Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03617.jsonl.gz/714

Da bisher Wiedereingliederungserfolge vor allem von der Qualifikation der Mitarbeitenden und der Kooperationsbereitschaft des bisherigen Arbeitgebers abhängig, wurde mit ver–schiedenen Ansätzen versucht, die Erfolgsquoten zu erhöhen – mit interessanten differentiellen Effekten:
1. Multimodales Work-Hardening-Programm bei unspezifischen chronischen Rückenschmer–zen (Kleist et al. 2003), bestehend aus einem intensiven körperlichen Aufbautraining, das an den beruflichen Anforderungen orientiert ist sowie einem verhaltenstherapeutischen Gruppen–programm zur Schmerzbewältigung, mit Informationen über Schmerzentstehung und -verar–beitung + Entspannungstraining. Nach dem einjährigen Follow-up fanden sich keine Unterschie–de zur Kontrollgruppe, die an einer “normalen” Rehabilitationsmassnahme teilgenommen hatten.
2. Medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation für orthopädische Patienten (Knörzer et al. 2008) umfasst ein Training an ergonomischen Modellarbeitsplätzen unterschiedlicher Berufs–felder, ein ergonomisches Training zur Verbesserung von Körperhaltung und Bewe-gungsabläufen, berufsspezifische Ausgleichsgymnastik sowie im Berufsalltag nutzbare Ent-spannungsübungen. Das Follow-up nach einem Jahr ergab signifikant geringere Absenzen am Arbeitsplatz im Vergleich zur Kontrollgruppe, wo keine Veränderung eintrat.
3. Im Reha-Programm bei Rücken- und Gelenkproblemen (Streibelt 2007) wurde die funktio–nelle Leistungsfähigkeit aufgrund des Anforderungsprofils am Arbeitsplatz trainiert sowie Einschränkungen in den Bewegungsabläufen reduziert; zusätzlich wurden verhaltens–medizinische Inhalte vermittelt. Zwar fanden sich hier nach einem Jahr keine Unterschiede in den Absenzen zwischen Trainings- und Kontrollgruppe, aber die Arbeits- und Erwerbslosig-keit war in der Trainingsgruppe deutlich reduziert.
4. Das integrierte orthopädisch-psychosomatische Behandlungskonzept konzentrierte sich auf das Thema “vorzeitige Berentung”, um unrealistische Erwartungen abzubauen und sie anzuregen, andere Lösungen im Umgang mit ihrer Erkrankung zu finden, einschl. Informationen über Unterstützung der Sozialversicherungen; darüberhinaus fand ein Training an simulierten Arbeitsplätzen statt. Hier zeigten sich deutlich geringere Schmerzen und weniger Absenzen in der Interventions- im Vergleich zur Kontrollgruppe mit dem üblichen Reha-Programm.
5. Die intensivierte berufsbezogenen Rehabilitation (Kittel & Karoff 2008) besteht aus Infor–mationen der psychologischen und Sozialdienste, um die Motivation zur Rückkehr an den Arbeits–platz zu erhöhen sowie eine Klärung der beruflichen Orientierung zu erreichen und neue Perspektiven zu entwickeln. Auch wurde ausführlich mit ihnen ihre gemesssene funktionelle Leistungsfähigkeit besprochen um Ängste vor Schmerzen zu reduzieren. Nach einem Jahr hatten deutlich mehr Teilnehmer wieder eine Erwerbstätigkeit aufgenommen im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Insgesamt zeigt sich also, dass Programme mit einem systemischen Ansatz, also dem Einbezug beruflicher Perspektiven und der Ängste vor Schmerzen, deutlich erfolgreicher sind als Pro–gramme, die nur versuchen, die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.
Quelle: W.Slesina & A.Weber: Medizinische Rehabilitation, Arbeitsanforderungen, Erwerbstätigkeit. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft 4/2011, Vol. 65, pp.285-296.