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Die Sozialstruktur
Das Revier und die sozialen Aktivitäten unserer domestizierten Katzen sind wesentlich vielseitiger als die ihrer unmittelbaren Vorfahren.
Wohnungskatzen können enge soziale Bindungen mit anderen Katzen und mit dem Menschen eingehen oder mit anderen Tieren, beispielsweise Hunden, aufbauen.
Trotzdem ist jeder Katze ihr intimes Revier wichtig. Katzen brauchen Plätze, die sie ihr Eigen nennen können.
Für Katzen mit Freilauf ist das Revier einerseits Heim, andererseits auch Restaurant. Für potente Kater ist es ein Bordell. Ein eigenes Revier bedeutet:
Schlupfwinkel, Wachtposten, Beobachtungsplätze, Speisekammer, Spielbezirk, Rast- und Ruheplätze. Jede Katze benötigt ein Minimum an nicht bevölkertem Gebiet, wenn wir ihr Leben angeregt gestalten wollen.
Ein Revier ist unterteilt in den Primärbereich und die Kernzone. Für Bauernhofkatzen setzt sich der Primärbereich aus Scheune und Stall zusammen.
Bei Wohnungskatzen mit Freilauf ist es die Wohnung und bei einer reinen Wohnungskatze kann es ein bestimmtes Zimmer sein.
Im Primärheim befinden sich die wichtigsten Schlaf- und Fressplätze. Ideale Schlafplätze haben die Eigenschaft warm, trocken und erhöht und damit vor Feinden geschützt zu sein. Für Bauernhofkatzen erfüllt der Heuboden diese Anforderungen. Für die Wohnungskatze ist es unser Bett, das all diese Kriterien erfüllt.
Die Kernzone grenzt an das Primärheim an. In diesem Bereich finden die Jagd- und Erkundungsaktivitäten statt. Hier begegnen sich fremde Katzen oder ihre Wege kreuzen sich. In der Kernzone wird nicht jeder Quadratmeter intensiv genutzt.
Reine Wohnungskatzen treffen natürlich nicht auf fremde Katzen und können die Jagd- und Erkundungsaktivitäten nicht gleich ausleben. Für Wohnungskatzen mit Freilauf endet die Kernzone oft beim Gartenzaun.
Unter natürlichen Bedingungen nutzen Kater ein grösseres Gebiet als Kätzinnen, durchschnittlich 3,5 mal mehr Fläche.
Eine Freilaufkatze nutzt ein Gebiet von bis zu 200 m2 (Kätzinnen) und bis 4 ha (Kater). Vor allem während der Paarungszeit kann es durchaus vorkommen, dass ein Kater sein Gebiet vergrössert und weitere Strecken zurücklegt als sonst. Trifft der Kater in seinem Gebiet häufig auf fortpflanzungsfähige Weibchen, dehnt er seine Streifzüge nicht weiter aus. Ist sein Gebiet dünn besiedelt mit Kätzinnen geht er weite Distanzen über sein angestammtes Gebiet hinaus und kommt dann unter Umständen 2 Wochen nicht mehr nach Hause.
Kater verlassen ihr Heim eher als Kätzinnen. Dies hängt damit zusammen, dass die Weibchen durch die Jungenaufzucht mehr Bindung an einen Standort haben. Kater emigrieren dann, wenn häufig Auseinandersetzungen unter Katern stattfinden die aus der gleichen Gruppe sind. Sie wandern ab und suchen sich ein neues Zuhause.