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Ich bin in Ostserbien, in Ranovac aufgewachsen, einer ländlichen Gegend in der Nähe der rumänischen und bulgarischen Grenze. Bei Schutzpatronfeierlichkeiten nahm mich Grossmutter jeweils mit in ein naheliegendes Kloster. Nach dem Eintritt ins Kloster küssten wir die Ikonen, die um den Altar hingen. Ich erinnere mich an den Geruch von Weihrauch und an den Gesang, der mir heute noch Heimat ist, wenn ich ihn höre. Während den Feierlichkeiten mussten wir lange stehen bleiben, vielleicht anderthalb Stunden, und ich protestierte. Grossmutter wusste, wie mit mir umgehen: „Steh noch ein bisschen“, sagte sie, „dann wirst du das überstehen.“
Vor dem Kloster findet jeweils ein Basar statt. Viele kleine Brötchen werden feilgeboten, jedes Brötchen ein Sprosse der Himmelsleiter. Wir glauben, dass die Toten weiterleben und helfen ihnen, ihren Rhythmus im anderen Leben zu finden, indem wir sieben Jahre lang in regelmässigen Ritualen ihrer gedenken.
Unvergessen sind mir die Worte, die mir Tante Rusalka mit auf den Weg gab, bevor ich in den Westen abreiste: „Die Winde haben eine innere Seite! Deswegen blasen sie manchmal in verschiedenen Farben. Merke es dir. Wenn du dich auf den Weg machst, kannst du dieser inneren Seite nicht gegenübertreten. Deshalb sollst du vom Weg abweichen, wenn du in diese gefärbten Winde geraten solltest.“
Meine Frau und ich konnten während zehn Jahren keine Kinder bekommen. Deshalb bin ich zum Chilandar Kloster am heiligen Berg Athos in Griechenland gereist. Dort wächst aus dem Grab eines Heiligen des Klosters eine Rebe, die über 800 Jahre alt sein soll. Wir assen danach drei getrocknete Beeren von diesem Stock und meine Frau wurde schwanger. Unser Sohn ist jetzt siebzehn Jahre alt! Deshalb, wenn jemand mich fragt, ob ich glaube, sage ich, ja, ich glaube zu hundert Prozent.
Mit den Menschen vom runden Tisch der Religionen fuhren wir nach St. Margrethen, um einen Hindu-Tempel zu besuchen. Wir betraten den Raum mit allen wichtigen Göttern und ich war völlig überrascht über die lauten Gebete der Gläubigen, denn wir waren uns gewohnt, in der Kirche still zu sein. Da wurde mir bewusst: Es gibt tausend Wege und Formen, um mit Gott zu kommunizieren. Der meine mag für mich der richtige sein, aber er ist nicht der einzige. Wichtig ist die Kommunikation mit Gott, das Fenster zu ihm zu öffnen.
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