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Von jeher ein Fraueninstrument
Porträt eines Instruments, das bis heute nur eine geringe Verbreitung hat und fast ausschliesslich von Frauen gespielt wird.
Rosina Baumgartner-Bäbler arbeitete in einer Glarner Textilfabrik, um ihren drei Töchtern eine Berufsausbildung zu ermöglichen und fand dabei im Spiel der Glarner Zither Ablenkung. Dieses soziale Umfeld ist für die ausschliesslich im Kanton Glarus verbreitete Brettzither in Mittenwalderform typisch. Die Autorin der Neuerscheinung, Rosinas Tochter Adelheid, ist in diesem Milieu aufgewachsen: ihre Grossmutter (siehe Bild), ihre Mutter, ihre Gotte und viele andere berufstätige Frauen konnten sich mit diesem 11–15-saitigen Musikinstrument von ihrem harten Alltag erholen.
Das hundertseitige, schlicht und schön gestaltete Buch hält in alten und vielen neuen Fotos und Berichten all die Amateurmusikerinnen, ihre Zithern und nach Möglichkeiten ihr Repertoire fest.
Die Geschichte der Glarner Zither – dieses Saiteninstrument ist seit 1876 bekannt – lässt sich nicht schreiben, ohne die Leistung von Albin Lehmann (1924–1995) in Näfels zu würdigen. Dieser Maurerpolier hat in den 1970er-Jahren uneigennützig alte Glarner Zithern gesammelt und in Stand gestellt. Für den Gratisunterricht, den er anbot, meldeten sich 55 Personen im Alter von 12 bis 80 Jahren. In diesen Gruppenstunden formierten sich Ensembles: Glarner Zitherduos, das Zithertrio «Stubete», die Zithergruppen «Glarner Unterland», «Bergli» und «Alperösli» sowie – mit einem männlichen Mitglied – die «Original Glarner Huusmusig».
Die überlieferten Glarner Zithern von Alois Suter, Salomon Trümpy und Kaspar Dürst genügten dem Bedarf an guten Instrumenten nicht mehr: Charly Hofmann sorgte bis zu seinem Tod 1993 für neue Glarner Zithern; Herbert Greuter ist noch heute am Werk.
Dem schönen Band ist eine CD beigelegt, die die Glarner Zither in verschiedenen, vor allem privaten Aufnahmen dokumentiert. Dabei fällt auf, dass dieses einfache Saiteninstrument noch keine Verwendung in der experimentellen Volksmusik und in der Ethnoklassik gefunden hat und bis heute ein aufs Glarnerland konzentriertes Fraueninstrument geblieben ist.