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Restaurant der Belle Époque
Anfang der 1850er Jahre erwarb der Kaufmann Michel Poletti die Gebäude in der Rue du Pont-Muré, die heute die Nummern 16 - 18 tragen. Einige Jahre später gründete er die Firma Michel Poletti & Cie und kaufte 1861 die Brauerei im Neustadtquartier. Das mit diesem Gebäude verbundene Pintenrecht wurde daraufhin auf das Gebäude Pont-Muré 16 übertragen, welches den Firmensitz der vorgenannten Gesellschaft beherbergte.
Am 14. Dezember 1869 verpachtete er den Betrieb an den Brauer Louis Schaller zur Fortführung des "Bierausschanks und der Restauration" für 3 Jahre.
Der Pächter wurde damals dazu verpflichtet, sein Bier bei der Brauerei Poletti "zu dem für die 3 Jahre festgelegten Preis von 35 Rappen pro Krug, zahlbar am Ende eines jeden Monats" zu beziehen. Die grösste Baustelle Europas, die zwischen 1872 und 1880 realisiert wurde, nämlich die Bohrung des grossen St. Gotthard-Eisenbahntunnels, gab dem Café-Brasserie wahrscheinlich seinen Namen (1880), was es dazu vorbestimmte, ein ebenso wichtiger Durchgangspunkt zu werden...!
Ein gemütlicher Ort
Die gut geführte öffentliche Gaststätte avanciert zu einer der besten Adressen im Freiburg der Belle Époque und es wird folglich beschlossen, das Lokal zu vergrössern.
Die 1898 durchgeführten Arbeiten verleihen der Fassade ihr heutiges Aussehen. Le Gothard, wie wir ihn heute kennen, ist das Ergebnis einer letzten Vergrösserung, die der Gerber Jean Renz 1911 durchführte, kurz bevor das Geschäft 1914 von der Brauerei Beauregard übernommen wurde. Abgesehen von der Modernisierung der Küche im Jahr 1961 blieb Le Gothard bis zum Erwerb durch die Freiburger Burgergemeinde 2001 unverändert. Diese Aktion entspricht voll und ganz dem Kulturerhaltungsauftrag der Burgergemeinde.
Während der Restaurierung dieses Erinnerungsortes von Juli 2004 bis November 2005 wird das Café einer "sanften" Renovation unterzogen. Der Bauherr achtet nämlich darauf, dass das typische Aussehen und der Geist dieser öffentlichen Gaststätte erhalten bleiben.
Dank des ansteckenden Enthusiasmus von Marie-Rose Holenstein ist Le Gothard zu diesem gemütlichen Ort geworden, den jeder Freiburger besuchen "muss" und an dem sich ganz Freiburg trifft, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Seit seiner Renovierung hat das Lokal einen etwas zeitgenössischeren Stil erhalten, wobei die ihm eigene gemütliche Atmosphäre, durch das es sich auszeichnet, beibehalten wurde. Le Gothard wird derzeit von Frau Muriel Hauser geführt.
Freiburger Spezialitäten
Le Gothard verfügt im Erdgeschoss über ein Café, in dem rund 70 Personen Platz finden. Die Küche und der Speisesaal, der Platz für 35 Gäste bietet, befindet sich im 1. Stock. Dieser Saal wird für Versammlungen, Feiern und andere Gelegenheiten geselliger Zusammenkünfte genutzt. Was die Speisekarte anbetrifft, so ist sie zur grossen Freude der Stamm- und Gelegenheitsgäste ausgesprochen regional. Natürlich findet man hier die köstlichen Spezialitäten des Freiburgerlandes wie Fondue, das Kilbi-Menü oder den Freiburger Teller. Alternativ können Sie auch Brasseriegerichte wie beispielsweise Rösti oder Gnagi geniessen.
Kein Wunder, dass sich der verstorbene Jacques Chessex in seinem Roman "Der Kinderfresser" (1973) von diesem Ort inspirieren liess, bevor er ihn zu einer obligatorischen Etappe der Freiburger Irrfahrten von Jonas, dem romanesken Doppelgänger des Autors, machte (1987).
Zeifellos ist Le Gothard eine der mythischsten und liebenswertesten öffentlichen Gaststätten Freiburgs, deren Geschichte zudem untrennbar mit den Brauereien der Hauptstadt verbunden ist.