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Die Mongolei erlebt einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung, der die Wasserbewirtschaftung des Landes einer Belastungsprobe unterzieht. Nach langem Ringen mit den Herausforderungen im Zusammenhang mit seiner Demokratisierung ist das Land nun besorgt darüber, dass seine Wasservorräte seit zehn Jahren gefährlich schwinden.
Die wichtigsten Regionen, in denen gravierende Wasserprobleme auftreten, sind die Hauptstadt Ulaanbaatar mit ihren 1’232’300 Einwohnern und die Wüste Gobi, in der sich etwa 200 Bergbauunternehmen niedergelassen haben. In der Hauptstadt verfügt mehr als 60% der Bevölkerung über an Kläranlagen angeschlossenen Toiletten und Zugang zu Leitungswasser. Mitten im Winter leiden ihre Bewohner unter Wasserknappheit. Im Süden sind seit 2006 infolge des Bergbaus und der klimatischen Veränderungen in der Wüste Gobi 680 Flüsse und 760 Seen ausgetrocknet. Diese Situation ruft Spannungen zwischen Unternehmern und nomadisierenden Viehzüchtern hervor und gefährdet das ökologische Gleichgewicht und die Ernährungssicherheit in der Region.
Abkommen mit den mongolischen Behörden
In Anbetracht dieser Situation richtete der mongolische Präsident 2012 am Weltwirtschaftsforum in Davos einen Hilfsappell an die Welt. Daraufhin betrat im selben Jahr die 2030 Water Resources Group (2030 WRG) die internationale Arena. Die DEZA unterstützte das Engagement der WRG in der Mongolei von Anfang an. Ihr Direktor, Martin Dahinden, gehört dem WRG-Vorstand an. Nach einer ersten Kontaktaufnahme wurde die Zusammenarbeit der 2030 WRG mit der mongolischen Regierung im September 2013 durch ein Abkommen in Form eines «Memorandum of Understanding» offiziell besiegelt.
Ziel der 2030 Water Resources Group ist es, den Ländern, in denen sie tätig ist, eine detaillierte Analyse der Herausforderungen im Wasserbereich (Stand der Reserven, dringende Probleme und Prognosen bis 2030) zur Verfügung zu stellen und die Akteure des öffentlichen und privaten Sektors zusammenzubringen. Anschliessend wirkt die 2030WRG an der Erarbeitung eines Fahrplans für die Umsetzung einer Politik mit, die den schonenden Umgang mit Wasser langfristig gewährleistet. Am 4.März 2014 veröffentlichte die 2030WRG einen Bericht, in dem die Probleme bei der Wasserbewirtschaftung in der Mongolei analysiert werden. Dabei handelt es sich um die erste Phase ihres Engagements.
Prognosen als Diskussionsgrundlage
«Dieser Analysebericht ist wesentlich für uns», sagt Christoph Jakob, Leiter des in Genf angesiedelten Asien-Büros der 2030 Water Resources Group und detachierter DEZA-Mitarbeiter. «Er enthält glaubwürdige Daten und Prognosen, die als Diskussionsgrundlage für die Ermittlung von Problemlösungen dienen werden. So macht der Bericht deutlich, dass der Bergbau derzeit 12,7% der Wasservorkommen des Landes beansprucht und sich künftig zum grössten Wasserverbraucher entwickeln wird. Ferner geht daraus hervor, dass in einem Szenario starken Wachstums in Ulaanbaatar in sieben Jahren Wassermangel herrschen könnte, der den Fortbestand der unternehmerischen Tätigkeit gefährden würde. Unsere Stärke besteht darin, dem öffentlichen und privaten Sektor bei der Suche nach gemeinsamen Lösungen behilflich zu sein.» Christoph Jakob reiste im April 2014 nach Ulaanbaatar, um Workshops zur Präsentation der Ergebnisse des Analyseberichts für mehr als hundert Personen zu veranstalten.
Einsetzung eines Lenkungsausschusses
Die 2030 WRG richtet derzeit einen aus 15-köpfigen Lenkungsausschuss ein, der die Fortsetzung ihrer Arbeit vor Ort betreuen soll. Er wird die Aufgabe haben, der mongolischen Regierung ausgehend von den Analysen des Berichts konkrete Lösungen vorzuschlagen, und sich aus Vertretern verschiedener Ministerien, privater Unternehmen und der Zivilgesellschaft zusammensetzen. Der letztgenannten Kategorie werden auch Nomaden- und Umweltschutzverbände angehören.
«Die verschiedenen Akteure des Landes zeigen seit 2012 Interesse an einer Zusammenarbeit. Das allein ist als Erfolg der 2030WRG zu werten», stellt Christoph Jakob fest. «Die bedeutendsten Ergebnisse unseres Engagements werden in den nächsten Jahren zutage treten, wenn es in der Mongolei zu politischen Veränderungen bei der Wasserbewirtschaftung kommt. Und wenn zum Beispiel die Bergbauunternehmen die Vorschriften zur Wasseraufbereitung anwenden, an deren Ausarbeitung sie mitwirken werden.»
Ein Aktionsplan mit drei Schwerpunkten
Damit die Mongolei die Kontrolle über ihre Wasserbewirtschaftung ausüben kann, hat die 2030 Water Resources Group mit Einwilligung der Regierung des Landes beschlossen, sich bei ihrer Tätigkeit auf drei Schwerpunkte zu konzentrieren:
1. Rentable Massnahmen ermitteln, indem wasserwirtschaftliche Analysen vorgenommen werden. Zum Beispiel bewerten, wie rentabel der Bau einer Fernwasserleitung im Vergleich zu anderen, weniger kostspieligen Lösungen ist.
2. Anreize für einen nachhaltigen Wasserverbrauch schaffen. Die Wasseraufbereitung sollte auf längere Sicht Bestandteil der Tätigkeit der Bergbauunternehmen werden. Im Gegenzug muss ihnen dadurch ein Vorteil entstehen.
3. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Beteiligten fördern. Dazu müssen die öffentlichen und privaten Akteure mit dem Instrumentarium und Know-how ausgestattet werden, das eine umsichtige Wasserbewirtschaftung gewährleistet.