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Archivräumlichkeiten
Vom Fraumünsteramt auf den Irchel
Vor der Schaffung des Staatsarchivs als kantonales Amt, also vor 1837, waren das Archiv der Registratur sowie die Amtswohnung des Registrators im Komplex des Fraumünsteramts untergebracht. Die Räumlichkeiten, die neben dem Staatsarchiv auch dem neu gebildeten Stadtarchiv dienten, waren alles andere als ideal.
Von 1837 bis 1982, also während beinahe 150 Jahren, war das Staatsarchiv weiterhin in Gebäuden untergebracht, die nur als Provisorien gedacht oder zumindest nicht eigens für Archivzwecke gebaut worden waren: Zunächst von 1837 bis 1876 im Fraumünsteramt (am Standort des heutigen Stadthauses), dann von 1876 bis 1919 in einem Annex des Regierungsgebäudes im „Obmannamt“ (heute Teil des Obergerichts) und von 1919 bis 1982 im Predigerchor (heute von der Zentralbibliothek genutzt).
Erst 1982 erhielt das kantonale Archiv ein eigens für seine Bedürfnisse erstelltes Gebäude, ausserhalb des Stadtzentrums auf dem ehemaligen Strickhof-Gelände unterhalb des Irchels, wo auch die Universität seit dem Ende der 1960er Jahre ihren wachsenden Platzbedarf decken kann. "Bau 1" war der erste Archiv-Zweckbau des Kantons Zürich.
Bau 2, nahtlos angegliedert an Bau 1, konnte im März 2006 bezogen werden. Der unmittelbar darauf folgende Umbau von Bau 1 wurde Mitte 2007 abgeschlossen.
Seit dem Frühsommer 2017 ist die Errichtung von Bau 3 im Gang. Das Gebäude umfasst neben vier Untergeschossen mit Magazinen im Parterre erweiterte Nutzflächen für das Publikum (Seminar- und Konsultationsräume) sowie im 1. Obergeschoss zusätzliche Arbeitsplätze für die Aktenerschliessung und die Beständeerhaltung. Die Eröffnung von Bau 3 ist geplant für den frühen Herbst 2019.
Öffentliche Archive wachsen dauernd und bilden mit ihrer Überlieferung tektonische Schichten von Originalakten. Gemäss heutigen Hochrechnungen ist ungefähr per 2035 die Errichtung eines weiteren Archivgebäudes notwendig.
Im Obmannamt
Im Obmannamt konnte das Staatsarchiv wenigstens einen eigenen, 1838 anstelle eines mittelalterlichen Klostertraktes errichteten zweistöckigen Gebäudeflügel beziehen, der zuvor bis 1876 als Gerichtsgebäude gedient hatte. Dass der Umzug die Raumnot nicht auf einen Schlag beseitigte, zeigt das Archivreglement von 1877, laut dem die „Reorganisation des Archivs“ dahingehend fortzuführen war, dass „mit Rücksicht auf die Raumersparnis erweislich unnützes Material beseitigt“ und „das zu Erhaltende möglichst zusammengedrängt“ werden sollte. Ein zweites Problem ergab sich durch die unmittelbare Nachbarschaft zum Stadttheater, die die Staatsarchivare Strickler und Schweizer zu beständigen Warnungen vor der Brandgefahr veranlassten. Tatsächlich zerstörte schliesslich am 1. Januar 1890 ein Brand das Theatergebäude, dank baulichen Brandschutzmassnahmen, die Schweizer veranlasst hatte, glücklicherweise ohne Schaden im Archiv anzurichten.
Im Predigerchor
Das von Schweizer „mit allem Nachdruck“ geforderte „möglichst isolierte und gesicherte“ Archivgebäude fand beim Regierungsrat keine weitere Unterstützung, nachdem die geplante Verlegung des Regierungsgebäudes gescheitert war, so dass schliesslich aus Raummangel sogar die Aktenablieferung eingestellt werden musste, bevor der durch den Neubau der Zentralbibliothek ermöglichte Umzug in den Predigerchor eine vorübergehende Verbesserung brachte. Hier bezog das Staatsarchiv im Juni 1919 im Mietverhältnis der Zentralbibliothek vier neuerstellte Magazingeschosse und darüber, direkt unter dem gotischen Chorgewölbe, seine Büro- und Benutzerräume, ergänzt um weitere Räume in einem Flügel der neuen Zentralbibliothek an der Chorgasse. Den Archivbenützern standen nun zwei Arbeitssäle von 200 und 130 m2 zur Verfügung. Gleichzeitig bezog die „Zentralstelle für soziale Literatur“, das spätere Sozialarchiv, das Erdgeschoss des Predigerchors. Das Mietverhältnis war auf vorläufig 20 Jahre beschränkt und kostete das Archiv Fr. 15'000.– pro Jahr.