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|Lorenz
Adlon

Biografie des legendären Hoteliers A
Artikel vom 4. Januar 2005
Lorenz Adlon wurde am 29. Mai 1849 in Mainz als Laurenz und sechstes von neun Kindern des katholischen Schuhmachers Jacob Adlon und seiner Frau, der Hebamme Anna Maria Elisabeth, geboren.
Wann aus Laurenz Lorenz wurde, ist nicht bekannt. Änderungen des Vornamens waren damals nichts Ungewöhnliches. Sein Sohn und Nachfolger als Hotelbesitzer, Louis Adlon, kam übrigens 1874 als Ludwig Anton Adlon in Mainz zur Welt.
1872 hatte Lorenz Adlon seine erste Berufsausbildung als Tischler bei der damals renommierten Mainzer Möbelfirma Bembé beendet, die sich in den späteren Jahrzehnten zu einer der erfolgreichsten Dekorations- und Inneneinrichtungsbetriebe entwickelte, die Schlösser, Villen und Überseedampfer ausstattete und am Reichstag in Berlin mitarbeitete. Der einstige Lehrling Lorenz Adlon wurde später zum Auftraggeber der Firma Bembé, denn sie übernahm die Innenausstattung im Hotel Adlon.
In seiner Jugend soll Lorenz Adlon immer wieder den Holländischen Hof besucht haben, um zu sehen, wie sich die vornehmen Gäste beim Essen benehmen. Laut seiner Schweigertochter Hedda Adlon soll Lorenz ein begeisterter Turner gewesen sein, der bei einem Vereinsausflug von seinen Kollegen den Auftrag erhielt, für Speisen und Getränke zu sorgen. Der Gewinn, den er dabei machte, soll ihn auf den Geschmack gebracht haben.
Laut dem Nachruf in der Newyorker Staatszeitung lernte Lorenz bei einer Reise durch Frankreich gastronomisch viel und liess sich nach seiner Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg von 1871/72 als Gastwirt in Mainz nieder. Als seine Vaterstadt 1876 das rheinische Schützenfest ausrichtete, lernte er die Leitung der Massen-Restauration kennen. Zwei Jahre später begann er auf der Bastion des ehemaligen Festungssystems von Mainz den Raimundigarten, ein florierendes Ausflugslokal zu betreiben.
Lorenz Adlon verfügte über ein ausserordentliches Geschäfts- und Organisationstalent, das ihn bald über seine Vaterstadt hinauswachsen liess. 1880 wurde sein Name letztmals in den Mainzer Adressbüchern verzeichnet. Die Newyorker Staatszeitung berichtete in ihrem Nachruf von den kommerziellen Erfolgen des Mainzer Restaurant-Pächters beim Schützenfest in Düsseldorf, beim Deutschen Turnfest in Frankfurt a.M. 1881, bei der Bayerischen Gewerbeausstellung in Nürnberg 1882 und bei der Weltausstellung 1888 in Amsterdam, wo sein Restaurant im internationalen Wettbewerb siegte.
1889 erwarb Lorenz Adlon mit dem Mille Colonnes am Rembrandt-Platz in Amsterdam sein erstes Hotel. Bei der Weltausstellung hatte der Mainzer Benjamin Bilse, den Dirigenten eines damals berühmten Orchesters, aus dem das Berliner Philharmonische Orchester hervorging, kennen gelernt. Bilse führte ihn in die Berlin Gesellschaft ein. Adlon erwarb das Restaurant Hiller Unter den Linden 55, das mit seiner exklusiven französischen Gourmetküche damals in Berlin seinesgleichen suchte. Ob Lorenz Adlon selbst kochen konnte, ist übrigens nicht überliefert.
Am 1. Januar 1899 expandierte Lorenz Adlon und übernahm die Zooterassen im Zoologischen Garten. Unter dem Mainzer wurden sie zu einer erstklassigen kulinarischen Adresse. Hier servierte man nun eine Bouillabaisse, wie sie sonst nur in Marseille zu bekommen war, eine Cassata wie in Neapel und Patisserien wie in Budapest. Laut Hedda Adlon soll der Umsatz an einem durchschnittlichen Sommerabend 60'000 Mark betragen haben. Als Prinz Wilhelm mit seiner Entourage die Zooterassen besuchte, sei der Besuch in diesem Restaurant ein Muss auch in den feinsten Berliner Kreisen geworden.
Bereits 1896, anlässlich der Berliner Gewerbeausstellung, hatte Lorenz Adlon das Hauptrestaurant von Adlon & Dressel am Neuen See betrieben. Zahlreiche Stilelemente des Lokals sollten sich elf Jahre später im Hotel Adlon wiederfinden. Doch zuvor sammelte der Mainzer 1898 als Pächter des Hotels Continental in Berlin Erfahrungen und vergrösserte sein Vermögen weiter. 1907 eröffnete er Unter den Linden am Pariser Platz das legendäre Hotel Adlon, das Vorbild für Hoteliers selbst im Ausland wurde.
Über das Privatleben von Lorenz Adlon ist wenig bekannt. Langes Eheglück war ihm nicht beschieden. In erster Ehe war er mit Susanne Wannsiedel verheiratet, der Tochter eines Schuhmachers. Sie brachte zwischen 1872 und 1877 drei Jungen und zwei Mädchen auf die Welt. Die älteste Tochter Anna Katharina sowie ihr Bruder Ludwig Anton, später Louis, sollten nach dem Tod des Vaters das Hotel erben. Die Mutter verstarb bereits 1878 in Mainz, im Alter von lediglich 28 Jahren. In zweiter Ehe heiratete Lorenz Adlon die verwitwete Fanny Claus, die bereits 1893 in Berlin verstarb.
Lorenz Adlons zweites Standbein war eine Grossweinhandlung in der Wilhelmstrasse. Die dort gelagerten Flaschen waren ein Vermögen wert. Nach dem Ersten Weltkrieg wuchs sowie nach einer Reblausplage steigerte sich der Wert der Weinflaschen erheblich, und in den Zeiten der Inflation bildeten sie eine mehr als nur wertbeständige Anlage.
1918 erlitt Lorenz Adlon am Brandenburger Tor einen folgenschweren Unfall. Zur Kaiserzeit waren die fünf Durchfahrten nicht für den allgemeinen Verkehr freigegeben. Lediglich die mittlere war für den Kaiser reserviert. Doch mit dem Untergang der Monarchie änderte sich dies. Gemäss Hedda Adlon fuhr ein LKW mit rebellierenden Soldaten durchs Brandenburger Tor und streifte Lorenz Adlon, der darauf nicht vorbereitet war. Seit dem Unfall litt der Hotelier an einer Thrombose. Im Frühjahr 1921 wurde er an gleicher Stelle nochmals von einem Auto erfasst und starb wenige Tage später, am 7. April 1921, an den Folgen des zweiten Unfalls.
Siehe auch die Artikel zur Geschichte des Hotel Adlon und zum heutigen Hotel Adlon Kempinski Berlin.

Die historische Lobby des Adlon. Foto © Hotel Adlon Kempinski Berlin.
Die Hotelfassade im Jahr 1911. Foto © Hotel Adlon Kempinski Berlin.
Laurenz Demps, Carl-Ludwig Paeschke: Das Hotel Adlon. Nicolai Verlag, Berlin, 2004, 203 S. Bestellen bei Amazon.de. Ein reich illustriertes Buch mit einer detaillierten Geschichte. Es diente als Quelle für die Biografie von Lorenz Adlon.
Hedda Adlon: Hotel Adlon. Heyne, 1998, 319 S. Bestellen bei Amazon.de. Das Buch der 1967 verstorbenen Schwiegertochter des Hotelgründers bietet allerlei kurzweilige Anekdoten, die allerdings nicht immer einer Überprüfung standhalten. So war der legendäre französische Spitzenkoch Georges Auguste Escoffier gewiss nicht der erste Küchenchef im Adlon.
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Geschichte: Gendarmenmarkt Berlin, Unter den Linden, Brandenburger Tor.
Musik: Christian Thielemann, Daniel Barenboim
Hotels: Geschichte des Hotel Adlon, Hotel Adlon Kempinski Berlin, Hotel Brandenburger Hof (engl. Art.).
Restaurants: Restaurant Alt Luxemburg, Restaurant Quadriga Berlin (engl. Art.).
Sicht von der Quadriga aufs Adlon. Foto © Hotel Adlon Kempinski Berlin.