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Autor Toni Gottsponer erinnert sich an erlebte und erfundene Geschichten aus dem Bergdorf Visperterminen.
Bis Ende der Sechzigerjahre war es bei kinderreichen Familien noch üblich, dass jugendliche Mädchen und Knaben aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch aus Platzmangel in ein Kloster gingen oder an andere Familien als Hilfskraft vergeben wurden. Ein Kind weniger am Küchentisch bedeutete genug zum Essen für die anderen. Kein Gedränge in den kleinen Wohnungen. Wenn man Glück hatte, brauchte man das Bett nur mit dem Bruder oder der Schwester zu teilen.
Die meisten dieser Familien waren Nomaden, die mehrmals im Jahr ihren Wohnort wechselten. Wir zogen fünf Mal pro Jahr auf ein anderes Maiensäss und bewirtschafteten Flächen vom Grund bis auf den Berg. Wir waren Selbstversorger und bearbeiteten mehrere Gärten, Getreide- und Weinfelder.
Eine wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr veränderte Zeit prägte die Dorfbewohner. Priester und Lehrer waren noch angesehene Leute. Heiraten, ohne die Kirche zu fragen, war unmöglich, und an eine Scheidung hatte auch noch niemand gedacht. Bei Fehlverhalten wurde dem Sünder das heilige Sakrament verweigert.
An solche wahren und erfundenen Geschichten erinnert sich Toni Gottsponer.