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Was ist eine Zwischendominante und wofür ist sie gut? Was sind Dominanten überhaupt? Wie hat Freddy Mercury seine Akkordfolgen gestaltet? Warum diese Septakkorde und nicht andere? In diesem Artikel kommen wir dem Mysterium der Zwischendominanten Schritt für Schritt auf die Spur und schauen uns ein paar Beispiele an.
Voraussetzung für diesen Artikel ist, dass du weisst wie Tonarten funktionieren und auch ein Verständnis von Stufenakkorden hast. Beides ist keine Hexerei und kann bei Bedarf hier nachgelesen werden:
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Wie funktioniert eine Dominante?
Als Dominante bezeichnet man ganz einfach die fünfte Stufe einer Tonart. Wenn man z.B. die 7 Stufenakkorde der Tonart C-Dur anschaut…
… dann erhält die fünfte Stufe (hier G) den Namen Dominante. Das Spezielle an der Dominante bzw. an der Beziehung zwischen der Dominante und der ersten Stufe ist das, was man den musikalischen Spannungsbogen nennen könnte: Typischerweise wird Spannung mit einem Septakkord auf der fünften Stufe aufgebaut und mit einem Dur- oder Moll-Akkord auf der ersten Stufe wieder aufgelöst.
Wenn man auf den sieben Stufen Septakkorde bildet und dabei versucht in der Tonart zu bleiben (d.h. keine anderen Töne zu nutzen, als die 7 Töne der Tonart), dann fällt auf, dass nur auf der fünften Stufe ein Septakkord mit einer kleinen Septime überhaupt möglich ist. Und der Septakkord mit einer kleinen Septime ist ein Akkord, der eine «Spannung» hat wie kein anderer. Es entsteht sofort die Erwartung, dass er «aufgelöst» werden muss und dies geschieht typischerweise mit dem Akkord der ersten Stufe.
Beispiel
Am Ende des Refrains von Blowing in the Wind von Bob Dylan folgt auf den Akkord G7 der Akkord C. Das Stück ist in C-Dur und somit ist G die fünfte Stufe. G7 ist der Septakkord auf der fünften Stufe (auf der Dominante) und hat eine Spannung, die sich nach einer Auflösung sehnt. Diese Auflösung folgt, sobald der C-Dur Akkord gespielt wird.
Was ist eine Zwischendominante?
Eine Zwischendominante ist die Antwort auf die Frage, ob man einen Septakkord mit kleiner Septime nicht auch auf einer anderen als der fünften Stufe spielen könnte. Gewöhnlich klingt es eher komisch, wenn man Tonartfremde Töne nutzt. Zwischendominanten sind ein möglicher Weg, fremde Töne kurzzeitig zu rechtfertigen.
Das funktioniert aber nur, wenn der gespielte Akkord auf den Folgeakkord «aufgelöst» wird. Nach einem G7 muss also ein C (oder Cm) folgen, egal um welche Stufen es sich hier handelt.
So können wir eine beliebige Akkordfolge etwas spannender machen, indem wir einen Akkord «dazwischen schalten», der kurzzeitig als Dominante auf den nächsten Akkord fungiert.
Bedingung ist, dass es ein Septakkord ist und dass er eine Quint über dem Folgeakkord liegt, also eine «dominantische» (fünfte Stufe) Beziehung zum nächsten Akkord hat.
Beispiel
Wir haben die Akkordfolge…
C Dm G7 C
…und wollen eine Zwischendominante hinzufügen. Da es auf den C bereits eine Dominante gibt (das G7), bleiben uns noch zwei Möglichkeiten: eine Zwischendominante, die sich nach Dm auflöst oder eine, die sich nach G7 auflöst. Das heisst entweder:
- C A7 Dm G7 C – der neue A7-Akkord ist die Zwischendominante, die sich nach Dm auflöst, weil A eine Quint über D liegt,
oder
- C D7 G7 C – der neue D7-Akkord ist die Zwischendominante, die sich nach G7 auflöst, weil D eine Quint über G liegt.
Auf diese Art und Weise ist es möglich, kurzzeitig Tonartfremde Akkorde zu nutzen, ohne einen Tonartwechsel zu provozieren. Die Akkordfolge wird spannender und macht immer noch Sinn.
Beispiele von Zwischendominanten in der Pop-Musik
Freddy wusste wie’s geht: Zwischendominanten in Bohemian Rhapsody
Bohemian Rhapsody fängt an mit den folgenden vier Akkorden:
Bb6 C7 F7 Bb
Wenn du die Tonart Bb-Dur gut kennst, dann wirst du sofort merken: F ist die fünfte Stufe von Bb aus, also die Dominante. Deswegen macht das Ende dieser Akkordfolge Sinn: Ein F7-Akkord auf der fünften Stufe löst sich auf zum Bb-Akkord auf der ersten Stufe.
Der C7 ist aber ein Tonartfremder Akkord! Auf dem Ton C müsste ein Cm7 sein, wenn alle Akkordtöne der Tonart Bb-Dur treu gewesen wären.
Aber das macht nichts, denn aus dem Cm7 wird hier ein C7 gemacht, der als Zwischendominante fungiert. Warum funktioniert das? Weil C eine Quint über F liegt und der C7 seine Spannung somit zum F7 hin auflösen will.
Supreme: Zwischendominante in Harmonisch-Moll
Im Lied Supreme von Robbie Williams finden wir in der Strophe folgende Akkorde:
Wenn man die ersten fünf Akkorde zusammen anschaut, dann merkt man, dass sie praktisch aus weissen Tasten bestehen, bis auf das B im Gm-Akkord. Ein H kommt hingegen nicht vor. Es muss sich also um D-Moll (F-Dur) handeln.
Falls du nicht weisst, wie du die Tonart eines Stücks erkennst, kannst du es hier nachlesen:
Aber dann: E7, ein Akkord, der nicht nur ein H, sondern auch noch ein Gis hat. Wieso passt er dorthin? Weil E eine Quint über dem A liegt und sich somit die Spannung vom E7 im darauf folgenden A auflöst. Der E7-Akkord ist eine Zwischendominante.
Der A-Dur-Akkord ist übrigens auch nicht ganz Tonarteigen, wegen dem darin enthaltenen Ton Cis. Er passt aber hierhin, weil er die fünfte Stufe von D-Moll ist und nach Dm aufgelöst wird. Man kann ihn nicht ganz als eine Zwischendominante bezeichnen, denn der Ton Cis ist Teil der D-Moll-Harmonisch-Tonleiter. Die Harmonisch-Moll-Tonleiter ist eine sehr weit verbreitete Variante der Moll-Tonleiter, in der die siebte Stufe erhöht ist – anstatt vom C beinhaltet sie ein Cis.
Norah Jones: Zwischendominanten zum Frühstück
Das Lied Don’t Know Why von Norah Jones ist für diesen Artikel eine wahre Goldgrube: Hier ist buchstäblich jeder Zweite Akkord eine Zwischendominante. Schauen wir uns die Strophe an:
Man kann sich nur vorstellen, wie diese Akkordfolge (vielleicht) komponiert wurde. Angefangen bei einer reinen G-Dur-Akkordfolge…
Gmaj7 Cmaj7 Em7 D7sus G
… füllen wir jede Lücke auf mit einer jeweiligen Zwischendominante:
- für den C-Akkord ein G7,
- für den Em-Akkord einen B7,
- für den D-Akkord einen A7.
Immer brav eine Quint höher als der nächste Akkord – et voilà:
Gmaj7 G7 → Cmaj7 B7+ → Em7 A7 → D7sus G
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