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Honiara, Solomon Islands, 28. Oktober 2003
Habe gehört, dass Frankreichs Gesundheitssystem nicht besser ist als dieses hier auf den Salomon Inseln.
Habe gelernt, dass man ab diesem Jahr im Sommer auch in den Tropen, wie hier zum Beispiel, frischere Luft als in der Schweiz finden kann.
Seit unserer Ankunft in Honiara sind mehrere Monate vergangen. Nach dem beruflichen Abstecher in die Schweiz bin ich wieder in Honiara und beginne jetzt das zweite Halbjahr.
Effektiv waren wir zwei Wochen weg von Honiara. Ich hatte ein Bewerbungsgespräch in Bern für eine Stelle in der Chirurgie an der Insel.
Auf dem Hinweg hatten wir Gelegenheit Tokio zu besuchen, und auf dem Rückweg konnten wir einen kurzen Blick auf Hongkong werfen. Ich blieb nur vier Tage in der Schweiz und hatte zwischen privat-familiären und beruflichen Terminen nicht viel Zeit für Freunde oder Freuden der alten Welt. Meine innere Uhr blieb auch auf die der Salomon Inseln eingestellt, was die Arbeitsaufnahme nach den Ferien gewaltig erleichterte.
Wie bereits anderweitig und kompetent berichtet, sorgt die australische Armee, dass die wenigen gewalttätigen lokalen Gauner die (zwei Haupt-) Inseln in Ruhe lassen. Sie stärkt der Regierung und mit der multinationalen (von verschiedenen Nachbarländern gestellte) "Friendly Police" der lokalen Polizei etwas den Rücken. Sonst hat sich in Honiara nicht viel geändert. Es gibt in der letzten Zeit fast keine Stromunterbrüche mehr und das Spital hat fast immer fliessendes Wasser. Der Hauptstromgenerator der Stadt in unmittelbarer Nähe unseres Wohnortes wurde repariert. Ein Ingenieur der australischen Armee hat das chronische Wasserproblem im Spital angeschaut und hat herausgefunden, dass die Spitalhauptwasserleitung ganz einfach verstopft war. Die Spitalklempner waren zu faul um diesem Problem effizient nachzugehen. Es ist zu hoffen, dass die wieder zunehmenden kleineren Unterbrüche beim Strom und beim Wasser in der Stadt und im Spital nicht auf einer zu hohen Anpassungsfähigkeit der Australier gründen.
Dieser Tage ziehen die ersten Logistiktruppen der Australier bereits wieder ab. PolizistInnen und TerritorialsoldatInnen bleiben allerdings, sehr zur Freude des lokalen "Amts"-blattes, des regierungsnahen "Solomon Star", der deren Einsatz lobt und die wieder gefundene und stabilisierte Sicherheit und Bewegungsfreiheit schätzt.
Die Telepathologie läuft jetzt besser denn je. Ich habe nur noch eine beratende Rolle und muss ab und zu den Computer wieder in Stand bringen. Jessica kann im Hintergrund bleiben. Allerdings wurden die angebotenen Einführungstermine immer noch nicht wahrgenommen. Die vereinbarten Termine wurden von den LaborantInnen vergessen oder verpasst. Aber Jessica bleibt ja noch vier Monate in "Stand-by".
Der Frühling auf der Südhalbkugel ist vielversprechend. Die Mangos auf den luftigeren Höhen von Honiara sind bald reif.
In der Stadt hat eine Türkin ein Lokal mit echten und auch echt guten Kaffees eröffnet.
Die Marktfrauen verscheuchen auf immer gleiche Art, die immer gleichen Fliegen auf den immer gleichen meist frischen Fischen.
Jon Andri Lutz
© Oktober 2003 Jon Andri Lutz