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Der grosse Irrtum beim Spengler Cup: Team Canada werde immer schwächer. Die Kanadier sind besser denn je. Aber die Schweizer und Europäer eben auch.
Wir können beim Spengler Cup die Fortschritte des Schweizer Eishockeys am Beispiel von Team Canada aufzeigen. Die Kanadier spielten 1984 zum ersten Mal in Davos. Sie gewannen das Turnier durch einen sensationellen Sieg im letzten Spiel gegen den himmelhohen russischen Favoriten Chimik Woskresensk. Die Leitwölfe in diesem Team waren zwei Spieler aus der NLB. Kelly Glowa und Rob Plumb vom EHC Dübendorf.
Bis vor zehn Jahren war praktisch jeder kanadische Ausländer aus der Nationalliga beim Spengler Cup ein Star. Und Team Canada entsprechend konkurrenzfähig. Der HC Davos konnte nur dank einem sogenannten «Verstärkungsblock» mithalten. Das waren in der Regel fünf NLA-Ausländer.
Heute spielen die Kanadier auf Augenhöhe mit den Schweizern. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Sie verloren das erste Spiel gegen Davos 1:2 und die Kritiken sind vernichtend. Von «Mogelpackung» im Dress mit dem Ahornblatt (NZZ) bis zu schleichendem Qualitätsverlust und Prognosen über eine düstere Zukunft reichen die Beurteilungen. Waren 1984 die NLB-Ausländer Kelly Glowa und Rob Plumb Lichtgestalten, so wurde Langnaus NLB-Topskorer Chris DiDomenico beim Auftaktspiel gegen den HC Davos gar nicht erst eingesetzt. Die Ergänzungsspieler aus der AHL hatten in dieser ersten Partie sogar Mühe mit dem Tempo.
Die Schweizer haben inzwischen die NHL erobert. Noch zu Beginn der 1990er Jahre gab es keine Schweizer in der wichtigsten Liga der Welt. Die Schweizer haben 2013 das WM-Finale erreicht. Noch in den 1990er Jahren spielten sie in der B-WM. Noch in den 1990er Jahren hatten NLA-Mannschaften gegen Teams aus Schweden, Finnland, der Sowjetunion oder der CSSR nicht den Hauch einer Chance.
Heute sind Siege unserer NLA-Teams gegen Mannschaften aus Russland, Skandinavien oder Tschechien so normal wie Schneefall in Davos. Die ZSC Lions haben 2009 die Champions Hockey League gewonnen und den späteren Stanley-Cup-Sieger Chicago gebodigt. Auch Zug hat schon gegen einen NHL-Titanen (NY Rangers) ein Vorbereitungsspiel gewonnen.
Der langen Analyse kurzer Sinn: Das Schweizer Hockey hat eine stürmische Entwicklung hinter sich. Die NLA ist eine der schnellsten und besten Ligen ausserhalb Nordamerikas. Spieler, die in der NLA dominieren, können in der NHL mithalten. Die KHL entwickelt sich trotz aller wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten nach und nach zu einer Liga, die selbst die NHL ernst nehmen muss.
Team Canada ist heute ausgeglichener besetzt, robuster und besser als noch vor zehn Jahren. Aber Team Canada besteht eben immer noch grösstenteils aus Spielern, die es nicht in die NHL geschafft haben. Heute gilt: Wenn einer in der NHL nicht eine wichtige Rolle spielt, dann kann er in der NLA (und am Spengler Cup) nicht mehr nach Beliegen dominieren. In der NLA-Skorerliste finden wir mit Pierre-Marc Bouchard und Marc-Antoine Pouliot nur noch zwei Kanadier unter den Top Ten und nur einer davon (Pouliot) spielt für Team Canada beim Spengler Cup.
Team Canada ist und bleibt ein zentrales Element beim Spengler Cup. Die Mannschaft ist stärker als bei ihrer ersten Teilnahme 1984 und war nur in den zwei Jahren mit dem NHL-Lockout noch besser als heute. Aber die NLA ist eben noch besser geworden und damit hat Team Canada eine andere Rolle. Nicht mehr die eines Favoriten. Sondern die eines ganz gewöhnlichen Turnierteilnehmers. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.