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Mila blinzelte ins Neonlicht. Und dann in den Laden. Um die Kleiderstangen tanzten weisse Lichter wie kleine Fetzen Alufolie. Sie stellte sich vor, dass die Fetzen Fische und die Stangen Riffe seien. Mila liebte Schwimmen. Und tauchen. Und einfach im Wasser liegen und an nichts denken, nur den Himmel anzuschauen. Gestern meinte ihre Mutter nach dem Schwimmunterricht, dass sie Mila einen Bikini kaufen würde. Warum? Hatte Mila gefragt, sie mochte ihre Badehose – blau mit violetten Streifen – sehr gerne. Und seit sie damit sogar schneller geschwommen ist als Tomas, mochte sie sie noch lieber. Weil sie so schnell wachse, meinte ihre Mutter dann, bald würde ihr diese Badehose nicht mehr passen. Ob sie nicht die gleiche eine Nummer Grösser haben könnte, fragte Mila. Ihre Mutter strich ihr eine Locke hinters Ohr. Mila sei jetzt älter geworden und kein kleines Mädchen mehr. Bald würde sich ihr Körper verändern, und dann passe ein Bikini einfach besser als eine Badehose.
Warum?
Weil sie dann eine Frau werde, sagte ihre Mutter. So wie sie. Oder Oma. Oder ihre Lehrerin. Eine Frau? Mila war verwirrt. Sie war erst neun. Und überhaupt, eine Frau wie ihre Lehrerin wollte sie ganz sicher nicht werden. Die ist gegen Rennen im Schulzimmer. Gegen Lachen während des Unterrichts. Und gegen Käfer im Rucksack. Das gehöre sich nicht, sagt sie dann immer. «Mila, komm. Hier drüben sind die Bikinis.» Mila folgte ihrer Mutter durch den Laden. Sie entschied sich für einen gelben Adidas Sport-Bikini, vielleicht war sie damit ja genau so schnell wie mit ihrer Badehose. In der Umkleidekabine zog sie zuerst die Hose an. Sie sass etwas locker, aber Mila war im letzten Jahr sieben Zentimeter gewachsen, das sollte kein Problem sein. Dann hielt sie das Oberteil gegen das Licht, sortierte die gekreuzten Träger, versuchte herauszufinden, wo der Eingang ist. Als sich der Stoff über ihre flache Brust legte und darunter festklammerte, macht sich ein Gefühl in ihr breit, eins das sie bis jetzt noch nicht kannte. «Alles okay da drin?», fragte Milas Mutter. Mila schaute in den Spiegel. «Ich glaube schon». Sie hatte gerade gelernt, ihren Körper zu verstecken, trotzdem zu zeigen, und darauf stolz und gleichzeitig beschämt zu sein