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Jayne Mansfield's Car (2012)
Jayne Mansfield's Car (2012)
Oder: Eine ganz normale Familie
Alabama, 1969: Die Hippiebewegung kommt nun sogar in den Südstaaten an, und der Zweitweltkriegsveteran Carroll Caldwell (Kevin Bacon) wird als Anführer einer Anti-Vietnam-Demonstration verhaftet. Seinen strenger Vater Jim (Robert Duvall), seinerseits ein stolzer Veteran des Ersten Weltkriegs, freut das ganz und gar nicht. Die beiden anderen Söhne von Jim verhalten sich weniger aufrührerisch und leben beide auf dem grossen Anwesen des Vaters. Doch während der spiessige Jimbo (Robert Patrick) verheiratet ist und einen Teenager-Sohn hat, lebt der introvertierte Skip (Billy Bob Thornton) alleine und hat nur Augen für seine Autosammlung.
Eines Tages kommt der Schock: Jim erfährt, dass seine Ex-Frau und Mutter von Carrol, Jimbo und Skip, verstorben ist. Vor langer Zeit hatte sie ihn verlassen und war nach England gezogen, wo sie wieder geheiratet hat. Nun kommt ihre dortige Familie für die Beerdigung nach Amerika, was den alten Mann alles andere als freut. Die Stimmung ist folglich sehr kühl, als Kingsley Bedford (John Hurt), sein Sohn Phillip (Ray Stevenson) und seine Nichte Camilla (Frances O'Connor) auf der Ranch der Caldwells ankommen. Doch mit der Zeit lernen sich die beiden Familien besser kennen, und während Jim in seinem vermeintlichen Rivalen Kingsley einen Seelenverwandten entdeckt, hat Skip nur Augen für die schöne Camilla.
Film-Rating
Billy Bob Thornton ist ein vielseitig begabter Mann: Der Star von Filmen wie Monster's Ball und The Man Who Wasn't There hat auch bei eigenen Filmen Regie geführt und das Drehbuch geschrieben - für Sling Blade erhielt er dafür sogar einen Oscar - und startete 2001 seine Musikkarriere. Jayne Mansfield's Car markiert seine Rückkehr auf den Regiestuhl, wobei er auch die Hauptrolle übernahm. Dieser Film stellt für Thornton ganz offensichtlich ein sehr persönliches Projekt dar. So gab er an der Pressekonferenz in Berlin zu, dass die Beziehung von Skip zu seinem Vater im Film autobiographische Elemente enthält und er von seinem eigenen Vater als Kind ebenfalls zu Autowracks geschleppt wurde, so wie es Jim im Film mit seinen Söhnen tut.
Überhaupt merkt man dem Film einfach an, dass er mit viel Herz und Engagement gemacht wurde. Dies beginnt schon auf der Ebene des Drehbuchs, welches sich genug Zeit lässt, um auf jedes der gut ein Dutzend Familienmitglieder einzugehen. Dabei gelingt es Thornton, alle Figuren interessant zu machen und ihnen im Verlaufe des Filmes unerwartete Facetten abzugewinnen. Das übergreifende Thema stellt der Generationenkonflikt dar, der sich vor allem an den unterschiedlichen Kriegserlebnissen der Söhne und Väter entfacht. Gelöst werden kann dieser Konflikt laut dem Film nur bedingt, und Thorntons Botschaft könnte man so lesen, dass jede Generation ihre eigenen Erfahrungen mit dem Krieg macht, aber nicht fähig ist, diese weiterzugeben.
Jayne Mansfield's Car lässt sich jedoch keineswegs als Antikriegsdrama abstempeln. Eigentlich lässt sich der Film gar nicht in die heute üblichen Schubladen einordnen, da er sowohl Drama als auch Komödie enthält. Stattdessen ist Thorntons Film klassisch inszeniertes Erzählkino, wie man es in Amerika heutzutage sehr selten sieht, und erinnert vielleicht am ehesten an die Filme des Altmeisters Robert Altman (Short Cuts). Denn in erster Linie handelt es sich hier um eine plurale Charakterstudie, die von einem hervorragenden Ensemble-Cast getragen wird. Am meisten stechen einerseits Thornton selbst und andererseits Robert Duvall hervor, wobei letzterer gewissermassen eine gealterte Version seiner Figur aus Apocalypse Now spielt.
Der Film ist nicht perfekt, und interessanterweise liegen nicht nur seine Stärken, sondern auch seine Schwächen im Drehbuch: Aufgrund der grossen Zahl an Charakteren dauert es eine Weile, bis der Film sie alle eingeführt hat und in Fahrt kommt, ausserdem mutet die Art, wie von den Söhnen einer nach dem anderen sein Kriegstrauma offenbart, teilweise recht konstruiert an. Insgesamt gesehen ändert dies jedoch nichts daran, dass es Thornton in den zwei Stunden schafft, uns diese seltsame Familie vertraut und am Ende zweifellos auch sehr sympathisch zu machen. Der Film bietet ausserdem einen tollen, rockigen Soundtrack und ein authentisch eingefangenes Südstaaten-Feeling dieser Zeit.
OutNow.CH:
09.02.2012 / jon
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