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In den übrigen Regionen der Islamischen Republik zeichnete sich am Samstagabend noch keine klare Tendenz ab. Nach Angaben des Innenministeriums gaben 33 von 55 Millionen Wahlberechtigten und damit rund 60 Prozent ihre Stimme ab.
Unklar war zunächst, ob der zum moderaten Lager gehörende Präsident Ruhani gestärkt aus der Abstimmung hervorgehen würde. Am Samstagabend zeichnete sich zumindest in der wichtigen Hauptstadtregion ein Sieg für die Reformer ab: In der Provinz Teheran konnten sie laut Auszählung von 44 Prozent der Stimmen auf 29 der 30 zu vergebenden Sitze hoffen. Bei einem Sitz lag der konservative Kandidat in der Stimmenauszählung vorn.
Nach Angaben des Innenministeriums führte Mohammed-Resa Aref, der Spitzenkandidat der Reformer, deutlich vor dem Hardliner Gholam-Ali Hadad-Adel. Damit hat Aref den direkten Zweikampf zwischen den beiden Spitzenkandidaten klar für sich entschieden.
Ruhani bedankte sich beim Volk, ohne jedoch direkt auf die Ergebnisse einzugehen. “Ich grüsse euch und erhebe mich vor euch mit Respekt”, sagte er in einer Botschaft. Mit seiner Stimmen habe das Volk ihm und der Regierung mehr Einfluss und Kredit gewährt, so der Präsident.
Zuvor hatte die halbamtliche Nachrichtenagentur Isna berichtet, von den 56 Wahlkreisen ausserhalb der Hauptstadtregion seien 19 an die Konservativen, 9 an Ruhani-Anhänger und 14 an unabhängige Kandidaten gegangen. Bei den übrigen 14 zu vergebenden Sitzen war der Ausgang unklar, so dass eine Stichwahl im April oder Mai nötig werden dürfte.
4844 Kandidaten, darunter knapp 500 Frauen, waren zur Parlamentswahl zugelassen. Der konservative Wächterrat hatte von den ursprünglich mehr als 12’000 Kandidaten bei der Parlamentswahl rund 60 Prozent ausgeschlossen, darunter vor allem Reformkandidaten.
Die verbliebenen Kandidaten aus diesem Lager verbündeten sich mit den Moderaten und gründeten die Liste “Hoffnung”. Die Ex-Präsidenten Mohammed Chatami und Akbar Haschemi Rafsandschani riefen zur Wahl der Kandidaten aus dem Lager Ruhanis auf, um dem “Extremismus” entgegenzutreten.
Das Parlament, das seit 2004 von den Konservativen dominiert ist, hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Reformen blockiert oder – wie im Fall der Atomverhandlungen – Ruhanis Politik zu hintertreiben versucht.
Gewählt wurde neben dem Parlament auch der Expertenrat, der im Falle des Todes des geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei dessen Nachfolger wählen würde. Die Mandate im Parlament werden für vier Jahre vergeben, die Mandate im Expertenrat für acht Jahre. Womöglich werden die Mitglieder des Expertenrats in den kommenden acht Jahren einen Nachfolger des 76-jährigen Chamenei zu bestimmen haben.
Bei der Wahl des 88-köpfigen Expertenrates lagen Ruhani und Rafsandschani nach der Auszählung von einem Drittel der Stimmen in der Provinz Teheran vorn. Insgesamt schafften es demnach 13 Vertreter der Liste von Ruhani und Rafsandschani sowie drei Konservative unter die besten 16.
Das endgültige Wahlergebnis, das vom mächtigen Wächterrat abgesegnet werden muss, wird erst in einigen Tagen erwartet. Unklar war, in welchem Ausmass die jüngste Einigung über das iranische Atomprogramm den Wahlausgang im Iran beeinflussen würde.
Nach jahrzehntelangem Streit war im Januar das historische Atomabkommen zwischen dem Iran und den UNO-Vetomächten sowie Deutschland in Kraft getreten. Der Westen hob daraufhin seine Sanktionen gegen das Land auf. Am Freitag bescheinigte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Teheran die Einhaltung des Atomabkommens.
(SDA)