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Das Auge nimmt visuelle Reize aus der Umwelt wahr und leitet diese an das Gehirn weiter. Das Gehirn verwertet die Informationen und reagiert dann entsprechend darauf. Die Hornhaut, auch Cornea genannt, leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass unser Auge scharfe Bilder wahrnimmt. Denn sie übernimmt einen Grossteil der Lichtbrechung, bevor das Licht im Auge auf die Netzhaut trifft und die Signale von dort an das Gehirn weitergeleitet werden. Die Hornhaut bildet den vorderen Abschluss des Auges und geht in die Bindehaut über. Es handelt sich bei der Hornhaut um klares, durchsichtiges Gewebe, das keine Gefässe enthält. Sie besteht aus sechs verschiedenen Zellschichten. Diese werden Epithelschicht, Bowman-Membran, Stroma, Dua-Schicht, Descemet-Membran und Endothelzellschicht genannt. Damit die Hornhaut richtig arbeiten kann, muss sie mit Tränenflüssigkeit benetzt werden.
Einsatz der Hornhauttransplantation
Da die Hornhaut ein wichtiger Teil des Sehapparates ist, kann eine Störung derselben zu schweren Sehfehlern führen. In manchen Fällen können diese mit bestimmten Kontaktlinsen oder auch operativ behoben werden. Doch wenn die Hornhaut zu stark beschädigt ist oder die Krankheit nicht geheilt werden kann, ist eine Hornhauttransplantation oft die letzte Möglichkeit für Betroffene, wieder normal zu sehen. Das ist insbesondere bei fortgeschrittenen Hornhautdystrophien
der Fall. Bei dieser Erkrankung wird die Hornhaut zunehmend eingetrübt und verliert dadurch ihre Transparenz. Eine Hornhauttransplantation kann bei folgenden Erkrankungen das Sehvermögen wiederherstellen:
- Fuchs-Endotheldystrophie (Einlagerung von Wasser in die Endothelzellschicht der Hornhaut)
- Bullöse Kerathopathie (Kalkeinlagerungen in der Endothelzellschicht der Hornhaut)
- Keratokonus (Fortschreitende Verdünnung und kegelförmige Verformung der Hornhaut)
- Bröcklige oder gittrige Dystrophie (Einlagerungen in der Epithelschicht der Hornhaut
- Narben auf der Hornhaut (zum Beispiel nach einer Infektion)
- Augenverletzungen (zum Beispiel durch scharfe Gegenstände)
- Verätzung der Augen
Die Transplantation der Hornhaut
Falls eine Hornhauttransplantation nötig ist, muss zuerst ein passendes Transplantat gefunden werden. Die Ärzte suchen dafür in der sogenannten Hornhautbank. Dies kann jedoch einige Zeit dauern und ist mit Hürden verbunden, da es weniger Transplantate gibt als Menschen, die eine neue Hornhaut benötigen. Während der Operation wird der Patient entweder lokal betäubt oder er erhält eine Vollnarkose. Die Hornhaut wird ganz oder auch nur teilweise aus dem Auge entfernt. Es gibt zwei Hauptverfahren, die hier zur Anwendung kommen: die perforierende Keratoplastik oder die lamelläre Keratoplastik. Bei der lamellären Keratoplastik wird zwischen der hinteren und der vorderen lamellären Keratoplastik unterschieden. Im Anschluss an die Entfernung wird die neue Spenderhornhaut eingesetzt und vernäht. Die Hornhaut wurde vorher so zurechtgeschnitten, dass sie exakt in das Auge des Patienten passt. Die Fäden werden erst nach mehreren Monaten entfernt, da Verletzungen am Auge längere Zeit zum Abheilen benötigen. Erst nach diesem Zeitraum kann auch festgestellt werden, ob die Transplantation erfolgreich war.
Perforierende Keratoplastik
Bei der perforierenden Keratoplastik wird die Hornhaut mit einem speziellen Gerät entfernt. Das Vorgehen dabei heisst Trepanation. Man entnimmt ein kreisrundes Stück der Hornhaut aus dem Auge. Anschliessend wird die passgenau zugeschnittene Spenderhornhaut eingesetzt und mithilfe von sehr feinen Nähten an die noch vorhandene Hornhaut genäht. Dabei kann der Arzt entweder zwei Nähte sternförmig vernähen oder einzeln geknüpfte Nähte verwenden. Welche der beiden Techniken verwendet wird, hängt von den Gegebenheiten der jeweiligen Operation ab. Der Vorteil der perforierenden Keratoplastik ist vor allem, dass sie die am häufigsten angewendete Transplantation weltweit ist und somit Wissensstand und Erfahrungswerte hoch sind. Ferner ist das verwendete Transplantat sehr klein, was die Gefahr einer Abstossungsreaktion verringert.
Hintere lamelläre Keratoplastik
Die hintere lamelläre Keratoplastik wird auch Innenschichttransplantation genannt und angewendet, wenn die Endothelschicht der Hornhaut erkrankt ist. Für die Entfernung werden die kaputte Endothelschicht und die Descemet-Mebran kreisförmig eingeritzt und dann abgelöst. Der entsprechende Teil der Spenderhornhaut wird zusammengerollt und über einen winzigen seitlichen Einschnitt eingeführt. Im Auge entfaltet er sich und wird mit einer Luftblase an den richtigen Ort gepresst. Dafür muss der Patient nach der Operation 24 Stunden auf dem Rücken liegen. Ein Vorteil dieser Methode ist die kurze Heilungszeit, da keine Nähte nötig sind. Schon nach etwa drei Monaten kann der Patient wieder gut sehen.
Vordere lamelläre Keratoplastik
Diese wird auch Aussenschichttransplantation genannt. Sie ist im Grunde das Gegenteil zur Innenschichttransplantation. Die übrigen Hornhautschichten werden von Descemet-Membran und Endothelschicht getrennt und entfernt und im Anschluss durch ein Transplantat derselben Schichten ersetzt. Hier muss das Spendergewebe wieder mit Nähten fixiert werden. Ebenso wie bei der perforierenden Keratoplastik können hier zwei oder einzelne Nähte benutzt werden. Dadurch, dass die Endothelschicht erhalten bleibt, wird das Abstossungsrisiko stark minimiert.
Risiken einer Hornhauttransplantation
Bei einer Transplantation kann es stets zu einer Abstossungsreaktion
des Körpers kommen. Der Körper registriert das Transplantat als Fremdkörper und leitet Abwehrmassnahmen ein, was dazu führt, dass das Immunsystem die Hornhaut bekämpft. In diesem Fall kann es zu einer erneuten Trübung der Hornhaut kommen. Eine Abstossungsreaktion zeigt sich normalerweise innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Operation. Symptome dafür sind tränende oder gerötete Augen
und eine Verschlechterung des Sehvermögens
. Betroffene sollten sofort ihren behandelnden Arzt aufsuchen, damit dieser Gegenmassnahmen einleiten kann. Insgesamt ist das Risiko einer Abstossung bei einer Hornhauttransplantation jedoch geringer als bei der Transplantation von anderen Organen. Auch das neue Transplantat kann wieder von der alten Krankheit befallen werden. Wenn es zu einer erneuten Eintrübung
kommt, kann nur eine weitere Transplantation Abhilfe schaffen. Diese hat die gleichen Risiken und auch Erfolgsaussichten wie die vorherige Transplantation. Ferner kann es bei der perforierenden Keratoplastik zu einem chronischen Endothelverlust
kommen. Hierbei nimmt die Zelldichte in der Endothelschicht immer weiter ab, sodass etwa 15 bis 20 Jahre nach der Operation Folgekeratoplastiken nötig werden können.