Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03139.jsonl.gz/1966

Ich versuche mich mal an einer Rezension des neuen Trescher-Führers:
Das Buch ist mit ca. 400 Seiten etwas dicker als sein Vorgänger und mit 19,95 auch etwas teurer. Die beiden Autoren, ein Deutscher und ein Albaner, stellen sich als erfahrene Reiseleiter vor. Shkelzen Alite arbeitet u.a. für SKR, sein Kollege Frank Dietze (http://www.osthorizonte.com/
) für Studiosus. Das flüssig zu lesende, eher sachlich als unterhaltsam geschriebene Buch beginnt mit Inhaltverzeichnis, Vorwort, einer Doppelseite Appetithäppchen (serviert unter dem Etikett "Herausragende Sehenswürdigkeiten"), dem "Wichtigsten in Kürze", um sich dann auf satten 100 Seiten über Land und Leute auszulassen. Dabei gelingt es, das Wesentliche über Geschichte, Politik und Kultur zusammenzufassen. Auch Kontroversen, etwa zur Kontinuität Illyrer-Albaner, werden nicht ausgespart. Schwächer sind die naturkundlichen Kapitel. "Flora und Fauna" zum Beispiel beschäftigt sich mehr als zur Hälfte mit Eisenkraut-Tee und Kastanien!
Der Reiseteil gliedert sich in die fünf Unterkapitel Tirana, Mittelalbanien, Südosten, Südwesten und Norden. Hier muss, wer das Land bereist, viel blättern. So beginnt Mittelalbanien mit Kruja, springt dann nach Elbasan, dann weiter nach Durres, erst ab hier nachzureisen in die Myzeke und nach Berat. Wenn schon die Gliederung keine Route vorgibt, gibt es andernorts im Buch Vorschläge für Reiserouten? Ich habe keine gefunden.
Die Stadtbeschreibung Tirana und bringt auch weniger Bekanntes wie das Bektaschi-Weltzentrum oder die Herz-Jesu-Kirche. Sozialismus-Nostalgiker können Hoxhas Grab besuchen oder werden zu einem Besuch des Kombinat-Viertels animiert. Es fehlen der Große Park, auch der wohl von jedem Besucher unternommene Spaziergang vom Skanderbeg-Platz zur Universität birgt Leerstellen (Hotel Dajti) und Wirrnis. Da wird Edi Ramas Amtssitz zum "Präsidentschaftspalast" und offenbar mit der Presidenca (Ex-Sowjetbotschaft) ein paar Häuser weiter oder dem Palast der Brigaden verwechselt. Gherado Bosio wird uns als Architekt des "Prasidentenpalasts" vorgestellt, nicht aber als Planer des doch sehr viel eindrucksvolleren Ensembles am Mutter-Teresa-Platz. Um bei den Italiern zu bleiben:Als Urheber der Regierungsgebäude am Skanderbeg-Platz wird auf S. 120 richtig Armando Brasini benannt, auf S.124 dann aber Vittorio Morpurgo (in Wahrheit Architekt der Nationalbank) - ein Fehler, der auch dem Lektorat hätte auffallen müssen.
Machen wir einen Sprung in die Provinz. Nach Gjirokastra. Eine für Autoren schwierige Stadt, steht man doch vor der Herausforderung, aus den vielen Denkmal-Häusern eine Auswahl zu treffen und diese als Rundgang zu präsentieren und sie zugleich typologisch einzuordnen. Auch hier hätten die Autoren sorgfältiger arbeiten müssen. Da steht das ABC-Denkmal unvermittelt im Anschluss an den Alten Basar, wo es doch ins aktuelle Basarviertel, den "neuen" Basar gehört. Das "gelb leuchtende Fico-Haus" wird ins Ende des 18. Jh. datiert, "Rechts daneben Gjirokasters jüngstes Turmhaus von 1902". Tatsächlich stammt das Fico-Haus als jüngstes unter den klassischen Bürgerhäusern der Stadt von 1902, während das der gleichen Familie gehörende und übrigens grässlich verschandelte Turmhaus ins 18. Jh. datiert wird. Der Weg führt dann zum Kadare-Haus und zum Angonate-Haus, das gleich darauf nochmals genannt wird (auf dem Stadtplan sucht man es vergebens), was nahe legt, das mit der ersten Nennung eigentlich ein anderes, das Haus Skenduli gemeint war. Weiter geht es in die Gartenvorstädte Manalat und Cfaka. Erst später jedoch, unter dem Header "Museen", werden Skenduli- und Zekate-Haus vorgestellt, nahe bei Kadare gelegen und auch von innen zu besichtigen. Im auf die Stadt folgenden Kapitel "Umgebung" vermisse ich die Tekke von Melan (die ich einst auf eienr Studiosus-Reise besuchen durfte) , Libohova, Lazarat und das Stichwort Dropull. An Kirchen, immerhin ist einer der Autoren studierter Kunsthistoriker, wird uns nur Labova e Kryyqit vorgestellt -und vor der Fahrt dorthin ("Schlaglochpiste") gewarnt, wo es doch eine super asfaltierte Zufahrt gibt.
Soweit für heute. Demnächst geht's weiter.