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Die Farbgewinnung aus Pflanzen beruht auf einer langen Tradition. Die Erfahrung zeigte, dass verschiedene Pflanzenteile - wie Wurzeln, Blätter, Rinden, Hölzer, Blütenteile und Samen - Farbstoffe liefern.
Es besteht die Ansicht, dass die Färberei ursprünglich vor allem der Körperbemalung und Tätowierung diente. Farbstoffe sind vermutlich aber bald auch zur Verschönerung von Textilien verwendet worden. In unseren Breiten scheint die Kunst des Färbens schon von den Pfahlbauern im Neolithikum und vor allem in der Bronzezeit angewendet worden zu sein. Chinesen, Inder, Perser, Syrer und Ägypter kannten und betrieben Färberei seit uralter Zeit; sie blühte im Orient weiter, als sie bei uns durch die Wirren der Völkerwanderung in Vergessenheit geriet. Der Beizvorgang - eine Vorbehandlung der Textilien damit die Farbe besser aufziehen kann - war den Römern bereits bekannt, denn sie verwendeten Alaun, Eisen- und Kupfervitriol. Allerdings bauten sie nur wenige Färbepflanzen an, nämlich Safran (diesen wohl mehr als Gewürz), Wau, Waid und Krapp. Letztere drei dienten bereits den alten Kelten, den Germanen und den Slawen zum Färben. Zusammen mit der Färberdistel wurden Wau, Waid und Krapp im späten Mittelalter intensiv angebaut.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang es deutschen Chemikern, aus Teerprodukten synthetische Farben herzustellen (Anthracen, Anthrachinon), die qualitativ besser und erst noch preiswerter waren als die bis anhin aus Pflanzen gewonnenen Farben. Diese Entdeckung hatte begreiflicherweise grosse Auswirkung auf die Kultur von Farbstoff liefernden Pflanzen. Der Anbau wurde vielerorts eingestellt und geriet immer mehr in Vergessenheit. Heute wird er praktisch nur noch von Liebhabern betrieben.
Waid und Indigo
Waid
Waid (Isatis tinctoria) ist das älteste Blaufärbemittel der alten Welt. Verwendet wurden die Blätter. Um 1290 war vor allem die Stadt Erfurt im ostdeutschen Thüringen berühmt wegen ihres Waidanbaus. Die Waidhändler bildeten die Aristokratie der Stadt und waren so reich, dass sie die Mittels zur Gründung und Erhaltung der Universität Erfurt aufbrachten.
Indigo
Diese ursprünglich in Indien beheimatete Art liefert mit ihren Blättern ca. 30 mal mehr Indigofarbstoff als die Waidpflanze. Hauptanbaugebiet war Bengalen. In dem feucht-heissen Klima konnten jährlich 3 bis 4 Ernten geschnitten werden. Der Farbstoff wurde, ähnlich wie beim Waid, durch eine Gärbehandlung gewonnen. Um 1600 begann man in Deutschland bei der Herstellung von blauer Farbe aus Waid jeweils etwas Indigo beizufügen, um die Farbkraft zu erhöhen. Dieser Zusatz wurde allmählich erhöht, bis schliesslich der einheimische Waid ganz weggelassen wurde. Gegen diese Entwicklung wehrten sich die Waidanbauer mit allen Mitteln. Zu ihrem Schutze wurden Verfügungen erlassen, welche die Verwendung des Indigo verboten. In Sachsen drohte von 1650-53 sogar die Todesstrafe bei Verwendung von Indigo, und in Nürnberg mussten die Färber alljährlich einen feierlichen Eid schwören, keinen Indigo zu verwenden. Auch in Frankreich und England war die Verwendung von Indigo aus den selben Gründen über längere Zeit verboten. Gegen Ende des 18. Jh. aber begannen die Engländer den Indigoanbau in Ostindien zu fördern und brachten ihn zu grosser Blüte. Der Indigo war während Jahrhunderten der wichtigste und einträglichste Exportartikel Indiens, bis er schliesslich gegen Ende des 19. Jh. durch den synthetischen Indigo vom Markt verdrängt wurde.