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Sayyid Idries Shah ist 1924 in Sardhana/Indien in einer hochgeachteten afghanischen Familie (sie soll vom Mohammed abstammen) geboren. Sein Vater hatte bereits in England ein Sufizentrum gegründet und erzog den jungen Idries in einem offenen sufischen Geist. In den sechziger Jahren begann Idries Shah Bücher über den Sufismus zu schreiben, die in England großen Erfolg hatten. Mittlerweile hat er über 20 Bücher publiziert. Idries Shah soll in zwei sufischen Orden als Sheikh (Ehrentitel eines islam. Geistlichen / Oberhaupt eines Ordens) verehrt werden: Von den Naqschbandis und von den Chishtis. Shah ist britischer Staatsbürger. Anhänger findet er vor allem im englischsprachigen Raum, doch gibt es sie auch auf dem kontinentalen Europa.
Die Lehre von Shah ist stark vom Gründer der Naqschbandyya-Ordens, Baha' ad-Din Naqshbandi (1318-1389) geprägt. Wie dieser bevorzugt Shah die Pflege der inneren Haltung (verbunden mit Atemtechniken und stiller Meditation) gegenüber gemeinsamen Dhikr (Andachtsübung mit Rezitationen des Gottesnamens) und Sama' (Anhören oder Singen von Sufi-Liedern und Tanzen in rhythmischen Bewegungen). Sufismus ist die Wegleitung zum Erreichen des höchsten Bewußtseins. Dazu bedarf es der aktiven Unterstützung eines Meisters. Als Vertreter des Neo-Sufismus zeichnet sich Shah dadurch aus, daß er die sufische Lehre als älter als alle Religionen erklärt. Sufismus sei darum der Schlüssel zum wahren Verständnis jeder Religion. Diese seien als lokale Ausprägungen aus dem Sufismus entstanden.
Andreas Frei, 1998
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