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Mit gutem Gewissen Fleisch essen
Mit gutem Gewissen Fleisch essen
Im Zuge der modernen Ernährungstheorien, des wachsenden Gesundheitswahns, des aufkommenden Vegetarismus und Veganismus und der Klimabewegung, kam der Genuss von Fleisch in den letzten Jahren arg unter Beschuss. Es wird argumentiert, er sei generell ungesund, den Tieren gegenüber verantwortungslos und für das Klima schädlich. Mit extremen Aussagen wird manchmal auch massiver moralischer Druck auf Fleischesser ausgeübt, wie z. B. mit jener, dass eine Ernährung auf der Basis von pflanzlichen Lebensmitteln die Rettung vor dem drohenden Klimakollaps wäre.
Völlig gegen den Strom dieser Fleischfeindlichkeit schwimmt Tanya Giovanoli. Sie hat eine interessante Biographie. Nach einer Metzgerlehre absolvierte sie ein Wirtschaftsstudium, arbeitete in der Gastronomie und in der Modebranche bevor sie sich entschloss, Ihre eigene Metzgerei „Meat Design“ im Schlosshotel Reichenau (GR) zu betreiben. Es ist nicht alltäglich, dass man eine Frau im Metzgerberuf antrifft, und das Interview, welches Tanya Giovanoli im Magazin der NZZ am Sonntag (34/2020) gab, enthält viele bedenkenswerte Aussagen wie die folgende: „Das Tier ist für dich gestorben, also iss es, soweit es geht, vollständig auf und schenke ihm damit die letzte Würde.“
Auf diesen Respekt habe ich auch in meine Ausführungen im Buch „da Massimo“ hingewiesen und dort beschrieben, wie ich diese Haltung von unserem Onkel, der in einem kleinen Dorf eine Metzgerei führte, mitbekommen habe. Mit Fergus Hendersons Buch „From Nose to Tail“, das Kultstatus erlangte, wurde der für mich seit Kindheit selbstverständliche Gedanke wieder aufgenommen, dass es nämlich zum Respekt gegenüber dem Tier gehört, es ganz zu verwerten und nicht nur wegen ein paar besonders leckerer Stücke wie Filets oder Koteletts.
Meine Frau Anna wuchs auf einem Bauernhof auf und nahm an der Pflege von Tieren teil, sie fütterte sie und mistete deren Stall, wusste aber, dass das Schwein, das Rind oder das Kaninchen irgendwann geschlachtet werden würden. Damals geschah dies sogar noch direkt auf dem Hof. Glücklicherweise gehen die allermeisten Bauern mit ihren Tieren respektvoll um. Es ist mittlerweile auch normal geworden, Tiere artgerecht zu halten. Dies kann man in unserer Gegend leicht feststellen, wenn man einen Spaziergang im nahegelegen Bantigergebiet macht. Man kommt an vorbildlicher Tierhaltung vorbei, die Mutterkühe werden zusammen mit den Kälbern gehalten, die Tiere haben freien Auslauf und werden artgerecht ernährt.
Was die Klimabelastung von Fleisch betrifft ist es mitentscheidend, woher es kommt. Fleisch von einem Rind aus Südamerika hat eine wesentlich schlechtere CO2-Bilanz als jenes von einem Rind auf einer Schweizer Wiese. In dieser Diskussion darf zudem nicht ausser Acht gelassen werden, dass aus Übersee eingeflogene oder in Treibhäusern gezogene Früchte und Gemüse auch negativ zur Klimabilanz beitragen. Fleisch nimmt zudem einen wichtigen Platz in einer ausgewogenen Ernährung ein. Es liefert hochwertige Eiweisse, Vitamine und Mineralstoffe und deckt einen wesentlichen Bedarf unseres Körpers an Eisen, Selen und Zink ab.
Ich kann also zusammen, dass bewusster und massvoller Fleischverzehr durchaus in Ordnung ist oder mit den Worten von Tanya Giovanoli gesagt: „Ich bleibe bei meiner Philosophie, nicht unbedingt weniger Fleisch zu essen, aber dafür das ganze Tier und nicht nur das, was konform ist. Das wäre schon mal gut für die Ökologie.“
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