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Die Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich in Russland half, Bluthochdruck und Sterblichkeit zu senken
18. Juni 2015
Tamara Yachmentseva hatte sich ein langes, glückliches Rentnerleben mit ihrem Ehemann vorgestellt. Dies war ihr jedoch nicht vergönnt. Kurz nachdem er aufgehört hatte zu arbeiten, erlitt er einen schweren Schlaganfall und starb – die ehemalige Kindergärtnerin blieb verwitwet und alleine zurück. Tamara Yachmentseva war verzweifelt, und ihre Gesundheit verschlechterte sich, bis sie einen schweren Herzinfarkt erlitt.
Sie hätte eine weitere Zahl in der Statistik werden können – wie so viele Rentner in Russland, die an Bluthochdruck und Herzproblemen sterben. Glücklicherweise meldete sie sich aber zu einem Bluthochdruckprogramm in einer Gesundheitseinrichtung in der Nähe ihres Zuhauses in Konstantinowski an. Dieses Programm habe dazu beigetragen, ihrem Leben eine Wende zu geben. Heute ist Tamara Yachmentseva einer von Tausenden von Menschen in der russischen Region Jaroslawl, die von einer innovativen Zusammenarbeit zwischen der lokalen Gesundheitsbehörde und Novartis profitieren. Diese hat das Ziel, die hohe Sterblichkeit durch Schlaganfälle und Herzkrankheiten zu senken.
Das Programm startete 2011 und veränderte die Art und Weise, wie die Gesundheitsversorgung in der Region erbracht wird. Seit Beginn des Programms konnten in der Region die Todesfälle durch Schlaganfälle um 27% und durch Herzinfarkte um 12% gesenkt werden. Die Hospitalisierung von Bluthochdruckpatienten sank um 16%.
«Heute erfreuen sich noch Tausende von Menschen ihres Lebens, die andernfalls gestorben wären», so Dr. Sergey Eregin, Chefkardiologe für die Region Jaroslawl, der das Programm seit seinem Start beaufsichtigt. «Das sind wirklich beeindruckende Zahlen.»
Dr. Sergey Eregin, Chefkardiologe für die russische Region Jaroslawl, überwachte das von Novartis gesponserte Bluthochdruckprogramm, an dem etwa 40 regionale Kliniken beteiligt waren.
Dr. Evgeniy Bybihin führt eine morgendliche Untersuchung eines Patienten durch, der am Bluthochdruckprogramm im Veteranen-Krankenhaus von Jaroslawl, Russland, teilnimmt.
Eine Gruppe von Bluthochdruckpatienten trainiert im Veteranen-Krankenhaus von Jaroslawl, Russland. Regelmässiger Sport ist eine wichtige Komponente des Bluthochdruckprogramms in Jaroslawl.
Nikolay Platonov, 83, diente in der Sowjetarmee. Er macht auch heute noch eine Reihe von Turnübungen, die er damals gelernt hat, als er noch seine Uniform trug.
Die Platonovs – Nikolay und seine Frau Galina Vasilevna – nehmen beide am Bluthochdruckprogramm in Jaroslawl teil. Sie achten sorgfältig darauf, was sie essen, und treiben täglich Sport, weil sie gesünder leben wollen.
Die regelmässige Blutdruckmessung ist eine wichtige Komponente des Bluthochdruckprogramms. Galina Vasilevna kontrolliert ihren Blutdruck zu Hause, kommt aber auch zu regelmässigen Untersuchungen ins Krankenhaus von Jaroslawl.
Tamara Yachmentseva, eine pensionierte Lehrerin, erlitt kurz nach ihrer Pensionierung vom Kindergarten in Konstantinowski, den sie gegründet hatte, einen Herzinfarkt. Sie nimmt am Bluthochdruckprogramm in Jaroslawl teil und arbeitet wieder Teilzeit im Kindergarten.
Tamara Yachmentseva sagt, das Bluthochdruckprogramm habe ihr wieder neuen Schwung gegeben, weil es sie dazu ermuntert hat, gesünder zu leben.
Bessere und effizientere Versorgung
Das Programm in Jaroslawl zeigt, dass es möglich ist, eine ständige Herausforderung in der weltweiten Gesundheitsversorgung anzugehen: Selbst wenn die neuesten Medikamente und Gesundheitstechnologien verfügbar sind, kommen sie nicht jedem zugute. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Häufig hat es jedoch damit zu tun, wie Ärzte, Pflegepersonal, Patienten und Kliniken interagieren, um die Gesundheit der Menschen zu erhalten.
Heutzutage stehen Regierungen und Kostenträger in vielen Teilen der Welt vor der schwierigen Herausforderung, in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit für immer mehr Menschen – die zudem immer älter werden – eine hochwertigere Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Daher wird es zunehmend wichtiger, wirksamere Wege für die Versorgung der Menschen zu finden.
Es dauerte eine Weile, bis Patienten und medizinische Fachkräfte überzeugt werden konnten, ihr Verhalten zu ändern; dies trug jedoch dazu bei, die Behandlungsergebnisse der Patienten in der Region Jaroslawl zu verbessern. Unter anderem wurde das medizinische Fachpersonal angeregt, den Blutdruck der Patienten regelmässig zu messen und die Menschen über die Ursachen des Bluthochdrucks aufzuklären. Die Patienten änderten ihren Lebensstil, indem sie ihre Ernährung umstellten und regelmässig Sport trieben, ihren Alkohol- und Tabakkonsum verringerten sowie ihr Gewicht und ihren Blutdruck zu Hause selbst überwachten.
«Die Herangehensweise von medizinischen Fachkräften und Patienten gleichermassen zu verändern, ist keine Kleinigkeit», erklärt Thomas Hach, Senior Director, Healthcare Systems, Novartis.
Als das Programm begann, war bereits klar, vor welcher Herausforderung die Gesundheitsversorgung stand. Die offizielle Sterblichkeit durch Schlaganfälle und Herzkrankheiten in Russland war fünfmal so hoch wie der Durchschnitt in Ländern, die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehören. Die Lebenserwartung in Jaroslawl stagnierte auf dem Niveau der 1960er-Jahre: Bei Frauen betrug sie durchschnittlich 72 Jahre, bei Männern lediglich 64 Jahre. Regierungsvertreter luden Novartis ein, mit der regionalen Gesundheitsbehörde in Jaroslawl zusammenzuarbeiten, um ein Programm zur Senkung des Bluthochdrucks zu entwickeln.
Das Programm begann in einem Herzzentrum in der Stadt Jaroslawl, der Hauptstadt der Region. Durch das persönliche Eingreifen des Gouverneurs der Region wurde sichergestellt, dass die Unterstützung seitens der Politik für die Umsetzung des Programms vorhanden war.
Die Arbeiten begannen mit einer weitreichenden diagnostischen Studie mit nahezu 2 000 Patienten um herauszufinden, wie deren Blutdruck behandelt wurde. Forscher führten eingehende Befragungen von über 500 Patienten durch, um besser zu verstehen, wie diese selbst über ihre Krankheit und deren Behandlung dachten.
Anhand der Ergebnisse konnte ein Team von Novartis einen umfassenden Plan erstellen, um die Grundursachen für die unzureichende Blutdruckkontrolle in Jaroslawl anzugehen. Klinische Behandlungsrichtlinien wurden aktualisiert und an die nationalen Standards angeglichen sowie anschliessend an alle Kliniken in der Region verschickt. Werbematerialien und Schulungen für medizinische Fachkräfte informierten über das Programm.
Heute erfreuen sich noch Tausende von Menschen ihres Lebens, die andernfalls gestorben wären.
Zunächst wurden über 500 Ärzte in nahezu 40 Kliniken in der gesamten Region rekrutiert. Danach wurden eine öffentliche Aufklärungskampagne mit TV-Werbespots sowie eine Plakataktion an städtischen Gebäuden und im öffentlichen Verkehr und mit Aussenwerbung lanciert, über die viele tausend Patienten rekrutiert wurden.
Tamara Yachmentseva profitierte als eine der ersten davon. Sie begann mit regelmässigen medizinischen Untersuchungen und überwachte ihren Blutdruck zweimal täglich. Sie meldete sich zu Sportkursen an und erhielt Ernährungsberatung – sie senkte ihren Salz- und Fettkonsum und ass dafür mehr frisches Obst und Gemüse.
«Ich treibe Sport, ich achte darauf, was ich esse, und ich arbeite sogar wieder Teilzeit im Kindergarten», erklärt sie. «Ich fühle mich so gut wie schon seit Jahren nicht mehr.»
Auch die medizinischen Fachkräfte müssen überzeugt werden
Allerdings mussten nicht nur die Gewohnheiten der Patienten verändert werden. Dr. Eregin selbst erlebte während des Programms einen Weckruf, nachdem ein Kollege seinen Blutdruck gemessen hatte. Der ehemals starke Raucher war von den Ergebnissen geschockt.
«Ehrlich gesagt war ich überzeugt, dass die Werte falsch sind», sagt Dr. Eregin. «Ich habe sogar den Hersteller des Messgerätes um eine Neukalibrierung gebeten. Aber sie sagten, es sei völlig in Ordnung – es war mein Blutdruck, mit dem etwas nicht stimmte!»
Der Arzt sagt, dass auch er nun von seiner Teilnahme am Bluthochdruckprogramm profitiert.
«Ich habe ein paar Kilo zugelegt, als ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Aber ich treibe regelmässig Sport, und ich fühle mich gesünder», sagt Dr. Eregin. Dann ergänzt er noch, dass seiner Meinung nach seine eigenen Erfahrungen dazu beitragen können, widerstrebendere Patienten davon zu überzeugen, ihren Lebensstil zu ändern.
Erfolgreiche Zusammenarbeit
Das Programm in Jaroslawl verlief so vielversprechend, dass die Projektleiter die Ergebnisse international vorgestellt haben. Das russische Gesundheitsministerium in Moskau bezeichnet das Projekt als Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, und man erörtert nun, wie die Erfahrungen aus dem Programm auch auf andere Regionen angewendet werden können.
Für Novartis ist das Programm von Jaroslawl eine von verschiedenen Gesundheitssystem-Initiativen, die derzeit weltweit laufen. Darunter ist ein weiteres Bluthochdruckprojekt in China, ein Asthmaprogramm in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie ein Diabetesprojekt in Russland – sie alle haben das Ziel, den Patienten ein längeres Leben und eine höhere Lebensqualität zu verschaffen.
Zurück in Konstantinowski und gestärkt durch einen gesunden Snack zum Mittagessen eilt Tamara Yachmentseva zielstrebig zum städtischen Kindergarten, um ihren Nachmittagsdienst anzutreten.
Sieht man sie, wie sie mit einem Dutzend ihrer kleinen Schützlinge energiegeladen über den Spielplatz tanzt, mag man kaum glauben, dass diese lebhafte Siebzigjährige vor fünf Jahren sterbenskrank im Krankenhaus lag.