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Zahlen die Superreichen zu wenig Steuern? Sowohl Barack Obama, als auch der Milliardär Warren Buffet oder die «Occupy Irgendwo»-Bewegung sind davon überzeugt – und mit ihnen ein grosser Teil der öffentlichen Meinung, nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort versuchen die Demokraten daraus Kapital für den bevorstehenden Wahlkampf zu schlagen und verweisen gerne darauf, dass Mitt Romney, Obamas wahrscheinlicher republikanischer Gegner, weniger als 15% seines Einkommens als Steuer entrichte. Das sei deutlich weniger als der Präsident selbst (26%) und sogar weniger (natürlich nur anteilsmässig) als die 36%, die Debbie Bosanek, Warren Buffets Sekretärin, bezahle.
Damit zeigen der Präsident, der Milliardär und die Occupy-Bewegung ein mangelhaftes Verständnis für fundamentale finanzwissenschaftliche Zusammenhänge. Abgesehen davon, dass in den USA die Superreichen ihre Steuerrechnung durch Spenden für gemeinnützige Zwecke nach unten drücken können (und dies auch tun), ist die effektive Steuerbelastung von Romney und Buffett um einiges höher als ein flüchtiger Blick auf deren Steuererklärungen vermuten liesse. Als Investoren beziehen sie einen wesentlichen Teil ihres Einkommens nicht als Lohn, sondern in Form von Dividenden. Dieses Einkommen unterliegt jedoch einer starken Mehrfachbelastung:
- Erstens werden in den USA Dividenden bei der Ausschüttung der Unternehmensgewinne an die Aktionäre mit 15% besteuert.
- Zweitens sind die Unternehmensgewinne ihrerseits bereits steuerlich erfasst worden – und zwar mit einer Gewinnsteuer von 25%.
- Doch damit nicht genug: das ursprüngliche Investment in die Unternehmung wurde zudem höchstwahrscheinlich aus bereits versteuertem Einkommen getätigt. Es liegt also eine dreifache steuerliche Belastung vor.
Wer in der Schweiz die Debatte rund um die Unternehmenssteuerreformen II und III verfolgt, wird wohl gemerkt haben, dass solche Fehlüberlegungen auch hierzulande Gang und Gäbe sind. Die mittlere Belastung ist im Vergleich zum Ausland nach wie vor hoch (siehe Abbildung). Wie oft wird zum Beispiel behauptet, die KMU seien zu entlasten, nicht jedoch ihre Aktionäre! Indessen ist die Tatsache, dass die Unternehmensgewinnsteuer von den Unternehmungen selbst dem Fiskus überwiesen wird, weitgehend irrelevant: Am Ende der Kette werden sämtliche Steuern der sogenannt juristischen Personen von Menschen bezahlt. Hunde zahlen auch keine Hundesteuer; ihre Besitzer zahlen sie.
Mehr zu diesem Thema und weiteren umstrittenen Fragen der Steuerpolitik erfahren Sie in dem soeben bei Avenir Suisse erschienenen Buch «Steuerpolitische Baustellen».