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Vorwort
Im Vorwort verweise ich auf die geschichtlichen Hintergründe, die zum Jubiläum 900 Jahre Melchnau und zu unserem Jubiläumsbuch1 geführt haben.
Textstelle aus dem Liber Heremi, abgeschrieben um 1560 von Aegidius Tschudi, wo der Name Melchnau anlässlich einer Schenkung an das Kloster Einsiedeln um 1100 zum ersten Mal fassbar wird. Der Eintrag (Zeilen 15 bis 17 von oben) lautet:
Luitgart nobilis matrona, Eberhelmi de Altbuerron uxor, Rudolfo primo eius no[min]is Abbati n[ostr]o dedit praedium in Rusinkon, et praedium Padachtal. Berengarius de Altbuerron, praedict[orum] Eberhelmi et Luitgartae filius, occisus, dedit Melchenowe.
Übersetzt bedeuten diese Zeilen: Die Ehefrau des Eberhard von Altbueron namens Luitgart schenkte dem Abt Rudolf, dem ersten dieses Namens, ein Gut in Rusinkon und das Gut Badachtal.2 Der Sohn der beiden vorgenannten, Berengar von Altbueron, der im Kampf gefallen war, schenkte Melchnau.3 Foto: Kloster Einsiedeln, P. Joachim Salzgeber.
Vorwort
Das Dorf Melchnau feiert im Jahr 2000 ein historisches Jubiläum: die älteste bekannte Nennung, in welcher der Ortsname Melchnau vorkommt, wird ins Jahr 1100 datiert (Abbildung oben). Ob Melchnau deshalb genau 900 Jahre alt sei, dieser Schluss ist historisch nicht korrekt; noch ältere Urkunden könnte es ja früher gegeben haben (oder wir haben sie nur noch nicht entdeckt). Überhaupt: dass der Ortsname in einer Zeit, wo noch immer recht wenig schriftlich festgehalten wurde, den Weg in eine Urkunde gefunden hat, lässt vielmehr den Schluss zu, dass vor 900 Jahren eine Dorfgemeinschaft von «Melchnauern» schon bestanden haben muss. Melchnau muss älter sein als 900 Jahre!4
Weshalb denn nun überhaupt ein Jubiläum? Weshalb dazu noch ein Buch? Die erste Frage rührt an unser Geschichtsverständnis, wonach alles heute Existierende etwas «Gewordenes» ist. Dieses zu betrachten bedeutet, Vergangenes wieder gegenwärtig zu machen, bedeutet also, Geschichte zu betreiben. Für unsere Kultur und unser Selbstverständnis haben die Erinnerungen an frühere Zeiten einen hohen Stellenwert, und wenn sich eine runde Jahrzahl anbietet, so lohnt es alleweil, für einmal gemeinsam inne zu halten und sich zu erinnern – ganz gleich, ob diese runde Jahrzahl nun auch aufs Jahr genau stimmen mag oder nicht.
Neben all diesen Überlegungen, die allein schon ein Buch – das klassische Mittel der Erinnerung – rechtfertigen, kommt zum Jubiläum ein weiterer Umstand hinzu: Seit 1972 wirkt in Melchnau eine Museumskommission. Sie hat sich die Aufgabe gestellt, vor allem alte Akten und Fotos, aber auch alte Möbel, Haushalt- und Handwerkgeräte zu sammeln und aufzubewahren. Die rührigen Mitglieder haben im Laufe der Zeit Hefter und Schachteln voller wertvoller Akten zusammen getragen und geordnet. Einige in alter deutscher Handschrift abgefasste Bücher wurden in Maschinenschrift übertragen, damit alle Interessierten sie lesen können. Dies alles ist Ursprung und sprudelnder Quell unseres Wissens. Aus diesem Fundus hat nun im Jubiläumsjahr die Redaktionsgruppe ihr Wissen geschöpft und dieses Buch zusammengestellt.
Den Sponsoren, welche mit namhaften Beiträgen «Melchnau – auf dem Weg» erst ermöglicht haben, danken wir hier herzlich. Ebenso danken wir den zahlreichen Personen, die Bildmaterial und ihr Wissen beigesteuert und somit diesem Werk zu der grossen Vielfalt verholfen haben. Wir hoffen, dass alle, die Interesse an der Geschichte und Gegenwart des schönen Dorfes Melchnau haben, bei der Lektüre des Buches und beim Erwandern des Weges Lust und Anregung finden zum eigenen Forschen und Nachspüren.
Melchnau 2000, Lukas Wenger und Redaktionsgruppe
1 Text und Bild nach: Wenger, Lukas/et al.: Melchnau auf dem Weg. 900 Jahre Melchnau, 2000. Merkur Druck, Langenthal, 2000.
2 Padachtal, heute Badachtal, ist ein Weiler bei Ebersecken.
3 Das «Liber Heremi» wird im Stiftsarchiv des Klosters Einsiedeln aufbewahrt. Wir danken dem Stiftsarchivar, Pater Joachim Salzgeber, für seine freundliche Mitteilung vom 30. September 1999 und die Veranlassung einer fotografischen Aufnahme. Der Text ist gedruckt – mit kleinen Transkriptionsfehlern – in Quellenwerk 1951: Bd. 3, 377.
4 Ein Beweis dafür, dass das Gebiet des Dorfes Melchnau von Kelten besiedelt war, liefern drei keltische Goldmünzen, sogenannte Regenbogen-Schüsselchen. Ungefähr 1865 wurde auf dem Bodmen ein unscheinbarer gelber Knopf gefunden, drei Jahre später an derselben Stelle wieder. Der dritte Fund von 1871 wurde Dr. J. Uhlmann in Münchenbuchsee zur Begutachtung und Bestimmung gesandt; der glücklichen Finderin wurden 40 Franken ausbezahlt, damals eine recht hohe Summe. Dieses Regenbogen-Schüsselchen befindet sich heute im Historischen Museum in Bern. MAAG 1981: 55.
- Details
- Geschrieben von Lukas Wenger
- Veröffentlicht: 20. Dezember 2013
- Erstellt: 20. Dezember 2013