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Asexualität ist der breiten Öffentlichkeit bisher noch wenig bekannt. Dabei gibt es viele Menschen, die kein Verlangen nach Sex haben und damit zufrieden sind. Die Liebe präsentiert sich in den unterschiedlichsten Facetten. Auch asexuelle Menschen empfinden Liebe und den Wunsch nach einer intimen Beziehung.
Was ist Asexualität?
Als asexuell werden Menschen bezeichnet, denen das Verlangen nach sexueller Interaktion vollständig fehlt. Sie werden von keinem Geschlecht sexuell angezogen. Eine Libido im Sinne von sexueller Erregung oder dem Bedürfnis nach Masturbation kann dennoch mehr oder weniger stark ausgeprägt vorhanden sein. Einige haben trotz der fehlenden Lust auf Geschlechtsverkehr freiwilligen Sex, zum Beispiel weil sie sich Kinder wünschen oder weil sie einen nicht asexuellen Partner haben. Eine statistische Erhebung dazu, wie viele Menschen sich als asexuell bezeichnen würden, wurde bisher noch nicht durchgeführt. Der amerikanische Sexualwissenschaftler und Autor des Buches „Understanding Asexuality“ Anthony Bogaert wertete eine englische Studie aus dem Jahr 1994 zum Thema Sexualität aus. Die Auswertung ergibt, dass etwa 1 Prozent der Bevölkerung asexuell ist.
Asexualität und Abstinenz
Im Gegensatz zur Asexualität, bei der von Natur aus kein Interesse an sexuellen Aktivitäten besteht, geht es bei der Abstinenz um einen freiwilligen und selbst auferlegten Verzicht. Abstinenz ist eine bewusste Entscheidung, während Asexualität eher als eine sexuelle Orientierung betrachtet wird. Wer dieser Orientierung angehört, empfindet den Verzicht auf Geschlechtsverkehr nicht als Entbehrung. Sex ist nicht gleichbedeutend mit Liebe und Liebe muss daher umgekehrt nicht zwingend über den Sex ausgelebt werden. Das Gefühl von Liebe kann auf ganz unterschiedliche Weise zum Ausdruck gebracht und erlebt werden. So gibt es Asexuelle, die in einer erfüllenden Liebesbeziehung leben, aber dennoch keinen Sex haben.
Asexualität – Eine Krankheit?
„Es gibt keine Indizien dafür, dass es sich bei der Asexualität um eine körperliche Fehlentwicklung handelt“, sagt die Hirnforscherin Nicole Prause, die sich innerhalb ihrer wissenschaftlichen Arbeiten mit dem menschlichen Sexualverhalten beschäftigt. „Es gibt keine Therapie“. Die Wissenschaflerin wehrt sich dagegegen, Asexuelle zu pathologisieren. Asexualität wird nicht als einschränkendes Leiden empfunden. Vielmehr wird das fehlende Interesse an sexueller Interaktion als zum eigenen Ich zugehöriges Wesensmerkmal verstanden. Auch bei kaum oder nicht vorhandener Libido muss es sich nicht um ein Krankheitsbild handeln, solange dieser Umstand nicht mit einem Leidensdruck verbunden ist.
Unverstanden und missinterpretiert
Für Sexuelle ist Asexualität meist völlig unverständlich. Asexuelles Verhalten wird oft als prüde oder krankhaft andersartig empfunden. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, anders zu sein als die meisten kann zu einem Gefühl von Ausgeschlossenheit führen. Dabei ist es für einen Asexuellen so normal keine Lust auf Sex zu haben wie für andere, „es“ zu wollen. Man könnte dies mit einem begrenzten Interesse an Süßem vergleichen. Der Entschluss, überhaupt keinen Sex mehr zu haben, kann unter Umständen in die Einsamkeit führen. Die einen leiden unter dem Druck, der ihnen von unserer sexualisierten Gesellschaft auferlegt wird. Andere sehen die Dinge etwas gelassener, akzeptieren sich wie sie sind und sind überzeugt davon, irgendwann auf einen passenden Partner zu treffen und mit diesem das Glück anderswo als unter der Bettdecke zu finden.
Auf der Suche nach der platonischen Liebe
Viele Asexuelle sehnen sich nach einer romantischen Beziehung auf rein platonischer Ebene mit einem gleichgesinnten Partner. Es ist durchaus möglich, eine romantische Anziehungskraft ohne das Gefühl der sexuellen Anziehung zu erleben. Dabei können sowohl hetero-, als auch homo- oder biromantische Gefühle aufkommen. Durch das Internet ist es leichter geworden, Gleichgesinnte zu finden und in sozialen Netzwerken oder über andere Websites zusammenzukommen. Das 2001 gegründete Netzwerk AVEN (Asexual Visibility and Education Network) ist das bekannteste unter ihnen.
Foto: © Piotr Marcinski/fotolia.de
Redaktion, 09.02.2017