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Erst seit knapp zwanzig Jahren ist die kleine Republik zwischen Donau, Alpen und Adria unabhängig. Die heutigen Vorstellungen davon, was Kroatien ist, unterscheiden sich jedoch stark von den Auffassungen, die die Menschen vor 200 Jahren von Identität, Gesellschaft, Staat und Nation hatten. Damals war Kroatien noch habsburgisches Grenzland zum osmanischen Reich. Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs Österreich-Ungarn war das Territorium Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, des ersten südslawischen Staates, im Zweiten Weltkrieg ein faschistischer "grosskroatischer" Marionettenstaat und schliesslich Föderationssubjekt im sozialistischen Tito-Jugoslawien. Während dieser Zeit entwickelten die Kroatinnen und Kroaten unterschiedliche Vorstellungen davon, wer sie waren und wie ihr Staat sein sollte. Supranationale und regionalistische Konzepte lagen im Widerstreit. Im Proseminar gehen wir dem Phänomen Nationalismus aus einer europäischen Perspektive auf den Grund. Die Studierenden erarbeiten sich die Grundlagen der Nationalismusforschung, untersuchen verschiedene Ausprägungen im Wandel der Zeit und spiegeln sie am Beispiel der modernen Geschichte Kroatiens. Was ist das überhaupt, eine Nation? Wie und weshalb entstehen nationalstaatliche Ideen und wer sind ihre Trägerinnen und Träger? Was sind ihre Konzepte? Und welche Wirkungskraft können sie entfalten?
«Unser schönes Heimatland». Staatskonzeptionen und Nationalbewegungen in Kroatien im 19. und 20. Jahrhundert.
Universität Basel
FS 2010
Proseminar (2-stündig)
Thomas Bürgisser