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Der Rosmarin – Rosmarinus officinalis
Der Rosmarin wirkt als Heilpflanze keimtötend bei Bakterien, Viren und Pilzen und besitzt darüber hinaus auch entzündungs- hemmende, schmerzlindernde und krampflösende Eigenschaften. Das Heilkraut setzt man überwiegend zur Linderung verschiedener Verdauungsstörungen sowie zur begleitenden Therapie bei rheumatischen Beschwerden ein.
Für medizinische Zwecke nutzt man die Blätter sowie die Blüten und das aus der Pflanze gewonnene ätherische Öl. Die darin enthaltenen Haupt-Wirkstoffe sind 1,8-Cineol, Campher, Borneol, Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe und Saponine.
Rosmarin kommt ursprünglich aus der Mittelmeerregion
Die Bezeichnung Rosmarin kommt aus dem Lateinischen und heisst übersetzt Meeres-Tau, was eine Kombination der Wörter ros (Tau) und marinus (Meeres-) ist. Die natürliche Heimat des Rosmarins ist die Mittelmeerregion. Im mediterranem Raum findet man das Heilkraut insbesondere in den Küstenregionen. Dadurch lässt sich vermutlich auch der Bezug zum Meer im Namen der Pflanze erklären.
Der Rosmarin bevorzugt einen sonnigen und warmen Standort mit eher trockenen und kalkhaltigen Böden. Das Heilkraut wird seit dem Mittelalter auch in Mitteleuropa kultiviert. Allerdings ist die Pflanze nicht winterhart und daher an kühleren Tagen besser in Gewächshäusern aufgehoben.
Geschichte der therapeutischen Nutzung
Die heilsamen Eigenschaften des Rosmarins waren zwar bereits in der Antike bekannt. Allerdings scheint der Rosmarin in dieser Epoche als Heilpflanze eher weniger Beachtung gefunden zu haben. Die Römer nutzten das Kraut überwiegend für rituelle Zwecke und setzten es besonders im Venus- oder Ahnenkult ein.
Man findet lediglich zwei knappe Hinweise in der römischen Literatur über den medizinischen Gebrauch der Heilpflanze. Der im 1. Jahrhundert n. Chr. beim Militär und im römischen Kaiserhaus praktizierende Arzt Dioskurides erwähnt den Rosmarin in einem kurzen Absatz als Mittel gegen Gelb- und Wassersucht sowie als durchblutungsförderndes Mittel. Und in der etwa um 77. n. Chr. entstandenen naturwissenschaftlichen Abhandlung „naturalis historia“ des Historikers Plinius findet man einen Hinweis darauf, dass die Heilpflanze zu seiner Zeit auch als Magenmittel verwendet wurde.
Im Mittelalter etablierte sich die Pflanze dann allerdings als Heilmittel und erfreute sich überaus grosser Beliebtheit. Wie viele andere mediterrane Heilkräuter brachten Mönche auch den Rosmarin mit nach Mitteleuropa. Laut Kräuterbuch des italienischen Arztes und Botanikers Mattioli (1501-1577) nutzte man die Heilpflanze unter anderem gegen Verdauungsbeschwerden sowie Krankheiten der Milz oder der Leber. Das 1485 herausgegebene Kräuterkundebuch „Gart der Gesundheit“ empfiehlt das Kraut auch gegen Wurmbefall und Gelbsucht.
Bereits dem berühmten Arzt Paracelsus (1493-1541) war ausserdem der heilsame Effekt des Rosmarins gegen rheumatische Beschwerden bekannt. Der Arzt und Botaniker Adam Lonitzer (1528-1586) beschrieb in seinen Aufzeichnungen zudem die Wirksamkeit der Pflanze gegen Gicht. Im 16. Jahrhundert entstand sogar eine Sage, die davon zeugt, wie sehr man damals den Rosmarin als Rheumamittel geschätzt hat. Laut der Sage litt die ungarische Königin Isabella an starkem Rheuma und war möglicherweise sogar gelähmt. Eine Tinktur aus Rosmarinblüten, der sogenannte Ungarische Königinnen-Geist, soll sie jedoch geheilt haben.
Therapeutische Anwendung von Rosmarin
Rosmarin kann man innerlich wie äusserlich anwenden.
Innerliche Anwendung von Rosmarin
Die im Rosmarin enthaltenen Bitterstoffe fördern den Verdauungsprozess. Deshalb kommt die Heilpflanze in erster Linie bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Reizdarm oder Völlegefühl zum Einsatz. Zur innerlichen Therapie nutzt man in der Regel einen Tee aus dem Heilkraut.
Äusserliche Anwendung von Rosmarin
Aufgrund seiner durchblutungsfördernden, entzündungshemmenden und schmerzlindernden Wirkung wird Rosmarin insbesondere zur begleitenden Behandlung von rheumatischen Beschwerden, Muskelschmerzen oder Gicht eingesetzt. Hierfür kann man die entsprechenden Partien mit Salben behandeln oder man legt mit Rosmarin-Tinktur getränkte Kompressen auf die betroffenen Stellen. Alternativ kann ein Rosmarin-Vollbad sehr gut zur Linderung von Schmerzen beitragen.
Ein Hinweis
Das extrahierte ätherische Öl des Rosmarins sollte man nur äusserlich verwenden, da es bei innerlicher Anwendung eine toxische Wirkung entfalten kann. In hohen Dosen kann auch die Einnahme des Krauts zu Krämpfen führen. Deshalb wird empfohlen, nicht mehr als sechs Gramm pro Tag für Teeaufgüsse zu verwenden. In der Schwangerschaft sollte man generell aus Vorsicht auf therapeutische Massnahmen mit Rosmarin verzichten oder vorher den Arzt befragen.
Medizinische Therapie
In der medizinischen Praxis der Schweiz ist die Phytotherapie derzeit eine der komplementärmedizinischen Massnahmen, deren Kosten von der Grundversicherung übernommen werden, sofern bestimmte Voraussetzungen dafür gegeben sind. An den Kosten vieler anderer alternativmedizinischer Behandlungen beteiligen sich die Krankenkassen dagegen nur, wenn der Versicherungsnehmer eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen hat.