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Grimes (34) und Elon Musk (50) haben zwei Kinder zusammen. Das ist dann aber auch schon alles, was an diesem Elternpaar durchschnittlich ist. Die Sängerin und der futuristische Unternehmer lieben es, aus der Reihe zu tanzen. Das beweisen sie nicht nur mit den Namen ihrer Kinder, X Æ A-12 (2) und Exa Dark Sideræl (6 Monate), sondern auch mit der Wahl ihrer Eltern-Bezeichnung, wie Grimes in einem Video erklärt:
Grimes hegt offenbar eine starke Abneigung gegen das Wort «Mutter». «Es fühlt sich komisch an, zu sagen, dass ich eine Mutter bin. Ich identifiziere mich nicht mit diesem Wort.» Sie nimmt die Geburt eines Kindes offenbar weniger als Beginn eine Mutterschaft wahr denn als künstlerische Wiedergeburt. Ihr Sohn, dessen Rufname X lautet und der bereits erste Worte sprechen kann, spüre offenbar diese Abneigung, so die Sängerin. «X nennt mich Claire, aber er sagt nicht 'Mama'.»
Claire ist Grimes bürgerlicher Vorname.
Laut einer Studie der Universität Freiburg rufen in weniger als 5 Prozent der Familien Kinder ihre Eltern beim Vornamen. Es hat also Seltenheitswert. Unsere Familien-Redaktorinnen sind geteilter Meinung:
Sandra, Mutter zweier Kinder im Teenager-Alter, meint: Das kreiert eine unangebrachte Distanz
«Als ich als Teenager bei einer Austauschfamilie in Australien einzog, war es eine der ersten Entscheidungen, die man treffen musste: Möchte man seine Gasteltern beim Vornamen rufen oder nennt man sie «Mum» und «Dad». Dabei ging es bei letzterem nicht darum, die eigenen Eltern zu ersetzen, sondern darum, dass man während der Zeit, die man dort verbrachte, ein gleichwertiger Teil der Familie sein sollte, mit allen Rechten und Pflichten, die dazugehören. Ich entschied mich wohl nicht zuletzt deshalb dafür, meine Gasteltern gleich zu nennen, wie es meine Gastgeschwister taten, nämlich Mama und Papa, weil meine eigene Familie kurz zuvor auseinandergebrochen war, und mein Bedürfnis, Teil einer intakten Familie zu sein, riesig war. (Heute nenne ich meine ehemaligen Gasteltern, mit denen ich immer noch regelmässig im Kontakt bin, übrigens beim Vornamen). Ob «Mama», «Mum», «Mami» oder gar ein selbst kreierter Begriff: Er symbolisiert eine spezielle Verbindung, die man nicht mit allen hat. Eine Art von Zugehörigkeit, die einem nur diese spezielle Verbindung bieten kann. «Sandra» bin ich für jede und jeden. Für meine Kinder möchte ich nicht irgendwer sein. Natürlich kann man sagen, dass diese Verbindung nicht davon abhängen sollte, wie man genannt wird, aber Sprache hat eben doch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf uns. So schaffen wir mit ihr unter anderem Nähe oder Distanz, zum Beispiel beim Siezen oder Duzen. Die eigene Mutter beim Vornamen zu nennen, würde für mich persönlich eine in einer Familie unangebrachte Distanz kreieren. Das Argument, man könne sich nicht mit der Mutterrolle identifizieren, finde ich – total unabhängig davon, wie man nun vom Kind genannt wird – sowieso eher schwierig. Was stellt man sich denn da für ein Verhältnis zum eigenen Kind vor? Ein freundschaftliches? Schade, für beide Seiten. Freundinnen und Freunde wird man einige haben im Leben, die eigene Mutter und das eigene Kind sind einzigartig.
Sylvie, Mutter zweier Kinder im Grundschulalter hält dagegen:
«Ein Kind, das seine Eltern beim Vornamen nenne, sei genau genommen ein Kind, das keine Eltern habe, sagte einst Jesper Juul. Nun weiss ich die meisten Erkenntnisse des mittlerweile verstorbenen Erziehungsexperten zu schätzen, aber diesen Satz halte ich für riesengrossen Humbug. Dahinter steht die Überlegung, dass kaum noch klar zum Vorschein komme, wer das Kind und wer die erziehende Person sei, wenn die Eltern nicht Mama und Papa heissen. Oder anders gesagt: Wenn Kinder ihre Eltern beim Vornamen rufen, impliziere das quasi, dass sie sich eher als Freunde denn als Erziehungsberechtigte wahrnehmen. Diese Sichtweise halte ich für dogmatisch und schwarzmalerisch. Fakt ist: Sprache schafft Wirklichkeit. Aber seien wir ehrlich: Die einzige Wirklichkeit, die geschaffen wird, wenn Kinder ihre Mama beim Vornamen rufen, ist eine Ebene der Gleichheit zwischen zwei Menschen. Was nicht bedeutet, dass es keine klaren elterlichen Verpflichtungen gibt. Wenn meine Kinder mich Sylvie rufen, heisst das nicht, dass ich meiner Mutterrolle nicht nachkomme. Im Gegenteil: Ich habe mir immer gewünscht, dass meine Kinder mich Mama nennen. Aber sie tun es nur selten. Meistens bin ich Sylvie, weil mein gesamtes Umfeld mich so nennt und ich von mir selbst selten in der dritten Person als Mama spreche. Das ist ok. Es gab eine Zeit, in der Kinder ihre Eltern siezten und mit Frau Mutter und Herr Vater ansprachen als ziemlich einseitigen Ausdruck bedingungslosen Respekts. Dass meine Kinder mich Sylvie nennen, betont ihre individuellen Freiheit. Ich nehme es mittlerweile sogar als Kompliment. Die freie Gestaltung einer Anredeform ist nur in einem lockeren Umfeld möglich, in dem sich ein Kind wohl fühlt. Wenn meine Kinder mich Sylvie rufen, obwohl ich gerne eine Mama wäre, ist das Ausdruck einer von ihnen empfundenen Sicherheit, dass ich sie als Mutter mehr liebe als alles andere auf der Welt – egal, wie sie mich nennen.»
Wie findet ihr das, wenn Kinder ihre Eltern mit richtigen Namen statt Kosebezeichungen anreden?