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Eine Elegie zum Totlachen
“The Last Show” von Robert Altman
Es ist beinahe unheimlich, dass Robert Altman kurz vor seinem Tod noch einen Film drehte, indem ein Todesengel einen alten Künstler zur Reise ins Jenseits abholt. “The Last Show” dreht sich um den Tod und das Ende einer Ära und ist trotzdem eine Komödie. Kann das gut gehen? Blöde Frage, wenn Altman Regie führt.
Von Lukas Hunziker.
Seit vielen Jahren wird im Fitzgerald Theatre in St. Paul, Minnesota, wöchentlich eine Live-Radio-Show aufgezeichnet. Doch nun hat der Sender das Theater an einen herzlosen Geschäftsmann aus Texas verkauft, der es abreissen und durch Parkplätze ersetzen will. Am Tag der letzten Show will aber noch niemand wahrhaben, dass dies das Ende ist. Man weiss, dass der Liquidator aus Texas erscheinen wird und der Sicherheitschef plant, diesen umzustimmen. Währendessen spielen sich hinter der Bühne die Künstler wie gewöhnlich ein und reden vom drohenden Ende der Show wie von vorübergehendem schlechten Wetter. Lange bemerkt niemand die seltsame Frau in weissem Mantel, die sich Zutritt zu den Garderoben verschafft hat.
Absurde Gespräche und Live-Auftritte
“The Last Show” spielt sich fast ausschliesslich innerhalb weniger Stunden ab und wirft einen Blick auf verschiedenste Figuren, die an der Radioshow “A Prairie Home Companion” beteiligt sind. Da sind zum Beispiel die Geschwister Yolanda und Rhonda Thompson, deren Karrierehöhepunkt als Countrysängerinnen längst vorbei ist, die zwei singenden Cowboys Dusty und Lefty, der Bogartsche Sicherheitsbeamte Guy Noir, die spätpubertäre Lola, die Gedichte über Selbstmord schreibt, und natürlich der Moderator der Show, Garrison Keillor, der sich weigert, auch nur mit einem Wort zu erwähnen, dass dies vielleicht die letzte Show ist. Der Grossteil des Films zeigt nichts anderes als die Gespräche, die diese Figuren hinter der Bühne führen, und ihre Auftritte in der Show.
Diese Show – und dies ist das Besondere an Altmans Film – existiert tatsächlich und wird gerade in jenem Fitzgerald Theatre in St. Paul seit 1974 aufgezeichnet. Moderator der Show ist Garrison Keillor, der das Drehbuch schrieb und im Film sich selbst spielt. Auch einige der Figuren des Films, wie Dusty und Lefty oder Guy Noir, kommen in der richtigen Show als fiktive Charaktere immer wieder vor. “The Last Show” ist also eine höchst eigentümliche Verschmelzung von Realität und Fiktion; er erzählt eine fantastische Geschichte in einem real existierenden Setting. Wer dies jedoch nicht weiss – und das dürften bei uns die meisten Zuschauer sein – wird dies mit Sicherheit nicht bemerken. Schlechter wird der Film dadurch aber keineswegs.
Humor und Selbstironie vom Feinsten
“The Last Show” funktioniert nämlich auch prima ohne diese interessante Hintergrundgeschichte. Trotz der melancholischen Stimmung werden sich Liebhaber von Altmans Humor nämlich kaum auf dem Sessel halten können. Absurde, übertriebene Szenen, endlose überbanale Dialoge und schlechte Witze strapazieren die Lachmuskeln immer wieder und die Selbstironie, die Keillor brillant in sein Drehbuch einfliessen liess, macht aus dem Film weit mehr als Selbstbeweihräucherung der Show. Auch das Staraufgebot kann sich voll entfalten, wobei Garrison Keillor, der zwar Entertainer aber eigentlich kein Schauspieler ist, selbst Meryl Streep und Kevin Kline in den Schatten stellt. Einziger Wehmutstropfen ist der doch sehr unpassende Schluss, der die herrliche Atmosphäre, die der Film sonst keine Sekunde verliert, abrupt bricht.
So bleibt “The Last Show” eine herrliche, toll gespielte Komödie mit viel Selbstironie, herrlicher Musik und schrägen Figuren, die über gute eineinhalb Stunden hervorragend unterhalten. Einzig der Schluss verwehrt es dem Film, sich zu den wirklich grossen Meisterwerken Altmans zu gesellen.
Seit dem 24. Mai 2007 im Kino.
Originaltitel: A Prairie Home Companion (USA 2006)
Regie: Robert Altman
Darsteller: Garrison Keillor, Kevin Kline, Meryl Streep, John C. Reilly, Woody Harrelson, Tommy Lee Jones, Lindsay Lohan, Virginia Madsen
Genre: Komödie
Dauer: 100 Minuten
CH-Verleih: Filmcoopi