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«Mein Mann und ich werden Nacht für Nacht von unseren Kindern geweckt, die noch nicht allein schlafen können. Irgendwann liegen beide Kinder bei mir im Elternbett und mein Mann schläft auf dem unbequemen Sofa weiter. Auch ich schlafe dann schlecht, weil es mit zwei Kindern zu eng ist.»
In meinen Beratungen stelle ich immer wieder fest, dass die Schlafsituation in vielen Familien alles andere als optimal ist. Die geplante Schlafanordnung entspricht meistens nicht der Realität. Damit meine ich, dass zum Beispiel im Elternschlafzimmer ein Doppelbett steht (sehr oft nur 160 Zentimeter breit), daneben ein Beistellbettchen für das Baby und im Kinderzimmer ein Kinderbett für den grossen Bruder (siehe Illustration unten). Wenn jeder dieser vierköpfigen Familie dort (gut) schlafen würde, wo es eigentlich «geplant» ist, dann wäre gegen die Anordnung der Schlafplätze nichts einzuwenden.
Im Gespräch stellt sich aber heraus, dass das Baby – wenn überhaupt – nur Anfang nachts im Beistellbettchen liegt. Danach wird es nach der x-ten Stillmahlzeit nicht wieder zurück gelegt, weil die Mama einfach irgendwann zu müde ist. Mitten in der Nacht trippeln die kleinen Füsschen des «grossen» Bruders ins Elternschlafzimmer und kriechen in das bereits dreifach belegte Doppelbett. Wenn der Papa noch Energie hat, trägt er den «Eindringling» wieder zurück in sein Bett. Nach dessen zweiten Besuch zieht er sich dann aber selbst (genervt) ins Wohnzimmer zurück, wo er den Rest der Nacht auf dem Sofa verbringt. Dort erwacht er morgens unerholt, während die Mama den Rest der Nacht zwischen zwei mehr oder weniger zappligen Kindern verbracht hat …
Bei vielen Familien steht das schön eingerichtete Kinderzimmer nachts meistens leer, während sich die ganze Familie auf eine viel zu enge Schlaffläche quetscht.
Verständlicherweise empfinden diese Eltern ihre Schlafsituation als unbefriedigend und erhoffen sich von mir die Lösung, damit doch bitte jedes Kind in seinem Bett ein- und durchschläft. Dass die Schlafsituation ungünstig ist, liegt aber nicht nur an der Tatsache, dass die Kinder nachts noch die Nähe Eltern brauchen – es liegt vielmehr daran, dass die Eltern Nacht für Nacht eine für alle Beteiligten unpassende Notlösung praktizieren.
Eine Untersuchung ist der Frage nachgegangen, ob gemeinsames Schlafen von Eltern und Kindern (sogenanntes Co-Sleeping) generell negativ erlebt wird. Dabei stellte sich Folgendes heraus: Familien mit kleinen Kindern lassen sich punkto Schlafen und Zufriedenheit ganz grob in drei Gruppen aufteilen. Zur ersten Gruppe gehören Eltern, deren Kind alleine im Zimmer schläft und damit gut klarkommt. Zur zweiten Gruppe gehören Eltern, die ihr Kind bewusst bei sich schlafen lassen und die den gemeinsamen Schlafplatz von Anfang an bequem, gross genug und sicher eingerichtet haben. Zur dritten Gruppe gehören alle Eltern, die eigentlich möchten, dass ihr Kind alleine schläft, die es aber dann doch Nacht für Nacht zu sich holen, weil das (noch) nicht klappt. Bei dieser dritten Gruppe steht das schön eingerichtete Kinderzimmer nachts meistens leer, während sich die ganze Familie auf eine viel zu enge Schlaffläche quetscht.
Es erstaunt nicht, dass die erste Gruppe mit ihrer Schlafsituation zufrieden ist. Aber auch die zweite Gruppe ist trotz nächtlichem Gewecktwerden durchaus zufrieden. Sie haben sich darauf eingestellt und passend eingerichtet. Unzufrieden ist nur die dritte Gruppe, die bei einer Dauer-Notlösung gelandet ist – ständig in der Hoffnung, dass es vielleicht diese Nacht besser läuft.
Wenn das Kind mehrheitlich bei den Eltern schläft, dann ist es sinnvoll, sich jetzt realistisch einzugestehen, dass das kindliche Bedürfnis nach nächtlicher Zuwendung nicht über Nacht wegfällt. Es ist in dem Fall besser und vor allem auch sicherer, von der belastenden Notlösung zu einer für alle Beteiligten angenehmen Schlafsituation zu wechseln – so lange, wie das eben nötig ist.
Je nach Familienkonstellation und Wohnraum gibt es sehr viele verschiedene Möglichkeiten, die Schlafsituation passend zu gestalten. Was sich aber meistens bewährt und auch in Wohnungen mit kleineren Zimmern möglich ist, sind zwei Doppelschlafplätze in zwei Räumen, nach Bedarf kann ein zusätzlicher Schlafplatz daneben installiert werden (siehe Illustrationen Variante 1 und Variante 2 als Beispiele). Jedes Familienmitglied verfügt idealerweise über einen ganzen Schlafplatz (sprich 90 Zentimeter). Vorteil: Die Erwachsenen haben genug Platz und die Kinder schlafen entspannt, da sie nicht alleine sind.
* Die Bernerin Sibylle Lüpold berät seit zehn Jahren Familien zum Thema Schlaf. In dieser neuen Rubrik wird sie in loser Folge typische Probleme und Irrtümer rund ums Thema Kinderschlaf ansprechen und Lösungsansätze liefern, die sich in der Praxis bewährt haben. Unser Interview mit ihr, das zu unseren meistgelesenen Texten gehört und vom «Tages-Anzeiger» in gekürzter Form publiziert wurde, könnt ihr hier nachlesen: «Einem Baby bringt es nichts, wenn es früh durchschläft»
Mehr Informationen und Beratungsadressen auch in anderen Regionen: www.1001kindernacht.ch