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Das Ende der viralen Hepatitis?
Schlagfertig, charmant und mit viel Zug führte Moderator Fabian Unteregger, seines Zeichens selber Arzt sowie Comedian, durch den Nachmittag. Das gut besuchte Symposium - gegen 100 Personen fanden den Weg in die Welle7 in Bern - startete mit zwei Präsentationen zu Interventionen bei Männern, die Sex mit Männern haben.
Mikro-Elimination bei Männern, die Sex mit Männern haben, und im Gefängnis
Benjamin Hampel vom Checkpoint Zürich zeigte die eindrücklichen Resultate des HCVree Trials, der eine signifikante Reduktion von HCV bei HIV-positiven MSM herbeiführte. Mit der Präexpositionsprophylaxe Prep, die Männer, die Sex mit Männern haben schon länger einnehmen und danach – geschützt vor einer HIV-Infektion – Sex ohne Kondom haben, steigt jedoch das Risiko einer HCV-Infektion bei HIV-negativen MSM. Prep-User werden daher alle 6 Monate auf HCV getestet, bislang ohne Nachweis von steigenden HCV Ansteckungen. Er sprach auch das Stigma an, das HCV-positive Männer in der MSM-Community heute stärker betrifft als HIV-Positive.
Patrizia Künzler zeigte die Resultate einer Verhaltensintervention. Studienteilnehmer wurden in Gesprächen über ihr Verhalten auf Risiken sensibilisiert. Die Intervention zeigte Wirkung, jedoch auf unterschiedliche Art. Während eine Gruppe Kondomgebrauch forcierte und Drogen sicherer nahm, minimierten andere Übertragungsrisiken, indem sie die Anzahl Sexevents oder Social-Media-Dates reduzierten, ohne aber häufiger Kondome zu nutzen.
Nathalie Vernaz und Laurent Gétaz vom Universitätsspital Genf sprachen über das Gefängnissetting. Viele Gefangene haben keine Krankenversicherung und somit keinen Zugang zu den teuren Hepatitis-C-Medikamenten. Ein Import von günstigen Generika über einen Buyers’ Club bietet in Genf eine pragmatische Lösung. Die HCV-Prävalenz in Gefängnissen ist stark erhöht, da ein hoher Anteil der Gefangenen aus Ländern kommt, in denen Hepatitis-Viren verbreiteter sind. Zudem ist Drogenkonsum und Tätowierung häufig. In den Genfer Gefängnissen wird ein Test-und-Behandlungsansatz für HBV, HCV und Syphilis mit einem Opt-Out-Verfahren verfolgt. Die wichtigsten Hürden sind, dass Patienten aus Angst vor Stigma Bluttests verweigern, dass die Kontinuität der Behandlung zum Beispiel bei Entlassung nicht gewährleistet ist und der Zugang zur und die Kosten der Behandlung.
Science goes Politics
Corina Wirth von Public Health Schweiz und Bettina Maeschli von Hepatitis Schweiz erzählten im Interview mit Moderator Fabian Unteregger, warum die Zusammenarbeit der beiden Organisationen Wirkung zeigt. Wissenschaftliche Evidenz und Zahlen sind wichtig; doch nur wenn diese aufbereitet und in gut verständlicher Form kommuniziert werden, kann auf der gesundheitspolitischen Ebene Wirkung erzielt werden.
Das sah auch Alt-Ständerat und Professor für Public Health Felix Gutzwiller so und lobte die exzellente politische Arbeit der Schweizer Hepatitis-Strategie. Die Integration von Hepatitis in das nächste HIV-Programm sei ein Meilenstein. Doch auch wenn der Bundesrat dazu ja gesagt habe, dürfe man sich jetzt nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern müsse dafür sorgen, dass dies im Konkreten korrekt umgesetzt werde.
Mit Mikro-Elimination beginnen, mit Gesamtelimination enden
Der Internationale Gast Jeffrey Lazarus zeigte eindrückliche Projekte in Dänemark und Barcelona, insbesondere aufsuchende Arbeit bei Drogenabhängigen. Zentral ist, die Services bei dieser Gruppe direkt zu den Menschen zu bringen, also Tests, Untersuche und dann auch die Behandlung. Der Weg zur Apotheke, mehrere Male ins Spital für Untersuche, ist nicht realistisch. Er zeigte die Kriterien, die eine Gruppe aufweisen sollte, um Mikro-Elimination erfolgreich voranzutreiben. Insbesondere eine klare Definition der Gruppe, klare Ziele und Indikatoren und ein Monitoring sind zentral. Mikro-Elimination ist für ihn ein Weg, um relativ schnell Erfolge zu zeitigen. Doch für eine Gesamtelimination braucht es auch eine Gesamtstrategie.
Ursula Zybach zeigte zum Schluss, dass virale Hepatitis und die Belastung durch diese Infektionskrankheiten public-health-relevant sind und bekräftigte die Unterstützung von Public Health Schweiz auf diesem Gebiet.
Gemeinsam HIV und Hepatitis eliminieren
Beim abschliessenden Podium drehte sich viel um die Frage, wo die Schweiz heute steht und was zu tun ist. Auch wenn man sich über den Weg nicht nur einig war, war allen klar: Der Dialog und die Zusammenarbeit muss und wird weitergehen. Mikroelimination von Hepatitis B und C in klar definierten Populationen oder Settings ist ein effizienter Weg, um die Zeit zu nutzen, bis das gemeinsame nationale HIV- und Hepatitis-Programm zum Tragen kommt.
Die Präsentationen:
Gefängnis:
Public Health Strategies:
Organisiert von Hepatitis Schweiz und Public Health Schweiz
Unterstützt vom Bundesamt für Gesundheit BAG und:
«International ist es klar, woher der Wind weht», mit diesen Worten eröffnete Michel Kazatchkine, ehemaliger Global-Fund-Direktor und HIV-Pionier, das Swiss Hepatitis Symposium 2018. Es brauche die Integration von Hepatitis in alle Programme. «Mainstreaming», lautet heute das Schlagwort. Wie es auch bei der Bekämpfung von HIV entscheidend ist, müssten auch bei Hepatitis die besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen im Zentrum stehen. Das sei schliesslich auch eine Frage der Menschenrechte, des Rechts auf Gesundheitsversorgung für alle, so Professor Kazatchkine in seinem Eröffnungsvotum.
Am Symposium nahmen über 70 Personen aus der ganzen Schweiz aus den unterschiedlichsten Disziplinen teil. Der erste Teil widmete sich den Lücken in der Versorgung von Patientinnen und Patienten. Andrea Bregenzer vom Kantonsspital Aarau stellte zusammen mit dem Basler Infektiologen Claude Scheidegger die erschreckend grossen Lücken in der Behandlungskaskade bei der Hochrisikogruppe der Drogenkonsumierenden vor. Doch schon durch wenig aufwändige Intervention kann die Viruslast in dieser Gruppe drastisch und nachhaltig gesenkt werden. Bei den Männern, die Sex mit Männern haben, gibt der Swiss HCVree Trial, vorgestellt von Infektiologe Dominique Braun, Hoffnung auf die Mikroelimination von Hepatitis C in dieser Gruppe. Andreas Lehner, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Schweiz, zeigte warum es wichtig ist, das Verhalten der Community zu kennen, um wirksame Präventionsarbeit zu leisten. Erschreckend auch die Situation in den Schweizer Gefängnissen. Die weit verbreitete Praxis des unsterilen Tätowierens oder auch der eingeschränkte Zugang zu Prävention, Testen und Therapien zeigte der Gefängnisarzt Hans Wolff aus Genf eindrücklich auf. Hier gibt es noch sehr viel Handlungsbedarf.
HIV und Hepatitis gemeinsam angehen
Der zweite Teil stand ganz im Zeichen der Elimination. Nationalrätin Barbara Gysi plädierte in ihrem Grusswort dafür, HIV und Hepatitis gemeinsam anzugehen. Das Bundesamt für Gesundheit sollte aktiver sein. Bettina Maeschli, Geschäftsführerin von Hepatitis Schweiz, stellte die ersten Erfolge der Strategie vor und zeigte auf, dass die Schweiz die Eliminationsziele der WHO kaum erreichen wird. Denn die Behandlungszahlen von Hepatitis-C-Patienten sind wieder rückläufig. Infektiologe Jan Fehr gab ein engagiertes Plädoyer ab für «Leidenschaft und Mut» auch im Kampf gegen Hepatitis, so wie es für HIV auch der Fall war und ist. Es gälte, die Elimination von HIV und Hepatitis voranzutreiben und die beiden «zu verheiraten», und nicht auf weitere Studienresultate und Evidenz zu warten. Und schliesslich berichtete Greg Dore, Infektiologie aus Sidney, von der vorbildlichen australischen Eliminationsstrategie. Australien hat schon seit Jahrzehnten eine Strategie gegen Hepatitis und ist auf dem Weg zur Elimination gut unterwegs. Dank einem innovativen Preis-Volumen-Modell für die Medikamentenpreise, das die Regierung mit den Pharmafirmen aushandeln konnte – die Regierung hat über fünf Jahre die Ausgaben für die Therapien festgelegt, je mehr therapiert wird, desto günstiger wird die einzelne Therapie – konnten schon ein grosser Teil der Betroffenen behandelt werden. Weiter können - anders als in der Schweiz - auch Hausärzte Hepatitis-C-Therapien verschreiben. Und es besteht ein starker Fokus auf den Risikogruppen. Eindrücklich war zu sehen, wie gut die Datenlage in Australien ist, um die Elimination zu überwachen.
Die Schweiz hätte alles, um auch bei Hepatitis, wie schon bei HIV, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Doch es fehlt an Problembewusstsein und dem politischen Willen. Wir haben die einmalige Chance, eine gefährliche Infektionskrankheit zu eliminieren. Diese sollten wir packen.
Wir danken den Sponsoren Abbvie, Aids-Hilfe Schweiz, Arud Zentren für Suchtmedizin, Bundesamt für Gesundheit, Gilead, Krebsliga Schweiz, Swiss Association for the Study of the Liver SASL für die wertvolle Unterstützung.
Zu den Präsentationen:
1_A. Bregenzer und C. Scheidegger: People who inject drugs
2_D. Braun: Microelimination - A Promising Approach in Ending Hepatitis C
3_A. Lehner: A Short View on the MSM Prevention Side
4_H. Wolff: Filling the Gaps in Prisons
5_B. Maeschli: Swiss Hepatitis Strategy - Where are we today
6_J. Fehr: What can we learn from HIV/Aids?
7_G. Dore: Australia - About to eliminate hepatitis C?
Alle Talks des Symposiums finden Sie auf unserem Youtube-Kanal hier.
Am Mittwoch, 15. November, fand das diesjährige Symposium zu Hepatitis in Bern statt, dieses Mal mit dem Titel: “Moving Towards Elimination”. Im ersten Teil erhielten die knapp 70 Teilnehmenden einen Überblick über die wichtigsten klinischen Updates zu Hepatitis B, C und E. Die spannenden Vorträge zeigten: Es bewegt sich einiges, insbesondere auch wegen der rasanten Entwicklung der Therapien bei Hepatitis C. Doch hier bleibt noch viel zu tun: Die Behandlungskaskade, vom Test über die Diagnose bis zur Behandlung, ist nach wie vor ungünstig. Zu viele Patienten gehen auf dem Weg verloren und werden nicht geheilt. Bei Hepatitis B gibt es eine wirksame Impfung, doch erst 70 Prozent der Jugendlichen werden geimpft. Hepatitis B kann zwar – ähnlich wie HIV – behandelt werden, so dass die Virenlast unterdrückt werden kann. Doch bis zur Heilung ist der Weg noch lang.
Weiter hörten die Teilnehmenden, wie wichtig die Unterstützung von chronisch Infizierten durch andere Patienten sind: Der Schweizerische Hepatitis C Vereinigung, die sich auch für Hepatitis B öffnen will, stellte ihre Arbeit vor.
Im zweiten Teil stellte das BAG die neusten Zahlen zu Hepatitis B und C vor. Die Impflücken sollen zukünftig weiter geschlossen werden, wenn dank Mehrfachimpfstoffen mehr Säuglinge geimpft werden. Bei Hepatitis C ist dank der stufenweise Aufhebung der Rationierung der Therapien eine Zunahme der Behandlungen gegenüber 2016 von etwa 450 zu beobachten.
Prof. Marc Bourlière aus Marseille stellte die Situation in Frankreich vor. Der politische Wille für die Behandlung war schon im 2016 da. Die ANRS, eine Forschungsagentur, die ursprünglich für HIV gegründet, leitet heute die Erforschung von viraler Hepatitis. Der Output ist bemerkenswert. Eine Screening-Strategie ist noch nicht vorhanden, aber in Bearbeitung. Die Zahl der Hepatitis-C-Therapierten in Frankreich nimmt zu. Doch der Weg für die Elimination ist noch weit: Es fehlt an Awareness bei Ärzten, dem medizinischen Personal und in der Allgemeinbevölkerung. Es braucht besseres Screening und Diagnose. Und die Diagnostizierten müssen auch wirklich behandelt werden.
Fazit: Heute stehen heilende Therapien für Hepatitis C allen zur Verfügung. Für Hepatitis B gibt es eine Impfung und gute Medikamente. Trotz Fortschritten ist es noch ein weiter Weg zur Elimination. Es braucht gute Screeningkonzepte, es müssen mehr Personen diagnostiziert werden und diese müssen dann auch einer Behandlung zugeführt werden.
Dem Symposium ging ein Netzwerk-Meeting am Vormittag voraus. Erstmals war das Netzwerk Hepatitis-Strategie beim Bundesamt für Gesundheit zu Gast. Rund 30 Mitglieder des Netzwerks diskutierten den Stand der Umsetzung der Hepatitis-Strategie. Vier Flagship-Projekte wurden definiert, an denen in den nächsten Monaten schwerpunktmässig gearbeitet werden soll: Evaluation von Screening-Konzepten, Hausarzt-Trainings, Label „Hepatitis-Free“ sowie Follow-Up Treatment. Des Weiteren wurde beschlossen, sich an der Erarbeitung von Impfstrategien auf nationaler Eben zu beteiligen.
Wir danken den Sponsoren Abbvie, Arud, MSD und dem Bundesamt für Gesundheit für die Unterstützung.
Download der Präsentationen:
Beat Müllhaupt, University Hospital Zurich:
Hepatitis B and D - Update on clinical aspects (PDF)
Francesco Negro, University Hospital Geneva
Update on Hepatitis C (PDF)
Darius Moradpour, University Hospital Lausanne
Hepatitis E (PDF)
Christophe Boesiger, Swiss Hepatitis C Association
The Swiss HCV patients organization was founded by patients to help patients (PDF)
Christian Schaetti, Federal Office for Public Health
The Swiss Figures on Hepatitis (PDF)
Marc Bourlière, St. Joseph Hospital, Marseille (F)
The French national strategy : the way to universal access and elimination (PDF)
Über 80 Teilnehmende nahmen am gestrigen Symposium zur Elimination von viraler Hepatitis an der Universität Zürich teil. Rednerinnen und Redner aus dem In- und Ausland stellten neueste epidemiologische Daten vor sowie Modelle, wie eine Elimination möglich ware. Patienten berichteten davon, wie sehr eine chronische Hepatitis C die Lebensqualität beeinträchtigen kann. Die Diskussionen an der von Thomas Zeltner moderierten Veranstaltung drehten sich immer wieder um die hohen Preise und die vom BAG verhängte Einschränkung der Kassenpflichtigkeit für bestimmte Patientengruppen. Einig waren sich alle Diskussionsteilnehmende auf dem abschliessenden Podium: Die Schweiz hätte alle Voraussetzungen dafür, ein Musterland zu werden. Dank des ausgezeichnet aufgestellten Gesundheitssystems könnte die virale Hepatitis in wenigen Jahren eliminiert werden. Doch dazu braucht es eine behördlich unterstützte nationale Strategie und den Zugang zu den Hepatitis-C-Medikamenten für alle.
Die Präsentationen zum Download:
Philip Bruggmann, Swiss Hepatitis Strategy, Zurich
The Swiss Hepatitis Strategy: A Strong Network is Key to Addressing Viral Hepatitis
Roger Kouyos, University Zurich
Who is affected in Switzerland? The epidemiologist's Point of View
Charles Gore, World Hepatitis Alliance, London
Hepatitis C as a systemic disease: The Patient's Point of View
Daniel Horowitz, Swiss Hepatitis C Association, Zurich
HCV Progression of Symptoms
Beat Müllhaupt, University Hospital Zurich
Not everything is about the liver
Sarah Blach, Center of Disease Analysis, Colorado
The elimination of HCV: What Data Modelling Predicts
Jan Fehr, University Hospital Zurich
Challenges for Health Care Providers: From Patients to Policy