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Vorbild New York:
Stadtplanung von Glarus, Topographische Anstalt von J. Wurster und Comp., 1861
«Es brennt, es brennt!» Ein heftiger Föhn trieb in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1861 die Flammen quer durch den Flecken Glarus. Schliesslich lagen 593 Gebäude in Schutt und Asche, mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft war obdachlos. Die Zeitungen aus dem In- und Ausland berichteten ausführlich, aus der ganzen Eidgenossenschaft traf äusserst grosszügige Hilfe über die erst kurz zuvor eröffnete Bahnlinie ein. Doch nicht nur die Behörden fragten sich, wie ein ganzer Kantonshauptort innert nützlicher Frist wieder aufgebaut werden sollte. Die beiden Architekten Johann Kaspar Wolff und Bernhard Simon wussten Rat. Bereits nach wenigen Wochen legten sie ihre Planung vor, deren Basis ein Schachbrettmuster nach dem Vorbild von New York oder La Chaux-de-Fonds war. Aus den Ruinen des Fleckens sollte eine wirkliche Stadt entstehen, die keine Rücksicht auf die bisherige Topografie nehmen würde. Zum Beispiel sollte der Tschudirain, ein Hügel von etwa 23 m Höhe, komplett abgetragen und das Material zum Auffüllen von Geländemulden verwendet werden. Sehr repräsentativ wurden die öffentlichen Gebäude geplant, wie etwa das Gerichtsgebäude am Spielhof oder die Kirche. Der westorientierte Plan aus der Topographischen Anstalt von Wurster & Comp. (Bild) verdeutlichte den Vorschlag der Stadtplaner: Die neuen Häuserblocks sind hellrot dem alten Grundriss überlagert. Selbst für die fernere Zukunft wurde vorgesorgt, indem verbindliche Baulinien für später zu bebauende Quartiere eingetragen wurden. Damit ist dieser Plan eines der raren kartografischen Dokumente des vordigitalen Zeitalters, das die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft gleichzeitig darzustellen versucht. Mehr als 150 Jahre später ist Glarus wesentlich grösser, als dies 1861 vorauszusehen war. Die heutige Innenstadt gilt inzwischen als eine der bedeutendsten städtebaulichen Leistungen des 19. Jahrhunderts in der Schweiz.
Bibliografische Angaben
Plan des alten und neuen Glarus: nach den neuesten Aufnahmen und dem Bauprojekte der Herren Architekten Simon und Wolff. Winterthur: Topographische Anstalt von J. Wurster und Comp., 1861.
Bildauswahl und Text
Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich