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Die Schwedische Kulturministerin
Lena Adelsohn Liljeroth hatte im Museum fü
Moderne Kunst in Stockholm eine Installation des Künstlers
Makode Linde eingeweiht. Sie ist jetzt unter Druck. Die
Grenzen des guten Geschmacks wurden da wohl überschritten.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Seit vergangenem
Wochenende diskutieren die Schweden, ob ihre Kulturministerin die Grenzen
desselben überschritten hat: Lena Adelsohn Liljeroth hatte am Sonntag
im Museum für Moderne Kunst in Stockholm eine - gelinde gesagt -
gewagte Installation des Künstlers Makode Linde eingeweiht.
Liljeroth schnitt dabei einen Kuchen in der Form einer schwarzen Frau
an. Der Akt sollte die grausame Praxis der Genitalverstümmelung
von Frauen in Schwarzafrika symbolisieren. Das Innere des Kuchens war
blutrot und Linde, dessen eigener Kopf Teil der Installation war, schrie
bei jedem Schnitt vor Schmerzen. Zu allem Überfluss fütterte
die lachende Ministerin den Künstler auch noch mit einem Stück
seines eigenen "Leibs".
Genitalverstümmelung, Kannibalismus, Rassismus: Die Aktion
provozierte auf derart vielen Ebenen, dass die Rücktrittsforderungen
an die Adresse Liljeroths nicht lange auf sich warten liessen. Der
Verband Schwarzer Schweden Afrosvenskar kritisierte die Veranstaltung
als "rassistisches Spektakel". Die Beteuerungen der Ministerin, die
Provokation diene einem guten Zweck, mache alles nur noch schlimmer,
sagte eine Sprecherin. Liljeroths sei "inkompetent" und als Ministerin
nicht mehr tragbar.
Die Beschuldigte liess verlauten, sie habe Verständnis
für die Empörung. In einem Communiqué sagte
sie, sie sei anlässlich des Weltkunsttags eingeladen worden,
über die Freiheit der Kunst und ihr Recht auf Provokation zu
sprechen. "Dann baten sie mich, den Kuchen anzuschneiden. Ich bin
keine Kunstkritikerin, aber ich kann sehr gut verstehen, dass die ganze
Situation missverstanden wurde." Liljeroth ist laut "Svenska Dagbladet"
bereit, die Verantwortlichen bei Afrosvenskar zu einer persönlichen
Aussprache zu treffen.
Am Dienstag erhielt die Affäre eine weitere Dimension:
Das Museum für Moderne Kunst in Stockholm musste nach einer
Bombendrohung evakuiert worden. Ein Entschärfungskommando sei
im Einsatz, sagte Polizeisprecher Mats Almqvist. Der Hintergrund der
Bombendrohung ist noch unklar. Wenige Stunden zuvor hatte der finnische
Präsident Sauli Niinisto das Museum während eines Staatsbesuches
besichtigt. Wahrscheinlicher scheint jedoch der Eklat der Kunstministerin
zwei Tage zuvor.