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In den USA macht der Basketball-Trainer eines Colleges von sich reden, der seine Studenten aufs Übelste beschimpfte. Am Mittwoch wurde er gefeuert, nachdem ein Video, das seine Praktiken zeigt, an die Öffentlichkeit gelangt war.
Wer sich Einblicke in den US-amerikanischen College-Sport schlechthin verschaffen will, sollte dieses Video unbedingt anschauen: Es zeigt Mike Rice, den Basketball-Trainer von Rutgers, einer der ältesten Universitäten des Landes, wie er Spieler tritt und boxt, wie er ihnen Basketbälle an den Kopf und an den Unterleib schmettert und wie er sie mit frauen- und schwulenfeindlichen Flüchen anschreit. Wenige Monate nach der Verurteilung des legendären Football-Trainers Jerry Sandusky von der Universität Penn State wegen sexueller Gewalt gegen Jungen ist das der neueste Skandal im College-Sport.
Weil Rice beim Training der «Scarlet Knights» an der Rutgers Universität wie ein Berserker wütete, ist er am Mittwoch gefeuert worden. Doch die Universitätsspitze von Rutgers wusste schon lange vorher von seinen Exzessen. Bereits im vergangenen November haben der «Athletische Direktor», Tim Pernetti, und der Präsident der Universität, Robert Barchi, ein Video mit Gewaltszenen aus zwei Jahren erhalten. Damals hielten die beiden an ihrem Trainer fest. Suspendierten ihn lediglich für drei Spiele und forderten ihn auf, eine Therapie zu machen. Erst nachdem das Video in dieser Woche an die Öffentlichkeit geriet, hat Universitätspräsident Barchi ihn als Trainer entlassen. «Ich habe das Video persönlich erst gestern gesehen», erklärte Barchi am Mittwoch.
Das Basketball-Video ist die Kurzfassung von Dutzenden von Stunden von Aufzeichnungen. Der US-Sportsender «ESPN» hat gleichzeitig mit dem Video auch den Mann vorgestellt, der den Skandal enthüllt und das Video im vergangenen Herbst zur Chefetage der Rutgers Universität getragen hat. Eric Murdock, selbst früherer professioneller Basketballspieler, war Mitarbeiter von Trainer Rice. Er beschreibt Spieler, die nicht schlafen konnten, die Angst hatten und die zu anderen Universitäten wechselten, um dem Trainer zu entkommen. Als er das Video im November der Universitätsspitze vorlegte, erwartete Murdock, dass sie den Trainer entlassen würde. Stattdessen verlor er selbst seinen Job.
Verständnis für Methoden
Anders als der gechasste Murdock, der jetzt gegen die Universität prozessiert, zeigen mehrere Basketball-Spieler Verständnis für die Methoden ihres Ex-Trainers. «Das Training war hart und körperlich», sagt Frank Mitchell, «aber wir haben uns angepasst.» Tyree Graham findet, der Trainer sei «manchmal zu weit gegangen», habe es aber getan, um die «respektlosen Taktiken von anderen Mannschaften zu simulieren». Und Wally Judge, der vorher bei Kansas State gespielt hat, meint, dass die Praktiken dort «härter» gewesen seien.
Kritik an dem Ex-Trainer ist selten. Doch der in Guinea geborene Malick Kone erinnert sich an Witzeleien über seinen Akzent. Und der inzwischen nach Rhode Island übergewechselte Gilvydas Biruta, den Rice «Schlappschwanz», «Memme» und «Schwuchtel» nannte, sagt, dass er sich «nicht als Basketballer, sondern als Mensch angegriffen» gefühlt habe.
Beim College-Sport geht es um Millionen. Universitäten wollen mithilfe sportlicher Erfolge ihr Prestige verbessern und zahlungskräftige Studenten anlocken. Und für die Spieler ist das Stipendium oft die einzige Möglichkeit, an ansonsten unerschwinglich teuren Universitäten zu studieren. Zugleich hoffen viele, dass die College-Teams ihnen als Sprungbrett für eine weitere Karriere dienen.
An der Rutgers Universität hat vor zwei Jahren homophobes Mobbing den Studenten Tyler Parenti in den Tod getrieben. Jetzt ertönt dort der Ruf nach dem Rücktritt des «athletischen Direktors» und des Universitäts-Präsidenten, die so lange an einem gewalttätigen Trainer festgehalten haben.