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Eine Seuche breitet sich von Zürich in die restliche Deutschschweiz aus: das Glacé. Jetzt spricht schon Coop in einer Konsumentenpublikation von Glacéstängel. Gemeint ist damit Speiseeis und nicht etwa das mit Zucker glasierte Blätterteiggebäck, das auch unter dem Namen Glacé-Stängeli bekannt ist.
Bei uns im zweisprachigen Kanton Bern wissen wir natürlich, dass es nicht «äs Glacé», sondern «e Glace» heissen muss. Glace heisst auf Französisch Eis, tout simplement. Umso paradoxer ist es, dass unsere Miteidgenossen an der Limmat das Lehnwort mit einem «accent aigu» aufmotzen, um es noch französischer erscheinen zu lassen als es ist.
Ein «gâteau glacé» ist nicht eine Eistorte, sondern ein mit Zuckerguss überzogener Kuchen. Zwar findet sich im Duden, dass glacieren nicht nur mit Zuckermasse übergiessen bedeutet, sondern veraltet auch für «zum Gefrieren bringen» stehen kann. «Ein Glacé» wäre aber auch dann nicht korrekt, wenn damit Gefrorenes gemeint sein sollte. Auch kann ich nicht nachvollziehen, weshalb die modernen Zeitgenossen in der grössten Stadt der Schweiz unbedingt einen veralteten Ausdruck verwenden wollen.
Ein Glacé ist laut Duden ein glänzendes Gewebe. Daraus werden zum Beispiel Glacéhandschuhe gefertigt.
Bedauerlicherweise wird eine falsche Schreibweise, die von vielen Leuten verwendet wird, nach einiger Zeit als gängige Form in den Duden aufgenommen. Im Wikipedia-Eintrag «Speiseeis» hat sich das Glacé bereits eingeschlichen: «in der Schweiz und Luxemburg die Glace [ˈɡlasə] oder das Glacé ([ˈɡlaˌse], aus dem Franz.)». So ist zu befürchten, dass sich das Glacé-Virus, unter anderem von dem in Basel ansässigen Grossverteiler Coop in alle Haushalte verteilt, in der ganzen Deutschschweiz verbreiten wird. Inzwischen sagen wir Berner weiterhin stolz: «E Glace, bitte!»