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Gestern hat der Internationale Währungsfonds (IWF) die ersten beiden Kapitel des halbjährlich erscheinenden «World Economic Outlook» (WEO) und den so genannten «Fiscal Monitor» veröffentlicht. Die Berichte sind nicht nur wegen den Zukunftseinschätzungen der IWF-Ökonomen beachtenswert, sondern mindestens ebenso wegen den umfangreichen Auseinandersetzungen zu aktuellen ökonomischen Entwicklungen und Risiken. Sie sind auch angereichert mit einer grossen Zahl spannender Grafiken, bei denen allerdings einige ohne den Textzusammenhang schwierig verständlich sind. Hier eine Auswahl von Darstellungen, die auch ohne viele Erklärungen deutliche Aussagen machen.
Die obige Grafik findet sich im Kapitel 2 des WEO und verdeutlicht, wie die Prognosen des Fonds für dieses und das nächste Jahr für die Regionen der Weltwirtschaft revidiert wurden. Die drastischsten Abwärtsrevisionen betreffen die Eurozone, mit der schlimmsten Korrektur bei den gefährdeten Ländern der Eurozonen-Peripherie. Doch selbst die «Core»-Länder um Deutschland müssen laut IWF mit schlechteren Aussichten rechnen (siehe auch die folgende Grafik). Die Abkürzungen entsprechen der Aufteilung nach IWF-Statistik: LAC steht für Lateinamerika und die Karibik, SSA für Afrika unterhalb der Sahara sowie die zentral und osteuropäiscen aufstrebenden Volkswirtschaften, CIS für die Commonwealth-Staaten.
Die obige Grafik, ebenfalls aus dem zweiten Kapitel, macht die Revision der Aussichten für die einzelnen Länder Europas deutlich. Auch für die Schweiz wurden die Prognosen nach unten korrigiert. Der IWF rechnet für 2012 hier noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent im laufenden Jahr und mit 1,4 Prozent im nächsten Jahr. Ohnehin gefährdete Länder wie Spanien, Griechenland und selbst Italien werden laut IWF wie schon in diesem auch im nächsten Jahr in der Rezession verharren.
Noch zwei Grafiken zur Krise in Europa - die vom IWF nach wie vor als besonders grosse Gefahr für die Weltwirtschaft identifiziert wird. Jene links zeigt den Stand des realen Bruttoinlandprodukts seit der Finanzkrise. Länder der Peripherie sind heute noch schlechter dran als damals. Die Kernländer haben diese Krise bereits ausgebügelt. Die Grafik rechts macht deutlich, dass von der Inflationsfront in den Euroländern keine Gefahr droht. Sie hat sich sogar überall wieder reduziert.
Wie die Grafik oben (aus dem ersten Kapitel des WEO) zeigt, sollte die Rezession in den Peripherieländern im nächsten Jahr immerhin abklingen und gegen Ende 2013 sollten sogar wieder positive Wachstumsraten zu sehen sein – selbst nach der revidierten negativeren Prognose (Balken).
Die obige Grafik, ebenfalls aus Kapitel 1, wirft einen Blick auf die Bedeutung der Europäischen Zentralbank für die Rettung der Banken in Peripherieländern. Konkret zeigt sie, wie die Ansprüche der EZB durch Finanzspritzen an spanische und griechische Banken seit der Finanzkrise angestiegen sind.
Einen Blick auf die Entwicklung der Anlagen gleich mehrerer Zentralbanken seit der Finanzkrise (in Prozent des jeweiligen BIP von 2008) werfen die obigen zwei Grafiken aus Kapitel 1. Hier fällt vor allem die Schweizerische Nationalbank auf, deren Reserven besonders drastisch zugelegt haben und jetzt einen sehr hohen Anteil am heimischen BIP ausmachen. Dieser hohe Anteil ist allerdings auch Ausdruck der Tatsache, dass der Schweizer Franken für die Grösse der Schweiz eine aussergewöhnlich wichtige Bedeutung unter den Weltwährungen einnimmt. Die Zunahme der Zentralbank-Anlagen steht für den starken Anstieg der Notenbankgeldmenge in den genannten Ländern. Das müsste in gewöhnlichen Zeiten die Inflation anheizen, ...
...was aber bisher nicht geschieht. Wie schon für die Eurozone gezeigt, bildet sich die Inflation sogar weltweit wieder zurück. Die obige Grafik aus Kapitel 1 verdeutlicht dies. Ein Grund dafür sind die unterausgelasteten Kapazitäten in den wichtigsten Regionen der Weltwirtschaft.
Oben ist auch die Entwicklung der Kerninflation dargestellt. Sie wird um die volatilen Nahrungs- und Energiepreise bereinigt und gibt an, ob eine zwischenzeitliche Teuerung etwa durch höhere Rohstoffpreise sich in Zweitrundeneffekten auf höhere Kosten und Lohnabschlüsse in der Gesamtwirtschaft durchschlägt. In diesem Fall droht eine Lohn-Preis-Spirale in Gang zu kommen. Wie die Grafik aus Kapitel 1 aber zeigt, ist davon nichts zu erkennen. Im Gegenteil: Selbst die Kerninflation hat nach einem Erhohlungs-Anstieg nach der Finanzkrise praktisch überall wieder abgenommen.
Die Grafik aus Kapitel 1 oben zeigt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den Regionen der Weltwirtschaft im angelaufenen halben Jahr nach Einschätzung der IWF-Ökonomen. Die schwarzen Punkte geben an, wie der IWF diese Wahrscheinlichkeit noch im April eingeschätzt hat. Die Ökonomen rechnen offenbar fast sicher mit einer Rezession in der Eurozone, was sich auch in den bereits verfügbaren Daten abzeichnet.
Während die Sorge vor einer explodierenden Inflation noch immer unbegründet bleibt, ist die Gefahr einer Deflation nicht gänzlich gebannt. Vor allem in Japan ist laut IWF die Wahrscheinlichkeit nach wie vor hoch, dass das Land dieser Falle nicht entkommt, an dem er bereits lange gelitten hat. Immerhin ist das Risiko gemäss der Einschätzung im April andernorts gesunken und gering. Wie der Fonds in seinem Bericht schreibt, würde aber ein zu rascher Schuldenabbau die Gefahr einer deflationären Abwärtsspirale wieder erhöhen.
Der «Fiscal Monitor» des IWF geht auf die Verschuldungssituation ein. Eindrücklich zeigt die obige Grafik am Beispiel von Industrieländern, dass die Verschuldung in der aktuellen Krise drastisch stärker angestiegen ist als im Schnitt (Median) vergangener Rezessionen. Anders gesagt ist der Anstieg der Verschuldung diesmal viel stärker als im Fall anderer Krisen eine Folge und nicht die Ursache.
Die obige Grafik aus dem «Fiscal Monitor» ist nicht einfach zu verstehen, wenn man die Schuldenfallenformel nicht kennt. Stammlesenden dieses Blogs ist sie natürlich bekannt - alle anderen nutzen kurz diesen Link oder begnügen sich mit dieser Kurzerklärung: Wenn (und je mehr) der Realzins das reale Wachstum übersteigt, wächst die Schuldenquote selbst dann weiter, wenn ein Land einen ausgeglichenen Primärhaushalte präsentieren kann (das heisst, wenn die Staatsausgaben ohne Zinskosten durch die Einnahmen gedeckt werden.) Die Grafik macht deutlich, dass die Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich Inflation) für Länder wie Griechenland (GRC), Portugal (PRT), Italien (ITA), Spanien (ESP) viel zu hoch sind und sie selbst für eine Reihe weitere Länder deutlich höhere Wachstumsraten oder Budgetüberschüsse erfordern, um die Schulden nur schon zu stabilisieren. Das Problem dabei ist ein Zielkonflikt: Sparmassnahmen in der Krise drohen das Wachstum weiter einbrechen zu lassen. Die Auflösung zu den Länderabkürzungen finden sich übrigens auf Seite 97 des «Fiscal Monitor».
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