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Von einem Harnverhalt spricht man, wenn trotz eines starken Harndrangs und einer gefüllten Blase das Wasserlassen nicht möglich ist.
Harnverhalt gehört zu den sogenannten Blasenentleerungsstörungen wie zum Beispiel auch die Algurie (schmerzhaftes Wasserlassen) oder die Nykturie (häufiges nächtliches Wasserlassen).
Durch die übermässige Füllung der Harnblase und der Überdehnung ihrer Wand kann es bei einem Harnverhalt zu einem starken Druckgefühl und heftigen Schmerzen kommen. Bleibt die maximale Füllung der Blase länger bestehen, schliesst der Blasenschliessmuskel auf Dauer nicht mehr vollständig und gibt irgendwann nach. Es kommt in der Folge zur sogenannten Überlaufblase mit Harnträufeln. Bei dieser Überlaufinkontinenz geht der Urin unwillkürlich ab.
Es ist wichtig, bei Harnverhalt die Ursachen zu erkennen. Dazu gehören zum Beispiel Harnwegsinfekte wie eine Blasenentzündung (Zystitis), eine vergrösserte Prostata (sog. Prostatahyperplasie) oder Blasensteine. Auch bestimmte Medikamente, wie Antidepressiva, führen mitunter zum Harnverhalt. In selteneren Fällen ist ein Tumor in der Harnblase (Blasenkrebs) oder in der Harnröhre der Auslöser.
Die Diagnose stellt der Arzt bei Harnverhalt über die Beschreibung der Beschwerden (Anamnese). Weitere Untersuchungen helfen dabei, die Ursachen zu finden. Dazu veranlasst der Arzt unter anderem Urinuntersuchungen oder einen Abstrich. Manchmal sind auch eine Ultraschalluntersuchung oder ein Bluttest notwendig.
Um mögliche Schmerzen durch den Harnverhalt zu lindern, bekommen Betroffene zunächst einen Harnröhrenkatheter gelegt. Damit kann der Urin aus der Harnblase abfliessen. Die weitere Behandlung richtet sich nach der Ursache des Harnverhalts. Etwa bei Harnwegsinfekten verschreibt der Arzt Antibiotika. Blasensteine entfernt er in einem kleinen Eingriff – meist im Rahmen einer Blasenspiegelung. Bei Blasentumoren ist eine Operation nötig.
Für einen Harnverhalt sind die häufigsten Ursachen Infektionen der Harnwege wie eine Blasenentzündung (Zystitis) oder Harnröhrenentzündung (Urethritis). Weitere Ursachen können sein:
Ausserdem können verschiedene Medikamente einen Harnverhalt auslösen. So kommen beispielsweise Anticholinergika, Antidepressiva oder Neuroleptika bei Harnverhalt als Ursachen infrage.
Bei einem Harnverhalt ist im Rahmen der Diagnose der erste Schritt die Frage nach vorliegenden Grunderkrankungen wie beispielsweise einem Diabetes mellitus oder nach der Einnahme bestimmter Medikamente. Diese kann erste Hinweise auf die mögliche Ursache des Harnverhalts liefern.
Wichtigste Methode für die Untersuchung des Harnverhalts ist eine Urinuntersuchung, mit deren Hilfe mögliche Erreger, wie Bakterien oder Pilze, im Urin bestimmt werden können. Ausserdem veranlasst der Arzt mitunter eine Blutuntersuchung oder nimmt einen Abstrich, aus dem eine Erregerkultur angelegt wird.
Manchmal sind, je nach vermuteter Ursache, bei Harnverhalt weitere Untersuchungen zur Diagnose notwendig. Dazu zählen beispielsweise eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), neurologische Untersuchungen, die Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit (Lumbalpunktion) oder eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege, Harnblase und Nieren. Hilfreich ist in vielen Fällen auch eine Blasenspiegelung (Zystoskopie). Vermutet der Arzt Erkrankungen der Prostata als Ursache bei Harnverhalt, folgt zur Diagnose eine rektale Untersuchung. Zudem bestimmt der Arzt dann den PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen).
Bei Harnverhalt hängt die individuelle Therapie immer von den entsprechenden Ursachen ab. Erster Schritt der Behandlung ist es meist, die Harnblase über einen Harnröhrenkatheter zu entleeren. Dies lindert mögliche Schmerzen. Der Harnröhrenkatheter kann, je nach Ursache des Harnverhalts, zeitweise oder dauerhaft in der Harnröhre verbleiben.
Liegt dem Harnverhalt eine bakterielle Entzündung der Harnblase oder Harnröhre zugrunde, verschreibt der Arzt Antibiotika.
Blasensteine können häufig im Rahmen einer Endoskopie entfernt werden. Ab einer bestimmten Grösse werden sie vorher mit Ultraschallsonden zertrümmert. In manchen Fällen kann auch eine Operation notwendig sein.
Ist der Harnverhalt Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung wie einer Krebserkrankung oder neurologischen Krankheit, ist die gezielte Therapie dieser Erkrankung erforderlich.