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Autor G.S. - Hochitalienisch lernen in Firenze
Im Tessin lernte ich Italienisch, das kein Italienisch war, sondern Dialekt. Ich realisierte das erst, als ein Italiener aus Milano mich darauf brachte mit den Worten: "Ich möchte Sie nicht beleidigen, aber es tönt sehr bäurisch!!!!" Na ja, mein Mann fand: "Da du ja im Tessin alles erledigst in der Ferienwohnung, möchte ich, dass du richtig italienisch lernst." Unsere Kinder waren schon fast erwachsen und ich meldete mich an eine Schule in Florenz an.
Das Zimmer in einer Villa mit mehreren Studenten-Zimmern war auch gebucht und ich nahm den Zug. Alle hatten gesagt, da spricht man das beste Hochitalienisch. Im Taxi zur Villa dann die erste Ueberraschung; auch in Firenze spricht man Dialekt. Das C wird zum H = una hoha hola!!! Bei der Villa angekommen, klingelte ich und wurde barsch darauf aufmerksam gemacht: "Der Studenten-Eingang ist hinter dem Haus". Dort angekommen hat mich die gleiche Dame eine Wendeltreppe hochgeführt. Ich bemerkte, dass sie nicht Italienerin war und fragte nach ca. 1 ½ Etagen, woher sie ursprünglich komme. England, war die Antwort. Oh, war ich froh und sagte auf Englisch, dass ich das besser spreche als Italienisch. Sie stoppte abrupt und sagte: "Das reservierte Zimmer ist nichts für Sie." Wir gingen wieder eine halbe Etage hinunter und sie öffnete ein Appartement mit Küche, einem riesigen Zimmer mit 2 Betten darin, Pult, Fernseher usw. und ein Bad, zum darin Tanzen.
Ich stellte den Koffer ab und sie befahl mir einen Spaziergang zu machen, da die Putzfrau noch sauber mache. Der Herr, der das gemietet habe, sei heute Morgen zu Prada nach Mailand versetzt worden. Toll! Ich nahm dankend an und kam später zurück und richtete mich ein. Am nächsten Tag in der Schule fragte ich die Sekretärin, ob das Appartement dass ich anstelle des Zimmers bekam, mehr kosten würde. Sie erschrak ein wenig und erklärte mir, das sei 3-4x so teuer. Ich müsse das mit der Signora abmachen. Am Abend, als die Dame mit einem Tee zu mir kam (was sie den ganzen Monat wiederholte) fragte ich ganz scheu, was ich ihr denn bezahlen müsse. Ich hatte mir schon überlegt, dass ich den Preis "heruntermärten" müsse. Sie hatte mich ja nicht gefragt, ob ich gewillt sei mehr zu bezahlen. "Was bezahlen Sie denn der Schule?" Auf meine Antwort meinte sie: "Das ist für mich in Ordnung und kein Thema." Ich konnte mir nur vorstellen, dass der Herr den Monat schon bezahlt hatte. Ich lernte dann auch irgenwann die übrigen Studenten kennen und sie zeigten mir das für mich vorgesehene gemietete Zimmer. Wahrscheinlich wäre ich eine Nacht geblieben, aber sicher nicht länger, denn es war ein Durchgangszimmer. Alle wären da aufs WC durchgegangen!!! Die Quintessenz dieser Geschichte ist, dass die Aussprache wichtig ist. Hätte ich mein "bäurisches" Italienisch gesprochen und nicht das "Queensenglisch" wäre ich wohl nie zu diesem Schnäppchen gekommen. Auch war diese Dame ziemlich einsam und hat es wohl genossen, immer wieder mit mir zu plaudern.
Episode 13 - G.S. Hochitalienisch lernen in Firenze