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Erziehung von Kindern ist keine Wissenschaft, man könnte auch sagen, dass "etwas Gespür" und ein "gesunder Menschenverstand" sowie die Erfahrungen aus der eigenen Kindheit durchaus genügen würden. Allerdings sind Gespür und Verstand nicht gerade bescheidene Fähigkeiten und die eigenen Erfahrungen, vor allem jene aus der frühen Kindheit, sind nicht immer eine Hilfe, sondern können jenachdem eine Art Hypothekt sein. Eltern aber, die eine Erziehung genossen haben, die den damaligen Bedürfnissen als Kind wirklich genügte, dürften tatsächlich kaum wirkliche Probleme haben, da sie die nötigen Kompetenzen, insbesondere Selbstvertrauen und freier Wille, eben von Natur aus schon mitbringen.
Allgemein
Selbstvertrauen und freier Wille
Das "Zweimalzwei der Erziehung" geht von den beiden wichtigsten Kräften des Menschen, nämlich
aus. Mit diesen Kräften kann der Mensch sich vollkommen verwirklichen, also sein ganzes Potential in jederlei Hinsicht realisieren und auch höhere, zum Bespiel spirituelle, Ziele erreichen. Selbstvertrauen und freier Wille wiederum sind die Grundlagen für Selbständigkeit und Beziehungsfähigkeit.
Wenn Sie als Eltern bereits ein gesundes Selbstvertrauen haben und auch Ihr Wille nicht nur stark, sondern auch möglichst frei von egoistischen Absichten ist, haben Sie bereits die Kernkompetenzen, um Kinder erziehen zu können, beziehungsweise Sie werden die Fragen, mit denen Sie konfrontiert werden, weitgehend selbst beantworten können.
"Ja" und "Nein!"
Diese Kernkompetenzen könnte man auch als Fähigkeit beschreiben, wirklich "Ja" und konsequent "Nein!" sagen zu können. Allerdings sind sich die wenigsten Menschen bewusst, was das wirklich bedeutet und die meisten würden nur allzu schnell antworten, dass sie das schon könnten, allenfalls vielleicht nicht so gut „Nein!“ sagen könnten. Dabei geht vergessen, dass sich diese beiden Prinzipien ergänzen, das heisst, dass wer nicht „Nein!“ sagen kann, auch nicht wirklich „Ja“ sagen kann - und umgekehrt!
Konkrete Kompetenzen
Für all diejenigen Eltern, die gewissermassen nicht schon von Natur aus alle Begabungen mitbringen, ist dieses "Zweimalzwei der Erziehung" geschrieben. Im folgenden sind einige der wichtigsten Fähigkeiten und Eigenschaften aufgelistet, die Sie mitbringen sollten beziehungsweise eben im Rahmen Ihrer Erziehungsarbeit erwerben sollten:
Aufmerksamkeit
Kinder können ihre Bedürfnisse anfangs nur sehr beschränkt mitteilen, sodass es eine gewisse Aufmerksamkeit braucht, um sie zu verstehen. Dabei spielt es weniger eine Rolle, wie viel Sie verstehen (Sie werden Ihr Kind sowieso nie ganz verstehen!), sondern vielmehr, dass Sie sich Mühe geben, sodass das Kind spürt, dass Sie sich um es sorgen.
Lernbereitschaft
Eines der wohl grössten Missverständnisse in der Erziehung ist, dass Kinder lernen müssten. Kinder lernen ganz von alleine und es ist vielmehr ihr Recht lernen zu dürfen. Einiges zu lernen haben hingegen in aller Regel die Eltern, denn Erziehung ist eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe.
Offenheit und Ehrlichkeit
Kinder sind von Natur aus völlig offen und ehrlich, sie haben weder versteckte noch böse Absichten. Sie haben es schon allein deshalb verdient, dass auch ihre Eltern Ihnen gegenüber offen und ehrlich sind.
Gespür und Mitgefühl
Für die Erziehung von Kindern sollte man einige wenige Dinge über deren Wesen mit dem Kopf verstanden haben, doch in erster Linie ist Erziehung eine Frage des Gespürs. Gerade wenn Sie Zweifel haben, was für Ihr Kind gut ist, sollten Sie mehr auf Ihr Herz denn auf Ihren Kopf hören. Kinder sind vor allem in den beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung noch vollkommen auf ihre Eltern angewiesen. Um sich in der Welt zurechtzufinden und das Erlebte einordnen zu können, brauchen sie viel Mitgefühl (nicht zu verwechseln mit Mitleid).
Erfahrung
Kinder erziehen kann man nicht im Trockenen üben. Sie können und sollen sich zwar möglichst schon vor der Geburt damit befassen, doch müssen Sie Ihre eigenen Erfahrungen machen. Sie brauchen sich davor nicht zu fürchten, denn Ihr Kind ist sehr ausdauernd und wird Ihnen immer wieder Gelegenheit zum Üben geben! Sicher werden Sie sich auch an Ihre eigene Kindheit erinnern und sich bemühen, all das besser zu machen, was Sie als schwierig erlebt hatten. Schliesslich kann auch die Erfahrung Ihrer eigenen Eltern hilfreich sein, jedenfalls wenn keine belastende Vergangenheit im Raum steht. Die allermeisten Grosseltern geben ihr Wissen sehr gerne weiter und haben meistens auch die nötige Gelassenheit.
Geduld
Kinder entwickeln sich in ihrem ganz eigenen Rhythmus und lassen sich nicht gerne drängen. Eine der wichtigsten Kompetenzen, die Sie lernen sollten, ist deshalb Geduld. Je besser Sie in den beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung auf das Kind warten können, desto eher können Sie danach von ihm gelegentlich fordern, dass es sich etwas beeilt, weil Sie zum Beispiel knapp in der Zeit sind. Zuvor muss das Kind aber erfahren haben, dass seine Bedürfnisse wann immer möglich Vorrang haben.
Ruhe und Gelassenheit
Zwar haben Sie eine grosse Verantwortung für Ihr Kind, gerade in den ersten, alles entscheidenden Jahren. Doch sollten Sie auch anerkennen, dass Ihr Kind eine eigene Persönlichkeit mitbringt und damit ein eigenes Schicksal hat. Das fordert eine gewisse Gelassenheit, denn Sie können Ihr Kind nicht auf alle Ewigkeit behüten, sondern sollen es mehr und mehr loslassen können. Das geht nur, wenn Sie selbst Vertrauen in das Leben im Allgemeinen und in die Fähigkeiten des Kindes im Speziellen haben.
Humor
Kinder stolpern dauernd über irgendwelche Schwierigkeiten oder Hindernisse des täglichen Lebens, auf die sie nur zu gerne mit einer Art heiteren Gelassenheit reagieren. Lassen Sie sich davon anstecken, denn Humor ist ein wunderbares Mittel, um mit Missgeschicken aller Art umzugehen. Und es zeigt Ihnen ganz nebenbei, dass Sie in Ihrer Erziehungsarbeit weder perfekt sein müssen, noch mit tierischem Ernst ans Werk gehen sollen. Humor ist aber zu unterscheiden von Ironie, von der Kinder überfordert wären, da sie den Sprachwitz noch nicht verstehen können.
Toleranz und Kompromissbereitschaft
Kinder nehmen in Ihrem Alltag sehr viel Raum und Zeit ein. Das bedingt einige Kompromisse, die regelmässig auch Ihre eigenen Bedürfnisse betreffen. Das müssen Sie in Kauf nehmen können. Allerdings ist diese Zeit der grossen Einschränkungen je kürzer, desto mehr Sie sich in den ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung auf das Kind und seine Bedürfnisse einlassen können! Dass Kinder auch ein gewisses Mass an Toleranz verlangen ist sicher selbstverständlich, doch ist das Mass natürlich höchst individuell. Entscheidend ist dabei, dass Sie Ihre eigenen Grenzen erkennen und diese dem Kind auch klar und konsequent mitteilen. Kinder kommen zwar ohne Grenzen zur Welt, sie brauchen diese aber, ähnlich wie Autofahrer bei einer Passfahrt auf schützende Leitplanken angewiesen sind.
Standhaftigkeit und Verlässlichkeit
Kinder müssen sich auf ihre Eltern verlassen können. Das gilt insbesondere für Regeln, die Sie aufstellen. Ein bestimmtes Mass Standhaftigkeit und Verlässlichkeit sind deshalb unerlässlich, wohingegen Wankelmut Kinder verunsichert und überfordert.
Achtsamkeit und Demut
Schliesslich verlangt die Erziehung eine gewisse Demut, denn Kinder gehören nicht einfach den Eltern, sie sind den Eltern bloss anvertraut und kommen mit einer eigenen Persönlichkeit zur Welt. Dieser Verantwortung sollten Sie mit Achtsamkeit begegnen. Selbstverständlich bringen nicht alle Eltern die gleichen Kompetenzen mit und können trotzdem Kinder erziehen. Sie müssen ja auch nicht perfekt sein. Wichtig ist aber, dass Sie bereit sind zu lernen und sich Mühe geben. Denn das spürt das Kind sehr wohl. Zudem ist es ausgesprochen tolerant und von Natur aus kooperativ, zumal es sich durchaus bewusst ist, dass es wortwörtlich auf Gedeih und Verderb von seinen Eltern abhängig ist.
Erziehung und Beziehung
Das Ziel der Erziehung gemäss dem "Zweimalzwei der Erziehung" ist Selbständigkeit und Beziehungsfähigkeit. Es besteht also offensichtlich eine starke Wechselwirkung zwischen Erziehung und Beziehung. Man könnte sogar sagen: Erziehung heisst Beziehung. Ein ganz wesentlicher Unterschied bestehlt allerdings: Während in einer Beziehung zwischen Erwachsenen beide Beteiligte für das Gelingen und Gedeihen gleich verantwortlich sind, besteht in der Erziehung von Kindern eine Hierarchie in dem Sinne, dass Sie als Eltern zumindest während den beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung allein verantwortlich sind. Dem sollten Sie sich gerade dann bewusst sein, wenn Sie sich mit der Idee einer partnerschaftlichen Erziehung befassen: Zwar dürfen und sollen Sie das Kind als ein vollkommenes und eigenständiges Gegenüber betrachten, das schon sein ganzes Potential für sein Leben in sich hat und über eine eigene Persönlichkeit verfügt. Doch müssen Sie dem Kind gleichzeitig auch ein Minimum an Orientierung sein, um sich gesund entwickeln zu können. Das Kind verlässt sich darauf, dass es seine Eltern zum Vorbild nehmen kann. Also ganz anders als in einer Partnerschaft, wo es gerade nicht darum gehen sollte, dem Partner nachzueifern.
Weiterführende Themen
- Grundprinzipien der Erziehung
- Missverständnisse in der Erziehung
- Erziehungsfehler
- Über das "Zweimalzwei der Erziehung"
- Pädagogik