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Das Laternenfest, auf Chinesisch „Yuanxiaojie“ genannt, ist ein traditioneller chinesischer Feiertag, der das 15-tägige Neujahrsfest abschliesst. Es fällt jeweils auf einen Tag des Vollmonds – was auch erklärt, warum das Fest „Yuanxiao“ heisst. Das Wort „Yuan“ bedeutet „Kreis“ oder „Zusammentreffen“ und „Xiao“ steht für „Abend“. Das Laternenfest ist also ein Fest am Vollmondabend, bei dem Familien, Verwandte und Freunde zusammenkommen. Dieses Jahr war es am 6. Februar soweit.
Zum Laternenfest werden in China landesweit Laternenausstellungen veranstaltet. Laternen sämtlicher Farben, Formen und Muster sind dann zu sehen. Beliebt sind Darstellungen von Tierkreiszeichen, symbolträchtigen Tieren, Pflanzen und Fabelwesen oder Szenen aus Legenden. Als Materialien werden lackiertes Holz, Perlmutt, Pergament, Papier und Horn verwendet.
Ein wichtiger Teil der Laternenausstellung ist das Rätselraten. Die Darstellungen auf den Laternen enthalten Rätsel, oder die Besitzer der Laternen kleben solche zusätzlich auf. Die Besucher können sie abreissen, wenn sie ihre Lösung wissen. Wer richtig geraten hat, bekommt ein kleines Geschenk.
Es ist auch Sitte, am Laternenfest „Tangyuan“ zu essen. Das sind Klösschen aus klebrigem Reismehl mit süsser Füllung. Auf Chinesisch klingen „Tangyuan“ und „Tuanyuan“ ähnlich. „Tuanyuan“ bedeutet etwa „Familientreffen“. So glaubt man, dass das Essen von „Tangyuan“ der Familie Glück bringt.
Der Überlieferung nach feierten die Chinesen das Laternenfest bereits seit der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.). Um die Verbreitung des Buddhismus zu fördern, beschloss der Kaiser damals, am 15. Tag des ersten Mondmonats am Kaiserhof und in den Tempeln Laternen aufzuhängen. Später wurde diese buddhistische Sitte zu einem Volksfest und verbreitete sich von den zentralen Gebieten Chinas über das ganze Land. So entstand nach und nach das Laternenfest.
Auch wir durften es dieses Jahr miterleben. In unserem Wohnort Xiamen fand die Laternenausstellung in einem Museumspark auf einer kleinen Inselgruppe satt. Ich hatte mir eine kleine Ausstellung mit unterschiedlich farbigen und verzierten Laternen vorgestellt. Doch dann war ich überwältigt von dem riesengrossen Gelände mit unzähligen verschiedenen Lichterskulpturen. Da gab es Drachen, Kung Fu Kämpfer, Gelehrte, Szenen auf dem Fluss oder im Wald, ein Hirte mit seiner Schafherde, eine Vogelschaar, Affen, Schweine, Schwäne, Kühe, Elefanten, Kaiserpaare in verschiedenen Dynastien, Masken der Pekingoper, eine Hochzeitsszene und viele weitere Darstellungen. Überwältigend! Auf einer Bühne wurden zudem Opern und Drachentänze aufgeführt.
Drei Stunden spazierten wir von einer Darstellung zur anderen und bewunderten die fantastischen Laternen. Gesehen haben wir aber bei Weitem nicht alles. Tausende von Leuten hatten den Weg zur Ausstellung gefunden, zum Teil gab es kaum noch ein Durchkommen. Auf den Strassen um den Park herum herrschte grosses Verkehrschaos. Parkplätze gab’s nicht wirklich, deshalb parkierten alle Autos am Strassenrand. Vor allem die elektrischen Bikes, die in China sehr beliebt sind, waren zu tausenden vorhanden. Wir konnten mit der Arbeitskollegin meines Freundes mit dem Auto hinfahren. Zum Glück! Denn ein Taxi für den Rückweg zu bekommen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Die Busse waren ebenfalls zum Bersten gefüllt. Das Auto des Kollegen hinterher wieder zu finden, kam der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich. Vor allem da wir einen anderen Ausgang als Eingang genutzt hatten, hatten wir etwas Mühe damit.
Die Autorin: Tamara Benz, Jahrgang 1983, ist in Davos geboren und aufgewachsen, ehe sie für sieben Jahre nach Brugg zog. Dann ging ihre Reise weiter: Seit kurzem lebt sie nun in China. Ihr Freund hat hier einen Job als Expat in der Stadt Xiamen bekommen. Und sie will die Möglichkeit nutzen, Land, Leute und die Sprache kennenzulernen. Hier im Blog berichtet Tamara regelmässig über ihr Leben in Asien.