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Vom 10. - 17. Juli fanden in Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens, die 7. Junioren-Weltmeisterschaften im Wushu statt. Mit dabei waren auch zwei Athletinnen der Wushu Akademie Schweiz, Sheryl Kasper und Benjamin Müller. Die Resultate waren etwa so, wie man sie erwarten konnte, d.h. zuerst kommen alle grossen Wushu-Nationen und danach der ganze Rest. Viele waren das nicht, denn im Taolu nahmen lediglich 20 Nationen teil. Insgesamt, also inklusive Sanda, waren lediglich 30 Nationen dabei. Den Medaillenspiegel über alles (Sanda und Taolu) gewann...Iran! Genau, richtig gelesen: Der Iran! Analysiert man weiter und schaut sich nur das Taolu (also die Formen-Kategorien) an, dann lautete dort die Reihenfolge bei den Medaillen folgendermassen:
1. Hongkong
2. USA
3. Malysia
4. Macau
5. Japan
6. China
7. Singapur
8. Iran
9. Indonesien
10. Korea
11. Vietnam
Die erste europäische Nation war die Ukraine auf dem 12. Platz. Weiter nahmen aus Europa teil: Frankreich, Türkei, Ungarn, Italien, Portugal und Russland (wobei alle russischen Athleten gar nicht gestartet sind). Die Chinesen sind im Medaillenspiegel aus bekannten Gründen nicht weiter vorne: Sie schicken an so einen Anlass in aller Regel nur ein reduziertes Team, damit sie nicht alles gewinnen. Im Taolu holten sie denn auch vier Mal Gold (bei vier Starts) und zogen haufenweise Athleten von den Starts zurück. Wahrscheinlich melden sie einfach drei Mal so viele an, wie sie schicken möchten (man muss ja relativ früh melden) und senden dann zum Schluss ein Rumpfteam (aber dafür diejenigen, welche am besten in Form sind; glücklich, wer SO nominieren kann).
Neu war an diesem Anlass, dass die AthletInnen der A-JuniorInnen, wo auch Sheryl und Benjamin starteten, erstmals anstelle der Pflichtformen (normalerweise Pflichtform 3rd Set) auch freie Formen (ohne Wertung der C-Teile, d.h. der Schwierigkeitsgrade) zeigen durften. Das ist in aller Regel ein Vorteil, weil die AthletInnen sich so eine Form entsprechend ihren spezifischen Fähigkeiten zusammenstellen können.
Die grössten Kategorien waren jeweils die Faustformen mit 20 (und mehr) Teilnehmenden bei beiden Geschlechtern. In den Waffenformen verloren sich dann bereits nur noch jeweils um die 10 Athletinnen je Kategorie. Die Frage sei erlaubt, ob wir so je die kritische Grösse erreichen, um eine olympische Sportart zu werden.
Nun zu unseren AthletInnen im Einzelnen: Sheryl sah man sicherlich an, dass sie mit den 12er-Formen (Pflichtformen 3rd set) noch nicht ganz soweit ist wie ihr Trainingskollege Benjamin (sie ist auch ein Jahr jünger und erst im Übergang von den alten zu den neuen Pflichtformen). Wenn man dann noch bedenkt, dass ihre Vorbereitung während fast drei Wochen durch eine relativ komplexe Geschichte (Entfernung von zwei Weisheitszähnen) deutlich beeinträchtigt war, hat sie sich ansehnlich geschlagen.
Benjamin hingegen wurde sicherlich etwas unter Wert geschlagen. Ihm unterliefen doch einige A-Fehler, die ihm sonst kaum je unterlaufen. Aber selbst einer wie Benjamin ist nicht gefeit vor etwas mehr Nervosität als sonst. Nach seinem Auslandjahr in Amerika ohne eigentliche Wettkämpfe durfte man da auch gar nicht zu viel erwarten oder ihn unnötig unter Druck setzen. Am wertvollsten war sicherlich sein Resultat im Changquan, wo er 15. von 24 Teilnehmenden wurde.
Man muss einfach wissen: Alle Spitzenathleten kommen mit einer A-Note von 5.0 oder 4.9 aus dem Wettkampf. Benjamin hat auf jeden Fall das Potenzial, so etwas auch zu schaffen, weil er, wie Sheryl an sich auch, in den Grundlagen sehr sauber arbeitet. Aber wenn sich mal die Fehlerhexe eingeschlichen hat, bringt man sie manchmal nicht mehr los. Insofern kann ich Benjamin nachfühlen, wie es ihm im Speer ergangen ist, wo er drei Mal einen Abzug dafür bekommen hat, dass er den Speer loslassen musste oder der sich im "Gwändli" verheddert hat. Mit einer A-Note von 5.0 im Speer (statt der 4.4) wäre Benjamin bereits Dritter gewesen. Es geht nicht um "hätte, wenn und wäre", sondern darum, zu sehen, wie entscheidend die A-Note ist, welche am ehesten eine "Fleissnote" ist. Die A-Note kann man sich ERARBEITEN. Bei der B-Note ist häufig auch etwas "Geschmack" dabei.
Fazit: Wie so oft, stellen wir fest, dass auch wir Schweizer über sehr talentierte AthletInnen verfügen, welche durchaus die grundsätzlichen Fähigkeiten besitzen würden, wesentlich weiter vorne mitzuspielen. Nur müsste man dazu den Trainingsaufwand mindestens verdoppeln können (von 10 auf 20 Stunden). Gerade die B-Note mit den wichtigen Komponenten Kraft und Rhythmus (und damit Tempo!) braucht einfach auch viel, viel Zeit, um auf ein entsprechendes Niveau zu kommen. Erfahrungsgemäss ist unter 15 Talenten in der Schweiz vielleicht eines bereit und auch in der Lage, diesen Aufwand zu betreiben.
Zum Schluss möchten wir uns bei Sheryl und Benjamin für ihren Einsatz bedanken. Sie haben einen Teil ihrer Ferien geopfert, um dort in Brasilien dabei zu sein. Diese Erfahrung wird für ihre eigene Wushu-Zukunft sehr wichtig sein. Der Dank gebührt aber auch ihren Eltern, welche sie seit Jahren in ihrem intensiven Hobby unterstützen und sie tragen. Den letzten Dank schicken wir ihren TrainerInnen, welche seit Jahren an ihrer Entwicklung schleifen.
Sheryl Kasper
Juniorin 15-17 Jahre
Kategorie 3rd Set (Pflichtformen Changquan, Schwert, Speer)
Trainiert bei uns seit dem 3.3.2008
Besucht die Wirtschaftsmittelschule in Aarau
Benjamin Müller
Junior 15-17 Jahre
Kategorie 3rd Set (Pflichtformen Changquan, Schwert, Speer)
Trainiert bei uns seit dem 8.5.2007
Besucht die Alte Kantonsschule in Aarau