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Wenn die Sonne nicht wiederkäme
Lesung aus dem gleichnamigen Roman
von Charles Ferdinand Ramuz
»Es stimmt schon . . . Und dann 4 und 13; der Dreizehnte des Vierten . . . Vielleicht kann man es schon sehen. Hast du nichts bemerkt? .. «
»Wo?«
»In der Luft, an der Farbe der Luft, denn es könnte wohl sein, daß sie schon krank ist. Am Himmel«, sagte er. »… Denn es ist möglich, daß er sich allmählich verfinstert… An den Tieren… Hast du nicht darauf geachtet, in den letzten Tagen…«
»Ja, wir, nicht wahr, wir sind halt nicht so begabt.«
Man muß wissen, daß für diese Leute die Sonne alljährlich um den 25. Oktober zum letztenmal sichtbar war und für sie erst am 13. April wieder erschien.
Aus: Wenn die Sonne nicht wiederkäme
In «Wenn die Sonne nicht wiederkäme» erzählt Ramuz die Geschichte der Menschen in einem Dorf in den Walliser Bergen, das von Oktober bis Mitte April im Schatten liegt. Der alte Anzévui, wegen seiner Belesenheit und seiners Heilwissens verehrt, prophezeit aufgrund von Berechnungen in seinen Büchern für den 13. April das Erlöschen der Sonne und die totale Finsternis.
Und tatsächlich scheint Nebel und Dunkelheit selbst am Tag in den Wochen davor seine Prophezeiung zu bestätigen. Verzweiflung und Angst machen sich breit und verleiten manche im Dorf zu irrationalen Handlungen. Nur ein paar junge Frauen und Männer lassen sich nicht von dieser Weltuntergangsstimmung vereinnahmen und beschliessen, am 13. April hochzusteigen in die Berge, um die Sonne zu begrüssen.
Lesung Dauer ca. 75 Minuten.