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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

[Vierte] Rede gegen die Arianer
14.
Das erkennt auch der göttliche Apostel, wenn er an die Korinthier schreibt: "Nehmt keinen engen Raum in uns ein, sondern erweitert auch ihr euch, Korinthier"1. Er rät nämlich, sie sollten die Enge mit der Erweiterung vertauschen. Wie aber die Korinthier, wenn sie sich, zuvor auch eingeengt, wieder erweiterten, keine anderen waren, sondern eben wieder Korinthier, so ist auch, wenn der Vater sich zu einer Dreiheit erweiterte, die Dreiheit wieder der Vater allein. Es sagt aber wieder derselbe; "Unser Herz hat sich erweitert"2. Und Noe sagt: "Gott erweitere dem Japhet"3. Es ist jedoch dasselbe Herz und derselbe Japhet in der Erweiterung. Wenn also die Einheit erweiterte, dann erweiterte sie wohl für andere. Wenn sie aber für sich selbst erweiterte, so ist sie wohl selbst, was erweitert wurde. Was ist es aber anderes als der Sohn und Hl. Geist? Doch ist es gut, wenn man den, der solches redet, fragt: "Worin besteht die Tätigkeit einer solchen Erweiterung?" oder gleichsam im Angesichte der Wahrheit: "Warum erweiterte sich überhaupt die Einheit?" Denn was nicht dasselbe bleibt, sondern später sich erweitert, muß doch notwendig einen Grund haben, weshalb es sich auch erweiterte. Wenn nun deshalb, damit Wort und Geist in ihm wohnen, so ist es überflüssig, zu sagen: "Einheit" und dann: "Sie erweiterte sich", denn er ist nicht später Wort und Geist, sondern immer, damit nicht Gott, wie die Arianer lehren, ohne Wort sei. Deshalb war er, wenn er immer Wort und Geist war, immer erweitert und nicht zuerst eine Einheit. Wenn er aber später sich erweiterte, dann ist er auch später Wort Wenn er aber wegen der Menschwerdung sich erweiterte und damals Dreiheit geworden ist, dann war also vor der Menschwerdung noch keine Dreiheit. Doch damit will es den Anschein gewinnen, als sei der Vater [S. 360] auch Fleisch geworden, wenn er ja als Einheit in dem Menschen sich erweiterte, und er wird dann wohl Einheit sein und Fleisch und drittens Geist. Wenn er sich aber selbst erweiterte, dann wird er auch nur dem Namen nach Dreiheit sein. Wenn er aber zum Zweck der Erschaffung sich erweiterte, so ist das ungereimt. Denn wenn er auch eine Einheit blieb, hätte er alles erschaffen können. Die Einheit bedurfte ja nicht einer Erweiterung, noch auch war sie vor ihrer Erweiterung ohnmächtig. Denn ungereimt und gottlos ist es, das von der Gottheit zu denken und zu sagen. Es wird sich aber auch eine weitere Ungereimtheit ergeben. Wenn er nämlich zum Zweck der Erschaffung sich erweiterte und, solange die Einheit bestand, die Schöpfung nicht existierte, nach der Vollendung aber statt der Erweiterung wieder eine Einheit sein wird, so wird auch die Schöpfung vergehen. Denn wie er zum Zweck der Erschaffung sich erweiterte, so wird auch die Schöpfung ein Ende nehmen, sobald die Erweiterung ein Ende nimmt.
1: 2 Kor. 6,12.
2: 2 Kor. 6,11.
3: Gen. 9, 27.