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Zwei beachtliche Niederschläge, der zweite mit Regen bis gegen 2400 m, bildeten die Eckdaten dieser Wochenberichtsperiode. Die Folge waren zwei markante Lawinenzyklen, der erste mit meist trockenen Lawinen und Schwerpunkt im Westen, der zweite mit vielen feuchten Lawinen. Im südlichen Wallis und in Graubünden brachen dabei auch einige Lawinen in tiefen Schichten der Schneedecke an.
Freitag, 06.03.: Ende eines intensiven Schneefalls, viele trockene Lawinen
In der Nacht auf Freitag endeten die intensiven Schneefälle im Westen. Von Donnerstag, 05.03. bis Freitagmorgen, 06.03. fielen dort bis zu 70 cm Neuschnee (vgl. Abbildung 1).
Tagsüber gab es im Süden längere Aufhellungen, im Norden fiel noch wenig Schnee bis in tiefe Lagen. Der Wind flaute verbreitet ab. Nur im Jura und in den Voralpen blies er noch mässig bis stark aus westlichen Richtungen.
Mit dem Ende der Niederschläge nahm die Wahrscheinlichkeit für spontane Lawinen rasch ab. Aufgrund der mächtigen Neu- und Triebschneeschichten konnten Lawinen aber nach wie vor sehr gross werden. Grund genug, die Gefahrenstufe 4 (gross) im Lawinenbulletin auch während des Tages beizubehalten. Der Lawinenaktivitätsindex verzeichnete für den Freitag, 06.03. denn auch eine markante Spitze (vgl. Abbildung 2), wobei ein Grossteil der Lawinen wohl bereits in der Nacht auf Freitag abgegangen war.
Samstag, 07.03.: Neuschnee im Osten
In der Nacht auf Samstag intensivierte sich der Schneefall im Osten. Dort fiel mit bis zu 40 cm etwas mehr Schnee als erwartet (vgl. Abbildung 3). Schwacher Schneefall setzte sich im Osten auch tagsüber fort. Im Westen gab es zunehmend Aufhellungen, im südlichen Wallis und im Tessin war es meist sonnig.
Der lockere Neuschnee wurde in der Höhe verfrachtet und es entstanden störanfällige Triebschneeansammlungen. Diese waren im Osten am grössten und entsprechend wurde die Lawinengefahr dort als erheblich (Stufe 3) prognostiziert. Aufgrund des Windes wurde auch für den Alpenhauptkamm vor erheblicher Lawinengefahr gewarnt. Erheblich war die Lawinengefahr auch im Westen. Die Ursache waren dort nach wie vor die mächtigen Neu- und Triebschneeschichten vom Donnerstag, 05.03. und Freitag, 06.03. Diese wurden nach wie vor als störanfällig eingestuft. Bestätigt wurde dies durch einzelne Lawinenauslösungen durch Personen und einen spontanen Lawinenabgang, vermutlich verursacht durch die grosse Zusatzbelastung eines Wächtenabbruchs (vgl. Video 1).
Video 1: Spontane, sehr grosse Schneebrettlawine am Nordosthang der Garda Bordon (3309 m, Anniviers, VS). Die Lawine wurde wahrscheinlich durch einen Wächtenabbruch verursacht. Der Staub drang bis in den Talboden und in die Nähe touristischer Infrastruktur vor. Es kam aber niemand zu Schaden (Video: Webcam geopraevent.ch, 07.03.2020).
Sonntag, 08.03.: Verschnaufpause
Ein sonniger, meist schwachwindiger Tag führte zu einer Abnahme der Lawinengefahr. Diese wurde nur noch im Osten und im Westen als erheblich (Stufe 3) eingestuft. Grund dafür war einmal mehr der ‘Schnee von gestern’. Dieser war noch teils störanfällig (vgl. Abbildung 4).
Montag, 09.03. und Dienstag, 10.03.: Neuschnee, Regen und viele nasse Lawinen
Am Montagmorgen setzte erneut Schneefall ein. Die Schneefallgrenze lag vorerst bei rund 1000 m. Tagsüber gab es im Westen und Süden einige Aufhellungen, sonst hielten die Schneeschauer an. Nach einer kurzen Pause in der Nacht auf Dienstag setzte erneut Schneefall ein. Die Schneefallgrenze lag am Dienstagmorgen noch bei 800 m und stieg im Norden im Tagesverlauf bis auf 2400 m an. Lokal wurden sogar Regenspuren auf 2700 m beobachtet. In den inneralpinen Gebieten lag die Schneefallgrenze noch länger tief und stieg erst ganz zum Ende des Schneefalls auf rund 2000 m an. Zusammen mit der Schneefallgrenze fuhr auch die Nullgradgrenze Achterbahn (vgl. Abbildung 5).
Der Niederschlag endete in der Nacht auf Mittwoch. Erneut kamen beträchtliche Neuschneemengen zusammen, allerdings nur in der Höhe (vgl. Abbildung 6).
Mit dem Niederschlag und dem Anstieg der Schneefallgrenze gingen sehr viele spontane Lawinen ab, darunter auch sehr grosse. Die meisten Lawinen wurden als nass klassiert. Die Hauptaktivität war vermutlich in der ersten Nachthälfte von Dienstag, 10.03. auf Mittwoch, 11.03. Die Lawinen stiessen teils bis in tiefe Lagen vor und gefährdeten exponierte Verkehrswege (vgl. Abbildung 7).
Nachdem im letzten Wochenbericht noch spekuliert wurde, dass schwache Schichten in der Altschneedecke durch die Überlast von viel Neuschnee nochmals störanfällig werden, wurde diese Spekulation diese Woche Tatsache. Vor allem in den inneralpinen Gebieten wurden durch die Zusatzlast, die Erwärmung und den Regen einige Lawinen im Altschnee ausgelöst (vgl. Bildstrecke und Abbildung 8).
Im Lawinenbulletin wurde die Lawinengefahr in dieser Phase unterschätzt. Zum einen stieg die Schneefallgrenze höher als prognostiziert und zum andern reagierte die Schneedecke deutlich empfindlicher auf den Regen, als dies eingeschätzt wurde. Aufgrund der Lawinenaktivität (vgl. Abbildung 2) wäre in der Nacht von Dienstag, 10.03. auf Mittwoch, 11.03. in weiten Teilen des nördlichen Alpenkamms, des Unterwallis, in Nordbünden und im Unterengadin die Gefahrenstufe gross (Stufe 4) angebracht gewesen.
Mittwoch, 11.03. und Donnerstag, 12.03.20: Recht sonnig und frühlingshaft mild
Mit zwei recht sonnigen und sehr milden Tagen nahm die Gefahr von trockenen Lawinen allmählich ab. Oberhalb von rund 2400 m wurde in den Gebieten mit viel Neuschnee noch vor erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) gewarnt. Unterhalb von rund 2400 m stabilisierte sich die feuchte Schneedecke durch die nächtliche Abstrahlung. Die Gefahr von nassen Lawinen unterlag einem Tagesgang. Mit der tageszeitlichen Erwärmung und der Sonneneinstrahlung gingen im Tagesverlauf spontane Lawinen ab, vereinzelt auch grosse (vgl. Abbildung 9).
In dieser Wochenberichtswoche wurden dem Lawinenwarndienst 14 Lawinen mit mitgerissenen Personen gemeldet. Dabei wurden insgesamt 17 Personen erfasst und 2 ganz verschüttet (siehe Karte und Tabelle der aktuellen Lawinenunfälle). Glücklicherweise gab es keine tödlichen Lawinenunfälle und die Anzahl Todesopfer liegt mit 5 nach wie vor deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt für Mitte März (etwa 15 Todesopfer).
Zwei Lawinen zogen eine Suchaktion und damit einen Sachschaden nach sich. Über Materialschäden gingen bis Redaktionsschluss keine Meldungen ein.
Meldungen von Lawinenabgängen mit oder ohne involvierte Personen sind für die Lawinenwarnung sehr wichtig. Zum einen dienen diese für eine Validierung der Prognose, zum anderen für die langjährigen Statistiken. Zudem sind Lawinenunfälle immer auch lehrreich und eine Auswahl interessanter Unfälle wird jeweils über die Winterberichte wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Rückmeldungen an den Lawinenwarndienst macht man am besten über die App WhiteRisk oder über www.slf.ch.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.