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«Als gäbs tausend Dus»von Katja Zellweger Was, wenn eine Biografie mehrere Leben beinhaltet? In der Schweizer Erstaufführung von «Wir sind Hundert» von Jonas Hassen Khemiri werden Lebensentwürfe dekliniert.
Bei Arthur Rimbaud heisst es: «Ich ist ein anderer», und bei Goethe kämpfen zwei Seelen in der Brust von Faust. In der Bibel steigert es sich zu «Denn wir sind viele», in der «Unendlichen Geschichte» von Michael Ende und bei Paul Valéry zu «Ich bin viele». Die Borg-Königin aus Star Trek formuliert schliesslich: «Ich bin die Eine, die Viele ist». Der schwedisch-tunesische Theaterautor Jonas Hassen Khemiri nahm sich 2009 der allgegenwärtigen Identitätssuche an. Ein durch und durch menschliches Thema, das besonders Jugendliche beschäftigt. In postmodernen Zeiten verfügt jeder über das Wissen, ein bestes aller möglichen Leben anzustreben, und kennt darum unweigerlich die Brüche und Verunsicherungen, die dieses Wissen auslösen kann.
Deklination möglicher Leben
Unter dem Titel «Wir sind Hundert» inszeniert Franz-Xaver Mayr die Schweizer Erstaufführung am Theater Orchester Biel Solothurn mit Barbara Grimm, Atina Tabé und Tatjana Sebben als «Roadtrip der Sinnsuche». Eine umfassende Biografie dreier Frauen aus drei Generationen. Darin klingen die Identitätssuche und Deklination möglicher Lebensentwürfe so: «Hast du manchmal nicht auch das Gefühl, mehrere Personen auf einmal zu sein? So als gäbs tausend Dus und du wärst nur eine von möglichen Alternativen.» Oder so: «Wir fangen von vorne an. Aber diesmal muss es perfekt werden.» Die Suche nach Glück ist hierbei oberstes Gebot – egal, ob der Lebensentwurf Hausfrau, Revolutionärin, Sinnsuchende, Poetin oder Dentalhygienikerin beinhaltet.