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Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts:
Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts ist Religionskritik in Form von Aufklärungsphilosophien, Positivismus, Empirismus, Materialismus, Sozialismus, Marxismus, sowie Ideen von Nietzsche und Heidegger in den Nahen Osten gelangt. Kommuniziert worden sind diese Denkansätze zum einen durch sekundäre Medien, zum anderen durch persönliche Kommunikation wie Briefe, Auslandsaufenthalte, Intellektuellenzirkel im Exil oder universitäre Lehre. Diese zeugen oft von einem starken gegenseitigen ‘west-östlichen’ Interesse. Zugleich suchten nahöstliche Intellektuelle im gegenseitigen Austausch nach humanistischen, anthropozentrischen sowie evolutionistischen und auch wissenschaftlich materialistischen Wurzeln und Anknüpfungspunkten in vorislamischen Kulturen des Orients oder in heterodoxen islamischen Strömungen wie dem pantheistischen Sufismus. Diese Offenheit nahöstlicher Denker für religionskritische Ideen aus europäischen und ‘eigenen’ Traditionen, deren Adaption, Umformung und Weiterentwicklung sind bislang im Gesamtzusammenhang gar nicht und mit Blick auf einzelne Personen, Regionen und Zeiten nur punktuell untersucht.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext:
Das vorliegende Projekt stellt das Urteil der “Verwestlichung” grundlegend in Frage. Es will damit kulturalistische Sichtweisen abbauen und an ihre Stelle Perspektiven der Verflechtungen (Histoire croisée, Transfer-, Wissensgeschichte) setzen.