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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Elftes Buch
46. Was der menschlichen Einsicht zugänglich ist.
Bei naturgegebenen Dingen ist aber dies die allgemeine Erkenntnis, daß nichts dem Sinn erreichbar sei, als nur dies, was dem Sinn zugänglich ist, entweder ein Ding, das sichtbar vorliegt, oder ein Vorgang, der später als unser [S. 275] sinnliches und geistiges Erfassen ist. Das eine davon wird entweder angefaßt oder wahrgenommen und geht in die Urteilsbildung unseres Denkens ein, eben durch die Bewältigung im Anfassen und Wahrnehmen. Das andere aber vollzieht sich in der Zeit und wird in einem Ursprung gezeugt oder gestaltet, der jünger ist als wir, weil es unserem erkennenden Erfassen nicht vorhergeht und dem Urteil des abwägenden Geistes zugänglich ist. Denn unser Hinblicken nimmt nicht das Unsichtbare wahr, weil es eben nur das Sichtbare erkennt. Oder: unser Geist erstreckt sich nicht auf diejenige Zeit hin, zu der er (noch) nicht bestand; er erforscht nicht, was älter als sein eigener Ursprung ist, da ihm doch die Bildung einer Meinung nur bei denjenigen Dingen möglich ist, im Vergleich zu denen er älter ist. Wegen seiner zwanghaften wesensmäßigen Schwachheit ist er unsicher und besitzt kein endgültiges Wissen in der Erkenntnis der Ursachen. Geschweige denn vermag er dasjenige, was vor ihm in ewiger Seinsweise besteht, dadurch wahrzunehmen, daß er mit seinem Auffassungsvermögen noch über seine Geburt hin zurückgeht.