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Die Sammlung von Emil Frey Classics ist reich an eleganten und schnittigen Prachtstücken aus der Automobilgeschichte. Der heimliche Star der Kollektion ist allerdings ein robuster Geländewagen: ein Land Rover Series I aus dem Jahr 1954. Das Besondere daran: Er gehörte dem zweimaligen britischen Premierminister Winston Churchill, dem Helden des britischen Widerstands gegen Hitler-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.
Nach seiner Zeit als Kriegspremier, die ihn zum angesehensten Staatsmann des 20. Jahrhunderts machte, zog Churchill von 1951 bis 1955 noch einmal in 10 Downing Street, den britischen Regierungssitz, ein. Kurz vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit feierte er am 30. November 1954 seinen 80. Geburtstag. In den Wochen zuvor hatte sich Churchill bei Rover umgesehen in der Absicht, einen Land Rover zu kaufen. Dies brachte einen Angestellten der Verkaufsabteilung auf die Idee, seinen Chefs vorzuschlagen, man möge doch Churchill den Wagen zu seinem bevorstehenden 80. Geburtstag schenken. Sowohl Verkaufsdirektor Lloyd Dixon als auch Rover-Chef Spencer Bernau Wilks unterstützten den Vorschlag ohne zu zögern – und so kam es, dass Churchill, zeitlebens an Technik und Fahrzeugen interessiert, zu diesem speziellen Geschenk kam, das erst noch extra auf ihn zugeschnitten war.
Jungfernfahrt endet im Morast
Churchill liess nämlich einige Modifikationen vornehmen an seinem Land Rover. Die auffälligste Änderung war ein breiterer Beifahrersitz, welcher der überragenden Statur des «greatest statesman» entsprach (denn Churchill liess sich standesgemäss chauffieren). Später liess der alte Herr zu seinem Komfort zudem eine Fussheizung sowie ein Kabinendach einbauen.
Das Fahrzeug erhielt das Kennzeichen UKE 80, wobei die Buchstabenfolge in der Grafschaft Kent, wo Churchill den Landsitz Chartwell besass, im Dezember 1954 üblich war. Für die Fans des Premiers hat das Kennzeichen jedoch noch eine andere Bedeutung: Sie lesen es als United Kingdom Empire und die 80 natürlich als Hinweis auf den runden Geburtstag ihres Idols.
Der Land Rover leistete Churchill bis zu seinem Tod am 24. Januar 1965 wertvolle Dienste. Nach einem Herzschlag im Sommer 1953 war der Premier in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Um seinen über 32 Hektaren grossen Landsitz zu erkunden, war er auf den zuverlässigen Geländewagen angewiesen. Allerdings konnte auch der Land Rover die Grenze der Natur und Physik nicht überwinden. Auf der ersten Ausfahrt blieb er prompt im schlammigen Morast stecken. Churchills Begleiter mussten abspringen und das Auto anschieben – woran der Premier, bequem und sicher installiert auf seinem Spezialsitz, durchaus seinen Spass hatte.
Dornröschenschlaf und Rostansatz
Nach Churchills Tod kam der Land Rover in den Besitz seines Schwiegersohns Christopher Soames, der schon bei der Jungfernfahrt im Dezember 1954 dabei gewesen war und selbst eine beachtliche Karriere als Politiker hinlegte: Er war Botschafter in Paris, Landwirtschaftsminister, europäischer Aussen- und Handelskommissar, Leader of the House of Lords im Kabinett von Margaret Thatcher und schliesslich letzter Gouverneur der britischen Kolonie Südrhodesien, des heutigen Simbabwe.
Ab 1967 war der Land Rover nicht mehr als Strassenfahrzeug eingetragen und wurde nur noch auf der Farm von Soames verwendet. 1973 verkaufte der vielbeschäftigte Politiker die Ausstattung seines Hofs, darunter auch den Land Rover. Der Kaufpreis betrug 160 Pfund.
Der neue Eigentümer, Norman Wills, verkaufte ihn aber sofort zum doppelten Preis an einen Nachbarn namens Frank Quay weiter, einen Bauern, der den Land Rover bis 1977 in Betrieb hatte und dann beschloss, das Gefährt mit dem berühmten Erstbesitzer sei zu wertvoll, um damit Pferdeboxen zu transportieren.
So wurde er Land Rover schliesslich in einem Schuppen abgestellt, wo er für die nächsten Jahrzehnte in einen Dornröschenschlaf fiel. Ein Schönheitsschlaf war es definitiv nicht: Er setzte starken Rost an, und manche Einzelteile zerbröselten einfach unter dem Zahn der Zeit.
Meisterleistung der Restaurateure
Im Jahr 2012 nahm das Auktionshaus Cheffins Churchills bald 60-jährigen Land Rover in seinen Auktionskatalog auf. Der Schätzpreis lag bei 50 000 bis 60 000 Pfund – unter den Hammer kam er für mehr als das Doppelte. Der glückliche Neubesitzer war auch ein Glücksfall für das alte Auto: Walter Frey, ein grosser Verehrer von Winston Churchill seit Jugendjahren, liess den Land Rover bei Emil Frey Classics in Safenwil AG aufwendig restaurieren und in neu-altem Glanz erstrahlen.
Dabei wurde das ganze Auto in seine Einzelteile zerlegt. Alle Komponenten wurden entrostet und repariert. Die elektrischen Leitungen wurden vollständig ersetzt. Wie Hannes Gautschi, der Geschäftsführer von Emil Frey Classics, betont, legte man grossen Wert darauf, das Auto in seiner Substanz zu erhalten. Ziel war es, den Land Rover Series I wieder so instand zu setzen, dass er strassentauglich war, aber so aussah, wie er ungefähr bei Churchills Tod ausgesehen haben mochte. Er sollte also nicht auf Hochglanz getrimmt werden, sondern durchaus Gebrauchsspuren zeigen. Dabei setzten die Fachleute von Emil Frey Classics auch auf die Expertise von Roos Engineering, von Gundula Tutt (Omnia), welche die Restaurierung der Sitze übernahm, und von Dunsfold DLR mit ihrem grossen Lager an Land-Rover-Ersatzteilen.
Für Walter Frey mit seiner grossen Leidenschaft für Churchill, Grossbritannien und natürlich die Welt der Automobile ging mit der kunstvollen Restauration von Winston Churchills Land Rover ein persönlicher Traum in Erfüllung. Dass er diesen ganz speziellen Wagen erwerben konnte, sei für ihn «das höchste der Gefühle, ich bin ein Bewunderer von Winston Churchill und schätze die Marke Land Rover sehr». Auf die Frage, was ihn am aufwendigen Restaurierungsprozess am meisten beeindruckt habe, sagt der Patron der Emil Frey AG: «Dass es unsere Leute geschafft haben, ihn in die heutige Form zu bringen, ohne die Patina zu zerstören.»