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Am 2. November 1920 fanden die ersten sechs Vorlesungen der Volkshochschule Zürich statt. Nach harten Kämpfen um die Vorherrschaft in der Zürcher Erwachsenenbildung begann eine Geschichte mit zahlreichen Auf und Ab – die Geschichte der humanistischen Allgemeinbildung für jedermann und jedefrau. Die Trägerschaft war breit abgestützt; das Protokoll der Gründungsversammlung vom 9. Juli 1920 verzeichnet folgende Organisationen: Bildungsausschuss der Arbeiterunion, Bildungsausschuss des Grütlivereins, Vortragscommission der Pestalozzigesellschaft, Kommission für Frauenbildungskurse, Zürcher Frauenzentrale, Verein der Staatsbeamten des Kantons Zürich, Föderativ-Verband der Beamten und Angestellten der Stadt Zürich, Kantonales Kartell der Privatangestellten und Beamtenverbände, kaufmännischer Verein.
Weiterbildung, das schien angesichts der Spannungen zwischen rasch wachsendem Industrieproletariat und Kapitelbürgertum klar, sollte zum sozialen Kitt werden und der Arbeiterklasse sozialen Aufstieg und Anschluss an die neue bürgerliche Kultur erlauben. Es war dieses neue Bürgertum, entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts, das die demokratische Gesellschaft prägte und beherrschte und das den Schweizer Bundesstaat binnen eines halben Jahrhunderts zur führenden Industrienation geformt hatte.
Der Start der Volkshochschule Zürich verlief eindrücklich: Über 2400 Hörerinnen und Hörer schrieben sich für das erste Semester ein, und es wurden jedes Jahr mehr. Im Nu entstanden Filialen der VHS Zürich auf dem Lande, in den besten Zeiten waren es um die 60.
Von Anfang an hatte die Volkshochschule mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen. Trotz der politischen Unterstützung und des Gastrechts an der Universität mangelte es ständig an Geld, denn die Verwaltung kostete und die Kurspreise sollten erschwinglich bleiben. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die wachsende Konkurrenz mit Kampfpreisen und neuen didaktischen Konzepten, allen voran die Klubschule ab 1944, den Volkshochschulen zu.
Auf Initiative der Züricher formierte sich in derselben Zeit auf Initiative von Hermann Weilenmann, Direktor der VHS Zürich, der Verband der Schweizerischen Volkshochschulen. Es setzte die Expansion in die Westschweiz ein. Doch die Flügelkämpfe im Innern dauerten an: Sollte die VHS auf berufliche Qualifikation setzen? Auf praktisches Alltagswissen? Oder auf humanistische Allgemeinbildung, die beansprucht, das Fundemant vernünftigen Handelns zu sein? Der Film, ab den 1960ern das Fernsehen, Reformen des Bildungswesens machten Erwachsenenbildung scheinbar obsolet. Das Internet, das soviel Wissen sofort verfügbar macht, veränderte das Spiel ab den 1990er Jahren noch einmal grundlegend.
Medienrevolution, eine offensive Sozial- und Bildungspolitik, Bildung als Business, die Obsession der nützlichen Bildung, Freizeitgesellschaft, Digitalisierung, Konkurrenz, Verlust an staatlicher Unterstützung: Viele Kräfte zerrten und zerren an der Volkshochschule. Das Netzwerk im Kanton Zürich wie schweizweit hat sich denn auch ausgedünnt. Im Kanton Zürich sind es noch zehn Volkshochschulen, die ausserhalb der Stadt überlebt haben, einige sind aufgegangen in Freizeitzentren, anderen von den kommunalen Weiterbildungsorganen geschluckt worden. Der schweizerische Verband zählt 70 Mitglieder. In der Existenz bedroht sind die ganz kleinen VHS, da sie auf Ehrenamt bauen, während die mittleren und grossen sich dank Professionalisierung sehr gut entwickeln. Grund zum Optimismus: Die Ära des lebenslangen Lernens verleiht dem Ursprungsgedanken der Volkshochschule neues Gewicht und neues Leben: dass Allgemeinwissen hilft, Welt und Gesellschaft besser zu verstehen und somit vernünftiger zu handeln – in einer Zeit, wo spektakuläre Unvernunft zur Maxime erhoben wird und wo Bildung auf Ausbildung qua Karrierebeschleunigung reduziert wird.