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Heinz Joss, Architekt ETH/SIA, hat die Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung CRB von 1961 bis 1988,also fast drei Jahrzehnte, geleitet. Als erster Geschäftsführer des noch jungen Vereins hat er Aufbauarbeit geleistet und gemeinsam mit den ersten Mitarbeitenden die Grundlagen für die heutige gut vernetzte, innovative Dienstleistungsorganisation gelegt. Wie alles begann, erzählte Heinz Joss in einem Interview für unsere Mitgliederzeitschrift CRB-Bulletin im Juli 2014:
Ich arbeitete zu jener Zeit in einem renommierten Architekturbüro in Stockholm. Obwohl mir diese Tätigkeit sehr gut gefiel, hatten wir uns wegen der Kinder entschlossen, in die Schweiz zurückzukehren. Ich gab in der Bauzeitung ein winziges Inserat auf, und da Anfang 1960 ein grosser Bauboom herrschte, erhielt ich zahlreiche Angebote. Die meisten kamen von Architekturbüros– mit einer Ausnahme: Es hatte sich auch ein Architekt aus Berngemeldet, der im Auftrag des SIA jemanden suchte, der bereit war, ein Institut für Bauforschung und -entwicklung aufzubauen. Durch meine berufliche Tätigkeit in Schweden hatte ich Kontakte zum dortigen Institut für Bauforschung, zum Institut für Baunormung sowie zu einer Organisation für behindertengerechtes Bauen. Ich wusste also, was für eine enorme Hilfe diese Institutionen für die Tätigkeit des praktizierenden Architekten darstellten, darum hat mich diese Aufgabe gereizt.
Heinz Joss reiste dann in die Schweiz und erfuhr, dass der Bund Schweizer Architekten BSA ein Studienbüro für die Normung und Koordinierung auf die Beine gestellt hatte und der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein SIA nun ebenfalls ein solches Institut aufbauen wollte.
Ich antwortete, dass ich an diesem Angebot stark interessiert sei, aber die Aufgabe nur dann annehmen würde, wenn SIA und BSA zu einer Zusammenarbeit bereit wären. Als die beiden Verbände sich zwei Monate später geeinigt hatten, das Studienbüro unter dem Namen Zentralstelle für Baurationalisierung gemeinsam zu führen, nahm ich das Angebot an und trat Anfang August1961 meine Stelle im Einmannbetrieb an der Torgasse 4 in Zürich an.
In den folgenden Jahren kam der Schweizerische Baumeisterverband SBV als dritter Trägerverband dazu. Zunächst erarbeitete CRB verschiedene Normen für die Anwendung im Entwurfsprozess. Mit dem Baukostenplan BKP – den Heinz Joss als «erstes Erfolgsprodukt» bezeichnete – und den ersten Kapiteln des Normpositionen-Katalogs erarbeitete das technische Büro der Bauforschung Schweiz wesentliche Grundlagen für die Projektierung und Kostenermittlung von Bauwerken. Sie trugen zur Verständigung im Bauwesen bei und förderten die Rationalisierung der administrativen Arbeit beim Bauen.
Unter der Führung von Heinz Joss entwickelte sich CRB zur Begegnungsstätte für Schweizer Bauschaffende. Aber auch die Pflege und der Ausbauinternationaler Kontakte – zu ähnlichen Institutionen in Deutschland, Österreich, Grossbritannien, Frankreich, Italien, Schweden und Dänemark – waren ihm immer wichtig. Während seiner Zeit in Schweden hatte er ein Farbsystem kennengelernt, mit dessen Hilfe Farben bestimmt werden konnten. Als CRB angefragt wurde, ein Farbsystem auszuwählen und für die Schweiz als Normsystem einzuführen, stellte Heinz Joss eine Arbeitsgruppezusammen, die mit der Suche begann. Die Wahl fiel schliesslich auf das aus Schweden stammende NCS-Farbsystem, das CRB seit 1982 exklusiv in der Schweiz vertreibt. Ein weiteres Thema, das Heinz Joss am Herzen lag, war behindertengerechtes Bauen – CRB war hier Herausgeber verschiedener Normen.
Aus gesundheitlichen Gründen trat Heinz Joss 1988 als Geschäftsführer zurück, aber er blieb der Zentralstelle bis zum Schluss eng verbunden: Als Redaktor setzte er sich noch lange für die fachliche und sprachliche Qualität der NPK-Kapitel ein, und solange es seine Gesundheit zuliess, nahm er als Ehrenmitglied an der jährlichen Generalversammlung teil und verfolgte die Weiterentwicklung von CRB mit grossem Interesse:
Dieser jährliche Kontakt ist mir ausserordentlich wichtig; wenn man ein Institut 27 Jahre lang aufgebaut hat, dann ist das fast wie ein Kind, das man grossgezogen hat.
Dieses Jahr feiert CRB sein 60-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass haben wir einen Videoclip produziert, in dem Heinz Joss in einem Tagesschau-Beitrag von 1971 als CRB-Geschäftsführer an einer Pressekonferenz über den Baukostenplan BKP informiert. Leider konnten wir ihm diesen Film nicht mehr zeigen. Wir – CRB – sind ihm zu grossem Dank verpflichtet und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.