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Lautlich gibt der Name Jürg wenig her. Er ist kurz und knorrig. Viele Konsonanten und ein einziger, spitzer Vokal. Man kann den Namen Jürg eigentlich nicht rufen, ausser, wenn man ihn vokalisiert. Etwa so: Jüüaag.
Der Name ist ein Bannspruch. Für Sie wahrscheinlich nicht, aber für mich. Er geht mir durch Mark und Bein. Wenn er erschallt, unterbreche ich was immer ich tue und wende mich der rufenden Person zu. – Die Fähigkeit, den eigenen Namens wahrnehmen zu können, ist ein Zeichen von Intelligenz. Katzen können oder wollen ihren Namen nicht wahrnehmen, Hunde können und wollen es. Ein Zeichen noch höherer Intelligenz ist es, den eigenen Namen wahrzunehmen, und trotzdem seine Wirkung als Bannspruch zu ignorieren. Hunde können das.
Ich nicht. Jüüaag.
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Ich bin ein junger Jürg. Der durchschnittliche Jürg ist 68 Jahre alt. Er ist jünger als der durchschnittliche Walter, etwa gleich alt wie der durchschnittliche Rolf oder der durchschnittliche Kurt und älter als der durchschnittliche Thomas. Daniel ist alterslos. Eher jung ist Kevin und extrem jung ist Conchita – als Männername.
Jürg ist ein Schweizer Name. Conrad Ferdinand Meyer schrieb einen Roman über den Bündtner Freiheitskämpfer Georg Jenatsch, den seine Freunde Jörg genannt haben sollen. Der deutsche Verleger wollte, dass Meyer seinen Helden Jürgen nennt, als Konzession ans deutsche Publikum. Der Verleger und der Autor verhandelten lange, und heraus kam ein Kompromiss: Jürg Jenatsch. Soweit die Anekdote.
Aber Jürg ist definitiv ein Schweizer Name. Schon in Vorarlberg oder im Badischen stösst man damit auf Unverständnis. Ich habe zwei solche Schweizer Vornamen, der zweite ist: Beat.
Trotzdem ziehe ich mit meinen zwei Schweizer Vornamen in die weite Welt hinaus. Zum Beispiel nach Amerika, wo ich bedauert werde, denn jerk heisst Idiot oder Trottel (was es als Verb bedeutet, wollen wir hier gar nicht erörtern). Es ist mir ein Trost, dass Johnny Depp trotz seines Namens eine steile Karriere gemacht hat, auch im deutschen Sprachraum.
Kurzbiografie: Jürg Seiberth, *1955, verheiratet, zwei erwachsene Töchter, lebt in Arlesheim (Schweiz). Er war fünfzehn Jahre lang Werbe- und Verkaufsleiter in einem Verlag und in einem Medienunternehmen und ist seit 2000 mit seiner Einzelfirma Text und Media selbständig. Seit 2008 betreibt er zudem gemeinsam mit Helga Seiberth und mit grossem Enthusiasmus das Bed and Breakfast “forgetmenot“. Betätigt sich als Satiriker, schreibt und gestaltet Bücher, verlegt Bücher und hat Ehrenämter in den Bereichen Medien, Pädagogik und Touristik. – www.seiberth.ch