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Obwohl er in Memphis geboren wurde und dort auch aufwuchs, blieb er durch seinen Vater musikalisch ein Kind des Hill Country. Dieser war der bekannte und geschätzte Blues- und Gospelsänger Robert Wilkins, der in den Dreissigerjahren mit seiner Mischung aus Gospel und frühem Country-Blues Stil zur Entwicklung des Rock’n’Roll beigetragen hatte. Sein Song «Prodigal Son» wurde später unter anderem von den Rolling Stones (auf «Beggar’s Banquet»), von Ry Cooder, der sogar ein Album nach dem Song benannte, und von Eric Clapton unter dem Originaltitel «That's No Way To Get Along» gecovert.
Er war ein begnadeter Performer, weshalb man ihn den «Killer» nannte. Er war Mitglied des «Million Dollar Quartets» und Gegenstand eines Skandals in den prüden USA der 1950er Jahre, der den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen «Norden» und «Süden» deutlich machte. Aber vor allem passte Jerry Lee Lewis nie in die amerikanische Mainstram-Unterhaltung, denn er war das, was die USA gerne unten den Teppich wischt: aus einer weissen aber armen Familie. Am 29. September wird Jerry Lee Lewis 85 Jahre alt. Herzliche Gratulation!
Am 25. Juli ist in seinem Geburtsland England Peter Green gestorben, Gründungsmitglied der Band Fleetwood Mac und Pionier des Britischen Bluesrock und der British Invasion. Nachrufe von NZZ bis Rolling Stone feiern den am 29. Oktober 1946 geborenen Peter Allen Greenbaum. Peter Green hat in der Schaffensphase von 1968 bis 1970 wunderbare Musik gemacht, er schrieb das zeitlose Instrumentalstück Albatross und Carlos Santanas unsterblichen Hit Black Magic Woman; er spielte für John Mayalls Bluesbreakers und er jammte mit B.B. King. Er fuhr nach Chicago und machte Aufnahmen mit Willie Dixon, S.P. Leary, Walter «Shakey» Horton, David «Honeyboy» Edwards und Otis Spann und er war eine wichtige und einflussreiche Stimme in der Britischen Bluesszene der 1960er Jahre. Das ist unbestritten und sein historischer Verdienst, und dafür hat er seinen unbestreitbaren Platz im Pantheon des Blues, doch die Nachrufe enden mit seinem Drogentrip 1970, weil das so wunderbar ins Narrativ passt: Britischer Gitarrist der Sechziger Jahre vemasselt sein Talent mit Drogen. Im Gegensatz zu Drogentoten wie Jimi Hendrix, Janis Joplin oder Jim Morrison hat Peter Green aber nicht einfach eine «scheene Leich» abgegeben, wie der Wiener sagt, sondern er lebte danach noch 50 Jahre.
All My Dues Are Paid hiess sein letztes Album, erschienen Ende 2019. Der titelgebende Song, eine Mikrobiographie des Soulsängers, klingt im Nachhinein fast, als hätte er gewusst, nicht mehr lange zu leben. Tatsächlich erhielt er vor fünfzehn Jahren und nach fünf Jahren Dialyse eine neue Niere, die vor einem Jahr versagte und ihn erneut zur Dialyse zwang. Am 7. Juni 2020 starb er zuhause in Glenolden, PA. Er wurde 74 Jahre alt. Mit ihm ist eine der schönsten Stimmen des Soul verstummt.
Der allgemein zu Recht als Pionier des Rock’n’Roll gefeierte US-Musiker Little Richard ist dieses Wochenende in seinem Haus in Nashville verstorben. In den letzten Jahren hatte er sich als um die Welt tingelndes Rock’n’Roll-Denkmal gemeinsam mit anderen Legenden wie Chuck Berry, Fats Domino und Jerry Lee Lewis auf kleinen Bühnen verdingt, aber Little Richard war in seiner Blütezeit von 1955–1959 eine entscheidend wichtige Stimme für die Bewegung um Anerkennung der Schwarzen Amerikaner, aber auch der Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen als Heterosexualität, der einzig legalen Orientierung in den 1950er Jahren. Little Richard war ein mutiger Mann, der der Meinung war, zwischen Menschen sollte jede Kombination möglich sein – wie in den gemischten Trockenfrüchten «Tutti Frutti».
Er gehörte zu den letzten einer Generation, die leider bald nur noch in der Erinnerung, aber zum Glück auch in den Musikkonserven weiterleben wird. Am 19. Januar 1925 kam er in Kenner, LA zur Welt, einem Vorort von New Orleans, wuchs allerdings in Alsen in der Nähe von Baton Rouge auf. Er erlernte Klavier als Achtjähriger im Selbststudium und mit Hilfe einer Nachbarin, Mrs. White. Als Jugendlicher spielte er Klavier und Orgel in der Kirche und schliesslich schafften seine Eltern für ihn ein Klavier an. Mrs. White ermutigte ihn, in ihrem Haus Blues zu spielen und als Sechzehnjähriger hatte er die Chance, in einem Klub in der Nachbarschaft zu spielen. Zuhause war zwar Blues verboten und sein Vater bestand darauf, ihn zu begleiten. Als er sah, dass Henry mit dem Blues anständig Geld verdienen konnte, gab er seinen Widerstand auf.