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Seit 1975 bildet Grenzach, zusammen mit der Nachbargemeinde Wyhlen und der Dinkelbergsiedlung Rührberg, eine politische Gemeinde. Grenzach liegt im deutschen Baden-Württemberg direkt am Grenzfluss zur Schweiz, dem Rhein, und gegenüber dem schweizerischen Birsfelden und seinem Hafenareal. Die Gemeinde ist eingebettet zwischen dem Rhein und den Ausläufern des Südschwarzwalds, dem Dinkelberg im Norden und der knapp bemessenen Ebene zum Rhein im Süden. Ehemalige Steinbrüche, bewachsen mit Misch- und Buchswald, überragen den Vorort von Basel. Der rund 94 Hektaren grosse Buchswald steht heute unter Schutz.
Der Dinkelberg ist die nördliche Fortsetzung des Tafeljuras. Er ist tafelähnlich aufgebaut und besteht, im Gegensatz zum Tafeljura, hauptsächlich aus Muschelkalk und Keuper. Gegen Süden zu bricht diese Rumpftafel mit einer prägnanten Stufe ins Hochrheintal ab. In dieser Muschelkalkstufe wurde der Kalk von Wyhlen bis Grenzach in vielen Steinbrüchen gebrochen.
Der Abbau der Gesteine war für Grenzach seit dem Mittelalter ein wichtiger Wirtschaftszweig. Basel benötigte grosse Mengen an Bausteinen für den Bau von Steinhäusern nach mehreren Grossbränden, nach dem grossen Erdbeben von 1356 sowie für den Bau seiner Stadtmauer. Auch Gips wurde in den Steinbrüchen am Dinkelberg abgebaut.
Bevor die Industrialisierung einsetzte, war Grenzach eine Bauerngemeinde. Die Landwirtschaft und der Weinbau bildeten die Haupterwerbszweige, die Fischerei ein willkommenes Zubrot. Der Rhein lieferte den begehrten Lachs. Mit der Suche nach Steinsalz zwischen 1863 und 1869 und der Ansiedlung von Schweizer Industriebetrieben gegen Ende des 19. Jh. setzte die Industrialisierung ein. Die Firmen gründeten im grenznahen Deutschland Zweigniederlassungen. Dies wurde möglich, weil der fruchtbare Boden in der Talebene günstig an interessierte Unternehmen verkauft wurde und billige Arbeitskräfte zur Verfügung standen.
In der Ebene siedelte sich 1893 zwischen Bahnlinie und Rhein die Seidenbandweberei an, gefolgt vom pharmazeutischen Unternehmen F. Hoffmann–La Roche 1898 und der Farbstoff-Firma J.R. Geigy 1899. In der Folge fanden die Menschen ihren Erwerb in den Fabriken. Dieser Vorgang bewirkte bis 1945 den völligen Niedergang der Landwirtschaft. Die Industrialisierung führte auch zu einem sprunghaften Anstieg der Bevölkerung ab 1900: Betrug sie 1847 noch 814 Einwohner, waren es 1900 schon 1331.
Das günstig zu erwerbende Land, die Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte sowie die Nähe zu Basel – dies waren attraktive Voraussetzungen für die Unternehmen, um sich in Grenzach niederzulassen. Die wichtigste Voraussetzung war jedoch der Bau der Eisenbahnstrecke Basel – Waldshut – Konstanz. Diese wurde 1856 in Betrieb genommen und machte Grenzach zu einem Güterumschlagsort. Da der Güterumschlag bis 1874 stark zunahm, wurde in Wyhlen eine neue Güterstation gebaut.
Für den Gütertransport spielte aber auch der Rhein eine zentrale Rolle, im Weitern auch als Wasserlieferant und für die Entsorgung des Abwassers aus den Fabriken. Begünstigt wurde die Ansiedelung der Betriebe zudem durch die Lieferung von elektrischer Energie aus den Kraftwerken Rheinfelden (1898) und Wyhlen-Augst (1912). Um 1900 wurden Düngemittel, Chemikalien, Schwefelsäure, Eisen, Erze und Kalk umgeschlagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hauptsächlich Rohstoffe und Fertigprodukte für die wachsende pharmazeutische Industrie transportiert.
Die zahlreichen Kiesgruben, die sich im heutigen Siedlungsgebiet oder entlang des Rheins finden, haben heute eine neue Funktion. Sie werden rekultiviert, wie beispielsweise das bis 1980 genutzte Kiesabbaugebiet südlich von Wyhlen. Dieses wurde nach der Stillegung nicht wieder aufgefüllt und ist heute ein Naturschutzgebiet, das Tieren und Pflanzen einen neuen Lebensraum bietet.
Als Standort für die Deponie von Altlasten wurden hingegen die stillgelegten Kiesgruben die Kesslergrube und der Hirschenacker genutzt. Sie wurden in den 1950er bis in die 1970er-Jahre mit Haushaltabfällen und Bauschutt, vor allem aber mit giftigen Abfällen der chemisch-pharmazeutischen Industrie aufgefüllt und mit einer Erdschicht überdeckt. Nachdem Umweltgefährdungen, vor allem die Verschmutzung des Grund- und Trinkwassers befürchtet wurden, wurde der Hirschenacker saniert. Seit 2015 wird auch die Deponie Kesslergrube saniert. 2020 soll die Sanierung abgeschlossen sein.
MJ