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Stereotype Frauen- und Männerbilder?
Gefragt, wozu sind solche Studien denn gut seien, antwortet Lobmaier: «Ich finde es wichtig, die Einflüsse von Hormonen auf unser Verhalten zu verstehen. Während die physiologischen Effekte von Hormonen relativ gut erforscht sind, beginnt man erst langsam zu erkennen, dass Hormone auch auf unser Verhalten einen Einfluss haben.» Obwohl die Zusammenhänge zwischen Hormonen und Verhalten subtil seien, sei es dennoch wichtig, ihre Wirkungsweisen zu verstehen. Dies nicht zuletzt deshalb, weil wahrscheinlich eine Mehrheit aller Frauen über mehrere Jahre regelmässig Hormone einnehmen würden. Lobmaier weiter: «Ich will damit nicht sagen, dass das per se schlecht ist, aber ich finde es wichtig dass man die möglichen Auswirkungen von Hormonen auf unser Verhalten kennt.»
Zementieren solche Forschungsansätze nicht einfach stereotypisierte Frauen- und Männerbilder? Lobmaier sagt dazu: «Ich bin mir bewusst, dass ich mich mit meiner Forschung auf dünnem Eis bewege. Trotzdem bin ich nicht der Meinung, dass ich Männer- und Frauenbilder stereotypisiere, auch wenn gewisse Befunde möglicherweise etwas provokativ sind.» Aus einer rein biologischen Perspektive betrachtet, bestehe der Sinn des Lebens ja darin, möglichst viele Nachkommen zu zeugen, damit die eigenen Gene weiterverbreitet würden. Lobmaier sagt weiter: «So gesehen ist jedes Verhalten, das uns hilft Nachkommen zu zeugen, adaptiv. Frauen können nur in einer relativ kurzen Zeitspanne ihres Menstrualzyklus nämlich in den Tagen vor dem Eisprung, schwanger werden. Wenn also Männer die fruchtbaren Tage einer Frau ansehen können, könnte das helfen, ihre Gene an die nächste Generation weiterzugeben.»
Wie steht es aber mit den Frauen? «Für Frauen gibt es vielleicht keinen so direkten Nutzen darin, anderen Frauen den Eisprung anzusehen. Aber ein indirekter Nutzen könnte sein, dass Frauen so mögliche Konkurrentinnen erkennen. Unsere Studie zeigt, dass dies vor allem bei Frauen mit hohen Östradiol Werten der Fall sein könnte. Obwohl ich solche Überlegungen sehr interessant finde, darf man nicht vergessen, dass diese Effekte sehr klein sind und dass die Veränderungen im Gesicht der Frau über den Zyklus hinweg sehr subtil sind.»
Und in welche Richtung forscht Lobmaier in naher Zukunft? «In einem nächsten Schritt wollen wir genauer untersuchen, was denn die Gesichter von fruchtbaren Frauen für Männer attraktiver macht. Wir wissen zunächst erst, dass Männer Portraits von Frauen die während der Ovulation aufgenommen wurden attraktiver finden als Fotos, die während der Lutealphase aufgenommen wurden. Eine Hypothese, die wir verfolgen, ist, dass die Frauen möglicherweise während der Ovulation auf eine sehr subtile Art und Weise mehr mit der Kamera geflirtet haben als während der Lutealphase.»