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Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam der Tourismus auch in der Schweiz auf. Die einzelnen Ferienländer, -orte und Transportunternehmen konkurrenzierten sich gegenseitig. Um die Aufmerksamkeit der Reisenden auf sich zu lenken, war das Plakat der ideale Werbeträger.
Das frühe Tourismusplakat war oft eine Collage aus Ortsansichten und touristischen Informationen wie Fahrplänen und Landkarten. Ab der Jahrhundertwende fand eine Zusammenführung dieser verschiedenen Informationselemente zur vereinfacht gestalteten visuellen Gesamtaussage statt: Die touristischen und pittoresken Vorzüge einer Destination wurden zu einem einzelnen aussagekräftigen, symbolhaften Bild verdichtet.
Ab 1880 wurde mit dem Plakat traditionelle touristische Werbung für Ferienorte in der Schweiz betrieben. Folgende Eigenschaften zeichneten die Plakate aus:
- Sie informierten über die Schönheiten und die Erholungsmöglichkeiten einer bestimmten Region.
- Mehrere kleine Bilder wurden um ein zentrales Bild angeordnet und mit einer Landkarte und/oder dem Zug- oder Schifffahrplan ergänzt.
Erster Wettbewerb für Plakate
1903 schrieben die Schweizerischen Bundesbahnen einen Wettbewerb für die Gestaltung von sechs Werbeplakaten für verschiedene Sehenswürdigkeiten aus. Das Echo war gewaltig: Renommierte Schweizer Künstler nahmen am Wettbewerb teil, womit das Plakat an künstlerischer Bedeutung gewann. Prämiert wurden vor allem junge Kunstschaffende wie Plinio Colombi, Edmond Bille oder Jules Courvoisier. Ihre Plakate zeichnen sich durch ihre Komposition und ihre Motive aus:
- Man verzichtet auf die Ansammlung verschiedener Bilder und stellt nur noch eine einzelne charakteristische Landschaft einer Gegend dar.
- Thema sind nun die Sehenswürdigkeiten selber und nicht mehr die Transportmittel oder die touristische Infrastruktur.
- Abgebildet werden Einheimische und nicht Touristen.
- Die angepriesenen Ferienorte verbreiten bildlich idyllisch verklärenden Charme.
Das Matterhorn-Plakat von Emil Cardinaux
Eines der symbolträchtigsten Beispiele dieser Plakat-Ära ist die Darstellung des Matterhorns von Emil Cardinaux aus dem Jahre 1908. Dieses Plakat prägte forthin die Darstellung der Berge und der Schweizer Tourismusdestinationen bis heute. Aus folgenden Gründen erlangte es Referenzcharakter:
- Der in einfacher Strichführung in warmen, grossflächig aufgetragenen Farben überdimensioniert dargestellte Berg überstrahlt in seiner Präsenz den dunklen Vordergrund.
- Die Schönheit des Orts verdichtet sich im Symbolbild Matterhorn.
- Gestalterisch und stilistisch handelt es sich um eine deutsch-französische Synthese, einer Vermählung von germanisch-nüchterner Monumentalität mit kontrastreichen Farben und der verspielten französischen Linienführung.
Aus dieser Verbindung entstand schliesslich der typisch schweizerische Plakatstil.
Letzte Änderung 07.12.2018