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«Olympische Winterspiele sind und bleiben Megaveranstaltungen, die nicht in unsere Bergtäler hineinpassen», sagte Silva Semadeni, Bündner SP-Nationalrätin und Präsidentin des Olympiakritischen Komitees Graubünden, an der Medienkonferenz in Chur. Seit 1948 seien Olympische Winterspiele immer «gigantischer» geworden. «Seither gab es immer mehr Disziplinen, Nationen, Athleten, Medienleute, Publikum, Infrastrukturen und immer höhere Kosten», führte Semadeni aus. Auch St. Moritz 2022 werde gigantisch, das zeigten bereits die geschätzten Kosten von vier bis fünf Milliarden Franken. Die veranschlagten Kosten für die Kandidatur und eine allfällige Durchführung der Spiele liessen sich nicht genau beziffern. «Sicher ist nur, dass die Rechnung hauptsächlich von den Steuerzahlenden bezahlt wird», sagte Semadeni. Grosse Defizite seien die Regel bei Olympischen Spielen. «Nicht einmal die Winterspiele von 1948 brachten St. Moritz einen finanziellen Segen, sondern ein Defizit von 800 000 Franken, was zusammen mit den Schulden aus der Kriegszeit dazu führte, dass St. Moritz unter die Kuratel des Kantons kam», sagte Semadeni.
Bruno Walder, Geschäftsführer der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA, betonte, dass sich die Eingriffe in die Natur deutlich sichtbar verstärkt und der Energiebedarf für Anlagen stetig vervielfacht hätten. «Damit hat sich auch der ökologische Fussabdruck, den solche Riesenanlässe hinterlassen, massiv vergrössert», sagte Walder. Die NIV-Charta ausgerechnet jetzt zu bringen, sei eine Marketingidee. Walder vermisst quantifizierte Wirkungsziele. «Was bedeutet zum Beispiel eine "wesentliche" Senkung des ökologischen Fussabdrucks für Graubünden?» Ins gleiche Horn blies Beatrice Baselgia, Bündner SP-Grossrätin. «Das Ziel, dass Olympische Winterspiele für die Gemeinden zu keiner zusätzlichen Verschuldung führen dürfen, ist bis 2015 gar nicht messbar», machte Baselgia klar. Walder bezeichnete die geplanten Olympischen Winterspiele in Graubünden als «Etikettenschwindel». Für nachhaltige Spiele brauche es einen Richtungswechsel und davon sei das IOC, das die Bedingungen diktiere, weit entfernt. Ganz grundsätzlich müssten die Promotoren den Beweis, dass die Spiele nachhaltig sein können, erbringen, bevor Millionen gesprochen werden.
Einsparungen in anderen Bereichen
Auch an die wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit glaubt Walder nicht. «Die erwarteten Arbeitsplatzeffekte von Olympischen Spielen haben sich jeweils nicht eingestellt.» Die Erfahrungen der letzten Spiele zeigten, dass ein «riesiger Schuldenberg und dazu noch Umweltschäden» zurückbleiben würden. Hinzu komme, dass die Defizite zu fehlenden Geldern in wichtigen Bereichen wie Sozialwerken, Jugend, Bildung, Kultur oder Breitensport führen würden.
Das sieht Beatrice Baselgia gleich. Regierungsrätin Barbara Janom Steiner habe bereits vor roten Zahlen in den Staatsrechnungen des Kantons gewarnt und allfällige Massnahmen angekündigt. «Wir, und ich denke auch die übrigen Bündnerinnen und Bündner, wollen aber kein Streichkonzert bei Bildung, Kultur und Umwelt, während das IOC und andere nationale und internationale Unternehmungen sich an uns bereichern!», sagte Baselgia. Alle vergangenen Spiele hätten gezeigt, dass trotz umfangreicher Abklärungen im Vorfeld, erst nach den Spielen klar wurde, dass die Kosten massiv höher waren als geplant und die Steuerzahler dann die «Zeche» zahlen mussten. Baselgia verwies auf Vancouver, wo die Sicherheitskosten fünf Mal höher waren als geplant und das nun mit Schulden von einer Milliarde kanadischer Dollar dastehe. Zudem verunmögliche das Olympia-Projekt, wichtige Errungenschaften weiter zu führen und wirklich innovative, neue Ideen in Graubünden umzusetzen. Projekte wie zum Beispiel das Origen-Festival.
Hanna Bay, Co-Vorsitzende der Juso Graubünden, kritisierte, dass Olympische Spiele für die Jugend mehr Risiken als Chancen beinhalteten. «Olympia ist ein weiteres leeres Versprechen an die Jugend», so Bay. Die Olympia-Promotoren würden versuchen, ihre eigenen Visionen als Visionen der Jugend zu verkaufen. Verlierer sei aber gerade die Jugend, denn Schulden würden zu Einsparungen führen, die vor allem den Jungen weh tun würden. «Ich streite nicht ab, dass Graubünden neue Ideen und Projekte für die Zukunft benötigt. Doch mit Olympia würden wir einen Kurs einschlagen, der mittel- und langfristig mehr Schaden als Nutzen bringt.» Stefan Grass, Leiter des Olympiakritischen Komitees Graubünden, sagte, dass die Gegner am 3. März mit einem Nein rechnen. Falls wider Erwarten ein Ja in die Urne gelegt werde, würden die Umweltorganisationen nicht mitarbeiten. «Wir werden draussen bleiben, den Prozess kritisch begleiten und die Einhaltung der Schweizer Umweltgesetzgebung überwachen.»