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Vor 35 Jahren übernahm Bernhard Pfammatter seinen ersten Freiburger Chor als Dirigent. Seit 15 Jahren leitet er CantaSense. Nun ist Schluss: Am Wochenende verabschiedet er sich mit zwei Haydn-Werken vom Freiburger Publikum.
Am kommenden Wochenende konzertiert der Sensler Chor CantaSense in Tafers und in Thun. Auf dem Programm stehen eine Messe von Joseph Haydn und ein Te Deum von Michael Haydn (siehe Kasten). Für Bernhard Pfammatter sind es spezielle Konzerte: Nach 15 Jahren tritt er als Dirigent von CantaSense zurück.
Am Anfang war eine Hochzeit
Pfammatters Karriere als Dirigent begann mit der Hochzeit seiner Schwester: «Ich versammelte einige Leute, um den Gottesdienst musikalisch zu umrahmen.» Aus dieser Gruppe wuchs der Kirchenchor der katholischen Kirchgemeinde Bolligen-Ittigen. 1988 übernahm er den Cäcilienchor in Wünnewil. Fast gleichzeitig gründete er das Vokalensemble Novantiqua, das bis heute unter seiner Leitung singt. Später dirigierte er auch das Collegium Vocale Seeland.
Im Jahr 2001 arbeiteten mehrere Freiburger Chöre an einem grossen Projekt: Zum Jubiläum des Deutschfreiburger Heimatkundevereins sangen sie das Oratorium «Die Schöpfung» von Joseph Haydn. Beteiligt waren das Collegium Vocale Seeland, das Divertimento vocale und der Senslerchor, der sich später in CantaSense umbenannt hat. Pfammatter leitete das Grossprojekt musikalisch.
2007 wurde er Dirigent von CantaSense. Mit seinem Amtsantritt veränderte der Chor sein Repertoire. «Bislang sang der Chor vor allem Volkslieder. Nun wollten die Mitglieder mehr klassische Musik singen und auch grössere Projekte umsetzen.» In Pfammatters Amtszeit führte der Chor unter anderem das Stabat Mater von Antonín Dvořák oder «Alexander’s Feast» von Georg Friedrich Händel auf.
Chöre sind geschrumpft
«Wir vergassen natürlich die Volkslieder nicht. Aber wir sangen sie eher an kleineren Auftritten, zum Beispiel an Generalversammlungen von Firmen und Vereinen», erinnert sich Bernhard Pfammatter. Solche Auftritte gehörten früher zum festen Programm von CantaSense. In der Zwischenzeit seien diese Auftrittsmöglichkeiten weitgehend verschwunden. «Vielleicht hat die Gesellschaft heute weniger das Bedürfnis, solche Volkslieder zu hören», spekuliert Pfammatter.
Ohnehin hat sich die Freiburger Chorlandschaft in den letzten 40 Jahren gewandelt. «1988 hatte der Cäcilienchor Wünnewil 60 Mitglieder. Die Hälfte von ihnen waren Männer», erzählt Pfammatter. Heute seien viele Chöre geschrumpft. Nicht wenige Chöre kämpfen ums Überleben. Das Collegium Vocale Seeland, Pfammatters früherer Chor, löste sich vor einigen Jahren auf. Divertimento vocale, neben CantaSense der zweite regionale Sensler Chor, hat sich im November von der Bühne verabschiedet.
Eingeschränkte Möglichkeiten
Dass sich Pfammatter nun als Dirigent von CantaSense zurückzieht, hat zwei Gründe: «Erstens ist es nach 15 Jahren Zeit für einen Wechsel.» Zweitens sei er nun bald Mitte fünfzig. Für ihn ist klar:
Möchte ich gewisse Werke noch aufführen, sollte ich das in den nächsten zehn Jahren angehen.»Bernhard Pfammatter
abtretender Dirigent von CantaSense
Doch mit CantaSense seien die Möglichkeiten für grosse Werke zunehmend beschränkt. Weil die Suche nach Sponsoren immer schwieriger wird, wolle der Vorstand finanziell keine allzu grossen Risiken eingehen. «Ich wurde mir bewusst, dass ich mir einen Oratorienchor suchen muss, um meine künstlerischen Träume weiter auszuleben.» Seit Anfang Jahr leitet er deshalb den Berner Gemischten Chor. Seine Nachfolge bei CantaSense ist noch nicht geregelt. Laut Pfammatter läuft zur Zeit das Auswahlverfahren.
Mit der «Grossen Mariazellermesse» von Joseph Haydn verlangt Pfammatter seinen Laiensängerinnen und -sängern einiges ab. Doch diese hätten gut gearbeitet und auch selber viel geübt. «Sie wollen mir ein schönes Abschiedskonzert bereiten. Das berührt mich.»
Konzertprogramm
Am kommenden Wochenende singt CantaSense zweimal die sogenannte «Grosse Mariazellermesse» von Joseph Haydn und ein Te Deum von Michael Haydn. «Die ‹Grosse Mariazellermesse› ist für mich eine glückliche Wahl», sagt Bernhard Pfammatter, Dirigent von CantaSense. «Sie ist festlich und musikalisch reichhaltig.» Haydn widmete die Messe dem Wallfahrtsort Mariazell, der bereits zu seiner Zeit bedeutend war.
Haydns längste Messe
1761 wurde Joseph Haydn Vizekapellmeister am Hof von Fürst Esterhazy. 1766 wurde er zum Oberkapellmeister befördert. Kurz nach seiner Beförderung begann er die Arbeit an der «Grossen Mariazellermesse». Zu unterscheiden ist sie von der «Kleinen Mariazellermesse», die ebenfalls in der Tonart C-Dur steht, aber erst 1782 entstanden ist. «Die ‹Grosse Mariazellermesse› ist Haydns längste Messe», weiss Bernhard Pfammatter. Mit ihren rund 70 Minuten dauert sie so lange, dass sie kaum mehr im Gottesdienst aufgeführt wird. «In ihrer Form ist sie noch recht traditionell», sagt Pfammatter. So enthält sie gleich fünf grosse Chorfugen, bei denen sich die Stimmen gegenseitig imitieren und verfolgen.
Zu Unrecht weniger berühmt
Als Ergänzung zur «Grossen Mariazellermesse» wollte Pfammatter ein Te Deum von Joseph Haydn aufführen. Doch bei der vertieften Recherche folgte die Überraschung: Seit einigen Jahren schreibt die Forschung das Te Deum vielmehr Michael Haydn zu, dem jüngeren Bruder von Joseph Haydn. «Das gefällt mir aber eigentlich ganz gut, dass wir jetzt je ein Werk der Haydn-Brüder im Programm haben», sagt Bernhard Pfammatter. «Michael Haydn ist meines Erachtens nämlich zu Unrecht weniger berühmt als sein Bruder.»
Das Ensemble Freitagsakademie begleitet CantaSense. Das Berner Barockensemble für alte Musik spielt auf historischen Instrumenten. Als Solisten zu hören sind Kathrin Hottiger (Sopran), Patricia Marchon-Benichou (Alt), Achim Glatz (Tenor) und René Perler (Bass). sos
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