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Imkerisches aus Russland
Von Vladimir Kisselev aus der russischen Imkerzeitung übersetzt
und mit eigenem Wissen ergänzt.
Überwinterungsgruben für die Bienenvölker
© Vladimir Kisselev
Überwinterungsgruben für Bienen findet man in Russland, wie
zum Beispiel in Tatarstan, welches ungefähr in der Mitte von Russland liegt. Dort
dauert der Winter lange sechs Monate. Während dieser Zeit sitzen die Sechsbeiner
ohne Ausflug in solchen, in Europa nicht verwendeten Überwinterung-Anlagen im
Untergrund.
Aber auch in Russland sind solche Gruben eine Rarität. Die überwiegende Mehrheit
der Bienenvöelkern werden wie bei uns im Freien überwintert. Untergrund-Herbergen
sind sehr teuer und brauchen zudem eine gute und aufwendige Betreuung. Dagegen sind
die Scheunen viel billiger.
In solchen überwinterunsgruben oder speziell aufgebauten überwinterungsscheunen
kommen die Bienen besser durch den Winter als im Freien, da damit ungünstige Einflüsse
von der Umwelt ausgeschaltet werden, zudem schützen sie vor Diebstahl, was auch
in Russland keine Seltenheit ist.
Die Regelung oder Steuerung der Feuchtigkeit in der Grube stellt ein ernstes Problem
in solchen Anlagen dar, besonders in der Zeit des nahenden Frühlings.
Die Feuchtigkeit, das Wasser entsteht in die Grube von zwei Quellen. Von den Bienen,
welche den Honig fressen. Es entsteht daraus Kohlenoxid und Wasser. Wenn die Feuchtigkeit
der Luft in der Grube zu hoch ist, dann darf dieses Wasser in der Beute, wo es entsteht,
nicht bleiben. Wenn die Luft in der Grube zu trocken ist, dann muss man auf irgendeiner
Weise die Feuchtigkeit erhöhen. Im Winter, wenn draussen Frost herrscht, tragt
die eingesaugte Luft wenig Wasser. Aber im Frühling, besonders während den
Erwärmungen kann die mit der Luft eingebrachte Feuchtigkeit für die Grube
zu hoch sein. Das ist das Problem, welches ziemlich schwer zu bekämpfen ist
In früheren Zeiten lösten diese Probleme Kolchosen (Kollektivwirtschaften)
und Sowhosen (Sovjetwirtschaften) mit Leichtigkeit. Sie bauten solche Anlagen für
bis zu 1200 Bienenvölkern. Das Klima da drinnen wurde automatisch gesteuert. Die
finanziellen Mitteln und die Belegschaft waren damals noch vorhanden.
Für die Isolation gegen Feuchtigkeit und Wasser verwendet man Beton, Ton und Asphalt.
Die Höhe des Hohlraumes betragt etwa 2,5 Meter. Die endgültigen Abmessungen
hängen von der Anzahl und Typ der Beuten ab.
Zum hinunterlassen und heraufziehen der Bienenkasten (Magazine) in oder aus der Grube
darf in der Hobbyimkerei ein Lift oder Fahrstuhl mit Handwinde nicht fehlen. Erwerbsimker
hatten im Gegensatz dazu eine Türe, wo mehrere Magazine gleichzeitig hineingeschoben
werden konnten. Diese grösseren überwinterungsgruben wurden auch professioneller
gebaut .Da gab es spezielle Beutenregale, eine spezielle Ausrüstung für die
Aufhebung und Abnahme von Beuten.
Die Belüftung der Grube wird bei jeder beliebiger Windrichtung durch ein Rohr
mit einem sogenannten Deflektor gewährleistet. Dieser Deflektor hat Blechplatten
die sternförmig sieben Spalten bilden. Bei jeder Windrichtung entsteht in fünf
Spalten Saugdruck, und in zwei Hochdruck. Für ein Luftrohr mit Querschnitt 20x20
Zentimeter wird eine Deflektorshöhe von 45 Zentimeter, Innendurchmesser von 22
Zentimeter und Aussendurchmesser von 41 Zentimeter empfohlen. Das bewirkt das der Wasserdampf
und das Kohlenoxid aus der Grube hinausgeht.
Die Lücken in der Decke zusätzlich zu den Saugrohren angebracht, bringt wegen
der sandige Überwachung eine nicht zu unterschätzende Arbeit. Mit einem Handschieber
in dem Rohr wird der Zustrom der frischen Luft reguliert. über die Luftzufuhr-Regulierung
wird im Zeitraum von 24 Stunden die Luft in der Grube 10 mal ausgetauscht. Der Imker
befindet sich dauernd im Mithorchzustand, er überwacht die Geräusche von
den Bienen.
Alle diese Probleme können nur gelöst werden, wenn der Imker in der Nahe
der Grube wohnt.
Die Temperatur in der Grube bewegt sich im Bereich von plus 2-6 Grad. Die Warme stammt
aus der Erde und von den Bienenvölkern. Es besteht die Möglichkeit die Temperatur
mit Hilfe eines elektronischen Fernmessthermometers zu kontrollieren.
Etwa am 7-8 November, wenn die Temperaturen in mittelrussischen Breitengraden meistens
stets unter Null bleiben, stellt man die Tiere in die Herberge.
Zu diesem Termin müssen die Bienen zur Überwinterung endgültig vorbereitet
sein. Das heisst: in jeder Gasse sollten zirka 300-250 Gramm Bienen sitzen. Es wäre
aber besser, wenn die Bienenanzahl keine Bedeutung hatte und sie könnten wie ein
Bart unter den Waben durchhangen. Dafür brauchte man einen vergrösserten
Raum unter den Waben, nicht nur 20 Millimeter, sondern 20 Zentimeter. Jede Wabe sollte
nicht weniger, als 2 Kilo verdeckelten Honig enthalten. Ausserdem soll in der zweiten
Wabe von der Seite auch ein Pollenvorrat enthalten sein. Für eine erfolgreiche
Frühligsentwicklung rechnet man etwa 30 Prozent vom Nahrungsvorrat. Zudem muss
man die Zufuhr von Wasserdampf aus der Beute vorsehen.
In Russland behandelt man in der Regel die Völker nur einmal im Zeitraum September
- Oktober gegen die Varroa, jeder auf seine eigene Art.
Ende Januar - Anfang Februar legt die Königin das erste Ei ab. Die Temperatur
im Nest steigt dann von 25 auf 35 Grad.
Am ersten April holt man die Beuten wieder aus der Grube. Die Bienen machen den ersten
Ausflug, der Imker zahlt die ersten Verluste und das Leben geht weiter.