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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

38. Vortrag
4.
Und was sagte der Herr zu ihnen, die da so irdisch dachten? „Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von unten“. Ihr denket deshalb irdisch, weil ihr wie die Schlangen Erde esset. Was heißt das: Ihr esset Erde? Ihr nährt euch vom Irdischen, ihr labt euch am Irdischen, ihr verlangt nach Irdischem, ihr richtet das Herz nicht nach oben. „Ihr seid von unten, ich bin von oben. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.“ Denn wie sollte der von der Welt sein, durch welchen die Welt geworden ist? Alle sind von der Welt, die nach der Welt sind, weil zuerst die Welt war und so der Mensch von der Welt ist; zuerst aber war Christus, dann die Welt; denn vor der Welt war Christus, vor Christus nichts; denn „im Anfang war das Wort, alles ist durch dasselbe gemacht worden“. So also war jener von oben. Von welchem Oben? Von der Luft? Das sei ferne; dort fliegen auch die Vögel. Von dem sichtbaren Himmel? Auch das sei ferne, dort kreisen auch die Sterne und die Sonne und der Mond. Von den Engeln? Auch dies dürft ihr nicht meinen; durch ihn sind auch die Engel gemacht, durch den alles gemacht ist. Von welchem Oben also ist Christus? Vom Vater selbst. Nichts ist höher als jener Gott, welcher das Wort gezeugt hat, das ihm gleich ist, gleichewig, eingeboren, zeitlos, um durch dasselbe die Zeit zu gründen. So also verstehe Christus von oben, daß du in deinen Gedanken alles Geschaffene übersteigst, die gesamte Kreatur durchaus, jedes körperliche Wesen, jeden geschaffenen Geist, jedes wie immer veränderliche Ding; [S. 573] all das übersteige, wie es Johannes überstiegen hat, um dorthin zu gelangen: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“.