Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03466.jsonl.gz/743

Erstes Kloster
Am 12. Juni 1657 gab Ordensgeneral Pater Simplizian die Zustimmung zum Klosterbau in Brig-Glis. Wiederum setzte sich Kaspar Jodok von Stockalper für den Klosterbau ein. Auf der Westseite der Saltina, oberhalb der Brücke, stellte er circa 30 Fischel Matte zum Bau des Klosters zur Verfügung und versprach überdies, das Kloster auf eigene Kosten zu bauen. Am 3. Mai 1659 fand durch Bischof Adrian lV. von Riedmatten die Grundsteinlegung statt.
Die Lebensdauer dieses ursprünglichen Kapuzinerklosters war eine kurze. Der Wohntrakt fiel wohl im Jahre 1741 zum grössten Teil einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Kirche dieses vormaligen Kapuzinerklosters wurde 1762 zum Kollegiumstheater umgebaut. Die Weiterentwicklung hielt nicht inne. 1943 wurde daraus das Kino "Apollo". Inzwischen ist die gesamte Bausubstanz des vormaligen Kapuzinerklosters gänzlich verschwunden.
Zweites Kloster
Seitdem gab es in Brig-Glis kein Kapuzinerkloster mehr. Die Tätigkeit der Kapuzinerpatres jedoch erlosch nicht. Pater Johannes von Escholzmatt (1910-1973) wurde 1940 dem Kapuzinerkloster in Sitten zugeteilt. Von hier aus leistete er Pfarreiaushilfen im Oberwallis. In den Jahren 1936-1939 war Pater Arnold Provinzial der Schweizer Kapuzinerklöster in Sitten. Mit Pater Johannes leistete auch er Aushilfen im Oberwallis. Zusehends dachte man an eine Niederlassung im Oberwallis. An der ordentlichen Sitzung des Provinzrates vom 3. Januar 1944 stand darum auch die Frage einer Niederlassung im Oberwallis auf der Traktandenliste. Als Ort der Errichtung eines Hospizes wurde Brig-Glis ausersehen. Ala Bauplatz wurde ein Ort etwa ll00m oberhalb des vormaligen Klosters gewählt. Am 12. Juli 1947 war bereits die Baugrube ausgehoben und schon am 2. Dezember 1947 wurde im damaligen Hotel Müller nahe der Saltinabrücke das Firstmahl gefeiert. Am Abend des 9. September 1948 versammelte sich die Klosterfamilie der Kapuziner erstmals zum gemeinsamen Gebet in der Klosterkirche. Schon am folgenden Tag wurde in ihr die erste Messe gefeiert. Bereits am 12. September 1948, am ersten Sonntag nach dem Einzug der Kapuziner in ihr neues Kloster, weilten sieben Patres auf Aushilfe in den Oberwalliser Pfarreien. Als Entgelt für ihr Seelsorgewirken durften die Kapuziner in den meisten Pfarreien des Oberwallis an einem festgesetzten Tag eine Almosensammlung durchführen. Unschätzbare Dienste leisteten die Kapuziner auch dann, wenn ein Ortspfarrer erkrankte.
Am 11. März 1979 brach im Kloster ein Brand aus. Der Rapport der Feuerwehr berichtete in lakonischer Kürze dies: "Der Brand entstand im Zimmer eines kranken Kapuziners." Pater Martinian Zeller, in dessen Zimmer der Brand ausbrach, kam dabei auf tragische Weise ums Leben. Der Brand breitete sich rasch aus und griff auch auf den Dachstuhl der Klosterkirche über, auch sie erlitt immensen Schaden. Man suchte zu retten, was noch zu retten war. Zumal ergriff man Massnahmen, um die reichhaltige Klosterbibliothek zu retten. Für die obdachlosen Kapuziner brach eine harte Zeit an. Zwei Patres erhielten bei Familien in der Nachbarschaft gastfreundliche Aufnahme. Die meisten Patres und Brüder fanden bei den Mariannhiller Missionaren in Brig willkommene Unterkunft. Es stellte sich rasch die Frage: Soll man das niedergebrannte Kapuzinerkloster wieder aufbauen oder soll man es seinem Schicksal überlassen? Zum Glück beschloss der Regionalrat der Kapuziner, das Kloster in Brig-Glis wieder aufzubauen. Die Bevölkerung des Oberwallis war über diesen Entscheid hocherfreut.
Schon am 14. Mai 1979 beauftragte das Kloster den Architekten Amédée Cachin, Pläne für den Wiederaufbau und die Klosterrenovation zu entwerfen. Schon am 18. Mai 1981 fand die Einweihung des neugestalteten Klosters statt. Der Provinzial der Kapuziner, Pater Bertram Gubler, feierte unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung die Wiedereröffnungsmesse. Das Volk atmete erleichtert auf.
(Das reiche Brig-Glis von Peter Jossen)
Kapuzinierkloster in Glis
Erstes Kloster