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Vajrayana
Personen, die sich für das Grosse Fahrzeug, das Mahayana interessieren, üben sich zuerst im allgemeinen Pfad, das heisst im Stufenweg zur Erleuchtung (Lam Rim) und in der Lebensführung der Bodhisattvas (Bodhisattvacharyavatara). Mit diesen Lehren ist es möglich, die Buddhaschaft zu erlangen.
Die Schriften und Lehren des Vajrayana (tantrischer Buddhismus) bieten Methoden, um dieses Ziel viel schneller zu erreichen. Die Schulung im allgemeinen Pfad und grosses Vertrauen in den Lama sind die Voraussetzungen für diese Praxis. Der Lehrer oder die Lehrerin wird eine Einweihung gewähren, die das Tor zum Tantra darstellt. Die Einweihung in das Handlungstantra (Kriyatantra) umfasst neben den Vorbereitungen die Annahme der Bodhisattvagelübde und das Empfangen des Segens von Körper, Rede und Geist. So werden die Schülerinnen und Schüler auf die Praxis des Vajrayana vorbereitet.
In der Gelug-Tradition des tibetischen Buddhismus werden vier Tantraklassen beschrieben. In unserer Zeit sind besonders die erste Klasse des Kriyatantra und die vierte Klasse des höchsten Yogatantra (Anuttarayogatantra) verbreitet. Die anderen beiden Klassen, das Charyatantra und das Yogatantra, werden seltener praktiziert.
Im Tantra gibt es zahlreiche sehr feine Methoden, um Körper und Geist, Weisheit und Methode zu entwickeln, und nur im höchsten Anuttarayoga gibt es die fortgeschrittenen Techniken, durch die das Geist-Kontinuum von den feinsten Verdunklungen gereinigt werden kann, bevor die Buddhaschaft erlangt wird.
Der Weg des Anuttarayogatantra ist für jene Personen der richtige Weg, die fest entschlossen sind, für das Wohl der fühlenden Wesen zu praktizieren. Mit dieser Praxis werden eine Reihe von Verpflichtungen eingegangen: Bodhisattvagelübde, Tantragelübde, die 19 Verpflichtungen der fünf Buddhafamilien sowie weitere sekundäre Verpflichtungen. Diese Verpflichtungen werden erfüllt, indem täglich eine spezielle Praxis mit Gottheiten-Visualisation und Meditation über Leerheit (Yoga in sechs Sitzungen) praktiziert wird.
Als Tor zu dieser fortgeschrittenen Praxis gewährt der Lehrer oder die Lehrerin die Ermächtigung, welche aus vier Einweihungen besteht. Damit erhält der Schüler oder die Schülerin die Erlaubnis, das Gottheiten-Yoga auf der Erzeugungsstufe zu praktizieren. Weiter gibt es die Möglichkeit oder die Verpflichtung, ein Retreat durchzuführen, d.h. für eine begrenzte Zeit diese Praxis in einer Gruppen- oder Einzelklausur intensiv zu üben. Traditionell wird eine Klausur mit einem Feuergebet abgeschlossen. Für alle diese Aktivitäten ist ein gutes Vertrauen in den spirituellen Lehrer oder die Lehrerin unerlässlich. Diese gewähren die Einweihungen und geben den Schülerinnen und Schülern auf allen Stufen des Pfades Anweisungen und Unterstützung.