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Das Zentrum war ursprünglich eine Herberge für Durchreisende auf der alten Straße des Lukmanierpasses. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde sie durch einen Brand und die Lawine von 1951 teilweise zerstört. 1955 erhielt Rino Tami, Vater der modernen Tessiner Architektur, den Auftrag für den Wiederaufbau des Gebäudes. Der Ingenieur Luigi Ferrari wandelte die Struktur 1985 in ein ökologisches Zentrum um. Ferrari war auf diesem Gebiet ein Pionier. Zwar sprach man schon seit ein paar Jahren über Ökologie, meistens stießen die damit verbunden Thematiken aber auf Skepsis oder Unverständnis. Ferrari taufte das Zentrum UomoNatura, um auf die enge Beziehung zwischen Mensch und Umwelt hinzuweisen, und organisierte hier eine Vielzahl von Aktivitäten rund um die Natur und die erneuerbaren Energien. Die Initiative hatte Erfolg und das Zentrum lockte zahlreiche Besucher an. Nach 2000 ließ das Interesse aber nach und auch das Zentrum wurde mehr und mehr vernachlässigt.
Wann wurde das Zentrum zu neuem Leben erweckt?
2007 wurden meine Frau und ich auf die Struktur aufmerksam. Ich bin Biologe und meine Frau kommt aus dem Hotelfach. Deshalb lag die Überlegung nahe, Herrn Ferrari als Leiter des Zentrums abzulösen. 2009 haben wir das Zentrum gekauft, wissentlich, dass eine große Aufgabe vor uns lag, wenn wir die ursprüngliche Idee wiederbeleben und neue Impulse setzen wollten. Im Jahr danach hat die Vereinigung Pro Natura die Struktur gekauft und die Restaurierung durchgeführt. Mit mehr als 100.000 Mitgliedern in der Schweiz und einer langjährigen Erfahrung in der Leitung von Naturzentren garantiert sie dem Projekt eine nationale Dimension und die notwendige Kontinuität, die eine private Leitung nicht bieten kann.
Welche Arbeiten wurden durchgeführt?
2010 wurde der Gastbereich (Speisesaal und Bar) vollständig restauriert und 2012 der gesamte Tami-Flügel, der jetzt den neuen Sicherheitsstandards entspricht. Wir verfügen heute über 7 moderne Doppelzimmer und 2 Zimmer, die miteinander verbunden werden können. Außerdem wurde die Terrasse erneuert. Alles ist an die Sicherheitsvorschriften angepasst und der Wärmeschutz wurde verbessert (Isolierung, Dreifachverglasung). Das Dach wurde teilweise erneuert und eine Lawinenschutzwand errichtet.
Was bietet das Pro Natura Zentrum heute?
Neben den Zimmern gibt es auch die Möglichkeit, mit Zelten und Wohnmobilen zu campen, und für die, die mal was anderes erleben wollen, haben wir abseits gelegene mongolische Jurten mit Betten. Der Campingbereich wurde modernisiert und kann von Juni bis September genutzt werden.
Wir servieren lokale Erzeugnisse wie Käse, Joghurt und Butter von den Almen bei Acquacalda oder Wurstwaren aus dem Bleniotal. Auch Honig und Brot sind Null-Kilometer-Produkte. Im Weinkeller haben wir Weine aus der Region oder Naturweine aus einer Weinhandlung in Olivone. Die Speisekarte bietet Tessiner und mediterrane Küche. Daneben organisiert das Zentrum zahlreiche Aktivitäten in der Natur.
Können Sie uns dazu noch mehr sagen?
Wir haben das traditionelle Programm des Zentrums UomoNatura wieder aufgenommen: Astronomie (es gibt hier keine Lichtverschmutzung, deshalb lässt sich der Himmel besonders gut beobachten), geführte Ausflüge (Flora, Fauna, Geologie), Fotografie, aber wir arbeiten auch an neuen Projekten und Aktivitäten, um die Region und die alpine Welt zu entdecken. Während der Brunftzeit im September werden wir z. B. röhrende Hirsche beobachten.
Neue Projekte?
Die Restaurierung ist noch nicht abgeschlossen. Ein Projekt, das uns besonders am Herzen liegt, ist die Erneuerung der Energieversorgung. Zurzeit verwenden wir Sonnenenergie und Holz als Wärmequelle. In den Neunzigerjahren war das innovativ, aber jetzt ist eine Modernisierung angesagt.
Wir gestalten auch gerade den Alpengarten (Naturetum) neu und 2014 werden wir einen Lehrpfad eröffnen, der auf einem kurzen Rundweg die Naturschönheiten der Region illustriert.
Generell will das Pro Natura Zentrum Impulse an die gesamte Region weitergeben, deshalb beteiligen wir uns an verschiedenen Projekten in unserer Nähe, z. B. Parc Adula, Alpine Stiftung für Lebenswissenschaften, Skigebiet Campo Blenio, Langlauf-Zentrum Campra, Zentrum für Alpine Biologie in Piora und vieles mehr.