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Canción sin nombre
Regie: Melina León
Darst.: Pamela Mendoza, Tommy Párraga, Lucio Rojas, Ruth Armas, Maykol Hernández, Lidia Quispe u.a.
Georgina, eine junge indigene Frau aus einem Elendsviertel in den Hügeln über Lima, ist mit ihrem ersten Kind hochschwanger. Wie Millionen anderer Menschen in Peru haben weder sie noch ihr Mann Leo eine regelmässige Arbeit. So kann Georgina sich keine medizinisch unterstützte Geburt leisten. Zufällig erfährt die junge Frau von einem Spital, das Schwangeren in Not kostenlose Hilfe bei der Entbindung leistet. Sie begibt sich in die Klinik, die in einem weitläufigen Bürohauskomplex untergebracht ist, und bringt dort ihr Kind zur Welt. Zu sehen bekommt sie es allerdings nicht. Man erzählt Georgina, das Baby müsse für medizinische Abklärungen noch ein, zwei Tage in der Klinik bleiben und schickt sie nach Hause. Als sie am nächsten Tag gemeinsam mit Leo dorthin kommt, findet sie nur leere Räume vor. Verzweifelt sucht das Paar Hilfe bei den Behörden, doch als «ungebildete Indios» werden sie nicht ernst genommen. Schliesslich lernt Georgina den Investigativjournalisten Pedro kennen. Er nimmt sich des Falls an, steckt aber selbst in einer schwierigen persönlichen Situation. Basierend auf einem realen Fall von organisiertem Kindesraub, den der Journalist Ismael Léon, Melina Léons Vater, in den 1980er-Jahren aufdeckte, entwickelt die junge Regisseurin ein beklemmend intensives Sozialdrama mit Thriller-Elementen. Der historische Hintergrund der Geschichte trägt viel zur kafkaesken Atmosphäre dieses starken Erstlings bei. Damals tobte in Peru der schmutzige Krieg zwischen der Armee und der maoistischen Terrororganisation Sendero Luminoso, der wie ein düsterer Schatten über diesem in perfektem Schwarz-Weiss gefilmten «Lied ohne Namen» liegt. Seine Weltpremiere hatte «Canción sin nombre» am Filmfestival Cannes 2019 in der Quinzaine des Réalisateurs; erstmals seit Jahren war damit wieder ein Film aus Peru am wichtigsten Filmfestival der Welt vertreten. Guy Lodge schreibt in Variety: «Wenn auch zunehmend verrätselt, bleibt Melina Léons Universum faszinierend bis zum Schluss, durchdrungen von lokalen Ritualen und eindringlicher traditioneller Musik. Anden-Charangos verschmelzen mit Ambient-Texturen, während Inti Briones’ Kameraarbeit ein ständiges Wunder ist, sei es in der Poesie von Hagelkörnern, sei es in Georginas täglichem Pendeln zwischen zwei Welten in diesem sturmgepeitschten Schattentheater.»