Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03513.jsonl.gz/454

Eine höhere Effizienz ist als Argument für die Einführung von digitalen Identitäten inzwischen breit abgestützt und wurde über die letzten Jahre mit entsprechenden Nachweisen aus Ländern in verschiedenen Regionen der Welt untermauert i ii iii. Das Bedürfnis nach digitalen Identitäten geht heute jedoch weit über einen Effizienzgewinn hinaus. Digitale Identitäten werden praktisch zur Notwendigkeit, um öffentliche Dienste ohne Unterbrechung aufrechtzuerhalten, wenn die Bekämpfung der COVID-Pandemie über einen längeren Zeitraum ein Social Distancing erfordert. Digitale Identitäten können E-Government-Dienste ermöglichen, die ohne physische Präsenz rund um die Uhr zugänglich sind. Dies wurde in Grossbritannien mit der elektronischen Identitätsplattform «GOV.UK Verify» gezeigt. Der erste Lockdown-Monat im März 2020 löste einen zehnprozentigen Anstieg der Anzahl neu kreierter digitaler Identitäten aus. Eine digitale Identität wurde benötigt, um in der Startphase des Lockdowns aus der Ferne Anspruch auf einen Universalkredit («Universal Credit») geltend zu machen [1]. Dies half dabei, entscheidende finanzielle Unterstützung zu gewährleisten und so sicherzustellen, dass tausende von Bürgerinnen und Bürgern inmitten der Krise Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen hatten.
Das «GOV.UK Verify»-Programm blieb indes nicht von Problemen verschont. Die Adoptionsraten sind weit hinter dem Ziel von 25 Millionen Nutzern bis 2020 zurückgeblieben. Nachdem ein privatwirtschaftlicher Ansatz gewählt wurde, haben die niedrigen Adoptions- und Nutzungsraten drei von fünf Identitätsanbieter (sogenannte Identity Provider oder kurz IdPs) dazu gezwungen, die Lösung aufgrund von Bedenken hinsichtlich Rentabilität nicht weiter zu unterstützen [2]. Die Einführung eines erfolgreichen Digital Identity-Programms ist eine langfristige Verpflichtung und es macht den Anschein, dass der kurzfristige finanzielle Druck auf private Akteure bedeutet, dass diese für die Rolle eines IdPs ungeeignet sind, sobald die Adoptionsraten die Erwartungen nicht erfüllen. Während das privatwirtschaftliche IdP-Modell in nordischen Ländern mit einer nahezu universellen Abdeckung grosse Erfolge verbuchen konnte, hat dieser Ansatz in anderen Regionen gemischte Ergebnisse erzielt [3]. Industrieprognosen deuten nun darauf hin, dass die Pandemie möglicherweise den Ausschlag zugunsten eines von der Regierung herausgegebenen Digital Identity-Modells zu geben vermochte iv.
Unabhängig davon, welches Modell ein Land gewählt hat, ist eines sicher: Es wird erwartet, dass digitale Identitäten in den kommenden Jahren ein deutliches Wachstum erfahren werden und damit die Grundlage für die nächste Welle von E-Government-Innovationen geschaffen wird. Die Verbreitung digitaler Identitäten ist jedoch nicht Selbstzweck. Ziel ist ein «Empowerment» der Bevölkerung. Es ist daher wichtig sich die Frage zu stellen, was gute digitale Identität bedeutet. Als Anbieter von Digital Identity-Lösungen orientieren wir uns bei unseren eigenen Produktentscheiden an globalen Projekten und neuen Technologietrends. Dabei haben wir die folgenden Design-Prinzipien übernommen, um die Interessen unserer Nutzer, sprich der Bevölkerung, in den Vordergrund zu stellen.
«Privacy by Design»
Aufgrund des sensiblen Charakters von digitalen Identitäten und den zahlreichen damit verknüpften persönlichen Identifizierungsdaten ist das Vertrauen der Öffentlichkeit in eine Lösung von entscheidender Bedeutung. Im Kern geht es darum sicherzustellen, dass bei der Konzeption einer Lösung der Schutz der Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger höchste Priorität hat. Procivis lässt sich von den Werten der «Self-Sovereign Identity»- sowie der Blockchain-Bewegung leiten, die kryptographische Methoden einsetzen, um die Kontrolle und Souveränität der Nutzer über ihre persönlichen Identifizierungsdaten zu gewährleisten. In Übereinstimmung mit diesen Werten muss jede neue Funktion die folgenden Merkmale erfüllen: Einwilligung und freie Wahl, Zweck-Legitimität und Spezifizierung, Sammelbeschränkung und Datenminimierung.
Anbieten von Anwendungsfällen mit hoher Wertschöpfung
Von Regierungen herausgegebene digitale Identitäten gibt es seit fast zwei Jahrzehnten. Einer der Hauptfaktoren, der erfolgreiche Programme von anderen unterscheidet, ist der Zugang zu Diensten, die den Bürgerinnen und Bürgern echten Mehrwert bieten. Neben der Primärfunktion der Authentifizierung in der digitalen Welt haben Fallbeispiele rund um den Globus gezeigt, dass die Akzeptanz stark mit der Verfügbarkeit von Diensten mit hoher Transaktionsfrequenz korreliert. Ein solcher Dienst ist beispielsweise die Bereitstellung von rechtsverbindlichen, digitalen Signaturen. In Estland haben digitale Signaturen die handschriftliche Unterschrift fast vollständig ersetzt, wobei jedes Jahr über 200 Millionen digitale Signaturen von einer Bevölkerung von 1,3 Millionen Menschen eingereicht werden [4]. Weitere Anwendungsfälle, die für die Einführung von digitalen Identitäten förderlich waren, sind Dienste für den digitalen Empfang und die Verwaltung von offiziellen Dokumenten, Zertifikaten und Lizenzen. Brasilien und Argentinien verzeichneten hohe Adoptionsraten bei digitalen «Wallets» (Brieftaschen) für Identitätsdokumente, seit es für Bürgerinnen und Bürger möglich ist, ihren Führerschein und ihre Fahrzeugdokumente auf dem Smartphone zu speichern. Es waren unter anderem diese Anwendungsfälle, die die Entwicklung unserer ersten drei Kernfunktionen – e-Authentication, e-Signature und e-Documents – geprägt haben.
Nahtloses Nutzererlebnis
Es reicht nicht aus, Zugang zu wichtigen Dienstleistungen zu bieten. Ebenfalls wichtig ist ein intuitives und nahtloses Nutzererlebnis für die Bürgerinnen und Bürger. Eine Reihe von Ländern hat beispielsweise Smartcards eingeführt, die es den Bürgern ermöglichen, Dokumente elektronisch zu authentifizieren und zu unterzeichnen. Mehrere dieser Prozesse setzten jedoch voraus, dass die Benutzerinnen und Benutzer über ein Kartenlesegerät verfügten, was sich als zu komplex erwies und die Adoption behinderte. Smartphone-basierte digitale Identitäten lösen dieses Problem, indem sie sich auf handelsübliche Hardware und vertraute Nutzungsmuster stützen. Eine Reihe von digitalen Behördendienstleistungen leidet zudem darunter, dass sie nur bruchstückhaft digitalisiert sind. Beispielsweise kann in der Schweiz eine Reihe offizieller Dokumente zwar über ein Behördenportal bestellt werden, die Zahlungsprozesse jedoch laufen getrennt, so dass die Bürgerinnen und Bürger nach Erhalt einer Rechnung separat eine Überweisung vornehmen müssen. Im Kanton Schaffhausen kombinieren wir e-Payments mit e-Authentication und e-Documents in einer Mobile App, so dass Bürgerinnen und Bürger den Prozess der Bestellung, der Zahlung per Kreditkarte und des Empfangs ihrer amtlichen Dokumente nahtlos durchlaufen können.
Interoperabilität zum Aufbau eines Dienstleistungs-Ökosystems
Wie zuvor verdeutlicht, liegt der eigentliche Wert einer digitalen Identität im Zugang zu den damit ermöglichten Diensten. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass die zum Einsatz kommenden Lösungen auf offenen Standards beruhen, damit Drittparteien (des öffentlichen wie des privaten Sektors) digitale Identitäten einfach in ihre Prozesse integrieren können. Der Finanzsektor ist eine der Branchen, die einen enorm grossen Nutzen aus der Verwendung von vertrauenswürdigen digitalen Identitäten ziehen kann. In Dänemark zum Beispiel wurden von 70 Millionen monatlichen Transaktionen 40 Millionen für Banktransaktionen verwendet. Allerdings bildet eine von der Regierung ausgegebene Identität die vertrauenswürdige Grundlage einer digitalen Gesellschaft und kann in Bereichen Anwendung finden, die viel breiter gelagert sind als zunächst vorhergesehen.
Ursprünglich auf Englisch veröffentlicht von Adithya Pradeep
Fussnoten
i Digital identities in Estonia enables 24×7 access to 99% of all public services online. This helps the country save an estimated 844 years of working time every year. Furthermore E-Signatures enables by the digital identity is estimated to save the country 2% of GDP every year.
Sources:
ii In India, the Aadhaar electronic identity facilitated the opening of over 400 million new bank accounts. The government now transfers subsidies directly into the bank accounts of beneficiaries, eliminating significant inefficiencies in the country’s subsidy delivery mechanism. The Government of India reports a cumulative saving of USD 23 billion dollars between 2013 and 2019.
Sources:
iii McKinsey Global Institute estimates that the deployment of a digital identity can add on average 6% to the GDP of an emerging nation and 3% in the case of developed nations.
Source:
iv Juniper research has projected that the adoption of government issued digital identities will see a remarkable surge of over 400% from about 1 billion digital identities today leading up to 2025, driven by the lasting impacts of the pandemic.
Source:
References
(see Table 1 – «Comparison of eID programs: state as a regulator vs the state as an IdP»)
[4] https://joinup.ec.europa.eu/collection/nifo-national-interoperability-framework-observatory/document/eid-and-e-signature-cross-border-situations-estonian-experience-estonian-eid-and-e-signature#:~:text=Since%20the%20first%20digital%20signature,and%20270%20million%20by%202016.
Melden Sie sich an für unser Newsletter und erhalten immer die neusten Einblicke von Procivis.
Sign up for our newsletter and receive the lastest news from Procivis