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Warum ist eine allgemeingültige Aussage mittels Ökobilanz beim Vergleich von Recyclingpapier und Frischfaserpapier nicht möglich?
Eine Ökobilanz ist keine im streng genommenen Sinne wissenschaftliche Methode. Also keine Methode, wo eine Versuchsanordnung erstellt wird, ein Messverfahren festgelegt wird und dann ein Resultat gemessen wird. In einer dieser Art beschriebenen Versuchsanlage würde man die Inputfaktoren ändern und sehen, wie sich die Outputgrössen ändern und den Kausalzusammenhang beschreiben. Wobei - je nach Fachbereich - sich auch schon der Vorgang der Messung an sich als Beeinflussung des Resultats darstellen könnte. Aber das ist wohl eher ein Thema für die Teilchenforschung in der Quantenphysik und würde hier zu weit führen....
Eine Ökobilanz ist auch deshalb keine solcherart wie oben beschriebene Versuchsanlage, weil auf dem Wege zur Resultatdarstellung Bewertungen vorgenommen werden. Und Bewertungen sind immer subjektiv und nie objektiv, bzw. immer in Relation zu einem bestimmten Ziel. Eine Fragestellung in diesem Sinne wäre: Sind 3 Kilogramm Quecksilberemissionen in die Luft "schlimmer" oder "weniger schlimm" als 3 Kilogramm polyzyklische aromatische Kohlewasserstoffe, welche als Emission im Wasser ausgestossen werden? Oder ist ein Kilogramm AOX "schlimmer" oder "weniger schlimm" als ein Kilogramm Toluol, das bei der Produktion von Papier ausgestossen wird. Und das "schlimm" oder "weniger schlimm" würde sich dann auf den (Neudeutsch) "impact" für bestimmte Zielgruppen definieren. Die Zielgruppe kann ein Teil oder das Ganze sein, also die Pflanzenwelt, die Tierwelt, allein der Mensch oder die ganze Biosphäre generell. Die Antwort auf die Frage ist dann eben die Bewertung bzw. die bewertende Festlegung in bezug auf Mess- und Bewertungsmethode.
Daraus folgt:
Schlussfolgerung:
Aus den beschriebenen Gründen kann eine allgemeingültige Antwort nicht gegeben werden. Obwohl wir immer wieder solche Anfragen erhalten, können und wollen wir keine Empfehlung für ein bestimmtes Papier abgeben.
Die Aufgabe der Papierindustrie - des Verbandes und seiner Mitglieder - kann es daher nur sein, Ihnen die messbaren Fakten zur Verfügung zu stellen; die Bewertung findet aber auf einer ganz anderen Ebene statt.
Wir möchten, dass derjenige, der eine solche Aussage machen möchte, auch offenlegen muss, welche Daten er genommen hat (und warum genau diese und nicht andere), und mit welcher Methode er bewertet hat. Und wir möchten, dass er auch kommunizieren muss, mit welcher Absicht er eine solche Ökobilanz erstellt hat, m.a.W. wozu sie dienen soll.