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Letzte Woche war die UBS-Woche. Die Aktie legte um 18 Prozent zu, dank einer radikalen Abkehr vom Investment Banking und der Rückbesinnung auf die alte Stärke, die Vermögensverwaltung. Über ein Jahr gesehen stieg der Wert der Bank um ein Drittel.
Nicht so bei der Credit Suisse: Im Wochenvergleich schaffte sie knapp 5 Prozent Zuwachs, übers Jahr verlor sie 3 Prozent. Da stellt sich die Frage, ob die Credit Suisse der grösseren Schwester wieder einmal folgen würde. Wahrscheinlich heisst die Antwort: Nein und Ja.
Nein, sie dürfte sich vom Investment Banking nicht radikal verabschieden. Ja, sie wird sich auf ihre alten Stärken besinnen. Und die liegen im Investment Banking. In den Genen der Credit Suisse ist das Investment Banking fest verankert, so wie die Vermögensverwaltung bei der UBS.
Das Stammhaus der CS Gruppe, die 1856 von Alfred Escher gegründete Schweizerische Kreditanstalt (SKA), war ab ihrer Gründung im Wesentlichen eine Investment Bank oder Banque d’Affaires. Man finanzierte Eisenbahnen, insbesondere die Gotthardbahn, und gründete weltbekannte Versicherungsgesellschaften.
Die SKA spielte eine führende Rolle bei der Entstehung industrieller Grossunternehmen und der Schaffung von Elektrizitätswerken. Auch international ging die SKA ihren Konkurrenten weit voraus.
Bereits 1939 gründete sie in New York eine kleine Investment Bank, die Swiss American Corporation, bei der Rainer E. Gut, der prägende CS-Manager der neueren Zeit, 1971 seine Laufbahn in der Credit Suisse begann.
Der 12. Juni 1962 war die frühe Geburtsstunde des Vorstosses der Bank ins amerikanische Investment Banking. Man übernahm von der amerikanischen Investment Bank White, Weld & Co. deren Tochtergesellschaft in Zürich.
In der Folge arbeitete die SKA vermehrt mit White Weld zusammen und wurde 1974 zur grössten Aktionärin der gemeinsamen Tochtergesellschaft WW Trust.
In einer turbulenten Zeit entwickelte sich aus der Verbindung mit White Weld ab 1978 das Zusammengehen mit der New Yorker Investment Bank First Boston. 1990 erhielt die CS die Mehrheitskontrolle an diesem „Bulge-Bracket“-Wallstreethaus.
Die Credit Suisse war damit die erste nichtamerikanische Gesellschaft mit einer Mehrheitsbeteiligung an einer US-Investmentbank.
Seit 2006 tritt die Credit Suisse als integrierte globale Bank auf. Heute arbeiten 42 Prozent des Personals im Bereich Investment Banking, bei der UBS sind es lediglich 26 Prozent.
Das Investment Banking steckt aber nicht nur in den Genen der Credit Suisse. Die Bank ist heute auch fest in der Hand der angelsächsischen Investment Banker, die den Ast, auf dem sie sitzen, nicht absägen werden.
In der Geschäftsleitung unter dem Amerikaner Brady Dougan sitzen gleich viele Amerikaner wie Schweizer, zusammen mit den Briten dominieren die Angelsachsen das Gremium.
Auch im Verwaltungsrat sind die Schweizer mit 40 Prozent in der Minderheit. Und im Aktionariat bringt es die Schweiz nur knapp auf einen Drittel.
Unter diesen Umständen bei der Credit Suisse mit einem radikalen Ausstieg aus dem Investment Banking zu rechnen, ist nicht realistisch. Der Vergleich mit der UBS ist auch sonst fehl am Platz.
Die Investment Bank der CS ist rund ein Drittel grösser als die der UBS, und sie hat die Bank weder an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, noch hat sie Kweku Adoboli angestellt und befördert. Dafür sind die bei der UBS verwalteten Vermögen um 75 Prozent höher als bei der Credit Suisse.
Was wäre nach der Logik der Konzentration auf die eigenen Stärken die richtige Strategie für die Credit Suisse?
Das wäre die Stärkung des Investment Bankings und in einer „grossen Lösung“ der Ausstieg aus dem schweizerischen Privatkunden- und Firmengeschäft und aus dem Private Banking.
Im Gegensatz zum Investment Banking wären diese Teile des Geschäftes heute zu sehr guten Preisen verkäuflich. Das Price-/Book-Verhältnis liesse sich von heute 0,77 auf 1,50 sicher verdoppeln. Der Verkaufsgewinn würde das Kapital und damit die Schlagkraft der Investmentbank enorm stärken.
Wem diese Idee etwas extrem erscheint, könnte in einer „kleinen Lösung“ die Geschäftsfelder unter dem Dach der Credit Suisse Group AG entlang der aufgezeigten Linie neu gliedern.
Mit den zwei Rechtsgebilden Credit Suisse Group AG und Credit Suisse AG hat die Gruppe strukturell die idealen Voraussetzungen für einen solchen Schritt. Und praktische Erfahrungen mit dem Modell hat sie aus den Zeiten der CS-Holding auch.
Nicht nur die Anleger, sondern auch der Regulator würde die systemrelevante Credit Suisse dafür belohnen.
Die FINMA gewährt systemrelevanten Banken Erleichterungen, wenn diese ihre Sanier- und Liquidierbarkeit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus verbessern. In der gesetzlich vorgeschriebenen Notfallplanung für den Fall einer drohenden Insolvenz hat die Credit Suisse eine derartige Lösung sicher schon ausgearbeitet. Sie liegt bestimmt in einer Schublade bereit.