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Dieser Vermessungskompass, der auch dioptrische Prismenbussole genannt wird, kam 2020 mit rund 320 Vermessungsinstrumenten aus dem Institut für Geodäsie und Photogrammetrie in die Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel.
Dioptrische Prismenbussole
Die dioptrische Prismenbussole ist eine besondere Ausführung eines Kompasses, der ohne sichtbare Kompassnadel auskommt. Stattdessen richtet sich das gesamte Zifferblatt, ein sogenanntes Trockenblatt, durch eine kardanische Aufhängung magnetisch nach Norden aus. Seitlich befindet sich eine Arretiervorrichtung, mit der das Trockenblatt fixiert oder gelöst werden kann.
Für eine Messung wird die Prismenbussole in der Hand gehalten. Die Visiereinrichtung mit Visierdraht wird zur Benutzung aufgeklappt. Die Bussole enthält ausserdem ein aufklappbares Okularprisma, eine sogenannte Zylinderlupe, mit der der auf dem Ziffernblatt aufgedruckte Teilkreis abgelesen werden kann. Dieser ist in 360° unterteilt und spiegelverkehrt auf das Trockenblatt aufgedruckt, aber durch das Prisma richtig ablesbar. 0° liegt im Süden, 90° im Westen, 180° im Norden und 270° im Osten. Hält man die Bussole mit dem frei schwebendem Ziffernblatt vors Auge, peilt über die Visiereinrichtung eine Richtung an und löst dann die Arretiervorrichtung zur Fixierung des Ziffernblattes aus, kann man den tatsächlichen Richtungswert ohne Umrechnung direkt ablesen. Mit dieser Bussole konnte eine ausreichende Messgenauigkeit erreicht werden, um damit einfache Karten und Pläne zu erstellen. 1
Hersteller Johann Georg Oeri
Auf dem Trockenblatt lässt sich die Aufschrift “Oeri in Zürich” erkennen. Dies ist die Herstellermarke von Johann Georg Oeri. Der 1780 in Zürich geborene Oeri machte eine Lehre zum Silberdreher und bildete sich anschliessend in Paris bei Jean Nicolas Fortin zum Mechaniker weiter. Fortin war ein bekannter Hersteller von optischen Instrumenten, Massstäben und Barometern.
1807 kam Oeri aus Paris nach Zürich zurück und gründete dort im Folgejahr an der Trittligasse 34 seine mechanische Werkstätte. Oeri wurde bald zu einem bekannten Mechaniker und Instrumentenbauer und wurde beispielsweise vom Zürcher Physiker und Astronomen Johann Kaspar Horner mit der Anfertigung von physikalischen und mathematischen Apparaten beauftragt. 1832 nahm Oeri Jakob Goldschmid als Lehrling in seine Werkstatt, der diese nach Oeris Tod 1852 übernehmen konnte. Auch Goldschmid führte die Werkstatt erfolgreich weiter und wurde für seine präzisen Instrumente bekannt, insbesondere für Aneroid-Barometer. 2 In der Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel finden sich einige Instrumente, die von Goldschmid konstruiert wurden, so auch das Orthogonalplanimeter nach Kaspar Wetli, das ebenfalls als 3D-Digitalisat zur Verfügung steht.
Während über Johann Georg Oeri nur wenig bekannt ist, ist sein Bruder Hans Jakob Oeri ein bekannter Gemälde- und Historienmaler. Eines seiner Ölgemälde mit dem Titel “Das Pariser Atelier” zeigt von links nach rechts Johann Georg Oeri, den Mechaniker und Instrumentenbauer, einen weiteren Bruder Hans Oeri, der als Spengler arbeitete, als Selbstporträt Hans Jakob Oeri sowie rechts im Bild David Sulzer, ebenfalls ein Maler. Das Bild befindet sich im Kunstmuseum Winterthur.
3D-Digitalisierung
Objektauswahl
Die Animation dieses Digitalisats macht leicht verständlich, wie das Prinzip eines Trockenblattes funktioniert. Durch die hohe Auflösung kann auch das (spiegelverkehrte) Zifferblatt gut gelesen werden, was im Originalobjekt kaum möglich ist. Die 3D-Digitalisierung ermöglicht aber nicht nur, die Funktionen des Instrumentes besser zu verstehen, sondern dient auch der Erhaltung des Objekts. Das digitalisierte Objekt hat nämlich Seltenheitswert. Es sind nur noch drei weitere dioptrischen Prismenbussolen von Oeri bekannt, wobei sich ein Exemplar ebenfalls in der Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel befindet. Nebst der digitalen Erhaltung ermöglicht das 3D-Modell zudem eine bessere Zugänglichkeit des seltenen Objektes, das so nun nicht mehr zwingend vor Ort besichtigt werden muss.
Photogrammetrie und Modellierung
Die animierten Strukturen wurden manuell erstellt.