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Das Wiederaufarbeitungsmoratorium von radioaktiven Abfällen von 2006 läuft 2016 ab. Was sind die Auswirkungen? Hier die Antwort von Nagra auf eine Anfrage des Vereines Attraktiver Standort Bözberg-West vom August 2014.
Wir bestätigten Ihnen den Eingang Ihres Schreibens vom 13.08.2014 und nehmen nachfolgend gerne Bezug auf Ihre Frage, welchen Einfluss das Moratorium zur Wiederaufarbeitung von hochradioaktiven Abfällen aus dem Jahr 2006 auf die Abfallmenge hat.
Bis zum Moratorium im Jahre 2006 wurde ein Teil der abgebrannten Brennelemente (BE)
aus den Schweizer Kernkraftwerken im Ausland der Wiederaufarbeitung zugeführt. Der
Rückfluss an radioaktiven Abfällen in die Schweiz aus diesem Prozess bestand bis dahin
aus verglasten hochaktiven Abfällen (HAA) und langlebig mittelaktiven Abfällen (WA-MA:
verpresste Hüllrohre und Strukturteile der Brennelemente).
Durch das Moratorium wurden seit 2006 und werden bis mindestens 2016 keine BE aus der Schweiz zur Wiederaufarbeitung transportiert. Dies führte dazu, dass im Entsorgungsprogramm für geologische Tiefenlager und in der Lagerauslegung neben der Einlagerung von HAA und WA-MA, letztere sind dem LMA-Lager als spezieller Teilbereich des HAALagers zugeteilt, auch die direkte Einlagerung von BE ohne Aufarbeitung im HAA-Lager berücksichtigt werden musste.
Die Differenz der Abfallmengen für die Szenarien “keine Wiederaufarbeitung ab 2006” und “alle vorhandenen BE werden der Wiederaufarbeitung zugeführt”, was nach Ablauf des Moratoriums grundsätzlich wieder möglich wäre, bedeutet grob abgeschätzt
• eine Verringerung der verpackten HAA-Abfallmenge von rund 75 % im HAA-Lager
(von rund 8’500 m3 auf 2’100 m3) und
• eine Steigerung der verpackten WA-MA-Abfallmenge von rund 140 % durch die aus der
Wiederaufarbeitung zurückfliessenden WA-MA-Abfälle im LMA-Lager (von ca. 1’500 m3 auf 3’600 m3)
• Die Bandbreite der Abfallmenge für das gesamte HAA-Lager (für HAA, BE, WA-MA) liegt demnach zwischen rund 10’000 m3 ohne weitere Wiederaufarbeitung (8’500 m3
hochaktive Abfälle und 1’500 m3 langlebig mittelaktive Abfälle) und knapp 6’000 m3
(2’100 m3 plus 3’600 m3) bei vollständiger Wiederaufarbeitung.
Wichtig dabei ist, festzuhalten, dass für beide Szenarien sowohl das Platzangebot für die
Lagerbereiche als auch die Eigenschaften der Wirtgesteine robust vorhanden sind bzw.
uneingeschränkt den Anforderungen genügen. Somit ist die sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle in der Schweiz nicht an die Wiederaufbereitung der BE gebunden.
Gezeichnet:
Dr. Markus Fritschi, Bereichsleiter Lagerprogramme, Öffentlichkeit
Philipp Senn, Projektleiter regionale Partizipation
Weitere, ausführliche Informationen finden Sie hier
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiederaufarbeitung