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Ees gibt viele vage Hinweise und einige Möglichkeiten - aber letzlich hängt es von den Kapitalmärkten ab, ob und wie Glencore, ein in Zug domizilierter Rohstoffhandelskonzern, an die Börse gehen wird oder sich für eine andere strategische Option entscheidet. Eine Sprecherin von Glencore mochte den «Bloomberg»-Bericht, wonach im kommenden Frühling über einen Börsengang bis zu 10 Milliarden Dollar aufgenommen werden sollen, weder dementieren noch kommentieren. Aus den im letzten Jahr emittierten Wandelanleihen lässt sich zudem ableiten, wie hoch der Unternehmenswert ist, wenn Glencore 10 Milliarden Dollar aufnehmen möchte: Rund 35 bis 50 Milliarden.
Ein Börsengang ist aber nur eine Möglichkeit für Glencore, um zu Geld zu kommen. Der Konzern, der im 3. Quartal einen Reingewinn von knapp 1,5 Milliarden Dollar auswies, hält unter anderem einen Anteil von 34 Prozent am kotierten, ebenfalls in Zug domizilierten Minenkonzern Xstrata. Laut Analysten der Citigroup könnte Glencore auch einen «umgekehrten» Merger vornehmen, nämlich mit Xstrata verschmelzen und dann neue Aktien ausgeben. Die Marktkapitalisierung von Xstrata liegt gegenwärtig bei knapp 60 Milliarden Dollar, der Glencore-Anteil wäre demnach 20 Milliarden.
Banken wollen höhere Sicherheiten
Glencore braucht trotz des verbesserten Geschäfts im laufenden Jahr gleich aus mehreren Gründen Geld: Das Handelsgeschäft wird immer stärker reguliert. Die Banken, welche Schiffsladungen und Minenprojekte vorfinanzieren, verlangen in diesem vergleichsweise margenschwachen Geschäft immer höhere finanzielle Sicherheiten. Im letzten Quartal ist das sogenannte Working Capital um 2,6 Milliarden Dollar gestiegen, also das Umlaufvermögen abzüglich kurzfristiger Verbindlichkeiten. Grund sind höhere Nachschüsse bei Absicherungsgeschäften.
Und auch das viel stärker schwankende Geschäft mit der Förderung, das jetzt mehr als zwei Drittel des Gewinns einbrachte, wird immer kapitalintensiver. Nachdem der Export von Seltenen Erden - Metallen, die im Hochtechnologiesektor für die Herstellung von Smartphones, Computern und Satelliten wichtig sind - in China im Oktober um 77 Prozent gefallen war, haben Glencore und die US-Firma Molycorp die (Wieder-)Aufnahme der Produktion in einigen Minen angekündigt. Allerdings verteuerte sich der Kapitaleinsatz durch die Investitionen in eine Goldmine in Russland und durch eine Goldmine in Westafrika.
Dadurch stiegen die Schulden um 1,5 Milliarden auf 15,2 Milliarden Dollar. Bereits im nächsten Jahr stehen Schulden von 8,7 Milliarden zur Rückzahlung oder Ablösung an. Dem stehen ein Aktienkapital von 5,4 Milliarden und liquide Mittel inklusive Kreditlinien von 4,6 Milliarden gegenüber, davon 1,2 Milliarden Dollar in Bargeld. Das Partnermodell von Glencore erweist sich zudem als ein zu enges Korsett bei der Optimierung der Bilanz. Laut den Analysten der Bank of America hat Glencore «substanzielle Gewinnbeteiligungsverpflichtungen gegenüber den Partnern», und «ein Ende dieser Zahlungen wäre ohne Börsengang kaum möglich».
Verkäufe nicht ausgeschlossen
Das vergleichsweise hohe Verhältnis von Schulden zum Eigenkapital gefällt vielen Investoren nicht. Analysten erwarten deshalb auch den Verkauf weiterer kleinerer Beteiligungen, um die Bilanzverhältnisse zu verbessern.
Der Preis von Kreditausfallversicherungen liegt bei Glencore ein halbes Prozent höher als bei der wichtigen Beteiligung Xstrata. Die ausstehenden Obligationen mit Coupons von 7,125 und 5,25 Prozent sind billiger als die ebenso lange laufenden Anleihen von Xstrata. Und für die ausstehenden Euro-Bonds lautet das Rating von Moody’s Baa2, jenes von Standard & Poor’s BBB-. Das entspricht jeweils der untersten Grenze des «Investment Grades» und liegt fast auf gleicher Höhe wie das Rating von Xstrata. Das ist wichtig für Bond-Anleger, welche eine der laut den Analysten der Société Générale bald auf den Markt kommenden Anleihen (3,25% Franken-Obligation bis 2016, «ewiger» US-Dollar-Bond mit 7,5%) zeichnen möchten.
Ein skeptischer Kommentar kam im Oktober von Trevor Reid, Finanzchef bei Xstrata. Gegenüber Analysten sagte er, dass man abgesehen vom Kohlegeschäft bei Glencore «nicht allzu begeistert von den weiteren Minen-Assets ist». Beide Firmen hätten eben «unterschiedliche Zeithorizonte».