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Infrastrukturfreie Gebiete im Mittelland werden immer weniger. Die «Tranquillity Map» identifiziert zwar 53 «ruhige» Gebiete, die wenig zerschnitten und verbaut sind. Doch die Karte zeigt auch die hohe Lärmbelastung des Mittellandes. Sie dient Gemeinden als wichtiges Planungsinstrument zum Schutz wertvoller, ruhiger Erholungsgebiete.
Die eingeschränkte Mobilität während der Corona-Pandemie führt zu einem veränderten Freizeit- und Reiseverhalten. Gerade die Voralpen und Alpen sind besonders beliebte Ausflugsziele am Wochenende oder während den Ferien. Wie die ETH Zürich in einem kürzlich veröffentlichten Paper schreibt, ist dabei das Bedürfnis nach Ruhe oft ausschlaggebend. Das Institut PLUS der ETH Zürich ging gemeinsam mit der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz der Frage nach, ob es im dicht besiedelten Mittelland nicht auch in der Nähe von grossen Siedlungen ruhige Erholungsorte gäbe, um die Hotspots im Voralpen- und Alpenraum zu entlasten. So entstand die «Tranquillity Map des Schweizer Mittellandes».
«Tranquillity» basiert auf einer subjektiven Wahrnehmung, die sich nicht mit exakten wissenschaftlichen Methoden messen lässt, wie die ETH Zürich betont. Um die «Tranquillity» von Orten zu bewerten, wurden Personen gebeten, aus einer Liste von 44 Faktoren mit positiven und negativen Wahrnehmungen jeweils drei auszuwählen, die für sie einen Ort mit einer hohen «Tranquillity» ausmachen. Anhand der Anzahl Nennungen konnten die verschiedenen Faktoren gewichtet werden. Beispiele positiver Einflussfaktoren sind Flüsse, Sterne in der Nacht oder eine wilde Landschaft. Zu den negativen Faktoren zählen tief fliegende Flugzeuge, Lichtverschmutzung in der Nacht oder die Lärmbelastung durch Strassenverkehr. Aus der gewichteten Summe aller positiven und negativen Einflussfaktoren wurde die «Tranquillity» eines Ortes berechnet.
Insgesamt wurden 53 Gebiete mit einer Mindestgrösse von 5 km² erfasst. Die Karte zeigt auf, dass es im Mittelland in der Nähe der grossen Siedlungen sehr wohl grössere naturnahe, wenig lärmbelastete Gebiete gibt, die sich für die ruhige Erholung eignen. Spitzenreiter mit 14 Ruhegebieten ist der Kanton Bern, gefolgt von Fribourg (12), Aargau (9), Waadt (8) und Zürich (7). Flächenmässig am meisten Ruhegebiete weist der Kanton Schaffhausen auf. Praktisch alle Ruhegebiete sind mit dem ÖV gut erschlossen. Nur zwei der 53 Gebiete liegen in geschützten Moorlandschaften und 16 in BLN-Gebieten (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler). Zwei Drittel der Ruhegebiete im Mittelland liegen demnach ausserhalb der nationalen Schutzgebiete. Für sie tragen die Planungsregionen und Gemeinden eine grosse Verantwortung.
Die betroffenen Gemeinwesen von ruhigen Naherholungsgebieten haben mit der Karte die Möglichkeit, kontemplative, sanfte, nicht-motorisierte Erholung zu fördern und das ÖV-Angebot gezielt zu stärken (z.B. Rufbusse). Ebenfalls ermöglicht ihnen die Karte, noch nicht unter Schutz stehende Gebiete stärker vor Störungen durch Bauten und Verkehrsachsen zu bewahren. Dies betrifft selbstverständlich auch die Erholungsnutzung selber.