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Das heute von der CMS-Stiftung genutzte Vorderhaus in der St. Alban-Vorstadt bringt einiges an Geschichte mit sich. Erbaut wurde es im Jahr 1862/63. Als ursprünglicher Architekt wird Johann Jakob Stehlin vermutet. Die kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt verweist dabei auf die stilistische Ähnlichkeit mit anderen Gebäuden von ihm. Ab 1739 diente das Gebäude als Wohn- und Firmensitz der Seidenbandfabrikanten Hoffmann. Ein grosser Garten reichte bis über die heutige Dufourstrasse und über das gesamte Gelände des Kunstmuseums. Ab 1946 wurde das Vorderhaus vom Gesundheitsamt genutzt. Heute befindet sich darin der neue Hauptsitz der CMS.
Das dreigeschossige Vorderhaus weist eine Neurenaissance-Hausteinfassade auf, die sich in in vier Achsen und gequadert aufteilt. Über eine seitliche Durchfahrt, welche in den Hof führt, gelangt man in der Hausmitte in den zentral gelegenen Eingangsbereich. Die Holzschiebetür des Haupteingangs war vor den Sanierungsmassnahmen blockiert. Backsteine der Innenwand waren nach aussen an die Tür gefallen. Sorgfältig wurde hier die Wand von Innen aufgespitzt, die Steine wieder gerade aufgebaut und der Bewegungsbereich der Tür freigelegt. So lässt sich die Tür heute wieder einwandfrei benutzen.
Durch die neue Positionierung der Nebenräume entlang der schräg verlaufenden Wand bleibt es dem restlichen Bereich des Gebäudes frei die originale Raumaufteilung beizubehalten. Weiter ist die Schräge in den Nebenräumen aufgrund deren Grösse nur leicht bemerkbar. In diesem hinteren Bereich befindet sich ebenso der Zugang vom Innenhof. Über eine Hebebühne kann das Gebäude so auch barrierefrei erschlossen werden. Eine im gesamten stimmige Grundrisslösung.
Der Eichen-Tafelparkettboden in den strassenseitigen Räumen konnte wiederverwendet werden. Dafür wurde jedes einzelne Stück ausgebaut, nummeriert, abgeschliffen und entsprechend wieder an seine Originalstelle eingesetzt. In den hofseitigen Räumen wurde neuer Fischgratparkett verlegt.
Angrenzend an den Eingangsbereich findet sich eine halbgewendelte Treppe. In den 1960er Jahren wurde dort im Treppenauge ein gläserner Lift installiert. Durch das Zurückversetzen der unterhalb der Treppe gelegenen Tür, ist es gelungen, die halbgewendelte Treppe wieder als solche kenntlich zu machen. Auch der Lift scheint nun wieder in einem Treppenauge zu stehen und zwängt sich nicht in eine zu schmal wirkende Lücke. Ein Eingriff, der viel zur Qualität des Raumes beigetragen hat.
Die grossen Einschnitte im Dachgeschoss aus den 1960er Jahren veranlassten zu einem neuen Raumkonzept. Durch das Herausnehmen der Decke wurde ein sich über zwei Geschosse erstreckender und lichtdurchfluteter Raum geschaffen. Dem früheren gedrückten Dachgeschoss folgt heute ein moderner, atelierartiger Raum mit offener Bürostruktur. Ein schallisoliertes Besprechungs- sowie ein Telefonzimmer ermöglichen es, sich bei Bedarf zurückzuziehen.
Die Einschnitte führen nun jeweils zu den von der Strasse kaum sichtbaren Terrassen mit grosszügiger Aussicht. Sogar der Blick auf das Münster ist möglich. Ob diese Einschnitte aus den 60er Jahren aufgrund des Denkmalschutzes hätten zurückgebaut werden sollen, sei dahingestellt. Für den Arbeitsraum im Dachgeschoss bieten sie heute auf jeden Fall einen bedeutenden Mehrwert.
Bei dem Gebäude wurde ein sorgsamer Umgang mit dem Bestand gepflegt. Durch die Neuanordnung der Nebenräume ist es gelungen, die neue Nutzung mit der ursprünglichen Raumaufteilung der Haupträume zu vereinen. Der Ausbau des Daches sowie das Herausarbeiten der halbgewendelten Treppe schaffen Räume mit Qualität. So verleihen die teils kleineren und grösseren Eingriffe dem Gebäude eine seiner Geschichte gerecht werdende Aufwertung.
Text: Marco Blecher / Architektur Basel
Pläne:
– rolli + boss gmbh
– Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt
Fotos:
schulthess-foto
Quellen:
– Nagel, Anne (2019): CMS Hauptsitz, St. Alban-Vorstadt 12, Inventartext der Kantonale Denkmalpflege Baselstadt