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ISSN 1423-6370
Druckauflage: 763 000
Streugebiet dieser Ausgabe: Katone Wallis, Graubünden, Zürich, Schwyz
Inhaltsverzeichnis
Editorial von Erwin Kessler, Präsident VgT: Raubtier oder Mensch?
Vegi-Menü: Nusstorte ohne Eier
"Bio"-Schweine auf dem nackten, einstreulosen Zementboden [nicht in der gedruckten Ausgabe]
Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir, alle Geschöpfe
streben nach Glück wie wir. Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir,
also sind sie uns gleichgestellte Werke des allmächtigen Schöpfers - unsere Brüder.
Schlaflosigkeit - Krankheit einer Epoche, in der die Menschen vor vielen Tatsachen die Augen verschliessen.
Menschen kreuzigen Tiere. Sie quälen
sie, zerstückeln sie, räumen sie aus dem Weg, verurteilen ganze Arten zu tode. Und die
Tiere können sich nicht wehren. Wie bei einem unfairen Prozess, wo die Angeklagten zu
schweigen haben. Sie können nicht sagen, dass Gott sie geschaffen hat, ein jegliches nach
seiner Art. Sie können nur ihr Kreuz tragen.
Editorial von Erwin Kessler, Präsident VgT:
Raubtier oder Mensch?
Der Mensch hat keine Raubtierkrallen, sondern Hände zum Früchte pflücken und zum Streicheln, doch Technik und ein kranker Geist haben aus ihm das schlimmste Raubtier auf der Welt gemacht.
Unsere nächsten Vewandten, die Menschenaffen, sind weitgehend Vegetarier.
Einzelne Menschenaffenarten jagen und fressen hie und da kleine Tiere, leben aber im
übrigen vorwiegend vegetarisch; andere Arten sind vollständig vegetarisch.
Laut repräsentativen Umfragen ist die vegetarische Ernährung unter jungen und unter gebildeten Menschen am weitesten verbreitet. Es steht jederman frei, nach welchem Ideal er streben will: Höhlenbewohner oder geistig-seelisch entwickelter Kultur-Mensch. Der deutsche Dichter Manfred Kyber hat das im Jahr 1925 in seinem Buch Tierschutz und Kultur so ausgedrückt: Verweist er auf die Grausamkeit in der Natur, um seine eigene zu rechtfertigen? Dann stellt er jedes Tier über sich selbst und wartet, dass ihm vielleicht der Affe moralisch vorangeht, auf dass es ihm nicht an einem Vorbild fehle.
Der heute verbreitete übermässige Fleischgenuss zeigt eine Degeneration unter das Affen-Niveau an. Wenn man unvoreingenommen in die Welt hinaus und dem Treiben der Menschheit zusieht, fällt das ungeheuer breite Spektrum menschlicher Entwicklungsstufen auf: Zwischen herausragenden Grössen wie Goethe und Einstein einerseits und Boxweltmeister Mike Tyson, der seinem Gegner ein Ohr abgebissen hat, andererseits, besteht ein Entwicklungsunterschied der weit grösser ist als zwischen gesunden, durchschnittlich entwickelten Menschen und Schimpansen. Es ist deshalb bloss art-egoistische Überheblichkeit, zwischen Menschen und anderen hochentwickelten Säugetieren einen derartigen grundsätzlichen Unterschied zu machen, wie das heute der Fall ist, wie zB im schweizerischen Zivilrecht, wo ein die Gehörlosensprache sprechender Schimpanse als Sache gilt.
An Nicht-Menschen - zB an Schimpansen, die zu über 95% die gleiche Erbsubstanz
haben wie Menschen - dürfen grausame Versuche gemacht werden, ganz legal, oft noch mit
öffentlichen Mitteln gefördert. Die gleiche Gesellschaft kann sich andererseits nicht
laut genug empören über die (unbestritten verwerflichen) früheren medizinischen
Versuche der Nazis an Nicht-Ariern.
In der heutigen Konsumgesellschaft steht Fleisch unbeschränkt zur Verfügung, die natürlichen Angebotsbegrenzungen sind durch die Technik beseitigt worden, was bei der breiten Masse zu einem exzessiven, gesundheitschädigenden Fleischkonsum geführt hat.