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Als der erfolgreiche Verleger Johann Friedrich Cotta 1807 in Baden-Baden das Kapuzinerkloster ersteigert, um es in ein Grandhotel umzuwandeln, werden noch zehn Jahre vergehen, bis in Paris ebenfalls ein entsprechendes Haus durch Charles-Augustin Meurice realisiert wird. Während sich das Abenteuer für den Verleger nicht rentiert, ist 1817 die Zeit reif und der Postkutschenbetreiber aus Calais startet mit dem Hotel Meurice in eine erfolgreiche Zukunft. Cottas Haus in Baden-Baden nennt sich heute Radisson Blu Badischer Hof Hotel.
Wir besichtigen den Badischen Hof an einem Nachmittag. Der Eingang durch den modernen Anbau überrascht uns. Wir machen uns auf die Suche nach dem historischen Teil. An der Reception wird uns der Weg gezeigt. Durch einen schmalen Gang gelangen wir in den alten Speisesaal - ein erhabener Anblick. Der imposante Raum wird leider nur für das Frühstücksbuffet gebraucht. Das Restaurant befindet sich zwischen dem alten Speisesaal und dem Park.
Die alte Bar dient als Fumoir. Die Flaschen sind nur Attrappe. Getränke können telefonisch von der neuen Bar namens "Jockey Bar" bestellt werden. Als wir abends in der neuen Bar etwas konsumieren wollen, sitzen der Bartender und der Koch plaudernd an einem Tisch. Gäste hat es keine. Unter diesen tristen Umständen bevorzugen wir es, ein Haus weiter zu ziehen.
1630 stiftet Markgraf Wilhelm von Baden-Baden ein Kapuzinerkloster. Bereits 1698 werden sowohl das Kloster als auch die Stadt durch französische Truppen unter Louis XIV zerstört. Das Kloster wird wieder aufgebaut und kann 1698 von den Mönchen bezogen werden. Nach 109 Jahren ist endgültig Schluss. Das Kloster wird verstaatlicht und die Mönche müssen nach Bruchsal zügeln. Vorher fällen sie im Klosterhof unerlaubterweise einen seltenen Zeder-Baum und verkaufen das Holz an einen Badener Schreiner. Den Erlös müssen sie allerdings dem Staat zurückzahlen.
1807 wird das Kloster versteigert. Der bekannte Verleger Johann Friedrich Cotta (1764-1832) und sein Geschäftspartner Johann Ludwig Klüber, ein Staatsrechtler und Publizist, erhalten den Zuschlag. Cotta verwandelt den von seinem Vater übernommenen Verlag zu einem der grössten und wichtigsten in Deutschland. Sowohl Goethe wie Schiller lassen ihre Schriften bei ihm verlegen. So geschäftlich erfolgreich positioniert, will Cotta im durch den Bäder-Tourismus aufblühenden Baden-Baden ein Grandhotel bauen.
Er engagiert den Architekten Friedrich Weinbrenner (1764-1832), um das erworbene Kloster in ein Grandhotel umzuwandeln. Nach einer Wanderschaft durch die Schweiz studierte Weinbrenner in Wien Architektur. Zurückgekehrt in seine Heimatstadt Karlsruhe, begann er mit einer regen Bautätigkeit. Nachdem sich die Nachbarstadt Baden-Baden zu Beginn des 19.Jahrhunderts in eine Kur- und Bäderstadt entwickelt, baut er dort sowohl das Kurhaus als auch die Alte Trinkhalle.
Weinbrenner lässt im alten Kloster kaum einen Stein auf dem anderen. Kernstück des neuen Grandhotels bildet der ehemalige Klosterhof, in dem der alte Zedernbaum stand. Auf das zweistöckige Gebäude lässt er eine dritte Etage setzen, baut rundum eine Galerie und setzt darauf eine Kuppel. Dadurch wird der ehemalige Klosterhof in einen Speisesaal verwandelt. 18 dorische Säulen, die bis zum dritten Stock reichen, geben dem Saal seinen festlichen Charakter und bilden bis in unsere Tage das Erkennungszeichen dieses Hotels.
Das neue Hotel verfügt über 100 Zimmer, diverse Salons sowie Lesezimmer und Fumoir, Billardraum und Casino. Die Bäder haben einen direkten Anschluss an das Thermalwasser. Und selbstverständlich wird das Hotel von einem Park umgeben. Cotta und Klüber sind mit ihrem Grandhotel der Zeit weit voraus. Entsprechend harzig verlaufen die ersten Betriebsjahre. Den Erfolg werden die beiden nicht mehr erleben. 1830 wird der Badische Hof zum ersten Mal verkauft. Weitere Handänderungen folgen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg rekrutieren die französischen Besatzungstruppen das Gebäude bis 1949. Ein paar Monate nach diesem Intermezzo gerät das Hotel in Brand. Die Halle und der Dachstock werden zerstört. Als Retter in der Not tritt kein geringerer als Albert Steigenberger, der Gründer der entsprechenden Hotelgruppe, auf. Kurzerhand lässt er das lädierte Hotel renovieren. Und bereits im Mai 1950 kann der Badische Hof zum zweiten Mal Eröffnung feiern.
1983 wird den historischen Gebäudeteilen ein moderner Anbau vorangestellt. Im Jahr 2000 kommt ein neuer Wellness-Bereich dazu. Der im Hotel-Park stehende Drei-Schalen-Brunnen diente übrigens viele Jahre dem Südwestfunk als Pausenbild.
Restaurants: Parkrestaurant, Jockey Bar; Zimmer: 162 Zimmer & Suiten; Adresse: Radisson Blu Badischer Hof Hotel, Lange Strasse 47, 76530 Baden-Baden / http://www.hotel-badischerhof-badenbaden.de/