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Alexander Selkirk aus Schottland war der erste, der auf dieser Insel hauste. 1704 wurde er hier nach einer Ein-Mann-Meuterei ausgesetzt, weil er sich über den Zustand des Schiffs «St. George» entsetzt zeigte.
Zu Recht: Das Segelschiff sank kurz später – Selkirk blieb mit einem Gewehr, Schiesspulver und Kugeln, Tabak, Kochutensilien, Kleidung und einer Bibel zurück.
Vier Jahre und vier Monate blieb der wackere Schotte auf der unwirtlichen Insel, bis ihn ein britisches Schiff aus seiner misslichen Lage befreite.
Selkirk wird Crusoe
Zurück in England traf der Seemann in einem Pub im westenglischen Bristol einen Schriftsteller und erzählte ihm seine Abenteuer im Pazifik. Daniel Defoe schuf mit seinem «Robinson Crusoe» genannten Roman einen riesigen Kinderbucherfolg und gleichzeitig eine literarische Untergattung: die Robinsonade.
Defoe wandte einen Kunstgriff an, der das Gesamtbild eines der liebsten Kinderbücher geprägt hat: Er verlegte das Geschehen vom Pazifik in die Karibik, auf eine Insel mit Baumbestand und Palmenstrand, auf der sich zwar ab und an Menschenfresser zum Picknick trafen, auf der der einsame Matrose dafür auf eine fruchtbare Vegetation stiess.
Felsen, Wind und Seelöwen
Die Wahrheit auf der Insel, auf der der «echte Robinson» Alexander Selkirk festsass, sah ganz anders aus. Unwirtlich, windgepeitscht präsentiert sich dieser Felsbrocken, der bis zu 900 Meter aus dem Meer emporragt – eine Mondlandschaft, bewohnt von Ziegen und Seelöwen.
Dann jedoch setzte sich ein Berner in den Kopf, genau hier, auf dieser Insel 700 Kilometer vor der chilenischen Küste, sein eigenes, kleines Königreich zu schaffen.
Ein Schweizer Inseltraum
Alfred von Rodt zog 1877 hierher und wurde Herrscher über 60 Einwohner und 100 Kühe. Der Mann hatte einen Traum, hier eine dauerhafte Siedlung einzurichten, mit Holzhandel und Langusten aus dem Meer als Handelsgut.
Don Alfredo von Rodt hielt es lange aus auf dem Eiland, auch lange, nachdem schon klar war, dass aus der Juan-Fernández-Insel, wie sie damals noch hiess, kein Paradies werden würde. Die Mittel wurden knapp, der Holzhandel brach ein.
Dennoch blieb er dem Ort treu: Ganze 28 Jahre hatte er als eine Art freiwillig Verbannter auf dieser Insel verbracht, die sein Schicksal bestimmte. Am 25. Mai 1905 erkrankte Alfred von Rodt.
Auf Juan Fernández hinterliess er die um ihn trauernde Familie und die übrigen Bewohner, die ihn geschätzt und geachtet hatten. 1966 wurde die Insel dann endlich mit dem literarischen Namen versehen, der sie weltberühmt machte.
Gedrängt auf einer winzigen Fläche
Der welsche Filmemacher Stéphane Goal ist dieser abenteuerlichen Geschichte in seinem Dokumentarfilm «Insulaires» nachgegangen. Zwei Monate lebte er unter den 680 Einwohner, die auf nur vier Prozent der Inselfläche zusammengedrängt leben.
In einer geschickten Montage aus poetisch adaptierten Briefpassagen von Alfred von Rodt, packenden Aufnahmen der kargen Natur und Interviews mit vielen der heutigen Einwohner entsteht das Bild eines Lebens fernab des unseren.
Die Urängste der Inselbewohner
Dennoch kämpfen die Bewohner mit ähnlichen Problemen wie ihre Vorfahren in der Schweiz und in Chile. Soll man weitere Einwanderer zulassen, sollte man nicht mehr Kontrollen einführen?
Bei solchen Gesprächen erfährt man etwas über universell scheinende Urängste. In «Insulaires» wird einem manches romantische Bild aus der Kindheit geraubt, dennoch ist dieser Dokumentarfilm äusserst empfehlenswert.