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SEULEMENT BEETHOVEN
«Dann liess uns Beethoven, als ein wahrer Engel, seine neuen Quartette hören, die das Höchste ihrer Art sind...», schreibt Gräfin Josephine von Deym nach einer Wiener Privataufführung der Quartette op. 18 vom Dezember des Jahres 1800. Komponiert hatte Ludwig van Beethoven diesen Zyklus im Auftrag seines Freundes und Förderers, des Fürsten Franz Joseph von Lobkowitz.
In Anspielung auf seinen galanten Charakter wird das zweite der sechs Quartette gelegentlich auch als «Komplementierquartett» bezeichnet. Ungeachtet seines heiteren Tons besticht der erste Satz durch ein ausgeklügeltes Spiel mit verschiedenen Themen. Es folgen ein liedhaftes Adagio mit virtuosem Allegro-Teil und ein ausgefallenes Scherzo. Im Finale zeigt Beethoven noch einmal seine Meisterschaft in der Kunst des Sonatensatzes.
«Während der drei für den Fürsten Galitzin gewünschten Quartette op. 127, 130 und 132 strömte aus der unerschöpflichen Fantasie Beethovens ein solcher Reichthum neuer Quartett-Ideen, dass er beinahe unwillkürlich noch das cis-Moll und das F-Dur-Quartett schreiben musste», berichtet Karl Holz, der seit Sommer 1823 die zweite Violine im berühmten Schuppanzigh-Quartett spielte.
In den meisten seiner späten Quartette löst sich Beethoven von der klassischen Form und findet zu höchst individuellen Lösungen – nicht so im F-Dur-Quartett op. 135: Es folgt der tradierten viersätzigen Anlage mit einem Kopf- und Finalsatz in Sonatensatzform, einem Scherzo und einem langsamen Variationensatz. Entscheidend ist allerdings, dass Beethoven diese Sätze mit einer neuartigen und verdichteten Form der Motivbehandlung ausgestaltet. Die klassische Form erhält so ein neues Innenleben.
Der zweite Satz sprüht vor Heiterkeit und guter Laune. Die eingängige Melodik wird mit rhythmischen Raffinessen ausstaffiert. Als «Ruhegesang oder Friedensgesang» bezeichnet Beethoven den langsamen Variationensatz, der ein Thema von entrückter Schönheit umkreist. «Muss es sein? Es muss sein! Es muss sein!», notiert Beethoven schliesslich im Finale. Der Legende nach geht dieses musikalische Motto auf eine Geldforderung seiner Haushälterin zurück. Auch wenn der Wahrheitsgehalt dieser Anekdote gering sein dürfte – das Frage-Antwort-Spiel zeigt sich in entsprechenden Motiven, aus deren Gegenüberstellung dieser Satz Gestalt annimmt.
Das cis-Moll-Quartett op. 131 entstand im Sommer 1826. Schon der Blick auf die Satzfolge weist diese Komposition als ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Werk aus: Sieben Sätze sehr unterschiedlicher Länge – der kürzeste ist gerade einmal elf Takte lang, der längste hat eine Aufführungsdauer von etwa einer Viertelstunde – gehen direkt ineinander über. Drei der Sätze fungieren als Überleitungen, die übrigen bilden die Schwerpunkte des Quartetts.
Der erste Satz eröffnet mit einem Fugato auf Grundlage eines Vierton-Motivs, das nach einer mächtigen Steigerung ruhig verklingt. Der zweite Satz greift das Grundthema in einem beschwingten Allegro-Satz variierend auf. Einer kurzen Überleitung folgt ein umfassender Variationensatz, dessen kantables Thema Beethoven in verschiedenste Richtungen entwickelt. Der fünfte Satz entspricht einem Scherzo mit fünfteiliger Anlage. Den Beschluss des Quartetts bilden schliesslich ein kurzes Adagio und ein Allegro-Finale, in dem das Grundmotiv erneut aufgegriffen wird.
Christian Müller
Konzertprogramm
Ludwig van Beethoven 1770 – 1827
Streichquartett Nr. 2 G-Dur op. 18 Nr. 2 (1799/1800) (22’)
Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135 (1826) (25’)
Streichquartett Nr. 14 cis-Moll op. 131 (1826) (38’)
Quatuor Ébène
Pierre Colombet & Gabriel Le Magadure Violine
Marie Chilemme Viola
Raphaël Merlin Violoncello
«Ein Streichquartett, das sich mühelos in eine Jazzband verwandeln kann», titelte die New York Times nach einem Auftritt des Quatuor Ébène 2009, bei dem das Ensemble zunächst Debussy und Haydn spielte, um danach über Filmmusik zu improvisieren. Diese Vielschichtigkeit im musikalischen Œuvre wurde von Beginn an begeistert von Publikum und Kritikern aufgenommen. Nach Studien beim Quatuor Ysaÿe in Paris sowie bei Gábor Takács, Eberhard Feltz und György Kurtág folgte der herausragende Sieg beim ARD-Musikwettbewerb 2004. Damit begann der Aufstieg des Quatuor Ébène, der in zahlreichen weiteren Auszeichnungen begleitet wurde. So war das Quartett 2007 Preisträger des Borletti-Buitoni-Trusts und wurde 2019 mit dem Preis der Frankfurter Musikmesse ausgezeichnet. Auch die Alben des Quatuor Ébène mit Einspielungen von Haydn, Bartók, Debussy, Fauré, Mozart und den Mendelssohn-Geschwistern wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Gramophone. Von April 2019 bis Januar 2020 befand sich das Quatuor Ébène unter dem Motto «Beethoven Live Around the World» auf Welttournee.