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| Hieronymus († 420) - Briefe

I. Briefe familiären Charakters
32. An Marcella
1.
Wenn ich Dich nur mit einem solch kurzen Briefe abfinde, so hat dies eine doppelte Ursache. Einmal hatte es der Bote sehr eilig, dann aber hielt mich eine andere Arbeit gefesselt, so daß ich mich mit dieser Nebensache nicht abgeben wollte. Du wirst denken: was mag dies wohl für eine große und wichtige Sache sein, daß deshalb der briefliche Verkehr ins Stocken gerät? Schon seit längerer Zeit vergleiche ich die Ausgabe des Aquila 1 mit dem hebräischen Texte, um zu sehen, ob vielleicht die Synagoge aus Haß gegen Christus gewisse Änderungen vorgenommen hat. Einer befreundeten Seele will ich es gestehen, daß ich schon vieles gefunden habe, was zur Stärkung unseres Glaubens dienen kann. Nachdem ich die Propheten, die Schriften Salomos, das Psalterium und die Bücher der Könige aufs genaueste geprüft habe, bin ich zur Stunde mit dem Buche Exodus [S. 40] beschäftigt, welches die Juden ele smoth 2 nennen, um dann zum Buche Leviticus überzugehen. Wie Du siehst, muß jede andere Verpflichtung hinter dieser Arbeit zurücktreten. Damit aber unser Läufer 3 nicht etwa vergeblich gelaufen sei, füge ich diesem Kärtchen zwei Briefe bei, welche ich an Deine Schwester Paula und ihr Kleinod Eustochium gerichtet habe. 4 Wenn Du sie liest, wirst Du darin etwas zur Belehrung und etwas zur Erheiterung finden. Nimm sie hin, als ob sie an Dich geschrieben wären!
1: Aquila aus Sinope im Pontus, ein jüdischer Proselyt, übersetzte zur Zeit des Kaisers Hadrian das Alte Testament sklavisch unter möglichster Beibehaltung der Etymologie und der Konstruktion ins Griechische. Textverfälschungen zugunsten der Juden sind ihm nicht nachzuweisen.
2: וְאֵלֶּה שׁמוֹת
3: Hilberg behandelt Currentius als Eigenname.
4: Ep. 30 ad Paulam; ep. 31 ad Eustochium.