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Bildungsschubladen und Klassenzugehörigkeit
Nach einer gewissen Zeit werden die Schüler verschiedenen Schubladen mittels verschiedener Schulen und Abschlüssen (zum Beispiel Gymnasium, Sek., Realschule etc.) zugeteilt. Diese Unterteilung wird mit unterschiedlichen "Leistungsfähigkeiten" erklärt. Diese, welche benötigt werden um in der Noten-Konkurrenz bestehen zu können, sind nicht etwa allgemein, von der Natur aus, definiert sondern vom jeweiligen Stand des Kapitalismus vorgeschrieben. So gehört etwa Mathematik oder Biologie dazu während musische Begabungen nicht einbezogen werden. (Dies ist natürlich eine Verallgemeinerung. Auch eine Begabung in Musik kann von Wichtigkeit in der Noten-Bewertung sein, nur ist die Tendenz zur Wichtigkeit dabei um ein vielfaches Kleiner als bei Sprachen oder Naturwissenschaften)
Das kann im Kapitalismus selbst auch ändern. So nimmt die Wichtigkeit von Informatik zu während das "Schönschreiben" an Bedeutung verloren hat. "Vom Kapitalismus definierte Wichtigkeit" bedeutet, dass dieser vorgibt was wichtig ist. Mathematik oder Chemie ist für die Produktion eine grosse Notwendigkeit (zum Beispiel Ingenieur oder Pharmaindustrie) während das Malen von Bildern dem Kapitalismus keinen weiteren Gewinn bringt. So wird bei der heutigen Bildung grossen Wert darauf gelegt, dass diese "wichtigen" Fächer gelehrt und bewertet werden während andere Fächer nur, am Rande (falls genügend Geld vorhanden ist) unterrichtet werden. Es entsteht also eine Reproduktion der im Kapitalismus wichtigen Eigenschaften.
Nicht, dass diese Fächer in einer Gesellschaft wie wir sie uns vorstellen nicht mehr wichtig wären. Der Unterschied liegt aber darin, dass heute der Kapitalismus bzw. die Unternehmen definieren was wichtig ist und nicht die Bevölkerung und die Betroffenen selbst.
Diese Reproduktion erfolgt jedoch nicht nur in den Fächern sondern in den verschiedenen gesellschaftlichen Klassen. Normalerweise ist diese Produktion der Klassen auch immer eine Reproduktion der bisherigen Klassen (Tendenz zur Zweiklassenbildung), das heisst, Kinder aus Familien der Arbeiterklasse gehören später selbst zur Arbeiterklasse und Kinder von der Elite werden wiederum zur nächsten Elite. Denn wer Geld hat kann seinen Kindern teure Nachhilfe oder Sprachaufenthalte zahlen. Gebildete Eltern haben dazu auch die Möglichkeit ihrem Kind bei den Hausaufgaben etc. zu helfen. Dazu kommt noch, dass Eltern mit hohem Bildungsstandard nach dem Feierabend eher mal ein gutes Buch aus ihrer Privatbibliothek lesen oder eine Arte-Dokumentation schauen, während ein ungelernter Arbeiter sich lieber mit Big Brother den Abend versüsst. Das beeinflusst die Kinder natürlich.
Diese Reproduktion muss jedoch nicht zwanghaft so sein. So können manchmal auch Kinder aus der Arbeiterklasse zu Studenten und hohen Angestellten etc. werden. (Eine Tatsache, die immer wieder zu Lobliedern auf unser Bildungssystem führt). Denn natürlich ist trotz allem eine gewisse Chancengleichheit vorhanden. Es ist aber nicht die Chancenungleichheit, die wir am Kapitalismus kritisieren sondern die Ungleichheit der Gesellschaft. Wir finden es eben nicht richtig, dass jemand, bei gleicher Anfangschance von einem Hungerlohn leben muss und ein anderer Fabrikbesitzer werden kann. Die Einordnung in der Berufswelt hat auch nichts mit Faulheit und Fleiss zu tun. Auch wenn sich alle Menschen noch so anstrengen würden in der Schule, würde die Wirtschaft doch nicht mehr hochqualifizierte Jobs anbieten. Das Übel und eben das Unumgängliche im Kapitalismus, ist die Produktion der Klassen selbst.
Genau dort setzt auch das heutige Bildungswesen an. Schüler, die schlechte Noten haben und somit auf eine "tiefere" Schule gehen müssen (falls sie über einen Abschluss verfügen wollen) bekommen dort auch keine weitere, für sie im kapitalistischen Arbeitsprozess unnötige, höhere Bildung. So wird in der Realschule zum Beispiel keinen grossen Wert mehr auf "höhere" Mathematik etc. gelegt, weil ein Arbeiter mit Realschulabschluss diese auf dem Arbeitsmarkt nicht benötigt. Das Bildungssystem hat so eben nicht den Zweck, möglichst viel Wissen an möglichst viel Menschen zu vermitteln, was ein anständiges Bildungssystem zweifellos sollte. Sondern eben ein Minimum, nur soviel, dass die Leute die Jobs für die sie durch ihre Bildung in Frage kommen, erledigen können. Denn welche Firma braucht schon einen Gabelstaplerfahrer der Latein kann?