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Detail
GERBER, Ernst
* Zürich, 10.10.1941, † Oberrieden, 30.09.2010; Alto saxophone, Tenor saxophone, Baritone saxophone
Ernst begann schon im Alter von 15 Jahren mit seinen Brüdern (Hans (b), Ueli (p)) Jazz zu spielen. So aussergewöhnlich war das nicht, denn seine Mutter Anna Gerber-Götzel war in den Vierziger- und Fünfzigerjahren Sängerin im Unterhaltungsorchester Bob Huber, einer beliebten und bekannten Formation aus Zürich. Ernst gewann im Laufe der Sechzigerjahre am Jazzfestival von Zürich als Tenorsaxophonist einige Preise, darunter das "Goldene Saxophon" von Eddie Brunner. In seiner langen Karriere mit dem Swinghouse Septett hatte er oft Gelegenheit, mit vielen amerikanischen Jazzgrössen wie z. B. dem herausragenden Schlagzeuger Jo Jones oder dem Bassisten Slam Stewart zu spielen.
Es waren vor allem Musiker aus den USA, die Ernst immer wieder baten, mit ihnen zusammen aufzutreten. Grössen wie Bill Coleman, Rex Stewart, Benny Waters, Hal Singer, Peanuts Hucko, Jimmy Woody oder Charlie Shavers, zu denen zeitweise auch der französische Starsaxophonist Guy Lafitte gehörte, liebten den einfühlsam swingenden Stil des Zürchers. Aber auch prominente Schweizer Musiker wie Isla Eckinger, Charlie Antolini und seine Jazz Power Formation, Mani Planzers Bigband, die Zürich Tenors, das Metronome Quartet, die Unit 4 Band und Triple Sax waren immer wieder seine musikalischen Partner.
In der Schlussszene im Film Die Schweizermacher (Rolf Lyssy) spielt Bill Ramsey, alias William S. Tall, den beiden Einbürgerungsbeamten auf einem Tenorsaxophon, in vollen Tönen feierlich getragen, die Schweizer Nationalhymne vor, um dann unerwartet in eine jazzige Improvisation zu wechseln. Was die Zuschauer im Film miterlebten, entsprach nicht ganz der Wirklichkeit: In Tat und Wahrheit war es Ernst Gerber, der diesen musikalischen Streich durch seine mitreissend swingende Improvisation virtuos zum besten gab.
Ernst hat es immer verstanden, sein geliebtes Hobby mit Leidenschaft zu betreiben und trotzdem in seinem Beruf als Parkettbodenbauer mit eigenem Betrieb erfolgreich zu sein. Die Kombination von freiem Musizieren und der Ausübung seines angestammten Berufs, bildet die solide ökonomische Basis und ermöglichte ihm jene Unabhängigkeit, die für seine Musikerkarriere unabdingbar war. Ernst gehörte zur Kategorie der Stimmungsmusiker. Ein aus dem Bauch gespielter, swingender, kraftvoller Jazz war sein unverkennbares Markenzeichen.
[Rolf Lyssy]