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Nach dem Frühstück schicke ich als Erstes eine Nachricht an den Schiffseigner. Er meldet sich zügig zurück und erwähnt, dass sein Boot für die nächsten 14 Tage ausfällt.
Schöner Mist.
Ich scrolle durch meine WhatsApp Nachrichten und finde den Chat mit dem zweiten Bootseigner, der ebenfalls auf dem Rio Paraguay zwischen Porto Jofre und Corumba hin und her fährt. Auf meine Anfrage vor zwei Wochen hatte er jedoch nicht geantwortet.
Ein weiterer Versuch ist es Wert und ich schicke ihm erneut eine Anfrage. Und siehe da, nach zehn Minuten bekomme ich eine Antwort mit der Bitte, dass ich ihm ein Bild von meinem Motorrad schicken soll.
Das ist schnell erledigt, worauf er schreibt, dass er sich bald wieder meldet.
Das macht er zwei Stunden später und schickt mir eine Preiseofferte, die drei Mal so hoch ist, wie mit dem ersten Boot.
Er weist zwar darauf hin, dass ich eine eigene Kabine bekomme, drei Mal am Tag Essen und kostenloses Wasser für die viertägige Schiffsfahrt, jedoch ist der Preis dafür schlichtweg nur Wucher.
Ich texte ihm zurück, dass seine Offerte gut klinge, jedoch der Preis fernab von dem ist, was ich bezahlen kann.
Daraufhin reduziert er den Preis um satte Reales 500.00 (ca. € 95.00), was aber immer noch viel zu hoch ist.
Mein um weitere Reales 500.00 tieferes Schlussangebot mit dem Hinweis, dass ich bar bezahlen würde, schlägt er danach aus.
Das war es also und die Schifffahrt nach Porto Jofre fällt ins Wasser.
Schade, aber deswegen geht die Reisewelt nicht unter und ich plane sogleich meine Route, wie ich so nahe wie möglich das Pantanal umfahren kann, um zur Stichstrasse nach Porto Jofre zu gelangen.
Den Rest des Tages relaxe ich, weil in den nächsten Tagen einige Kilometer auf mich zukommen.
Um sieben Uhr sitze ich am Frühstückstisch und brause bereits um 08.00 los. Die Temperaturen steigen jeden Tag über die 35 Grad Marke, was das Fahren ab 13.00 Uhr anstrengend macht.
Die erste Etappe nach Aquidauana führt mehrheitlich über Strassen, die ich bereits kenne, weshalb ich kaum Stopps einlege, und bereist um 14.00 Uhr in meiner gewählten Unterkunft einchecke.
Von Aquidauana biege ich auf eine 220 km lange Schotterpiste ab, die am nächsten entlang des Feuchtgebietes verläuft und bei Rio Verde auf die Verkehrsachse nach Norden trifft.
In der Reise-App iOverlander wird diese Verbindung als Ameisenbärenstrasse bezeichnet. Da bin ich gespannt, ob ich ebenfalls welche sehen werde.
Ich starte bereits um 07.00 Uhr mit genügend Wasser- und Benzinreserven. Auf einer solch langen Schotterpiste ohne Ortschaften weiss man nicht genau, was auf einen zukommt.
Anstatt Ameisenbären sehe ich auf den ersten 80 Kilometern nur Bagger und viele Lastwagen. Die Strasse wird nämlich geteert und verbreitert.
Danach wird es ruhiger und die Strasse wird mehr und mehr zur Dschungelpiste.
Ameisenbären zeigen sich weiterhin keine, dafür erblicke ich ein paar schwimmende Wasserschweine, Tuiuiu Flugsaurier und Rinder, die mich genau studieren und sofort davonrennen, wenn ich mit dem Motorrad davonfahren.
Dazwischen überquere ich ein paar Holzbrücken, bei denen nicht immer klar ist, ob auch alle Balken halten.
Am frühen Nachmittag checke ich einige Kilometer vor der Ortschaft Rio Verde bei einer Unterkunft ein, die neben einigen Wasserfällen liegt. Am Wochenende ist hier jeweils Hochbetrieb, jetzt unter der Woche ist es wie ausgestorben, weshalb leider das Restaurant geschlossen hat.
So plündere ich wieder einmal meine Vorratskammer und geniesse als Nachspeise den Sonnenuntergang.
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Wie befürchtet, wird der heutige Tag auf der Route in Richtung Norden verkehrsreich. Leider kann ich diesen Abschnitt nicht umfahren. Deshalb Visier runter und Gas geben.
Zum Glück sind die riesigen Lastwagen so schwer beladen, dass sie mehrheitlich kaum 80 km/h fahren können und sie dadurch nicht dauernd am Hinterrad hängen.
Zudem ist die Strasse oft zweispurig, was das Fahren mit viel Verkehr einiges entspannter macht.
Auf den drei hundert Kilometern durchquere ich ausschliesslich landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Felder, soweit das Auge reicht und dazwischen Verarbeitungsfabriken, so gross wie kleine Dörfer.
Im fünftgrössten Land der Welt herrschen andere Dimensionen.
Nach der Stadt Rondonopolis erreiche ich endlich die Abzweigung, die mich auf eine Provinzstrasse leitet, wo ich nach weiteren 50 km meine heutige Unterkunft anfahre.
Diese liegt unscheinbar am Rande einer kleinen Siedlung und ist eine Finca, die durch vier Schwestern eines Glaubensordens geführt wird.
Auf Google Maps habe ich diese Unterkunft durch Zufall entdeckt und spontan angefragt, ob sie ein freies Zimmer haben.
Freundlich werde ich begrüsst und bekomme ein Zimmer im neu erbauten Gästehaus. Schick, schick und sogar mit Swimmingpool.
Beim Nachtessen sitzen alle Mitarbeitenden der Finca an einem Tisch und gastfreundlich und offen, wie die brasilianische Kultur ist, werde ich sofort in ihrem Kreis aufgenommen.
Tags darauf verläuft die Hälfte meiner Strecke über verkehrsarme Strassen entlang einer kleinen Bergkette, was etwas Abwechslung zu den riesigen flachen Feldern von gestern bringt.
Dazwischen stoppt mich ein Feld voller Termitenhügel. Eine solch hohe Dichte an Termitenbauten habe ich noch nie gesehen. Speziell.
Bei Cuiaba biege ich erneut auf eine verkehrsreiche Hauptstrasse ein, die ich nach einigen Kilometern wieder verlasse und nach Poconé rolle, der letzten Ortschaft vor der Transpantaneiro Piste, die mich Morgen hinein ins Pantanal bis nach Porto Jofre bringen wird.
Am Ortsausgang beziehe ich im letzten Hotel ein Zimmer und lerne dabei Pirmin aus Süddeutschland kennen.
Er ist mit dem Bus nach Cuiaba gefahren und hat sich dort für die Fahrt nach Porto Jofre ein Auto gemietet, wo er für teures Geld eine Lodge für drei Nächte inklusive zwei Bootstouren gebucht hat. Er hofft natürlich, dass er dabei mindestens einmal einen Jaguar sieht.
Natürlich frage ich ihn, wie er zu so einem typischen Schweizer Vornamen komme, worauf er antwortet, dass dies mit dem heiligen Pirmin zu tun habe und nicht mit dem Schweizer Skifahrer. Er es jedoch schätze, das alle SchweizerInnen mit seinem Vornamen sofort klar kommen, ganz im Gegensatz zu den Menschen in Deutschland.
Wieder früh auf den Beinen starte ich den Honda Motor um 07.00 Uhr und brause zu dem Eingangstor zur Transpantaneira Piste nach Porto Jofre.
Diese Piste führt tief ins Pantanal hinein und endet am Rio Paraguay, wo auch die Schiffsfahrt geendet hätte.
Da dies mehrheitlich Feuchtgebiet ist, weist die Strecke an die hundert Brücken auf, wobei die meisten nur einige Meter lang sind.
Während der Trockenzeit bestehen gute Chancen vom etliche Tiere zu sehen. Darauf bin ich gespannt.
Fahrtechnisch entwickelt sich die Piste als Wellblechpiste, das Material und Mensch kräftig durchschüttelt. Ein Zeichen, dass während den Trockenmonaten einiges an Verkehr über die Piste rollt, die Touristen in die Lodges entlang der Piste und in Porto Jofre bringen.
Bereits nach einigen Kilometern stoppen mich sonnende Kaimane. Dazwischen stolzieren einige Tuiuiu Vögel herum.
Danach folgen etliche Kilometer durch landwirtschaftlich genutztes Land, wo hauptsächlich Kühe herumgrasen, was zu lustigen Begegnungen zwischen Kuh und Kaiman führt. Zwei Tiere, die sich ohne Menschen wohl kaum jemals in ihrem Leben begegnen würden.
Auf den letzten 50 km überquer ich die meisten Brücken und einige davon ist nicht im besten Zustand.
Deshalb gibt es während der Trockenzeit Umfahrungsmöglichkeiten, die man nutze kann oder nicht.
Bei einer dieser Möglichkeit sehe ich etliche Kaimane auf der Umfahrungspiste liegen, was mich dazu bewegt, auf die Piste abzubiegen.
Scheu, wie die Kaimane sind, springen sie gleich ins Wasser, wobei ich dann doch noch eine ganze Menge von ihnen am seichten Ufer erblicke.
Auf einer Brücke stoppt mich eine kleine Insel mitten im Wassertümpel, auf welcher unzählige Kaimane sich sonnen und dazwischen ein Wasserschweiz liegt.
Entweder sind alle Kaimane vollgefressen oder sie mögen keine Wasserschweine oder aber es ist zu gross für sie. Auf jeden Fall ein lustiges Bild.
Porto Jofre als solches ist nichts Spezielles. Es besteht aus einer weit verteilten Ansammlung von teuren Lodges und zwei Campingplätzen. Bei einem davon beziehe ich Quartier, nachdem ich mich durch die Sandpiste dahin durchgekämpft habe.
Der Campingplatz bietet nichts Besonderes und die Toiletten und Duschen sehen aus, wie kurz vor dem Abbruch. Der Preis ist jedoch mit € 10.00 für Brasilien stark überhöht.
Alle Schattenplätze sind bereits belegt, weshalb ich mit dem Zeltaufbau warte, bis die Sonne tiefer steht.
Ich setze mich mit einem kühlen Wasser in den Schatten und werde bald darauf von einer Gruppe angesprochen, die unweit von mir mit grillen beginnen.
Ein Mann von der Gruppe spricht gut Englisch und sie laden mich für einen Drink und Grilliertem ein.
Etwas später rollt ein 4x4 Camper aus Frankreich daher, die bald darauf ebenfalls bei uns sitzen.
Abends baue ich neben dem Camper mein Zelt auf und kaum ist die Sonne weg, verkrieche ich mich ins Zelt und schlafe ein. Seit gestern bahnt sich eine Erkältung an, weshalb ich lieber zu viel als zu wenig schlafe.
Anstatt von einem Hahn werde ich heute Morgen von Papageiengekrächze geweckt.
Sie sitzen irgendwo im Baum neben meinem Zelt und diskutieren mit der aufgehenden Sonne wild herum.
Ich stehe auf und beginne mit dem Einpacken, damit ich wieder früh losfahren kann.
Meine Nase ist leider verstopft und ein leichtes Kopfweh macht sich bemerkbar. Ich komme wohl nicht um die Erkältung herum.
Eine knappe Stunde später erhalte ich im Campingrestaurant ein kleines Frühstück und mache mich danach startklar.
Voller Tatendrang meistere ich die ersten Sandpassagen, bis mich ein Schlenker aus dem Gleichgewicht bringt und ich wieder einmal im Sand liege.
Fluchend schalte ich den Motor aus und ziehe mein eingeklemmtes Bein unter dem Motorrad hervor, dass dieses Mal jedoch keinerlei Schaden abbekommen hat.
Bei einer Hütte unweit von mir entfernt steht ein Mann und winkt mir zu. Ich winke zurück und er kommt zu mir rüber und hilft mir die Honda aufzustellen.
Danach fragt er mich, ob er helfen soll mich durch den Sand zu stossen, was ich dankend ablehne. Wäre nämlich gelacht, wenn ich da nicht durchfahren könnte.
Also Motor an, mit neuem Selbstbewusstsein Gas geben und die Maschine sich selbst durch den Sand schlängeln lassen. Na also, geht doch.
Die Rückfahrt nach Poconé gestaltet sich in etwa gleich wie gestern, wobei ich jetzt einiges mehr an Vögel sehe als gestern.
Wieder in Poconé, entscheide ich mich weiterzufahren bis ins 200 km entfernte Càceres.
Dabei werde ich von einem Polizeiauto gestoppt, weil ich anscheinend kurz vorher beim Durchfahren eines Kontrollcheckpunktes die Trillerpfeife des hinter einem Auto stehenden Polizisten nicht gehört habe.
Deshalb fährt mir einer der Beamten hinterher und stoppt mich mit Blaulicht. Ich halte am Strassenrand an und warte auf dem Motorrad.
Als der Beamte hupt, drehe ich mich um und sehe, dass er mir mittels Handzeichen andeutet, dass ich zurück zum Checkpunkt fahren soll.
Nun gut, ich drehe um und fahre in Begleitung des Polizeiautos zurück.
Ich werde von dem Beamten begrüsst und darauf aufmerksam gemacht, dass ich einfach weitergefahren sei, obwohl sie mich zum Anhalten aufgefordert hätten.
Ich antworte, dass ich kein Portugiesisch spreche und das Signal nicht gehört habe und entschuldige mich.
Darauf folgt ein anderer Beamter, der etwas Englisch spricht und meine Fahrzeugpapiere und Pass verlangt.
Damit verschwindet er für mehrere Minute ins Haus und kommt anschliessend mit einem erheiterten Gesicht zurück, gibt mir die Papiere zurück und wünscht mir eine gute Weiterreise.
Froh, dass ich keinen Tribut für irgendein Vergehen bezahlen muss, frage ich nicht nach, was ihn erheitert hat, sondern packe meine Papiere ein und verabschiede mich.
Eine Stunde später gelange ich zu meiner Unterkunft, dusche als Erstes und lege mich danach hin. Meine Erkältung und die Hitze haben mir zugesetzt.