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Japans jüngste Bürgermeisterin
Die 38-jährige Kazumi Inamura sorgte Ende November für ein kleines politisches Erdbeben in Japan. In der Stadt Amagasaki mit 460’000 Einwohnern in der Präfektur Hyogo zwischen Osaka und Kobe gelegen, wurde sie mit 54,3 Prozent Wähleranteil zur jüngsten Bürgermeisterin in der Geschichte des Landes gewählt. Bislang hatte die 41-jährige Amtskollegin Kaori Ito aus der Stadt Kurashiki in der Präfektur Okayama diesen Titel inne. Inamura ist die 22. Bürgermeisterin des Landes.
Kazumi Inamura tritt die Nachfolger der äusserst populären Bürgermeisterin Aya Shirai an, die 2002 als 42-Jährige das Amt übernommen und 8 Jahre lang regiert hatte. Auch dies ist eine Premiere, denn nie zuvor gab es in Japan in der gleichen Stadt nacheinander 2 Bürgermeisterinnen.
Die Bevölkerung der Stadt Amagasaki hatte damit ihren Hang für unkonventionelle Entscheidungen fortgesetzt. Bereits Vorgängerin Aya Shirai, eine ehemalige Flugbegleiterin bei ANA, galt als politische Senkrechtstarterin. Als ehemalige Wahlkämpferin und politisches Ziehkind von Shirai konnte Inamura von viel politischer Vorarbeit profitieren.
Mit dem Fahrrad zur Arbeit
Inamura ist offiziell als Unabhängige angetreten. Sie ist jedoch Mitglied von Greens Japan (GJ) (jap. «Midori no Mirai»), einem politischen Bündnis, das auf regionaler Ebene mit Abgeordneten vertreten ist und dereinst die erste Grüne Partei Japans werden möchte. In der nationalen Politik haben die Grünen in Japan bislang noch keinen Einfluss ausüben können.
Ihrer politischen Einstellung entsprechend kam Inamura an ihrem ersten Arbeitstag, am 13. Dezember, mit dem Fahrrad zur Arbeit. Zuvor hatte sie ihre 5-jährige Tochter noch in die Kindertagesstätte gebracht. Ihr Ehemann ist ein selbständiger Unternehmer mit 5 Angestellten. Eine Bürgermeisterin mit Fahrrad und Kind ist für Japan derart ungewöhnlich, dass Inamura an diesem Tag eine nationale Medienpräsenz garantiert war. Die Presse betitelt sie mittlerweile als «Mama-Bürgermeisterin».
Grüne Ideen
Über 500 Angestellten wird Inamura künftig vorstehen. Es ist ihre bisher grösste politische Aufgabe. Eine gewisse Unsicherheit sei noch da, weil sie noch nicht über alle politischen Dossiers den Überblick habe. Sie müsse nun Schritt für Schritt Erfahrungen sammeln als Bürgermeisterin, sagte sie in einem Interview der Yomiuri Shimbun. «Ich möchte mit euch allen eine neue Zukunft für Amagasaki erschaffen», erklärte sie später gemäss der Mainichi Shimbun ihren neuen Mitarbeiterinnen, so als wäre der Wahlkampf noch nicht zu Ende.
Doch Inamura hat klare politische Ideen, die so ganz entgegengesetzt von Tokio sind. Bei einem Treffen der Grünen im brasilianischen São Paulo kritisierte sie die all die japanischen Politiker, «die immer noch glauben, dass Wirtschaftswachstum die Quelle allen Glückes ist». Der Betrieb von Atomkraftwerken, von den Japan über 50 besitzt (Asienspiegel berichtete), bezeichnete sie als eine Gefahr für ein Land, das ständig von Erdbeben bedroht werde. «Und trotzdem verkauft unsere Regierung die nukleare Energie als ein Mittel gegen die globale Erwärmung», fügte sie weiter an.
Erdbeben als politischer Karrierebeginn
Kazumi Inamura sammelte fast 7 Jahre lang als Abgeordnete im Parlament der Präfektur Hyogo Erfahrung im politischen Tagesgeschäft. Für die Politik zu engagieren begann sich die 38-Jährige nach dem grossen Erdbeben von Kobe 1995. Als Studentin der Universität Kobe gründete sie kurz nach der Naturkatastrophe eine Hilfsorganisation mit, die sich um die Menschen kümmerte, die ihr Haus nach dem Erdbeben verloren hatten. Die Regierung sorgte damals für einen Aufruhr, als sie sich aus Angst vor einer Welle von Anfragen weigerte Steuergelder für den Wiederaufbau der Häuser zu verwenden. Für Inamura war dies der Hauptgrund die Sache selbst in die Hand zu nehmen, wie sie später erklärte.
Jetzt ist sie in ihrem ersten Exekutivamt angekommen und dies medienwirksam mit dem Fahrrad. Nicht allen Beteiligten gefiel dies. «Als gäbe es als Bürgermeisterin nichts anderes zu tun, als mit dem Velo für Medienaufmerksamkeit zu sorgen», ereiferte sich ein Angestellter gegenüber der Yomiuri Shimbun. Bereits haben Regierungsangestellte angedeutet, ihr aus Sicherheitsgründen vom Fahrrad als Fortbewegungsmittel für ihre Arbeit abzuraten. Einer grünen Politiker werden sie dies kaum ausreden können. Dies muss Japan wohl noch lernen.
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