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Am 8. August hob Remco Evenepoel die Startnummer 75 in die Höhe, als er nach einem Soloritt in der 4. Etappe der Polen-Rundfahrt triumphierte. Die Nummer gehörte seinem niederländischen Teamkollegen Fabio Jakobsen, der drei Tage zuvor nach einem fürchterlichen Sturz in Polen vorübergehend ins künstliche Koma versetzt worden war.
Nur eine Woche nachdem er seinem Kollegen auf diese Weise Tribut zollte, erwischte es Evenepoel an der Lombardei-Rundfahrt selbst. Die Bilder, wie der 20-Jährige in der Abfahrt von der Muro di Sormano mit einer Brückenmauer kollidierte und Kopf voran mehrere Meter in die Tiefe stürzte, liessen das Schlimmste vermuten.
Teamchef Lefevere übt Kritik
Nach ersten Erkenntnissen verletzte sich Evenepoel nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Mit einem Beckenbruch und einer Quetschung der rechten Lunge kam der belgische Jungstar wohl noch glimpflich davon. Die bisher so erfolgreiche Saison von Evenepoel mit 4 Rundfahrten-Siegen bei 4 Starts ist nach dessen Debüt an einem grossen Klassiker aber dennoch zu Ende.
Er hat sich bei mir entschuldigt. Ich sagte: ‹Du lebst, sei einfach nur still.›
Patrick Lefevere musste 10 Tage nach Jakobsen erneut um das Leben eines seiner Schützlinge zittern. Er habe mit Remco sprechen können, erzählte der Teamchef von Deceuninck-Quickstep der belgischen Zeitung Het Nieuwsblad. «Er hat sich bei mir entschuldigt. Ich sagte: ‹Du lebst, sei einfach nur still.›»
Die Abfahrt vom Muro di Sormano hinunter an den Comer See ist eine der technisch schwierigsten und damit gefährlichsten auf der World Tour. «Ich habe der UCI und den Organisatoren wiederholt gesagt, dass eine Abfahrt dieser Art nicht möglich ist. Aber nichts hat sich geändert», so Lefevere.
Stürze auch an der Dauphiné-Rundfahrt
Kritik an den Organisatoren gab es auch an der Dauphiné-Rundfahrt in Frankreich. «Kies und tiefe Löcher die ganze Strecke runter. Die Personen, die sich für diesen Weg entschieden haben, scheren sich keine Sekunde um die Sicherheit von uns Fahrern», schrieb der Deutsche Tony Martin bei Instagram. «Wie viel mehr schlimme Unfälle müssen passieren, damit sich etwas ändert?»
In der zweitletzten Etappe des Critérium du Dauphiné schieden unter anderen der Niederländer Steven Kruijswijk und der Deutsche Emanuel Buchmann, die Dritten und Vierten der letzten Tour de France, nach Stürzen aus. Gesamtleader Primoz Roglic trat nach einem Sturz am Samstag in einer Abfahrt nicht mehr zur Schlussetappe an.
Nach den folgenschweren Zwischenfällen vom Samstag in Italien und Frankreich dürften aber alle froh sein, dass sie doch einigermassen glimpflich davonkamen. Oder wie es Lefevere mit Bezug auf Evenepoel formulierte: «Er lebt, nur das zählt.»