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Alfred Adler schildert in seinem Spätwerk "Der Sinn des Lebens" (1933) den Konflikt zwischen subjektiver Sinngebung und objektivem Sinn; letzterer gilt als "wahr", da er "ausserhalb unserer Erfahrung" liegt. Der Grundgedanke, der dahintersteht, lautet: Die Menschen haben im Verlauf der Evolution das Gemeinschaftsgefühl als Artspezifikum erworben. Seelische Krankheiten (u.a. Neurosen, Psychosen) sind Symptome eines Konflikts des einzelnen mit der Gemeinschaft, sind also Hemmungen des Gemeinschaftsgefühls durch frühkindliche negative Einflüsse (z.B. in der Erziehung). Aus dieser Erkenntnis ergeben sich einesteils therapeutische Massnahmen, darüber hinaus aber auch Ansätze für eine "wissenschaftliche" Ethik.
Portrait
Alfred Adler, 1870 in Wien geboren, entschied sich früh für den Arztberuf, den er dann lange Jahre in Wien ausübte. Sigmund Freund forderte ihn 1902 auf, seiner Studiengruppe beizutreten; im Laufe der gemeinsamen Arbeit entwickelte Adler aber seine eigenen Ansichten, so dass es 1911 zum Bruch zwischen den beiden kam. Adler begründete nun seine Auffassung der Individualpsychologie mit einer eigenen schule und einer eigenen Zeitschrift. Ab 1925 reiste er häufig nach Amerika, wo er sich 1935 endgültig niederliess. Hier fand seine Psychologie grosse Beachtung und Anerkennung bis in die Gegenwart. Während einer Vortragsreise starb Alfred Adler 1937 in Aberdeen.