Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03146.jsonl.gz/1472

Im Vorfeld der für den 30. April angesetzten Generalversammlung überstürzen sich die Ereignisse bei CS – und zwar derart, dass es für Actares zurzeit nahezu unmöglich ist, sich ein klares Bild über die Zukunft dieser – trotz aller Affären in der letzten Zeit – immer noch systemrelevanten Institution zu verschaffen.
Actares – Aktionärinnen und Aktionäre für mehr Konzernverantwortung – hat bereits gemäss bisheriger Praxis die Abstimmungsempfehlungen bekannt gegeben. Da aber die fristgerecht angekündigten Traktanden der GV in den letzten Tagen von «Archegos» und «Greensill» überschattet werden, kommt Actares nicht darum herum, sich zur breiteren Problematik bei CS zu äussern. Nach Ansicht von Actares befindet sich CS in einer existenziellen Krise, die sich mit «Business as usual» nicht überwinden lässt. Zwei zentrale Probleme stehen im Vordergrund:
Strategie mit grundverschiedenen Geschäftsmodellen hinterfragen
Actares fragt sich, wie die Bank die Strategie CS der Diversifizierung mit den drei Eckpfeilern «Wealth Management», «Asset Management» und «Investment Banking» unter einen Hut bringen und effektiv beaufsichtigen kann. Problematisch ist, dass jede der drei Geschäftssparten einem anderen Risikoprofil entspricht (z.B. langfristiges Vermögenswachstum bzw. kurzfristiges, mit mehrfachem Hebel bewerkstelligtes opportunistisches Handeln). Das sind grundverschiedene Geschäftsmodelle, die unterschiedliche Formen von Risikomanagement erforderlich machen.
Am Beispiel des Falls Greensill wird ersichtlich, dass es CS anscheinend nicht gelungen ist, das erforderliche, komplexe Risikomanagement bei diesem wichtigen Kunden in den Griff zu bekommen. Auch frühere Fälle wie Mosambik und Lescaudron haben aufgezeigt, dass die Bank ihre Risiken nicht im Griff hat. Und auch im Fall Archegos gewährte CS dem Kunden enorme Kredite, ohne sich ein vollständiges Bild von dessen Finanzen zu verschaffen. Aussenstehende haben in keinem dieser Fälle Kenntnis darüber, welche Empfehlungen das CS-Risikomanagement an die Geschäftsleitung abgegeben hat. Schlussendlich trägt jedoch der Verwaltungsrat die Verantwortung, dass das Unternehmen ein funktionierendes Risikomanagementsystem aufbaut.
CS führt eine interne Untersuchung dieser Fälle durch, was Actares nur begrüssen kann. Actares erwartet ausserdem, dass die Verwaltungsratsmitglieder die Konsequenzen ziehen und zurücktreten, sollten die Untersuchungen bestätigen, dass sie ihrer Aufsichtsfunktion nicht genügend nachgekommen sind.
Kulturwechsel einläuten
Die verschiedenen wertzerstörenden Affären (Mosambik, Luckin Coffee, Archegos, Greensill usw.) der letzten Jahre haben CS einen enormen Reputationsschaden zugefügt. Und auch hinsichtlich nachhaltiger Ausrichtung ist CS weitab von vergleichbaren Finanzinstituten. Nach Ansicht von Actares kann nur ein grundlegender Wechsel der Unternehmenskultur von CS das Vertrauen von Kunden, Anlegerinnen und weiteren Stakeholdern – darunter die tausenden von CS-Mitarbeitenden – wiederherstellen. Eine Kultur der Transparenz, eine Vergütungspolitik die auf nachhaltiger Wertschöpfung beruht, sowie die Einhaltung von branchenführenden ESG-Kriterien ist zwingend notwendig.
Jede Krise stellt auch eine Chance dar. Die Verantwortung für die Umsetzung dieser schwierigen Erneuerung von CS wird auf den designierten VR-Präsidenten António Horta-Osório zukommen. Actares appelliert an den neuen Präsidenten, dass er die entsprechenden Konsequenzen zieht, sofort anpackt und die notwendigen Schritte einleitet, damit die Bank für die Zukunft in einer nachhaltigen Welt gerüstet ist. Wird er diese Herausforderung wahrnehmen?