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„Als Programmierer muss man sicher gut in Mathe sein und dauernd Kopfrechnungen machen!“ -> stimmt nicht ganz! Auch an diesem Punkt bestehen Klischees zu meinem Beruf, bei welchen ich gerne etwas aufräumen will:
Logisch, für ungeübte Personen sieht so ein Programmcode natürlich aus, als wären es sehr viele mathematische Berechnungen. Und viele Personen werden sich bei einem Programmcode wahrscheinlich auch ein solches Bild machen: [10011010 110100100 10110101 00011011 011100011]. Ein richtiger Programmcode sieht aber ganz anders aus.
Man muss sich das so vorstellen: Ein Computer kann zwar grundsätzlich wirklich nur mathematische Berechnungen durchführen, beispielsweise Zahlen addieren, subtrahieren etc. (man spricht ja auch von einem Rechner). Irgendwann hat sich dann jedoch jemand an die Arbeit gemacht, diese Berechnungen zu erweitern. Es ist ein Speicher hinzugekommen, in dem Berechnungen abgespeichert werden können, jemand brachte dem PC bei, wie er Dinge auf einem Bildschirm anzeigt, wie er Mausklicks richtig verarbeitet, wie der PC mit anderen PCs kommuniziert, wie er Tastaturbefehle richtig liest… Und man kam auf die Idee, diese Dinge, die bis anhin nur in sehr komplizierten Berechnungen lesbar waren, für den Menschen lesbarer zu machen. Die erste Programmiersprache war geboren.
Aber was ist denn nun eine Programmiersprache?
Grundsätzlich werden in einer Programmiersprache verschiedene Befehle geführt, welche dann in diese komplizierte „Computersprache“ übersetzt werden. Beispielsweise gibt es einen Befehl, mit dem der Computer etwas am Bildschirm anzeigen soll. Er nennt sich „print()“. Wenn man diesen Befehl ausführt, werden im Hintergrund sehr viele verschiedene Berechnungen ausgeführt (-> 1001011 11011110 1010001 11001011). Diese Berechnungen im Hintergrund interessieren den Programmierer jedoch gar nicht, er muss nur wissen, dass es den Befehl „print()“ gibt und dass er damit Dinge ausgeben kann.
Das Programmieren an sich ist so gesehen eigentlich nur ein Zusammenhängen von mehreren Befehlen, die man dem PC gibt.
Zusätzlich zu diesen einfachen Befehlen kommt aber auch etwas Logik. Man kann einem PC sagen: „Tu dies, wenn eine Taste auf der Tastatur gedrückt wird“. Oder man kann ihm sagen, dass er etwas wiederholen soll, bis etwas passiert.
Durch diese Logik wird das Ganze natürlich um einiges komplizierter. Man muss überlegen, wie lange ein Computer etwas tun soll, welchen Befehl man genau verwendet, um eine Wiederholung auszudrücken etc.
Jedoch hat auch dies nichts mit der Mathematik an sich zu tun. Zwar ist im Code viel Logik enthalten – aber wir haben dennoch nirgends eine Zahl, die wir addieren oder subtrahieren.
Ich würde das Programmieren eher als ein Lehren bezeichnen. Man lehrt den Computer, dass er dies oder das tun sollte. Ich vergleiche dies einmal damit, wie ich unserem Familienhund Kunststückchen beibringe:
Ich muss dem Hund genau sagen, was er tun soll. Beispielsweise, dass er sich auf den Boden legen soll, jedoch nur, wenn ich meine Hand auf den Boden lege. Oder dass er zu mir kommen soll, wenn ich nach ihm rufe.
Beim PC ist dies einfach viel komplizierter, da man dem PC viel mehr Dinge beibringen muss. Ausserdem gibt man dem PC auch kein Leckerli, wenn er ein Programm richtig ausgeführt hat (dieses gibt man eher dem Programmierer, in Form von Lohnauszahlungen). 😉
Eine Ausnahme besteht bei komplizierteren Programmen. Beispielsweise werden in der Entwicklung von KIs (künstlichen Intelligenzen) sehr häufig mathematische Algorithmen verwendet, also wiederkehrende Verhaltensmuster, die wiederum extrem mathematisch sind. Oder man verwendet Suchalgorithmen, um bestimmte Dinge viel einfacher zu finden.
Aber diese Dinge sind eher teil eines Fachgebiets in der Programmierung. Häufig werden solche Stellen von Mathematikstudenten besetzt. Als „regulärer“ Programmierer kommt man nicht zwingend mit diesen Algorithmen in Kontakt.
Ich hoffe, ich konnte hiermit erneut ein Klischee aus der Welt schaffen, und euch aufzeigen, dass man auch mit schlechten Mathe-Noten Programmierer werden kann.