Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03179.jsonl.gz/3144

Die ursprünglich programmierte Kompilation Bergman Revisited mit Kurzfilmen von Jane Magnusson, Tomas Alfredson und anderen schwedischen Filmschaffenden musste leider kurzfristig aus dem Programm genommen werden. Die Produzenten haben beschlossen, dass die Schweizer Premiere nicht im Filmpodium, sondern an einem Festival stattfinden soll.
Als würdiger Ersatz ist nun das Projekt Trespassing Bergman von Jane Magnusson und Hynek Pallas zu sehen, bei dem neben Tomas Alfredson auch viele andere Filmschaffende mitgewirkt haben. Neben der Filmfassung im regulären Programm wird in der Lounge auch die sechsteilige Serie 1711 Videos - Trespassing Bergman vorgeführt, und zwar gratis.
Ab Mitte der Sechzigerjahre wohnte Ingmar Bergman (1918-2007) zurückgezogen in einem Haus auf der abgeschiedenen Insel Fårö. Die genaue Lage des Hauses war geheim; wer ihn besuchen wollte, kehrte in der Regel unverrichteter Dinge heim. Bergman hat nicht nur Dutzende von Filmen inszeniert, er konsumierte auch rege die Werke seiner Kolleginnen und Kollegen. Er soll sich zeitlebens drei Filme im Tag angesehen haben, gegen Ende seines Lebens auch auf Video: Bei seinem Tod hinterliess er eine Sammlung von 1711 VHS-Kassetten.
Die schwedischen Filmschaffenden Jane Magnusson und Hynek Pallas haben 2011, vier Jahre nach Bergmans Tod, Cineastinnen und Cineasten sowie Stars und Schauspielerinnen, deren Filme Bergman gesehen hatte, über ihr Verhältnis zu Bergman interviewt und einige von ihnen in das sagenumwobene Haus auf Fårö eingeladen: Alejandro González Iñarritu, Tomas Alfredson, John Landis, Claire Denis, Michael Haneke und Daniel Espinosa erkunden Bergmans Wohnsitz mit seiner Bibliothek und Videosammlung – für González Iñarritu das «Mekka oder der Vatikan» der Filmkunst. Harriet Andersson erzählt von den Dreharbeiten zu Sommer mit Monika (1952); Bilder und Filmclips von diesem und anderen Sets geben einen Eindruck von Bergmans Arbeitsweise. Martin Scorsese, Woody Allen, Francis Ford Coppola und Claire Denis schildern ihre Eindrücke von Bergmans Frühwerk und die Folgen für ihr eigenes Schaffen. Lars von Trier, der alles von Bergman gesehen und ihm immer wieder geschrieben hat, bekam nie eine Antwort und fühlt sich wie ein verschmähter Sohn seines Idols; entsprechend changieren seine Aussagen zwischen Spott und Verehrung. Ang Lee, Takeshi Kitano und Zhang Yimou machen spürbar, dass das Werk des Schweden die Grenzen der westlichen Kultur überschritt und auch in Asien Einfluss ausübte. Wes Craven, wie Bergman in einem streng religiösen Umfeld aufgewachsen, drehte 1972 mit Last House on the Left (1972) eine Art rabiates Remake von Die Jungfrauenquelle (1960). Haneke, der Bergman in mancher Hinsicht nacheiferte, ist leicht pikiert, dass der Meister die Videokassette seines Films La pianiste (2001) nur mit vier von fünf möglichen Sternen bewertete. Isabella Rossellini schildert die gemischten Gefühle ihrer Mutter Ingrid Bergman, als diese bei Herbstsonate (1978) endlich mit ihm zusammenarbeitete. Alfredson und Espinosa als Vertreter der «Tarantino-Generation» ergänzen ihre eigenen Urteile, ebenso wie Wes Anderson, Alexander Payne, Holly Hunter und Laura Dern. Pernilla August erinnert sich an ihren ersten Auftritt in Fanny und Alexander (1982) und Robert De Niro stellt sich vor, wie er mit Bergman zusammengearbeitet hätte.
Jane Magnusson, Filmjournalistin und Filmemacherin, hat mit ihrem ersten Dokumentarfilm Ebbe: The Movie (2009) einen Guldbagge Award gewonnen und ihr Kurzspielfilm Cupcake (2014) wurde mehrfach ausgezeichnet. 2018 hat sie sie sich in Bergman: A Year in a Life noch einmal ausführlich mit Bergman auseinandergesetzt und ein schicksalshaftes Jahr in seinem Schaffen und in seinem problematischen Verhältnis zu Frauen unter die Lupe genommen. Zur Kurzfilmkompilation Bergman Revisited (2018) hat sie mit dem Animationsfilm Fettknölen/Vox Lipoma eine giftige Satire über Bergman als Frauenverschleisser beigesteuert. Ihr Koregisseur Hynek Pallas ist ein schwedischer Filmkritiker.
Kamera: Jonas Rudström
Musik: Jonas Beckman, Lars Kumlin
Schnitt: Orvar Anklew
Mit: Michael Haneke, John Landis, Claire Denis, Alejandro González Iñárritu, Tomas Alfredson, Daniel Espinosa, Martin Scorsese, Woody Allen, Zhang Yimou, Ang Lee, Takeshi Kitano, Isabella Rossellini, Harriet Andersson, Lars von Trier
107 Min., Farbe + sw, Digital HD, OV/e