Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03588.jsonl.gz/1415

Der Weg, welchen der
Körper von A bis D zurücklegt, ist eigentlich bogenförmig gekrümmt, fällt aber
um so genauer mit der geraden Verbindungslinie AD zusammen, während eines je kleinern Zeitraums man die
Bewegung betrachtet.
Nimmt man daher diesen Zeitraum hinlänglich klein an (und man kann ihn sich ja so klein denken, als man immer
will), so darf der Weg von A bis D als geradlinig angesehen werden. Während eines zweiten gleichgroßen Zeitteilchens würde
der
Körper vermöge seiner
Trägheit unter Beibehaltung seiner in D vorhandenen
Richtung und
Geschwindigkeit die
Strecke DE zurücklegen,
welche gleich AD ist, wenn er nicht durch die von D nach O hin wirkende Zentralkraft von der
LinieDE um
die
Strecke DF abgezogen und nach dem Eckpunkt G des
Parallelogramms DEGF zu gehen genötigt würde, welche er auf dem Weg
DG erreicht.
Ebenso wird er während des dritten gleichgroßen Zeitteilchens, statt die mit DG gleiche und gleichgerichtete
Strecke GH
infolge seiner
Trägheit zu durchlaufen, nach dem Eckpunkt K des
Parallelogramms GHKJ gelangen etc. Der
Körper durchläuft also unter dem Einfluß der ihn unausgesetzt nach dem
Zentrum O hinziehenden Zentralkraft die krummlinige
Bahn ADGK, welcher die gebrochene
Linie ADGK um so näher kommt, je kleiner die der Betrachtung zu
Grunde gelegten Zeitteilchen
angenommen werden.
Während der
Körper von A nach D übergeht, durchstreicht sein
Leitstrahl den Flächenraum AOD, beim Übergang von D nach
G den Flächenraum DOG etc. Diese Flächenräume, welche eigentlich von den krummlinigen Bahnstücken
AD,
DG etc. begrenzt sind, unterscheiden sich von den
Dreiecken AOD, DOG etc. um so weniger, je kleiner die zugehörigen gleichen
Zeitteilchen sind. Man erkennt nun leicht, daß die
Dreiecke AOD und DOG, weil sie beide dem
Dreieck
[* 4] DOE
an Flächeninhalt gleich sind, auch unter sich flächengleich sind, und so überhaupt jedes folgende
Dreieck mit dem vorhergehenden.
Es ergibt sich also der folgende
Satz: bei jeder Zentralbewegung beschreibt der
Leitstrahl in gleichen
Zeiten gleiche Flächenräume. Dieses
allgemeinste
Gesetz der Zentralbewegung heißt das
»Prinzip der
Erhaltung derFlächen«.
fürdasdeutsche Reich, ein seit 1873 in
Berlin
[* 5] erscheinendes amtliches Wochenblatt zur Veröffentlichung
aller Ausführungsbestimmungen
(Verordnungen,
Reglements, Bekanntmachungen), welche im Anschluß an die Reichsgesetzgebung
ergehen.
In dem Zentralblatt, welches vom
Reichsamt des Innern herausgegeben wird, werden auch statistische Mitteilungen, Einzelentscheidungen,
Ernennungen u. dgl. veröffentlicht.
welchem die gesamte Staatsthätigkeit von einem Haupt ausgeht, welches von einer Stelle aus das Ganze wie das Einzelne leitet,
während die Dezentralisation für die einzelnen Glieder und Teile des Staatsganzen eine möglichste Selbständigkeit in Anspruch
nimmt. Die Zentralisation ist wesentlich das System der absoluten Monarchie; sie gipfelt in dem bekannten Ausspruch,
welchen man dem König Ludwig XIV. von Frankreich in den Mund legt: »Der Staat bin ich«. Auch unter Napoleon III. war das Zentralisationssystem
in Frankreich möglichst ausgebildet.
Die konstitutionelle Monarchie ist dem Dezentralisationssystem günstiger; doch besteht bei einer zu weit gehenden Dezentralisation
die Gefahr, daß die Staatseinheit zerbröckelt und die Macht des Staats geschwächt wird. In einem zusammengesetzten
Staatswesen, wie in dem DeutschenReich, stellt der Gesamtstaat mit seiner Zentralgewalt die Zentralisation dar, während das Fortbestehen
der Einzelstaaten mit einer gewissen Selbständigkeit eine Dezentralisation bedeutet.
Gleichwohl darf aber auch das Prinzip der gesetzgeberischen Uniformität nicht auf die Spitze getrieben werden.
Denn es gibt Stammeseigentümlichkeiten, geographische Eigenartigkeiten, lokale Lebensverhältnisse und Lebensbedürfnisse
einzelner Bevölkerungsklassen, welche besondere Berücksichtigung verdienen. Darum ist neben der Einheitlichkeit der Gesetzgebung
im großen doch eine gewisse Autonomie (s. d.) im einzelnen nicht zu verwerfen. Dagegen ist in der auswärtigen
Politik möglichste Zentralisation erforderlich.