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Interview mit Eric Heatherly
© March 2001 / Bruno
Michel; Fotos: Griz Weimer
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March 2001 / Bruno Michel; Fotos: Griz Weimer
In den Nachtklubs von Nashville kennt man diese Songs mittlerweile auswendig. Wenn Eric Heatherly zu She’s So Hot, Swimming In Champagne oder I Just Break ‘Em ansetzt, singen alle mit. Der 31jährige Sänger mit der Bahama-grünen Fender Stratocaster Gitarre hat eine grosse Fangemeinde.
Mit vier Jahren nahm ihn sein Vater mit im 55er Chevy, Hank Williams lief vom Band und sie sangen beide mit. Ein Jahr später bekam Eric seine erste Gitarre von Papa geschenkt. Der hatte sie von einer Abfallhalde mitgenommen. Eric übte so intensiv, dass er mit acht Jahren seinen ersten Song schrieb und mit dreizehn zum ersten Mal auf der Bühne stand. Das Resultat bei diesem Wettbewerb war zwar nicht besonders, aber seit damals wusste Eric, was er künftig erreichen wollte.
bm: Eric, Du bist 1990/1991 nach Nashville gezogen. Welche Ambitionen hattest Du damals?
EH: Ich bin mit 19 Jahren nach Nashville gekommen und glaubte, innerhalb eines Jahres einen Plattenvertrag und einen Hit in den Charts zu haben. Das Resultat war dann meine erste CD im Alter von 30. Es war die reine Ernüchterung.
bm: Das war eine Zeit, als die Country Music auf einem Höhepunkt war. Dementsprechend viele haben es versucht. Wie hast Du Dich versucht zu unterscheiden, bemerkbar zu machen?
EH: Ich hab mich entschieden, bei meinen Wurzeln zu bleiben. Ich bin ein Guitarslinger der Rootsmusik mit einem Hillbilly-Rockabilly Rhythmus spielt. Als ich kam, gab’s in Nashville Garth Brooks, Alan Jackson und Clint Black. Alle Labels in Nashville wollten Hat Acts. Ich trug aber keinen Hut und stach mit meinen alten Klamotten aus dem Trödelladen aus der Menge heraus – schliesslich musste ich sparen, hatte kein Geld. Sie alle sagten mir: ‚Geh nach Hause’. Aber ich hatte drei Tagesjobs und spielte abends im Tootsie’s für Trinkgeld. Ich wollte einfach nicht aufgeben.
bm: Wie hast Du später die Zeit von 1996, als Du im Tootsie’s aufgetreten bist, bis zum heutigen Tag erlebt?
EH: Ich mach heute noch das gleiche, nur in viel grösserem Rahmen. Ich hab in meiner Nashvillezeit über dreihundert Songs geschrieben. Ich hab mich nicht geändert und versuche nun, der Welt zu zeigen, dass es funktionieren kann, wenn man nur hart genug daran arbeitet. Die Leute wollen Roots Musik und ich gebe sie ihnen.
bm: 1997 warst Du in Shania Twains Band und hast ein Angebot bekommen, in ihrer Tourband zu bleiben. Warum hast Du Dich anders entschieden.
EH: Shania hat mir angeboten bei der 97er CMA Award Show mitzuspielen. Das hab ich gemacht und fühlte mich sehr stolz und geehrt. Danach schlugen ihre Leute vor, dass ich mit auf Shanias 18-monatige Welttournee gehe. Ich gab meinen eigenen Plänen den Vorzug. Ich hatte grade einen Plattendeal in Aussicht, für den ich über acht Jahre gearbeitet hatte. Also entschied ich mich, im Tootsie’s zu bleiben und weiter an meiner Sache zu arbeiten.
bm: Wenn man mit Shania aufgetreten ist, bleiben nicht mehr viele Wünsche offen. Mit welchem andern grossen Star würdest Du gerne einmal gemeinsam auf der Bühne stehen?
EH: Shania ist schon so ziemlich das Grösste. Sie ist ein Weltklasse Act und hat das Eis für viele neue Stars gebrochen. Wenn ich mich entscheiden muss, dann wäre es eine Legende. Fast kam es mit Carl Perkins einmal soweit. Seine Plattenfirma hatte schon alles eingefädelt und ich war bereit, nach Jackson, TN, zu gehen, um mit ihm zu arbeiten. Leider verstarb er, noch bevor wir unsere Pläne umsetzen konnten. Das wäre für mich etwas Besonderes gewesen. Aus heutiger Sicht wären solche Highlights Johnny Cash oder Jerry Lee Lewis.
bm: Was bedeutet Dir der Erfolg Deines ersten Albums?
EH: Alles, und ich sag Dir warum. Es zeigt mir, dass ich es schaffen kann, dass mein Plan funktioniert. In dem ich meiner Musik treu bleibe. Mit alten Songs, die ich neu und modern arrangiere, öffne ich hoffentlich Türen für andere Nachwuchskünstler, welche nach mir auf diesen Zug aufspringen werden. Ich will eine Bewegung starten und hoffe, dass mir das gelingt.
bm: Du hast erwähnt, dass Du über 300 Songs geschrieben hast, bevor Du mehrheitlich grosse Auftritte hattest. Bist Du nun in erster Linie Songwriter oder Sänger, und was ist für Dich wichtiger?
EH: Ich schreibe meist selbst, weil ich mit andern Songs Mühe habe. Ich muss die Dinge entweder musikalisch oder vom Text her selber erlebt haben oder mich damit wenigstens identifizieren können. Manchmal verbringe ich Monate oder Jahre an einem Song, bis er perfekt ist. Ich will, dass es einKunstwerk wird. Covers wie Flowers On The Wall oder Live Fast, Love Hard, Die Young, also richtige Klassiker nehme ich in den Grundzügen auf, modernisiere sie, gebe ihnen musikalisch einen aktuellen Touch.
bm: In letzter Zeit erhalten die Traditionalisten der Country Music wieder vermehrt Aufwind. Trotzdem sind Songs wie z.B. Murder On Music Row verpönt. Wann kommt wieder die Zeit der ehrlichen Musik?
EH: Es braucht die Jüngeren wie mich, die etwas rebellisch sind und sich nicht gross um bestehende Politik in der Musikszene kümmern, die sich nicht fürchten zu versagen und wieder in den kleinen Clubs zu spielen, wo wir herkamen. Keine Kompromisse. Je mehr solcher Leute in der Szene auftauchen, desto eher werden wir auch kommerziell Erfolg haben.
bm: Also ziehst Du es vor, Dich selber zu bleiben und Dich nicht um die „Radiogesetze“ zu kümmern?
EH: Nun, natürlich interessieren mich die Radiostationen. Aber ich
erlebe, dass ich momentan beides haben kann. Es gibt nicht neue viele Guitarslingers in der Country Music. Ricky Skaggs,
bm: Woran liegt es nach Deiner Ansicht, dass die Country Music Verkäufe seit 1998 rückläufig sind?
EH: Gleichheit. Die Industrie führt nicht, sie folgt den Trends. Sie nehmen Künstler unter Vertrag, schmeissen eine Single auf den Markt und entweder wird sie ein Erfolg oder auch nicht. In der Vergangenheit sind solche Erfolge mehrmals gelungen, also versucht der Rest der Industrie, dieses „Erfolgsrezept“ zu kopieren. Aber das ein Fehler. Es gibt nur einen Garth Brooks. Und das, was er geworden ist, wurde er durch harte Arbeit. Du kannst nicht einfach eine Anzahl junger Leute auf die Bühne stellen, ihnen einen Plastikhut aufsetzen, etwas Staub auf die Stiefel streuen und sie Cowboys nennen. Und dann noch meinen, dass die nun erfolgreich sein müssen.
bm: Nimm an, Du findest Aladin’s Wunderlampe. Welche drei Wünsche hast Du?
EH: Anerkennung durch einen Grammy oder einen CMA Award. Dann für den Rest meines Lebens gute Musik zu spielen und die Tanzclubs und Konzerthallen füllen zu können. Und schliesslich, meinen Stempel zu hinterlassen, so dass in zwanzig Jahren von heute irgend ein neuer Künstler kommt und einen meiner Songs modernisiert. Das wäre wirklich das grösste Kompliment.
bm: Wenn Du ein Interview mit Eric Heatherly führen würdest, welche Frage stellst Du ihm, die ich nicht gestellt habe?
EH: Warum ich so starrköpfig meine Art von Musik verfolge, zumal es keine einfache Arbeit ist. Ich schwimme gegen den Strom und es bedeutet viel mehr Aufwand. Ich mache das, weil etwas, was mich mein Vater gelehrt hat, immer noch in mir ist: Mach nie Kompromisse betreffend Deiner Integrität und tue das, woran Du glaubst, dann wird sich auch der Erfolg einstellen. Ich wuchs mit all diesen alten Countrysongs von Faron Young, Hank Snow, Webb Pierce, Roy Orbison, Carl Perkins oder Johnny Cash auf. All diese Leute hatten Charakter, Ausstrahlung und ihre eigene Identität. Sie taten das, woran sie glaubten, und genau das tue ich auch.
bm: Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.