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Der französische Schriftsteller André Gide (1869-1951, Nobelpreis 1947) war eine Zeit lang Geschworener am Gericht von Rouen und hat über seine Erlebnisse im Gerichtssaal ein Buch geschrieben.
Gide beschreibt anschaulich Diebe, Betrüger und Sittlichkeitsverbrecher, die Spannung im Gerichtssaal, den Druck, unter dem die am Prozess Beteiligten stehen und die Unschlüssigkeit jener Menschen, die schliesslich über Schuld oder Unschuld entscheiden müssen. Und längst nicht alle Geschworenen sind bei ihrer Arbeit so gewissenhaft wie Gide! Manche sind überfordert, andere schlicht und einfach uninteressiert (es handelt sich bei diesem Amt nämlich um eine Verpflichtung). Gide kritisiert die Auswahl der Geschworenen und konstatiert: „Nicht eine hohe Bildung ist notwendig, um ein guter Geschworener zu sein, und ich kenne manche Bauern, deren (manchmal etwas starrsinnige) Urteile vernünftiger sind als die vieler Intellektueller…“ Die aktive Tätigkeit als Geschworener ist aber nicht alles. Der Autor befasst sich auch sonst intensiv mit zwei spektakulären Prozessen von damals, der Affäre Redureau (brutale Ermordung einer ganzen Familie durch einen Fünfzehnjährigen) und dem Fall der Eingeschlossenen von Poitiers (eine Frau wird zwanzig Jahre lang von ihren Angehörigen in einem kargen, schmutzigen Zimmer gefangen gehalten). Mit sichtlichem Interesse trägt er originales Quellenmaterial zusammen und studiert die psychologische Seite des Verbrechens.
In Schwurgericht. Drei Bücher vom Verbrechen gibt Gide – neben der Darstellung von damaligen Kriminalfällen – einen detaillierten Einblick in sein Gefühlsleben, während er auf der Geschworenenbank sitzt und zuhört. Seine Kritik gilt dabei auch dem Justizapparat, der durchaus nicht immer über jeden Zweifel erhaben ist. Hinzu kommt dann noch die grossartige Prosa des zukünftigen Nobelpreisträgers.