Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03306.jsonl.gz/1181

Den unter realen Bedingungen auf dem Dach der ETH Zürich demonstrierten Herstellungsprozess will Synhelion in einem nächsten Schritt auf industrielle Grösse skalieren. In rund drei Jahren soll die erste industriell relevante Testanlage ihren Betrieb aufnehmen, später dann die erste kommerzielle Anlage. Synhelion verfolgt ein ambitioniertes Ziel: Bis 2030 will die Schweizer Firma in der Lage sein, jährlich rund 700’000 Tonnen Treibstoff künstlich herzustellen. «Dies entspricht der Hälfte des jedes Jahr in der Schweiz abgefüllten Treibstoffs in der zivilen Luftfahrt», sagt Lukas Geissbühler. «Damit können wir die CO2-Emissionen im Flugverkehr wesentlich reduzieren.»
Wie aber wird der synthetische Treibstoff denn genau produziert? Die Herstellung beinhaltet drei thermochemische Umwandlungsprozesse. Als Erstes werden CO2 und Wasser (H2O) aus der Luft gewonnen. Als Zweites führt man diese Komponenten in einem Solarempfänger zusammen, der im Fokus von Spiegeln steht. Die Spiegel konzentrieren die Sonnenstrahlen um den Faktor 3000 und erzeugen im Inneren des Empfängers Temperaturen von bis zu 1500 °C. Die zugeführten Ausgangsstoffe werden aufgespaltet und es entsteht Synthesegas, eine Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Das Synthesegas kann schliesslich im sogenannten Fischer-Tropsch-Verfahren zu fast beliebigen Kohlenstoffverbindungen verarbeitet werden – beispielsweise eben auch zu Kerosin.
Diese synthetischen Treibstoffe sind theoretisch nahezu CO2-neutral, weil sie bei der Verbrennung nur so viel CO2 abgeben, wie für ihre Herstellung aus der Luft entnommen wurde. Um den Markteintritt zu beschleunigen, werden die ersten Produktionsanlagen allerdings neben Solarwärme, CO2 und Wasser auch Methan zur Herstellung des Treibstoffs nutzen. Je nach Ursprung des Methans (Erdgas oder Biogas) werden somit die ersten Treibstoffe bei der Verbrennung netto rund 50 bis 100 % weniger CO2 ausstossen als fossile Treibstoffe.