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Der Witz der Woche heute auf SPON:
„Warum kommen so viele Menschen zu Wort, die zwar eine klare Meinung haben, aber keine Expertise?“
Der Witz der Woche heute auf SPON:
„Warum kommen so viele Menschen zu Wort, die zwar eine klare Meinung haben, aber keine Expertise?“
Auf SPON war ein Artikel, dass Russland kein Gas mehr an Polen liefert. Es wird berichtet, dass Polens Gasspeicher zu 76% gefüllt sind und die deutschen Gasspeicher nur zu 30%.
Aber was bedeutet das in Wirklichkeit? Die entscheidende Größe ist „stock per annual consumption“. Das heißt wieviel Prozent des jährlichen Verbrauches ist in den Speichern.
Die polnischen 75% entsprechen 11% des Jahresverbrauch, die deutschen 33% entsprechen 8% des Jahresverbrauchs.
Das bedeutet aber auch, dass Polen nur 15% seines Jahresverbrauchs speichern kann. Deutschland hat Speicher für 24% seines Jahresverbrauchs.
Polen will seinen steigenden Erdgasbedarf künftig aus Norwegen, durch LNG und durch Einfuhr aus seinen Nachbarländern decken. Auch aus Deutschland soll das Gas kommen. Doch woher kommt dieses Erdgas ursprünglich? Es gibt eine direkte, kurze Leitung von der Nordstream 1 Pipeline zum Übergabepunkt nach Polen. Honi soit qui mal y pense!
Die Corana-Infektionszahlen werden in den Qualitätszeitungen bzw. ihren Online-Portalen immer in einer schönen bunten Grafik dargestellt. Welche Farbe wird gewählt? Natürlich rot, aber ich glaube, dass es mehr mit der Farbe des Blutes als mit Politik zu tun hat.
Nur sehen die Grafiken sehr unterschiedlich aus. Manche sehen bedrohlicher aus als andere. Wenn ich raten sollte, welche Grafik aus FR, SPON,SZ oder Zeit stammt, würde ich falsch liegen.
In einem Interview in der ZEIT stellt der Journalist folgende Frage:
«Können wir es schaffen, als Gesellschaft zu einem Punkt zurückzukehren, an dem es nur noch eine Wahrheit gibt und nicht so viele, wie wir sie derzeit erleben?»
Das Bild einer idealen Gesellschaft der ZEIT ist also eine Gesellschaft, in der es nur eine Wahrheit gibt. Mir wird angst und bange. Da es jedoch nicht selbstevident ist, was jetzt gerade die Wahrheit ist, muss jemand entscheiden, was die Wahrheit ist. Wer soll das sein? Die Faktenchecker, das Ministerium für Wahrheit oder die ZEIT? Wenn jemand die Wahrheit verkündet, gibt es nichts mehr zu diskutieren. In einer Diktatur ist es klar, wer entscheidet, was die Wahrheit ist.
Was will der Journalist uns sagen? Zurzeit gibt es viele Wahrheiten und er möchte aber nur eine Wahrheit oder meint er nur, dass viele behaupten, ihre Aussagen seien wahr und die unterschiedlichen Wahrheiten widersprechen sich?
Mein Problem fängt damit an, dass mir gar nicht klar ist, was Wahrheit ist. Die (analytischen) Philosophen haben gleich mehrere konkurrierende Wahrheitstheorien.
Das nächste Problem besteht darin, wie ich erkenne, dass etwas wahr ist. Im ersten Moment meint man, dass das doch trivial ist. Es ist etwas wahr, wenn es der Fall ist.
Es ist wahr, dass es jetzt regnet, wenn es jetzt regnet. Wie stellt man fest, dass es regnet? Für einen sind es nur ein paar Tropfen, die gefallen sind. Für jemand anders hat es geregnet (wenn auch nur wenig). Wir verwenden in unserer Sprache häufig vage Ausdrücke, wenn wir sonst gar keine Aussagen machen könnten, z.B. «Das Auto ist schnell gefahren.» Ist die Aussage wahr?
Für den einen ja, für den anderen nein. Aber Wahrheit ist absolut. Sie kann nicht von der Person abhängen.
Nach J. Habermas erkenne ich die Wahrheit in einem idealen Diskurs. Ein idealer Diskurs liegt vor, wenn der ‘zwanglose Zwang des besseren Arguments’ herrsche. Woran erkenne ich das bessere Argument? Daran, dass es wahr ist. (?) Das hilft mir auch nicht weiter.
In der katholischen Kirche gibt es das Dogma, dass der Papst, wenn er ‘ex cathedra’ spricht, unfehlbar ist, also die Wahrheit sagt. Alle Päpste waren bisher so schlau, sich nicht darauf zu berufen.
Das schöne an der Physik und an den Naturwissenschaften im allgemeinen ist, dass es dort nicht um Wahrheit geht.
Ich habe gestern Abend wieder einmal eine Talkshow gesehen. Die Phoenix-Runde. Zum Abgewöhnen.
Aber eines war interessant. Eine Bauingenieurin hatte ein paar Zahlen. Es gibt 8 Millionen Gebäude in Deutschland. Ein Viertel (wenn ich das richtig verstanden habe) gehört Rentnern. Sie habe gerade mit einem Rentnerehepaar eine Kalkulation der Sanierung ihres Hauses vorgenommen. Die Kosten betragen 180’000 Euro. Das kann sich das Rentnerehepaar nicht leisten. Ausweg: staatliche Förderung.
Damit war der Punkt abgehakt. Woher das Geld für die staatliche Förderung kommt und ob die zurückgezahlt werden muss, war keine diskussionswürdige Frage.
Zurzeit werden weniger als 1% der Häuser pro Jahr thermisch saniert. Gefordert werden bis zu 4%. Dass man dann 5mal so viele Handwerker braucht, die man aber nicht hat, wurde zwar erwähnt, aber nicht als ein Problem betrachtet. Die Zeit war auch nicht dafür da, weil uns Frau Neubauer nochmal in Erinnerung rufen musste, dass sie Welt sonst bald untergeht.
Besonders der Anstieg des Meeresspiegels sei ein großes Problem. Wenn alle beim Häusersanieren sind und niemand mehr Zeit hat, sich um die Deiche zu kümmern, dann hat sie wohl recht.
Man weiß beim Anschauen nicht, ab man mehr Lachen oder Weinen soll.
Meine Entscheidung: die nächste Talkshow wird erst 2024 angeschaut.
In den Medien ist es sehr beliebt von exponentiellem Wachstum zu reden, wenn man vor etwas warnen will, dass sehr schnell kommen kann. Da die meisten vergessen haben, was sie in der Schule über die Exponentialfunktion gelernt haben, hört sich das schon mal bedrohlich an.
Eine zeitabhängige Exponentialfunktion, um die es hier geht, ändert sich in einem konstanten Zeitintervall immer um den gleichen Faktor. In einer bestimmten Zeit verdoppelt sich die Größe immer.
Ob das Szenario bedrohlich ist, hängt aber vom Zeitintervall ab.
Nehmen wir mal an, dass die Zahl der Wölfe in Niedersachsen exponentiell zunimmt. Wenn sich die Zahl der Wölfe täglich verdoppelt, haben wir ein Problem. Wenn sie sich jedes Jahr verdoppelt, haben wir irgendwann ein Problem. Wenn sie sich alle 1000 Jahre verdoppelt, haben wir kein Problem.
Exponentielles Wachstum kann also auch sehr harmlos sein.
In der Natur gibt es auch exponentiellen Zerfall, z. B. bei radioaktiven Elenenten.
Uran 239 zerfällt so schnell, dass nach 27 Minuten nur noch die Hälfte da ist. Von Uran 238 ist nach 4,5 Milliarden Jahren immer noch die Hälfte da. Beides zerfällt exponentiell. Das eine exponentiell schnell, das andere exponentiell langsam.
Vor der Erfindung des Internets war es für die Zeitungen einfacher. Man hatte durch das Anzeigengeschäft eine permanente Einnahmequelle, die jetzt zum großen Teil weggefallen ist.
Dadurch spielt der Abonnent eine größere Rolle. Und da liegt das Problem. Der gemeine Leser möchte nämlich in «seiner» Zeitung lesen, was ihm gefällt. Was ihm aber besonders nicht gefällt, sind kritische Artikel über seine «Helden».
Einer dieser Helden ist Igor Levit, ein Pianist klassischer Musik. Auch das Geschäft der klassischen Musik funktioniert heute wie Popmusik. Junge Pianistinnen sehen heute alle wie Modells aus und müssen halbnackt am Klavier sitzen, wenn sie erfolgreich sein wollen. Klavierspielen müssen sie auch können, aber das allein reicht nicht.
Igor Levit ist ein Künstler, der sich sehr gut verkauft. Er hat Kontakte zu den wichtigen Journalisten. Wenn man ihn hören will, muss man seine CDs nicht kaufen. Einfach einen der deutschen Klassiksender einschalten und ein wenig warten.
Ausserdem setzt er sich für alle positiven Dinge wie Klimaschutz, Antirassismus, etc. ein, was man an seiner regen Twittertätigkeit erkennt.
Es gibt einen Musikwissenschaftler, ein wirklicher Experte, der ärgert sich darüber, dass Igor Levit so im Vordergrund steht, obwohl er kein anständiges Legato spielen könne und wirklich gute Pianisten im Hintergrund verschwinden. Daher hat der Musikkritiker einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung publiziert. Musikkritiker können schon sehr zuschlagen (Eduard Hanslick über A. Bruckner: «traumverwirrter Katzenjammerstil»).
Der Artikel ist ein starker Verriss, der keine Mühe zur Ausgewogenheit erkennen lässt. Herr Levit war beleidigt, d.h. der Artikel hat seinen Zweck erfüllt.
Als der Artikel kritisiert wurde, stellte sich Süddeutsche Zeitung hinter ihren Autor. Das heisst nun nicht, dass sie den Inhalt teilt, aber sie meint, dass man so einen Artikel schreiben dürfe.
Dann setzte aber der normale «shitstorm» ein. Die Leser waren empört, so etwas in «ihrer» SZ zu lesen.
Einige Zwischen-den-Zeilen-Leser hatte auch gleich Spuren von Antisemitismus entdeckt.
Die SZ machte einen Rückzieher, entschuldigte sich bei Igor Levit und denkt darüber nach, wie so etwas in Zukunft verhindert werden kann. Erscheinen jetzt in der SZ nur noch Lobeshymnen über Igor Levitt?
Was macht man als Journalist, wenn einem der Leser «vorschreiben» will, was er lesen will?
Eine Zeitung braucht dann nur Journalisten, die das Weltbild ihrer Leser teilen. Willkommen in der Blase!
Es gibt ein neues Argument gegen fossile Kraftwerke. Fossile Kraftwerke brauchen Wasser und Wasser wird durch den Klimawandel knapp. Der Universalgelehrte Harald Lesch brachte dieses Argument prompt in einer seiner Sendungen.
Und schon fängt das Durcheinander an. Im Windkraft-Journal heißt es zuerst, dass die Wassermengen zur Dampferzeugung gebraucht werden. Das ist Unsinn. Der Wasserkreislauf in einem fossilen Kraftwerk ist geschlossen und nur ein Bruchteil wird kontinuierlich ersetzt.
In nächsten Absatz heißt es dann, dass das Wasser zum Kühlen verbraucht wird.
Bei der Wasserkühlung fossiler Kraftwerke gibt es mehrere Möglichkeiten. Die mit 95% häufigste in Deutschland ist die Direktkühlung. Dabei wird Wasser aus Flüssen entnommen und um ca. 8 Grad aufgewärmt und dann wieder an den Fluss zurückgegeben. Da die Temperatur des zurückgegebenen Wassers begrenzt ist, kann im Sommer dies zu Beschränkungen beim Betrieb der Kraftwerke führen.
Die Temperatur des Flusses erhöht sich nach der Durchmischung kaum merklich.
Damit sind die fossilen Kraftwerke in Deutschland der größte Wasserverbraucher.
Was soll das eigentlich heißen, dass das Wasser verbraucht ist? Verbraucht ist etwas, wenn es für seinen ursprünglichen Gebrauch nicht mehr nutzbar ist. Für was wird das Flusswasser gebraucht. Es dient zur Schifffahrt. Diese ist offensichtlich nicht beeinträchtigt. Das Flusswasser versickert zum Teil und wird Grundwasser. Auch hier findet keine Beeinträchtigung statt. Fische haben Sex im Flusswasser (laut W. C. Fields). Auch dies scheint nicht beeinträchtigt zu werden.
Worin besteht also dieser schreckliche Wasserverbrauch?
4,5 Mrd. m3 Wasser werden in der EU auf diese Art «verbraucht». Was sagt uns diese Zahl? Natürlich nichts. Dies sind 140 m3/s. Dies entspricht ungefähr 2% der Wassermenge des Rhein. Die anderen 98% und das Wasser sämtlicher anderen Flüsse in der EU fließen «unverbraucht» in die Ozeane.
Wenn etwas knapp wird, dann ist es das Grundwasser und nicht das Flusswasser. Wenn man schon alles weiß, wie Herr Lesch dann sollte dies doch auch wissen.
Als Politiker hat man grob gesagt zwei Möglichkeiten:
Dann erhält man den Vorwurf, dass man keine Rücksicht auf den Willen der Wähler nimmt.
Dann kommt der Vorwurf, dass man sein Fähnchen nach dem Wind dreht.
Egal was man macht, man muss sich von den Journalisten, Kabarettisten, etc. anpinkeln lassen und von Vollpfosten sogar bedrohen lassen.
Wenn ich meine berufliche Karriere mit der eines durchschnittlichen Politikers vergleiche, dann muss ich sagen, dass ich in der Industrie mehr verdient habe und ich mich von niemanden anpinkeln lassen musste, sondern immer respektvoll behandelt wurde.
Darum findet man in der Politik auch wenige Leute aus der Wirtschaft. Dann werden Entscheidungen wie der «Lockdown» gefällt, ohne dass man weiss, was man damit anrichtet.
Auf https://euromomo.eu werden die Sterbestatistiken vieler europäischer Staaten veröffentlicht. Jeden Donnerstag nachmittags werden die neuesten Daten gezeigt. Es kann im Nachhinein geringfügige Korrekturen geben, aber größere Korrekturen sind mir nicht aufgefallen.
Interessant sind die Zahlen für Frankreich und für andere Länder deutet sich eine ähnliche Entwicklung an. In der 14. KW starben in Frankreich 21.7% mehr Menschen als man erwartet hätte. Seitdem nimmt die Zahl wieder ab und ist für die letzte Woche bei erstaunlichen -8.8% angekommen.
Wie kann man das erklären? Eine Sterbestreik?
Das jetzt Menschen gestorben sind, die noch eine Lebenserwartung von 10 Jahren hatten, passt irgendwie nicht. Dann sollte das Defizit erst in 10 Jahren auftreten.
Hat Boris Palmer vielleicht doch recht?