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Im Jahre 1994 fand an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover ein für HiFi-Liebhaber interessantes Experiment statt. Der Musikpsychologe Prof. Klaus-Ernst Behne und sein Kollege Johannes Barkovsky nahmen den epischen Disput von analoger versus digitaler Musikwiedergabe zum Anlass, ein in der Psychologie seit den 1950er-Jahren untersuchtes Phänomen zu überprüfen: die «hypothesengeleitete Wahrnehmung».
Der sperrige Titel besagt, dass unsere Wahrnehmung durch unsere Erwartungshaltung geleitet ist. Je stärker wir erwarten, desto stärker nehmen wir unsere Hypothese auch wahr. Wir nehmen zwar Umwelteinflüsse auf und gleichen sie ständig mit der Hypothese ab. Je stärker diese Einflüsse und je schwächer unsere Hypothese, desto eher sind wir bereit, unsere Wahrnehmung anzupassen. Ist die Hypothese aber stark, so kann unsere Wahrnehmung ziemlich resistent sein gegenüber Umwelteinflüssen. Wir befinden uns dann in einer Wahrnehmungs-Blase.
Im Experiment von Behne wird die Erwartungshaltung so beschrieben:
«Die Tatsache, dass «natürliche» Schwingungsverläufe bei der CD in Nullen und Einsen zerlegt werden, hat immer wieder skeptische Musikfreunde fürchten lassen, dass in diesem digitalen Raster Wichtiges verloren gehen könnte.»
«Umgekehrt hat die ausgeklügelte Technologie der digitalen Kodierung bei anderen die Überzeugung begründet, dass nur eine derart präzise Wiedergabeform anspruchsvolle Hörer befriedigen könne.»
«Klischees dieser Art werden von Fachverkäufern, -zeitschriften oder von Elektronikherstellern bemüht, denen zufolge digitale Klangwiedergabe von Präzision und analoge Klangwiedergabe von klanglicher Wärme gekennzeichnet ist.»
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Die Autoren wiesen ausführlich auf die technischen Unterschiede und Limitierungen beider Verfahren hin. Es ging ihnen nicht darum, die Verfahren zu werten, sondern zu prüfen, ob die Hörer gemäss ihrer Hypothese die Wiedergabe beurteilen.
Die Autoren illustrierten dies mit einem ähnlichen Experiment: Zwei getrennte Studentengruppen beurteilten einen Vortrag eines Gastprofessors. Vorgängig wurden sie unterschiedlich über diesen «gebrieft», die eine Gruppe eher positiv und die andere eher negativ. Die folgenden Kritiken des Vortrages in den beiden Studentengruppen entsprachen eindeutig dem Briefing.