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10 architektonische Meisterwerke des Brutalismus und wo sie zu finden sind
Die brutalistische Bewegung, die in den 1960er-Jahren die Architekturwelt erfasste, fand in gleichem Masse begeisterte Anhänger, wie sie von anderen als Zumutung geschmäht und beschimpft wurde. Die ursprünglich im sozialen Wohnungsbau oder für grosse institutionelle Projekte zum Einsatz kommende brutalistische Bauweise zeichnet sich durch eine einfache Ästhetik aus, in der behäbige, kastige Formen und Sichtbeton die Fassaden dominieren. Diese kolossalen, in geometrischer Disharmonie stehenden Strukturen wie auch ihre Architekten geniessen grösstenteils Kultstatus und lieferten sogar die Inspiration für fiktive Schurken in der Popkultur. Hier lesen Sie, wo 10 dieser brutalistischen Meisterwerke zu finden sind.
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Barbican, London
Die Barbican-Anlage, eine gewaltige Mini-Stadt, wurde auf einem Areal erbaut, das im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe völlig zerstört worden war. Die Errichtung des Hauptbaus, des Barbican Centre, begann in den 60er-Jahren. Doch als das Gebäude 1982 nach vielen Jahren fertiggestellt war, war es praktisch schon zum Anachronismus mutiert. Mit seinen rauen Betonfassaden, kastenartigen Vorsprüngen und deplatzierten vertikalen Gärten wurde dem Barbican Centre die Ehre zuteil, 2003 zu Londons hässlichstem Gebäude gewählt zu werden. Das Zentrum für darstellende Kunst ist Teil des ausgedehnten Komplexes, in dem auch Privatwohnungen, Schulen, Theater, Kunstgalerien und Bibliotheken untergebracht sind, und wird damit der utopischen Wunschvorstellung der 1950er-Jahre von der Integration kultureller Einrichtungen in dicht besiedelte Wohnbereiche gerecht.
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Verwaltungsgebäude der Banco de Londres y América del Sur, Buenos Aires
Ein verzerrter Würfel, durchzogen von rechteckigen narbengleichen Öffnungen: An ihrer Strassenkreuzung im Finanzdistrikt von Buenos Aires gelingt der Banco de Londres y América del Sur ein echtes architektonisches Statement. Mit der zugleich wuchtig-schweren und luftigen Fassade haben die Architekten ein wahres Kunstwerk vollbracht. Der 1966 fertiggestellte Bau wurde mit dem Grundgedanken errichtet, die Bank durch die Eingliederung öffentlicher Räume innerhalb des Komplexes weniger imposant erscheinen zu lassen. Beispielsweise erwarten den Besucher im Erdgeschoss nicht ausschliesslich Kassenschalter – das Foyer dient zugleich als überdachte öffentliche Halle, über der direkt unter dem Dach die Büroräume zu schweben scheinen.
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Geisel Library, La Jolla, Kalifornien
Die auch als Dr. Seuss Library bekannte Geisel Library ist die Zentralbibliothek der University of California in San Diego, die nach dem Kinderbuchautor und Illustrator Theodor Seuss Geisel benannt ist. Der 1970 errichtete Bau beherbergt eine umfassende Sammlung der Dr. Seuss-Bücher, während Besucher im Freien bereits von einer Bronzestatue des «Katers mit Hut» begrüsst werden. Der Architekt William Pereira hat ganze Arbeit geleistet, um Dr. Seuss zu würdigen – die Fassade soll Hände darstellen, die einen Stapel Bücher tragen. Die Bibliothek thront am Rande einer Schlucht und besitzt zugleich etwas Unheimliches und Schönes, was insbesondere bei Sonnenuntergang auffällt, wenn die Fenster Farbschattierungen von Pink bis Violett annehmen.
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Cathedral of Saint Mary of the Assumption, San Francisco
Das 1970 erbaute Gotteshaus wurde entsprechend dem Vorbild der Kathedrale St. Marien in Tokio gestaltet, wobei das Pendant in San Francisco beinahe etwas zierlich ist, um als brutalistisch klassifiziert zu werden. Trotz derselben strahlenden Fassade in Beige-Weiss erscheinen die Konturen der Kirche in San Francisco geschwungener als die des Tokioter Gegenstücks. Im Inneren erwartet den Besucher ein bedrohlich anmutendes Design aus sich überschneidenden Linien an den Wänden, die den Blick unwillkürlich nach oben zur 19 Stockwerke hohen Kuppel wandern lassen. Die Kirche ist allerdings noch aus einem weiteren Grund berühmt: Jeden Tag um 14 Uhr wirft bei Sonnenschein das Satteldach auf einer Seite des Gebäudes einen Schatten, der einer entblössten weiblichen Brust ähnelt.
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Trellick Tower, London
Mit Ernő Goldfinger, dem Architekten des Trellick Towers, gestaltete sich die Zusammenarbeit derart schwierig, dass Ian Fleming einen James-Bond-Schurken nach ihm benannte. Das 1972 fertiggestellte 31-stöckige Hochhaus wurde für die Stadtverwaltung im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus errichtet und ist derart nutzenorientiert, dass es nachgerade vollkommen erscheint. Der Trellick Tower, ein brauner Betonturm aus aufeinander gestapelten Zündholzschachtel-gleichen Einheiten, wurde einst – noch vor einer gross angelegten Sanierung in den 90ern – mit Kriminalität, Vandalismus und Drogenmissbrauch in Verbindung gebracht. Heute ist er eines der grossen brutalistischen Symbole Londons.
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Hill of the Buddha, Sapporo
Tadao Andos Statue und Schrein sind vermutlich mehr modernistisch als brutalistisch und tragen beim Besuch des Makomanai Takino Friedhofes zur ruhigen, ausgewogenen Atmosphäre bei. Der 2015 eröffnete Hill of the Buddha umfasst einen künstlichen Hügel mit 150 000 Lavendelpflanzen, der um eine 13,5 Meter hohe Buddha-Statue angelegt ist, von der vom Fuss des Hügels aus nur der Kopf zu sehen ist. Der Schrein wartet noch mit mehreren weiteren verborgenen Facetten auf, wie etwa langgezogenen Wasserspielen und Tunnels aus sich überlappenden Betonbögen, die wieder mehr charakteristisch für den Brutalismus sind.
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Boston City Hall, Boston
Mit gitterförmigen Strukturen und scharfen, hervorspringenden Kanten ist die Architektur des Rathauses von Boston zutiefst brutalistisch geprägt. Der 1969 von drei Professoren der Columbia University errichtete Bau entzweit seitdem die Gemüter der Bostoner. Der ehemalige Bürgermeister Tom Menino ging sogar so weit, den Abriss des Rathauses zu fordern. Gerettet wurde es von Aktivisten, die mithilfe einer Petition forderten, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Dem Konzept nach sollte der Komplex öffentliche und private Räume kombinieren und eine Atmosphäre der Transparenz und der Rechenschaftspflicht in Verwaltungsabläufen ausstrahlen, was durch die weitläufige, mit Backsteinen gepflasterte Plaza und die Büroräume auf den oberen Ebenen, die von vorspringenden Betonbalken getragen werden, erreicht wird.
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The Met Breuer, New York City
Das 1966 fertiggestellte Gebäude in der Upper East Side von Manhattan ist eines der schlichteren Beispiele brutalistischer Architektur. Sein Architekt, Marcel Breuer, errichtete im Grunde genommen einen fünfstöckigen Würfel aus Beton und Granit mit einer an einer Seite nach oben und aussen abgestuften Fassade und vereinzelten Fenstern von unterschiedlicher Grösse. Nachdem das Whitney Museum of American Art nach mehreren Jahrzehnten im Gebäude 2015 in eine neue Location an der Gansevoort Street in Lower Manhattan umgesiedelt wurde, wurden die Sammlungen zeitgenössischer Kunst des Metropolitan Museum of Art darin untergebracht. In der Kunstwelt wird allerdings gemunkelt, dass 2020 die Frick Collection das Museum für sich beanspruchen will.
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Wotrubakirche, Wien
Eines der origineller anmutenden Bauwerke des Brutalismus ist wohl die Wotrubakirche. Das Gotteshaus auf einem Hügel am Stadtrand von Wien besticht durch eine Fassade aus 152 rechtwinkligen Prismen aus Beton, die willkürlich aufeinander gestapelt scheinen und in den Zwischenräumen Platz für Fenster bieten. Wie bei vielen Kirchen gibt es auch an diesem Standort eine düstere Vergangenheit: Die Wotrubakirche wurde auf dem ehemaligen Areal einer nationalsozialistischen Kaserne errichtet. Leider war es dem Architekten Fritz Wotruba nicht vergönnt, die Fertigstellung der Kirche zu erleben. Er verstarb im Jahr 1975.
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Habitat 67, Montreal
Die am Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms gelegene Wohnanlage sieht heute wie auch in ihrem Baujahr 1967 wunderbar apokalyptisch aus. Der 12-stöckige Komplex, der ursprünglich im Rahmen der Abschlussarbeit seines Architekten Moshe Safdie entworfen wurde, besteht aus 354 stufenförmig aufgestellten Beton-Quadern mit Dachterrassen. Die Wohneinheiten sind durch ein verzweigtes System aus Wegen und Brücken sowie drei Aufzüge, die in die höheren Etagen führen, verbunden.