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Wie der Bostoner Polizeichef Edward Davis gegenüber der 'Washinton Post' erklärt hat, hat automatische Gesichtserkennung bei der Aufklärung des Bombenanschlags beim Bostoner Marathon keine Rolle gespielt. Das vorhandene System habe die beiden Täter im analysierten Videomaterial nicht erkannt, obwohl ihre Gesichter im System gespeichert waren. Das Hauptproblem war dabei wohl, dass die Vorlagebilder von Dzhokhar und Tamerlan Tsarnajev in hoher Qualität gespeichert waren, während die Videos hauptsächlich von Überwachungskameras stammten und von niedriger Qualität waren.
Die Polizei musste die vielen Stunden an Videomaterial daher in ganz klassischer Polizeimanier selbst durchsehen - teilweise immer und immer wieder. Ein Agent, so Davis, habe sich die gleiche Szene rund 400 Mal angeschaut. Ziel war es, aus dem von verschiedenen Kameras stammenden Material eine zeitliche Sequenz der Bewegungen und Aktionen von möglichen Verdächtigen zu erstellen. Nach rund zwei Tagen habe man sich dann auf zwei Männer konzentrieren können, die sich zuerst mit schweren schwarzen Taschen in die Zuschauer nahe der Ziellinie mischten und den Tatort später ohne diese Taschen wieder verliessen.
Weitere Polizeivertreter, die allerdings anonym bleiben wollten, kritisierten gegenüber der 'Post' zudem die Bemühungen der User von sozialien Medien wie Reddit. Diese hatten versucht, die vielgepriesene "Schwarmintelligenz" der sozialen Medien zu nützen, um Fotos, Videos und anderes zu analysieren. Laut den Polizeivertretern brachte dies nicht nur keine nützlichen Hinweise, sondern schadete teilweise sogar. Dies sei sogar ein Mitgrund für die Entscheidung vom Samstag gewesen, Fotos der beiden Männer zu veröffentlichen. Unter anderem habe man damit auch Schaden von anderen Leuten abwenden wollen, die im Internet fälschlicherweise verdächtigt wurden. (hjm)