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Die Abendschule für Funker, 25 Jahre 1960 – 1985
Während des letzten Weltkrieges, am 9. April 1941, musste der Bundesrat den Entschluss fällen, zur Sicherung der Landesversorgung mit lebenswichtigen Gütern eine eigene Schiffsflotte unter Schweizer Flagge zu betreiben. Dazu haben verschiedene Reedereien mitgeholfen. Schweizer Schiffe durften in diesen Krisenzeiten nicht allein von ausländischen Besatzungen abhängig sein.
Da auch der Flugverkehr zum Erliegen kam, stiegen 6 Funker und 6 Piloten, die bei der Swissair und Radio-Schweiz in Ausbildung waren, nach Erhalt der Flugfunkbrevets in den Schiffsfunk um. Aber noch heute fahren etwa 30 Frachtschiffe verschiedener Reedereien unter Schweizer-Flagge zur See, allerdings mit vorwiegend ausländischer Besatzung.
Das Bedürfnis nach einer schweizerischen Funker-Schule stellte sich, weil in ausländischen Schulen nur in beschränktem Mass Schweizer aufgenommen wurden und auch weil die Schweiz 1-Klass-Funker mit erweiterten technischen Kenntnissen brauchte, die in der Lage waren, den Unterhalt der Schiffsfunkanlagen selbst sicherzustellen.
Gegründet hat die Schule Viktor Colombo 1960 auf privater Basis. Sie wurde 25 Jahre lang zu einem seiner Hobbys. Mitgeholfen haben Freunde, Kollegen und Kolleginnen, oft ebenfalls ohne finanzielle Entschädigung. Das Kursgeld wurde zum grossen Teil für die technischen Anlagen eingesetzt, um das gleiche Niveau wie die Tagesschulen im Ausland anbieten zu können. So bestand mit dem Direktor der Seefahrtschule Bremen ein freundschaftlicher Kontakt und Informationsaustausch.
Der erste Kursabend der Abendschule fand im Frühjahr 1960 mit 2 angehenden Schiffsfunkern in der Wohnung von Viktor Colombo und Heinz Oswald an der Wankdorf-Strasse 101 in Bern statt. Im nachfolgenden Jahr waren es 4 Interessenten für Schiffs- und Amateurfunk, die sich abends im Büro im Büro von Viktor Colombo bei der Generaldirektion PTT, Schwanengasse 10 in Bern, einfanden. Im ersten Lehrjahr wurden weiterhin jeweils auch Sendeamateure ausgebildet, weil in Technik und Morsen der gleiche Lehrstoff wie für Schiffsfunker vermittelt werden musste. Damals wurden für die Sendeamateurprüfung in Technik mehr Kenntnisse als heute verlangt weshalb auch FEAM-Lehrlingen profitieren konnten.
Viktor Colombo erteilte Unterricht in Technik und Morsen bis 60 Zeichen pro Minute. Den Morsekurs für Anfänger übernahm dann während langer Jahre Georges Brantschen, ebenfalls Berufstelegraphist
Heinz Oswald war Berufskollege von Viktor Colombo und selbst zur See gefahren. Er hat während all den 25 Jahren des Bestehens der Abendschule massgeblich zur Ausbildung der Schiffsfunker beigetragen und die angehenden Schiffsfunker im zweiten Lehrjahr in seefunkspezifischen Fächern, wie Konzessionsvorschriften, Radioreglement, Sicherheit zur See, Notverkehr und Morsen bis Tempo 100 Zeichen pro Minute, unterrichtet.
Bald aber wurden es immer mehr Schüler, sodass neue Räumlichkeiten gesucht werden mussten. Einige Jahre wurde der Unterricht im Singsaal des Viktoria-Schulhauses, Viktoria-Platz, Bern, erteilt. Dann stellte die Radio-Schweiz AG der Abendschule ihren Instruktions-raum, ebenfalls am Viktoriaplatz, zur Verfügung. Als dann 1972 das Hochhaus der Forschung und Entwicklung in Ostermundigen bezogen werden konnte, durfte die Schule das Auditorium mit 200 Sitzplätzen benutzen. Waren es Ende der 60er Jahre noch etwa 50 Schüler, stieg die Zahl in den 70er Jahren sogar einmal auf 120 an. Erwähnenswert ist, dass auch mehrere Frauen die Funker-Prüfung bestanden haben und zur See gefahren sind oder noch heute eine Amateur-Funkanlage betreiben
Mit der Zeit wurde der theoretische Unterricht durch eine Ausbildung in der praktischen Funkverkehrsabwicklung sowie der Wartung von Radargeräten und Funkanlagen erweitert. Dazu wurde die Schule auch mit finanziellen Beiträgen von Schweizerischen Reedereien unterstützt. Für die praxisnahe Ausbildung konnten ausgemusterte Funkanlagen wie auch ein See-Radar, die der Schule von Reedereien geschenkt wurden, eingesetzt werden. Allerdings war für die Revision der Anlagen noch ein erheblicher Aufwand notwendig. Das See-Radar auf einem VW-Bus und die betriebsbereite Schiffsfunkanlage mit dem Rufzeichen HBDY an Land im Verkehr mit Bern-Radio werden wohl einmalig bleiben.
Praxisnahe Weiterbildung für Schiffsfunker, Skipper und Sendeamateure
Um das Berufsinteresse, aber auch das Interesse am Hobby als Segler oder Sendeamateur zu fördern Wurde der VW-Bus mit UKW-Funkgeräten ausgerüstet weil ein Betrieb von Funkanlagen in der Stadt problematisch war. Es hatte noch keine Kabel-Fernsehanlagen, weshalb bereits geringe Störungen zu Reklamationen führten. Eingesetzt wurden modifizierte kommerzielle wie auch Eigenbau-Geräte. Für den Funkverkehr der Schule musste eine Bewilligung eingeholt werden. Zusätzlich hat sich Werner Bopp in Gümligen bereit erklärt jeweils abends kleine Gruppen für eine Demonstration von Kurzwellen-Verbindungen zu empfangen.
Verleihung des Dr. H. Duttwyler-Preises
Zum 15-jährigen Bestehen der Abendschule wurde ihr durch das Schweizerische Seeschifffahrtsamt als Anerkennung aus dem Legat des verstorbenen Direktors Dr.H.Duttwyler ein Preis in Höhe von Fr. 5500.- zugesprochen.
Die „Colombo-Universität“
Dieser von den Schulabsolventen geprägte Name war eine Anerkennung für den Einsatz.
Der Lehrkörper der Abendschule, die bereits nach einigen Jahren eine respektable Grösse erreicht hatte und schweizweit, wie auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde, verstärkt werden. So haben temporär weitere Freunde und KollegenInnen mitgewirkt
Zusammenkunft aller an der Schule Mitwirkenden (ca. Ende 1970)
Die Lehrerschaft (Einsatz, Name, Beruf):
Schulleitung und Technik
Viktor Colombo
Direktionsadjunkt Sektionschef Forschung und Entwicklung GD-PTT
Vorschriften und Morsen für Schiffsfunk Heinz Oswald Chef der Radiodienste GD PTT
Peter Kumli
Küstenfunkstelle Bern-Radio
Morsen T60, Amateur-Vorschriften
Georges Brantschen
Chef Pro Radio-Television
Werner Haas
Adjunkt Radiodienst GD PTT
Heinz Sommerhalder
Generaldirektion PTT
Technik, Rechenkurs
Albert Schlaubitz
Forschung und Entwicklung GD PTT
Korrekturen Heimaufgaben
Rösi Schlaubitz
Transistorkurs
Hans-Peter Herren
Sektionschef Forschung und Entwicklung GD PTT
Prakt.Funkverkehr
Werner Bopp
HB9KC Forschung und Entwicklung GD PTT
Radar
Peter Spycher
Ing. Gruppe Rüstung
Prakt.Schiffsfunkverkehr über HBDY
Otto Sykora
Marine Electronics
Kino-Operateur
Fred Laederach
Forschung und Entwicklung GD PTT
Sekretariat
Mariette Colombo
Industrie-Angebote
Leo Volpi Firma VOVOX
Eric Seidl Firma SEICOM
In den 25 Jahren des Bestehens der Abendschule haben rund 120 Schiffsfunker und Schiffsfunkerinnen ihre Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen. Die gleichzeitig laufenden Sendeamateur-Lehrgänge haben über 1000 Teilnehmer mit einem erfolgreichen Prüfungsresultat beendet.
Weiterverbreitung der Schulungs-Idee
Es war eine Genugtuung, dass in der Folge Ausbildungskurse für Sendeamateure auch in anderen Städten wie z.B. Zürich, Basel, Lausanne, usw., basierend auf den Schulungsunterlagen der Funker-Schule Bern, angeboten wurden. Leo Volpi, HB9MHL, bekannt durch seine Firma VOVOX, ergänzte 1970 die Notiz-blätter der Abendschule für Funker, Bern (Kursunterlagen, die jeweils an jedem Kursabend abgegeben wurden) damit Interessenten in der Ostschweiz die Technik im Selbststudium erlernen konnten.
Er verfasste das Werk „Amateurfunk-Technik, Zürichsee, Sektion USKA“. Mitgeholfen haben HB9AEG und HB9ALG sowie HB9ATV, DC9SX, DK9SJ, DL1CU und DF1SK. Die Notiz-blätter bildeten bis für die Prüfung das einfachere „Multiple Choice“ eingesetzt wurde, die Grundlage zu Kursen und wurden auch teilweise in die französische Sprach übersetzt.
Die Inbetriebnahme des automatischen GMDSS
- (Global Marine Distress Safety System) am 1. Februar 1992
- Einführung des GMDSS für alle Schiffe über 300T 1. Februar 1999
- Bern-Radio HEB stellt Morsen ein 27. September 2004
Führungs- und Trägerwechsel nach 25 Jahren
Mit der Satellitentechnik und den Vorarbeiten für das GMDSS (GLOBAL MARITIME DISTRESS AND SAFETY SYSTEM) zeichnete sich ab, dass nach der Einführung dieses vollautomatischen Systems in einigen Jahren keine Schiffsfunker mehr gebraucht werden. Zudem nahm infolge des Handy-Booms und des Internet-Aufkommens auch das Interesse am Amateurfunk ab. Es stellte sich somit die Frage der Weiterführung der Schule.
Im Jahre 1985, hat die Radio-Schweiz AG die Schule in einem reduzierten Rahmen übernommen und in ihre TELECOLE eingegliedert. Später, als die Radio-Schweiz AG ihrerseits von der PTT übernommen wurde, führte der Leiter der TELECOLE, Hansruedi Marti, Münchenbuchsee, die Abendschule privat weiter. Schliesslich erteilte Albert Schlaubitz, HB9BSR, Privatunterricht nach Bedarf. Temporär wurden weitere Ausbildungsmöglichkeiten in kleinerem Rahmen angeboten.
Heute werden Berufs-Funker nur noch für Spezialeinsätze, so zum Beispiel für das Rote Kreuz, das Katastrophenhilfecorps oder die Funküberwachung gebraucht.
Die solide technische Ausbildung bildete verschiedentlich auch für andere Berufe eine gute Grundlage. Davon zeugen die beruflichen Erfolge der Absolventen der Abendschule für Funker in Bern.
Alter Morsetaster (Replika) zum 20-jährigen Abendschul-Jubiläum und Zinnteller mit Signet der Schule zum 25-jährigen Abendschul-Jubiläum
Schliessung der Abendschule für Funker (1960 – 1985)
Anlässlich des Jubiläums-Treffens in Anwesenheit vieler Absolventen der Abendschule wurde die Schule zeremoniell geschlossen und die Weiterführung der Ausbildung, soweit für andere Funker-Einsätze erforderlich, dem Direktor der Radio-Schweiz AG. Herr Direktor Gaston Baggenstos übergeben.
Gründungsjubiläum zum 50sten Jahr
Meeting der schweizerischen Schiffsfunker der Abendschule für Funker auf dem Thunersee 8.11.2009
Begrüssung der «Ehemaligen» und Gäste durch Viktor Colombo
Insbesondere konnte Viktor Colombo als Gäste begrüssen:
- Herr Jean Hulliger, vormaliger langjähriger Direktor des schweizerischen Seeschifffahrtsamtes
- Herr Michael Eichmann, Stab-Chef Wirtschaftliche Landesversorgung,zuständig unter anderem für alle maritimen Belange
- Herr Heinz Merzweiler, Präsident des Trägervereins „Verkehrsdrehscheibe Schweiz“ und „Unser Weg zum Meer“ in Basel. Alt-Comodore des Cruising-Clubs of Switzerland
- Herr Christian Mayer, Swisscom, Projektleiter Neuaufbau des vollautomatischen Betriebssystems für Bern Radio
Infobroschüre
Lehrplan der Abendschule für Funker
Geräte für Morsekurs teilw. Eigenbau mit Reservematerial
Erster Morsekurs 1960
Auditorium der Forschung und Entwicklung
Auditorium FE Technik-Unterricht Viktor Colombo
Technik mit PYWE-Demo-Lehrmaterial
Technikpraktikum
Praktikum
Technik-Lager
Gemeinsamer Bau Heathkit QRP-Sender-Empfängers HW8 als Praktikum
Demo kommerzielle Funkgeräte
Besuch KW-Sender Schwarzenburg
Info im KW-Sender Schwarzenburg
Betriebsbereite Schiffsfunkstation HBDY
Empfänger zur Demonstration
VW-Bus mit Schiffsradar
Inbetriebnahme der Radaranlage
Radar-Bildschirm im Traggestell
Stromversorgung mobil im VW-Bus
Demo der Radaranlage
Notstromgruppe für Mobilbetrieb
Demo eines Rettungsboot-Senders
Die Lehrerschaft
Jubiläums-Andenken 20 und 25 Jahre
Zu weiteren Aktivitäten hier klicken
Aktivitäten (zum Anklicken)
- Viktor Colombo: ein Leben für die Kommunikation
- Werdegang und Beruf
- Projekt Kommunikations-Modellgemeinden
- Küstenfunkstelle Bern-Radio: Produkt-Management und Modernisierung 1995
- Zweites Fernsehprogramm für Berggebiete, Projektleitung
- Gross-Gemeinschafts-Antennenanlage GGA
- Empfangsanlage Geretsried (TV-Kopfstation)
- CM-Elektronik AG
- Funkerschule 1960-1985
- HB9MF: Hobby Kurzwellen-Funkverbindungen
- Sendeamateur mit Rufzeichen HB9MF
- Experimental Amateur Telecommunications Club