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Risiken und Folgen der Internetnutzung
Kontrollverlust
Manche Personen verlieren die Kontrolle über ihre Internetnutzung oder über die Nutzung spezifischer Internetangebote. Sie können nicht mehr darauf verzichten. Die Symptome, die diese Personen beschreiben, sind den Symptomen einer Sucht ähnlich.
Der Ausdruck "Abhängigkeit" sollte jedoch mit Vorsicht verwendet werden, da bisher weder die Terminologie oder die Definition abschliessend geklärt ist, noch universell geltende diagnostische Kriterien festgelegt wurden. Die Ausdrücke problematischer Gebrauch des Internets oder Internetgebrauchsstörung werden immer häufiger benutzt.
Gewisse Onlineaktivitäten lassen ohne viel Anstrengung Anerkennung, Erfolg, Kontrolle oder Zugehörigkeit erleben, die in der realen Welt nicht für jedermann einfach zugänglich sind. Folgende Onlineaktivitäten sind besonders risikoreich für eine problematische Internetnutzung:
- Onlinespiele (vor allem die MMORPGs "massively multiplayer online role-playing games")
- Onlinekommunikation (insbesondere via Soziale Medien wie Snapchat, Instagram, etc.)
- Pornographie
- Geldspiele
Wie wird ein problematischer Internetgebrauch definiert?
Unter Fachleuten gibt es keinen Konsens zu den diagnostischen Kriterien einer problematischen Internetnutzung.
Angesichts des fehlenden Konsenses werden oft die diagnostischen Kriterien der Substanzabhängigkeit, der Geldspielsucht oder der Impulskontrollstörung herangezogen, um eine Internetnutzung zu beschreiben, die mit einem Kontrollverlust einhergeht.
Die Zeit, die jemand online verbringt, ist kein ausreichendes Kriterium, um eine problematische Nutzung zu definieren. Zu den Kriterien, die oft herangezogen werden, gehören:
- ein starker Drang, das Internet zu nutzen
- Schwierigkeiten, die Internetnutzung zu kontrollieren
- Nervosität, Gereiztheit wenn man nicht online gehen kann
- immer häufigere und längere Internetnutzung
- der Internetnutzung wird zugunsten anderer Interessen und Verpflichtungen der Vorrang gegeben
- anhaltende Nutzung des Internets trotz schädlicher Folgen
- Eigenschaften des Internet oder von Aktivitäten im Internet
- leichte Zugänglichkeit
- Kontinuität, d.h. die virtuelle Welt entwickelt sich weiter, auch wenn man offline geht
- fast unendliche Inhalte
- Anonymität
- die virtuelle Welt scheint eher als die Realität kontrollierbar
- das Web bietet unmittelbare Erfüllung verschiedener Bedürfnisse
- Individuelle Merkmale
- Alter (Adoleszenz)
- schwierige soziale Situation (z.B. Arbeitslosigkeit, Migrationserfahrung)
- niedriges Einkommen
- psychische Probleme (z.B. Angst, Depression) können einer problematischen Nutzung vorangehen oder sich durch diese entwickeln
- bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, insbesondere schwaches Selbstwertgefühl, Introversion
- wenig soziale Unterstützung
- das Geschlecht kann je nach Onlineaktivität ein Risikofaktor sein
- Spezifische Merkmale bei Jugendlichen
- dysfunktionale Familie
- schwierige Kommunikation innerhalb der Familie
- wenig oder keine Überwachung durch Eltern, was die Internetnutzung angeht
- Druck innerhalb des Freundeskreises
- Mögliche Folgen für die psychische Gesundheit
- Depressivität
- Gefühl von Kontrollverlust
- Stress, Überbelastung
- Mögliche Folgen für die körperliche Gesundheit
- Fehlernährung
- Gewichtszunahme
- muskuläre Probleme, Haltungs- und Rückenprobleme
- Auswirkung auf den Schlaf, Müdigkeit
- Veränderung der Sehfähigkeit
- Mögliche soziale Folgen
- Isolation
- familiäre Probleme
- Schulprobleme, Probleme bei der Arbeit
- je nach Onlineaktivität auch Geldprobleme (z.B. bei Geldspielen, Spielen mit Kaufoptionen, Onlineshopping)
Risikofaktoren
Das Vorhandensein folgender Merkmale erhöht die Wahrscheinlichkeit einer problematischen Internetnutzung.
Mögliche Folgen einer problematischen Internetnutzung
Im Zusammenhang mit der Internetnutzung werden verschiedene (negative) Folgen genannt, die bei einer problematischen Nutzung auftreten können.
Problem oder Symptom eines Problems?
Eine wichtige Frage ist, ob die Internetabhängigkeit als eine eigenständige Krankheit gesehen werden muss oder ob eine problematische Internetnutzung nicht vielmehr ein Symptom einer bereits bestehenden psychischen Problematik ist, etwa einer Depression, einer Sozialphobie oder von Ängsten.
Internet generell oder spezifische Aktivitäten?
Die Symptome, die von Personen mit einem Problem mit der Internetnutzung beschrieben werden, ähneln denjenigen einer Abhängigkeit oder einer Impulskontrollstörung.
Expertinnen und Experten sind sich nicht einig, ob man von einer generellen problematischen Internetnutzung sprechen kann oder ob man nicht nach spezifischen Aktivitäten, die online stattfinden, unterscheiden müsste.
Manche sind der Meinung, dass es keine grosse Rolle spiele, um welche spezifische Onlineaktivität es geht. Andere sind der Meinung, dass das Internet spezifische Aktivitäten wie z.B. soziale Netzwerke, Games oder Geldspiele, Pornografie ermöglicht oder erleichtert. Diese Aktivitäten würden eine unkontrollierte Nutzung oder eine Abhängigkeit begünstigen.
Im Juni 2018 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Videospielstörung (Gaming disorder) in die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen.
Mehr dazu
- Im Fokus - Internet (PDF)
- Is there an Internet Addiction and what distinguishes it from problematic Internet use - An attempt to provide working definitions (PDF auf Englisch, Zusammenfassung auf Deutsch)
- WHO: Gaming disorder (Webseite auf Englisch)