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Das Impfen geht in der grössten und finanzstärksten Fussball-Liga der Welt nur schleppend voran. Ein Bericht der «Daily Mail» zeigt, dass in der englischen Premier League nur rund ein Drittel der Fussball-Profis gegen das Coronavirus geimpft sind.
Bei den Teamärzten und -verantwortlichen sei der Frust ob dieser Tatsache gross. In den Garderoben sollen Verschwörungstheorien darüber kursieren, wonach die Impfung unfruchtbar mache, Bill Gates die Menschen verchippen wolle und dass überhaupt die ganze Pandemie nur ein Märchen sei. Es seien insbesondere «ältere, erfahrene und eigentlich auch intelligente Spieler, die damit die Jungen in der Garderobe beeinflussen», lässt sich ein Mannschaftsarzt zitieren. Ein Spieler habe gesagt, er brauche keine Impfung, weil er regelmässig Vitamine nehme.
Das hat zur Folge, dass die Mehrheit der Premier-League-Spieler noch nicht vollständig geimpft ist und sich ein signifikanter Teil gänzlich weigert, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.
Die Vorzeigeklubs sind Liverpool und Leeds, die beinahe eine 100-prozentige Impfquote vorweisen können. Auch bei Wolverhampton und Brentford hat eine grosse Mehrheit der Spieler bereits beide Dosen des Vakzins erhalten. Doch 13 der 20 Mannschaften in der Liga haben momentan noch eine Impfquote von unter 50 Prozent. Die Premier League sieht besonders im Vergleich mit den zweit- und dritthöchsten englischen Spielklassen schlecht aus. Diese erreichten unter ihren Spielern bereits Ende August eine Impfquote von über 70 Prozent.
Zu den Impf-Trödlern gehört auch Manchester United und darüber nerven sich die Ligaverantwortlichen gemäss der «Times» besonders stark. Da die «Red Devils» der grösste und einflussreichste Klub des Landes sind, wird eine fatale Signalwirkung befürchtet. Auch, weil es nicht überall gut ankomme, dass Fussballer die Impfung ablehnen und dann bei Einreisen und ähnlichen Themen trotzdem eine Spezialbehandlung erhalten. Trainer Ole Gunnar Solskjaer sei selbst zwar doppelt geimpft, wolle seine Spieler aber zu nichts zwingen.
Darum sucht die Premier League nun nach Methoden, wie man die Spieler motivieren kann, sich doch noch impfen zu lassen. «Wir sind derzeit am herausfinden, ob und wie wir Spieler und Mannschaften belohnen können, die am besten mit Covid umgehen und sich impfen lassen», zitiert die «Daily Mail» aus einem Ligadokument. Wie genau die Klubs belohnt werden sollen, wird nicht näher erklärt. Die Premier League stellt den Klubs jedoch Lockerungen in Aussicht, was die Covid-Richtlinien in Notfällen und im Spielbetrieb anbelangt.
Der TV-Experte und ehemalige Nationalspieler Gary Neville fände es wichtiger, dass die Spieler voll und ganz über die Wirkungen des Impfstoffes informiert werden. Er spricht sich aber vehement gegen eine Impfpflicht und mögliche Lohnausfälle für ungeimpfte Spieler aus: «Das überschreitet sämtliche Grenzen.»
Mit derartigen Konsequenzen haben andere Sportligen aber bereits Erfolg gehabt. In der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL werden ungeimpfte Spieler, die sich infizieren, für die Dauer ihres Ausfalls nicht bezahlt. Die Liga soll bis zum Saisonstart in einer Woche eine Impfquote von rund 99 Prozent erreichen.
Wie die Impfquoten in den restlichen Spitzenligen Europas aussehen, ist nicht bekannt. In der deutschen Bundesliga etwa weigern sich viele Klubs aus Gründen des Datenschutzes, Auskunft zu geben.
Im Schweizer Fussball und Eishockey liessen sich die Spieler auch ohne drohende Konsequenzen impfen. Mitte September lag die Impfquote bei den Fussballklubs der Super League bei rund 85 Prozent. Die Eishockeymannschaften der National League kamen gar auf rund 93 Prozent. Gestern lancierte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zudem eine Kampagne, bei der auch Sport-Stars wie Xherdan Shaqiri, Alisha Lehmann oder Mirco Müller für die Impfung werben. (abu)