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Das temporäre Butterfly-Tribal steht für ein von Freiheit, Verwandlung und Beweglichkeit geprägtes Beziehungskonzept. Das Tribal bezieht sich auf die feministisch geprägte Subkultur Fannyism, die aktuell als zeitgemässe Lebensform der antiken Hetären wiederbelebt wird. Leitbild und Namensgeberin der Bewegung ist Gräfin Fanny (Franziska) zu Reventlow, die im 20. Jahrhundert als Königin der Bohème und sexuelle Rebellin verehrt wurde. Mit Fannyism erfolgt eine erneute Dekonstruktion der Liebe in ihre zwei Einzelteile: freundschaftliche Liebe und finanzielle Absicherung auf der einen Seite sowie Romantik und Sexualität auf der anderen. Wobei die Romantik bewusst von jeglichen Normen entkoppelt wird und als fluides Experiment individuell definiert und ungezwungen ausgelebt wird.
Obwohl historisch betrachtet das Konzept der monogamen Ehe - als Ausdruck der romantischen Liebe - relativ neu ist, dominiert es heute auf breiter Ebene unseren Alltag. Liebe, Sexualität und Kindererziehung werden seit den 40er-Jahren in einer geschlossenen Zweierbeziehung vereint, was zu Spannungen führt, die in Form geheimer Affären, Überforderung, Unzufriedenheit oder steigender Scheidungsraten an die Oberfläche treten. Fanny zu Reventlow hingegen verkörperte während ihrer Lebzeiten eine harmonische Einheit widersprüchlicher Eigenschaften wie Selbstbewusstsein und sexuelle Unbefangenheit, mütterliche Fürsorge und Selbstbestimmung. Bis zu ihrem Tod rebellierte sie gegen die grosse Vereinfachung der erotischen Komplexität in Monogamie und Treue.
Als symbolischer Ausdruck der Bewegung dient das rituelle Auftragen und Tragen des Butterfly-Tribals. Ein dafür notwendiges Set besteht aus einer Schablone des Symbols und einem fluoreszierenden Gel. Das Tribal ist bei Tageslicht nicht zu sehen. Erst im UV-Licht der Clubs wird es zum strahlenden Statement sexueller Unbefangenheit der Fannyism-Fans.
Valerie Imhof