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Japans ehemaliger Premierminister Yasuhiro Nakasone wurde gestern 100 Jahre alt. Das macht ihn zum ältesten noch lebenden Ex-Premierminister Japans und zu einem lebenden Zeitzeugen der abwechslungsreichen politischen Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert. Unter den vielen Premiers, die Japan hatte, ist sein Name bis heute selbst im Ausland ein Begriff. In seiner vergleichsweise langen Amtszeit von 1982 bis 1987 setzte er dem Land seinen Stempel nachhaltig auf. Seine Entscheidungen sind bis heute im japanischen Alltag sichtbar.
So war eines seiner grössten Projekte die Privatisierung der japanischen Staatsbahn in sechs regionale Bahnfirmen und eine landesweite Firma für Güterzüge unter dem Dach der Japan Railways, kurz JR genannt (Asienspiegel berichtete). Auch die Privatisierung des Telekomkonzerns NTT fiel in seine Amtszeit. Unter seiner Ägide wurde zudem die Einführung der damals stark umstrittenen Mehrwertsteuer beschlossen. Nakasone war ein national-konservativer Politiker, der ein selbstbewussteres Japan und eine Revision der Friedensverfassung einforderte. Seine Freundschaft zu US-Präsident Ronald Reagan wurde zum Merkmal seiner Aussenpolitik. Er bezeichnete Japans als unsichtbaren Flugzeugträger in der anti-sowjetischen Allianz. Für diese militärische Wortwahl und seinen offiziellen Besuch des Yasukuni-Schreins sorgte er wiederholt für Kontroversen.
Auch mit 100 Jahren aktiv
Zu seinem 100-jährigen Geburtstag schrieb Nakasone, dass er glücklich sei, gemeinsam mit dem japanischen Volk nach dem Krieg aufgestanden zu sein und den Wiederaufbau des Landes vollbracht zu haben. Tatsächlich war Nakasone stets nahe an der japanischen Geschichte dran. Als er 1918 geboren wurde, war der Erste Weltkrieg gerade zu Ende. Im Zweiten Weltkrieg war er Offizier in der japanischen Marine. Nach der Kapitulation stieg er schliesslich in die Politik ein. Ab den 1950ern besetzte er mehrfach Ministerposten. Nach seiner Zeit als Premier blieb Nakasone bis 2003 Abgeordneter im Parlament. Er war damals schon 85 Jahre alt. Seinen Einfluss übt er bis heute aus, insbesondere wenn es um die Reform der Verfassung geht. Er sei noch immer bei guter Gesundheit, lese jeden Tag die Zeitung und gehe noch in sein Büro, heisst es.
Nakasone ist erst der zweite japanische Premier, der die Schwelle von 100 Jahren erreicht hat, wie die Mainichi Shimbun berichtet. Vor ihm wurde Prinz Naruhiko Higashikuni, der unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg während knapp zwei Monaten amtete, 102 Jahre alt.