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Von Karin Hueber waren in Amden zwei Arbeiten zu sehen. Sie bespielte eine bestehende Öffnung zwischen den beiden Stockwerken der Scheune. Drei auf unterschiedlichen Höhen und hintereinander installierte, in einem dunklen Violett lackierte Platten ragten von unten durch eine Öffnung im Boden in die obere Etage. Der Betrachter nahm Spiegelungen wahr, die sich je nach Lichteinfall und Standort unterschieden und ihn mit den beiden untereinander verbundenen Innenräumen sowie dem Aussenraum auf unvorhersehbare Weise in Beziehung brachten.
Es gab keine gültige Ansicht, nur die Erfahrung von Momentaneität. Wie schon bei früheren Arbeiten interessierte sich die Künstlerin auch bei ihren Interventionen in Amden für das Verhältnis von Stabilität und Labilität. Für die zweite Arbeit liess Hueber in einer Sägerei vor Ort lange, filigrane, biegsame Latten aus gehobeltem Tannenholz herstellen und spannte zehn davon paarweise zwischen Boden und Dachkonstruktion des aus Holz gebauten Hauses. Die Künstlerin spricht von einer »schlummernden Unsicherheit«, die dem verbrauchten, verwitterten Gaden eingeschrieben sei und von ihrer Installation thematisiert werde.
Ingo Gerken nennt die Werke von Karin Hueber »skulptural gebaute Faltungen und Verzerrungen, die einen Ort in sich tragen, ihn in sich sammeln und ihm dann offensiv wieder begegnen«. Sie schaffe, so Gerken, »harte Echos«.1 Architektonische und räumliche Eigenschaften des Raums, Strukturen und erlebte Kräfteverhältnisse, aber auch Blickachsen oder vorgefundene Materialien bilden die Ausgangspunkte für den Arbeitsprozess. Die Installationen zeigen den Raum aus einer überraschenden Perspektive, in einem veränderten Massstab, bringen ihn aus dem Gleichgewicht, vervielfältigen oder öffnen ihn. Es geht um eine Wiederholung und emotionale Bearbeitung der Situation. Neben dem Raum gehört das Licht als Reflektion auf lackierten Platten oder auf Spiegelelementen zu den konstitutiven Elementen des Werks. Bei einer älteren Arbeit wird ein Spiegel von zwei Holzteilen so gehalten, dass dieses Stützen zwar nachvollzogen werden kann, aber doch zugleich als Trugbild erscheint. Für ihre Werke typisch ist das Verhältnis zum Raum, das Reagieren auf Raum, das Aushalten und Dehnen von Raum, mithin die innere Grösse der Strukturen. Das Erleben einer konkreten Situation mündet in meist abstrakte, grosse räumliche Arbeiten, die bisweilen durch kleinere Objekte oder Zeichnungen ergänzt werden. Diese Arbeiten sind selten Entitäten, die ohne den situativen Bezugsrahmen zu verstehen oder auch nur auszustellen wären. Sie sind auf vielschichtige Weise in die jeweilige Situation eingebunden und verstärken bestimmte ihrer Eigenschaften. Die Arbeiten sind dennoch nicht ortsspezifisch im eigentlichen Sinn, sondern durchaus autonome Stücke, die jeweils neu installiert werden müssen und nur in ihrer jeweiligen Form als Werk existieren. Daraus erwächst die existenzielle Dimension, die den in der Erscheinung strengen und formalen Arbeiten eigen ist. Die Künstlerin spricht von »parasitären Ensembles«.
– Roman Kurzmeyer
- Ingo Gerken, »Karin Hueber«, in: Mirjam Varadinis (ed.), Shifting Identities: (Schweizer) Kunst heute, Ausst.-Kat., Kunsthaus Zürich, Zürich 2008, p. 129.