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Nach zwölf Jahren an der Spitze des Vorstands des Schweizerischen Verbands für Pferdesport gibt Charles Trollet den Stab weiter. Der abtretende Präsident blickt zurück, schaut aber auch in die Zukunft.
«Bulletin»: Charles Trolliet, 8 Jahre als Vizepräsident und 12 Jahre als Präsident im SVPS-Vorstand, ganz zu schweigen von den 25 Jahren als FEI-Veterinär… Was würden Sie sagen, was sind die grössten Veränderungen, die der Pferdesport in dieser Zeit erlebt hat?
Charles Trolliet: Eine sehr wichtige, wenn auch subtile Veränderung, die ich in dieser Zeit beobachten konnte, war der Übergang vom Konzept des «Tierschutzes» zu jenem des «Tierwohls». Beim ersten geht es darum, gesetzliche Mindestanforderungen an die Haltung und Nutzung von Tieren im Allgemeinen und von Pferden im Besonderen festzulegen. Es wurde festgehalten, wie gross eine Box sein muss, wie lange die Pferde Auslauf haben müssen, wie man sie pflegen und füttern muss usw. Es geht also darum, die Grundbedürfnisse der Pferde zu decken, um ihre Existenz zu sichern. Im Laufe der Zeit kam dann eine Dimension hinzu, die eher in Richtung Psychologie oder Ethik geht. So heisst es heute im Tierschutzgesetz im ersten Satz: «Zweck dieses Gesetzes ist es, die Würde und das Wohlergehen des Tieres zu schützen.» Das ist hervorragend, in der Umsetzung aber komplizierter als die Grösse der Boxen zu messen!
Was war der prägendste Moment, die schönste Erinnerung Ihrer Präsidialzeit?
Ein sehr wichtiger Moment meiner Präsidialzeit schliesst sich daran an, was ich eben bezüglich des Pferdewohls gesagt habe, auch wenn das Ereignis etwas im Schatten blieb: die einstimmige Verabschiedung des SVPS-Ethikcodex durch die Generalversammlung, ein Dokument mit ethischen Grundsätzen in drei Bereichen: im Umgang mit dem Pferd, im Umgang mit Menschen im Pferdesport und im Wettkampfsport. Der SVPS publizierte diesen Ethikcodex in der Broschüre «Fair zum Pferd», ein äusserst wertvolles Büchlein, das jeder Pferdemensch gelesen haben sollte.
Dieser Höhepunkt war für die Öffentlichkeit zwar nicht sehr spektakulär, aber für mich ist es eine Herzensangelegenheit. Und wenn wir uns heute umschauen, müssen wir feststellen, dass dieses Thema aktueller ist denn je.
Natürlich durfte ich während meiner Präsidialzeit auch grosse sportliche Erfolge und Medaillengewinne erleben. Das sind immer aussergewöhnliche Momente, und ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Pferdesportlerinnen und Pferdesportlern sowie ihrer Entourage bedanken, die unsere Herzen an den grossen internationalen Turnieren höherschlagen liessen.
Gab es auch wirklich schwierige Momente?
Wie überall im Leben gab es Höhen und Tiefen. Aber ich bereue nichts! Und natürlich werde ich die Entwicklungen im SVPS auch weiterhin mit grossem Interesse verfolgen.
Gibt es Projekte, die Sie gerne noch während Ihrer Präsidialzeit realisiert hätten, die Sie aber nicht mehr aufgleisen oder beenden konnten?
Nein, nicht wirklich, denn was zählt, ist das Resultat und nicht die Person dahinter! Es ist klar, dass manche Projekte aufgrund der demokratischen Struktur des SVPS etwas mehr Zeit brauchen. Man muss ein Konzept entwickeln, dann die Mitgliederverbände konsultieren, die ihrerseits ihre Mitglieder anhören, was wiederum zu Vorschlägen führt, die erneut bei allen betroffenen Akteuren in die Vernehmlassung geschickt werden müssen! Das kann langwierig sein, stellt aber sicher, dass man am Schluss Lösungen hat, die aus einem gut schweizerischen Kompromiss heraus entstanden sind und von einer breiten Mehrheit getragen werden.
Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Was werden Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren die wichtigsten Themen im Pferdesport im Allgemeinen und für den SVPS im Besonderen sein?
Wir alle tragen eine grosse Verantwortung gegenüber den Pferden und ihrer Umwelt. In diesem Zusammenhang wird das Miteinander von Pferd und breiter Öffentlichkeit in Zukunft immer wichtiger werden. Da gibt es zum einen natürlich die politischen oder rechtlichen Aspekte mit der Raumplanung oder dem Strassenverkehr, aber es geht auch um das Bild, das sich die breite Öffentlichkeit vom Pferdesport macht. Und das betrifft alle Pferdemenschen, ob sie sportliche Ambitionen haben oder nicht! Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht in einer Blase leben mit unseren Pferden. Wir müssen uns deshalb respektvoll verhalten gegenüber den Menschen, denen wir begegnen, und gegenüber der Natur, in der wir uns bewegen.
Daraus abgeleitet wird die Ausbildung all jener, die sich mit Pferden beschäftigen, in den kommenden Jahren noch wichtiger werden. Ich komme hier nochmals auf den Begriff des Pferdewohls zurück: Es ist entscheidend, dass alle Menschen im Umfeld der Pferde erkennen können, ob es einem Pferd wirklich gut geht, körperlich und geistig. Als FEI-Veterinär bin ich oft auf internationalen Turnierplätzen und auch in deren Stallungen. Und dort sehe ich allzu oft traurige Pferde. Aus Sicht des Tierschutzes fehlt es diesen Pferden natürlich an nichts: sie haben Futter und Wasser, saubere Einstreu und gepflegte Hufe. Aber ihr Wohlbefinden geht über diese Grundbedürfnisse hinaus! Wir müssen lernen, die subtilen Zeichen von Unwohlsein oder Stress beim Pferd zu lesen, deren Ursachen finden und diese beseitigen. Wir dürfen nicht vergessen, dass seelische Leiden oft längerfristig sind als körperliche.
Um die geistige Gesundheit unserer Pferde zu gewährleisten, braucht es solide Kenntnisse bezüglich der pferdesportlichen Tätigkeiten, aber auch eingehendes Wissen um die körperlichen Vorgänge im Pferd und das natürliche Verhalten dieser Tiere. Der SVPS bietet bereits eine breite Palette an Ausbildungen an und ich freue mich darauf, die Entwicklung künftiger Projekte in diesem Bereich mitzuverfolgen.
Und was sind Ihre Zukunftsprojekte? Werden Sie dem Pferdesport treu bleiben?
Mein Engagement für das Pferd und den Pferdesport wird mit dem Ende meines Präsidialmandats nicht geringer werden! Ich würde sogar sagen, dass ich gewisse Dinge nun freier tun kann, da ich nicht mehr Meinungen vertrete, die manchmal aus einem gut schweizerischen Kompromiss heraus entstanden sind. Ich hatte nie den Eindruck, dass ich durch mein Amt gebunden bin, aber ich habe vielleicht gewisse Positionen weniger vehement vertreten als ich dies in Zukunft werde tun können.
Seit kurzem stehe ich dem Schweizer Rat und Observatorium der Pferdebrache (Observatoire Suisse de la Filière du Cheval, COFICHEV) als Präsident vor und werde mich dafür stark machen, dass dieses Gremium vermehrt als kompetenter und neutraler Beobachter der Pferdebranche wahrgenommen wird. Ausserdem bin ich Mitglied des Stiftungsrats der Fondation nationale du cheval Avenches, wodurch ich weiterhin Einsitz im Verwaltungsrat der IENA GmbH haben werde. Und natürlich werde ich auch in Zukunft als offizieller FEI-Veterinär tätig sein. Ich habe also zahlreiche Möglichkeiten, mein Wissen, mein Netzwerk und insbesondere meine Leidenschaft zum Wohle des Pferdes und für den Pferdesport einzubringen.
Welche Botschaft möchten Sie ihrem Nachfolger auf den Weg geben?
Meine Nachfolge im Präsidium des SVPS wurde lange vorbereitet und ich bin der festen Überzeugung, dass Damian Müller der Mann der Stunde ist und er für den SVPS ein Glücksfall ist. Wir haben uns 2015 erstmals getroffen und ich habe sehr schnell gemerkt, dass er nicht nur ein gewiefter Politiker ist, sondern auch ein intelligenter, reflektierter und engagierter Pferdemensch.
Ich übergebe ihm die Zügel des Verbandes mit einem Gefühl von Befriedigung und Optimismus. Damian braucht meine Ratschläge nicht. Vielmehr wünsche ich ihm bei der Ausübung dieses Amtes genauso viel Freude, wie ich sie hatte.
Vielen Dank, lieber Charles, für all die Jahre der unermüdlichen Arbeit im Vorstand des SVPS und für das vergangen und künftige Engagement zugunsten unserer Freunde, der Pferde!
Das Gespräch führte
Cornelia Heimgartner
Mit Herz und Seele für die Ausbildung
An der Herbst-Mitgliederversammlung des SVPS wurde auch Martin Habegger aus dem Vorstand verabschiedet. Als Verantwortlicher für die Aus-, Weiter- und Fortbildung sowie die Nachwuchsförderung setzte sich der Berner während zwölf Jahren mit seiner besonnenen Art - aber mit nicht weniger Überzeugungskraft - für den Wissenstransfer im Pferdesport ein.
Als eidgenössisch diplomierter Reitlehrer war und ist ihm auch die Praxis immer ein grosses Anliegen. Martin Habegger bildet sich selbst stetig weiter, ist Swiss-Olympic-Trainer, J+S-Leiter und -Experte, Parcoursbauer Springen und Experte Reiten für Grundausbildung und Brevets.
Zu seinen grössten Errungenschaften im SVPS-Vorstand gehört sicher die Neuorganisation des Ausbildungswesens mit der Einführung der «Grundausbildung Pferd» und verschiedenen neuen Brevets, um ein noch breiteres Publikum für das Bildungsangebot des SVPS gewinnen zu können und um das Leistungsniveau für den Einstieg in den Turniersport zu erhöhen.
Martin Habegger wird dem Schweizer Pferdesport auch in Zukunft erhalten bleiben - als Parcoursbauer Springen und Experte Reiten, aber auch als Turnierveranstalter und operativer Leiter der Reitsportarena in Roggwil (BE).
Der SVPS bedankt sich herzlich bei Martin Habegger für das jahrelange Engagement im Vorstand und im Schweizer Pferdesport.