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06.09.2023 – Gewitter und Starkniederschläge haben ab dem 25. August die Trockenperiode und Hitzewelle in der Schweiz beendet. Die grossen Regenmengen der letzten Augusttage haben vor allem in der Süd- und Ostschweiz zu einem raschen und starken Anstieg der Pegel von Flüssen und Seen sowie an manchen Orten zu Überschwemmungen geführt.
Ab Mitte August herrschte in der Schweiz eine langanhaltende Hitzewelle. Da auch seit längerer Zeit keine grösseren Regenmengen gefallen waren, führten die Gewässer in fast allen Regionen Niedrigwasser. An vielen Messstationen an kleineren und mittelgrossen Flüssen, insbesondere im Mittelland und in der Westschweiz, wurden Niedrigwasserabflüsse beobachtet, wie sie statistisch gesehen nur alle 2 bis 10 Jahre, teilweise auch seltener, auftreten. Die Wasserstände der Tessiner Seen waren sehr tief.
Anders war die Situation im Hochgebirge: Aufgrund der starken Gletscherschmelze gab es in den betroffenen Einzugsgebieten der Alpen ausgeprägte Tagesgänge der Abflüsse. Im Wallis erreichte so zum Beispiel der Abfluss der Massa bei Blatten Mitte August zeitweise die Hochwassergefahrenstufe 2. Dies trotz ausbleibendem Niederschlag.
Aussergewöhnlich grosse Regenmengen
Ab dem 25. August setzte dann der Regen ein. Ein Genua-Tief sorgte für intensive Niederschläge. Diese konzentrierten sich am Wochenende vom 26. und 27. August noch mehrheitlich auf die Alpensüdseite und die östlichen Alpen, dehnten sich dann aber bis am Montag und Dienstag auf die restlichen Alpen und die Alpennordseite aus. Besonders ergiebig waren die Niederschläge auf der Alpensüdseite und im Kanton Graubünden. Im unteren Maggia- und Verzascatal, im Locarnese, im Gebiet um Biasca und im oberen Misox fielen 3-Tages-Summen von 250 bis 300 mm, lokal sogar bis zu 400 mm Niederschlag. Da die Schneefallgrenze sehr hoch lag, fiel der meiste Niederschlag in Form von Regen und wurde auch im Gebirge nicht als Schnee zwischengespeichert.
Eine umfassende Einordnung des Niederschlags-Ereignisses mit einer Zusammenstellung der gefallenen Regenmengen ist in den Blog-Beiträgen von MeteoSchweiz zu finden:
Hochwasser in der Süd- und Ostschweiz
Die Gewässer reagierten rasch auf die grossen Niederschlagsmengen. Trotz zuvor tiefer Pegel, erreichten viele Flüsse in der Süd-, Zentral- und Ostschweiz Abflüsse im Bereich der Hochwassergefahrenstufen 2 bis 3, im Engadin auch der Gefahrenstufen 4 und 5 (siehe Karte).
An vielen Messstationen des BAFU wurden Abflüsse verzeichnet, wie sie durchschnittlich ungefähr alle zwei bis fünf Jahre auftreten. Bei einigen Flüssen waren es hingegen Werte, die etwa alle fünf bis zehn Jahre oder noch seltener zu erwarten sind (siehe «Die höchsten Hochwasser-Messwerte an den BAFU-Messstationen vom 26. bis 31.08.2023» weiter unten).
Trotz der grossen Regenmengen wurden nur an wenigen Messstationen neue Höchstwerte für den Monat August bzw. neue absolute Höchstwerte registriert. In anderen Jahren stiegen die Pegel nach vergleichbaren Niederschlägen deutlich höher an. Dank des vorangegangenen Niedrigwassers fielen die Hochwasser nicht schlimmer aus.
Anstieg des Lago Maggiore
Als Folge der grossen Regen- und Abflussmengen im Tessin stieg auch der Pegel des Lago Maggiore deutlich an. Vor dem Ereignis wies der See einen für die Jahreszeit sehr tiefen Wasserstand auf (siehe Abbildung). Vom 26. bis 29. August stieg der Pegel dann um 1.40 m an.
Gefahrenstufen 4 und 5 im Engadin
Viel Regen gab es auch im Engadin. Da auch dort die Schneefallgrenze aussergewöhnlich hoch lag, fiel der Niederschlag auch im Hochgebirge als Regen und liess die Flüsse rasch und stark ansteigen. So erreichte der Rosegbach bei Pontresina am 28. August sein Maximum mit 116 m3/s, was der Gefahrenstufe 5 entspricht. Damit lag der Abfluss deutlich höher als der bisherige Höchstwert von 67.5 m3/s aus dem Jahr 1956. Die hohen Zuflüsse liessen den Inn anschwellen, sodass er bis zur Landesgrenze bei Martina (GR) die Gefahrenstufe 4 erreichte.
Jahrhundert-Hochwasser am Alpenrhein?
In den Medien war zu lesen, dass der Alpenrhein über die Ufer getreten und sein Wasserstand so hoch sei wie schon lange nicht mehr. Ein Blick in die Statistik des BAFU zeigt, dass der Rhein-Pegel bei Diepoldsau in den vergangenen Jahren mehrmals stark angestiegen ist: Das Rheinvorland wurde auch in den Jahren 2016 und 2019 sowie zweimal im Jahr 2020 überflutet. Ein Abfluss von 1994 m3/s, wie er am 28. August am Rhein verzeichnet wurde, ereignet sich durchschnittlich etwa alle zehn Jahre. Das Alpenrhein-Hochwasser des letzten Augustwochenendes 2023 war also kein «Jahrhundert-Hochwasser».
Dennoch waren die Bilder vom Alpenrhein beeindruckend, standen doch an einigen Stellen angrenzende Fuss- und Radwege unter Wasser. Das Rheinvorland ist aber genau für diesen Fall ausgelegt: Bei einem Hochwasser dieser Grössenordnung kann der Rhein aus dem Mittelgerinne in die beidseitig gelegenen Vorländer ausufern. So gelangt das Wasser nicht in die Siedlungsgebiete.
Besonderheit am Bodensee
Ein besonderes Phänomen konnte am Montag, den 28. August am Bodensee beobachtet werden: Durch die vorangegangene Hitzewelle war das Wasser des Bodensees sehr warm. Die kalte Luftmasse, die über den See in Richtung Schweizer Ufer strömte, konnte sich erwärmen und dabei viel Feuchtigkeit aufnehmen. Diese Feuchtigkeit hat sich dann beim Überströmen der ersten Hügelketten im Appenzellerland in Form von Regen niedergeschlagen. So kam es in den umliegenden Gebieten wiederholt zu intensiven Regenfällen. Dies führte zu einem markanten Anstieg der Goldach und der Sitter auf die Gefahrenstufen 3 resp. 2.
Wenig Regen in der Westschweiz
Eindrücklich sind die Unterschiede in den Regenmengen: In der Westschweiz und im Jura blieben die grossen Niederschläge aus. Dies zeigt sich zum Beispiel am Lac des Brenets (NE), wo der Pegel unverändert tief lag und die Schifffahrt wegen Niedrigwasser eingestellt blieb.
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Letzte Änderung 13.09.2023