Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03614.jsonl.gz/1324

Mit Barça haben sie das Triple gewonnen, jetzt sind sie erbitterte Kontrahenten. Lionel Messi und Neymar wollen ihre Nation an der Copa America zum Titel führen. Nicht mitmischen darf Luis Suarez, der wegen seiner WM-Bissattacke noch immer gesperrt ist.
In der Nacht auf Freitag wird in Chile die 44. Copa America eröffnet. Champions-League-Sieger Lionel Messi unternimmt den nächsten Versuch, um WM-Finalist Argentinien beim Kontinental-Turnier der Südamerikaner den ersten Titelgewinn seit 1993 zu bescheren.
Vor vier Jahren, im eigenen Land, waren die Argentinier in den Viertelfinals im Penaltyschiessen am späteren Turniersieger Uruguay gescheitert, 2007 hatten sie eine schmerzliche 0:3-Finalniederlage gegen den Erzrivalen Brasilien erlitten. 2004, als Lionel Messi noch nicht zum Aufgebot gehört hatte, mussten sich die «Gauchos» im Endspiel gegen Brasilien erst im Penaltyschiessen geschlagen geben.
Nun scheint die Ausgangslage günstig, dass Argentinien Verpasstes nachholen kann. Trainer Gerardo Martino, der nach Platz 2 an der WM in Brasilien Alejandro Sabella abgelöst hat, steht ein hochkarätiges Kader zur Verfügung. Die Offensive mit Messi, Carlos Tevez, Roberto Pereyra (alles Champions-League-Finalisten), Angel di Maria, Gonzalo Higuain, Sergio Agüero und Ezequiel Lavezzi lässt kaum Wünsche offen.
In Argentinien hoffen sie, dass die Geschichte ein gutes Omen für sie ist. Auch 1991 war die «Albiceleste» ein Jahr nach einem verlorenen WM-Final an eine Copa America ins Nachbarland Chile gereist, und damals resultierte der Turniersieg. Zwei Jahre später holten die Argentinier in Ecuador ihren bis dato letzten Kontinental-Titel.
Auch bei dieser Austragung wird Brasilien zu den schärfsten Konkurrenten Argentiniens zählen. Dies, obwohl die «Seleçao» an der Heim-WM 2014 in der Endphase gedemütigt worden war. Der Rekord-Weltmeister hat sich gut von den damaligen Schlappen gegen Deutschland (1:7 im Halbfinal) und Holland (0:3 im Spiel um Platz 3) erholt.
Trainer Carlos Dunga, der Nachfolger von Luiz Felipe Scolari, feierte in den ersten zehn Spielen seit seiner Rückkehr zehn Siege bei nur zwei Gegentoren! Angeführt wird das brasilianische Team von Neymar. Nicht dabei sind aus gesundheitlichen Gründen Marcelo (Real Madrid), Luiz Gustavo (Wolfsburg) und Oscar (Chelsea).
Uruguay ist bei der Copa America Titelverteidiger und Rekord-Champion. Ein Coup wie 2011 ist diesmal aber nicht zwingend zu erwarten. So muss Trainer Oscar Tabarez auf seinen Star-Stürmer Luis Suarez verzichten, der wegen seiner Biss-Attacke an der WM gegen Italiens Giorgio Chiellini gesperrt ist. Zudem hat sich in den letzten vier Jahren einiges verändert.
Diego Forlan, der beste Spieler der WM 2010, ist aus dem Nationalteam zurückgetreten. Und der ebenfalls in die Jahre gekommene Ex-Captain Diego Lugano – mittlerweile für BK Häcken in Schweden tätig – ist nach Verletzung und Vereinslosigkeit ein gutes Stück von der Form seiner besten Tage entfernt. Uruguays grosser Hoffnungsträger ist PSG-Stürmer Edinson Cavani, «El Matador».
Eine gute Rolle möchte auch der Gastgeber spielen. Chile, das an der letzten WM Brasilien in den Achtelfinals an den Rand einer Niederlage gedrängt hat, will den Bann brechen und erstmals bei einer Copa America den Titel davontragen. Teil der Equipe ist auch der Ex-Basler Marcelo Diaz, der mit seinem Freistoss-Tor in der Bundesliga-Barrage den HSV vor dem Abstieg bewahrt hat.
Die Schweizer Super League ist nur durch einen Mann an der Copa America vertreten. Derlis Gonzalez vom FC Basel ist wie der hierzulande bestens bekannte Raul Bobadilla (Augsburg) einer der Stürmer Paraguays. Zum Unmut seines Klub-Trainers Paulo Sousa musste Gonzalez schon vor zwei Wochen ins Nati-Kader einrücken. Er verpasste deswegen den Cupfinal gegen Sion.
Paraguay war 2011 immerhin Endspiel-Teilnehmer bei der Copa. Nach dem Abgang von Trainer Gerardo Martino fiel das Team aber in eine böse Krise. In der Qualifikation für die WM 2014 kam man in der CONMEBOL-Zone nicht über den letzten Platz hinaus.
Alexander Gonzalez, in den vergangenen Monaten von den Young Boys an Thun ausgeliehen, hätte Venezuela verstärken sollen. Er fiel aber in letzter Sekunde wegen einer Verletzung aus dem Kader.
Unter den Gästen, die jeweils das Teilnehmer-Feld der Copa America komplettieren, befindet sich diesmal ein Neuling. Neben Mexiko wurde Jamaika eingeladen. Trainer der debütierenden «Reggae Boyz» ist der Deutsche Winfried Schäfer. (pre/si)