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VON REINHOLD HÖNLE, KÖLN
Robbie Williams, wie fühlt es sich an, wieder im Rampenlicht zu stehen?
Wenn du drei Jahre weg warst und dich nicht wie ein Superstar gefühlt hast, ist es irgendwie seltsam – zumal ich nach einer Weile vergessen hatte, wer ich war und was ich getan hatte. Ich bin deshalb überrascht und erfreut, wie liebenswürdig die Leute sind, wenn sie mich wieder sehen.
War das nicht zu erwarten?
Ich hatte in meinem Kopf wohl eine negative Vorstellung von dem, wie man mir begegnen würde. Vielleicht, weil ich in England verstehe, was über mich geschrieben wird, und dort eine gewisse Feindseligkeit mir gegenüber verspüre. Also verhältst du dich entsprechend und wirst misstrauisch. Dann kommst du nach Deutschland und wirst als Superstar gefeiert. Das ist schon irritierend, aber wirklich cool.
Was gefällt Ihnen am Popstar-Dasein?
Es ist gleichzeitig aufregend und merkwürdig, dich selbst und eine bekannte Person zu sein, die für jemand etwas bedeutet.
Können Sie das illustrieren?
Heute Morgen war ich mit meiner Freundin im Bett. Ich furzte und es stank. Dann bin ich in meiner Unterwäsche im Hotelzimmer herumgelaufen und wir haben zusammen Kaffee getrunken. Da war ich einfach ich. Dann kam ich in die Interview-Suite herunter und war plötzlich der Superstar-Mann. Seltsam . . .
Haben Sie diese Zerrissenheit im ersten Song «Morning Sun» verarbeitet?
Das ist eigentlich eine Ode an Michael Jackson, aber ich denke, dass das Lied auch einen autobiografischen Teil hat: Die Zeilen «You always wanted more than life but now you don’t have the appetite; get a message to the troubadour, the world don’t love you anymore» waren meine Gedanken während der letzten Jahre.
Hat Sie Jacksons Tod sehr betroffen?
Nein, nicht sehr stark, aber genug, um an seinem Todestag diesen Text zu schreiben. Ich war schockiert, weil er so verfrüht kam. Ich war nie ein Fan, der seine Platten gekauft hätte, aber ich verstand seine Bedeutung und weshalb ihn manche Leute vergöttert haben.
Wie kam es zu den Beatles-Zitaten in dieser Komposition?
Oh, ich kupfere eigentlich auf jeder Platte von ihnen ein paar Sachen ab . . . (lacht)
Haben Sie sich bei Ihrer ersten Single «Bodies» vom Kampf mit Ihrem eigenen Körper inspirieren lassen?
Nicht nur von meinem Kampf mit dem eigenen Körper und dessen Wahrnehmung. Alle Menschen leiden mehr oder weniger darunter, dass sie nicht dem Bild entsprechen, das sie in den Medien als Ideal präsentiert erhalten.
Nach all Ihren Diäten: Verstehen Sie Frauen, die sich zu dick fühlen, besser als andere Männer?
Ich glaube, dass sich Männer ebenso unzulänglich fühlen wie Frauen, nur reden sie nicht so viel darüber oder geben ihre Verletzlichkeit seltener zu. Die meisten meiner Freunde in Los Angeles stehen jedoch dazu, denn der Körperkult ist ein Teil dieser Stadt. Ich selbst habe aber, wenn ich ehrlich bin, nur wenige Diäten ausprobiert. Weil ich zu faul war, um jeden Tag ins Gym zu gehen, verzichte ich vor der Promotion-Tour allerdings auf Kohlenhydrate in rauen Mengen: Knabbereien, Schokolade, Donuts, Brot und so gutes Zeug. Sobald ich die Interviews hinter mir habe, ist jedoch ein Date mit einer Tüte Donuts angesagt! (Lacht)
Wie ist der Satz «Jesus didn’t die for you» im Refrain zu verstehen?
Ich hatte im Fernsehen zwei interessante Dokumentationen gesehen, die besagten, dass die Bibel erst 400 Jahre nach dem Tod vom Jesus von ein paar Italienern geschrieben wurde. Da müssen also auch viele Ungenauigkeiten oder Fehler drinstecken. Das hat das Weltbild, das von meiner katholische Erziehung geprägt wurde, schon ziemlich erschüttert – insbesondere, da sich ein George Bush gerade anmasste, einen Krieg im Namen «meines Jesus» zu führen. So behaupte ich blasphemisch, dass Jesus ganz bestimmt nicht für ihn gestorben ist.
Sie singen auch, Sie würden Perfektion wollen. Haben Sie deshalb Trevor Horn als Produzenten verpflichtet?
Ja, er hat in der Tat schon massenhaft gute Songs und Alben gemacht. «Frankie Goes To Hollywood», seine Seal-Platten und «The Lexicon Of Love» von ABC sind grossartig. Ich mochte Dollar und sogar das t.A.T.u-Album ist ziemlich perfekt, was immer man auch von diesem Duo halten mag. Ich fand es ausserdem interessant, zum ersten Mal einen wirklich erwachsenen Produzenten am Regiepult zu wissen.
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Robbie Williams kehrt nach einer krisenbedingten Pause ins Showbusiness zurück – mit schönem Pop und Plänen für eine Familiengründung.
VON REINHOLD HÖNLE, KÖLN