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Eine heruntergekommene Farm irgendwo im Nordosten der USA. Ein Mann packt aus Alufolie Körperteile von Kühen aus, die alle Anomalien aufweisen: ein verdrehter Huf, ein Gebiss mit schwarzen Zähnen, eine übergrosse Galle.
Szenen wie aus einem Horrorfilm
Dies könnte der Anfang eines Horrorfilms sein. Doch es sind Szenen, die sich Mitte der 1990er-Jahre in West Virginia so tatsächlich zugetragen haben.
Der Mann ist Bauer und heisst Willbur Tennant. Mit seinen gruseligen Beweisstücken versucht er, den Anwalt Rob Bilott davon zu überzeugen, dass die naheliegenden Werke des Chemiekonzerns Dupont Abfälle in die Gewässer rund um seinen Hof leiten. Davon würden seine Kühe krank.
Da Tennant Bilotts Grossmutter kennt, hat er ihn zu Hilfe gerufen. Das Problem: Bilotts Job als Unternehmensanwalt einer angesehenen Kanzlei ist es, Grosskonzerne wie Dupont zu verteidigen.
Mysteriöse Chemikalie mit verheerenden Auswirkungen
Aus Mitleid mit dem Bauern nimmt Bilott den Fall schliesslich an, denn er sieht ein: Hier stimmt tatsächlich etwas nicht. Bei seinen Recherchen findet er heraus, dass Dupont jahrzehntelang die gefährlichen Auswirkungen ihrer Produkte vertuscht hat.
Das Ausmass dieser Vertuschung hat aber weitaus mehr als nur mit toten Kühen zu tun. Ein mysteriöser Stoff scheint dabei eine ganz besondere Rolle zu spielen: Perfluoroctansäure. Eine hochgiftige, synthetische Chemikalie.
Crashkurs in Chemie
Wer in der Schule in Chemie nicht aufgepasst hat, braucht keine Angst zu haben. Das Fach war auch nicht Bilotts Stärke.
Um die kryptischen Dokumente rund um den Fall zu entziffern, muss er sich immer wieder Rat bei Profis holen. Mit solchen Szenen sorgt Regisseur Todd Haynes dafür, dass sein Publikum auf dem Wissensstand des Protagonisten ist und trotz des komplexen Themas nicht abhängt.
David gegen Goliath
Sich mit einem Chemie-Giganten wie Dupont anzulegen, birgt einige Gefahren. Nicht nur, dass sich Bilott damit überaus unbeliebt bei den Kollegen und Kolleginnen macht.
Durch die schockierenden Fälle, die Bilott nach und nach aufdeckt, bleibt «Dark Waters» durchgehend spannend. Trotz der zermürbenden Gerichtsverfahren, die den Film manchmal etwas langatmig machen.
Balance zwischen Spannung und Glaubhaftigkeit
Die jahrzehntelangen Prozesse haben schliesslich auch Einfluss auf Billots Privatleben. Man leidet mit Bilott (gespielt von einem etwas pummeligeren Mark Ruffalo, der alle Sympathien verdient hat) mit, wenn er sich nächtelang durch die riesigen Stapel von Dokumenten kämpft und mit dem Fall seine eigene Sicherheit auf Spiel setzt.
Der Film packt hier noch die genau richtige Portion persönlicher Ebene mit ein. Ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Giftige Stoffe, perfekter Krimi-Stoff
«Dark Waters» ist ein Thriller, der vieles richtig macht. Fast ein bisschen zu richtig. Ab und zu läuft der Film Gefahr, zu einem etwas gar soliden Krimi zu verkommen.
Indem er Aktualitätsbezogenheit schafft, liefert er schliesslich dann doch noch mehr als nur eine gut konstruierte Geschichte. Spätestens, als herauskommt, dass die gefährliche Substanz auch in Dingen ist, die wir tagtäglich brauchen, wird einem mulmig zumute.
Dass Grosskonzerne ihre Profitsucht über die Gesundheit von Mensch und Natur stellen, ist schliesslich nicht nur etwas, was in Amerika passiert. Dadurch, dass er sein Publikum indirekt anspricht, wird «Dark Waters» also zu einem beklemmenden Beispiel mit Allgemeingültigkeit.
Kinostart: 15. Oktober 2020