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Erfinder ist ein Pariser Pâtissier, der am Heiligabend im Jahre 1879 beinahe in eine Depression versunken wäre. Aber von vorne: In grauer Vorzeit sollen unsere Vorfahren die Zeit der Wintersonnenwende gemeinsam an einem Lagerfeuer bei Speis und Trank gefeiert und der göttlichen Sonne gehuldigt haben. Im Mittelalter ersetzten die grossen offenen Kamine die Lagerfeuer und es war üblich, am Weihnachtsabend den dicken Ast einer Buche ins Feuer zu legen und dafür zu sorgen, dass die Glut nicht erlosch, bevor man von der Mitternachtsmesse zurückkam.
Im 19. Jahrhundert emigrierten grosse Teile der verarmten Landbevölkerung in die Städte, um in den Fabriken Arbeit zu finden. Es war die Epoche der industriellen Revolution, der 80-Stunden-Woche, der Eisenbahn und der tausend Erfindungen. Während der Schweizer Chocolatier Rodolphe Lindt in Bern die Conche entwickelte und feincremige Schokolade produzierte, sass der melancholische Pâtissier Antoine Charadot im 600 Kilometer entfernten Paris und sehnte sich nach Licht, Wärme und dem Knistern des Holzscheits, das seine Eltern und Grosseltern jeweils um diese Zeit in den offenen Kamin gelegt hatten. Doch in den Pariser Wohnungen an der Rue de Buci gab es keine offenen Kamine. Statt in Wehmut zu verharren, machte er das was er am besten konnte, ein süsses Dessert, das aussah wie das Stück Baumstamm aus seiner Kindheit: Er strich einen Bisquitboden mit einer Mocca- Buttercreme ein, rollte die Patisserie zusammen und verzierte die äussere Cremeschicht mit einem rillenartigen Muster, um die Borke nachzuahmen. Er schnitt den vorderen Teil schräg ab und setzte ihn seitlich an, um einen abgeschnittenen Aststumpf nachzubilden. Darauf setzte er Pilze aus Marzipan. Voilà.
Im benachbarten Saint-Louis findet man den Klassiker bei «Paul» an der Avenue du Général de Gaulle: Créme au beurre café dans un bisquit imbibé au café, saupoudré d’éclats de nougatine. Zu geniessen, bevor einem der nächste Diätvorsatz den Start ins neue Jahr verdirbt.
(c) Basler Zeitung