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Stand der Zünftigen hinabgestiegen sind; von diesen nun möge es, weil sie nicht mehr vorhanden sind, genügen, so viel gesagt zu haben. Die zweiten sind diejenigen, deren Geschlecht von Alters in Ulm fortgeführt bis jetzt fortdauert. Und die Dritten, deren Geschlecht in unserer Zeit in Ulm eingeführt als in diesen Stand eingereiht gilt. Von diesen zweien aber rede ich nur ohne Unterscheidung eines früheren und späteren Ursprungs, denn allzugroßes Alter bringt Vergessenheit und Verwirrung.
Denn wer von dem früheren und späteren Ursprung der Ulmer Bürger, von jüngerem und älterem Adel sprechen wollte, würde sich vielmehr Unwillen zuziehen als Frieden schaffen Aber damit man bei der Besprechung nicht jegliche Ordnung preisgegeben sieht, will ich die Genealogien derjenigen Bürger an die erste Stelle setzen, welche gegenwärtig die erste Stellung und Würde innehaben; denn bei den drei hervorragenden Familien der Krafft, der Ehinger und der Besserer ruht jetzt die oberste Gewalt der Stadt. Deshalb ist mit ihnen ohne Benachteiligung für sonst jemand der Anfang zu machen, und nachher werde ich folgerichtig alle andern Geschlechter und Familien dieses dritten Standes nennen, von dem, wie gesagt, die oberste Stellung, Macht und Würde der Stadt abhängt. Und so werden die Krafft die ersten Gründer unserer Gemeine sein, von welchen der bedeutende Herr Magnus Krafft jetzt Bürgermeister und Leiter des Ulmer Gemeinwesens ist.
Krafft.
Die edle Familie der Krafft ist von so hohem Alter, daß nicht genau festgestellt werden kann, wo und wenn sie entstanden ist. Daß sie jedoch immer zu den Ulmern gehört habe, entnehmen wir aus den ältesten Schriften, wo deutlich gezeigt wird, daß es bedeutende und berühmte Männer in dieser Familie schon vor 300 Jahren gegeben habe. Ferner glauben manche, daß diese Familie in alter Zeit einen andern Namen gehabt und de Ita, 1) gemeinhin «Vom Steg» genannt worden sei, und sie sagen, die Familie sei aus der Gegend der Fildern (Vildria),
gemeinhin «auf den Vildern» genannt, zuerst vertrieben worden, nämlich aus dem Dorf Scharnhausen, von einer in dieser Gegend gelegenen (pag. 78) Burg; es durchläuft nämlich vom Schönbuch (Schombuch sylva) her ein Fluß namens Kersch (Kerß), der das Dorf Scharnhausen von der Burg trennt, und es war ein Steg, über den ein Übergang von der Burg in das Dorf führte, und deshalb nannte das Landvolk nach diesem Steg auch die Burg selbst Steg und in der Folge begann man die adeligen Besitzer der Burg «die vom Steg» zu nennen.
Als aber die Gegend in den Kriegswirren verwüstet und die Adeligen aus ihren Sitzen vertrieben wurden, ergriffen auch die Edlen vom Steg die Flucht, nachdem ihre Burg Steg, von der noch heute die Ruinen vorhanden sind, eingenommen und verbrannt worden war, und nachdem sie nach Ulm gezogen waren, wurden sie noch lange Zeit nachher «die vom Steg» genannt; und mit diesem Namen scheint auch ihr Wappen zu stimmen, das einen goldenen Steg quer durch ein rotes Feld führt. Diesen Namen Krafft aber erwarben sie später in einem gegen einen Adeligen glücklich bestandenen Duell. Es soll nämlich ein Adeliger gewesen sein, der von seinen Vorfahren ein Wappen hatte, das in allem dieselbe Zeichnung zeigte, wie das der de Ita (vom Steg), und weil er anmaßend war, glaubte er, niemand dürfe in seinem Wappen diese Farben führen als er und die Seinigen. Daher hatte er ernstliche Feindschaft mit den Edlen de Ita, riß ihr vorgefundenes Wappen herab und beschimpfte es schmählich.
1) Ita = semita, Pfad, Steig, Steg, s. Dieffenbach, Glossarium latino-germ. ¶
Darüber aufgebracht zogen die Herren vom Steg diesen Adeligen vor das Gericht des Kaisers. Als hier die Parteien hartnäckig stritten und durch kein Mittel zum Frieden gebracht werden konnten, wurde durch kaiserliche Entscheidung ein Einzelkampf oder Duell zwischen zwei der Tapfersten von beiden Parteien beschlossen. Als diese bewaffnet gegen einander rannten, hielt sich der Edle vom Steg so tapfer, daß alle, die bei dem Schauspiel zugegen waren, über des Mannes Kühnheit und Tapferkeit voll Bewunderung, über den Kampf voll Staunen und über den Sieg voll Freude waren.
Als sie nun im Kampf mit einander stritten und der vom Steg seine eigenen Kräfte schärfte und sich selbst anfeuerte, soll er bei jedem dem Gegner beigebrachten Hieb trotzig gerufen haben: hic robur, ibi robur zu deutsch: Hie Krafft, da Krafft, und durch diesen Ruf ermutigte er sich, erschreckte den Gegner und schlug ihn zu Boden. Und so fiel dem Manne der Sieg zu und er wahrte sein altes Ansehen und trug diesen neuen Namen Krafft als Preis seiner Kraft für sich und seine Nachkommen ruhmvoll davon. Und in der Folge wurde er mit seinem ganzen Geschlecht bis auf den heutigen Tag Krafft genannt. Durch dieses Duell wird bewiesen, daß die Krafft alt und adelig seien; denn ein Nichtadeliger kann einen Adeligen nicht zum Duell herausfordern, und der Kaiser läßt ein solches Duell nicht zu, außer wenn der Adelige auf seinen Adel verzichtet oder damit einverstanden ist, daß vor dem Duell (pag. 79) der zum Kampf bestimmte Nichtadelige geadelt wird. Denn ein solcher Kampf kann nur zwischen Gleichen stattfinden, wie die Glosse ad c. de pace tenenda bemerkt.
Aus dieser edlen Familie wurde der erste Bürgermeister der Stadt Ulm gewählt, als die Bürgerordnung begann, und regierte viele Jahre aufs glücklichste in seiner Stellung. Aus ihr wurde auch der erste gewählt, der den Stein dieses hochberühmten Baues der Kirche der heiligen Jungfrau in Ulm im Fundament legte, wie oben erzählt worden ist (Seite 26). Und, was noch mehr ist, der erste Gründer des Klosters der Prediger-Brüder war ein bedeutender Mann aus dieser Familie, der alte Krafft genannt.
Dieser verlegte nach der Gründung des Klosters und Einsetzung der Brüder seine Grabstätte an die dem Chor der Prediger angebaute Kapelle, in der er zum ewigen Gedächtnis eine tägliche Messe mit zwei ewigen Lampen und dankenswerter und reichlicher Fürsorge für die Brüder stiftete. Nach seinem Tode aber wurde dieser katholische Mann in dem Grabe bestattet, das er für sich und die Seinigen mit einer unterirdischen gewölbten Gruft bei den Predigern in der vorgenannten Kapelle des heiligen Johannes hatte herrichten lassen; über seinem Grab ist ein großer vergoldeter Stein mit seinem Wappen und Epitaphium gesetzt, dessen Inschrift also lautet: «Im Jahr des Herrn 1298 am Tag Epiphaniä ist gestorben Herr Krafft der Alte, Schreiber und unser Gründer».
Obgleich dieses Epitaphium einfach und ohne rhetorischen Schwung gesetzt ist, drückt es doch die Bedeutung des Mannes in wenigen Worten lichtvoll aus. Denn es verrät drei Zierden von ihm. Erstens seinen angeborenen durch den Kriegsdienst gezierten Adel darin, daß es ihn Herr Krafto nennt; denn da Krafto ein Geschlechter war, so war er von Adel, und weil er ein Kriegsmann war, so wurde er Herr genannt, Adelige aber ohne Kriegsdienst werden Junker (domicelli) genannt, solche mit Kriegsdienst Herren (domini) nach dem gewöhnlichen Gebrauch. Denn wie die Doktoren bei der Geistlichkeit, so haben die Kriegsleute unter dem Adel einen bedeutenden Vorrang (wie gelesen und bemerkt wird 6 § 1 ff. si quis de militibus...), weil Kriegsdienst eine Würde ist, (wie ebendaselbst c. militare gesagt wird) und der Kriegsmann ¶