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Geschichte
Der Bau des Elektrizitätswerkes am Gstaldenbach mit Schwierigkeiten
Nachdem verschiedene Aufträge erteilt waren, begannen die Bau-arbeiten im Frühling 1899. Doch schon am 11. April 1899 mussten die Arbeiten beim Sammelweiher auf der Liegenschaft von J.J. Bänziger im Stöckli sistiert werden. Wie ein Gutachten prophezeit hatte, erwies sich die geologische Beschaffenheit des Bodens als ungünstig. Am Damm traten Senkungen und horizontale Verschiebungen auf. Ein neues Gut-achten von Ingenieur Kilchmann, St.Gallen, enthielt die niederschmet-ternde Nachricht, die Benützung des Weihers sei absolut unmöglich, da das gesamte Terrain in Bewegung sei. Bei grösserer Belastung des Dammes sei eine Katastrophe unausweichlich. Auch beim Stollenbau zur Druckleitung gab es Probleme. Der Unternehmer hatte sich gründ-lich verrechnet; die beiden Bohrungen trafen nicht aufeinander. Für die Verluste im Zusammenhang mit dem nun nicht realisierba-ren Sammelweiher im Stöckli machte das EWH Schadenersatz geltend. Ein Schiedsgericht lehnte die Forderungen des EWH jedoch vollum-fänglich ab. Die Aufwendungen für den Bau des Sammelbeckens waren verloren. So befand man sich an einem toten Punkt. »Es brauchte schon einen starken Optimismus und eine felsenfeste Zuversicht in das Ge-lingen des Ganzen, um die Flinte nicht ins Korn zu werfen«. Über beide Tugenden muss der erste Verwaltungsrat in reichem Masse verfügt haben. In der Zusammenarbeit mit den Ingenieuren Ar-nold und Arthur Sonderegger, welche die Oberleitung über das ganze Projekt übernahmen, kam neuer Schwung auf. Als wichtigste Ände-rung im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen schlugen sie die Er-stellung eines Stauweihers im List vor. Als Variante galt die Neuanlage eines Reservoirs auf Untern, auf der Wiese vor dem Wartheim. Obwohl früher Bedenken gegen einen Stauweiher im List wegen drohender Verschlammung und entsprechender Reinigungsprobleme bestanden hatten, entschied sich der Verwaltungsrat für diese Lösung. Bereits im September 1900 erteilte der Regierungsrat die Konzession für den Bau des Stauweihers im List. Die Bauarbeiten am Stauwehr, an der Drucklei-tung nach Hinterlochen, am Maschinenhaus in Hinterlochen, an den Freileitungen schritten nun endlich voran. In dieser Zeit wurde auch beschlossen, Strom für motorische Kraft zur Verfügung zu stellen.
Hindernisse auch bei der Finanzierung
All die technischen Schwierigkeiten, die unangenehmen Überra-schungen beim Bau und die Projektänderungen zeitigten natürlich ihre Auswirkungen auf der finanziellen Seite. Zudem waren verschiedene Posten ohnehin viel zu tief budgetiert. Ging man anfänglich von Erstel-lungskosten in der Höhe von Fr. 180'000.— aus, so beliefen sie sich nun auf rund Fr. 300'000.—! (4) So stellten die Pessimisten unter den Gesellschaftern an der Gene-ralversammlung vom 19. Juni 1900 — übrigens die erste seit der Grün-dung, wofür der Verwaltungsrat berechtigte Kritik einstecken musste (5) — die Frage, ob nicht ein Anschluss ans Kubelwerk und die Liquidie-rung des Heidler Werkes der beste Ausweg aus der finanziellen Misere wäre. Dieser Antrag fand aber keine Mehrheit. Ganz im Gegenteil er-mächtigten die Aktionäre den Verwaltungsrat, die zur weiteren Mittel-beschaffung nötigen Schritte einzuleiten, damit das Werk vollend werden könne. Die ausserordentliche Generalversammlung vom 14. März 1901 beschloss dann die Emission von Obligationen für den Be-trag von Fr. 140'000.—, verzinslich zu 6%. Die Verwaltung war schon - vor diesem Beschluss mit der Maschinenfabrik Oerlikon, die zur Tilgung ihres Guthabens Obligationen übernehmen sollte, und mit der Eidgenössischen Bank in St.Gallen in Verhandlungen eingetreten. Diese gestalteten sich ausserordentlich zäh und mühsam. Schliesslich forder-te die Bank als Sicherheit für ein Darlehen eine Bürgschaft. Angesichts dieser Forderung sprach man erneut von Verkauf des Werkes, diesmal an die Maschinenfabrik Oerlikon, oder von Liquidierung. Da traten 25 Gesellschafter, darunter mehrere Mitglieder des Verwaltungsrates, als >Retter in der Not< auf und übernahmen die geforderte Bürgschaft. So konnte am 10. Mai 1901 ein Finanzplan unter Dach gebracht werden. • Die Maschinenfabrik Oerlikon nahm Obligationen im Wert von Fr. 30'000.— an Zahlungsstatt; die Eidgenössische Bank in St.Gallen ge-währte ein Darlehen von Fr. 80'000.— gegen eine Bürgschaft in der Höhe von Fr. 60'000.— und gegen Hinterlage von Obligationen im Wert von Fr. 100'000.—. Erleichterung über diese Lösung spricht aus den Worten des Ver-waltungsrates an die Aktionäre im Geschäftsbericht der Gesellschaft vom 15. Juni 1901: »Mögen in wenigen Monaten die elektrischen Licht-strahlen so sonnenhell leuchten, dass die auf dem unvollendeten Werke lastenden Schatten alsobald zu verschwinden beginnen«.
Die Eröffnung des Betriebes - oder: >Ende gut, alles gut!< Dieser Wunsch ging in Erfüllung. Auf den 1. Dezember 1901 fiel die offizielle Eröffnung des Elektrizitätswerkes Heiden. Obwohl keine besondere Feier stattfand, war die Freude über das gelungene Werk gross. »Gelungen ist nun das Werk und sonnenhell leuchtet in milder Ru-he das schöne Licht in unseren Häusern. Ein stattliches Seelein im List, ge-sperrt mit einer starken Mauer, dient uns als vertrauenerweckende Speise-und Reservekammer,« jubelte der Verwaltungsrat im Geschäftsbericht 1902. »Weithin sandten die Bogenlampen ihre Strahlen«, ergänzte der Chronist von 1926. 600 Glühlampen, deren Zahl sich ein Jahr später bereits auf 1827 erhöhte, und 10 Bogenlampen der öffentlichen Be-leuchtung waren dem Werk angeschlossen. >Mehr Licht!< war für Hei-den Tatsache geworden. Die amtliche Kollaudation fand am 26. und 27. Mai 1901 statt. Im Bericht über die Abnahmeversuche an den EWH-Verwaltungsrat resümierte Ingenieur Dr. A. Denzler, Zürich, »dass die elektrische Turbinenanlage auf Grund der befriedigenden Versuchser-gebnisse zur Übernahme empfohlen werden darf«. Bestimmt war der Verwaltungsrat auch froh darüber, nun zu einem etwas ruhigeren Sit-zungsrhythmus übergehen zu können; denn während der >heissen Phase<, in der die technischen und finanziellen Schwierigkeiten zu be-wältigen waren, traf sich das Gremium oft mehrmals wöchentlich! In Zahlen ausgedrückt: Zwischen 1897 und 1901 hielt der Verwaltungs-rat nicht weniger als 145 Sitzungen ab, im Jahresdurchschnitt also de-ren 29! 1902 traf man sich immerhin noch 30 Mal; 1903 verringerte sich die Zahl der Sitzungen auf 19, und 1904 sind nur 4 Verwaltungs-ratssitzungen verzeichnet.
Die Entwicklung der EWH-Eigenproduktion
Kleinkraftwerk Kugler
Konzessionserneuerung - die Zukunft der Eigenproduktion
Partnerschaft mit den St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerken - SAK
Liberalisierung im Strommarkt