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Plagiate verschleiern die Herkunft verwendeter Informationen und erschweren die wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit. Das Übersetzungsplagiat ist eine der weniger offensichtlichen Plagiatsformen. Zieht jedoch ebenso schwere Konsequenzen nach sich, vor allem da diese Art von Plagiaten meist vorsätzlich ist. Hier erfährst du, wie du ein Übersetzungsplagiat erkennst, vermeidest und von einem Ideenplagiat unterscheidest.
Definition: Übersetzungsplagiat
Das Übersetzungsplagiat ist eine Sonderform des Plagiats. In wissenschaftlichen Arbeiten wird von einem Übersetzungsplagiat gesprochen, wenn Teile einer fremdsprachigen Quelle wörtlich oder sinngemäß übersetzt wurden, ohne dass der Ursprungstext durch einen geläufigen Zitierstil nachzuvollziehen ist.1 Beim Übersetzungsplagiat handelt es sich um eine besonders schwerwiegende Plagiatsform. Durch den betriebenen Übersetzungsaufwand ist in den meisten Fällen von einem vorsätzlichen Fehlverhalten auszugehen.2 Ferner fällt es schwer, Übersetzungsplagiate mit den gängigen Methoden zu erkennen.
Plagiate sind ein Verstoß gegen die wissenschaftliche Methodik, da sie die Herkunft und den wissenschaftlichen Beleg der verwendeten Aussagen unterschlagen. Studierende und Forscher, die ein Übersetzungsplagiat begehen, haben mit dauerhaften Konsequenzen zu rechnen. Ein Übersetzungsplagiat betrifft sowohl die unmarkierte Übersetzung größerer Textfragmente als auch einzelner Sätze, sofern sie forschungsrelevante Aussagen treffen, und spezifischer Fachtermini.
Merke: Fremdsprachige Quellen müssen nicht grundsätzlich übersetzt werden. Insbesondere englischsprachige Quellen können ohne Übersetzung zitiert werden. Darüber hinaus musst du nur Texte übersetzen, die deine Betreuer und Kommilitonen nicht verstehen.
Übersetzungsplagiat: Beispiel
Das folgende konstruierte Beispiel zeigt ein Übersetzungsplagiat. Der englische Text wurde mehr oder weniger wortgetreu übersetzt, ohne Hinweise auf die Herkunft der Aussage anzugeben. Ein Verweis in Klammern oder als Fußnote hinter der übersetzten Fassung würde genügen, um ein Übersetzungsplagiat zu vermeiden.
Übersetzungsplagiat vs. Ideenplagiat
Es besteht eine große Ähnlichkeit zwischen dem Übersetzungsplagiat und dem Ideenplagiat. Die folgenden Merkmale helfen dir dabei, die verschiedenen Plagiatsformen voneinander zu unterscheiden.
|Übersetzungsplagiat||Ideenplagiat|
|Ein Text wurde unmarkiert aus einer Fremdsprache in die Sprache der vorliegenden Arbeit übersetzt.||Eine Idee/inhaltliche Aussage wurde unmarkiert aus einem anderen Text übernommen.|
|Es kann sich um eine wörtliche Übersetzung der verwendeten Quelle oder um die Übersetzung inhaltlicher Aussagen und Ideen handeln.3||Ein Ideenplagiat bezieht sich auf paraphrasierte Inhalte und nicht auf das wortgetreue Kopieren von Textpassagen.|
|Das Übersetzungsplagiat entsteht in den meisten Fällen vorsätzlich.||Ideenplagiate treten sowohl als Flüchtigkeitsfehler als auch vorsätzlich auf.|
Übersetzungsplagiate erkennen
Das Übersetzungsplagiat ist eine schwer aufzuspürende Plagiatsform. Bisher sind automatisierte Plagiatsprüfungen nicht dazu in der Lage, unmarkierte Übersetzungen zu identifizieren. Das liegt vorrangig daran, dass sie nach Ähnlichkeiten im Wortlaut und der Satzstellung, nicht aber sprachübergreifend nach inhaltlichen Überschneidungen Ausschau halten.
Abseits automatisierter Plagiatsprüfungen ist spezifische Textkenntnis erforderlich, um unmarkiert-übersetzte Ideen auszumachen. Oftmals wird ein Übersetzungsplagiat erst durch besondere Irritationsmomente und Übersetzungsfehler aufgespürt. Im Falle einer wissenschaftlichen Publikation ist es hingegen umso wahrscheinlicher, dass Kenner des Ursprungstextes auf das Übersetzungsplagiat aufmerksam werden.
Konsequenzen eines Übersetzungsplagiats
Wird ein Übersetzungsplagiat erkannt, führt dies, wie bei jedem Plagiat, zu einer nicht bestandenen Prüfungsleistung. Da ein Übersetzungsplagiat in den meisten Fällen mit Vorsätzlichkeit einhergeht, kann es zu weiteren Strafmaßnahmen kommen. Dazu gehören:
- die Aberkennung von akademischen Abschlüssen und Titeln,
- der Ausschluss aus Fördermaßnahmen oder
- die Exmatrikulation von der Universität. 4
Übersetzungsplagiate vermeiden
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Wissenschaftliche Eigenleistung in den Vordergrund stellen
Eine wissenschaftliche Arbeit kommt nicht ohne die Bezugnahme auf andere Texte aus, doch deine eigene wissenschaftliche Leistung sollte stets Vorrang gegenüber den übrigen Inhalten der Arbeit haben. Dazu ist es wichtig, dass du deine Eigenleistung als solche betonst und klar von vorhergehender Forschung abgrenzt.
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Übersetzungen vermeiden
Du musst englischsprachige Texte nicht übersetzen, wenn du einzelne Passagen in deiner Arbeit zitieren möchtest. Dasselbe gilt für sprachspezifische Fachbereiche bei Zitaten aus der jeweiligen Fachsprache.
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Quelle in beiden Sprachen angeben
Es zeugt von Professionalität und wissenschaftlicher Transparenz, wenn fremdsprachige Quellen sowohl in ihrer Originalfassung als auch in übersetzter Form angegeben werden. Dadurch wird nicht nur deutlich, dass der Inhalt aus einer anderen Quelle übernommen wurde, wenngleich natürlich trotzdem ein korrekter Literaturhinweis erfolgen muss, sondern zusätzlich ist eine Beurteilung der Übersetzungsleistung möglich.
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Mehrere Quellen verwenden
Durch die Nutzung verschiedener, unabhängiger Quellen stellst du deine Arbeit auf ein stabiles Fundament. Eine Arbeit, die sich gleichmäßig auf mehrere Forschungsbeiträge stützt, läuft geringere Gefahr mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert zu werden.
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Alle Quellen angeben
Übersetzungen sind legitim, solange die Arbeit mit einer nachvollziehbaren Zitierweise (zum Beispiel APA-Zitierstil, Harvard-Zitierweise oder deutsche Zitierweise) auf den Originaltext verweist. Markiere alle übersetzten Textstellen schon in der Schreibphase, sodass du die Quellenangaben später nicht vergisst.
Häufig gestellte Fragen
Ein Übersetzungsplagiat liegt vor, wenn ein Text ohne Kenntlichmachung entweder wortgetreu oder sinngemäß aus einer anderen Sprache übersetzt wurde. Das Urheberrecht und die wissenschaftliche Herkunft sind nicht mit einer bestimmten Sprache, sondern dem schöpferischen beziehungsweise wissenschaftlichen Gehalt des Textes verknüpft.
Übersetzungsplagiate werden genauso geahndet wie direkt erkennbare Plagiatsformen. Eine Arbeit, der ein Plagiat nachgewiesen wurde, wird mit einer 5,0 bewertet und gilt somit als «nicht bestanden».
Es genügt, die zitierte Quelle mit Hilfe eines gängigen Zitationsformats anzugeben. Alle wissenschaftlichen Zitierformen markieren dabei die Textstelle, die auf den zitierten Text zurückgreift, mittels Fußnote oder Kurzverweis und erwähnen die Quelle zusätzlich im Literaturverzeichnis.
Kurzum: Nein. Ein Plagiat liegt nur dann vor, wenn die Quelle nicht oder nur unzureichend angegeben wurde. Übernimmst du jedoch große Teile einer anderen Arbeit, sodass deine Eigenleistung nur in der Übersetzung besteht, wird sich dies negativ auf die Bewertung deiner Arbeit auswirken.
Englischsprachige Quellen müssen nicht übersetzt werden, wenn du sie in einer wissenschaftlichen Arbeit zitieren möchtest. Quellen aus anderen Sprachen müssen nur dann übersetzt werden, wenn davon auszugehen ist, dass Prüfer und Kommilitonen des gleichen Fachs sie ansonsten nicht verstehen.
Quellen
1 Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität: Täuschungsversuche und Plagiate- Handreichung für Studierende, in: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, o. D.,[online] https://www.ioa.uni-bonn.de/de/studium/downl/downl/taeuschungsversuche-und-plagiate_handreichung-fuer-studierende_philfak-kopie.pdf (abgerufen am 07.11.2022)
2 Dr. Nissen, Martin: Plagiaterkennung und Plagiatvermeidung an Universitäten und Bibliotheken, in: Universität Heidelberg, 19.09.2017, [online] https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/23505/1/Nissen_2012_Plagiaterkennung_und_Plagiatvermeidung.pdf (abgerufen am 07.11.2022)
3 Hohmann, Marilena/Raaz, Oliver: Plagiate, in: Freie Universität Berlin, 07.07.2022, [online] https://wikis.fu-berlin.de/display/leitfaden/Plagiate (abgerufen am 07.11.2022)
4 Westfälische Wilhelms-Universität Münster: Informationen zum Thema „Plagiate“
für Studierende sowie Doktoranden und Habilitanden, in: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, o. D., [online] https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/wwu/rektorat/dokumente/info_plagiate_prueflinge.pdf (abgerufen am 07.11.2022)