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Von den zehn Ländern weltweit mit den höchsten täglichen Sterblichkeitsraten pro Kopf befinden sich sieben in Südamerika. Insgesamt ist die Sterberate in der Region fast acht Mal höher als im weltweiten Durchschnitt.
In Südamerika gibt es durchschnittlich 323 Infektionen pro Million Einwohner und Tag, verglichen mit 40 in Nordamerika, 59 in Europa und 29 in Asien.
Carissa Etienne, Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation, sagte kürzlich an einer Medienkonferenz: «Einige Länder in Südamerika, die von der Pandemie besonders stark betroffen sind, haben nicht einmal genügend Impfstoffe zur Verfügung, um drei Prozent ihrer Bevölkerung vollständig zu impfen. Die Länder brauchen mehr Impfdosen – und zwar jetzt.»
Schleppende Impfrate in Südamerika
Im globalen Rennen um die Covid-19-Impfung sei die Mehrzahl der südamerikanischen Staaten ins Hintertreffen geraten, sagt Mario Rovere, ehemaliger Vize-Gesundheitsminister von Argentinien gegenüber SRF News: «Die Länder arbeiten nicht zusammen. Das ist eine Erklärung für die schleppende Impfrate. Jedes Land ist auf sich selbst gestellt, statt dass Südamerika zusammenhält gegenüber den Interessen der grossen Pharmafirmen oder den westlichen Ländern.»
Die fehlenden Impfstoffe sind aber auch auf Fehler der einzelnen Länder zurückzuführen. Vakzine sind vergleichsweise spät bestellt worden, oder manche Regierungen sind gegenüber einzelnen Herstellern aus politischen Gründen zu ablehnend gewesen.
Es sind fast ausschliesslich Impfstoffe aus China und Russland, die in südamerikanischen Ländern ankommen. Allerdings ist CoronaVac aus China weniger wirksam gegenüber verschiedenen Viren-Mutationen. Und vor allem gegen die aus dem brasilianischen Amazonasgebiet stammende Gamma-Mutation ist die CoronaVac-Impfung weniger wirksam, wie eine Studie der Universität Oxford zeigt. Die Gamma-Mutation ist derzeit die am weitesten verbreitete Mutante in ganz Südamerika.
Reaktion statt Prävention
Aber nicht nur die fehlenden Impfstoffe sind ein Problem. Dass Südamerika zum Epizentrum der Pandemie geworden ist, geht auf die überforderten Gesundheitssysteme zurück. Und auch die Bevölkerung, von der ein Grossteil ausser Haus arbeiten muss, um zu überleben und so dem Virus stärker ausgesetzt ist, hat dazu beigetragen.
Natalia Pasternak, brasilianische Mikrobiologin an der Universität São Paulo und Direktorin einer Denkfabrik für den öffentlichen Gesundheitssektor, kritisiert gegenüber SRF News auch die falsche Herangehensweise: «Seit Beginn der Pandemie setzen die Behörden auf eine reagierende, statt auf eine vorbeugende Strategie. Alles dreht sich darum, sich um die Kranken zu kümmern. Stattdessen müsste man massiv in die Prävention investieren, um zu verhindern, dass die Menschen überhaupt krank werden.»
Das Hilfsprogramm Covax der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Anfang Juni knapp 10 Milliarden Dollar für Impfkampagnen in ärmeren Ländern zur Verfügung gestellt. Covax will sicherstellen, dass noch in diesem Jahr in jedem Land die am stärksten gefährdeten 20 Prozent der Bevölkerung gegen Covid-19 geimpft werden können. Gerade Südamerika braucht diese Hilfe dringend.