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Aragonien,
span.
Aragon, Generalkapitanat des nordöstl.
Spaniens, mit dem
Titel eines Königreichs (el reino de
Aragon),
wird im N. durch die Centralpyrenäen von
Frankreich geschieden, grenzt im NW. an Navarra, im
W. an
Alt- und Neucastilien, im
S. und SO. an
Valencia,
[* 2] im O. an
Catalonien und zerfällt in die drei
Provinzen Saragossa,
[* 3]
Teruel und Huesca,
mit zusammen 47 391,08 qkm und (1887) 912 197 E. Saragossa ist die Hauptstadt von
Aragonien, Sitz
des Generalkapitäns, des Erzbischofs und der Landesuniversität; die altere von Huesca ist eingegangen.
Vier
Bischöfe residieren in Huesca,
Teruel, Jaca und
Tarazona. In südöstl.
Richtung durchfließt als Hauptstrom
der Ebro die
Provinz, der, von den nördl.
Höhen Altcastiliens kommend, bei Novillas unterhalb
Tudela in
Aragonien eintritt.
Rechts
nimmt er in den Jalon mit dem Jiloca bei
Torres de Berrellen und den Guadalope bei
Caspe, links unterhalb
Saragossa den Gallego und bei Mequinenza den
Segre mit dem Noguera-Pallaresa, dem Noguera-Ribagorzana (Grenzfluß zwischen
und
Catalonien) und dem Cinca auf.
Die Schiffahrt vermittelt der
Kaiserkanal. (S. Ebro.) Der
Aragon (s. d.) gehört nur in seinem Oberlauf zu und mündet in Navarra.
Die
Provinz zerfällt in die Ebene zu Seiten des Hauptstroms und das nördl.
und südl. gebirgige Ober
aragonien. Die mittlere Ebene, besonders links vom Ebro, die Bardenas
del Rey und die
Altos del Castellar sowie die
Sierra de Alcubierre und Los Monegros sind eine öde
Steppe. Ungeheure
Strecken,
auch des besten
Bodens, liegen wüst und sind mit Disteln und Gestrüpp bedeckt und mit zahlreichen Trümmern
ehemaliger Wohnstätten, die infolge der
Auswanderungen nach der
¶
mehr
Entdeckung Amerikas und nach Vertreibung der Mauren sich leerten, wodurch hier 130 Dörfer entvölkert wurden. Der Anbau beschränkt
sich auf Weizen, Wein und Oliven, die in lichten Gehölzen mit niederm Eichengebüsch wechseln. Fruchtbares Kulturland findet
man dagegen zu den Seiten der Flüsse,
[* 5] wo Bewässerung möglich, so im Thal
[* 6] des Jalon und am Ebro, wo zwischen
zahlreichen Wasseradern weite Getreidefluren, Maulbeerbaum- und Weinpflanzungen prangen, ebenso in den Bergterrassen Ober
aragoniens,
die mit reichem und kräftigem Pflanzenwuchs geschmückt sind. Im südlichen
Aragonien bilden die Stufen der Serrania de Cuenca und
der Parameras de Molina den Rand der neucastilian. und valencischen Berglandschaften, zu denen der Puerto
de Daroca hinaufführt, während im N. die Sierren de Sobrarbe, Guara und Ribagorza den Pyrenäen vorliegen und die Sierra
de Alcubierre nahe an den Ebro tritt. So umfaßt
Aragonien, außer den span. Centralpyrenäen
mit deren Vorterrassen, einen großen Teil des östl. Abhangs des centralen Tafellandes von Castilien und
ist ungefähr zur Hälfte gebirgig.
Das Klima ist in den Bergrücken kühler als in der Ebene, die oft unter fast unerträglicher Sommerhitze und langer
Trockenheit schmachtet. Durch diese klimatische Verschiedenheit wird ein großer Produktenreichtum begünstigt; neben Hanf
und Flachs gedeihen Weizen und Mais, neben den feinsten Obstsorten Öl und herrliche Weine. Die Viehzucht
[* 7] beschränkt sich fast nur auf Schweine- und Schafzucht, und in der Wollproduktion Spaniens leistet
Aragonien verhältnismäßig noch
das meiste.
Industrie und Handel sind wenig entwickelt. In der Wollweberei zeichnen sich die Städte Saragossa, Alcañiz und Tarazona aus.
Flachs- und Hanfbau sind am bedeutendsten in Borja und Calatayud, Weinbau bei Saragossa. Durch Lederwaren
und Gerbereien thun sich Calatayud und Barbastro, ersteres auch durch seine Seifensiedereien hervor. Die Provinz Teruel liefert
Schwefel, Kupfer,
[* 8] Blei,
[* 9] Eisen,
[* 10] Salz,
[* 11] Alaun;
[* 12] auch hat
Aragonien viele Mineralquellen. Nächst Estremadura ist der unkultivierteste und
am meisten vernachlässigte Teil Spaniens.
Außer Rohprodukten besteht die Ausfuhr nur in wenigen Leinen- und Wollfabrikaten. Der Handel und infolgedessen
auch der Ackerbau und die Industrie wird indes durch die in neuerer Zeit vorgenommene Entsandung und Schiffbarmachung des Ebro
sowie durch die Eisenbahn Saragossa-Barcelona, die nach Madrid
[* 13] einerseits und nach Pamplona und Vittoria andererseits fortgesetzt
worden ist, nach und nach mehr Aufschwung gewinnen. Ehrbarkeit, Tapferkeit und zäher Wille, Liebe zur
Heimat und Freiheit haben den abgehärteten, kräftigen Aragonesen stets ausgezeichnet.
Aragonien liefert die besten Soldaten Spaniens,
treffliche Jäger, kühne Schmuggler, unermüdliche Fußgänger. Ihr Charakter trug nicht wenig dazu bei, daß dieses Land
so oft ein Schauplatz der erbittertsten Kämpfe war.
Geschichte. Zeitig durch die Römer
[* 14] erobert (von denen die Wasserleitung
[* 15] bei Teruel stammt) und in eine Provinz verwandelt,
kam
Aragonien dann in den Besitz der Westgoten und seit dem 8. Jahrh. in den der Araber, denen es endlich nebst Castilien und Navarra
durch die Christen entrissen wurde. Ein kleiner Haufe von Goten hatte sich in die unzugänglichen Gebirge
von Jaca geflüchtet und dort mit keltiberischen Bergbewohnern zwischen Thälern des Aragon und Gallego die Republik Sobrarbe
gegründet, die
sich später in eine Grafschaft verwandelte und um 1030 an Navarra kam.
Nach dem Tode Sanchos d. Gr. von Navarra 1035 kam Sobrarbe an dessen dritten Sohn Gonzalez, während der
jüngste, Ramiro I., das übrige
Aragonien erhielt, mit dem schon nach wenigen Jahren Sobrarbe vereinigt wurde. Durch die Heirat des
Grafen Berengar IV. von Barcelona
[* 16] mit Petronella, der Erbin von
Aragonien, wurde 1137 Catalonien und
Aragonien vereinigt. Es begann nun die
Glanzperiode A.s, die nach der im 13. und 14. Jahrh. erfolgten Erwerbung Valencias (1238), der Balearen,
Sardiniens und im 15. Jahrh. der Königskrone von Sicilien (s. Sicilien, Königreich) ihren Höhepunkt erreichte und bis zum
Tode Ferdinands des Katholischen (1516) dauerte.
Durch die Vermählung dieses letzten Königs mit Isabella von Castilien 1469 erfolgte die Vereinigung der
Reiche Castilien und
Aragonien, womit der Grundstein zu der jetzt bestehenden span. Monarchie
gelegt wurde. Doch behielt
Aragonien seine alten Vorrechte und Gesetze, die es infolge standhafter Parteinahme für den habsburgischen
Prätendenten Karl (III.) im spanischen Erbfolgekriege, durch den das Land furchtbar verheert wurde, erst unter den Bourbonen
fast gänzlich verlor. Seitdem ward es von einem Vicekönige verwaltet. -
Vgl. E.
Aragonien Schmidt, Geschichte A.s im Mittelalter
(Lpz. 1828);
Pidal, Historia de las alteraciones de Aragon en el reinado de Felipe II (3 Bde., Madr. 1862-63).