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| Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)

Sermo LXXXII-LXXXV: Je eine Predigt zu Ehren der beiden Apostelfürsten und des heiligen Petrus allein. - Strafpredigt wegen der geringen Teilnahme der Römer an der jährlich begangenen Dankfeier für ihre Befreiung von den Vandalen. - Predigt zu Ehren des heiligen Laurentius.Sermo LXXXII. Auf den Todestag der Apostelfürsten Petrus u. Paulus.
1.
Geliebteste! All unsere heiligen Feste sind ein Gemeingut der ganzen Welt. Die Ehrfurcht vor dem für alle gleichen Glauben erfordert es, daß sämtliche Gedenkfeiern der zum Heile der gesamten Menschheit vollbrachten Taten überall mit derselben Freude begangen werden. Allein, abgesehen von der Verehrung, die das heutige Fest auf dem weiten Erdenrund verdient, muß es in unserer Stadt mit ganz besonderem Jubel begrüßt werden. Wo die Apostelfürsten ihr Leben so herrlich beschlossen haben, da gehört es sich auch, den Tag ihres Martyriums herrlich zu feiern. Das sind ja die Männer, von denen dir, Rom, das Licht des Evangeliums Christi gebracht wurde: Aus einer Lehrerin des Irrtums wurdest du zu einer Schülerin der Wahrheit. Das sind deine heiligen Väter und deine wahren Hirten, die für deine Eingliederung in das göttliche Reich weit bessere und segensreichere Gründer waren, als jene, durch deren Fürsorge der erste Stein zu deinen Mauern gelegt wurde; denn der eine von ihnen, der dir seinen Namen gab, hat dich durch Brudermord geschändet. Die beiden Apostel sind es, die dich zu so hohem Ruhme geführt haben. Durch den heiligen Stuhl des seligen Petrus wurdest du ein gottgeweihtes Geschlecht, ein auserwähltes Volk, ein Staat von Priestern und Königen, das Haupt der Welt. Durch die göttliche Religion solltest du deine Herrschaft weiter ausbreiten als vordem durch deine weltliche Macht. Obgleich du, durch viele Siege groß geworden, dein Herrenrecht über Länder und Meere ausdehntest, so ist doch das Gebiet, das dir der harte Krieg unterjochte, kleiner als das, welches dir das friedliche Christentum untertänig machte.