Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03457.jsonl.gz/2382

mehr
wesentlich günstiger arbeiten als jene. Auch die Zuckerfabriken und Raffinerien, die nicht selten 20-40 Dampfmaschinen [* 2] in Betrieb hatten, gehen zur elektrischen Kraftverteilung über, und zwar geht hier die Teilung so weit, daß jede Centrifuge ihren Motor erhält. Der große Wasserverbrauch dieser Fabriken zwingt sie häufig, Brunnen [* 3] in ziemlicher Entfernung von den Gebäuden anzulegen, und da lange Saugleitungen für Pumpen [* 4] meistens Schwierigkeiten im Betriebe machen, ist der Elektromotor wieder die beste Aushilfe; in Brauereien liegen die Verhältnisse ähnlich.
Häufig wird von der elektrischen Kraftverteilung auch da Gebrauch gemacht, wo die üblichen Übertragungsmittel: Transmission [* 5] mit Riemen-, Seil- oder Zahnradübertragung, Schwierigkeiten bieten, oder im Verhältnis zu den Arbeitsmaschinen zuviel Kraft [* 6] absorbieren. In großen Buchdruckereien, z. B. Giesecke & Devrient und J. J. Weber in Leipzig, [* 7] Oldenbourg in München, [* 8] sind in letzter Zeit vielfach derartige Anlagen ausgeführt worden. Die größern Buchdruck- und Steindruckpressen, Kalander [* 9] u. s. w. werden einzeln durch Motoren angetrieben, und da diese jede beliebige Veränderung der Umdrehungsgeschwindigkeit ermöglichen, so fallen alle Wellenleitungsteile weg, was für die Reinlichkeit und Übersichtlichkeit der Arbeitsräume von großer Bedeutung ist; die Unabhängigkeit von jeder Transmission kommt auch der Aufstellung der Maschinen bezüglich Licht, [* 10] Luft und Bedienungsraum zu gute.
Die kleinern Maschinen erhalten meist Gruppenantrieb, d. h. mehrere Maschinen werden in üblicher Weise durch eine gemeinsame Transmission betrieben, die ihrerseits durch einen Elektromotor angetrieben wird. Während sich der Einzelantrieb in den Buchdruckereien, mechan. Werkstätten u. s. w. auch in wirtschaftlicher Beziehung sehr gut bewährt bat, ist man in Webereien wieder davon zurückgekommen (Neugersdorf und Mittweida), weil die vielen hundert kleinen Motoren von weniger als ½ Pferdestärke bei sehr hohem Anschaffungswert einen zu geringen Wirkungsgrad ergeben haben. In Geschäftshäusern, Industriewerkstätten, wo Kraft an Kleingewerbtreidende abgegeben wird, findet die elektrische Kraftverteilung ebenfalls sehr zweckmäßig Anwendung, weil man, abgesehen von den sonstigen Vorzügen, für die Bezahlung nicht mehr auf die immerhin unsichern Schätzungen, sondern auf die Angaben des Elektricitätszählers angewiesen ist; z. B. Geschäftshaus K. F. Köhler in Leipzig.
Auch in der Landwirtschaft, wo man mit kleinen und mittlern Entfernungen zu thun hat, bewährt sich die [* 11] Elektrische Kraftübertragung zum Betrieb verschiedener Arten von Maschinen, wie Dreschmaschinen, [* 12] Häckselmaschinen, Rübenschneider, Schrotmühlen u. s. w. Auch für das Pflügen ist der Elektromotorantrieb mit Vorteil zu verwenden, wie verschiedene Versuche, z. B. in Diedrichshagen bei Warnemünde, ergeben haben. Dort wurde ein Kipppflug nach Art des Zweimaschinensystems der Dampfbodenkultur (s. d., Bd. 4) von zwei an den Seiten des Feldes aufgestellten fahrbaren Windwerken hin und her bewegt, die ihren Antrieb von Wechselstrommotoren erhielten. Dieses elektrische Pflügen stellte sich beinahe doppelt so billig als das Pflügen durch Pferde. [* 13]
Die Vielseitigkeit der Anwendung der elektrischen Kraftverteilung illustriert die beigeheftete Tafel: Elektromotorischer Antrieb, in welcher bei jedem einzelnen Beispiel der Elektromotor mit E bezeichnet ist. Bei feststehenden Arbeitsmaschinen, von denen [* 1] Fig. 2, 4 und 5 der Tafel Beispiele geben, werden durch den elektromotorischen Antrieb die lästigen und für den Arbeiter gefahrvollen Treibriemen sowie die übrigen geräuschvollen, teuren und raumbeengenden Transmissionsteile vermieden. Bei Arbeitsmaschinen, die ihren Ort oft wechseln, wie die in [* 1] Fig. 1, 3 und 6 dargestellten, macht eine Ortsveränderung beim elektrischen Antrieb wegen der leicht verlegbaren Zuleitungsdrähte bedeutend weniger Umstände als bei andern Kraftübertragungssystemen, wo schwere Transmissionen oder Rohrleitungen abzuändern waren.
|Es werden jetzt auch vielfach Projekte bearbeitet, die den Fortfall des Kohlentransportes bezwecken; am Fundort der Kohlen sollen große Dampfanlagen errichtet und den in der Nähe liegenden Fabriken die nötige Kraft in elektrischer Form zugeführt werden. Da der Kohlentransport für minderwertige Kohle mit geringem Heizwert erheblich ins Gewicht fällt (z. B. zahlen einige große Etablissements mehrere hunderttausend Mark Fracht für Kohlen im Jahre), so erscheinen die Projekte nicht so aussichtslos, als es im ersten Augenblick erscheinen mag.||(S. auch Wasserkraftanlagen.)|