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gewerbsames Landstädtchen im schweizer. Kanton Aargau,
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Knotenpunkt der Aargauischen Südbahn, der
Schweizer Nordostbahn
und der Seethalbahn, mit (1880) 2731 Einw. und dem
SchloßLenzburg, ehemals Wohnort der
Grafen von Lenzburg, dann Sitz der bernischen
Landvögte. An dem Schloßberg und dem nahen Staufberg wächst ein vortrefflicher
Wein.
Die Bewohner
beschäftigen sich hauptsächlich mit Acker-, Wiesen-, Wein- und Obstbau (besonders Kirschen), Viehzucht und Milchwirtschaft.
Bei OthmarsingenSteinbrüche auf Molasse. Die Bodenfläche verteilt sich folgendermassen:
Bedeutende industrielle und gewerbliche Tätigkeit: Spinnerei und Weberei, Weisswaren, Leinwand, Appretur, Baumwolldruckerei,
Strohwaren, Färberei, Schnupftabak, Zigarren, Konserven, chemische Produkte, Wurstwaren, Zuckerwaren,
Teigwaren, Bierbrauerei, Ziegelei, Etuis, Seife und Parfumerien, Essenzen, Kartonnagen, Quincailleriewaren, Rosshaarartikel,
Papier, Dampfsägerei. ^[Ergänzung: Waffen, Kinderwagen.] 4 Jahr- und 12 Viehmärkte. Bezirksschule für Knaben und Mädchen,
Gewerbeschule.
^[Berichtigung: Handwerkerschule.] Hypothekar- und Leihkasse. Reformierte Kirche mit ausgezeichneter Orgel und den Gräbern
verschiedener 1712 bei Villmergen gefallener Berner; katholische Kirche in modernem Stil. ^[Ergänzung:
Stadtbibliothek mit 4500 Bänden. Bemerkenswert ist das aus dem 17. Jahrhundert stammende Rathaus.] Ueber der Stadt steht
auf einem Molassehügel das SchlossLenzburg, an dem seit etwa 10 Jahren bedeutende Restaurationsarbeiten vorgenommen worden
sind.
Von hier schöne Aussicht gegen O. und N. Im Schlosshof ein im Fels ausgehauener, 30 m tiefer Brunnen.
An den Hängen des Schlossbergs und des nahen Goffersbergs wächst ein vorzüglicher Rotwein. 1858 beschloss der aargauische
Grosse Rat den Bau eines kantonalen Zuchthauses bei Lenzburg, das nach dem modernen Zellensystem mit zentralem Pavillon eingerichtet
ist, grosse Arbeitssäle enthält und 1864 eröffnet wurde. Es gilt heute noch als vorzügliche Anstalt.
Gräber aus der La Tène Zeit; Reste von Römersiedelungen beim Zuchthaus,^[Berichtigung:Wildenstein.] auf den Schwarzäckern,
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auf dem Lint und im Lindwald. Im 11. Jahrhundert: Lenceburg = Burg des Lenzo (Deminutiv von Lando).
Die Stadt Lenzburg ist zweifellos als in Anlehnung an das Schloss Lenzburg entstanden zu denken. Schlossberg wie Umgebung der
Stadt weisen zahlreiche Ueberreste römischer Niederlassungen auf. Möglicherweise hat auf dem Burghügel eine
römische Specula (Wachtturm) gestanden. Die Grafen von Lenzburg gelten als eines der ältesten Adelsgeschlechter des Aargaues
und sind seit dem 10. Jahrhundert nachgewiesen. Sie waren Reichsvögte von Zürich
und gelangten während des Investiturstreites
in den Besitz des Gaugrafenamtes des Zürichgaues.
Trotzdem das Geschlecht in zwei Linien kräftig blühte, starb es in raschem Gange 1172 und 1173 aus.
In diesem Jahr erschien Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) auf Schloss Lenzburg, um die Erbschaft der Lenzburger zu ordnen. Ein
Teil fiel an das Reich, ein anderer kam in die Hände der Kiburger und ein dritter in die der Habsburger, die später auch
die Kiburger beerbten. Auf dem Schloss sass nun in der Folge ein habsburgischer Vogt. Anlässlich der Aechtung
des Herzogs Friedrich durch Kaiser Sigismund nahmen 1415 die Berner auch Stadt und Schloss Lenzburg ein.
Das Schloss war fortan der Sitz eines bernischen Landvogtes, der für Bern
die Landvogtei Lenzburg, die grösste des
Aargaues, verwaltete. Bei der Gründung des Kantons Aargau
ging das Schloss in der Besitz des Kantons über. Dieser gestattete hier die
Errichtung eines Erziehungsinstitutes unter Lippe, der vormals in Hofwil tätig gewesen war; nachher kam da: Schloss in Privatbesitz.
Die ersten Anfänge der Stadt Lenzburg sind in Dunkel gehüllt. Mit dem Schloss kam auch sie in habsburgisch-oesterreichischen
Besitz und erhielt von ihren Herrn, wie die übrigen Städte im Aargau,
zu wiederholten Malen Freiheiten und Rechte. Das älteste
Stadtrecht von Lenzburg stammt aus dem Jahr 1306 und entspricht demjenigen vor Aarau und Brugg. Die Stadt war befestigt, wenn
auch nicht sehr widerstandsfähig; denn sie litt schwer unter der Plünderung durch die Gugler 1375 und
hielt auch 1415 den Bernern gegenüber nicht lange stand.
Wie den andern aargauischen Städten lies; Bern
auch Lenzburg die Selbstverwaltung und eigene Gerichtsbarkeit, so dass es
nicht unter dem Landvogt stand. Von jetzt an waren Lenzburgs Geschicke an dasjenige Berns geknüpft, und
mit den Bernern zogen die Lenzburger wie einst mit Oesterreich in zahlreiche Feldzüge. Zur
Zeit der Villmerger Kriege war
Lenzburg eine wichtige Grenzgarnison Berns und zugleich Ausfallstor gegen das Freiamt, wo sich die hauptsächlichsten Ereignisse
dieser Kriege abspielten.
Als der alte Staat Bern
1798 zertrümmert wurde, schloss sich Lenzburg gerne der Neugestaltung der Verhältnisse
an. Unter dem neu gegründeten Kanton Aargau
begann auch für Lenzburg eine Zeit ruhiger, ergibiger Entwicklung in Gewerbe und Industrie.
Hier tagte am jene Versammlung, von der der erste Anstoss zu der Bewegung gegeben wurde, die im ersten
Freiämterzug das aristokratische Regiment stürzte und eine demokratische Verfassung erzwang. 1836-1846 beherbergte Lenzburg
das aargauische Lehrerseminar unter Augustin Keller's Leitung. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zeichnete sich die Bürgerschaft
von Lenzburg durch bedeutende dramatische und musikalische Leistungen aus, deren Ruf weit über die Grenzen des Kantons drang.
Vergl. Müller, Joh. Die Stadt Lenzburg. Lenzburg 1867.
(Kt. Aargau,
Bez. Lenzburg).
Die Stadt Lenzburg verdankt ihre Existenz dem Schlosse, um die sie sich entwickelt
hat. Der Schlosshügel wie die Umgebung der Stadt weisen zahlreiche Ueberreste römischer Siedelungen auf. Vielleicht bestand
auf diesem Hügel eine römische spécula. Die Grafen von
Lenzburg, deren Existenz seit dem 10. Jahrhundert nachgewiesen ist,
sind eine der ältesten edlen Familien des Aargaus. Sie waren Reichsvögte von Zürich
und erhielten während
des Investiturenstreites die Würde der Grafen des Zürichgaus. Obschon diese Familie zwei blühende Zweige zählte, erlosch
sie in den Jahren 1172 und 1173. In diesem letztern Jahre begab sich Friedrich I., Barbarossa, ins Schloss von Lenzburg, um
die Nachfolge der Grafen zu schlichten. Ein Teil dieser Nachfolge verfiel dem Reiche, ein anderer ging
an Kiburg über, ein dritter an Habsburg, von wo sie später auch an Kiburg kam. Das Schloss wurde die Residenz eines Vogtes
der Grafen von Habsburg. Im Jahre 1415, bei Gelegenheit der Eroberung des Aargaus, nach der Bannerklärung
des Herzogs Friedrich von Oesterreich bemächtigten sich die Berner des Schlosses und der Stadt Lenzburg und setzten einen
Vogt im Schlosse ein. Die Vogtei Lenzburg war die grösste des Aargaus. Als der Kanton Aargau
gebildet wurde, ging das Schloss in den Besitz
des Kantons über. Man gestattete darin die Gründung einer Erziehungsanstalt, die von Lippe, einem früheren
Lehrer im Institute Hofwil geleitet wurde. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss ein Privatbesitz. Von den Anfängen
der Stadt weiss man nichts. Sie wurde mit dem Schlosse eine Besitzung des HausesHabsburg-Oesterreich und erhielt von diesem,
wie die andern aargauischen Städte, verschiedene Rechte und Freiheiten. Der erste Freiheitsbrief von
Lenzburg datiert vom Jahre 1306; er ist gleich wie die Briefe von Aarau und Brugg. Die Stadt wurde befestigt, konnte aber keinen
langen Widerstand leisten. Sie wurde im Jahre 1375 von den Oesterreichern zerstört, damit sie nicht den Guglern dienen
könne und hielt im Jahre 1415 der bernischen Armee nicht lange stand. Bern
liess Lenzburg, wie den andern aargauischen Städten,
die städtische Autonomie und die Gerichtsbarkeit; die Stadt stand nicht unter der Gewalt des Vogtes. Seit dieser Zeit waren
die Geschicke Lenzburgs mit denen von Bern
eng verbunden; die Lenzburger folgten dem bernischen Banner in mehr
als eine Schlacht. Während der Villmergenkriege war Lenzburg für die Berner ein wichtiger Grenzplatz und der Ausgangspunkt
für Einfälle ins Freiamt, dem wichtigsten Kriegsschauplatz.
Beim Falle des alten Staates Bern,
im Jahre 1798 nahm Lenzburg die neu geschaffene Sachlage gerne an; mit der
Bildung des Kantons Aargau
begann für diese Stadt eine Zeit des Aufschwunges für Handel und Industrie. In
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Lenzburg fand am die Volksversammlung statt, die den ersten Anstoss zur Bewegung gab, die nach dem ersten Freiämterzug
zum Sturze der aristokratischen Regierung und zur Annahme einer demokratischen Verfassung führte. Von 1836 bis 1846 beherbergte
Lenzburg das damals von Augustin Keller geleitete kantonale Lehrerseminar. Im Jahre 1858 beschloss der
Grosse Rat die Gründung einer kantonalen Strafanstalt in Lenzburg. Sie wurde im Jahre 1864 eröffnet und gilt noch heute
als eine Musteranstalt dieser Art. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Bürgerschaft von Lenzburg durch bedeutende
dramatische und musikalische Aufführungen ausgezeichnet. Siehe Müller, J. DieStadt Lenzburg. 1867.