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Visuelle Aufmerksamkeit und Bewegungswahrnehmung werden von verschiedenen Arealen beider Hirnhälften gesteuert, die teilweise überlappen und teilweise unabhängig voneinander sind. Bei Gesunden ist die wahrgenommene Bewegung ein starker Attraktor der visuellen Aufmerksamkeit: Wird Bewegung im peripheren Gesichtsfeld wahrgenommen, besteht eine natürliche Tendenz, sich dieser zuzuwenden.
Eine Verletzung des Netzwerkes für visuelle Aufmerksamkeit führt am häufigsten zu einer Halbseitenvernachlässigung der Seite, welche der geschädigten Seite gegenüber liegt, dem sogenannten Neglekt Syndrom. Ist hingegen das Bewegungswahrnehmungsnetzwerk durch eine Verletzung tangiert, sind Akinetopsien (Störungen der visuellen Wahrnehmung von Bewegung, Bewegungsrichtung sowie Geschwindigkeitsunterscheidung) die Folge.
Aus neueren Studien ist bekannt, dass Patienten mit einer Verletzung des Aufmerksamkeitsnetzwerkes und gleichzeitig intaktem Bewegungswahrnehmungsnetzwerk von bewegten Stimuli profitieren können, d.h. der Schweregrad der Neglektsymptomatik nimmt ab, wenn bewegte visuelle Stimuli vorhanden sind. Die Auswirkungen einer zusätzlichen Läsion des Netzwerkes für Bewegungswahrnehmung auf das Neglekt Syndrom sind bis jetzt nur ungenügend erforscht. Offen ist deshalb, wie sich eine solche zusätzliche Läsion bei gleichzeitigem Vorhandensein von bewegten Stimuli auf die Neglektsymptomatik auswirkt, ob sie diese verschlechtert beziehungsweise gleich bleibt.
Das vorliegende Nationalfondsprojekt soll wesentlich zur Klärung des Zusammenhangs zwischen visueller Aufmerksamkeit und Bewegungswahrnehmung beim Neglekt Syndrom beitragen. Dazu werden an Patienten mit Neglektsymptomatik und gesunden Kontrollprobanden verschiedene Studien durchgeführt, die in ihrem Grad über die Zeit hinweg an Alltagsnähe zunehmen. Mittels Aufzeichnung der Augenbewegungen und der Testleistung soll untersucht werden, wie Patienten mit Neglekt die Umgebung (ruhig vs. bewegt) betrachten, um so Aussagen über die Modulation des Neglektes durch Bewegung ableiten zu können. Dabei gehen wir davon aus, dass Patienten mit einem intakten Bewegungsnetzwerk von visuell bewegten Stimuli profitieren und die Neglektsymptomatik dementsprechend verbessert werden kann. Im Gegensatz dazu wird bei gleichzeitiger Schädigung des Bewegungsnetzwerkes davon ausgegangen, dass sich die Neglektsymtomatik in Abhängigkeit vom Vorhandensein bewegter Stimuli verschlechtert, da die visuelle Aufmerksamkeit sich auf bewegte Stimuli in der gesunden Raumhälfte richtet. Die durch dieses Projekt erzielten Erkenntnisse tragen wesentlich zur Beurteilung der Unabhängigkeit und Mobilität von betroffenen Patienten in alltäglichen Situationen bei und sollen als Basis für neue Rehabilitationskonzepte (Arbeit auch mit dynamischen Stimuli) dienen.