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List ist die Erreichung eines Zieles nach nicht normalen Wege, so die Definition von Harro von Senger. List ist ein Vorgehen, das nicht berechenbar ist. Berechenbarkeit ist nur ein Mittel der List. Und die Berechenbarkeit wird nicht eingesetzt wie eine klare Strategie, sondern als kürliches Mittel.List ist mehr als System und Planung. List ist der Weg, wo es keinen Weg gibt. List kann das Unmögliche tun, wo keine Möglichkeit besteht.•List gehört nicht der ontologischen Welt der Gesetze und Bestimmtheiten an, sondern entstammt der Welt der Ressourcivität, des urspringenden Quelle der Lebendigkeit, der genialen Kreativität, die sogar in festgefahrenen Situationen und bei unausweichlichen Bedingungen einen Weg findet. - List findet den Weg, indem sie ihn pfadet.Das Bild von "Kamel, Löwe, Kind" vom persischen Dichter Rumi, das von Nietzsche, dem deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts, aufgenommen wurde, bedeutet:•Kamel heisst: Zuerst alle Lasten auf sich nehmen. Die Last des Ego und der Betroffenheit, und alles tragen, ohne einzuknicken. Das ist die Haltung des Fakt-ischen, welche Anstrengung braucht und Leben ver-braucht. Die List denkt und handelt anders. List be-steht darin, sich von Lasten nicht beeindrucken zu lassen.•Der Löwe hat Macht und Souveränität. Er ist der Herrscher und kann andere und sich beherrschen. Er hat Macht über das Gesehen und ist deshalb nicht listig. List besteht darin, sich auch von Macht zu lösen, sowohl von der eigenen Macht über sich und seinen Willen und seine Potentiale, wie auch von der Macht, die andern mit dem eigenen Willen zu dominieren. Macht beruht auf Angst, und das bedeutet energie-technisch gesprochen der Unwille des Ungenügens und der Unsicherheit. List heisst, auch in schweren Situationen sich von der Übermacht, deren Opfer man ist, zu lösen und dies ohne Kampf und Anstrengung, sondern mit Pfiffigkeit und Cleverness.•Das Kind schliesslich schaut aus Unschuld heraus die Welt an, und geht sie ohne Vorurteile an. Es weiss nichts, und kann alles finden, UND es findet alles. Das Kind symbolisiert die Unschuld, die voranschreitet. Dieses voranschreiten ist eine vorderlistige Fliesslinie, die Linie der Zuvorkommenheit. Paradoxe Hinweise auf das (Un-)Wesen der List.•Un-Wesen heisst die List, weil es kein seiendes noch greifbares Wesen der List gibt. Es gibt nur ein Statt-Wesen. Als Hinterlist ist sie ein Un-Wesen. Als Vorderlist ist sie ein hohes Wesen, welches durch Zuvorkommenheit handelt. Vorderlist heisst, auch im Ausweglosen sich so zu beneh-men, als gäbe es einen Ausweg, und durch eine offene und erfinderische Haltung, die keine Furcht kennt, den Ausweg schaffen, oder ihn zu(er)finden. Vorderlist ist keine Illusion oder Vorstellung, sondern ein tatsächliches Wirken, das als Fliesslinie den Ausgang aus einer Situation so spurt, dass ein Gehen möglich wird, wo es vorher keinen Weg gab.
Vorderlist heisst: die Welt ist stets förderliche Erfindung. Ja, die Vorderlist ist nichts anderes, als ohne zu rechnen auf die Gnade zu bauen, das heisst auf die reine Grosszügigkeit. Vorderlist ist die Unschuld, die in raffinierter Weise den wohligen Weg findet. Es ist die Reinheit, die aus der Schlichte das Komplexe schafft. Es ist auch die Reinheit, die das Komplexe zu einer präzisen Schlichtheit bringt. Vorderlist vermag den Kampf zu gewinnen ohne zu kämpfen, durch das ruhige Dastehen, durch die reine, lebendige, förderliche Zuvorkommenheit des Tao.•Vorderlist ist Weisheit. Chinesische Stratageme sind – ins positive gewendet – neue Weisheitsträger. Nicht Wissen, sondern Bewusstheit, nicht dominantes Macht-Setzen, sondern effiziente Sanftheit bauen die neue Zeit auf. Chinas spirituelle Tradition des Tao als Lehrmeister. Weisheit durch strategische Grosslinien - das ist dringend nötig für das neue Zeitalter.Es gilt eine Vermittlung zu finden, zwischen Wissensge-sellschaft und spiritueller Bewusstseinsgemeinschaft, zwischen westlichem Lebenskonzept und östlicher Lebens-art, zwischen militärischem Denken und dem effizienten Wirken der Sanftheit gilt es, eine Vermittlung zu finden. Hierzu sind die 36 traditionellen Stratageme aus der chinesischen Kultur ein wunderbares Werkzeug (Harro von Senger). Wenn wir bei uns im Westen diese Instrumente und diese Denkart nicht integrieren, werden wir der kommenden Weltmacht aus dem Osten nicht Paroli bieten können - sowohl ökonomisch, wie politisch, wie auch gesellschaftlich-kulturell.Zuvorkommenheit als stratagemisches Mittel der kommenden ZeitEs gilt, dass wir erstens das Prinzip der Stratageme (List-erfüllte Praktiken) als Kultur aufnehmen, dass wir zweitens aber die Hinterlist und deren Fallen in Vorderlist und in Förderlichkeit verwandeln. Dazu gehört auch der Umgang mit Gewaltfreiheit. Gewaltfreiheit wird in Zukunft nicht nur durch Massnahmen, sondern auch durch hohe geistige Strategien erreicht. Gewaltfreiheit allein reicht nicht. Es gilt, eine andere Form von vitaler Energie an Stelle der destruktiven Energie der Gewalt zu setzen: das flow-volle Handeln. Was kann getan werden?In der Flow-Praxis machen Sie Bekanntschaft damit, wie zentral die positiven Stratageme, Strategien und der Zuvorkommenheit (der Vorderlist) für das angebrochen Zeitalter sind. Dies gilt immer mehr auch im privaten Leben, wo die Mobilität in Beruf und Partnerschaften steigt, und wo die Gewähr schwindet, dass das Morgen sein wird wie das Gestern.Finden Sie durch die Flow-Praxis heraus, welches in ihrem eigenen Tun die offenen und versteckte Strategien sind, durch die Sie gebremst werden (z.B. als Selbstsabotage) und welche Strategien es sind, durch die Sie konsequent und in förderlicher Weise sich weiter entwickeln können.
Vorderlist - die lebendige Zuvorkommenheit
List wirkt jenseits von gut und Bös. Vorderlist ist die elegante Kunst, Lebewesen zu gewinnen. Als Hinterlist hingegen wirkt sie zerstörerisch.Vorderlist: die effiziente Zuvorkommenheit.
List heisst, mit wenig viel erreichen. Vorderlist heisst, aus dem Kleinsten was grosses Gutes entstehen lassen