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Titelbild der Chronik aus dem Jahre 1986

75 Jahre Velo- und Moto Club Hausen
Am 14. Februar 1911 wurde der Velo-Club Hausen gegründet.
Leider haben die Protokolle und Berichte der ersten Jahre die Zeit nicht überstanden. Ab Mitte 1922 sind dann alle Protokolle lückenlos vorhanden.
Dafür zeigen wertvolle Fotos aus den ersten Jahren der Vereinstätigkeit die grossen Erfolge. Nämlich bereits 1912 durfte sich der junge Club als Sieger im Mannschaftsfahren feiern lassen. Ein grosser Kranz mit Schleife und zwei grosse silberne Pokale als Preise, präsentierten die damaligen Radsportler, alle sittlich gekleidet mit Schirmmütze, unserer Nachwelt. Auf vielen Fotos der ersten Jahre sind kranzgeschmückte Hausener Radsportler zu sehen. Im Jahre 1917 wurde mit einer Reigenmannschaft fuore gemacht. Neun schnauzbärtige Männer mit brockatbetresster dunkler Hose, hohem Schuhwerk mit Kniestrumpf statt Wadenbinde, weisses Hemd mit schwarzer Fliege und natürlich eine grossflächige "Dächlikappe" begleitet von zwei sehr hübschen Ehrendamen in weiss, zeigten auf ihren damaligen Fahrrädern ihr grosses Können.
Im selben Jahr war auch die erste gemeinsame Clubausfahrt mit Standarte und Schalmei durchgeführt worden.
In der damaligen Zeit wurden bereits zu Saisonschluss Schlussfahren ausgetragen. Die Beteiligung mit 20 - 25 Fahrern in unserem kleinen Club dürfte manch Fahrwartherz höher schlagen lassen.
Im Meisterschafts-Korsofahren 1923 in Zürich belegten die Hausener den 12. Rang mit Kranzauszeichnung. Mit der Dorfmusik und Blumen wurden die neunzehn erfolgreichen Bannerträger am Bahnhof Brugg abgeholt.
Am SRB Bundestag 1926 in Bern wurde auch am vielbeachteten Umzug mit 21 blumengeschmückten Fahrrädern teilgenommen. Mit einer Geldsammlung, die schöne Fr. 196.60 erbrachte, wurde die Teilnahme in Bern ermöglicht.
In den zwanziger Jahren wurden von Jahr zu Jahr die Sportprogramme jährlich festgelegt. Es ist ein reichliches Angebot vorhanden wie Reigenfahren, Korsofahren in verschiedenen Kategorien, Tourenfahren, Mannschaftsfahren und natürlich Rennfahren. Jährlich werden die Beteiligungen festgelegt. Es scheint, dass die Mitglieder des Velo-Club Hausen fast in jeder Sparte zu Hause waren. Kantonal wie national waren die Hausener immer wieder in Spitzenpositionen in den verschiedenen Disziplinen anzutreffen. Das ist auch nicht verwunderlich, lesen wir doch in einem Fahrwartbericht, 10 Tage vor dem Freiämtersporttag 1925 in Wohlen, haben nochmals 6 Fahrübungen für's Korso Kat. Sport stattzufinden.
Damals war das Mitmachen nicht nur Ehrensache, sondern es wurde bei Absenzen sogar mit Busse bis 50 Rappen gedroht.
Ende der zwanziger und zu Beginn der dreissiger Jahre wurde ein reges Tourenfahren gepflegt. Die Krisenjahre lassen sich aus den seinerzeitigen Protokollen lesen.
In diesen Jahren wird bis Ende der vierziger Jahre jeweils am Jugendfest eine attraktive Korsonummer geboten, Kultur im Dorf wurde auch vom Velo-Club gepflegt. Es wurden Märchenszenen, auch die vier Jahreszeiten und ähnliche Themen, bildlich auf dem Fahrrad dargestellt.
Am 21. Juli 1938 findet in Hausen ein Kant. Rundstreckenrennen statt. Es wurde ein Gewinn von Fr. 496.40 erwirtschaftet, bei einem Umsatz von Fr. 2094.-; das waren noch goldene Zeiten.
Im Protokoll vom 22. September 1939 lesen wir unter Tourenfahren: Es wird einstimmig beschlossen mit dem Mobilmachungstag die Tourenmeisterschaft abzuschliessen und das Schlussfahren wird nur als Rangfahren ohne Gaben ausgetragen. Den Aktivdienstpflichtigen wird der halbe Jahresbeitrag erlassen.
1940 wird wegen drohender Kriegsgefahr das Rundstreckenrennen in letzter Minute verschoben. Im folgenden Jahr wird wieder ein Rundstreckenrennen durchgeführt. Im Jahressportprogramm 1943 werden keine Radtouren und Rennen mehr aufgenommen, sondern wegen Reifenknappheit wurden Waldläufe und Geländeübungen durchgeführt.
Aus dem Protokoll vom 2. Juni 1945 spürt man dass der Krieg vorbei ist, die sportliche Tätigkeit beginnt wieder, alle Wehrmänner sind entlassen. Das Vereinsleben wird mit Radball aktiviert, eigene Maschinen wurden angeschafft. Auch das Reigenfahren wurde wieder attraktiv und gepflegt.
1951 beginnt die eigentliche Neuzeit des Velo-Club Hausen mit der Durchführung der heute traditionellen Habsburgrundfahrt.
Bis 1961 hält die Radbegeisterung in den Reihen dies in diesem Jahr zu Velo- und Moto-Club umbenannten Verein an. Nach dem 50. Geburtstag beginnt mit dem allg. Autoboom der Dornröschenschlaf.
Aber in Hausen erwacht das Vereinsleben neu mit der Habsburgrundfahrt. Von 1969 und bis heute hält sich dieser Anlass als absoluter Mittelpunkt des Vereins. Zum 25. Jubiläum der Habsburgrundfahrt wurde sogar eine Elite-Amateurekategorie gefahren. Etliche Schüler, Anfänger, Junioren, Damen, Gentlemen und Amateure lieben und verfluchen diese wunderschöne Rundstrecke. Sie hat schon viele spätere bekannte Superstars als Rennfahrer erlebt. In den letzten Jahren hat sich die Vereinsleitung mit einem vielseitigen Programm eine grosse, aktive Stamm-Mitgliedschaft geworben.
Die Renn-Aera wurde 1972 mit der Radfernfahrt Zürich - München eingeläutet. Bis heute haben sich Hausener Radrennfahrer ob Damen, Schüler, Junioren oder Amateure auf der Radrennbahnstrasse oder in Bergrennen immer in den besten Rängen plazieren können. So gewannen die Senioren des VMC Hausen am Kant. Aarg. Mannschaftsfahren 1979 in Wil den Aargauer Meistertitel unter der Leitung unseres heutigen Präsidenten.
Und auch in den nächsten Jahren werden Hausener Velopeter auf allen Routen zu finden sein, das hoffen und wünschen wir unserem ewig jungen VMC Hausen.

Der Velo-Moto-Club Hausen erwachte 1972
Unter ein paar jungen angefressenen Hausener Hobbyrennfahrern wurde im Frühjahr 1972 der Entschluss gefasst, wieder etwas aussergewöhnliches zu leisten.
Zum Start wurde gross gewählt, nähmlich die Strecke Zürich - München.
Den Bericht dieser Pionierfahrt möchten wir Ihnen aus damaliger Sicht, von einem Teilnehmer geschildert, gerne wiedergeben.
Diese Fahrt darf als Grundstein für unsere heutige sportliche Vereinstätigkeit gewertet werden.
Radsternfahrt
Zürich - München
Am Freitagabend um 18.30 Uhr besammelten sich die Teilnehmer bei Kurt Haller. Es waren dies: Fritz Schär (Initiant), Kurt Haller, Werner Huber, Walter Brändli und die Begleiter Ernst Schaffner und Dölf Meier. Den Ford Transit stellte die Firma Hug-Schaffner gratis zur Verfügung.
Nach dem Verladen der Velos und des Gepäcks und den üblichen Abschiedsszenen ging es ab nach Zürich. Hier vor dem Hallenstadion herrschte eine Tour-de-France-Stimmung. Mit einiger Mühe erhielten wir unsere Startkarten. Um 21 Uhr nahmen die 4 Amateure des Velo-Club Hausen den Weg durch die Nacht unter die Räder.
In verschiedenen Orten hatte es Leute, die die Velofahrer anfeuerten. Unser Quartett fuhr einen guten Schnitt und überholte einige 30erGruppen, die vor uns gestartet waren. Um ca. 23 Uhr hielten wir beim ersten Zwischenverpflegungsposten vor Konstanz. Die Ovomaltine war so süss, dass wir im Restaurant ein Bier trinken mussten. Wir hatten bezahlt, da waren auch unsere Begleiter mit dem Auto angekommen. Ihr seht also, unser Schnitt war gut!
Nach der 3/4 stündigen Pause suchten wir im Wirrwarr unsere Velos und fuhren Richtung Konstanz. Hier machten wir eine kleine Stadtrundfahrt, da die Signalisation fehlte. Doch wir fuhren noch rechtzeitig auf die Autofähre. Die romantisch Veranlagten konnten das Velo umarmen und so die Fahrt über den See mit dem Vollmond gemessen. Die andern suchten sich ein warmes Plätzchen, war es doch auf offener See frisch.
Von Meeresburg radelten wir auf Nebenstrassen, durch Wälder, Dörfer und Städte und offene Felder durch die klare Vollmondnacht. Nach ca. 80 Kilometern wurde diese Stille durch Fluchen von Fritz Schär unterbrochen. Denn als er einen Zwischenspurt anreissen wollte, riss ihm das Wechselkabel. Wir vertrösteten ihn auf das Frühstück in Ravensburg. Wir waren noch recht frisch, als wir um 2 Uhr nachts zum Frühstück antraten. Es wurde viel gefuttert, wegen der Stärke! Leider fuhr kein Materialwagen mit und Fritz fuhr die restlichen 240 Kilometer mit der mittleren Obersetzung. Für dieses Gestrampel ein Bravo!
Es wurde langsam Morgen und frisch. Die 2. Zwischenverpflegung blieb aus, weil sich die Leute verschlafen hatten. So fuhren wir eben weiter und kauften uns etwas zu essen. Es war ein herrlicher Sommermorgen. Allmählich überfiel uns die Müdigkeit, doch wir liessen uns die gute Laune beim Mittagessen nicht verderben.
Nach einer Stunde Ruhepause nahmen wir die letzte Etappe in Angriff. Die Temperatur stieg immer höher und der Gegenwind machte einzelnen zu schaffen. Die Leute an den Strassen feuerten uns an. Als Kurt Haller führte, rief ein Zuschauer "Viva Espania", denn der meinte, es sei ein Spanier. Nach zwei, drei Zwischenhalten kam eine merkwürdige Tafel, darauf stand M ü n c h e n . Aus den vielen Fahnen, die hier flatterten, zu schliessen, musste hier was los sein. Um 14.15 Uhr bogen wir in eine Zeitstadt ein und erreichten ziemlich erleichtert das - Ziel.
Nach einem grossen Bier nahmen wir die Medaillen in Empfang und legten uns ein bisschen schlafen. Am Abend und am Sonntagmorgen besuchten wir die imposante Olympiastadt.
Zusammenfassend ist zu sagen: Trotz organisatorischen Mängeln waren es schöne 2 1/2 Tage. Die 310 Kilometer, die wir in 16 Stunden zurückgelegt hatten, die Schweiss, Mühe und Ausdauer gekostet haben, werden wir nie vergessen.
Das nächste Mal werden es bestimmt mehr sein, die vom Velo-Moto-Club Hausen mitkommen!
|Ehrentafel der
Vereinspräsidenten

|Hier
noch einige Bilder von früher

1926 SRB Bundestag in Bern
1935 Corso B 1.Rang
Teilnahme an Jugendfesten

©1986/2001 VMC Hausen