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Lay summary
Das Forschungsprojekt "Zur Rettung der Menschheit" wird eine der frühesten globalen Bewegungen untersuchen: den "Kampf gegen den Alkohol", der im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert als unabdingbar für den moralischen und zivilisatorischen Fortschritt der Menschheit bzw. gar für ihr biologisches Bestehen erschien. Basierend auf dem Engagement und der Kooperation verschiedener lokaler, regionaler und überregionaler zivil-gesellschaftlichen Vereinigungen (z.B. die Guttempler, das Blaue Kreuz) ging aus dem "Kreuzzug" evangelikaler Temperenz-Gesellschaften anglo-amerikanischen Ursprungs in den 1870er Jahren eine sozial und kulturell höchst heterogene zivilgesellschaftliche Bewegung hervor, die Akteure auf allen Kontinenten miteinander verband. Temperenz- oder Abstinenzgesellschaften waren zahlenmässig am stärksten in Grossbritannien und seinen (ehemaligen) Siedlerkolonien - den USA, Kanada, Australien und Neuseeland - vertreten, fanden jedoch auch in der Schweiz und Deutschland, auf dem Balkan, in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern, in Japan, Indien und Ceylon sowie verschiedenen Teilen Afrikas Verbreitung. Sie umfassten sowohl Industrielle als auch Arbeiterorganisationen, britische Verteidiger einer imperialen Zivilisierungsmission und prominente Unabhängigkeitskämpfer, wie etwa "Mahatma" Gandhi. Oft waren es Frauengruppen, die ihr Engagement gegen häusliche Gewalt trinkender Männer mit Wahlrechtsforderungen verbanden. Der organisierte Antialkoholismus verband damit verschiedenste soziale und politische Bewegungen. Er wurde zum Terrain der Konfrontation und Aushandlung nationaler, kultureller und religiöser Identitäten sowie von Geschlechternormen, Familienmodellen und schliesslich auch Weltbildern und Weltordnungsentwürfen. Das Projekt wird die Dynamik dieser Bewegung aus einer globalgeschichtlichen Perspektive in den Blick nehmen. Ausgangspunkt ist ein polyzentrisches Modell des zivilgesellschaftlichen "Internationalismus" des frühen 20. Jahrhunderts. Das Teilprojekt A zur Rolle der Schweiz bei der transnationalen Proliferation der Temperenzagenda wird zeigen, dass die inhaltliche Schwerpunktverlagerung von der "moralischen Reform" zu einer medizinisch-"sozialhygienischen" Strömung auch mit einer regionalen Verschiebung einherging. Komplementär dazu untersucht Teilprojekt B zu Chile und Argentinien, wie sich Eugenik, Arbeiterdisziplinierung und nation-building in mit dem organisierten Antialkoholismus verschränkten und sich regionale Netzwerke herausbildeten. Damit können neue Einsichten zur Entstehung einer transnationalen Zivilgesellschaft und ihrer Bedeutung für Regulierung bewusstseinsverändernder Substanzen gewonnen werden.