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Visualisierungen: früher und heute
Zahlen erhalten dank Visualisierungen ein Gesicht und werden so verständlicher. Die gestalterischen und technischen Möglichkeiten haben sich im Laufe der Jahre gewandelt und sind heute grösser denn je. (05.06.2018)
Charles Joseph Minard leistete mit seiner Grafik über Napoleons Russlandfeldzug einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Visualisierungen. Die Visualisierung zeigt ein Sankey-Diagramm des Russlandfeldzugs 1812/13. Trotz der damals bescheidenen technischen Möglichkeiten konnten mehrere Variablen abgebildet werden. Geografische Merkmale sind erkennbar, die Truppenstärke, deren Aufteilung und Vereinigung, die Marschrichtung, eine Zeitachse und sogar die Temperatur werden angegeben.
Seit damals entwickelten sich Visualisierungen immer weiter, wurden farbiger und wanderten vom Papier auf den Bildschirm. Damit vervielfachten sich die gestalterischen Möglichkeiten.
Auch wir haben seit unserer Gründung auf Visualisierungen gesetzt, um statische Informationen greifbarer zu machen. Die Jahrbücher und statistischen Nachrichten wurden jeweils um grafische Elemente ergänzt. Zudem wurden diverse Visualisierungen auf grosse Plakate und Holztafeln gedruckt. Im nächsten Abschnitt werden zwei ausgewählte Visualisierungen vorgestellt.
Stadt Zürich – Bevölkerungszunahme, um 1930
Jeweils für vier Perioden wird die Bevölkerungszunahme abgebildet. Dazu werden die Mehrzuzüge und der Geburtenüberschuss dargestellt, jeweils aufgeteilt nach Schweizern und Ausländern (die weibliche Form wurde damals noch nicht verwendet). Eindrücklich sichtbar ist der Einfluss des Ersten Weltkriegs auf die Mehrzuzüge in der Periode 1911 bis 1920. In diesem Zeitraum gab es keine Mehrzuzüge von Ausländerinnen und Ausländern.
Ein weiteres Highlight der Visualisierung ist der Hauptbahnhof mit der Darstellung des Einwanderungswegs aus der Bahnhofshalle auf die Bahnhofstrasse. Mit einfachen Mitteln wurde das Thema der Zuwanderung grafisch umgesetzt.
Altersaufbau der Bevölkerung der Stadt Zürich, 1910
Die Bevölkerungspyramide ist ein Klassiker unter den Visualisierungen und fand bereits im Jahr 1910 Verwendung. Die einfache Bildsprache half schon damals, einen Überblick über die Altersstruktur zu erhalten. So werden demografische Entwicklungen wie eine Überalterung der Bevölkerung schnell erkannt. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts hatte die Bevölkerungspyramide die Form eines Tannenbaums. Diese Form ist typisch für Grossstädte und Universitätsstädte, in denen viele Personen zwischen 20 und 35 Jahren leben. Im Vergleich zu heute war der Stamm des Tannenbaums damals aber noch breiter. Da sich die Bevölkerungspyramide als bevorzugte Variante der Visualisierung von Altersstrukturen bewährte, befindet sie sich noch heute auf unserer Webseite.
Visualisierungen heute
Dank der Digitalisierung haben wir heute viel mehr Möglichkeiten, Daten visuell aufzubereiten. Die Visualisierung auf dem Bildschirm lässt sich vom User beliebig anpassen, sie bewegt sich und kann mehrdimensional sein. Sie wird interaktiv. Bilder, Symbole, Buttons, Tooltips und weitere Hilfsmittel geben den Machern von Visualisierungen viele Werkzeuge an die Hand. All diese gestalterischen Möglichkeiten erlauben die Erarbeitung innovativer Visualisierungen. So lassen sich Geschichten neu und kreativ erzählen.
Zur Vermittlung statistischer Informationen ziehen wir Visualisierungen unterstützend bei. Es gilt jedoch, die grosse Bandbreite an interaktiven und visuellen Möglichkeiten auf die wesentlichen Elemente zu reduzieren. Im Vordergrund steht die Zahl, die verständlich erklärt wird. Der User sollte nicht von der Visualisierung erschlagen werden und die eigentliche Information der Zahl übersehen.
Am Beispiel der Bevölkerungspyramide sieht man, dass die Form der Pyramide die Kernaussage ist. Man erkennt, in welcher Altersklasse am meisten Personen in der Stadt Zürich wohnen. Dank den Farben lassen sich die beiden Geschlechter unterscheiden. Durch den Tooltip kann die genaue Anzahl ermittelt werden, und die Buttons erlauben die Unterscheidung der Bevölkerung nach Herkunft. Diese Funktionen erlauben dem User, zusätzliche Informationen aus der Grafik zu ziehen.
D3 als Open-Source
Dazu setzen wir seit einiger Zeit unsere D3-Library ein, welche zusammen mit dem Studio für digitales Design Interactive Things entwickelt wurde. Die Visualisierungen orientieren sich an einem schlichten Design und ermöglichen eine ruhige Darstellung der Daten. Einzelne interaktive Elemente werden in die Visualisierung eingebunden, ohne sich aber in den Vordergrund zu drängen. Dank Responsive Design lassen sich die Visualisierungen auf unterschiedlichen Geräten anzeigen.
Da wir uns seit Jahren konsequent für Open Data einsetzen, ist die D3-Library seit Dezember 2017 ebenso frei auf GitHub verfügbar. Damit leisten wir auch Jahre nach der ersten Visualisierung von Statistik Stadt Zürich einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung von Visualisierungen.