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<h2>SubmittedText<h2><p>Triclosan ist eine problematische Substanz, die sich auch in der Muttermilch und im Nabelschnurblut nachweisen lässt. Die Mutter gibt diese Substanz also weiter an das ungeborene Kind und an den Säugling, der gestillt wird. Das Biozid Triclosan wurde Ende der Sechzigerjahre entwickelt und in einer ersten Phase zur Desinfektion von Spitalbettwäsche getestet. Bereits 1974 wollte die amerikanische Gesundheitsbehörde Triclosan verbieten, was bis heute nicht vollständig gelungen ist. Triclosan ist eine synthetische Substanz mit beträchtlichen toxikologischen und umweltschädigenden Eigenschaften. Bei der Produktion entstehen Dioxine und Furane. Diese finden sich auch im Produkt. Im menschlichen Körper beeinflusst es den Hormonhaushalt und spielt eine Rolle bei der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen. Triclosan hat durch diese Eigenschaften internationale Aufmerksamkeit erhalten und wird im Rahmen verschiedener Studien untersucht. Im Rahmen der Uno-Konvention über persistente organische Schadstoffe(POP) hat sich die Schweiz verpflichtet, die Muttermilch regelmässig auf 23 aufgelistete Schadstoffe zu überprüfen. Triclosan ist nicht auf der POP-Liste, obwohl diese Substanz viele Kriterien anerkannter POP-Substanzen erfüllt. Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Ist er bereit, die Muttermilchanalysen differenzierter zu prüfen als im bisherigen Prüfkonzept und die Proben nicht mehr zu vermischen, sondern einzeln auf toxikologisch relevante Inhalte zu kontrollieren?</p><p>2. Stimmt es, dass nur etwa 50 Proben untersucht werden?</p><p>3. Ist er bereit, die Muttermilchproben auf weitere nichtgelistete toxische Substanzen, auch auf Triclosan zu kontrollieren, das sich in zahlreichen Kosmetika und Hygieneprodukten bis hin zur Zahnpasta findet und somit mit grosser Wahrscheinlichkeit in den mütterlichen Körper gelangt? </p><p>4. Ist er sich bewusst, dass sich die Schadstoffkonzentrationen in der Muttermilch regional stark unterscheiden können, was aus den unterschiedlichen Analyseresultaten von früheren kantonalen Proben abgeleitet werden kann?</p><p>5. Welche Mittel und gegebenenfalls gesetzliche Grundlagen braucht er, um systematisch die Muttermilch auf toxische Substanzen untersuchen und deren Quellen erfassen zu können?</p><p>6. Warum qualifiziert Muttermilch nicht als Lebensmittel und untersteht deshalb nicht den entsprechenden Kontrollen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Triclosan wird in Kosmetika als Konservierungsmittel verwendet, und seine Anwendung ist in der Kosmetikaverordnung geregelt. Die Resultate von neuen toxikologischen Studien und eine aktualisierte Risikobewertung haben dazu geführt, dass die zulässigen Höchstmengen in der EU gesenkt wurden. Die Schweiz wird diese Senkung der Höchstwerte in einer für das nächste Jahr geplanten Revision der Kosmetikaverordnung übernehmen.</p><p>1./3. Mit dem Postulat Moser 08.3223 wurde der Bundesrat beauftragt, die Einführung einer Belastungsanalyse der Schweizer Bevölkerung auf verschiedene chemische Stoffklassen zu prüfen. In der Folge wurde abgeklärt, wie die bereits bestehenden Aktivitäten koordiniert und ausgedehnt werden können. Um die Machbarkeit eines nationalen Human-Biomonitoring-Programmes (HBM-Programm) in der Schweiz zu prüfen, hat sich die Schweiz 2010 bis 2012 an einer EU-Pilotstudie (Democophes) beteiligt. Aktuell wird die Implementierung eines regulären nationalen HBM-Programmes, das auch Muttermilch- und Triclosan-Messungen einschliessen könnte, beziehungsweise der Ausbau von bestehenden Erhebungen wie die Nationale Ernährungserhebung (Menu-CH) evaluiert. Der Bundesrat wird 2015 die nächsten Schritte beschliessen. Zur Vermischung von Proben (Poolprobe) vgl. unten zu Frage 2.</p><p>2. Für die im Rahmen der Bewertung der Wirksamkeit des Stockholmer Übereinkommens über persistente organische Schadstoffe (POP-Konvention) durchgeführten Untersuchungen von Muttermilch werden in der Schweiz etwa 50 Muttermilchproben gewonnen und zu einer Poolprobe vereinigt. Die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besagen, dass bis zu 50 Millionen Einwohnern 50 Einzelproben von Muttermilch ausreichend sind, um statistisch gesicherte Aussagen zur Belastung der Bevölkerung mit diesen persistenten organischen Stoffen zu machen. Um die weltweite Vergleichbarkeit der WHO/Unep-Untersuchungen zu gewährleisten, hält sich die Schweiz an diese Leitlinien. Da aber nur ein Teil der gewonnenen Muttermilch für die Erstellung der Poolprobe notwendig ist, stehen Einzelproben auch für weitere Untersuchungen zur Verfügung, sofern die Spenderinnen damit einverstanden sind. Zusätzlich wurden in den letzten zehn Jahren von verschiedenen Stellen (Bund, Kantone, Universitäten) rund 120 weitere Muttermilchproben auf Rückstände untersucht.</p><p>4. Die regionalen Unterschiede der Rückstandskonzentration in Muttermilch sind bedeutend kleiner als die intraindividuellen Unterschiede von Mutter zu Mutter. Dabei ist unter anderem entscheidend, wie sich die Mutter ernährt, was für Pflegeprodukte sie benutzt, welchen Umweltbelastungen sie in der Freizeit und bei der Arbeit ausgesetzt ist, wie viele Kinder sie schon gestillt hat und wann und wie sie die Probe der Muttermilch entnimmt.</p><p>5. Die gesetzliche Grundlage zur Durchführung der erwähnten Studien findet sich einerseits in Artikel 37 des Chemikaliengesetzes und andererseits in Artikel 34 des Lebensmittelgesetzes. Diese Bestimmungen ermächtigen den Bund zur Forschung in den Bereichen der jeweiligen Gesetzgebung.</p><p>6. Muttermilch ist kein Lebensmittel, da die "Eigenproduktion" nicht unter das Lebensmittelgesetz fällt (sei es das Gemüse im Garten oder eben die Muttermilch). Auch in der EU wird die "Eigenproduktion" von der Lebensmittelverordnung (Verordnung (EG) Nr. 178/2002) ausgenommen. Weiter wäre eine Kontrolle nach Lebensmittelgesetz nicht vollziehbar, es sei denn, Mütter würden dazu verpflichtet, der Lebensmittelkontrolle Proben abzugeben. Die Proben, die heute und auch zukünftig für die Analyse verwendet werden, stammen alle aus freiwilligen Spenden.</p>  Antwort des Bundesrates.