Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03319.jsonl.gz/3028

Die Massentracht ist zu Ende und der Frühlingshonig kann geerntet werden. Die Wirtschaftsvölker sind nun sehr gross und die Jungköniginnen der Mai-Ableger beginnen mit der Eilage. Die Zuchtköniginnen sind von der Belegstelle zurück und werden in Kunstschwärme eingeweiselt.
Ende Mai hat der phänologische Frühsommer begonnen und die Zeit ab Mitte Juni gilt bereits als Hochsommer. Die meisten Wiesen werden gemäht, bevor die verschiedenen Kleearten aufblühen können; die Zeit der «grünen Wüste» ist gekommen. In manchen Jahren honigt die Linde zwar üppig, sie ist aber keine verlässliche Trachtquelle.
Die Zeit der Läppertracht
Es ist eine schwierige Zeit für unsere Bienen. Die Zeit des maximalen Volkswachstums ist gekommen. Um die Sommersonnenwende, am 21. Juni, ist die Anzahl der Brutzellen am grössten und auch die Varroa hatte optimale Bedingungen, sich stark zu vermehren. Die Völker sind schwer und die wöchentliche Gesundheitskontrolle ist ein Kraftakt für die Imkerin.
Nur wenig Läppertracht wird jetzt eingetragen. Der Honig wird fertig eingedickt, beziehungsweise der Wassergehalt reduziert. Darum zeigt die Stockwaage täglich weniger an. Nektar hat 70–80 % Wassergehalt, reifer Honig zwischen 13 und 20 %.
Dieses Bild aus dem rekordverdächtig schlechten Jahr 2021 zeigt Bienen, die auch das letzte Honigtröpfchen aus den Waben sam- meln. Es ist also ein Bild des Hungers! Der Honigraum musste sofort abgenommen und die Bienen gefüttert werden.
Honigernte
«Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein (Honig-) Brot essen». Nein, die Honigernte ist nicht meine Lieblingsarbeit. Zum Glück vergesse ich sofort wieder, wie zeitaufwendig und anstrengend die Honigernte doch ist, sobald der Honig im Glas und fertig etikettiert ist. Honig kann einmal jährlich oder mehrmals geerntet werden. In unserer Gegend ist es üblich, nach der Frühjahrstracht und nach der Sommertracht zu ernten, also zweimal pro Jahr. Aufgrund der Vorbereitungs- und Reinigungsarbeiten (Schleuder, Erntegeschirr), lohnt es sich, erst ab zehn Wirtschaftsvölkern mehrmals zu ernten. So ernte ich in guten Trachtjahren viermal: Frühjahrsernte (Löwenzahn/Obstblüte), Frühsommerernte (Ahorn/Raps), Sommerernte (Wald/Brombeere/Klee) und Spätsommerernte (Wald).
Ohne Raps könnte man gut nur einmal ausgewogenen Mischhonig ernten. Aber nach dem Abblühen der Rapsfelder muss der Honig nach einer Woche aus den Waben geerntet werden, da er sonst auskristallisiert.
Auf jedem Kessel wird nach dem Schleudern die Losnummer, das Erntegewicht und -datum, der Herkunftsstand und der Wassergehalt notiert. Ich schleudere die Waben nicht vollständig aus, damit die Völker bis zur Sommertracht genug Futterreserven haben und damit ich eine Mischung aus Frühjahrs- und Lindenblütenhonig habe, da keiner meiner Honigkunden reinen Lindenhonig mag.
Der Lohn der Arbeit!
Wenn der Honig verdeckest ist und beim Schleudern «fältelet», ist er auf jeden Fall reif.
Kunstschwarm mit Zuchtkönigin bilden
Die Völker konzentrieren sich nach der Massentracht wieder mehr auf das Brutgeschäft und werden weiter stark wachsen bis zur Sommersonnenwende am 21. Juni. Die Völker verkraften jetzt gut, dass wir ihnen ein Kilo Bienen für die Kunstschwärme entnehmen. Die Bienen von Brutwaben mit offener Brut werden in einen Jungvolkkasten mit einer Pollenwabe, vier Mittelwänden und einer Futterwabe eingeschlagen und erhalten eine gezeichnete Zuchtkönigin. Die Königinnen werden direkt nach dem Erstellen der Kunst-schwärme in einem Zusetzer zwischen die Waben gehängt. Diese Kunstschwärme müssen an einen anderen Stand gebracht werden. Einerseits müssen sie, bis alle Waben ausgebaut sind, einen konstanten Futterfluss haben, was jetzt zur Zeit der grünen Wüste die Räuberei der starken Wirtschaftsvölker auslösen könnte. Andererseits kann ein Teil der Bienen, wenn wir sie am Stand belassen, auch wieder zurückfliegen. Ich füttere jeden Abend 0,5 Liter einer Zuckerwasserlösung 1:1, was das Jungvolk beim Bautrieb unterstützt. Sobald die erste Brut verdeckelt ist, kann das Volk wieder an den Stand gebracht werden. Das Flugloch sollte aber der Volksstärke entsprechend klein sein. Der Kunstschwarm kann vor dem Zusetzen der Zuchtkönigin mit Oxalsäurelösung besprüht werden. Ich mache das nicht, sondern behandle diese Völker mit den anderen Völkern Ende Juli und Anfang September mit Ameisensäure.
Königinnen zeichnen
Das Zeichnen der Königinnen geht nie besser als jetzt, da die Anzahl der Bienen in den Ablegern noch übersichtlich ist. Gezeichnet sollten die Königinnen erst werden, wenn das Brutnest zwei Handflächen gross ist oder zwei Apidea-Rähmchen bestiftet sind.
Varroakontrolle
Viel Brut bedeutet auch viele Varroamilben. Nach der Honigernte sollte der Varroabefall kontrolliert werden. Das Einlegen der gittergeschützten «Varroawindel» ist eine Variante, um den Varroabefall einzuschätzen. Da die Varroa jetzt aber immer offene Brut findet, werden wir jetzt verhältnismässig wenig Varroamilben auf der Unterlage finden. Dies kann irreführend und gefährlich sein. Die Beobachtung der Brutnester ist eine weitere und aussagekräftige Ergänzung. Das Brutbild zeigt, welche Völker besonders stark von Varroa befallen sind. Der Bienengesundheitsdienst empfiehlt, ab einem natürlichen Milbentotenfall von zehn Milben pro Tag eine Notbehandlung durchzuführen.
Arbeiten im Juni
- Honigernte und -verarbeitung
- Letzte Jungvölker durch Kunstschwärme mit Zuchtköniginnen bilden
- Jungvolkpflege
- Königinnen zeichnen
- Varroakontrolle
Merkblätter Bienengesundheitsdienst
- 1.7.1. Varroa-Notbehandlung in Magazinbeuten
- 1.7.2 Varroa-Notbehandlung im CH-Kasten
- 3.2. Trachtlücken
- 4.4. Wabenbauerneuerung
- 4.5.1 Königin finden
Imkerkurs ONLINE
bienen.ch – Bildung und Wissen – Imkerkurs ONLINE – Varroa unter Kontrolle
Wichtigste Trachtpflanzen im Juni
Pro 100 m Höhendifferenz muss mit Abweichungen von +⁄− 2 Tagen gerechnet werden.
- Esparsette (Onobrychis sp.)
- Platterbsen (Lathyrus sp.)
- Schlangen-Knöterich (Polygonum bistorta)
- Brom- und Himbeere (Rubus fruticosus aggr.; R. idaeus)
- Alle Kleearten (Trifolium sp.)
- Büschelblume (Phacelia tanacetifolia)
- Blühende Gartengemüse und -kräuter
- Weisser Mauerpfeffer (Sedum album)
- Luzerne (Medicago sp.)
- Weidenröschen (Epilobium sp.)
- Faulbaum (Frangula alnus)
- Linde (Tilia sp.)
- Robinie (Robinia pseudoacacia)
- Feld-Ahorn (Acer campestre)
Exkurs: Honig verarbeiten und lagern
Honig ist nicht gleich Honig
Der flüssige Honig, besonders der Frühlingshonig mit Rapsanteil, kristallisiert schnell aus. Leider mögen nur wenige Menschen den auskristallisierten, harten Honig. Darum ist es gängige Praxis, den Honig nach der Kristallisation auf maximal 40 °C zu erwärmen und ihn so wieder flüssig zu machen. Dabei leidet die Honigqualität. Wertvolle Enzyme und Aminosäuren werden durch das Erwärmen geschädigt und bei Temperaturen über 40 °C zerstört.
Honig muss vor Licht geschützt und möglichst kühl gelagert werden
Schon bei Zimmertemperatur steigt der Wert von 5-Hydroxymethylfurfural, kurz HMF. Das HMF ist eine chemische Verbindung, die beim Erwärmen von Sacchariden, wie zum Beispiel Fruktose, entsteht. Im Honig ist ein erhöhter HMF-Wert ein Hinweis für Lager- und Wärmeschädigung. Für uns Imker/-innen ist es unmöglich, den erhöhten HMF-Wert zu erkennen. Ich verzichte darum auf das Erwärmen von kristallisiertem Honig und produziere mit der Frühjahrsernte Cremehonig, der nicht mehr hart wird und von den Kunden sehr geschätzt wird. Die Sommerernte gefriere ich sofort nach dem Abfüllen in die Gläser ein. Der Honig bleibt flüssig, kristallisiert nicht und schmeckt dann auch noch im Winter wie frisch geerntet.
Honigverarbeitung
Nach einer Woche Lagerung – dunkel und unter 20 °C – wird der Honig verarbeitet. Der Honig aus der Frühlingsernte wird cremig gerührt. Der Sommerhonig unserer Region braucht 3–4 Wochen, bis er cremig ist. Diesen verarbeite ich nicht zu Cremehonig.