Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03094.jsonl.gz/2646

So streng ist der PK-Vorbezug limitiert
Meine längst pensionierten Eltern haben mir ihre Eigentumswohnung überschrieben, und ich habe für sie ein lebenslanges Nutzniessungsrecht notariell eintragen lassen. Die Wohnung ist mit einer Hypothek belastet. Ich werde wohl bald meine Arbeitsstelle aufgeben und das frei werdende Freizügigkeitsguthaben auf zwei Konti aufteilen lassen. Eines dieser Konti ist für einen allfälligen neuen Arbeitgeber reserviert. Das andere verbleibt, da keine Vollzeitstelle mehr vorgesehen ist. Macht es Sinn, eventuell die Hypothek zulasten eines Teils eines Kontos zu reduzieren? D.G.
Wenn Sie sich das Geld vom zweiten Freizügigkeitskonto auszahlen lassen würden, wäre es Ihre Absicht, einen Vorbezug von Vorsorgeld für Wohneigentum vorzunehmen. Das ist auch für die Amortisation von Hypotheken grundsätzlich möglich. Vorsorgeguthaben darf sowohl als Eigenmittel für den Erwerb oder die Erstellung von Wohneigentum eingesetzt werden, als auch für die Rückzahlung eines Hypothekardarlehens oder die Finanzierung von Renovationen oder wertvermehrenden Investitionen.
Voraussetzung für einen solchen Vorbezug von Vorsorgegeld ist allerdings, dass das Kapital für selbst genutztes Wohneigentum eingesetzt wird. Da ergibt sich für Sie ein Problem. Wenn jemand Rechte an seinem Wohneigentum einräumt, die wirtschaftlich einer Veräusserung gleichkommen, ist ein Vorbezug von Vorsorgegeld nicht erlaubt. Das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) stuft die Errichtung einer Nutzniessung genau als ein solches Recht ein, das wirtschaftlich einer Veräusserung gleichkommt.
Ihnen gehört zwar die Eigentumswohnung Ihrer Eltern. Sie haben rechtlich aber die Nutzung der Wohnung lebenslang ihren Eltern abgetreten. Damit ist es Ihnen nicht erlaubt, Vorsorgekapital für diese Wohnung vorzubeziehen.
Abgesehen von den eigentlichen Möglichkeiten stellt sich für mich auch die Grundsatzfrage, ob dies in Ihrem Fall wirklich sinnvoll wäre. Ein Vorbezug von Vorsorgekapital für selbst genutztes Wohneigentum hat zur Folge, dass Sie dann später im Alter weniger Geld für sich zur Verfügung hätten. Sie hätten eine deutlich tiefere Rente, wenn Sie nach einer erneuten Aufnahme einer Erwerbstätigkeit später bei der Pensionierung die Rente wählen würden. Auch bei einem Kapitalbezug hätten Sie später weniger Geld zur Verfügung. Zusätzlich hätten Sie bereits noch im Erwerbsleben einen geringeren Versicherungsschutz – etwa gegen das Invaliditätsrisiko.
Da Sie noch über zehn Jahre vor der ordentlichen Pensionierung stehen, würde ich Ihnen auch abgesehen von den rechtlichen Möglichkeiten von einem Vorbezug abraten und Ihnen stattdessen eher empfehlen, Ihre Vorsorgesituation zu überprüfen und allfällige Lücken zu füllen.
Am ehesten optimieren können Sie Ihre Vorsorge, wenn Sie sich wieder anstellen lassen und sich wieder einer Pensionskasse anschliessen und möglichst Vollzeit arbeiten, da dabei nicht nur Sie, sondern auch Ihr Arbeitgeber hohe Beiträge an Ihre Vorsorge leisten muss.