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Steinbock-Trophäenjagd aus biologischer Sicht
Steinbock-Trophäenjagd aus biologischer Sicht
Die Medienberichte zur Steinbock-Trophäenjagd im Wallis haben bei vielen Leuten grosse Betroffenheit ausgelöst. Zu Recht: Diese Art der Jagd ist aus ethischen Überlegungen mehr als fragwürdig. Vor allem muss man sich aber fragen, ob sie aus biologischer Sicht nachhaltig ist.
fauna.vs, die Walliser Gesellschaft für Wildtierbiologie, ist nicht gegen die Jagd auf Steinböcke, wenn sie auf wildbiologischen Grundlagen beruht. Beim Steinwild stellt v.a. die Trophäenjagd, d.h. der Abschuss der alten Steinböcke von über 10 Jahren, ein Problem dar; denn diese Böcke mit den grössten Hörnern sind nicht nur für die Trophäenjäger interessant, sondern auch äusserst wichtig für die Fortpflanzung. Die Länge der Hörner ist der entscheidende Faktor, wenn es um die Gunst der Weibchen geht. Ohne grosse Hörner hat ein Bock keine Chance, sich mit einer Steingeiss zu paaren und damit seine Gene weiterzugeben. Das ganze Leben eines Steinbocks ist deshalb auf die Ausbildung eines möglichst imposanten Gehörns ausgerichtet. Danach hat er nur wenige Jahre Zeit, um sich zu fortzupflanzen. Wenn zu viele dieser über zehnjährige Männchen gejagt werden, verliert eine Steinbockkolonie einen wesentlichen Teil ihrer für die Fortpflanzung wichtigsten Tiere, was einen Einfluss auf die Fitness der Population haben kann. Gemäss der kantonalen Jagdstatistik wurden im Wallis zwischen 2005 und 2017 im Durschnitt 41% der kapitalen Böcke erlegt. Es ist klar, dass ein solch grosser Jagddruck Auswirkungen auf die Populationsdynamik hat. Gut möglich, dass das Ungleichgewicht zwischen männlichen und Weiblichen Tieren, das von Biologen immer häufiger beobachtet wird, ein erstes Indiz dafür ist.
fauna.vs hat schon früher auf das Problem der Trophäenjagd aufmerksam gemacht. Bereits 2001 haben wir den damaligen Staatsrat Jean-René Fournier gebeten, die Details zur Steinbockjagd darzulegen (z.B. wie viele Böcke werden in welchen Kolonien geschossen). Erfolglos. Auch ein zweiter Brief im Jahr 2017 an Staatsrat Jacques Melly mit derselben Bitte wurde abschlägig beantwortet. Immer noch wird in den Jahresberichten der Jagdverwaltung nur eine grobe Statistik veröffentlicht. Wir sind aber überzeugt, dass es bei einer proaktiven Kommunikation durch den Kanton gar nie zu einem solchen medialen Interesse gekommen wäre. Klar ist für uns, dass der zuständige Staatsrat und die Dienststelle für Jagd ihre Position gründlich überdenken müssen. Die Trophäenjagd ist überholt, und detaillierte Angaben zu den geschossenen Steinböcken müssen öffentlich gemacht werden, wie dies bei den anderen Arten auch der Fall ist.