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Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen
Im Kongo erhalten höchstens 10% der arbeitsfähigen Bevölkerung jeden Monat einen Lohn. Die andern überleben als Kleinstbauern, Tagelöhner oder verkaufen Altkleider und chinesische Billigstwaren auf der Strasse. Nach schweizerischen Standards gelten mindestens 50% der arbeitsfähigen Bevölkerung als arbeitslos. Mit zinslosen Darlehen, Material, Stipendien versuchen wir zu helfen. Eine Geschichte mit Erfolgen und Enttäuschungen.
Erfolgsgeschichte: Der Schneider Muganza
Der Schneider Muganza und seine Frau schneidern jedes Jahr 900 Schuluniformen. So haben sie über die Jahre 2000 USD sparen können. Ein Baumeister versprach ihnen, dafür ein Haus aus Ziegelsteinen zu bauen. Muganza brach sein Holzhaus ab und der Baumeister schickte Arbeiter. Einige Monate später stand erst das Fundament, der Baumeister stellte seine Arbeit ein mit der Begründung, das Geld sei aufgebraucht. Muganzas gingen zur Bank, sie gab ihnen einen Kredit zum kongoüblichen Zins von 20%, rückzahlbar in einem Jahr. Als Garantie verlangte die Bank sein Grundstück. Muganzas befürchteten alles zu verlieren, weil sie kein Geld hatten um Stoff für Schuluniformen zu kaufen. Sie kamen 2016 zu uns und baten um einen Kredit. Wir gaben ihnen 600 Dollar um den Stoff zu kaufen, sie zahlten ihre Raten so pünktlich, so dass wir einen Teil der Schulden erliessen.
Eine halbe Erfolgsgeschichte: Die Band Arc-en-ciel
Prince hat zwei Universitätsabschlüsse gemacht. Wer keine Beziehungen hat und kein „sucre“ um zu bestechen, kommt kaum zu einer Anstellung. Also hat er sein Hobby, die Musik, zum Beruf gemacht. Er gründete die Band „arc-en-ciel“, um damit Geld zu verdienen. Als wir ihn trafen, besassen die Musiker nur gerade zwei Gitarren, alles andere mussten sie mieten, vor allem die Verstärkeranlage. Die Miete frass regelmässig die halbe Gage der Band auf, die – je nach Anlass – aus 6 bis 11 Musikern besteht. Wir finanzierten eine Verstärker-Anlage. In den ersten Jahren zahlte die Band regelmässig Beiträge zurück. Dann stockten die Zahlungen. Es gab mehr Bands, die Tanzlokale engagierten einen DJ statt einer Band, im letzten Jahr stieg die Inflation auf 30%, die Leute haben kein Geld mehr um auszugehen. Der Kredit ist erst zur Hälfte zurückbezahlt.
Eine Enttäuschung: Der Chauffeur Espérance
Nennen wir ihn Espérance. Er war Chauffeur und sein Arbeitgeber zahlte während 17 Monaten keinen Lohn. Er bat uns um einen Kredit um ein Auto kaufen, das er als Taxi brauchen wollte. Wir kamen überein, dass er ein gebrauchtes Auto mit Allrad-Antrieb aus Japan importiert. Weil es eilte, kaufte er dann einen alten Gebrauchtwagen in Bukavu. Zuerst zahlte er regelmässig, dann immer weniger Raten zurück. Der Wagen ist nach einem Unfall abbruchreif und steht in einem Hinterhof. Espérance schuldet uns noch über 2000 USD. Er hat jetzt einen neuen Job bei einer ONG, wo er gut verdient. Er hat versprochen, seine Schuld zu begleichen – wir warten.
Ein Grund für schlechte Zahlungsmoral
Das sind drei Beispiele. Obwohl wir Kredite nur vergaben an Leute, die wir seit längerem kannten, sind unsre Erfahrungen eher negativ. Das erklärt sich zum Teil durch die Situation im Kongo. Die Menschen haben kein regelmässiges Einkommen. Auch wer eine Anstellung hat, kann nicht damit rechnen, dass sein Lohn bezahlt wird. So erhielten Angestellte der Stadt Bukavu 2016 während 7 Monaten keinen Lohn. Zudem sind die Löhne so niedrig, dass nicht ans Sparen zu denken ist. Um zu überleben, müssen die Leute alle Verwandten und Bekannten um Hilfe angehen. Das führt dazu, dass alle ein ganzes Geflecht von Schulden und Verpflichtungen haben. Es ist dann nachvollziehbar, dass sie zuerst den Verpflichtungen gegenüber Leuten in der Nähe nachkommen.
Wir lernen daraus, geben aber weiterhin Kredite und hoffen …