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#MeToo wird ein Generalthema sein bei den Oscars, die in der Nacht auf Montag verliehen werden. Casey Affleck, der sexuellen Belästigung beschuldigt, hat vorsichtshalber seine Teilnahme abgesagt. (Archivbild)
Keystone/EPA/MIKE NELSON(sda-ats)
Vor einem Jahr standen bei der Oscar-Verleihung die Afroamerikaner im Mittelpunkt. Dieses Jahr könnten es die Frauen sein.
Die Gala in der Nacht zum Montag dürfte zumindest ein Stück weit von dem Mega-Skandal um sexuelle Übergriffe im Filmgeschäft geprägt sein, der mit den Anschuldigungen gegen den Produzenten Harvey Weinstein begann und seither auch Schauspielstars wie Kevin Spacey, Casey Affleck oder James Franco erfasst hat.
Auf dem roten Teppich oder der Bühne des Dolby-Theaters in Hollywood werden sich voraussichtlich zahlreiche Stars zu der Bewegung "Time's Up" bekennen. Sie wurde von mehreren Schauspielerinnen mitbegründet und wendet sich gegen Belästigung und Missbrauch von Frauen nicht nur in der Filmbranche, sondern generell im Berufsleben.
Zu erwarten seien "politische Statements" zu dem Frauenthema, sagte Peter Debruge, Chef-Filmkritiker des Branchenmagazins "Variety", der Nachrichtenagentur AFP. Bei Entgegennahme der goldenen Statuette würden Frauen sicherlich die weltweite Aufmerksamkeit für solche Bekenntnisse nutzen wollen.
Deutlich mehr Frauen nominiert
Eine andere Frage ist, ob die neue Frauenbewegung auch die Siegerauswahl beeinflusst. Zumindest auf die Nominierungen hat sie sicherlich einen gewissen Einfluss gehabt. So ist Greta Gerwig mit "Lady Bird" für den Regiepreis im Rennen - sie ist erst die fünfte Frau in der 90-jährigen Geschichte der Oscars, die von der US-Filmakademie in dieser Kategorie nominiert wurde.
Bemerkenswert ist auch die Teilnahme einer Frau im Finale um die beste Kamera. Rachel Morrison, die am Epos "Mudbound" mitwirkte, ist die allererste Frau der Oscar-Geschichte, die für diesen Preis nominiert ist. Um den Drehbuchpreis wiederum konkurriert Dee Rees, Autorin und Regisseurin von "Mudbound"- sie ist erst die zweite afroamerikanische Frau mit einer Nominierung in dieser Sparte.
Scharfer Gegenwind für "Lady Bird"
Dass die Vielfalt bei den Oscars zugenommen hat, liegt nicht zuletzt an der Reform der aus etwa 8500 Mitgliedern bestehenden Akademie. Unter dem Druck des Protests gegen die Dominanz weisser Männer in Hollywood hat sich die über die Oscars entscheidende Institution diversifiziert. Ein Grossteil der knapp 1500 Filmschaffenden, die in den vergangenen zwei Jahren als Neu-Mitglieder eingeladen wurden, sind Schwarze und Frauen.
Als Ergebnis dieser Reform galt der Triumph von Afroamerikanern bei den Oscars 2017. Den begehrtesten aller Preise - den für den besten Film - gewann "Moonlight", das Drama um einen jungen homosexuellen Afroamerikaner. Ob nun ein ähnlicher Triumph für die Frauen folgt, lässt sich schwer vorhersagen.
Unter den neun Filmen in der Hauptkategorie ist allein "Lady Bird" ein Werk, das sich auf eine Frauenthematik konzentriert. Es handelt von der Selbstfindung einer couragierten jungen Frau und deren Beziehung zu ihrer Mutter.
Sollte "Lady Bird" gewinnen und zudem womöglich noch Gerwig, Morrison oder Rees weitere Preis holen, könnte dies also als Triumph der neuen Frauenbewegung gesehen werden. Allerdings hat "Lady Bird" starke Konkurrenz, unter anderem in der Fantasy-Romanze "The Shape of Water" und der bitterbösen Kleinstadtsatire "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri".
Schuldeingeständnis
Unabhängig davon, wer die Oscars holt - auf den Ablauf der Oscar-Show hat der Skandal um die langjährige Erniedrigung von Frauen auf jeden Fall starken Einfluss. Moderator Jimmy Kimmel hat angekündigt, er wolle die Drangsalierung und Diskriminierung von Frauen ansprechen.
Bedeutungsvoll ist aber auch, wer nicht spricht. Vorjahressieger Casey Affleck wird keine Laudatio halten. Er sieht sich mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert und sagte von sich aus ab. Den Veranstaltern dürfte es recht gewesen sein.
SDA-ATS