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Normalerweise führen die angebotenen Expeditionsreisen diverser Reedereien von Argentinien oder Chile aus entweder direkt zur antarktischen Halbinsel oder in einem Bogen via Falkland Inseln und Sügeorgien. Je nach Eisbedingungen können dabei auch die Südorkney-Inseln und die Südshetlands angefahren werden. Auf diesen Reisen erhalten die Teilnehmer einen tiefen Einblick in die subantarktischen und antarktischen Ökosysteme, beobachten die Tierwelt in ihrer natürlichen Umgebung und lernen auch einiges über die Entstehung der Antarktis und des Scotia-Bogens im Besonderen. Aber am äussersten östlichen Rand des Bogens, der die Ränder einer kleinen Erdplatte markiert, finden sich einige Inseln, die weit abseits der üblichen Fahrtrouten der Expeditionsschiffe liegen, die Südsandwich-Inseln.
Der Archipel besteht aus 11 unbewohnten Inseln, die alle vulkanischen Ursprungs sind, und aus mehreren kleinen Felsen und Satelliteninseln. Einige der Vulkane auf den Inseln sind noch aktiv und die Region wird immer wieder von Erd- bzw. Seebeben heimgesucht. Die letzte Serie mit Stärken zwischen 6.0 und 7.8 auf der Richterskala ereignete sich erst vor zwei Wochen. Neben den tektonischen Aktivitäten sind die Inseln auch für mindestens 7 – 8 Monate des Jahres von Pack- und Treibeis eingeschlossen, werden häufig von Stürmen umtost und die Durchschnittstemperaturen liegen zwischen -30°C und 18°C (gemessen auf Südthule). Trotz dieser widrigen Lebensbedingungen sind die Inseln ein Tummelplatz für unzählige Pinguine, Seevögel und Robben. Auch Wale sind hier regelmässige Besucher. Grund dafür ist die Nord-Süd-Lage der Inseln, die wie eine Barriere im Antarktisstrom stehen und die tiefen, nährstoffreichen Wasser an die Oberfläche drücken. Dadurch entsteht eine sehr hohe Produktivität mit dem entsprechenden Tierleben. Allein auf der nördlichsten Insel Zavodovski nisten jedes Jahr über 1 Million Zügelpinguinpaare, die grösste Pinguinkolonie weltweit.
All dies macht den Archipel unglaublich interessant für einen Besuch mit Expeditionsschiffen. Aber durch die klimatischen, meteorologischen und tektonischen Bedingungen sind die Chancen auf erfolgreiche Besuche und Anlandungen nur sehr klein. Von 2001 bis Anfang 2014 gelang es nur 6 Schiffen bei 20 Versuchen, auf einer der Inseln zu landen. Meist waren es die russischen Eisbrecher, denen der Eisgürtel um die Inseln nicht allzu viel ausgemacht haben dürfte. Nach dem Abzug der Eisbrecher wurde es zunehmend schwieriger für die Schiffe, die Inseln zu erreichen, da eine gewisse Eisklasse eine absolute Notwendigkeit ist, um nicht plötzlich im Eis stecken zu bleiben.
Zu Beginn der Antarktis-Saison 2013/14 hatte sich Oceanwide Expeditions vorgenommen, mit ihrem Schiff «MV Ortelius» den Versuch einer Anlandung dort zu unternehmen. Die «MV Ortelius» besitzt sämtliche Vorzüge inklusive der höchstmöglichen Eisklasse für Expeditionsschiffe und einer ausgezeichneten Crew. Zusätzlich konnte mit Ernesto Barria Vargas ein ausgezeichneter Kapitän mit langjähriger Erfahrung angeheuert werden. Als Leiterin der Expedition fungierte Delphine Aurès, die seit Jahrzehnten in den Polargebieten als Expeditions-Leiterin und Wissenschaftlerin unterwegs ist. Bei Bekanntwerden der Pläne von Oceanwide waren Heiner und Rosamaria Kubny von PolarNEWS hellauf begeistert und liessen sich gleich Plätze auf dem Schiff reservieren, die auch schon bald allesamt verkauft waren. Am 1. November 2013 stach die «MV Ortelius» von Puerto Madryn aus mit 88 Passagieren an Bord in See. Darunter waren auch 25 PolarNEWS-Gäste aus der Schweiz und Deutschland unter der Führung vom Meeresbiologen Dr. Michael Wenger, die von Simon Usteri und Eva Forster als Filmteam begleitet wurden.
Nach verschiedenen Stopps bei den Falklandinseln und Südgeorgien, wo die Teilnehmer mit den Schönheiten der südatlantischen Inselwelt Bekanntschaft gemacht hatten, erreichte die «MV Ortelius» am Morgen des 12. November 2013 Saunders Island, die drittgrösste Insel des Archipels. Schon die Anfahrt in die Cordelia Bucht auf der Ostseite der Insel zeigte, dass zwar Eis vorhanden war, aber eine Landung möglich sein könnte. Nachdem der morgendliche Nebel sich gehoben hatte und den Blick auf die Insel frei gab, war klar, dass es zumindest für eine kurze Anlandung reichen könnte. An den dunklen Hängen, die teilweise noch von Schnee bedeckt waren, konnte man schon unzählige Pinguine ausmachen während auf dem Wasser der Bucht ein Schwarm von Kapsturmvögel auf der Suche nach Krill war. Die Spitze des Mount Michael, des aktiven Vulkans, lag noch unter Wolken, aber über der restlichen Insel rissen diese mittlerweile auf. Schnell die Schlauchboote ins Wasser gelassen und schon wurde eine Erkundungsfahrt unternommen, um eine geeignete Stelle am von riesigen Eisbrocken umsäumten Strand zu finden. Diese wurde auch bald ausgemacht und kurz nach 08.30 Uhr landeten die ersten Passagiere zwischen Pinguinen und Eisbrocken am schwarzen Vulkanstrand von Saunders Island. Dr. Michael Wenger zu PolarNEWS: «Über unseren Köpfen zogen Raubmöwen und Riesensturmvögel, während überall um uns herum Pinguine an Land kamen oder ins Wasser zogen. Über eine Stunde lang konnten wir die mondähnliche, faszinierende Landschaft und seine Bewohner geniessen, bevor die einkommende Flut anfing die Eisbrocken am Strand in Bewegung zu versetzen. Dadurch waren wir gezwungen, den Strand schnellstmöglich zu verlassen, um nicht vom Eis abgeschnitten zu werden. Später erfuhren wir, dass in den letzten 12 Jahren erst zwei andere Schiffe die Landung auf Saunders Island durchführen konnten. Insgesamt waren wir das 21. Schiff hier bei den Südsandwich-Inseln. Wir fühlten uns wie die Entdecker dieses abgelegenen, einsamen Archipels am Ende der Welt».
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