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Der neue RBS-Bahnhof wird teilweise direkt unterhalb des Bauwerks «PostParc Mitte» gebaut. Damit das schwere Gebäude den künftigen RBS-Bahnhof nicht gefährdet, sind ungewöhnliche Baumassnahmen notwendig.
Viele Pendlerinnen und Pendler, welche am Bahnhof Bern in die RBS-Züge ein- und aussteigen, haben sich bestimmt schon gefragt, was sich hinter jenem gelben Tor unmittelbar beim Gleis 24 neben dem Wartebereich befindet. Womöglich Lagerräume? Abstellgleise von alten Zügen? Oder gar die Goldreserven der Schweiz? Ganz so spektakulär ist die Antwort darauf nicht: Öffnet man diese Pforte, gelangt man in eine vollkommen andere Welt aus Tunnel, Stollen und verzweigten Gängen.
Es handelt sich dabei um ehemalige Stollen der Schanzenpost, die in früheren Zeiten dazu dienten, Briefe und Pakete in die Züge zu verladen. Folgt man diesem Tunnel einige Meter, gelangt man zu einer unterirdischen Baustelle. Diese Baustelle liegt unterhalb der SBB-Gleise an den Stützen des Gebäudes «PostParc Mitte», einem Geschäfts- und Bürozentrum, welches aus der ehemaligen Schanzenpost hervorgegangen ist.
Dass sich diese Baustelle unterhalb des langen Bauwerks befindet, hat einen Grund. Die vier Stützen des Gebäudes stehen direkt über einem Teil des künftigen, unterirdischen RBS-Bahnhofs, welcher vom Installationsplatz Laupenstrasse westlich des Bahnhofs gebaut wird. Die Stützen dienten früher als Liftschächte der ehemaligen Schanzenpost und verbanden den Bahnhof mit dem Post- und Paketzentrum. Beim Bau des PostParc Mitte wurden die Schächte mit Beton aufgefüllt und dienen nun als Fundation des Gebäudes.
Werden unterhalb davon in naher Zukunft die zwei Bahnhofskavernen ausgebrochen, besteht ein Risiko, dass sich das Gebäude durch die Aushubarbeiten absenken und beschädigt werden könnte. Die Last des Gebäudes darf somit nicht über den künftigen Kavernen des RBS-Bahnhofs liegen. Wie aber kann diese Last verlagert werden, ohne dabei das gesamte Gebäude verschieben zu müssen? Die Antwort ist sowohl simpel als auch kompliziert: Man stelle das Gebäude auf eine Art «unterirdischen Tisch».
Das geschieht wie folgt: Aus den ehemaligen Posttunnel im Bereich der vier Gebäudestützen werden weitere Stollen ausgebrochen. Von diesen Stollen werden sogenannte Mikropfähle bis zu 24 Meter tief in den Boden gebohrt. Im Anschluss werden diese Stollen vollständig mit Beton gefüllt.
Schwerer als 77 «Worbla»-Züge
Die so entstehende Konstruktion kann mit einem Tisch verglichen werden. Die betonierten Stollen – bausprachlich «Abfangriegel» genannt – stellen die Tischplatte dar, die Mikropfähle die Tischbeine. Die vier Stützen des Gebäudes sind nun eingespannt auf dem Tisch.
Genaugenommen werden zwei solche Tische erstellt, einer für jeweils zwei Stützen. Unterhalb der Tischplatte, zwischen den Tischbeinen, können anschliessend die Bahnhofskavernen in Etappen ausgebrochen werden, während die Last des Gebäudes seitlich abgeleitet wird. Dabei tragen die zwei Tische zusammen ein Gewicht von circa 7360 Tonnen. Das ist schwerer als 77 Kompositionen der neuen «Worbla»-Züge!
Abtransport mit Zug
Beim Ausbruch der Stollen fällt Aushubmaterial an, das abtransportiert werden muss. Das Material wird dabei in grosse, weisse Säcke abgefüllt. In der Nacht, wenn keine Züge mehr fahren, werden die Säcke mit einem Hubstapler zum RBS-Bahnhof gefahren und dort auf einen Bauzug verladen. Dieser bringt das Material nach Bolligen/Deisswill, wo dieses in Lastwagen verfrachtet und auf verschiedene Deponien abtransportiert wird. Das Ganze muss erledigt sein, bevor am Morgen die ersten Personenzüge fahren.
Und wenn sich die Bauleute nach den Strapazen der Nacht schliesslich auf den Weg ins Bett machen, eilen am Morgen früh bereits wieder die ersten Pendlerinnen und Pendler nichtsahnend am gelben Tor vorbei.