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Schüler der obersten Klasse nach bestandener Prüfung mit einem staatlichen Maturitätszeugnis, analog demjenigen der beiden andern Oberabteilungen. Eine Stiftung von 50000 Fr. wird zu alljährlichen, für die Teilnehmer unentgeltlichen Schulreisen verwendet. Das schon genannte private Gymnasium (Freies Gymnasium) huldigt einer strengeren kirchlichen Tendenz und findet Zuspruch besonders aus altburgerlichen Kreisen. Orthodoxe Lehrer heranzubilden ist der Zweck eines Lehrerseminars auf dem Muristalden.
Der beruflichen Vorbildung wird sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. In den durch kleinere Stiftungen dotierten Lehrwerkstätten werden zukünftige Schreiner, Schlosser und Spengler vorgebildet. Eine ausgezeichnete Organisation besitzt die Handwerker- und Kunstgewerbeschule, indem sie die Fächer allgemeiner Bildung mit den Berufsvorstudien verbindet. Nur der Alltagsschule entlassene Jünglinge können diese Schule besuchen. Es besteht eine besondere Abteilung für Zeichenlehrer.
Ebenso wie diese Schule ist im ehemaligen Kornhaus das neue kantonale Gewerbemuseum untergebracht, welches die technischen und kunstgewerblichen Fortschritte des Kantons zur Anschauung bringt. Eine Bibliothek ist damit verbunden. Von sonstigen Berufsschulen seien noch erwähnt: die Fortbildungsschulen des Kaufmännischen und Bureaulistenvereins, eine Frauenarbeitsschule und eine private Handelsschule. Die Sektion Bern der Schweizer. permanenten Schulausstellungen ist eine der rührigsten Institutionen dieser Art und weist einen grösseren Betrieb von Bücher- und Lehrmittelausleihungen auf, als alle Schwesteranstalten.
Oeffentliche Fürsorge.
Das alte patrizische Bern hinterliess der Stadt eine Reihe grossartiger Institutionen auf dem Gebiete der Krankenpflege, der Waisen- und Altersfürsorge. Diese zu erhalten und zu vermehren waren im Laufe des 19. Jahrhunderts Staat, Stadt und Private in erfolgreicher Weise bemüht. Unter den Spitälern steht das Inselspital in erster Linie. Dasselbe geht auf eine milde Stiftung der Bürgerin Frau Anna Seiler zurück, die im Jahre 1354 ihr Haus zu einem Spital bestimmte (Seilerspital).
Zur Reformationszeit wurde dasselbe im Inselkloster untergebracht und um dessen Güter bereichert. Das Inselkloster hatte aber seinen Namen von einer jetzt verschwundenen Aareinsel im Altenberg, wo die Nonnen im 13. Jahrhundert gehaust hatten. Nun gieng der Name auf das Spital über. 1884, als der grosse Bau an der Inselgasse dem Bundeshause weichen musste, siedelte das Spital auf das Gelände zwischen Murten- und Freiburgstrasse über, wo es jetzt in einer grossartigen Anlage von 15 Gebäuden untergebracht ist. Es ist das Hauptspital des Kantons Bern. Seine einzelnen Abteilungen werden von je einem Hochschulprofessor geleitet und dienen zugleich als Kliniken. In den poliklinischen Abteilungen finden die Bedürftigen unentgeltliche Behandlung, die Staatsapotheke liefert ebenso unentgeltlich die Medikamente. Das Spitalvermögen betrug pro Fr. 7657049.
Das Ausserkrankenhaus für infektiöse Kranke, das auf der grossen Schanze herrlich gelegene Frauenspital und die Irrenanstalt Waldau gesellten sich in neuerer Zeit zu den kantonalen Spitälern Berns. Einem Ratsbeschluss von 1722 verdankt das Burgerspital seine Entstehung. An Stelle des alten sogenannten oberen Spitals erhob sich nun vor dem Oberthor das jetzige Gebäude, von dem ein Reisender des 18. Jahrhunderts sagte: nur wenige Fürsten Europas wohnen so schön als die 50 Pfründer und Pfründerinnen des Spitals zu Bern. Heute leidet das Institut unter der allzugrossen Nähe des Bahnhofes. Einer hochherzigen Stiftung verdankt das Zieglerspital seine Entstehung (1850). Dasselbe besitzt ein Vermögen von Fr. 2708119, gehört der Einwohnergemeinde und dient als billiger oder unentgeltlicher Verpflegungsort bedürftiger Kranken der Stadt. Nennen wir noch die Privatspitäler Kocher, Lanz, Siloah und Salem, letzteres mit einer Lehranstalt für Diakonissen verbunden.
Nicht so gut wie mit Spitälern ist die Stadt mit Institutionen der Gesundheitspflege versehen. Auf diesem Gebiet genügt die Weiterführung des Ueberlieferten nicht, und die städtischen Behörden sehen sich bei dem raschen Wachstum der Bevölkerung vor schwierige Aufgaben gestellt. Zur Zeit studiert man insbesondere die Frage des Trinkwassers. Die Einzugsgebiete der Quellen im Gaselthale hinter Köniz sollen der landwirtschaftlichen Benutzung entzogen oder es sollen neue Quellgebiete herangezogen werden. Bern besitzt an der Aare kühle und gesunde Sommerbäder, aber ausser den billigen Volksbädern des Burgerspitals ist für das Baden durch alle Jahreszeiten noch keine Fürsorge getroffen. Die Stadt unterstützt und unterhält mehrere Sanatorien und Ferienkolonien im Vorland des Oberlandes.
Es giebt zwei burgerliche Waisenhäuser, eines für Knaben und eines für Mädchen stadtbernischen Heimatrechts. Diese Anstalten sind mit trefflichen Schulen, das Knabenwaisenhaus ausserdem mit einem Kadettenkorps ausgestattet. Diese Waisenhäuser allein, deren Vermögen 3,4 Mill. Fr. beträgt, thuen dar, wie ganz anders die materielle Fürsorge der numerisch so geringen altburgerlichen Bevölkerung ausgestattet ist, als die der Einwohner.
Für die Altersversorgung besteht ein grosses, unter städtischer Aufsicht stehendes Greisenasyl (Roschistiftung), dessen Stammvermögen pro 1900 895301 Fr. betrug. ¶
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Endlich besitzt die Stadt, um alle sehr zahlreichen kleineren wohlthätigen Institutionen zu übergehen, eine Armenanstalt auf dem Plateau des Längenbergs, Kühlewil, welche ca. 200 Pfleglinge beherbergt, die teils in der ausgedehnten Anstaltsökonomie, teils in industrieller Arbeit beschäftigt werden. Die jährliche Aufwendung aus der Gemeindekasse für Kühlewil und die übrige Armenversorgung beträgt rund 100000 Fr. Auch in Bern sucht man der Armut durch Unterstützung der wirtschaftlich schwachen Bevölkerungsschichten vorzubeugen. Eine städtische Anstalt für Arbeitsnachweis sucht unbeschäftigten Dienstboten, Handwerkern und Fabrikarbeitern Arbeit zu verschaffen. Gegen die Arbeitslosigkeit, der jeden Winter namentlich viele Bau- und Erdarbeiter anheimfallen, schützt die Betroffenen einigermassen eine spezielle Versicherungskasse. Doch studiert man zur Zeit die Frage gründlicherer Abhülfe.
Die in diesem Abschnitt mehrfach hervorgehobene Burgergemeinde ist wohl die reichste der Schweiz. Schon die Kapitalien der burgerlichen Nutzungsgüter, der beiden Waisenhäuser und des Burgerspitals machen allein die Summe von annähernd 23 Mill. Fr. aus. Dazu kommt der grosse burgerliche Besitz in den Sammlungen (Stadtbibliothek, Historisches und Naturhistorisches Museum) und das Vermögen der einzelnen Gesellschaften oder Zünfte. Unter den Nutzungsgütern nehmen die burgerlichen Waldungen die erste Stelle ein. Dieselben umfassen ca. 3000 ha und gehören zu den schönsten Waldungen des Kantons. Der grosse Forst und der Bremgartnerwald sind die namhaftesten derselben. Ein eigenes technisches Personal bewirtschaftet sie. Auch der Burgerspital ist reich mit Domänen und Waldungen ausgestattet, worunter die St. Petersinsel im Bielersee und die Tschingelalpen im Kienthal.
Die jetzigen Zünfte sind in erster Linie eine Organisation für das burgerliche Vormundschafts- und Rentenwesen. Mit den Handwerken und Ständen, aus denen sie hervorgingen, haben sie gar nichts mehr zu thun. Folgendes sind die Namen der 13 Zünfte: Distelzwang (die ehemalige Zunft des Stadtadels), Pfistern, Schmieden, Metzgern, Obergerwern, Mittellöwen (ehemals Nieder-Gerbern), Schuhmachern, Webern, Mohren, Kaufleuten, Zimmerleuten, Affen (ehemals Steinmetzen), Schiffleuten.
Geschichtlicher Rückblick.
Die Stelle der heutigen Stadt Bern und deren nächste Umgebung sind seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Folgendes sind die nach Perioden geordneten wichtigsten Fundstätten: 1. La Tène Periode (jüngere Eisenzeit, helvetische Zeit): Muristalden, Lindenfeld, Schosshalde, Spitalacker, Wiler- und Wankdorffeld, Tiefenau, Wabernstrasse. 2. Römische Periode: Haspelmatte beim Aargauerstalden, Enge. 3. Frühgermanische Zeit: Reihengräber an der Bantigerstrasse, im Altenberg, Wilerfeld und Weissenbühl.
Aber erst spät trat die Gegend von Bern in ihre geschichtliche Bedeutung ein. Urkunden des 12. Jahrhunderts erweisen, dass die Orte Sulgen, Wankdorf, Worblaufen und Wittigkofen schon vor der Gründung der Stadt bestanden. Ebenso überliefern die alten Chronisten übereinstimmend die Existenz einer vorbernischen Burg Nideck, deren Unterbau noch heute in den Stützmauern der Nideckkirche vorhanden sein sollen. Nach Valerius Anshelm hätte sich sogar eine Ortschaft um die Burg gruppiert, und wirklich machen es neuere Untersuchungen höchst wahrscheinlich, dass in der Gasse des Staldens, die noch heute eine altertümliche Bauart zeigt, der Kern zu erkennen ist, an den sich die Stadt Bern anschliessen konnte.
Herzog Berchthold V., der letzte Zähringer, Rektor von Burgund, gründete die Stadt im Jahre 1191. Wäre auch nicht überliefert, dass der Herzog im gleichen Jahre im Oberlande die burgundischen Unbotmässigen bekämpfte, so würde doch schon die Wahl des Ortes dafür zeugen, dass Bern in dem Plane seines Gründers ein militärischer Stützpunkt sein sollte. Die ganze Gegend an der Sprachgrenze war nun mit festen zähringischen Plätzen versehen.
Die Traditionen, die sich an Berns Namen knüpfen (Bärenjagd, Waldrodung), will man heute nicht mehr anerkennen. Man ist geneigt, in Bern eine Verdeutschung von Verona zu erblicken. Die ältesten urkundlichen Schreibarten des Namens sind Bernum, Berne, seltener Berna.
Gleich anfangs wurde die Halbinselstadt in der Linie des heutigen Kornhaus- und Theaterplatzes abgeschlossen und befestigt. Dort zog sich nach beiden Aarethalhängen je ein natürlicher Graben hinunter, hinter dem man die Umwallung errichtete. Noch erinnern die Lage und der Name des Gerberngrabens und der Grabenpromenade an jene einstigen Verhältnisse. Die Stelle des damaligen Hauptwerkes und Thors nimmt jetzt der Zeitglockenturm ein. So erhielt Bern von Anfang an bedeutende Dimensionen. Ebenso müssen die eigentümliche Gassenanlage und der Stadtbachkanal gleich anfangs entstanden sein. Ein Marktplatz liess sich bei der Schmalheit des Stadtgrundes nicht wohl schaffen. Dafür wurde die breite Hauptgasse Standort des Marktes. In ihrer Mitte, wo jetzt die Kreuzgasse ist, war das Marktkreuz. Daselbst war der Alarm-, Gerichts- und Richtplatz.
Nach dem Aussterben der Zähringer erhielt Bern von Kaiser Friedrich II. wichtige Privilegien, namentlich aber die Handveste, welche der Stadt das Recht der Selbstverwaltung, des eigenen Gerichtes und Marktes verlieh.
Um die Mitte des 13. Jahrhunderts war der Zustrom von Freien und Unfreien in die neue Stadt schon so gross geworden, dass sich vor dem Westthor eine Vorstadt gebildet hatte. Bern, das im harten Kampfe gegen die mächtigen Landgrafen an der Aare, die Kiburger, begriffen war, suchte den Schutz Peters, des Grafen von Savoyen, erweiterte unter dessen Mithülfe um 1250 seine Mauern bis zur Linie des heutigen Bären- und Waisenhausplatzes und erbaute die erste Brücke, unten am Stalden, die Unterthorbrücke. So ward Peter in der That ein zweiter Gründer Berns, und noch lange unterschied man in Bern die alte Zähringerstadt von der Savoyerstadt. Von dieser zweiten Fortifikation ist das alte Glöggnerthor geschwunden und hat dem Käfigturme Platz gemacht. Erhalten ist aber der wenig Schritte nördlicher aus einer interessanten Häusergruppe sich erhebende Holländerthurm, der die Jahreszahlen 1230-1891 zur, Schau trägt.
Fast genau ein Jahrhundert verblieb Bern innerhalb dieser neuen Mauer. Jetzt beginnt die Stadt unter der Leitung landentstammter adeliger Geschlechter, aber auch hervorragender Bürger eine eigene Politik zu betreiben. Zwar wehrt sie sich vergeblich gegen Rudolfs von Habsburg Reichssteuern (Ueberfall in der Schosshalde), doch wirft sie den kiburgisch-österreichisch gesinnten Adel und die Nachbarstadt Freiburg auf dem Dornbühl (1298) entscheidend zurück.
Ihr Ziel ist von jetzt an: den Adel des Umkreises in ihr Burgrecht zu zwingen und ihr Territorium zu erweitern (vergl. Kanton Bern pag. 204). Erfolgreiche Kämpfe dieser Art im Oberland hatten zu einem freundnachbarlichen Verhältnis mit den 3 Waldstätten geführt, und als im Laupenkrieg 1339 die grösste bisherige Gefahr an sie herantrat, genoss die Stadt den Zuzug der Urkantone, um ihre glänzende Freiheitsschlacht zu gewinnen. Noch heute feiern die Studenten alljährlich die Laupenschlacht und bekränzen das schöne Standbild Rudolfs von Erlach vor dem Münster. 1353 schloss Bern den ewigen ¶