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5 Fragen an Psychologin Birgit Schmid - Leidet Anna an einer sozialen Angststörung?
Derzeit habe sie fast täglich den Kampf, Anna zu motivieren, zur Schule zu gehen. Anna erzähle ihr, dass die anderen Kinder in der Schule sie mobben würden. Auch ihre Schulleistungen hätten deutlich nachgelassen. Christine Meier fragt sich, was der Grund für das Verhalten ihrer Tochter sein könnte. Die Psychologin befragt Christine Meier vertieft zu den Hintergründen von Annas Verhalten und vermutet danach, dass Anna unter einer sozialen Angststörung leidet. Sie empfiehlt der Mutter, mit ihrer Tochter die Kinderärztin aufzusuchen und falls der Verdacht sich erhärtet, Anna bei einer Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeutin anzumelden.
Wann diagnostiziert man eine soziale Angststörung bei Kindern*?
Kinder und Jugendliche, die unter einer sozialen Angststörung leiden, leben mit der ständigen Angst, sich vor anderen Menschen zu blamieren, ausgelacht oder gehänselt zu werden. Dies führt dazu, dass derartige Situationen gemieden werden oder nur mit sehr grosser Mühe bewältigt werden können. Sie ziehen sich immer mehr von sozialen Kontakten bin hin zum vollständigen Kontaktabbruch.
Wie erkennen Eltern, ob ihr Kind an einer sozialen Angststörung leidet?
Für Eltern ist dieser Prozess meist schleichend beobachtbar. Das Kind hält sich mehr in seinem Zimmer auf, macht seltener mit Kollegen oder Kolleginnen ab und auch diese melden sich immer weniger. Zuerst erleben Eltern diese Situation vielleicht sogar als angenehm. Ihr Kind ist ja vermehrt zuhause. Kinder äussern ihren Eltern gegenüber, dass sie heute keine Lust hätten, sich mit anderen zu treffen. Oft kommen dann auch somatische Beschwerden dazu, wie beispielsweise Bauchweh oder Übelkeit. Sobald Kinder die Schule verweigern, beginnen meist Konflikte zwischen den Eltern und ihnen. Häufig sind diese Verhaltensweisen jedoch Anzeichen dafür, dass das Kind Angst vor sozialen Begegnungen hat.
Spielt die Pandemie um COVID-19 bei der Entwicklung von sozialen Ängsten eine Rolle?
Zu den Auswirkungen, die die Massnahmen zur Pandemiebekämpfung auf Kinder hatten, kann derzeit erst wenig gesagt werden. Es fehlen noch umfassende Studienergebnisse, die auch den Lockdown von 2021 miteinbeziehen. Studien aus dem Jahr 2020 zeigen jedoch, dass Kinder häufig darunter litten, während des Lockdown nicht ihren gewohnten Alltagsbeschäftigungen nachgehen zu können. Diese Studien beschreiben, dass bei Kindern vermehrt Verhaltensauffälligkeiten, wie beispielsweise eine höhere Reizbarkeit und zum Teil auch Aggressivität, aber auch vermehrt emotionaler Stress, eine Zunahme von Ängsten und Traurigkeit, bis hin zu Schlafstörungen beobachtbar waren.
Wie können Eltern ihre Kinder unterstützen?
Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das, was es belastet. In der Beratung von Eltern in der psychologisch-psychiatrischen Sprechstunde von santé24 kann immer wieder beobachtet werden, dass Eltern mit Druck versuchen, ihr Kind dazu zu bewegen, dass es sich wieder mehr mit Freundinnen und Freunden trifft oder wieder regelmässig in die Schule geht. Das ist durchaus verständlich, da bei Eltern Zukunftsängste um ihre Kinder entstehen können. Damit Kinder Lösungen von Eltern umsetzen können, brauchen sie das Gefühl, von ihnen verstanden zu werden. Aber auch dann ist die Umsetzung für sie schwierig. Ängste lösen fast immer ein Vermeidungsverhalten von unangenehmen Situation aus. Dieses Vermeidungsverhalten muss überwunden werden und dazu braucht es eine gute Mischung aus Verständnis und Unterstützung.
Was sind mögliche erste Schritte für Betroffene?
Eine mögliche Unterstützung für Kinder stellt das von der Uni Bern entwickelte begleitete online Selbsthilfetraining «Sophie» dar. Interessierte finden über diesen Link Informationen darüber: https://selfhelp.psy.unibe.ch/sophie/homepage.
Neben diesen Empfehlungen ist es wichtig, dass sich Eltern professionelle Unterstützung für ihre Kinder holen, wenn sich das Verhalten nicht verändert. Erste Ansprechperson ist hier in der Regel der Kinderarzt. Aber auch die Lehrerpersonen können wichtig sein. Viele Schulen beschäftigen in der Zwischenzeit Schulsozialarbeitende, die bei sozialen Ängsten gute Unterstützung bieten.
Birgit Schmid ist Psychologin in der psychologisch-psychiatrischen Sprechstunde von santé24. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.
*) gilt auch für Jugendliche