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Lieber Lars, lieber Max, liebes Göttikind dieser Welt,
Elche sind ein bisschen sonderbare Tiere. Elche sind aber auch ein bisschen coole Tiere. (Deswegen ist das Geschenk deines Gottis auch ein bisschen sonderbar. Aber vielleicht auch ein bisschen cool.) Die Ohren des Elchs sind breit, länglich oval und laufen an den Enden etwas spitz zu. (Ich habe mit der Nähmaschine mein bestes versucht.) Die Augen sind im Verhältnis zum Kopf sehr klein und die charakteristische breite Oberlippe ist leicht überhängend. Bei beiden Geschlechtern findet sich zu gewissen Jahreszeiten ein Kinnbart. (Stell dir mal vor, auch die Menschen-Weibchen würden einen Bart tragen.) Der Elch ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 3 Metern und einer maximalen Schulterhöhe von 2.30 Metern die grösste heute vorkommende Art der Hirsche. (Ein echter Elch würde in deinem Zimmer ständig den Kopf an der Decke anstossen.) Die Beinlänge vom Elch beträgt 90 bis 110 Zentimeter. (Du kannst also problemlos unter ihm durchspazieren). Er wiegt bis zu 800 Kilogramm. (Mehr als 100 Mal so viel wie du, ein echter Elch wäre natürlich viel zu schwer für dein Kinderbettchen.) Vorder- und Hinterhandgelenke sind sehr beweglich, was dem Elch in unebenem Gelände eine sehr schnelle Fortbewegung ermöglicht. Eigenartig, aber in Mooren und Sümpfen sehr vorteilhaft sind die Schwimmhäute, die sich zwischen den gespaltenen Hufen befinden. Elche können problemlos Temperaturen von minus 50 °C aushalten, fühlen sich aber bei Temperaturen zwischen plus 10 °C und minus 20 °C am wohlsten. (Der Stofftierelch mag es deutlich wärmer und fühlt sich bei deiner Körpertemperatur pudelwohl).
Die männlichen Tiere zeichnen sich durch ein Geweih mit einer maximalen Spannweite von 2 Metern aus. Das Geweih wird jedes Jahr zwischen Januar und Februar abgeworfen. (Du kannst also von Glück reden, dass dein Elch sein Geweih noch nicht abgeworfen hat.) Es wird grob zwischen zwei Hauptgeweihformen unterschieden, dem Stangengeweih und dem Schaufelgeweih. Elchkühe tragen kein Geweih. Sie haben anderes zu tun, als Auswüchse am Kopf zu produzieren, nämlich kleine Elchbabys auszutragen. Die Tragzeit bis zur Geburt dauert etwa 8 Monate. (Noch ein bisschen länger bist auch du im Bauch deiner Mama gelegen.). Meistens wird ein einziges Tier geboren, aber auch Zwillinge sind keine Seltenheit. Nach der Geburt gelten Elchkühe als sehr gefährlich. Menschen, die ihnen zu nahe kommen, attackieren sie mit ihren Hufen. (Genauso wie deine Mama dich auch von ungewollten Angreifern beschützt.) Das Kalb ist kurz nach der Geburt etwa 80 Zentimeter groß und wiegt 10 bis 15 Kilogramm. (Zum Glück für Mama warst du nicht so schwer). Das Jungtier trinkt in den ersten Tagen täglich bis zu 1,5 Liter Milch, mit zunehmender Größe bis zu 3 Liter. (Da fragen wir jetzt gar nicht erst deine Mama, was sie von einer solchen Menge Milch halten würde.)
Elche sind relativ ortstreu und halten sich in der Regel in einem Gebiet auf, das ihnen vertraut ist. (Genau wie du.)Der optische Sinn des Elchs ist äußerst schlecht entwickelt, aber er kompensiert diesen Mangel durch ein ausgezeichnetes Gehör und einen besonders guten Geruchssinn. (Das hast du auch so gemacht in den ersten Lebensmonaten.) Um frühzeitig Witterung aufnehmen zu können, geht er ein Stück gegen den Wind, um dann in einem Halbkreis wieder zurückzukehren. Seine Feinde werden dadurch gezwungen, sich ihm in Windrichtung zu nähern, wenn sie seiner Fährte folgen. Auch lässt der Elch einen potentiellen Feind nicht aus den Augen, während andere Hirscharten auf eine Gefahr mit sofortiger Flucht reagieren. Er kann sich sehr geschickt und leise bewegen, was schon so manchen Jäger um seine Beute gebracht hat. (Du siehts also, der Elch ist ein ziemlich cleveres Tier, auch wenn er etwas dümmlich aussieht.) Elche greifen grundsätzlich keine anderen Tiere an, es sei denn ihre Nachkommen sind in Gefahr. Sie vermeiden es, wenn möglich, andere zu verletzen. (Und ein friedliches und respektvolles Tier noch dazu.)
Für die Menschen des Nordens war der Elch früher ein mächtiges, schützendes Totemtier. Wer das Zeichen des Elches mit sich trug, war gegen Angriffe und Gefahren aller Art geschützt und hielt das würdige Los kraftvoller Gelassenheit in den Händen. (Mein Stoffelch soll dich dein Leben lang vor Gefahren aller Art schützen und dir Gelassenheit für wichtige Situationen mitgeben.) Sein Geweih galt früher als Antenne für die subtilen Schwingungen aller Lebewesen der Umgebung. (Auch das soll dir der kleine Elch mitbringen: ein Gefühl für und Verständnis von deinen Mitmenschen.) Der Elch ist ein mächtiger Verbündeter, er hilft dir, in schwierigen Zeiten einen sicheren Weg zu finden. (Und wenn der Elch einmal nicht so hilfreich ist, dann ist dein Gotti natürlich jederzeit für dich da.)
Ich wünsche dir unzählige kuschlige Stunden mit dem kleinen Elch. Auch wenn er nicht der Hübscheste ist, er wird dir immer ein treuer Weggefährte und Freund sein.
Dein Gotti
Liebe Gottis und Göttis dieser Welt,
Stofftiere sind ja ein bisschen sonderbare Tiere. Stofftiere sind aber auch ein bisschen coole Tiere. (Deswegen ist euer Geschenk auch ein bisschen sonderbar. Aber vielleicht auch ein bisschen cool.) Sie sind viel kleiner als die echten Tiere, können sich nicht bewegen, keine Laute von sich geben. Und glücklicherweise auch keinen Kot. Sie können aber, den echten Vertretern aus dem Reich der Fauna gleich, kuschlig und warm sein und eurem Gottikind als Freund dienen. Die folgende Anleitung zeigt dir, wie du deinem Gottenmeitli oder Gottenbub dein ganz persönliches Stofftier nähen kannst. Es muss natürlich kein Elch sein. Aber Elche sind cool (siehe oben). Und die kleinen Strolche mögen es, in die Geweihe zu beissen oder den armen Elch daran herumzuschwingen.
Schritt 1: Zeichne eine Vorlage für dein Stofftier auf Schnittmusterpapier oder Bachpapier, wenn du ersteres nicht zur Hand hast. Berechne dabei eine ca. 5mm breite Nahtzugabe mit ein. Ich habe eine eher abstrakte Form des Elches gewählt. Weil ich nicht sonderlich gut zeichnen kann. Und es mir gefällt. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Schritt 2: Kaufe einen flauschigen Stoff, ich habe einen sehr weichen Fleece gewählt. Kopiere das Schnittmuster auf den Stoff und schneide zweimal die Form deines Stofftieres aus.
Schritt 3: Falls du dem Tierchen Haare verpassen möchtest, dann schneide aus einem pelzigen Stoff ein Rechteck aus, falte es und nähe es rechts auf rechts an den Seiten zusammen. Stülpe es auf rechts.
Schritt 4: Lege die zwei ausgeschnittenen Elchkörper rechts auf rechts aufeinander. Schiebe die vorgefertigten Haare dort, wo du sie gerne haben möchtest, zwischen die zwei Stoffschichten. Nähe die zwei Formen mit normalem Steppstich zusammen. Lasse eine genügend grosse Öffnung stehen.
Schritt 5: Wende das Tierchen auf rechts und stopfe es mit Stopfwatte. Achte darauf, dass du nicht zu viel Watte auf einmal reinstopfst, sonst gibt es Knötchen. Das Tier sollte ebenmässig gefüllt sein. Es braucht relativ viel Watte. Und relativ viel Geduld, um die Füllmasse auch bis in die verbogenen Winkel des Geweihs zu bringen.
Schritt 6: Nähe die Öffnung mit einem unsichtbaren Stich von Hand zu.
Schritt 7: Nähe Knöpfe als Augen auf das Tierchen. Ergänze wenn du magst mit Accessoires wie Brillen, Fliegen, Halstüchern oder eine Gasmaske.
Und weil du nun so tüchtig genäht und gestopft hast, ein kleines, amüsantes Geschenk zum Abschluss: eine Kurzgeschichte von Franz Hohler.
Der Verkäufer und der Elch
Kennt ihr das Sprichwort „Dem Elch eine Gasmaske verkaufen“? Das sagt man in Schweden von jemandem, der sehr tüchtig ist, und ich möchte jetzt erzählen, wie es zu diesem Sprichwort gekommen ist.
Es gab einmal einen Verkäufer, der war dafür berühmt, dass er allen alles verkaufen konnte. Er hatte schon einem Zahnarzt eine Zahnbürste verkauft, einem Bäcker ein Brot und einem Obstbauern eine Kiste Äpfel. „Ein wirklich guter Verkäufer bist du aber erst“, sagten seine Freunde zu ihm, „ wenn du einem Elch eine Gasmaske verkaufst.“ Da ging der Verkäufer so weit nach Norden, bis er in einen Wald kam, in dem nur Elche wohnten. „Guten Tag“, sagte er zum ersten Elch, den er traf, „Sie brauchen eine Gasmaske.“ „Wozu?“, fragte der Elch. „Die Luft ist gut hier.“ „Alle haben heutzutage eine Gasmaske“, sagte der Verkäufer. „Es tut mir leid“, sagte der Elch, „aber ich brauche keine.“ „Warten Sie nur“, sagte der Verkäufer, „Sie brauchen schon noch eine.“
Und wenig später begann er mitten im Wald, in dem nur Elche wohnten eine Fabrik zu bauen. „Bist du wahnsinnig?“, fragten seine Freunde. „Nein“, sagte er, „ich will nur dem Elch eine Gasmaske verkaufen.“ Als die Fabrik fertig war, stiegen so viel giftige Abgase aus dem Schornstein, dass der Elch bald zum Verkäufer kam und zu ihm sagte: „Jetzt brauche ich eine Gasmaske.“ „Das habe ich mir gedacht“, sagte der Verkäufer und verkaufte ihm sofort eine. „Qualitätsware!“, sagte er lustig. „Die andern Elche“, sagte der Elch, „brauchen jetzt auch Gasmasken. Hast du noch mehr?“(Elche kennen die Höflichkeitsform mit „Sie“ nicht.) „Da habt ihr Glück“, sagte der Verkäufer, „ich habe noch Tausende.“ „Übrigens“, sagte der Elch, „was machst du in deiner Fabrik?“ „Gasmasken“, sagte der Verkäufer.
P.S. Ich weiß doch nicht genau, ob es ein schwedisches oder ein schweizerisches Sprichwort ist, aber die beiden Länder werden ja oft verwechselt.