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Nach der Spesenaffäre, die zum Rücktritt von HP-CEO Mark Hurd geführt hat, dreht sich das Kandidatenkarussell.
Schon kurz nachdem HP am Freitagabend den Rücktritt von CEO Mark Hurd bekanntgab, berichteten US-Medien über die Hintergründe des überraschenden Abgangs. Offiziell musste Hurd gehen, weil er sich nicht an den HP-Verhaltenskodex des "Vertrauens, Respekts und Anstands" gehalten hat. Nachdem eine externe Marketingmitarbeiterin – seit gestern weiss man, dass es sich um die 50-jährige Ex-Schauspielerin Jodie Fisher handelt – am 29. Juni in einem Brief Hurd der sexuellen Belästigung bezichtigt hatte, wurde der Fall HP-intern untersucht. HP kam zwar zum Schluss, dass der Vorwurf nicht nachweisbar sei, die Untersuchungen ergaben aber, dass Hurd im Zusammenhang mit der Beziehung zu der Frau bis zu 20'000 Dollar ausgegeben hatte. Die Spesen soll der verheiratete Familienvater falsch deklariert haben, um die "enge private Beziehung" zu Fisher zu verschleiern. Zwar wollte Hurd den Betrag laut Medienberichten zurückzahlen, musste aber letztlich doch gehen, weil HP befürchte, dass die Affäre so oder so ans Licht kommen würde.
Fisher erklärte in einer Mitteilung vom Sonntag, sie bedauere, dass Hurd gehen musste. Offenbar konnten die beiden bereits am Donnerstag ihre Auseinandersetzung beilegen. Sie sei bei HP engagiert gewesen, um in den USA, in Europa und in Asien bei Veranstaltungen mit Geschäftspartnern mitzuarbeiten, so Fisher. Obwohl sie Hurd sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte, betont sie jetzt, zwischen ihr und Hurd habe niemals eine "Affäre oder intime sexuelle Beziehung" bestanden.
Hurd, der seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren
HP neu positioniert und sehr erfolgreich gemacht hat, erhält ein Abfindungspaket in der Höhe von insgesamt 35 Millionen Dollar, davon 12,2 Millionen in bar. Im Vergleich zu anderen Abfindungen in der IT-Industrie ist der Betrag eher tief. Zudem verliert Hurd nicht nur seinen Job, sondern auch seine bis vor kurzem hervorragende Reputation.
Wer wird CEO?
HP betont derweil, dass es dem Unternehmen nach wie vor gut geht. Gemäss vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal wuchs der Umsatz um 11 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar. Allerdings steht die HP-Aktie seit Freitag stark unter Druck.
Finanzchefin Cathie Lesjak, die interimistisch das Unternehmen leitet, will nun so schnell wie möglich einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Hurd finden. Herumgereicht werden etwa die Namen von EMC-CEO Joe Tucci und jener von IBM-Manager Michael E. Daniels, der allerdings auch schon als möglicher Nachfolger von IBM-CEO Samuel J. Palmisano gilt
.
Besonders interessant ist die Spekulation des 'Wall Street Journals', wonach Michael Capellas den CEO-Posten bei HP übernehmen könnte. Capellas war CEO des PC-Herstellers Compaq, als dieser 2002 von HP übernommen wurde. Bereits Anfang 2005 – nach dem Weggang der früheren HP-Chefin Carly Fiorina und vor der Ernennung von Hurd – galt er als möglicher Kandidat für den Chefposten
, eines Joint Ventures von Cisco Systems und EMC, das auch von Intel und VMware unterstützt wird.
HP will auch intern nach einer geeigneten Führungskraft suchen. Genannt werden PC-Chef Todd Bradley sowie Drucker-Chef Vyomesh Joshi. (mim)