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Fünf Freunde in einer lockeren Runde: Eine junge Frau freut sich, sie habe gerade fünf ihrer Bilder verkauft. Und jetzt: Wohin mit dem Geld? Bescheiden sind die Vorschläge der Herren, sie solle doch in Uhren investieren oder ihr Glück in Online-Casinos versuchen.
Eine rothaarige Protagonistin schlägt dagegen vor, das Geld in Fonds anzulegen. Trotz ihres jungen Alters, tue sie dies schon lange. Nebenbei einen Bonsai trimmend, rechnet sie vor: «Mit fünftausend Franken hast du bei einer durchschnittlichen Rendite von vier Prozent nach 30 Jahren 16'217 Franken.»
So spielt sich die Szene in einem Werbespot der Postfinance ab. Rechnerisch geht das ganze zwar auf, ob eine Traumrendite von vier Prozent über 30 Jahre realistisch ist, ist fraglich.
Werbespot im juristischen Graubereich
Marc Schwenninger ist Anwalt und Werberechtsexperte. Er erklärt, dass Renditeversprechen in Werbespots grundsätzlich zulässig seien. Allerdings müsste die Postfinance beweisen können, dass sie mit ihren Fonds die angesprochenen vier Prozent auch wirklich erzielen kann.
Für mich tönen diese Renditeversprechen doch schon sehr unrealistisch.
Das zu beweisen dürfte für die Post-Tochter aus verschiedenen Gründen schwierig sein. Auch als Nicht-Finanzexperte schätzt Schwenninger eine Vier-Prozent-Rendite als sehr unrealistisch ein. Ein Blick in die Finanzmarktgeschichte gibt dem Werberechtsexperten recht.
Karsten Döhnert, Finanzmarktexperte an der Hochschule Luzern, hat die Renditen eines ausgewogenen Aktien-Portfolios seit den späten 1920er-Jahren untersucht. Ähnlich setzten sich auch die Anlagefonds der Postfinance zusammen. Die Analyse zeigt, dass mit Aktien oft auch über einen Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren nichts verdient wurde. Der Vergleich zwischen risikobehafteten Aktien und sichereren Anleihen ist noch deutlicher: Oft hat man über einen Zeitraum von 25 Jahren mit Anleihen mehr verdient als mit Aktien.
Hinzu kommt, dass die Postfinance selber noch nicht seit dreissig Jahren im Fondsgeschäft tätig ist. In diesem Zeitraum aus fünftausend Franken mehr als das Dreifache zu machen, das konnte der Finanzdienstleister bisher also noch nicht beweisen.
Der Werbespot bewegt sich in einem juristischen Graubereich, denn beweisen lässt sich die Traumrendite kaum.
Mit Gebühren verdienen Banken noch Geld
Die Postfinance hat ein Ertragsproblem. Sie kann bis jetzt keine Hypotheken vergeben. Dazu kommt, dass die Kundengelder seit der Finanzkrise stark angestiegen sind. Davon parkiert die Postfinance einen Teil bei der Schweizerischen Nationalbank und muss dafür draufzahlen – die Negativzinsen.
Die Postfinance lockt deshalb mit Fondsangeboten. Kunden sollen ihr Geld nicht mehr nur auf dem Konto deponieren, sondern anlegen – am besten in hauseigene Anlagefonds. Hier kann die Post-Tochter Gebühren kassieren. Um das Geschäft anzukurbeln investiert sie kräftig in Werbung. Darunter auch in den TV-Spot mit dem Vier-Prozent-Renditeversprechen. Dieser wurde auch bei SRF ausgestrahlt.
Auf die Fragen von 10vor10 wollte das Unternehmen nur schriftlich Stellung nehmen: «Mit unserem TV-Spot bewerben wir unsere gesamte Fondspalette und keinen einzelnen Fonds. Die Berechnung im Spot stellt kein Renditeversprechen dar. Es handelt sich dabei um ein Beispiel, das die Protagonistin im Kopf ausrechnet. Wie Studien belegen, ist eine Fondsrendite von 4% über eine Laufzeit von 30 Jahren aber durchaus möglich.»
4 Prozent Rendite über 30 Jahre - mit dieser Aussage im Werbespot, geht Postfinance selbst ein Risiko ein.