Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/1376

von Peter Eggenberger
In einer Urkunde von 1256 wird die Stadt Sursee erstmals erwähnt. Die damals ebenfalls genannte Befestigung war in ihrem Endzustand sehr aufwändig angelegt. Wehrmauer und Graben wurden an der Aussenseite von einem durch eine zweite Mauer geschützten "Rondenweg" begleitet. Archäologische Untersuchungen im Bereich des ehemaligen Obertors erlauben nicht nur gewisse Bauphasen der Befestigung, sondern auch den Gründer und die Gründungszeit der Stadt genauer zu bestimmen.
Tatsächlich entspricht die Urkunde von 1256 auch der Gründungszeit durch Graf Hartmann V. (der Jüngere) von Kiburg, dem Erben der Lenzburger Grafen als Landesherr und Patronatsherr an der Stadtkirche (eine frühmittelalterliche Eigenkirche). Die neue Siedlung wurde denn wahrscheinlich auch auf einem Landstück erbaut, das zum Kirchengut gehörte.
An der Stelle des Obertors war ursprünglich nur eine einfache Wehrmauer mit Durchlasstor vorhanden; ein Turm und weitere Ergänzungen, darunter der "Rondenweg", kamen erst später dazu (14. bis 16. Jahrhundert?). Turm und Mauer wurden 1873 im Rahmen der Entwicklung zur "modernen" Stadt abgebrochen.
Besonders interessant ist der Einbezug eines vorstädtischen, hochmittelalterlichen "festen Hauses" in die Wehrmauer, wahrscheinlich des herrschaftlichen Hofes (curtis, 1045 erwähnt), der bis zur Stadtgründung für die Verwaltung der gräflichen Güter der näheren Umgebung gedient hatte. Zusammen mit der Kirche und der Stadtburg beim "Hinteren Tor" gehörte das viergeschossige Steinhaus in der jungen Stadt zu den sichtbaren Zeugen der adligen Herrschaft. Der Hof hat als Wohnhaus, die Stadtburg als "Murihof" (Stadthaus des Klosters Muri) die Zeit bis heute überlebt, beide jedoch in stark umgebauter Gestalt.
, Peter : Sursee: ein herrschaftliches Steinhaus am Obertor
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 17. Jahrgang 2012, Heft 3, 139 - 148.