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Das BAFU erarbeitet zusammen mit dem Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) und den Bundesämtern für Energie (BFE), für Bevölkerungsschutz (BABS) und für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) Grundlagen für die Beurteilung der Gefährdung durch Extremhochwasser an Aare und Rhein. Bis 2019 sollen unter der Leitung des BAFU harmonisierte Gefahrenszenarien ausgearbeitet werden. Ausgehend davon werden dann die Risiken für die Bauten und Anlagen im betroffenen Gebiet beurteilt.
Ziel des Projekts EXAR ist es, die bisher verwendeten Grundlagen für die Beurteilung der Gefährdung durch extreme Hochwasserereignisse (siehe Glossar unten) an der Aare und, in einer zweiten Etappe, am Rhein unterhalb des Zusammenflusses der beiden Flüsse, zu überprüfen, allfällige Lücken zu identifizieren, sie zu schliessen und die Gefährdungsbeurteilung zu harmonisieren. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden generell dazu beitragen, Infrastrukturen und Agglomerationen im betroffenen Gebiet besser vor Hochwasser zu schützen. Insbesondere sollen sie dazu dienen, die Risiken extremer Hochwasserereignisse für rund 15 Stauwehre und für die Kernkraftwerke Mühleberg, Gösgen sowie Beznau I und II erneut zu beurteilen. Zur Erarbeitung der hydrologischen Grundlagen werden historische und klimatologische Analysen mit statistischen Ansätzen und mathematischen Modellen kombiniert. Ausgehend von spezifischen Situationen an der Aare soll definiert werden, welche Gefahren im Zusammenhang mit Hochwasser bestehen und wie diese möglicherweise interagieren. Dafür sollen namentlich Phänomene wie Starkniederschläge, Erosion, Gerinneverlagerung, Geschiebeablagerung, Rutschungen, Verklausungen sowie Dammbrüche (auch aufgrund von Erdbeben) untersucht werden, wobei auch Unsicherheiten und Wechselwirkungen zu berücksichtigen sind.
Projektablauf
2013-2015 wurden in Vorstudien die bisherigen Grundlagen und Studien zum Thema inventarisiert und zusammengetragen. Auch die Methodologie der Hauptstudie wurde in einer Vorstudie erarbeitet und mit den Experten und Projektpartnern konsolidiert.
Die Hauptstudie, mit Beginn Anfang 2016, wird in zwei Phasen aufgeteilt:
- In der ersten Phase (A) werden unter anderem Niederschlag/Abfluss-Szenarien vorbereitet, die Beurteilungsperimeter und Schlüsselstellen (siehe Glossar) definiert und darauf basierend der Untersuchungsablauf festgelegt.
- In der zweiten Phase (B) erfolgen die eigentlichen Untersuchungen der Prozesse, Interaktionen und Auswirkungen.
Die Resultate, in Form von Gefahrenszenarien für die relevanten Beurteilungsperimeter, sollen bis 2019 vorliegen.
Projektorganisation
Projektauftraggeber sind BAFU, BFE, ENSI, BABS und MeteoSchweiz, wobei die Projektleitung beim BAFU liegt.
Zur Konsolidierung der in den einzelnen Teilprojekten durch spezialisierte Büros oder Hochschulen vorgeschlagenen Vorgehensweisen und der erzielten Ergebnisse zieht die Projektleitung während der gesamten Studiendauer einen wissenschaftlichen Expertenbeirat bei. Die Zwischen- und Endergebnisse werden ausserdem mit einer Begleitgruppe mit Verantwortungsträgern diskutiert. Zusätzlich zur Publikation von Medienmitteilungen und Information auf der Internetseite werden Betroffene und Interessierte im Rahmen von bestehenden Gremien und Foren informiert. Die Hauptstudie wird thematisch in sieben Teilprojekte (TP) aufgeteilt, welche wiederum in vier Arbeitspakete (AP) zusammengefasst werden.
Die Teilprojekte betreffen Hochwasserabflüsse (TP1), meteorologische Szenarien (TP2), statistische Auswertungen (TP3), Verklausungen (TP4), Kollaps und Versagen von wasserbaulichen Einrichtungen (TP5), Grossraumhydraulik sowie Hydraulik an Schlüsselstellen und in Beurteilungsperimetern (TP6) und Synthese und Gesamtkoordination (TP7). Die Arbeitspakete umfassen technische Koordination und Synthese (AP1), Bereitstellung von Niederschlag/Abfluss-Szenarien (AP2), Untersuchung von Hydraulik und Morphodynamik (AP3) und von wasserbaulichen Einrichtungen (AP4).
Glossar
Extreme Hochwasserereignisse: Hochwasserereignisse, die mit einer Wahrscheinlichkeit von <10-3 auftreten, d.h. mit einer erwarteten Wiederkehrdauer von über 1000 Jahren. In der Studie werden Ereignisse mit Wahrscheinlichkeiten bis 10-7 untersucht.
Beurteilungsperimeter: Stellen, an denen aufgrund eines hohen heutigen oder zukünftigen Schadenspotentials genauere Untersuchungen vorgesehen sind. Die Beurteilungsperimeter werden während Phase A der Hauptstudie definiert.
Schlüsselstellen: Stellen, an denen die Prozesse und Szenarien im Gesamtsystem durch Interaktionen und Rückkopplungen massgeblich beeinflusst werden können. Die Schlüsselstellen werden während Phase A der Hauptstudie definiert.
PMO: Project Management Office, Büro zur Unterstützung des Projektmanagements.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 09.02.2016