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Das sah gar nicht gut aus bei den Probeaufnahmen: Die Nase zu lang, der Mund zu gross, das Kinn zu klein und eigentlich gar nicht fotogen, befand ein Kameramann, als er vor knapp 70 Jahren die junge Sofia Scicolone vor die Linse bekam. Millionen Fans in aller Welt sahen das bald anders. Aus Sophia Loren wurde das Mädchen aus Neapel zum Weltstar. Sexsymbol und Mutterfigur in einem, stieg sie zur Leinwandgöttin auf und wurde zur «Mamma Nazionale» der Italiener.
«La Loren» wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Pozzuoli im Grossraum Neapel auf. Während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg verbrachte sie die Nächte im Eisenbahntunnel und hatte seither Angst im Dunkeln. Im konservativen Italien litt sie unter dem Makel ihrer unehelichen Geburt.
Die entscheidende Wende
Die alleinerziehende ehrgeizige Mutter wollte die attraktive, 1,74 Meter grosse Tochter beim Film unterbringen und liess Sofia schon früh bei lokalen Schönheitswettbewerben defilieren. 1950 bekam sie eine Statistenrolle im in Rom gedrehten Sandalenfilm «Quo vadis?» und wurde Zweite bei der Wahl zur «Miss Rom». Dabei wurde Filmproduzent Carlo Ponti (1912-2007) auf sie aufmerksam, und ihr Leben nahm die entscheidende Wende.
Der fast 22 Jahre ältere – und einen Kopf kleinere – Ponti wurde zum Mann ihres Lebens, zum Wegbereiter ihrer Karriere und auch zum Vaterersatz. Aus Sofia Scicolone wurde Sophia Loren. In dem Episodenfilm «L’oro die Napoli» hatte sie 1954 unter Regisseur Vittorio De Sica ihre erste bedeutende Filmrolle, sie spielte eine Pizzabäckerin.
Der internationale Durchbruch gelang ihr 1958 mit der US-Filmkomödie «Houseboat» an der Seite von Cary Grant (1904-1986). Auch persönlich verstanden sich die beiden gut, Grant – noch ein paar Jahre älter als Ponti – machte der Loren sogar einen Heiratsantrag. Da war sie aber schon vermählt, eigentlich.
Schon im September 1957 hatte Loren Ponti geheiratet, der sich zuvor von seiner ersten Frau Giuliana Fiastri einvernehmlich hatte scheiden lassen – im Ausland versteht sich, denn Scheidungen waren im streng katholischen Italien damals rechtlich gar nicht möglich.
Partner Marcello Mastroianni
Zu Sophia Lorens berühmten Filmpartnern zählte auch Marcello Mastroianni (1924-1996), mit dem sie rund ein Dutzend Mal vor der Kamera stand, darunter in der etwas seichten Komödie «Matrimonio all’italiana» (1964) – ebenfalls unter der Regie De Sicas – oder in Ettore Scolas Drama «Una giornata particolare» (1977).
Einen Oscar erhielt Sophia Loren für ihre Hauptrolle in Vittorio De Sicas Spielfilm «La ciociara» (1960) nach einem Roman Alberto Moravias. Sie spielt eine Witwe, die 1943 mit ihrer Tochter vor den alliierten Bombenangriffen aus Rom in die Berge flieht. Dort lernt sie den Studenten Michele (Jean-Paul Belmondo) kennen. Dieser wird von abziehenden Wehrmachtssoldaten verschleppt, Mutter und Tochter werden nach der Befreiung von der deutschen Besatzung von nordafrikanischen Hilfstruppen der Franzosen vergewaltigt.
Dem Oscar als beste Hauptdarstellerin 1962 folgte 1991 ein Ehrenoscar für ihr Lebenswerk. Ponti blieb mehr als ein halbes Jahrhundert an ihrer Seite, er starb 2007 im Alter von 94 Jahren. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, der Dirigent Carlo Ponti Jr. (geb. 1968) und der Regisseur Edoardo Ponti (geb. 1973).
Gefängnisaufenthalt wegen Steuerhinterziehung
Mit ihrem Äusseren machte die hochgewachsene Diva auch im Alter noch Schlagzeilen, so als sie sich 2007 für den Pirelli-Kalender ablichten liess. Zu ihren unangenehmsten Lebenserfahrungen zählen die 18 Tage, die sie 1982 wegen Steuerhinterziehung im Frauengefängnis in Caserta bei Neapel verbringen musste.
Ausser Filme zu drehen hat die Loren auch Bücher veröffentlicht, darunter die Memoiren «Mein Leben» und das Kochbuch «In cucina con amore». Pizza esse sie eigentlich genauso gerne wie Pasta, sagte Sophia Loren 2018 der Deutschen Presse-Agentur, und beides bereite sie bis heute selbst zu. Und bei Pizza bitte nur das neapolitanische Original, mit Tomaten und Olivenöl und sonst nichts.