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09.05.2011
Umschlag trotzt widrigen Bedingungen und ist fast gleichauf mit Vorjahr
Das Gesamt-Umschlagsergebnis der Schweizerischen Rheinhäfen per Ende März 2011 liegt im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode nur um 2% zurück. Dies ist angesichts der alles andere als günstigen Bedingungen in der Berichtszeit ein mehr als achtbares Ergebnis, denn vier Wochen war der Rhein wegen der Havarie vor der Loreley überwiegend gesperrt, und seit Anfang März beschränkt Niedrigwasser die Schifffahrt.
1'368'601 t wurden im ersten Quartal 2011 umgeschlagen, 1'396'267 t waren es in der Vergleichszeit des Vorjahres. Die Einbusse gegenüber dem ersten Quartal 2010 musste erwartet werden, da die Schifffahrt praktisch während der gesamten Berichtszeit mit starken Hindernissen zu kämpfen hatte. Nach einer kurzen Hochwasserperiode zu Jahresbeginn sorgte die Havarie der „TMS Waldhof“ vor der Loreley praktisch für einen Stillstand auf dem Rhein. Seit dem 6. März führt der Rhein zu wenig Wasser, was zum einen die maximalen Lademengen der Schiffe vermindert und zum anderen – wegen der sogenannten Niederwasserzuschläge – die preisliche Konkurrenzfähigkeit des Binnenschiffs gegenüber der Bahn beeinträchtigt. Unter diesen Gesichtspunkten gesehen ist die Einbusse beim Gesamtumschlag mit 2% ein noch durchaus respektables Ergebnis.
Der Import- oder Bergverkehr – mit 1'143'111 t (Jan.-März 2010: 1'192'618 t) der wichtigere der beiden Sektoren – verlor gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres 4,2%. Anders der Export- oder Talverkehr, der mit 225'490 t (203'649 t) um 10,7% zuzulegen vermochte. Auf die einzelnen Häfen gesehen, nahm der Umschlag in Kleinhüningen mit 681'741 t um 5,4% zu, während die Gütermengen in Birsfelden (270'637 t) um 6,7% und im Auhafen Muttenz (416'223 t) um 9,4% abnahmen.
Containerverkehr
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahm der Containerverkehr um 4,6% auf gesamthaft 21'543 TEU (1. Quartal 2010: 22'590 TEU) ab. Das negative Ergebnis ist klar auf die erwähnten Ereignisse „Havarie“ und „Niedrigwasser“ zurückzuführen, wobei Berg- und Talverkehr sehr unterschiedlich auf die Sperrung im Januar reagierten.
Die einkommenden Verkehre nahmen im ersten Quartal 2011 um gut 4% auf 10'629 TEU zu. Dies zeigt, dass die Container in der „Havarie-Zeit“ zum einem grossen Teil nicht auf anderen Wegen nach Basel befördert wurden, sondern liegen blieben und nach der Sperre per Binnenschiff eintrafen. Diese „Nachholverkehre“ sind ausschliesslich bei den vollen Containern – 7’050 TEU oder +6,8% –, zu beobachten, nicht aber bei den leeren Behältern – 3'579 TEU oder -1,7%.
Entgegengesetzt entwickelten sich die ausgehenden Verkehre mit einem Total von 10'911 TEU und einem Rückgang gegenüber der Berichtszeit des Vorjahres um 11,7%. Dies dürfte in der Tatsache begründet sein, dass Schweizer Exporte oft termingebunden sind und damit im Falle von Behinderungen eines Verkehrsträgers auf einen anderen wechseln. Ausserdem sind die Frachten oft fix in den Seehäfen angemeldet und müssen deshalb termingerecht dort eintreffen. Entsprechend liegt der Rückgang ausschliesslich bei den vollen Behältern mit 6'716 TEU oder -11,7%, während die Zahl der abgehenden Leercontainer mit 4'198 TEU um 5,5% anstieg.
Eine Prognose für den weiteren Verlauf des Jahres zu machen, ist schwierig. Die gut laufende Wirtschaft spricht für eine Erholung des Containerverkehrs oder sogar für ein Spitzenergebnis. Ein Fragezeichen bildet weiter der starke Frankenkurs gegenüber Euro und Dollar.
Flüssige Treib- und Brennstoffe
Im ersten Quartal 2011 sind rund 509’000 t flüssige Treib- und Brennstoffe über die Schweizerischen Rheinhäfen importiert worden. Gegenüber den knapp 590'000 t in der Vergleichszeit des Vorjahres ist dies mit -14% ein enttäuschendes Ergebnis.
Die Rheinsperrung führte auch in diesem Bereich zu deutlichen Mengenverlusten im Januar und Februar. Im März wurde einiges an verlorenen Mengen nachgeholt (insbesondere auch Export), hohe Produktpreise und steigende Transportpreise auf dem Rhein wirken sich jedoch negativ auf die Mengen aus. Die Lagerbestände gehen deshalb zurück, d. h. Abfuhren aus den Lagertanks in den Häfen nach dem Hinterland wurden in der Berichtszeit noch nicht wieder aufgefüllt.
Es bestehen aber begründete Hoffnungen, dass dieser Bereich in den nächsten Monaten wieder anzieht. Zum einen sind die Heizöltanks bei den Endkonsumenten nach den Wintermonaten wohl auf relativ niedrigem Stand. Zum anderen hat der Shut-down einer der beiden inländischen Raffinerien Zusatz-Importe über die Rheinhäfen ausgelöst. Diese Effekte werden aber erst in den Zahlen des zweiten Quartals sichtbar werden.
Im – zahlenmässig für die Rheinhäfen nicht so bedeutenden – Exportbereich wurden beim Sektor flüssige Treib- und Brennstoffe 53'026 t und damit 5,4% mehr verschifft. Dieser Zuwachs dürfte im Zusammenhang mit einer grösseren Menge an Schweröl der Inlandraffinerien stehen, die nach der Sperre abtransportiert werden musste.
Eisen und Stahl
Beim Import in die Schweiz und beim Transitverkehr nach Italien ist mit 119'685 t ein Rückgang von 15,5% festzustellen. Dies ist hauptsächlich auf die unsichere Preisentwicklung auf dem internationalen Stahlmarkt zurückzuführen. Die Exporte der schweizerischen Stahlwerke blieben mit 15’918 t trotz des hohen Schweizerfrankens erfreulicherweise konstant.
Landwirtschaftliche Erzeugnisse / Nahrungs- und Futtermittel
Aufgrund tiefer Zollansätze bis Ende März war die Zufuhr bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen im 1. Quartal dieses Jahres sehr hoch. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres konnte die Menge um 116% gesteigert werden; dies entspricht einem Mengenzuwachs von 68‘364 t.
Bei den Nahrungs- und Futtermitteln blieb die Situation im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil. Der leichte Anstieg bei den Importen wurde durch eine leichte Abnahme bei den Exporten ausgeglichen. Unter dem Strich ergab dies im Vergleich zum Vorjahr eine Abnahme um 2,5% was einem Mengenrückgang von 3‘120 t entspricht.
Insgesamt ist dieser Sektor im 1. Quartal als zufrieden zu qualifizieren. Trotz Havarie und Hochwassersperre konnte eine Mengensteigerung von 65‘244 t verzeichnet werden, was im Vorjahresvergleich einer Zunahme von über 35% entspricht. Aufgrund der nun vollen Lager in Basel wird sich zeigen, ob diese Aufwärtstendenz auch im 2. Quartal anhält.
Holzschliff, Zellstoff und Chemische Produkte
Aufgrund des hohen Preisniveaus bei Zellstoff und chemischen Produkten und der nach wie vor ungünstigen Währungslage ist mit 110'191 t im Import ein Rückgang von 20,5% zu verzeichnen. Die schweizerische Papierindustrie kämpft mit Produktionsüberschüssen und dem schwachen Euro.