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Schreibst Du schon verständlich?
Es ist doch merkwürdig: Viele glauben, unseriös zu wirken, wenn sie einfach und prägnant schreiben. Wir versprechen Dir: Das Gegenteil ist der Fall. Nur wer sich verständlich ausdrückt, bringt seine Botschaft an die Leser:innen. Ein Beispiel gefällig?
Text 1
Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, sich dieselbe rechtswidrig anzueignen, wird wegen Raubes bestraft.
Text 2
Jemand nimmt einem anderen etwas weg. Er will es behalten, obwohl es ihm nicht gehört. Beim Wegnehmen wendet er Gewalt an oder droht dem Anderen, dass er ihn schlagen oder töten werde. Dieses Verbrechen ist Raub.
Beispiele entnommen aus Langer, Schulz von Thun und Tausch (2015): Sich verständlich ausdrücken. München: Reinhardt.
Wir sind überzeugt, dass der zweite Text einfacher zu lesen und verständlicher ist. Das liegt in erster Linie an der Satzlänge: Der erste Text besteht aus einem einzigen Satz von 36 Wörtern oder 246 Zeichen. Da braucht es einen langen Atem, um durch diesen Satz zu kommen. Der zweite Text hingegen ist leichter zu verdauen. Er besteht aus vier kurzen und prägnanten Sätzen.
Im zweiten Beispiel ist ausserdem eine klare Gedankenführung zu erkennen. Diese widerspiegelt sich in einer einfachen Satzstruktur. Der zweite Text erfüllt seine kommunikative Funktion dank einer nachvollziehbaren Gliederung und prägnanten Formulierungen. Der erste Text hingegen ist wegen mangelnder Einfachheit schlecht verständlich.
Wie steht es um Deine Texte? Schreibst Du schon verständlich?
Denk stets an Deine Leser:innen!
Mit dem Flesch-Index kannst Du die Lesbarkeit eines Textes ermitteln. Es gibt sieben Stufen: von schwer bis sehr leicht. Unser erstes Beispiel hat einen Flesch-Wert von 28. Das ist arg! Der zweite Text erreicht einen Wert von 75, was sehr verständlich ist.
Wenn die Leser:innen die Botschaft Deines Textes ohne Weiteres verstehen, dann hast Du Dein Ziel erreicht. Denk also immer an Dein Publikum: Dieses mag leicht lesbare und verständliche Texte; es möchte Deine Botschaft sofort erfassen können. Wag den Selbsttest und jag einen Absatz Deines Textes durch den Flesch-Index. Welchen Wert erreichst Du?
Im Folgenden stellen wir Dir fünf Regeln für verständliche Texte vor. Wenn Du die beherzigst, machst Du schon viel richtig.
Fünf Regeln für verständlichere Texte
Es gibt unzählige Regeln für das Schreiben verständlicher Texte. Wir zeigen Dir fünf, die sich einfach umsetzen lassen:
1. Kurze und prägnante Sätze
Verwende kurze und prägnante Sätze. Überlade Deine Sätze nicht, denn lange und verschachtelte Sätze sind schwer verständlich. Achte auf eine einfache und nachvollziehbare Satzstruktur. Selbstverständlich sind sinnvolle und stilsichere Ausnahmen berechtigt. Denn bestehen Texte ausschliesslich aus kurzen Sätzen, wirken sie monoton. Als Richtwert gilt: Ein Satz darf so lang sein, wie der Atem reicht. Wenn Dir beim lauten Lesen die Luft ausgeht, dann ist der Satz zu lang.
2. Hauptsachen in Hauptsätze
«Ich habe mir die Hand gebrochen, indem …»
Die Information, dass sich jemand die Hand gebrochen hat, ist wichtiger als der Hergang des Unfalls. Deshalb gehört diese Hauptinformation in den Hauptsatz. Achte darauf, dass Du die Hauptsätze nicht leichtfertig weggibst. Zu oft verwendet man den Hauptsatz für inhaltsleere Formulierungen wie «Es ist wichtig, dass …».
Natürlich sollst Du jetzt nicht nur in Hauptsätzen schreiben. Nebensätze sind genauso wichtig. In ihnen sollen aber nur Dinge stehen, die die Aussage des Hauptsatzes ergänzen oder näher bestimmen: In unserem Beispiel wären das Informationen zum Unfallhergang.
3. Verben statt Substantive
Benutze Verben und verzichte auf den Nominalstil: Schreib zum Beispiel anwenden statt zur Anwendung gelangen. Verben sind Tätigkeitswörter und treiben den Satz voran. Bring Bewegung in den Satz, motivier Deine Leser:innen zum Weiterlesen. Es gilt: Wo ein Verb passt, wird es dem Substantiv vorgezogen!
4. Aktiv statt Passiv
Passiv-Konstruktionen sind schwer verständlich, weil das Wort, das die Handlung anzeigt (= Verb), immer erst am Schluss des Satzes steht: Das Fahrrad wird lange gefahren. Eine weitere Verständlichkeitshürde liegt darin, dass man nicht weiss, wer Fahrrad fährt: Das Objekt (das Fahrrad) wird zum Subjekt und das eigentliche Subjekt (die Fahrrad fahrende Person) fällt aus dem Satz raus.
Halte Dich also an folgenden Grundsatz: Verwende niemals das Passiv, wo auch das Aktiv geht.
5. Bekannte Wörter verwenden und Fachbegriffe erklären
Sei gnädig zu Deinen Leser:innen und verwende bekannte anstelle von ungeläufigen Wörtern: aufdecken statt detektieren, auswählen statt selektionieren oder rechnen statt kalkulieren. Und vergiss nicht, Fachbegriffe zu erklären, die Deine Leser:innen möglicherweise nicht auf Anhieb verstehen.
Regeln sind manchmal auch da, um gebrochen zu werden. Behalte also immer auch George Orwells Tipp im Hinterkopf:
George Orwell
«Break any of these rules sooner than say anything outright barbarous.» (Brechen Sie jede dieser Regeln, bevor Sie etwas völlig Schreckliches schreiben.)
Literaturtipps
Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, wie man verständliche und gut lesbare Texte schreibt, dann empfehlen wir Dir folgende Bücher:
- Wolf Schneider: Deutsch! Das Handbuch für attraktive Texte.
- Wolf Schneider: Deutsch für junge Profis. Wie man gut und lebendig schreibt.
- Inghard Langer, Friedemann Schulz von Thun & Reinhard Tausch: Sich verständlich ausdrücken.