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Der Moving Day beim Swiss Seniors Open 2022 wurde seinem Namen gerecht: Der Südafrikaner James Kingston schob sich mit einer 63er-Runde an die Spitze des Leaderboards und geht mit zwei Schlägen Vorsprung in die Finalrunde. Nächste Verfolger sind der Engländer David Shacklady und der Waliser Phillip Price. Turnierbotschafter André Bossert machte mit einer Unter-Par-Runde im Kampf um die insgesamt 350'000 Euro Preisgeld etwas Boden gut. Den Sieg im Alliance-ProAm sicherte sich Peter Baker mit Amateur Othmar Prohn.
Mit einer fabelhaften, fehlerfreien 63er-Runde (7 unter Par) hat der südafrikanische Professional James Kingston beim mit 350'000 Euro dotierten Swiss Seniors Open in Bad Ragaz vor der Schlussrunde vom Sonntag die Führung übernommen. Der 56-Jährige war bereits am Freitag bogeyfrei geblieben und konnte in der zweiten Runde sieben Birdies gleichmässig verteilen. Kingston führt mit zwei Schlägen Vorsprung vor dem Engländer David Shacklady und dem ehemaligen Ryder-Cup-Spieler Phillip Price aus Wales.
Kaum ein anderer im 62-köpfigen Feld des diesjährigen Swiss Seniors Open weiss so genau wie James Kingston, wie man Profiturniere gewinnt. Allein elf Mal siegte er ab 1992 auf der in Südafrika beheimateten Sunshine Tour. Auf der Asian Tour entschied er ab 1998 in kurzer Zeit vier Turniere für sich. Die bedeutendsten Erfolge glückten ihm allerdings auf der European Tour – 2007 beim Südafrika-Open in Sun City und 2009 am ausgezeichnet besetzten German Masters in Köln-Pulheim. Auf der Legends Tour nahm er 2021 zwei Siegerchecks entgegen.
Major-Champions mit Aussenseiter-Chancen
Unter den weiteren namhaften Teilnehmern in Bad Ragaz hat sich der Engländer Peter Baker – ehemaliger Ryder-Cup-Spieler und mehrfacher Sieger auf der European Tour –, in eine sehr gute Position gebracht. Der 54-Jährige aus Wolverhampton liegt nach zwei 67er-Runden nur drei Schläge hinter der Spitze. Ian Woosnam, als US-Masters-Champion 1991 der renommierteste Spieler im Feld, rehabilitierte sich nach seinem schwachen Start auf beeindruckende Art: statt 73 Schläge wie am Freitag benötigte der kleine Waliser am zweiten Tag nur noch 66 Strokes. Für den Sieg kommt «Woosie» mit 8 Schlägen Rückstand auf den Führenden wohl nicht mehr in Frage.
Die anderen beiden Major-Champions im Feld – Michael Campbell (Neuseeland/US Open 2005) und Stephen Dodd (Wales/British Senior Open 2021) – gehen mit Aussenseiter-Chancen in die Finalrunde. Beide weisen sechs Schläge Rückstand auf den Führenden auf. Dodd startete am Freitag verhalten mit 73 Schlägen ins Turnier, drehte am zweiten Tag mit einer fehlerfreien 64er-Runde aber mächtig auf. Potenzial ist vorhanden.
Der Schweizer Turnierbotschafter André Bossert rehabilitierte sich ebenfalls. Der 58-jährige Zürcher erlebte zwar auch im zweiten Umgang ein Auf und Ab, aber er verbesserte sich von 74 auf 69 Schläge – und auf den 44. Zwischenrang.
Peter Baker und Othmar Prohn gewinnen Alliance-ProAm
Seit 2018 werden die ersten beiden Runden des Swiss Seniors Open im Alliance-ProAm-Format gespielt. Jeweils ein Tour Professional und ein Amateur bilden ein Team und kämpfen im Four-Ball-Format um die Team-Wertung, in der es «nur» um Ehre und Klassierung, nicht aber um Preisgeld geht. Gleichzeitig zählt der Score des Professionals für die Strokeplay-Wertung des über 54 Löcher führenden Swiss Seniors Open, bei dem der Sieger 52‘500 Euro Preisgeld einstreicht. Auch in der Alliance-Wertung gab es am Samstag eine Verschiebung an der Spitze der Rangliste. Overnight-Leader David Shacklady (England) und Richard Fischer (Montfort Rankweil) mussten Peter Baker (England) und Othmar Prohn (Bad Ragaz) sowie Peter Fowler (Australien) und Günther Rädler (Ascona) vorbeiziehen lassen. Baker/Prohn siegten mit 90 Stableford-Punkten vor Fowler/Rädler (89 Punkte); Shacklady/Fischer (ebenfalls 89 Punkte) mussten sich aufgrund der schwächeren zweiten Runde mit Rang 3 zufriedengeben.
Als Gewinner dürfen sich alle Amateure in diesem Alliance-ProAm fühlen. Mittendrin in einem Tour-Event zu spielen, von den Erfahrungen der Pros zu profitieren und die Atmosphäre aufzusaugen, war auch für die vier U16-Kaderspielerinnen und sechs U16-Kaderspieler von Swiss Golf sowie die vier Mitglieder des Liechtensteiner Nationalkaders im Feld ein einzigartiges Erlebnis. Am Samstagabend gab’s strahlende Gesichter – und begeisterte Kommentare.
Carina Stauffer (GC Küssnacht): «Am ersten Tag war ich sehr nervös, heute ist es auf den Front Nine dann besser geworden, auf den Back Nine habe ich etwas nachgelassen, aber zum Ende der Runde war’s doch okay. Mit meiner Leistung bin ich nicht zufrieden, aber mit dem, was ich bei diesem Turnier gelernt habe, schon. Es war eine grosse Erfahrung und von den Pros konnte ich viel lernen. Auf dem Platz haben wir nicht ausführlich gesprochen, aber bei Essen haben wir uns noch etwas ausgetauscht. Durch dieses Turnier ist Phillip Archer irgendwie zu meinem Vorbild geworden. Ich finde, er spielt wirklich mega gutes Golf.»
Selina Casal (GC Domat/Ems): «Die Tipps, die mir Santiago Luna am ersten Tag gegeben hat, habe ich heute soweit gut umgesetzt. Aber es wird noch etwas dauern, bis ich mich an die Umstellung im Schwung gewöhnt habe. Für mich ein absolutes Highlight bei diesem Turnier waren der Platz und die Leute, mit denen ich spielen durfte. Es wird vermutlich lange dauern, bis ich wieder auf einem so tollen Platz bei so super Bedingungen spielen werde.»
Joshua Hess (Andermatt Realp): «Es war cool zum Spielen. Im Vordergrund stand für mich aber, Erfahrung zu sammeln. Beim Essen konnte ich mit Andrew Raitt nochmals reden, er hat mir dabei auch Tipps gegeben, die ich heute umzusetzen versucht habe
Till Schächtelin (GC Ennetsee): «Ich konnte es heute etwas besser geniessen als am Freitag, weil die Nervosität weg war. Mein persönlicher Favorit in diesem Turnier ist Nick Job – er ist der Älteste im Feld und ich find das cool, dass er mit 72 noch mitspielt. Er hat mir erzählt, dass er mit 16 Jahren das erste Mal eine British Open gespielt hat – das finde ich sehr inspirierend.»
Julius Sommer (GC Zürich-Zumikon): «Heute ist es besser gelaufen als gestern. Ich habe ein paar Dinge geändert, nachdem ich gestern Abend noch viel über die letzte Runde nachgedacht hatte. Und ich konnte das heute eigentlich gut umsetzen. Auch mit Nick Job war es cool. Wir haben heute eine bessere Runde als Team gespielt.»
Seraphine Müller (GC Bern): «Heute lief’s besser als gestern. Das Golf meine ich. Menschlich hat’s beide Tage gepasst – wir hatten es wahnsinnig lustig zusammen. Paul Eales ist am Freitag nach der Runde mit mir auf die Driving Range gegangen und wir haben eine gute Stunde an meinen Eisenschlägen gearbeitet – heute sind die Bälle mit den Eisen wieder geflogen. Die Pro-Stunde hat definitiv etwas genutzt. Mein Highlight am Samstag war mein Eagle auf der 16.»
Florian Schäpper (GVL-Nationalspieler): «Es hat Spass gemacht, die Pros waren freundlich und gesprächig, und ich konnte etwas Englisch lernen. Ausserdem konnte ich mir die Pre-Shot-Routine der Pros abschauen, das war spannend.»
Die Schlussrunde des mit 350‘000 Euro dotierten und zur Legends Tour zählenden Swiss Seniors Open startet am Sonntag, 10. Juli, um 7.30 Uhr.