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Haben Huftiere mehr Stress durch Menschen als durch Grossraubtiere? Dieser Frage gingen Forschende in den Wäldern Polens nach. Die Resultate zeigen einmal mehr, dass der Einfluss der Menschen auf die Fauna grösser ist, als der jedes anderen Tieres.
Keine Frage – für Rehe und Hirsche ist es auch stressig, wenn Wolf, Luchs oder Bär durchs Dickicht streifen. Wie gross die Beeinträchtigung aber im Vergleich zu menschgemachten Stressfaktoren ist, wurde bisher kaum untersucht. Dies veranlasste ein polnisch-deutsches Forscherteam dazu, genau diesen menschgemachten Druck auf die Tiere, im Vergleich zum Ärger mit den Grossraubtieren, zu untersuchen.
Je mehr Mensch desto mehr Mühe
In sechs polnischen Waldgebieten wurde Kot von Rothirschen und Rehen auf 2 km langen Transekten gesammelt und auf Stresshormone untersucht. Die Untersuchungsgebiete unterschieden sich betreffend Grossraubtieranwesenheit und menschlichem Einfluss. In zwei Gebieten lebten Wolf und Luchs, in zwei weiteren nur der Wolf und in den übrigen zwei keine Grossraubtiere. Der menschliche Einfluss wurde anhand der Jagdstrecke, der Strassendichte und des Siedlungsanteils gemessen. Beprobt wurde in der zweiten Hälfte März 2012 und 2013, ausserhalb der Jagdzeit.
Die Resultate verblüffen: Für beide Huftierarten wurden am meisten Stresshormone in den Gebieten gefunden, in denen keine Grossraubtiere vorkamen. Die Stresshormone nahmen mit dem menschlichen Einfluss zu. Der menschliche Einfluss war in Gebieten ohne Grossraubtiere am grössten.
Der alte Feind ist schon vertraut
Die Wissenschaftler erklären die Ergebnisse damit, dass sich die Beutetiere über lange Zeit an das Risiko von natürlichen Fressfeinden anpassen konnten, hingegen an die menschgemachten Einflüsse kaum, da diese sprunghaft entstanden und heute in sehr hoher Intensität die Tiere belasten.
Weitere Informationen finden Sie in der Studie, die im Journal «Behavioral Ecology» veröffentlicht wurde.