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«Paradiso» - die allererste Aufführung im Gare du Nord
Am 28. Februar 2002 wurde der «Gare du Nord – Bahnhof für Neue Musik» mit der Uraufführung von ‹Paradiso› eröffnet. Dies war ein gemeinsames Projekt des in Berlin lebenden amerikanischen Komponisten Sidney Corbett und der Schauspielerin Verena Buss. Grundlage dieses musikalisch-szenischen Abends bildete der dritte Teil aus Dantes ‹Göttlichen Komödie›. Für das Stück wurden die verschiedenen Räumlichkeiten des ehemaligen Bahnhofbuffets ins Geschehen einbezog. Der damals noch unrenovierte Wartesaal diente als Fegefeuer und der Konzertsaal verwandelte sich ins Paradies.
Während ihrer Vorbereitung, die gesamte ‹Göttlichen Komödie› am Schauspielhaus Zürich zu lesen, lernte Verena Buss Sidney Corbett kennen und es entstand der gemeinsame Wunsche, eine musikalische Fassung des Werkes zu erarbeiten.
Corbett stellte sich als Komponist die Frage, wie es überhaupt möglich sein könnte, ein Werk von solcher Vollkommenheit wie ‹Divina commedia› in einer anderen Gestalt zu zeigen, ohne dabei die Integrität des Originals zu verletzten. Von Anfang an war ihm klar, dass eine Form gefunden werden müsste, bei der Texte und die Musik autark für sich in ihren eigenen parallelen Universen ablaufen und dennoch miteinander im Diskurs bleiben können. Aus dieser Überlegung kristallisierte sich eine neue Form heraus zwischen Lesung, Konzert und Musiktheater.
Als Klangkörper für die Komposition wählte Corbett das Streichquartett Tetra Quartett mit Mariana Doughty, Marianne Aeschbacher, Tobias Moster und Egidius Streiff. Die Streichquartettmusik basierte ausschliesslich auf den Gesängen des dritten Teils der ‹Göttlichen Komödie›.