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Der Murtenlauf
Der legendäre Murtenlauf, mit dem des Sieges der Eidgenossen über Karl den Kühnen am 22. Juni 1476 gedacht wird, findet alljährlich am ersten Oktobersonntag statt. Der Leichtathletik-Club Freiburg (CAF) setzt ein Organisationskomitee für dieses volkssportliche Grossereignis ein, das in- und ausländische Athleten anzieht. Angefeuert werden die Läufer von unzähligen Zuschauern, die an der 17,170 km langen Strecke zwischen Murten und Freiburg stehen.
Der Anlass erinnert an den lauffreudigen Boten, der nach der Murtenschlacht mit einem Lindenzweig in der Hand nach Freiburg gerannt sein soll, um die Niederlage des Burgunderherzogs zu verkünden. Bei seiner Ankunft fiel er tot um, und der Lindenzweig schlug Wurzeln. Für die Historiker besteht allerdings kein Zusammenhang zwischen Schlacht und Baum. Vielleicht hat die Freiburger Legende etwas mit der Schlacht von Marathon zu tun. Als starkes Symbol, das an den Freiheitsdrang und den Mut unserer Ahnen erinnert, bildete die Linde bis 1977 das Ziel, das in der Folge von den Organisatoren verlegt wurde. 1966 wurde beschlossen, dem Sieger einen Lindenzweig zu überreichen, um die Gedenkfunktion des Laufs nicht zu vergessen.
1904 hatte Théo Aeby, Lehrer am kantonalen Technikum, die Idee lanciert, in Erinnerung an den Boten einen Gedenklauf von Murten nach Freiburg durchzuführen. Doch erst in den 1930er-Jahren wurde die Idee Wirklichkeit: 1931 lief der Berner Maler Adolf Flückiger erstmals die Strecke. 1932 fand der Lauf dank Béda Hefti ebenfalls statt, allerdings nur für Mitglieder des Ski-Clubs Freiburg. Am 25. Juni 1933 konnten erstmals alle Interessenten teilnehmen. 1936 verlegte man das Rennen wegen der Sommerhitze auf den ersten Oktobersonntag. Erst 1977 konnten sich zum ersten Mal Frauen anmelden, von denen ein paar bereits zuvor unter einem männlichen Namen mitgelaufen waren. Um 1995 ist die Vorherrschaft afrikanischer Eliteläufer nicht mehr zu leugnen, und Sportler aus aller Welt messen sich auf dem Freiburger Asphalt.
Auch wenn es sich heute mehr um einen Wett- als einen Gedenklauf handelt, hat dieser seinen volkstümlichen Charakter nicht verloren. So nahmen 2012 mehr als 10'000 Läuferinnen und Läufer teil, eine Zahl, die man seit 1992 nicht mehr erreicht hatte! Welche zukünftige Ausgabe wird wohl den Teilnahmerekord von 1985 (16'338 Personen) brechen?
Bemerkungen
Der klassische Gedenklauf wird heute durch zwei kürzere Strecken für «Jogger» (halbe Strecke) und für Kinder (zwischen 700 und 3500 m) ergänzt. Die 17,170 km lange Gesamtstrecke kann auch in Nordic Walking absolviert werden.
Archiv RTS, 2012, 107': DVD : Morat-Fribourg
Zahlreiche Videos im Archiv RTS
Florence Bays
Übersetzung: Hubertus von Gemmingen