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Das FILM-DING No. 001 ist eine Kiste.
Das passt gut zur siebten Kunst, die schon in ihrem Ursprung nomadisch war, denn die Geschichte des Kinos beginnt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Jahrmärkten: Optische Täuschungen, Stereoskope, Panoramen und Lichtbildprojektionen gehörten zu den magischen Künsten der Schausteller, die von Stadt zu Stadt zogen. Und die Filmschaffenden selbst, die ihre Werke in aller Welt realisieren, gehören zu den Nomaden unserer Zeit, die mit Kisten leben, ihre Gerätschaften darin transportieren – und oft auch einfach darauf sitzen, wenn Warten angesagt ist.
Die hier abgebildete Aluminiumkiste von «Zarges» aus Weilheim in Oberbayern (noch heute Hersteller bester Ware) wurde von verschiedenen Menschen «besessen». Gekauft hat sie der deutsche Filmemacher Werner Penzel in den 1970er-Jahren, um seine 16-mm-Filmausrüstung solide zu verpacken, damit sie auch auf holprigen, feuchten, oder staubigen Reisen geschützt blieb. Die Kiste und die darin transportierte Filmkamera, eine Eclair ACL, und einiges an Zubehör und Objektiven ist heute ein Bestandteil der grossen Gerätesammlung der Kinemathek Lichtspiel.
Die Eclair ACL war eine äusserst beliebte Kamera in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. Auch Clemens Klopfenstein hat seine Filme mit ihr gedreht. Es war die erste Kamera in schallgeschütztem Gehäuse (geblimpte Kamera), die tauglich war für Dreharbeiten mit Direktton in einem kleinen Team, insbesondere auch für Dokumentarfilme.
Penzel konnte seine ACL gebraucht, aber in noch gutem Zustand, vom ZDF erwerben und er hat damit seinen Film «Vagabundenkarawane» mit der deutschen Band «Embryo» realisiert, als diese in den 70-er-Jahren auf dem Landweg nach Indien reiste. Ein flirrender Musiktrip aus Hippie-Zeiten:
Mehrere Dokumentarfilmprojekte in Zentralamerika folgten. In den Jahren 1989/90 war Werner Penzel zusammen mit Nicolas Humbert (München) und Dieter Fahrer (Bern) unterwegs für die Dreharbeiten zu «Step Across the Border», jenem von Res Balzli (Balzli & Cie, Nidau) produzierten Musikfilm, der in den 90-ern zum Kultfilm avancieren sollte.
Ein letztes Mal zum Einsatz kam die Kiste und ihre 16mm-Kamera für die Dreharbeiten des Musikclips «Ludmilla» mit «Patent Ochsner» im Jahr 1994 (Autoren/Regie: Dieter Fahrer, Bernhard Nick. Montage: Regina Schorneck). Das 4:3-Bildformat wurde auf 16:9 kaschiert und der verbleibende Bildbereich in einem aufwendigen Laborprozess bei «Schwarz Filmtechnik» in Ostermundigen zubelichtet. In diesen Schwarzbereich wurden mit den damals üblichen chemisch-mechanischen Verfahren, Bild für Bild, Untertitel in die Filmemulsion geätzt.
Eine dieser Filmkopien hat die Jahrzehnte überlebt. Sie wurde von der «Kinemathek Lichtspiel» gescannt und von Christoph Walther (trinipix GmbH) digital remastered. Journal B veröffentlicht das letzte kleine Filmjuwel aus der weitgereisten Kiste einer Gruppe von Cinenomaden: