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Haben Sie sich auch schon mit agilem Projektmanagement beschäftigt? Viele Projektbeteiligte können sich darunter immer noch nicht viel vorstellen. Agile Methoden werden aber in immer mehr Projekten eingesetzt – in der Softwareproduktentwicklung schon seit vielen Jahren erfolgreich, bei anderen Projektarten stehen wir hier noch am Anfang. Unternehmen, die agile Methoden einsetzen oder planen einzusetzen, steigt jedoch konstant. Dem agilen Projektmanagement wird eine grosse Zukunft vorhergesagt.
Seit kurzem wird versucht agile Methoden auch in anderen Geschäftsprozessen einzusetzen als bei Projekten. Dies ist eine spannende Herausforderung, welche die gesamte Unternehmenskultur, Führungssysteme und die Zusammenarbeit stark beeinflussen wird. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob viele Großunternehmen diesen Schritt in den nächsten Jahren schaffen werden. Kleinunternehmen sind diesbezüglich viel anpassungsfähiger.
Von Stonehenge zur Dampfmaschine und zur Mobile App
Imposante Projekte wurden schon vor tausenden von Jahren durchgeführt. Denken Sie z.B. an die Steinstruktur von Stonehenge, die 3500 Jahre v. Chr. und die ägyptischen Pyramiden, die 2500 v. Chr. erbaut wurden oder in der neueren Zeit an die mittelalterlichen Burgen, Festung, Schlösser und Kathedralen, die Dampfmaschine, Autos, die Atombombe oder die Wolkenkratzer. Dies waren teilweise riesige und komplexe Projekte für Ihre Zeit.
Software und Softwareprojekte gibt es jedoch erst seit ein paar Jahrzenten. In den 1950er Jahren war Software noch Teil der Hardware und wurde als Programmcode bezeichnet. Ich kann mich auch noch gut an die Lochkarten erinnern, mit denen in den 1970er Jahren Werkzeugmaschinen gesteuert wurden. Die Lochkarten waren die Programme, um mit Werkzeugmaschinen z.B. Teile zu fräsen.
Softwareentwicklungsmethoden gab es bis in die 1960er Jahre noch keine. Der Systems Development Life Cycle (SDLC) war der erste, der in dieser Zeit entstand, mit dem Ziel, große, funktionale Business Systeme zu entwickeln. Alle Projekte wurden bis in die 90er Jahre nach dem sequentiellen Wasserfallmodell abgewickelt. Das heißt, alle Anforderungen wurden zu Projektbeginn festgelegt, dann wurden Konzepte, Spezifikationen und Pläne erstellt und dann das Produkt gebaut und eingeführt.
Die Softwareentwicklung in den 1990er Jahren wurde durch die objektorientierte Programmierung und durch den Aufstieg des Internets und den Dot.com-Boom geprägt. Hier war Time-to-Market und Firmenwachstum entscheidend, d.h die Entwicklungszyklen für Software wurden immer kürzer.
Das Wasserfall-Modell war nicht mehr geeignet
Mit dem starren Wasserfall-Prozess war man in der Software-Entwicklung deshalb immer weniger zufrieden, besonders weil die Projekte immer komplexer wurden, Produktlebenszyklen immer kürzer und das Umfeld und die Anforderungen dynamischer. Man benötige immer schneller brauchbare Software, nicht mit allen Funktionen, aber den Wichtigsten. Leichtgewichtiger, flexibler und schneller sollte die Softwareentwicklung werden und weniger Administration waren gewünscht.
Neue Methoden sollten den Softwareentwicklungsprozess flexibler und schlanker gestalten – als Gegenbewegung zu den eher schwergewichtigen und bürokratischen, traditionellen Methoden, wie eben z.B. dem Wasserfall-Modell. Diese Forderungen stießen eine aktive Entwicklung von Methoden in der Softwareentwicklung an:
- 1986 entwickelte Barry Boehmerste Ansätze eines iterativen Software-Entwicklungsprozesses mit dem risikoorientierten Spiralmodel.
- 1991 wurde Rapid Application Development(RAD) vorgestellt
- 1995 präsentierten Jeff Sutherland und Ken Schwaber zusammen ein Dokument, welches die Scrum Methode erstmals beschrieb
- 1998 wurde der Rational Unified Process(RUP) vorgestellt
- 1999 wurde Extreme Programming (XP)vorgestellt, welches auf großes Interesse bei den Softwareentwicklern stieß.
Wie Sie sehen, sind erste Ansätze zu agiler Softwareentwicklung bereits Anfang der 1990er Jahre zu finden. Popularität erreichte die agile Softwareentwicklung erstmals 1999, als Kent Beck das erste Buch zu Extreme Programming (XP) veröffentlichte.
Das Interesse an Extreme Programming ebnete den Weg auch für andere agile Prozesse und Methoden. Die Bezeichnung „agil“ für diese Art der Softwareentwicklung wurde ausgewählt von 17 Vertretern von verschiedenen Softwareentwicklungsmethoden im Februar 2001, bei einem Treffen in Utah (USA). Dies als Ersatz für das bis dahin gebräuchliche leichtgewichtig (engl. lightweight). Bei diesem Treffen wurde auch das Agile Manifest formuliert. Daraus hat sich dann im Laufe der Jahre die Bezeichnung „agiles Projektmanagement“ entwickelt, denn nicht nur Softwareprojekte lassen sich agil planen und steuern, sondern auch andere Projektarten.
Das Ziel agiler Softwareentwicklung ist es, den Entwicklungsprozess flexibler und schlanker zu machen, als dass bei den klassischen Vorgehensmodellen der Fall ist. Agile Softwareentwicklung zeichnet sich durch selbstorganisierende Teams, sowie eine iterative und inkrementelle Vorgehensweise aus. Es wird versucht, mit geringem bürokratischem Aufwand und weniger Regeln auszukommen und sich so schnell an Veränderungen anzupassen, ohne dabei das Risiko für Fehler zu erhöhen.
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