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Zum Zeitpunkt der Gründung der Schule im Jahr 1896 rekrutiert Léon Genoud Lehrer aus ganz Europa, wie wir bereits im Kapitel über die Anfangszeit der Schule beschrieben haben. Unter ihnen ist Enrico Barone, dessen Vorname rasch in Henri umgewandelt wird. Er wird vom Staatsrat am 4. Mai 1897 zum Mathematiklehrer ernannt[1]. Bei der Durchsicht der Unterlagen, insbesondere der unveröffentlichten Dokumente, die in den Archiven der Schule aufbewahrt werden[2], erscheint Henri Barone als eine Schlüsselfigur der Schule, als starker Mann, dessen Stimme Gewicht hat.
Zur Erinnerung: Léon Genoud leitet die Berufsschule von 1896 bis 1925, eine halbe Ewigkeit! Barone übertrifft jedoch den Gründer und Direktor um einiges, unterrichtet er doch während 42 Jahren bis 1939 bzw. bis zu seinem 77. Lebensjahr! Barone stirbt kurz nach seiner Pensionierung am 16. Mai 1940.
Der Jahresbericht 1939-1940 ruft die Eckdaten aus dem Leben von Henri Barone sowie die Rolle, die er an der Schule spielte, in Erinnerung:
«Herr Barone, gebürtig aus Messina (Sizilien), wird 1862 in Palermo geboren. Dort absolviert er seine gesamte Ausbildung, einen technischen Studiengang sowie vier Jahre an der Universität. Nach einem Lizenziat in Physik und Mathematik doktoriert er 1893 in Mathematik […] Er unterrichtet mehrere Jahre an einem Gymnasium und an einer höheren Schule für Frauen und seit dem 20. November 1896 an der Berufsschule in Freiburg, die später Teil des Technikums wird, wo er 1897 zum Professor ernannt wird. Als Lehrer genoss er hohen Stellenwert, er war wissenschaftsbegeistert, liebevoll, verständnisvoll und begleitete seine Schüler in ihrem Leben. Er war Zeuge der ersten Schritte unserer Schule und später ihrer Entwicklungen und war sich zu Recht bewusst, die Tradition zu vertreten.»[3]
Eine wahre Persönlichkeit
Der Mann hatte Charakter. Wir haben die folgende Anekdote bereits früher erwähnt: Im November 1897 gerät Professor Barone in einen Konflikt mit Direktor Léon Genoud, der in einem angeregten Austausch in den Notizbüchern des Direktors ausgetragen wird[4].
Henri Barone macht einigen Schülern Vorhaltungen, weil diese zu spät kamen. Léon Genoud wiederum wirft Henri Barone vor, zu spät zu kommen und „Kindereien“ zu veranstalten. Henri Barone ist empört.
Notizbuch von 1897, unveröffentlicht, S. 27
Henri Barone fordert auch viel, wie der Rede vor seinen Schülern anlässlich seines 25-Jahr-Jubiläums an der Schule zu entnehmen ist:
«Ein berühmter Schriftsteller hat einmal gesagt: Der Verstand ist ein Geschenk, die Willenskraft jedoch eine Errungenschaft, die das ganze Leben durch erworben werden kann. […] Wollen Sie diese Willenskraft erlangen, dann befolgen Sie den Rat dieses Kaufmanns, der nicht die Franken zählte, die er ausgab, sondern die Rappen. Zählen Sie also nicht die Stunden, die Sie verschwenden, sondern die Minuten. Wie oft begegne ich unseren Schülern, die die belebtesten Strassen der Stadt auf und ab gehen, die Schaufenster bewundern oder wie Greise oder Gaffer auf den Bänken der Plätze sitzen oder dem Geschwätz des Maroniverkäufers lauschen. Jedes Mal ist mein Herz mit Traurigkeit und oft auch mit Empörung erfüllt. […] Zusammenfassend lässt sich sagen: Um Willenskraft zu erlangen, liebt Eure Eltern und denkt an sie, verschwendet keinen Augenblick, lest gute und seriöse Bücher und macht am Ende des Tages eine ernsthafte Gewissensprüfung. Wenn Euch Euer Gewissen Nachlässigkeit vorwirft, dann geht in Euch und macht es am nächsten Tag besser. Unter diesen Bedingungen werden Ihr mit Sicherheit Erfolg haben…»[5]
In den Protokollen des Lehrerkollegiums ist von der wichtigen Rolle die Rede, die Barone in der Schule spielt, bereits in den ersten Jahren als Lehrer. 1898 beschliesst die Aufsichtskommission der Schule, diese in zwei Abteilungen aufzuteilen, in eine höhere technische Abteilung und eine Lehrlingsabteilung, die weiterhin den Namen Berufsschule trägt. Dieser Entscheid wird auf Initiative von Henri Barone und Jules Clément, Lehrer für Mechanik und Konstruktion, getroffen.
«Die Herren Dr. Barone und Clément haben den Wunsch geäussert, die Berufsschule in zwei grosse Abteilungen aufzuteilen, von denen die eine die schwächeren und weniger begabten Schüler aufnehmen soll, die später gute Arbeiter werden. Die andere Abteilung ist für junge Leute bestimmt, die fähig sind, ihre technischen Studien fortzusetzen und später hervorragende Vorarbeiter und sogar Werkstattleiter zu werden. Die Schüler der ersten Kategorie werden viel in den Werkstätten arbeiten, jene der zweiten Kategorie hingegen gemäss dem aktuellen Schulprogramm häufiger den theoretischen Unterricht besuchen.
Herr Barone wird für seinen Unterricht ein spezielles Programm zusammenstellen. Jeder Professor wird das Gleiche für seinen Unterricht in den beiden Kategorien tun. – Genehmigt. –»[6]
Hierbei handelt es sich um eine grundlegende Entscheidung, da diese Unterteilung seit 1898 besteht. Die heutige Berufsfachschule geht auf die Lehrlingsabteilung zurück, während die HTA-FR aus der technischen Abteilung hervorging.
Entdecken Sie den Blog als PDF. Laufend aktualisiert mit den neusten Publikationen: https://125.hta-fr.ch/geschichte/
[1] La Liberté, 5. Mai 1897
[3] Jahresbericht, 1939-1940
[4] Genoud Léon, Handgeschriebenes Notizbuch von Léon Genoud, Archiv der HTA-FR, unveröffentlicht, 1897-1925
[5] Jahresbericht, 1921-22
[6] Sitzungsprotokoll des Lehrerkollegiums, handgeschriebenes und unveröffentlichtes Notizbuch, 25. Mai 1898