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Haiti kommt nicht zur Ruhe. Gut zwei Monate nach der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse schien sich die politische Lage im Karibik-Staat beruhigt zu haben.
Noch am Wochenende glaubte man in Haiti, dass der interimistische Premierminister Ariel Henry fest im Sattel sitze. Denn er einigte sich mit sämtlichen Oppositionsparteien auf eine Machtteilung bis zu den Wahlen im nächsten Jahr.
Politisches Chaos zieht weitere Kreise
Doch nun beschuldigt der oberste Staatsanwalt überraschend den interimistischen Premierminister Ariel Henry, in die Ermordung des Präsidenten verwickelt zu sein. Und er ordnete an, den Premierminister am Verlassen des Landes zu hindern.
Gleichzeitig entliess Premierminister Henry den Justizminister und den obersten Staatsanwalt, weil sich diese gegen die Machtteilung mit der Opposition stellten.
Doch statt seine Entlassung zu akzeptieren, holte der oberste Staatsanwalt umgehend zum Gegenschlag aus: Beim zuständigen Richter beantragte er, Anklage gegen Premierminister Henry zu erheben. Konkret soll es um zwei Telefongespräche gehen, die der Premierminister in der Nacht des Präsidentenmordes mit dem mutmasslichen Drahtzieher des Mordkomplotts geführt haben soll.
Haiti steht vor steiniger Zukunft
Beweise dafür lägen noch nicht vor und in der Gerüchteküche in der Hauptstadt Port-au-Prince brodle es heftig, sagt Politologe Robert Fatton, der an der University of Virginia lehrt. Völlig klar sei seiner Meinung nach derzeit nur eines: Derzeit finde in der Regierung und in der haitianischen Politik hinter den Kulissen ein heftiger Machtkampf statt.
Wenn der interimistische Ministerpräsident Ariel Henry diesen verlieren sollte, droht in Haiti erneut ein gefährliches Machtvakuum.