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Psychologie und Astrologie
Im Spätmittelalter (um 1400) erlebt die Astrologie einen regelrechten Boom. Sie wird an Universitäten gelehrt und sowohl weltliche wie auch religiöse Herrscher lassen sich durch Astrologen beraten. Die «alte Astrologie» beinhaltet einen starken Determinismus. Hofastrologen lenken zu dieser Zeit das Geschick von Königen und Päpsten. Zwangsläufig werden klare Prognosen erwartet.
Mit der Aufklärung verschwindet die Astrologie von der Bildfläche. Es darf nicht sein, was nicht wissenschaftlichen Beweisen standhalten kann. Erst mit der Entwicklung der modernen Psychologie erlebt die Astrologie eine Renaissance. Thomas Ring ist der Begründer der sogenannten revidierten Astrologie. Er wendet sich gegen jegliche Art deterministischer Interpretationen. Weiter definiert er Aussagegrenzen des Horoskops, wonach z.B. der Stand der Entwicklung oder das Todesdatum eines Individuums im Geburtsbild nicht ersichtlich sind. Mit den vier Bänden «Astrologische Menschenkunde» entsteht das Basiswerk der psychologischen Astrologie. C. G. Jung betreibt ebenfalls Astrologie. Im von ihm entwickelten Synchronizitäts-Prinzip versucht er akausale Zusammenhänge wissenschaftlich zu beweisen. Jung geht davon aus, dass es nicht nur die kausale (Ursache und Wirkung), sondern auch die akausale, auf der Annahme der Gleichzeitigkeit beruhenden Wirklichkeit gibt. Das Phänomen der Gleichzeitigkeit besteht dann, wenn ein inneres Ereignis (Gedanke, Idee, Vision) gleichzeitig auf ein äusseres physisches Ereignis trifft, ohne dass das eine Ursache des anderen ist.
Die psychologische Astrologie ist ein hilfreiches Instrument, den Entwicklungsweg einzelner Menschen oder auch ganzer Nationen zu untersuchen. Soziale und kulturelle Hintergründe müssen als wesentliche Bestandteile in die Analyse mit einbezogen werden. Prognosetechniken helfen, diese Entwicklungsschritte im entsprechenden Moment wahrzunehmen und nach eigenen Möglichkeiten zu realisieren.