Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03552.jsonl.gz/2683

Dr. med. Boris Gojanovic, FMH Allgemeine Innere Medizin und Sportmedizin SSMS, Hôpital de La Tour SA, Meyrin / GE
Gehirn und Bewegung
Sich zu bewegen ist im Allgemeinen eine sehr gute Idee, aber warum? Sie wissen es genau, nicht wahr? Bewegung kommt der körperlichen Konstitution zugute, Sie verlieren vielleicht eine bestimmte Menge überschüssiges Gewicht, Sie spüren eine neue Muskelspannung und Sie werden es an Ihrem Bauchumfang sehen. Zudem leben Sie gesünder: Heisst es nicht, Bewegung wirkt sich positiv auf die Herz- und Lungenfunktion aus und Menschen, die sich mehr bewegen, leben länger?
Dies alles sind hervorragende Gründe, sich regelmässig zu bewegen oder sogar zu laufen (vgl. Artikel: Ich würde gerne mit dem Laufen anfangen, darf ich das, Herr Doktor?) Aber vielleicht wissen Sie noch nicht, was die sportliche Betätigung alles für Ihren besten Freund, das Gehirn, bewirken kann.
Auch wenn das Gehirn all Ihre Tätigkeiten steuert, so ist es sicher nicht gefühllos, es ist sogar hochgradig beeinflussbar. Über 20 Jahre Forschung zeigen uns die Wirkung der sportlichen Betätigung auf Struktur und Funktion des Gehirns. Kurz: Bewegung wirkt wie eine Art Ölung für das Gehirn und trägt zu einer Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten, der Laune und des Gedächtnisses bei. Dazu kommt ein signifikanter Rückgang der cerebrovaskulären Erkrankungen (Schlaganfälle). Die Anregung der Hirndurchblutung führt zu einer besseren Sauerstoffzufuhr, erhöht die Flexibilität der Blutgefässe und stimuliert die Produktion von Molekülen, die für die Gehirnfunktion wichtig sind.
Endogene neurostimulierende Moleküle Sie haben sicher alle schon von den berühmten Endorphinen gehört, die am ehesten in einem euphorischen Zustand nach einer längeren (über 45 Minuten) oder sehr intensiven Anstrengung (HIIT-Typ, für high intensity interval training) ausgeschüttet werden. Sie tragen hauptsächlich zum Abbau von Stress und Angstzuständen bei. Wichtiger als die Endorphine jedoch sind die weniger bekannten Moleküle, da sie sich einfacher aktivieren lassen, auch durch leichte und nicht so lange andauernde
Aktivitäten:
1. Neurotransmitter, vor allem Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Sie spielen eine Rolle beim Erwachen, für die kognitiven Fähigkeiten und die Stimmungsregulierung. Bekannt sind die antidepressiven Eigenschaften dieser Moleküle; dazu kommen die Wirkungen auf die Qualität des Schlafs.
2. Der BDNF, ein Wachstumsfaktor des Gehirns (brain-derived neurotrophic factor). Was macht der BDNF? Er trägt durch Multiplikation und Überleben der Neuronen sowie durch die Verbindungen zwischen den Nervenzellen (die Synapsen) wesentlich zur Plastizität des Gehirns bei.
Was geschieht also während eines Laufs von 30 Minuten (oder weniger) mit leichter Kurzatmigkeit und danach? Ihre Durchblutung wird angeregt, das Gehirn erhält mehr Sauerstoff, die Neurotransmitter werden gebildet und sorgen für eine erhöhte Konzentrations- und Aufwachfähigkeit. Sie tragen dazu bei, Ihre Kreativität zu stimulieren, was sich auch positiv auf Ihren Schlaf am Abend auswirkt. Der BDNF stärkt bestimmte Wege zwischen den Nervenzellen, schafft neue, sorgt für ein besseres Gedächtnis und vergrössert den Bereich der Gedächtniskonsolidierung, den Hippocampus.
Haben Sie 12 Minuten für Ihr Gehirn?
Sie müssen nicht kilometerweit oder stundenlang laufen. Eine Studie hat gezeigt: Wenn Sie 12 Minuten lang einer moderaten körperlichen Aktivität nachgehen, wird Ihr Gehirn bei verschiedenen kognitiven Aufgaben leistungsfähiger und diese Wirkung hält mindestens 45 Minuten, oftmals aber auch länger, an. * Ihr Gehirn wird nicht nur leistungsstärker, sondern Ihre Kreativität wird auch stark stimuliert, auch wenn Sie in geschlossenen Räumen laufen (auf dem Laufband). Die Wirkung ist noch stärker, wenn Sie im Freien laufen. **
Sie müssen also nicht unbedingt in den Kleiderschrank schauen und sich in Schale werfen. Ziehen Sie einfach nach dem Mittagessen ein Paar bequeme Turnschuhe an und machen Sie einen kleinen Spaziergang im Freien, bis Sie leicht ausser Atem kommen. Der frühe Nachmittag, eine oftmals wenig produktive Tageszeit, wird sich verändern. Wenn es nicht der Morgen ist, falls Sie schon vor der Arbeit laufen gehen… Oh, und denken Sie auch an dieses Meeting um 15 Uhr 30! Warum führen Sie dieses Gespräch mit Ihrem Kollegen nicht beim Laufen, das Ergebnis könnte Sie beide überraschen.