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Von Hansjörg Leutwyler
Das Gespräch mit dem Clanführer war sehr informativ. Daniel Juzi ist berührt, in welch desolater Isolation diese Leute leben: Fast ein halbes Jahr lang leben sie eingeschneit bei extrem tiefen Temperaturen von der Aussenwelt abgeschnitten. Läden oder Spitäler gibt es keine, höchstens für ein paar Monate einige freiwillige Lehrer, die unterrichten. Die Leute leben nur von ihren Yaks – das ist alles!
Der kleine Ort Eschkaschem liegt am Eingang zum Wakhan-Korridor. Ein langer, schmaler Landesteil im Zentrum Zentralasiens, der wie ein Finger gegen Osten hin bis China reicht und Pakistan und Tadschikistan um eine halbe Talbreite trennt. Ganz am Ende des Korridors befindet sich das Gebiet des Kleinen Pamir. Hier entspringt der Oxus und der Chaqmatin-See liegt, nur 20 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt, wunderschön eingebettet in diesem auf über 4000 Meter liegenden Hochtal. Gleich neben diesem See befindet sich seit vergangenem Herbst eine neue Landebahn.
Dass hier auf 4065 Metern über Meer eine Flugpiste gebaut wurde, ist «Wild Life Conservation» zu verdanken. Es ist eine von vielen nationalen und internationalen Organisationen, für welche Daniel Juzi und seine Kollegen mit ihren vier Flugzeugen täglich fliegen. Nothilfe, Versorgungs- und Rettungsflüge, der Transport von Hilfsgütern und Fachleuten im medizinischen, Agrar- oder Energiebereich: Das alles ist Alltag für den Schweizer Piloten in Zentralasien. Neue Pisten eröffnen ist nicht gerade alltäglich, kommt aber immer wieder vor. So erhalten Menschen, die in abgelegensten Gebieten mit dem Überleben kämpfen, Zugang zu Medizin, Bildung und Nahrung.
Um die Piste zu eröffnen, marschierte Daniels Pilotenkollege Chris fünf Tage zu Fuss. So konnte er vor Ort beurteilen, ob der «airstrip» für die erste Landung geeignet ist. Chris wies Daniel an, erst nach dem ersten Viertel der Piste aufzusetzen, um eine fragliche Stelle zu übergehen. Die Eröffnungsfeier war in einer Jurte. Der Clanführer hielt eine Rede – und Daniel ebenso. Es war ein kleines Fest der Dankbarkeit. Es gab Ziege und Yak. Yak-Joghurt, Yak-Rahm und Yak-Milch-Kaffee – eine Köstlichkeit, die Starbucks und Nespresso verblasssen lassen. Der Alltag hat die Nomaden schnell wieder eingeholt. Die brutale Realität auf diesem Landstrich von unglaublicher Schönheit verzeiht ihren Bewohnern nichts. Bleibt zu hoffen, dass mit dem «Little Pamir Airport » das Leben auf dem Dach der Welt für sie ein wenig erträglicher wird. Quelle: Daniel Juzi, Zentralasien
Wie frische Weggli
Was den in Papua Neuguinea stationierten Schweizer Piloten Michael Vogel immer wieder beeindruckt, ist das Interesse der Menschen an einer besonderen Fracht. Ob Rettungseinsätze, medizinische Versorgungs- oder Passagierflüge, eines darf Michael nicht vergessen: die Bibeln in der Sprache der Einheimischen.
Die Neuigkeit hatte sich vor bald zwei Jahren in Papua Neuguinea wie ein Lauffeuer herumgesprochen: MAF-Flugzeuge haben Bibeln dabei. Das hat Gründe: Ein grosser Teil der Bevölkerung von Papua Neuguinea sind Christen. Man könnte sagen, das Land hat so viele Christen wie Berge oder sie sind so zahlreich wie die Sümpfe. Und ebenso zahlreich wie die natürlichen Barrieren und Sprachhindernisse sind die Schwierigkeiten für die christliche Bevölkerung. Im Glauben zu wachsen ist nicht einfach, denn Literatur ist rar, Bibeln kaum erhältlich. Dies macht Pfarrer in den abgelegenen Dörfern nicht nur ratlos, sondern auch mutlos. Wie können sie die Leute unterrichten, wenn sie selber nicht genügend Zugang zu Gottes Wort haben? Wie können sie lehren, wenn sie sich selber nicht weiterbilden können?
Dass der drittgrösste Inselstaat der Welt im Pazifik seine Herausforderungen hat, ist begreiflich. Unter den knapp 7 Millionen Einwohnern und 700 bis 1000 Volksgruppen werden 830 Sprachen gesprochen – je nach Zählart sind dies bis zu 25 Prozent der in der ganzen Welt lebenden Sprachen. Bei etwas weniger Einwohnern als in der Schweiz ist das Land aber zehnmal grösser. Und Papua Neuguinea hat kaum Strassen. Tagelanges Reisen zu Fuss oder mit dem Boot – wenn überhaupt möglich – ist die Norm. Der Flugdienst von Mission Aviation Fellowship ist für Spitäler, für Schullehrer, für Händler und nicht zuletzt auch für das Evangelium unverzichtbar.
So haben sich das papua-neuguineische CRMF (so etwas wie ein lokales Radio Life Channel) und Mission Aviation Fellowship MAF zusammengetan. MAF bringt die Druckversionen von Bibeln und anderer christlicher Literatur, CRMF die Hörversionen und solarbetriebene Abspielgeräte. Der Transport geschieht auf den Routineflügen. Heute ist der Rapperswiler Pilot Michael Vogel mit Michael Duncalfe in der Twinn Otter unterwegs. Zuerst nach Ambaluwa und Kol am Fusse des 4509 Meter hohen Mt. Wilhelm, danach in der Enga- Provinz in Yambaitok und Wanakipa bei den Hewa. Überall das Gleiche: Die Bibeln sind gefragt wie bei uns die frischen Weggli. Quelle: Michael Vogel, Mt. Hagen, Papua Neuguinea
Wer einen Wasserkopf hat, leidet
Wer einen Wasserkopf hat, wird in Anjabetrongo aus Scham versteckt. Die Kinder können weder stehen noch sitzen. Der Kopf ist zu schwer. Spezialisten werden sich der Anomalität annehmen. Der madagassische Pastor Jonoro ist erfreut und kündigt die Hilfe via Radio an. Fünf Mikea-Familien melden sich. Das medizinische Safari-Team wird zu tun haben.
Pastor Jonoro lebt in Anjabetrongo im Südwesten Madagaskars und bei den Mikea. Die Mikea sind ein zurückgezogenes Waldvolk. Sie haben wenig Kontakt mit der restlichen Zivilisation und sind von Natur aus gegenüber Fremden misstrauisch. In den acht Jahren, seit Jonoro nach Anjabetrongo kam, hat der Pfarrer mit seiner Familie das Vertrauen der Waldbevölkerung gewonnen. Er initiierte den Bau einer Schule, einer Kirche und einer Krankenstation. Und er realisierte in Zusammenarbeit mit Mission Aviation Fellowship MAF eine Flugpiste. Dies machte medizinische Hilfe für die Mikea erreichbar. Nicht ganz unbegreiflich, dass die Medizinmänner des Stammes anfänglich dagegen waren. Doch Stück um Stück kamen sich der Pastor und die Waldleute näher.
Wer in Anjabetrongo lebt, trinkt aus zwei kleinen braunen Seen. Die Mikea sind sich zwar gewohnt, Wurzeln von bestimmten Waldbäumen zu raspeln, um Wasser zu gewinnen, aber das reicht bei Weitem nicht. Und weil die Seen da sind, trinkt man eben aus den braunen Tümpeln, wäscht die Kleider und badet. Das tun auch die Tiere. Ob Mensch oder Tier, die beiden Seen sind die wichtigste Quelle des kostbaren Guts. Kein Wunder, dass das Händewaschen vor dem Essen nicht sehr verbreitet ist. Verbreiteter sind Durchfall-Erkrankungen. Es brauchte Jahre, bis Pastor Jonoro das Waldvolk überzeugen konnte, Brunnen zu bauen.
Und eben an diesen Ort fliegt die MAF regelmässig «medizinische Safaris». Madagassische als auch westliche Ärzteteams und Krankenpersonal stellen sich für vier bis fünf Tage zur Verfügung, um in abgelegenen und schwer zugänglichen Gebieten medizinisch zu arbeiten. Anjabetrongo ist solch ein Ort. Wenn es soweit ist, kündigt der umtriebige Pfarrer die Neuigkeit per Radio an. In dieser Woche sind unter anderem auch Mediziner dabei, welche den Kindern mit einem Wasserkopf-Leiden helfen können. Es ist der einheimische Dr. Fernand mit einem koreanischen Ärzteteam. In den knapp 4 Tagen werden 336 Patienten konsultiert, 8 grosse und 5 kleinere Operationen durchgeführt und 43 Zähne gezogen. Von den fünf Eltern, welche ein Kind mit einem Wasserkopf in der Familie haben, suchen am Ende nur zwei medizinische Hilfe. Während die koreanischen Ärzte fleissig sind, fliegt der Schweizer Pilot Patrick Keller mit Dr. Fernand, der 4-jährigen Fazila und dem 3-jährigen Richard nach Tana zur Operation.
Ohne Menschen wie Pfarrer Jonoro wäre die medizinische Versorgung der Mieka verschwindend klein. Es braucht Menschen, die sich einsetzen. Dass der Flugdienst der MAF hier mithelfen darf, ist ein Privileg. Quelle: Partick Keller, Antananarivo