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Red Bull music academy machte es möglich. "The world's most recorded drummer" (über 4000 Alben!), Mr. Bernard "Pretty" Purdie kam am 23. März 2011 nach Zürich und gab im kleinen Rahmen ein paar Anekdoten aus seinem Leben zum Besten. Mein Kollege und Musikfachmann Patrick Sigrist leitete das Interview, das sich schon nach kurzer Zeit zum Selbstläufer entwickelte, denn auch der lyrische Purdie-Shuffle kam schnell in Fahrt und vermochte dem gebannt zuhörenden Publikum etliche Male ein Schmunzeln zu entlocken.
Purdies Geschichte beginnt 1939 in Elkton, Maryland, wo er als drittjüngstes von 13 Kindern zur Welt kam. Schon in seiner frühesten Kindheit bearbeitete er rhythmisch Mamas Kochtöpfe; selbstverständlich die ausgedienten. Vergriff er sich an den neuen, konnte es schon mal vorkommen, dass plötzlich klein Bernard anstelle der Töpfe die Schläge kassierte. In einer Grossfamilie heranwachsend, musste Purdie auch lernen, sich gegen seine älteren Geschwister zu behaupten, was anscheinend nicht immer einfach war. In der schuleigenen Band wollte er sich dann natürlich gleich an die Drums setzen, doch der Platz war bereits vergeben. So sollte er sich zuerst an der Trompete und später sogar an der Flöte versuchen. Der achtjährige Purdie verstand die Welt nicht mehr, er war doch schliesslich der beste Drummer in ganz Elkton. Doch etwas Gutes hatte das ganze, er lernte Noten lesen. Dies und seine ersten Auftritte hatte er seinem damaligen Schlagzeuglehrer Leonard Heywood zu verdanken. Jedes Wochenende hatte Heywoods Band Gigs, und nach dem ersten, zweistündigen Set kam Purdie in Spiel. Er organisierte seinem alkoholabhängigen Lehrer ein grosses Glas Wasser (in Wirklichkeit Wodka oder Gin), worauf dieser nicht mehr in der Lage war, das zweite Set zu spielen und dieses schlafend im Auto verbrachte. Anstelle spielte der 12jährige Purdie das zweite Set, begeisterte das Publikum und begann so, Wochenende für Wochenende seinen Traum zu leben.
1961 zog es Bernard Purdie nach New York City und er merkte sofort “I knew right away that’s what I wanted to do with the rest of my life. No matter what happened, I wanted to play the drums.” An einem Tag verdiente er für eine vierstündige Session 80$. "Man, I was rich, normally we got 15 dollars a week!". Ein paar Tage später suchte Barney Richmond eine Drummer für eine Aufnahme mit Doris Troy. Purdie meldete sich sofort, doch Richmond wollte einen "richtigen" Drummer. Purdie liess jedoch nicht locker, ging ins Studio, setzte sich an die Drums und spielte den Track mit der Band ein. Es war ein "One-Take" und wurde zum ersten Hit mit Purdie an den Drums. Der Song "Just one look" erreichte Platz 3 in den R&B-Charts und blieb zwei Monate in den Top-Platzierungen.
Nach diesem Erfolg war der Weg für den Ausnahmedrummer geebnet. Es war auch die Zeit, als Bernard Purdie seinen Spitznamen "Pretty" bekam. Einer, der Purdie für Aufnahmen wollte, konnte seinen Namen nicht aussprechen und ihn sich auch nicht merken "Get me that guy, Pretty, or whatever his name is". Für den Fall, dass sich immer noch jemand nicht an seinen Namen erinnerte, schrieb er auf ein Stück Karton "Pretty Purdie: If you need me, call me - the little old hitmaker" und stellte es vor sein Drumkit.
Von da an spielte Purdie jahrzehntelang (manchmal bis 15 Sessions in der Woche!) auf den besten Alben der besten Musiker. Die Liste der Künstler, mit welchen Purdie zusammen arbeitete, lässt einen vor Ehrfurcht fast erblassen: The Rolling Stones, The Beatles, Aretha Franklin, James Brown, Bob Marley, Joe Cocker, B.B King, King Curtis, Donny Hathaway, Jimmy McGriff, Lou Donaldson, Steely Dan, Gil Scott-Heron, King Curtis, Miles Davis, Dizzy Gillespie, Quincy Jones, Isaac Hayes, Cat Stevens, Louis Armstrong, Ray Charles usw.
Auf seinem 72er Album "Soul is... Pretty Purdie" zollte er seiner Soulsister number one mit der Hymne "A song for Aretha" Respekt.
Neben der Queen spielte Purdie auch mit dem Godfather of Soul, mit dem (neben Purdie) hardest working man im Showbusiness, Mr. James Brown. Da trafen zwei Dickköpfe aufeinander, die sich nichts schenkten. Brown feuerte Purdie einmal aus der Band, weil er seine "Strafe" von 20 $ nicht bezahlen wollte (Brown kürzte jeweils seinen Bandmitgliedern die Gage für falsch gespielte Töne oder verpasste Einsätze). Purdie sagte, er hätte keinen Fehler gemacht. Zwei Jahre später war er wieder für ein paar Aufnahmen und eine Tour in der Band. Purdie diktierte dem Godfather allerdings seine Konditionen und stand Brown in Sachen Sturheit in nichts nach. Trotzdem gelang es den beiden, etliche Hits abzuliefern, darunter "Cold Sweat", "Sex Machine" oder "It's a man's man's world".
Eine weitere Zusammenarbeit, welche nun seit über 40 Jahren anhält, ist jene mit Galt McDermot. "Two weeks ago, we played a gig together in New York". Vor zwei Jahren spielte Purdie am Broadway in McDermots Hit-Musical "Hair". Dass McDermot und Purdie seit Jahren ein eingespieltes Team sind, ist auch auf dem folgendem Track "Cold Coffee" zu hören.
Gegen Ende des Interviews konnte das Publikum Purdie mit Fragen löchern. Purdie erzählte unter anderem von Beck, der "Soul Drums" von seinem gleichnamigen Album für den Track "devil's haircut" sampelte. Zuerst war Purdie ein wenig sauer, doch "this guy Beck really put me on the map and I'm thankful for that. People began to sample from my own records, so I got the credits and the money. As long as they sampled the drums from a James Brown record, it was James Brown who got the money, not the drummer. I earn a way more money today, as I got in my recording sessions back in the days."
Was denn für ihn "Groove" bedeute, wollte jemand wissen. "Sure you've got to have the technical skills, but it's all about time and feel. And about the positive vibes. If you play in an angry mood, the sound would be angry, so you've got to play in a positive way" - und das demonstrierte der Meister dann auch gleich persönlich.
Weiter wollte eine junge Frau wissen, ob denn Purdie verheiratet sei. Nachdem er sich von seinem Lachanfall erholt hatte, meinte er nur "Yeah, I was married. Two times. I've got seven kids, 14 grandchildren and 15 great-grandchildren... that was the first time in the last 20 years I have been asked that question...". Und nachdem Purdie bereits zu Beginn des Interviews von Damen schwärmte, war sich wohl auch der eine oder die andere im Publikum nicht ganz sicher, ob Purdies Gene nur innerhalb dieser beiden Ehen weitergegeben wurden.
Zum Schluss fragte ich noch, ob er uns denn noch ein wenig über "Lialeh", den Blaxploitation-Movie, für dessen Soundtrack er verantwortlich zeichnete, erzählen könne. Und da war es erneut, dieses verschmitzte Lachen auf Purdies Lippen "Oh man, you did your homework too. Lialeh was the first black porn movie and I composed the music. We also did the title Track in the opening movie scene. While we were playing, suddenly a naked woman was dancing around us musicians. We were totally freaked out and didn't know where to look at... We did this scene 20 times but for the final cut they kept the first take, it was the funniest one because of our reaction on the dancing girl!"
Im Anschluss an das wirklich gelungene Interview und Purdies atemberaubenden Kostproben seines Könnens signierte er auch noch mitgebrachte Platten; ein toller Abend! Ein grosser Dank geht an die Red Bull Music Academy, welche solche Anlässe möglich macht!
Noch dieses Jahr soll Purdies Biografie erscheinen. Bernard "Pretty" Purdie, der rote Faden durch die Studiomusik der letzten 50 Jahre, Pflichtlektüre!
http://www.bernardpurdie.com/