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Die Statue des moldauischen Fürsten Stefans des Grossen (Ştefan cel Mare) in Chişinău. Das Denkmal war 1927 errichtet worden, als die Region Bessarabien (mit Chişinău als Hauptstadt) Teil Rumäniens war. An seiner Stelle hatte bis 1918 ein Denkmal des Zaren Slexanders II. gestanden. Das Denkmal des moldauischen Fürsten wurde vom Bildhauer Alexander Plămădeală gestaltet und stellte eine Art symbolische Inbesitznahme Chişinăus durch den rumänischen Staat dar, mit dem sich die weitgehend russischsprachige Stadtbevölkerung, aber auch die überwiegend rumänisch- (oder moldauisch-) sprachige Landbevölkerung nur wenig identifizieren konnte.
Bei der zweimaligen sowjetischen Besetzung der Stadt im Zweiten Weltkrieg (1940 und erneut 1944) wurde das Denkmal jeweils von den abziehenden rumänischen Truppen mitgenommen, bald nach dem Krieg aber wieder zurückgeführt und im nun zur Hauptstadt der moldauischen Sowjetrepublik erhobenen Chişinău wieder aufgestellt. Da Stefan der Grosse, der als Türkenkämpfer auch in Rumänien als Nationalheld gefeiert wird, auf die gemeinsame Geschichte der moldauischen Sowjetrepublik und dem zu Rumänien gehörenden Teil der Moldau verwies und die sowjetischen Behörden daher in ihm ein nationalistisches Symbol erkannten, wurde ein Abriss des Denkmals in Erwägung gezogen. Schliesslich wurde das Denkmal jedoch anlässlich von Erneuerungsarbeiten 1971 bloss ein paar Dutzend Meter in den benachbarten Park verlegt und seine Sichtbarkeit damit verringert. Für die in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre entstehende pro-rumänische Nationalbewegung in der moldauischen Sowjetrepublik wurde das Denkmal zu einem zentralen Erinnerungsort, der auf die gemeinsame Geschichte Bessarabiens und Rumäniens verwies. Die Rück-Versetzung der Statue Stefans an ihren ursprünglichen Ort 1989 markierte einen ersten Höhepunkt der pro-rumänischen Nationalbewegung, die in den 1990er Jahren jedoch rasch an Einfluss verlor. In dieser Zeit wurde die Figur Stefans des Grossen auch zur stark umstrittenen Figur, die sowohl von der moldauischen als auch von der pro-rumänischen Seite für sich beansprucht wurde. Die Auseinandersetzung gipfelte bei der in Rumänien und der Republik Moldau getrennt durchgeführten Feierlichkeiten anlässlich des 500. Todestages Stefans im Jahre 2004 (siehe dazu den Artikel von Daniel Ursprung: Vom Türkenkämpfer zur erfundenen Tradition. Geschichte im Spannungsfeld divergierender Nationskonzepte. In: Neue Zürcher Zeitung Nr. 152, 2./3. Juli 2005, S. 75; sowie ausführlicher, vom selben Autor:
Umdeutung eines Helden: Tradition von Erfindung und nationale Identität in der Republik Moldau. In: Edda Binder Iijima, Vasile Dumbrava (Hg.): Stefan der Große – Fürst der Moldau. Symbolfunktion und Bedeutungswandel eines mittelalterlichen Herrschers. Leipzig 2005, S. 15-60; siehe auch den online Beitrag zu Stefan dem Grossen allgemein).