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Friedrich Lodemanns Erinnerungen Der grosse Irrtum (herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von seinem Sohn Jürgen) sind eine sehr aufschlussreiche Lektüre.
Friedrich Lodemann (1894-1973) war Ingenieur bei der Firma AEG und ausserdem Blockwart in Essen, also gewissermassen „Unteroffizier“ der NSDAP (Parteimitglied seit 1931). Hier erzählt er aus der Zeit des Dritten Reichs, aber auf eine besondere Art. Im Gegensatz zu vielen seiner zeitgenössischen Landsleute ist Lodemann aufrichtig: Er bestreitet nichts, verharmlost nichts, versucht nicht, sich irgendwie herauszureden, sondern übernimmt ganz offen und ehrlich die moralische Verantwortung für sein damaliges Verhalten. Er erläutert klar, warum er Nationalsozialist wurde (vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen) und warum er sich schliesslich noch vor 1945 wieder vom Nationalsozialismus abwandte (aus Enttäuschung über nicht eingehaltene Versprechungen). Auch den Holocaust nennt Lodemann schonungslos beim Namen.
Im Ersten Weltkrieg war Lodemann übrigens Matrose in der Kaiserlichen Marine. Seine Karriere als Offiziers-Anwärter endete dadurch, dass er einen Vorgesetzten ohrfeigte… Auf dem Umschlag des Buches zu sehen sind Lodemann Senior, flankiert von seinen beiden älteren Söhnen in HJ-Uniformen – und vorne der kleine Jürgen. Von seinem Vater (so zumindest die familiäre Überlieferung) aus Pflichtgefühl gezeugt, weil die sogenannte „arische Rasse“ sich ja vermehren sollte und dafür, rein mathematisch gesehen, pro Ehepaar mindestens drei Kinder nötig waren.