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Wie sein Name vermuten lässt, hat der Dreizehenspecht tatsächlich nur drei Zehen - zwei sind nach vorn, eine ist nach hinten gerichtet. Alle übrigen Spechte und fast alle anderen Vogelarten haben deren vier. Der schwarzweisse Vogel ist etwa so gross wie ein Buntspecht, wirkt aber dunkler. Die Männchen haben einen gelben Scheitel (siehe Foto).
Verbreitung und Lebensraum
Der Dreizehenspecht lebt im Nadelwaldgürtel von Nord-Europa bis Japan, sowie in Nordamerika. In Mittel- und Südeuropa kommt er nur in waldreichen Berggebieten vor (z.B. Alpen, Karpaten, Rhodopen). In den Alpen findet man ihn in den ausgedehnten Nadelwäldern oberhalb von etwa 1200 m ü.M. Er ist aber nirgends häufig. Weltweit gibt es mehrere Unterarten des Dreizehenspechts.
Picoides tridactylus ist ist eng an die Fichte gebunden und besiedelt in der Schweiz die subalpinen Nadelwälder der nördlichen Alpen und Graubünden. Er bevorzugt naturnahe Bestände, die reich an stehendem Totholz sind. 1993 wurde zum ersten Mal ein Brutnachweis ausserhalb des Alpenraums, im Jura erbracht. Der Dreizehenspecht profitierte in den letzten Jahrzehnten von der eher extensiven Bewirtschaftung der Bergwälder, in denen absterbende und tote Bäume häufiger wurden. Der Schweizer Bestand wird auf 1000-1500 Paare geschätzt.
Lebensweise
Die meisten Dreizehenspechte sind Standvögel, die auch bei tiefen Temperaturen im Brutgebiet bleiben. Sie sind ausgesprochene Hack- und Kletterspechte, denen das spiralige Aufwärtshüpfen sowie das Stammabwätsrutschen besonders leicht fällt. Nur sehr selten ist der Dreizehenspecht auf dem Boden und auf liegenden Stämmen zu beobachten. Er ist vergleichsweise wenig scheu und fliegt kaum weg, wenn man sich ihm nähert. Oft dreht er sich einfach auf die hintere Seite eines Stammes und entgeht so den Blicken auch aufmerksamer Beobachter. Die Rufe des Dreizehenspechtes sind sehr leise und unauffällig.
Die Nahrung besteht vorwiegend aus holzbewohnenden Insekten, die er durch Hacken oder Stochern aus der Rinde meist absterbender und frisch toter Bäume holt. Im kürzlich abgestorbenen Holz findet er Larven, Puppen und unreife Imagines von Käfern (z.B. Borkenkäfer). Ein Dreizehenspecht vertilgt pro Tag bis zu 2000 Borkenkäferlarven. Bei starkem Borkenkäferbefall kann es örtliche Konzentrationen von Dreizehenspechten geben. Gerne ringeln Dreizehenspechte auch Bäume und lecken dann das ausströmende Harz.
Die Männchen des Dreizehenspechtes zimmern fast jedes Jahr eine neue Nisthöhle in absterbende oder bereits tote Nadelbäume. Diese Höhlen dienen dann in den Folgejahren zahlreichen anderen Arten als Unterschlupf, die selber keine eigenen Höhle bauen können.
Gefährdung und Schutz
In der Schweiz gilt der Dreizehensprecht als nicht gefährdet. Mögliche Bedrohungen sind Lebensraumverlust und Nahrungsknappheit durch Intensivierung der Waldnutzung. Europaweit ist diese Art jedoch gefährdet, da sie unter der intensiven Forstwirtschaft in den borealen Nadelwäldern stark leidet. In Schweden und Finnland beispielsweise haben die Populationen zwischen 1970 und 1990 um 20 Prozent abgenommen. Der Schweiz obliegt eine internationale Verantwortung für die Erhaltung des Dreizehenspechts in Europa.
Förderungsmöglichkeiten
- reich strukturierte, totholzreiche Nadelwälder fördern
- grossflächige Waldschutzgebiete ausweisen
- kränkelnde, absterbende Bäume und Käferbäume nicht entfernen
Beobachtungstipp
Um Dreizehenspechte zu beobachten, muss man die entsprechenden Lebensräume aufsuchen. Das sind subalpine Nadelwälder mit einem grossen Anteil an stehendem Totholz. Ideal sind Waldbestände, die nach einem Sturm vom Borkenkäfer befallen wurden. Dort lässt sich der wenig scheue Specht meist recht einfach ausfindig machen und gut beobachten.