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Jede Stadt hat ihren Markt. Auch Addis Abeba. Der grösste der Stadt ist der arabische Markt im Stadtteil Ketema. Sein Name hat sich gehalten, obwohl hier längst nicht mehr die arabischen Händler ihr Waren anbieten. Gehalten hat sich, vorab bei den ausländischen Reise- und Tourveranstaltern, auch sein zweiter Name «Merkato». Das hat mit den italienischen Besatzern zu tun.
Italien hat es nie fertig gebracht, Äthiopien als Kolonie vollständig zu vereinnahmen. 1936 bis 1941 schafften es die Faschisten unter Mossulini dennoch, Abessinien, welches nur ein Teil Ätiopiens ist, zu besetzen/annektieren und es als «Kolonie» zu deklarieren (zusammen mit ihrer Kolonie Eritrea/Somaliland). Die in dieser Zeit ins Land gekommenen italienischen Händler installierten für ihr Klientel einen neuen Markt, ebendiesen Merkato, im gleichen Quartier. Der arabische Markt wurde zurück-, aber nicht verdrängt.
Heute ist der grösste Markt der Stadt weder ein speziell arabischer noch ein italienischer, sondern ein Markt, wie er in jeder afrikanischen Stadt vorkommt. Manche sagen, es sei der grösste von Afrika, was wohl damit zu tun hat, dass man nicht weiss, wo er anfängt und wo er aufhört. Der arabische Markt Addis Abebas ist im Grunde kein Markt, sondern ein Einkaufsviertel. Er ist auch ein riesiges Brockenhaus, eine Recyclingstation, ein Second-Hand-Center und ein Bau- und/oder Schwarzmarkt.
Man bekommt hier fast alles, wenn man nur lange genug sucht, allerdings gibt es auf die Produkte nicht unbedingt eine Garantie und man sollte auch nicht fragen, woher die Produkte, vor allem die, auf denen bekannte Labels stehen, stammen. Das Angebot auf diesem Markt beweist, dass sich aus allem noch irgendwas rausschlagen lässt, und sei es ein Stück Blech oder ein gebrauchter Kanister. Das Suchen nach einem bestimmten Gegenstand wird einem übrigens dadurch erleichtert, dass die Produkte in «Produktequartieren» angeboten werden.
Wenn man also einen Kanister braucht, fragt man am Eingang nach Kanistern. Irgendwer wird sich finden, der es weiss und einem erklärt: «Du gehst hinunter bis zu den Kabeln, dann rechts bis zum Reis, geradeaus bis zu den Plastikkesseln und gegenüber siehst du dann die Kanister.» Ein schlauer Athiopier aber, und das sind die meisten, wird es Dir nicht erklären, sondern dir sagen: «Das ist sehr schwierig, ich führe dich hin!» Das ist recht bequem, ausserdem erklärt dieser selbsternannte Führer dann so einiges zum Markt, er beschafft dir auch Wasser oder Bier, falls du nach einer halben Stunde schier verdurstet. Am Schluss hält er die Hand hin und sagt seinen Preis. Spätestens jetzt bereust du es, dass du den Preis nicht vorher abgemacht hast. Was dir bleibt, ist das Grinsen des schlauen Äthiopiers und eine eindrucksvolle Erfahrung.