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In-Vitro-Fertilisation: künstliche Befruchtung im Reagenzglas
Ihren Ursprung hatte die In-Vitro-Fertilisation (IVF) 1978, als in England das erste sogenannte Retortenbaby geboren wurde. Seitdem wurden so mehrere Millionen Babys weltweit gezeugt. Allein in der Schweiz erblicken täglich zwei Kinder das Licht der Welt, deren Zeugung auf diese Art stattgefunden hat.
In-Vitro-Fertilisation kann Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch Hoffnung auf ihr Wunschkind machen. Foto: Ibrakovic, iStock, Thinkstock
Bei der «Befruchtung im Glas» findet die Befruchtung, anders als bei einer Insemination, wo die Spermien über einen Katheter in die Gebärmutter eingebracht werden, ausserhalb des Körpers statt. Die Eizellen der Frau werden aus dem Eierstock entnommen und in einem Reagenzglas mit den Samenzellen des Mannes zusammengeführt. Ist der Vorgang erfolgreich, entwickeln sich die befruchteten Eizellen weiter, um dann in die Gebärmutter übertragen zu werden. «Von den ersten Massnahmen bis zum Schwangerschaftstest dauert es etwa sechs Wochen. Die Frau muss sich in diesem Zeitraum total abgrenzen, damit es klappt», so Dr. Peter Fehr, Reproduktionsspezialist aus Schaffhausen gegenüber dem Andrologie Zentrum Zürich. Bei einem Grossteil der Frauen ist eine Hormonbehandlung nötig, ehe sich die Eizellen entnehmen lassen.
ICSI hilft bei schlechter Samenqualität
Die In-Vitro-Fertilisation wird meist erst angewandt, wenn weniger aufwändige Befruchtungsversuche nicht zur gewünschten Schwangerschaft geführt haben oder die Eileiter verschlossen oder irreparabel geschädigt sind. Bei schlechter Spermaqualität oder geringer Spermamenge wird das Sperma zusätzlich aufbereitet. Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) bietet die Möglichkeit, ein einzelnes Spermium aus der Samenflüssigkeit direkt in das Ei zu spritzen. So kommt das Spermium in der Mitte des Eis an, ohne die zähe Aussenhülle des Eis durchdringen zu müssen. Diese Methode wird auch häufig bei einer Samenspende angewandt, um die Erfolgschancen zu erhöhen.
Statistiken zufolge haben in der Schweiz im Jahr 2009 10.400 Paare einen Behandlungszyklus begonnen. Etwa ein Drittel der Behandlungen hatte eine Schwangerschaft zur Folge. Wiederum fast ein Drittel der lebendgeborenen Kinder waren Zwillinge. Generell sind die Erfolgschancen von der Sterilitätsursache, dem Alter der Frau und der Anzahl der durchgeführten Therapien abhängig.
Risiken der In-vitro-Fertilisation
Komplikationen bei der Eizellen-Entnahme sind sehr selten. Eine Verletzung von Darm, Nerven oder Gefässen lässt sich jedoch nicht ausschliessen. Im Vergleich zu natürlich entstandenen Schwangerschaften ist die Zahl der Eileiterschwangerschaften mit etwa fünf Prozent deutlich erhöht. Darüber hinaus kann es zu Fehl- oder Frühgeburten und Mehrlingsschwangerschaften kommen. Studien zufolge können sowohl Frauen als auch Männer mit psychischen Problemen auf die Behandlung reagieren. Aufgrund der geringen Erfolgsquote von etwa 30 Prozent pro Behandlungszyklus sind häufig mehrere Versuche notwendig, und jeder weitere Zyklus bedeutet eine neue Geduldsprobe des Paares.
In-vitro-Fertilisation: Kinder entwickeln sich normal
Eine nationale Studie in England hat gezeigt, dass sich Kinder, die durch eine künstliche Befruchtung gezeugt wurden, normal entwickeln und bei der Geburt keine Anomalien oder erhöhte Krankheitsrisiken vorliegen. Eine schwere Beeinträchtigung der Spermaqualität erhöht jedoch die Gefahr einer genetischen Störung. Da die reproduktionsmedizinische Technik erst vor etwa sieben Jahren entstand, gibt es noch keine Langzeitstudien zu ICSI-Kindern.