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Von einigen Fischarten ist bekannt, dass sie Wasser als Hilfsmittel bzw. Werkzeug einsetzen, um Beute zu machen. Sie bilden mit dem Maul einen Wasserstrahl und schiessen so auf die Beutetiere oder versuchen damit, die Beute aus Spalten oder aus dem Sand zu spülen.
Neben Drückerfischen (Balistidae) und Rochen (Elasmobranchia) sind die bekanntesten Arten für dieses Verhalten die Schützenfische (Toxotes spp.). Sie setzten diese Technik ein, um zielgenau Insekten abzuschiessen, die auf der Ufervegetation sitzen (s.die Zusammenfassung einer Studie in der Bibliothek).
Auch bei Fadenfischen und insbesondere beim Zwergfadenfisch wurde dieses Verhalten beobachtet. Allerdings waren diese Berichte bisher nur anekdotischer Art oder es handelte sich um Studien, die nur mit einzelnen Individuen durchgeführt wurden.
Dabei stellte sich die Frage, ob dieses Verhalten der Fadenfische ähnlich wie bei den Schützenfischen tatsächliche eine Anpassung des Fressverhaltens ist, um sich eine neue Nahrungsnische zu erschliessen, oder ob diese Spuckfähigkeiten eigentlich dem Nestbauverhalten dient, aber auch die Funktion des Nahrungserwerb übernehmen kann.
Spucktraining
Um diese Frage zu beantworten, trainierten Forscher:innen Zwergfadenfische darauf, mit Wasserstrahlen Beute abzuschiessen. Im ersten Trainingsschritt diente eine rote Plastikkugel als Ziel. Trafen die Fadenfische die Kugel, erhielten sie eine Belohnung.
Sowohl Männchen als auch Weibchen lernten, auf die Plastikkugel zu schiessen, was darauf hindeutet, dass dieses Verhalten sich nicht vom Nestbauverhalten der Männchen ableitet.
Weiter lernten die weiblichen Fadenfische sehr schnell, auch auf lebende Beute (Fruchtfliegen, junge Grillen) zu schiessen. Und sie zeigten Ausdauer: Sie schossen solange mit einem Wasserstrahl auf die Beute, bis sie sie trafen und fressen konnten.
Es scheint also, dass die Fadenfische das Schiessen mit Wasserstrahl im Nahrungserwerb durchaus einsetzen können. Wie intensiv sie das tun, ist nicht bekannt, da es nur wenig Informationen zum Fressverhalten von wilden Fadenfischen gibt.
Mit Spucken den Radius erweitern
Im Unterschied zu Schützenfischen, die bis zu 2 Metern hoch schiessen können, erreichen Fadenfische lediglich Höhen von fünf Zentimetern. In der Studie nahm die Treffsicherheit schon bei einer Höhe von drei Zentimetern ab. Zudem waren die Fadenfische weniger motiviert zu schiessen, wenn sich die Beute vier oder fünf Zentimeter über der Wasseroberfläche befand.
Da Zwergfadenfische in stark bewachsenen Gewässern leben (fishbase.org), genügen wohl auch Schüsse aus kurzer Distanz, um an die Beutetiere zu kommen. Alles in allem eine gute Strategie, um an Nahrung zu gelangen, die sie ansonsten nicht erreichen würden.
Im Video der University of St. Andrews sieht man die Versuchsanordnung mit der Plastikugel, die als Ziel im Training diente. Das Fadenfischweibchen hat schnell gelernt, mit einem Wasserstrahl auf die Kugel zu zielen. Trifft es, wird es belohnt.