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Barry Eichengreen erinnert in einem lesenswerten Artikel (“Escaping the Greek debt trap”) in BloombergView an einen Schuldenschnitt des sog. Pariser Clubs vor rund 24 Jahren.
Im Jahr 1991 einigten sich die westlichen Regierungen untereinander, Polens Schulden zu reduzieren, und zwar mit der Verknüpfung an Strukturreformen.
In der ersten Stufe erhielt Polen eine 30%ige Senkung des Barwerts seiner Schulden im Austausch für die Vereinbarung, sich an das IWF-Anpassungsprogramm zu halten.
In der zweiten Stufe bekam Polen eine weitere Schuldensenkung um 20%, mit der Vereinbarung, die strukturellen Bedingungen des IWF-Anpassungsprogramms zu erfüllen.
Die zweite Stufe war auch bedingt, sodass sich daraus insgesamt 50% Schuldenerlass ergab, einschliesslich der Schulden, die sich im Privatbesitz befanden. Im Fall von Griechenland wäre dieses Element bereits vorhanden, da private Gläubiger Griechenlands bereits im Jahr 2012 einem Haircut von rund 60% gegenübersahen, unterstreicht Eichengreen.
Am Ende lag der Grossteil der Schulden des polnischen Staates in offiziellen Händen. Das ist laut Eichengreen die Art von vertraglicher Vereinbarung, die auch im Fall Griechenland angestrebt werden sollte.
Umwandlung von Griechenlands Schulden in SRI-Bonds (Structural-Reform-Indexed Kredite) müsste jedoch zwei Hürden überwinden:
(1) Die Parteien müssten gemeinsam eine spezifische Liste von Reformen und eine entsprechende Timeline dafür vorbereiten und diese in den Schulden-Kontrakt einbauen.
(2) Es müsste eine unparteiische Stelle für die Überwachung und die Überprüfung der Durchführung der Massnahmen geben. Im Fall von Polen aus dem Jahr 1991 war es der IWF. Heute wäre es aber u.U. besser, ein Gremium von unabhängigen Experten zusammenzustellen, die jeweils von der griechischen Regierung und der Euro-Gruppe nominiert würden. Ein dritter Expert würden von beiden Parteien gemeinsam bestimmt.
Ansonsten hat es keinen Sinn, wie bisher auf Strukturreformen ohne Schuldenreduktion (debt relief) zu beharren, was politisch und wirtschaftlich schädlich ist. Griechenlands Schulden sind nicht nachhaltig. Der IWF hat es deutlich ausgesprochen, und es ist schwer, jemanden zu finden, der damit nicht einverstanden wäre.
PS:
David Mulford, Under Secretary of the Treasury, Washingtons Chefunterhändler der polnischen Schulden sagte in einem Telefongespräch: “Wir sehen dies als ein historisches Ereignis ähnlich der Schuldenabbau Deutschlands im Jahr 1953”, wie NYTimes (“Poland is granted large cut in debt”) im März 1991 berichtet.
Bemerkenswert ist, dass Deutschland damals Polens grösster Gläubiger war. Polens Schulden gegenüber Deutschland beliefen sich auf 3,1 Mrd. US-Dollar.