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Lægern
(Die, im Volksmund auch der) (Kt. Aargau
und Zürich).
Die
Lägern ist der östlichste Ausläufer
des Juragebirges, der von
Baden in einer Länge von 11 km nach O. zieht und bei
Dielsdorf endigt. Sie bildet fast auf der ganzen
Länge einen scharfen
Grat, der im w. Teil stellenweise so schmal ist, dass man sich rittlings darauf
setzen kann. Die
Lägern zeigt also ganz die typische Form der Juraberge. Von der
Limmat bei
Baden
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(355 m) erhebt sich der Kamm rasch bis zum Schartenfels (469 m), dann auf eine Distanz von 2,5 km bis zum Gugel auf 801 m; hierauf sinkt er bis auf 778 m, erhebt sich im Burghorn auf 863 m und bleibt von da bis über die Hochwacht (856 m) hinaus fast immer auf gleicher Höhe. Von hier an sinkt der Grat rasch bis unmittelbar vor Regensberg, wo sich ein Einschnitt von nur 597 m findet; ö. davon liegt Regensberg (617 m) auf einem basteiartigen Vorsprung, der sich dann rasch in die Thalsohle bei Dielsdorf (431 m) hinunter senkt.
Die beiden Gehänge sind in ihren oberen Teilen, wenigstens bei den höchsten Punkten, aussergewöhnlich steil. Der S.-Hang wird von den steil aufgerichteten Schichtflächen gebildet (vergl. das geolog. Profil), ist daher sehr glatt und an manchen Stellen kaum zu begehen. Der N.-Hang dagegen besteht aus den abgebrochenen Schichtköpfen. Nach unten wird auf beiden Seiten die Böschung allmählig flacher. Die beiden höchsten Punkte (Hochwacht 856 m und Burghorn 863 m) bieten eine sehr schöne Aussicht auf die Alpen und werden deswegen viel besucht. Auf der Hochwacht stehen eine Sommerwirtschaft und ein trigonometrisches Signal erster Ordnung des schweizerischen Triangulationsnetzes. Ueber die ganze Länge des Grates führt ein Fussweg, der früher an einigen Stellen nur für Schwindelfreie gangbar war, jetzt aber bedeutend verbessert worden ist.
In geologischer Beziehung zeigt die
Lägern völlige Uebereinstimmung mit den andern Bergen des ö. Jura. Von den ältesten
Schichten, die im Jura überhaupt zu Tage treten, erscheint der Muschelkalk noch in einem schmalen Streifen
w. von Baden, und aus ihm entspringen auch die Thermen von Baden. Er wird überlagert von den bunt gefärbten Mergeln des Keupers,
die häufig (z. B. bei Ehrendingen am N.-Fuss des Burghorns) Gips einschliessen, der technisch verwendet wird.
Die Liasschichten sind dunkle, leicht verwitternde Mergel, welche namentlich am N.-Fuss im mittlern Teil
auftreten. Der Dogger besteht aus Mergeln und Kalksteinen, die z. T. oolithisch und meist inwendig blaugrau gefärbt sind,
aussen aber rotbraun anwittern. Den Hauptanteil aber am Aufbau der Kette hat der Malm mit seinen hellen, weisslichen bis
gelblichen Kalksteinbänken, die durch ihre Härte und Lagerung die Form des Berges fast ganz bedingen.
Nach ihrem tektonischen Aufbau ist nämlich die
Lägern, zusammen mit einigen Hügeln nördl. von ihr (Geissberg bei Baden,
Bollhölzli, Steinbuck etc.) eine grosse Falte, deren Scheitel auf der ganzen Länge durch Erosion mehr oder minder zerstört
ist. Am tiefsten, d. h. bis auf den Muschelkalk hinunter, geht die Erosion in dem Querthal der Limmat
bei Baden. Je weiter man nach O. geht, desto weniger tief reicht die Zerstörung, und wie Zwiebelschalen legen sich ostwärts
immer jüngere Schichten in zusammenhängender Wölbung über die ältern, so dass z. B. in den Gipsgruben von Ehrendingen
der Keuper, östl. davon der Lias, dann der Dogger und zuletzt bei Regensberg der Malm zusammenhängend
durchgehen.
Aber diese grosse Falte zeigt nach den neuesten Untersuchungen von
Prof. Mühlberg eine bedeutende Lagerungsstörung. Nicht
nur ist sie unsymmetrisch und stark nach N. überliegend, sondern es geht ein Bruch durch eine grosse Strecke des Gewölbescheitels.
Längs dieses Bruches ist der südl. Schenkel stellenweise über den nördl. überschoben (vergl. die Profile). Siehe Mühlberg,
F. Geolog. Karte der
Lägernkette und ihrer Umgebung. 1:25000. Bern
1902. - Mühlberg, F. Erläuterungen zu den geolog. Karten
des Grenzgebietes zwischen dem Ketten- und Tafeljura. 1.: Geolog. Karte der
Lägernkette (in den Eclogae
geolog. Helvetiae. Vol. VII, 4). Lausanne 1903.
[Prof. Dr. A. Aeppli.]
Die
Lägern ist nicht nur nach Gestein, Lagerung und Form ganz anders gestaltet, als die umliegenden Molasseberge, auch ihre
Flora zeigt einen durchaus anderen Charakter. Näheren wir uns der Kette von S., so durchqueren wir zunächst die
Zone der vorgelagerten Molassehügel mit einer Pflanzenwelt, die noch mannigfache Anknüpfungspunkte an diejenige Nord-Zürichs
erkennen lässt. An den warmen, nach S. gerichteten Waldrändern oder im Unterholz lichter Waldungen haben sich zwei Ginster
Genista germanica und G. tinctoria, sowie der geflügelte Geissklee (Cytisus sagittalis) angesiedelt und strahlen von hier
noch weiter nach SW., bis in die Gegend von Weiningen am Altberg, aus. In ihrer Gesellschaft finden sich:
Jasione montana.
Festuca heterophylla, Calluna vulgaris, Asperula cynanchica, Teucrium scorodonia. Die Gegend s. Regensberg liefert uns noch an ähnlichen Standorten das im Schwarzwald und Nord-Zürich verbreitetere Hypericum pulchrum. Durch Entwässerung ist die Sumpfflora des Furtthales bereits sehr verarmt, dagegen zeigen die mageren, sonnig-trockenen Bergwiesen, besonders an der Greppe und oberhalb Bussberg, noch eine sehr reiche, ursprünglichere Pflanzenwelt. Diese herrlichen Burstwiesen liegen meist zwischen kleinen Waldparzellen, und ihre Flora erstreckt sich vielfach bis in die lichten Föhrenwäldchen, die sich bergwärts diesen Formationen anschliessen.
Hier sammeln wir stattliche Doldengewächse, Galium verum färbt zur Blütezeit die Abhänge intensiv gelb; die Bestände der Graslilie (Anthericus ramosus) erinnern unwillkürlich an die mediterranen Asphodillfluren, Brunella grandiflora, Aster amellus, Ononis repens sind allgemein verbreitet; dazu gesellen sich noch eine Reihe von Orchideen, deren schönste und seltenste Art, Himantoglossum hircinum, allerdings seit beinahe zwei Jahrzehnten nicht mehr beobachtet worden ist. Das östliche Thesium rostratum hat hier auch noch eine vereinzelte, versprengte Station.
Auf diese Vorhügel folgt der an den verschiedensten Gehölzen überaus reiche eigentliche Bergwald. Die Nadelhölzer sind in ihm hauptsächlich auf die untere Stufe beschränkt, während gegen den Grat hin der Laubwald mehr und mehr zur Vorherrschaft gelangt. Diese abweichende regionale Gliederung ist wohl teils auf wirtschaftliche Verhältnisse, teils aber auch auf die mit der Hohe zunehmende Flachgründigkeit des Bodens, die längs dem Kamm meist nur noch niederen Buschwald ermöglicht, ¶
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zurückzuführen. Längs der Kammlinie ist der Bergwald auf aargauischem Gebiet, zwischen Schartenfels und Gugel, zum Heidewald geworden. Die kleinen, knorrigen Bäumchen von Quercus lanuginosa mit ihren filzigbehaarten Blättern spielen die Rolle der Leitpflanze. Der Liguster, ferner wirkliche Bäume von Rhamnus cathartica, Sorbus aria und die seltene Sorbus latifolia, truppweise auch die beiden Linden, Ahorne, Eschen, Hainbuchen und Haselnuss bilden weitere wichtige Bestandteile desselben.
Die Glanzpunkte dieser eigenartigen Pflanzenwelt sind aber die Felsfluren, die an besonders abschüssigen Stellen auf dem nahezu nackten Gestein (wie z. B. am Grat ob Bussberg, beim Burghorn und an der Pfeifenrütifluh ob Otelfingen) zu finden sind. Diese steilen Felspartien bedecken die Feuerlilie, Thalictrum minus, Lactuca perennis, Allium fallax, Teucrium montanum, Sesleria coerulea, Festuca glauca, Melica ciliata, Thlaspi montanum, Alyssum montanum, Libanotis etc. Die Gratflora besitzt somit ein entschieden südliches, xerothermes Gepräge, und südlichere Schmetterlinge umgaukeln mit Vorliebe diese Pflanzengesellschaft. Im feuchten Humus des untern Bergwaldes haben sich dagegen die spezifisch montanen Arten Centaurea montana, Digitalis ambigua, Adenostyles albifrons, Aconitum lycoctonum, Actaea spicata und andere mehr angesiedelt; auf der Nordseite geht dieses Florenelement dagegen bis zum Kamm, wobei sich ferner noch Ribes alpinum, Adenostyles alpina und besonders eine reichhaltige Farnflora mit Aspidium lobatum einstellen.
Die Zahl alpiner Arten ist dagegen sehr unbedeutend: Thesium alpinum, Arabis alpina, Valeriana montana,
Saxifraga aizoon, auch Adenostyles alpina können noch hieher gerechnet werden. Von den meisten Autoren wurde dieser Florenbestandteil
bisher als Glazialrelikt gedeutet; es sind allerdings Alpenpflanzen, aber immerhin Arten, welche auch durch den ganzen Jura
verbreitet und wohl auf diesem Weg ins
Lägerngebiet gelangt sind. Noch heute ist der Zusammenhang mit
dieser Einwanderungsbahn deutlich vorhanden.
Alnus viridis, auf Glazialschutt am S.-Fuss der
Lägern, dürfte dagegen wohl mit Recht als Glazialrelikt anzusprechen sein,
ebenso die 1903 an der
Lägern entdeckte Arctostaphilos uva ursi. Die Kammlinie ist übrigens in Folge des anstehenden
Kalkgesteins und der starken Besonnung und Austrocknung für die Erhaltung von Glazialrelikten sehr ungünstig; die aufgeführten
alpinen Elemente haben sich daher beinahe nur auf den Felsen der N.-Seite anzusiedeln und mit Erfolg zu behaupten vermocht.
[Dr. M. Rikli.]
Urkundliche Formen für die
Lägern sind 1246: Legirn; 1260: Leggern; 1274: Lägirdon. Dieser Name, von
Läger (s. diesen Art.) herzuleiten, bedeutet «gebänderter Berg» und
ist identisch mit dem Ortsnamen Rigi (von riginen = Bänder). Eine Burg
Lägern, Sitz der 12444387 genannten Regensberger Dienstleute
von
Lägern, stand 550 m w. der Hochwacht und lehnte sich südlich an den Gipfelgrat an. Die noch deutlich
erkennbare Burgstelle wird wegen der zwei tief in den Felsgrat eingeschnittenen Gräben im Volksmund «Schrennen» genannt.
Andere Burgen standen auf der
Lägern wohl nicht. (Zeller-Werdmüller, H.
Zürch. Burgen 1. Zürich
1894).