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BANK FÜR HANDEL UND INDUSTRIE
DARMSTADT1
Sr Hochwohlgeboren
Herrn Präsidenten Alfred Escher
Zürich.
Florenz, 7. Februar 1874. 2
Verehrtester Herr Präsident!
Ihre geschätzte Zuschrift vom 25. Januar habe ich sehr verspätet erst dieser Tage hier in Florenz empfangen, da ich vorher etwa fünf Tage auf die Bereisung des Netzes der Roemischen Bahnen verwendet hatte. Ich bin zu meinem Bedauern nicht im Stande, Ihnen von hier aus einen Vorschlag zu machen, will jedoch, wenn ich wieder zurück bin, versuchen, ob ich etwas in der Sache thun kann. Ich muß indeß bemerken, daß die Zahl solcher Personen, wie Sie sie ins Auge fassen, sehr gering ist, und daß wir selbst schon seit Jahren für eine ähnlich qualificirte Persönlichkeit auf der Suche sind, ohne sie bis jetzt nach Wunsch gefunden zu haben. Zudem ist es etwas ganz Anderes, | Jemand für sich zu nehmen und gewissermaßen für sich zu erziehen, als dritten einen Vorschlag zu machen und dabei doch wenigstens eine Art moralischer Verantwortlichkeit für einen etwaigen Mißgriff zu tragen.
Die Verhandlung, welche mich hier zurückhält, hat meines Erachtens ein gewisses Interesse für die Gotthard-Unternehmung, und die Rücksicht hierauf hat mich wesentlich mit bestimmt, in diese Sache einzutreten.
Es handelt sich um Bildung einer neuen Gesellschaft an Stelle der seitherigen Roemischen Eisenbahngesellschaft, wobei eventuell deutsches Capital mitwirken soll. Da die Roemische Bahn eventuell die Linie von Pisa über Spezzia bis Genua zurückerhalten kann, und da ganz gewiß bei der Regierung im fernen Hintergrund der Gedanke schlummert, die chinesische Mauer der Alta Italia nach Deutschland hin zu durchbrechen, wenn dafür mit der Zeit eine potente Gesellschaft zur Disposition steht, so ist es klar, daß unser Vorhaben, wenn es gelingt, auch für das Gotthard-Unternehmen von Wichtigkeit sein kann.
Denn ich betrachte nach wie vor die Alta Italia nicht als einen Bundesgenossen, sondern als einen ausgesprochenen Feind des Gotthard Unternehmens nicht weniger, wie der Brenner- | Linie. Es ist mir deshalb sehr leid, daß Herr v. Hansemann, der sich ursprünglich bei der Sache betheiligen wollte, davon – wie es scheint, lediglich aus Rücksicht für Rothschild – abgesprungen ist.
Es sind dies Alles zwar noch etwas weitaussehende Dinge, aber ich habe geglaubt, daß es doch nützlich sein könnte, Ihnen von der Sache Kenntniß zu geben und werde mich freuen, dieselbe bei vorkommender Gelegenheit mit Ihnen weiter erörtern zu können.
Hochachtungsvoll
L Parcus