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Wenn Aaron Schimberg diesen Film nicht so überfüllt hätte, wäre ihm ein Instant-Klassiker gelungen. Dabei sind allein die Assoziationen überreich, welche diese «Beauty and the Beast»-Variation evoziert.
Dass einem David Lynchs Elephant Man von 1980 sofort wieder präsent ist, liegt am Makeup, das Edward (Sebastian Stan), der Held dieses Films zu Beginn trägt. Oder auch nicht.
Denn das verwachsene Gesicht des Mannes, der da vor der Kamera einen Schwindelanfall spielt, das trägt er auch danach in der U-Bahn und dann in seinem Appartement, als er auf die eben einziehende Nachbarin Ingrid (Renate Reinsve) trifft.
Weil die einigermassen zivilisierte New Yorker Gesellschaft kaum auf die von Neurofibromatosis verursachten Gesichtstumore reagiert, hat der Film sehr schnell eine surreale Atmosphäre. Die wird weiter verstärkt, bisweilen erinnern die Sets, vor allem Edwards Wohnung gar an den ersten Lynch-Klassiker, Eraserhead.
Aber eigentlich interessiert sich Schimberg für das Paradox der Eigenwahrnehmung und der Fremdwahrnehmung und deren Intereferenzen.
Denn noch während sich Edward eher hoffnungslos in die hübsche und liebenswürdige neue Nachbarin zu verlieben beginnt (und deren Interesse als angehende Theaterautorin weckt), beginnt bei ihm ein experimentelles Medikament zu wirken und die Verwachsungen fallen ab.
Edward häutet sich und wird zu einem doch eher ansehnlichen Mann, den niemand in seiner Umgebung wiedererkennt. Auch weil er schnell behauptet, Edward habe sich umgebracht und er sei ein Jugendfreund.
Dann kommt der Twist. Ingrid hat das Stück geschrieben, in dem ihr Alter Ego und Edward zu einem Beauty-and-the-Beast-Paar werden. Und Edward brennt darauf, seine eigene Rolle darin zu spielen. Was wiederum eine Maske nötig machen würde. Was Ingrid eher nicht möchte.
Auftritt Adam Pearson. Der Aktivist und Schauspieler, der in unserer realen Welt das Ambassadorengesicht der Neurofibromatose verkörpert, wird zu Edwards Nemesis. Denn im Gegensatz zu ihm hat dieser von Pearson gespielte Oswald noch immer das nun passende verwachsene Gesicht. Aber dazu auch noch eine einehmende, gebildete, hellwache Persönlichkeit. Und mit der macht er sich an, Edward aus der Rolle und aus Ingrids Bett zu verdrängen…
A Different Man ist ein hochkomplexes Spiel mit etlichen Strängen und mit ziemlich abgründigem Witz. Dass auf jeden Twist und jede Idee noch eine weitere geschichtet wird, wäre ja eigentlich dem erzählerischen Lauffeuer nicht unzuträglich.
Aber manches davon würde stärker wirken, wenn es weniger aufdringlich daherkäme.
Andererseits: Mehr New York geht wohl gar nicht. Und insofern hat das alles seine Richtigkeit.