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Im Zentrum des Dorfkerns von Lionza, im oberen Centovalli, präsentiert sich der Palazzo Tondü als einer der interessantesten historischen Bauwerke des Tals. Seine Konstruktion, die auf die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts zurückgeht, ist mit einer einzigartigen Geschichte der Auswanderung verbunden, die durch das Zusammentreffen von historischen Fakten und Zeugnissen lokaler Legenden gekennzeichnet ist. Heute gehört der Palazzzu den Denkmälern von kantonaler Bedeutung und ist Gegenstand eines vertieften Restaurations-Projekts und der Umgestaltung zu einem Gästehaus.
Die Tondü’s: von Kaminfegern zu Ehrenmännern
Die Geschichte der Tondü’s von Lionza widerspiegelt den unglaublichen sozialen Aufstieg einer ursprünglich armen Familie, die aus dem Centovalli emigrierte und es im Laufe einiger Generationen schaffte, dem Adel von Parma eifrig beizuwohnen und mit diesem fruchtbare Ehebündnisse zu schliessen.
Die Legende erzählt, dass um 1630 die jungen Kaminfeger Andrea (13-jährig) und Antonio (7-jährig), ihrem Vater Giuseppe nach Parma folgten. Nach dessen tragischem Unfall während der Reinigung eines Kamins wurden sie zu Waisen und in der Folge vom Besitzer der luxuriösen Villa adoptiert. Die Herrschaften der Villa kümmerten sich um die Knaben, liessen sie studieren und als Erwachsene wurde ihnen ein Teil des Vermögens vermacht. Die geschichtlichen Nachforschungen erlauben weder eine Bestätigung noch eine Widerlegung dieser Legende. Sie ist wahrscheinlich das Ergebnis einer erfundenen Geschichte, die im Laufe der Zeit eine progressive historische Konnotation in der kollektiven Vorstellung im Centovalli erlangt hat.
Es ist jedoch sicher, dass die Tondü, ab Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, ihr Vermögen im Herzogtum Parma als Händler von feinen Stoffen machten, im damals florierenden Textilmarkt. Im Laufe der Zeit ermöglichte ihnen der Wohlstand den Zugang zu den höchsten Bereichen der Gesellschaft: Pietro Antonio Tondü nahm zum Beispiel während der Herrschaft des Herzogs Francesco Farnese die wichtige Position des Generalintendanten ein.
Palazzo Tondü und das Vermächtnis
Was auch immer der Ursprung dieser wirtschaftlich erfolgreichen Auswanderung war, der Reichtum der Familie hatte auch einen erheblichen Einfluss auf das Dorf und die Bewohner von Lionza.
Die Bindung zum Herkunftsland konstant aufrechterhaltend, liess die Familie um 1650 in der Tat im Dorf ihren Palazzerbauen. Hauptsächlich als Sommerresidenz genutzt,
blieben seine Besitzer dem Hause nach und nach im Laufe der Zeit fern. 1784 wurden der Palazzo und die zahlreichen anderen Besitztümer der Tondü’s in Lionza (Häuser, Ställe, Kapellen, Grundstück…) den Grundbesitzern des Dorfes durch ein «Vermächtnis» in Eigentum übertragen. Während der Name der Familie Tondü seit vielen Jahren verschwunden ist, existiert das gleichnamige Legat bis heute und wird weiterhin von den Grundbesitzern von Lionza verwaltet.
Nach zwei Jahrhunderten gemeinschaftlicher Nutzung und angesichts der Unmöglichkeit, die ursprüngliche Pracht des Gebäudes zu erhalten, gründeten letztere 1984 die Stiftung Casa Tondü, die sich seitdem zum Ziel gesetzt hat, das Gebäude zu sichern und ihm eine Zukunft zu geben.
Ein Projekt für das Territorium
Der Palast, der zu den geschützten historischen Monumenten auf kantonaler Ebene gehört, ist heute Gegenstand eines respektvollen Erhaltungs- und Renovierungsprojekts, mit dem Bestreben, die monumentale Substanz und die wertvollen Strukturelemente des Gebäudes hervorzuheben, welche die rustikalen Details des Tals mit den dekorativen und architektonisch raffinierten Elementen, zweifellos aus Italien stammend, verbinden. Zu diesem Zweck wird das Projekt vom Amt für das Kulturerbe des Kantons Tessin und vom Bundesamt für Kultur, sowie
von der Gemeinde Centovalli begleitet und unterstützt.
Die Neugestaltung des Palazzo Tondü ist auf die Schaffungeiner multifunktionalenEmpfangs-Struktur ausgerichtet. Dank der konservativen Restaurierung, welche die Authentizität des Gebäudes garantiert und der attraktiven Landschaft des oberen Centovalli, wird sich das Projekt auf innovative und differenzierte Weise in das touristische Angebot des Locarnese integrieren.
In Fortführung seiner jahrhundertealten Geschichte wird der Palazzo auch weiterhin eine wichtige öffentliche Rolle im Schosse seiner Umgebung ausüben.Dank eines Sanierungskonzepts, das den Räumen einen multifunktionalen Charakter verleihen soll, kann der Palazzo verschiedene Funktionen erfüllen und so den unterschiedlichen Bedürfnissen seiner Gäste und der lokalen Gemeinschaft gerecht werden.Den PalazzoTondü zu restaurieren und ihn vor dem endgültigen Zerfall zu schützen trägt dazu bei, einem Gebiet, welches ökonomisch immer schwächer wird, Kraft und seinem sozialen Leben einen Impuls zu geben. Den Palazzwieder aufleben zu lassen bedeutet, sich an die Entbehrungen und Mühsal zu erinnern, welche Männer und Knaben zum Auswandern zwangen und niedere Berufe wie den des Schornsteinfegers auszuüben.
Aus dem Zeugnis einer Vergangenheit der Armut können Impulse für den Aufschwung eines Territoriums entspringen.