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St. Urs in der historischen Presse
Es war in Solothurn fast eine kleine Sensation, als 1889 mit St. Urs wieder ein Dampfboot auf die Aare kam. Einige Jahrzehnte zuvor hatte die kommerzielle Schifffahrt auf der Aare wegen der Konkurrenz der Eisenbahn ihr Ende gefunden.
Ein erneutes Aufleben der Aareschifffahrt hatte deshalb als sehr unwahrscheinlich gegolten. Um so grösser war deshalb das Echo in der Presse auf Dampfboot St. Urs. Die oben stehende Meldung stammt aus dem Solothurner Anzeiger vom 16. April 1889. Wie unten stehende Artikel zeigen, berichtete die Presse regelmässig über St. Urs.
2. Juli 1889 Stadt: Dampfboot "St. Urs". Wie wir aus zuverlässiger Quelle vernehmen, wird heute Dienstag Abend bei günstiger Witterung das Solothurner Dampfboot "St. Urs" von Biel her, wo das selbe in See sticht, in Solothurn anlangen.
5. Juli 1889 Endlich ist der Aaredampfer "St. Urs" Donnerstags Abends angekommen, nachdem zwei Abende vorher schon zahlreiches Publikum seinen Einzug erwartete. Derselbe ist 30 Fuss lang und 61/2 Fuss breit, ein nettes kleines Fahrzeug in Schaluppenform.
10. Juni 1890 Stadt: Das Dampfboot "St. Urs" führte gestern Sonntag einige Solothurner und Bieler Herren von hier durch den Bieler-, Neuenburger- und Murtensee nach Murten und gleichen Tags zurück. Das Schiff passierte die fünf Kantone Solothurn, Bern, Neuenburg, Freiburg und Waadt und legte an einem Tag 146 km zurück. - Eine ganz ansehnliche Leistung.
Bereits 1894 war der Traum der Aareschifffahrt wieder ausgeträumt. Der Solothurner Dampfbootklub löste sich auf. Es war nicht gelungen neue Mitglieder anzuwerben.
Im Sommer 1894 erschien folgende Anzeige im Solothurner Anzeiger
Text der Anzeige:
Diejenigen Bewohner von Solothurn und Umgebung, welche geneigt sind, unter günstigen Bedingungen dem Solothurn Dampfbootklub beizutreten, werden ersucht, innerhalb 8 Tagen sich an die Adresse: "Solothurner Dampfbootklub" oder einzelne Mitglieder desselben zu wenden, wo ihnen die gewünschte Auskunft ertheilt wird.
Es wurden keine neuen Mitglieder gefunden, weshalb der Solothurner Dampfbootklub aufgelöst und St. Urs verkauft wurde.
Die Presse sah darin das endgültige Aus für die Aareschifffahrt. So Unrecht hatte sie damals nicht. Es dauerte mehr als 50 Jahre bis mit der "Romandie I" die Aareschifffahrt reaktiviert wurde.
10. November 1894: Am 2. November hat der von einem Consortium vor ca. fünf Jahren auf die Aare gesetzte kleine Dampfer "St. Urs" die Reise von Solothurn an seinen neuen Bestimmungsort angetreten. Er kommt auf den Alpnachersee, nachdem Verhandlungen mit Kauflustigen am Sarnersee sich zerschlagen haben. Damit hat die Dampfschiff-Fahrt, die schon in den Fünfziger Jahren einmal eingeführt war, aber nicht reussierte, definitiv und wohl für alle Zeiten ihr Ende erreicht.
Etwas nüchterner kommentierte am 11.11.1894 das Solothurner Tagblatt
Stadt. Am 2. November hat der von einem Konsortium vor zirka fünf Jahren auf die Aare gesetzte kleine Dampfer "St. Urs" die Reise von Solothurn nach seinem neuen Verwendungsort angetreten. Er kommt lt. "Anz" auf den Alpnacher See, nachdem Verhandlungen mit Kauflustigen am Sarnersee sich zerschlagen haben.
Schmähschrift
Nicht die ganze Presse war St. Urs und seinen politisch konservativen Besitzern gut gesinnt. Während im konservativen Solothurner Anzeiger nur positiv berichtet wurde, erschienen im liberalen Solothurner Tagblatt kaum Berichte zu St. Urs. Im linksfreisinnigen Solothurner Volksfreund erschien am 15. Juli 1889 der unten stehende wenig schmeichelhafte Artikel, der die damals politisch unruhige Zeit widerspiegelt:
Der neue Dampfer von Solothurn
Schon vor etlichen Wochen ist der Bevölkerung der Hauptstadt die Ankunft eines Salondampfers angekündigt worden, der unter dem Kommando des Ferdinand von Sury von Büssy in den Gewässern von Honolulu kreuzen soll. Früher hiess es, der Dampfer soll den Namen „Hans Roth“ führen; da aber die Bemerkung fiel, dass der Name „Hans Schwarz“ besser passen würde, fing man an über die Namensbezeichnung nachzudenken. Es fielen auch die Vorschläge „Rabe“ und „Quagg“. Da nun seit 3 Tagen wieder die ganze Bevölkerung vergeblich auf die Ankunft des Dampfers wartete und am Mittwoch Abend sogar Kanonenschüsse zum Empfange des grässlichen Schiffes gelöst wurden, ohne dass dasselbe erschien, hätten wir als passende Namensbezeichnung „Hans Dampf“ in allen Gassen vorgeschlagen. Im letzten Augenblick erfuhren wir jedoch, dass die definitive Benamsung stattgefunden habe. „St. Urs“ heisst das neue Schiff. Wir können uns vollständig damit einverstanden erklären, da nach der Legende der hl. St. Urs ebenfalls kopflos an der nämlichen Stelle gelandet haben soll, wo der neue Dampfer in Zukunft seine Schifflände hat.
Honolulu nennt sich Solothurn während der Fasnacht, da in der Narrenzeit die Stadt Kopf steht und auf der gegenüber liegenden Seite des Globus ungefähr Honolulu liegen soll.
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5. Juli 1889 Endlich ist der Aaredampfer "St. Urs" Donnerstags Abends angekommen, nachdem zwei Abende vorher schon zahlreiches Publikum seinen Einzug erwartete. Derselbe ist 30 Fuss lang und 61/2 Fuss breit, ein nettes kleines Fahrzeug in Schaluppenform.