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Erforschung der Bienen - Entwicklung von Behausungen und Hilfsmitteln
Der mit dreiundzwanzig Jahren vollständig erblindete François Huber, Genf, erforschte Bienen, indem er sich erklären liess, was andere beobachteten. Mit Hilfe seiner Ehefrau und seines Dieners entwickelte er dazu eine spezielle Blätterbeute. Im Jahr 1792 veröffentlichte er seine Resultate in "Nouvelles observations sur les abeilles" (Neue Beobachtungen über die Bienen). Er erkannte die Tatsache, dass Bienen Wachs ausschwitzen und nicht - entsprechend der damals üblichen Lehrmeinung - aus Pollen herstellen. Erstmals beschrieb er auch das Prinzip der Mehrfachpaarung.
Johann Dzierzon, Schlesien, war der erste Imker, der in seine Bienenstöcke bewegliche Holzleisten einbaute, welche eine Honigernte ohne die Zerstörung des Stocks sowie die direkte Beobachtung seines Stockinnern ermöglichten. Er beschrieb 1835 erstmals die ein-geschlechtliche Fortpflanzung (Parthenogenese) bei der Biene, indem er die Samenbehälter befruchteter und unbefruchteter Königinnen gegen das Licht hielt und deren Aussehen und Inhalt mit bloßem Auge miteinander verglich. Diese Entdeckung wurde 1855 durch Siebold und Leuckart auf wissenschaftlichem Wege mikroskopisch bestätigt.
Pionier und nachhaltiger Verfechter der Imkerei mit beweglichen Rähmchen war Baron August Freiherr von Berlepsch, Thüringen (mobiler Wabenbau). Damit verbreitete sich der Bienenkasten aus Holz, die sogenannte Hinterbehandlungsbeute, wie dieser heute noch z.B. als Schweizerkasten verwendet wird. Berlepsch hilft auch mit, die Hypothese der Parthenogenese von Dzierzon zu beweisen.
1851 entdeckte Lorenzo Lorrain Langstroth, Philadelphia USA, den Bienenabstand (bee space), ein Idealmass des Abstands zwischen Waben und Beutenwand, mit dem sich Verbauungen mit Wachs verhindern lassen. 1853 stellte er den später nach ihm benannten modularen Beutentyp mit dem Wabenmass von 44,8 cm × 23,2 cm = 1040,0 cm² vor (gleiche Masse für Brut- und Honigwaben), der als Urform der modernen Magazinbeute gilt.
In der Schweiz begann 1860 Christian Bürki einen zwei Waben hohen Hinterbehandlungskasten zu bauen. Es zeigte sich aber, dass auf den eher kleinen Waben mit Innenmass von 23 cm x 27 cm im Bürkikasten die Völker relativ schlecht überwinterten. Josef Jecker verbesserte 1880 diesen Nachteil durch Vergrösserung der Brutwaben auf 23 cm x 36 cm, reduzierte zugleich die Honigwaben auf eine Höhe von 12 cm. Mit dem Platz für zwei Honigräume war beinahe die Grösse des ersten Berlepschkastens erreicht. Um die Jahrhundertwende erfuhr der Bürki-Jecker-Kasten eine weitere Anpassung. Die Honigwaben wurden vergrössert auf die halbe Höhe der Brutwaben. Dieser sogenannte Schweizerkasten mit gleich viel Brut- und Honigraum wurde nun seit 1900 in der Deutschschweiz zum verbreitetsten Kastentypen.
Der in Vaux-sous-Aubigny im französischen Haute-Marne geborene Charles Dadant hat um 1863 in den USA das von Langstroth entwickelte Magazin zur Bewirtschaftung von Bienenvölkern verbessert. Das Brutwabenmass von 1373 cm² (482 × 285 × 29 mm) ermöglicht bis heute die effizienteste Bienenhaltung in naturnaher Methode. Bedeutung hat dieses Dadant-Mass insbesondere im Zusammenhang mit der von Bruder Adam gezüchteten brutfreudigen Buckfast-Biene erlangt. Als Nachteil des großen Rähmchenmasses kann allerdings die Notwendigkeit von unterschiedlichen Rähmchenmassen für Brut- und Honigraum gesehen werden. Dieses Magazin wird heute Hauptsächlich in Frankreich und Italien verwendet und auch mehrheitlich in der welschen Schweiz benutzt.
Der Erfinder der Honigschleuder ist Francesco De Hruschka, Italien. Er stellte das Gerät 1865 unter dem Firmennamen Angelo Lessane bei einer Wanderversammlung der Imker in Brünn vor. Mit dem "Centrifugalapparat zur vollkommenen Entleerung des Honigs aus den Waben, ohne diese von den Rähmchen oder Stäbchen trennen zu müssen", war das Prinzip der heute noch in Gebrauch stehenden Honigschleudern geschaffen.
Johannes Mehring, Rheinland-Pfalz, stellte im Jahr 1857 an einer Imkerversammlung die ersten Mittelwände vor. Es waren dünne Wachsplatten mit dem aufgeprägten Grundriss der Wabenzellen. Er betrachtete 1869 in einer Veröffentlichung das Bienenvolk als Einheit und verglich es mit einem Wirbeltier. Als Beispiele: Die Königin ist das weibliche und die Drohnen sind das männliche Geschlechtsorgan. Die Arbeitsbienen sind das Verdauungswerkzeug. Für ihn war das Ein-Wesen mehr als die Summe seiner Teile, es war ein geschlossenes System aus Bienen, Waben und Vorräten.
Aufbauend auf den Vorstellungen Mehrings entwickelte Ferdinand Gerstung, Thüringen, den Begriff vom Organismus Bien. Dieser besteht seiner Ansicht nach aus lauter Organen wie pflanzliche- und tierische Organismen auch. Da die Organe des Biens nicht aus einem Ei stammen und nicht miteinander verwachsen sind, wie bei anderen Organismen, forderte er die Definition des Organismusbegriffes zu erweitern. Ihm war klar, dass der Begriff des Organismus nicht völlig auf den Bien passte, er fand jedoch keinen geeigneteren.