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Die normale Entwicklung der Torsionen während des Wachstums
Üblicherweise entwickeln und korrigieren sich die Torsionen bis zum Wachstumsabschluss. Kleinkinder, die stark nach innen rotiert gehen, haben meistens noch eine erhöhte Innendrehung der Schienbeine, aber auch der Oberschenkel. Üblicherweise ist ein reines Abwarten der Spontanbegradigung gerechtfertigt. Eigentliche therapeutische Massnahmen sind nicht notwendig. Die Schienbeininnendrehung korrigiert sich meistens bis zum 7. Lebensjahr. Anschliessend überwiegt noch eine Innendrehung der Oberschenkelknochen (femorale Antetorsion), die sich dann im weiteren Wachstum und bis zum Wachstumsabschluss korrigiert. Bei korrekt eingestellter Kniegelenksbewegungsachse mit nach vorne gerichteter Kniescheibe zeigt sich dann in der klinischen Untersuchung ein um etwa 10–15° aussenrotierter Fuss, im Oberschenkelbereich besteht meistens eine ausgeglichene Innen- und Aussendrehung der Hügelenke. Selten persistieren Torsionsprobleme ins Erwachsenenalter.
Untersuchungstechniken
Zunächst lässt man den Patient barfuss mehrmals über eine längere Strecke von sich weg und auf sich zu gehen. So bekommt man einen ersten Eindruck, ob die Füsse zu stark nach innen oder aussen zeigen. Ein leichtes Auswärtszeigen der Füsse von etwa zehn Grad ist normal. Zeigen die Füsse zu stark nach aussen, kann als Ursache eine erhöhte tibiale Aussentorsion vorliegen. In diesem Fall zeigen beim Gehen die Kniescheiben nach vorne. Zeigen diese aber auch nach aussen (Kneeing Out), so ist eher davon auszugehen, dass die Aussendrehung aus einer erniedrigten femoralen Rotation resultiert. Die Aussentorsionen können natürlich tibial und femoral kombiniert vorliegen.
Geht der Patient mit den Füssen deutlich nach innen, so liegt dies eher selten an einer isolierten tibialen Innentorsion, sondern viel häufiger an einer erhöhten femoralen Antetorsion (Abb.³ 1). Dann zeigen beim Gehen auch die Kniescheiben nach innen (Kneeing In).
Wenn ein sogenanntes Torsional Malalignment vorliegt, zeigen die Füsse trotz einer erhöhten tibialen Aussentorsion meist nach vorne, während die Kniescheiben stark nach innen zeigen. In diesem Fall liegt eine kompensierende erhöhte femorale Antetorsion vor.
Der zweite Untersuchungsschritt erfolgt im Sitzen auf der Untersuchungsliege. Mit dieser Untersuchung kann die Unterschenkeldrehung gut bestimmt werden (Abb.2). Die Aussendrehung des Fusses gegenüber dem gebeugten Kniegelenk beträgt normalerweise etwa 10–15° nach aussen. Ist die Aussendrehung deutlich höher, spricht man von einer erhöhten tibialen Aussentorsion, zeigt der Fuss nach innen, von einer tibialen Innentorsion.
In Rückenlage kann anschliessend die Hügelenksbeweglichkeit und damit die femorale Torsion bestimmt werden. Die Innen- und Aussendrehung sollte beim 90° gebeugten Hügelenk in etwa ausgeglichen sein. Ist die Aussendrehfähigkeit stark erhöht und die Innendrehfähigkeit erniedrigt, kann der Verdacht auf eine aufgehobene femorale Antetorsion bzw., bei einem sehr starken Unterschied, auf eine femorale Retrotorsion gestellt werden.
Der letzte Untersuchungschritt ist die Untersuchung in Bauchlage, d.®h. bei gestreckten Hügelenken. Die Kniegelenke werden 90° angewinkelt. So kann nochmals der Fussöffnungswinkel gegenüber der Kniegelenksachse gut bestimmt werden und auch die Hüftrotation (Abb.³3a und b). Interessanterweise ist die Drehfähigkeit beim gestreckten Hüftgelenk unterschiedlich
zum gebeugten Hüftgelenk, da im gebeugten Hü gelenk die Pfanne einen grösseren Einfluss auf die Bewegungsamplitude hat. Ist die Innendrehfähigkeit in Bauchlage aufgehoben, kann man relativ sicher von einer femoralen Retrotorsion ausgehen.
Ist die Aussendrehfähigkeit aufgehoben und die Innen drehfähigkeit stark erhöht, kann man andererseits von einer stark erhöhten femoralen Antetorsion ausgehen.