Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/1309

Beim US Open kommt es zum ersten reinen Schweizer Grand-Slam-Halbfinal. Doch wem drückst du jetzt die Daumen? Wer soll ins Finale einziehen? Die watson-Redakteure Nik Dömer (Team Roger) und Corsin Manser (Team Stan) könnten nicht unterschiedlicherer Meinung sein.
Corsin (Team Stan): «Sag mal, Nik, damals als sich David mit seiner Steinschleuder aufmachte, um Goliath zu töten ... Hast du da dem Riesen die Daumen gedrückt und gehofft, dass er den Winzling plattwalzt?»
Nik (Team Roger): «Nein, eigentlich bin ich immer für den Underdog. Sonst wäre ich wohl kaum Sympathisant des FC Aarau. Was genau meinst du?»
Corsin (Team Stan): «Jedenfalls sicherlich nicht den Tabellenkeller der Challenge League, sondern die Skyline des Spitzensports. Morgen steht in New York der erste Schweizer Grand-Slam-Halbfinal der Tennis-Geschichte an. Und ich kann einfach nicht verstehen, weshalb du es Stan Wawrinka nicht gönnen kannst, dass er zum ersten Mal in seiner Karriere in den US-Open-Final einzieht!»
Nik (Team Roger): «Ach so, du spielst auf den grossen Tag von morgen an. Ich habe nie gesagt, dass ich es Wawrinka nicht gönnen würde. Hut ab vor seiner Leistung in diesem Jahr. Er hätte es auf jeden Fall verdient. Aber für mich gehört Roger Federer in den Final. Den Sieg in Flushing Meadows hat er sich verdient.»
1,288
Corsin (Team Stan): «17:2 Grand-Slam-Titel, 93:18 Millionen Dollar Preisgeld. Umverteilung? Schon mal was davon gehört? Also SP wählst du kommenden Oktober bestimmt nicht ...»
Nik (Team Roger): «Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen. Wawrinka hat noch ein bisschen länger Zeit, um Grand-Slam-Titel zu holen und kennst du die Federer Foundation? Knapp eine Viertelmillion Kinder auf dieser Welt bekommen dank Federer schulische Bildung. Federer weiss, wie man mit dem vielen Geld umgehen muss. Und was macht Stan so mit dem vielen Geld? Kauft er seiner Donna neue Kleider und teuren Schmuck?»
Corsin (Team Stan): «Klar ... ich will ja hier auch gar nicht die Federer-Foundation schlechtreden. Aber zurück zu Stan: Keine Ahnung, was er mit seiner Kohle macht. Er muss das ja auch nicht an die grosse Glocke hängen. Was andere über ihn denken, das ist ihm – glaube ich zumindest – ziemlich egal. Das zeigt sich ja nicht zuletzt bei seiner Partnerwahl; würde er sich ernsthafte Sorgen um seinen Ruf machen, hätte er sich als 30-Jähriger wohl kaum für eine 19-Jährige entschieden. Eitelkeit ist für Stan ein Fremdwort, das ist mir persönlich sehr sympathisch.»
Nik (Team Roger): «Ja logo, er spricht ja auch Französisch. Nein jetzt mal im ernst, keine Ahnung was da mit seiner neuen Freundin läuft. Aber das geht ja auch niemanden was an. Das mag ich gerade bei Federer so, die Mister-PeRFekt-Schiene. Er hat sich immer unter Kontrolle und zeigt Emotionen, wenn sie angebracht sind. Er hat den Tennis-Sport geprägt wie kein Zweiter. Ihm gebührt dieser 18. Major-Titel. So viele wird er nicht mehr holen können. Umso wichtiger, dass er jetzt seinen Rekord weiterhin ausbaut. Sonst holt ihn Nole noch irgendwann ein.»
Corsin (Team Stan): «Ich find das manchmal richtig ätzend, wenn Federer trotz unzähliger Fehler seelenruhig auf dem Platz steht und tut, als ob nichts wäre. Hast du auch schon mal Tennis gespielt?»
Nik (Team Roger): «Ja klar!»
Corsin (Team Stan): «Na, also ... Da gibt es doch praktisch in jedem Game eine Situation, in der man so richtig herumfluchen möchte. Stan hat sich mittlerweile ja auch ziemlich gut unter Kontrolle, aber wenn hin und wieder das Racket leiden muss, ist das ganz okay – das macht ihn im Gegensatz zu Mister-PeRFekt sehr nahbar.»
Nik (Team Roger):«Nahbar hin oder her, wenn einer am US Open gegen Djokovic eine Chance hat, dann ist es Roger Federer. Der Maestro spielt bislang ein perfektes Turnier. Er serviert fantastisch, seine Returns sind besser denn je – Stichwort: Sabr – und auch seine Rückhand imponiert ähnlich wie die von Wawrinka. Man hat es in Cincinnati gesehen, der Djoker wird im Final keinen Stich haben.»
Corsin (Team Stan): «Wer sagt eigentlich das Nole im Final stehen wird? Er muss zuerst mal Cilic schlagen, der immerhin Titelverteidiger ist.»
Nik (Team Roger): «Sind wir mal ehrlich, das Head-to-Head von 13:0 für Djokovic ist schon ziemlich aussagekräftig. Ich denke kaum, dass Cilic gegen den Serben eine Chance haben wird.»
Corsin (Team Stan): «Also gut, nehmen wir mal an, Djokovic setzt sich durch. Weisst du, wann Federer zum letzten Mal einen Fünfsätzer gegen den Djoker gewinnen konnte?»
Nik (Team Roger): «Das müsste im Wimbledon-Halbfinal 2012 gewesen sein.»
Corsin (Team Stan): «Genau! Danach hat er auf dem heiligen Rasen 2014 und 2015 eine herbe Finalpleite gegen Djokovic einstecken müssen. Stan hingegen hat an Grand-Slam-Turnieren zwei der letzten drei Direktduelle gegen Novak gewonnen. Zuletzt den Final in Roland Garros. Im Gegensatz zu Federer würde der Romand mit geschwollener Brust zur Finalissima schreiten und sich denken: ‹Wie in Paris, so in New York, den Djokovic haue ich heute weg!› Ein Sieg von Wawrinka im Final wäre um ein Vielfaches besser als eine Final-Niederlage von Federer. Auch für den Maestro selber: So könnte er den Titel-Vorsprung auf Djokovic immerhin konservieren. Schicken wir also die stärkste Schweizer Waffe ins Finale! Und die ist im Moment Stan Wawrinka!»
Nik (Team Roger):«Natürlich ist Wawrinka, was das Mentale anbelangt, gegen Djokovic im Vorteil. Fakt ist aber, dass Federer auf amerikanischem Boden eine positive Bilanz gegen Djokovic führt. Er hat die spielerischen Mittel dazu, den Djoker endlich wieder bei einem Major-Turnier zu bezwingen. Der Belag beim US Open liegt dem Maestro einfach und Djokovic spielt in Flushing Meadows bei weitem nicht so unwiderstehlich wie in Wimbledon. Ich sage dir Corsin, Federer wird mit seinem Spiel den Djoker vom Platz jagen! Wawrinka muss sich wohl noch einmal hinten anstellen. Aber so oder so. Egal, ob jetzt Federer oder Wawrinka am Sonntag im Final steht – Hauptsache der Titel geht an einen Schweizer!»
Und was glaubst du? Warum gewinnt Federer? Warum Wawrinka? Oder anders: Warum siehst du den einen lieber im Final als den anderen. Schreib deine Meinung unten ins Kommentarfeld!
Dir gefällt diese Story? Dann like uns doch auf Facebook! Vielen Dank! 💕
Der Schweizer Tennis-Star Roger Federer ist seit neuestem Unternehmer. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, ist der 20-fache Grand-Slam-Gewinner bei der Zürcher Sportschuhmarke On beteiligt. Bereits im nächsten Jahr bringt On Federer-Produkte auf den Markt.
Bedeutet dieser Schritt ins Unternehmertum nun Federers Karriere-Ende? Wir haben für euch die Antworten auf diese und weitere Fragen rund um Federers neuestem Streich.
On ist die Idee von Olivier Bernhard. Der 51-Jährige rannte sein Leben …