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Nachdem ein Schweizer Pilot mit einem Kleinflugzeug in Mailand in das Pirelli-Hochhaus stürzte, steht die Unfall-Ursache im Zentrum.
Die Frage, warum das Flugzeug ausgerechnet in das Hochhaus flog, beschäftigt die Öffentlichkeit. Die Mailänder Staatsanwaltschaft nennt drei Hypothesen zur möglichzen Ursache des Unglücks: technischer Defekt, Krankheit des Piloten sowie Selbstmord. Staatsanwalt Gerardo D'Ambrosio sagte, davon sei die Suizid-Hypothese am unglaubwürdigsten.
Trotzdem wird der Pilot der Unglücksmaschine, Luigi Fasulo, genau unter die Lupe genommen. Die Mailänder Staatsanwälte führen im Tessin die Ermittlungen um das Flugzeugunglück. Sie wollen Informationen über den 67-jährigen Fasulo sammeln. Dazu wollen sie Fasulos Frau vernehmen, die auch nicht an die Hypothese eines Selbstmordes ihres Ehemannes glaubt.
Der italienische Verkehrsminister Pietro Lunardi gab unterdessen bekannt, dass "die Person des Piloten, seine finanzielle Situation, seine familiären Probleme, sein Gesundheitszustand" genau untersucht würden.
Absturz am Donnerstag
Das Flugzeug vom Typ Rockwell Commander 112 TC schlug am Donnerstag gegen 17.45 Uhr in die oberen Etagen des etwa 30-stöckigen Pirelli-Turms gegenüber dem Mailänder Hauptbahnhof ein. Im Stadtzentrum hatte dies eine Panik zur Folge.
Die Maschine war um 17.15 vom Tessiner Flugplatz Locarno-Magadino nach Milano Linate gestartet. Das Flugzeug war in der Schweiz registriert. Die Untersuchung des Absturzes liege in der alleinigen Zuständigkeit der italienischen Behörden, sagte Jean Overney, Leiter des Schweizer Büros für Flugunfall-Untersuchungen.
Im Tiefflug über die Via Vitruvio
Beim Piloten handelt es sich um den in Pregassona im Tessin wohnhaft gewesenen Schweizer Luigi Fasulo. Gemäss aktuellem Stand des Wissens war er alleine unterwegs.
Einen Tag nach der Flugzeug-Katastrophe haben sich am Freitag Hinweise auf einen Selbstmord des Piloten verdichtet. Er könnte absichtlich gegen das Pirelli-Hochhaus in der Mailänder Innenstadt geflogen sein, erklärten übereinstimmend der Mailänder Bürgermeister Gabriele Albertini und der Direktor der italienischen Zivilflugbehörde, Luigi di Palma. Italienische Zeitungen berichteten, der Pilot habe hohe Schulden gehabt.
Fasulo war Mitglied des Aero Club Locarno, wie die Tessiner Tagesschau berichtete. Einige italienische Fernsehstationen gaben darüber hinaus bekannt, der Pilot habe nicht zum ersten Mal ein Unglück verursacht. Er habe das Flugzeug die letzten Meter vor dem Aufprall im Tiefflug über die Via Vitruvio gesteuert, eine stark frequentierte Verkehrsader im Stadtzentrum, die sich auf die Piazza del Pirellone hin öffnet.
Knapp eine Katastrophe vermieden
Bei dem Unglück kamen bisherigen Meldungen zufolge drei Menschen ums Leben, darunter der Pilot. Viele Personen wurden überdies verletzt, 11 befinden sich noch im Spital, zwei davon sind in kritischem Zustand.
Eine grössere Katastrophe wurde nur deshalb vermieden, weil sich in den oberen Stockwerken des Hochhauses, die gegenwärtig renoviert werden, verhältnismässig wenige Menschen aufhielten.
Höchstwahrscheinlich kein Anschlag - Ermittlungen laufen
Nach Angaben des italienischen Innenministers Claudio Scajola deuten erste Untersuchungen nicht auf einen terroristischen Hintergrund hin. Die italienische Behörden haben am Freitag ihre Ermittlungen fortgesetzt.
Wie kam das Flugzeug in die Stadt?
Die an die Anschläge vom 11. September erinnernden Bilder aus Mailand erregten weltweit grosse Aufmerksamkeit. Gemäss offiziellen Quellen habe der Pilot ein SOS an den Kontrollturm von Linate gerichtet, wonach technische Probleme vorlagen.
Dort wurde ihm mitgeteilt, er soll in der Zone über dem Mailänder Flughafens bleiben, damit alles für eine Notlandung vorbereitet werden. Es bleibt ein Rätsel, wie der Pilot von Linate aus ins Stadtzentrum fliegen konnte.
swissinfo, Francesco Darovio und Agenturen