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Ressourcen: Musikdatenbanken im Internet
Übersicht
Monatlich kommen in westlichen Ländern etwa 4000 neue Musiktitel auf den Markt (F. Pachet & D. Cazaly; A Taxonomy of Musical Genres (PDF), 2000, S. 1). Die selben Autoren schätzen die Zahl aller Veröffentlichungen zur tonalen (westlichen) Musik auf 4 Millionen. Nähme man alle Veröffentlichungen der nicht-westlichen Musik hinzu, verdrei- oder vervierfachte sich diese Zahl gar! Wer kann diese immensen Mengen fassen? Ein Mensch kann das nicht mehr überschauen, aber eine Datenbank kann es enthalten und jeden Titel auf Abfrage ausgeben.
Einige solcher Datenbanken sind im Internet verfügbar, allerdings enthalten Sie bei Weitem nicht alle Veröffentlichungen schlechthin. Eine Übersicht zu online zugänglicher Datenquellen bietet , deren Liste auch Angebote enthält, die hier nicht interessieren: Sheetmusic-Datenbanken, Lyrics-Datenbanken, Rezensions-Datenbanken, Internetradiostationen etc.
Im Dezember 2009 publizierte ein Wired-Artikel vier Gründe, für eine umfassende Musikdatenbank:
- Eine solche Datenbank würde erstens helfen, die Musiker/-innen zu bezahlen.
- Sie würde zweitens die Nachhaltigkeit von Musik-Services fördern. Diese werden verkauft und von anderen Firmen übernommen. Ob die Kunden dann noch auf die selbe Musik zugreifen können ist fraglich)
- Diese Megadatenbank liesse interessante Mashups und APIs zu.
- Abonemments-Services würden dadurch für Kund/-innen vertrauenswürdiger.
Rate Your Music
Die von Hossein Sharifi entwickelte Applikation Rate Your Music (RYM) enthält Informationen zu Alben, EPs, Singles, Videos und Bootlegs. Hinzu kommen ein Ratingsystem, das der Applikation den Namen gibt, und die Möglichkeit, dass Benutzer Rezensionen und Diskussionsbeiträge eingeben können. Dies alles dient dazu, Benutzern Musiktipps anzubieten.
Sie finden Musik, die Ihnen gefallen könnte über die Rating-Jahreslisten, über Listenzugehörigkeiten und über Diskussionsbeiräge anderer Benutzer.
RYM enthält ca. 950'000 Einträge (Stand August 2007).
Discogs
Discogs ist eine Online-Datenbank, die im Jahr 2000 als privates Projekt von Kevin Lewandowski begonnen wurde. Lewandowski wollte zunächst seine eigene Plattensammlung auf seiner Homepage verwalten. Seine Site wurde schnell ein überpersönliches Ding. Zuerst wurde aus Discogs die umfangreichste Datenbank für Elektronische Musik und mittlerweilen sind in Discogs die Singles, EPs, Vinyl-LPs, Musik-Cassetten, CDs, Minidiscs, Netaudio-Releases oder DVDs vieler anderer Genres zu finden – wenn auch nicht in der selben Vollständigkeit. Die Genres neben Electronica sind Hip Hop, Rock, Funk / Soul, Pop, Jazz, Reggae, Latin, Non-Music und Blues.
Die typischen Suchresultate sind Diskografien von Artists und Labels, daher der Name «Discogs». Eine einzelner Eintrag ist ein Release mit Informationen wie: Artist, Label und Katalog Nummer, Coverbild(er), Format (CD, CDR, LP, MC), Land (nicht immer klar, ob Land des Acts oder Land des Labels gemeint ist), Releasedatum, Genre, Stil, Credits, Rating (0–5), Track Listing, Rating und Kommentare. Das heisst, es wird jede Variante eines Releases erfasst, dessen amerikanische, englische kontionentaleuropäische usw. Ausgabe.
Hinter Discogs steht heute eine grosse Community, bestehend aus registrierten Usern, Moderatoren und Editoren. Alle registrierten User können noch fehlende oder neue Releases erfassen, sowie raten und kommentieren. Moderatoren garantieren die Qualität der Informationen. Editoren können Änderungen an bestehenden Einträgen vornehmen. Der ganze Erfasungs- und Veröffentlichungs-Prozess kann zwischen einigen Stunden im besten Fall bis zu einigen Tagen oder gar Monaten dauern.
Stark ist Discogs vor allem bei Neuheiten und bei Tanz- und Clubmusik. Aber auch in den nicht so starken Bereichen wächst Discogs täglich.
Discogs ist eine typische Web 2.0 Applikation und bietet Ihnen als Nutzer/in die Möglichkeit, mit My Discogs Ihre Sammlung online zu verwalten. Sie können jeden Release zu My Discogs hinzufügen, und zwar als Sammlung (Collection) oder Wunschliste (Wantlist). Diese persönlichen Diskografien können Sie sich anzeigen lassen. Sie enthalten zu jedem Eintrag die Katalognummer, Artist (als Link), Titel (als Link), Label (als Link), Format und Ihr Rating. Die Sortierkriterien sind wählbar. Natürlich können Sie sich Ihre Discogs (Collection und Wantlist) herunterladen – und zwar als Excel-File, das zu den Infos noch den Discogs-Link jedes Eintrags mit aufführt. Alle diese Dienste sind kostenlos.
Geld verdient Discogs mit seinem virtuellen Marktplatz, wo Benutzer Musik kaufen und verkaufen können.
Zu Discogs hat de:bug in der Ausgabe 102 den Artikel «Archiv mit Hinterzimmern» veröffentlicht.
Discogs hat über 1.14 Million Einträge (Stand November 2007).
MusicBrainz
Die MusicBrainz- baut auf der Freedb-Datenbank auf, ist sozusagen deren benutzerfreundliche Applikation. Dabei verwendet MusicBrainz das wahrscheinlich elaborierteste Datenmodell.
Sie können in MusicBrainz nach Acts, Titeln, Tracks und Labeln suchen. Releases haben teils Links zu Einträgen in Wikipedia, Discogs oder Amzon. Musik, die Sie noch nicht kennen, finden Sie über den «Similar Artists»-Link.
MusicBrainz hat über 500'000 Releases eingetragen (Stand August 2007).
Amazon
Amazon ist bekanntlich der grösste Internet-Medienhandel. Die Produkt-Datenbank von Amazon enthält deshalb sehr viele Alben, EPs, Singles, Videos, Bücher usw.
Sie finden Amazon Reviews, Kunden-Reviews und -Ratings.
EchoNest
EchoNest ist ein 2005 gegründeter Datenbank-Service, der das Internet nach Informationen über Musik abgrast und diese sammelt. Die Datenbank hat kein Internet-Frontend; die Daten werden aber an über 400 verschiedene Internet-Dienstleister verkauft (Stand Sommer 2014), unter anderem an Billboard oder Spotify. Spotify besitzt die Startup-Firma seit März 2014. EchoNest ist die Zukunft webbasierter Musikdatenbanken, wie Spotify die Zukunft des Musikkonsums ist.
Infos: (en)
45cat
45cat verzeichnet Singles (und EPs) nach Acts und Ländern geordnet. Die Datenbank enthält viele Bilder von Etiketten und Hüllen.
Musipedia
In dieser Datenbank können sie nach Melodien suchen. Es gibt verschiedene Eingabearten für Melodien, Klaviatur, Selektion von Tönen usw.
Musicango - ehemals Musik-Discographie
Musicango ist das Ein-Mann-Projekt von
Wolfgang Scharfe. «Auf Musicango entdecken Sie welcher Interpret in welchen Bands, oder als Solist mit welchen anderen Interpreten, wann und an welchen Projekten gearbeitet hat». Es lässt sich herausfinden, wer in welcher Band als Mitglied und Gastmusiker/-in aufgenommen hat.
Quellen sind Datenbanken im Internet (AMG, Wikipedia oder Discogs), die eigene Sammlung und Literatur.
Discography of American Historical Recordings
Discography of American Historical Recordings (DAHR) ist eine Datenbank, die mehr als 130'000 Masteraufnahmen von Amerikanischen Schallplattenfirmen aus dem Schellack-Zeitalter (78rpm Platten) enthält. Die Datenbank gehört zum American Discography Project (ADP) der University of California, Santa Barbara und des Packard Humanities Institute. Sie können in der Datenbank nachschlagen, welche «Takes» bei Sessions gemacht wurden, welche Schallplatten davon auf den Markt kamen und natürlich fehlen die Namen der involvierten Bands, Musiker, Solisten, SängerInnen usw. nicht. Diese Datenbank wird die definitive Onlinequelle für amerikanische Schellack-Platten. Sie ist immer noch im Aufbau begriffen.
AllMusic (früher All Music Guide)
AllMusic ist Teil des All Media Guides, der drei Abteilungen hat: Neben dem All Music Guide den All Movie Guide und den All Game Guide. Gegründet wurde die Datenbank 1991 von Michael Erlewine. Seit 2007 gehört sie und die Webseite der Firma Rovi Corp (siehe Wikipedia, abgerufen 15.7.14).
Sie können in AllMusic nach Acts/Namen, Alben, Songs und Klassischen Werken suchen. Sie erhalten dann Biografien und Diskografien zu Acts, Informationen und Rezensionen zu Rleases und Songs. Die Diskografien sind in Main Albums, Compilations, Singles & EPs, DVDs & Videos und Others eingeteilt. Die Restkategorie Others umfasst vor allem Bootlegs. Zu jedem Release finden Sie viele Informationen: das Cover, eine Rezension/Besprechung, ein Rating, eine Trackliste (im besten Fall mit Angabe der Autorschaft, der Trackdauer und einem 30-Sekunden Streaming-Sample), die Release-Daten und Auflagen, das Label, die Credits, ausserdem je Genre-, Stil-, Moods- und Themenzugehörigkeiten. Natürlich lässt diese Zuteilung eine Suche nach Stilen, Stimmungen oder Themen zu – auch über Instrumente und Länder. Der AllMusic bietet ausserdem verschiedene Rubriken, die Sie sonst eher von Online-Magazinen erwarten würden: Editor's Choice zeigt die besten neuen Releases aus den letzten drei Monaten, in der Rubrik New Releases können Sie nach Veröffentlichungsdatum suchen, die Kategorie Top Searches zeigt, dass die Beatles, Dylan, Sonic Youth, Pink Floyd, die Red Hot Chilli Peppers (Stand 3. Juli 2006) in AllMusic am meisten gesucht werden. Die neueste Rubrik heisst Whole Note. Darin finden Sie zumeist kommentierte thematische Diskografien.
AllMusic hat zwar die Rubrik Singles & EP's, aber die Suche nach Singles ist nicht seine Stärke. Es ist nicht nur dass viele Singles fehlen, sondern dass der AllMusic nicht wirklich eine Datenbank für Singles ist, da er von den Tracklisten der LP-, CD-, EP-Releases ausgeht und die einzelnen Songs (Tracks) in einer weiteren Datenbank-Kategorie erfasst. In der Rubrik Songs können Sie nach jedem erfassten Track suchen, was teils zu unüberschaubar vielen Resultaten führt. Ausgeben lassen können Sie sich die Songlisten bezogen auf einen Namen (Künstler, Act) oder auf alle Namen (klicken Sie auf: All Performers that have performed this Title). Ausserdem gibt es einzelne Besprechungen zu wichtigen Tracks (siehe die Besprechung zu Let it be).
Die Datenbank ist vor allem im Bereich Main Albums sehr gut gepflegt. Es gibt zwar Lücken da und dort, bei älteren Releases, die bisher noch nicht auf CD neu aufgelegt wurden, fehlen oft die Covers, Electronica Releases aus Europa fehlen im grossen Umfang. Leider unterscheidet der AllMusic beim Release-Datum nicht zwischen Europa und Amerika. So sind Europäische Releases oft mit den teils viel späteren amerikanischen Erscheinungsdaten versehen. Die Performance der Datenbank ist gut, Sie müssen nur in Spitzenzeiten lange auf Resultate warten.
Seit dem 15. Juli 2013 hat AllMusic sein aktuelles blaues Erscheinungsbild.Genau ein Jahr später, am 15. Juli 2014 führte AllMusic die Collection-Funktion ein, mit der man Releases zu einer individuellen Sammlung zusammenstellen kann. Eingeloggt kann man ausserdem Alben bewerten, einzelnen Acts folgen, Mitteilungen über neue Releases erhalten und Listen erstellen.
Freedb
Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, warum ein Computer eine Musik-CD spielen kann und vor allem, warum der Player (iTunes, Winamp usw.) oder die Software, mit der Sie CDs auf dem Computer speichern (rippen), die CD, die Tracknamen und deren Spielzeiten kennt? Diese Informationen sind nämlich nicht auf der CD enthalten, sondern müssen im Internet abgefragt werden. Eine Client-Software in Ihrem Player oder der Ripping-Software liest eine ID von der CD und schlägt die gesuchten Informationen bei Freedb oder Gracenote nach. Manchmal können Sie bei einem Player einstellen, bei welcher der beiden Datenbanken angefragt werden soll.
Sie können auf freedb.org auch direkt mittels Suchfeld nach Musik suchen. Man findet allerdings nur sehr basale Informationen wie Act, Titel, Cover, Erscheinungsjahr, Gesamtspielzeit, Trackliste mit Angabe der Dauer plus die Disc-ID.
Gracenote und CDDB
CDDB steht für «Compact Disc Database» und ist der Markennname des Anbieters «Gracenote». CDDB hat genau die selbe Funktion wie Freedb.
Zur Geschichte von CDDB (Wiki-Zitat): «CDDB wurde 1995 von Ti Kan und Steve Scherf entwickelt, 1998 gründeten sie die gleichnamige Firma. CDDB wurde von Escient übernommen und in Gracenote umbenannt. Gracenote hält seitdem die Rechte an der Datenbank. Eine Änderung der Lizenzbedingungen im Jahre 2001 und die Einführung eines geänderten Protokolls machten den Datenbankzugriff für freie Software unmöglich. Als Alternative wurden daraufhin die Freedb-Datenbank und das MusicBrainz-Projekt gegründet.»
Ende 2016 wurde Gracenote von Nielsen für 560 Millionen Dollar gekauft. Inzwischen enthält die Datenbank Songs in der Grössenordnung von 200 Millionen, 12 Millionen Filme und TV-Sendungen sowie Sport Daten.
Musikzimmer
Die Datenbank von Musikzimmer.ch besteht aus vier Haupt- und einigen Nebentabellen: Alben, Songs, Videos und (Fach-)Literatur sind drin erfasst. Die Alben-Tabelle enthält vor allem reguläre Studioalben und wenig Greatest-Hits- bzw. Live-Alben. Gemessen an den grossen oben genannten Online-Angeboten ist sie sehr klein im Umfang, strebt aber an, für die Geschichte der modernen Musik wichtige Alben und Songs zu enthalten.
Die Musikzimmer-Datenbank enthält viele Links zu anderen Online-Ressourcen (Datenbanken, Reviews, Bestenlisten, Labelpages) und bietet mit der «Square-Discog-Navigation» eine Funktion an, über die man schnell zu verwandten Releases gelangen kann. Die Square-Discog-Navigation versucht einem Grundproblem von Datenbanken entgegen zu wirken: Man findet nur, was man nachschlägt und man schlägt nach, was man bereits kennt. Auf diese Weise lernt man in vielen Datenbanken wenig Neues kennen. Insgesamt streben die Funktionalitäten der Musikzimmer-Datenbank an, einen Release nicht als ein Individuum zu begreifen, sondern als Bestandteil einer Artist-, Produzenten-, Label-, Genre- und Zeit-Diskografie. Ein einzelner Release stellt einen Schnittpunkt auf diesen genannten Dimensionen dar.
Die Musikzimmer Datenbank enthält ca. 19000 Alben (Stand Oktober 2011 – im Aug. 2007 enthielt sie noch 12000 Alben).