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Die Pandemie verleiht Sozialanleihen Auftrieb
Der Markt für Sozialanleihen wuchs im Jahr 2020 aufgrund der starken Zunahme der Emissionen von Unternehmen und Staaten, im Rahmen ihrer Bemühungen die Pandemie zu bewältigen.
Der Anteil von Sozialanleihen an den Anleihen mit Themenschwerpunkt, der im Jahr 2019 rund 5 Prozent betrug, war bis Ende 2020 auf ein Drittel dieses Segments gestiegen.
Weltweit nahmen die Emissionen von Sozialanleihen – beispielsweise Schulden im Zusammenhang mit Arbeitslosenhilfe oder der Finanzierung medizinischer Forschung – im Jahr 2020 (gegenüber 2019) um mehr als das Fünffache zu und übertrafen damit das Wachstum der Green Bonds innerhalb dieser beiden Jahre.
Das Emissionsvolumen nahm – besonders in Europa – durch ausgewählte Mega-Emittenten wie beispielsweise das Hilfsprogramm SURE (Support to mitigate Unemployment Risks in an Emergency) der EU im Wert von 100 Milliarden Euro zu. Durch dieses Programm sollen die Mitgliedstaaten die finanziellen Mittel erhalten, um die negativen wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Coronavirus-Pandemie zu bewältigen.
Im Rahmen anderer staatlich unterstützter Programme wurden Anleihen zur Finanzierung von Arbeitslosenhilfe emittiert, um trotz des schweren Konjunkturschocks Arbeitsplätze sicherzustellen.
Angesichts der Beliebtheit von Sozialanleihen ist jedoch festzuhalten, dass diese nicht alle gleich konzipiert sind. Es besteht das Risiko des sogenannten ‚Social Washing‘ wobei gemeint ist, dass Emittenten zwar vorgeben mögen, den Erlös für bestimmte Zwecke zu verwenden, die Mittel jedoch schlussendlich anderen Zwecken zuführen - zum Beispiel zu Bereichen, in welchen die positiven Auswirkungen auf die Gesellschaft nicht vollumfänglich zum Tragen kommen.
Von Emittenten sollte daher erwartet werden, dass sie mögliche Nebenwirkungen ihrer sozialen Anleiheprojekte managen und abschwächen und dabei sicherstellen, dass es einen klaren und transparenten Mechanismus für die Projektauswahl und Berichterstattung über die sozialen Vorteile gibt.
BNP Paribas Asset Management fordert ihre Emittenten auf, einen Bericht zu diesen Vorteilen und ihrer Wirksamkeit vorzulegen. Dies mit dem klaren Ziel, mit dem jeweiligen Emittenten über die Herausforderungen und Möglichkeiten ihres sozialen Engagements im Austausch zu sein.
Finanzierung von Stilllegungen im Öl- und Gassektor
Für Anleihen von stark CO2-intensiven Unternehmen entsteht ein Markt. Auf den ersten Blick könnte dies im Widerspruch zur Philosophie des Segments stehen, von dem man erwarten könnte, dass es sich den Veränderungen durch den Klimawandel anpasst und sich auf dessen konzentriert.
Jedoch ist die Idee hierbei, Unternehmen bei der Finanzierung von Plänen zum Umgang mit entwerteten und veralteten Vermögenswerten im Zuge der Dekarbonisierung zu helfen.
Die Stilllegung von Infrastrukturen und Vermögenswerten, die beim Übergang zu einer umweltfreundlicheren, gerechteren und nachhaltigeren Wirtschaft überflüssig werden oder werden sollen, können komplex und kostspielig sein und stehen oft im Zusammenhang mit fossilen Brennstoffen. Öl- und Gasunternehmen sind beispielsweise gesetzlich dazu verpflichtet, Anlagen am Ende ihres Lebenszyklus gemäss des Umweltrechts stillzustellen.
Dabei könnte der Erlös im Rahmen einer Stilllegung beispielsweise für den Bau eines Photovoltaikkraftwerks verwendet werden, das erneuerbare Energie für ein Entsalzungsprojekt produziert, welches eine thermische Entsalzungsanlage ersetzen soll und dabei gleichzeitig zur Verbesserung der lokalen Luftqualität sowie zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beiträgt.
Anleihen könnten auch zur Finanzierung der Verbindlichkeiten verwendet werden, die an entwertete und veraltete Vermögenswerte oder Bemühungen zum Umgang mit gefährlichen Materialien oder zur Wiederherstellung der Vegetation gebunden sind. Finanzgarantien, die für solche Arbeiten gebucht werden, könnten mit Anleihen finanziert werden.
Den Anleiheertrag an die Umweltleistung binden
Sogenannte KPI-gebundene Anleihen (Key-Performance-Indikator) sind dort aufgetaucht, wo der gezahlte Coupon an wichtige Leistungsindikatoren gebunden ist.
Die jährliche Zinsauszahlung der Anleihe steigt, wenn der Anleiheemittent die Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht. Für den Emittenten wird damit ein Anreiz geschaffen, die ESG-Ziele (Umwelt, Soziales und Governance) zu erreichen.
Ein Emittent könnte beispielsweise darauf abzielen, die Kohlenstoffintensität seiner Zellstoff- und Papierproduktion zu senken oder seinen KPI an die eingebaute Kapazität für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu binden.
Weniger Ziele erlauben ohne Frage eine klarere Nachhaltigkeitsgeschichte, die Investoren einfacher kommuniziert werden kann. Jedoch kann ein Emittent auch verschiedene Aspekte bezüglich Nachhaltigkeit in einer Lösung vereinen.
Hilfe von Zentralbanken
Nachhaltigkeitsgebundene Anleihen wurden durch regulatorische Unterstützung gestärkt. So hat sich die Europäische Zentralbank (EZB) verpflichtet, ihr Programm zum Ankauf von Vermögenswerten zu überprüfen, um das «Grüne» des Anleihekaufs und die Möglichkeit zur Unterstützung grüner Anleihen zu bewerten.
Bereits jetzt akzeptiert die EZB Anleihen mit Couponstrukturen, welche an bestimmte Nachhaltigkeitsziele gekoppelt sind, und die als Sicherheiten für Kreditgeschäfte des Eurosystems und für geldpolitische Zwecke in Frage kommen.
Die Coupons müssen an ein Leistungsziel gekoppelt sein, das sich auf eines oder mehrere der in der EU-Taxonomie festgelegten Umweltziele und/oder auf eines oder mehrere der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) in Bezug auf Klimawandel oder Umweltzerstörung bezieht.
Dies kann als willkommene Unterstützung der Zentralbank für Innovationen im Bereich der nachhaltigen Finanzierung angesehen werden.