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Das musst du wissen
- Die Covid-19-Impfung ist ein Mittel zur Bekämpfung der Pandemie.
- Darauf, dass eine vergleichbare wissenschaftliche Lösung die globalen Temperaturen senken wird, können wir nicht zählen.
- Im Vergleich zur Klimakrise sind die Wirkungen von Massnahmen zur Pandemie-Bekämpfung viel schneller sichtbar.
Anfang 2020 erkannte die Welt schnell die Notwendigkeit, mit drastischen Massnahmen gegen die Covid-19-Pandemie vorzugehen, um den exponentiellen Anstieg der Zahl der Neuerkrankungen, der Krankenhausaufenthalte und der Todesfälle zu bremsen. Der Lockdown wurde als notwendiges Übel dargestellt, um unsere Krankenhaussysteme zu bewahren. Eine globale und noch nie dagewesene Krise, die zu internationalen Schwierigkeiten führt, sollte uns jedoch an etwas erinnern: die Klimakrise. Könnten wir diese ebenso angehen?
Warum reden wir darüber? Aufgrund der einschränkenden Massnahmen gab es einen beispiellosen (aber vorübergehenden) Rückgang der Treibhausgasemissionen im Jahr 2020. Damit ist aber noch nichts getan, um den Temperaturanstieg zu bremsen, der sich bis zum Ende des Jahrhunderts auf +3°C hinbewegt. Nach besonders restriktiven Einschränkungen für das gesellschaftliche Leben wartet die Welt nun mit Ungeduld auf die Massenimpfung, die verspricht, endlich wieder zu einem «Leben wie vorher» zurückzukehren. Ein Leben genauso wie bisher, in Erwartung der nächsten Klima- und Biodiversitätskrise?
Die Analogie.
– Angesichts der Ausbreitung des Virus wurden drastische Massnahmen ergriffen, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu vermeiden. Die Strategie der Eindämmung (mit dem Ziel, die Zirkulation des Virus gänzlich zu stoppen) oder der Milderung (mit weniger Zwangsmassnahmen, die lediglich darauf abzielen, den Ausbruch zu begrenzen und das Wachstum der Epidemie zu verlangsamen) wurden weltweit diskutiert. Die restriktivsten Massnahmen, mit den grössten wirtschaftlichen Auswirkungen, wurden jedoch nur von Ländern eingeführt, die mit dem Rücken zur Wand standen.
– Angesichts des Klimanotstandes steht die Welt mehr oder weniger vor dem gleichen Dilemma: Sollen wir sofort auf das Bremspedal treten und riskieren, von anderen Ländern wirtschaftlich abgehängt zu werden? Oder warten, wie im März, um dann keine andere Wahl zu haben, als zu bremsen, aber nur gerade so viel wie nötig und dabei riskieren, dass einige Menschen bis dahin am Abgrund stehen? Dieses Bild könnte die aktuellen Diskussionen um die CO2-Neutralität in mehreren Ländern veranschaulichen. Allzu oft, auch in der Schweiz, wird dieses Ziel immer noch durch Mechanismen angestrebt, die für den heimischen Markt nicht sehr restriktiv sind, zum Beispiel durch mehr Kohlenstoff-Ausgleich auf internationaler Ebene und geologische CO2-Speicherprojekte. Bremsen, ja, aber nur bis zu einem gewissen Grad und unter der Bedingung, dass wir uns nicht zusätzlich wirtschaftlich benachteiligen.
Der Vergleich der Pandemie- und der Klimakrise funktioniert nur bedingt. In beiden Fällen kann man mathematische Modelle erstellen, um die Entwicklung der Situation vorherzusagen. Bei Covid-19 muss man etwa 10 bis 15 Tage warten, um die Auswirkungen einer neuen öffentlichen Strategie zu sehen. Das Klimasystem hingegen hat eine viel grössere Trägheit, was beständige und langfristige Anstrengungen erfordert. Um den Temperaturanstieg zu begrenzen, bräuchte es mindestens einen Lockdown pro Jahr und das während 10 Jahren, bemerkte kürzlich die Internationale Meteorologische Organisation.
Dringlicher Handlungsbedarf. Haben wir uns schon so sehr an die Litanei der schlechten Klimameldungen gewöhnt? Der Mai 2020 war jedoch der wärmste, den der Planet seit Beginn der Aufzeichnungen gesehen hat. Das Gleiche gilt für September und November, so dass für 2020 eines der drei wärmsten Jahre seit Aufzeichnung prognostiziert wird. Vor allem die Biodiversitätskrise, die mit der Klimakrise einhergeht, umfasst explosive Elemente, die in Zukunft zu neuen Pandemien führen könnten. In zehn oder zwanzig Jahren erscheint uns dann 2020 vielleicht nicht mal so unbequem.
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Zurück zur Metapher: Wenn das globale Covid-19-Fieber dank Massenimpfungen im Jahr 2021 endlich zurückgehen sollte, können wir nicht darauf zählen, dass eine vergleichbare wissenschaftliche Lösung die globalen Temperaturen senken wird. Tatsächlich werden Lösungen zur CO2-Abscheidung von den Experten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) seit dem Bericht über die +1,5°C-Schwelle von 2018 berücksichtigt. Doch da hört der Vergleich auf: Die Wirkung mancher Massnahmen, wie zum Beispiel der Wiederaufforstung, wurde überschätzt, andere sind technologisch noch lange nicht ausgereift und bleiben riskant, so der IPCC. In jedem Fall kann es nur ein Hebel neben anderen sein, um Neutralität zu erreichen. Es wird also viel schwieriger sein, die Klima-Herausforderung zu bewältigen als die Pandemie.
Die Lehren aus der Pandemie. Nicht alles ist negativ: Die Pandemie kann auch als ein gross angelegtes Experiment gesehen werden. Wir werden aus den sozialen Reaktionen gelernt haben, aus dem individuellen Widerstand beispielsweise gegen das Tragen einer Maske über Mund und Nase und aus dem Problem der Verschwörungstheorien oder Virus-Leugnern. Aber auch und vor allem werden wir die Resilienz unserer Gesellschaften wiederentdeckt haben.
Im Jahr 2021 oder 2022, nach den Impfkampagnen, ist es wahrscheinlich, dass Covid-19 seinen Platz in den «Katastrophen-Spalten» der Zeitungen wieder für das Klima freigibt. Vielleicht spornt uns die momentane Entbehrung sozialer Bindungen während der Pandemie dazu an, nachhaltigere und solidarischere Gesellschaften aufzubauen, die besser in der Lage sind, die nächsten Krisen des 21. Jahrhunderts zu meistern. Entscheidend werden dabei die «grünen» Konjunktur-Programme sein: Bei richtiger Umsetzung könnten sie den Temperaturanstieg bis 2050 um 0,3°C begrenzen.