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Aktuelles
18. März 2023
Stellungnahme von Peter Selg
In dem Rundbrief ‹Was in unserer Gesellschaft noch vorgeht› Nr. 61 vom 15. März 2023 wenden sich Ilona Metz und weitere sechs Unterzeichnende in einem offenen Brief an Peter Selg gegen seine Darstellung an der Außerordentlichen Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft vom 15. Januar 2023. Sie beklagen unter anderem die «Umwandlung des Goetheanum in ein Kongresszentrum». Außerdem kritisieren sie die Stellungnahme der Medizinischen Sektion zur Corona-Pandemie sowie die Kommunikation und die Handlungsweisen der Goetheanumleitung. Es bestehe «Jesuitismus» in der Leitung». Peter Selg nimmt zu den Kritiken hier Stellung.
Sehr geehrte Frau Metz,
Zu Ihren Ausführungen zu meiner – von Ihnen so genannten – «Rede» auf der Generalversammlung (es war ein spontanes Votum und keine «Rede», zu dem ich nach wie vor in allen Punkten stehe): Ich habe in der Tat der Behauptung widersprochen, dass die Goetheanumleitung den Beschluss gefasst habe, «zum Schutz der Anthroposophie mit internationalen Organisationen (wie der WHO) zu kooperieren». Ich wiederhole: Es gibt keinen solchen Beschluss der Goetheanumleitung. Und es ist eben keine Lappalie, wenn Sie nun schreiben: «Ob Entschluss oder Nicht-Entschluss der Goetheanum-Leitung …», weil es einen kategorialen Unterschied macht – und als Behauptung im Großen Saal stand, weswegen ich mich meldete. Es wurde auch bereits kommuniziert, dass der als Beweis dienende Textbeleg der Einladung zum Mitglieder-Forum, den Sie noch einmal zitieren, nicht von Herrn Soldner stammt, sondern von Herrn Heertsch. Und dass auch in diesem vermeintlichen Beleg nichts von einem «Beschluss der Goetheanumleitung» steht.
Ich habe in keiner Weise etwas «wegzuwischen» versucht, wie Sie schreiben. Zum Vorgehen der Medizinischen Sektion bzgl. «One health» gibt es eine differenzierte Stellungnahme, auch vom Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft, die vor der Versammlung zugänglich gemacht wurde. Ihre Behauptung, dass «sämtlichen Mitgliedern der AG» durch das Goetheanum das «Karma» einer Verbindung mit den «menschenunterdrückenden Zielen» der WHO auferlegt wurde, kann ich in keiner Weise nachvollziehen – und finde einen solchen Umgang mit dem «Karma»-Begriff höchst fragwürdig und sehr fahrlässig, ebenfalls eine solche Positionierung und Hypostasierung des «Goetheanum». Und dies auch dann, wenn ich die WHO-Politik in der Corona-Zeit ausgesprochen kritisch verfolgt habe, und in Teilen bereits zuvor. Dennoch berechtigt aus meiner Sicht nichts zu Ihrer Behauptung bezüglich Mitgliedschaft und WHO. Die Verbreitung dieser Behauptung finde ich mehr als gefährlich. Wie können Sie nur?
Sie führen dann in diesem Zusammenhang eine ganze Reihe von Beispielen für den aus Ihrer Sicht fatalen Kurs des Goetheanum aus den letzten Jahrzehnten an (Sie sprechen von «Ent-Anthroposophisierungs-Maßnahmen»), darunter die Umwandlung des Hauses in «eine Art Kongresszentrum». Es ist mir nicht bekannt, wie oft Sie selbst am Goetheanum sind und was Sie tatsächlich von den überwiegend sehr eindrucksvollen Tagungen der Fachsektionen und der Allgemeinen Sektion mitbekommen, geschweige von den anderen Bereichen der Sektionstätigkeiten. Wissen Sie, was bei diesen Zusammenkünften von Menschen aus allen Ländern hier geschieht, zwischen den zusammenarbeitenden Menschen und in den spirituellen Beiträgen? Sind das «Kongresse»?
Ich bin sehr wohl der Auffassung, dass die Sektionen am Goetheanum und wir alle noch sehr viel mehr hätten leisten sollen und müssen, um der Corona-Krise in all ihren – teilweise sehr abgründigen – Aspekten gerecht zu werden. Die Menschen am Goetheanum haben sich bemüht, nach besten Kräften und je nach Vermögen. Aber hier zu unterstellen, dass vorsätzlich versucht wurde, Menschen ein schweres Schicksal zu bereiten in Komplizenschaft mit der WHO etc., finde ich wahrhaft «ungeheuerlich» – in Ihren eigenen Worten.
Ich habe mich dagegen ausgesprochen, dass sich eine Gruppe von Mitgliedern als stellvertretendes Mitgliederorgan positioniert, ohne tatsächlich stellvertretend zu sein, und werde das auch weiterhin tun. Da ich seit mehr als 20 Jahren international für die Anthroposophie eingetreten bin, kenne ich sehr, sehr viele Mitglieder und Landesgesellschaften – ich nehme an, weit mehr als Sie.
Sie schreiben weiter, dass die Goetheanumleitung offensichtlich erwarte, dass die Mitglieder das selbständige Denken abgeben, dass es einen «Jesuitismus» der Leitung gäbe, die aus «dunklen Gründen» wirke, dass der Vorstand in den letzten Jahrzehnten nie wirklich auf Anfragen geantwortet habe und alles «durchgedrückt» worden sei, was sich führende Persönlichkeiten ausgedacht hätten.
Ich finde in keiner Weise, dass diese Ihre Charakterisierungen zutreffen, finde sie an der Wirklichkeit grob vorbeigehend und menschlich entwürdigend. Da ich mich viel mit der Goetheanum- und Gesellschaftsgeschichte seit 100 Jahren beschäftigt habe, kritisch beschäftigt habe, bin ich der Letzte, der sagen würde, dass alles oder auch nur das meiste gut ging.
Aber ich muss Ihnen auch sagen, dass ich überaus froh bin, dass es das Goetheanum, die Gesellschaft und die Hochschule nach 100 Jahren noch gibt und dass hier sehr wesentliche Arbeit geleistet wird, im Goetheanumbau, in den Sektionen vor Ort und in der weiten Welt, trotz oder inmitten vieler Schwierigkeiten und in einer mehr als komplizierten Weltlage. So viele positive Kräfte sind daran beteiligt, im Goetheanum und international. Und es wird viel davon abhängen, ob es uns allen gelingt, die Gesellschaft und die Hochschule in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu einem wichtigen Arbeitsorgan weiterzuentwickeln. Ich kenne auch die Menschen, die den jetzigen Vorstand bilden – ich kann nicht erkennen, was Sie berechtigt, diesen Menschen alles zur Last zu legen, was in den vergangenen Jahrzehnten nicht gut gelaufen ist, und mit solchen Schlagworten wie in Ihrem «offenen Brief» zu argumentieren. Glauben Sie selbst an die Wirklichkeit Ihrer Worte und übernehmen Sie die Verantwortung für sie?
Dass ich früher «weniger funktionärsmäßig» gesprochen hätte, wie Sie schreiben, mögen andere beurteilen als ich. Meine Vorträge sind auf der Homepage der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion und der des Ita-Wegman-Instituts gut anhörbar, kostenlos, ich habe auch hier nichts zu «vertuschen».
Dass Rudolf Steiner sehr wohl von «Funktionären» gesprochen hat, ist mir bewusst, ich habe mich ja etwas mit ihm und seinem Werk beschäftigt. Aber nie mit dieser Konnotation, wie sie nun in Ihren Kreisen üblich geworden zu sein scheint. Er hat auch von «Juden» gesprochen, aber anders, als man dies in Deutschland nach 1933 tat, obwohl das Wort identisch blieb. Dies nur zur Verdeutlichung.
Es war überhaupt nicht die Rede davon, dass nun noch mehr «Repräsentanten» über die «Köpfe» der Mitglieder hinweg bestimmen sollen, im Sinne des von Ihnen apostrophierten «ungebremsten Durchsetzungswillens», sondern es ging um die Frage, ob das seit Jahrzehnten bestehende Organ der Landesvertreter in die Statuten der Gesellschaft aufgenommen werden soll. Es ging und geht mit Sicherheit auch nicht um «Eingriffe» in das «Karma» der Mitglieder und in das «Karma von Anthroposophia». Ich habe in meinem Beitrag noch einmal daran erinnert, wie wichtig Rudolf Steiner die Weltgesellschaft war, und werde das auch weiter tun – und wie sehr das Goetheanum ein Organ dieser Weltgesellschaft im Sinne R. Steiners werden sollte.
Ihre Behauptung, die Mitglieder in der «Peripherie» hätten keine Ahnung davon, was im «Zentrum» sich an Problematischem ereigne, empfinde ich als ein hegemonial-autoritäres Klischee. Was ist denn die «Peripherie»? Kennen Sie sie? Interessieren Sie sich für die Landesgesellschaften weltweit? Für die Sektionstätigkeiten weltweit? Was wissen Sie vom Wissensstand der Mitglieder? Was wissen Sie von der Bedeutung des Goetheanum, das dieser Ort für die Menschen weltweit hat? Was kolportieren Sie für ein Bild?
Ich sagte in meinem Votum, dass die in der Versammlung erwähnte geringe Partizipation der Mitglieder internationaler Landesgesellschaften an der GV – abgesehen von den unerschwinglichen Reisewegen – meines Erachtens sehr wohl mit dem Niveau der Versammlungen zu tun hat, mit den Themen vieler Anträge, mit den «Anträgen zur Geschäftsordnung», mit denen jeder zu jeder Zeit auftreten kann, mit der ganzen Aggressivität, die Sie in Ihrem Brief noch einmal eindrucksvoll demonstrieren. Haben Sie je – wie ich schon oft in vielen Jahren – mit Mitgliedern aus anderen Ländern gesprochen, wie Sie diese GV-Atmosphäre erleben?
Ich stehe auch dazu, dass ich gesagt habe, dass man meiner Auffassung nach nicht aus der Mitgliedschaft der Anthroposophischen Gesellschaft Unternehmen und Einrichtungen auf diese Art beeinflussen und zur Anthroposophie zurückführen kann, wie ich es erlebte. Man kann sehr viele Entwicklungen bedauern, die in den 100 Jahren geschehen sind und schon zu Lebzeiten R. Steiners sich ereigneten – im Hinblick auf die Autonomisierung von Gründungen, die aus der AG erfolgten, aber sich immer weiter von ihr entfernten (s. Rudolf Steiners gesamte Kritik 1923); aber es wird – auf Ebene der Gesellschaft und der Hochschule – nicht gelingen, in diesem Problemfeld positiv wirksam zu werden, wenn die Grundvoraussetzungen der Zusammenarbeit nicht gegeben sind, wenn die Gesellschaft und die Hochschule nicht als Gegenüber mit Niveau wahrgenommen werden. Und es ist auch nicht aussichtsreich, wenn die gesamten Weleda-Bemühungen von Menschen aus dem Goetheanum und der Medizinischen Sektion seit vielen Jahren in dieser Weise innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft global disqualifiziert und diffamiert werden, wie es oft geschieht und von Ihnen wiederholt wird. Die Menschen, die damit von Goetheanum-Seite aktiv befasst sind, tun dies mit besten Absichten im Hinblick auf die Anthroposophie und die Zukunft der Heilmittel. Indem Sie alles in einen Komplex der vom Goetheanum scheinbar betriebenen und beabsichtigten «Ent-Anthroposophisierung» einordnen, verwischen Sie alle existierenden Probleme, nivellieren sie und schaffen ein umgrenztes Feindbild. Dieser Vorgang ist aus der Sozial- und Massenpsychologie des 20. Jahrhunderts bestens bekannt, ebenfalls aus der Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft in den 1930er-Jahren.
Ich habe weder die «Sicht der Goetheanum-Leitung» dargestellt noch etwas «verdeckt» und «vernebelt». Ich bin auch nicht der Auffassung, dass der Goetheanumleitung nicht an «der Wahrheit gelegen» ist, bin nicht der Meinung, dass die Mitgliedschaft von mir oder jemand anderem «in Unwissenheit gehalten wird» und dass anthroposophiefeindliche Entwicklungen vom Goetheanum «eingeleitet» und «maskiert» werden, die über das «Zukunftskarma» der Mitglieder «verfügen». Es ist auch keinesfalls so, dass sich die Goetheanumleitung «in der Nachfolge Rudolf Steiners sieht», dieser Anspruch wurde und wird meines Wissens von niemandem erhoben – wer könnte es auch?
Sie fragen nach der Schweizer Landesgesellschaft. Es war unser Bestreben in dieser – und ist es bis heute noch – eine effektive Arbeitsgemeinschaft zu bilden und den Verantwortungen sukzessive gerecht zu werden, die mit der Gründung und Zielsetzung der Gesellschaft und ihrer Hochschule verbunden sind, alles dafür zu geben, dass spirituelle Impulse in der Gesellschaft und Hochschule für die Zivilisation wirksam werden können. Es war (und ist) unser Bemühen in der Schweiz, die Anthroposophische Gesellschaft wieder in nähere Beziehung zu den Arbeitsfeldern zu bringen, d.h. die Institutionen in einen neuen Austausch mit der Gesellschaft zu führen – und die Hochschularbeit in ihnen zu stärken, d. h. die spirituellen Impulse erneut in den Lebensgebieten zum Tragen zu bringen, in Mitverantwortung der Anthroposophischen Gesellschaft. Das ist meines Erachtens auch die zentrale Herausforderung, vor der das Goetheanum, die Weltgesellschaft und die Hochschule insgesamt stehen. Das Problem der «alten Autoritäten» und des «Mündigwerdens der Einzelmenschen im Geistigen», von dem Sie schreiben, haben wir in der Schweizer Landesgesellschaft nie als unser aktuelles Problem gesehen und nie als Vorstand in der Begegnung mit unseren Mitgliedern so erlebt. Ich habe das auch nie so von R. Steiner als zentrale Herausforderung beschrieben gefunden. Damit verlagern Sie meines Erachtens die wirklichen Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft und Hochschule tatsächlich stehen (s. o.) und deren Bearbeitung R. Steiner von uns erwartet hat.
Viel mehr möchte ich Ihnen nicht schreiben und antworten, da ich Ihre Vorwürfe und Behauptungen derart überzogen und an der Wirklichkeit vorbeigehend finde, Menschen diffamierend und ihnen Motive unterschiebend, die nicht die ihrigen sind, dass man sprachlos wird. Warum diese Wucht der Verdächtigung und der Aggressivität, scheinbar im Namen humanistischer Zielsetzungen, aber in Form und Vorgehen derart unmenschlich? Ein «offener», an mich gerichteter «Brief» mit einer solchen Flut von Behauptungen und Unterstellungen, die in die Welt gesetzt werden und in- und außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft Verbreitung finden – es ist und bleibt mir unbegreiflich.
Ich finde sehr wichtig, dass so etwas wie die Corona-Problematik und -Dynamik in all ihren Schwierigkeit aufgearbeitet wird, dass über die WHO, das Weltwirtschaftsforum und andere Protagonisten des internationalen Geschehens intensiv diskutiert und die komplexe Problematik und Herausforderung gesehen wird, auch, dass man die Fragestellungen, die mit der Weleda verbunden sind, sofern die Anthroposophische Gesellschaft betroffen ist, sachkundig weiter bewegt – zivilgesellschaftlich und in Gruppen von Menschen, die dazu eine spezifische Kompetenz besitzen (selbstverständlich weit über das Goetheanum hinaus). Etwas ganz anderes aber ist es, das Goetheanum oder die Goetheanumleitung oder einzelne Mitarbeiter derselben in ein solch destruktives Licht zu rücken und die gesammelten Erfahrungen, Urteile und Vorurteile aus Jahrzehnten den Menschen, die dort heute unter nicht leichten Bedingungen zu arbeiten versuchen, überzustülpen und ein grandioses Feindbild zu schaffen und zu verbreiten, das der Wirklichkeit nicht entspricht und in keiner Weise weiterhilft. Wer übernimmt die Verantwortung dafür, wenn das Goetheanum oder vielmehr die es tragende Anthroposophische Gesellschaft durch einen internen Erosionsprozess so geschwächt oder gestoppt wird, dass die gesamte Goetheanum-Arbeit zum Erliegen kommt – zu einem Zeitpunkt, wo sie dringender denn je zuvor benötigt wird?
Am Ende noch ein paar persönliche Worte, weil Sie mich in Ihrem Begleitbrief der Zusendung ja mit «werter Peter Selg» angesprochen haben. Ich bin vor nunmehr drei Jahren der Einladung der Goetheanumleitung gefolgt, die Arbeit des Ita-Wegman-Instituts für anthroposophische Grundlagenforschung verstärkt in den Neuaufbau der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion einzubringen. Ich bin eigentlich der Auffassung, dass hier eine sehr gute Entwicklung begann – ich habe keine Ahnung, ob Sie dieselbe wahrgenommen haben oder sich überhaupt dafür interessieren. Der Beginn meiner Mitarbeit am Goetheanum fiel in den Beginn der Corona-Dynamik und es war eine extrem schwierige Situation für das Haus und alle Sektionen. Und es war wie überall, in- und außerhalb anthroposophischer Kreise, dass es sehr verschiedene Gesichtspunkte und Handlungsvorschläge gab. Ich bin der Auffassung, dass es der Goetheanum-Gemeinschaft insgesamt gelungen ist, einigermassen gut durch diese Zeit zu kommen, sie zerfiel nicht, trotz divergierender Standpunkte, und sie arbeitete intensiv an gemeinsamen Zielsetzungen für die Zukunft. Es war und ist eine vollkommen offene, kommunikative Atmosphäre in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung. Ich finde es erstaunlich und bewundernswert, was trotz der so schwierigen Lage in den Sektionen von 2020 bis heute geleistet wird, auch innerhalb des Hauses selbst. Natürlich sind viele Themen sehr schwierig anzugehen, aber es ist eine Stimmung des konstruktiven Zukunftswillens aus dem Zentrum der Anthroposophie heraus – und verbunden mit so vielen Menschen in so vielen Ländern, denen das Goetheanum sehr viel bedeutet. Es sind so wichtige Jahre, in denen wir stehen, und es ist wirklich alle gemeinsame Kraft notwendig, um den michaelischen Impuls in die Zivilisation zu bringen, angesichts unzähliger Widerstände. Dessen sind sich die Menschen am Goetheanum so bewusst wie an vielen anderen Orten der Anthroposophie. Und es wäre so notwendig, die Kräfte, die einem noch gegeben sind, in diese Zukunftsarbeit zu investieren – und nicht in die Zurückweisung interner Vorwürfe, die ich in dieser Form für gesellschafts- und anthroposophieschädigend halte.
Sie sprechen viel vom Schicksal anderer Menschen und behaupten, die Goetheanumleitung würde in dieses eingreifen. Gestatten Sie mir, Ihnen als Arzt zu sagen: Es scheint mir, auch unter therapeutischen Gesichtspunkten, wesentlich wichtiger, sich, anstelle eines Aufstellens solcher Behauptungen, zu fragen, wo man selbst andere Menschen und sensitive Sozialzusammenhänge vorsätzlich schädigt – mit einem solchen «offenen Brief» und auch sonst.
Ich möchte schon ankündigen, dass ich diese Form der Kommunikation nicht fortsetzen werde und nur einmal auf einen solchen «offenen Brief» antworte.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Selg