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Wirtschaftlicher Strukturwandel und religiöse Minderheit
Die Rolle der jüdischen Uhrenfabrikanten in der Industrialisierung der schweizerischen Uhrmacherei
Abstract
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts befand sich die bis dahin blühende Schweizer Uhrmacherein in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Das der Wirtschaftssektor aus dieser Notlage wieder herausfand war zu einem bedeutenden Teil jüdischen Uhrmachern und Händlern zu verdanken, die durch Offenheit und Innovationskraft einen Strukturwandel herbeiführten. Es gilt daher zu fragen, warum es dieser zugewanderten Minorität bedurfte, einen für den Schweizer Exporthandel zentralen Produktionszweig zu modernisieren.
Nach einer kurzen Einführung in die Wirtschaftsgeschichte der Schweiz und den Prozess der Industrialisierung, sowie einiger allgemeinen Darlegungen zur Geschichte der Uhrenproduktion in wird der Hauptteil des Aufsatzes den Beitrag der Juden zur Industrialisierung der schweizerischen Uhrmacherei behandeln. Dabei werden neben einer wirtschaftshistorischen Perspektive auch kultur-, religions- und gesellschaftshistorische Aspekte beleuchtet, da ein Erklärungsansatz für unsere Fragestellung nur mit einem methodisch integrativen Zugang erarbeitet werden kann. Abschließend soll anhand des hier behandelten Beispiels der jüdischen Uhrenfabrikanten der Frage nachgegangen werden, welchen Beitrag die Mikrogeschichte für das Verständnis großer Prozesse leisten kann, oder anders gefragt: was vermag der periphere Fall der jüdischen Uhrmacher im Neuenburger Jura der Geschichte der Industrialisierung beizutragen?