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Neues aus Holland
|Bericht und Fotos: Karel Beukema|
|Mail von Karel Beukema, welcher nun seine restaurierte 15CV Six Hydraulique einlösen konnte|

Liebe Freunde,
Die Oleopneumatose, die unheilbare Krankheit eines Tractionisten, von der ich Euch vor einigen Jahren mal berichtete, hat seit kurzem eine offizielle Anerkennung bekommen. Ab dieser Woche brauche ich mich vor lauter Scham nicht länger nur auf stillen Landwegen, mit falschen Federn bestückt, zu bewegen. Ich darf jetzt mit der Krankheit in voller Öffentlichkeit erscheinen, damit das Publikum den Ernst der Sache erfahren kann.
Die Vorführung zur Zulassung der 15 Hydraulique erwies sich - hinterher - als eine unbedeutende administrative Angelegenheit, trotz aller Drohungen, dass es immer schwieriger wird, importierte Fahrzeuge ohne Kennzeichen zugelassen zu bekommen. *) Ein offizielles Schreiben des Conservatoire Citroën, in dem die genauen Fahrzeugdaten sowie das Datum der Erstzulassung (8.6.1955) angegeben sind, erwies sich als äußerst wirkungsvoll. Das Conservatoire hatte ebenfalls eine Kopie der originalen Typenzulassung in Frankreich mitgeschickt. Diesem Dokument wurden wichtigen Daten, sowie Motorinhalt, Leistung, Masse und Gewichte entnommen. Es wirkt bei Beamten immer besser, die relevanten Daten einem solchen Dokuments entnehmen zu können, als sie in Olivier de Serres „glossy“ Buch lesen zu müssen. Dass die Ziffer zwar übereinstimmen, ist aus deren Sicht reiner Zufall.
*) Am 15 August letzten Jahres kündigte die zuständige Behörde (in NL „RDW“genannt) an, dass ab sofort keine importierte Fahrzeuge ohne offizielle Kennzeichen des Exportlandes mehr zugelassen wurden. Ohne Zweifel war diese Maßnahme durch den Streit gegen das Legalisieren gestohlener Fahrzeuge ergriffen worden. Für mich (und genauso für viele Restaurierer von alten Fahrzeugen) bedeutete dies, dass ich für die 15-H plötzlich kein Kennzeichen mehr bekommen würde. Der Dachverband vom Oldtimerclubs protestierte und bekam für historische Fahrzeuge eine Ausnahmeregelung, welche am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getreten ist. Man behielt sich das Recht vor, im Exportland sicherzustellen, dass es sich nicht um ein gestohlenes Fahrzeug handle. Nebenbei sei erwähnt, dass selbst wenn die 15-H gestohlen gewesen wäre, dieses Verbrechen, 23 Jahre nach dem Import, im strafrechtlichen Sinne verjährt sein würde.
In Holland sind seit einigen Jahren Fahrzeuge, die vor dem 1.1.1960 zugelassen wurden, von der all- oder zwei-jährlichen Fahrzeugkontrolle ausgenommen. Demzufolge tut man beim Vorführen, als ob die Technik vollkommen unwichtig sei, sogar nicht einmal existieet. Ich hätte mir vorstellen können, dass man das auf dem Importdokument des Jahres 1988 erwähnte „Wrack“ mal einer Bremsprobe oder sonstigen unbedeutenden Sicherheitskontrollen unterwerfen würde. Von dem Allen nichts! Die eingeschlagene Seriennummer war das einzige, wofür der Warenprüfer berufliches Interesse zeigte. Dass solche Leute trotzdem auch Menschen sind, zeigte sich darin, dass innerhalb von etwa 10 Sekunden nach dem Öffnen der Motorhaube sich die ganze Mannschaft um den Six herum versammelte und sich die alte Mechanik anschauen wollte.
Die Zulassung war also für mich eine wichtige Hürde, die genommen werden musste, bevor ich mir erhebliche weitere Kosten an diesem Auto erlauben wollte. Im technischen Sinne ist das Auto weitgehend fertig: es fährt, es federt, es schaltet, es lenkt, es bremst, die Beleuchtung funktioniert, usw. Jetzt fängt also die Arbeit zur Fertigung des Inneren an. Einige Blechteile müssen auch noch verchromt werden. Ich überlege mir, die Sitze diesmal von einem Profi polstern zu lassen. Ich will unbedingt, dass der Sitzkomfort in Ordnung ist, und die Fertigung der Sitze einem hohen Standard entsprechen. Der große Vorteil ist jetzt, dass ich das Auto selbst von der einen an die andere Stelle fahren kann, ohne jedes Mal von anderen abhängig zu sein.
Wird fortgesetzt
Mit freundlichen Grüssen,
Karel