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Eigentlich wollte er nur seine Ruhe. Als der namenlose Erzähler sein hektisches Leben in der Stadt aufgibt und in ein abgelegenes Haus an einem Waldsee zieht, fühlt er sich wie ein neuer Mensch: Ab sofort möchte er sein eigenes Obst und Gemüse anbauen und seine Tage endlich wieder selbstbestimmt und im Einklang mit der Natur verbringen. Doch schon nach kurzer Zeit in der Provinz verdichten sich die Zeichen, dass das Idyll eine gefährliche Schattenseite hat.
Fast in der Mitte des Landes, weit entfernt von den Bergen im Süden und dem Meer im Norden, liegt der See. Umgeben von dichtem Wald ist er nicht groß, aber unter der dunkelgrünen Oberfläche reicht er tief in die Erde. Seine morastigen Ufer, aus denen knorrige Wurzeln herausragen, fallen zum Wasser ab. Trauerweiden lassen ihre langen Äste kraftlos in das Wasser hängen, dahinter stehen Fichten, Birken und Tannen in einem märchenhaften Dickicht aus Sträuchern und Farnen.
Eine dunkel gefiederte Ente, kleiner als die fetten Tiere aus dem Park, schwimmt am Rand des Sees. Umkreist von ihren hungrigen Küken, die noch ungeschickt bei der Nahrungssuche sind, verlagert sie mit einer plötzlichen Bewegung der Flossen das Gewicht ihres Körpers nach vorn, stößt unter Wasser und taucht mit einer Alge im Schnabel wieder auf. Sofort entreißt ihr ein Küken das braun schimmernde Gewächs und schwimmt, unter dem Krächzen seiner Geschwister, in das schützende Schilf. Wieder taucht die Ente, und diesmal imitieren die Jungtiere ihre Bewegung, leider ohne Erfolg, sodass die Mutter auch dem nächsten Küken zu fressen geben muss.
Durch die knospenden Birkenzweige fallen die schwachen Strahlen der Frühlingssonne. Das Licht blendet mich, wenn ich den Kopf nur ein Stück zur Seite bewege, und ich versuche, still zu stehen.
Der Makler hat mir versprochen, das Haus in einem ordentlichen Zustand zu übergeben. Leider hat er sich nicht daran gehalten. Das Grundstück ist verwahrlost, der abschüssige Garten, an dessen oberem Ende das Haus steht, ist ungepflegt, die schöne Fassade aus Backsteinen und Glas verwittert. Auf den Möbeln liegt dichter Staub, die Böden sind dreckig, Toilette, Spülbecken und Badewanne starren vor Schmutz, zurückgelassene Habseligkeiten des Vorbesitzers stehen herum. Obwohl ich ihn nie kennengelernt habe, besitze ich doch eine klare Vorstellung von ihm. In den einfachen Möbeln, den penibel beschrifteten Einweckgläsern und der ordentlichen Art, in der das Haus eingerichtet ist, erkenne ich einen Mann, der sein Leben streng organisiert hat. Nichts Überflüssiges ist zu sehen, keine kuriosen Mitbringsel oder Reiseerinnerungen, wie sie sich im Laufe eines Lebens oft ansammeln. Die wenigen Möbel sind sorgfältig ausgewählt und genau richtig in den Fluchten der Räume platziert. Unter all der Unordnung und dem Dreck verbirgt sich ein wunderbares Haus. Ich kann nicht erwarten, es wieder herzurichten.
Ich habe Lebensmittel mitgebracht, um die ersten Tage zu überstehen. Außerdem Kisten voller Kochtöpfe, Geschirr und anderer Dinge, die mir sinnvoll erschienen. Glühbirnen, Streichhölzer, zwei scharfe Küchenmesser, Handtücher und Putzmittel. Ich räume die Lebensmittel auf den Küchentisch und benutze die leere Kiste als Mülleimer für das zerbrochene Geschirr und die fleckigen Zeitungen, mit denen die Schränke ausgelegt waren.
Die leeren Schränke wische ich mit einem in Essigreiniger getränkten Lappen aus, dessen Geruch sich mit dem modrigen Staub zu einer ekelhaften Mischung verbindet. Als die lackierten Pressholzböden einigermaßen sauber sind, stelle ich Lebensmittel und Kochtöpfe hinein.
Ein Teakholzregal, dessen dünne Einlegeböden wirken, als würden sie schweben, nimmt fast die ganze Wohnzimmerwand neben der Fensterfront ein. Es ist leer, nur im untersten Fach stehen einige Romane und eine Reihe akademisch aussehender Bücher in schlichten Einbänden. Ich lege alles in die Kiste und stelle sie auf die Veranda. Dann wische ich das Regal mit einem trockenen Tuch ab. Meine Nase läuft ständig von dem Staub, den ich aufwirble.
Am Rand des Gartens, kurz bevor der Wald beginnt, steht ein von der Sonne verblichener Holzschuppen, in dem ich Besen und Putzeimer vermute. An der Tür hängt ein rostiges Vorhängeschloss, dessen Schlüssel ich tatsächlich unter einem umgedrehten Blumentopf neben dem Eingang finde. Als ich den Lichtschalter umlege, bleibt es dunkel. Die Leitung scheint in Ordnung zu sein, wahrscheinlich sind nur die Sicherungen defekt. Ich öffne die Tür weit, damit Licht in den Schuppen fällt. In der Ecke steht eine Werkbank, daneben ein altes Herrenrad. An der Wand sind Schaufel, Spaten, Baumsäge, Axt und eine Spitzhacke aufgehängt, deren metallene Teile durch die Feuchtigkeit schartig geworden sind. Ich finde ein Kehrblech und einen Handfeger, einen Besen, Putzlappen und einen Zinkeimer und nehme alles, was ich zum Saubermachen benutzen kann, mit ins Haus. Nachdem ich den Boden in der Küche und dem Wohnzimmer ausgefegt und die Möbel abgestaubt habe, wasche ich die Lappen in der Küche aus. Aus warmem Wasser und Flüssigreiniger
NDR Kultur
»Ein guter Roman.«
Berliner Zeitung
»Sehr real und beängstigend geschildert.«
Annabelle
»Ein fintenreicher Roman zum Rechtsruck.«
derFreitag Blog
»Die Sogwirkung dieses Romans ist enorm.«