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Der 16. September ist Mexikos Nationalfeiertag. Im ganzen Land wird die Unabhängigkeit gefeiert, die im Jahre 1810 vollzogen wurde. Ein Priester namens Miguel Hidalgo hatte damals die Bevölkerung des kleinen Städtchen Dolores im Zentrum des Landes dazu aufgerufen, zu den Waffen zu greifen und gegen die Spanier zu kämpfen. «Es lebe Mexiko!», schrie er. Dieser «Schrei von Dolores» sollte für die Geschichtsbücher sein.
Auch in die Geschichtsbücher Mexikos schleicht sich, bereits zum dritten Mal, der 19. September ein – jedes Mal war der Grund ein weitaus weniger erfreulicher. An jenem Tag, nur drei Tage nach den landesweiten Feierlichkeiten, wurde das zentralamerikanische Land von einem Erdbeben unsanft aus seiner Feststimmung gerissen – 1985, 2017 und nun auch 2022.
Aus einer Übung wird Ernstfall
Das Erdbeben im Jahre 1985 traf Mexiko-Stadt in den frühen Morgenstunden mit einer Stärke von 8,0. Rund 10'000 Menschen starben, noch mehr Einwohner wurden verletzt. Obwohl sich das Epizentrum an der mexikanischen Pazifikküste über 350 Meter von der Stadt entfernt befand, traf es die Hauptstadt am stärksten. Das, weil diese auf einem Sumpfsee gebaut wurde und die Gebäude kein genügend stabiles Fundament hatten. 412 davon fielen zusammen, tausende wurden beschädigt.
Am 19. September 2017, anlässlich des 32. Jahrestags des Bebens, wurde wie jedes Jahr um 11 Uhr eine nationale Schutzübung durchgeführt – zwei Stunden später bebte die Erde erneut. Das Epizentrum befand sich in der Stadt Puebla, rund 100 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt, wo 220 Menschen starben. Insgesamt belief sich die Anzahl Toter auf 370. Fünf Jahre später, am Montag, sollten zwischen Schutzübung und Ertönen der Sirenen gar bloss 45 Minuten vergehen.
Das Epizentrum befand sich, wie schon 1985, nahe der Pazifikküste, das Beben hatte «bloss» eine Stärke von 5,3. Schwere Schäden wurden vor allem in den Bundesstaaten Colima und Michoacán im Südwesten des Landes gemeldet – die Hauptstadt blieb dieses Mal verschont. Und trotzdem mag man sich fragen: Handelt es sich bei diesem 19. September wirklich nur um einen Zufall?
Mexiko liegt auf mehreren Platten
In Mexiko haben sich in den letzten 37 Jahren tausende Erdbeben zugetragen – grundsätzlich findet praktisch jeden Tag irgendein Erdbeben statt, denn das Land ist eine der seismisch aktivsten Regionen der Welt. Es liegt auf gleich fünf sich kreuzenden tektonischen Platten – bewegen sich diese voneinander, aufeinander oder aneinander vorbei und verhaken sich dabei, kommt es zu Spannungen im Gestein der Platten. Diese Spannung muss sich entladen.
Die Folgen sind Erdbeben. Meist sind sie harmlos und verursachen kaum Schäden, der Mensch bekommt sie oftmals gar nicht mit. Die letzten zwei wirklich erwähnenswerten Erdbeben, welche die Marke der Todesopfer von 100 überstiegen, fanden jeweils an einem 19. September statt – ein trauriger Zufall.
(sda/mhe)