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Überblick
|Ursprung|
|1303|
|Der Name „Widenouwe“, was „mit Weiden bestandene Aue“ bedeutet, wird als Bezeichnung eines Hofes erstmals 1303 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen erwähnt.

Widnau gehört über Jahrhunderte zum Reichshof Lustenau, der eine wechselvolle Geschichte grundherrschaftlicher und gerichtbarkeitlicher Zugehörigkeiten aufweist. Zwar kommt das ganze Talgebiet links des Rheins 1490 als Vogtei unter die Oberhoheit der eidgenössischen Orte, doch bleibt die Gerichtsbarkeit im Rheintal diffus, da die Grafen von Hohenems nach wie vor Anspruch auf die niedrige Gerichtsbarkeit erheben.
Klare Verhältnisse schafft die französische Revolution und in deren Folge Napoleon mit seiner Armee: Er ordnet 1798 die zerschlagene Eidgenossenschaft als helvetische Republik: Widnau wird als Teil der Munizipalgemeinde Diepoldsau in den neu geschaffenen Kanton „Säntis“ integriert.
|Selbständigkeit und Unabhängigkeit|
|1883|
|Das Projekt der Helvetik ist geprägt von bürgerkriegsähnlichen Wirren. Ein zweites Mal nötigt Napoleon - wiederum mit militärischem Nachdruck - der Eidgenossenschaft eine neue Verfassung auf: die Mediationsakte.

Zu den 13 Kantonen kommen sechs neue dazu, darunter der Kanton St. Gallen in seiner heutigen Gebietszusammensetzung. Im Zuge der gesetzgeberischen Arbeit des neu eingesetzten Grossen Rates werden 1803 die Politischen Gemeinden in ihrer modernen Form geschaffen und ihre Aufgaben in der Verfassung verankert. Damit wird Widnau Teil der Politischen Gemeinde Diepoldsau.
Das 19. Jahrhundert ist geprägt von (theoretischen, staatsphilosophischen und ganz handfesten) Auseinandersetzungen um die politische Institutionenbildung im Zuge der Entstehung des modernen Staates. Auch die Einwohnerschaft von Widnau scheint sich dieser Thematik nicht zu verschliessen: Sie gründet 1879 eine sog. „Trennungskommission“, die sich mittels einer Petition bei der Regierung für die Loslösung von Diepoldsau und für die politische Selbstverwaltung stark machen soll.
32 Sitzungen, unzählige heftige Debatten, knappe Abstimmungen und ebenso knappe Wiedererwägungen später - sogar die Presse wurde eingespannt - beschloss der Regierungsrat am 1. Mai 1882 dem Begehren der Widnauer nach einem eigenen politischen Gemeinwesen zu entsprechen. Nach etlichen Vorbereitungen wie der Begehung, Festlegung und Markierung der Grenzen wird der Beschluss am 1. Juli 1883 rechtswirksam. Seither ist im Kanton St. Gallen keine neue Gemeinde mehr geschaffen worden.
|Vom Bauernhof zum Industrieort|
|1924|
|Wie die meisten Gemeinden im Rheintal ist Widnau eine arme Kleinbauerngemeinde. Die Bevölkerung leidet unter den sich jährlich wiederholenden Überschwemmungen. Der Rhein raubt den „Armenhäuslern“ regelmässig das wenige Vieh und die spärliche Ernte. So wird bei der Gründung der Gemeinde 1883 nicht nur gezweifelt, ob in Widnau genügend Intelligenz nachwachse, um die eigene Gemeinde erfolgreich zu verwalten, sondern es wird auch vermutet, das Geld dazu reiche bei weitem nicht.

Mitte des 19. Jahrhunderts beginnen einzelne Kleinbauern mit Seidenwinderei in Heimarbeit, dann mit Kettenstickerei. Die Handstickmaschine bringt Verdienstmöglichkeiten in grösserem Masse. Mit der Schifflistickmaschine und der technischen Weiterentwicklung zum Automaten wird aus dem Nebenerwerb die Haupteinnahmequelle. Widnau wird zum Dorf der Sticker.
Die florierende, exportorientierte Stickereiindustrie bricht während des Ersten Weltkriegs völlig zusammen. Damit kommen für viele kinderreiche Familien die Not und die Armut zurück. Das führt in den zwanziger Jahren zu einer Auswanderungswelle nach Amerika.
In der Zeit der Arbeitslosigkeit 1924 ist die Ansiedlung der Kunstseidefabrik „Viscose“ nicht nur für Widnau, sondern für das ganze Tal ein Lichtblick. Die Fabrik gibt Arbeit und schafft neue Verdienstmöglichkeiten - für die jungen Männer und vor allem auch für die jungen Frauen. Die Fabrik ist der Motor für eine rasante wirtschaftliche, demografische und soziale Entwicklung der jungen Gemeinde.
|Wachstumsphase|
|1945|
|Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bringt einen ungeahnten Aufschwung. Neue Gewerbe- und Industriebetriebe siedeln sich an. Widnau wandelte sich vom armseligen Bauerndorf zur neuzeitlich gestalteten, fortschrittlichen Industriegemeinde.

Die ansässige Bevölkerung ist wirtschaftlich sehr initiativ und innovativ. In Scheunen, Anbauten und Garagen werden zahlreiche kleine „Büdeli“ gegründet, in denen die ganze Familie mitarbeitet. In der anhaltenden Wachstumsphase und der Hochkonjunktur der 50er bis 70er Jahren entwickeln sich aus diesen Kleinstbetrieben renommierte Firmen, heute mit Weltruf und vielfach nach wie vor noch im Besitz der Gründerfamilien.
|Die Wohngemeinde|

Dank des wirtschaftlichen Aufschwungs und der zunehmenden Finanzkraft der Gemeinde können die Aufgaben im öffentlichen Infrastrukturbereich zukunftsorientiert und grosszügig gelöst werden.