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Der deutsche Robert Bosch (1861-1942) gründete 1886 ein eigenes Unternehmen aus dem sich der heutige weltweit aktive Elektro- und Zulieferungskonzern Robert Bosch GmbH entwickelte. Dieser gehörte in den letzten Jahren stets zu den zehn grössten Unternehmen Deutschlands.
Das wichtigste Geschäftsfeld des Konzerns neben der Elektroindustrie ist die Produktion von Bauteilen für die Automobilindustrie. Er ist der grösste Automobilzulieferer der Welt und ist traditionell mit dem Automobilkonzern VW verbunden. Beide Unternehmen profitieren durch Milliardenumsätze voneinander (Quelle). Die Robert Bosch GmbH war in den Dieselskandal verwickelt. Eine deutsch-amerikanische Studie kam zum Schluss, dass die Robert Bosch GmbH die Software für sogenannte Defeat Devices bei Dieselmotoren von VW und Fiat Chrysler geschrieben habe und somit federführend an der Abgasmanipulation beteiligt war (Quelle).
Das derzeitige Vermögen der Bosch Familie wird auf 4,1 Milliarden Euro geschätzt (Quelle).
Die Robert Bosch GmbH gehört zu den weltweit grössten nicht börsennotierten Unternehmen und ist daher unabhängig von Aktionären. Die Bosch Familie besass 2019 knapp 8 Prozent des Unternehmens, während die restlichen 92 Prozent der Robert Bosch Stiftung gehören. Die Stiftung wurde 1964 gegründet und entstand aus der Vermögensverwaltung der Bosch Familie. Die Stiftung hat aber keine Stimmrechte am Konzern. Die Stimmrechte liegen bei der „Robert Bosch Industrietreuhand KG“, die aber nur 0,01 Prozent der Anteile hält. Bis spätestens 2003 gehörte die Bosch Familie noch zu den Gesellschaftern der Treuhand (Quelle). Heute wird sie von den Managern der Robert Bosch GmbH geführt.
Die Robert Bosch Stiftung ist eine der reichsten Stiftungen Deutschlands und besass 2015 ein Vermögen von 5,1 Milliarden Euro. Die Stiftung gehört in den letzten Jahren zu den grössten Spendern des Chatham Houses (Quelle). Die britische Denkfabrik gilt als eine der mächtigsten der Welt. Die Stiftung ist auch mit der Brookings Institution verbunden, eine der mächtigsten Denkfabriken der USA. Gemeinsam fördern sie deutsch-amerikanische Beziehungen (Quelle).
Robert Bosch
Das Unternehmen wurde 1886 von Robert Bosch (1861-1942) gegründet. Er wurde zu einem der wichtigsten Industriellen Deutschlands. Sein Vater Servatius Bosch (1816-1880) war Gastwirt, Freimaurer und Gründungsmitglied der Demokratischen Volkspartei DVP (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Deutschen Volkspartei). (Quelle) Die DVP wurde nach dem 2. Weltkrieg in die heutige FDP Baden-Württemberg integriert.
Knights of Labor
In den Jahren bevor Robert Bosch das Unternehmen gründete arbeitete er für Siemens Brothers in London und für Edison in den USA (Quelle). Die beiden Konzerne gelten als die Pioniere der Elektrotechnik. In den 1880er Jahren schloss sich Bosch den „Knights of Labor“ an (Quelle). Diese waren eine bedeutende Arbeiterorganisation in den USA, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aktiv war. Sie waren zudem eine Art Bruderschaft und hatten Ähnlichkeiten mit der Freimaurerei. Sie hatten mehrere 100 000 Mitglieder. Der Gründer war Uriah Smith Stephens, der die Gewerkschaft/Bruderschaft auch mitführte. Er war Freimaurer und gehörte zu den Odd Fellows (Quelle). Der „Independent Order of Odd Fellows“ (IOOF) ist ein freimaurerähnlicher Orden. Man trifft sich in Logen und der Orden ist in drei Grade aufgeteilt. Der Orden bildete sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Umfeld der englischen Freimaurer-Community. Uriah Smith Stephens war auch Mitglied der „Knights of Pythias“, ebenfalls ein freimaurerähnlicher Orden (Quelle). Somit war der Gründer der Gewerkschaft/Bruderschaft „Knights of Labor“ selbst Mitglied in weiteren Orden. Als Verschwörungstheoretiker könnte man auf die Idee kommen, dass die „Knights of Labor“ von der US-Elite gegründet wurden, mit dem Ziel die amerikanische Arbeiterbewegung zu infiltrieren und zu manipulieren (gesteuerte Opposition). Der grösste Teil der mehr als 100 000 Anhänger würde demnach wirklich geglaubt haben, dass es bei der Bruderschaft um Arbeiterrechte ging, während die Führung des Ordens eigentlich nur die Arbeiterbewegung überwachen wollte. Ob Robert Bosch zur Ordensführung gehörte oder nur ein einfaches Mitglied war, ist unbekannt.
Paneuropa Union
Robert Bosch gehörte zu den ersten Förderern der Paneuropa Union. Sie ist die älteste europäische Einigungsbewegung und plante die Gründung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Zu den ersten Spendern gehörte auch der Bankier und Politiker Max Moritz Warburg, der aus der Bankiersfamilie Warburg kam. (Quelle)
Die Paneuropa-Union wurde 1923 vom österreichischen Grafen Richard von Coudenhove-Kalergi gegründet, der bis zu seinem Tod 1972 der Präsident der Bewegung war. Seither wird sie vom Haus Habsburg geführt, der ehemaligen Königsfamilie Österreichs, die schon seit den 1930er Jahren zur Union gehört. Der Gründer Richard war ein Vertrauter von Otto von Habsburg (Quelle). Richard stammte aus der böhmischen Adelsfamilie Coudenhove, die Teil des österreichischen Adels ist. Er war Freimaurer (Quelle).
2. Weltkrieg
Nach Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Boschs Unternehmen weltweit aktiv. Nach der Machtübernahme Hitlers 1933 begann der Boschkonzern zusammen mit den NS-Behörden an geheimer Rüstungsproduktion zu arbeiten. Da der Konzern Einzelteile für Flugzeuge, Züge und Fahrzeuge herstellte, profitierte er von der Aufrüstungspolitik der Nazis. Er stieg zu den 25 grössten Unternehmen Deutschlands auf (Quelle). Während des Krieges war der Konzern einer der führenden Zulieferer der deutschen Panzerproduktion. (Quelle)
1941 wurde Robert Bosch als „Pionier der Arbeit“ geehrt, die höchste wirtschaftliche Auszeichnung im Dritten Reich. Das von Hitler gestiftete Ehrenzeichen wurde an 19 Personen verliehen, darunter auch an Porsche, Krupp und Röchling.
Während des 2. Weltkrieges beschäftigte der Bosch-Konzern mindestens 20 000 Zwangsarbeiter. Bereits 1940 bestand die Belegschaft des Unternehmens zu einem Drittel aus Zwangsarbeitern (Quelle). Auch wenn Robert Bosch von den Nazis wirtschaftlich profitierte, mochte er sie dennoch nicht. Er war auch kein Antisemit und rettete mehrere Juden vor der Verfolgung.
Robert Bosch starb 1942. In der Zeit zuvor unterhielt er Kontakt zu Carl Friedrich Goerdeler (Quelle). Dieser gehörte zu den führenden Köpfen des Wiederstands im Naziregime. Er plante das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944.
Hans Walz, der ursprünglich ein Sekretär von Bosch war, gehörte ebenfalls zur Führung des Bosch-Konzerns. Walz trat der NSDAP und der SS bei. Er gehörte zum Keppler-Kreis, eine Gruppe von deutschen Industriellen und Bankiers mit dem Ziel, Einfluss auf die Wirtschaftspolitik des dritten Reiches zu nehmen. Zu den Mitgliedern gehörten auch Kurt von Schröder, Friedrich Flick und Hjalmar Schacht, die zu den wichtigsten Unterstützern der Nazis gehörten. In der Nachkriegszeit führte Hans Walz den Bosch-Konzern.
Carl Bosch
Carl Bosch (1874-1940) war ein Neffe von Robert Bosch. Der Chemiker war der Erfinder des Haber-Bosch-Verfahrens, ein bedeutendes Chemieverfahren zur Synthese von Ammoniak. 1931 erhielt er dafür den Nobelpreis für Chemie. Er entwickelte das Verfahren, als er beim deutschen Chemiekonzern BASF arbeitete. Einige Jahre später trat er dem Vorstand der BASF bei. Die BASF beschäftigte während des 1. Weltkrieges etwa 1500 Zwangsarbeiter (Quelle). Die BASF ist heute der grösste Chemiekonzern der Welt.
Nach dem 1. Weltkrieg nahm Carl Bosch 1919 als Wirtschaftsberater an den Waffenstillstandsverhandlungen von Versailles teil.
I.G. Farben
Carl Bosch war 1925 massgeblich an der Gründung der I.G. Farben beteiligt. Der Chemie- und Pharmakonzern war ein gemeinsames Projekt von mehreren deutschen Unternehmen, darunter auch der BASF. Carl Bosch war der erste Vorstandsvorsitzende der I.G. Farben und führte den Vorstand noch bis 1935. Danach war er noch bis 1940 im Aufsichtsrat. Auch der Bankier Max Moritz Warburg gehörte in der Gründungszeit zum Vorstand der I.G. Farben.
Die I.G. Farben stieg in den 1930er Jahren zu den grössten Unternehmen Deutschlands auf (Quelle). Zu der Zeit kamen auch die Nazis an die Macht und die I.G. Farben profitierte davon, da sie den Auftrag bekam, möglichst viel synthetischen Treibstoff herzustellen als Vorrat für einen möglich kommenden Krieg. Bereits 1934 gründete die I.G. Farben eine Tarnfirma im geheimen Auftrag der Nazis für den Bau von Grosstanklagern für Heer und Luftwaffe. Die I.G. Farben war zudem mit dem US-amerikanischen Ölkonzern Standard Oil der Rockefeller Familie verbunden. Der Ölkonzern half der I.G. Farben in den Jahren vor dem Krieg bei der Herstellung von Flugzeugbenzin, gegen den Willen der US-Regierung. (Quelle)
Carl war Mitglied des Generalrats der Wirtschaft, ein kurzlebiges Gremium das nur einmal tagte (am 20. September 1933). Es bestand aus hochrangigen deutschen Bankiers und Industriellen, welche die NSDAP Führung und Hitler bei ihren Zukunftsplänen berieten. Zu den Teilnehmern gehörten auch Schröder, Siemens, Finck, Krupp und Thyssen. (Quelle)
Carl Bosch wurde zum Wehrwirtschaftsführer ernannt, eine Auszeichnung der NSDAP, die an Leiter rüstungswichtiger Betriebe vergeben wurde. So gut wie alle der wichtigsten Industriellen der damaligen deutschen Wirtschaftselite erhielten diese Auszeichnung, unter anderem Porsche, Siemens, Quandt, Merck, Krupp, Flick, Röchling und Henkel.
Arisierung
Aufgrund der antisemitischen Politik der Nazis wurden 1937 allen jüdischen Manager und Aufsichtsratsmitglieder der I.G. Farben entlassen. Soviel bekannt ist, hatte Carl Bosch kein Problem damit, dass Juden in der Konzernführung vertreten waren. Er trat nie der NSDAP bei. Mehrere andere Vorstandsmitglieder traten Hitlers Partei bei. Darunter auch Georg von Schnitzler. Er gehörte zu den Teilnehmern des Geheimtreffens vom 20. Februar 1933. Bei dem Treffen spendeten deutsche Industrielle 3 Millionen Reichsmark an die NSDAP, welche die finanziellen Probleme der Partei lösten. Zu den Teilnehmern gehörten die wichtigsten (nicht jüdischen) Akteure der damaligen deutschen Wirtschaftselite, darunter auch Quandt, Krupp, Flick, Finck, Opel sowie Hjalmar Schacht (bekennender Freimaurer der unter Hitler die deutsche Zentralbank leitete und mit dem britischen Zentralbankenchef Montagu Norman befreundet war) und Ludwig von Winterfeld (gehörte zum Vorstand von Siemens und hatte in die Siemens Familie geheiratet).
Georg von Schnitzler kam aus der Bankiersfamilie Schnitzler, die in den deutschen Adel aufgenommen wurde. Die Schnitzler Familie war zu der Zeit über Heiraten mit den Bankiersfamilien Schröder und Stein verbunden, die zu den wichtigsten Bankiers des Naziregimes gehörten.
Zum Vorstand der I.G. Farben gehörte auch Max Ilgner, der ebenfalls der NSDAP beitrat. Er gehörte zum F-Kreis, eine Organisation von Industriellen zur Beratung des deutschen Propaganda-Ministeriums zu Fragen der deutschen Auslandspropaganda. Die Mitglieder trafen sich regelmässig mit Propagandaminister Goebbels. Ein Berater des F-Kreises war der US-Amerikaner Ivy Lee, der auch PR-Manager der Rockefeller Familie war.
Nachdem die Konzernführung der I.G. judenfrei war, begann das Unternehmen von der Arisierung zu profitieren. Die I.G. konnte jüdische Chemie- und Pharmaunternehmen übernehmen und wurde systemrelevant für Hitlers Krieg (Quelle). Die I.G. wurde zum grössten Unternehmen Europas. Bosch gehörte noch bis 1940 zum Aufsichtsrat der I.G. und verstarb schliesslich.
Zwangsarbeit
Unter der Führung Ilgner und Schnitzler (wurden oben erwähnt) setzte die I.G. Zwangsarbeiter ein, wie viele deutsche Grosskonzerne. 1942 gründeten sie das „KZ Auschwitz III Monowitz“, das erste private Konzentrationslager (Quelle). Es hatte geschätzt 41 000 Häftlinge, wovon etwa 30 000 starben. Viele starben an unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Arbeitsunfähige wurden ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gebracht und ermordet. (Quelle)
Nach dem Krieg wurden dreizehn leitende Angestellte der I.G. zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die I.G. wurde aufgelöst. Die Konzernteile wurden an die Gründerfirmen zurück verteilt. Das was früher der Grosskonzern I.G. war, ist heute Teil von BASF, Bayer, Sanofi und Wacker Chemie.
Weitere Familienmitglieder
Robert Bosch Junior (1928-2004) wurde 1954 Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. 1971 wechselte er in den Aufsichtsrat, dem er bis 1978 angehörte. Er heiratete in die deutsche Adelsfamilie Graevenitz. Sein Schwiegervater war Fritz von Graevenitz. Der Maler porträtierte 1935 Adolf Hitler. Fritz war ein Schwager des Adligen Ernst von Weizsäcker, der zur Führung des Naziregimes gehörte. Dessen Sohn Richard von Weizsäcker war von 1984 bis 1994 Bundespräsident der Republik Deutschland und war somit Staatsoberhaupt (der Kanzler führt in Deutschland die Regierung, ist aber nicht Staatsoberhaupt). Der Vater von Fritz war Friedrich von Graevenitz, einer der obersten deutschen Militärführer im 1. Weltkrieg.
Eva Bosch (*1931) heiratete Gero Madelung. Von 1983 bis 2003 war er Mitglied des Aufsichtsrates der Robert Bosch GmbH. Der Luftfahrtingenieur arbeitete für den Flugzeughersteller Messerschmitt AG. Das Unternehmen wurde von Geros Onkel Willy Messerschmitt gegründet, der als einer der Pioniere der Luftfahrt gilt. Sein Unternehmen entwickelte sich zu einem der grössten deutschen Luftfahrt- und Rüstungskonzernen. Für seine Verdienste in der Rüstungsindustrie wurde er von den Nazis zum Wehrwirtschaftsführer geehrt. Die Messerschmitt AG beschäftigte Zwangsarbeiter. Gero Madelung leitete von 1978 bis 1983 den Messerschmitt-Konzern. Der Konzern wurde inzwischen in die Airbus Group integriert, die zu den weltweit grössten Luftfahrt- und Rüstungskonzernen gehört.
Margarete Bosch (1888-1972) trat nach dem 2. Weltkrieg der deutschen Partei DVP bei, zu deren Mitgründern auch ihr Grossvater Servatius Bosch (1816-1880) gehörte. Die DVP wurde in der Nachkriegszeit in die FDP integriert, der Margarete Bosch ebenfalls beitrat. Margarete Bosch gehörte zur Friedrich-Naumann-Stiftung, die der FDP nahe steht.