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So zeigte z. B. der Oberlehrer Dr. Paul Richert aus Berlin in seinem „erkenntnistheoretischen Essay“ über Sprache und Schrift eine äußerst pragmatische Herangehensweise: Weil der Schüler die komplizierte und vielfach unlogische deutsche Orthographie zu erlernen hatte, müsste er „so überaus viele kostbare Zeit vergeuden […], die man […] viel nützlicher auf die wirklich ernsten Wissenschaften verwenden könnte. Weshalb muss es denn sein, daſs gerade auf das Richtigschreiben, das elementarste aller Hilfsmittel für die realen Wissensfächer eine solche Unsumme von Arbeit verwendet wird, wenn man dasselbe Ziel vielleicht in der halben Zeit erreichen kann. Warum richtet man es nicht lieber so ein, dass man auf den Unterricht im Richtigschreiben nur ebensoviel oder ebensowenig Zeit zu verwenden hat, wie auf das Richtiglesen. Blos weil man die Mühe scheut, einen Augiasstall zu reinigen, in welchem jahrhundertealte Irrtümer eine Unmasse von Unrat aufgehäuft haben, konserviert man diesen Unrat mit allerlei schönen sentimentalen Redensarten“. Zur Begründung seiner Vorschläge zur Vereinfachung der deutschen Orthographie und ihrer Annäherung an die Aussprache durch Verminderung der Buchstabenzahl führte Dr. Richert folgende Überlegungen an: Der Erstklässler hatte acht Alphabete zu erlernen, die großen und die kleinen Buchstaben, handschriftlich und gedruckt in Fraktur und Antiqua. Wenn es weniger Buchstaben gäbe, würde es auch weniger Fälle geben, in welchen der Schüler nicht wüsste, wie er ein Wort schreiben müsse. Er geriete nicht mehr in Gefahr, ‚für’ mit v zu schreiben; und es würde ihm nicht als Fehler angestrichen werden, wenn er ‚Vater’ mit f schriebe. Und man würde sich nicht mehr mit unlogischen Schreibungen abfinden müssen. Der Kultusminister, der eine vom Richert (und vielen anderen Lehrern) geforderte vereinfachende Orthographie-Reform durchführen würde, „würde sich sehr verdient machen nicht nur um die deutsche Schriftsprache, sondern insbesondere um die lernende Jugend, die mit der Vermeidung eines jeden der heute so zahlreich gemachten orthographischen Fehler ihm unbewuſst einen stummen Dank abstatten würde.“ Dass man die Zahl der Rechtschreibfehler vermindern könnte, indem man einfachere Regeln erarbeitete, war ein Gedanke, den tausende von Lehrern in Deutschland teilten. Eine kritische Masse, welche eine durchgreifende Reform hätte initiieren können, wurde jedoch nie erreicht.