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Genf, den 13. Februar 2005

Betrifft: Leistungsfähige Biosphäre; in BULLETIN der ETHZ, Nr. 293 Mai 2004, S.10-14.; Kyoto-Illusionen.
Sehr geehrte Frau Buchmann,
Sehr geehrter Herr Fischlin,
Sehr geehrtes Radio DRS,
Durch eine Sendung in Radio DRS1 wurde ich auf das Bulletin aufmerksam.
In Ihrem Artikel schreiben Sie, Frau Buchmann und Herr Fischlin, was ich schon lange vermute, nämlich, dass es vielleicht nicht nur fehlende Senken (missing sinks) sondern auch fehlende Quellen (missing sources) gibt.
Sie schreiben:
"Dank der neuen Messergebnisse lässt sich problemlos der "missing sink" erklären. Eben diese gleichen Resultate geben nun Anlass zu neuen Fragen. Rechnet man nämlich die punktuell erhobenen Flussmessungen auf den globalen Masstab hoch, ergibt sich überraschenderweise das Bild einer viel zu grossen Senkenleistung (bis 10 Gt C/a). Man muss logischerweise die Messresultate und die Hochrechnung kritisch hinterfragen oder eine "missing source" postulieren."
Man hört und liest fast immer, dass etwa ein Drittel oder ein Viertel des vom Menschen verursachten Kohlenstoffausstosses wieder von der Biospäre aufgenommen wird. Nach meiner wissenschaftlichen Logik kann das gar nicht stimmen.
Ich gehe davon aus, dass zu Beginn des industriellen Zeitalters (1750) ein Gleichgewicht im Kohlenstoffhaushalt der Biosphäre vorherrschte.
Die Verbrennung der fossilen Brennstoffe und die Abhölzung der Wälder führt zu einem immer grösseren Kohlenstoffausstoss.
Die Bedingungen, zu denen vor Millionen von Jahren der Kohlenstoff von der Natur abgelagert wurden, sind jedoch nicht mehr vorhanden. Und die Ablagerung brauchte damals etwa 200 bis 300 Millionen Jahre. Das ist etwa eine Million mal länger als die Zeitspanne von 300 Jahren, in der der Mensch nun diese Ablagerungen in die Atmosphäre zurückführt.
Andererseits glauben die Kyoto-Aktivisten, der ausgestossene Kohlenstoff liesse sich durch Emissionenhandel und durch technische Massnahmen verringern. Beides sind Illusionen.
Erstens wird der Handel aus verschieden Gründen nicht zu Ausstossreduktion führen.
Zweitens gibt es keine Technik, welche die grosse Menge Kohlenstoff dauerhaft binden könnte. Und wenn schon, dann dürfte der energetische Aufwand sehr gross sein und das Problem erst noch vergrössern.
Drittens sind die Überlegungen über Kohlenstoffaufnahme durch die Vegetation zu kurzfristig und zu enge gedacht. Einerseits gibt es ungenügend freie Flächen und andereseits werden die Pflanzen und das Holz wieder verwendet und so kehrt der Kohlenstoff grösstenteils wieder in den Kreislauf zurück.
Deswegen gilt meines Erachtens: Alle Kohlenstoff, den wir in die Atmosphäre entlassen, bleibt dort und der Klimawandel ist aus diesem Grund unaufhaltbar.
Der Doyen der deutschen Klimatologie, Herr Flohn, sagte dies mal an einem Vortrag an der Uni Basel. Er wies ausserdem auf den Treibhauseffekt des Wasserdampfes hin, der den Klimawandel beschleunigen könnte.
Der Kyoto-Prozess ist meines Erachtens kontraproduktiver Aktivismus. Der Aufwand und die Energie welche man dafür aufgewendet sollte man besser dazu benutzen, das Grundübel unserer Gesellschaft zu stoppen: das Wirtschaftswachstum. Denn so lange die Gesellschaft und ihre MeinungsführerInnen (Herr Bundesrat Joseph Deiss voran, siehe Brief vom 17.2.2004 ) meinen, man könne immer weiter wachsen, rennen wir trotz allem in die Katastrophe.
Abschliessend sei die Frage gestellt, warum man immer vor den Folgen des Klimawandels anderswo in fernen Ländern berichtet. Ist die Schweiz etwa nicht gefährdet, wenn der Permafrost schmilzt, die Gletscher verschwinden, die Berghänge in die Täler rutschen, Regen und Schnee nicht mehr festgehalten werden? Weite Gebiete in ganz Westeuropa werden von regelmässigen Überschwemmungen heimgesucht werden und unbewohnbar.
Ich meine, diese Zukunft ist voraussehbar und sollte dazu führen, dass man in der Schweiz aufhört neue Bahnen und Bauten zu bauen.
Frau Buchmann und Herrn Fischlin möchte ich um Ihre Stellungnahme zu meiner Kohlenstoffrechnung bitten.
Radio DRS werden diese Zeilen vielleicht einen zusätzlichen Blickwinkel auf die Klimaproblematik verschaffen.
Mit Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Stellungnahme grüsse ich Sie,
freundlichst ... Helmut Lubbers
PS: Ich publiziere diesen Brief auch auf der Webseite http://ecoglobe.ch