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«Man nennt es ‹Chef du Village›, das ist eigentlich der Dorfkönig», sagt Daniel Wellinger im Skype-Interview mit FM1Today. Die Ivorer, die im Dorf ‹Nsabono› wohnen, haben ihn auf den Namen Nana Aliali Atché der Zweite getauft, berichtet der Rheintaler. Nana bedeutet so viel wie König.
Die Ehre wurde ihm zuteil, weil er mit seinen Verwandten Geld sammelte für die Schule im Dorf. Dank Daniel Wellinger konnte die Schule gebaut und eingerichtet werden. Der 35-Jährige hatte mit seiner Mutter rund 2500 Franken gesammelt. Anlässlich der Eröffnung der Schule und der Schlüsselübergabe wurde er in einer bunten Zeremonie zum Chef der Dorfes gekürt.
Es wird viel getanzt und gesungen
«Auf dem Dorfplatz wurden zwei Pavillons aufgestellt, einer war für meine Delegation, also meine Freunde, der andere für die bereits bestehenden Chefen des Dorfes und für den Rest des Dorfes», sagt der Bernecker, der seit bald drei Jahren an der Elfenbeinküste lebt und dort für ein internationales Unternehmen im Controlling tätig ist.
Die Zeremonie, in der Daniel Wellinger zu Nana Aliali Atché wurde, lief traditionell ab. «Es wird viel afrikanisch getanzt, musiziert und gesungen», sagt er. Zu Anfang hätten sich die Beteiligten begrüsst, dann wurde Wasser getrunken. «Ich und der Chef des Dorfes durften nicht selbst sprechen, wir hatten beide einen Übersetzer, der für uns sprach.» Dann werden Neuigkeiten ausgetauscht, bevor es ein Glas Palmwein zu trinken gibt.
Ausserdem hat Daniel Wellinger einen Schafbock geschenkt bekommen, das ist das traditionelle Geschenk für einen neuen König. «Wie es die Tradition will, werde ich den Schafbock mit meiner Delegation schlachten lassen und essen.» Momentan lebe der Schafbock auf einer Plantage, irgendwo in einem Dorf an der Elfenbeinküste.
Zwei Bodyguards für den König
«Als Chef habe ich zwei Leibwächter bekommen, die den ganzen Tag neben mit herliefen und mich beschützen mussten. Sechs Ehrendamen waren auch dabei, die den ganzen Tag anwesend waren», erzählt Daniel Wellinger. «Das war eine grosse Ehre für mich».
Nachdem Daniel Wellinger die neue Schule inspiziert hatte, wurde er auf dem Dorfplatz zum König ernannt. «Sie haben einen Gartenstuhl mit Tüchern geschmückt und ich musste darauf Platz nehmen. Dann haben sie mir einen Hut aufgesetzt, den nur der König tragen darf und einen Stoff umgebunden. Zum Schluss bekommt man einen Ring und eine Kette umgehängt, die nur der Dorf-Chef tragen darf.»
Die Dorfbewohner freuen sich
«Das Dorf besteht nur aus Lehmhütten, die Menschen leben mit einem oder zwei Euro am Tag. Ihr Einkommen verdienen die meisten auf Kakaoplantagen, die rund um das Dorf stehen». Schlafen müssen die Bewohner auf dem Boden, auf Tüchern. Wenn die Ernte schlecht ausfällt, können die Ivorer ihre Kinder nicht in die Schule schicken. «Fällt die Ernte gut aus, leisten sich die Afrikaner Fleisch zu Essen und auch mal eine Cola».
Im Moment ist Wellinger an der Atlantikküste in Namibia, weit weg von seinem Dorf. Er reist dort geschäftlich umher. Sein Dorf wird er aber bald wieder besuchen. «Im April gehe ich mit Besuch aus Deutschland zurück». Als Dorfkönig bringt immer mindestens einen Sack Reis mit in sein Dorf.«Das gehört sich so in Afrika, man sollte nie mit leeren Händen aufkreuzen». Auch Altkleider bringt er mit, um das Dorf direkt zu unterstützen. Die Freude im Dorf sei jeweils gross, wenn er auf Besuch sei - nicht nur wegen der Geschenke, sondern auch wegen seines guten Rates.
Dorf soll weiteres Schulzimmer bekommen
Der König hat Pläne sein Dorf weiter auszubauen. «Die jüngsten und zweitjüngsten Kinder haben jetzt Schulklassen, alle anderen müssen immer noch sieben Kilometer zur Schule laufen.» Der Dorfkönig will eine dritte Klasse einrichten, dafür braucht es ein weiteres Lehrerhaus und eine Einrichtung für das Klassenzimmer. «Ich will mit dem Dorf verbunden bleiben und wenn ich dort bin will ich hören, was mit dem Dorf geschieht und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehe. Das erwartet das Dorf auch von mir.»