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Mit der Eröffnung des ersten Bahnhofs im Jahr 1859 war das Mittelalter in Luzern beendet. Nicht nur der Tourismus erlebte einen raschen Aufstieg, auch Industrie und Gewerbe entdeckten Luzern. Vor allem auf der linksufrigen Seite der Stadt – dort, wo der Bahnhof stand – nahm der Siedlungsdruck zu.
1867 legte der Stadtrat einen „Plan zur Erweiterung der Stadt Luzern“ vor, der am 1. September 1870 in Kraft trat. Er bestimmte die Hirschmattstrasse als Querstrasse zur Pilatusstrasse, zudem legte er die Baulinien für den Verlauf der Theater- und Seidenhofstrasse fest. 1882 fixierte er die Inselistrasse (Habsburgerstrasse) als weitere Hauptachse. Damit waren die Grundzüge der Quartiererschliessung vorgegeben.
1895, ein Jahr vor der Eröffnung des neuen Bahnhofs und der Entfernung der Bahngleise aus der Pilatusstrasse, initiierte der Stadtrat einen Wettbewerb für einen Stadtbauplan für den neuen Stadtteil. In der Ausschreibung hielt er fest: „Neben rationell angelegten Strassen – die derart zu dimensionieren sind, dass für die anstossenden Baugebiete in reichlichem Masse Luft und besonders Licht Zutritt haben – ist auch auf die Schaffung grösserer öffentlicher Plätze und Anlagen in angemessenem Umfange Bedacht zu nehmen.“
In der Folge wurden 26 Vorschläge eingereicht. Siegreich war der Stadtbauplan von Robert Winkler und von Heinrich Meili-Wapf. Winkler war der Direktor der Pilatusbahn und Schwiegersohn des Grossgrundbesitzers in der Hirschmatt, Rudolf-Alois Kauffmann-Barth. Meili-Wapf war der Chefarchitekt der Gotthardbahn, später baute er das Hotel Palace auf dem Bürgenstock (1904), das Hotel Palace in Luzern (1906) und das Hotel Semiramis in Kairo (1907), alles Werke des Hotelkönigs Franz Josef Bucher-Durrer. Er war auch der Vater von Armin Meili, dem Architekten des Stadtbauplanes von 1933 und des Kunst- und Kongresshauses von 1933.
Winkler und Meili-Wapf hatten das Grundmuster des Erschliessungsplanes von 1882 übernommen. Sie bestimmten die Pilatus-, Hirschmatt-, Central- und Moosstrasse als Hochleistungsstrassen und legten ein schachbrettartiges Muster über das Quartier (wie auch über die Himmelrichmatte, das Tribschenmoos und die Sälimatte).
Sie planten vier- bis sechsstöckige Blockrandbebauungen mit einer Maximalhöhe von 18 Metern und mit grosszügigen Innenhöfen, die für Luft und Licht sorgen sollten. Gleichzeitig entwarfen sie unterschiedlich grosse Strassenblöcke, um die Monotonie des Schachbrettmusters zu durchbrechen und eine grösstmögliche architektonische Vielfalt zu ermöglichen. Ausschlaggebend für die Prämierung war aber, dass Winkler und Meili-Wapf auf dem Areal des Gaswerkes, dessen Verlegung bereits beschlossene Sache war, eine grüne Lunge planten – den Sempachergarten.
1897 trat der Stadtbauplan in Kraft. Kurz zuvor, am 2. November 1896, war die Bahnlinie in der Pilatusstrasse stillgelegt worden. Wie tiefgreifend die nachfolgenden Veränderungen waren, lässt sich aus einer Quartierchronik von 1949 herauslesen. Dort heisst es: „Jener Allerseelentag von 1896, an dem die alten Eisenbahnschienen vergeblich auf heranrollende Züge warteten und sofort mit der Entfernung der blanken Schienenstränge begonnen ward, ist baugeschichtlich Luzerns bedeutendstes Datum. Jetzt war die Tür zur anbrechenden Ausdehnung der ‚mindern statt‘ weit offen.“
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