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Teil 1
Zur Person
Fritz Wagner van den Berg (*1935) war über 20 Jahre lang Stadtarchitekt in Zug. Aufgewachsen ist er im Reckenholz in Zürich, wo sein Vater den landwirtschaftlichen Forschungsbetrieb des Bundes leitete. Nach dem Architekturstudium an der ETH fokussierte sich Fritz Wagner Ende der fünfziger Jahre auf das neu aufkommende Gebiet der Raumplanung. Ab 1976 prägte er die städtebauliche Entwicklung in Zug bei mehreren Zonenplan-Revisionen und durch seinen Einfluss auf markante Überbauungen und Einzelbauten.
Inhalt Teil 1
Fritz Wagner schildert seinen Werdegang. Der Berufswunsch Architekt wird unter anderem durch den intensiven Kontakt mit dem Designer und Innenarchitekten Willy Guhl geweckt. Nach dem ETH-Abschluss arbeitet er im neu geschaffenen Amt für Raumplanung des Kantons Zürich, bis er als Stadtplaner nach Baden berufen wird. Später wird er Stadtbaumeister in Aarau. Dort wirkt er unter anderem an der Realisierung der Grosswohnüberbauung Telli mit. 1974 wechselt er in die Privatwirtschaft zur Firma Hora, die jedoch während der Ölkrise Pleite macht.
1976 übernimmt Fritz Wagner in Zug die neue Stelle des Stadtarchitekten (8:00). Ihn reizt die hohe Lebensqualität der Region und die Aufgabe, nach einem Abstimmungsscherbenhaufen Bauordnung und Zonenplan neu zu erarbeiten. Vor allem in der Herti werden grosse Gebiete eingezont und qualitativ gute Wohnungen erstellt. Als weniger geglückt beurteilt Fritz Wagner dagegen die spätere Umnutzung des Landis-und-Gyr-Areals.
Vor allem über Bewilligungen und Bebauungspläne kann der Stadtarchitekt Einfluss nehmen. Das Einkaufszentrum Metalli ist dafür ein markantes Beispiel, verbunden mit vielen Auseinandersetzungen (21:00). Entlang der Bahnhofstrasse wird eine hohe Verdichtung erreicht. Die dort realisierten Fussgänger-Arkaden sind für Fritz Wagner ein Erfolgserlebnis, obwohl sie entlang der Neugasse nicht weitergeführt werden.
Inhalt Teil 2
Fritz Wagner äussert sich zur Entwicklung und zur Zukunft der Altstadt (00:10) und zu wichtigen Projekten während seiner Amtszeit. Für den neuen Bahnhof (4:23) sind zwei Wettbewerbe nötig, das Resultat wird aber erfreulich. Dem neu gestalteten Seeufer von der Schützenmatt bis zum Strandbad liegt ebenfalls ein überzeugendes Konzept zu Grunde (5:55), bei dem später jedoch Abstriche gemacht werden.
Etappenweise wird die Überbauung Herti mit dem Hertizentrum realisiert (9:13). Das städtebauliche Konzept wird im Laufe der Zeit optimiert und weiterentwickelt. Entstanden ist ein selbstständiges Quartier, in dem die Häuser von grosszügigen Grünflächen umgeben sind. Fritz Wagner würdigt die Verdienste der Korporation Zug bei dieser Überbauung (14:59), ihr langfristiges planerisches Denken und die Förderung des sozialen Wohnungsbaus.Der Stadtarchitekt setzt sich auf verschiedenen Ebenen für eine hohe Qualität der Bauten ein (19:30), aber auch für die Begrünung des Stadtraums. Gelungene Beispiele von öffentlichen Bauten mit einer interessanten Entstehungsgeschichte sind das Theater Casino (22.45) und die Stadt- und Kantonsbibliothek (28:35).
Inhalt Teil 3
Schulräume gehören zu den Daueraufgaben eines Stadtarchitekten. Ein Neubau entsteht in der Riedmatt, fast alle anderen städtischen Schulhäuser müssen im Laufe der Zeit renoviert werden. Zu Beginn seiner Tätigkeit sorgt Fritz Wagner dafür, dass die provisorischen Schulpavillons verschwinden. Deshalb ist er beunruhigt, dass heute wieder solche aufgestellt werden.
Speziell gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Stadtingenieur Hans Schnurrenberger, der neben dem Tiefbau für die Sportanlagen zuständig ist. Auch beim Umbau des Schulhauses Neustadt zu einem Musikschulzentrum (3:59) kann Fritz Wagner auf einen sehr selbstständigen Projektleiter zählen.
Die grösser werdende Stadtverwaltung wird in verschiedenen Gebäuden um den Kolinplatz konzentriert (5:42). Fritz Wagner unterstützt das Konzept, hat jedoch dabei nicht die Leitung. Später werden die Weichen anders gestellt.
Fritz Wagner erzählt von verschiedenen Stadträten, die er als Chefs des Bauamts erlebt hat (8:02), von Gusti Sidler über Rolf Kugler bis zu Dolfi Müller. Manch einer wird dabei politisch verheizt. Zum Beruf des Stadtarchitekten gehört es jedoch, mit allen gut zusammenzuarbeiten. Nur das Verhältnis mit Walther A. Hegglin (erst Finanzchef, später Stadtpräsident) ist etwas angespannt.
Die Pensionierung im Jahr 1996 fällt Fritz Wagner nicht leicht (11:40). Um nicht in ein Loch zu fallen, übernimmt er Beratungsaufgaben; im Kanton Zug jedoch erst nach fünf Jahren Abstand. So begleitet er das Projekt der Herti 6 der Korporation Zug (14:22) oder den Umbau des Altersheims der Bürgergemeinde in Oberwil.
Politisch hat sich Fritz Wagner in seinem Amt zurückgehalten (16:26), erst im Ruhestand engagiert er sich für die Nachbarschaft Münz und opponiert gegen die Renovation des Haus Zentrum. Zu diesem macht er später eine Studie, die zu einer Neuprojektierung in Zusammenarbeit mit der Korporation führt.
Skeptisch beurteilt Fritz Wagner die Reorganisation des Stadtbauamtes und der Kompetenzen des Stadtarchitekten nach seinem Abgang (22:17). Es bestehe die Gefahr, dass es kein Gesamtkonzept gebe und dass niemand wirklich die Verantwortung für die Gestaltung wahrnehme.
Aufnahmedatum: 7. Juni 2016
Aufnahmeort: Zug
Redaktion und Interview: Beat Holdener
Kamera, Ton und Postproduktion: Remo Hegglin