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„Nach 10 Stunden fühlen Sie den Unterschied. Nach 20 Stunden sehen Sie den Unterschied. Und nach 30 Stunden haben Sie einen neuen Körper.“ - Joseph Hubert Pilates (1880 - 1967)
Der Ursprung der Pilatesmethode ist während des ersten Weltkrieges in England anzusiedeln. Der aus Deutschland stammende Joseph Hubertus Pilates tourte gerade mit seinem Zirkus durch England und befand sich in einem Lager für „Angehörige des Feindes“ und Kriegsgefangene. Um die Moral der Gefangenen zu stärken, entwickelte er aus Betten und Stühlen erste Sportgeräte, sodass auch diejenigen trainieren konnten, die zu schwach waren um ausschliesslich mit ihrem eigenen Körpergewicht zu üben. Ein Mythos besagt, dass kein Häftling, der mit Joseph Pilates trainierte starb, als die spanische Grippe durch das Lager zog.
1923 wanderte Joseph Pilates nach Amerika aus, nachdem er als Trainer für Scotland Yard gearbeitet hatte. Auf der Überfahrt lernte er seine zukünftige Frau Clara kennen und mietete in New York ein Studio, das sich im selben Gebäude befand, in dem die bekannte Tänzerin Martha Graham ihre Tanzakademie führte. Hier verfeinerte er seine Methode, nannte sie “Contrology” und stellte sie in seinen zwei Schriften “Return to Life” und “Your Health” dem allgemeinen Publikum vor. Die gesamte Trainingsmethode gründete auf Pilates eigenen Erfahrungen. Er hatte in seiner Jugend an Asthma, Rachitis und rheumatischem Fieber gelitten und sich durch diszipliniertes Training von diesen Leiden befreien können. Durch die räumliche Nähe zu Martha Grahams Tanzschule wurde die Pilates Methode, die im ursprünglichen Repertoire weit mehr als 100 Übungen umfasst, zunächst in der Tanzszene bekannt, da Joseph Pilates vielen Tänzern half, Verletzungen und andere Einschränkungen zu überwinden. Einige seiner ersten Schüler, die später seine Arbeit in die Welt trugen, kamen selbst ursprünglich aus der Tanzbranche. Joseph Pilates Studio wurde von einer Schülerin weitergeführt und existiert noch immer. Mittlerweile in der dritten und vierten Generation, am selben Ort. Derweil ist Pilates auch hierzulande ins allgemeine Interesse der Öffentlichkeit gerückt. Nicht ohne Grund: Die Trainingsmethode hat viele Vorteile. Unabhängig von Alter, Konstitution oder Anatomie des Menschen, kann es von jedem erlernt werden.
Fliessende Bewegungen, gelenkschonende Übungen und eine ruhige Atmung: Pilates ist ein vielseitiges Training, das die Gesamtheit des Körpers einbezieht. Das bedeutet, Muskeln werden nicht einzeln, sondern in Kraftübertragungsketten und ganzkörperlichen Einheiten trainiert. Dadurch werden Schwachpunkte angesprochen, ohne die Kommunikation des Körpers zu stören. So wird die Beweglichkeit gefördert. Das Training wird generell in die Länge und nicht in die Verkürzung ausgeführt. Dadurch öffnen sich die Gelenke und Schmerzzustände oder Verspannungen werden gelöst. In der Regel findet Pilates auf den Geräten statt. Die Matte ist die “Königsklasse”, denn hier trainiert man nur mit seinem eigenen Körpergewicht, der Schwerkraft und dem Boden. Joseph Pilates entwickelte alle seine Geräte, um diese Herausforderung zu vereinfachen. Die Matte diente lediglich als Heimprogramm oder wurde genutzt, wenn er unterwegs unterrichtete und ihm keine seiner Geräte zur Verfügung standen. Für sein Studio entwickelte er spezielle Matten, die dicker und mit Griffen und Seilen ausgestattet waren, um bestimmte Übungen zu erleichtern. Wer wirklich in das System Pilates einsteigen möchte, wird an einem geführten Personal Training nicht vorbeikommen. Wenn das System dann verinnerlicht ist, kann sehr gut auf der Matte weiter trainiert werden.
In der Regel findet das Training barfuss statt. Alle Übungen im Pilates haben eines gemein: Sie werden fliessend, achtsam und mit wenigen Wiederholungen ausgeführt. Ziel ist es, sich zu keiner Zeit überanstrengt zu fühlen. Joseph Pilates hat in seinem Übungsrepertoire einen konstanten Wechsel von unterschiedlichen Herausforderungen eingebaut. Die Serien sind so angelegt, dass es immer einen Wechsel von beugen und strecken der Wirbelsäule sowie mer oder weniger Anstrengung gibt. Schnellere oder langsamere Tempi fördern und fordern ausserdem alle Systeme des Körpers gleichmässig. Eine ruhige Atmung hilft, die Bewegungsabläufe leichter auszuführen. So kann das Training intensiver und entspannter wahrgenommen werden.
Der Pilates-Effekt im Alltag
Wer Pilates regelmässig mit einem Trainer an der Seite übt, kann schlechte Haltungsgewohnheiten positiv verändern und nimmt den Pilates-Effekt mit in seinen Alltag. Eine aufrechte und lockere Haltung, wie sie im Pilates geschult wird, hilft ebenso bei der Durchführung anderer Sportarten. Daher gewinnt Pilates als ergänzende Massnahme mehr und mehr an Beliebtheit. Die Methode selbst wurde von Pilates immer als Werkzeug verstanden, das den Menschen bei Herausforderungen im Alltag dienen sollte. Das kann Hochleistungssport aber auch Büroarbeit sein. Es geht immer darum das System in den Alltag zu übertragen und es nicht als geschlossenes Fitnessprogramm zu betrachten, das um seiner selbst willen ausgeführt wird.
Pilates ist für jeden geeignet. Der Körper wird in seiner Gesamtheit angesprochen und ausbalanciert und lernt dadurch überall genug und nirgendwo zu viel zu tun. Dies führt dazu, dass sich die typischen Beschwerden, wie Rücken-, Schulter,- und Gelenksprobleme, aber auch jegliche Stresssymptomatiken lindern oder lösen lassen.
Vorteile von Pilates auf einen Blick
- Schmerzen im Rücken und in den Schultern werden gelindert
- Gelenke werden stabilisiert
- Tiefenmuskulatur wird gestärkt
- Muskeln werden ganzheitlich aufgebaut
- Der Körper wird gestrafft
- Koordinationsfähigkeit wird verbessert
- Stressbewältigung wird unterstützt und innere Balance gestärkt
- Training für Rehabilitation nach Unfällen oder Verletzungen
- Knochendichte wird positiv beeinflusst
- Lungenfunktion wird gestärkt
- Blutfluss in den Gefässen wird angeregt
- Einsatz als prä-und postnatales Training
- Aufbau und Vorbereitung für andere Sportarten jeglicher Art
Wie können Sie Pilates leicht erlernen?
Wie bei jedem Training lohnt es sich für Anfänger, die ersten Schritte mit einem Trainer zu erlernen. Dieser kann Sie in die wichtigsten Grundlagen einführen, um Bewegungsabläufe von Anfang an richtig zu schulen und Haltungsfehler bei den Übungen zu vermeiden. Sie werden ebenso lernen und spüren, welche tiefe Muskeln überhaupt existieren und trainiert werden können. Es ist ausserdem von Vorteil, an speziell für das Training gefertigten Geräten zu trainieren. Dafür entwickelte Joseph Pilates fünf Grossgeräte (Reformer, Cadillac, Chair, Ladder Barrel und Spine Corrector) und diverse Kleingeräte. Er integrierte Federsysteme in seinen Geräten, die lehren sich gegen die Federn auszudehnen und mit den Federn mitzugehen. Dies führt zu einer erhöhten Elastizität der Bewegungen und des eigenen Empfindens.
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