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Die schnellste Art, Freunde zu gewinnen: Über den gegnerischen Fussballverein zu lästern. Die schnellste Art, zu Feinden zu werden: Über Fussball zu lästern. EBERHARD BLANCK.
Jetzt weiss ich, weshalb ich mich stets unbeliebt gemacht habe. Ich zeigte entweder völliges Desinteresse am zweiten Teil von Brot und Spielen oder äusserte dann und wann, dass ich jede Fussballmeisterschaft wahrnähme wie weiland die Ägypter eine Heuschreckenplage.
Ich muss dazu vorausschicken, dass in der kleinen, beinahe grossen Stadt trotz hoher öffentlicher Verkehrsdichte zahlreiche motorisierte und übermotorisierte Gefährte verfügbar sind, die sich für den erweiterten Kreisverkehr – das Fahren im Corso – eignen und deren Warnsignale für das nächtliche Herausposaunen institutionalisierter Freude missbraucht werden können. Vielleicht gibt es auch einen Zusammenhang zwischen der Begeisterung für die relativ einfachen Regeln des Fussballs und dem ähnlich simplen Bedürfnis des unnötigen Herumfahrens. Immerhin wird der Begriff Rasen sowohl mit dem grünen Teppich des Stadions als auch mit dem Fahren mit übersetzter Geschwindigkeit assoziiert.
Bange schaute ich jeweils auf die Spielpläne und hoffte, keine der als lautstark geltenden Nationen würde spielen oder wenn, dann ohne Gewinnchancen. Nur wenn sie verlieren, trollen sie sich kleinlaut in ihren aufgetunten Boliden aus der Stadt, und sie wird nur noch vom Schnarchen ihrer Bewohner erschüttert. Auf das Ersterben der Hupe, wie weiland bei meinem Döschwo, bei dem nach und nach sämtliche Teile ihren Geist aufgaben, konnte ich beim heutigen Stand der Technik nicht hoffen.
Doch ich habe mich gebessert. Ich begucke heuer den Spielplan lustvoll. Am Sonntagabend habe ich sogar die zweite Halbzeit eines Spiels mitverfolgt. Die Regeln kenne ich noch aus meiner gloriosen Zeit als Hobbyfussballer in der Schule. Angesichts meiner Leibesfülle stellte man mich ins Tor, das ich trefflich ausfüllte, weshalb ich ein leidlicher Torwart war. Auch die Kasse war mir anvertraut, welche unabhängig von meiner Befähigung mit Ebbe gesegnet war. Die metallene Kassette, in der nie etwas drin war, überstand noch eine oder zwei Zügleten und entschwand dann meinem Bewusstsein.
Nach wie vor hege ich aber weder nationale Gefühle, noch wird mein Intellekt durch das Hin und Her auf dem Rasen, das häufig ein Hin und Hin ist, angeregt. Ich mag mich auch nicht zu den populistischen Schreibern wie Pedro Lenz gesellen, die ihre Prominenz durch ein Bekenntnis zum Fussball zu beflügeln versuchen, indem sie die beiden als unvereinbar geltenden Domänen des Schreibens und des Tschuttens unter lautem Beifall der Masse zum erhofften Amalgam mischen.
Mich beflügelt allein der Umstand, dass ich nach einem Spiel der Schweizer Nationalmannschaft im Migros mehrfache Cumulus-Punkte erhalte. Bisher war die Ausbeute angesichts eines unerwarteten Hochs sehr ergiebig.
Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich der Euro 2016 das Sinken meiner Lebenshaltungskosten verdanke. Und gelobe, nie mehr etwas Abfälliges über Fussball zu äussern.
Adrian Ramsauer,
25.6.2016, 115. Jahrgang, Nr. 177.
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