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Stargazer bei Kornnattern - Was jeder Halter wissen sollte
Das Stargazer-Gen ist ein rezessiv vererbtes Gen, welches mit neurologischen Störungen einhergeht.
Man kann es in seinem Erscheinungsbild recht gut mit dem Wobbeln bei Königspythons (Spider-Morphen) vergleichen, oft ist es aber noch stärker ausgeprägt.
Diese Störung wurde in den 90er Jahren in den USA in Verbindung mit dem Sunkissed-Gen und auch der Okeetee-Linie entdeckt und (unbewusst?) weitergezüchtet.
Mittlerweile hat sich das Stargazer-Gen oftmals unerkannt (da bei heterozygoten Tieren nicht sichtbar) weltweit verbreitet.
Selbst in Linien, in denen jahrelang bei den jeweiligen Elterntieren keine Stargazer aufgetreten sind, schlüpfen plötzlich Stargazer-Nachzuchten.
Das Ausmass der Verbreitung wurde erst in den letzten Jahren deutlich, als überall aus Sunkissed-Projekten Stargazer schlüpften.
Stargazer-Tiere zeigen ein unkontrolliertes Verdrehen des Kopfes (Sternegucken = Stargazing) und ganzen Körpers. Bewegungen erfolgen unkoordiniert.
Dieses Verhalten verstärkt sich bei Stress (Händeln, Fütterung) deutlich. Ein normales Leben in einem Terrarium ist für solch ein Tier unmöglich.
Es droht grosse Verletzungsgefahr z.B. durch das Fallen von Ästen, und die Futteraufnahme ist schwierig bis teilweise unmöglich (lebendes Futter kann nicht getötet werden, Frostfutter auch nicht geschnappt und höchstens auf der Erde eingesammelt werden).
Kein (Hobby-)Züchter, dem seine Tiere am Herzen liegen, möchte solche Tiere schlüpfen sehen. Trotzdem bieten gerade die Sunkissed-Farbvarianten besonders schöne und vielfältige Kombinationen an Farben und Zeichnungen.
Momentan starten einige Züchter in Europa ein Projekt mit der Universität Bangor, um einen Gentest zu entwickeln. Damit wäre es möglich, anhand frischer Natternhemden einen PCR-Test auf Stargazer zu machen, also das Vorhandensein des Gens zu bestimmen. Dies würde einen grossen Durchbruch bedeuten.
Jetzt ist es leider noch so, dass die einzige "halbwegs" sichere Möglichkeit eine Testverpaarung ist. Dies bedeutet, dass die eigenen Zuchttiere einmalig mit einem Stargazer (oder het.-Stargazer-Tier) verpaart werden.
Schlüpfen aus der Verpaarung Stargazer, trägt das eigene Tier sicher heterozygot das Stargazer-Gen und vererbt dieses somit an 50% der Nachzuchten weiter. Schlüpfen keine Stargazer, besteht die Chance, dass das Tier frei ist. Wie hoch diese ausfällt, hängt zum einen damit zusammen, ob das Testtier ein Stargazer oder "nur" ein het.-Stargazer ist, und von der Gelegegrösse.
Wenn aus 5 Eiern mit einem het.-Stargazer keine Stargazer schlüpfen, ist das leider wenig aussagekräftig. Wenn allerdings aus der Verpaarung mit einem homozygoten (also sichtbaren) Stargazer bei 20 Eiern kein einziges Stargazer-Tier schlüpft, ist die Chance recht hoch, dass die Linie SG-frei ist. Eine absolute Sicherheit gibt es nie, ausser, es schlüpfen Stargazer. Dann hat man leider traurige Gewissheit.
Alle dieser Babies sind zumindest potentiell Träger des Stargazer-Gens und dürfen damit nicht normal abgegeben werden, um die Verbreitung nicht noch zu fördern. Hier bleibt oft nur noch, diese als Futtertiere für ophiophage (schlangenfressende) Arten abzugeben.
Die Entwicklung des Gentestes könnte diese vielen Testverpaarungen ersparen und zudem eine 100%ige Sicherheit bieten.
Generell empfehlen wir: Kaufen Sie keine Kornnattern von Sunkissed-Elterntieren, wenn diese nicht getestet wurden! Jeder (Hobby-)Züchter sollte ehrlich mit diesem Thema umgehen, wenn er auf Stargazer angesprochen wird. Wir haben in den letzten Jahren bereits einige unserer SK-Tiere getestet. Optimus, unser grosses Amel-Männchen, und Seba, unsere Sunkissed Motley-Dame haben sich beide als Stargazer-Träger erwiesen, 2015 folgte leider Nici, unsere älteste Dame. Ein weiteres Männchen und ein Weibchen konnten als zu über 97% gazerfrei getestet werden. Optimus, Nici und Seba bleiben nun als Testtiere und dann Liebhabertiere weiter in unserem Bestand.
Auch in 2018 werden wir weitere Tiere auf Stargazer testen. Je nach Ergebnis werden dann einige adulte Tiere abzugeben sein, als Zuchttiere, oder als Testtiere. Damit haben wir etwas mehr Sicherheit (oder Gewissheit), um mit unseren Farbprojekten fortzuführen oder diese aufzugeben.
Bei Fragen zu diesem wichtigen Thema stehen wir immer gerne zur Verfügung.