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Der EZB-Chef ist bereit, das Bondkaufprogramm zu beenden. Das sagen Ökonomen in einer Bloomberg-Umfrage.
Mario Draghi ist bereit, das Bondkaufprogramm der Europäischen Zentralbank zu beenden, selbst wenn er eine diesbezügliche Entscheidung um eine weitere geldpolitische Sitzung aufschiebt.
Fast ein Drittel der befragten Ökonomen prognostiziert, dass der EZB-Präsident nach der Ratssitzung in dieser Woche ein Enddatum für die Käufe festlegen wird, und 46 Prozent sagten, dass er dies auf der Sitzung im Juli tun werde.
In jedem Fall sind die Analysten zuversichtlich, dass die Käufe in diesem Jahr auslaufen werden, insbesondere nachdem Direktoriumsmitglied Peter Praet einen Bericht von Bloomberg News bestätigte, in dem er signalisierte, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger ihre ersten umfassenden Gespräche darüber führen würden, ob sie beim Stimulus-Instrument den Stecker ziehen werden.
«Es könnte gut sein, dass wir eine formelle Ankündigung im Juni statt im Juli haben werden, wie ich es vor Praets Rede erwartet hatte», sagte Annamaria Grimaldi, Volkswirtin bei Intesa Sanpaolo. «Wenn sie auf der super-vorsichtigen Seite sein wollen, könnten sie bis zum 26. Juli warten. Allerdings ist Praet der letzte einer Reihe von Mitgliedern, die durchblicken ließen, dass die Markterwartungen bezüglich einer Beendigung des Aktiva-Kaufprogrogramms in diesem Jahr realistisch sind.»
Sitzung in Lettland
Eine Entscheidung, das Anleihekaufprogramm zu beenden, wäre für Draghi der erste Schritt aus dem Krisenbewältigungsmodus. Die Sitzung am 14. Juni in Lettland - eine der gelegentlichen Sitzungen außerhalb von Frankfurt - kommt vier Jahre nach dem Monat, als die EZB als erste grosse Zentralbank die Zinsen unter Null gesenkt hatte. Es folgten günstige Kredite an Banken und Aktiva-Käufe, die bis September insgesamt 2,6 Billionen Euro erreichen werden.
Die Ökonomen prognostizierten, dass die Zentralbank in den letzten drei Monaten des Jahres 2018 Anleihen in Höhe von 38 Milliarden Euro zur quantitativen Lockerung hinzufügen und die Erlöse aus fällig werdenden Bonds für weitere zwei bis drei Jahre reinvestieren wird.
Die EZB hinkt immer noch Jahre hinter der Federal Reserve her bei der Rücknahme der Notfallmassnahmen. Die US-Notenbank hat 2015 langsam begonnen, die Fremdkapitalkosten zu erhöhen, und steuert in diesem Jahr auf mindestens zwei weitere Zinserhöhungen zu.
Sorgen um Italien und Handelskonflikt
Zwar hat Praet sein Vertrauen in den Konjunkturaufschwung des Euroraums bekräftigt und signalisiert, dass die Inflation an Fahrt gewinnt, jedoch müssen die geldpolitischen Entscheidungsträger eine Vielzahl von Risiken berücksichtigen. Ökonomen nannten die politische Unsicherheit in Italien und einen globalen Handelskonflikt als die beiden wichtigsten Sorgen.
Die italienischen Anleihemärkte wurden vorletzte Woche erschüttert, als es danach aussah, dass das Land auf Neuwahlen zusteuerte, die als Referendum über die Euro-Mitgliedschaft angesehen werden könnten. Zudem hat die letztendlich gebildete Regierung immer noch das Potenzial, mit der Europäischen Union wegen hoher Ausgabenpläne in Konflikt zu geraten.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump, die bereits in Handelsspannungen mit China verwickelt war, verhängte am 31. Mai Stahl- und Aluminiumzölle für die EU, Kanada und Mexiko.
Beide externen Bedrohungen wurden in der Umfrage als schwerwiegender eingestuft als die inländische Konjunkturabschwächung des Euroraums in diesem Jahr. Jedoch setzten sich die schlechten Nachrichten am Freitag in Deutschland fort, die größte Volkswirtschaft des Euroraums verzeichnete im April einen überraschenden Rückgang der Industrieproduktion.
Erste Zinsschritte
Die Umfrage signalisiert, dass der erste Zinsschritt der EZB darin bestehen wird, den Einlagensatz bis zum zweiten Quartal 2019 von minus 0,4 Prozent auf minus 0,25 Prozent anzuheben. Bis zum dritten Quartal 2019 wird eine Erhöhung des Hauptrefinanzierungssatzes von derzeit Null erwartet. Die Zeitpunkte dieser beiden Prognosen sind gegenüber der vorherigen Umfrage vom April unverändert.
(bloomberg/mlo)