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Modal – diese Begriffsschöpfung ist irgendwie treffend, denn das Wort klingt tatsächlich nach dem, was es beschreibt: einen Hybriden aus Synthetik und Natur.
Und hat das Wort nicht auch ein wenig 60er Jahre Charme? Das würde jedenfalls passen, denn in jener Dekade wurde das Material erstmals kreiert, als man sich verstärkt nach Textilmaterialien umschaute, deren Rohstoffe in Mitteleuropa angebaut werden konnten.
Lange Zeit führten die daraufhin entstandenen Textilien eher ein Nischendasein, doch seit dem Zusammentreffen von Outdoor-Boom und Nachhaltigkeitsinteresse wächst der Bedarf an derartigen Materialien sprunghaft.
Synthetik oder Natur?
Modal ist eine Faser, die man aus dem Holz der Buche gewinnt und in einem chemischen Prozess verarbeitet. Damit ist Modal eine von derzeit etwa neun auf dem Weltmarkt vertriebenen Regeneratfasern, die aus natürlich nachwachsenden („regenerierenden“) Rohstoffen bestehen. Andere bekannte Regeneratfasern, die auch im Outdoorbereich zum Einsatz kommen, sind Viskose und Tencel. Da bei all diesen Fasern Holz und dessen Zellulose das Grundmaterial bilden, nennt man sie, in Abgrenzung zu reinen Naturfasern und synthetischen Chemiefasern, „chemischen Naturfasern“.
Modalfasern sind „strukturmodifizierte Viskosefasern mit einem höheren Polymerisationsgrad (über 400 bis 700) als die normale Viskosefaser“. Durch dieses molekulare „Update“ hat Modal einige funktionale Vorteile gegenüber der Viskose und wird deshalb manchmal auch „die bessere Viskose“ genannt. Einer der für den Outdooreinsatz relevanten Vorteile ist die höhere Dehnfestigkeit in nassem Zustand. Außerdem ist Modal-Stoff haltbarer, abriebfester und neigt weniger zum Einschrumpfen als Viskose.
Man entwickelte zwei Arten von Modalfasern mit leicht abweichenden Funktionsschwerpunkten: während die Polynosic (PN)-Typen optimal mit Baumwolle zu mischen sind, besitzen die HWM-Typen (High Wet Modulus) eine höhere Bruch- und Dehnfestigkeit. Mehr dazu folgt gleich im Abschnitt Eigenschaften.
Wie wird Modal hergestellt?
Wie zuvor erwähnt dient Buchenholz als Rohstoff für die Herstellung der Faser. Während die artverwandte Viskose aus verschiedenen Grundstoffen hergestellt werden kann, kommt für Modal ausschließlich Buchenholz zum Einsatz. Das Holz wird zunächst entrindet und in kleine Späne zerlegt. Diese bereitet man in einem mehrstufigen chemischen Lösungsprozess zu einer Zellulose-Masse auf und spinnt anschließend maschinell mit Spinndüsen zu einem Fasermaterial zusammen. Dabei entstehen reine Zellulose-Fasern.
Welche Eigenschaften hat Modal?
Die große Besonderheit von Modal liegt in der Vereinigung von Vorteilen der Natur- und Synthetikfasern, ohne die jeweiligen Nachteile zu übernehmen. So ist der Stoff deutlich haltbarer und „ausdauernder“ als Baumwolle und bietet dennoch einen gleichwertigen Tragekomfort. Im Vergleich zu Kunstfasern wie Polyester bietet es ein ähnlich gutes Feuchtigkeitsmanagement, ist jedoch zugleich wesentlich hautfreundlicher.
Gutes Tragegefühl und Trageklima gelten als Haupt-Vorteile von Modal, denn der Stoff hat ein hervorragendes Wasseraufnahmevermögen und leitet Feuchtigkeit zudem schnell ab. Dabei ist die Feuchtigkeitsabsorption bei Modal sogar um etwa 50% höher als bei Baumwolle. In engem Zusammenhang damit steht die gute Atmungsaktivität. Damit sind wir schon bei der Funktionalität, bei der man eine ganze Reihe an Vorteile aufzählen kann. So ist die Faser sehr elastisch, strapazierfähig, formbeständig, unempfindlich gegen Hitze und pflegeleicht. Man kann es in der Waschmaschine waschen und mechanisch trocknen, ohne Beschädigungen, Verformungen oder Farbänderungen befürchten zu müssen. Die lange Lebensdauer von Modal wird auch durch häufige Nässe nicht verkürzt.
Bislang verarbeitet man Modal vor allem in Fasermischungen, in welchen es sich oft positiv auf die Eigenschaften der anderen Fasern auswirkt. Durch sie wird Baumwolle weicher, Seide stabiler und Leinen elastischer.
Haptik und Tragegefühl
Auch auf der „Gefühlsebene“ macht Modal eine ziemlich gute Figur. Da seine Fasern eine sehr glatte Oberfläche aufweisen, ist das Material äußerst weich, fällt locker und besitzt einen mattseidigen Glanz. Die Haptik erinnert stark an Seide.
Da wundert es also kaum, dass der Stoff als sehr hautfreundlich gilt und auch von Allergikern und Menschen mit empfindlicher Haut als angenehm empfunden und in der Regel gut vertragen wird. Modal-Stoff wird deshalb vorzugsweise für Unterwäsche und körpernah getragene Kleidung verwendet. Trotz der Weichheit sind Kleidungsstücke aus Modal und Modalmischungen keineswegs „schlaff hängend“, sondern zeichnen sich im Gegenteil gerade durch eine gute Passform aus. Denn das Gewebe ist wie erwähnt elastisch, formbeständig und auch nach vielen Waschgängen angenehm tragbar.
Modal im Outdoorbereich
Meistens wird Modal in Mischungen für Unterwäsche, Shirts und Longsleeves verarbeitet. Dass es dabei nicht nur unter „ferner liefen“, sondern durchaus auch als Material mit dem höchsten prozentualen Anteil enthalten ist, zeigt seine Funktionstauglichkeit.
Da Modal eher kühlend als wärmend wirkt, kann es nicht mit Wind- und Wetterfestigkeit punkten. Seine Vorteile spielt es hauptsächlich bei schweißtreibender Aktivität und höheren Temperaturen aus. In Kombination mit Merinowolle kommt Modal aber auch in warmer Outdoor-Unterwäsche zum Einsatz, wo es (wie eine Klimaanlage) für den flexiblen Temperaturausgleich sorgt.
Ist Modal nachhaltig?
Egal ob man es mit Naturfasern wie Baumwolle oder mit Kunstfasern wie Polyester vergleicht: Modal steht sowohl in Sachen Funktionalität als auch in puncto Umweltfreundlichkeit sehr gut da. Auch im Feld der synthetisch-natürlichen Regeneratfasern mischt Modal ganz vorne mit und nur noch Tencel-Lyocell kann Modal überbieen. Letzterer Stoff wird allerdings nur exklusiv von einer Firma (der österreichischen Lenzing AG) produziert. Auf Dauer müsste daher Modal leichter verfügbar und auch einen Tick preiswerter sein. Allerdings stellt diese Firma neben Tencel-Lyocell noch eine besonders umweltfreundliche Modalfaser unter dem Namen „Modal Edelweiß“ her.
Generell schneidet Modal in Sachen Umweltfreundlichkeit (Wasserverbrauch, Energieverbrauch, Flächenbedarf, Pestizid- und Schadstoff-Einsatz, Abfallprodukte) im Vergleich aller Natur- und Kunstfasern überdurchschnittlich ab. Anders als bei echten Synthetikfasern kommt die Produktion hier ohne den Einsatz fossiler Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas aus. Auch im Vergleich zu reinen Naturmaterialien wie Baumwolle gilt die Faser als nachhaltiger. Bei der Herstellung und Verarbeitung werden weniger Wasser und Energie verbraucht als bei Baumwolle. Das eben erwähnte „Modal Edelweiß“ von Lenzing wird sogar in einem geschlossenen Kreislauf unter 95 %iger Rückgewinnung der eingesetzten Chemikalien hergestellt.
Wie pflegt man Modal?
Wie immer gilt, dass man beim Neukauf eines Modal-Kleidungsstücks natürlich das Etikett mit den Pflegehinweisen beachten und aufbewahren sollte. Auch wenn der Stoff pflegeleicht ist, kann man mit der richtigen Pflege das Maximum in Sachen Lebensdauer herausholen. Das gilt auch für unsere abschließenden, einfachen Tipps:
- Die Wäsche im Kurzwaschprogramm verhindert unnötige Beanspruchungen.
- Dasselbe gilt für die Reduzierung der Schleuderzahl auf maximal 600 Umdrehungen.
- Man kann Bekleidung aus Modal zwar auf niedriger und mittlerer Stufe bügeln. Da der Stoff allerdings kaum knittert, ist das in aller Regel überflüssig.
Interessand wäre, zu erfahren, wie hoch der Bedarf an Buchenholz für die Produktion von Modal ist. Insbesondere im direkten Vergleich mit dem Bedarf für die klassische Holzindustrie (Möbelbau, Hausbau, etc).
Buchenholz ist Teil der industriellen Holzwirtschaft und wird als Nutzpflanze gezielt angebaut, geerntet und genutzt.
Solange man diese Zahlen und Vergleiche nicht kennt, sollte man davon Abstand nehmen Urteile zu fällen, oder “schockiert” zu sein.
Hallo, ich frag mich was das jetzt für eine Faser ist? Künstlich oder natürlich, mir geht es da um die Frage der Entsorgung. Kann ich nicht mehr tragbare Kleidungsstücke mit auf den Kompost geben? Oder ist das nur wieder so “Plastik” der als nachhaltig verkauft wird?
Gruß
Sabine M.
Ich bin schockiert, es werden Bäume abgeholzt um Modal herzustellen, dass ist wohl ein Witz. Das beste Alternative ist: Bambusjersey, der ist nach 4-6 Monaten zu ” ernten ” und nicht nach 30-100 Jahren ! Wir brauchen die Bäume für unsere Luft und um sie zu tragen…..
Hallo Ilona Pelinka.
Damit diese Fasern als “nachhaltig” bezeichnet werden können, werden die Buchenwälder nach dem Prinzip der “Verjüngung” geerntet.
Liebe Grüße Eli P.
Hallo, Modal ist sicher eine gute Errungenschaft in der Textilproduktion. Dennoch, wie lange brauchten die “geernteten” Buchen (Foto Artikelbeginn) bis sie geschlagen wurden… Ich hoffe, egal welcher Industriezweig, dass nicht über Bedarf produziert wird! Fand die Recherche über Modal sehr informativ. Danke dafür.
Hallo!
Ich lese immer mit großer Neugier eure Artikel zu Materialien und fand dementsprechen diesen mal wieder sehr aufschlussreich! Was mich ein bisschen verwirrt: es wird durchweg nur von positiven Faktoren dieses Stoffes geredet und ich bin versucht, den Eindruck zu bekommen, dass diese eine absolute Zauberfaser ist.
Was ich mitgenommen habe:
– langlebiger als Baumwolle
– gleiches Tragefühl wie Baumwolle
– fast so gutes Feuchtigkeitsmanagement wie Kunstfaser
– Haptik: glatt und weich – muss man mögen
– nix für wärmende Klamotten
Was ich mich daher frage: wo liegen die Nachteile dieser Faser? Und wieso werden Klamotten, wenn diese Faser durchweg so viele Vorteile bietet, nicht durchweg aus Modal gefertigt?
Danke schonmal!
LG Stefan