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- Die Lockerung der Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus in der Schweiz könnte die Zahl der Infektionen erhöhen und im Sommer zu einem Rückschlag führen.
- Forschende der ETH Lausanne (EPFL) arbeiten zusammen mit Kollegen in den USA an verschiedenen Szenarien.
- Je nach Szenario könnten in der Schweiz mehrere Millionen Menschen an Covid-19 erkranken.
- «Wir können alle sehr glücklich sein, wenn innerhalb von zwölf oder 18 Monaten ein Impfstoff funktioniert», so der Studienleiter.
Ein Team der EPFL und der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland hat Berechnungen durchgeführt, die bis in den Oktober reichen, wie die Tageszeitung «24 Heures» am Mittwoch berichtete.
Das Verbot einiger Festivals im Sommer wird es uns nicht ermöglichen, die Reproduktionsrate unter 1.2 zu halten.
Der Studie zufolge könnte eine zweite Welle von Covid-19-Fällen im Juli/August ihren Höhepunkt erreichen, wodurch das Schweizer Spitalsystem bei den Intensivbetten, die zur Bewältigung der Krise vor Kurzem auf rund 2000 Einheiten angewachsen sind, sehr nahe an seine Grenzen stossen würde.
Während dieser zweiten Welle könnten je nach Szenario mehrere Millionen Menschen in der Schweiz mit dem Coronavirus infizieren. Dies könnte zu 5000 bis 15'000 Todesfällen führen. Bei einem Worst-Case-Szenario, das auf einer Reproduktionsrate der Krankheit (dem R0-Wert) von 1.5 basiert, wobei jeder Virusträger im Durchschnitt eineinhalb Personen infiziert, könnte es sogar 20'000 Tote geben. Um die Pandemie einzudämmen, ist es wichtig, dass diese Rate unter 1 sinkt.
Einigkeit unter Forschern
Laut Jacques Fellay von der EPFL, der die Studie leitete, kommen alle Gruppen, welche Modellrechnungen der Epidemie in der Schweiz machen, zu sehr ähnlichen Schlussfolgerungen. Die grosse Unbekannte sei die Wirkung der schrittweisen Lockerung der derzeit geltenden Massnahmen.
«Müssen Versteckspiel beherrschen»
«Sobald der Druck ein wenig nachgelassen hat, wie es seit Anfang dieser Woche der Fall ist, kann die Epidemie in der Bevölkerung gleichmässiger zirkulieren. Es ist daher unerlässlich, diese allmähliche Lockerung des Lockdowns mit allen möglichen anderen Massnahmen zu begleiten, die verhindern, dass das Virus wieder die Oberhand gewinnt. Und es ist dieses Versteckspiel, das wir zu beherrschen lernen müssen», warnt der Forscher Jacques Fellay von der ETH Lausanne.
«Das Verbot einiger Festivals im Sommer wird es uns nicht ermöglichen, das R0 unter 1.2 zu halten», sagt der Spezialist, Mitglied der vom Bundesrat eingesetzten wissenschaftlichen Arbeitsgruppe, im Interview mit der französischsprachigen Tageszeitung.
«Nach dem Lockdown werden auch die regionalen Unterschiede viel weniger ausgeprägt sein», sagt Fellay. «Das Virus ist nun in allen Kantonen verbreitet. Es wird immer wieder neue Ausbrüche in der Schweiz geben».
12 oder 18 Monate für Impfstoff
«Wenn wir zu unserer gewohnten Lebensweise zurückkehren, wird uns die Epidemie sehr schnell überfordern», sagt er. «Wir müssen weiterhin eine gewisse Distanz einhalten, sei es durch einen Abstand von mehr als zwei Metern zu anderen Personen oder durch das Tragen von Masken», so Fellay.
«Auf jeden Fall befinden wir uns in einem monatelangen Kampf», fährt der Wissenschaftler fort. «Weltweit sind mehr als 100 Impfstoffprojekte in der Entwicklung. Einige befinden sich bereits in der Testphase. Die Dinge entwickeln sich sehr schnell, aber wir müssen uns bewusst sein, dass wir alle sehr glücklich sein können, wenn innerhalb von zwölf oder 18 Monaten ein Impfstoff funktioniert.»