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Ein weiteres wesentliches und offensichtliches Unterscheidungsmerkmal liegt in der Bauweise der Headsets und dabei insbesondere darin, ob sie mit einem oder mit zwei Ohrhörern bestückt sind. Alejandro Tapia, Product Manager bei Suprag, erklärt: «Mono-Headsets werden meistens in ruhigen Umgebungen oder am Empfang eingesetzt. Der grosse Vorteil liegt darin, dass man mitbekommt, was gerade im Büro passiert. Man ist von der Umgebung nicht abgeschottet wie bei den Duo-Versionen.» Bei Grossraumbüros oder im Home-Office, wo der Lärmpegel meist höher ist als in einem Einzelbüro, empfiehlt Tapia Duo-Headsets. Und wer für konzentriertes Arbeiten noch einen Schritt weiter gehen will, sollte die Anschaffung eines Duo-Over-Ear-Headsets mit ANC (Active Noise Cancellation) ins Auge fassen, bei dem die Umgebungsgeräusche zusätzlich herausgefiltert werden.
Weitere grundsätzliche Fragen, um das passende Headset zu finden, sind abgesehen von den Umgebungsgeräuschen laut Alejandro Tapia aber auch, ob es drahtlos oder drahtgebunden sein soll, mit welchem Telefonsystem telefoniert wird (Teams, 3CX, Webex etc.), welche Trageart bevorzugt wird (Überkopfbügel, Ohrbügel, Nackenbügel), oder ob das Headset an einem PC, Smartphone oder Tischtelefon betrieben wird und welche Anschlüsse zur Verfügung stehen (USB-A, USB-C, 3,5 mm)? Ebenfalls entscheidend sind zudem Fragen wie, ob das Headset portabel sein muss, ob eine Ladestation gebraucht wird, wo das Budget liegt oder ob eine hohe Reichweite wichtig ist (DECT/Bluetooth)?
Im Zusammenhang mit Bluetooth stellt sich auch die Frage, ob das Headset mit einer Basisstation oder einem Bluetooth-USB-Adapter zusammenspielen soll. In diesem Falle könne man sicher sein, dass die Basisstation respektive der Adapter und das Endgerät bestmöglich zusammenarbeiten, wohingegen es sein könne, dass ältere Rechner mit Direktverbindung durch nicht aktuelle Standards von Audio-Codecs oder Bluetooth die Qualität und auch die Funktionen beeinträchtigen. Dies erklärt Roland Bellwald, Technical Solutions Architect bei Cisco Schweiz, und ergänzt: «Zudem gibt es auch Basisstationen mit DECT, welche die Reichweite der Headsets massiv erweitern.» Andreas Kunz, Head of Marketing & PR Video Collaboration DACH bei Logitech, bringt als weitere Vorteile der Basisstation die «einfache Auflade-Funktion und eine visuelle Anzeige für eingehende Anrufe» ins Spiel. Derweil geht Gregor Knipper, verantwortlich für die Marke Jabra, nochmals auf die Vorteile eines Headsets in Verbindung mit einem Bluetooth-Dongle ein. Dieser biete höhere IT-Sicherheit, weil über den Dongle nur Audiosignale und keine Daten übertragen werden können. Zudem erlaube der Dongle mit einer Reichweite von bis zu 30 Metern mehr als die meisten Bluetooth-Chips in PCs, die gemäss Klasse II maximal 10 Meter unterstützen. Auch die Klangqualität soll mit Dongle besser sein, genauso wie erweiterte Funktionen, mit denen UC-Applikationen möglich werden, indem die Bluetooth-Dongles von den Softphone-Herstellern so integriert werden, dass Telefonate auch über das Headset gesteuert werden können (Remote Call Control/RCC).
Was die eigentliche Sprachqualität angeht, erklärt Alejandro Tapia von Suprag, dass diese bei allen Technologien (DECT, Bluetooth, drahtgebunden), mit oder ohne Basisstation, vergleichbar sei. «Von der Bandbreite liegen wir bis zu 20 kHz (Hörer) und 10 KHz (Mikrofon) auf sehr hohem Niveau.» Stefan Grewe von Epos findet derweil, dass sich die Qualität von drahtlosen Bluetooth-Headsets von kabelgebundenen Lösungen schon unterscheiden könne. Denn: «Wie bei jeder Funkverbindung können andere Sender/Empfänger im gleichen Frequenzband Störungen hervorrufen.»
Das passende Headset für jedes Szenario
Das passende Headset für jedes Szenario
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/06
Die Unterscheidungsmerkmale
Features und ANC machen das Headset teuer
Angesprochen auf die wesentlichen Preistreiber bei Headsets erklärt Henning Schäfer von Poly: «Grundsätzlich sind schnurgebundene Headsets kostengünstiger in der Herstellung und stellen eine gute Budgetlösung dar – mit zusätzlichen Funktionen, wie ANC, werden jedoch auch diese Headsets zum preisintensiven High-end-Produkt.» Günstigere Modelle würden in der Regel über weniger Funktionen verfügen und hätten oft eine geringere Reichweite und Akkulaufzeit sowie eine eingeschränkte ANC-Funktion. Gregor Knipper verweist auf die Spezifikationen, die den Preisunterschied ausmachen, und nimmt als Beispiel die beiden Jabra-Headsets, die für dieser Marktübersicht eingereicht wurden. «Zum Beispiel verfügt das Evolve2 85 über 10 Mikrofone, vier davon sind Mikrofone mit digitaler Hybrid-Aktiv-Geräuschunterdrückung (ANC). Das Evolve2 30 verfügt hingegen über 2 analoge Mikrofone. Die Lautsprecher des Evolve2 85 sind grösser und leistungsstärker und liefern insbesondere beim Musikhören und auch bei Gesprächen einen noch besseren, satteren Sound. Das Evolve2 85 ist kabellos, das Evolve2 30 kabelgebunden. Aus diesen Unterschieden ergibt sich aber auch ein Vorteil für das Evolve2 30 – es ist leichter, was viele Nutzer auch wertschätzen.» Und er fügt an: «Letztendlich sollten Anwender vor dem Kauf überlegen, in welchen Umgebungen und wie genau sie das Headset nutzen möchten und dementsprechend welche technischen Eigenschaften in ihrem Fall wichtig sind.» Und: «Wir raten Unternehmen, bewusst an die Anschaffung heranzugehen und nicht einfach irgendwelche Headsets zu kaufen.» Henning Schäfer schliesst derweil mit den Worten: «Die Zeiten, in denen Unternehmen ein und dasselbe Headset für all ihre Mitarbeiter beschafft haben, sind vorbei. KMU sollten sich der individuellen Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden bewusst sein und ihnen mehrere Modelle zur Auswahl geben. Somit stellen sie sicher, dass für jede Arbeitssituation – egal ob täglicher Meeting-Marathon oder nur ein Meeting die Woche – das geeignete Gerät ausgewählt werden kann.» Einen ersten Überblick kann dabei sicherlich die untenstehende Marktübersicht liefern.
Die tabellarische Marktübersicht können Abonnenten in der Ausgabe 6/2021 nachlesen. Noch kein Abo? Hier klicken und Versäumtes nachholen. (mw)
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