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Eine aussergewöhnlich lange Trockenperiode im Osten des Horns von Afrika, 20 Jahre Krieg in Somalia und steigende Grundnahrungsmittelpreise: Zusammen lösten diese Faktoren eine der verheerendsten Hungerkrisen seit Jahrzehnten aus. Die Dürre zerstörte Ernten und dezimierte Viehbestände. Der Konflikt in Somalia setzte Flüchtlingsströme in Gang, die schlechte Sicherheitslage erschwerte zudem die internationale Hilfe im Land massiv.
Nothilfe und Stärkung der Lebensgrundlagen
In Anbetracht der Notlage, bewilligte der Bundesrat am 17. August 2011 einen Sonderkredit von CHF 20 Millionen und erhöhte somit die bereits bestehenden Mittel der Humanitären Hilfe für das Horn von Afrika auf CHF 36.4 Millionen. Gleichzeitig sammelte die Schweizer Glückskette rund CHF 28 Millionen für Schweizer Nichtregierungsorganisationen, die am Horn von Afrika Hilfe leisten.
Der Sonderkredit wurde folgendermassen verwendet:
- Somalia: Mehr als die Hälfte des Sonderkredits wurde für Hilfsaktionen im stark betroffenen Süden eingesetzt. Die Mittel finanzierten vorwiegend Projekte und Programme für die Sicherung des Zugangs zu Nahrung, Gesundheitseinrichtungen, Wasser, hygienischen Einrichtungen und Unterkünfte.
- Kenia: Etwa 30% des Sonderkredits kamen Flüchtlingen und deren Gastgemeinden in Kenia zu Gute, vor allem im Flüchtlingslager Dadaab, dessen Bevölkerung anfangs 2011 auf eine halbe Million Menschen anwuchs.
- Äthiopien: Mit den restlichen 17% finanzierte die Humanitäre Hilfe des Bundes Projekte in Äthiopien mit dem Ziel, die Notlage kurzfristig zu lindern und Risiken dauerhaft abzubauen. Beispielsweise erhielt Action Contre la Faim Schweizer Mittel unter anderem für Programme, die Gemeinschaften für wiederkehrende Katastrophen und gegen Klimawandel wappnen.
Koordination der humanitären Hilfe
Ein grosser Teil des Gesamtbudgets für das Horn von Afrika floss an Partnerorganisationen der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die Kinder- und Flüchtlingshilfswerke der Vereinten Nationen (UNICEF und UNHCR), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) sowie die Koordinationsinstanz für die Harmonisierung von Hilfeleistungen der Vereinten Nationen (UNOCHA) waren Empfänger von Schweizer Hilfsgeldern. Zudem wurden Projekte von Médecins Sans Frontières Suisse und Terre des Hommes Lausanne unterstützt.
Da sich die Sicherheitslage im Laufe von 2011 verschlimmerte, konnten einzelne der geplanten Direktaktionen nicht oder nur mit Verspätung umgesetzt werden. Die Verschleppung von europäischen Mitarbeitern einer Nichtregierungsorganisation aus dem Lager Dadaab sowie von Touristen an der kenianischen Küste, führte schliesslich zu einer Eskalation der Situation. Die islamistisch-militante Al-Shabaab verbannte ausserdem 16 internationale Hilfsorganisationen aus dem Einsatzgebiet in Somalia. Die DEZA verstärkte ihr Sicherheitsdispositiv und musste ihre Aktivitäten immer wieder der volatilen und gefährlichen Situation anpassen.
Weiterhin viele Hilfsbedürftige
Die Hungersnot verringerte sich dank Regenfällen und den Hilfsbemühungen Ende 2011 zunehmend. In Süd- und Zentralsomalia sind jedoch auch heute noch 2,3 Millionen Menschen hilfsbedürftig. Auch im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia leben Hunderttausende von Menschen unter schwierigen Bedingungen. Die humanitären Bedürfnisse sind also auch 2012 beträchtlich und erfordern weiterhin gezielte Unterstützung.