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<h2>SubmittedText<h2><p>Im Rahmen verschiedener internationaler Abkommen wurde in den vergangenen Jahren versucht, europäische Bildungsstätten für Schweizer Studenten zugänglich zu machen. Leider sind diesbezüglich noch nicht alle Hürden aus dem Weg geräumt.</p><p>So werden beispielsweise Schweizer Berufsmaturanden erst nach einer Zwischenprüfung in naturwissenschaftlichen Fächern an technischen Hochschulen in Baden-Württemberg zugelassen. Deutsche Studenten mit Fachabitur hingegen können ohne Prüfung einen Bachelor-Studiengang einer Schweizer Fachhochschule absolvieren. In einigen Fällen verlangen Schweizer Hochschulen einen Nachweis praktischer Erfahrung, welche jedoch mittels Praktikum an derselben Fachhochschule nachgeholt werden kann.</p><p>Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie begründet diese Ungleichstellung damit, dass Fachabiturienten mehr naturwissenschaftliches Wissen erarbeitet haben. Deshalb müssen Schweizer BMS-Absolventen mit einer Zwischenprüfung beweisen, dass sie das erforderliche Niveau in den mathematischen Fächern aufweisen.</p><p>Wer hingegen in Deutschland die Meisterprüfung absolviert, wird gleichzeitig mit einem Fachabitur belohnt und ist damit an Hochschulen studiumsberechtigt. Die mathematischen Kenntnisse sind dabei nicht zu vergleichen mit einer Schweizer Berufsmatura. Personen mit einer Meisterprüfung verfügen über genügend Praxiserfahrung, womit sie ohne Hindernisse an einer Schweizer Hochschule studieren dürfen.</p><p>Dieses Verhältnis stellt faktisch eine Schlechterstellung der Schweizer Berufsmaturanden dar.</p><p>Ich bitte deshalb den Bundesrat, den Sachverhalt zu überprüfen, Bericht zu erstatten und namentlich folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Stimmt er den obigen Feststellungen zu?</p><p>2. Wie können Schweizer Berufsmaturanden vor einer Diskriminierung an deutschen Fachhochschulen geschützt werden, und was kann der Bundesrat diesbezüglich unternehmen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Meinung der Unterzeichnenden, dass die nationale und internationale Bildungsmobilität unabhängig vom Fachtitel zu unterstützen ist. Der Bundesrat beantwortet die beiden Fragen folgendermassen:</p><p>1. Auf nationaler Ebene wird die Bildungsmobilität mit der Durchlässigkeit des Bildungssystems gewährleistet, auf internationaler Ebene sind verschiedene Abkommen anwendbar. Hierbei sind die jeweiligen nationalen Zugangsbestimmungen für international vergleichbare Abschlusstitel ausschlaggebend. In der Schweiz ermöglicht ein eidgenössisches Berufsmaturitätszeugnis (BMZ) den prüfungsfreien Zugang zu einer Fachhochschule. Fachhochschulen in Deutschland sind von ihrer Konzeption her mit den Schweizer Fachhochschulen vergleichbar. Der prüfungsfreie Zugang zu deutschen Fachhochschulen erfolgt mit einem Zeugnis der Fachhochschulreife, das je nach Bildungsweg auch als Fachabiturzeugnis bezeichnet wird. Die Fachhochschulreife beinhaltet mehr Allgemeinbildung, die Berufsmaturität mehr Praxis, da sie nur zusammen mit einer beruflichen Qualifikation (Berufsabschluss mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis) erreicht werden kann. Deshalb haben die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) in einer gemeinsamen Erklärung 2001 festgehalten, dass für die Aufnahme an eine Schweizer Fachhochschule mindestens eine deutsche Fachhochschulreife benötigt wird und darüber hinaus ein Jahr Berufspraxis verlangt werden kann. Für den Zugang zu einer deutschen Fachhochschule hingegen müssen Inhaberinnen und Inhaber eines BMZ eine "Feststellungsprüfung" bestehen oder bereits ein Studienjahr an einer Schweizer Fachhochschule in einer verwandten Studienrichtung erfolgreich absolviert haben. Die Erklärung hält zudem fest, dass nach erfolgter Weiterentwicklung der schweizerischen Berufsmaturität die Verhandlungen mit dem Ziel der gegenseitigen Anerkennung der Berufsmaturität/Fachhochschulreife wieder aufgenommen werden.</p><p>2. Für Fragen bezüglich Zulassung zu Hochschulen gilt zusätzlich das Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region (Lissabonner Konvention; SR 0.414.8). Für die Schweiz ist dieses Übereinkommen seit dem 1. Februar 1999 und für Deutschland seit dem 1. Oktober 2007 in Kraft. Die zentrale Idee der Lissabonner Konvention ist der erleichterte Zugang zu Hochschuleinrichtungen. Gemäss der Konvention sollen Personen mit einem Abschluss, der im Herkunftsland den Zugang zu definierten Hochschulen ermöglicht, auch Zugang zu den entsprechenden Hochschulen im Land haben, für welches die Konvention ebenfalls in Kraft ist. Die Anwendung der Lissabonner Konvention kann der Diskriminierung einzelner Abschlusszeugnisse entgegenwirken. Über die Anrechnung erbrachter Studien- und Prüfungsleistungen entscheiden jeweils die aufnehmenden Fachhochschulen in Deutschland und der Schweiz; gemäss der Lissabonner Konvention sind sie verpflichtet, bekanntzugeben, wie allfällige Lücken für den Zugang geschlossen werden können. Zur weiteren Verbesserung der Bildungsmobilitätschancen von Inhaberinnen und Inhabern eines BMZ und mit dem Erlass des Rahmenlehrplans für die Berufsmaturität vom 18. Dezember 2012 und der Inkraftsetzung per 1. Januar 2013 hat die EDK Anfang März 2013 die Diskussion mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation wieder aufgenommen, um die Regelung der gegenseitigen Anerkennung der Berufsmaturität/Fachhochschulreife neu zu verhandeln. In diesem Zusammenhang soll die Frage einer möglichen Diskriminierung von Inhaberinnen und Inhabern eines BMZ beim Zugang zu deutschen Fachhochschulen näher geprüft werden.</p>  Antwort des Bundesrates.