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In den Akten des Staatsarchivs Luzern taucht während des Ersten Weltkriegs das «Terror Institut Luzern» auf. Ein eingebürgerter Deutscher liess es im Handelsregister eintragen. Doch war die Tätigkeit des «Terror Instituts» so gefährlich, wie es sein Name vermuten lässt?
Was fällt Dir beim Wort Terror ein? Sind es die Bilder von 9/11, die sich in unser kollektives Gedächtnis gebrannt haben? Oder denkst du an die Anschläge der RAF, Aum Shinrikyo oder an den ursprünglichen Begriff des Staatsterrors? Wohl kaum wird die Stadt Luzern mit dem Begriff Terror in Verbindung gebracht. Was hat also das «Terror Institut» mit all dem zu tun?
«Herstellung und Vertrieb chemischer und bakteriologischer Präparate»
Im Staatsarchiv Luzern finden sich nur zwei Hinweise, dass es überhaupt ein sogenanntes «Terror Institut» in Luzern gab: die An- und Abmeldung im Handelsregister 1917 respektive 1919. Der Inhaber dieser Firma war Karl Fabel, der in Luzern wohnte. Fabel wurde 1856 in Frankfurt am Main geboren und erhielt 1906 das Bürgerrecht der Stadt Luzern. Vor der Gründung des «Terror Instituts» war er Direktor und Verwaltungsratspräsident der Ofenfabrik Sursee.
Der Zweck des Unternehmens ist auf den ersten Blick ziemlich ominös: «Herstellung und Vertrieb chemischer und bakteriologischer Präparate und Handelsgeschäfte aller Art.» Während des Ersten Weltkriegs fand gleichzeitig ein Aufschwung in der chemischen Industrie statt. Hat das «Terror Institut» also etwa sogar mit dem deutschen Einsatz von Giftgas an der Westfront seit 1915 zu tun?
Eher unwahrscheinlich, denn als Standort des «Terror Instituts» im Handelsregister ist die Wohnadresse von Karl Fabel, auf Musegg 4 in Luzern angegeben. Das war ein Wohnhaus direkt neben der Museggmauer zwischen dem Männli- und dem Wachturm. Platz für grosse Fabrikanlagen oder viele Angestellte gab es hier nicht. Und wenn, dann wäre das «Terror Institut» sicher weiter aktenkundig geworden.
Aus dem Handelsregistereintrag, der 1919 «infolge Aufgabe des Geschäfts und Verzichts des Inhabers» erloschen ist, geht aber nicht hervor, was das «Terror Institut» in den zwei Jahren genau gemacht hat.
Bienenhäuser und Schädlingsbekämpfung
Erst durch Zufall hat Markus Lischer, verantwortlich für die digitale Langzeitarchivierung im Staatsarchiv Luzern, vor vier Jahren den tatsächlichen Zweck des Unternehmens entdeckt. Dieser war bei weitem nicht so gefährlich wie es der Firmenname erahnen lässt.
Der entscheidende Hinweis findet sich in einer Ausgabe der Schweizerischen Bienenzeitung aus dem Jahr 1929: Dort erwähnt ein Autor, dass er Ameisen in seinem Bienenhaus mit «weissem Ameisenpulver vom «Terror Institut» Luzern bekämpft habe. Das «Terror Institut» Luzern hat also weder mit Terrorismus, wie wir ihn uns heute vorstellen, noch mit Giftgaseinsätzen an der Westfront zu tun, sondern stellte ein herkömmliches Mittel zur Schädlingsbekämpfung her.
Weitere Recherchen nötig
2017 gab es noch einen weiteren kleinen Nachtrag zum «Terror Institut»: In den Jahren 1916 und 1917 bot Karl Fabel der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung erfolglos zwei Bücher zur Veröffentlichung an. Beide hatten aber keinen Bezug zum «Terror Institut» selbst und bei den angebotenen Erzählungen im Jahr 1916 war Karl Fabel überhaupt nicht als Autor aufgeführt.
Die Informationen, welche es zum «Terror Institut» im Staatsarchiv Luzern gibt, sind also ziemlich spärlich und lassen keinen eindeutigen Schluss auf die Tätigkeit der Firma von Karl Fabel zu. Nur durch weitere Recherchen konnte Markus Lischer mehr über das Unternehmen herausfinden. Wir haben uns mit ihm unterhalten und gefragt, was es mit dem Namen «Terror Institut» auf sich hat.
zentralplus: Hat sich seit dem Nachtrag von 2017 noch etwas zum «Terror Institut» ergeben?
Markus Lischer: Nein, seither habe ich keine neuen Informationen erhalten und habe auch bei einer erneuten Recherche nichts Wesentliches gefunden.
zentralplus: Was hat es eigentlich mit dem Namen «Terror Institut» auf sich? Dieser weckt aus heutiger Sicht ja völlig andere Assoziationen.
Lischer: Ich bin auch über diesen Namen gestolpert und habe mich gefragt, was das soll und was dies für einen Zusammenhang hat. Wenn man sieht, dass Karl Fabel ein Deutscher war und es um Chemie ging, dann denkt man in dieser Zeit schnell an Giftgas. Aber erst später habe ich herausgefunden, dass es beim «Terror Institut» um Ameisenpulver ging.
Sonst habe ich keine weiteren Informationen zum Namen. Ich glaube aber nicht, dass wir von unserem heutigen Verständnis vom Begriff Terror ausgehen können, um herauszufinden was der Firmenname bedeutet. Da habe ich leider auch keine Ahnung.
zentralplus: Wie geht man dann also einem Thema nach, wenn man nur so wenige Informationen besitzt, wie hier beim «Terror Institut» von Karl Fabel? Wie kann man das einordnen?
Lischer: Das kommt häufiger vor, als man denkt. Der Eintrag auf der Website des Staatsarchivs ist aus dem Handelsregister entstanden, wo über 25’000 Luzerner Firmennamen erfasst sind. Bei den meisten besitzt man kaum mehr als den Eintrag und die Löschung aus dem Handelsregister. Genauso wie es beim «Terror Institut» der Fall ist.
zentralplus: Ist es also eher die Ausnahme als die Regel, dass daraus etwa eine Aufarbeitung der Firmengeschichte entsteht?
Lischer: Nur allein mit diesen staatlichen Akten, die uns vorliegen, kann man keine Firmengeschichte schreiben. Und in häufigen Fällen hatte man wirklich nur diese Aktenstücke, die An- und Abmeldung einer Firma im Handelsregister. In der Regel gibt es sonst nichts, weder von Firmen noch von privaten Einzelpersonen. Es kommt also sehr häufig vor, dass man wie beim «Terror Institut» nichts herausfindet und das muss man zu einem gewissen Mass akzeptieren.
Es gibt aber ein paar Möglichkeiten, ins Archiv zu kommen: Entweder man wird Politiker, man wird straffällig oder man kauft ein Haus. In diesen Fällen gibt es zumindest eine Spur. Die Straffälle sind am spannendsten, denn sobald ein Fall vor Gericht geht, entstehen weitere Unterlagen, woraus wir heute das Vergehen rekonstruieren können.
zentralplus: Beim «Terror Institut» kennen wir ja nur die Namen des Firmeninhabers Karl Fabel, seiner Frau und ihrer Kinder sowie seine früheren Anstellungen, sonst nichts.
Lischer: Genau. Es kann aber durchaus sein, dass diese Firma gar nicht so viel gemacht hat. Über weitere Mitarbeiter ausser Fabel ist zudem nichts bekannt. Vermutlich hat sie also nichts Aufsehenerregendes hergestellt. Hätte jetzt Fabel in der Schweiz tatsächlich mit Giftgas gehandelt, dann wäre die Sache natürlich anders. Nun ist es aber so, dass Ameisenpulver weitaus unspektakulärer ist als Giftgas. Vielleicht war es auch so, dass Fabel nur mit Kleinstmengen operiert hat.
zentralplus: Müssen wir also den jetzigen Informationsstand zum «Terror Institut» akzeptieren?
Lischer: Eine Möglichkeit wäre es, Zeitungen zwischen 1917 und 1919 anzuschauen und diese auf Werbeanzeigen der Firma zu prüfen. Leider haben wir in Luzern keine digitalisierten Zeitungen online, was die Arbeit zusätzlich erschwert. Man kann also keine schnelle Stichwortsuche durchführen und benötigt entsprechend viel Zeit.
Ich sehe das «Terror Institut» deshalb eher als «nice to know» an. Wir wissen, dass es zur Zeit des Ersten Weltkriegs eine Firma in Luzern mit diesem Namen gab und was sie gemacht hat, aber darüber hinaus ist wirklich nichts vorhanden. Und auf eine Art ist das auch ein spannendes Resultat, denn «no news» können auch «good news» sein.
Ja
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