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Das seit einer Woche verschollene Passagierflugzeug von Malaysia Airlines ist nach Regierungsangaben offenbar bewusst umgelenkt worden und noch stundenlang weitergeflogen. Das berichtete der malaysische Ministerpräsident Najib Razak auf einer Pressekonferenz in Kuala Lumpur.
Medienberichte, dass es sich um eine Flugzeugentführung handelte, bestätigte er nicht. Noch immer würden «alle Möglichkeiten» untersucht. Die Suche nach dem vor einer Woche verschwundenen Flugzeug habe aber «eine neue Phase» erreicht.
Doch wieso dauerte es so lange, bis die Behörden erste Informationen hatte? «Ich gehe davon aus, dass die Behörden an einen normalen Absturz gedacht haben und entsprechend entlang der Flugroute und über dem Südchinesischen Meer gesucht haben», erklärt Ruth Bossart, Korrespondentin in Singapur. Zudem seien 14 Länder an der Suche beteiligt. Darum sei es auch eine Herkulesaufgabe.
Absichtliche Deaktivierung der Kommunikationssysteme
Das letzte Funksignal der Boeing 777 sei mehr als sechseinhalb Stunden nach ihrem Verschwinden vom zivilen Primärradar am vergangenen Samstag empfangen worden, sagte der Regierungschef weiter.
In diesen sechseinhalb Stunden habe das Flugzeug die malaysische Halbinsel in Richtung des Indischen Ozeans überflogen. Die Suche nach möglichen Wrackteilen im Südchinesischen Meer sei deshalb eingestellt worden. Über die Neuausrichtung der Suchaktivitäten werde noch beraten.
Zwei Kommunikationssysteme an Bord der Boeing 777-200, die Daten zu Kontrollstationen übermitteln, seien «mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich» abgeschaltet worden, sagte der Premier. Das Acars-System (Aircraft Communications Addressing and Reporting System) sei nach dem Start von Kuala Lumpur noch kurz vor der Ostküste Malaysias deaktiviert worden. Das zweite Gerät, der Transponder, habe wenig später keine Daten mehr gesendet. Das deute auf eine «absichtliche Aktion von jemandem an Bord des Flugzeugs» hin.
SRF-Korrespondentin Bossart spricht von zwei Theorien: «Entweder hat einer der zwei Piloten seine Hände im Spiel gehabt und das Kommunikationssystem abgestellt, um danach wahrscheinlich Selbstmord zu begehen», sagt sie. «Oder aber ein Terrorist hat sie zu dieser Tat gezwungen».
Zivile Radargeräte absichtlich umgangen
Das malaysische Militär habe ein Flugzeug auf seinem Weg nach Westen verfolgen können, bei dem es sich nach heutiger Erkenntnis mit grosser Wahrscheinlichkeit um Flug MH370 gehandelt habe. Aus dem letzten Kontakt mit einem Satelliten um 08.11 Uhr (Ortszeit) am 8. März seien zwei mögliche Flugkorridore abgeleitet worden: Einer erstrecke sich von Nordthailand bis nach Kasachstan und Turkmenistan, der andere von Indonesien in den südlichen Indischen Ozean.
Ein ranghoher Militär, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, ein erfahrener und kompetenter Pilot müsse die Boeing 777 stundenlang geflogen und dabei offenbar bewusst zivile Radargeräte umgangen haben.
Die Maschine mit 239 Menschen an Bord, davon zwei Drittel Chinesen, war vor einer Woche auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking von den Radarschirmen verschwunden, ohne dass zuvor ein Notruf abgesetzt worden wäre. Das ursprüngliche Suchgebiet wurde immer weiter ausgedehnt, von dem Flugzeug fehlt offiziell aber weiterhin jede Spur.
Wohnung des Piloten durchsucht
Die Polizei hat damit begonnen, die Wohnung des verschwundenen Piloten des Flugs MH370 zu durchsuchen. Die Beamten haben die Wohnung des 53-jährigen Mannes kurz nach der Medienkonferenz der Regierung betreten. Sie erhoffen sich Hinweise auf das mysteriöse Verschwinden der Maschine.