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Schlupfwarzen
Was Schlupfwarzen sind und wie sie sich behandeln lassen
Im Regelfall sind die Brustwarzen nach aussen gestülpt. Bei manchen Menschen sind sie - an einer oder beiden Brüsten - nach innen eingezogen. Die sogenannten Schlupfwarzen verursachen selbst keine gesundheitlichen Beschwerden. Sie können jedoch bestimmte Erkrankungen begünstigen und beim Stillen Probleme bereiten. Manche Menschen empfinden sie zudem als unästhetisch. Mit bestimmten Hilfsmitteln lassen sich Schlupfwarzen abmildern oder operativ korrigieren.
Definition der Schlupfwarze
Eine Schlupfwarze ist eine nach innen gerichtete Brustwarze (invertierter Nippel). Sie ist nicht nach oben aufgerichtet. Stattdessen zeigt sich in der Mitte des Warzenvorhofs lediglich eine leichte Vertiefung oder Einkerbung. Schlupfwarzen treten vor allem bei Frauen auf und sind nur selten bei Männern zu beobachten. Manchmal sind beide Brüste in gleichem oder unterschiedlichem Ausmass betroffen, in anderen Fällen findet sich die Schlupfwarze lediglich auf einer Seite.
Mediziner unterscheiden drei Schweregrade:
1. Grad
Bei Berührung (oder starker Kälte) tritt die Brustwarze von selbst nach aussen.
2. Grad
Die Brustwarze lässt sich nach aussen drücken, zieht sich aber sofort wieder zurück, sobald der Druck nachlässt.
3. Grad
Die Brustwarze ist mit dem Gewebe verwachsen und deshalb dauerhaft eingezogen (Hohlwarze).
Die Begriffe Schlupfwarze und Hohlwarze werden teilweise als Synonyme verwendet. Tatsächlich bezeichnen Hohlwarzen aber die schwerste Ausprägung der Schlupfwarze (3. Grad).
Schlupfwarzen, vor allem ab einem gewissen Ausmass, können bestimmte Probleme und Erkrankungen begünstigen. Für die Betroffenen sehr unangenehm ist, dass die nach innen gerichteten Brustwarzen im Rahmen der Körperhygiene schlecht zu reinigen sind. Es besteht die Gefahr, dass sich in den Hohlräumen Bakterien ansammeln. Diese wiederum können eine schmerzhafte Infektion der Brustdrüse verursachen. Gleiches gilt für verstopfte Talgdrüsen unter dem Brustwarzenhof, aus denen sich ein Abszess bilden kann, der häufig operativ eröffnet werden muss.
Bei Frauen sorgen Schlupfwarzen nicht selten für Probleme beim Stillen. In ausgeprägten Fällen kommt das Kind nicht an die Brustwarzen heran und kann überhaupt nicht saugen. Dann ist ein natürliches Stillen des Kindes nicht möglich.
Welche Ursachen haben Schlupfwarzen?
Schlupfwarzen beziehungsweise Hohlwarzen sind angeboren und deshalb eher ein ästhetischer Makel als ein medizinisches Problem. Die Missbildung der Brustwarzen ist die Folge verkürzter Milchgänge und/oder Bindegewebsstränge. Diese ziehen die Brustwarze vorübergehend ("falsche Schlupfwarze") oder dauerhaft ("echte Schlupfwarze") nach innen.
Vorübergehend ist eine Verkürzung der Milchgänge zum Beispiel während der Pubertät möglich. In seltenen Fällen kann es sein, dass sich eine ursprünglich normale Brustwarze im Laufe der Zeit dauerhaft zu einer Hohlwarze nach innen stülpt. Neben Fehlentwicklungen oder hormonellen Gründen, könnte dies auch ein Hinweis auf eine Erkrankung (Brustkrebs) sein. Deshalb sollten Sie eine solche Veränderung dringend von einem Arzt untersuchen lassen.
Es gibt keine Möglichkeit, Schlupfwarzen vorzubeugen. Sie lassen sich jedoch auf verschiedene Weise behandeln.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Schlupfwarzen?
Für die Behandlung von Schlupfwarzen stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung. Im Wesentlichen sind dabei konservative und chirurgische Methoden zu unterscheiden.
Konservative Methoden
Zu den konservativen Methoden gehören Massnahmen, mit denen die betroffene Brustwarze nach aussen gezogen wird. Diese eignen sich für weniger starke Ausprägungen und sind auch für schwangere Frauen interessant, da sie den Stillvorgang erleichtern sollen. Zu diesem Zweck werden eingesetzt:
- Brustwarzenformer (Brustwarzenschilder): Die runden Formen aus Kunststoff werden auf den Warzenhof gesetzt und den ganzen Tag über unter dem BH getragen. Dabei üben sie ständigen Druck auf die Brustwarze auf, die sich dadurch langsam aufrichten soll. Aufgrund der unterschiedlichen Befunde in verschiedenen Studien ist die Wirksamkeit der Brustwarzenformer noch nicht endgültig geklärt.
- Nipletten: Diese Kunststoffkappen sind mit einer Pumpe verbunden, die beim Aufsetzen auf die Brustwarze einen Unterdruck erzeugt. Dieser hat den Zweck, die Brustwarze herauszuziehen. Laut Untersuchungen wird das Ergebnis besser, wenn die Nipletten täglich und über einen längeren Zeitraum angewendet werden. Das Vakuum darf allerdings nicht zu stark sein, da es ansonsten zu Schmerzen und Blutungen an den Brustwarzen kommen kann.
- Massagen des Warzenvorhofs: Mehrmals täglich wiederholt, sollen sie das Bindegewebe elastischer und weicher machen, sodass die Brustwarze leichter hervortritt. Die Methode wird häufig in der Stillvorbereitung eingesetzt, kann aber auch unabhängig von einer Schwangerschaft oder Mutterschaft angewendet werden. Empfohlen wird die "Hoffmann-Technik", bei der zwei Finger Druck auf den Ansatz der Brustwarze ausüben und diese dann mit leichtem Druck seitlich wegbewegt werden. In einigen Beobachtungsstudien konnten bislang keine signifikanten Änderungen der Warzenform bei Schlupfwarzen durch das Massieren festgestellt werden.
- Brustwarzenpiercing: Bei schweren Schlupfwarzen (Hohlwarzen) kann ein Brustwarzenpiercing Abhilfe schaffen. Dieses zieht die Brustwarze heraus und hält sie in der neuen Position fest. Allerdings geht das Piercing mit einem erhöhten Risiko für Entzündungen und die Bildung von Abszessen einher. Zudem kann die Sensibilität der Brustwarze bei unsachgemässem Stechen des Piercings beeinflusst werden.
- Hyaluronsäure: Eine minimal-invasive Alternative ist die Unterspritzung der Brustwarzen mit Hyaluronsäure. Diese sorgt dafür, dass sich die Brustwarzen nach aussen wölben, allerdings ist der Effekt nur vorübergehend. Zudem ist nicht ganz ausgeschlossen, dass es durch die Injektion zu einem Wachstum des Bindegewebes kommt. Dies wiederum kann auf die Milchgänge drücken und die Stillfähigkeit beeinträchtigen. Auch Infektionen lassen sich bei der Injektion von Hyaluron nicht ausschliessen und müssen gegebenenfalls mit Antibiotika behandelt werden.
Allen konservativen Behandlungsmethoden gemein ist, dass sie mehrmals anzuwenden sind, bis ein Ergebnis sichtbar wird. In einigen Fällen fehlt zudem der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit. Andere Methoden bergen das Risiko, dass sich die Korrektur wieder verflüchtigt. Das bedeutet, dass die Schlupfwarze zurückkehrt, sobald die Anwendung beendet wird. Eine chirurgische Korrektur stellt deshalb in vielen Fällen eine sinnvolle und wirksame Alternative dar.
Chirurgische Methoden
Wenn konservative Methoden keinen Erfolg zeigen, kann eine operative Behandlung helfen, die Schlupfwarzen zu korrigieren. Bei der Operation werden die verkürzten Milchgänge durchtrennt. In anderen Verfahren bleiben die Milchgänge (und damit auch die Stillfähigkeit) erhalten, da nur die Bindegewebsstränge durchtrennt und die Brustwarze mitsamt dem darunter liegenden Gewebe nach vorne verlagert werden.
Welche Methode geeignet ist, hängt vom Einzelfall ab. Ein ausführliches persönliches Beratungsgespräch vor der Operation ist deshalb dringend erforderlich. Ausserdem muss ausgeschlossen sein, dass ein Tumor in der Brust der Auslöser für die Einziehung der Brustwarze ist.
Die chirurgische Korrektur der Schlupfwarzen findet in der Regel ambulant und unter örtlicher Betäubung statt. Der Eingriff dauert pro Brust etwa 10 Minuten. Für die dauerhafte Stabilisierung der Brustwarze in ihrer neuen Position ist lediglich ein minimaler Schnitt nötig.
Die Risiken einer operativen Schlupfwarzenkorrektur sind gering. Die meisten Kundinnen und Kunden können unmittelbar nach dem Eingriff zurück nach Hause und ihrem normalen Alltag nachgehen. Im Laufe der kurzen Heilungsphase können leichte Schwellungen oder Blutergüsse sowie Empfindungsstörungen im Bereich der Brustwarzen auftreten. In seltenen Fällen kommt es zu einer Entzündung im Milchgangsystem, die eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich macht.
Insgesamt ist die Heilungsphase relativ kurz und kann mit Kühlung und - bei Bedarf - Schmerzmitteln unterstützt werden. Dennoch sollten Sie in den Wochen nach dem Eingriff folgende Verhaltenstipps beachten:
- Meiden Sie direkte Sonneneinstrahlung.
- Verzichten Sie auf Saunagänge und Solariumbesuche.
- Reduzieren Sie sportliche Aktivität auf ein Minimum.
- Achten Sie auf eine sorgfältige Hygiene der Brustwarzen.
- Vermeiden Sie Druck auf die Brustwarzen und tragen Sie frühestens nach 2-3 Wochen wieder einen festen BH.
Die Fäden lösen sich entweder nach einigen Wochen von selbst auf oder werden etwa 2 Wochen nach dem Eingriff vom behandelnden Arzt gezogen. Es bleiben in der Regel keine Narben zurück, da die Schnitte im Bereich des Warzenvorhofs verlaufen und dort nicht gut sichtbar sind.
Wie viel kostet die Korrektur einer Schlupfwarze?
Die Kosten für eine Schlupfwarzenkorrektur variieren je nach Arzt und Klinik und sind abhängig davon, ob eine oder beide Brüste eine Korrektur benötigen. In der Regel ist mit Kosten von CHF 1.000 bis 3.000 zu rechnen.
Da es sich bei einer Schlupfwarzenkorrektur fast immer um eine ästhetische Korrektur handelt, ist nicht mit einer Kostenübernahme durch die Krankenkassen zu rechnen. In einzelnen Fällen übernimmt die Krankenkasse zumindest anteilig die Kosten für den Eingriff. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn durch die Schlupfwarzenkorrektur die Stillfähigkeit einer Frau wiederhergestellt werden kann. Ob Ihre Krankenkasse die Kosten für Ihre OP übernimmt, müssen Sie vorab mit Ihrem Ansprechpartner klären und gegebenenfalls eine Kostengutsprache ärztlich beantragen.