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Schmerzen und Muskelkater im Training
Schmerz hat eine besondere Bedeutung für Bodybuilder. Hartes Training geht bis an die "Schmerzgrenze" und oft darüber hinaus. Dabei unterscheidet man prinzipiell 2 Formen von Schmerz, den positiven und den negativen Schmerz.
Unter dem positiven Schmerz verstehen wir das Gefühl, das am Ende eines harten Satzes, speziell bei der letzten, schier unmöglichen Wiederholung auftritt. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um eine "positive" Art von Schmerz. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, warum denn bitte Schmerzen "positiv" sein sollen, wo sie uns doch nur quälen. Zur Beantwortung dieser Frage möchte ich einen kleinen Exkurs machen, warum wir überhaupt Schmerzen empfinden können.
Schmerzen sind eigentlich eine sehr positive Sache; ohne Schmerz wären wahrscheinlich schon viel mehr Menschen früher gestorben als mit. Warum?
Ganz einfach: Schmerzen sind immer ein Warnsignal, dass unser Körper an unser Gehirn aussendet. Wenn irgendwo im Organismus eine Erkrankung oder Beeinträchtigung vorliegt, so sendet er von dieser Stelle aus Schmerzsignale über Nervenbahnen an unser Gehirn, die signalisieren, dass irgendetwas an dieser Stelle nicht stimmt. Würden wir keine Schmerzen verspüren, wenn wir ein Magengeschwür haben, so könnte es ungehindert wachsen und riesige, vielleicht irreversible Ausmasse annehmen. Hätten wir keine Schmerzen bei einer Blinddarmentzündung, so könnte sie unbemerkt bleiben und lebensgefährliche Auswirkungen haben. Ich denke, Sie haben verstanden, warum Schmerz eigentlich immer positiv ist.
Kommen wir aber zurück zum "positiven" Schmerz beim Bodybuilding. Dieses meist "brennende" Gefühl am Ende eines harten Satzes kommt durch eine Übersäuerung und Anreicherung toxischer Stoffe in der trainierten Muskelgruppe zustande (z. B. die allseits bekannte Milchsäure). Es ist daher kein Schmerz im medizinischen Sinn. Im Gegenteil: Je tiefer Sie in diese Schmerzzone eindringen, desto besser werden die Ergebnisse Ihres Trainings sein. Diese Tatsache spielt für Anfänger, die lange nicht so hart trainieren (sollten) wie fortgeschrittene Athleten, noch keine bedeutende Rolle.
Wichtig ist aber, dass Sie diesen positiven Schmerz nur im Muskel verspüren. Er hat nichts mit Schmerzen in Gelenken oder Sehnen zu tun! Der positive Schmerz ist einige Sekunden nach Beendigung des Satzes wieder verschwunden, also nur von temporärer Dauer.
"Negativer" Schmerz hingegen ist ein Schmerz, der auf eine Verletzung oder Schädigung von Sehnen, Bändern, Gelenken oder Knochen zurückzuführen ist. Negativer Schmerz fühlt sich anders an als positiver Schmerz, es ist meist ein eher stechender Schmerz, der auch nach Beendigung des Trainings bestehen bleibt! An dieser Eigenschaft können Sie im Zweifelsfalle die beiden Schmerzarten am besten unterscheiden.
Sollten negative Schmerzen auftreten, so müssen Sie unbedingt jede Bewegung vermeiden, die Schmerzen an der betroffenen Stelle hervorruft, besser noch ist, wenn Sie ganz auf Training verzichten. Sollte es sich tatsächlich um eine ernsthafte Verletzung handeln, so muss diese von einem Arzt behandelt werden (Lesen Sie dazu bitte den Abschnitt "Verletzungsgefahr")!
Eine besondere Form von längerfristigem Schmerz ist der Muskelkater. Jeder Leser kennt mit Sicherheit das Gefühl von starkem Muskelkater. Muskelkater wird durch die winzigen Schädigungen an den Muskelfasern hervorgerufen, die durch hartes Training entstehen (siehe "Muskelaufbau"). Muskelkater entsteht in der Regel erst ca. 10- 15 Stunden nach Beendigung der Aktivität. Der stärkste Schmerz tritt häufig erst nach 24-36 Stunden ein.
Interessanterweise haben Wissenschaftler herausgefunden, dass hauptsächlich der negative Teil einer Bewegung für die Entstehung von Muskelkater verantwortlich ist. Ebenso wie das Herabsteigen von einem Berg also eher Muskelkater hervorruft als das Aufsteigen, löst auch das Herablassen eines Gewichtes zum Brustkorb beim Bankdrücken wahrscheinlicher Muskelkater aus als das Wegdrücken von der Brust.
Muskelkater ist der einzige nach dem Training bleibende Schmerz, der positiv zu bewerten ist. Muskelkater zeigt uns an, dass wir ein sehr intensives Training absolviert haben, das Muskelwachstum ausgelöst hat.
Deshalb empfinden viele Sportler Muskelkater sogar als "angenehm", da es ihnen die Gewissheit und die Befriedigung verschafft, hart trainiert zu haben.
Aber bitte Vorsicht: Übertrieben starker Muskelkater ist ein Anzeichen für übertrieben hartes Training! Wie wir nun wissen, führt Überforderung zu Übertraining. Daher kann es nicht gut sein, wenn Sie vor lauter Muskelkater eine volle Woche praktisch nicht mehr laufen können!