http://www.psycontent.com/content/r4h683n12p331263/?p=869ce29e33ae4611a9617bd6811edf18&pi=1)
Wichtig finde ich die Unterscheidungen, die Richter et al. in die Überarbeitung integriert haben:
1. Die erste Unterscheidung betrifft den evaluativen Fokus der Einstellungsitems, wobei zwischen dem Computer als Gegenstand persönlicher Erfahrungen und den gesellschaftlichen Folgen der Computertechnologie differenziert wird. Damit sollen beispielsweise kulturoptimistische und -pessimistische Positionen gegenüber der Computertechnologie diagnostizierbar sein, auch wenn sie mit einer anders gearteten Bewertung des Computers im alltäglichen Leben einhergehen.
2. Daneben werden mit dem Computer als Lern- und Arbeitsmittel auf der einen und dem Computer als Unterhaltungs- und Kommunikationsmittel auf der anderen Seite zwei übergreifende Nutzungsdomänen des Computers unterschieden.
3. Schließlich wird die aus der Literatur zu computerbezogenen Einstellungen geläufige Unterscheidung zwischen positiven Einstellungskomponenten (Computer als nützlichesWerkzeug/nützliche Technologie) und negativen Einstellungskomponenten (Computer als unbeeinflussbare Maschine/unbeeinflussbare Technik) übernommen (vgl. Brock & Sulsky, 1994). Computerbezogene Einstellungen werden im INCOBI-R also als
bipolare Einstellungen (Pratkanis, 1989) verstanden und messbar gemacht. Damit ist gemeint, dass Individuen den Computer z. B. als nützliches Werkzeug für Lernund Arbeitszwecke schätzen, aber zugleich auch als unbeeinflussbare Maschine wahrnehmen können. (Richter et. al, 2010, S. 26).
Dennoch fokussiert die Reviesion meiner Meinung nach zu sehr noch auf den Computer als Maschine und technische Aspekte. Durch den Fokus auf den Computer als Maschine bleibt auch völlig offen, welche Anwendungen denn im Fokus stehen: word, Internet oder Ballerspiele – hat doch erhebliche Konsequenzen, zum Beispiel, ob ich den Computer nützlich finde oder nicht (nützliches Werkzeug). Ebenso finde ich den Begriff der Computerbildung, der sich nach den Autoren zusammensetzt aus „Computer Literacy (theoretisches und praktisches Computerwissen, Abwesenheit von Computerängstlichkeit)“ sowie einer kognitiven und emotionalen Haltung zusammensetzt, nicht ganz passend. Im Bereich der Computerbildung fehlt meines Erachtens nach vor allem die reflexive Dimension.
Doch die Autoren selber gehen auf eventuelle Schwachstellen ein:
Wie bei jedem diagnostischen Instrument konzentrieren sich die Skalen des INCOBI-R nur auf bestimmte Aspekte des Kompetenzbereichs bzw. der Einstellungsdomäne, während andere Aspekte nicht aufgegriffen werden. So erfassen die beiden Computerwissenstests PRACOWI und TECOWI technologische Aspekte der Computer Literacy, während weitergehende Komponenten einer computerbezogenen Medienkompetenz nicht berücksichtigt werden (z. B. Kompetenzen in der Bewertung der Qualität und Glaubwürdigkeit vonWeb-Informationen oder das konzeptuelle Verständnis für Anwendungen aus dem SocialWeb).
(…)
Gegenüber der weiter gefassten Konzeption bietet der Fokus des INCOBI-R auf technologische Basiskompetenzen den Vorteil einer breiteren Anwendbarkeit, da die erfassten Fähigkeiten für eine große
Bandbreite von Nutzungsweisen des Computers relevant sind (z. B. als Lern- und Informationsmedium, für Kommunikations-und Unterhaltungszwecke und für arbeitsbezogene Anwendungen aller Art). (S. 35)
Schade eigentlich, denn genau hier gibt es aus meiner Sicht noch erheblichen Bedarf, die technischen Fragen werden nach und nach eher in den Hintergrund treten. Dennoch das Fazit:
Damit empfiehlt sich das INCOBI-R ähnlich wie die Vorgängerversion des INCOBI vor allem für den Einsatz in Untersuchungen zum Lernen mit computergestützten Lernmedien, in denen der Einfluss von Computerwissen, Computerängstlichkeit oder computerbezogenen Einstellungen der Probanden/innen untersucht bzw. kontrolliert werden soll. Auch für den Einsatz in populationsbeschreibenden Untersuchungen dürfte das Instrument gut geeignet sein. (S. 35)
Quelle: Richter, T.; Naumann, J.; Horz, H. (2010). Eine revidierte Fassung des Inventars zur Computerbildung. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 24 (1), 23-37.