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März 2021
DS Kaiser Franz Josef I., später DS Dornbirn (I) – Bodensee
Es dauert sehr lange, bis auf dem Bodensee österreichische Dampfschiffe in Fahrt kommen. Erst 1884 starten die Kaiserlich-Königlichen Österreichischen Staatsbahnen als Ergänzung ihrer Arlberg-Bahnlinie mit der österreichischen Dampfschifffahrt. Diese ist damit von Anfang an in staatlichen Händen. Mit den Dampfschiffen Austria und Habsburg werden zwei Glattdeckdampfer mit Escher Wyss-Maschinen im September in Betrieb genommen.
Foto: Das Dampfschiff Kaiser Franz Josef I. im Ursprungszustand im Hafen von Bregenz.
Im Herbst 1884 beginnt Escher Wyss in der Konstanzer Werft mit dem Bau eines Halbsalondampfers. Am 21. Januar 1885 läuft das neue Schiff von Stapel. Nach Absolvierung der offiziellen Probefahrten wird der Dampfer nach Bregenz überführt. Hier findet am 29. April 1885 die Taufe auf den Namen Kaiser Franz Josef I. statt.
Foto: Abfahrbereit in Lindau (Ansichtskarte mit Poststempel vom 20. April 1900).
Bei der Bevölkerung ist das neue österreichische Flaggschiff bald als «der Kaiser» beliebt. Die Besatzungen der Dampfer bestehen bevorzugt aus Mitgliedern der k. u. k. Kriegsmarine, welche sich erst mit den örtlichen Verhältnissen vertraut machen müssen. 1890 erhält «der Kaiser» zwei Rettungsboote auf den Radkasten. Die bisherige Anordnung eines Rettungsbootes am Heck der Dampfer verschwindet bald auf dem ganzen See.
Foto: Die «Kaiser Franz Josef I. » verlässt Konstanz (Ansichtskarte mit Poststempel vom 31. Juli 1910).
Am 18. Januar 1901 ist dir «Kaiser Franz Josef I.» im Trajektdienst als Schleppdampfer eingesetzt. Nach dem Passieren der Konstanzer Hafeneinfahrt platzt das Hauptrohr der Dampfheizung. Es entsteht ein grosser Schaden auf dem Einsteigedeck. Zur Erleichterung der Arbeit der Steuerleute bekommt die «Kaiser Franz Josef I.» im Winter 1907/08 als erstes Bodenseeschiff eine Dampfsteuerung. 1912 kollidierte das Schiff mit dem württembergischen DS Württemberg (II), wobei an beiden Schiffen beträchtlicher Schaden entstand.
Foto: Der «Kaiser» kollidiert 1912 mit dem DS Württemberg (Archivbild, Ansichtskarte mit Poststempel vom 26. Dezember 1903).
Dem Dampfschiff Kaiser Franz Josef I. fällt am 5. Juni 1917 die Aufgabe zu, das letzte Kaiserpaar der österreichisch-ungarischen Monarchie über die Wellen des Bodensees zu tragen. Kaiser Karl I. und seine Gemahlin Zita besteigen den Dampfer in Lochau. Von dort aus führt die Rundfahrt zunächst in Richtung Lindau, dann querab zur neuen Rheinmündung und schliesslich nach Bregenz.
Foto: Mit voller Kraft voraus (Ansichtskarte mit Poststempel vom 18. März 1917)
Durch eine Verordnung des Staatsamtes für Verkehrswesen vom 8. Dezember 1919 müssen alle österreichischen Bodenseeschiffe, deren Namen noch an die Monarchie erinnern, umgetauft werden. Aus dem «Kaiser» wird eine «Dornbirn».
Foto: Im Februar 1929 kämpft sich, neu als «Dornbirn», durch die Eisschollen.
Am 21. Januar 1925 fährt das Schiff vor Nonnenhorn auf einen Unterwasserfelsen auf, es entsteht ein Leck. Provisorisch abgedichtet kann der Dampfer am nächsten Tag nach Bregenz geschleppt werden. Auf Grund der grossen Devisenprobleme von Deutschland gehen die Fahrleistungen der «Dornbirn» ab 1933 stark zurück. 1937 wurde das Schiff, da die Vollendung des Neubaus MS Austria bevorstand, ausser Dienst gestellt.
Foto: In Erwartung eines Föhnsturmes wurde die Heckflagge des DS Dornbirn eingezogen (Ansichtskarte mit Poststempel vom 4. Juni 1933).
1938 wurde das Schiff nach dem «Anschluss» Österreichs an das Deutsche Reich nochmals für Truppentransporte eingesetzt. Beim Bregenzer Seenachtsfest 1938 wurde das Schiff als Attraktion als Kriegsschiff ausstaffiert. 1939 lag das halb demontierte Schiff am Bregenzer Reservemolo, bis es 1940 sank und nach der Hebung endgültig in Lindau verschrottet wurde.
Foto: Rückwärtsmanöver der «Dornbirn» (Ansichtskarte mit Poststempel vom 21. August 1935).