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Eigentlich hätte J. R. Moehringers Identität gar nie publik werden sollen. Der US-Amerikaner war zuvor bereits als Ghostwriter von Andre Agassis Biografie «Open» sowie den Memoiren von Nike-Gründer Phil Knight bekannt. Den Job als Harrys Ghostwriter habe er zunächst nicht annehmen wollen, habe sich aber von dessen Geschichte und dadurch, dass es kein Zeitlimit gegeben hätte, doch dazu hinreissen lassen. Während des Schreibprozesses wurde dann aber sein Name öffentlich.
Seither sei er selbst regelmässig mit Falschinformationen über sich selbst konfrontiert worden. Er habe sie berichtigen wollen, vielleicht einen Artikel darüber schreiben, habe sich aber selbst sagen müssen: «Geister sprechen nicht.» Nun ist die Zeit aber scheinbar doch gekommen: Am Montag erschien ein ausführlicher Artikel von J. R. Moehringer im «New Yorker». Darin beschreibt er seinen eigenen Werdegang, seine Zeit mit Andre Agassi («In den zwei Jahren unserer Zusammenarbeit haben wir nie ein böses Wort gewechselt») und, ab 2020, seine Zusammenarbeit mit Prinz Harry.
Zu Beginn berichtet Moehringer von einem Streit mit Harry, bei dem es um eine bestimmte Szene des Buches ging. Der Prinz habe darauf bestanden, eine «feurige Gegenrede» seinerseits einbauen zu wollen. Der Hintergrund: Bei einer militärischen Übung, in der Harry mit einer Kapuze versehen wurde, in einen unterirdischen Bunker gebracht und von «Entführern» mit Sturmhaube geschlagen und entkleidet wurde, hatten einige Mitsoldaten als Stressmittel seine tote Mutter, Prinzessin Diana, aufgebracht. Für Harry habe dieses Verhalten eine rote Linie überschritten und er habe sich danach vehement gewehrt. Prinz Harry diente zehn Jahre lang in der britischen Armee, absolvierte zwei Einsätze in Afghanistan und schied 2015 aus dem Dienst aus.
Dem Prinzen sei es wichtig gewesen, die Sätze, die er damals den Soldaten gesagt hatte, in das Buch einzubauen, so Moehringer. Die Leute hätten immer an seinem Intellekt gezweifelt, und Harry sei der Meinung gewesen, dass diese Passage zeigen würde, dass er «seinen Verstand im Griff hatte» – selbst nachdem er getreten, geschlagen und im Schlaf und Essen entzogen worden waren.
Moehringer sei anderer Meinung gewesen. Er habe sich vehement dagegen ausgesprochen, die Stelle immer wieder gestrichen und gleich darauf befürchtet, zu weit gegangen zu sein. «Ich war verzweifelt über Prinz Harry. Mein Kopf hämmerte, mein Kiefer war verkrampft, und ich begann, meine Stimme zu erheben», so der Ghostwriter.
«Obwohl es nicht das erste Mal war, dass Harry und ich gestritten hatten, fühlte es sich anders an», schreibt der Ghostwriter. «Es fühlte sich an, als ob wir auf eine Art entscheidenden Bruch zurasten, teilweise auch, weil Harry nichts mehr sagte.» Er habe während des Zoom-Calls minutenlang wortlos in den Bildschirm gestarrt.
«Irgendwann schenkte Harry mir ein schelmisches Grinsen», schreibt Moehringer, bevor der Prinz zu ihm gesagt habe: «Es macht mir wirklich Spass, dich so aufzuregen.»
Der Gedanke, dass Harry sich vehement gegen die öffentliche Wahrnehmung wehren wollte, taucht später in Moehringers Beitrag wieder auf. «Harry konnte sich dem Wunsch nicht entziehen, dass ‹Spare› eine Widerlegung jeder Lüge sein könnte, die jemals über ihn veröffentlicht wurde», schreibt Moehringer.
Doch bevor das Buch veröffentlicht wurde, hatte jemand Moehringers Identität geleakt, und ihn und seine Beziehung zu Prinz Harry öffentlich infrage stellen lassen. Hinzu kam, dass eine Buchhandlung in Madrid eine Woche früher mit dem Verkauf des Buches begann. Das löste eine Flut von Nachrichten aus, die auf «schlechten Übersetzungen» der spanischen Version beruhten, schreibt Moehringer.
Das sei allerdings nicht besser geworden durch die Veröffentlichung des englischen Originals: «Fakten wurden aus dem Zusammenhang gerissen, komplexe Emotionen auf karikaturhafte Idiotie reduziert, unschuldige Passagen zu Empörungen aufgebauscht – und es gab so viele Unwahrheiten», so Moehringer.
Es dauerte nicht lange, bis Moehringer und seine Familie von der Presse belästigt wurden: Fotografen hätten ihm und seinem Sohn aufgelauert und ihn im Büro besucht. «Ich hatte hart daran gearbeitet, die Qualen von Harry Windsor zu verstehen, und jetzt sah ich, dass ich nichts verstand», beschreibt Moehringer diese Phase. Es habe ihn dazu veranlasst, gewisse Seiten in Spare, die von Harrys Erfahrungen mit den Medien beschreiben, erneut zu lesen.
Moehringer habe sich vor der Veröffentlichung noch gefragt, ob Harry auch diesen erneuten Druck der Medienberichterstattung aushalten könne. Dann habe er sich erinnert, wie der Prinz auf einer Party zur Feier der Veröffentlichung des Buches «überglücklich» gewesen sei – nicht nur, dass «Spare» von «Guinness World Records» zum am schnellsten verkauften Sachbuch aller Zeiten gekürt wurde. Insbesondere die Reaktionen der Leserinnen und Leser, die zum ersten Mal von ihm selbst gelesen haben, hätten ihn berührt.
Mit Tränen in den Augen habe Harry seinen Gästen von einem «neuen Gefühl von Freiheit» erzählt. Für Moehringer sei «frei» aber nicht ganz das richtige Wort gewesen. «Harry fühlte sich zum ersten Mal befreit, als er sich in Meghan verliebte, und noch einmal, als sie aus Grossbritannien flohen, und was er jetzt fühlte, zum ersten Mal in seinem Leben, war ‹gehört›», schreibt der Ghostwriter.
Moehringer selbst arbeitet seit Harrys Buch an einem eigenen Roman.
(lak)
Cole Brings Plenty, ein 27-jähriger Schauspieler, der durch seine Rolle in «1923» bekannt wurde, wurde vergangene Woche in einem Waldgebiet in Kansas entdeckt, nachdem er mehrere Tage vermisst wurde. Sein Tod wurde von der Polizei wie auch von seiner Familie bestätigt.