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Zündholzfabriken im Kanton Bern
Amtsbezirk Bern

1894 - 1898 Bern

L. Johnson & Cie. , Fabrikation u. Handel mit Streichhölzern
Die Firma wird am 5.10.1894 unter folgender Bezeichnung ins Handelsregister Bern eingetragen:
"Fräulein Lucy Johnson aus Woolwich ( England) und Peter von Ratmanoff aus St. Petersburg, beide wohnhaft in Bern, haben unter der Firma L. Johnson & Cie in Bern eine Kommanditgesellschaft eingegangen, welche am 1. Oktober 1894 begonnen hat. Lucy Johnson ist unbeschränkt haftende Gesellschafterin. Peter von Ratmanoff ist Kommanditär mit dem Betrage von Fr. 10.000.- . Natur des Geschäftes: Fabrikation und Handel mit Streichhölzern. Geschäftslokal: Schänzlistrasse 25".
Die Firma hat die Fabrikation von Zündhölzern wahrscheinlich nie aufgenommen, denn im Staatsarchiv Bern gibt es keine Hinweise auf die erforderliche Betriebserlaubnis zur Herstellung von Zündhölzern, wie im "Reglement des Bundesrates über die Fabrikation und den Verkauf von Zündhölzchen" vom 17.10.1882 festgelegt. Die Tätigkeit dieser Firma hat sich vermutlich auf den Handel mit Zündhölzern beschränkt. Ob die als Warenzeichen beim Eidg. Amt für Geistiges Eigentum am 23.10.1894 hinterlegte Zündholzetikette für sog. schwedische Zündholzschachteln 4/4 Format verwendet worden ist, kann bloss anhand entsprechender Präsents in Zündholzetiketten-Sammlungen geklärt werden.
Am 9.11.1894 erfolgt der Eintrag in das Handelsregister: Infolge Wegzuges des Gesellschafters von Amtswegen gelöscht.
|1927 - 1933 Bern|

Schmidt & Co, "Pasco" Sicherheitszünder, Schwanengasse 9
Die Firma wird am 2.04.1927 in das Handelsregister Bern eingetragen.
Der Geschäftsitz der Firma befindet sich in der Schwanenstrasse 9, als Gesellschafter sind eingetragen die Herren : Hans Jöhr, Louis Charles Albert Schmidt und Rudolf Suter.
Am 28. April 1927 stellt die Firma an die Direktion des Innnern des Kantons Bern das Gesuch um Genehmigung zur Errichtung der Patent-Sicherheits-Streichhölzer-Fabrik « Pasco » in Bern, Sulgenauweg 31.
Es soll hier keine direkte Streichholz Fertigung stattfinden, sondern eine Verpackung der von der Firma Zumstein bezogenen Flachzündhölzer entsprechend des Patents « Pasco ». Die Idee des Patents besteht darin, dass ein Reiben des Zündholzes auf der Schachtelreibfläche nicht mehr nötig sein wird. Das Zündhölzchen entzündet sich bereits beim Vorgang des Herausziehens aus dem Etui.
Die Firmeninhaber hatten die Vorstellung, dass eine Fabrik in der bereits fertige Zündhölzer bloss verpackt werden nicht alle Anforderungen des Bundesgesetzes betreff der Fabrikation und Vertrieb von Zündhölzern vom 2.11.1898 erfüllen müsste.
Die Erlaubnis für die Fabrikeinrichtung erteilte der Regierungsrat des Kantons Bern am 29. Juli 1927, die Erlaubnis enthält 12. Bedingungen unter denen die Fabrikation aufgenommen werden kann. Im Pkt. 12 wird vorgeschrieben, dass der Verkauf gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes vom 2. November 1898 zu erfolgen hat.
Hier wird vorgeschrieben, dass auf einer Zündholzschachtel (hier Etui) die Firmenbezeichnung tragen muss. Ob im Patent Pasco irgendwie festgehalten wird, dass die Bezeichnung Pasco als Warenzeichen gilt, konnte vorerst nicht ermittelt werden. Ebenso ist vorerst nicht bekannt, was für Mengen und Muster dieser Zündhölzer hergestellt worden sind.
|1929 - 1932 Bern|

Allumettes tirables patentées S.A.
Die Firma ist im Handelsregister Bern am 6. November 1929 eingetragen worden, wobei als Geschäftslokal Neuengasse 30 angegeben wird.
Lt. Eintragung hat sich am 24. Oktober 1929 auf unbestimmte Dauer in Bern eine Aktiengesellschaft gebildet. Die Gesellschaft bezweckt die Fabrikation von Kartonflachzünder und die dazu erforderlichen Maschinen in der Schweiz und den Handel mit diesen Produkten im In- und Ausland.
Eigentlich blieb es bei dieser Eintragung. In den Akten des Staatsarchivs sind keine weiteren Hinweise auf die Aktivitäten dieser Aktiengesellschaft zu finden. Es ist auch nicht um eine Betriebsgenehmigung für die Fertigung von Zündhölzern nachgesucht worden. Es sind auch keine Etiketten bzw. Briefchen dieser Firma bekannt.
Interessanter weise wird das Domizil im Jahr 1932 in die Schwanengasse 9 verlegt.
Es ist dieselbe Adresse unter der bereits die Firma Schmidt & Co, "Pasco" Sicherheitszünder zu finden ist.
Am 1. November wird die Aktiengesellschaft von Amtes wegen, infolge Konkurseröffnung aus dem Handelsregister gestrichen.
|1931 - 1936 Zollikofen|

Pyros A.G Herstellung und Handel mit Zündstäbchen aus Pappe
Am 15.Dezember 1931 wird im Schweizerischen Handelsblatt folgende Eintragung veröffentlicht:
"Unter der Firma Pyros A.G. (Pyros S.A.)(Pyros Ltd.) hat sich, mit Sitz in Bern eine Aktiengesellschaft auf unbestimmte Zeit gegründet. Zweck der Gesellschaft ist die Herstellung und der Handel von Zündstäbchen aus Pappe. Die Gesellschaft ist berechtigt auch Maschinen, die in der Zündstäbchenindustrie Verwendung finden, herzustellen und zu verwerten, sowie alle dem Gesellschaftszwecke dienlichen Geschäfte zu tätigen. Die Gesellschaftsstatuten sind am 12. September 1931 festgestellt worden. Das Aktienkapital beträgt Fr. 75´000.- und ist eingeteilt in 150 auf den Namen lautende Aktien von Fr. 500.-. Die Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen in den gesetzlich vorgeschriebenen Fällen im Schweizerischen Handelsamtsblatt. Der VR besteht aus 1-5 Mitgliedern, zurzeit einzig aus: Renè de Grenus, Banquier, von und in Bern. Als Direktor ( Geschäftsführer) wurde gewählt: Hugo Lüthi-Oesch, von Schöftland, Kaufmann, in Bern. Kollektivunterschrift. Domizil: Christoffelgasse 2"
Das Domizil dieser Gesellschaft befindet sich in Bern , Christoffelgasse 2.
Bereits am 12. August 1932 wird das Büro in die Markgasse 37, bei Notar Flückiger verlegt, im Jahr 1934 befindet sich das Notariatsbüro Flückiger in der Laupenstrasse 5.
Bereits am 9. Oktober 1931 erhält die Aktiengesellschaft Pyros vom Eidg. Volkswirtschaftsdepartement die am 20. Oktober 1931 vom Regierungsrat des Kanton Bern auch ausgesprochene Fabrikbewilligung. Der Pyros AG wird in den hinteren massiven Räumen des Fabrikgebäudes der Celluloidwarenfabrik in Zollikofen nach vorgelegten Bauplänen, unter bestimmten Bedingungen erlaubt Buchzünder nach dem Prinzip der sog. schwedischen zu fabrizieren.
Im Jahr 1932 wird auch eine entsprechende Fabrikordnung seitens des Regierungsrates genehmigt. Nachdem alle Auflagen erfüllt worden sind wird der Pyros AG. am 16.Februar 1932 auch die endgültige Betriebsbewilligung erteilt.
In der Fabrik in Zollikofen sind in dieser Zeit 13 Arbeiter, davon 10 Frauen angestellt, im Jahr 1936 sollten es dann bereits 20 Personen gewesen sein, von denen die meisten namentlich bekannt sind.
Für die Fertigung der Buchzünder aus Pappe wird eine Zündholz-Kompletmaschine sowie Klebemaschine eigener Konstruktion genutzt.
Nach eigener Erklärung aus dem Jahr 1932 besass die Pyros A.G. bereits im Jahr 1932 eine Druckerei in der auch der Druck der "Zündholzetuis" vorgenommen worden ist. Anderseits gibt es Erkenntnisse, dass die Zündholzetuis auch bei der Poligraphischen Gesellschaft Laupen-Bern in Auftrag gegeben worden sind.
Die Pyros A.G. hat gleich nach Aufnahme der Fertigung mit Defiziten arbeiten müssen, denn die Buchzünder Preise wiesen eine stark sinkende Tendenz aus.
Der Konkurrenzkampf und das damit verbundene Unterbieten der Preise tobte zwischen der Lastar S.A., Patentzünder A.G. in Rapperswil, Union Zündholz A.G. Locarno, Zündwarenfabrik Terza u.a.
Dieser Konkurrenzkampf beendete die Pyros A.G als Verlierer. Am 12.Mai 1936 kommt es zur Eröffnung des Konkursverfahrens.
Nach einer Erklärung von Hans Bohnenblust der als Geschäftsführer in Zollikofen tätig gewesen ist, fertigte und verkaufte die Pyros A.G. jährlich über 10 Millionen Zündholzbriefchen.
Am 23.Mai 1936 wird die Firma im Handelsregister gelöscht.
Die Fabrikeinrichtung wird seitens der neuen Firma Relief Druck A.G. übernommen.
|1936 Zollikofen|

Reklame Zünder A.G.
Herstellung und Handel von Zündstäbchen aus Pappe und Holz.
Aus der Eintragung in das Handelsregister vom 24. September 1936 geht hervor, dass es zur Gründung einer neuen Aktiengesellschaft gekommen ist, welche sämtliche Aktiven der in Konkurs getretenen Pyros A.G. erworben hat. Dass es zu der Gründung dieser Aktiengesellschaft kommen konnte ist wahrscheinlich Herrn Hans Bohnenblust zu verdanken, der auch unter neuer Regie weiter Geschäftsführer der Zündholzfabrik bleibt.
Unter der Firma Reklame-Zünder A.G. (Allumettes. Rèclame S.A.) hat sich, mit Sitz in Zollikofen bei Bern auf unbestimmte Dauer eine Aktiengesellschaft gegründet, deren Statuten am 19. September 1936 errichtet worden sind. Zweck der Gesellschaft ist die Herstellung und Handel mit Zündstäbchen aus Pappe und Holz. Sie ist berechtigt, auch Maschinen, die in der Zündstäbchenindustrie Verwendung finden, herzustellen und zu verwerten, sowie alle dem Gesellschaftszweck dienlichen Geschäfte zu tätigen. Das Aktienkapital beträgt Fr. 30.000.- und ist eingeteilt in 60 Namensaktien im Nennwerte von Fr. 500.-. Die Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen in den gesetzlich vorgeschriebenen Fällen durch das Schweizerische Handelsamtsblatt. Der VR besteht aus 1 bis 5 Mitgliedern, zurzeit aus dem einzigen Mitglied Hans Bohnenblust, von Bannwil, Kaufmann in Zollikofen, welcher für die Gesellschaft die rechtsverbindliche Unterschrift führt.
Hans Bohnenblust erläutert in ausführlichen Schreiben an das kantonale Arbeitsamt , wie auch die Eidg. Preiskontrollstelle , dass das neue Unternehmen nur dann lebensfähig ist, wenn die Preise auf dem Zündholzmarkt stabilisiert werden.
Nachdem die alte Fabrikeinrichtung der Pyros A.G. , seitens der Reklamezünder A.G. übernommen worden ist, sind auch wieder eine Anzahl der entlassenen Arbeiter neu eingestellt worden. Der volle Betrieb sollte erst im Laufe des Monats September aufgenommen werden, da zwecks Verbesserung der bisherigen Fabrikation vordem ein neues Werkzeug hergestellt werden musste. In der Zwischenzeit sind aber noch bei der Pyros A.G. bestellte Briefchen fabriziert worden.
Wie lange die Firma Reklame-Zünder A.G. den Betrieb aufrecht erhalten konnte, ist nicht genau bekannt. Hans Bohnenblust bemühte sich bei der Eidg. Preiskontrollstelle um eine Regelung der Zündholzbriefchen-Preise und hoffte auf eine Unterbindung des Preiskampfes. Die von Hans Bohnenblust aufgerufene Eidg. Preiskontrollstelle schritt bei den Preisen für "Abreisszündhölzer" erst im Jahr 1938 ein. Mit der Weisung Nr. 4 vom 7. Juli 1938 sind hier geregelte Engrospreise vorgelegt worden, die richtungsweisend waren. Zu diesem Zeitpunkt war die Firma Reklame-Zünder A.G. noch dabei und erhielt auch ein Produktionskontingent.
Die Streichung der Fabrik aus dem Handelsregister erfolgte laut Beschluss des Regierungsrates Bern im Jahr 1940.