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«Ein Fernglas ist dafür optimal»
Ein kleiner Himmelskörper mit dem Namen «2012 DA14» rast derzeit in einem Höllentempo auf die Erde zu. Heute Freitagabend wird er in relativ geringem Abstand an unserem Planeten vorbeiziehen. ETH Life unterhielt sich mit dem ETH-Astronomen Michael Meyer darüber, wie man den Asteroiden beobachten kann, und über die Gefährlichkeit solcher Objekte.
Professor Meyer, werden Sie heute Abend zum
Himmel schauen?
Leider werde ich nicht dazukommen. Ich werde damit beschäftigt sein, in den französischen Alpen Studierende zu unterrichten.
Sofern das Wetter mitspielt, wird man den Asteroiden «2012
DA14» hierzulande jedoch sehen können, oder?
Ja, allerdings nicht mit dem blossen Auge. Das vom Asteroiden reflektierte Sonnenlicht ist dreimal schwächer als das schwächste, was man mit dem Auge sehen kann. Mit einem Fernglas sollte man den Himmelskörper jedoch sehen können.
Und mit den grossen Teleskopen.
Nein, die Grossteleskope eignen sich nicht dafür. Der Asteroid wird sich schnell bewegen. Mit den Teleskopen kann man langsame Bewegungen nachführen, etwa die Himmelsbewegung. Man kann mit ihnen sehr gut Sterne beobachten. Mit einem richtig guten Teleskop, mit dem man auch hochaufgelöste Bilder aufnehmen kann, wird es schwierig sein, der Asteroidenbewegung zu folgen. Ein Fernglas ist optimal für diese Art von Himmelskörpern.
«2012 DA14» wird sich der Erde laut Berechnungen bis auf
27‘000 Kilometer nähern und schliesslich an ihr vorbeiziehen. Man spricht auf
Englisch von einem «Flyby». Wie häufig ist ein solches Ereignis?
In unserem Sonnensystem gibt es viele Asteroiden, die meisten davon befinden sich im sogenannten Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter. Nur sehr wenige Asteroiden bewegen sich auf Umlaufbahnen, auf denen sie der Erde zeitweise sehr nahe kommen. Man nennt diese Himmelskörper «erdnahe Objekte». Unter diesen grundsätzlich seltenen Objekten sind kleine Vertreter allerdings die häufigsten. Mit seinem Durchmesser von 45 Metern gilt «2012 DA14» als klein. Ein Flyby eines solchen Typs kommt vielleicht alle 40 Jahre vor.
Und wie oft ist mit einer Kollision eines solchen Objekts
mit der Erde zu rechnen?
Vielleicht alle 1000 Jahre. Das letzte Mal, als ein vergleichbarer Asteroid der Erde sehr nahe kam, war 1908 beim sogenannten Tunguska-Ereignis in Sibirien. Damals trat ein Asteroid in die Erdatmosphäre ein und explodierte kurz bevor er auf die Erdoberfläche getroffen wäre. Diese Explosion über einem Wald walzte eine Fläche von der Grösse einer Kleinstadt platt, glücklicherweise in einem ungewohnten Gebiet. Man schätzt die Heftigkeit jener Explosion auf ein Äquivalent von mehreren Megatonnen des Sprengstoffs TNT.
Könnte mit «2012 DA14»
dasselbe passieren?
Nein, dieser Asteroid wird nicht in die Erdatmosphäre eintreten. Nach den Berechnungen, unter anderem der Nasa, liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei null. Die Nasa hat «2012 DA14» vor einer Woche von ihrer Asteroiden-Gefahrenliste gestrichen.
Wir brauchen uns also heute keine Sorgen zu machen?
Nein, es ist sehr klar, dass dieser Asteroid der Erde nicht gefährlich wird. Die Frage nach der Gefährlichkeit von Asteroiden ist zwar interessant. Asteroiden beunruhigen mich persönlich im Allgemeinen jedoch nicht. Denn die kleinen unter ihnen, die in die Erdatmosphäre eintreten, verglühen meistens. Und die grossen Asteroiden, die bei einem Aufprall unser Leben tatsächlich beeinflussen würden, sind extrem selten. Die Ausrottung der Dinosaurier steht ja möglicherweise im Zusammenhang mit dem Aufprall eines Asteroiden. Das war aber vor 65 Millionen Jahren, einer sehr langen Zeit.
Der Asteroid «2012 DA14» wird jedoch die Umlaufbahnen von
Satelliten kreuzen. Kann es da zu Kollisionen kommen?
Das Spezielle an diesem Asteroiden ist tatsächlich, dass er der Erde relativ nahe kommt. Eine Kollision mit einem Satelliten kann nach meinem Dafürhalten nicht komplett ausgeschlossen werden, die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch sehr, sehr klein. Man muss berücksichtigen, dass die Zahl der geostationären Satelliten, die in der Höhe von 36‘000 Kilometern um die Erde kreisen, verhältnismässig klein ist. Sie liegt bei einigen hundert. Wegen dieser geringen Satellitendichte ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Asteroid einen Satelliten trifft.
Zur Person
Michael Meyer (45)
ist Professor am Institut für Astronomie. Sein Hauptforschungsgebiet ist die
Entstehung von Sternen und Planeten. Er untersucht unter anderem, unter welchen
Umständen aus Gas- und Staubwolken im Weltall neue Sterne entstehen können, und
was dazu führt, dass sich um solche Sterne Planeten bilden können.
Weitere Informationen zum Asteroiden «2012 DA14» sind unter anderem im Blog universetoday.com (auf Englisch) zu finden, Informationen zu seiner Beobachtbarkeit in Mitteleuropa unter anderem auf astronomie.info