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Die Reben des Douro wachsen scheinbar auf Schieferhalden, ihre Wurzeln dringen in die Risse der dicken Gesteinsschichten, bis sie in der Tiefe auf Nahrung stossen. Dort, wo Erde liegt, ist sie fruchtbar und wird sorgsam für Gemüsegärten, Oliven- und Orangenbäume genutzt. Die alten Steinmauern halten dem Druck von oben nicht immer stand: durch starke Regenfälle staut sich das Wasser im Erdreich am Fuss der einzelnen Terrassen und bringt sie ins Rutschen.
Das Baixo Corgo im Westen der Appellation und die hohe Lagen gelten als weniger vorteilhaft für Portwein, dafür um so mehr für Rotwein. In den höheren Lagen geht der Schieferboden in Granit über, und die an der Grenze des Douro liegenden Quintas sind niedriger eingestuft als die im Zentrum. Im gemässigten, kühleren und feuchteren Teil des Douro sind die Voraussetzungen für weiche, finessenreiche Tischweine besser als in der stechenden Hitze des Douro Superior.
Douro steht für Portwein, und Portwein unterliegt strengen Regeln. Die Produktionsmenge wird jedes Jahr neu bestimmt und den Quintas gemäss ihrer Klassierung zugeteilt. Der nicht unerhebliche Rest der Ernte wurde schon immer trocken vergärt – die Douro-Tafelweine sind keine Erfindung des 20. Jahrhunderts, bis Anfang des 18. Jahrhunderts waren Douroweine trocken. Erst vor relativ kurzer Zeit erhielten sie die allgemeine Aufmerksamkeit und 1979 den DOC-Status. Die Portweinhäuser haben das Potential der Region für sich entdeckt und erzeugen auf ihren Quintas neben dem Port vermehrt auch Tafelweine.
Für Port- und Tafelweine werden die gleichen autochthonen Sorten verwendet, importierte Sorten sind für die Herstellung von DOC-Weinen nicht zugelassen. Daraus hat sich bei den roten eine Spitzengruppe herausgebildet: Touriga Nacional, kleinbeerig, dunkel, tanninreich, mit hochkonzentrierten Aromen, aber mit 500 g pro Stock tief im Ertrag. Touriga Franca, fein und duftig. Die würzige Tinta Cão. Tinta Barroca, genügsam, mit gutem Ertrag. Tinta Roriz, die spanische Tempranillo, bringt dem Wein die nötige Finesse und die tiefdunkle Farbe.
Dunkel sind sie, die Douro-Roten. Im Barrique ausgebaute Weine besitzen ein intensives Bouquet mit reichen Gewürzaromen, aber auch animalischer Herbheit. Sie brauchen Zeit, um sich zu öffnen, sowohl in der Flasche wie im Glas. Der Körper hat kräftig Gerbstoff und Säure, ist gut strukturiert und entwickelt mit der Zeit eine feine, an Cassis und Brombeeren erinnernde Frucht.
Auch weisse Sorten werden kultiviert, wenn auch nicht im gleichen Masse wie die roten. Aus Malvasia, Viosinho, Gouveio, Roupeiro und Rabigato entstehen kräftige Weissweine mit solider Säurestruktur, die auch ohne Ausbau im Eichenfass den Mund zu füllen vermögen. Aus der Moscatel Galego wird um das Städtchen Favaios der Moscatel Douro gekeltert, ein süsser, aufgespriteter Weisswein von tiefgelber Farbe, etwas leichter als die Moscatels von Setubal, aber ebenfalls von grossem Reiz.
Das Leben ist hart für die Erntearbeiter. Die alten, schmalen Terrassen erlauben keine Mechanisierung, während der Lese tragen sie die vollen Körbe in grosser Hitze hinauf oder hinunter zur nächsten Strasse. Durch die EU ist seither viel Geld ins Land geflossen, das in die Rebberge und in moderne Kellereien investiert wurde. Rostfreie Stahltanks und Autovinifikatoren ersetzten an manchen Orten die alten Lagares, und die neuangelegten „patamares“, breite Terrassen, können maschinell bearbeitet werden. Mit den Tafelweinen hat auch die Verwendung von neuen Barriques, meist französischer Herkunft, zugenommen, sie geben diesen kraftvollen, langlebigen Weinen den letzten Schliff.