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Nachlass Veit Wyler
Nach der Begnadigung David Frankfurters im Juni 1945: (v.l.) Rabbiner Eugen Messinger, Veit Wyler, David Frankfurter, Georges Brunschvig und Paul Schmid-Ammann
Mit dem knapp 7 Laufmeter umfassenden Bestand von Veit Wyler verfügt das Archiv für Zeitgeschichte über den Nachlass einer herausragenden Persönlichkeit des schweizerischen Judentums.
Wyler wurde 1908 im aargauischen Baden geboren und studierte Jurisprudenz in Zürich, Wien, Hamburg und Leipzig, wo er 1930 promovierte. Nach mehrjähriger Tätigkeit in der Anwaltskanzlei von Wladimir Rosenbaum in Zürich eröffnete Wyler 1935 seine eigene Anwaltskanzlei, die er bis ins hohe Alter führte. Wylers Biografie ist im Nachlass umfassend dokumentiert, unter anderem anhand seiner eigenen ausführlichen Lebensberichte. Hier finden sich auch Unterlagen zur Familiengeschichte, v.a. zum Vater Louis Wyler, die dessen eigenen Nachlass im Archiv für Zeitgeschichte ergänzen.
Engagement als Anwalt
Auf dem Hintergrund des brisanten politischen Klimas der 1930er Jahre übernahm Wyler bereits früh bedeutende Mandate. 1935 verteidigte er den deutschen Kommunisten Heinz Neumann, der auf Antrag der Zürcher Staatsanwaltschaft an die Nationalsozialisten ausgeliefert werden sollte. 1936 übernahm er zusammen mit Eugen Curti die Verteidigung des Studenten David Frankfurter, der in Davos den nationalsozialistischen Landesgruppenleiter Wilhelm Gustloff erschossen hatte. Die Dokumentation des Prozesses um David Frankfurter vor dem Strafgericht in Chur ist praktisch vollständig erhalten. Darunter befindet sich auch die Korrespondenz zwischen Wyler und Frankfurter während Frankfurters Gefängnisaufenthalt sowie zu Wylers Bemühungen, diesem nach der Begnadigung 1945 zu einer Ausreisemöglichkeit zu verhelfen.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung setzte sich Wyler unermüdlich und couragiert für Verfolgte und Vertriebene ein und rettete zahlreiche Menschenleben, indem er Pässe und Visa für die Aus- und Weiterwanderung organisierte und die Belange der Flüchtlinge vor den Schweizer Behörden vertrat. Grundsätzlich stand Wyler offen und vehement für eine humane Schweizer Flüchtlingspolitik ein. Hierzu liegt umfangreiche Korrespondenz liegt vor, u.a. mit Flüchtlingen und Behörden über die Beschaffung von Visa, über Einreise und Aufenthalt in der Schweiz, sowie zu Wiedergutmachung und erblosen Vermögen.
Zionistische Tätigkeit
Ein zweiter ausgedehnter, im Nachlass jedoch nur lückenhaft überlieferter Quellenkomplex betrifft Wylers zionistisches Wirken. In der Überzeugung, dass nur ein eigener Staat den Juden dauerhaft Sicherheit verschaffen könne, engagierte sich Wyler bereits früh als Zionist. Mit seiner Tätigkeit in verschiedenen zionistischen Organisationen, z.B. als Präsident des Schweizerischen Zionistenverbandes und des Keren Hajessod, trug er aktiv zum Aufbau Israels bei und blieb zeitlebens Förderer der Wirtschaft und Wissenschaft im jungen Staat. 1948 gründete Wyler darüber hinaus "Das Neue Israel", eine Monatszeitschrift mit politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beiträgen v.a. aus Israel, die er zusammen mit seiner Frau Katja während fast 40 Jahren herausgab.
Gleichzeitig blieb Wyler aber auch dem Schweizer Judentum, zum Beispiel in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) und im Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG), aufs Engste verbunden.