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Links zu den nachfolgenden Kapiteln:
ein Duo mit purer Experimentierfreude
vier Tage Arbeit
Single oder Album
die Versionen
Rezeption und Statistik
Fast auf jedem Album von Paul McCartney gibt es experimentelle Songs. Und auch Remixes sind nichts Neues für ihn, der erste Remix war 1983 von «Say Say Say». Durch die 1980er-Jahre erschienen von vielen McCartney Singles Remixes. Und selbst Dance Musik und der aufkommende Techno waren für McCartney nichts Neues, «Good Sign» und «Où Est Le Soleil?» von 1989 zeugen davon. Ende 1992 sorgten die Steve Anderson Mixes von «Deliverance» in der englischen Dance-Szene für Furore, was Paul ermutigt haben dürfte, nachzulegen.
ein Duo mit purer Experimentierfreude
McCartney kontaktierte im Herbst 1992 Martin Glover, besser bekannt als Youth. Dieser ist Bassist bei den Post-Punk-Band Killing Joke und produzierte bereits die halbe angelsächsiche Pop- und Rockwelt, so zum Beispiel
Tears For Fears, INXS, Wet Wet Wet, The Orb oder U2. Gleichzeitig gehört er zu den Technopionieren. «Ursprünglich kontaktierte ich Youth, weil ich von ihm ein paar Dance Mixes aus dem ‹Off The Ground› Projekt wollte», so Paul McCartney im FanClub Magazin «Club Sandwich». Wie immer hatte er klare Vorstellungen davon was er wollte: «Mein Briefing war, dass er nur unsere Sounds verwenden sollte. Oft haben Dance Mixes ein Kick-Drum-Sample oder eine James Brown Snare Drum, weshalb die Aufnahme schlussendlich nach jemand anders klingt. Deshalb sagte ich Youth, er könne sämtliche Sounds von meinen Aufnahmen, hauptsächlich aber von ‹Off The Ground›, nehmen.» Youth war damit einverstanden.
Auch das Innere des CD-Booklets gibt keinen Hinweis auf die Urheberschaft.
McCartney und Youth teilen die Liebe, ihre Kreativität auszuleben und dabei Neues zu versuchen. «Als Produzent musst dich jedoch zurückzuhalten. Man muss warten, bis man gefragt. (…) Glücklicherweise hat Paul gefragt.» Denn Youth wollte nicht bloss einem Song einen Technobeat unterlegen, sondern ging neue Wege. Er schlug McCartney vor, von den Multitrack Tonbändern, die für die Aufnahme des Albums verwendet wurden, Klänge zu sampeln und diese zu etwas Neuem zusammenzusetzen. Die Aufnahmen würden aus den Elementen von «Off The Ground» und wären dennoch weit vom Meilenweit vom Original entfernt.
vier Tage Arbeit
Das Album entstand Anfang Oktober 1992 während vier Tagen. Am ersten Tag hörten sich Youth und sein Team, Toningenieur Chris Potter und Programmierer Matt Austin, in Pauls Studio durch die zur Verfügung gestellten Aufnahmen. Am zweiten Tag bat Youth Paul hinzu, Paul hatte vier bis fünf Stunden Zeit. Während dieser Session spielte er etwas auf einem Banjo, Flötentöne, flüsterte einige Worte und spielte einige Takte auf dem Bill Blacks Stehbass, den dieser während den «Heartbreak Hotel»-Sessions von Elvis gespielt hatte. Paul hatte den Bass auf «Let’em Im» auf dem 1976er-Album «Wings At The Speed Of Sound» gespielt. «Es war ein riesen Spass, normalerweise versuchen Produzenten mich zum Schweigen zu bringen – hör auf herumzualbern Paul, sind den Song richtig – aber Youth wollte all mein Herumalbern.»
Erkennbar auf dem Album ist das Schlagzeug und Gesangsspuren von «Cosmically Conscious», ein Bassriff, dass sich nicht mehr näher bestimmen lässt, sowie aus Pauls Backkatalog gesprochene Elemente aus «Reception» und «The Broadcast» vom 1979er-Album «Back To The Egg». Am kreierte Youth den Basitrack und lud Paul ein, am vierten Tag während des Abmischens dabei zu sein. Paul am mit Linda und den Kindern direkt von der Eröffnung von Lindas Fotoausttellung in Bath. Sie waren alles davon eingenommen. Vor alem Paul war begeistert, er hat sein Album in einem neuen Kontext gehört. Paul war fasziniert davon, wie Youth das Mischpult als Instrument benutzte. «Nach dem ersten Mix fragte Paul, ob es das wäre. Ich antwortete, nein wir machen noch einige.» Paul blieb bis gegen vier Uhr morgens im Studio und wohnte dem Absmischen bei.
Single oder Album?
Doch McCartney war so begeistert vom Resultat, dass er beschloss, alle neun Mixes auf als Album zu veröffentlichen. «Ich plante, sie auf einen Single-Mix zu schneiden, aber Paul wollte sie als Album. Ich hatte leichte Bedenken und hätte ich gewusst, dass es ein Album würde, hätte ich das etwas anders angepackt. Als Strauss von 12”-Mixes sind die Songs exzellent, sehr spontan (…) ab um ehrlich zu sein, als Album sind etwas zurückgeblieben», so Youth.
Youth, posierend für ein Promofoto, als Guru in Goa 1991.
«Doch allen nötigen Respekt zu Paul, er fühlte, dass es die Songs ein Album wert sind, und sagte: ‹Ich denke, es ist grossartig. Ich möchte es so›. Er hat nicht einmal die Titel geändert, die ich in dieser Nacht den Songs gegeben habe. Ich habe nicht daran herumstudiert, sie sind wirklich sehr spontan. Es war vollmond und ich war in einer esoterischen Stimmung – «Transspiritual Stomp» hat ein gewisses heidnisches Gefühl. Ich stellte mir einen Höhlenbewohner vor, der gegen den Staub mischte. Und «Sunrise Mix» war der letzte der Nacht, beendet als die Sonne über den Horizont stieg.»
Paul ergänzt: «Ich liebe es als Platte und ich denke, Youth hat wirklich gute Arbeit gemacht, obwohl wir nicht bemerkt haben, dass wir an einem Album arbeiten und es wirklich derselbe Track in neun Remixes ist.» Für seine Begeisterung führt er noch einen weiteren Punkt an: «Es hat Spass gemacht und wir haben dennoch unsere Würde behalten, denn obwohl wir die Sounds beschleunigt oder verlangsamt oder was auch immer mit ihnen gemacht haben, es sind noch immer wir: die Zutaten auf The Fireman sind immer noch wir.» Mit wir meint Paul sich und seine damalige Band, mit der er das Album «Off The Ground» eingespielt hat.
die Versionen
Obwohl sich McCartney nie zu schade ist, mit seinem eigenen Namen für seine Werke einzustehen, erschien «Strawberries Ocean Ships Forrest» in England zehn Monate nach «Off The Ground» sowie nach der «New World Tour» am selben Tag wie das Livealbum «Paul Is Live». Im Gegensatz zu letzterem aber unter dem Pseudonym The Fireman und auch die Beteiligung von Youth war nirgendwo auf dem Album erkennbar. «Es war aus verschiedenen Gründen passend», ist alles, was sich McCartney entlocken liess. Gut möglich, dass es diesselben Überlegungen sind wie schon bei der Zusammenarbeit mit Elvis Costello, hier verzichteten sie auf die Veröffentlichung eines gemeinsamen Albums, weil der Rummel darum zu gross wäre.
Youth bestätigt im Club Sandwich insofern diese Theorie: «Wir wollten das Album weder als Spielerei verstanden wissen noch grosses Brimborium darum haben, obwohl es für die Leute nicht schwer ist herauszufinden, wer dahinter steckt. Wir mochten die Idee, dass die Leute zufällig unser Album entdecken.» Hinweise gab es genug: Der Bandname ist dem Beatles-Song «Penny Lane» entliehen, worin es heisst «… the fireman rushes in». Der Albumname zitiert die B-Seite von «Penny Lane», John Lennons «Strawberry Fields Forever». «Strawberries Ocean Ships Forrest» erscheint auf dem Label Juggler Music, der mit Planeten jonglierende Herr ist seit Anfang der 80er-Jahre das Logo von McCartneys Musikverlag MPL, die McCartney Production Limited. Der von Paul und Linda McCartney produzierte Animationsfilm über Greatful Death erschien auf dem Label Juggler Films. Ausserdem wurden die Händler und die Medien informiert und das Album in der Musikpresse gar besprochen.
1993 gilt als das Jahr, in dem die kommerzielle Vinylproduktion grösstenteils eingestellt wurde – selbst die heutigen so geannten neuen Höchststände werden in wenigen Presswerken weltweit produziert. So erschien «Strawberries Ocean Ships Forrest» als CD, in England am 15. November 1993, in den USA am Valentinstag 1994. Obwohl kein grosses Aufhebens um das Album gemacht wurde, veröffentlichten sowohl Parlophone in England und Capitol in den USA eine Kleinauflage als Doppel-LP (wegen der Spieldauer von 77 Minuten). In Deutschland produzierte EMI eine Maxisingle mit «Transspiritual Stomp», aber keine CD-Single. Erste Hörproben erhielten die Konzertbesucher bereits während der «New World Tour» im Pre Concert-Film. Als Download Version ist «Strawberries Ocean Ships Forrest» seit 2011 erhältlich.
In den USA erschien «Strawberries Ocean Ships Forrest» auch als Doppelalbum mit durchsichtigem Vinyl.
Anfang 1994 verbreitete sich das Gerücht eines Technoalbums von Paul McCartney, und sein Fan Club Magazin «Club Sandwich» berichtete ausführlich über das Album. Für das zweite Fireman-Album «Rushes» 1998 blieb das Pseudonym bestehen, seine Veröffentlichung im Frühling des Jahres war auch wenige Wochen nach Linda McCartneys Tod. Erst 2008, bei «Electric Arguments» wurde das Pseudonym offiziell gelüftet, dies auch, weil McCartney zum ersten Mal auch gesungen hat.
Rezeption und Statistik
Neben «McCartney 2» (1980) und der «Liverpool Sound Collage» (2000) ist «Strawberries Ocean Ships Forrest» das sperrigste Album in McCartneys Katalog. Das war er sich bei der Veröffentlichung bewusst und sagte gegenüber dem Club Sandwich: «Nicht alle werden das Album mögen. Ich anerkenne, dass man sich schon für diese Art Musik (Trance, Ambient) interessieren muss, um es geniessen zu können (…) Aber es ist ein interessantes Album. McCartneys selbsteinschätzung teilen auch die Medien, sowohl in den 1990er-Jahren als auch im Internetzeitalter: Stewart Mason bezeichnet «Strawberries Ocean Ships Forrest» in seiner Besprechung auf allmusic.com als solides Ambient Tanz Material. Das Rolling Stone bezeichnet das Album als ansprechende Sammlung von neun Variationen eines Themas. Das englische Q Magazine gibt drei von fünf Sternen und schreibt: «als ein ansteckendes, zeitlupenartiges, instrumentales Dance-Album ist es gut.» David Browne von Entertainment Weekly konnte nichts mit dem Album anfangen und spielte auf John Lennons Muzak-Bemerkung in «How Do You Sleep» an, als er schrieb, Paul hätte den ersten Techno für Fahrstühle erfunden.
Technofans der ersten Stunde mochten das Album, und selbst wer, wie der Autor, nichts mit Techno anfangen kann, liebt das Album, denn mit «Strawberries Ocean Ships Forrest» ist Paul McCartney Ruf als Avantgarde Musiker gerecht worden. Heute, fast ein Vierteljahrhundert nach der Veröffentlichung haben sowohl die Kritik als auch Paul selber The Fireman als Versuchsfeld und Innovationslabor McCartneys akzeptiert, während die Veröffentlichungen unter seinem eigenen Namen ganz anderen Ansprüchen genügen müssen.
Die Charts erreichte «Strawberries Ocean Ships Forrest» kaum überraschend nirgendwo.
Links zu den mit dem Album korrelierten Aufnahmen
Back To The Egg, Album, 1979
Off The Ground, Album, 1993
weitere Veröffentlichungen mit Youth bzw. Fireman:
Rushes, Album, 1998
Liverpool Soundcollage, Album, 2000
Electric Arguments, Album, 2008
Out Of Sight, Single mit den Bloody Beetroots, 2013
Paul McCartney mit seinem Höfnerbass, gesehen während den Promofoto-Sessions von Bill Bernstein zu «Off The Ground».

Trackslisting:
Transpiritual Stomp
Trans Lunar Rising
Transcrystaline
Pure Trance
Arizona Light
Celtic Stomp
Strawberries Oceans Ships Forest
4 4 4
Sunrise Mix
Backcover:
Deutsche 12" Single
1994:
Tracklist:
Transspiritual Stomp
Arizona Lights Mix
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