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Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura
Umstrukturierung der Bieler IndustrieStadt Biel - Arbeitslosigkeit - Industrie - Uhrenindustrie - Wirtschaftskrisen
1984 waren es noch 122 Betriebe. Der rauhe Wind der 70er-Jahre hat mehr als die Hälfte weggefegt. Die Uhrenindustrie schrumpfte in dieser Zeitspanne am deutlichsten: Von 111 Betrieben blieben deren 37. Aber auch die Maschinen- und Metallindustrie wurde nicht verschont. Fast die Hälfte der Firmen musste in dieser Branche die Tore schliessen. Die Dominanz der Uhrenindustrie war 1983 dahin. Ab diesem Jahr zählte die Metallindustrie mehr Arbeitsplätze. Wenn auch schmerzlich, so ist doch langfristig der Diversifikationsprozess der Bieler Wirtschaft zu begrüssen, war doch die alles dominierende Uhrenindustrie krisenanfälliger als die anderen Branchen.
Der Abbau von Arbeitsplätzen in der Uhrenindustrie fand indessen nicht kontinuierlich statt, sondern in Sprüngen. In den Jahren 1984/1985 erreichte die Krise ihren Höhepunkt und fand gleichzeitig eine Lösung. Unter dem Druck der Gläubigerbanken wurde eine umfassende Fusion durchgeführt und die ganze Branche durch die Banken mit mehreren 100 Mio. Franken saniert. Diese übernahmen für kurze Zeit auch die Aktienmehrheit.
Gilbert Tschumi, Zentralsekretär des SMUV in Bern, schrieb 1987 rückblickend: «Der wirtschaftliche Wandel wurde durch die Mitarbeiter der Uhrenbranche auf sehr unterschiedliche Art empfunden und mit unterschiedlichem Erfolg gemeistert. (...) Ganz allgemein ist festzuhalten, dass es viel Mut, Ausdauer und Willenskraft braucht, um einen Arbeitsplatz an einem anderen Ort, in einer anderen Branche anzunehmen. Für einige ist dies eine Belastung, die sie täglich während Monaten und Jahren mit sich tragen. Für andere bedeutet es einen Neuanfang, sie fühlen sich aufgewertet, und sie spüren auch die Achtung ihrer Bezugspersonen, denn sie haben sich in einer schweren Prüfung bewährt.»
Als logische Folge der Wirtschaftskrise schrumpfte die Bieler Bevölkerung, doch hatte die Abwanderung nach Meinung der Sachverständigen in der Stadtverwaltung verschiedene Gründe: Bereits von 1965 bis 1974, also nicht als Folge der Krise, zogen viele in Agglomerationsgemeinden um. 1975 bis 1976 wanderten rezessionsbedingt vor allem Ausländer ab. In diesen zwei Jahren stieg das «Wanderungsdefizit» von 1% auf 3% bzw. 2%. 1977 und 1978 sank wegen der erfolgten Abwanderung der jüngeren Generation die Geburtenrate. Vor allem gestiegene Wohnraumbedürfnisse begünstigen die «Stadtflucht» zusätzlich.
Autor: Jaroslaw Trachsel / Quelle: 1960