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Amboise, die Kleinstadt mit etwa 12’000 Einwohnern, wird einerseits von der Altstadt, vor allem aber vom prächtigen »Schloss Amboise« dominiert. Entlang der Loire und ihrer zahlreichen Nebenflüsse befinden sich allerdings mehr als 400 weitere, teilweise ansehnliche, Schlossanlagen; doch das »Schloss Amboise« hat eine besondere Bedeutung. Kennen lernen konnte ich die Stadt, das Schloss wie auch das Schloss »Clos Lucé«, welches 600 Meter vom »Schloss Amboise« – mit diesem durch einen Stollen unterirdisch verbunden ist – entfernt liegt, während eines Sprachaufenthaltes in Frankreich.
Der Sprachkurs dauerte vier Wochen – die Firma zahlte die Schule und den Aufenthalt und ich gab zwei Wochen meiner Ferien in »Zahlung«. Die Schule wurde bestens geführt; engagierte Gastredner, die sich in ihren Vorträgen zu Themen TGV, Loire-Schlösser sowie zur Geschichte und Kultur des Departements »Indre-et-Loire« – natürlich in französischer Sprache – äusserten, bereicherten den Schulunterricht in geradezu schmückender Weise. Zwei Reisen wurden in diesen vier Wochen ebenfalls von dem »Eurocenter Amboise« organisiert. Eine davon führte unser »Volk der Lernenden« in verschiedene Schlösser an der Loire.
Es war sehr interessant, wie sich die nach Vorkenntnissen der französischen Sprache gebildeten Klassen zusammensetzten. In der Klasse, in der ich eingeteilt wurde, befand sich ein Student aus Deutschland – nicht mehr der jüngste, er ging schon gegen die Dreissig. Auf die Frage, «Was er in der Zukunft gedenke zu arbeiten», meinte er: «Ich bleibe mein Leben lang Student – vom Deutschen Staat bezahlt, unterstützt und begleitet.» Er wurde zu einem »Akademischer Kulturträger Deutschlands« ausgebildet – seine Worte. Nach den doch relativ anstrengenden Schultagen fanden wir uns im unter dem »Schloss Amboise« betriebenen Restaurant »l‘ Epirerie« zum Feierabend-Bier ein. Dieses dauerte manchmal solange, dass sich der Heimgang in die Unterkünfte, die von den meist ausserhalb von Amboise wohnenden Gastfamilien zur Verfügung gestellt wurden, kaum mehr lohnte.
Amboise war eine Erfahrung, eine lehrreiche Zeit, nicht alleine wegen des Unterrichts in französischer Sprache, sondern auch, weil wir einem der grössten Genies aller Zeiten näher gekommen sind: Leonardo da Vinci, der berühmteste Universalgelehrte der am 15. April 1452 in Anchiano geboren wurde. Im Jahr 1516 wurde Leonardo da Vinci von Fürst Franz I. nach Amboise eingeladen. Leonardo nahm drei seiner Bilder mit auf das Schloss Amboise: Mona Lisa, Anna selbdritt und Johannes den Täufer. Der von Leonardos Werken tief begeisterte Fürst überliess dem Maler, Bildhauer, Architekten, Anatom, Mechaniker, Naturphilosoph und Ingenieur – eben Leonardo da Vinci – das Schloss »Clos Lucé«. In diesem Schloss arbeitete Leonardo noch gut zwei Jahre bis kurz vor seinem Tod; am 2. Mai 1519 ist Leonardo da Vinci im Alter von 67 Jahren gestorben. – Heute beherbergt sein letzter Wohnsitz, seine letzte »Werkstätte« ein Museum.
Das 168 Seiten umfassende Buch »Leonardo«, welches im »Schweizer Druck- und Verlagshaus AG, Zürich« als 5. Auflage im Jahr 1960 als Lizenzausgabe des von Giorgio Nicodemi im »Fretz & Wasmuth Verlag AG, Zürich« herausgegeben Originals erschienen ist, enthält 203 Kupfertiefdruckbilder und drei montierte Farbtafeln.
»Das Werk enthält das gesamte, gesicherte malerische Werk Leonardos in Vollaufnahmen, bereichert durch eine Fülle von kennzeichnenden Gemäldeausschnitten, und gibt überdies eine sorgfältige Auswahl aus den hinterlassenen Manuskripten, Zeichnungen und Studien aus allen nur denkbaren Wissensgebieten, die bisher nur in schwer zugänglichen und teuren fachwissenschaftlichen Publikationen zu finden waren.« (Auszug aus dem Klappentext)
Bild-Quellen:
Bild A: Buchumschlag