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Wolfshunde jagen Schafherde zu Versuchszwecken
Abschreckungs-Halsband soll Schafe vor dem Wolf schützen Reportage Les Diablerets VD (sda) Zwei Wolfshunde jagen die kleine Schafherde über die Alp Creux-du-Camp oberhalb von Les Diablerets. Auf ein Kommando hin kehren sie um - es handelt sich um einen überwachten Versuch. Ziel ist die Entwicklung eines Halsbands für Schafe, das den Wolf vergrämt.
Ausgelöst werden soll der Mechanismus durch eine erhöhte Herzfrequenz beim Schaf. Um diese zu ermitteln, rüsten der Wolfsspezialist Jean-Marc Landry und sein Mitarbeiter nicht ohne Mühe das widerspenstige Schaf Nr. 3 mit einem Herzfrequenzmesser aus.
Es handelt sich um ein Gerät, wie es für das Lauftraining verwendet wird. Um es anzubringen, musste das Tier zuerst an der Brust enthaart werden. Bei insgesamt zwölf Schafen wird die laut Landry etwas "geisttötende" Operation durchgeführt. Danach wird die kleine Herde in die die Umzäunung geführt, in der der zweite von insgesamt drei Versuchen starten soll.
Vermeintlicher Angriff
Nun treten Sky und Milla in Aktion. Die beiden Tschechoslowakischen Wolfshunde - eine Kreuzung von Wolf und deutschem Schäferhund - stammen aus einer Zucht in den französischen Vogesen. Sie werden für Verfolgungen und als Schlittenhunde eingesetzt. Ein Schaf hat gegen sie keine Chance, wie Hundeführerin Angès Thiébaut erklärt.
Obwohl sie abgerichtet sind, tragen Sky und Milla darum Maulkörbe. Sie umkreisen die Herde, die sich sichtlich beunruhigt in der Koppel zusammendrängt. Plötzlich gehen die Wolfshunde zum Angriff über. In wilder Flucht rennen die Schafe den Hang hinunter und trampeln dabei alle Abschrankungen nieder.
"Eines von ihnen hat einen Ruf ausgestossen, um die anderen vor der Gefahr zu warnen", kommentiert Schafzüchter Jean-Pierre Vittoni, der die Tiere für den Versuch zur Verfügung stellt, das Geschehen. "Ohne Maulkorb hätte wohl jeder der Wolfshunde drei oder vier Schafe gerissen".
Aber nun lassen diese auf ein Zeichen ihrer Hundeführerin hin von der Verfolgung ab. Die verschreckten Schafe rennen drei Kilometer weit, um sich ihrer Herde anzuschliessen. Nur fünf von ihnen können an dem Tag wieder eingefangen werden, den übrigen kann das Messgerät erst am nächsten Tag wieder abgenommen werden.
Erfolgreicher Test
Aus diesen liest Zoologe Landry nun die Herzfrequenz der gejagten Schafe heraus: Sie ist von 60 bis 80 Schlägen pro Minute auf bis zu 225 angestiegen. Der Test ist gelungen.
Im Herbst soll eine weitere Etappe abgeschlossen werden: Die Entwicklung eines Prototyps des Halsbands. Bei Überschreiten einer gewissen Herzfrequenz soll ein darin integrierter Mechanismus ausgelöst werden, der die Wölfe vertreibt.
Ob es sich dabei um Spray oder für den Wolf schmerzhafte Töne handelt, bleibt vorerst Landrys Geheimnis. Zudem könnte vom Halsband aus auch der Hirte über den Angriff benachrichtigt werden.
Geschützt werden sollen mit dem System vor allem kleinere Herden, bei welchen sich der Einsatz von Schutzhunden nicht lohnen würde. Im Visier hat Landry mit seiner Entwicklung auch Herden in touristischen Gebieten, wo es Probleme mit den Hunden gibt. Nach seinen Abgaben haben bereits andere Länder Interesse signalisiert, darunter Frankreich und Norwegen.
Notiz an die Redaktion: Key-Bilder vorhanden
(SDA/ATS - nh sa/bsd139/POL/3/120803 1657)