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Die vergangenen Tage zeigen: Das Wetter macht, was es will. Alles auf die Klimaerwärmung zurückzuführen, wäre aber zu einfach, sagen die Experten vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz.
BLANCA BURRI
Der Winter kam dieses Jahr früh: Bereits im November öffneten die Bergbahnen ihre Pisten für Schneeverrückte. Kurz vor Weihnachten schmolz die Schneepracht wegen intensiven Regenfällen. Bereits am Stephanstag lag das Saanenland aber wieder unter einer frischen Schneedecke. Der Januar trumpfte mit vielen Sonnentagen auf. Im Februar herrscht ein dauerndes hin und her zwischen Schneefall, Regen, Wind und Sonne. Ist das der Winter der Zukunft?
Kein typisches Muster
Die bisherigen Analysen zum Wettermuster des zukünftigen Winters in der Schweiz hätten sehr unterschiedliche Resultate gebracht. «Daraus lässt sich vorderhand kein typischer zukünftiger Winter ableiten», sagt Stephan Bader, Klimatologe vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie Meteo-Schweiz auf Anfrage. Alle Modellrechnungen zeigten hingegen für die kommenden Jahrzehnte übereinstimmend eine fortschreitende Wintererwärmung. «Seit der vorindustriellen Periode 1871−1900 ist der Schweizer Winter knapp 2°C milder geworden», heisst es weiter. Bis Mitte Jahrhundert sei ohne Klimaschutz ein weiterer Anstieg der Wintertemperatur um 2 bis 3,5°C möglich.
Schwankungen wegen Westwindzone
Die Schweiz beziehungsweise Mitteleuropa liege in der sogenannten Westwindzone. «Je nach Lage der Höhenströmung erhält die Schweiz Kaltluft aus Norden/Nordwesten oder dann milde Luft aus Westen/Südwesten», erklärt der Klimatologe. Der stete Wechsel von kühleren und milderen Winterphasen sei also ein fester Bestandteil des mitteleuropäischen Winterklimas. Einzelne Wetterphasen in den Kontext des laufenden Klimawandels zu stellen, sei nicht möglich. «Der Wechsel zwischen kühleren und milderen Winterphasen und auch zwischen kühleren und wärmeren Wintern ist seit jeher gross», so Bader. Die Klimaänderung zeige sich nicht in solchen Einzelereignissen, sondern in der Häufung von warmen und sehr warmen Wintern der letzten drei Jahrzehnte.
Wetterkapriolen gabs schon immer
Was antwortet der Klimatologe Leuten, die sagen, «solche Wetterkapriolen gab es schon immer» oder «siehst du, es kann ja noch schneien»? «Selbstverständlich gab es milde und extrem milde Winter mit hochliegender Schneefallgrenze schon immer», hält der Experte fest. Historische Berichte aus den vergangenen Jahrhunderten belegten das sehr eindrücklich. «In der Diskussion der Klimaänderung geht es nicht um das Auftreten von milden und schneearmen Wintern in der Vergangenheit, sondern um deren auffallende Häufung in den letzten rund 30 Jahren», betont er. Alle Jahreszeiten zeigten in den letzten Jahrzehnten eine massive Häufung von weit überdurchschnittlicher Wärme. «Das ist das klare Signal der laufenden Klimaänderung», betont Stephan Bader.
Lawinensituation extrem heikel
Die weisse Schneepracht zieht Skitourengänger und Freerider neben die gesicherten Pisten. Dabei ist aber höchste Vorsicht angezeigt. «Die Lawinengefahr ist erheblich und die Lage sehr schwierig einzuschätzen», warnt Ueli Grundisch, Leiter SAC-Rettungsstation Gstaad. Da der Schneefall der letzten Tage mit Böen aus allen Himmelsrichtungen verbunden war, gab es enorme Scheeverfrachtungen. «Die Lawinensituation ist wegen der Schneeverfrachtungen ab 1800 Metern über Meer extrem heikel», betont Grundisch. Die Ansammlungen des Neuschnees in Mulden und «Chrinne» sei sehr störungsanfällig. Dazu trage auch die Beschaffenheit des Altschnees bei. Er sei hart und verkrustet und verbinde sich laut dem Experten nur schlecht mit dem neuen Schnee. Wie sich die Neuschneemasse nach erneutem Regen verhalte, sei nicht abschätzbar. Der Experte empfiehlt, Touren umsichtig zu planen oder sich einem Bergführer anzuschliessen.