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Erinnern Sie sich noch an «His Airness» Michael Jordan? Na hoffentlich. Immerhin war der Basketballer in den neunziger Jahren etwa so bekannt wie heute Roger Federer, Tiger Woods und Lionel Messi zusammen. Das Logo seiner Chicago Bulls zierte so ungefähr jedes zweite Hip-Hop-Outfit, sein Grinsen strahlte uns aus Werbespots, Videospielen (dem Spielhallenrenner «NBA-Jam» zum Beispiel) und sogar einem grässlichen Zeichentrickfilm entgegen. Jordan und die Bulls schafften es nicht nur, in den USA den Konkurrenzsportarten Baseball und Football den Rang abzulaufen. Auch hierzulande linsten sogar die Amerikafeindlichsten plötzlich hin, wenn Jordan an einem Bildschirm mit ausgestreckter Zunge zum Slam-Dunk ansetzte.
Seine Karriere klingt wie aus dem Bilderbuch – oder aus einem grässlichen Zeichentrickfilm: In Brooklyn geboren, wurde er noch von seinem ersten Highschooltrainer nicht ins Team gelassen, weil er zu klein war. Jordan trainierte hart, wuchs zehn Zentimeter und entwickelte sich erst zu einem der grössten Stars der Nachwuchsszene. «A Star is Born» titelte «Sports Illustrated» 1984 nur einen Monat nach seinem Profidebüt bei den Bulls, die er 1991 zu ihrer ersten Meisterschaft überhaupt führte und dann erneut in den zwei Folgejahren. Die Bulls waren das beste Team der Welt und Jordan ihr unangefochtener Superstar.
Im Oktober 1993, kurz nachdem sein Vater von zwei Jugendlichen erschossen worden war (einer der beiden hatte bei der Verhaftung ein Jordan-T-Shirt getragen), verkündete «His Airness» seinen Rücktritt aus dem Profibasketball und startete völlig überraschend eine Karriere im Amateurbaseball – ausgerechnet in jenem Jahr, als die Profibaseballsaison wegen eines Spielerstreiks abgesagt wurde. Allerdings war Jordan denkbar unbegabt als Baseballer, auch wenn das immer der Traum seines Vaters gewesen war, und so kehrte er doch wieder zum Basketball zurück – und gewann gleich noch einmal drei Titel in Folge mit den Chicago Bulls.
Zurück in die Gegenwart: Die US-Basketballliga NBA wird derzeit bestreikt – bereits zum vierten Mal in den letzten zwanzig Jahren. Wie schon beim letzten «Lockout» 1998 streiten sich die Spieler und die Teambesitzer insbesondere um zwei Faktoren: die Verteilung der Einnahmen (beim letzten Streik einigte man sich auf 57 Prozent der Einnahmen zugunsten der Spieler) sowie die Maximallohngrenze für Teams, eine Massnahme, welche einerseits für mehr Gleichgewicht zwischen den Teams sorgen soll, aber andererseits natürlich die Spitzengehälter begrenzt. Jordan soll damals einem der Besitzer, der darüber gejammert hatte, dass es ohne zusätzliches Geld für die Teambesitzer nicht möglich sei, den Betrieb aufrechtzuerhalten, erwidert haben: «Wenn du kein Geld mit deinem Team verdienen kannst, dann verkauf es halt.»
Dreizehn Jahre später ist die Situation ähnlich verfahren wie damals: Es ist die Rede davon, die NBA-Saison komplett abzusagen (was es im Basketball noch nie gegeben hat). Die beiden Verhandlungsparteien scheinen sich kaum mehr zu versöhnen. Michael Jordan hat inzwischen die Seiten gewechselt: Als Besitzer der Charlotte Bobcats ist er Teil einer Gruppe von Hardlinern, die den Einnahmenanteil der Spieler unter die magische Grenze von fünfzig Prozent senken will – mit denselben Argumenten wie sein Gegenüber damals. Dass sein Team derzeit nicht gerade einer rosigen finanziellen Zukunft entgegensieht, hängt aber weniger damit zusammen, dass seine Spieler zu viel verdienen, sondern vielmehr damit, dass Jordan als Geschäftsmann etwa so begabt ist wie während seiner kurzen Zeit als Baseballspieler. Vielleicht folgt ja bald das nächste Comeback. Die Bulls haben seit seinem Rücktritt jedenfalls keinen Titel mehr gewonnen.
Etrit Hasler wechselt selten die Seiten und spielt auch nicht Basketball – für beides ist er einfach zu klein.