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Die Bedeutung der Zahnheilkunde in der heutigen Pferdemedizin ist kein moderner Trend. Abbildungen aus dem alten Ägypten zeigen bereits Zahninstrumente für Pferde und auch ein Zitat von Dr. Erwin Becker, 1943 beweist dies: «Wenn Hufpflege und Hufbeschlag aus der Notwendigkeit entstanden, die Arbeitsfähigkeit des Pferd durch das Gesunderhalten der Hufe zu sichern, so ist es in Zukunft die Aufgabe der ebenso wichtigen Zahnpflege, die Voraussetzung zu schaffen, dass das Pferd trotz der unvermeidbaren naturwidrigen Ernährung zu höchster Auswertung der im Futter enthaltenen Energien befähigt wird.»
Das Pferd ist ein Weidetier, dessen Zähne dem Grasen perfekt angepasst sind. Die Schneidezähne mit glatten Kauflächen dienen zum Fassen oder Abbeissen von Futter und die Backenzähne mit grossen, breiten und rauen Kauoberflächen zerkleinern das Futter, welches anschliessend abgeschluckt werden kann.
Wie der Mensch besitzt das Pferd ein Milch- und ein permanentes Gebiss. Aber nur die Schneidezähne und die ersten 3 Backenzähne (2.-4. Prämolare) haben entsprechende Milchzähne. Diese Zähne werden zwischen 2.5 und 5 Jahren gewechselt. Drei weitere Backenzähne (Molare) stossen zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr in die Maulhöhle vor. Erwachsene männliche Pferde haben meistens zusätzlich 4 Eckzähne (Canini, Hengstzähne), welche bei der Stute deutlich seltener vorkommen. Der Wolfszahn (1. Prämolare) liegt, wenn vorhanden, rudimentär ausgebildet oder blind (unter der Schleimhaut) vor dem ersten Backenzahn (häufiger im Oberkiefer als im Unterkiefer).
Pro Jahr schieben sich die Pferdezähne um etwa 1-3mm aus dem Zahnfach heraus und werden im Idealfall auch um diese Länge beim Fressen abgenützt. Zusätzlich sind die Backenzähne des Pferdes dachförmig nach aussen hin abfallend, etwa 12 bis 15° gewinkelt und der Oberkiefer ist breiter als der Unterkiefer. So kann das Pferd in einer kreisförmigen Kaubewegung seine Zähne einsetzen, um die harte pflanzliche Nahrung effektiv zu zerkleinern. Das Pferd kaut pro Futterbolus immer nur auf einer Seite.
Vor der Zahnbehandlung
Nach der Zahnbehandlung
Das Pferd in der freien Wildbahn war den ganzen Tag damit beschäftigt hartes Steppengras zu zermahlen. Unser domestiziertes Pferd frisst hingegen mehrmals pro Tag Kraftfutter, weiches Gras und Heu (verminderte Kautätigkeit) und häufig nur wenige Stunden pro Tag Raufutter. Dies führt zu einer verminderten und ungleichmässigen Abnutzung der Zähne. Durch den Einsatz als Reitpferd hat die Zahnbehandlung zusätzlich eine wichtige Bedeutung erlangt (Trense, „unnatürliche“ Haltung des Kopfes in der Anlehnung etc.)
Das junge Pferd wechselt 24 Zähne im Alter von 2 ½ bis 5 Jahren. Durch die Kontrolle und Behandlung in diesem Zeitraum kann man viele Stellungsfehler beheben, und so Spätfolgen und grössere Korrekturen umgehen. Durch anschliessende, regelmässige Kontrollen können Fressbeschwerden verhindert und allfällige Probleme im Erwachsenenalter (Karies, Frakturen, Fehlstellungen, Blockaden, etc.) frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden.
Bei einem Pferd mit Zahnschmerzen oder blockiertem Unterkiefer (verminderte Seitwärts- und Vorwärtsbewegung), kann es auch zu Schmerzen im Kiefergelenk und der Kaumuskulatur und daraus resultierenden Verspannungen im Genick bis hin zum Rücken kommen. Als Folge können Rittigkeitsprobleme oder auch Lahmheiten entstehen.
Zahnbehandlungen werden am sedierten (stehend mit Medikamenten zur Beruhigung) Pferd durchgeführt. Zudem braucht es für eine gute Zahnbehandlung ein Maulgatter, eine starke Lichtquelle und eine saubere (mit Wasser ausgespülte) Maulhöhle.
Wir empfehlen eine jährliche Zahnkontrolle und wenn nötig Behandlung. Je nach Gebiss kann diese aber auch in kürzeren oder längeren Abständen erfolgen.
Kosten
Die Kosten richten sich nach dem Aufwand der Behandlung.
Terminvereinbarung
Aufgrund von mehreren ausgebildeten und zertifizierten Zahnspezialisten sind kurze Wartezeiten und flexible Terminvereinbarungen möglich.