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,,Lächelst du für die Kamera oder für dich selber?”, fragt Nora im dritten Teil ihrer Reihe "Nie verschickte Sprachnachrichten". Dieser Satzt brachte mich zum Nachdenken. Es entstand eine kleine Gedankensammlung und Wissensanschaffung in Anlehnung an Nora's Satz.
,,Lächelst du für die Kamera oder für dich selber?” Daraufhin fragte ich mich, wann ich das letzte Mal für mich selber gelächelt habe. Ich lächle, wenn ich an der Kasse bezahle. Ich lächle, wenn jemand sagt: “Lach mal.” Ich lächle, wenn sich jemand bei mir wegen einer Kleinigkeit entschuldigt. Ich lächle, wenn jemand etwas sagt und von mir erwartet wird, dass ich lache. Ich lächle, weil die andere Person mir sonst leid tut. Ein Lächeln als Zeichen für Mitleid? Ich lächle, wenn ich einen Nachbarn treffe, den ich nicht mag. Und ich lächle, wenn ich einen Nachbarn treffe, den ich mag. Ein Lächeln als Zeichen der gesellschaftlichen Erwartungen und Normen? Ein Zeichen für ein gutes Sozialverhalten?
Ich lächle, wenn andere lächeln. Aber wann lächle ich für mich?
Als ich mir Gedanken zu diesem Text machte, dachte ich zuerst, ich lächle immer nur für mich. Für wen sonst? Doch das stimmt nicht. Ich glaube, die meiste Zeit lächle ich für andere. Dabei stört mich das für. Kann ich nicht einfach lächeln? Für niemanden. Auch nicht für mich. Wann habe ich das letzte Mal grundlos gelächelt? Ich weiss gar nicht, ob ich grundlos lächeln kann.
Auch machte ich mir Gedanken dazu, wieso wir auf Bildern lachen. Haben wir so einen extremen Druck, allen zu zeigen, wie glücklich wir sind? Lächeln verbinde ich automatisch mit Zufriedenheit und Spass. Und alle wollen Spass haben. Fotos als Beweis, dass wir Spass hatten und als Beweis für ein glückliches Leben. Muss man sich ein glückliches Leben beweisen?
“Wir existieren nur im Spiegel der anderen.” Ein Zitat aus einem Buch, welches mir immer wieder in den Sinn kommt. Werden Dinge nicht erst real, wenn man sie mit jemandem geteilt hat? (Ein Lächeln teilen.) Erlebtes, Körperloses bekommt dadurch eine Form. Lächle ich auf Fotos, weil ich will, dass andere sehen, was ich mache und dass ich dabei lächle. Hoffe ich, dass das Geschehene dadurch real wird? Ich real werde? Eigentlich lächle ich gar nicht gerne auf Bildern. Ich kaufe mir mein Lächeln nicht ab und warte immer darauf, dass jemand mit dem Finger auf mich zeigt und schreit: “Nicht echt!” Doch die anderen merken es nicht, und manchmal würde ich gerne selber mit dem Finger auf mich zeigen und schreien: ,,Nicht echt!” Vielleicht können Bilder andere täuschen, aber niemals mich selbst. Ich sehe mir sofort an, ob ich auf einem Bild lache, weil ich wirklich gerade lachen musste, oder ob ich lache, weil es von mir erwartet wurde. Ob ich für mich lache, oder für die Kamera. Ich konnte noch nie gut für die Kamera lächeln. Auch wenn ich daher auf den meisten Kinderfotos ziemlich deprimiert aussehe, finde ich es irgendwie auch schön, dass ein Lächeln für mich immer etwas Echtes war. Umso trauriger, wie krampfhaft ich versucht habe, mir ein Foto-Lächeln zuzulegen. Eine Fälschung. Zu lächeln, weil es die andern machen.
Manchmal habe ich das Gefühl, ich hintergehe mein Lächeln, eine so schöne und liebe Emotion als Eingliederungswerkzeug in die Gesellschaft zu missbrauchen.
Seit ich mich auf das Lächeln achte, fällt mir auch auf, wie viele nicht echt sind. Und für wen oder was sie sind. Und ich frage mich immer wie mehr, weshalb Leute in gewissen Situationen lächeln oder eben nicht. Dabei sind wir kulturell stark beeinflusst, was unsere Mimik angeht. In Ländern mit vielen verschiedenen Nationalitäten sind viele der Meinung, Emotionen zu zeigen ist gut. So teilen wir unser Lächeln auch mit Unbekannten. Die Emotionen müssen für alle verschiedenen Kulturen im Land klar deutbar sein. Bei fast homogenen Ländern wie China oder Japan setzt man dafür eher auf feine Mimiken. Das Lächeln kann aber auch mit der Hierarchie zusammenhängen. Oft wird es ausserdem zum Einschleimen genutzt. Es gibt die These, dass das Lächeln während der Evolution aus einer Unterwerfungsgeste heraus entstanden ist. So ist es jedenfalls bei den Affen. Heute signalisiert es bei uns Vertrauen. Es ist etwas Schönes, angelächelt zu werden.
Das vermisse ich etwas mit der Maske. Noch mehr vermisse ich jedoch, anderen zuzulächeln. Ein Lächeln für jemand anderen. Mir ist jedoch kürzlich aufgefallen, dass mein Lächeln mit Maske nicht aussieht wie ein Lächeln. Ich sehe eher böse aus. Falls ich dich also böse anschaue, kannst du davon ausgehen, dass ich versteckt lächle. Und ich lächle, weil “lächle” ein komisches Wort ist und es unzählige Male in meinem Text vorkommt.
Ein Lächeln, als Fälschung einer Emotion? Ein Lächeln als Tarnung? Ein Lächeln für Niemanden? Ein Lächeln als Entschuldigung? Ein Lächeln für die Evolution? Ein Lächeln, um zu gefallen? Ein Lächeln für die Kassiererin? Ein Lächeln, um real zu sein? Ein Lächeln für die Affen? Ein Lächeln, um glücklich zu sein? Ein Lächeln für den netten Nachbarn und eines für den blöden? Ein Lächeln für ein Wort? Ein Lächeln ohne Grund? Ein Lächeln für die Kamera? Ein Lächeln für mich?
(Mein ganzes fachliche Wissen in diesem Text stammt von https://www.tagesspiegel.de/wissen/psychologie-die-wissenschaft-vom-laecheln/12432058-all.html )
Von Elena