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Aktivierung und Rhythmisierung
Rhythmisierung
Die naturgemässe Beschränkung des menschlichen Arbeitsgedächtnisses sowie der Aufmerksamkeitsspanne führt in der Regel dazu, dass der grössere Teil des Publikums nach einiger Zeit unruhig wird. Je nach Referat kann dieser Zeitpunkt natürlich variieren, die Forschungsergebnisse hierzu sind aber bereits seit Jahrzehnten bekannt (z.B. Bligh 2000) und führten zur verbreiteten 20-Minunten-Regel. Der Fachbegriff hierzu heisst Rhythmisierung – das Prinzip der methodischen Variation innerhalb einer Lehrsequenz nach durchschnittlich zwanzig Minuten.
Aktivierung von Vorwissen
Die wichtige Rolle des Vorwissens der Lernenden ist seit Jahrzehnten ebenfalls sehr gut belegt (Dochy 1992; Marzano 1998; Dochy et al. 1999). Wer zu einem bestimmten Sachverhalt schon «mehr mitbringt» kann neue Informationen besser verankern und später entsprechend besser erinnern. Eine wirksame Strategie ist darum die Aktivierung des Vorwissens. Erfolgversprechend sind hierbei z.B. vorausgehende Selbst-Tests, die online absolviert werden können und im Idealfall Feedback auf die Antworten gewährleisten (z.B. mit ILIAS). Pre-Testing wirkt sich stark auf die Behaltensleistung von anschliessendem Lernstoff aus (Roediger, Putnam & Smith 2011).
Aktivierung in grossen Veranstaltungen
Versierte Lehrende setzen ein breites Spektrum an aktivierenden Lehrmethoden ein. Studierende lernen mehr, wenn sie die Inhalte aktiv erarbeiten. Versuchen Sie, die Eigenaktivität der Studierenden möglichst hoch zu halten. Das ist mit gewissen Einschränkungen auch in Vorlesungen möglich. Statt dem üblichen «Sind noch Fragen? » (worauf sich meist niemand meldet) können Sie in kleinen Gruppen drei Minuten lang eine Frage diskutieren oder eine kleine Aufgabe bearbeiten lassen (Murmelgruppen / Tuschelgruppen / Buzz Groups) und die Ergebnisse danach im Plenum besprechen. Viele Varianten sind dabei möglich, z.B. Vor- und Nachteile eines Sachverhaltes sammeln und anschliessend einander gegenüberstellen oder vor der Präsentation nach Meinungen, Vermutungen oder Erfahrungen der Studierenden fragen. Solche Denkpausen eignen sich gut, um Veranstaltungen mit viel Publikum zu rhythmisieren.
Aktivierung in Seminaren
Natürlich ist mit kleineren Seminargruppen mehr an aktivierender Lehre möglich, als in Grossveranstaltungen. Wechseln Sie zwanzigminütige Präsentationen ab mit ebenso langen Verarbeitungssequenzen (Sandwichprinzip; Wahl 2013). Beschränken sie Arbeitsgruppen auf vier Personen. Verschriftlichen Sie klare, auf die Lernergebnisse ausgerichtete Arbeitsaufträge, das ist auch am Beamer möglich. Eine Synopsis zum Thema schreiben, eine Prüfungsaufgabe für andere Studierende erstellen oder eine Übersichtsgrafik zeichnen lassen – die Palette möglicher Aktivitäten ist schier unerschöpflich, die Fachliteratur und das Internet sind voll von Vorschlägen zu aktivierenden Methoden.
Wichtiger Hinweis: Unterbrechen Sie die Arbeit der Lernenden keinesfalls, wenn sie sich seit mehr als zwanzig Minuten engagiert mit den Inhalten auseinandersetzen. Die 20-Minunten-Regel gilt primär für monologische Situationen, also auch für Referate Studierender.
Förderung metakognitiver Strategien
Massiv höhere Lerneffekte zeigen sich zudem, wenn metakognitive Strategien gefördert werden, d.h. wenn die Studierenden sich auch damit auseinandersetzen wie sie lernen und arbeiten (Bjork, Dunlosky & Kornell 2013). Die vorgängige Selbsteinschätzung des Lernerfolgs ist gemäss der Analyse von Hattie(2015) einer der effektivsten Faktoren überhaupt. Regen Sie die Auseinandersetzung mit dem Zeitmanagement, der eigenen Rolle im Team oder der subjektiven Erfolgserwartung durch entsprechende Aufträge an. Diskutieren Sie diese Metaebene auch mit studentischen Projektteams in den Standortgesprächen.
Strategien zur kognitiven Aktivierung
- Den starken Effekt von Pre-Testing nutzen. Dadurch gleichzeitig das Vorwissen reaktivieren.
- Vorausgehendes individuelles Brainstorming einleiten zur Frage: "Was weiss ich bereits zum Thema?"
- Vorausgehend Fragen zum Stoff formulieren lassen.
- 20-Minuten-Regel in monologischen Lehrsituationen beachten (Rhythmisierung). Besonders in Seminarsituationen das Sandwich-Prinzip berücksichtigen.
- Murmelgruppen (Buzz Groups), auch Tuschelgruppen genannt: Kleingruppendiskussion zur Bearbeitung einfacher Fragestellungen im Kontext einer Präsentation.
- Die «Warum?»-Frage beantworten lassen, Lernende nach Ursachen forschen lassen, auch in Kurzdiskussionen.
- Unterschiede und Gemeinsamkeiten finden lassen, zwischen neuen Inhalten oder zwischen neuen und alten Inhalten.