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Die Wahrscheinlichkeit, dass die Armeen der Alliierten in nächster Zeit Eisass-Lothringen besetzen und vielleicht sogar ihren Fuss auf deutsches Gebiet setzen, wirft für die Schweiz eine ganze Reihe wichtiger wirtschaftlicher Fragen auf.
Wir beziehen bis zur Stunde die Kohle ausschliesslich, ferner in der Hauptsache Eisen und Eisenwaren sowie Kunstdünger aus Deutschland. Diese Lieferungen dürfen im Interesse der Schweiz nicht geschmälert und namentlich nicht unterbrochen werden, da unser gesamtes Wirtschaftsleben davon abhängt und im Falle mangelhafter Zufuhren das Land grossen Erschütterungen ausgesetzt werden könnte. Infolgedessen ist es angemessen, dass der schweizerische Gesandte in Paris zunächst in freundschaftlichem Gespräch mit den zuständigen französischen Ministern auf diese Dinge hinweist und in vorsichtiger Weise abzuklären versucht, ob man überhaupt an diese Konsequenzen der militärischen Ereignisse bereits gedacht hat, und wie man sich eventuell gegenüber der Schweiz stellt. Es ist sehr leicht möglich, dass Frankreich, welches selbst unter erheblichem Kohlenmangel leidet, sich aus dem Gebiete der Saar, vielleicht aber auch aus anderen deutschen Kohlengruben gewisse Bezüge sichert, möglich aber auch, dass zufolge der kriegerischen Ereignisse oder zufolge sozialer Schwierigkeiten in Deutschland die Ausbeutung der Kohlengruben leidet. Alle diese Eventualitäten wären geeignet, die Aussicht des Kohlenbezuges erheblich zu mindern. Es kann sich nun natürlich nicht darum handeln, dass wir von uns aus Frankreich auf diese Dinge hinweisen, sondern es würde wohl am richtigsten rein informatorisch vorgegangen, um festzustellen, welches die Absichten und Meinungen der französischen Regierung sind. Neben den Schwierigkeiten des Bezuges fielen dann natürlich auch die des Transportes in Betracht. In dieser Beziehung sollte doch darauf gehalten werden, dass die Verbindung auf dem rechten Ufer des Rheins nach der Schweiz in keiner Weise gestört wird, und anderseits wäre es wünschenswert und wohl auch im Interesse Frankreichs gewesen, dass nach Besetzung Elsass-Lothringens durch französische Truppen die Bahnverbindungen zwischen der Schweiz und Elsass-Lothringen wiederhergestellt werden. Sie sind seit Anfang des Krieges unterbrochen.
Beim Gespräch wird darauf hinzuweisen sein, dass die Schweiz auf ein freundschaftliches Entgegenkommen der französischen Regierung, wie ihr dies während des ganzen Krieges auf allen möglichen Gebieten erwiesen worden ist, rechnet. Einzelne Massnahmen können unseres Erachtens heute wohl noch nicht besprochen werden, indem man ja noch keinen Überblick hat, wie sich die Dinge gestalten und inwieweit sich die Alliierten eine direkte Einwirkung auf deutsches Gebiet sichern werden.
Angesichts der heutigen Verhältnisse in Österreich-Ungarn muss ja überhaupt auch mit einem vollständigen Aufhören des Verkehrs in diesem Lande gerechnet werden, und das Departement lässt daher einmal durch seine Dienste feststellen, für welche Waren und in welcher Menge je nach der Einstellung der deutschen und der österreichisch-ungarischen Lieferungen die Schweiz auf vermehrte wirtschaftliche Hilfe der Entente zählen müsste. Für heute sei nur noch auf Petroleum und Benzin verwiesen, welches wohl kaum mehr in erheblichen Mengen aus Österreich-Ungarn erhältlich gemacht werden dürfte.
Das Departement behält sich vor, auf die Angelegenheit zurückzukommen und die Gesandtschaft zu instruieren, sobald es noch weitere Erhebungen gemacht hat. Inzwischen werden wohl auch die Waffenstillstandsbedingungen veröffentlicht, aus denen wiederum Schlüsse gezogen werden können. Es sei nur noch hervorgehoben, dass wir Kohle aus dem Saar- und aus dem Ruhrgebiet beziehen und einen Teil der für den Transport erforderlichen Lokomotiven und Wagen stellen.
Für ein späteres Stadium wäre es denkbar, dass ein spezieller Delegierter sich vielleicht mit den militärischen Stellen in Beziehung zu setzen hätte, um diejenigen Konzessionen zu erreichen, die die Schweiz haben muss, wenn sie nicht einer ungewissen und verhängnisvollen wirtschaftlichen nächsten Zukunft entgegengehen soll. Es ist eben nicht zu vergessen, dass die Vorräte sehr bescheiden sind, und dass auch nur von einem Unterbruch der Lieferungen unser Land aufs schwerste getroffen würde.
Das Departement gewärtigt nach einer ersten informatorischen Besprechung des Gesandten einen Bericht.
Die Angelegenheit wurde von der Delegation für auswärtige Angelegenheiten besprochen.