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access_time veröffentlicht 17.03.2020
Kurz und bündig Heft 13/14, Teil 2
Prof. Dr. med. Reto Krapf
Kurz und bündig Heft 13/14, Teil 2
17.03.2020
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MRSA: zuerst beweisen, dass es auch einer ist!
Bei Pneumonien wird eine schnell begonnene empirische antibiotische Therapie als Fundament einer erfolgreichen Behandlung angesehen. Die empirische Wahl steht aber auf eher wackeligen Füssen, denn nur in der Minderheit der Fälle wird (u.a. deswegen) eine ursächliche Keimdiagnose gestellt. Der zeitliche Behandlungsdruck führt dazu, dass wegen der Bedrohung durch resistente Organismen, namentlich Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und Pseudomonas aeruginosa, oft eine breitspektrige, aber ebenfalls blinde antibiotische Therapie gewählt wird. In den USA traf dies bei einem Drittel aller Hospitalisierten mit ambulant erworbener Pneumonie zu, obwohl sich bei nur 5% dann auch resistente Bakterien nachweisen liessen. Eine erfolgreiche Strategie? Wahrscheinlich nicht, denn bei mehr als 88 000 hospitalisierten Patient(inn)en (median 70-jährig) wurden in 38% der Fälle eine Anti-MRSA-Antibiose und Standardtherapie empirisch eingeleitet, unter anderem wenn Risikofaktoren anamnestisch eruierbar waren. Verglichen wurde mit Standardtherapie allein. Die 30-Tage-Mortalität der Patient(inn)en mit Anti-MRSA-Antibiose war aber höher als jene der Patient(inn)en, die nur mit einer Standardtherapie (auch empirisch) behandelt wurden! Weiter ergab sich eine Risikoerhöhung für folgende Folgekomplikationen: Niereninsuffizienzen («kidney injury»), sekundäre Clostridium-difficile- und Vancomycin-resistente Enterokokken-Infekte sowie sekundäre gramnegative Septikämien. Die Arbeit ist ein Hinweis, dass die gegenwärtig verwendeten Risikobeurteilungen für das Vorliegen eines MRSA-Infektes nicht zuverlässig sind respektive die negativen Folgen der empirischen Anti-MRSA-Antibiose eine solche nicht unkritisch rechtfertigen.
JAMA Intern Med. 2020, doi.org/10.1001/jamainternmed.2019.7495
Verfasst am 22.02.2020, auf Hinweis von Prof. K. Neftel, Ligerz.
Wahrscheinlich keine Krebshäufung nach Anti-TNF-α-Therapie
Seit bald 30 Jahren werden Anti-Tumornekrosefaktor-(TNF-)α-Therapien erfolgreich bei einer Reihe von immunvermittelten Erkrankungen eingesetzt, namentlich bei den entzündlichen Darmerkrankungen, der Rheumatoiden Arthritis und der Psoriasis. Ein Beweis der Befürchtung, dass eine Anti-TNF-α-Therapie bei diesen Erkrankungen onkogen ist, steht trotz vieler Studien aus. Noch weniger sicher ist, ob bei vorbestehenden Tumorerkrankungen die Anti-TNF-α-Therapie einen Krebsrückfall und/oder vermehrt Neutumoren nach sich zieht. Patientenverläufe aus einer dänischen Kohorte wurden nach einer Beobachtungszeit von median 5,6 Jahren analysiert. Unter einer Anti-TNF-α-Therapie wegen der erwähnten Grundkrankheiten entwickelte etwa jede/-r Achte eine neue Krebserkrankung (563 von 4328); wenn in der Anamnese eine Krebserkrankung vorbekannt war, betraf ein Rückfall oder eine Neuerkrankung etwas mehr als jede/-n Sechste/-n der untersuchten Patient(inn)en (72 auf 434) – ein nicht signifikanter Unterschied. Diese Daten sprechen dafür, dass mit entsprechender Überwachung eine Anti-TNF-α-Therapie Patient(inn)en mit früheren Tumorleiden nicht a priori vorenthalten werden sollte.
Lancet Gastroenterol Hepatol. 2020, doi.org/10.1016/S2468-1253(19)30362-0
Verfasst am 18.02.2020.
Hightech-Uhr zur Diagnose des Vorhofflimmerns: nicht so gut wie angenommen
In der sogenannten «Apple Heart Study» (588 Patient[inn]en) wurde ein optischer Sensor verwendet, der irregulären Puls erfassen kann und mit einem positiven Voraussagewert von 84% Vorhofflimmern erkannte. Mit einer neuen Uhr, die eine Einzelelektrode zur Rhythmusanalyse verwendet, war eine interne Studie der Herstellerfirma zum Schluss gelangt, dass ein Vorhofflimmern mit gut 98% Sensitivität und Spezifität diagnostiziert werden konnte. Eine unabhängige (die Uhren wurden gekauft) Pilotstudie findet nun aber eine Sensitivität von 41%, das heisst eine Vielzahl von Episoden von Vorhofflimmern wurde nicht entdeckt. Noch kein Ersatz also für klassische Methoden des Langzeit-Monitoring.
Circulation 2020, doi.org/10.1161/CirculationAHA.119.044126
Verfasst am 25.02.2020.
Zweierbeziehungen – untersucht mittels MRI
Bei einem sogenannten funktionellen MRI («functional magnetic resonance imaging» [fMRI]) wird – meist durch Messung lokaler Veränderungen der Blutoxygenierung – die neur(on)ale Aktivität als Antwort auf externe Reize abgeschätzt und der neuroanatomischen Struktur zugeteilt. Durch Verwendung zweier spezieller Kopfspuhlen stehen nun sogenannte 2-Personen-fMRI an der «Princeton University» in den USA und der «Aalto University» in Finnland zur Verfügung. Nicht erstaunlich, löst der Blick in die Augen des MRI-Partners eine andere fMRI-Antwort als der Blick auf sein Porträtbild aus. Der Methode wird Potential für das realistischere Studium zwischenmenschlicher Beziehungen zugeschrieben. Vielleicht kann auch der geeignete Partner identifiziert werden? Eine «parship.com»-Population oder vielleicht gar «ElitePartners» könnten Kontrollgruppen bezüglich Zustandekommen und Überleben einer Partnerschaft sein.
Selbstverständlich kann man sich noch andere Anwendungen ausmalen. Haben Sie eine Idee für unsere Leserecke? Wir freuen uns auf Ihre Zuschrift!
Science 2020, doi.org/10.1126/science.aba8276
Verfasst am 22.02.2020.
Zu wenig Transparenz bei klinischen Studien
Die Anmeldung und Registrierung einer klinischen Studie auf einer der Studienplattformen (z.B. clinicaltrials.gov) soll verschiedenen Zwecken dienen: Verhinderung von Protokoll- und Endpunktverletzungen, von Duplizierungen, von nicht publizierten negativen Studienresultaten und anderem mehr. Eine Analyse von mehr als 4700 klinischen Studien, die im Zeitraum vom 18.01.2018 bis 25.09.2019 eigentlich hätten aufgeführt werden sollen, fand in mehr als der Hälfte der Fälle, dass die Studie nicht (etwa 30% vom Total) oder zu spät (etwa 25%) angemeldet worden war. Akademische (Non-Profit-)Institutionen schnitten deutlich schlechter ab als industriefinanzierte Studien.
Science 2020, doi.org/10.1126/science.367.6475.240
Verfasst am 22.02.2020.
Mehr Evidenz für pulmonale Toxizität von Vitamin-E-Azetat
In der COVID-19*-Epidemie geht die EVALI-(«electronic cigarette, or vaping, product use-associated lung injury»-)Epidemie (mit aktuell 64 Todesfällen) etwas unter. In einem murinen Tiermodell konnte die pulmonale Toxizität von inhaliertem Vitamin-E-Azetat dokumentiert werden [1]. Zusammen mit den Patientendaten (Nachweis von Vitamin-E-Azetat in der bronchoalveolären Spülflüssigkeit) wird die Beweislage für die pulmonale Toxizität von Vitamin-E-Azetat somit immer besser.
* Vielleicht haben Sie sich über das kurz und bündige Schweigen zur «Coronavirus Disease 2019»-(COVID-19-)Epidemie gewundert. Angesichts der vielen, laufend aktualisierten Quellen wären wir aber mit Kommentaren dazu immer etwas veraltet. Wir überlassen dieses Feld bis auf Weiteres den offiziellen Stellen, z.B. www.bag.admin.ch respektive den Kantonsarzt-Mitteilungen. Zudem verweisen wir auf den in der Ausgabe 11–12 des Swiss Medical Forum publizierten Artikel «Ein neues Coronavirus breitet sich aus: machen wir es richtig?» [2].
1 N Engl J Med. 2020, doi.org/10.1056/NEJMc2000231
2 Swiss Med Forum. 2020, doi.org/10.4414/smf.2020.08499
Verfasst am 22.02.2020.