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Hintergrund - 09.06.2021 - 00:00
9. Juni 2021.
Wie würdest du Glück in deinen eigenen Worten beschreiben?
«Wenn man ein Ratespiel gewinnt oder einen Heiratsantrag bekommt.» Lisa, 12
«Wenn dir etwas Gutes passiert oder wenn du etwas machst, das viel besser wird als du zuerst gedacht hast.» Simon, 12
«Glück ist unbeeinflussbar. Manchmal hat man es und manchmal hat man es nicht. Aber wenn man es hat, verleiht es einem eine grosse Freude.» Lars, 12
«Wenn man etwas gewinnt, zum Beispiel ein Spiel. Oder wenn man eine Person trifft, die man gerne hat und die für mich da ist.» Sarah, 11
Der Begriff «Glück»
In meinen eigenen Worten könnte ich den Begriff «Glück» wahrscheinlich nicht viel besser beschreiben als die vier Berner Primarschüler:innen Lisa, Simon, Lars und Sarah. Würde mich jemand danach fragen, wäre meine Antwort wohl, dass Glück eine «für mich günstige Fügung des Universums ist.» Wenn ich aber schon selbst Mühe habe «Glück» zu definieren, muss es für Kinder, die halb so alt sind wie ich, doch doppelt so schwer sein? Könnte man zumindest denken. Denn Kinder sehen Dinge oftmals viel klarer und denken an Sachen, die Erwachsene gar nicht mehr erkennen. So haben etwa drei Viertel der insgesamt 30 befragten Kinder, Glück mit dem Gewinnen in einem Spiel oder im Sport verbunden. Obwohl dies nahe liegt, hätte ich persönlich nie daran gedacht. Meine Lieblingsantwort kam jedoch von der elfjährigen Milena, die mit pinkem Glitzerstift schrieb: «Glück ist das Gegenteil von Pech.» Eine prägnante und schelmische Antwort – gefällt mir!
Wann fühlst du dich am glücklichsten und am wohlsten?
«Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich alleine in einem Zimmer bin oder bei meiner Familie. Ich fühle mich auch gut, wenn ich etwas mit meiner besten Freundin mache.» Lisa
«Wenn ich etwas mit meiner Familie mache.» Simon
«Zu Hause mit Familie und Freunden und im Fussballverein.» Lars
«Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich bei meiner Familie bin und wenn sie für mich da ist.» Sarah
Die allermeisten Kinder betonten, dass sie sich am glücklichsten fühlen, wenn sie Zeit mit Freunden und der Familie verbringen können. Sechs Kinder fühlen sich alleine am glücklichsten und neun Kinder geniessen die Gesellschaft von Tieren.
Denkst du, dass Leute, die viel Geld haben glücklicher sind als Leute, die weniger viel Geld haben?
«Nein, denke ich nicht. Man freut sich auch, wenn man wenig Geld hat.» Lisa
Das kommt darauf an. Wenn ich auslesen kann, dann wähle ich die Familie und wenig Geld anstatt nur Geld und keine Familie.» Simon
«Reiche Menschen haben wenig Sorgen. Arme Menschen können aber selten Rechnungen bezahlen und brauchen so etwas wie Hartz IV. Für mich hat aber Geld trotzdem nur einen materiellen Wert.» Lars
«Ich denke, dass man nicht viel glücklicher ist, wenn man reich ist, weil man sich dann um das viele Geld sorgen muss.» Sarah
Wie hängen Glück und Geld zusammen?
Obwohl ich mich nicht mehr erinnern kann, ob ich vor zehn Jahren eine Korrelation zwischen Glück und Geld gesehen hätte, haben mich die Antworten auf diese Frage sehr erstaunt. Lediglich Marcel fand, dass wohlhabende Menschen glücklicher sind als weniger wohlhabende Menschen. Leider hat er seine Antwort nicht wirklich begründet, sondern schrieb nur «Ja, reiche Menschen sind glücklicher.» Alle anderen fanden, dass reiche Menschen vor allem aus zwei Gründen nicht glücklicher sind. Erstens müssen sie sich vor falschen Freunden fürchten, die es nur auf ihr Geld abgesehen haben. Und zweitens haben sie schon alles und können sich deshalb nicht mehr über die kleinen Dinge im Leben freuen.
Hatte das Coronavirus einen Einfluss auf dein Wohlbefinden? Hast du dich während dieser Zeit weniger glücklich gefühlt?
«Ja, weil ich sehr gerne etwas mit meinen Freundinnen mache. Jetzt kann man aber nicht mehr so viel rausgehen.» Lisa
«Ja, weil wir als Familie nie das machen konnten, was wir wollten.» Simon
«Ich war weniger glücklich, weil ich nicht mehr Fussball spielen konnte. Ich freue mich schon, wenn ich bald wieder gehen darf.» Lars
«Ja, ich habe mich schon weniger glücklich gefühlt. Vor allem, weil andere Leute wegen dem Coronavirus krank werden und manchmal sogar sterben. Das finde ich nicht gut.» Sarah
Auswirkungen der Pandemie
Die anhaltende Pandemie hat die Mehrheit der Kinder negativ beeinflusst. Sie konnten ihre Freunde nicht mehr sehen und haben das gemeinsame Trainieren im Sportclub vermisst. Vier Kinder nahmen die Auswirkungen der Pandemie jedoch positiv wahr. Sie haben mehr Zeit mit sich selbst verbracht und genossen die Ruhe. Zwei von ihnen erwähnten, dass sie sehr viel gelesen haben. Die anderen beiden Kinder haben einen Hund, respektive ein Kaninchen bekommen. Folglich haben sich natürlich gefreut, so viel Zeit wie möglich mit den Vierbeinern zu verbringen.
Was ist dein grösster Traum oder Wunsch?
«Dass es auf der Welt keinen Krieg mehr gibt, sondern nur noch Frieden. Auch, dass es kein Coronavirus mehr gibt.» Lisa
«Mein grösster Wunsch ist, dass niemandem aus meiner Familie oder von meinen Freunden etwas Schlimmes passiert.» Simon
«Ein glückliches Leben ohne Sorgen.» Lars
«Ich habe eigentlich nicht einen grossen Wunsch, nur dass alle gesund und glücklich sind.» Sarah
Verbindung von Glück mit guter Gesundheit
Ich habe als Kind jeweils in Freundebücher geschrieben, dass mein grösster Wunsch eine Welt ohne Krieg ist. Interessanterweise ist dieser Wunsch wohl immer noch aktuell. Aber auch die Gesundheit der Familie, Freunden und den Kindern selbst wurde sehr oft erwähnt. Genau diese Verbindung von Glück mit guter Gesundheit zeigt, dass gewisse Dinge definitiv nicht mit Geld gekauft werden können. Denn, obwohl Geld vieles erleichtert und Probleme beseitigt, kann es das Schicksal eines Einzelnen nicht beeinflussen. Bei all den überlegten Antworten brachte mich diejenige von Marcel, der meinte, dass reiche Menschen glücklicher sind, besonders zum Schmunzeln. Sein Traum ist, einmal einen Lamborghini Aventador SVJ zu besitzen.
Charlotte Hirsbrunner studiert im zweiten Semester im Master of International Affairs and Governance. Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Werkstatt des Lehrprogramms Wirtschaftsjournalismus unter der Leitung von Stefanie Knoll, SRF, und ist Teil der Serie zum Thema «Geld oder Glück».
Bild: Adobe Stock / Evgenia