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Mein Name ist Barbara Horn, ich bin 46 Jahre alt und lebe seit 23 Jahren in Chiapas, Mexiko. Im Jahr 2000 verliess ich mein geliebtes Wädenswil, denn da habe ich fast meine ganze Jugend verbracht. Ich liebte es, nach der Arbeit vom Bahnhof ans Seeufer zu gehen und auf der Hafenmauer zu sitzen, meine Freunde zu treffen oder neue kennenzulernen und den Sonnenuntergang wie auch die Wellen vom See zu beobachten.
Geplant habe ich, nur für ein Jahr alleine die Welt zu bereisen, bevor ich eine neue Karriere als Sozialarbeiterin anfangen wollte.
Ich suchte ein Land, wo ich beim Reisen auch noch eine neue Sprache lernen könnte, und Südamerika war für Spanisch perfekt. Doch der billigste Flug war nach Mexiko City, also habe ich mir gedacht, zuerst dorthin zu fliegen und danach weiter nach Bolivien, Peru oder Ecuador zu reisen. Beim Reisen in Mexiko fiel ich vom Pferd und konnte nicht mehr weiter. So musste ich drei Monate ruhen und bin zum evangelischen Glauben gekommen (war atheistisch aufgewachsen), was mein ganzes Leben geändert hat. In dieser Zeit ergab sich die Möglichkeit, ein Reisebüro aufzumachen und durch meine verschiedenen Sprachen auch den Touristen die begleiteten Führungen in die nahen Indianer-Dörfer anzubieten. Was mich dazu gebracht hatte, für sechs Jahre länger in Mexiko zu bleiben. Ich liebte es, eigenständig zu sein und habe mit dem ganzen Herzen in einer touristischen, mexikanischen Kleinstadt inmitten der Berge gearbeitet, was mich auch ein bisschen an die Schweiz erinnert hat.
Im Jahr 2006 habe ich meinen Mann Carlos kennengelernt und mit ihm eine Familie gegründet. Wir haben drei tolle Kinder zusammen. Mutter zu sein, hat wieder mein ganzes Leben umgestellt, und ich habe mich vollzeit um meine Kinder gekümmert.
Ich habe zwar nicht mehr Sozialarbeiterin studiert, aber dafür mit meinem Mann eine gemeinnützige Nonprofit-Organisation aufgebaut. Es gibt viel Armut in Mexiko, und so fing ich an, einmal in der Woche in einem armen Viertel mit den Kindern auf der Strasse zu arbeiten. Wir singen, basteln, spielen, auch gibt es einen Snack danach. Ich merkte, dass für einige Kinder dieser oft ihre erste richtige Mahlzeit war und sie nach mehr Essen fragten. Also besuchte ich ihre Familien und fing an, Grundnahrungslebensmittel-Säcke an die Familien zu verteilen.
Als die Zeit von Covid kam, habe ich Schutzmasken für die Ärzte in den Krankenhäusern mit meinem 3D-Drucker gemacht, da es am Anfang keine Hilfe gab. Für Weihnachten habe ich kleine Kinderfeste in den armen Stadtteilen organisiert und über 100 Weihnachtsgeschenke an Kinder verteilt. Nach fünf Jahren habe ich jetzt jede Woche sechs Gruppen, die Kinder in verschiedenen Orten zusammenbringen und mit ihnen singen, spielen und eine kleine Hoffnung von Liebe in ihr Leben bringen. Jede Gruppe hat zwei Frauen, die mir damit helfen, und monatlich treffe ich mich mit ihnen und gebe ihnen Material, Essen und Spielideen und helfe ihnen, damit sie mit den aufkommenden Problemen umgehen können. Ich organisiere Kurse für die, die gerne mit Kindern arbeiten, damit die Beziehung zu den Kindern und ihren Familien, die sich in schwierigen Situationen befinden, so gut wie möglich unterstützt wird.
Ich versorge auch – wenn möglich – Kinder und ihre Familien mit Arztbetreuung, Medikamenten, Vitaminen und vielem mehr.
Ein neues Projekt, dass ich begonnen habe, heisst «Ein Lächeln wiederherzustellen», oft sehe ich nämlich Personen, die keine Möglichkeit haben, ihre Zähne zu pflegen. Dann muss der Zahn eben raus, wenn es schmerzt. Wenn es geht, helfe ich dann finanziell mit Behandlungen, wie eine Wurzelbehandlung, und manchmal sogar mit einem Zahnersatz. Es gibt immer etwas zu helfen, deswegen auch der Name unserer gemeinnützigen Organisation: Alcancemos lo posible A.C – «Lasst uns das Mögliche erreichen».
Mit meinen Kindern besuche ich die Schweiz so oft es mir möglich ist, denn sie lieben es, in der Schweiz zu sein. Wädenswil bleibt einer meiner beliebtesten Orte. Die Erinnerung an die Wohnung, die ich in Wädenswil hatte, ist mir tief geblieben. Auf dem Balkon konnte ich die Berge beobachten und fast den ganzen Zürichsee und die Stadt Zürich sehen. Wenn es mal so weit ist, wieder in die Schweiz zurückzukehren, werde ich bestimmt an Wädenswil denken.
Ich habe sogar immer noch Kontakt mit einigen Freunden aus meiner Wädenswiler Zeit.
https://www.facebook.com/alcancemosloposible
Die Serie «Out of Wättischwiil» porträtiert ausgewanderte Wädenswilerinnen und Wädenswiler.