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Strassburger Denkmal

Elisabethenanlage beim Centralbahnplatz
Tramhaltestelle Bahnhof SBB / Bushaltestelle Bahnhof SBB
Während des Deutsch-französischen Krieges 1870/71 wurde Strassburg von badischen Truppen belagert. Am 15. August 1870 liess General August Leopold Karl Wilhelm von Werder (1808-1887) das Feuer auf die Stadt eröffnen. Das Bombardement traf sowohl die französischen Verteidiger als auch die Zivilbevölkerung der Stadt. Der Basler Staatsschreiber Gottlieb Bischoff (1820-1885) spürte das Verlangen den zivilen Opfern beizustehen.
Das Strassburgerdenkmal vom Centralbahnplatz aus gesehen. Man erkennt die Figurengruppe Bartholdis und die Erztafeln an Front- und Schmalseiten des Sockels und das Wappenband darüber.
Hilfe für Zivilisten
Auf Bischoffs Anregung hin fand sich in Basel am 4. September 1870 unter dem Vorsitz von Stadtratspräsident Hieronymus Bischoff (1795-1870) und Ratsherr Alphons Koechlin (1821-1893) ein Hilfskomitee zusammen. Vereinigungen mit selben Zielen versammelten sich auch in Bern und Zürich. Die drei Ausschüsse wollten sich mit vereinigten Kräften für die Zivilisten in Strassburg einsetzen.
Am 8. September begaben sich der Basler Staatssschreiber Bischoff, der Berner Gemeindepräsident Otto von Büren (1822-1888) und der Stadtpräsident von Zürich, Dr.Melchior Römer (1831-1895), mit Unterstützung des Schweizerischen Bundesrats nach Strassburg. Im deutschen Hauptquartier trugen sie General von Werder ihr Ansinnen mit Erfolg vor.
In den Wochen nach dem 15. September gelang es der Schweizer Delegation beinahe 1800 Zivilisten aus der umkämpften Stadt hinauszuholen. Über Zwanzig Jahre nach den Ereignissen wandte sich der in Montpellier residierende Baron Gilbert Hervé-Gruyer (1816-1893), der aus Strassburg stammte, mit einer Bitte an den Bundesrat - ein Denkmal sollte an die Hilfsaktion erinnern.
Das Vorhaben fand die Billigung des Bundesrats. Dieser legte zugleich Basel als Standort für das Monument fest, weil die Hilfsaktion in dieser Stadt ins Leben gerufen wurde. Wenig später stimmte der Regierungsrat von Basel-Stadt dem Denkmalbau zu. Baron Hervé-Gruyer war es gelungen den talentierten Bildhauer Auguste-Fréderic Bartholdi (1834-1904) für sein Vorhaben zu gewinnen.
Der Schutzgeist von Strassburg (links) übergibt die durch den Krieg geschundene Stadt (mitte) der Obhut Helvetias (rechts). Das weinende Kind steht für die Leiden der Bevölkerung.
Schöpfer der Freiheitsstatue
Bartholdi hatte das Licht der Welt 1834 im elsässischen Colmar erblickt. Als französischer Patriot empfand er den Verlust des Elsass an das Deutsche Reich nach 1871 als tiefen Schmerz. Berühmt wurde sein 1878 in Felsgestein gehauener Löwe von Belfort, der die Verteidigung der französisch verbliebenen Stadt gegen die Deutschen während des Krieges 1870/71 verherrlicht.
Weltweite Bekanntschaft erlangte aber ein anderes Werk von Bartholdi - die Freiheitsstatue in Hafen von New York. Er gestaltete die zuerst in Frankreich vollständig zusammengesetzte Statue. Die grosse Dame wurde danach wieder zerlegt und im Sommer 1885 nach New York verschifft. Im Oktober 1886 konnte dort US-Präsident Grover Cleveland (1837-1908) das Werk einweihen.
Bartholdi präsentierte dem Bundesrat im Jahr 1891 ein Modell seines Denkmals für Basel. Der Entwurf bekam Beifall stiess und konnte umgesetzt werden. Der Bildhauer ging eigentlich davon aus, dass das Denkmal mitten auf dem Centralbahnplatz stehen würde. Dort sollte es von allen Seiten zugänglich sein. Allerdings äusserte die Stadtplankommission einen anderen Wunsch.
Das Monument sollte am Rande der Elisabethenanlage stehen, mit dem Rücken zur Grünanlage und der Front dem Platz zugewandt. Bei einem Mittagessen mit dem Vorsteher des Baudepartements Heinrich Reese (1843-1919) im Hotel Schweizerhof, liess sich Bartholdi von dieser Lösung überzeugen. Das errichtete Denkmal konnte am 20. Oktober 1895 eingeweiht werden.
Ein halbwüchsiges Mädchen trägt einen erschöpften Säugling und hält ein zweites nacktes Kind nahe bei sich. Sie schreitet durch Trümmer in den Schutz von Helvetias Schild.
Details des Monuments
Baron Hervé-Gruyer konnte die Einweihung seines Monuments in Basel nicht mehr miterleben, denn er war während dessen Ausführung verstorben. Dafür erschien zur Einweihungsfeier sein Adoptivsohn an der Seite von Auguste-Fréderic Bartholdi. Der Künstler selber sollte sein Werk keine zehn Jahre überleben. Bartholdi starb am 4. Oktober 1904 an Tuberkulose in Paris.
Das Denkmal zeigt folgende Personengruppe. Eine Frauengestalt wird von einem Engel gestützt, der den Schutzgeist Stassburgs verkörpert. Die Granate die zu seinen Füssen im Boden steckt, zeugt vom Beschuss der Stadt. Der Engel übergibt die von den Schrecken des Krieges gezeichnete Frau einer Helvetia auf der anderen Seite, die schützend ihren Schild über die Flüchtende hält.
Die gestützte Frau verkörpert die Stadt Strassburg, die sie umgebenden Kinder verdeutlichen das Leid der Bevölkerung. Der kleine nackte Knabe vor ihr klammert sich weinend an den Schoss Helvetias. Auf der Rückseite folgt der Frau ein Mädchen. Während es einen Säugling auf einem Arm trägt, drückt es mit dem anderen ein zweites nacktes Kind schützend an sich.
Ein nackter halbwüchsiger Knabe kniet mit gebrochenem Arm in der Schlinge direkt hinter Helvetia, den Blick starr auf die zurückgelassene belagerte Stadt gerichtet, aus deren Inferno er entkommen ist. Die dramatische Gruppe entspricht dem Pathos des 19. Jahrhunderts, in den sie entstand. Das Denkmal wird ergänzt durch Reliefs und Inschriften am seinem Sockel.
Ein verwundeter Knabe mit dem Arm in der Schlinge kniet neben einem zerbrochenen Balken und blickt zurück auf die belagerte Stadt, aus der er entkommen ist.
Verewigte Freundschaft mit Strassburg
Das dem Platz zugewandte Relief zeigt zeigt die Ankunft der Schweizer Helfer beim von Granaten zerschossenen Tor Strassburgs, wo sie der Bürgermeister der Stadt begrüsst. Die Erztafel zum Park hin stellt die berühmte Hirsebrei-Fahrt von 1576 dar. Diese Andekdote der Schweizer Geschichte stammt aus jenen Tagen als Strassburg mit der Eidgenossenschaft verbündet war.
Damals fuhren Zürcher mit einem Boot und einem Topf heissem Hirsebrei auf dem Wasserweg nach Strassburg. Der Brei war sei bei der Ankunft noch warm gewesen, womit bewiesen wurde dass die Eidgenossen in der Lage waren, den Verbündeten im Notfall rasche Hilfe zu bringen. Das Relief greift hier die alte Freundschaft zwischen der Schweiz und Strassburg auf.
Die Schmalseiten des Sockels tragen Erztafeln in den Sprachen Deutsch und Französisch, die von der Stiftung des Monuments künden und die humane Tradtion der Schweiz betonen. Der Sockelkopf zeigt ein umlaufendes Reliefband mit den Wappen der Kantone. Das Denkmal war bei der Umgestaltung des Centralbahnplatzes 2000/01 Gegenstand von Diskussionen - man sprach von einer Versetzung. Doch das Monument blieb am alten Ort.
Sanierung 2014
Der verkehrsreiche Standort brachte Verschmutzung und Schäden am Denkmal mit sich. Daher beschloss die Stadt, es für rund 300'000 Franken zu sanieren. Bei der Renovation stellte sich allerdings heraus, dass die Schäden weniger gross waren als befürchtet. Als das Monument am 22. Oktober 2014 in neuem Glanz enthüllt wurde, hatte die Sanierung ein Drittel weniger als angenommen gekostet.
Interne Querverweise zur Elisabethen:
>> Geschichte der Elisabethenanlage
>> Geschichte der Elisabethenstrasse
Beitrag erstellt 27.07.04 / Nachgeführt 22.10.14
Quellen:
Othmar Birkner / Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920 - Basel, von der Christoph Merian Stiftung ermöglichter Seperatdruck aus Band 2 der Gesamtreihe, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Zürich, 1986, Seiten 144 und 145 (Strassburger Denkmal)
Gustav Adolf Wanner, Rund um Basels Denkmäler, Verlag Basler Nachrichten, Basel, 1975, Seiten 77 bis 79
Medienmitteilung "Restaurierungsarbeiten am Strassburger Denkmal abgeschlossen" des Bau- und Verkehrsdepartements, Städtebau & Architektur, Hochbauamt vom 22.10.2014 im Internet unter http://www.medienmitteilungen.bs.ch/showmm.htm?url=2014-10-22-bd-001