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Arthur Sullivan, der Komponist, und William Schwenck Gilbert, Schriftsteller und Librettist, haben das Genre der komischen Oper im englischen Sprachraum etabliert. So sehr etabliert, dass „Gilbert & Sullivan“ dort schon fast ein Pseudonym für „komische Oper“ ist. Auch die Tatsache, dass beide durchaus auch ohne einander valable Werke verfassten, wurde von ihrem Erfolg im Fach der komischen Oper verdrängt. Heute gelten sie als die Ahnen des modernen Musicals.
H.M.S. Pinafore; or, The Lass That Loved a Sailor gehört zu den ersten komischen Opern, die das Duo verfasste. Die Uraufführung fand am 25. Mai 1878 in London statt. Erst der grosse Erfolg dieses Werks (der erste auch internationale des Duos!) setzte die beiden dann wirklich auf die Bahn, und sie liessen H. M. S. Pinafore noch einige komische Opern folgen. Man merkt der Musik von H. M. S. Pinafore schon noch ihre Wurzeln in der klassischen Oper an. Auch Jacques Offenbach oder die Strauss-Operetten sind H. M. S. Pinafore näher verwandt als My Fair Lady. Die Musik ist dennoch eingängig und kennt einige Lieder, die zu ihrer Zeit Gassenhauer waren, z.B. „My gallant crew, good morning“, ausgeführt vom Kapitän und seiner Crew. (Darin auch das erste Auftreten der Sprachmarke des Kapitäns, der Fragen zuerst mit „Never!“ zu beantworten pflegt, um auf ein Insistieren seines Gegenübers einzuschränken: „Well, hardly ever!“)
Die Story-Line ist simpel: Die Tochter des Kapitäns der Pinafore liebt einen einfachen Matrosen der Pinafore, womit Papa natürlich überhaupt nicht einverstanden ist. Er hat sie für Sir Joseph Porter, the First Lord of the Admiralty, bestimmt – ein hohes Tier also. Dieser gordische Knoten wird mit scharfer Ironie durchgehauen. Es stellt sich heraus, dass der Kapitän und der Matrose als Kinder vertauscht wurden. Der Tausch wird rückgängig gemacht: Der Kapitän wird Matrose, der Matrose Kapitän. Da die Tochter des Kapitäns nun Tochter eines Matrosen ist, kann sie der First Lord natürlich nicht heiraten. („Liebe ebnet alle sozialen Unterschiede ein“, meint er, um hinzuzufügen: „Nun ja, fast alle.“) Damit ist der Weg für den nunmehrigen Kapitän frei.
Da ich vom Wort her komme, schätze ich natürlich die ironischen Spitzen, die Gilbert eingefügt hat, besonders. Schon der Titel ist eine solche: „H. M. S.“ bezeichnet ja ein britisches Kriegsschiff – „Pinafore“ hingegen ist ein Schürzchen, das man kleinen Kindern umlegt.
Das Internet hat mir erlaubt, eine Aufführung dieses Stücks von der Jacobs School of Music zu verfolgen. Regie führte Michael Shell, am Dirigentenpult stand Constantine Kitsopoulos. Eine komische Oper mit ihren komischen Charakteren ist natürlich für Schauspieler und Sänger ein gefundenes Fressen. Der Kapitän und auch seine heimliche Geliebte Buttercup chargieren herrlich. Das Liebespaar bliebt naturgemäss farbloser. (Es scheint eine Standardregel in der Literatur zu geben, dass Bösewichte und komische Figuren immer besser geraten als die immer langweiligen Guten und/oder Verliebten.) Das Orchester beginnt verhalten, effektiv schulmässig – läuft aber dann auch zur dem Stück entsprechenden Spielfreude auf.