Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/125217

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird gebeten zu prüfen, wie in der Agrarpolitik 2014-2017 paralandwirtschaftliche Tätigkeiten, die vor allem von Bäuerinnen ausgeübt werden, in die Berechnung der Werte hinsichtlich Standardarbeitskraft (SAK) mit einbezogen werden können.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat anerkennt grundsätzlich die wichtige und unverzichtbare Arbeit zahlreicher Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben und die damit verbundene Mehrfachbelastung.</p><p>Die Standardarbeitskraft (SAK) ist die Einheit für die Erfassung des gesamtbetrieblichen Arbeitszeitbedarfs mithilfe standardisierter Faktoren für die einzelnen Betriebszweige. Im Sinn der Gleichstellung ist es dabei unerheblich, wer die einzelne Arbeit konkret ausführt. Die Faktoren basieren auf den wissenschaftlich fundierten arbeitswirtschaftlichen Daten der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART und dienen insbesondere der Bestimmung der Betriebsgrösse.</p><p>In jedem einzelnen Faktor sind anteilsmässig der Aufwand für das Betriebsmanagement (Buchhaltung, Betriebsorganisation, Datenverarbeitung usw.) und weitere Sonderarbeiten bereits eingerechnet. Die Berechnung eines Sockelbeitrages pro Betrieb für die Arbeit der Bäuerinnen käme einer doppelten Berücksichtigung der Betriebsführungsaufgaben gleich.</p><p>Die SAK ist ein einfach vollziehbares Abgrenzungskriterium für verschiedene agrarpolitische Massnahmen. Für ihre Berechnung ist es unerheblich, wie sich der einzelne Betrieb tatsächlich organisiert, wie z. B. Intensität des Futterbaus, Parzellierung, Mechanisierungsstufe, Anteil Lohnarbeit oder Stallsystem.</p><p>Paralandwirtschaftliche Tätigkeiten.</p><p>Die Paralandwirtschaft wird anerkannt und unterstützt (Strukturverbesserungen, Raumplanung) als Ergänzung zur (Kern-)Landwirtschaft. Eine Berücksichtigung der paralandwirtschaftlichen Tätigkeiten für die SAK-Berechnung wurde im Vorfeld der Ausarbeitung der Agrarpolitik 2014-17 geprüft und aus folgenden Gründen abgelehnt:</p><p>- Begriff und Geltungsbereich der Landwirtschaft sind in Artikel 3 des Landwirtschaftsgesetzes (LwG; SR 910.1) umschrieben. Das agrarpolitische Instrumentarium beschränkt sich dabei auf die Kernlandwirtschaft. Deshalb werden mit der SAK nur die landwirtschaftliche Produktion, die natürliche Erschwernis von Hang- und Steillagen sowie der höhere Arbeitsaufwand biologisch wirtschaftender Betriebe erfasst.</p><p>- Das Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB; SR 211.412.11) definiert die Gewerbegrenze für Landwirtschaftsbetriebe. Würden für die paralandwirtschaftlichen Tätigkeiten SAK-Werte berechnet, könnte allenfalls ein reiner "Agrotourismusbetrieb" ohne oder mit minimaler Kernlandwirtschaft als landwirtschaftliches Gewerbe gelten.</p><p>- Bei einer Einführung von SAK-Werten für paralandwirtschaftliche Tätigkeiten wäre aufgrund der Vielfalt der Angebote eine Vielzahl von SAK-Faktoren notwendig, die durch Detailaufzeichnungen der Landwirtinnen und Landwirte bestätigt werden müssten. Der administrative Aufwand für die Betroffenen, die Kantone und den Bund wäre hoch.</p><p>- Die Raumplanung wäre mit zusätzlichen Baugesuchen ausserhalb der Bauzone konfrontiert. Da mit einem erweiterten Geltungsbereich die Paralandwirtschaft in der Landwirtschaftszone zonenkonform würde, muss davon ausgegangen werden, dass die Raumplanung zusätzliche Kriterien einführen wird, um zu verhindern, dass eine Vielzahl von neuen Bauten ausserhalb von Baugebiet entstehen würde.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.