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Bild: md-zahid-hasan – unsplash
„Eigentlich weiss ich, was ich will. Ich möchte einfach glücklicher und zufrieden sein.“ Diesen Satz habe ich in meiner Arbeit nicht nur einmal gehört. Je nach meiner Schalk-Laune antworte ich mit breitem Lächeln: „Hmh, interessant, höre ich zum ersten Mal“. Mit fragenden Augen zwar und vielleicht ein bisschen gekünstelt, lächeln 99% der Gegenüber zurück.
„The pursuit of happiness“, das „Streben nach Glück“ ist meiner Meinung nach nicht der Beginn einer lebenslangen Freundschaft, sondern der Weg in die Sackgasse. Losgelöst von Chris Gardner (Will Smith), der sein Geld ins Projekt „Knochendichtemessgeräte“ investiert hat – damit alles verliert, inklusive Frau, mit dem Sohn auf der Strasse endet und als Investmentbanker den prägenden Gedanken „American Dream“ mit Happy End erfüllt. Genau wie es in der „US-Declaration of Independence“ niedergeschrieben ist. Die drei Hauptziele sind hierbei „life, liberty and the pursuit of happiness“ (Leben, Freiheit und das Streben nach Glück). Das Ziel wird im gleichnamigen Film am Ende erreicht. Die Kehrseite der Medaille mag man im Oscargewinner „American Beauty“ finden.
Warum ein Weg in die Sackgasse? Es fällt uns leichter zu beschreiben, was uns glücklich macht, als die Frage zu beantworten: „Was ist Happiness?“
„Ich kann ohne weiteres sagen, dass ich glücklich bin, wenn ich mit einem geliebten Menschen zusammen bin, wenn ich Bach oder Mozart höre, in meiner Arbeit Fortschritte mache oder an einem schönen Kaminfeuer meine Katze streichle. Oder wenn ich jemandem helfe, aus Unglück und Elend herauszukommen, mit Freunden einen Teller frische Meeresfrüchte in einem kleinen Hafen am Meer esse, wenn ich in aller Stille meditiere oder Liebe mache.
Wenn ich am Morgen meine erste Tasse Tee trinke, das Gesicht eines lachenden Kindes ansehe, in den Bergen unterwegs bin oder im Wald spazieren gehe… All diese Erfahrungen machen mich – wie viele andere – glücklich. Doch ist Glück wirklich nicht mehr als die Aneinanderreihung solcher Momente?
Und warum bedeuten diese Erfahrungen für mich Glück, während sie den Rest der Welt vielleicht völlig kalt lassen? Ich kenne Menschen, die die Natur verabscheuen, ebenso wie Tiere, Bach, Meeresfrüchte, Tee oder die Stille. Ist das Glück also nicht eine rein subjektive Angelegenheit? Stellt es sich nur dann ein, wenn wir unseren Neigungen folgen? Und warum bin ich in manchen Momenten über bestimmte Erfahrungen glücklich, in anderen aber nicht, dann zum Beispiel, wenn ich Sorgen habe, wenn mein Körper krank ist oder mein Herz voller Unruhe? Liegt das Glück nun in unserer Beziehung zu anderen oder zu äußeren Objekten oder liegt es in uns, in einem Zustand inneren Friedens, den nichts aus dem Gleichgewicht bringt?“[1]
Was denkst du? Ist Happiness sich einfach gut fühlen? Ist es, positive Erlebnisse zu haben? Ist Happiness das Gleiche wie Vergnügen?
Im Grunde ist Happiness wieder eines dieser unbestimmten Hauptwörter, die versuchen etwas einzufangen, bei dem wir einfach Assoziationen herstellen können – und dann, wie so oft – beim Definieren Schwierigkeiten haben.
So will ich auch gar nicht versuchen, Happiness zu definieren. Nimm dir einen Moment Zeit und schreibe auf ein A4 Papier all jene Dinge, die dich glücklich machen. Ist in 3 Minuten gemacht.
Hier die Pause, um es zu tun.
Nun, hast du es gemacht. Wenn nein, dann frage ich dich, warum nicht? Aber macht nichts. Hier ein paar Vorschläge:
Happy:
Treuer Partner
Geld
Shopping
Bier, gute Flasche Wein
Gehaltserhöhung
Sonnenuntergang
Sonnenaufgang (wesentlich seltener)
Neues Auto
Das Lachen meiner Kinder
Schönes Wetter
Schmackhafte Tacos! Gutes Essen allgemein
Meine Fussballmannschaft gewinnt den Titel
Meine Freunde
Unhappy:
Rechnungen
Schlechte Autofahrer
Unhöfliche Menschen
Den Job nicht gekriegt zu haben
Kind weint oder hat einen Wutanfall
Hausaufgaben (oder die obige Aufgabe erfüllen)
Untreue boy-/girlfriends/Ehepartner
Nationalmannschaft verliert
Computer oder Smartphone freezes
Der Boss schreit
Fingernagel abgebrochen
Abwaschen
Gemeine Menschen
Kommt dir das eine oder andere bekannt vor? Welche Überschneidungen gibt es zu deiner Liste? Falls du deine Liste nicht erstellt hast, lade ich dich ein, dein Verhalten zu betrachten und dich zu fragen: „Was mache ich eigentlich in meinem Leben, um glücklicher zu sein?“
Wir kommen der Sackgasse näher
Die oben aufgeführten Beispiele haben eine Gemeinsamkeit: alles, was aufgeführt ist, findet ausserhalb von uns statt. Sie nehmen Bezug auf Konditionen und Umstände um uns herum – die also entweder von anderen Menschen oder Gegebenheiten abhängen – und damit zumeist nicht unserer Kontrolle unterliegen.
Das bedeutet, falls du auf einer einsamen Insel, wie Robinson Cruseo, gestrandet wärst, würde die Happiness vielleicht zu kurz kommen. Aber gut – nur noch 5 Tage bis Freitag auftaucht.
In der Tat haben das einige Glücksforscher (Lyubomirsky, Schkade, Sheldon) untersucht und eine Formel aufgestellt:
H = S + C + V
H ist unser subjektiver Grad des Glücklichsein (Happiness), S steht für unsere Genetik, C für unseren aktuellen Zustand im Leben (conditions of our lives) und V für unsere eigenbestimmtes Verhalten (voluntary activity) und meint, wie wir uns entscheiden, wie wir die Welt sehen (Glaubenssätze) und wie wir reagieren (damit umgehen).
Du kannst die Formel auch so betrachten: S ist, was du geerbt hast, C sind die Karten, die du kriegst und die Umstände und V ist, wie du damit umgehst.
Bevor du weiter liest: Was schätzt du, wie viel Prozent hängt an S, an C und V?
Die Studie kommt zu folgendem Ergebnis:
H = S(50%) + C (10%) + V(40%)
Mich hat das überrascht. 50% in den Genen, das erscheint mir viel. Heisst es doch, dass manche von uns mit einer Tendenz zum Pessimismus und Schwarzsehen geboren sind, während andere tendenziell optimistisch sind und das Leben fröhlicher angehen.
Aber das ist nicht der Kernpunkt. Wichtiger scheint mir, dass nur 10% von unseren Umständen – wie viel Geld wir haben, in welchem Haus wir leben, mit wem wir den Weg kreuzen, das Auto in der Garage, unsere Sandalen oder unser Job etc. – beeinflusst werden. Die Beispiel-Liste oben beinhaltet nur Cs aus der Formel.
Das will nicht falsch verstanden werden. Natürlich beeinflussen unsere Umstände unser langfristiges Glücklichsein, aber weniger als unsere Gene und zu 40%, also viermal so viel, liegt es an uns, nämlich wie wir damit umgehen.
Raus aus der Sackgasse
Ob wir glücklich oder unglücklich sind, beurteilen wir im Allgemeinen und diese Beurteilung setzt eine gewisse Dauer des Zustandes voraus.
Es bedingt ein gewisses Bewusstsein für das Glücklichsein, um wirklich glücklich zu sein. Man kann nicht angeben, „im Allgemeinen mit seinem Leben zufrieden zu sein“, wenn man nicht zuvor über seine Existenz nachgedacht hat. Das unterscheidet uns von den Tieren, die glücklich sind, wenn der Bauch voll ist.
„Das Glück ist ein menschliches Empfinden, das mit der der Bewusstheit seiner selbst verknüpft ist“, sagt Lenoir Frédéric in seinem Buch „Über das Glück: Eine philosophische Reise“.
Du weisst, und psychologische Studien bestätigen das, dass negative Erfahrungen uns stärker prägen als positive. Die negativen Erlebnisse verankern sich in unserem Erinnerungs-Speicher und werden gerne wiedergekäut.
Deshalb ist es wichtig, wenn wir einen schönen, angenehmen, freudvollen Moment erleben, uns dessen auch bewusst sind, ihn ganz annehmen, wertschätzen, dafür dankbar sind und ihn so lange als möglich geniessen.
Unser Glück verstärkt sich, wenn wir unsere Zufriedenheit zur Kenntnis nehmen. Wir freuen uns, wir sind glücklich, glücklich zu sein.
Es ist unser Subjektives Well-Being (hier mehr und ein Test zum SWB), welches einen Zustand der Zufriedenheit meint, der sich als (mehr oder weniger) dauerhaft und allgemein erweist.
Kann man dieses Glück intensivieren, verlängern, verallgemeinern und weniger abhängig von C, den Lebensumständen, machen?
Absolut! Wir brauchen uns nur ein paar Gedanken zum „Innenleben“ des Glücks zu machen:
Ein glückliches Leben ist ein Leben, das Freude macht. Freude ist eine angenehme Empfindung, die immer mit der Befriedigung eines Bedürfnisses oder Wunsches einhergeht.
Freude versetzt uns in Bewegung, wir sind bereit dafür etwas zu tun, Aufwand zu betreiben. Diese Befriedigung spielt sowohl auf der psychologischen, emotionalen und intellektuellen Ebene eine Rolle. Laut Darwin steuert das Streben nach Befriedigung letztendlich die gesamte Evolution. Und doch, Aristoteles hat es schon vor mehr als 2.000 Jahren formuliert:
Darüber aber, was das Glück ist, besteht Uneinigkeit, und die Leute aus der Menge
geben nicht dieselbe Antwort wie die Gebildeten.
Obwohl vieles ausserhalb unserer Kontrolle liegt, das nennt man Leben, haben wir immer die Kontrolle darüber, wie wir damit umgehen. Wir können nun mal entscheiden, was und wie wir denken und wie wir unsere Realität sehen.
Hier ermutigt die obige Formel. Vergiss die 50% Genetik. Manche nennen diese Schicksal, Pech, Karma et cetera. Fokussiere dich auf die 40%, die in deiner Entscheidung liegen. Es liegt daran, wie wir unsere Umwelt und unsere Situationen beurteilen. Damit entscheiden wir, wie glücklich wir sind. Ich meine, wenn etwas Unangenehmes geschieht, kann man entscheiden, es mit Freude aufzunehmen. Warum nicht? Gibt ein besseres Gefühl und die Situation ist bereits passiert. Du kannst nur etwas draus lernen und lernen bedeutet, Freude zu haben.
Happiness ist nicht etwas, was du in deinem Leben suchen musst.
Happiness ist eine Lebenseinstellung, die du wählst.
Anstatt die Welt für den Zustand des glücklich seins zu tadeln, liegt die Verantwortung dafür in uns selbst. Bei dem einen oder anderen steigt hier Widerstand auf – aber, wenn man darüber nachdenkt, gibt es uns Freiheit: Es bedeutet, wir haben es in der Hand, die Qualität unseres Lebens zu beeinflussen, ohne unseren (äusseren) Umständen (10% in der Formel) dabei mehr Gewicht zu geben, als sie verdienen.
Bleibt die Frage:
Wenn Happiness eine Wahl darstellt, wir glücklich sein wollen, warum fällt es uns manchmal so schwer?
Es liegt am Unbewusstsein (unserem Freund auf der anderen Seite). Er oder sie muss diese Lebenseinstellung lernen. Es ist wie am Morgen. Du stehst auf, gehst unter die Dusche, putzt die Zähne, ab ins Auto, fährst zur Arbeit etc.
Oder, hast du, als du aufgewacht bist, gedacht: Ok, heute verlasse ich die Matratze auf der rechten Seite, hast beim Duschen überlegt, welchen Körperteil du zuerst wäscht und so weiter…?
In anderen Worten: Der andere hat dir die Vorfahrt genommen. Du ärgerst dich. Ärgerst du dich bewusst oder unbewusst? Der Golfball landet im Wasserhindernis. Ärgerst du dich bewusst oder unbewusst?
Warum tun wir das? Der Vorfall ist vorbei und nichts in der Welt macht es ungeschehen – aber wir – wir fühlen jetzt Schmerz, Angst oder Enttäuschung.
Jede Bier-, Auto-, Schmuck- und Unterwäsche-Werbung versucht uns mitzuteilen, dass wir glücklicher sind, wenn wir ihr Produkt kaufen. Und das funktioniert oft, weil wir so programmiert sind. So wie eine Person trainieren kann, das Klavierspielen zu verbessern, so können wir uns trainieren und die Gewohnheit entwickeln, uns für Freude zu entscheiden.
Wenn unglücklich sein oft das Ergebnis einer unbewussten Programmierung ist,
dann können wir uns vielleicht auf Happiness programmieren.
Wenn du gut drauf bist, triffst du bessere Entscheidungen und bist kreativer. Studien zeigen, glücklichen Menschen fällt vieles leichter. Gesundheit mag einen Einfluss auf unsere Happiness haben und doch, wir sind gesünder, wenn wir glücklicher sind. Das kannst du für dich entscheiden. Darin liegt deine Freiheit.
Bekommen was du willst, macht dich nicht unbedingt (langfristig) glücklicher,
aber glücklich sein mag dir helfen, zu bekommen, was du willst.
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