Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03289.jsonl.gz/688

«Kassensturz» «Wirkungslose Sanktionen: Grosses Euter, grosses Leid» beanstandet
5420
Mit Ihrer E-Mail vom 6. April 2018 haben Sie den «Kassensturz»-Beitrag «Wirkungslose Sanktionen: Grosses Euter, grosses Leid»[1] vom 3. April 2018 beanstandet. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
Meiner Ansicht nach war der oben erwähnte Beitrag nicht sachlich. Die Bilder und vor allem das Verhalten von Herr Schmetzer erwecken fälschlicherweise den Anschein als ob ein Grossteil der Kühe an Viehschauen Schmerzen erleiden. Dies ist eine subjektive Interpretation der Bilder. Herr Schmetzer hat die Bedeutung der wissenschaftlichen Untersuchungen mittels Ultraschall ignoriert, welche von der Vetsuisse entwickelt wurden. Ganz allgemein war der Beitrag sehr tendenziös, speziell die Art und Weise wie Herr Schmetzer im Livegespräch dem Gast immer wieder ins Wort gefallen ist machten es diesem fast nicht Möglich seine Seite der Sache klar zu erläutern, das Gespräch glich mehr einer Brandrede gegen Viehschauen als einer seriösen Diskussion.
B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Frau Ursula Gabathuler, Redaktionsleiterin SRF «Kassensturz/Espresso», schrieb:
In einem Schreiben vom 6. April 2018 wendet sich X an Sie und beanstandet den «Kassensturz»-Beitrag «Wirkungslose Sanktionen: Grosses Euter, grosses Leid»[2] vom 3. April:
Gerne nehmen wir dazu wie folgt Stellung:
Zum Vorwurf 1: Der Beitrag erwecke den Anschein als ob ein Grossteil der Kühe an Viehschauen Schmerzen erleiden.
Beim Anhören des Gesprächs ist für den einigermassen aufmerksam zuhörenden Zuschauer zu jedem Zeitpunkt klar, welche Kühe gemeint sind, dass es um gewisse Tiere geht und nicht um alle Kühe. Dies ergibt sich aus Fragen von Ueli Schmezer und Äusserungen von Andreas Aebi. Konkret: Herr Aebi sagt als Erstes, dass es nur um bestimmte Ausstellungen geht, die er namentlich nennt. Nachfrage Ueli Schmezer: «Sie wissen es also genau, um welche Züchter es geht?», womit erneut gesagt wird, dass es nur gewisse Tiere betrifft. Später spricht Herr Schmezer von «vielen Tieren», Herr Aebi seinerseits vom «letzten Promill».
Zum Vorwurf 2: Subjektive Interpretation: Herr Schmezer habe die Bedeutung der wissenschaftlichen Untersuchung mittels Ultraschall ignoriert, welche von der Vetsuisse entwickelt wurde.
Wir haben im Beitrag die Methode ausführlich erläutert, welche Adrian Steiner von der Vetsuisse mit seinem Team entwickelt hat. Dazu besuchten wir sogar Steiner selber, der seine Studien und deren Resultate persönlich erläuterte und zudem – auch für Laien verständlich – das Phänomen Ödem erklärte. Da «Kassensturz» die Ultraschall-Untersuchung an der Ausstellung nicht filmen durfte, erklärte die Autorin das Vorgehen an den Ausstellungen anhand von Archiv-Material von der Expo in Lausanne.
Zum Vorwurf 3: Der Beitrag sei tendenziös.
Im Beitrag kamen alle Player zu Wort (Tierschützer, Tierärzte, Züchter, Verband, Behörden), sodass sich der Zuschauer ein eigenes Bild machen konnte.
Zum Vorwurf 4: Ueli Schmezer sei dem Gast immer wieder ins Wort gefallen.
Ins Wort gefallen ist Ueli Schmezer Andreas Aebi tatsächlich bei Timecode 4’14, er hat ihn aber weiterreden lassen nach Aebis Intervention «Sie haben mich eingeladen, damit ich reden kann...». Antwort Schmezer: «Da haben Sie völlig Recht.» Die Intervention von Andreas Aebi entspricht übrigens dem Ratschlag von Ueli Schmezer an seinen Gast vor der Sendung, genau dies zu sagen, wenn er sich zu Unrecht unterbrochen fühle.
Bei der Unterbrechung durch den Moderator später im Interview ging es darum, dass Herr Aebi abschweifte zum Alltag auf dem Hof, der in dieser Sendung nicht Thema war.
Zusammenfassend sind wir der Ansicht, dass der «Kassensturz» ausgewogen über das Problem der grossen Euter an Viehschauen berichtet hat, und dass das anschliessende Gespräch engagiert, aber fair geführt wurde. Der Zuschauer konnte sich eine eigene Meinung bilden, der Beitrag war sachgerecht.
Aufgrund unserer Ausführungen bitte ich Sie, die Beanstandung als unbegründet zurückzuweisen.
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung des Beitrages. Der «Kassensturz» ist das wöchentliche Magazin für Konsum, Geld und Arbeit. Zur Sendung gehören Produkte-Tests ebenso wie kritische Fragen an Verantwortliche zu aktuellen Konsumenten-Themen[3]. Im beanstandeten Beitrag geht es um Quälerei an Viehschauen. Am 26. April 2016 hat der «Kassensturz» unter dem Titel «Kühe leiden an Viehschauen für ‹Schönheitsideale›»[4] bereits darüber berichtet. «Espresso» hat das Thema unter dem Titel «Viehschau: Noch immer werden Kuhzitzen mit Sekundenleim verklebt»[5] am 30. März 2017 nochmals aufgenommen. In der aktuellen Sendung vom 3. April 2018 ging der «Kassensturz» dem Thema erneut nach. Die «Kassensturz»-Recherchen zeigen, dass die getroffenen Massnahmen noch nicht das halten, was sie versprechen. Offenbar verkleben Züchter die Zitzen ihrer Kühe immer noch.
Der von Ihnen beanstandete Beitrag besteht aus drei Teilen, nämlich aus der Einleitung des «Kassensturz»-Moderators, Ueli Schmezer, einem gut achtminütigen filmischen Beitrag von Marianne Kägi und einem anschliessenden, etwa gleich lange dauerndem Live-Interview im Studio mit Andreas Aebi, Berner SVP-Nationalrat und Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Schweizer Rinderzüchter ASR, sowie dem Moderator. Sie beanstanden in Ihrer Eingabe Form und Inhalt des ganzen Beitrags.
Zuerst zur Form: In einem Format wie dem «Kassensturz», wo es letztlich um den Konsumentenschutz geht, liegt es auf der Hand, dass der Interviewstil hart sein muss. Es geht darum, dass sich der Interviewer für das Publikum einsetzt. Konkret nimmt Herr Schmezer die Rolle des Widerparts ein. Er konfrontiert also sein Gegenüber mit Widersprüchen und Schwachstellen; er nimmt die Sichtweise des Gegners ein. Insofern darf, ja muss Herr Schmezer seinen Interviewpartner auch unterbrechen, ihn mit seinen Argumenten konfrontieren und auf nicht beantwortete oder ausweichend beantwortete Aussagen hinweisen.
Die Art und Weise wie dies geschieht, hängt stark von der jeweiligen Situation ab. Wer sich in die Sendung «Kassensturz» begibt, weiss um diese Art des Interviews, kennt die Herausforderungen, kann sich vorbereiten und entsprechend agieren. Herr Aebi, seines Zeichens Berner SVP-Nationalrat und Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Schweizer Rinderzüchter ASR, ist es sich gewohnt, dass er konfrontativ interviewt wird. Er ist also bestens gerüstet, sich in einem hart geführten Interview wehren zu können – und das hat er auch getan. Er hat Herrn Schmezer sogar darauf hingewiesen, dass er ihn ausreden lassen soll. Dieser hat darauf reagiert.
Je nach Standpunkt des Publikums kann diese Interviewform entweder genau richtig oder inakzeptabel sein. Der Kassensturz ist per se kritisch, das darf und muss er sein. Entscheidend ist aber, dass diejenigen, die kritisiert werden, sich entsprechend wehren können. Wer heftig kritisiert wird, erhält Gelegenheit zur Replik. Das war in dem von Ihnen beanstandeten Live-Interview jederzeit der Fall.
Und nun zum Inhalt: Im Beitrag wird dem Publikum aufgezeigt, dass an Milchkuh-Ausstellungen das pralle Euter im Zentrum steht. Dazu dehnen einige Besitzer die Melkzeiten aus und damit keine Milch tropft, verkleben sie die Zitzen. Das führt dazu, dass die Kuh, die zu lange nicht gemolken wurde, Schmerzen hat. Eine aktuelle Studie zeigt, dass 23 Prozent der Kühe, die an Ausstellungen untersucht wurden, Euter-Ödeme aufwiesen. Um das Leiden der Tiere zu verringern, gelten seit Januar an Viehausstellungen neue Regeln, was die Nervosität der Züchter steigert. Als Tierschützer die Einhaltung der Regeln überprüfen wollten, kam es bei der Expo in Bulle zum Handgemenge.[6]
Wie bereits die Redaktionsleiterin SRF «Kassensturz/Espresso», Frau Ursula Gabathuler, klärt, wird weder in der Einleitung noch im Beitrag noch im Live-Interview eine Generalisierung vorgenommen, die den Verdacht aufkommen lassen könnte, alle Züchter oder Landwirte würden ihre Kühe für die Viehschau so herrichten, dass diese leiden müssten. Es war stets klar, dass es um einige schwarze Schafe in der Branche geht.
Ihren Vorwurf, dass Herr Schmezer die Bedeutung der wissenschaftlichen Untersuchung mittels Ultraschall, welche von der Vetsuisse entwickelt wurde, ignoriert habe, kann ich nicht nachvollziehen. Im Beitrag hat Adrian Steiner von Vetsuisse dem Publikum die Untersuchungsmethode, um Ödeme erkennen zu können, in einfachen Worten und eindrücklichen Bildern erklärt. Ausserdem stehen dem interessierten Publikum auf der Website zum Beitrag weitere Berichte zum Thema[7] zur Verfügung.
Der «Kassensturz» hat im ganzen Beitrag alle relevanten Stimmen ausgewogen zu Wort kommen lassen:
- Andreas Aebi, Landwirt, Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Schweizer Rinderzüchter ASR, Nationalrat
- Julika Fitzi, Dr. med. vet., Tierärztin beim Schweizer Tierschutz
- Kaspar Jörger, Dr. med. vet. Bundesamt für Veterinärwesen
- Pascal Monteleone, Geschäftsführer des Verbandes der Holsteinzüchter
- Patrick Rüttimann, Holstein-Kuhzüchter
- Adrian Steiner, Prof. Dr. med. vet., Leiter Nutztierklinik, Universität Bern
Von einem tendenziösen Beitrag kann also nicht die Rede sein.
Das Publikum konnte sich einen breiten Überblick über das Thema machen und sich frei eine eigene Meinung bilden. Das Sachgerechtigkeitsgebot wurde nicht verletzt.
Ich kann Ihre Beanstandung daher nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Manfred Pfiffner, stellvertretender Ombudsmann
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
Beitrag «Pensionskassen zahlen Vermittlern Hunderte Millionen» von «Kassensturz» beanstandet
5809 | Mit Ihrer E-Mail vom 8. März 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Kassensturz» vom 5. März 2019 und dort den Beitrag «Pensionskassen zahlen Vermittlern Hunderte Millionen». Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.
«Kassensturz»-Beitrag «Sauberes Gold? Das Schweigen der Schweizer Uhrenindustrie» beanstandet
5682 | Mit Ihrer E-Mail vom 18. Dezember 2018 beanstandeten Sie die Sendung «Kassensturz» (Fernsehen SRF) vom gleichen Tag und dort den Beitrag «Sauberes Gold? Das Schweigen der Schweizer Uhrenindustrie». Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.
«Kassensturz» «Bremsversagen beim Auto: Wer ist schuld an Horrorfahrt?» beanstandet
5391 | Mit Ihrer E-Mail vom 21. März 2018 haben Sie den «Kassensturz»-Beitrag «Bremsversagen beim Auto: Wer ist schuld an Horrorfahrt?» vom 13. März 2018 bei Schweizer Fernsehen SRF beanstandet. Ihrer Beanstandung fügten Sie zudem eine Kopie Ihres ersten Schreibens an die Redaktion bei, welches nach Ihrer Angabe bis zum 21. März 2018 nicht beantwortet wurde. Dieses Schreiben findet sich im Anhang.
Alle Schlussberichte der Ombudsstelle jetzt ansehen