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Die burmesische Armee finanziere sich über zwei Quellen, sagt David Scott Mathieson, ein unabhängiger Politanalytiker in Yangon: «Erstens über ein staatliches Budget, dessen Höhe Armeechef Min Aung Hlaing selbst bestimmt. Zweitens über die Profite von zwei Konglomeraten.» Dabei handelt es sich um die Myanmar Economic Corp. (MEC) und die Myanmar Economic Holding Limited (MEL). Sie werden von keiner zivilen Behörde kontrolliert.
Über sie haben Generäle, die für schlimme Menschenrechtsverbrechen verantwortlich gemacht werden, Einfluss auf über 100 Firmen im Edelstein- und Holzhandel sowie im Banken- und Versicherungsgeschäft, wie in einem UNO-Bericht von 2019 steht. Auch Getränke-, Tabak-, Tourismus-, Transport-, Telekommunikations- und Bauunternehmen gehören dazu.
Recherchen offenbaren Aktionariat
Die genauen Geschäftsstrukturen legte die Armee nie offen. Doch letztes Jahr erstellte Amnesty International aufgrund eines geleakten Geschäftsberichts eine Studie zu den Aktionärsstrukturen der MEL. Montse Ferrer leitete die Recherchen: «Der Armeechef ist der grösste Aktionär. Wir waren aber erstaunt zu sehen, dass alle Einheiten der Armee, der Marine und der Luftwaffe Aktien besitzen, auch jene, die Menschenrechts- und Kriegsverbrechen begangen haben.» Vom Soldaten bis zum General erhielten alle Aktien und Dividenden.
«Sie dienen als Zuckerbrot und Peitsche: Je höher der Dienstgrad eines Soldaten, desto mehr Aktien und Dividenden erhält er. Wer sich aber illoyal zeigt, dem werden die Aktien und damit der Zusatzverdienst weggenommen.» Die Namen von Dissidenten, die so bestraft wurden, stehen im Bericht. «Das heisst, die Gelder schaffen den Anreiz, sich unterzuordnen.»
Lohnender Landbesitz und Kooperationen
Die Armee verdient nicht nur mit ihren eigenen Firmen Geld, sondern sie besitzt auch viel Land, das sie verpachtet. Und sie geht Joint Ventures mit ausländischen Firmen ein. So hat MEL unter anderem Partnerschaften mit der japanischen Bierbrauerei Kirin, dem südkoreanischen Stahlgiganten Posco, der chinesischen Bergbaufirma Wanbao und der Hotelkette Pan Pacific aus Singapur.
Dass ausländische Firmen Partnerschaften mit Armee-Konglomeraten eingingen, deren Akteure direkt in Menschenrechtsverbrechen involviert seien, sei problematisch, sagt Ferrer. Die Armee-Konglomerate würden zudem nichts zum Geschäft in den Partnerschaften beitragen und einzig die Profite einstreichen.
Wieso also gehen Kirin, Pan Pacific oder Wanbao solche Partnerschaften ein? «Es scheint, dass die einzige Aufgabe der Armee-Konglomerate ist, den ausländischen Firmen Marktzugang zu gewähren. Schliesslich hat die Armee seit den 90er-Jahren in vielen Wirtschaftsbereichen ein Monopol», so Ferrer.
Seit dem Putsch kontrollieren die Generäle zudem nicht mehr nur ihre Privatfirmen, sondern auch die staatlichen Firmen, etwa im lukrativen Öl- und Gasbereich. Um ihre Pfründe zu schützen und an der Macht zu bleiben, würden die Generäle alles tun, sagte der Sicherheits- und Militärexperte Tony Davis an einer Diskussion im Foreign Correspondents' Club in Bangkok.
Die meisten Länder haben eine Armee. Einige Armeen jedoch besitzen ein Land.
«Burmas Armee hat unendlichen Reichtum angehäuft. Das beeinflusst ihr Denken», so Davis. «Am Ende sprechen wir bei dieser Armee von einem korrupten Konglomerat – oder wie ein Sprichwort in Asien lautet: Die meisten Länder haben eine Armee. Einige Armeen jedoch besitzen ein Land.» So wie in Burma.