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|Gestückelter Aktienkauf||
11.08.2022 21:16:00

Studienergebnisse zeigen Grund für "Phantom-Anstieg" der Berkshire Hathaway-Aktie - Was Robinhood damit zu tun hat
Die Berkshire Hathaway A-Aktie kostet mehr als 400'000 US-Dollar und wechselt dementsprechend selten den Besitzer. Umso verwunderlicher, dass das Tradingvolumen der teuren Variante der Buffett-Aktie seit Februar 2021 rapide anstieg. Eine Studie hat nun herausgefunden, was hinter der auffälligen Zunahme steckt - und warum es sich nur um einen "Phantom-Anstieg" handelt.
• Buffett und Munger kritisieren Robinhood für die Anfachung der "Casino"-Zockerei an der Börse
• Robinhood will "Demokratisierung" des Kapitalmarktes - steckt aber in einer tiefen Krise
Zwischen 2010 und 2020 wurden von der Berkshire Hathaway A-Aktie durchschnittlich nur 375 Stück pro Tag gehandelt. Das Handelsvolumen konzentrierte sich auf die später geschaffene und deutlich günstigere B-Aktie von Buffetts Investmentvehikel. Seit Februar 2021 schnellte die Anzahl an durchschnittlichen Trades der A-Aktie dann aber auf über 2'000 Papiere. Viele Börsianer rätselten über den Grund für den Anstieg des Handelsvolumens der "originalen" Berkshire Hathaway-Aktien. Nach "CNBC Business"-Informationen spekulierten einige Anleger, dass es einen "Superkäufer" gebe, der die Aktien aufkaufe. Nun kommt eine neue Studie von drei Professoren von der University of California, Berkeley, der Columbia Law School und der Cornell University zu interessanten Resultaten.
Studie: Nur ein "Phantom-Anstieg" durch Aktivitäten der Neobroker-User
Laut "CNN Business" fanden die Wissenschaftler heraus, dass der Anstieg der Handelsaktivitäten rund um die Berkshire Hathaway A-Aktie sowie auch anderer, enorm teurer Wertpapiere auf den gestückelten Aktienkauf bei Neobrokern wie allen voran dem US-amerikanischen Unternehmen Robinhood zurückzuführen sei.
Die drei Forscher bezeichnen dies als einen "phantomhaften, nicht existierenden Handel". Wenn ein Maklerunternehmen nämlich einen privaten, ausserbörslichen Aktienhandel tätigt, wie die von Robinhood getätigten Bruchteilgeschäfte, ist er dazu verpflichtet, der amerikanischen Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) die Geschäfte so zu melden, als ob sie für eine ganze Aktie getätigt worden wären. Nach dieser "Aufrundungsregel" würde eine Investition von nur einem Hundertstel einer Aktie von Berkshire Hathaway als Kauf einer ganzen Aktie im Wert von circa 440'000 Dollar gelten. Diese "gut gemeinte, aber fehlgeleitete" FINRA-Regel füge täglich fälschlicherweise circa eine Milliarde US-Dollar zum Handelsvolumen der Berkshire Hathaway-Aktie hinzu.
FINRA will Problem lösen
Ein Vertreter der FINRA-Vertreter teilte gegenüber "CNN Business" mit, dass die Agentur "bereits aktiv an dem Thema arbeitet und in laufenden Diskussionen mit Firmen und Regulierungsbehörden engagiert ist". Robert Bartlett betont die schädliche Wirkung des Aktienbruchstückhandels für die Statistik. Für Warren Buffet sei dies "ein Haar in der Suppe. Buffett möchte den Preis seiner Aktien der Klasse A hoch halten, um langfristig orientierte Anleger anzuziehen", sagte er. "Das sind nicht die Leute, die diese Bruchteilaktien kaufen, und so untergraben sie seine Hauptvision für die Aktie", so der Professor der University of Columbia.
Buffett und Munger lehnen Robinhoods Geschäftskonzept ab
Die Investorenlegenden Warren Buffett und Charlie Munger machen aus ihrer kritischen, ja sogar feindseligen Haltung gegen den Neobroker Robinhood kein Geheimnis. Bei der Berkshire-Aktionärsversammlung 2021 sagte Buffett, die Maklerfirma sei "ein sehr bedeutender Teil des Kasinoaspekts, der Kasinogruppe, die im letzten Jahr oder in den letzten anderthalb Jahren in den Aktienmarkt eingestiegen ist", womit er sich insbesondere auf den Hype um die Meme-Aktien Anfang 2021 bezog. Charlie Munger betitelte Robinhoods Geschäftsmodell sogar als "ekelhaft". Den jüngsten Crash der Robinhood-Aktie bezeichnete der 98-Jährige deshalb als "gerecht".
Mit anderen Worten: Die Börsen-Altstars bemängeln, dass Robinhood zu einer kurzzeitigen, für die Nutzer letztlich meist unprofitablen Trading-Zockerei verleite, wodurch der Onlinetrading-Dienst seinen Profit erziele. Dieses Konzept halte die User von einem - ihrer Überzeugung nach deutlich lukrativeren - Investieren mit einem langfristigen Zeithorizont ab. Tatsächlich profitiert Robinhood von einem hohen Orderaufkommen, da der Neobroker die Nutzerorder an Handelsplätze, an andere Broker und an Marketmaker wie vor allem Citadel Securities weiterreicht und dafür eine Provision erhält, welche bis zu drei Euro pro Trade beträgt (das sogenannte "Payment for order flow").
Wie Robinhood sich gegen die Vorwürfe wehrt
Robinhood weist die Vorwürfe von sich. Wie "CNN Business" zusammenfasst, vertritt Robinhood die Ansicht, einen wichtigen Beitrag für die "Demokratisierung" der Wall Street zu leisten. Durch die leicht zugängliche Handelsplattform werde Anlegern ermöglicht, sich am Bruchteilhandel zu beteiligen und kleine Prozentsätze von Aktien zu kaufen.
Robinhood wirft alteingesessenen Investoren wie Buffett, Munger & Co. egozentrischen Elitarismus vor: "Es gibt eine alte Garde, die nicht will, dass der Durchschnittsamerikaner einen Platz am Tisch der Wall Street hat, also greifen sie zu Beleidigungen", schrieb das Unternehmen in einer Erklärung im vergangenen Jahr. "Die Gegner dieser Zukunft und des Wandels sind in der Regel diejenigen, die in der Vergangenheit reichlich Privilegien genossen haben und nicht wollen, dass diese Privilegien gestört werden", fügte Robinhood hinzu und betonte, dass die "neue Generation von Anlegern keine 'Kasinogruppe' ist."
So läuft die Robinhood-Aktie
Unterdessen scheint der Hype rund um Robinhood der Vergangenheit anzugehören. Der bereits 2013 von Vladimir Tenev und Baiju Bhatt gegründete Neobroker erlebte 2020 und 2021 einen beeindruckenden Anstieg seiner Nutzerzahlen und des Handelsvolumens. Der Umsatz des Brokers vervielfachte sich innerhalb weniger Monate. Zum Zeitpunkt des Börsengangs im Juli 2021 war der Höhepunkt des Trading-Hypes in den USA jedoch bereits überschritten, was sich in einem monatelangen Abverkauf der Aktie widerspiegelte. Vom Rekordhoch vom 4. August 2021 (85,00 US-Dollar) hat sich die Robinhood-Aktie bei einem derzeitigen Preis von 10,10 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 9. August 2022) inzwischen um mehr als 88 Prozent entfernt. Immerhin sorgte zuletzt die Ankündigung des CEO Vlad Tenev, dass Robinhood weitere 23 Prozent seiner Angestellten entlassen wolle, für eine positive Reaktion vonseiten der Anleger.
In den vergangenen Handelstagen hat sich die Aktie dadurch etwas von dem Allzeittief distanzieren können. Ob dieser positive Trend sich fortsetzt, wird nicht zuletzt auch von der Performance des Gesamtmarktes abhängen, der den Erfolg des Onlinetrading-Anbieters stark beeinflusst. Ausserdem häuften sich in den vergangenen Tagen Gerüchte einer Übernahme von Robinhood durch die Kryptobörse FTX, wie "Börse Online" berichtet. Die Kosteneinsparungen durch die Mitarbeiterentlassungen machten Robinhood "noch attraktiver für eine Übernahme", meint beispielsweise Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade.
Redaktion finanzen.ch
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