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Dass die Thurgauer sich immer wieder neu erfinden, obwohl sie sich treu bleiben, zeigt der Blick in ihre Geschichte.
1300 - Die Grenzen der Landgrafschaft Thurgau werden abgesteckt, weil die Einwohner sich von den Schwaben abgrenzen wollen. Bis 2015 bei der Grenze zu Konstanz ein moralisches Schlupfloch entdeckt wird, durch das man bei den Schwaben einkaufen gehen kann.
1798 - Der Angliederung an die Helvetische Republik folgen erste Versuche, auch mal in der Landesregierung mitzumachen. Verschiedene Feudalherren wie Rolf Erb sind von ihren Schlössern nur schwer zu vertreiben. Da viele sich mit der Abschaffung der Monarchie bis heute nicht abfinden können, wird jährlich eine Königin gewählt. Diese tritt vor allem an Veranstaltungen in Erscheinung, die die Bewerbung von Kernobst zur Absicht haben.
1803 - An einem Marketingwettbewerb werden zwei springende Löwen als Wappentiere erkoren (knapper 2. Platz: zwei schlafende Löwen, 3. Platz: drei Löwen, welche sich gegenseitig am Hinterteil beschnuppern). Den Vorwurf des Plagiats aus Andelfingen (zwei Löwen auf Rot), Kyburg (zwei Löwen auf Schwarz) und Winterthur (zwei Löwen auf Weiss) kontert der Thurgau, indem er klugerweise die Hintergrundfarbe Grün wählt. Auch damit das ?Out in the Green? das Logo nicht ändern muss. Die Macher von «Fifty Shades of Grey» konfrontieren das Frauenfelder Wappen, auf dem eine vollbusige Domina einen Löwen an der Kette führt, ebenfalls mit dem Vorwurf des Kopisten.
1830 - Die Julirevolution wird während der Thurgauer Sommerferien durchgeführt, weil zahlreiche Eltern nur dann können. Sie kommen damit den Zürchern eine Woche zuvor.
1850 - Thurgauer Riegelhäuser werden endlich patentiert, nachdem Baufirmen in Bern den Baustil ungeniert nachgemacht haben.
1873 - Napoleon III. kauft mit dem «Arenenberg» das letzte Anwesen mit unverbaubarer Aussicht und Seeblick. Nach Napoleon Bonapartes Tod macht sich ein akuter Promi-Notstand im Thurgau bemerkbar, weshalb die Medien nur noch und exklusiv über Hausi Leutenegger III. berichten können.
1920 - Obschon der Dualismus abgeschafft wird, tagt der Grosse Rat weiterhin abwechselnd in den beiden Kantonshauptstädten Frauenfeld (offiziell) und in Weinfelden (inoffiziell).
1930 - Bei einem Badeunfall im Bichelsee wird der Thurgauer Dialekt erfunden. Die Einheimischen wehren sich gegen den Vorwurf, ihr Dialekt sei «grell und spitz». Sie geben dies erst im Jahre 1999 zu, als die grelle und spitze Anita Buri Miss Schweiz wird.
1958 - Das Thurgauer Lied «O Thurgau du Heimat» wird erstmals gesungen. Und zwar von einwandernden Italienern. Diese lassen sich in Pizzerias nieder und pflegen Familienkontakte bis nach Sizilien. An die dortige Polizei werden einige Onkel und Paten später zurückgeliefert respektive ausgeliefert.
2001 - Der letzte Egli wird aus dem Bodensee gefischt. Niemandem fällt das auf, weil der Egli aus Norwegen auch «Chnuschperli» heisst.
2013 - Aus beiden Thurgauer Pilgerstätten ziehen die ursprünglichen Bewohner aus: die Mönche aus der Kartause Ittingen und die Delfine aus dem Connyland.