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In der Schweiz haben bis zu 32 Prozent der Schwangeren einen Eisenmangel, bei 7 Prozent kommt sogar es zu einer Eisenmangelanämie.
❗️Das Wichtigste in Kürze
- Typische Symptome sind Müdigkeit, Erschöpfung und blasse Haut.
- Ein Hämoglobinwert unter 11 g/dl im ersten und dritten Trimester sowie unter 10,5 g/dl im mittleren Trimester muss weiter abgeklärt und behandelt werden.
- Bei einem Ferritinwert unter 30 µg/L liegt eine Eisenmangelanämie vor.
- Die Behandlung einer Eisenmangelanämie sollte immer zuerst mit Tabletten erfolgen.
- Was ist eine Eisenmangelanämie?
- So entsteht Eisenmangel in der Schwangerschaft
- Symptome des Eisenmangels in der Schwangerschaft
- Gefahren einer Eisenmangelanämie für Mutter und Kind
- Blutwerte bei Eisenmangelanämie in der Schwangerschaft
- Behandlung einer Eisenmangelanämie mit Tabletten
- Behandlung einer Eisenmangelanämie mit einer Eiseninfusion
Was ist eine Eisenmangelanämie?
Anämie bedeutet ein Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Diese roten Blutkörperchen enthalten den eisenhaltigen roten Blutfarbstoff Hämoglobin, welches den Sauerstoff im Blut zu den Zellen transportiert. Eisen ist nicht nur in den Erythrozyten vorhanden, sondern auch für die Bildung neuer Blutzellen verantwortlich. Fehlt Eisen, werden also keine neuen Erythrozyten gebildet und es kann somit auch nicht genügend Sauerstoff transportiert werden.
Ist genügend Eisen vorhanden, kann der Körper dieses in Milz und Leber, im Knochenmark und der Muskulatur speichern und bei Bedarf freisetzen.
So entsteht Eisenmangel in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft ist der Sauerstoffbedarf erhöht, weil das Ungeborene für das Wachstum und die Entwicklung viel davon benötigt. Der Körper produziert deshalb mehr rote Blutkörperchen und verbraucht dafür mehr Eisen. Sind die Reserven erschöpft und es steht kein Eisen mehr zur Verfügung, kommt es zu einer Eisenmangelanämie.
Bei vielen Frauen sind die Eisenvorräte schon vor der Schwangerschaft zu niedrig, weil sie durch die Periodenblutungen regelmässig Eisen verlieren. Ausserdem verbrauchen Mehrlingsschwangerschaften noch mehr Eisen und bei Frauen, die schnell aufeinanderfolgend schwanger sind, hat der Körper keine Zeit, die Eisenspeicher aufzufüllen.
Der Körper kann Eisen nicht selber herstellen, es muss über die Nahrung aufgenommen werden. Zwischen 20 bis 30 Milligramm Eisen täglich sind in der Schwangerschaft optimal. Sind die Eisenspeicher allerdings bereits leer, können sie allein durch eisenreiche Ernährung kaum wieder gefüllt werden. Da vor allem rotes Fleisch viel Eisen enthält, haben Frauen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, oft bereits vor der Schwangerschaft zu tiefe Eisenwerte.
Symptome des Eisenmangels in der Schwangerschaft
Da Eisen für diverse Abläufe im Körper verantwortlich ist, kann es zu verschiedenen Symptomen kommen, wenn Eisen fehlt. Die Anzeichen sind leider eher unspezifisch und können fälschlicherweise als Schwangerschaftsbeschwerden interpretiert werden.
Starke Müdigkeit und eine grosse Erschöpfung sind häufig. Viele Frauen fühlen sich abgeschlagen und antriebslos. Äusserlich sind Frauen mit Eisenmangel häufig blass, manchmal sind die Mundwinkel und die Nägel rissig und die Haare spröde.
Gefahren einer Eisenmangelanämie für Mutter und Kind
Gefährlich ist eine Anämie vor allem, weil sie dazu führen kann, dass das Kind zu wenig Sauerstoff bekommt. Dadurch werden das Wachstum des Ungeborenen und die Entwicklung der Plazenta gehemmt und bei einer Eisenmangelanämien ist die Gefahr einer Frühgeburt grösser. Schwangere Frauen mit einer Eisenmangelanämie sind ausserdem infektanfälliger.
Der Eisenbedarf des Babys ist im letzten Schwangerschaftsdrittel am grössten. Ausserdem kommt es bei der Geburt immer zu einem gewissen Blutverlust. Wenn zu diesem Zeitpunkt zu wenig Eisen vorhanden ist, kann dies für die Mutter im Wochenbett schwere Auswirkungen haben:
Müdigkeit und Erschöpfung sowohl körperlich als auch psychisch
Kopfschmerzen und Schwindel
Verminderte Milchproduktion
Erhöhtes Risiko für eine postpartale Depression
Blutwerte bei Eisenmangelanämie in der Schwangerschaft
Im Rahmen der Schwangerschaftskontrollen werden regelmässig Ihre Blutwerte kontrolliert. Ausschlaggebend für die Kontrolle des Eisens ist der Hämoglobinwert (Hb). Die Hämoglobin-Konzentration im Blut gibt Auskunft über die Zahl der roten Blutkörperchen. Ein Hämoglobinwert unter 11 Gramm pro Deziliter (g/dl) Blut im ersten und dritten und unter 10,5 g/dl im mittleren Schwangerschaftsdrittel ist ein Hinweis auf eine bereits gestörte Blutbildung und muss weiter abgeklärt und behandelt werden.
Der Ferritinwert sagt aus, wie es mit dem Bestand der Eisenspeicher aussieht, ein niedriges Ferritin deutet also auf niedrige Eisenreserven hin. Liegt dieser Wert in der Schwangerschaft unter 30 Mikrogramm pro Liter (µg/L) Blut, sind die Eisenspeicher leer und es liegt eine Eisenmangelanämie vor.
Behandlung einer Eisenmangelanämie mit Tabletten
Wenn die Eisenreserven zu Beginn der Schwangerschaft mittels Ferritin-Wert bestimmt werden und bereits zu niedrig sind, empfiehlt es sich, ein Eisenpräparat zu nehmen, um einer Eisenmangelanämie vorzubeugen. In jedem Fall sollte zuerst eine Behandlung mit Eisentabletten erfolgen. Für eine leichte Eisenmangelanämie oder ein Eisenmangel (Ferritinwert unter 30 µg/L) ohne Anämie beträgt die Dosierung 160 bis 200 mg täglich. In gewissen Multivitaminpräparaten für die Schwangerschaft ist meist deutlich weniger Eisen enthalten, sie sind darum für die Eisensubstitution nicht geeignet.
Leider wird diese Behandlung häufig schlecht vertragen, viele Schwangere klagen über Übelkeit, Bauchkrämpfe oder Verstopfung. Die Eisentabletten können zusammen mit oder direkt nach dem Essen eingenommen werden, am besten in zwei Raten. Dies verbessert zumindest die Magenverträglichkeit. Die Aufnahme wird in Kombination mit Vitamin C, zum Beispiel in Orangensaft oder sauren Lebensmitteln wie Tomatensauce verbessert. Hingegen hemmen Kalzium, Zink, Phosphate in Softdrinks wie Cola, Ballaststoffe, Milch, Schwarztee, Koffein oder säurebindende Medikamente die Eisenresorption im Körper.
Durch die Eisentabletten wird sich der Stuhl schwarz färben. Dies ist ganz normal und verursacht durch das überschüssige Eisen, welches der Körper nicht aufnehmen konnte und wieder ausscheidet.
Behandlung einer Eisenmangelanämie mit einer Eiseninfusion
Eine Therapie mit einer Eiseninfusion wird ab dem 2. Trimester in folgenden Fällen empfohlen:
Der Hämoglobinwert steigt trotz Eisentabletten nicht genügend an.
Die Tabletten werden sehr schlecht vertragen.
Die Eisenmangelanämie ist schwer (Hämoglobinwert unter 9 g/dl).
Die Anämie muss schnell behoben werden, zum Beispiel kurz vor der Geburt oder bei einer Placenta praevia.
Eiseninfusionen sind in der Regel gut verträglich und je nach Präparat genügt bereits eine Infusion in der Schwangerschaft.
Eine Eiseninfusion sollte aber nicht ohne vorherigen Versuch der Behandlung mit Eisentabletten verabreicht werden. Die Eiseninfusion in der Schwangerschaft muss denjenigen Frauen vorbehalten sein, welche die Tabletten nicht vertragen oder bei welchen die Eisenaufnahme im Darm ungenügend ist, also wenn der Hämoglobinwert nicht ansteigt.