Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/160054

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird eingeladen, zu prüfen und Bericht zu erstatten, mit welchen konkreten Massnahmen die Praxistauglichkeit der Bildung an der Fachhochschule gestärkt werden kann. Dies betrifft vor allem den qualitativen Nachweis über berufsspezifisches Wissen Studierender mit gymnasialer Matura einerseits und andererseits die Sicherstellung eines Quorums an Dozenten und Professoren mit praktischer Berufserfahrung.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat geht mit dem Postulanten einig, dass auch künftig das erfolgreiche praxisorientierte Profil der Fachhochschulausbildungen sichergestellt werden muss.</p><p>Den grössten Teil der Studierenden an Fachhochschulen (FH) bilden nach wie vor Berufsmaturandinnen und -maturanden. Ihr Anteil ist seit Jahren weitgehend stabil (2014: 51 Prozent, 2013: 50 Prozent, 2012: 49 Prozent).</p><p>Der Anteil Studienanfängerinnen und Studienanfänger an FH mit einer gymnasialen Matura liegt gesamthaft betrachtet ebenfalls stabil bei rund 20 Prozent. Der höhere Anteil von Gymnasialmaturandinnen und -maturanden (GM) in einzelnen Fachbereichen erklärt sich u. a. damit, dass es in diesen Bereichen entweder an einer beruflichen Grundbildung fehlt (z. B. Kunst oder angewandte Linguistik) oder eine solche erst seit Kurzem besteht (z. B. Gesundheit).</p><p>Die Praxisorientierung von FH-Ausbildungen wird auch unter dem neuen Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG) durch verschiedene Rahmenbedingungen sichergestellt: Neben der Pflicht zum Angebot berufsqualifizierender Studiengänge sowie anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung (Art. 26 HFKG) wird auch die praxisorientierte Zulassung zum Fachhochschulstudium gesetzlich vorgeschrieben. Während Berufsmaturandinnen und -maturanden direkt zum Studium zugelassen werden, müssen GM vorgängig eine mindestens einjährige Arbeitswelterfahrung in einem dem Fachbereich verwandten Beruf absolvieren (Art. 25 Abs. 1 Bst. b HFKG). Mit einer erfolgreich absolvierten Arbeitswelterfahrung (AWE) sollen GM die erforderlichen berufspraktischen und berufstheoretischen Kompetenzen erwerben, um ein Bachelor-Studium erfolgreich in Angriff nehmen zu können. Der Bundesrat hat in seinem Bericht vom 27. Oktober 2010 "Eintrittskriterien für die Zulassung zu den FH" in Erfüllung des Postulates 08.3272 die Zulassungspraxis geprüft und festgehalten, dass die FH das Erfordernis der einjährigen AWE einhalten. Allerdings fehlt es an einer gesamtschweizerisch einheitlichen Praxis. Swissuniversities erarbeitet zu diesem Zweck, mit Unterstützung des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation, sogenannte Best Practices zur Ausgestaltung der AWE. Darin sollen unter anderem Kompetenzkataloge für die einzelnen Fachbereiche in enger Zusammenarbeit mit den betreffenden Berufsverbänden erstellt werden. Diese Best Practices werden sich an den Qualifikationsprofilen der beruflichen Grundbildung orientieren. Eine weitere Massnahme zur Stärkung der Praxisorientierung von GM bilden sogenannte praxisintegrierte Bachelor-Studiengänge. Der Bundesrat hat im Rahmen der Fachkräfte-Initiative den FH für einen befristeten Versuchszeitraum die Möglichkeit eingeräumt, in den technischen Studienrichtungen speziell konzipierte vierjährige Bachelor-Studiengänge mit einem hohen Praxisanteil anzubieten. Dieser Versuch wird 2019 insbesondere hinsichtlich der Praxisorientierung evaluiert werden.</p><p>Der Bundesrat geht mit dem Postulanten auch darüber einig, dass zum FH-Profil Dozierende mit Praxiserfahrung gehören. Dieses Kriterium wird heute von den FH in hohem Masse erfüllt (vgl. dazu Bericht des Bundesrates "Massnahmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses" in Erfüllung des Postulates der WBK-S 12.3343, S. 63f.). Die FH sehen im Rahmen der Nachwuchsförderung zudem spezielle Pilotprojekte zur Stärkung des doppelten Kompetenzprofils (Praxis/Wissenschaft) vor.</p><p>Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die Überprüfung der erwähnten FH-Profilmerkmale laufend auch über die Qualitätssicherungssysteme der FH sowie die neu obligatorische und periodisch vorzunehmende institutionelle Akkreditierung durch den Schweizerischen Akkreditierungsrat erfolgt (Art. 27-34 HFKG).</p><p>Aus den erwähnten Gründen besteht aus Sicht des Bundesrates kein Anlass zu einer Berichterstattung oder weiteren Massnahmen im Bereich der Praxistauglichkeit.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.