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Die Weltmeisterin von 2017 musste sich der Russin Hanna Prachatsen und der Britin Victoria Thornley geschlagen geben. Gmelin sicherte sich ihre vierte EM-Medaille nach Gold 2018 sowie Silber 2015 und 2019.
Bei Streckenhälfte, nach 1000 m, lag die 30-jährige Zürcher Oberländerin als Vierte noch 1,63 Sekunden hinter Platz 3, ehe sie auf dem dritten Streckenviertel die Niederländerin Sophie Souwer überholte. Den vierten Abschnitt absolvierte sie so schnell wie keine andere, obwohl sie auf den letzten 250 m steuern musste und dadurch an Geschwindigkeit verlor, weil sie die Wellen in die Bojen trieben. Es sei etwas ärgerlich, dass sie deshalb nicht ihr ganzes Potenzial habe ausspielen können, «die Zufriedenheit überwiegt aber auf jeden Fall», sagte Gmelin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Zu Silber fehlten ihr 93 Hundertstel.
Gmelin hatte sich nicht speziell auf die EM vorbereitet, schliesslich sind ihr grosses Ziel die Olympischen Spiele in Tokio. «Der Grobfahrplan stimmt. Der Wettkampf hat mir aufgezeigt, dass alles ziemlich gut funktioniert, an dem ich gearbeitet habe. Das ist gut zu wissen. Nun geht es darum, Details anzuschauen, wo ich noch etwas herausholen kann.» Zum eingehandelten Rückstand auf der ersten Streckenhälfte sagte Gmelin: «Ich habe meinem Rennplan vertraut.» Auf den ersten 1000 m abzugehen, sei eine Strategie, die nichts für sie sei.
So oder so war Prachatsen, die sich wenige Tage zuvor das Olympia-Ticket gesichert hatte und dementsprechend gut auf die EM vorbereitet war, eine Klasse für sich. Die erstaunliche Russin, die Gmelin nicht auf dem Radar hatte, distanzierte die Schweizerin um 7,34 Sekunden. Gmelin ist gespannt auf die weiteren Resultate von Prachatsen. Sie selber reist nun in die Schweiz zurück, um die Vorbereitung auf dem Ägerisee fortzusetzen. Auf die erste Weltcup-Regatta Ende April/Anfang Mai in Zagreb verzichtet sie.
Röösli/Delarze knapp an Podest vorbei
Der Doppelzweier Roman Röösli/Barnabé Delarze verpasste hauchdünn einen Podestplatz. Nach einem starken Finish passierte das Duo die Ziellinie als Vierter mit einem Rückstand von zwölf Hundertstel auf die drittklassierten Briten Graeme Thomas/John Collins. Zu Silber fehlten 23 Hundertstel. Einzig die Franzosen Matthieu Androdias/Hugo Boucheron waren im hochkarätig besetzten Feld ausser Reichweite.
Zwar ärgerte sich Röösli selbstredend darüber, dermassen knapp eine Medaille verpasst zu haben, mit der Leistung war er aber zufrieden. «Unser Rennen war sehr gut, wir kamen gut über die Strecke.» Ausserdem ist die Planung wie bei Gmelin komplett auf Tokio ausgerichtet, weshalb die beiden kein Tapering (Reduktion des Trainingsumfangs vor einem Wettkampf) machten.
«Die EM hat uns bestätigt, auf einem guten Weg zu sein, und motiviert uns für die nächsten Rennen.», sagte Röösli. Der 27-jährige Luzerner hatte zuvor viermal in Serie auf dem EM-Podest gestanden. Mit Delarze gewann er zweimal Silber (2019, 2020) und einmal Bronze (2017). Zudem erreichte er 2018 im Skiff den 3. Platz.
Erneut Platz 5 für Struzina/Schäuble
Der Leichtgewichts-Doppelzweier Andri Struzina/Jan Schäuble, das dritte Schweizer Boot in einem A-Final, klassierte sich wie an der letzten EM im 5. Rang. Darauf lässt sich aufbauen, Mitte Mai wollen sich die beiden auf dem Luzerner Rotsee einen von zwei noch zu vergebenden Olympia-Quotenplätzen sichern. Struzina ist guten Mutes, einen solchen zu holen, wenn es ihnen gelingt, noch synchroner zu rudern. «Es war eine solide, aber keine perfekte Leistung. Wir konnten den Rennplan gut umsetzen», bilanzierte er. Gold ging an die Iren Paul O'Donovan/Fintan McCarthy.
Abgesehen von Gmelin, die nicht mit dem Nationalteam trainiert, bleiben die Schweizer noch für zwei Wochen in Varese. Vor den Olympischen Spielen stehen neben Zagreb noch die Weltcup-Regatten in Luzern (21. bis 23. Mai) und im italienischen Sabaudia (4. bis 6. Juni) auf dem Programm.