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Beantwortet von: Katja Gmünder, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, von der Kinder- und Jugendpraxis Emme in Burgdorf
Die ersten Grundsteine der Selbstwertentwicklung werden in der frühesten Kindheit gelegt, Erikson hat dafür den Begriff des Urvertrauens geprägt. Es kommt also sehr darauf an, welche Erfahrungen ein Kind in den ersten Lebensjahren macht. Wurden seine Bedürfnisse wahrgenommen und angemessen darauf reagiert? Oder war es schon früh darauf angewiesen, sich und seine Gefühle selbst regulieren zu müssen? Wurde das Kind von seiner Umgebung aktiv entwertet, z.B. von den Eltern, im Kindergarten, in der Schule etc.? Hat es gar Mobbingerfahrungen gemacht? Darüber hinaus wird Selbstwertgefühl zu einem Teil sicher auch modellhaft „gelernt“ – wenn also ein Kind Eltern hat, die selbst über einen geringen Selbstwert verfügen und sich entsprechend verhalten und auch äussern, besteht die Gefahr, dass es zumindest teilweise solche Muster übernimmt. Denkbar ist ausserdem wie bei so vielen Wesenszügen, dass genetische Einflüsse ebenfalls eine Rolle spielen. Hat also ein Mensch in seiner Kindheit beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass nicht angemessen auf seine Bedürfnisse reagiert wurde und ist er eher in einer von Selbstunsicherheit geprägten Umgebung aufgewachsen oder gar öfters entwertet worden, ist dies in ihm „abgespeichert“. Dies lässt sich durch spätere gegenteilige Erfahrungen, beispielsweise in Form von Lob oder entgegen gebrachtem Wohlwollen nicht so einfach wieder korrigieren. Oft ist dazu erst eine Auseinandersetzung mit den gemachten Erfahrungen in der Vergangenheit erforderlich.