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Max Frisch (1911 – 1991)
Max Frisch wurde am 15. Mai 1911 in Zürich als Sohn des Architekten Franz Bruno Frisch und dessen Frau Karolina Bettina geboren. Er hatte einen acht Jahre älteren Bruder und eine zweiundzwanzig Jahre ältere Halbschwester aus der ersten Ehe seines Vaters.
Am Zürcher Realgymnasium (1923 – 1930) freundete sich Max Frisch mit seinem Mitschüler Werner Coninx (1911 – 1980) an. Dessen Vater Otto Coninx-Girardet (1871 – 1956) verfügte über wesentlich mehr Geld als Franz Bruno Frisch; er besaß einen Zeitungsverlag und baute eine bedeutende Kunstsammlung auf (Coninx-Museum).
Im Herbst 1930 immatrikulierte sich Max Frisch an der Universität Zürich, um Germanistik zu studieren. Schon als Schüler hatte er sich (erfolglos) mit Theaterstücken versucht, und während des Studiums begann er, Feuilletonbeiträge für verschiedene Zeitungen zu schreiben. Als sein Vater im März 1932 starb, brach Max Frisch das Studium ab.
Von Februar bis Oktober 1933 reiste er durch Ost- und Südeuropa: Prag, Budapest, Belgrad, Sarajevo, Dubrovnik, Zagreb, Istanbul, Athen, Bari und Rom. Das erforderliche Geld verdiente er mit Reiseberichten.
Im Sommer 1934 begann Max Frisch ein Liebesverhältnis mit der drei Jahre jüngeren Studentin Käte Rubensohn, der in Hildesheim geborenen Tochter eines jüdischen Archäologen. Weil sie ihr Studium in Berlin aufgrund der Judenverfolgung im “Dritten Reich” nicht hätte abschließen können, war sie in die Schweiz emigriert. Max Frisch machte ihr 1936 einen Heiratsantrag, aber Käte Rubensohn nahm ihn nicht an, und 1939 zerbrach die Beziehung. (In „Homo faber“ antwortet Hanna auf Walter Fabers Heiratsantrag: “Du heiratest ja bloß, um zu beweisen, dass du kein Antisemitist bist.”)
Max Frisch fand mitunter selbst, dass er zu viel grübelte. Lange Zeit schwankte er, welchen Weg er einschlagen sollte. Selbstzweifel veranlassten ihn, nach ersten schriftstellerischen Versuchen seine Manuskripte zu verbrennen, mit dem Schreiben aufzuhören und 1936 ein zweites Studium zu beginnen, das ihm sein Freund Werner Coninx finanzierte. Dieses Architekturstudium an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich schloss Max Frisch mit einem Diplom ab. Danach fing er im Architekturbüro von William Dunkel (1893 – 1980) in Zürich zu arbeiten an, und das Gehalt ermöglichte es ihm, seine erste eigene Wohnung zu mieten.
In dieser Zeit lernte Max Frisch die fünf Jahre jüngere Schweizer Architektin Gertrud (“Trudy”) Anna Constance von Meyenburg (1916 – 2009) kennen. Die beiden wurden ein Paar, und am 30. Juli 1942 vermählten sie sich.
Im folgenden Jahr gewann Max Frisch einen Architekturwettbewerb der Stadt Zürich für den Bau eines Freibads. Er eröffnete daraufhin sein eigenes Architekturbüro. Das 1947 bis 1949 gebaute Freibad Letzigraben blieb allerdings sein einziges größeres Bauwerk, denn er änderte seinen Lebensentwurf erneut.
Max Frisch ließ sich von dem aus Deutschland in die Schweiz emigrierten und in Zürich lebenden Dramaturgen Kurt Hirschfeld (1902 – 1964) überreden, doch wieder Theaterstücken zu schreiben. So entstand 1944 das Stück “Santa Cruz”. Es wurde 1946 uraufgeführt. Durch Kurt Hirschfeld lernte Max Frisch auch Carl Zuckmayer, Friedrich Dürrenmatt und Bertolt Brecht persönlich kennen.
Mit einem Stipendium der Rockefeller-Stiftung bereiste Max Frisch von April 1951 bis Mai 1952 die USA und Mexiko.
Den Durchbruch als Schriftsteller schaffte er 1954 mit dem Roman “Stiller”. Es war sein erster “Bestseller”; erstmals durchbrach die Auflage eines Buches von ihm die Millionengrenze.
Im selben Jahr trennte Max Frisch sich von seiner Frau Trudy und den Kindern Ursula (* 1943), Hans Peter (* 1944) und Charlotte (* 1949). Er zog sich in eine kleine Wohnung in einem Bauernhaus in Männedorf am Zürichsee zurück. (Die Ehe wurde 1959 geschieden.) Im Januar 1955 schloss er sein Architekturbüro, denn er verstand sich von nun als freier Schriftsteller.
Als nächstes arbeitete Max Frisch an dem Roman “Homo faber. Ein Bericht”, der 1957 veröffentlicht wurde und ebenfalls eine Millionenauflage erreichte. Am 23. März 1958 wurde sein Theaterstück “Biedermann und die Brandstifter” am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Es zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Bühnenstücken des 20. Jahrhunderts.
Im Juli 1958 begegneten sich Max Frisch und Ingeborg Bachmann (1926 – 1973). Die österreichische Schriftstellerin lehnte zwar seinen Heiratsantrag ab, ließ es jedoch zu, dass er ihr 1960 nach Rom folgte und lebte dort mit ihm zusammen. Es war eine konfliktreiche Liebesbeziehung zwischen zwei schwierigen Menschen. Sie hielt bis zum Winter 1962/1963.
Im Sommer 1962 verliebte sich Max Frisch in die dreiundzwanzigjährige Germanistik- und Romanistik-Studentin Marianne Oellers. Ab 1964 wohnten die beiden in Rom zusammen, und im Jahr darauf zogen sie gemeinsam in die Schweiz, wo er sie 1968 heiratete. 1972 nahmen sie sich eine Wohnung in Berlin-Friedenau.
Während einer Lesereise in den USA ließ Max Frisch sich im April 1974 auf eine Affäre mit der einunddreißigjährigen Amerikanerin Alice Locke-Carey ein, die er zum Thema seiner Erzählung “Montauk” machte. Weil er in “Montauk” nicht nur über sein eigenes Liebesleben schrieb, sondern auch auf die Affäre seiner Ehefrau mit dem amerikanischen Schriftsteller Donald Barthelme (1931 – 1989) einging, warf diese ihm vor, er habe Privates in die Öffentlichkeit getragen. 1979 ließen Max und Marianne Frisch sich scheiden.
Im Jahr darauf wandte sich Max Frisch erneut an Alice Locke-Carey. Er kaufte ein Loft in New York. Dort lebten sie beiden zusammen, bis er 1984 für immer nach Zürich zurückkehrte.
1985 wurde Karin Pilliod, die er seit der Jugend kannte, seine letzte Lebensgefährtin.
Im März 1989 erfuhr Max Frisch, dass er unheilbar an Darmkrebs erkrankt war. Er starb am 4. April 1991, sechs Wochen vor seinem 80. Geburtstag.