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Bereits der Ausstellungstitel verweist darauf, dass die Literatur für Bornsteins Malerei von elementarer Bedeutung ist. Der Satz „Im Kampf zwischen Dir und der Welt sekundiere der Welt" stammt aus der Aphorismen-Sammlung „Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg" von Franz Kafka. Er gilt als eines der Leitmotive in Kafkas Werk und umreißt auch Bornsteins Vorstellung von einer notorischen Zerrüttung des Individuums und der Allgemeinheit, des Ich und einer höheren Ordnung, des Zwanghaften und seiner möglichen Erlösung – einem Konflikt, den Bornstein in seinen Bildern festzuhalten und darzustellen versucht. Daneben finden sich Anklänge an den Dramatiker Samuel Beckett, von dem sich Bornstein das Absurde entleiht, das seinen Bildwelten innewohnt, darüber hinaus an Wsewolod Michailowitsch Garschin, den russischen Schriftsteller und Pazifisten, der ihm eine katharsische Perspektive zu eröffnen scheint.
Der Bezug zur Literatur hat seine Ursache in Bornsteins Biographie. Er wurde 1986 in Toulouse als Sohn eines Dramatikers und einer Theaterdirektorin geboren. Von Kindheit an war er von Intellektuellen, Schriftstellern und Literaten umgeben, wuchs folglich mit der Macht des Wortes und dessen Vortrag auf der Bühne auf. Bereits im Alter von vier Jahren war für ihn aber klar, dass er sich nicht mit Texten sondern mit Bildern ausdrücken wollte. Während die Erwachsenen nächtelang diskutierten, saß er unter dem Tisch und malte. Seither hat er nie damit aufgehört. Mit zehn Jahren brachte er sich selbst die verschiedensten Maltechniken bei, mit vierzehn analysierte er akribisch die Gemälde alter Meister wie Goya, Velasquez und El Greco. Später studierte er an der École Nationale Supérieure des Beaux Art in Paris und an der Universität der Künste in Berlin. Die Einflüsse einer Theater- und Schriftstellerfamilie, der unbändige Wille, Maler und nur Maler sein zu wollen – das prägt Bornsteins Arbeiten.
Seit 2011, unmittelbar nach dem Abschluss seines Kunststudiums, lebt Emmanuel Bornstein in Berlin. In seinem Neuköllner Atelier arbeitet er abwechselnd an großen, tafelbildartigen Leinwand-Arbeiten und an kleinen, meist quadratischen Porträts. Beide bilden den Schwerpunkt der Ausstellung und treten hier nun in einen unmittelbaren Dialog.
Bei seiner Farbauswahl beschränkt sich Emmanuel Bornstein grundsätzlich auf wenige Töne. Er trägt die Ölfarbe in dicken Schichten auf die Leinwand auf, ohne sie voneinander abzugrenzen. Auf diese Weise entsteht ein Bildgeschehen, bei dem die Bildflächen ineinander übergreifen und eine eigene Dynamik entwickeln. Bornsteins figurative Darstellungen zeugen von einer starken erzählerischen Vorstellungskraft, verfolgen jedoch keine lineare Narration. Dem Betrachter werden vielmehr bruchstückhafte Momente dargeboten, die sich stilistisch zwischen Expressionismus und Groteske bewegen.
In den großen Leinwand-Arbeiten zeigt Bornstein verschlungene Gestalten, die miteinander zu ringen scheinen oder sich vielleicht auch nur schützend umarmen. Häufig sind diese Szenen in Tunneln oder Röhren angesiedelt, durch die sich die Figuren zwängen oder aus denen sie ins Universum gespült werden. Der Konflikt, der mit dem Ausstellungstitel „Im Kampf zwischen Dir und der Welt sekundiere der Welt" angesprochen wird, erfährt hier seine vordergründigste Symbolisierung. Dabei nutzt Bornstein den Einsatz heller und dunkler Farbnuancen eindrucksvoll als visuelle Strategie zur Inszenierung seiner Gemälde. Unwirkliche Räume öffnen sich gleichsam einer Bühne, auf der Bornstein den Betrachter am Geschehen teilhaben lässt. Während die Tunnelszenerie als Kulisse einen Rahmen bildet, werden im Vordergrund Gewalt, Unterwerfung oder aber unverhoffte Rettung ins Bild gesetzt.