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Do, 29. Oktober 2020, Ralf Hersel
Wer bisher noch nicht wusste, was der 'Streisand-Effekt' ist, hat nun die Gelegenheit diese Erscheinung im aktuellen Zeitgeschehen zu beobachten. Doch von Anfang an: Als Streisand-Effekt wird das soziologische Phänomen bezeichnet, wenn ein ungeschickt angesetzter Versuch, eine unliebsame Information zu unterdrücken, das Gegenteil erreicht, indem das Vorgehen eine öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt, die das Interesse an der betreffenden Information und deren Verbreitung deutlich steigert.
Barbra Streisand Mansion
2003 verklagte Barbra Streisand den Fotografen Kenneth Adelman und die Website Pictopia.com erfolglos auf 50 Millionen US-Dollar Schadensersatz mit der Begründung, auf einer der dort veröffentlichten 12.000 Luftaufnahmen der Küste Kaliforniens, die die Küstenerosion für das California Coastal Records Project dokumentierten, sei ihr Haus zu sehen. Das war bis dahin nicht im Detail bekannt, doch nachdem Streisands Klage die Verbindung zwischen dem Foto und ihrem Anwesen hergestellt hatte, verbreitete sich das bis dahin unwichtige Foto lawinenartig im Internet.
Dann kam im Oktober 2020 der Musikrechteverwerter 'Recording Industry Association of America' (kurz RIAA) mit einem bemerkenswerten 'hold-my-beer' Move. Wie wir berichteten, hat die RIAA das Entfernen des freien Youtube-Downloaders 'youtube-dl' aus der Versionsverwaltung GitHub mit einem rechtlichen Schritt (DMCA) erwirkt. Der Unmut vieler Anwender dieser Software liess nicht lange auf sich warten. Mittlerweile wurde youtube-dl, bzw. Varianten davon, in hunderte GitHub-Repositories hochgeladen. Tatsächlich gelang es sogar, aufgrund eines Fehlers in GitHub, den Youtube-Downloader in das DMCA-Repository einzuschleusen. Die RIAA scheint sich mit der publikumswirksamen Löschung der Open-Source-Software ein fettes Eigentor geschossen zu haben, denn Youtube-DL ist jetzt bekannter als je zuvor, dank des Streisand-Effekts.