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28. Oktober 2023:
«Zeit für Legenden (Race)»
(2016, 120 Min.) Regie: Stephen Hopkins Drehbuch: Anna Waterhouse, Joe Shrapnel
Das Filmdrama «Zeit für Legenden (Race)» aus dem Jahr 2016 behandelt am Beispiel des afroamerikanischen Leichtathleten und 4-maligen Olympiasiegers Jesse Owens, wie viel im Leben auch unter widrigsten Umständen erreichbar ist mit Mut, Freude, Ausgeglichenheit, Konkurrenzlosigkeit, Unabhängigkeit gegenüber der Meinung anderer und Freundschaftsgefühlen.
Jesse Owens war das jüngste von 10 Kindern eines schwarzen Arbeiters, der im Jahre 1921 aus den Südstaaten nach Ohio wanderte. Die Ungleichheit zwischen Schwarzen und Weissen war systematisch und fest verankert. Owens, vom schweigsamen Vater und der unterstützenden Mutter sowie von den Geschwistern geliebt, liess sich auch von offen rassistisch getriebener Ablehnung und systematischer Zurückstellung nicht beirren und setzte – auch in ihrem Elendsviertel – alles daran, in der Schule und in der damals wichtigsten Sportart, der Leichtathletik, intensiv trainieren zu können. Er blieb in Ohio, weil er dort mit dem besten Leichtathletik-Coach, dem weissen Larry Snyder, trainieren wollte. Dieser verlangte ihm harte Arbeit ab, machte ihn aber trotz grossen Widerständen aufgrund seiner Leistungen zum ersten schwarzen Teamkapitän.
Jesse wurde in seiner Erziehung, von seinem weissen Sportlehrer und später mit seinem Trainer so selbstsicher, dass er sich vom Rassismus weder einschüchtern noch aufregen liess, sondern diesen als ein Problem der rassistisch Denkenden ansah. Und dies auch wenn er nicht auf dem Campus wohnen durfte und vom sozialen Leben seiner Mannschaftskollegen ausgeschlossen wurde.
Seine Fähigkeit, Freundschaften aufzubauen, zeigte sich darin, wie er im College mit den Vorurteilen und Ablehnung von Weissen und Schwarzen umgeht und mit dem einzigen sonstigen schwarzen Kollegen in seinem Team sowie mit dem schwarzen Konkurrenten im Gegnerteam. Jesse zeigte sich ausgeglichen und reagierte weder nachtragend noch impulsiv noch verbissen. Genauso entwickelte sich zu seinem weissen Coach eine immer tragfähigere Beziehung, indem sie sich gegenseitig immer besser erfassten und verstanden.
Es wird im Film deutlich, wie unabhängig Jesse Owens war, der – offensichtlich aufgrund seiner Erziehung, sich nicht von der Meinung anderer abhängig fühlte und zielgerichtet sowie objektiv auf das zuging, was das Leben erforderte. Owens wollte zwar vorankommen, aber er wollte niemandem Schaden zufügen. Er hatte keine Freude, wenn jemand verliert, sondern er war ehrgeizig ohne Konkurrenzgefühle. Im Wettrennen zählte einzig nur schnell oder langsam.
Zu seiner Frau, die ihn nicht dirigieren wollte, entstand eine immer grössere Vertrautheit, indem er ein Fehlverhalten von ihm damit wieder gutmachte, dass er sie innig umwarb. Er konnte sich gut und gleichwertig mit ihr besprechen und deshalb schwierige Lebenssituationen angehen.
Auch an der Olympiade 1936 im nazistischen Berlin entwickelte sich dank der gegenseitigen Wertschätzung im Sport zwischen Owens und seinem deutschen Weitsprung-Rivalen Carl Ludwig „Luz“ Long eine enge Freundschaft, die schliesslich damit gekrönt wird, dass sie Arm in Arm im Olympiastadion vor 100 000 Zuschauern eine Ehrenrunde absolvierten – ein grandioser Moment der Menschlichkeit. Luz Long verlor dabei sein Ansehen bei den Nazis. Der deutsche Vorzeige-Arier hätte bei diesem Anlass eigentlich die sogenannt niedrigere schwarze Rasse vorführen und selbst gewinnen sollen und befreundete sich stattdessen.
Owens bemerkte, dass es im nazistischen, kaum versteckt judenfeindlichen Deutschland die Rassentrennung von Schwarz und Weiss wie in den USA überhaupt nicht gab. Doch die Diskriminierung von Juden war ganz ähnlich und zeigte ihm, dass die Ablehnung anderer Menschen nicht nur von der Hautfarbe abhängig ist. So wurden zum Beispiel die zwei Juden in der später siegreichen US-Staffel durch zwei schwarze Läufer ersetzt.
Jesse Owens erlebte im Wettrennen Freiheit, Freiheit auch von der Ungleichheit der Rassen (beides bedeutet «race»- wie der Originaltitel heisst.)
Der Erfolg des Schwarzen Jesse Owens erschütterte über den Sport hinaus rassistische Weltbilder von der Überlegenheit der pigmentärmeren Weissen. Auch diejenigen von Schwarzen, die selbst glaubten, minderwertig zu sein.
In den USA durfte Owens nie mehr an Sportwettkämpfen auftreten, da er sich weigerte, nach den Olympischen Spielen an weiteren Sportanlässen in Europa teilzunehmen – weil er seine Frau wiedersehen wollte. Der demokratische Präsident Roosevelt verweigerte ihm und anderen erfolgreichen schwarzen Sportlern der USA jegliche Anerkennung, weil er von den rassistisch geprägten, den Demokraten zugeneigten Südstaatlern gewählt werden wollte, um seinen New Deal fortsetzen zu können.