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Padua – Besuch in Venedigs mittelalterlicher Nachbarstadt
Nur 30 km westlich von Venedig liegt mit Padua eine der ältesten Städte Italiens. Die 200.000-Einwohner-Stadt am Fluss Bacchiglione existierte bereits vor über 2000 Jahren und bietet mit ihrem mittelalterlichen Stadtkern einen überraschenden Kontrast zur benachbarten Lagunenstadt Venedig.
Viele Jahrhunderte lang wurde Padua von der Republik Venedig beherrscht, erlebte unter österreichischer Herrschaft einen wirtschaftlichen Aufschwung und wurde von den Faschisten unter Mussolini für Propaganda-Veranstaltungen genutzt. Heute wechseln sich in Padua mittelalterliche Stadtplätze mit Palazzos im faschistischen Baustil ab, und zwischen den altehrwürdigen Gebäuden sorgen die vielen Studenten der Stadt für frischen Wind.
Neben den unzähligen architektonischen Schätzen hat Padua auch für Kunstliebhaber viel zu bieten. Im Museum für mittelalterliche und moderne Kunst, im Museum für angewandte Kunst und im Museum für Kirchenkunst erwarten den Besucher ebenso wertvolle Stücke wie in vielen der historischen Gebäude selbst.
Von der antiken Handelsstadt zum kulturellen Zentrum
Padua entstand vermutlich im 4. Jahrhundert v. Chr. als Fischerdorf am Fluss Bacchiglione. Durch die günstige Lage entwickelte sich die Siedlung schnell zu einem bedeutenden Zentrum der Veneter. Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. gehörte das Gebiet der Veneter mit Padua zum Römischen Reich, und Padua entwickelte sich zu einer der wohlhabendsten Handelsstädte im Reich. Der Aufschwung endete erst, als Padua zunächst 452 vom Hunnenkönig Attila zerstört wurde und anschliessend den Langobarden zum Opfer fiel. Die antike Stadt wurde fast vollständig niedergebrannt, sodass heute nur noch wenige Überreste des antiken Paduas erhalten sind.
Im 13. Jahrhundert entwickelte sich Padua zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum mit der 1222 gegründeten Universität Padua, einer der ältesten Universitäten Italiens. Auch viele bedeutende italienische Künstler lebten zu dieser Zeit in Padua. Unter habsburgischer Vorherrschaft erlebte Padua im 19. Jahrhundert abermals einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Die städtische Industrie wurde aufgebaut und die Bahnlinie Padua – Venedig eingeweiht. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Padua schliesslich zu einem Zentrum des faschistischen Regimes, das in der Stadt einige seiner grössten Kundgebungen abhielt. Vielerorts entstanden neue Prachtbauten der faschistischen Architektur.
Zeugnisse einer glanzvollen Geschichte
Die historische Bedeutung Paduas als Handelsstadt und Bischofssitz zeigt sich bis heute in den prachtvollen historischen Bauwerken der Stadt. Lediglich vom antiken Padua ist kaum etwas erhalten, abgesehen von einigen Brückenfundamenten und den Ruinen des einstigen Amphitheaters. Das mit Abstand bedeutendste Bauwerk der Stadt ist heute die Basilika des Heiligen Antonius, die zu den bedeutendsten und meistbesuchten Heiligtümern Italiens zählt. Die Basilika wurde ab 1232 als Grabstätte für den Heiligen Antonius errichtet, der 1231 bei Padua starb. Unter den erhaltenen Kunstschätzen sind ein Hochaltar mit Kruzifix von Donatello sowie einer der grössten und kunstvollsten Kandelaber der Welt.
Zahlreiche kunstvolle Fresken sind im Oratorio di San Giorgio aus dem 14. Jahrhundert zu sehen. Die Kapelle liegt direkt neben der Basilika des heiligen Antonius. Nördlich des Stadtzentrums ist die Cappella degli Scrovegni sogar noch prächtiger ausgeschmückt. Die kunstvollen Fresken der Kapelle stammen vom italienischen Renaissance-Maler Giotto, während diejenigen im Oratorio di San Giorgio von zwei seiner Schüler ausgeführt wurden.
Zu den Prachtstücken der Kirchenkunst in Padua zählt ausserdem die Basilica Santa Giustina, eine ehemalige Klosterkirche der Benediktiner in der Altstadt. Vom Originalgebäude der ersten Kirche aus dem 5. Jahrhundert ist noch eine Grabkapelle erhalten. Die heutige Kirche stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde in der Vergangenheit mehrfach umgestaltet. Bekannt ist die fünfschiffige Basilika nicht nur als grösste Renaissance-Kirche im Veneto, sondern auch als Grabstätte des heiligen Lukas.
Kulturelle Schauplätze mit langer Tradition
Der zentrale Stadtplatz von Padua, der Prato della Valle, gilt als einer der grössten und schönsten Stadtplätze der Welt. Der drittgrösste Stadtplatz Europas umfasst eine Fläche von 90.000 m², die ursprünglich als römischer Theaterplatz diente. Der Prato della Valle wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts in einen ausladenden Stadtplatz umgewandelt und lädt heute mit einer weiten Rasenfläche, einem ringförmigen Kanal und fast 80 Statuen aus dem 18. Jahrhundert zum Verweilen ein. Rund um den Platz sind Palazzos aus dem 14. und 18. Jahrhundert angesiedelt, darunter der Palazzo Angeli, der heute das Museum für Filmgeschichte beherbergt.
Der 1545 angelegte Botanische Garten von Padua gilt als ältester aller noch bestehenden botanischen Universitätsgärten. Die Anlage ist nicht nur für seinen historischen Aufbau bekannt, sondern auch für seine aussergewöhnlichen Sammlungen mit insgesamt rund 6000 Pflanzenarten. Seit 1997 zählt der Botanische Garten von Padua zum UNESCO-Weltkulturerbe. Besichtigt werden kann hier unter anderem eine Palme, die 1585 gepflanzt wurde und an der schon Goethe das Blattwachstum studierte.
Die Universität von Padua ist eine der ältesten in Italien, und bei Führungen durch den Palazzo del Bo können so geschichtsträchtige Orte besichtigt werden wie die Kanzel, von der aus Galileo Galilei zwischen 1592 und 1610 unterrichtete. Das Café Pedrocchi wiederum war im 19. und frühen 20. Jahrhundert bevorzugter Treffpunkt der Intellektuellen. Hier gaben sich einst Persönlichkeiten wie Dario Fo, Stendhal oder Lord Byron die Klinke in die Hand. Das Café Pedrocchi ist mittlerweile im Stadtbesitz und noch immer in Betrieb.
Oberstes Bild: Der Prato della Valle, einer der grössten Stadtplätze der Welt ( © Airin / Wikimedia / CC)