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Gegenstände wechselseitiger Beobachtung. Materielle Güter und gesellschaftliche Wahrnehmungen in Basel um 1600Michael Schaffner
Christoph Murer, Scheibenriss mit Darstellung des Leonhard Thurneysser beim Erwerb von Mumien im Orient, um 1579 (Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett)
Im 16. und 17. Jahrhundert kreuzten sich in Basel die Wege von Glasmalern und Druckern, von Goldschmiedeobjekten, Büchern und Holzschnitten. Ein vielschichtiges mediales Geflecht verband Menschen und Dinge. In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich, wie Kaufleute, Juristen, Mediziner und (Kunst-) Handwerker mit ihren weitreichenden Netzwerken in dieses Geflecht investierten und sich dabei innerhalb der Stadt ebenso wie darüber hinaus wechselseitig repräsentierten, beobachteten und konkurrenzierten.
Diese Thematik soll unter Verwendung von insgesamt drei Perspektiven bearbeitet werden:
Die erste Perspektive ist personenzentriert und orientiert sich an einer Anzahl von prominenten Akteuren wie Andreas Ryff, Basilius Amerbach, Leonhard Thurneysser, Felix Platter und Remigius Faesch. Sie fragt, wie sich die Genannten in einer Reihe von Praktiken wie dem Anlegen von Sammlungen, dem Verfassen von Reisebeschreibungen oder dem Tätigen von Stiftungen in gesellschaftlichen Zusammenhängen positionierten und wie in Inventaren, Testamenten und Briefen Kennerschaft sowie die Kompetenz beansprucht wurde, Dinge mit spezifischen Bedeutungen zu versehen.
Die zweite Perspektive folgt einer umgekehrten Optik und stellt einzelne herausgehobene Objekte ins Zentrum, wobei nach ihrer spezifischen Materialität, ihrem variablen semiotischen Gehalt und den Modi ihrer Zirkulation gefragt wird. Zu den unter diesem Blickwinkel untersuchten Artefakten zählen Goldschmiedeobjekte, die Wappen- und Standesscheiben der Glasmalerei, Antiken wie Münzen und Inschriften sowie wissenschaftliche Instrumente und Bücher. Ihre besondere Qualität, das zur Herstellung und Beschaffung investierte Kapital und handwerkliche Wissen sollen dabei als Bedeutungsangebote verstanden werden, die in diese Objekte eingeschrieben waren und in verschiedener Weise aktualisiert werden konnten.
Im Rahmen der dritten Perspektive schliesslich geht es um die Erstellung einer medialen Topographie der frühneuzeitlichen Stadt, wobei nach Orten der wechselseitigen Adressierung, des Sich-Ansprechens und Beobachtens gefragt wird. Damit sind einerseits konkrete Knotenpunkte im städtischen Raum angesprochen, wie etwa das Schützenhaus, wo verschiedene Akteure über das Medium der Glasmalerei interagierten, sich in eine bereits bestehende Stiftungspraxis einschrieben und diese zur gleichen Zeit möglicherweise reformulierten. Auf einer abstrakteren Ebene geht es jedoch auch um Verortungen in imaginierten oder erst noch zu schaffenden Räumen, wie beispielsweise die Konstruktion von städtischer Geschichte im Rekurs auf materielle Überreste.
Das Dissertationsprojekt fragt somit nach der historisch-spezifischen Medialität von Repräsentation. Es untersucht, wie Menschen mit der sie umgebenden materiellen Kultur interagierten und sich dabei in Bezug zu ihrer Umwelt setzten.