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Völker führen. In allgemeinen
Umrissen aufgefaßt, unterscheidet man jetzt zweierlei
Arten in der Negerrasse. Die Sudanneger
nehmen einen verhältnismäßig schmalen Gürtel
[* 2] ein, der etwa zwischen 5° und 15° nördl.
Br. von der Westküste bis zum
Nil reicht, während die Bantuneger den größten
Teil des äquatorialen und südlichen A. bewohnen.
Daneben sind namentlich an den Grenzen
[* 3] starke Vermischungen mit hellern Völkern asiat. Ursprungs
eingetreten, so daß ein schwer zu entwirrendes Gemisch entsteht, dessen Dunkel auch durch
Sprachvergleichung schwer zu lichten
ist. Nach den neuesten Untersuchungen sind für
die BevölkerungA.s fünf Schichten anzunehmen.
Seengebietes und der daran stoßenden
Bänder der Ostküste, ferner die sämtlichen Bewohner des
Kongo-,
Ogowe- und Kamerungebietes
gehören. Der Westen und das Centrum des nördl.
Teils des Kontinents, der sog.Sudan, wird bis gegen den
Nil und seine Zuflüsse von den Sudannegern eingenommen, von denen jedoch die unter ihnen wohnenden
Fulbe, wahrscheinlich ein
Mischstamm, ausgesondert werden müssen. Die Sudanneger zerfallen in eine Menge sprachlich gesonderter
Stämme.
Kunde den Norden
A.s innehaben. Dazu gehören die alten Ägypter, im W. von ihnen alle
Stämme, die jetzt in den sog.
Berbern
(Tuareg und
Tibbu) fortleben, und im S. die sog. äthiop.
Völker, unter denen die Nubier und
Bischarin, die
Danakil, die
Galla und
Somal die bekanntesten sind. Die in histor. Zeit in
A. eingewanderten Semiten gehören dem arab.
Stamme an.
Die erste Einwanderung derselben ging von dem westl. Südarabien (dem
Lande derHimjariten) aus; derselben verdankt das christl.
Volk der Abessinier seine Entstehung.
Die zweite Einwanderung fällt mit der Ausbreitung des
Islam zusammen; sie bevölkerte die ganze Nordküste und große
Strecken
des Nilthals mit Araberstämmen
(Beduinen). Zwischen den Hamiten, Semiten und
Negern haben zahlreiche Mischungen stattgefunden.
Auf diese ist mit Sicherheit die Entstehung der Mischvölker an den Grenzen desSudan- und Bantuneger-
und
des Hamitengebietes zurückzuführen, nämlich die der Reschiat,
Suk, Turkana, der
Wahuma und
Massai.
Das
Bild, welches die Kultur
A.s darbietet, ist ungemein mannigfaltig, so daß es
schwierig ist, die vorhandenen gemeinsamen Züge herauszuheben. Die verschiedensten Einflüsse haben sich gekreuzt, um der
ursprünglichen
Entwicklung neue
Bahnen zu weisen. Der Einfluß des
Orients zeigt sich nicht nur im Nilthal und dem ganzen Nordrand
des Kontinents, sondern auch im
Sudan, in den Grenzgebieten des
LibyschenA., in denStaaten am Tsadsee und
an den Ufern des
Niger bis nach
Senegambien, während die Bewohner der Westküste südlich vom 5.° nördl.
Br. fast unberührt
blieben.
Die meisten
Länder, besonders die eigentlichen Negerländer, bieten ein
Bild polit. Zerrissenheit und
Schwäche, da in ihnen eine
Masse von Häuptlingen nur eine örtlich eng begrenzte Gewalt ausüben, die sie nicht sowohl auf
Grund ihrer Tapferkeit oder Intelligenz, als auf
Grund der
Erblichkeit und ihres angehäuften Reichtums besitzen.
GrößereReiche
sind gewöhnlich durch Eroberung entstanden. In ihnen bilden die Eroberer die allein herrschende
Klasse.
Doch auch feudalartige Svsteme haben sich ausgebildet, z. B. in
Uganda und
Unjoro, bei denen nicht dem König, sondern den
obersten Häuptlingen die wirkliche Macht zufällt.
Der
Mangel an Macht wird häufig durch reichen Prunk und pomphaftes Hofceremoniell verschleiert. – Das Familienleben hat,
wo es nicht durch die Raubgier der Nachbarstaaten oder die verheerenden Sklavenjagden völlig vernichtet
ist, vielfach einen patriarchalischen Charakter. Einzelne Reisende wissen von geradezu idyllischen Zuständen zu erzählen
und preisen Mutterliebe und Ehrfurcht gegen das
Alter als Haupttugenden mancher
Stämme. Fast allgemein herrscht Vielweiberei.
Die
Ehe wird meist als
Kaufvertrag geschlossen, doch ist die
Stellung der Frau nicht überall eine sklavisch
gedrückte, sondern wird sogar manchmal durch das
Erbrecht der Frauen erhöht; ihrer
Sorge unterliegt die
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linkes Ufer
des Sankuru. 3. Fetischmaske aus Holz mit Bart aus Gras (Raphia),
Bakuba. 4. Deckelkorb der Batua. 5. Geschnitzter Trinkbecher,
Bakuba. 6. Thönerner Pfeifenkopf der Golo. 7. «Pingah», eiserne Wurfwaffen der Niam-Niam. 8. Geschnitztes
Schmuckkästchen, Bakuba.
9. Kopfbedeckung der Bakuba. 10. Fetischfigur aus Holz geschnitzt, mit Messing und Eisen
[* 15] beschlagen,
Benekki. 11. Rundes Lederkissen, gefüllt, Haussa. 12. «Ischelinga», eiserne Speerspitzen der Niam-Niam. 13. Länglicher Lederkissenüberzug,
Haussa. 14. Dolchmesser mit Scheide (Haut
[* 16] des Warzenschweins), Niam-Niam. 15. Sandalen
[* 17] aus Kano.
¶
mehr
Beauf-183 sichtigung der Kinder und des Hauses, sowie der Feldbau. – Die Wohnung besteht meist aus fensterlosen Gras- oder
Lehmhütten mit sehr niedrigem Eingang. Sie sind entweder rechteckig (Tembes) oder kegelförmig oder bienenkorbartig; Häuser
mit Giebeldach kommen nur in der westl. Hälfte des tropischen A. vor. Die Massai und Hottentotten wohnen
in leicht abzubrechenden zeltartigen Hütten,
[* 19] während die Buschmänner in Felshöhlen und die Zwergvölker unter niedrigen,
halbkugelförmigen Blätterbedachungen hausen. – Die Hauptbeschäftigung der Bewohner des äquatorialen und des südöstlichen
A. und der Nilländer ist der Ackerbau, oft verbunden mit Viehzucht.
[* 20]
Der Ackerbau wird mit einfachen Geräten und ohne Pflug
[* 21] betrieben, für die Aufbewahrung des Getreides
werden besondere Kornspeicher errichtet. Fast ausschließlich betreibt man Viehzucht im südwestl. und in dem vom Indischen
Ocean begrenzten nordöstl. TeilA.s, ferner im ganzen Sudan und in den Ländern der Nordküste. Vegetabilien sind das Hauptnahrungsmittel;
Fleisch wird meistens nur bei festlichen Gelegenheiten genossen. Menschenfresserei kommt im Kongo- und
obern Nilgebiet noch häufig vor.
Unter den Genußmitteln steht der Tabak
[* 22] in erster Reihe, der geschnupft oder aus Pfeifen geraucht, selten gekaut wird; weit
verbreitet ist das Hanfrauchen; im Westsudan
[* 23] werden Gurunüsse gekaut. – Die Industrie ist trotz mangelhafter Werkzeuge
[* 24] zum Teil gut entwickelt und legt ein beredtes Zeugnis für die technische Geschicklichkeit der Neger ab.
Von der Metallindustrie ist namentlich die Bearbeitung des Eisens weit verbreitet, hervorragend sind besonders die schönen
getriebenen Gefäße im Niger-Binuegebiet und in Aschanti.
Die Kupferindustrie ist beschränkt und geht südlich nicht weit über den Äquator. Die geringe Silberbearbeitung steht ganz
unter arab. und ind. Einfluß, Gold
[* 25] wird fast gar nicht von den Eingeborenen bearbeitet. Die Thongefäße
sind meist von einfacher, aber ebenmäßiger Gestalt, farbig verziert, schwarz eingebrannt und oft gut geglättet. Große
urnenformige Thongefäße dienen zur Aufbewahrung des Getreides, die Thongefäße der eigentlichen Neger sind gewöhnlich cylindrisch
und ohne Henkel.
Neben den Thongefäßen finden sich Kürbisgefäße (besonders reich verziert und geschnitzt an der Westküste),
Ledergefäße (z.B. am Niger und in Bornu) und Behälter aus Tierblase (bei den Zulu). Das Gerben der Haut ist nur im Sudan bekannt,
sonst wird dieselbe durch sorgfältiges Schaben und Klopfen zubereitet. Sehr kunstvoll sind oft die Holz-
und Elfenbeinschnitzereien. Geschnitzte Fetische und Ahnenfiguren sind besonders bemerkenswert bei den Bari, im Kongogebiet,
auf der Loangoküste, Angola, Lubu, Kioko.
Geschnitzte und bemalte Thüren finden sich am Kongo, am Gabun und in Unjamwesi. Auch Sessel, Kopfschemel, Stöcke und Opfertische
sind vielfach mit Schnitzerei verziert. Die Flechtindustrie ist allgemein verbreitet und zum Teil hoch
entwickelt. Die Körbe werden aus Palmblättern, Binsen und Stroh geflochten, die Somal verstehen wasserdichte Körbe herzustellen.
Viel gebraucht sind Matten, von denen an der Loangoküste besonders schöne mit Tiergestalten und in Uganda mit farbenprächtigen
Mustern gefertigt werden. – Die Kleidung entspricht nicht durchweg den Anforderungen des Klimas und deutet
öfters auf Beibehaltung früherer Gewöhnung bei veränderten klimatischen Verhältnissen. Zu dem einfachen, als Schamdecke
dienenden Fellstückchen
des Buschmanns tritt bei Hottentotten und Betschuanen der Pelzmantel (Karoß), bei Herero das Schaf-
oder Ziegenfell und weiter der verzierte Schurz und das Lendentuch.
Während viele Negerstämme des äquatorialen A. fast oder vollkommen nackt gehen, hüllen sich die Waganda
und Wanjoro vollständig in Rindenstoffgewänder ein. Wo in Ost- und Westafrika der Webstuhl
[* 26] bekannnt ist und die Baumwollstaude
gedeiht, wird auch Baumwollzeug getragen. – Von Waffen
[* 27] sind Speer und Bogen
[* 28] die ältesten und verbreitetsten. Kostbare Prunklanzen
finden sich namentlich im Kongogebiet und in Mittelafrika, die Lanzenschäfte der Bari, Zulu u.s.w. sind
mit Hautstreifen umwickelt.
Das Schwert ist nur im östl. Äquatorialafrika
[* 29] verbreitet, dagegen findet man die Streitaxt bei sehr vielen Völkern;
ebenso das Dolchmesser. Die Prunkwaffen der Sudanvölker zeigen arab. Einfluß. – Als Schmuck
dienen Metall- und Elfenbeinreifen, Gehänge aus Perlen, Muscheln
[* 30] und Elfenbein, Lippenpflöcke u.s.w. Besonderer Wert wird
auf den Kopfputz gelegt, hier dienen ebensowohl mächtige Federhelme, Federkronen und Haarkränze als auch phantastische
Frisuren (besonders in Mittelafrika) zum Schmuck.
Die Sklaverei ist fast ganz allgemein; als Haussklaverei tritt sie zwar gewöhnlich in milder Form auf,
die Erwerbung von Sklaven giebt jedoch zu fortwährenden Fehden und Raubzügen Veranlassung. Sklaven waren früher die kostbarsten
und begehrtesten Produkte A.s. Besonders großartig war die Sklavenausfuhr nach Amerika
[* 32] an der Westküste. Seitdem aber die
amerik. Staaten einer nach dem andern die Sklaverei aufgehoben haben, hat diese Ausfuhr ganz aufgehört.
An der Ostküste ist der Sklavenhandel seit Begründung der deutschen und engl. Kolonien im frühern Machtbezirk von Sansibar
[* 33] im Verschwinden begriffen. Der stärkste Export findet gegenwärtig noch aus dem Sudan nach dem arab. Nordafrika statt. Allerdings
ist das Los der Sklaven bei ihren arab. Herren kein so erbärmliches, als
man gewöhnlich sich vorstellt; sie werden meist als zur Familie gehörig angesehen. Wohl aber sind es die mit dem Sklavenhandel
verbundenen Sklavenjagden mit ihren grauenhaften Verwüstungen ganzer Landstriche, die ein
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