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Indianer sammeln Samen zur Aufforstung des Xingu-Quellgebiets. Die Arbeit der Wiederaufforstung der Region rund um die Quellen des Xingu-Flusses, in Mato Grosso, kann auf die Unterstützung von Seiten der Ikpeng-Indianer zählen, die Samen von nativen Baumarten sammeln, um sie an die Ambientalisten und Landwirte der Region zu verkaufen. Letztere bedienen sich einer Pflanztechnik, die hierzulande “Muvuca“ genannt wird: Sie benutzen eine Soja-Pflanzmaschine zum Einsäen des neuen Waldes.
Das eingeborene Volk der Ikpeng besteht aus 400 Mitgliedern – in der Mehrheit junge Leute, die sich mit dem Sammeln der Samen befassen. Einer von ihnen erklärt: “Eine Markierung zeigt uns, welche Bäume wichtig sind für unsere Sammlung – dann pflücke ich die Früchte – wir machen Saft daraus oder kauen das Fruchtfleisch – und die Kerne heben wir auf“.
Der portugiesische Name jener Frucht ist “Pitomba“ – kirschgross, und sehr süss, typisch für die Übergangszone zwischen Cerrado und Regenwald. Und weil sie sich hoch über dem Boden befindet, ist es nicht leicht, ihre Kerne zu sammeln. Der junge Oremé zeigt seinem Cousin Waygé, der bestimmt wurde, auf den Baum zu klettern, wie er am besten an die Früchte rankommt. Von oben schüttelt er die reifen Früchte herunter und die Jungen unter dem Baum essen das Fruchtfleisch und heben die Kerne in einem Säckchen auf.
Dann wechselt die Gruppe in ein anderes Gebiet. Es ist eine lange Wanderung bis ins Zentrum des Waldes, wo die höheren Bäume stehen. Unterwegs sprudelt eine Quelle aus dem Waldboden – ihr Wasser ist sauber und löscht den Durst der Gruppe.
Nach einer Wanderung von zwei Stunden innerhalb des Waldes erreichen die jungen Indianer das Sammelgebiet. Die Samen, auf die sie es jetzt abgesehen haben, hängen in Form von Rispen hoch oben in den Baumriesen. Erneut müssen sie jemanden bestimmen, der dort hinauf klettert. Aber der junge Waygé weigert sich diesmal.
Der Forstingenieur Marcos Schmidt vom “Instituto Socioambiental” hat das Training der Indianer für diese Art von Situation koordiniert. Die von ihm eingesetzte Technik ähnelt dem “Rappel“-Sport – und die geschickten Indianer hangeln sich hoch bis in die Mitte der Rispen. Mit einer Heckenschere beginnen sie ihre Arbeit zwischen Himmel und Erde – die andern sammeln die zu Boden stürzenden Früchte ein. Marcos Schmidt sagt, dass der an die Indianer bezahlte Preis für die Sammeltätigkeit zwischen 0,50 R$ und 500,00 R$ pro Kilo Samen liegt.
“Ein Kilo grosser Kerne besteht aus wenigen Exemplaren – das Kilo einer kleinen Art kann Tausende enthalten. Also beeinflusst die Samengrösse auch den Preis. Aber neben dem finanziellen Wert finde ich, dass die Erfahrungen und Erkenntnisse dieser Menschen beim Kampf um die Aufforstung dieser Region – die extrem abgeholzt wurde – auch für sie zu den grössten Segnungen gehört“, sagt Schmidt.
Mission erfolgreich abgeschlossen – der junge Indianer Oremé erhält den Applaus der ganzen Gruppe. Im Schatten einer Hütte, die man inmitten des Dorfes hingestellt hat, sortieren die Ikpeng-Indianer die im Wald gesammelten Samenkerne. Am nächsten Tag werden sie dann zum Trocknen unter freiem Himmel auf geflochtenen Matten ausgelegt.
Um sie später bis in den Ort Canarana zu transportieren, benutzen sie die einzig mögliche Verbindung – die Wasserstrasse des Rio Xingu. Die Reise im Kanu dauert einen ganzen Tag. Waengé und Oremé sind verantwortlich für die Kommerzialisierung des Produkts in der Stadt. Sie verkaufen alles an die “Rede de Sementes“, eine Auffangstation, die vom staatlichen “Instituto Socioambiental“ koordiniert wird.
Dessen Techniker arbeiten mit 160 Baumarten und, in Partnerschaft mit der Präfektur von Canarana, haben sie dort einen “Viveiro“ (Baumschule) installiert. Der Landwirt Anderlei Goldoni hat Samen und Setzlinge von 40 unterschiedlichen Arten gekauft, um drei Hektar rund um den Fluss, der sein Land durchquert, damit zu bepflanzen. Sein Projekt ist inzwischen zweiundeinhalb Jahre alt, und viele Bäume sind bereits drei Meter hoch!
Für eine Aufforstung kleinerer Areale, wie jenes von Senhor Goldini, empfehlen die Wissenschaftler das Pflanzen von Ablegern. Aber auf grösseren Flächen testet man die Technik der “Muvuca“ – der Streuung der Samen. Es wurden 41 native Spezies ausgewählt, die auf diese Art auf einmal als Mischung eingesät werden sollen.
Das “Rezept” für einen halben Hektar enthält zwei Sack à 60kg Erde und einen Sack Sand. Der erste Samen der “Muvuca“ ist die “Feijoão de porco“ (Saubohne) – eine Leguminose, die nicht aus Brasilien stammt. “Die ist unsere Grundlage in den ersten sechs Monaten bis zu einem Jahr für den Wald – als eine Kriechpflanze, erreichen wir mit ihr einen schnellen und guten Schatten für die kommenden Keimlinge. Ausserdem lockert sie mit ihren Wurzen den kompakten Boden auf und leitet Nitrogen in den Boden durch ihre fallenden Blätter, die auf der Oberfläche dekompostieren. Sie verbessert die physischen und chemischen Eigenschaften des Bodens“, erklärt der Forstingenieur Marcos Schmidt.
Dann stellt er uns einen richtigen Salat von Samen und Ablegern der verschiedenen nativen Baumspezies vor. Es gibt darunter sogar einen “Ameisenköder“! “Wir töten die Ameisen der Baumschulen nicht – im Gegenteil: Wir füttern sie. Der Samen des Tamarindenbaums ist besonders einfach zu bekommen. Also benutzen wir ihn reichlich, denn er keimt gut und wächst schnell, und die Blattschneiderameisen lieben seine Blätter“, ergänzt Schmidt.
Die “Muvuca”-Samenmischung wird in die Düngekammer der Soja-Pflanzmaschine gefüllt. Auf der Experimentier-Fläche des “Instituto Socioambiental“ testen die Techniker nun das
Einsäen der Baumsamen mit jener Maschine, die sonst für Soja- und Maiseinsaat Verwendung findet. Sie reisst den Boden auf und lässt die Samen in die Furche fallen. Zur Abrundung des Tests verstreuen andere Mitarbeiter jene Samen, die nicht von Erde bedeckt werden dürfen. Das sind Arten, die nur auf der Bodenoberfläche keimen – wie zum Beispiel die “Tingui“ oder die “Ipês“. An den Stellen, wo bereits Samen zum Keimen gekommen sind, sieht man die breiten Blätter der Saubohne, welche die Keimlinge beschatten.
Die Fazenda “Bang Bang“, auf der Schlachtvieh gezüchtet wird, hat 200 Hektar Wald mit der “Muvuca“-Technik bepflanzt. Anstelle der erwähnten Erde und Sand, hat man dort Sägemehl und chemischen Dünger verwendet. Der Leiter der Fazenda, Anderson Araújo, sagt, dass dieses System äusserst praktisch sei, weil es keine weitere Handarbeit in der Produktion benötige.
Die Maschine zum Verteilen der Samen ist die “Tornado“ – dieselbe zum Einsäen von Gras. Sie zieht einen leichten Rechen hinter sich her, der die Samen mit Erde bedeckt. “Das rasche Keimen der Samen ist beeindruckend. In diesem Projekt der teuerste Faktor ist der Zaun. Obwohl die Einsaat sehr billig ist, ist der Zaun eben sehr teuer“, vergleicht der Landwirt Luiz Castelo.
Nun, wer kein Vieh züchtet, kann auf den Zaun verzichten. Das ist zum Beispiel der Fall einer Fazenda in Canarana, wo die Schüler der staatlichen Schule rund um den Rio Queixada Ableger pflanzen. Die Idee der Aufforstung stammt von dem jungen Igor Trovo, der seinen Vater, Sebastião Trovo, für diese Aufforstung gewonnen hat.
Der Ingenieur Rodrigo Junqueira vom “Instituto Socioambiental“ sagt, dass die Vereinigung der neu gepflanzten Wäldchen entlang der Flüsse zu grünen Korridoren führen wird, welche in Zukunft die Fazenda-Areale mit dem Wald des “Parque Indigena do Xingu“ verbinden werden. “Er wird das Wasser im Xingu vor Verunreinigung schützen“ erklärt er.
Heute ist Igor Trovo 16 Jahre alt. Wenn die Beteiligten die heranwachsenden Bäumchen gut beschützen, dann wird Igor, wenn er doppelt so alt geworden ist, einen Wald durchwandern können, bei dessen Pflanzung er selbst mitgeholfen hat.
» sehen Sie den Film dazu (im Originalton portugiesisch)