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Am 8. und 9. Juni 2018 fand eine vom Institut für Christkatholische Theologie organisierte Tagung zum 125-jährigen Bestehen der «Internationalen Kirchlichen Zeitschrift» (IKZ) bzw. ihrer Vorläuferin «Revue Internationale de Théologie» (RITh) statt. Es war ein Anlass, sich mit verschiedenen Presseerzeugnissen seit dem 18. Jahrhundert zu befassen, die sich dem Anliegen katholischer Reform widmeten. Auch der heutige Medienwandel und seine Folgen für die gegenwärtige Zeitschriftenlandschaft kamen zur Sprache.
Prof. Angela Berlis, seit 2016 Chefredakteurin der IKZ, behandelte die Frage, wie die IKZ während des Ersten Weltkrieges ihre internationale Ausrichtung zu wahren wusste: Die Zeitschrift wurde in Europa zu einem Forum für die im Entstehen begriffene ökumenische «Faith & Order»-Bewegung. Die Kulturhistorikerin Prof. Franziska Metzger (Luzern) widmete sich der Überlagerung von Erinnerungs- und Wissenschaftsgemeinschaften und ging näher auf historische Zeitschriften in der Schweiz des 19. Jahrhunderts ein, die aus ultramontanen Netzwerken hervorgingen, während Erika Moser (Bern) sich den liberal- und christkatholischen Zeitschriften aus der gleichen Zeit in der Deutsch- und der Westschweiz widmete. Prof. Stefan Rebenich (Bern) ging dem Verhältnis zwischen dem liberalen, kulturprotestantischen Verlag C. H. Beck und dem katholischen Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger, Spiritus rector der altkatholischen Bewegung, nach. Dr. Ewald Kessler (Heidelberg) rekonstruierte die Entstehung des «Theologischen Literaturblatts» (1864) anhand der Korrespondenz Döllingers mit F. Heinrich Reusch. Wie gut informiert über die armenischen Katholiken in der alt- bzw. christkatholischen Presse der 1870er-Jahre berichtet wurde, nahm anschliessend Dr. Mariam Kartashyan unter die Lupe. Der autobiografische Rückblick von Dr. Heinz Gstrein (Wien) über seine Arbeit als Ostkirchenkorrespondent des «Altkatholischen Informationsdienstes» (AKID) in Athen und Kairo in den 1970er-Jahren wurde wegen seiner Abwesenheit verlesen und durch Erinnerungen von Marika Reichard-Krahl, der Witwe des AKID-Herausgebers Wolfgang Krahl, ergänzt.
Die IKZ als internationale Zeitschrift
Am Freitagabend stiessen zum Apéro weitere Gäste dazu. Im Anschluss daran stand die IKZ im Mittelpunkt als internationale Zeitschrift, in der relevante theologische Themen aufgegriffen und in fundierter wissenschaftlicher Weise erörtert werden sowie über wichtige kirchliche und ökumenische Entwicklungen informiert wird. Dr. Beat Immenhauser (Schweizer Akademie der Geisteswissenschaften, Bern) referierte über den «Digital Turn» und die damit verbundenen Veränderungen im Publikationswesen mit ihren Auswirkungen auch für die IKZ. Doz. Dr. Mattijs Ploeger (Utrecht) widmete sich der Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Kirche, die im Titel der IKZ und ihrem Anliegen sichtbar wird. Es folgte, unter Einbeziehung des Publikums, eine kurze Aussprache unter der Leitung von Prof. Angela Berlis.
Medien sind wichtig für die Wissenschaft
Mit Vorträgen von Dr. Dick Schoon (Amsterdam) und Gergely Csukas (Fribourg/Bern) kamen am Samstagvormittag die Berichterstattung «jansenistischer» Nachrichtenmagazine des 18. und 19. Jahrhunderts in den Blick sowie die (positive) Wahrnehmung des Jansenismus in einer pietistischen Zeitschrift des 18. Jahrhunderts. Dozent Wietse van der Velde (Utrecht) ging auf die Entwicklung des niederländischen «Oud-Katholiek» vom religiösen Monatsblatt im ausgehenden 19. Jahrhundert zur kirchlichen Illustrierten seit Anfang des 21. Jahrhunderts ein. Am Ende fasste Martin Bürgin (Zürich) die Ergebnisse der Tagung zusammen und hob die zentrale Rolle von Medien bei der Konstituierung wissenschaftlicher Gemeinschaften und ihrer Identität hervor. Medien können unterschiedliche Wissenskulturen miteinander verbinden, sind aber auch Mittel der Abgrenzung gegen andere Wissenskulturen und Erinnerungsgemeinschaften (z. B. dem Ultramontanismus). So machte die Tagung mit ihrem angeregten Austausch sichtbar, wie «Territorien» und Wissensgemeinschaften gebildet und abgebildet, aber auch wo sie «aufgebrochen» werden.
Prof. Dr. Angela Berlis