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Kleine Hunde, grosse Beisser?
Der kleine Chihuahua Benny ist erst ein paar Wochen bei Ehepaar Goldbach. Schon lange wollten sich die Goldbachs einen Hund anschaffen und entschieden sich vor kurzem für einen Chihuahua.
„Weil die so klein und knuddelig sind", sagt Emmi Goldbach und berichtet stolz, dass ihr neuer Mitbewohner gerne durch die Wohnung flitzt, Kissen vom Sofa zerrt und begeistert an herumliegenden Schuhen nagt. „Unser kleiner Wirbelwind ist doch so süss, was soll er denn da gross anstellen?", fragt Emmi Goldbach und schmunzelt. Doch nun reagiert der Chihuahua zunehmend aggressiv, wenn sie ihm energisch Kissen oder Schuhe wegnimmt. Neulich schnappte Benny sogar nach dem kleinen Enkelkind, das sich dem Hund freudig näherte.
Aggressionsstudie aus den USA
Hunderassen wie etwa Pitbullterrier, Rottweiler, American Pit Bull, Staffordshire Bull Terrier oder andere als Kampfhunde eingestufte Hunderassen gelten gemeinhin als gefährlich und aggressiv - doch ein Chihuahua oder ein Dackel als Beisser? Tatsächlich führen diese Rassen in der aktuellen US-Studie „C-BARQ (Canine Behavioral Assessment and Research Questionaire) die ersten beiden Plätzen der „Biss"-Liste an - weit vor Pitt Bull, Rottweiler und Dogge. In der Beiss-Studie wurden über 5.000 amerikanische Hundebesitzer per Fragebogen gebeten, über das Aggressionsverhalten ihrer Vierbeiner Auskunft zu geben. Die Häufigkeit von Angriffen auf Fremde, Besitzer und andere Hunde wurde statistisch ausgewertet und die Hunderassen, die besonders zum Zuschnappen neigen, in einem Ranking aufgeführt. Das hatte nicht nur einen schockierenden Effekt auf Leser - auch auf manchen Hundehalter. Rangierten in der Rubrik „Angriffe auf Besitzer" nicht etwa Pitt Bull oder Rottweiler auf den ersten Rängen, sondern die Plätze eins bis sechs wurden von Beagle, Dachshund, Chihuahua, Jack Russel Terrier Berner Sennenhund und Collie eingenommen.
Ergebnisse nicht wirklich aussagekräftig
Betrachtet man die Ergebnisse genauer, so entpuppen sie sich nach Meinung von Dr. Stefan Gronostay als ungenau und lassen wichtige Fragen offen: Welche Formen von Aggression wurden in der jeweiligen Studie untersucht? Aufgrund welcher Ursachen? Wie sind die Hunde aufgezogen worden? Wie sind die Elterntiere? Welche Vorgeschichte hat der vorgebliche „Beisser" und welche sozialen Erfahrungen hat er gemacht? „Solche Statistiken sind meist sehr oberflächlich und enthalten zu viele Variablen, man kann aber nicht einfach alle Rassen und individuelle Hundecharakter über einen Kamm scheren", kritisiert der Tierarzt mit Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie aus Offenbach am Main.
Kleine Hunde geraten schneller in Stress
Fakt sei, so Gronostay, dass zum Beispiel Kinder in den meisten Fällen von Hunden gebissen werden, die mit in der Familie leben. Vor allem für Kleinkinder können Mini-Hunderassen ebenso gefährlich werden wie ihre grossen Artgenossen. Nicht selten aber werde ein Wautzi von geringerem Wuchs wegen seiner zwergenhaften Grösse als lebendiges Kuscheltier angesehen, das begrapscht, herumgetragen oder ständig beschmust werden kann. „Doch gerade mit kleinen Hunden sollte man sehr ruhig und vorsichtig umgehen, denn sie sind meist hektischer und geraten schneller in Stress als ihre grossen Kollegen", weiss der Offenbacher Tiermediziner.
Mini-Rassen mangelt es meist an Erziehung
„Bei Mini-Rassen werden Stresssignale jedoch weniger ernst genommen und aggressives Verhalten eher toleriert als beispielsweise bei Schäferhunden oder Doggen", weiss Dr. Gronostay. Viele Besitzer nehmen es auch mit Verboten und der Erziehung nicht so genau. Wütet ein überreizter Chihuahua, Yorkie oder Rehpinscher in der Wohnung oder schnappt dann eines Tages sogar zu, sind Frauchen oder Herrchen meist völlig überrascht. „Dabei brauchen auch kleine Vierbeiner klare Regeln und eine konsequente Erziehung", weiss Dr. Gronostay. Denn kleine Hunde seien ebenso so gelehrig und erziehbar wie grosse.
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