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75 Jahre Pfadi in der Schweiz (1913 - 1988)
Ein kurzer Abriss der Geschichte von SPB, BSP und PBS von 1913 bis 1988 (aus «Zwäg uf em Wäg, 75 Jahre Pfadi in der Schweiz»).
- Inhaltsverzeichnis
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Das erste Abzeichen des Schweizerischen Pfadfinderbundes (SPB)
1910 - 1920
Die ersten Buben-Pfadigruppen in der Schweiz bildeten sich 1910, während sich die ersten Mädchen 1911 zusammenfanden. Am 5. oder 13. Oktober 1913, das ist heute nicht mehr genau feststellbar, gründeten die Vertreter der bereits bestehenden Kantonalverbände Genf, Waadt, Neuenburg, Bern, Basel, Zürich und St. Gallen/Thurgau im Kasino Bern den Schweizerischen Pfadfinderbund (SPB). William Borel wurde zum ersten Präsidenten gewählt. In den ersten Jahren arbeitete man mit einem Vorortssystem: Jeder Kanton blieb selbständig, ein Vorkanton erledigte die laufenden Geschäfte des Bundes und berief die Delegiertenversammlung ein. Genf wurde der erste Vorort. 1915 trat Freiburg dem SPB bei.
1913 - 1916 entstanden in der welschen und in der deutschen Schweiz mehrere Mädchen-Pfadigruppen, die jedoch zunächst ohne Zusammenhang blieben. 1917 organisierte Jeanne Paschoud ein Treffen der Führerinnen dieser Gruppen. Vertreterinnen aus Basel, Genf, Lausanne, Le Locle, Neuchâtel, Villeneuve und Winterthur fanden sich dazu ein, während sich die Zürcherinnen entschuldigten. Die Idee einer Vereinigung wurde geboren.
Im Jahre 1918 gab sich der Bubenbund unter der Leitung von William Borel neue Satzungen, die einen Zentralpräsidenten und einen siebenköpfigen Vorstand vorsahen. Dessen Mitglieder stammten in der Regel noch aus demselben Kanton. Im gleichen Jahr wurde auch die Stiftung Schweizer Pfadfinderheime ins Leben gerufen. Ein Jahr später wurde in Lausanne die erste Nummer des «Kim» gedruckt. Der französischsprachige Teil der Führerzeitschrift war weitaus umfangreicher als der deutschsprachige. Ebenfalls 1920 wurde das später vielen Pfadi-Generationen als «Thilo» bekannte «Livret de léclaireur Suisse» herausgegeben. Inzwischen hatten Graubünden (1918), Tessin, Zug, Solothurn, Schaffhausen (1919) und Aargau (1920) zum Bund gefunden.
Am 4./5. Oktober 1919 wurde der Bund Schweizerischer Pfadfinderinnen (BSP) gegründet. Die Abteilungen Basel, Bern, Genf, Lausanne, Neuchâtel und Zürich-Helvetia einigten sich auf sieben Gesetzesartikel, gemeinsame Statuten und ein gemeinsames Abzeichen. Die beiden ersten Führerinnen waren die Bernerinnen Edmée Vogel-de Watteville und Blanche de Haller. 1920 schlossen sich Villeneuve und St. Gallen an.
1921 - 1930
Yvonne Achard nahm 1921 die Geschicke des BSP in ihre Hände. Sie stellte eine gewisse Verwaltung auf die Beine und organisierte die Finanzen. Sie leitete das neugeschaffene Sekretariat. In ihre Amtszeit fällt die Gründung der Zeitschrift «Trèfle».
1922 erschienen die ersten zehn Exemplare. 1922 regte die Stiftung Schweizer Pfadfinderheime, mit Hilfe aus Holland und England und unterstützt von der Schweizerischen Verkehrszentrale, die Gründung des Vereins Internationales Pfadfinderheim an. Man konnte das ehemalige Pemperazzagebäude in Kandersteg erwerben. Das erste Bundeslager des SPB wurde 1925 in Bern durchgeführt. Auch das ständige Sekretariat wurde in Bern geschaffen. Im folgenden Jahr erfolgte die Gründung des Materialbüros.
Im Reglement von 1924 wurde der Posten eines Bundesfeldmeisters vorgesehen, doch konnte er erst 1927 besetzt werden. Anlässlich der Reorganisation des Bundes an der Delegiertenversammlung 1927, die wie in den bisherigen Jahren in Bern abgehalten wurde, wechselte Walther von Bonstetten vom Amt des Präsidenten in jenes des Bundesfeldmeisters. Inzwischen waren Wallis (1924), Appenzell-Ausserrhoden (1925) und Luzern (1926) in den Bund aufgenommen worden.
1931 - 1950
Das erste Rovermoot fand 1931 in Kandersteg statt, während gleichzeitig in Genf das 2. Bundeslager durchgeführt wurde. Vier Jahre später wurde Kandersteg zum offiziellen Zentrum für die schweizerischen Führerkurse. 1932 schlossen sich die katholischen Abteilungen der deutschen Schweiz zum Verband Katholischer Pfadfinder zusammen.
Auch der BSP wuchs rasch und stetig. Waren es 1926 noch 600 Mitglieder in 8 Abteilungen, so zählte der BSP 1939 bereits 6409 Mitglieder in 97 Abteilungen. Im Unterschied zum SPB, wo die Kantonalverbände den Bund bildeten, waren es im BSP die einzelnen lokalen Abteilungen, die sich im Bund zusammenfanden. 1931 entstanden erste PTA-Gruppen und 1936 schlossen sich die katholischen Pfadfinderinnen zusammen.
Das dritte Bundeslager der Knaben wurde 1938 in Zürich durchgeführt, während das 25. Jubiläum in Bern gefeiert wurde. Neu in den SPB aufgenommen wurden Appenzell-Innerrhoden, Uri (1936) und Schwyz (1938).
Der Kriegsbeginn blieb in der Schweiz nicht ohne Wirkung. Die Pfadfinder wurden im Pfadfinder-Hilfsdienst zur Unterstützung der Armee eingesetzt. Viele Pfadfinderinnen meldeten sich beim Roten Kreuz. Die Organisation der landwirtschaftlichen Hilfslager wurde zu Beginn ebenfalls durch Pfadfinderinnen sichergestellt und später von der Regierung übernommen. 1940 schlossen sich die protestantischen Pfadfinderinnen zusammen. Der 25. Geburtstag des BSP im Jahre 1944 wurde mit einer Stafette durch die ganze Schweiz gefeiert.
Nachdem Pfadfinderinnen und Pfadfinder 1941 mit dem Roten Kreuz kriegsgeschädigten Kindern geholfen hatten, organisierte der BSP 1945/46 Lager für Mädchen aus Frankreich und Österreich, während der SPB 1945 mit 2000 Knaben insgesamt 70 solcher Lager durchführte.
1945 wurden im SPB die Pfadfinder Trotz Allem (PTA) gegründet. Für die BSP-Führerinnen wurden regelmässig Ausbildungslager durchgeführt. 1946 waren auch tschechische, italienische, englische und französische Führerinnen nach Kambersberg (SO) eingeladen. Zum ersten Mädchen-Bundeslager trafen sich 1947 in Münster (Goms) mehr als 300 Führerinnen.
Die Heilsarmee-Pfadfinder wurden 1947 in den SPB aufgenommen, und die Heilsarmee-Pfadfinderinnen schlossen sich 1948 dem BSP an.
Das vierte Bundeslager des SPB fand 1948 in Trevano im Tessin statt. 1949 begingen die Pfadfinderinnen ihr 30-Jahr-Jubiläum mit einem Gotthardlager, welchem unter anderem auch Lady Baden-Powell einen Besuch abstattete. Im folgenden Jahr versammelten sich Gruppenführerinnen aus der ganzen Schweiz nach einem dreitägigen Wanderlager auf der Rigi zu einem gemeinsamen 1. August-Feuer.
1951 - 1970
1951 halfen BSP und SPB in den Bergkantonen Lawinenschäden beheben. 1952 feierte «Our Chalet» in Adelboden, eines von vier internationalen Zentren des Mädchen-Weltbundes, sein 20-jähriges Bestehen. Kandersteg erlebte 1953 eine Neuauflage des Rovermoots.
Den Führerinnen des BSP wird 1953/54 in den Freibergen Gelegenheit geboten, den Fähigkeitsausweis zur Leitung von Lagern zu erwerben, indem sie ihre Lager unter Aufsicht leiteten. 1956 fand, ebenfalls in den Freibergen, das fünfte Bundeslager des SPB statt.
1955 übernahm es der BSP, in Boldern (ZH) ein internationales Ausbildungslager für die PTA zu organisieren. Zwei Jahre später fanden sich 6'300 Pfadfinderinnen im Vallée de Conches aus Anlass des Jubiläums «100 Jahre BiPi» zu einem Weltlager zusammen.
1958 wurde die Aufmachung des «Kim» grundlegend geändert. Der deutschsprachige Teil gewann gegenüber dem französischsprachigen zunehmend an Wichtigkeit. 1959 wurde ein Schritt auf dem Weg zu vermehrter Zusammenarbeit zwischen beiden Pfadibünden getan: die beiden Materialbüros wurden zusammengelegt.
Der SPB erstand 1960 das Lagergelände in Ayent, 1962 mit einer Jubiläumsaktion zum 50jährigen Bestehen die Alpe di Paz, und an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung 1963 wurde nebst einer Satzungsrevision der Kauf von Andwil beschlossen.
1964 beteiligte sich der SPB an der EXPO in Lausanne. Der «Verein Internationales Pfadfinderheim» und der «Pfadfinder-Alpenclub» fusionierten zum «Verein Internationales Pfadfinderzentrum Kandersteg».
Im Domleschg fand zum sechsten Male ein Bundeslager des SPB statt. Es nahmen über 12'000 Pfadi aus der ganzen Schweiz daran teil.
Der BSP führte 1969, anlässlich seines 50-jährigen Bestehens, ein Jubiläumsbundeslager im Bleniotal durch. Im gleichen Jahr kam es zwischen den Organen beider Bünde zu Gesprächen über konkrete Vorschläge für gemeinsame Tätigkeiten, und die Idee des gemeinsamen Roverschwerts kam auf. Das erste wurde 1970 von den beiden Zürcher Kantonalverbänden organisiert.
1971 - 1987
Nach der Genehmigung des Verfassungsartikels über Turnen und Sport durch das Schweizervolk im Jahre 1971, begann der Aufbau von «Jugend und Sport», an dem sich BSP und SPB von Anfang an intensiv beteiligten.
Anfang der 70er Jahre bildeten Vertreterinnen der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Pfadfinderinnen (AKP) und die Equipe Protestante eine ökumenisch arbeitende Equipe unter dem Namen «Animation spirituelle».
In den 70er Jahren begannen verschiedene Kantone damit, gemeinsame Ausbildungskurse für Führerinnen und Führer aus SPB und BSP anzubieten. Das gemeinsame Ausbildungsmodell entstand 1979.
1980 fand das erste gemeinsame Bundeslager beider Pfadibünde statt. Das Greyerzerland wurde während dieser Zeit von über 22'000 Pfadfinderinnen und Pfadfindern bevölkert.
1982 schlossen BSP und SPB eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit ab, bestimmten je ihre Vertreter/innen in der Fusionskommission und nahmen Fusionsverhandlungen auf.
In immer mehr Bereichen, wie Ausbildung, Führer/innen-Zeitschrift, gemeinsame Anlässe, gemeinsame Arbeitsgruppen, usw. wurden die Zusammenarbeit praktiziert und viele nützliche Erfahrungen gesammelt. Ende 1985 legte die Fusionskommission ein erstes Projekt für Statuten, pädagogische Grundlagen der Tätigkeit in den vier Stufen und Regelungen im finanziellen und administrativen Bereich vor. Zu diesem «Fusionspaket 1» konnten sich alle Kantonalverbände und Abteilungen beider Bünde äussern. Die Gelegenheit zur Stellungnahme hatten sie noch ein zweites Mal, als das Fusionspaket 2 fertig gestellt war. Am 24. 5. 1987 wurden all diese Bestrebungen, BSP und SPB zu vereinigen, von Erfolg gekrönt. An zwei parallel stattfindenden Delegiertenversammlungen in Luzern sagten die Delegierten beiden Bünde Ja zu einer gemeinsamen Zukunft unter der Flagge des neuen gemeinsamen Verbandes, der Pfadibewegung Schweiz (PBS).
An der ersten Delegiertenversammlung der PBS in Aarau wurden am 24./25. Oktober 1987 die neuen Organe gewählt, welche sich gemäss den in Luzern genehmigten Statuten aus Frauen und Männern sowie aus Vertreter/innen aller Sprachregionen zusammensetzten.
aus «Zwäg uf em Wäg, 75 Jahre Pfadi in der Schweiz», Bundesleitung der Pfadibewegung Schweiz [Hg.], 1988.