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Der dritte Teil unserer Fotoreportagen schaut in die Zukunft der ägyptischen Grossstadt Kairo
In der Metropolregion Nildelta leben über 60 Millionen Menschen, mittendrin liegt Ägyptens Hauptstadt Kairo, mit über 20 Millionen Einwohner die grösste Stadt der arabischen Welt. Als Antwort auf die Enge und den Lärm in den alten Stadtvierteln entstehen in der Wüste rund um Kairo moderne Entlastungsstädte. Vom damaligen Präsidenten Mubarak im Jahr 2000 gegründet und bereits gebaut ist New Cairo, mit dem neuen Innenministerium und der Cairo Festival City, einem riesigen Einkaufszentrum mit Parks und einem künstlichen See.
Unterwegs Richtung New Capital
Draussen in der Wüste Richtung Suez, 45 Kilometer vom alten Zentrum entfernt, lässt der aktuelle Präsident Al-Sisi seit 2015 eine neue Regierungsstadt bauen. Sie hat noch keinen Namen, die Wegweiser nennen sie „New Capital“, hinter vorgehaltener Hand spricht man von der „Sisity“. Sie ist angelegt für 6.5 Millionen Einwohner und mit der integrierten „Sports City“ möchte Ägypten 2036 als erstes afrikanisches Land Gastgeber für die Olympischen Spiele sein.
Zum Zeichen der Toleranz und Einigkeit des Landes (und als Reaktion auf Terroranschläge gegen koptische Ägypter) eröffnete Präsident Al-Sisi bereits am 6. Januar 2019 die Christi-Geburt-Kathedrale und die Al-Fatah-al-Alim Moschee, die grösste Kirche und die grösste Moschee im Nahen Osten. Dank Google Map fanden wir die Moschee in der Wüste, der Taxifahrer war noch nie dort draussen und hatte Hemmungen, die palastartige Einfahrt zum Eingang zu nehmen. Die weissen Minarette ragen direkt neben dem Autobahnkreuz in den Himmel.
Die Al-Fatah-al-Alim Moschee, ganz aus weissem ägyptischem Marmor gebaut, ist die zweitgrösste Moschee der Welt, die Minarette sind 95 Meter hoch.
Der Wachsoldat am Eingang verstand kein Englisch und gab mir seinen Vorgesetzten ans Telefon – meinen Pass und meine Kamera müsse ich am Eingang deponieren. Der Offizier sprach perfekt englisch, zivil ein Ingenieur, und er öffnete dem neugierigen Rentner aus der Schweiz alle Türen und liess den riesigen Gebetsraum illuminieren! Hier sei Platz für 17’000 Gläubige und auf dem Vorplatz für noch viel mehr. Mein Smartphone könne ja auch passable Bilder machen, zwinkerte er mir zu.
Den ganzen Gebetsraum „Sahn“ kann auch das Superweitwinkelobjektiv nicht erfassen.
Der Predigtstuhl „Kursi“, die Gebetsnische „Mihrab“ und die Kanzel „Minbar“
Noch wohnt hier draussen weit und breit kein Mensch und die Moschee steht in ihrer Pracht wohl noch für Jahre verwaist in der Wüste. Der Taxifahrer machte genauso grosse Augen wie ich und das gemeinsam Erlebte erleichterte den Austausch auf unserer Fahrt durch die Baustelle New Capital – ich wollte auch die Christi-Geburt-Kathedrale sehen.
Was wird wohl hier gebaut? Ein Regierungsgebäude, ein Triumphbogen?
Tankstelle – noch ohne Benzin
Wohnsiedlungen im Bau, Kilometer um Kilometer
„Chliini Truckli“ in der Wüste – wer darf, will, muss hier dereinst wohnen?
Die koptisch-orthodoxe Christi-Geburt-Kathedrale in der New Capital
Wir fanden sie, die Christi-Geburt-Kathedrale, die grösste koptisch-orthodoxe Kirche der Welt, im traditionellen Stil der Arche Noah nachempfunden. Die Wachen am Bauzaun, Maschinengewehre im Anschlag, kannten nur den gelangweilten abweisenden Ton. Geduld, Humor, der Google Translator und mein Angebot, Pass und Kamera zu hinterlegen, öffneten auch diese Türen. Ein junger Soldat und der Sakristan begleiteten mich ins Heiligtum – der Taxifahrer, ein Muslim, musste draussen warten.
Der Seiteneingang der Kathedrale
In der Kathedrale finden 8200 Besucher Platz.
Der Bevölkerungsanteil der Christen in Ägypten beträgt schätzungsweise 10 Prozent.
Am Horizont sind die Wolkenkratzer der New Capital zu erkennen.
Die neue Capital City wird ein Ort der Superlative sein. Von weitem sichtbar ist der „Iconic Tower“, mit 385 Metern das höchste Bauwerk in Afrika, die Form erinnert an die Doppelfeder-Krone des Gottes Amun. So ragt der Turm aus der Wüste, inmitten von zwanzig weiteren Wolkenkratzern, das ist das neue Geschäftsviertel der zukünftigen Hauptstadt. Im Licht der untergehenden Sonne ein Anblick wie aus einer Science Fiction Szenerie.
Sehr wahrscheinlich das zukünftige Business-Zentrum von Afrika.
Didaktik und Politik – ein Beton-Relief in der Stadt Marsa Matruh
Ägyptens Präsident al-Sisi misst sich an der grossen Zeit der Pharaonen. Er lässt mit finanzieller Unterstützung aus China eine Stadt bauen, die die Pyramiden überragt. Der kommenden Generation erklärt er auf Reliefs und Wandmalereien überall im Land, was auf sie zukommt: „Es lebe Ägypten“ und gross in Blau „durch Arbeit“ und unten in Rot „Hoffnung“ und „wir Alle“.
Inschallah!
Alle Fotos © Werner Geiger