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97 Menschen sind in Japan rechtskräftig zum Tod verurteilt und müssen jeden Tag damit rechnen, dass das Urteil vollstreckt wird. Einer von ihnen ist der 73-jährige Hakamada Iwao. Der ehemalige Boxer wurde 1968 zum Tod verurteilt, weil er 1966 seinen Arbeitgeber und drei Familienmitglieder erstochen haben soll. Das Urteil wurde von den höheren Instanzen bestätigt, obwohl er es vor Gericht widerrufen und erklärt hatte, er sei von der Polizei dazu gezwungen worden.
Psychische Erkrankung
Nur wenige Monate nachdem das Oberste Gericht das Todesurteil gegen Hakamada Iwao 1980 bestätigt hatte, zeigten sich beim Verurteilten deutliche Zeichen einer psychischen Erkrankung. Seine Kommunikation mit seinen Anwälten und seiner Schwester wurde unzusammenhängend und wirr. Ein Gerichtspsychologe, der Hakamada Iwao untersuchte, kam 2007 zum Schluss, dass er unter «geistiger Behinderung leide, hervorgerufen hauptsächlich durch den langjährigen Aufenthalt in der Todeszelle».
Hakamada Iwao sitzt seit 41 Jahren in der Todeszelle – und er ist kein Einzelfall. Zwischen dem Todesurteil und der Vollstreckung vergehen häufig Jahrzehnte, in denen die Gefangenen jeden Tag damit rechnen müssen, hingerichtet zu werden. Viele der Todeskandidaten sind über 60 Jahre alt, der älteste Insasse eines japanischen Todestraktes ist 85 Jahre alt.
Grausame Behandlung
Die Haftbedingungen für zum Tode Verurteilte sind äusserst hart und erfüllen nach Ansicht von Amnesty International (AI) die Kriterien für grausame, unmenschliche und erniedrigende Behandlung oder Strafe. Die Insassen der Todeszellen werden in Isolationshaft gehalten, sie dürfen nicht fernsehen und keinen Hobbys nachgehen, sie müssen in ihrer Zelle sitzen und dürfen nicht herumgehen.
Obwohl sowohl internationales als auch japanisches Recht die Hinrichtung von psychisch Kranken untersagt, werden in Japan Menschen mit geistigen Erkrankungen hingerichtet. Auch Hakamado Iwao muss weiter damit rechnen, hingerichtet zu werden, obwohl am Briefmarathon 2008 Tausende von Briefen für ihn geschrieben wurden. Hoffnungen geweckt hat jetzt allerdings der Regierungswechsel in Japan im vergangenen August. AI fordert von der neuen japanischen Regierung eine unabhängige Untersuchung aller Fälle, in denen es Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung von Gefangenen gibt. Zudem muss die Regierung sicherstellen, dass keine psychisch Kranken hingerichtet werden.