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Schlusswort
Der Kalte Krieg in der Schweiz ist ein interessanter und facettenreicher Bestandteil der Geschichte des Bundesstaates. Die intensiven Vorbereitungen, welche in Anbetracht einer Bedrohung durch die Staaten des sogenannten Warschauer Paktes getroffen wurden, waren bezeichnend für diese Zeit.
Die Antwort auf die Leitfrage: "Wie bereitete sich die Schweiz während des Kalten Krieges auf den Ernstfall vor?" liegt in der Strategie der Dissuasion. Die Strategie der Abschreckung wurde dabei primär durch die Armee und den Zivilschutz1 umgesetzt. Erkennbar ist die Dissuasionsstrategie im militärischen Aspekt beispielsweise am Effektivbestand von über 800'000 Armeeangehörigen2 im Jahr 1989, im zivilen an den das gesamte Land abdeckenden Schutzbauten. Der aufwändige Unterhalt einer solchen militärischen Truppenstärke und der zahlreichen zivilen und militärischen Infrastruktur rechtfertigte sich mit der abschreckenden Wirkung gegen aussen. Im Falle eines Einfalls sollte der Feind einen "hohen Eintrittspreis" bezahlen, während die eigene Bevölkerung selbst den Einsatz nuklearer Mittel grösstenteils unversehrt im Schutzraum überstehen würde.
Die Vorbereitungen der Schweiz während des Kalten Krieges und der getätigte Aufwand waren enorm. Das Ausmass der Vorbereitungen verdeutlicht die vorhandene Angst vor dem Eintreten des schlimmsten Falles. Die waffentechnischen Entwicklungen seit Ende des zweiten Weltkrieges hatten mit den Kernwaffen dazu geführt, dass eine Eskalation zwischen den beiden globalen Machtblöcken schwerste Konsequenzen für Militär und Zivilbevölkerung mit sich gebracht hätte.
Ob die Vorbereitungen verhältnismässig und angebracht waren, ist aus heutiger Sicht schwer zu beantworten. Dass die Wahrnehmung der Bedrohung durch die Mitgliedstaaten des Warschauer Vertrages auch von ideologischen Differenzen beeinflusst war, ist anzunehmen. Wegen des Milizsystems wurden die Vorbereitungen der Schweiz auf einen Ernstfall wohl auch stark durch die Wahrnehmung der Bevölkerung und dem gesellschaftlichen Konsens beeinflusst.
Mit Blick auf die Vorbereitungen der Schweiz kann gesagt werden, dass diese durchaus vielseitig waren. Im Sinn der Gesamtverteidigung wurden neben der militärischen Landesverteidigung auch Vorkehrungen für die Zivilbevölkerung getroffen. Dass der Staat beabsichtigte, jedem Bürger einen Schutzplatz für den Ernstfall zu schaffen, kann als sehr fürsorglich wahrgenommen werden. Dass gegen Ende des Kalten Krieges vermehrt an den intensiven und ressourcenkonsumierenden Massnahmen Kritik geäussert wurde, ist aber ebenso verständlich, vor allem im Hinblick auf die kulturellen Entwicklungen während des 20. Jahrhunderts.
Ob die Dissuasionsstrategie die Schweiz im Falle des Ausbruchs eines Krieges in Europa geschützt hätte, lässt sich, da dieser Fall zum Glück nicht eingetreten ist, nicht definitiv beantworten. Dass sie allerdings in den Staaten des Warschauer Vertrages wie erwünscht wahrgenommen wurde, kann mit ja beantworten werden. So äusserte sich zum Beispiel Generalmajor Hans Deim, Chef Operativ der Nationalen Volksarmee der DDR wie folgt: "Nennen Sie mir selbst einen einzigen vernünftigen Grund, weshalb wir ohne Not in schweizerisches Territorium eindringen sollten, um uns dort mit vier gut gerüsteten und gut ausgebildeten schweizerischen Armeekorps in einem für uns schwierigen Gelände anzulegen, während wir schon im Kampf mit starken NATO-Verbänden gestanden hätten, deren Zerschlagung unser Ziel war!"3
Und somit schliesse ich meine Darstellung der Vorbereitungen der Schweiz während des Kalten Krieges ab, Vorbereitungen auf einen heissen Krieg, der, glücklicherweise, nie ausbrach.
Ich möchte mich herzlich bei den Interviewpartnern bedanken, welche sich viel Zeit nahmen, um meine vielen Fragen zu beantworten. In diesem Rahmen möchte ich persönlich Andrea Huwyler, Bruno Lezzi, Hans Mumenthaler, Heinz Häsler, Johanna Hurni, Josef Feldmann, Jürg Stüssi-Lauterburg, Karl Widmer, Urs Hochstrasser und Willi Wehrli danken. Die Bereitschaft der Zeitzeugen, sich für die Arbeit meinen Fragen zu stellen, ermöglichte es, einen einzigartigen Einblick in die Thematik zu vermitteln. Die Interviews mit Andrea Huwyler und Jürg Stüssi-Lauterburg gaben zusätzlich interessante Einblicke aus geschichtswissenschaftlicher Sicht.
Auch danken möchte ich Antonia Schmidlin, welche mir als Betreuungsperson bei Fragen immer unterstützend zur Seite stand.