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Drucila Meireles, hier rechts im Bild, ist eine starke Frau mit einer bewegten Geschichte. Als technische Beraterin von terre des hommes schweiz in Mosambik unterstützt und begleitet sie die Aktivitäten unserer lokalen Partner zu sexueller Gewalt, Empowerment und psycho-sozialer Unterstützung. Drucila Meireles suchte früher selber Hilfe in einem Jugendprojekt von terre des hommes schweiz in Mosambik. Heute hat sie einen besonders guten Draht zu den Jugendlichen in den Projekten. Sie erzählt, weshalb ihr die soziale Arbeit mit jungen Menschen so wichtig ist.
Mein Name ist Drucila Meireles. Ich bin 33 Jahre alt und lebe mit meiner Familie in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik. Ich habe einige Erfahrung in der Arbeit mit Basisorganisationen im Bereich der sozialen Arbeit, die mein Weg ist. Ab 2009 habe ich bei LeMuSiCa, der Partnerorganisation von terre des hommes in der Provinz Manica, gearbeitet. 2017 wurde ich von terre des hommes schweiz als technische Beraterin in Mosambik eingestellt.
Meine Arbeit als technische Beraterin
Als technische Beraterin unterstütze ich unsere Partner in Mosambik mit Best-Practice-Methoden und Werkzeugen bei der Umsetzung ihrer Aktivitäten. Wir haben von unserem Büro in Maputo aus täglich Kontakt mit den Verantwortlichen von terre des hommes schweiz in der Schweiz, die mir Support geben.
In Mosambik unterstütze und berate ich unsere Partner, wann immer sie es brauchen. Wir planen ihre Aktivitäten gemeinsam. Wir finden den besten Weg für die Bedürfnisse in ihren Gemeinden und Kontexten. Zweimal im Jahr besuche ich unsere lokalen Partner und sehe, was sie tun. Ich rede mit Jugendlichen und auch Erwachsenen, die von der Projektarbeit profitieren. Regelmässig erhalte ich die Rechenschaftsberichte unserer Partner. Ich lese und kommentiere sie, und ich berate sie auch beim Schreiben ihrer Anträge und Berichte.
Meinem eigenen Leben eine neue Chance geben
Es ist für mich kein Problem, über mein Privatleben zu sprechen. Ich habe insgesamt drei Kinder. Ich habe zwei Mädchen, die jetzt erwachsen sind. Meine erste Tochter ist vierzehn Jahre alt, meine zweite ist zehn. Sie stammen aus einer ersten Ehe, die ich hatte. Es war eine Zwangsehe und ich habe viel Gewalt erlebt, deshalb habe ich mich scheiden lassen.
Ich war dann ein paar Jahre lang allein mit meinen Mädchen, bis ich vor drei Jahren jemanden kennenlernte, mich wieder verliebte und beschloss, mir eine neue Chance zu geben. Und bis jetzt ist es gut. Ich bin glücklich, mein Mann respektiert mich und wir haben einen gemeinsamen Sohn, der jetzt neun Monate alt ist. Wir sind eine glückliche Familie, mein Mann kümmert sich gut um die Mädchen. Sie wissen, dass er nicht ihr biologischer Vater ist.
Meine Kindheit und die Zäsur in meinem Leben
Als Kind lebten ich und meine Geschwister mit meinen Eltern in Simbabwe. Mein Vater stammte aus Chimoio in Mosambik und meine Mutter aus Simbabwe, sie arbeiteten beide in Simbabwe. Ich und meine Geschwister gingen 2003 nach Mosambik, als ich sechzehn Jahre alt war. Unsere Eltern waren beide gestorben und wir waren nun Waisen, also zogen wir zu meiner Tante nach Chimoio. Dort wurde ich mit neunzehn schwanger. Meine Tante schickte mich weg zu meinem sogenannten Ehemann ‒ wir waren nicht offiziell verheiratet. Es war überhaupt nicht gut und dann hatte ich auch noch meine Geschwister dabei.
Wie ich LeMuSica kennenlernte
Als ich 2009 mit LeMuSiCa in Kontakt kam, war ich noch mit meinem ersten Mann zusammen. Ich habe mich bei LeMuSiCa gemeldet, weil ich gehört hatte, dass sie eine freiwillige Mitarbeiterin in einem Kindergarten suchten. Zunächst hatte ich keine feste Anstellung bei LeMuSiCa, aber ich gab trotzdem mein Bestes. Ich habe vier Stunden am Tag ehrenamtlich gearbeitet und hatte daneben einen kleinen Job, denn ich musste auch Geld verdienen.
Als ich die gute Arbeit sah, die LeMuSiCa leistet, habe ich mich in die soziale Arbeit verliebt. Ich dachte: Wow, jetzt verstehe ich, was ich bereits bei meiner Tante durchgemacht hatte, noch bevor ich mit meinem ersten Mann zusammenkam, der mich schlecht behandelte.
Als ältestes Kind war es für mich sehr schwer gewesen, als ich nach dem frühen Tod meiner Eltern meine Geschwister übernehmen musste. Ich hatte nie die Gelegenheit gehabt, einen Ort wie LeMuSiCa zu sehen, wo sie auch Waisen helfen. Als ich also ab 2009 dort war, dachte ich: Hätte ich das nur vorher gewusst!
Aber es war noch nicht zu spät für mich. Ich hatte jetzt einen Ort zum Reden, einen Ort, an dem ich meine Erfahrungen mit anderen Menschen teilen konnte, von deren eigenen Erfahrungen erfuhr und auch, wie sie es geschafft haben, wieder aufzustehen. Ausserdem war LeMuSiCa ein sicherer Ort für meine Geschwister, sie bekamen Unterstützung für ihre Schule und alles andere. Deshalb habe ich mich in die Arbeit von LeMuSiCa verliebt.
Was ich bei LeMuSiCa arbeitete
Der Kindergarten, in dem ich anfangs bei LeMuSiCa arbeitete, war auch mein erster Job mit Kindern. Das war nicht einfach, aber ich lernte, damit umzugehen. Mit der Zeit lernte ich andere Aktivitäten von LeMuSiCa kennen. Ich begann mit einer älteren Mitarbeiterin bei LeMuSiCa namens Cecilia zu arbeiten. Sie zeigte mir, welche Methoden sie bei der Empowerment-Arbeit mit Mädchen und Jungs anwenden.
Plötzlich lernte ich, wie man Aufklärungsarbeit und auch Beratung macht. Was mir an dieser Art von Sozialarbeit besonders gefällt, ist, dass ich anderen Menschen helfen kann, die zudem dasselbe durchgemacht haben wie ich damals. Das gab mir das Gefühl, dass ich die beste Person für diesen Job bin, die mir mehr bedeutet als nur ein Geld damit zu verdienen.
Weshalb ich in der sozialen Arbeit bin
Bis heute kann ich mich in die Jugendlichen hineinversetzen und sie verstehen, weil ich ähnliches durchgemacht und Gewalt erlebt habe. Ich kann mit ihnen mitfühlen und deshalb reden sie auch mit mir. Ich erzähle den Mädchen und jungen Frauen: Auch ich habe solche Dinge durchgemacht. Seht mich an, ich bin immer noch hier und habe ein eigenes Leben und arbeite jetzt für LeMuSiCa. Das könnt ihr auch!
Als Kind wollte ich immer Anwältin werden. Als ich bei LeMuSiCa arbeitete, dachte ich: Okay, vielleicht ist es das, was ich machen sollte. Die soziale Arbeit hat es mir bis heute angetan, selbst wenn es die administrative und koordinatorische Arbeit auch braucht. Immer, wenn ich das Büro in Maputo verlasse und unsere Partnerorganisationen in Mosambik besuche und sehe, was vor Ort wirklich passiert, bin ich glücklich.
Interview: Anna Wegelin