Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03492.jsonl.gz/1072

Sozialstruktur:Aufgrund ihres Sozialverhaltens und der Territorialität braucht diese Art ein grosses Aquarium (mind. 375 Liter).
Vergesellschaftung: Die Vergesellschaftung mit anderen Arten ist nicht einfach und soll gut überlegt sein.
Einrichtung: Der natürliche Lebensraum der Feenbuntbarsche sind die felsigen Ufer des Tanganjikasess. Mit Sand und Steinen kann diese Unterwasserlandschaft so simuliert werden, dass viele Verstecke, Schlafplätze und Bruthöhlen entstehen.
Einrichtung: Da sich die Feenbuntbarsche kaum für Pflanzen interessieren, kann man gut Wasserpflanzen in die Gestaltung integrieren.
Weitere Informationen: SDAT Börsenmerkblatt zur Gruppe der Tanganjika-Buntbarsche
Taxonomie
Neolamprologus pulcher und Neolamprologus brichardi wurden zuerst als Unterarten der Art Neolamprologus savoryi betrachtet. Später wurden sie aufgrund der unterschiedlichen Muster auf dem Kiemendeckel als zwei Arten aufgefasst. Untersuchungen im Jahr 2007 zeigten aber, dass N. pulcher und N. brichard ein und dieselbe Art ist.
Merkmale
Der Gabelschwanzbuntbarsch erreicht eine maximale Länge von 6.5 cm (im Freiland). Männchen und Weibchen sind sich sehr ähnlich, wobei die Männchen etwas grösser werden. Sie können 3 Jahre und älter werden.
Verbreitung
Der Gabelschwanzbuntbarsch ist eine ostafrikanische Buntbarschart. Sein Vorkommen konzentriert sich auf den Tanganjikasee (endemische Art).
Der Lebensraum der Feenbuntbarsche sind die felsigen Ufer des Tanganjikasees. Hier leben sie in einer Tiefe von 3 bis 45 Metern, wo sie Territorien etablieren. Der Bodengrund besteht aus Felsen und Geröll sowie Sand. Die steinige Umgebung bietet viele Höhlen und Spalten, die den Fischen als Verstecke, Schlafplätze und Bruthöhlen dienen.
Hauptfeinde des Feenbuntbarsch-Nachwuchses sind Lepidiolamprologus elongatus, ein ca. 30cm grosser Buntbarsch, der den Jungtieren nachstellt, sowie Mastacembelus flavidus, ein Laichräuber.
Feenbuntbarsche ernähren sich von Zooplankton und Schwebeteilchen, die oberhalb der Territorien im Wasser schweben. Bei der Futtersuche formen die Buntbarsche lose Gemeinschaften. Je grösser die Fische, desto grösser auch das Zooplankton, das gefressen wird. Die Futtersuche erfolgt tagsüber mit erhöhter Aktivität am Morgen und am Nachmittag. Nachts verziehen sich die Fische in ihre Verstecke.
Das Sozialleben der Feenbuntbarsche ist komplex. Bei dieser Buntbarschart hat sich ein Helfersystem entwickelt, wie man es auch von Vögeln und Säugetieren kennt. Die Feenbuntbarsche leben in Familiengruppen, die üblicherweise aus dem dominanten Paar sowie dessen Nachwuchs und nicht-verwandten Individuen beiderlei Geschlechts bestehen. Der Nachwuchs sowie die nicht-verwandten Gruppenmitglieder sind die Helfer.
Soziale Organisation
Die Grösse der Fische gibt Aufschluss über den Status: die beiden grössten Individuen sind das sich fortpflanzende Männchen (bis 7 cm) bzw. Weibchen (bis 6 cm), die nächst grösseren Individuen sind die meist nicht verwandten Helfer, die kleineren Individuen sind die Jungtiere des Elternpaars. Der Nachwuchs stammt aus drei bis vier Bruten, das heisst, es sind verschiedene Altersklassen vertreten, von Jungfischen bis zu den grösseren, fortpflanzungsfähigen Individuen. Seltener lebt das Männchen mit zwei Weibchen zusammen, die je ein Territorium haben.
Sozial lebendene Tiere zeigen eine Vielfalt an sozialen Verhaltensweisen, die helfen, das Leben in der Gruppe zu organisieren. Bei Feenbuntbarschen spielt auch die Körpergrösse eine wichtige Rolle in der zwischenartlichen Kommunikation. Aggressive Verhaltensweisen treten sowohl innerhalb der (Familien)Gruppe als auch gegenüber fremden Artgenossen oder Fressfeinden auf.
Fortpflanzung
Das Paar verteidigt zusammen mit dem Nachwuchs ein Territorium mit einem Radius von ca. 25 - 30 cm. Dieses Territorium ist rund um Höhlen oder Spalten angelegt, die als Verstecke und für die Aufzucht der Jungen genutzt werden. Das Weibchen laicht die Eier in eine dieser Höhlen ab, wo diese anschliessend vom Männchen befruchtet werden. Nach 3-4 Tagen schlüpfen die Larven, die weitere 8-9 Tage im Versteck bleiben. Die Eltern und der ältere Nachwuchs kümmern sich um diesen neuen Nachwuchs. Die heranwachsenden Fische bleiben jeweils für 2 bis 3 nachfolgende Fortpflanzungszyklen bei den Eltern. Ein Zyklus wiederholt sich ca. alle 2 bis 4 Monate.
Feenbuntbarsche pflanzen sich das ganze Jahr über fort. Man nimmt an, dass die Helfer ab einem Alter von 1 Jahr das Territorium verlassen, um in Zukunft in einer anderen Gruppe entweder selber die dominante Position zu übernehmen oder in der Helferhierarchie aufzusteigen. Die Jungfische schliessen sich dann zu Gruppen zusammen, die wenige oder bis zu Hunderte von Individuen umfassen können. Diese Fische sind zwar geschlechtsreif, haben selber aber noch kein Territorium und pflanzen sich noch nicht fort. Sie halten sich im Bereich der Elternterritorien auf. Die Familiengruppen gesellen sich jeweils für die Futtersuche zu diesen grossen Ansammlungen.
In einem Helfersystem helfen (verwandte) Individuen den Eltertieren bei der Aufzucht der Jungtiere. Damit sich ein solches System entwickeln kann, sollten alle Beteiligten von einer derartigen Zusammenarbeit profitieren. Bisher wurde bei Tanganjika-Cichliden bei ca. 20 Arten ein Helfersystem (cooperative breeding) beobachtet.
Beim Feenbuntbarsch wurden im Freiland Familiengruppen mit 1 bis zu 20 Helfern beobachtet. Im Alter von 40 Tagen beginnt der Nachwuchs, sich an den verschiedenen Aufgaben zu beteiligen. Sie betreiben direkte Brutpflege, indem sie den Laich befächeln und frei von Parasiten halten sowie die Larven und die Fingerlinge pflegen. Sie unterhalten und putzen die Höhle und beteiligen sich an der Verteidigung des Elternterritoriums gegen fremde Artgenossen und Fressfeinde. Die Entfernung des Sands aus der Bruthöhle ist eine besonders wichtige Aufgabe, denn durch in die Höhle eindringenden Sand kann die Brut ersticken.
Es gibt so etwas wie eine Arbeitsteilung im Familienverband. Wer welche Arbeit ausführt, hängt vom Bedarf, dem Status der Tiere innerhalb der Gruppe und der Körpergrösse ab. Die älteren verbringen mehr Zeit damit, die Bruthöhle zur reinigen und grössere Eiräuber zu verjagen, während die jüngeren und somit kleineren Individuen eher die mittelgrossen Eiräuber verjagen. Die brütenden Weibchen engagieren sich stark in der Verteidung der Brut sowohl gegen Fressfeinde als auch gegen eindringende, fremde Artgenossen. Die brütenden Männchen verteidigen vor allem, wenn sehr grosse fremde Artgenossen beim Territorium auftauchen.
Warum zuhause helfen und nicht ausziehen?
Die Helfer profitieren vom Verbleib im Familienverband dadurch, dass sie eng verwandte Geschwister aufziehen (Verwandtenselektion), eine bessere Überlebenswahrscheinlichkeiten in einem ein gut beschützten Territorium haben und möglicherweise später einmal dieses Territorium erben können.
Interessanterweise bleiben die Helfer auch dann bei der Gruppe, wenn ein Elternteil durch ein nicht-verwandtes Individuum ersetzt wird. Der Grund ist, dass der Familienverband erhöhten Schutz vor Fressfeinden bietet. Je grösser die Familiengruppe, desto grösser ist das Territorium und desto mehr Verstecke sind vorhanden. Grössere Gruppen bieten auch den Vorteil, dass man mehr Zeit zum Fressen hat. Umsonst gibt es aber nichts: Will man im elterlichen Territorium bleiben, muss man helfen.
Eine Studie zur sozialen Kompetenz bei Feenbuntbarschen (Fischer et al 2015) hat gezeigt, dass sich das Leben in grösseren Gruppen positiv auf die Entwicklung des Sozialverhaltens und der sozialen Fähigkeiten der Fische auswirkt. In grösseren Gruppen sind soziale Begegnungen häufiger und das Zusammenleben ist komplexer. Demzufolge haben die Fische mehr Möglichkeiten, zu lernen, wie man sich in den verschiedenen Situationen verhält und reagiert, ob man aggressiv ist oder nachgibt, sich verteidigt oder kooperiert.
Lebensraum im Tanganjikasee.
Weitere Informationen
Bayani, D.-M., et al. (2017) haben eine Studie zur Kommunikation von Feenbuntbarschen gemacht. Die deutsche Zusammenfassung mit dem Titel "Urin als wichtiges Signal bei Konflikten" dieser Studie ist in der Bibliothek zu lesen.