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Eine Trennung nach 60 Ehejahren ist kein Tabu mehr, denn die Zahl der geschiedenen Paare über 60 hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Die gesellschaftliche Einstellung hat sich in diesen 20 Jahren stark verändert, eine Trennung ist nicht mehr so verpönt wie früher. Wir müssen bedenken, dass sich unser Leben nach der Pensionierung drastisch verändert. Plötzlich haben wir viel freie Zeit und müssen uns entsprechend verhalten, was nach vielen Jahren der Gewohnheiten, die wir uns angewöhnt haben, schwierig sein kann. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Mehrheit der getrennten Paare, unabhängig vom Alter, schnell einen neuen Partner findet.
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«Wir haben beschlossen, uns zu trennen.»
Der Satz klingt fast banal… Aber er klingt weniger banal, wenn die beiden Hälften des Paars 60, 70, oder im Fall von Mark und Michaela, 80 Jahre alt sind. Als sie der Familie ihre Trennung ankündigten, standen alle unter Schock. Natürlich wussten alle, dass das Paar schwierige Zeiten durchgestanden hatte und seit einigen Jahren Spannung herrschte.
Genau genommen seit die Pensionierung sie dazu gezwungen hatte, 24 Stunden am Tag miteinander zu verbringen. Mark hatte Schwierigkeiten, sich an seinen neuen Status gewöhnen: der ehemalige Direktor verwandelte sich in einen Haustyrannen. Langsam reduzierte sich der Freiraum seiner Ehefrau. Täglich kam es zu Streitigkeiten und schlechter Laune, beide hatten nichts von ihrem Tag. Gleichzeitig hatte Michaela gesundheitliche Probleme, die sie aber nicht daran hinderten, in den Ausgang zu gehen und ihre Interessen zu pflegen. Ihr Mann behielt seine gute Form durch jahrelange sportliche Betätigung, verschloss sich aber, beschränkte den gesellschaftlichen Umgang auf das strikte Minimum und vermied es, das Haus zu verlassen. Und es war schliesslich sein Geburtshaus, das zur Trennung führte. Viele Treppen und mangelnder Komfort machten es ungeeignet für jemanden mit Michaelas Gesundheitsproblemen. Sie wollte umziehen – er weigerte sich. Eines Tages fand Michaela eine Residenz mit Service. Bis zur letzten Minute glaubten Mann und Familie, dass sie es sich anders überlegen würde. Aber sie zog zwei Monate später in ihre neue Wohnung, während ihr Mann im alten Haus blieb.
Ein anderes Leben ist möglich
Seit einigen Jahren ist die Anzahl der Seniorenscheidungen drastisch angewachsen, in der Schweiz wie in anderen Ländern. Die Zahl der über 60-jährigen, die sich scheiden lassen, hat sich verdoppelt im Vergleich zu den Scheidungen dieser Altersklasse vor 20 Jahren. Das Alter hindert nicht mehr an der Trennung, vor allem, da sich die gesellschaftliche Einstellung grundlegend geändert hat. Die höhere Lebenserwartung zeigt neue Perspektiven auf.
Heute ist es nicht mehr selten, sich nach 20, 30, 40 oder mehr Jahren gemeinsamen Lebens zu trennen. Häufig ist es die Pensionierung und die damit verbundenen Umwälzungen, die zum endgültigen Bruch der bereits belasteten Beziehung führt. Sich plötzlich in der Zweisamkeit wiederzufinden, schafft vor allem dann Probleme, wenn sich vorher schon Überdruss und Bitterkeit eingeschlichen haben oder wenn die Ehepartner keine Interessen mehr teilen und keine Lust auf gemeinsame Unternehmungen verspüren. Den gemeinsamen Weg weiter zu gehen und sich in einem neuen Leben zurechtzufinden, wird zur Herausforderung. Wie für die jüngeren Paare, findet man manchmal keine andere Lösung als die Trennung, was sowohl die Beteiligten als auch die Familie sehr mitnimmt. Auch wenn das alles sehr hoffnungslos klingt, gibt es auch positive Aspekte. Studien zeigen, dass die Mehrzahl der geschiedenen Senioren, Männer und Frauen, recht schnell wieder einen neuen Partner finden!