Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03458.jsonl.gz/2208

Das arktische Alaska stellt einen der wichtigsten Brut- und Balzplatz von insgesamt mehr als 90 Vogelarten dar. Ein Anstieg von mindestens 3.1° C der durchschnittlichen Jahrestemperatur in Nordalaska wird mittlerweile erwartet und wird daher die Arten auf unzählige Weise beeinflussen. Der Bericht, der von den WCS-Forschern Joe Lieberzeit, Erika Rowland, Molly Cross und Steve Zack verfasst wurde, führt detailliert die Gefährdungsbeurteilung auf, die für 54 Arten erstellt wurde, und soll so den lokalen Behörden beim Management der Tierwelt eine Hilfestellung leisten. Das Projekt wurde mit der Hilfe von weiteren 80 Wissenschaftlern, die Experten für jeweilige Arten sind, durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigten, dass neben den stark gefährdeten Arten Gerfalke und Gewöhnlicher Eiderente, noch weitere sieben Arten mittelstark gefährdet sein werden: Pinselkormoran, Steller'sche Eiderente, Falkenraubmöwe, Gelbschnabeltaucher, Grasläufer, Thorshühnchen und Steinwälzer. Daneben werden aber fünf Arten (Grasammer, Spornammer, Dachsammer, amerikanische Baumammer und Birkenzeisig) gemäss dem Bericht zahlenmässig zunehmen.
Die Autoren vermerken, dass die Beurteilungen nur diejenigen Gefährdungen miteinkalkuliert hatten, die direkt mit den Folgen des Klimawandels, dem die brütenden Vögel in Alaska ausgesetzt sind, zusammenhängen. «Der primäre Wert dieses Berichts liegt darin, die zugrundeliegenden Faktoren herauszusuchen, welche die Vögel mehr oder weniger für den Klimawandel anfällig machen», sagt Joe Lieberzeit. «Dadurch können wir dann anfangen, nachfolgende Managementaktionen zu priorisieren und Datenlücken zu identifizieren. Die Ergebnisse repräsentieren einen Anfangspunkt, um Management und Schutzbemühungen zu verbessern und besser planen zu können».
Die Gefährdungen wurden mit Hilfe einer Software der Firma NatureServe beurteilt, welche die Expertenmeinung über die Empfindlichkeit für den Klimawandel einer Art mit den geographisch-räumlichen Datensätzen von äusserlichen Faktoren vereint. Beispielsweise kombiniert sie physiologische Toleranz von Temperaturänderung mit vorhergesagten Temperaturen oder Feuchtigkeitsänderungen und bestimmt einen Gefährdungsfaktor. Diese Software bietet also ein wertvolles Werkzeug für die Beurteilung von klimawandel-getriebene Effekten. Genau das richtige für Greg Balogh, Koordinator der Arctic Landscape Conservation Cooperative (ALCC). «Dieses Beurteilungswerkzeug verschmilzt Expertenmeinung mit Computermodellierung auf eine Art und Weise, die oft nicht realisiert wird», meint Balogh. «Die Einblicke und graphischen Darstellungen über Gewinner und Verlierer des Klimawandels öffnen einem wirklich die Augen. Land- und Ressourcenmanager sollten unbedingt ihr Augenmerk auf solche Produkte legen, wenn sie sich überlegen, wie sie in Zukunft ihre Geschäfte machen möchten».
Unter den Gemeinsamkeiten der eher gefährdeten Arten fand sich eine starke Bindung an die Küstengebiete. Dadurch werden sie klima-bedingten Veränderungen stärker ausgesetzt, wie zum Beispiel vermehrte Stürme, Erosion und zurückgehenden Eisbedeckung. Generalisten, d.h. solche, die sich einer grossen Palette von Veränderungen anpassen können, waren in den Modellen weniger stark betroffen und konnten sogar in einigen Fällen von den Veränderungen profitieren. Doch trotz der detaillierten Beurteilung und des bereits geleisteten Aufwands, sind sich die Autoren des Berichts einig, dass noch sehr viel Arbeit wartet. «Unsere Ergebnisse erzählen nur einen Teil der Klimawandelgeschichte für diese Arten», erklärt Autorin Erika Rowland. Beispielsweise sind einige Arten auf Feuchtgebiete angewiesen, die aufgrund der Erwärmung austrocknen oder ihre Lage verändern könnten. Ausserdem überwintern viele Arten ausserhalb von Alaska und daher müssen Informationen über Klimawandeleffekte aus anderen Regionen unbedingt mit diesen Informationen verbunden werden, um unser Verständnis über die Gefährdung hier in Alaska zu verbessern. Nur so können wir unsere Schutz- und Managementbemühungen stetig verbessern.
Aktuellste Artikel