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Als 1979 die Schweizer Springreiter endlich eine Einladung zum CSIO New York annahmen, war die «National Horse Show» (NHS) – so ihr offizieller Name – bereits im 97. Jahr seit der ersten Austragung 1883. 1979 war die NHS immer noch eine der grossen internationalen Pferdesportveranstaltungen der Welt. Heute ist die NHS in die Bedeutungslosigkeit versunken. Grösstenteils selbst verschuldet. Schon 1979 litt die NHS unter den finanziellen Bedingungen, die die Besitzer des Madison Square Gardens stellten. Noch schwerwiegender war die Macht der Gewerkschaften. Alles, was im Madison Square Garden getan werden musste, kontrollierten sie – und alles musste extra bezahlt werden. 1989 wagte die NHS-Organisation den Umzug aus dem Madison Square Garden in die neuerrichteten Anlagen in Meadowlands im benachbarten New Jersey. Nach sieben Jahren mit schwindenden Zuschauerzahlen (ein Spassvogel meinte einmal, es gebe dort zu wenig Leute, um eine Partie Bridge zu spielen) kehrte man in den Madison Square Garden und die dortige Gewerkschaftsdiktatur zurück.
Endgültiger Abschied
Nach 2001 kam der endgültige Abschied aus New York. 2002 ging man für einige Jahre nach Wellington/Palm Beach in Florida, dann organisierte John Madden drei Jahre lang die NHS bei sich in Syracuse in Upstate New York. 2011 schliesslich verkroch sich die NHS im «Kentucky Horse Park» in Lexington, ohne den internationalen Glanz der 100 Jahre zuvor.
Premiere 1883
Die erste «National Horse Show» wurde im Jahre 1883 durchgeführt. 1883 war ein wichtiges Jahr für New York. Im Mai 1883 eröffnete, nach 13-jähriger Bauzeit, die Brooklyn Bridge und kurz vor der ersten NHS im Madison Square Garden wurde die neugebaute Metropolitan Opera eröffnet. Die erste NHS fand in einer ursprünglichen Eisenbahnremise am Madison Square statt, dort wo sich die Madison Avenue und die 23. Strasse kreuzen. Die Eisenbahn war 1871 ausgezogen und das offene Gebäude war zuerst vom Zirkus Barnum, dann vom Musiker Patrick Gilmore bespielt worden. 1883, als die «Horse Show» einzog, wurde aus dem Gilmore’s Garden der erste Madison Square Garden. Kurz vor der fünften Austragung der NHS von 1887 stürzte eine Mauer ein. In der Folge wurde beschlossen, das Gebäude abzubrechen. Für den Neubau an gleicher Stelle verpflichtete man den damals berühmten Architekten Stanford White. 16 Jahre nach der Eröffnung des zweiten Madison Square Gardens im Jahre 1890 fand dort White seinen Tod. Er wurde 1906 auf dem Dachgarten seines Gebäudes vom Ehemann (Harry Thaw) seiner Geliebten, der Schauspielerin Evelyn Nesbit, erschossen.
Prachtvoller Neubau
Dieser zweite Madison Square Garden von 1890 war ein Prachtbau. Finanziert wurde er von der «National Horse Show Association», die damals über 900 Mitglieder hatte, so praktisch die ganze New Yorker «High Society» wie Morgan, Carnegie, Barnum, Astor oder Vanderbilt. Es heisst, dass das zu jener Zeit erstmals erstellte «Social Register» der Reichen und Einflussreichen New Yorks praktisch eine Kopie der Mitgliederliste der NHS war. In diesem Pferdepalast im Beaux-Arts-Stil wurde die NHS 1890 bis 1925 durchgeführt. Vorerst als nationaler Anlass. 1909 lud der damalige Präsident Alfred Vanderbilt eine britische Equipe ein. 1911 wurde der erste Nationenpreis ausgetragen. Die erstmals in New York antretenden Niederländer gewannen und wurden nach ihrer Rückkehr nach Amsterdam mit einer grossen Parade gefeiert. 1912 siegten sie erneut, dann 1913 die Franzosen. Die Sensation der NHS von 1915 war Eleonora Sears, die als erste Frau «astride», also im Herrensattel, ritt. Die junge Dame, eine Urenkelin von Thomas Jefferson, war auch eine erfolgreiche Tennisspielerin (mehrmals im Final des US Open), US-Meisterin im Squash und war die erste Frau, die in einem Männerteam Polo spielte.
Dritter und vierter «MSG»
1926 eröffnete der dritte Madison Square Garden an der 8th Avenue auf der Höhe der 50. Strasse. Die Pferdeleute hatten an Einfluss verloren. Anstelle des bald abgerissenen Pferdepalastes am Madison Square wurde nun ein hässlicher Betonbau errichtet, der bald als Boxarena seine Höhepunkte erlebte. 1967 kam das Ende für diesen Zweckbau. Als vierten Madison Square Garden baute man über den unterirdischen Gleisen der «Pennsylvania Station» einen Mehrzweckbau mit 20000 Sitzplätzen. An die Pferde wurde nicht mehr gedacht, auch wenn die NHS noch einige Jahrzehnte dort gas-tierte. Die temporären Ställe wurden in den Gängen unter den Tribünen errichtet, der Abreitplatz war um die 15 mal 30 Meter gross. Einmal in den 80er-Jahren, als die Pferde, vom CSIO Washington herkommend, bereits in den Ställen des Madison Square Gardens waren, fand in der Arena am Vorabend des CSIOs ein Popkonzert statt!
Trotz der erwähnten Probleme blieb die «NHS» bis Ende der 80er-Jahre ein Hauptereignis im Sport – wie im Gesellschaftskalender New Yorks. Man traf den Maler Andy Warhol, «Superman» Christopher Reeve oder den Herzog von Windsor. Der «Grand National»-Sieger Jay Trump wurde im Madison Garden gefeiert. Beizufügen ist, dass zum Programm der NHS neben den internationalen Prüfungen auch nationale Springprüfungen der «Open Jumper» gehörten. Auch Prüfungen der Hunter, Saddle Horses, Harness Horses, Tennessee Walking Horses und die Nachwuchsprüfungen um die Maclay Trophy und die Medal Classes.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 46/2021)
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