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Im 19. Jahrhundert verknappte sich der Raum in der Innenstadt. Johann Rudolf Wyss stellte schon 1816 fest, manche der «ansehnlichsten Wohnungen in neuerer Zeit» würden «um der anmuthigeren Lage willen draussen vor die Thore, nicht in die Gassen hinein gebaut.»8 In der frühen Neuzeit hatte sich auf der rechten Seite des Aarebeckens zwischen dem Lauitor und dem Dorf Hofstetten ein Gewerbequartier gebildet, weil hier die Schiffe, die Waren aus dem Oberland brachten, gut anlegen konnten. Ab den 1830er-Jahren wurden in diesem Gebiet Hotels und vor dem Lauitor einige noble Geschäfts- und Wohnhäuser gebaut. Allmählich entstand so am sonnigen Aareufer anstelle des Gewerbeviertels ein attraktives Quartier für den Fremdenverkehr, das jedoch erst seit der Eingemeindung von Goldiwil (1913) vollständig zur Gemeinde Thun gehört.
1862 erstellte der Kantonsbaumeister Friedrich Salvisberg (1820–1903) im Auftrag des Thuner Gemeinderats ein Gutachten zur Stadtentwicklung, dem er den hier abgebildeten Vorschlag für eine grossstädtische Quaianlage beidseits der Aare beilegte.
Diese Vision erwies sich als allzu utopisch, doch andere Vorschläge aus dem Gutachten wurden in den folgenden Jahren realisiert, wie die Parzellierung des Seefeldes, der Abbruch der meisten Befestigungsanlagen oder der Bau der Postbrücke. Aquarell und Gouache, ausgeführt von Paul Christen, Architekt.
Mit der Krise des Hoteltourismus in den Weltkriegen setzte die Umnutzung der Hotels ein und ihre Parks wurden grösstenteils mit Wohnhäusern überbaut. 1888–1920 lebten rund 700 Personen in Goldiwil nid dem Wald, 1941 waren es rund 1800, heute sind es 3500 Personen. Das höher gelegene, hügelige Gebiet Goldiwil ob dem Wald, das sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts ebenfalls als Feriendestination etablieren wollte, blieb bis heute vorwiegend Landwirtschaftsgebiet. Hier stieg die Bevölkerung zwischen 1900 und 1950 lediglich von 360 auf 450 Personen an. Erst die Motorisierung des Verkehrs verbesserte die Erreichbarkeit und beschleunigte auch hier das Bevölkerungswachstum. Heute wohnen in Goldiwil rund 1100 Menschen.
Gleichfalls mit dem Tourismus verbunden war die Erschliessung des Seefeldes. Das aus der burgerlichen Allmend- und Alpkorporation hervorgegangene Vereinigte Familiengut (ab 1872 Baugesellschaft Thun) erwarb 1871 das Seefeld, parzellierte das dreieckige Gebiet fächerförmig und wollte die Grundstücke an vornehme Gäste zum Bau von eleganten Sommerhäusern verkaufen. Wegen der Wirtschaftskrise und weil die Parzellen zu grosszügig bemessen waren, florierte das Unternehmen nicht. 1878 ging die Baugesellschaft in Konkurs. Die Stadt übernahm ihre Besitzungen, wozu neben dem Seefeld auch das Hotel Thunerhof, die Bächimatt und die Rossweide (heute Lerchenfeld) gehörten. Im Seefeld zog der Verkauf der nun kleiner bemessenen Grundstücke gegen 1900 an, und von der Frutigenstrasse her begann sich der Strassenfächer langsam aufzufüllen. Bis um 1930 entstand ein parkähnliches Viertel mit Villen und stattlichen Mehrfamilienhäusern, das bis heute architektonisch intakt ist und dank der Nähe zum Bahnhof und wenig Durchgangsverkehr eine hohe Lebensqualität bietet. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entwickelte sich auch die südlich von Hofstetten gelegene Bächimatt zu einem Villenviertel.9
Vor den Eingemeindungen von Goldiwil (1913) und Strättligen (1920) gehörten die Innenstadt, das Westquartier, das Hohmad, das Seefeld und das Lerchenfeld zur Gemeinde Thun.
Scherzligen, Dürrenast, Neufeld, Gwatt, Schoren, Buchholz und Allmendingen bildeten die Gemeinde Strättligen. Die Gemeinde Goldiwil war zweigeteilt in das Dorf Goldiwil ob dem Wald und das Gewerbe und Tourismusquartier Goldiwil nid dem Wald.