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ARMONIA E INVENTIONE
FRANTIŠEK JIRÁNEK (1698 – 1778)
Sinfonia C-Dur
JOHANN FRIEDRICH FASCH (1688 – 1758)
Konzert für Laute d-Moll
ANTONIO VIVALDI (1678 – 1741)
Sinfonia RV 125 D-Dur
ANTONIO VIVALDI
Concerto Grosso RV 578 g-Moll
ANTONIO VIVALDI
Sinfonia RV 116 C-Dur
JOHANN ANTON REICHENAUER (1694 – 1730)
Konzert für Violine c-Moll
ANTONIO VIVALDI
Konzert für Laute D-Dur
JOHANN FRIEDRICH FASCH
Sinfonia FWV M:A2 A-Dur
Zum heutigen Programm
Hausensembles, sogenannte Adelskapellen in denen Bedienstete, Beamte sowie lokale Musiker für Adelige spielten, hatten im beginnenden 18. Jahrhundert Hochkonjunktur und brachten ihre Besitzer nicht selten in finanzielle Schwierigkeiten. Sie waren mit ihrem Herrn eng verknüpft und begleiteten ihn auch auf dessen Reisen. Nach dem Tod ihres Gründers wurden sie in der Regel aufgelöst, womit häufig auch das Notenmaterial verloren ging, so dass heute nur wenige der Werke und Komponisten bekannt sind, die von diesen Adelskapellen gespielt wurden.
Graf Wenzel Morzin, der das Herrschaftsgebiet Vrchlabí/Hohenelbe besass, liess in den Jahren 1713-14 in der Prager Kleinseite (Malá Strana) ein Palais bauen, dessen Hauptfassade heute noch zu den schönsten in Prag zählt. Seine Kapelle war ein rein instrumentales Ensemble. Dessen statutarischer Leiter war Antonio Vivaldi, Morzins „maestro di musica in Italia“, wofür Vivaldi pro Quartal 528 Florin erhielt. Vivaldi und Morzin waren sich vermutlich 1718 in Venedig begegnet. Morzin ist als Widmungsträger von Vivaldis Opus 8 „Il cimento dell’armonia e dell’inventione“ bekannt, auf das sich der Titel des heutigen Programmes bezieht. Der eigentliche Konzertmeister der Kapelle war jedoch der Violinist František Forstmayer. Nach dem Tod des Grafen Morzin wurde die Kapelle aufgelöst und seine Familie ging wenig später bankrott.
Mit František Jiránek, Johann Friedrich Fasch und Anton Reichenauer beschäftigte Morzin eigene Musiker aus Prag und Böhmen, die nicht nur in der Kapelle spielten, sondern unter anderem auch Solokonzerte im Stile Vivaldis komponierten. Reichenauer und Jiránek sind zwei Barockkomponisten aus Böhmen, deren Werk erst in der letzten Zeit wiederentdeckt wurde – dank der Forschungsarbeit des tschechischen Musikhistorikers Václav Kapsa.
František Jiránek wurde 1698 in Lomnice nad Popelkou geboren, auf einem Gut des Grafen Morzin, wo er als Kind von Bediensteten auch als Page diente. Morzin sandte Jiránek zwischen 1724 und 1726 nach Venedig, um im Umfeld Vivaldis oder bei ihm selber zu studieren. Danach spielte Jiránek in Morzins Kapelle in Prag. Nach der Auflösung dieser Kapelle ging er nach Dresden, wo er im Grafen von Brühl einen neuen Arbeitgeber fand und 1778 starb.
Im Unterschied zum Komponisten Reichenauer, war Jiránek ein komponierender Violinist, der nur Instrumentalmusik schrieb und zwar meistens für sein Instrument. Der Einfluss Vivaldis auf seine Kompositionen ist unüberhörbar, jedoch gelang es Jiránek, seinen Werken eine gewisse persönliche, böhmische Charakteristik zu verleihen.
Einer der bedeutendsten einheimischen Komponisten in Morzins Dienst war Anton Reichenauer, über dessen Herkunft wenig bekannt ist. Er war Komponist, spielte Cembalo und Orgel und schrieb ausser Instrumentalmusik auch Kirchenmusik. Er komponierte nicht nur für Morzin, sondern ebenso für andere Adelige in Prag oder für Prager Kirchen.
Reichenauers Musik spricht eine italienische Sprache mit südlichem Flair dank dem Einfluss Vivaldis, aber mit böhmischen Wurzeln. Schliesslich war er in einer Kapelle angestellt, für die Vivaldi Werke komponierte.
Seine Werke wurden nicht nur in Prag, sondern auch in Dresden gespielt, vom besten Orchester der Zeit, der Dresdner Hofkapelle, deren Kapellmeister Pisendel bedeutende Werke sammelte. Auch in anderen Ländern Deutschlands findet man Abschriften seiner Werke, ein Zeichen dafür, dass Reichenauer nicht unbekannt war.
Weshalb ist er jedoch heute weitgehend in Vergessenheit geraten? Die Antwort ist einfach: Die tschechische Musikwissenschaft hielt ihn für einen deutschen Komponisten und die deutsche Musikwissenschaft wiederum für einen böhmischen. Weder die tschechische noch die deutsche Musikwissenschaft hatte also Interesse an ihm.
Antonio Vivaldi schrieb sein Lautenkonzert in D-Dur wahrscheinlich während einer Reise nach Böhmen um 1730. Vivaldi war am Prager Hof noch ein gefragter Komponist, als sein Stern in Venedig schon längst im kurzlebigen Gedächtnis des Publikums versunken war. Das Largo offenbart einen der innigsten musikalischen Momente in Vivaldis Schaffen, die Melodie fliesst in völliger Natürlichkeit über ihren eigenen Rhythmus.
Johann Friedrich Fasch wurde 1688 in Buttelstedt bei Weimar geboren. Nach dem Tod des Vaters wurde er an die Weissenfelser Hofkapelle vermittelt, einer wichtigen Pflegestätte der frühdeutschen Oper. Dort wurde sein musikalisches Talent vermutlich vom Hofkapellmeister Johann Philipp Krieger gefördert.
Fasch wurde Schüler der Thomasschule in Leipzig und Mitglied des Thomanerchores unter der Leitung von Johann Kuhnau. Autodidaktisch studierte er das Spiel auf der Violine und auf Tasteninstrumenten, verfasste erste Vokalkompositionen und komponierte Ouvertüren-Suiten nach dem Vorbild Georg Philipp Telemanns.
Nach einer musikalischen Bildungsreise durch Süd- und Westdeutschland bekam er ein Engagement als Violinist in Bayreuth, wurde „Secretair und Cammerschreiber“ und Organist. 1721 wurde er als „Componist“ im Dienste des Grafen Morzin in Prag verpflichtet, für welchen er auch später noch komponierte. Ein Jahr später trat Fasch den Dienst als Hofkapellmeister am Anhalt-Zerbster Hof an und schlug deswegen die Stelle als Thomaskantor zu Leipzig aus, die dann bekanntlich J. S. Bach erhielt.
Fasch vertonte einen doppelten Zyklus von Kirchenkantaten, eine Passion sowie weltliche Vokalwerke und schrieb Instrumentalwerke zu den fürstlichen Feierlichkeiten. 1726-1728 weilte er in Dresden und komponierte lateinische Figuralmusik für die katholische Hofkirche. Er lieferte bis mindestens 1755 zahlreiche Instrumentalwerke für die Dresdner Hofkapelle. In Zerbst geriet Fasch durch seine pietistische Haltung immer wieder in Konflikt mit der lutherisch-orthodoxen Geistlichkeit.
1728 wandte sich Fasch an Johann Mattheson in Hamburg, mit der Bitte um Vermittlung von Amtskollegen, die Kantaten-Jahrgänge mit ihm tauschen möchten. Ein „Musikalien-Wechsel“ zwischen Zerbst, Dresden und anderen Städten begann.
Fasch erstellte ein Inventarverzeichnis der Musikalien in der fürstlichen Musikbibliothek. Darin finden sich zahlreiche Werke von Telemann sowie französischer und italienischer Komponisten, insbesondere von Vivaldi. Er starb 1758 in Zerbst.
Tonfängerin im Ozean der Stille
Die aus dem arabischen Raum stammende Laute genoss bis in den Barock grosse Verbreitung in Europa. Neben Vivaldi schätzte auch J.S. Bach die Laute sehr und lieferte sich einmal mit Sylvius Weiss, dem wichtigsten Lautenisten seiner Zeit, einen musikalischen Improvisationswettstreit.
Evangelina Mascardi wurde in Buenos Aires geboren und gilt als eine der allerbesten Lautenistinnen unserer Zeit. Als Solistin hat sie mehrere CDs aufgenommen, die von der Kritik gelobt und mit Auszeichnungen wie Diapason Découverte, 5 Stars Goldberg und Supersonic Pizzicato gekrönt wurden, so zum Beispiel ihre Aufnahmen von Bach/Weiss, Sylvius Leopold Weiss und «Ferita d’amore». Als Continuo-Spielerin ist sie weltweit bei Barockopern in führenden Opernhäuser tätig, so zuletzt mit den Berliner Philarmonikern, Il Giardino Armonico, Monteverdi Choir and Orchestra.
Olivia Centurioni studierte Violine mit ihren Eltern Margaret Martin und Paolo Centurioni, bevor sie zum Conservatorio S. Cecilia in Rome wechselte. Danach führte sie ihr Studium in Basel bei Chiara Banchini weiter und wurde gleich in verschiedenen Barockorchestern engagiert: Ensemble 415, Concerto Vocale, Le Concert des Nations. Ihre CD-Aufnahmen sind bei den Labels Harmonia Mundi, ZigZag, Stradivarius, Glossa, Supraphon, Ars Musici erschienen. Seit 2009 ist sie Konzertmeisterin des Orchesters «Academia Montis Regalis».
Text: Louis Dupras