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In den Fall des pädophilen Kapuzinerpaters waren verschiedene Vorgesetzte in Orden und Bistum involviert. Warum diese nicht resolut handelten, soll nun eine «neutrale Untersuchungskommission» herausfinden, sagte Francis Python. Der emeritierte Professor für Zeitgeschichte der Universität Freiburg gehört der vom Kapuzinerorden eingesetzten Kommission an. Diese Untersuchungskommission soll konkret die Vorfälle und die getroffenen Massnahmen im Missbrauchsfall aufarbeiten und prüfen. Das dreiköpfige Gremium setzt sich aus Alexandre Papaux, Anwalt und ehemaliger Kantonsrichter in Freiburg, Francis Python, emeritierter Professor für Zeitgeschichte in Freiburg, und Yves Mausen, Professor für Rechtsgeschichte und Religionsrecht in Freiburg, zusammen.
Python geht davon aus, dass er in die Kommission berufen wurde, weil er als langjähriger Professor in Freiburg über gute Kenntnisse über die katholische Kirche in der Westschweiz verfügt. Der schuldig gewordene Kapuziner wirkte als Katechet an verschiedenen Orten in der Westschweiz. «Wir wollen wissen, wie es geschehen konnte, dass aufgrund der zahlreichen Misshandlungen von Kindern im vorliegenden Fall die Alarmglocke nicht gezogen wurde», sagte Python.
Orden, Bistum und Frankreich
In die Geschichte involviert sei neben dem Kapuzinerorden auch das Bistum Lausanne-Genf-Freiburg. Der Mann war dort angestellt. Untersucht werden soll aus diesem Grund auch die Rolle der Bischöfe des Bistums, die mit dem Fall zu tun haben konnten. Zu diesen gehören Bischof Pierre Mamie und seine Nachfolger. Es könnte sein, dass die Kommunikation zwischen Bistum und Orden nicht funktionierte, meinte Python gegenüber kath.ch. Die Archive des Ordens und des Bistums, zu denen die Kommission Zugang hat, werden möglicherweise eine Antwort darauf geben, wie es zu dieser Kommunikationslücke zwischen dem Orden und dem Bistum kommen konnte.
Klare Aufgabenteilung
Kommissionsmitglied Python zeigte sich erstaunt, dass der Mann in Frankreich eine geringe Haftstrafe «auf Bewährung» erhielt und sich keiner therapeutischen Behandlung unterziehen musste. «Aus diesem Grund wird die Kommission in ihren Untersuchungen auch das Geschehen in Frankreich aufarbeiten.» Als ehemaliger Kantonsrichter werde Alexandre Papaux untersuchen, warum der Mann in Frankreich ein derart geringes Strafmass erhalten hat. Yves Mausen werde sich das fehlerhafte Verhalten in Orden und Bistum vornehmen, führte Python aus. Er selber werde sich der Analyse der Fakten im fraglichen Zeitraum widmen.
Zur Geschichte
Der Fall im Rückblick
Der Freiburger Daniel Pittet machte als Betroffener in einem Buch die Taten des pädophilen Kapuziners bekannt. Der Täter stand dreimal vor Gericht, zweimal wurde gegen ihn ermittelt, die Anklagen wurden wegen Verjährung fallen gelassen. In Frankreich wurde er zu zwei Jahren Haft bedingt verurteilt.