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Weltweit leben mehr als eine halbe Milliarde Kinder in Gebieten mit extremer Hochwassergefahr und knapp 160 Millionen Kinder in Gebieten mit starker Trockenheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass 26 Prozent der 6,6 Millionen Sterbefälle bei Kindern unter fünf Jahren mit umweltbezogenen Ursachen und Bedingungen in Verbindung stehen. Darüber hinaus sind Kinder überproportional stark von Umweltverschmutzung betroffen, und zwar nicht nur in Bezug auf die Sterblichkeitsraten, sondern auch hinsichtlich ihrer kognitiven und körperlichen Entwicklung. Solche sich verändernden Umweltbedingungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Lebensbedingungen von Kindern und können dazu führen, dass diese in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gedrängt werden.
West Bengalen verfügt über mehr als 2000 Ziegeleien die den kontinuierlichen Bedarf an Ziegelsteinen rund um den Staat decken. Diese Ziegeleien sind abhängig von den Wanderarbeitern aus Bihar, Uttar Pradesh, Jharkhand, Odisha in Westbengalen und aus dem Nachbarland Bangladesch. Die Wanderarbeiter verbringen im Durchschnitt fast acht Monate in diesen Ziegeleien. Die Ziegeleien dienen als zweite Heimat für die Migranten und deren Kinder, welche oft an der Ziegelherstellung beteiligt sind. Aufgrund von Dürren, extremen Temperaturen und sich verändernden Umweltbedingungen steigt die Armut. Da die erwachsene Ernährer allein nicht genug verdienen um die grundlegenden Bedürfnisse der Familienmitgliedern zu garantieren, geraten Familien vermehrt unter Druck und lassen ihre Kinder arbeiten.
Wenn Kinder zwischen Westbengalen und ihrem Heimatstaat hin- und herreisen wird die Schulbildung jeweils unterbrochen. Migration ist – sowohl saisonal als auch dauerhaft – als eine der wichtigsten Ursachen für Schulabbrüche von Kindern anzusehen. Seit 2008 organisiert deshalb das Hilfswerk KMWSC (Kolkata Mary Ward Social Center) Lehrer, welche in mobilen Freiluftschulen den Kindern in den Ziegeleien Westbengalens grundlegende Schulstoffe unterrichten.
Mit medizinischen, mobilen Antennen besucht das Hilfswerk KMWSC zusätzlich regelmässige die Ziegeleien, um die Gesundheitsbedingungen der Migranten zu verbessern. Die Migranten und ihre Kinder leben unter unhygienisch mangelhaften Bedingungen. Fehlende sanitäre Einrichtungen und unsauberes Trinkwasser machen die Kinder anfällig für übertragbare Krankheiten. Da diese Migranten in absoluter Armut leben, sind genügend Nahrungsmittel unerreichbar, was ihre Notlage noch verschlimmert. Die Kinder haben starken Vitamin-A Mangel. Ihr Verdauungsapparat ist mit Würmen befallen, Ihr Skelett ist durch strenge Lasten, welche sie zu tragen haben, häufig entstellt.
Infolge hoher Geburtenraten und ohne Sensibilisierung auf Familienplanung sind die Leiden von Frauen und Säuglingen zahlreich. Durch ihren Migrantenstatus sind sie in den primären Gesundheitszentren der Regierung nicht willkommen. Sprachbarriere und starke Entfernung zu diesen halten die Migranten häufig davon ab, die medizinischen Anlaufstellen der Regierung zu besuchen, wenn sie Hilfe benötigen.
Dieser Zustand der Migrantengemeinde zwang KWMWSC dazu, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Gesundheitsbedingungen zu verbessern. KMWSC verbindet die Gemeinde auch mit der staatlichen Gesundheitsinfrastruktur und hilft ihnen beim Zugang zu ihrem Recht auf Gesundheit und ihren Kindern zum Recht auf Bildung.
Isabelle Hug, Präsidentin der Stiftung Calcutta Rescue, war vor Ort und ist überzeugt, dass KMWSC eine exzellente Arbeit für die Migrantenkinder in den Ziegeleien leistet. Der Stiftungsrat hat der KMWSC einen kleinen Beitrag für 3 Jahre zugesprochen.