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Am Ende seiner Karriere wird Roger Federer weit über 1500 Partien auf der ATP-Tour bestritten haben, mehr als 400 davon an Grand-Slam-Turnieren. An alle wird er sich kaum mehr erinnern. Von dem 4:6, 7:6 (7:2), 6:4, 4:6, 7:6 (10:8) in vier Stunden gegen John Millman (ATP 47), dem 100. Einzelsieg im Melbourne Park, dürfte er aber womöglich einst auch seinen Enkeln erzählen.
"Die Partie war in verschiedener Hinsicht verrückt und einzigartig", sagte Federer. Das Super-Tiebreak, die Wende, die Atmosphäre. "Es sind diese Partien, für die ich noch immer spiele." Dabei müsse es sich nicht immer um einen Final handeln. "Es ist schön, dass es diese Emotionen auch in einer 3. Runde gibt."
Auch die 15'000 Zuschauer in der Rod Laver Arena werden sich noch lange an diesen Abend erinnern. Es war ein keineswegs brillanter Auftritt des 20-fachen Grand-Slam-Gewinners, den sie zu sehen bekamen - und dennoch ein unvergesslicher. Bis zum Tiebreak des zweiten Satzes spielte Federer passiv und fehlerhaft. Als er sich steigerte, den Vorteil einer 2:1-Satzführung aber wieder aus der Hand gab, stellte der 38-Jährige eine Qualität unter Beweis, die bei ihm, dem Tennis-Genie mit dem aussergewöhnlichen Ballgefühl, oft unterschätzt wird.
Im fünften Durchgang kämpfte sich Federer wiederholt in die Partie zurück. Gegen einen Gegner, dessen Spielweise ihm nicht besonders liegt, und der für seine Kampfkraft und Ausdauer bekannt ist. Nachdem Federer das Break zum 1:2 kassiert hatte, schaffte er umgehend das Rebreak. Später wehrte er noch einmal zwei Breakbälle ab, ehe er im Showdown, als Mitternacht schon lange vorbei war, nach einigen brillanten Punkten von Millman ins Hintertreffen geriet und bei 4:8 zur finalen Wende ansetzte.
In Wimbledon hatte er im Final gegen Novak Djokovic mit dem Tiebreak bei 12:12 im fünften Satz für eine Premiere gesorgt, nun beendete er erstmals eine Grand-Slam-Partie mit einem Super-Tiebreak, das am Australian Open 2019 eingeführt wurde. "Am Ende der Karriere will ich jedes Format einmal erlebt haben", sagte Federer mit einem Lachen.
Wie sich Federers vierstündiger Kraftakt auf die Fortsetzung des Turniers auswirken wird, wird sich am Sonntag in seinem 18. Achtelfinal in Melbourne weisen. Die Partie gegen Millman war der erste harte Ernstkampf seit Monaten, nachdem er vor Melbourne kein Vorbereitungsturnier bestritten und die ersten zwei Runden locker überstanden hatte. "Ich hatte aber das Gefühl, dass ich im fünften Satz physisch mehr Reserven hatte als er", sagte Federer.
Sein nächster Gegner ist Marton Fucsovics aus Ungarn, der sich gegen den Amerikaner Tommy Paul klar in drei Sätzen durchsetzte. Gegen die Nummer 67 der Welt hat Federer bereits vor zwei Jahren in den Achtelfinals gespielt und in drei Sätzen gewonnen. Der 27-Jährige aus Budapest hat mit Federer auch schon in Zürich trainiert und 2018 das Turnier in Genf gewonnen. "Er spielt ähnlich wie John und ist sehr konstant von der Grundlinie", so Federer.
Neben dem Schweizer ist Fabio Fognini (ATP 12) der einzige verbliebene Gesetzte im dritten Tableauviertel. Der Italiener setzte sich nach zwei Fünfsatzsiegen gegen den Argentinier Guido Pella glatt in drei Sätzen durch. Im untersten Viertel des Tableaus zog Novak Djokovic mit einem lockeren Dreisatzsieg gegen Yoshihito Nishioka in seinen 50. Grand-Slam-Achtelfinal ein. Stefanos Tsitsipas, die Nummer 6 der Welt und Halbfinalist des Vorjahrs, scheiterte dagegen gegen Milos Raonic glatt in drei Sätzen.
(sda)