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Michael Iten
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 6. Oktober 1909
Priesterweihe: 20. Oktober 1912
Primiz: 22. Oktober 1912
Kaplan in Melchtal: 1912–1953
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Bruder: Br. Johann Baptist Iten
Lebensbeschreibung[1]
Jakob Iten wurde am 2. Mai 1879 auf dem Hof Loretto ob Zug als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Erst im Alter von einundzwanzig Jahren entschloss er sich für eine weitergehende Schulbildung und trat im Herbst 1900 in Engelberg in die erste Klasse ein. Es war für den stämmigen jungen Mann eine Leistung, sich mit einer Schar zappeliger Buben auf die gleiche Schulbank zu setzen und mit der ersten lateinischen Deklination ein langjähriges Gymnasialstudium beginnen. Er tat sich nicht leicht mit dem Lernen. Es gab darum für ihn manche harte Nuss zu knacken; besonders die Sprachen, die alten wie die neuen, machten ihm Mühe. Aber er hielt tapfer durch.
Seine praktische Begabung stellte Iten im Kollegileben immer wieder unter Beweis. Er war ein Eisbahnmeister von unbestrittener Autorität und war einer der ersten seiner Klasse, die Ski fuhren. Zu Beginn der sechsten Klasse wurde er Klassenvorstand. Er führte als solcher ein strammes Regiment, organisierte mit Sicherheit Vakanztage und Vespertrünke und stellte gelegentlich, wenn ein unverbesserlicher Raufbold nicht parieren wollte, auch seine physische Überlegenheit in den Dienst der Autorität. Sein gutes Schauspielertalent und seine Tenorstimme verschafften ihm Rollen auf der Studentenbühne. Seine Gymnasialbildung schloss Jakob in Schwyz ab. Nach der Matur zog er für ein Jahr die Universität Freiburg im Breisgau, wo er an der juristischen Fakultät praktische Fächer belegte.
Zwar stand sein Entschluss, Priester und Ordensmann zu werden, fest aber er wollte beim Gang ins Kloster möglichst viel brauchbare Kenntnisse mitbringen. Im September 1908 trat Iten ins Noviziat in Engelberg ein. Es brauchte dazu wieder viel Mut und Entsagung, denn er war bereits in einem Alter, das die Erfüllung der vielen kleinen Pflichten und Aufgaben eines Novizen fühlbar erschweren kann. Die theologischen Studien machte Fr. Michael im Kloster. Im Oktober 1912 konnte Fr. Michael seine feierliche Profess ablegen. Kurz darauf folgte die Priesterweihe am 20. Oktober 1912 durch Bischof Georg Schmid von Grüneck.
Nach der Primiz, die am 22. Oktober 1912 stattfand, trat P. Michael den Posten eines Wallfahrtspriesters im Melchtal (Pfarrei Kerns) an, wo das Kloster Engelberg seit 1868 die Seelsorge ausübte. Am Allerseelentag - es war ein Samstag - brachte der Kilchherr von Kerns seinen neuen Filialkaplan im Zweispänner zum Heiligtum U. L. Frau, wo er in Gegenwart einer Schar herbeigeeilter Melchtaler als Seelsorger begrüsst wurde und tags darauf, am Sonntag, seine erste Predigt hielt. Der Posten des Wallfahrtspriesters war kein Ort der Ruhe: Das Melchtaler Gnadenbild der Muttergottes zog damals zahlreiche Pilger an, vor allem an Sonn- und Festtagen der Sommermonate. In den Gasthöfen des Dörfleins gingen viele Kurgäste aus und ein, die wenigstens zum Teil die religiösen Überzeugungen der örtlichen Bevölkerung teilten und gern den Gottesdienst im Heiligtum besuchten.
Unter P. Michaels Ägide wurde die Wallfahrtskirche neu gebaut. Schon während der Geldbeschaffung, die er selbst vorantrieb, und erst recht nach Eintritt einer gesicherten Finanzlage begann die Planung und Vorbereitung des Werkes. P. Michael gründete 1918 einen Kirchenbauverein und trat mit Herrn Architekt Steiner in Schwyz in Verbindung. Es war nicht immer einfach, die Ideen des Bauherrn mit denen seiner Berater in Einklang zu bringen. In mancher Hinsicht hatte er seine eigenen Auffassungen: So war es ihm zum vornherein klar, dass an der "Himmletzen" seines neuen Gotteshauses sämtliche Melchtaler Berg- und Talblumen in Form von Stuckaturen die Muttergottes grüssen sollten. 11. Juli 1926 wurde der Grundstein gelegt und am 9. September 1928 konnte die Kirche in neubarockem Stil eingeweiht werden.
Die Filiale Melchtal stand rechtlich im Abhängigkeitsverhältnis zur grossen Pfarrei St. Gallus in Kerns. Taufen, Eheschliessungen und Abdankungen mussten dort vorgenommen werden. Da aber vor allem die Gänge oder Fahrten der Täuflinge zur fernen Pfarrkirche nicht bloss mit Unannehmlichkeiten, sondern auch mit Gefahren verbunden waren, speziell zur kalten Winterszeit, erbat und erhielt schon P. Heinrich Schiffmann für die Melchtaler Filialkirche das Taufrecht. P. Michael strebte danach, für seine Kirche auch das Recht eines eigenen Friedhofes und die Vollmacht zur Einsegnung von Ehen zu erwirken. Beide Bestrebungen fanden bei den zuständigen Stellen Verständnis und Entgegenkommen. Ein grosser Wunsch wäre die Erhebung der Filiale Melchtal zu einer eigenen Pfarrei gewesen. Dies geschah jedoch erst 1971. Seinem Kloster blieb P. Michael trotz des langen Fernseins von der klösterlichen Gemeinschaft verbunden. Immer freute es ihn, wenn Mitbrüder zu ihm kamen und für sein Schaffen Interesse zeigten; und wenn Mitbrüder starben, so ging es ihm nahe. In jüngeren Jahren kam er nicht selten zu einem Besuch nach Engelberg. Er konnte es fertigbringen, am Morgen früh nüchtern über die Storegg oder das Juchli zu wandern und nachher in Engelberg das Konventamt zu singen.
Bergwanderungen waren ihm die liebste Erholung. Mit den Jahren und Jahrzehnten wurden seine Besuche in Engelberg aber seltener. Vierzig Jahre hatte P. Michael die Kaplanei Melchtal betreut, bevor er am 20. März 1953 starb. Es war darum auch selbstverständlich, dass er innerhalb der Mauern seiner Kirche zur ewigen Ruhe gebettet wurde, in dem Grab, das er zu diesem Zweck hatte bauen lassen.
Werke
- Wallfahrt zur lb. Gnadenmutter in Melchtal, Melchtal 1924.
Professnummer
- Nr. 703
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 39, 1952/53, S. 54-65, übernommen.
Bibliographie
- Nachruf P. Michael Iten, in: Titlisgrüsse 39, 1952/53, S. 54-65.