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Die Schweiz ist auf Platz vier rangiert. Wie kann sie ihr Ranking verbessern?
Arturo Bris: Aus meiner Sicht hat die Schweiz ihr Potenzial ausgeschöpft. Singapur, das topplatzierte Land, ist nicht eine Demokratie. Es kann viel einfacher die Regeln ändern. Eine Demokratie hat Mühe, den ersten Platz zu erreichen, weil die Demokratie die Entscheidungsfindung erschwert.
Ich bevorzuge, in einem Land zu leben, wo Konsensus herrscht und die Bevölkerung ihre eigenen Entscheide fällt – ich möchte nicht, dass die Schweiz den ersten Platz erreicht.
Und anders als die drittplatzierten USA verfügt die Schweiz nicht über einen grossen Binnenmarkt.
Sehen Sie Schweizer Schwächen, die einfach korrigiert werden könnten?
Eine der grössten Schwächen ist das hohe Preisniveau. Dies hält gutqualifizierte Ausländer oft davon ab, in die Schweiz zu kommen. Hier könnte der Staat stärker aktiv werden. Singapur oder Hongkong ist es auch gelungen, die Lebenskosten zu senken.
Irland hat in der aktuellen Studie Plätze gutgemacht.
Irland hat alles richtig gemacht. Irland verfolgt eine ähnliche Strategie wie die Schweiz: Sie haben tiefe Steuern, ziehen viele ausländische Investitionen an und sie haben ihr Image im Ausland verbessert. Das Rezept ist einfach.
Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Schweiz ihre Position halten kann?
Ich bin sehr optimistisch. Die Säulen der Wettbewerbsfähigkeit sind intakt. Es geht hier um das Ausbildungssystem und die Infrastruktur. Die Schweiz ist gut positioniert für die nächste Generation – die Voraussetzungen verschwinden nicht über Nacht.
Die wichtigsten Ergebnisse der IMD-Studie
- Singapur, Hongkong und die USA sind aus Sicht des IMD die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt
- Die Schweiz ist auf Platz vier. Damit hat sie im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gutgemacht
- Die Schweiz gewinnt gegen den Trend in ganz Europa. Der Kontinent verliert insgesamt gegenüber Asien an Boden
- Vor einem Jahr waren noch die USA auf Platz eins. Damals gelang ihnen diese Topklassierung dank der Steuerreform. Dieser Effekt ist laut IMD mittlerweile verpufft
Hier finden Sie die Ergebnisse der Studie.
Die Schweiz steht in einem Konflikt mit der Europäischen Union über ein Rahmenabkommen. Bedrohen diese Spannungen die Schweizer Wettbewerbsfähigkeit?
Die Schweiz hat ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem widrigen Umfeld erlangt: Es ist ein Binnenland und umringt von grossen Nachbarstaaten, welche eine Wirtschaftsunion bilden.
Trotz dieser ungünstigen Voraussetzungen ist die Schweiz sehr wettbewerbsfähig geworden. Ich glaube nicht, dass das Verhältnis zur EU zu einem Problem wird. Die Schweiz weiss, wie sie sich mit der EU arrangieren kann.
Arturo Bris
Arturo Bris ist Ökonomieprofessor und Direktor des World Competitiveness Center am renommierten IMD in Lausanne. Die Business School gehört gemäss Ranking der «Financial Times» zu den besten der Welt.
Das IMD erkennt Schwächen bei der Digitalisierung von Schweizer Unternehmen. Wo liegt das Problem?
Unternehmen sind grundsätzlich sehr daran interessiert, sich zu digitalisieren. Die Bevölkerung ist aber neuen Technologien gegenüber zurückhaltender als in anderen Ländern.
Ein Beispiel: Mobiles Bezahlen ist hierzulande noch in einer prähistorischen Phase. Auch das E-Commerce ist viel weniger stark entwickelt als in anderen Ländern. Obwohl die technologischen Voraussetzungen in der Schweiz ausgezeichnet sind, zögern Konsumenten, Technologie zu verwenden. Dies wiederum beeinflusst die Unternehmen.
Wie lässt sich das ändern?
Es beginnt bei der jüngeren Generation und deren Erziehung und Ausbildung. In der Schweiz ist es schwierig, in einem Taxi mit einer Payment-App zu bezahlen – in China können sie hingegen kaum mehr Bargeld in einem Taxi verwenden. Wir müssen unsere Einstellung der Technologie gegenüber ändern.