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Die Wissenschaftler sagen, dass wir aus Atomen bestehen, aber mir hat ein kleiner Vogel erzählt, dass wir aus Geschichten gemacht sind.
Eduardo Galeano, Uruguayischer Schriftsteller (*1940)
Die Wissenschaftler sagen, dass wir aus Atomen bestehen, aber mir hat ein kleiner Vogel erzählt, dass wir aus Geschichten gemacht sind.
Eduardo Galeano, Uruguayischer Schriftsteller (*1940)
Textauszug aus dem “Siddharta” von Hermann Hesse (Kapitel “Der Fährmann”).
Ich kapiere das erst jetzt, nachdem uns die Physiker im 20. Jhdt. auch die naturwissenschaftlichen Grundlagen für das Verständnis geliefert haben. Die Erfindung der Zeit und unsere Knechtschaft ist unser zentrales Problem.
Mehr aber, als Vasudeva ihn lehren konnte, lehrte ihn der Fluss. Von ihm lernte er unaufhörlich. Vor allem lernte er von ihm das Zuhören, das Lauschen mit stillem Herzen, mit wartender, geöffneter Seele, ohne Leidenschaft, ohne Wunsch, ohne Urteil, ohne Meinung.
Freundlich lebte er neben Vasudeva, und zuweilen tauschten sie Worte miteinander, wenige und lang bedachte Worte. Vasudeva war kein Freund der Worte, selten gelang es Siddhartha, ihn zum Sprechen zu bewegen.
«Hast du», so fragte er ihn einst, «hast auch du vom Flusse jenes Geheime gelernt: dass es keine Zeit gibt?»
Vasudevas Gesicht überzog sich mit hellem Lächeln.
«Ja, Siddhartha», sprach er. «Es ist doch dieses, was du meinst: dass der Fluss überall zugleich ist, am Ursprung und an der Mündung, am Wasserfall, an der Fähre, an der Stromschnelle, im Meer, im Gebirge, überall, zugleich, und dass es für ihn nur Gegenwart gibt, nicht den Schatten Zukunft?»
«Dies ist es», sagte Siddhartha. «Und als ich es gelernt hatte, da sah ich mein Leben an, und es war auch ein Fluss, und es war der Knabe Siddhartha vom Manne Siddhartha und vom Greis Siddhartha nur durch Schatten getrennt, nicht durch Wirkliches. Es waren auch Siddharthas frühere Geburten keine Vergangenheit, und sein Tod und seine Rückkehr zu Brahma keine Zukunft. Nichts war, nichts wird sein; alles ist, alles hat Wesen und Gegenwart.»
Siddhartha sprach mit Entzücken, tief hatte diese Erleuchtung ihn beglückt. Oh, war denn nicht alles Leiden Zeit, war nicht alles Sichquälen und Sichfürchten Zeit, war nicht alles Schwere, alles Feindliche in der Welt weg und überwunden, sobald man die Zeit überwunden hatte, sobald man die Zeit wegdenken konnte? ….
Halte das Glück wie einen Vogel,
so leise und lose wie möglich!
Dünkt er sich selbst nur frei,
bleibt er dir gern in der Hand.
Gemeinsam allen Märchen sind die Überreste eines in die älteste Zeit hinaufreichenden Glaubens, der sich in bildlicher Auffassung übersinnlicher Dinge ausspricht.
Dies Mythische gleicht kleinen Stückchen eines zersprungenen Edelsteins, die auf dem von Gras und Blumen überwachsenen Boden zerstreut liegen und nur von dem schärfer blickenden Auge entdeckt werden.
Wilhelm Grimm 1856, Anmerkungen zu den KHM, S. 409
…… und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.
Geduld zu haben mit dem Ungelösten und voll Vertrauen in die Antwort hinein zu leben — das sind wahre Märchenheld(inn)en-Qualitäten !
Tokusan Sengan, Zen-Meister des 9. Jhdts. pCn
siehe auch dieses » chinesische Sprichwort
„Um nun positiv zu werden: das heißt, um das Positive am Rundfunk aufzustöbern; ein Vorschlag zur Umfunktionierung des Rundfunks: Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen.“
Quelle: Bertolt Brecht, ca. 1930, in: Gesammelte Werke in 20 Bänden. Bd. 18, p.127 ff.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
aus: Weissagungen des Bakis.
Karl Julius Schröer (1825-1900) zugeschrieben
Das Zitat stammt aus einem Vortrag Rudolf Steiners am 6. Februar 1913 mit dem Titel “Märchendichtung im Lichte der Geistesforschung”. Schröer war ein von Steiner zu Studienzeiten sehr verehrter Dozent an der Universität Wien. Deshalb vermutet Almut Bockemühl, dass dieses Zitat von Schröer stammt (in: Bockemühl Almut (2006), Die Welt der Märchen, Rudolf Steiner Verlag Dornach).