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Heinrich Leuthold
Heinrich Leuthold (*5. August 1827 in Wetzikon; †1. Juli 1879 in Zürich) Dichter
Inhaltsverzeichnis
Leben
1827 Am 5. August im Haus zur «Schneggen», Schneggenstrasse 35/37 im Dorfteil Walfershausen geboren. Hier betreibt sein aus der Gemeinde Schönenberg stammender Vater eine Sennerei. Leutholds erste Jugendjahre verlaufen nicht sorglos, trennen sich doch bereits 1832 seine Eltern wegen Ehezerrüttung. Die vier Söhne (der jüngste wurde nicht legitimiert) wachsen bei der Grossmutter an der Morgenstrasse (später Poststrasse) in Unterwetzikon auf. Deshalb nahm man lange Zeit an, dass das Haus Poststrasse 2 das Geburtshaus Leutholds wäre, was sogar eine angebrachte Tafel bezeugte. Forschungen von Dr. David Meili brachten ans Tageslicht, dass die Grossmutter nicht im als «Leutholdhaus» bezeichneten Heim, sondern gegenüber im alten Schulhaus, heute Poststrasse 5 bei Lehrer Hans Jakob Suter eingemietet war. Die Mutter ging lieber ihrer Hausierertätigkeit nach.
1841 Nach der Primarschulzeit besucht er zweieinhalb Jahre die erst ein paar Jahre zuvor neu geschaffene Sekundarschule (zwischendurch 1842 absolviert er ein zusätzliches halbes Jahr eine Privatschule in Zürich). In dem seit 1841 an der Sekundarschule lehrenden, erst 20-jährigen Kaspar Sieber findet Leuthold einen Betreuer und Förderer. Durch seinen Unterrricht findet Leuthold Zugang zur deutschen Literatur, zu Schiller, Goethe und Lessing. Sieber ermuntert den begabten Schüler zu eigenen Versen und korrigiert sie.
1843 Der bald 16-jährige Heinrich Leuthold zieht zu seinem älteren Bruder nach Freiburg ins Welschland und betätigt sich in einer Schreibergehilfenstelle bei einem Hypothekarbeamten. An der dortigen Mittelschule bildet er sich weiter.
1846 Das Abgangszeugnis der Mittelschule ermöglicht ihm die Aufnahme für ein juristisches Studium ohne Maturitätszeugnis. Vorher versuchte er im Jahre 1844 vergeblich ans Lehrerseminar in Küsnacht zu gelangen. Die Studienzeit in Bern währt nur kurz, melden sich doch bald andere Interessen. Er begegnet dem schwäbischen Dichter Ludwig Seeger, der für ihn nebst Lehrer Sieber und dem Kunst- und Kulturhistoriker Jacob Burckhardt förderlich werden sollte. Sein Jusstudium beendet er nie, vielmehr hört er in Basel Wilhelm Wackernagels Vorlesungen über deutsche Literatur oder diejenigen von Carl Burckhardt über Geschichte.
1847 Seiner grossen Liebe begegnet er in der 24jährigen Advokatengattin Emma Brenner-Kron, als er sein Jurastudium in Basel weiterführt. In ihr findet er eine Seelenverwandte, jedoch aus gesellschaftlichen Gründen findet die Beziehung keine Erfüllung. Aus dieser Verbindung tritt nun der eigentliche Dichter heraus, entstehen doch jetzt seine einmaligen Verse, die die Persönlichkeit Leuthold prägen sollten.
1849 Umzug nach Zürich. Begegnung mit Lina Trafford-Schulthess. In ihrem Heim am Zeltweg treffen sich Musiker, Literaten, Emigranten und kunstbegeisterte Leute. Lina wird seine Geliebte und Lebenspartnerin.
1854 Geburt der gemeinsamen Tochter Rita am 24. Februar. Nur zwei Jahre währt das Glück, Leuthold geht wieder allein seiner Wege und kehrt 1856 nach Zürich zurück.
1857 Übersiedlung nach München, wo er Aufnahme im Dichterkreis der «Krokodile» findet.
1859 bis 1865 Journalistischer Mitarbeiter bei süddeutschen Zeitungen. Die Pläne, seine Gedichte herauszugeben, scheitern an mangelnder Lebenskraft. Nur einzelne Gedichte in Zeitschriften und Zeitungen werden veröffentlicht.
Der Tod seines 25-jährigen Halbbruders Gotthilf Stössel wirft ihn psychisch aus der Bahn, er flieht in die Schweiz. Auf einer Fussreise zieht er sich ein Lungenleiden zu, von dem er sich nie mehr erholt. Er verfällt dem Trunke. Aus dieser Zeit stammen die schönen Trinklieder. Er rafft sich auf und schafft in dieser Zeit sein grösstes episches Werk, eine «Penthesilea» in Versen. (Penthesilea = Amazonenkönigin in der griech. Sage)
1870 Mit seiner Liebe zur Baronin von Hedemann wird Leuthold noch einmal Geist und Schöpferkraft geschenkt. Eine Fülle ausdrucksstarker Gedichte stammen aus dieser Zeit. Finanziell wird er von der Baronin betreut. Eine Geistesstörung Leutholds wird offensichtlich.
1877 Die Baronin bringt ihn nach Zürich, wo Sieber, Gottfried Keller und Prof. Jakob Bächtold sich seiner annehmen. Sie sind für eine Einweisung in die Anstalt Burghölzli besorgt.
1879 Am 1. Juli erlöst ihn der Tod. Ein halbes Jahr zuvor durfte er, obwohl geistig umnachtet, einen Sammelband seiner Gedichte, die Jakob Bächtold zusammengetragen hatte, in Händen halten. Leuthold findet auf dem Zürcher Friedhof Rehalp seine letzte Ruhestätte. Zu Ehren des hier geborenen Dichters benennt Wetzikon das kurze Strassenstück zwischen Spital- und Bahnhofstrasse in «Leutholdstrasse». An deren westlichem Ende steht seit 1944 der Leutholdbrunnen.
Literatur
- Gedichte von Heinrich Leuthold, Verlag von Huber & Co., 1906 (fünfte Auflage)
- Ausführliche Würdigung in Neuere Schweizer Dichter 1, von Günther, S. 154-181
- Dissertation von Eduard Lauchenauer, 1922
- Biografisches in «Die Schönheit, die ich früh geliebt» , S. 7 - 24 (Gedichtsauswahl), DK LEUT
- Turicum, Frühjahr 1979/Nr. 1, DK 903
- Anthologie 1: Gedichte, 1991, LEUT
- Gedichte: Auswahlbuch David Meili, 1977, DK LEUT
- Ausgewählte Gedichte, Schweizer Spiegel 1942, DK LEUT
- Das Leben des Dichters Heinrich Leuthold K. E. Hoffmann 1935, Gedichte, Aufsätze, Aussprüche u. Briefe, DK LEU
- Heimatspiegel 8/1995 Heinrich Leuthold - der Liederdichter aus Wetzikon
- Aus Moritatensammlung von Cäsar Bitzer «Das wild bewegte Leben des unglücklichen Dichters Heinrich Leuthold aus Wetzikon», herausgebracht anlässlich der Kulturtage Wetzikon 2000
Gedichte
Dias
Leutholdbrunnen in Unterwetzikon
Fotos
Tafel Poststrasse 2