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Freier Goldhandel
«Goldstandard» ist gewissermassen ein irreführender Begriff. Man könnte irgendwelche Standards dahinter vermuten, mit welchen dem Gold künstlich monetäre Funktionen auferlegt werden. Einen Standard gibt es nicht. Das Gold wurde im 19. Jahrhundert durch die Gesetze des freien Marktes zum allgemein gebräuchlichen Tauschmittel d.h. zum Geld bestimmt. Unter dem Begriff «Standard» ist lediglich die Bereitschaft, die Gesetzte des freien Marktes zu respektieren, zu verstehen.
Ursprünglich war Geld in Form von Goldmünzen vorhanden. Die Regierungen boten jedoch ihren Bürgern bald an, ihr Gold in den Tresoren des Finanzministeriums zwischenzulagern. Da die Druckmaschine längst erfunden worden war, wurden für das gelagerte Gold Lagerscheine in Form von Banknoten ausgestellt. Diese nannte man Dollar, Britisches Pfund oder Französischer Franken. Ein Dollar war beispielsweise ein Lagerschein für 1/20, Britisches Pfund für 1/4 Unze Gold. Es ist wichtig zu unterstreichen, dass Banknoten kein Geld waren. Das Geld war Gold. Die Banknoten waren lediglich Stellvertreter-Zertifikate. Wenn beispielsweise eine Kuh für 10 Dollar zum Verkauf angeboten wurde, bedeutete dies, dass sie faktisch 1/2 Unze Gold kostete.
Gold war ein einfacher Indikator der Wirtschaftsleistung bzw. der Aussenbilanz eines Landes. Waren dessen Produkte konkurrenzfähig, stiegen die Exporte und Gold floss ins Land. Die erhöhte Goldmenge hatte aber auch eine regulierende Wirkung. Sie führte zum Preisanstieg der Waren im Inland, was wiederum den Export abbremste, bis sich die Preise auf einem höheren Niveau stabilisierten. Im umgekehrten Fall der negativen Aussenbilanz sorgte das Gold dafür, dass sich die Preise auf einem niedrigeren Stand stabilisierten. Im stabilen Zustand entspricht die Goldmenge (und damit auch die Preise) der Wirtschaftsproduktivität eines Landes. Der Goldstandard lässt Preis- und Lohnregulierungen nicht zu.
Die weltweite Goldmenge ist heute stabil. Die natürlichen Goldvorkommen sind so gut wie ausgeschöpft und den Alchemisten ist es noch nicht gelungen, Gold künstlich herzustellen. Wie kann dann unter dem Goldstandard der Geldbedarf für eine wachsende Wirtschaft gesichert werden? Ganz einfach: Durch die Preissenkung. Die Kaufkraft des Goldes steigt.
Der Goldstandard ist nicht gratis zu haben. Er ist mit hohen Resourcenkosten verbunden. Diese sind dadurch bedingt, dass Gold einen doppelten Zweck erfüllt: Als Geld und als Ware. Die Funktion als Geld treibt den Wert in die Höhe, so dass seine Verwendung als Ware, sei es im Juweliergeschäft, in der Medizin oder in der Elektronik, gefährdet ist. In der Funktion als Geld erscheint Gold in zwei Formen: Gelagert in der Staatsschatzkammer als Deckung der Banknoten und als Geld im Umlauf, als Goldmünze. Im stabilen Marktzustand hat die Goldmünze (als Geld) einen höheren Wert als ihr Goldinhalt (als Ware).
Die hohen Resourcenkosten sind jedoch mit dem Hauptvorteil des Goldstandards zu rechtfertigen. Er ist in seiner Funktion als «goldene Handschellen» für die Regierung zu sehen (Joseph T. Salerno – Money, Sound and Unsound – 2010). Die Regierung kann kein Geld aus dem Nichts schöpfen. Sie kann keine marktfremden Leitzinse diktieren und sie ist gezwungen, die Ausgabendisziplin zu halten. «Der Goldstandard ist die einzige Methode die wir bisher kennen, womit der Regierung die Finanzdisziplin auferlegt werden kann» (Friedrich August von Hayek – A Free-Market Monetary System – 1979).
Die «Schwäche» des Goldstandards ist, dass er für die Finanzierung des Wohlfahrtstaates nicht geeignet ist. Schleichende und versteckte Steuererhöhungen mittels Inflation oder Staatsverschuldung sind nicht möglich. Die Kosten des Wohlfahrtstaates müssen mit expliziten Steuererhöhungen gedeckt werden, was auf Widerstand der Steuerzahler stösst.
Der grösste «Nachteil» des Goldstandards ist jedoch, dass sich damit Kriege schlecht finanzieren lassen. Im Kriegsfall schwinden die Goldreserven schnell. Und so kam es im Ersten Weltkrieg zur Aufhebung des Goldstandards. Alle in den Krieg verwickelten Staaten druckten ungedeckte Banknoten. Nun wurden Banknoten zum Zeichengeld (Fiatgeld). Es kam zur absurden Situation, dass der Markt mit Fiatgeld versorgt wurde, obwohl der Goldstandard formell immer noch in Kraft war. Eine Erhöhung der Goldmenge wurde vorgetäuscht. Als Folge stiegen die Preise, während die Kaufkraft des Goldes sank. Die Kaufkraft der Goldmünzen sank unter dem Wert ihres Goldinhalts. Um ihr Gold zu retten, brachten es die Leute in neutrale Länder, wie beispielsweise nach Schweden. Das Land wurde mit Gold überflutet. Mit dem Gold wurde auch die Inflation importiert. Die Preise stiegen, weil die Goldmenge tatsächlich angestiegen war. Der Effekt war jedoch der gleiche: Die Kaufkraft der Goldmünzen sank unter den Wert ihres Goldinhalts. Die schwedische Regierung reagierte mit dem Stopp der Prägung neuer Münzen. Allmählich stieg die Kaufkraft der Goldmünzen über den Wert ihres Goldinhalts.
Das Beispiel aus dem Ersten Weltkrieg zeigt eine weitere Eigenschaft des Goldstandards. Der Schwindel mit Banknoten oder anderweitige Störungen auf dem Geldmarkt wirken international. Den Regierungen bleiben somit gewisse «Regulierungskompetenzen» vorenthalten.
Der (wahre) Goldstandard konnte nach dem Ersten Weltkrieg nie mehr restauriert werden. Grossbritannien versuchte in den 20-er Jahren ihn auf den Paritätsstand vor dem Ersten Weltkrieg wiederherzustellen (Britisches Pfund für 1/4 Unze Gold). Man ignorierte dabei, dass inzwischen dank der Inflation viel mehr Banknoten im Umlauf waren. Gold war damit stark unterbewertet und floss aus dem Land. 1931 wurde der Goldstandard in Grossbritannien aufgehoben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein internationaler Als-Ob-Goldstandard, genannt Bretton-Woods-System, installiert. Dies unter der Federführung des britischen Ökonomen John Maynard Keynes, dem die Österreichische Schule der Ökonomie nachgewiesen hat, dass er die Funktion des Geldes nie richtig verstanden hat. Demzufolge war das Bretton-Woods-System nach dem Prinzip des Perpetuum mobile konstruiert:
- Feste Wechselkurse: Dollar an Gold, restliche Währungen an Dollar
- Freier internationaler Handel
- Autonome Geldpolitik
Dank der autonomen Geldpolitik konnten die USA Fiatgeld ohne Rücksicht auf den internationalen Handel drucken. Die Inflation regte ihrerseits den Goldabfluss an. Am 15. August 1971 reichten die Goldreserven der USA nur noch für drei Wochen. Am selben Tag erklärte Präsident Nixon das Goldfenster für geschlossen. Die USA setzten das Bretton-Woods-System ausser Kraft.
Seit 1971 leben wir im Zeitalter des Fiatgelds. Heutzutage befinden sich die Zentralbanken in einem Deliriums-Zustand. Es gibt einen Wettkampf darüber, wer mehr Geld drucken kann. Es scheint, dass wir vom Goldstandard weit mehr entfernt sind als je zuvor. Aber etwas Interessantes ist zu beobachten: Der Goldpreis steigt raketenartig. Auf dem freien Markt wird Gold bereits zum Reserve-Standard.
Die «Österreicher» lehren uns: Eine (erprobte) Alternative zum Goldstandard gibt es nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er wieder eingeführt werden muss. Je später, desto schmerzhafter.
Die Einführung des Goldstandards «über Nacht» wird nicht möglich sein. Der gesamten Goldmenge stehen heute Unsummen von Banknoten gegenüber. Um alle Banknoten mit Gold decken zu können, müsste der heutige Goldpreis um das Zigfache erhöht werden. Ein Umdisponieren der Goldmenge zwischen den Staaten gemäss ihrer Wirtschaftsleistung müsste ebenfalls vollzogen werden. Die wichtigste Frage bleibt jedoch offen: Wie kann sichergestellt werden, dass sich die Regierungen an den Standard halten?