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Wenn es Songs gibt, die nicht bloss schnulzig sein dürfen, sondern müssen, dann sind das Weihnachtssongs. Akustisches Lametta in Form von Glöckchen, Triangel und in Watte gepackten Harmonie-Chören, dürfen für einmal das Klangbild prägen. Der für mich beste und schönste Song aus dieser Ecke ist Jimmy Boyds «I Saw Mommy Kissing Santa Claus».
Der Song
Es war clever, das von Tommie Conner geschriebene «I Saw Mommy Kissing Santa Claus» vom damals 13-jährigen Jimmy Boyd singen zu lassen. Nur so konnte das unschuldige Verwechslungsspiel funktionieren, welches das Erzbistum Boston Anfangs nicht als solches erkannte.
Die Idee zum Song entstand entweder durch einen Weihnachtskarten-Auftrag für eine New Yorker Kaufhauskette, auf welcher ein Junge zu sehen ist, der beobachtet, wie seine Mutter den Weihnachtsmann küsst. Oder aber durch eine Magazin-Werbung eines anderen Kaufhauses. Diese wirft die Frage auf: «Was würden Kinder denken, wenn sie ihre Mutter und den als Weihnachtsmann verkleideten Vater küssen sähen?»
Das Erzbistum Boston fand die Verbindung von Sex und Weihnachten alles andere als lustig. Ausserdem fürchteten sie um den Ruf des heiligen Nikolaus. Verschiedene Gruppen von protestantischen und katholischen Kirchen protestieren gegen den Song. Mit Erfolg.
Um einen totalen Boykott der Single zu verhindern, wurde Jimmy Boyd nach Bosten geflogen, um den Erzbischof darüber aufzuklären, dass es sich beim beschriebenen Kuss in Tat und Wahrheit um einen Kuss eines Ehepaars handelte. Erzbischof Richard Cushing nahm danach seine Einwände zurück.
Die Version von Amy Winehouse
Das viel zu kurze Leben von Amy Winehouse reichte leider nicht aus, um ein ganzes Weihnachtsalbum aufzunehmen. Ihre soulige Version von «I Saw Mommy Kissing Santa Claus» landete 2008 auf einem Sampler. Wer sich den Song anhört wünscht sich aber wohl mehr von Winehouse’ «Soul-Christmas».
Der Flirt von Gustav
Hört man sich die ersten Töne der Gesangsmelodie von Gustavs «Bout du monde» an, wird klar, dass auch er ein bisschen mit «I Saw Mommy Kissing Santa Claus» geflirtet haben könnte.
Clever adaptiert der Freiburger Musiker die Tonabfolge des Klassikers und verlässt die Spur just bevor man ihm Plagiatsvorwürfe machen könnte. So flechtet man geschickt und attraktiv ein musikalisches Zitat eines Klassikers in einen eigenen Song ein.
Autor: Gregi Sigrist
Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.