Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03196.jsonl.gz/829

Inhalt
Projektbeschreibung
Das Kunsthaus Zürich besitzt seit 1957 ein Exemplar der grossformatigen Bronzeplastik «Sappho» von 1887/1925, ein Hauptwerk des bedeutenden französischen Bildhauers Antoine Bourdelle (1861-1929). Aufgrund seiner langjährigen Positionierung im Freien bedurfte das Werk dringend der Restaurierung, die 2013 dank einer Unterstützung der Stiftung BNP Paribas Schweiz durchgeführt werden konnte.
Der aus Südwestfrankreich stammende Bildhauer Antoine Bourdelle (1861-1929) bildet mit Auguste Rodin und Aristide Maillol das Dreigestirn der frühmodernen französischen Plastik.
Bourdelle, der bereits zu Lebzeiten weltweite Anerkennung erfuhr, hat von intimen, kleinformatigen Arbeiten bis zu grossen öffentlichen Auftragsarbeiten alle Formate gepflegt. Sein Hauptthema ist die beseelte, bis in die kleinsten Details der Form kraftvoll durchgestaltete menschliche Figur. Nicht selten widmen sich seine Werke dabei dem Mythologischen sowie dem Künstlerischen im engeren Sinne.
Beim Werk «Sappho» handelt es sich um eine monumentale Darstellung der grössten Dichterin der Antike, Sappho (spätes 7. bis frühes 6. Jh. v. Chr.). Wir sehen sie, eine grosse Lyra bei sich, auf einer kleinen Erhöhung kauern. Vom hochgereckten grossen rechten Zeh bis zur nach oben gehaltenen rechten Hand ist ihre ganze Gestalt von einer starken Spannung erfüllt, die sich auch in den Falten ihres Kleides manifestiert. Sapphos grosses Thema ist die Liebe – und die Verehrung für die Liebesgöttin Aphrodite, die sie den Menschen bringt: «Unsterbliche Aphrodite auf buntem Thron», schrieb sie, «Tochter des Zeus, die Listen spinnt / Ich rufe Dich an: / Beuge, Herrin, meinen Lebensmut nicht mit Kummer und Trauer. / Sondern komm‘ zu mir …»
Bourdelle beschäftigte sich mehrere Male mit seiner Sappho-Komposition. Eine erste Fassung, nur 28 cm gross, entstand 1887. 1924 realisierte Bourdelle eine Bronze von 70 cm Höhe. Im Jahr darauf dann die in 7 Güssen existierende monumentale Bronze, die wir hier vorstellen. Das im Kunsthaus aufbewahrte Exemplar stand mehrere Jahrzehnte lang im Freien. Seine Patina hat dadurch stark gelitten, weshalb das Werk dringend restauriert werden musste. Die Restaurierung wurde 2013 durchgeführt. Wieder instand gesetzt und mit einem entsprechenden Oberflächenschutz versehen, kann das Werk zunächst innerhalb der bestehenden Lokalitäten des Kunsthauses wieder zugänglich gemacht werden.
Im Rahmen der Kunsthaus-Erweiterung böte sich dann aber eine besonders prominente Platzierung im «Garten der Kunst» an, der im Rahmen des Bauprojekts von David Chipperfield Architects eine wichtige Rolle spielt. Es ist zu hoffen, dass das Werk auf diese Weise wieder seinen Platz in den bedeutenden Beständen französischer (oder in Frankreich entstandener) Plastik zwischen 1875 und 1966 einnehmen kann, für die das Kunsthaus zu Recht berühmt ist.
Die Restaurierung wird unterstützt durch
die Stiftung BNP Paribas Schweiz