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Ausserhalb Asiens und Osteuropa sind seit 1986 nur noch zwei Atomkraftwerke bestellt worden. Beide sind momentan im Bau. Sie gehören zu den neuen Meilern der dritten Generation, die mit einer Leistung mehr als doppelt so hoch wie Beznau I und II zusammen aufwarten. Diese neuen Druckwasser-Reaktoren sollen die Renaissance der Atomkraft einläuten. 2009 sollte eines dieser Atomkraftwerke, das finnische Olkiluoto 3, fertig gestellt werden zum Gesamtpreis von drei Milliarden Euro. Heute, 3000 bekannte Fehler und Pannen später, wird die Fertigstellung des Kernreaktors auf das Jahr 2013 mit Mehrkosten von mehr als 2,3 Milliarden Euro veranschlagt, dazu kommt, dass die Atomaufsichtsbehörden von Frankreich Grossbritannien und Finnland das Sicherheitskonzept dieses Reaktortyps 2009 kritisierten.
Nicht aus umweltpolitischen Überlegungen oder aus Angst vor dem Widerstand der Bevölkerung wurden im Westen mit den hohen Sicherheitsanforderungen keine Atomkraftwerke mehr gebaut. Es sind viel mehr ökonomischen Gründe. In den USA wurden zwischen 1999 und 2002 Kraftwerke mit der ungeheuren Leistung von 144000 Megawatt neu ans Netz genommen. Darunter ist allerdings kein einziges Atomkraftwerk. Selbst als Bushs Regierung 2007 Hürden für Neubauten abschaffte und 20 Milliarden Dollar Kreditbürgschaften bereit stellte passierte nichts.
Gebetsmühlenartig wird der Schweizer Bevölkerung die Mär vom sauberen und günstigen Atomstrom eingetrichtert. Der Atomstrom ist durchaus sauber und günstig, allerdings nur dann, wenn man die Kosten und die Verschmutzungen beim Uranerzabbau, der Anreicherung, der Herstellung der Brennstäbe, der ungelösten Frage der Endlagerung des Atommülls, etc. nicht mit einberechnet. Die offenen Fragen zur Endlagerung des Atommülls sind bis heute ungelöst. Der Atommüll muss über eine Dauer von mehreren hunderttausend Jahren sicher aufbewahrt werden. In Deutschland wurde in den 60er Jahren mit dem Steinsalzbergwerk Asse ein angeblich sicherer Ort für die Endlagerung gefunden. Das Lager für die Ewigkeit soll nun aber spätestens 2017 geschlossen werden. Der Grund dafür sind Wassereinbrüche, was zu einer radioaktiv verseuchten Salzlauge führte. Die Kosten für die Schliessung könnten über vier Milliarden Euro hoch werden und werden dem Steuerzahler aufgebürdet. Morsleben ein anderes Endlager soll nach einem Deckeneinbruch und weiterer drohender Einbrüche ebenfalls stillgelegt werden. Die Sicherung des Endlagers soll 2,2 Milliarden Euro kosten. Viel Geld für nichts und wieder nichts. Auch die Wiederaufbereitung des Atommülls ist gescheitert. Von den versenkten Fässern im Meer von denen nach Grossbritannien am meisten aus der Schweiz sind, gar nicht erst gesprochen. In Zukunft soll es möglich sein Atommüll mittels Transmutation in kurzlebigere Schadstoffe umzuwandeln. Ausser denjenigen die daran forschen glaubt allerdings niemand wirklich an den Erfolg dieser Methode.
Nichtsdestotrotz will man in der Schweiz weitere Atomkraftwerke nach dem finnischen Vorbild bauen, die Augen fest verschlossen vor den ungelösten Problemen. Dazu kommt noch, dass eine solche Entwicklung den Innovationsgeist im Sektor erneuerbarer Energien gewaltig bremst. Nur mit einer gehörigen Portion Egoismus und Ignoranz kann man späteren Generationen guten Gewissens zig Tonnen gelbe Fässer hochradioaktiven Inhalts aufbürden, welcher über hunderttausende von Jahren sicher aufbewahrt werden muss und über das Potential verfügt ganze Völker auszulöschen.