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Die 1965 im brasilianischen Salvador da Bahia geborene Daniela Mercury ist heute neben ihrer jüngeren Kollegin Ivete Sangalo die grosse Diva der Música Popular Brasileira.
Und hätte sie nur dieses "Nobre Vagabundo" gesungen, sie käme schon dafür dereinst ohne Umwege ins musikalische Paradies. Acapella stellt Daniela Mercury mit resoluter, mitunter charmant vulgär gellender, aber auch zärtlich kratzender Stimme die erste Strophe des Eröffnungsliedes von der CD "Feijâo com Arroz" (1997) in den Raum. Ein Übersetzungsversuch: "Wie lange brauche ich / um diese Sehnsucht abzutöten / mein lieber eifersüchtiger Schatz / es ist doch pure Eitelkeit / und wenn du nun davonläufst / kriegst du höchstens einen Nervenzusammenbruch / atme Liebe ein / und strebe die Freiheit an". Der phänomenale, von Marcio Mello geschriebene Song endet kokett: "Verzeih, mein Lieber / dass deine noble Vagabundin / nur für den Moment lebt". Eine Hymne an die freie Liebe, die so raffiniert gebaut ist, dass auch Anhänger der Pärchenwirtschaft emotional überlistet werden.
Wenn bei der zweiten Strophe von "Nobre Vagabundo" Perkussion und Instrumente im Offbeat-Tic-Tac hereinschwingen, erhält das Greenhorn auch gleich eine musikalische Lektion in Sachen Axé, diesem Oberbegriff über die bahianische Musik im allgemeinen, die von Daniela Merrcury entscheidend mitgeprägt wurde. Mit dem Wort "Axé" beschwört man eigentlich die Götter im Candomblé, jener afrobrasilianischen Variante von Voodoo und Santeria. Der in den späten 80er-Jahren in Salvador da Bahia teilweise spontan während des Carnavals entstandene Musik-Mischstil gleichen Namens vereint sambanahe Perkussion mit Reggae und anderen karibischen Sounds zu komplexen, typisch brasilianischen Hybriden, die sich später unter anderem in den Samba-Reggae hineinentwickelten.
Daniela Mercury etablierte sich um 1990 herum als bahianische Integrationsfigur. Sie war die erste Frau, die am Carnaval wie eine singende Aphrodite von einem Trio-Eléctrico-Wagen - einer Art Sound System - herunter der tanzenden Menge einheizte. Auf ihren formenreichen CDs findet sich stets auch Adaptiertes wie zum Beispiel wild-perkussiver Maracatú aus Recife. Was die Vielfalt anbelangt, gehört die mit einem Latin-Grammy ausgezeichnete CD "Balé Mulato" von 2006 zu den Paradebeispielen: Mercury zieht wie in einer musikalischen Biographie alle Register, die Axé zur Verfügung stehen. Sie feiert sowohl den Kampftanz Capoeira als eine Grundlage bahianischer Kultur als auch den aus dem Nordosten importierten Forró und sie fasst Axé stets als eine Art universale Musik auf. Bezeichnenderweise betitelte sie zum Beispiel ihre CD von 2001mit "Sou De Qualquer Lugar" (Ich bin von Überall).
Das passt zu den bei ihr stets in einen unkonventionellen und frivolen Zusammenhang gebrachten Begriffen "Liebe" und "Freiheit", auf die man beim Durchforsten von Danielas Oeuvre immer wieder stösst. "Sol da Liberdade" (Sonne der Freiheit) hiess die CD von 2000 und der Song "Aeromoça" (Stewardess) stellt eine Frau vor, die zwar einen Mann liebt, aber darauf besteht, jederzeit in die Freiheit fliegen zu können. Dürfte auch scheinbar solide Zweierkisten erschüttern.
Montag, 26. 5., Volkshaus, Zürich, 20 Uhr