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»Pierre? Bist du hier draußen?«
»Merde!« Er musste eingeschlafen sein. Als er die Lider öffnete, sah er in dichtes Blattwerk. Dahinter der Himmel, der apricot schimmerte. Bald würde er die Farbe reifer Feigen annehmen.
Mühsam richtete Pierre sich auf. Vor ihm lag der Bach, der seinen Hof von der Straße trennte. Im Frühjahr, während der heftigen Regenfälle, war das Wasser über die Ufer getreten, doch nun war er nur noch ein schmales Rinnsal, das vor sich hin gurgelte.
Er rieb sich die Augen und sah in Richtung des Hofes. Charlotte hatte ihn noch nicht entdeckt. Sie stand vor der schmiedeeisernen Bank bei der Laube, die Hände in die Hüften gestützt, und blickte sich um.
Seit seiner Suspendierung im vergangenen Monat hatte Pierre es sich zur Gewohnheit gemacht, den Tag dort mit einem Krug Rosé ausklingen zu lassen und dabei die Wärme der Abendsonne auf der Haut zu genießen. Nun aber, da die Temperaturen der letzten Junitage beinahe vierzig Grad erreichten, war es ihm zu heiß geworden.
Pierre hatte im Schatten einer Esche Schutz vor der Sonne gesucht und vor der drückenden Hitze, die sie nach dem abendlichen Eintauchen hinter das Eichenwäldchen auf dem Hof zurückließ. Er hatte sich an den Stamm des Baumes gelehnt, den Blick in die Krone gerichtet. Dabei hatte er die Augen geschlossen, ganz kurz nur, um dann doch einzuschlafen. So fest, dass er es nicht bemerkt hatte, als Charlotte von der Arbeit nach Hause gekommen war.
»Pierre, wo steckst du denn?«
Er fuhr sich mit den Händen übers Haar und stand auf, um ihr entgegenzugehen.
War sie schon im Haus gewesen?
Der Gedanke an das Chaos, das er in der Küche hinterlassen hatte, trieb ihm den Schweiß auf die Stirn. Die Schale mit demespadon au citron, dem Schwertfischfilet in Zitronensauce, das Charlotte gestern aus ihrerL’Épicerie provençale mitgebracht hatte, stand leer gekratzt neben dem benutzten Teller samt Besteck auf dem Tisch. Und bei der Spüle lag noch das halb gegessene Croissant vom Morgen, daneben Wurstpelle und ein Häufchen Käseränder in einem Meer aus Krümeln.
Charlotte hasste Unordnung, und er hatte sie längst beseitigen wollen. Aber er hatte die Zeit vergessen. Pierre beschleunigte seinen Schritt.
Doch dann dachte er an das angekündigte Gespräch, das ihm bevorstand, und blieb stehen, rieb sich unentschlossen mit der Hand über das unrasierte Kinn.
»Du musst endlich Widerspruch einlegen«, hatte Charlotte ihn am Morgen angefleht. »Die Suspendierung wird sonst rechtskräftig. Heute Abend reden wir noch einmal darüber, ja?«
Pierre hatte nur gebrummt. Seine Suspendierung war überzogen gewesen. Der neue Bürgermeister hatte vollkommen überreagiert, nur weil er sich krankgemeldet hatte, während er privat in einem Fall ermittelte. Und weil ihn ein Journalist in Uniform vor den Toren des Untersuchungsgefängnisses in Grasse abgelichtet hatte, bevor er sie auszog. Was den Eindruck vermittelte, er hätte als Polizeibeamter auftreten wollen. Ein Eintrag in die Personalakte hätte ausgereicht, aber Maurice Marechal musste ja gleich das ganz große Geschütz auffahren.
Charlotte hatte recht, der Widerspruch war aussichtsreich, doch sein Stolz hielt Pierre zurück.
Vielleicht hätte er es ertragen, die nächsten Jahre unter einem solchen Idioten zu arbeiten – wenn er sich des Rückhalts der Gemeindevertreter sicher gewesen wäre. Anfangs hatte es auch ganz danach ausgesehen, als seien sie auf seiner Seite. Sie hatten versichert, die Entscheidung bei einer Dringlichkeitssitzung anzufechten. Der stellvertretende Gemeinderatsvorsitzende François Pistou, ein pensionierter Rechtsanwalt, hatte von einem groben Fehler gesprochen, der rückgängig gemacht werden müsse, so wahr er hier stehe. Doch seither war nichts geschehen. Und je mehr Zeit verstrich, desto weiter schien der Fall hinter das Tagesges