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Eine Embolisation dient vor allem der Verkleinerung oder Ausschaltung von krankhaft veränderten Gefässen. Diese können insbesondere bei angeborenen oder erworbenen Fehlbildungen (Angiomen), Erweiterungen der Gefässwand (Aneurysmen), unnatürlichen Verbindungen zwischen zwei Blutgefässen (Fisteln) oder unfallbedingten Rissen in einer Gefässwand (Gefässrupturen), aber auch bei Krebsgeschwulsten vorliegen.
Während unnatürliche Verbindungen zwischen Blutgefässen oder auch ein gutartiger Gebärmutterkrebs (sogenanntes Uterus-Myom) durch eine Embolisation als eigenständige Behandlungsmassnahme geheilt werden können, stellt der Eingriff bei den meisten Krebserkrankungen und Gefässfehlbildungen zumeist einen Baustein innerhalb eines umfassenden Behandlungskonzeptes dar. Denn hier wird eine Embolisation in aller Regel angewandt, um die Bedingungen für eine Operation oder Strahlentherapie zu verbessern bzw. die Anzahl der krankhaft veränderten Gefässe zu minimieren. So werden bei einer Krebsgeschwulst die die Geschwulst versorgenden Blutgefässe gezielt blockiert, um den Tumor von der Blutversorgung abzuschneiden. Ähnlich wie normales Gewebe benötigen auch Krebsgeschwulste Nährstoffe und Sauerstoff, die über die Blutgefässe zugeführt werden. Da Krebszellen sich besonders schnell teilen, sind sie auf eine sehr gute Blutversorgung angewiesen. Durch die Blockade der versorgenden Gefässe wird die Geschwulst von der Blut- und somit Nährstoffzufuhr abgeschnitten. Die Krebszellen werden auf diese Weise „ausgehungert“. Es kommt zu einem Wachstumsstillstand und gegebenenfalls zu einer deutlichen Verkleinerung der Krebsgeschwulst. Beschwerden, die durch die Ausbreitung der Geschwulst verursacht wurden, nehmen ab.
Eine Embolisation wird vor allem bei folgenden Krebsarten durchgeführt:
Daneben zeigt eine Embolisation gemäss neueren Studien vielversprechende Ergebnisse bei bestimmten Formen des gutartigen Prostatasyndroms (sogenannte benigne Prostatahyperplasie). Die Behandlung wird hier allerdings noch als experimentell eingestuft und nur im Rahmen von Studien empfohlen. Darüber hinaus kann der Blutverlust während der chirurgischen Entfernung einer gut durchbluteten Krebsgeschwulst verringert werden, wenn die zuführenden Blutgefässe im Vorfeld verschlossen wurden. Weiterhin werden Aneurysmen, die als Aussackungen der Gefässwände jederzeit platzen und eine lebensbedrohliche Hirnblutung verursachen können, zunehmend im Rahmen einer Embolisation durch Metallspiralen behandelt. Insbesondere bei Aneurysmen der Hirnarterien (sogenannte zerebrale Aneurysmen), die aufgrund ihrer Lage mit einem hohen Operationsrisiko einhergehen, hat sich die Embolisation bewährt. Gefässverschliessende Massnahmen können auch bei akuten Blutungen im Nasen-Rachen-Raum infolge schwerer Unfälle, nach chirurgischen Eingriffen oder bei schwerem Nasenbluten (Epistaxis) ohne feststellbare Ursache erforderlich sein, um vorübergehend oder gegebenenfalls auch endgültig die Blutung zu stillen.
Die Embolisation wird unter Einsatz eines Katheters (dünner Schlauch) oder per direkter Punktion (gezieltes Einstechen einer Nadel) durch die Haut (perkutan) durchgeführt. Bei der Katheterembolisation punktiert man unter örtlicher Betäubung die Leistenarterie mit einer Kanüle. Anschliessend werden unter Röntgenkontrolle zunächst ein Führungsdraht und dann ein Katheter eingeführt und zu dem Blutgefäss vorgeschoben, das verschlossen werden soll. Durch den Katheter wird schliesslich das Embolisat eingebracht, das den Blutstrom zeitweise oder endgültig blockieren soll. Als Embolisat werden aushärtende Flüssigkeiten (u.a. Ethibloc, Histoacryl, Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer), kleine Metallspiralen (Coils) oder Kunststoff-Partikel (Gelfoam, Polyvinylalkohol, Gelatine) verwendet. Abschliessend wird eine Kontrollaufnahme angefertigt und im Anschluss der Katheter entfernt. Bei der direkten Punktion wird das zu blockierende Gefäss direkt mit einer Hohlnadel punktiert und die blockierenden Substanzen oder Partikel direkt über die Hohlnadel injiziert.
Eine besondere Form der Embolisation stellt die sogenannte transarterielle Chemoembolisation (TACE) dar, die bei Leberkrebs und Lebermetastasen angewandt wird. Bei diesem Verfahren wird die Blutzufuhr zur Krebsgeschwulst blockiert, nachdem diese einer örtlichen Chemotherapie ausgesetzt wurde. Bei einer konventionellen Chemotherapie wird das Krebsmedikament (sogenanntes Zytostatikum) oral oder über eine Armvene verabreicht und verteilt sich anschliessend im gesamten Körper. Bei der Chemoembolisation injiziert man das Medikament direkt in den Bereich der Krebsgeschwulst. Wegen der Trennung der Geschwulst vom restlichen Blutkreislauf kann das Medikament länger auf die Krebszellen einwirken und nicht über das Blutkreislaufsystem in andere Körperbereiche vordringen. Dadurch sammelt es sich in den Krebszellen an und tötet diese effektiv ab.
Wie bei allen invasiven Behandlungsmassnahmen kann es auch bei der Embolisation zu Komplikationen oder Nebenwirkungen kommen. Diese sind in erster Linie durch eine Verschleppung der eingebrachten Substanzen und deren Auswirkungen auf andere Organe bedingt sowie durch den Einsatz von Kathetern, der unter anderem zu Blutungen oder Blutergüssen führen kann. Häufig ist ein sogenanntes Postembolisationssyndrom zu beobachten. Dieses zeichnet sich durch grippeähnliche Beschwerden wie Übelkeit, Fieber, Gliederschmerzen und Bauchschmerzen aus und ist medikamentös gut behandelbar. Auch während des Eingriffs können lokal Schmerzen auftreten, die durch entsprechende Schmerzmittel gelindert werden. Darüber hinaus wird Frauen mit Kinderwunsch teilweise von einer Embolisation eines Gebärmutterkrebses abgeraten, da die Langzeitwirkungen des noch neuartigen Behandlungsansatzes bislang nicht eindeutig geklärt sind und eine Schädigung von gesunden Bereichen der Gebärmutter nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.
Im Anschluss an die Behandlung ist eine 24-stündige Bettruhe erforderlich. Ist ein weiterer chirurgischer Eingriff geplant, erfolgt dieser zeitnah nach der Embolisation. Eine Chemoembolisation muss in regelmässigen Abständen wiederholt werden, um das geplante Therapieziel zu erreichen. Bei Krebserkrankungen müssen nach einer Embolisation regelmässige Verlaufskontrollen durch bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztherapie (MRT)
, Computertomographie (CT)
oder Ultraschall
stattfinden. Bereits 1 bis 2 Wochen nach dem Eingriff kann bei einigen Krebserkrankungen (u.a. beim gutartigen Gebärmutterkrebs) festgestellt werden, ob die behandelte Krebsgeschwulst zerstört wurde. Die Zerstörung der Krebszellen ist dabei anhand der nicht mehr feststellbaren Durchblutung (sogenannte Devaskularisation) erkennbar.