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Medienmitteilung, gemeinsam veröffentlicht von verschiedenen Organisationen - www.zugetive.ch
Aktionstag zur Tagung von «Forschung für Leben» in Basel30. November 2010, Genf, Bonaduz, Lugano und Küsnacht
Über 60 Forscher aus verschiedenen Ländern haben am Montag, 29., und am Dienstag, 30. November 2010, an der Tagung «Verdammte Forschung?» in Basel teilgenommen. Ziel der Konferenz war, die gesetzlichen Beschränkungen – vor allem bezüglich der Grundlagenforschung – in der Schweiz und in Europa anzuprangern. Dabei stützten sich die Forscher hauptsächlich auf zwei Experimente an Affen, die von der Kontrollbehörde des Kantons Zürich nicht bewilligt wurden. Sie vertreten die Ansicht, dass dieses Verbot der Forschung massiv schade.
Diese zwei Affenversuche wären an der Universität und an der ETH Zürich in der Grundlagenforschung durchgeführt worden und sollten mit öffentlichen Geldern finanziert werden. Ziel der Grundlagenforschung ist es, auf Fragen eine Antwort zu finden, ohne damit zwangsläufig eine medizinische Anwendung anzustreben (wie z.B. eine Medikamentenentwicklung).
Die Zürcher Kommission war der Meinung, dass die den Affen auferlegten Belastungen in keinem Verhältnis zu dem angestrebten Ziel gewesen wären und dass überhaupt generell kaum ein Nutzen zu erwarten gewesen wäre. Das Zürcher Verwaltungsgericht hat die Entscheidung der Kommission bestätigt, und 2009 wurde dieses Urteil auch vom Bundesgericht bestätigt. Die beiden Affenversuche durften somit definitiv nicht durchgeführt werden.
Gemäss den Statistiken dienen nur 15% bis maximal 20% der aus der Grundlagenforschung gewonnenen Resultate der angewandten medizinischen Forschung. Die für die Grundlagenforschung eingesetzten Steuergelder dürfen nicht für Tierversuche eingesetzt werden, die von vornherein jeglichen medizinischen Nutzen ausschliessen!
Die an den Universitäten für Tierversuche verwendeten Beträge belaufen sich jährlich auf mehrere hundert Millionen Schweizer Franken! Der Bund investiert für Tierversuche alleine über den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) bereits über 80 Millionen Franken pro Jahr. [1] Dutzende Millionen für Tierversuche gehen zusätzlich direkt von den Kantonen an ihre Universitäten und andere öffentliche Institutionen. Allein die Versuchstierhaltung kostet den Steuerzahler jährlich 82 Millionen Franken. [2]
Die medizinische Forschung an unseren Universitäten muss sich auf innovative und effiziente Forschungsmethoden konzentrieren. Einer Forschung, welche von vornherein mehr als 80% bedeutungslose Ergebnisse produziert, muss Einhalt geboten werden. Tierversuchsfreie Testmethoden wie In-vitro-Modelle (z.B. mit menschlichen Zellkulturen oder Geweben) und In-silico-Modelle (Studium digitaler, menschlicher Daten) sind die Zukunft der Forschung. Diese ermöglichen ein besseres Verständnis von Krankheiten und verringern durch ihre Genauigkeit und Zuverlässigkeit die Nebenwirkungen von Medikamenten.
Über den Verein «Forschung für Leben»Die Tagung «Verdammte Forschung?» wurde vom Verein «Forschung für Leben» organisiert. Ihm gehören vor allem Forscher aus den Universitäten von Basel und Zürich an. Tatsächlich ist es so, dass seine Aktivitäten von den Schweizer Pharmaunternehmen (in erster Linie von Novartis, Roche und Merck Serono, die unter dem Namen Interpharma agieren) finanziert werden.
Während im Juni 2010 Interpharma ihre «Charta für den Tierschutz» veröffentlichte, in der erklärt wurde, dass über die gesetzlichen Richtlinien hinaus auf das Wohl der Versuchstiere geachtet werden würde, ist es bedauerlich, nun ihr effektives Engagement zu sehen. Sie missbraucht den guten Ruf unserer Universitäten dazu, eine Änderung der minimalsten gesetzlichen Richtlinien zu erwirken!
An unseren Universitäten arbeiten Wissenschaftler, die unsere Gesetze – welche demokratisch vom Parlament verabschiedet wurden – nicht akzeptieren und (bezahlt mit Steuergeldern!) diese Gesetze bekämpfen. Dieselben Wissenschaftler deklarieren Tierversuche als unabdingbar für die medizinische Forschung. Dabei darf nicht vergessen werden, dass diese Wissenschaftler mit Tierversuchen, hauptsächlich in der Grundlagenforschung, ihr tägliches Brot verdienen. 70% der vom SNF für Tierversuche verteilten Gelder fliessen direkt in die Gehälter dieser Wissenschaftler! [3]
Tierversuchsfreie Forschungsmethoden: Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es keine wirkliche Unterstützung in der SchweizIn der Schweiz unterstützt praktisch nur die «Stiftung Forschung 3R» mit öffentlichen Mitteln die Erforschung und Entwicklung tierversuchsfreier Testmethoden. Diese Gelder kommen aus der Bundeskasse und von Interpharma (welche im Gegenzug dafür Einblick in alle Projekte erhält). Das jährliche Budget von gerade mal 800 000 Franken ist jedoch so verschwindend klein, dass damit kein wirklicher Fortschritt erzielt werden kann. In 20 Jahren hat die Stiftung nur 100 Projekte, also durchschnittlich nur 5 Projekte pro Jahr, unterstützt! Im Vergleich dazu wurden in der Schweiz im Jahr 2009 1051 neue Tierversuche bewilligt!
Für die Gründung eines neuen Organs zur Unterstützung der Entwicklung tierversuchsfreier Forschungsmethoden!Unsere Gesundheit ist wichtiger als die akademische Karriere einiger Professoren, die vom Tierversuch profitieren!
Wir, die SLGV (Schweizer Liga gegen Vivisektion), die AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner), die ATRA (Schweizer Vereinigung für die Abschaffung der Tierversuche) und die ATM (Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz in der Medizin), beantragen eine tatkräftige und effektive Unterstützung der Entwicklung innovativer und tierversuchsfreier Testmethoden.
Die genannten Organisationen beantragen ebenfalls eine Änderung des Systems zur Verteilung von öffentlichen Geldern an medizinische Forschungsprojekte. Denn es kann wohl kaum davon ausgegangen werden, dass der SNF wirklich daran interessiert ist, tierversuchsfreie Testmethoden zu finanzieren, solange die Experten, die beim SNF die Steuergelder an Projekte verteilen, praktisch ausschliesslich mit Tierversuchen ihr Leben bestreiten! [4]
Kontaktdaten nur in der Original-Medienmitteilung
[1] und [3] Antwort des Bundesrates vom September 2010 auf die Interpellation 10.3575 ; [2] Revisionsbericht 2010 der Eidg. Finanzkontrolle; [4] Abteilung 3 des Nationalen Forschungsrates vom SNF, welchem 30 Forscher aus Schweizer Universitäten angehören.