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Erster Anlauf
Vom «28. Hornung 1803» datiert ein Gesuch an den Regierungsstatthalter in Basel, unterschrieben vom Präsidenten Hans Jakob Schweizer und den Mitgliedern der Munizipalität Reigoldswil, worin «mit einhälliger Einstimmung einer gantzen ehrsamen Gemeinde» und dem Visum des Unterstatthalters Tschopp in Waldenburg mitgeteilt wird, «dass alljährlich drei Jahrmärkte in unserer Gemeinde künfftigen Jahres sollten gehalten werden. Welche jeweilen auf nachbestimmte Tage fallen sollen. Namlich auf den zweyten Montag nach Ostern, der vierte Montag im Heumonat und der erste Montag nach Martini». Das noch ganz im Geist der Helvetik gehaltene Schreiben fand bei der Regierungskommission in Basel kein gutes Echo.
Sie hielt es für bedenklich, diesem Begehren zu willfahren und fügte bei, dass auch die Verwaltungskammer die «Errichtung mehrerer Markt-Plätze in unserem Canton für den Verkehr» nicht notwendig halte; sie glaube im Gegenteil, «es befinden sich bereits genug derselben».
Der Markt wird eingeführt
Es vergingen volle 38 Jahre - die Zeiten der Restauration, darauf die struben Trennungskämpfe und die ersten Jahre des selbständigen Kantons -, dann regte es sich von neuem im Wasserfallendorf. 10 Bürger verlangten in einer Zuschrift vom 10. März 1841 eine Gemeindeversammlung, an der über die Einführung eines Marktes abgestimmt werden sollte. Am 14. März sprachen sich nach einer ausgiebigen Diskussion von 145 anwesenden Bürgern 116 gegenüber 29 für die Einführung aus.
Es wurde eine Marktkommission gewählt, in der hauptsächlich die Wirte vertreten waren. Am 30. März 1841 richtete der Gemeinderat auf dem Dienstweg über den Bezirksstatthalter ein entsprechendes Gesuch an den Regierungsrat. Darin heisst es: «Da nun die grosse Mehrzahl der Bürgerschaft sich ausgesprochen hat, allhier Märkte abzuhalten, glauben die Unterzeichneten nicht bezweifeln zu sollen, dass Sie in dieses Gesuch eintreten werden, indem die Lage hierorts und die Bequemlichkeit derselben die schönsten Aussichten darbieten, namentlich mit Umgebung vieler Gemeinden und Alphöfen und insbesonders noch weil im ganzen Thale an keinem Orte kein Markt gehalten wird.» In der Rückfrage durch den Bezirksstatthalter sollte der Gemeinderat berichten, wieviel Markttage sie wünschten. Am 2. April 1841 meldete Gemeindepräsident Nägely: «Alljährlich 3 Märkte, nemlich der erste auf künftigen Mey 1841, der zweyte im Weinmonat, der dritte im Hornung». Im Amtsblatt vom 8. April 1841 erschien dann eine Anzeige, worin der Regierungsrat die Einführung der Märkte in Reigoldswil genehmigte.
Licht- und Schattenseiten des Marktes
Bei der Einführung der Märkte hatten vor allem die Gastwirte grosses Interesse bekundet. Wahrscheinlich um den Gegnern der neuen Einrichtung entgegenzukommen, erklärten sie sich 1846 bereit: «Es soll ein jeder Taferen Wirt (Tavernenwirt) per Jahr 8 Franken und die Binten (Pintenwirte) im Dorf per Jahr 4 Franken bezahlen und zwar jeden Markttag ein Dritteil, welcher vom Gemeinderath für die Schulkasse bezogen wird.» Verschiedene Reklamationen beweisen, dass es mit der Bezahlung dieser Taxen etwas haperte. Die Gegner des Marktes benützten diese Gelegenheit zu einer Aktion für die Aufhebung der Märkte. Die Gemeindeversammlung vom 11. Februar 1849 beschloss aber die Beibehaltung der Einrichtung.
Im Jahre 1852 setzten 18 Bürger eine erneute Abstimmung durch mit der Begründung, der Markt müsse als ein die Wohlfahrt störendes Institut bezeichnet werden; er werde den Einwohnern zum Schaden, weil sie an der Arbeit versäumt würden. In der Abstimmung vom 18. April 1852 entschied sich die Gemeinde aber mit 57 gegen 27 Stimmen für die Beibehaltung des Marktes. Ein Jahr später wurde die Taxe der Wirte endgültig aufgehoben, weil «dieselben schon hoch taxiert würden». In den fünfziger Jahren bürgte sich dann der sogenannte «Nachmarkt» ein, indem die jeweils am Montag stattfindenden Märkte um einen Tag verlängert wurden. Die Neuerung hielt aber nicht lange an. Mit der Begründung, dass «durch die Jahrmärkte unserer Gemeinde in mehreren Beziehungen nur Schaden erwächst», verzichtete die Gemeindeversammlung vom 2. Dezember 1860 auf die Nachmärkte. Man begnügte sich in den folgenden Jahrzehnten mit je einem Markttag am Fasnachtsmontag, am dritten Montag im Mai (Maiemäret) und am ersten Montag im Oktober (Herbschtmäret).
Etwas vor 1932 fiel wegen mangelnder Frequenz auch der Markt am Fasnachtsmontag aus und dieser wurde in den folgenden Jahren nicht mehr abgehalten. Indessen wird in den Marktverzeichnissen der verschiedenen Kalender erstmals 1939 am Sonntag vor dem Herbstmarkt ein «Kilbi und Warenmarkt» angeführt. Aber schon vorher hatte sich die Gewohnheit ergeben, dass Schausteller ihre Darbietungen (Rösslirytti, Schiffsschaukel, Schiessbuden) jeden Sonntag vor den Markttagen in Betrieb setzten.
Die Märkte hatten gute und schlechte Zeiten. Wirtschaftskrisen und Regenwetter wirkten sich auf den Publikumsbesuch aus.
Die nachfolgende Anekdote illustriert einen «mageren» Herbschtmäret zu Beginn des 20. Jahrhunderts:
Der Märet z Reigetschwyl het schynts
früejer nit grad floriert. Einisch isch
ame Herbschtmäret e Dorforiginal mit
ere brennige Stallatärne ummezoge
wie synerzyt der Sokrates z Athen.
Und wemmen en gfrogt het, was
Chaibs as er do miech, het er gsait,
er suech der Reigetschwyler Herbschtmäret.
Der Markt heute
Nachdem in den letzten Jahrzehnten die Reigoldswiler Märkte jeweils am Sonntag und Montag stattgefunden hatten, ging man seit 1979 auf Samstag und Sonntag über. Die Verschiebung wirkte sich günstig aus: Der freie Samstag für Arbeitnehmer bringt mehr Besucher und am Sonntag als Schlusspunkt des Marktes belebt (besonders bei gutem Wetter) eine grosse Volksmenge den Warenmarkt mit seinen 60 - 70 Marktständen und den Rummelplatz. Für den Markt eignet sich der neugeschaffene Dorfplatz vorzüglich, und die Schausteller schätzen auch den nahe gelegenen Platz beim Gemeindezentrum.
Der Markt in Reigoldswil ist weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Er bietet Platz für rund 80 Marktteilnehmerinnen und -teilnehmer. Das Angebot ist vielseitig, “gluschtig” und originell. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.
Der Frühjahrsmarkt findet in der Regel am Wochenende vor dem dritten Montag im Monat Mai und der Herbstmarkt in der Regel am Wochenende des letzten Samstags im Monat September statt.