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Die Redaktion dankt ihrem Korrespondenten Oberst Gerhard Läubli, Basel, für die aktuelle FAZ-Karte zur Lage am 22./23. Februar 2022.
Je nach Quelle bemessen die Institute den russischem Aufmarsch in Fronten, Armeen, Divisionen oder auch – auf unterer Stufe, die als “Baustein” zählt – in Bataillonskampfgruppen (BKG). Diese umfassen je nach Lage rund 1’500 Mann und sind taktisch zur selbständigen Gefechtsführung fähig. Kommandant ist in aller Regel ein erfahrener Oberstleutnant, oft mit Generalstabsausbildung. Mit der Schätzung auf mindestens 110 BKG liegt die Karte im Bereich der Regierungen und Analytiker, die den gesamten Aufmarsch in der zweiten Februarhälfte 2022 auf über 150’000 Mann beziffern (110 x 1’500 = 165’000).
Der Aufmarsch in Belorus
Die Karte hat gegenüber älteren Darstellungen den Vorzug, dass sie der Verschiebung sibirischer Verbände nach Weissrussland Rechnung trägt und im Nordwesten den Aufmarschbogen vollmacht. Zu den Waffen konzentriert sich die Karte auf die nuklear einsetzbaren Iskander, die S-400, die Kampfjets und die Schiffe. Die starke Präsenz von Panzer und Mech-Infanterietruppen wird vorausgesetzt und nicht speziell angezeigt. Erkennbar sind die Schwerpunkte, im Uhrzeigersinn:
- Belorus und russisches Grenzgebiet bis und mit Brjansk: Starke Präsenz von Luftlandeverbänden bei Brest, Baranawitsch und Gomel. Iskander-Raketenstellungen bei Brjansk und Assipowitschy, S-400 in Luninez und bei Minsk.
- Worensch: Traditionell Panzerstark (nicht eingetragen), Iskander-Stellung.
- Rostow am Don: Von einiger Brisanz seit der Anerkennung der “Republiken” Donezk (südlich im Donbass) und Luhansk (nördlich). Aus dem Raum Rostow rollten schon in der Nacht vom 21. zum 22. Februar 2022 Kampfpanzer, Schützenpanzer und Panzerhaubitzen in die “Republik” Donezk.
- Krim: Zusätzlich zu den Panzer- und Mech-Infanteriedivisionen S-400, Luftwaffe und Luftlandetruppen.
Sewatopol: der beherrschende Hafen
Beim beherrschenden Hafen Sewastopol markiert ein Schiff die verstärkte Präsenz der Marine. Ihre grossen Landungsschiffe können im Angriffsfall vom Schwarzen und Asowschen Meer her stattliche Marine-Infanterieverbände an Land führen, die den terrestischen Zangenangriff von Perekop und Taganrog her führen.
Die Karte merkt an: “Eine Gruppe von zehn russischen Schiffen ist am 22. Februar 2022 ins Asowsche Meer eingefahren”. Sie muss die Strasse von Kertsch, die seit dem 1. März 2014 beidseits in russischer Hand ist, problemlos durchquert haben. Auch wenn die Kertschbrücke eräffnet ist, geht es für Russlands Generalstab am Asowschen Meer um strategisches Land: um die Landverbindung von Rostow her der Küste entlang zur Landenge von Perekop, die den Weg auf die Krim eröffnet.
Politisch aufschlussreich: Die FAZ, Deutschlands führende Tageszeitung, unterscheidet im Donbass rot (auch mit roten Pfeilen für den offenen Einmarsch) für die real besetzten Gebiete und orange für die offiziellen Provinzgrenzen deutlich mehr im Westen. Das ist militärisch und völkerrechtlich korrekt: Nur Russland anerkennt die “Republiken”. Vom Westen sind Donezk und Luhansk so wenig anerkannte Staaten wie Abchasien und Südossetien auf georgischem Territorium.