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Im Rahmen der «Fête de la carotte», die jeweils am zweiten Augustwochenende über die Bühne geht, stellen die Produzenten ihre Karotten möglichst dekorativ zur Schau. Experten benoten diese kleinen Ausstellungen und vergeben einen Wanderpokal ? ein grosses Trinkgefäss aus Gold, natürlich mit Henkeln in der Form von Karotten. Traditionell werden im Rahmen dieses Festes auch eine Karottenstafette und ein Karottenspucken veranstaltet.
Noch bis in die 1980er Jahre hinein pflegte man ausserdem die Danse de Carbelotte, in deren Verlauf die Jungen Männer der Gemeinde durch das Dorf prozessierten ? nur mit Röcken aus Bundkarotten bekleidet. Angeführt wurden sie von einem Zeremonienmeister, der eine Schubkarre mit einem alten Grammophon vor sich her schob, aus dem alte Jazzmusik plärrte. «Für die jungen Frauen des Dorfes war das eine gute Gelegenheit, potenzielle Kandidaten für eine Hochzeit etwas näher unter die Lupe zu nehmen», erklärt Adriana Bovinelli vom Musée historique in Port-Louis, wo 2011 eine kleine Ausstellung zur Fête de la carotte stattfand. «Heute finden die jungen Frauen ihre Zukünftigen nur noch selten im Dorf ? und die Männer haben auch keine Lust mehr, Karottenröckchen anzuziehen».
Einen wahren Boom erlebte die Danse de Carbelotte offenbar in den frühen siebziger Jahren. «Das passte zur Zeit», erklärt Bovinelli: «Einzelne Männer tanzten damals zwei Tage lang durch und hatten zum Schluss natürlich nur noch das Kraut der Karotten am Leib. Sicher spielten auch Drogen eine Rolle.» Aus den siebziger Jahren stammt auch ein Filmdokument, das uns freundlicherweise von den Archives Nationales von Santa Lemusa zur Verfügung gestellt wurde. Der Film zeigt einen unbekannten Karotten-Tänzer in Aktion und war auch Teil der Ausstellung im Musée historique. Autor und Darsteller sind unbekannt, den Film fand Bovinelli im Gemeindehaus. «Die Szene muss in Carbelotte gedreht worden sein. Wir haben sogar die Schallplatte gefunden, die im Hintergrund abgespielt wird. Sie lag mit dem Grammophon und weiteren Platten in einem Schrank im Gemeindehaus». Das Stück heisst «Temptation» und wird von Artie Shaw und seinem Orchester gespielt (auf einer Schellackplatte der Firma «His Masters Voice».)
«Im Museum sind wir uns nicht ganz eins, wie die Farbe ins Bild gekommen ist. Einige meiner Kollegen meinen, der Film sei von Hand koloriert worden. Ich glaube eher an ein chemisches Verfahren, die Farben wirken so grell. Leider haben wir ja nur eines VHS-Kopie des Films. Das Original, wohl ein 16-Milimeter-Film, ist wahrscheinlich verschollen. Wir denken auch, dass der Film ursprünglich ein anderes Format hatte. Ob man allerdings je den Kopf des Tänzers sehen konnte?»
Autor unbekannt: Danse de Carbelotte, um 1970 (Videokopie, vermutlich nach einem 16mm-Film).
First Publication: 4-1-2012
Modifications: 6-1-2012