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«Die Bohème ist keine ästhetisch-kritische, sondern eine sozialgeschichtliche Kategorie», erläutert der Wikipedia-Eintrag schon in den ersten Zeilen und grenzt zur Avantgarde ab: die Bohème bezieht sich mehr auf einen Lebensstil, denn auf eine Kunstauffassung – auch wenn beide dem Bürgertum kritisch gegenüber stehen. Nun könnte man viel über die Wiener Kaffeehauskultur erläutern, über Beatniks und Hippies, über Nestbeschmutzung und Selbstbezug. Sicherlich ist der Begriff der Bohème nicht mehr so positiv und revolutionär konnotiert, wie damals, als er aus der französischen Bezeichnung der böhmischen Roma transformiert wurde und nicht mehr ethnisch, sondern für einen liderlichen Lebensstil des kunstsinnigen Lumpenproletariats verwendet wurde. Und heute? Heute erklärt der Hersteller ‹Simas›, die Kollektion ‹Bohème› sei einem sich ellipsenartig ausbreitenden Wassertropfen nachempfunden und zugleich Hommage an Jugendstil, Brancusi-Skulpturen und «Abstraktionen der Realität». Die Bohème ist damit eine lotternde, löchrige und langweilige Designschublade – oder hat mit dieser garnicht einmal schlecht entworfenen Badezimmer-Kollektion schlicht nichts am bürgerfeindlichen Hut!
Von der Sozialgeschichte zur Designschublade
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