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SIGA arbeitet aktuell an diesen Konzepten und Methoden:
„Die Attraktivität des Netzwerk-Begriffs scheint insbesondere darin zu bestehen, dass er es ermöglicht, die Grenzen etablierter Unterscheidungen zu überschreiten. So wird der Netzwerk-Begriff verwendet, um auf Formen interorganisationaler Kooperation zu verweisen, die weder durch Markt noch durch Hierarchie strukturiert werden oder umgekehrt durch beides zugleich. Als Netzwerke werden Zusammenhänge beschrieben, die sich jenseits der Grenzen operational geschlossener Systeme ausbilden. Und der Netzwerk-Begriff wird reklamiert, um handlungs- und strukturorientierte Beobachtungen aufeinander zu beziehen. Der Netzwerk-Begriff eignet sich für derartige Bestrebungen, weil er selbst wenige inhaltliche Vorgaben erfordert: Von Netzwerken zu sprechen, setzt zunächst nur voraus, dass man es mit wie auch immer gearteten Einheiten zu tun hat, die in wie auch immer gearteten Beziehungen zueinanderstehen. (...)Die Akteur-Netzwerk-Theorie zielt ebenfalls darauf, eine in ihrem Untersuchungsfeld geläufige Unterscheidung mit Hilfe des Netzwerk- Begriffs aufzubrechen: die Unterscheidung zwischen Gesellschaft und Natur bzw. zwischen Gesellschaft und Technik. Soziale, technische und natürliche Entitäten und Faktoren werden in der Akteur-Netzwerk-Theorie nicht als Explanans, sondern als Explananda behandelt.“ (Schulz-Schaeffer 2000: 187).
Explorative Erkenntnisverfahren sind offen für unvorhergesehene und unerwartete Zusammenhänge. Mit einer offenen und weiten Perspektive im Hinblick auf einen Forschungsgegenstand können neue Strukturen und Zusammenhänge erkannt und Komplexitäten in lebensweltliche Umgebungen eingebettet werden. Einzelfälle werden phänomenal erfasst und in einen ganzheitlichen Kontext gestellt. Dabei geht weniger um erklären, sondern vielmehr Grundlagen für ein holistisches Verstehen (die Gestalt erschliessend) zu schaffen. Ziel der Explorationsmethode ist eine Nähe zum Forschungsgegenstand zu kreieren und so eine Innen- respektive Teilnehmerperspektive zu ermöglichen. Einfache oder komplexe Literaturrecherche oder das Erkunden von Territorien oder urbanen Umgebungen sind Formen von Exploration. Aber auch Einzel- oder Gruppeninterviews im Sinne von Tiefen- und Experteninterviews sind explorative Verfahren. Auch die Gruppendiskussion ist eine solche Form der Erkenntnisgewinnung. Dies hat den Vorteil, dass bei solchen Formen der Interview- und Diskursführung neue Ideen generiert und Annahmen formuliert werden können. Es sind hypothesengenerierende Verfahren und sind der qualitativen Empirie zuzuordnen.
Durch Mapping-Techniken lässt sich die Verbindung von Handlungen und Ereignissen besser nachvollziehen. Das Navigieren durch visualisierte Maps hilft Kontexte zu antizipieren, deckt neue Verbindungslinien auf und schützt vor fixierten Erklärungen. Gerade bei unvorhergesehenen Ereignissen lässt Mapping das Hintergründige vordergründig erscheinen – Verbindungslinien werden auch ohne offensichtliche Evidenz gezogen. Mapping hilft Explorationserkenntnisse herauszuarbeiten, die Komplexitäten als Komplexität wahrnehmen und dabei die Kontexte von Ereignisse zu berücksichtigen.
Jedes Zeichen (z.B. Wörter, Symbole oder Handlungen) hat eine Gestalt-, Beziehungs- und Bedeutungsdimension und folgt der Formel aliquid stat pro aliquo (etwas steht für etwas anderes). Dabei wird es möglich über etwas zu sprechen, das nicht anwesend ist. Damit haben Zeichen inhärent die Funktion des Verweisens und sind die Grundlagen für Kommunikation und Kultur. Die Semiotik untersucht die Beziehung sowie den Prozess zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten. Ordnungsmuster, Zeichensysteme, Kodifizierungen sowie deren Funktionsweisen werden in Raum und Zeit analysiert. Dabei werden kulturelle Praktiken kritisch beleuchtet und die Ebenen von Ausdruck (Signifikantenebene) und Inhalt (Signifikatebene) in Prozess und Beziehung gesetzt. Mit dem Verständnis für semiotische Prozesse und deren Wirkungen können Deutungs- und Interpretationshoheiten dekonstruiert sowie kartographiert werden.
Ist eine Methode um Informationen zu sammeln, wie andere Menschen Sinnzusammenhänge in der Welt kreieren und wie sie die Welt definieren. Es ist eine Analysemethode, die das Selbstverständnis und die Lebensarten von den unterschiedlichsten Kulturen und Subkulturen zu verstehen versucht. Es geht dabei um eine Interpretationspraxis, die auch den eigenen kulturellen Kontext mitreflektiert. In der Textual Analysis wird via eines informiertes Weltverständnisses die wahrscheinlichste Interpretation eines Textes gemacht. Interpretationen werden gemacht, um spezifische kulturelle Kontexte und Sinnzusammenhänge zu erarbeiten. Mit diesen Fähigkeiten und den Möglichkeiten unterschiedliche Interpretationszusammenhänge zu kreieren, können die eigenen kulturellen Referenzen besser eingeordnet werden sowie die eigene Befangenheit und Limitation sichtbar zu machen. In diesem Sinn fördert die Textual Analysis implizit auch Quellenkritik.
Das Sammeln von kontextuellem Wissen hilft vor der Reduktionismus-Falle. Gerade Open Source-Informationen (OSINT) zielen auf die Exklusivität, Sensation und damit auf die reduktionistische Lesart von Ereignissen ab. Argumente und Positionen in Kontexten können dem entgegenwirken. Sie können diffuse und unterschwellige Verbindungslinien jenseits von geopolitischen und sozialen Erklärungen aufzeigen. Mapping-Technologien helfen Kontextanalysen zu visualisieren. Die Kontextanalyse wird in der Wirtschaftslehre auch mit Umfeld- oder Umweltanalyse umschrieben.
Spin Politics ist eine Methode Informationen in geopolitischen Zusammenhänge kritisch zu lesen und zu analysieren. Basierend auf semiotischen Prozessen werden Handlungen und Ereignisse als wichtige Elemente von Informationen ausgelegt. Damit gibt es keine eindeutig definierten Informationsräume mehr, sondern Ordnungselemente, Bilder und Narrative sind performativ und hochgradig vernetzt. In diesen Verstrickungen stellt der machtpolitische Wahrheitswert letztlich nur die Spitze des Eisbergs dar. Darum versucht Spin Politics, Handlungen und Ereignisse über die sinnstiftende Ordnungslogik von Sprache, Symbole und Bildern zu stellen. Hinter machtpolitischen Handlungen können globale, lokale und unsichtbare Akteure ihre Partikularinteressen auf vielfältige Weise verschleiern und instrumentalisieren. Mit Spin Politics wird Kontextanalyse zu einem Perpetuum Mobile, dass nichtsdestotrotz eingesetzt wird, um (Des)Information zu betreiben. In diesem Sinne spielt das Handlungsmuster von Spin Politics mit der Möglichkeit der aktiven Schattierung von vorder- und hintergründigen Handlungen, Ereignissen und Symbolen.
Die Hermeneutik ist eine systematische Methode, die sich mit dem Verstehen, Auslegen und Interpretieren von Texten auseinandersetzt. Sie ist aber auch anwendbar auf Bilder, Filme, Symbole und Handlungen. Es geht dabei weniger darum kausale Zusammenhänge zu ergründen, sondern um die Erschliessung und Rekonstruktion von Sinn- und Bedeutungszusammenhängen, die in unterschiedlichen Kontexte unterschiedliche Wirkungen entfalten können.
Triangulation wird insbesondere in den empirischen Sozialwissenschaften eine Forschungsstrategie genannt, mit welcher unterschiedliche Methoden oder Perspektiven auf den gleichen Forschungsgegenstand angewendet werden. Es können dabei auch unterschiedliche und verschiedenartige Daten zur Analyse eines Phänomens herangezogen werden. Damit werden die Schwächen der jeweils einen Herangehensweise mit den Stärken der jeweils anderen Methode ausgeglichen. So kann Verzerrungen in den Resultaten minimiert und eine höhere Validität der Forschungsergebnisse erreicht werden.
In den empirischen Sozialwissenschaften wird üblicherweise eine Kombination von quantitativ-statistischen mit qualitativen Methoden als Triangulation bezeichnet. Es ist aber auch ein eher genereller Methodenmix zwischen deduktiven und induktiven Verfahren denkbar oder zwischen erklärenden und verstehenden Forschungsansätzen.
Die Raumanalyse nach dem "4-space Modell" nach Thriftbeschreibt vier Perspektiven und Herangehensweisen wie der Raum betrachtet und analysiert werden kann. Der Raum kann als "Empirical constructions", "Flow space", "Image space" und "Place space" angesehen und untersucht werden.
Die Betrachtung der Raums als "Empirical constructions" hat fixe, geometrische Figuren und Objekte im Fokus. Die Positionierung von Objekten im Raum, beispielsweise mit Hilfe von Koordinaten oder GPS steht dabei im Zentrum. Es werden Distanzen gemessen, Objekte gezählt, lokalisiert, Räume eingezont und eingeordnet.
"Flow space" oder auch "Fluid space" umschreibt räumliche Abhängigkeiten und Interaktionen in Form von Flüssen, Bewegungen im Raum, aber auch abstrakter Art. Gemeint sind neben Güterbewegungen und Touristenströmen auch Informationsflüsse. Netzwerke und virtuelle Räume kommen ebenso zum Tragen, wie hochdynamische Handelsbeziehungen, Rohstoff- und Produktflüsse. Was ist wie miteinander verbunden, wo führen uns diese Ströme und Netzwerke hin? Es geht weniger um das Überschreiten von Grenzen, sondern mehr um die Verbindungen und Bewegungen an sich: "Relational spaces, not containers".
Das Konzept "Image space" lebt stark von den vermittelten Bildern und der Vorstellung von Raum und der normativen Frage wie Raum aussehen soll. Was wird durch den Raum vermittelt und was wird durch das räumliche gefühlsmässig oder assoziativ ausgelöst? Diese Fragen stehen im Zentrum. Es geht grundsätzlich darum, wie man mit und durch Raum ein Bild nach Aussen generieren kann.
Räume werden mit dem Konzept "Space place" als Orte betrachtet, Orte mit einer sozialen Bedeutung, Orte wo Menschen zusammenkommen oder sonst durch ihr Verhalten dem Raum eine Bedeutung zuordnen. Beispielsweise durch Religion oder Mythen werden Arten von Identitäten gestiftet, aber auch sonstige Erinnerungen oder gemeinsames, gemeinschaftliches Handeln konstruieren diese Realität. Vor allem durch regelmässige Aktivitäten, durch Rituale, aber auch das tägliche Leben werden Orte quasi immer wieder neu gemacht. Es geht hier um subjektive und relative Bedeutung von Raum.
Die Mehrebenenanalyse umfasst mindestens zwei Aggregationsebenen. Dies verhindert, dass durch einen dogmatischen Fokus beispielsweise auf die Makro- oder Mikroperspektive Verzerrungen stattfinden. Makroanalysen gehen meist von engen Annahmen über das individuelle Verhalten aus. Individualanalysen vernachlässigen umgekehrt tendenziell den Einfluss von Strukturen und Systemen der Makroebene.