Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03182.jsonl.gz/2082

Sand ist in vielen Produkten zu finden; in Glas, Kosmetika, Putzmitteln, Elektronik-Chips, vor allem aber in Beton. Jährlich werden zwei Tonnen Beton pro Erdbewohner produziert. 200 Tonnen Sand braucht es für ein mittelgrosses Haus, 30‘000 Tonnen für einen Kilometer Autobahn, 12 Millionen Tonnen für ein Atomkraftwerk.
Der Sand wird aus Flussbetten, Kiesgruben und vermehrt auch vom Meeresboden entnommen. Er entsteht durch Erosion der Felsen in Gebirgen. Die Sandkörner werden über Bäche und Flüsse bis an die Küsten transportiert. 50 Prozent des Sandes erreicht jedoch niemals das Meer. Verhindert wird dies durch Sandabbau in den Flüssen oder, durch Hindernisse wie Staudämme, Wasserkraftwerke und zugebaute Küsten.
„Viele Menschen sind sich des schrumpfenden Sandvorrates nicht bewusst, darunter leider auch politische Entscheidungsträger.“
Michael Welland, Geologe
Vor allem durch den anhaltenden Bauboom und Aufschüttungen zur Landgewinnung wird Sand immer knapper. Leicht zugängliche Vorkommen sind ausgeschöpft. Der Kampf um Sand hat begonnen, der Schwarzmarkt floriert. Betroffen vom meist illegalen Sandabbau sind Länder mit Meeresanstoss weltweit; in Europa beispielsweise Frankreich, Deutschland und Italien. In Marokko hat die Mafia bereits 45 % der Sandstrände illegal abgebaut. Auf den Malediven sind zwölf Inseln versunken. Vor der indonesischen Küste sind wegen des illegalen Sandabbaus 83 Inseln in Gefahr. Weltweit befinden sich 75 bis 90 % der Strände auf dem Rückzug und mit ihnen ihre gesamte Tier- und Pflanzenwelt.
Schiffe, die wie riesige Staubsauger funktionieren, saugen tonnenweise Sand vom Meeresboden. Dabei kommt nicht nur der Sand nach oben, sondern alles, was darin lebt. Da Ozeane komplexe Ökosysteme sind, wird nicht nur die Flora und Fauna im und am Meeresboden nachhaltig geschädigt, sondern das ganze Leben in den Meeren. Es trifft auch diejenigen Menschen, die vom Meer abhängig sind.
Als Alternative erscheint Wüstensand. Dieser eignet sich aber nicht als Baustoff. Die Sandkörner sind durch den Wind gerundet und verfestigen sich nicht − im Gegensatz zum rauen Sand vom Gebirge oder aus dem Meer. Der Sand im Beton könnte aber durch rezirkulierten Beton ersetzt werden. Einige Unternehmen praktizieren dies bereits. Da das Verfahren jedoch viel Energie kostet und Sand zu billig ist, hat es sich noch nicht stärker durchgesetzt. Als Sandersatz kann im Tiefbau auch gebrochenes oder fein gemahlenes Glas ersetzt werden. Das Material eignet sich so zum Beispiel für Strassen, Wege oder Parkplätze. Ob es auch im Hochbau einsetzbar ist, ist noch nicht geklärt.
„Das ganze Ökosystem und die Korallenriffe sind bedroht und sogar die Meeresströmungen könnten sich verändern, wenn man den Schmuggel nicht unterbindet.“
Nur Hidayati, Greenpeace Indonesien
Weiterführende Informationen:
Arte TV: Sand-die neue Umweltzeitbombe