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Beim Aufräumen ihrer Lagerräume entdeckten vor kurzen Schwestern des St. Louis Krankenhauses nahe der Altstadt Jerusalems Wandmalereien, die die Geschichte Jerusalems zur Zeiten der Kreuzfahrer erzählen. Ein Wasserrohrbruch im Gebäude hat weitere Zeichnungen offengelegt, die unter Putz und Farbe verborgen waren. Die Gemälde, die vom Gründer des Krankenhauses gemalt wurden, zeigen Kreuzfahrerritter in Ausrüstung mit Schwert und vermerken unter anderem die Genealogie der französischen Ritter.
Das Saint-Louis Hospiz, ein eindrucksvolles zweistöckiges Gebäude im Stil der Renaissance und des Barockstil, lieg neben der Jerusalemer Stadtverwaltung und dem lebhaften IDF-Platz, ausserhalb der Mauern der Altstadt, gegenüber dem Neuen Tor. Das Hospiz ist nach dem französischen König St. Louis, Anführer des Siebten Kreuzzug 1248-1254 n.Chr. benannt. Heute können Teile des Gebäudes nicht für Besucher geöffnet werden, weil es weiterhin als Krankenhaus und Hospiz für unheilbar und chronisch Kranke dient. Das Krankenhaus wird von den Schwestern von St. Joseph der Erscheinung geleitet. Es wurde auf Initiative des französischen Grafen Comte Marie Paul Amédée de Piellat gegründet, ein Mann, der viel erreicht hat, ein Intellektueller und gläubiger Christ, der Jerusalem mehrere Male in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besucht hatte. Dort verstarb er 1925.
De Piellat war von der schwachen katholischen Präsenz in Jerusalem schockiert und besorgt ob der zunehmenden Macht der griechisch-orthodoxen Kirche und ihre Vertreter in Jerusalem – die Russen. Zu erwähnen ist, dass Ende des 19. Jahrhunderts die Grossmächte untereinander um die Kontrolle und religiöse Hegemonie von Jerusalem kämpften. Der Graf wollte handeln und erbaute zwischen 1879 und 1896 das Krankenhaus, die eine kleinere, bescheidenere Anlage im christlichen Viertel innerhalb der alten Stadtmauern ersetzt. Anschliessend liess er ein weiteres gewaltiges und spektakuläre Gelände in der Nähe erbauen, das Hostel Notre Dame de France für christliche Pilger. Der Graf wählte das Areal für den Bau des Krankenhauses nicht zufällig aus. De Piellat hielt sich für einen Nachkommen der Kreuzfahrer und gar für den letzten von ihnen. Er wollte die Arbeit der lateinischen Könige, Ritter und Adelsleute, die 900 Jahre zuvor in Jerusalem lebten, fortsetzen. Deshalb entschied er sich für das Krankenhaus in der historischen Gegend, wo die Armee des normannischen König Tankred lagerte, bevor er zusammen mit seinen Verbündeten die Jerusalemer Stadtmauer 1099 n.Chr. durchbrach und die Stadt im Sturm und mit Brutalität besiegte.
De Piellat war auch Künstler; er schmückten die Wände und Decken des Krankenhauses mit riesigen Gemälden von Kreuzfahrern in ihren Ausrüstungen und mit Schwertern. Neben diesen Figuren malte er die Wappen der französischen Ritterfamilien, schrieb ihre Namen nieder und notierte ihren Stammbaum. Er fügte ebenso die Wappen der Kreuzfahrerstädte hinzu, Wappen der Militärorden und Mönchsorden. Der Anblick ist spektakulär; die riesigen Hallen und endlosen Räume des Krankenhauses werden mit der Geschichte der Kreuzfahrer Jerusalem beleuchtet. Die Türken nahmen das Gebäude während des Ersten Weltkrieges ein. Sie übermalten die Fresken mit schwarzer Farbe. Ende des Krieges kehrte der Graf betagt in sein Hospiz zurück. Den Rest seines Lebens verbrachte De Piellat damit, die schwarze Farbe zu entfernen und die Bilder wieder freizulegen.
Im Zuge der Entdeckung kamen Restauratoren der Israelischen Antikenbehörde (IAA) zum Krankenhaus und leisteten den Schwestern „Erste Hilfe“ bei der Reinigung und Stabilisierung einiger der Wandmalereien. Die Bilder sind dem Stil nach charakteristisch für Dekorationen monumentaler Kirche des 19. Jahrhunderts, mit scharfer Aufmerksamkeit fürs Detail und Motive aus der mittelalterlichen Kunst.
Das Interesse an den verlorenen und verborgenen Wandmalereien wurde vor kurzem neu belebt, als sie wiederentdeckt wurden. Diese prachtvollen Gemälde sind ein Stück Geschichte und ein seltenes Kunstwerk. Zur Erhaltung, Belichtung und Dokumentation sind Gelder notwendig.
Die IAA betonte, es werde nicht beabsichtigt, das Krankenhaus zu einer Touristenattraktion zu machen, um die Arbeit des Hospiz zu stören.
Aryeh Savir © Tazpit News Agency, May 15, 2014