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Schwarzfusskatze
Felis nigripes
© 2006 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork © Owen Bell
Die Hauskatze und der Haushund sind zweifellos die am weitesten verbreiteten tierlichen Gefährten des Menschen. Sie sind Vertreter zweier verschiedener Sippen innerhalb der Ordnung der Raubtiere (Carnivora), nämlich der Familie der Katzen (Felidae) und der Familie der Hunde (Canidae), welche seit rund fünfzig Millionen Jahren je eigenständige Entwicklungen durchlaufen. Im Laufe der Vergesellschaftung mit dem Menschen wurden aus beiden Arten zahlreiche Rassen herausgezüchtet. Während aber viele Haushunderassen kaum mehr eine Ähnlichkeit mit einem der wild lebenden Mitglieder der Familie haben, sind die Hauskatzenrassen hinsichtlich ihrer Grösse und Gestalt alle einander recht ähnlich geblieben. Weder in ihrem Aussehen noch in ihrem Verhalten unterscheiden sie sich wirklich markant von der Afrikanischen Wildkatze (Felis silvestris lybica)
, aus der sie einst hervorgegangen sind.
Ähnliches gilt interessanterweise auch für die diversen Wildkatzenarten, die auf unserem Planeten vorkommen: Zwar gibt es deutliche Unterschiede bezüglich der Körpergrösse der verschiedenen Wildkatzenarten, doch ist die Gestalt bei allen dermassen ähnlich, dass sie ausnahmslos auch von Nicht-Zoologen sofort als Mitglieder der Katzenfamilie eingestuft werden können. Aufgrund dieser körperbaulichen Einheitlichkeit wurden die 36 Mitglieder der Katzenfamilie lange Zeit in bloss vier verschiedene Gattungen gegliedert: die Grosskatzen (Gattung Panthera
), die Kleinkatzen (Gattung Felis
), die «Sprintkatze» Gepard (Gattung Acinonyx
) und die «Mittelkatze» Nebelparder (Gattung Neofelis
). Eingehende Untersuchungen des Erbguts (DNS-Analysen) haben nun aber das verwandtschaftliche Beziehungsgeflecht der verschiedenen Katzenarten untereinander erhellt und eine feinere Gliederung der Katzenfamilie zugelassen. Heute werden im Allgemeinen 18 Gattungen unterschieden. Die ehemalige Kleinkatzengattung Felis
wurde auf fünf Arten verkleinert, nämlich auf 1. die in Europa, Asien und Afrika weit verbreitete Wildkatze (Felis silvestris)
, 2. die in Ostasien heimische Graukatze (Felis bieti)
, 3. die im nördlichen Afrika und im Nahen Osten vorkommende Sandkatze (Felis margarita)
, 4. die vom Kaukasus bis nach Hinterindien verbreitete Rohrkatze (Felis chaus)
und 5. die Schwarzfusskatze (Felis nigripes)
, welche im südlichen Afrika beheimatet ist und von der hier berichtet werden soll.
In der Kalahari und der Karru zu Hause
Die Schwarzfusskatze ist die kleinste aller Wildkatzenarten. Das Gewicht beträgt höchstens etwa 2,2 Kilogramm. Dies ist rund 150 Mal weniger als bei der grössten aller Katzen, dem Sibirischen Tiger (Panthera tigris altaica)
, welcher bis 320 Kilogramm schwer werden kann. Erwachsene Schwarzfusskatzen weisen eine Schulterhöhe von etwa 25 Zentimetern und eine Kopfrumpflänge von 40 bis 50 Zentimetern auf. Die Weibchen sind deutlich kleiner als die Männchen und wiegen durchschnittlich bloss 1,1 Kilogramm.
Die Schwarzfusskatze ist aber nicht nur die kleinste ihrer Sippe, sondern hat überdies auch eines der kleinsten Verbreitungsgebiete aller Wildkatzen. Sicher nachgewiesen ist sie bisher nur in den drei Staaten Botsuana, Namibia und Südafrika. Vermutlich kommt sie aber auch im Südwesten Angolas, in den südwestlichen Bereichen Simbabwes und Mosambiks sowie in den beiden Kleinstaaten Lesotho und Swasiland vor.
Innerhalb ihres südafrikanischen Verbreitungsgebiets bewohnt die Schwarzfusskatze zur Hauptsache offene, sandige, gehölzarme Grasländer, wie sie vor allem im Bereich der beiden Trockensteppenregionen Kalahari (ca. 1 Mio. km2) und Karru (ca. 50 000 km2) anzutreffen sind. Optimale Lebensbedingungen findet sie dort in Gebieten mit dichtem Hochgras und gesunden Beutetierbeständen. Obschon die zierliche Katze gerne Wasser trinkt, wenn solches für sie erreichbar ist, kann sie nötigenfalls allein mit der Flüssigkeit überleben, die sie mit ihrer Nahrung zu sich nimmt.
Giraffen als Beutetiere?
Wie alle Katzen sind die Schwarzfusskatzen tüchtige Beutegreiferinnen. Allerdings nehmen sie - wie unsere Hauskatze und die meisten anderen Wildkatzen - regelmässig Grashalme zu sich, wahrscheinlich weil dieselben als Ballaststoffe der Verdauungsförderung dienen.
Ihrer geringen Körpergrösse zum Trotz gelten die Schwarzfusskatzen als überaus mutig und angriffslustig. Augenzeugen haben wiederholt berichtet, dass sie gelegentlich selbst Schafe und Ziegen töten, indem sie diesen in den Nacken springen und so lange zubeissen und kratzen, bis deren Halsschlagader beschädigt ist. Und die San («Buschmänner») in Botsuana versichern, dass die kleinen Katzen manchmal sogar Giraffen auf diese Weise erlegen. Im Rahmen einer Feldstudie, welche in den 1990er Jahren in der Nähe von Kimberley in Südafrika durchgeführt wurde, zeigte sich allerdings, dass die grössten Beutetiere der Schwarzfusskatzen ungefähr deren Grösse aufwiesen. Es handelte sich um Kaphasen (Lepus capensis)
und Kleintrappen der Gattung Eupodotis
. Die meisten Beutetiere waren sogar noch deutlich kleiner.
Wie die meisten Katzen ist die Schwarzfusskatze eine meisterhafte Pirschgängerin, welche sich zunächst langsam und lautlos durch ihr Revier bewegt, dann etwaige Beutetiere unbemerkt anschleicht und diese schliesslich durch einen pfeilschnellen Überraschungsangriff erlegt. Auffliegende Kleinvögel vermag sie oftmals noch aus der Luft zu «pflücken». Katzentypisch lauert sie manchmal auch lange Zeit geduldig und regungslos am Eingang eines Nagetierbaus, bis sich schliesslich einer der Bewohner zeigt.
Neben Kleinsäugern und Vögeln, welche den Grossteil ihrer Nahrung bilden, verspeist die Schwarzfusskatze auch diverse Insekten, insbesondere grosse Heuschrecken, sowie Vogeleier, wenn sie solche entdeckt. Es konnte ferner beobachtet werden, dass sie frischtote Tiere, denen sie bei ihren Pirschgängen begegnet, keineswegs verschmäht.
Auf die Pirsch geht die Schwarzfusskatze stets nachts. Tagsüber versteckt sie sich in einem verlassenen Erdbau, in einem hohlen Termitenhügel, in einem Felsspalt oder an einer anderen schattigen und sicheren Stelle. Zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ist sie beinahe pausenlos unterwegs und legt nicht selten beträchtliche Strecken zurück. Ein Individuum bei Kimberely, dem ein Senderhalsband umgelegt worden war, pirschte in einer typischen Nacht ungefähr acht Kilometer weit. Bei den dort untersuchten Individuen bemassen sich die Wohngebiete auf durchschnittlich zwölf Quadratkilometer und überlappten teils bis zur Hälfte mit den Streifgebieten der benachbarten Artgenossen, waren also keine so genannten Territorien, welche vom jeweiligen Inhaber für seine alleinige Nutzung beansprucht werden.
Kinderstube im Termitenhügel
Wie alle Mitglieder der Katzenfamilie mit Ausnahme der Löwen (Panthera leo)
und Geparde (Acinonyx jubatus)
führen die erwachsenen Schwarzfusskatzen ausserhalb der Paarungszeit eine einzelgängerische Lebensweise. Sie scheinen diesbezüglich sogar besonders strikt zu sein. Der 1999 verstorbene deutsche Katzenforscher Paul Leyhausen, der Zeit seines Lebens viele verschiedene Wildkatzenarten in Gefangenschaft gehalten und beobachtet hatte, bezeichnete die Schwarzfusskatze einst als die ungeselligste aller ihm bekannten Katzen. Selbst die Zusammenkunft bei der Paarung würden die beteiligten Tiere so kurz wie nur immer möglich gestalten.
Die Paarungszeit fällt in den südlichen Frühling. Nach einer Tragzeit von 63 bis 65 Tagen kommen die Jungen einzeln oder zu zweit, selten zu dritt, in den Monaten Januar und Februar zur Welt. Als Kinderstube dient gewöhnlich ein hohler Termitenhügel oder ein anderes sicheres Versteck, denn wie bei allen Katzen sind die jungen Schwarzfusskatzen anfangs blind und völlig hilflos und darum für Fressfeinde eine leichte Beute.
Betreut werden die Kätzchen ausschliesslich durch ihre Mutter. Im Alter von etwa vier Wochen wagen sie sich erstmals aus ihrem Unterschlupf hervor, um dessen nähere Umgebung zu erkunden. Je sicherer sie sich in der Folge auf ihren Beinchen fortbewegen können, desto grösser wird der Radius ihrer Streifzüge rund um das Versteck herum. Bei Gefahr verhalten sie sich anders als junge Hauskatzen. Letztere flüchten jeweils auf schnellstem Weg zurück in ihr Versteck. Die jungen Schwarzfusskatzen hingegen rennen in unterschiedlichen Richtungen davon und verstecken sich einzeln unter einem Strauch, einem Grasbüschel oder was immer sie an Deckungsmöglichkeit vorfinden. Dort verharren sie bewegungslos, bis ihre Mutter Entwarnung gibt. Sie äussert zu diesem Zweck einen leisen Staccato-Laut und bewegt ihre abgeflachten Ohren auf und nieder. Sobald die Kätzchen dies hören und/oder sehen, entspannen sie sich und nehmen wieder ihre vorherige Tätigkeit auf.
Bei der Entwöhnung ihrer Jungen muss die weibliche Schwarzfusskatze diesen nicht allein das Verspeisen fester Nahrung nahe legen, sondern auch das Bejagen geeigneter Beutetiere. Zu diesem Zweck trägt sie lebende Kleintiere zum Versteck, sobald die Kätzchen ihre ersten Ausflüge unternehmen, und lässt sie vor ihnen laufen. Anfangs zeigen die Katzenkinder keinerlei Interesse an den Beutetieren, welche eilig das Weite suchen. Die Mutter gibt aber nicht auf: Immer wieder trägt sie in ihrem Mund lebende Beute herbei und lässt sie vor den Jungen springen - solange bis diese schliesslich verstehen, worum es geht, und den Beutetieren nacheilen. Anfangs entschlüpfen die Opfer zwar den tollpatschigen Kleinen immer wieder. Sie üben aber mit wachsender Geschicklichkeit, und alsbald werden aus den verspielten Katzenkindern erfolgreiche Beutegreifer. Im Alter von sechs bis sieben Monaten sind sie schliesslich selbstständig genug, um sich von ihrer Mutter trennen und auf eigene Faust losziehen zu können. Die jungen Weibchen sind mit ungefähr anderthalb Jahren, die jungen Männchen mit rund einem Jahr fortpflanzungsfähig. In Menschenobhut haben einzelne Schwarzfusskatzen ein Alter von dreizehn Jahren erreicht.
Kleines Verbreitungsgebiet, geringer Bestand
Die Schwarzfusskatze wird allgemein als selten betrachtet. Ob dies den Tatsachen entspricht, ist allerdings nicht klar. Zwar dürften ihre Bestände wie bei vielen anderen Beutegreifern trockener Landstriche eine recht geringe Dichte aufweisen. Andererseits dürfte die zierliche Katze aufgrund ihrer heimlichen, nächtlichen Lebensweise sehr oft unbemerkt bleiben und also weiter verbreitet sein, als wir denken. Bei stichprobenartigen Bestandserhebungen, welche in den 1990er Jahren in der südafrikanischen Provinz Oranje-Freistaat durchgeführt wurden, konnte jedenfalls festgestellt werden, dass die Schwarzfusskatze weit häufiger und verbreiteter vorkam, als angenommen worden war. Selbst unter Berücksichtigung dieser Erkenntnis wird heute - angesichts des verhältnismässig kleinen Artverbreitungsgebiets - geschätzt, dass die Gesamtpopulation der Schwarzfusskatze weniger als 10 000 erwachsene Individuen umfasst.
Die Schwarzfusskatze hat im Übrigen in der Vergangenheit unter der Verfolgung durch den Menschen gelitten. Als das Fell gefleckter Katzen im 19. und frühen 20. Jahrhundert für die Herstellung von Pelzmänteln sehr begehrt war, wurde ihr gezielt mittels Fallen nachgestellt. Heute bildet die ungezielte Bekämpfung von Raubtieren aller Art auf den weitläufigen Farmen des südlichen Afrikas eine der Hauptgefahren. Schlageisen und Giftköder dienen beispielsweise der Bekämpfung Afrikanischer Wildkatzen und Schakale (Canis spp.)
, welche als Geflügeldiebe gelten. Zweifellos verlieren dadurch auch Schwarzfusskatzen ihr Leben. Ferner dürfte die Überweidung mancher südafrikanischer Grasländer durch Nutztiere regional eine Verminderung der Lebensraumqualität bedeuten und so die örtlichen Schwarzfusskatzenbestände schwächen.
Obschon keine unmittelbare Gefahr für den Fortbestand der hübschen Katzenart besteht, hat die genannte Kombination von beschränktem Artverbreitungsgebiet und tendenziell rückläufigem Artbestand die Weltnaturschutzunion (IUCN) veranlasst, die Schwarzfusskatze als «Verletzlich» auf die Rote Liste der gefährdeten Tierarten zu setzen. Gerade für Botsuana, das Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, fallen die Prognosen der Fachleute hinsichtlich der Zukunft der Schwarzfusskatze allerdings günstig aus: Hier steht die Art einerseits unter striktem gesetzlichem Jagdschutz und kommt andererseits nachweislich in den beiden weitläufigen, verhältnismässig unberührten und gut bewachten Naturschutzgebieten Makgadikgadi-Nationalpark und Gemsbok-National-park vor.
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