Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03471.jsonl.gz/532

- Der italienische Dirigent Arturo Toscanini kam am 25. März vor 150 Jahren zur Welt.
- Er war als Dirigent international bekannt, jedoch auch berüchtigt für seine Wutanfälle auf den Proben.
- Nur bei einem Konzert patzte der Perfektionist: als er erfuhr, dass sein New Yorker Orchester aufgelöst wird.
Der Maestro flucht
Arturo Toscanini, schmal gewachsen, buschige Augenbrauen, stechender Blick, hat wieder einmal genug. Sein Orchester, das NBC Symphony Orchestra in New York, spielt Verdis «Aida» einfach nicht so, wie der Maestro es will.
Er unterbricht, haut mit seinem langen Taktstock auf das Notenpult und schreit die Musiker an. Es gebe wahrlich überall «bestie infernali», Höllentiere, und Idioten. Auf beiden Seiten des Atlantiks.
Nicht nur in Italien, sondern auch in Amerika, wohin Toscanini ausgewandert ist, als sich in Europa der Faschismus breit macht.
Amerika nutzt die Chance
Geboren vor 150 Jahren, am 25. März 1867, kommt der neunjährige Toscanini als Jungstudent ans Konservatorium. Sein exzellentes Gehör ist der Grund dafür.
Bald dirigiert er an der Mailänder Scala, in Wien oder an den Salzburger Festspielen, sowie – als erster nicht-deutscher Dirigent überhaupt – an den Wagner-Festspielen in Bayreuth. Das ist 1930. Sechs Jahre später kehrt er Europa den Rücken und geht nach New York.
Die National Broadcasting Company packt diese Chance und gründet eigens für Toscanini ein Orchester, dem er knapp 20 Jahre lang treu bleibt. Es entstehen mehrere Zyklen mit Beethovens neun Sinfonien für Schallplatte.
Fernsehdirigent und Perfektionist
Die Aufnahmen machen Furore. Denn Toscanini ist einer der ersten, der die Tempi von Beethoven ernst nimmt. Meist sind seine Aufnahmen rascher, als die seiner romantisierend interpretierenden Kollegen. Für die NBC tritt er auch am Fernsehen auf und ist einem Millionenpublikum bekannt: Toscanini, der erste Mediendirigent.
Die Opern Verdis und Puccinis hat Toscanini teils aus erster Hand empfangen, denn beide Komponisten kennt er persönlich. Die trockene Akkuratesse und genaue Lektüre des Gesangstexts machen seine Aufnahmen, etwa der von ihm uraufgeführten «Bohème» von Giacomo Puccini, zu Referenzaufnahmen.
Puccini ist für Toscanini zeitgenössische Musik und so klingt sie auch. Frisch, unverbraucht und mit vollem Einsatz auf die Bühne gebracht.
Einmal fiel er aus dem Takt
Das NBC Orchester dirigiert er fast 20 Jahre lang. Als man ihm sagt, das Orchester stehe vor der Auflösung, erleidet Toscanini bei einem Konzert ein Blackout. Der stets auswendig dirigierende Maestro richtet bei der Musik zu Wagners «Tannhäuser» für einen Moment ein Debakel an. Die Live-Übertragung wird unterbrochen.
Toscanini dirigiert nach seinem Anfall das Konzert zwar zu Ende. Doch er, der Perfektionist, tritt danach nie mehr auf. Das Orchester wird einige Monate nach diesem Vorfall aufgelöst und alle Musiker werden entlassen. Drei Jahre später stirbt Toscanini in seinem Haus in der New Yorker Bronx.
Toscanini auf Radio SRF 2 Kultur
Toscanini in Luzern
Luzern 1938: Eigentlich wollte man Richard Strauss für die Eröffnung der ersten Luzerner Musikfestwochen. Als dieser absagte, übernahm der erklärte Antifaschist Arturo Toscanini die zwei Konzerte zum Auftakt. Und gab damit den Grundton für das heutige «Lucerne Festival» an: Hier geht's zum Artikel.