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04.12.2015. Hydrologischer Spezialbericht des Bundesamtes für Umwelt BAFU Die Sommermonate Juli und August 2015 bleiben als aussergewöhnlich trocken und heiss in Erinnerung. Auch im Herbst fielen insbesondere auf der Alpennordseite für die Jahreszeit deutlich unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen. So verzeichneten viele Gegenden der Schweiz in der Zeit vom 29. Oktober bis zum 20. November überhaupt keine Niederschläge. Aus hydrologischer Sicht sind vor allem die für die Jahreszeit aussergewöhnlich tiefen Wasserstände der Flüsse, der Seen und des Grundwassers bemerkenswert. Besonders ausgeprägt zeigte sich die Situation Mitte November im Mittelland und im Jura. Hier sind die Wasserstände und Abflüsse an einigen Orten bereits seit Ende Juni unterdurchschnittlich.
Wasserstände auf der Alpennordseite mit saisonalen Tiefstwerten
Seit Ende Juni 2015 fiel in weiten Teilen der Schweiz aussergewöhnlich wenig Niederschlag. Die daraus resultierende Trockenheit wirkte sich sichtbar auf die Wasserstände der Gewässer aus.
Beschränkte sich die Niedrigwassersituation zu Beginn auf die schneller reagierenden kleineren und mittleren Fliessgewässer, so waren ab Mitte Juli zunehmend auch grosse Flüsse wie die Aare, die Limmat, die Reuss, die Thur und der Rhein betroffen. An zahlreichen Messstationen wurden Abflüsse beobachtet, wie sie statistisch gesehen nur einmal alle 2-10 Jahre vorkommen. In einigen Regionen wurden von den lokalen Behörden Einschränkungen und Verbote bezüglich Wasserentnahmen aus Fliessgewässern ausgesprochen.
Zunehmend wiesen auch zahlreiche Seen deutlich unterhalb der saisonalen Norm liegende Pegelstände auf. Dies betraf insbesondere den Zuger-, den Vierwaldstätter-, den Boden- und den Walensee. Am Zürich- und am Pfäffikersee wurden im August und September gar neue Monatsminima aufgezeichnet. An den Jurarandseen, sowie am Thuner- und Brienzersee blieben die Wasserstände allerdings im saisonalen Normbereich. Ebenso wiesen die von den Gletschern gespiesenen Flüsse in den Alpen mehrheitlich für die Jahreszeit übliche oder gar erhöhte Abflusswerte auf.
Niederschlagssumme Juli bis November 2015 in Prozent des langjährigen Durchschnitts (Quelle: MeteoSchweiz)
Als Folge einiger Niederschläge war von Ende September bis Mitte Oktober vorübergehend eine leichte Entspannung der Niedrigwassersituation zu verzeichnen. Wenn auch die Abflüsse verbreitet unterdurchschnittlich blieben, kamen die meisten Seestände allmählich wieder in den Bereich des langjährigen saisonalen Mittels zu liegen.
Eine erneute Akzentuierung der Niedrigwassersituation wurde anschliessend während der ausgeprägten Trockenperiode ab Ende Oktober festgestellt. Obwohl die Wasserstände um diese Jahreszeit natürlicherweise eher tief sind, war die Situation dieses Jahr ausgeprägter. So wurden Mitte November an zahlreichen Fliessgewässern im Jura und im Mittelland Abflüsse im Bereich der langjährigen saisonalen Minima gemessen. Bei etwa einem Fünftel der hydrometrischen Messstationen in den betroffenen Landesteilen wurden Wassermengen registriert, wie sie statistisch gesehen weniger als einmal in 10 Jahren zu erwarten sind. Einzelne Bäche und Flussabschnitte, wie beispielsweise der Oberlauf der Töss, sind gar vollständig trocken gefallen, lokal mussten Gewässer ausgefischt und Fische umgesiedelt werden.
Entlang von Aare, Reuss und Limmat, wie auch am Hochrhein zwischen der Aaremündung und Basel wurden Abflussmengen gemessen, die nur rund der Hälfte des jahreszeitüblichen Wertes entsprachen. An den besonders stark betroffenen Flüssen Thur, Töss und Glatt waren die Abflüsse sogar noch deutlich geringer, ebenso an der Emme. Zudem wurden ab Mitte November zunehmend auch die Voralpen und das Südtessin von der Niedrigwassersituation erfasst.
Ebenfalls wies die Mehrheit der Seen wieder deutlich unterdurchschnittliche Werte auf. Dies betraf nun zusätzlich auch den Brienzersee, die Jurarandseen und den Lago di Lugano. Am Sarner- und am Zürichsee wurden neue Novembertiefststände erreicht. Die Pegelstände des Ägeri- und des Pfäffikersees waren so tief wie noch nie seit Messbeginn 1974, respektive 1987.
Niedrigwasser 2015 - Neue Monatsminima (PDF, 414 kB, 04.12.2015)Neue Tiefstwerte an BAFU-Messstationen
Die Niederschläge ab dem 20. November auf der Alpennordseite und im Wallis führten zwar insbesondere an den kleinen und mittleren Fliessgewässern zu einer Entschärfung der Niedrigwassersituation, sodass die Abflussmengen wieder über den Mitte November registrierten Minimalwerten liegen. Für eine nachhaltige Erholung der Pegelstände auch an den grossen Flüssen und den Seen braucht es allerdings weitere länger anhaltende, flächige Niederschläge über mehrere Tage. Ob sich die Niedrigwassersituation während der kommenden Wintermonate wieder verschärfen oder entspannen wird, hängt also von der weiteren meteorologischen Entwicklung ab. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch, welcher Anteil der Niederschläge in Form von Schnee fallen wird. Wird im Falle eines kalten Winters ein grosser Teil der Niederschläge als Schnee gelagert, würden viele Bäche und Flüsse erst ab Beginn der Schneeschmelze wieder höhere Abflüsse verzeichnen. Ein milder und regnerischer Winter hingegen könnte bis zum Frühling für übliche Verhältnisse sorgen.
Antworten zu den Konsequenzen der Trockenheit für die Natur:
Verbreitet tiefe Grundwasserstände und Quellschüttungen
Nachdem Ende Mai 2015 noch hohe Grundwasserstände und Quellschüttungen vorlagen, sanken diese infolge der anhaltend geringen Niederschlagsmengen kontinuierlich ab. Während im Sommer immer noch normale Grundwasserstände und Quellschüttungen zu verzeichnen waren, resultierten im Herbst im Zuge der andauernden Trockenheit tiefe Grundwasserstände und Quellschüttungen. Im Jura und Mittelland wurden für Oktober und November teilweise neue Tiefststände seit Messbeginn registriert. Auf der Alpensüdseite verblieben die Grundwasserstände infolge der Niederschläge im September und Oktober in einem der saisonalen Norm entsprechenden Bereich.
Im Sommer lagen die Grundwasserstände und Quellschüttungen im Vergleich zum Hitzesommer 2003 höher, im Herbst dagegen im Zuge der anhaltenden Trockenheit tiefer. Die Quellschüttungen von vor allem oberflächennahen Quellen sowie in Gebieten mit Lockergesteinen und Karst-Festgesteinen waren im Herbst aussergewöhnlich tief, einzelne Quellen versiegten sogar ganz.
Vergleich Grundwasserstand mit den Jahren 2003 und 2011
Die intensiven Niederschläge vom 20./21. November 2015 führten - zumindest momentan - zu einer Entspannung der Situation. Um jedoch wieder ein dem saisonalen Durchschnitt entsprechendes Niveau zu erreichen, ist mindestens ein Monat mit landesweit durchschnittlichen Niederschlägen notwendig.
Gewässertemperaturen im Herbst innerhalb der saisonalen Norm
Infolge der sommerlichen Hitzeperioden wurden im Juli und August hohe bis sehr hohe Wassertemperaturen in den Fliessgewässern verzeichnet und auch einige neue Höchstwerte gemessen. Nachdem auch Anfang September an zahlreichen Messstationen diesbezüglich nochmals neue Monatsmaxima beobachtet wurden, verblieben die Gewässertemperaturen im Oktober und November innerhalb des für die Saison üblichen Bereichs, wenn auch etwas über dem langjährigen Mittel. Die im November aufgezeichneten Lufttemperatur-Rekordwerte hatten somit, anders als während der Sommermonate, keine erhöhten Wassertemperaturen zur Folge. Ein wesentlicher Grund dafür besteht in der im Herbst wesentlich kürzeren Dauer der Sonneneinstrahlung.
Wie ist die Situation im Vergleich zu 2011?
Wie die Vergleichsgrafiken mit anderen Trockenjahren zeigen, ist die Niedrigwassersituation im Herbst 2015 mit jener im Herbst 2011 vergleichbar. Ähnlich zur diesjährigen Situation, blieben auch 2011 die Niederschläge zwischen dem 19. Oktober und Ende November aufgrund einer permanenten Hochdrucklage praktisch vollständig aus. Im Gegensatz zu 2011 ereignete sich allerdings auf der Alpennordseite während des gesamten Herbsts 2015 kein nennenswertes Hochwasserereignis. So verblieben die Wasserstände und Abflüsse zwischen der zweiten Junihälfte und Ende November vielerorts ohne Unterbruch unterhalb der langjährigen Mittelwerte. Während 2011 aber bereits ein ausgeprägt trockener Frühling verzeichnet wurde, war dieser 2015 jedoch niederschlagsreich und Anfang Mai führten intensive Regenfälle gar zu einem ausgedehnten Hochwasserereignis.
Vergleich Abfluss der Fliessgewässer mit den Trockenjahren 2011, 2003 und 1976
Vergleich Wasserstände der Seen mit den Trockenjahren 2011, 2003 und 1976
Aktuelle Daten im Internet
Das BAFU beobachtet und misst die Wasserstände an Schweizer Fliessgewässern und Seen sowie des Grundwassers. Die Daten sowie das aktuelle hydrologische Bulletin und das Grundwasserbulletin werden laufend aktualisiert und im Internet publiziert.
Letzte Änderung 16.12.2015