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Hätte man mich vor der unerwarteten CD-Veröffentlichung nach der musikalischen Ausrichtung von House of Cards gefragt, so hätte ich den Schwerpunkt in Richtung südamerikanische Folklore gelegt. Mit dem Einsatz von spärlichem und pulsierendem Schlagwerk schafft es James Horner, mit nur wenigen Takten behutsam die Stimmung der Handlung und der Location einzufangen.
Es ist eine schwermütige Melancholie, die gerade die Eröffnungssequenz dominiert. Der monotone Rhythmus wird mit elektronischen Mitteln, Klavier und ethnischen Flöten erweitert. Eine Melange aus ethnischem südamerikanischem Flair vermengt mit westlicher Thematik – dem Leitmotiv der Protagonistin. Horner erreicht hier eine Perfektion, die er in keinem seiner vorherigen Scores anklingen ließ. Zwar verwandte Horner bereits in Vibes und Where the River Runs Black südamerikanische Elemente, doch handelte es sich dort eher um eine Adaption des musikalischen Stils.
Die Eröffnungssequenz bei House of Cards ist anders: Der ethnische Ansatz dient der Einfärbung und bildet das musikalische Korsett, in dem Sally später gefangen ist. Es ist der spirituelle Glaube der Mayas, dem Sally verfällt und aus dem sich ihr Trauma bildet. Der unerwartete Tod ihres Vaters bei einer archäologischen Ausgrabung in Mexiko führt bei Sally zur totalen Isolation. Sie entwickelt einen Autismus, der bei ihrer Rückkehr von einem Psychologen behandelt werden muss. Mit traditionellen Therapiemethoden gelingt es leider nicht, sie aus ihrer psychologischen Isolation zu befreien.
Mit der CD-Veröffentlichung bekommt man einen differenzierteren Blick auf die Filmmusik, und es zeigt sich nun, dass sie sich aus 3 unterschiedlichen Elementen zusammensetzt. Neben der ethnischen Musik bildet die Sentimentalität den weiteren Schwerpunkt der Musik. Diese wird in den orchestralen Themen behutsam zum Ausdruck gebracht. Glanzpunkt ist aber das Flötenmotiv für das Kartenhaus, dem einzigen Kommunikationsmittel Sallys, mit dem sie letztendlich auch aus ihrer Isolation gerissen werden kann.
Dieses Motiv verwendet Horner in vielen seiner Scores (Journey of Natty Gann, Spitfire Grill). Es ist ein mystisches Motiv, mit dem Horner eine dramatische Wirkung erzielt. Zusammen mit einer Art Minimalismus (House of Cards, Virtual Reality Part 1 und 2) für die virtuelle Darstellung des Kartenhauses auf dem PC ihrer Mutter schafft Horner eine kongeniale musikalische Ausdrucksweise.
Die ethnische Musik wurde von der Gruppe Incantation (Tony Henniganund Mike Fischer) und die elektronischen Fragmente von Ian Underwood eingespielt. Sie bilden das Team, mit dem Horner viele seiner Scores bestreitet.
HOUSE OF CARDS James Horner Intrada Special Collection Volume 111 59:18 Min. / 15 Tracks Limitiert auf 1500 Stk.