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Unwetter verwandeln Bäche in tobende Fluten und bringen Hänge ins Rutschen. Schlamm und Steine werden ins Tal gerissen und überschwemmen Dörfer und Strassen. Nach solchen Katastrophen ist die Gefahr jedoch nicht gebannt. Die entstandenen Bodenwunden bergen das Potential für ein nächstes Unglück.
Früher haben Ingenieure bei der Stabilisierung solch "angeschlagener" Hänge auf Beton und Stahl gesetzt. Wer einen Hang so sichern will, muss ihn fast vollständig verbauen, um den notwendigen flächenhaften Schutz zu erreichen. Entsprechend massiv ist der Eingriff in die Natur und ins Landschaftsbild, entsprechend hoch sind die Kosten. Der Lebendverbau setzt für den flächenhaften Schutz auf die Natur, vor allem auf Pflanzen. Sie sollen die Erde verweben und Hänge stabilisieren (Abb. 1). Felduntersuchungen zeigen, dass die Bepflanzung von rohen Böden nicht nur den Boden stabilisiert, sondern sich dadurch schneller eine stabile Pflanzengesellschaft entwickelt, als wenn man das Bodenmaterial sich selbst überlässt.
Die beiden Versuchsflächen liegen in der Gemeinde Dallenwil im Kanton Nidwalden (Abb.2). Die Hexenrübi ist eine weitgehend vegetationslose Runse, die sich über rund 200 Höhenmeter erstreckt und ca. 3 ha Fläche umfasst. Seit 1983 wurde sie etappenweise mit Stützwerken stabilisiert.
Die Schwandrübi ist ein steiler Runsenkessel in Moräne mit einer Fläche von ca. 0.5 ha. Bis 1981 war die Fläche praktisch vegetationslos und ständig Erosion und Rutschungen ausgesetzt (Abb. 1, links). Das Gebiet wurde in den Jahren 1981 und 1982 mit technisch-biologischen Methoden verbaut. Zum Einsatz kamen Stützwerke aus Drahtsteinkörben. Die Bepflanzungen wurden insbesondere mit Weisserlen (Alnus incana) durchgeführt. Diese sollten den Boden stabilisieren und gleichzeitig die Nährstoffsituation verbessern, um anderen Pflanzenarten die Einwanderung zu ermöglichen. Mit zusätzlichen Pflegemassnahmen wollte man die Entwicklung zu einem Tannen-Buchenwald fördern, der natürlichen Klimaxgesellschaft an diesem Standort.
Das Ziel bestand in der Geländestabilisierung. Einerseits sollte so der Geschiebeeintrag in den Flüeligraben reduziert und somit das darunterliegende Dorf Dallenwil geschützt werden und andererseits der oberhalb der Rübi stehende Seilbahnmast der Luftseilbahn Dallenwil-Wirzweli (Böll et al. 2008). Die zulässige Hangneigung wurde auf 33° festgelegt. Die erforderliche Neigungsreduktion liess sich allerdings nicht überall einhalten. Es verblieben steilere Partien zwischen einzelnen Werken (bis ~40°) und übersteile Rippen
Trotz der übersteilen Partien hat sich die Vegetation in der Schwandrübi gut entwickelt und schon bald die Vorstufe des intakten Nachbarwaldes (Hornwald) erreicht. Im Vergleich zur Situation vor dem Verbau (1982), hat sich ein ausgedehntes Wurzelnetzwerk entwickelt. Dadurch erhöhte sich die Bodenstabilität beträchtlich, ist heute schon beinahe auf dem Stand des Hornwaldes. Dies zeigt sich auch in der Tatsache, dass die Schwandrübi seit den ausgeführten Verbaumassnahmen schon manchem Unwetter getrotzt hat, wie beispielsweise dem Jahrhundertunwetter von 2005.