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Geschichte
Die Geschichte beginnt mit BiPi
Die Pfadi wurde im Jahr 1907 vom Engländer Lord Baden Powell - wir nennen ihn liebevoll "BiPi" - gegründet. Die Geschichte der Pfadi ist irgendwie auch seine Geschichte, deshalb lasst uns im Jahr 1857 beginnen.
In diesem Jahr wurde BiPi geboren. In der Schule fühlte er sich schon früh unwohl. Er war lieber auf Abenteuersuche im weitläufigen Schulpark. Immer wieder musste man ihn suchen. Er war gut darin, sich zu verstecken und schnell mal ein geheimes Feuer zu zünden.
BiPi`s Weg in der Armee
BiPi entschied sich später für eine Karriere in der Britischen Armee. Mit 19 Jahren ging er deshalb nach Indien. Dort kritisierte er schon früh, dass die Engländer die Inder als "unterentwickelte Briten" und nicht als ein eigenes unabhängiges Volk mit einer eigenen Geschichte und einer eignenen Kultur betrachteten.
Als er mit den Jahren immer mehr Verantwortung übernehmen konnte, führte er ein neues System der Truppenführung ein. Er organisierte kleine Gruppen aus fünf bis acht Soldaten, welche von jemandem aus ihren eignen Reihen geführt wurden. Mit diesem System stärkte er das unabhängige Denken der befehlsgewohnten Soldaten. Dieses System wandte er viele Jahre später bei den Pfadis an.
Seine Vorgesetzten erkannten sein Talent. Sie übertrugen ihm die Ausbildung der Scouts, der Pfad-Finder, die nicht im offenen Kampf eingesetzt wurden, sondern das gegnerische Lager auskundschaften mussten. Baden-Powell hielt sich bei der Ausbildung der Scouts nicht an herkömmliche Methoden, sondern zeigte seinen Schützlingen spielerisch, wie sie sich zu verhalten hatten. Er erklärte ihnen, was der Zweck ihrer Arbeit war, und er versuchte, ihnen die Freude an der Tätigkeit zu zeigen. Er gab keine strikten Anordnungen, sondern nur Tipps und Anregungen, die zur Lösung eines Problems halfen. Er hielt keine langen Vorträge über seine eigenen Erfahrungen, denn er wollte, dass seine Schützlinge aus ihren eigenen Erfahrungen lernten. «Learning By Doing» nannte er dieses System. Baden-Powell überzeugte - und führte -, indem er den jungen Erwachsenen ein Vorbild war.
Erfahrungen im Krieg in Afrika
1899 erschien Baden-Powells erstes Buch «Aids For Scouting». Er empfahl es dem englischen Generalstab als allgemeine Ausbildungslektüre. Nicht unbedingt bei den Spähern, sondern bei den Jugendlichen in BiPis Heimat wurde das Buch ein voller Erfolgt. Sie benutzten das Buch als Vorlage für Spiele in Gruppen, im Wald. Die erste Form der Pfadi war geboren.
Im selben Jahr wurde Baden-Powell nach Afrika versetzt. Er sollte dort, in Mafeking, einer kleinen Frontstadt, britische Soldaten für den Dschungelkampf ausbilden. Am 11. Oktober 1899 wurde die kleine Stadt von 9000 Buren umzingelt. In Mafeking selber befanden sich ausser Frauen, Kindern und Jugendlichen nur 700 ausgebildete Soldaten und etwa 300 Zivilisten (meist ältere Männer). Er verteidigte die Stadt nicht mit Gewalt sondern mit List, indem er den Buren eine viel grössere Anzahl Soldaten und Munition vortäuschte. Die Buren wagten nicht, anzugreifen. Im Mai 1900 wurde Mafeking befreit. Baden-Powell war es gelungen, die Stadt 217 Tage zu verteidigen.
Damit die Soldaten für den Ernstfall immer bereit waren, überliess er den Jungen aus der Stadt leichtere militärische Aufgaben. Sie konnten als Sanitäter, als Meldegänger und als Späher eingesetzt werden. Dabei stellte Baden-Powell zu seiner Verblüffung fest, dass auch die Jungen Verantwortung übernehmen konnten, wenn man ihnen nur das nötige Vertrauen entgegenbrachte. Diese Erkenntnis war damals revolutionär, da die Pädagogen zu dieser Zeit den Jugendlichen noch kein Vertrauen entgegenbrachten. Man glaubte, dass man die Jungen und Mädchen nur unter sehr strengen Bedingungen erziehen könne.
Das «Pfadfinder-Konzept» entsteht
Nach diesem Krieg wurde Baden-Powell nach England zurückbeordert.
Sein Buch «Aids For Scouting» war ein Jugendbuch-Bestseller geworden. Baden-Powell war gar nicht glücklich darüber, denn es war ein militärisches Buch. Als Mann, der den Frieden liebte, wollte er nicht, dass ein derartiges Buch in die Hände der Jungen kam. Die Entwicklung war jedoch nicht mehr rückgängig zu machen, da beschloss Baden-Powell ein zweites Buch zu schreiben. Dieses Buch wollte er «Scouting For Boys» nennen.
Im Jahr 1907 wandte er dann das erste Mal seine Ideen an. Er trommelte insgesamt 22 Jungen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zusammen. Mit diesen 22 Jungen ruderte er im Sommer 1907 zur Insel Brownsea hinüber. Dort schlugen sie die Zelte auf. Das erste Pfadilager war eröffnet, die Pfadi gegründet!
Baden-Powell berichtete später: «Der Trupp der Jungen wurde aufgeteilt in Patrouillen zu fünf Mann. Der älteste wurde Patrouillenführer. Diese Einteilung in kleine Gruppen war das Geheimnis unseres Erfolges.» Jedem Patrouillenführer wurde volle Verantwortung für das Verhalten seiner Leute übertragen, und zwar für die ganze Zeit des Lagers. Die Patrouille war eine Einheit für Ausbildung, Arbeit und Spiel. Jede Patrouille lagerte an ihrem eigenen Platz. Die Jungen wurden bei ihrer Ehre verpflichtet, die angeordneten Dinge auch auszuführen.
Verantwortlichkeit und gesunde Rivalität wurden auf diese Weise geweckt. Eine gute, grundlegende Ausbildung erfolgte jeden Tag für den ganzen Trupp, und so wurden alle fortschreitend in den Dingen des Pfadfindertums geübt. In ganz England sprach man vom Held von Mafeking, der ein Jugendlager veranstaltet hatte, in dem kein erzieherischer Zwang ausgeübt worden war.
Scouting For Boys
Nach diesem Lager schrieb er sein Buch Scouting For Boys fertig. Dieses Buch war keine der üblichen schwerverständlichen Abhandlungen eines Pädagogen. Es war ein einfaches Buch, es war eine Erzählung, eine Plauderei am Lagerfeuer, behaglich und spannend geschrieben. Baden-Powell erkannte, dass er mit der Pfadfinderorganisation voll ins Schwarze getroffen hatte. Er wollte eine Bruderschaft gründen, eine Bruderschaft für friedliche Zwecke und ohne Trennung nach Gesellschaftsklasse, Rasse, Nationalität oder Religionsgemeinschaft.
Die weltweite Pfadfinderbewegung entsteht
Baden-Powell organisierte 1909 ein Pfadfindertreffen in London. Unter den 11'000 Teilnehmern entdeckte er eine Schar Mädchen. Sie trugen auch eine Pfadfindertracht, kamen auf ihn zu und sagten: «Wir sind Girl Scouts, Mister Baden-Powell.» Baden-Powell war begeistert, dass sich seiner ursprünglich nur für Knaben gedachten Organisation auch Mädchen anschliessen wollten.
Damals war eine Gemeinschaftserziehung von Mädchen und Knaben noch undenkbar, deshalb wurden sie sehr streng getrennt. Die Jungen zu den Boy Scouts und die Mädchen zu den Girl Guides. Baden-Powell entschloss sich, sein Buch Scouting for Boys für die Interessen der Mädchen umzuschreiben.
Zu dieser Zeit kam BiPi zur Entscheidung, die Jugendlichen in zwei Altersgruppen zu teilen:
- die Wölfe (Kinder bis zum 11. Lebensjahr)
- die eigentlichen Pfadfinder (mindestens 12jährig)
Beide Gruppen sollten eine getrennte, ihrem Alter angepasste Ausbildung erhalten. Seit 1919 gibt es auch eine dritte Altersgruppe, die Rover (vom 19.-21. Lebensjahr).
Rückkehr nach Afrika
1929 wurde Baden-Powell vom König zum Lord geadelt. Er hiess jetzt Lord Baden-Powell of Gilwell. Im Weltpfadilager 1937 - Jamboree genannt - verabschiedete sich Baden-Powell offiziell vom aktiven Pfadfinderleben: «Es ist Zeit für mich, dass ich euch good-bye sage. Ich bin in meinem einundachtzigsten Lebensjahr und nähere mich dem Lebensende. Die meisten von euch aber sind am Beginn des Lebens». Danach zog er sich in sein Haus, in der Nähe von Nyeri, im ostafrikanischen Kenia, zurück.
Am 8. Januar 1941 starb Baden-Powell. Er wurde auf dem Friedhof von Nyeri beerdigt. Auf dem Grabstein befindet sich ein Kreis mit einem Punkt darin. Es ist ein internationales Pfadfinderzeichen und es heisst: «Ich habe meinen Auftrag erfüllt und bin nach Hause gegangen.»
Seine letzten Worte, welche er in einem Brief an seine Pfadis geschrieben hatte sind noch heute die wichtigsten Leitlinien der Weltweiten Pfadibewegung.
«The real way to get happiness is by giving out happiness to other people.
Try and leave this world a little better than you found it.»
«Der wahre Weg, Glück zu erlangen, besteht darin, andere Menschen glücklich zu machen.
Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt.»
– Robert Baden-Powell