Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03286.jsonl.gz/1682

Was ist eine Narbe?
Narben entstehen nach Hautverletzungen, wobei oft nicht nur die oberste (Epidermis), sondern auch die tieferen Hautschichten betroffen sind.
Die Narbenbildung ist der letzte sichtbare Schritt der Wundheilung, die in vier Phasen abläuft:
-
Exsudative Phase (erste Stunden unmittelbar nach der Verletzung): durch eindringende Flüssigkeit und die Blutgerinnung wird die Wunde aufgefüllt und nach aussen verschlossen. Die Wunde wird so von Fremdkörpern geschützt.
-
Resorptive Phase (1.-3. Tag): In die Wunde eingedrungene Krankheitserreger werden von der Immunabwehr bekämpft; Keime und mögliche Fremdkörper werden mit der Blutung aus der Wunde heraustransportiert.
-
Proliferationsphase (4.-7. Tag): Nach einigen Tagen beginnt die Heilungsphase mit der Bildung neuer Hautzellen und der endgültigen Schliessung der Wunde.
-
Reparationsphase (ab dem 8. Tag und bis zu mehreren Monaten): Die neu gebildete Haut wird zum endgültigen Ersatzgewebe geformt und es entsteht eine mehr oder weniger sichtbare Narbe. Die Hautstruktur kehrt allmählich wieder in den ursprünglichen Zustand zurück.
Was kann die Physiotherapie tun?
-
In der Exsudativen und Resorptiven Phase sollten Wunden keineswegs manuell behandelt werden. Um das Eindringen weiterer Schadstoffe zu verhindern, werden sie in dieser Phase meist regelmässig desinfiziert und mit einem Pflaster bedeckt.
-
In der Proliferationsphase ist das Gewebe im Aufbau und dementsprechend labil. Direkte Behandlungen sollten also ebenfalls in dieser Phase vermieden werden. Das umliegende Gewebe kann mittels manueller Therapie (z.B. Boeger-Therapie) bereits gelockert werden. Eine Narbe darf erst dann direkt behandelt werden, sobald sie keine Kruste mehr bildet und keine Flüssigkeit fördert.
-
Im Gegensatz zu unverletzter Haut mit ihren elastischen, sich überkreuzenden Fasern sind im Narbengewebe die Kollagenfasern parallel ausgerichtet und daher weniger elastisch. Das Narbengewebe wird demzufolge auch als minderwertiger Hautersatz bezeichnet. In der Regenerationsphase greift die Physiotherapie hauptsächlich manuell und manchmal mithilfe bestimmter Geräte ein, um die Narbe beweglicher zu machen und so die Beweglichkeit eines Gelenks wiederherzustellen oder Beschwerden/Schmerzen zu lindern.
In der Reparationsphase ist das Gewebe auf interne (z.B. durch Bewegungen/Übungen) und externe (z.B. durch manuelle Therapie) Zug-, Druck und Scherreize angewiesen, um die notwendige Elastizität wieder zu gewinnen. Die Elastizität des Hautgewebes ist ausschlaggebend für die Beweglichkeit der Gelenke.
Auch wenn unmittelbar nach der Operation nur geringe Beschwerden vorhanden sind, können unbehandelte Narben mit der Zeit (auch noch nach Jahren!) zu ziehenden Schmerzen führen. Je länger eine Narbe unbehandelt bleibt, desto irreversibler werden die Schmerzen. Mittels Boeger-Therapie können jedoch auch sehr alte Narben gut und erfolgreich behandelt werden.
Zur Unterstützung der manuellen Behandlung können verschiedene Narbencremes eingesetzt werden.
Narbenarten:
Es gibt verschiedene Arten von Narben, die von der Art der Verletzung abhängen, wie z.B.:
- hypertrophe Narbe: Entzündlich (Rötung), wulstig, kann schmerzhaft sein und die Reparationsphase dauert über ein Jahr.
- Kontrakturen: Narben, die zu kurz sind, sich stark zusammenziehen und die benachbarten Gefässe mitziehen; nicht entzündlich und nicht schmerzhaft, aber einschränkend
- Keloidnarbe: Entstehung von Narbenwucherungen über das ursprüngliche Narbengewebe hinaus, Juckreiz
Die letzte Art ist die Einzige, bei der Physiotherapie nicht helfen kann.
Einflussfaktoren:
Jede Art von Narbe kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, wie z.B.:
- Alter: Die Zellregeneration ist im Alter verlangsamt, deswegen braucht die Wundheilung länger.
- Diabetes: Studien zeigen, dass ein hoher Blutzuckerspiegel im Laufe der Zeit Schäden an grossen und kleinen Blutgefässen verursachen kann. Dies wiederum kann zu einer verminderten Durchblutung führen, wodurch die Wundstelle nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Dies beeinträchtigt die Wundheilung, da für die meisten Schritte des Wundheilungsprozesses grosse Mengen an Sauerstoff benötigt werden.
- die Qualität der Naht, wenn eine Operation stattgefunden hat
- Ernährungsmängel: Eine ausgewogene Ernährung liefert auch ausreichend Vitamine (A, C, E) und Mineralstoffe (Zink, Eisen...), die am Heilungsprozess beteiligt sind.
- Genetik/Herkunft: Menschen afrikanischer oder asiatischer Herkunft neigen eher zu keloiden Narben als Menschen europäischer/nordamerikanischer Herkunft