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Zürich (?), um 1490
Konstruktionsholz und Schnitzwerk: Eiche
H. 57, B. 177, T. 64 cm
Inv. 1870.505.
Truhen aus spätgotischer Zeit, deren Bildprogramm die profane Bestimmung des Möbels verraten, sind selten: Hier zieren die Front sechs in Flachschnitt geschnitzte Rund- und Kielbogen mit Masswerk, die beiden äusseren sind mit Blatt- und Blütenranken gefüllt. Die zwei mittleren lassen anhand der beiden Wappen, nämlich links des Ostschweizer Geschlechts von Brandis und rechts der Zürcher Familie von Ottikon, die Entstehung anlässlich einer Eheschliessung annehmen. Die Felder dazwischen zeigen die alttestamentliche Delila, dem Simson die Locken raubend, und den hl. Hieronymus, den Löwen zähmend; die Szenen spielen wohl, ursprünglich noch auf Spruchbändern kommentiert, auf das Eheleben an. Aufgrund eines Vergleichs mit den Schnitzereien des Chorgestühls der Basler St. Peterskirche wurde der 1495 aus Otwyl am Bodensee nach Basel zugewanderte Ulrich Bruder als Schnitzer der Truhe vorgeschlagen.
Schon früh, 1868, wurde das Möbel mit einer Abbildung veröffentlicht. Der Ankauf für das Museum verhinderte damals die drohende Abwanderung in den Pariser Kunsthandel.