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2008 erreichte die Wirtschafts- und Finanzkrise ihren Höhepunkt. Als Reaktion darauf wurde im Zuge des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) die «Green Economy Initiative» (GEI) lanciert, über die ein Hauptbericht[1] verfasst wurde. Unter dem Begriff «Grüne Wirtschaft» versteht man darin eine Wirtschaft, die den Wohlstand der Menschen steigert, zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt und die Umweltrisiken sowie den Rohstoffmangel deutlich verringert.
Der Bericht zieht zwei grundlegende Schlussfolgerungen. Erstens werden mit der Ökologisierung der Wirtschaft die Erträge aus den globalen Umweltgütern oder dem natürlichen Kapital gesteigert, und das weltweite Wachstum des Bruttoinlandprodukts wird langfristig beschleunigt. Zweitens ist die Beseitigung der Armut untrennbar mit der besseren Pflege und Erhaltung der globalen Umweltgüter verbunden.
In Anlehnung an diesen Ansatz wurden zwischen 2012 und 2017 im Rahmen des Unep in 17 Ländern[2] quantitative Studien zum Potenzial und zu den Auswirkungen von grünen Investitionen durchgeführt. Das Hauptziel war es, die Strategien für eine grüne Wirtschaft verlässlich zu formulieren und diese in das Konzept der nachhaltigen Entwicklung zu integrieren. Im Folgenden geht es nun um die Frage, ob diese quantitativen Analysen im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und des Klimaübereinkommens von Paris noch aktuell sind.
Grüne Investitionen nützen der Wirtschaft
Für die Ökologisierung der Wirtschaft werden die fünf Sektoren Energie, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasser und Verkehr als vorrangig erachtet. Im Zentrum der Prioritäten, die in den staatlichen Entwicklungsstrategien festgelegt wurden, stehen die Energie- und die Ernährungssicherheit, die bessere Verfügbarkeit und die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser sowie die Entwicklung von Verkehrsinfrastrukturen. In all diesen Bereichen besteht ein direkter Zusammenhang mit mindestens 8 der insgesamt 17 UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) (siehe Abbildung 1).
Abb. 1: Die UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und die grüne Wirtschaft
Quelle: Generalversammlung der Vereinten Nationen / Die Volkswirtschaft
Investitionen in Energiedienstleistungen, die auf erneuerbaren Energien beruhen, sind eines der am häufigsten genannten Ziele. Solche Investitionen leisten einen direkten Beitrag zum Unterziel 2 des SDG 7, welches lautet: «Den Anteil der erneuerbaren Energie am weltweiten Energiemix deutlich steigern». Dasselbe gilt für grüne Investitionen in die Agroforstwirtschaft und in die biologische Landwirtschaft. Die Ökologisierung der Landwirtschaft in den untersuchten Ländern bezieht sich auf mehrere Unterziele des SDG 2. Auch das SDG 6 («Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen gewährleisten»), das ebenfalls im Zentrum der Prioritäten steht, ist verbunden mit Aktivitäten und Programmen mit sauberem Wasser und der sanitären Grundversorgung.[3]
Gemäss den Studien wirken sich grüne Strategien und Investitionen nicht nur auf die anvisierten Bereiche, sondern auch auf die Umwelt, die Wirtschaft und die Gesellschaft aus. Für das Unterziel 1 des SDG 8 – «Ein Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum erhalten, das an den nationalen Kontext angepasst ist» – kann die grüne Wirtschaft nur von Vorteil sein. Dasselbe gilt für das Unterziel 3: «Auf die Entwicklung ausgerichtete Strategien unterstützen, die produktive Aktivitäten, die Schaffung von menschenwürdigen Arbeitsplätzen, das Unternehmertum und die Kreativität fördern». Solche Strategien und Investitionen hätten also selbst dann positive Auswirkungen, wenn die Wirtschaft weniger Rücksicht auf die Umwelt nehmen würde als heute. Zudem können die betreffenden Länder dank den festgelegten Prioritäten das Wirtschaftswachstum und die Umweltzerstörung schrittweise entkoppeln (Unterziel 4) und die «Armut in allen ihren Formen und überall beenden» (SDG 1).
Mit grüner Wirtschaft gegen den Klimawandel
Auf das Klima ausgerichtete Investitionen stehen im Mittelpunkt der oben erwähnten 17 Studien. Die grüne Wirtschaft ist für alle Staaten ein Instrument, um sich an den Klimawandel anzupassen, ihn zu dämpfen und um gleichzeitig Fortschritte hin zu einer nachhaltigen Entwicklung zu machen (siehe Abbildung 2). Was die Abschwächung des Klimawandels angeht, zielen die meisten grünen und mit der Klimaveränderung zusammenhängenden Investitionen darauf ab, den Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix zu erhöhen. Die Energieeffizienz soll in den Bereichen Verkehr, Tourismus und Industrie sowie im Baugewerbe verbessert werden. An dritter Stelle stehen Investitionen in die Forstwirtschaft. Diese gelten als Instrument, um Treibhausgase stärker zu absorbieren.
Abb. 2: Klimainvestitionen nach Art und Bereich
Quelle: Berechnungen des Autors / Die Volkswirtschaft
Was die Anpassung an den Klimawandel betrifft, muss mittels Klimainvestitionen die Verfügbarkeit von Wasser für die Bevölkerung und die Wirtschaft verbessert werden. Dabei muss man auch mit gravierenderen Klimaszenarien wie etwa Wasserknappheit rechnen. Voraussichtlich wird die Mehrzahl der untersuchten Länder mit diesem Problem konfrontiert sein. Die Investitionen werden daher für effizientere Bewässerungssysteme und für eine Verbesserung der Infrastrukturen getätigt, die im Agrarsektor zur Wassergewinnung dienen.
Eine nachhaltige Entwicklung hängt direkt mit der Ernährungssicherheit zusammen. Wassermangel und Bodenerosion sind diesbezüglich die grössten Bedrohungen. Durch den Klimawandel könnte sich die Lage weiter verschärfen. Die Studien zeigen, dass grüne Investitionen in die Landwirtschaft und in die Wasserversorgung dazu beitragen, die Klimaresistenz bis 2030 und darüber hinaus zu erhöhen. Die bewässerten Anbauflächen würden beträchtlich zunehmen und die Produktivität pro Hektare erhöhen. Das dadurch effizienter genutzte Wasser würde auch den Wasserarmutsindex verbessern. Kombiniert mit umweltfreundlichen Konzepten für eine nachhaltige Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzfläche, wirken sich solche Investitionen positiv auf die Landverödung und den Kulturlandverlust aus.
Internationale Koordination verbessern
Für die betroffenen Staaten ist die grüne Wirtschaft ein Instrument, um sich an den Klimawandel anzupassen und ihn abzuschwächen. Zudem können sie auf diese Weise auch Fortschritte in Richtung nachhaltiger Entwicklung machen. Auf internationaler Ebene bestehen hinsichtlich der Initiativen und Programme für eine grüne Wirtschaft und bezüglich des Klimawandels verschiedene Diskussionsforen und Finanzierungsplattformen. Die wichtigsten Akteure im Bereich des Klimawandels, insbesondere im Zusammenhang mit dem Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, kommen beispielsweise innerhalb des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen und im Grünen Klimafonds zusammen. Die Gemeinschaft, die sich mit der Wirtschaft und dem grünen Wachstum befasst, versammelt sich im Umfeld der globalen Plattform für grünes Wachstum – einer Allianz zwischen dem Unep, der OECD, der Weltbank und dem Global Green Growth Institute. Darüber hinaus sind zusätzliche Anstrengungen erforderlich, um die verschiedenen Programme in Einklang zu bringen, die auf internationaler Ebene im Zusammenhang mit der grünen Wirtschaft und dem Klimawandel bestehen. Eine solche Verbindung muss die Möglichkeit bieten, besser auf die Bedürfnisse jedes Landes einzugehen.
- UNEP (2011). Towards a Green Economy: Pathways to Sustainable Development and Poverty Eradication.
- Burkina Faso, China, Ghana, Indonesien, Kenia, Mauritius, Mexiko, Mongolei, Montenegro, Mosambik, Peru, Republik Moldau, Ruanda, Senegal, Serbien, Südafrika und Uruguay.
- Einschliesslich der Wassergewinnung, der effizienten Wassernutzung, der Entsalzung, der Abwasserreinigung, der Wiederaufbereitung und der Wiederverwendungstechniken.