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Das Coronavirus hat den Grossteil der Welt kalt erwischt. Ausser einer kleinen Gruppe, die sich seit Monaten und Jahren auf «Tag X» vorbereitet, an dem die Zivilisation zusammenbricht. Die sogenannten Prepper horten Waffen, Notfallausrüstung und Vorräte für wenigstens zwanzig Tage. «Wir sind nicht diejenigen, die panisch zum Supermarkt rennen oder Toilettenpapier hamstern» sagt einer. «Unser Tag ist gekommen», ein anderer.
Ist Corona also die Stunde der Prepper? Eher nicht, sagt der Reporter Micah Loewinger, der sich in der US-Prepperszene umgehört hat, in einem Podcast der «WNYC Studios». Niemand ist wirklich vorbereitet, fand er. Das Coronavirus hat die Prepper-Szene in Verwirrung gestürzt.
Es scheitert an zuverlässigen Informationsquellen
Ein Grund dafür sind ausgerechnet die Medien. Verschwörungstheorien, die im Netz kursieren, und widersprüchliche Berichte lösen in der Gemeinschaft Spannungen aus. Manche Prepper haben Zweifel, dass die COVID-19-Pandemie wirklich «The Great One» ist, wie «Tag X» in englischer Sprache genannt wird.
Je mehr Zeit Loewinger damit verbrachte, desto weniger glaubte er daran, dass die Prepperszene tatsächlich auf die Pandemie vorbereitet ist. «Einige von uns haben für diesen Tag gelebt», sagt Forrest Garvin, Gründer der Plattform, «Preppernet».
Niemand ist wirklich vorbereitet
Genau das sei Teil des Problems, sagt Richard Mitchell, Professor der Soziologie an der New York State University. «Jeder Prepper bereitet sich auf seine eigene Apokalypse vor», erklärt er. Er erzählt von einem Chemiker, der die Vergiftung des Trinkwassers erwartet und Chemikalien hortet, um es wieder zu säubern. Ein anderer ging davon aus, dass Ausserirdische die Erde angreifen werden und plante ein vollautonomes Leben auf seiner Farm. Wieder andere erwarten kriegsähnliche Zustände und horten Waffen. «Ich könnte hunderte Geschichten erzählen», sagt Mitchell.
All diese Geschichten haben eines gemeinsam: sie handeln von einem Tag, der niemals kommt. Tritt «Tag X» dann ein, werden all diese Szenarien wertlos. Um die Kontrolle über das Narrativ zurückzugewinnen, ist es für Prepper zu spät. Die Vorbereitung dafür hätte vor Monaten beginnen müssen.
Zumindest kann man die Apokalypse verkaufen
Mitchell beschäftigt sich seit Jahren mit «Tag X» und hat das Buch «Dancing at Armageddon» über die Prepper-Bewegung geschrieben. Preppertum ist aus seiner Sicht eher kulturelle Widerstandsbewegung gegen die Konsumgesellschaft als eine ernstzunehmende Katastrophenvorsorge. Niemand sei tatsächlich vorbereitet, glaubt er.
COVID-19 tauge allenfalls dazu, mit Survival-Kits, Notfallausrüstungen und Ähnlichem Geld zu machen, stellt Loewinger fest. Die einschlägigen Online-Stores seien leergekauft, berichtet er. Zumindest also kann man die Apokalypse verkaufen.
«WNYC Studios» ist Teil der Non-Profit-Organisation «New York Public Radio». Dieses produziert Radiosendungen und vor allem Podcasts. Der Podcast «Why Preppers Weren’t Really Prepared For The Pandemic» (in englischer Sprache) lässt sich hier anhören:
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine