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1523 begann in Zürich die Reformation unter Huldrych Zwingli. Diese Bewegung erreichte auch Tegerfelden und hatte dort im Gegensatz zu den meisten umliegenden Gemeinden grossen Erfolg. Die Mehrheit der Dorfbevölkerung wurde reformiert und erhielt ab 1529 einen Prädikanten aus Zürich. Als jedoch 1531 die katholischen Orte im Zweiten Kappelerkrieg gewonnen hatten, musste in Gemeinden der gemeinen Herrschaften auf Wunsch dreier Menschen der Katholizismus wieder eingeführt werden. Tegerfelden wurde eine paritätische Gemeinde mit einer reformierten Mehrheit und einer katholischen Minderheit, aber nur einem Gotteshaus, der oben erwähnten Kapelle nämlich. Diese wurde in den nächsten 130 Jahren von beiden Konfessionen genutzt. Dies führte immer wieder zu Konflikten, deren berüchtigtster der Altarraub in der Osternacht 1606 ist. Die Katholiken bauten 1659-1661 schliesslich eine eigene Kirche im Nachbardorf Unterendingen.
Nun forderten die Reformierten den Ausbau der Kapelle zu einer eigenen Kirche. Die Tagsatzung hiess dieses Vorhaben im Jahr 1662 gut. Der Bau konnte beginnen. Gegen Ende des Jahres erhob der katholische Ort Schwyz aber plötzlich Einspruch gegen den bereits fortgeschrittenen Neubau. Es sei nicht bekannt gewesen, dass die alte Kapelle abgerissen würde. Man müsse deshalb die alte Kapelle wiederherstellen, den Katholiken übergeben und dürfe erst dann eine neue Kirche bauen. Dies führte zu zähen Verhandlungen bis ins Jahr 1663 hinein. Erst als die reformierten Orte erklärten, keine weitere Rechte als die bisherigen zu beanspruchen, und die Pfrund- und Besitzverhältnisse geklärt waren, konnte der Bau fortgesetzt werden. Die Einweihung fand am 27. März 1664 statt. Im selben Jahr erhielten die Katholiken eine heute noch bestehende Kapelle in Tegerfelden. Sie ist dem Pestheiligen Sebastian geweiht.
Im Jahr 1795 war der Kirchenraum zu klein geworden und Reparaturen waren dringend nötig. Mit Hilfe des Standes Zürich konnte ein Ausbau stattfinden. Die Kirche wurde nach Osten erweitert, der alte hölzerne Turm durch einen neuen steinernen ersetzt und die Dicke der Mauern wurde dem vorgeschriebenen Mass angepasst. Bei dieser Erweiterung wurde ein Zugang zur Kirche durch den Turm hindurch angelegt. Zudem wurden eine neue Turmuhr und drei neue Glocken eingesetzt, deren Metall einerseits aus dem Zürcher Zeughaus, andererseits aus einer zerbrochenen Glocke aus Tegerfelden stammte. Von diesen Glocken gibt es heute nur noch eine. Weil die anderen von mangelnder Qualität waren, wurden sie bereits 1835 durch drei neue ersetzt.
Ab 1798 brach die Zeit der Helvetik und des Liberalismus an. Bis dahin hatten die Kirche und das Pfarrhaus der Kirchgemeinde gehört. Ab 1803 wurden diese vom neugegründeten Kanton Aargau übernommen, der nun Ausbau- und Unterhaltsvorhaben prüfen und bewilligen musste. Dabei war die Verantwortung zwischen Kirchgemeinde und Kanton aufgeteilt. Die Kirchgemeinde war für das Kirchenschiff und den Turm, der Kanton für den Chor zuständig. Diese komplizierte Besitz- und Verantwortlichkeitsstruktur führte zu verschiedenen Problemen.
Der nächste Bauschritt erfolgte 1868, als alte Fenster zugemauert und neue aufgebrochen wurden. In dieser Zeit wurden auch neue Wappenscheiben eingefügt. Um 1900 entbrannte ein Streit um die nächsten Erweiterungen. Die Diskussion dreht sich um eine Orgel und eine Kirchenheizung. Uneinig war man sich v.a. über die Prioritäten. Entgegen dem Votum von Grossrat Frey, der einer Orgel den Vorrang vor einer Heizung gegeben hätte, entschied man sich zunächst für letztere. 1903 wurde ein Kohlenofen mitsamt Rohren und Kamin eingebaut. Der Einbau einer Orgel erfolgte 1905. Sie hatte 12 Register und wurde im (kantonseigenen) Chor aufgestellt. Das führte allerdings zu einer Umstellung der dortigen Kirchenbänke, die teilweise auf Lebenszeit vermietet waren. An letzterem beteiligte sich der Kanton mit einem Beitrag von 30 Franken. Mit dem Aufstellen der Orgel wurde auch der Ostein-gang versperrt. In diese Zeit fällt auch die Elektrifizierung von Kirche und Pfarrhaus. 1906 fand eine finanzielle Trennung von Kirche und Staat statt. Die Kirchgemeinde erhielt im Ablösungsvertrag vom 22. November 1906 das Eigentumsrecht über Kirche, Pfarrhaus und Pfrundgut zurück und konnte dies nun wieder selbständig verwalten.
Die weitere Entwicklung war bestimmt von Renovationen. So erfolgte 1946 eine grosse Aussenrenovation. Nachhaltige Wirkung hatte die grosse Innenrenovation von 1956/57. Damals wurde praktisch alles Alte entfernt und durch Neues ersetzt. Die neuen Kirchenbänke haben nun keinen Mittelgang mehr. Eine neue Orgel aus dem Haus Metzler wurde auf die Empore gestellt. Der Chorraum wurde geleert. Es stehen nur noch eine Kanzel, deren Vorgängerin an der Nordwand gehangen hat, und ein Abendmahlstisch dort. Der Taufstein wurde in den Vorraum versetzt. Die nun sichtbare Nische in der Ostwand wurde 1967 mit Bronzefiguren des Künstlers Peter Hächler, welche die vier Evangelisten darstellen, verziert. 1999 erfolgte eine Aussenrenovation, bei der auch die fünf älteren Wappenscheiben erneuert wurden. Seitdem ziert ein Hahn die Kirchturmspitze. 2011 wiederum fand eine besondere Innenrenovation statt. Sie wurde praktisch vollständig von Freiwilligen durchgeführt. Seitdem sind die Kanzel und der Taufstein mobil. Es gibt nun eine Leinwand in der Decke des Chors und durch das Entfernen der drei hintersten Bankreihen entstand ein Begegnungsraum.
Die Renovation 2011
Die Kirchgemeinde Tegerfelden hatte bereits im Jahr 2009 nur mit Freiwilligen den Kirchgemeindesaal renoviert. Bei diesem Projekt kam die Idee den Kirchenraum ebenfalls in dieser Form zu renovieren. Während der Planung stellte sich allerdings heraus, dass die Arbeit grösser und komplizierter ist, als dass Freiwillige sie leisten könnten. Man wollte deshalb zuerst nur professionelle Fachkräfte engagieren. Dank Zusagen von einigen Gemeindegliedern wagte man aber den Versuch einer Renovation, bei der fachkundige und -unkundige Freiwillige mit dem professionellen Maler Erich Keel aus Lengnau zusammenarbeiten. Dem Aufruf der Kirchenpflege folgten 30 Freiwillige, die dauerhaft oder temporär, handwerklich oder logistisch das Projekt unterstützten. Das Projekt stand nicht einfach unter dem Motto «Geld sparen», sondern sah sich als Exempel christlichen Zusammenlebens und Zusammenwirkens. Als konkrete Realisierung der Gemeinde als Leib Christi, wo jedes Glied an seinem Platz seinen Beitrag leistet als Dienst am Wort Gottes. Eine Handlung zugunsten des Raumes der Verkündigung wurde selber zur Verkündigung.
Blick in den Innenraum während der Innenrenovation
Das Projekt umfasste eine grössere Innenrenovation. Dabei wurden die weissen Wände neu gestrichen und einige Schäden ausgebessert. Die drei hintersten Bankreihen wurden entfernt. So entstand ein Begegnungsraum für Apéros und Feierlichkeiten. Die entfernten Bänke wurden teilweise halbiert und in der Kirche mobil aufgestellt. Die vordersten Fenster erhielten Verdunklungsstoren. In die Holzdecke über dem Chor wurde eine Leinwand eingelassen. Dabei kam die alte Stuckdecke wieder zum Vorschein. Offenbar ist die Holzdecke bei der Renovation 1956/57 einfach darüber gelegt worden. Die Kanzel und der Taufstein sind nun mobil durch Anfügen von Rollen resp. Erstellen von Rollenelementen. Nun kann der Taufstein bei Gebrauch vom Vorraum ins den Kirchenschiff hinein bewegt werden. Der Kirchenraum erhielt mit einer umgespritzten Liederanzeigetafel und neuen Lautsprechern eine moderne Ausstattung. Der Vorraum erhielt einen Schrank aus dem Sigristenzimmer und wieder glänzende Schirmständer. Schliesslich erhielt die Aussen-Toilette einen neuen Anstrich.
Die Renovation fand 2011, im Jahr der Freiwilligentätigkeit, statt. Sie stand also in einem grösseren Zusammenhang und dauerte vom 1.-6. August 2011. Sie erregte Aufmerksamkeit bis weit über die Grenzen der eigenen Kirchgemeinde hinaus.
Freiwillige Helferinnen bei den Renovationsarbeiten