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Selbst wer die öffentliche Verurteilung des Regisseurs für haltlos hält, kann seine Filme nicht mehr mit der früheren Offenheit schauen. Das gilt auch für Woody Allens «A Rainy Day in New York» – eine harmlose kleine Komödie, die nun überall ins Kino kommt, ausser in den USA.
Die produzierenden Amazon-Studios haben ihren Vertrag mit Allen sistiert, nachdem im Zug der MeToo-Enthüllungen auch die juristisch längst beigelegten Missbrauchsvorwürfe gegen den Regisseur wieder in die Schlagzeilen geraten waren.
Vor 15 Jahren noch hätte man seinen neuen Film als charmantes, kleines Alterswerk empfunden, als Echo seiner einstigen grossen Liebeserklärungen an seine Stadt New York, wie etwa «Manhattan» (1979) oder «Annie Hall» (1977).
Alte Geschichte, neue Gesichter
«A Rainy Day in New York» spielt mit den gleichen Romantisierungen und den gleichen Beziehungs-Komplikationen, die er einst selbst mit Diane Keaton durchgespielt hat.
Bloss übernimmt nun der 24-jährige Timothée Chalamet den Woody-Allen-Part und die 21-jährige Elle Fanning den seiner Freundin.
Chalamet spielt den leicht neurotischen College-Studenten aus reichem New Yorker Haus, dem seine All-American-Mid-West-College-Journalismus-Studenten-Freundin eines Tages aufgeregt erzählt, sie habe einen Interviewtermin mit einem berühmten Filmemacher. In Manhattan.
Versetzt und verletzt
Für den jungen Gatsby Welles ist das die Gelegenheit, seiner Freundin endlich sein Manhattan zu zeigen. Er freut sich auf Kutschenfahrten im Regen im Central Park mit ihr.
Aber dann wird Gatsby enttäuscht. Seine Ashleigh meldet sich vom Interview-Termin mit dem Star-Regisseur und erklärt, sie müsse den Lunch-Termin ausfallen lassen. Der Regisseur hat eine Schaffenskrise und die Bewunderung der jungen Journalismus-Studentin kommt ihm gerade recht.
Im Regen durch New York
Während Ashleigh in einen Strudel aus Filmwelt-Eitelkeiten und Star-Begegnungen gerät, zieht Gatsby im Regen durch New York, trifft die aufgeblühte kleine Schwester seiner einstigen Flamme und beginnt, die komplizierte Beziehung zu seiner alles kontrollierenden Mutter zu begreifen.
Der Film ist ein klassischer Woody Allen, eine weitere Liebeserklärung an die Stadt, deren Bewohner sich gerne abgrenzen vom Rest der USA. In Allens früheren Filmen dominierte allerdings die Selbstironie seiner neurotischen Figuren.
Aber dieses Mal sind die Rollen allzu klar verteilt. Die blonde Ashleigh, die aus der US-Provinz kommt, mag Sonne und Stars und Glamour, sie flirtet und flattert und erfüllt, bei allem Charme, am Ende eben doch das Klischee von der naiven Blondine.
Elitäre Abgrenzung der Intellektuellen
Ihr gegenüber setzt Woody Allen die vom Disney-Star Selena Gomez gespielte kleine Schwester von Gatsbys altem Schulschwarm, die – als echte New Yorkerin – am Ende eben doch besser zu Gatsby passt. Sie ist es auch, die schliesslich einen typischen Woody-Allen-Satz zum Besten gibt: «Realität ist was für Leute, die nichts Besseres hinkriegen» («Real life ist fine for people who can’t do any better»).
Diese elitäre Abgrenzung des intellektuellen New York vom Rest der USA war immer schon präsent in den Filmen von Woody Allen. Dass einem das heute trotz durchaus vorhandenem Charme im Film eher auffällt, ist nicht zuletzt eine Folge der wieder hochgekochten Vorwürfe an den Regisseur.
Auch wer den diffusen Anschuldigungen misstraut, kommt nicht um einen kritischeren Blick auf das Alterswerk des 84-Jährigen herum.
Kinostart: 05.12.2019