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Der Bundesrat hat heute mitgeteilt, wie er die parlamentarischen Forderungen zur Schwächung des Wolfschutzes umsetzen will. Er beantragt dem ständigen Ausschuss der Berner Konvention eine Reglementsänderung, die es in Zukunft den Mitgliedsstaaten erlauben würde, auch nachträglich Vorbehalte zum Schutz von Arten anzubringen. Die Gruppe Wolf Schweiz sagt in der aktuellen Medienmitteilung, dass damit der Zweck der Konvention untergraben und ihr Erfolg gefährdet wird. Kann in Zukunft jedes Land selbst entscheiden, welche Arten es schützen will, braucht es keine Konvention.
Der Schweizer Antrag, dass jedes Land jederzeit Vorbehalte zum Schutz einzelner Arten anbringen kann, ist eine Folge der vom Parlament überwiesenen Motion “Revision von Artikel 22 der Berner Konvention“. Wird der Antrag befürwortet, lässt dies die Berner Konvention ins Leere laufen. Eine Konvention ist nur so lange sinnvoll, wie sie einheitliche Mindestanforderungen verlangt. Kann jedoch jedes unterzeichnende Land trotzdem selber über den Schutzstatus von Arten entscheiden, ist die Berner Konvention überflüssig. Wenn ausgerechnet die Schweiz als Erstunterzeichnerin und als Namensgeber für die Konvention deren Funktion aushöhlen könnte, wäre dies ein schlechtes Zeichen für den internationalen Artenschutz.
Unverständlich ist, dass ein solcher Antrag ausgerechnet von der Schweiz kommt. In kaum einem anderen europäischen Land gibt es derart wenige Wölfe wie in der Schweiz. Alle unsere Nachbarsländer (ausser Österreich) haben weitaus grössere Wolfspopulationen als die Schweiz und können trotz gesetzlichem Schutz gut mit ihnen koexistieren. Auch in diesen Ländern leben Wölfe in teilweise dicht vom Menschen genutzten Kulturlandschaften.
Bild: Marlene Thyssen (Wikimedia Commons)