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DIE VERANSTALTUNG WURDE ABGESAGT.
«Berner! Erhaltet das alte historische Museum!», titelte der Tages-Anzeiger am Samstag, 9. Juli 1904 und rief dazu auf, «die schönste Architekturperle Berns» vor dem Verschwinden zu retten. Gemeint war damit die ehemalige Bibliotheksgalerie mit ihrer harmonischen Barockfassade, die Niklaus Sprüngli in den Jahren 1771–1776 erbaut hatte. Erfahren Sie auf einem Spaziergang durchs Kirchenfeldquartier, wohin die «Perle» gerollt ist, und lernen Sie ein frühes Beispiel von «Upcycling» kennen.
Die Bibliotheksgalerie war ursprünglich als Erweiterungsbau zur alten Hochschule konzipiert. Die im Westflügel der Hochschule untergebrachte Bibliothek erhielt dank der neuen Galerie einen direkten und prominenten Zugang von der Hotelgasse her. Zugleich wurden Platzprobleme behoben und angemessene Präsentationsmöglichkeiten für die Bildersammlung geschaffen. Jedoch erwies sich das Gebäude als unpraktisch, sodass die Räumlichkeiten umgenutzt und von 1813–1894 dem Historischen Museum überlassen wurden.
In den Jahren 1906–1909 wurde anstelle der alten Hochschule das heutige Casino erbaut. Gleichzeitig entstand der Casinoplatz als verbesserte Zufahrt zur Kirchenfeldbrücke. Während die Hauptwache, ein weiteres bedeutendes Werk Sprünglis, erhalten blieb, musste die Bibliotheksgalerie weichen. Der Aufruf des Tages-Anzeigers war insofern erfolgreich, als dass die Fassade 1908 so abgetragen wurde, dass die Bauteile später wiederverwendet werden konnten.
Das im Eidgenössischen Archiv für Denkmalpflege einsehbare Archiv des Architekten Henry Berthold von Fischer dokumentiert ausführlich den Wiederaufbau der Bibliotheksfassade am Thunplatz und deren Umnutzung zum Brunnenmonument. Von Fischer schuf mit dem sogenannten Wasserschloss ein neubarockes Kernstück für das umliegende Villenquartier, zudem einen markanten Abschluss der Blickachse vom Helvetiaplatz zum Thunplatz und schliesslich ein Denkmal zu Ehren des von ihm bewunderten Niklaus Sprüngli.