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Nemanja Radivojević
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- Universität Bern
Graduate School of the Arts and Humanities (GSAH)
Doktoratsprogramm Studies in the Arts (SINTA)
Nemanja Radivojevic
Muesmattstrasse 45
3012 Bern
Nemanja Radivojević
Nemanja Radivojevic ist als Assistent des Studiengangs Master Composition / Creative Practice sowie als Doktorand an der Hochschule der Künste Bern tätig. Er erhielt einen Master of Arts in Musiktheorie an der Haute École de Musique de Genève und einen Master of Arts in Komposition unter der Leitung von Xavier Dayer an der Hochschule der Künste Bern, und seit August 2018 macht er ein Doktorat in Musikwissenschaft an der Universität Bern.
In seiner aktuellen Forschung konzentriert er sich auf die Fragen von nicht-äquidistanten mikrotonalen Elementen in der Computermusik von Jean-Claude Risset. Zur Zeit ist er beschäftigt mit der Archivierung des Nachlasses von Jean-Claude Risset an der PRISM, CNRSM, Marseille, unter der Leitung von Prof. Dr. Vincent Tiffon und Dr. Richard Kronland-Martinet.
Als Komponist charakterisiert Radivojević seine Musik durch die Suche nach einer formalen Konstruktion, die sich auf den Barock begrenzt und Freude durchscheinen lässt, die Kunst auf sinnliche Art und Weise verschreibend. Seine Handschrift – befreit von der Angst vor Materialität und das Ideal der Reinheit ablehnend – lädt ein, sich in einen spielerischen Trick zu verlieren, der darauf hindeutet, dass Masken realer erscheinen können als das Gesicht, das sie dahinter verbergen.
Die Musik von Nemanja Radivojevic kam an mehreren Festivals zur Aufführung, wie dem Festival Archipel in Genf, Lavaux Classic Festival, dem Luzern Festival, dem Opening Festival in Trier, Cluj Modern Festival, Belgrade International Review of Composers, Musikfestival Bern, Les rencontres d’été de Villeneuve-lès-Avignon, ATM Festival Seoul, PRISM Festival Hong Kong, Boston New Music Initiative…
Seine Kompositionen wurden von Ensembles wie dem Nouvel Ensemble Contemporain, Neue Vokalsolisten, Exordium Collective, MDI Ensemble, Kebyart Ensemble, Trio Abstruckt, Trio Accanto, Il SuonoGiallo, Mise-en NYC, Boston New Music Initiative, Proton Bern, Vortex, Oerknal, Lucerne Festival Alumni Ensemble, Recherche, Asko/Schönberg, Interface, Contrechamps, Studio 6…, und Solisten Richard Haynes, Paolo Casiraghi, Ruben Mattia Santorsa, Michele Bianchini, Susanne Peters…
Nemanja Radivojević war als Musikkritiker für die Zeitschrift Dissonance tätig.
Publikationen:
- Le temps dans les oeuvres Incipit Vita Nova, Fragmente – Stille. An Diotima et Stèle, HEM Genève, Masterthesis in Musiktheorie 2013.
- Champs harmoniques et leur emploi dans le temps dans mon langage musical, HKB Bern, Masterthesis in Komposition 2015.
- Le timbre dans les écrits de Jean-Claude Risset, Universität Bern, Masterarbeit Musikwissenschaft 2018.
Betreuungspersonen
Prof. Dr. Anselm Gerhard, Universität Bern, Institut für Musikwissenschaft
Prof. Dr. Roman Brotbeck, Hochschule der Künste Bern HKB
Titel des Promotionsvorhabens
Die Rolle der Mikrointervalle im Werk von Jean-Claude Risset
Obwohl Mikrointervalle für die digitale Klangsynthese konstitutiv sind, weil sie als Bestandteil der Teiltonreihe zur Bildung von Klangfarben zwingend gebraucht werden, hatte man Risset nie als Mikrointervall-Komponisten wahrgenommen. Die Forschungsarbeit von Nemanja Radivojević möchte hier neue Akzente setzen und eine Neubewertung von Rissets Schaffen aus der Perspektive der Mikrointervallik versuchen.
Mikrointervalle kommen bei Risset in allen Klangsynthese-Verfahren vor, aber sie lösen sich meist, für das Gehör nicht distinkt wahrnehmbar, im Gesamtklang auf. Davon zu unterschieden ist Rissets Arbeit mit unharmonischen oder künstlichen Spektren, z.B. glockenähnlichen, bei denen die Mikrointervalle als Verfremdung der Teiltonreihe hörbar werden. Der im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt zentrale und bisher von der Forschung nicht bearbeitete Punkt ist aber, dass sich Risset über die Klangsynthese hinaus mit Mikrointervallen beschäftigte: Einerseits versuchte er sich vom äquidistanten Halbtonsystem zu befreien und beschäftigte sich mit historischen Stimmungen (Pythagoras, Zarlino, Fokker, Bohlen-Pierce) und mit der Klangtheorie von Hermann von Helmholtz, andererseits verwendete er in seinen Kompositionen in melodischen und harmonischen Strukturen klar wahrnehmbare Mikrointervalle. Sie können eine ornamentale Funktion übernehmen, sind aber oft von bestimmten Stimmsystemen oder harmonischen wie unharmonischen Spektren abgeleitet. Insgesamt wird Rissets unterschiedliche Verwendung der Mikrointervalle identifiziert, analysiert und formal beschrieben.
Forschungsschwerpunkte
Geschichte, Ästhetik und Analyse elektronischer Musik, digitale Klangsynthese, musique spectrale, nicht-äquidistante Mikrotonmusik, Jean-Claude Risset