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Elza Sile arbeitet konzeptuell und medienübergreifend. Doch ihren Worten gemäss versteht sie sich als Malerin. Nun zeigt sie in den Galerieräumen Spielanordnungen, die geistige Räume darstellen und zur Partizipation auffordern. Als Teil des Spiels kann das Publikum sich selbst beim Spielen beobachten.
Mal trägt Elza Sile (*1989, Riga, und lebt in Zürich) die Farbe sorgfältig und detailliert auf, mal kombiniert sie roh belassene Farbwürste mit alltäglichen Gegenständen. Es entstehen bastelartig anmutende Arbeiten, die auf Aluminiumplatten montiert sind und sich als architektonische Modelle, seltsame Landschaften oder Spielplätze entpuppen. Sie sind mit Springbrunnen und einem mit Pflanzen geschmückten Platz, einer Gitterstruktur oder einer zu einer Plattform führenden Treppe möbliert. Andernorts erweisen sich die Kompositionen als Sets aus Ordnungen, lose Systematisierungen oder Fallen. Sie zeigen Tätowierungsnarben, Nähte, und von hinten blind in Metall geritzte Linien, X-Formen oder mit Schraubenzieher gestanzte, aneinandergereihte Punkte. Verstreut finden sich Fotografien von Leuten aus einer Enzyklopädie oder ein formloses Gebilde neben einem Farbklumpen und feine Wattebauschspuren.
Während der letzten zwölf Jahre hat die ZHdK–Diplomandin, die 2019 ihren Master of Fine Arts erlangte und 2020 einen Preis der kantonalen Werkschau erhielt, solch malerisch-konzeptuelle Rahmenwerke geschaffen. Wie sie mir erzählte, war sie «neugierig auf die Reaktionsweise unseres Verstandes auf verschiedene Rahmenwerke und auf das unterschiedliche Material, mit dem sie Erinnerungen und Gedanken konkretisiert».
Der Ausstellungstitel «Kitten in a Fridge» bezieht sich auf ein berühmtes, physikalisches Gedankenexperiment, das der Physiker Erwin Schrödinger (1887-1961) 1935 beschrieb. Dabei imaginierte er eine Katze in einer Schachtel, deren Leben davon abhängt, ob ein einzelnes radioaktives Atom zerfällt oder nicht. Solange gemäss Erkenntnis der Quantenmechanik niemand dieses Atom beobachtet, befindet es sich in einer Überlagerung aus zwei Zuständen: zerfallen und nicht zerfallen. Da dieses Atom über das Leben der Katze entscheidet, müsste sie sich in einer Überlagerung aus tot und lebendig befinden. Für Schrödinger, dem die Quantenmechanik die Wellengleichung verdankt, war das mehr ein Beispiel, dass mit der klassischen Deutung der Quantenmechanik etwas nicht stimmen konnte. Mit diesem hypothetischen Versuch stellte Schrödinger die Übertragung quantenmechanischer Begriffe auf die makroskopische Welt als Paradoxon dar. Von Paradoxa leben Siles mit unzähligen Möglichkeiten eingebauten Spielanordnungen. Kaum glauben wir ein Element identifiziert zu haben, verwandelt es sich bereits in ein anderes. Daher suchen wir nach haltgebenden Mustern, müssen allerdings befürchten, dass wir vielleicht durch die Gitterstrukturen fallen und in eine mögliche Falle geraten.
Galerie Philipp Zollinger, Zürich, bis 17. April 2021 http://philippzollinger.com