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"Generation Teleboy" widmet sich der Geschichte der DRS Big Band, wie kamen Sie zu diesem Stoff?
HH: Während der Recherchen für eine Radioreihe zu 50 Jahren Popmusik in der Schweiz bin ich mir bewusst geworden, welchen enormen Einfluss diese Band auf unsere musikalische Prägung hatte.
Inwiefern?
HH: Zum einen gab es bis Mitte der 1970er Jahre lediglich eine Handvoll Musiker, die Musik abseits von Mainstream und Avantgarde produzierte. Zum anderen waren die technischen Möglichkeiten der Reproduzierbarkeit von Musik kompliziert und kostspielig. Zudem haftete dem Beruf des Musikers - mit Ausnahme eines Orchestermusikers für ein klassisches Ensemble - der Gout von Unterwelt und Halbseidenem an. Und zu guter Letzt gab es lediglich zwei Radiosender und eine TV Station. Das alles führte zu einer Art Unterhaltungsmonopol, welches den Begriff von Unterhaltungsmusik äusserst eng interpretierte.
Sie meinen Unterhaltungsmusik gleichgesetzt mit Schubidu und Schunklelei?
HH: Das wäre wiederum zu einfach. Tatsächlich gab es von Seiten der Orchestermusiker immer wieder Versuche Musik für die Massen im Geist der Zeit zu produzieren. Zudem wurden vereinzelte Nummern mit jüngeren Musikern aus der sogenannten Beat-Szene eingespielt. Ab Mitte der 1960er Jahre entwickelte sich ausserhalb der Mauern von Radio- und TV-Studio eine junge, alternative und vitale Musikszene, die sich in den Programmen jedoch nur marginal niederschlug. Die Möglichkeit zur Kooperation wäre gegeben gewesen, sie wurde aber nicht genutzt.
Weshalb nicht?
HH: Meiner Ansicht nach, war das nicht opportun. Das Orchester wurde 1946, ein Jahr nach Kriegsende gegründet. Sein Repertoire hatte die Funktion eines Signets; Musik im Dreiklang von Heimat, Gemeinsinn und Wirtschaftswunder. Das Orchester war geprägt von der Geistigen Landesverteidigung während der Kriegsjahre. In diesem Konzept hatte es keinen Platz für Kritik, Aufruhr und Pluralismus. In seiner vierzig Jahre dauernden Geschichte wäre spätestens nach der Halbzeit eine Neupositionierung fällig gewesen.
Die kam dann auch mit dem Engagement für "Teleboy"...
HH: Das verstehe ich eher als lebensverlängernde Massnahme, denn als Neupositionierung. Im gesellschaftlichen Aufbruch der 1960er Jahre stand eine Big Band für die Vergangenheit. Kurt Felix hat sich bei der Konzeption von "Teleboy" gedacht, dass er mit dem Engagement der Band drei Fliegen mit einer Klappe schlägt; Die Band als Hingucker, als eigenständiges Programmelement und als Signet-Lieferant einer TV-Show.
Nicht zu unterschätzen ist dabei der Aspekt der Nostalgie. Die Ironie des Schicksals der DRS Big Band war, dass ihr zwar durch ihre Fernsehpräsenz die höchste Aufmerksamkeit in ihrem Bestehen zuteil wurde, sie musikalisch aber längst an Ort trat.
Hätte die Band nicht in "Teleboy" gespielt, wäre sie Ihnen aufgrund Ihres Alters vermutlich gar kein Begriff...
HH: Stimmt. Meine alles überstrahlende Erinnerung an die Band ist die des fingerschnippenden Hans Moeckel im weissen Anzug. Das ist eines der Bilder meiner Kindheit. Bei der Arbeit am Film wurde mir bewusst, dass ich Hans Moeckel auch von den Kasperli-Platten und von der Marionetten-Serie "Dominik Dachs" kenne. So wurde ich gemeinsam mit meinen Altersgenossen - der ersten Generation von Telebuben und Meitli - schrittweise mit den ewigen Werten der Schweizer Unterhaltung imprägniert...
Was sind denn die ewigen Werte der Schweizer Unterhaltung?
HH: Der Bergmythos, das Brauchtum, das Knorrige. Für Glamour, Glanz und Glitter sind wir nicht geschaffen (grinst).
Das war einmal!
HH: Nein, im Gegenteil. Das Streben nach Glück durch Fleiss und Präzision ist Teil unserer DNA. Exzellenz ist uns suspekt. Ausser im Sport, aber da sind die Leistungen direkt messbar. Das hat sich bewährt und daran halten wir fest. Aussergewöhnliche Ideen und exzentrische Persönlichkeiten haben hierzulande einen schweren Stand. Das ist weder gut noch schlecht - es ist einfach, wie es ist.
Jetzt übertreiben Sie, wir leben auch in der Schweiz ein Leben in der globalisierten Welt....
HH: Der wir unter dem Sammelbegriff "Swissness" unser ewiges Heidi- und Berglandklischee entgegensetzen. So gesehen war der Ausdruck "La Suisse n′existe pas" von 1991 prophetisch. Gemeint war damals, dass die Schweiz lediglich in ihrer Vielzahl existiere. Heute ist das tatsächlich so, aber unsere Selbstwahrnehmung meint immer noch die eine Schweiz.
Gar ein weiter Bogen, den Sie da spannen...
HH: Das entspricht ganz meinem Naturell!
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