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Der Schweizer Clint Capela hätte um einen besseren Vertrag pokern können. Das tut er nicht, sondern unterschreibt einen Kontrakt, der ihm in den nächsten fünf Jahren 90 Millionen Dollar einbringt.
Der atemberaubende Aufstieg von Clint Capela (24) geht unaufhaltsam weiter. Nicht auf dem Basketball-Parkett, dort wird bis Herbst in der NBA nicht gespielt. Doch daneben steigt der Schweizer finanziell in neue Sphären auf, seinem neuen Vertrag sei Dank.
90 Millionen US-Dollar zahlen die Houston Rockets dem Center aus Genf dafür, dass er die nächsten fünf Jahre für sie spielt. Das ist weniger, als Capela nach seinen starken beiden letzten Jahren wert ist. Aber auch mehr, als man ihm zunächst geboten hatte.
«Ich liebe nicht das Geld, ich liebe das Spiel», hat Capela diesen Sommer zu BLICK gesagt. Wenige Stunden nach dem Ausscheiden im Playoff-Halbfinal gegen den späteren Meister Golden State mochte der 2,08-Meter-Riese noch nicht über den neuen Vertrag reden, der im Raum stand und der das Schicksal seiner Familie nachhaltig verändern wird.
Seine Geschichte vergleichbar mit der des Tellerwäschers, der zum Millionär wird: Als Sohn einer Kongolesin und eines Angolaners in Genf zur Welt gekommen, hat er es von Anfang an schwer. Capelas Vater ist bald weg. Die Mutter schlägt sich mit ihren drei Söhnen durch, muss mehrere Jobs annehmen, um sich, Clint und seine Brüder Fabrice und Landry über Wasser zu halten.
Als es nicht mehr geht, landen Clint und Landry im Pflegeheim. «Es war schrecklich», erzählt Capela. «Da waren viele Jungs, die üble Sachen angestellt haben.» Nur am Wochenende kann er seine Mutter besuchen. Erst nach sechs Jahren, Capela ist mittlerweile zwölf Jahre alt, darf er wieder nach Hause. «Da war ich erwachsen», sagt er im Nachhinein.
In den Rückspiegel schaut er von da an nicht mehr. Bisher fussballbegeistert, fängt er an, Basketball zu spielen. Im berüchtigten Genfer Parc Geisendorf ahmt er die grossen Vorbilder aus der NBA nach. Seine wichtigste Inspiration: Thabo Sefolosha. Der Schweizer NBA-Pionier ist zehn Jahre älter als Capela und beweist, dass man es in der besten Liga der Welt auch schaffen kann, wenn man aus der Schweiz kommt, diesem schwarzen Fleck auf der Basketball-Landkarte.
Er geht ins Basketball-Internat nach Frankreich, wird von den Houston Rockets im NBA-Draft ausgewählt, wechselt nach Nordamerika. Von seinem ersten Jahreslohn zahlt er die 300'000 Franken Sozialhilfe-Schulden seiner Mutter ab.
Hungrig bleibt er immer. «Geschafft habe ich es noch nicht», sagt er diesen Sommer. «Das habe ich erst, wenn ich nach 15 Jahren auf hohem NBA-Niveau aufhöre.» Das Geld, er betont es immer wieder, sei ihm nicht wichtig.
Und doch gerät Capela diesen Sommer ins Grübeln. Erst bieten ihm die Rockets 85 Millionen für fünf Jahre. Macht 17 Mio. pro Jahr. Viel Geld. Aber weniger, als er im Vergleich mit der Konkurrenz wert wäre. Nur gibt der Markt dieses Jahr nicht mehr her.
Capela hätte pokern und eine Saison für vergleichsweise bescheidene 4,7 Mio. spielen können, nächsten Sommer wäre er dann frei gewesen. Aber dann wäre er bei einer Verletzung mit leeren Händen dagestanden.
Nun haben die Rockets noch einmal ein bisschen nachgebessert. Capela mag immer noch unterbezahlt sein. Das mag in der Hackordnung in der Houston-Garderobe eine kleine Rolle spielen, wo er neben den Superstars Chris Paul (35,6 Mio/Jahr) und James Harden (30,6 Mio/Jahr) sitzt.
Im echten Leben ist das egal. Vor allem für einen, der von ganz unten kommt. «Als Kind habe ich mir ein normales Leben gewünscht», sagt er. «Ich wollte ein normaler Junge sein mit einer normalen Familie.» Das wird so schnell nicht passieren. Geht nichts schief, ist seine Familie nun auf Generationen hinaus reich.
Angst, dass Capela nicht wissen könnte, was er mit dem vielen Geld anfangen könnte, ist nicht berechtigt. Als er im Frühjahr Sonntagsblick in Houston zum Interview trifft, erwähnt er nebenbei auch seine Pläne: Er will Jugendlichen mit einem ähnlichen Schicksal helfen. Eine Stiftung gründen, sich engagieren, seine Geschichte erzählen, ihnen helfen. Da können 90 Millionen Dollar in der Tasche nicht schaden.