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Die Frage nach dem idealen Alter einer Hebamme wurde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts kontrovers diskutiert. Während nach traditioneller Meinung der Beginn der Menopause der ideale Zeitpunkt zur Aufnahme der geburtshilflichen Tätigkeit war, wurden im Zuge der staatlich forcierten Professionalisierung der Geburtshilfe (männliche) Stimmen laut, die für eine Verjüngung des Hebammenstandes plädierten. Die aufgeklärten Sanitätsreformer des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts präferierten junge, agile und flexible (ledige) Frauen, die sich der Sanitätshierarchie ein- bzw. unterzuordnen wussten. Der vorliegende Beitrag analysiert am Beispiel der Habsburgermonarchie in einem transregional vergleichenden Ansatz die Entwicklung des Lebensalter-Diskurses im Rahmen der Hebammenausbildung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Dabei werden normative sowie administrative Quellen hinsichtlich ihrer Aussagekraft zur Präferenz eines bestimmten Lebensalters durch die involvierten Interessensgruppen befragt. Der Beitrag zeigt wie Vorstellungen vom «richtigen» Lebensalter in einem spezifischen sozialen und medikalen Raum institutionell beeinflusst bzw. verändert wurden.
Erschienen in: traverse 2017/2, S. 36