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Es ist der Lauf der Natur, dass die Geofaktoren Relief, Klima, Gestein, Boden, Wasserhaushalt und Vegetation in gegenseitiger Wechselwirkung im Laufe der Zeit die Abtragung der Erdoberfläche bewirken und das Relief einebnen. Schwierig für uns wird es, wenn die Auswirkungen dieser Prozesse wie etwa Rutschungen uns direkt betreffen. Ganz problematisch wird es in den meisten Fällen, wenn zusätzlich der Mensch durch vorausgehende Tätigkeit wie zum Beispiel Waldrodung oder Strassenbau solche Bewegungen auslöst oder begünstigt. Vielfach sind in unserer Region Erdbewegungen entstanden, die vor allem durch vorangehenden Dauerregen gefördert wurden. Solche Erdrutsche fanden im Jahr 1758 am Schlipf bei Riehen und am Grütsch bei Thürnen statt.
In den Jahren 1889, 1910, 1951 sowie 1999 kam es ebenfalls zu besonders vielen Erdrutschen. Kennzeichen waren jeweils ein langer, kalter und nasser Winter sowie ein relativ kühler Frühling mit einer späten Schneeschmelze.
Vom 20.-25. Februar 1999 verursachten Schneeschmelze und Dauerregen Hochwasser. Dadurch kam es am 20.Februar in verschiedenen Gemeinden zu Erdrutschen. So rutschten in Buus 350 000 Kubikmeter, in Wintersingen 270 000 Kubikmeter und in Tecknau am Hofacherweg 180 000 Kubikmeter Erde ab.
Im Jura gibt es zahlreiche Stellen, wo sich Bergstürze meist vor langer Zeit, das heisst vor wenigen bis mehreren Tausend oder Zehntausend Jahren, ereignet haben. Einige interessante Beispiele seien hier aufgeführt:Das Goetheanum in Oberdornach liegt auf einem Bergsturzgebiet. Der nacheiszeitliche Bergsturz in Seewen staute einen See auf. Ausserdem finden wir grössere Bergstürze bei der Falkenflue/Duggingen, der Schauenburger Flue/Bad Schauenburg, nordwestlich von Nuglar an der Strasse Nuglar–Gempen und bei Burg im Leimental.
In historischer Zeit fand der Bergsturz von Onoldswil statt. Im Mittelalter bildete Niederdorf zusammen mit Oberdorf das Dorf Onoldswil. Im Jahr 1295 ereignete sich bei St. Peter ein Bergsturz, welcher Onoldswil teilweise zerstörte und in die heutigen Dörfer Niederdorf und Oberdorf teilte.
Der Südost-Hang des Tüllinger Hügels auf Riehener Boden wird Schlipf genannt. Er besteht aus Mergel, der viel Lehm und Gips enthält. Diese Anteile saugen sich bei Regen voll und neigen dann zum Rutschen – daher der Name Schlipf. Grössere Erdrutsche wegen langer Regenzeiten sind in den Jahren 1450, 1697, 1712, 1758 und 1881 nachgewiesen. Kleine «Schlipfe» kommen alle paar Jahre vor, so auch 2007.
Zu Diskussionen Anlass gab der Bau der Zollfreistrasse zwischen Weil und Lörrach. Diese verläuft über Schweizer Hoheitsgebiet am Fusse des Schlipf teilweise in einem Tunnel.
Als einer der auslösenden Faktoren des Erdrutsches am Wartenberg werden starke Niederschläge angenommen, welche bereits im Juli 1951 begannen. Durch diese grosse Menge an Feuchtigkeit wurden die lehmartigen Tonschichten aufgeweicht, auf denen nun die darüber liegenden Kalksteinschichten ins Rutschen gerieten. Als weitere Ursachen dürfte die Umwandlung des ursprünglichen Waldgebietes in einen Rebberg und der Abbau des Gehängeschutts in einer früheren Grube angesehen werden. Dadurch wurde das natürliche Wasserregime gestört und die Stabilität des Hanges negativ beeinflusst.
Die Fläche des gesamten Rutschgebietes betrug ungefähr 480 Aren. Die Rutschmasse hatte ein Volumen von etwa 300 000 Kubikmeter und war durchschnittlich 7,2 Meter hoch.
Bei Arbeiten an der neuen Autobahn wurden die den Hang stützenden Formationen entfernt. Dadurch lösten sich am 27. Juli 1969 am Edelweisshang unterhalb Eptingen rund 800 000 Kubikmeter Material und stürzten auf die Baustelle. Der Erdrutsch zerstörte teilweise die im Bau befindliche Autobahnbrücke und die Werkbrücke der Mineralwasserfabrik Eptingen und bedrohte den Bauernhof Eichenberg sowie den Friedhof Eptingen. Die Strasse nach Diegten und die Stromzufuhr waren unterbrochen, ebenso die Wasserversorgung von Diegten. Schon 1967 erfolgte bei Oberburg südlich Diegten, direkt vor dem N-Portal des Tunnels Oberburg, ein Bersturz im Zusammenhang mit dem Autobahnbau.
Am 3. Dezember 1976 stürzte erneut Erdmaterial vom Edelweisshang auf die Autobahn N2 (heute A2) bei Eptingen. Der Rutsch war etwa 40 Meter breit und die Böschung wurde etwa 130 Meter oberhalb der Autobahn angerissen. Rund 15 000 Kubikmeter Erde waren in Bewegung geraten.
Seit Ende 2011 liegt für den Kanton Baselland eine Gefahrenkarte vor. Die Naturgefahrenkarte (kurz Gefahrenkarte) zeigt, wie stark ein Gebiet von Naturgefahren bedroht ist. Im Einzelnen handelt es sich um die folgenden Gefahren (Prozesse): Überschwemmung, Steinschlag/Blockschlag, Rutschungen permanent, Rutschungen spontan und Hangmuren. Die Gefahrenkarte wurde grundsätzlich für das ganze Siedlungsgebiet des Kantons Basel-Landschaft erstellt. Für das übrige Gebiet des Kantons zeigt die Gefahrenhinweiskarte mögliche Gefährdungen durch Naturgefahren auf. Solche Karten dienen vor allem als Grundlage für raumplanerische Massnahmen.
HPM