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Landwirtschaftsminister Didier Guillaume forderte am 24. Juni den zuständigen Präfekten des Départements Aveyron auf, die Schlachtungen von Schafen in dem Unternehmen in Rondez sofort auszusetzen und unverzüglich eine Inspektion vorzunehmen.
Unzulängliche Schlachtmethoden
Nach Angaben seines Ressorts zeigen die von der Tierschutzorganisation „L214“ aufgenommenen Bilder „inakzeptable Praktiken mit schwerwiegenden Verstössen gegen Tierschutzvorschriften“. In dem Video sind unter anderem Lämmer zu sehen, denen augenscheinlich ohne Betäubung die Kehle durchgeschnitten wird. Gezeigt wird auch ein Tier am Haken, das sich anscheinend noch beim Ausbluten zu befreien versucht.
Laut den Tierschützern hat der betreffende Schlachthof schwerwiegende strukturelle Probleme und sehr unzulängliche Schlachtmethoden. Beim Einsatz von Strom würden die Elektroden oft am Hals und nicht am Kopf der Tiere angesetzt. Die Organisation hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gestellt und will auch die Behörden zur Rechenschaft ziehen.
Branche verurteilt die Praktiken
Wie der Branchendienst „Pleinchamp“ meldete, wurden in dem Schlachthof die Praktiken zur Betäubung und Tötung von Schafen bereits 2016 von der Veterinärbehörde beanstandet. Die Interprofession für Vieh und Fleisch (Interbev) verurteilte die gezeigten Praktiken und begrüsste die Intervention des Landwirtschaftsministers.
Sollten die staatlichen Untersuchungen die Vorwürfe bestätigen, will die Branchenorganisation „angesichts des Schadens für den Vieh- und Fleischsektor“ eine Zivilklage gegen den Betreiber des Schlachthofs anstrengen. Vorbehaltlich der Bestätigung durch die offizielle Untersuchung verurteilte auch der kleinere Landwirtschaftsverband Coordination Rurale (CR) die Praktiken des Schlachtbetriebes. Er fordert, in allen Schlachthöfen Aufsichtsgremien einzurichten, in denen auch die Landwirte vertreten sein müssten.
Lämmer von Käsereibetrieben
Die Tierschutzorganisation stellt die Missstände auf dem Schlachthof derweil in einen größeren Zusammenhang. Nach ihren Angaben stammen die Lämmer vor allem aus Betrieben, die Milch für die Herstellung des Blauschimmelkäses Roquefort erzeugen. Demnach werden in diesem Kontext jedes Jahr mehr als eine Millionen Lämmer geboren, von denen lediglich ein Viertel auf den Milchbetrieben verbleibt. Der Rest gehe in Mastbetriebe, wo die Tiere ebenfalls unter tierschutzwidrigen Bedingungen gehalten und niemals das Tageslicht erblicken würden.
L214 forderte den Verband der Roquefort-Hersteller auf, Tieirschutzvorgaben für die Lämmer zu erlassen. Die Käsehersteller verwiesen auf die Haltungsbedingungen für ihre Mutterschafe und ignorierten das Schicksal der Lämmer. Der Roquefort-Verband hatte sich bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe von den Missständen distanziert. Man sei im Bereich der Milcherzeugung und -verarbeitung tätig und nicht für andere Branchen verantwortlich.