Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03621.jsonl.gz/3043

So kommt ein Eintrag im Kataster der belasteten Standorte (KbS) zustande
In vielen Fällen reicht es aus, dass auf einem Standort vor vielen Jahren eine bestimmte betrieblich-industrielle Tätigkeit ausgeübt wurde. Aufgrund dieser Tätigkeit erfolgt dann der Eintrag im KbS. Solche Tätigkeiten können das Betreiben einer chemischen Reinigung oder das regelmässige Schmieren von Maschinen sein. Es ist also durchaus möglich, dass Ihr Standort im KbS eingetragen ist, obwohl er gänzlich unverschmutzt ist.
Die Folgen eines KbS-Eintrags
Die Folgen eines Eintrags im KbS können sehr unterschiedlich sein. Grob gesagt gibt es folgende Möglichkeiten:
- Die Behörde verlangt rasch eine Untersuchung
- Sie können nur bauen, wenn Sie zeigen, dass der Boden unbelastet ist.
- Kaufinteressenten werden abgeschreckt
- Die Bank erhöht den Hypothekarzins
Schritt 1: Historische Untersuchung
Die Historische Untersuchung stellt die aktuelle Situation dar. Ausserdem zeigt sie, welche umweltrelevanten Tätigkeiten im Laufe der Jahre auf dem Standort ausgeübt wurden.
- Im besten Fall können Sie nachweisen, dass keine umweltrelevanten Tätigkeiten ausgeübt wurden und der Standort wird aus dem KbS entlassen.
- Im weniger guten Fall erhärtet sich der Verdacht auf Umweltbelastungen und Sie müssen zeigen, wie gross diese sind. Dann wird die Historische Untersuchung durch ein Pflichtenheft abgeschlossen, in dem Sie angeben, welche Untersuchungen Sie planen.
Die Kosten einer Historischen Untersuchung liegen bei CHF 2‘500.- für eine kleine Liegenschaft und CHF 30‘000.- für ein grosses Industrieareal mit langer wechselvoller Geschichte.
Schritt 2: Technische Untersuchung
Im Rahmen der Technischen Untersuchung werden je nach Ausgangslage Grundwasserproben, Bodenproben und Bausubstanzproben chemisch analysiert.
Im besten Fall zeigt sich, dass keine nennenswerten Belastungen vorliegen. Der Bericht über die Technische Untersuchung wird an das zuständige Amt eingereicht und Entlassung aus dem KbS beantragt.
Im weniger guten Fall zeigen sich Belastungen. Je nach Art und Grösse der Belastung wird dann der Standort von den Behörden klassifiziert in eine der folgenden Kategorien:
- sanierungsbedürftig
- überwachungsbedürftig
- weder sanierungs- noch überwachungsbedürftig.
Die Kosten einer Technischen Untersuchung liegen bei CHF 2‘500.- für eine kleine Liegenschaft und CHF 30‘000.- für ein mittleres Industrieareal. Bei grossen, komplexen Arealen können auch CHF 100‘000.- erreicht werden.
Schritt 3: Altlasten-Environmental Due Diligence
Aufgrund der Resultate aus der Technischen Untersuchung kann man meist abschätzen, was eine Sanierung denn kosten würde. Diese spezielle Kostenschätzung wird Altlasten-Environmental Due Diligence (AEDD) genannt. Diese ist vor allem dann wertvoll, wenn eine Liegenschaft verkauft oder hypothekarisch belehnt werden soll. Sie gibt dem potentiellen Käufer oder der Bank den Minderwert der Liegenschaft an. Ein Eintrag im Kbs macht eine Liegenschaft oft unverkäuflich oder führt zu Kreditverweigerung durch Banken. Mit der AEDD ist dieses Risiko meist gebannt.
Schritt 4: Detailuntersuchung
Wenn sich nach einer Technischen Untersuchung herausgestellt hat, dass ein Standort sanierungsbedürftig ist, verlangen die Behörden eine Detailuntersuchung. Diese dient dazu Umfang und Dringlichkeit einer Sanierung festzulegen.
Schritt 4: Sanierungsuntersuchung
Es gibt in der Regel mehrere Möglichkeiten, wie eine Sanierung durchgeführt werden kann. Diese richten sich nach den Zielen und den finanziellen Möglichkeiten des Standortinhabers. Die Sanierungsoptionen liegen zwischen einer Totalsanierung einerseits und den unumgänglichen Minimalmassnahmen andererseits. In der Sanierungsuntersuchung werden mögliche Sanierungsmassnahmen für den Untergrund, Grundwasser aber auch Gebäudeteile unter Berücksichtigung der jeweiligen Kostenfolgen analysiert.
Schritt 5: Sanierungsprojekt
Eine Sanierung wird wie ein Bauprojekt behandelt und benötigt auch eine Baubewilligung. Dazu muss den Behörden im Rahmen des Rückbau- und Entsorgungskonzeptes aufgezeigt werden, welche Verfahren gewählt werden und welche Abfälle wohin gehen.
Schritt 6: Sanierung
Die eigentliche Sanierung kann in 2 Wochen erledigt sein, wenn z.B. der kontaminierte Boden ausgehoben und entsorgt wird. Sie kann sich aber auch über 2 Jahre hinziehen. Das ist z.B. bei der Bodenluftabsaugung der Fall.
Schritt 7: Erfolgskontrolle
Der Erfolg der Sanierung muss nachgewiesen werden. In einfachen Fällen genügt es, aufzuzeigen, wohin welcher Abfall gelangt ist. In komplizierteren Fällen ist eine umfangreiche Abschlussprüfung durchzuführen. In jedem Fall muss aber ein Abschlussbericht zuhanden der Behörden erstellt werden.
CKW (chlorierte Kohlenwasserstoffe) sind aus dem Fokus der Öffentlichkeit weitgehend verschwunden. Früher fürchtete man sie wegen ihrer zerstörerischen Wirkung auf die Ozonschicht und der Gesundheit der Menschen, die mit ihnen arbeiteten. Diese Probleme wurden nach dem Inkrafttreten des Umweltschutzgesetzes 1985 weitgehend gelöst. Allerdings wurden während Jahrzehnten CKW buchstäblich vom Erdboden verschluckt und tauchen heute als Verunreinigungen im Grundwasser wieder auf. Im Messnetz des Bundes zur Überwachung des Grundwassers (NAQUA) findet man in gut 30 % aller Messstationen CKW im Grundwasser. Die Sanierung von CKW-Altlasten ist extrem schwierig und teuer. Darum verschliessen viele Menschen und Firmen vor diesem Problem die Augen. Das ist individuell sogar rational. Für die Gemeinschaft ist es fatal. Mehr Öffentlichkeit ist gefragt.
Die Karriere der CKW
Zwischen der ersten Synthese von CKW wie beispielsweise Perchlorethylen (PER) 1821 durch Michael Faraday und dem ersten Einsatz in der Textilreinigung 1923 sind fast 100 Jahre vergangen. Ihr hohes Lösungsvermögen für Öle und Fette, die geringe Flammbarkeit und relativ hohe Flüchtigkeit verhalfen den CKW schnell zu einem Siegeszug vor allem in der Textilreinigung und bei der Entfettung von Metallen. Erst in den 1970er Jahren wurden ihre schädlichen Wirkungen entdeckt. So wirkt PER bei Menschen möglicherweise karzinogen[1] Die chronische Aufnahme kann zu Leber und Nierenstörungen sowie nervösen Störungen führen.[2] Als Folge des Umweltschutzgesetzes 1983 existieren heute in der Schweiz praktisch nur noch Anlagen, aus denen keine CKW mehr unkontrolliert austreten können. Wie sich erst in den letzten Jahren zeigte, war damit die Gefahr nicht gebannt. Im Messnetz des Bundes zur Überwachung des Grundwassers (NAQUA) findet man in gut 30 % aller Messstationen CKW im Grundwasser[3]. In den meisten Fällen dürfte vor Jahrzehnten im Boden versickertes CKW die Quelle sein. Darum stehen heute alle ehemaligen Standorte von Entfettungsanlagen und chemischen Reinigungen aber auch Malereien, Druckereien und Färbereien unter Generalverdacht. Das äussert sich durch einen Eintrag im Kataster der belasteten Standorte.
Der Eintrag im KbS
Der „Kataster der belasteten Standort“ (KbS) ist im Prinzip seit 2003 öffentlich[4]. Er erlaubt es den Bürgern zu erfahren, ob es sich bei der entsprechenden Parzelle um einen belasteten Standort handelt. Die Art der „Öffentlichkeit“ ist in den einzelnen Kantonen unterschiedlich. Der Kanton Zürich hat 2006 die ersten Standorte im Internet veröffentlicht. In anderen Kantonen muss eine schriftliche und teilweise kostenpflichtige Anfrage an das Amt für Umweltschutz gestellt werden[5]. Bevor ein Standort in den KbS aufgenommen wird, wird der Grundeigentümer über den bevorstehenden Eintrag informiert. Er erhält Gelegenheit, zum Eintrag Stellung zu nehmen und nötigenfalls eigene Abklärungen durchzuführen. Im KbS wird ein Standort nur eingetragen, wenn Belastungen vorhanden oder mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten sind.
Auch wenn heute für so einen Standort noch kein Eintrag im KbS existiert, ist damit zu rechnen, dass er in den nächsten Jahren erfolgen wird. Das liegt an den unangenehmen Erfahrungen, die mit CKW gemacht wurden. Ursprünglich war angenommen worden, dass CKW rasch verdunsten und hauptsächlich eine Gefahr für die Luft darstellen. Heute weiss man, dass CKW sogar aus Abluftanlagen wieder kondensieren und im Untergrund versickern können. Die CKW können an Rohrleitungen innerhalb des Mauerwerks entlanglaufen und erst später irgendwo versickern. Es sind sogar Fälle bekannt, in denen CKW über mehrere Stockwerke hinab in den Boden gelangten. Auf dem Weg in den Untergrund können CKW auch gut verdichteten Beton problemlos durchdringen. Sogar versiegelter Beton bewirkt keine Rückhaltung. Ausreichend sind nur Edelstahlabdeckungen. Der Ort, an dem die CKW in den Boden eindringen, kann also relativ weit vom ursprünglichen Verwendungsort entfernt sein. Einmal im Boden angelangt, können CKW relativ schnell wandern. Sie haben nämlich eine geringe Viskosität. Sie sickern auch erheblich tiefer in den Untergrund ein als andere organische Lösemittel, weil sie fast doppelt so schwer wie Wasser sind. Dabei ist ihre Wanderungsgeschwindigkeit stark von der Bodenbeschaffenheit abhängig. Im Karst (also z.B. im Jura) wandern sie sehr schnell durch Risse im Fels. An feinem Sand adsorbieren sie sehr stark und bleiben „hängen“. Normale Kohlenwasserstoffe (Öle, Benzin etc.) werden im Boden von Bakterien abgebaut und sind nach ca. 50-100 Jahren in der Regel verschwunden. CKW werden praktisch nicht abgebaut. Irgendwann erreichen sie das Grundwasser. Weil sie so schwer sind, sacken sie grösstenteils sogar durch das Grundwasser und können sich auf dem Grundwasserstauer ansammeln und dort kleine „Seen“ bilden. Von dort verteilen sie sich dann weiter, über viele Jahre hinweg. CKW wie PER sind wenig wasserlöslich. In einem Liter Wasser lösen sich nur 1,5 g PER. Diese Menge genügt aber, um 37’500 Liter Wasser ungeniessbar zu machen.[6]
Die Folgen des Eintrags im KbS
Ein Eintrag im KbS hat für den Eigentümer unmittelbare Folgen. Ein massiver Wertverlust der Liegenschaft ist fast sicher. Die betroffene Liegenschaft wird praktisch unverkäuflich, da potentielle Käufer nicht wissen, was an Sanierungskosten noch auf sie zukommt. Nach der Feststellung des Katastereintrags bewertet die Bank die Lage neu und nimmt in aller Regel den bisher bekannten schlimmstmöglichen Fall der betreffenden Branche an. Das führt dann u.U. zu einem Risikozuschlag auf den Hypothekarzins oder gar zu einer Kündigung der Hypothek.
Dabei ist in vielen Fällen die Angst unbegründet. Wenn gezeigt werden kann, dass an einem Standort in der Vergangenheit gar keine CKW verwendet worden sind, streicht die Behörde den Eintrag im KbS wieder. Wenn am Standort zwar CKW eingesetzt wurden, aber mit keiner Gefährdung des Grundwassers zu rechnen ist, lautet der Eintrag im KbS: „Untersuchungsbedürftiger Standort“. Der Eigentümer muss eine Untersuchung erst bei Umnutzung oder Bauvorhaben machen lassen. Wenn am Standort CKW eingesetzt wurden und mit einer Gefährdung des Grundwassers zu rechnen ist, lautet der Eintrag im KbS: „Prioritär untersuchungsbedürftiger Standort“. Sobald dem Eigentümer die Klassierung mitgeteilt wird, muss er innerhalb von 3 Jahren eine Untersuchung durchführen. In der Regel kommt ein Standort in die Kategorie „prioritär untersuchungsbedürftig“, wenn er in einer Gegend mit wichtigen oder relativ hoch liegenden Grundwasserströmen gelegen ist. Denn Grundwasser ist unser wichtigstes Schutzgut.
Der Sanierungsfall
Wegen ihrer speziellen Eigenheiten ist es sehr schwierig, die Kosten einer CKW-Sanierung abzuschätzen. In den meisten Fällen liegen sie über CHF 500’000.-. Einen Extremfall stellt eine ehemalige chemische Reinigung im Kanton Zürich dar. Auch nach 25 Jahren Sanierung war kein signifikanter Erfolg festzustellen. Die Belastung des Grundwassers mit PER hatte sich nicht signifikant verbessert[7]. Dabei sagt die Betriebsdauer einer Anlage nicht unbedingt etwas über die Schwere der Verschmutzung aus. Generell sind bei CKW Vorhersagen aufgrund einfach zu ermittelnder Kriterien wie Betriebsdauer, jährlich zugekaufte Menge CKW, Grösse der eingesetzten Anlagen etc. schwierig.
Wer zahlt die Sanierung
Das Gesetz sagt klar, dass der Verursacher einer Verschmutzung die Sanierung zahlen muss. Im Einzelfall ist das allerdings oft nicht so klar. Wenn Hans Meier seine Reinigung 1995 an Peter Müller verkauft hat, der sie dann weiterführte, und es im Jahre 2011 zu einer Sanierung kommt, stellt sich die Frage, wer zahlen muss. Nach geltender Rechtsauffassung muss Peter Müller sicher zahlen. Ob Hans Meier sich an den Kosten beteiligen muss, hängt davon ab, wieweit sein Verschulden an der Verschmutzung nachgewiesen werden kann. Anders liegt folgender Fall: Hans Meier verkauft seine Reinigung 1995 an Carl H. Carl H. macht einen Nachtclub draus. 2011 muss saniert werden. Hans Meier muss als Verursacher sicher zahlen, Carl H. wird aber auch zur Zahlung herangezogen, wenn er z.B. die Liegenschaft zu einem reduzierten Preis erworben hat. Sicher ist nur eines: Wenn der Verursacher unklar ist, muss der heutige Eigentümer einer Liegenschaft die Sanierung vorfinanzieren. Die Sanierung kann den Eigentümer in den Konkurs treiben. Darum ist es für den Eigentümer rational, nichts zu untersuchen, solange er nicht muss: „Lieber in 10 Jahren Konkurs gehen als heute Konkurs gehen“. Aus Sicht der Allgemeinheit sieht die Lage anders aus. Je länger nichts getan wird, desto mehr breitet sich die Belastung aus und gefährdet immer grössere Bereiche. Je länger nichts getan wird, desto teurer wird die Sanierung. Darum liegt es in aller Interesse, dass rasch gehandelt wird.
Die Situation kann nicht vom Individuum allein gelöst werden. Der Staat sollte Rahmenbedingungen setzen und Subventionen geben, so dass alle vorhandenen CKW-Belastungen so rasch wie möglich saniert werden.
[1] Gruppe 2A karzinogen, international agency for research on cancer.
[5] Z.B. im Kanton SZ, dort kostet die Anfrage CHF 100.-
[6] Umwelt, 03-2003 S. 10.
PAK ist eine Abkürzung für Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Das ist eine Sammelbezeichnung für aromatische Verbindungen, die aus sogenannt kondensierten (zusammenhängenden) Ringsystemen aufgebaut sind. Sie werden aus praktisch allen organischen Stoffen (Holz, fossile Brennstoffe wie Kohle, Mineralöle) bei unvollständiger Verbrennung (thermische Kraftwerke, Heizungen, Strassenverkehr) gebildet. Waldbrände lieferten PAK schon in “grauer Vorzeit”, ebenso produzieren thermische Prozesse des Haushaltsbereichs (Erhitzen und Anbraten von Nahrungsmitteln in der Küche, Grillen, Räuchern) PAK in namhaften Mengen. Hamburger-Grills im Fastfood-Bereich sind eine bedeutende PAK-Quelle in den USA. PAK kommen auch in Mineralölen, Bitumen, Pech, Teer, Russ, Tabakrauch, Asche, Abgasen und den darin enthaltenen Feinstäuben vor und sind global verbreitet.
Viele PAK sind toxisch, sie weisen unterschiedliche carcinogene, mutagene und weitere schädigende Einflüsse auf den Menschen auf. So beeinträchtigt Benzo(a)pyren beispielsweise die Fortpflanzungsfähigkeit (Fruchtbarkeit) des Menschen und ist fruchtschädigend. Die Verbindung gilt als stark carcinogen und tritt zudem häufig auf. Benzo(a)pyren wird in den Analysenberichten unseres Instituts immer separat ausgewiesen. Viele weitere PAK wirken besonders in Gegenwart von UV-Licht (starke Sonneneinstrahlung) toxisch. Nur wenige PAK werden in reiner Form synthetisiert und wie Anthracen, Pyren und Carbazol als Grundlage für die Herstellung von Farbstoffen, Pestiziden und Pharmaka verwendet.
PAK-Bodenbelastungen finden sich häufig auf Unfallstandorten (Brände), Mineralöllagern, Kokereien und Betrieben, die mit Bitumen, Pech, Teer arbeiteten sowie in alten Deponien. Die meisten PAK sind in Wasser praktisch unlöslich und sind aufgrund ihres niedrigen Dampfdrucks und der starken Adsorption an organisches und anorganisches Material nahezu immobil, sie verbleiben in der Regel am Ort ihrer Ablagerung. PAK zeichnen sich deswegen durch eine hohe Geoakkumulationstendenz aus. Ein Transport kann aber trotzdem über andere vorhandene oder später eintretende Bodenverunreinigungen (z.B. Mineralöle, Reinigungsmittel, u.ä.) erfolgen.
Während noch vor wenigen Jahren angenommen wurde, dass PAK nicht oder kaum abbaubar seien, ist diese Vorstellung auf Grund neuester Ergebnisse eindeutig widerlegt. PAK werden in der Umwelt z.T. durch Mikroorganismen abgebaut, zusätzlich erfolgt eine Reduzierung der PAK durch sichtbares Licht und UV-Strahlung (Photolyse). Allerdings gestaltet sich der natürliche Abbau langsam und wird zudem mit zunehmender Grösse der PAK-Moleküle schlechter. PAK enthalten keine hydrolisierbaren Gruppen im Molekül, weshalb auch die Hydrolyse (Umsetzung mit Wasser) keine Rolle für die umweltrelevante Stofftransformation spielt.
Da die Zahl der PAK-Isomere mit sukzessiver Kondensation von Ringsystemen sehr schnell ansteigt, wurden folgende PAK von der WHO aufgrund ihrer Nachweishäufigkeit und Konzentration in Umweltmedien, ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften sowie ihrer Reaktiviät und biologischen Aktivität als Leit- bzw. Indikatorsubstanzen vorgeschlagen:
– Fluoranthen – Benzo(a)pyren
– Benzo(ghi)perylen – Benzo(b)fluoranthen
– Benzo(k)fluoranthen – Indeno(1,2,3-cd)pyren
Bei den in unserem Institut vorgenommenen PAK-Analysen sind diese Verbindungen, nebst weiteren, berücksichtigt.
PAK werden mittels eines geeigneten Lösungsmittels aus der Analysenprobe extrahiert. Der Extrakt wird aufgearbeitet, gereinigt und dabei gleichzeitig aufkonzentriert. Die Messung erfolgt mittels hochauflösender Gaschromatographie, als Detektor wird in unserem Institut ein Massenspektrometer eingesetzt. Dies erlaubt nicht nur die Quantifzierung eines Signals, sondern gleichzeitig die eindeutige Identifizierung der quantifizierten PAK-Verbindung. Zusätzliche Signale unbekannter Herkunft können zudem charakterisiert werden und erlauben vielfach weitergehende Einblicke in die chemische Zusammensetzung des untersuchten Probematerials.
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe sind zwar “echte” Kohlenwasserstoffe im Sinne des Schweiz. Vollzugsrechts, sie stellen jedoch im Rahmen der landesweiten KW-Gesamtfrachten im Abwasser eine verschwindende Minderheit dar. Im Bereich Gewässerschutz, Teil Oberflächengewässer, sind die PAK daher von eher untergeordneter Bedeutung. Beim Vollzug des Altlastenrechts und damit in Verbindung mit dem Grundwasserschutz sowie dem Vollzug des Abfallrechts kommt den PAK wegen ihrer Umweltrelevanz hingegen ein hoher Stellenwert zu.
Zusammenfassend sind die PAK wie folgt zu charakterisieren:
– teilweise stark carcinogen
– wenig bis kaum wasserlöslich
– ausgeprägt grosse Sorptionsneigung
– kein Abbau durch Hydrolyse
– in der Summe sehr hohe Umweltrelevanz
In die historische Untersuchung von Altlasten investierte Zeit und Geld ist gut investiert. Alles, was man in dieser Phase versäumt, muss man später in wesentlich teureren technischen Untersuchungen x-fach bezahlen. Uns sind Fälle bekannt, in denen 20 Jahre lang von Gutachtern und Behörden die wesentlichen Fragen nicht gestellt und so vermeidbare sehr kostspielige technische Untersuchungen gemacht wurden. Dabei ist die Historische Untersuchung nicht nur die Grundlage für eine zielgerichtete technische Untersuchung. Sie ist auch für die Aufteilung von Untersuchungs- und Sanierungskosten von entscheidender Bedeutung.
Für die Historische Untersuchung von Altlasten müssen die die verschiedenen Nutzungen und Grundeigentümer möglichst umfassend erhoben werden. Die zeitliche und räumliche Entwicklung der verschiedenen belastungsrelevanten Prozesse auf dem Standort sollte ausführlich dargestellt werden. Falls die Recherchen aus Kostengründen oder Bequemlichkeit zu stark auf die aktuellen Nutzungen fokussiert werden, besteht das Risiko, dass vergangene Tätigkeiten und damit zusätzliche Schadstoffherde nicht beachtet werden. Unter Umständen bleibt auch unbekannt, ob vor dem aktuellen Standortinhaber unter Umständen andere für die Schadstoffe verantwortlich und damit zahlungspflichtig sind.
In der Historische Untersuchung von Altlasten werden Fragen zum Betrieb gestellt: Wer hat an welcher Stelle produziert. Diese Frage ist für den aktuellen Standortinhaber sehr wichtig. Gemäss Umweltschutzgesetz muss nämlich derjenige für die Kosten der Sanierung zahlen, der den Schaden verursacht hat. Es sollten also möglichst flächenbezogen alle Betriebe beschrieben werden, die seit der erste Bebauung der Parzelle dort tätig waren. Dazu gehört ihre Branche, die Mitarbeiterzahl, die Verfahren, die verwendet wurden, die eingesetzten und produzierten Produkte und die Frage, ob die eingesetzten Verfahren “trocken”, “wässrig” oder mit Lösungsmitteln durchgeführt wurden.
In der Historischen Untersuchung von Altlasten werden sodann Fragen zum Areal gestellt. Wichtig ist eine lückenlose Aufstellung der Eigentumsverhätlnisse seit dem Stadium “grüne Wiese”. Es sollte auch beschrieben werden, ob es irgendwo künstliche Auffüllungen gibt oder unter Umständen angrenzende Areal, die Verursacher von Belastungen sein könnten.
In der Historische Untersuchung von Altlasten folgt danach eine Geschichte der verschiedenen Gebäude auf dem Areal. Dabei wird die Geschichte beschrieben, angefangen beim Baujahr über die Nutzung, Unterkellerungen und die darin durchgeführten Nutzungen. Wichtig ist auch der aktuelle Zustand der Gebäude. Es geht um die Art des Bodens (z.B. Beton), den Zustand des Bodens (hat der Beton Risse, wie sauber sieht er aus), Schutzbeläge, Abdichtungen, Entwässerungen und Bodenabläufe. Wenn dies im Zeitablauf bekannt ist, gibt es wertvolle Hinweise, welche umweltrelevanten Produkte überhaupt im jeweiligen Gebäude vorkamen ob und wie sie hätten in die Umwelt gelangen können.
In der Historischen Untersuchung von Altlasten folgt als nächstes die Frage nach möglichen Störfällen. Das können Brände, Überschwemmungen etc. gewesen sein. Auch hier ist die Frage, ob dabei umweltrelevante Stoffe ausgetreten sein könnten und wohin sie gelangt sein könnten. Unter Umständen geben sich auch Hinweise, ob Versicherungen für Teile der Altlastensanierung herangezogen werden können.
Ein wichtiger Bereich in der Historische Untersuchung von Altlasten ist die Frage nach dem Abwasser. Welche Arten von Abwasser gab es in der Vergangenheit, wie waren sie belastet? Wohin wurden sie abgeleitet? Gab es eine Trennung von häuslichen und betrieblichen Abwässern? Wurden spezielle Reinigungsverfahren für Abwasser verwendet. Eine wichtige Informationsquelle für diese Fragen sind die Archive der Behörden.
Ebenso wird in der Historische Untersuchung von Altlasten nach der Abluft gefragt. Es muss geklärt werden, welche Art von Abluft es gab, wohin sie gelangt ist und ob Substanzen aus der Abluft irgendwo wieder hätten in den Untergrund gelangen können.
Ausserdem wird in der Historischen Untersuchung von Altlasten nach Abfällen gefragt. Es muss klar sein, welche Arten von Abfällen es gab, welche möglichen Belastungen sie enthielten, wo sie gelagert wurden, wie sie aufbereitet und entsorgt wurden.
Ein besonderes Augenmerk in der Historischen Untersuchung von Altlasten gilt den verwendeten Maschinen. Ein ansonsten für die Umwelt völlig harmloser Betrieb kann in den Maschinen Belastungspotential haben. Darum werden die Maschinen und ihre Standorte beschrieben, es werden mögliche Kühlmittel, Befettungen und der Unterhalt der Maschinen beschrieben. Ein Verdacht auf Kohlenwasserstoffbelastungen kann sich aus Tropfverlusten von Schmiermitteln und hydraulischen Einrichtungen ergeben.
In der Historische Untersuchung von Altlasten werden auch logistische Wege nicht ausser Acht gelassen. Es wird gefragt, wo welche Art von Ware angeliefert wurde, wo sie umgeschlagen und wo gelagert wurde. Dabei wird ein Augenmerk auf mögliche Tropfverluste gelegt.
Ebenfalls werden Lagerorte in die Historische Untersuchung von Altlasten einbezogen. Die gelagerten Stoffe, speziell Flüssigkeiten, werden beschrieben. Informationen über Abläufe, Schutzbauwerke, Überdachungen, Versiegelungen im Freien sind wichtig. Wenn Mengenangaben gemacht werden können, so gibt das wertvolle Hinweise über das Ausmass von möglichen Belastungen.
In der Historische Untersuchung von Altlasten gilt ein besonderes Augenmerk den Tanks. Ihre Lage, Art und Grösse ist wichtig ebenso wie damit verbundene Leitungen und Verrohrungen. Sicherungsmassnahmen wie Bodenwannen oder doppelte Wände, Stillegungen und Reinigungen werden erfasst.
Schliesslich werden in der Historische Untersuchung von Altlasten auch die Peripherieanlagen erfasst. Sie können ein beträchtliches Belastungspotential bergen. So sind Heizungen, Kompressoren, Fahrzeugunterhalt mögliche Quellen von Kohlenwasserstoffbelastungen. Kühlanlagen können Quellen von CKW-Belastungen sein, aus Trafos und Kondensatoren können in der Vergangenheit PCB in die Umwelt gelangt sein. Schliesslich sind Gleise mögliche Ursachen von PAK-Belastungen.
Auch der Aussenbereich eines Betriebes fliesst in die Historische Untersuchung von Altlasten ein. Hier wird nach möglichen Quellen von Tropfverlusten, ehemalige Gruben und Auffüllungen gefragt.
Die Untersuchung und Sanierung von Altlasten mit chlorierten Lösungsmitteln (CKW) ist technisch schwierig und finanziell aufwändig. Wenn man es nicht intelligent angeht, können jahrelange Untersuchungen und unter Umständen jahrelange erfolglose Sanierungen stattfinden.
In der Schweiz wurden CKW ab den 1930er Jahren in industriellen Massstäben eingesetzt. CKW haben ein sehr hohes Lösungsvermögen für Schmiermittel und andere Kohlenwasserstoffe. Sie haben eine geringe Flammbarkeit und eine hohe Flüchtigkeit. Das heisst, sie verdampfen schnell und die Dämpfe sind fast nicht brennbar. Darum wurden sie in der Industrie als Reinigungs- und Entfettungsmittel sowie als Lösungsmittelzusätze verwendet. Es wurde jahrelang sehr verschwenderisch mit CKW umgegangen. Das betraf vor allem chemische Reinigungen, industrielle Entfettungen z.B. in der Metallbearbeitung, die chemische Industrie sowie den Einsatz in Farben. Erst spät wurden die Gefahren der CKW für die menschliche Gesundheit und die Umwelt bekannt. Auch die fast heimtückischen Eigenschaften der CKW waren lange unbekannt. Noch bis in die 1979er Jahre glaubte man, abtropfende CKW würden vollständig verdampfen. Erst später stellte sich heraus, das CKW auf den Betonboden tropfen können, dort aber nicht vollständig verdampfen sondern sogar meterdicke Betonschichten durchdringen und so in den Untergrund und ins Grundwasser gelangen können. Der wichtigste Schritt beim Verdacht auf CKW-Belastungen ist ein sofortiges Handeln. Mit jedem Tag Zuwarten haben die Substanzen mehr Zeit, sich im Untergrund oder Grundwasser weiter auszubreiten, was sie späteren Sanierungskosten immer weiter erhöht. Der wichtigste erste Schritt heisst:
Historische Untersuchung
In die historische Untersuchung investierte Zeit und Geld ist gut investiert. Alles, was man in dieser Phase versäumt, muss man später in wesentlich teureren technischen Untersuchungen x-fach bezahlen. Uns sind Fälle bekannt, in denen 20 Jahre lang von Gutachtern und Behörden die wesentlichen Fragen nicht gestellt und so vermeidbare sehr kostspielige technische Untersuchungen gemacht wurden. Dabei ist die Historische Untersuchung nicht nur die Grundlage für eine zielgerichtete technische Untersuchung. Sie ist auch für die Aufteilung von Untersuchungs- und Sanierungskosten von entscheidender Bedeutung.
In der Historischen Untersuchung müssen die die verschiedenen Nutzungen und Grundeigentümer möglichst umfassend erhoben werden. Die zeitliche und räumliche Entwicklung der verschiedenen belastungsrelevanten Prozesse auf dem Standort sollte ausführlich dargestellt werden. Falls die Recherchen aus Kostengründen oder Bequemlichkeit zu stark auf die aktuellen Nutzungen fokussiert werden, besteht das Risiko, dass vergangene Tätigkeiten und damit zusätzliche Schadstoffherde nicht beachtet werden. Unter Umständen bleibt auch unbekannt, ob vor dem aktuellen Standortinhaber unter Umständen andere für die Schadstoffe verantwortlich und damit zahlungspflichtig sind.