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Nach Kauw, 1671
Am sonnigen Hang des Längenberges, oberhalb des Kirchdorfes Thurnen im Gürbetal, erhebt sich auf hoher, gemauerter Terrasse, umrahmt und beschattet von mächtigen Bäumen, das Schloss Rümligen. Nur der hohe, schlanke Turm ist heute noch auf den ersten Blick als mittelalterlich erkennbar; auch das südlich angebaute Wohngebäude, das seine äussere Gestalt dem 18.Jahrhundert verdankt, ist in seinem Kern und seinen Mauern sicher weit älter. Ansichten aus dem 17.Jahrhundert, namentlich eine Zeichnung des Schlosses auf einer Gerichtssatzung von 1615 und die Darstellung durch Albrecht Kauw (von 1671), zeigen den schlanken Turmzinnen gekrönt. Heute trägt er ein barockes Mansardendach aus dem 18.Jahrhundert. Gegen den Berghang ist das Schloss noch heute durch einen tiefen und breiten Einschnitt, heute Garten und Vorhof, geschützt, über dem es sich auf ringsum freier Terrasse erhebt. Die steilen Zugänge zur Burg und ihre allseitig freie Lage verraten das hohe Alter der befestigten Anlage an dieser Stelle und haben zur Vermutung geführt, der Turm wäre römischen Ursprungs und hätte ursprünglich als Wartturm gedient. Das ganze Gürbetal war, wie zahlreiche Bodenfunde beweisen, jedenfalls schon zur Römerzeit dicht besiedelt.
Im frühen Mittelalter war die Burg Rümligen der Sitz eines einheimischen Freiherrengeschlechtes, aus welchem uns schon 1076 Lütold als Stifter und Förderer des nahen Kluniazenserpriorates Rüeggisberg urkundlich bekannt ist und indessen Besitz wir schon im II. Jahrhundert weite Ländereien zwischen Gürbe und Sense nachweisen können. Nach älteren Forschern besaßen die Herren von Rümligen wohl das ganze Gebiet der Höhen des Längenbergs und bis gegen Guggisberg als Reichslehen und Reichsvogtei, sowie bis 1326 die Kastvogtei über das Kloster Rüeggisberg. Sie gehörten vermutlich zu jenen Herrengeschlechtern des Landes, die sich zuerst mit Bern verbanden und hier die Burghut übernahmen. So erschienen sie auch schon seit Mitte des 13.Jahrhunderts im städtischen Rat. Junker Berchtold von Rümligen (1294-1337) steht 1320/21 als Schultheiss an der Spitze der Stadt. Neben der Gürbetaler Linie blühte auch eine Simmentaler Linie des Geschlechtes, die ebenfalls in Bern Burger und zeitweise hier im Rate vertreten war. Eine weitere Linie, von Summerow-Rümligen, beginnt mit Peter von Summerow von Aarau, verheiratet mit Alisa, Tochter des Erhard von Rümligen. Gilian von Summerow, Enkel Peters (+ zirka1515) war als Vogt in Zweisimmen, in Schenkenberg, Murten und Wimmis und als Ratsherr im Dienste Berns und 1487 bernischer Hauptmann vor Nancy. Er war verheiratet mit Afra von Bubenberg, der unehelichen Tochter des berühmten Adrian I. Seine Nachkommen verarmten aber rasch. Der letzte Angehörige dieser zweiten Linie von Herren von Rümligen starb ledig im Jahre 1579.
Die Söhne Gilians I. von Summerow-Rümligen hatten indessen bereits 1515 Schloss und Herrschaft Rümligen um 370 Pfund dem Berner Burger Burkard Schütz, in der Folge Landvogt zu Lenzburg (1525) und zu Baden (1530) und Schultheiss zu Burgdorf (1538), verkauft. 1542 ist sein Sohn Benedikt Herr zu Rümligen. Nachher wechselte Rümligen mehrmals die Besitzer und gelangte 1634 an Johann Rudolf von Erlach, Herrn zu Riggisberg, Champvent und La Motte (im Waadtland). Sein gleichnamiger Enkel verkaufte die Herrschaft 1680 an Ferdinand von Wattenwyl (* 1640, des Grossen Rats, Landvogt zu Chillon und Trachselwald), und aus seiner Erbschaft erkaufte sich schliesslich Samuel Frisching, der jüngste Sohn des älteren Schultheissen Samuel Frisching (Schultheiss 1668, + 1683), Schloss und Herrschaft Rümligen. Samuel Frisching (II), der neue Herr zu Rümligen (* 1638), hatte bereits die bernische Ämterkarriere bis zur dritthöchsten Stelle eines Welschseckelmeisters durchlaufen. Als Präsident des bernischen Kriegsrates übernahm er im Augenblick höchster Not 1712 bei Vilmergen persönlich das Oberkommando der bernischen Truppen und führte durch sein Eingreifen die Entscheidung zugunsten Berns herbei. Im Jahre 1715 zum Schultheissen erwählt, stand er an der Spitze des bernischen Staates bis zu seinem am 23. Oktober 1723 im hohen Alter von 83 Jahren erfolgten Tode. - Er liess das Schloss Rümligen gründlich erneuern und verlieh ihm dadurch seine heutige Gestalt. Vermutlich liess er dem alten zinnengekrönten Turm das hohe Mansardendach mit den beiden hohen Fahnenwimpeln aufsetzen und hat wohl auch den alten Wohnbau durch Küchen- und Laubenanbauten erweitern lassen.
Rümligen blieb nun bis ins 19.Jahrhundert in verschiedenen Linien der Familie Frisching. Durch die Heirat von Alette Sophie Rosine Frisching, Erbtochter des reichen Johann Rudolf Frisching (1761-1838), letzten Oberherrn von Rümligen, die herrschaftlichen Rechte fielen 1798 an den bernischen Staat - gelangten Schloss und Domäne Rümligen an Friedrich von Wattenwyl von Bursinel, der sich auch den bekannten eleganten Landsitz Morillon bei Bern erbaute. Nach dem Tode seines Sohnes Friedrich von Wattenwyl (* 1820), fiel Rümligen an Dr. Ludwig Moritz Albert Tscharner, der den Sitz, abwechselnd mit dem ihm ebenfalls gehörenden Amsoldingen, bis zu seinem Tode im Jahre 1927 im Sommer regelmässig bewohnte.
Bibliographie