Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03128.jsonl.gz/2098

wurde nun vor den japanischen Versicherungsgesellschaften anerkannt.
Definiert ist er entweder
- bei mehr als 100 Überstunden im Monat vor dem Tod, d.h. 4,6 Überstunden täglich oder
- mehr als 80 Überstunden monatlich im Durchschnitt der letzten 6 Monate vor dem Tod, d.h. insgesamt 480 Überstunden im letzten halben Jahr oder mehr als 4 Überstunden täglich.
Am gesündesten fühlen sich in der EU Menschen, die wöchentlich durchschnittlich 20 – 35 Stunden arbeiten, d.h. sie geben die wenigsten psychosomatische Beschwerden an, z.B. Schlafstörungen, Verspannungen in Hals, Nacken und Rücken, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen usw. Mehr zu arbeiten scheint den Menschen nicht gut zu tun, weil mit der weiteren Zunahme der Arbeitsstunden auch die psychomsomatischen und muskuloskeletalen Beschwerden deutlich ansteigen. Eine massive Zunahme von Gesundheitsstörungen zeigt sich bei einer wöchentlichen Arbeitszeit über 50 Wochenstunden.
Unabhängig von der Summe der Arbeitsstunden hat die Vorhersagbarkeit der Arbeitszeiten eine deutliche Auswirkung auf die Gesundheitsbeeinträchtigungen:
sind die Arbeitszeiten in jedem Monat gleich, sind die Gesundheitsstörungen an geringten;
am höchsten sind sie hingegen bei völlig unregelmässigen Arbeitszeiten, z.B. bei Arbeit auf Abruf.
(Quelle: GAWO Gesellschaft für arbeits-, wirtschafts- und organisationspsychologische Forschung e.V., Prof. em. Dr. F. Nachreiner).
Menschen, die nie Sport treiben, und Menschen, die an mehr als an fünf Tagen in der Woche Sport treiben, verunfallen häufiger (58 Unfälle und 108 Erkrankungen auf 1’000) … und sind auch kränker als Menschen, die nur ein bis höchstens vier Mal in der Woche intensiv körperlich aktiv sind (49 Unfälle und 79 Erkrankungen).
Entgegen ihrem schlechten Ruf schneiden die Unsportlichen nur leicht schlechter als die mässig Aktiven ab mit 48 Unfällen und 92 Erkrankungen pro Jahr; hingegen weisen sie die niedrigste Quote an NBU Nichtberufsunfällen auf.
Bei der Dauer der Absenzen zeigt sich ein ähnliches Muster, allerdings schneiden bei diesem Vergleich die Unsportlichen besonders schlecht ab:
bei einer ernsthaften Erkrankung oder nach einem Unfall kehren die mässig Sportlichen bereits nach 5,5 Arbeitstagen an ihre Arbeit zurück; die sehr Sportlichen und die Unsportlichen brauchen brauchen dafür 7,8 bzw. 8,4 Tage.
(Quelle: D. Zimmermann-Sloutskis & Zimmermann: The Role of Moderate Physical Activity in Illness and Accident Related Disability Day among the Swiss Labor Force. SUVA – Berufsassoziierte Gesundheitsstörungen – 4. Tagung. Lucerne, September 14, 2009).
Dieser Befund wurde in epidemiologien Studien anfänglich als Zufallseffekt gedeutet; da dieser Effekt aber in mehreren Studien in verschiedenen Ländern immer wieder gefunden worden war, wird er inzwischen als wissenschaftlich hinreichend gesichert angesehen.
Rotwein-Studie
Beispielhaft sei die häufig zitierte Studie von Renaud et al. beschrieben: Untersucht wurden43’450 Männer zwischen 40 – 60 Jahren von 1978 bis 1985. Sie durchliefen alle einen aufwendige medizinische Untersuchung (Blutdruck, Cholesterin, EKG, Gewicht, Körpergrösse, ausführliche Fragebogen zur beruflichen Tätigkeit und zum Lebensstil, insbesondere Trinkgewohnheiten). Männer mit grösseren gesunheitlichen Problemen wurden bei der Datenauswertung ausgeschlossen, so dass noch 36’583 Datensätze in die Analyse eingingen.
In dem Beobachtungszeitraum zwischen 13 – 21 Jahren verstarben 4’203 Studienteilnehmer, so dass sich folgende relative Todesrisiken ergaben im Vergleich zu Abstinenten (mit dem relativen Risiko RR von 1,0):
p = .739 bei mässigem Rotweinkonsum
(weniger als 60 g reiner Alkohol täglich, das sind die berühmten 1 – 2 Viertele) ,
P = 1.13 für übermässige Rotweintrinker (mehr als 60 g Alkohol täglich),
p = .92 für mässige Trinker von Bier, Branntwein usw. (das sind 1 – 2 Halbe oder 1 – 2 Gläschen Schnaps) und
p = 1.18 für übermässige Trinker von Bier, Branntwein usw.
Bei Frauen ist der Effekt weniger stark ausgeprägt.
Am stärksten lässt sich der lebensverlängernde Effekt von Alkohol bezüglich Herz-Kreislauferkrankungen nachweisen; erklärungsbedürftig bleibt der Befund, dass Männer mit einem sehr hohen Bildungsniveau bei übermässigem Alkoholkonsum ( > 60 g reiner Alkohol täglich) keine erhöhte Sterblichkeit haben.
Bei jüngeren Menschen hingegen gibt es einen geradlinigen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Sterblichkeit, d.h. Abstinente zwischen 20 – 35 Lebensjahren haben die höhere Lebenserwartung im Vergleich mit ihren trinkenden AltersgenossInnen (British Medical journal 2002, Vol. 325, pp. 191-194).
Menschen, die in einem 10-Jahres-Zeitraum nie oder mehr als 20 mal bei der Arbeit gefehlt haben, weisen eine kürzere Lebenserwartung auf als Menschen, die in diesem Beobachtungszeitraum ein bis 20 Mal gefehlt haben.
Statistisch ausgedrückt: Menschen, die nie bei der Arbeit fehlen, haben ein relatives Risiko zu sterben, von 1,0.
Bei Menschen hingegen, die ihre Körpersignale ernst nehmen, und im Beoachtungszeitraum ein bis 10 Mal gefehlt haben, sinkt das Sterblichkeitsrisiko auf 0,76;
und bei Menschen, die öfters als 20 Mal gefehlt haben, steigt das Sterblichkeitsrisiko auf 1,4.
(Quelle: Kivimäki et al: Sickness absence as a global measure of health. British Medical Journal, 327, pp.364-369.
Diese schlichte These zur Arbeitszufriedenheit ist allgegenwärtig und wird gerne und häufig zur Rechtfertigung verschiedenster personalpolitischer Massnahmen heran gezogen. Tatsächlich sind die statistischen Zusammenhänge zwischen Arbeitszufriedenheit und Produktivität, Qualität oder Profit eher schwach (Korrelationen 0.00 < r > .30, andererseits hingegen über verschiedenste Branchen, Ausbildungsniveaus und Länder hinweg doch immer wieder nachweisbar, wie beispielsweise in einer britischen Studie von Jones, Jones, Latreille & Sloane http://doku.iab.de/externe/2008/k080915f07.pdf
In der vielzitierten Bertelsmann-Studie werden Mitarbeitenden mit unterschiedliche Arten der Arbeitszufriedenheit charakterisiert, in aktiv Engagierte, passiv Zufriedene, akut Unzufriedene und Desinteressierte. (Die ursprünglich theoretisch fundierte Unterscheidung stammt von Agnes Bruggemann, 1975). Dabei zeigte sich, dass in den 30 wirtschaftlich erfolgreichsten Unternehmen dieser Studie die meisten progressiv Zufriedenen arbeiten: nämlich 45% im Vergleich zu 21% in den 30 ertragsschwächsten Unternehmen; bei letzteren häufen sich hingegen die Unzufriedenen (29%) und die Desinteressierten (20%).
(F. Hauser, A. Schubert & M. Aicher: Unternehmenskultur, Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement in den Unternehmen in Deutschland).
Wie komplex die Zusammenhänge sein können, zeigt das Diskussionspapier von Hanglberger (2011) in einem internationalen Vergleich von 31 Ländern:
ausser in Kontinentaleuropa und Skandinavien hat das Einkommen den grössten Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit; in Großbritannien und Irland ist die Sicherheit des Arbeitsplatzes ein weiterer wichtiger Einflussfaktor. Die Autonomie in der Arbeit ist scheinbar nur für Beschäftigte in wohlhabenden Ländern wichtig – also ein Luxusproblem?
www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/Forschungseinrichtungen/ffb/files/publikationen/diskussion/DP_86_-_Arbeitszufriedenheit_im_internationalen_Vergleich.pdf
Um diese Frage zu beantworten, analysierten David Johnston & Wang-Sheng Lee einen repräsentativen australischen Datensatz aus den Jahren 2002-2010 (HILDA) Household Income and Labour Dynamics in Australia). Trotz der positiven Auswirkungen des beruflichen Aufstiegs auf die Arbeitszufriedenheit, Arbeitsinhalte, Einkommen und Autonomie zeigen sich signifikant negative Effekte auf die Gesundheit und allgemeine Lebenszufriedenheit.
Quelle: Johnston & Lee: Extra Status and Extra Stress: Are Promotions Good for Us? June 2012,
aufmerksam geworden durch die Pressemitteilung des Institutes zur Zukunft der Arbeit
http://idw-online.de/pages/de/news489770
Die langfristig erfolgversprechendste Behandlung chronischer Schmerzen ist die multimodale Schmerztherapie, d.h. ein Therapieansatz, der auf der Basis der kognitiven Verhaltenstherapie verschiedenste andere Therapieangebote integriert, z.B. Entspannungsverfahren, Stress-impfungstraining, Körperübungen, Sport, Berufs- und Laufbahnberatung, Aufklärung über die Entstehung und Chronifizierung von Schmerzen usw.
In einer Sekundäranalyse wurden die Verlaufsdaten von 413 PatientInnen eines multimodalen stationären Schmerzprogramms untersucht, um bessere Prädiktoren für die Wirksamkeit heraus zufinden, insbesondere hinsichtlich Intensität der Scherzen, Beeinträchtigung, Depressivität, Funktionskapazität und Rückkehr zur Arbeit.
Die durchschnittliche Schmerzstärke verringerte sich von 6 auf 4,6 auf einer Skala von 0 – 10;
die Schmerzen insgesamt von 41 auf 33 (auf einer 100-Punkte-Skala),
die Depressivität von 28 auf 23 (knapp klinisch bedeutsam),
die körperliche Funktionsfähigkeit verbesserte sich von 41 auf 49 Punkte.
Bei der Prüfung möglicher Einflussfaktoren wie Alter, Erwerbstätigkeit, Body-Mass-Index BMI, Depression erwies sich nur die Schulbildung als bedeutsam:
49 % der PatientInnen mit mittlerer Reife, Abitur oder Studium, aber nur 37 % mit Hauptschul-abschluss oder ohne Schulabschluss erreichten eine Schmerzreduktion von über 30 % sowie eine deutliche Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit (56 vs. 40 %). Besonders erfolglos ist die stationäre Therapie bei PatientInnen mit einer Erwerbsminderungsrente und Stellensuchenden.
Insbesondere Frauen proftieren von dieser Form der Schmerztherapie: 52 % der Teilnehmerin-nen erreichten eine deutliche Reduktion ihrer schmerzbedingten Beeinträchtigung, hingegen nur 40 % der Männer.
Quelle: I. Haase, O. Kuhnt, K. Klimczyk (2012): Bedeutung des Bildungsniveaus für die Wirksamkeit der multimodalen Schmerztherapie. Der Schmerz 26 (1), pp. 61-68.
Diese Meta-Analyse zum Zusammenhang von Lohnersatzleistungen und chronischen Schmer-zen zeigt, dass die Zahlungen dazu führen, dass Schmerzen, insbesondere Rückenschmerzen,
- von den Betroffenen häufiger berichtet werden und
- dass die durchgeführten Therapien weniger wirksam sind, z.B. Bandscheibenoperationen.
Das Vorliegen somatischer Befunde, die Art der Therapie, juristische Auseinandersetzungen oder Dauer der Schmerzen hat keinen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Entschädi–gungszahlungen und Schmerzerleben; auch konnten keine Effekte für die Studienqualität gefunden werden. Die Effektstärken liegen mit .50 und .60 im mittleren Bereich. Die Autoren erklären den Befund mit “kognitive Dissonanz”, d.h. Patienten, die Entschädigungszahlungen erhalten, würden kognitive Dissonanz erleben, wenn ihre Schmerzen abnehmen würden. Also suchen sie nach Begründung dafür, dass sie Krankentaggeld oder eine Rente erhal–ten. Lohnersatzleistungen führen also zur iatrogenen Chronifizierung, d.h. zu erhöhter Aufmerksamkeit für unangenehme Körperwahrnehmungen und damit auch zu verstärktem Schmerzerleben, zumindest bei einem beträchtlichen Teil der PatientInnen.
Berücksichtigt wurden 32 Studien mit insgesamt über 7’000 PatientInnen, 3’802 erhielten Lohnersatzleistungen für Ihre Schmerzen, 3’849 erhielten keine.
M.L. Rohling, L.M. Binder & J. Langhinrichsen-Rohling. (1995). Money matters: A meta-analytic review of the association between financial compensation and the experience and treatment of chronic pain. Health Psychology, 14, pp. 537-547.
Erfolgreiche Wiedereingliederung durch Case-management in der Schweiz.
Wie ein dreimonatiges Low-Budget-Projekt zur Evaluation eines Beratungsangebotes zur beruflichen Wiedereingliederung von gut qualifizierten Mitarbeitenden – neben einigen anderen erwünschten positiven Nebeneffekten – zur Reduktio der Krankentaggeldzahlungen um ein Viertel führte.
Quelle http://www.zeitschrift-praeview.de/data/inhaltsverzeichnis_012012.pdf