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Psychologische Sicherheit ist das Ergebnis einer Kultur des Vertrauens und der "Booster" für Performance im Team. Könnte ISO 45003 der "Game Changer" und die treibende Kraft für ein effektives Management von psychologischer Sicherheit am Arbeitsplatz sein?
Laut der Organisation Great Place To Work arbeiten Teams mit hoher psychologischer Sicherheit 10 mal effektiver zusammen als Teams, die durch monetäre Anreize wie Boni oder Vergütungen motiviert sind.
Doch, was geschieht, wenn psychologische Sicherheit fehlt?
Quelle: Umfrage LeaderFactor (T.Clark)
Psychologische Sicherheit ist kein neuer Ansatz - erhält jedoch in einer immer rascher ändernden und von Unsicherheit geprägten Umwelt zunehmend an Bedeutung. In der Vergangenheit wurden zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt und Ergebnisse dazu publiziert. Amy C. Edmondson gilt als eine der weltweit einflussreichsten Denkerinnen im Management und der Personalentwicklung und hat sich seit ungefähr 20 Jahren dem Verständnis der psychologischen Sicherheit gewidmet. In ihrem Buch "the fearless organization" teilt sie Ihre Erkenntnisse. Sie hat psychologische Sicherheit als "die Überzeugung, dass die Arbeitsumgebung sicher genug ist, um darin zwischenmenschliche Risiken einzugehen" definiert.
Viele ihrer und anderer Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass psychologische Sicherheit Innovation, kontinuierliches Lernen, Arbeitsmoral, Engagement und Mitarbeiterbindung verbessert. Dabei sollte psychologische Sicherheit zwingend mit einem Engagement für herausragende Leistungen und dem Ehrgeiz, sinnvolle Ziele zu erreichen, kombiniert werden.
Timothy Clark beschreibt in seinem Buch "Die 4 Stufen der psychologischen Sicherheit" folgende 4 Stufen:
inclusion safety - ich fühle mich sicher, meine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.
learner safety - ich fühle mich in der Lage, Feedback zu geben, zu erhalten und Fehler zu machen.
contribution safety - ich fühle mich sicher, eigenen Ideen einzubringen, ohne Angst verspottet oder ausgelacht zu werden.
challenger safety - ich fühle mich sicher, Ideen anderer (einschliesslich derer, die das Sagen haben) in Frage zu stellen oder wesentliche Änderungen an Ideen, Plänen oder Arbeitsweisen vorschlagen.
Um zu bahnbrechender Innovation zu gelangen, muss die 4. und letzte Stufe erreicht werden.
Menschen und Teams durchlaufen diese verschiedenen Phasen vorwärts und rückwärts, überspringen Stadien und bewegen sich in verschiedenen Kontexten, zu verschiedenen Tageszeiten und in verschiedenen Teams in verschiedene "Stadien" hinein und durch sie hindurch: Es ist sinnvoll, über den Kontext nachzudenken, in welchem die psychologische Sicherheit zunimmt, und darüber, wie sich dies manifestiert.
Grossen Aufwind bekam das Thema 2015, als der 2-Billionen-Dollar-Titan Google mit dem „Projekt Aristotle“ während zweier Jahre, 180 verschiedene Teams untersuchte, um Muster ihres Erfolgs bzw. Faktoren einer erfolgreichen Zusammenarbeit in Teams zu erkennen.
Was war das Ergebnis des Projekts? Laut Julia Rozovsky, Teil des People-Analytics-Forscherteams, konnte dabei festgestellt werden, dass Teameffektivität weniger von den Personen im Team abhing, als vielmehr von der Art und Weise, wie sie zusammenarbeiteten. Dabei identifizierten die Forscher in den herausragenden Teams immer wieder die gleichen Themen und legten die fünf häufigsten als Effektivitätssäulen fest.
Psychologische Sicherheit: wie sicher fühlen sich die einzelnen Teammitglieder, ein zwischenmenschliches Risiko einzugehen.
Zuverlässigkeit: In effektiven Teams erledigen die Mitglieder ihre Arbeit pünktlich und drücken sich nicht vor Verantwortung
Struktur und Übersichtlichkeit: Die einzelnen Teammitglieder wissen, welche Erwartungen an sie gestellt werden, wie sie diese erfüllen können und auch an welchen kurz- und langfristigen Zielen das Team arbeitet.
Sinn: die Mitglieder erkennen Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit oder deren Resultat.
Einfluss/Effekt: Das die Ergebnisse der eigenen Arbeit zum Erfolg des Unternehmens beitragen, ist ebenso wichtig.
Psychologische Sicherheit wurde dabei als wichtigster Faktor identifiziert. Auf ihm bauen die übrigen vier Faktoren auf.
Das Thema psychologische Sicherheit wurde von Seiten der International Organization of Standardization (ISO) ebenfalls aufgegriffen. Im Juni 2021 wurde der Leitfaden ISO 45003:2021 "Management von Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz - Psychologische Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz" verabschiedet. Denn die Wichtigkeit des Faktors Mensch gehört seit jeher zum zentralen Thema jeder auf nachhaltigen Erfolg ausgerichteten Unternehmung. Wenn Mitarbeitende ausfallen, ist damit ein hoher organisatorischer und finanzieller Aufwand verbunden. Studien zeigen, dass etwa ein Fünftel der verlorenen Arbeitstage auf arbeitsbedingte Ängste zurückzuführen sind.
Mit der Verknüpfung zu ISO wird das Thema im Management adressiert und sollte als Teil der Unternehmenskultur verstanden und integriert werden. ISO 45003 ist der erste weltweite Standard, der praktische Anleitungen zum Management von psychologischer Sicherheit am Arbeitsplatz bietet und Organisationen dabei unterstützt, kontinuierlich ein sichereres und positiveres Arbeitsumfeld zu schaffen, welches sich auch wirtschaftlich lohnt.
Zusammen mit Philipp Engstler von flowdays haben wir im letzten Jahr eine Webinar-Serie zu psychologischer Sicherheit gestartet, welche wir im 2023 fortsetzen. Bist Du interessiert, mehr zu dieserm Thema zu erfahren und konkrete Ansätzte zu erhalten, dann melde dich per Mail bei mir.