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Theater
Ein junger Mann namens Bartleby beginnt in einer New Yorker Anwaltskanzlei als Kopist zu arbeiten. In den ersten Tagen erledigt er Unmengen an Schreibarbeit, dann begegnet er der Aufforderung, beim Vergleichen seiner Abschriften mit dem Original mitzuwirken, sanftmütig und doch entschieden mit dem Satz: «Ich möchte lieber nicht.»
Diese Verweigerungsformel hält er auch allen andern an ihn herangetragenen Ansinnen entgegen. Eines Tages gibt er das Kopieren auf, steht träumend am Fenster der Kanzlei, in der er sich freudlos häuslich eingerichtet hat, ignoriert die Kündigung, bis sein gutmütiger Arbeitgeber kein anderes Mittel mehr sieht, ihn loszuwerden, als selber auszuziehen.
Diese groteske «Geschichte aus der Wall Street» gehört zu den grossen Erzählungen der Weltliteratur. Der amerikanische Romancier Herman Melville (1819-1891) hat sie nach seinem Opus magnum, dem Roman «Moby Dick», 1853 veröffentlicht.
Die absurd angehauchte, zeitlos aktuelle Novelle wird gerne als frühes literarisches Aufbegehren gegen das beschleunigte und entmenschlichte System des Kapitalismus gelesen. Erzählt werden die Ereignisse konsequent aus der Perspektive des umgetriebenen harmoniesüchtigen Kanzlei-Inhabers, in dessen Denken sich Bartleby mit immer fatalerer Hartnäckigkeit festsetzt.
Matthias Peter, Schauspieler und Leiter der Kellerbühne, schlüpft in dessen Rolle und setzt damit die Tradition der Einmann-Stücke fort, die er mit Produktionen wie «Jakob Senn – Der ‚Grüne Heinrich‘ von Fischenthal», «Die drei letzten Tage des Fernando Pessoa», «Der Mann im Turm», «Fontamara» und «Der Traum eines lächerlichen Menschen» eingeleitet hat.
Aus Anlass von Herman Melvilles diesjährigem 200. Geburtstag steht die Eigenproduktion der Kellerbühne nochmals auf dem Programm.
Musik und Regie: Daniel Pfister
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Der sanfte Totalverweigerer:
Vorschau im Tagblatt von 2016 lesen: Klicken Sie hier
«Gott segne Sie, so gut es geht»:
Kritik im Tagblatt von 2016 lesen: Klicken Sie hier
«Bartleby, Barnabooth, Bartlebooth»:
Vorschau in Saiten von 2016 lesen: Klicken Sie hier
Zum 200. Geburtstag des
«Moby Dick»-Autors Herman Melville
Würdigung von Heiko Strech im Tagblatt vom 27. Juli 2019