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Verfasser des Berichtes: Florian Vogel, Uniformenverwaltung
Sinn und Zweck einer Uniform
Der Ursprung der Uniform geht auf das mittelalterliche Militärwesen zurück. Damals diente die einheitliche Kleidung vor allem dazu, sich in den Schlachten klar von den anderen zu unterscheiden bzw. innerhalb der eigenen Gruppe erkennbar zu sein. Die Uniform bot ausserdem weitere Vorteile. Zum einen schützte sie gegen Witterung und zum anderen konnte man anhand von verschiedenen Anzeichen den Rang sowie die Funktion des Trägers ablesen. Dies blieb über die Jahrhunderte so und wurde auch von der Eisenbahn als einem Tätigkeitsfeld in Wind, Wetter und Schmutz übernommen. Von der Geschichte der Eisenbahnuniformen zeugen die verschiedenen Modelle in der Sammlung des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland.
Ordonnanz vor 1948
Als erstes möchte ich Sie über den Begriff „Ordonnanz“ aufklären. Ordonnanz kommt von dem französischen Verb ordonner und bedeutet so viel wie bestellen. Dass dies mit einer Uniform zu tun hat, kommt wiederum vom Militär, das eine bestimmte Uniform beim Lieferanten bestellte. So wurde das Wort Ordonnanz zum Überbegriff für ein in einem bestimmten Jahr erstmals bestelltes Uniform-Modell. Wir unterscheiden die verschieden alten Uniformen nach ihrem ersten Bestelljahr, fassen aber die vor 1948 getragenen Ordonnanzen zusammen.
Die vor dem Jahr 1948 getragene Ordonnanz hatte noch sehr militärischen Charakter und hatte nur wenig mit den heutigen „Dienstkleidern“ gemeinsam. Der Träger war natürlich überaus stolz auf seine Uniform - zeugte sie doch von der sicheren Existenzgrundlage mit fast unkünbarem Beamtenstatus und lebenslanger Pension, aber ihr Tragen war mit mancherlei Unannehmlichkeiten verbunden. Da wir auch noch verschiedene Vorkriegsmodelle haben und diese auch gerne mal im Zusammenhang mit einem besonders historischen Zug tragen, weiss ich nur zu gut, dass sich die Uniform eher wie ein Kartoffelsack anfühlt!
Die ältesten Ordonnanzen bestehen nämlich nicht wie heute aus Baumwolle und Kunstfasern, sondern aus stacheligem, dicken Filz, wie es früher als Stoff für wetterfeste Kleider üblich war.
Zum Aussehen dieser Ordonnanz: Sie hat grundsätzlich einen Stehkragen, vor 1931 war das Ende des Kragens sogar noch mit kleinen Glasperlen versehen, die das Kratzen am Hals erträglicher machen sollten. Sie wurden später durch einen blauen Streifen, dem so genannten Passepoille ersetzt. Der Stehkragen war sehr unbequem, da er eng und rauh am Hals zu tragen war. Der Stehkragen brachte jedoch verschiedene Vorteile mit sich. Der Kragen erübrigte das Tragen einer Krawatte und eines Hemdes und sorgte zudem noch für eine gezwungenermassen gerade („militärische“) Haltung. Der Stehkragen ist ausserdem auch sehr eng geschnitten, was ihn im Winter angenehmer, jedoch im Sommer umso stickiger macht. Im Sommer schwitzt man darunter sogar nur mit einem T-Shirt wie eine Hochleistungssportler, entsprechend haben die geehrten Eisenbahner früher auch gestunken. Um den Gestank zu bekämpfen, rauchten fast alle. Zum Glück ist bei unseren Museumsstücken dieser strenge Geruch längst schon Geschichte.
Die Vestons (damals noch „Rock“ genannt) besitzen erst wenige Taschen, da zu volle Taschen schnell unelegant wirken könnten- Wie die Soldaten pflegten die Eisenbahner ihr Material damals in Ledertaschen aller Art mit sich herumträgt (am bekanntesten die Kondukteur und Zugführer-Taschen, vgl. unten).
Der Funktionsgrad war schon damals auf dem Hut sofort zu erkennen. Anders als beim Militär gab es bei den Schweizer Bahnen stets nur 5 unterschiedliche Grade, die an 0-3 dünnen Streifen („Spagghetti“) resp. am Lorbeer-Kranz erkennbar waren. Neben dem Hut konnte man beim Zugpersonal auch auf dem Stehkragen ablesen, was für eine Funktion und Dienstgrad der Bähnler hatte. Hatte er keinen Stern und keinen Streifen auf dem Hut war es der Lehrling oder Bremser. Mit einem Streifen und einem Sternchen war man schon ausgebildeter Kondukteuer. Wer dann auch noch mit einen Streifen mehr (also zwei) herum lief und zwei Sternchen auf dem Kragen hatte, war eindeutig ein Zugführer. Das ist jedoch noch nicht alles. Wenn man einem Bähnler begegnete mit drei Streifen, sowie drei Sternen, so musste man besonders höflich mir ihm sein. Dieser Herr war nämlich der Herr Oberzugführer höchstpersönlich! Den verschiedenen Mützen mit den dazugehörenden Funktionen werde ich weiter unten noch ein Kapitel widmen.
Ordonanz 1948
Auch die Ordonnanz von 1948 war vom Militär beeinflusst. Während des Zweiten Weltkriegs führte die Schweizer Armee erstmals für höhere Offiziere Filzwestons mit dem heute bekannten V-Ausschnitt ein. Wenige Jahre später übernahm die Bahn diesen Schnitt, vorerst nur für höhere Chargen wie Zugführer und Stationsbeamte; im Lauf der 1950er-Jahre wurden dann auch die anderen Funktionen damit ausgerüstet.
Dieser Weston sitzt zwar etwas besser, ist aber noch immer nicht sehr bequem zu tragen. Auf dem Kragen finden wir die übernommene Sternchenordnung von der Ordonnanz vor 1948. Der Stoff weist nach wie vor einen hohen Filzanteil auf, weshalb er im Volksmund auch „tannig“ genannt wird. Hose und Veston waren mit den bauen Streifen, den Passepoilles, ausgestattet. In erster Linie diente der Passepoille dazu, die Nahtstellen zwischen den einzelnen Stoffteile zu bedecken und den Veston dadurch undurchlässiger gegen Kälte und Feuchtigkeit zu machen. Als positive Nebenerscheinung sieht dies recht elegant aus. Da die Passepoilles sehr aufwändig herzustellen waren, wurde dieser Aufwand bei Uniformstücken für die niedrigen Chargen wie Rangierer, Bremser und Güterarbeiter weggelassen.
Am Veston der Ordonnanz 48 konnte man erstmals die Knöpfe sehen, wodurch er bereits ein wenig dem heutigen gleicht. Beim Vorgänger mit dem Stehkragen waren die Knöpfe verdeckt.
Der Ausschnitt brachte auch mit sich, dass nun Hemd und Kravatte getragen werden mussten. Die damalige Kravatte ist erst etwa 80 cm lang, aus Wolle und uni dunkelblau. Ein doppelter Kravattenknopf führt jedoch zu einer Kravattenlänge von höchstens 20 cm! Da man sich früher jedoch sowieso nicht ohne Veston zeigen durfte, war dies auch nicht weiter schlimm. Ausserdem waren die Leute in den 50er Jahren allgemein noch ein weing kleiner al heute. Nach wie vor ist das Tragen eines historischen Anzugs ohne Veston nicht denkbar, da man sich durch die kurze, höchstens bis zur Brust reichende Krawatte zum Gespött der Fahrgäste machen würde.
Ordonnanz 68
Nun komme ich zu unseren typischen DVZO – Uniformen, die ab dem Jahr 1968 bei den Schweizer Eisenbahnen getragen wurden.
Zur Freude der Beamten, war dieser Anzug nicht mehr wie bis anhin aus Filz, sondern aus feinerem Stoff. Man hatte Sommer- und Winteranzüge aus leichtem resp. etwas dickerem Stoff.
Mit der Abschaffung des 4. Knopfes verschwand nun auch der Passepoille an Veston und Mütze definitiv, was aber niemanden wirklich störte, da der blaue Streifen doch langsam veraltet war. Schon bald wurde zudem bei Sommerhitze die hemdsärmlige Erscheinung (ohne Veston) salonfähig, allerdings nur langärmlig und vorerst nur mit Kravatte. Diese war jetzt immerhin weiss/braun gestreift, sah im Vergleich zu der alten viel moderner aus und man konnte mit ihr trotz doppeltem Knopf eine anständige Länge erzielen.
An dieser Ordonnanz hatte man in den 24 Jahren in der sie getragen wurde immer wieder etwas geändert. So wurde 1975 das Flügelrad und die Kokarde am Hut, durch das neue, noch heute bekannte SBB-Logo ersetzt (das beim vorlauten Personal bald den Übernamen „Fussabdruck des Pleitegeiers“ bekam – es waren für die SBB die ersten Jahre mit negativem Geschäftsergebnis).
In diesen Jahren wurden die Lokführer von der Tragpflicht des gestreiften Übergewandes entbunden. Dieses charakteristische Überkleid bestand aus einer grau / weiss, längs gestreiften Hose, sowie einer vom Stoff her gleichen Jacke. Mit dem Verschwinden der letzten Lokomotiven mit dem öligen Stangenantrieb verlor es seine Funktion. Was früher alltäglich war, ist heute fast unmöglich zu glauben. Man stelle sich vor, der Lokführer eines S-Bahn Doppelstockzug würde mit so einem Gewand aus dem Führerstand kommen - die Leute würden ja denken, sie seien von einem Gefängnissausbrecher gefahren worden.
Ab dem Jahr 1981 durfte man dann auch mit einem kurzärmligen Hemd arbeiten. Doch das Nichttragen des Hutes oder der Krawatte, war noch jahrelang ausgeschlossen und führte ziemlich sicher zu einem „Rapport“ durch den Vorgesetzten.
Ordonnanz 92
1989 wurde die Abschaffung der Armee vom Stimmvolk zwar abgelehnt, aber 3 Jahre später kappten die Schweizer Bahnen weitgehend ihre textilen Bezüge zum Militär. Mit der Ordonnanz 92 wurde die klassische Bähnler-Uniform definitiv Geschichte.
Unter grossem Beifall des Zugpersonals wurde zuerst von einem Tag auf den anderen die klassische steife Dienstmütze abgeschafft. Das Zugpersonal, das als letzte Personalkategorie dieses Stück dauernd zu tragen hatte, liess sich beim jahrelangen Klagen viele verschiedene Begründungen für die Abschaffung einfallen. Ein beliebtes Argument war beispielsweise, dass die Mütze zu Haarausfall führe, dass sie unmodern sei oder dass der Einzelne darunter seine Persönlichkeit nicht voll entfalten könne. Wer nachher noch eine Kopfbedeckung wollte, durfte nach der Abschaffung des steifen Hutes eine kommune Baseballmütze tragen.
Viele Kunden bedauerten den Wegfall der klassischen Mützen, war doch das Personal nun weniger einfach zu erkennen, und der Unterschied zwischen den Funktionen und Dienstgraden wurde praktisch unsichtbar.
Dementsprechend war die Ordonnanz 92 nun keine Uniform mehr, sondern ein „Dienstkleid“. Eine Auffächerung des Sortiments ersetzte den bisherigen Allzwerkveston der Ordonnanz 68 durch einen reinen Schönwetter- und Büroveston. Dieser hatte wie die Vorbilder der zivilen Mode nur noch zwei Knöpfe und war nach Belieben ersetzbar durch eine leichte Jacke oder einen Parka. Die Rhätische Bahn führte zweitweise Dienstkleider im Sortiment, die das Zugpersonal im Winter wie Skilehrer und im Sommer wie Tennislehrer aussehen liess.
Ich bin allgemein kein Fan der Ordonnanz 92, nicht nur wegen der Dienstmütze, die abgeschafft wurde, sondern auch wegen den Kravatten. Am besten wären diese Kravatten zusammen mit dem Hut für diese eine Ordonanz ausgelassen worden. In ihrer nervösen Buntheit waren sie wirklich nichts Schönes! Und erst das Hemd: es war weiss/grau gestreift...
Die Krawatten dieser Ordonnanz (finde ich) sind wirklich scheusslich. In meiner „Krawattensammlung“ habe ich drei Stück dieser Ordonnanz. Die erste Krawatte ist rot und sieht aus, als hätte der Inhaber Tinte darüber geschüttet und per Zufall hätte sich dieses ungleichmässige Muster ergeben.
Die zweite Krawatte ist auch wieder rot, jedoch etwas matter. Darauf sieht man in einem braun-rot viele Pleitegeier und sonstige Figuren. Die dritte Krawatte ist sehr farbig, aber doch matt. Diese zeigt noch mehr unverständliche Figuren und Formen. Der Dessiner dieser Krawatte hatte vielleicht den Auftrag das „Bahn 2000-Projekt“ in dieser Krawatte darzustellen. Vielleicht sind es auch noch Speiseresten aus der Kantine.
Dem Personal gefiel diese Ordonnanz jedoch sehr und so galt das Zugpersonal der SBB als „endlich wieder modern“ gekleidet.
Ordonnanz 02 / 08
Im Vergleich zu anderen Ordonnanzen war die Tragzeit von der Ordonnanz 92 zu 02 relativ kurz. Doch meiner Meinung nach, war die Veränderung dringend nötig.
Der Anzug hat nun wieder drei Knöpfe. Der Veston 92 erschien eben doch als etwas zu zivil. Der Stoff ist schwarz mit einem Blaustich. Darunter trägt man wieder, wie alt bekannt, ein blaues Hemd. Man hatte die Auswahl nach kariert oder uni.
Auch hier gibt es wieder drei Krawatten. Die ersten zwei passen sich dem Hemd an und sind rot oder blau kariert. Die dritte Krawatte ist rot und blau und sieht am besten mit dem uni Hemd aus.
Auch werden erstmals mit dieser Ordonnanz Kleidungsstücke herausgegeben, welche integrierte Leuchtstreifen haben. Generell wurde nun auch „nichtrepräsentierendes Personal“ mit einer zunehmenden Fülle von Dienstkleidern ausgerüstet, nachdem sich das „sichtbare Personal“ mehr und mehr auf die Funktion der Zugbegleiter beschränkt hatte.
Das Jahr 2008 ist für die SBB ganz speziell. Die Europameisterschaften im Fussball werden unter anderem in der Schweiz ausgetragen! Für diesen besonderen Anlass braucht die SBB etwas Spezielles. Wie wäre es denn mit einem neuen Kleidersortiment? So wird nach nur 6 Jahren erneut eine geänderte Ordonnanz eingeführt. Man trägt unter dem wieder stärker militärisch geschnittenen Veston ein einheitlich blaues Hemd und ebenso einheitlich eine rot / blau diagonal gestreifte Krawatte. Individuelle Entfaltung ist zur Zeit nicht so angesagt.
Nach 35 Jahren wird 2010 bei den Lokführern von SBB-Personenverkehr wieder ein Dienstkleiderzwang eingeführt, jedenfalls für die neu Angestellten. Diese Dienstkleider sind ähnlich, wie sie die Thurbo-Lokführer auch schon tragen. Und als nächstes wird wohl die steife Mütze wieder eingeführt?
Die Mützen
Die Sache mit den Mützen ist ziemlich kompliziert und wenn man alles um die Mützen aufschreiben wollte, könnte man damit ein ganzes Buch füllen. Darum konzentriere ich mich hier nur auf die wichtigsten Stations- und Zugpersonalmützen.
Im Grossen und Ganzen kann man sagen: je mehr der Hut geschmückt ist mit Streifen, Kränzen und Zweigen, desto grösser ist der Zahltag des Beamten.
Farblich unterscheidet man zwischen Stations- und Zugpersonal. Statiönler haben goldene Streifen und ein gelbes Flügelrad, beim Zugpersonal war dies alles silbern. Bedienstete auf Bahnhöfen (grössere Stationen; bis 1998 kannte man die Kategorien „Station“, „Bahnhof“ und „Bahnhofinspektion“) haben zudem einen roten Überzug über den oberen Teil der Mütze (frivol-despektierlich „Hut-Pariser“ genannt), zwecks besserer Erkennbarkeit im Gewühl der Passagiere.
Am oberen Teil des Hutes hat es ein Flügelrad, das ein klassisches Eisenbahnerzeichen ist und man auch heute noch oft an älteren Fassaden grösserer Bahnhöfe zu sehen bekommt. Darunter kann man ein rotes Abzeichen sehen. Auf dieser so genannten Kokkarde ist die Bahngesellschaft des Trägers symbolisiert. Bei SBB-Beamten ist auf dem Abzeichen ein Schweizerkreuz zu sehen, bei Privatbahnen hingegen ist die Abkürzung der Bahngesellschaft zu lesen (zum Beispiel „SOB“ oder „RhB“). 1975 wurde das Flügelrad bei der SBB durch das noch heute verwendete Logo ersetzt und die Kokkarde ganz abgeschafft.
Über dem Mützenschirm hat es ein sogenanntes Sturmband. Ursprünglich einmal konnte man bei starkem Wind oder während der Fahrt die darauf vorhandene Schnalle lösen und damit den Hut unter dem Kinn fixieren, so das es ihn nicht wegwehte. Bereits ab den 1920er-Jahren erfüllte dieses Sturmband jedoch nur noch einen ästhetischen Zweck und konnte nicht mehr bewegt werden. An den stilisierten Schnallen findet man zugleich den zweiten Hinweis, ob es sich um die Mütze einer Privatbahn oder der SBB handelt. Bei den Privatbahnen war nur eine Schnalle am Sturmband, direkt unter der Kokkarde. Bei den SBB-Mützen hat es rechts sowie Links auf der Seite je eine solche Schnalle.
Auf Höhe der Kokkarde laufen die allfälligen Gradabzeichen um den ganzen Hut. Wie verriet die Mütze früher etwas über ihren Träger?
Bremser, Arbeiter und Lehrlinge trugen Hüte ohne Streifen. Ihre Funktionszugehörigkeit war nur an der Farbe des Flügelrades bzw. des SBB-Logos erkennbar.
Ein Streifen bedeutete, dass der Träger ausgelernter Kondukteur oder Stationsbeamter war. Mit zwei Streifen war man beim Zugpersonal Zugführer. Er war Chef des Zuges und damit für alles im Zug ausser der Lok verantwortlich. Auf den kleinsten Bahnhöfen trug der Vorstand eine Mütze mit nur zwei Streifen, auf grösseren der Stellvertreter oder der „erste Ablöser“.
Drei silberne Streifen markierten den Oberzugführer, der einen ganzen Standort mit Kondukteuren und Zugführern überwachen musste. Die Oberzugführer waren meist sehr gestrenge Leute und nicht sonderlich beliebt. Ein ehemaliger Kondukteur der Luzern-Stans-Engelberg-Bahn erzählte mir vor einiger Zeit von seinem Oberzugführer von dazumal. Dieser habe sogar am Sonntag mit dem Feldstecher das Bahntrasse überwacht, um zu sehen ob der Beamte alles richtig machte, die Uniform korrekt ist und der Hut gerade auf dem Kopf sitzt…
Bei den Statiönlern bedeuteten drei goldene Streifen, dass man in einer grösseren Station Vorstand war (ohne roten Überzug), Stellvertreter eines Bahnhofvorstands oder „Souchef“ in einer Bahnhofinspektion (diese beiden mit rotem Überzug). Mehr als drei Streifen gab es jedoch nicht. Die im Militär üblichen „Nudeln“ (dicke Streifen) kannte man bei der Bahn nie; weiter ging es – nurmehr im Stationsdienst - direkt mit dem Lorbeerlaub, das allerdings grundsätzlich den Chefs vorbehalten war, zumeist war es ein Bahnhofvorstand. Nur die Bahnhofinspektoren hatten noch mehr Gold am Hut. Dort wurde der Kranz durch zusätzliche Streifen ergänzt. So war der Herr Bahnhofinspektor vom Züricher Hauptbahnhof der einzige SBB-Bähnler mit einem Kranz und drei Streifen! Regelmässig stand er bei Abfahrt des Städteschnellzuges 07.36 Uhr nach Bern am Perron und kontrollierte, ob alles mit rechten Dingen zu und her ging. Und damit das viele Gold auch für alle besser sichbar war, trug der Bahnhofinspektor selbstverständlich keinen roten „Hut-Pariser“ – er war ja nicht ein kommuner Souchef.