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Reichenau
(Kt. Graubünden,
Bez.
Imboden, Kreis
Trins, Gem.
Tamins). 590 m.
Weiler in sehr schöner Lage am Zusammenfluss des
Vorderrhein
und des
Hinterrhein, 300 m s.
Tamins. Bei
Reichenau zweigt die Oberländerstrasse von der untern Kommerzialstrasse
(Chur-Thusis-Splügen) ab und verzweigt sich die
Rätische Bahn (Station) in die Linien nach
Thusis-Engadin und nach
Ilanz. Postbureau,
Telegraph, Telephon; Postwagen nach den
Waldhäusern-Flims. 5
Häuser, 89 reform. Ew. deutscher Zunge.
Kirchgemeinde
Tamins.
Reichenau bildete einen Bestandteil der im Besitz der
Herren von
Werdenberg-Heiligenberg befindlichen
Herrschaft
Hohentrins. Der Name «
Reichenau», der urkundlich
zum erstenmal 1400 erscheint, ist sehr wahrscheinlich zu erklären aus den Beziehungen der
Heiligenberger Linie des
Werdenberger
Hauses zu der Abtei
Reichenau im
Untersee. Zuerst bildete
Reichenau, wo eine
Brücke über den
Rhein führte, wohl nur eine Zollstätte. 1431 ging
die
Herrschaft
Hohentrins durch Erbschaft in den Besitz derer von Howen über, als deren bekanntester Vertreter
der
Bischof Heinrich von Höwen (1491-1503) zu nennen ist, der infolge seiner schwankenden Haltung während des Schwabenkrieges
eine sehr unlöbliche
Rolle spielte. 1568 erwarb Dr. Joh. von Planta,
Herr von
Rhäzüns, die
Herrschaft
Hohentrins und vereinigte
sie mit derjenigen von
Rhäzüns. Nach seinem 1572 erfolgten Tod auf dem Schaffott kam die
Herrschaft durch
seine Tochter an die Familie von
Schauenstein, der sie 150 Jahre lang verblieb.
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mehr
Nachdem die Gemeinde Hohentrins sich 1616 von der Herrschaft losgekauft hatte, bestand diese, die von nun an Herrschaft
Reichenau
hiess, nur noch aus der Gemeinde Tamins. 1739 erhielt der letzte Schauensteiner von Kaiser Karl VI. das Münzrecht. Er vermachte
die Herrschaft seinem Schwestersohn J. A. von Buol, der in der Folge seinem Namen noch den von Schauenstein
beifügte. Infolge der politischen Wirren, welche seit Ausbruch der französischen Revolution den Freistaat der drei Bünde
beunruhigten, verkaufte Freiherr Joh. Ant. von Buol-Schauenstein 1792 die Herrschaft an Simeon von Bavier, A. Vieli und J. B.
von Tscharner.
Letzterer verlegte seine bis anhin in Jenins untergebrachte Erziehungsanstalt in die Räume des Schlosses
zu
Reichenau. An dieser Anstalt wirkte vom November 1793 bis Ende Juni 1794 als Lehrer des Französischen und der Mathematik
unter dem Namen Chabot der flüchtige junge Herzog von Chartres, nachmals Herzog von Orléans und 1830-1848 König Ludwig
Philipp von Frankreich. 1796 übernahm Heinrich Zschokke die in ihrem Ansehen sehr gesunkene Anstalt
und verhalf ihr für kurze Zeit zu neuer Blüte.
Die fortwährenden politischen Unruhen waren jedoch einem andauernden Gedeihen der Anstalt sehr hinderlich, so dass sie 1798 Schüler
und Lehrer verliessen. 1799 brannte die über den vereinigten Rhein führende Brücke ab. Durch die Revolution
war Tamins von der Herrschaft frei und
Reichenau selbst der Gemeinde Tamins eingefügt worden. Während der Mediationszeit war
Reichenau der Sitz einer Bergwerksgesellschaft. 1817 riss das Hochwasser die Brücke über den vereinigten Rhein weg und wurde
eine neue Bogenhängewerkbrücke geschlagen.
Durch Kauf kam
Reichenau hierauf in den Besitz von U. v. Planta (Samaden), der sowohl das Schloss als den
Garten wesentlich verschönerte. Es ist heute noch im Besitz dieser Familie.
Reichenau behielt seine Bedeutung als Zollstätte
bis zur Ablösung der Zölle durch die Eidgenossenschaft bei. Besondere Bedeutung erlangte es durch seine Lage an der Vereinigung
beider Rheine und an der Gabelung der Strasse und der Eisenbahn nach dem Vorder- und Hinterrheinthal.
Vergl. Muoth, J. C. Aemterbücher des Bistums Chur. Chur 1898; Planta P. C. Die currätischen Herrschaften in der Feudalzeit.
Bern
1881; Kind, Chr. Schloss
Reichenau. Chur 1883.