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Warum braucht es überhaupt einen neuen Standard?
IAS 17 ist ein „alter“ Standard, dessen Wurzeln bis 1982 zurückgehen. Obwohl mehrfach überarbeitet, handelt es sich um einen Standard, der nicht ins Konzept des heutigen Standard Setters, dem IASB, passt. Neben der bereits erwähnten künstlichen Einteilung in Operating Leasing und Finanzierungsleasing, welche in der Praxis zu sehr viel Diskussionen führt, ist vor allem folgendes Problem zu erwähnen: Eine fest eingegangen Verpflichtung – auch im Rahmen eines langfristigen Mietvertrages, entspricht einer Definition einer Schuld gemäss dem Framework von IFRS. Sofern ein solcher Mietvertrag jedoch als operatives Leasing unter IAS 17 klassiert wird, wird diese Schuld nicht bilanziert. Ebenso entspricht das Nutzungsrecht aus einem solchen Vertrag der Definition eines Aktivums, welches beim operativen Leasing nicht aktiviert wird. Es war dem IASB daher schon bei der letzten Überarbeitung des IAS 17 (2003) klar, dass dieser Standard neu geschrieben werden muss. Es war auch erklärtes Ziel von David Tweedie, dem ehemaligen Chairman des IASB diesen Standard vor seinem Rücktritt am 30.6.2011 fertigzustellen. Dieses Ziel wurde jedoch klar verfehlt. So bleibt Sir David Tweedie‘s grösster Wunsch, einmal in einem Flugzeug zu fliegen, welches in der Bilanz der Fluggesellschaft aufgeführt ist, weiterhin unerfüllt (in Anlehnung an eines der bekanntesten Zitate von Sir David Tweedie).
Zeitplan für einen neuen Leasing-Standard
Das Konvergenz-Projekt mit dem amerikanischen FASB steht seit 2006 auf der Agenda der beiden Standard-Setter. Im März 2009 erschien das Diskussion Paper (DP) „Leases“ und bereits im Juli 2009 erschien dann der Exposure Draft (ED). DP und ED sind die beiden Schritte im Rahmen des Standardsetzungs-Verfahrens, bei welchem interessierte Kreise Stellung nehmen können. Der Exposure Draft schoss über das Ziel weit hinaus und kam in der Vernehmlassung massiv unter die Räder. Nach diesem Exposure Draft hätten sämtliche Mietverträge bilanziert werden müssen. Die zu erfassende Mietverbindlichkeit (und des entsprechenden Nutzungsrecht) hätte sämtliche Verlängerungsoptionen umfasst, und da die meisten Mietverträge automatisch verlängert werden, hätte das Management zum Zweck der Bilanzierung eine Mietdauer festlegen müssen, ab welcher die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Mietverlängerung unter 50% fällt. Auch sonst enthielt der ED Bestimmungen, die zu völlig bizarren Ergebnissen geführt hätten. Das IASB berät praktisch in jeder Sitzung diesen Standard-Entwurf und ist dabei, einen einigermassen vernünftigen Leasing-Standard zu bauen. Aber auch dieser wird, wenn er dann mal in Kraft treten wird, weitreichende Konsequenzen auf Unternehmen haben. Das fängt schon damit an, dass ein Konzern seine Kontrolle und Überwachung von Miet- und Leasingverträgen auf eine ganz neue Basis stellen muss. Denn ohne Unterstützung einer Fachstelle im Konzern wird es kleineren Tochtergesellschaften kaum mehr möglich sein, Miet- und Leasingverträge korrekt in der Bilanz abzubilden.
Nächste Schritte
Der ursprüngliche Exposure Draft wurde in den bisherigen Beratungen des IASB so stark abgeändert, dass eine erneute Vernehmlassung erforderlich sein wird. Im ersten Halbjahr 2012 soll ein revidierter ED publiziert werden, und im zweiten Halbjahr 2012 wird der definitive Standard erwartet. Sein Inkrafttreten steht noch nicht fest. Bei einer mindestens einjährigen Vorlaufzeit ab Publikation wäre das frühestmögliche Inkrafttreten der 1.1.2014. Weitere Verzögerungen würden aber nicht überraschen und ein Inkrafttreten für Jahresrechnungen ab 2015 hätte auch den Vorteil, dass der Leasing-Standard gleichzeitig mit weiteren wichtigen Standards (IFRS 9) umgesetzt werden könnte. Die weitere Entwicklung wird an dieser Stelle verfolgt werden. Für ein Selbststudium empfiehlt sich neben der Website des IASB (www.ifrs.org insbesondere auch die Seite www.iasplus.com (oder deutsch www.iasplus.de), welche u.a. den Projektfortschritt sämtlicher IASB-Projekte laufend nachführt.