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Frühe Formen von ICT-gestütztem kollaborativen Schreiben
Engelbart und NLS
Bereits 1968 hatte der Computer-Pionier Douglas C. Engelbart auf einer mittlerweilen legendären Präsentation das von ihm und seiner Crew entwickelte ICT-gestützte Informationssystem namens NLS (für oNLine System) vorgestellt. Die Präsentation ist im Internet zugänglich, darin lässt sich sehen, wie Engelbart nicht nur verknüpfte Texte aufrufen und seinen Mitarbeitern zur Bearbeitung zur Verfügung stellen konnte. Man sah auch, wie er über eine Videokonferenz mit seinem Mitarbeiter Bill Paxton auf dem selben Monitor zeitgleich im System arbeiten und Dokumente verändern konnte. Als Eingabegerät benutzte er eine Maus: ein Gerät, das bislang unbekannt war und von Engelbart für die Arbeit mit NLS entwickelt worden war.
Engelbart war seiner Zeit weit voraus. Erst die verbreitete Nutzung von ICT, die durch den Internet-Boom der 1990er-Jahre eingeleitet wurde, ermöglichte die Popularisierung der von Engelbart vorgestellten Konzepte der Zusammenarbeit.
Slashdot
Der Durchbruch des Internet-Technologie löste einen neuen Schub von Versuchen aus, kollaboratives Schreiben zu ermöglichen. Eine wichtige Alternatvie zu den heute allgemein bekannten Blogs und Wikis ist die Slashdot Slashdot-Plattform. Sie wurde 1997 von Rob Malda gegründet. Bei Slashdot können Artikel eingereicht werden, die von Editoren (ca. ein Dutzend, ausser Rob Malda sind Jeff Bates und Rob Miller bekannt) auf der Website veröffentlicht werden. Anschliessend können die weiteren Mitglieder von Slashdot Kommentare oder Ergänzungen zu den Artikeln schreiben. Dabei können die Mitglieder in einem komplizierten Punktierungssystem die Kommentare bewerten und damit die guten Kommentare in der Anzeige weiter nach oben und die schlechten weiter nach unten befördern. Wessen Kommentare besonders gut bewertet werden, kann zu einem Moderator/ einer Moderatorin werden. Diese Personen erhalten zusätzliche Rechte und mehr Gewicht beim Bewerten der Kommentare.
Dieses System der Bewertung und der damit verbundenen Möglichkeit, in einer Gemeinschaft zu besonderer Bedeutung aufzusteigen, ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Einerseits wenden Moderator/innen ihre zusätzlichen Rechte missbräuchlich an. Andererseits wird die Rolle der Editoren kritische hinterfragt, da deren Auswahl zuweilen willkürlich oder einfach schlecht aufeinander abgestimmt erscheint.
Kuro5hin
Einige enttäuschte User wechselten zur Plattform Kuro5hin, die 1999 von Rusty Foster ins Leben gerufen wurde. Auf Kuro5hin können alle registrierten Benutzer/innen Artikel in eine Warteschlange einstellen, wo sie von den anderen Mitgliedern bewertet werden. Je besser ein Artikel bewertet wird, desto weiter rückt er in der Warteschlange vor, bis er auf der Hauptseite der Website erscheint. Die Artikel werden von den anderen Mitgliedern kommentiert, oft mit dem Ziel, den Autor/innen Hilfen zu geben, ihren Beitrag zu verbessern. Zu diesem Zweck gibt es auch Phasen, in welchen die Verfasser/innen ihre Texte überarbeiten können und die Mitglieder der Plattform keine Bewertung anbringen können.
everything2
Eine Variante des Slashdot-Konzeptes ist das Enzyklopädie-Projekt everything2.com, das aus dem Umkreis der Slashdot-Editoren im Jahr 1998 ins Leben gerufen wurde. Der kollaborative Schreibprozesse ist bei Everything2 ähnlich organisiert wie bei slashdot. Die Beiträge können nur von den Verfasser/innen verändert werden. Die Leser/innen können (sofern sie auf der Website angemeldet sind), die Beiträge bewerten. Fleissige Bewerter/innen und Autor/innen mit guten Bewertungen werden belohnt, sie erhalten zusätzliche Bewertungs- und Moderationsprivilegien. Obwohl auf everything2 über 444.000 Einträge vorhanden sind, ist dieses Projekt weitaus weniger bekannt als Wikipedia.
Es hat auch einige Unterschiede zu Wikipedia aufzuweisen. Die Einträge gliedern sich in die Gruppen "persons", "places", "things" und "ideas". Da es keine Vorgabe gibt, die Artikel "neutral" zu halten, sind die Einträge in der Regel persönlicher gehalten, sind oftmals origineller geschrieben oder präsentieren neue Ideen und Einsichten zu einzelnen Themen. Einige Einträge sind im enzyklopädischen Stil, andere eher als Meinungen oder sogar als Fiktion geschrieben. Sie unterscheiden sich jedoch sehr stark in ihrer Qualität. Ausführliche und gut recherchierte Einträge stehen neben mangelhaften Texten, es findet ausser der Bewertung kaum eine Kontrolle statt (ausser bei groben Verletzungen der Regeln, die von Administratoren geahndet werden). Es ist zwar möglich, zum gleichen Begriff verschiedene Artikel anzulegen, aber nicht, diese bei Bedarf zu verschmelzen. Ein interessantes Merkmal von everything2 sind die "softlinks". Dabei handelt es sich um Links am Ende von Beiträgen, die von der Software auf der Grundlage der vorher und nachher von den Leser/innen angesteuerten Webseiten zusammengestellt wird.
Literatur/Links
- http://en.wikipedia.org/wiki/NLS_%28computer_system%29
- http://en.wikipedia.org/wiki/Slashdot
- http://en.wikipedia.org/wiki/Kuro5hin
- http://en.wikipedia.org/wiki/Everything2