Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03527.jsonl.gz/975

Die Entwicklung der Dunklen Biene im Kanton Glarus von 1882 bis heute zeigte Christian Rickenbach im April in einem Referat auf. In Glarus entstand 1977 das erste Schweizer Schutzgebiet für die Apis mellifera mellifera. Mehr als die Hälfte aller Glarner Imker besuchten die Veranstaltung, welche die Zuchtgruppe Glarnerland vor kurzem organisiert hatte.
Im Gründungsjahr des Vereins Glarner Bienenfreunde VGB 1882 wurden die Honigbienen noch in Bienenkörben und im so genannten Biji-Fässli (Bienen-Fässchen) gehalten. Die rund 80 Glarner Imker mit 800 Bienenvölkern kannten damals nur die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera).
Als die ersten Glarner Imker «fremde» Unterarten wie die Ligustica und Carnica ins Tal brachten, kämpften der Zürcher Ulrich Kramer und der Glarner Bienenvater Vögeli erfolgreich gegen die «Verbastardisierung der heimischen Biene». Schon 1898 eröffnete der Verein Glarner Bienenfreunde zu diesem Zweck die erste Belegstation am Klöntaler See.
Diese Belegstation dürfe man allerdings nicht mit einer heutigen Belegstation vergleichen, erklärte Christian Rickenbach. Lange vor der morphometrischen Flügelmessung und DNA-Analysen wurden die Dröhneriche nur nach optischen Kriterien ausgewählt. Und ein Drohnenvolk für 50 aufgeführte Mellifera-Königinnen musste genügen.
Erstes und grösstes Schutzgebiet
Seit 1977 ist der Kanton Glarus das erste und grösste Mellifera-Schutzgebiet der Schweiz. 1977 beschloss die Glarner Landsgemeinde, «dass im ganzen Kanton nur die ansässige Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) gezüchtet und gehalten werden darf». Von 2006 bis 2008 erfasste der Verein Glarner Bienenfreunde erstmals systematisch die Population im ersten Schweizer Mellifera-Schutzgebiet. Mit morphometrischen Flügelmessungen wurde eine Referenz «Mellifera Glarnerland» festgelegt, auf deren Basis seither die ortstypischen Bestände erhalten werden. Heute halten im Schutzgebiet des Kantons Glarus 140 Imker über 900 Mellifera-Völker. «Aber wir züchten keine Schönheitsköniginnen mehr, sondern überlebensfähige Mellifera mit den Zuchtzielen Sanftmut, Bruthygiene und Varroa-Toleranzzucht», schloss Rickenbach sein Referat. Rickenbach kennt die Entwicklung der einheimischen Dunklen Biene und des Schutzgebietes im Kanton Glarus aus mehr als fünfzig Jahren eigener Imkerei und Zucht der Mellifera. Als langjähriger Zuchtchef und Belegstationsleiter sowie als Leiter der Bestandeserhebung von 2006 bis 2008 verfügt Rickenbach über die umfassendsten Kenntnisse der Glarner Bienenzucht. Jürg Vollmer