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Methamphetamin-Konsum in der Schweiz: Leichte Zunahme eines Randphänomens
Der Anstieg des Methamphetamin-Konsums in Deutschland hat für Schlagzeilen gesorgt. Folglich stellte sich die Frage, ob die Schweiz ebenfalls betroffen sei. Die Resultate eines neuen Projektes von Sucht Schweiz, in Zusammenarbeit mit den Bundesämtern für Polizei (fedpol) und Gesundheit (BAG) geben jetzt Aufschluss: Die Ausweitung der Produktformen und Bezugsquellen könnte zu einer leichten Erhöhung der Verfügbarkeit und des Konsums in der Schweiz beitragen. Das Phänomen bleibt jedoch marginal und scheint hauptsächlich auf die Regionen mit Vertriebsorten beschränkt.
Über Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit Methamphetamin wurde in den vergangenen zwanzig Jahren aus verschiedenen Regionen der Welt (Asien, Naher Osten, Nordamerika, Ozeanien, Südafrika usw.) berichtet. In den letzten Jahren konnte auch in Europa eine Zunahme des Konsums und eine Diversifikation des Marktes beobachtet werden. Dies insbesondere in Skandinavien, in und um die Tschechische Republik (wo Methamphetamin schon seit mehreren Jahrzehnten produziert und konsumiert wird) und in Griechenland. Die Entwicklungen von Konsum und Handel der Substanz in der deutsch-tschechischen Grenzregion haben Befürchtungen geweckt, dass Methamphetamin – insbesondere in seiner kristallinen Form – sich auch in der Schweiz verstärkt verbreiten könnte.
Die Situation in der Schweiz
Die Untersuchungsresultate des Projektes "Neue Tendenzen im Drogenbereich" (NTD) deuten nicht auf eine massgebliche Ausweitung des Angebots von, respektive der Nachfrage nach Methamphetamin in der Schweiz hin. Der Konsum scheint zurzeit auf kleinere Personengruppen beschränkt zu sein, die einen einfachen Zugang zu den wichtigsten Vertriebskanälen für die Substanz – Thaishops und Massagesalons – haben. Die Analyse zeigt, dass auch zwanzig Jahre nachdem die sogenannten Thaipillen zum ersten Mal in der Schweiz aufgetaucht sind, wenig über dieses Milieu bekannt ist. Die Analyse legt ebenfalls nahe, dass ein leichter Anstieg des Konsums von Methamphetamin – insbesondere durch den Zugang zu einer „neuen“ Form (Crystal) und im Zusammenhang mit alternativen Vertriebswegen (deutsch-tschechisches Grenzgebiet, Internetkauf) – erfolgt sein könnte. Auf dem Schweizer Drogenmarkt scheint die Nachfrage nach Methamphetamin, im Vergleich zu anderen illegalen Stimulanzien wie Ecstasy (MDMA), Kokain oder Amphetamin, aber weiterhin gering zu sein.
Wachsam bleiben
Die Existenz eines Schwarzmarktes in der Schweiz und kleiner Gruppen von zum Teil jungen Konsumierenden deuten darauf hin, dass sich Konsumwellen in begrenztem Ausmass in Zukunft auch in der Schweiz entwickeln könnten, insbesondere dort, wo die Verfügbarkeit der Substanz gewährleistet ist (wie beispielsweise in Neuenburg, Biel, Bern, Basel, Luzern und Zürich). Eine Verknappung der Verfügbarkeit oder Verschlechterung der Qualität von anderen Substanzen, insbesondere Ecstasy, Amphetamin und Kokain, könnte zur Entstehung solcher «Wellen» beitragen.
"Neue Tendenzen in Drogenbereich" – Ein innovatives Projekt
Das Projekt „Neue Tendenzen im Drogenbereich (NTD)“, welches vom BAG finanziert und mit Unterstützung des fedpol umgesetzt wird, hat zum Ziel, neue Entwicklungen im Zusammenhang mit Drogen zu analysieren. Dazu werden Informationen und Daten aus den Bereichen Gesundheit und Sicherheit kombiniert, um ein besseres Verständnis davon zu entwickeln, welche Dynamiken sich zwischen Angebot und Nachfrage von illegalen Substanzen abspielen. Das Thema des ersten im Rahmen von NTD erstellten Berichts ist Methamphetamin. Um die Situation in der Schweiz zu analysieren wurden verfügbare Datensätze aus verschiedenen Quellen zusammengeführt und an einem interdisziplinären Workshop an dem WissenschaftlerInnen sowie Fachleute aus der Praxis teilnahmen, diskutiert. Zusätzlich wurde eine Reihe von kleineren Umfragen durchgeführt bei Personen, die in ihrem Berufsalltag möglicherweise mit der Thematik konfrontiert sind (AerztInnen, SozialarbeiterInnen, PolizistInnen) sowie unter NutzerInnen eines Internetforums zu Drogen.
Studie: Neue Tendenzen im Drogenbereich (NTD): Methamphetamin in der Schweiz
Auskunft:
Frank Zobel
Vizedirektor ad interim
<email-pii>
Tel.: 021 321 29 60
Die Stiftung Sucht Schweiz ist ein nationales Kompetenzzentrum im Suchtbereich. Sie betreibt Forschung, konzipiert Präventionsprojekte und engagiert sich in der Gesundheitspolitik. Das Ziel der Stiftung ist, Probleme zu verhüten oder zu vermindern, die aus dem Konsum von Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen hervorgehen oder durch Glücksspiel und Internetnutzung entstehen. Mehr als 200`000 Personen unterstützen unsere NGO.