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Nur eine Woche nach dem souveränen Heimsieg gegen Combert kassierte Kerzers gegen Haute-Gruyère eine diskussionslose 0:3-Niederlage. Das Heimteam war den Seeländern praktisch in allen Belangen überlegen.
Der FC Haute-Gruyère – eine Fusion aus Grandvillard, Enney und Gruyère – ist seit fast einem halben Dutzend Jahren schon eine feste Grösse im Freiburger 2.-Liga-Fussball und trägt seine Spiele neben dem Armeeplatz in Grandvillard an den Gestaden der Saane aus. Präsidiert wird der Club von Leonard Jaquet, einer bekannten Fussballgrösse aus der Region, der beim FC Bulle in den besten NLA-Zeiten als Masseur amtete. Im Team des querschnittgelähmten Präsidenten (er hatte in jungen Jahren einen schweren Autounfall) spielt mit Captain Colin Jaquet einer der beiden adoptierten kamerunischen Söhne. Trainiert wird das Team von Marco Galhardo, der früher im Nachwuchsbereich des FC Bulle tätig war, von dem er einige junge Talente zu seinem neuen Verein mitgenommen hat, zum Beispiel Julien Geiger, den Neffen des Servette-Trainers Alain Geiger. Nachdem man auf die neue Meisterschaft hin drei der besten Spieler wohl auch aus finanziellen Gründen zu höher dotierten Teams verloren hat, will Haute-Gruyère eine neue Mannschaft aufbauen, die laut ihrem Trainer möglichst schnell die nötigen Punkte für den Ligaerhalt holen soll. Einen ersten Schritt dazu hat das technisch gute Team mit den beiden Siegen gegen Châtonnaye und am Samstag zu Hause gegen Kerzers getan; in dieser Verfassung wird der FC Haute-Gruyère wohl auch in dieser Saison kaum etwas mit dem Abstieg zu tun haben. Schwer diesen Dreier einzufahren, machte es ihm der FC Kerzers in diesem ziemlich einseitigen Match allerdings nicht. Die Seeländer erwischten nach zuletzt guten Leistungen einen schwarzen Tag, den man laut Coach Rolf Rotzetter möglichst schnell vergessen muss.
Das so wichtige Führungstor
Bevor der Heimclub kurz vor der Halbzeit durch einen Foulelfmeter in Führung gehen konnte – Verteidiger Noël Hurni konnte den durchbrechenden Adrien Maurer nur noch mit einem Foul bremsen –, hatte der Gast ebenfalls zwei gute Chancen verpasst, selbst das so wichtige 1:0 zu schiessen. Michael Fuchs verpasste nach einem Abpraller von Keeper Loïc Bozier mit dem Kopf den Kasten. Die besseren Möglichkeiten hatten jedoch schon im ersten Umgang die Greyerzer, die den Weg zum späteren Sieg in der 52. Minute mit einem herrlichen Freistosstor des bulligen Edmilson Freire aus gut 20 Metern ebneten. Der Schuss traf haargenau in Lattendreieck, da gab es für Goalie Lars Eicher nichts zu halten. Endgültig den Sack zu machte Haute-Gruyère vier Minuten vor Schluss, als Mathieu Gothuey aus einem Gewirr heraus die weite Ecke traf. Zu diesem Zeitpunkt standen bei Kerzers nur noch neun Feldspieler auf dem Platz, weil ihr Mittelverteidiger Noël Hurni nach einem weiteren Foul vom guten Schiedsrichter des Feldes verwiesen wurde. Vor allem in der zweiten Halbzeit war der bissigere und kompaktere Gastgeber eindeutig besser. Er leistete sich sogar den Luxus, kurz vor Spielende einen Elfmeter zu verschiessen. Am klaren Verdikt änderte dies jedoch auch nichts mehr.
Holpriges und schmales Terrain
Der FN-Bericht über den kaputten Rasen im Erli hat in Kerzers offensichtlich hohe Wellen geworfen, wie der erste Satz von Assistenztrainer Patrick Kuriger nach dem verlorenen Spiel seiner Truppe zeigte: «Unser Rasen zu Hause ist momentan sicherlich nicht gut, aber das Terrain hier ist auch nicht viel besser. Es ist holprig und schmal, da ist es schwer, guten Fussball darauf zu spielen.» Als Hauptgrund für die Niederlage wollten er und Rotzetter das schlechte Geläuf dann trotzdem nicht gelten lassen, man habe ganz einfach nicht gut gespielt, die Bälle nach vorne seien selten angekommen, und viele wichtige Zweikämpfe seien verloren gegangen. «Hätten wir statt der Gegner das erste Tor geschossen, wäre vielleicht alles anders gekommen, aber so wie wir heute gespielt haben, kann man nicht gewinnen.» Gelegenheit, die Scharte auszuwetzen, bekommt Kerzers schon am Dienstag im Heimspiel gegen Belfaux. Für Heimtrainer Galhardo waren die drei gewonnen Punkte am Ende das Wichtigste: «Das Vertikalspiel meiner Mannschaft hat mir sehr gut gefallen. Dadurch kamen wir zu vielen guten Torchancen, den unseren Sieg verdient macht.» Damit traf er den Nagel auf den Kopf, denn zumindest an diesem Tag war sein Team dem Gegner überlegen (Abstimmung im Mittelfeld und Abwehr, mehr Zug aufs Tor etc.), dessen Aufschwung vom letzten Wochenende schnell wieder gestoppt wurde. Aufgrund seines herrlichen Tores zum 2:0 durfte man dem noch nicht 20-jährigen Noah Delacombaz das Attribut Spieler des Abends geben, verschossener Penalty – wohl aus jugendlichem Leichtsinn – hin oder her.