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Ärzte sind keine "Götter in Weiss", sondern Menschen, denen auch Fehler unterlaufen.
Mit einem mit 25'000 Franken dotierten Preis will das Inselspital Bern Projekte und Initiativen fördern, die zur Verbesserung der Fehlerverarbeitungs-Kultur beitragen.
Das Inselspital lanciert den Preis 2004 zur Feier seines 650-jährigen Jubiläums. Drei Jahre zuvor waren dort zwei Neugeborene infolge falscher Medikamenten-Abgabe gestorben.
"Fehler in der Medizin sind unakzeptabel, aber Ärzte sind Menschen, die wie andere auch Fehler begehen", sagt Charly Einstein vom Inselspital gegenüber swissinfo. "Es ist aber umso wichtiger, dass über Fehler jeder Art offen gesprochen wird, so dass sie nicht mehr vorkommen."
Der Preis wird am 26. März erstmals verliehen und ist nach Anna Seiler benannt, der Gründerin des Inselspitals im Jahr 1354. Er soll fortan alle zwei Jahre vergeben werden.
An dem Wettbewerb beteiligen können sich Organisationen, Mediziner und andere Berufsleute aus dem Schweizer Gesundheitswesen, die Projekte zur Verarbeitung der Fehlerkultur in der Praxis eingeführt haben oder am implementieren sind.
Entscheidendes Kriterium für die Preisvergabe ist die Wirksamkeit der Massnahmen, mit welchen die Wiederholung einer gefährlichen Situation verhindert werden soll.
"Beteiligte müssen die Berichte vertraulich abliefern können", so Einstein weiter. Um die Arbeitskultur unter Ärzten und anderen Gesundheits-Experten zu ändern, brauche es kleine Schritte.
Echtes Problem
Im Jahr 2001 wurden in den 364 Schweizer Spitälern 1,4 Mio. Patienten behandelt und gepflegt. Experten gehen davon aus, dass 1,5% der Patienten von Fehlern oder Unfällen betroffen waren. Die meisten zeitigten mehr oder weniger harmlose Folgen, einige endeten dagegen tödlich.
Im Januar 2001 amputierte in Lugano ein Chirurg einem 80jährigen Patienten mit Arterienverengung das falsche, gesunde Bein. Der Mann starb kurz danach, nachdem der Arzt ihm auch noch das kranke Bein amputiert hatte.
In Luzern starb 1998 ein Patient, weil ihm wegen einer Verwechslung eine tödliche Spritze verabreicht wurde.
1997 operierten Augenärzte in Basel und Zürich das falsche Auge von Patienten.
Schliesslich setzte ein Zürcher Gynäkologe bei einer Patientin zum Kaiserschnitt an, ohne dass diese vorher anästhesiert worden war. Er wurde erst durch die Schreie der Frau auf seinen Irrtum aufmerksam.
In Grossbritannien gehen Fachleute von jährlich Hunderttausenden von Ärzte- und Behandlungsfehlern, welche Spitalpatienten betreffen.
Basierend auf Vergleichsstudien aus den USA, schätzt das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) die Zahl möglicher Todesopfer in der Schweiz infolge Behandlungsfehlern auf bis zu 3000 pro Jahr.
"Mit dem Preis wollen wir die Schere zwischen der Erwartung der Patienten und der Realität verringern", sagt Charly Einstein. Denn die Leute würden immer noch denken, dass Ärzte keine Fehler machen würden.
Kleine Verwechslung, schlimme Folgen
Die meisten Fehler passieren mit Medikamenten: Diese werden in falscher Dosis verabreicht, oder es wird aufgrund eines Irrtums das falsche Medikament angewendet. Die meisten solcher Fehler haben Assistenzärzte zu verantworten, welche "traditionellerweise" eine sehr lange Arbeitszeit haben.
Irrtümer können nie ganz ausgeschlossen werden. Dennoch gibt es Massnahmen, deren Zahl möglichst zu minimieren. Dazu gehört, die Zahl der Medikamente mit ähnlichen Namen und Verpackungen zu senken.
In vielen Spitälern wird zudem die Einsatzdauer von Assistenzärzten bereits der Limite von 50 Wochenstunden angeglichen, welche das Gesetz ab 2005 vorschreibt.
swissinfo, Vincent Landon
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)
Fakten
Das Berner Inselspital feiert nächstes Jahr den 650. Geburtstag.
Aus Anlass dazu verleiht das Spital erstmals einen Preis von 25'000 Franken.
Damit sollen Leitung und Ärzte der Schweizer Spitäler ermutigt werden, gemachte Fehler öffentlich zu machen.
Ziel ist es, dass Spitäler Massnahmen ergreifen, die eine Wiederholung gefährlicher Situationen für die Patienten verhindern sollen.
Im gegenwärtigen Klima wird über Ärzte- und Behandlungsfehler meist das Tuch des Schweigens ausgebreitet, weil negative Folgen für die Karriere befürchtet werden.