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Carl Spitteler
Carl Friedrich Georg Spitteler wurde am 24. April 1845 in der ‹Alten Braue› in Liestal geboren (heute Kasernenstrasse 22). Sein Vater Karl Spitteler (1809–1878) wurde im selben Jahr Landschreiber und drei Jahre darauf Mitglied der Kommission, die die erste Schweizerische Bundesverfassung ausarbeitete. Nach seiner Ernennung zum Ersten Eidgenössischen Kassier 1849 zog die Familie nach Bern, kehrte jedoch 1857 nach Liestal zurück. Carl Spitteler verbrachte also seine ersten vier Lebensjahre sowie seine Jugendzeit in Liestal. Er besuchte das Humanistische Gymnasium in Basel, wo er unter anderem von Wilhelm Wackernagel und Jacob Burckhardt unterrichtet wurde.
Aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Vater über das aufgezwungene Jusstudium machte er sich als Neunzehnjähiger auf eine ‹Dionysoswanderung› auf, die ihn über die Nordostschweiz nach Luzern führte, wo er zehn Monate lang bei der Familie des Stadtschreiber Julius Rüegger unterkam. Als Kompromiss mit dem Vater studierte er schliesslich ab 1865 in Zürich und Heidelberg protestantische Theologie, allerdings als ‹Antitheologe›.
1871 nahm er eine Stelle als Privatlehrer in der Familie eines finnischen Generals in St. Petersburg an, wodurch er Kontakte zu finnischen und baltischen Adelkreisen sowie der deutschsprachigen Exilgemeinde in Russland knüpfte. Seine Eindrücke aus diesem Aufenthalt flossen später in die Erzählungen Ei Ole und Das Bombardement von Åbo ein. 1879 kehrte Spitteler in die Schweiz zurück und unterrichtete bis 1881 an der Einwohnermädchenschule in Bern, die von seinem Freund Josef Viktor Widmann geleitet wurde. Später arbeitete er als Lehrer in La Neuveville und Journalist bei der Basler ‹Grenzpost›, ab 1887 für kurze Zeit bei der ‹Thurgauer Zeitung› und danach drei Jahre lang als freier Journalist unter anderem für die NZZ. Seit 1883 war er mit seiner früheren Schülerin Marie Op den Hooff verheiratet; das Paar hatte zwei Töchter, Anna und Marie-Adèle.
Bereits 1880/81 schrieb Spitteler unter dem Pseudonym Carl Felix Tandem das zweibändige Epos Prometheus und Epimetheus, in dem er den antiken Prometheus-Mythos mit modernem Sinngehalt füllte.
Als Spitteler 1893 durch eine Erbschaft seines verstorbenen Schwiegervaters finanziell unabhängig wurde, liess er sich in Luzern mit seiner Familie als freier Schriftsteller nieder. Sein Erstlingswerk, wie auch weitere lyrische Arbeiten, blieben weitgehend ohne Echo.
Erst sein grosses Versepos Olympischer Frühling (1900-1905), in dem Spitteler in rund 20'000 Versen Figuren und Handlungsstränge der griechischen Mythologie in seine eigene, moderne Erlebniswelt transportierte, erfuhr positive Resonanz. Eingebettet in ein mythologisches Märchen, zeichnete Spitteler ein düsteres Bild vom Universum, das seiner pessimistischen Weltsicht entsprach.
1905 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich, 1915 von Lausanne. 1905 veröffentlichte Spitteler in seiner pessimistischen Weltsicht zwanzig Aphorismen gegen den Zeitgeist in einer Zugabe zu seinem Essayband Lachende Wahrheiten (1905): Ein Büschel Aphorismen.
1920 wurde ihm als erstem Schweizer der Literaturnobelpreis «im besonderen Hinblick auf sein mächtiges Epos, Olympischer Frühling» verliehen. Im selben Jahr wurde er mit dem Grossen Schillerpreis ausgezeichnet.
Politisch trat Spitteler zu Beginn des ersten Weltkrieges für eine Neutralität der Schweiz ein. Zu seiner vielbeachteten Streitrede Unser Schweizer Standpunkt vom 14. Dezember 1914, in der er sich deutlich vom deutschen Nationalismus abgrenzte, sah er sich veranlasst, als sein Werk Prometheus und Epimetheus in Deutschland als Indiz für ein antidemokratisches, elitäres Denken benutzt werden sollte.
Spitteler starb am 29. Dezember 1924 in Luzern und wurde auf dem städtischen Friedhof Friedental beigesetzt.