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Nachtzug nach Lissabon ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Peter Bieri alias Pascal Mercier. Mit einem Budget von 4.5 Millionen Franken ist es der bisher teuerste Schweizer Film und kann auch eine ansehliche Besetzung bieten. Doch kann der Film die enorme Erwartungshaltung erfüllen?
Die Suche nach einem nie gelebten Leben
Regen. Dunkle Wolken über Bern. Eine junge Frau auf der Kirchenfeldbrücke, kurz vor dem Sprung in den Selbstmord. Ein biederer Gymasiallehrer namens Raimund Gregorius auf dem Weg in seine Klasse, will sie vor dem Sprung bewahren. Er kann sie retten, doch die Hefte mit den Korrekturen landen auf dem Boden. Der Anfang von Gregorius‘ neuem Leben. Fasziniert von einem Buch über den portugiesischen Arzt Amadeu de Prado in der Manteltasche der Frau und Bahnbillets in eben dieser, reist Gregorius per Bahn nach Lissabon, um sich auf die Spuren Amadeus zu begeben. Seine Schwester verhält sich so, als wäre er noch am Leben, während er auf dem Cémiterio dos Prazeres, dem Pére Lachaise Lissabons, sein Grab findet. Amadeu de Prado war eine prägende Figur im Widerstand gegen die Diktatur von António de Oliveira Salazar, welche 1974 in der friedlichen Nelkenrevolution endete. Prado trat dem Widerstand allerdings nur bei, weil er sich den Unmut der Bevölkerung zugezogen hatte, da er dem als Schlächter von Lissabon bezeichneten Oberst der Geheimpolizei PIDE, Rui Mendes, das Leben gerettet hatte. Prado war von nun an Teil einer Dreiecksgeschichte miteiner jungen Frau namens Estêfania und seinem Schulfreund Jorge O’Kelly, der bereits zuvor im Widerstand aktiv war.
Gregorius wandelt sich, während er Prados Leben erforscht, vom Bünzli zu einem lebensfrohen Menschen, so schmuggelt er Zigaretten ins Altersheim und bat seine Augenärztin um ein Essen.
Trailer zum Film Nachtzug nach Lissabon
Fazit
Dass der Umfang des Buches nicht gänzlich im Film zu finden ist, war von vornherein schon bekannt. Nichtsdestotrotz ist es Regisseur Bille August (Les Misérables) gelungem, Bieris Grundideen auch auf die Leinwand zu bringen. Leider fehlt die im titelgebenden Nachtzug Irún-Lissabon geschlossene Freundschaft zu einem portugiesischen Geschäftsmann, die sich im Buch für Gregorius als moralische Unterstützung herausgestellt hat, um in Lissabon nicht ganz verloren zu wirken.
Unterstützt wurde August dabei vom Schweizer Filmproduzent Peter Reichenbach, der sich in der Vergangenheit für Kinohits wie Grounding – Die letzten Tage der Swissair oder Mein Name ist Eugen verantwortlich zeigte. Ein Lob ist auch der Besetzung auszusprechen. Der Titelheld Raimund Gregorius wird von Oscar-Preisträger Jeremy Irons (The Borgias, Stirb langsam: Jetzt erst recht, Der grosse Knall – Margin call) exzellent verkörpert, auch die restliche Darstellerriege mit Sir Christopher Lee, Martina Gedeck, Charlotte Rampling und Lena Olin reagiert ausgezeichnet. Hervorzuheben ist jedoch die Darstellung des alten Jorge O’Kelly durch Bruno Ganz (Der Untergang, Der Vorleser) – der Zürcher läuft zu Hochform auf und stiehlt Irons in den gemeinsamen Szenen fast die Show.
Quintessenz: Alleine wegen den schönen Bildern ist der Film sehenswert und für Fans des Buches allemal. Eine lohnenswerte Reise für rund 100 Minuten ins westlichste Land Europas – eine willkommene Tätigkeit für einen Abend in kälter werdenden Jahreszeiten.