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Roman Josi ist noch im Rennen um die Auszeichnung zum besten NHL-Verteidiger der Saison. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass der Berner die Trophäe tatsächlich auch verdient hätte.
Seit gestern ist es offiziell: Roman Josi ist einer der drei Finalisten im Rennen um die James Norris Memorial Trophy, der Auszeichnung zum besten Verteidiger der NHL-Saison. Oder genauer gesagt: «Die Auszeichnung für den Verteidiger, der über die ganze Saison die besten Allround-Fähigkeiten beweist», wie die offizielle Definition lautet.
Nun geht diese Trophäe dieses Jahr also entweder an Josi oder an John Carlson (Washington Capitals) oder Victor Hedman (Tampa Bay Lightning). Es dürfte auf einen Zweikampf zwischen Josi und Carlson rauslaufen. Der Schweizer hat gute Chancen, tatsächlich den Pokal abzustauben – sicher ist es aber noch längst nicht. Wir sagen dir, warum.
Tore und Assists. In den letzten Jahren wurde der Sieger der Norris Trophy oft nur daran gemessen. Es ist zwar durchaus ein wichtiger Teil, denn zu den besten Allround-Fähigkeiten gehört natürlich auch der offensive Output dazu. Doch es ist ein relativ eindimensionaler Blick.
Wenn es danach geht, hat John Carlson die Trophäe praktisch schon in der Tasche. Der US-Amerikaner legte vor allem eine wirklich fantastische erste Saisonhälfte hin und skorte am Laufmeter. Danach brach seine Produktion etwas ein. Dennoch: Mit seinen 75 Punkten können weder Josi noch Hedman mithalten.
Allerdings muss man dabei immer auch die Umstände betrachten. Josi spielte ebenfalls eine starke Saison und zwar in einem nominell schlechter besetzen Team als Carlsons Washington. Beide Verteidiger waren Topskorer ihres Teams. Josi hatte 17 Punkte Vorsprung auf Filip Forsberg, bei Carlson waren es acht Punkte auf Alex Owetschkin.
Die Skorerpunkte des Schweizer Verteidigers waren also für sein Team wichtiger und auch schwerer zu sammeln, als es bei Carlson der Fall war. So kamen 22 von Carlsons Assists bei Tore von Owetschkin zusammen, wo er in den meisten Fällen den Puck nur quer legen musste und der Russe mit seinem gefährlichen Schuss für den Rest sorgte. In Nashville erhielt Forsberg mit zehn die meisten Assists von Josi. Die anderen Vorlagen des Schweizers sind ziemlich gleichmässig auf zehn weitere Spieler verteilt.
Josi ist für die Produktion von Nashville viel wichtiger als Carlson für jene der Capitals. Das sieht man auch in der obenstehenden Grafik von Hockey-Analyst Micah Blake Mccurdy. Mit Josi generieren die Predators rund 17 Prozent mehr Torchancen als der Ligadurchschnitt. Ohne Josi fällt der Wert auf zwei Prozent unter Ligadurchschnitt. Mit Carlson kommt Washington auf acht Prozent Chancen über Ligadurchschnitt, ohne ihn sind es aber auch immer noch fünf Prozent darüber.
Ein Verteidiger muss natürlich auch verteidigen können. Nur ist das viel schwieriger zu messen als Tore und Assists, denn die Plus-Minus-Bilanz lässt kaum brauchbare Aussagen darüber zu.
Zumindest eine gewisse Aussagekraft haben aber Possession-Metrics wie Corsi oder Expected-Goals-Statistiken. Dort zeigt sich, dass Hedman von den drei verbliebenen Kandidaten wohl der verlässlichste Spieler in der eigenen Zone ist. Weil beim Schweden aber die offensive Produktion weit weg von Carlson und Josis Level ist, konzentrieren wir uns weiterhin auf das Duell zwischen dem Schweizer und dem US-Amerikaner.
Carlson zog eine schwache Defensiv-Saison ein. Wäre er jeweils die vollen 60 Minuten auf dem Eis gestanden, hätten die Capitals drei Tore pro Spiel kassiert. Das ist leicht über dem Expected-Goals-Wert von 2,7 Toren pro 60 Minuten, vor allem aber ist es deutlich über den Werten von Josi.
Die Predators kassieren mit Roman Josi auf dem Eis pro 60 Minuten 2,08 Tore. Laut den Expected Goals hätten es zwar 2,3 Gegentore sein müssen, beide Werte sind aber deutlich besser als die von Carlson. Josi gehört sicherlich nicht zu den allerbesten Defensivverteidigern der NHL. Aber er war diese Saison in der eigenen Zone deutlich stärker als Carlson.
Zum Transition Game gehören Zone Exits – also wie oft ein Spieler die Scheibe kontrolliert oder unkontrolliert aus der eigenen Zone bringt – und Zone Entries – wie oft der Spieler die Scheibe kontrolliert oder unkontrolliert in die gegnerische Zone bringt.
In beidem gehört Josi zur absoluten Ligaspitze, wie «The Athletic» kürzlich analysiert hat. Carlson und Hedman können da nicht mit dem Schweizer mithalten. Insbesondere beim Eindringen in die gegnerische Zone ist der Berner absolute Ligaspitze. Nicht einmal Superstar Connor McDavid kommt auf so gute Werte.
Laut der Analyse von «The Athletic» fährt Josi pro 60 Minuten Eiszeit 12,8 Mal im Scheibenbesitz in die Offensivzone. Das ist mehr als doppelt so viel wie der nächstbeste Verteidiger, Washingtons Dmitri Orlow. Das führt wiederum dazu, dass der 30-jährige Josi pro Spiel während rund zweieinhalb Minuten in der Offensivzone an der Scheibe ist. Das macht ihn gefährlich, sorgt aber auch dafür, dass der Puck weit weg vom eigenen Tor ist.
Von allen drei Kandidaten für die Norris Trophy bringt Josi sicherlich das kompletteste Paket mit. Er ist offensiv stärker als Victor Hedman und defensiv deutlich verlässlicher als John Carlson. Er müsste als Favorit in die Wahl gehen.
Am Ende sind es aber Journalisten der Professional Hockey Writers' Association, die die Trophäen-Gewinner bestimmen. Und da haben sich nicht alle gleich gut mit den Stärken und Schwächen der nominierten Spieler auseinandergesetzt. Deshalb wird oft einfach mit dem Blick auf die klassischen Statistiken (Tore, Assists, Plus-Minus) entschieden. Und dann hätte Carlson wieder die Nase vorne.
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