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Frage | Mein Onkel war ledig und kinderlos. In einem handschriftlichen Testament verfügte er, dass meine Tante X seinen ganzen Nachlass erbt. Als Ersatzerben bezeichnete er ihre Nachkommen. Weiter schrieb er, «meine Schwester Y erhält nichts von meinem Erbe». Bevor mein Onkel starb, starb meine Mutter Y. Das Bezirksgericht hat nun eine Erbbescheinigung ausgestellt, in der meine Tante X als Alleinerbin aufgeführt wird. Das Gericht weigert sich, die Bescheinigung zu korrigieren und mich ebenfalls als Miterben aufzuführen. Dabei bin ich doch anstelle meiner Mutter Erbin geworden. Kann ich mich mit Erfolg wehren?
Antwort | Nein. Ihr Onkel hielt fest, dass Ihre Tante den gesamten Nachlass erbt. Das stellt eine Alleinerben-Einsetzung dar und ist zulässig: Ihre Grosseltern sind längst gestorben, und das gesetzliche Erbrecht sieht keinen Pflichtteilschutz für Geschwister des Erblassers (hier Ihre Mutter) und deren Nachkommen vor. Ihr Onkel konnte also frei über seinen Nachlass verfügen. Bereits die Einsetzung der Tante als Universalerbin hat genügt, um Ihre Mutter vollständig auszuschliessen.
Dasselbe gilt auch für Sie als Erbin Ihrer vor ihm gestorbenen Mutter. In der vorliegenden Konstellation kommt dem ausdrücklichen Erbausschluss keine eigenständige Bedeutung zu. Zudem würden Sie nicht als Erbin in Frage kommen, selbst wenn Ihre Tante ebenfalls vor dem Onkel gestorben wäre: Mit der Einsetzung Ihrer Cousins als Ersatzerben anstelle Ihrer Tante hat Ihr Onkel sichergestellt, dass weder Ihre Mutter noch Sie etwas erhalten. Somit beerben Sie Ihren Onkel nicht und haben auch kein Anrecht auf eine Erbbescheinigung.
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Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86,
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