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Die Geschichte des Vier Jahreszeiten
von 1945 bis 1963
Artikel vom 22. Januar 2004
Bereits am 3. Mai 1945 wurde das Hotel "Vier Vierjahreszeiten" in
Hamburg Hauptquartier der britischen
Besatzungstruppen unter dem Kommando von General Spurling. Auch der
"Leading Officer of Military Government", Major Morrison, bezog eine
Suite an der Alster. Bald wurde er von Brigadier Armitage abgelöst, der bis
August 1946 in Hamburg ein beinhartes Regime führte.
Die Briten fanden rasch das Versteck unter dem Hoteleingang hinter einer
hochgezogenen Wand, in dem Tausende von Weinflaschen, Cognacs, Portweine und
das Hotelsilber versteckt worden waren.
Den linken Teil des Hotels besetzten die Offiziere, die hier auch den
legendären "Four Seasons Club" einrichteten. Der rechte Teil wurde
zum "Transittrakt" erklärt, in dem die einfachen Soldaten
logierten, die dort auch ihre Bars und Speiseräume bekamen.
Fritz Haerlin war es gegen Kriegsende gelungen, sich bei Koblenz von seiner
Truppe abzusetzen und sich bis nach Hamburg durchzuschlagen. Doch als
ehemaliger SS-Hauptsturmführer wurde er im Juli 1945 von den Briten verhaftet
und ins "Zivilinternierungslager Neuengamme" eingeliefert. Im August
1946 wurde er entlassen, da sich viele Entlastungszeugen für ihn einsetzten
und seinen Angaben, nur dem Reitsport wegen 1933 der SS-Reiterei beigetreten
zu sein, glauben geschenkt wurde. Am 6. Dezember 1947 wurde er in die
Kategorie V, "Entlastete", eingestuft. Damit stand er mit einer
blütenreinen Weste da. Doch sein Hotel erhielt er noch nicht zurück.
Im Frühjahr 1948 pachtete Fritz Haerlin im "Hamburger Hof" in den
Grossen Bleichen Nr. 8 das "Weinrestaurant Halali". Nach kurzer Zeit
hatte es den Ruf, neben "Schümanns Austernkeller" das beste
Speiselokal Hamburgs zu sein.
Das Restaurant war mit einem Gobelin geschmückt, der den Krieg in einem
Scheunenversteck überdauert hatte. Zudem sorgten mit Samt bezogene Stühle,
Damasttischtücher, Silberbestecke und Kristallgläser aus alten Beständen
für einen für die damalige Zeit unerhörten Luxus. Rudolf Botor, der 1950 im
"Halali" als Kellner Anfing, erinnert sich an den
"unglaublichen Drill", der im Restaurant herrschte. Es war eine Art
"Trainingslager" für das "Vier Jahreszeiten", das er
demnächst wieder zu übernehmen hoffte.
Im "Halali" überredete er seinen Kriegskameraden aus Belgien, Henry
Rachow, bei den britischen Militärbehörden im "Four Seasons" als
Techniker anzuheuern. Der Plan klappte, und Rachow gab Haerlin täglich
Bericht darüber, was die Briten in seinem Hotel machten. Mit mehreren
Vertrauten schmuggelte Rachow planmässig Silber, Porzellan, Teppiche,
Bettwäsche, Handtücher und Antiquitäten aus dem "Four Seasons".
Sie wurden in zwei grossen Garagen bei Fritz Haerlin gelagert.
Zudem gelang es dem Hotelier, dass bei Fremden auftauchende Tische, Stühle,
Sessel und Schränke, die im Ersten Weltkrieg von seinem Vater in weiser
Voraussicht mit dem Brandzeichen "4 J" versehen wurden, und Silber,
das das Hotelwappen trug, konfisziert und ihm zurückgegeben wurde. Sogar ein
General musste eine kostbare Schlafzimmereinrichtung wieder herausgeben.
Wie sein Vater zur Zeit der grossen Inflation investierte Fritz Haerlin das
wenige Geld, das er als Miete von den Britischen Militärbehörden zur Miete
erhielt. Er kaufte Wäsche, Gläser und Geschirr. Bei der Möbelfirma Behr,
die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg das Hotel beliefert hatte, bestellte er
ebenfalls eifrig für den Tag X, der allerdings erst am 30. Januar 1952 kam,
als die britische Besetzungsmacht Fritz Haerlin das Hotel "Vier
Jahreszeiten" am Neuen Jungfernstieg übergab.
Die glanzvolle Wiedereröffnung erfolgte am 3. April 1952. Für die
Renovierungskosten, darunter Löhne für gut 200 Handwerker, hatte der
Hotelier 1,6 Millionen Mark veranschlagt. Da diese damals kolossale Summe
seine Möglichkeiten überstieg, erlaubte er einer Vereinsbank, die
Geschäftsstellen an prominenter Lage suchte, eine Filiale im Hotel zu
errichten. Im Gegenzug erhielt er einen zinslosen Kredit über 500,000 Mark.
Zu den glamourösen Besuchern in den 1950er Jahren gehörte das persische
(eigentlich iranische) Kaiserpaar, das zwar bei der Konkurrenz im Atlantic
wohnte, aber zum Empfang und zum Essen ins Hotel und ins Restaurant
Haerlin kam.
Das Jahr 1955 brachte mit der Eröffnung der Hamburger Staatsoper und der
Aufnahme des Lufthansa-Liniendienstes zwischen New York und der Hansestadt
fortan neue Gäste ins Hotel. Bundespräsident Theodor "Papa" Heuss
war zur Premiere an der Staatsoper angereist und wohnte im "Vier
Jahreszeiten". Viele Stars wie Luciano Pavarotti stiegen regelmässig im
Hotel ab.
Um die Besuche des griechischen Reeders Aristoteles Onassis im "Vier
Jahreszeiten" ranken sich eine Reihe amüsanter Anekdoten. Bereits 1950 war
er bei Fritz Haerlin im Weinrestaurant "Halali" zu Gast gewesen, als
er mit den Werftmanagern erstmals verhandelte. Insgesamt bestellte er 16
Tanker in Hamburg und Kiel und trug so dazu bei, den deutschen Schiffbau nach
dem Krieg zu retten. Sobald das
"Vier Jahreszeiten" eröffnet war, wurde es sein Wohnsitz, wann
immer er in der Hansestadt war.
Onassis hatte die Angewohnheit, nächtliche Spaziergänge zu machen. Einmal
nach Mitternacht, als das Restaurant bereits geschlossen war, überraschte er
Nachtportier Reinecker in seiner Loge mit einer Butterstulle, die dieser nicht
rechtzeitig verstecken konnte - Essen im Dienst war verpönt. Onassis fragte,
was er denn da verstecke, und Reinecker holte mit roten Ohren sein Brot
hervor. Der hungrige Reeder fragte: "Darf ich mal beissen?". Er
durfte und war begeistert: "Sag deiner Frau, solange ich in Hamburg bin,
möchte ich jeden Abend auch so ein Brot für mich." Fortan trafen sich
Portier und Milliardär allabendlich in der Loge, wo der Grieche seine
Butterstulle in Empfang nahm und so für seine nächtlichen Spaziergänge um
die Alster gerüstet war.
1959 kam Maria
Callas erstmals nach Deutschland auf Tournee. In Hamburg wohnte sie
im Atlantic.
Zur gleichen Zeit reiste Onassis an, obwohl kein Schiff vom Stapel lief und
keine Arbeitsessen anstanden, wie die Portiers registrierten. Als die Callas
am Neuen Jungfernstieg auftauchte, war den Beobachtern in der Loge klar, dass
auf der Hotelbühne "Grieche sucht Griechin" gespielt wurde. Neun
Jahre lang lebten die Primadonna und der Tankerkönig zusammen. Als die Callas
1962 wieder in der Hamburger Musikhalle sang, wohnte sie mit Onassis im
"Vier Jahreszeiten". Beide residierten auch am 22. November 1963 im
Hotel, als Onassis für den Stapellauf eines Tankers ein Festessen gab und
dabei per Telefon erfuhr, dass sein Freund, Präsident Kennedy ermordet worden
war. Kurz zuvor war das amerikanische Präsidentenpaar noch Gast auf seiner
Yacht im Mittelmeer gewesen.
Fritz Haerlin lenkte sein Hotel diskret von seinem Büro im Souterrain aus.
Neben dem Truppenaufgang zur Halle hatte er eine verspiegelte Tür einbauen
lassen, um rasch auf der Hotelbühne erscheinen zu können, um zum Beispiel
Stammgäste wie Schauspieler Heinz Rühmann, Bankier Hermann Josef Abs oder
den Puddingkönig und Reeder Rudolf August Oetker zu begrüssen.
Auf das Alter hin entwickelte der ehemalige Lebemann allerlei Marotten. Von
Gästen angesprochen zu werden mochte er überhaupt nicht. Er wurde
menschenscheu und sparsam, geradezu knickerig. Einmal fragte er seinen
Portier: "Sag mal, Beyer, möchtest du nicht auch mal so ein vermögender
Mensch werden wie ich?" Beyer kannte den verschrobenen Humor seines Chefs
und antwortete: "Sicher, Herr Haerlin, deshalb bin ich ja hier.".
Daraufhin haute der Hotelier mit der flachen Hand auf den Schalter im
Lampenfuss und löschte das Licht mit den Worten: "Wenn du reich werden
willst, musst du Strom sparen."
Manche private Geschenke, die Fritz Haerlin erhielt, landeten auf dem
Servierwagen des Hotels. Ein Schweizer Freund schickte im jährlich ein Paket
mit Käsespezialitäten. Rudolf Botor erinnerte sich: "Wenn plötzlich
der Tête de Moine auf unserem Käsewagen lag, dann wussten wir, das Paket war
wieder angekommen [...]." - Fortsetzung: Vier Jahreszeiten
1956-76.

Der Hoteleingang. Foto © Raffles Hotel Vier Jahreszeiten.
Die Quelle für den nebenstehenden Artikel, weiterführende Literatur
Sepp Ebelseder, Michael Seufert: Vier Jahreszeiten. Hinter den
Kulissen eines Luxushotels. Die Hanse, Hamburg, 2002, 460 S. Bestellen bei
Amazon.de;
Erstausgabe 1999, Rowohlt, bestellen bei Amazon.de.
Das Buch der zwei ehemaligen Redaktoren der Zeitschrift Stern ist die
Quelle für den nebenstehenden Artikel. Es ist flüssig, leicht lesbar und
unterhaltsam geschrieben, was sich in unserer Biographie von Friedrich Haerlin
hoffentlich wiederspiegelt.
Der Wohnraum in der Suite 500. Foto © Raffles Hotel Vier Jahreszeiten.
Blick in die Jahreszeiten Suite. Foto © Raffles Hotel Vier Jahreszeiten.
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