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Wolfgang Bayer, ein deutscher Investor, will sich in Nidwalden rechtliches Gehör verschaffen. Er zweifelt, ob es je dazu kommt: «Es ist wohl Zeit- und Geldverschwendung, hier auf Recht und Gesetz zu vertrauen.» Im Februar 2006 reichte er Strafanzeige wegen Betrugs gegen den ehemaligen Filialleiter der Nidwaldner Kantonalbank (NKB) in Stansstad und gegen einen Bauunternehmer ein. Das kantonale Obergericht hat die Akten nun, nach über einem Jahr, an den Verhörrichter für Wirtschaftsdelikte der Kantone Nidwalden, Obwalden und Uri weitergeleitet. Es wird weiter dauern: Einen Zeitpunkt für «einen eventuellen Abschluss dieser Verfahren» zu nennen wäre fahrlässig, schreibt das Obergericht.
Doch am meisten ärgert sich Bayer über einen Brief des Bankrats der NKB. Dort heisst es, dass der beschuldigte Banker «als Privatperson und nicht als Funktionär der Bank» gehandelt habe; dies obschon Bayer den Bankdirektor in dessen Filiale in Stansstad getroffen hatte. Der schweizerische Bankenombudsmann Hanspeter Häni äussert sich zu einer solchen Situation grundsätzlich: «Es kommt immer auf die Umstände an. Wenn aber gegenüber einem Bankkunden der Eindruck erweckt wird, die Bank sei in der Geschäftssache engagiert, dann ist sie auch in der Verantwortung.»
Zappeln im Nidwaldner FilzIn seinem Büro fädelte der Banker vor drei Jahren, kurz vor seiner Pensionierung, ein Geschäft zwischen Bayer und dem Bauunternehmer Josef Klein mit ein. Es ging um eine Beteiligung Bayers an der Res.Sep Group, einer Firma für Beschichtungen und Bautenschutz. Nachdem bereits Vorgespräche geführt worden waren, drängte Klein an der Sitzung in der Bankfiliale auf einen Abschluss. Er verwies auf weitere Interessenten und erwähnte Patente von nanotechnologischen Produkten, die bei einer deutschen Bank hinterlegt seien. Der NKB-Filialleiter bestätigte - so Bayer - die Existenz der Patente und erklärte sich bereit, Verwaltungsratspräsident der neuen Firma zu werden. Daraufhin unterschrieb Bayer eine Absichtserklärung und einen Darlehensvertrag. Als Gegenleistung erhielt er die Verwertungsrechte für sämtliche Patente und Lizenzen. Gleichentags überwies Bayer via Computer des Filialleiters 52'000 Franken als Einstandszahlung.
Was der Investor erst später herausfand: Der Filialleiter hatte Klein zuvor ein Privatdarlehen gewährt und zugelassen, dass der Unternehmer die Kreditlimite bei der NKB jahrelang deutlich überzog. Dem Beobachter liegen entsprechende Bankbelege vor. Für eine Stellungnahme war der ehemalige Banker bis Redaktionsschluss nicht erreichbar. Zur Kreditpraxis hält sich der Bankrat der NKB im Brief an Bayer ebenfalls bedeckt und beruft sich auf das Bankgeheimnis.
Nach der Geldtransaktion merkte Bayer, dass er offenbar betrogen worden war: «Sämtliche Patente und Lizenzen waren nicht existent oder im Stadium des Experimentierens. Versprochene Kundenverträge entpuppten sich als unverbindliche Absichtserklärungen.» Die Gebrauchsanweisungen der angebotenen Res.Sep-Produkte waren identisch mit den technischen Merkblättern deutscher Nanotech-Firmen. Das zeigen Firmenprospekte. Klein wollte gegenüber dem Beobachter zum Vorwurf des Ideenklaus nichts sagen. Er bezichtigt seinen Expartner der «Habgier und Rechthaberei». Man könne nicht am Morgen investieren und am Abend kassieren.
Bayer zog bei der Res.Sep nach einem halben Jahr die Notbremse: Er übernahm alle geschäftlichen Verpflichtungen, woraus ihm zusätzliche Kosten und Arbeit entstanden, und stellte später die Geschäftstätigkeit ein. Dann erhob er Strafanzeige gegen Klein und den Ex-Filialleiter. Gleichzeitig forderte Bayer von der NKB total 1,2 Millionen Franken Schadenersatz, denn nach seinem Rechtsverständnis haftet die Bank für die vorschriftswidrige Tätigkeit ihres Mitarbeiters.
Doch der Bankrat der NKB lehnte dies ab. Bayer wandte sich nun an die politischen Behörden im Kanton, da für die NKB eine Staatsgarantie besteht. Der Regierungsrat verwies Bayer an die kantonale Aufsichtskommission, die erklärte, dass nicht sie, sondern die Bankprüfungskommission zuständig sei. Von dort hörte Bayer monatelang nichts. Bis ihm mitgeteilt wurde, man werde «aufgrund von Abklärungen und Rücksprachen zu den Unterstellungen und belehrenden Schreiben keine Stellung nehmen». Bruno Duss, Präsident der Prüfungskommission für die Nidwaldner Kantonalbank, sagt: «Wir warten den Ausgang des Strafverfahrens ab.» Sprich: Nur wenn der Banker und der Bauunternehmer vor Gericht kommen, will auch die politische Aufsicht handeln.
Wie im falschen FilmSo lange will Bayer nicht warten. Er schickte sein Dossier an die Eidgenössische Bankenkommission (EBK). Diese soll untersuchen, ob die NKB im Fall des Filialleiters ihre Pflicht verletzt hat. Vom EBK-Sekretariat hat er nun eine Mitteilung erhalten: «Wir danken Ihnen für die zur Verfügung gestellten Unterlagen. Das Gesetz verbietet, am Verfahren nicht unmittelbar beteiligte Personen über hängige Verfahren zu informieren. Deshalb dürfen wir auch Ihnen keine Auskünfte über eine allfällige Untersuchung der uns vorgebrachten Vorwürfe gegen die Nidwaldner Kantonalbank geben.» Der sehr direkt betroffene Bayer fühlt sich immer mehr im falschen Film.Immerhin, die EBK verspricht im Schreiben, «dass wir jeder Mitteilung die gebührende Aufmerksamkeit schenken».