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1879 – 1882 Moritz Ochsenbein
Bericht des Synodalrathes an die Evangelisch-reformirte Kirchensynode des Kantons Bern über den kirchlich-religiösen Zustand des Kantons, die Thätigkeit der Synode und die Thätigkeit des Synodalrathes während der Amtsperiode 1878 – 1882, im Namen und Auftrag des Synodalrathes erstattet durch M. Ochsenbein, Pfarrer, 111 Seiten.
Der zweite der Vierjahresberichte entspricht im Aufbau dem ersten. Er weist drei Teile auf: Die zusammenfassende Berichterstattung aus den Kirchgemeinden und Pfarrämtern über den kirchlich-religiösen Zustand des Kantons, den Tätigkeitsbericht der Synode und den Tätigkeitsbericht des Synodalrates.
Im Bericht über den allgemein-religiösen Zustand werden zuerst die einzelnen Regionen beschrieben: Oberland, Mittelland, Emmental, Oberaargau, Seeland, Jura. Die Thematik ist ähnlich wie im ersten Bericht, weil auch die Fragen des Synodalrates mehr oder weniger die gleichen geblieben sind.
Der allgemeine Grundton ist, was die Religiosität anbelangt: Es lebt viel tiefe Frömmigkeit in unserem Volk, aber es gibt natürlich auch atheistische Einflüsse, viel Gleichgültigkeit, und weit verbreitet ist der Aberglaube.
Was das kirchliche Leben anbelangt, so nimmt auch in diesem zweiten Bericht breiten Raum ein, was über Sekten und andere Religionsgemeinschaften vermeldet wird: Antonianer, Mormonen, Alttäufer, Neutäufer beziehungsweise Baptisten, Methodisten, Irvingianer, Heimbergbrüder etc. Offensichtlich war der Synodalrat daran interessiert, sich ein Bild von der religiösen Landschaft und deren Vielgestaltigkeit machen zu können. Es wird ihn dabei gefreut habe, auch von der Achtung vor der Kirche lesen zu dürfen und vom festen Willen, sie zu erhalten.
Breit ausgeführt wird im kirchlichen Teil der Berichterstattung die neue Rechtslage, die sich eingestellt hat durch das Eidgenössische Gesetz über Civilstand und Ehe, das zum damaligen Zeitpunkt seit sechs Jahren in Kraft stand und für die Kirche als spürbarste Veränderung gebracht hat, dass die Ehe nicht mehr kirchlich, sondern zivilrechtlich geschlossen wird und in der Folge die kirchliche Trauung neu als Eheeinsegnung vollzogen wird.
Es folgen die Angaben über das kirchliche Leben: Gottesdienst und Gottesdienstbesuch, Unterweisung, Sonntagschule, Kinderlehre, Kirchengesang, Sonntagsheiligung, Seelsorge und christliche Liebestätigkeit.
Die Beschreibung des sittlichen Zustandes hebt rühmend erneut hervor: Die allgemeinste Tugend unseres Volkes ist nach allen Berichten die Arbeitsamkeit. Es gibt aber auch Diebstahl in Wald und Feld, Fluchen und Schwören, Kiltgang und Trunksucht, Armut und Schundliteratur.
Der Tätigkeitsbericht der Synode enthält wiederum die vollständige Liste der Abgeordneten, der Mitglieder des Synodalrates, und beschreibt zusammenfassend allerlei Synodegeschäfte.
Der Bericht über die Tätigkeit des Synodalrates fällt verhältnismässig kurz aus. Er handelt u.a. vom Pfarrermangel, Finanzfragen, Liturgie, Delegationen etc. und schliesst mit dem Dank an den abtretenden Kirchendirektor, Herrn Regierungsrat von Wattenwyl.
Zum Schluss die Statistik, im Unterschied zum ersten Bericht nicht lediglich als Liste präsentiert, sondern kommentiert.
Der Berichterstatter, Moritz Ochsenbein, war Pfarrer in Seedorf, Synodeabgeordneter, in der Nachfolge von H. Rettig erster Sekretär der Synode und hernach Sekretär des Synodalrates.