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Ich werde nie vergessen, wo ich am 12. Januar 2010 um 16 Uhr 52 war. Ich sass in Boston in meiner Studentenbude, erledigte E-Mails und schaute CNN. Eine Minute später zerstörte ein Erdbeben Port-au-Prince. Ich war wie gelähmt. Man befürchtete, über 100 000 Menschen seien gestorben – die Zahl verdoppelte sich in den folgenden Tagen. Und meine Frau hätte unter ihnen sein können. Sie weilte für ein Forschungsprojekt in der Hauptstadt Haitis und sollte am nächsten Tag nach Boston zurückfliegen. Ich rief sie an, schickte SMS, schrieb E-Mails, suchte nach ihr auf Skype und in den Social Media, wo ich Dutzende von Haitianern und Ausländern fand, die auf Twitter und Facebook über die Verheerungen berichteten. Aber keine Spur von meiner Frau. Erst nach Mitternacht bekam ich endlich eine SMS aus Haiti. Meine Frau und unsere Freunde waren am Leben; sie waren gerade noch davongekommen, als ein Gebäude über ihnen einstürzte. Viele hatten weniger Glück, sie starben in jener Nacht.
Meine Geschichte hätte mit der SMS meiner Frau zu Ende sein können. Aber was zwischen 16 Uhr 53 und dem folgenden Morgen geschah, veränderte die Zukunft der humanitären Hilfe. In jener Nacht, inmitten der Tragödie, wurde eine Bewegung geboren, unterstützt von der Digitaltechnik und angetrieben von Tausenden von Freiwilligen. Jeder kann ein Helfer sein, es braucht keine Erfahrung dazu, sondern nur einen Zugang zum Internet.
An jenem Abend wiederholte CNN endlos die Bilder vom Erdbeben. Ich stellte den Ton ab und sass in der Stille da, unter Schock. Es wurde Nacht, es war Winter und bitterkalt. Ich fühlte mich hilflos. Alle fünf Sekunden klickte ich auf meinen Posteingang in der Hoffnung auf ein Lebenszeichen meiner Frau. Ich musste mich auf etwas konzentrieren, etwas tun. Also startete ich die «Krisenkarte» des Erdbebens in Haiti.
Eine Krisenkarte ist eine digitale Karte wie Google Maps oder Open Street Map, aber eine, die die Orte verzeichnet, wo eine Katastrophe am heftigsten gewütet hat und wo die am härtesten Betroffenen Hilfe brauchen. Ich stellte den Ton auf CNN wieder ein und begann, die Nachrichten aus Haiti auf der Karte einzutragen. Dann wandte ich mich den Social Media zu. Ich hatte Dutzende von Haitianern gefunden, die aus der Hauptstadt twitterten, die Zerstörung beschrieben und woran es am dringendsten mangelte. Manche der Kurznachrichten aus Port-au-Prince lieferten geographische Hinweise, dank denen ich sie auf der Krisenkarte verorten konnte; ein Tweet zum Beispiel die Adresse einer Apotheke, die noch geöffnet und Erste-Hilfe-Material an Lager hatte.
Ich arbeitete mit der Karten-Website Ushahidi.com (auf Swahili heisst das «Zeuge»), einer kostenlosen Plattform, die 2008 in Kenia entwickelt wurde. Sie verzeichnete Menschenrechtsverletzungen, die von Kenianern in ihrem Land gemeldet wurden. Ushahidi ist wie eine E-Mail-Adresse, die mit einer Google Map verbunden ist, nur dass der Posteingang auch Tweets und SMS empfängt. Ich stellte also meinen Ushahidi-Posteingang so ein, dass er alle Tweets sammelte, in denen die Wörter Haiti und Erdbeben vorkamen. (So erreichte mich der Hinweis auf die noch geöffnete Apotheke.) Dann kopierte ich den Text der Twitter-Nachricht und fügte ihn auf der Karte ein, wo er als Punkt erschien. Wer auf den Punkt klickte, konnte den Text lesen. Die Punkte lieferten auf der Karte ein grobes Bild von den Folgen des Erdbebens. Die meisten Tweets liessen sich nicht lokalisieren. Es gab aber solche, die die Namen von Spitälern, Schulen, Geschäften oder Hotels enthielten. Ich googelte diese Namen, um sie verorten zu können, was mühsam und zeitraubend war. Darum bat ich via Skype meine Freunde um Hilfe. Zusammen kamen wir schneller voran.
Dank Detektivarbeit, Hartnäckigkeit und Google Earth konnten wir Dutzende von Tweets auf unserer Karte eintragen. Wir nahmen auch Facebook-Nachrichten von Haitianern in den USA auf; sie waren in direktem Kontakt mit ihren Angehörigen auf der Insel und hatten detaillierte und aktuelle Informationen. Kurz nach Mitternacht kam die Nachricht: Meine Frau lebte. Ich schloss meine Augen, um die Tränen zurückzuhalten. Der Albtraum war vorüber, bald würde sie zu Hause sein.
Gesang brachte mich zurück. Auf CNN hörte man hoffnungsvolle sanfte Stimmen, die im Dunkeln sangen. Sie gehörten Haitianern, die sich nicht in ihre Häuser zurücktrauten und die finstere Nacht draussen verbrachten. Mein Albtraum war vorüber, der ihre fing erst an. Also machten wir weiter mit unserer Karte, koordiniert via Skype. Wir schliefen nicht in jener Nacht und nicht viel in der Woche, im Monat danach.
Als der Mittwoch anbrach, war das Erdbeben Hauptthema in allen Medien, und wir hatten Zehntausende von Tweets aus Port-au-Prince in unserem Ushahidi-Posteingang. Wir konnten die Flut unmöglich bewältigen. Also wandte ich mich an die Studenten unserer Universität, und weil wir alle an unseren Computern arbeiteten, konnten wir auch Freunde und Kollegen im Ausland um Hilfe bitten. Nach einer kurzen Instruktion via Skype wurden sie Mitarbeiter der Haiti-Krisenkarte. Austauschstudenten mobilisierten Kollegen an ihren Heimuniversitäten in der Schweiz und anderswo; überall auf der Welt entstanden Kommandozentralen, besetzt mit Freiwilligen, die uns in Boston unterstützten. Die globale Vernetzung bedeutete, dass wir rund um die Uhr an der Karte arbeiten konnten.
Bis Samstagnachmittag, hundert Stunden nach dem Erdbeben, hatten wir über hundert Freiwillige an Bord, die Nachrichten aus Haiti
auswerteten. Meine Bude im Studentenwohnheim war eine Art Nervenzentrum für die digitalen Humanitären. Manchmal herrschte ein Gedränge bis ins Treppenhaus. Die Studenten hatten Winterferien, viele arbeiteten die Nächte durch, und die meisten, die in meinem Zimmer auftauchten, kannte ich nicht, es waren Freunde von Freunden, Nachbarn, Eltern. Ich erinnere mich, wie ich einmal vom Laptop aufschaute und in die Gesichter um mich herum blickte: Da waren Leute aus mehr als einem Dutzend Ländern, eine Mini-Uno. Unsere Karte veränderte sich ständig, sie war wie ein lebender Organismus. Hunderte von Meldungen hatten wir verortet. Aber unser Ushahidi-Posteingang quoll über mit Hunderttausenden von Tweets. Wir brauchten viel mehr Helfer; mehrmals täglich trainierten wir neue Freiwillige.
Sonntagnacht nahm ein amerikanisches Such- und Rettungsteam (SAR) in Haiti Kontakt mit uns auf. Sie hatten von einem unserer Freiwilligen von der Krisenkarte gehört. So sassen wir also vor meinem Laptop in meiner Studentenbude und sprachen via Skype mit einem US-Team im mehr als 1500 Meilen entfernten Port-au-Prince. Es war surreal. Das SAR-Team hatte sein Lager neben dem Rollfeld des Flughafens aufgeschlagen. Sie brauchten die exakten GPS-Koordinaten von sieben unvollständigen Adressen: Sie hatten Informationen erhalten, dass dort möglicherweise Überlebende unter ihren eingestürzten Häusern begraben lagen. Die SAR-Helikopter wollten morgens um 6 Uhr starten. Die Google Map von Port-au-Prince war rudimentär, bloss die Hälfte der Strassen waren eingezeichnet, und detaillierte Landkarten von Haiti liessen sich nicht finden. Aber meine Studienkollegin Anna Schulz konnte dem SAR-Team helfen. Zu ihrer eigenen Überraschung hatte sie herausgefunden, dass sie das Talent besass, Satellitenbilder zu analysieren. Sie brauchte nur eine Stunde auf Google Earth, um sechs der gesuchten Orte zu finden.
Der siebte blieb jedoch ein frustrierendes Rätsel. Die Angabe lautete: «Un Bon Prix, near Napley Inn Hotel». Anna blätterte hektisch im Reiseführer von Lonely Planet. Wir hatten ihn am Tag zuvor gekauft und darin Hinweise auf viele Örtlichkeiten in Port-au-Prince gefunden – das Buch sollte zum meistverwendeten Haiti-Führer werden, der es nie nach Haiti schaffte. Aber das Napley Inn Hotel war darin nicht verzeichnet. Verzweifelt baten wir via Twitter um Hilfe. Kurz darauf meldete sich jemand mit der Information, das Napley Inn sei inzwischen im Besitz des Holiday Inn und heisse nun auch so. Aber Lonely Planet erwähnte auch kein Holiday Inn. Anna hatte die Idee, mit Google Earth nach dem Hotel-Pool zu suchen. Es gibt nur ganz wenige Swimmingpools in Port-au-Prince, und fast alle gehören zu Hotels. Wir mussten also nur alle Pools den Hotels zuordnen, der übriggebliebene würde der des Holiday Inn sein.
Es war schon nach ein Uhr nachts, und wir hatten immer noch keine Ahnung, wo Un Bon Prix lag, obwohl Anna inzwischen den namenlosen Pool gefunden hatte. Uns blieben fünf Stunden, bis das SAR-Team losfliegen würde. Wir setzten noch einmal eine SOS-Meldung auf Twitter ab. Diesmal meldete sich eine Frau, die im Internet auf den Lebenslauf eines Haitianers gestossen war, der bei Un Bon Prix gearbeitet hatte. Der Mann lebte inzwischen in Brooklyn, New York, wo wir ihn anriefen. Ein paar Minuten später hatte ich die Wegbeschreibung. Wir gaben sie über Skype sofort ans SAR-Team weiter. Am Morgen flogen sie die sieben Orte an. Nur an einem Ort fanden sie noch Überlebende.
Dann bekamen wir einen Anruf der Fema, der amerikanischen Behörde für Katastrophenhilfe. Der Anrufer gab uns einen Schnellkurs darin, wie man ein Nothilfezentrum organisiert. Er schärfte uns ein: «Arbeitet in Schichten und lasst euch von Beratern unterstützen. Aber hört nicht auf mit der Karte!» Diese Würdigung unserer Anstrengungen war ein grosses Lob und setzte uns gleichzeitig unter Druck. Schliesslich hatte ich die Krisenkarte aus einem Schock heraus begonnen – ich wollte einfach helfen, einen Plan hatte ich nicht, und schon gar nicht dachte ich daran, die offiziellen Retter in Haiti zu unterstützen. Niemand von uns hatte Erfahrung mit so etwas. Was meine Freunde und ich taten, war «learning by doing».
Schliesslich verlegten wir unser Nervenzentrum aus meiner Bude in ein Klassenzimmer im Untergeschoss der Fletcher School, das wir für den Rest des Semesters in Beschlag nahmen. Dorthin kamen viele Haitianer aus der Bostoner Diaspora und schlossen sich uns als Helfer an. Sabina Carlson, eine unserer Freiwilligen, hatte in Haiti gelebt und sprach Kreolisch, sie war die Verbindungsfrau zwischen den Leuten in Haiti und der Diaspora in den USA. Eines Nachts besuchte uns eine Sprecherin der haitianischen Gemeinschaft in Boston, um uns zu danken: «Wir haben unseren Familien und Freunden in Haiti Geld und Medikamente geschickt, aber wegen euch können wir noch gezielter helfen.» Wir sagten ihr, dass unsere Arbeit ohne die haitianischen Freiwilligen gar nicht möglich gewesen wäre. Einmal kam zum Beispiel ein ehemaliger Taxifahrer aus Port-au-Prince in unseren Kommandoraum, wo wir über unsere Laptops gekrümmt die Nacht durcharbeiteten. Als wir ihm erklärten, wie wir nach Strassen und Gebäuden in Port-au-Prince suchten, brannte er darauf zu helfen – er war ein Glücksfall. So wie auch einer der Sicherheitsmänner an der Fletcher School, ebenfalls Haitianer, der regelmässig vorbeikam. Ihre Lokalkenntnis war eine unschätzbare Hilfe.
Eine Woche nach dem Erdbeben gab Digicel, die grösste Telekommunikationsfirma in Haiti, eine Gratis-SMS-Nummer bekannt, über die jeder in Haiti einen Notruf direkt in den Posteingang unserer Krisenkarte schicken konnte. Mein Kollege Josh Nesbit hatte via Twitter nach einer solchen Möglichkeit gesucht, und einer seiner Follower, der in Kamerun lebt, stellte den Kontakt zwischen seinen Kollegen bei Digicel in Haiti und Josh her – und innert Kürze funktionierte dieser SMS-Dienst. Inzwischen hatte Rob Munro von der Stanford University über Facebook Freiwillige gesucht, die Englisch und Kreolisch sprachen; wir erwarteten Tausende von Notrufen in Kreolisch über die SMS-Gratisnummer. Brian Herbert, ein Freiwilliger von Ushahidi, richtete eine Website ein, auf der die eintreffenden Nachrichten ins Englische übersetzt werden konnten. In der folgenden Woche übersetzten in Dutzenden von Ländern Hunderte von Kreolisch sprechenden Freiwilligen Zehntausende von Notrufen. Im Schnitt dauerte es nur gerade zehn Minuten, bis eine Nachricht aus Haiti in der englischen Übersetzung im Postfach unserer Krisenkarte eintraf.
4636, die Nummer des SMS-Dienstes, wurde in Haiti über lokale Radiostationen bekannt gemacht und verbreitete sich schnell. Daraus erwuchs ein grosses Problem für uns: der Umgang mit den Hoffnungen und Erwartungen der Menschen, die sich meldeten. Wir konnten niemandem Hilfe garantieren. Eine unserer Freiwilligen, Sabina Carlson, hatte enge Verbindungen in die haitianische Diaspora. Zusammen traten wir im Radio und am Fernsehen auf, um zu erklären, was wir taten, und versuchten, die Erwartungen zu dämpfen.
4636 war letztlich ein Informationsdienst, und die humanitären Helfer taten ihr Bestes, aber Rob Munro hatte recht: «Jede Krisenhilfe ist eine Übung im Scheitern. Wir können nicht allen helfen. Für jene, denen wir helfen können, bedeutet das alles – aber angesichts dieser Katastrophe ist unsere Hilfe bescheiden.» Die SMS, in denen es um Leben oder Tod ging, hatten höchste Priorität für uns. Einer schrieb: «Mein Name ist XY, ich lebe, ich bin verschüttet in der University Caraibes. Bitte holt mich raus!» Ein anderer: «Mein Name ist YZ, mein Bruder arbeitet für die Unicef, wir haben hier zwei Verschüttete, die noch am Leben sind! Schickt Hilfe!» Wir kamen mit der Arbeit nicht nach. Am Ende der Woche, als die Phase der Suche und Rettung sich dem Ende näherte, hatten wir 1500 SMS verortet – 1 Prozent der Notrufe. Aber was wir in Boston nicht wussten: Viele Haitianer in den USA verfolgten die bei uns eingehenden SMS und nutzten sie, um direkt lokale Hilfe in Haiti zu koordinieren.
Der Einsatz von SMS hatte die Art unserer digitalen humanitären Hilfsarbeit verändert: Öffentliche Informationen aus den Social Media zu sammeln war das eine. Die von der Katastrophe Betroffenen aufzufordern, uns Informationen zu liefern, war etwas anderes. Es warf zwei schwierige Fragen auf: Weckten wir Erwartungen, die wir nicht erfüllen konnten, obwohl wir uns bemühten, sie zu relativieren? Und wie verhielt es sich mit dem Datenschutz, wenn wir die Notrufe auf unserer Karte mit Namen und Telefonnummer öffentlich machten?
Meine Frau, eben aus Haiti zurück, konsultierte Louis Aucoin, einen Rechtsprofessor an der Fletcher School. Er fand, die Leute, die uns die Notrufe schickten, würden ihrer Verwendung implizit zustimmen. Rechtsexperten der Harvard University, die wir um eine Zweitmeinung baten, waren unschlüssig; sie schlugen ein Expertengremium vor, das diese Frage erörtern sollte. Aber sieben Tage nach dem Erdbeben sanken die Chancen der Überlebenden schnell, wir hatten keine Zeit für ein juristisches Seminar. Ich bat Leute von der Harvard Humanitarian Initiative um Rat, die Erfahrung in humanitärer Hilfe haben; sie hielten es für ein minimales Risiko, die SMS öffentlich zu machen. Wir entschieden uns dann, nur die dringlichsten Notrufe auf der Karte zu veröffentlichen, das waren bloss 1 bis 2 Prozent der SMS, die über 4636 reinkamen. Der Entscheid ist umstritten geblieben.
Ein paar Tage später bekamen wir diese E-Mail: «Ich bin Mitglied des US Marine Corps und unterstütze die 22. Marineeinheit der USS Bataan, die vor Haiti liegt. Wir wollen Ihre Daten, um der Bevölkerung von Haiti Soforthilfe zu bringen. Das Marine Corps konzentriert sich auf Leogane, Grand Goave und Petit Goave. Können wir Ihre Daten in Google Earth oder unser geographisches Informationssystem importieren? Lassen Sie es mich wissen, so schnell wie möglich.» Wir taten alles, um die nötigen Informationen zu liefern. Eine Woche später schrieb uns der Mann erneut: «Ich kann nicht genug betonen, was die Haiti-Krisenkarte ermöglicht hat. Sie rettet jeden Tag Leben. Ich wünschte ich hätte die Zeit, Ihnen alle die Beispiele aufzuzählen, aber es sind zu viele. Hier ist nur ein Beispiel von der 22. Marineeinheit: ‹Wir hatten Daten über einen Ort ausserhalb von Grand Goave, wo Hilfe nötig war. Heute schickten wir ein Team dahin, um die Informationen zu prüfen. Alles war zutreffend. Das Team fand zwei alte Frauen und ein junges Mädchen vor, die schwere Verletzungen erlitten hatten. Sie konnten evakuiert werden.› Ihre Karte hat diesen Leuten das Leben gerettet. Ich kann Ihnen versichern, dass es Hunderte solcher Geschichten gibt. Das Marine Corps nutzt Ihr Projekt, um jenen Hilfe zu bringen, die sie am dringendsten brauchen. Dank Ihren Daten und Ihrer Arbeit erreicht die Hilfe direkt ihr Ziel und rettet Leben. Machen Sie weiter mit Ihrer guten Arbeit!»
Craig Fugate, der Chef der Fema, der amerikanischen Behörde für Nothilfe, bezeichnete unsere Krisenkarte als die aktuellste und umfassendste Informationsquelle für die humanitäre Arbeit in Haiti. Daher glaubten viele humanitäre Helfer in Port-au-Prince, die Freiwilligen hinter der Krisenkarte seien tatsächlich vor Ort. Nur wenige wussten, dass wir digitale humanitäre Helfer waren, dass unser Nervenzentrum 1500 Meilen nördlich im winterlichen Boston lag, und dass der Grossteil unserer Freiwilligen weltweit in Dutzenden von Ländern stationiert waren.
Noch im selben Jahr wurden nach dem Vorbild der Haiti-Karte auch beim Erdbeben in Chile, bei den Überschwemmungen in Pakistan und bei den Waldbränden in Russland digitale Krisenkarten von freiwilligen Helfern erstellt. Daraus entstand die Standby Volunteer Task Force (SBTF), ein globales Netzwerk von 1370 Freiwilligen in 85 Ländern. Sie müssen nicht erst geschult werden und können ihre Fähigkeiten unverzüglich zur Verfügung stellen, wenn die professionellen humanitären Organisationen ihre Mitarbeit benötigen. Wie jüngst beim Erdbeben in Nepal, wo die Task Force in den ersten zwölf Tagen wertvolle Informationen liefern konnte.