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Als religiöses Institut ist die Missionsgesellschaft des Heiligen Paulus, die Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurde, die älteste Missionsgemeinschaft innerhalb der melkitisch-katholischen Kirche. In der Melkitischen Kirche gibt es drei Mönchsgemeinschaften: die Salvatorianer, die Basilianer vom Heiligsten Erlöser (Choueirites) sowie die Basilianer von Aleppo, die aber alle drei keine missionarische Ausrichtung haben.
Das Charisma des Gründers der Paulisten, Germanos Mouakkad, wurde 1903 von ihm selbst definiert: der Dialog mit den Muslimen, der interkonfessionelle Dialog, die Verkündigung sowie die christliche Pressearbeit. Die Ausbildung im Seminar, die akademische Ausbildung an der Universität und die pastorale Arbeit haben alle eine gemeinsame Ausrichtung: den Dialog. Derzeit arbeiten 23 Paulistenmissionare im Nahen Osten.
Ein Jahrhundert lang berichtete die von den Paulistenmissionaren herausgegebene und geleitete Zeitschrift Al-Maçarrat über das kirchliche, ökumenische und interreligiöse Leben im Nahen Osten. Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Krise musste sie ihr Erscheinen einstellen.
Ein weiteres Ziel der Paulistenmissionare ist es, Bischöfe zu unterstützen, die aufgrund des Priestermangels nicht in der Lage sind, alle ihre Pfarreien mit Seelsorgern zu besetzen. Hier unterstützen die Paulisten insbesondere finanziell schwache Pfarreien.
Im Erzbistum Latakia sind drei Paulistenmissionare in Marmarita in der Pastoralarbeit aktiv. Der derzeitige Patriarch der Melkitischen Kirche, Msgr. Youssef Absi, stammt aus der Paulistengesellschaft. Patriarch Maximos IV. Sayegh, der auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil für Aufsehen sorgte, stammte ebenso aus dieser Gesellschaft. Viele Paulistenbischöfe haben ihre Spuren in der Kirchengeschichte hinterlassen. Der letzte unter ihnen, Boulos Nassif Borkhoche, Erzbischof von Bosra und Hauran, der erst vor drei Jahren verstarb, spielte während des Syrienkriegs eine wichtige Rolle in der Vermittlung zwischen dem Regime und den Rebellenmilizen. Er rettete mehreren Menschen das Leben.
Mosaik der Geburt Christi in der Paulus-Kathedrale in Harissa (Libanon)
Das Fest der Geburt von Jesus Christus, ist am 25. Dezember, und die heiligen drei Könige kamen am 6. Januar, um das Jesuskind zu verehren. Dies ist das landläufige Verständnis von Weihnachten. Doch wann Jesus von Nazareth geboren ist, haben die Evangelisten nicht festgehalten.
Wahrscheinlich zu Beginn des 4. Jahrhunderts entstand in Alexandrien das Epiphanie-Fest. Die alexandrinischen Christen deuteten das Fest des hellenistischen Gottes Aion um zum Fest der Erscheinung des Herrn. Dieses Ideenfest in der Nacht zum 6. Januar verband die Geburt Christi, die Verehrung durch die Magier, die Taufe im Jordan und das Weinwunder auf der Hochzeit zu Kanaan.
Die Menschwerdung Gottes zu feiern war die liturgische Antwort auf die Irrlehre des Arianismus, der in dieser Zeit entstand. Der alexandrinische Priester Arius ordnete Jesus Christus Gott dem Vater unter und leugnete die Wesensgleichheit. Patriarch Athanasios von Alexandrien verteidigte den auf dem Konzil von Nicäa formulierten Glauben an Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch.
Bei Deiner Taufe im Jordan, Herr, wurde die anbetungswürdige Dreifaltigkeit geoffenbart. Denn des Vaters Stimme zeugte für Dich, da sie Dich nannte den geliebten Sohn, und der Geist in Gestalt einer Taube bekräftigte die Gewissheit des Wortes. Christus, Gott, der erschien und die Welt erleuchtet, Ehre sei Dir!
Troparion am 6. Januar im byzantinischen Ritus
Kondakion
Du bist heute dem Erdkreis erschienen und Dein Licht ist über uns aufgeleuchtet. Voll Erkenntnis singen wir Dir: Gekommen bist Du, bist erschienen, unzugängliches Licht.
In Rom hat etwa zur gleichen Zeit das Geburtsfest Christi das römische Fest der Geburt der unbesiegten Sonne am 25. Dezember abgelöst. Kaiser Aurelian hatte 274 diesen personifizierten Sonnenkult als römischen Staatskult eingeführt, um alle Völker des römischen Reiches untereinander zu verbinden. Die römischen Christen gaben dem Festtag einen neuen Sinn und feierten stattdessen den geschichtlichen Christus, «die Sonne der Gerechtigkeit» (Mal 3,20) und «das Licht zur Erleuchtung der Heiden» (Luk 2,32). In der römischen Stadtliturgie lässt sich das Weihnachtsfest am 25. Dezember erstmals für das Jahr 336 nachweisen.
Von Rom aus verbreitete sich das Weihnachtsfest zunächst im lateinischen Abendland und erreichte ein halbes Jahrhundert später auch den griechischen Orient, wo bereits am 6. Januar das Epiphanie-Fest die Geburt und die Taufe Jesu Christi feierte. Gregor von Nazianz führte das Weihnachtsfest um 380 in Konstantinopel ein und Johannes Chrysostomos 386 im syrischen Antiochien. Im Gegenzug übernahm der lateinische Westen das Epiphanie-Fest am 6. Januar. Nur die armenische Kirche, die schon ausserhalb des Einflussgebiets lag, übernahm das Weihnachtsfest nicht, sondern feiert am 6. Januar Geburt und Taufe Jesu Christi.
Weihnachtstropar im byzantischen Ritus
Deine Geburt, Christus, Gott, hat der Welt das Licht der Erkenntnis aufstrahlen lassen. Damals wurden die Gestirnverehrer von einem Stern belehrt, Dich anzubeten die Sonne der Gerechtigkeit und Dich den Aufgang aus der Höhe zu erkennen. Herr, Ehre sei Dir.
Kondakion 3. Ton
Heute gebiert die Jungfrau den Überseienden und die Erde gewährt dem Unzugänglichen eine Höhle. Engel lobsingen mit den Hirten, Weise ziehen mit einem Stern. Denn für uns wurde das Kind neugeboren. Der urewige Gott.
Der Weihnachtszeit geht im Osten eine 40-tägige Fastenzeit voraus. Die Fastenregeln mit Verzicht auf Fleisch, Fisch und Milchspeisen sind recht streng. Im Westen hat das Konzil von Trient mit anderen liturgischen Reformen die Adventszeit auf 4 Wochen verkürzt.
Doch warum feiern verschiedene Kirchen im Osten Weihnachten erst am 7. Januar? Diese Kirchen benutzen den alten julianischen Kalender, den Julius Caesar inspiriert vom ägyptischen Kalender eingeführt hat. Der julianische Kalender geht in 4 Jahrhunderten 3 Tage nach. 1582 liess daher Papst Gregor XIII. 10 Tage ausfallen und erweiterte die Schaltjahrregel. Seither sind 3 weitere Schalttage (1700, 1800 und 1900) im gregorianischen Kalender gegenüber dem julianischen ausgefallen. Daher fällt der julianische 25. Dezember derzeit auf den gregorianischen 7. Januar. Einige orthodoxe Kirchen wie die griechische haben die Kalenderreform mit der Zeit übernommen; andere wie die russisch-, die serbisch- und die georgisch-orthodoxe Kirche, sowie auch die koptische und die syrische Kirche hielten an ihrem alten liturgischen Kalender fest.
Auch die Bräuche rund um Weihnachten unterscheiden sich im Nahen Osten. Das von Franz von Assisi propagierte Krippenspiel hat sich im Osten nicht verbreitet. Die Vorbereitungszeit auf Weihnachten wird von der Fastenzeit geprägt. Die Kommerzialisierung der Adventszeit ist zwar durch die westlichen Filme bekannt, der Geschenkedruck ist jedoch nicht bekannt. Die Kinder bekommen neue Kleider, die dann am Weihnachtsfest-Gottesdienst erstmals getragen werden.
Spiritueller Impuls – Der Heilige Ephräm der Syrer – Theologe und Dichter
Der heilige Ephräm der Syrer kam um das Jahr 306 im syrischen Nisibis in einer christlichen Familie zur Welt. Papst Benedikt XVI. sagte in der Generalaudienz am 28. November 2007 über Ephräm: «Er war der bedeutendste Vertreter des Christentums syrischer Sprache, und es gelang ihm, auf einzigartige Weise die Berufung des Theologen mit jener des Dichters zu verbinden.
Er bildete sich und wuchs heran an der Seite des Bischofs Jakobus von Nisibis (303–338); mit ihm gemeinsam gründete er die theologische Schule seiner Stadt. Nach seiner Diakonweihe nahm er intensiv am Leben der christlichen Ortsgemeinde teil, bis Nisibis im Jahr 363 in die Hände der Perser fiel. Ephräm emigrierte nun nach Edessa, wo er seine Tätigkeit als Prediger fortsetzte. In dieser Stadt starb er 373 als Opfer der Pest, mit der er sich bei der Pflege der Pestkranken angesteckt hatte.»
Ephräm der Syrer (306–373) wird im Osten und im Westen verehrt.
Eine besondere Rolle in Ephräms Werken nimmt die Jungfrau Maria ein. Immer wieder bestaunt er in seinen Marienliedern das Mysterium des Wirken Gottes, wie es in Maria zum Ausdruck kommt. Ephräm schreibt:
Niemand weiss, wie er nennen soll
Deine Mutter, o Herr!
Nennt er sie «Jungfrau»
– ihr Kind steht dagegen;
«Vermählte», keiner hat sie erkannt.
Wenn aber schon deine Mutter
unbegreiflich ist – wer kann dich fassen?
Der heilige Ephräm der Syrer wird im Osten und Westen verehrt. Papst Benedikt XV. erhob ihn 1920 zum Kirchenlehrer. Viele Hymnen und Gebete wurden in andere Sprachen übersetzt. Das eindrückliche Gebet am Ende der Gottesdienste in der grossen Fastenzeit im byzantinischen Ritus wird Ephräm dem Syrer zugeschrieben:
Herr und Gebieter meines Lebens,
einen Geist des Müssiggangs,
des Kleinmuts, der Herrschsucht und
der Geschwätzigkeit gib mir nicht.
Einen Geist aber der Besonnenheit,
Demut, Geduld und Liebe gewähre mir,
deinem Knecht.
Ja, Herr, König, schenke mir, meine
Fehltritte zu sehen und meinen Bruder
nicht zu verurteilen; denn du bist
gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
Das Bild zeigt einen Doppelschrein für den heiligen Ephräm den Syrer und den heiligen Yehnis Kame im Kloster al-Adra as-Surian im ägyptischen Wadi Natroun, auf halbem Weg von Kairo nach Alexandria. Ephräm kam den Eremiten Pishoy (320 –417) besuchen, der in der Senke als Einsiedler lebte und zahlreiche Schüler um sich geschart hatte. Er steckte den Wanderstab in gebührender Entfernung von der Zelle des Pishoy in die Erde und blieb längere Zeit bei ihm.
Wie er wieder aus der Zelle des Pishoy kam, hatte der Stab Wurzeln geschlagen. Um den Tamarinden-Baum haben die Mönche des Syrer-Klosters ein Gebäude gebaut, das später eine Druckerpresse beherbergte. Vom 9. bis 14. Jahrhundert lebte in diesem Kloster eine syrische Mönchsgemeinschaft mit den koptischen Mönchen zusammen. Die Marienkirche neben der Zelle des Pishoy wurde im 12./13. Jahrhundert mit Wandmalereien mit koptischen und syrischen Inschriften ausgemalt.
Die reiche Kollektion an syrischen Handschriften in der Klosterbibliothek zog viele europäische Bibliophile an. Die wichtigsten Manuskripte befinden sich heute im Vatikan, in der Nationalbibliothek in Paris und im britischen Museum in London.
Neues aus Jabboulé – Unser Kinderheim benötigt weitere Unterstützung
Im Rahmen der Karwochenkollekte konnte der Schweizerische Heiligland-Verein das Kinderheim der Schwestern der Kongregation Notre-Dame du Bon Service in Jabboulé an der libanesisch-syrischen Grenze unterstützen. Im beiliegend abgedruckten Dankesbrief berichtet die Generaloberin über die momentane Situation vor Ort.
Sehr geehrte Freundinnen und Freunde vom Schweizerischen Heiligland-Verein
Schwester Alyia, die Leiterin unseres Kinderheims, schliesst sich meinem Dank an Sie für die Unterstützung unserer Institution im Rahmen der Karwochenkollekte an.
Aufgrund der weiterhin wirtschaftlich prekären Lage im Libanon und der ständigen Abwertung des libanesischen Pfunds sind die Betriebskosten unseres Kinderheims weiterhin sehr hoch, hauptsächlich wegen der hohen Energiekosten, aber auch wegen der teuren Preise für Lebensmittel und medizinische Dienstleistungen. Wir können unseren Kleinen nicht die gleichen Einschränkungen auferlegen wie den erwachsenen Personen, denen wir helfen.
Neun Kinder haben die Schwestern in Jabboulé neu aufgenommen, ohne dafür staatliche Unterstützung zu erhalten.
Vor kurzem haben wir neun sehr kleine Kinder aufgenommen, die uns vom Jugendrichter anvertraut worden sind. Sie benötigen besonders viel Liebe, Fürsorge und Zuwendung. Der Staat leistet für diese Betreuungsaufgaben, die wir sehr gerne übernehmen, keine Entschädigung. Bis im Herbst werden einige der Kinder eine neue Familie gefunden haben.
Wir fügen Ihnen gerne einige Fotos unserer Kleinen bei, damit Sie besser verstehen, welche Verantwortung wir übernommen haben. Allen Mitgliedern und Spenderinnen und Spendern des Heiligland-Vereins sei für alles gedankt, was sie für das Glück unserer Kinder tun. Wir beten für all ihre Anliegen und auch für die Ihren.
Bethlehem Universität und Handwerkerschule der Salesianer unterzeichnen Abkommen
Die Universität Bethlehem hat am 21. Juli 2023 mit der Unterzeichnung eines Partnerschaftsabkommens mit den Salesianern der Provinz Don Bosco im Nahen Osten einen wichtigen Schritt zu einer nachhaltigen Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten ihrer Studierenden im Bereich Energietechnik getan. Die Vereinbarung gewährt der Universität Bethlehem Zugang zur Infrastruktur der Handwerkerschule der Salesianer in Bethlehem.
Bruder Peter Bray, Rektor der Universität Bethlehem, und Pater Pietro Bianchi, Provinzökonom der Salesianer der Provinz Don Bosco Middle East, unterzeichneten die Vereinbarung. Ebenfalls anwesend waren Dr. Iman Saca, Vizepräsidentin für akademische Angelegenheiten, Dr. Fadi Kattan, Dekan der Shukri Ibrahim Dabdoub Fakultät für Betriebswirtschaft, Pater Alejandro Jose Leon Mendoza, Regionaloberer der Salesianer im Nahen Osten, und Pater Gianni Caputa, Vikar des Salesianerkonvents in Bethlehem.
Während der Veranstaltung betonte Bruder Peter die tiefgreifenden positiven Auswirkungen der Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen in Bethlehem, welche die Qualität und die Ausbildungsmöglichkeiten von Studierenden der Universität Bethlehem verbessern werden.
Pater Bianchi schloss sich dieser Meinung an und unterstrich die strategische Bedeutung dieser Kooperation. Diese Partnerschaft bietet durch die weitreichenden Verbindungen der Salesianer im Bereich der Ausbildung in technischen Berufen und dem guten Ruf und der hohen Kompetenz der Universität Bethlehem im Bereich der Hochschulbildung für beide Seiten neue Perspektiven für die Zukunft.
Die Vereinbarung zielt darauf ab, die Ausbildungsmöglichkeiten der palästinensischen Jugend zu stärken, indem zeitgemässe Programme angeboten werden, die auf die sich entwickelnden Bedürfnisse des palästinensischen Arbeitsmarktes abgestimmt sind. Die Salesianer Don Boscos betreiben weltweit mehrere Ausbildungsstätten, die ähnliche Programme anbieten und wertvolles Fachwissen zur Entwicklung des Programms für nachhaltige Energietechnik beitragen werden.
Gottesdienst – Begegnung und Apéro mit Erzbischof Georges Khawam aus Latakia, Syrien
Gottesdienst Begegnung und Apéro mit Erzbischof Georges Khawam aus Latakia, Syrien
3. September 2023
Sonntagsgottesdienst um 10.30 Uhr
Kirche Christkönig
danach moderierte Begegnung und Apéro
Pfarreisaal Christkönig, Boulevard de Perolles 45, Freiburg
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Spiritueller Impuls – Die Reise der Heiligen Familie nach Ägypten
Zeitgenössische koptische Ikone der Flucht der heiligen Familie nach Ägypten, gemalt im Nonnenkloster Deir-Tadros, Haret er Roum.
«Steh auf, Josef, und flieh»
Am 24. des koptischen Monats Bashon – nach dem gregorianischen Kalender der 1. Juni – feiert die koptische Kirche die Ankunft unseres Herrn und Heilands, Jesus Christus, in Ägypten. In der Bibel berichten die Evangelisten Mätthaus und Lukas über die Kindheit Jesu. Lukas schreibt über die Darbringung im Tempel, 40 Tage nach der Geburt, und die Begegnung mit dem greisen Simeon und der Prophetin Anna. Danach kehren die Eltern mit Jesus nach Nazareth zurück.
Matthäus erzählt im Kapitel 2, 13–15:
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Der zornige Herodes lässt nun in Bethlehem und Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten. Über die Zeit und was die heilige Familie in Ägypten gemacht hat, berichtet Matthäus nichts, sondern fährt gleich mit der Rückkehr der Heiligen Familie von Ägypten nach Israel fort (Mt 2, 19-21):
Als Herodes gestorben war, siehe, da erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Steh auf Josef, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.
Den ägyptischen Christinnen und Christen bedeutet der Aufenthalt von Jesus mit seiner Familie in ihrem Land sehr viel. An den Orten, die nach mündlicher Überlieferung durch den Aufenthalt der Heiligen Familie gesegnet wurden, wurden Kirchen und Klöster errichtet. Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin, baute nicht nur in Jerusalem und Bethlehem Kirchen, sondern auch an verschiedenen Orten im Niltal, wo die heilige Familie sich aufgehalten hatte. Das Nonnenkloster St. Georg in Alt-Kairo hat 2016 die verschiedenen historischen Quellen in einem Buch «The Journey of the Holy Family to Egypt» mit reichen Illustrationen zusammengetragen.
Das erste Ziel der Flucht Josefs war demnach die Festung Babylon im heutigen Alt-Kairo. Dort lebten Verwandte der Familie Jesu unten den zahlreichen Jüdinnen und Juden um die nun Ben Ezra genannte Synagoge. Auf dem Weg vom Nord-Sinai durch das Nil-Delta musste Josef mit Maria und Jesus auf dem Esel mehrfach die Richtung ändern, um den Soldaten von Herodes auszuweichen. Die Bevölkerung verjagte sie, weil die Götterbilder in den Tempeln angesichts des
Jesuskindes zerbarsten, wie in Tel-Basta die Statuen der katzenköpfigen Bastet.
Über dem Raum, wo sich die Heilige Familie in Alt-Kairo mehrere Tage aufgehalten haben soll, wurde die Sergius und Bacchus-Kirche errichtet. Im südlichen Vorort von Kairo, Maadi, bestiegen die drei ein Segelboot, um nach Süden zu gelangen.
Am längsten – nämlich sechs Monate und zehn Tage – soll sich die heilige Familie in Oberägypten aufgehalten haben, wo heute das Moharraq-Kloster in der Nähe von Assiut steht. Dort soll Josef im Traum nach einer frühchristlichen Tradition vom Engel zur Rückkehr aufgefordert worden sein.
Gemäss dem Manuskript von Patriarch Theophilus aus dem 4./5. Jahrhundert dauerte die Reise insgesamt drei Jahre und sechs Monate. Auf den Spuren der Heiligen Familie hat die ägyptische Tourismusbehörde heute verschiedene Pilgerorte renoviert und für den Empfang von Touristinnen und Pilgern hergerichtet.
Ein verheerendes Erdbeben hat die Türkei und Syrien erschüttert. Die Katastrophe hat unglaubliches Leid verursacht. Unzählige Überlebende haben alles verloren. Sie brauchen eine sichere Unterkunft, Nahrungsmittel, Wasser und medizinische Versorgung. Vor allem aber brauchen sie Mitgefühl und menschliche Wärme. Dafür stehen unsere Partnerorganisationen.
Der freiberufliche Theologe Christoph Klein ist beim Bergsteigen in Patagonien bei einem tragischen Unfall am 19. Dezember 2022 ums Leben gekommen.
Der Schweizerische Heiligland-Verein trauert um sein langjähriges Mitglied und freien Mitarbeiter Christoph Klein (48). Der freiberufliche Theologe ist beim Bergsteigen in Patagonien bei einem tragischen Unfall am 19. Dezember 2022 ums Leben gekommen. Christoph kam regelmässig zu unseren Generalversammlungen, er nahm als Berichterstatter an unseren Projektreisen teil und er reiste in unserem Auftrag in die Länder des Nahen Ostens, wo er in spannenden Videobeiträgen einige unserer Projekte dokumentierte. Danke, Christoph, für deine unkonventionellen Ideen und deinen Mut, mit denen du dich für die Menschen im Nahen Osten eingesetzt hast. Wir wünschen seiner Frau und seinen drei Töchtern viel Kraft und Vertrauen für den Abschied von ihrem Partner und ihrem Vater.
Pfarrer Dr. Leo Häfeli – Pionier der Gründerzeit des Heiligland-Vereins
Der «Verein Schweizerischer Jerusalempilger» verhalf dem späteren Stadtpfarrer von Baden zu seiner ersten Forschungsreise ins Heilige Land. Eine Seminararbeit beleuchtet DDr. Leo Häfeli (1885-1948), sein Leben und sein Wirken – ein hochbegabter «Orientalist» und eine spannende Persönlichkeit aus den Anfängen des Schweizerischen Heiligland-Vereins.
DDr. Leo Häfeli (1885-1948)
Am 18. April 1885 kam im aargauischen Klingnau der kleine Leo zur Welt. Über seine Kindheit und Jugend «in bürgerlichen Verhältnissen» ist wenig bekannt – sicher aber ist, dass der begabte Junge das Gymnasium mit Auszeichnung abschloss. Danach folgte das Theologiestudium in Freiburg im Breisgau und in Tübingen. Bereits mit 23 Jahren wurde Leo Häfeli zum Priester geweiht und trat seine erste Stelle als Pfarrhelfer in Bad Zurzach an.
Sprachgenie mit zwei Doktortiteln
Neben seiner kirchlichen Laufbahn als Priester und Seelsorger war Häfelis Leben aber stets ebenso stark bestimmt von seiner Faszination und Leidenschaft für die Sprachen und Kulturen des «alten Orients». Hervorragende Kenntnisse in Arabisch, Assyrisch, Griechisch, Hebräisch und Syrisch sowie kompetenten Gebrauch von Latein, Englisch und Französisch attestiert ihm Damian Troxler in seiner Seminararbeit, die er im Sommer 2022 am Departement für Zeitgeschichte der Universität Fribourg eingereicht hat. Da verwundert es nicht, dass Leo Häfeli nach seiner Pfarrhelfer-Zeit gleich zwei Doktortitel erworben hat: in Philosophie in Tübingen und in Theologie in Freiburg im Breisgau. Seine ersten Publikationen befassten sich mit Samaria und Peräa. Häfeli forschte und schrieb über diese Landstriche im «Heiligen Land», ohne je dort gewesen zu sein.
Ein grosser Traum geht in Erfüllung
Dass der junge Geistliche längst von einer ausgedehnten Forschungsreise in den Nahen Osten träumte, lässt sein Wechsel ans Päpstliche Bibelinstitut in Rom erahnen. Leider zerschlugen sich die weit gediehenen Pläne bald durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges – der Schweizer musste in seine Heimat zurückkehren, wo er als Pfarrer in Würenlos wirkte. Schliesslich verhalf ihm ein vom «Verein Schweizerischer Jerusalempilger» – dem heutigen Heiligland-Verein – vermitteltes Stipendium zur ersten Reise «nach dem Morgenlande», wie Häfeli in seiner Publikation «Ein Jahr im Heiligen Land» begeistert und dankbar festhielt: «…dass es mir vergönnt war, … meine seit bald zwanzig Jahren betriebenen orientalischen Studien fast ein ganzes Jahr lang durch unmittelbaren Augenschein zu vertiefen…»
Auch Vermittler zwischen den Kulturen
Nach diesem «Forschungsjahr» folgten einschlägige Publikationen im Jahrestakt – etwa über Cäsarea am Meer, Flavius Josephus, Syrien und den Libanon. Häfelis Forschungen erregten über Europa hinaus Aufmerksamkeit und brachten ihn schliesslich als Privatdozent an die Universität Zürich. Nun mehr als – ebenso geschätzter und umtriebiger – Stadtpfarrer von Baden dozierte er in Zürich Syrisch, Palästinensisch-Arabisch und über die Kultur des Heiligen Landes zur Zeit Jesu. Damian Müller zeigt schlüssig auf, dass Leo Häfelis Sicht auf Länder und Menschen des Nahen Ostens nicht vorschnell mit dem negativen Etikett «Orientalismus» (stereotype, westlich «beschränkte» Wahrnehmung der kulturellen Vielfalt) abqualifiziert werden darf. Dass das Urteil differenzierter ausfallen muss, beweisen die Zeilen der Israelitischen Kultusgemeinde Baden über den allzu früh verstorbenen Stadtpfarrer: «… dessen Menschenliebe und Herzensgüte keinen Unterschied unter den Konfessionen kennt».