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French dancer Erick Guillard studied danse at the Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse in Paris and at the Ecole Nationale de Musique et Danse in La Rochelle. For eight years he was dancing with the Ballet national de Nancy (Artistic direction: Pierre Lacotte). His carrer as a principal dancer took him to compagnies like the Ballet at the Komische Oper Berlin, at the Theater Basel, at the Tiroler Landestheater in Innsbruck and at the Bern Ballet. Various projects led him to france, czechoslovakia, germany and different places in switzerland where he worked amongst others with choreographers like William Forsythe or Richard Wherlock.
Erick, wie war für Dich der Prozess der Transition, dein Umorientierungsprozess? Wann hast Du angefangen Dich damit zu beschäftigen?
Nach meinem Engagement in Berlin kam ich ans Basler Ballett, wo ich ein für mich prägendes Erlebnis hatte. Das Ballettstudio war, wie meist üblich, ohne Tageslicht und ohne Fenster und wir waren den ganzen Tag mit künstlicher Beleuchtung, künstlicher Luft und Klimaanlage. Nach 6 Monaten war ich sehr krank. Ich hatte eine Knieinfektion und als ich im Krankenzimmer den weissen Plafond ansah, wurde mir bewusst, dass irgendetwas falsch läuft. Plötzlich war klar, dass ich mich hier befinde, weil irgendetwas nicht stimmt. Das war der erste Moment, in dem ich mir dachte, dass ich eventuell etwas anderes machen müsste. Dass es für mich gut wäre eine Lösung zu finden, um nicht 100% vom Tanz abhängig zu sein. Ich war zu dem Zeitpunkt 31 Jahre alt. Auf einmal war der Wunsch da, etwas anderes tun zu können, damit ich gehen kann, sobald ich das Gefühl habe, etwas stimmt nicht. Zu diesem Zeitpunkt habe ich meine Kündigung eingereicht und mein nächster Plan war für ein paar Monate nach Frankreich zurückzugehen, um mein Unterrichtsdiplom zu machen. Dies schien für mich die beste Möglichkeit für eine sanfte Transition zu sein. Sollte sich ein Problem ergeben kann ich immer unterrichten, dachte ich mir. Das gab mir eine gewisse Sicherheit. In dem Moment war es für mich noch kein Thema nicht mehr tanzen zu wollen. Dies eröffnete mir zusätzlich die Möglichkeit aktiver in der Compagnie agieren zu können, da ich auch gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte zu unterrichten.
Als ich mit 35 Jahren in Zürich in der freien Szene arbeitete, war für mich dann der Moment gekommen eine Transition in Erwägung zu ziehen. Die Frage, die sich mir damals gestellt hat war, ob ich die Transition sofort beginnen oder die Umorientierung parallel zu einem Engagement an einem Theater machen sollte. Tatsächlich bekam ich dann eine Stelle am Bern Ballett. Sie brauchten einen Tänzer mit Erfahrung und Reife und so kam es dazu, dass ich dann noch 4 Jahre am Bern Ballett engagiert war. Während dieser Zeit in Bern habe ich regelmässig an Alternativen gedacht. Ich habe ein wenig mehr recherchiert, bin mit verschiedenen Abteilungen im Theater in Kontakt getreten und ins Gespräch gekommen. Es hat sich für mich auch die Frage gestellt, ob ich am Theater bleiben oder einen Beruf ausserhalb des Theaters wählen sollte. Der Moment war gekommen, an dem ich bereit war mich vom Theater zu lösen. Ich konnte mir vorstellen Kostümbild zu machen. Eine befreundete Kostümbildnerin riet mir jedoch davon ab, da dies ein sehr schwieriger Markt ist und die Ausbildung sehr kompliziert und lang sei, also nicht so gut geeignet für den zweiten Bildungsweg. Sie war die erste Person, die mir gezeigt hat, wie man Taschen fertigt. Meine erste Tasche habe ich tatsächlich mit ihr gefertigt. Zu der Zeit entwarf ich im Theater Kostüme für Produktionen der Jungen Choreografen, wie auch für andere Stücke. Als ich Fiona Losinger kennenlernte, die ihr eigenes Lederatelier in Bern hat, war ich begeistert vom Geruch im Atelier und den tollen, vielfältigen Materialien. Das Metier hat mich sofort begeistert. Da überkam mich das erste Mal das Gefühl, dass ich in dieser Profession mein neues Standbein gefunden haben könnte.
Mir wurde klar, dass dies eine Profession ist, die mir die Kraft gibt um mich unabhängig machen zu können und mit der ich glücklich werden kann um die ersehnte Autonomie zu erreichen. Ich werde zwar mit dieser Profession kein Millionär werden, sagte ich mir, aber sie reizt mich dennoch so sehr um mir damit meine berufliche Zukunft vorstellen und überleben zu können. Das gab mir die Kraft meine Energie in die Transition zu stecken, um mich vollständig vom Tanz zu lösen. Ich habe daraufhin noch Projektaufträge als Choreograf erhalten. Für mich war es sehr wichtig, dass ich weiterhin Freude an meinem Beruf habe und sie mir eine gewisse Unabhängigkeit gibt.
Hast Du nun das Gefühl, dass Dich dein Beruf einigermassen gleich ausfüllt, wie deine Karriere als Tänzer?
Das ist natürlich nicht genau dasselbe: die Freude, die ich hatte in einem Ballettstudio zu arbeiten, die Musik, die Aufführung, die Beziehung zu den verschiedensten Menschen im Theater. Das ist klar, dass ist jetzt komplett anders. Das ist eine andere Welt. Für mich wurde jedoch klar, in einem Atelier zu sein und ein eigenes Projekt auszuführen trägt mich ebenso, wie eine Choreografie zu entwickeln. Es ist auch eine kreative Art zu arbeiten. Wie neue Bewegungen zu finden für eine Choreografie entwickle ich neue Ideen für mich und gebe sie an Kunden weiter oder entwerfe zusammen mit dem Kunden neue Produkte. Es ist wunderbar, dass ich nach dem kreativen Schaffensprozess ein konkretes Produkt in Händen halten kann. Das ist eine grosse Veränderung für mich in der Art und Weise, wie ich meine Arbeit wahrnehme.
Du hast Dir relativ lange Zeit genommen für die Entscheidung wie dein berufliches Leben weiter aussehen könnte. Das war immerhin eine 3-jährige Ausbildung, die Du noch absolviert hast. Das ist beeindruckend. Wie würdest Du das sehen, wie wichtig ist es sich die Zeit zu nehmen, um den weiteren Weg zu finden?
Viele Tänzer bleiben im Körper und wählen als Profession eine tanzverwandte Berufsart, wie Choreograf, Pilates- oder Yogatrainer.
Ich habe zuerst als Choreograf gearbeitet und Assistenzen für ein paar Choreografen am Theater gemacht. Jedoch waren meine Erfahrungen damit durchzogen. Es war für mich emotional schwierig mit anderen Choreografen zu arbeiten und mich auf Ihre Themen einzustellen. Choreografen, die einen schlechten Umgang mit der Compagnie pflegten, konnte ich nicht unterstützen und ich habe mich gefangen gefühlt. Für mich war klar, dass ich emotional auf der Seite der Tänzer stand, was mich in einen inneren Konflikt brachte. Das ging für mich nicht. Natürlich kam es dann auch zum Konflikt mit dem Choreografen, da ich ja seine Assistenz innehatte. Zusätzlich hat sich für mich die Frage nach der primären Tanztechnik gestellt, wenn ich weiter in Zürich im Tanz arbeiten wollte. Die primäre Technik, die in Zürich ausgeübt wird ist die Vaganova-Technik. Somit war für mich klar, dass das nicht die Technik ist, die für mich stimmt. Das hat mich in der Entscheidung mir eine Profession ausserhalb des Tanzes zu suchen sehr bekräftigt. Für mich war klar, dass gewisse Techniken veraltet sind und mehr gegen den Körper arbeiten, als mit dem Körper. Das war nicht mehr zeitgemäss für mich in der Art zu unterrichten und zu tanzen. So traf ich die Entscheidung für den Moment ausserhalb des Tanzes weiter arbeiten zu wollen und vielleicht später wieder mit neuer Energie einzusteigen. […] Mir selbst zu sagen, dass es nun wichtig ist, für mich selbst zu sorgen, das war ein grosser Schritt für mich. Über 20 Jahre, als man mich fragte, welche persönliche Beziehung ich zu mir selbst habe und welchen Platz der Tanz in meinem Leben einnimmt, war die Antwort klar. Der Tanz stand bislang immer an erster Stelle. Nun war es an der Zeit das zu ändern. Für eine lange Zeit waren es nicht meine privaten Beziehungen, die an erster Stelle standen. Es war deshalb klar eine Entscheidung für mich. Es gibt selten Tänzer, die genau wissen, was sie brauchen ausserhalb des Tanzes. Für viele steht der Tanz an erster Stelle und danach kommt lange nichts anderes. Das macht auch eine Transition sehr viel schwieriger, da der erste Schritt derjenige ist, seine Bedürfnisse ausserhalb der „Tanzwelt“ herauszufinden. Das schwierige ist auch, wenn man ausserhalb der Arbeit sein soziales Leben aufgebaut hat und pflegt, sobald ein Choreograf wechselt oder das Engagement ausläuft steht man wieder vor dem Punkt, dass man neu anfangen muss und das mehrmals im Leben. Irgendwann wollte ich einfach angekommen sein und nicht wieder komplett neu anfangen. Der ständige Neuanfang wurde zu hart. Das war für mich auch unverständlich, nach alledem was ich für ein Haus geleistet habe. Deswegen musste ich mir eines Tages auch eingestehen, dass es so nicht weitergehen kann oder ich so nicht weitermachen möchte. Ich möchte das nicht mehr so akzeptieren, sagte ich mir.
Also hat der innerliche Prozess für Dich so ca. 5 Jahre gedauert, bis Du bereit warst Dich komplett vom Tanz zu verabschieden?
Ja, so ungefähr. Während dem Engagement in Bern habe ich mir wirklich die Zeit genommen in mich rein zu spüren um meinen weiteren Weg zu finden.
Deine Transition galt zu deiner Zeit noch als Erstausbildung. Danach wurde der Tanz in der Schweiz als Ausbildung anerkannt, weswegen jede Umorientierung praktisch nun als Zweitausbildung klassifiziert wird. Das heisst für Deine Umschulung wurden noch andere Mittel zur Verfügung gestellt?
Ja, meine Umschulung war zu einem Zeitpunkt vor der Anerkennung der Ausbildung zum Tänzer. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine offizielle Ausbildung. Die Tanzprofession war damals noch keine Profession. Es war kein Beruf. Das Tanzdiplom war auch nicht anerkannt. Der Vorteil war, dass dann die Umschulung als Erstausbildung galt und somit anders unterstützt wurde. Aus diesem Grund war für mich klar ich gehe 100% in die neue