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| Palladius von Helenopolis († vor 431) - Leben der Väter (Historia Lausiaca)

5. Alexandra.
[S. 330] Weiterhin hat er mir von einer Jungfrau namens Alexandra folgendes erzählt:
Diese ging aus der Stadt hinweg, schloß sich in ein Grabmal und ließ sich durch eine Wandöffnung die nötigen Lebensmittel reichen. Zehn Jahre lang sah sie weder ein Mannes- noch ein Frauenantlitz. Im zehnten Jahr entschlief sie, nachdem sie selber sich bereit gemacht hatte. Da jene Frau, die gewöhnlich zu ihr kam, keine Antwort erhielt, teilte sie es uns mit. Wir sprengten die Tür und fanden sie tot.
Die dreimalselige Melania, von der ich später noch reden will, erzählte folgendes von ihr:
Wohl hab' ich ihr Antlitz nicht gesehen, doch trat ich an die Maueröffnung und bat sie, mir zu sagen, weshalb sie sich in das Grabmal eingeschlossen habe. Da rief sie durch die Öffnung heraus: "Es wurde jemand von sinnloser Leidenschaft für mich erfaßt; um mir nicht den Vorwurf machen zu müssen, er habe meinetwegen Kummer und üble Nachrede, zog ich es vor, mich lebendig in dies Grabmal einzuschließen statt eine Seele zu verderben, die nach Gottes Ebenbild erschaffen ist." Ich fragte sie: "Wie kannst du aushalten ohne jeden Umgang? Fällt dir die Einsamkeit nicht zur Last?" Sie erwiderte mir: "Ich bete vom frühen Morgen zu jeder Stunde bis zur neunten und Spinne Leinwand, mache während der anderen Zeit im Geiste die Runde bei den heiligen Patriarchen, Propheten, Aposteln und Märtyrern und esse dann mein Stücklein Brot. So leb' ich in Ruhe dahin und erwarte voll tröstlicher Hoffnung das Ende."