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Im Jahr 1973 tummelten sich bei Männern noch durchschnittlich 101 Millionen Spermien in einem Milliliter Sperma. 2018 waren es nicht einmal halb so viele, nämlich nur noch 49 Millionen. «Substanziell und anhaltend» sei dieser Rückgang, und er bedrohe die öffentliche Gesundheit, schlussfolgert eine Gruppe internationaler Wissenschaftler. Denn unterhalb einer Schwelle von 40 bis 50 Millionen Spermien pro Milliliter sinke die männliche Fruchtbarkeit. Dann dauere es länger, bis es mit dem Zeugen eines Kindes klappe.
Seit der Jahrtausendwende gehe es mit der Spermienzahl noch rapider bergab als zuvor. Mit jedem Jahrzehnt verstärke sich der Trend, stellen die Forschenden fest: Nahmen die Spermien in den 1970er-Jahren um rund 1,2 Prozent pro Jahr ab, so sinke ihre Anzahl seit dem Jahr 2000 jährlich um 2,6 Prozent. In Europa, Nordamerika und Australien ist dieser Abfall stärker ausgeprägt als in Asien, Afrika sowie in Süd- und Zentralamerika.
Dieser Vergleich ist allerdings mit Unsicherheiten behaftet, denn in die Analyse flossen über 100 Studien aus westlichen Ländern ein, aber bloss etwa zwei Dutzend Studien aus wenigen Ländern in Afrika, Zentral- und Südamerika.
Einen regionalen Unterschied gibt es möglicherweise bei den Männern, die schon mindestens einmal ein Kind gezeugt hatten: In den Studien aus Asien, Afrika sowie in Süd- und Zentralamerika schien die Spermienkonzentration bei diesen Männern im Laufe der Jahrzehnte sogar leicht anzusteigen. Dieser Befund ist jedoch mit grosser Vorsicht zu interpretieren, denn das Ergebnis ist statistisch nicht signifikant. In den westlichen Ländern dagegen sank die Spermienanzahl auch in der Gruppe derer, die schon ein Kind gezeugt hatten, signifikant. Das berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift «Human Reproduction Update».
Antrag beim BAG: Grundversicherung soll sich künftig an der In-vitro-Fertilisation beteiligen
Mögliche Gründe für den Spermien-Rückgang gibt es viele: Fettleibigkeit, zu wenig Bewegung, Rauchen, Chemikalien, hormonaktive Stoffe aus Plastik, Umweltverschmutzung und anderes mehr kommen in Frage. Zu konkreten Ursachen liefert die Analyse, die auf den Ergebnissen von über 200 Studien mit mehr als 57’000 Männern beruht, keine Angaben.
Ihr Erstautor schlug bereits 2017 Alarm, weil sich die Spermienzahl in westlichen Ländern seit 1973 halbiert hatte (Infosperber berichtete). In der jetzt vorgelegten Metaanalyse analysierten er und sein Team auch die Spermienzahl bei Männern auf weiteren Kontinenten.
Schweizer Studien flossen nicht in diese Analyse ein. Dennoch ist ihr Ergebnis auch hier von Bedeutung: Denn die «Schweizerische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin» hat beim Bundesamt für Gesundheit beantragt, dass Paare, die ein Kind möchten, bei der In-vitro-Fertilisation in gewissem Rahmen finanzielle Hilfe erhalten sollen. Der Antrag ist hängig. Würde er gutgeheissen, müsste sich künftig die Grundversicherung an den Kosten der künstlichen Befruchtung ausserhalb des Mutterleibs beteiligen. Wenn die Spermienzahl der Männer weiter sinkt, wäre das dann immer öfter der Fall.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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