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Umgang mit den Kunstbauten der RHB
Der Wert der Kunstbauten der Rhätischen Bahn liegt nicht allein im Einzelobjekt sondern auch im jeweiligen Zusammenspiel der Bauwerke untereinander und in deren Beziehung zur übergeordneten Linienführung. Der Entscheid, die Kunstbauten der nach 1900 erstellten Bahnanlagen wo immer möglich in Stein zu errichten, hatte sowohl technische als auch ökonomische und architektonische Gründe. Die geglückte Synthese scheinbar gegensätzlicher Elemente in der Verkehrserschliessung einer touristisch bedeutenden Landschaft war neu und führte bei einer dem technischen Fortschritt gegenüber grundsätzlich kritisch eingestellten Öffentlichkeit zu einer grundlegend veränderten Haltung gegenüber Verkehrsanlagen. Unerhört war die begeisterte Rezeption der hier diskutierten Bahnbauten durch die Heimatschutzbewegung, bemerkenswert auch ihre Ausstrahlung auf weitere Anlagen vor dem ersten Weltkrieg. Beweis für die hohe Qualität der Kunstbauten ist auch, dass ihr grösster Teil noch heute praktisch unverändert dem Bahnbetrieb dient.
Im Brückenbau der Albulabahn, der Oberländer Linie, der Strecken Davos-Filisur wie auch Bever-Scuol, nebst den Anlagen der ursprünglich selbständigen Chur-Arosa- und Berninabahn verweist nicht nur die Präferenz für den Stein auf die nationalromantische Architekturbewegung, auch in der Detailgestaltung zeigen sich Affinitäten hierzu.
Sätze wie «sie suchen die Wirkung der aufgetürmten Massen und des unverhüllten Stoffes […] Lieber nackte Wände als Fassaden im Kulissenstil, nur da reiche und zarte Details, wo es sein soll, auf bezeichnenden Stellen als Kontrast zu grossen Flächen», die J.J.Tikkanen in der Schweizerischen Bauzeitung von 1906 mit Blick auf den Hauptbahnhof von Helsinki äusserte, lesen sich wie ein Programm zur Gestaltung der steinernen Viadukte der hier aufgeführten Bahnlinien. Darin liegt der Schlüssel zum ungewöhnlich starken formalen Bezug des damaligen Brückenbaus zur gleichzeitigen Bündner Architektur, auch wird damit die Bedeutung des oberen Abschlusses der Viadukte mit den Abdeckplatten und Konsolen unterstrichen, die auch als ornamental wirkendes «reiches und zartes Detail» gelesen werden können.
Hundert Jahre lang haben sich die steinernen Viadukte gut gehalten, sofern der Baugrund sich nicht allzustark bewegte. Heute ist die Abdichtung der Gewölbe meist nicht mehr intakt und es treten Frostschäden auf. Die Instandsetzung der steinernen Viadukte unter Wahrung ihrer architektonischen Eigenart bedeutet eine grosse Herausforderung für die kommende Zeit.
Unser Büro erarbeitete zusammen mit den zuständigen Fachstellen der Rhätischen Bahn und der kantonalen Denkmalpflege mögliche Grundsätze für einen technisch und architektonisch langfristig gültigen Umgang mit diesen Kunstbauten.