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Studienleiterin Maya Sen: «Richter mit Töchtern lernen, was es heisst, eine Frau zu sein.»
Richter mit Töchtern entscheiden eher zugunsten von Frauen
In Zivilprozessen entscheiden Richter eher zugunsten von Klägerinnen, wenn die Richter eine Tochter haben. Dies geht aus einer US-Studie hervor.
Maya Sen von der Universität Rochester und Adam Glynn von der Universität Harvard haben dafür über 2500 Entscheide ausgewertet, die Richter an Berufungsgerichten des Bundes zwischen 1996 und 2002 gefällt haben. In allen Fällen klagten Frauen und ihre Klage hing mit ihrem Geschlecht zusammen. Die Richter waren in den meisten Fällen Männer, da es nur wenige Richterinnen gibt und diese meistens keine Kinder haben.
Grösserer Effekt bei Einzelkindern
Das Resultat: Richter mit Töchtern entscheiden eher für die Klägerinnen als Richter ohne Töchter. Noch grösser ist dieser Effekt, wenn die Tochter das einzige Kind des Richters ist. Richter mit eigenen Töchtern entscheiden nur bei Zivilklagen anders, die mit dem Geschlecht der Klägerin zusammenhängen. In anderen Zivil- und in Strafrechtsprozessen gibt es diesen Zusammenhang nicht.
Persönliche Erfahrung beeinflusst Urteile
Das Forschungsteam zieht aus der Studie den Schluss, dass nicht nur Recht und Ideologie die Entscheide von Richtern beeinflussen, sondern auch persönliche Erfahrungen. Maya Sen sagte in der «New York Times»: «Richter mit Töchtern lernen, was es heisst, eine Frau zu sein, die beispielsweise für Lohngleichheit und Kinderbetreuung kämpfen muss.»
Vor gut zehn Jahren hat William H. Rehnquist, damals Richter am Obersten Gerichtshof, für Aufsehen gesorgt, als er in einer Urteilsbegründung die traditionelle Rollenverteilung kritisierte. Damit überraschte er auch seine demokratische Kollegin Ruth Bader Ginsburg. Die Richterin am Obersten Gerichtshof sagte später in einem Interview, die «Lebenserfahrung» des damals 78-Jährigen habe seine Sicht verändert. Eine seiner Töchter, die einen anforderungsreichen Job gehabt habe, sei kurz zuvor geschieden worden.
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
keine
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