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Den Chroniken zufolge wurde das Steinwild seiner nach dem Aberglauben besonders heilenden und kräftespendenden Wirkung wegen stark verfolgt. Man glaubte, dass eine Wildart, die das ganze Jahr
über der Waldgrenze lebt, ganz besondere Säfte und Kräfte in sich tragen müsse. Fleisch und Fett dienten gegen alle Erkältungen, das Gehörn fein zerrieben als Potenzmittel, und das Herzkreuz
sollte alles Unheil fernhalten. Um das Jahr 1650 war das Steinwild in Graubünden ausgerottet. Es ist das bleibende Verdienst des italienischen Königs Viktor Emanuel II. (1820-1878), dass er den
Alpensteinbock, der auf etwa 50 Stück zurückgegangen war, in der Valle d'Aosta unter Schutz gestellt hat.
Anfangs dieses Jahrhunderts wurden Tiere aus dem dort gegründeten Parco Nazionale des Gran Paradiso wieder eingeführt. Ein erster Wiederansiedlungs-versuch im Aelagebiet bei Bergün scheiterte. Der zweite erfolgte 1920 am Piz Terza, im Nationalpark. Die Tiere zogen weg, wanderten durch das Livigno und gelangten an den Piz Albris.
Wildhüter Andrea Rauch sen. verstand es, sie durch geschicktes Anlegen von Salzlecken und Ausscheidung eines Jagdbanngebietes dort zu halten und vor Übergriffen durch Wilderer zu schützen. Nach der Zufuhr weiterer Tiere gedieh die Kolonie sehr gut. Als anfangs der 50er Jahre Schäden an der Aufforstung am Schafberg gebieterisch eine Reduktion des Bestandes erforderte, gelang es 1953 Wildhüter Andrea Rauch jun., Steinwild lebend einzufangen. Bis heute wurden an die 2000 Stück versetzt und über den ganzen Alpenkamm der Schweiz, Deutschlands, Österreichs und Italiens sowie der Julischen Alpen in Jugoslawien angesiedelt. Im Kanton Graubünden wurden an die 1000 Stück an verschiedenen geeigneten Orten ausgesetzt. Sie bilden gut gedeihende Kolonien, die immer mehr anwachsen und sich allmählich zu ausgedehnten Steinwildgebieten vereinigen. Heute dürfen wir feststellen, dass die Wiedereinbürgerung geglückt und der Fortbestand dieser Art gesichert sein dürfte.
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