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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

II. Rede
38.
[S. 25] Nicht darf man den Vater in einer Weise bevorzugen, daß man ihn nicht Vater sein läßt. Wessen Vater wäre er denn noch, wenn der Sohn nicht die Natur des Vaters hätte und gleich der Schöpfung ihm fremd wäre, da ja das Fremde nicht Sohn ist, oder wenn er mit dem Vater vermengt und vermischt würde und, was dasselbe ist, den Vater mit sich vermischen würde? Auch darf man anderseits nicht Christus in einer Weise bevorzugen, daß man ihm nicht das Sohn-Sein und dem Vater nicht die Würde des Prinzips, welche ihm als Vater und Erzeuger zukommt, läßt. Denn von wem soll der Sohn abstammen, wenn er sich nicht vom Vater als Prinzip ableitet? Und der Vater wäre nur noch das Prinzip von kleinen und würdelosen Wesen, vielmehr, er wäre Vater in kleiner, würdeloser Art, wenn er nicht das Prinzip der Gottheit und Güte wäre, welche im Sohn und Geiste geschaut wird, in dem einen, soferne er Sohn und Logos ist, in dem anderen, soferne er als Geist ausgeht1 und unlösbar ist. Wir müssen nämlich einen Gott festhalten und anderseits drei Personen bekennen, von denen jede ihre Eigentümlichkeit2 hat.
1: Dem υἱός [hyios] wird πρόσοδος [prosodos] gegenübergestellt.
2: ἰδιότης [idiotēs].