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Im England des 16. Jahrhunderts erhofft sich der ehrgeizige Sir Thomas Boleyn (Mark Rylance), seine beiden Töchter Anne (Natalie Portman) und Mary (Scarlett Johansson) mit wohlhabenden Ehemännern verheiraten zu können. Da er die ältere Anne für ehrgeiziger hält und davon überzeugt ist, dass sie sogar einen Ehemann aus dem Hochadel heiraten könnte, verheiratet er zuerst die jüngere Mary, die keine höheren Ambitionen hat und mit einem glücklichen Familienleben auf dem Land zufrieden ist.
Als die englische Königin Katharina von Aragon (Ana Torrent) anstatt des ersehnten männlichen Thronfolgers erneut nur eine Totgeburt zur Welt bringt, geht das Gerücht um, dass König Heinrich VIII. (Eric Bana) sich von ihr abwenden wird. Thomas Boleyn und sein Schwager, der Herzog von Norfolk (David Morrissey), wollen dies nun gegen die Proteste der Mutter der Mädchen (Kristin Scott Thomas) geschickt ausnutzen: Anne soll beim Besuch des Königs im Hause der Boleyns den König bezaubern, um seine Geliebte zu werden und damit Ansehen für die ganze Familie zu erlangen. Anne begeht jedoch einen gravierenden Fauxpas, sodass die besonnene Mary als Vermittlerin zum König geschickt wird. Dieser ist aber derart fasziniert von ihr, dass er sie, ihren Ehemann und ihre ganze Familie zu sich an den Hof zitiert. Mary wird König Heinrichs Geliebte und verliebt sich auch in ihn.
Anne kann ihrer Schwester nicht verzeihen, dass ihr diese die Position gestohlen hat, und versucht nun ihrerseits, gesellschaftlich weiter zu kommen, indem sie mit einem jungen Herzog durchbrennt. Um den Skandal familienintern vertuschen zu können, wird die Ehe aber verschwiegen und Anne an den französischen Hof verbannt. Als Mary von Heinrich schwanger wird und befürchtet werden muss, dass er sich während der Schwangerschaft eine andere Gespielin suchen wird, ruft man Anne jedoch wieder zurück und gibt ihr den Auftrag, den König an seine Geliebte und sein ungeborenes Kind zu erinnern. Anne möchte sich jedoch an ihrer Schwester rächen und verdreht dem König derart den Kopf, dass er Mary des Hofes verweist, obwohl sie einen gesunden Jungen zur Welt gebracht hat. Um nun endlich selbst Königin von England werden zu können, steht Anne jetzt nur noch Königin Katharina im Weg...
Als The Other Boleyn Girl angekündigt wurde, stand die Blog- und Newswelt Kopf: Endlich wurden die beiden äusserst beliebten Schauspielerinnen Natalie Portman und Scarlett Johansson in einem Film vereint, was natürlich die Erwartungen entsprechend hoch schraubte. Dass dabei der Roman "Other Boleyn Girl" von der britischen Autorin Philippa Gregory als Vorlage diente, interessierte vorerst wenig. Das gebotene Schauspiel konnte dann auch erwartungsgemäss überzeugen, doch damit hören die Lobpreisungen leider auf, denn The Other Boleyn Girl ist primär eine Enttäuschung.
Der Film beginnt wie oft sehr verträumt. Alle Beteiligten sind in ihrer heilen Welt, Mary und Anne ein Herz und eine Seele, und die Familie hat keine grösseren Probleme. Schon bald sind einem die beiden Mädels sympathisch, und man amüsiert sich darüber, wie Mary unschuldig und scheu von ihrer Hochzeitsnacht erzählt. Doch dann kommt der Ruf vom Königshof, und schon beginnt sich das Rad der Intrigen und der Pläne zu drehen. Aufgaben werden verteilt, langsam wird die heile Welt Stück für Stück demontiert, und die beiden Mädels werden kurzerhand dem Fleischwolf des Königshofs vorgeworfen. Deutlich wird aufgezeigt, wie die Mädchen zu Spielfiguren der Männer werden und wie sie von ihrer Situation hoffnungslos überfordert sind. Dabei stellt Natalie Portman sehr eindrücklich die Entschlossenheit und später die Verzweiflung ihrer Rolle dar. Scarlett Johansson hingegen wirkt mit ihrer naiven, herzensguten Unschuld doch recht farblos, und Eric Bana bietet kaum mehr als routinierte Anwesenheit.
Ein Film setzt sich aber nicht nur aus guten Schauspielern, guten Drehorten und einem passenden Soundtrack zusammen - es gehört auch eine packende Geschichte dazu, damit man mitfiebert und sich dafür interessiert. Bei diesem Punkt geht The Other Boleyn Girl jedoch baden. Obwohl man(n) den Hauptdarstellerinnen gerne zusieht, wird die berechnete Rammlerei mit dem König schon nach kurzer Zeit öde. Wer etwas mitdenkt, kann sich bereits nach kurzer Zeit den Verlauf der Geschichte zurrecht legen, auch wenn er die Vorlage nicht kennt. Vieles, was noch zusätzliche emotionale Tiefe hineingebracht hätte, wird knapp gestreift, nur damit es erwähnt wurde. So werden wichtige Handlungselemente, wie die Beseitigung der Queen, Annes Aufenthalt in Frankreich, die Abtrennung von Rom und die Aufstände der Untertanen kurzerhand ausgeblendet und nur nebenbei erwähnt. Wegen dieses Röhrenblicks zerfällt auch die ursprünglich völlig integre Familie äusserst nebensächlich. Letztendlich dümpelt die Handlung mehr und mehr überraschungslos dahin, und obwohl die Inszenierung mit den Kostümen und den Drehorten eigentlich sehr gut wäre, verliert man das Interesse und sitzt nur noch die Zeit ab, um die schon lange erwartete Auflösung zu sehen.
Fazit: Die Geschichte, welche sozusagen das Prequel zu Elizabeth bildet, lässt leider sehr enttäuscht zurück. Zu unspektakulär und berechenbar ist die Story. Trotz der guten Schauspieler will die abgekartete Verführung des Königs kaum mitreissen und kann über die ganze Laufzeit nicht einmal überraschen. Wäre die Handlung nicht so stur auf die Mädels fokussiert, und hätte sich Regisseur Justin Chadwick etwas mehr von seiner minimalistischen TV-Arbeitsweise gelöst, dann hätte viel mehr aus The Other Boleyn Girl herausgeholt werden können. Wer jedoch gerne Filme aus dieser Epoche hat und einmal Natalie Portman und Scarlett Johansson zusammen in einem Film sehen will, der kann getrost zugreifen, andere werden von dieser überraschungslosen TV-Doppelfolge recht gelangweilt sein.
Die DVD liefert den Film in einer sehr sauberen und guten Bildqualität, die selbst auf grossen Screens noch scharf aussieht. Der Ton kommt sehr klar daher, ist aber sehr centerlastig, wobei hier auch nicht mehr verlangt wird. Extras finden sich leider keine.
Netter Film, der eigentlich bekannte Klischees und Strukturen übernimmt, aber doch noch interessant wirkt. The Other Boleyn Girl ist zudem gut gefilmt und (teilweise) gut gespielt (Eric Bana war jetzt nicht der grosse Hit). Insgesamt ein Streifen, den man nicht als Geschichtsfilm sehen sollte, sonst stört man sich ab den vielen Ungereimtheiten.
[Editiert von El Chupanebrey am 2009-02-19 12:19:53]