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Das Hauptmerkmal der Belarussen ist ihre grenzlose Toleranz, die das friedliche Zusammenleben der Vertreter von verschiedenen Religionen, Nationalitäten und Kulturen gestattet. Als ein hervorragendes Bespiel dafür gelten zwei westbelarussische Städte: Nowogrudok und Iwje. Seit sechs Jahrhunderten kommen dort Orthodoxe, Katholiken, Muslime und Juden miteinander gut aus. Zuerst besuchen Sie den Gottesdienst in der katholischen Kirche Farny in Nowogrudok, der täglich um 8 Uhr anfängt. Der Gottesdienst wird in zwei Sprachen durchgeführt: Belarussisch und Polnisch. Der belarussische Katholizismus entspringt aus Polen, deswegen werden die Katholiken in Belarus auch Polen genannt. Und das ist tatsächlich wahr, denn viele von ihnen haben polnische Herkunft. Der Priester Jan erzählt über die Geschichte des Katholizismus und sein Nebeneinanderbestehen mit den anderen Religionen. Der Priester ist dazu Geschichteliebhaber, der oft Nachsuche historischer Artefakten in Nowogrudok und Umgebung durchführt. Seine Sammlung der archäologischen Funde wird in 3 Orten behalten, und zwar in der Kirche, in dem Gebäude von Nonnen und bei ihm zu Hause. Außerdem besuchen Sie die orthodoxe Kirche heiligen Nikolajs. Die Kirche ist ein Denkmal des Spätbarock, das im pseudo-byzantinischem Stil umgebaut wurde. Zum orthodoxen Christentum gehören die meisten Gläubigen in Belarus, aber im Westen des Landes ist das weniger verbreitet. Danach lernen Sie den Mullah Jakub kennen, der geistliche Anführer der Tataren in Nowogrudok ist. Die Tataren wurden am Ende des 14. Jahrhunderts von dem Großfürsten Witaut eingeladen, denn sie waren gute Soldaten. Und Witaut brauchte ihre Hilfe und Unterstützung auf der Schlacht bei Tannenberg (1410). Seit diesen Zeiten sind die Tataren auf dem belarussischen Land geblieben und haben sich gut in die Gesellschaft integriert. Der Mullah erzählt über seine kleine Gemeinde (ca. 150 Mitglieder), ihre Feste und Traditionen. Ihr Treffen findet in der Moschee statt, die ihre eigene interessante Geschichte hat. Sie wurde im Jahr 1855 gebaut und funktionierte bis zum Jahr 1953. Dann entnahmen die Bolschewiki die Moschee und machten 6 Wohnungen drinnen. Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde die Moschee den Gläubigen zurückgegeben. Sie mussten jedoch die Moschee in die ursprüngliche Gestalt umbauen. Dann fahren Sie zu einer anderen Moschee (in Iwje), wo Sie freitags um 13 Uhr den islamischen Gottesdienst besuchen können. Dafür dürfen Sie aber tags zuvor keinen Alkohol trinken. Die Moschee ist in zwei Räume geteilt, in dem ersten beten Männer, in dem zweiten - Frauen, um ihre Gedanken und Ansichten nur auf den richten, und nicht aufeinander. Der Gottesdienst wird auf Arabisch durchgeführt, denn der Koran ist auf Arabisch geschrieben, und in anderen Sprachen - inhaltliche Wiedergabe, die man während des Gottesdienstes nicht verwenden darf. Belarussische Tataren haben während 6 Jahrhunderte ihre Muttersprache (Tatarisch) verloren, aber alle können ein bisschen Arabisch, um den Koran zu lesen. Gleich hinter der Moschee sehen Sie viele Treibhäuser mit Tomaten. Das Tomatenanbauen gilt heute in Iwje als typisch tatarische Tätigkeit. Aber die Tataren haben das von Juden übernommen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts betrugen Juden 80 Prozent der Bevölkerung in Iwje. Nach dem zweiten Weltkrieg ist keiner von ihnen dort geblieben. Jetzt kann man ihre Kultur und Religion im Museum der Nationalkulturen ermitteln. Im Museum werden außer der judischen Kultur, noch die belarussische und tatarische dargestellt. Judische Spuren sind auch in der Architektur der Stadt zu sehen, besonders auf der Straße, die von der katholischen Kirche der heiligen Peter und Paul zum Stadtzentrum geht. Und dort auf dem Hauptplatz steht nicht ein Lenin-Denkmal (wie in den meisten belarussischen Städten), sondern ein einzigartiges Denkmal, das 4 Konfessionen gewidmet ist. Jede Seite des Denkmals ist auf die jeweilige Kirche bzw. Bethalle gerichtet.