Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/130121

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird ersucht, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie hat sich die Studiendauer im Tertiärbereich in den vergangenen Jahren verändert?</p><p>2. Wie hat sich Erwerbstätigkeit, der die Studierenden neben dem Studium nachgehen, in den vergangenen Jahren verändert, sowohl in Bezug auf die Anzahl der Personen als auch in Bezug auf die Lohnsumme?</p><p>3. Wie hat sich die Anzahl der Studierenden, die ein Studienjahr wiederholen mussten oder das Studium abgebrochen haben, in den vergangenen Jahren in den verschiedenen Studienrichtungen verändert?</p><p>4. Gibt es Zahlen darüber, ob und inwieweit die Studierenden heute vermehrt unter Überbelastung und anderen gesundheitlichen Problemen leiden?</p><p>5. Sind Massnahmen vorgesehen, um die Attraktivität der Bildungsgänge, namentlich in den problematischsten Bereichen, zu verbessern? Wenn ja, welche?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Studiendauer ist in den letzten Jahren sowohl an den universitären Hochschulen (UH) als auch an den Fachhochschulen (FH) sehr stabil geblieben. Von 2007 bis 2011 bewegte sie sich zwischen 3,2 und 3,6 Jahren für den Bachelor und zwischen 2 und 2,3 für den Master. Die im Rahmen des Bologna-Barometers 2012 durchgeführten Untersuchungen ("Auswirkungen der Bologna-Reform auf die Studierendenströme, auf die Mobilität und den Erfolg im Schweizer Hochschulsystem", Bundesamt für Statistik, BFS, 2012) zeigen, dass die Bologna-Reform im Allgemeinen keinen Einfluss auf die Gesamtstudiendauer hatte.</p><p>2. Im Jahr 2009 gingen 75 Prozent der UH-Studierenden und 79 Prozent der FH-Studierenden (inklusive berufsbegleitender Studierender) einer Erwerbstätigkeit nach. Im Vergleich zu 2005 (vorgängige Erhebung) hat dieser Anteil bei den UH-Studierenden leicht abgenommen (zuvor 78 Prozent), während er bei den FH unverändert blieb. Detailliertere Informationen sind im Bericht zur Erhebung von 2009 zu finden ("Studieren unter Bologna, Hauptbericht der Erhebung zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden an den Schweizer Hochschulen 2009", BFS, 2010).</p><p>3. Zur Beantwortung dieser Frage ist die Erfolgsquote der am besten geeignete Indikator. Bei den UH entspricht der Master dem früheren Diplom oder Lizenziat, während bei den FH der Bachelor als gleichwertig zum ehemaligen Diplom gilt. An den UH beträgt der Anteil Studierender, die ihr Studium auf der Bachelorstufe beginnen und dann einen Master-Abschluss erlangen, schätzungsweise 65 Prozent und ist somit ähnlich hoch wie beim früheren UH-Diplom oder Lizenziat (67 Prozent). Die Erfolgsquote auf FH-Bachelorstufe ist gegenüber den ehemaligen FH-Diplomen (78 Prozent) ebenfalls praktisch unverändert geblieben.</p><p>Wegen der Bologna-Reform ist es nicht möglich, in den UH die zeitliche Entwicklung zu untersuchen und Vergleiche mit den Erfolgsquoten der nach 1998 eingetretenen Studierenden anzustellen, da dies die letzte Gruppe auf Stufe Lizenziat bzw. Diplom war, die nicht von der Bologna-Reform betroffen war. Sowohl für die UH als auch für die FH liegt die Bologna-Reform für eine Beobachtung der zeitlichen Entwicklung der Erfolgsquote zu wenig weit zurück.</p><p>Was die Studienabbrüche in der zeitlichen Entwicklung anbelangt, kann die Verbleibensquote ein Jahr nach Studieneintritt als Indikator herangezogen werden. Diese Quote misst das Verhältnis der Studierenden, die nach einem Jahr noch im gleichen oder in einem anderen Studienbereich eingeschrieben waren, gegenüber den exmatrikulierten Studierenden. Auf Bachelor- oder Diplom- bzw. Lizenziatsstufe an den UH ergibt die Untersuchung der Eintritte von 1990 bis 2010 eine allgemeine Verbleibensquote von rund 86 Prozent, wobei etwa 75 Prozent der Studierenden im gleichen Studienbereich blieben. Die Bologna-Reform hatte diesbezüglich keine Auswirkungen. Die Quote der im gleichen Studienbereich verbleibenden Studierenden liegt bei der Kohorte 2010 für alle Studienbereiche zwischen 71 und 78 Prozent. Ausserdem ist tendenziell eine leichte Zunahme (plus 3 Prozentpunkte in zwanzig Jahren) bei den Geistes- und Sozialwissenschaften und eine Abnahme von 4 bis 5 Prozentpunkten bei den exakten Wissenschaften sowie den naturwissenschaftlichen und technischen Studienfächern zu verzeichnen. Bei den FH ergibt sich für die Eintritte zwischen 1997 und 2010 eine allgemeine Verbleibensquote zwischen 86 und 89 Prozent, wobei die Quote der Studierenden, die im gleichen Studienbereich blieben, nur 1 bis 2 Prozentpunkte tiefer liegt. Im Zeitverlauf konnte keine Entwicklung nach Studienbereichen festgestellt werden.</p><p>4. Bisher liefert die Erhebung des BFS "Soziale und wirtschaftliche Lage der Studierenden" keine Informationen zur Gesundheit der Studierenden. Der Fragebogen der Erhebung 2013 enthält jedoch einige Fragen zu diesem Thema. Ergebnisse zur Gesundheit der Studierenden im Vergleich zur Schweizer Wohnbevölkerung sowie auch im internationalen Vergleich werden im Laufe der Jahre 2014 und 2015 publiziert. Aussagen über die Entwicklung der Gesundheit der Studierenden sind deshalb erst nach einer erneuten Durchführung der Erhebung möglich.</p><p>5. Angesichts der verschiedenen erwähnten Indikatoren sieht der Bundesrat kein Problem, das Massnahmen erfordern würde. Er wird jedoch die Entwicklung der einschlägigen Statistiken aufmerksam verfolgen, insbesondere auch jene zur Gesundheit der Studierenden, sobald entsprechende Angaben vorliegen. Als Beispiele von bereits getroffenen Massnahmen können die von den Hochschulen angebotenen Tutorate und Coachings sowie die Anstrengungen beider ETH zur Verbesserung der Betreuungssituation im ersten Studienjahr sowie die bereitgestellten Beratungs- und Informationsangebote für angehende Studierende erwähnt werden. Dazu gehört auch die von den ETH, Universitäten und Fachhochschulen angebotene individuelle und psychologische Unterstützung. Der Bundesrat begrüsst diese Angebote wie auch weitere Massnahmen, die die Hochschulen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Verminderung von Überbelastung oder anderen gesundheitlichen Problemen der Studierenden treffen.</p>  Antwort des Bundesrates.