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| Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe

LXXX. (Mauriner-Ausgabe Nr. 263)
3.
Einer von denen, die uns vielen Kummer bereiten, ist Eustathius von Sebaste in Kleinarmenien. Er war [S. 316] einst ein Schüler des Arius, und als dieser in Alexandrien auf dem Höhepunkte stand und verruchte Lästerungen gegen den Eingebornen zusammenstellte, hing er ihm an und galt als einer seiner getreuesten Schüler. Kaum aber war er in seine Heimat zurückgekehrt, da überreichte er dem hochseligen Bischof Hermogenes von Cäsarea, der ihn wegen seiner Irrlehre zur Rechenschaft zog, ein Bekenntnis des gesunden Glaubens. So erhielt er von ihm die Handauflegung, lief aber nach dessen Hinscheiden zu Eusebius von Konstantinopel1 über2, der gleichfalls so eifrig wie jener für die gottlose Lehre des Arius einstand. Hernach wurde er von dort aus irgendwelchen Ursachen vertrieben, kehrte zu seinen Landsleuten zurück und rechtfertigte sich wieder, indem er seine gottlose Gesinnung verbarg und in seinen Reden Rechtgläubigkeit heuchelte. Nachdem er zufällig zum Episkopat gelangt war, erschien er sofort wieder als der Mann, der auf der von ihnen veranstalteten Synode zu Ankyra eine Verdammungsschrift über das „Wesensgleich” (ὁμοουσίου) verfaßte3. Von da kam er nach Seleucia4 und tat mit seinen Gesinnungsgenossen, was alle wissen5. In Konstantinopel6 aber stimmte er wieder dem von den Häretikern vorgelegten Bekenntnis bei. Und so ersann er sich, seines Episkopates bereits verlustig gegangen, weil er zuvor schon in Melitene abgesetzt worden war7, einen Weg zur Wiedereinsetzung, nämlich den Weg zu Euch. Was ihm aber vom hochseligen [S. 317] Bischöfe Liberius vorgelegt wurde, und was das war, dem er beipflichtete, wissen wir nicht. Nur das wissen wir, daß er einen Brief mitbrachte, der ihn wieder einsetzte, und nach dessen Vorweis auf der Synode zu Tyana8 er seine frühere Würde wieder erlangte. Dieser nun zerstört jenen Glauben, auf Grund dessen er auf genommen wurde, ist eins mit denen, die das „wesensgleich” verwerfen, und ist Haupt der Sekte der Pneumatomachen. Weil ihm nun von dorther die Macht gekommen ist, die Kirchen zu mißhandeln, und weil er das von Euch ihm geschenkte Vertrauen zum Ruin des Volkes mißbraucht, so ist es notwendig, daß von dorther auch Abhilfe komme, und den Kirchen schriftlich angezeigt werde, unter welchen Bedingungen er aufgenommen wurde, wie er aber, jetzt umgefallen, die ihm von den damaligen Vätern erwiesene Gunst verscherzt.
1: Eusebius, früher Bischof von Nikomedien, kam 339 nach Konstantinopel
2: Eustathius war wohl im Jahre 340 bei Eusebius
3: Die Synode von Ankyra fand vor Ostern 358 statt und verwarf tatsächlich das ὁμοουσίος (vgl. das Synodalschreiben bei Epiphanius adv. haer. 73,11)
4: Die Synode von Seleucia fand Herbst 359 statt (Loofs, Arianismus, Realencyklopädie für prot. Theol. und Kirche II 36, 42 ff)
5: Eustathius opponierte auf Seite des Basilius von Ankyra den arianischen Akacianern
6: diese Synode tagte 360
7: Die Synode von Melitene fand wohl im Jahre 358 statt. Darüber s. Loofs, Eustathius von Sebaste, Halle 1898, S. 90 ff.
8: abgehalten im Jahre 367