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Hom Strom heisst, übersetzt vom Rätoromanischem ins Deutsche, Strohmann. Jedes Jahr wird dieser Brauch im Engadiner Dorf Scuol am ersten Samstag im Februar zelebriert. Es ist ein Ritual um die Gunst des Sonnengottes zu gewinnen und eine reiche Ernte im nächsten Sommer zu sichern.
Obwohl die Zelebration im Februar stattfindet wird das ganze Jahr durch an diesem Brauch gearbeitet. Im Frühling wird auf dem Acker Roggen angesät, der vom Bauer Anton à Porta gepflegt und zur Verfügung gestellt wird. Für die Schule und die Schüler von Scuol fangen die Arbeiten im September an, wenn das Korn geschnitten werden kann und anschliessend die gebundenen Strohgarben in einer Scheune eingelagert werden können
Am ersten Samstag im Februar, kurz nach Mittag, wird das nun getrocknete Stroh von den jüngsten Schülern, von der Scheune zum Dorfplatz transportiert. Dort werden aus den einzelnen Strohgarben von den älteren Schülern mit den Lehrern zusammen Zöpfe gebunden, die sogenannten Cuas. Diese Zöpfe werden Schicht um Schicht um eine circa 8m lange Telefonstange gewickelt die an beiden Enden mit einem langen Rohr zum Drehen versehen ist. Die Arbeit dauert den ganzen Nachmittag und der fertige Hom Strom hat circa eine Grösse von 8,5 Metern, einen Bauchumfang von 3,5 Metern und wiegt etwa 700 Kilogramm.
Damit das Stroh zu Zöpfen gebunden und anschliessend um die Telefonstange gewickelt werden kann, wird ausschliesslich Roggenstroh verwendet, da dieser eine Länge von bis zwei Metern erreicht und sehr biegsam ist. Roggen war früher sehr verbreitet in der Gegend von Scuol, jedoch wird er heute vom Bauern Anton à Porta ausschliesslich für den Hom Strom angebaut.
Bei Sonnenuntergang wird der Hom Strom auf einem Wagen befestigt und von den Schülern auf ein Gelände ausserhalb des Dorfes gezogen. Dort wird der gewaltige Stamm immer noch nach alter traditioneller Art mit der Hilfe von Leitern von den Lehrern und Vätern aufgestellt.
Kurz vor acht Uhr beginnen die ältesten Schüler die Bomben anzuzünden. An den Stoffkugeln, die tagelang in Petroleum eingeweicht wurden, werden durch Eisendraht Griffe befestigt. Die Schüler versammeln sich im Kreis rund um den Hom Strom und schwingen die Bomben hin und Her. Das Spektakel, das sich nun jedem Zuschauer offenbart, ist gespenstig und spielerisch zugleich.
Punkt acht Uhr treffen sich die Schüler mit ihren Bomben in der Mitte und zünden den Hom Strom an. Während die Flammen das trockene Stroh verzehren und dem Stamm des Hom Stroms hinaufsteigen, erklingt aus der Menge, begleitet von einer Musikergruppe, das Lied des Hom Stroms. Der Stroh brennt schnell und nach etwa einer Viertelstunde ist das ganze Spektakel auch schon vorbei.
Das Verbrennen des Hom Stroms ist ein Ritual, um den Sonnengott zu ehren, eine Opfergabe, um die Gunst des Gottes zu erlangen, damit die kommende Ernte möglichst fruchtbar und reich ist. Gibt man etwas von der vorherigen Ernte an Gott zurück, wird die nächste auch gut. Eine Vorhersage, ob der Hom Strom den Sonnengott zufriedenstellen wird, kann schon in den Flammen gelesen werden. Dabei spielen sowohl die Qualität des Strohs wie auch die aktuellen Windverhältnisse eine Rolle. Wenn der Hom Strom möglichst lange brennt und die Flammen wie auch der Rauch sich in alle vier Himmelsrichtungen drehen, steht eine reiche Ernte bevor.
Das Lied des Hom Stroms, auch bekannt als La Chanzun da l’Hom Strom, ist eine Komposition vom Dichter, Schriftsteller und Minnesänger Men Rauch. Viele sehen dies als eine nicht offizielle Hymne für Scuol.
Der Brauch des Hom Stroms hat einen heidnischen Ursprung. Fälschlicherweise wird oft behauptet, dass der Hom Strom ein Brauch ist, um den Winter zu vertreiben. Für die Bewohner von Scuol ist dies eher ein Fest des Lichts. In der ersten Februarwoche erscheint die Sonne, wenn man auf dem Dorfplatz steht, erstmals über der Spitze des Piz San Jon und verschwindet nicht schon nach kurzer Zeit.
Im Laufe der Jahre hat sich der Brauch des Hom Stroms stark verändert. Bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts gab es in Scuol bis zu vier Hom Stroms. Zu dieser Zeit war der Bau des Hom Stroms auch sehr kompetitiv, denn jeder Dorfteil wollte den Grössten und Schönsten bauen. Durch diese Umstände war es auch notwendig, den jeweils eigenen Hom Strom vor der Konkurrenz zu schützen, die oftmals versuchte, diesen frühzeitig anzuzünden.