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Worldmasters Budapest (H), 27.06. – 01.07. 2018
an = 2 ∙ 2n–1: Die sträflich versaute Schönheit einer Exponentialfunktion
an = 2 ∙ 2n – 1 : dass ausgerechnet das erste Glied dieser geometrischen Zahlenfolge in der Rangliste der Masters in Ungarn unerreicht blieb, wäre grundsätzlich nicht weiter tragisch. Dass aber tatsächlich nur drei Posten zur für Velbossity historischen Medaille gefehlt haben und ein kleiner, zu euphorischer Moment der Auslöser für das Malheur waren, lässt nur einen Kommentar zu: Hattitucki nomal.
Doch alles schön der geordneten Reihe nach, also genauso wie man bei einem Bike-OL die Posten anzufahren hat!
Mittwoch, 27.Juni: Massenstart
Das diesjährige Master (of disaster…?) wurde mit einem Massenstartrennen (n=2, siehe Gleichung oben, erfüllt) eröffnet. Dabei profitierte der Mitstreiter von Velbossity von der Gnade des Alphabets und wurde dank seines Nachnamens in der ersten Startreihe eingereiht. Zu seiner Rechten gesellte sich mit Andy Conn einer der etablierten Favoriten des Rennens. Ob es an der Nervosität oder am nordenglischen Dialekt von Andy (hier eine Kostprobe aus einer geplanten Dokumentation) lag, all seine Scherze wurden nicht verstanden, nichts desto trotz wurde so das Warten auf den Startschuss, …5, 4, 3, 2, 1, Go….verkürzt.
Die leichte Steigung zu den beiden ersten (gemeinsamen) Posten zog das Feld einigermassen in die Länge, zeigte aber auch, dass der Läufer hiesiger Provenienz wie erhofft körperlich mithalten konnte, passierte er doch nach rund 10 Minuten Fahrzeit den Posten tatsächlich an erster Stelle. In der Folge wurde das Feld durch ein Gabelungssystem auseinander dividiert. Plötzlich mutterseelenalleine unterwegs liess sich der Fahrer von Velbossity ein wenig verunsichern (auf den mentalen Aspekt der Wettkämpfe MUSS in der Folge noch eingegangen werden), erwischte eine Abzweigung zu früh und verlor rund 2 Minuten an Terrain. Just nach dem ärgerlichen Fehler wurde Andy Conn gekreuzt, welchem es noch schlimmer erging und er in der Folge weiter zurückfiel.
Nach 16 Posten und einer ersten Runde wurde die Karte gewechselt: zu diesem Zeitpunkt befand sich der Fahrer unseres Herzens in der Spitzengruppe der ersten vier Fahrer mit einem nur geringem Rückstand von 30 Sekunden auf Gold und 5 Sekunden auf Bronze. In der zweiten Runde allerdings musste konstatiert werden, dass Velbossity in der ersten Runde die kürzere Gabelung erwischt hatte und nun in der zweiten Runde natürlich einen weiteren Weg hatte. Das führende Grüppchen konnte sich dabei leicht absetzen. Zusätzlich kam eine leicht verfehlte Routenwahl dazu. Als im Ziel dann allerdings der vierte Rang ausgerufen wurde war die Erleichterung dennoch gross, wurde der angestrebte Top-Ten-Platz doch gleich im ersten Rennen erreicht und die Gewissheit war vorhanden, mit der Spitze mithalten zu können.
Donnerstag, 28.Juni: Sprint
Am folgenden Tag stand mit dem Sprint (n=1, siehe Gleichung oben, leider nicht erfüllt) die traditionell schwächste Disziplin von Velbossity auf dem Programm. Mittels eines zur Verfügung gestellten Videos konnte man sich auf das Rennen vorbereiten, was immerhin Grund zur Zuversicht gab. Die Startvorbereitungen vor Ort wurden ein wenig getrübt durch die Aussicht, dass das Mietauto von Velbossity im schlechtesten Fall von der ungarischen „rendőrség“ (Polizei, soviel zur ungarischen Sprache) abgeschleppt würde: ein von den Organistatoren als öffentlich angegebener Parkplatz stellte sich als privat heraus. Fünf Minuten vor Start wäre das Umstellen schwierig geworden. No risk, no fun. Doch immerhin: wo keine Konzentration vor dem Start vorhanden ist (Stichwort mental) kann auch keine verloren gehen.
Dann gleich der zweite Dämpfer nach dem Start: ab gings in die Sumpfgegend, welche im oben erwähnten Video nie befahren wurde. Der erste Posten wurde noch durch Glück gefunden, danach aber Richtungsprobleme und zum zweiten Posten rund 1:45 Minuten Zeitverlust. Vermeintlich zuviel für einen Sprint. Genug auf jeden Fall, damit der zwei Minuten nachher gestartete Meister Manfred (Manfred Stockmayer, zuletzt zweimal in Folge Sprint-Weltmeister) auf den Läufer unseres Vertrauens auffuhr. Fluch oder Segen? Grundsätzlich Segen, schlussendlich fluchte sich der eingeholte Fahrer dennoch die Seele aus dem Leibe (man wird noch lesen warum): die Posten im Sprint folgten Schlag auf Schlag, 31 warens insgesamt. Das Tempo, welches der Meister anschlug, war kongruent mit Velbossity (eindrücklich allerdings, wie der Crack immer auf der Karte blieb…). So konnten sich die beiden Kontrahenten sogar durchaus in der Führung abwechseln. Die %-uale Führungsarbeit kann aufgrund der Zwischenzeiten ziemlich genau verfolgt werden. Zugegebenermassen war die Führungsarbeit des Meisters mit ca. 75 % zwar massiv höher, doch aus irgendeinem Grunde ist er ja der Meister! Bis kurz vor Rennende gab es eigentlich nur zwei kurze, kritische Phasen: nach einem Sturz über einen schlichtwegs übersehenen Stein und beim Kartenwechsel, als Manfred im Windschatten die Karte schon wechseln konnte und Velbossitys Seniorenfahrer (noch dazu mit einem tags zuvor neu erworbenen Kartenhaltersystem) hier einige Mühe bekundete.
Mit dem Meister unterwegs begann auch der Fahrer von Velbossity langsam euphorisch zu werden. Zu zweit war man dergestalt unterwegs, dass auch mit 2 Minuten Rückstand auf den Sieger (zu diesem Zeitpunkt war unser Läufer sicher: so wie Meister Manfred über Stock und Stein mayert und von Posten zu Posten tänzelt, kann ihn niemand schlagen…) ein Top-Resultat möglich gewesen wäre. Bis zur verhängnisvollen Strecke 25-26. Wie nur kann man auf den gruseligen Gedanken kommen, es besser zu können als der Meister? Und wie kommt der Lehrling dazu, dem Meister nicht blindlings zu folgen und zu vertrauen??
Wie unschwer zu erkennen, passierte man nochmals den Posten 17, ohne diesen natürlich erneut anfahren zu müssen. Für den depperten Fahrer der beiden (und es war nicht der Österreicher) schien aber klar, dass dieser Posten 17 der nächste anzupeilende Kontrollpunkt sei (warum nur, wunderte sich der Tor noch, fährt der Meister rechts weiter…..? Doch man erinnere sich des letzten Blogs: warum nur lief Therea Stadelober (wieder Österreich…) nicht einfach in der Spur weiter?). In der Folge nahm das Unglück seinen Lauf. Durch den Umweg rund 70 Meter im Rücklage, wuchs der Rückstand bei Posten 26 (einem Wendeposten, der Meister kreuzte Velbossitys Wege noch…) auf sieben Sekunden an. Darauf auf Teufel komm raus fahrend, verfehlte das Nervenbündel das Klickpedal, rutschte ab, konnte nicht wunschgemäss beschleunigen und der Rückstand, schwuppdiwupp, erreichte beunruhigende 10 Sekunden. Zu diesem Zeitpunkt entschwand der Meister gerade noch kurz vor Posten 28 um die Ecke, also noch in Sichtweite. Doch durch die kopflose Aufholjagd verlor der ewige Loser kurz den Kontakt zur Karte, musste anhalten (im Sprint ist dies des Todes…)….und Manfred, der ewige Meister, war entschwunden. Der Gram um die verpasste Chance nahm in der Folge überhand und der vermeintliche Silbermedaillengewinner wurde zwei Posten vor Schluss vollends kopflos (zu diesem Zeitpunkt wäre ein Top-Five Resultat immer noch locker dringelegen…) und eine akut-partielle Demenz (eine Hypoglykämie kanns nicht gewesen sein, war doch das Rennen körperlich nicht allzuschwer…) übernahm kurzerhand die Kontrolle. Es wurde also noch ein wenig verwirrt in der Gegend herumgekurvt und am Schluss resultierte noch ein Fehlstempel (Posten 29 nicht gestempelt, in Tat und Wahrheit wurde der Posten 5 in der Nähe von 29 noch einmal angefahren, in der Meinung, es wäre die 29). Nach dem Fehlstempel dann noch ein mentales Intermezzo, welches in Rücksicht auf den an sich schon unglücklichen Wettkämpfer nicht weiter ausgeschlachtet werden soll (das Leben ist eh schon hart genug und der Ponyhof leider nie weit vom Schlachthof entfernt….!).
In der Ziequarantäne dann der schon fast lapidare Kommentar vom Meister Manfred (tatsächlich: sein Vorsprung auf den zweiten Rang: 2 Minunten und 8 Sekunden): „Wärste doch bei mir geblieben, dann hättste ’ne Medaille…!„. Allerdings schiene das folgende Zitat von Meister Yoda zu seinem Schützling Luke Skywalker passender: „Gib weiter, was du gelernt. Stärke. Beherrschung. Hm. Aber Schwäche, blinder Eifer, Versagen ebenso. Ja, Versagen, ganz besonders. Der größte Lehrer Versagen ist. Hm, Luke. Wir sind, worüber sie hinauswachsen. Das ist die wahre Bürde aller Meister.“ Immerhin: das Mietauto von Velbossity wurde nicht abgeschleppt!!
Freitag, 29. Juni: Langdistanz
Hey, das Leben geht weiter. Aber trotz der relativ klaren Laufanalyse (Fazit: selber schuld….) hat das unerklärliche Desaster im Sprint doch arg an der mentalen Verfassung geknabbert, auf der anderen Seite aber wieder gezeigt: eigentlich wärs ja möglich, also frohen Mutes weiter an die Langdistanz (Lied zum Text: „Weine nicht“ von Hans Albers…).
Und diese Langdistanz hatte es wahrlich in sich, entwickelte sie sich doch aufgrund der ausgiebigen Niederschläge in der Nacht zu einer dramatisch-epischen Schlammschlacht (2. Lied zum Text: Marmor, Stein und Eisen bricht von Drafi Deutscher mit der famosen Textzeile: Weine nicht, wenn der Regen fällt, dam-dam, dam-dam). Die Erstgestarteten schienen hierbei einen gewissen Vorteil zu haben, waren die Wege nach deren Angaben doch noch einigermassen zu befahren. Danach: durchdrehende Räder, waghalsig-unkontrollierbare Abfahrten, uneinschätzbare Befahrbarkeit, verdreckt-verklebte Wechsel (siehe Bild) und fast mehr zu Fuss unterwegs als auf dem Fahrrad. Zwar zeigte sich am Ende des Laufes sogar noch die Sonne, dies machte die ganze Sache aber nur noch zäher und veklebter. Als spät Gestarteter stand man beinahe auf verlorenem Posten. Dazu kamen aufgrund des realisierten Nachteil noch zwei total verhauene Risiko-Routenwahlen (5 und 13(!) Minuten, siehe Kartenausschnitt) und nach Hälfte des Rennens (verständliche?) Motivationsprobleme. Bildlegende: Blaue Route: Petr Svoboda (17:26), Grüne Route: Kilian Lomas (ideal, 14:13), Rote Route: Velbossity (am Anfang noch auf blauer Route, danach umenstschieden, nochmals falsch (Fragezeichen), danach 100m über Hügel…..man fährt, na ja, hier eher schiebt ja gerne den Hügel hinauf…. (27:35).
Nach 2h 41 Min durfte ein Rekordrückstand von 46 Min. (in Worten sechundvierzig Minunten. Sic!) notiert werden. Dies reichte immerhin noch zu Rang 16 (in der Gleichung also n=4). Was aber aufgrund des beinahe krankhaften Ehrgeizes des Velbossitianer umso erstaunlicher ist: trotz der misslichen und anstrengenen Bedingungen hat der Lauf enorm Spass gemacht!
Samstag, 30. Juni: Mitteldistanz
In der Mitteldistanz sollte es nun also gerichtet werden. Der Lauf zeigte zwei unterschiedliche Abschnite: einer Waldpassage, orientierunstechnisch vermeintlich eher einfach, dafür körperlich anforderungsreich und einem halb-offenen Gebiet mit einem dichten Wegnetz, welches die Navigation erschweren sollte.
Die Situation hinsichtlich der Befahrbarkeit hatte sich gegenüber des Vortage doch erheblich beruhigt, allerdings gab es doch einige Schlammlöcher, deren Tiefen schwer abzuschätzen waren (siehe dazu auch den beinahe schon legendären Ausritt von Danny MacAskill „Wee Day Out„, Minute 2:49-3:08). Das Rennen wurde (wie üblich) ein wenig übermotiviert angegangen, schon zum ersten Posten resultierte daraus eine Art Blindflug, welcher allerdings mit einem Zeitverlust von rund einer Minute noch glimpflich ablief. Bis zu Posten 4 wurde der doch vier Minuten vorher gestartete Schwede Christer Morell eingholt, ein Läufer in gleicher Stärkeklasse. Grund zur Freude? Klar, hätte man realisiert, dass es Christer gewesen wäre (in der Nacht sind alle Katzen grau, auf dem Velo sind alle Schweden, na, Schweden halt….). Der Schweizer Fahrer allerdings war der Meinung, es wäre Stefan Johansson, ein anderer alter Schwede, welcher eigentlich klar hätte distanziert werden müssen. In der Folge entwickelte sich ein nervenaufreibendes Kopf-an-Kopf Rennen, in welchem die Führung stets ein wenig wechselte. In einer langen Steigung auf einem schwer zu befahrenden Weg wurde Velobossity dann doch noch von der traumatischen Erfahrung der Langdistanz eingeholt: das Klickpedal der rechten Seite war von der Langdistanz immer noch verklebt und so fand der hoffnungsvolle Läufer einfach keinen Halt, musste mehrmals zu Boden und der unsägliche Schwede zog ein wenig davon (gab es dieses Jahr nicht schon genug Niederlagen gegen die Schweden im Eishockey, im Fussball und wie man noch sehen sollte in der Sprintstaffel…..). Und in der mentalen Vorstellung war es ja nicht der starke Christer, sonden der schwächer einzustufende Stefan. Dies bedeutete zur Rennhälfte einen psychsichen Hänger: Mensch, jetzt gondelt man nicht nur fehlerhaft, sondern auch noch langsam in der ungarischen Puszta umher.
In der Folge wurde gezweifelt und das physische Limit nicht mehr gesucht, durch die fehlende Konzentration kam noch der eine oder andere Fehler dazu (immerhin, Christer machte noch mehr Fehler und er wurde wieder eingeholt). Eine fatale Fehleinschätzung, wie sich herausstellen sollte. Entweder war das gesamte Feld müde oder die Strecke schwieriger als gedacht. Fehlerlos kam offensichtlich niemand durch. Nach und nach trudelten Läufer ein, welche nach einem gefühlt verpatzten Lauf überraschend geschlagen wurden oder bei weitem nicht soviel Vorsprung wie gedacht herausfahren konnten. Am Ende resultierte tatsächlich ein 8. Rang (n=3), ein Rückstand von akzeptablen 5:16 auf den Sieger und 2:48 auf den dritten Rang. 38 Sekunden schneller (die gingen am zweitletzten Posten flöten, als aufgrund des Nichtauslösens der Postenquittierung nochmals umgekehrt werden musste…….) und der 6. Rang wäre mehr als realistisch gewesen. Fazit: wie mir es Mentor Pirmi…, ääh, sorry Piitsch Müller am Ziel beschien: es loht sich immer, nicht aufzugeben und bis ins Ziel zu kämpfen……! Auf der anderen Seite: 2, 4, 8 und 16 ist eine literarisch einfacher aufzuarbeitende Folge als 2, 4, 6 und 16, daher: PASST SCHON, wie Meister Manfred sagen würde….!
ACHTUNG WETTBEWERB
Auf den Fotos und in den Videos ist unser Velbossity-Fahrer dreimal zu sehen. Wer das/die Foto(s) und den/die Videoausschnitt(e) benennen kann, erhält eine Velbossity-Schirmmütze geschenkt (ausschlaggebend bei mehreren richtigen Lösungen ist die Reihenfolge des Einganges). Lösungen bitte an <email-pii>. Der Rechtsweg ist natürlich nicht ausgeschlossen, aber, hey, wirklich?