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Kaufe in der Baisse; verkaufe in der Hausse. Das sagte sich auch ein Leser, als er sich nach Ausbruch der Finanzkrise mit Schweizer Aktien eindeckte. Der Swiss-Market-Index lag damals deutlich unter 5000 Punkten. Heute liegt das wichtigste Barometer der Schweizer Börse bei 7900 Punkten. Nach Angaben des Mannes liegen die Fondsanteile, die er Anfang 2009 kaufte, um über 60 Prozent im Plus.
Sie ahnen, was jetzt kommen wird: Der Mann möchte seinen Gewinn ins Trockene legen. Gleichzeitig will er am Kursanstieg teilhaben, falls die Aktien wieder anziehen sollten, wie das nicht wenige prophezeien. Nun wollte der Mann von mir wissen, ob ich glaube, dass die Aktien wieder an Höhe gewännen.
«Keine Ahnung», sagte ich dem Mann und erzählte ihm ein Märchen – eines von den Gebrüdern Grimm. Es handelt vom Fischer und seiner Frau. Eines Tages fängt der Mann einen Butt, der sprechen kann und sich als einen verwunschenen Prinzen ausgibt. Der Fischer lässt ihn leben, geht ohne Fang zur Frau und erzählt ihr die Geschichte. Diese meint, der Mann hätte vom Butt etwas wünschen müssen, und schickte ihn zurück:
«Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
Mine Fru, de Ilsebill,
Will nich so, as ik wol will.»
So klagte der Fischer dem Butt, der der Frau jeden Wunsch erfüllte. Zuerst wollte sie ein kleines Häuschen, dann ein Schloss, dann wollte sie Königin werden, dann Papst. Und immer schickte der Butt den Fischer mit der Bemerkung zurück, dass der Wunsch in Erfüllung gegangen sei. Und immer wieder ging der Mann widerwillig auf den Steg und rief: «Manntje, Manntje, Timpe Te …» und erklärte dem erstaunten Butt den neusten Wunsch der unersättlichen Fischersfrau. «Ach», sagte der Fischer am Schluss des Märchens, «sie will werden wie der liebe Gott.» Worauf der Butt erwiderte: «Geh nur hin, sie sitzt schon wieder in der Fischerhütte.»
Die Moral der Geschichte: So könnte es auch einem Investor ergehen, der mit einem Kursgewinn von 60 Prozent noch nicht zufrieden ist.
Erschienen in der BZ am 30. Juli 2013