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Wer in einem Schweizer Spital behandelt wird, erhält in einem von vier Fällen einen Blasenkatheter. Über diese Eintrittspforte können Bakterien in den Urin gelangen, was das Risiko einer Infektion der Harnwege erhöht. Das wiederum verlängert den Spitalaufenthalt und es braucht zusätzliche Behandlungen. Rund die Hälfte der 350 000 Blasenkatheter, die in der Schweiz jedes Jahr gelegt werden, haben keine klare medizinische Indikation.
Jeder zweite Blasenkatheter nicht zwingend nötig
«Seltener, kürzer, sicherer»
Seit 2016 unterstützte die Qualitätsstrategie des Bundesamt für Gesundheit (BAG) das Pilotprogramm «progress! Sicherheit bei Blasenkathetern». Das Ziel von «progress!» war, die Verwendung von Blasenkathetern im Spital zu reduzieren und damit verbundene Harnwegsinfektionen sowie andere Komplikationen zu vermeiden. Im Kern bestand das Programm aus einem Interventionsbündel und einer Schulungskampagne für das Spitalpersonal. Die Interventionen folgen der Maxime «seltener» (Kathetereinlade nur mit klarer Indikation), «kürzer» (tägliche Überprüfung der Notwendigkeit des Katheters) und «sicherer» (Katheter korrekt einlegen und pflegen).
Medizinische Mitarbeitende verbesserten ihr Wissen
Der Pilot konnte 2018 abgeschlossen werden und lieferte insgesamt positive Resultate. Am deutlichsten war die Verbesserung bei den medizinischen Mitarbeitenden: Sie steigerten ihre Aufmerksamkeit für das Thema deutlich und stärkten ihr Wissen zum sicheren Umgang mit Blasenkathetern. Tatsächlich gelang es auch, die Katheternutzung zu senken und nicht-infektiöse Komplikationen, wie Blutungen aus der Harnröhre zu reduzieren. Da jedoch die Rate von Harnwegsinfektionen in den teilnehmenden Spitälern bereits während der Baseline-Erhebung sehr niedrig war, liessen sich keine Änderungen in der Häufigkeit von HAI feststellen.
Letzte Änderung 31.10.2019