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Der Weisse Schweizer Schäferhund
ursprünglich
Der Amerikanisch-Canadische Weisse Schäferhund
Aus der Geschichte und Völkerkunde sind uns die Hirtenvölker bekannt. Ihre wichtigsten Helfer waren dabei die Hirtenhunde. Es handelte sich dabei um grosse, kräftige Tiere, deren Hauptaufgabe darin bestand, die Herde vor angreifenden Raubtieren und menschlichen Räubern zu schützen. Die Hirtenhunde, sie wurden auch Feldrüden genannt, sind bis zur ersten Jahrtausendwende bekannt.So gab es zum Beispiel hohe Strafen, wenn jemand einen Hund stahl, ihm geraubtes Kleinvieh entriss.
In einem Werk des 13. Jahrhunderts heisst es, dass solche Schafhunde ganz weiss sein sollten, damit sie der Hirt ohne Mühe vom Wolf unterscheiden kann.
In manchen Gegenden verteidigen sie heute noch die Herden gegen Wölfe. Eine dieser weissen Hunderassen wird erst seit einigen Jahr-zehnten genannt. Der Amerikanisch-Canadische weisse Schäferhund – jetzt Der Weisse Schweizer Schäferhund. Noch in neueren Werken kommen Hunde, mit Eigenschaften wie diese Rasse, schlecht weg.
Sie durften weder zur Zucht verwendet, noch auf Ausstellungen bewertet werden – hiess es.
Als Begründung wurde angeführt: Stärkere Farbenverblassung und völliger Pigmentmangel.
Das hat sich seit beinahe 40 Jahren schlagartig geändert. Der Weisse Schweizer Schäferhund, der zu den ältesten Hunderassen der Welt gehört, ist nach langem Exil in Amerika nach Europa zurückgekehrt.
Schon der römische Schriftsteller Marcus Terrentius Terro (116 bis 27 v. Chr.) hat weisse Schäferhunde beschrieben. In seinem Buch heisst es: Der Beschützer der Herde habe ein unveränderlich weisses Fell. Die Hirten bevorzugen weisse Hunde um sie nicht mit den Wölfen zu verwechseln, die gewöhnlich in der Dämmerung angreifen.
In Deutschland fand der weisse Schäferhund in früheren Zeiten wenig Verbreitung. Es gab im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahr- hunderts nur wenige Züchter. Man wusste zwar, dass der Weisse Deutsche Schäferhund ein Abkömmling des Deutschen Schäferhundes war. Wenige wissen aber von der Geschichte, wie der Weisse Deutsche Schäferhund entstand.
Kurz nach 1900 gelangte der Weisse Schäferhund nach Amerika. Und zwar wurde 1906 eine Hündin für Ausstellungen nach New York gebracht und erhielt auf einer Ausstellung den Mannigfaltigs-Klassenpreis. Wenige Jahre später, bereits 1912 wurde der erste Deutsche Schäferhunde-Club in Amerika gegründet. Am 27. März 1917 ist der erste Weisse Schäferhund in den Vereinigten Staaten geboren und registriert worden.
Einer der Haupteinwände gegen die Anerkennung und gezielte Zucht des weissen Schäferhunds war, dass er für die Verblassung der dunkleren Farbe verantwortlich gemacht werden könnte. Dieser Vorwurf wurde von vielen Züchtern mit Beweisen zurückgewiesen. Man stellte fest, dass die deutschen Züchter die helleren Farben für ein Zeichen der Dekadenz hielten. In Amerika vertrat man hingegen den Standpunkt, dass Weiss eine Farbe und kein Zeichen für Albinismus sei.
Die Qualität der Pigmente sei auch bei weissen Hunden gut. Das gültigste und ausschliessliche Beweismaterial waren die Stammbücher. Schwarze und weisse Hunde haben nebeneinander in derselben Blutlinie gelebt, ohne ein Zeichen der Verblassung durch die weissen.
Nachdem sich die Rasse in den Vereinigten Staaten etabliert hatte, verbreitete sich ihr Ruf auch in Kanada. Ausschlaggebend war die Begeisterung für die Schönheit des Weissen Schäferhundes. Wenig später hielt sich auch in Mexiko Einzug und etablierte sich als zuverlässiger Gebrauchshund.
In Europa war es lange Zeit still um den schönen weissen Hund geworden und mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. In den 1960er Jahren gab es nur noch in England einen weissen Schäferhund.
Es ist nicht verständlich warum dieses schöne Tier bei uns so lange verpönt war. Seine reinweisse Farbe wurde von den Züchtern als Fehlfarbe verurteilt.
1972 begann man in der Schweiz mit der Reinzucht der Rasse und 1981 kehrten die weissen Schäferhunde in ihre Urheimat Deutschland zurück, wo sie sich rasch, aber vornehmlich in dem 90er Jahren immer grösserer Beliebtheit erfreuten. Die Europäische Hundesport-Union, der IRJGV und die ÖHU akzeptierten den weissen Schäferhund seit seiner Rückkehr aus dem Exil. In Österreich und der Schweiz gründeten sich um 1990 erste spezielle Vereine zur Förderung der Leistung und der Zucht dieser gefälligen Rasse, suchten rasch Anschluss an die internationale Dachorganisation und waren für die Anderkennung, damit für die Öffnung zum Ausstellungswesen hin, dankbar.
Dass aus dem Amerikanisch-Canadischen weissen Schäferhund der Weisse Schweizer Schäferhund wurde, liegt an der vorläufigen Anerkennung durch die FCI aus dem Jahre 2003. Um der Rasse nicht mehr Steine als notwendig in den Weg zu legen, hat auch der IRJGV ent-schlossen, diese Namensänderung der Rasse zu akzeptieren. Es geht schliesslich um die Qualität des Hundes – der Rasse an sich – und nicht um den Namen oder den Anschein eine neue Rasse aus der Taufe gehoben zu haben
Der Weisse Schweizer Schäferhund besitzt auch heute noch wesentliche Charakterzüge des – ursprünglichen – Deutschen Schäferhundes. Er vereinigt Temperament, Aufmerksamkeit und Lernfreudigkeit genauso in sich, wie einen gewissen natürlichen Schutztrieb.
In der Menschenfamilie zeigt er sich eng angeschlossen und freundlich – während er Fremden gegenüber durchaus zurückhaltend und mit gebotener Distanz begegnet.
Von der in Deutschland und europaweit jahrzehntenlang währenden Selektion nach Schärfe und dem unsäglichen Schönheitsideal der Raketenstellung hingegen war er verschont geblieben. Aus eigener Erfahrung wissen wir aber, dass sich ehemals – eifrigste – Züchter des Deutschen Schäferhundes schnell auch dem weissen Schäferhund widmen wollten, um nach einigen gezielten Verpaarungen möglichst rasch die harmonische Stellung herauszuzüchten. Lediglich die strikte Ablehnung dieses widernatürlichen Rassemerkmals im Standard des weissen Schäferhundes, liess für informationsinteressierte Züchter die Rasse auch zukünftig uninteressant erscheinen. So soll es und wird es auch bleiben!
Der Weisse Schweizer Schäferhund findet seinen Platz heutzutage vornehmlich als aufgeweckter und gelehriger Familienbegleithund. Er stellt ja auch eine stattliche, edle Erscheinung dar und beeindruckt ebenso erfolgreich bei verschiedenen Hundesportarten. Dank seiner wachen Instinkte und seinen körperlichen Eigenschaften, eignet er sich aber auch hervorragend zu Fährtenarbeit und zum Einsatz als Rettungshund. Genauso kann man ihn mit einer einfühlsamen soliden Ausbildung als Schutzhund einsetzen. Wichtig dabei ist, dass bei der Ausbildung mit dem Hund dieser Rasse ohne allzu starken Druckausübung gearbeitet wird.