Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03151.jsonl.gz/937

Seit einigen Monaten wird in den Banken massiv restrukturiert. Im Juni wurde das Personal der Bank Lloyds in Genf aktiv, als bekannt wurde, dass die Schweizer Filiale der Union bancaire privé UBP verkauft wird und es zu Entlassungen kommen würde. Die Angestellten schlossen sich zusammen und viele traten dem SBPV bei. Sie erteilten ihm das Verhandlungsmandat und wiesen zweimal klar die Vorschläge ihres Managements zurück. Schliesslich musste dieses ihre anfänglichen Vorschläge deutlich verbessern. Das Personal und seine Vertreter konnten aber die Unterzeichnung eines Sozialplans mit den verhandelten Massnahmen nicht durchsetzen.
Aus dem Erfolg lernen
Das Personal von Lloyds war in der Vergangenheit kaum organisiert gewesen. Im Jahre 2011, als ein Teil des Personals von Genf nach Eysins umziehen musste, schlossen sich einige Angestellte mithilfe des SBPV zusammen, um Entschädigungen zu erzielen. Bei dieser Gelegenheit lernte das Personal den SBPV kennen und stellte fest, wie hilfreich dessen Unterstützung ist. Als die Bank heuer die Entlassungen bekannt gab, bildete diese Erfahrung die Basis für die Mobilisierung.
Das Personal startete mit mehreren Handicaps: Weder Lloyds noch UBP anerkennen die Sozialpartnerschaft, sei es intern (keine Personalkommission) oder extern (sind nicht dem Gesamtarbeitsvertrag der Branche unterstellt). Ausserdem führten beide Banken bereits mehrere Restrukturierungen mit unilateralen Begleitmassnahmen für die entlassenen Personen durch. Sie beabsichtigten nie, mit wem oder was auch immer, zu verhandeln.
Erster Schritt: den SBPV in die Verhandlungen bringen
Der erste Schritt bestand darin, Sozialplanverhandlungen mit der gewählten Delegation und den Bankvertretern durchzusetzen. Ziel war es, einen Sozialplan zugunsten des gesamten Personals zu verhandeln. Trotz eines Organisationsgrades von 40% (es gab mehr als 100 Mitgliederbeitritte in wenigen Wochen) wollten sich die Bankverantwortlichen erst an den Verhandlungstisch setzen, als gedroht wurde, die Behörden beizuziehen, um die Repräsentativität des SBPV zu bestätigen.
Zweiter Schritt: einen würdigen Sozialplan erzielen
Nach mehreren Verhandlungssitzungen konnte dem Personal ein erstes Resultat präsentiert werden, welches nur mit Unterstützung des Personals verbessert werden konnte. Die Teilnehmer der Personalversammlungen erachteten die Massnahmen als ungenügend und erlaubten somit ihrer Delegation, verstärkt an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Delegation erwirkte dann weitere Verbesserungen, allerdings gaben die Banken bekannt, dass sie nicht bereit wären, mit dem SBPV einen Sozialplan zu unterzeichnen. Sie würden individuelle unilaterale Massnahmen vorschlagen, die jeder Angestellte in einer Vereinbarung unterzeichnen müsse. Die Bankverantwortlichen widerriefen so ihre Grundsatzvereinbarung, mit dem SBPV einen Sozialplan zu verhandeln und zu unterzeichnen. Eine weitere am 27. Juni einberufene Personalversammlung zeigte, dass die Angestellten von Lloyds:
Bilanz
Die Lloyds-Angestellten erfuhren, welche Stärke die kollektive Organisation besitzt. Sie führten zusammen mit dem SBPV einen Kampf und dank zahlreichen SBPV-Beitritten und ihrer Entschlossenheit konnten sie wichtige Punkte im Sozialplan verbessern. Die Banken konnten ihrerseits einen Etappensieg erringen, indem sie den SBPV zur Seite drängten und sich weigerten, mit ihm einen Sozialplan zu unterzeichnen. Ihre Unehrlichkeit während den gesamten Verhandlungen macht sie zu unzuverlässigen Partnern. Die Sozialpartnerschaft, auf die sich die Arbeitgeberverbände berufen, wurde durch Arbeitgeber verletzt, die das grundsätzliche Mitwirkungsrecht ihrer Angestellten nicht anerkennen wollen. Die Angestellten der Finanzbranche, im Besonderen diejenigen von Lloyds und UBP wissen aber jetzt, dass sie sich als Gesprächspartner trotzdem hineinbringen können, sofern sie sich beim SBPV vereinen und organisieren.
Denise Chervet, Geschäftsführerin SBPV