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Seite 20 Städtli-Zytig 10/2019 Marktregelungen in Bremgarten gab es schon im 14. Jahrhundert Man darf Geschichte nie vergessen. Wenn nun der 25. Christchindli-Märt gefeiert wird, dann muss auch ein Blick in die Ver- gangenheit sein. Das Bremgarter Stadt- recht und damit das Recht, Märkte abzu- halten, ist Hunderte Jahre alt. Die «alten» Bremgarter trieben immer Handel, waren Tuchhändler zu Como, zu Frankfurt und an der Zurzacher Messe. Der Stadtrodel aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestimmte: Wer jenseits der Reussbrücke wohnt, darf nicht bereits dort Waren einkaufen, die für den Markt be- stimmt sind. Gaststätten und Verkaufsbuden wurden dort nicht gelitten. Nur ein Bäcker durfte sein Brot und ein Schmied sein selbst- verarbeitetes Eisen feilhalten. Auf den Jahr- märkten erschienen fahrende Händler und fremde Kaufleute. Sie vermittelten Waren aus weiter Ferne: kostbare Stoffe, Gewürze, Spezereien, Geschmeide. Salz, Wein, Getrei- de und Tuche wurden an diesen Tagen auch von unternehmungslustigen Bremgartern gehandelt. Das Marktrecht war ein wesentlicher Teil des Stadtrechtes und der Markt genoss beson- deren Rechtsschutz. Der Rat führte Aufsicht über Mass, Gewicht und Münze. Eine eigene Münze besass die kleine Stadt aber nie. Der Markt spielte sich anfänglich unter frei- em Himmel ab, vor allem in der Marktgasse, die zwei Brunnen besass und vom Stadtbach durchflossen wurde. Schon früh suchte man verderbliche Waren vor den Unbilden der Witterung zu schützen. Bereits 1381 verlieh Herzog Leopold der Dritte von Österreich der Stadt Bremgarten die Einkünfte der Kaufhäuser und Schaalen (Fleischbänke), da sie solche «sowohl zum eigenen wie der Herrschaft Vorteil» errichtet habe. Im Laufe der Zeit erwarb die Stadt Häuser, die dem Umsatz bestimmter Produkte vorbehalten blieben. Nichtsperrige Güter – auch Korn – wurden im Kaufhaus am oberen östlichen Ende der Marktgasse, Hafer im 1527 errichte- ten «Haberhaus» gehandelt und gelagert. Auf den Zusammenhang mit Markt und Ge- werbe weisen auch alte Gassennamen hin: «Schwin» (heute Antoni-)gasse, «Korn-(Re- chen-)»gasse, «Metzgergasse» und «Weber- gasse» (oberer Teil der heutigen Schlosser- und einstigen Villingergasse). Der Stadt kamen bescheidene Benutzungsgebühren und beachtliche Zölle zugute. Die Obrigkeit strebte nach Beschränkung des Zwischen- handels, der die Waren verteuerte. So verbot man den «Fürkauf», den Vorweg- und Auf- kauf zur Beherrschung der Preise. Die Bürger hatten in vielen Fällen das Vorkaufsrecht. Für manche Waren galt Marktzwang, so für Fi- sche, die in den städtischen Fischenzen ge- fangen wurden. Wer den Fang nicht im eige- nen Haushalt verwenden konnte, hatte ihn auf dem Bremgarter Markt feilzuhalten. Dies galt auch für landwirtschaftliche Produkte aus dem Keller- und dem Niederamt. Sechs Jahres- und Viehmärkte Ausser dem für Lebensmittel reservierten Wochenmarkt gab es sechs Jahr- und Vieh- märkte. 1819 waren dies der Fasnachts-, der Oster-, der Pfingst-, der Bartholomäus- (24. August), der Allerheiligen- und der Weih- nachtsmarkt. Besonders gross war das Ein- zugsgebiet des Viehmarktes, das bis in die Innerschweiz und den Schwarzwald reichte. Die auch im «Städtlein von heute» (der Arti- kel erschien 1991 – die Redaktion) blühenden Jahrmärkte, vor allem am Oster-und Pfingst- montag, setzen eine jahrhundertealte Tradi- tion fort. Handel und Gewerbe zeigten das typische Bild einer Kleinstadt: weitgehende Befriedi- gung der Bedürfnisse durch Austausch in- nerhalb eines begrenzten eigenen Wirt- schaftsraumes; Beschränkung des Exportes auf landwirtschaftliche und wenige gewerb- liche Erzeugnisse; Einengung des Importes auf einige notwendige Güter und ausge- sprochene Luxusartikel. -- hr Viel beachteter Töpfer und Ledermacher, nachgestellt am «Markt der Vielfalt» – Mittelalterteil. Bild: Hans Rechsteiner Diese Darlegung ist ein leicht gekürzter Ausschnitt aus der Dissertation von Dr. phil. Eugen Bürgisser (1909– 2000), Historiker in Bremgarten. Sie trägt den Titel «Bremgarten imMittelalter», editiert 1937. Zur Verfügung gestellt von Historiker Fridolin Kurmann. Wir danken.