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Solidar Suisse setzt bei seinen humanitären Einsätzen vermehrt auf direkte Geldüberweisungen statt auf die Verteilung von Gütern und Nahrung. Eine Evaluation der Cash-Programme in Sri Lanka, Libanon und Nepal zeigt, dass die Hilfe mit den Geldüberweisungen sehr gut funktioniert, auch wenn die Auswahl der Begünstigten eine Herausforderung bleibt.
In der Geschichte der humanitären Hilfe haben direkte Geldüberweisungen an Opfer von Katastrophen Tradition. Das Rote Kreuz leistete bereits im Französisch-Preussischen Krieg und bei einer Hungersnot in Indien im 19. Jahrhundert Hilfe mittels Cash. Doch der Wendepunkt hin zur verbreiteten Anwendung von sogenannten Cash-Transfer-Programmen (CTP) war der Tsunami im Indischen Ozean im Jahr 2004. Viele Hilfswerke setzten damals zum ersten Mal auf CTP als Alternative zu Nahrungmittellieferungen und Güterverteilungen. In der Folge wurden CTP zu einem effektiven und effizienten Mittel, um nach Katastrophen Hilfe zu leisten.
Die Erfahrung von Solidar Suisse mit Cash-Programmen
Die humanitäre Abteilung von Solidar Suisse verfügt über eine solide Erfahrung bei der Planung, Umsetzung und Auswertung von CTP. Für Solidar Suisse gehören Geldüberweisungen bei humanitären Einsätzen heute zum Standard; sofern die Märkte funktionieren, geben sie den Betroffenen die Möglichkeit, das Geld nach den eigenen Bedürfnissen einzusetzen. Sie werden damit von passiven HilfsempfängerInnen zu selbstbestimmt Handelnden. Des Weiteren können Transport-, Lager- und Verteilungskosten gespart werden, stattdessen kommt die gesamte Summe der Bevölkerung zu Gute.
Eine Fallstudie von Solidar Suisse gibt einen Überblick über drei Cash-basierte Hilfsprogramme, namentlich im Libanon, in Nepal und in Sri Lanka. Sie zeigt unter anderem die vielfältige Einsetzbarkeit von Cash-basierten Programmen auf. Zahlreiche Studien, die in den letzten Jahren über CTP durchgeführt wurden, kommen zum Schluss, dass die Geldüberweisungen weder für Alkohol und Zigaretten missbraucht werden noch zur Inflation in den Projektgebieten beitragen. Auch genderspezifische Nachteile konnten nicht ausgemacht werden: Frauen konnten weitgehend selber über die Verwendung der an sie verteilten Gelder entscheiden. Die internationale Gebergemeinschaft sowie zahlreiche UN-Organisationen haben sich am ersten Gipfeltreffen zur humanitären Hilfe in Istanbul letztes Jahr dazu verpflichtet, den Anteil an Cash-Programmen zu vervielfachen. Die Vorteile sind mittlerweile erkannt und die befürchteten Nachteile widerlegt.
Sri Lanka: Wiederherstellung der Existenzgrundlagen
Im Falle des CTP in Sri Lanka profitierten zwischen den Jahren 2010 und 2014 insgesamt 885 Personen von Geldüberweisung von dreimal 300 Franken. Das Geld war zweckgebunden und musste von den EmpfängerInnen zur Wiederherstellung ihrer Existenzgrundlage verwendet werden. Die Auszahlungen liefen über eine lokale Bank. Die Auszahlung der zweiten und dritten Finanztranche war von den Fortschritten nach der ersten Zahlung abhängig.
Libanon: bedingungslose Geldüberweisungen für die Schwächsten
Im Libanon profitieren seit drei Jahren 400 Personen von monatlichen Direktzahlungen in der Höhe von 175 US-Dollar. Die Verteilung der Gelder zur Sicherstellung der Grundversorgung erfolgt mittels e-cards, die ähnlich funktionieren wie Kreditkarten. Sie ermöglichen die unkomplizierte Abwicklung der Zahlung via die libanesische Post. Die Begünstigten sind registrierte Flüchtlinge und gehören gemäss UNHCR zu den meistgefährdeten Personen im Libanon.
Nepal: einmalige Cash-Zahlung zur Sicherstellung der Nahrungsversorgung
Von Februar 2016 bis Januar 2017 verteilte Solidar Suisse in Nepal je 250 US-Dollar an insgesamt 2500 Begünstigte, dem ärmsten Drittel der Bevölkerung im Projektgebiet. Die Verteilung erfolgte in Kooperation mit einer lokalen Bank. Die einmalige Auszahlung erfolgte jeweils für 100 Begünstigte gleichzeitig. Diese wurden von der Bank im Vorfeld über den Zeitpunkt der Auszahlung informiert.