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Michael Wesely, 1963 in München geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Er ist ein deutscher Fotograf, der besonders mit seinen extremen Langzeitbelichtungen und selbstgebauten Fotoapparaten, Lochkameras, Beachtung gefunden hat. Mit seinen extremen Langzeitbelichtungen hat Wesely einen eigenen Weg gefunden, Veränderung darzustellen. Der „Zwischenstand“, in dem das Motiv am längsten verweilt, hat den grössten Anteil am Bild. So gelangen unter anderem beeindruckende Studien der Entwicklung von Tulpen in einer Vase bis zum Verwelken oder vom Bau oder Abriss ganzer Gebäude. Auf dem Potsdamer Platz dokumentierte er beispielsweise die Bauarbeiten auf dem Areal von Daimler Chrysler mit Belichtungszeiten von bis zu 26 Monaten. Die fotografische Registrierung eines langen Zeitraumes mit einer Plattenkamera zum Teil über Jahre hinweg schafft so ein überzeitliches Bild der Realität, „macht die Zeit als Medium des Verschwindens sowie das Verschwinden der linearen Zeit selbst sichtbar.“ In den Jahren 2001 bis 2004 fotografierte Michael Wesely den Prozess des Umbaus des Museum of Modern Art in New York. In der Casa de Vidro in São Paulo verfolgte er anschliessend ein Jahr lang den Wandel der Natur in den wechselnden Lichtverhältnissen.
Über die Jahre 2003 bis 2010 entstanden Michael Weselys und Lina Kims Fotos von Brasília, belichtet jeweils von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Daneben werteten sie historisches, auch bis dahin unveröffentlichtes Bildmaterial aus verschiedenen Stadt- und Zeitungsarchiven der auf zuvor völlig freier Landschaft gebauten, 1960 eingeweihten brasilianischen Hauptstadt aus. Rund 300 Prints, die den Bauprozess dokumentieren, zeigten Wesely und Kim in Ausstellungen in Kiel und Ulm. 1500 dieser zwischen 1958 und 1964 entstandenen, von ihnen farblich rekonstruierten Fotos veröffentlichten sie in einem in Brasilien erschienenen Bildband. 2018 setzte er ursprünglich für das Landhaus Lemke in Berlin-Weissensee von Ludwig Mies van der Rohe im Jahr 1932 entworfene Möbel für das Kunstgewerbemuseum Berlin in Szene. Die Serie trägt den Titel Doubleday. Michael Wesely hat dazu historische Fotografien von der Innenausstattung von Haus Lemke mit aktuellen Aufnahmen des Hauses zu einem Bild verschmolzen, in dem Raum und Zeit genauso wie verschiedene Lichtstimmungen von damals und heute ineinander übergehen. Michael Wesely war Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Seine Werke finden sich zum Beispiel im Museum of Modern Art in New York, dem Kunstmuseum Bonn und der Staatsgemäldesammlung Moderne Kunst in München.
Er ist mit der brasilianischen Künstlerin Lina Kim verheiratet.