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Umweltbedingte Ungleichheiten in verschmutzten Umgebungen
In Zeiten einer globalen Umweltkrise ist es dringend notwendig, die Auswirkungen der Umweltverschmutzung auf die Menschen und ihr tägliches Leben zu untersuchen. Dies ist besonders wichtig in abgelegenen Gebieten wie Taranto, in der Peripherie Europas, wo es keine Umweltkontrollen gibt und wirtschaftliche Interessen und Arbeitsplätze Vorrang vor der Gesundheit haben. Taranto, bekannt als territorio malato (kranke Umwelt), ist ein Gebiet mit hohem Umweltrisiko und beherbergt das größte und umweltverschmutzendste Stahlwerk Europas. Die Stadt ist für 80% der Dioxinemissionen Italiens und fast 10% der europäischen Dioxinemissionen verantwortlich (Europäische Kommission, 2016). Aufgrund der hohen Dioxinwerte haben die Einwohner von Taranto ein höheres Risiko für einen frühen Tod, Atemwegserkrankungen, Fortpflanzungsprobleme und Krebs (Mangia et al., 2013). Trotz fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Gesundheitsprobleme der Einwohnenden im Zusammenhang mit der industriellen Umweltverschmutzung, schieben Politiker*innen und Medien die Schuld an den Gesundheitsproblemen der Einwohnenden häufig auf ihre "ungesunde Lebensweise" wie beispielsweise Rauchen und schlechte Essgewohnheiten (Greco, 2016). Wie Umweltwissenschaftler*innen weltweit argumentiert haben, basiert eine solche Stigmatisierung auf alten Stereotypen und historischen Darstellungen des "Südens" als "rückständig" und "minderwertig" gegenüber dem Norden. Das Projekt ist in den Gesundheitsgeographien angesiedelt, die untersuchen, wie die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Material und Umwelt die Gesundheit, Wohlbefinden und Überleben formen und einschränken (Brown et al., 2018). Ich kombiniere Gesundheitsgeographien mit der Wissenschaft von der Umweltgerechtigkeit, die argumentiert, dass die Umweltverschmutzung bestimmte Menschen an bestimmten Orten betrifft und Umweltungleichheiten in Bezug auf Rasse, Geschlecht, Klasse und andere soziale Kategorien verstärkt (Pulido, 2017a). Dieses Projekt zeigt die ungleichen Belastungen und Vorteile industrieller Produktionsstätten in Europa auf, die im öffentlichen Diskurs und in der Forschung immer noch weitgehend ignoriert werden - trotz des zunehmenden Bewusstseins und Protests gegen globale Umweltprobleme. Die Studie fragt daher: Wessen Gesundheit ist wichtig? Wie erleben die Einwohnenden von Taranto das Leben in einer verschmutzten Umwelt und wie wirkt sich dies auf ihr tägliches Leben aus? Das Projekt antwortet auf die dringende Forderung, herauszufinden, was Ungleichheit in der Umwelt bedeutet, und ergänzt daher epidemiologische Studien über verschmutzte Umwelt.
Project Timeline
2019-2022
Involved Researcher
Maaret Jokela-Pansini, Universität Bern