Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03520.jsonl.gz/199

Die Sonne ist der wichtigste Player, wenn es um das sogenannte Weltraumwetter geht. Sie ist auch, wie der Name suggeriert, der Ausgangspunkt eines Sonnensturms. Dieses Weltraumwetter-Phänomen kann dann entstehen, wenn die magnetischen Feldlinien um die Sonne nicht ganz geschlossen sind und durch die Lücken im Magnetfeld Sonnenplasma entweicht. Treffen diese Strahlen und geladenen Teilchen die Erde, spricht man von einem Sonnensturm.
Ein Sonnensturm tritt nicht immer mit der gleichen Stärke auf, entsprechend unterschiedlich sind die tatsächlich wahrnehmbaren Auswirkungen auf der Erde. Das erste und gleichzeitig stärkste Ereignis dieser Art wurde 1859 von Astronom Richard Carrington beobachtet. Die damalige Sonneneruption zeigte sich unter anderem in Form von funkensprühenden Telegrafenleitungen und Polarlichtern, die bis nach Kuba zu sehen waren.
Im März 1989 wurde das Erdmagnetfeld erneut von einem Sonnensturm gestört. In der Folge sassen 6 Millionen Kanadier während neun Stunden im Dunkeln. Der Stromausfall soll insgesamt Kosten in der Höhe von 6 Milliarden CAD verursacht haben. Ein gutes Jahrzehnt später legte ein Sonnensturm das Stromnetz des schwedischen Malmö lahm.
Auch der Flugverkehr in verschiedenen Teilen der Welt war von diesem Ereignis betroffen, da Satelliten- und Navigationssysteme temporär aussetzten. Ebenfalls versagten technische Anlagen für die Luftüberwachung mancherorts ihren Dienst.
Gemäss dem Physiker Pete Riley liegt die Wahrscheinlichkeit, bis im Jahr 2024 wieder von einem Sonnensturm der «Carrington»-Stärke getroffen zu werden, bei 12 Prozent. Die massiven Auswirkungen eines solchen Ereignisses würden alleine in Amerika zu Folgeschäden in der Höhe von bis zu 41.5 Milliarden US-Dollar führen. Pro Tag. In Europa belaufen sich die Schätzungen auf 15 Milliarden Euro. Die Erde bräuchte angeblich vier bis zehn Jahre, um sich von einem Sonnensturm dieser Stärke zu erholen.
Nicht alle Wissenschaftler teilen Rileys Meinung bezüglich der «Carrington»-Wahrscheinlichkeit. Es gibt Forscher, die daran zweifeln, dass ein Sonnensturm diesen Ausmasses physikalisch überhaupt möglich ist. Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung geht ebenfalls davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Sonneneruption mit für uns spürbaren Konsequenzen «nicht sehr gross» sei.
Trotz unterschiedlicher Auffassungen arbeiten verschiedene Regierungen an Präventionsmassnahmen. Amerika hat im Oktober 2015 beispielsweise eine «Nationale Weltraumwetter-Strategie» wie auch einen «Nationalen Weltraumwetter-Aktionsplan» veröffentlicht.