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»Es ist schwierig, einen Menschen dazu zu bekommen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, es nicht zu verstehen. « Sinclair Lewis, 1935
»Es ist hinreichend einfach, eine [logisch stimmige] Theorie zu finden, solange man sich damit zufriedengibt, die Hälfte seiner Beweise unberücksichtigt zu lassen. …
Der moralische Charakter, der für die Suche nach der Wahrheit erforderlich ist, ist eine unerschütterliche Entschlossenheit, alle Beweise zu berücksichtigen.« Wissenschaftsphilosoph Alfred North Whitehead
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Einige Prinzipien der wissenschaftlichen Methode - Prof. David Ray Griffin –
Aus dem 2. Kapitel von: Der mysteriöse Einsturz von World Trade Center 7. Warum der offizielle Abschlussbericht zum 11. September unwissenschaftlich und falsch ist.
Der NIST-Bericht zu WTC 7 sollte durch die wissenschaftliche Gemeinschaft entlarvt werden, dass er wissenschaftlichen Betrug im engeren Sinne verübt.
1. Wissenschaftlicher Betrug
Bei wissenschaftlichem Betrug können wir zwischen Betrug im engeren Sinne und Betrug in einem weiteren Sinne unterscheiden.
Wissenschaftlicher Betrug im weiteren Sinne tritt auf, wenn Wissenschaftler eines der grundlegenden Prinzipien der wissenschaftlichen Methode verletzen, um ihre Theorie zu begründen. Wissenschaftlicher Betrug im engen Sinne ist durch jene Verletzungen gegeben, die explizit von der wissenschaftlichen Gemeinschaft als »Betrug« identifiziert wurde: »Fehlverhalten in der Forschung ist definiert als Erfindung, Fälschung und Plagiieren, wenn Forschung beantragt, durchgeführt oder überprüft oder von Forschungsergebnissen berichtet wird.« (Dokument »Was ist Fehlverhalten in der Forschung?«, herausgegeben durch den Generalinspektor der National Science Foundation - NSF, Nationale Wissenschaftsstiftung)
Wissenschaftlicher Betrug also im engeren Sinn ist:
- Erfindung als Ausdenken von Ergebnissen und deren Aufzeichnen oder Berichten.
- Fälschung als Manipulieren von Forschungsmaterial, Geräten oder Arbeitsvorgängen, oder das Ändern oder Weglassen von Daten oder Ergebnissen, so daß die Forschung in der Forschungsaufzeichnung nicht akkurat repräsentiert wird.
- Plagiieren als Aneignung von Ideen, Arbeitsvorgängen, Ergebnisse oder Worten einer anderen Person ohne entsprechende Namensnennung.6
Bei einer Untersuchung des NIST-Berichts zu WTC 7 ist die dritte Art von Betrug – das Plagiat – nicht relevant. Von daher wird der Schwerpunkt auf Arten von Erfindung und Fälschung liegen.
Wissenschaftlicher Betrug im engeren Sinn ist schwerwiegend, da dies eine bewusste Verletzung und Missachtung grundsätzlicher Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit und Ethik darstellt.
2. Prinzipien, die durch wissenschaftlichen Betrug im engeren Sinne verletzt werden
Im folgenden werden drei Prinzipien dargestellt, die aufzeigen, dass NIST sich des Betrugs im strengen Sinne schuldig gemacht hat.
Beweise dürfen nicht erfunden werden
Bei der Ausarbeitung seines Berichts zu WTC 7 hat NIST keine physikalischen Experimente durchgeführt. Es stützte sich stattdessen auf Computer-Simulationen. Sofern es überhaupt Experimente machte, wurden diese auf Computern durchgeführt, mit simulierten Bränden, simulierten Stahlträgern in den Bodenplatten, simulierten Kopfbolzen und so weiter. Diese gesamte Vorgehensweise, bei der NIST seine Theorie auf computergenerierte Modelle gründete, könnte für nahezu unbegrenzte Erdichtung verwendet worden sein.
Angesichts der Tatsache, daß, sofern NIST überhaupt Experimente durchführte, diese auf Computern und nicht mit physischen Materialien durchgeführt wurden, ist es schwierig, eine klare Unterscheidung zwischen (bloßer) Fälschung und gänzlicher Erfindung zu treffen. Wie wir dennoch sehen werden, scheint sich NIST Praktiken schuldig gemacht zu haben, die, angesichts der Definition der National Science Foundation von »Ausdenken von Ergebnissen und deren Aufzeichnen oder Berichten«, am genauesten als Erfindung eingestuft werden würden.12
Beweise dürfen nicht verfälscht werden
Obwohl es nicht immer klar ist, ob bestimmte Verstöße gegen wissenschaftliche Prinzipien als Fälschungen oder Erfindungen eingestuft werden sollten, werden wir sehen, daß der NIST-Bericht mehrere Behauptungen enthält, die eindeutig das eine oder das andere zu sein scheinen. Dazu gehören Behauptungen [die im 8. und 9. Kapiteln erörtert werden], die die Lage und Dauer der Brände, die von Bränden erreichten Temperaturen und die vom Stahl erreichten Temperaturen einschließen. Sie umfassen ebenfalls Behauptungen über thermische Ausdehnung, versagende Kopfbolzen, fehlende Kopfbolzen und Versagen von Stahlsäulen [die im 10. Kapitel behandelt werden].
Relevante Beweise dürfen nicht ignoriert werden
Das »Weglassen von Daten« ist eine Fälschung von grosser Wichtigkeit, vor allem in Bezug auf den NIST-Bericht, daß sie es verdient, als ein eigenständiges Prinzip behandelt zu werden: Keiner der relevanten Beweise darf ignoriert werden.
Einige Wissenschaftsphilosophen glauben, daß der »Rückschluß auf die beste Erklärung« im Herzen der wissenschaftlichen Methode liegt.14 Obwohl es berechtigte Debatten darüber gibt, ob dieser Satz den eigentlichen Prozeß der wissenschaftlichen Forschung beschreibt, kann nicht geleugnet werden, daß eine Untersuchung darauf abzielen sollte, die beste Erklärung zu erlangen.
Was ist aus einer streng wissenschaftlichen oder philosophischen Perspektive die beste Erklärung? Es ist diejenige, die am besten die Kriterien der Widerspruchsfreiheit und Entsprechung erfüllt.
Die wissenschaftliche Methode kann als rationale Empirie zusammengefaßt werden. Ihre rationale Dimension ist um das Ziel der Widerspruchsfreiheit orientiert, ihre empirische Dimension um das Ziel der Übereinstimmung mit allen relevanten Fakten. Die beste Erklärung für jedes Phänomen ist dann diejenige, die, während sie in sich widerspruchsfrei ist, alle relevanten Beweise am besten erklärt oder anderweitig berücksichtigt.
Von diesen beiden Kriterien ist das empirische Kriterium – das Passen zu allen relevanten Beweisen – dasjenige, das am häufigsten verletzt wird. Wissenschaftliche Erklärungen werden in der Regel nicht durch Beispiele für offensichtliche Widersprüchlichkeit beschädigt [obwohl der NIST-Bericht zu WTC 7 auf diese Weise beschädigt wurde, wie im 10. Kapitel gezeigt werden wird]. Vielmehr sind Wissenschaftler oft versucht, Widerspruchsfreiheit zu erreichen, indem sie einfach einen Teil der relevanten Beweise ignorieren. »Es ist hinreichend einfach, eine [logisch stimmige] Theorie zu finden«, beobachtet Wissenschaftsphilosoph Alfred North Whitehead ironisch, »solange man sich damit zufriedengibt, die Hälfte seiner Beweise unberücksichtigt zu lassen.«
Obwohl manchmal die Auffassung besteht, daß Wissenschaft ein Vorhaben sei, bei dem Moral irrelevant ist, entspricht dies nicht der Wahrheit, weil die Angewohnheit, bei der Ausarbeitung angeblich wissenschaftlicher Berichte Beweise zu ignorieren, ein moralisches Versagen ist.
»Der moralische Charakter, der für die Suche nach der Wahrheit erforderlich ist«, sagte Whitehead, ist »eine unerschütterliche Entschlossenheit, alle Beweise zu berücksichtigen.«15
NIST versäumte es wiederholt, diesen moralischen Charakter zu beweisen [wie wir werden vor allem im 4. und 5. Kapitel sehen].
3. Prinzipien, die durch wissenschaftlichen Betrug im weiteren Sinne verletzt werden
Nach der Erörterung von Prinzipien, die durch wissenschaftlichen Betrug im engeren Sinne verletzt wurden, erörtere ich als nächstes mehrere zusätzliche Prinzipien, deren Verletzung wissenschaftlichen Betrug in einem weiteren Sinne darstellt. Diese zusätzlichen Verstöße zeigen, wenn sie begangen werden, daß ein Bericht, auch wenn er von sich behaupten mag, wissenschaftlich zu sein, es in Wirklichkeit nicht ist. NIST beanspruchte eindeutig den Mantel der Wissenschaft für seinen WTC 7-Bericht. Wie wir in der Einleitung gesehen haben, sagte Shyam Sunder, der leitende NIST-Ermittler für diesen Bericht: »Wissenschaft steht wirklich hinter dem, was wir gesagt haben.«16 Doch wenn dieser Bericht gegen eine Reihe von allgemein anerkannten Prinzipien der wissenschaftlichen Methode verstößt, sollte er, abgesehen vom Vorwurf des Betrugs im engeren Sinne, nicht als wissenschaftlicher Bericht angesehen werden. Ich wende mich nun einigen dieser zusätzlichen Prinzipien zu.
Außerwissenschaftlichen Überlegungen sollte nicht gestattet werden, Schlußfolgerungen zu bestimmen
Mit der Aussage, daß Schlußfolgerungen von Wissenschaftlern nicht von außerwissenschaftlichen Überlegungen bestimmt werden dürfen, sagt dieses Prinzip nicht, daß die Praxis der Wissenschaft nicht durch außerwissenschaftliche Faktoren beeinflußt werden darf, weil dies unrealistisch wäre.
Beispielsweise stellte Richard Lewontin in seiner Rezension von Judsons Buch fest, daß Wissenschaftler durch »den Drang nach wirtschaftlichem Erfolg, persönlicher Macht und die Befriedigung des eigenen Egos« manchmal dazu gebracht wurden, Betrug zu begehen. Obwohl dies eindeutig außerwissenschaftliche Motive sind, haben sie auch bei den meisten wissenschaftlichen Entdeckungen eine bedeutende Rolle gespielt. Gleichermaßen haben ästhetische und religiöse Erwägungen, obwohl sie im Allgemeinen als außerwissenschaftlich angesehen werden, manchmal bei wissenschaftlichen Durchbrüchen eine positive Rolle gespielt.
Statt darauf zu insistieren, daß außerwissenschaftliche Überlegungen keinen Einfluß auf die Arbeit der Wissenschaftler haben dürfen, sagt dieses Prinzip einfach, daß ihnen niemals gestattet werden darf, ihre Schlußfolgerungen zu bestimmen. Das dominierende Motiv muß die Absicht sein, die Wahrheit desjenigen Prüfungsgegenstands herauszufinden, der untersucht wird.
Zum Beispiel können religiöse Motive ursprünglich eine Person dazu gebracht haben, Wissenschaftler zu werden und Forschung zu einem bestimmten Thema zu betreiben. Aber das dominierende Motiv, das der Forschung zugrunde liegt, wenn sie wirklich wissenschaftlich sein soll, kann nicht die Absicht sein, einen bereits bestehenden religiösen Glauben zu stützen. Einige Wissenschaftler mögen diesen Wunsch haben. Aber wenn ihre Arbeit als Wissenschaft und nicht als Pseudo-Wissenschaft gelten soll, müssen sie den Beweisen dahin folgen, wohin sie führen, auch wenn es damit endet, daß diese den Glauben widerlegen, von dem sie gehofft hatten, ihn zu stützen.
Gleichermaßen können wissenschaftliche Arbeiten gelegentlich von politischen Motiven beeinflußt werden, da Wissenschaftler hoffen mögen, die Politik ihrer eigenen politischen Partei bei einigen medizinischen oder ökologischen Themen zu unterstützen. Das ist natürlich und kann in Ordnung sein. Aber wenn dieses Motiv sie dazu bringt, Beweise zu ignorieren oder zu verfälschen, dann kann ihre Arbeit nicht als wissenschaftlich gelten.
Ein besonders häufiges außerwissenschaftliches Motiv ist der Wunsch von Mitarbeitern in einem Unternehmen, ihren Arbeitgebern gefällig zu sein, wenn auch nur, um ihren Arbeitsplatz zu behalten oder befördert zu werden. Solche Wünsche spiegeln oft ökonomische Motive und Sorgen um den sozialen Status wider. Diese Motive sind natürlich und mögen keine Probleme verursachen, wenn die Mitarbeiter ihren Arbeitgeber gefällig sind, indem sie gute Arbeit leisten. Aber wenn ihre Arbeitgeber ihnen auftragen, ihre Daten zu manipulieren, um auf diese Weise zu abweichenden Schlußfolgerungen zu gelangen, als denjenigen, die sie auf der Grundlage der unmanipulierten Daten erlangt hätten, dann kann der Wunsch, ihren Arbeitgebern gefällig zu sein, dazu führen, daß sie wissenschaftlichen Betrug begehen.
Der NIST-Bericht zu WTC 7 enthält, wie wir noch sehen werden, viele Gründe für die Schlußfolgerung, daß sein Ansatz und seine Schlüsse von außerwissenschaftlichen Überlegungen bestimmt wurden – wahrscheinlich in der Form von politisch motivierten Befehlen von oben, die von Wissenschaftlern am NIST befolgt wurden, weil sie ihren Arbeitsplatz behalten wollten. Ein ehemaliger NIST-Mitarbeiter sagte sogar, daß zumindest einige seiner Freunde, die noch bei NIST arbeiten, sich »unglücklich und oft unfreiwillig an einigen der Politisierungen beteiligten.«17
Eine Untersuchung sollte mit der wahrscheinlichsten Hypothese beginnen
Der Versuch, eine Erklärung für ein Ereignis zu finden, beginnt notwendigerweise mit einer Hypothese – möglicherweise nach einem anfänglichen Zeitraum mit einem neutralen, unvoreingenommenen Sammeln von Daten. Unser zweites Prinzip besagt, daß, wenn mehr als eine Erklärung möglich scheint, Wissenschaftler mit der wahrscheinlichsten Hypothese beginnen sollten.
Sicherlich sticht in einigen Situationen keine Hypothese eindeutig als die wahrscheinlichste heraus. (In einigen Mordfällen zum Beispiel weisen die unmittelbar verfügbaren Fakten nicht auf einen bestimmten Verdächtigen.) In anderen Situationen jedoch legen die verfügbaren Fakten zu Beginn der Untersuchung nahe, daß eine Hypothese viel wahrscheinlicher ist als andere. In diesen Fällen muß die Untersuchung mit dieser Hypothese beginnen. Eine vollständigere Aussage des Prinzips wäre daher: Wenn es eine wahrscheinlichste Erklärung für ein gewisses Phänomen gibt, soll die Untersuchung mit derjenigen Hypothese beginnen, daß diese mögliche Erklärung tatsächlich die richtige ist.
Mit einer solchen Hypothese zu beginnen, ist jedoch nicht das gleiche, wie ihre Wahrheit dogmatisch vorauszusetzen. Vielmehr sollten die Untersuchenden, nachdem sie mit dieser Hypothese begonnen haben, prüfen, ob es irgendwelche Beweise gibt, die diese Hypothese widerlegen. Tatsächlich ist die Praxis, eine anfängliche Vermutung als bloße »Hypothese« zu bezeichnen, eine Möglichkeit, darauf hinzuweisen, daß sie bis auf weiteres lediglich vorläufig angenommen wird.
Doch obwohl Wissenschaftler sie nur vorläufig annehmen, sollten sie mit derjenigen Hypothese beginnen, die zu dieser Zeit die wahrscheinlichste Erklärung für das fragliche Phänomen zu sein scheint. Etwas anderes zu tun, würde nahelegen, daß ihre Arbeit von irgendeinem außerwissenschaftlichen Motiv bestimmt wird, statt dem einfachen Wunsch, die Wahrheit herauszufinden.
Obwohl eine mögliche Erklärung für die Zerstörung von WTC 7 allen anderen gegenüber bei weitem als wahrscheinlichste herausstach, insistierte NIST darauf, seine Arbeiten an einer anderen Hypothese auszurichten [vgl. 3. Kapitel].
Wenn zwei oder mehr Hypothesen gleichermaßen passend scheinen, sollte die einfachste bevorzugt werden
In einigen Fällen kann mehr als eine Erklärung für ein gewisses Phänomen gleichermaßen passend scheinen. Philosophen und Wissenschaftler sind sich weitestgehend einig, daß in solchen Fällen die einfachste Erklärung vorgezogen werden sollte. Dennoch gibt es große Uneinigkeit darüber, wie dieses Prinzip interpretiert werden sollte.
Dieses Prinzip wird oft nach dem Philosophen und Theologen aus dem vierzehnten Jahrhundert Wilhelm von Ockham (oder Occam) als »Ockhams Rasiermesser« bezeichnet. Eine seiner eigenen Formulierungen war das Prinzip der Sparsamkeit: »Es ist sinnlos, mehr zu tun, was weniger erfordert.«18 Francis Heylighen, derzeit Wissenschaftler an der Universität von Brüssel, zieht es vor, Ockhams Rasiermesser als das Prinzip zu formulieren, daß »man nicht von mehr Annahmen ausgehen sollte, als das notwendige Minimum.« Dieses Prinzip, fügt er hinzu, »mahnt uns, aus einer Reihe von ansonsten gleichwertigen Modellen eines bestimmten Phänomens das einfachste vorzuziehen.«19
Die wohl wichtigste und unumstrittenste Auslegung dieses Prinzips würde für Erklärungen von komplexen Ereignissen gelten, bei denen mehrere Phänomene zu erklären sind. Nehmen wir an, daß es sieben Phänomene (A, B, C, D, E, F, G) gibt und daß sie mit gleicher Eignung mit zwei verschiedenen Möglichkeiten erklärt werden können. Die erste Möglichkeit besteht darin, eine Hypothese vorzulegen, die mit A auch gleichzeitig B, C, D, E, F und G erklärt. Die zweite Möglichkeit besteht darin, eine Hypothese vorzulegen, um A zu erklären, eine weitere Hypothese, um B zu erklären, eine weitere, um C zu erklären, und so weiter. Nahezu jeder Wissenschaftler würde zustimmen, daß, wenn beide Ansätze gleichermaßen passend sind, um alle sieben Merkmale dieses komplexen Ereignisses zu erklären, der erste Ansatz bevorzugt werden sollte. Dies würde eindeutig Heylighens Maßgabe veranschaulichen, daß das einfachste Modell vorgezogen werden sollte. Und es würde das Prinzip der Sparsamkeit erfüllen, das durch Ockham befürwortet wird, das dahingehend interpretiert wird: Es ist sinnlos, ein komplexes Vorkommnis mit mehreren Hypothesen zu erklären, das ebenso gut mit einer einzigen Hypothese erklärt werden kann.
Dieses Prinzip spricht, wie wir später sehen werden, bezüglich der Zerstörung des WTC 7 eindeutig für die Sprengungshypothese.
Strohmann-Argumente sollten vermieden werden
Wenn Wissenschaftler weniger an einer echten Suche nach der Wahrheit interessiert sind, als an der Verteidigung einer Theorie, die auf außerwissenschaftlichen Überlegungen beruht, behandeln sie Argumente, die von Kritikern ihrer Position vorgebracht werden, häufig, indem sie »Strohmann-Argumente« angreifen. Das heißt, statt tatsächlich die Argumente von Kritikern zu erwidern, konstruieren sie solche, die leicht für null und nichtig erklärt werden können, schreiben diese Argumente dann den Kritikern zu und zeigen deren »Falschheit«. Dieser Ansatz erweckt zwar den Anschein, auf die Argumente der Kritiker einzugehen, während sie in Wirklichkeit nichts dergleichen tun.
Wenn Wissenschaftler auf diesen Ansatz zurückgreifen, bietet das einen guten Anhaltspunkt dafür, daß sie nicht ernsthaft auf der Suche nach der Wahrheit sind. Wären sie es, würden sie die Tatsache, daß sie die Argumente ihrer Kritiker nicht beantworten können, als Ansporn nutzen, ihre Position zu überarbeiten, um sie passender zu machen.
NIST benutzt Strohmann-Argumente [wie im 6. Kapitel wir sehen werden], um behaupten zu können, daß WTC 7 keinesfalls mit Hilfe von Sprengstoff zu Fall gebracht wurde.
Auf den ersten Blick scheinbar unplausible Behauptungen sollten nicht ohne gute Gründe aufgestellt werden
Viele wissenschaftliche Fortschritte kamen häufig von Wissenschaftlern, die Behauptungen aufstellten, die zu jenem Zeitpunkt den meisten ihrer Wissenschaftlerkollegen unplausibel erschienen. Dies war beispielsweise sicherlich bei der Quantentheorie der Fall. Es ist daher kein Grundprinzip der Wissenschaft, daß ihre Experten keine unplausiblen Behauptungen aufstellen dürfen. Das Grundprinzip lautet, daß sie es nicht ohne guten Grund tun sollten. Die Begründer der Quantentheorie erfüllten diese Bedingung dadurch, daß sie auf der einen Seite zeigten, daß die Grundannahmen der Newtonschen Physik schlichtweg nicht mit den Interaktionen umgehen konnten, die auf Quantenebene auftraten und auf der anderen Seite zeigten, daß ihre neue Theorie – so eigenartig sie auch erscheinen mochte – sehr genaue Vorhersagen lieferte.
Dadurch überzeugten die Begründer der Quantentheorie ihre Kollegen, daß, obwohl ihre Behauptungen prima facie (oberflächlich gesehen) unplausibel waren, sie – bei tiefergehender Betrachtung – in Wirklichkeit am Ende doch nicht unplausibel waren. Diese Entwicklung spiegelt die Tatsache wider, daß »Plausibilität« ein subjektives Urteil ist, das lediglich in den Gedanken des Betrachters existiert. Eine vollständigere Formulierung des Grundsatzes wäre daher: »Stelle keine prima facie unplausiblen Behauptungen ohne gute Gründe auf.«
Ein bekanntes Diktum drückt dieses Prinzip folgendermaßen aus: »Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise.« Dieses Diktum kann als ein Grundprinzip ausgedrückt werden: Außergewöhnliche Behauptungen sollten durch außergewöhnliche Beweise untermauert werden.
NIST stellt, wie wir in Teil II dieses Buches sehen werden, verschiedene außergewöhnliche Behauptungen auf. Weit davon entfernt, sie durch außergewöhnliche Beweise zu stützen, legt die Behörde jedoch sehr schwache Beweise vor.
Wie das Beispiel der Quantentheorie zudem zeigt, kann das Vorlegen guter Gründe für eine zunächst unplausible Behauptung mehr erfordern, als nur das Vorlegen stichhaltiger Beweise. Die Begründer der Quantentheorie zeigten ebenfalls, daß die bisher anerkannten Prinzipien der Physik nicht mit den neuen Daten umgehen konnten, die auf den elementarsten Ebenen der Natur entdeckt wurden. Die außergewöhnlichen – zunächst unplausiblen – Behauptungen waren notwendig, um dieser neuen Reihe von Ergebnissen Rechnung zu tragen.
NIST tat hingegen nichts Vergleichbares. Obwohl es die NIST-Theorie – daß WTC 7 aufgrund von Feuer zu Fall gebracht wurde – erfordert, verschiedene unplausible Behauptungen aufzustellen, gibt NIST an keiner Stelle einen guten – das heißt, einen wissenschaftlichen – Grund an, warum es die erklärenden Prinzipien zurückwies, die erfolgreich die Einstürze aller Stahlskelett-Hochhäuser erklärt hatten, die sowohl vor als auch nach dem 11. September 2001 stattfanden.
Einige der unplausiblen Behauptungen, die NIST aufstellte, beinhalten darüber hinaus Verstöße gegen zwei weitere Grundprinzipien, die als nächstes behandelt werden.
Beispiellose Ursachen sollten nicht ohne gute Gründe postuliert werden, um geläufige Vorkommnisse zu erklären
Angesichts der Regelmäßigkeit der Natur – welche von der Wissenschaft sowohl vorausgesetzt und als auch kontinuierlich bestätigt wird – nehmen wir richtigerweise an, daß – es sei denn, es existieren außergewöhnliche Beweise für das Gegenteil – jedes Beispiel eines bekannten Ereignisses durch die gleichen ursächlichen Faktoren hervorgerufen wurde, die auch die vorherigen Beispiele hervorgerufen hatten. Diese Erwartung wird in einem Diktum ausgedrückt: »Ähnliche Effekte implizieren ähnliche Ursachen.«
Kein besseres Beispiel kann geboten werden, als dasjenige, das in diesem Buch zur Debatte steht. Der rasche und vollständige Einsturz von Stahlskelett-Hochhäusern ist ein bekanntes Vorkommnis mit Dutzenden von Beispielen, von denen einige im Fernsehen gezeigt wurden. In jedem Beispiel vor und nach dem 11. September 2001 wurde der Einsturz mit Hilfe von Sprengstoffen durch diejenige Methode verursacht, die als kontrollierte Sprengung bekannt ist. In Form einer kontrollierten Sprengung, die als Implosion bekannt ist, stürzt das Gebäude in der Regel senkrecht nach unten mit einer Beschleunigung in der Nähe des freien Falls. Ohne stichhaltige Beweise für das Gegenteil würden Wissenschaftler daher natürlich und richtigerweise vermuten, daß die Zwillingstürme und WTC 7, die senkrecht im freien Fall beziehungsweise fast im freien Fall einstürzten, mithilfe von Sprengstoffen zum Einsturz gebracht wurden.
NIST behauptet jedoch, daß diese drei Einstürze – trotz ihrer Ähnlichkeit mit Implosionen – durch völlig andere Ursachen hervorgerufen wurden. Hinsichtlich WTC 7 im Speziellen soll angeblich die beispiellose Ursache Wärmedehnung von Stahl gewesen sein, die durch Feuer in dem Gebäude verursacht wurde.
NIST liefert damit ein perfektes Beispiel für eine Behauptung, die zunächst – oder prima facie – unplausibel ist. NIST hätte diese prima facie unplausible Behauptung in eine plausible Behauptung nur durch (1) das Vorlegen sehr stichhaltiger Beweise für seine Behauptung, daß keine Sprengstoffe verwendet wurde, und (2) das Vorlegen einer plausiblen alternativen Theorie, die den senkrechten Einsturz von WTC 7 fast mit Frei-Fall-Beschleunigung berücksichtigt, umwandeln könnte. [Wie wir im 6. bis 10. Kapitel sehen werden,] NIST scheiterte jedoch in beiderlei Hinsicht.
Wissenschaftler sollten keine Behauptungen aufstellen, die implizieren, daß Naturgesetze verletzt wurden
Die unplausibelste Behauptung, die Wissenschaftler aufstellen können, abgesehen von denen, die interne Widersprüche beinhalten, sind diejenigen, die implizieren, daß eins oder mehrere der grundlegenden Naturgesetze –auch physikalische Gesetze genannt – verletzt wurden. Eine angebliche Verletzung der Naturgesetze wäre im traditionellen Sinne des Wortes ein Wunder: Eine Unterbrechung der normalen Naturgesetze aufgrund einer übernatürlichen Ursache. Es ist praktisch überall in der wissenschaftlichen Gemeinschaft akzeptiert, daß Wunder – als solche verstanden – nicht passieren. Dieses Prinzip wird selbst von vielen Theologen akzeptiert.20
Doch trotz der Tatsache, daß dieses Prinzip weitgehend akzeptiert ist, sind einige Wissenschaftler – wie manche Philosophen und Theologen – gelegentlich versucht, wenn sie Schwierigkeiten haben, für bestimmte Phänomen eine Erklärung zu finden, dieses Prinzip zu verletzen. Diese Tatsache wird in einer bekannten Karikatur verspottet, in der ein Physiker eine Kreidetafel nutzt, um eine fachspezifische Erklärung zu liefern. Nach dem Beschriften der Tafel mit einer Reihe von Formeln schrieb er am Ende: »Dann geschieht ein Wunder.«21 Die Versuchung, zu dieser Lösung zu greifen, wenn keine wirklichkeitsnahe Erklärung möglich scheint, wird durch die Tatsache illustriert, daß ein bekannter Philosoph selbst, nach der anerkennenden Bezugnahme auf diese Karikatur, bei dem Versuch, die Entstehung des Geistes aus Materie zu erklären, implizit ein Wunder bejahte.22
Es ist vielleicht keine Überraschung, daß [wie wir im 10. Kapitel sehen werden] NIST dieser Versuchung erlag. Mit der Entwicklung einer Theorie des Einsturzes von WTC 7, die nicht zuließ, daß das Gebäude den freien Fall erreicht, stritt NIST in seinem Entwurfsbericht von August 2008 ab, daß dies bei WTC 7 passierte. Aber nachdem öffentlich Beweise für das Gegenteil vorgebracht wurden, gestand NIST in seinem Abschlussbericht, der im November veröffentlicht wurde, ein, daß das Gebäude für über zwei Sekunden Frei-Fall-Beschleunigung erreichte – obwohl NISTs Theorie bestritt, daß Sprengstoffe verwendet worden waren, um die Stahlsäulen zu entfernen, und den freien Fall nicht einkalkuliert hatte. NIST implizierte hierdurch, daß ein Wunder geschehen war.
Wissenschaftliche Arbeiten müssen vor der Veröffentlichung von Fachkollegen überprüft werden
Es ist gängige Praxis, daß, bevor wissenschaftliche Berichte veröffentlicht werden, sie von anderen Wissenschaftlern, den »Peers [Kollegen]« im Sinne des Teilens von Kompetenz im jeweiligen Fachgebiet, im sogenannten Peer-Review-Verfahren überprüft werden sollten. Unabhängig davon, ob die Berichte als Bücher oder als Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht werden sollen, schicken Herausgeber diese in der Regel an zwei oder drei andere Wissenschaftler, die zugestimmt haben, als Gutachter zu fungieren. Wenn diese Gutachter erkennen lassen, daß die Berichte schwerwiegende Probleme enthalten, werden die Herausgeber die Veröffentlichung zurückhalten, bis die Autoren zufriedenstellend auf die Kritik reagiert haben.
Obwohl der Begutachtungsprozess nur unvollkommen funktioniert,23 ist er doch weitaus besser als nichts. Wissenschaftler, die versucht sind, Beweise zu erfinden, zu ignorieren oder anderweitig zu verfälschen, werden dies mit geringerer Wahrscheinlichkeit tun, wenn sie wissen, daß unabhängige Experten ihre Arbeit überprüfen werden. Sie werden auch eher die anderen oben erörterten unwissenschaftlichen Methoden vermeiden, wie die Zurückweisung der wahrscheinlichsten Hypothesen, das Angreifen von Strohmann-Argumenten, das Aufstellen unplausibler Behauptungen ohne gute Gründe, das Zuschreiben beispielloser Ursachen für gewöhnliche Vorkommnisse und das Implizieren, daß Naturgesetze verletzt wurden.
Der NIST-Bericht zu WTC 7 wurde jedoch keinem (Peer-Review-) Begutachtungsverfahren unterworfen. NIST hat, wie wir sehen werden, die Öffentlichkeit und somit andere Wissenschaftlern eingeladen, »Kommentare« dazu einzubringen. Doch es gab keinen neutralen Schiedsrichter, der von NIST verlangte, in verantwortungsvoller Weise auf die Kritik zu reagieren. Und, wie wir sehen werden, ignorierte NIST diese Kritik(punkte) zum größten Teil einfach – wodurch es dabei versagte, noch nicht einmal pro forma dem Standard-Überprüfungsverfahren der wissenschaftlichen Gemeinschaft Respekt zu zollen.
Nachdem in diesem Kapitel eine Reihe von Prinzipien der wissenschaftlichen Methode aufgezeigt wurden, werde ich in den folgenden Kapiteln zeigen, daß NIST diese verletzt hat, was darauf hindeutet, daß es als politische und nicht als eine wissenschaftliche Behörde handelte. ...
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Anmerkungen finden Sie in David Ray Griffins Buch “Der mysteriöse Einsturz von ...” bei Peace-Press.org, Berlin 2017.
Den Text finden Sie auch zum Download hier.