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Die bisher umfangreichste Forschung über Adaptogene haben wir den ehrgeizigen Zielen der ehemaligen UdSSR zu verdanken. Im Jahre 1943 beauftragte der Rat der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, leistungssteigernde Mittel für ihre militärische und politische Elite zu finden. Russische Teilnehmer an den Olympischen Spielen und russische Schachspieler sollten davon ebenso profitieren wie das weltberühmte Bolschoi-Ballett. Für ihre Soldaten erhofften sie sich mit Hilfe dieser Mittel grössere Ausdauer und Wachsamkeit und von ihren Arbeitern grössere Produktivität.
Eine intensive Forschung nach dem perfekten Tonikum begann, die sich bis in die 80er-Jahre hinziehen sollte. Vorreiter der Forschung war der Wissenschaftler Nikolai V. Lazarev. Er untersuchte zunächst eine synthetische Substanz, wandte sich jedoch bald zusammen mit seinem Kollegen und Nachfolger Israel I. Brekhman natürlichen Pflanzen zu. Letzterer studierte in den frühen 1950er Jahren zunächst die Wirkung von asiatischem Ginseng. Da dieser in der UdSSR nicht heimisch und der Import in grösseren Mengen zu kostspielig war, dehnte er die Studien bald auf andere Pflanzen aus – darunter auch Schisandra, Tulsi und Ashwagandha.
Im Laufe der Zeit war ein Team von 1200 Wissenschaftlern und Ärzten an der Forschung beteiligt. In über 3000 klinischen Versuchen und experimentellen Studien wurden 4000 vielversprechende Pflanzen untersucht. Die endgültige Auslese bestand aus zwölf Pflanzen, die den Anforderungen genügten, wobei sich der grösste Teil der Forschung auf Schisandra, Eleuthero, Rhodiola und Rhaponticum konzentrierte.
Alle Adaptogene haben eine tonisierende, also anregende und aufbauende Wirkung, wobei jedoch nicht jedes Tonikum auch ein Adaptogen ist. Im Gegensatz zu Substanzen wie Nikotin oder Koffein ist die Anregung jedoch in keiner Weise für den Körper belastend. Adaptogene wirken auch als Antioxidans, doch reicht diese Eigenschaft nicht aus, um einer Pflanze den Status eines Adaptogens zuzuschreiben. Die herausragendste Qualität von Adaptogenen ist ihre Anpassungsfähigkeit.
Ihr Effekt kommt immer genau dort zum Einsatz, wo er gebraucht wird. Sie wirken je nach Befindlichkeit stimulierend oder entspannend. Menschen, die schwach und lustlos sind, erfahren eine Aufmunterung. Nervöse Menschen werden ruhiger. Körperfunktionen werden normalisiert: Überfunktionen werden gedämpft und Unterfunktionen ausgeglichen.
Adaptogene wirken auf das endokrine Drüsensystem und das Immunsystem regulierend und förderlich ein. Das Konzept von „eine Medizin für eine Krankheit“ (Symptombekämpfung) kann nicht auf Adaptogene angewandt werden; vielmehr fördern sie die körpereigenen Heilmechanismen und helfen, die Ursachen und Folgen von Krankheiten zu bereinigen. Sie unterstützen die Selbstregulation des Körpers und beseitigen oder mildern Funktionsstörungen.
Während Adaptogene in früheren Zeiten vor allem zur Verlängerung des Lebens und zur Steigerung der Lebensqualität verwendet wurden, kommen sie heute insbesondere zur Reduktion von Stresssymptomen zum Einsatz. Tatsächlich helfen sie dem Körper bei Stress und Überforderung, die physiologische Balance wiederherzustellen und zu einer normalen Funktionsweise zurückzukehren. Die Toleranz gegenüber Stress wird erhöht, der gesamte Organismus wird widerstandfähiger und kann sich physischen wie psychischen Belastungen besser anpassen. Körper und Geist können auf Stress leichter und schneller in konstruktiver Weise reagieren. Dauerbelastungen werden besser verarbeitet, und stressbedingten organischen Schäden wird vorgebeugt.