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Das Australische Rote Kreuz publiziert eine neue Forschungsarbeit
Für Migrantinnen und Migranten ist es emotional sehr belastend, von Familienangehörigen getrennt zu sein. Diese Trennung behindert sie auch im Alltag und in ihrer Integration. Trotzdem liegen erst wenige Forschungsarbeiten vor, welche die spezifischen Auswirkungen der Trennung von der Familie untersuchen und die Aufschluss über die Arbeit der Hilfsorganisationen und die politischen Entscheidungen geben. Das Australische Rote Kreuz leistet hier Abhilfe: Es hat eine Studie mit Flüchtlingen durchgeführt, die in Australien aufgenommen wurden.
Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Trauma- und Rehabilitationsprogramm für Flüchtlinge (Refugee Trauma and Recovery Program, RTRP) der Universität von New South Wales realisiert. Die Forschenden haben festgestellt, dass die Zwangstrennung der Familie tiefgreifende Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Funktionsfähigkeit der Geflüchteten sowie auf ihre Fähigkeit hat, sich ein neues Leben aufzubauen. In der Studie wurden vier zentrale Bereiche ermittelt, in denen sich das Getrenntsein von der Familie auf das Wohlbefinden der Befragten ausgewirkt hat.
Die Familie als Grundlage der Identität und des Soziallebens
Der erste Bereich betrifft die Überzeugungen und Werte, die mit der Familiengemeinschaft und der Trennung verbunden sind. Die Befragten erachten die Familie als zentral für die Entwicklung der Identität und für die praktische Unterstützung im Alltag. Es ist wichtig für sie, mit ihrer Familie zusammen zu sein, um sich glücklicher zu fühlen, um ihre Angehörigen in Sicherheit zu wissen und um sich leichter in Australien einzuleben.
Ein belastendes Verantwortungsgefühl
Der zweite Bereich bezieht sich auf die direkten Auswirkungen der Trennung von der Familie. Die Studienresultate zeigen, dass das Getrenntsein von der Familie das psychische Wohlbefinden beeinträchtigt. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die Befragten mehr Sorgen machen, dass sie im Alltag weniger gut zurechtkommen und dass sich die Identität, aber auch die Familiendynamik, verändert.
Aus der Studie geht insbesondere hervor, dass der Schweregrad der Auswirkungen unterschiedlich ist, je nachdem, ob Familienangehörige verschwunden oder voneinander getrennt sind. Zwar ist die Wiederherstellung des Kontakts zu verschwundenen Familienangehörigen mit Gefühlen wie Freude verbunden. Die Verzweiflung scheint jedoch in veränderter Form weiterzubestehen: Sie entwickelt sich von Trauer zu eher von Angst geprägten Reaktionen. Die Menschen, die wieder Kontakt zu ihren Familienangehörigen haben, fühlen sich plötzlich für deren Schicksal verantwortlich, während sie zuvor die Verantwortung für die Ereignisse externen Faktoren oder Akteuren zuschrieben. Daraus resultiert eine enorme Belastung für die Betroffenen, die ein starkes Gefühl der Verantwortung für ihre Familienangehörigen empfinden. Sie fühlen sich unter anderem dafür verantwortlich, finanzielle, emotionale und praktische Unterstützung zu leisten sowie auch von ihnen getrennten Familienangehörigen bei der Einreise nach Australien zu helfen.
Ansatzpunkte für eine angemessene Unterstützung
Der dritte von den Forschenden untersuchte Bereich betrifft die Massnahmen, die getroffen wurden, um die Folgen der Trennung zu verringern. Die Befragten haben zahlreiche Ressourcen aktiviert, um verschwundene Familienangehörige zu finden, den Kontakt wiederherzustellen und eine Zusammenführung zu erreichen. Hinderlich waren in diesem Zusammenhang vor allem ungenügende Informationen, die Sprache sowie die hohen Ausgaben für die Mobiltelefonie. Als einer der wichtigsten hilfreichen Faktoren wurde eine bedarfsgerechte Unterstützung genannt, beispielsweise durch das Australische Rote Kreuz, um die Wiederherstellung des Kontakts zu erleichtern und diesen Prozess zu begleiten.
Bewältigungs- und Unterstützungsstrategien
Die Befragten wandten verschiedene Strategien an, um die bestehenden Schwierigkeiten zu bewältigen. Einige Strategien beruhten auf Aktivitäten (Arbeit) und andere waren auf die soziale (Freundeskreis oder Familie), spirituelle (Religion) oder kognitive und emotionale Ebene (Ablenkung, Akzeptieren) ausgerichtet. Viele Befragte erhielten hilfreiche Unterstützung von Fachstellen, der Familie und Mitgliedern ihrer Gemeinschaft. Auch zeigten sie zahlreiche Anzeichen für Resilienz: Sie blickten weiterhin hoffnungsvoll in die Zukunft, trafen konkrete Massnahmen, stützten sich auf andere Familienangehörige in Australien ab und nutzten die Möglichkeiten, die ihnen dieses Land bot.
Die Resultate dieser Forschungsarbeit zeigen, wie komplex die Bedürfnisse von Menschen sind, die von ihrer Familie getrennt wurden. Sie können beigegezogen werden, um Unterstützungsangebote zu entwickeln und um für eine menschliche Politik bezüglich Familiennachzug zu lobbyieren.