Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03565.jsonl.gz/535

- Details
- Erstellt: Donnerstag, 28. März 2013 01:00
- Veröffentlicht: Donnerstag, 28. März 2013 01:00
Das Hornussen
Das zu den Schlagspielen gehörende Hornussen erscheint kurz nach 1600 in den Quellen. Auch hier bildete das Emmental eine Kernzone des Wirkungsbereichs. Walter Schaufelberger weist frühe Parallelen im Wallis (Tsara) und Graubünden (Hora, Gerla) nach. Albert Spycher berichtet vom Gilihüsine in Betten. Bei allen Varianten ging es darum, einen Flugkörper (Knochen, Wurzelstück) mit dem Schlag einer festen Gerte in ein Zielfeld zu treiben. Die Gegnerschaft versuchte, das Geschoss mit vorgehaltenen oder hochgeworfenen Schindeln zu stoppen. Dass ursprünglich Körper- und Kopftreffer besonders gewertet wurden, stellt den Zusammenhang zu älteren Kriegsspielen her, bei denen die Schindel eine Schildfunktion hatte.
Heute wird die Sportart v.a. im Bernbiet ausgeübt. Beim modernen Mannschaftsspiel befördert der Schläger den Hornuss, einen 78 g schweren Kunststoffkörper, mit dem elast. Schwungstecken vom Abschlagbock in Richtung des gegner. Feldes (Ries), das 100 m nach dem Bock beginnt (Tiefe: 180 m, Breite: zunehmend von 8 auf 14 m). Die dort verteilten sog. Abtuer versuchen, den Hornuss mit vorgehaltener oder hochgeworfener Schindel aufzuhalten. Sechs Kampfrichter stellen fest, bei welcher Distanz die Flugkörper unschädlich gemacht werden oder ob sie im Ries landen, was besondere Strafpunkte für die Abtuer nach sich zieht. Aus diesen Angaben wird die Wertung für den einzelnen Schläger und das Total für die schlagende Partei abgeleitet. Der Schlagende hat zwei mal zwei Versuche. Haben alle Spieler geschlagen, wechselt das Schlagrecht.
Die je nach Stärkeklasse 16-18 Mann starken Teams, sog. Gesellschaften, verfügen meist über ein eigenes Spielfeld. Während der Saison, die Meisterschaften in der Gruppen-, Verbands- und Eliteklasse sowie interkant. Begegnungen und das im Dreijahresturnus abgehaltene Eidg. Hornusserfest (erstmals 1903 in Heimiswil ausgetragen) umfasst, wird oft täglich trainiert. 2005 waren 271 Gesellschaften registriert. (Text aus dem Historischen Lexikon der Schweiz)
Begriffe rund um das Hornussen
Hornuss/Nouss
Ursprünglich aus Holz oder Horn gefertigte Scheibe, welche ins Ries geschlagen wird. Der Begriff „Hornuss“ leitet sich vom Wortstamm Horn ab. Den gleichen Wortstamm haben verschiedene ausgestorbene Spiele wie Hürnen, Hora schlagen, Horniggle, Horranus etc. Die Nouss wird heute aus Kunststoff hergestellt (Spritzguss).
Ries
Trapezförmiges Spielfeld von 200m Länge. Das Spielfeld beginnt 100m vom Abschlagort (Bockstand) und hat dort eine Breite von 10 Meter, 300m vom Abschlagort ist die Breite 15 Meter. Die Länge des Spielfelds ist vom Spielmodus abhängig.
Stecken
Ursprünglich Weidenrute mit am Ende befestigtem runden Hartholzklotz (Träf). Heute meist aus Karbonfaser oder Fiberglas gefertigt.
Träf
Runder Klotz aus gepresstem Hartholz.
Bock
Abschlagrampe aus Aluminium oder Stahl.
Schindel
Abfangschaufel (in der Form ähnlich einer Bäckerschaufel). Wird verwendet, um den fliegenden Nouss vor dem Fall auf den Boden zu stoppen.
Streich
Einzelner Schlag
Gesellschaft
Mannschaft, bestehend aus mehreren Spielern, wovon (je nach Spielmodus) 16–20 an einem Spiel teilnehmen.
Nummero
Nouss, der nicht durch Schindel gestoppt wird, sondern innerhalb des Spielfeldes zu Boden kommt. Zählt für die Bewertung der Mannschaftsleistung.
Punkte
Schlagweite der Streiche über 100 Meter (pro zusätzliche 10 Meter ein Punkt). Wird für Bewertung der Einzelleistung und der Mannschaftsleistung verwendet. Mannschaften der Nationalliga A erzielen in einem Spiel zwischen 1300 und 1100 Punkte, Mannschaften der Nationalliga B zwischen 1200 und 1000 Punkte.
|4 Punkte:||Mehr Schlagpunkte und keine Nummer|
|2 Punkte:||Mindestens eine Nummer und trotzdem Spiel gewonnen|
|1 Punkt:||Mehr Nummern als der Gegner, aber mehr Schlagpunkte|
|0 Punkte:||Weniger Schlagpunkte und mehr Nummern|
Stärkeklasse
Anhand der Festresultate berechnete Spielstärkeklasse einer Mannschaft. Wird für die Einteilung bei Hornusserfesten verwendet. Nicht zu verwechseln mit der Ligazugehörigkeit (Meisterschaft).