Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/225958

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, die vorhandenen und herangezogenen Zahlen und Inventare zur Berechnung der Nährstoffverluste und der Nährstoffüberschüsse bei Stickstoff (N) und Phosphor (P) aus der Landwirtschaft und den übrigen relevanten Bereichen hinsichtlich ihrer Verlässlichkeit zu überprüfen, Lücken und Fehlbereiche zu identifizieren und diese zu quantifizieren. Der Bundesrat sorgt zudem dafür, dass bei den Nährstoffverlusten künftig eine Unterscheidung zwischen vermeidbaren und unvermeidbaren Verlusten vorgenommen wird.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>In den letzten Reformetappen der Agrarpolitik wurde für die Zielsetzung und die Berichterstattung zu den Stickstoff- und Phosphorverlusten der Schweizer Landwirtschaft jeweils die sogenannte "OSPAR-Methode" (nationale Input-Output-Bilanz-Methode) verwendet, ebenso in der jährlichen Berichterstattung im Agrarbericht. Die Methode stützt sich auf den im Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordatlantiks ("OSPAR-Konvention", SR 0.814.293) festgelegten Ansatz ab. Gemäss dem in der Parlamentarischen Initiative 19.475 "Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren" beschlossenen Artikel 6a Absatz 2 LwG (BBl 2021 665) legt der Bundesrat ein Reduktionsziel für Nährstoffverluste sowie die Methode zur Berechnung der Zielerreichung fest. Der Bundesrat schlägt in der Vernehmlassung zum Verordnungspaket zur Umsetzung der pa. iv. 19.475 die OSPAR-Methode zur Evaluation der Zielerreichung vor.</p><p>Mit der OSPAR-Methode wird die Bilanzierung für die gesamte Landwirtschaft (Pflanzenbau und Tierhaltung) durchgeführt. Die schweizerische Landwirtschaft wird somit als eine Einheit betrachtet. Die Nährstoffbilanz wird aufgrund des Nährstoff-Inputs in die Landwirtschaft (Import aus dem Ausland und aus anderen inländischen Wirtschaftssektoren) und des Nährstoff-Outputs aus der Landwirtschaft (Export ins Ausland und in andere inländische Wirtschaftssektoren) erstellt (Input-Output-Bilanz). Der Bilanzsaldo, der auch als Nährstoffüberschuss bezeichnet wird, umfasst die Bodenvorratsänderung sowie die gesamten Verluste (gasförmige Emissionen, Auswaschung, Abschwemmung, Erosion, etc).</p><p>Agroscope hat die OSPAR-Methode kürzlich überprüft und die Ergebnisse in einem wissenschaftlichen Bericht veröffentlicht (Spiess E. und Liebisch F., 2020, Nährstoffbilanz der schweizerischen Landwirtschaft für die Jahre 1975 bis 2018, Agroscope Science 100; <a href="http://www.agroscope.admin.ch">www.agroscope.admin.ch</a> &gt; Publikationen &gt; Publikationssuche &gt; Agroscope Science). Gemäss dem Bericht kann der mit der OSPAR-Methode berechnete Nährstoffüberschuss der Landwirtschaft über längere Perioden betrachtet als Indikator für die Umweltbelastung (Luft, Gewässer) herangezogen werden. Für die Verwendung der OSPAR-Methode zur Evaluation der Zielerreichung im Zusammenhang mit dem Absenkpfad spricht der Umstand, dass das gesamte Landwirtschaftssystem Schweiz bilanziert wird, die vergleichsweise kleinen Unsicherheiten bei den verschiedenen verwendeten Parametern, die langjährige Erfahrung in der Schweiz sowie die internationale Abstützung.</p><p>Ein Teil der Nährstoffverluste aus der Landwirtschaft ist biologisch bedingt und unvermeidbar. Der Anteil unvermeidbarer Verluste hängt davon ab, welche Produkte mit welchen Produktionssystemen (z.B. Anteil und Ausgestaltung von Weidehaltungssystemen) hergestellt werden. Die Anteile sind von Betrieb zu Betrieb stark unterschiedlich. In der einzelbetrieblichen Methode zum Nachweis einer ausgeglichenen Düngerbilanz, wie sie im Ökologischen Leistungsnachweis verlangt ist, wird unvermeidbaren Verlusten Rechnung getragen. </p><p>Auf nationaler Ebene ist eine Unterscheidung zwischen vermeidbaren und unvermeidbaren Nährstoffverlusten nicht zielführend, da auch unvermeidbare Verluste die Umwelt belasten.</p><p>In Erfüllung des in der pa. iv. 19.475 beschlossenen Artikels 6a Absatz 2 LwG (BBl 2021 665) werden die betroffenen Branchen- und Produzentenorganisationen sowie weitere betroffene Organisationen zurzeit anlässlich mehrerer Treffen unter anderem zur Bilanzierungsmethodik angehört. Zur Anhörung gehört auch die Vernehmlassung zum Verordnungspaket zur Umsetzung der pa. iv. 19.475.</p><p>Aktuell laufen demnach verschiedene Arbeiten zum Thema Nährstoffverluste in der Landwirtschaft oder sind soeben publiziert worden. Ein zusätzlicher Bericht ist aus Sicht des Bundesrates daher nicht nötig.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.