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Mein Kommentar zum Vortrag von Srila Narayana Maharaja
Aus einem Diskussionsbeitrag vom 19. Mai 2002
Ich werde einige Sätze aus dem Vortrag von Bhaktivedanta Narayana M. zitieren, zu denen ich ein paar Gedanken formulieren möchte.
Narayana M.:
Ihr solltet eines wissen. ISKCON wurde als erstes von
Catur-Mukha (vierköpfig) Brahma gegründet. Er ist
unser erster Guru. Er ist der ursprüngliche
Gründeracharya von ISKCON und seine Schüler wie
Sanaka, Sananda, Sanatana, Sanata-Kumara und Narada
sind echte ISKCON Prediger. Nach ihnen, besonders im
Kali Yuga kamen noch mehr wie Madhvacarya, Ramanuja,
Visnuswami, Nimbaditya und so viele andere.
Im ersten Augenblick dachte ich: „Toll, ein wirklich breit gefasstes Verständnis von ISKCON“. Das stimmt natürlich irgendwo schon. Doch die Gründung von ISKCON diente lediglich der Lösung von organisatorischen Zwängen (z.B. beim Kauf von Häusern, dem Eröffnen von Bankkonten usw.), welche das Predigen in der westlichen Welt ganz natürlich mit sich brachte, und davon wurde Srila Prabhupada von seinen westlichen Schülern überzeugt. So ergab sich der Name ISKCON «International Society for Krishna Consciousness» (Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein). Es handelt sich also um eine nach amerikanischem Recht eingetragene Gesellschaft oder Institution, welche die geistige Strömung des Krishna-Bewusstseins propagiert. Andere Formen von Organisation, wie das Krishna-Bewusstsein den Menschen näher gebracht werden kann, gab es bereits unter vielen Namen, wovon einige von Bhaktivedanta Narayana M. selbst aufgeführt werden.
Das Gründen von Vaishnava-Organisationen dient also immer der Verbreitung der geistigen Strömung. Es ist also diese geistige Strömung die genauso anfangslos ist, wie Sri Chaitanya Mahaprabhu und Radha-Krishna selbst anfangslos sind.
Zahllose Universen kommen und gehen, während Mahavishnu ausatmet und einatmet. Unzählige Brahmas erscheinen bei jedem Atemzug Mahavisnus. Wir können es uns nicht mal vorstellen, seit welch unvordenklichen Zeiten Mahavishnu aus- und einatmet.
Unser Brahma hat sicherlich keine Organisation im Sinne von ISKCON oder Gaudiya Vedanta Samiti usw. gegründet, er begründete eine Schülernachfolgelinie, welche nichts mit einem organisierten Verwaltungsapparat zu tun hat, sondern wieder von neuem die uralte, zeitlose Strömung der Bhakti zu Krishna und den vielen Formen Vishnus in dieses Universum fließen ließ.
Diese unfassbare zeitliche Weite sollten wir ansatzweise unserem geistigen Auge vorhalten, wenn es um die rein geistige Strömung oder Bewegung des Krsna-Bewusstseins (inkl. die Visnu-Bhakti) geht.
Ergänzende Bemerkung vom 29.10.2011:
Der Satz „Nach ihnen, besonders im Kali-Yuga…„, entbehrt natürlich auch jeder Grundlage. Nach Narada und den vier Kumaras, die übrigens ihre eigene Sampradaya gegründet haben, ist Krishna bereits an jedem nachfolgenden Tag von Brahma erschienen. Jeder Tag Brahmas bringt 1’000 Kali-Yugas, aber ebenso jeweils 1’000 Satya-, Treta- und Dwapara-Yugas. In all diesen zeitlich unüberblickbaren Yugas erscheinen großartige Gottgeweihte und unzählige Avatars, die wieder im Strom der Zeit aus unserer gegenwärtigen Wahrnehmung verschwinden. Bereits nach einem weiteren Tag Brahmas, auf einer anderen zukünftigen Erde, wird Krishna und Chaitanya Mahaprabhu wieder erscheinen und wer weiß, welche Seelen sich dann noch an das gegenwärtige Kali-Yuga erinnern werden.
„Nach ihnen“ sind schon x-Hunderttausende von Yuga-Zyklen vergangen und es ist müßig im besonderen auf das gegenwärtige Kali-Yuga zu verweisen, welches nur ein winziger Punkt auf einer langen Zeitlinie darstellt, in welcher Radha-Krishna und Nityananda-Gauranga schon Tausende von Malen ihre Spiele vollführt haben, um den gefallenen Seelen ihren Segen zu schenken.
Narayana M.:
Zu Zeiten Srila Bhaktisiddhanta Sarasvati Goswami
Thakuras war Srila Sarasvati der Präsident von ISKCON.
Obige Ausführungen vor Augen haltend, ist dieser Satz und weitere damit zusammenhängende Ausführungen von Bhaktivedanta Narayana M. für mich völlig unverständlich, ja völlig unlogisch. Einerseits spricht er von ISKCON wie von einer geistigen Strömung und gleichzeitig – wie in diesem Satz und weiteren Ausführungen – ganz klar im Sinne einer Institution.
Die geistige Strömung des Krishna-Bewusstseins kennt keine Präsidenten, sondern idealerweise lebende Beispiele der Verwirklichung von Krishna-Bewusstsein. Dieses lebendige Beispiel innerer Verwirklichung kann theoretisch jeder Vishnu- oder Krishna-Bhakta geben (was nicht bedeutet, dass wir immer in der Lage sind, dieses Beispiel zu sehen) und es ist in keiner Art und Weise davon abhängig, in welcher gesellschaftlicher oder organisatorischer Position sich der jeweilige Gottgeweihte befindet. Genaugenommen braucht er nicht mal Mitglied einer organisierten Vaishnava-Bewegung zu sein. Institutionen vergeben zwar immer Positionen innerhalb der Organisationsstruktur. Doch diese Positionen geben nicht die geringste Auskunft über die tatsächliche innere geistige Verwirklichung des Amtsinhabers. Nur innerhalb gesellschaftlicher Strukturen und Institutionen werden solche Begrifflichkeiten wie «Präsident» verwendet.
Daher empfinde ich diese Vermischung von «geistiger Strömung» und «rein organisatorischen Titeln» nicht statthaft.
Damit will ich in keiner Form die spirituelle Verwirklichung von Srila Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakur in Frage stellen. Aber gerade weil wir ihm eine hohe Verwirklichung zuordnen, kann die Aussage von Bhaktivedanta Narayana M. leicht instrumentalisiert werden.
Die Fakten sehen nämlich so aus, dass Srila Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakur Präsident der Institution «Gaudiya Math» war und nicht der Institution «ISKCON». Und weiter ist es auch eine Tatsache, dass die reine geistige Strömung keine sich abwechselnden Präsidenten kennt.
Narayana M.:
Ich bin der echte Nachfolger von Srila Bhaktivedanta
Swami Maharaj, und es gibt keinen anderen. Ihr solltet
dies ganz offen wissen.
Jeder, der die Shiksha der Brahma-Gaudiya-Sampradaya in sein Herz aufnimmt und Nitai-Gauranga und durch ihren Segen letztlich auch noch Radha-Krishna als sein letztliches Ziel und Zuflucht anerkennt, ist ein echter Nachfolger, und das völlig unabhängig davon, ob er/sie ein Einweihungsritual durchlaufen hat oder nicht.
Narayana M.:
…… Man sollte immer all diejenigen
respektieren, die Zuflucht genommen haben bei Caitanya
Mahaprabhu, egal ob sie eingeweiht sind oder nicht.
Gib ihnen ehrlichen Respekt.
Das möchte ich voll und ganz unterschreiben.
Narayana M.:
Das ist die Idee des echten ISKCON.
Im Sinne der geistigen Strömung: «Ja!»
Narayana M.:
Glaubt nicht, „Er ist Schüler von jemand anderem als
meinem Gurudeva“. Seid nicht sektiererisch wie eine
verschlossene Schachtel. Seid offen. Gebt allen Respekt
die Hare Krishna singen und Sri Chaitanya Mahaprabhu,
Nityananda Prabhu und unsere Guru-parampara
akzeptieren. Ich bin gekommen um euch all diese
Wahrheiten zu sagen.
Hier möchte ich anfügen:
«Seid offen zu allen Menschen. Sektierertum und Aparadhas sollten nicht nur gegenüber Vaisnavas vermieden werden, sondern gegenüber allen verkörperten Atmans».
Meine besten Wünsche
Gaurahari d.