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mit ihnen Verbündeten im Sundgau, insbesondere der Stadt Mülhausen, [* 2] zu rächen, einen Teil seiner elsässischen Besitzungen dem Herzog Karl dem Kühnen. Doch war es dem Zusammenwirken Straßburgs mit andern links- und rechtsrheinischen Städten zu danken, daß die Vögte und Söldner Karls des Kühnen aus dem Elsaß verjagt wurden. Hierauf trat Straßburg [* 3] dem großen Bund Lothringens und der Schweizer gegen Karl den Kühnen bei, und seine Truppen fochten bei Granson und Nancy, [* 4] wo der Burgunderherzog seinen Tod fand.
Wie aber die politischen Verhältnisse des Elsaß durchaus und überall an Deutschland [* 5] und sein Verfassungsleben anknüpften, so waren auch das gelehrte und künstlerische Schaffen in den mittelalterlichen Klöstern, die religiöse Richtung und die Geschichtschreibung der bürgerlichen Kreise, [* 6] die Entwickelung des Baustils, aus welcher die großartigsten Denkmäler des Mittelalters hervorgingen, durchaus deutsch. Der Mönch Otfried von Weißenburg [* 7] unternimmt seine Übersetzung der Evangelien in deutsche Verse mit dem bewußten Zweck, damit die Deutschen das Lob Gottes in ihrer Zunge singen könnten.
Das Rittertum, welches von Frankreich die allerstärksten Antriebe erhalten hatte, nimmt in der Liebesdichtung Reinmars von Hagenau [* 8] und in dem berühmtesten Roman des Mittelalters, in des Straßburger Gottfried »Tristan und Isolt«, wesentlich deutsche Charakterzüge auf. In der Zeit der Vertiefung des religiösen Geistes in Deutschland waren es die Elsässer, unter denen die Lehre [* 9] der Mystiker die unglaublichsten Erfolge hatte. Meister Eckard war zwar nicht im Elsaß geboren, wirkte aber befruchtend, wie nirgends, in Straßburg, und Johannes Tauler, in Straßburg um 1300 geboren, verdunkelte fast den Ruhm jenes seines Lehrers.
Die »Gottesfreunde« im Elsaß bildeten einen Bund, welcher für die deutsche Reformation eine ähnliche Stellung erwarb wie die Lollharden in England für die anglikanische Kirche. In der Entwickelung der echt deutschen Geschichtschreibung geht das Elsaß fast allen andern Stämmen voran. Eine popularisierende Absicht verfolgten die thätigen Dominikaner des Elsaß in der Geschichtschreibung, wenn sie sich auch zunächst, wie die Verfasser der »Kolmarer Chroniken«, von dem Gebrauch der Gelehrtensprache nicht trennten; auch in Straßburg wurde die erste bürgerliche Stadtgeschichte auf Geheiß des angesehenen Herrn Ellenhard »vor dem Münster« [* 10] lateinisch verfaßt und erst später von dem Priester Closener übersetzt. Der letztere brachte im 14. Jahrh. eine ganze Sammlung Straßburger Historien zusammen, welche von Jakob von Königshofen (bis 1420) wesentlich erweitert und mit Zuthaten andrer einheimischer Geschichtschreiber, wie des Matthias von Neuburg, [* 11] Alberts von Straßburg u. a., versehen wurden.
Während hierauf im 15. Jahrh. der Mainzer Patrizier Johann Gensfleisch von Gutenberg zu Straßburg die erste Buchdruckpresse aufstellte, Martin Schön oder Schongauer zu Kolmar [* 12] seine weitberühmten Kupfertafeln gravierte, begann in der fruchtbaren Litteratur des Elsaß der Vorkampf der Reformation. Geiler von Kaisersberg, Wimpheling und Sebastian Brant waren die jedem Deutschen wohlbekannten Männer, welche den Boden des südwestlichen Deutschland für die Überzeugungen der Reformation vorbereiteten. Selbst der Franziskaner Thomas Murner, welcher vor der wirklichen Erscheinung des neuen Geistes zur Umkehr riet und seine Satire gegen Luther richtete, hatte doch durch seine frühern Bücher geholfen, das Mittelalter zu begraben.
Elsaß seit der Reformation.
Die Reformation nahm von den elsässischen Städten und insbesondere von Straßburg im ersten Anlauf [* 13] Besitz. Unter den Reformatoren von Straßburg trat Matthias Zell aus Kaisersberg zuerst als Anhänger Luthers auf, fand aber bald Helfer seiner Bestrebungen in Wolfgang Köpfel, Capito genannt, aus Hagenau, Kaspar Hedio aus Ettlingen in Baden [* 14] und vor allen in Martin Bucer, welcher durch seine vermittelnde Stellung unter den Reformatoren eine weit über das Elsaß hinausgehende Bedeutung erlangte.
Bucer wirkte in Straßburg von 1523 bis zur Einführung des Interim nach dem Augsburger Reichstag 1548. Einer der wichtigsten Augenblicke der Geschichte des Elsaß war es, als der Rat mit Zustimmung der gesamten Schöffenversammlung die Messe abschaffte. Aber eben in dieser Zeit begann sich in den großen Reichskörperschaften unter der Führung des habsburgischen Hauses eine katholische Reaktion bemerkbar zu machen. Blutige Verfolgungen der Anhänger der neuen Lehre waren im Elsaß besonders seit dem Bauernkrieg an die Tagesordnung gekommen.
Nach der Beendigung desselben schritt die österreichische Herrschaft, soweit ihre Macht reichte, besonders im Sundgau zur Ausrottung der evangelischen Lehre, welche mit der Sache der Bauern zusammengeworfen wurde. Den einheimischen Ketzergerichten und den Beschlüssen der Reichstage von 1529 und 1530 hätte die elsässische Reformation zum Opfer fallen müssen, wenn nicht das Straßburger Stadtregiment unter der Leitung des Stadtmeisters Jakob Sturm von Sturmeck (s. d.) klug und gemäßigt allen Angriffen des Katholizismus Widerstand zu leisten vermocht hätte.
Schon von Beginn des Schmalkaldischen Bundes an war Straßburg Mitglied desselben. Daß sich die Stadt auf dem Augsburger Reichstag zur reformierten Lehre der Schweizer bekannte, hinderte nicht ein eifriges politisches Zusammenhalten mit den lutherischen Ständen. Im Schmalkaldischen Krieg standen die Straßburger Bundestruppen unter Schärtlins Kommando. Da aber der Bund unterlag, so mußte sich der Stadtrat bequemen, die kaiserlichen Mandate auszuführen, bis der Augsburger Religionsfriede auch den elsässischen Reichsständen Ruhe und Sicherheit gewährte. Es folgte die Zeit, wo Johannes Sturm seine epochemachenden Schulreformen durchführte und auf der vom Kaiser Maximilian II. gegründeten Straßburger Akademie ein reges wissenschaftliches Leben begann. Damals geschah es auch, daß Fischart zu Straßburg den Stoff zu seinen unvergleichlichen Schöpfungen fand und Daniel Specklin, ebenfalls ein geborner Straßburger, neben seinen geographischen und historischen Arbeiten dem Elsaß den Ruhm erwarb, den ersten militärischen Baumeister zu besitzen.
Der erste ernstliche Versuch, Straßburg dem französischen Reich einzuverleiben, wurde vom König Heinrich II. von Frankreich gemacht, als er Metz, [* 15] Toul [* 16] und Verdun [* 17] dem Deutschen Reich entriß. Die Verlockungen und Drohungen des französischen Hofes vermochten jedoch die Straßburger nicht einzuschüchtern. Eine der entscheidendsten Wendungen im gesamten Schicksal des Elsaß in der neuern Zeit trat durch den Vertrag der österreichischen Erzherzöge mit der Krone von Spanien [* 18] ein, wonach alle Rechte des habsburgischen Hauses im Elsaß an die spanische Linie desselben abgetreten wurden. Man muß diesen Umstand im Auge [* 19] behalten, wenn man die zunehmenden Sympathien für Frankreich während des Dreißigjährigen Kriegs unter den Elsässern ¶
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richtig beurteilen will. Seit war ihnen die Wahl nur zwischen der Abhängigkeit von Spanien und der von Frankreich gelassen. Das letztere erhielt im Westfälischen Frieden genau diejenigen Rechte und Besitzungen, welche Österreich [* 21] unmittelbar vor Ausbruch des Kriegs den Spaniern abgetreten hatte. Der günstigste Fall für die Entwickelung des Elsaß wäre eingetreten, wenn sich Herzog Bernhard von Weimar, [* 22] wie er beabsichtigte, in dem Grenzland eine selbständige fürstliche Gewalt zu schaffen vermocht hätte. Aber was mit französischem Geld und französischer Unterstützung gewonnen war, sollte auch den Franzosen zu gute kommen. Bernhards Tod lieferte das Elsaß in die militärische Gewalt der Franzosen.
Elsaß unter französischer Herrschaft.
Die Rechte der Reichsstände im Elsaß waren durch den Westfälischen Frieden allerdings besonders anerkannt und wahrgenommen worden. Allein die Art und Weise, wie von seiten Frankreichs der Westfälische Friede ausgelegt wurde, gestattete eine Ausdehnung [* 23] der Oberhoheit der französischen Krone selbst über die Reichsstädte, in welchen Frankreich durch jenen Frieden eigentlich nur die bis dahin von den Habsburgern geübten Vogteirechte erhielt. Die Eroberungen, welche die Franzosen seit dem Westfälischen Frieden im Elsaß machten, waren vorherrschend administrativer Natur.
Hierbei wurden sie von einheimischen Elsässern bestens unterstützt. Auch das Beginnen der Reunionskammern Ludwigs XIV. machte im Elsaß nicht jenen abstoßenden und empörenden Eindruck, den man sonst und bis auf den heutigen Tag davon empfand. Das Hereinziehen der verschiedenen kleinen Herrschaften unter das herrschende Gesetz von Frankreich erschien den minder begünstigten Ständen des alten zerrissenen Reichslandes als ein wesentlicher Fortschritt. Auch in Straßburg machten sich seit dem Abschluß des Westfälischen Friedens viele hervorragende Personen mit dem Gedanken vertraut, daß die Stadt früher oder später unter die Schutzhoheit der französischen Krone kommen werde. Der einzige Mann, welcher im Elsaß, durch Jahresgehalt und regelmäßige Dotationen gewonnen, offen für das Interesse Frankreichs wirkte, war der Bischof Franz Egon von Fürstenberg (s. Fürstenberg 2), welcher jedoch in dem protestantischen Straßburg gar keinen Einfluß besaß.
Mehr als 100 Jahre hindurch änderte die französische Herrschaft im Elsaß an den nationalen Verhältnissen des Landes nichts. In gewisser Art kam der deutsche Charakter des Volkes gerade im 17. und 18. Jahrh. litterarisch und wissenschaftlich erst recht zur Geltung. Innige Beziehungen zwischen Deutschland und der entrissenen Mark blieben auf dem geistigen Gebiet bis zur französischen Revolution bestehen. Von Straßburg war Philipp Jakob Spener ausgegangen, dessen Richtung auf das praktische Christentum im Elsaß immer einheimisch gewesen und schon in Tauler, in Kaisersberg und in den Straßburger Reformatoren hervorgetreten war.
Die Universität in Straßburg gelangte unter der französischen Regierung ebenfalls zur vollen Blüte [* 24] und zu großem Ansehen. Besonders waren es Juristen, Historiker und Philologen, welche eine große Anziehungskraft ausübten: Johannes Schilter, Jeremias Oberlin und Johann Scherz, Johann Daniel Schöpflin, Schweighäuser. Goethes Aufenthalt in Straßburg fällt gleichzeitig mit demjenigen Herders in die Jahre 1770 und 1771. Inzwischen waren die Franzosen auf dem politischen und ökonomischen Gebiet desto thätiger, die Einheit der Interessen der deutschen Provinz mit denen des französischen Reichs herzustellen.
Industrie und Handel wurden gehoben. Der Tabaksbau, wohl schon seit 1620 im Elsaß begonnen, wurde durch die französische Regierung eine Quelle [* 25] des Landeswohlstands. Auch die Weinproduktion, welche im Beginn der französischen Herrschaft unter dem Druck der neuen Staatsgrenzen litt, hob sich im Lauf des 18. Jahrh. bedeutend. In den Städten waren zwar die alten Verfassungen unangetastet geblieben, doch gewöhnte man allmählich die Bevölkerung [* 26] an den Einfluß der französischen Administration.
Die Regierung ernannte die sogen. Prätoren, welche mit den konservativen Stadträten zwar meist im Streit lagen, aber doch energisch für Verbesserung der Zustände wirkten. Gewaltig waren aber die Änderungen in den konfessionellen Verhältnissen des Landes. Schon unter Ludwig XIV. wurden die abscheulichsten Gewaltmaßregeln zur Katholisierung der Bevölkerung in Anwendung gebracht, daher überwog seit der Mitte des 18. Jahrh. in Straßburg das katholische Element.
Beim Ausbruch der Revolution in Paris [* 27] war das Land konservativ und partikularistisch gesinnt. Erst nachdem durch die Beschlüsse der französischen Nationalversammlung vom die alten städtischen Einrichtungen beseitigt worden waren, gelangten in Straßburg die Franzosenfreunde zur Regierung. Die Elsässer traten damals mit Begeisterung für die Ideen der konstitutionellen Monarchie ein und bewährten auch ihren konstitutionellen Patriotismus gegenüber den einrückenden Heeren Österreichs und Preußens [* 28] 1792. Seit dem Februar 1793 stand das Elsaß unter der Diktatur von Konventskommissaren, denen sich deutsche Jakobiner, wie Eulogius Schneider, zur Verfügung gestellt hatten.
Allein das deutsche Jakobinertum war den Franzosen verdächtig. Der Straßburger Maire Monet aus Savoyen machte den Vorschlag, alle deutsch sprechenden Elsässer zu deportieren und das Land an französische Sansculotten zu verteilen. Der Sturz Robespierres und seiner Parteigenossen in Paris brachte indessen dem Elsaß ruhigere Tage, und in den folgenden Jahren wuchsen die Sympathien für Frankreich in einer erstaunlichen Weise. Teils die Errungenschaften der Revolution, teils die militärische Schule unter Napoleon I. brachten den Bruch des Elsaß mit seiner deutschen Vergangenheit zum Abschluß.
Wichtig für die Territorialverhältnisse des Elsaß war die Annexion der Stadt Mülhausen (1798), die, obwohl sie die französische Oberherrschaft anerkannte, doch eine selbständige Republik im Bund mit den Schweizern geblieben war. In der großen Armee Napoleons spielten viele Elsässer eine hervorragende Rolle. Kellermann, Kléber und Rapp waren Elsässer. Als nach der Schlacht bei Leipzig [* 29] die verbündeten Armeen den Rhein überschritten und österreichische Truppen in den letzten Tagen des Dezembers 1813 das obere Elsaß besetzten, während Wittgensteins russisches Korps durch Niederelsaß zog, war die Gesinnung der Städte und der Landbevölkerung eine sehr feindselige.
Der in den siegreichen deutschen Armeen aufgekommene Gedanke, das Elsaß dem Deutschen Reich zurückzugewinnen, wurde von der Diplomatie vereitelt. Die französischen Departements des Ober- und Niederrheins, von Präfekten regiert, entsprachen ziemlich genau den Grenzen [* 30] des alten Sundgaues und Nordgaues. Nur Landau [* 31] kam durch den zweiten Pariser Frieden an Bayern. [* 32] Unter den Präfekten des Niederrheins bewahrt man dem Marquis von Lezay-Marnesia (s. d.) das beste Andenken.
Seit der Restauration machten alle französischen Regierungen gleichmäßig den Versuch, die ¶