Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03363.jsonl.gz/186

Auf der Südseite der Schweizer Alpen ist die Edelkastanie die verbreitetste Laubbaumart. Kastanienwälder erfüllen eine wichtige Funktion für die Umwelt als Erholungsraum, Produktionsfaktor und Schutz gegen Naturgefahren wie Steinschlag und Erosion. Seit den 1990er-Jahren sterben jedoch immer mehr Kastanien an der sogenannten Tintenkrankheit. Dieses Projekt erfasst, wie verbreitet die Krankheit auftritt, und bestimmt Baumarten, welche die Kastanie ersetzen könnten.
Ausgangslage
Die Tintenkrankheit der Edelkastanie (Castanea sativa) wird durch die beiden Pilzarten Phytophthora cinnamomi und P. cambivora hervorgerufen. Sie scheint sich im Kanton Tessin sowie in den Südtälern des Kantons Graubünden rasch auszubreiten Allerdings liegen zurzeit noch keine verlässlichen Daten vor, welche diese Befürchtung untermauern. Durch die Ausbreitung der Krankheit werden die Anstrengungen zur Rettung der historisch gewachsenen Kastanienwälder zunichte gemacht, die Eigenschaften des Waldbestandes verändert und dessen Schutzfunktion gefährdet. Trotz der wachsenden Besorgnis der Forstdienste besteht zurzeit keine Strategie zur Bekämpfung dieser neuen, invasiven Krankheit.
Ziele
- Bestimmung der derzeitigen und früheren Verbreitung der Tintenkrankheit der Edelkastanie mittels Erhebungen vor Ort, Luftaufnahmen und Satellitenbildern.
- Modellierung der Entwicklung dieser Krankheit in der Vergangenheit und der Zukunft gestützt auf diese Daten und die verfügbaren Klimadaten.
- Genetische Charakterisierung der lokalen Populationen der beiden Pilzarten Phytophthora cinnamomi und P. cambivora, um den Verlauf der Invasion zu rekonstruieren und einen Bezug zum Klimawandel herzustellen.
- Bestimmung von geeigneten Baumarten, welche angesichts des Klimawandels die Edelkastanie in den von der Tintenkrankheit betroffenen Gebieten ersetzen könnten.
Vorgehen
Das Projekt umfasst vier Module:
- Verbreitung der Krankheit: Bestimmung der von der Krankheit betroffenen Gebiete mittels eines Fragebogens und Auswertung der gesammelten Daten; Nachweis des Erregers durch systematische Probenahmen vor Ort; Modellierung der zeitlichen und örtlichen Verbreitung der Tintenkrankheit; Durchführung einer Kälteempfindlichkeitsprüfung der Erreger.
- Genetische Analyse der beiden in den befallenen Kastanienwäldern gefundenen Krankheitserreger.
- Bestimmung der angesichts des Klimawandels geeigneten Alternativen zur Kastanie mittels Feldversuchen und im Treibhaus, um sowohl unter realen als auch unter kontrollierten Bedingungen die Anfälligkeit der ausgewählten Arten für die beiden Krankheitserreger zu testen.
- Projektmanagement und Kommunikation der Ergebnisse an die verschiedenen Interessengruppen.
Angestrebte Produkte
- Karte, welche die Gefährdung der Schweizer Kastanienwälder aufzeigt, in Abhängigkeit der Klimaszenarien von der Tintenkrankheit befallen zu werden.
- Leitlinien für die lokalen Forstdienste im Umgang mit den von der Tintenkrankheit befallenen Waldbeständen.
- Eine Broschüre über die Früherkennung von befallenen Bäumen und die Probenahme zur Analyse.
- Veröffentlichung von Artikeln zur Sensibilisierung der Bevölkerung.
|Vollständiger Projekttitel:||

Mal dell’inchiostro del castagno: favorito dai cambiamenti climatici? (E.03)
|Projektgebiet:

Kastanienwälder der Kantone Tessin und Graubünden (Misox und Bergell)
|Laufzeit:

Januar 2019 – Dezember 2021 (je nach Modul)
|Träger:

Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Zürcherstrasse 111, 8903 Birmensdorf
|Begleitung:||Bundesamt für Umwelt BAFU|
Letzte Änderung 25.07.2019