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Die Idee des Monotheismus und die damit zusammenhängenden Traditionslinien des Judentums und Christentums waren für einen Mann auf der arabischen Halbinsel wohl bekannt. Er war ein Reisender, der mit seinen Karawanen Handel zwischen Mekka, Medina über die Seidenstrasse bis weit in das syrische Gebiet machte. In der Begegnung mit Menschen lernte er wohl diese Weltsichten kennen, die sich doch so stark von seinen stammesbestimmenden Identitätsmustern unterschieden.
Mohammed, der Mann aus Mekka, war es, der durch eine persönliche Sinnkrise wohl diese Gotteskonzepte zum Weg daraus aufnahm. Es hiess, er habe mit rund 40 Jahren Visionen gehabt, die ihm – so die Deutung – durch den Erzengel Gabriel den Glauben an den einen Gott eröffneten. Er wurde nicht nur zu einem religiösen, sondern auch zu einem politischen Führer, nachdem er in Medina einen inneren Konflikt löste. Sein Konzept auf der Grundlage der übergeordneten Stammeskultur war: Monotheismus als Weltbild im Kontext der Umma – der Glaubensgemeinschaft.
Die Ausbreitung des Islams war in der Folge nicht mehr aufzuhalten und auch der plötzliche Tod des Propheten führte nicht dazu, dass sich die Bewegung auflöste, trotz Krise.
Der «Islam» stellt damit das dritte religiöse Grosssystem dar, welches einem Konzept des Monotheismus verpflichtet ist. Der Glaube an einen Gott, der mit dem Menschen in Beziehung steht. Ein Konzept, aus dem Judentum stammend, durch die christliche Religion in heidnische Denk- und Verstehensweisen umstrukturiert wurde nun sich auf orientalische Weise manifestiert. Die Verhältnisse sind enger, als man annimmt. Es sind weniger die trennenden äusseren Manifestationen entscheidend. Entscheidend scheint zu sein, dass sich ein innovatives Gotteskonzept (Monotheismus und Beziehungsgott) in semitischer, hellenistischer und orientalischer Konstruktionsweisen in religiösen Grosssystemen manifestierte und damit zum wesentlichen «Motor» innerhalb der Entwicklung entsprechender Kulturen und Zivilisationen wurde. Ein Gotteskonzept, welches den Menschen in handelnder und kreativer Position belässt, ohne dabei die Grenzen menschlichen Tuns (Übertuns?) anzumahnen. Und damit verbunden: Die menschlichen Sehnsucht nach Heil zu erfüllen.
Die drei religiösen Grosssysteme sind Resultat kulturell-gesellschaftlichen Deutungen über die Frage nach Gott und dessen Verhältnis zur Welt mit dem Menschen. Entstanden sind dabei vielfältige Manifestationen, von Menschen aus tiefster Überzeugung, mit Gott- und Weltzugewandtheit entwickelt, mit Verwerfungen sowie positiven humanen Impulsen – früher und heute.