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Spuren der Vergangenheit

Unter der Leitung von Rolf Kesselring, Archäologischer Grabungstechniker beim Amt für Archäologie, hat nun sein Mitarbeiterteam das Gebiet auf der "Schäfliwiese" untersucht.
Ihm stehen die ältesten existierenden Stadtpläne von Arbon, aus dem 16. Jahrhundert, zur Verfügung.
Die zweitälteste Stadtkarte ist von einem Herr
Mayer, datiert 1768, auf welcher die Gerberfabrik aufgezeichnet ist.
Die Gerbersiedlung
Johansen: Warum waren die Gerbereien ausserhalb der Wohnsiedlungen?
Kesselring: Vor der Industrialisierung stand auf dem "Schäfligelände" eine Gerberei.
Die Gerbereien waren immer am Stadtrand platziert da die Tierhäute monatelang herumlagen und einen sehr üblen Geruch verbreiteten.
Fabrik ist für damalige Verhältnisse zuviel gesagt,
doch es waren vier zusammengebaute Häuser welche als Arbeitsplatz für
die Gerber dienten.
J.: Können Sie mir etwas über das Bauvorhaben auf der "Schäfliwiese" sagen?
K.: Es gibt ein Projekt mit 4 Wohnblöcken, welche gebaut werden sollen. Doch es gibt noch kein Baugesuch.
Die Einfahrt in die Tiefgarage käme von der Grabenstrasse her wo sich das Oldtimer-Museum
befindet
J.: Welche Teile der alten Stadtmauer wurden bereits ausgegraben?
K.: Zuerst wurden Teile der alten Stadtmauer freigelegt, welche uns zurück ins 12./13.
Jahrhundert führen. Der einzig erhaltene Turm ist das "Türmlihaus" in der Freiheitsgasse.
Ein weiterer Turm stand beim Wasserwerk neben dem Schwimmbad. Die Reste befinden sich heute unter der geteerten Strasse.
Die alte Forsterfabrik ist auf dem ehemaligen
Wassergraben gebaut. Dieser wurde bei der Eisenbahnunterführung mit dem
dort entstandenen Material aufgefüllt.
J.: Haben Sie noch weitere Funde auf der "Schäfliwiese" gemacht?
K.: Etwa 100 Meter von der Gerberei entfernt, im östlichen Teil der "Schäfliwiese", haben wir die Reste von Wohnhäuser gefunden.
Ob es sich um Fischerhäuser handelt oder ob die Gerber hier wohnten, lässt sich leider nicht feststellen.
Die Funde stammen aus der Archäologischen Neuzeit -
oder Neolithischen Zeit.
J.: Warum wurde die Stadtmauer nicht in geraden Winkeln gebaut?
K.: Die Stadtmauer ist Winkelartig gebaut, also nicht gradlinig. Den Grund dafür kennt man nicht.
Die Jugendrondelle steht auf dem ehemaligen Stadtgraben, die beim Eisenbahnbau am Stahelplatz aufgeschüttet wurde.
J.: Was sagen die Anwohner zu den Ausgrabungen?
K.: Sie befürchten, dass sich auf dem Gelände Sondermüll befindet, z.B. von einer früheren Zementfabrik, welche hier in Arbon tätig war.
Dass die schöne Wiese verbaut wird, ist ein politischer Beschluss, mit der wir Archäologen nichts zu tun haben.
Sondermüll haben wir keinen gefunden, dies zur Beruhigung der Anwohner.
J.: Was wird mit Holzteilen vom Fundort gemacht?
K.: Bei den Holzteilen wird eine genaue Altersbestimmung durchgeführt.
Hier am Bodensee haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit Deutschland und die
Holzreste werden zur Zeit in Konstanz, mittels
Dendrohchronologie untersucht.
J.: Was bedeutet Dendrochronologie?
K.: Das ist die Altersbestimmungs-Methode für Holz.
Ähnlich wie bei einer Fieberkurve können wir das alter eines Holzstückes bis in die Steinzeit zurück bestimmen, sowie das Zeitalter in welchem ein Baum gewachsen ist.
In guten Jahren sieht man dass der Baum stark gewachsen ist, in schlechten Jahren weniger.
Wir nehmen 3 gute Jahre, 3 schlechte Jahre und 7 Durchschnittsjahre.
Vergleichen die Kurven mit der Referenzkarte welche wir Archäologen mit Hilfe 1000-jähriger Mammutbäume erstellt haben. Die Jahresringe der Holzstücke können wir somit vergleichen und das alter bestimmen.
Auch das Riegelhaus an der Gerbergasse könnten wir so genau bestimmen.
Das ist nämlich auch ein ehemaliges Gerberhaus und
ist typisch für der damaligen Baustil mit dem Laubengang auf der Seite.
J.: Gibt es Ausnahmen, bei welchen die Dendrochronologie nicht angewendet werden kann?
K.: Die Dendrochronologie kann nicht bei Holz mit Aesten angewendet werden, oder nur bedingt, wann sich die Wachstumsbedingungen plötzlich verändern.
Beispiel: Ein Baum ist unter einem anderen grösseren Baum gewachsen.
Der grössere Baum wird gefällt und plötzlich hat der kleine Baum viel bessere Wachstumsbedingungen und wächst viel schneller als vorher.
J.: Die Ausgrabungen werden nach einem bestimmten System durchgeführt. Um welches handelt es sich?
K.: Dir Fläche wird nach einem Schachbrettmuster eingeteilt und somit können wir mit Zahlen die Fundorte genau bestimmen.
Natürlich setzen wir auch moderne Geräte wie ein Theodolit ein.
Im unteren Teil, früher das Ufer, haben wir keine Funde gemacht.
Wir haben verschiedene Fundteile aus dem 18. - 19. Jahrhundert gefunden.
Ein abgesägtes Rohr, Durchmesser ca. 15 cm, bereitet mir Kopfzerbrechen.
Aber ich werde schon herausfinden welche Funktion dieses Rohr hatte.
Wir graben noch eine Woche, dann werden die Funde aufgedeckt.
Danach schütten wir das ganze wieder zu.