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Desinfektion von Tauchausrüstung
Sie heissen Acinetobacter, Staphylococcus aureus und Granulicatella und begleiten nahezu jeden Tauchgang, finden sich jedoch in keinem Logbuch als Tauchpartner. Es sind nur drei von Hunderten verschiedener Bakterien- und Virenarten in unseren Tauchanzügen und Lungenautomaten. Keime wie Pilze, Bakterien und Viren übertragen weltweit teils schwerwiegende Infektionskrankheiten. Möchtest du diese, insbesondere bei Leihausrüstung, von Deinem Vorgänger erben oder gar durch das Kreislaufgerät dauernd aus einer Brutstätte für vielfältigste Bakterienarten atmen? Um ausreichend einer Ansteckung mit verschiedensten Erkrankungen vorzubeugen und das Bakterien- und Keimmilieu im Tauchequipment zu neutralisieren, sollte man seine Ausrüstung möglich regelmässig gründlich reinigen und desinfizieren.
Grundlagen der Mikroorganismen
Die Geschichte
Mikroorganismen wurden aufgrund ihrer geringen Grösse erst nach 1676 mit den ersten Mikroskopen entdeckt. Louis Pasteur fand um das Jahr 1867 heraus, dass Mikroorganismen durch Hitze zerstört werden. Nach ihm wurde dann auch das Verfahren der Pasteurisierung benannt. Dem Deutschen Robert Koch gelang es im selben Jahr, den Erreger des Milzbrands/Anthrax ausserhalb des Körpers zu kultivieren und fand 1882 den Erreger der Tuberkulose bei seiner systematischen Suche nach Mikroorganismen.
Begriffe & Bedeutung
Mikroorganismen sind Organismen, welche kleiner als die Auflösungsgrenze des menschlichen Auges von ca. 50µm sind. Bei den meisten Arten beträgt der Durchmesser etwa 0.6 bis 1.0µm und die Länge 1 bis 5µm.
Auf 2m2 Haut leben etwa ebenso viele Bakterien wie Menschen auf unserem Planeten. Der Mensch besteht aus etwa 10 Billionen Zellen. Auf und in ihm befinden sich etwa das Zehnfache an Bakterien. Davon leben etwa 99% in der sogenannten Darmflora, etwa eine Billion auf der Haut und rund 10 Milliarden (über 700 Bakterienarten) im Mund des Menschen. Selbst in der Lunge hat man 128 verschiedene Arten von Bakterien entdeckt, obwohl man bis vor zehn Jahren davon ausgegangen war, die Lunge sei steril. Ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den unsichtbaren Besiedlern und unserem Körper ergibt den Zustand «Gesundheit». Die meisten Bakterien sind keine Krankheitserreger, können aber unter bestimmten Voraussetzungen gesundheitsschädlich oder sogar gefährlich werden. Gefährlich sind jene, welche schwere Erkrankungen wie z.B. Tuberkulose, Cholera, Pest, Tetanus verursachen oder übertragen.
Neben Bakterien trägt der gesunde Mensch noch weitere Mikroorganismen mit sich herum: etwa 70 unterschiedliche Amöben, bis zu 500 Madenwürmerarten und allein rund 1000 Spinnentiere, wie zum Beispiel Haarbalgmilben, wohnen in unserem Gesicht. Na, juckt es schon?
Die Mikroorganismen werden unter anderem in vier Hauptgruppen unterteilt: Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten.
Bakterien
Bakterien bestehen nur aus einer einzigen Zelle. Es gibt aktuell rund 12000 bekannte Bakterienarten. Man geht aber davon aus, dass dies nur rund 5% aller existierenden Bakterien auf unserem Planeten ausmacht. Bakterien können kugelige (Kokken), stäbchenförmige (Stäbchen) oder schraubenartig gekrümmte (Spirochäten) Formen haben und sind meist auf Feuchtigkeit sowie organische Substanzen angewiesen. So ernähren sie sich z.B. auf der Haut von Hautschuppen und Ausscheidungen der Hautporen. Bakterien benötigen keinen Wirt zum Wachstum und leben in der Natur meist in der Form von sogenannten Biofilmen zusammen. Es gibt Bakterien, welche Sauerstoff benötigen (aerobe Bakterien) solche, für die Sauerstoff Gift (anaerobe Bakterien) ist und jene die tolerant gegenüber Sauerstoff sind. Sie vermehren sich durch Zellteilung bei optimalen Bedingungen von 30 - 35°C, ausreichend Feuchtigkeit und vorhanden sein von organischen Stoffen. Somit finden Bakterien ideale Bedingungen in unseren Nassanzügen vor. Die Zweiteilung erfolgt dabei etwa alle 20 Minuten und bildet demnach aus einem Bakterium in 8 Stunden über 16 Millionen Bakterien.
Pilze
Schimmelpilze und Hefen besiedeln den Menschen und können sich aber auch leicht in der Umwelt vermehren. Speziell Pilze sind Überlebenskünstler, Feuchtigkeit ist dazu jedoch immer erforderlich. Schimmelpilze können Gifte bilden und in die Umwelt abgeben. Die Atemwege sind die wichtigsten Eintrittspforten für potentiell schädliche Organismen. Sie werden durch wirkungsvolle Sebstreinigungsmechanismen wie Flimmerhaare und Schleim abgewehrt. Diese Abwehrstrategien können jedoch bei Überbelastung oder Vorschädigung, z.B. durch Rauchen, versagen.
Viren
Eine weitere Gruppe von Mikroorgansimen sind die Viren. Sie sind die Ursache vieler Infektionskrankheiten wie beispielsweise des banalen Schnupfens oder aber auch gefährlicher Krankheiten wie zum Beispiel Hepatitis oder HIV. Sie sind kleiner als Bakterien, sind jedoch auf einen Wirt angewiesen da sie keinen eigenen Stoffwechsel betreiben. Der Wirt ist eine infizierte Zelle in welcher sich das Virus repliziert. Die Wirtszelle geht bei dieser «aufgezwungenen» Hilfeleistung häufig zugrunde. Ausserhalb lebender Zellen kann sich das Virus nicht vermehren, unter günstigen Bedingungen manchmal aber doch zumindest überleben.
Parasiten
Parasiten leben auf Kosten eines anderen Lebewesens. Sie beziehen von ihrem Wirt Nahrung, entwickeln sich weiter, pflanzen sich fort und schädigen den Wirt. Bekannte Parasiten wie Amöben und Bandwürmer werden meist durch fäkale Verunreinigung oder Schmierinfektion übertragen.
Die Reinigung und Desinfektion der Tauchausrüstung
Die Gründe
Eine sorgfältige Reinigung und Desinfektion verhindert, dass sich Mikroorganismen rasant auf und in der persönlichen Ausrüstung vermehren.
Bei einer Leihausrüstung ist die Keimbelastung meist um ein Vielfaches höher. Insbesondere hier ist ein Kontakt mit den Bakterien und Keimen des Vorgängers über den Atemregler/Mundstück/Anzug garantiert, wenn lediglich die klassischen Methoden „Ausspülen mit Wasser“ oder „Waschen des Anzuges mit Feinwaschmittel“ zum Einsatz kommen. Ausschließlich mit einer Desinfektion werden schwerwiegende, übertragbare und unangenehme Krankheiten nahezu ausgeschlossen. Besonders Kreislaufgeräte ziehen meist eine grosse Investition mit sich, deren Wert durch eine sachgemässe Pflege lange erhalten werden kann. Mit einer sachgemässen Pflege, welche eine gründliche Reinigung und Desinfektion beinhaltet, beugt man Funktionsbeeinträchtigungen und möglichen, daraus resultierenden Folgeschäden für Mensch und Material vor.
Man unterscheidet zwischen der Reinigung und Desinfektion aufgrund eines unterschiedlichen Zwecks.
Reinigung
Der Zweck der Reinigung ist die Entfernung von Partikeln, Substanzen und Mikroorganismen. Es findet jedoch keine Abtötung/Inaktivierung von Mikroorganismen statt. Das Ziel ist die Funktion, den Werterhalt und die Optik eines Gegenstands zu sichern und zu erhalten.
Ein Reinigungsmittel sollte aufgrund dieser Ausgangslage keine ätzenden Gefahrenstoffe enthalten, pH-neutral, material- und umweltverträglich sein. Natürlich muss es haut- und schleimhautverträglich sein und sollte in der heutigen Zeit unter biologischen sowie veganen Gesichtspunkten entwickelt worden sein. Die Reinigung muss unkompliziert und ohne grossen Zeitaufwand durchführbar sein. Wenn das Mittel dann noch sparsam verdünnt wird und preiswert in der Anschaffung ist, wird es vom Anwender auch freiwillig eingesetzt.
Eine Reinigung sollte im Idealfall als vorbereitender Schritt zur Desinfektion dienen. Sie dient dazu, Schmutzpartikel und Anhaftungen zu lösen, damit das Desinfektionsmittel sämtliche Stellen vollständig erreicht und so seine Wirkung entfalten kann.
Desinfektion
Die Desinfektion dient den Zweck, vermehrungsfähige Mikroorganismen zu beseitigen. Dies geschieht mittels Abtötung, Inaktivierung oder Entfernung. Hierbei wird dank spezifischer chemischer Gruppen die Zellstruktur zerstört, die Zelloberflächenstruktur verhärtet oder die Zellmembran versiegelt. Das Ziel ist, die zu beseitigenden Mikroorganismen in ein Stadium zu versetzen, von welchem keine Infektionsgefährdung mehr ausgeht. Es gibt jedoch hierbei keine 100% Keimreduzierung, auf 1 Million Mikroorganismen dürfen höchstens 10 Bakterien überleben, bei Viren sind es 100. Durch spülen im Warmwasser oder mit einem Waschgang bei 30°C werden keine Pilzsporen abgetötet. Die Desinfektion beugt unliebsamen Überraschungen wie Pilzinfektionen oder Bakterienbefall vor. Sie verhindert auch die Kultivierung von Keimen bei der Lagerung der Tauchausrüstung.
Die Desinfektionsmittel unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihre Wirkstoffe, welche je nach Anwendung Vor- und Nachteile aufweisen.
Alkohole – sind meist nicht verträglich für Kunststoffe
Phenole – zerstören Gummi, sind teilweise krebserregend und biologisch schwer abbaubar
Aldehyde – sind meist Materialverträglich aber krebserregend oder stark reizend
Peressigsäuren – haben eine stark korrosive Wirkung, sind nicht lagerstabil und stark aggressiv
Quarternäre Ammoniumverbindungen – sind sehr gut material- und hautverträglich, die Wirksamkeit wird bei sehr hartem Wasser jedoch leicht eingeschränkt
Biguanide – neigen zu Klebeeffekt
Desinfektionsmittel dürfen nicht mit anderen Mitteln kombiniert werden, da sie sonst vollständig wirkungslos werden können. Es gibt auch kein universelles Desinfektionsmittel, jedes Anwendungsfeld (Flächen, Instrumentarien, Geräte, Hände) benötigt sein Spezialprodukt, welches auch nur dort seine Wirkung voll entfalten kann. Bei der Desinfektion von Tauchausrüstung bewegt man sich in der Flächendesinfektion analog der persönlichen Schutzausrüstung bei der Feuerwehr. Dabei ist es oft sehr erstaunlich welche Produkte man im Einsatz sieht. Von Alkohol (Wodka) über landwirtschaftlicher Raumdesinfektion (Virkon S) bis hin zu Mundspülung (Listerine) und Instrumentendesinfektion aus dem Spital (Gigasept) oder der einfachen Händedesinfektion (Dettol).
Es gibt eine Vielzahl von Wirkstoffen, welche eine desinfizierende Wirkung haben, jedoch teilweise krebserregend sind oder das Material wegen eines zu hohen pH-Werts angreifen. Ein zeitgemässes Desinfektionsmittel ist frei von Phenol, Chlor, Aldehyd und Alkohol. Die Wirksamkeit eines Desinfektionsmittels sollte ausserdem durch den Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) zertifiziert sein. Der VAH ist seit vielen Jahren die bewährte Referenz für wirksamkeitsgeprüfte Produkte. Das Desinfektionsmittel sollte insbesondere umweltverträglich sein, sprich die Anwenderlösung sollte unbedenklich ins Abwasser eingeleitet werden können.
Speziell die Materialverträglichkeit muss sichergestellt sein. Empfindliche Teile wie Membranen, Gegenlungen und Atemschläuche dürfen nicht verkleben, deformieren, veraltern oder verspröden. Diese wird bei einem guten Desinfektionsmittel in Deutschland über ein Zertifikat des Dekra Exam oder Robert-Koch Instituts bestätigt. Kreislaufgeräte werden nach der Norm DIN EN 14143 dahingehend geprüft. Verlässliche Hersteller von Desinfektionsmitteln besitzen Herstellerfreigaben, welche die Verträglichkeit mit deren Produkten bestätigen.
Ein qualifiziertes Desinfektionsmittel hat ausserdem ein breites Wirkungsspektrum, ist geruchs- und schaumarm, kann lange gelagert werden und spart Zeit in der Anwendung durch eine kurze Einwirkzeit. Das Produkt sollte möglichst niedrig dosiert werden, um den Geldbeutel und die Umwelt zu entlasten. Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) sowie der VAH schreiben vor, dass vor jedem Gebrauch eine frische Lösung mit einem geeigneten, gelisteten und zertifizierten Desinfektionsmittel zubereitet wird, um eine wirksame Desinfektion zu gewährleisten.
Man unterscheidet beim Einsatz von Desinfektionsmitteln zwischen der energiesparenden Kaltdesinfektion (+15°C Wassertemperatur) und der Warmdesinfektion (+35°C Wassertemperatur). Für die wirkungsvolle Desinfektion sind die Temperaturen und Einwirkzeiten wie vom Hersteller vorgegeben einzuhalten. Speziell beim oft als reisetauglich angepriesenen Pulver von Virkon S muss die maximale Einwirkzeit von 10 Minuten wegen der stark korrosiven Wirkung bei Eisen, Messing und Kupfer streng beachtet werden.
Für die Desinfektion von Kreislaufgeräten ist das Eintauchen in eine Anwenderlösung vorzuziehen. Das Besprühen der Ausrüstung erreicht in den Gegenlungen und Atemschläuchen nicht alle Stellen.
Bei der Desinfektion sollte jedoch immer eine Schutzbrille und Handschuhe getragen werden. Die entfettende Wirkung des Desinfektionsmittels schädigt die Haut. Ohne entsprechende Hautpflege entstehende Risse, die Keimen als Eintrittspforten in den Körper dienen.
Der richtige Zeitpunkt
Die Desinfektion sollte zumindest bei Leihausrüstung nach jedem Benutzerwechsel stattfinden. Bei der persönlichen Ausrüstung sind gute Zeitpunkte vor einer längeren Lagerung, nach einem Aufenthalt in warmen Gewässern, kontaminierten bzw. belasteten Gewässern oder wenn die Ausrüstung nicht mehr allzu gut duftet.
Fazit
Was im professionellen Atemschutzbereich und in der Berufstaucherei seit 30 Jahren der Normalität entspricht, dürfte auch die restlichen Taucher betreffen. Dazu kommt, dass die Gefahr einer Ansteckung durch die Zunahme von Tauchreisen und internationalen Migrationsbewegungen reeller geworden ist. Eine sachgemässe Reinigung und Desinfektion mit den richtigen Mitteln bietet einen wirksamen, zuverlässigen Schutz gegen Infektionen und belasten die Umwelt nicht unnötig. Die Reinigungs- und Desinfektionsmittel von EW80 (www.ew80-dive.eu) wurden speziell für die Anforderungen der Taucher, Feuerwehr, Polizei und des Militärs entwickelt, und eignen sich daher in unserem Umfeld besonders gut.
Natürlich sind die Tätigkeiten für Reinigung und Desinfektion mit Zeit und Zusatzkosten verbunden. Der Mehrwert aus persönlicher Sicherheit, der Wohlfühleffekt (rein, sauber, hygienisch) und dem Werterhalt der Ausrüstung sollte es dem verantwortungsvollen Taucher jedoch Wert sein.