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Harrison Ford ist der Handwerker unter den Hollywoodstars. Am Zurich Film Festival (ZFF) wurde er seinem Image als bescheidener Büezer gerecht. Am Filmemachen liebe er den Prozess, die Zusammenarbeit mit andern, das Feilen am Ergebnis, sagte der 71-Jährige.
Die Figuren, die er verkörpere, interessierten ihn meist weniger als die Arbeit in einem Team, wobei er Angebote ablehne, bei denen er überhaupt keinen Bezug zu sich selber herstellen könne, sagte Ford am Freitag vor den Medien in Zürich. Das ZFF verlieh dem sympathischen Star das Goldene Auge für sein Lebenswerk.
Die Auszeichnung gebe ihm die Möglichkeit, seine Dankbarkeit dafür auszudrücken, "dass ich diese Karriere haben durfte und dass ich immer noch da bin." Ausserdem bedeute ein Lebenswerk-Preis ja nicht, dass er nicht weiterarbeiten dürfe, sagte er scherzhaft.
Wenn Ford nur einen einzigen Film hätte drehen können, hätte er sich nicht für einen der bekannten Blockbuster entschieden, sondern für "42" (2013), einen Baseballfilm über einen schwarzen Spieler, der in den 1940er Jahren Rassenschranken überwand. Ford spielt in dem Streifen, der in der Schweiz nicht in die Kinos kam, einen Teamchef.
"Akademischer Zusammenbruch"
Kommerziell erfolgreiche Filme wie die "Star Wars"-Triologie oder die "Indiana Jones"-Reihe hätten es ihm ermöglicht, in weniger bekannten Streifen mitzuwirken, erklärte Ford. Seine alten Filme schaue er sich allerdings kaum noch an und wenn, sei er nicht so sehr stolz auf seine Leistung, sondern auf den Film an sich.
"Mein Ehrgeiz war es immer in erster Linie, meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können", betonte er. Zu Beginn seiner Karriere habe es ihn schon gefreut, 150 Dollar pro Woche zu verdienen.
Ford verriet vor den Medien in Zürich auch, dass er vier Tage vor seinen College-Abschluss von der Schule geflogen sei. Grund war ein "akademischer Zusammenbruch", also schulisches Totalversagen. Seit zwanzig Jahren hätte ihn das College nun gern zurück, sagte er.
"Möchte gar nicht der Boss sein"
Als negativen Aspekt seines Daseins nannte er den weitgehenden Verlust an Anonymität: "Schauspieler müssen die Umwelt beobachten, um ihre Rolle glaubwürdig verkörpern zu können. Selber unter Beobachtung zu stehen, passt da eigentlich nicht dazu."
Erwartungsgemäss sagte Ford in Zürich nichts zu seiner möglichen Beteiligung an den geplanten neuen "Star Wars"-Filmen. Kein Interesse hat der 71-Jährige daran, in den Regiestuhl zu wechseln, wie dies viele andere Schauspieler gelegentlich tun.
"Das scheint mir viel zu schwierig. Ich weiss nicht, ob ich das Rüstzeug dazu mitbringe. Ich möchte eigentlich gar nicht der Boss sein, auch wenn ich manchmal gern den Boss herumkommandiere."
SDA-ATS