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9. Juli 2016 – 17. April 2017
Die Austellung Archives des sables, de Palmyre à Carthage wurde ausschliesslich ausgehend von Altsammlungen der Orientalischen Bibliothek der Sankt-Joseph-Universität in Beirut, mit der Unterstützung des Schweizerischen Instituts für Erhaltung der Fotografie, dem Musée départemental Arles antique und der Stiftung Boghossian (Brüssel) konzipiert. Sie zeigte etwa sechzig Originalabzüge aus den fotografischen Beständen des französischen Jesuitenmissionars Antoine Poidebard. Mit dieser Ausstellung liess das Laténium eine Pionierzeit archäologischer Prospektionen in der Levante wiederauferstehen, zu einer Zeit, als Syrien und der Libanon unter Völkerbundmandat von Frankreich verwaltet wurden.
Luftbildaufnahmen wurden in der Archäologie viel genutzt, da die Höhe es ermöglicht, archäologische Strukturen, die am Boden nicht immer erkennbar sind, zu identifizieren. Dank der technischen Fortschritte, die in der Luftfahrt und der Fotografie zeitgleich erzielt worden waren, erfuhr die Luftbildfotographie nach dem Ersten Weltkrieg einen Aufschwung. In der Schweiz stellen die ab 1927 durch den Neuenburger Paul Vouga erstellten Luftbildaufnahmen der Pfahlbaustätten von Cortaillod die erfolgreichsten Arbeiten dar. Aber der wirkliche Begründer der Methode der Luftbildarchäologie ist Pater Poidebard, eine schillernde Persönlichkeit, die manche Comic-Bilder der « Abenteuer von Tim und Struppi » inspiriert haben könnte.
Antoine Poidebard, 1878 in Lyon geboren, zeichnete sich als Jesuitenmissionar durch sein Engagement bei der Unterstützung der Opfer des Völkermordes an den Armeniern aus. Aber er war auch ein bekannter Abenteurer, der Autor von sehr beliebten Reiseberichten, Geograph, Ethnograph und Laienarchäologe. Ab 1925 liess er sich in Beirut nieder und führte im Auftrag der französischen Behörden Missionen durch, wobei er sich des ausserordentlichen Potentials bewusst wurde, das die Luftaufklärung für die archäologische Dokumentation der Territorien des Libanons und Syriens bot. Mit der logistischen Unterstützung der französischen Luftstreitkräfte, überflog er unzählige Male die Wüstensteppen Syriens, aber auch die Mittelmeerküsten bis nach Algerien und Tunesien, wo er zusammen mit dem jungen Kommandanten Cousteau arbeitete. Als erfinderischer Laienforscher schuf Poidebard Prototypen für Fotoapparate, die später industriell produziert wurden. Er hat alle seine Arbeiten unter Beachtung sorgfältiger und systematischer Protokolle durchgeführt, was dazu führte, dass die Luftbildarchäologie zu einer wissenschaftlichen Methode avancieren konnte.
Für die Ausstellung wurde eine schlichte Inszenierung mit einer betont strengen graphischen Umsetzung gewählt. In einer hellen Atmosphäre und dem sehr grosszügigen Raumvolumen des Ausstellungssaals wandelte der Besucher vor einfachen Rahmen aus hellem Holz. Die Abfolge wurde durch grossformatige Drucke aufgelockert, die die verschiedenen behandelten Themen hervorhoben: die”Persönlichkeit Poidebards, die Ursprünge der Luftbildfotografie, die Archäologie der Kolonialzeit im Vorderen Orient, die Luftfahrttechniken, die Methode der Luftentdeckung, die innovativen Verbindungen mit der Unterwasserarchäologie, sowie die ethnographische Dimension der Erforschungen Poidebards zwischen dem Persischen Golf und dem Kaukasus, zur Zeit des Zusammenbruchs des Osmanischen Reiches.
In einer Zeit, in der der Krieg in Syrien eine intensive Medialisierung der Zerstörungen des Kulturerbes hervorruft, ermöglichte es die Zusammenarbeit mit der Orientalischen Bibliothek in Beirut dem Laténium, ein aktuelles Thema aufzugreifen, aber gleichzeitig auch eine gewisse Distanz in Bezug auf die politische Aubsbeutung der Kulturerbe-Debatte zu wahren. Die Ausstellung beleuchtete die ideologische Instrumentalisierung der nahöstlichen Archäologie in der Kolonialzeit und lud den Besucher dazu ein, die wissenschaftliche Verantwortung des Westens an dem tragischen Schicksal, das einem unermesslichen Kulturerbe widerfährt, zu ermessen.