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Die Menschen über ihre Rechte aufklären
Die Sozialarbeiterin und Ausbildnerin Susanna Anderegg hat fast vier Jahre in Peru gelebt und sich für Menschenrechte und Umweltschutz engagiert. Am Do 17. März ist sie zu Gast im Bistro Mondial des RomeroHauses.
Susanna Anderegg, was haben Sie im Auftrag der Bethlehem Mission Immensee (BMI) in Peru gemacht?
«Ich habe als Fachperson der BMI bei der Nichtregierungsorganisation (NGO) CADEP JMA Cusco gearbeitet. CADEP beruft sich auf José Maria Arguedas, Schriftsteller, Ethnologe und Poet, der sich Zeit seines Lebens für die indigene Bevölkerung, ihre Rechte und ihre Kultur eingesetzt hat. Seine Vision war ein Peru, das die indigene und spanisch geprägte Kultur und die Menschen integriert. CADEP JMA suchte jemanden, der Bauerngemeinschaften in der Provinz Cotabambas begleitet und unterstützt: Die Menschen sehen sich mit vielseitigen Problemen im Zusammenhang mit Bergbauprojekten nationaler und multinationaler Unternehmen konfrontiert. Es geht um Fragen der Menschenrechte ebenso wie um Umweltschutz. Diese Aufgabe hat mich interessiert, ich habe mich ins Thema Bergbau eingearbeitet und mitgeholfen, die lokale Bevölkerung über ihre Rechte aufzuklären.
Wie gingen Sie vor?
Die Provinz Cotabambas liegt im Departement Apurimac auf über 3700 m Höhe. Die Provinz ist zu 65% konzessioniert, das bedeutet, dass Bergbaufirmen hier Untersuchungen durchführen und Mineralien abbauen dürfen. Hier wird eines der 20 grössten und wichtigsten Bergbauprojekte der letzten Jahre vorangetrieben, «Las Bambas», den Abbau von drei grossen Kupferminen. Federführend ist Xstrata, eine in Zug ansässige schweizerischbritische Bergbaugruppe.
Die Bevölkerung weiss kaum, was ihre Rechte sind. Konkret war ich auf verschiedenen Ebenen tätig: Ich habe Studentinnen und Studenten zum Thema Bergbau informiert. Wir haben darüber gesprochen, was eine Konzession ist, wie die Bergbauprojekte ablaufen, was der Gewinn und was der Schaden solcher Projekte ist, welche Rechte die Bevölkerung hat und wie sie diese einfordern kann, weshalb die Regierung den Bergbau fördert, usw. Zusammen mit anderen Nichtregierungsorganisationen haben wir auch Bauern geschult in Fragen wie: Was heisst Staatsbürgerschaft? Was bedeutet politische Beteiligung? usw.
Was hat das bewirkt?
Die Bauern nehmen nun Führungsaufgaben in Bauernorganisationen, Lokalbehörden und in Jugendorganisationen wahr. Sie können sich besser für ihre Rechte wehren. In einem weiteren Schritt haben wir lokale Radiofachleute – sechs Radiostationen hat es in der Region Cotabambas – zur Bergbauthematik ausgebildet. Diese sollten über Radio die Bevölkerung informieren. Die meisten Menschen in dieser Region besitzen nur eine geringe Schulbildung und lesen wenig. Sie nutzen jedoch tagein, tagaus das Radio als Informationsquelle.
Wir haben bewusst mit Multiplikatoren an der Basis gearbeitet, mit Leuten also, die gut vernetzt sind. Dazu muss man wissen, wie die Region strukturiert ist: Verschiedene Bauerngemeinschaften bilden zusammen einen Distrikt, mehrere Distrikte bilden eine Provinz, mehrere Provinzen eine Region. In den Distrikten gibt es Umweltkomitees, in denen sich Freiwillige engagieren. Sie informieren und sensibilisieren die Bevölkerung für Umweltfragen, machen Vorschläge für Verbesserungen. Jedes Umweltkomitee besteht aus ca. zehn Personen, jeweils etwa 25 Personen nahmen an unseren Ausbildungen teil. Der Schulungsansatz war umfassender, es ging nicht allein um Bergbau, sondern beispielsweise auch um die Analyse der Wasserqualität, Bodenanalysen, Abfallbeseitigung und vieles mehr. Auch in Verhandlungstechnik haben wir die Teilnehmenden geschult, ich habe ein kleines Handbuch zur Verhandlungsführung entwickelt und abgegeben. Dies mit dem Ziel, dass sie in Verhandlungen mit Bergbauunternehmen nicht völlig benachteiligt sind.
Gab es auch Schwierigkeiten?
Ja, natürlich gab und gibt es die. Die Bergbaufirmen sahen es nicht gerne, dass wir die Bauern über den Bergbau informierten. Ein grosses Problem beispielsweise war, dass Bergbaufirmen Druck auf die lokale Bevölkerung ausübten, zum Beispiel, indem sie die Bevölkerung einschüchterten mit Drohungen wie: «Wenn ihr mit NGO’s wie der CADEP JMA zusammenarbeitet, unterstützen wir euch nicht.» Was bedeutet, dass die Gemeinschaften von der Bergbaufirma keine Unterstützung erhalten z.B. in Form finanzierter Lehrerstellen, oder in Form von Arbeitsangeboten. Die benötigten Arbeiter werden dann einfach von weither ‹importiert›.
Sie sind jetzt wieder in der Schweiz – was bleibt nach Ihrer Heimkehr?
Das Projekt geht auch nach meinem Weggang weiter. Einer der Bauern, Dino Huamani, hat es so gesagt: «Du hast dein Wissen mit uns geteilt, damit können wir etwas anfangen, es hilft uns, weiterzuarbeiten.»
Interview: Elisabeth Gebistorf Käch, Medienstelle, BMI
NB: Am Donnerstag, 17. März findet im RomeroHaus Luzern im Rahmen der RomeroTage ein Bistro Mondial zur Bergbauthematik in Peru statt. Gäste sind u.a. Susanna Anderegg und Marco Arana (er erhielt Perus wichtigsten Menschenrechtspreis für seine Mediatorenrolle im Konflikt zwischen Bauern und Yanacocha, Südamerikas größter Goldmine).