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Das Ergebnis der bolivianischen Präsidentschaftswahl vom Sonntag ist überraschend – und doch erklärbar. Zwar liegt noch kein offizielles Ergebnis vor, die Zahlen der Nachwahlumfragen aber sind eindeutig: Luis Arce vom Movimiento al Socialismo (MAS) hat demnach rund 52 Prozent der Stimmen erhalten. Der liberal-konservative Carlos Mesa liegt mehr als 20 Prozentpunkte dahinter, der rechtskatholische Milizenführer Luis Fernando Camacho kam gar nur auf 14 Prozent.
Dass Arce über zehn Prozentpunkte mehr einfahren würde als Evo Morales bei der umstrittenen Wahl mit nachfolgendem Putsch vor einem Jahr, hatte niemand erwartet. Zwei Gründe waren dafür ausschlaggebend.
Der erste: Arce ist kein Volkstribun wie Morales, der sich zuletzt mit juristischen Tricksereien die Macht sichern wollte. Arce war ein Mann der zweiten Reihe. Unter Morales war er zwölf Jahre lang Wirtschaftsminister – und als solcher das Gehirn hinter einer Politik, die den Reichtum des Landes umverteilt und Millionen aus der Armut geholt hat. Er hat Morales glänzen lassen und sich nun als Kandidat präsentiert, der nicht mehr als eine Amtszeit anstrebe: Er werde ein Übergangspräsident sein, dem dann eine jüngere Generation folgen solle. Wer sich von Morales abgewandt hatte, weil der sich nur noch selbstherrlich an die Macht klammerte, kam mit Arce zurück zum MAS.
Den zweiten Grund hat die rechtskatholische Putschregierung in ihrem knappen Jahr an der Macht geliefert. Sie hat der indigenen Bevölkerungsmehrheit präsentiert, was diese auf keinen Fall mehr will: die Rückkehr des weissen Rassismus und eine Privatisierungspolitik, die den Reichtum des Landes in den Händen weniger konzentriert.
So bestätigt der MAS-Sieg, was schon die Wahl von Alberto Fernández in Argentinien im vergangenen Jahr gezeigt hat: Die lateinamerikanische Linke kann gewinnen, wenn sie sich ganz unprätentiös auf ihr ureigenstes Feld der Sozialpolitik konzentriert. Das Zeitalter der schillernden linken Volkstribune aber scheint zu Ende zu gehen.