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Wenn wir uns unter Druck fühlen, überarbeitet sind, mit familiären Problemen kämpfen, wenn wir also „gestresst“ sind, wird unser Autonomes Nervensystem aktiviert. Dieses ist ein sehr primitives, unwillkürliches System, das grosse Energiemengen freisetzt, wenn der Mensch einer Gefahr ausgesetzt ist. In der englische Sprache redet man vom „fight or flight“: Als der Steinzeitmensch auf einen Löwen oder Bären traf, stellte sich sein Körper so um, dass er optimal auf das Kämpfen oder Laufen eingestellt war. Die Folge: Die Pupillen weiten sich, sodass wir besser sehen, der Herz- und Atemrhythmus steigen, sodass wir schneller laufen können, mehr Glukose wird freigesetzt, sodass die Muskeln besser arbeiten, das Blut wird von den inneren Organe zu den Extremitäten umgeleitet (Wer braucht noch zu verdauen, wenn es um Leben oder Tod geht?). Ausserdem werden Adrenalin und Cortisol für einen letzten Energiepush freigesetzt, und die hinteren Teile des Gehirns werden aktiviert, was analytisches und kreatives Denken hemmt, dafür aber blitzschnelle Reaktionen fördert. Macht das Sinn? Für den Steinzeitmensch schon, doch für den modernen Menschen sind Situationen, die derartige Massnahmen erfordern, seltener. Wenn sich Stress einstellt, ist die von uns wahrgenommene Gefahr mehrheitlich nicht real. Anstelle von körperlich bedrohlichen Situationen plagen uns Gedanken und Emotionen (Zeitdruck, Überbelastung oder Unterforderung, existentielle Ängste, emotionale Belastungen, Mobbing, etc.). Trotzdem reagiert unser Nervensystem gleich wie bei einer Auseinandersetzung mit einem Löwen und aktiviert den passenden „Emergency Modus“ (den Sympathikus), wie oben beschrieben.
Was passiert dabei mit unserem Immunsystem? Wissenschaftlichen Studien haben die Wechselwirkungen von Nervensystem, Psyche und Immunsystem erforscht. Akuter Stress, der wenige Minuten bis Stunden dauert, ist per se nicht problematisch. Hier steigen die Werte für bestimmte Immunzellen zwar stark an, um jedoch kurze Zeit später, nach adäquater Erholung, wieder schnell abzufallen. Bei Dauerstress sieht es anders aus: Bestimmte Substanzen, die der Abwehr von Krankheitserregern dienen, sinken ab, und gleichzeitig werden Stresshormone ausgeschüttet, die eine angemessene Immunantwort des Organismus unterdrücken. „ Neben einer erhöhten Infektionsanfälligkeit kann auch das Entstehen neuer Krankheiten und eine Verschlechterung bereits bestehender Erkrankungen begünstigt werden. Psychischer Stress verschlimmert beispielsweise häufig chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Asthma, Arthritis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“, bestätigt Prof. Norbert Müller von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin.*
Stress ganz zu vermeiden, ist für die meisten von uns unrealistisch, aber man kann lernen, Stress schnell abzubauen und mit ihm gesund umzugehen. Wenn man den Stress aus der evolutionären Perspektive betrachtet, wird klar, warum Sport eine gute Ausgleichsquelle ist: Die Energie, die in den Muskeln bereitgestellt worden ist, kann endlich gebraucht und die Stresshormone schnell abgebaut werden. Yoga, Meditation oder Atemtechniken sind andere Methoden, die in letzter Zeit auch in Firmen praktiziert werden. In Yoga und Pilates helfen die Körperwahrnehmung und die bewusste Ausführung der Bewegungen, im Hier und Jetzt zu sein, anstatt in den Gedanken- und Sorgenkreis zurückzufallen - ein tolles Mittel zur Selbsthilfe, wenn man die Abläufe erst einmal beherrscht. Bei der Craniosacral Therapie wird zwar ein Therapeut benötigt, dafür kann die Regulierung auch bei starken Beschwerden sehr schnell erreicht werden: Durch die feinfühlige Berührung des Schädels gleichen sich die Gehirnwellen und das autonomen Nervensystem aus.
Was immer Deine Strategie ist, gehe mit Stress bewusst um. Auch positive Gefühle wie Fröhlichkeit, Begeisterung und Dankbarkeit sind effektive Regulierer. Also wenn Du ein Sport Muffel bist und die Meditation auch nicht Dein Ding ist, sorge für gute Laune, lache, und pflege positive Gefühle- auch das ist eine effektive Gesundheitsstrategie!
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