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Die evangelisch-reformierte Kirche in Ramsen hat eine besondere Geschichte. (uw)
Evangelisch-reformierte Kirche Ramsen
Bauruine, Bethaus, Kirche – Stationen des evangelisch-reformierten Gotteshauses in Ramsen. Fast drei Jahrhunderte mussten die reformierten Ramser wegen den politischen Verhältnissen darauf warten. Am 1. Advent 1839 konnten sie endlich ihre Kirche einweihen.
Es sollte ein Schul- und Bethaus werden, aber Schule wurde wohl nie darin gehalten. Beinahe wäre es als Bauruine verkommen, aber schliesslich konnte das evangelisch-reformierte Bethaus in Ramsen als Kirche eingeweiht werden. Was wir über die baulichen Anfänge wissen, verdanken wir dem Bericht des Steiner Diakons Salomon Vögeli über die Verhältnisse von Schule und Kirche in Ramsen Ende des 18. Jahrhunderts.
Sonderbare Fügungen
1792 legten die reformierten Ramser 1'000 Gulden zusammen, um ein Schul- und Bethaus zu bauen und schafften alle Baumaterialien durch Frondienste herbei. Zürich, das seit 1770 die Landeshoheit über Ramsen hatte, steuerte weitere 600 Gulden bei und Stein 200 Gulden. Die Bauleitung übertrug man dem damaligen Amtmann Wertmüller, einem Zürcherischen Beamten in Stein. Dieser liess aber «statt eines Schulhauses ein eigentliches Kirchengebäude» bauen, «welches nun mehrere Jahre hindurch zum Spotte der Katholiken unvollendet und zwecklos dastehen musste». Wie es dazu kam, dass der Amtmann ein eigentliches Kirchengebäude bauen liess und warum es vorerst unvollendet und zwecklos blieb, verrät uns der Bericht des Steiner Diakons von 1798 leider nicht.
Als 1796 Zürcherische Soldaten in Ramsen stationiert waren, um die Grenzen zu schützen, erhielt Diakon Vögeli den Auftrag, «in diesem neuerbauten Bethause eine Garnisons- und zugleich gewissermassen eine Einweihungspredigt zu halten». Von da an wurde einmal im Monat an einem Sonntag freiwillig Gottesdienst gehalten und Religionsunterricht erteilt, «teils um der Religionsfreiheit dieser Gemeinde immer mehr aufzuhelfen, teils um dieses, durch so sonderbare Fügungen angefangene Werk nicht wieder untergehen zu lassen und endlich um an der Sittlichkeit und Religiosität der von ihrer Pfarrkirche so weit entfernten Gemeinde so viel wie möglich zu arbeiten». Diakon Vögeli schloss seine Ausführungen mit der Hoffnung: «Möchte doch diese neue Ordnung der Dinge den innigen Wunsch und das eifrige Bestreben dieser Gemeinde nach einem ihr so nötigen eigenen oder doch näheren Seelsorger in segensreiche Erfüllung bringen können». Seine Hoffnung sollte Wirklichkeit werden.
Aufgeteiltes Kirchengut
Im Zuge der Neugestaltung der damaligen Eidgenossenschaft unter französischer Herrschaft kam Ramsen 1803 zum Kanton Schaffhausen. 1809 ernannte der Schaffhauser Regierungsrat den Steiner Diakon Paul Blaschek zum Seelsorger der reformierten Ramser und erlaubte ihnen in ihrem Bethaus öffentliche Gottesdienste und alle kirchlichen Amtshandlungen. Damit mussten sie für Taufen, Trauungen und das Abendmahl nicht mehr in die Stadtkirche nach Stein und für Gottesdienste nicht mehr ins Schulhaus nach Hemishofen gehen. Trotzdem waren die Reformierten noch Mitglieder der katholischen Pfarrei Ramsen und dieser steuerpflichtig. 1838 entschied der Schaffhauser Regierungsrat, dass zwei unabhängige Kirchgemeinden gebildet und die vorhandenen Gebäude, Grundstücke und Finanzen auf Reformierte und Katholiken aufgeteilt werden sollten. Die Aufteilung des Kirchengutes erfolgte noch im gleichen Jahr. Mit dem aufgeteilten Kirchengut und mit Spenden konnten die reformierten Ramser im folgenden Jahr ihr Bethaus zur Kirche umbauen und einen Friedhof anlegen.
Das Kirchenschiff erhielt einen neuen Dachstuhl mit Glockenturm. Die Fenster wurden erhöht und erhielten oben ihre leichte Bogenform. Eine Empore wurde eingebaut und vermutlich auch die Kanzel. Am 1. Advent, der im Jahre 1839 auf den 1. Dezember fiel, konnte die evangelisch-reformierte Kirche Ramsen eingeweiht werden. Über die Feier ist leider nichts bekannt. Wohl aber werden die neuen Glocken geläutet und ihre Botschaft im Land verbreitet haben. Auf der grossen Glocke steht das Bibelwort: «Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters u. die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sey mit uns. Amen.» Auf der kleinen Glocke steht das Bibelwort: «Ehre sey Gott in der Höhe und Friede auf Erden.»
Weitere Informationen – unter anderem zu den farbigen Kirchenfenstern – finden Sie auf www.ref-sh.ch/ramsen-buch unter «Geschichtliches Ramsen».
Pfr. Urs Wegmüller
Die grosse und die kleine Glocke wurden 1839 gegossen. (uw)