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Ein Ereignis ist laut Oxford Dictionary ein Geschehen, das den alltäglichen Ablauf als etwas Besonderes unterbricht. Es ist nicht nur etwas, das geschieht und hinzunehmen wäre. Ein Ereignis kann auch bestimmt, dazu erklärt oder geschaffen werden.
Die Rubrik Événement ist seit Jahren ein fester Bestandteil der «Cahiers du cinéma». Sie bildet den Schwerpunkt jeder Ausgabe; nicht selten nimmt sie ein Drittel des Heftes ein. In der Aprilnummer dieses Jahres war das Événement eine vielstimmige, 30 Seiten umfassende Reflexion über die Filmkritik. Sie war nicht von einzelnen Autor_innen gezeichnet, sondern von der gesamten Redaktion. Damit setzte sie ihrer Arbeit ein wehmütiges Fanal; es war ein Abschied von der Leser_innenschaft. Im Februar waren sämtliche fünfzehn Redakteur_innen und festangestellten Autor_innen der Zeitschrift aus Protest zurückgetreten. Im Mai 2020 erschien – zum ersten Mal in der 69-jährigen Geschichte der Filmzeitschrift – keine Ausgabe der «Cahiers du cinéma».
Das Ereignis, auf das die Redaktion reagierte und das es in der Folge zu ihrem eigenen machte, war der Wechsel der Besitzverhältnisse des Blatts. Sie sah die Unabhängigkeit ihrer Arbeit durch die Pläne der neuen Eigentümer_innen massiv bedroht. Eine Gruppe von insgesamt 20 Investor_innen, angeführt vom Bankier Grégoire Chertok, hatte am 3. Februar den Verlag übernommen, den der bisherige Besitzer, der britische Verleger Richard Schlagman («Phaidon Press»), bereits seit einem Jahr zum Verkauf anbot.
Nach Bekanntgabe des Verkaufs überwog in den ersten Pressereaktionen noch die Erleichterung. Die Zeitschrift, die seit langer Zeit defizitär ist, schien gerettet. Als Schlagman sie vor elf Jahren erwarb, hatte sie nach Angaben des Verlages 15 000 Abonnent_innen und verkaufte rund 6000 Hefte am Kiosk. Derzeit wird die Auflage offiziell mit 12 000 Exemplaren angegeben, was ein Drittel ihres Höchststandes im Jahre 1986 ist.
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