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Johann Schawalder (1846-1912) und seine Frau Agatha Schawalder-Hagen haben ihre drei Söhne und 8 Töchter zum Familienfoto zusammengerufen. Schawalders zählen zu den bekanntesten Stickerei-Pionieren des Mittelrheintales. Ursprünglich in Mörschwil wohnhaft erwarben sie sich dort die Grundlagen und Fähigkeiten zur Führung einer Fabrik mit Schifflistickmaschinen. 1893 kamen sie nach Heerbrugg, vorerst als Pächter einer Stickfabrik im Entenbad, bald aber als deren Eigentümer. Eine der Töchter, Katharina, heiratete Otto Nüesch, aus der Gerbe in Balgach. Ottos Vater besass eine Handstickmaschinenfabrik. Vater Schawalder tat sich nun mit seinem Schwiegersohn Otto zusammen und sie bauten den Betrieb auf Schifflistickmaschinen um. Mit zwei weiteren Schwiegersöhnen erstellte er die erste Fabrik in Balgach mit Stickautomaten (1912) direkt neben der Gerbe.
Die Söhne Paul, Emil und Johann wurden Besitzer von Stickfabriken mit jeweils 12 Schifflistickmaschinen (Au, Heerbrugg, Widnau).
Die Zeitumstände nach dem 1. Weltkrieg mit der Stickereikrise zwangen auch Schawalder-Unternehmer zur Liquidation ihrer noch vor wenigen Jahren modern eingerichteten Stickereifabriken.
EN 2012
in AUS BALGACHS GESCHICHTE -> Archiv Geschichte Balgach
Dieses Foto hängt schon seit meinem Menschengedenken im Restaurant Hirschen über dem Stammtisch. Warum wurde 1918 ein Foto gemacht? Ist es das Gründerfoto? Oder feierte der Verein ein rundes Jubiläum? Welches? Wurden die (weiblichen) Mitglieder neu eingekleidet? Wer ist wer? Wer sind die zwei Männer unter so vielen Frauen? Welche Funktion hatten sie? Was stand in den Statuten über Ziel und Zweck des Samaritervereins?
Viele Fragen bleiben (vorläufig) ohne Antwort.
EN 2012
Die Aufnahme stammt aus Heerbrugg. Der Fotograf steht mitten auf der Hauptstrasse, die Richtung Balgach führt. Die Aufnahme zeigt die Situation vor mehr als 100 Jahren. Auf der linken Seite erkennen wir das Gasthaus zum Neuheim. Später bekam es den Namen Restaurant/Hotel Central. Mit dem Namenwechsel hob man die zentrale Lage hervor. Heute befindet sich dort das Geschäftshaus Bahnhofstr. 2.
Zur Zeit der Aufnahme herrscht reger Betrieb[1]: Fuhrwerke sind unterwegs. Eines fährt auf der Landstrasse in Richtung Au. Es ist mit „Sära“-Säcken beladen, die mit Äpfeln oder Kartoffeln gefüllt sind. Ist der Bauer auf dem Weg zum nahen Markt? Ein anderer Einspänner steht vor dem Neuheim. Dem Pferd wird in einer Futterkrippe zu Fressen angeboten. Auf dem Vorplatz hat der Camionneur[2] sein Fuhrwerk angehalten. Er trägt Uniform. Die beladenen Güter sind nicht zu identifizieren. Es könnten aufrecht stehende Stoffballen sein, die der Camionneur einem Stickfabrikanten ab Güterbahnhof Heerbrugg bringen muss. Später wurde an dieser Stelle eine Brückenwaage[3] eingebaut. Der Wirt steht im Zentrum der Aufnahme, während sich die Wirtin als Gastgeberin vor dem Wirtshauseingang positioniert hat. Die Personen auf den zwei kleinen Balkonen geben sich als Hotelgäste aus.
Die meisten Leute sind zu Fuss unterwegs. Einzig zwei Velofahrer sind zu erkennen. Am Bildrand schauen Kinder und Mütter mit ihren Kinderwagen dem Treiben vor der Wirtschaft zu. Zum Teil stehen sie auf dem Schienentrassee der Strassenbahn Altstätten-Berneck. Die Tramschienen sind zu erkennen. Die meterspurige Überlandstrassenbahn wurde 1897 gebaut. Heute besorgen Busse diesen Nahverkehr.
Das zweitletzte Haus auf der rechten Seite der Landstrasse stand bis 1864 in Kriessern. Das ehemalige Pfarrhaus wurde abgebrochen und hier wieder aufgebaut. Ab 1872 wurde die darin betriebene Wirtschaft unter dem Schild Ochsen geführt.[4] Hier soll einst jene Brücke über die Aach gestanden haben, der Heerbrugg seinen Namen verdankt. Im ehemaligen Ochsen ist heute das Geschäft Kirchhofer HiFi-TV untergebracht, Balgacherstr. 206.
Das letzte Gebäude rechts, erstellt mit Schmidheiny-Backsteinen, erhielt den Hausnamen "Tannegg".
Das Neuheim liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Au. Auf der anderen Strassenseite gehören die Häuser zur Gemeinde Balgach.
EN 2012
[1] Der Auftrag zum Fotografieren könnte vom Wirt stammen. Er will zeigen, dass sein Gasthaus an einem belebten Ort steht, zentral gelegen und mit genügend „Parkplätzen“!
[2] Der Camionneur transportiert Güter vom Bahnhof zu den Verbrauchern in ein umliegendes Dorf. Monopolartig bietet für jedes Dorf ein anderer Fuhrmann diesen Dienst an. Auch für den Transport in umgekehrten Richtung ist er besorgt.
[3] Bis 1899 befand sich eine Brückenwaage vor der Wirtschaft zum Ochsen. Gderatsprotokoll Balgach.
[4] Quelle: Au und Heerbrugg seit 1900. Einwohnerverein Au und Verkehrsverein Heerbrugg, 1992. Handänderungsprotokoll Balgach, 1869.
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