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von Sandro Danilo Spadini
Sie ist eine moderne Heldin, die Schwester im Geiste von Rob Fleming aus Nick Hornbys «High Fidelity»: Bridget Jones, Londonerin, 32 Jahre alt, einigermassen erfolgreich im Berufsleben – und Single. Bridget sieht einigermassen gut aus, auch wenn sie einige Pfunde zu viel auf sich trägt. Bridget raucht, trinkt und hat eine Schwäche für Schokolade. Bridget ist aussergewöhnlich witzig – leider meist unfreiwillig. Und Bridget grösster Wunsch ist es, endlich den Mann fürs Leben zu finden. Die Engländer lieben diese Bridget Jones.
Identifikationsfigur
Ins Leben gerufen wurde Bridget Jones 1995 von der Journalistin Helen Fielding für eine Kolumne in der britischen Tageszeitung «The Independent». Angespornt durch deren Erfolg machte Fielding die Singlefrau mit hohem Identifikationspotenzial zur Heldin ihres ersten Romans – eine weise Entscheidung: «Bridget Jones’s Diary» verkaufte sich inzwischen weltweit über vier Millionen mal. Vor allem in England geniesst Bridget längst Kultstatus. Sie ist die legitime Repräsentantin einer von Film und Literatur oft vernachlässigten Gruppe von nicht zu vernachlässigender Grösse: den nicht mehr ganz so jungen, alleinstehenden Grossstädter, die den Widrigkeiten ihres oft einsamen Alltags tapfer mit Humor zu trotzen versuchen und deren beruflicher Erfolg den Mangel an Geborgenheit nicht aufwiegen kann. Dass «Bridget Jones’s Diary» eine Verfilmung nach sich ziehen würde, war ebenso konsequent wie logisch. Helle Empörung indes entfachte in England die Besetzung der zierlichen Texanerin Renée Zellweger für die Rolle der pummeligen Bridget – schliesslich hatte man schon Nick Hornbys «High Fidelity» an die Amerikaner verloren. Dass Patrick Bateman in Bret Easton Ellis‘ «American Psycho» vom Briten Christian Bale dargestellt wurde, war da nur ein schwacher Trost. Doch ähnlich wie im Falle von «High Fidelity» waren die Sorgen der Engländer völlig unbegründet. Renée Zellweger ist die absolute Idealbesetzung. Renée Zellweger ist Bridget Jones. In der Tradition des von Robert De Niro einst gepflegten «method actings» futterte sich Renée zu Bridget und legte sich mit Hilfe eines Sprachtrainers einen englischen Akzent zu. Das Ergebnis ist mehr als überzeugend.
Hervorragende Adaption
Doch nicht bloss Zellweger verleiht der Adaption Authentizität. Auch ihre Co-Stars Colin Firth und Hugh Grant erweisen sich als perfekte Wahl. Als höchst gelungener Schachzug erweist sich dabei, dass Grant in der Rolle von Bridgets Libido-gesteuertem Boss für einmal nicht den «good guy» gibt. Es ist sicher auch ihm zu verdanken, dass die Verfilmung fast noch witziger ist als die Vorlage. Für eine exzellente Gesamtumsetzung des Romans sorgen schliesslich die mit der Autorin befreundete Regisseurin Sharon Maguire und Helen Fielding selbst, die am Drehbuch mitgearbeitet hat. Dank grosser Sorgfalt wird «Bridget Jones’s Diary» so zu einem herrlichen Kinospass von unvergleichlichem britischem Charme, der ganz in der Tradition von Filmen wie «Four Weddings and a Funeral» steht und selbst die anfangs so kritischen Engländer zufrieden stellen sollte.