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Statussymbole sagen einiges aus über ihren Käufer und sein Vermögen. Ein ganz besonders grosses Vermögen besass der Ölmillionär Robert McCulloch Senior. Mit Villen und Luxuslimousinen gab er sich nicht zufrieden – 1968 kaufte er eine ganze Brücke, die altehrwürdige London Bridge.
Der Artikel auf der Titelseite des «Liverpool Echo» vom 11. Juli 1967 schien eine klassische Zeitungsente zu sein.
«Psst!»,
stand da,
«Wollen Sie eine richtige Londoner Brücke kaufen? Die Stadt wird die London Bridge verkaufen, ein 136-jähriges Wahrzeichen, über das jeden Morgen 23 000 Pendler zur Arbeit gehen.»
Jeder Tourist hat sie schon überquert, die Themsebrücke, die den Stadtteil Southwark im Süden mit der City of London im Norden verbindet. Und diese 283 Meter lange Hauptverkehrsader der Stadt sollte zum Verkauf stehen? Ein schlechter Scherz.
Indes, das war kein Witz. Denn mit der Brücke hatte London ein ernstes Problem. Zwischen 1824 und 1831 von Grund auf neu gebaut, war die Brücke für den stetig wachsenden Fussgänger- und Fahrzeugverkehr rasch zu schmal geworden. Kurz nach 1900 wurde sie von 16 auf 20 Meter verbreitert, und damit nahm das Unheil seinen Lauf. Die aus massivem Granit bestehende London Bridge war mit dem Umbau zu schwer geworden, als dass ihn die alten Fundamente im Themsegrund noch hätten tragen können, und nach und nach stellte man fest, dass die Brücke alle acht Jahre um einen Zoll absank. Dazu bekam sie Schlagseite: 1924 sass die östliche Hälfte bereits vier Zoll tiefer als die westliche.
Die Lösung, so erkannte der für Londons Brücken zuständige städtische Ausschuss, konnte nur ein Neubau sein – bloss: Wohin mit der bestehenden Brücke und ihren über 100 000 Tonnen Granit? «Warum verkaufen wir die alte London Bridge nicht einfach?», fragte Ausschussmitglied Ivan Luckin bei einer der ersten Sitzungen. Die Brücke sei der Inbegriff für Londons Geschichte, und in den geschichtsversessenen USA würde sich doch bestimmt ein Käufer finden. Die Kommission war entsetzt, und abgesehen davon: Was würde ein Haufen alter Steine denn schon einbringen? «Nicht weniger als eine Million», behauptete Luckin unverdrossen. «Dollars?», hakte der stellvertretende Vorsitzende nach. «Pfund, Sir», antwortete Luckin.
Am Ende überwog der Pragmatismus, und die Kommission plante, die Brücke beim Abbau Stück für Stück abtragen und sämtliche Steine sorgfältig nummerieren zu lassen, was mit weiteren 105 000 Pfund zu Buche schlagen würde. Also schritt Luckin zur Tat. Bis zum Sommer 1967 lag eine professionell gemachte Verkaufsbroschüre vor, die fünf der sechs elliptischen Brückenbogen «aus bestem Devon-, Cornwall- und Aberdeen-Granit» anbot, bei einer Gesamtlänge von 306 Metern. Die Broschüre wurde rund um den Globus verschickt, an jede diplomatische Vertretung Grossbritanniens, doch ernsthafte Angebote blieben aus. Luckin überzeugte den Ausschuss, ihn in die USA fliegen und die London Bridge persönlich anpreisen zu lassen. Ein Filmteam nahm die hastig anberaumte Pressekonferenz auf der Brücke auf; Film- und Tonaufnahmen wurden zusammen mit einem ausführlichen Pressetext an alle grossen US-Medien verschickt.
Luckin erwies sich als glänzender Verkäufer – nicht eines Haufens Stein, sondern von Weltgeschichte, von der römischen Invasion Britanniens bis in die Gegenwart. In Los Angeles traf er C.V. Wood, Direktor der McCulloch Oil Corporation und einer der Planungsverantwortlichen für Disneyland, der Interesse zeigte. Eins kam zum anderen, und am Ende stand Robert McCulloch Senior, der sein Vermögen mit Kettensägen, Öl und Gas gemacht hatte, höchstpersönlich für das Angebot gerade. Die auf 1,2 Mio. Dollar geschätzten Abbaukosten mal zwei, plus eintausend Dollar für jedes der 60 Lebensjahre des Firmenbosses – insgesamt 2 460 000 Dollar, was heutigen gut 11 Millionen Dollar entspricht. Zuhause in London präsentierte Luckin sein Verhandlungsergebnis in typisch britischer Manier, in der Höhe von einer Million, neunundzwanzigtausend vierhundert Pfund, zehn Schilling, vier Pence und einem halben Penny.
Der Rest ist Geschichte. Die London Bridge wurde abgetragen und in die USA verschifft; die Steine dienten dazu, eine zuvor gebaute Betonbrücke in Lake Havasu City in der Wüste von Arizona zu verkleiden. Sie führt über einen künstlich angelegten Kanal und gilt heute, nach dem Grand Canyon, als zweitwichtigste Touristenattraktion Arizonas.