Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03438.jsonl.gz/2815

Es war der vielleicht wertvollste noch nicht gänzlich verbaute Boden von Zürich: das Grundstück neben dem Kongresshaus, auf dem sich bisher nur die Villa Rosau und der Parkplatz des nahe gelegenen Hotels Baur au Lac befanden. Derzeit entsteht hier unter der Bauherrschaft von Unternehmer und Hotelier Charles Roulet ein neues Bürogebäude; gleichzeitig wird die Villa Rosau, die den exklusiven Club Baur au Lac beherbergt, umfassend saniert.
Als die Villa Rosau 1844 vom Zürcher Architekten Ferdinand Stadler erbaut wurde, stand sie auf einer kleinen, in den Zürichsee ragenden aufgeschütteten Landzunge. Spätere weitere Aufschüttungen gaben dem Gebiet um den General-Guisan-Quai sein heutiges Gesicht.
«Ein extrem schwieriger Baugrund – weil das Grundwasser so hoch ist wie das Seewasser, musste die Baugrube mit einer speziellen Schlitzwand gesichert werden», sagt Architekt Mike Guyer. Er führt mit Annette Gigon das renommierte Zürcher Architekturbüro Gigon/Guyer, das für das Gesamtprojekt verantwortlich ist. Die auf Holzpfählen stehende Villa senkte sich einseitig und musste neu unterfangen werden. Gleichzeitig wurde in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege beschlossen, die innere Struktur der Villa, die durch viele Umbauten einen instabilen Materialmix aufwies, komplett zu ersetzen.
Die einstige Wohnvilla wurde vor vielen Jahren zum Klubhaus des Club Baur au Lac – und wird dies auch in Zukunft bleiben. Die ursprünglich klassische Raumstruktur mit der zentralen Halle, den umgebenden Räumen und der grosszügigen Treppe wird wiederhergestellt, die Küche kommt ins Untergeschoss. Der Club erstreckt sich wie bis anhin über zwei Geschosse, die Aufenthaltsräume sind zum See hin orientiert.
Der öffentlichere Teil befindet sich im Erdgeschoss mit einer Aussenterrasse, der intimere Teil im ersten Obergeschoss mit einer herrlichen Aussicht – und neu mit einem Fumoir. Der umgebende Park der Villa mit seinen geschützten Bäumen wird erhalten und zusammen mit den Vorbereichen des Bürogebäudes umfassend neu gestaltet.
Künftig wird die Villa am westlichen und nördlichen Rand des Grundstücks von einem L-förmigen Bürogebäude umfasst. Der Rückversicherer SCOR ist Ankermieter. Dessen Arbeitsplätze sind in den Obergeschossen angeordnet, Eingangshalle, Sitzungsräume und das interne Restaurant liegen im Erdgeschoss. Einen öffentlichen Gastrobetrieb im Erdgeschoss sowie zwei Wohnungen innerhalb des Baus nutzt Bauherr Charles Roulet in Eigenregie. Die Exponiertheit des Grundstücks und der Schutzstatus von Villa und Park bestimmten die Grösse des Neubaus, der mit vier Geschossen und einem Attikageschoss deutlich niedriger ist als die dahinter liegenden Blockrandbauten und der sich mehr auf die gegenüberliegende Tonhalle und das Kongresshaus bezieht.
Auffällig, aber nicht aufdringlich präsentiert sich die Fassade des neuen Gebäudes. Die grosszügige Verglasung wird eingefasst von Profilen und Blechen aus Baubronze, einer Legierung aus verschiedenen Metallen. Die vorstehenden vertikalen Profile bilden zusammen mit den eingesetzten Blechen ein metallenes Netz, welches das Gebäude umhüllt.
So entsteht eine strenge, jedoch erstaunlich lebendig wirkende Fassade, die sich vom steinernen, klassischen Äusseren der Villa abhebt. Geradezu spektakulär präsentiert sich der «Boardroom» im vierten Stock der zum See gewandten Stirnseite des Gebäudes – vor allem wegen eines Ausblicks, der in der Stadt seinesgleichen sucht. Ab Anfang 2020 finden dort Sitzungen statt.
Marius Leutenegger
22. Juli 2019
20. Juli 2019