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Der Hauenstein-Basistunnel wurde im Januar 1916 eröffnet. Mitten im Ersten Weltkrieg. Die Geschichte eines Pionierwerks, erstellt in stürmischen Zeiten.
Marc Ribeli
Marc Ribeli ist Historiker und betreut bei SBB Historic die Bereiche Fotoarchiv und AV-Archiv.
Der Hauenstein blieb auch nach dem ersten Juradurchstich von 1858 ein «Pionierberg». Vor rund 100 Jahren bauten die SBB dort nämlich den ersten Basistunnel des Landes. Ein starkes Verkehrswachstum und Erschwernisse auf der steilen Bergstrecke verstärkten bei den SBB den Wunsch nach einer Flachbahn. Diese sollte auch den Anschluss an die Alpentunnel Gotthard und Simplon verbessern.
Das Projekt der Verlegung Eisenbahnlinie von Sissach über Gelterkinden nach Olten und der Bau eines Basistunnels wurde im November 1910 vom Bundesrat genehmigt. Damit war beschlossen, wie die neue Strecke verlaufen sollte und die Kontroversen über verschiedene Projektvarianten verstummten. Neue Diskussionen traten aber bereits im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe auf: Die Ausschreibung vom Mai 1911 umfasste den Bau des Tunnels, die Bahnstrecken zwischen Gelterkinden und Olten, sowie die Errichtung einer neuen Aarebrücke. Für diese Arbeiten bewarben sich Firmen aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich.Wenig überraschend sprachen sich die SBB für die günstigste Offerte der Berliner Baufirma Julius Berger Tiefbau AG aus. Dies führte insbesondere bei der nicht berücksichtigten Basler Firma Buss AG zu Beanstandungen. Sie wandte sich kurz vor der Sitzung, in der die Vergabe beschlossen werden sollte, eindringlich an die SBB-Spitze und versuchte eine Revidierung des Entscheids herbeizuführen: «Es will uns scheinen, dass die Bundesbahnen die ungünstige Lage nicht genügend würdigen, in der sich heute die schweizerische Industrie befindet. […] Was soll nun mit unserer schweizerischen Bauindustrie werden, wenn man im eigenen Lande so grosse Arbeiten auch von Seiten der staatlichen Behörden an das Ausland vergibt?» Die Bundesbahnen entgegneten lapidar, dass die Firma Buss wiederholt grössere Arbeiten im Ausland erhalten habe. Die Kostendifferenz von vier Millionen wog zu schwer. Nach langen Debatten entschied ein Mehrheitsentscheid zu Gunsten der Julius Berger AG.Im Dezember 1911 war der Vertrag unterzeichnet. Die Firma versprach darin den Durchschlag auf den 13. Januar 1916 und die Fertigstellung auf den 13. Januar 1917. Im Vertrag war vorgesehen, dass bei Verzögerungen eine Strafgebühr von 500 Franken pro Tag zu entrichten sei, für eine früheren Fertigstellung wurde eine Prämie von 300 Franken in Aussicht gestellt. Auf der Basis dieser Bestimmungen ging der Tunnelbau rasch voran. Der Spatenstich erfolgte am 31. Januar 1912, am Folgetag begannen die Bauarbeiten mit dem Ausschachten des Voreinschnitts am Südportal und dem Bau des Sohlstollens. Zu Beginn kamen Handbohrer zum Einsatz, später konnte auf maschinell betriebene Kompressoren zurückgegriffen werden. Im Durchschnitt betrug der Tagesfortschritt im März 1912 knapp unter 5 m pro Tag. Ende März wurden drei achtstündige Schichten für sämtliche Tunnelarbeiter eingeführt. Der Start der Arbeiten auf der Nordseite erfolgte acht Monate später, denn es war vorgesehen, den grössten Teil des Tunnels von Süden her zu bauen. Der Durchschlag erfolgte am 10. Juli 1914, vormittags um 10:50 Uhr – 18 Monate vor dem Vertragstermin! Bei der Durchschlagsfeier erhielten alle Arbeiter eine Medaille, eine Gratifikation und einen bezahlten freien Arbeitstag. Zu Gast waren prominente Gäste unter anderem der Gesandte des deutschen Kaisers und der italienische Gesandte.Bei den Bauarbeiten waren aber auch immer wieder Probleme aufgetreten. Insbesondere starke Wassereinbrüche führten dazu, dass die installierten Pumpenanlagen teilweise an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit kamen. Die Tunnelarbeiter mussten grosse Strapazen erdulden. Auf der Nordseite mussten die Arbeiten teilweise gänzlich eingestellt werden. Erschüttert wurden die Arbeiten auch durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs am 1. August 1914. Durch die in den meisten europäischen Staaten angeordnete Mobilisation wurden viele Arbeiter in ihre Herkunftsstaaten abgezogen, andere gingen aus freien Stücken weg. Der Kriegsausbruch führte dazu, dass die Arbeiten aus finanziellen Rücksichten stark eingeschränkt wurden. Die SBB versuchten, durch den Einzug von Streckenarbeitern den Weggang der Tunnelarbeiter abzufedern. Schlussendlich wurde der Tunnel in einer beeindruckenden Bauzeit von etwas mehr als drei Jahren auf den 2. Mai 1915 vollendet. Am 8. Januar 1916 wurde der 8135 Meter lange Tunnel dem Betrieb übergeben. Aufgrund des Krieges wurde auf eine Feier verzichtet.Obwohl der Tunnel bereits einige Zeit nach der Inbetriebnahme saniert werden musste, kann der Bau als nachhaltiges Werk bezeichnet werden. Bis heute ist er einer der meistbefahrenen Eisenbahntunnel der Schweiz. Ebenso nachhaltig waren die Auswirkungen auf die Landschaft und die Bevölkerung. Am sichtbarsten waren die Arbeitersiedlungen, entstanden durch den Zustrom von Arbeitern auf die neue Grossbaustelle. Bei Tecknau am Nordportal nahm die Bevölkerung in der Bauphase um fast 1000 Personen zu, zahlreiche Barackenhäuser, Wirtschaften und andere Unterkünfte wurden errichtet. Auch bei Trimbach am Südportal entstand ein Arbeiterdorf, das von den grösstenteils italienischen Bewohnern Tripoli genannt wurde.Durch die Ablagerung von Aushubmaterial aus dem Tunnel veränderte sich die Landschaft massiv. Nördlich von Olten wurde damit der Lauf der Aare begradigt und Seitenarme des Flusses zugeschüttet. Das Gebiet Tannwald nördlich des Bahnhofs Olten wurde mit Ausbruchmaterial aufgeschüttet, was später dem Ausbau der SBB-Hauptwerkstätte Olten dienen sollte. Das Grossprojekt wirkte sich auch negativ auf die Wasserversorgung von Gemeinden in unmittelbarer Tunnelnähe aus. Die Schädigung von Wasserrechten zeigte sich etwa durch abgestandene Brunnen, was zu Gerichtsverhandlungen und Schadenersatzforderungen führte.
Während es bei der Erforschung des Universums grosse Fortschritte gibt, schlummert ein Grossteil der Unterwasserwelt noch im Dunkeln. Wichtige Pionierarbeit zur Erforschung der Gewässer hat die Familie Piccard geleistet. Das U-Boot «Mésoscaphe» tauchte in die Tiefen des Genfersees und kam auf den Weltmeeren zum Einsatz.