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Der britische Reaktorentwickler Rolls-Royce SMR hat am 8. Februar 2023 bekanntgegeben, dass er eine Absichtserklärung mit dem polnischen Industriekonzern Industria unterzeichnet habe. Diese solle es beiden Unternehmen ermöglichen, bei der Einführung von SMR in Polen zusammenzuarbeiten.
Industria leitet den Central Hydrogen Cluster Braci Łaszczyński. Der Industriekonzern ist Teil der Industrial Development Agency JSC-Gruppe (IDA-Gruppe) und somit ein polnischer Staatsbetrieb. Die IDA-Gruppe unterstützt Transformationsprojekte von energieintensiven Industriezweigen in Polen, damit diese innerhalb des nächsten Jahrzehnts sowohl erneuerbare Energiequellen als auch Kernenergie nutzen können. Der Wasserstoff-Cluster befindet sich in der in der Woiwodschaft Heiligkreuz (polnisch Świętokrzyskie) im Südosten Polens.
Das Ziel des Central Hydrogen Clusters und der Hydrogen Valleys (siehe Hintergrund zu Polens Wasserstoffstrategie weiter unten) sind die Bereitstellung von sauberen Energiequellen für das Stromnetz, für Industriebetriebe und für die Wasserstoffproduktion. «Als führendes Unternehmen des Central Hydrogen Cluster strebt Industria den Einsatz von bis zu drei SMR an, um Wasserstoff zu erzeugen und die regionale Energieinfrastruktur zu dekarbonisieren», schrieb Industria und ergänzte, dass man sich für die SMR-Technologie von Rolls-Royce entschieden habe. Im Cluster will Industria ab 2030 jährlich 50’000 Tonnen kohlenstoffarmen Wasserstoff herstellen und dazu beizutragen Polens Netto-Null-Ziele zu erreichen. Gemäss Industria werde der Einsatz von SMR-Kraftwerken von Rolls-Royce im Cluster und den Hydrogen Valleys ebenfalls «die Tür für den zukünftigen Ersatz von mehr als 8 GW Kohlekraftwerken in Südpolen durch SMR nach 2030 öffnen».
Industria will Lieferkettenpartner von Roll-Royce SMR werden
90% des SMR-Kraftwerks von Rolls-Royce werden unter Werksbedingungen gebaut. «Da es sich um ein werkseitig hergestelltes Produkt handelt […] ist es ein wichtiger Aspekt unseres internationalen Liefermodells, die richtigen Partner an den weltweiten Schlüsselstandorten zu haben», sagte Alan Woods, Business Development and Strategy Director von Rolls-Royce SMR, im September 2022. Industria könnte so ein Partner werden und will eine Lieferkette von einheitlichen Teilen und Modulen für die SMR-Produktion sowohl für den polnischen Markt als auch für den Export aufbauen. «Rolls-Royce SMR ist in Bezug auf seine Fertigungskonzepte und -prozesse unübertroffen. Die Beteiligung an der Lieferkette von Teilen und Modulen für Rolls-Royce SMR ist eine grosse Chance sowohl für unsere Region als auch für die gesamte Industrie in Südpolen, die in der Vergangenheit am Bau der aktuellen Kraftwerke in Polen beteiligt war», äusserte sich Szczepan Ruman, CEO von Industria.
«Wir haben eine Plattform für die Zusammenarbeit von Industrieunternehmen aus ganz Südpolen, den Central Hydrogen Cluster, in dem wir mit Unternehmen aus unserer Region sowie aus den anderen drei Hydrogen Valleys Niederschlesien, Schlesien-Kleinpolen und Karpaten zusammenarbeiten», sagte Ruman mit Blick auf die industrielle Basis und ergänzte: «Mit Unterstützung der IDA-Gruppe wollen wir Arbeitsplätze schaffen und dafür sorgen, dass die polnische Industrie in einer zukunftsweisenden Branche wie der Produktion von Komponenten und Modulen für SMR-Kraftwerke stark vertreten ist.» Er plane in der Stadt Kielce ein Zentrum für Bestandsaufnahme und Lieferkettenentwicklung nach dem Vorbild des englischen Nuclear AMRC (Nuclear Advanced Manufacturing Research Center) in Sheffield zu errichten, so Ruman.
Hintergrund zu Polens Wasserstoffstrategie
Die polnische Wasserstoffstrategie bis 2030 beabsichtigt mit grünem respektive kohlenstoffarmem Wasserstoff diejenigen Wirtschaftssektoren zu dekarbonisieren, bei denen das durch direkte Elektrifizierung nur schwer möglich ist – beispielsweise Stahlwerke, Raffinerien und Chemiebetriebe. Um dies zu erreichen, werden einzelne Regionen Polens staatlich unterstützt und werden dort bis 2030 unter anderem sogenannte Hydrogen Valleys (in Anlehnung an das Silicon Valley) geschaffen.
In solch einer Kompetenzregion werden unter anderem Forschungs- und Entwicklungs- sowie Investitionsprojekte durchgeführt, die vielfältige Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen lokalen, nationalen und ausländischen Akteuren bieten. Ziel der Valleys ist es, den Aufbau einer Wertschöpfungskette im Zusammenhang mit der Wasserstoffwirtschaft zu ermöglichen, z. B. Produktion, Transport, Speicherung und industrielle Endanwendung von Wasserstoff. Hydrogen Valleys sollen auch eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung privater Mittel für grüne Investitionen im Einklang mit dem EU-Taxonomiesystem und dem europäischen Green Deal spielen. Zudem können Industriebetriebe dort auch Teil der Lieferkette des Rolls-Royce-SMR werden und dafür Module herstellen.
Derzeit gibt es acht Hydrogen-Valley-Projekte, die bereits laufen. Der Central Hydrogen Cluster Braci Łaszczyński in der Woiwodschaft Heiligkreuz im Südosten Polens ist eines dieser Projekte, das auf kohlenstoffarmen Strom angewiesen ist, um die Betriebe mit Strom zu versorgen und um die Herstellung von umweltfreundlichem Wasserstoff zu ermöglichen. Es gibt ihn seit August 2017, wobei er zuerst Świętokrzyskie Hydrogen Cluster hiess, bevor er im Juli 2022 in Central Hydrogen Cluster umbenannt wurde.
Quelle
B.G. nach Rolls-Royce SMR, Medienmitteilung, 8. Februar 2023; polnische Regierung, Website zur Wasserstoffstrategie; H2Poland, Website zu Hydrogen Valleys; Industria, Medienmitteilung, 9. Februar 2023, und Website zum Central Hydrogen Cluster Braci Łaszczyński
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