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Übungen, die Drehungen, Verschraubungen und Windungen, die biegen, wirbeln, wellen, absinken und aufsteigen beinhalten, werden oft mit den natürlichen Bewegungen von Schlangen und somit auch Drachen in Verbindung gebracht. Viele Qigong-Formen, Übungsabfolgen wie auch spezifische Qigong-Bewegungen werden als „Drachen“-Formen, Sets oder Übungen bezeichnet.
Die Sechs-Drachen-Übung ist eine Komposition aus sechs Übungen, welche nahtlos ineinander übergehen. Dieses Set mit seinen sechs Elementen kann als Qigong des Baguazhang angesehen werden. Eine dynamische und energetische Praxis, die den physischen Körper initiiert und energetische Verbindungen herstellt, um das Erlernen von Baguazhang zu ermöglichen und zu erleichtern. Baguazhang ist eine der inneren Kampfkünste, die sich durch viele Drehungen, Verwindungen, kreisende und spiralförmige Bewegungen auszeichnet und Positionen und Bewegungen beinhaltet, die als „Drachen“ bezeichnet werden.
Der Drache – Symbolik aus Ost und West
Manche Menschen haben die falsche Vorstellung, dass der chinesische Drache ein Symbol des Bösen ist. Dieses Missverständnis rührt von der westlichen Mythologie her, nach der Drachen fast immer böse, bedrohliche, feuerspeiende Ungeheuer sind, die Mädchen entführen, Verwüstung anrichten, Juwelen stehlen und vom tapferen Helden besiegt werden müssen. In der östlichen Kultur haben die Drachen eine ganz andere Bedeutung. Im Osten ist der Drache ein positives Symbol, das mit Regen und Stürmen, Gewässern, Glück und Wohlstand assoziiert wird. Der himmlische Atem des Drachens, Sheng Qi genannt, gilt als die Essenz des Lebens. Der Drache, als eine mystische Kreatur, hat die Charakteristik mehrerer Tiere: einen Kopf wie ein Kamel, Hörner wie ein Hirsch, Augen wie ein Hase, Ohren wie ein Stier, eine Mähne wie ein Löwe, Schnurrhaare wie ein Wels, einen Körper wie eine Schlange, Schuppen wie ein Karpfen und Krallen wie ein Adler.
Das Attribut des Drachens ist eine Perle, die in den Klauen des Drachens gehalten wird oder zwischen zwei spielenden Drachen schwebt. Es wird angenommen, dass sie eine symbolische Darstellung der „heiligen Perle“ der Weisheit oder der reinen Yang-Energie ist. Die Symbolik der Perle hat ihre Wurzeln in der daoistischen Tradition. Die Perle steht meist für „Wahrheit“ und „Leben“ – vielleicht sogar für ewiges Leben, das demjenigen zuteil wird, der die Wahrheit erkennt und Erleuchtung erlangt. Die Drachenperle kann auch als Symbol für das universelle Qi gesehen werden, die Quelle aller Energien und Schöpfung.
Es ist interessant, dass der heute gebräuchliche, moderne Ausdruck „geomantische Linien“ seinen Ursprung in der Zeit der Kelten hat und aus der alten Praxis der Druiden stammt, die nach günstigen Ley-Linien des Landes suchten. Die Druiden, die Priester und Hellseher der Kelten waren, glaubten, dass die Anwesenheit und die Bewegungen der Drachen den Fluss der kosmischen Energien in der physischen Welt beeinflussten. Für die Kelten symbolisierten Drachen die Schätze des Unterbewusstseins sowie übernatürliche Kräfte. Drachen waren auch die Wächter der Geheimnisse des Universums. Gebiete, in denen sich Drachenpfade kreuzten, in denen Drachen lebten oder rasteten, galten als mächtiger als die umliegenden Gebiete. Diese geomantischen Linien wurden auch „Drachenpfade“ genannt. Sie beschrieben, wie kosmische Kräfte durch die Erde flossen und wie diese Kräfte ein Gebiet beeinflussten. Druiden zeichneten Karten dieser Linien, um den Menschen die besten Orte zu zeigen, an denen sie das Land kultivieren, einen Tempel oder ein Haus bauen konnten, um die Energie der Drachen zu nutzen.
Erst als das Christentum aufkam, begann man, Drachen als böse zu betrachten. Die christliche Kirche verstand es, den Glauben und die Traditionen der Einheimischen zu übernehmen um sie zu ihrem eigenen Vorteil zu manipulieren. Dabei nutzte sie jede Möglichkeit, um die Menschen für ihre Religion zu gewinnen, vom Bau von Kirchen an alten heidnischen Stätten bis hin zur Darstellung des heidnischen Drachens als Verkörperung des Bösen, der dann vom christlichen Helden besiegt wird. Im Westen muss der Drache getötet werden – wie es der heilige Georg tat. Im Osten steht der Drache für Glück und Wohlstand. Aber wofür stehen die Energie des Drachens und seine Perle wirklich? Ist die symbolische Tötung des Drachens nicht sowohl allegorisch als auch buchstäblich unser Abschneiden von der grundlegenden, wertvollsten Energie, unserem Jing, der Essenz des Lebens, der sexuellen Energie, der Energie der Kreativität?
Der Drache im I Ging, dem Buch der Wandlungen
Im I Ging, dem Buch der Wandlungen, besteht das erste Hexagramm, Ch’ien, „Das Schöpferische, der Himmel“, aus sechs durchgehenden Linien, den Yang-Linien. Die Yang-Energie wird durch das Bild eines Drachens symbolisiert, der in der Regel für eine mächtige, natürliche Kraft steht. Die Energie des Himmels zeigt sich als nicht fixierbar, im Raum unbegrenzt und wird daher als unaufhörliche Bewegung verstanden. Sie ist zum Beispiel die Energie, die den Wechsel der Jahreszeiten und die sich daraus ergebenden Transformationen antreibt.
Wir Menschen verlieren durch erworbene Konditionierungen und unsere Gewohnheiten, den Kontakt zu dieser wahren, natürlich fließenden, reinen Yang-Energie – der wahren Lebendigkeit. Man kann sagen, dass das Himmels-Hexagramm in seinen sechs Linien sechs Drachen beschreibt, den inneren Entwicklungsprozess in sechs Schritten, wobei jeder erreichte Schritt Vorbereitung, Initiation und Grundlage für den nächsten wird. Das gleiche Muster zeigt sich in der Sechs-Drachen-Übung.
Sechs-Drachen-Übungspraxis
In der Übungsform “Sechs Drachen” hat jeder Drache eine eigene Persönlichkeit und Kraft, und ein Drache geht fliessend in den nächsten über. In diesem kontinuierlichen Fluss von einer Bewegung zur nächsten formen sich Sehnen, Bänder, Gewebe und Wirbelsäule. Die Übungen schaffen und stärken auf alle möglichen Weisen Verbindungen im Körper und fördern die Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften. Das gesamte System des Körpers wird verbessert, die Gesundheit wird wiederhergestellt. Langsam löst sich aus Körper und Geist, was einer freien, leichten und fließenden Bewegung im Wege steht. Es entsteht ein innerer Raum, ein Raum zwischen den beiden mächtigen Kräften des Himmels und der Erde, als Basis für jede Bewegung. Die ersten drei Drachen (-Übungen) zielen auf Koordination und Organisation, während die letzten drei Übungen (Drachen) die Physis und die Ausdauer aufbauen. Durch Erfahrung und Übung wirst du Einsicht in die Natur jeder Bewegung, jedes Drachens gewinnen. Die sechs Drachen vereinigen sich zu einem Ganzen, in kontinuierlicher, nahtloser Metamorphose.
Zen-Gleichnis über einen Drachen
Es gibt eine chinesische Volkserzählung über den „wahren Drachen“, die von unzähligen Lehrern als Gleichnis übernommen wurde. Hier ist die Geschichte:
„Yeh Kung-tzu war ein Mann, der Drachen liebte. Er studierte die Drachenkunde und schmückte sein Haus mit Bildern und Statuen von Drachen. Er erzählte jedem, der ihm zuhörte, immer wieder von Drachen. Eines Tages hörte ein Drache von Yeh Kung-tzu und dachte, wie schön, dass dieser Mann uns zu schätzen weiß. Es würde ihn sicher glücklich machen, einen echten Drachen zu treffen. Der freundliche Drache flog zu Yeh Kung-tzus Haus und ging hinein, um Yeh Kung-tzu schlafend vorzufinden. Da wachte Yeh Kung-tzu auf und sah den Drachen, der sich neben seinem Bett zusammengerollt hatte und dessen Schuppen und Zähne im Mondlicht glitzerten. Yeh Kung-tzu schrie vor Angst. Bevor der Drache sich vorstellen konnte, ergriff Yeh Kung-tzu ein Schwert und stürzte sich auf den Drachen. Der Drache flog davon.“
Viele Generationen von Chan- und Zen-Lehrern, einschließlich Dogen, haben die „wahre Drachengeschichte“ in ihren Lehren erwähnt. Zum Beispiel schrieb Dogen im Funkanzazengi: „Ich bitte euch, edle Freunde, die ihr durch Erfahrung lernt, gewöhnt euch nicht so sehr an Bilder, dass ihr vom wahren Drachen erschreckt werdet.“ Als Allegorie kann die Geschichte auf viele Arten interpretiert werden. Sie kann z. B. jemanden beschreiben, der Angst hat, die Selbstanhaftung loszulassen, um das wahre Wissen, die Erkenntnis zu erlangen. Oder…?
Fühle dich eingeladen zu unserem Sommer-Retreat „Six Dragons Exercise“ im August:
https://path-of-dao-qigong.ch/angebot/retreats/sechs-drachen-uebung/