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Nach einem zähen Ringen bestätigte der zuständige Auswahlausschuss, dass sich der Brasilianer Roberto Azevêdo als Anwärter auf den prominenten Chefposten der Welthandelsorganisation (WTO) durchgesetzt hat. Azevêdo habe sich als derjenige Kandidat unter neun Anwärtern erwiesen, “der die Zustimmung der WTO-Mitglieder im Konsens erhalten kann“, erklärte das Gremium nach einem Treffen der Delegationsleiter der 159-Mitgliedstaaten am Mittwoch. Er muss noch durch die WTO-Botschafter bestätigt werden. Geplant sei dieses Treffen für den 14. Mai.
Der als US-kritisch geltende Diplomat und Aussenwirtschaftsexperte vereinte in allen drei Abstimmungsrunden die meisten Stimmen auf sich und hat, was ebenso wichtig erachtet wird, eine grosse Unterstützung in allen Regionen und Wirtschaftszonen. So seien die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), sowie alle portugiesischsprachigen Länder und viele Staaten in Lateinamerika, Asien und Afrika ihm Wohlgefallen
Der 55-jährige Azevêdo setzte sich bei der letzten Abstimmung am Dienstag gegen den Wunschkandidaten der USA und der EU, Mexikos Ex-Handelsminister Herminio Blanco (62), durch. Inzwischen haben jedoch beide gratuliert. EU-Handelskommissar Karel De Gucht erklärte, die Europäische Kommission sei überzeugt, dass Azevêdo der WTO helfen werde, die multilaterale Verhandlungen für den Abschluss der Doha-Runde zur Liberalisierung des Welthandels wieder in Gang zu bringen. “Wir brauchen die WTO dringender denn je. Die Organisation steht an einem Scheideweg“, betonte US-Handelskammerpräsident Thomas J. Donohue.
“Ein Sieg für Brasilien“
Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff erklärte: “Das ist kein Sieg für Brasilien, auch nicht für eine Gruppe von Ländern, aber für die Welthandelsorganisation.“ Die WTO „muss in den nächsten Jahren neue und ausgewogene Impulse für den Welthandel geben“, damit die Weltwirtschaft in “eine neue Phase des Wachstums und der sozialen Gerechtigkeit“ eintrete.
Brasiliens Aussenminister Antonio Patriota sprach hingegen unverhohlen von “einem Sieg für Brasilien und für Azevêdo“, der über aussergewöhnliche professionelle Fähigkeiten und eine grosse Dialogfähigkeit verfüge. Mexiko erkannte die Entscheidung für den bisherigen WTO-Botschafter Brasiliens an: “Der brasilianische Anwärter war der bevorzugte Kandidat der WTO-Mitglieder. Die mexikanische Regierung beglückwünscht Botschafter Roberto Azevêdo zu seiner Wahl“, hiess es aus dem Wirtschaftsministerium.
Der Brasilianer wird für seine ablehnende Haltung gegenüber Agrarsubventionen in den westlichen Staaten kritisch gesehen. Auch kämpfte er gegen die US-Subventionen für Baumwolle und gegen EU-Gelder für Zucker. Als WTO-Generaldirektor will Azevêdo “strikt neutral und unparteiisch“ arbeiten.