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Eine schnelle und sichere Internetverbindung scheint in der heutigen Zeit für viel Menschen eine Selbstverständlichkeit zu sein, um immer und überall erreichbar zu sein und Informationen zu erhalten. Doch viele Regionen in der Arktis sind auch heutzutage von den Hochgeschwindigkeitsleitungen immer noch abgeschnitten und erhalten ihre Zugänge meist über Satellitenverbindungen. Für die Aleuten nahe Alaska im Beringmeer wird sich dies in nächster Zeit grundlegend ändern.
Rund 1’300 Kilometer Glasfaserkabel werden zurzeit von der Ortschaft Unalaska auf der gleichnamigen Aleuten-Insel bis nach Larsen Bay auf der Insel Kodiak gelegt, um den Einwohnern des Aleuten-Archipels eine bessere Internetverbindung liefern zu können. Mit bis zu 2 Gigabyte pro Sekunde will das US$ 58 Millionen-Projekt der Kommunikationsfirma GCI Communication Corp aus Anchorage in Zukunft die sechs Hauptorte auf den Inseln zwischen Unalaska und Kodiak mit dem Rest der Welt verbinden. «Die Erkenntnis, dass wir nur etwa 800 Meilen davon entfernt sind, die nötige Basisinfrastruktur zu haben, um einige der entlegensten Gemeinden des Landes mit einer urbanen Verbindung zu versorgen, ist unglaublich aufregend», sagt Heather Handyside, Kommunikationsleiterin von GCI.
Das Glasfaserkabel, das aus Deutschland stammt, wurde erst per Schiff über 22’000 Kilometer weit nach Unalaska transportiert, auf riesigen Rollen, um dann mit dem Kabelleger C/S Intrepid von der Ortschaft auf der gleichnamigen Insel aus bis nach Larsen Bay auf der Insel Kodiak verlegt zu werden. Dazwischen werden vier weitere Orte an das Glasfaserkabel angeschlossen. GCI erklärt, dass bis Ende des Herbstes diese Arbeiten abgeschlossen sein sollten, pünktlich auf den Start der möglichen Winterstürme in der Region. In den nächsten zwei Jahren werden Teams an Land danach die Haushalte etappenweise auf den neuen «Gold-Standard», wie ihn GCI liebevoll nennt, vorbereiten und die notwendigen technischen Arbeiten durchführen. So sollen sämtliche Haushalte in den sechs Ortschaften entlang des Kabels die schnellste und zuverlässigste Internetverbindung im ganzen Staat erhalten. «Dieses Mass an Verbindungen ist wirklich lebensverändernd und wird die Bewohner dieser Gemeinden in die Lage versetzen, sich wie nie zuvor mit dem Staat, der Nation und der Welt zu vernetzen», erklärt Jennifer Nelson, die Leiterin für ländliche Angelegenheiten bei GCI.
Das Projekt ist für die Firma GCI, die in Alaska bereits 200 Gemeinden verbindet, eine besondere Herausforderung. Denn die Aleuten sind ein Teil des pazifischen Feuerringes und sind damit tektonisch noch sehr aktiv. Erd- und Unterwasserbeben und Vulkanausbrüche sind keine Seltenheit. Ausserdem musste auch die empfindliche Unterwasserwelt bei der Planung der Route miteinkalkuliert werden. Deswegen hat das Unternehmen auch mehrere Meeresbiologinnen und -biologen an Bord des Schiffes, die das Verlegen und die Auswirkungen auf die Meereslebewesen überwachen. Auch an Land hat man bereits «speziell Vorsichtsmassnahmen ergriffen, um Sicherheit zu gewährleisten und Integrität der Ökosysteme und kulturellen Ressourcen Alaskas zu erhalten», wie GCI in einer Mitteilung schreibt.
Das Wichtigste für GCI ist es, die digitale Kluft, die bisher zwischen den Inseln und dem Festland herrschte, zu überwinden und den rund 7’200 Einwohnern, von denen die meisten in Unalaska leben, einen Kommunikationsstandard wie in Städten üblich zu bieten. Deswegen finanziert das Unternehmen das Projekt auch zu mehr als der Hälfte aus der eigenen Tasche. «Dieser Kampf gegen die digitale Kluft ist ein lebenslanger, endloser Kampf, weil sich die Zielpfosten mit der sich weiterentwickelnden Technologie ständig verschieben werden», erklärt Ron Duncan, der Chef und Gründer von GCI. «Glasfaserdienste, der Goldstandard für Breitbandverbindungen, werden es Unalaska, dem grössten Fischereihafen des Landes und einem Tor zur amerikanischen Arktis, und den anderen Projektgemeinden ermöglichen, ihr wirtschaftliches Potenzial voll auszuschöpfen und gleichzeitig die nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten zu fördern.»
Das Projekt von GCI zum Bau einer Glasfaserleitung, um abgelegene Gebiete in der Arktis zu verbinden, ist das dritte grosse Projekt in der Arktis. Schon seit einigen Jahren läuft ein anderes Projekt, „Arctic Connect“, welches die Verlegung eines Glasfaserkabels durch die Arktis vorsieht und so Europa mit Asien verbinden soll. Erst wollte die finnische Kommunikationsfirma Cinia mit Russland diese Projekt durchführen und das Kabel entlang der Nordostpassage legen. Doch ein plötzlicher Rückzug und die Ankündigung, man wolle ein eigenes Projekt „Polar Express“ durchführen, brachte „Arctic Connect“ kurz ins Schwanken. Mittlerweile hat man mit Far North Digital einen neuen Partner, mit dem das Kabel von Nordeuropa aus via Grönland, kanadische Arktis und Alaska bis nach Japan geführt werden soll. Dazwischen sollen die arktischen Regionen von der schnellen Kommunikationsmöglichkeit profitieren und ihr Tor in die weite Welt erhalten.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal
Beitragsbild: mit freundlicher Genehmigung von GCI Communication Corp