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Vom Feuerkübel zum Hubretter
Die Gemeindefeuerwehr entstand 1873. Das «Freiwillige Feuerwehr-Corps» bestand anfänglich aus 12 Personen, welche sich aus den bereits bestehenden Löschmannschaften in den Dörfern rekrutierten. Der Bestand stieg in den folgenden Jahren stetig an und erreichte 1892 stolze 765 Mann. Dank Mechanisierung und Motorisierung hat die Zahl der Feuerwehrleute seither stark abgenommen. Seit dem 1. März 2008 arbeiten die Feuerwehren Uzwil, Oberuzwil und Oberbüren eng zusammen, weshalb nochmals eine Reduktion des Mannschaftsbestandes zu erwarten ist.
Einige Daten aus der Uzwiler Feuerwehrgeschichte:
1842: Saugspritzen für Niederuzwil und Algetshausen/Henau
1864: Benninger Buttenspritzen für Algetshausen, Niederstetten und Oberstetten
1881: Eine mechanische Leiter
1885: Eine Saugspritze für Uzwil
1891: Zwei Schenk-Reisespritzen für Henau und Niederuzwil
1919: Einführung des Telefon-Alarms
1936: Die erste Saugspritze
1956: Eine mechanische Fahrleiter für Niederuzwil
1964: Ein MOWAG Tanklöschfahrzeug (TLF)
1967: Eine mechanische Fahrleiter für Uzwil
1970: Ein MOWAG Rüstwagen
1971: Funkgeräte für den Pikettdienst
1983: Ein neues Tanklöschfahrzeug (TLF)
1988: Ein zweiter Rüstwagen
1997: Ein Schadenwehrfahrzeug
2003: Ein Hubretter
2005: Ersatz für Mannschaftstransporter (MT)
2006: Ersatz für zweiten Mannschaftstransporter (MT)
2006: Ersatz für das Tanklöschfahrzeug (TLF)
2008: Vertiefte Zusammenarbeit der FW Uzwil, Oberuzwil und Oberbüren
2011: Nissan Navara SE als Ersatz für Toyota Land Cruiser
2012: Polycom-Funkgeräte
Etwas mehr Geschichte:
Vorsicht im Umgang mit Feuer
Die wirksamste und «billigste» Methode im Kampf gegen das Feuer war und ist die Prävention. Deshalb bestanden schon lange Vorschriften bezüglich des Umgangs mit Feuer. Die «Verordnung über die niedere Polizey» von 1805 enthielt eine ganze Reihe von Bestimmungen, die in diese Richtung zielten. Jede neue Feuerstätte musste von der Gemeinde bewilligt werden. Jeder Bürger hatte den Anordnungen des Feuerschauers Folge zu leisten und musste den Beamten jederzeit ins Haus lassen. «Hauswaschen» (Wascheinrichtungen mit offenem Feuer) durften nur eingerichtet werden, wenn sie für diesen Zweck abgenommen waren. Es war verboten, «unverschlossenes Licht, Feuer oder brennende Kohlen» von Haus zu Haus zu tragen, ebenso «das Tabakrauchen in Ställen, Scheuren und an andern für Feuer gefährlichen Orten». Holzasche durfte erst in hölzernen Behältern aufbewahrt werden, wenn sie «vier volle Tage auf dem Feuerherde erkaltet» war. Hanf- und Flachsdörren in oder in der Nähe von Gebäuden war untersagt; «Haberdörrer» und «Hafner», die mit offenen Feuer arbeiteten, durften dieses nie verlassen. Das Verbrennen von Holzabfällen bei der Waldarbeit während der Nacht war verboten wie auch «das gefährliche Funkenbrennen in Berg und Thal». Besondere Vorsicht wurde beim Umgang mit Schiesspulver verlangt. «Das Schiessen gegen Scheuren und Gebäude und an andern gefährlichen Orten» war untersagt, ebenso «alles nächtliche Schiessen ohne Ausnahme». Verstösse gegen diese Bestimmungen wurden mit Bussen bis zu 11 Gulden geahndet.
Von Feuerkübeln und Spritzen
Die erste Feuerordnung der Gemeinde geht ins Jahr 1811 zurück. Sie teilte die Gemeinde in zwei Löschkreise ein: Kreis Henau mit Algetshausen, Ober- und Niederstetten, Reifenau und Gill; Kreis Niederuzwil mit Gupfen, Hub, Vogelsberg und Stolzenberg. Gemeindammann Hug von Niederstetten als «Comandant» und Hans Georg Hugentobler aus Algetshausen als «Hauptmann» waren die führenden Köpfe der Organisation. Das Dorf Niederuzwil hatte bereits 1810 einen «Führ Haubtmann» und 13 so genannte «Führ Läuferen».
1813 erhielt die Gemeinde die erste Feuerspritze. Sie sollte von der «besseren Sorten» sein und wurde deshalb für 900 Gulden von Josef Strübi in Oberuzwil bezogen. Man kam überein, die Spritze abwechslungsweise in Henau und Algetshausen zu stationieren. Ein Teil der Verantwortung für das Feuerwehrwesen lastete aber weiterhin auf den Dörfern. Die Dorfprotokolle berichten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein über Diskussionen betreffend Finanzierung und Unterhalt von Wassersammlern, Nachtwachen, Spritzenhäusern und dergleichen.
Neben der Feuerspritze blieb der Feuerkübel noch lange das wichtigste Mittel der Brandbekämpfung. Jedes Haus musste mit einem solchen, meist ledernen Kübel ausgerüstet sein. Bei einem Alarm mittels Feuerhorn und Kirchenglocken hatten alle Männer möglichst schnell mit dem Feuerkübel auf dem Brandplatz zu erscheinen. Es wurde eine Kette gebildet und so das Wasser zum Brandherd durchgereicht. Das Löschwasser stammte aus offenen Bachläufen, Brunnen oder speziell angelegten Feuerweihern. Es ist offensichtlich, dass mit solch bescheidenen Mitteln ein Brand kaum zu bekämpfen war, geschweige denn ein Grossbrand. Bei vielen Liegenschaften reichten die Feuerkübel nicht einmal aus, um eine funktionierende Kette zu bilden, da das Wasser einfach zu weit her transportiert werden musste. Die Feuerspritzen waren zwar leistungsfähiger, benötigten aber eine grosse Mannschaft, um betrieben zu werden. Ausserdem war es oft schwierig, diese innert nützlicher Frist auf den Brandplatz zu führen.
Entscheidend verbessert hat sich die Situation in Bezug auf die Feuerbekämpfung erst um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. In rascher Folge erhielten Niederuzwil (1897), Uzwil (1898), Henau (1898), Algetshausen (1900), Niederstetten (1900) und Oberstetten (1904) moderne Wasserversorgungen mit Hydrantensystemen. 1941 wurde auch im Stolzenberg eine Hydrantenanlage erstellt. Jetzt stand bei Brandfällen endlich Wasser unter Hochdruck zur Verfügung! Im Rahmen der Gesamtmelioration Henau gelang es schliesslich zwischen 1952 und 1956, auch die entfernten Höfe an die Hydrantennetze der sieben Dorfkorporationen anzuschliessen.
Tatsächlich war mit der Erstellung von modernen Trink- und Löschwassersystemen die Gefahr grosser Feuersbrünste bedeutend kleiner geworden. Im 20. Jahrhundert waren die meisten Brandfälle Einzelbrände. Eine besondere Herausforderung für die Feuerwehr blieben Brandereignisse in Industrieanlagen und der Ausbruch von Feuer in zusammengebauten Liegenschaften. Parallel zum Ausbau der Löschwasserversorgung wurde auch die Uzwiler Feuerwehr laufend modernisiert. Der letzte Brand, bei dem Handdruckspritzen zum Einsatz kamen, ereignete sich 1953. Damals brannten in Niederstetten das Wohnhaus Flammer mit Postbüro und das Wohnhaus Krüsi mit Scheune nieder.
Quelle: Uzwil - Unser Weg. Vom Bauerndorf zur Industrie- und Wohngemeinde; Geschichtsbuch der Gemeinde Uzwil, 2004, Seite 62 ff