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1964 ist der FC Liverpool noch nicht der legendäre Klub, der er heute ist. Sechs Mal ist er englischer Meister geworden, ein Triumph im FA Cup fehlt noch und auch europäische Erfolge hat er noch nicht eingefahren.
Unter Manager Bill Shankly sind die Nordengländer aktueller Titelträger – und dieser Shankly hat einen Geistesblitz. Die weissen Hosen sollten verschwinden und wie das Trikot rot werden. «Er hoffte auf eine psychologische Wirkung auf den Gegner: Rot für Gefahr, rot für Kraft», schildert Stürmer Ian St.John in seiner Biografie. Shankly hat eine Ahnung, die viele Jahrzehnte später von Wissenschaftlern bestätigt wird: Sportler in roten Trikots gewinnen öfter.
«Shankly kam eines Tages in die Garderobe, warf Ronnie Yeats eine rote Hose hin und sagte ihm, er solle sie anziehen», so St.John weiter. «Jesus Christus, Ronnie, du siehst unglaublich aus, als wärst du plötzlich zwei Meter zehn gross!», habe Shankly gerufen.
Stürmer St.John schlug vor, gleich auch noch in roten Stulpen anzutreten. «Lasst uns gleich ganz in rot spielen.»
Wer auch immer letzten Endes die Eingebung hatte: Seine Wirkung verfehlt das neue Dress nicht. Im ersten Match ganz in rot schlägt Liverpool im Europacup den RSC Anderlecht mit 3:0 – sowohl St.John wie dem angeblich 2,10 m grossen Yeats gelingt an der Anfield Road ein Tor.
Ein halbes Jahr später gewinnt Liverpool zum ersten Mal den FA Cup. Unter Shankly folgen noch zwei Meistertitel, ein weiterer Cupsieg und der Erfolg im UEFA-Cup 1973.
«Shanklys Erleuchtung, ganz in rot zu spielen, war eine der wichtigsten Entscheidungen in der Klubgeschichte», hält der FC Liverpool auf seiner Website fest. Ganz in rot gewann der Klub nicht nur zwölf Meistertitel in 24 Jahren, sondern auch insgesamt sechs Mal die Champions League bzw. dessen früheres Pendant, den Meistercup.
Im Stadion an der Anfield Road erinnert eine Statue an den immer noch überaus populären Manager. «He made the people happy» ist deren Inschrift, «Er machte die Menschen glücklich.»
Die Premiere von Servette in der Europa League mobilisierte die Massen. Rund 20'000 Fans strömten am Donnerstagabend ins Stade de Genève und damit deutlich mehr als bei einer alltäglichen Super-League-Partie. René Weilers Team konnte das Publikum jedoch nicht mit einem Erfolgserlebnis in die verregnete Genfer Nacht entlassen.