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Hochwasser
Naturgefahren: Hochwasser
Ein Hochwasser ist ein hoher kurzfristiger Durchfluss eines Wasserlaufs, resultierend aus einem Wetterereignis wie heftige Niederschläge oder hohe Schneeschmelzraten.
Hochwässer wirken sich je nach Gerinnesystem unterschiedlich aus. In steilen Gerinnen, wie beispielsweise in Wildbächen in den Bergen, dominieren intensive Geschiebeumlagerungen und -ablagerungen aus Sand und Geröll. Hier kommt es überwiegend zu Übermurungen, Ufererosionen und Übersarungen. Flachere Wasserläufe im Tal hingegen gefährden vor allem durch Überschwemmungen. Es kann aber auch Ufer- und Sohlenerosion auftreten, was zu Unterspülungen oder auch zu Sohlenauflandungen führt.
Gefahren
Die Hochwasser stellen eine ernsthafte Gefahr für die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Umwelt dar.
Die Bevölkerung ist besonders verletzbar, wenn sie in Überschwemmungsgebieten angesiedelt ist. Die Gefahren sind umso beträchtlicher, als die Vorwarn- und Evakuierungszeiten bei heftigen Hochwässern zu kurz oder gar nicht vorhanden sind. In einem Siedlungsgebiet äussert sich die Gefahr durch das Risiko, vom Fluss mitgerissen zu werden oder zu ertrinken, aber auch durch die Isolierung auf einem Inselchen ohne möglichen Zugang.
Eine Unterbrechung der Kommunikationen kann schlimme Auswirkungen verursachen, wenn sie den Einsatz der Rettungsdienste verhindert.
Die materiellen Schäden betreffen hauptsächlich die beweglichen und unbeweglichen Güter. Die indirekten Schäden (Aktivitätsverlust, technische Arbeitslosigkeit, usw.) sind allerdings oft als schlimmer als die direkten Schäden.
Schliesslich sind die Umweltschäden auf die Erosion, die Geschiebeablagerungen und die Verschiebung des üblichen Flussbetts zurückzuführen. Zu berücksichtigen sind ein Verschmutzungsrisiko und ein drohender technologischer Unfall, wenn Industriegebiete in Überschwemmungsgebieten liegen.
Zugrundeliegende Gefahren:
- Epidemien
- Tierseuchen
- Stationäre Anlagen
- Stromausfäll
Begriffserklärungen
Anschwemmungen
Sämtliches durch fliessendes Wasser transportiertes und verlagertes Material wie Sand und Feinsedimente, besonders bei Hochwasser.
Durchfluss
Wassermenge, die den Querschnitt eines Wasserlaufs pro Zeiteinheit durchfliesst.
Einzugsgebiet
Von Wasserscheiden begrenzter Bereich, in dem alle Niederschläge den gleichen Wasserlauf, See, Meer und Ozean versorgen.
Grundablass
Vorrichtung zur Entleerung eines Rückstaus und Überwachung des Wasserspiegels.
Hochwasserbett
Besetztes Flussbett bei einem kurzfristigen Überlaufen der Gewässer während eines Hochwassers (besonders während des grössten je gemssenen Hochwassers).
Langsames Hochwasser
Hochwasser mit mehr als 12 Stunden Anstiegszeit, das in einem grossen Einzugsgebiet in Flüssen und grossen Wasserläufen eines Flachlandes entsteht.
Murgänge
Fliessendes Gemenge aus Wasser und Feststoffen (Sand, Kies, Steine, Blöcke, Holz) mit einem hohen Feststoffanteil.
Niedrigwasser
Niedrigster durchschnittlicher Stand eines Wasserlaufs oder einer Wasserstelle.
Rasches Hochwasser
Hochwasser mit 2 bis 12 Stunden Anstiegszeit, das in einem relativ grossen Einzugsgebiet oder bei tiefer Regenspende entsteht.
Sturzflut
Hochwasser mit sehr kurzer (weniger als einige Stunden) Anstiegszeit, das in einem kleinen und in der Regel abschüssigen Einzugsgebiet entsteht.
Wasserhaltevermögen
Mengenmässige Fähigkeit eines Dammes, Wasser zu halten.
Zehnjährliches, hundertjährliches, tausendjährliches Hochwasser
Ein zehnjährliches, hundertjährliches oder tausendjährliches Hochwasser ist ein Hochwasser, dessen Auftreten alle 10, 100 oder 1000 Jahre wahrscheinlich ist.
Ereignisbeispiele
August 2007, Schweiz
Ausgelöst wurde dieses Ereignis durch ein Höhentief westlich des Alpenraums, das warmfeuchte Luftmassen mit einem hohen Niederschlagspotenzial aus Südwesten heranführte. Die anhaltenden und grossflächigen Niederschläge betrafen die gesamte Alpennordseite, sowie die westlichen und zentralen Alpen.
Eine Person verlor ihr Leben. Die Gesamtschadensumme betrug rund 380 Mio. CHF. Gesamtschweizerisch betrug der Anteil der Schäden im öffentlichen Bereich (Infrastrukturschäden der öffentlichen Hand und Schäden, die mit Mitteln der öffentlichen Hand behoben werden) rund 25 %. Der Grossteil der Schäden fiel mit etwa 75 % im privaten Sektor an.
August 2005, Schweiz
Intensive und lang anhaltende Niederschläge im bis dahin bereits sehr regenreichen August führten auf der gesamten Alpennordseite in der Schweiz – zwischen der Saane und dem Alpenrhein – zu grossflächigen Überschwemmungen, zahlreichen Murgängen und einzelnen Dammbrüchen von Talflüssen. Auslöser für die grossflächigen starken Niederschläge war ein stabiles Tiefdrucksystem südlich der Alpen (Genuatief), das feuchte Luftmassen an den Alpennordrand führte.
Sechs Personen verloren ihr Leben. Die Gesamtschadensumme betrug rund 3 Mrd. CHF. Gesamtschweizerisch betrug der Anteil der Schäden im öffentlichen Bereich (Infrastrukturschäden der öffentlichen Hand und Schäden, die mit Mitteln der öffentlichen Hand behoben werden) rund 25 %. Der Grossteil der Schäden fiel mit rund 75 % in den privaten Bereich. Insgesamt waren rund 900 Gemeinden betroffen. Orte wie Engelberg oder Lauterbrunnen blieben tagelang von der Umwelt abgeschnitten. Damit war das bezüglich der finanziellen Auswirkungen das schwerste Einzelereignis in der Schweiz seit der systematischen Erfassung von Naturkatastrophen.
August 2002, Deutschland und Tschechien
Im August 2002 lösten grossräumige, anhaltende starke Niederschläge im Einzugsgebiet der Elbe, vor allem in Deutschland und Tschechien, schwere Überschwemmungen aus. Die Niederschläge wurden durch eine sogenannte Vb-Wetterlage verursacht, bei der feuchtwarme Luft vom östlichen Mittelmeerraum auf kältere Luft in Mitteleuropa stösst. Entlang der deutschen Elbenstrecke waren 21 Deichbrüche zu verzeichnen.
In Deutschland kamen zwei Personen ums Leben, 110 Menschen wurden verletzt. Insgesamt belief sich der finanzielle Schaden auf rund 8.9 Mrd. EUR und verteilte sich gleichmässig auf den öffentlichen und den privaten Sektor. Allein die Deutsche Bahn erlitt Schäden im Bereich von 850 Mio. EUR. Im Bundesland Sachsen, das mit ca. 6.2 Mrd. EUR die höchsten Schäden zu verzeichnen hatte, waren mehr als 25 000 Wohngebäude und knapp 12 000 Unternehmen vom Hochwasser betroffen.
Die aktuelle Lage im Bereich der Hochwassergefahr ist ersichtlich unter:
- Aufenthalt in Flussnähe bei Hochwasser wenn möglich vermeiden
- Beobachtung der Wetterentwicklung
- Bereithalten von Schutzmaterial (Pumpen, Schalungstafeln, Dichtungsmaterial, Werkzeug etc.)
- In gefährdeten Gebieten keine hohen Sachwerte und umweltgefährdenden Stoffe (Chemikalien, Farben, Verdünner etc.) im Keller lagern
- Auf Informationen und Anweisungen von Behörden und Feuerwehr achten: Radio DRS/Lokalradio, Fernsehen, Internet und Wasseralarme
- Informieren sie sich über Depots von mobilen Schutzmassnahmen in Ihrer Gemeinde