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Als erster Schritt sollte immer ein länderspezifisches Reiseprofil mit allen Mittelmeerkrankheiten gemacht werden damit klar ist, ob der Hund noch andere Mittelmeerkrankheiten im Gepäck hat, denn diese können sich auch auf die Leishmaniose auswirken. Ausserdem kann z.B. Ehrlichiose ein ähnlich schlechtes Blutbild auslösen.
Ein Hund der unter einer medikamentösen Therapie steht, sollte durch engmaschige Laborkontrollen überwacht werden. Es empfiehlt sich alle 3 Monate ein grosses Blutbild inkl. Organwerte, eine Eiweisselektrophorese (EEP) sowie eine Urinkontrolle durchzuführen. Je nach Verlauf und Stabilität des Hundes kann die Blutuntersuchung auch alle 6 Monate gemacht werden, dies empfiehlt sich aber erst zu einem späteren Zeitpunkt.
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es leider kein Medikament, welches zu einer kompletten Elimination des Parasiten führt.
Allopurinol
Allopurinol ist das Medikament erster Wahl, es hilft den Hund zu stabilisieren und die Leishmanien weitgehend zurückzudrängen. Dieses Medikament ist nicht als Dauermedikation gedacht und das Ziel wäre es, dass der Hund ohne Allopurinol die Leishmaniose selber kontrollieren kann. Es wird empfohlen Allopurinol bei ersten Symptomen (innerlich / äusserlich) einzusetzen und mind. 6-12 Monate weiter zu geben (engmaschige Laborkontrolle wichtig!). Gewisse Hunde können bei stabilen Blutwerten danach Allopurinol absetzen. Leider gelingt dies nicht immer, es gibt Hunde die sehr lange dieses Medikament einnehmen müssen. Auch gibt es Hunde bei denen Allopurinol nicht ausreicht und die Leishmanien sich weiter vermehren und sich ausbreiten, zu diesem Zeitpunkt erfolgt der Einsatz eines „Leishmanizids“ siehe weiter unten.
Allopurinol darf und sollte in Kombination mit Miltefosin oder Glucantime eingesetzt werden!
Wirkung
Leishmanien können im Gegensatz zu Hunden Purine nicht selber herstellen, sind jedoch auf Zwischenstufe (Hypoxanthin) von ihrem Wirten angewiesen. Allopurinol ist von der Struktur her sehr ähnlich wie Hypoxanthin und wir somit von den Leishmanien in ihren Organismus aufgenommen. Wenn die Leishmanien Allopurinol verstoffwechseln, entsteht eine schädliche Verbindung welche zu einer Störung der Vermehrung von Leishmanien führt. Die Parasiten werden in ihrer Vermehrung gehemmt jedoch nicht wie z.B. bei Glucantime oder Miltefosin eliminiert. Falls eine Monotherapie mit Allopurinol erfolgt und das Medikament aufgrund guter, stabiler Blutwerte abgesetzt werden kann, ist es sehr wichtig, dies langsam zu tun, da es sonst zu einer erneuten Erhöhung der Parasiten im Organismus des Hundes führen kann.
Wechselwirkung
Es sind Wechselwirkungen zwischen Allopurinol und Amoxicillin bekannt (Breitband-Antibiotikum), dies steht auch im Beipackzettel von Allopurinol geschrieben.
Resistenz
Eine Resistenzbildung gegen Allopurinol wird in Studien untersucht und es gibt erste Hinweise darauf. Allopurinol sollte nicht primär als Dauermedikation angesehen werden sondern wirklich nach Bedarf.
Nebenwirkungen
In der Regel wird dieses Medikament von den Hunden sehr gut vertragen.
Bei längerer Gabe treten immer wieder Xanthinkristalle auf bei Hunden welche nicht purinarm ernährt werden. Daher sollten Nahrungsmittel mit hohen Puringehalt (Haut, Hefe und Innereien) gemieden werden.
Dosierung
Die Mindestdosierung liegt bei 10mg/Kg Körpergewicht, mittlere Dosis liegt bei 20mg/Kg Körpergewicht und die Maximaldosierung liegt bei 30mg/kg Körpergewicht, bei schweren Hunden sollte 900mg als tägliche Dosis nicht überschritten werden. Da Allopurinol eine kurze Wirkungsdauer hat, sollte es auf 2 oder 3 mal täglich aufgeteilt werden um den Wirkstoffspiegel im Blut konstant zu halten.
Zulassung
Da es ein Humanpräparat ist, ist es weltweit zugelassen.
Kosten
1 Packung 100mg ca. 9-12 Euro, in der Schweiz ca. 9-11 CHF
Miltefosin (Miteforan ®)
Miltefosin (Stoffname: Hexadecylphosphocholin, Oleylphosphocholine) wird oral bei Hunden mit einem akuten Leishmanioseschub eingesetzt. Es hat eine leishmanizide (Leishmanien abtötende) Wirkung. Es ist das erste Medikament welches oral gegen die canine Leishmaniose eingesetzt wird.
Wirkung
Es verursacht eine Störung des Stoffwechsels der Leishmanien was zu einem Zelltod führt. Ausserdem stimuliert es als Immunmodulator auch noch die T-Zellen. Es kann vorkommen, dass trotz der längeren Halbwertszeit nicht alle Parasiten in den tieferen Geweben eliminiert werden und es eine erneute Gabe von Miltefosin oder Glucantime ® braucht.
Wirkungseintritt
Miltefosin wird im Gastrointestinaltrakt aufgenommen. Aufgrund der langen Zeit bis es vollständig aufgenommen und wieder eliminiert ist (ca. 160h beim Hund) kommt es bei der täglichen Gabe zu der gewünschten Kumulation des Wirkstoffes. Besonders hohes Vorkommen des Wirkstoffes wird in der Niere, Darmschleimhaut, der Leber und Milz festgestellt. Bereits nach 10 Tagen wird eine Verbesserung der klinischen Symptome festgestellt. Es wird nicht so wie Glucantime ® über die Niere sondern hauptsächlich über den Kot ausgeschieden, weshalb es auch bei bereits bestehender Nierenschädigung eingesetzt werden kann.
Resistenz
Eine genaue Resistenzbildung wurde bisher nicht Untersucht, es fällt jedoch auf, das Hunde auf den 2 oder 3 Einsatz von Milteforan nicht gleich gut ansprechen.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall auch kann der Hund appetitslos werden. Daher gilt bei der Gabe von Miltefosin falls Nebenwirkungen auftreten: alle Hundetauglichen Lebensmittel sind erlaubt. Der Wirkstoff ist jedoch Schleimhautreizend und sollte daher immer gut verpackt (z.B. in Hühnerherz oder in Kapseln abgefüllt) mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Es empfiehlt sich auch ein Magenschutz vorgängig zu geben (Achtung unbedingt zeitlich versetzt und nicht gleichzeitig!)
Dosierung
1ml pro 10Kg Körpergewicht einmal täglich oral über 28 Tage. Immer wieder sehen wir auch längere Gaben (30-35 Tage), in der Literatur wird es mit 28 Tagen beschrieben. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Hund regelmässig (ca. alle 3 Tage) gewogen wird und die Dosis an das Gewicht angepasst. Allopurinol muss während der Gabe von Miltefosin nicht abgesetzt werden. Im Handel sind Flaschen von 30 – 90ml erhältlich. Miltofesin wirkt noch bis zu 4 Wochen nach der Absetzung nach, mit einem erneuten Bluttest sollte also 4-6 Wochen gewartet werden.
Zulassung
In der Schweiz, Österreich, England, Niederlande, Italien, Griechenland, Spanien, Portugal ist Miltefosin zugelassen.
Megluminantimonat (Glucantime ®)
Glucantime ® (Stoffname: N-Methylglucamin-Antimonat) wird mittels einer Spritze subkuntan beim Hund verabreicht. Es ist bereits viele Jahre im Handel und zeigt eine sehr gute leishmanizide (Leishmanien abtötende) Wirkung.
Wirkung
Durch den Wirkstoff wird dem Parasiten die Energie genommen, welches zum Tod des Parasiten führt.
Wirkungseintritt
Der Wirkstoff von Glucantime ® hat eine kurze Wirkungsdauer und wird über die Niere (in spätestens 15h) ausgeschieden. Bereits nach 10 Tagen wird eine Verbesserung der klinischen Symptome festgestellt.
Resistenz
Bei einigen Leishmanien-Stämmen v.a. in Afrika und Asien sind bereits Resistenzen gegen Glucantime ® bekannt. In unseren Breitengraden ist noch keine bekannt. Es sollte darauf geachtet werden die Dosis nicht zu niedrig zu halten oder zu kurz zu geben um eine Resistenz beim Hund zu vermeiden.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Abgeschlagenheit, Anschwellung und Schmerzen der Einstichstellen, leichte Übelkeit und Durchfall. Bei bereits bestehender Nierenschädigung ist dieser Wirkstoff eher nicht zu empfehlen. In Begleitung eines erfahrenen Tierarztes kann es auch bei bereits bestehender Nierenschädigung in einer niedrigen Dosierung 2 x täglich eingesetzt werden (Achtung dann müssen die Nierenwerte häufiger, also alle 3-4 Tage kontrolliert werden). Vor dem Einsatz von Glucantime ® ist daher die Überprüfung der Nierenfunktion mittels Blut und Urin besonders Wichtig. Auch während der Behandlung müssen 1 x wöchentlich die Kreatinin und Harnproteinwerte überwacht werden.
Dosierung
Vom Hersteller empfohlen wird 0.33ml pro KG Körpergewicht 1(oder 2) mal täglich subkutan (unter die Haut) gespritzt. Es wird ein Behandlungszeitraum von 4 Wochen empfohlen. Allopurinol muss während der Gabe von Glucantime ® nicht abgesetzt werden.
Zulassung
In der Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal ist Glucantime ® zugelassen.
Domperidon
Seit dem Jahr 2012 gibt es ein Produkt Namens Leisguard (Domperidon) auf dem Markt. Der Wirkstoff Domperidon ist ein immunpotenzierendes Mittel, heißt, es stärkt das Immunsystem ganz gezielt in diesen Zellen welche für die Bekämpfung der Leishmaniose wichtig ist. Das Mittel wird bei Hunden, welche mit Leishmaniose infiziert sind als Kur empfohlen, um den Hund zu stärken. In Studien wurde es auch präventiv gegen die Leishmaniose gegeben, da es jedoch den Stich, also die Übertragung der Infektion nicht unterdrücken kann, würde ich IMMER ein Spot-on oder Halsband und nicht Leishguard (Domperidon) als Prävention einsetzen und nicht nur Domperidon. Domperidon ist auch in Tablettenform erhältlich und v.a. für grössere Hunde geeignet, bei kleineren Hunden kann Leishguard (flüssig) besser dosiert werden. Dieses Medikament sollte max. 2-3 x pro Jahr als Kur eingesetzt werden, nicht jedoch im akuten Schub als Therapie!
Als Nebenwirkungen sind uns bei Weibchen Scheinträchtigkeit (Milchproduktion), Abgeschlagenheit, vermehrt Hunger oder jedoch auch verminderter Hunger bekannt.
Dosierung: 0,1 ml pro KG
Andere Medikamente
Artemisia annua (Beifuss)
Es gibt in gemässigten Klimazonen mehr als 300 Artemisia-Arten (Beifussgewächs). Die spezielle Sorte Artemisia annua ist in der chinesischen Volksmedizin schon seit 2000 Jahren bekannt und hat in letzter Zeit vor allem als Malaria und Krebs Mittel Aufmerksamkeit erlangt. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Pflanze Artemisia eine abtötende Wirkung auf Leishmanien hat.
Beifuss gibt es in verschiedenen Formen zu kaufen: als Tinktur, getrocknetes Kraut oder Kapseln.
Im Handel ist auch eine Lösung, welche zusätzlich zu Beifuss Kardenwurzel enthält, erhältlich (Pernaturam Artemis). Diese ist aber sehr stark im Geruch und daher nicht so einfach zu verabreichen.
Für den Hund erscheint die Kapsel Form die geeignetste zu sein (kann geöffnet werden). Die Dosierung solle mit einem Tierheilpraktiker angeschaut werden oder du darfst dich gerne an uns wenden.
Neben den oben genannten Medikamenten sind noch andere Mittel im Einsatz gegen die Leishmaniose bekannt (z.B. Ketoconazol, Metronidazol, Marbofloxacin). Diese Wirkstoffe wurden jedoch bis heute in klinischen Studien nicht genügend erforscht und sind daher noch/nicht zu empfehlen.