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Das Haus am Platz ist eines der alten sonnenverbrannten und mit Haussprüchen geschmückten Walserhäuser die dicht gedrängt um den zentralen Dorfbrunnen von Jenaz stehen.
Verfügbarkeit
Beschreibung & Geschichte
Nach dem Brand im Dezember 1726 im Dorfteil Geesbühl wird das «Haus am Platz» als erstes von drei zusammengehörenden Häusern der Familie Zingg direkt am Dorfplatz in Jenaz erbaut. Je eines für jeden der drei Söhne; für Hans als Ersten 1728, die beiden anderen folgen 1730 und 1732. Es ist eine Periode des Aufschwungs, die Zeit als der aus französischen Diensten heimgekehrte junge Feldscher (ein Heilkundiger, der Verwundungen von Soldaten chirurgisch versorgte) Christian Zingg, nun «Chirurg» bzw. Dorfarzt, erfolgreich den Aufbau eines Jenazer Bades vorantreibt, um damit in das damals boomende Wellnessgeschäft einzusteigen. Das Nachbardorf Fideris war mit seinem Bad schon zu grossem Ruhm gelangt.
Aus dem «Haus am Platz» stammt ein weiterer Christian Zingg, geboren 1802, der in Hamburg den Aufstieg zum erfolgreichen Hotelier schaffte: Das «Zingg’s Hotel und Caffeehaus» liess er 1846 vom Stararchitekten Auguste de Meuron erbauen. Ein Teller aus «Zinng’s Hotel» hat es auf Umwegen nach Jenaz geschafft. Das Auskommen im Dorf bildeten das Holzen im Winter und die Viehwirtschaft auf allen Stufen bis hoch zu den Alpen. Das ärmliche Leben zwang aber viele Prättigauer im 18. und 19. Jahrhundert zum Auswandern. Etliche Auswanderer hielten den Kontakt zu ihrer Heimat. So spendete Gustavo Zingg aus Caracas noch 1948 anlässlich eines Kuraufenthaltes in Bad Ragaz grosszügig für Schulbücher und eine neue Kirchenglocke. Auch dessen Vorfahren stammen aus dem „Haus am Platz“.
Neue Arbeitsmöglichkeiten in der Heimat boten sich erst mit dem aufkommenden Tourismus Ende des 19. Jahrhunderts. Die auf dem Stubenbuffet platzierte Blumenvase mit Darstellung von «Bad Pfäfers» ist möglicherweise ein Dank für die langjährige Mitarbeit ebendort oder zum Abschied anlässlich der Heirat. Im 20. Jahrhundert geht es im «Haus am Platz» ruhig zu und her. Die kleine Landwirtschaft und der Bauerngarten erlauben der nachfolgenden Familie keine grossen Sprünge, gearbeitet wird als Schreiner. Obst und die Beeren im Hausgarten bringen etwas zusätzliches Geld. Davon zeugen die grossen Blecheimer, in welchen alljährlich frische Johannesbeeren per Bahn ans Hotel Saratz in Pontresina geliefert wurden, wo diese zu Konfitüre verarbeitet die Gäste erfreuten. Das Haus wird in all den Jahren nur bescheiden modernisiert und wartet zuletzt lange auf neue Eigentümer. Im Jahr 2017 wird es von einem ansässigen Architektenpaar erworben und sanft instand gestellt.
Das «Haus am Platz» befindet sich in Privateigentum und wird über die Stiftung Ferien im Baudenkmal vermietet.
- Foto des Hauses von aussen, erstes Drittel 20. Jahrhundert (Truog).
- Foto des Tellers aus «Zingg’s Hotel» in Hamburg.
Baukulturelle Besonderheiten
Der alte Dorfteil von Jenaz liegt etwas oberhalb der Talebene auf einer eiszeitlichen Schwemmterrasse. Viele der grösseren Holzhäuser, die das Ortsbild prägen (eingestuft als Ortsbild von nationaler Bedeutung), stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Einzelne Bauten gehen teilweise weiter zurück, die nahe Kirche bis ins 12. Jahrhundert.
Als giebelständig zum Dorfplatz hin orientierter Strickbau folgt auch das «Haus am Platz» der Tradition der ursprünglich geschlossenen romanischen Dorfanlage mit Ausrichtung der Wohnräume zum Brunnen hin. Bemalte Pferdekopfpfetten, Zierkonsolen und Ornamentfriese mit Hausinschriften (oben: «Allhier wir alle Pilger sind, die gar geschwind forteilen, wie der schnelle Wind» und unten: «Ein rechter Glauben für jeden Christ, die schönste Zird auf Erden ist / Weise mir Herr Deinen Weg, dass ich wandle in Deiner Wahrheit, erhalte mich bei dem Einigen, dass ich Deinen Namen fürchte« Psalm 86) schmücken die Platzfassade seit 300 Jahren. Das Wellenband wird «laufender Hund» genannt und die beiden Blechschilder darüber, von der Basler und der Helvetia, zeugen von der Zeit als es noch keine kantonale Gebäudeversicherung gab. Ganz oben befindet sich der Name des Bauherrn, Hans Zingg, mit seinem Hauszeichen (aufgehender Pfeil) und das Erstellungsjahr 1728, daneben vermutlich Handwerkerzeichen.
Der Aufbau des Hauses ist anhand der Strickkonstruktion leicht von aussen abzulesen: gegen den Platz hin Stube und Nebenstube, darüber grosse und kleine Schlafkammer und eine Geschirrkammer im Dach. Im Grundriss schliessen der Mittelgang und der gemauerte Küchentrakt an. Ungewöhnlich ist die weitere, möglicherweise später zugefügte zusätzliche Raumschicht zum Stall hin, welche nie vollständig ausgebaut wird. Die seitlichen Lauben, oft reich mit Blumen geschmückt, finden sich überall im Dorf. Der Hausgarten und ein kleiner Stall vervollständigen das Ensemble.
- Bemalte Pferdekopfpfetten, Zierkonsolen und Ornamentfries mit Hausinschrift.
- Die zwei Blechschilder von der Basler und Helvetia.
Informationen zum Ferienhaus
- Grundriss Erdgeschoss
- Grundriss Obergeschoss
Der traditionelle zweigeschossige Strickbau mit gemauertem Sockel und Küchentrakt steht am Dorfplatz von Jenaz. Die ehemalige Raumstruktur wurde dank ein paar präzisen Eingriffen den heutigen Ansprüchen gerecht: So können in drei Schlafzimmern bis zu sechs Personen übernachten und in der Stube und Nebenstube sowie in der grosszügigen Loggia und im ehemaligen Stall, der heute als gedeckter Aussenraum genutzt wird, ausspannen.
Ein modernes Heizsystem ermöglicht die ganzjährige Nutzung des ehemals bäuerlichen Hauses. Der sorgfältige Umgang mit den Details, von den Fenstern mit den Lüftungsflügelchen bis zum Schindelunterdach, machen den Aufenthalt im Baudenkmal zu einem stimmigen Erlebnis. Im historischen Bauerngarten könne sich die Feriengäste an den saisonalen Kräutern bedienen.
Das «Haus am Platz» ist ein historisches Haus, ein Baudenkmal. Obwohl im Übrigen technisch zeitgemäss ausgestattet, möchten wir Sie darauf hinweisen, dass gewisse funktionelle Details wie Fenster- und Türöffner, Treppen, insbesondere Geländer, Handläufe und Stufenhöhen nicht der gängigen Norm entsprechen und eine eventuelle Gefahrenquelle bergen können.
Personen: 6
Zimmer: 3 Schlafzimmer, je zwei Betten.
Saison: Ganzjährig
Kurzferien: Keine (mind. 7 Nächte)
Höhe: 755 m ü. M.
Haustiere: Nicht erlaubt.
ÖV: Steigen Sie in Landquart in die kleine Rote (RhB) nach Scuol-Tarasp und 15 Minuten später in Jenaz aus. Dann sind es noch 5 Minuten zu Fuss. Überqueren Sie die Hauptstrasse hinein in die Dorfstrasse, dann vorbei an Säge, Bäcker und Altem Gemeindehaus geradeaus und den Berg hinan in einer leichten Rechtskurve. Vor dem kleinen Brunnen beim Haus «Karlihof» biegen Sie links in die schmale, steile Platzgasse und laufen bis zum Platz mit dem zentralen Brunnen. Das Haus steht auf der linken Seite.
Parkplatz: Privater Parkplatz.
Aussenbereich: Gedeckte Loggia im OG nach Süden und gedeckte Lauben längs am Haus mit Aussicht ins Tal, Bank und Kräutergarten am Platz, Dorfbrunnen) am Platz.
WLAN: Nicht vorhanden.
Heizung: Zentralheizung in allen Räumen.
Ofen / Cheminée: Gemauerter Stubenofen, Holzherd in der Küche.
Küche: Kaffee Mocca und French Press, Fondue-Set vorhanden, Geschirrspüler vorhanden, keine Waschmaschine.
Extras: Die Böden bestehen aus Holz und Stein, weshalb wir gute Hausschuhe empfehlen. Im Winter bitte vorhandene Schuh-Schalen benutzen.
Lage
Lage
Jenaz liegt im mittleren Prättigau auf 755 m.ü.M (Oberdorf). Die überwiegend einheimische Bevölkerung von rund 1200 Einwohner und ca. 25 Vereine prägen das Dorfgeschehen. Die meisten Familien leben hier in einem aus der Familie übernommenen Haus mit schönen gepflegten Gärten. Ursprünglich führten die Wege im Mittelprättigau nicht der wilden Landquart sondern den Hängen entlang. Die alten Dörfer wie Jenaz, Fideris oder Luzein liegen demnach alle oberhalb der heutigen Verkehrswege. So findet sich auch – etwas versteckt – der alte Ortskern von Jenaz leicht erhöht auf einer Terrasse über der Talebene. Im Zentrum steht der Platz mit seinem aus zwei unterschiedlichen Quellen gespiesenen grossen Brunnen. Die sonnenverbrannten Holzhäuser, mit Haussprüchen und Blumen geschmückt, stehen hier teils sehr dicht und wechseln mit gepflegten kleinen Hausgärten. Direkt am Dorf sind auch noch die ursprünglich weiten Obststreuwiesen vorhanden.
Geschichte
Jenaz wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Junazis erwähnt. Zu dieser Zeit waren Jenazer Güter im Besitz des Churer Domkapitels und des Dominikanerklosters St. Nicolai, während die Hoheitsrechte bei der Herrschaft Castels lagen. Im 14. Jahrhundert wanderten walserdeutsch sprechende Walser ins rätoromanische Mittelprättigau. Jenaz trat 1436 als Teil des Gerichts Castels dem Zehngerichtenbund bei. Das Bauerndorf Jenaz lebte während Jahrhunderten von der Viehzucht auf den zahlreichen Alpen sowie dem Korn- und Obstbau. 1733 fasste die Gemeinde eine im Valdavos entdeckte Quelle und liess ein Gast- und Badehaus erstellen. Das Bad Jenaz wurde 1766 für 130 Gäste vergrössert, war bis zum Brand von 1834 in Betrieb und wurde danach abgebrochen. Die dort 1941 neugefasste Mineralquelle ist öffentlich zugänglich. Die Talstrasse (1843–1863) und die Bahnverbindung ab 1889 begünstigten die Entwicklung des Gewerbes (Baugewerbe, Holzverarbeitung). Im Jahr 2000 arbeitete die Hälfte der Erwerbstätigen im industriellen Sektor.
Ausflüge
Das Jenazer Oberdorf besticht durch seine räumlichen Qualitäten mit schmalen Gassen, gepflegten Nutzgärten und einer grossen Anzahl bemerkenswerter Holzbauten des Prättigauer Typus. Bis heute sind im Frühjahr die Viehschau auf dem Brühl – der grossen Wiese zwischen Dorf und Kirche – und im September der Warenmarkt (mit anschliessendem Mittagessen im Restaurant) sowie die Veranstaltungen der Vereine (siehe Aushänge im Dorf) Fixpunkte im Kalender. Jenaz ist ein guter Ausgangspunkt für zahlreiche Bergwanderungen und schliesst sich einem sanften Tourismus an. Die 30 Bauernbetriebe bieten schmackhafte lokale Produkte an.