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Sammlungen
Die Herbarien Basel sind das Ergebnis einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit zwischen dem Herbarium der Universität Basel (BAS) und dem Herbarium der Basler Botanischen Gesellschaft (BASBG). Diese Zusammenarbeit wurde im Jahr 2016 mit der Gründung der Herbarien Basel formalisiert. Seitdem sind diese beiden Sammlungen, zusammen mit dem Orchideenherbarium Jany Renz, in Bottmingen, etwas ausserhalb von Basel, untergebracht. Ein neues, zweckmässiges Gebäude für die Botanischen Sammlungen in der Nähe des Botanischen Gartens der Universität Basel, im Zentrum von Basel, ist in Planung.
Frühe Geschichte der BAS
Das Herbarium der Universität Basel (BAS) ist die älteste Sammlung der Herbarien Basel und geht auf das späte sechzehnte Jahrhundert zurück, als die Botanik ein formeller Teil des Lehrplans der Universität Basel wurde. Caspar Bauhin (1560-1624), Schüler von Felix Platter (1536-1614), wurde 1589 der erste Professor für Botanik und Anatomie an der Universität, nachdem er seine botanische Ausbildung in Basel, Montpellier und Italien absolviert hatte. Er sammelte zumindest schon 1579 Herbariumsexemplare, was durch die in Montpellier gesammelten Pflanzen belegt ist. Sein Herbarium bildete die Grundlage für seinen Catalogus plantarum circa Basileam (1622), eine der frühesten Lokalfloren der Welt, und seinen Pinax theatri botanici (1623), ein vollständiges Verzeichnis aller bekannten Pflanzenarten samt Synonymie, das bis weit ins 18. Jahrhundert hinein von entscheidender Bedeutung blieb und eine Primärquelle für Linnaeus' Species Plantarum (1753) war.
Das Herbarium von Caspar Bauhin wurde innerhalb seiner Familie über Generationen weitergereicht, bis es Mitte des 18. Jahrhunderts von Werner de Lachenal (1736-1800, ab 1776 Professor für Botanik an der Universität Basel) auf Vermittlung von Albrecht von Haller erworben wurde. Werner de Lachenal vermachte seine Herbarien der Universität. Somit gehören seit 1800 die Herbarien der wichtigsten Basler Botaniker der Universität Basel.
Zwischen 1800 und 1900 baute die Universität mehrere zusätzliche Sammlungen auf, die August Binz (1870-1963) in eine einzige Sammlung integrierte. Binz war der erste formelle Kurator der Herbarien, ein produktiver Sammler und ein renommierter Florist; die späteren Ausgaben seiner Bestimmungsbücher sind noch heute in Gebrauch. Der Zustand der Herbarien bis zu dieser Zeit ist ausführlich dargestellt in Binz, A (1908) Naturf. Ges. Basel 19(3):137-155. Bis zur Gründung der Herbarien Basel im Jahr 2016 war das Herbarium der Universität Basel im Botanischen Institut in Basel, Schönbeinstrasse 6, untergebracht.
Wichtige Sammlungen des BAS
Die BAS verfügt über eine gemeinsam organisierte Sammlung (das "Generalherbarium"), sowie über separate Sammlungen einzelner Personen (die "historischen Herbarien"). Die älteste Sammlung im Generalherbarium ist die von Karl (Carl) Friedrich Hagenbach (1771-1849).
Allgemeines Herbarium, (19.-20. Jahrhundert)
Gemeinsam trugen die folgenden Sammler am meisten zu den ca. 250'000 Exemplare des BAS bei: G. Bernoulli, A. Binz, H. Christ, L. G. Courvoisier, C. Farron, C. F. Hagenbach, H. Huber, T. Makino, C. D. F. Meissner, R. Preiswerk, K. F. Sarasin, P. B. Sarasin, H. Schneider, W. P. Schimper, A. Thellung, J. J. Uebelin, K. Watanebe, D. Wolleb. Die meisten dieser Exemplare sind in einer einzigen Sammlung zusammengefasst, die nach den wichtigsten Pflanzengruppen (Flechten, Moose, Farne, Gymnospermen, Dikotyledonen s.l., Monokotyledonen) alphabetisch nach Familien geordnet ist. Gefässpflanzenexemplare aus der Schweiz und den angrenzenden Regionen sind nach geographischen Regionen geordnet. Der geographische Geltungsbereich des Herbariums ist global mit einem Schwerpunkt auf der Schweiz und Mitteleuropa.
Das Herbarium von Caspar Bauhin (1560-1624)
Caspar Bauhin gehört zu den Gründervätern der wissenschaftlichen Botanik und hat deren Entwicklung im frühen 17. Jahrhundert entscheidend geprägt. Sein Herbarium wurde mindestens 1579 angelegt, als er Montpellier (F) besuchte. Von seinem Herbarium sind ca. 2450 Exemplare erhalten, dazu kommen noch ca. 650 Etiketten von Pflanzen, die A. Binz zu verwerfen meinte. Es handelt sich um ein Loseblatt-Herbarium mit unmontierten Pflanzen, das in seinem ursprünglichen Folio-Papier aufbewahrt wird, wobei Abbildungen aus verschiedenen Büchern hinzugefügt wurden. Die Etiketten sind einheitlich mit Artnamen und einigen Synonymen nach Bauhins Pinax (1623). Die meisten Exemplare haben einen Hinweis auf die Herkunft, sei es ein geographischer Name, ein Garten oder ähnliches. Es gehört zu den wenigen erhaltenen Herbarien des 16. Jahrhunderts weltweit.
Das Herbarium von Jakob Hagenbach (1595-1649)
Jakob Hagenbach (1595-1649) war ein Schüler von Caspar Bauhin und wurde Professor für Logik und Ethik an der Universität Basel. Er sammelte in der Umgebung von Basel und auf verschiedenen Reisen in der ganzen Schweiz, darunter auch alpine Pflanzen auf einer ausgedehnten Reise im Jahr 1620 tief in die Berner Alpen. Seine Exemplare sind sehr sorgfältig gepresst, enthalten oft unterirdische Teile und Provenienzen sind fast immer angegeben. Das Herbarium umfasst 850 Exemplare.
Das Herbarium von Werner de Lachenal (1736-1800)
Werner de Lachenal (1736-1800) war ab 1776 Professor für Anatomie und Botanik an der Universität Basel. Er war weithin als herausragender Gelehrter der Schweizer Flora geachtet. Er korrespondierte ausgiebig mit Albrecht von Haller, mit dem er Pflanzen austauschte und für den er sammelte (z.B. 1760 in den Tessiner Bergen im Süden der Schweiz). Lachenal bereitete eine neue Flora der Region Basel vor, die jedoch nie veröffentlicht wurde. Sein Herbarium enthält vor allem Pflanzen aus der Schweiz, aber auch viele exotische Pflanzen aus botanischen Gärten. Lachenal hatte Bauhins Herbarium in sein eigenes integriert, hielt die Exemplare aber getrennt. Binz trennte diese Herbarien während seiner Revisionen in den frühen 1900er Jahren.
Das Herbarium von Johannes Buxtorf (1736-1806)
Am bedeutendsten ist das Herbarium von Johannes Buxtorf (1736-1806). Buxtorf war ein Schüler Zwingers und wurde, wie sein Vater, Chefarzt von Basel ("Archiater"). Dieses Loseblatt-Herbarium besteht aus etwa 2000 Exemplaren, von denen ein bedeutender Teil in Leiden gesammelt wurde, wo er um 1760 studierte. Das Besondere an dieser Sammlung ist, dass fast alle Exemplare dokumentieren, von wem sie erhalten wurden, und so ist es ein Who-is-Who der wissenschaftlichen Elite der Nordschweiz des 18. Jahrhunderts. Sie enthält auch mehrere hundert Exemplare von Abraham Gagnebin (1707-1800) und anderen (u.a. J. Buxtorf, A. von Haller, W. Sherard, J. R. Zwinger). Darüber hinaus enthält es mehrere hundert kunstvoll arrangierte, atemberaubend schöne montierte Exemplare unbekannter Herkunft, datiert aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Andere Herbarien des 18. Jahrhunderts
Verschiedene andere historische Sammlungen aus dem 18. Jahrhundert werden ebenfalls im BAS aufbewahrt unter anderem eine kleine Sammlung dieJohann Rudoph Stähelin (1724-1801) zugeschrieben wird, zwei Exemplare von Johann Balthasar Erharts (1700-1756) Herbarium Vivum Completum und ein Herbarium Vivum Portatile (mit Notizen von W. de Lachenal), das Herbar Mieg, sowie eine Sammlung von "pharmazeutischen Herbarien" unbekannter Herkunft.
Andere assoziierte Sammlungen
Die BAS enthält auch die Saatgutsammlung von Claude Farron (ehemaliger Herbariumskurator) und Saurer (Chefgärtner des Botanischen Gartens der Universität), die ca. 60'000 Exemplare umfasst, mit einem zugehörigen Herbarium von mehreren tausend Sämlingsexemplaren.
Die historischen Sammlungen von Bauhin, Hagenbach und Lachenal sind bebildert.
Das Herbarium der Botanischen Gesellschaft Basel (BASBG)
Die grösste Teilsammlung der Herbarien Basel ist das Herbarium der Basler Botanischen Gesellschaft (BASBG) mit fast 350'000 Exemplaren. Eines der Hauptziele der Gesellschaft bei ihrer Gründung 1952 war die Führung eines Sammelherbariums. Die BASBG ist eine Sammlung von privaten Herbarien, die systematisch nach dem Engler'schen System (in Anlehnung an Dala Torre & Harms) geordnet sind. Der geographische Geltungsbereich des Herbars ist Mitteleuropa, der Mittelmeerraum und die Türkei.
Die Hauptbeteiligten sind W. Baumgartner, R. Bay, E. Berger, A. Binggeli, W. Blome, R. Engel, P. Güntert, M. Gyhr, R. Haller, F. Heinis, C. Heitz, A. Heitz-Weniger, A. Huber, A. Huber-Morath, H. Hürlimann, E. Issler, H. Kunz, R. Kunz-Anderegg, R. Leuschner, W. Lüdi, M. Nydegger, V. Rastetter, H. Reese, J. Renz, L. Rieber, W. Rüttimeyer, K. Schaub, M. Schmidt, C. Simon, E. Tschopp, H. Wirz, H. Zoller.
Das Herbarium der Basler Botanischen Gesellschaft verfügt über eine angegliederte botanische Bibliothek mit Schwerpunkt auf der weltweiten Pflanzenbestimmungsliteratur.
Das BASBG ist nahezu flächendeckend bebildert und für ca. 180'000 Belege sind grundlegende Metadaten verfügbar (Stand April 2021).
Das Orchideenherbarium Jany Renz (RENZ)
Jany Renz (1907-1999) war Chemiker, Leiter der pharmazeutischen Forschung der Sandoz AG in Basel und ein leidenschaftlicher Orchideenliebhaber. Ein grosser Teil von Renz' Sammlung, ca. 30'000 prächtigen Orchideenpräparaten, enthält florale Präparate. Seine Präparate sind in der Qualität der Präparation und der ästhetischen Präsentation unübertroffen. Das Herbarium, das die weltweite Orchideenvielfalt in den Vordergrund stellt, wurde der Universität zusammen mit der exzellenten und vollständigen Orchideenbibliothek von Jany Renz vermacht. Das Herbarium ist eng mit der privaten Stiftung "Schweizerische Orchideenstiftung am Herbarium Jany Renz" verbunden, die den Aufbau der Datenbank "World Orchid Iconography" koordinierte.
RENZ ist umfassend digitalisiert und in die World Orchid Iconography Datenbank integriert.