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Den grössten Einfluss auf die Lipizzanerzucht haben die Hengste gehabt, die noch heute als Stammväter von sechs klassischen Hengstlinien gelten, namentlich Pluto, Neapolitano, Conversano, Maestoso, Favory und Siglavy.
Der Gründer des Plutostammes war der Weisschimmelhengst Pluto, geb. 1765 in Frederiksborg. Die ersten Generationen dieses Stammes waren ähnlich wie beim Neapolitanostamm durch die bewährtesten Zuchthengste der barocken Periode geprägt. In ihren Pedigrees finden sich die erprobten Beschäler aus den Stämmen Lipp und Toscanello.
Nach einem ersten Höhemflug kam es gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Verengung der genetischen Basis. Stammerhalter wurde der Terezovacer Hengst Pluto Fantasca, geb. 1887. Alle heutigen Plutos gehen auf diesen Hengst zurück, von dem der schwedische Hippologe C. G. Wrangel einst sagte: " Der sich vorzüglich vererbende Pluto Fantasca ... verdient unseres Erachtens den Ehrenplatz in der Fogaraser Peperiniere. ... Ein einziger Blick auf Pluto Fantasca lehrt, dass Stahl in ihm steckt".
Heute ist der Plutostamm der zahlenmäßig kleinste Hengststamm des Lipizzaners und seine Erhaltung verdient in Zukunft besondere Aufmerksamkeit.
Der Gründer dieses Stammes war der weichselbraune Hengst Neapolitano, geb. 1790. Dieser Original Neapolitaner wurde vom Oberststallmeisteramt angekauft und war von 1801 bis 1810 in Lipizza in Zuchtverwendung. Überragende züchterische Bedeutung erlangte sein 1820 geborener Enkelsohn, der Schimmel Neapolitano Aquileja, mütterlicherseits nach dem berühmten Stempelhengst Toscanello Hedera gezogen. Zahlreiche Vertreter des Neapolitano Stammes waren und sind ausgezeichnete Schulhengste und bewährten sich in der Spanischen Hofreitschule vorzüglich. Viele Neapolitano Hengste zeigten die typische Decke ihres Gründerhengstes - und waren in allen Braunschattierungen vertreten.
Generell ist der Neapolitano Stamm heute - neben dem Pluto Stamm - der zahlenmäßig kleinste und am geringsten ausgebaute Hengststamm des Lipizzaners. Gezielte und gestütsübergreifende Strategien und wohldurchdachte Anpaarungen sind unabdingbar, um diesen hervorragenden Hengststamm wieder zu seiner alten Größe und Qualität zurückzuführen.
Der Gründer des Hengststammes Conversano war der vom Fürsten Kaunitz aus Süditalien importierte Original Neapolitaner Hengst Conversano, geb. 1767. Der Rappe stand zwischen 1779 und 1783 in Lipizza in Zuchtverwendung.
Heute gehört der Conversano Stamm zu den zahlenmäßig großen Stämmen des Lipizzaners, er ist genealogisch auf eine breite Basis gestellt. Nach wie vor tragen einige Vertreter die Fellfarbe ihres Urahnen: sie sind Rappen, die in spezifischen Zweigen geführt werden, wie z.B. der Zweig nach dem Topol"ciankyer Hengst 478 Conversano Mara IX, geb. 1934.
Der Stammbegründer war der in Lipizza im Jahr 1773 geborene Karster Maestoso. Trotz sehr starker Zuchtnutzung seiner Söhne im Hofgestüt Lipizza wurde dieser Hengststamm letztendlich vom 1813 in Mezehögyes geborenen Hengst Maestoso II fortgeführt. Die Vertreter des Maestoso Stammes trafen den Zeitgeschmack der Züchter in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und wurden intensiv züchterisch genützt. Der Maestosostamm gehört wie der Favory zu den zahlenmäßig großen und breiten Stämmen des Lipizzaners.
Der Gründer des Hengststammes Favory war der im Kladrub im Jahr 1729 geborene Falbhengst Favory. Sein Urenkel, der weichselbraune Favory Onerosa, geb. 1809 im Hofgestüt Lipizza, erlangte über seine weibliche Nachzucht eine große Bedeutung in der Lipizzanerzucht. Zu den herausragenden Nachkommen gehörten seine Tochter, die Stute Erga geb. 1831, die über ihre Söhne Maestoso Erga und Conversano Erga zu den prägenden Zuchttieren des Lipizzaners zählt. Ein weiterer bedeutender Ahne des Lipizzaners stammte ebenfalls aus dem Favorystammes: der Hengst Favory Ratisbona II, geb. 1828, der zu den wichtigsten Zuchttieren des Lipizzaners zählt. Heute ist der Favorystamm in allen Staatsgestüten Europas vertreten und steht mit seinen vielen Zweigen auf einer genetisch stabilen Basis.
Der Gründer des Siglavystammes war der Originalaraberhengst Siglavy, geb. 1810. Der Schimmel wurde im Jahr 1814 von Fürst Karl I Phillip von und zu Schwarzenberg in Aleppo angekauft. Ab 1820 deckte Siglavy im Hofgestüt Lipizza. Außer dem Hengststamm beim Lipizzaner gründeten seinen Nachkommen einen eigenen Hengststamm beim Shagya Araber. Die Vertreter des Siglavystammes erfreuten sich großer Beliebtheit und fanden den Weg in alle Lipizzanergestüte. Dieser Stamm zeichnet sich durch eigene gestütsspezifische Zweige aus, wie z.B. durch den Zweig nach Siglavy Capriola I, dessen Nachkommen von solch ausgezeichneter Qualität waren, dass sie bis heute unter diesem Doppelnamen geführt werden.
Zu den sechs klassischen Hengstlinien des alten Lipizza gesellen sich noch zwei weitere, deren Ursprung in Kroatien, bzw. Siebenbürgen liegt. Im Gestüt des Grafen Jankovic in Teresovac, an der ungarischen Grenze, in der Drauniederung gelegen, wurden seit Jahren edle Pferde spanisch-neapolitanischer Abstammung gezüchtet; als in den sechziger Jahren des 19. Jh. Hengste aus Lipizza zugekauft wurden, entstand das erste Lipizzanergestüt auf dem Boden Kroatiens. Aus der Kreuzung dieser Deckhengste mit den Stuten der alten Teresovacer Rasse ging die Tulipanlinie hervor. Sie entstand um 1880, ist noch heute weit über die kroatische Landesgrenze hinaus bekannt und auch in Ungarn und Rumänien verbreitet.
Der im ungarischen Gestüt Mezöhegyes 1802 gezogene Begründer der Incitatolinie stammte mütterlicherseits von spanischen Ahnen ab. Sein Vater war ein Siebenbürger Hengst. Auch diese Rasse von mittlerer Grösse war orientalischen, altspanisch-italienischen Ursprungs. Der häufige ramsnasige Kopf, ein hochgehobener Schwanenhals und erhabene Gänge liessen die gemeinsamen Vorfahren deutlich erkennen. Seine Nachkommen sind noch heute in Ungarn und der ehemaligen Tschechoslowakei zu finden.