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Luhmann-Religion53
Kapitel 2: Codierung
Was immer Religion sein mag: sie ist darauf angewiesen, Formen im Medium von Sinn zu bilden. Wie jedes andere Prozessieren von Sinn auch.
Das lässt zunächst noch nicht erkennen, worin das Spezifische von Religion liegen könnte. Wir können gleichwohl, zur Überleitung, auf die im vorigen Kapitel begonnen Formenanalyse zurückgreifen.
Uns wird es nicht weiterhelfen, nach dem „Sinn von Religion“ wie nach etwas Vorhandenen zu fragen, da jede Antwort auf diese Frage eine Form benutzen, also eine Unterscheidung treffen muss, wie etwas, eben die Religion, bezeichnet und „ alles andere“ausschließt. Wie könnte aber eine Religion eine Sinngebung akzeptieren, die „alles andere“ ausschließt, die die Innenseite ihrer Form gleichsam als Entschuldigung benutzt, um sich um den „unmarked state“ der Welt und also: den Beobachter, nicht weiter zu kümmern?
Wie immer die Grenze zwischen marked und unmarked gezogen wird: als Religion kann uns nur eine Sinngebung gelten, die genau darin ihr Problem sieht. Das heißt vor allem: dass jeder Formgebrauch Religion involviert, da jeder Formgebrauch einen unmarked state erzeugt.
(Ohne Markierung gäbe es selbstverständlich auch nichts „Unmarkiertes“; die Welt muss immer zuerst durch die Unterscheidung markiert/unmarkiert in einen imaginären Raum transformiert werden.)
Boe: marked/unmarked - beobachtbar/unbeobachtbar
Aber dennoch hat Religion bei universaler Sinnzuständigkeit eine spezifische Unterscheidung im Auge, eben die von marked/unmarked (beobachtbar/unbeobachtbar). Doch wie kann dies als eine Unterscheidung bezeichnet, als eine Form markiert werden, wenn sich die andere Seite, die Außenseite der Unterscheidung, der Markierung entzieht und genau dies die Bedingung der Markierung selbst ist?
Wir geben diesem Problem eine Zweitfassung, indem wir nach dem Code der Religion fragen. Eine Codierung setzt voraus, dass beide Seiten der Unterscheidung, die als Code dient, bezeichnet werden können, wenngleich nur mithilfe der Unterscheidung eines positiven und eines negativen Wertes. Wir kommen darauf zurück. Im Moment interessiert nur ein vorgängiges Problem, nämlich die Frage, was geschieht, wenn der Code der Religion den Platz übernimmt, den auf ursprüngliche und formuniversale Weise die Unterscheidung marked/unmarked innehatte. Man kann vermuten: damit macht sich die Religion selbst unterscheidbar, nämlich als ein System mit diesem (und keinem anderen) Code. Ferner lässt sich dann auch der Beobachter beobachten, nämlich als jemand, der diese Form benutzt, der mithilfe dieser Unterscheidung dem, was wir bezeichnet, einen religiösen Sinn gibt
54 Eigentlich müssten jetzt beide Seiten des Codes gegen je ihren unmarked state unterschieden werden. Zwei unmarked states kann es nicht geben, da dies Digitalisierung, also Markierung voraussetzen würde. Offenbar handelt es sich also um das aus logischen Ordnungsgründen ausgeschlossene Dritte, um das in einer ordentlichen Welt nicht zulassbare Chaos.
Aber war es denn nicht die Welt selbst gewesen, die jetzt aus der Welt ausgeschlossen ist? Wie kommt es zur Welt in der Welt, zum Einschluss des ausgeschlossenen Dritten?
Lässt man sich durch diese Frage leiten, erkennt man rasch eine Mehrzahl von Möglichkeiten, dem abzuhelfen. Es gibt die Mythen der Weltentstehung, wie erzählt werden können und durch die Erzählung, also durch Sequenzierung von aufeinander abgestimmten Unterscheidungen, Plausibilität gewinnen. Es gibt Ausgrenzungen, Tabuisierung, Reinheit und Reinigungsvorschriften, die die Ordnung am Ausgeschlossenen vorführen.
Eine andere Lösung: die Welt selbst für unterscheidbar zu halten. Sie wird bezeichnungsfähig, wenn man ihr etwas anderes gegenüberstellt - sei es den einen Gott, sei es das eine Nichts.
Man kann dann die Nichtwelt-Seite dieser Unterscheidung mit einer Symbolik aufladen, die Unverstehbarkeit signalisiert. Das scheint zu genügen, um die Welt selbst im Modus der Beobachtbarkeit voraussetzen zu können.
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Es können, wie im Paradies, Erkenntnisverbote eingesetzt werden; oder dann die Vorstellung, der Beobachter sei der Teufel. Mit alldem bringt die Religion eine Semantik der Codierung hervor, die für Zwecke der Kommunikation und der Unsicherheitsabsorption in bestimmten historischen Gesellschaften ausreicht. Die Religion kanonisiert sich und marginalisiert Fragende.
Aber man kann nicht effektsicher ausschließen, dass Fragen zurück dirigiert werden auf die Einheit des Code, die Einheit von positiv (zum Beispiel gut) und negativ (zum Beispiel schlecht), die Einheit von markiert und unmarkiert, die Einheit der formnotwendigen Unterscheidung schlechthin. Philosophen konzedieren, dass eine Skepsis (die aber zu nichts führt) als die „freie Seite einer jeden Philosophie“mitgeführt werden muss. Aber das ist nur eine andere Variante für die Formulierung unseres Problems.
Hinter jeder bestimmenden Bezeichnung steckt immer die für sie unbeobachtbare Einheit ihrer Differenz. Und das heißt: eine Paradoxie.
Boe: Sowohl-als-auch - Logik
II. Wenn eines gewiss ist, dann dies: nie kann eine Paradoxie sinnverlustlos in eine Identität umgewandelt werden. Weder in die Identität eines erlösenden Gottes, noch in die Identität eines erlösenden Nichts, noch in die Identität eines Prinzips. Wenn man eine Paradoxie in anschlussfähige Identitäten auflösen, bedarf es dazu eine Unterscheidung.
Für das schwarze Loch der Paradoxie, die keine Information aus sich heraus lässt, müssen unterscheidbare Identitäten substituiert werden, die einschränken, was ihnen anschließend zugemutet werden kann.
Die Sprache macht drüber hinwegtäuschen, indem sie einen Satz Subjekte mit Eigenschaften oder mit Aktivitäten ausstattet. Abstrahiert man aber von dieser Zuordnungsgewohnheit, sieht man sofort die Differenz: Gott und Erlösung, Nichts und Erlösung, Prinzip und Anerkennung.
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Wir haben dazu die Frage, welche Unterscheidungen für die von beobachtbar/unbeobachtbar substituiert werden, so dass die Paradoxie entfaltet werden kann in anreicherungsfähige Identitäten - wie eben Gott und Erlösung.
Sobald es um die Entfaltung einer Paradoxie geht, geht es auch um Geschichte (Boe: Zeit,dynamis). Denn die Umwandlung erfolgt nicht logisch sondern kreativ, nicht in notwendiger Form, sondern kontingent. Die Gesellschaft kann daher geeignete Paradoxieauflösungen selegieren je nachdem, mit welchen Bezeichnungen sie plausibel operieren kann. Das besagt auch, dass bestimmte Figuren unterscheidbar sein müssen und deshalb der Kritik ausgesetzt sind. Überraschende Angriffe aus dem Hinterhalt des unmarked state können, eben weil dort die Markierung fehlt, nie wirksam ausgeschlossen werden. Langfristige evolutionäre Stabilität ist dann nur durch Modifizierbarkeit zu gewinnen: dasselbe in immer anderer Gestalt.
Identität konstituiert sich durch Wiederholung, aber Wiederholung ereignet sich in anderen Situationen, aktiviert andere Kontexte, oft sogar andere Unterscheidungen die dasselbe an anderen Gegenbegriffen profilieren. In der Wiederholung wird das, was sich darin als identisch erweist, zugleich kondensiert und komprimiert, zugleich auf einen Sinnkern (Wesen, essentia) reduziert und durch Erweiterung seiner „Bedeutung für…“ konfirmiert. Die ontologische Metaphysik hatte dem durch die Unterscheidung von substantiellen und akzidentiellen Bestimmtheiten Rechnung getragen. So kann es zu Identitätsbildungen kommen, die sich selbst überleben, zu bewahrenswerter Semantik, die bewahrenswerte Kommunikation vertritt.
Boe: Iteration - v.Foerster: Eigenwerte - Emergenz von Ordnung - Wolfram: CA - Quanteninformation?
"andere Gegenbegriffe": Auflösung meiner Gegensatzpaar-Problematik - "Umschrift" für den Linguisten!!
58 Allerdings setzen wir voraus (und können in diesem Punkt irren und empirisch widerlegt werden), dass es dafür eine Leitunterscheidung gibt, die das Grundparadox des Re-entry der Form in die Form reformuliert. Wir setzen voraus, dass Religion überhaupt einen Anlass hat, sich zu unterscheiden und den Unterschied in sich selbst hinein zu kopieren. Wir setzen also voraus, dass Religion über die Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz verfügt, und auch dass das „Selbst“ dieser Referenz noch nicht die Antwort gibt auf die Frage, wie Religion sich als Religion erkennt.
III. In einer ersten Überlegung greifen wir zurück auf die These, dass die Sinnwelt (oder in anderen Worten: die Realität) gespalten werden muss, soll etwas beobachtet werden. Aber das besagt zunächst nur, dass jede Beobachtung von einer operativ vollzogenen Unterscheidung abhängt. Bei religiöser Kommunikation geht es um einen besonderen Fall, den wir (immer noch zu allgemeinen) als Realitätsverdoppelung bezeichnen können. Irgendwelchen Dingen oder Ereignissen wird eine besondere Bedeutung verlieren, die sie aus der gewöhnlichen Welt (in der sie zugänglich bleiben) herausnimmt und mit einer besonderen „Aura“, mit besonderen Referenzkreisen ausstattet. Ähnliches gilt für die Markierung als Spieler oder für die Kunst oder für die statistische Analyse - für die Religion vielleicht überraschende, nicht ganz ebenbürtige Verwandte.
Eine solche Unterscheidung scheint es in allen sozialen Systemen zu geben, nur die Art, wie Zustände und Ereignisse ihr zugeordnet warten, variiert, und darin wird man dann auch den Ausgangspunkt finden für mögliche Differenzierungen, die schließlich Irrtümer, Normverstöße, religiöse Probleme, künstlerische Extraleistungen usw. unterscheiden und getrennt klassifizieren.
59 ...Für für die Welt hat das zunächst zur Folge, dass der Begriff der Realität einen qualifizierenden Sinn annimmt. Erst dadurch entsteht überhaupt Realität, die bezeichnet, das heißt: von anderen unterschieden werden kann. Die Welt enthält dann etwas, was nicht in diesem engeren Sinne real ist, aber gleichwohl als Position eines Beobachters dienen und seinerseits beobachtet werden kann. Es ist dann nicht mehr einfach alles, was ist, real, indem es ist, wie es ist, sondern es wird eine besondere, sagen wir reale Realität dadurch erzeugt, dass es etwas gibt, was sich von ihr unterscheidet.
Das religionswissenschaftliche Interesse hat bisher vorwiegend, wenn nicht ausschließlich, dem Verständnis des Sonderphänomens des Heiligen oder Sakralen gegolten in der Annahme, man käme mit „Was ist…?“-Fragen der Sache näher. Lässt man sich dagegen von einer differenztheoretischen Fragestellung leiten, so kann man zusätzlich fragen: was geschieht mit der anderen Seite, wenn die Welt in Sakrales und anderes eingeteilt wird?
Für einen Beobachter entsteht erst dann Realität, wenn es in der Welt etwas gibt, wovon sie unterschieden werden kann; erst dadurch kann Realität gewissermaßen gehärtet werden im Vergleich zu einer eher fluiden Welt der Imagination. Und erst dann kann man Mutmaßungen anstellen über Beziehungen, Spiegelungsverhältnisse oder intervenierende Aktivitäten, die diese beiden Weltteile, die reale und die imaginäre Realität, miteinander verbinden. Insofern dürfte es die primäre Leistung der Religion gewesen sein, Realität zu konstituieren, indem sie etwas für Beobachtung bereitstellt, was nicht unter diese Kategorie fällt.
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Schon mit der sprachlichen Verwendung von Zeichen muss eine solche Revolutionierung verbunden gewesen sein, die dann kaskadenhafte Folgen hatte. Einerseits wird Kognition mit Irrtumsfähigkeit ausgestattet und Kommunikation mit der Fähigkeit zur Lüge. Man kann an Realitäten beobachten, wie, wenn wir so formulieren dürfen, nicht referenzreal sind. Aber damit nicht genug: man kann außerdem die Realität artifiziell und konsensuell verdoppeln, das heißt: reduzieren und erweitern. Ebendarum geht es in den genannten Fällen von Spiel, Kunst, Statistik, Religion. Anders als im Falle des Irrtums ist diese Doppelung nicht für ein Wiederauslöschen bestimmt, sondern wird positiv konotiert und als bewahrenswert reproduziert.sie projiziert gleichsam das erste Gebot allen Beobachtens: Triff eine Unterscheidung!,auf die Welt mit der Folge, dass man dann immer angeben muss, auf welcher Seite der Unterscheidung man weitere Unterscheidungen, Bezeichnungen, Beobachtungen an schließt.
Das führt auf die weitere Frage: wie wird eine solche ernst gemeinte Unterscheidung zwischen Realität und Imagination (die gleichwohl kein Irrtum sein soll) reproduziert? Es muss Zeichen geben, die vor einer Konfusion bewahren – etwa Quasi-Objekte wie Propheten oder Fußbälle, die erkennen lassen dass Sequenzen dem Doppel der Realität zugeordnet sind, oder die Regeln des Spiels oder die Regeln der Statistik, die sicherstellen, dass man im Bereich des Wahrscheinlichen/Unwahrscheinlichen bleibt und nicht etwa dem Fehler macht, auf konkrete Ereignisse zu schließen. Aber muss es, gerade im Falle der Religion, nicht auch Möglichkeiten geben, Konfusion zuzulassen, ja sie in bestimmten Situationen, etwa in der Form ekstatischer Kulte, planmäßig zu erzeugen?
Die vielleicht bemerkenswerteste, sicher aber eine sehr frühe Form der Kennzeichnung einer imaginären Realität findet man in der Einschränkung von Kommunikation durch die Form des Geheimnisvollen, dass sich nur unter besonderen Umständen oder nur besonderen Eingeweihten (also zunächst nicht prinzipiell nicht) erschließt. Das Sakrale distinguiert und schützt sich selbst durch diese Form des Geheimnisses gegen Trivialisierung.
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IV Der Begriff des Code soll eine Form bezeichnen, mit der dieses Problem der Realitätsverdoppelung und Neustiftung der realen Realität in Operationen umgesetzt werden kann. Codierung ist keineswegs ein bloßes Erkennen, ein bloßes Bezeichnen der Realitätsverdopplung. Der Code projektierte eine andere Art von Unterscheidung, aber eine solche, die erst aufgrund der Realitätsverdopplung möglich wird und sie in die Einheit einer gespaltenen Weltsicht zurückführt.
Ein Code ist eine Leitunterscheidung, mit der ein System sich selbst und sein eigenes Weltverhältnis identifiziert. Diese Begriffsverwendung unterscheidet sich von der in der Linguistik und zum Teil auch in der Soziologie üblichen. Unter Code soll hier ein strikt binärer Schematismus verstanden werden, der nur zwei Positionen oder Werte kennt und alles weitere im Sinne eines „tertium non datur“ ausschließt.
Codes werden generiert in einem Prozess der Duplikation des Vorhandenen - etwa der mündlichen Sprache in Schrift, der unterstellten Wahrheit in mögliche Unwahrheit usw. Man könnte auch sagen, dass die zunächst „analog“ aufgefasste, das heißt gleichzeitig mitfungierende Wirklichkeit „digitalisiert“, also in ein Zweierschema uminterpretiert wird, so dass das Vorgefundene nur die eine Seite des Schemas in Anspruch nimmt und die andere Seite frei ist für Kontrolle und Reflexion. Bereits daran ist die Artifizialität aller Codierung ablesbar, und darauf beruht die Möglichkeit, sie als Unterscheidungen zu unterscheiden. Man kann deshalb Codes mit Hilfe „transjunktionaler Operationen“ akzeptieren oder dies vermeiden; und nur deshalb eignen sie sich zur Identifikation der Systemzugehörigkeit von Operationen.
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Binäre Codes sind Unterscheidungen besonderer Art. Sie sind nicht einfach Bezeichnungen, die sich dadurch unterscheiden, dass sie etwas durch sie bestimmtes gegen den unmarked state isolieren. Sie sind andererseits auch nicht qualifikative Duale wie Himmel und Erde, Mann und Frau oder Stadt und Land, die auf beiden Seiten äquivalente Spezifikationsmöglichkeiten (= Anschlussmöglichkeiten) in Aussicht stellen. Sie legen das System vielmehr auf eine Asymmetrie fest, die üblicherweise als Unterscheidungen eines positiven und eines negativen Wertes vorgestellt wird (wie: gut/schlecht; wahr/falsch).
Gotthard Günther bezeichnet die positive Seite der Unterscheidung als Designationswert und die negative als Reflexionswert. Darin kommt bereits ein (logischer) Funktionsunterschied zum Ausdruck: die Designation dient nur der Bezeichnung dessen was in ontologische Sprache Sein oder Seiendes heißt. Der nicht-designierende Wert bleibt somit frei für andere Aufgaben, die sich zunächst allgemein als Reflexion der Einsatzbedingungen des Designationswertes begreifen lassen. Übersetzt man diese Unterscheidung aus der Logik in die empirische Systemforschung, bekommt der positive Werte im Sinn, die Anschlussfähigkeit der Operationen des Systems für Operationen des Systems zu bezeichnen. Das System kann nur auf dieser Seite operieren. Der negative Wert ist dann wiederum frei, um den Sinn solcher Operationen als Information beobachtbar zu machen mit der Maßgabe, dass auch die Beobachtung nur in der Form eines Systeminternenoperationen erfolgen kann.
Binäre und in sich asymmetrisch gebaute Code haben ein komplexes Verhältnis zu anderen Unterscheidungen, auf die die operative Schließung eines Systems sich gründet. Vor allem ist wichtig, dass sie quer stehen zur Unterscheidung von System und Umwelt bzw. Selbstreferenz und Fremdreferenz.
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Es wäre eine Fehlanwendung des Codes, wenn das System sich selbst mit dem positiven Wert und die Umwelt mit dem negativen Wert auszeichnen würde; denn damit wäre die mit der Codierung eingeführte Beweglichkeit wieder verschenkt. Überhaupt gibt es in der Umwelt des Systems keinerlei Entsprechung für dessen Code. Vielmehr dienen Codes zum internen Ausgleich der Folgen operativer Schließung. Denn an sich müsste ein System, das mit seinen eigenen Operationen die Umwelt nicht kontaktieren kann (weil es nicht grenzüberschreitend operieren kann), jeden Umweltzustandvergleich wahrscheinlich halten. Die Codierung setzt das System jedoch in die Lage, Überraschungen als Indikationen zu behandeln, sie zu digitalisieren, sie als Problem der Zuordnung zu den Codewerten aufzufassen und Entsprechendeprogramme für wiederholten Gebrauch zu entwickeln - kurz: zu lernen. Irritationen werden an intern erzeugten Erwartungshorizonten,an Normalitätsannahmen oder am dafür vorgesehenen Unbestimmtheitsstellen sichtbar gemacht als Differenzen, die Differenzen, also Informationen werden können. Immer bleibt alles, was in der Praxis codierter Operationen entwickelt wird, rein interne Konstruktion.
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Codes sind eine genaue Kopie des Paradoxes, zu dessen Entfaltung sie dienen. Auf den ersten Blick ist daher kein Gewinn zu erkennen. Sobald man fragt, worin denn die Selbigkeit des positiven und des negativen Wertes bestehe, oder: was die Einheit der Unterscheidung ausmache, stößt man wieder auf das Grundparadox der Selbigkeit des Differenten. Auch hier muss also die Frage entfragt, der Rückgang auf Einheit untersagt werden. Der Vorteil ist aber (und das ist entscheidend), dass es mehrere Codierung gibt: gut/schlecht; aber auch wahr/unwahr; Eigentum/Nichteigentum. So kann man die Codes durch Unterscheidung voneinander identifizieren, anstatt die Frage nach ihrer inneren Einheit zu stellen.
70 Logik der Selbstreferenz