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Genauso verhält es sich mit der Jahrzahl 1054, mit der wir die Aufspaltung der abendländischen Kirche in eine Ost- und eine Westkirche datieren. Was war damals geschehen? – Eigentlich hatte der päpstliche Gesandte Kardinal Humbert de Silva Candida den Auftrag, in Konstantinopel das Militärbündnis mit dem dortigen Patriarchen Michael I. Kerularios zu erneuern.
Humbert war allerdings ein glühender Verfechter des päpstlichen Primats und ein Gegner der Priesterehe, die – damals wie heute – in der Ostkirche erlaubt war.
Weil Papst Leo IX. – Patriarch von Rom – vor Abschluss der Verhandlungen gestorben war, wäre Humbert eigentlich verpflichtet gewesen, sein Mandat aufzugeben oder zumindet ruhen zu lassen. Aber Humbert ging sogar noch weiter, als sein Auftrag je gedacht war: Er exkommunizierte den Patriarchen von Konstantinopel samt seiner Entourage. Dieser konterte mit der Exkommunikation Humberts und des – allerdings ja bereits verstorbenen – Patriarchen von Rom, also Leo IX.
Die Beziehung zwischen Rom und Konstantinopel war damit zwar auf einem Tiefpunkt angekommen, unwiderruflich zerrüttet war sie allerdings noch nicht. Faktisch war das «Abendländische Schisma», wie es später genannt wurde, noch nicht vollzogen. Immer wieder wurde in den nächsten 150 Jahren versucht, die beiden Patriarchate wieder näher zusammenzubringen. Vergeblich. Als 1204 Kreuzritter der Westkirche in Konstantinopel einfielen und die Stadt plünderten, war die Trennund in Ost- und Westkirche endgültig und bis heute unwiderruflich besiegelt.