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Planungssoziologie zwischen relationaler Design- und Akteur Netzwerk Theorie (ANT)
Traditionelle Planungstheorien stehen zunehmend in der Kritik: Anstelle ihren Vorstellungen die Stadt als eine gegebene Einheit zu betrachten, die es zu kontrollieren und planerisch zu optimieren gilt, verbreiten sich insbesondere in der Planungssoziologie neue, relationale Ansätze, die sich programmatisch an der Wissenschafts- und Technikforschung (Science and Technology Studies/STS) orientieren. Diese neuen Ansätze fassen Planung als eine hybride Praxis auf, die in der sozio-materiellen Interaktion zwischen der gebauten Umwelt und der sozialen Praxis ihrer Nutzerinnen und Nutzer in jeweils spezifischen Kontexten permanent neu ausgehandelt und hergestellt wird. Die Interaktion der "urbanen Form" und des sozialen Lebens, somit die Wechselbeziehung zwischen materiellen Dingen und gesellschaftlichen Strukturen, sind dabei zentral. Vor diesem Hintergrund orientieren sich STS-inspirierte Planungstheorien vermehrt an der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) (Latour 2005).
Die relationale Planungssoziologie fasst Planung als sozio-technisches Netzwerk auf. Aus dieser Sichtweise wird die Planung nicht primär in ihrer technischen Dimension verstanden. Vielmehr eröffnen die relationalen Auffassungen von Planung eine neue Perspektive, welche die mit ihr verbundenen Komplexitäten und Unsicherheiten sichtbar werden lässt. Sie eröffnet zudem einen neuen Zugang, um Raum und Macht, das heisst Artefakte, Praktiken und Interessen in (stadt)planerischen Prozessen neu zu überdenken.
Der Soziologe Lucius Burckhardt gilt als Vordenker der relationalen Planungstheorie im deutschen Sprachraum. In seinen Aufsätzen Design ist unsichtbar oder Bauen - ein Prozess ohne Denkmalpflichten hat sich Burckhardt bereits in den 1960er-Jahren mit dem relationalen Ansatz beschäftigt und die Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt als zentralen Bezug jeglicher Planungsvorhaben erkannt. Schon damals hat Burckhardt eindimensionale Planungsansätze kritisiert, welche der Interaktion zwischen materiellen und nicht-materiellen Elementen im Raum zu wenig Beachtung schenken. Nach Burckhardt kann die Planung nicht losgelöst von ihren sozialen Akteur_innen und Aspekten verstanden werden. Burckhardt hat in dieser Hinsicht die der ANT zugrundeliegende Idee der Interaktion von Akteur_innen und Artefakten schon früh vorweggenommen.