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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

XII. Rede
3.
Inwiefern bist du leidend und krank? Etwa körperlich? Ich bin bereit, dich zu unterstützen; ja ich habe dich unterstützt, und wie ein Jakob bin ich mit väterlichem Segen gestärkt worden. Bist du geistig leidend und krank? Wann hat der Geist mehr Stärke und Wärme als gerade jetzt, da die Kräfte des Fleisches sich vor ihm zurückziehen, wie vor dem Lichte das schwindet, was lichtscheu ist und den Glanz verhindert? Geist und Fleisch liegen in der Regel mit sich in Kampf und Streit. Dem Fleische geht es gut, wenn die Seele krank ist; die Seele aber gedeiht und blickt aufwärts, wenn mit dem Fleische sich die Vergnügungen zurückziehen und schwinden. Übrigens habe ich dich gerade wegen deines Alters und deiner Würde bewundert. Hattest du nicht befürchtet, man möchte, wie es jetzt sooft geschieht, den Geist nur als Schminke betrachten, und die Menge möchte glauben, wir fassen, obwohl wir uns als Männer des Geistes ausgeben, dieses Leben sinnlich auf? Die Menge hat es ja zuwege gebracht, daß dieses Amt als das eines Großen und Herrschers, als fette Pfründe angesehen wird, selbst wenn die Herde, die einer führt und leitet, noch kleiner ist als diese und die Mühen und Leiden die Annehmlichkeiten noch weit mehr überwiegen. Diese Worte sind an deine Einfalt und Kindlichkeit gerichtet, welche es ebensowenig zulassen, daß du selbst ein Unrecht auf dich nimmst, wie daß du von anderen etwas Böses leichtfertig behauptest; wer selbst nicht zur Sünde neigt, hegt nicht leicht Argwohn. Ein [S. 267] zweites kurzes Wort habe ich noch an dieses dein, bzw. mein Volk zu richten.