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100 Jahre Proporz
Abseits des Wahlkampfgetöses geht schier vergessen, dass der Nationalrat seit exakt 100 Jahren nach dem Proporzsystem gewählt wird. Das Wahlprozedere für die grosse Kammer wurde aufgrund einer Eidgenössischen Abstimmung im Jahr 1918 geändert – sehr zum Missfallen der freisinnigen Kräfte und Eliten, welche sich mit dem bisherigen Majorzverfahren reichlich Einfluss sicherten.
Den Proporz verunglimpften sie als «fremdländisches Gewächs», schwadronierten von einem «Beutezug gegen die politische Moral und Sicherheit» und prophezeiten «Verwirrung und Anarchie », sollte die Proporzwahl dereinst Usanz werden.
Nach mehreren Anläufen fand letztlich eine Eidg. Volksinitiative der Katholisch-Konservativen (heute CVP) und der SP doch eine Mehrheit. Das «gerechtere System» des Proporz gilt seit 1919 und zerschlug die absolute Mehrheit des Freisinns in der Volkskammer. Profitiert haben insbesondere die SP, welche (gleichauf mit den Katholisch-Konservativen) zur zweitstärksten Kraft avancierte sowie die Bauern‑, Gewerbe- und Bürgerpartei (heutige SVP), die ihre Sitzzahl von 3 auf 30 steigerte.
Ganz ist der Majorz freilich nicht verschwunden: In den Exekutiven sowie bei den Ständeratswahlen ist die Mehrheitswahl auch heute noch gang und gäbe.