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Porträt Pablo Ferrández
Aus großen Fußstapfen auf den eigenen Weg
Pablo Ferrández hatte nicht wirklich eine andere Wahl, als Cellist zu werden. Benannt nach Pablo Casals bekam er mit drei Jahren seinen ersten Unterricht. Heute ist das Instrument zu seiner Stimme geworden.
© Kristian Schuller
Pablo Ferrández
Pablos gibt es viele auf der Welt. Aber nur die wenigsten sind nach Pablo Casals benannt und können zudem eine erfolgreiche Cellokarriere vorweisen, wie es bei Pablo Ferrández der Fall ist. Die Bewunderung seines Vaters für Casals reichte so weit, dass er sein Studium hinschmiss, sich ein Cello kaufte und Musiker wurde, nachdem er mit achtzehn Jahren eine Aufnahme des Jahrhundert-Cellisten gehört hatte. Ein anderer Name als Pablo kam also für den Cellisten und seine Frau – eine Musikpädagogin – nicht infrage, als 1991 in Madrid ihr Sohn geboren wurde. Mit drei Jahren bekam der kleine Pablo dann auch sein erstes Cello und erhielt Unterricht von seiner Mutter.
Und so kann sich Pablo Ferrández heute gar nicht mehr daran erinnern, wann er zum ersten Mal Cello gespielt hat. Stattdessen habe er das Gefühl, bereits als Cellist auf die Welt gekommen zu sein, erzählt er lachend. „Ich bin Pablo und ich spiele Cello. Das war für mich das Normalste auf der Welt.“ Das Instrument wurde schon so früh zu seiner Stimme, dass es unmöglich für ihn wäre, es nicht zu spielen. Mit dreizehn Jahren wurde er an der renommierten Escuela Superior de Música Reina Sofía angenommen, wo ihn die Rostropowitsch-Schülerin Natalia Shakhovskaya unterrichtete. Obwohl sie sehr anspruchsvoll war, haben Ferrández und die anderen Schüler sie vergöttert. „Ich wollte alles tun, was sie von mir verlangt hat. Das hieß aber auch, dass ich teilweise bis zu sieben oder acht Stunden am Tag üben musste und nicht mehr in die Schule gehen konnte.“ Der harten Arbeit von damals verdanke er seinen heutigen Erfolg. Dennoch: Mit achtzehn Jahren wurde es ihm zu viel. Er wollte seine eigene Stimme finden und seinen eigenen Weg gehen. Und der führte ihn zu Frans Helmerson an die Kronberg Academy.
Helmerson habe ihn nie zu etwas gezwungen und ihm den Freiraum gegeben, seine eigenen Vorstellungen von Musik zu entwickeln. Vor allem aber habe er ihm beigebracht, eigene Fehler zu erkennen und zu verbessern, und ihm dadurch geholfen, unabhängig zu sein. „Erst von Shakhovskaya und dann von Helmerson unterrichtet zu werden war genau das, was ich gebraucht habe“, resümiert Ferrández. Aber auch von den anderen Dozenten in Kronberg lernte er einiges – insbesondere von Gidon Kremer. Als junger Künstler Feedback von so renommierten Instrumentalisten und Dirigenten zu bekommen, habe er als große Chance gesehen.
Übrigens: Gewohnt hat Pablo Ferrández nicht etwa in einem Studentenwohnheim im beschaulichen Kronberg, sondern im Haus Clara Schumanns in Frankfurt. Dort ist die Pianistin nach dem Tod ihres Mannes Robert hingezogen. „Das war total verrückt für mich! Es ist sehr wahrscheinlich, dass Brahms und Liszt auch dort waren, und das hat mich die ganze Zeit über sehr inspiriert.“ Eine besondere Wohnsituation hatte Ferrández auch in seiner nächsten Station Berlin: Dort hatte er zwei Jahre lang eine Wohngemeinschaft mit seinem besten Freund, dem Cellisten Kian Soltani. „Wir haben beide viel geübt und uns gegenseitig motiviert. Wir haben uns gegenseitig auch viel vorgespielt und uns Tipps gegeben.“ Natürlich haben sie aber auch zusammen Filme geguckt und Sport gemacht.
Kein Vergleich mit dem „Vater aller Cellisten“
Heute ist Pablo Ferrández ein erfolgreicher Solokünstler, Gewinner des renommierten Tschaikowsky-Wettbewerbs und Stipendiat der Anne-Sophie Mutter Stiftung. Die Geigerin traf er zum ersten Mal in München, als er ihr vorspielte. Seitdem ist sie eine Art Mentorin für ihn. „Sie spielt eine große Rolle in meinem Leben, weil sie mir viele Tipps gibt und mich auf jede erdenkliche Art unterstützt. Ich fühle mich wirklich sehr geehrt, mit ihr zu spielen“, schwärmt der Musiker. Bei so einer steilen Karriere kommt die Frage auf, ob Ferrández oft mit Casals verglichen wird und ob ihn das unter Druck setzt? Nein, sagt er. „Ich versuche immer mein Bestes zu geben, aber Casals ist der Vater aller Cellisten! Deswegen habe ich mich nie unter Druck gesetzt gefühlt und bin stattdessen einfach glücklich, seinen Namen zu teilen.“
Eine weitere Verbindung zu seinem Namensvetter gibt es dennoch: Ferrández hat Casals Ehefrau Marta kennengelernt. Mit ihrer Hilfe und ihren Kontakten zur Nippon Foundation ist er auch zu seinem heutigen Instrument, dem „Lord Aylesford“-Cello von Stradivari gekommen. „Ich war noch in Kronberg, als ich einen Anruf bekommen habe und gefragt wurde, ob ich Interesse an einem Stradivari-Cello habe. Ich habe mir also gleich ein Auto gemietet und bin nach Stuttgart gefahren, um es abzuholen.“
Ferrández ist damit der erste spanische Cellist, der ein Instrument von der Stiftung bekommen hat. Casals hat seinerzeit übrigens ein ihm angebotenes Stradivari-Cello abgelehnt, da die Exemplare aus der Cremoneser Werkstatt nicht immer einfach zu handhaben sind. Ferrández kann das nachvollziehen: „Er hat gesagt, dass er mit einer Stradivari einen Deal machen und ein bisschen von sich selbst weggeben müsse. Es ist wie eine Partnerschaft, er aber wollte zu hundert Prozent er selbst sein.“ Auch Ferrández musste an seiner Technik feilen und Kompromisse eingehen, damit er seinen Klang findet. „Mittlerweile sind wir aber ein richtiges Team. Das Cello ist zu meiner Stimme geworden, und ich liebe es.“ Vielleicht hat der junge Pablo dem musikalischen Übervater also doch etwas voraus?
Aktuelles Album
Reflections
Pablo Ferrández (Violoncello)
Denis Kozhukhin (Klavier)
Sony Classical