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Health
Die 29-jährige Popsängerin spricht offen über ihre psychische Erkrankung. Aber was ist eigentlich eine bipolare Störung und wie behandelt man sie?
"Ich bin bipolar und schäme mich nicht mehr dafür. Das ist alles. Und jetzt weine mir die Augen aus", twitterte die amerikanische Popsängerin Bebe Rexha kürzlich. Lange Zeit habe sie nicht verstanden, warum sie sich so krank fühlte. "Warum ich Tiefs empfand, welche mich daran hinderten, das Haus zu verlassen oder unter Menschen zu sein. Und warum ich Hochs fühlte, die mich nicht schlafen liessen, mich nicht aufhören liessen, zu arbeiten oder Musik zu machen. Jetzt weiss ich, warum."
Bebe ist nicht der einzige Celeb, bei dem eine bipolare Störung diagnostiziert wurde. Auf seinem neuen Album "Ye" bezeichnet Kanye West seine Bipolarität als seine Superkraft. Bei Sängerin Mariah Carey wurde die Krankheit 2001 diagnostiziert – sie äusserte sich allerdings erst vergangenes Jahr in einem Interview mit "People" dazu. Auch Lily Allen, Chris Brown und Sia sollen laut eigenen Aussagen bipolar sein.
Laut Schweizerischem Gesundheitsobservatorium erkranken knapp vier Prozent der Bevölkerung an einer bipolaren Störung. Zum Vergleich: Bei der häufigsten psychischen Störung, der Depression, sind 16,6 Prozent betroffen.
Bei über der Hälfte der Betroffenen äussert sich die Krankheit erstmals, bevor sie 25 sind. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Was ist eine bipolare Störung?
Hat jemand manische und depressive Episoden oder eine Mischung aus beiden, spricht man von einer bipolaren Störung – umgangssprachlich nennt man sie häufig auch manische Depression. Die Formen und Verläufe sind bei jeder Person ganz unterschiedlich. Eine texanische Studie kam zum Schluss, dass bei fast allen Erkrankten auch Angststörungen auftauchen und bei 60 Prozent Drogen- oder Alkoholmissbrauch dazukommen. Wer schwerwiegend erkrankt, leidet nicht selten zusätzlich an einer Psychose mit verzerrten Sinneseindrücken und Wahnvorstellungen.
Wie äussert sich die Krankheit?
Während einer manischen Phase ist die Person euphorisch, hat ein erhöhtes Selbstwertgefühl und redet viel. Betroffene sind manchmal auch leichtsinnig – sei es, indem sie viel Geld ausgeben oder sexuelle Beziehungen eingehen, zu denen es sonst nicht kommen würde. Eine depressive Phase kann sich durch Lustlosigkeit, gedrückte Stimmung und mangelndes Selbstwertgefühl zeigen. Die Person kann sich nicht konzentrieren, ist müde und hat extremen Appetit oder isst gar nichts mehr. Alarmierend: Laut einer Studie der Uni Zürich begeht ein Drittel aller Erkrankten mindestens einmal einen Suizidversuch, 10 bis 20 Prozent sterben durch Suizid.
Welche Arten gibt es?
Die zwei häufigsten Formen sind Bipolar I und Bipolar II. Wer unter ersterem leidet, hat stark ausgeprägte Hoch- und Tiefphasen. Bipolar II schränkt etwas weniger stark ein. Typisch dafür sind Depressionen und weniger ausgeprägte Manien, sogenannte Hypomanien sowie gemischten Episoden (siehe Grafik). Die Phasen können mehrere Jahre, Monate oder Wochen anhalten. Ausserdem gibt es viele Patienten, die zwischen einzelnen Episoden praktisch symptomfrei sind.
Wie behandelt man eine bipolare Störung?
Eine amerikanische Studie hat gezeigt: Durchschnittlich dauert es vom Auftreten erster Symptome bis zur Diagnosestellung fünf bis zehn Jahre. Laut Schweizerischer Gesellschaft für Angst und Depression wird die Krankheit anfangs häufig verwechselt: In depressiven Phasen beispielsweise mit einer Depression, bei Manien in jungem Alter mit ADHS. Nicht selten überdeckt eine Abhängigkeit die Symptome der Krankheit.
Man kann die Krankheit zwar nicht vollständig heilen, sie ist aber sehr gut behandelbar. Laut der Schweizerischen Gesellschaft für bipolare Störungen ist die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie eindeutig belegt, viele Betroffene sind aber nicht für immer auf Medikamente angewiesen. Eine unterstützende Psychotherapie kann dabei helfen, Auslöser der Erkrankung zu erkennen und Rückfälle zu vermeiden. Wird die Krankheit früh erkannt, können viele Patienten trotz bipolarer Störung ein erfülltes Leben führen.