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Zigarren für den Weltuntergang und weitere Geschichten aus dem Leben des Oscar ValladaresOscar Valladares Karriere begann als Tourguide bei Rocky Patel. Heute produziert er mit grossem Erfolg Zigarren in Honduras. Sein Erfolgsrezept: Kreativität und ein Händchen für guten Tabak.
Oscar Valladares arbeitete als junger Mann in einem Tourismus-Unternehmen in Danlí, das Autos vermietete und Ausflüge organisierte, als eines Tages alle Chauffeure schon unterwegs oder ausgefallen waren und man deshalb Oscar zum Flughafen schickte, um einige amerikanische «Gringos» abzuholen und sie durch die Gegend zu kutschieren. Es stellte sich heraus, dass einer dieser Amerikaner niemand anderes als Rocky Patel war, der in Honduras bereits Zigarren produzierte. Die beiden freundeten sich an, Oscar lernte von Rocky, wie man Zigarren geniesst, und in den darauffolgenden Jahren führte Oscar regelmässig Gruppen von Rocky Patel durch dessen Zigarrenmanufakturen. Schliesslich stellte Rocky Patel Oscar fest an.
Doch Oscar Valladares träumte von einem eigenen Unternehmen. Im Jahr 2009 begann seine Selbständigkeit, indem er die Distribution von Rocky Patels Zigarren in Honduras und später in ganz Zentralamerika übernahm. Drei Jahre später eröffnete Oscar in Danli ein kleines Zigarrengeschäft mit einigen Rollern und produzierte seine ersten eigenen Zigarren. Die Anfänge waren nicht leicht, der Konkurs drohte, aber Oscar fand Hilfe und zwei Partner, die ihn bei der Übernahme einer kleinen Manufaktur unterstützten. Die zusätzliche Produktionskapazität wurde dringend gebraucht, denn Oscars Zigarren verkauften sich gut.
Zum schnellen Erfolg hatte nicht zuletzt Jim Robinson beigetragen. Der Zigarrenhändler mit dem Spitznamen «Island Jim», der in Pittsburgh das legendäre Zigarrengeschäft «Leaf & Bean» betrieb, entdeckte Oscar Valladares auf einer Reise durch Honduras und bestellte Zigarren für seinen Shop. Daraufhin explodierte die Nachfrage.
Seine erste Zigarrenlinie nannte Oscar Valladares «2012». Damit bezog er sich nicht nur auf das Gründungsjahr seiner Manufaktur, sondern auch auf das Jahr, in dem gemäss Mayakalender die Welt untergehen sollte. Jeder Kiste enthielt eine separate Zigarre, eingewickelt in ein unfermentiertes Tabakblatt und bestimmt für den Genuss unmittelbar vor dem Ende der Welt. Das Verpacken von Zigarren in rohe Tabaklätter sollte zu seinem Markenzeichen werden. Oscar kam auf die Idee, weil ihn die raue Tabakhülle an die ursprünglichen Zigarren der Mayas erinnerte.
Die Welt ging nicht unter, dafür wuchs das Unternehmen von Oscar Valladares rasant. 2014 zog das Unternehmen in eine grössere Manufaktur um und 2016 ein weiteres Mal. Das Team wuchs in dieser Zeit auf über 100 Mitarbeiter an. Immer wieder sorgt Oscar Valladares mit kreativen Ideen für Furore. Die Linie Heaven and Hell umfasst zwei Zigarren, deren Bauchbinde wahlweise mit Engelsflügeln oder einem Fledermaus-Umhang ausgerüstet sind. Die Zigarren der Wildhunter-Serie sind in eine Kiste mit Tarnnetz verpackt. Doch stets können die Zigarren auch mit geschmacklicher Substanz und Persönlichkeit überzeugen.
Die Zigarren der Linie Island Jim ehren seinen Freund und ersten wichtigen Geschäftspartner Jim Robinson. Sein Gesicht ziert sowohl die Kiste als auch die Bauchbinde. Zu beachten ist dabei die Kopfbedeckung: Trägt Jim einen Cowboy-Hut, so handelt es sich um die Variante mit Corojo-Deckblatt aus Nicaragua. Der Sombrero verweist auf ein mexikanisches San-Andrés-Deckblatt. Das Format heisst «Torpedo No. 2» und trägt diesen Namen, weil die Zigarre mit ihrem ausgefransten Fuss und dem Kopfende, das nicht vom Deckblatt bedeckt wird, an ein Bleistift, den «#2 pencil» erinnert. Die Einlagetabake aus Honduras verleihen den beiden Zigarren einen aromatischen Charakter mit Kakao und Holznoten. Die beiden Deckblätter ergänzen das Aroma mit ihrer Persönlichkeit. Welche der beiden Zigarren schmeckt besser? Das ist schwer zu sagen und ganz einfach eine Frage des Geschmacks.