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Barack Obama hat es geschafft: Der Senator aus Illinois konnte genug Delegierte für sich gewinnen, um von den Demokraten als Präsidentschaftskandidat ins Rennen geschickt zu werden – als erster Afroamerikaner. Die Nominierung Obamas ist das Ergebnis einer aussergewöhnlichen Leistung, die der Sohn eines kenianischen Immigranten in den vergangenen Monaten erbracht hat.
Irak, Internet und Anti-Bush
Nicht unwesentlich zum Erfolg hat allerdings die Tatsache beigetragen, dass Obama zum richtigen Zeitpunkt aufgetaucht ist. Er ist ein unkonventioneller Präsidentschaftskandidat, fast sogar ein revolutionärer. Doch vor 2008 wäre der 46-Jährige wohl niemals nominiert worden. Es war sein Glück – oder Schicksal –, dass er auf der Bildfläche erschien, als es ihm das Zusammentreffen einer ganzen Reihe günstiger Faktoren erlaubte, Geschichte zu schreiben:
Ohne den Krieg im Irak hätte er sich nicht schon früh profilieren können. Er trat als einer der ersten und entschiedensten Kritiker dieses Konflikts auf und konnte sich damit von der anfangs favorisierten Hillary Clinton abheben.
Ohne die Möglichkeiten des Internets hätte er nicht von fast 1,5 Mio Bürgern Spenden einsammeln können. Das machte ihn zum reichsten Kandidaten im Vorwahlkampf. Obama hat die Geschichte der Spendensammlung auf den Kopf gestellt.
Ohne die heutige Generation von jungen Wählern, für die ein gemischtrassiger Kandidat nichts Aussergewöhnliches ist, hätte es nicht so viele Registrierungen und Stimmen von frischgebackenen Demokraten unter 30 Jahren gegeben.
Und vielleicht am wichtigsten: Ohne den Zusammenbruch der Popularitätswerte von Präsident Bush hätten nicht so viele Menschen auf einen Kandidaten gesetzt, der erst seit dreieinhalb Jahren ein politisches Amt bekleidet. Immerhin sind gegenwärtig zwei Drittel der Amerikaner der Meinung, ihr Land sei auf dem falschen Weg. Insofern hat der dringende Wunsch nach einem durchgreifenden Wandel den Mangel an politischer Erfahrung übertrumpft.
Diese Faktoren erklären die Nominierung Obamas, werfen aber auch eine entscheidende Frage auf: Die Demokraten mögen für einen unkonventionellen Kandidaten bereit sein, doch ist es auch das ganze Land?
Ein Problem besteht darin, dass Obama über die Ziellinie der Vorwahlen eher getaumelt als gesprintet ist. Er hat Probleme bei den klassischen Wählerschichten der Demokraten – vor allem bei der weissen Arbeiterklasse. Und er steht vor einem Wahlmänner-Gremium, das in mancher Hinsicht republikanische Präsidentschaftskandidaten favorisiert.
Hillary Clinton und McCain
Seine wichtigste Entscheidung wird wohl sein, ob er Hillary Clinton bittet, als Kandidatin für den Vizepräsidentenposten anzutreten. Das würde helfen, innerparteiliche Wunden zu heilen und Wähler aus der weissen Arbeiterklasse und ältere Frauen, die er an Clinton verloren hat, zu gewinnen. Auf jeden Fall aber wird er anders agieren müssen als andere Kandidaten. Er wird zum Beispiel weiter effektiv das Internet nutzen müssen – sowohl um neue Wählerstimmen zu erschliessen als auch um seinen finanziellen Vorsprung gegenüber Senator McCain auszubauen. Obama muss auch entscheiden, ob er öffentliche Gelder für seine Kampagne akzeptiert – wie viele demokratische Kandidaten vor ihm – oder weiter seiner Fähigkeit vertraut, über das Internet Millionen einzusammeln.
Vor allem aber muss es ihm gelingen, die politische Landkarte umzukrempeln. In den «Swing States», die in den letzten Jahren an die Republikaner gegangen sind, gibt es mehr Wahlmännerstimmen als in den Staaten, die die Demokraten für sich gewinnen konnten. Das muss Obama zu seinen Gunsten ändern.