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Vorbemerkung - Revision der bisherigen Gründungsgeschichte
Die bisherige Gründungsgeschichte unseres Vereins muss angepasst werden. Im Hinblick auf das 150-jährige Jubiläum machte uns Peter Bühlmann auf Ungereimtheiten aufmerksam. Vereinsinterne Recherchen bestätigen seine Hinweise. Weil eine der ersten Aktivitäten - eine Sammelaktion zugunsten internierter Bourbaki-Soldaten - stets hervorgehoben wurde, während die ganz ursprünglichen Engagements in Vergessenheit gerieten, ging der Verein seit dem 50-Jahr-Jubiläum vom Gründungsjahr 1871 aus. Seit 1949 ist das vermeintliche Gründungsjahr 1871 sogar noch offiziell in den Statuten festgehalten. Tatsächlich hält schon der älteste Eintrag im Vereinsprotokollbuch fest, dass der Gemeinnützige Frauenverein am 1. Januar 1870 gegründet wurde. Dazu passt, dass im Donatorenbuch erste Spenden an den Verein unter dem 15. und 16. Januar 1870 vermerkt sind. Weiter ist im Gründungsprotokoll des örtlichen Hilfskomitees vom 15. August 1870 vermerkt, dass die Frauen vom Frauenverein Kleider und Verbandszeug für die einheimischen Soldaten der Grenzbesetzung 1870 gesammelt hätten. Auch ein Bericht vom 14. Februar 1871 im Luzerner Tagblatt erwähnt, dass der Frauenverein «sich im verflossenen Jahre» konstituiert habe. Zudem feierte Verein am Silvesterabend 1899 - d.h. am Vorabend des Neujahrstages 2000 - das 30-jährige Bestehen. Angesichts so vieler klarer Hinweise muss vom Gründungsjahr 1870 ausgegangen werden. Auch ist nicht mehr haltbar, dass der Verein sich im Februar 1871 aus Mitleid mit den internierten Bourbaki-Soldaten gebildet habe.
Entstehung des Gemeinnützigen Frauenvereins
Die Armut war im 19. Jh. ein vordringliches gesellschaftliches Problem. Angesichts der im Alltag nicht übersehbaren Not armer Familien, entwickelte sich in Malters der Sinn für Gemeinnützigkeit und karitatives Engagement. Ausdruck davon war der 1868 endlich realisierte Bau der Waisenanstalt im Witenthor. Auf privater Basis taten sich die Frauen führender Malterser Familien zusammen und gründeten am Neujahrstag 1870 den Gemeinnützigen Frauenverein. Dieser hatte sich in erster Linie zum Ziel gesetzt, arme Schulkinder zu unterstützen. Als im gleichen Jahr wegen des Ausbruchs des deutsch-französischen Krieges Wehrpflichtige aus unserer Gemeinde zur Grenzbesetzung einberufen wurden, sammelte u.a. der Frauenverein für diese Soldaten Kleider und Verbandszeug. Eine weitere Sammelaktion anfangs 1871 war nebst der Hilfe für internierte Soldaten darauf ausgerichtet, die Familien hiesiger Soldaten zu unterstützen, denen der Verdienst ihrer Ernährer fehlte. Später wurde aus gesammeltem Geld Stoff für Kleider armer Kinder angekauft oder Erstkommunionkindern eine anständige Bekleidung verschafft. In den Statuten von 1888 wurde der Vereinszweck des Frauenvereins mit «Wohltätigkeit für Hilfsbedürftige, namentlich arme Schulkinder», umschrieben. Lindern von Not durch Verhüten von Not wurde mit der Zeit zum Vereinsmotto. Neben der materiellen Unterstützung (Geld, Kleider, Essen) wurde auch dazu übergegangen, Kurse durchzuführen, um die Leute zu befähigen, das Leben besser eigenständig zu bewältigen. Teilweise in Zusammenarbeit mit dem Bauernverein wurden Gartenbau- und Kochkurse, Näh-, Glätte- und Flickkurse sowie Kurse für häusliche Krankenpflege und Nothilfekurse angeboten. Aufgrund dieser schon Ende des 19. Jh. organisierten praktischen Hilfe wurden die Krankenpflege, Familienhilfe und Mütterberatung zu wichtigen Betätigungsfeldern des Frauenvereins.
Weiterentwicklung im 20. Jahrhundert
Während des ersten Weltkrieges waren die Gemeinnützigen Frauen besonders aktiv. Sie führten Arbeitsnachmittage durch, an denen Wäsche für die an der Grenze stehenden Wehrmänner von Malters und Schwarzenberg angefertigt wurde. Auch in den Jahren des zweiten Weltkrieges wurden zusammen mit dem Mütterverein Hemden genäht, Socken und vieles mehr gestrickt.
1915 erfolgte die Anstellung einer Krankenschwester und 1930 die Errichtung einer Krankenpflegestation. An letzterer wurde 1943 eine Mütterberatungsstelle angeschlossen. Etwas später wurden, einem grossen Bedürfnis entsprechend, Familienhelferinnen angestellt. 1971 kam dann der Zusammenschluss der Krankenpflegestation des GFM und der Familienhilfestation des Müttervereins zum Verein für Krankenpflege und Familienhilfe zustande.
Mit den Jahren kamen weitere Dienstleistungen dazu, wie Autofahrdienst, Betagtenzusammenkünfte, Altersturnen, Schwangerschaftsturnen, Brockenstube, Kilbimarktstand und Kaffeestube, Fusspflegedienst, Sportartikel- und Kinderkleiderbörse, Ludothek, Verkaufsgeschäft für Wolle und Handarbeiten „Donna“. Auch heute bieten wir spontane finanzielle Direkthilfe in Notfällen an und unterstützen regelmässig verschiedene karitative Institutionen.
Vieles, was der GFM in all den Jahren und Jahrzehnten aufgebaut und angeboten hat, wurde von privaten und staatlichen Organisationen übernommen und weiter ausgebaut. Daraus wird ersichtlich, dass die Aufgaben des GFM einem steten Wechsel unterworfen sind. Die Schwerpunkte des Helfens und Dienens am Mitmenschen ändern sich, aber gemeinnütziger Dienst wird auch in Zukunft kein leeres Wort sein.