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Die in Valladolid geborene und in Brüssel lebende Künstlerin Dora García arbeitet mit Performance, Video und Installation. Im Kern ihrer Arbeiten steht oft die Untersuchung der Paradigmen und Konventionen der Kunst. Häufig dienen ihr dabei Texte und Geschichten als Grundlage für Szenarien, die vielschichtig Fragen zu Ethik und Moral aufwerfen und dabei gleichwohl unterhaltsam und geistreich sind.
Das Werk Steal this Book (2009) beispielsweise, bestehend aus 5'000 gestapelten Büchern mit gleichlautendem Titel, führt den Ausstellungsbesucher in ein Dilemma. Stellt Steal this Book nun eine Handlungsanweisung an den Betrachter dar oder handelt es sich einfach nur um den Buchtitel? Tatsächlich gibt es ein Buch mit diesem Namen. Steal this Book hiess auch die legendäre, 1970 von Abbie Hoffmann verfasste Schrift, die Anleitungen zum Widerstand gegen alle Arten von Autorität enthielt.
García gibt hingegen keine Handlungsanweisungen, weder zum Widerstand, noch zum Kunstdiebstahl, noch solche, die bei fachgerechter Ausführung zum Gelingen des Werkes beitragen. Sie kreiert vielmehr eine Ausgangssituation, in welcher der Betrachter sein Verhalten – gemäss seiner Persönlichkeit und gesellschaftlichen Prägungen – mit sich selbst aushandeln muss. Die Videoarbeit Just because everything is different, it does not mean that anything has changed (2008) lässt die Geschichte des Komikers Lenny Bruce wieder aufleben, der 1962 wegen unzüchtiger Wortwahl in Australien verhaftet wurde, nachdem er bei seinem ersten Auftritt im Land gerade mal einen Satz auf der Bühne geäussert hatte.
Ebendieser Stoff wird auch in Lenny’s Paper (2009) aktualisiert: Das Werk besteht aus 330 manipulierten Kopien einer Ausgabe des International Herald Tribune und greift eine Aktion von Lenny Bruce auf. I am a Judge (1996) war sodann die für Garcías Ausstellung in der Kunsthalle Bern namensgebende Arbeit: Sie besteht aus einem Text der Künstlerin, der mit schwarzen Vinyl-Lettern an der Wand anzubringen ist. Die geschilderten Werke waren 2010 im Rahmen der Schau I am a Judge in der Kunsthalle Bern zu sehen. Ph. P. (Philippe Pirotte) und J. R. (Julian Reidy)