Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03461.jsonl.gz/3015

Hanny Fries. Dürrenmatt im Schauspielhaus Zürich. Theaterzeichnungen 1954-1983: 24.1.-30.3.07
Die Zürcher Künstlerin Hanny Fries hat, neben ihrer intensiven Beschäftigung mit Malerei, während mehr als dreissig Jahren schwerpunktmässig die Inszenierungen am Schauspielhaus Zürich zeichnerisch begleitet. Im Auftrag verschiedener Tageszeitungen hat sie während den Proben, den Uraufführungen und an den Premieren die Abläufe auf der Bühne in Form von Theaterzeichnungen und –skizzen festgehalten. Diese wurden als Illustration zu den jeweiligen Kritiken in der Neuen Zürcher Zeitung, in der Tat , im Tages-Anzeiger oder in der Weltwoche veröffentlicht. Eine Auswahl davon ist nun im Stadthaus wieder zu entdecken.
Hanny Fries hat im Rahmen dieser Arbeit in den fünfziger-, sechziger- und siebziger Jahren auch die meisten Uraufführungen der Stücke von Friedrich Dürrenmatt miterlebt und mit ihrem Stift festgehalten. Zudem war sie mit dem Schriftsteller und anderen Autoren des Schauspielhauses befreundet. Die Ausstellung, welche vom Centre Dürrenmatt Neuchâtel konzipiert wurde, zeigt eine Auswahl von rund 120 Zeichnungen zu folgendenden Stücken von Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame (1956), Die Physiker (1962), Herkules und der Stall des Augias (1963), Der Meteor (1966), Die Wiedertäufer (1967), Der Mitmacher (1973), Ein Engel kommt nach Babylon (Opernfassung 1974), Die Frist (1977) und Achterloo (1983) sowie zu Dürrenmatts Regiearbeiten der Stücke von Shakespeares König Johann (1968), Goethes Urfaust (1970), Lessings Emilia Galotti (1974)sowieseines Porträt eines Planeten (1971). Begleitet werden die Zeichnungen von Dokumenten rund um Dürrenmatts Theaterarbeit.
Die Stärke der Zeichnungen von Hanny Fries liegt in der Vollendung der Geste, der Bewegung von zeitloser Resonanz, welche die Dramaturgie besser zu erfassen vermag als jede Fotografie – ein flüchtiger Moment, ein Augenblick geteilter Intimität. In den mittleren Reihen des Theaters, ihren Skizzenblock auf den Knien, sitzt Hanny Fries und beobachtet die Bühne. Ihr wachsames Auge hält das Wesentliche fest. Mit sicherem und zügigem Strich sind Schauspieler, Kostüme und Bühnenbilder skizziert. Durch die Zeichnungen von Hanny Fries wird Dürrenmatts grosses und bewegtes Welttheater als Panorama aufgespannt. Es gibt Zeugnis aus einer vergangenen Zeit, die aber durch die Arbeit von Hanny Fries stets gegenwärtig bleibt.
Im Katalog zur Ausstellung schreibt Hugo Loetscher: „So sehr der Anlass dieser Zeichnungen auch ein solcher der Verwertbarkeit war; sie haben nicht nur deswegen ihre raison d’être. Das wird einem schon klar, wenn man die Besessenheit in Betracht zieht, mit welcher sich Hanny Fries an die Arbeit macht. Die Theaterzeichnungen sind nicht nur als Illustration zu etwas zu nehmen, sondern sie stehen für sich selbst. Sie stellen eine eigene Gattung dar innerhalb des künstlerischen Schaffens von Hanny Fries.“
Film
In der Ausstellung wurde der Film "Hanny Fries: Chronistin des Unscheinbaren" von Peter K. Wehrli, 1999, gezeigt. Dauer: 24 Minuten.