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Schmerzen im kleinen Becken gehören zu den häufigsten Gründen für einen Haus- arztbesuch. Schätzungen zufolge leiden weltweit etwa 12 Prozent aller Frauen an chronischen Unterbauchschmerzen. Männer sind vor allem nach Operationen im kleinen Becken (z.B. nach vollständigem Entfernen der Prostata) von Schmerzen im Unterbauch betroffen.
Definition von Schmerz
Unter dem Begriff Schmerz wird eine Reizung spezieller Nervenfasern verstanden, die als elektrische Information zum Gehirn weitergeleitet wird. Beispielsweise können eine Endometriose, eine Bindegewebsverhärtung (Fibrose) oder das Vorliegen von Narbengewebe Schmerzen im kleinen Becken verursachen, indem umliegende Nerven gereizt werden. Dies lässt Schmerzinformationen entstehen, die als elektrischer Strom über die Nerven zum Gehirn weitergeleitet werden. Die Reizweiterleitung kann unzählige Wege bis zum Gehirn nehmen, so dass der tatsächliche Entstehungsort der Schmerzen nicht immer mit dem vom Patienten empfundenen Schmerzort übereinstimmt. Ein Beispiel stellt der Phantomschmerz nach einer Amputation dar: Der Patient gibt Schmerzen im Fuss an, obwohl dieser Körperteil durch die Amputation entfernt wurde. Schmerzen können aber auch durch Erkrankungen der Nerven oder durch eine mechanische Schädigung ausgelöst werden.
Bei selektiven Schädigungen der Nerven können drei Arten von Schmerzen auftreten:
- Das Neurom: Ein Nerv ist ähnlich aufgebaut wie ein elektrisches Kabel. Es besteht aus einem Kupferdraht, das dem leitenden Inneren, d.h. dem Axon des Nervs entspricht und einer isolierenden Umhüllung, dem Myelin. Wird ein Nerv verletzt bzw. durchtrennt, kann das Axon ohne die schützende Hülle des Myelins weiterwachsen und an diesen Stellen gereizt werden. Der Schmerz entsteht in der Regel ca. 6 Wochen nach einer solchen Verletzung, die Läsion genannt wird. Dieser Schmerz, der von den Patienten als "elektrischer Schmerz" beschrieben wird, kann durch verschiedene Reize (z.B. durch Druck) ausgelöst oder gesteigert werden.
- Neuropathischer Schmerz: Dieser Schmerz ist nicht an der Stelle der Läsion zu spüren, sondern in dem Bereich, der von dem entsprechenden Nerv versorgt wird. Meist entstehen brennende oder auch dumpfe Schmerzen, z.B. in Hautregionen.
- Phantomschmerzen: Diese Schmerzen können nicht nur nach Entfernen einer Extremität, sondern auch eines Organs durch Schädigung der zugehörigen Nerven auftreten. So kann z.B. das Entfernen der Gebärmutter aufgrund einer Endometriose zu Phantomschmerzen im kleinen Becken führen. Die Patientinnen berichten weiterhin von Schmerzen im Unterbauch, die in ihrer Stärke identisch oder sogar stärker sein können als vor der Operation.