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Schlachthof (Schlachthaus) Winterthur
Im alten Winterthur hat der Schlachthof, damals Schlachthaus genannt, am Ende der Metzggasse bei der Einmündung zur Steinberggasse gestanden. Wegen der Geruchsbelästigungen wurde er 1839 an die Technikumstrasse verlegt. Hundert Jahre später bezogen die Metzger einen Neubau in Töss im damals abgelegenen Nägelsee. Für den Bau waren die Architekten Sträuli und Rüeger zuständig gewesen. 1983 wurde er geschlossen.
1614 wurde die Metzg, das Schlachthaus, in Betrieb genommen. In der ganzen Landvogtei Kyburg durfte einst nur im Schlachthaus, auch Metzg genannt, geschlachtet werden. Diese Metzg lag am Ende der Metzggasse (daher der Name), kurz vor der Einmündung in die Steinberggasse. In den späteren Jahren des Ancien Regime umfasste das Privileg immerhin noch den Friedkreis Winterthur. Noch Ende des 18. Jhdt. wurden die Osterochsen bekränzt zu den Bänken der Metzg geführt, wo das Fleisch auch verkauft werden konnte. Aus hygienischen Gründen durften die Metzger das Fleisch nicht "auf den Läden" verkaufen. Die Bäcker hingegen verkauften auf den heruntergeklappten Fensterläden der Verkaufslokale ihr Brot. Der Metzgerberuf war sehr angesehen. In Winterthur stammte die Schultheissenfamilie der Hegner von Metzgern ab. Im diesem Bereich der Metzggasse lag auch die Untere Badstube, die 1806 abbrannte. Sie wurde «Goldbad» genannt, weil das in hölzernen Teucheln vom Heiligenberg hergeleitete Wasser glimmerhaltig war.
1839 wurde das Schlachthaus von der Metzgasse an die Technikumstrasse verlegt. Die Anwohner hatten sich über die Geruchsbelästigung durch die dortige Metzg beschwert. So wurde sie in das damalige Vorstadtgebiet verlegt. Den Zeitgenossen erschien der Neubau als Palast. Wohl auch deshalb, weil die Schlachtgebühren für die Metzger massiv erhöht worden sind.
Im 19. Jhdt. gackerten in den Altstadthinterhöfen noch die Hühner und viele Bürger zogen ihr eigenes Gemüse. Eines dieses Püntenareals lag zwischen dem Neumarkt und dem Bahnhofplatz am und im Lenzengraben, der späteren Eulach- und heutigen Technikumstrasse. 1940 entstand das neue Schlachthaus in Töss-Nägelsee. Nachdem sich städtische Pläne für ein Verwaltungszentrum und ein Hallenbad zerschlagen hatten, bauten die Architekten Sträuli und Rüeger 1948 anstelle des Schlachthauses und der Bodmerschen Scheune das Geschäftshaus "Zum Lenzengraben" mit massvoller Zurückhaltung ... und Rücksicht auf die Altstadt, wie sie schrieben. In den 1940er-Jahren verstand man darunter eine wuchtige Bauweise mit Arkadengängen und Erkern. Leider ist die Arkade später nicht bis zum Bahnhof weitergezogen worden. Später war in diesem Gebäude auch das Kino "Palace" untergebracht gewesen.
Mit dem Bezug des neuen Schlachthofes (Architekten Sträuli & Rüeger) im Jahre 1940 wurde der Schlachthofzwang wieder eingeführt. Das bedeutete, dass auf dem Stadtgebiet alle gewerbsrechtlichen Schlachtungen im Schlachthof erfolgen mussten. Die Immissionen in den verschiedenen Stadtteilen wurden somit eliminiert und im abseits gelegenen Areal im Nägelsee konzentriert. Ebenso wurde damit eine bessere und einheitlichere Fleischschau, bessere Verarbeitung der Nebenprodukte (Kutteln, Därme, Häute und Knochen), bessere Kontrolle der Abfallbeseitigung, wie zum Beispiel der Abwässer, möglich. Die drei alten Schlachthäuser Neumarkt, Töss und Wülflingen verarbeiteten damals ein Schlachtgewicht von 3‘000‘000 kg. Kurz nach Inbetriebnahme des neuen Schlachthofs, der als einer der modernsten Schlachthöfe Europas galt, erfolgte der Kriegsaufbruch. Geringe Schlachtzahlen, Verlegung der Schlachtungen an den alten Schlachthof am Neumarkt, Verwendung der Kühlräume für die Einlagerung von Obst und Gemüse waren die Folge.
1974 wurde der Schlachthof für über 2 Millionen Franken durch die Stadt nochmals auf Vordermann gebracht. Die Architekten Sträuli und Rüeger machten aus der bestehende Grossviehschlachthalle eine nach funktionellen Prinzipien konzipierte Schlachthalle für Grossvieh und Kälber. Die Schlachthalle wurde mit einer Schlachtbahn mit Förderanlage ausgestattet. Die bestehende Schweineschlachthalle wurde ohne grosse Umbauarbeiten mechanisch neu ausgerüstet. Auch sie erhält eine Rohrbahnanlage mit mechanischer Fördervorrichtung und die nötigen Hilfs- und Arbeitsgeräte. Die Modernisierung beinhaltete auch ein neues Rohrbahnsystem zwischen den Gänge, dem Abholplatz und den Kühlräume. Die Schlachtkapazität wurde mit diesen Massnahmen erhöht. Beim Grossvieh konnten neu 24 statt 16 Schlachtungen pro Stunde ausgeführt werden. Bei den Schweinen von 80 auf 120 Tiere.
Diese Investitionen waren aber mehr oderweniger in den Sand gesetzt. Nahm in der Nachkriegszeit das Schlachtgewicht ständig zu und erreichte 1968 mit 6,16 Mio. kg einen Höchststand. Dann kann die Wende. Durch verschiedene Verlagerungen von Schlachtungen nahm die Entwicklung der Schlachttätigkeit ab. Die Firma Bell nahm am 15. September 1979 in Wallisellen einen eigenen Schlachtbetrieb auf und 1969 zog die Micarna in ihre eigene Anlage in Bazenheid um. Man hoffte mit der Firma Kropf und Müller, später Carnag, einen Ersatz gefunden zu haben. Trotz verschiedenen Zugeständnissen, so unter anderem ein Baurecht für ein eigenes Gebäude auf dem Schlachthofareal, beendete diese Firma per 15. April 1979 ihr Engagement in Winterthur wegen Konkurs. Ein neuer Inhaber der Carnac kam im Juni 1980 mi 1,5 Mio. kg Schlachtgewicht zurück. Bis 1982 konnte das Rekordergebnis von 9,09 kg Schlachtgewicht erzielt werden. Mit der Zunahme des Schlachtgewichtes nicht mithalten konnten jedoch die Finanzen. Der in guten Jahren geäufnete Reservefond war 1978 geplündert.
Die Finanzen des Schlachthofes, dessen Rechnung ausgeglichen sein sollte, waren nicht mehr in Ordnung. Das zuständige städtische Gesundheitsamt musste 1978 erstmals ein Defizit von knapp 60‘000 Franken übernehmen. Diese Situation gab in der Gemeinderatsdebatte vom 30.6.1980 viel zu reden. Die linke Ratsseite war nicht zuhaben für Subventionen für Entrecôte und Servelas bzw. die Winterthurer Metzger, drang nach turbulenten Abstimmungen damit aber nicht durch. Der Stadtrat wagte in der Folge die Flucht nach vorn. Mit einem Kreditbegehren von Fr. 797‘000.00 wollte er Voraussetzungen schaffen, den Betrieb des Schlachthofes sicherzustellen. Das Ende mit Schrecken kam im Jahre 1983. Der Stadtrat beantragte dem Parlament den Schlachthof per 30. Juni 1983 aufzuheben. Eigenartig war, und das gab im Parlament wieder einiges zureden, hatte die Stadtregierung zuvor immer betont, dass die Gemeinde verpflichtet sei, einen Schlachthof zu führen. Dieses finanzielle Debakel provozierte im Gemeinderat harte Worte. Diese Ratsdebatte ging am 17. März 1983 über die Bühne. Schlussendlich gab es aber nichts mehr anderes zu beschliessen, als den Betrieb zu schliessen.