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Bislang war noch unklar, wie Gedanken vor dem Schlaf den später auftretenden Tiefschlaf überhaupt beeinflussen können. Im Rahmen des ERC-Projekt «MemoSleep» von Prof. Björn Rasch entwickelten die Forscher und Forscherinnen eine Theorie, welche annimmt, das bestimmte gedankliche Konzepte wie «Schlaf», «Entspannung», «sichere Umgebung» oder auch «Stress», «Leistungsdruck» oder «ungewohnte Umgebung» während des unbewussten Schlafzustands weiter aktiv sind und einen Einfluss auf die Schlafqualität haben.
Gedankliche Konzepte mit Langzeitwirkung
Werden die Konzepte beim Einschlafen aktiviert, können sie auch Stunden später noch die Schlaftiefe direkt beeinflussen. Dies liegt daran, dass diese Konzepte eng vernetzt sind mit körperlichen Entspannungsreaktionen, wie z.B. Verlangsamung der Herzrate oder Absenkung des Blutdrucks. In einer Studie, die nun im Fachjournal «Sleep» publiziert ist, haben die Forscher nun erste Belege für eine Anwendung der Theorie im Schlaf gefunden: «Wir konnten zeigen, dass die Aktivierung von psychologischen Konzepten zu Entspannung während des Schlafs den Schlaf subjektiv und objektiv vertiefen kann, und somit die Erholungsfunktion des Schlafs verbessert», sagt Doktorand Jonas Beck, welcher die Studie am Departement für Psychologie durchgeführt hat.
Tieferer Schlaf durch Entspannungswörter
An der Unifr-Studie nahmen 50 gesunde junge Schläfer_innen teil, die für zwei Nächte im Schlaflabor übernachteten. In der einen Nacht spielten die Forschenden, während die Proband_innen schliefen, leise entspannende Wörter wie «entspannen» oder «Meer» über Lautsprecher ab. In der anderen Nacht wurden leise Kontrollwörter abgespielt. Für die objektive Messung des Schlafs wurde die elektrische Aktivität des Gehirns mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen. Dabei wurde der Fokus auf die Menge des Tiefschlafs gelegt. Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler_innen die EEG-Signale in den 5 Sekunden nach der Einspielung eines Wortes im Schlaf. Am nächsten Morgen gaben die Proband_innen an, wie sie in der vergangenen Nacht geschlafen hatten und wie wach sie sich fühlen.
Schlafqualität und Wachheit verbessert sich deutlich
Die Schlafforscher Jonas Beck und Björn Rasch konnten belegen, dass während der Präsentation der Entspannungswörter die Proband_innen mehr Zeit im Tiefschlaf verbrachten im Vergleich zur Nacht mit Kontrollwörtern. Darüber hinaus konnten sie zeigen, dass in den 2 bis 3.5 Sekunden nach der Einspielung eines Entspannungswortes im Schlaf ein höherer Anteil an langsamen EEG-Wellen auftrat, die essentiell für die erholsame Funktion des Schlafs sind. Das Hören von Entspannungswörtern im Schlaf vertiefte nicht nur objektiv messbar den Schlaf, sondern auch die subjektive Einschätzung am Morgen: Die Teilnehmenden schätzten sowohl ihre Schlafqualität als auch ihre Wachheit am Morgen signifikant höher ein.
Die Ergebnisse der Studie liefern erste Belege dafür, dass die Aktivierung von gedanklichen Konzepten wie «Entspannung» in der Lage ist, die Schlafphysiologie und die subjektive Bewertung der Schlafqualität zu beeinflussen.
Mehr Erholung durch neue Interventionen
«Wir gehen davon aus, dass die nachts präsentierten Wörter das Konzept «Entspannung» und die damit verbundenen Körperfunktionen aktiviert haben und dadurch die Schlaftiefe verändert wurde. Dies könnte auch erklären, warum wir, wenn wir am Abend z.B. über eine anstehende Prüfung grübeln, schlechter und weniger erholsam schlafen. Das gedankliche Konzept «Prüfung» bzw. «Stress» bleibt in der Nacht präsent und aktiviert die mit Stress verbundenen Körperreaktionen, was uns leichter schlafen lässt und sogar häufiger oder früher aufwecken könnte», so Beck.
Die Studienergebnisse liefern damit vor allem einen Erklärungsansatz, wie gedankliche Aktivität vor dem Einschlafen den späteren Schlaf beeinflussen kann. Zusätzlich könnte diese Studie eine wichtige Grundlage für die Entwicklung neuer Interventionen bilden, um sogar während des Schlafs die Qualität und Erholsamkeit des Schlafs zu optimieren.