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Die AL Bern will von Kanton und Stadt Bern wissen, ob aufgrund der Weiterentwicklung der historischen Forschung und des gestiegenen Unrechtsbewusstseins gegenüber einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit, als das die Sklaverei seit der UNO-Weltkonferenzen gegen Rassismus von Durban (2001) gilt, die Frage nach Reparationszahlungen anders beurteilt wird als noch vor siebzehn Jahren.
Bezeichnenderweise wurden in den letzten Jahren etwa Reparationen (Wiedergutmachungszahlungen) an ehemalige Verdingkinder in der Schweiz praktisch nicht bestritten. Auf der substaatlichen Ebene hat in den USA und in Europa die Bereitschaft zugenommen, solche Reparationen für Sklaverei auszurichten. So beispielsweise von der Bank of England oder der Universität von Georgetown.
In den letzten zwanzig Jahren sind zahlreiche neue Fälle von wirtschaftlicher, militärischer und administrativer Verstrickung mit dem karibischen und nordamerikanischen Raum belegt worden, insbesondere auch aus den Berner Untertanengebieten der Waadt und dem Aargau heraus.
„Heute wissen wir, dass sich diverse Akteur*innen (Individuen, Familien, Banken, Firmen, usw.) auf verschiedene Weise am Sklav*innenhandel beteiligt und zum Teil wesentlich zum Reichtum von Schweizer Städten beigetragen haben. Auch der Staat Bern besass zwischen 1719 und 1734 Aktien der englischen South Sea Company, welche sklavereirelevanten Dreieckshandel betrieb.“
Tabea Rai, Stadträtin AL
Die neueren historischen Erkenntnisse und die aktuell geführten Debatte über Kolonialismus und Rassismus in der Schweiz und weltweit, führen zu einer neuen Ausgangslage. Deshalb reichen diese Woche die AL-Parlamentarierinnen Tabea Rai, Eva Gammenthaler und Christa Ammann in Zusammenarbeit mit dem Historiker Hans Fässler städtisch und kantonal eine Interpellation ein, die eine Neubeurteilung und eine Stellungnahme der beiden Regierungen zur Frage der materiellen Wiedergutmachung(en) einfordert.
Zur Interpellation: https://al-be.ch/interpellation-berner-reparationszahlungen-fuer-sklaverei/