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Solange sie nicht validiert sind, dienen Klimamodelle zwar als Werkzeuge von wissenschaftlichem Interesse, aber nicht als Grundlage für Klimapolitik. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass diese Modelle für die Darstellung möglichst schlimmer Szenarien (worst case) verwendet werden, die als Schreckgespenst dienen, als handle es sich um den normalen Verlauf (business as usual), der uns zum Kataklysmus führen würde.
In diesem Zusammenhang gibt es eine gute Nachricht: In der Klimagemeinschaft hoch angesehen, wagen es einige Wissenschaftler, die Qualität und Gültigkeit der Modelle in Frage zu stellen, die zur Erstellung von Panikberichten, zur Vorhersage übertriebener Katastrophen und zur Empfehlung unverhältnismässiger Massnahmen verwendet werden. In einem soeben in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Kommentar (Hausfather et al., 2022)[1] wird die Problematik der «heissen» Modelle (hot models) endlich angesprochen. Es sind keine inkompetenten Leugner, die Ketzerei begehen, sondern eine Offenheit, die die Wissenschaft herausfordert, sich zu verbessern.
Was für Alarmismus perfekt ist, dürfte jedoch ein schlechter Ratgeber sein.
Zugleich wird eine Änderung des Ansatzes vorgeschlagen. Je nachdem, ob der befürchtete Temperaturanstieg 1.5 oder 2 °C beträgt, gelangte bisher das Konzept eines Kohlenstoffbudgets zur Anwendung,das nicht überschritten werden darf. Dies war ein genialer Schachzug, da es die Kommunikation sehr einfach machte: ein Rest-zum-Leben mit Fossilien, eine Netto-Null-Kohlenstoff Anforderung, die so schnell wie möglich erreicht werden muss, und drei Jahre Zeit zum Handeln, bevor es wirklich und endgültig zu spät ist. Was für Alarmismus perfekt ist, dürfte jedoch ein schlechter Ratgeber sein.
Die Autoren schlagen hingegen vor, in Aussicht zu stellen, wie sich das Klima einpendeln würde, wenn die Erwärmung ein bestimmtes Niveau erreichte, z. B. 1.5, 2, 3 oder 4 °C. Als Ergebnis gäbe es nicht mehr die üblichen zeitabhängigen Kurven, sondern einen Beschrieb eines zu erwartenden Zustands. Weiter wird empfohlen, die Modelle an regionale Bedingungen anzupassen und ihre Konsistenz in Extremsituationen zu überprüfen. Dies könnte bedeuten, dass andere Metriken verwendet werden, z.B. der Einfluss von Faktoren, natürlicher oder anderer Art, die nicht nur die Treibhausgasemissionen betreffen.
Der vorgeschlagene Perspektivwechsel könnte zu tiefgreifenden Veränderungen in der Klimapolitik führen. Vielleicht wäre es dann möglich, die Tyrannei der Netto-Null vor 2050 zu überwinden und nüchtern Massnahmen in Betracht zu ziehen, die eher klimaanpassend als klimakorrigierend sind. Wie auch immer, ist mit immensen sozioökonomischen Auswirkungen zu rechnen. Diese Diskussion endlich zu eröffnen, ist eine gute Nachricht. Es ist zu hoffen, dass die Autoren nicht einer Lawine von Beschimpfungen ausgesetzt werden, die ihrer Klarsichtigkeit ein Ende setzt.
[1] Hausfather, Z. et al. (2022) ‘Climate simulations: recognize the “hot model” problem’, Nature, 605, pp. 26–29.
Kurzfassung des Beitrags Backpedaling-on-the-climate und Übersetzung eines in 24H veröffentlichten Artikels “Science climatique bouclée? Une lueur de progrès.”
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