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30. November 2011
Geschichte und Tradition der Santons
Provenzalisch korrekt heissen die Santons "santoun", übersetzt: "kleine Heilige". So jedenfalls bezeichnet man kleine Terrakotta-Figuren, die in der Provence hergestellt werden, heute ganz generell in Südfrankreich. Es sind handbemalte Figürchen, etwa 2,5 bis 15 cm hoch, die zu einer provenzalischen Krippe gehören.
Die Tradition dieser Figuren geht zurück ins späte 18. Jahrhundert (nach der Franzöischen Revolution) und ist verknüpft mit einer Reihe von Weihnachtsbräuchen, die heute noch lebendig sind und gepflegt werden.
In der traditionellen provenzalischen Krippe gibt es 55 verschiedene Figuren aus dem Alltag des provenzalischen Dorflebens: Scherenschleifer, die Fischerin, der Blinde, die Kastanie Verkäufer, der Jäger....
Inzwischen gibt es auch grössere Santons, bekleidet mit Stoff, eigentlich sind dies provenzalische Puppen.
Die ersten Krippenfiguren hat der Marseiller Handwerker Jean-Louis Lagnel (1764-1822) während der Franzöischen Revolution hergestellt. In dieser Zeit wurden viele Kirchen geschlossen und das Aufstellen von Krippen (auch im privaten Bereich) wurde verboten.
Die Anfertigung von Santons ist ein Beruf geworden: der Santonnier (mit anerkanntem Ausbildungsprogramm). Noch heute sind es meist Familienbetriebe, die von Generation zu Generation die Tradition weiter geben und im Wesentlichen noch so arbeiten, wie es einst Jean-Louis Lagnel getan hat. Die die von Hand modellierte Urform wird in Gips gelegt und zwar in zwei Hälften. Mit diesem „moule“ können dann fast unbeschränkt viele Tonfiguren erstellt werden. Man presst den Ton in die Gibsform, dann werden die beiden Teile zusammengedrückt und es entsteht eine Kopie der Urform. Von Hand werden dann die Ränder gesäubert, Details modelliert und an schwierigen Stellen ergänzt. So entstehen immer wieder neue Originale. Schliesslich wird der Ton gebrannt in einer sorgfältigen, 24 Stunden dauernden Art, so dass die kleinen Figuren keinen Schaden nehmen. Schliesslich werden sie von Hand bemalt.
Je nach Region und Handwerksbetrieb gibt es unterschiedliche Ausführungen. Die 55 Urtypen unterscheiden sich aber nur wenig, in der Haltung, in der Bekleidung, der Farben etc. Doch jedes Jahr entstehen neue Figuren. Ursprünglich waren es nur Trachten, Handwerker und Bauern… Heute kommen viele neue Berufe, aber auch Alltagsszenen dazu, inzwischen gibt es an die 500 verschiedene Charaktere. Neu sind zum Beispiel der Feuerwehrmann, der Arzt, der Briefträger, die Krankenschwester, der Lehrer etc.
Jede Santons-Manufaktur hat einen eigenen Stil und eine eigene Originalität. So sind zum Beispiel die meisten Figuren in der Bubikoner-Krippe Santons von Escoffier – eine Minderheit von Caronel. Zusammen mit Fouque sind es wohl die bekanntesten Hersteller, die heute ihre Figuren in die ganze Welt exportieren.
In Marseille findet jedes Jahr vom 1. bis zum 23. Dezember ein grosser Santons-Markt statt, vergleichbar mit Neapel mit seinen traditionellen Krippen. Auch gibt es Santons-Museen, das bekannteste in Les Beaux de Provence, aber auch in Clerment l’Hérault, in Marseille und an einigen andern Orten.
Seit 1802 treffen sich die Santonniers jedes Jahr in Aubagne an der zweitätigen Santons-Messe. Hier versucht man die alten Traditionen zu erhalten und neue Kreativität weiterzugeben. Die Santons – davon bin ich überzeugt – werden auch die nächsten Jahre, Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte überleben, als typisch provenzalisches Kunsthandwerk.
05. Dezember 2011
"Kleine Geschichten", erzählt von den Santons in ihrer vorübergehenden neuen Heimat in Bubikon
In dieser Rubrik erzählen nun jeden Tag ein paar der mehr als 300 Santons ihre ganz persönliche Geschichte: warum sie hier stehen, wen sie hier getroffen haben, von wem sie begleitet werden, was sie zu tun gedenken etc. Diese Geschichten reihen sich nahtlos ein in die Heisgeschichte, die sonst in Krippendarstellungen erzählt werden und die wir von Lukas (2,1-20) kennen. ".... Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlecht Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger...."
Hier werden einige Geschichten erzählt: