Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/1448

Martel, die sich auf die 4 Friedensgerichtskreise Le Locle, Les Brenets, La Brévine und Les Ponts verteilen. Der Bezirk zählte
1904: 1772 Häuser und 19415 Ew., wovon 16841 Reformierte und 2567 Katholiken. Die eidgenössische Zählung von 1900 ergab 18999 Personen
Wohnbevölkerung und 19073 Personen ortsanwesende Bevölkerung, wovon 17286 französischer, 1509 deutscher, 276 italienischer
und 2 verschiedener Muttersprache. Der Bezirk liegt zwischen dem Doubs und der Kette der Tourne und grenzt im NW. an Frankreich,
im SW. und S. an den Bezirk Val de Travers, im SO. an den Bezirk Boudry und im NO. an den Bezirk La Chaux de Fonds.
Der höchste Punkt ist der Mont Racine mit 1442 m, der tiefste Punkt findet sich mit 700 m bei Moron am
Doubs. Die Bewohner beschäftigen sich hauptsächlich mit Uhrenindustrie und Viehzucht. Man zählt 3275 Uhrenmacher und 701 Bauern.
Die Uhrenmacher wohnen naturgemäss in der Mehrzahl im Hauptort, wo sich auch die bedeutensten Fabriken
konzentrieren. Andere Uhrenmacherorte sind daneben auch noch Les Ponts und Les Brenets. In den übrigen Ortschaften werden
nur einzelne Uhrenteile hergestellt; so beschäftigen sich z. B. im Thal von La Chaux du Milieu ziemlich viele Arbeiter bei
sich zu Hause mit der Herstellung von Uhrenschnecken. Ein Teil der für die Fabriken in Le Locle und Les Brenets
tätigen Arbeiter wohnt im französischen Département du Doubs.
Die Bodenfläche verteilt sich wie folgt:
ha
Häuser, Gärten, Baumgärten
163
Wiesen
5121
Weiden
4970
Wald
2209
Torfmoore
1705
Strassen, Steinbrüche, nackter Fels
232
Total
14400
Schöne Jurakalke werden bei La Chaux du Milieu und Les Brenets gebrochen; Torfausbeute in den Thälern
von
Les Ponts und La Brévine. Eines guten Rufes erfreuen sich auch die Erzeugnisse der Milchwirtschaft.
Die Viehstatistik ergibt folgende Zahlen:
1886
1896
1901
Rindvieh
4921
5353
5238
Pferde
676
676
797
Schweine
802
1494
1176
Schafe
412
299
210
Ziegen
217
282
189
Bienenstöcke
375
455
584
Ausgezeichnete Gemüse, gute Kartoffeln. Die Feldfrüchte können gegen Ende September geerntet werden. Obst gedeiht besonders
gut in Les Brenets, doch ist die Zahl der Obstbäume im ganzen Bezirk im Steigen begriffen. Das Hochthal von La Brévine ist
die kälteste Gegend des Bezirkes und des ganzen Kantons. Die Temperatur sinkt hier im Winter häufig
auf -30° und noch tiefer. Den Bezirk durchziehen vier Eisenbahnlinien: La Chaux de Fonds-Le Locle, Le Locle-Besançon und
die Regionalbahnen Le Locle-Les Brenets und Les Ponts-La Chaux de Fonds. Gute Strassen verbinden den Bezirk über die Pässe
und durch die Thäler mit den Nachbarbezirken und mit Frankreich. Die angrenzenden Teile von Frankreich unterhalten mit dem
Bezirk Le Locle einen ziemlich bedeutenden Viehhandel und liefern ihm den grössten Teil seines Bedarfes an Schlachtvieh.
Obst, Gemüse und Südfrüchte werden aus der Gegend von Besançon, aus dem südl. Frankreich und sogar
aus Algerien in grosser Menge eingeführt.
(Le) (Kt. Neuenburg,
Bez. Le Locle).
Gemeinde, Stadt und Hauptort des gleichnamigen Bezirkes. 47° 3' 40" NBr. und 6° 45' 01"
OL. von Greenwich. 16 km nw. Neuenburg
und 2 km von der französischen Grenze entfernt. Schwellenhöhe am Bahnhof 941 m, Höhe
der meteorologischen Säule 922 m. Kopfstation der Bahnlinien Le Locle-Neuenburg,
mehr
Le Locle-Besançon und der schmalspurigen Bahn Le Locle-Les Brenets. Postbureau, Telegraph, Telephon Postwagen nach Les Ponts de Martel
und La Brévine. Le Locle ist mit den übrigen Dörfern des Bezirkes, mit den Nachbarbezirken und mit Frankreich durch gute
Strassen verbunden. Die Stadt steht in der Sohle und an den Gehängen eines Längsthales des Hochjura.
S. darüber den Art. Locle (Vallée du). Da die alten Gebäude durch zahlreiche Feuersbrünste zur Mehrzahl zerstört worden
sind, hat die Stadt einen durchaus modernen Anstrich. In der Thalsohle ziehen breite und saubere Strassen der Längsrichtung
des Thales parallel, und seit einigen Jahren bekleiden sich auch die beiderseitigen Gehänge mit schönen
Landhäusern und Villen.
Die Stadt wird ihrer ganzen Länge nach vom Bied (s. diesen Art.) durchflossen. Das Klima ist zwar im Winter kalt, aber doch
weniger rauh und unwirtlich als in den benachbarten Thalschaften (exkl. das Thal des Doubs). Die Nebel des schweizerischen
Mittellandes steigen nicht bis hierher auf. Die Luft ist daher gesund, kräftigend und anregend, und Le Locle
ist eine der schweizerischen Städte mit der geringsten Sterblichkeitsziffer. Im Sommer steigt die Temperatur bis zu 30 °C
und höher, in klaren Winternächten sinkt sie bis zu -25°, aber nur selten tiefer. Die Höhe der Niederschläge
überschreitet jährlich 1,2 m. Mittlerer jährlicher Barometerstand 677 mm.
Bevölkerung:
1818 zählte Le Locle 860 Haushaltungen, was einer Bevölkerung von etwa 4500 Ew. entsprechen dürfte. Ueber die Bewegung
der Bevölkerung in den folgenden Zeiten gibt uns nachfolgende Tabelle Auskunft:
Neuenburger
Schweizer
Ausländer
Total
1826
4304
617
262
5183
1838
5113
1125
488
6726
1848
5858
1615
597
8076
1850
5335
1736
812
7883
1860
5647
2690
1167
9504
1870
5831
3033
1051
9915
1880
5825
3568
969
10362
1890
6321
4001
988
11310
1900
6831
4635
1093
12559
1904
7010
4760
2196
12966
Man
zählt 11220 Reformierte, 1675 Katholiken und 2 Israeliten. Die Zahl der Geburten beträgt jährlich
32‰, die der Todesfälle 17‰ der Gesamtbevölkerung. 1902 hat das Postbureau 953134 Briefe (wovon 38557 eingeschriebene)
und 129776 Postpakete mit einem deklarierten Wert von 18 Millionen Franken befördert und für 139671 Fr. Briefmarken verkauft.
Die ordentlichen Ausgaben der Stadtverwaltung beliefen sich 1903 auf 856234 Fr., die sich folgendermassen
verteilen:
Fr.
Zinsen und Amortisationen
280623
Bauwesen
58868
Armenwesen
80869
Erziehungswesen und Kultus
311442
Polizei und Feuerwehr
65871
Verschiedenes
58561
Total Fr.
856234
Diese Ausgaben werden gedeckt durch die Einnahmen aus den städtischen industriellen Anlagen und Kapitalien, aus
den eidgenössischen und kantonalen Subventionen für das Schulwesen und aus den Steuern. Die beträchtlichen Ausgaben für
Zinsen und Amortisationen rühren noch von der Schuld her, die die Gemeinde für die Erstellung der Eisenbahn des sog. Jura
Industriel eingegangen hat. Das gesellige Leben ist ein ausserordentlich reges und entspricht für die
meist in sitzender Beschäftigung tätige Bevölkerung einem eigentlichen Bedürfnis. Von den zahlreichen Gesellschaften
und Vereinen wollen wir nur die
mehr
bedeutendsten nennen: mehrere Schiessvereine, so z. B. die Société des Carabiniers, die 1892 das Kantonalschützenfest
übernommen hat;
zwei Turnvereine, Glieder des eidgenössischen Turnvereins, deren älterer 1865 das eidgenössische Turnfest
und zu wiederholten Malen das kantonale Turnfest übernommen hat;
Gesang- und Musikvereine, wie die Musique militaire, die
Symphonie, die Union instrumentale und die Société chorale;
politische Vereine und «Cercles»;
Vereine,
die sich mit Unterricht und Belehrung befassen, wie die Société d'Enseignement professionnel (Gewerbeverein), der Club
jurassien, die Société pédagogique (Lehrerverein), die Union chrétienne (christlicher Verein junger Männer);
eine Sektion
der schweizerischen Kunstgesellschaft;
gemeinnützige und wohltätige Gesellschaften, wie die Krippe (Crèche), die
Volksküche, die Société fraternelle de Prévoyance (Hilfsverein), eine Freimaurerloge, Abstinenzvereine.
Den Verschönerungsverein
und seine Tätigkeit werden wir später noch zu nennen Gelegenheit haben.
Handel, Gewerbe und Industrie.
Schon recht früh nutzten Mühlen und Sägen die Wasserkraft der Bäche im Thal von Le Locle aus. Berühmt war namentlich die
Mühle am Col des Roches, deren Triebrad unterirdisch in einem natürlichen Felsentrichter (emposieu) angebracht war und die
von vielen Fremden besucht zu werden pflegte. Als erste Industrien kamen dann Strumpfwirkerei, die Herstellung von eisernen
und silbernen Schnallen, von Sicheln und von Waffen. Im 17. Jahrhundert wurden Spitzen, im 18. Jahrhundert Holzpfeifen,
Indiennestoffe, Spitzen und Kämme zum Hecheln fabriziert.
Alle diese Industriezweige verschwanden jedoch mit der Einführung der Uhrenmacherei. Heute bestehen in Locle 70 Uhrengeschäfte,
vom kleinen Atelier, in dem der Meister mit einigen geschickten Gehilfen die Präzisionsuhren verfertigt, bis zu der grossen
Fabrik, die hunderte von Arbeitern beschäftigt. Die grösste dieser Fabriken hat zur Zeit 600 Arbeiter.
Einige Etablissemente stellen die Uhren fast vollständig mit Maschinenbetrieb her. Daneben beschäftigen auch die mit der
Uhrenmacherei verwandten oder ihr dienenden Gewerbe zahlreiche Werkstätten: Montage, Schalenfabrikation, Herstellung
der
Zifferblätter, Uhrsteinschleiferei und Bijouterie, Herstellung der Rohteile etc. In der Uhrenmacherei und den verwandten
Gewerben sind in Le Locle heute 2408 Personen tätig.
Die Ausnutzung der Elektrizität als Triebkraft hat Resultate gezeitigt, wie man sie bei Einführung des Maschinenbetriebes
nicht für möglich gehalten hätte. Die Uhrenindustrie von Le Locle ist weltbekannt; 1876 erhielt sie an der internationalen
Ausstellung von Präzisionsuhren (Concours international de réglage) in Genf
den Ehrenpreis und den ersten
Preis und bei der Landesausstellung von 1896 von 20 für die Gruppe der Uhrenmacherei bestimmten Medaillen allein deren 8,
wozu bei einer von derselben Jury vorgenommenen zweiten Preisverteilung noch weitere 4 kamen.
Von den 1900 in Paris auf die schweizerische Uhrenindustrie entfallenden 10 Grands Prix trug Le Locle
allein 4, d. h. 40% davon. Im Zeitraum von 1889-1900 hat sich Locle ferner 69% der von der Sternwarte in Neuenburg
ausgesetzten Preise
und 10 mal den Prix général geholt. 1901 kamen alle diese Preise und 1902 von im Ganzen 48 deren 38, d. h. 79% nach Le Locle.
Die Montage und Verzierung der Uhren erfordern zugleich künstlerisch veranlagte Arbeiter und genaue mechanische Arbeit.
Bis jetzt hat nur eine einzige Fabrik es unternommen, beide Verfahren zu gleicher Zeit einzuführen, was dem Arbeiter gestattet,
sich mit den Fortschritten sowohl auf künstlerischem, wie auf mechanischem Gebiet vertraut zu machen. Ein
bedeutendes Atelier beschäftigt sich mit dem Gravieren und der Prägung von Medaillen und erfreut sich bereits eines guten
Rufes. Dem aufgeweckten und intelligenten Arbeiter ist in Locle Gelegenheit geboten, sein ihm von Natur gegebenes und
durch den hier seit 1830 eingeführten Unterricht im beruflichen Zeichnen in feste Bahnen gelenktes Talent
auch in der Bijouterie, der Goldschmiedekunst und in der Herstellung von künstlerisch ausgeführten Petschaften etc. zu
erproben.
1902 hat das eidgenössische Kontrolbureau in Locle 74699 silberne und 67523 goldene, zusammen also 142222 Uhren gestempelt.
Es wird in Locle jährlich Edelmetall (Gold und Silber) im Wert von 4-5 Millionen Franken verarbeitet.
Neben der Uhrenindustrie blühen hier auch
noch eine grosse Schokolade- und Zuckerwarenfabrik, eine Weinhefenfabrik mit Fabrik zur Herstellung von Neuenburger Schaumwein,
eine grosse Baukonstruktionswerkstätte, eine Kunststein- und Zementbacksteinfabrik etc.
Gebäude.
Wie schon bemerkt, hat Locle keine alten Gebäude, die uns von seiner geschichtlichen Vergangenheit Kunde geben könnten.
Das älteste Baudenkmal, der aus 1521 stammende Turm der reformierten Pfarrkirche, ist vor kurzem restauriert
worden und hat neben neuen Glocken auch eine neue elektrische Uhr mit leuchtenden Zifferblättern erhalten. Auch das aus 1759 stammende
Schiff dieser Kirche ist neuerdings geschmackvoll umgebaut worden. Weitere kirchliche Bauten sind die deutsche reformierte
Kirche, das der freien evangelischen Gemeinde eingeräumte Oratoire, die Kapelle der mährischen Brüder
und die katholische Kapelle.
Zahlreiche Schulhäuser das Collège du Bas (1846) und die ihm angegliederte Schule Jean Richard (1886), vor der das von Iguel
geschaffene Bronzedenkmal dieses genialen Uhrenmachers steht, das höher oben stehende Nouveau Collège (1876), das Gebäude
des Technikums (1902) etc. Ferner sind zu nennen das Rathaus (1834), Postgebäude (1859), Kasino-Theater
und der 1893 erbaute Spital, der allen heute an eine solche Anstalt zu stellenden Anforderungen genügt und über etwa 50 Krankenbetten
verfügt.
Die elektrische Beleuchtung ist seit 1890 eingeführt. Zuerst benutzte man zu diesem Zweck den 90 m hohen Fall des
Bied in der Gorge de la Rançonnière, der während 5 Stunden im Tag 300 PS ergab, die aber dem wachsenden Bedürfnis bald
nicht mehr genügten. Seit 1892 hat daher Locle 26% der vom Elektrizitätswerk der Gemeinden La Chaux de Fonds und Neuenburg
in den
Gorges de l'Areuse erzeugten Kraft erworben, die als mehrphasiger, hochgespannter Strom zur Transformatorenstation
(Usine électrique) in Locle gelangt, wo dieser auf 150 Volts herabgesetzt wird. Im gleichen Gebäude ist auch das Pumpwerk
untergebracht, von dem aus die Stadt mit dem im Thal von Locle gefassten Trinkwasser versorgt wird. Vergl. Locle (Vallée du).
Erziehungund Unterricht
erfreuen sich sorgfältiger Pflege und des regen Interesses der ganzen Bevölkerung. Die zur Zeit der Reformation gegründete
Primarschule zählt jetzt in der Stadt selbst und in den
5 Schulkreisen ihrer Umgebung 51 Klassen mit 2392 Schülern, während
die 1855 eingerichtete Sekundarschule heute (1903) 9 Klassen mit 147 Schülern umfasst. Die seit 1897 bestehende
und an die Sekundarschule angegliederte Handelsschule hat drei Klassen mit 31 Schülern beiderlei Geschlechtes.
Das Technikum (123 Schüler) umfasst eine 1867 gegründete Uhrenmacherschule und Abteilungen für Mechanik, Gravüre, Montage
und Elektrotechnik, sowie verschiedene Spezialklassen für die Erlernung einzelner Teile der Uhrenmacherei. Die Gewerbeschule
(École professionnelle) gibt Lehrlingen und Arbeitern aller Handwerke und Gewerbe Unterricht in Sprachen,
Zeichnen, Buchhaltung und im Zuschneiden. An sie schliesst sich eine Spezialschule für Schneiderinnen an. Den Reigen der
der allgemeinen Bildung dienenden Institute schliessen die 1830 gegründete Bibliothek und das aus 1850 datierende Museum
mit naturhistorischer, historischer und Gemäldesammlung. Die Stadtverwaltung wird in ihren gemeinnützigen
Bestrebungen wirksam unterstützt vom Verschönerungsverein, der einen Volksgarten (Jardin public) geschaffen, eine meteorologische
Säule mit selbstregistrierenden Instrumenten aufgestellt, in den Strassen und auf den Plätzen Bäume gepflanzt und die Restauration
des Turmes der Pfarrkirche an Hand genommen hat.
Die Einrichtungen und Anstalten für wohltätige Zwecke sind so zahlreich, dass wir hier nicht alle namhaft
machen können. Wir erwähnen daher blos das städtische Altersasyl (Hospice des vieillards), das 1824 gegründet worden
ist und 61 Greisen beiderlei Geschlechtes einen friedlichen Zufluchtsort bietet, den 1850 gestifteten Privatspital, das 1875 von
Maria Anna Calame gestiftete Asyl Les Billodes, das verwaiste oder verwahrloste Mädchen unterrichtet und
erzieht. Nachdem das alte Gebäude dieses Asyles 1901 einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen ist, hat es seit 1902 einen geräumigen
Neubau bezogen, in dem 68 Mädchen zu brauchbaren und tüchtigen Gliedern der menschlichen Gesellschaft herangezogen werden.
In nächster Zeit wird die Stadt, unterstützt durch freiwillige Gaben aus allen Schichten der Bevölkerung,
auch an die Erstellung eines Waisenhauses für Knaben herantreten.
Geschichtlicher Ueberblick.
Urkundliche Namensformen sind 1150: Locloz;
1351: Loclo, Losclu;
1359: Locloz;
mehr
1395: Loucle. Der Name ist wahrscheinlich vom keltischen loch (lateinisch lacus, Deminutiv laculus) = See herzuleiten. Der
Wanderer wird in der Umgebung von Locle wie überhaupt in den Neuenburgerbergen nirgends auf Ruinen von Burgen oder Klöstern
oder auf Reste von Festungsmauern, Wällen und Gräben stossen. «Dieser verborgene
Winkel des Schweizerlandes, der durch die Erzeugnisse seiner Industrie in der ganzen Welt bekannt geworden
ist, kann sich mit Recht rühmen, mehr als jedes andere Gebiet ein Land der Freiheit zu sein. Die Bevölkerung dieser Thäler,
deren Geschichte zwar nur fünf bis sechs Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückreicht, wusste nie etwas von
Leibeigenschaft, Hörigkeit, drückendem Dienstverhältnis und von die Freiheit beengenden Schranken, unter welchen ihre Nachbarn
seufzten.»
Daher der alte und heute noch hie und da gebräuchliche Name des «Clods de
la Franchise» für das Gebiet, dessen natürlichen Mittelpunkt die Stadt Locle bildet. Es steht heute fest, dass die
erste Kolonisation dieser einst mit endlosen Tannenwaldungen bedeckten Hochthäler den Mönchen des Klosters
Fontaine André zu verdanken ist, denen Renaud von Valangin 1151 die im w. Teil des Thales von Locle gelegenen sog. Prés d'Amens
schenkte. Sie erbauten sich hier ein eigenes Haus, dessen aus mächtigen Bruchsteinen gefügtes Erdgeschoss sich an einem
Gebäude in La Molière (bei Le Locle) noch bis heute erhalten haben soll. Eine grössere Anzahl von Kolonen kam aber erst
im 13. und 14. Jahrhundert ins Land. So soll sich z. B. der Ueberlieferung nach ein Jean Droz aus Corcelles 1303 im «Verger»,
einem heutigen Quartier der Stadt Locle, niedergelassen haben,
und schon 1308 wird den Ansiedlern urkundlich
das freie Verfügungsrecht über das von ihnen urbar gemachte Land eingeräumt.
Die Herren von Valangin, denen dieses wilde Gebiet gehörte, sahen rechtzeitig ein, dass sie den Kolonen, die sich hier niederlassen
wollten, aussergewöhnliche Vorteile und Vorrechte bieten mussten, um sie an die Scholle zu fesseln. 1372 entband
Johann II. von Aarberg, Herr von Valangin, die Leute von Le Locle und La Sagne von der Pflicht der Heeresfolge und anerkannte
sie als Freisassen, die Niemandem untertan waren als blos dem Grafen selbst. Das ist der Ursprung dieser alten Rasse der Neuenburger
Montagnards, welche der Einfluss der rauhen Berge, mehr aber noch derjenige der Freiheit zu dem gemacht
hat, was sie sind: ein ausdauerndes, arbeitsames, unabhängiges Völklein. 1351 wurde Locle zur eigenen Kirchgemeinde erhoben,
worauf man 1372 hier eine der h. Maria Magdalena geweihte Kapelle erbaute, die von den Landleuten als «Moustier du
Creux» bezeichnet wurde und das erste Gotteshaus im Neuenburger Hochjura war.
Trotz der Nähe der Grenze hatten die Dörfer des Clods de la Franchise auch während der Burgunderkriege völlige Ruhe, bis 1476 eine
Bande versprengter Soldaten Karls des Kühnen das Dorf Locle zu plündern und brandschatzen versuchten. Nachdem diese Räuber
aber von den Frauen aus dem Ort verjagt worden waren, fielen sie den am Ausgang des Thales auf ihre Ankunft wartenden Männern
in die Hände, die ihnen einen heissen Empfang bereiteten. Zum Andenken an dieses Ereignis heisst der Ort des Kampfes heute
noch Le Crêt Vaillant. Zu Ende des 15. Jahrhunderte zählte Le Locle blos etwa
mehr
52 Haushaltungen, ein Jahrhundert später taufte man jährlich 56-73 Kinder, und 1777 hatte der Ort 70 Wohnhäuser.
In aller Ruhe erfolgte 1536 der Uebergang zur Reformation. Unterdessen hatten sich die Söhne und Töchter des Ortes auch
in der Umgegend niedergelassen, wo sie neue Siedelungen gründeten, die alle das alte Locle als ihre
Muttergemeinde (Mère-Commune des Montagnes) anerkannten. Dieses entwickelte sich in der Folge nur langsam, bis dann die Einführung
der Uhrenindustrie auf einmal einen raschen Umschwung der Verhältnisse zur Folge hatte. 1705 liess sich in Locle Daniel
Jean Richard (1665-1741) nieder, der zuvor in der Nähe von La Sagne gewohnt und dort ohne weitere Anleitung
seine erste Uhr konstruiert hatte.
Der neuen Industrie kam das für die landwirtschaftlichen Arbeiten wenig günstige Klima, das den Bewohnern im langen Winter
viele freie Zeit liess, wesentlich zu Hilfe. Die Leute fanden bald Gefallen an der Uhrenmacherei, die sie lange Zeit als
reine Hausindustrie betrieben. Im Lauf der Jahre hat sich dann in Locle eine grosse Anzahl von intelligenten
Männern um die stete Vervollkommnung ihres Kunsthandwerkes verdient gemacht. Wir nennen davon Ferdinand Berthoud (1727-1807),
der den Franzosen die Herstellung der Schiffschronometer lehrte, Abram Louis Breguet (1747-1823), Abram Louis Perrelet (1729-1826),
Jacques Frédéric Houriet (1743-1830), die beiden durch ihre Automaten berühmt gewordenen Jaquet-Droz
(Pierre 1721-1788 und Henri Louis 1752-1789), die zwar in La Chaux de Fonds wohnten aber gleich allen alten Geschlechtern des
Hochjura zugleich auch Bürger von Locle waren; ferner Sylvain Mairet (1805-1890), Louis Jean Richard (1812-1875; Urenkel von
Daniel Richard), Jules Jürgensen (1808-1877), Ulysse Nardin (1823-1876) und Henri Grandjean (1803-1879),
dem die Erstellung der kantonalen Sternwarte in Neuenburg
und die Gründung der Uhrenmacherschule in Locle in erster Linie zu verdanken
ist.
Die Stadt Locle nennt sich auch mit Stolz die Heimat der Familie Girardet, deren Stammvater der erste Buchhändler der «Montagnes»
war und deren Nachkommen sich bis heute als Künstler ausgezeichnet haben. Bürger von Locle waren ferner
der Landschaftsmaler Alex. Calame (1810-1864);
der durch seine Werke Voyage au Caucase und Antiquités de Neuchâtel bekannt
gewordene
Neuenburger Professor Frédéric Du Bois-de Montperreux (1798-1850);
der Staatsmann, Regierungsrat und Tagsatzungsabgeordnete
(vor 1848) Henri Florian Calame (1807-1863);
der Staatsrat D. G. Huguenin (1765-1842), bekannt als Verfasser
der Châteaux neuchâtelois;
der in La Chaux de Fonds geborene berühmte Maler Léopold Robert (1794-1835);
der Pfarrer Andrié
(1792-1866), der sich um das Schulwesen von Locle und des ganzen Kantons Neuenburg
verdient gemacht hat.
Lange Jahre hat in Locle der
aus Sainte Croix stammende August Jaccard (1833-1895) gewohnt, der es vom einfachen Uhrenarbeiter bis zum Professor an der
Neuenburger Akademie brachte und einer der geschätztesten und zugleich seiner Bescheidenheit wegen beliebtesten Geologen
der Schweiz war.
Als 1813 das zweite Armeekorps der Verbündeten unter dem Befehl des Fürsten von Liechtenstein in Le Locle,
Les Brenets und La Chaux du Milieu Quartier nahm, hatte die Bevölkerung unter den unaufhörlichen Requisitionen und Belästigungen
aller Art vieles zu erdulden. 1814 erhielt Locle den Besuch des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preussen und 1842 denjenigen
seines Nachfolgers, des Königs Friedrich Wilhelm IV. 1871 endlich zog ein Teil der über den Col des Roches
auf Schweizer Boden übergetretenen französischen Ostarmee Bourbaki's durch Locle.
Die Ortschaft ist mehrere Male von verheerenden Feuersbrünsten heimgesucht worden, namentlich von denen der Jahre 1683, 1765 und
1833, welch' letzterer 45 mitten im Dorf stehende Häuser zum Opfer fielen. Diese Katastrophe hatte aber
die gute Folge, dass man einen ganz neuen Bebauungsplan aufstellte und durch gegenseitigen Austausch zwischen öffentlichem
und privatem Grundeigentum den zu dessen Verwirklichung notwendigen Raum schuf. Der einst dreieckige und nur kleine Marktplatz
wurde vergrössert und zugleich zu einem Viereck umgestaltet, und die unregelmässig verlaufenden Gassen wurden in
breite und geradlinige Strassen umgewandelt. Von dieser Zeit an beginnt die Entwicklung von Le Locle zu der modernen Stadt,
als welche wir sie heute kennen. Zum Schlusse unserer Uebersicht führen wir noch an, dass David Perret und Henri Grandjean
am in Le Locle die Fahne des Aufruhrs erhoben, der Neuenburg
von der Herrschaft des Hauses Brandenburg
mehr
befreien und mit der Erklärung zur Republik enden sollte.
Bibliographie.
Chaux de Fonds, Locle, Brenets und ihre Umgebungen. (Europ. Wanderbilder. 40 und 41). Zürich
1883. - Jaccard, A. Le Locle. Neuchâtel 1892. -
Boillot-Robert. Neuchâtel; du lac au Jura. Neuchâtel 1894. - Cloches, les, du Locle. Le Locle 1898. - Pays,
au, des montres. Neuchâtel 1900. - Monod, J. Le Locle et Les Brenets. Genève 1903.
(Valléedu) (Kt. Neuenburg,
Bez. Le Locle).
Hochthal im zentralen Jura, 8 km lang und zwischen 100 m und 1 km breit.
Streicht zwischen den Ketten des Pouillerel und Sommartel von NO. nach SW. und senkt sich vom Crêt du Locle, wo es ins Hochthal
von La Chaux de Fonds übergeht von 1024 m rasch bis zu 956 m (am Pied du Crêt) und 919 m (am Col des Roches),
um dann an seinem SW.-Ende wieder bis zu 1050 m (Les Queues) anzusteigen. Das Thal bildet somit eine allseitig geschlossene
Wanne, deren Wasser nur durch den natürlichen Felstrichter beim Col des Roches und durch den 1805 durch
den Fels der Roches Voumard getriebenen, 300 m langen Stollen einen Abfluss finden.
Auf die S.-Flanke des Hauptthales öffnen sich mehrere kleine Seitenthäler, wie die Combe des Enfers (Kluse), Combe Robert,
Combe Girard (Kluse), die Jaluse und die Combe Jeanneret. In geologischer Beziehung bildet das Thal von Le Locle
eine aus mächtig entwickelten Schichten der obersten Glieder der Juraformation bestehende Mulde, deren Schenkel sowohl im
NW. als im SO. überliegen. Im Muldenkern treffen wir Kreideschichten, so (in der Combe Girard ziemlich fossilreiches) Valangien,
Hauterivienmergel und gelbe Kalke der obern Hauterivienstufe.
Das Urgon fehlt, wenigstens an den beiden Thalrändern, wo es offenbar während der dem Absatz der marinen
Molasse vorangehenden langen Festlandsperiode der Erosion zum Opfer gefallen ist. Das gleiche Schicksal hat die im benachbarten
Thal von Morteau noch wohl erhaltenen Schichten des Albien und Cenoman getroffen, wenn solche überhaupt jemals vorhanden
gewesen sind. Da alle Ablagerungen der Eocän-, Oligocän- und untern Miocänzeit fehlen, muss sich hier
auf jeden Fall eine lange Festlandsperiode zwischen die Kreidezeit und das mittlere Miocän eingeschaltet haben.
Die ältesten tertiären Ablagerungen im Thal von Le Locle gehören der marinen Molasse (helvetische Stufe) an, die an ihrer
Basis aus groben Sandsteinen, dann aus wechsellagernden, weichen Sandsteinen und Mergeln besteht und
an den Thalrändern in eine Art Nagelfluh (Gompholithe) übergeht, wie dies
an den Eisenbahneinschnitten zwischen dem Bahnhof
Locle und dem Crêt du Locle sehr schön beobachtet werden kann. Entstanden ist diese Nagelfluh jedenfalls aus dem Schuttmaterial
des Küstenerosion und auch durch Bergstürze, die von den damals schon stark gehobenen Hängen der Kette
des Pouillerel in den tertiären Golf niedergebrochen sind. Da sie (wie dies Jaccard zuerst nachgewiesen hat) an manchen
Stellen mit dem marinen Molassesandstein wechsellagert, kann ihr miocänes Alter nicht bezweifelt werden.
In den obern Lagen besteht die marine Molasse aus grünlichen Sandsteinen und Sanden, welche exotische
Gesteinstrümmer nichtjurassischen (alpinen?) Ursprunges und eine Menge von Materialien lokaler Herkunft (Gerölle und Fossilien
des Neocom etc.) einschliessen und mit fossilreichen graugrünen Mergeln wechsellagern. Es ist dies der Horizont der Ostreacrassissima. Ueber diesen Schichten folgt eine Lage von roten Mergeln, die an den Flanken des Thales überall
angetroffen wird und eine weite undurchlässige Mulde bildet.
Die darauf folgende Bildung besteht aus weissen, grauen oder braunen Süsswasserkalken mit Einlagerungen von Mergeln, Kieselknollen
(Menilith) und winzigen Schieferkohlenflözchen. Diese Süsswasserformation gehört der Oeningerstufe an. Der Süsswasserkalk
wird seiner geringen Widerstandsfähigkeit wegen von den Landleuten «toter Stein» (pierre morte) genannt.
Die Oeningerstufe zeigt hier zwei getrennte Horizonte, nämlich dicke Bänke von Süsswasserkalk (pierre morte) einerseits
und wechsellagernde Mergel, Kieselmergel und Kohlenmergel (mit zerfressenen Menilithkonkretionen, die oft Opaldrusen enthalten)
andererseits.
Die von A. Jaccard untersuchte reiche Fauna dieser Stufe besteht ausschliesslich aus Süsswasser- und Landformen; am häufigsten
vertreten sind die Molluskenarten Helix, Limnaea, Planorbis, Bithinia, Melanopsis und Unio und die landbewohnenden
Formen Listriodon, Palaeomeryx und Dinotherium. Die Flora (Populus, Salix, Driandroides, Laurus, Cinnamomum, Acer, Celastrus,Caesalpinia, Ilex etc.) weist auf ein subtropisches Klima hin, dessen jährliche Mitteltemperatur nach den gefundenen Insekten
(Calosoma, Buprestis) auf etwa 18° C. geschätzt werden kann. Es ist möglich, dass sich die Bildung
der am NW.-Hang der Mulde besonders stark entwickelten Nagelfluh bis zum Beginn der Oeningerzeit fortgesetzt hat. Im ganzen
betrachtet, zeigen uns diese Ablagerungen, dass der einst von der Umgegend von Les Queues bis zum NO.-Ende des Thales von La Chaux de Fonds
reichende Süsswassersee allmählig austrocknete und in seinen letzten Stadien nur noch ein Torfmoor
darstellte, das bis ins Pliocän und Quaternär hinein bestanden haben muss. Das Thal von
mehr
Le Locle besteht somit innerhalb der beiden jurassischen Bergflanken des Pouillerel und Sommartel aus zwei voneinander verschiedenen
Abschnitten:
1) den tertiären Hängen, die aus Kalken und Mergeln der Oeningerstufe aufgebaut sind und gegen SO. ein ganzes Plateau, den
sog. Communal oder Argilat bilden («Argilat» genannt, weil hier der Boden
aus den lehmigen Verwitterungsrückständen der tertiären Mergel besteht) und 2) aus dem Thal im engeren Sinn und seinen
Verzweigungen (Combe des Enfers, Combe Robert, Combe Girard, La Jaluse), reinen Erosionsfurchen, deren Wasser sich alle zum Bied
du Locle vereinigen.
Der grösste Quellbach des Bied kommt aus der Combe d'entre Deux Monts herab und durchfliesst die Combe Girard.
Der untere Abschnitt des Thales zeigt von der Einmündung der Combe Girard an eine vertorfte flache Sohle, die sich bis zum
Col des Roches, wo der Bied unterirdisch abfliesst, ständig verbreitert und zugleich senkt. Der flache Thalboden ist nirgends 500 m
breit. Verschiedene Bohrungen haben gezeigt, dass unter dem 2-6 m mächtigen und stark erdigen Torf zunächst
eine mehr als 10 m dicke Schicht von Seeschlamm (Lehm) mit Schalen von Süsswasserschnecken und dann die viele kleine jurassische
Gerölle einschliessende, lehmige Grundmoräne folgen.
Dieser Teil des Thales bildete demnach einst einen See, der durch die Alluvionen allmählig aufgefüllt
wurde und sich später in ein Torfmoor umwandelte. Dieser See hat sich auch in unseren Zeiten vorübergehend wieder gebildet,
wenn bei Hochwasser des Bied der Abflusstrichter am Col des Roches nicht alles herbeigeführte Wasser zu verschlucken vermochte.
Auf diese Erscheinung ist auch ohne Zweifel der Name Le Locle (le loclat = kleiner See) zurückzuführen.
Um diesen verderblichen Rückstau des Wassers zu verhindern, hat man 1805 den schon genannten Stollen gegraben.
Aus den eben geschilderten Verhältnissen folgt, dass vor der Zeit der Entstehung des heute aufgefüllten Sees, d. h. vor der
Glazialzeit die schmale Furche der Combe des Enfers bis zu einem Abflusstrichter gereicht hat, dessen
Oeffnung wahrscheinlich 30-40 m unter dem heutigen Niveau der Sumpfebene am Col des Roches gelegen haben muss.
Auf andere
Art lässt sich die Auswaschung des heute wieder kolmatierten Thales nicht erklären. Als dann die diluvialen Gletscher hier
wie auch anderswo im Jura den tiefen Abflusstrichter mit Moräne verstopft hatten, musste an der Stelle,
wo heute die Industriestadt Le Locle liegt, der genannte See entstehen.
Der sumpfige Boden erfordert beim Bau von Häusern ganz besondere Vorsichtsmassregeln, weshalb heute fast alle modernen Gebäude
auf einem Pfahlrost stehen. Einzig die Pfarrkirche ist auf einem vorstechenden Sporn von Süsswasserkalk
fundiert. Aber auch die tertiären Thalgehänge sind wenig fest und daher zu Rutschungen geneigt, was besonders dann der
Fall ist, wenn sie noch mit einer dicken Lage von z. T. aus Moränen herstammendem, lehmigem Detritus bedeckt sind.
Die aufgefüllte Sohle des Thales von Le Locle hat ein nur schwaches Gefälle, nämlich blos 10 m auf eine
Strecke von 3,3 km Länge (zwischen der Einmündung der Combe Girard und dem Col des Roches). Aus diesem Grund ist auch die
Stadt bei Hochwasser des Bied schon oft unter Wasser gesetzt worden. Man hat daher am Bied grosse Verbauungsarbeiten
unternommen, die auf seiner Laufstrecke durch die Combe Girard und durch die Stadt bereits vollendet sind und hier aus einem
vollständig ausgemauerten und gedeckten Kanal bestehen, der weit genug ist, um auch die grössten aus der Combe Girard hervorbrechenden
Wassermassen anstandslos passieren zu lassen. In der Combe Girard selbst hat man den Bach durch Thalsperren
und Dämme unschädlich zu machen gesucht. Es bleibt heute noch die Regulierung und Verbauung des etwa 2 km langen untersten
Bachlaufes zwischen der Stadt und dem Col des Roches zu vollenden.
Die Tieferlegung des Kopfes des Abzugsstollens am Col des Roches um 4-5 m wird zugleich auch gestatten,
das umliegende Land durch Tiefendrainage trocken zu legen und so für die immer weiter ausgreifende Stadt einen guten Baugrund
zu gewinnen. Man plant bereits, auf diesem Boden den neuen Güterbahnhof zu erstellen. Neben den schon genannten Spuren hat
die Eiszeit auch noch andere Reste in Gestalt von erratischen Blöcken alpiner Herkunft hinterlassen.
Ihr grösster, ein Protoginblock von einem halben Kubikmeter
mehr
Inhalt, steht im öffentlichen Garten zu Locle. Quellen sind zahlreich. Da sie aber an beiden Thalrändern nur wenig über
der Sohle zu Tage treten, muss man ihr zur Versorgung der Stadt gefasstes Wasser durch ein besonders Pumpwerk zuerst in ein
höher gelegenes Reservoir hinauf schaffen. Keine Ortschaft im Jura besitzt so viele laufende Brunnen wie
Le Locle. Als Wassersammler dient der von einer Menge von Spalten durchzogene Oeningerkalk, der auf der schon genannten
Mulde von undurchlässigen roten Mergeln aufruht.
Diese Wasser treten in den Seitenthälern (Les Abattes, Combe Girard) als Quellen zu Tage, bilden aber unter dem Plateau des
Communal auch ein grosses unterirdisches Wassernetz, das einst, durch die Alluvionen am Thalrand und mitten
im Thal von unten nach oben drückend, eine Reihe von Quellen, die sog. Bugnons, speiste. Dank der tektonischen Lagerung der
Schichten kann dieses unterirdische Reservoir durch die sumpfigen Wasser der Thalsohle nicht verunreinigt werden.
Für seine beständige Erhaltung und für die Reinheit seines Wassers sorgen ferner die grossen Koniferenwaldungen,
die auf dem Plateau des Communal und an seinen Hängen angepflanzt worden sind und noch werden. Heute verfügt Le Locle im Notfall
über eine Menge von 3000 Minutenliter Wasser. Der bedeutenden Höhenlage des Thales entsprechend beschränkt sich
die Landwirtschaft auf den Anbau und die Pflege von Wiesen und Wald. Getreide lohnt seinen Anbau kaum. Besser gedeihen dagegen
Gemüse und Kartoffeln. Auch einige Obstbäume, besonders solche, die aus Russland stammen, reifen noch ihre Früchte. Von
wildwachsenden Pflanzen sind nennenswert die Fritillaria meleagris (Torfmoore am Col des Roches), die
Androsace lactea und das Thlaspi montanum (in den Felsen am Col des Roches). Vergl. die Art. Bied, Col des Roches, Combe Girard,
Pouillerel, Sommartel.