Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03149.jsonl.gz/1456

Die Lungenklinik in Nepal
Wenn wir an Nepal denken, sehen die meisten entweder die Bilder des grossen Erdbebens von 2015 oder ein Land mit intakter Natur und guter Luft. Weshalb also eine Lungenklinik? Leider gibt es eine grosse Diskrepanz zwischen unserem Idealbild und der Realität in Nepal.
Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt und die jungen Leute müssen ihre Heimat verlassen, um Arbeit als unterbezahlte Dienstboten oder ähnliches in Ländern wie Indien und arabischen Ländern zu finden. Ihre Kinder überlassen sie den Grossmüttern zur Betreuung. Die meisten Häuser in Nepal leiden unter mangelnder Lüftung und offenem Herdfeuern. Damit wachsen die meisten Kinder unter Lebensbedingungen auf die eine Lungenschädigung verursachen. Ähnliche Lebensbedingungen gab es in der Schweiz bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, wie im Freilichtmuseum Ballenberg zu sehen (Bild). Die Atemluft in solchen Häusern ist mit Russ, Asche und toxischen Gasen angereichert und führt bei den Bewohnern zu Atembeschwerden, die wir als Raucherlunge bezeichnen. Daher erkrankt eine grosse Anzahl von Frauen in Nepal im Alter zwischen 40-50 Jahren an der Raucherlunge, welche zum frühzeitigen Tod führt. Noch wichtiger ist, dass diese Bedingungen auch die Lunge der Kinder schädigt. Mehrere Studien zeigten, dass eine Schädigung der Lungenstruktur im frühen Kindesalter nur schlecht repariert werden kann und zu einer lebenslangen Fehlfunktion führt. Als Konsequenz neigen Kinder, die unter diesen Umständen aufwachsen, zur Entwicklung von Asthma und COPD. Dies zu verhindern ist ein Ziel unserer Forschung.
Offene Kochstellen, Russ, Rauch und Asche verteilen sich in der Zimmerluft und werden Tag und Nacht eingeatmet.
Offener Herd in einem Schweizer Haus um 1880
Offener Herd in einem Nepalesischen Haus 2016
Im 2014 die Abteilung Pneumologie des Universitätsspitales Basel, zusammen mit einem Ärzteteam des Dhulikhel Krankenhauses (Katmandu), ein Projekt begonnen die Diagnose und Behandlung dieser Patienten zu verbessern. Das Projekt wurde von der OFID (OPEC Fund for International Development) unterstützt und hat uns geholfen die Ausbildung junger Ärzte und die Infrastruktur des Krankenhauses zur Diagnose und Behandlung von Lungenerkrankungen erheblich zu verbessern.
Wir möchten diese Aktion für weitere 5 Jahre unterstützen um es jungen Ärzten aus Nepal zu ermöglichen in Basel eine mehrmonatige Spezialausbildung zu erhalten, die ihnen die neuen Diagnose- und Behandlungsmethoden zeigt. So lernen die Ärzte wie man mit tragbaren Spirometern in Aussenposten der Klinik die Erkrankungen frühzeitig feststellen und deren Fortschreiten verlangsamen kann.
Zusätzlich möchten wir ein Spezialprogramm für Kinder erstellen, welches dazu beiträgt die Schädigung der Lunge so früh wie möglich zu vermindern. Studien in anderen Ländern haben gezeigt, dass dies mit einfachen Mitteln wie kontrollierter Vitamin D Zufuhr möglich ist. Dies reduziert das Risiko chronischer Lungenerkrankungen nachweislich und damit die Anfälligkeit später Asthma oder COPD zu entwickeln.
Unser Ziel:
die Fortführung der allgemeinen Ausbildung und Lungenarztfachausbildung für ein Arzt pro Jahr und die Beschaffung der notwendige Ausrüstung für die Diagnose und Behandlung für das Krankenhaus von Dhulikhel. Der Arzt wird für 2-3 monatiges Intensivtraining nach Basel kommen und alle notwendigen diagnostischen und therapeutischen Methoden zu erlernen. In Nepal kann er sein Wissen an lokale Krankenschwestern und jüngeren Kollegen weitergeben. Einmal im Jahr wird ein Arzt aus Basel Nepal für eine Woche besuchen um vor Ort zu unterrichten. Darüber hinaus wollen wir Dhulikhel Krankenhaus eine monatliche Telefonkonferenz anbieten, um bei der die Diagnose von schwierigen Fällen zu helfen. Dadurch wird die allgemeine Gesundheit in Nepal verbessert. Die Kosten für diese Hilfe werden pro Jahr 52'000 CHF betragen.