Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03584.jsonl.gz/2878

Juristenrecht
(Recht der
Wissenschaft), dasjenige
Recht, welches weder in der unmittelbaren Überzeugung der Volksglieder
als
Gewohnheitsrecht noch durch das
Gesetz zur
Erscheinung kommt, sondern sich lediglich durch die wissenschaftliche und richterliche
Thätigkeit der
Juristen bildet. Die
Wissenschaft des
Juristenrechts wird hiernach von manchen Rechtslehrern als eine dritte
Rechtsquelle neben dem
Gesetz und neben der
Gewohnheit angenommen, die in
Deutschland
[* 2] besonders in der Umwandlung,
welche römische und altdeutsche Rechtsgrundsätze in ihrer praktischen Anwendung vielfach unter den
Händen der
Juristen erhalten
haben, zur Geltung gekommen sein soll.
Das J. soll teils aus den wissenschaftlichen Schriften der Juristen, teils aus dem Gerichtsgebrauch (s. d.) erkannt werden, insofern derselbe von den Juristen beherrscht wird. Allein der Richter kann nur bereits vorhandenes, durch die Wissenschaft nicht geschaffenes, sondern nur erkanntes und erläutertes Recht zur Anwendung bringen, und man kann daher das J. höchstens insofern als Rechtsquelle gelten lassen, als in den Aussprüchen der Rechtsgelehrten und der Richter das Gewohnheitsrecht niedergelegt wird, auf dessen Bildung allerdings die Juristen den ausgedehntesten Einfluß haben.
Vgl. Beseler, Volksrecht und J. (Leipz. 1843; Nachtrag, das. 1844);
Thöl, Volksrecht, J. etc. (Rost. 1846);
Kuntze, Das Jus respondendi in unsrer Zeit (Leipz. 1858).
Vgl. Gewohnheitsrecht.