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Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
Am 04.03.2017 wanderte ich mit Wanderfreund Karl Heinz zur ehemaligen Funk- und Leitstrahlanalage bei Maulburg (Landkreis Lörrach). Diese Anlage, die ich schon einmal mit unserer privaten Wandergruppe aufsuchte, war keinem bekannt.
Wir parkierten auf einem Parkplatz gegenüber dem Maulburger Friedhof. Von hier aus wanderten wir in Richtung Hüsingen bis zum Gewann „Auf Dachsig“. Die Anlage befindet sich am Weg „Dachsigwanne“. Vorher sahen wir viele Apfelbäume, die nicht geschnitten waren. Wahrscheinlich wird hier Streuobst im Herbst gesammelt. Auf den Ästen dieser Bäume wuchsen etliche Flechtenarten heran. Am häufigsten war die struppige Strauchflechte vertreten. Am Rande eines Wäldchens erblickten wir einen prächtigen Haselbusch mit vielen Kätzchen. Früher waren wir in dieser Gegend unterwegs, um Bärlauch zu sammeln. Er wächst hier sehr üppig.
Die Funk-Leistrahlanlage wurde in den Jahren 1939‒1940 von der deutschen Luftnachrichtentruppe erbaut. Der 100 m im Durchmesser messende Betonkreis mit einer Laufrinne in der Mitte ist noch gut zu sehen. Ebenfalls die 3 Fundamente der ehemaligen Mannschafts- und Gerätebaracken. Die Eisenkonstruktion der Sendeanlage war 30 Meter hoch. Auf dem Betonkreis konnte diese in die gewünschte Leitstrahlrichtung gedreht werden.
Blick auf die Weidbuchen
Auf einer Info-Tafel neben einer Sitzbank, die von 2 mächtigen Weidbuchen umrahmt ist, konnten wir folgende Infos über die Anlage lesen (Text von Günter Wassmer): „Die Funk- und Leitstrahlanlage vom Typ ,Knickebein 12’, die hier im Einsatz war, ist gebaut worden, um mit Hilfe des sogenannten Leitstrahls die deutschen Bomber ins damals feindliche Ziel (z. B. Frankreich) zu steuern. Zur genauen Steuerung der Flugzeuge waren 2 solcher Anlagen nötig.“ Die imposante und weithin sichtbare Anlage war 1944/45 auch Ziel einiger Bombenangriffe. Ein Blindgänger traf den Kreis. 1948 wurde die Anlage von einem französischen Sprengkommando zerstört. Der kreisrunde Betonsockel ist heute von Sträuchern und kleinen Bäumen umwachsen. Und noch etwas gedeiht hier prächtig, nämlich einige Moosarten.
Blick auf den moosbewachsenen Betonsockel
Solche Sendeanlagen gab es in Norddeutschland, Frankreich, Norwegen und den Niederlanden. In der Anfangsphase der Luftschlacht um England wurden Knickebein-Anlagen bei deutschen Nachtangriffen eingesetzt. „Damit konnten einzelne Flächenziele in einer Entfernung von 250 km in einem Zielkreis von +/- 1500 m mit ausreichender Genauigkeit getroffen werden“.
Das Verfahren wurde später von den Engländern gestört. Englische Radiosender verwendeten das von den Knickebein-Anlagen verwendete Punkt-Morse-Signal. Dadurch wurden die deutschen Flieger irritiert und kamen vom Kurs ab. „Nach Winston Churchills Einschätzung haben die Gegenmassnahmen 1940 massgeblich dazu beigetragen, die Effizienz der deutschen Flächenbombardements auf unter 20 % zu drücken.“ (Quelle: Wikipedia).
Die Deutschen reagierten damit, dass sie entweder viele Anlagen gleichzeitig aktivierten, ohne dass ein Angriff bevorstand oder wurden erst kurz vor einem Angriff aktiviert.
Spuren von Einkerbungen am Stamm einer Weidbuche
Die Anlage ist ein Überbleibsel aus einem sinnlosen Krieg. Heute können wir solche Anlagen in Gedenken an die Opfer in Augenschein nehmen. Man muss nur staunen, welche gewaltige Anlagen, wie zum Beispiel Bunker, Panzersperren und Grenzbefestigungen, ohne Blick auf die immensen Kosten errichtet wurden.
Anmerkung: Der Betonkreis mit Bäumen aus der Vogelperspektive ist auf einem Satellitenbild zu sehen. Hier der Link:
http://www.deutschland123.de/maulburg_ruine-ehem-funk-leitstrahlanlage-(sender-knickebein-k12)-1071709
Internet
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Knickebein_(Funkfeuer)
www.maulburg.de