Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03597.jsonl.gz/34

Bezüglich Pünktlichkeit des Transitverkehrs und der Flug-häfen hat die Europäische Kommission klare und ehrgeizige Ziele vorgegeben. Um ein genaueres Bild zu erhalten, müssten auch die Gründe für Verspätungen benannt werden, nicht nur die Orte, an denen sie aufgetreten sind. Abflugverzögerungen können verschiedene Ursachen haben, die nur zum Teil auf die Flugsicherungsdienste zurückzuführen sind.
In diesen Fällen kann die Flugsicherung Einfluss nehmen:
Militärische Aktivitäten
ATC-Kapazität
Aussergewöhnliche Ereignisse
Streckenführung
ATC-Personalmanagement
ATC-Infrastruktur
Fälle ausserhalb des Einflussbereichs der Flugsicherung:
Unfall oder Zwischenfall
Wetter
Infrastruktur (Nicht-ATC)
Flughafenkapazität
Streiks
Enteisung von Flugzeugen
Umwelteinflüsse
Abflugverzögerungen aufgrund des Verkehrsfluss-Managements (Air Traffic Flow Management ATFM) können auftreten, wenn das Network Management Operations Center (NMOC) von Eurocontrol vorhersagt, dass die Anzahl Flüge gemäss Flugplänen die Kapazität eines bestimmten Luftraumsektors während eines bestimmten Zeitraums über-steigen wird. In diesem Fall wird das NMOC einzelnen Flügen bestimmte Startzeiten zuweisen.
Trotz des hohen Verkehrsaufkommens verzeichnete skyguide 2018 nur einen leichten Rückgang der Pünktlichkeit: 96,5% aller Flüge (Vorjahr: 97%) wurden ohne Verspätung abgewickelt. Damit erfüllt skyguide die Vorgaben des europäischen Leistungsplans. Die Verspätungen auf der Strecke stiegen von 10,1 Sekunden 2017 auf 17,1 Sekunden pro Flug. Sie waren hauptsächlich auf Witterungsbedingungen (41%), Kapazitätsengpässe (39%) und Krankheit von Mitarbeitenden (17%) zurückzuführen.
Die Gründe für die meisten Verspätungen liegen ausserhalb des Einflussbereichs der Flugsicherung. Hauptursache für 27,9% mehr verspätete Flüge in Genf waren die Witterung (55%), unzureichende Landebahnkapazität (20%), krankheitsbedingte Abwesenheiten (19%) und unzureichende Anflugkapazität (3%). Die Verspätungen in Zürich stiegen um 15,2%, ebenfalls wegen der Witterung (56%) und der Landebahnkapazität (18%) sowie Umweltvorschriften (13%) und unzureichender Anflugkapazität (10%).
Kampf gegen Verspätungen im Transitverkehr
Die Verspätungen auf der Strecke nahmen europaweit 2018 um 82% zu, hauptsächlich wegen externen Faktoren.
Die Gründe dafür:
Widrige Witterungsbedingungen (starke Winde), die das ganze Jahr über auftraten und keinen einzigen Monat -verschonten, verursachten mehr als doppelt so viele Verspätungen wie 2017 (+ 139%).
Wegen Personalmangel in den Kontrollzentren Karlsruhe, Maastricht und Reims beschlossen die zuständigen europäischen Gremien, den Verkehr auf Zentren zu verteilen, die über freie Kapazitäten verfügen. Dabei wurde dem Zürcher Kontrollzentrum viel Mehrverkehr zugewiesen. Das führte zu Kapazitätsengpässen im Luftraum. Ohne diese zusätzliche Belastung hätten die durchschnittlichen Verspätungen im Luftraum des ACC Zürich statt 0,32 nur 0,26 Minuten pro Flug betragen.
Eine grosse Anzahl Sonderregelungen in ganz Europa führen zu einer hohen Volatilität in den kurzfristigen Verkehrsprognosen.
Wegen des hohen Ölpreises flogen mehr Fluggesellschaften direktere Wege über die Schweiz und trugen so zum Verkehrswachstum im ACC Zürich bei.
Skyguide hat Massnahmen zur Erhöhung der Kapazität ergriffen:
Eine harmonisierte ACC-Sektorisierung von Genf und Zürich auf Flugniveau 315 (31 500 Fuss oder 9 600 Meter) und höher, für welche Kapazitätssteigerungen vorgenommen wurden.
Sektorplanungsinstrumente, die auf stündlichen Vorhersagen des Verkehrs basieren.
Kontinuierliche Verbesserung jener Systeme, welche die Verkehrsbelastung und Verkehrsflüsse vorhersagen.
Verbesserte Flexibilität bei der Arbeitsplanung von Flugverkehrsleitenden durch Erweiterung von deren Qualifikationen.
Neue Massnahmen zur Verbesserung des Verkehrsmanagements.
Entwicklung einer neuen Methode zur Erkennung von Flügen, die in anderen Sektoren oder auf anderen Flug-höhen als ursprünglich geplant verkehren.
Die schweizweite Harmonisierung von Einrichtungen und Verfahren für flexible Betriebsabläufe (Virtual Center).
Skyguide weist ihre Leistungsfähigkeit nicht nur gegenüber ihrem Eigentümer und den Kunden nach, sondern seit 2012 auch gegenüber der Europäischen Kommission. Ende 2014 legte die Kommission in Abstimmung mit skyguide und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) eine Reihe von Leistungskriterien für die Jahre 2015 bis 2019 fest. Die definierten Kriterien führten zu Kontroversen innerhalb von Europa: Unternehmen, die so stark reguliert sind wie Flugsicherungsdienste, haben Schwierigkeiten, Kosten zu senken, gleichzeitig in neue Technologien zu investieren und die Ziele des Europäischen Leistungsplans zu erreichen.