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Am 6. Januar 1528 versammelten sich in der Barfüsserkirche zu Bern hunderte von Klerikern zu einem Religionsgespräch, das fast drei Wochen dauerte und damit eines der längsten seiner Art war. Die Berner Disputation, die vom Rat gewollt war und an der führende Reformatoren wie Zwingli, Bucer oder Oecolampad teilnahmen, sollte sowohl die religiöse und politische Zukunft Berns als auch die Entwicklung der zwinglischen Reformation massgeblich beeinflussen. Am paradigmatischen Beispiel Berns kann gezeigt werden, weshalb Religionsgespräche im Reich und besonders in der Alten Eidgenossenschaft eine zentrale Rolle im Reformationsprozess mehrerer Ortschaften spielten. Erklärtes Ziel der Veranstalter war es, die alleinige unwiderlegbare göttliche Wahrheit zu erkennen. Dazu wurde das Gespräch als Versammlung inszeniert, in der alle Teilnehmer ihre Seele dem Geist Gottes öffneten und ihre eigenen Interessen zugunsten des gemeinsamen Heils zurückstellten. Wie aber funktionierte konkret eine solche Versammlung? Und wie wurde sie angesichts ihrer sofortigen Verurteilung durch die römische Kirche legitimiert? Welche Eigenschaften musste ein Geistlicher aufweisen, um in diesem Rahmen Gehör zu finden? Welche Ziele verfolgte eine weltliche Obrigkeit, die sich für eine Disputation entschied? Diesen Fragen möchte der Vortrag nachgehen, mit dem Ziel zu zeigen, wie und in welchem Masse die Religionsgespräche in den zwanziger Jahren religiöse Wahrheit produzieren und legitimieren konnten.