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US-Präsident Donald Trump vertraute jahrelang seinem Anwalt Michael Cohen. Nun muss dieser hinter Gitter: Ein Bundesgericht in New York verurteilte ihn zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe.
Cohen soll gleich mehrere Straftaten begangen haben. Im Prozess beschrieb er sich als bereitwilligen Zeugen und bezeichnete sich als Opfer eines mächtigen und skrupellosen Mannes – von Donald Trump, wie USA-Korrespondentin Isabelle Jacobi sagt.
Isabelle Jacobi
USA-Korrespondentin, SRF
Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.
SRF News: Cohen wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt – eine hohe Strafe?
Isabelle Jacobi: Aus Michael Cohens Sicht sicher ein zu hohes Strafmass. Er argumentierte, er verdiene gar keine Gefängnisstrafe. Er beschrieb sich als bereitwilligen Zeugen und bezeichnete sich als Opfer eines mächtigen und skrupellosen Mannes, von Donald Trump. Während der Jahre der Zusammenarbeit habe er persönlich gelitten. Das Gericht ging aber nicht auf diese Argumentationslinie ein und fand, Cohen habe aus Gier nach Einfluss und Geld gehandelt – und verantworte seine Taten voll. Deshalb die mehrjährige Haftstrafe.
Um Trump ein Vergehen nachzuweisen, bräuchte es auch mehr als die blosse Aussage eines Michael Cohen.
Das Gericht sagt, Cohen habe Straftaten begangen, er handelte im Namen von Donald Trump. Heisst das, dass Trump ebenfalls schuldig ist?
Soweit kann man natürlich jetzt nicht gehen. Es gibt ja im Moment keine Anklage und auch der Bericht der Sonderermittlung fehlt noch. Um Trump ein Vergehen nachzuweisen, bräuchte es auch mehr als die blosse Aussage eines Michael Cohen. Es bräuchte stützende Beweise – und die fehlen bis jetzt oder wir kennen sie einfach noch nicht. Was man nach der Lektüre der Gerichtsurkunden sagen kann: Sonderermittler Robert Mueller betont die Gleichzeitigkeit vom Aufstieg Trumps als Politiker, von seinen Geschäften in Russland und der russischen Infiltration des US-Wahlkampfs. Und das alles ergibt ein unschönes Bild.
Ein Impeachment wäre ein Makel für Trumps Präsidentschaft – und könnte seine Wiederwahl akut gefährden.
Das Bild ist unschön, aber Sie sagen: Es fehlen noch Beweise. Kann das für Trump überhaupt alles gefährlich werden? US-Präsidenten geniessen Immunität im Amt…
Das ist tatsächlich so. Aber wenn Trump einmal nicht mehr Präsident ist und ihn das Amt nicht mehr schützt, dann könnte es theoretisch zu einem Verfahren kommen. Auch möglich ist, dass der Bericht des Sonderermittlers, der bald erwartet wird, den Präsidenten so belastet, dass die demokratische Mehrheit im Abgeordnetenhaus ein Amtsenthebungsverfahren beginnt. Und auch, wenn dieses dann im Senat gestoppt würde: Ein solches Impeachment wäre ein Makel für Trumps Präsidentschaft und könnte auch seine Wiederwahl akut gefährden.
Das Gespräch führte Teresa Delgado.