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Eine Maschine für zwei Instrumente
Das Ravel-Duo für Violine und Violoncello stiess die ersten Zuhörer vor den Kopf.
Heute ist es kaum vorstellbar, dass Maurice Ravels viersätzige Duosonate für Violine und Violoncello bei der Uraufführung 1922 und unmittelbar danach beim Publikum auf Unverständnis stiess. Die bis dahin ungewohnte Behandlung der Streichinstrumente – Ravel liess sich von den Interpreten beraten, was auf der Geige und dem Cello an Spieltechniken alles möglich war – und die «Versachlichung» und «Entromantisierung» der Tonsprache markieren einen Wendepunkt im Schaffen des Komponisten. Als «eine Maschine für zwei Instrumente» hat er diese Sonate selbst bezeichnet. Hélène Jourdan-Morhange, die Geigerin der Uraufführung, berichtet in ihren Memoiren von der akribischen Arbeit mit dem Komponisten und meint: «Das Duo, von geradezu abstossender Wirkung bei der ersten Begegnung, verbirgt Schätze, aber es behandelt die Violine sehr hart.»
Heute gehört das Ravel-Duo zu den Hauptsäulen des Repertoires für diese Besetzung, wenn es auch hohe Ansprüche an die Ausführenden stellt. An die «Härte» haben wir uns längst gewöhnt, empfinden gar weite Teile dieser Sonate als ausgesprochen lyrisch! Neben der traditionellen Ausgabe von Durand & Co., Paris, bietet jetzt Bärenreiter eine neue Urtext-Edition des Werks. Die herangezogenen Quellen werden im Vorwort und im Anhang angegeben und teilweise sogar als Faksimile des Autografs abgebildet; ferner werden die Beschreibungen von Jourdan-Morhange ausführlich zitiert. Ausgesprochen hilfreich für die Aufführung sind die Darstellung als grossformatige Spielpartitur (wahlweise kann das Violoncello den ersten Satz auch «einstimmig» lesen) und der ausgeklügelte Seitenumbruch, der ein lückenloses Spiel ermöglicht. Allerdings muss einige Male der Geiger oder die Geigerin für das Violoncello umblättern!
Maurice Ravel, Sonate en quatre parties
pour violon et violoncelle,
Urtext hg. von Douglas Woodfull-Harris,
2 Spielpartituren, BA 9417, € 22.95,
Bärenreiter, Kassel 2013