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aus: Informationsblatt Nr. 3, August 1980
Bala Bhadra Das stammt aus dem Kanton Solothurn. Er hat sich der Internationalen Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (Hare Krishna-Vereinigung) angeschlossen und dort seinen neuen indischen Namen erhalten. "Das" heisst "Diener Krishnas". BaIa Bhadra Das trägt das orange Gewand der ledigen Krishna-Jünger. Zwei senkrechte, leicht gekrümmte Striche auf der Stirn bilden das Zeichen der Krishna-Zugehörigkeit. Mit Ausnahme eines kleinen Büschels trägt er seine Haare ganz kurz geschoren.
Bala Bhadra Das sprach im Mai 1980 auf Grund einer Einladung zu Studenten in Zürich. Was führte ihn zur Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein? Der junge Mann kommt aus einem katholischen Elternhaus. Er hat die Mittelschule und später auch die Rekrutenschule besucht. Im Unterschied zu andern Altersgenossen, an denen er keinerlei geistige Interessen wahrnehmen konnte, hat er, wie er selber ausführt, "etwas Höheres gesucht". Er versuchte es mit der Transzendentalen Meditation des Maharishi Mahesh Yogi, blieb jedoch unbefriedigt. Auf einer Fahrt nach Indien und dem Kontakt mit dortigen religiösen Kreisen war er "zum ersten Mal von Gottes Existenz überzeugt". Dort hat er die "göttlichen Schwingungen" gespürt. In die Schweiz zurückgekehrt, musste er entdecken, dass seine früheren Freunde "keine spirituellen Empfindungen" kannten. Beides fand der junge Mann jedoch bei der Internationalen Vereinigung für Krishna-Bewusstsein.
Drei andere Männer der Krishna-Vereinigung berichten ähnlich. Der eine "fühlte" auf seinem früheren Lebensweg: "Ich muss (innerlich) mehr haben". Der andere suchte die "Erfüllung des Lebens". Er fand es bedrückend, dass (wie er meinte) jeder Bewohner in der Stadt nur für Beruf, Geld und Auto lebte. Er hat dann zwei Hare Krishna-Anhänger getroffen. Sie nahmen ihn mit in ihren Tempel, und da fand er, wie er sagt: "genau, was ich gesucht habe". Der dritte sah im Glauben der Eltern mehr Theorie als Praxis und entdeckte in der neuen Bewegung für ihn die gesuchte lebendige Gläubigkeit. Unbefriedigt hinsichtlich spiritueller Erfahrungen, bedrückt über die bloss materiellen Bedürfnisse der Mitmenschen, erfüllt vom unbestimmten Verlangen: "lch muss mehr haben" - und jedesmal die Erfüllung in der Internationalen Vereinigung für Krishna-Bewusstsein. Ein gewisser Schematismus ist in den Ausführungen der vier Krishna-Jünger nicht zu überhören. Ist dieser Schematismus ein Zeichen einer durch den genau geregelten Tagesablauf vollzogenen geistigen Gleichschaltung?
Das Tagespensum beginnt morgens um 3.45 Uhr mit einem kalten Bad. Nach der Lesung heiliger Texte aus der Bhagavad-gita, einer heiligen Schrift des Hinduismus, der Einnahme des Frühstücks und der Reinigung des Tempels wendet sich der Krishna-Anhänger den täglichen Aufgaben zu. Zu seinem Pensum gehören das Chanten und das Samkirtan. Chanten ist der Ausdruck für das z.T. singende Wiederholen des Krishna Mantram: Hare Krishna Hare Krishna Krishna Krishna Hare Hare / Hare Rama Hare Rama Rama Rama Hare Hare. Die 16 Worte müssen täglich mindestens 1728 mal wiederholt werden. Samkirtan umfasst das Singen und Tanzen auf Strassen und Plätzen, verbunden mit dem Verkauf von Zeitschriften, Büchern und Schallplatten. Bewohner des Krishna-Hofes in Düdingen FR besorgen die landwirtschaftlichen Arbeiten. Abgelehnt werden Fleisch, Fisch, Eierspeisen, Rauschmittel inkl. Kaffee, Tee, Zigaretten, Glücksspiel, aussereheliche Sexualität und Sport. Die Speisen werden, bevor sie genossen werden, Krishna (bzw. den Krishna-Bildern) geopfert. Alles was vermieden oder was unternommen wird, soll dazu dienen, das Krishna-Bewusst sein zu vervollkommnen.
Die weitreichenden Unterschiede zwischen christlichem Glauben und Krishna-Verehrung, zwischen dem vertrauenden Zusammengehören mit Jesus Christus und dem Krishna-Bewusstsein muss nicht besonders hervorgehoben werden. Sie fallen jedem auf. Zurück bleibt allerdings wie in ähnlichen Fällen die Frage: Wieso haben die vier oben erwähnten jungen Männer und mit ihnen alle 30 Krishna-Anhänger in unserem Land so wenig von einer echten christlichen Spiritualität, von der Kraft des göttlichen Wortes erfassen können. Was von Jesus Christus berichtet wird und was der Glaube mit ihm erfahren kann, müsste wahrhaftig niemals hinter Krishna und dem Krishna-Bewusstsein zurückstehen.
Oswald Eggenberger, 1980
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