Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03362.jsonl.gz/338

Triathlet Max Studer erfüllte bei seiner Olympia-Premiere in Tokio die Erwartungen als Underdog mit Überraschungs-Potenzial. «Wenn mir vor dreieinhalb Jahren bei meinem Trainingsbeginn unter Brett Sutton jemand gesagt hätte, ich laufe bei Olympia in die Top Ten, hätte ich dies nicht für möglich gehalten», bilanzierte Studer seinen respektablen neunten Rang gegenüber «blue news».
Trotz des im Finish noch um sechs Sekunden verpassten Diploms wollte er sich nichts vorwerfen lassen: «Ich habe einige Weltmeister hinter mir gelassen.» Auf der ersten Hälfte des abschliessenden Laufens hielt der 25-jährige Solothurner mit der Spitze mit. Danach fehlte ihm noch die Substanz, um im Kampf um die Medaillen zu verbleiben.
Daran vermochte auch die Mütze mit Nackenschutz nichts zu ändern, die Studer von Triathlon-Nationaltrainer Gordon Crawford bei Kilometer 4 aufnahm. «Durch die Mütze erhoffte ich mir, länger Nässe und Feuchtigkeit fürs Runterkühlen zu behalten, was im Training jeweils gut funktionierte.»
Wilde holte aus der Gruppe um Studer noch Bronze
Studer war nach einem unbefriedigenden Schwimmen in einer dritten, gut harmonierenden Gruppe mit starken Radfahrern untergekommen, die dann den Rückstand wettmachte und zu einem Zusammenschluss von 39 Athleten führte. Aus der ursprünglichen Gruppe um Studer realisierte der Neuseeländer Hayden Wilde den Gewinn von Bronze. Wilde wurde im Vormonat an der Super-Sprint-EM in Kitzbühel ausser Konkurrenz startend Dritter. Er war da von Europameister Studer noch um 13 Sekunden geschlagen worden.
Ebenso hatte Studer den neuen norwegischen Olympiasieger Kristian Blummenfelt heuer beim Einzel-Weltcup in Lissabon im Kampf um den Sieg bis auf den letzten Kilometer gefordert. Diesmal büsste Studer im Laufen allein 61 Sekunden auf den unwiderstehlichen Blummenfelt ein. «Ich bin auf dem letzten Kilometer noch ein wenig eingebrochen. Am Stehvermögen muss ich noch arbeiten», gibt Studer zu. «Brett sagte mir, es fehlen vielleicht in einem solchen 100-Prozent-Rennen noch sieben Prozent. Diese versuche ich in den nächsten drei Jahren zuzumachen, damit ich bei Olympia 2024 in Paris richtig angreifen kann.»
Überdistanzen für das Stehvermögen
Brett Sutton hielt gegenüber «blue news» fest, dass seine beiden Schützlinge Studer und Andrea Salvisberg (22. Rang), der im Finish der Radstrecke solo 16 Sekunden Vorsprung herausfuhr, «versucht haben, eine Medaille zu gewinnen». Der renommierte australische Coach dürfte Studer nun über kurz oder lang auf Überdistanzen wie die halbe Ironman-Distanz schicken, um das Zehn-Kilometer-Stehvermögen von Studer zu stabilisieren beziehungsweise auszubauen.
Ein Rezept, das er seit Jahren und bis heute auch erfolgreich bei der fünffachen Olympia-Teilnehmerin Nicola Spirig (39) anwendet. Gleichzeitig wird Studer auch in den beiden anderen Disziplinen noch zulegen müssen, um wiederholt bis auf die letzten Meter mit den Weltbesten mithalten oder diese schlagen zu können. Gut möglich ist, dass Studer nach seiner Rückkehr von Tokio kurzfristig von Sutton am 8. August zum 70.3 Ironman Switzerland in Rapperswil-Jona geschickt wird. Dort sind 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen zu bewältigen. Olympiasieger Blummenfelt hält über diese Distanz die Weltbestzeit (3:29:04 Stunden).
Zunächst steht für Studer in Tokio aber am Samstag der erstmals im Olympia-Programm stehende Mixed-Teamwettbewerb im Programm. Die Schweizer Renntaktik wird am Dienstag einige Stunden nach dem Frauen-Triathlon festgelegt. Klar aber ist schon jetzt die Startreihenfolge im Schweizer Team: Jolanda Annen übergibt an Andrea Salvisberg, dieser wiederum an Nicola Spirig. Und zum Abschluss muss dann Max Studer ran. Eine riesige Challenge für den einzigen Olympia-Debütanten aus dem Schweizer Quartett, zumal es sehr gut sein könnte, dass Spirig ihm auf einem Medaillenplatz übergibt.