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Es konnte nur einen geben
König Georg VI. und seine Frau Elizabeth konnten nicht ahnen, dass ihre ältere Tochter, die Kronprinzessin Elizabeth, beim royalen Besuch der britischen Marine-Akademie in Dartmouth den Mann fürs Leben finden würde. Sie war erst 13, als ein hoch gewachsener, blonder 18 Jahre alter Marine-Leutnant ihnen als Begleite zugeteilt wurde. Schliesslich handelte es sich bei ihm um einen mehrfachen königlichen Prinzen, und wie die beiden Prinzessinnen Elizabeth und Margaret, war er, um viele Ecken herum, als Abkömmling der Queen Victoria eine Art Cousin.
Für die blutjunge Kronprinzessin war es schon damals klar: Es konnte nur einen geben, wie im viel späteren Film über den unsterblichen Highlander. Auch der fünf Jahre ältere Leutnant Prinz Philip schien von Amors Pfeil aus der griechischen Mythologie getroffen – schiesslich war er der Neffe des damals letzten griechischen Königs Konstantin I.. Und er begann, mit der Kronprinzessin Briefe zu wechseln.
Im gleichen Jahr 1939 begann der Zweite Weltkrieg, und es blieb nur der Austausch von Briefen. Elizabeth lernte, Motoren zu reparieren, statt das fröhliche Leben einer königlichen Prinzessin zu führen, die eben erst flügge wurde. So festigte sich in ihr der Gedanke, dass es wirklich nur einen geben konnte, den sie als Gemahl an ihrer Seite wünschte. 1946, ein Jahr nach Kriegsende, hielt Prinz Philip bei König Georg VI. um die Hand seiner älteren Tochter an.
Arm wie eine Kirchenmaus
Bei den kriegsgebeutelten und ohnehin recht snobistischen Höflingen war Philip nicht willkommen. Von der Mutter, Prinzessin Alice von Battenberg, her gehörte er zum deutschen Hochadel. Seine vier älteren Schwestern hatten hochadelige Nazis geheiratet, die in der Wehrmacht gedient hatten. Und er war arm wie eine Kirchenmaus, noch dazu einer, der griechisch-orthodox getauft war.
Doch Philip besass einen mächtigen Fürsprecher: Lord Louis Mountbatten (die englische Übersetzung des Namens Battenberg). Philip nahm den gleichen Namen an, und Mountbatten, der erste Earl of Burma, förderte die Heiratspläne des jungen Paares.
Als Elizabeth im April 1947 mit 21 volljährig wurde, gab es nicht mehr viele Hindernisse. Philip musste alle seine ausländischen Titel abgeben und britischer Staatsbürger werden. Vor der Hochzeit verlieh ihm sein Schiegervater den Titel eine Herzogs von Edinburgh und einen riesigen Ordensstern, den Philip für die Trauung auf seine schlichte Leutnantsuniform steckte. Das Vereinigte Königreich brauchte nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren ein fröhliches Fest, einen Spritzer Farbe, wie Winston Churchill es nannte. Philip schaffte es, aus den wenigen Schmuckstücken seiner mental kranken Mutter, die der spielsüchtige Vater nicht in Monte Carlo verjubelt hatte, einen schönen dreikarätigen Brillanten für den Verlobungsring locker zu machen. Diesen und den Ehering aus walisischem Gold trägt die Queen heute noch täglich.
Loyalität und Treue blieben sein Lebensmotto
Das angenehme Leben einer Offiziersfamilie in Malta dauerte nur fünf Jahre. 1952 befand sich das Paar gerade auf einer Afrikareise, als der König starb, und Elizabeth kehrte als Königin heim. Bei der Krönung ein Jahr später durfte Philip ihr als ihrer erster «Lehensmann» huldigen, ihr seine ewige Treue und Loyalität versprechen, und ihr als einziger Adeliger ausser der Hand auch die Wange küssen. Loyalität und Treue blieben sein Lebensmotto.
Er hatte als subalterner Offizier einerseits das Gehorchen und andererseits das Kommandieren gelernt. So fiel es ihm offenbar leicht, immer zwei Schritte hinter seiner Gemahlin zu gehen, und er übernahm die Führung der «Firma» in der Familie. Mit den Kindern hatte er es wegen des britischen Nanny-Systems nicht wirklich schwer. Nur eines gelang ihm nicht: Er wollte seinen Kindern gerne seinen Namen Mountbatten geben, aber sie mussten Windsor heissen. Die nächste Generation heisst Mountbatten-Windsor und eines Tages wird Windsor verschwinden, wenn auch das Königshaus wohl weiterbestehen dürfte.
Und sein zweiter Fehlschlag war, dass er seinen Ältesten, den sensiblen Prinzen Charles, erst ins strenge, spartanische Internat Gordonstoun in Schottland schickte, das er selber als praktisch elternloser Junge hatte besuchen müssen, und dass er Charles später zur Heirat mit der adeligen Jungfrau Lady Diana drängte. Briefe haben allerdings gezeigt, dass Philip seiner unglücklichen Schwiegertochter Hilfe angeboten hat. Als seine Enkel Bürgerliche heirateten, Harry sogar eine geschiedene Amerikanerin, würdigte der Herzog die neue Zeit und stimmte zu.
Der weltbeste Enthüller von Gedenktafeln
Die Queen, die ihr Gemahl liebevoll beim Kindernamen «Lilibet» rief, sagte bei einem runden Geburtstag, ihr Mann sei ihr immer die tragende Kraft und Stütze gewesen. Die ganze Welt liebte seine oft unkorrekten Sprüche, die er in offizieller Funktion von sich gab. Er nannte sich selber den weltbesten Enthüller von Gedenktafeln. Er ist am Freitag mit 99 Jahren, zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag, verstorben.
Der blendend präsentierende englische Gentleman, den er in 73 Jahren Ehe geworden war, wollte «no fuss», kein Aufhebens für seine Bestattung. Die Pandemie hilft nun, diesen Wusch zu erfüllen – es wird wohl kein König und kein Staatspräsident einreisen dürfen. Nach der Staatstrauer wird es wohl einige militärische Ehren und eine Abdankung im Familienkreis in der Schlosskapelle von Windsor Castle geben sowie eine Bestattung auf dem Schlossgelände, wo auch Queen Victoria begraben liegt. Und dann beginnt ein Weiterleben ohne diese Säule in der ganzen, kriselnden Royal Family – und vor allem für die immer zuverlässige Queen. Wird sie ohne Philip ihren Job aufgeben? Sie wird wohl kaum abdanken, sondern ihre Pflicht bis zuletzt erfüllen, auch mit 95.
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