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Jeden Tag landen 22'000 Tonnen Plastik im Ozean.
Mineralwasser: Die unnötige Milliarden-Industrie
Die Industrie verdient mit abgepacktem Wasser Milliarden. Dabei gibt es selten einen Grund, der für den Kauf der Produkte spricht.
Die Absurdität des Milliardengeschäfts beginnt mit einer einfachen Fragestellung: Wie viele Haushalte sind direkt an das Trinkwassernetz angeschlossen? Die Antwort ist einfach und streift in der Schweiz, wie beinahe in allen westlichen Ländern, die 100 Prozent-Marke. In Frankreich sind 96 Prozent der Haushalte mit einem Trinkwasseranschluss ausgestattet. Trotzdem konsumieren die Franzosen jeden Tag 25 Millionen Liter gekauftes Wasser, das aus Plastikflaschen getrunken wird. Pro Jahr trinken die Franzosen 9,3 Milliarden Liter Wasser, damit könnte das Stade de France 14-mal gefüllt werden.
Unnötige Käufe
Die französische Online-Publikation «reporterre» beleuchtet die Absurdität des Wassergeschäfts in einem aktuellen Artikel, die Autoren fassen die Informationen in einigen Infografiken zusammen. Diese zeigen pointiert die aberwitzigen Tatsachen des gekauften Flaschenwassers. «Reporterre» zeigt die Situation in Frankreich, die allerdings in allen westlichen Ländern ähnlich aussieht.
Weltweit steigt der Verkauf von Mineralwasser kontinuierlich an. Im Jahr 2000 trank die Weltbevölkerung «nur» 100 Milliarden Liter Mineralwasser, im Jahr 2014 waren es bereits 288 Milliarden Liter. Für das Jahr 2020 wird ein Verbrauch von 600 Milliarden Liter Wasser aus der Flasche prognostiziert.
Im Jahr 2015 tranken die Mexikaner am meisten Wasser aus der Flasche, gefolgt von den Menschen in Thailand. Das ist nachvollziebar, die Haushalte dieser Länder sind nur zum Teil an ein Trinkwassernetz angeschlossen, zudem ist die Wasserqualität schlecht. Hinter diesen zwei Ländern folgen mit Italien, Deutschland, Frankreich und den USA aber vier Länder, die ausgezeichnet mit fliessendem und geniessbarem Trinkwasser erschlossen sind.
Hohe Kosten
Das Geschäft mit Mineralwasser wird gemäss «reporterre» auf 150 Milliarden Euro geschätzt, ein riesiger Industriezweig, der in dieser Grössenordnung nur als Wahnwitz bezeichnet werden kann. Fleissig füttern wir diesen Industrie-Moloch, auch wenn das gekaufte Wasser aus der Plastikflasche 300-mal teurer ist, als das Wasser aus den Trinkhähnen. Im Vergleich: Niemand würde zum Beispiel ein Gipfeli für rund 300 Franken kaufen.
Die Argumentation, wonach der hohe Verbrauch von gekauftem Wasser vor allem auf kohlensäurehaltiges Mineralwasser zurückzuführen sei, stimmt nicht. Am Beispiel von Frankreich: 82 Prozent des gekauften Flaschenwassers ist «stilles Wasser». Mit Kohlesäure versetztes Wasser fällt dagegen mit 18 Prozent kaum ins Gewicht.
Beeinflussung durch Marketing
Warum also kaufen wir in Flaschen abgepacktes, überteuertes Wasser, obwohl wir direkt vom Trinkhahn trinken könnten? Schuld ist das allumfassende Marketing der Industrie, das uns vorgaukelt, in PET-Flaschen abgepacktes Wasser sei gesünder und schmecke besser. Dabei gibt es zahlreiche Belege dafür, dass Leitungswasser (zumindest in der westlichen Welt und ohne deutliche Verunreinigungen) gesünder ist, als gekauftes Mineralwasser aus Flaschen. Die Stiftung Warentest formulierte das 2016 in einem kleinen, treffenden Satz: «Mineralstoffe im Mineralwasser sind ein Mythos.»
Ausserdem gibt es verschiedene Tests, bei dem die Konsumenten mit verbundenen Augen abgepacktes Wasser einiger Marken sowie ein Glas Leitungswasser trinken mussten. Punkto Geschmack punktete meistens das Leitungswasser.
Dass abgepacktes Mineralwasser trotzdem derart häufig gekauft wird, ist das Ergebnis einer der raffiniertesten Marketingkampagnen des letzten Jahrhunderts.
Hohe Belastungen
Es gibt Unternehmen, die bei der Ausbeutung von Quellen, der einheimischen Bevölkerung den Zugang verwehren. Und/Oder sie nutzen die Quellen übermässig, was sich auf den Grundwasserspiegel auswirkt und Schäden am Mensch, in der Landwirtschaft und in der Umwelt zur Folge hat. Das sind Tatsachen, die seit Langem mehr oder weniger bekannt sind.
Dann besitzen PET-Flaschen einen ökologischen Fussabdruck. Für die Produktion einer 1 Liter-Flasche benötigt die Industrie ein Deziliter Erdöl, 80 Gramm Kohle, 42 Liter Gas und zwei Liter Wasser. Rechnet man zum Beispiel den amerikanischen Jahresverbrauch an PET-Flaschen um, könnten mit dem dafür benötigten Erdöl eine Million Autos während einem Jahr fahren. Ununterbrochen.
Um das ausgestossene CO2, das jährlich bei der Herstellung der PET-Flaschen in die Umwelt geblasen wird, zu kompensieren, müsste die Fläche von Grossbritannien mit Bäumen bepflanzt werden.
Recycling als Lösung?
Zurück zu den 25 Millionen Plastikflaschen, die in Frankreich jeden Tag gebraucht werden. Davon werden 39 Prozent in den Müll geworfen – oder «wild» entsorgt. Bei der Verbrennung von Plastik entstehen toxische Abgase. Bleiben die Flaschen in der Umwelt, sind sie erst nach 1000 Jahren biologisch vollständig abgebaut. Dabei entstehen giftige Stoffe, die sich im Boden festsetzen.
In Frankreich werden schlussendlich weniger als die Hälfte aller gebrauchten PET-Flaschen rezykliert, europaweit werden sogar nur 20 Prozent der Flaschen als Grundlage für die Produktion von neuen Flaschen gebraucht. Das meiste anfallende Plastik wird als qualitativ schlechteres Plastik weiterverwendet und kann dann kein zweites Mal rezykliert werden.
Jeden Tag landen 22'000 Tonnen Plastik (nicht nur PET-Flaschen) im Ozean. 90 Prozent aller Meeresvögel haben bereits Plastik gegessen. Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 mehr Plastikteile als Fische im Ozean schwimmen werden. Wenn sich nichts ändert.
Immerhin gibt es einige Wenige, die reagieren. So zum Beispiel die französische Kette «biocoop», die seit Januar 2017 keine Plastikflaschen mehr im Sortiment hat. Oder San Francisco, wo der Verkauf von Plastikflaschen auf öffentlichem Boden verboten ist. Oder das Londoner Start-Up «Skipping rocks lab», das eine Verkaufsverpackung für Wasser entwickelt hat, die essbar ist.
Gibt es entsprechende Beispiele aus der Schweiz? Schreiben Sie uns! Wir werden sie an dieser Stelle aufführen.
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Keine.
Weiterführende Informationen
Stoppt den Plastikwahnsinn – jetzt! (auf Infosperber)
Müllkippe Meer: Der Tod ist aus Plastik (auf Infosperber)
Wasser-Skandal in den USA – Nestlé profitiert (auf Infosperber)
Nestlé verteilt Almosen und bekommt Wasserrechte (auf Infosperber)
Nestlés Wasserpolitik auch in Südafrika am Pranger (auf Infosperber)
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16 Meinungen
Wer gerne carbonisiertes Wasser trinkt, muss als Trinkwassersprudler nicht unbedingt das populäre Sodastream Gerät kaufen, denn es gibt immer noch die früher üblichen Siphonflaschen, z.B. die Soda Siphons der Kisag AG. Für Büros und Wirtschaften gibt es Profi-Carbonatoren, die in der Anschaffung nicht ganz billig sind, dafür im Betrieb.
Dass stilles Wasser den Durst des Körpers schlechter löscht als carbonisiertes ist allerdings ein Märchen. Es schmeckt einfach ganz anders.
@Stan Kurz: Danke für den Hinweis. Als überzeugte 'Hahnenburger'-Trinkerin boykottiere ich gekauftes Wasser und Multinationalen schon länger. Ich find's schon eine Zumutung, dass mancherorts Wasser teurer als Bier ist.
1. Wir dürfen gegen alles was uns nicht gefällt protestieren und die Produkte nicht mehr kaufen, damit können wir sie allerdings nicht aus der Welt schaffen.
2. Wir sollten uns Gedanken machen, warum es nicht gelingt, die 3. Welt so zu behandeln, dass es dort auch gelingt, absolut erstklassiges Wasser aus der Röhre zu erhalten. Wenn wir jeden Franken, den wir mit dem Boykott gespart haben, in die dritte Welt schicken, wäre sicherlich geholfen.
3. Im übrigen störe ich mich nicht daran, dass Wasser mancherorts teurer ist als Bier: ein Bier, das rat ich dir! Bier besteht bekanntlich aus viel Wasser! Auf jeden Fall ist heute Mineralwasser im Denner billiger als Bier. Und für beide braucht es Muskelkraft, um die Flüssigkeiten nach Hause zu bringen.
Mit Ihrem Votum zum Service Public sollten Sie sich noch etwas zurückhalten, auch Infosperber wird Ihnen alsbald Gelegenheit zur «Chropfleerete» bieten. Rundumschläge eignen sich weder für einen Diskurs noch für konstruktive Lösungsvorschläge.
In den meisten Städten selbst in Südamerika ist das Wasser gut genug - verbringe schon mein halbes Leben dort - aber wer dem nicht traut lässt es noch durch einen Mikrobiologischen Filter laufen. So trinkt man eigentlich überall flaschenfrei.
Somit ist klar: Wer hier den Flaschenkonsum verteidigt ist entweder nicht ganz dicht oder hängt am Pfropf der Mineralwasser-Industrie.
In der Tat, dieser Blog hat wenig neue Erkenntnsse geliefert!
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