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Was Männern grossen Spass macht und Frauen nie verstehen werden. Diesmal: Männer wetten die ganze Zeit, Frauen wetten nie. Und wenn sie wetten, wetten sie falsch wie Kleopatra.
Cygnus X-1 ist 8200 Lichtjahre entfernt, Spektralklasse 09, ein blauer Überriese mit 40facher Sonnenmasse, umkreist von einem kollabierten Stern. Man kann Cygnus X-1 nicht sehen, aber aufspüren, weil er Röntgenstrahlen ins All aussendet.
Um Cygnus X-1 gab es eine der bekanntesten Wetten der Neuzeit. Der Physiker Stephen Hawking wettete 1997 mit seinem Kollegen Kim Thorpe, es handle sich bei Cygnus X-1 nicht um ein schwarzes Loch. Hawking verlor. Er bezahlte sportlich die Wettschuld, ein «Penthouse»-Abonnement.
Männer wetten auf alles. Männer wetten ununterbrochen. Frauen können nicht wetten. Warum das so ist, werden wir in unserem Brevier der Männersportarten noch klären müssen; zuvor aber wenden wir uns etwas der Wetttheorie zu.
Klassische Wetten sind immer ein Geldeinsatz oder ein Geldersatz-Einsatz auf den Ausgang eines künftigen Ereignisses. Dieses Ereignis kann von der Agenda vorgegeben oder von den Wettern selber konstruiert sein. Entscheidend ist, dass die Wettteilnehmer die Wette nicht selber beeinflussen können – das so genannte Fairnessprinzip.
Ein vorgegebenes Ereignis war etwa die Detonation der ersten Atombombe. Robert Oppenheimer, der Direktor des Labors in Los Alamos, wettete mit seinen Entwicklungsforschern Leslie Groves und Hans Bethe, wie gross die Sprengkraft der ersten A-Explosion wohl ausfallen würde. Oppenheimer tippte defensiv auf ein Äquivalent von bloss 300 Tonnen Trinitrotuluol und verlor.
Ein konstruiertes Ereignis war hingegen die berühmte Wette, die 1907 im National Sporting Club in London abgeschlossen wurde. Der US-Banker John Pierpont Morgan und Hugh Cecil Lowther, 5th Earl of Lonsdale, wetteten um enorme 100 000 Dollar, ob ihr Sportskollege Harry Bensley mit einer Gesichtsmaske rund um die Welt marschieren könne, ohne je identifiziert zu werden. Die Wette endete sieben Jahre später ohne Ergebnis. Bensley war gerade in Genua eingetroffen, auf seinem Fahrplan fehlten nur noch sieben Länder, da brach der Erste Weltkrieg aus.
Die Wette war eine Imitation. 1873 hatte Jules Verne seinen Bestseller «In 80 Tagen um die Welt» publiziert, den Umrundungs-Gamble von Phileas Fogg. Er löste damit eine Welle skurriler Wettbegeisterung aus.
Es ist 100 Jahre später nicht viel anders. In meinem Keller liegen eine Menge Weinflaschen von Opus One bis Château Latour, die von den gewonnenen Wetten berichten, dass etwa der SMI-Index um mehr als 20 Prozent steige oder der Irakkrieg weniger lang als einen Monat dauere. In fremden Weinkellern und auf fremden Bankkonten liegen die Wetten, die ich verloren habe, beispielsweise weil Jens Alder noch immer keine Übernahme schaffte und Alex Frei das Tor nicht traf.
Das Seltsame an der Wetterei ist, dass die real existierende Welt für Männer offenbar zu wenig hergibt. Wenn ein Mann glaubt, dass die Börse steigt, müsste er sein Geld in Call-Optionen investieren, aber das tut er nicht, nein, lieber wettet er mit einem Kollegen um Geld, ob die Börse steige. Wenn ein Mann sieht, dass sein Unternehmen das Budget übertrifft, müsste er sich auf den künftigen Bonus freuen, aber das tut er nicht, nein, lieber wettet er mit einem Kollegen um Geld, wie hoch der Bonus ausfallen werde.
1400 Milliarden Franken werden jährlich von der globalen Wettindustrie umgesetzt, etwa 30 Prozent davon in Europa, von Casinos über Pferderennen bis Online-Betting. Frauen setzen nur einen kleinen Teil davon um.
Für Frauen ist offenbar das real existierende Leben interessant genug. Darum wetten sie nicht. Sie wetten nur, wenn sie abnehmen wollen. Dann wetten sie mit ihren Freundinnen um einen Air-France-Flug nach Paris oder um eine Kurpackung Skin Caviar Treatment von La Prairie, dass sie bis Weihnachten vier Kilos herunterbekommen. Das aber ist keine klassische Wette, weil die Wettteilnehmer die Wette beeinflussen können.
Die einzige grössere Wette, die jemals eine Frau gewann, war ein ähnlicher Fall. Kleopatra wettete 41 v. Chr. mit Marcus Antonius darum, wer das teurere Bankett auftischen könne. Für Kleopatra wurde nur eine Schale Essig serviert, und Marcus Antonius sah sich schon als Sieger. Nun warf sie einen ihrer famosen Perlenohrringe – nach Plinius im Wert von 10 Millionen Sesterzen – in die Schale, und die Perle löste sich im Essig auf. Kleopatra kippte den Drink, Marcus Antonius war geschlagen.
Ein krasser Verstoss gegen das Fairnessprinzip. Nicht sehr sportlich.
Kurt W. Zimmermann, Inhaber der Consist Consulting AG, Zürich