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Die grenzüberschreitende Agglomeration Genf umfasst mehr als 200 französische und schweizerische Gemeinden, betrifft zwei Kantone, zwei französische Départements, eine französische Region und zwei Länder und erstreckt sich über eine Fläche von rund 2 000 Quadratkilometern. Um in diesem Kontext eine nachhaltige Entwicklung sichern und die Raumentwicklung optimal steuern zu können, wurde 2007 ein gemeinsames Agglomerationsprogramm erarbeitet, das die Themen Urbanisierung, Mobilität, Umwelt, Wirtschaft, Bildung, Landschaft, Gesundheit, Soziales sowie Kultur verbindet. Es ist dabei ein Leitbild entstanden, das die Schaffung einer kompakten, multipolaren und grünen Agglomeration vorsieht, die bis zum Jahr 2030 200 000 zusätzliche Bewohnerinnen und Bewohner und 100 000 weitere Arbeitsplätze aufnehmen soll. Die dabei auf Ebene des Agglomerationsprogramms entwickelten Strategien wurden anschliessend anhand von Stadtentwicklungsstudien auf lokaler Ebene, in eigens dafür gebildeten Perimetern, den «Périmètres d‘aménagement coordonnés d‘agglomération» (PACA), getestet. Die daraus hervorgegangenen Ergebnisse auf Ebene der PACA wurden im Rahmen des Modellvorhabens ausgewertet und eine Synthese sowie Empfehlungen wurden entwickelt. Diese bildeten dann wiederum die Basis für die Entwicklung des Agglomerationsprogramms der zweiten Generation.
Die grossräumige Vision auf der lokalen Ebene testen
Die Umsetzung des Agglomerationsprogramms «franco-valdo-genevois» begann 2008 mit der Lancierung von Stadtentwicklungsstudien auf lokaler Ebene. Im Rahmen dieser Studien wurden vertiefte Analysen durchgeführt, Optionen präzisiert und die Umsetzbarkeit der Strategien des Agglomerationsprogramms auf lokaler Ebene überprüft. Dabei konzentrierten sich die lokalen Studien auf acht Administrationsgrenzen überschreitende Perimeter bzw. Achsen, die PACA. Zudem wurden thematische Studien zu wichtigen Kernthemen wie etwa Mobilität, Wirtschaft, Landwirtschaft und Wohnen erarbeitet. Die Ergebnisse der Studien wurden in Ateliers und Round Tables mit den Schlüsselakteuren sowie Vertretern der Bevölkerung vorgestellt und diskutiert. Im Rahmen des Modellvorhabens wurde dann die Relevanz dieser Studien verifiziert, der partizipative Ansatz bewertet, die Verbindung zwischen Stadtentwicklungsprojekten und Grundversorgung, insbesondere in den Bereichen Wohnungswesen, Wirtschaft und Landwirtschaft, untersucht und es wurde überprüft, inwieweit die auf grossem Massstab entwickelten Strategien im kleinen, lokalen Raum umsetzbar sind. Die Ergebnisse dieser grenzüberschreitenden Arbeiten wurden in einem zweisprachigen Buch «Genève Agglo 2030» zusammengefasst, das gleichzeitig auch den Abschluss des Modellvorhabens darstellt. Diese in Buchform erarbeitete Synthese floss anschliessend in die Erarbeitung des Agglomerationsprogramms der zweiten Generation ein.
Innovatives Vorgehen
Die von der grenzüberschreitenden Agglomeration Genf entwickelte Methode, in welcher die auf übergeordneter Ebene (Agglomerationsprogramm) erarbeiteten Strategien auf lokaler Ebene (PACA) getestet werden, um dann wiederum aus diesen Ergebnissen die Strategien auf übergeordneter Ebene anzupassen, ist innovativ. Die Methode kann dabei auch von anderen Grenzregionen eingesetzt werden. Das Modellvorhaben ist auch auf europäischer Ebene wegweisend, weil dank ihm ein gemeinsamer Raumentwicklungsplan und ein Leitbild entwickelt worden sind, die sich über administrative Grenzen hinwegsetzen. Der Erfolg des Projekts wurde bereits gewürdigt: Gleichwertig mit fünf weiteren Projekten wurde es 2010 in Brüssel mit dem 8. Prix Européen de l'Urbanisme vom Conseil d'Européen des Urbanistes ausgezeichnet.