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Nachhaltige Lösungen gefragt
Bei Diabetes Typ 2 mit Adipositas belegen Untersuchungen, dass sich eine Gewichtsabnahme von mindestens 10–15 kg kurzfristig günstig auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Die langfristige Kontrolle des Körpergewichts stellt für viele Betroffene allerdings eine grosse Herausforderung dar.
In der DiRECT-Studie sollte geklärt werden, ob ein intensives Diätprogramm im Rahmen der primärärztlichen Versorgung bei Typ-2-Diabetes zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion führt – und wie sich dies kardiometabolisch auswirkt.
An der randomisierten, kontrollierten Studie nahmen insgesamt rund 300 Erwachsene im Alter zwischen 20 und 65 Jahren teil, die seit höchstens sechs Jahren an einem nicht insulinpflichtigen Typ-2-Diabetes litten und einen Bodymassindex zwischen 27 und 45 kg/m2 aufwiesen. Etwa die Hälfte der Patienten nahm unter Anleitung von Ernährungsspezialisten an einem strukturierten Gewichtsmanagementprogramm teil. Hierbei ersetzten die Patienten zunächst über einen Zeitraum von 3–5 Monaten alle Mahlzeiten durch eine niedrig-kalorische Formulanahrung, bevor über einen mehrwöchigen Zeitraum die einzelnen Lebensmittel schrittweise wieder eingeführt wurden. Während dieser ersten Phase nahmen die Patienten weder Antidiabetika noch Antihypertensiva ein.
Regelmässige Betreuung in der Erhaltungsphase
Im Verlauf der Erhaltungsphase, die bis zu 24 Monate nach Studieneinschluss andauerte, wurden die Patienten regelmässig diätetisch betreut und bekamen im Fall einer erneuten Gewichtszunahme Hilfestellung. Die Patienten der Kontrollgruppe erhielten die übliche medizinische Versorgung ohne diätetische Interventionen.
Ein Jahr nach Studienbeginn hatte etwa ein Viertel des Interventionskollektivs mindestens 15 kg Gewicht abgenommen und bei nahezu jedem zweiten Patienten der Interventionsgruppe stellten die Wissenschaftler eine Remission des Diabetes fest.
Mehr als ein Drittel noch nach 2 Jahren in Remission
Die Auswertung der Studiendaten nach 24 Monaten ergab: 11,4 % der Teilnehmer des strukturierten Gewichtsmanagementprogramms, aber nur 2,0 % im Kontrollarm hatten mindestens 15 kg Gewicht verloren (p = 0,0023). Eine Remission der Zuckerstoffwechselstörung (HbA1c < 6,5 %) stellten die Forscher bei 35,6 bzw. 3,4 % der Patienten fest (p < 0,0001).
Während im Kontrollkollektiv 84 % der Patienten Antidiabetika einnahmen, waren es im Interventionsarm nur 40 %. Eine Post-hoc-Analyse der gesamten Studienpopulation ergab: 64 % der Patienten mit Typ-2-Diabetes, die eine Gewichtsabnahme von mindestens 10 kg halten konnten, erreichten eine Normalisierung ihres HbA1c-Werts.
Ob ein Diabetes Typ 2 reversibel ist oder nicht, hängt entscheidend von der Gewichtsreduktion ab, so das Fazit der Autoren. Hausärztlich geleitete, intensive Gewichtsmanagementprogramme haben ihrer Einschätzung zufolge das Potenzial, Diabeteskomplikationen zu verringern oder hinauszuzögern: Sie beeinflussen den Blutdruck und die Blutfette günstig und schützen vor kardiovaskulären Ereignissen.
Lean MEJ et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2019; 7: 344–355.