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[* 2] (Balneum), Eintauchung des Körpers oder einzelner Teile desselben in eine Flüssigkeit, wobei
die Oberfläche des Körpers längere Zeit hindurch mit jener in Berührung bleibt. Auch bezeichnet man die Anwendung strömender
oder fallender Flüssigkeit auf den Körper als und redet daher von Tropf-, Gieß- und Douchebädern. Hinsichtlich der Anwendungsweise
der Bäder oder der Art der Eintauchung des Körpers oder einzelner Teile unterscheidet man allgemeine
oder ganze Bäder (Vollbäder), wobei der ganze Körper in die Flüssigkeit eingetaucht wird, von den partiellen oder örtlichen
Bädern und unter diesen wiederum Halbbäder, wobei nur die untere Körperhälfte sich in dem Bad befindet, Sitzbäder,
bei welchen nur das Gesäß und ein Teil des Unterleibs eingetaucht ist, Arm- und Handbäder, Fußbäder
etc. Auch nach den Stoffen, welche man zu den Bädern verwendet, werden dieselben benannt, und man hat daher: einfache Wasserbäder
und medizinische Bäder, welche Salze (Mineralbäder, Solbäder, Laugenbäder), vegetabilische (Kräuter-, Fichtennadel-, Kleien-,
Malz-, Senfbäder) oder tierische Substanzen (Ameisenbäder) enthalten. Im weitern Sinn rechnet man zu den
Bädern, obschon der Körper dabei nicht mit tropfbarflüssigen Stoffen in Berührung kommt, die Dampf-, Gas-, Schlamm-, Erd-,
Sand-, Tier- und Luftbäder.
Zum zweiten ist das Bad gesundheitförderlich, je nach seiner Temperatur. Während des kalten Bades werden
die Haut
[* 6] und die Extremitäten blutärmer, die innern Organe des Körpers aber entsprechend blutreicher. Nach dem kalten Bad, zumal
wenn die Haut durch Wellenschlag und starken Salzgehalt noch stärker gereizt war, also nach einem Seebad, entsteht früher
oder später ein Gefühl des Wohlbehagens durch das vermehrte Einströmen des Bluts in die seinen Gefäße
der Haut und durch das damit zurückkehrende Gefühl der Wärme.
[* 7]
Der Stoffwechsel wird lebhaft angeregt, Körper und Geist gewinnen an Straffheit und Elastizität, und noch längere Zeit bleibt
nach einer Seebadekur erhöhte Widerstandsfähigkeit zurück. Voraussetzung ist freilich, daß nicht
Kranke in vorgeschrittenem Kräfteverfall, Rekonvaleszenten nach schwerem Typhus, leicht erregbare, nervöse oder herzkranke
Personen sich der Kur kalter Bäder unterziehen. In zweifelhaften Fällen überlasse man dem Arzte die Entscheidung.
Die Wirkung der warmen Bäder, deren Temperatur derjenigen des Bluts nahekommt, besteht darin, daß die Haut sich rötet und
erschlafft, die Blutzirkulation in der Haut also gesteigert wird. Der Puls ist beschleunigt, der Atem frequenter,
die Wasser- und Kohlensäureausscheidung durch die Lungen gesteigert, die Ernährungsvorgänge an den Geweben des Körpers finden
leichter und schneller statt. Das warme Bad wirkt also im wesentlichen beruhigend und bei herabgekommenen, blutarmen
Individuen sowie nach starken körperlichen Anstrengungen zugleich stärkend.
Diese Einrichtung besteht darin, daß einzelne Körperteile oder selbst der ganze Körper tage- und wochenlang in einer fortwährend
sich erneuernden, aber gleich temperierten Wassermasse eingetaucht bleiben. Bei ausgedehnten Verbrennungen,
Quetschwunden, sehr großen Geschwüren etc. sind dadurch die besten Erfolge erzielt worden. Heiße Bäder werden vorzugsweise
örtlich, d. h. als Fuß- und Handbäder, angewendet, teils um entzündliche Vorgänge an denselben zu steigern und sie somit
schneller zum Ablaufen zu bringen, teils um das Blut nach dem heiß gebadeten Teil hin- und von einem entfernten
kranken Organ abzuleiten.
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forlaufend
Was die Wirkung der so zahlreichen und so verschiedenartig zusammengesetzten sogen. Mineralbäder anbetrifft, so beruht sie
lediglich auf Erfahrung. Eine Erklärung ist trotz der sorgfältigsten chemischen Analysen nicht zu geben (die sogen. indifferenten
Thermen bestehen aus schlichtem Wasser und besitzen doch eine mächtige, überraschende Heilkraft), eine wissenschaftliche
Bäderlehre existiert noch nicht. Die Solbäder üben einen energischen Reiz auf die Haut aus, befördern
die Blutzirkulation in derselben sowie die Hautausdünstung und wirken dadurch auf den gesamten Ernährungsvorgang kräftig
zurück, indem sie die Eßlust und die Assimilation steigern.
Krankhafte Ausschwitzungen, Drüsenschwellungen, Verhärtungen der Organe, chronische Hautausschläge und Geschwüre werden dadurch
zur Heilung gebracht. Namentlich bei allen skrofulösen Affektionen werden die Solbäder mit augenfälligem
Erfolg angewendet (s. auch unten bei medizinische Bäder). Ähnlich verhält es sich mit den kohlensäurereichen
Bädern, welche auf die Haut und das Nervensystem lebhaft erregend wirken, weshalb sie bei den verschiedensten Schwäche- und
Erschöpfungszuständen angewendet werden. An mehreren Badeorten mit an Kohlensäure reichen Quellen hat
man besondere Kohlensäuregasbäder eingerichtet.
Sie werden meist örtlich angewendet und bestehen darin, daß der kranke Teil von einer Gasatmosphäre umgeben wird. IhreWirkung ist eine sehr intensive. Sie kommen namentlich bei Lähmungs- und Schwächezuständen zur Anwendung. Auch den sogen.
Schwefelbädern schreibt man gewöhnlich eine von ihrem Gehalt an Schwefelwasserstoffgas und andern Schwefelverbindungen
abhängige Wirkung zu, indessen lehrt eine vorurteilslose Analyse der Thatsachen, daß sie nicht anders wirken als einfache
warme Wasserbäder; denn die geringe Menge von Schwefelwasserstoffgas, welche die Haut im B. aufnimmt, ruft keine irgend erheblichen
Veränderungen im Organismus hervor. Zu den Mineralbädern rechnet man ferner die sogen.
Moor- oder Schlammbäder.
Man unterscheidet: Schwefelmineralschlamm-, Kohlenmineralschlamm-, Eisenmineralschlamm-, Kochsalzmineralschlamm- und erdige
Mineralschlammbäder. Der Schlamm wird in Wannen gebracht und daselbst erwärmt, worauf sich die Kranken in denselben einsenken
wie in die Wasserbäder, oder man bestreicht mit dem Schlamm leidende Teile, läßt ihn darauf trocknen und
wäscht ihn nach einiger Zeit ab. Für die Beförderung der Resorption alter Gelenkentzündungen, eiteriger und andrer Exsudate
leisten sie vorzügliche Dienste,
[* 10] ebenso bei Lähmungen, alten und schweren Fällen von Rheumatismus, ohne daß das Zustandekommen
der Wirkung durch die chemischen oder mechanischen Eigenschaften des Moorbreies im mindesten erklärbar wären.
Eine sehr mächtige, erregende und bei rheumatischen Leiden
[* 14] günstige Wirkung besitzen die warmen oder
heißen Dampfbäder. Die Badenden sitzen dabei in einem Raum, in welchen heiße Dämpfe einströmen, ein Bademeister peitscht
mittels Birkenruten die Haut (russisches Bad), worauf dann lauwarme Übergießungen folgen und der Badende in den auf 45-50°
R. erhitzten Schwitzraum geführt wird. Hier bricht in der trocknen Hitze der Schweiß aus allen Poren (römisch-irisches
Bad), nach 10-20 Minuten folgen lauwarme bis kalte Douchen und endlich 30-60 Minuten langes Liegen in wollener Decke.
[* 15] Ebenfalls
schweißtreibend wirkt das warme Sandbad. Der Körper oder einzelne Glieder werden mit künstlich oder von der Sonne
[* 16] erwärmtem feinen, trocknen Sand eingehüllt, dessen Temperatur zwischen 30 und 40° R. beträgt. - Über die Einrichtung der
verschiedenen Badeanstalten s. unten.
von Bädern verbunden. Mit warmen Bädern wurde der willkommene Gast begrüßt, und sogar Königstöchter verschmähten es nicht,
denselben darin zu bedienen. Vorzüglich geschätzt wurden Bäder von den Lakedämoniern, und einige wollen daher den Namen
des bei den Römern so vielbenutzten Schwitzbades (laconicum, sc. balneum) von den Lakedämoniern ableiten. Heriodikos, welcher
kurz vor dem Peloponnesischen Krieg lebte, soll Bäder zuerst in Verbindung mit kunstmäßigen Friktionen zur Erhaltung, Stärkung
und Wiederherstellung der Gesundheit empfohlen haben.
Bei Hippokrates, seinem Schüler, finden sich die ersten umständlichen, unter wissenschaftlichem Gesichtspunkt geordneten Notizen
über Nutzen und Nachteil der Bäder, welche als die Grundlage der spätern Balneotherapie zu betrachten
sind. Der Gebrauch der warmen Bäder wurde später noch allgemeiner und häufiger, als die Griechen bei ihren Gymnasien und
Palästren öffentliche Anstalten zum Baden errichteten. Die Badehäuser der Römer
[* 19] waren palastartige, weitläufige Gebäude,
in denen jeder einzelne Akt beim Baden seinen besondern Raum hatte.
Vergleichen wir die Überreste alter Bäder untereinander, und halten wir sie zugleich mit dem zusammen,
was Vitruv, Plinius, Palladius und andre Autoren darüber berichten, so erkennen wir folgende Teile eines römischen Bades überall
wieder. In der Mitte des länglich-viereckigen Badegebäudes, im Kellergeschoß, lag das Heizungszimmer (hypocaustum), aus
welchem sich Röhren
[* 20] (caliductus) durch die Zimmer zur Lufterwärmung verbreiteten; über dem Hypokauston
war ein Raum mit drei übereinander stehenden Kesseln (ahena); aus dem obersten (frigidarium) floß kaltes Wasser in den mittlern
(tepidarium) und, hier lau geworden, in den untersten (caldarium), um heiß zu werden.
Aus jedem Kessel führten in die Badezimmer der beiden für die Männer und Frauen bestimmten Abteilungen
des Gebäudes mit Hähnen versehene Röhren; der oberste Kessel erhielt sein Wasser aus einem gefüllten Behältnis, das gewöhnlich
durch einen besonders dazu angelegten Aquädukt
gespeist wurde. Neben und über dem Heizungszimmer waren die Badezimmer, das
rund gebaute trockne Schwitzbad, mit diesem verbunden das warme Bad (caldarium), ferner die concamerata
sudatio, wo man sich den Schweiß abtrocknete und den Körper reinigte, und das laue Bad (tepidarium). In jedem Zimmer befand
sich ein steinernes oder metallenes Becken, um dasselbe ein Geländer, und zwischen diesem und den Wänden war der freie Raum
(schola), wo die, welche noch zu baden gedachten oder bloß der Unterhaltung wegen das Bad besuchten,
sich aufhielten. Von den römischen Bädern sind noch heutigestags mehrere Überreste vorhanden. Dahin gehören die Trümmer
der Bäder in Rom
[* 21] selbst, namentlich der des Titus, Caracalla (s. Tafel »Baukunst
[* 22] VI«,
[* 23] Fig. 11) und Diokletian, ferner die 1784 in
Badenweiler entdeckten Ruinen, die eines römischen Privatbades zu Caerwent in England
[* 2]
(Fig. 1) etc., vorzüglich
aber die pompejanischen Thermen, die in einem Zustand ausgegraben wurden, der es leicht macht, über die Bestimmung der meisten
Teile mit Sicherheit zu entscheiden (vgl. nebenstehenden Plan,
[* 2]
Fig. 2). Die alten Gallier hatten ihre geheiligten Wasserquellen,
in welche sie ihre Kranken legten, und in welchen sie sich zu gewissen Zeiten regelmäßig zu baden pflegten.