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Über die Hälfte aller Schildkrötenarten weltweit sind bedroht. Geschützte Inseln stellen für diese Schildkröten ein wertvolles Refugium dar. So etwa die Galapagos-Inseln - oder auch viele Inseln der Seychellen.
Die Seychellen – Ein Refugium für bedrohte Arten
Die Seychellen sind ein Inselstaat im Indischen Ozean. Er war weltweit der erste Staat, der den Naturschutz in seine Verfassung aufnahm. Heute stehen 47% der Landfläche unter Schutz. Besonders bemerkenswert ist die Naturbelassenheit der Wälder auf den 115 Inseln. Die Seychellen liegen auf Platz 1 des Forest Landscape Integrity Index, der die menschengemachten Veränderung des Waldes bewertet. Im Jahr 2020 beschloss die Regierung der Seychellen zudem, 30% der gesamten Meeresfläche unter Schutz zu stellen.
Als Inselstaat beherbergen die Seychellen zahlreiche Arten, die ausschliesslich hier vorkommen, sogenannte endemische Arten. Sie sind Heimat von 75 endemischen Pflanzen- und 17 endemischen Vogelarten. Insgesamt sind auf den Seychellen 220 Vogelarten zu finden.
Eine wichtige Rolle spielen die Seychellen ausserdem für Schildkröten. So etwa für die bedrohten Meeresschildkrötenarten „Echte Karettschildkröte“, „Grüne Meeresschildkröte“ und „Lederschildkröte“, aber auch für die Aldabra-Riesenschildkröte, die hauptsächlich auf dem Aldabra-Atoll der Seychellen zu finden ist. Die Aldabra-Inseln gehören aufgrund ihrer aussergewöhnlich naturbelassenen Flora und Fauna zum Unesco-Welterbe.
Atoll der Riesenschildkröten
Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts gab es noch auf 20 Inseln vor der ostafrikanischen Küste Bestände von Riesenschildkröten. Heute sind grössere Bestände in der Wildnis nur noch auf den Seychellen, den Galapagosinseln oder einer Insel vor Sansibar anzutreffen. Die grossen, trägen Schildkröten waren äusserst einfache Beute für europäische Segler und wurden deshalb auf vielen Inseln innert kurzer Zeit ausgerottet. Auch auf den Seychellen waren die Riesenschildkröten stark bedroht. Mithilfe der Anstrengungen von Naturschützern gelang es, die Ausrottung der Riesenschildkröte auf den Seychellen zu verhindern. Heute finden sich auf dem Aldabra-Atoll rund 100‘000 Individuen der Aldabra-Riesenschildkröte. Nebst der berühmten Aldabra-Riesenschildkröte berherbergen die Aldabra-Inseln die endemische Aldabra-Schnecke, welche eine Zeit lang verschollen war, und unter den 96 Vogelarten auch den endemischen Aldabradrongo.
Die Landfläche des fast gänzlich von menschlichen Einflüssen abgeschirmten Atolls beträgt 155 km2. Die Wahrscheinlichkeit, hier einem Menschen zu begegnen, ist äusserst klein: Die Aldabra-Inseln zählen gerade mal 12 Einwohner. Touristen müssen für einen Besuch des Naturreservats eine Bewilligung einholen und während ihres ganzen Besuches in Begleitung eines Angestellten der zuständigen Naturschutzorganisation bleiben. Es ist schon schwierig, überhaupt erst auf die Inseln zu gelangen - zwischen dem Aldabra-Atoll und den restlichen Inseln der Seychellen liegen 1‘000 Kilometer Ozean. Durch die angekündigte Erweiterung der Meeresschutzzonen wird das Atoll in Zukunft noch besser geschützt sein – und mit ihm auch mindestens eine Gattung der einst so zahlreichen und spektakulären Riesenschildkröten des Indischen Ozeans.