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Seriöse Konkurrenzverfahren sind für Bauherrschaft und teilnehmende Architekten mit erheblichen Kosten verbunden. Daher finde ich es wichtig, dass eine Fachjury sorgfältig ausgewählt wird. Nachfolgend meine Überlegungen für eine faire Auswahl der Fachjury:
Eine Fachjury hat mindestens aus drei Personen zu bestehen, die innerhalb des Entscheidungsgremiums die Stimmenmehrheit haben. Die Fachjurymitglieder müssen aus unabhängigen, anerkannten Fachverbänden sein.
Beispiel für eine Fachjury, bestehend aus 3 Mitgliedern: 1 x SIA ArchitektIn 1 x FSAI ArchitektIn 1 x BSA ArchitektIn
Beispiel für eine Fachjury, bestehend aus 5 Mitgliedern: 2 x SIA ArchitektIn 2 x FSAI ArchitektIn 1 x BSA ArchitektIn
Wenn zwei oder mehr ArchitektInnen aus dem gleichen Fachverband in einer Jury vertreten sind, müssen sie zwingend aus verschiedenen Ortsgruppen sein, um eine unabhängige Jurierung zu gewährleisten. Es darf kein Fachverband eine Stimmenmehrheit haben.
Viele Architekturwettbewerbe werden zu Recht durch die öffentliche Hand initiiert, Projekte wie Schulhäuser, Altersheime, Verwaltungsgebäude und andere werden in der Regel durch Wettbewerbe vergeben. Es geht also meistens um grössere lukrative Projekte. Gerade deswegen muss sichergestellt werden, dass keine Bevorteilung durch eine Fachverbandangehörigkeit möglich ist, da es sich um Steuergelder handelt.
Was ist Kunst? Ich stelle mir diese Frage schon länger immer wieder, da die Aussage «Ich bin ein Künstler» vielen Zeitgenossen schnell über die Lippen kommt…
Ich bin mit Joseph Beuys einverstanden: «Jeder Mensch ist ein Künstler». Nur müsste sich auch jeder Mensch ausreichend mit sich selber auseinandersetzen, um zu merken, wo seine künstlerischen Möglichkeiten liegen.
Was Kunst ist, ist nicht messbar. Und trotzdem ist der Begriff Kunst bezogen auf unsere Zeitepoche verortbar. Meines Erachtens sollten folgende Prämissen vorhanden sein, um dem Begriff Kunst gerecht zu werden:
– Einmaligkeit – Schlüssigkeit
Die Aufzählung ist nicht abschliessend, zeigt dennoch die Richtung, wie sich Kunst – auch die fünfte Dimension genannt – in unserer heutigen Zeit definieren lässt. Der Begriff Kunst ist auf alles menschliche Tun anwendbar, das komplexe Strukturen auf eine überzeugende Art «darzustellen» vermag. Um etwas überzeugend darzustellen, sind die Erkenntnis, das Können, die Beobachtung und das Unbewusste/Bewusste (auch Musse genannt) unverzichtbare Voraussetzungen im Prozess zur Kunst. Wer wird diesen Prämissen gerecht:
Die Liste ist nicht vollständig und vor allem sehr persönlich geprägt. Zeigt jedoch den Massstab, um dem Begriff Kunst gerecht zu werden.
Das Wort Kunstakademie finde ich unglücklich; ein irreführendes Wort, eine Worthülse, mit der manchem Studierenden eine Last auferlegt wird, an der er früher oder später oftmals zerbricht. Kunst lässt sich nicht an einer Schule lernen, die Essenz der Kunst liegt im Menschen, kann jedoch durch Impulse von aussen wie an einer Schule für Gestaltung, um bei der Bildenden Kunst zu bleiben, gefördert werden.
Auf dem Thron der Kunst hat es nur für wenige Platz. Überdurchschnittliches Können eines Meisters ist nicht zu verachten, muss jedoch nicht immer Kunst sein…
Die Zukunft ist jetzt! Google Maps & Smart Maps machen es vor, wie man sich heute im virtuellen Raum bewegen kann.
Das virtuelle 3D-Modell von Landschaften, Dörfern und Städten wird in Zukunft für die Darstellung von neuen Projekten im Kontext von bestehenden Landschaften und Bauten eine nicht mehr wegzudenkende Rolle einnehmen.
Für die Ortsplanungsrevision der Gemeine Wolhusen benützen wir* ein «3D-Gemeindevolumenmodell», das die Topografie und alle bestehenden und auch geplanten Gebäude abbildet.
Das 3D-Modell wurde vom Planteam S aus Luzern aus den Geodaten der Schweizerischen Landesvermessung aufbereitet.
Mit diesem virtuellen 3D-Modell (siehe Video 1.25 Min.) ist es möglich, neue Gebäude als Volumen darzustellen, zusätzliche Geschosse von Gebäuden ein- und auszublenden, in den Strassenraum zu stehen, den Strassenraum auf Augenhöhe zu betrachten, um so den bestehenden und den neu geplanten Strassenraum virtuell zu vergleichen, damit dann hoffentlich die «richtigen» Schlüsse für mögliche zukünftige baulichen Veränderungen gezogen werden.
In der Gemeinde Wolhusen müssen heute neue Projekte in einer ersten Phase – betrifft in einem ersten Schritt nur die Kernzone – als virtuelle 3D-Volumenmodelle mit der Fachkommission Architektur besprochen werden. Das hat den grossen Vorteil, das der planende Architekt sich städtebaulich ohne all zu grossen Aufwand schnell einen Überblick verschaffen kann, was machbar ist in einem bestimmten Gebiet.
Aus dem virtuellen 3D-Datenmodell kann heute zusätzlich relativ einfach mit einem 3D-Drucker ein physisches 3D-Modell generiert werden, was für eine vertiefte Diskussion für anspruchsvollere Gebiete unerlässlich ist.
Die Schweiz wird sich in den nächsten Monaten bezüglich «3D-Gemeindevolumenmodell» rasant entwickeln, und daraus werden ganz neue planerische Möglichkeiten entstehen, welche hoffentlich eine weniger paragraphenlastige Architektur ermöglicht.
Gute Architektur kann besser über ein Modell entwickelt werden, als durch unzählige Baugesetzartikel, die oftmals gute Lösungen verunmöglichen…
Architektur & Olympia – ein Gespann mit langer Geschichte. Ein Beispiel der Superlative in jüngerer Zeit waren natürlich die Sommer-Spiele in Beijing 2008.
China stellte sich über die Olympischen Sommerspiele mit grossartiger Architektur der Welt als moderne Gesellschaft vor. Doch was passierte nach knapp drei Wochen mit den vielen Sportstätten, welche mit grossem Aufwand realisiert wurden? Dieser Frage ging der Fotograf Bruno Helbling aus Zürich im neu erschienenen Buch «Olympic Realities» nach, in welchem er sechs ehemalige Olympia-Städte fotografisch dokumentiert: Athen (1896, 2004), Berlin (1936), Sarajevo (1998), Turin (2006), Peking (2008) und Sotschi (2014).
Ein Buch, das beim Durchblättern nachdenklich stimmt; ungenützte Sportstätten, die vor sich hin altern… Einige wenige werden genutzt, was jedoch eher die Ausnahme ist. Die Fotos von Bruno Helbling machen den Grössenwahn und die vielen Fehlplanungen auf ästhetische Art und Weise sichtbar.
Text-Essays von ausgewiesenen Kennern der jeweiligen Städte wie Werner van Gent, Peter Dittmann, Ahmed Buric, Francesco Pastorelli, Barbara Lüthi und Martin Müller ergänzen die Bilder.
Das Buch ist ein MUST für jeden Architekten. Die Diskussionen um zukünftige Olympische Spiele haben erst begonnen. Sportstätten zu bauen, welche nur drei Wochen genutzt werden, können und sollten wir uns nicht mehr leisten… Architekten, die sich zukünftig an solchen Projekten beteiligen, haben nicht viel begriffen – und nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung nicht wahr!
Ich habe schon viel über das World Trade Center Projekt in Downtown Manhattan geschrieben. Siehe Links am Ende dieses Posts. Der Besuch des neuen One World Observatory letzten Samstag, welches Ende Mai dieses Jahres eröffnet wurde, war meinerseits mit vielen Vorurteilen verbunden.
Die architektonische Überarbeitung des Freedom-Towers, Architekt war Daniel Libeskind, zum One Word Trade Center durch David Childs von Skidmore, Owings and Merrill Architekten, ist geometrisch betrachtet interessant. Das Two in One Konzept «zwei Quader in einem» besticht. Mit einem Fussabdruck von 61 x 61 Meter, gleiche Grösse wie die 1970-Jahre Zwilligstürme, welcher sich nach oben um 45 Grad verdreht zu einem zweiten kleineren Quadrat, mit den Massen 43 x 43 Meter, entsteht eine skulpturale Figur, welche in der Geometrie als Antiprisma bezeichnet wird. Der Nord- und Südturm aus den 70-Jahren in einem Gebäude; eine überraschende Idee.
Neben der starken Antiprisma-Idee, welche mit 357 Meter Höhe 6/9 der ganzen Gebäudehöhe ausmacht, wird das Hochhaus mit zwei weiteren Elemente ergänzt. Der Sockel mit 60 Meter Höhe und der Dachabschluss mit «Krone» und Antenne, welche zusammen 124 Meter messen.
Der Sockel und der Dachabschluss bilden formal keine Einheit mit dem Antiprisma. Sockel, Mittelteil und Dachabschluss stehen architektonisch ohne Beziehung zueinander.
Der Sockel, ein Massivbau aus Beton und ohne Fenster, 20 Stockwerke hoch, wirkt sehr abweisend. Nur vier relativ kleine Eingänge auf jeder Seite mit (zu) kleinen Vordächern, stellen eine Verbindung zur Umgebung dar. Der fensterlose Sockel ist Ausdruck der Angst vor möglichen Terroranschlägen, welche einen architektonisch würdigen Eingangsbereich verunmöglichte… Im Sockelbereich ist vorwiegend Haustechnik untergebracht.
Der Mittelteil, der in seiner Idee bestechend ist, vermag in seiner architektonischen Ausformulierung die Erwartungen nicht ganz zu erfüllen. Die Glasfassade ist zu glatt, eine subtile Profilierung würde dem Gebäude gut tun. Auch sind die Gläser bezüglich Oberfläche nicht alle von gleicher Qualität, was die Fassade minderwertig wirken lässt.
Der Dachabschluss – ein runde, 20 Meter hohe Krone, darauf aufgesetzt die Antenne – bildet der dritte Teil des One World Trade Center. Reine Infrastruktur-Nutzung, welche dem Wolkenkratzer zu seiner Höhe von 541.3 Meter verhilft und so die Idee von Daniel Libeskind wieder aufnimmt. Die Spitze des Freedom-Towers sollte beim Entwurf von Libeskind eine Abstraktion des Arms der Freiheitsstatue darstellen und mit einer Gebäudehöhe von 1776 Fuss (541.3 Meter) an das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten erinnern.
Das One World Trade Center entspricht genau der aktuellen «Verfassung» der USA. Für grosse und neue Ideen fehlt es an Mut. Die Zwillingstürme aus den 1970-Jahren lassen sich nicht einfach in einem Turm zusammenfassen. Zum Glück!
Er lebt und arbeitete ohne Kompromisse; bis zum Schluss. Einziger Einschnitt in seinem Leben war der Alkoholentzug mit Ende Dreissig.
Als Kunstfotograf machte er keine Werbeaufnahmen, das sei Prostitution. Er fotografierte lieber Leute wie Andy Warhol, Mick Jagger, Phillip Johnsen, Salvador Dalí, David Hockney, Gilbert & George und viel andere. Die Idee seiner Arbeit als Fotograf war das schnelle Erfassen einer Situation. Das Spielen und Ausprobieren war ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Die Nachbearbeitung musste schnell gehen, das Rohe, Unverfälschte war ihm sehr wichtig.
Auch seine zweite Leidenschaft, der Computer und seine Möglichkeiten, war ein bedeutender Teil in seinem Leben. Er begriff Ende der 1980er-Jahre sehr schnell, welches Potenzial in dieser Technologie steckte.
Im Jahr 1992 baute Alex zusammen mit seiner damaligen Freundin Renate Sturmer das interaktive Kunstobjekt «Stuka». Der Name setzt sich aus Sturmer & Kayser zusammen. Der Touchscreen wurde in New York am 495 Broadway im Swiss Institut ausgestellt. «Stuka» wurde über das Internet aus dem Loft von Alex am 211 West Broadway mit Uptdates bestückt. Alex faszinierte an diesem Kunst-Projekt am meisten, wie die Besucher auf die damals absolut neue Technologie des interaktiven Screens reagierten.
«Stuka» brachte Alex grosse Aufmerksamkeit und interessante Aufträge, wie das AT&T Projekt «Mobile 2000», welches die Smartphon-Technologie von heute vorwegnahm. Auch in der Schweiz fand «Stuka» durch die Präsentation an der Art Basel Beachtung. Alex baute daraufhin für die Bergbahnen Laax und für die Uhrenfirma Swatch deren erste Webseiten.
Von 1998 bis 2000 führte Alex zusammen mit seiner Freundin Joy Rider †, einer begnadeten Sängerin, den Rhythm Club. Der Club war direkt gegenüber seinem Loft in TriBeCa. Alles war illegal ohne Bewilligungen, einfach machen, das war oft sein Motto. Es funktionierte, die Polizei hatte Freibier und bezahlte keinen Eintritt… Alex erzählte mir viel aus den 1970er- und 80er-Jahren, als alles noch authentischer gewesen sei. Er vermisste das alte TriBeCa mit den Handwerkergeschäften, Pubs & Bars, wo sich Künstler, Handwerker und Anwälte trafen und zusammen Bier tranken.
1999 lebte ich ein halbes Jahr in New York. Ich arbeitete für Alex und unser neugegründetes Büro in Kriens. Ich half im Rhythm Club und baute ein 3D-CAD-Modell vom Club. Das war im sehr wichtig. Der Club und das Haus gibt es heute nicht mehr. Durch das ArchiCAD-Video (1.05 Min.) aus dem Jahr 1999, unterlegt mit einem Song von Joy Rider, lebt der Rhythm Club weiter.
Die Arbeit mit Alex war immer extrem fordernd, er hatte ein unbestechliches Auge. Er sagte oft: Der hat mir noch nie eine interessante Frage gestellt… Er war einer, der alles sehr genau anschaute mit seinen grossen Augen. Er konnte es nicht verstehen, dass so viele Menschen so oberflächlich durchs Leben gehen, und dadurch auch keine interessanten Fragen stellen können…
Ab 2001 wohnte ich bei Alex in seinem Loft, wenn ich jeweils für drei Wochen im Herbst in New York war. Das rote Backsteinhaus mit Feuerleiter, den überhohen Räumen, dem massivem Eichenboden und an bester Lage im Süden von Manhattan am 211 West Broadway & Franklin Street, mit der Subway Station Nr. 1 und 9 direkt vor dem Haus: Ein Glücksfall! Das grosszügige Loft war ein Treffpunkt für viele, und für mich ein zweites Zuhause.
Für Alex war es wichtig, dass er nie aus seinem Loft ausziehen musste. Er lebte bis am Schluss in seinem geliebten Loft: A Sweet Home…
Im Kanton Luzern wird in den nächsten Jahren die Ausnützungsziffer «AZ» durch die Überbauungsziffer * «ÜZ» ersetzt. Die Umsetzung in den Gemeinden erfolgt nun im Rahmen der ordentlichen Zonenplanrevision. Die Befreiung von der AZ stellt für Architekten wie auch für Behörden eine grosse Erleichterung dar, da die Rechnerei, was zur AZ zählt, wegfällt.
Am 11. Juni in diesem Jahr lud der BSA Zentralschweiz zu einer Infoveranstaltung unter dem Titel «ÜZ – simple Formel versus freie Gestaltung?» ein. In der Einführung zur ÜZ, durch Roger Michelon vom Planteam S Luzern, fielen folgende zwei Schwachpunkte auf:
Das Festhalten am Fussabdruck lässt eine Gliederung in der Fläche nicht zu, ohne an der Ausnützung Abstriche zu machen. Diese Vorgabe führt zu schemenhaften Volumen ohne Vor- und Rücksprünge, welche eine differenzierte Architektur über das Volumen verunmöglicht. Balkone dürfen maximal 1.5 Meter über den Fussabdruck ÜZ-Fläche auskragen, was faktisch dazu führt, dass niemand mehr Balkone macht, da alles, was über 1.5 Meter tief ist, zu Lasten der Ausnützung geht.
Im Grundsatz zielt die ÜZ in die richtige Richtung, jedoch sollte eine Baute nicht über den Fussabdruck definiert werden, sondern über die maximale Geschossfläche, multipliziert mit einer Geschosshöhe, in der Regel von 3 Meter, um das sichtbare Volumen zu definieren, ab gewachsenem Terrain. Folgende zwei Beispiele (Skizzen) sollen den Unterschied aufzeigen. Grundlagen der beiden Modellbeispiele: Grundstück 1000 m2, ÜZ 0.3 (300 m2), viergeschossig.
Die erste Skizze (gelbes Haus) zeigt ein viergeschossiges Gebäude mit 300 m2 Grundfläche (Fussabdruck), wie es die geplante ÜZ vorsieht. Die maximale Geschossfläche von 1200 m2 kann nur realisiert werden, wenn der maximale Fussabdruck von 300 m2 nach oben kopiert wird.
Die zweite Skizze (oranges Haus) zeigt ebenfalls ein Haus mit 1200 m2 Geschossfläche. Jedoch beziehen sich die Flächen nicht auf den Fussabdruck von 300 m2. Die maximale Geschossfläche wird auf die vier Geschosse frei verteilt. Das Erdgeschoss hat eine Fläche von 375 m2, die beiden Obergeschosse 340 m2 und das Attikageschoss 145 m2.
Die zweite Skizze der ÜZ-Anwendung lässt die Möglichkeit offen, Gebäude zu entwerfen, welche nicht nur schematisch einem Fussabdruck folgen. Natürlich müssten die gesetzlichen Gebäudelängen und Grenzabstände eingehalten werden.
Um auf die Körnigkeit – d.h. Grösse der einzelnen Volumen in einem Gebiet – Einfluss zu nehmen, ist die maximale Gebäudelänge ein bewährtes Instrument.
Der Thematik der Balkongrössen könnte mit dem Weglassen einer maximalen Auskragung begegnet werden. Balkone sollten in einer beliebigen Grösse an ein Bauvolumen angefügt werden können, immer unter Berücksichtigung der gesetzlich maximalen Gebäudelängen und Grenzabstände.
Diese zwei Anpassungen in der ÜZ-Anwendung könnten viele zusätzliche Paragraphen verhindern, ohne die architektonische Vielfallt einzuschränken.
* Die Überbauungsziffer gibt an, welcher Teil der anrechenbaren Landfläche mit oberirdischen Gebäuden (An- und Nebenbauten eingeschlossen) belegt werden darf.
«Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.» Das gilt speziell für die noch junge Welt von Webseiten – 2’500 Jahre nach dem viel zitierten Zitat von Heraklit.
Im Jahr 2005, als wir noch unter dem Namen Schnieper Keller Architekten die Homepage aufschalteten, gab es in der Schweiz 700’000 Webseiten. Heute – 10 Jahre später – sind es ca. 2 Millionen. Die Anzahl ist das eine, die inhaltliche Entwicklung das andere. Was vor ein paar Jahren «state of the art» war, ist heute längst Schnee von gestern.
Die digitale Welt bewegt sich in einem rasanten Tempo. Für die Überarbeitung meines Internetauftrittes heisst das, die Zukunft möglichst gut zu antizipieren, ein Gespür zu entwickeln für die nähere Zukunft. Das setzt voraus, die Besucherbedürfnisse möglichst gut zu kennen, um die richtigen Inhalte im richtigen Format anzubieten und ausserdem, eine Software einzusetzen – WordPress als CMS und Bootstrap als Framework – die auch in der näheren Zukunft eine Rolle spielen wird. Zusätzlich muss eine Onlineauftritt heutzutage responsiv sein, was bedeutet, dass der ganze Inhalt auf allen Gerätetypen – vom Desktop über das Tablet bis hin zum Mobile – einwandfrei dargestellt und bedient werden können muss, ohne Kompromisse.
Mit diesen Voraussetzungen bin ich an die Überarbeitung der Webseite gegangen. Es sollte eine Internetseite werden, die sowohl auf der Desktop- wie auch auf der Mobile-Ansicht einheitlich aussieht; der Besucher sollte graphisch und inhaltlich das identische Erlebnis haben. Die Idee ist das eine, die technische Umsetzung das andere. Für die technische und funktionale Umsetzung hatte ich mit Aldo Bombelli von Skouhus & Bombelli Luzern einen sehr kompetenten Partner, welcher mich entscheidend bei der Entwicklung der neuen Seite unterstützt hat.
Der technische Fortschritt bezüglich Bildgrössen, Pixeldichte und Internetgeschwindigkeit verlangte meinerseits eine totale Überarbeitung aller Pläne und Fotos, was über 800 grafischen Dokumenten entspricht. Ich musste also die graphischen Inhalte neu in einer Bildbreite von 4000 Pixeln aufbereiten, was eine zukünftige noch höhere Pixeldichte bereits berücksichtigt.
Vor 10 Jahren hatte ich viele Ideen, jedoch war technisch nicht alles machbar. Heute ist das Gegenteil der Fall: Alles ist möglich, die Schwierigkeit besteht nur noch darin, die richtigen Entscheidungen zu treffen: Wie in so vielem in unserem heutigen Leben…
Bis zur perfekten Kurve waren einige Hürden zu überwinden… Ich war nicht der erste Architekt, der sich auf diesem schönen Grundstück mit den stark einschränkenden Servitutsauflagen* gemessen hat: Eine Durchfahrt (Durchfahrtsrecht) auf der Nordostseite musste gewährleistet sein. Das Haus durfte nur zweigeschossig in Erscheinung treten (Höhenbegrenzung), nach Baugesetz wären zwei Geschosse plus Dachgeschoss möglich gewesen. Auch die Gebäudetiefe in südwestlicher Richtung war durch eine zweite Höhenbegrenzung begrenzt. Des weiteren war eine Grenzabstandserweiterung gegen Nordwesten einzuhalten.
Die Idee, die Kurve der Sunnerainstrasse in die Gebäudeform aufzunehmen – form follows function – und ein Atrium hinter der konkaven Fassade anzufügen, ermöglichte die natürliche Belichtung des Elternschlafzimmers und des dazugehörigen Bads, ohne die nötige Privatsphäre preiszugeben. Die Schlafräume mussten im Untergeschoss untergebracht werden, da aus dem oben beschriebenen Grund auf ein Dachgeschoss verzichtet werden musste.
In der Reportage «Die perfekte Kurve» von Katrin Montiegel werden viele weitere Details beschrieben, die dieses Haus so einzigartig machen, trotz oder vielleicht gerade wegen den relativ einschränkenden Servitutsauflagen.
*Die Servitutsauflagen beziehen sich auf das Nachbarshaus in nordwestlicher Richtung.
Bauen bedeutet, sich für etwas zu entscheiden, eine Wahl zu treffen aus einer endlichen Auswahl. Entscheidungen beim Bauen können nicht so einfach rückgängig gemacht werden, was dem digitalen «Unverbindlichenunendlichen» wiederspricht.
Wir sind uns heute gewohnt, in vielen Situationen relativ unverbindlich durchs Leben zu gehen, dank der Online-Kommunikationsmöglichkeiten, die das Nicht-Entscheiden-Müssen fördern, was vielen entgegenkommt – nicht nur der «Generation Maybe». Die Angst zu entscheiden wird einem durch das digitale «Unverbindlicheunendliche» abgenommen. Was beutetet das für unsere Lebensweise: Vieles ist oft im Fluss, eine «definitive» Entscheidung wird für viele immer schwieriger, eventuell kommt noch etwas besseres… Eine unendliche Informationsflut in einem noch nie dagewesenen Tempo. Eine gute Entscheidung zu treffen bedeutet, das richtige Gefühl für etwas zu entwickeln. Das richtige Gefühl entwickeln kann nur, wer ein gesundes Fundament an Wissen und Reflexionfähigkeit hat. Zwei Grundlagen, welche viele Menschen durch den oberflächlichen Gebrauch der digitalen Möglichkeiten und der daraus resultierenden Lebensweise kaum noch erlangen. Das Wissen und die Reflexion bleibt oft knapp, was für wichtige Entscheidungen nachteilig sein kann…
Was für das Leben gilt, gilt auch für die Architektur. Nur wenige nehmen sich die Zeit, sich mit etwas genauer auseinanderzusetzen. Für gute Architektur reicht es nicht, wenn sich der Architekt im Idealfall vertieft mit einer Fragestellung auseinander setzt. Auch der Bauherr sollte sich genügend Zeit nehmen, um nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Ein Haus ist keine App, welches mit einem einfachen Update neu gestaltet werden kann. Das Spannungsfeld zwischen den «unverbindlichenunendlichen» digitalen Möglichkeiten, wo das ständige Anpassen immer möglich ist, versus der verbindlichen und endlichen archaischen Architektur, wo das Ändern nachträglich nur schwer möglich ist, wird für viele immer grösser.
Niemand will oder kann entscheiden, man ist sich schon gewohnt, vieles immer wieder anzupassen, oft unreflektiert aufgrund von neuen Informationen… diese Art zu Leben und Arbeiten führt zu Konflikten – nicht nur in der Architektur, wo Entscheidungen von einer gewissen Tragweite gefällt werden müssen. Wenn wir nicht mehr lernen, reflektierte Entscheidungen zu treffen, und auch die Verantwortung dafür zu übernehmen und auszuhalten, führt das früher oder später zu unangenehmen Situationen. Das Wechselspiel in der Entscheidungsfindung zwischen Input- und Reflexionsphase sollte gelernt sein, gerade bei den «unverbindlichenunendlichen» Informationsmöglichkeiten von heute, um Entscheidungen mit Tiefgang zu treffen.
Grundlage guter Entscheidungen ist das Beobachten, die Achtsamkeit… Achtsamkeit braucht jedoch Ruhe und Zeit, da gibt es keine Abkürzungen, auch nicht in Form der «unverbindlichenunendlichen» digitalen Hilfsmittel.
Wer nicht selber mit einer gewissen Weitsicht entscheiden kann, für den wird irgendwann entschieden…