Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03249.jsonl.gz/97

Die Triggerpunkttherapie hat zum Ziel, Schmerzen sogenannter myofaszialer Triggerpunkte zu beseitigen. Das sind lokal begrenzte Muskelverhärtungen in der Skelettmuskulatur, die druckempfindlich sind und für eine Ausstrahlung von Schmerzen verantwortlich sein können. Man nimmt heute an, dass rund 80–90% der Schmerzsyndrome auf derartige Muskulaturverhärtungen zurückzuführen sind.
Die therapeutischen Möglichkeiten richten sich hauptsächlich auf eine gezielte Reduktion (Deaktivierung) der permanent kontrahierten Muskelfasern sowie auf die anschliessende, nachhaltige Prophylaxe. Dauerhaft verkürzte oder fehlbeanspruchte Muskeln sind oft Resultat einer ungünstigen Arbeitshaltung oder eines mangelhaften Trainingszustands. In der Triggerpunkttherapie bieten sich je nach betroffenem Muskel spezifische manuelle, physiotherapeutische Behandlungstechniken an. Zum Beispiel Akupressur, manuelle Dehnungen, Trennen der verschiedenen Muskeln durch tiefe Faszientechniken sowie Dry Needling des Triggerpunktes mit Akupunkturnadeln.
Dry Needling ist eine wirksame Ergänzung zur manuellen Triggerpunkttherapie. Mit einer dünnen Nadel wird ohne Medikament ganz präzise in den Triggerpunkt gestochen, der meistens für die Beschwerden verantwortlich ist. Mit der Dry-Needling-Technik werden Verkrampfungen gelöst und es kommt lokal zur Verbesserung der Durchblutung und einer Reduktion der ziehenden Schmerzen.
Erläuterungen zu Triggerpunkten
Schmerzen sind eine Geissel der Menschheit. In den Industrieländern leiden 80% aller Menschen mindestens einmal im Leben an beträchtlichen Rückenschmerzen. In der Schweiz gaben bei der Gesundheitsbefragung von 1993 41% aller Befragten an, sie hätten im Moment leichte Rückenschmerzen, 11% klagten über starke Rückenschmerzen. Ausserdem litten 34% der Befragten unter leichten, 9% unter starken Kopfschmerzen. Die Frauen waren gemäss dieser Untersuchung häufiger von Schmerzen betroffen als Männer.
Grundsätzlich kann jeder Körperteil als schmerzhaft empfunden werden. Lange Zeit wurden in der Medizin allein abgenützte Gelenke oder eingeklemmte Nerven als Hauptursache für die häufigen Schmerzen im Bewegungsapparat angesehen. Erst in den letzten Jahren ist klar geworden, dass viele Schmerzen in den Muskeln entstehen. Oft ist eine Überbelastung Ursache eines Muskelschmerzes, oft auch ein Unfall, manchmal entwickeln sich die Schmerzen schleichend und die Ursachen sind nicht direkt bekannt. Viele Muskelschmerzen sind Begleiterscheinungen von Bandscheibenvorfällen oder Arthrosen. Bei einer Mehrzahl der Patient*innen sind aber nur die Muskeln erkrankt.
Solche Muskelschmerzen können am ganzen Körper auftauchen. Ein grosser Teil der Rückenschmerzen hat einen muskulären Ursprung, nur bei einem Bruchteil werden Bandscheibenvorfälle, degenerative Veränderungen oder Gelenksentzündungen als Ursache gefunden. Bei den häufigen Schulterschmerzen entsteht ebenfalls nur ein Teil der Schmerzen im Gelenk selber, bei vielen Schulterschmerzen sind nur die Muskeln erkrankt. Beim Tennisellbogen handelt es sich um einen typischen Schmerz, der ursprünglich in verschiedenen überlasteten Muskeln entsteht. Auch ein Teil der Kopfschmerzen nimmt seinen Ausgang in verspannten Nacken- und Halsmuskeln. Im Weiteren haben die Leistenschmerzen der Fussballer, die chronischen Zerrungen der Leichtathleten sowie Knie- und Achillessehnenschmerzen der Läufer praktisch immer eine Ursache in überbelastungsbedingten Muskelerkrankungen.
Es gibt eine plausible Ursache, weshalb die muskulären Ursachen von Schmerzen so lange übersehen worden sind. Der Ort, an dem der Schmerz entsteht, und der Ort, wo der Schmerz empfunden wird, liegen im Körper nämlich oft weit auseinander. So findet sich die Quelle von Rückenschmerzen manchmal in der Bauchmuskulatur, bei einigen Patient*innen ist die Ursache für einen Tennisellbogen in der Daumenballenmuskulatur zu suchen, Kopfschmerzen können in der vorderen Halsmuskulatur ihren Ausgang nehmen, Knieschmerzen gehen oft von der vorderen Oberschenkelmuskulatur aus und der häufige Achillessehnenschmerz entsteht praktisch immer in der Wade.
Vor etwa vier Jahrzehnten haben amerikanische Wissenschaftler entdeckt, dass gewisse Überleitungsstellen zwischen den Nerven und den Muskeln unter Stress erkranken können, sodass sich im Muskel bestimmte Fasern verkrampfen und verkürzen. Diese Stränge drücken die Blut- und Sauerstoffversorgung ab, was – wie bei einem Herzinfarkt – zu starken lokalen Schmerzen führt. Diese empfindlichen Stellen in einem verspannten Muskelstrang werden als Triggerpunkte bezeichnet. Bei einer starken Störung erzeugen diese Triggerpunkte einen Dauerschmerz. Ist die Störung geringer, schmerzt nur die Bewegung und die Dehnung des Muskels. Durch den Dauerbeschuss mit Reizen im schmerzleitenden Nervensystem können im Rückenmark gewisse Schmerzübertragungssubstanzen überfliessen und andere Schmerzbahnen eröffnen. Dies ist die Ursache dafür, dass starke oder chronische Schmerzen schliesslich auch an Körperstellen empfunden werden, die mit der Verletzung gar nichts zu tun haben.
Die gute Nachricht ist, dass die erkrankten Muskelstellen auch nach Jahren noch heilbar sind. Mit Handgriffen oder mit Nadeln können die schmerzenden Muskelstellen so beeinflusst werden, dass die Blutzirkulation in den Triggerpunkten wieder aktiviert wird und dass der Schmerz verschwindet. In seltenen Fällen gelingt es jedoch nicht, eine völlige Schmerzfreiheit zu erreichen. Bei starken und lange andauernden Schmerzen sind die Schmerzfühler in den Muskeln sensibilisiert worden und die Schmerzbahnen beginnen an gewissen Stellen im Rückenmark im Leerlauf Schmerzreize zum Gehirn zu senden. Dort etabliert sich manchmal ein Schmerzgedächtnis, das Schmerzempfindungen unterhält, auch wenn in der Peripherie keine schädlichen Reize mehr wirken. Sorgen, Angst und negative Gefühle verstärken solche Prozesse im Nervensystem. Bei diesen Chronifizierungsvorgängen werden in der Peripherie gewisse Körperstellen so empfindlich, dass man sie kaum mehr berühren kann. Eine Behandlung mit Handgriffen wird dann unmöglich.
Wenn Sie unter störenden Schmerzen leiden, lohnt sich die Untersuchung von einer Ärztin oder einem Arzt, der sich in Muskelschmerzen (myofasziale Schmerzsyndrome) auskennt. Und Sie profitieren vielleicht davon, wenn Sie sich von Physiotherapeut*innen behandeln lassen, welche die nicht einfachen Techniken der Triggerpunkttherapie erlernt haben. Je rascher Ihre Schmerzen sachkundig beurteilt und von interessierten Fachkräften behandelt werden, umso eher besteht die Möglichkeit, volle Beschwerdefreiheit zu erlangen.
Eine Triggerpunkttherapie verlangt auch von Ihnen einen Beitrag. Ihre Therapeutin oder Ihr Therapeut arbeitet an den Stellen des Körpers, wo die stärksten Schmerzen provozierbar sind. Das ist nicht angenehm. Sie können aber bei ausgebildeten Triggerpunkttherapeut*innen mit dem Wort «Stop» die Behandlung jederzeit unterbrechen, wenn es Ihnen zu viel wird.
Auch muss nicht alles an einem Tag geheilt werden. Unerträgliche Schmerzen können mit Kaltluft oder mit einem Eisbeutel gemildert werden, oder die Ärzt*in kann vor der Behandlung eine Spritze mit schmerzlindernden Mitteln verabreichen. gespritzt werden.
Nach einer Triggerpunktbehandlung schmerzt der behandelte Körperteil einige Tage lang. Die Haut wird durch die Behandlung etwas gereizt, manchmal gibt es an der behandelten Stelle sogar einen kleinen Bluterguss. Es unterstützt den Heilungsprozess, wenn Sie nach der Therapie ein heisses Bad nehmen und gegebenenfalls zwei bis drei Tage lang antirheumatische Medikamente schlucken.
Was Sie weiter tun können, um eine Heilung zu beschleunigen:
- Jeden behandelten Muskel sollten Sie einige Wochen lang täglich während 2 × 30 Sekunden ruhig dehnen.
- Sofern die Schmerzen es zulassen, sollten Sie wieder anfangen, zweimal pro Woche etwas Sport zu betreiben: Walken, Joggen, Velofahren, Schwimmen, Krafttraining, Vita Parcours, Turnen, Yoga, Feldenkrais, Qi Gong, Tanzen usw.
- Achten Sie auf schmerzverursachende Haltungen und Arbeitsgänge im Alltag und versuchen Sie, diese zu vermeiden.
© 2020 Lehrerkollegium der Interessengemeinschaft für myofasziale Triggerpunkt-Therapie IMTT, 2001
Behandlungszeiten: Mittwoch und Donnerstag, 16:30 – 20:00 Uhr
Massage (ca. 25 Min.): CHF 65.00
Massage (ca. 50 Min.): CHF 120.00
Für die Kostenübernahme durch die Zusatzversicherung der Krankenkasse (EMR-Anerkennung), empfiehlt es sich auf jeden Fall, die Höhe und den Umfang der Kostenbeteiligung abzuklären!
Wir sind Mitglied des Schweizerischen Physiotherapie-Verbandes Physioswiss.