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Nikotin-Verdampfer oder E-Zigaretten sind in der Schweiz verboten. Sie könnten jedoch ein sehr wertvolles Mittel zur Entwöhnung und Risikoreduktion sein. Auf der anderen Seite gilt es, eine Vermarktung als Einstiegsdroge zu verhindern.
Dampf statt Giftbomben
Viele der negativen Effekte des Rauchens stammen von der Verbrennung des Tabaks: Kohlenmonoxid, diverse krebserregende Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle werden rasch freigesetzt und in hohem Masse aufgenommen.
Die Anwendung des Nikotins mit Hilfe von Wasserdampf würde eine deutliche Senkung der "Giftlast" ermöglichen. Bestehen bleiben würden jedoch weiterhin die Wirkungen des Nikotins: Erhöhter Blutdruck, Verschlechterung der Durchblutung und Abhängigkeit.
Wissenschaftliche Fürsprecher
Aufgrund der pragmatischen Risikoreduktion plädieren Ärzte für den begleiteten und, wenn man so will, medizinisch kontrollierten Einsatz von Nikotinverdampfern. In vielen Ländern Europas sind Nikotinverdampfer analog zu Tabakwaren frei verkäuflich. In der Schweiz sind sie verboten, zugelassen sind nur Nikotinprodukte als Arzneimittel, zudem gibt es nikotinfreie Dampfzigaretten.
Public Health England präsentierte eine Übersichtsarbeit, gemäss welcher die Risiken des Rauchens um bis zu 95% reduziert werden könnten, wenn Dampfinhalatoren statt Zigaretten genutzt würden. Entsprechend wird gefordert, den Nutzen dieser Konsumform klarer zu kommunizieren. Allerdings sind auch Verdampfer nicht harmlos: Aus den Heizelementen lösen sich Schwermetalle, welche mit dem Dampf eingeatmet werden.
Türspalt für eine Einstiegsdroge?
Skeptiker, die in der Schweiz momentan die Überhand haben, befürchten jedoch eine Verharmlosung des Nikotins, wenn Nikotinverdampfer zugelassen werden. Ein Problem gibt es bereits mit der Wasserpfeife (Shisha), welche von den Konsumenten als harmloser wargenommen wird, obschon sie ebenso schädlich ist wie normales Rauchen.
Obschon Nikotinverdampfer einen gesundheitlichen Nutzen haben könnten, bleibt die Gefahr, dass nicht-medizinische Anbieter mit der Vermarktung eine möglichst starke Verbreitung in der Bevölkerung anstreben möchten. Entsprechend besteht die Gefahr, dass diese Produkte nicht nur als Entwöhnungsmittel, sondern als ungefährliches Lifestyle-Produkt angepriesen werden.
Rauchstopp bleibt eine medizinische Priorität
Nach wie vor ist Rauchen der grösste Risikofaktor und zwar für praktisch das ganze Spektrum an Krankheiten. Eine neue Studie zeigt, dass Raucher mit ein bis zwei Zigaretten täglich schon ein halb so grosses Risiko für zahlreiche Erkrankungen aufweisen wie diejenigen Raucher, die täglich eine ganze Packung rauchen.
Doch der Rauchstopp bleibt für Betroffene ein schwieriges Unterfangen. Bis zu 30 Versuche können bis zum Erfolg nötig sein. Entsprechend sollten auch Möglichkeiten genutzt werden, die bisher eher im Hintergrund standen, weil sie weitab von den medizinischen Fachpersonen vertrieben wurden. Angesichts der Realität, dass diese Produkte heute schon fleissig im Ausland gekauft werden, sollte auch in der Schweiz eine Lösung angestrebt werden, in denen wenigstens ein kontrollierter Zugang möglich wäre.
Autor:
Florian Sarkar, eidg. dipl. Apotheker
Quellen:
Doctors should state clearly that vaping is much lower risk than smoking, says report
BMJ 2018;360:k575, doi: https://doi.org/10.1136/bmj.k575
Olmedo P. et al: Metal Concentrations in e-Cigarette Liquid and Aerosol Samples: The Contribution of Metallic Coils. Environmental Health Perspectives, Feb 2018 128, 2. https://doi.org/10.128/EHP2175
Low cigarette consumption and risk of coronary heart disease and stroke: meta-analysis of 141 cohort studies in 55 study reports. BMJ 2018; 360 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.j5855