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Die Geschichte von Amara steht stellvertretend für den Erfolg der Arbeit von SOS-Kinderdorf in Harar. Dank der Einkommensförderung hat die clevere Grossmutter ihr eigenes Geschäft eröffnet und versorgt ihre zwei Enkel heute allein.
Die Eltern gestorben, und nur die Grossmutter bleibt übrig. Kein Einzelfall in Äthiopien. So ging es auch der 58-jährigen Amara und ihren beiden Enkelkindern Tizita (5) und Birbane (8). Durch einen tragischen Unfall verlor die Grossmutter ganz plötzlich ihre Tochter und ihren Schwieger-sohn – und die Kinder beide Eltern. «Ein furchtbarer Schmerz, besonders für die Kinder», so Amara, «aber letztlich blieb mir keine Zeit zum Trauern, denn ich musste dafür sorgen, dass sie gut versorgt werden.»
«Wir brauchen die Hilfe von SOS-Kinderdorf nicht mehr.» Tizita (5) und ihr Bruder Birbane (8), die bei Grossmutter Amara (58) leben.
Amara war klar, dass sie nicht mehr über die notwendigen Konditionen verfügte, um auf dem Feld zu arbeiten und die Geschäfte ihres Schwiegersohns fortzuführen. Sie musste sich eine andere Beschäftigung suchen. Ein Nachbar erzählte einem Mitarbeitenden von SOS-Kinderdorf von Amaras Schicksal. Bald darauf erhielt sie Besuch. «Ich wusste vorher nichts über SOS-Kinderdorf und war erleichtert, dass es jemanden gab, der half. Die Gespräche waren sehr hilfreich», meinte Amara. Neben psychologischer Unterstützung und Spielt-herapien, die den Kindern guttaten, erhielt sie Coachings zur eigenen Geschäftsführung und einen Alphabetisierungskurs: «Wer hätte gedacht, dass ich in meinem Alter noch einmal lesen, schreiben und auch rechnen lernen würde», meint sie erstaunt.
Bei den Kursen zur Erlangung der Selbstständigkeit wurde sie auch über ihre Rechte informiert. So zum Beispiel über die Möglichkeit, die örtlichen Gemeindevertreter um die Installation einer Wasserleitung zu bitten. Da sie mittlerweile lesen und auch das erforderliche Formular aus-füllen konnte, suchte sie gleich nach Abschluss des Coachings einen Regierungsposten auf, um den Prozess einzuleiten. Einen Teil des Wasseranschlusses bezahlte sie selbst, und sie ver-rechnete die anfallenden Gebühren mit der Anschubfinanzierung, die sie von SOS-Kinderdorf im Rahmen der Einkommensförderungsprogramme erhielt.
Das Restgeld investierte sie in einen gebrauchten Kühlschrank und schon bald startete sie mit ihrem neuen Geschäftsmodell: Verkauf von kaltem Wasser. «Die Idee dazu kam mir bei einer der Trainingsstunden von SOS-Kinderdorf im Sozialzentrum.» Das Geschäft lief schon bald sehr gut, und Amara konnte ihren Kredit schnell zurückzahlen. Da dies so gut funktionierte, hat sie in der Zwischenzeit auch ihr Haus umgestaltet und eine Einliegerwohnung geschaffen. Mit der Vermietung dieser Wohnung verdient sie zusätzlich Geld und steht heute auf eigenen Füssen. Amara ist SOS-Kinderdorf dankbar: «Die Hilfe von SOS-Kinderdorf hat sich nicht nur für mich, sondern besonders auch für Birbane und Tizita gelohnt. Ich bin mir sicher, dass beide ihren Weg gehen. Der Tod der Eltern schmerzt sie immer noch sehr, aber die Kinder sind gut in der Schule und wollen im medizinischen Bereich arbeiten, um auch anderen Kindern zu helfen.» Die Hilfe von SOS-Kinderdorf hat damit auch eine generationenübergreifende Wirkung. Tizita und Birbane haben nun eine Zukunft, und SOS-Kinderdorf braucht es nicht mehr.