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Den Schwellenländern geht es so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Dass die Wirtschaft nicht mehr gegen das rückläufige Kreditwachstum ankämpfen muss, zeigt sich nicht zuletzt anhand einiger Fundamentaldaten: Dazu zählen unter anderem die sich stetig verbessernden Einkaufsmanagerindizes sowie die Erholung des Automobilabsatzes. Freundlichere Handelszahlen deuten zudem auf einen Anstieg der Exporte hin. "Die Region profitiert nicht nur von der Belebung des Wachstums, sondern auch von einer sehr guten Erholung der Zahlungsbilanzen. Dies ist sehr wichtig, da die meisten Schwellenländer 2013 noch bedeutende Aussenhandelsdefizite verzeichneten“, sagt Paul McNamara, Investment Director bei GAM. Die Erholung der Industrieproduktion deute zudem darauf hin, dass das BIP-Wachstum weiter anziehen werde. "Zusammen mit der nachlassenden Dynamik in den Industrieländern dürfte dies zu einer Ausweitung der relativen Wachstumskluft führen – ein Faktor, mit dem Schwellenländeranlagen stark korrelieren. Eine Beschleunigung des Wachstums in Schwellenländern führt in der Regel zu einer deutlichen Outperformance von Schwellenländeranlagen, insbesondere bei Lokalwährungsanleihen und Aktien", so der Experte. Die attraktiven makroökonomischen Fundamentaldaten würden daher eine sehr optimistische Ausrichtung der Anlagen rechtfertigen.
Unsicherheit über den Trump-Effekt
Jedoch berge die politische Situation in den USA gewisse Herausforderungen, insbesondere weil diese bereits zu einer höheren und erheblich steileren US-Renditekurve geführt habe. "Zwar ist diese eher ein Problem für Hartwährungsanlagen als für ihre 'lokalen' Pendants. Sie kann sich aber destabilisierend auswirken und indirekt zu einem Anstieg der Risikoprämien führen“, so McNamara. Auszuschliessen sei auch nicht, dass die protektionistische Agenda der US-Handelspolitik auf etwas umschwenken könnte, das weit über die reine Verteufelung mexikanischer Unternehmen hinausgehe. "Dies könnte in einem breiteren Angriff auf die Welthandelsorganisation (WTO) münden. Da die Schwellenländer am meisten von der Globalisierung profitieren, wären die Folgen für Schwellenländeranlagen sehr negativ."
Sollte der neue US-Präsident alle seine Wahlversprechen erfüllen, könnten Schwellenländeranlagen laut McNamara um 20 Prozent fallen. Gelänge es ihm dahingegen nicht, im Kongress die erforderliche Unterstützung für die kontroverseren Komponenten seiner Agenda zu erhalten, könnten Schwellenländeranlagen dank der robusten wirtschaftlichen Fundamentaldaten ebenso gut um 25 Prozent oder mehr steigen. "In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass Trump die meisten seiner Ziele verfolgen wird. Dies würde unsere moderate Gewichtung in Mexiko rechtfertigen, für dessen Märkte wir ansonsten eine sehr starke Kaufempfehlung aussprechen würden. Mexiko ist dem Trump-Risiko wesentlich stärker ausgesetzt als alle anderen Länder. Dieses Risiko lässt sich jedoch nur schwer verallgemeinern und absichern. Deshalb halten wir einen konservativen Ansatz für angebracht", erläutert McNamara.
Europa-Risiko überschätzt
Aktuell bestehe ausserdem die Sorge, dass ein überraschendes Wahlergebnis in Frankreich zu einer Aufsplittung der Eurozone führen könnte. Die Risiken auf dem europäischen Kontinent werden laut McNamara jedoch überschätzt: "Zwar hat das Jahr 2016 uns allen gelehrt, dass es unsinnig ist, zu viel in Meinungsumfragen hineinzulesen, dennoch ist ein Wahlsieg von Marine Le Pen und ein nachfolgender Markteinbruch aktuell eher unwahrscheinlich. Darüber hinaus sieht es so aus, als hätte die überraschende Allianz zwischen Emmanuel Macron und François Bayrou, einem Veteranen aus drei Präsidentschaftswahlen, der selbst als Kandidat gehandelt wurde, die Wahrscheinlichkeit verringert, dass Le Pen das Amt übernimmt und einen bevorstehenden Austritt Frankreichs aus der EWWU auslöst."
Schwellenländer-Engagements weiterhin empfohlen
Im Hinblick auf die gesamte Schwellenregion gilt der Fokus des Experten primär dem fundamentalen Bild: "Die Wachstumsbelebung hat bereits eingesetzt, und die Zahlungsbilanzen erscheinen grundsolide. Sofern das Worst-Case-Szenario nicht eintritt, das entweder im Anfang vom Ende der Globalisierung oder einer Aufsplitterung der Eurozone bestehen könnte, glauben wir, dass sich Schwellenländeranlagen in diesem Jahr ausserordentlich gut entwickeln dürften." Die Einbeziehung von Schwellenländer-Engagements in Anlageportfolios hält der Experte daher nach wie vor für sinnvoll. Anlegern bleibe je nach Stärke des persönlichen Nervenkostüms offen, trotz der wahrscheinlich hohen Volatilität eine Long-only-Strategie zu verfolgen, um ihre Rendite zu maximieren – oder das stabilere Renditeprofil einer Long-Short-Strategie vorzuziehen. "Dies ist letztlich eine Frage der Risikobereitschaft, doch in einem derartig turbulenten Umfeld spricht anstelle eines passiven, indexierten Ansatzes vieles für Strukturen und Lösungen mit einem sorgfältigen Risikomanagement", schliesst McNamara.