Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03256.jsonl.gz/70

Dezember 2016. Ich liege, wie gelähmt im Bett und starre an die graue Decke der Isolierzelle in der geschlossenen Abteilung der akuten Psychiatrie.
Mein Kopf fühlt sich an wie Blei. Die Augenlieder sind schwer und in meinem Gehirn herrscht absolute Leere. Ich versuche mich, an irgend etwas zu erinnern, wer bin ich? warum bin ich hier? Was ist geschehen?
Das einzige, dass ich wahrnehmen kann, ist der bittere Geschmack in meinem Mund, und die unangenehme Trockenheit.
Ich habe kurz zuvor ein starkes Medikament erhalten, es soll sedieren, ich kenne es, es war nicht das erste Mal. Schliesslich gebe ich der Müdigkeit nach, und schlafe ein.
Nach 16 Stunden erwache ich, müde, erschöpft und verwirrt wie zuvor.
Ich trage immer noch meine Jeans.
Ich weiss nicht ob es Tag oder Nacht ist, die Zelle hat keine Fenster, ich höre einen Mann schreien, eine grelle Neonlampe blendet mich und macht Kopfschmerzen.
Plötzlich spüre ich ein starkes brennen an meinem Handgelenk, ich entferne den Verband, und blicke auf die frischen Narben.
Da ist die Erinnerung wieder…
Ich wollte mir, in der Klinik das Leben nehmen, ich habe eine schwere Depression und akute Suizidalität und bin seit 2 Monaten in der Klappse.
Es klopft an der Stahltüre und ein Schlüssel dreht sich im Schloss, der Psychiater kommt rein und setzt sich mit einem Stuhl an mein Bett.
«Wie soll es mir denn gehen» antwortete ich auf seine Frage… «Ich lebe leider noch wie sie sehen… »
«Auf einer Skala von 0 – 10, wie sicher sind Sie sich, dass Sie morgen noch leben?»
Ich Antwortete ohne zu zögern, mit 0.
Er blickte mich besorgt an, kritzelte etwas in sein Buch, und liess mich wissen, dass ich bis auf weiteres noch isoliert bleiben werde.
Ich befand mich in absoluter Dunkelheit, meine Gedanken kreisten nur um meinen Tot, der einzige Ausweg, die Erlösung von aller Qual.
Gefühle existierten nicht mehr, nur noch die schwere Leere und die tiefe, unergründbare Traurigkeit.
Ich bekam weitere Medikamente, Antipsychotika gegen die Paranoia, Benzodiazepine gegen die Suizidalität und natürlich Antidepressiva. Ich war eine wandelnde Apotheke, ein Zombie, gefangen im eigenen Gehirn.
Mein Studium zur Pflegefachfrau musste ich abbrechen. Ich hatte noch 2 Semester vor mir, als ich krank wurde.
Ich erinnerte mich an den Psychiatrie Unterricht, wie surreal es doch war, dass ich nun selbst erkrankte.
Was der genaue Grund war dafür, weiss ich drei Jahre später immer noch nicht.
Vielleicht kam ich nicht damit klar, als mein damaliger Freund einen schweren Unfall erlitt, und sich dabei massive Gehirnverletzungen zu zog.
Vielleicht, weil ich mit 16. Jahren Vergewaltig wurde, und es mich, ohne mein Wissen, innerlich zerrissen hat.
Vieleicht einfach nur deshalb, weil dies mein Lebensweg ist.
In vier Monaten, werde ich mein Studium als Pflegefachfrau dank grosser Unterstützung abschliessen können.
Nun bin ich dran das Erlebte zu verarbeiten.
Ich bin Yvonne, 31 Jahre, meine Depression, hat mir beinahe das Leben gekostet, nun aber, hat sie mir ein neues geschenkt.10 Liebe für die Story