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Wo warst du vor 20 Jahren und was hast du da gemacht? Damals lebte weltweit fast jeder dritte Mensch in extremer Armut. 29% der Menschen lebten von weniger als 1,25 Dollar pro Tag – nicht mal genug, um wenigstens die grundlegendsten Bedürfnisse wie Ernährung, Bildung und Gesundheitsversorgung ihrer Kinder zu gewährleisten.
Die Jahre sind vergangen. Und weisst du was? Die Welt kann sich viel schneller verändern, als wir uns vorstellen können.
Heute leben nur noch 9% der Menschen in extremer Armut, die inzwischen als „ein Leben mit weniger als 1,90 Dollar pro Tag“ definiert wird.
Wow! Von 29% auf 9% – was für ein erstaunlicher Fortschritt! Die effektive Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben hat sich seitdem fast halbiert!
Dennoch stecken so viele von uns noch in einem veralteten Weltbild fest.
Drastisch falsches Weltbild
Hans Rosling beschreibt in seinem Buch Factfulness (Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist): wie er weltweit Tausende von Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zu grundlegenden Fakten über den Zustand der Welt befragt habe, über Dinge wie die durchschnittliche Lebenserwartung, wie viele Mädchen Zugang zu Bildung hätten, wie viele Babys gegen lebensbedrohliche Krankheiten geimpft seien und wie viele Menschen in extremer Armut lebten.
Er stellte immer wieder fest, dass alle Befragten mit ihrem Wissen über die Welt drastisch danebenlagen.
Rosling sagte:
"Jede Gruppe von Menschen, die ich fragte, denkt, dass die Welt beängstigender, gewalttätiger und hoffnungsloser, also viel dramatischer sei, als sie wirklich ist."
Auf die Frage, ob sich in den letzten 20 Jahren der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung verdoppelt, nicht verändert oder fast halbiert habe, antworten nur 5% der Befragten richtig.
[Klick auf das Bild um die Grafik zu vergrössern.
Zum Weiterlesen: The Good News About Global Poverty (Studie von Barna und Compassion)]
Die Verzerrung des "Wir und Ihr"
Was ist der Hauptgrund, dass wir solch falsche Vorstellungen haben? Laut Rosling hat es mit unserer falschen Vorstellung von Reich und Arm zu tun:
"Die Aufteilung der Welt in zwei irreführende Kategorien – arm und reich – verzerrt völlig alle globalen Proportionen in den Köpfen der Menschen."
Wenn es um globale Armut geht, denken viele von uns immer noch in Zahlen und Verhältnissen, die 1950 oder auch 1980 wahr gewesen sind, die aber einfach nicht mehr den Zustand der heutigen Welt repräsentieren. Es ist für viele immer noch normal, „uns“ in Europa und Nordamerika als die Reichen zu sehen, und die meisten anderen in Lateinamerika, Asien und Afrika als "die zerdrückten und hilfsbedürftigen Armen".
Aber die Mehrheit der Menschen ist aus dieser extremen Armut herausgekommen, in der die meisten Menschen im Laufe der Geschichte gelebt haben und gestorben sind. Heute leben 75% aller Menschen in Ländern mit mittlerem Einkommen!
"Die Idee einer geteilten Welt mit einer Mehrheit, die in Elend und Entbehrung steckt, ist eine Illusion", sagt Rosling, "ein völliges Missverständnis."
Das ist Grund zum Feiern! Es bedeutet, dass es unzählige Mütter und Väter gibt, die das Kind, für das sie gebetet haben, nicht schon vor seinem 5. Lebensjahr begraben müssen. Das bedeutet, dass Millionen von Mädchen den gleichen Zugang zu Bildung wie Jungen haben. Das bedeutet, dass nur noch halb so viele Menschen an den Folgen von Naturkatastrophen sterben.
Die Zeiten ändern sich – freu dich und fasse Mut!
Wenn wir nicht mal innehalten und die erstaunlichen Fortschritte feiern, die stattgefunden haben, und stattdessen der Lüge glauben, dass alles immer schlimmer wird, dann werden wir die Hoffnung verlieren. Schlimmer noch, wir werden sie verlieren, weil wir uns schlicht völlig falsch informiert und unser Weltbild darauf aufgebaut haben.
Ausserdem ist Armut, wie uns ein genauer Blick auf die Weltstatistiken zeigt, nicht unvermeidbar. Veränderung ist möglich. Wir kämpfen nicht endlos gegen eine unabänderliche Flut. Der Wandel vollzieht sich bereits, und wir können uns einsetzen und an diesem laufenden Prozesses teilhaben.
Doch obwohl heute nur 9% der Menschen in extremer Armut leben, sind das immer noch Hunderte von Millionen Menschen. Schätzungsweise 385 Millionen Kinder leben in extremer Armut. Und obwohl diese Zahl seit dem letzten Mal, als ich sie hörte, um 15 Millionen gesunken ist, ist das immer noch eine völlig inakzeptable Anzahl von Kindern, die nicht die Sicherheit, die Gesundheit und die Zukunftschancen haben, die sie verdienen.
In Anbetracht dieser beiden Realitäten – der Freude am bisher Erreichten und auch der Dringlichkeit dessen, was noch zu tun ist – schlage ich folgende 3 Dinge vor:
1. Preise den Herrn!
Wir hören auf, Gefühle von Niederlage und Fatalismus zuzulassen, wenn wir die Welt betrachten.
Wir preisen Gott, dass Millionen von Babys, die vor 25 Jahren noch an Durchfall, Unterernährung oder Krankheit gestorben wären, ihren fünften Geburtstag überlebt haben. Wir preisen Gott, dass Millionen von Mädchen die Schule besuchen und neben ihren Brüdern sitzen. Wir preisen Gott, dass so viele Wirtschaftssysteme auf der Welt derart wachsen, dass die Menschen die Zeiten, als sie durch ihre Landwirtschaft nur knapp überleben konnten und fast verhungerten, hinter sich lassen können.
2. Lerne dazu!
Im vergangenen Winter bin ich nach Thailand gereist, um vom Staat vertriebene Menschen zu besuchen, die an der Grenze zu Myanmar lebten. Obwohl diese Menschen in tiefer Armut leben, widerspricht der Grossteil Thailands mit seinem hohen Durchschnittseinkommen jeder Vorstellung eines "armen Landes". Im Vorjahr besuchte ich Ghana in Westafrika und war überrascht von all dem Reichtum, den ich in der Hauptstadt Accra sah, mit Einkaufszentren, die viel schöner waren als die in meiner eigenen Heimatstadt.
Um ein korrektes Bild der Welt zu erhalten, müssen wir aufhören, "den Rest der Welt" als arm und unterentwickelt zu betrachten
3. Erhebe deine Stimme!
Wir stellen uns entschieden gegen die irrige Meinung, dass es unvermeidbar sei, dass 385 Millionen Kinder in extremer Armut leben, ohne Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Arbeitsplätzen und Zukunftsperspektiven. Wir stehen zu den sichtbaren Fortschritten, und wir fordern, hoffen und beten weiter für Verbesserung.
Unser neues und genaueres Bild vom Zustand der Welt macht uns nicht apathisch gegenüber den 9% der Menschen, die immer noch in extremer Armut leben. Vielmehr entfacht es ein Feuer in uns, weiterhin für diese Kinder zu handeln und zu sprechen im Wissen, dass es möglich ist, dass ihre Armut eines Tages der Vergangenheit angehören wird.
Lasst uns aufhören, uns von fatalistischen Gedanken mitreissen zu lassen, wenn wir unsere Erde betrachten. Die Statistik lässt hoffen.
Amber Van Schooneveld, Compassion Canada