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Körpereigenes Immunsystem und COVID-19
Viele COVID-19-Patienten haben nur leichte Erkältungssymptome. Einige Infizierte entwickeln aber schwere Organkomplikationen wie Lungenentzündung oder Niereninsuffizienz. Seit Kurzem gibt es Hinweise, dass bei COVID-19-Infektionen das angeborene Immunsystem zu diesem Organversagen beiträgt.
Hintergrund
Bei einer SARS-CoV2-Infektion wird das körpereigene Immunsystem stark aktiviert, vor allem die Plasmaproteine (Bluteiweiss, Komplemente) und die neutrophile extrazelluläre Fangmatrix (NET). Bleiben diese inneren Abwehrmechanismen auch ohne das Virus aktiviert, verursachen sie schwere lokale und systemische Entzündungen. Diese «Kollateralschäden» – lokale Entzündungen der Kapillargefässe mit Thrombosen sowie Entzündungen im gesamten Körper – sind entscheidend an dem bei COVID-19-Patienten auftretenden Organversagen beteiligt.
Forschungsziele
Dieses Projekt identifiziert die Plasmaproteine (Komplemente) und die Fangnetze bildenden Neutrophile als Hauptursachen für lokale und systemische Entzündungen, die zur Verstopfung kleinster Blutgefässe und schliesslich zu Organversagen führen. Die Analyse der beteiligten Aktivierungswege soll uns helfen, gezielte Therapien zu entwickeln, um die Aktivierung von Plasmaprotein und Neutrophilen zu unterbinden und somit einem durch die «Kollateralschäden» bedingten Organversagen vorzubeugen bzw. dieses abzumildern.
Erwartete Ergebnisse und Produkte
Wir decken den Mechanismus auf, der Plasmaproteine und netzbildende Neutrophile während einer COVID-19-Infektion aktiviert, und zeigen die zentrale Rolle dieser Faktoren bei der Entstehung von Entzündungen und Thrombosen in Kapillargefässen. Ausserdem zeigen wir auf, dass vor allem die von den Plasmaproteinen und Neutrophilen verursachten «Kollateralschäden» für das Organversagen verantwortlich sind.
Ausgehend von unseren Ergebnissen können wir feststellen, für welche COVID-19-Patienten die speziell auf Plasmaproteine und/oder netzbildende Neutrophile gerichteten Therapien geeignet sind. Dieser Ansatz trägt dazu bei, Entzündungen und Organschäden zu vermeiden und die Mortalitätsrate zu senken.
Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Pandemie
Die wenigsten COVID-19-Patienten erleiden Organversagen und müssen auf einer Intensivstation behandelt werden. Allerdings bleiben schwer erkrankte COVID-19-Patienten länger auf der Intensivstation als andere Schwerkranke, was für die Stationen eine enorme Belastung der Infrastruktur und des Personals bedeutet. Beugt man schweren Organschäden durch gezielte und frühzeitige Intervention vor, müssen weniger an COVID-19 erkrankte Personen intensiv versorgt werden. Damit verringert sich auch die Belastung der Intensivstationen.
Originaltitel
Devils dance: complement, NETs and thrombosis in COVID-19