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Seit der Bund Anfang August dieses Jahres eine neue Weisung für den Umgang mit Risiken durch Chlorothalonil-Rückstände im Trinkwasser erlassen hat, vergeht kaum eine Woche, in der nicht in den Medien über Fungizide, Pestizide und Herbizide im Trinkwasser berichtet wird und damit natürlich auch die Konsumentinnen und Konsumenten von Trinkwasser verunsichert werden.
Der Wasserverbund Kiesental, der seinen Sitz in Konolfingen hat, hat deshalb seine sämtlichen Ressourcen, also zwei Grundwasserfassungen, vier Quellgebiete und das Nestlé-Wasser aus dem Gmeis auf Chlorothalonil und die beiden Metaboliten 5 (R611965) bzw. 12 (R4178888) hin untersuchen lassen.
Die Ergebnisse lauten wie folgt: Beim Metaboliten 12 (R4178888) wurden im Pumpwerk Stalden (Konolfingen) 0.043 µg/l und beim Gmeis (Nestlé) 0.030 µg/l gemessen, bei den übrigen Proben, also auf Chlorothalonil und den Metaboliten 5 (R611965) lagen die Werte unterhalb der technischen Bestimmungsgrenze von 0.025 µg/l.
Bei allen Proben der Quellen und beim Grundwasser aus Bowil (Pumpwerk Moosacker) lagen sämtliche Werte unterhalb der technischen Bestimmungsgrenze, d.h. es konnten keinerlei Rückstände dieses Fungizides oder seiner Abbauprodukte nachgewiesen werden. Nachdem die Wasserversorgungen durch die Berichterstattung in den Medien in den letzten Wochen erheblich unter Druck geraten sind, kann man beim WAKI erleichtert feststellen, dass hinsichtlich Chlorothalonil und den beiden Metaboliten das WAKI-Wasser bedenkenlos konsumiert werden kann, da die vom Bund bestimmten Grenzwerte nirgendwo erreicht oder gar überschritten werden.
Chlorothalonil ist ein Fungizid, also ein Wirkstoff gegen Befall von Pilzen und deren Sporen und wird seit den 1970er Jahren überwiegend im Getreide-, Gemüse-, Wein- und Zierpflanzenbau eingesetzt. Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen haben festgestellt, dass für Abbauprodukte, sogenannte Metaboliten von Chlorothalonil Hinweise für eine Gesundheitsgefährdung bestehen.
Auch wenn dies noch sehr vage tönt, wurde einerseits ein Widerruf der Bewilligung des Einsatzes von Chlorothalonil durch das Bundesamt für Landwirtschaft in die Wege geleitet und andererseits der Grenzwert für dieses Fungizid und relevante Metaboliten im Trinkwasser vorsorglich auf 0.1 Mikrogramm (µg) pro Liter festgesetzt. Wem dieser Grenzwert von einem Zehnmillionstel Gramm nichts sagt, hier folgendes Beispiel: Dieser Grenzwert entspricht etwa einem Würfelzucker, verteilt auf das Wasservolumen von 12 olympischen Schwimmbecken (je 50 m Länge à 10 Bahnen und einer Tiefe von rund 3 m).
Der Wasserverbund Kiesental (WAKI) beliefert die Gemeinden Bowil, Freimettigen, Grosshöchstetten, Häutligen, Konolfingen, Mirchel, Münsingen (Ortsteil Tägertschi), Niederhünigen, Oberhünigen, Oberthal und Zäziwil sowie die Ortsteile Ried bei Schlosswil (Gemeinde Worb) und Trimstein (Gemeinde Münsingen) mit Trinkwasser und ist folglich zuständig für die Qualität des gelieferten Wassers.
Die Wasserversorgung im WAKI-Perimeter funktioniert vereinfacht nach einem «Grossisten – Detaillisten»-Modell: Der WAKI produziert das benötigte Trink-, Brauch- und Löschwasser und liefert dieses seinen Aktionären, den Gemeinden. Diese verteilen das Wasser über ihre eigenen Netze in die Versorgungsgebiete (Baugebiete) und besorgen auch den Löschschutz (Hydranten und Hydrantenleitungen).
Sämtliche Anlagen zur Gewinnung, Speicherung, Aufbereitung und zum Transport in die Versorgungsgebiete der Aktionäre (Gemeinden) bilden die sog. Primäranlagen und befinden sich im Eigentum des WAKI. Es handelt sich um 12 Reservoire, 6 Pumpwerke, 2 Grundwasserfassungen, 4 Quellgebiete, 14 Messschächte, ein Leitungsnetz von rund 50 km Länge und eine Leitstelle mit einem Wiederbeschaffungswert von insgesamt rund 70 Mio. Franken.
Das Verteilnetz der Gemeinden umfasst Leitungen von rund 70 km Länge und die Löschschutzanlagen (Hydranten und Hydrantenleitungen), sie bilden die Sekundäranlagen.
Diese regionale Lösung der Wasserversorgung erhöht die Versorgungssicherheit der Aktionäre (Abhängigkeit von mehreren Wasserbezugsorten) und führt zu einer kostengünstigen Bewirtschaftung der Primäranlagen (Synergien bei Speichervolumen und Wasserbezugsorten).
Die Gemeinden als Aktionäre bestimmen im WAKI gemeinsam über die Sanierung von bestehenden und die Erweiterung von neuen Primäranlagen. Obwohl der WAKI die Rechtsform einer Aktiengesellschaft aufweist, ist diese doch zu 100 % im Eigentum der Gemeinden und untersteht der kantonalen Wasserversorgungsgesetzgebung und ist bezüglich öffentlichem Beschaffungswesen einer Gemeinde in Rechten und Pflichten gleichgestellt.
Weiter bestehen Wasserlieferungsverträge mit den Nestlé Suisse S.A. (Werk Konolfingen), der Gemeinde Signau sowie den Gemeinden Münsingen (für die Versorgung des Ortsteils Trimstein) und Worb (für die Versorgung des Ortsteils Ried bei Schlosswil).
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