Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03225.jsonl.gz/1191

Bild: Frau Yukiko Kada tauscht sich im Biohof Schüpfenried über die Alternativen bei Stromproduktion und Landwirtschaft aus
Die vormalige Gouverneurin der japanischen Präfektur Shiga (1.4 Mio. Einwohner) ist Gründerin der „Zukunftspartei“ und eine massgebliche Persönlichkeit in der japanischen Bewegung für einen Atomausstieg. Vor zwei Wochen hat sie die Schweiz besucht und wollte sich über die hiesigen Atomkraftwerke, aber auch über die Energiewende informieren.
Die Fachjournalistin Frau Takigawa-Wassmann vermittelte ein Treffen mit mir, um Frau Kada das AKW Mühleberg vor Ort zu zeigen und die besonderen Sicherheitsprobleme und Gefährdungssituationen zu erklären.
Nur acht Kilometer vor Bern
Zusammen von Bern aus anreisend, konnte Frau Kada es zuerst kaum fassen, dass in der Schweiz ein AKW nur acht Kilometer vor dem Siedlungsgebiet der Hauptstadt gebaut werden konnte. Sie erklärte mir, wie Sie nach Fukushima als Gouverneurin hätte Evakuationspläne für die 30-Kilometer-Zone erarbeiten sollen. Obwohl dort „nur“ 60’000 Einwohner lebten, sei das geordnet schlicht unmöglich. Sie erzählte mir von den Problemen, Altersheime und Krankenhäuser zu evakuieren, von den vielen Opfern der Evakuation bei Fukushima.
Als ich ihr von den 850’000 Einwohnern der 30-Kilometer-Zone um Mühleberg erzählte, drückte sie ihr tiefes Unverständnis dafür aus, dass man dieses Risiko überhaupt noch eingehe, zumal es erst noch um eine kleine Menge elektrischen Stroms gehe (in Ihrer Präfektur geht es um nicht weniger als 14 derzeit abgeschaltete Reaktoren, die das Trinkwasser-Reservoir Biwa-See gefährden).
Tsunami oder Staumauerbruch
Das mit den Fukushima-Daiichi-Reaktoren baugleiche Alt-AKW liegt bekanntlich nur eine Aareschlaufe unter der Wohlensee-Staumauer. Ich habe Frau Kada von den Unregelmässigkeiten beim Erdbebennachweis erzählt, dass das AKW bei einem Bruch der Mauer von einer 5-Meter-Flutwelle (über Geländeniveau) erfasst würde, ein Vergleich mit der ungefähr gleich hohen Tsunamiwelle in Fukushima liege allzu nahe. Sie ist gut über die Risiken von Staumauern informiert, hat die Katastrophe der italienischen Vajont-Staumauer (1963) erwähnt und von ihrem Engagement gegen umstrittene Stausee-Projekte in ihrer Präfektur erzählt.
Sie hat mir erklärt, wie das AKW Mühleberg mehrmals in Japan im Fernsehen präsentiert worden sei. Dass man dort vom Schweizer Atomausstieg gesprochen habe, aber nie davon, dass das AKW so nah an der Hauptstadt und unterhalb einer Staumauer liege und trotzdem weiter laufen dürfe. Das wisse man im Ausland nicht!
Bild: Erklärungen vor dem AKW Mühleberg. Foto: K. Takigawa-Wassmann
Ich habe Frau Kada vor Ort eine Kurzfassung meines Vortrages „Fukushima – Mühleberg: Sicherheit in Theorie und Praxis“ präsentiert, wo ich darstelle, wie das AKW Mühleberg auf sämtlichen Sicherheitsebeben noch viel schlechter da steht, als die Fukushima-Daiichi-Anlagen. Dass die wichtigsten Lektionen aus Japan leider nicht gelernt werden, in der Schweiz.
Präsentation (Englisch):
Zukunft: Neue Erneuerbare
Anschliessend durfte ich Frau Kada weiter auf Ihrer Exkursion begleiten. Unter der Leitung von Herr und Frau Takigawa-Wassmann haben wir sehr interessante Beispiele der neuen erneuerbaren Stromproduktion gesehen. Landwirte, die auch Energiewirte sind. So auf dem Biohof Schüpfenried mit seinem Solarkraftwerk für 65 Haushalte (und übrigens vielen anderen interessanten Projekten und Visionen).
Bild: Solarzentrum Schüpfenried – Strom für 65 Haushalte. Quelle: Biohof Schüpfenried