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Seit über anderthalb Jahren ist die Welt gebeutelt von den Auswirkungen der Coronakrise. Auch das Filmbusiness wurde direkt getroffen von den zahlreichen Massnahmen. So verschoben sich der Kinostart von zig Filmen – bestes Beispiel: das jüngste Bond-Abenteuer «No Time to Die» –, bei anderen mussten die Dreharbeiten unterbrochen werden, während einige direkt in die Streaming-Sphären befördert wurden.
Doch der erste Totalstillstand im letzten Jahr bewirkte bei gewissen Filmschaffenden auch einen Schub an Kreativität oder Kompromissbereitschaft. Und so wurde die Lock-down-Situation als Grundlage für neue Drehbücher genutzt.
Die Resultate davon sind nun vermehrt sichtbar – allerdings merkt man den bisher veröffentlichten Filmen die zusammengestauchte Produktionszeit an. «Songbird» (Prime Video) etwa ist eher einfallslos, und «Locked Down» mit Anne Hathaway und Chiwetel Ejiofor ist zwar toll besetzt und originell, doch auch langfädig und holprig erzählt.
Das dürfte sich nun mit «8 Rue de l’Humanité» von Dany Boon ändern. Mit «Willkommen bei den Sch’tis» landete der französische Schauspieler, Regisseur und Komiker 2008 einen internationalen Erfolg. Dem schlossen sich die Grenzkomödie «Nichts zu verzollen», eine turbulente Krankheitsgeschichte in «Super-Hypochonder» und weitere Komödien an – allesamt auch auf internationalem Parkett erfolgreich.
«8 Rue de l’Humanité» hat durchaus das Potenzial, an diese Erfolge anzuschliessen. Die Idee entwickelte Boon zusammen mit seiner Lebenspartnerin Laurence Arné, das Drehbuch stammt ebenfalls von dem Paar.
Während des Lockdowns sind die Strassen von Paris verlassen, viele Bewohner aufs Land geflohen. Nicht so diejenigen vom Haus an der Rue de l’Humanité Nummer 8 im 11. Arrondissement (übrigens eine fiktive Adresse, gedreht wurde in Belgien). Sie bleiben alle in der Stadt und müssen lernen, miteinander auszukommen – und das während drei Monaten, 24 Stunden pro Tag.
Zu den Bewohnern zählen etwa der Inhaber des sich im Erdgeschoss befindlichen Bistros, ein Fitnesscoach, der Zoom-Trainings anbietet, selbst aber an Gewicht zunimmt, seine hochschwangere Freundin, die mit einem Anti-Covid-Song für einen Internet-Hype sorgt, ein Arzt, der unbedingt einen Impfstoff finden will, und zahlreiche andere mehr oder weniger schräge Figuren.
Während den drei Monaten erleben die insgesamt sieben Parteien ein Wechselbad der Gefühle: Freude, Wut, Versöhnung, Angst – alles ist dabei. Und gerade darin lauert auch die grösste Gefahr des Films: jeder Figur viel Platz einräumen zu wollen, dabei oberflächlich zu bleiben und sich zu verzetteln.
Doch wenn Boon seinem Stil treu bleibt, ist ein überdrehter, witziger und herzlicher Film garantiert.
Netflix | Komödie
Mit Dany Boon, François Damiens, Laurence Arné, Yvan Attal; Regie: Dany Boon
Verspricht ein erfreuliches Corona-Erzeugnis
F 2021, ab 20. Oktober 2021