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Die Geschichte des modernen Weinbaus in China geht zurück bis ins späte 19. Jahrhundert. 1892 wurde von Chang Bishi (1841 – 1916) mit Changyu der älteste Weinbaubetrieb Chinas mit einigen Rebstöcken aus den USA in Shandong gegründet. Heute ist Changyu der größte Weinproduzent Chinas, der mit zahlreichen Weingütern in verschiedenen Regionen einen Jahresumsatz von rund 1 Mrd. EUR erwirtschaftet. Aber erst in den letzten Jahren kam eine enorme Dynamik in die chinesische Winzerszene, die man vielleicht mit den 1970er Jahren im Napa Valley vergleichen kann. Eine zentrale Rolle dabei spielen das aufstrebende Weinbaugebiet Helan Mountain in Ningxia, welches 2003 die erste offizielle Appellation Chinas wurde. Zu den grossen Pionieren des modernen Weinbaus in China gehörten auch die Herren Wang Fengyu, Li Demei und Rong Jian, welche das grosse Potential von Helan Mountain in den 1980ern als erste entdeckten.
Die Weinbauregionen Chinas ziehen sich grob um den 40. Breitengrad von West nach Ost durch das ganze Land. Ganz im Westen liegt Xinjiang, wo überwiegend Tafeltrauben angebaut und auch einige sehr gute Weine produziert werden. Die Weinstrasse geht weiter nach Osten, über Gansu, welches eine über 2400 Jahre alte Weinbautradition sein Eigen nennen darf, und dessen Weine in uralten chinesichen Gedichten besungen werden. Weiter östlich liegt das bereits erwähnte Ningxia, das heute als die vielversprechendste Weinbauregion Chinas gilt. Daran schliesst sich Shanxi an, wo überwiegend Massenweine produziert werden, aber mit Grace Vineyards auch einer der qualitativ besten Betriebe Chinas beheimatet ist.
Auch in den Küstenprovinzen ganz im Osten wird Wein angebaut. Jilin im hohen Norden, wo seit 100 Jahren Wein produziert wird, ist bekannt für seine Eisweine, wobei das wahre Epizentrum der berühmtesten Eisweine Chinas etwas weiter südlich in Liaoning liegt, in dessen Süden sich die Koreabucht anschliesst. Hebei und Tianjing liegen um Peking herum und grenzen westlich an die Koreabucht. Hier werden vor allem große Mengen an Wein produziert. Hervorzuheben sind hier die Domaine Franco Chinois, die aus dem Versuchsweingut mit dem Namen Sino-French Demonstration Vineyard hervorgegangen ist, sowie Amethyard, wo ein guter Cabernet Sauvignon sowie ein beachtlicher Marselan erzeugt werden.
Und dann gibt es noch Shandong, auf dessen Halbinsel zwischen dem Gelben Meer und dem Golf von Bohai die meisten Weinbaubetriebe stehen, und wo 40% der chinesischen Weine erzeugt werden. Shandong hat ein Monsunklima mit warmen, feuchten Sommern, weshalb dort Böden mit guter Drainage für den Weinbau entscheidend sind. Zu den besten Weingütern Shandongs gehört Chateau Nine Peaks, das 2008 von dem Frankfurter Investmentbanker Karl Hauptmann gegründet wurde, der zuvor schon mit Graf Neipperg in Bulgarien das Weingut Bessa Valley aufbaute. Die Rebstöcke von Chateau Nine Peaks wurden aus Frankreich importiert. Der Cabernet Sauvignon Reserve ist von beachtlicher Qualität.
Schließlich gibt es noch weit im Südwesten Chinas das Weinbaugebiet Yunnan um den 25. Breitengrad, wo in den weltweit höchsten Lagen an den Ausläufern des Himalajas Chinas teuerster Prestigewein, der Ao Yun aus dem Hause LVMH gekeltert wird. In unglaublichen 2200 bis 2600 m Höhe stehen dessen Reben, und zwar in über 300 kleinen Weingärten, die vollständig in Handarbeit von lokalen Weinbauern bewirtschaftet werden. 2013 war der erste Jahrgang – doch die Qualität reicht bei weitem nicht an den aufgerufenen Preis von rund 250 bis 350 EUR heran, ich hatte den Wein mit 89+/100 bewertet.
Die spannendste, dynamischste und beste Weinbauregion Chinas ist Ningxia mit der Appellation Helan Mountain. Um diese Region besser zu verstehen, verbrachte ich im Mai 2019 eine Woche vor Ort. Helan Mountain befindet sich 900 km westlich von Peking in der Hetao-Ebene, einer gigantischen Lössebene neben der Wüste Gobi, durch die der Gelbe Fluss mäandert. Sie liegt direkt am Fuße des Helangebirges (Helan Shan), einem gut 200 km langen und über 3500 m hohem Gebirgszug, der hier die Millionenstadt Yinchuan von der Wüste Gobi trennt.
Die Rebflächen sind jedoch keine Hanglagen, sondern liegen auf dem Hochplateau der Hetao-Ebene in gut 1200 m Höhe. Das Klima ist dort sehr trocken. Dank des Gelben Flusses, der grossflächige Bewässerungssysteme speist, wird hier viel Landwirtschaft betrieben. Bedingt durch die Höhe und das Wüstenklima sind auch im Sommer die Nächte sehr kühl, während am Tage das Thermometer auf 40°C klettern kann.
Da der Gebirgszug in Nord-Süd-Richtung verläuft, bietet er im Winter keinen Schutz vor den eisigen Luftmassen, welche aus Sibirien über die Mongolei nach Süden strömen. Temperaturen von unter -30°C sind im Winter keine Seltenheit. Die Rebstöcke könnten hier also keinen Winter überleben, was zu folgender Besonderheit in der Weinbergpflege führt: Die Stämme der Rebstöcke werden rund 30 cm über dem Boden in die Horizontale erzogen, jeden Herbst, Mitte November, werden die Rebstöcke weiter Richtung Boden gebunden und vor Wintereinbruch eingegraben. Dies schützt die Reben vor dem Kältetod. Ende März oder Anfang April müssen sie dann wieder von Hand ausgegraben werden. Ganze Armeen von Arbeitern – 3 bis 10 Paar Hände pro Hektar – brauchen dafür je nach Weingut 5 bis 15 Tage.
Da die Vegetationsperiode so kurz ist, gilt es, keine Zeit zu verlieren. Daher werden die Rebstöcke, um das Austreiben zu beschleunigen, nach dem Freilegen an zwei Tagen für jeweils 18 Stunden bewässert. Der gigantische Aufwand des Ein- und Ausgrabens ist nur wegen des niedrigen Lohnniveaus der ungelernten Wanderarbeiter in China möglich, dennoch stellt er einen nicht unerheblichen Kostenfaktor da. Noch vor 10 Jahren verdiente so ein Landarbeiter lediglich 60 RMB pro Tag, heute sind es bereits 150 RMB, also rund 20 EUR am Tag. Für ein kleines Weingut mit knapp 20 ha Rebfläche ein nicht unerheblicher Aufwand, der dank steigender Löhnen in Zukunft wohl bald Richtung 100’000 Euro im Jahr gehen wird.
Die Anfänge in Helan Mountain
Wie fing alles an in Helan Mountain? Wang Fengyu war ein Beamter des Landwirtschaftsministeriums in Yinchuan, der sich mit der Geologie dieser Region beschäftigte. Das recht schroffe Helangebirge ist ein Intraplatten-Orogen, das in den letzten 50 Mio. Jahren, wahrscheinlich aber erst vor rund 10 Mio. Jahren relativ schnell die Yinchuan-Ebene durchstieß. Dies führte am Fuße des Gebirges zu mineralogisch vielseitigen Gesteinsformationen, was diese Region mit dem berühmten Napa Valley gemein hat. Unter anderem findet man Schiefer im Untergrund. Wang Fengyu erkannte das Potenzial dieser Kombination von Boden und dem Klima mit heißen Tagen, kühlen Nächten und wenig Niederschlag für den Weinbau.
1984, lange bevor der Weinbau in dieser Region begann, pflanzte Fengyu Wang im privaten Garten die ersten Rebstöcke und begann zu experimentieren. 1998 wurde mit der Helan Mountain Winery der erste grosse Weinbaubetrieb in dieser Region gegründet. Nach seiner Pensionierung gründete Fengyu Wang gemeinsam mit Rong Jian und Prof. Li Demei im Jahre 2005 Helan Qingxue, das 2011 weltweite Aufmerksamkeit erhielt, als sich dessen 2009 Jia Bei Lan als erster chinesischer Wein gegen die übermächtige, internationale Konkurrenz durchsetzte und eine begehrte Auszeichnung bei den Decanter World Wine Awards erhielt.
In den Folgejahren entstanden unzählige Weingüter in Helan Mountain, und die Anbaufläche wuchs explosionsartig. Denn die chinesische Regierung erkannte den ökonomischen Wert von Spitzenweinen und will mit einheimischen Weinen die teuren Importe aus Frankreich zurückdrängen. Heute gibt es rund 100 Weingüter in der Region, und die Regierung hat ehrgeizige Pläne, die Rebflächen am Helangebirge auf 67.000 ha zu erweitern.
巴黎的判决 2.0
Spitzenweine brauchen bekanntlich aber mehr als nur guten Boden und Klima. Entscheidend sind vor allem auch das Können und die Leidenschaft des Winzers. Die meisten Weine, welche heute in dieser Region angebaut werden, sind qualitativ einfach bis minderwertig – Analoges findet man auch zum Beispiel in Bordeaux. Aber eine Handvoll leidenschaftlicher Winzer und Weinmacher gründeten in den letzten Jahren hervorragende Weingüter, deren Weine in der internationalen Oberliga mitspielen können. Nicht in der obersten Spitze der 1er Grand Crus aus Bordeaux oder der Top-Weine aus Kalifornien, aber durchaus auf dem Niveau ordentlicher bordelaiser 3ème Grand Crus wie z.B. Lagrange aus St.-Julien. Das ist insbesondere deshalb beachtlich, weil all diese Winzer auf weniger als 20 Jahre Erfahrung mit dem Terroir zurückgreifen können. Und so ist bei vielen dieser Weine eine deutliche Qualitätsentwicklung über die letzten Jahre zu beobachten. Ich werde nicht überrascht sein, wenn in 10 oder 20 Jahren Weine aus Ningxia in Blindverkostungen guten Prestigeweinen aus Bordeaux und Napa das Fürchten lehren – Judgment of Paris 2.0, oder besser: 巴黎的判决 2.0.
Noch fokussieren sich fast alle Winzer Helan Mountains auf Bordeauxrebsorten, insbesondere Cabernet Sauvignon und – deutlich weniger – Merlot, während bei Weißweinen vor allem der Chardonnay überwiegt. Allerdings ist die Vegetationsperiode für Cabernet Sauvignon hier sehr kurz. Daher zeigen die Weine nicht selten eine deutliche Note von grüner Paprika. Inzwischen gibt es Stimmen, die sagen, andere Rebsorten seien für diese Region besser geeignet. Dem muss ich Recht geben, denn nach meiner Erfahrung schaffen es nur wenige Top-Produzenten, gute Cabernet Sauvignon in Ningxia zu erzeugen. Ein Blend mit Merlot passt zu dieser Region viel besser. Sehr gute Weine bringen in China aber oft Cabernet Gernischt (Carmenère) und Marselan hervor. Marselan gilt tatsächlich als DIE Rebsorte Chinas, als „signature grape of China“, wie sie der Decanter bezeichnete. Der beste Marselan, den ich getrunken habe, kam nicht aus Frankreich, sondern aus Hebei. Hier aber bleibe ich in Ningxia und möchte einige der Top-Weine dieser Region vorstellen.
Die Weingüter
Kanaan Winery:
Wang Fang, die Winzerin, studierte in Deutschland und lebte dort über 10 Jahre, bis sie in ihre Heimat zurückkehrte, um dort Winzerin zu werden. Schuld daran war ihr Vater Fengyu Wang, der oben erwähnte Pionier des Weinbaus in Ningxia. Als Fengyu seine Tochter fragte, ob sie hier nicht auch Wein produzieren wolle, sagte sie spontan zu und kehrte aus Deutschland zurück in ihre erste Heimat.
18 Hektar hat die Kanaan Winery nun bepflanzt. Die Kellertechnik ist modern und funktional, dank der niedrigen Jahresdurchschnittstemperatur, die den langen und eisig kalten Wintern sowie den kühlen Nächten geschuldet ist, sind die tiefen Kellerräume, in denen sich Chai und Flaschenlager befinden, auch im sehr heißen Sommer kaum wärmer als 10°C.
Sechs Weine hat die Kanaan Winery im offiziellen Programm, zwei weisse und vier rote. Der Riesling ist ein knochentrockener Charakterwein mit Kreidemineralität und relativ wenig Frucht, die von Grapefruit dominiert wird. Der Semi Sweet White Wine ist eine Cuvée von Riesling, Chardonnay und Sauvignon Blanc, und die Roten basieren auf Cabernet Sauvignon. Der Wild Pony ist von jungen Rebstöcken und enthält gute 10% Merlot und etwas Cabernet Gernischt. Er ist fruchtbetont und sollte jung getrunken werden. Der Pretty Pony mit ca. 10% Merlot ist kraftvoll und konzentriert und von angenehm reifem Lesegut, was bei Cabernet in Helan Mountain mit seiner relativ kurzen Vegetationsperiode nicht selbstverständlich ist. Hier ist eine stetige Verbesserung der Qualität über die letzten Jahre spürbar.
Wang Fang, die von ihren Freunden auch Crazy Fang genannt wird, erzählte, dass alle geraden Jahrgänge besser ausgefallen sind als die ungeraden. Mit seiner Kraft und Fülle, und den dichten, aber reifen Tanninen kann der Pretty Pony neben guten Grand Cru aus Bordeaux oder gelungenen Kaliforniern in der Liga eines Ridge Estate oder Napanook bestehen. Der darüber angesiedelte Black Beauty mit rund 30% Merlotanteil ist feiner, eleganter, zeigt mehr Struktur und ist von seinem Charakter dem Ch. Lafite ähnlich, auch wenn er dessen Qualität nicht erreicht. Darüber positioniert ist der teure Crazy Fang, ein reiner Cabernet Sauvignon, der lange im kühlen Keller der Winery reift, bevor er auf den Markt kommt. 2011 ist der letzte und bislang einzige Jahrgang, der derzeit zu haben ist. Rund 120 EUR werden ab Weingut für diesen Flaggschiffwein aufgerufen. Für den Eigenenbedarf kelterte Fang noch den Pink Pony, einen simplen, aber gelungenen trockenen Rosé, der inzwischen auch in China auf den Markt gekommen ist. Ich sehe Kanaan qualitativ unter den Top 5 Weingütern von Helan Mountain.
2017 Pretty Pony. Getrunken 2019: Während die weniger gelungenen Weine zahlreicher anderer Weingüter der Region mager bleiben, setzt dieses Pretty Pony der Paprika- und Pfefferwürze eine gewaltige Konzentration und dichte Frucht entgegen. Die Frucht hat nicht die Opulenz und Süße des Kalavinka von Legacy Peak. Sauerkirsche, Brombeere, Maulbeere sind hier. Auch Cassis. Das Holz ist gekonnt und vorsichtig eingesetzt, die Tannine der Beeren und des Barriques verschmelzen zu einer Einheit. Hedonistische Kraft und bemerkenswerte, wenn auch noch etwas grobschlächtige Struktur. Auf Augenhöhe mit dem grandiosen 2016. 92/100.
2016 Pretty Pony. Getrunken 2019: Ein phantastisch gelungener Wein, der das Potenzial dieses Hochplateaus für großartige Weine belegt. 85% Cab, 15% Merlot. 20 Monate im zu 60% neuem und 40% einmal vorbelegtem kleinen Holz. Der Wein ist gerade in einer traumhaften Fruchtphase, die herbe Frucht von Cassis und Schwarzkirsche ist ganz ohne Kitsch, im Bukett zauberhaft frisches Menthol und etwas Grillaromen von roter Paprika und Steak. Fleischig ist er am Gaumen, kraftvoll, aber mit sehniger Struktur. Die Tannine haben jugendlichen Grip, zeigen aber schöne physiologische Reife. Die Säure sitzt wie ein Maßanzug. Ein toller Wein, der mir besser gefällt als der opulentere Kalavinka von Legacy Peak. 92/100.
2014 Pretty Pony. Getrunken 2018. Sehr würzig und kraftvoll, aber nicht fett. Dunkle Frucht, weihnachtliche Gewürze, auch etwas vollreife Paprika. Darüber eine ganz feine Eukalyptusnote. Schön saftiges Tannin. Sehr guter Wein! 90/100
2013 Pretty Pony. Getrunken 2017. Gewann die ‚Asia Regional Gold Trophy‘ bei den 2015 Decanter Asian Wine Awards sowie die ‚Best China Red trophy‘. 90% Cabernet Sauvignon, 10% Merlot. Sehr würziges Bukett mit Zimt, Piment, Zedernholz. Dunkle Frucht, Schwarzkirsche, Pflaumen und Cassis. Der Wein ist stoffig, hat Kraft, zeigt auch am Gaumen eine fast pikante Würze, die Tannine geben ihm den notwendigen Grip, um die reife blaue Frucht in Schach zu halten. Das Holz wurde mit Können, wie bei einem ordentlichen Bordeaux eingesetzt. Etwas weniger Holz gefiele mir aber noch besser. 89/100.
2016 Black Beauty. Getrunken 2019. Der Black Beauty sitzt auf der zweithöchsten Position im Portfolio von Kanaan, darüber ist nur der extrem rare und sehr teure Crazy Fang. In 2016 ist der Unterschied zum Pretty Pony nicht sehr groß, in dieser jugendlichen Fruchtphase machen beide derzeit gleich viel Spaß. Der Pretty Pony, der nur rund die Hälfte kostet, ist etwas fülliger, der Black Beauty zeigt dagegen mehr Struktur und Mineralität. An der Luft jagt eine Metamorphose die übernächste; beginnt der Wein kompakt und mit herbem Cassis zu fast bissigem Menthol, wandelt sich die Frucht im Bukett langsam Richtung Schwarzkirsche. Das Menthol verschwindet und macht einer Mischung von Eukalyptus und Zitrusfrucht Platz. Auch Holzkohle und Graphit. Grip hat der Wein am Gaumen, ohne sehr adstringierend zu sein. Vielmehr ist hier eine frische, fast zitronige Säure. Die Frucht ist auf der Zunge dezenter als in der Nase, frisch, herb, ohne Opulenz oder Süße. Beeindruckende Struktur. 93+/100.
2014 Black Beauty. Getrunken 2019. Hier wird deutlich, dass sich Black Beauty zu Pretty Pony geschmacklich wie Dominus zu Napanook verhalten. Das sind nicht Erstwein und Zweitwein. Vielmehr ist das Struktur und Eleganz (Black Beauty) gegenüber Kraft und Opulenz (Pretty Pony). Und das ist spannend. 70% Cab und 30% Merlot sind im Black Beauty. Wunderbar fein ist das Bukett, balanciert, eher herb als süß. Ganz großes Papillentennis am Gaumen, mit frischer Frucht, Minze und Eukalyptus. Wundervolle Spannung mit sehr feingliedrige Struktur. Köstlich trocken, da ist kein Restzuckerschwänzchen, das Volumen simulieren soll. Da ist auch kein Gramm Fett, im Gegensatz zum barocken Pretty Pony ist dieser Wein ein Skalpell. 94/100. Ab Weingut kostet der Wein 75 EUR, in Shanghai knapp 100. Und das ist er tatsächlich wert.
2013 Black Beauty. Getrunken 2019. Cabernet Sauvignon und Merlot. Etwas chinatypische Paprika, aber auch herbe, dunkle Beeren, Brombeeren und Maulbeeren zu Cassis in der Nase. Frisch geöffnet war noch eine spürbare Eichenholznote, aber nach ein, zwei Stunden in der Karaffe ist jetzt nur noch ein delikater Hauch von Zedernholz. Kraftvoll, mehr mineralisch als fruchtig, mit sehr stabiler Struktur. Noch etwas ungeschliffen. Knochentrocken, den Tanninen fehlt noch der Feinschliff der Kellerreife. Ein richtig guter Wein mit Potenzial. 92/100
2018 Riesling. Getrunken 2019. Das ist einfach ein sehr guter Riesling. Knochentrocken, voller Mineralität, sehr wenig Frucht. Ganz wenig Mandarine, Ananas, Zitrone. Mehr Kalk als Schiefer. Schlanker Körper, ordentlich Säure. Super Riesling aus China! Eigenständig, keine Kopie. 89/100
2017 Riesling. Getrunken 2018. Ein staubtrockener, sehr mineralischer Riesling. Das Bukett ist nicht sehr rieslingtypisch, mit seinem Hauch Birne zur Limette und dem kühlen Kalkmergel könnte man ihn auch für einen Silvaner halten. Die kalkige Mineralität setzt sich auf der Zunge fort, hier ist nur sehr wenig Limette und Zitrone. Die straffe, stahlige und puristische Struktur stünde auch einem Chablis gut. Die Säure ist nicht zu bissig, so dass dieser Riesling trotz gänzlicher Abwesenheit von Restzucker und Extraktsüße und trotz seiner griffigen Mineralität nicht unbalanciert oder zu harsch erscheint. Gute 88/100. Ein bemerkenswert erwachsener und charakterstarker Riesling.
2015 Riesling. Getrunken 2018. Bergamotte und Limette, Kiesel, auch ein an Viognier erinnernder, dezent harziger Kiefernzapfenduft, der von hinten, also retronasal eher rieslingtypisch Richtung Petrol geht. Etwas fett und säurearm, weshalb er gut gekühlt sein sollte. 87/100
2014 Riesling. Getrunken 2018. Riecht sehr trocken, zurückhaltend, mit Limette und Kieselsteinen. Wunderbar trocken, ganz ohne Restsüße, eher mineralisch als fruchtig. Limettenzesten, erinnert im Nachhall eher an einen holzfreien Chablis als an Riesling. Das ist bemerkenswert gut. 88/100
2017 Semi Sweet White Wine. Getrunken 2019. Riesling, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Er hat ungefähr die Restsüße eines Riesling Kabinetts von der Mosel, ist mit seinen 13 Umdrehungen aber ungleich gefährlicher. Der Wein ist sauber, im Bukett sehr fruchtbetont, mit viel reifer Birne und Ananas. Wenn man es weiß, bemerkt man sowohl Riesling als auch Sauvignon Blanc. Trotz seiner Süße und Frucht ist am Gaumen eine Spur Kreidefelsen, der den brutal trockenen, mineralischen Riesling des Weinguts auszeichnet. 83/100
Legacy Peak:
Auch Legacy Peak gehört für mich zu den Top-5 Weingütern Ningxias. 1997 wurden die ersten Rebstöcke gepflanzt. Die Weingärten liegen unmittelbar neben der 50 qkm großen, 1000 Jahre alten Nekropole der Xixia, einer der weltweit größten Grabanlagen. Vom Weingut aus sieht man die unzähligen, aus der Ferne wie Termitenhügel aussehenden Gräber und die „chinesischen Pyramiden“ der Kaiserfamilie, darunter das über 20 m hohe Grab von Li Yuanhao, dem Gründer der Xia-Dynastie.
Für mich kam Liu Han, der Besitzer von Legacy Peak und wohlhabender Architekt, auf das Weingut, der Kellermeister Steven schaltete sich per Videokonferenz dazu. Auf Legacy Peak hat man eine eigene Reberziehung entwickelt. 2-3 Mal wird pro Saison das Laub geschnitten, einmal erfolgt eine grüne Lese, um den Ertrag zu reduzieren. Damit genug Erdreich zur Verfügung steht, stehen die Rebzeilen in 4 m Abstand, was das Eingraben der Rebstöcke im Herbst erleichtert und gute Durchlüftung sicherstellt. In Kombination mit der sehr trockenen Wüstenluft sorgt das für sehr geringen Pilzdruck. Daher muss auch kaum gespritzt werden. In den letzten Jahren nahm jedoch die Niederschlagsmenge im August deutlich zu, wodurch auch hier zeitweise Fäulnis bekämpft werden muss. Die Jahrgangsunterschiede kommen nicht von Temperaturunterschieden, sondern von den verschiedenen Niederschlagsmengen.
Vier Weine hat Legacy Peak im Portfolio, einen Chardonnay und drei Cabernet-Sauvignons, darunter einen Blend mit Merlot. Der Chardonnay ist seinen kalifornischen Geschwistern näher als denen aus Burgund, die Weine haben kraftvolle Frucht, sind buttrig und vollmundig, mit 2 – 3 g/l Restzucker auch nicht pulvertrocken, obwohl man da noch nicht von Restsüße sprechen sollte. Nur 3.000 – 4.000 Flaschen des Chardonnays werden pro Jahr produziert, 2013 war der erste Jahrgang, der auf den Markt kam. Wurden die ersten Jahrgänge in überwiegend neuem Holz ausgebaut, kam der 2017 für 5-6 Monate in einmal vorbelegte Barriques. Die inzwischen 24 Jahre alten Rebstöcke gehören zu den ältesten dieser Weinbauregion. Der Chi Yu Cabernet Sauvignon, der in China bei ca. 45 EUR liegt, kommt von 16 Jahre alten Rebstöcken und wird 15-18 Monate in Barriques ausgebaut. Darüber rangiert der Kalavinka Cabernet Sauvignon-Merlot, für den in China gut 80 EUR verlangt werden. Er gehört trotz seiner üppigen Fülle zu meinen Favoriten unter den chinesischen Weinen, zeigt immer eine schöne Opulenz mit reifer Frucht und beachtlicher Struktur. Von 24jährigen Rebstöcken kommt der Wein und wird für 22-24 Monate in zu 80% neuen, französischen Barriques von 6 verschiedenen Tonneliers ausgebaut. An der Spitze des Portfolios sitz der Family Heritage, ein reiner Cabernet Sauvignon, von dem weniger als 3000 Flaschen im Jahr erzeugt wurden.
2017 Chardonnay. Getrunken 2019. Ich habe mich durch viele chinesische Chardonnays durchprobiert, und alle waren mehr oder weniger schrecklich. Beim Chardonnay von Legacy Peak ist alles anders. Hier ist Opulenz, mit gelber Frucht, Butter, dem Duft weißer Blüten und etwas Popcorn. Mit etwas mehr Luft dann aber auch ein Hauch getrockneter Kräuter und ein mineralischer Nerv von Kalkmergel. Obwohl unter 3 g/l Restzucker, zeigt er auf der Zunge ölige, glycerinische Süße, die zum voluminösen, barocken Mundgefühl beiträgt. Ein Chardonnay, wie er vor 10, 15 Jahren in Kalifornien modern war. 90/100
2015 Chardonnay. Getrunken 2019: Kalifornischer Stil, mit buttrigem Bukett, Süßmais, Kokos, Sahne, Mirabelle, auch etwas Banane. Am Gaumen ist er cremig, mit etwas Süße (2,8 g/l RZ) und kalifornischer Fülle. 89/100
2016 Chi Yu Cabernet Sauvignon. Getrunken 2019. Schöne Reife, nur dezent ist etwas rote Paprika zu spüren, daneben mediterrane Kräuter und reife, blaue Pflaume. Feine Würze vom Holz, schön reife, weiche Tannine. 91/100
2013 Chi Yu Cabernet Sauvignon. Getrunken 2018. Ich hatte den Wein 5 Stunden karaffiert und bei rund 15°C kühl gestellt. Der Wein ist auf der fruchtbetonten Seite, auch wenn das Bukett orientalische Gewürze, Süßholz und Sandelholz zeigt. Am Gaumen Dörrobst und frischer Granatapfel, Blaubeeren. Auch dieser typische Paprikaton, der anders wirkt als bei vielen Cabernets der neuen Welt, und an dem ich – mit mehr Übung und etwas Glück – vielleicht mal blind einen chinesischen Wein erkennen könnte. Die Säure ist frisch, die Gerbstoffe atrophiert und völlig harmlos, aber die seidige Textur ist einfach traumhaft. An den dichteren, konzentrierteren Kalavinka kommt der Wein nicht ganz heran. 90/100.
2014 Kalavinka. Cabernet Sauvignon und Merlot. Kraftvoll, mit reifer, süßer Frucht und einer für diese Region typischen herben Würze, halb getrocknete Kräuter der Provence, halb gegrillte Paprika. Mit Luft auch etwas Bitumen. 91/100.
2013 Kalavinka. Getrunken 2018. Fünf Stunden in der Karaffe. Kraftvoll, mit reifer Frucht und schöner Würze, die vom gekonnt eingesetzten Holz kommt. Die schwarzkirschige Frucht erinnert mich mit ihrer Reife mehr an Italien, an Brunello als an Bordeaux, das Vorbild dieser Weine aus Ningxia ist. Die Tannine sind wunderbar; massiv zwar, aber saftig und rundgeschmolzen. Weltklasse ist das. 92/100.
2015 Family Heritage. Getrunken 2019 im Weingut. Der Flaggschiffwein, ein reiner Cabernet Sauvignon, von dem nur 2600 Flaschen erzeugt wurden. Ein toller Wein mit grandioser Struktur. Frisch geöffnet Röstnoten im Bukett, die Frucht mit herben Cassis, Sauerkirschen und vollreifen Brombeeren. Dezent etwas rote Paprika. Am Gaumen noch überzeugender als in der Nase, hier zeigt er viel Spannkraft, mehr Struktur als der opulentere Kalavinka mit seiner reiferen, fülligeren Frucht, die dem Merlot geschuldet ist. Der Family Heritage ist sehnig, mineralisch, mit junger Frucht, er wirkt dabei ausgewogen und kraftvoll. 93/100. Zu Hause zum Skirt Steak eine ganze Flasche nachprobiert: Ist der Family Heritage tatsächlich so gut? Absolut! Ein toller Wein, spannungsgeladen, mit brillanter Frucht und präziser Säure. Das ist einer der besten Weine Chinas, der es mit gutem Bordeaux aufnehmen kann. 93/100
Silver Heights:
Gao Lin ist ein weiterer Pionier aus Helan Mountains. 1999 kaufte er Cabernet Sauvignon-Rebstöcke aus Frankreich und bepflanzte seine erste Parzelle. Seine Tochter Yuan (Emma) überzeugte er, an der Universität Bordeaux Önologie zu studieren. Sie absolvierte Praktika bei verschiedenen Châteaux, darunter Calon-Ségur, dessen Kellermeister Thierry Courtade sie 2003 heiratete, und mit dem sie 2005 nach Ningxia zurückkehrte. 2007 war der erste Jahrgang von Silver Heights. Der Family Reserve Chardonnay ist ein burgundischer Wein im Stile eines Puligny-Montrachets mit guter Struktur und wohldosierter Fülle. Der Summit aus 2/3 Cabernet Sauvignon und 1/3 Merlot ist ein wunderbar kühl-mineralischer Wein mit frischer Frucht, der an eine Mischung aus dem chilenischen Spitzenwein Seña und einem Pauillac erinnert. An der Spitze der Emma’s Reserve, ein reiner Cabernet Sauvignon, der nur in Magnums abgefüllt wird.
2014 Family Reserve. Getrunken 2019. 60% Cabernet Sauvignon und 40% Merlot in 1/5 neuen und 4/5 gebrauchten Barriques aus französischer Eiche ausgebaut. Pikante Würze in der grünen Nase, Lorbeer, Piment, grüne Gartenkräuter, Zitrone. Auch der für chinesische CS typische Paprikaton. Schön trocken ist der Wein, verzichtet auf den Touch Restzucker, der Volumen ohne deutliche Süße vortäuscht, und den man oft in chinesischen Rotweinen findet. Sehnig, ohne Holzkrücke, mit zurückhaltenden Gerbstoffen, was gut zum schlanken Körper passt. Ein sehr guter Wein, der mit mehr Reife noch etwas zulegen könnte, aber Lichtjahre hinter dem The Summit liegt. 89/100
2015 “The Summit“. Getrunken 2018. Ein Jahr lässt Emma Gao den Wein in zu 50% neuen und zu 50% ein Mal vorbelegten Barriques aus französischer Eiche reifen. Ist das gut! Er erinnert mich an einen jungen Seña. Frische Frucht – schwarze Johannisbeere, etwas Sauerkirsche – mit Eukalyptus und dezenten dunklen Röstnoten dominieren das Bukett. Das ist schon sehr stimmig! Dazu der mineralische Duft von Graphit oder Bleistiftmine. Ein ähnliches Bild am Gaumen: schön sehnig, straff, dabei eine Mineralität zeigend, die dem Seña ähnelt, und die in die Richtung der charakteristischen Lafite-Mineralität geht. Angenehme Säure, feingliedrige, aber schön ausgeprägte Struktur. Die Tannine sind fast zart, dominieren nicht den Nachhall dieses noch jungen Weins, geben aber einen feinen Gerbstoffgrip. Ein ordentlicher Merlotanteil, das zeigte schon der Kalavinka von Legacy Peak, scheint den Weinen aus Helan Mountains gut zu tun. Was für eine positive Überraschung, vor allem angesichts eines – insbesondere für chinesische Verhältnisse – nicht übertriebenen Preises (ca. 60 EUR in China). Gute 93/100.
Helan Qingxue:
Wie schon erwähnt, gehört Helan Qingxue zu den Trendsettern der Region, der Jiabeilan war der erste chinesische Wein, der wegen seiner Qualität für internationale Aufmerksamkeit sorgte.
2014 Jia Bei Lan. Getrunken 2018. 80% Cabernet Sauvignon, 15% Merlot und 5% Cabernet Gernischt. Getrocknete mediterrane Kräuter, dunkel geröstete Paprikaschoten, Heidekraut, reife, dunkle Pflaumen. Die sehr reife Frucht schmeckt nicht zu dominant und hält sich mit der herben Kräuteraromatik in der Waage. Schönes, eher zartes Gerbstoffgerüst. Leider auch etwas Restzucker, sicher weniger als in vielen Weinen der südlichen Rhône oder des Languedoc und zu wenig, um einen süßen Eindruck zu erwecken, aber genug, um unnötigerweise Fülle vorzugaukeln. Mit Bordeaux würde man ihn nicht verwechseln, eher nach Languedoc oder Mendoza verorten. 89/100
2014 Jia Bei Lan Reserve. Getrunken 2019. 100% Cabernet Sauvignon. Am ersten Tag zeigte er sich noch sehr sperrig und kam aus der Karaffe zurück in die Flasche. Zwei Tage später dreht er auf. Im Bukett viel etherische Frische, Menthol, Campher, auch grünes Unterholz und die für Ningxia typische Paprikaschote, die der relativ kurzen Vegetationsperiode dieser Region zuzuschreiben ist. Am Gaumen ist der Jiabeilan weniger grün, als die Nase erwarten lässt. Schöne Würze, herbe Kräuter mit Beifuß und Wermutkraut zu Garrigue, wenig Frucht, aber mit dezenter Fülle, die verhindert, dass der Wein zu harsch wirkt. Das Tannin ist präsent und fest, aber nicht zu dominant. 91+/100
Chateau Changyu Moser XV:
Dieses Weingut gehört für mich nicht zur qualitativen Spitze in Ningxia, aber da es in Europa das bekannteste ist, will ich es hier erwähnen. Das Château ist ein gigantisches, protziges Disneyland für chinesische Weintrinker. Es wurde mit dem österreichischem Winzer Lenz Moser als Berater geplant und ist das Flaggschiff-Weingut von Changyu. Das Château wurde 2013 fertig gestellt und ist eine groteske Karikatur, es ist wie das von Neuschwanstein inspirierte Cinderella Castle in Disneyland, mit dem Unterschied, dass es ungleich größer als seine europäischen Vorbilder ausfällt. Die Weine an der Basis sind solide und mit Freude trinkbar. In der Spitze sind sie überteuert und einfach keine großen Weine.
2017 Moser Italian Riesling (Welschriesling). Getrunken 2019. Blumiges, fruchtiges Bukett mit hellen Drops und weißen Blüten. Recht ansprechend. Frisch, mit etwas Zitrus und einem Hauch angenehmen Muschelkalks, verweilt er nur sehr kurz auf den Papillen. Sehr nett, schön trinkbar, für einen einfachen Weißwein durchaus gut, aber auch nicht mehr. 83/100
2016 Moser XV Cabernet Sauvignon. Getrunken 2019. Viel grüne Paprika und Kräuter im Bukett. Am Gaumen schlank, mit ordentlicher Balance von Frucht und deutlichen Sekundäraromen vom vorsichtig dosierten Holz. Milde Tannine. Ein guter Saufwein in rot, nicht quietschig, nicht laut, nicht denkwürdig. 83-84/100
2008 Moser Manor Tasting Wine Cabernet Sauvignon. Getrunken 2019. Getrocknete Kräuter, altes Holz, kaum Frucht, ein Hauch Cranberry. Mehr Gewürze und Sekundäraromen vom Holz am Gaumen als Frucht. Dünner, austrocknender Körper, der den Tanninen nicht genug Fleisch entgegensetzen kann. Zugutehalten kann man dem Wein, dass er mit 12,5% keine Alkoholbombe ist und dennoch auf Restzucker verzichtet. Der Wein ist trinkbar, das Staubtrockene, Drahtige, Spröde, das an einen Travaglini Gattinara erinnert, hat seinen Reiz. Dem kann er dennoch um Längen nicht das Wasser reichen. 84/100
2015 Moser Family Cabernet Sauvignon. Getrunken 2019. Mehr Kraft, leider auch deutlich mehr Alkohol. Cassis, rote Paprika. Etwas Süße. Schönes Spiel von orientalischen Gewürzen, Tabak. Die Tannine sind harmlos, der Abgang wirkt etwas grün. Ein wirklich guter Wein, aber die große Begeisterung kommt nicht auf. 89/100
2015 Ch. Changyu Moser XV Cabernet Sauvignon. Getrunken 2019. Rund 170 EUR ab Weingut. Würziges Bukett mit wenig Frucht (rote Johannisbeere), von Sekundäraromen geprägt, mit Paprika, Vogelbeerenbrand, auch etwas Teer wie bei einem Barolo. Trotz 15% schlanker Körper, der derzeit von der Holzwürze überfordert wird. Schön ist ein feiner, etherisch mentholischer Oberton, der den Wein kühl und frisch wirken lässt. Die Tannine stammen spürbar überwiegend vom Holz und wirken spröde und trocken. Ein guter Wein, dem es für richtige Größe an Harmonie mangelt, es fehlt Frucht, um den Wein während des Abschmelzens der Tannine vor dem Austrocknen zu bewahren, und sein Körper ist zu hager, um die Würze vom Holz zu integrieren. Er mag derzeit verschlossen sein, aber für 170 EUR muss mehr. 88+/100