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Ist ZSC-Stürmer Chris Baltisberger ein Bösewicht, der für zehn Spiele gesperrt werden sollte? Oder kann er von der Hockey-Justiz freigesprochen werden?
Die Szene, die beim Gipfeltreffen in Bern mehr zu reden gibt als das Resultat: In der der 22. Minute checkt ZSC-Stürmer Chris Baltisberger Berns Lauf- und Kreativ-Verteidiger Eric Blum in die Bande. Für beide ist die Partie zu Ende. Für Baltisberger, weil er mit einem Restausschluss unter die Dusche geschickt wird. Für Blum, weil er verletzt ausscheidet. Nach einer ersten SCB-Meldung soll die Verletzung nicht gravierend sein. Keine Gehirnerschütterung, aber möglicherweise eine Handgelenkverletzung.
REGEL 153 definiert den «späten Check» so: Ein später Check ist ein Bodycheck an einem Feldspieler, der sich in einer verwundbaren Position befindet, da er nicht mehr Puckkontrolle oder -besitz hat.
Ein Feldspieler, der einen späten Check gegen einen ahnungslosen Gegenspieler ausführt, erhält eine Grosse Strafe und eine automatische Spieldauer-Disziplinarstrafe. Ein Feldspieler, der einen verwundbaren Gegenspieler durch einen späten Check rücksichtslos gefährdet, erhält eine Matchstrafe.
Die SRF-TV-Bilder zeigen: Mit ziemlicher Sicherheit kein «später Check». Chris Baltisberger läuft mit Eric Blum mit und setzt zu seinem Check an, als dieser mit der Scheibe läuft, also noch Puckkontrolle oder -besitz hat. Ein Check, um den Gegenspieler vom Puck zu trennen, ist legal. Also: keine Strafe.
REGEL 123 bestimmt den Check von hinten so: Ein Spieler, der einen Check gegen einen Gegenspieler ausführt, der sich in einer wehrlosen Position befindet, sich des Checks nicht bewusst ist und nicht in der Lage ist, sich vor so einem Check zu schützen oder zu verteidigen. Der Kontakt erfolgt dabei auf der Rückseite des Körpers.
Ein Spieler, der einen Check gegen einen Gegenspieler von hinten gegen die Bande ausführt, wird mit einer Kleinen Strafe und einer Disziplinarstrafe bestraft. Ein Spieler, der einen Gegenspieler durch einen Check von hinten rücksichtslos gefährdet, wird entweder mit einer Grossen Strafe und automatischen Spieldauer-Disziplinarstrafe oder einer Matchstrafe bestraft.
Dreht der Spieler unmittelbar vor dem Bodycheck seinen Rücken in Richtung des ihn checkenden Spielers und bringt sich so selbst in eine wehrlose Position, um so einen Check von hinten zu kreieren, wird keine Strafe wegen Checks von hinten ausgesprochen.
Die SRF-TV-Bilder zeigen: Es ist ein Check von hinten. Aber Eric Blum ist nicht in einer wehrlosen Position, er muss in dieser Situation – mit der Scheibe in der eigenen Zone – mit einem Angriff eines forecheckenden gegnerischen Stürmers rechnen und er ist in der Lage, sich gegen einen Check zu schützen. Eine rücksichtslose Gefährdung? Nein, die ist aus den SRF-TV-Bildern nicht ersichtlich. Also: Höchstens zwei plus zehn Minuten, aber kein Restausschluss.
REGEL 119 erklärt den Check gegen die Bande so: Ein Spieler, der einen Gegenspieler mit dem Körper oder dem Ellenbogen checkt, ihn angreift oder ihm so das Bein stellt, dass dieser dadurch heftig gegen die Bande geworfen wird.
Für einen Check gegen die Bande werden eine Kleine und eine Disziplinarstrafe verhängt. Ein Spieler, der einen Gegenspieler durch einen Check gegen die Bande rücksichtslos gefährdet, erhält entweder eine Grosse Strafe und eine automatische Spieldauer-Disziplinarstrafe oder eine Matchstrafe.
Die SRF-TV-Bilder zeigen: Es ist ein Check gegen die Bande. Wie beim Check von hinten ist nun die Frage: eine rücksichtslose Gefährdung? Nein, die ist auf den SRF-TV-Bildern nicht ersichtlich. Also: Zwei plus zehn Minuten.
Nach den TV-Bildern unseres staatstragenden Fernsehens SRF ist sogar ein Freispruch von Chris Baltisberger vertretbar. Sein Vergehen – soweit es auf den SRF-TV-Bildern ersichtlich ist – geht nicht über das Mass von zwei plus zehn Minuten hinaus und ist mit dem Restausschluss abgegolten. Ein rücksichtsloses Verhalten im Sinne des Regelbuches, das eine Sperre nach sich ziehen müsste, ist zumindest auf den SRF-TV-Bildern nicht eindeutig zu erkennen. Den Hockeyrichtern stehen allerdings noch weitere TV-Aufnahmen aus anderen Winkeln zur Verfügung.
Die Schiedsrichter, gut postiert, haben mit dem Restausschluss richtig entschieden. Zumal der gefoulte Spieler die Partie nicht mehr fortsetzen konnte. Sie haben die Szene ja nur in Echtzeit gesehen – und da war es unmöglich, zu einem so differenzierten Urteil zu kommen wie nach mehrmaligem Studium der TV-Bilder.
Matchentscheidend war die Fünfminutenstrafe plus Restausschluss gegen Chris Baltisberger übrigens nicht. Der SC Bern konnte den Ausschluss nicht zu einem Torerfolg nützen.