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FEX - Förderung der exekutiven Funktionen
Was verbirgt sich hinter dem Begriff "exekutive Funktionen"?
In der Neurowissenschaft bezeichnet der Begriff "exekutive Funktionen" bestimmte Fähigkeiten des Gehirns, die auch als Kontrollprozesse bezeichnet werden und dem Menschen Handlungsregulation ermöglichen. Exekutive Funktionen werden zu den höheren geistigen Leistungen gezählt. Obwohl es keine einheitliche Definition zum Begriff "exekutive Funktionen" gibt, haben diese Funktionen gemeinsam, dass sie besonders in komplexen Situationen gebraucht werden.
Ein Beispiel für eine komplexe Situation ist, wenn der Fahrer eines Autos an eine unübersichtliche Kreuzung gelangt, an der wegen eines Unfalls der Verkehr umgeleitet wird. Exekutive Funktionen helfen dem Fahrer dabei, sich vom Unfallgeschehen nicht ablenken zu lassen, bis die unübersichtliche Verkehrssituation sicher überwunden ist. Exekutive Funktionen helfen dem Fahrer auch dabei, sich schnell auf die veränderte Verkehrsführung einzustellen.
Ungenügende exekutive Funktionen könnten dazu führen, dass der Fahrer sich vom Unfallgeschehen stark ablenken lässt und dadurch einen Fehler beim Führen des Fahrzeugs macht oder damit überfordert wäre, wenn er die gewohnte Route durch die Umleitung nicht einschlagen kann.
Dass der Fahrer dem Finden eines sicheren Weges durch die Gefahrensituation höchste Priorität zuordnet, anstatt sich nicht entscheiden zu können, was in dieser Situation am wichtigsten ist und dass der Fahrer sich auf diese Aufgabe fokussiert, anstatt sich von seinem Ziel durch das Unfallgeschehen ablenken zu lassen, ist guten exekutiven Funktionen zu verdanken.
Welche exekutiven Funktionen gibt es?
Die Kontrolle von Impulsen zugunsten der Erreichung eines Ziels und die Fokussierung auf ein Ziel trotz Störfaktoren ist eine exekutive Funktion, die mit der Kurzbezeichnung "Inhibition" benannt wird. Impulse oder die reflexartige Reaktion auf äussere Reize zu "inhibieren", also zu hemmen, ermöglichen es, ein Ziel zu erreichen.
Zu den exekutiven Funktionen gehört auch das "Arbeitsgedächtnis". Das Arbeitsgedächtnis ist die Fähigkeit, Informationen wie in einem Zwischenspeicher kurzfristig im Gedächtnis zu behalten, während man ein Problem löst, für dessen Lösung diese zwischengespeicherte Information benötigt wird. Ein Beispiel für das Benötigen eines Arbeitsgedächtnisses ist das Kopfrechnen. Beim Kopfrechnen kann es notwendig sein, sich Zwischenergebnisse kurzfristig zu merken, um sie zur Berechnung des Endergebnisses zu verwenden. Das Arbeitsgedächtnis eines Erwachsenen hat eine Speicherkapazität von ungefähr sieben Elementen, die für einen Zeitraum von nur wenigen Sekunden im Gedächtnis behalten werden können. Dennoch hilft das Arbeitsgedächtnis bei der Lösung von Problemen und der Erbringung geistiger Leistungen.
Die zügige Einstellung auf neue Anforderungen, die Fähigkeit etwas aus einer anderen Perspektive zu betrachten oder zwischen Perspektiven zu wechseln ist eine exekutive Funktion, die als "kognitive Flexibilität" bezeichnet wird.
Warum ist es wichtig, exekutive Funktionen bei Kindern zu fördern?
Bei Kindern können Lernprozesse und die sozial-emotionale Entwicklung durch das Training exekutiver Funktionen gefördert werden. Die Entwicklung von Selbstkontrolle erlaubt es dem Kind, seine Emotionen zu regulieren und sich sozial angemessen zu verhalten. Durch die Fähigkeit Impulse zu kontrollieren, kann das Kind Ziele erreichen, indem es sich von Ablenkungen oder Störfaktoren nicht vom Weg zum Ziel abbringen lässt. Die Fähigkeiten, sich Ziele zu setzen, Prioritäten zu setzen und gegebenenfalls den Weg zur Zielerreichung veränderten Bedingungen anzupassen, hängen von exekutiven Funktionen wie dem Arbeitsgedächtnis, der Inhibition und der kognitiven Flexibilität ab.
Ausser unauffälligen Kindern können auch Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) oder Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) von der Stärkung exekutiver Funktionen profitieren.
Was ist FEX Förderung exekutiver Funktionen?
Der Begriff FEX Förderung exekutiver Funktionen steht für ein Konzept zum spielerischen Training von exekutiven Funktionen bei Kindern. Basierend auf diesem Konzept wurden Spiele und Lehrmaterialien für Kindergärten und Primarschulen entwickelt. Das Konzept FEX Förderung exekutiver Funktionen und die darauf basierenden Spielmaterialien dienen dazu, Erzieher*innen, Lehrpersonen, Eltern und Grosseltern dabei zu unterstützen, gezielt Fähigkeiten und Entwicklungsschritte von Kindern zu fördern.
Warum wurde FEX Förderung exekutiver Funktionen entwickelt?
Zur Gewinnung neuer Erkenntnisse sind in der Grundlagenforschung häufig abstrakte Versuchsaufbauten erforderlich. Ob und wie sich die häufig ebenso abstrakten Ergebnisse in konkrete Anwendungen für die pädagogische Praxis übertragen lassen, ist nicht immer offensichtlich. Um Erkenntnisse aus der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung für die Praxis nutzbar zu machen, bedarf es deshalb häufig der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Disziplinen, um ein in der Praxis anwendbares Konzept zu entwickeln. Anwendbare Konzepte können beispielsweise durch interdisziplinäre Zusammenarbeit von Experten der Neurowissenschaften, der pädagogisch-psychologischen Forschung und der Bildungspraxis entwickelt und getestet werden. Mithilfe der entwickelten Konzepte können Kinder schliesslich in ihrer Entwicklung gefördert werden. Ein solches Konzept ist das Spiel- und Lernkonzept FEX Förderung exekutiver Funktionen, das die Entwicklung exekutiver Funktionen bei Kindern fördert.
Wie kann man exekutive Funktionen bei Kindern durch FEX fördern?
Ein FEX Buch oder FEX Spiele können Pädagogen und Erziehende bei der Förderung exekutiver Funktionen unterstützen. Entsprechend dem Alter und des Entwicklungsstandes des Kindes können die exekutiven Funktionen "Inhibition", "Arbeitsgedächtnis" und "kognitive Flexibilität" gezielt durch speziell zum Training der einzelnen Fähigkeiten entwickelte Spiele gefördert werden.
Bei Kindern sind die exekutiven Funktionen noch nicht voll entwickelt und bei Erwachsenen können diese Funktionen durch hohes Alter oder durch Erkrankungen beeinträchtigt sein. Die Entwicklung exekutiver Funktionen beginnt und beschleunigt sich ab einem Alter von 2,5-3 Jahren. Die Selbstregulation von Emotionen entwickelt sich bereits mit 3 Jahren. Die Inhibition und die kognitive Flexibilität entwickeln sich stark bis zum Alter von 7 Jahren. Zusätzlich zur Weiterentwicklung dieser Fähigkeiten steigert sich bei älteren Kindern vor allem auch die Leistung des Arbeitsgedächtnisses.
Spielerisch kann die Inhibition trainiert werden, indem Kinder bei einem Spiel gewinnen, wenn sie sich trotz verschiedener Ablenkmanöver nicht von ihrer Aufgabe abbringen lassen. Spielmaterialien, anhand derer mehrschrittige Prozesse kindgerecht und anschaulich umgesetzt werden können, wurden entwickelt, um gezielt das Arbeitsgedächtnis zu trainieren. Spiele mit fortgeschrittener Komplexität fördern die kognitive Flexibilität, wobei verschiedene Schwierigkeitsgrade eine Anpassung an Alter und Entwicklungsstand des Kindes ermöglichen und auch auf Inklusionsarbeit abstimmbar sind.