Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03338.jsonl.gz/239

Dies gab das Department for Business, Enterprise and Regulatory Reform (BERR) am 5. Juli 2007 in London bekannt. Das bei der Regierungsumbildung vom 27. Juni neu geschaffene BERR ist zuständig für die meisten der vorher vom aufgelösten Department of Trade and Industry betreuten Bereiche, so auch für die Energie. Somit koordiniert jetzt das BERR die laufende Vernehmlassung über die künftige Kernenergiepolitik Grossbritanniens und auch das unlängst eingeführte GDA-Verfahren.
Vorlizenzierung bis 2010
Für die Abwicklung des mehrstufigen GDA-Verfahrens haben die Behörden ein Joint Programme Office eingesetzt. Es umfasst das Office for Civil Nuclear Security, das Nuclear Installations Inspectorate und die Environmental Agency. Im Rahmen der jetzt eingeleiteten ersten Stufe erfolgt eine allgemeine Sicherheitsbeurteilung der vier zugelassenen Systeme. Sie dürfte anfangs 2008 zum Abschluss kommen. Ob das Verfahren dann weitergeführt wird, hängt vom Entscheid der Regierung über die Zukunft der Kernenergie in Grossbritannien ab. Er wird für den Herbst 2007 erwartet. Fällt er positiv aus, folgt die detaillierte technische Beurteilung. Aus Kapazitätsgründen dürften laut BERR wohl nur drei der vier Systeme zu dieser Prüfung zugelassen werden, die drei Jahre in Anspruch nehmen soll. Das anschliessende Verfahren zur Erlangung einer Bau- und Betriebsbewilligung für ein Kernkraftwerk mit vorlizenziertem Reaktorsystem dürfte weitere vier Jahre dauern. Die erste Neuanlage könnte somit 2021 den Betrieb aufnehmen - vorausgesetzt, die Privatwirtschaft ist für die entsprechenden Investitionen zu haben.
Die vier zu prüfenden Systeme
Bei allen vier in der ersten Stufe zugelassenen Auslegungen handelt es sich um nukleare Dampferzeugersysteme der fortgeschrittenen dritten Generation, die evolutionär aus bestehenden, weltweit bewährten Reaktorsystemen weiterentwickelt worden sind.
Als erste Herstellerin hat die jetzt zur Toshiba gehörende Westinghouse Electric Company ihr Druckwassersystem AP1000 angemeldet. Es verfügt bereits über ein Auslegungszertifikat der amerikanischen Nuclear Regulatory Commission (NRC). In den USA sind Baugesuche für zehn Einheiten dieses Typs in Vorbereitung und China hat vier solche Einheiten bestellt. Die AECL schlägt das Schwerwassersystem ACR-1000 mit einer elektrischen Bruttoleistung von 1200 MW vor. Seine Entwicklung wurde vor allem von Elektrizitätsunternehmen in Kanada unterstützt, wo es gegenwärtig ein Zertifizierungsverfahren durchläuft. Die französisch-deutsche Areva NP hat ein Gesuch um die Vorlizenzierung ihres Druckwassersystems EPR eingereicht und sich für die weitere Behandlung die technische Unterstützung der Electricité de France (EDF) gesichert. Der EPR ist das einzige der vier in Grossbritannien zur Prüfung zugelassenen Systeme, das mit Olkiluoto-3 über eine bereits im Bau stehende Referenzeinheit verfügt. Die GEH schliesslich hat ihr Siedewassersystem ESBWR zur Vorlizenzierung angemeldet. Die NRC liess den ESBWR Ende 2005 zur Zertifizierung in den USA zu, wo inzwischen Baugesuche für fünf Einheiten vorbereitet werden. Grossbritannien ist das erste europäische Land, das dieses System sicherheitstechnisch beurteilen wird.
Europäische Unternehmen an Investitionen interessiert
Die vier Hersteller nuklearer Dampferzeugersysteme konnten sich laut ihren Angaben für die Vorlizenzierungsgesuche die Unterstützung bedeutender potenzieller Investoren sichern. Für die British Energy in Betracht kommen zum jetzigen Zeitpunkt alle vier Systeme. Hingegen unterstützen die spanische Iberdrola sowie die deutschen E.ON und RWE Energie beziehungsweise ihre britischen Tochterunternehmen eine Auswahl der nuklearen Dampferzeugersysteme. Offenbar auch an Investitionen in neue britische Kernkraftwerke interessiert sind schliesslich die französischen Gruppen EDF und Suez.
Quelle
P.B. nach BERR, Medienmitteilung, 5. Juli, Westinghouse Electric Company, Pressemitteilung, 23. Mai, AECL, Pressemitteilung, 29. Mai, Areva-Gruppe, Medienmitteilung, 20. Juni, und GE Energy, Pressemitteilung, 21. Juni 2007
Verwandte Artikel
Kanada: Auslegungsprüfung für ACR-1000 lanciert7. Mai 2008•News
Vier Reaktorsysteme: britische Vorprüfung bestanden27. März 2008•News
Britische Regierung lädt zu Investitionen in neue Kernkraftwerke ein22. Jan. 2008•News
Areva reicht Zertifizierungsgesuch für US EPR ein13. Dez. 2007•News
USA: Exelon wählt ESBWR18. Nov. 2007•News
Kanadische Provinz Alberta soll erstes KKW erhalten26. Aug. 2007•News
GE-Hitachi reicht Antrag zur ESBWR-Vorlizenzierung in Grossbritannien ein4. Juli 2007•News
Areva beantragt Vorlizenzierung des EPR in Grossbritannien4. Juli 2007•News
Britisches Weissbuch befürwortet Kernenergie31. Mai 2007•News
«Equipe Candu» pour de nouvelles centrales nucléaires en Ontario25. März 2006•News
AP1000 zertifiziert29. Dez. 2005•News
Zertifizierungsgesuch für ESBWR zur formellen Überprüfung angenommen1. Dez. 2005•News