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19 Okt 16
Jaffna/Sri Lanka: Die Militarisierung gefährdet die Lebensgrundlagen der Bevölkerung
Sieben Jahre nach Ende des Krieges in Sri Lanka verletzt das Militär auf der Jaffna-Halbinsel die Menschenrechte systematisch: So lautet der Befund eines neuen Berichts, den die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und ihre Partnerorganisation NAFSO („National Fisheries Solidarity Movement“) heute veröffentlichen. Die Menschenrechtsorganisationen verlangen, dass das Militär die besetzten Gebiete an die Bevölkerung zurückgibt, sich aus den wirtschaftlichen Tätigkeiten zurückzieht und den Bauern und Fischern den Zugang zu Land und Meer ermöglicht.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und ihre sri-lankische Partnerorganisation NAFSO („National Fisheries Solidarity Movement“) haben in ihrem neuen Bericht „Schatten des Militärs“ untersucht, welche Auswirkungen die Militarisierung auf der Jaffna-Halbinsel auf die lokale Bevölkerung hat. Denn trotz Ende des Krieges vor sieben Jahren ging die Militärpräsenz nicht zurück: Zivilgesellschaft und Lokalbevölkerung werden weiterhin überwacht und eingeschüchtert, und wegen der Besetzung grosser Landesteile durch das Militär haben viele Bauern und Fischer den Zugang zu Land und Meer verloren. Auch die wirtschaftlichen Aktivitäten des Militärs in Tourismus und Landwirtschaft nehmen der Bevölkerung wichtige Einnahmequellen weg.
Heute leben auf der Jaffna-Halbinsel immer noch Zehntausende Menschen als intern Vertriebene. Mehrere Tausend von ihnen harren in Flüchtlingslagern aus, wo die Lebensbedingungen prekär sind, besonders für Frauen und Familien. Zwar gibt die Regierung einen Teil des Landes an die Bevölkerung zurück, doch das so genannte „Palaly Cantonment“ bleibt in der Hand des Militärs. Im Zuge des Wiederansiedlungsprozesses kann nur ein Teil der ehemaligen Flüchtlinge auf ihr ursprüngliches Land zurückkehren. Viele andere werden ohne Einverständnis in Regionen umgesiedelt, wo Landwirtschaft und Fischerei nicht möglich sind. Mit dem Verlust der angestammten Lebensgrundlagen bleiben Hunger und Armut gross.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker und NAFSO fordern die sri-lankische Regierung auf:
- Die Militärpräsenz auf Jaffna zur reduzieren, die Überwachung der Bevölkerung zu beenden und den wirtschaftlichen Aktivitäten des Militärs ein Ende zu setzen
- Alle besetzten Gebiete ihren ehemaligen Besitzern zurückzugeben und die intern Vertriebenen beim Wiederansiedlungsprozess einzubeziehen
- Die wiederangesiedelten Flüchtlinge beim Aufbau ihrer traditionellen Lebensgrundlagen zu unterstützen und ihnen ausreichende Infrastruktur zur Verfügung zu stellen (Wasser, Elektrizität, sanitäre Anlagen, Zugang zu Gesundheit und Bildung)
- Insbesondere jenen Haushalten einen angemessenen Lebensstandard zu garantieren, die von Kriegswitwen geführt werden, damit sie keinen Hunger leiden müssen.