Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03643.jsonl.gz/2472

Das Schallsignal, das unser Ohr aufnimmt, wird normalerweise in der Hörschnecke (lateinisch Cochlea) von den Haar-Sinneszellen in Nervenimpulse umgewandelt. Die Folge von Nervenimpulsen wird im Gehirn verarbeitet, es entsteht ein Höreindruck. Wenn bei einer Schwerhörigkeit die Haarzellen geschädigt sind, können keine Signale mehr an die Nervenzellen weitergegeben werden. Ist der Hörnerv nicht geschädigt, kann dieser über ein Cochlea-Implantat (CI) direkt stimuliert werden. Kernstück des Implantats ist ein Elektrodenträger, der in die Hörschnecke eingeführt wird und dort die vorhandenen Nervenzellen elektrisch anregt. Darin liegt auch der wesentliche Unterschied zum Hörgerät: Das Hörgerät verstärkt den aufgenommenen Schall akustisch und ist auf eine Restfunktion der Haarzellen angewiesen, das Cochlea-Implantat hingegen stimuliert elektrisch direkt die Nervenzellen.
Das Cochlea-Implantat-System besteht aus zwei Teilen: dem bei der Operation implantierten Teil mit dem Elektrodenträger in der Hörschnecke, und dem äusseren Teil, dem Soundprozessor, der wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen wird. Das Mikrofon des äusseren Teils nimmt den Schall auf, leitet diesen an den Prozessor weiter, der die Schallinformationen in eine Reihe von elektrischen Impulsen umwandelt und diese drahtlos über eine Sendespule durch die Haut an das Implantat sendet. Das Implantat stimuliert entsprechende Elektroden in der Hörschnecke, die ihrerseits direkt die vorhandenen Nervenzellen anregen.
Bei gehörlos geborenen Kindern wird das Hörproblem häufig durch den Neugeborenen-Hörtest festgestellt, welcher üblicherweise in den ersten Lebenswochen stattfindet. Durch eine frühe Implantation kann die Zeit der Hirnreifung und damit der Sprachentwicklung genutzt werden. Bei Kindern, die nach der Geburt ertaubt sind, sollen baldmöglichst Abklärungen im Hinblick auf ein Cochlea-Implantat durchgeführt werden. Wird eine Hörstörung vermutet, so werden verschiedene Hörprüfungen vorgenommen. Bestätigt sich eine bedeutende, beidseitige Innenohr-Schwerhörigkeit, so erfolgt zunächst eine probeweise Hörgeräteanpassung über einige Monate sowie eine audiopädagogische Betreuung. Wird durch die Eltern, die Audiopädagogin und die behandelnden Ärzte und Ärztinnen zu wenig Nutzen der Hörgeräte erkannt, so werden mit allen Beteiligten Gespräche über eine mögliche Cochlea-Implantat Versorgung geführt.
Bei Erwachsenen wird eine Reihe von speziellen Hörprüfungen durchgeführt, um den Hörverlust zu messen, das Sprachverstehen mit dem aktuell verwendeten Hörgerät einzuschätzen und den Erfolg eines späteren Cochlea-Implantats abschätzen zu können. Erwachsene, welche seit früher Kindheit taub sind, kommen in der Regel nicht als Cochlea-Implantat Träger oder Trägerin in Frage, da bei ihnen das Gehirn die Klänge nicht verarbeiten kann.
Eine Kernspintomogramm (MRI) des Innenohres und des Hörnervs sind die weiteren Abklärungsschritte, welche Hinweise geben, ob eine Cochlea-Implantat Operation möglich und sinnvoll ist.
Bei Kindern erfolgen gewisse Abklärungen in Narkose. Logopädische Untersuchungen über mögliche Störungen in der Sprachentwicklung ergänzen bei Kindern die Abklärung.
Ausführliche Gespräche mit dem Patienten oder der Patientin und ihren Angehörigen sollen die Chancen und Grenzen einer Cochlea-Implantat Versorgung aufzeigen. Nach dem Entscheid zur Operation werden die IV (Invalidenversicherung) oder die AHV und die Krankenkasse über den geplanten Eingriff informiert und die Kostenübernahme beantragt.
Anlaufstelle für Eltern ist die Erstberatungsstelle des Kantons Zürich für Familien mit einem hörbeeinträchtigten Kind.
Das Cochlea-Implantat besteht aus zwei Teilen: den bei der Operation unter die Haut implantierten Teil mit der Elektrode in der Hörschnecke und dem äusseren Teil, dem Soundprozessor.
Diese Operation wird je nach Indikation von Ihrer Grundversicherung oder von der IV übernommen werden.
Operationsablauf
Die Operation erfolgt bei Kindern und Erwachsenen in Vollnarkose. Nach einem Hautschnitt hinter der Ohrmuschel wird das Innenohr durch Entfernen von Knochen des Warzenfortsatzes aufgesucht, eröffnet und der Elektrodenträger des Implantates eingeführt. Die Empfängerspule wird in einer Vertiefung im Knochen verankert. In seltenen Fällen ist es notwendig den äusseren Gehörgang und die Ohrtrompete zu verschliessen. Die Funktionsfähigkeit des Implantates und die Reaktionen des Hörnervs werden in der Regel bereits während der Operation geprüft. Anschliessend wird die Operationswunde verschlossen. Durch das Einsetzen des Elektrodenträgers kommt es in der Regel zum Verlust der akustischen Resthörfähigkeit.
Mögliche Komplikationen der Operation
Medizinische Eingriffe, Untersuchungen oder Operationen am menschlichen Körper beinhalten immer, trotz der Einhaltung aller vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen und der medizinischen Kompetenz, ein gewisses Komplikationsrisiko.
Frühkomplikationen
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff besteht trotz Einhalten aller Sterilitätsmassnahmen das Risiko für eine Wundinfektion. Ebenfalls kann es trotz Verödung und Verschluss aller Gefässe während der Operation zu einer Nachblutung im Operationsgebiet kommen. In seltenen Fällen kann ein Ohrgeräusch (Tinnitus) auftreten oder verstärkt werden oder vorübergehende Schwindelbeschwerden ausgelöst werden. Aufgrund von Veränderungen im Innenohr ist es möglich, dass der Elektrodenträger nicht vollständig ins Innenohr eingeschoben werden kann oder die Spitze beim Einführen umgefaltet wird. Durch den operativen Zugang kann es zu einer Geschmacksstörung kommen. In der Regel heilt die Operationswunde hinter dem Ohr schnell ab. Es können jedoch in seltenen Fällen Wundschmerzen oder eine Gefühlsstörung sowie eine verstärkte Vernarbung auftreten.
Spätkomplikationen
Zu den Spätrisiken gehören technischer Implantatdefekt und Infektion.
Schwerwiegende Komplikationen (selten)
Aufgrund der heutigen Operationstechniken und der Sicherheitsmassnahmen ist eine Gesichtsnervenlähmung äusserst unwahrscheinlich, ebenso das Risiko für Hirnwasserfluss (Liquorroe) aus der Wunde oder aus der Nase. Aufgrund einer fortschreitenden Infektion entlang des Implantates könnte eine Hirnhautentzündung auftreten. Durch eine Infektion, ein Unfall oder eine Wundheilungsstörung kann es zu einer Implantatabstossung kommen.
Im Spital
Zu Hause
Der Erfolg der Cochlea-Implantat-Implantation hängt wesentlich von der Nachbetreuung durch kompetentes Fachpersonal und einer konsequenten Schulung der Höreindrücke (Hör- und Sprachtraining) ab. Nach der Erstanpassung erfolgen wiederholte Kontrollen zur Optimierung des Soundprozessors in unserem Cochlea-Implantat-Zentrum.
Bei Kindern ist eine enge Zusammenarbeit von Eltern, Betreuenden, Lehrpersonen Audiopädagogen und Audiopädagoginnen über viele Jahre eine Grundvoraussetzung. Ein intensives Sprachtraining macht es dem Gehirn möglich, das Hören und durch die Sprachentwicklung, das Sprechen zu erlernen. Dazu benötigen alle Beteiligten Zeit und Geduld. Kinder mit Cochlea-Implantaten können Lautsprache, Bildung und Integration auf verschiedenen Wegen erreichen: in Schwerhörigen- oder Gehörlosenschulen, aber auch in der Regelschule mit zusätzlicher Therapie und Unterstützung.
Erwachsene, die vor der Ertaubung hören und sprechen konnten, benötigen ebenfalls eine mehr oder weniger lange Eingewöhnungsphase, bis auch sie Sprache wieder verstehen können. Dazu empfiehlt es sich sehr, ein regelmässiges Hörtraining zu machen. Dieses findet bei einer anerkannten Audioagogin oder einem Audioagogen (Hörtherapierende) in der Nähe des Wohnortes statt. Das Ziel ist eine individuelle Förderung zur Unterstützung der Hörentwicklung und der Kommunikations- und Interaktionsfähigkeiten. Dies beinhaltet Vokal-Konsonanten-Übungen, Silbenübungen, Zahlen- und Einzelwortverständnis, Hören und Zuordnen von Geräuschen und Klängen, Hören und Verstehen sachbezogener Sätze und Texte, Telefontraining, themenzentrierte Gespräche, und Einsatz technischer Hilfsmittel. Das Hörtraining wird zusammen mit dem CI-Prozessor beim Kostenträger (IV/Versicherung) beantragt.
Sie können sich als Patientin oder Patient nicht direkt zu einer Konsultation anmelden. Bitte lassen Sie sich durch Ihren Hausarzt, Ihre Hausärztin, Ihren Spezialisten oder Ihre Spezialistin überweisen. Für Fragen nutzen Sie unser Kontaktformular.
Universitätsspital Zürich
CI-Zentrum
Klinik für ORL
Frauenklinikstrasse 24
8091 Zürich