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Die Besitzer haben bemerkt, dass Nelson büschelweise Haare verliert und sich auf der Haut der Katze Krusten gebildet haben.
Die Haut am ganzen Körper der Katze ist stark verändert und zeigt regionalen Haarausfall mit Schuppen- und Krustenbildung an Kopf, Rumpf und Gliedmassen. Die Katze scheint keinen Juckreiz aufzuweisen, der restliche Untersuch ist unauffällig.
Aufgrund der aussergewöhnlichen Präsentation werden sobald als möglich unter Narkose Hautgewebsproben entnommen. Das pathologische Labor diagnostiziert eine sogenannte "Interface-Dermatitis" - hierbei ist insbesondere die Region zwischen der Epidermis (äusserste, verhornte Hautschicht) und der Dermis (Unterhaut) entzündet. Als Ursache kann bei Katzen insbesondere eine seltene Geschwulst im Brustkorb gefunden werden; dieser Tumor des Thymus (siehe später) kann in Form eines sogenannten paraneoplastischen Syndromes entsprechende Hautveränderungen provozieren.
Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs von Nelson zeigt tatsächlich eine vor dem Herzen gelegene Masse. Genau in dieser Region liegt auch der Thymus - ein Organ, in dem beim Embryo und Welpen Abwehrzellen ausgebildet werden. Beim älterwerdenden Tier verschwindet der Thymus in aller Regel vollständig.
Eine Zelluntersuchung aus der Masse unterstützt den Verdacht, dass es sich hier um einen gutartigen Tumor des Thymus, ein Thymom handelt. Aufgrund ungeklärter Mechanismen können solche Geschwulste schwere Hautveränderungen verursachen, welche sich als die bei Nelson beobachtete Interface-Dermatitis manifestieren. Es handelt sich hier um ein sogenanntes paraneoplastisches Syndrom - hierunter werden alle Erscheinungen versammelt, welche eine direkte Folge einer Krebserkrankung darstellen. Weitere Beispiele von paraneoplastischen Syndromen sind beispielsweise Fieber, Blutarmut, erhöhte Blutcalcium-Werte sowie Abmagerung.
Da es sich beim Thymom meist um einen gutartigen Krebs handelt, ist die Lage bei Nelson nicht aussichtslos - allerdings muss zur Therapie eine Thorakotomie (Eröffnung der Brusthöhle) durchgeführt werden. Dieser Eingriff ist gegenüber einer Operation im Bauchraum um einiges schwerer belastend und heikler, weshalb die Besitzer eine Weile Bedenkzeit benötigen, um einen Entscheid zu fällen.
Schliesslich entscheiden sich Nelson's Besitzer zu einer Chirurgie, und die Katze wird an eine spezialisierte Onko-Chirurgin überwiesen. Die Entfernung der Masse verläuft vorerst komplikationslos; kurze Zeit nach der Operation entwickelt Nelson aber einen schweren Atemwegsinfekt und muss wegen Futterverweigerung einige Tage über eine Sonde ernährt werden. Die Gewebeuntersuchung des entfernten Knotens bestätigt das Vorliegen eines gutartigen Thymomes.
2 Wochen postoperativ hat sich Nelson aber gut erholt, und Ernährungssonde und Operationsnaht werden entfernt.
Die schweren Hautveränderungen bilden sich in der Folge erstaunlich rasch zurück; schon ein Monat später ist von den Veränderungen nichts mehr zu sehen.
Paraneoplastische ("Para" = nebenliegend, "neoplastisch" = krebsartig) Syndrome können sich beim Tier sehr unterschiedlich präsentieren. Beispielsweise kann beim Hund eine erhöhte Trinkmenge ein Hinweis auf einen Lymphknotenkrebs darstellen; die Krebszellen produzieren ein Hormon, welches den Calciumspiegel im Blut steigen lässt, was wiederum einen höheren Wasserkonsum bewirkt.
Das paraneoplastische Syndrom in Form einer Interface-Dermatitis beim Thymom der Katze ist eine sehr seltene Erkrankung, da schon nur Thymome bei Katzen selten auftreten. Vor 10 Jahren wurden 5 solche Fälle in einer Studie der Uni Bern erstmals beschrieben, auch beim Kaninchen sind solche Fälle dokumentiert worden.