Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03580.jsonl.gz/1799

Dringliche Interpellation: Naturmuseum und Historisches Museum Luzern
4. Dezember 2018
Christov Rolla namens der G/JG-Fraktion bittet den Stadtrat um die Beantwortung einiger Fragen im Zusammenhang mit der geplanten Zusammenlegung von Naturmuseum und Historischem Museum.
Wie jüngst1 bekannt wurde, sollen im Rahmen des kantonalen Konsolidierungsprogramms KP17 das Naturmuseum und das Historische Museum zu einem «Luzerner Museum für Natur und Gesellschaft» zusammengeführt werden, um 800000 Franken jährlich zu sparen. Dabei soll die Ausstellungsfläche um 50 % schrumpfen. Für 2019 ist eine öffentliche Vernehmlassung geplant, da das neue Museumskonzept eine Änderung des Kulturförderungsgesetzes bedingt. 2020 soll eine entsprechende Botschaft dem Kantonsrat vorgelegt werden. Das geschrumpfte «Luzerner Museum für Natur und Gesellschaft» soll schliesslich in rund fünf Jahren (also ca. 2023) eröffnet werden; bereits 2021 jedoch sollen Vollzeitstellen reduziert werden und auch von einer temporären Schliessung vor der (Neu-)Eröffnung ist die Rede.
Vor diesem Hintergrund bitten wir den Stadtrat, die folgenden Fragen zu beantworten:
- Wie schätzt der Stadtrat die gesellschaftliche Bedeutung der beiden Museen in ihrer gegenwärtigen Form ein, insbesondere unter dem Aspekt der historischen und naturwissenschaftlichen Bildung der Bevölkerung im Allgemeinen und von Schulklassen im Besonderen?
- Wie schätzt der Stadtrat die touristische Bedeutung der beiden Museen in ihrer gegenwärtigen Form ein, insbesondere hinsichtlich der regionalen und überregionalen Ausstrahlung?
- Gibt es Zahlen oder eine Schätzung über die Wertschöpfung (inklusive Billetsteuern) der beiden Institutionen, die aufzeigen könnten, in welcher Form die Stadt, aber auch der Kanton, durch die Pläne zur Zusammenlegung, zur Reduktion der Ausstellungsfläche und der Arbeitsstellen sowie zum Verzicht auf Dauerausstellungen indirekt oder direkt finanziell betroffen wären?
- Pro Jahr besuchen rund 100000 Personen die beiden Museen; davon 900 Schulklassen. Christoph Lichtin, Direktor des Historischen Museums, wird im Rahmen der Medienberichte mit den Worten zitiert, dass man eine solche Masse «künftig wohl nicht mehr bewältigen» werden könne. Wie sieht der Stadtrat dies in pädagogischer Hinsicht, auch unter dem Aspekt, dass die beliebten Theatertouren im Historischen Museum vermutlich eingestellt werden dürften?
- Der Regierungsrat stellt die Zusammenlegung und Verkleinerung als «Chance» dar; Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss wird mit den Worten zitiert, das neue Konzept erlaube es dem neuen Museum, «einen Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit aktuellen und historischen Themen zu leisten». Teilt der Stadtrat die Einschätzung, dass dies seit jeher die eigentliche Idee eines Museums ist und dass beide betreffenden Institutionen dies schon seit langer Zeit tun?2 Und könnte ein neues, kleineres Museum in den Augen des Stadtrates tatsächlich besser, gezielter oder umfassender als die beiden bisherigen Museen den besagten «Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit aktuellen und historischen Themen» leisten?
- Christoph Lichtin wird weiter mit den Worten zitiert, [ein] Ziel sei es, den Blick auf aktuelle Brennpunkte im Kanton zu legen, an denen sich Entwicklungen aus historischer und naturwissenschaftlicher Sicht gut zeigen lassen. Hat der Stadtrat Anhaltspunkte dafür, wie stark auch die Stadt in den Genuss solcher Sonderausstellungen käme?
- Gibt es eine Übersicht oder Schätzung, welcher Anteil der Exponate und der Sammlung, insbesondere des Historischen Museums, einen direkten Bezug zur Stadt Luzern hat oder sich ursprünglich in ihrem Besitz befand?
- Erwägt der Stadtrat, sich für den Erhalt der beiden Museen in ihrer Selbst- und Eigenständigkeit einzusetzen? Falls ja: Welche Mittel und Wege sind denkbar?
- Ist der Stadtrat bereit, sich im Rahmen der öffentlichen Vernehmlassung gegen eine entsprechende Anpassung des Kulturförderungsgesetzes einzusetzen?
1 Medienmitteilung des Kantons Luzern vom 19. November 2018; Artikel auf zentralplus.ch und in der Luzerner Zeitung vom 19. und 20. November 2018.
2 Beispiele Naturmuseum: «Zum Kuckuck wo sind unsere Vögel?» oder «Der Wolf. Wieder unter uns». Beispiele Historisches Museum: «The Unknown History of Robots», «Die Mauer von Musegg bis Gaza», «Remember Lucerne Tourismus gestalten».