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Mit «Wir kamen, um zu helfen» greift Thomas Isler ein brisantes Thema auf – leider etwas zu unkritisch.
Die Verkaufsgenossenschaft für Bauern in Ruanda (Trafipro) war eines der erfolgreichsten und ältesten Projekte der schweizerischen Entwicklungshilfe. Es wurde bis zum Genozid von 1994 weitergeführt, obwohl die Hutu-Regierung von Präsident Juvénal Habyarimana bereits 1973 befahl, sämtliche 67 Tutsi-Kader aus dem helvetischen Vorzeigeprojekt zu entlassen. Zwar kündigte der damalige Direktor von Trafipro, Hubert Baroni, seinen Job aus Protest gegen diese rassistisch motivierte Massnahme, doch in Bern dachte man nicht daran, das Projekt aufzugeben. Man wollte die «soziale Revolution» des afrikanischen Kleinstaats nicht gefährden, hatte man doch neben der Genossenschaft auch noch eine grosszügig ausgestattete Volksbank eingerichtet.
Thomas Isler geht in seinem Film «Wir kamen, um zu helfen» der Frage nach, weshalb das Projekt trotz prekärer humanitärer Situation weiter unterstützt wurde. Dazu hat er acht ehemalige Deza-Mitarbeiter in der Schweiz, in Deutschland und in Ruanda befragt. Er dokumentiert das inzwischen kläglich gescheiterte Erfolgsprojekt anhand von Ausschnitten aus Fernsehberichten sowie aus Super-8-Filmen und Videoaufzeichnungen der Befragten. Eine propagandistische Lobpreisung der wackeren Aufbauarbeit geht aus der damaligen Medienberichterstattung hervor – diese bleibt in Islers Film unkommentiert. 1976 wird der Finanzchef von Trafipro, der Ruander Innocent Gafaranga, verhaftet, wie er im Film schildert. Der hochbetagte Othmar Hafner erzählt, wie er als leitender Deza-Mitarbeiter den «vorzüglichen» Finanzchef im Gefängnis besuchte und wie man vergeblich gegen dessen Inhaftierung protestierte. Auch der deutsche Deza-Mann, den man 1991 als Fachmann für Selbsthilfeprojekte für die Banque populaire beigezogen hatte, lobt die «demokratische Struktur» der Bank. Und dies obwohl er heute den damaligen Leiter des Filialnetzes der Volksbank und späteren Premierminister Jean Kambanda, einen der inzwischen verurteilten Hauptverantwortlichen für den Genozid, als für den Bankposten nicht sehr qualifiziert beurteilt.
Erschreckende politische Naivität und kulturelle Ignoranz gehen aus vielen Aussagen hervor. Etwa wenn der von 1990 bis 1994 fürs Programm verantwortliche Jean-François Cuénod verkündet, man habe gewusst, dass es früher zu Massakern an den Tutsis gekommen sei, aber einen Genozid mit 800 000 Toten habe man sich niemals vorstellen können. Der Regisseur überlässt dem Deza-Verantwortlichen das letzte Wort und verzichtet auf die historische Einbettung der Aussagen. Dem brisanten Thema wird seine unkritische und kommentarlose Fakten- und Zitatensammlung nicht gerecht.