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Eine Schere, die sich immer weiter öffnet: Das Bild für den stetig wachsenden Unterschied zwischen oben und unten, zwischen Reich und Arm ist klar und einprägsam. Deshalb wird es gern und oft verwendet, um die zunehmende gesellschaftliche Ungleichheit anzuprangern. Aber es ist zu schön, um wahr zu sein.
Wir haben uns die Statistiken zur Verteilung von Vermögen und Einkommen angeschaut; und die Daten, auf denen sie beruhen. Es ist schwierig, sie in ein klares und einprägsames Bild zu übersetzen, aber eines ist gewiss: Global gesehen schliesst sich die Schere. Die Zahl der Menschen, die in äusserster Armut leben, nimmt laufend ab, seit sich in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien ein Mittelstand entwickelt. Und auch in einem der reichsten Länder der Welt, in der Schweiz, werden zwar die Reichen immer reicher, die Armen aber nicht immer ärmer. Das ist einer der Gründe, warum die Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen, die im Juni zur Abstimmung kommt, bachab gehen wird. Obwohl die Idee einiges für sich hat, wie ein grossangelegtes Experiment in Kanada zeigt, das wir beschreiben.
Aber Oben und Unten ist nicht nur ein Thema der Makroökonomie. Wir erzählen in diesem Heft auch Geschichten von Menschen, die beides erlebt haben: der Flüchtling, der vom Professor zum Taxifahrer wurde; der Sternekoch, den seine Chefs in der Lehrzeit als «Scheisshaus» herumkommandierten; der tätowierte Aussenseiter, der zum gefragten Anti-Mobbing-Trainer avancierte. Und schliesslich haben wir ein Unternehmen besucht, das sich eine Radikalkur verschrieben hat: weg mit allen Hierarchien, weg mit dem Chef. Ob’s funktioniert?