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<h2>SubmittedText<h2><p>Der Mangel an qualifizierten Informatikspezialisten wird verbreitet reklamiert. Korrekturmassnahmen von Bund, Kantonen, Firmen und privaten Institutionen sind teilweise eingeleitet. Ich frage den Bundesrat:</p><p>1. Welche Massnahmen sieht er vor, um die Mangelsituation zu beseitigen?</p><p>2. Welche zusätzlichen Kosten und Aufwendungen im Bildungsbereich sind hierbei zu erwarten?</p><p>3. Ist er auch der Meinung, dass Massnahmen im Bereich der beruflichen Weiterbildung und der Umschulung eine herausragende Gelegenheit bedeuten, um die Erkenntnisse aus dem Bericht des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie "Weiterbildung in der Schweiz" und die Vorschläge im Rahmen der Vernehmlassung zum Bundesgesetz über die Berufsbildung in die Realität umzusetzen?</p><p>4. Ist er allenfalls bereit, die Realisierung der zusätzlichen Informatikerausbildungen und -umschulungen in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und - soweit möglich - mit deren personeller (Ausbilder) und materieller Unterstützung anzugehen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Es ist unbestritten, dass im gegenwärtig sich abspielenden Wandel zur Informationsgesellschaft ein Mangel an Informatikfachleuten herrscht. Über das Ausmass lassen sich allerdings keine aktuell exakten Angaben machen. Unser Berufsbildungssystem dürfte aber ab 2004 den Bedarf nach dem qualifizierten beruflichen Nachwuchs decken können.</p><p>1. Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) hat bereits eine Reihe von Massnahmen getroffen, die den Mangel an Informatikfachleuten mildern sollen, wie der Bundesrat bereits in seiner Antwort auf eine Motion der KVF-N (00.3005, Umschulungsoffensive Informatik; 99.450) dargestellt hat:</p><p>- Das BBT hat ein Gesamtkonzept zur Neuordnung der Informatikberufe in Auftrag gegeben. Im Schlussbericht wird eine flexiblere Neuregelung der Grundbildung im Sinne einer Modularisierung unter dem Einbezug einer neu zusammengestellten Trägerschaft vorgeschlagen, die alle massgebenden Fachverbände der Informatikwirtschaft zusammenfasst. Mit diesen Neuerungen kann das Angebot an Ausbildungsplätzen für Informatik markant erhöht werden. Als flankierende Massnahme wird gemeinsam mit der Wirtschaft noch für dieses Jahr eine entsprechende Kampagne zur Verbesserung des Lehrstellenangebotes im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien gestartet. Die Reaktionszeit des Berufsbildungssystems auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes kann damit verkürzt werden.</p><p>- Das Projekt "Basislehrjahr Informatik" wurde unter dem Lehrstellenbeschluss I lanciert. Es sieht einen einjährigen Block am Anfang der Ausbildung vor, der vorwiegend schulische Elemente enthält. Zurzeit laufen sieben Pilotversuche mit rund 200 Teilnehmenden. Ähnlich gelagert ist das eben angelaufene Projekt "Informatikmittelschulen", das in Anlehnung an die Struktur der herkömmlichen Handelsmittelschulen eine dreijährige schulische Ausbildung, ergänzt um ein einjähriges Praktikum in einem Betrieb, anbietet. Abgeschlossen wird mit dem Fähigkeitszeugnis als Informatikerin bzw. Informatiker und mit einer kaufmännischen Berufsmatur. Beide Projekte werden mit den Mitteln des Bundesbeschlusses vom 18. Juni 1999 über Massnahmen zur Verbesserung des Lehrstellenangebotes und zur Entwicklung der Berufsbildung (Lehrstellenbeschluss II) auf eine wesentlich breitere Basis gestellt.</p><p>- Berufslehren im Informatikbereich existieren erst seit 1994 (Informatiker, Geräteinformatiker und Mediamatiker). Die Zuwachsraten sind enorm. Allein von 1998 auf 1999 haben die Lehrstellen um 66 Prozent zugenommen. Rund 1600 Personen haben 1999 eine Lehre in diesem Bereich angefangen. Der oben erwähnte Schlussbericht zur Neuordnung der Informatikberufe prognostiziert, dass 3000 bis 5000 Jugendliche im Jahre 2003 eine Ausbildung im Informatikbereich aufnehmen werden. Die Zunahme hat sich ohne jeden Zweifel aus der engen Zusammenarbeit zwischen dem zuständigen Bundesamt und den interessierten Wirtschaftskreisen ergeben.</p><p>- Bei den eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen, die von den Berufsverbänden in Zusammenarbeit mit dem Bund organisiert werden, konnte die Absolventenzahl wegen der Flexibilisierung der Zulassungsbedingungen und wegen einer neuen Reglementierung für die IC-Berater stark erhöht werden. Rund 700 Absolventinnen und Absolventen bestehen jährlich diese Prüfungen und sind als qualifizierte Praktiker auf dem Arbeitsmarkt sehr gesucht.</p><p>- Die Entwicklung der Fachhochschulen wurde von Bund und Kantonen in den letzten Jahren energisch vorangetrieben. Während die Zahlen der Abschlüsse in den letzten Jahren bei Fachhochschulen und höheren Fachschulen noch konstant waren, hat sich die Zahl der Studienanfänger in den Informatik-, Wirtschaftsinformatik- und Telekommunikationslehrgängen der Fachhochschulen zwischen 1997 (374 Studierende) und 1999 (1092 Studierende) verdreifacht.</p><p>- Mit einem auf drei Jahre befristeten Aktionsprogramm für Praxislehrgänge, die Inhaberinnen und Inhaber gymnasialer Maturitäten auf Fachhochschulstudien in Informatik und in den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien vorbereiten, wird der Mangel an Praktikumsplätzen in diesen Bereichen gelindert und die Rekrutierungsbasis der Fachhochschulen verbreitert. Angebote zur Durchführung ab Herbst 2000 können dem BBT bis Ende März unterbreitet werden.</p><p>Vor allem von den ersten beiden Vorhaben erwartet das BBT eine Erhöhung des Frauenanteils in den Informatikberufen. Während 1998 nur 4 Prozent Frauen eine Informatiklehre begannen, waren es 1999 schon 12 Prozent. Ein erklärtes Ziel des Lehrstellenbeschlusses II ist denn auch die Förderung von Frauen im Hightech-Bereich.</p><p>Auf Beginn des Schuljahres 2000/01 ermöglicht das BBT drei Informatikmittelschulen, in Pilotversuchen eine neue Ausbildung anzubieten. Diese dauert vier Jahre, wovon eines in Form von Betriebspraktika zu absolvieren ist; die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen erwerben das eidgenössische Fähigkeitszeugnis für Informatiker und die Berufsmaturität kaufmännischer Richtung.</p><p>Im Rahmen von "Soft(net)" finden Massnahmen zur Ausweitung des quantitativen und qualitativen Angebotes von Arbeitskräften mit Informatikkenntnissen statt. Im Mittelpunkt stehen soziale und methodische Kompetenzen, die ebenso wichtig geworden sind wie die rein technologischen Kenntnisse.</p><p>Nicht zu vergessen sind zudem die Anstrengungen in den privaten und öffentlichen Betrieben. Zunächst ist an die unzähligen innerbetrieblichen Massnahmen zu erinnern, die den Erhalt und die Erweiterung von Qualifikationen im Umgang mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien zum Ziel haben. Hinzu kommt z. B. das Projekt von Swissmem, das zweijährige Kurzlehren für Maturandinnen und Maturanden anbietet. Diese erhalten das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Informatikerin bzw. Informatiker und haben damit zusammen mit ihrer Maturität den Zugang zur Fachhochschule.</p><p>Alle diese Massnahmen können aber nur zum Tragen kommen, wenn auch die Wirtschaft bereit ist, ihre Verantwortung wahrzunehmen, liegt es doch in einem auf dem Markt beruhenden Wirtschaftssystem in erster Linie an ihr, für den beruflichen Nachwuchs zu sorgen, während der Staat dafür besorgt ist, die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und den Jugendlichen zu ermöglichen, den Einstieg in die Arbeitswelt zu finden.</p><p>2. Die erwähnten Massnahmen werden mit den ordentlichen Mitteln gemäss Bundesgesetz über die Berufsbildung (BBG) und Verordnung über Bundesbeiträge zur Förderung von Technologie und Innovation sowie über den Lehrstellenbeschluss II finanziert. Die zusätzlichen Kosten können noch nicht beziffert werden, da deren Höhe wesentlich davon abhängt, welche Massnahmen in welchem Umfange nachgefragt werden.</p><p>3. Der Bundesrat stimmt mit dem Interpellanten überein, dass der in Aussicht gestellte "Bericht des Bundesrates über Elemente einer Bundespolitik für die Weiterbildung in der Schweiz" und die Revision des BBG einerseits und die Situation im Bereich der beruflichen Weiterbildung andererseits in einem engen Zusammenhang stehen.</p><p>Der Lehrstellenbeschluss II erlaubt es, die im revidierten BBG vorgesehenen Neuerungen in der beruflichen Grundausbildung und berufsorientierten Weiterbildung bereits jetzt in Pilotprojekten auf ihre Tauglichkeit zu prüfen.</p><p>4. Der Bundesrat benutzt die Gelegenheit, einmal mehr festzustellen, dass eine qualitativ hochstehende Berufsbildung nur möglich ist, wenn alle Partner (Bund, Kantone und Sozialpartner) bereit sind, intensiv zusammenzuarbeiten. Dieser Grundsatz gilt auch im Zusammenhang mit den Massnahmen zur Behebung des Mangels an Informatikfachleuten.</p>  Antwort des Bundesrates.