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Hintergrund:
Ein Teil der Patienten mit Typ 2-Diabetes haben nicht die erwünschten HbA1c- und/oder Blutdruckwerte. Einer der Gründe dafür könnte die oft kurzen Arztkonsultation sein. Es ist bekannt, dass oft ungenügend Zeit vorhanden ist um alle relevanten Punkte während einer Konsultation anzusprechen. In mehreren Projekten wurde untersucht wie man die Kommunikation mit den Patienten verbessern kann. Die Studien zeigen, dass vom Patienten ausgehende Anstrengungen Fragen zu stellen ein wichtiger Aspekt für die Verbesserung der Kommunikation ist.
In dieser Studie wird untersucht ob die Möglichkeit, dass Patienten vor der Konsultation dem Arzt per Email ein oder zwei Punkte, die bei der Konsultation angesprochen werden sollen, die Arztkonsultation effektiver werden lassen und sich die HbA1c-Werte verbessern.
Einschlusskriterien:
- Patienten mit einem Typ 2-Diabetes 20 bis 80 Jahre alt
- HbA1c-Werte ≥8%
- Registriert um das Internetportal von »Kayser Permanente« nutzen zu können (ein Hinweis, dass die Patienten das Internet möglichweise nutzen wollen)
Studiendesign und Methode:
Cluster randomisierte Studie (d.h. die Arztpraxen und nicht die Patienten wurden randomisiert)
Studienort:
146 Ärzte in 30 Praxen in Nordkalifornien (»Kayser Permanente«)
Interventionen:
- Gruppe 1: Patienten erhielten vor einer geplanten Konsultation beim Arzt eine E-Mail zu einem Link auf die Homepage von »Kayser Permanente«. Dort konnten sie ein oder zwei für sie prioritäre Punkte beschreiben, die sie während der Konsultation besprechen möchten.
- Gruppe 2: übliche Betreuung
Outcome:
Primärer Outcome
- HbA1c-Werte 6 und 12 Monate nach der initialen Konsultation
Sekundäre Outcomes
- Arzt-Patient-Kommunikation (von Patienten berichtet) in einem Teil der Patienten 6 Monate nach der initialen Visite
Resultat:
- 1’276 Patienten (673 in der Interventionsgruppe und 603 in der Vergleichsgruppe) hatten mindestens eine Konsultation während der Studienperiode.
- Das mittlere Alter der Ärzte lag bei 50 Jahren; 84% von ihnen gaben an, dass sie manchmal bis nie genügend Zeit haben um die anstehenden Probleme mit den Patienten zu besprechen. 57% der Ärzte gaben an, dass Patienten vor der Konsultation gewöhnlich oder oft Fragen vorbereitet haben.
- Etwas mehr als die Hälfte der Patienten waren Männer, mit einem mittleren Alter von 61 Jahren und der Mittelwert der HbA1c-Werte betrug 9.3%.
- Etwas weniger als zwei Drittel (62%) der Patienten, die eine E-Mail erhielten, öffneten das Mail. Ein Drittel von denen, welche die E-Mail öffneten, schickten Fragen an den Arzt.
- Im Vergleich zur Kontrollgruppe gaben mehr Patienten in der Interventionsgruppe an (72% versus 63%) sich vor der Konsultation Fragen zu überlegen, die sie mit dem Arzt besprechen wollen.
- Mehr Patienten in der Interventionsgruppe (81% versus 73% in der Kontrollgruppe) gaben an, dass ihnen Behandlungsalternativen zum Überlegen angeboten wurden; dies ein Hinweis auf das Angebot für ein «shared decision making».
- Die HbA1c-Werte sanken insgesamt um 0.56%; ein Unterschied zwischen den beiden Gruppen war aber nicht beobachtbar.
Kommentar:
- Diese einfache Methode Patienten die Möglichkeit zu geben vor der Arztkonsultation dem Arzt mitzuteilen, welche Aspekte sie in der Konsultation prioritär besprechen wollen, verbesserte die Arzt-Patient-Interaktion etwas.
- Auf die Einstellung des Diabetes, gemessen am HbA1c-Wert hatte diese Intervention keinen Effekt.
- Ein anderes Ergebnis der Studie ist, dass dieses Angebot von nur etwa einem Drittel der Patienten genutzt wird.
- Ein bemerkenswertes Ergebnis in einer der Tabellen ist, dass 95% der Patienten in der Kontrollgruppe und 97% in der Interventionsgruppe mit der Dauer der Konsultation zufrieden waren.
Literatur:
Vo MT et al. Prompting patients with poorly controlled diabetes to identify visit priorities before primary care visits: a pragmatic cluster randomized trial. J Gen Intern Med doi: 10.1007/s11606-018-4756-4.