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Xanti Schawinsky, 1904-1979
Der in Basel geborene Alexander Victor Schawinsky, genannt Xanti, war jüdisch-polnischer Abstammung. Ab 1924 studierte er am Bauhaus unter anderem bei Walter Gropius, Paul Klee, László Moholy-Nagy und Wassily Kandinsky. Dort belegte Schawinsky auch Kurse in Architektur und wurde Mitglied in Oskar Schlemmers Bühnenwerkstatt: beides schlägt sich stark in seinem künstlerischen Werk nieder. Nach dem Engagement am Zwickauer Stadttheater als Bühnenbildner 1926 kehrte er im darauffolgenden Jahr ans Bauhaus zurück, diesmal als Lehrer. 1928, nach dem Rücktritt von Walter Gropius als Direktor, wurde Schawinsky zum Lehrer für Bühnenbilddesign berufen. Im Bereich Theater am Bauhaus erlangte er bereits zu Lebzeiten eine grosse Bekanntheit.
Es folgten Aufenthalte und berufliche Verpflichtungen in Magdeburg und Berlin. Doch durch die Diffamierung und Verfolgung von Juden sah sich Schawinsky gezwungen, 1933 über die Schweiz nach Italien zu fliehen. Hier konnte er seine erste eigene Ausstellung in der berühmten Galleria del Milione feiern und arbeitete als Grafiker und Werbegrafiker.
Nachdem sich die politische Situation jedoch auch in Italien verschärft hatte, verliess Schawinsky 1935 das Land. Von 1936 bis 1938 war Schawinsky als Lehrer am renommierten Black Mountain College in North Carolina tätig. Hier konzentrierte er sich auf die Farbenlehre, das Zeichnen und multimediale Installationen mit Bewegung, Licht, Farbe, Raum und Klang und brachte so die Idee der Bauhausbühne in die Staaten. 1939 nahm Schawinksy die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Aus der Ferne ereilte ihn der Ruf ans New Bauhaus Chicago – doch es schloss noch bevor Schawinsky seine Stelle antreten konnte. In der Folge hielt er sich in New York auf und arbeitete an diversen Institutionen. Es folgte die Rückkehr nach Europa: 1961 war Schawinsky für ein Jahr am Stadttheater Basel tätig und gestaltete das Bühnen- und Kostümbild für Prokofjews Die steinerne Blume. Er lebte von 1966 bis zu seinem Tod 1979 in Locarno.
Xanti Schawinsky drückte sich künstlerisch auf vielfache Weise aus: als Maler, Grafiker, Bühnen- und Kostümbildner des Theaters, Saxofonist, Grafikdesigner, Architekt und Fotograf. In seiner Vielseitigkeit und dem Bauhausprinzip folgend, versuchte er universell geltende Gestaltungsprinzipien umzusetzen – die am Black Mountain College entstandenen Spectodramen oder die farbenfrohen Mensch-Maschinen-Darstellungen stehen beispielhaft für diesen künstlerischen Weg.
In den 1940er Jahren lernte er Giorgio de Chirico kennen, der Schawinsky sicherlich auch in der Annährung zum Surrealismus beeinflusste. Ende dieses Jahrzehnts begann er, sich mehr auf die Malerei zu konzentrieren. Die Kombination von abstrakter Malerei mit Bühnen- oder anderen performativen Elementen ist ein charakteristischer Zug bei Schawinsky. Ab den 1960er Jahren entstanden Werke, bei denen der Prozess des Entstehens Teil des Werkes wurde: Schawinsky benutzte seinen Körper oder Utensilien wie Autoreifen als Mal- und Gestaltungswerkzeug.
In seinem Spätwerk fokussierte er sich – wie auch in seinen frühen Arbeiten, die mit dem Theater zusammenhängen – auf den bewegten menschlichen Körper und/oder den Bildraum. Mehrschichtige Werke (seine Sphera-Reihe) suggerieren Räumlichkeit und Dynamik: der Betrachter von Schawinskys Werken sieht sich mit einer eigenen Welt, einer illusorischen Theaterbühne, konfrontiert.