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Der Pedregulho-Wohnbaukomplex in Rio
Im Rahmen einer Brasilienreise haben wir den von Affonso Eduardo Reidy und seiner Partnerin Carmen Portinho zwischen 1946 und 1958 realisierten sozialen Wohnbaukomplex besucht.
Während in Europa soziale Fragestellungen bereits ab den 20iger Jahren ein wichtiger Bestandteil der Moderne darstellte, setzte in Brasilien erst in der Nachkriegszeit der soziale Wohnungsbau ein. Gefördert durch ein entsprechendes Wohnbauprogramm der damaligen Regierung, entstanden ab Mitte 40iger Jahre soziale Wohnbauten in Rio de Janeiro. Wichtigster Protagonist war Affonso Eduardo Reidy welcher als Stadtbaumeister von Rio de Janeiro das Pedregulho-Projekt realisierte. Seine Partnerin Carmen Portinho, eine ausgebildete Bauingenieurin, leitete das Departement für sozialen Wohnungsbau und agierte damit quasi als Auftraggeberin. Sie kümmerte sich nicht nur um die Leitung des Bauvorhabens sondern zeichnete auch für die Statik der Bauten verantwortlich. Das sehr ambitionierte Wohnbauprojekt umfasst neben dem geschwungenen Baukörper mit über 270 Wohnungen auch kulturelle und soziale Einrichtungen wie Schulen, Sportanlagen, ein Gesundheitszentrum sowie einen Park, welcher durch Roberto Burle Marx konzipiert wurde. Die Anlage ist bis auf die Erschliessungsstrasse autofrei gehalten,
Die Wohnungstypen reichen vom Ein-Zimmer-Appartement bis zur Familienwohnung mit 5 Zimmern und waren einkommensschwachen Bevölkerungsschichten vorbehalten. Erschlossen wird der Wohnbaukomplex über eine offene Eingangshalle im 3. Obergeschoss. Von hier erschliessen sich die oberen und unteren Etagen ohne Aufzugsanlagen.
Mit den Jahren verkam der Wohnbaukomplex, die Eigentümer waren mit den Unterhaltskosten überfordert. In den letzten Jahren wurde die Anlage renoviert und die zum Teil veränderten Fassaden wieder hergestellt. Bemerkenswert sind die Fassadenfelder der Ostfassade, welche im Bereich der Laubengänge mit durchlässigen Ornamentziegeln, sogenannten Cobogòs, ausgefüllt sind.
vorgestellt von Rudolf Vogt