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Die Stadt Bern wurde im Jahre 1191 gegründet. 1250 und 1340 waren Stadterweiterungen notwendig. Da die Stadt ursprünglich in Holz erbaut wurde, ist anzunehmen, dass die Holzhandwerker in grosser Zahl bereits zu Beginn in der Stadt vertreten waren.
Zünfte entstanden im 13. Jahrhundert vor allem als Berufsorganisationen; teilweise haben sie ihre Wurzeln in religiösen Bruderschaften. Die Zünfte – in Bern meist Gesellschaften genannt – nahmen auch soziale Aufgaben wahr, indem sie als Solidargemeinschaft in der Lage waren, ihren Angehörigen und deren Familien in Notlagen wie Krankheit, Unfall oder Tod beizustehen und sie zu unterstützen.
Wir wissen nicht, wann sich die Holzhandwerker in Bern zu einer Zunft zusammenschlossen. Die erste urkundliche Erwähnung organisierter Holzhandwerker in Bern geht auf das Jahr 1314 zurück. Damals beklagten sich die Küfer beim Rat der Stadt, dass die Gerber das Wasser verunreinigt hätten.
Die Gesellschaft zu Zimmerleuten umfasste die vier im Wappen der Gesellschaft dargestellten Handwerksberufe des Zimmermanns, Wagners, Küfers und Schreiners sowie die im Wappen nicht vertretenen Dachnagler.
Die rechtliche Stellung der Gesellschaften und Zünfte der Stadt Bern sowie ihre Aufgaben haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. 1536 übertrug die bernische Gerichtssatzung den Zünften das Vormundschaftswesen. Mit der Bettelordnung von 1676, die der Beheimatung verarmter Leute diente, wurde zusätzlich das Fürsorgewesen den Zünften übertragen. Den Gesellschaften und Zünften verblieben die Aufgaben des Vormundschaftswesens auch mit dem Schweizerischen Zivilgesetzbuch von 1907 und diejenigen der Sozialhilfe mit dem Sozialhilfegesetz von 2001. 2013 wurde das Vormundschaftswesen durch den Kindes- und Erwachsenenschutz abgelöst. Die Gesellschaften und Zünfte bleiben nach wie vor dafür zuständig. Die Befugnisse in diesem Bereich werden durch die burgerliche Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde wahrgenommen. Die Behörde wird durch die Burgergemeinde Bern geführt, zusammen mit den Gesellschaften und Zünften von Bern sowie den Burgergemeinden Aarberg, Biel, Bözingen, Burgdorf und Thun.
Durch die Wahrnehmung öffentlich-rechtlicher Aufgaben änderte sich auch die Rechtsstellung der Gesellschaften und Zünfte. Aus ursprünglichen Handwerkerverbindungen wurden durch die Kantonsverfassung und das Gemeindegesetz anerkannte öffentlich-rechtliche Körperschaften. Diese typisch bernische Verbindung von administrativem Pragmatismus und Tradition funktioniert bis heute. Nach wie vor steht der Gedanke der Solidargemeinschaft im Vordergrund, die die Einzelnen stützt, die in Not geraten oder sonst bedürftig sind.