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<h2>SubmittedText<h2><p>Eine Extensivierung der landwirtschaftlich genutzten organischen Böden würde den Kohlenstoffabbau verlangsamen und die CO2-Emissionen senken. Was macht der Bundesrat?</p><p>In verschiedenen Regionen der Schweiz werden die organischen Böden einstiger Moore intensiv landwirtschaftlich genutzt. Diese Nutzung bewirkt 1. den Verlust von Böden, 2. erhebliche CO2-Emissionen (jährlich bis zu 35 Tonnen CO2 pro Hektare) aufgrund der Zersetzung des organischen Materials in den Böden und 3. betriebliche Probleme (Staunässe durch Bodenverdichtung, ungleichmässige Bodensenkung usw.). Zudem steht diese Art der Nutzung in Widerspruch zu den Richtlinien für eine standortangepasste Landwirtschaft und zu den Empfehlungen des Nationalen Forschungsprogramms "Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden" (NFP 68).</p><p>Eine Extensivierung dieser Zonen würde den Kohlenstoffabbau verlangsamen und die CO2-Emissionen senken. Eine Wiederbefeuchtung der Böden könnte die Treibhausgas-Emissionen noch stärker reduzieren. Da diese Böden aber für die schweizerische Lebensmittelproduktion wichtig sind, darf die dortige Produktion nicht ersatzlos aufgegeben werden.</p><p>Ich bitte deshalb den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche alternativen Formen landwirtschaftlicher Nutzung sind auf den organischen Böden möglich, und wie viel würden diese Nutzungsformen zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen beitragen?</p><p>2. Wie viel CO2 könnte durch die Extensivierung oder die Wiederbefeuchtung der heute intensiv genutzten organischen Böden eingespart werden?</p><p>3. Könnte eine solche Extensivierung kompensiert werden? Wenn ja, wie und aus welchen Quellen? Wenn nicht, aus welchen Gründen?</p><p>4. Könnte eine Verringerung der Konkurrenz zwischen der Produktion von Lebensmitteln einerseits und Tierfutter andererseits den Druck senken, organische Böden intensiv zu nutzen?</p><p>5. Wie gedenkt der Bundesrat die Empfehlungen des NFP 68 umzusetzen?</p><p>6. Welche Instrumente zur Unterstützung der Agrarpolitik stehen zur Verfügung und welche sind noch zu entwickeln?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. und 2. Gemäss nationalem Treibhausgas-Inventar werden gut 17'000 ha organische Böden landwirtschaftlich genutzt und verursachen jährliche Treibhausgasemissionen von knapp 600'000 t CO2. Die Emissionen sind im Wesentlichen abhängig von der Entwässerungstiefe sowie in geringerem Masse von der Bewirtschaftung und dem Bodentyp. Auf wiedervernässten Böden stellen nasse Kulturen (Paludikulturen) eine mögliche alternative Nutzungsform zur Eindämmung des Verlustes an organischer Bodensubstanz dar. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass die Wiedervernässung zu einer raschen und effizienten Verringerung der Emissionen um 5-25 t CO2-Äquivalente pro ha und Jahr führt, in Abhängigkeit des Wasserstandes und der alternativen Nutzung. Die Praxistauglichkeit und Akzeptanz solcher Nutzungsformen ist jedoch in der Schweiz noch nicht vertieft untersucht.</p><p>3. und 4. Der Druck auf die organischen Böden resultiert primär aus ihrem hohen Produktionspotential. Organische Böden eignen sich agronomisch für den Anbau anspruchsvoller Kulturen wie Gemüse. Eine Umstellung auf alternative Landnutzungsformen ist nach bisherigem Wissen mit einer wesentlichen Verringerung der Nahrungsmittelproduktion verbunden. Auf der anderen Seite ist die Bewirtschaftung in der aktuellen Form ohne weitere Eingriffe aufgrund des Bodenverlustes nur noch kurz- bis mittelfristig möglich. Eine räumliche Verschiebung der jetzigen Produktion auf ackerfähige Standorte, die bisher futterbaulich genutzt werden, kann vermutlich das noch vorhandene Produktionspotential von organischen Böden für spezifische Kulturen nur teilweise ausgleichen. Zudem würden bei gleichbleibendem Produktionsportfolio der Schweizer Landwirtschaft möglicherweise höhere Futtermittelimporte notwendig.</p><p>5. Mit der Bodenstrategie und der Etablierung des Kompetenzzentrums Boden wurden Empfehlungen des NFP 68 umgesetzt. Die Bodenstrategie sieht die Entwicklung von Leitlinien zur künftigen Nutzung organischer Böden vor, welche auch die Aspekte der Biodiversität, des Klima-, Gewässer- und Hochwasserschutzes berücksichtigen. Die vom Bundesrat beschlossene Erarbeitung eines Konzeptes zur schweizweiten Bodenkartierung ist eine zentrale Planungsgrundlage für den weiteren Umgang mit organischen Böden. Darüber hinaus unterstützt der Bund Projekte zur Untersuchung alternativer Nutzungsformen solcher Böden. Zum Beispiel testet Agroscope im Projekt "Feuchtackerflächen" unter anderem den Nassreisanbau und erarbeitet Entscheidungshilfen.</p><p>6. Im Rahmen der Strukturverbesserungen können Wiedervernässungen mit dem Ziel der Biodiversitätsförderung oder des Klimaschutzes im Zusammenhang mit einer Strukturverbesserungsmassnahme unterstützt werden und gewisse Zusatzentschädigungen erwirken (Art. 14 Abs. 1 Bst. f und Art. 17 der Strukturverbesserungsverordnung; SVV; SR 913.1).</p><p>Wiedervernässungen von nicht mehr bewirtschaftbaren Flächen als Folge der Torfsackung mit dem Ziel einer Überführung in ein alternatives Produktionssystem (z.B. Feuchtackerbau) können mit der gleichen gesetzlichen Grundlage wie Bodenaufwertungen subventioniert werden (Art. 14 Abs.1 Bst. c SVV). Weitere Möglichkeiten zur Förderung des nachhaltigen Umgangs mit organischen Böden mittels Direktzahlungen, beispielsweise über regionale Ansätze wie den regionalisierten ökologischen Leistungsnachweis oder den Beitrag für standortangepasste Landwirtschaft, hat der Bundesrat mit der Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2022 vorgeschlagen.</p>  Antwort des Bundesrates.