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Amerikanistenkongreß.
Der achte internationale
Amerikanistenkongreß tagte 14.-20. Okt. 1890 in
Paris.
[* 2] In seiner Eröffnungsrede behandelte
Quatrefages die
Frage nach dem Ursprung der
amerikanischen
Stämme. Er verwarf die
Theorie von der ursprünglichen
Existenz artlich
verschiedener Menschenstämme und suchte im Hinblick auf die Verhältnisse im
Tierreich zu zeigen, daß
der
Mensch von einer verhältnismäßig beschränkten Ursprungsstätte aus durch
Wanderungen über den Erdball sich verbreitet
haben müsse. Die Verbreitung der polynesischen
Stämme durch derartige
Wanderungen sei bereits erforscht, für die
amerikanischen
Stämme aber seien noch Ausgangspunkt,
Ziel und
Richtung der
Wanderung festzustellen.
Am ersten Arbeitstag wurde das Musée du Trocadero besichtigt, wo namentlich die Gegenstände von Tenenepanco am Abhang des Popokatepetl Interesse erregten. Die hier gefundenen Kinderleichen kennzeichnen den Ort als eine Stätte, wo in alter Zeit dem Tlaloc, dem Gotte des Regens und der Berge, Kinder geopfert wurden. Am Nachmittag überreichte Peñafiel sein großes Werk über Mexiko, [* 3] welches in Berlin [* 4] gedruckt wird, und dann sprach Marcou über den Ursprung des Namens Amerika. [* 5]
Marcou hatte schon früher den
Namen von der
Sierra de Amerique oder
Sierra de Amerisque abgeleitet und darauf hingewiesen,
daß
Amerigo Vespucci, nach dessen Vornamen, wie allgemein angenommen wird, der
Name
Amerika gebildet worden ist,
vor 1506 sich Alberigo genannt habe.
Nun zeigte aber
Jimenez de la
Espada, daß in alten
Berichten und
Karten der
Name
Sierra de
Amerique gar nicht erscheint, und daß
Vespucci sich bereits 1492 und 1495
Amerigo genannt habe. Der
Kongreß stimmte daher
mit großer Einhelligkeit der Bemerkung des Vorsitzenden Hellmann bei, daß diese
Frage nun wohl für
immer von dem
Programm der
Amerikanistenkongresse abgesetzt sei.
Marcel erwähnte einen Globus der Bibliothèque Nationale, welcher 1513 angefertigt sein dürfte und wohl eins der ältesten Dokumente ist, auf denen der Name Amerika erscheint. Eine Meerenge durchschneidet das Land in der Höhe von Panama. [* 6] Zum Schlusse sprach Gaffarel über die Entdeckungsfahrten der Portugiesen in der Kolumbianischen Epoche, an denen besonders die Familie Corte Real beteiligt war. Die erste durch Dokumente bezeugte Fahrt machte Gaspard Corte Real 1500, welcher auf derselben die Terra verdex, wahrscheinlich Neufundland oder Labrador, entdeckte.
Auf einer Fahrt im folgenden Jahr, von welcher nur ein Schiff [* 7] zurückkehrte, wurden ziemlich hoch im N. gelegene Gebiete (Baffinsbai) erreicht und bei den Bewohnern der Küste venezianische Glasperlen als Schmuck angetroffen. Gaspard ebenso wie sein Bruder Miguel Corte Real, der ihn 1502 aufzufinden suchte, blieben verschollen, das Interesse der Portugiesen aber lenkte sich nach der Entdeckung Brasiliens durch Cabral andern Gebieten zu, und man überließ den Franzosen die Erschließung der im N. gelegenen Gebiete.
In der zweiten Sitzung unter dem Vorsitz von Altamirano, den Quatrefages als Vertreter der präkolumbischen Rassen vorgestellt hatte, sprach Seler über die Wandmalereien der Paläste von Mitla. Dieselben sind in Rot und Weiß auf feinem Stuckgrund im Stile der alten Bilderhandschriften ¶
forlaufend
ausgeführt und enthalten eine ganze Anzahl bemerkenswerter mythologischer Figuren und Symbole. Der Vortragende, welcher die
Bilder kopiert hat, gedenkt sie in kurzem mit begleitendem Texte herauszugeben. Charnay wies in längerm Vortrag auf die Ähnlichkeiten
hin, die er zwischen den zentral
amerikanischen Bauwerken und denen Ostasiens, Chinas und Kambodschas gefunden haben will.
Er folgert daraus, daß die
amerikanische Rasse aus Asien
[* 9] eingewandert sei. Seler sprach dann abermals über altmexikanische
Goldschmiedekunst,
[* 10] Steinschneiderei und Federarbeit.
Leider ist von den Erzeugnissen dieser Arbeitszweige, die auf einer hohen Stufe der Vollendung standen, wenig übriggeblieben. Die Goldsachen wurden von den Spaniern eingeschmolzen, und die Federarbeiten haben die Motten gefressen. Nachdem aztekischen Texte des Geschichtswerks des P. Sahagun verwendeten die altmexikanischen Goldschmiede hauptsächlich Gold, [* 11] das Silber nur zu Einlagen, zu einer Art Tauschierarbeit. Sie schnitzten ihre Modelle aus einem an der Sonne [* 12] getrockneten Gemenge von feinem Thon und Holzkohlenpulver und überzogen dieselben mit einer dünnen Wachsschicht.
Auch die Gußform wurde aus Thon und Holzkohle hergestellt. Das gegossene Stück machte man durch Erhitzen in einem Alaunbad und dann in einem Bade von mit Salz [* 13] gemischtem Lehm glänzend. Neben den gegossenen wurden auch getriebene Schmuckgegenstände hergestellt. Die Federarbeit besteht zum Teil aus ganzen, mit Bambus versteiften und mittels Schnur und Bindfaden aneinander gefügten Federn. In dieser Weise sind die vielgestaltigen Devisen gefertigt, welche die mexikanischen Kriegshäuptlinge beim Tanze und auch in der Schlacht auf den Rücken geschnallt trugen.
Zur Herstellung von Federmosaik zerschnitt man die Federn und klebte sie auf Papier. Auf einer Grundschicht aus gewöhnlichen billigern Federn wurde die eigentliche Malerei mit glänzenden, aus der Tierra Caliente eingeführten Federn ausgeführt. Im Museum für Völkerkunde in Berlin befindet sich ein derartiger schöner Federmantel. Zum Schluß legte de la Rada y Delgado alte, von der Expedition Ruiz y Pavon herrührende peruanische Geräte vor. Charakteristisch ist die Übereinstimmung der Form von Stein- und Bronzegeräten. Der Stiel einer Bronzeaxt, die genau die Form des in einem Holzstiel mit Schnur befestigten Steinbeils wiedergibt, zeichnet sich aus durch eine schöne Ornamentierung mit in die Bronze [* 14] eingelegten Silberplättchen.
In der Nachmittagssitzung suchte de Nadaillac nachzuweisen, daß der Mensch schon zur Diluvialzeit Amerika bewohnt habe. Abbé
Petitot hält gleich den
amerikanischen Geologen die diluvialen Massen, denen Richthofen subaerische Bildung
zuschreibt, für Ablagerungen großer Seebecken und zieht daraus den Schluß, daß Amerika zur Diluvialzeit unbewohnbar gewesen
sei. Für die Eiszeit
[* 15] will Petitot die Existenz des Menschen in Amerika zugeben, da die kanadischen Indianer eine Tradition von
einem Untergang der Welt durch Schnee
[* 16] besitzen.
Der Vortragende sprach ferner über die Schöpfungssagen der Tschigliteskimo von der Mündung des Mackenzie und legte eine Anzahl Gebrauchsgegenstände der Mackenzie-River-Stämme und der westlichen Eskimo vor: Schaber, Nadelbüchsen, Harpunen, die in Form und Anordnung die auffallendste Ähnlichkeit [* 17] zeigen. Diese Gegenstände scheinen den in oben erwähnter Tradition bezeugten gemeinsamen Ursprung der beiden zur Zeit weit entfernt voneinander wohnenden Zweige des Eskimostammes zu bestätigen.
In der Nachmittagssitzung des dritten Kongreßtags wurde eine Abhandlung von Frau Nuttall vorgelegt, welche sich mit dem von Hochstetter in der Ambraser Sammlung aufgefundenen altmexikanischen Federschmuck des Wiener Hofmuseums beschäftigt. Baron de Baye sprach über Pfeilspitzen aus einem Mound in der Nähe der Missourimündung, Ehrenreich demonstrierte Photographien der Indianerstämme, die er als Begleiter von den Steinens und auf seiner Fahrt den Araguay abwärts aufgenommen hatte. Er hob hervor, daß die mongoloiden Eigentümlichkeiten, welche verschiedene Reisende bei den Botokuden und bei den Stämmen des Innern haben wahrnehmen wollen, in Wirklichkeit nicht bestehen.
Deniker sprach über die Resultate der mehrjährigen wissenschaftlichen Expedition nach dem Kap Horn, bei welcher die drei Stämme, die auf Feuerland leben, in Bezug auf ihre physischen Eigentümlichkeiten und ihre ethnographischen Besonderheiten untersucht wurden. Es sind Photographien aufgenommen, Leichen präpariert und mit zerlegten Hütten [* 18] und ansehnlichen Sammlungen von Gebrauchsgegenständen etc. nach Paris geschafft worden. Auch der Linguistik hat man gebührende Aufmerksamkeit zugewendet.
Das betreffende Werk über diese Expedition soll demnächst erscheinen. Im Anschluß an diesen Vortrag berichtete Marcel über wenig bekannte Reisen von Franzosen nach dem Feuerland. Erwähnenswert ist besonders der Bericht eines Flibustiers, Jouan de la Guilbaudière, der 1695 in der Magelhaensstraße scheiterte und 11 Monate unter den Eingebornen zubrachte. Er hat ein Vokabular von mehr als 300 Worten gesammelt, welches um so interessanter ist, als die ältesten Wortsammlungen des Feuerlandes aus dem Ende des 18. Jahrh. stammen. De la Rada y Delgado sprach hierauf über die beiden Mayahandschriften des Madrider Museums, den Kodex Tro und den Kodex Cortez, und wies nach, daß sie die beiden Hälften einer und derselben Originalhandschrift sind, welche ineinander gefügt ein Ganzes bilden.
Raynaud hob hervor, daß auch die Maya,
[* 19] die später die Tageszeichenzählung mit dem vierten Tageszeichen
der mexikanischen Zählung begannen, ursprünglich die Zählung mit dem ersten Tageszeichen der mexikanischen, chiapanekischen
und guatemaltekischen Zählung begannen. Er will danach zwei Kulturepochen unterscheiden: eine ursprünglichere, allgemein
mexikanische und eine spätere, höhere, im engsten Sinne yukatekische Kultur. Villanova y Piera berichtete über ein von Carles
im Gebiet des La Plata-Stroms in tiefen Schichten aufgefundenes Skelett
[* 20] mit stark abgenutzten Zähnen, die
auf vorwiegende Körnernahrung hindeuten. Zum Schluß legte Borsari die Statuten der neugegründeten italienischen
amerikanischen
Gesellschaft vor und bat um Mitwirkung der Kongreßmitglieder namentlich behufs Herstellung eines möglichst vollständigen
Litteraturnachweises.
In der Sitzung des vierten Kongreßtags sprach Raoul de la Grasserie über die Bauivasprache, die zu der großen Familie der Maypuresprachen gehört. In nahezu 50 Sprachen dieser Familie, für welche das nu als Präfix der ersten Person so charakteristisch ist, daß von den Steinen dieselbe als Nu-Sprachen bezeichnet, hat Adam nicht die Spur eines Artikels gefunden, u. er hält für zweifelhaft, ob es eine einzige amerikanische Sprache [* 21] gebe, die einen wirklichen Artikel ausgebildet habe. Adam beleuchtete dann gewisse Eigentümlichkeiten der Sprache der Mosquito-Indianer, für welche Maisonneuve demnächst eine Grammatik publizieren werde, und Seler machte Mitteilungen ¶
forlaufend
über die zapotekischen und mixtekischen Sprachen. Pector sprach über die geographischen Namen von Zentralamerika [* 23] und zeigte an, daß er beabsichtige, ein geographisch-etymologisches Wörterbuch von Zentralamerika zusammenzustellen. Im Anschluß an diesen Vortrag wies Seler darauf hin, daß die übliche Verwendung des Wortes Anauac (Anahuac) für das Hochplateau von Mexiko (Plateau von Anahuac etc.) ganz falsch sei. Anauac heißt »am Wasser«, und von allen alten Autoren wird das Wort einzig im Sinne von Küstenland gebraucht.
Nur Motolinia braucht das Wort für ganz Neuspanien, und dies hängt vermutlich mit der Phrase cem anauac zusammen, die im Sinne von »die ganze Welt« gebraucht wird, aber ursprünglich »das Ganze inbegriffen das Küstenland«, »das ganze Land bis zum Meer« bedeutet. In der Nachmittagssitzung hielt Pinart einen Vortrag über Altertümer und Felsinschriften der Großen und Kleinen Antillen und über die Felsinschriften der kleinen Insel Aruba bei Curaçao. Die Inschriften der Antillen sind in den Fels gehauen und gehören der vorkaribischen Bevölkerung, [* 24] der Haytirasse, an, die Inschriften der Insel Aruba sind dagegen in Farben ausgeführt.
Der Redner sprach sodann über die Bevölkerung des Isthmus von Panama. Er unterscheidet zunächst in Costarica die Guetares, die in geregelten politischen Verhältnissen lebenden zivilisierten Savannenbewohner, von den schweifenden Stämmen der Urwälder des Ostens, den Talamanca-Guatusos. Die erstern hält er für ethnisch identisch mit den Changuinas, den Anwohnern der Lagune von Chiriqui. Ferner kommen in Betracht die Mexikaner, deren Spuren bis an den Rio [* 25] Chagre und die unmittelbare Nachbarschaft der Strecke, wo jetzt der Kanal [* 26] gegraben wird, ja bis auf die Islas de Perlas zu verfolgen sind.
Den Hauptstock der Bevölkerung des Isthmus bilden neben den Guaymi-Changuinas die Cuna, die zu beiden Seiten des Isthmus, am Rio Chagre bis an den Golf von Uraba und den Rio Atrato aufwärts wohnen, eine in der Kultur ziemlich vorgeschrittene, starke, tapfere Nation, in beständigem Kampfe lebend mit den Chocoindianern, die ihrerseits wieder schon unter dem Einfluß der Hochlandstämme standen. Die Cuna hält der Vortragende für ethnisch verwandt mit der Bevölkerung des östlichen Costarica.
Alle diese Stämme, welche auf dem Isthmus längs des Antillenmeers wohnen, gebrauchen das Blasrohr, weshalb sie auch als Botoqueros, Chonteros (von chonta, das Blasrohr) bezeichnet werden. De Peralta bestreitet, daß die Guetares Savannenbewohner gewesen seien. Gestützt auf die alten Autoren, hält er sie für Bergindianer, die mit den Changuinas nichts zu thun hatten. Girard de Rialle hielt hierauf einen Vortrag über Verträge aus dem Jahr 1666 zwischen dem Gouverneur von Kanada und den Abgesandten von vier der fünf verbündeten Nationen der Irokesen, Onondaga, Oneida, Cayuga und Seneca.
Diese Verträge sind besonders interessant, weil auf ihnen die indianischen Abgesandten mit ihrem Totem, ihrem Familienwappen, Unterzeichnet haben. Delisle sprach über die künstliche Deformation der Tschinukschädel, welche meist eine sehr beträchtliche Verschiebung der Dimensionen zeigen. Bisweilen ist der Längsdurchmesser des Schädels 2,5mal so groß wie der Querdurchmesser. Die Nähte zeigen einen unregelmäßigen Verlauf, auch an der Basis sind beträchtliche Umformungen bemerkbar.
Das Knochengewebe selbst erleidet Veränderungen, das Osteoid wuchert stark, regelmäßig sind mehr oder minder starke Verdickungen der Schädeldecke vorhanden. Marcel Daly legte Pläne der Ruinenstätten von Copan in Honduras [* 27] und Utatlan, der alten Königstadt der Quiché, vor und erörterte die zentralamerikanische Architektur. Charakteristisch ist das Vorhandensein von Mauern im Innern der Tempelpyramiden und die durchgängige Bemalung der Baulichkeiten.
Neben den Tempelpyramiden finden sich stets lange Häuser mit Pfeilerreihen. Seler zeigte Pläne des großen Tempels von Mexiko, ebenfalls mit langen Pfeilerhäusern, und bemerkt, daß dies die Calmecac, die Behausungen der Priester, sind, wie bei dem der aztekischen Handschrift des P. Sahagun entnommenen Plane ausdrücklich angegeben ist. Zuletzt sprach Henriquez y Carbajal über die Authentizität der seiner Zeit nach Cuba gebrachten Gebeine von Christoph Kolumbus.
Der Vortragende hob hervor, daß nach Dokumenten zu seiten des Altars der Kapelle der Kathedrale von Santo Domingo [* 28] auf Hayti und zwar auf der Seite des Evangeliums der Admiral und sein Sohn, auf der Seite der Epistola ein Enkel des Admirals beigesetzt sei. Zur Zeit der Wiedereröffnung des Grabes und der Überführung der Gebeine nach Havana [* 29] habe keine Inschrift die Stelle des Grabes bezeichnet, vermutlich weil 1683 angesichts der drohenden Landung englischer Kriegsschiffe der Bischof Francisco Pio die ursprüngliche Inschrift verwischen ließ.
Bei der Eröffnung sei kein vollständiger Sarg hervorgezogen worden, keine Bleikapsel, kein Siegel, sondern nur ein paar Bretter und ein paar Knochen, [* 30] die ebensogut von dem einen wie von dem andern der beiden Colon herrühren konnten. Es erscheint hiernach sehr zweifelhaft, ob die nach der Havana übergeführten Gebeine wirklich die des Admirals gewesen seien. Anderseits zeigte der Vortragende die Abbildung einer Steinkiste, die angeblich bei der Eröffnung der Grabstätte gefunden worden, und auf der deutlich zu lesen ist, daß in ihr die Gebeine Cristóbal Colons enthalten seien.
Die Schriftcharaktere sollen von gelehrten Gesellschaften als dem 16. Jahrh. angehörig anerkannt sein. In der sehr erregten Diskussion, die sich an diesen Vortrag anschloß, wurde die Behauptung, daß sich die Academia de la Historia in Madrid [* 31] und die Akademie von Genua [* 32] für die Authentizität der Inschrift ausgesprochen haben, sehr energisch zurückgewiesen, und in der Versammlung herrschte der Eindruck vor, daß es sich hier um eine dreiste Fälschung handle. Man plant die Heiligsprechung des Kolumbus, und so erklärt sich das Interesse der einen und der andern Stadt, die Gebeine des zukünftigen Heiligen in ihren Mauern zu wissen.
Am fünften Kongreßtag sprach Berg über die Verhältnisse der grönländischen Eskimo und hob hervor, daß die dänische Regierung durch strenge Überwachung des Branntweinverkaufs von ihren arktischen Unterthanen die Pest fern gehalten habe, welcher schon so mancher eingeborne Stamm nach der Berührung mit den Europäern erlegen ist. Altamirano legte hierauf das handschriftliche Exemplar der äußerst seltenen Grammatik der Heguesprache vor, die von einem Indianerstamm der nördlichen Gebiete Mexikos gesprochen wird, ebenso die spanische Übersetzung zweier Arbeiten Bandeliers, die von der Kriegführung und der staatlichen Ordnung der Azteken handeln. In denselben wird gezeigt, daß das alte Mexiko niemals eine Monarchie, sondern eine militärische Demokratie gewesen sei. An der Spitze stand nicht ein König oder Kaiser, sondern zwei Beamte, der Tlacatecatl, dem die oberste Führung im Kriege zukam, und der Ciuacouatl, der die oberste Entscheidung in zivilen Angelegenheiten hatte. Ber ^[richtig: Berg] berichtete über ¶