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Herr Rau hat in seinem Blog auf die Erkenntnisse der Freien Universtität Berlin aufmerksam gemacht (draufgekommen ist er via Xenon B.) , was ein guter Lehrer sei und hat darüber reflektiert. Ich habe die letzten Monate so oft reflektiert, dass ich mir jetzt einmal erlaube, das mehr allgemein zu kommentieren, als in Hinblick auf meine persönliche Entsprechung oder mein persönliches Versagen.
1. Ein professioneller Lehrer wählt seinen Beruf primär in Hinblick auf die Berufstätigkeit, in zweiter Linie aufgrund des Fachinteresses oder aufgrund von Arbeitsmarktbedingungen.
Hmm. Die Aussage ist nicht besonders glücklich formuliert, deshalb kann ich ihr so nicht beipflichten. Es gibt durchaus professionelle Lehrpersonen, die aus Fachinteresse zum Beruf gekommen sind.
Aber wenn das bedeuten soll, dass das Lehrperson-Sein das Lehrperson-Bewusstsein bestimmen sollte und nicht das Fachperson-Sein, dann finde ich das auch. Wenn ich zurückschaue auf meine eigene Schulkarriere, habe ich als Schülerin mangelnde Fachkompetenz immer besser kompensieren können als mangelnde soziale oder pädagogische Kompetenz.
2. Er hat ein mehrfaches Selektionsverfahren und eine professionelle, berufsbezogene Ausbildung hinter sich gebracht.
Ja, das sollte so sein. Und zwar unabhängig davon, ob jemand quer einsteigt (wie ich zum Beispiel) oder nicht. Natürlich richtet sich die Dauer und Intensität der Ausbildung nach den Anforderungen einer Schule. Einer, der angehende Schreiner in Holzkunde unterrichtet, braucht nicht eine gleich lange Ausbildung wie eine Physiklehrerin eines Gymnasiums. Aber beide brauchen didaktisches Rüstzeug und müssen weitergebildet oder ersetzt werden, wenn sie die Lernziele über weiter Strecken nicht erreichen.
3. Er nimmt regelmässig an Fortbildungsveranstaltungen teil und befindet sich deshalb auf dem jeweils gültigen Stand fachlicher und berufswissenschaftlicher Forschung, deren Resultate in das berufliche Handeln umgesetzt werden.
Jawohl. Auch das sollte so sein. Leider widersprechen die Arbeitsumstände diesem Ziel oft. Nicht zuletzt weil manche obligatorischen Weiterbildungen alle über einen Kamm scheren. Ich ärgere mich über den Zeitverlust, wenn ich wieder einen Grundkurs in „wie stelle ich den PC an“ besuchen muss, um ein Informatikzimmer benutzen zu dürfen. Andererseits bräuchte ich mehr Weiterbildung als mir zur Verfügung steht in Sachen Notengebung, vor allem für mündliche Arbeiten. Das muss ich mich vergleichsweise aufwändig von Kolleginnen und Kollegen und aus Büchern zusammensuchen.
4. Er hält angemessene Distanz zu Schülern und Eltern.
Ich finde eher, Lehrende sollten mit Lernenden zusammenarbeiten (deren Alter entsprechend natürlich) und deren Umfeld angemessen einbeziehen. Aber das ist realistischerweise nicht immer möglich. Wir sind schliesslich nicht in Finnland.
5. Er erwartet ein angemessenes Feedback über seine Arbeitsqualität von den Dienstvorgesetzten.
Ja. Angemessen heisst für mich vor allem regelmässig und dokumentiert und nicht einfach so anfallsmässig dann, wenn gerade wieder irgendwer aus Politik oder Elternrat das gefordert hat.
6. Er verfügt über die Fähigkeit, gültiges Wissen bei den Schülern entstehen zu lassen und dieses auch begründen zu können.
Wieder so eine merkwürdige Formulierung. Das Wissen der Lernenden sollte aktuell sein und sie sollten verstehen, warum und wozu sie es brauchen. Wenn Lehrende regelmässig begründen, ist das für alle Beteiligten sinnstiftend.
7. Er verfügt über technisch kontrolliertes Regelwissen des Unterrichtens und des Erziehens.
Erstrebenswert.
8. Er übt seinen Beruf souverän aus, das heißt, er bestimmt selbst den Ausnahmezustand, gegebenenfalls auch mit direktiven Mitteln.
Ja.
9. Er ist konflikt- und teamfähig.
Ja. Eine Lehrpeson ist besonders in diesem Bereich ein Vorbild und hat auch welche, möglichst im Kollegium. Sie schaut nicht auf andere herab.
10. Er hat eine optimistische Grundeinstellung.
Auf jeden Fall. Eine Lehrperson soll lächeln, nicht weniger als ein Diamantenverkäufer. Aber das hindert sie nicht daran, klare Regeln in Reserve zu haben und Mittel, diese durchzusetzen. Mir sind Lehrpersonen ein Graus, die immer alles optimistisch sehen, egal ob die Turnhalle auseinander fällt oder die Kinder einander den Kopf abreissen. Aber dafür steht wohl Nr. 8.
11. Er definiert klare Unterrichtsziele und führt einen klar strukturierten Unterricht durch.
Unbedingt. Dieses Ziel muss eine Lehrperson vor Augen haben. Aufgrund dessen reflektiert sie über Erfolge und Misserfolge. Die Resultate ihrer Überlegungen bezieht sie ein, wenn sie das Wissen der Lernenden überprüft und die Lernenden beurteilt. Wenn die Lehrperson mit Veränderungen und neuen Verordnungen konfrontiert ist, überprüft sie nicht als erstes, ob sie weniger Lohn oder mehr Arbeit hat, sondern, ob diese Ziele nicht behindert werden und sie den Kurs halten kann.
Wenn einer Lehrperson das (mehrheitlich) gelingt, dann hat sie auch ein realistisches Verhältnis zu den übrigen 10 Punkten. Und Argumente gegen Lohnabbau und grössere Klassen.
Herr Rau hat in seinem Blog auf die Erkenntnisse der Freien Universtität Berlin aufmerksam gemacht (draufgekommen ist er via Xenon B.) , was ein guter Lehrer sei und hat darüber reflektiert. Ich habe die letzten Monate so oft reflektiert, dass ich mir jetzt einmal erlaube, das mehr allgemein zu kommentieren, als in Hinblick auf meine persönliche Entsprechung oder mein persönliches Versagen.