Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03100.jsonl.gz/2928

Die Auswahl der für die Wirkungsmessung zu untersuchenden Einheiten, Zielgruppen oder Fälle hängt massgebend vom Design bzw. den Vergleichen ab.
Idealerweise werden alle betroffenen Einheiten, Zielgruppen oder Fälle in der Erhebung zur Wirkungsmessung berücksichtigt. Man spricht in diesem Fall von einer Vollerhebung. In der Praxis sind Vollerhebungen aus spezifischen Gründen oder wegen den Kosten nicht immer möglich. Daher muss entschieden werden, welche Untersuchungseinheiten bei der Wirkungsmessung berücksichtigt werden sollen. Bei quantitativen Verfahren spricht man in solchen Fällen von einer Stichprobe.
Stichproben haben gegenüber den Vollerhebungen den Nachteil, dass Informationen immer nur für einen Teil aller interessierenden Beobachtungen erhoben wird. Entsprechend muss man sich überlegen, ob die Ergebnisse, welche auf einer Stichprobenauswahl basieren, auch für die gesamte Untersuchungseinheit gelten. Ist dies nicht der Fall, dann wurde die Stichprobe nicht richtig gezogen bzw. die zu analysierenden Einheiten nicht korrekt ausgewählt.
Auswahlkriterien bei qualitativen Verfahren
Nicht nur bei quantitativen Verfahren stellt sich die Frage nach der Auswahl der Stichprobe. Auch bei qualitativen Verfahren muss man sich überlegen, welche Einheiten für die Untersuchung berücksichtigt werden sollen. Aufgrund der Auswahlkriterien ergibt sich meistens automatisch die Anzahl der zu berücksichtigenden Einheiten. Oft möchte man pro Auswahlkriterium mindestens eine oder zwei Einheiten berücksichtigen. Aus theoretischer Sicht ist die Anzahl der Untersuchungen genügend, wenn das Prinzip der Sättigung eintritt. Als saturiert gilt eine Auswahl oder Stichprobe, wenn zusätzliche Erhebungen keine neuen Informationen mehr erbringen und mit dem erhobenen Material der Erkenntnisgewinn gesättigt ist. Zur Bestimmung der richtigen Auswahl der Analyseeinheiten kann ein Vorgehen in drei Schritten angewandt werden:
- In einem ersten Schritt empfiehlt es sich, das inhaltliche Interesse an bestimmten Gruppen zu präzisieren.
- In einem zweiten Schritt kann darauf geachtet werden, ob alle möglichen Ausprägungen und Merkmale der zu untersuchenden Einheit bei der Auswahl berücksichtigt worden sind.
- Im dritten Schritt ist nach der Datenerhebung nochmals zu prüfen, welche Konstellationen und Merkmale nicht in der bisherigen Erhebung vorkommen. Gegebenenfalls sind zusätzliche Untersuchungseinheiten zu berücksichtigen. Das bedeutet auch, dass die Auswahl der Untersuchungseinheiten nicht wie bei den quantitativen Verfahren anhand eines einzigen Schrittes durchgeführt werden muss.
Bei sehr knappen Ressourcen besteht auch die Möglichkeit, dass man den Fokus auf extreme Ausprägungen legt. Unter diesen Bedingungen beschränkt man sich auf eine Auswahl von Fällen, bei denen besonders positive bzw. besonders negative Resultate erwartet werden. Dieses Verfahren setzt folglich eine subjektive Auswahl voraus, was nicht dem optimalen Vorgehen entspricht.
Auswahlkriterien bei quantitativen Verfahren
Um Fehler oder Verzerrungen aufgrund einer falschen Auswahl von Fällen zu vermeiden, sollte genau geklärt werden wer oder was zur Population gehört, die untersucht werden soll: Es ist insbesondere darauf zu achten, dass auch schlecht erreichbare (z.B. räumlich) und marginalisierte Gruppen wie ethnische oder religiöse Minderheiten oder Frauen bei der Stichprobenziehung angemessen berücksichtigt werden. Weiter muss die Grösse der Stichprobe bestimmt werden: Zentrales Kriterium ist dabei, wie genau die Ergebnisse sein müssen. Die Grösse der Population hat, zumindest bei eher grossen Populationen, wenig Einfluss auf die Mindestgrösse der Stichprobe (siehe dazu auch quantitative Methoden). Natürlich spielen in der Praxis dabei auch die verfügbare Zeit und die Kosten eine wichtige Rolle.
Zur Auswahl von Stichproben bei quantitativen Verfahren gibt es verschiedene Möglichkeiten. Grundsätzlich wird zwischen «Zufallsstichproben» und «Nicht-Zufallsstichproben», welche nach bestimmten Kriterien zusammengestellt werden, unterschieden. Wenn die Stichprobe nach dem Zufallsprinzip zusammengesetzt sein soll, hat jeder, welcher der Grundgesamtheit angehört, dieselbe Wahrscheinlichkeit als Stichprobenmitglied «gezogen» zu werden. Im Folgenden werden einige der wichtigsten Auswahlverfahren kurz beschrieben.
Zufallsstichproben
- Einfache Zufallsstichprobe
Es gelangt jede Einheit der Grundgesamtheit mit der selben Wahrscheinlichkeit in die Auswahl (z.B. Namen aus einer Urne ziehen oder jede x-te Person).
- Geschichtete Zufallsstichprobe
Die Untersuchungseinheiten werden nach einem bestimmten Merkmal in Gruppen (Schichten) unterteilt (z.B. Gemeinden, Kurse). Aus diesen Teilgesamtheiten werden dann nach dem Zufallsprinzip Stichproben entnommen.
- Gestufte Zufallsstichprobe
Es werden zuerst die Stufungskriterien bestimmt (z.B. Regionen A bis D). Dann wird die Grundgesamtheit nach diesen aufgeteilt und eine zufällige Auswahl getroffen (z.B. Region B und D) und auf eine bestimmte Anzahl von Primäreinheiten begrenzt, die man untersucht (z.B. 5 Kurse je Region). Die restlichen Teilgesamtheiten werden ignoriert. Aus den zufällig ausgewählten Primäreinheiten (z.B. 5 Kurse) ermittelt man nun die Zufallsstichprobe der Merkmalsträger (je 20 Kursteilnehmer pro Kurs). In den beiden Regionen werden je 100 Kursteilnehmer befragt, die dann zu einer Gesamtstichprobe zusammengeführt werden.
Nicht-Zufallsstichproben
- Quoten-Stichprobe
Zuerst werden die Elemente der Grundgesamtheit in Gruppen eingeteilt. Die Stichprobe ist nun so zu ziehen, dass dieses Gruppenverhältnis in der Stichprobe möglichst genau so aussieht wie in der Grundgesamtheit. Es wird also versucht, eine gewünschte Populationsstruktur in der Stichprobe nachzuahmen. Dazu werden den Interviewern Vorgaben gemacht, welche Eigenschaften die zu Befragenden haben müssen. Wen er konkret auswählt, bleibt dabei dem Interviewer überlassen.
- Homogene und heterogene Fallauswahl
Die Beobachtungen werden so für die Stichprobe ausgewählt, dass sie möglichst ähnliche/unähnliche Eigenschaften aufweisen. In Fallstudien (welche per Definition keine Zufallsstichproben darstellen) werden beispielsweise häufig zwei Beobachtungen mit möglichst gegensätzlichen Eigenschaften untersucht.
- Die Auswahl von typischen Fällen
Hier werden diejenigen Beobachtungen für die Stichprobe ausgewählt, von denen man weiss oder annimmt, dass sie typische, durchschnittliche und eben keine extremen Eigenschaften aufweisen.
- Die Auswahl von kritischen Fällen
Es werden insbesondere oder ausschliesslich diejenigen Beobachtungen ausgewählt, von denen man weiss, dass ihr Einschluss in die Stichprobe für die Glaubwürdigkeit oder Akzeptanz einer Studie ausschlaggebend ist.