Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03634.jsonl.gz/2938

Gestört wurde dieser Frieden durch das plötzliche Auftauchen der Firma Ed. Sollerals neuer Konkurrent. Laut Polizeiinspektorat wurden dem neuen Betrieb "irrtümlicherweise" bereits auf Jahresmitte 1911 vier Konzessionen erteilt. Soller gewann gegenüber den bisherigen Platzherren einen gewichtigen Vorteil. Durch den Einsatz der deutschen "Benz Mannheim"- Taxiwagen und "Bergmann Metallurgique" Gaggenau-Tourenwagen konnte er die Grenzen ins benachbarte badische und elsässische Ausland ungestört passieren, wogegen Settelen und Keller bei einem Grenzübertritt ihre Franzosenautos verzollen, resp. den Zollbetrag hinterlegen mussten. Besonders profitierte Soller von dieser Regelung nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Aus militärischen Gründen führte die Badische Bahn ihre Personzüge nur noch bis zur Leopoldshöhe. Er besorgte den Weitertransport von Personen und Gepäck in die Stadt. Der Erfolg seiner Taktik lässt sich aus den erteilten Konzessionen während der Kriegsjahre ablesen. 1915 betrieb er gleichviel Fahrzeuge wie Keller und Settelen zusammen, die ihre Flotte reduziert hatten. Wie Soller zu den notwendigen Betriebsstoffen kam, bleibt bis heute schleierhaft. Wie bereits im "perseenlig" Sommer 2002 geschildert, war die Versorgung der Schweiz mit Benzin und Reifen während des Ersten Weltkrieges prekär, speziell nach dem Kriegeintritt Italiens am 25. Mai 1915. Beim Bezug von Benzin hatte die Armee absolute Priorität. Anstelle von Benzin betankte Settelen seine Fahrzeuge häufig mit Brennsprit, Leuchtpetrol und dem hochgiftigen Benzol. Da die Zündwilligkeit dieser verschiedenen Treibstoffe extrem unterschiedlich ist, wurde den Chauffeuren nicht nur viel Fingerspitzengefühl bei der dauernden Regulierung des Treibstoff/Luft-Gemisches und des Zündzeitpunktes sondern auch eine kräftige Muskulatur beim Anwerfen der Motoren abverlangt! Katastrophal war die Versorgung mit Pneus. Nachdem die Eidgenossenschaft in einem Gegengeschäft vom Kaiserreich "Argus"-Flugmotoren gegen Pneus erworben hatte, verhängten die Alliierten gegenüber der Schweiz ein 100% Kautschuk- Embargo. Entsprechend teuer wurde das Taxifahren. In verschiedenen Schritten, manchmal halbjährlich, wurden die Tarife von Fr. 1.20 für den ersten Kilometer auf Fr. 2.13 angehoben. 1920, als sich die Versorgungslage normalisiert hatte, verfügten alle drei Taxihalter über je 10 Konzessionen. Nach Kriegsende lag Deutschland wirtschaftlich am Boden, und nachdem nun das Elsass wieder französisch geworden war, bediente Settelen dieses Gebiet. Er versandte seinen Taxi-Kalender bis nach Mühlhausen. Ab 1923 harzte dieser Grenzverkehr wieder, als auf Druck der wieder erstarkten Mühlhausener Kollegen der französische Zoll die Basler Taxis zu schikanieren begann. Obwohl die Wirtschaft nach einer kurzen Rezession im Verlaufe der 1920er Jahre wieder in Fahrt kam, ging die Rechnung bei Soller offensichtlich nicht mehr auf. Er verkaufte am 12. Januar 1923 seinen Taxi-Betrieb für Fr. 20'000.- an Keller und Settelen, die die Konzessionen je hälftig auf sich übertragen liessen. Die übernommenen acht arg verschlissenen Fahrzeuge wurden umgehend weiter verkauft, vier weitere gingen wohl direkt auf den Abbruch. Zusätzliche neue Fahrzeuge beschaffte Settelen nicht. Personalübertritte wurden in den Settelen Personalverzeichnissen keine vermerkt, Soller musste wohl sein gesamtes Fahrpersonal auf die Strasse gestellt haben!