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Die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft unterstützt Forschungsprojekte auf dem Gebiet der MS mit erheblichen Mitteln. Einige dieser Projekte befassen sich mit spezifischen Aspekten der Wirkung bereits zugelassener Therapien. Solche Untersuchungen könnten unter anderem dazu beitragen, die Wirksamkeit einer Behandlung zu verbessern oder für bestimmte Gruppen von Betroffenen die individuell optimale Therapie auszuwählen.
Akute Schübe einer MS werden hauptsächlich mit Kortison behandelt. Nicht immer sprechen die Betroffenen aber gut auf diese Therapie an, was im Laufe der Zeit zu zunehmenden Beeinträchtigungen und negativen Auswirkungen auf das tägliche Leben führen kann. PD Dr. Robert Hoepner und Dr. Maud Bagnoud, Universitätsspital Bern, konnten an Zellkulturen und im Tiermodell zeigen, dass Vitamin D das Potenzial hat, die Wirksamkeit von Kortison bei der Behandlung von akuten MS-Schüben zu verbessern. Sie stellten zudem fest, dass Vitamin D nur dann einen positiven Effekt hatte, wenn T-Zellen (ein Typ von Immunzellen, der bei MS eine wichtige Rolle spielt) an ihrer Oberfläche bestimmte Bindungsstellen (Glukokortikoid-Rezeptoren) aufwiesen, an die auch Kortison bindet.
Weitere Untersuchungen machten deutlich, dass Vitamin D für seinen Effekt nicht direkt die Glukokortikoid-Rezeptoren nutzte, sondern einen spezifischen Rezeptor für Vitamin D. Dieser war jedoch nur auf denjenigen Zellen zu finden, die gleichzeitig Glukokortikoid-Rezeptoren trugen. PD Dr. Hoepner und Dr. Bagnoud haben es sich zum Ziel gesetzt, das Zusammenspiel von Kortison und Vitamin D nun noch genauer zu erforschen.
Ebenfalls am Universitätsspital Bern beschäftigt sich Dr. Maximilian Pistor und sein Team unter anderem mit der Frage, ob MS-Medikamente wie Fingolimod (Gilenya®) bei Männern und Frauen gleich gut wirksam sind und welche Gründe es für allenfalls beobachtete Unterschiede geben könnte. Fingolimod verhindert, ebenso wie Siponimod (Mayzent®) und Ozanimod (Zeposia®), dass der Botenstoff Sphingosin-1 Phosphat (S1P) an seine Bindungsstellen an den Immunzellen bindet. Bekannt ist bisher, dass der S1P-Spiegel, zumindest teilweise, durch das Geschlechtshormon Östrogen beeinflusst wird.
Basierend auf der Analyse der Krankengeschichten von über 600 Menschen mit MS konnte Dr. Pistor zeigen, dass es zumindest in der Anfangsphase der Therapie einen gewissen Einfluss des Geschlechts auf die Wirksamkeit gibt, welcher dann auch insbesondere bei Frauen unter 45 Jahren am grössten ausgeprägt war.
Dies kann möglicherweise daran liegen, dass der S1P-Spiegel im Blut geschlechtsabhängig ist und bei Frauen deutlich höher als bei Männern ausfällt. Die genaue Verbindung dieser Beobachtung soll nun weiter untersucht werden.