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Sementina
(Kt. Tessin,
Bez. Bellinzona).
230 m. Gem. und Pfarrdorf, an der Strasse
Bellinzona-Locarno und 3 km sw. vom Gotthardbahnhof
Bellinzona.
Postwagen
Bellinzona-Locarno. Gemeinde, mit dem Dorf
Medici: 73
Häuser, 345 kathol. Ew.; Dorf: 56
Häuser, 275 Ew.
Acker- und besonders Weinbau. Viehzucht. Starke Auswanderung der Männer als Gastwirte,
Schäfer etc. nach Kalifornien. Grosse
Töpferwarenfabrik, die das Rohmaterial aus bedeutenden Kaolinlagern der Umgebung bezieht. An den Hängen über dem Dorf
gedeiht einer der besten Weine des Kantons, der fast ausschliesslich nach
Bellinzona verkauft wird. Im
Val
Sementina
nö. vom Dorf sieht man Befestigungsanlagen (grosse
Mauer mit einigen Türmen), die 1853 vom
Bund erstellt wurden, um den vom
General Radetzky 1852 aus der Lombardei und Venetien ausgewiesenen und aller Mittel entblössten tessinischen Arbeitern Beschäftigung
und Verdienst zu geben.
Deshalb nennt der Volksmund diese von
Sementina bis zum Ausgang des
Val
Morobbia
ö.
Giubiasco reichenden Werke heute noch «i Forti della fame» (die Hungerforts).
¾ Stunden n. vom Dorf im
Val
Sementina prachtvoller
Wasserfall.
Das Dorf litt stark unter der Ueberschwemmung von 1829. Der
Hintergrund des
Val
Sementina soll dem Volksglauben nach der Aufenthaltsort der verdammten
Seelen geiziger Reichen
sein.