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Basel, um 1901
Hersteller: Maroquinerie mann
Holz, komplett mit farbig geprägtem Leder
überzogen, Schwarzweiss-Fotos, Glas
H. 173 cm; B. 45 cm (zusammengeklappt); T. 6 cm
Inv. 2007.388.
Schubladenschrank und Paravent stammen aus der Maroquinerie Kaufmann in Basel, die von 1899 bis 1982 in der Freien Strasse 97, Ecke Bäumleingasse ihren Sitz hatte. Eine Maroquinerie (abgeleitet aus dem franz. «Maroquin» für Marokkoleder, auch Saffianleder genannt) produzierte und verkaufte feine Lederartikel aus weichem, gegerbtem Ziegenleder. Begründet wurde die Basler Lederwarenhandlung von dem aus Bern stammenden Rudolf Kaufmann (1869-1945). Nach seiner Buchbinderlehre in Basel liess er sich in Offenbach - dem grossen Zentrum für Lederverarbeitung in Deutschland -, zum Taschen- und Etuimacher ausbilden.
Anschliessend arbeitete er in Wien und Paris. Nach Basel zurückgekehrt, eröffnete Kaufmann 1895 zunächst am Münsterberg 14 ein eigenes Geschäft für Lederwaren, das vier Jahre später zusammen mit der Werkstatt seinen endgültigen Platz in der Freien Strasse erhielt. Hier konnte man reich mit Gold verzierte, luxuriöse Lederartikel kaufen oder in Auftrag geben.
Beide Möbel standen im Verkaufsraum der Maroquinerie Kaufmann. Die fünf Schubkästen des Schrankes, deren aufklappbare Schubladenfronten abwechselnd mit rot und grünblau gefärbtem Leder bezogen sind und ringsum eine fein geprägte Goldbordüre mit floralem Dekor tragen, dienten offenbar der Aufbewahrung diverser Verkaufsartikel, wie Portefeuilles, Portemonnaies oder Alben. Während der Schubladenschrank in Form und Dekoration klassisch gestaltet ist, zeugt der Paravent von einem Bemühen um aktuelle Formensprache. Der komplett mit farbig geprägtem Leder bezogene Paravent wurde für die Gewerbeausstellung angefertigt, die von Mai bis Oktober 1901 in Basel stattfand. Dieses Prunkstück aus dem Atelier Kaufmann ist daher reich mit aktuellen Motiven des Jugendstils und mit Goldornamentik geschmückt. Er trägt in der oberen Hälfte lederne Einsteckfächer hinter Glas, die man nach hinten aufklappen und einzeln bestücken kann.
Diese dienten vermutlich der Präsentation von Por-tefeuilles und ähnlicher Flachware. Auch die darüber liegenden gläsernen Rahmen können mit Bildern oder Fotos bespielt werden. Die jeweils in zwei Kompartimente geteilten unteren Bereiche des Paravents zeigen im Lederprägedruck diverse Jugendstil-Motive und Darstellungen: eine stilisierte Landschaft vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang, darunter jeweils ein von floralem Ornament bekröntes Medaillon mit Profilköpfen von Frauen, ein von Blumen umgebener Pfau und ganz unten Schwäne.
Beide Möbel, die die Bandbreite des Formenrepertoires der Maroquinerie Kaufmann zeigen, gehören noch zu jenem Bestand der Maroquinerie, der nach der Auflösung des Gewerbemuseums 1984/85 in den Besitz des Historischen Museums gelangte. Dazu zählt neben zahlreichen Lederartikeln (wie Handtaschen, Etuis; Inv. Nr. 1984.312.GM - 1984.420.GM) sowie Werkzeugen (Stempel zum Vergolden von Lederar-beiten; Inv. Nr. 1985.6.GM. - 1985.488.GM.; 1985.3467.GM.; 1985.3700.GM) auch die grosse Präsentationsvitrine aus dem Verkaufsraum (Inv. Nr. 1984. 421.GM).