Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03540.jsonl.gz/1262

Den Ausdruck "Leitmedien" (Leitmedium) kenne ich aus Diskursen über Massen-Medien, die allesamt auf eine Definition von Medium verzichten, aber diffus eine Dominanz von Herrschaftsmitteln in der politischen Kommunikation betreffen. Es geht in diesen Diskursen also immer um das Leiten (Führen) und darum, welche Mittel (das ist dann Medium) dazu verwendet werden.
Leitmedien hat H. McLuhan populär gemacht, der damit - wie späther N. Luhmann - Epochen charakterisierte.
Beispiele für Leitmedien
Mittelalter und frühe Neuzeit: Flugschrift
ab 16. Jahrhundert: Buch
ab 19. Jahrhundert: Zeitung
von der Mitte der 30er bis zum Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts: Hörfunk
ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts: Fernsehen
seit der Jahrtausendwende: Fernsehen, Internet
Von H. McLuhan stammen die vier "Gesetze" (Quelle suche ich noch):
1. Jede Gesellschaft hat ein Leitmedium, das den Kommunikationsprozess trägt und expandiert.
2. Dieses verdrängt andere Medien und Elemente, um sich voll entfalten zu können.
3. Zugleich holt es aus der Vergangenheit Medien und Elemente wieder, die passend, verstärkenbd, ausgleichend und erhaltend wirken. (Retrieval)
4. Jedes Medium stößt an eine Grenze, an der andere Medien die aufgehäuften Problemlagen und Potentiale aufnehmen, den gesellschaftsprozess in eine andere Richtung lenken und die Kraft der alten medien in sich aufnehmen (Reversal)
Wir haben es mit nichts Geringerem zu tun als mit der Vermutung, dass die Einführung des Computers für die Gesellschaft ebenso dramatische Folgen hat wie zuvor nur die Einführung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks. Die Einführung der Sprache konstituierte die Stammesgesellschaft, die Einführung der Schrift die antike Hochkultur, die Einführung des Buchdrucks die moderne Gesellschaft und die Einführung des Computers die nächste Gesellschaft. Jedes neue Verbreitungsmedium konfrontiert die Gesellschaft mit neuen und überschüssigen Möglichkeiten der Kommunikation, für deren selektive Handhabung die bisherige Struktur und Kultur der Gesellschaft nicht ausreichen. Jede Einführung eines neuen Verbreitungsmediums muss daher zur Umstellung dieser Struktur und dieser Kultur fuhren, soll sie auf breiter Front überhaupt möglich sein. Andernfalls wird das neue Medium auf eine periphere Verwendungsform beschränkt. (Dirk Baecker (2007) Studien zur nächsten Gesellschaft, S. 7, Biblionetz:b04152). Siehe auch Michael Giesecke (2002) Von den Mythen der Buchkultur zu den Visionen der Informationsgesellschaft, Biblionetz:b02961)