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Liebe Medienschaffende
Transgender Network Switzerland (TGNS) freut sich, dass Sie das Thema Trans* (wie in Transidentität, Transgender oder Transsexualität) der Öffentlichkeit näher bringen wollen. Eine fundierte und differenzierte Berichterstattung über Transmenschen, über deren negative und positive Lebensrealitäten unterstützt den Abbau von Vorurteilen und Ängsten und hilft Diskriminierung entgegen zu wirken. Ihre Arbeit kann damit sowohl für uns als auch für die Gesellschaft ein Gewinn sein.
Mit diesen Informationen möchte TGNS Ihnen eine sprachliche Hilfe für den medialen Umgang mit Transmenschen zur Verfügung stellen.
Selbstverständlich beantworten wir auch gerne Ihre individuellen fachlichen, sprachlichen oder anderen Fragen rund um das Thema Trans* und Geschlechtsidentität (direkter Kontakt zu Transgender Network Switzerland über ).
Wir erwarten dafür, dass Sie diese Ausführungen vorgängig gelesen haben und in diesem Sinne respektvoll berichten.
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8 häufig benutzte Formulierungen über Transmenschen…
…die zum Verständnis von Trans* überhaupt nichts beitragen – und alternative Ausdrücke.
1. Von Transfrauen wird gesprochen, als seien sie Männer und umgekehrt (Pronomen, Endungen, Namen)
- „Ein Transmann ist eine Frau, die irgendwann im Leben merkt, dass sie als Mann leben will.“ :
Alternative: „Ein Transmann ist ein Mann, der bei seiner Geburt aufgrund äußerer Merkmale für ein Mädchen gehalten wurde.“
- „Ah, meine gute Freundin ist auch ein Transmann. Ich kannte sie schon vor ihrem Coming-out.“
Alternative: „Ah, mein guter Freund ist auch ein Transmann. Ich kannte ihn schon vor seinem Coming-out.“
- „Die Weltklassestabhochspringerin Yvonne Buschbaum, die seit 2007 als Mann lebt…“
Alternative: „Balian Buschbaum, der vor seiner Transition im Stabhochsprung der Frauen Weltklasse war…“
All diese Formulierungen erwecken den Eindruck, die Person sei eigentlich das Geschlecht, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurde.
2. «Wurde als Mann / Frau / Junge / Mädchen geboren…»
Diese Formulierung vermittelt den Eindruck, dass körperliche / genitale Merkmale das Geschlecht prägen würden. Ein Baby kommt jedoch erst einmal ‚geschlechtslos’ zur Welt. Erst die Einteilung in Mädchen und Jungen, die aufgrund der Ausprägung von primären Geschlechtsorganen vorgenommen wird, markiert Babys geschlechtlich. Letztlich ist jedoch die Geschlechtsidentität, also das erlebte Geschlecht, entscheidend. Bei Transpersonen war die geschlechtliche Zuordnung bei Geburt schlicht falsch.
Alternative: wurde bei der Geburt dem männlichen / weiblichen Geschlecht zugewiesen, wurde bei der Geburt aufgrund des Körpers für einen Jungen / ein Mädchen gehalten
3. «War früher ein Mann / eine Frau»
Die Idee, dass Transmenschen früher ein anderes Geschlecht hatten, befördert den irreführenden Gedanken: „Transmenschen sind erst das eine und werden dann das andere.“ Transmenschen würden selber nie von einer Verwandlung sprechen. Sie machen lediglich sichtbar, was schon lange in ihnen steckte. Transpersonen verwandeln sich nicht, sie leben einfach das, was sie vorher schon waren. Sie leben die Identität, die sie erst dazu gebracht hat, zusagen: „Ich bin trans*“ (oder wie das jede_r für sich formulieren will).
Alternative: lebte früher als Mann / Frau
4. »Männer, die Frauen werden» / «Frauen, die Männer werden»
Noch ist kein Mittel bekannt, das aus einem Mann eine Frau machen kann oder umgekehrt. Aussagen wie diese, die nur aufs Körperliche bezogen Sinn ergeben, transportieren eindeutig die Idee, das ‚wahre‘ Geschlecht sei am Körper erkennbar. Und verkennen damit den für Trans* wesentlichen Punkt: die Identität.
Alternative: Transfrauen / Transmänner
5. «Geschlechtsumwandlung»
Es geht nicht darum, dass eine Frau durch eine OP zum Mann wird oder umgekehrt. Es geht darum, dass eine Person ihr Leben ihrer Geschlechtsidentität anpasst. Manchmal gehören körperliche Angleichungsmaßnahmen dazu, manchmal nicht.
Alternative: Geschlechtsangleichung oder Geschlechtsanpassung
6. «Transsexuelle»
Medien tun sich besonders schwer auf diesen Begriff zu verzichten, da er sehr bekannt ist. Auch viele Transmenschen benutzen ihn deshalb für sich. Der Begriff hat aber drei große Probleme: Erstens klingt er wie ‚bisexuell‘ oder ‚heterosexuell‘ und legt daher nahe, es ginge um romantische Präferenzen, um die sexuelle Orientierung. Zweitens enthält er ‚-sexuell‘, was viele auf die Idee bringt, bei Trans* ginge es in erster Linie darum, wie jemand seine Sexualität lebt. Drittens wurde der Begriff in einer Zeit geprägt, in der Trans* als schwere Persönlichkeitsstörung bezeichnet wurde. Transmenschen sind aber nicht per se krank. Dieser Auffassung wird mittlerweile auch von Expert_innen vertreten. Auch die WHO wird den Begriff in der nächsten Auflage ihres Diagnosekatalogs nicht mehr verwenden.
Alternative: Transpersonen, Transmenschen (mitunter auch: trans*, transidente oder transgeschlechtliche Menschen)
7. «Leben in ihrem Wunschgeschlecht»
Transmenschen können sich ihr Geschlecht genauso wenig wünschen oder aussuchen wie alle Anderen.
Alternative: Leben entsprechend ihrer Geschlechtsidentität
8. «Geburtsgeschlecht»
‚Geburtsgeschlecht‘ klingt danach, als wäre das es Geschlecht, mit dem eine Person geboren wird. Wenn es ein Geburtsgeschlecht gibt und ich später aber in einem anderen Geschlecht lebe, dann habe ich im Laufe meines Lebens also zwei verschiedene Geschlechter. Das würden die wenigsten Transmenschen so unterschreiben. Die meisten sehen es so, dass sie das Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, nie für sich passend fanden. Es dennoch als ‚Geburtsgeschlecht‘ zu bezeichnen, ignoriert also die Geschlechtsidentität.
Alternative: das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht
Fazit
Sprachlich rund um Trans* korrekt zu sein ist im Grunde gar nicht so schwierig. Begriffe, die nahelegen, Transmenschen wären ‚eigentlich‘ doch das Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, sind fehl am Platz. Sätze, die so klingen, als würden sich Transmenschen ihr Geschlecht aussuchen oder es wechseln, ebenfalls. (Es gibt natürlich auch Transmenschen mit wechselndem Geschlecht, aber das ist ein anderes Thema.)
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Detailliertere Informationen Medienguide
1. Die wichtigsten Grundlagen
Transmänner sind Männer und sollen konsequent als solche bezeichnet werden. Das heisst, das Pronomen lautet ‚er‘, die Anrede ‚Herr‘, das Geschlecht ‚männlich‘.
Transfrauen sind Frauen und sollen konsequent als solche bezeichnet werden. Das heisst, das Pronomen lautet ’sie‘, die Anrede ‚Frau‘, das Geschlecht ‚weiblich‘.
Dies gilt für die gesamte Lebenszeit. So war zum Beispiel eine Transfrau früher nicht ein Mann, auch wenn sie mit einem männlichen Körper geboren wurde. Beschreibungen in Anlehnung an das andere Geschlecht, wie beispielsweise „sie bewegt sich noch wie ein Mann“ oder „er ist eine Klatschtante“, sind nicht angebracht.
Dies gilt immer, es sei denn, die jeweilige Person wünscht explizit etwas anderes.
Auch Transmenschen sind Individuen. Fragen Sie, wie die entsprechende Person am liebsten bezeichnet bzw. dargestellt werden möchte. Das Spektrum der Geschlechtsidentitäten ist nicht auf Mann oder Frau beschränkt; vielleicht sieht sich Ihr Gegenüber als beides oder vielleicht weder als Mann noch als Frau?
Auch Transmenschen haben ein Recht auf Intimsphäre. Transmenschen sind nicht verpflichtet, über ihre Genitalien und eventuelle Operationen Auskunft zu geben. Was im allgemeingesellschaftlichen Umgang als distanzlos bzw. als respektlos gilt, trifft auch gegenüber Transmenschen zu.
2. Angabe der Geschlechtsidentität nur mit Einverständnis
Ist die Information, dass eine Person trans* ist, wirklich für den Bericht relevant? Wenn nicht, lassen Sie sie weg.
- Ist die Person ausdrücklich damit einverstanden, dass ihre Geschlechtsidentität in den Medien öffentlich preisgegeben wird? Wenn nicht, respektieren Sie diese Privatsphäre. Fremdoutings sind äusserst respektlos und verletzend.
3. Die wichtigsten Begriffe
Geschlecht: Die Klassifizierung von Menschen in weiblich oder männlich. Bei Geburt wird einem Säugling ein Geschlecht zugeordnet. Das zugeordnete Geschlecht kommt auch in die Geburtsurkunde. Trotzdem ist das Geschlecht eines Menschen aber eine Kombination aus körperlichen Merkmalen inklusive Chromosomen, Hormonen, internen und externen Geschlechtsmerkmalen, Fortpflanzungsorganen, sekundären Geschlechtsmerkmalen sowie der Geschlechtsidenität.
Geschlechtsidentität: Das tiefe innere Wissen über das Geschlecht. Bei Transmenschen entspricht die Geschlechtsidentität nicht dem ihnen bei Geburt zugeordneten. Geschlechtsidentität ist nicht nach aussen sichtbar.
Geschlechtsausdruck: Als Geschlechtsausdruck bezeichnet man die äusserlichen Erscheinungsformen eines Menschen, ausgedrückt etwa durch Namen, Pronomen, Kleidung, Haarschnitt, Verhalten, Stimme oder Körpermerkmale. Die Gesellschaft teilt diese Erscheinungsformen in männlich und weiblich ein, obwohl sich der Geschlechtsausdruck im Laufe der Zeit und von Kultur zu Kultur ändern kann.
Trans*: Von Trans* spricht man bei Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht dem Geschlecht entspricht, dem sie bei Geburt zugeordnet wurden. Trans* ersetzt Begrifflichkeiten wie Trans-Identität oder Transgender. Der Begriff ‚Transsexualität‘ wird von vielen Expert_innen inzwischen nicht mehr verwendet, da er eng mit der Psychopathologisierung von Trans* verknüpft ist.
Transgender: Oberbegriff für alle Transmenschen (so verwendet in Transgender Network Switzerland). Wird mitunter auch verwendet für:
- Menschen, für deren Geschlechtsidentität das Zweigeschlechtermodell nicht ausreicht;
- Transmenschen, die keine oder nicht alle medizinischen Massnahmen wünschen.
Transfrau: Frau, die mit einem biologisch männlichen Körper geboren wurde, sich aber als Frau identifiziert.
Transmann: Mann, der mit einem biologisch weiblichen Körper geboren wurde, sich aber als Mann identifiziert.
Crossdresser / Transvestit: Mensch, der sich zeitweise entsprechend der Rolle, die nicht seinem zugewiesenen Geschlecht entspricht, kleidet. Crossdresser leben meistens in der Rolle des Geschlechts, das ihnen bei Geburt zugewiesen wurde.
Transition: Das bei Geburt zugeordnete äussere Geschlecht zu ändern und dem Inneren anzupassen ist ein komplexer Prozess über eine lange Zeit. Der Begriff Transition umfasst die verschiedenen persönlichen, medizinischen und rechtlichen Schritte.
4. Trans* hat nichts zu tun mit …
- Sexualität
- Sexueller Orientierung, d. h. von wem sich ein Mensch sexuell angezogen fühlt. Ein Transmensch kann genauso gut homo-, bi- oder heterosexuell sein wie jeder andere.
- Inter* / Intergeschlechtlichkeit
5. Angemessene Bezeichnungen und zu vermeidende Begriffe
In einer kurzen Übersicht finden Sie hier Begriffe, die nicht angebracht sind, mit jeweils verschiedenen positiven Alternativen dazu.
|Angemessene Bezeichnungen||Zu vermeidende Begriffe|
|Transmensch, Transgender, Transmann, Transfrau, Transperson (bzw. Selbstbezeichnung der porträtierten Person: bitte nachfragen)||Abwertend: Transe, Mann-Weib, ehemaliger Mann / ehemalige Frau, Tranny, Shemale. Andere Phänomene: Transvestit, Drittes Geschlecht.|
|Cisfrau / Cismann||normaler Mann, richtiger Mann / normale Frau, richtige Frau|
|Geschlechtsangleichung bzw. -anpassung, körperliche Angleichung bzw. Anpassung||Geschlechtsumwandlung, -änderung, Verwandlung, Mutation, umbauen, umoperieren|
|Genetisches Geburtsgeschlecht oder biologisches Geburtsgeschlecht, bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht||Ursprüngliches Geschlecht|
|bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht||Ursprüngliches Geschlecht, biologisches Geschlecht, eigentliches Geschlecht|
|Geschlechtsidentität||Wunschgeschlecht, Gegengeschlecht, anderes Geschlecht, neues Geschlecht|
|geschlechtsneutrale Formulierungen: Kind, Teenager, Person, Mensch||Mädchen, Tochter, Jugendliche u. ä. für einen Transmann / Jungen; Sohn, Kollege u. ä. für eine Transfrau|
|wurde bei der Geburt als Mädchen eingeordnet, kam in einem Körper zur Welt, wie ihn üblicherweise Mädchen haben||War ein Mädchen bzw. eine Frau, ehemalige Frau, ist biologisch eine Frau|
|Gewählter Vorname||Alter Vorname|
Einige Begriffe werden von manchen Transmenschen selbst verwendet, während sie von anderen komplett abgelehnt werden. So zum Beispiel ‚im falschen Körper‘, ‚transsexuell‘, ‚Mann-zu-Frau‘ bzw. ‚Frau-zu-Mann‘. Dies mag verwirren – aber orientieren Sie sich einfach an den Wünschen der jeweiligen Person.
Vermeiden Sie Ausdrücke, die pathologisierend wirken wie ‚Betroffene‘, ‚Patienten‘ oder ‚ (Geschlechts-)Identitätsstörung‘. Nicht jede Transperson leidet; zeigen Sie auch die Sonnenseiten der Biographie.
Vermeiden Sie Darstellungen, in denen Transmenschen sehr dem Rollenklischee entsprechend gezeigt werden. Auch Transfrauen haben andere Interessen als Schminke und Kleider. Transmenschen sind mehr als nur ihr Geschlecht.
Transmenschen leben in der Regel unauffällig, so wie andere Menschen auch. Dementsprechend vermitteln sensationsheischende Freakdarstellungen ein falsches Bild.
Das folgende Beispiel zeigt Ihnen, dass die Umsetzung gar nicht schwer und durchaus genauso leicht verständlich ist wie das Negativbeispiel.
Ein guter Bericht könnte so aussehen:
Marco heisst der junge Mann, der bei der Geburt als Mädchen einsortiert wurde. Er nimmt Testosteron, das männliche Sexualhormon, um sein Äusseres seinem Inneren anzugleichen und unauffällig als Mann leben zu können. Er wusste bereits als Jugendlicher, dass er ein Mann ist. Seine Mutter nahm das Coming-out ihres Kindes gelassen und spricht von ihm als ‚Marco‘ und ‚er‘. Marco hat sich dazu entschieden, seinen Körper auch durch Operationen seiner Identität anzugleichen.
Der gleiche Bericht als Negativbeispiel:
Sarah heisst die junge Frau, die sich jetzt Marco nennt. Sie nimmt Testosteron, das gegengeschlechtliche Sexualhormon, um mehr wie ein Mann auszusehen und in der neuen Rolle leben zu können. Sie wollte bereits als Jugendliche ein Mann sein. Ihre Mutter nahm das Coming-out ihrer Tochter gelassen hin und spricht sie ihrem Wunschgeschlecht entsprechend mit ‚Marco‘ und ‚er‘ an.Sarah wird bald die ersehnte Geschlechtsumwandlungsoperation haben, durch die sie endlich ganz zum Mann wird.
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Für weitere Informationen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.
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Transgender Network Switzerland
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