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Hintergrund:
Mit zunehmendem Alter nimmt bei Männern der Testosteronspiegel im Blut ab. Gleichzeitig nehmen auch Muskelkraft und Knochendichte ab.
Der Effekt von Testosteron bei älteren Männern auf die Knochendichte ist nach den bisherigen Studien nicht ganz klar. Eine Placebo-kontrollierte Studie zeigte keinen Effekt auf die Knochendichte, in einer separaten Analyse zeigte sich aber, dass bei älteren Männern mit sehr tiefen Testosteronspiegeln die Substitution mit Testosteron einen positiven Effekt auf die Knochendichte der Wirbelkörper hat.
In dieser Studie wurde der Effekt von Testosteron bei älteren Männern mit niedrigen Testosteronkonzentrationen auf die Knochendichte und Knochenstärke untersucht.
Einschlusskriterien:
- 65 Jahre oder älter, subjektive und objektive Hinweise auf eine verminderte sexuelle oder körperliche Funktion
- Messung der Serumtestosteronkonzentration an zwei Morgen mit einem Mittelwert < 275 ng/dl (entspricht < 9.5 nmol/l)
Ausschlusskriterien:
- Kontraindikationen für eine Testosterontherapie
- Einnahme von Medikamenten, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen (mit Ausnahme von Kalzium und Vitamin D)
- DXA T-Score von weniger als - 3 an einer der gemessenen Stellen
Studiendesign und Methode:
Randomisierte Studie, stratifizierte Randomisierung
Studienort:
12 verschiedene Orte in USA
Interventionen:
- Gruppe 1: Testosteron-Gel mit einer initialen Dosis von 5 g/Tag; nach 1, 2, 3, 6, und 9 Monaten wurden die Testosteronserumspiegel bestimmt und die Dosis jeweils angepasst, damit eine Serumkonzentration einen jungen Mannes erreicht wurde.
- Gruppe 2: Placebo-Gel
- Alle Teilnehmer erhielten 600 mg Kalzium und 400 Einheiten Vitamin D3 täglich zweimal zu den Mahlzeiten
Outcome:
Primärer Outcome
- vBMD-Veränderung zwischen Baseline und 12 Monaten (volumetrische Knochendichte, mit CT gemessen; wird von den Autoren als adäquatere Methode eingeschätzt als die DXA –Methode; mit dieser Methode kann auch zwischen trabekulärem und kortikalem Knochen differenziert werden; Testosteron hat nur einen Einfluss auf die Dichte der trabekulären Knochenanteile)
Sekundäre Outcomes
- Frakturen
Resultat:
- 211 der 295 auf Eignung für diese Studie untersuchten Teilnehmer konnten eingeschlossen werden.
- Das mittlere Alter lag bei 72 Jahren, über 80% waren weisser Hautfarbe. Der mittlere BMI lag bei 30, fast 40% hatten einen Diabetes.
- Die Serumtestosteronkonzentrationen betrugen etwa 230 ng/dl, das freie Testosteron lag bei etwa 60 pg/ml.
- Die Knochendichte (gemessen mit vBMD) nahm in der mit Testosteron behandelten Gruppe um 7.5% zu, in der Gruppe, die Placebo erhielt, nahm die Knochendichte (etwas überraschend) nicht ab, sondern um 0.8% zu.
- Aus den erhobenen Daten wurde auch die „Knochenfestigkeit“ berechnet; auch bei diesem Outcome schnitt die Testosterongruppe besser ab. Was dies aber klinisch bedeutet, hat sich mir aus der Arbeit nicht erschlossen.
- Frakturen traten in beiden Gruppen gleich häufig auf. Diese Studie war aber nicht konzipiert um einen Unterschied zu untersuchen. Dazu müsste die Studie wesentlich länger gehen.
- Nebenwirkungen traten auch in beiden Gruppen gleich häufig auf – kardial und Prostata.
Kommentar:
- Diese Studie liefert klare Hinweise, dass Testosteron die Knochendichte, vor allem des trabekulären Anteils in den Wirbelkörpern (mehr als im Bereich der Hüfte) verbessert, im Vergleich zu Placebo.
- Zu beachten ist, dass alle Patienten tiefe Testosteronwerte hatten.
- Mit dieser Studie kann die Frage ob mit dem Testosteronersatz auch die Frakturrate abnimmt nicht beantwortet werden. Dazu müsste eine Studie über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.
Literatur:
Snyder PJ et al. Effect of Testosterone Treatment on Volumetric Bone Density and Strength in Older Men With Low Testoterone. A Controlled Clinical Trial. JAMA Intern Med doi:10.1001/jamainternmed.2016.9539