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Willy Garaventa sei eigentlich kein Mann, der sich gerne in den Mittelpunkt stellt, erzählt die Journalistin Rebekka Haefeli im Gespräch mit SRF News. Als sie im Zusammenhang mit der Eröffnung der Stoosbahn, einer Bahn der Garaventa, vor zwei Jahren Willy Garaventa kontaktierte, habe er sie erst abgewimmelt. Doch später meldete sich die Tochter und ermöglichte einen ersten Besuch. So erhielt Rebekka Haefeli die Gelegenheit, eine spannende Familien- und Firmengeschichte zu dokumentieren und aufzuschreiben.
Noch immer wohnt der 85-jährige in Immensee, wo die Firma Garaventa als kleiner Handwerksbetrieb entstand. Vater Karl war Bauer und begann mit dem Bau von einfachen Seilbahnen für Materialtransporte. Seine Söhne Karl Junior und Willy stiegen ins Unternehmen ein.
Als die Firma wuchs, reichte die Werkstatt in Immensee nicht mehr aus. Die Brüder Karl Junior und Willy Garaventa verlegten die Produktion nach Goldau. Durch diesen Standort blieb das Unternehmen weiterhin stark mit der Zentralschweiz verbunden. Hier realisierten die Brüder Garaventa auch ihre ersten Aufträge.
Italienische Wurzeln
Ursprünglich stammte die Familie Garaventa aus Italien. Der Grossvater von Willy, Giuseppe, war Tunnelbauer und kam deswegen in die Schweiz. In Goldau heiratete er 1877 die Tochter eines Zimmervermieters und legte damit den Grundstein für die heutigen Seilbahnbauer.
Gegen die Weltkonkurrenz
Der grosse internationale Durchbruch erfolgte mit der ersten Seilbahn in den USA. Im kalifornischen Squaw Valley errichtete Willy Garaventa mit seiner Firma 1968 die weitherum beachtete grösste Pendelbahn. Garaventa setzte sich dabei gegen die weltweite Konkurrenz durch.
Ich bin natürlich stolz was wir als einfache Menschen, als Bauernbuben aus Immensee, geleistet haben.
Dieses erfolgreiche Projekt brachte der Firma in Übersee weitere Aufträge ein, etwa in Skiresorts. Das internationale Arbeitsfeld war das Richtige für Willy Garaventa. Er habe schon immer die Welt entdecken wollen. Seefahrer, so erfuhr die Biografin, wollte er eigentlich werden. «Ich war tatsächlich ein Abenteurer.» Der Garaventa-Chef sei dabei nicht als abgehobener Direktor aufgetreten, er habe sich nicht gescheut, auf den fernen Baustellen mit anzupacken. Und es erfülle ihn und seine Nachkommen mit Stolz, was aus den einfachen Bauernbuben aus Immensee geworden ist.
Tüfteln und Verantworten
Was Garaventa über Seilbahnen wusste, eignete sich der gelernte Schlosser selber an. «In dieser Arbeit muss man Tüftler sein. Jede Situation ist anders, und man muss herausfinden wie es am einfachsten und am schnellsten geht.»
Was den Chef prägte, sei das Verantwortungsbewusstsein für die Teams und die Gefahren der Branche, erzählt Rebekka Haefeli. Die Firma war immer wieder mit Unfällen konfrontiert. Diese bewegten Willy Garaventa jeweils sehr. Der Gefahr im Seilbahnbau sei er sich bewusst gewesen - dies sei heute nicht anders als früher. Die Unternehmung habe sich aber immer wieder aufgerappelt.
Mittlerweile ist Willy Garaventa seit 25 Jahren nicht mehr im Geschäft. Doch bis heute ist er dem Unternehmen eng verbunden geblieben. Noch immer hat er einen Schlüssel fürs Firmengebäude, und er hält sich auf dem neusten Stand der Entwicklungen im Seilbahnbau.
Die Biografie
Die Zürcher Journalistin Rebekka Haefeli setzte sich in ihrem Buch mit der generationenübergreifenden Erfolgsstory «Garaventa» auseinander. Das Buch ist im Hier und Jetzt Verlag erhältlich.