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Feuerthalen – eine Gemeinde mit einer langen Geschichte
1318 – 2018

1318 wird Feuerthalen das erste Mal in einer Urkunde erwähnt. Das erste Mal? Der Historiker Hans Kläui verweist auf ein Urbar des Bistums Konstanz aus dem Jahr 1302, in dem Feuerthalen bereits namentlich aufgeführt sein soll. Feierte Feuerthalen 2018 also gar nicht den 700. Geburtstag, sondern den 716? Das ist eigentlich egal. Denn die Urkunde aus dem Jahr 1318 ist viel bekannter als das bischöfliche Urbar – und für die Bedeutung Feuerthalens als Schaffhauser Brückenkopf auch viel wichtiger. Hinzu kommt, dass die Gemeinde Feuerthalen ohnehin älter als 700 Jahre ist. Denn das Dorf Langwiesen, das zusammen mit Feuerthalen die politische Gemeinde Feuerthalen-Langwiesen bildet, wird bereits 876 ein erstes Mal genannt. Und schon vorher haben sicher Menschen in den Grenzen der nachmaligen Gemeinde Feuerthalen gelebt.
Feuerthalen verfügt über eine einmalige Geschichte. Der Ort liegt im äussersten Winkel des Kantons Zürich. Unmittelbar an der gegenüberliegenden Seite des Rheins beginnt die Stadt Schaffhausen. Seit Jahrhunderten verbindet die Rheinbrücke Feuerthalen und damit den Kanton Zürich mit Schaffhausen. Feuerthalen gehört zwar zum Kanton Zürich, wird wirtschaftlich, sozial und demographisch aber viel stärker durch die Stadt Schaffhausen geprägt.
Diese Position als Scharnier zweier Kantone hat die Geschichte Feuerthalens immer wieder stark beeinflusst. Feuerthalen kann im Mittelalter und der frühen Neuzeit einerseits mehr Freiheiten erringen als andere Zürcher Gemeinden. Gleichzeitig schauen die beiden Stadtstaaten Zürich und Schaffhausen eifersüchtig darauf, dass Feuerthalen nicht zu eigenständig wird. Während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wird Feuerthalen sehr rasch in das Wirtschaftsgebiet der Stadt Schaffhausen integriert. Viele Familien, deren Väter in Schaffhausen arbeiten, ziehen nach Feuerthalen. Die enge Verbindung Feuerthalens mit Schaffhausen wird immer dann speziell sichtbar, wenn die Industrie boomt oder sich in einem Wellental befindet. In diesen Perioden schwillt die Bevölkerungszahl entweder an oder geht rasant zurück.
Im frühen 20. Jahrhundert setzt sich die Geschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts im Wesentlichen fort. Die Gemeinde verdichtet ihre Infrastruktur und baut Schulen sowie die Wasser- und Elektrizitätsversorgung aus. Die beiden Weltkriege und die Wirtschaftskrisen der Zwischenkriegszeit verunmöglichen grosse Sprünge. Als die alliierten Truppen 1944 über Schaffhausen Bomben abwerfen, wird auch Feuerthalen in Mitleidenschaft gezogen.
Nach 1950 macht sich Feuerthalen mit viel Energie und unerschütterlichem Glauben an die Zukunft an den Aufbau einer modernen Infrastruktur: Die Schulen werden ausgebaut, Einrichtungen für Senioren errichtet, die Freizeitinfrastruktur erweitert und vieles mehr. Zu schaffen macht der Gemeinde aber zunehmend der Autoverkehr. Der ganze Transitverkehr zwischen Zürich und Stuttgart muss sich durch Feuerthalen und über die viel zu kleine Rheinbrücke zwängen. Tägliche Kilometerlange Staus sind die Folge. Was vom Mittelalter bis ins späte 19. Jahrhundert ein Standortvorteil war, kehrt sich nun ins Gegenteil. Erst mit dem Bau der N4 und der Schaffhauser Stadtumfahrung wird die Situation entschärft.
Und heute? Feuerthalen präsentiert sich in ausgezeichneter Verfassung. Die Bevölkerungszahl hat einen Höchststand erreicht, was auf die Attraktivität des Ortes als Wohngemeinde verweist. Die Infrastruktureinrichtungen wurden laufend saniert, modernisiert und erweitert, so dass sie dem neusten Stand entsprechen. Die Schule bietet den Kindern und den Familien ein umfassendes Bildungsangebot auf dem neusten Stand. Moderne familien- und schulergänzende Angebote erleichtern den Familien den Alltag. Trotzdem: Es gibt auch für die nachfolgende Generationen noch Handlungsspielraum und Aufgaben, die in Zukunft gelöst werden müssen. Insgesamt ist die Gemeinde an der Schnittstelle von Schaffhausen und Zürich aber gut gerüstet, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.
Die vorliegende Online-Ortsgeschichte führt von der Urzeit in verschiedenen Kapiteln bis in die Gegenwart. Verfasst wurde sie im Jahre 2018 aus Anlass der 700-Jahr-Feier der Gemeinde Feuerthalen, Sie soll aber deutlich über das Jubiläumsjahr hinaus Geltung haben. Die interessierten Leserinnen und Leser sind herzlich eingeladen, sich in die Geschichte Feuerthalens zu vertiefen – einer Geschichte, die am Schnittpunkt zweier Kanton spielt. Wir wünschen viel Lesevergnügen.