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Pankreaserkrankungen
Rainer
Schöfl
Akute Pankreatitis
Gemäss
einer US-amerikanischen, auf Evidenz beruhenden Studie können verschiedene gängige Wirkstoffe eine akute
Pankreatitis auslösen, weshalb bei Patienten mit einer akuten Pankreatitis immer auch die verwendeten
Medikamente überprüft werden sollten [1]. Die chronische Dialysebehandlung stellt nach einer Erhebung
in deutschen Dialysezentren einen Risikofaktor für die Entwicklung einer akuten Pankreatitis dar, wobei
die Entzündung bei den Peritonealdialysepatienten mit einer höheren Inzidenz auftritt und überdies häufiger
einen nekrotisierenden Verlauf nimmt als bei den Hämodialysepatienten [2]. Auf die prophylaktische Verwendung
von Probiotika sollte im Falle einer akuten Pankreatitis verzichtet werden, nachdem in einer doppelblinden
Studie mit 298 Patienten mit einem Verdacht auf eine schwere akute Pankreatitis bei der Behandlung mit
einer sechs unterschiedliche Bakterienstämme enthaltenden Zubereitung im Vergleich zu Plazebo keine
Reduktion des Infektionsrisikos, aber ein Anstieg der Mortalität festgestellt wurde [3].
Chronische
Pankreatitis
Im Rahmen einer deutschen Studie waren die Calcitriol- und Calcifediol-Serumspiegel
bei den prämenopausalen Frauen mit einer chronischen Pankreatitis gegenüber den gesunden Frauen in Abhängigkeit
des Schweregrads der Erkrankung verringert, weshalb bei jungen Frauen mit einer chronischen Pankreatitis
immer auch das Osteoporoserisiko beachtet werden sollte [4]. Patienten mit einer Zöliakie und einer
trotz glutenfreier Diät persistierenden Diarrhö weisen in 30 Prozent der Fälle erniedrigte Stuhlelastasewerte
auf, und bei der überwiegenden Mehrheit dieser Patienten kann durch die Substitution mit Pankreasenzymen
ein Rückgang der Stuhlfrequenz erreicht werden [5]. Gemäss einer randomisierten Studie mit 55 Patienten
mit einer schmerzhaften chronischen Pankreatitis mit Verkalkungen konnte der therapeutische Nutzen bezüglich
anhaltender Schmerzfreiheit durch die kombinierte Anwendung der extrakorporalen Stosswellenlithotripise
und der endoskopischen Therapie nicht wesentlich verbessert werden, wobei aber die Behandlungskosten
durch die zusätzliche Anwendung der endoskopischen Therapie auf das Dreifache anstiegen [6].
Pankreaskarzinom
Zur
familiären Belastung für ein Pankreaskarzinom zeigte eine retrospektive italienische Studie mit 9'204
Verwandten aus 570 Familien, dass das Mortalitätsrisiko wegen eines Pankreaskarzinoms bei erstgradigen
Verwandten von Patienten mit einem Pankreaskarzinom 4,1 Prozent und bei erstgradigen Verwandten von
Patienten, die bereits in einem Alter unter 60 Jahren an einen Pankreaskarzinom erkrankt waren, sogar
7,2 Prozent betrug [7]. In einer prospektiven Studie zur präoperativen Diagnostik von soliden Pankreasläsionen
ergab die Positronenemissionstomographie in Kombination mit der Computertomographie eine Sensitivität
von 89 Prozent und eine Spezifität von 74 Prozent, was bei wesentlich höheren Kosten einer ähnlichen
diagnostischen Zuverlässigkeit wie bei der endoskopischen Ultraschalluntersuchung, der endoskopisch-retrograden
Cholangiopankreatikographie mit intraduktaler Ultraschalluntersuchung und der abdominalen Ultraschalluntersuchung
entspricht [8].
Die aus tierexperimentellen Untersuchungen vermutete antikanzerogene
Wirkung der Statine konnte in einer retrospektiven Fallkontrollstudie anhand der Daten von 483'733 Personen
der «Veterans Affairs» Datenbank bestätigt werden, in welcher das Risiko für ein Pankreaskarzinom bei
der Anwendung von Statinen über mindestens 6 Monate um 67 Prozent und bei einer Statinanwendung über
mindestens 4 Jahre sogar um 80 Prozent verringert wurde [9]. Demgegenüber bewirkte ein hoher Gemüsekonsum
in der «Hawaii-Los Angeles» multiethnischen Kohortenstudie mit 183'522 Teilnehmern nach einer Nachbeobachtungsdauer
von 8,3 Jahren nur bei den Personen mit einem hohen Karzinomrisiko wie den Rauchern, den Afroamerikanern
und den Übergewichtigen eine Reduktion des Risikos für ein Pankreaskarzinom [10]. Ausserdem bestand
gemäss einer prospektiven schwedischen Studie mit 81'922 Teilnehmern nach einer mittleren Nachbeobachtungsdauer
von 7,2 Jahren zwischen der Vitamin-B6-Aufnahme und dem Pankreaskarzinomrisiko keine Assoziation, wogegen
eine hohe Methionin-Einnahme das Risiko für ein Pankreaskarzinom signifikant verringerte [11].
Gemäss
einer Metaanalyse von 20 Studien mit 6'296 Patienten mit einem inoperablen Pankreaskarzinom führte die
Verabreichung von Gemcitabin in Kombination mit einem Zytostatikum oder einem zielgerichteten molekularen
Wirkstoff gegenüber der alleinigen Behandlung mit Gemcitabin zu einer signifikanten, aber nur geringfügigen
Verbesserung der Ansprechrate und der progressionsfreien Überlebenszeit ohne jedoch die Gesamtüberlebenszeit
zu verlängern, weshalb die Monotherapie mit Gemcitabin weiterhin als Standardtherapie des fortgeschrittenen
Pankreaskarzinoms gilt [12].
Seltene Tumoren
Zur
Prognose der intraduktalen papillären muzinösen Neoplasie des Hauptgangs ergab eine Studie mit 82 Patienten,
dass die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit nach der Resektion bei den invasiven Karzinomen mit 24
Prozent signifikant geringer war als die bei den Adenomen und den nicht- oder minimal-invasiven Karzinomen
verzeichnete 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von 78 bis 83 Prozent [13]. Nachdem in einer retrospektiven
koreanischen Analyse mit 138 Patienten für die intraduktale papilläre muzinöse Neoplasie des Seitenastes
eine nicht zu vernachlässigende Malignisierungstendenz festgestellt wurde, sollte lediglich bei Tumoren
mit einer Grösse unter 2 Zentimetern ohne solide Knoten auf die Resektion verzichtet werden [14].
Prof.
Dr. med. Rainer Schöfl
Leiter der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie
Krankenhaus
der Elisabethinen Linz
<email-pii>
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