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Der gebürtige Kanadier Neil Young zog Mitte der Sixties nach Los Angeles, ins Mekka der Hippies, um Musiker zu werden. Damals gab es einiges, gegen das man protestieren konnte: vom konservativen Lebensstil der Eltern bis zum eskalierenden Vietnam-Krieg. Die Musikszene, die damals als Ventil und als Kommunikationsmittel der Jugend galt, war in Aufruhr.
Protesthymne der jungen Menschen
Youngs erste kalifornische Band waren «Buffalo Springfield», das Projekt von Stephen Stills, einem Sänger und Gitarristen, dem Young bereits 1963 begegnet war und dessen Wege er immer wieder kreuzte. Hier wurde (das von Stills verfasste) «For what it’s worth» zur Protesthymne für die Sache der jungen Menschen der USA.
Es folgte die Folkrock-Starband «Crosby, Stills & Nash», bei der Neil Young zeitweise mitwirkte – worauf jeweils der Bandname erweitert wurde. Sporadisch, oder soll man sagen, wenn es Young gerade in den Kram passte.
«Iss einen Pfirsich»
Schon damals entwickelte er seinen Ruf als eigenwilliger, ja sogar als sperriger Mitmensch und Musiker. 1976 gründeten etwa die beiden alten Weggefährten die «Stills-Young-Band». Stills und Young nahmen ein Album auf und gingen auf Tournee.
Nach 19 Daten reichte Young per Telegramm seine Kündigung ein. Der Wortlaut ist überliefert: «Lieber Stephen, seltsam, wie Dinge, die so spontan anfangen, auf so eine Art aufhören. Iss einen Pfirsich. Neil».
Stilistisches Hakenschlagen
Am wohlsten schien es Neil Young bei seiner Solo-Karriere. Hier redete niemand drein, hier vollzog er ein stilistisches Hakenschlagen, bis es allen, mit Ausnahme seiner treusten Fans, schwindlig wurde.
Hier nahm er Stellung zu allem, was ihn beschäftigte: Er schrieb Lieder gegen den Armeeinsatz an der Kent State Universität in «Ohio», bei dem es vier Tote gab. Er schrieb in «Southern Man» gegen den Rassismus der Südstaaten. Der Song erhielt in «Sweet Home Alabama» von Lynyrd Skynyrd eine Rock-Hymne zur Antwort. Und mit «After The Goldrush» schrieb er ein etwas diffus wirkendes Lied für den Umweltschutz.
Daneben gab es immer wieder die Alben, mit denen er ein Riesenpublikum anzog, zum Beispiel das entspannte Country-Rock-Album «Harvest», das ihn im Jahr 1972 in den musikalischen Mainstream hievte.
Ein engagierter Musiker
Neil Young ist sich bis heute treu geblieben. Immer wieder mischt er sich mit schnell produzierten Alben in die Aktualität ein, schreibt ein gesamtes Album («Living with the War», 2006) gegen die Bush-Administration und den Irak-Krieg, legte sich 2005 mit einem weiteren Album mit dem Monsanto-Agrarkonzern an, der ihn dafür überwachen liess.
Neil Young ist ein streitbarer Mann, der für seine eigenen Ansichten eintritt, der sich Anfang Jahres in den USA einbürgern liess, um gegen Donald Trump stimmen zu können. Ein engagierter Musiker, eigentlich lobenswert, doch musikalisch waren diese Depeschen von begrenztem Interesse, denn die Message schien oft wichtiger als der Song selbst.
Zum Glück besitzt der Mann ein mit vielen Songperlen gespickten Katalog – das Portefeuille eines der wichtigsten Komponisten der Rock- und Folk-Geschichte.