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Max Bill, bedeutendster Vertreter der Züricher Schule der Konkreten, wurde 1908 in Winterthur geboren. Nachdem er zuerst eine Lehre als Silberschmied in Zürich absolvierte, studierte er am Bauhaus in Dessau, war Schüler von Wassily Kandinsky und Paul Klee. 1931 heiratete er die Fotografin Binia Spoerri, 1942 wurde sein Sohn Jakob geboren. Neben seiner Arbeit als Maler, Architekt, Grafiker und Produktgestalter lehrte er an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Er nahm drei Mal an der «Documenta» in Kassel teil. 1991 heiratete er die Kunsthistorikerin Angela Thomas. 1994 ist Max Bill in Berlin gestorben.
von Gabrielle Boller
Kein «Saisonblümchen» wollte er gestalten mit seiner Uhr, der grosse Schweizer Konkrete Max Bill, und so etwas wäre auch gänzlich undenkbar gewesen. Der Universalkünstler, der unter anderem Maler, Bildhauer, Produktegestalter, Theoretiker und Architekt war, konnte gar nicht anders als eine Uhr in elegant reduziertem Design schaffen, klar und funktional, wie es seiner Auffassung von angewandter Kunst entsprach, und: «so zeitlos, wie das eben gehen würde, ohne die Zeit zu vergessen.» Als er von der deutschen Uhrenmanufaktur Junghans Anfang der fünfziger Jahre die Anfrage zur Gestaltung einer Küchenuhr erhielt, entwickelte er zusammen mit seinen Studenten an der Hochschule für Gestaltung in Ulm einen schnörkellosen Klassiker in zeittypischem Hellblau mit eingebauter Eieruhr. Ab 1961 entstand dann die Kollektion der Armbanduhren, nicht weniger wertbeständig als die Küchenuhr, seit den neunziger Jahren wieder in leicht modifizierter Neuauflage zu kaufen und besonders geschätzt wegen ihres Zifferblatts mit der sorgfältig gestalteten Typografie.
Ursprünglich war es eine Uhr mit Handaufzug und schlichtem, rundem Stahlgehäuse mit silberfarbenem Blatt und gewölbtem Plexiglas; Ziffer- oder Strichindexe für die Stunden, Minuten und Sekunden erlaubten ein schnelles und präzises Ablesen der Zeit. Der Clou der Uhr waren die Leuchtpunkte auf dem Zifferblatt, einer in jedem Viertel und ein Doppelpunkt auf der Zwölf, dazu die im Dunkeln ebenfalls sanft fluoreszierenden Zeiger, damals in den Sechzigern wahrscheinlich noch aus leicht radioaktivem Material, heute natürlich nicht mehr.
Max Bill, geprägt durch seinen Aufenthalt 1927/28 am Bauhaus in Dessau, wo er bei berühmten Lehrern wie Klee und Kandinsky die Vereinigung der künstlerischen Disziplinen lernte, kannte keine Berührungsängste mit Handwerklichem. Er gestaltete von Möbeln über Lampen bis zu Uhren und Werbebroschüren zahlreiche Produkte des täglichen Lebens, was ihm mindestens so viel Bekanntheit eintrug wie seine künstlerische Tätigkeit. In dieser gilt er vielen als spröd und streng, war er doch der Auffassung, es sei möglich, in der Kunst eine «logische Methode» anzuwenden, bei der «jeder Teil des kreativen Vorgangs Schritt für Schritt logischen Operationen und deren logischen Überprüfung entspricht». Was sich anhört wie eine selbstgenügsame Rechenübung war vielmehr der Versuch, mit den Mitteln der Kunst elementare Strukturen und Kräfte wahrnehmbar zu machen – er wollte eine Kunst, die aus ihren eigenen Mitteln und Gesetzmässigkeiten, und nicht aus einer Abstraktion der Realität, entsteht. Wer Kunst als «Gegenstand des geistigen Gebrauchs» sieht, dem können auch die Dinge des alltäglichen Gebrauchs nicht egal sein; und so lässt Max Bill mit seiner am Bauhaus geschulten Vorstellung der «guten Form» alles, was er in die Hand nimmt, mit klaren Konturen versehen für die Ewigkeit bestehen.