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Wann wurde die erste Dreirosenbrücke gebaut?

Herr L. / 15. September 2010:
Ich han e Frog zur Dreirosebrugg. Wenn isch die erschdi Dreirosebrugg baut worde? Isch das die erschdi Brugg gsi wo Grossbasel mit Klaibasel verbunde het, wo letschdhin abbroche worde isch für die neui Doppelstockbrugg. Oder hets no e älteri geh als die geh? Liebe Briefkaschteunggle weisch du do meh drüber z`verzelle?
Antwort von altbasel.ch:
Die 1999/2001 erbaute Verkehrsbrücke mit zwei Ebenen ist tatsächlich der Ersatz für die erste Dreirosenbrücke, die an selber Stelle stand. Nachdem im 19. Jahrhundert die alten Stadtmauern gefallen waren und sich die äusseren Basler Quartiere entwickelten, entstand der Gedanke an eine Brücke für den unteren Teil von St.Johann. Schon 1897 nahmen die Pläne zu Erweiterung der Stadt die Idee einer Brücke auf, die rund 600 Meter unterhalb der Johanniterbrücke zu stehen kommen sollte.
Greifbar wurde der Gedanke einer Brücke 1905. Damals war der Bau der neuen mittleren Rheinbrücke vollendet. Während sie erstellt wurde, rollte der Verkehr über eine provisorische Notbrücke daneben. Diese nunmehr überflüssige Notbrücke sollte gemäss einem Begehren nun im St.Johann wieder aufgebaut werden, um die dortige Schlachthausfähre zu ersetzen. Der Regierungsrat von Basel lehnte das Projekt wegen der hohen Kosten von 440'000 Franken im Frühjahr 1906 ab.
In der Zeit von 1907 bis 1910 befasste sich das Baudepartement mit dem Projekt einer Brücke an dieser Stelle, bis der Gedanke schliesslich einschlief und erst 1918 wieder erwachte. Es war der Bau der Hafenanlagen in Kleinhüningen welcher der Idee einer Brücke neues Leben gab. Nun ging es nicht alleine um die Bedürfnisse der Quartiere. Vielmehr war wegen der Bedeutung des Hafens auch der Bund beteiligt. Der Bundesrat beschloss am 17. Juni 1918 die Subventionierung des Hafenbaus.
Allerdings war diese Zusage mit der Bedingung verbunden, dass eine kombinierte Eisenbahn- und Strassenbrücke den Zugang zum Hafen erschloss. Die Auflagen zur Subvention waren an die Forderung gekoppelt, dass der Brückenbau derart vorangetrieben werden sollte, dass die Bahnverbindung gleichzeitig mit dem Hafen fertig gestellt werden konnte. Die schlechten finanziellen Verhältnisse Basels nach dem Ersten Weltkrieg 1914-1918 verhinderten indes eine rasche Umsetzung des Brückenprojekts.
Das Vorhaben wurde mehr oder weniger raffiniert verschleppt, so dass der Bahnanschluss des Hafens in Kleinhüningen schliesslich von der SBB via des Badischen Bahnhofs erfolgte. Damit war es nicht länger notwendig, die Brücke in Kombination mit einer Eisenbahnlinie zu bauen. Aktiv kämpften nun die Quartiere St.Johann. Horburg und Kleinhüningen für eine Brücke. Auf eine im Juni 1925 eingereichte Initiative hin ging das Baudepartement das Projekt an. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben.
Bis zum Stichtag am 15. Oktober 1930 wurden 76 Entwürfe eingereicht. Das Rennen machte der Entwurf einer auf zwei Pfeilern ruhenden Vollwand-Balkenbrücke. Das Projekt ging hervor aus einer Zusammenarbeit des Werks Mainz-Gustavsburg der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG mit dem Mannheimer Unternehmen Grün & Bilfinger. Ferner hatte daran der Architekt Otto Rudolf Salvisberg mitgewirkt. Die Brücke wurde schliesslich für 2'993'899 Franken von Oktober 1931 bis August 1934 erbaut.
Der Entscheid die Brücke zu bauen wurde dadurch begünstig, dass sich mit diesem Vorhaben in Zeiten grosser Arbeitslosigkeit ein Projekt zur Arbeitsbeschaffung anbot. Am 1. September 1934 fand die feierliche Eröffnung der Dreirosenbrücke statt. Der Name lässt sich auf ein früheres Landgut der Familie Iselin auf der Kleinbasler Seite des Rheines zurückverfolgen. Sie führte im Gedenken an ihren deutschen Herkunftsort Rosenfeld drei Rosen im Familienwappen. Danach benannte sie auch ihr Landgut.
Beitrag erstellt 18.10.10
Quellen:
Othmar Birkner / Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920 - Basel, von der Christoph Merian Stiftung ermöglichter Seperatdruck aus Band 2 der Gesamtreihe, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Zürich, 1986, Seiten 142 bis 143 (Dreirosenbrücke)
Markus Lutz, Baslerisches Bürger-Buch, Schweighauser'sche Buchdruckerei, Basel, 1819, Seiten 172 bis 177
Walther P. Mosimann / Ernst Graf, Die Basler Rheinbrücken, Verlag Schiffahrt und Weltverkehr AG, Basel, 1962, Seiten 73 bis 82
Paul Siegfried, Basels Strassenamen, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1921, Seite 85
Hans Adolf Vögelin, Die Entwicklung des Äusseren St.Johann-Quartiers, 146. Neujahrsblatt der GGG, Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1968, Seiten 88 bis 90