Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03604.jsonl.gz/1875

Pro Jahr hat die Branche um 20 Prozent zugelegt. Weltweit beträgt das in solchen Fonds angelegte Vermögen inzwischen annähernd 6 Billionen US-Dollar. Und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen: In fünf Jahren könnte sich das weltweite ETF-Vermögen auf 12 Millionen US-Dollar verdoppelt haben, schätzt etwa Ed Gordon vom ETF-Anbieter iShares.
Beginn in den 1970er-Jahren
Die ersten ETFs kamen in den 1970er Jahren in den USA auf den Markt. In den meisten Fällen sind diese Investmentfonds passiv verwaltet und bilden schlicht einen bestimmten Index ab. Ab den späten 80er Jahren nahm das Wachstum der Branche dann Fahrt auf.
Damals hiessen Indexfonds aber noch nicht ETFs, sondern wurden als Cash Index Participations (CIPs) und Index Participation Shares (IPS) bezeichnet, die an der American Exchange (AMEX) und an der Börse in Philadelphia notiert waren.
Passive Indexfonds setzten sich zunächst vor allem in den USA durch. Speziell institutionelle Investoren bedienten sich dieser neuen Anlageform.
Anlagevermögen verhundertfacht
Ihren Durchbruch schafften ETFs allerdings erst um die Jahrtausendwende, als sie in der Schweiz, Deutschland, Schweden, Grossbritannien und Israel zugelassen wurden. Es dauerte nochmals einige Jahre, bis auch spezialisierte ETFs und noch später dann Themen-ETFs auf den Markt kamen. Im Zeitraum zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2007 verhundertfachte sich das Anlagevermögen in Indexfonds.
Fragt man die Experten, warum ETFs so ein rasantes Wachstum gesehen haben und weiterhin sehen werden, werden zwei Faktoren von allen genannt: Sie sind günstig und transparent.
Günstiger als aktive Fonds
«ETFs sind günstiger zu haben als herkömmliche Fonds», erklärt etwa Markus Fuchs vom Branchenverband Swiss Funds & Asset Management Association (SFAMA). Tatsächlich entfallen bei den passiven Produkten Ausgaben für das Management oder auch der Ausgabeaufschlag, da die ETFs direkt über die Börse und eben nicht die Investmentgesellschaft gehandelt werden.
Damit sind sie laut Fuchs auch liquider und einfacher handelbar. "Darüber hinaus sind ETFs sehr transparent, der Investor weiss jederzeit, welche Wertschriften in einem ETF gehandelt werden," sagt der Geschäftsführer der SFAMA weiter.
Gewünschter Mehrwert blieb aus
Einen weiteren Grund für den wachsenden Zulauf sehen Experten wie Thomas Gitzel von der VP Bank darin, dass aktiv geführte Fonds in der Vergangenheit oft nicht den gewünschten Mehrwert geschaffen haben.
«Investoren haben sich vor allem von jenen aktiv gemanagten Fonds abgewandt, bei denen die Entwicklung die mitunter hohen Gebühren nicht mehr gerechtfertigt hat», ergänzt Nima Pouyan von Invesco. Gerade diese Fonds hätten für eine Bewegung hin zu den günstigeren ETFs geführt.
Wie weitere Experten beobachtet haben, gibt es zwar einen generellen Trend hin zu passiven Anlagen wie ETFs, aber «passiv ist kein Wundermittel.» Zentral sei zwar die passive Anlagestrategie, aber für welche genau sich ein Investor entscheide, sei dann wieder ein aktiver Entscheid, erklärt der Fondsanbieter Swisscanto. Die Experten rechnen damit, dass es im Laufe der Zeit zu einem Gleichgewicht zwischen aktiven und passiven Anlagen kommen werde. «Wird hingegen zu viel passiv investiert, könnte das einen Einfluss auf die Effizienz der Märkte haben.»
ETFs verstärken Kursausschläge
Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank sieht das ähnlich: «Das Risiko der ETFs rührt vom passiven Indexieren her. Je mehr Anleger nur noch in Indizes handeln, desto grösser sind die Kursausschläge in den einzelnen Aktien.» Der Herdentrieb werde grösser, da weniger titelspezifische Gegenpositionen eingenommen werden.
Für den SFAMA-Geschäftsführer Fuchs steht die Nagelrobe für Indexprodukte noch aus. «Die potenziellen systemischen Risiken von ETFs für die Marktstabilität kommen zunehmend in den Fokus der Regulatoren.» Sie wollten verhindern, dass der nächste Unfall der Finanzindustrie durch ETFs ausgelöst werde.