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Am Freitag habe ich mir zusammen mit einer Arbeitskollegin an der NAB Moviecard-Night in Baden die Vampirromanze «Twilight» angeschaut. Wir haben uns nicht nur miteinander gut unterhalten, auch der Film vermochte durchaus zu unterhalten. Als Beitrag zum Genre der Vampirfilme ist der Teenie-Film zwar ein wenig blutarm, als Betrachtung der Entfremdung von Jugendlichen funktioniert er hingegen vorbildlich. In diesem Bereich hat Regisseurin Catherine Hardwicke auch genügend Erfahrung.
Nach einem Jahrzehnt als Szenenbildnerin erhielt Hardwicke für ihr Regiedebüt «Thirteen» (2003), ein einfühlsames Teenager-Drama, verdientermassen viel Lob. Gemischt waren danach jedoch ebenso nachvollziehbar die Reaktionen auf das Skater-Drama «Lords of Dogtown» (2005) und die Bibelgeschichte «The Nativity Story» (2006). Verbindendes Element dieser Filme ist, dass sie von jugendlichen Aussenseitern handeln. Dieses Thema steht auch im Zentrum von «Twilight».
Weil ihre Mutter mit dem Stiefvater auf Reisen geht, muss die 17-jährige Bella (Kristen Stewart) vom sonnigen Phoenix in Arizona zu ihrem Vater ins verregnete Kaff Forks im nördlichen Küstenstaat Washington ziehen. Das Schuljahr ist schon fast zu Ende und so fügt sich das introvertierte Mädchen eher mühsam in das Klassengefüge ein – obschon sie offen empfangen wird. Sie fühlt sich aber weniger zu den beiden spitzen Verehrern, sondern vielmehr zum bleichen Edward Cullen (Robert Pattinson) hingezogen.
Über die zurückgezogen lebenden Cullens wird an der High School viel geflüstert. Edward ist wenig begeistert, als sich Bella in der Biologie-Stunde neben ihn setzt. Angewidert flüchtet er am Ende der Stunde. Das lässt Bella nicht auf sich sitzen. Sie stellt Edward zur Rede und irgendwann findet sie heraus, dass es sich bei den Cullens um Vampire handelt. Im Gegensatz zu anderen menschlichen Blutsaugern verzichten sie allerdings auf Menschenblut und ernähren sich stattdessen von Tieren. Doch der Geruch von Bella ist so verlockend, dass Edward nur mit Mühe widerstehen kann.
Edward möchte beissen, muss sich aber zurückhalten. Ja, Abstinenz scheint den Inhalt von diesem Vampirfilm zu bestimmen. Da lässt sich natürlich die Diskussion über die Enthaltsamkeit von sexueller Befriedigung anwenden. Zu Sex zwischen Bella und Edward kommt es selbstverständlich nicht. Dabei sitzt Edward fast jede Nacht im Schlafzimmer von Bella, weil er es so beruhigend findet, sie schlafen zu sehen. Aber nackte Haut gibt es ebenso wenig zu bewundern wie Zähne in zarten Nacken.
Weitaus dominanter sind allerdings die Anzeichen, dass «Twilight» ein Plädoyer für Fleichverzicht ist. Bella ernährt sich vegetarisch und Edward vergleicht seinen aus Tieren bestehenden Speiseplan mit Tofu. Da Bella auf Fleisch verzichten kann, wird Edward ganz bestimmt auf Menschenblut verzichten können. So keusch wie die Hauptfiguren miteinander umgehen, so züchtig ist auch die Umsetzung. Für wahre Vampire sicher zu brav.
Schmalzig wird die unglückselige Liebesbeziehung geschildert. Sehnsüchtig himmeln sich die äusserlich ungleichen, innerlich aber identisch verstossen fühlenden Jugendlichen an. Immer stärker ziehen sich die Gegensätze an. Diese Konzentration auf die Emotionen wirkt zwischendurch etwas gar dürftig, zumal die eigentliche Anziehungskraft nicht ganz glaubhaft vermittelt wird. Aber ein so hübsches Pärchen wie Kristen Stewart und Robert Pattinson gehört wohl einfach zusammen. Wem diese blassen Reize jedoch nicht genügen, wird sich vermutlich langweilen.
Jetzt frage ich mich nur noch: Ist Robert Pattinson tatsächlich so attraktiv? Irgendwie fehlt ihm die Oberlippe. Die Fortsetzung «New Moon» ist übrigens bereits in Produktion. Die Hauptdarsteller kehren wieder zurück, Hardwicke musste ihre Position hinter der Kamera jedoch an Chris Weitz abtreten. Der hat nun ausreichend Zeit, weil es vermutlich keine Fortsetzungen für «The Golden Compass» gibt.
Fazit: «Twilight» ist eine professionell umgesetzte, ganz auf unerfüllte Gefühle bedachte Vampirromanze.
Bewertung:
3 Kommentare to “«Twilight» von Catherine Hardwicke”
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