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Wie war der Alltag vor dem Eintritt ins Förderprogramm der Marktlücke — und wie sieht er jetzt aus, nach einiger Zeit im ersten Arbeitsmarkt?
Das haben wir zwei ehemalige Mitarbeiterinnen gefragt, die über das Bewerbungscoaching der Marktlücke eine Stelle gefunden haben.
Die Antworten erzählen von den spezifischen Schwierigkeiten von Müttern im Arbeitsmarkt, zeigen aber auch, wie motiviert und zielgerichtet sie sich für sich und ihre Kinder einsetzen und wie integrativ Arbeit sein kann für das ganze Umfeld einer Person.
Interview mit Svetlana
Svetlana hat zwei Kinder im Alter von 12 und 17 Jahren und ist verheiratet. Sie hat keine Ausbildung absolviert. Wegen allergischen Reaktionen konnte sie nicht mehr in ihrem ursprünglichen Job in der Reinigung arbeiten. Sie war eine hervorragende Mitarbeiterin in der Produktionswerkstatt der Marktlücke, hat aber ihre gute Arbeitsqualität oft angezweifelt und sich vieles nicht zugetraut. Heute arbeitet Svetlana zur vollsten Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten in einer Metallbearbeitungsfirma.
Wie war ein normaler Tag in deinem Leben, bevor du in die Marktlücke gekommen bist?
Svetlana: Fast jeder Tag war gleich. Ich stand auf, habe beide Kinder in die Schule gebracht, ich habe gekocht, geputzt, gewaschen und alle Dinge vom Haushalt erledigt. Nach dem Abendessen habe ich vor der Tür gewartet bis mein Mann nach Hause kam und dann ging ich in der Reinigung arbeiten. Ich wollte nicht, dass meine Kinder in den Hort gehen müssen. Am Wochenende hatte ich normalerweise frei.
Später habe ich während zwei Jahren in der Reinigung des Hallenbad City gearbeitet bis dieses wegen Renovationsarbeiten geschlossen wurde. Danach war ich 5 Jahre zu Hause, ohne eine neue Stelle zu finden. Das war eine sehr, sehr schwierige Zeit. Da mein Deutsch nicht so gut war und ich nicht so viel Arbeitserfahrung hatte, war es sehr schwierig eine Stelle zu finden.
Dann bist du in die Marktlücke gekommen...
Davor war ich einen Monat in der Basisbeschäftigung und habe mit Holz gearbeitet, dort habe ich mit einer Frau gesprochen um zu klären, wie es weiter gehen kann. Sie hat mir die Marktlücke vorgeschlagen. In der Marktlücke war ich sehr zufrieden und habe viel gelernt. Ich war etwa zwei Jahre da.
Was hast du in der Marktlücke gelernt?
Es hat mir gut getan mit verschiedenen Menschen zu tun zu haben, mit verschiedenen Charakteren und Sprachen, denn das habe ich jetzt bei meiner Stelle auch. Das Deutsch sprechen bei der Arbeit hat mir auch sehr geholfen.
Hast du auch neue Ideen bekommen, welche Arten von Arbeiten dich interessieren könnten?
Ja, ich habe in der Marktlücke zum ersten Mal mit Metall gearbeitet und jetzt ja auch in diesem Bereich eine Stelle gefunden.
Wie fühlst du dich in dieser neuen Stelle, wo du 100% arbeitest?
Ich fühle mich fast perfekt (strahlt).
Was hat sich verändert, seit du diese Stelle hast?
Ich bin glücklich, ich bin positiv, ich habe gute Laune und viel Kraft.
Woher kommt das gute Gefühl?
Es kommt vom Team und von der Arbeit. Manchmal sagt mein Chef, wow, du bist schon fertig, wenn ich eine Arbeit in der Hälfte der Zeit und trotzdem genau erledigt habe. Darauf bin ich stolz. Bei der Arbeit kann ich mich teilweise auch selber organisieren.
Seitdem du eine Stelle gefunden hast, seid ihr nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen. Wie ist das für dich?
Mein Leben ist im Moment ruhig und ohne Stress. Vorher musste ich viele Formulare ausfüllen und viel organisieren. Jetzt haben wir ein bisschen mehr Geld zur Verfügung, allerdings muss ich noch alte Krankenkassen-Schulden abzahlen.
Unternehmt ihr mehr als früher (Badi, Ausflüge, etc.)?
Ich konnte früher auch in die Badi gehen, aber ich hatte keine Lust, weil mich die Abhängigkeit von der Sozialhilfe frustriert hat. Jetzt habe ich viel mehr Lust Dinge zu machen. Ich wollte unabhängig sein und das Leben selber organisieren und Entscheide fällen, ohne jemanden zu fragen. Da mein Mann auf Stundenlohn arbeitet, bin ich froh, dass ich jeden Monat weiss, mit welchem Geld ich rechnen kann.
Wie habt ihr es mit den Kindern organisiert?
Die Kinder kochen selber für sich über Mittag. Ich telefoniere kurz, ob sie zu Hause sind. Meine grosse Tochter hilft ihrer Schwester bei den Aufgaben. Da kann ich mit meinem Deutsch nicht so viel helfen. Obwohl ich viel arbeite, habe ich genug Zeit für die beiden Mädchen. Für die Kinder habe ich immer Zeit und Energie. Das ist mir wichtig.
Danke viel mal, dass du dir Zeit genommen hast für dieses Interview!
Das Interview mit Svetlana führte Ruth Bächli, die bei der Marktlücke die Mitarbeiterinnen im Bewerbungscoaching begleitet.
Interview mit Eva
Eva ist als Jugendliche in die Schweiz gekommen und hat nach der Schule im Verkauf gearbeitet. Dank dieser Berufserfahrung war sie für unseren Laden an der Schipfe prädestiniert. Im Bewerbungscoaching der Marktlücke hat sie zielgerichtet eine Stelle im Verkauf gesucht — und gefunden. Zudem holt sie zurzeit neben der Arbeit und der Betreuung ihrer Tochter (12 Jahre) den Abschluss als Detailhandelsfachfrau nach.
Wie war ein normaler Tag in deinem Leben, bevor du in die Marktlücke gekommen bist?
Bevor ich zur Marktlücke kam, habe ich mich sehr viel mit meiner Tochter beschäftigt. Ich war ständig für sie da und habe ausser dem Haushalt nicht mehr viel anderes gemacht. Ich war verheiratet und habe am Abend und am Samstag ein paar Stunden im Dosenbach gearbeitet, weil ich in Kontakt mit Leuten sein wollte.
Als mein Mann und ich uns getrennt haben, wurde ich von der Sozialhilfe abhängig. Ich musste mich plötzlich um alles allein kümmern. Ich musste auch dafür sorgen, dass es meiner Tochter und mir gut geht, obwohl die Situation nicht einfach war.
Weiterhin habe ich eine Stelle gesucht, weil ich nicht so lange von der Sozialhilfe abhängig sein wollte.
Dann bist du in die Marktlücke gekommen...
Ich fand es sehr toll, dass das Programm nur für Frauen mit Kindern ist. Es war sehr passend für mich und es tat gut, wieder in der Arbeitswelt zu sein.
Was hat sich verändert, als du in die Marktlücke gekommen bist?
Es war sehr leicht, mich wohl zu fühlen vmit den Arbeitgeberinnen und den Arbeitskolleginnen.
Die Umstellung war aber gross, weil meine Tochter davor noch nie in einem Hort war.
Geholfen hat mir, dass ich langsam, mit wenigen Prozenten einsteigen konnte. Auch für meine Tochter war es gut, dass sie sich Schritt für Schritt an die neuen Regeln und das Zusammensein mit anderen Leuten gewöhnen konnte.
Alle zwei Wochen hast du das Bewerbungscoaching der Marktlücke besucht...
Ja genau, und nach einigen Absagen habe ich dann eine Stelle im Verkauf gefunden. Ich arbeite halbtags am Dienstag, Freitag und Samstag. Am Abend arbeite ich manchmal bis 20.00 Uhr. Dies ist nur möglich, weil meine Eltern hier leben.
Am Montag besuche ich die Weiterbildung und bin froh, dass ich im Job den Montag immer frei haben kann.
Wovon konntest du in der Marktlücke profitieren, was dir jetzt im Job etwas nützt?
Der Laden der Marktlücke hat eine ganz andere Kundschaft als an meiner früheren Stelle an der Langstrasse. So habe ich eine neue Art des Bedienens erlernt, mit viel Fachwissen über die Produkte und einer persönlichen Beratung. Man lernt immer etwas dazu.
Was hast du inhaltlich gelernt?
Bei der Marktlücke gab es eine neuere Kasse, die ich bedienen lernte. Es gab auch Ämtli, die aufgeteilt wurden unter den verschiedenen Mitarbeiterinnen und eine klare Organisation. Die gute Ordnung hat mir gefallen.
In der Marktlücke habe ich mit anderen Frauen gearbeitet, die in einer ähnlichen Situation waren und denen es manchmal leider noch schlechter ging als mir. Es war für mich gut zu sehen, dass ich nicht die Einzige bin in einer schwierigen Situation. So habe ich mich nicht komisch oder daneben gefühlt.
Wie fühlst du dich jetzt an der neuen Stelle?
Hier arbeite ich immer allein und habe wenig Kontakt mit den anderen Mitarbeitenden und es gibt wenig Struktur. In der Marktlücke war es familiär und ein sehr warmes Gefühl. Ich wusste genau, was ich zu tun habe und fühlte mich sehr respektiert.
Das Positive an der jetzigen Stelle ist, dass ich Geld verdiene und somit weniger Geld vom Sozialamt brauche — und das ist ein besseres Gefühl.
Hast du mehr Geld als vorher?
Vom Finanziellen her ist es kein grosser Unterschied, aber ich fühle mich freier, weil ich etwas dafür gemacht habe und einen Job habe.
Du bist noch an der SIU (Schweizerisches Institut für Unternehmerschulung) und holst die Ausbildung als Detailhandelsfachfrau nach. Dafür hättest du einen Job in der Textilbranche finden müssen, was leider noch nicht geklappt hat.
Ich suche weiterhin einen Job in der Textilbranche, wo ich 10 Jahre Erfahrung habe. Mit einem Abschluss könnte ich normal leben ohne Sozialhilfe, das wäre das Tollste für mich.
Zu Beginn der neuen Stelle hatte ich Angst, dass ich zu wenig zu Hause sein kann. Nun hat auch mein Kind verstanden, dass es wichtig ist, dass seine Mama auch arbeiten muss. Die Marktlücke war ein guter Übergang, um in die Arbeitswelt zu kommen und sie stärkte mein Gefühl, dass ich etwas kann. Ich fand immer, dass das Team der Marktlücke sehr gut mit mir umgeht, mega schön.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
Das Interview mit Eva führte Anna Jäger, Sozialarbeiterin bei der Marktlücke
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Als Arbeitgeberin "ad interim" haben wir die Stärken und die besonderen Fähigkeiten unserer Mitarbeiterinnen kennengelernt. Wir haben also für Sie als Arbeitgeberin/Arbeitgeber viel Vorarbeit geleistet und können Ihnen sehr differenziert Auskunft geben.
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