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Russlands Nuklearkonzern Rosatom hat den Termin für die Bergung des U-Bootes K-159 für2030 bekannt gegeben. Bis zu diesem Datum soll auch das Wrack der K-27, ein 1982 in der Karasee versenktes U-Boot, geborgen werden.
Seit diesem Frühjahr hat Russland den Vorsitz des Arktischen Rates übernommen. Nun endlich wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, die gefährlichen nuklearen Überreste vom Meeresboden zu bergen. Russland hat sich auch in mehreren internationalen Foren aktiv für die Beseitigung von Atommüll in seinen nördlichen Regionen eingesetzt.
U-Boot K-27
Das U-Boot K-27 wurde 1958 in Sewerodwinsk auf Kiel gelegt. Dabei handelte es sich um ein Versuchsboot, das zwei flüssigmetallgekühlte Reaktoren statt der normalen Druckwasserreaktoren hatte. Es war zur Erprobung des neuen Typs von Kernreaktoren vorgesehen und seine Konstruktion lief unter starkem Termindruck ab. Die K-27 lief 1962 vom Stapel, seine Indienststellung fand Ende Oktober 1963 statt.
In den Jahren 1966-1967 wurde das U-Boot wegen Problemen mit den Reaktoren mehrmals repariert. Am 24. Mai 1968 ereignete sich während der Tests ein Reaktorunfall, bei dem die Besatzung einer großen Strahlendosis ausgesetzt wurde, wobei neun Matrosen an der Strahlenkrankheit starben. 1979 wurde das Boot aus der Marine ausgemustert und 1982 in der Stepovogo-Bucht, mit seinen beiden abgebrannten, mit Kernbrennstoff gefüllten Reaktoren vor der Küste von Nowaja Semlja in einer Tiefe von etwa 30 Metern, versenkt.
Das U-Boot K-159 wurde 1963 von der Marine in Dienst gestellt und am 30. Mai 1989 aus der Flotte ausgemustert. Insgesamt legte es während seines Dienstes mehr als 212’000 Seemeilen zurück.
Ohne weitere Maßnahmen wurde das U-Boot in der Marinebasis Gremicha, an der Ostküste der Kola-Halbinsel, verankert. Selbst die Kernbrennstoffe wurden nicht entfernt.
Da sich das U-Boot K-159 in schlechtem Zustand befand, sollte es zur Nerpa-Werft zur Entsorgung geschleppt werden. Das Vorhaben misslang. Nun liegt es in der Nähe der Insel Kildin in einer Tiefe von 239 Meter auf dem Grund der Barentssee. Beim missglückten Abschleppmanöver gingen sieben Mann der Besatzung unter, zwei weitere wurden tot geborgen, ein Seemann überlebte.
Forscher haben das Wrack seitdem überwacht, weil sie befürchteten, dass Radioaktivität aus den beiden alten Kernreaktoren an Bord die Fischgründe in der Barentssee kontaminieren könnte. Eine gemeinsame norwegisch-russische Expedition untersuchte den Standort 2014 und kam zu dem Schluss, dass bisher keine Substanzen aus den Reaktoren in die umgebenden Gewässer ausgetreten sind, obwohl sich noch immer 800 kg Kernbrennstoff an Bord befinden.
Heute stellt die K-159 das größte Risiko für die kommerzielle Fischerei dar. Das rostende Wrack liegt in einem der wichtigsten Fischgründe der Barentssee.
Aus den Augen – aus dem Sinn
Während der Mentalität zu Sowjetzeiten „aus den Augen – aus dem Sinn“ schien die Karasee logisch. Die meiste Zeit des Jahres war dieses Gebiet eisbedeckt und es gab auch keine kommerziellen Aktivitäten. So wurde der östliche Teil von Nowaja Semlja die Müllkippe für atomare Abfälle.
Neben dem kompletten U-Boot K-27 liegen noch die Reaktoren der U-Boote K-11, K-19 und K-140 und der abgebrannte Uranbrennstoff aus einem der alten Reaktoren des Eisbrechers Lenin auf dem Grund der Karasee.
Der Katalog der von den Sowjets auf See gekippten Abfälle umfasst laut Bellona-Dokumenten etwa 17’000 Container mit radioaktiven Abfällen, 19 Schiffe mit radioaktiven Abfällen, 14 Kernreaktoren, darunter fünf, die noch abgebrannte Kernbrennstoffe enthalten, und 735 weitere radioaktiv verseuchte schwere Maschinen.
Der Rückgang des Meereises, die Bohrungen nach Öl und Gas, sowie die zunehmende Schifffahrt brachten nun endlich ein Umdenken.
Schwierige Bergung
Zuerst muss sichergestellt werden, dass die U-Boote beim Hebevorgang nicht undicht werden oder auseinanderbrechen.
Ein Atom-U-Boot vom Meeresboden zu heben ist nichts Neues. Es ist schwierig, aber machbar. Am 8. Oktober 2001 gelang es den niederländischen Firmen Mammoet und Smit Internationale das verunglückte U-Boot «Kursk» aus der Barentssee zu heben.
Mit Hilfe eines Pontons schleppte der Hochseeschlepper Singapur die Kursk in den Hafen von Rosljakowo. Dort wurde die Kursk in ein Schwimmdock gebracht und abgewrackt. Der Turm der «Kursk» wurde abgetrennt und steht heute als Mahnmal in Murmansk.
Laut den Ergebnissen einer von ausländischen Partnern durchgeführten Machbarkeitsstudie betragen die Kosten für das Heben der beiden U-Boote K-27 und K-279 „rund 300 Millionen Euro.
Die Europäische Union hat bereits angedeutet, dass aufgrund der Verantwortung, die Russland aus dem Erbe der Sowjetunion trägt, die Hälfte der Kosten von russischer Seite getragen werden muss, die andere Hälfte dann von den internationalen Partnern.
Heiner Kubny, PolarJournal