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Dieser Artikel fasst die Kurzbahn-Europameisterschaften in Stettin in den Kapiteln Schweizer Team, International und Infrastruktur zusammen.
Schweizer Team
Die Schweizer Mannschaft präsentierte sich bei der Kurzbahn-Europameisterschaft mit ansprechenden Ergebnissen. Das mit 24 Athleten ungewohnt große Team zeigte, daß die Qualifikationsleistungen in Uster keine Eintagsfliegen waren.
Mit einer Silbermedaille, 8 Finalteilnahmen, 8 zusätzlichen Halbfinalteilnahmen und zwei weiteren Top 20 Plätzen war man auch am Nachmittag gut vertreten, und 8 Schweizer Rekorde sind in der Post-Hi-Tech-Anzug Ära auch keine Selbstverständlichkeit, umso mehr, als daß bei den nationalen Meisterschaften in Uster schon sieben Marken fielen, von denen allerdings in Stettin nur einer weiter verbessert wurde.
Die ‚arrivierten‘ Schweizer Schwimmer Flori Lang, Dominik Meichtry und Martina van Berkel konnten sich in die Einzelfinale schwimmen, wobei man nicht vergessen darf, daß es auch für Dominik zum ersten Mal war, daß er auf internationaler Bühne über 400m Freistil im Finale stand, und Martina schwamm ihr erstes internationales Finale überhaupt. Flori zeigte durchweg sehr gute Leistungen und wurde mit der Silbermedaille über 50m Rücken belohnt. Erfreulich dabei ist, daß er jetzt auch beim Schwimmen zu den Schnellsten gehört und teilweise sogar auf der zweiten Hälfte Rennen für sich entscheiden kann. Das Finale über 100m Rücken war auch für ihn ein Novum, und im Halbfinale verbesserte er seine Bestzeit noch aus Hi-Tech Zeiten um 8/10s. Dominik, der nicht vollständig ausgeruht an den Start ging, zeigte über 400m Freistil eine bessere Leistung als im Vorjahr in Dubai, auf der halb so langen Distanz fehlte ihm jedoch das notwendige Tempo. Schon im Vorlauf mußte er alles geben und konnte im Finale nichts mehr zusetzen, was ihm sichtlich mißfiel. Martina konnte sich, nachdem sie in den Vorjahren mehrmals knapp am Finale vorbei schwamm, diesmal souverän mit Bestzeit qualifizieren. Auch hier lief im Finale nicht alles nach Wunsch, immerhin konnte sie ihren Schweizer Rekord erneut verbessern.
Auch in der zweiten Reihe gab es viele gute Ergebnisse. Mit 4 Schwimmern auf einem Wettkampf in 400m Freistil in 3:50 und schneller konnte die Schweiz bisher noch nicht aufwarten, und mit David Karasek gibt es sicher noch einen 5., der das leisten kann. Jean Baptiste Febo, hinter Dominik zweitschnellster in 400m Freistil, konnte auch in 200m Freistil mit einer sehr guten Zeit überzeugen. Yannick Käser konnte seinen Schweizer Rekord über 200m Brust aus Uster verbessern und erzielte in 2:09.99 eine Punktlandung. Melanie Schweiger stand gleich in drei Halbfinals, Stephanie Spahn in deren zwei, Martin Schweizer , Eric Van Dooren und Jonathan Massacand konnten je einmal im Einzel am Nachmittag starten. Lukas Räuftlin verfehlte das Finale in 200m Rücken nur knapp. Jovan Mitrovic, schon mit guten 400m Freistil, konnte sich über 1500m Freistil dem Schweizer Rekord auf ca. 5s nähern.
Verpaßte Chancen gab es auch, es gelingt noch nicht jedem, auch in internationalen Gewässern sein Potential abzurufen. So hätten einige Qualifikationsleistungen durchaus für eine Halbfinalteilnahme oder zumindest eine gute Plazierung im Vorderfeld ausgereicht, konnten aber nicht wiederholt werden.
Auch wenn die erforderlichen Normen für die Kurzbahn-Europameisterschaften seitens des Schwimmverbandes weniger hart sind als die für die entsprechenden Langbahnmeisterschaften liegen sie oft in einem Bereich zwischen Platz 25 und 35, was zumindest in den kurzen Strecken beim hier angewendeten 10-Bahnen Format die Möglichkeit auf einen Halbfinalplatz eröffnet und man keinesfalls hinterherschwimmt.
International
Aus internationaler Sicht war diese Europameisterschaft gut, aber nicht vollständig besetzt. Die Niederlande, Frankreich und England waren mit ihrer zweiten Garde am Start, die Engländer gar unvorbereitet, Deutschland hatte viele Neulinge und ein paar arrivierte, auch hier nicht alle vorbereitet. Auffallend gute Leistungen zeigten die Dänen, die ihre bisher erfolgreichste EM ins Becken legten und hinter Deutschland zweiter im Medaillenspiegel wurden. Auch einige der Lokalmatadore zeigten sehr gute Leistungen und verkauften sich besser als erwartet, gerade in eher ungwohnten Disziplinen. Radoslav Kawecki gewann 100 und 200m Rücken, und 50 Freistil und 100m Delphin. Die Spanier, mit wenigen Schwimmern am Start, waren ebenfalls sehr erfolgreich, besonders (und fast ausschließlich) dank Mireia Belmonte konnte an ihre hervoragende Kurzbahn-WM in Dubai anknüpfen und gewann gleich 4 Mal, davon 200m Lagen und 200m Delphin innerhalb von 15 Minuten. Ashwin Wildeboer, der einen kompletten Medaillensatz gewann, ist eigentlich auch den Dänen zuzurechnen, da er mit der dänischen Nationalmannschaft trainiert. Russland und Italien hatten die größten Mannschaften am Start und die Russen gewannen die meisten Medaillen. Vergleicht man die Leistungen mit denen vergangener Kurzbahn-Europameisterschaften (nur Textil-Anzüge), so kann man feststellen, daß diese EM in der Leistungsdichte die stärkste Kurzbahn-Europameisterschaft bisher war, und das, obwohl nicht alle Teams in voller Stärke vertreten waren. Letzteres gilt allerdings für fast jede Kurzbahn-Europameisterschaft. Auch viele der Topleistungen waren auf sehr hohem Niveau, wobei Rekorde aus bekannten Gründen ausblieben.
Infrastruktur
Das Wettkampfbecken war ein neues 50m Becken mit zehn Bahnen und verschiebbarer Wendebrücke. Der zweite Teil des Beckens war durch die VIP-Tribüne abgedeckt. Dieses Becken wurde an ein altes 25m Bad mit sehr schmalen Bahnen angebaut. Die Aufenthaltsräume für die Teams waren weitgehend in einer benachbarten Turnhalle. Dieser Aufbau bedingte zum Teil recht verwinkelte Wege, vor allem aber sehr wenig Platz für die hohe Anzahl an Athleten. War das Einschwimmen im Wettkampfpool beendet (hier wars oft schon sehr voll), so ging in dem alten Becken bald kaum noch etwas. Auch der Platz auf der Tribüne war für Trainer und Schwimmer sehr eingeschränkt, die Tribünenplätze für die Teams auch mit einem schlechten Blickwinkel. Hier zeigt sich ein zunehmender Trend, sei es bei Europa- oder Weltmeisterschaften, die Athleten und Trainer ein wenig ins Abseits zu stellen. Alles in allem waren die Meisterschaften unter diesen Bedingungen gerade noch durchführbar. Einige Unmut erweckte auch die Tatsache, daß die Zuschauertribüne als ausverkauft galt, es aber an vielen Tagen noch sehr viele freie Plätze gab.