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| Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)

3. Buch
1. Kapitel: Angabe des in diesem Buche zu behandelnden Themas
1. Ein gottesfürchtiger Mensch sucht in den heiligen Schriften sorgfältig nach dem göttlichen Willen. Fromm und sanftmütig lasse er sich in keine Streitigkeiten ein. Wenn er sodann ausgerüstet ist mit der notwendigen Sprachkenntnis, um nicht an unbekannten Wörtern und Ausdrücken hängen zu bleiben, wenn er sodann auch über die nötige Sachkenntnis verfügt, um die Bedeutung und das Wesen auch von Dingen zu verstehen, die nur gleichnisweise angeführt sind, und wenn er sich schließlich noch der Unterstützung von echten, mit Verstand und Sorgfalt verbesserten Handschriften erfreuen darf, dann darf er sich auch an die Auflösung und Enträtselung der in der Heiligen Schrift vorkommenden zweideutigen Stellen heranwagen. Soweit ich ihn belehren kann, soll er durch solche zweideutige Zeichen nicht irre geführt werden. Möglich wäre es allerdings auch, daß einer wegen seines eigenen großen Verstandes oder wegen des Lichtes einer höheren Erleuchtung die Wege, die ich angeben will, als kindisch verlacht. Soweit aber, wie anfänglich schon gesagt, ein für eine Belehrung doch noch fähiger Mensch von mir belehrt werden kann, so soll er wissen, daß die in der Heiligen Schrift vorkommende Zweideutigkeit notwendig in den betreffenden Wörtern selbst oder in ihrer Übertragung beruhen kann. Auf beide Arten habe ich schon im zweiten Buch hingewiesen.