Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03155.jsonl.gz/2168

Er hätte gar nie erst zum Film finden sollen. Zumindest nicht, wenn es nach dem Willen seiner Eltern, eingewanderte russische Juden, gegangen wäre. Richard Donner, als Richard Schwartzberg am 24. April 1930 zur Welt gekommen, wuchs in der Bronx auf und ging in die Navy.
Im Sommer jobbte er in einem Kino – und kam zu kleineren Rollen als Schauspieler. Nur: Er liess sich von niemandem am Filmset etwas sagen. Das ging so weit, dass der Regisseur Martin Ritt zum damals 20-Jährigen sagte: «Wenn du schon keine Anweisungen annehmen kannst, solltest du welche geben: Werde Regisseur.»
Doch auch hier wurde er zunächst nicht glücklich. Unterdessen hatte er eine eigene Produktionsfirma gegründet und übernahm erste Regiejobs. Und stand immer im Clinch mit den grossen Stars, die den Neuling nicht wirklich ernst nahmen: William Shatner, Charles Bronson, Sammy Davis Jr. oder Claudette Colbert.
Die Erfindung des Superhelden
Und dann kam doch noch der Erfolg. Mit dem Horrorfilm «The Omen» (1976) landete Donner seinen ersten Hit. Die Studios wurden auf ihn aufmerksam und vertrauten ihm «Superman» (1978) an. Mit Christopher Reeve als den «Mann aus Stahl» wurde die Comic-Verfilmung zum Kassenschlager.
Donner erfand eine neue Art Superhelden-Film: Hart, ernsthaft, action-geladen und mit jedem nur erdenklichen Special-Effekt, der damals möglich war. Damit legte er den Grundstein für viele weitere Comic-Verfilmungen.
Die ungleichen Cops kämpfen gegen das Böse
Dann kamen die 1980er-Jahre und mit ihnen die grossen Blockbuster. «Lethal Weapon» (1987) sollte das Vorbild für ganz viele weitere Buddy-Cop-Filme werden. Der beinharte Martin Riggs (Mel Gibson) und der seriöse Familienvater Roger Murtaugh (Danny Glover) waren das ungleiche Paar. Auch wenn viele Kritiker damals die überbordende Gewalt bemängelten, führte Donner genau dieses Element für den unglaublichen Erfolg an.
«Lethal Weapon» wirkt durch diese Action- und Gewalt-Szenen schon fast wieder lächerlich. Es wird zuerst geschossen, dann gefragt, es gibt Explosionen, Verfolgungsjagden und den fast schon surrealen Höhepunkt zum Schluss: Mel Gibson entwaffnet den Bösewicht, wirft seine eigene Waffe weg und tritt zum finalen Faustkampf Mann gegen Mann an. Die Macho-Kultur lebte bei Donner.
Hollywood wie kein anderer geprägt
Dass er es auch sanfter kann, zeigte Donner mit dem Kinder-Abenteuerfilm «The Goonies» oder mit dem Dickens-Remake «Scrooged» mit Bill Murray. Was Donner anfasste, wurde zu Kino-Gold. Später galt das auch für seine Produktionen: Über «X-Men» bis «Deadpool».
Richard Donners Leben ist ein Abbild der Geschichte Hollywoods. Vom Horror-Boom, den Superhelden, den Actionstreifen bis hin zum Franchisen-System, wenn ein Film auch nur ein bisschen Erfolg hatte.
Am Montag, 5. Juli 2021, ist Richard Donner im Alter von 91 Jahren gestorben. Sein Filmstil und seine Filme werden noch ganz lange weiterleben.