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2 Storys aus Indien
New Delhi Foodmarket
In der Hand halte ich meine GoPro Hero 7 Silver und schwenke von links nach rechts, während ich zwischen vor mir ausgebreiteten Decken mit Gemüse darauf, vorbeilaufe. Vor mir ein Gewürzhändler, der seine circa 25 verschiedenen Gewürze auf seinem Handwagen, schreiend anpreist. Dann eine kleine Strassenkreuzung, ich biege nach rechts ab und verhandle mit den unzähligen Früchteverkäufern die dicht an dicht auf ihren Holzwagen ihre Früchte präsentieren. Weil ich ganz genau weiss, dass sie mich um ein vielfaches versuchen abzuzocken, muss ich ihnen teilweise davonlaufen und mit dem nächsten versuchen zu verhandeln. Für umgerechnet einen Franken erwerbe ich mir 3 Bananen, eine Mango und 5 Litchis ( ein Inder würde für den selben Preis das doppelte bekommen). Unter dem einen holzigen Früchtestand entdecke ich Kisten mit Wasser, in denen tatsächlich noch lebendige Fische angepriesen werden. Ich sehe wie ein Mann an einem sichelähnlichen Messer, welches fest angemacht ist und mit der Spitze nach oben ragt, den grossen Thunfisch aufschneidet, die Innereien herausfisch. Danach hackt er den Fisch in Stücke in dem er den Thunfisch an den beiden Enden festhält und mit Kraft nach vorne durch das Messer hindurchschneidet. Mit den blutverschmierten Fingern vom Fisch, nimmt er das Geld entgegen und tauscht es ein gegen ein Stück seines frisch geschnittenen Fisches. Vis a Vis hinter den am Boden liegenden Gemüseverkäufern, entdecke ich einen winzigen, offenen Stand mit zwei Coiffeurstühlen, einen Inder mit Schere und Kamm, der den Männern innert drei Minuten eine Frisur verpasst um gerade mal 100 Rupien (1.60CHF). Und drei Meter links vom Frischfischverkäufer kaufe ich mir einen Mangoshake, der von einem etwa 8 jährigen Kind zubereitet wird und hoffe mir inständig dabei, dass ich die Bakterien der indischen Milch vertragen werde. Und zu guter Letzt, bevor mich das Gefühl überkommt, wieder in mein Hostel zu flüchten, filme ich noch ein Chicken Händler. Ihr könnt euch das in etwa so vorstellen: Auf instabilen Holzständen wird frisch gezupftes Hühnchen, mit Fliegenschwärmen übervölkertes rohes Hühnerfleisch angepriesen und 5 Meter weiter hinten, hört man noch die lebendigen Hühner in den Massenkäfigen kreischen. Dazwischen hockt ein Mann im Schneidersitz mit einem Messer in der Hand vor einem Schlachtteller, welcher nur darauf wartet, bis ein Kunde kommt, welcher für 250 Rupien (4CHF) ein frisches Hühnchen kaufen möchte. Etwas geschockt von den krassen Eindrücken in den vergangenen 30 Minuten, laufe ich die 100 Meter und 4 Stockwerke zurück in das angeblich beste Hostel von New Delhi (Jugaad Hostel).
Agra – Taj Mahal
Um 04:20 werde ich im angesagtesten Hostel von Agra aus dem Schlaf gerissen. Mein Wecker ruft mir in Erinnerung, das ich in zehn Minuten vom Hostel in Richtung Taj Mahal transportiert werde. An der Rezeption kaufe ich mir ein Redbull um zwei Franken, made in Austria. Ich stelle mir den Weg vor, der dieses Redbull hinter sich hat und zweifle daran, ob dieser Kauf nötig gewesen wäre. Die Nacht im guten Hostel hat mich gerade einmal drei Franken gekostet. Die Tuk Tuk Fahrt lässt mich wach werden in dieser frühen Morgenstunde. Als einer der ersten kaufe ich ein Eintrittsticket für den Taj Mahal, welches unglaubliche 26mal mehr kostet als die Einheimischen zahlen. Naja, die Touristen können es sich leisten die 25 Franken, was etwa auch dem Faktor entspricht, den wir Schweizer mehr verdienen, als ein durchschnittlicher Inder! Dank der frühen Morgenstunde gehöre ich zu den ersten 15 Besucher heute – von bis zu siebzigtausend Besuchern pro Tag! Ich laufe unter einem wunderschönen Torbogen hindurch und bleibe mit offenem Munde stehen. Ehrfürchtig thront vor mir der weiss, goldig leuchtende Taj Mahal. Die beliebteste und bekannteste Grabmahlstätte der Welt. Kein Wunder denke ich mir und platziere meine Go Pro um ein Zeitraffer Video aufzunehmen. Langsam strahlen die ersten Sonnenstrahlen hinter den Kuppeln des Grabmahles hervor. Währenddessen werde ich von einem Einheimischen mit meiner Handykamera fotografiert. Bereits das erste Foto lässt mich baff werden und die Meinung bilden, dass er ein absoluter “Handyprofifotograf” sein muss. Je mehr Bilder er von mir macht, desto grösser und langanhaltender wird mein Smile. Ganze 30 Minuten nimmt er sich Zeit um Aufnahmen zu machen von mir mit dem Hintergrund des Mausoleums (Grabstätte). Ich bedanke mich bei meinem professionellen Fotografen recht herzlich mit 250 Rupien Trinkgeld. Mit den Socken laufe ich über den Marmorboden hinein in diese ehrfürchtige Geschichtsstätte. Leider bleiben mir nur zwei Stunden zur Verfügung, bevor ich zurück muss, um meinen Zug nach New Delhi zu erwischen. Ich hätte zwar eine Stunde länger bleiben können wie sich herausstellt, als ich am dreckigen Bahnhof von Agra auf den Zug mit der Nummer 14569 warte. Als er einfährt werden erstmals die Affen auf den Schienen vertrieben durch das ohrenbetäubende Hupen des Zuges. Ich steige in den Wagen mit der zweit höchsten Klasse und beziehe mein Bett in der oberen Etage. Die nächsten vier Stunde versuche ich zu schlafen, während ich die 200 Kilometer zurück in die Hauptstadt Indiens transportiert werde.
Es folgen noch weitere Geschichten!