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Der Orkan "Kyrill" hat in der Schweiz weniger Schäden angerichtet als befürchtet. Es gibt weder Schwerverletzte noch grössere Schäden.
In West- und Mitteleuropa hat der Orkan mindestens 40 Tote gefordert und eine Schneise der Zerstörung geschlagen, besonders in England und Deutschland.
In Grossbritannien riss "Kyrill" mindestens zwölf Menschen in den Tod. In Deutschland waren es mindestens zehn Menschen. Weiter kamen in den Niederlanden fünf, in Polen sechs, in Tschechien drei und in Frankreich zwei Menschen während des Sturms ums Leben.
Im Ärmelkanal geriet der 62'000-Tonnen-Frachter "MS Napoli" vor der Küste von Cornwall in Seenot.
In Deutschland liessen die Windgeschwindigkeiten am frühen Morgen stark nach. Nur auf den Gipfeln der Alpen und des Bayrischen Waldes gab es noch orkanartige Böen der Windstärken elf und zwölf. Sehr windig war es lediglich noch an den Küsten.
Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa rechnete wegen starker Winde mit weiteren Flugausfällen und Verspätungen im Luftverkehr. Auch der Zugverkehr blieb in Deutschland weiter eingeschränkt.
In der Nacht hatten Zehntausende Reisende auf den deutschen Bahnhöfen festgesessen, weil die Deutsche Bahn erstmals in ihrer Geschichte ihren Betrieb ganz eingestellt hatte.
Berliner Hauptbahnhof gesperrt
Der Nahverkehr konnte aber vielerorts wieder aufgenommen werden. Die Züge des Fernverkehrs fuhren vereinzelt. Der französische TGV-Hochgeschwindigkeitszug Eurostar nahm am Morgen die Fahrten zwischen Paris und London wieder auf.
In Amsterdam musste der Bahnhof evakuiert werden, nachdem "Kyrill" einen Teil des Glasdaches abgerissen hatte. Der neue Berliner Hauptbahnhof musste in der Nacht komplett gesperrt und geräumt werden, nachdem der Sturm einen tonnenschweren Träger heruntergerissen hatte.
In Österreich verursachte der Sturm hohe Sachschäden. Der Sturm erreichte dort seinen Höhepunkt in den frühen Morgenstunden mit 148 Kilometern pro Stunde. Vor allem in den Bundesländern Salzburg, Ober-und Niederösterreich wurden Häuser abgedeckt, Bäume geknickt und Stromleitungen unterbrochen.
Einige tausend Haushalte waren am Morgen noch ohne Strom. Auch im Osten Deutschlands waren am Morgen noch Zehntausende Haushalte vom Strom abgeschnitten.
Zwei Verletzte in Zürich
In der Schweiz hat der Orkan bis zu 150 Stundenkilometer erreicht. In der Stadt Zürich hat das Sturmtief zwei Verletzte gefordert. Ein 87-jähriger Mann wurde am Donnerstagabend von einer herunterfallenden Blumenkiste am Kopf getroffen.
Einige Stunden zuvor habe sich eine 66-jährige Frau an der Schulter verletzt, als ein Werbeplakat samt Rahmen durch den Wind weggerissen worden sei. Beide Personen wurden ins Spital gebracht.
Der Sturm entwurzelte Bäume, wehte Ziegel von Dächern und riss Bauabschrankungen um.
In der Nacht auf Freitag wurden nach Angaben von MeteoSchweiz im Flachland Böenspitzen um 100km/h erreicht. In Zürich waren es gar 132 km/h und in Luzern 112 km/h. Auf dem Jungfraujoch wurde mit 150 km/h die höchste Windgeschwindigkeit gemessen; immerhin 144 km/h waren es auf dem Säntis.
Fährbetrieb unterbrochen
Am Flughafen Zürich-Kloten sind noch 14 Flüge annulliert. Seit dem Aufkommen des Sturms waren insgesamt 105 Annullationen zu verzeichnen, die mehrere tausend Personen betrafen.
Der Fährbetrieb auf dem Bodensee bleibt weiterhin unterbrochen. Den Vormittag über gesperrt bleibt laut den SBB auch die Bahnstrecke zwischen Kreuzlingen und Konstanz. Im Strassenverkehr kam es zu keinen grösseren Behinderungen, einzelne Strecken mussten wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden.
Bis am Mittag muss weiterhin mit Sturmböen gerechnet werden. Am Nachmittag soll der Sturm gemäss MeteoSchweiz dann ganz abflauen.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
"Kyrill" hat auf dem Jungfraujoch eine Spitzengeschwindigkeit von 150 km/h erreicht. Das ist weniger als die 160 km/h, welche der Sturm "Lothar" am 26. Dezember 1999 erreichte.
Mit einer Schadensumme von 1,74 Milliarden Franken und 12,5 Millionen Kubikmeter zerstörtem Wald ist "Lothar" der Orkan, welcher in der Schweiz die grössten Schäden angerichtet hat.
Im Jahr 1990 erreichte "Vivian" Höchstgeschwindigkeiten von 268 km/h. Resultat: 5 Millionen Kubikmeter zerstörte Wälder.