Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03655.jsonl.gz/847

Ich gestatte mir, Ihnen in der Anlage einen Auszug2 aus den Verhandlungen der badischen Ständeversammlung zu übermitteln, woselbst über die Tätigkeit der Schweizerbanken debattiert worden ist. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass Cirkulare verschickt worden sind, die vielleicht nicht ganz klug abgefasst waren und zu Kritik Anlass gaben. Der beiliegende Auszug stammt von unserer Gesandtschaft in Berlin.
Anlässlich des gestrigen Bankettes der internationalen Vereinigung für das Ausstellungswesen haben sich auch mir gegenüber Herr Senator Dupont und Herr Chapsal, gewes. Direktor im französischen Handelsministerium ganz spontan über den gleichen Gegenstand geäussert und von einer wahren Bearbeitung des französischen Publikums durch Cirkulare von Schweizerbanken aufmerksam gemacht, die mit allen Finessen die französischen Kapitalisten auf die Möglichkeit der Umgehung der Steuerverpflichtung aufmerksam machen. Ich habe evasiv geantwortet, die belgischen Banken machen eine grosse Propaganda in Frankreich u.s.w. Man antwortete mir aber, der Abfluss von Kapital nach Belgien sei namentlich seit der neuesten belgischen Steuergesetzgebung nicht mehr bedeutend, wohl aber die Auswanderung nach der Schweiz.
Ich gebe Ihnen von diesen Mitteilungen Kenntnis zu gutfindender, immerhin diskreter, Verwendung in Bankkreisen. Ich tue es speziell, weil vielleicht einzelne Banken im Übereifer bei der Redaktion ihrer Cirkulare unvorsichtig waren. Sie können am besten erwägen, ob es auf irgend einem Wege, z.B. durch die Bankvereinigung, möglich ist, vor Unvorsichtigkeiten zu warnen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass man in Paris Mittel und Wege sucht, um die ausgewanderten Kapitalien auf irgend eine Weise zu erfassen. Unter solchen Umständen ist es vielleicht nicht gerade klug, wenn in Cirkularen direkt auf die Umgehung der französischen Steuer hingewiesen wird.