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Allgemeines
Die Berufsfischerei im Bodensee ist schon seit Jahrhunderten ein wichtigerWirtschaftszweig. Bereits im Mittelalter wurde mit Bodenseefischen ein regerHandel betrieben, wobei die hauptberuflichen Beschäftigten auch heute nochalten, eingesessenen Fischereigeschlechtern entstammen.Auch die Berufsfischerei am Bodensee ist durch die Übereinkunft betreffend dieAnwendung gleicher Bestimmungen für die Fischerei im Bodensee vom 5. Juli1893 (Bregenzer Übereinkunft) geregelt.Im Sinne dieser Beschlüsse gilt als
- Bodensee - der Bodensee-Obersee einschließlich des Überlinger Sees bis zuralten Konstanzer Brücke;
- die Halde - der an das Ufer anschließende Teil des Bodensees, dessenWassertiefe 25 Meter nicht übersteigt;
- der "Hohe See" - der außerhalb der Halde gelegene Teil des Bodensees.
Als Vertragsstaaten gelten das Land Baden-Württemberg, der Freistaat Bayern,das Fürstentum Liechtenstein, die Schweiz, sowie die Republik Österreich.
Zugelassene Fanggeräte
Die Berufsfischerei darf auf Grund der Beschlüsse nur mit den nachfolgendangeführten Fanggeräten ausgeübt werden.
Auf der Halde mit:
Spannsätzen, Bodennetzen, Trappnetzen, Reusen, Legeschnüren,Sandfelchensätzen;
Auf dem hohen See mit:
Schwebsätzen, Ankersätzen, Forellensätzen, Bodennetzen, Reusen undLegeschnüren;Netze und Reusen dürfen nur verwendet werden, wenn sie den Vorschriftenentsprechen und vom zuständigen Fischereiaufseher plombiert worden sind.Nach der Plombierung dürfen die Fanggeräte nicht mehr verändert werden.Die Maschenweite der Netze wird in nassem Zustand ermittelt, indem die Fädenvon jeweils 10 waagrecht nebeneinander liegenden Fäden über eine Höhe von 5Maschen zusammengefasst und mit einem Gewicht von 1 kg belastet werden.Die Höhe der Netze wird anhand einer Tabelle berechnet.
Netze und Legeschnüre sind mit Bojen oder Bauchen zu kennzeichnen, wobeiBojen mit Vor- und Nachname und Bauchen mit den entsprechendenAnfangsbuchstaben des Berufsfischernamens zu versehen sind.Für das Setzen und Heben der Netze gelten die Fischereizeiten (KonstanzerZeit).Funkpeilgeräte für das leichtere Auffinden von Schwebsätzen auf dem HohenSee sind zugelassen, wenn die Fischereiaufsichtsorgane über die eingesetztenGeräte und Senderfrequenzen in Kenntnis gesetzt werden.
Erklärungen zu den einzelnen Fanggeräten
Ankersätze
(Spannsätze)sind einwandige Netze, die an beiden Enden verankert sind. Beide Ankerbefinden sich auf der Halde. Netze für Ankersätze haben eine Länge von 100 mbei einer Höhe von 2 m. Die Länge des gesamten Satzes darf 500 m nichtüberschreiten.
Bodennetze
sind einwandige Netze. Die Schwimmer befinden sich direkt an der Oberkante(Oberähre). Die Unterkante (Unterähre) ist beschwert und senkt sich auf denSeeboden. Das Netz steht also auf dem Grund. An der Wasseroberfläche sind anden Enden zwei Bauchen zu erkennen. Die Länge der Bodennetze beträgt 100 mbei einer Höhe von höchstens 2 m. An Sonn- und Feiertagen dürfen Bodennetzeerst ab 17.00 Uhr gesetzt werden. Meist werden 2 Netze zu einem Satzverbunden. Beim Auslegen der Bodennetze wird immer ein sogenannter „KEHR“gefahren, d. h. das Ende der Netze ist nicht unmittelbar in der Nähe derBauchen. Diese Netze werden im rechten Winkel zur Halde gesetzt.
Trappnetze
sind Netze mit einem langen Leitnetz (Leiter) und mehreren Irrkammern. Siewerden mittels Holzstangen in einer Tiefe von höchstens 2 m verankert.Trappnetze dürfen nicht aus monofilem Material bestehen und können das ganzeJahr über verwendet werden. Sie müssen mindestens jeden zweiten Tag geleertwerden. Pro Patent darf nur ein Trappnetz verwendet werden.
Reusen
sind Netze, die ebenfalls nicht aus monofilem Material bestehen dürfen. DasLeitnetz darf höchstens 6 m lang sein. Drahtreusen sind verboten! Reusenwerden hauptsächlich für den Aalfang verwendet.
Legschnüre
dürfen von den Berufsfischern während des ganzen Jahres in beliebiger Anzahlund mit beliebig vielen Anbissstellen (Angelhaken) verwendet werden. DieLegschnüre müssen täglich gehoben bzw. geleert werden.
Schwebsätze
sind frei treibende, einfache Netzwände, an deren Oberähren sich kleineBauchen befinden. An den Enden sind sie mit Holzkreuzen und Fähnchen (mitdem Namen des Berufsfischers) gekennzeichnet. Schwebnetze haben eineLänge von 120 m bei einer Höhe von 7 m. Schwimmfähige Oberähren (wie z.B.beim Bodennetz) sind nicht zugelassen. Zwischen den Holzkreuzen befinden sichin 10 - 20 m Abstand Bauchen. Diese dienen zur Regulierung der Netztiefe. ProPatentinhaber können 4 Netze zu einem Satz verbunden werden. Schwebsätzesind daher bis zu 480 m lang und dürfen nur über Nacht gesetzt werden. Einsatzerfolgt hauptsächlich für den Felchenfang.
Forellensätze
sind wie Ankersätze beschaffen. Allerdings haben sie eine Maschenweite vonmindestens 70 mm. Die Netzlänge beträgt höchstens 100 m, die Höhe 5 m. DieFadenstärke ist mindestens 0,20 mm. Sie haben keine schwimmendenOberähren und bestehen nicht aus Monofil. Es dürfen höchstens drei Netze zueinem Satz verbunden werden und der gesamte Satz muss an beiden Endenverankert werden.
Sandfelchensätze
sind an beiden Enden ebenfalls verankert. Die uferseitige Verankerung muss sichauf höchstens 5 m Wassertiefe befinden. Die Länge beträgt 100 m und die Höheliegt bei 5 m.
Vorsichtsmassnahmen (Wichtig!)
Bei der Ausübung der Angelfischerei auf dem Bodensee ist unbedingt darauf zuachten, dass nicht zu nahe an den Netzen gefischt wird. D. h. der Abstand mussso gewählt werden, dass es zu keinen Netzbeschädigungen kommen kann.Das ANKERN muss in Netznähe vermieden werden. Beim Wechseln des Fangplatzes muss der Anker gänzlich ins Boot gehobenwerden.Sollte es trotzdem zu einer Beschädigung eines Netzes kommen, so ist mit dembetroffenen Berufsfischer (ev. auch mit dem Fischerverein) Kontakt aufzunehmenund der verursachte Schaden wieder gut zu machen.
Besonderheiten
Laichfischfang auf Blaufelchen und Gangfisch
Um den Fortbestand dieser Fischarten sicherzustellen, wird den Berufsfischernvon der Landesregierung erlaubt, während der Felchenschonzeit den Laichfischfang zu betreiben. Je nach Laichreife der Felchen (meistens Anfang bis Mitte Dezember) wird die vom Landesfischereiaufseher angeordnete AnzahlNetze von den Berufsfischern gesetzt und das aus den Fängen gewonnene Laichmaterial muss in den Fischzuchtanstalten abgeliefert werden.Die Erbrütung der Felcheneier erfolgt in Zugergläsern. Sie werden kalt erbrütet. Schlüpfzeit und Einsatz ist etwa Feber bis Mai.