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Das sogenannte Münchhausen-Trilemma besagt, dass jede Aussage und somit jedes gesicherte Wissen streng genommen unmöglich sei, da
- es 1. unmöglich sei, die Wahrheit oder Erkenntnis letztgültig zu begründen (jede Begründung erfordert ihrerseits eine Begründung, welche wiederum begründet werden muss, was bis in die Unendlichkeit weitergespielt werden kann)
- eine Begründung, die zu einem Ende komme entweder 2. zirkulär sei (das Begründete wird irgendwann wieder selbst zur Begründung)
- oder 3. eine Begründung, die zu einem Ende komme dogmatisch und damit unbegründet sei.
Da Wissen aber begründeter wahrer Glaube sei (Definition von Platon), könne es kein Wissen geben.
Die Logik dieser Argumentationsweise scheint komplett schlüssig, der Gedankengang logisch, wenn es da nicht ein Problem gäbe: damit der Gedankengang auch wahr ist, benötigt er ein Wahrheitskriterium.
Das Münchhausen-Trilemma ist eine Aussage und verfügt deshalb definitionsgemäss über einen eindeutigen Wahrheitswert. Entweder ist die Aussage des Münchhausen-Trilemmas wahr oder sie ist nicht wahr. Dies gilt für jede Aussage, völlig unabhängig von ihrem Inhalt. Handelt es sich bei einem sprachlichen Ausdruck um eine Aussage, gilt für diesen Ausdruck die zweiwertige Logik. Dies bedeutet, dass der Inhalt einer Aussage überhaupt keine Rolle dafür spielt, ob für diese Aussage die Logik gilt. Soll der sprachliche Ausdruck wahr oder unwahr sein können, handelt es sich dabei um eine Aussage und um eine Aussage zu sein, setzt der Ausdruck die Gültigkeit der Logik voraus – UNABHÄNGIG vom Inhalt. Der Inhalt des Münchhausen-Trilemmas spielt also gar keine Rolle dafür, ob die Logik gilt oder nicht. Diese wird bereits implizit vorausgesetzt (da es sich beim Trilemma um eine Aussage handelt), weshalb das Argument des Trilemmas keinen Einfluss hat auf die Gültigkeit der Logik. Die Logik wird vom Gedankengang des Münchhausen-Trilemmas nicht berührt, weshalb diese die Grundlage von Wahrheit ist, ohne welche das Münchhausen-Trilemma einerseits nicht wahr, andererseits sogar sinnlos ist, da der Gedankengang des Trilemmas ohne Gültigkeit der Logik nicht funktioniert.
Das Münchhausen-Trilemma behauptet, dass es eine absolute Wahrheit enthalte. Jeder, der die Gültigkeit des Münchhausen-Trilemmas akzeptiert sieht keinen Ausweg daraus, weshalb es weder lediglich teilweise noch überhaupt nicht wahr sein kann. Damit aber behauptet das Münchhausen-Trilemma faktisch das Folgende: Es ist absolut wahr, dass es keine absolute Wahrheit geben kann. Oder abgewandelt: Es ist letztbegründet, dass es keine Letztbegründung geben kann. (Vittorio Hösle) Eine solche Aussage ist aber offensichtlich widersprüchlich, weshalb sie einen Fehler enthalten muss. Dieser Fehler liegt wiederum darin begründet, dass das Münchhausen-Trilemma die Logik implizit voraussetzt, sie aber explizit auszuschliessen scheint.
Münchhausen-Trilemma und Letztbegründung
Eine Letztbegründung, also eine Begründung, welche ihrerseits nicht begründet werden muss, hat Rene Descartes im 16. Jahrhundet im unmöglichen Zweifel am Zweifel gefunden. Ein bewusst denkender Mensch (und das gilt im Prinzip für jede Wahrnehmung) kann an seiner bewussten Wahrnehmung nicht zweifeln. Wer denkt, denkt, wer bewusst wahrnimmt, nimmt bewust wahr. Wer an dieser Tatsache zweifelt – zweifelt. Wer zweifelt hat einen bewusst wahrgenommenen Gedanken, weshalb sich an seinem Zweifel nicht zweifeln lässt ohne einen Selbstwiderspruch zu begehen.
Die vom Münchhausen-Trilemma geforderte Letztbegründung kann also durchaus gefunden werden und zwar ausserhalb des sprachlichen Bereichs. Die „letzte Begründung“, welche in gewisser Hinsicht dogmatisch ist, besteht darin, dass Wissen ohne bewusst Wahrnehmung nicht existieren kann (Wissen ist immer Wissen von jemandem). Das Münchhausen-Trilemma setzt also die Gültigkeit der Logik und die Existenz von bewussten Wahrnehmungen voraus - oder es ist sinnlos. Da diese Elemente unabhängig vom Inhalt des Münchhausen-Trilemmas Bedingungen des Trilemmas sind, gelten für diese der Gedankengang des Trilemmas nicht.
Das Münchhausentrilemma ist demgemäss nur ein Scheinproblem, es lässt sich damit aber gut zeigen, dass gewisse »Prämissen nicht in Frage gestellt werden können.