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L'animoteur 7
mujeres Y burros Y plantas Y arboles Y plastico Y pimenton Y cactus Y vocabulario Y termino Y lenguaje Y palabra Y non-tango Y esta lana se llama lana de llama
Hintergrundinformation
«L'animoteur 7» geht aus der Serie «L'animoteur 1 bis 6» mit Bildarbeiten, Performances und Interventionen in Ausstellungsräumen und (halb-)öffentlichen Räumen hervor. In dieser Serie und ihren Fortsetzungen begebe ich mich in einen Bereich, in dem die Linie/Grenze zwischen Mensch und Tier zur Disposition gestellt werden.
Die Titel dieser Serie beziehen sich auf Jacques Derrida’s 10-stündiger Rede über das autobiografische Tier von 1997, die nachträglich transkribiert wurde: «L’animal que donc je suis» oder auf Deutsch «Das Tier, das ich also bin» und auf Englisch «The Animal That Therefore I Am».
Die Titel mit «L’animoteur ...» fungieren als Linse, durch welche die verschiedenen Ebenen der Performance kanalisiert werden:
. L’âne ist das französische Wort für Esel. In diesen Performances und installativen Bildarbeiten öffne ich ein (somatisches) Erfahrungsfeld zur Esel-Mensch-Natur.
. L’animateur ist das französische Wort für einen Animator oder eine Animatorin, die die Leute unterhält und anregt. Im Titel «L’animoteur ...» klingt auch das französische Wort ’moteur’ (Deutsch Motor). Ich bin in dieser Performance Situation sowohl Animatorin als auch Motor, der die Situation aufrechterhält.
Diese Wortebenen reiben sich mit der Umgebung und den Bedingungen, in denen Bildarbeit und Performance jeweils situiert werden: sei es im geschützten Ausstellungskontext im Kasko, einem off-Kunstraum in Basel (2015) oder in einer Gruppenausstellung in der Kunsthalle in Luzern (2017), oder am KIPAF Festival in Kalkutta Indien, einer aktivistischen Initiative (2015) und im Rahmen von Digital Ecologies 2018-2019 in Plovdiv, Bulgaria, an beiden Orten in exponierteren Situationen im öffentlichen Raum.
Die Bildarbeiten sind bewegt-animierte Objekte. In den Performances und Interventionen kommuniziere ich durch Rede, Bewegung, Gesang und mit Tanz mit den anwesenden Menschen, die Kunstpublikum als auch Passant*innen sind.
Konzept «L’animoteur 7 — mujeres Y burros Y plantas Y arboles Y plastico Y pimenton Y cactus Y vocabulario Y termino Y lenguaje Y palabra Y non-tango Y esta lana se llama lana de llama»
Die Performance Arbeit habe ich nach einer Reise im Norden von Argentinien, während 14 Tagen in der Residency in URRA entwickelt. Die sozialen und kulturelle Lebensbedingungen, die Atmosphäre von Orten und die Begegnung mit Menschen, sowohl während der Reise als auch während der Residency, haben meine Herangehensweise und Arbeitsweisen stark beeinflusst. Wobei ich nicht habe abschätzen können, welche Energie, Farben und anderweitige Zutaten diese Performance am Ende hervorbringen würde.
Auch hier in Argentinien habe ich die Esel gesucht. Als ich mit Arnold Häni die Ruta 40 bereist habe, gab es viele Begegnungen mit ihnen, auch mit Landschaft, Menschen und Pflanzen. Bei Aufenthalten in Pueblos, in denen 'Aborigens' leben — so nennen sich die Menschen dort — habe ich zwei Interviews gemacht: mit Angelica in Susques und mit Luiz Venavidez in Pastos Chicos. Beide habe ich zum Status und zu ihrer Beziehung zu Eseln in dieser, ihrer Gegend, wo sie wohnen, befragt. Da mein Spanish zur marginal gewesen ist, habe ich die Interviews aufgenommen. Im Hinterher bei der Transkription haben mir zwei Residency-Teilnehmerinnen, Elena Tejada Herrera und Jazmín Saidman, geholfen, um von Angelica und Luiz jedes gesagte Wort genau wiederzugeben und zu verstehen.
In der Performance habe ich Schichten getragen: Lama-Wolle, Schuhe mit Leopardenfell-Imitation, einen Strohhut und mit Tusche, direkt auf meine Arme und Beine, meinen Oberkörper und mein Gesicht gemalte Y-Zeichen, die aus dem Spanisch übersetzt UND bedeuten, Ein Subtext hat mich begleitet, den ich immer wieder habe verlauten lassen. Er hat von Lamas erzählt und von einer Telefonwerbung, in der Lamas wortreich und unter grossem Gelächter mit der Zweifach-Bedeutung der Wörter jonglieren: LLama ist das TIER und bedeutet aus dem Spanisch übersetzt auch HEISSEN, NENNEN und auch FLAMME. Die Telefonwerbung ist in Argentinien immer noch ein 'running gag'. Ich spielte mit dem Echoraum der Wörter und erzählte von Lamas und Eseln und Kakteen und 'mujeres'.
Der Esel ist nicht Metapher, auch die Kakteen und auch die 'mujeres', aus dem Spanisch übersetzt FRAUEN, sind es nicht. Sie sind Realität: Ich nenne und rufe sie in dieser Performance an. Sie durchqueren unser Verständnis und fordern heraus: Der Esel-das-Tier weil es* störrisch ist, der Kaktus-die-Pflanze, weil sie* stachelig und widerborstig in der Landschaft steht, und die 'mujeres', die die ich in Argentinien getroffen habe, weil sie mich beeindruckt haben, weil sie engagiert sind, weil alle, die als 'weiblich' wahrgenommen werden, es (in Argentinien und anderswo) nicht leicht haben. So gesehen sind sie Ausgesetzte, 'endangered species', gerade wegen den Eigenschaften, die ihnen nachgesagt werden und den Zuschreibungen, die gemacht werden. Ich verquere die Zuschreibungen zu Qualitäten der Nachhaltigkeit und der Kraft: Der Esel-das-Tier kommt aus der Wüste und braucht wenig Nahrung und Wasser ebenso die Kakteen. Und die 'mujeres' haben schon einigen Unbill ertragen. Wir, ich und die Zuschauer*innen, die Anwesenden tanzen für sie, für alle, die wollen, dass wir für sie tanzen.