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Humor ist die bessere Waffe
“Micmacs” von Jean-Pierre Jeunet
Fünf lange Jahre warteten Fans des französischen Regisseurs Jean-Pierre Jeunet auf dessen neuesten Film. Die Erwartungen hätten kaum höher sein können. Mit “La cité des enfants perdus”, “Delicatessen”, “Le fabuleux destin d’Amélie Poulain” und “Un long dimanche de fiançailles” hatte Jeunet bereits vier Meisterwerke abgeliefert. Wären sein neuster Film “Micmacs” ein Erstlingswerk, man dürfte ihn loben. Als Jeunet-Film hingegen enttäuscht er leider über weite Strecken.
Von Lukas Hunziker.
Bazil (sympathisch gespielt von Danny Boon) hat seinen Vater verloren, als dieser auf eine Landmine trat, und seinen Job und seine Wohnung, als er als Zeuge bei einer Schiesserei eine Kugel einfing, die nun in seinem Kopf steckt und ihn jederzeit umzubringen droht. Kein Wunder ist er nicht besonders gut auf die Rüstungsindustrie zu sprechen, welche das Material für die beiden schrecklichsten Momenten in seinem Leben hergestellt hat. Da er ohnehin kaum Aussicht auf einen neuen Job hat, macht es sich Bazil daher zur Aufgabe, seinen Feind zu bekämpfen. Glücklicherweise besteht dieser aus zwei rivalisierenden Rüstungskonzernen, welche er gegeneinander auszuspielen gedenkt.
Ein Kabinett an schrulligen Aussenseitern
Unterstützung erhält er dabei von einer Gruppe Aussenseitern, welche auf einem Schrottplatz in Paris wohnen, wo sie sich aus Gerümpel ein regelrechtes Schloss gebaut haben. Unter Bazils neuen Freunden ist ein Künstler, der aus Schrott wunderschöne mechanische Kunstwerke baut, eine Schlangenfrau, ein Mann, der ehemals als menschliche Kanonenkugel tätig war, eine Frau, die alles sofort aus- und berechnen kann und dafür sozial nur wenig kompetent ist – kurz, ein klassisches Jeunet’sches Kabinett an schrulligen Gestalten, die in der modernen Welt keinen Platz mehr haben, aber prima Freunde abgeben.
Mit Hilfe der verschiedenen Fähigkeiten seiner Mitstreiter zieht Bazil in den Krieg gegen die beiden Rüstungsgiganten. Dabei zuzusehen, wie die beiden Bösewichte von Bazils Bande vorgeführt werden, ist amüsant – aber nicht viel mehr. Die beiden Konzernchefs sind so stark karikierte Bösewichte und Bazil ein so überaus sympathischer Held, dass wenig Raum für Überraschungen bleibt. Oder anders gesagt: “Micmacs” ist Kasperletheater für Erwachsene, amüsant, liebevoll inszeniert, aber durchschaubar von der ersten Minute an.
Üppig dekorierter Werbespot
Zugegeben, das war “Amélie” stellenweise auch. Aber während die zahlreichen Nebenfiguren in Jeunets Meisterwerk trotz all ihrer Exotik glaubhaft waren und eine wichtige Funktion in der Handlung übernahmen, sind die schrulligen Köpfe in “Micmacs” kaum mehr als eine üppige Dekoration. Dekoriert ist der Film, wie von Jeunet gewohnt, auch sonst hervorragend – die Sets sind wunderbar dekoriert, die Einstellungen und Bildkompositionen mit viel Feingefühl eingesetzt. Doch die Story, die zündet über 100 Minuten nie richtig und der Film hinterlässt das Gefühl, Jeunet hätte in seinem bekannten Stil einen überlangen Werbespot für die internationale Abrüstung gedreht.
Ausstattung
Die DVD enthält ein 50minütiges “Making of”, wie wir es uns von Jean-Pierre Jeunets Filmen gewohnt sind: unkommentierte Blicke hinter die Kulissen. Allerdings ist das, was wir sehen, wesentlich interessanter als die üblichen langweiligen B-Rolls, denn wir dürfen dem Regisseur bei Gesprächen mit Schauspielern und Crew zuhören, treffen Audrey Tautou bei ihrem Setbesuch und dürfen einen Blick auf die Filmbewertungen des Testpublikums werfen (welches den Film lieber mochte als die meisten Kritiker).
Seit dem 2. Dezember 2010 im Handel.
Originaltitel: Micmacs à tire-larigot (Frankreich 2009)
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Darsteller: Danny Boon, Dominique Piñon, André Dussollier, Nicolas Marié, Jean-Pierre Marielle, Yolande Moreau, Julie Ferrier, Omar Sy, Marie-Julie Baup
Genre: Komödie
Dauer: 105 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprache: Französisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Audiokommentar von Jean-Pierre Jeunet, Making of, Trailer, Bildgalerie
Vertrieb: Warner
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