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Zu Ostern erzähle ich euch eine Geschichte aus dem Sufismus, die auch etwas mit Auferstehung zu tun hat.
Ein Fluss entsprang einer Quelle im Gebirge und strömte hinab ins Tal, durch Wälder und Wiesen, bis er schließlich die Wüste erreichte. Er hatte alle bisherigen Hindernisse überwunden und sich seinen Weg sogar durch harten Fels erkämpft. Doch so sehr er sich auch bemühte, die Wüste zu durchqueren, sein Wasser versickerte im Sand. Er spürte aber, dass seine Bestimmung jenseits der Wüste lag, nur wusste er nicht, wie er sein Ziel erreichen könnte.
Der Sand sagte zu ihm: „Der Wind überquert die Wüste – vertrau dich ihm an, er wird dich hinübertragen.“
Der mächtige Strom, der seinen Weg bisher immer selbst gefunden hatte, war nicht angetan von der Idee, sich dem Wind zu ergeben. Und ein bisschen Angst hatte er auch, denn er konnte es sich nicht vorstellen.
Der Sand schien seine Gedanken zu erraten und erklärte ihm: „Der Wind nimmt dein Wasser auf, weht es über die Wüste und lässt es als Regen fallen, sodass es wieder zu einem Fluss werden kann.“
Der Strom zögerte, er wollte sich nicht verändern und seine Eigenart nicht aufgeben. „Du kannst in keinem Fall bleiben, was du bist“, ermahnte ihn der Sand. „Du musst dich wandeln. Gibst du dich nicht dem Wind hin, stirbst du in der Wüste. Doch glaube mir: Das Wesentliche an dir wird bestehen bleiben, das, was du in Wahrheit bist.“
So ließ der Fluss seinen Dunst aufsteigen, der Wind trug ihn immer höher und wehte ihn über die Wüste hinweg bis zu einem Gebirge. Dort regnete er sanft herab. Der Strom erkannte, dass er sich zwar verändert hatte, aber freudig weiterfließen konnte.
(Aus meinem Buch: Der Sinn des Lebens und die Lebensschule)
Eine weitere Auferstehungsgeschichte findet ihr auf meiner Website Karma Yoga.Artikel teilen auf: