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Die Karriere des gestreiften Matrosenshirts – von der Arbeitskleidung der Fischer zum Kultobjekt für den nautischen Chic «à la française».
Die ersten Abbildungen von Fischern in gestreiften Shirts finden sich bereits auf Gemälden des 17ten Jahrhunderts. Um die Bedeutung und den Ursprung des Streifen-Designs ranken sich verschiedene Legenden. Eine dieser Geschichten verortet den Ursprung der ursprünglich 21 Streifen den 21 Siegen zu, welche Napoleon gegen die Briten errungen hatte. Andere Quellen sehen die Streifen als Symbol für die Wellen des Meeres und führen das Design auf den Aberglauben der Fischer zurück, mit diesem Talisman am Leib vor dem Ertrinken geschützt zu sein, sollten sie auf hoher See einmal über Bord gehen.
Gesichert ist, dass im Jahre 1858 ein Dekret der französischen Marine erstmals die Bekleidung für Matrosen bis ins Detail regelt und die «Marinière» zum offiziellen Unterhemd erklärt. Dabei wurden die Farben wie auch die Anzahl und Länge der Streifen verbindlich festgelegt.
Der Aufstieg des «tricot rayé» von der Arbeitskleidung der Fischer und Matrosen in die Modewelt begann im frühen 20ten Jahrhundert.
Die Modeschöpferin Gabrielle «Coco» Chanel sah 1913 am Strand des damals angesagten Badeorts Deauville in der Normandie Fischer die gestreiften Shirts tragen. Von der lockeren Eleganz und der Bequemlichkeit der gestreiften Jersey-Shirts war Chanel so angetan, dass sie selber ebenfalls begann, solche (Herren-)Shirts zu tragen. Und weil sie eben Coco Chanel war, eine stilprägende Visionärin ihrer Zeit, schaffte es das gestreifte Shirt innert kurzer Zeit von den Fischerbooten in die Garderoben der gehobenen Pariser Gesellschaft – ein Klassiker war geboren. In einer Zeit, in der sich manche Frauen noch in steife Korsetts zwängten, war das tragen solcher legèrer Männerkleidung ziemlich revolutionär. Für die Einen eine Befreiung, sahen Andere darin vor allem eine Provokation.
Künster, Intellektuelle und Schauspielerinnen entdecken die Marinière
Aber auch die Herren fanden gefallen am Seefahrer-Image des Matrosenshirts und es wurde bald zur eigentlichen Stilikone für den französischen Lebensstil. In den 1950er Jahren entdeckten Künstler und Intellektuelle die Marinière. Mit seiner legèren Eleganz passte das Kleidungsstück zum Selbstverständnis der Avantgarde. Der stilistische Höhenflug der Marinière war nicht mehr aufzuhalten.
Pablo Picasso zeigt sich fast ausschliesslich in gestreiften Shirts, ebenso der französische Schauspieler Marcel Marceau.
Dann kam die junge Schauspielerin Brigitte Bardot und kombiniert die Marinière mit flachen Ballerinas und verwaschenen Jeans zu einem Look, der gleichzeitig feminin und burschikos war – ein ikonografischer Stil war geboren.
Andere Schauspielerinnen und Schauspieler folgten. Jean Seberg und Jean Paul Belmondo trugen in Godard’s «A bout de souffle» (1959) fast durchwegs gestreift.
Auch James Dean, Marilyn Monroe, Audrey Hepburn, Kim Novak, Marlon Brando, Nathalie Wood oder Andy Warhol und viele nach ihnen setzten sich im Matrosenshirt oder -dress in Szene und verhalfen dem Stil zur Aura des unkonventionellen Klassikers.
Die Marinière – ein zeitloser Klassiker
In den 1960er Jahren beschäftigten sich wiederum verschiedene Designer mit der Marinière und dem bretonischen Shirt und liessen den Matrosenstil in ihre Kreationen einfliessen. Insbesonders Yves Saint Laurent liebte das Spiel mit dem Streifenmotiv und brachte immer wieder neue Interpretationen und Variationen des Themas in seinen Kollektionen. Die Marinière wurde zum Synonym für den französischen Lebens- und Bekleidungsstil.
Auch heute ist die Faszination für das gestreifte Shirt ungebrochen. Zu recht, denn der zeitlose und unkompliziert Klassiker verträgt sich mit (fast) jedem Stil und lässt Damen und Herren, unabhängig ihres Alters, gleichermassen gut aussehen. Eigenschaften, die man nicht von vielen Kleidungsstücken behaupten kann.