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Der Verbandspräsident Kameruns sieht sich mehreren Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Gesprächsaufzeichnungen legen nahe, dass Eto’o in Spielmanipulationen verwickelt ist.
Ein einfacher Typ war Samuel Eto’o nie. Beim FC Barcelona unvergessen ist eine Brandrede gegen den damaligen Mitspieler Ronaldinho und den Trainer Frank Rijkaard, mit der er während einer harmlosen Buchpräsentation die Klubidylle störte. Rijkaards Nachfolger Josep Guardiola trieb die Angst vor der Impulsivität und Exzentrik des kamerunischen Stürmerstars so viel Schweiss auf die Glatze, dass er ihn nach einem gemeinsamen Jahr trotz historischen Erfolgen aussortierte. Eto’o antwortete auf seine Weise und gewann auch mit Inter Mailand auf Anhieb die Champions League.
So geradlinig wie Eto’os Spiel – kein Mittelstürmer vor oder nach ihm hat in Barcelona so furios das für den Klub typische Pressing praktiziert – wirkte immer auch die Persönlichkeit des Rekordtorschützen aus Kamerun. Der vierfache Fussballer Afrikas galt als einer, der sein Herz auf der Zunge trug und für das einstand, woran er glaubte. «Ich werde wie ein Schwarzer rennen, um wie ein Weisser zu leben», sagte er bei der Ankunft in Barcelona. 2006 zeigte er als einer der ersten Spieler weltweit die Courage, wegen rassistischen Gegröles bei einem Match in Saragossa mit dem Verlassen des Platzes zu drohen.
Eto’o ist gleich in mehrere Skandale verwickelt
Mittlerweile leitet Eto’o seit gut zwei Jahren den kamerunischen Fussballverband Fecafoot. Auch als Funktionär ist er unbequem geblieben – allerdings kaum in einem Sinne, der ihn wie früher zum Helden und Vorbild machen würde. Der einst unkorrumpierbare Eto’o sieht sich vielmehr immer neuen Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Seine Direktheit nutzt er offenbar nur noch dazu, persönliche Macht auszuspielen, Kritiker auszuschalten und sinistere Interessen durchzusetzen.
An der WM 2022 sorgte Eto’o für einen handfesten Skandal, als er vor einem Stadionbesuch einen algerischen Youtuber zusammenschlug. Wie das Opfer später erklärte, habe er Eto’o gefragt, ob Kamerun den Schiedsrichter des entscheidenden Qualifikationsspiels gegen Algerien bestochen habe. Die umstrittene Spielleitung des Gambiers Bakary Gassamba hatte damals zu einem – abgelehnten – Protest bei der Fifa geführt, der von Fan-Demonstrationen vor dem Zürcher Hauptquartier begleitet wurde.
Die Episode wäre als Folklore abzutun, würden nicht Enthüllungen aus Kamerun auf Spielmanipulationen in Eto’os Einflussbereich hinweisen. Bereits im Sommer gelangten Gesprächsaufzeichnungen an die Öffentlichkeit, die nahelegen, dass der Präsident durch Einflussnahme auf die Schiedsrichter dem Klub Victoria United zum Aufstieg in die erste Liga verhalf. Victoria United gehört einem engen Unterstützer Eto’os, Valentine Nkwain. Sowohl er als auch Eto’o bestritten die Vorwürfe.
Bei der Fifa wurde gleichzeitig jedoch ein Dossier über die Zustände in der Fecafoot eingereicht, aus dem nun diese Woche das US-Portal «The Athletic» neue Details veröffentlichte. Laut diesen untermauert der ehemalige Verbandsvizepräsident Henry Njalla Quan junior anhand von Audiodateien und E-Mails den Verdacht, dass die Eto’o-Connection eine Schmutzkampagne gegen ihn in Auftrag gegeben habe, in deren Rahmen er persönlich mit Gewalt bedroht worden sei. Njallas Klub NQSA habe sie durch Steuerung der Schiedsrichter vorsätzlich in den Ruin getrieben.
Njalla Quan trat im Juli von seinem Posten im Verband zurück, in dem er die englischsprachigen Landesteile vertrat. Bereits ein Jahr zuvor hatte sich der Generalsekretär Benjamin Didier Banlock aus Protest gegen die verbreiteten Methoden und die Reformverweigerung verabschiedet. An Eto’o gerichtet, schrieb er: «Ich werde nicht den Tänzer des Präsidenten abgeben», auch wenn das «Ihr einziger Wille zu sein scheint».
Kameruns Star-Goalie André Onana reist vorzeitig ab
Zu den Affären seither zählten unter anderem: ein Werbevertrag Eto’os mit einem Wettanbieter – eigentlich laut Verhaltenskodex für Funktionäre verboten. Die plötzliche Abreise von Star-Goalie André Onana während der WM vor dem Spiel gegen die Schweiz – «Eto’o hat ein nichtberufliches Problem mit ihm», so Njalla Quan. Oder zuletzt die Berufung des weitgehend unbekannten Teenagers Wilfried Nathan Doualla vom Eto’o-Kumpel-Klub Victoria United an den Afrika-Cup.
Dort scheiterte das vom früheren Abwehrchef Rigobert Song trainierte Kamerun am Wochenende nach nur einem Sieg in vier Spielen an Nigeria. Das sei kein Wunder, meint der Verbandskritiker Njalla Quan: «Was sollen wir von einem Leader erwarten, der das Zocken bewirbt und als Nationaltrainer einen Mitzocker und Markenbotschafter derselben Wettfirma anheuert?» Song arbeitete früher für denselben Anbieter; typisch für die Zustände, findet Njalla Quan, der über Eto’o sagt: «Wir werden von jemandem betrogen, der die echte Liebe der Menschen zu ihm ausnützt.»