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Schwester Eugenia arbeitete in der Kanisiusdruckerei in Freiburg. Dort erlebte sie ein halbes Jahrhundert Druckgeschichte. Heute ist die 89-Jährige eine der letzten Kanisiusschwestern in Europa.
Schwester (Sr.) Eugenias Kindheit war turbulent. Aufgewachsen ist sie in Danzig. Zu dieser Zeit lebte dort noch eine deutschsprachige Mehrheit, zu der auch Sr. Eugenias Familie gehörte. Fünf Jahre nach ihrer Geburt griff das Deutsche Reich ganz in der Nähe Polen an und annektierte die Freie Stadt Danzig.
Gut erinnern kann sich die heute 89-Jährige an die Flucht vor den Russen aus ihrer Heimat im Januar 1945. Tiefer Schnee und kalte Nächte begleiteten die Familie nach Dänemark, wo sie zwei Jahre lang in einem Flüchtlingslager lebte. «Jetzt dürfen wir wieder nach Deutschland!», freute sich die Mutter, als sie die Regierung nach Gosheim bei Rottweil im Bundesland Baden-Württemberg schickte.
Erster Kontakt mit dem Kloster
Viel Bildung genossen Sr. Eugenia und ihre sechs Geschwister nicht. Im Flüchtlingslager gab es keinen Unterricht, und in der neuen Heimat besuchte das Mädchen noch drei Jahre lang die Schule, bis die Mutter fragte: «So, was willst du machen?» Eines war klar: In einer Fabrik arbeiten wollte sie nicht. «Der Dorfpfarrer hat mir eine Stelle in Konstanz angeboten», erzählt Sr. Eugenia. Dort, in einer Verlagsauslieferung der Kongregation der Kanisiusschwestern, kümmerte sie sich als Jugendliche um den Haushalt und übernahm kleinere Aufträge.
Irgendwie habe ich schon immer gemerkt, dass ich ins Kloster will.
Deshalb habe sie sich bald entschlossen, dem Orden der Kanisiusschwestern beizutreten. «Dafür musste ich die Erlaubnis von der Mutter haben» – war sie doch erst etwas über 17 Jahre alt. «Im Moment ist mir der Abschied schwergefallen.» Für eine Aussteuer, wie sie damals beim Eintritt in ein Kloster Tradition war, hatte die Familie zu wenig Geld. Das war jedoch kein Hindernis für die Aufnahme.
Neues Leben in Freiburg
Nun sass sie also im Zug nach Freiburg, das ihre neue Heimat werden sollte. Als Postulantin lernte sie die Gemeinschaft kennen – und umgekehrt. Im anschliessenden Noviziat besuchte sie Unterricht zum Ordensleben, zur Bibel, zu Spiritualität und half beim Putzen und in der Küche. «Wir hatten eine Etage für uns und durften nicht mit den Professschwestern reden», erinnert sich Sr. Eugenia. Rund 100 Frauen jeden Alters beherbergte das Kloster im Jolimont-Quartier damals.
Am Ende der mehrjährigen Ausbildung stand die «ewige Profess» – das Ordensgelübde. Sr. Eugenia versprach, der Gemeinschaft für immer treu zu bleiben und das Apostolat, also den kirchlichen Auftrag zu erfüllen. Das sogenannte «Presseapostolat» der Kanisiusschwestern beinhaltete die Verkündung der Frohen Botschaft durch das geschriebene Wort. Mit ihren eigenen Maschinen druckten die Klosterfrauen religiöse Literatur und gaben jedem Buchstaben, jedem Wort, ein Gebet mit, damit diese auch wirkten.
Von der Anfängerin zum Profi
Bei mir hiess es sowieso: ‹Du kommst in die Druckerei!›
So lernte die junge Nonne das Druckhandwerk. Der damalige technische Leiter, ein Weltlicher, setzte dabei auf Learning by Doing, wie man es heute nennen würde. «Es war schwierig, da ich nie eine richtige Lehre gemacht habe», erinnert sich Sr. Eugenia. Am Anfang musste sie mit Bleisatz noch einzelne Druckformen herstellen (siehe Kasten). Mit der Zeit kamen neue Verfahren, und Sr. Eugenia sammelte immer mehr Wissen: «Als es richtig in meinem Kopf drin war, ging es viel besser.»
Beim Kauf von neuen Maschinen war sie danach immer dabei. Dazu gehörte auch, zu lernen, wie sie zu bedienen sind. Gut erinnern kann sich Sr. Eugenia noch an einen achttägigen Kurs in Wiesbaden, den sie gemeinsam mit gelernten Druckern von «weiss Gott wie grossen» Fabriken besuchte. Die «gescheiten und studierten» Herren hatten Freude an der technisch versierten Nonne, die fliessend Druckersprache spricht, und nahmen sie in ihrer Gruppe voll auf.
Pensionierung als Nonne
Das Leben im Kloster war intensiv, viel Freizeit blieb den Schwestern nicht. Während der Woche stand Sr. Eugenia um 5 Uhr auf, es folgten Betrachtung, Laudes, Messe und dann das Frühstück. Um 8 Uhr begann die Arbeit, mit einer Mittagspause. Um 18 Uhr kam die Vesper und anschliessend das Abendessen. «Oft musste ich danach noch einmal runter in die Druckerei», erzählt Sr. Eugenia. Fristen und Termine waren auch im Kloster kein Fremdwort.
Ganze 50 Jahre lang, bis sie 70 Jahre alt war, arbeitete Sr. Eugenia in der Druckerei an der Beauregard-Allee. Als dann wiederum der Kauf einer neuen Maschine anstand, entschied sie, in Rente zu gehen. «Es reut mich nie», antwortet sie auf die Frage, ob sie jemals etwas anderes hätte machen wollen. Es habe auch schwere Zeiten gegeben, aus diesen habe sie aber jeweils viel gelernt: «Es wäre auch nicht gut, wenn immer alles glattgegangen wäre.»
Heute übernimmt Sr. Eugenia Dienste in der Gemeinschaft. In der Freizeit bastelt sie gerne und betet täglich für Menschen, die sich mit ihrem Anliegen ans Kloster wenden: «Unser Auftrag heute ist, im Gebet für die Leute da zu sein.» Im Frühling und Sommer kümmert sie sich um den Garten und pflanzt dort Blumen, die dann als Dekoration für die hauseigene Kapelle dienen. «Jetzt habe ich Zeit, um mich mehr mit dem Herrgott abzugeben», so die 89-Jährige.
Druckgeschichte
Von Handarbeit bis Fotosatz
Schwester Eugenia nahm ihre Tätigkeit in der Druckerei an der Beauregard-Allee um das Jahr 1951 herum auf. Zu Beginn arbeitete sie mit Maschinen vom Typ Sturmvogel. In der hauseigenen Setzerei setzten die Nonnen einzelne Bleibuchstaben manuell in die Druckformen ein. Diese erhielt dann Sr. Eugenia und ordnete anschliessend die 16 Seiten, die zeitgleich gedruckt wurden, korrekt an. Passierte ein Fehler, musste die ganze schwere Form wieder aus der Maschine entfernt, angepasst und wieder eingesetzt werden.
Als erste Offset-Druckmaschine, eine Technik, die auch heute noch verwendet wird, kaufte die Kanisiusdruckerei eine Solna 164. Für jede Farbe – Blau, Gelb, Rot – sowie für Schwarz gab es eine Druckplatte. Diese wurden im sogenannten Fotosatz – einem optischen Verfahren – erstellt. Einen Teil der Arbeit, die vorher Sr. Eugenia gemacht hatte, geschah jetzt in der Montage: Am Computer ordneten Setzer dort die Seiten an. Sr. Eugenia erhielt die fertigen Druckplatten, die sie nur noch in der Maschine einsetzen musste. mes
Kommentar (1)
Danke für diesen historischen Beitrag der viel über Freiburgs Geschichte aussagt
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