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Hundswut
(Wutkrankheit, Tollwut, Wasserscheu, Lyssa, Rabies canina), eine eigentümliche, schon im Altertum bekannte und bereits von Aristoteles und Celsus meisterhaft beschriebene akute Infektionskrankheit, welche ursprünglich die Hunde [* 3] und die dem Hundegeschlecht angehörenden Tiere, die Wölfe, Hyänen, Schakale und Füchse, befällt, aber von diesen auch auf den Menschen, die Katze, [* 4] auf Hornvieh, auf Pferde, [* 5] Schweine, [* 6] Meerschweinchen und Kaninchen, [* 7] vielleicht selbst auf Vögel [* 8] übertragen werden kann.
Die Symptome der Tollheit an Hunden sind nach Rasse, Temperament, Alter, Geschlecht u. s. w. verschieden; man faßt aber dieselbe richtig auf, wenn man sie als eine fieberhafte, mit Delirien und andern Funktionsstörungen verbundene Erkrankung des Centralnervensystems betrachtet. Den hauptsächlichsten Krankheitszeichen nach lassen sich jedoch die schon längst angenommenen zwei Hauptformen des Übels, die rasende und die stille Wut, beibehalten, obschon diese sich nur in seltenen Fällen streng scheiden.
Die erstere giebt sich besonders dadurch kund, daß die Hunde mit dem Anfange der Krankheit ihr bisheriges Betragen (besonders auffällig gegen Personen, denen sie sonst zugethan sind) ändern, eine wechselnde Gemütsstimmung und große Unruhe zeigen, ungewöhnlich herumschweifen, überhaupt großen Vagiertrieb kundgeben, viel an kalten Gegenständen lecken, die Freßlust verlieren oder fremdartige Gegenstände, wie Holz, [* 9] Stroh, Steine, Nägel [* 10] u. s. w., verschlingen, weder bellen noch in der Art der gesunden Hunde heulen, sondern einen eigentümlichen heisern Ton von sich geben, der zwischen jenen ziemlich mitteninne steht, früher oder später eine sehr heftige Neigung zum Beißen rasch an ihnen sich vorbeibewegender Dinge, endlich gegen Katzen, [* 11] dann gegen Hunde und zuletzt gegen Menschen zeigen, oft auch in die bloße Luft schnappen, in ihrem äußerlichen Ansehen zwar im Anfange weniger verändert sind, nach einigen Tagen aber gerötete und dazu sehr matte Augen bekommen, in kurzer Zeit infolge der stetigen Aufregung sehr abmagern und ein rauhes, struppiges Äußere erhalten (sog. maniakalisches Stadium).
Die stille Wut (melancholisches Stadium) unterscheidet sich von der rasenden dadurch, daß der Unterkiefer vermöge einer Lähmung seiner Muskeln [* 12] herabhängt, weshalb alles, was in die Mundhöhle [* 13] gebracht wird, gleichwie auch der Speichel, wieder herausfließt, daß der Trieb zum Beißen und Umherlaufen nicht so heftig ist (doch kann trotz der gelähmten Unterkiefermuskeln gebissen werden), daß die veränderte Stimme nur selten gehört wird, daß bald Unempfindlichkeit gegen äußere Einwirkungen, Lähmung des Hinterteils, Teilnamlosigkeit und Betäubung hinzutritt (sog. paralytisches Stadium).
Ihren Herrn erkennen die kranken Hunde in den spätern Stadien der Krankheit häufig erst, wenn sie angerufen (aus den Delirien erweckt) werden. Wasserscheu, Abneigung gegen glänzende Gegenstände zeigen die Hunde nicht immer. Das Licht [* 14] scheuen sie nur, wenn die Augen entzündet sind, und den Schwanz ziehen sie ein (lassen ihn hängen) nur bei Lähmung der hintern Körperhälfte. In allen Fällen erfolgt der Tod 6-8, längstens bis 12 Tage nach dem ersten Auftreten der Krankheit; die Fälle von angeblichen Heilungen beruhen meist auf Verwechselungen mit andern ähnlichen Erkrankungen. Bei den Sektionen ¶
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finden sich keine charakteristischen Veränderungen, am häufigsten noch starke Blutüberfüllung innerer Organe, namentlich des Schlundes und Darmkanals. Häufig finden sich auch ungenießbare Gegenstände (Leder, Holz, Nägel, Haare [* 16] und aus solchen zusammengefilzte Zöpfe, Steine u. s. w.), welche die Tiere in ihrer Wut verschluckt haben, im Magen [* 17] oder Darm. [* 18] Früher hielt man das Vorkommen von kleinen vereiternden Bläschen (Marochettische Bläschen) unter der Zunge zu beiden Seiten des Zungenbändchens für einen charakteristischen Sektionsbefund der Wut, doch finden sich dieselben auch bei gesunden sowie bei milzbrandkranken Hunden.
Auch der sog. Tollwurm, d. h. eine vom Körper des Zungenbeins beim Hunde median in das Zungenfleisch eindringende normale Bandmasse, galt früher als Ursache der und wurde deshalb von den Jägern bei jungen Hunden operativ entfernt. Die Sektion bestätigt nur dann die Annahme der Wut, wenn sie im Körper sonst nichts findet, was die schwere Erkrankung erklärt. Die Erkennung der Tollheit ist mit großen Schwierigkeiten verbunden, und nur sorgfältige fortgesetzte Beobachtung sichert die Diagnose.
Die Wut wird nur durch Ansteckung fortgepflanzt, durch Übertragung eines specifischen Kontagiums, des sog. Wutgiftes, eines fixen, niemals flüchtigen oder verschleppbaren, sich nur im kranken Tierkörper vervielfältigenden Infektionsstoffs, welcher am Speichel und Geifer der kranken Tiere, am Blut und an den Speicheldrüsen haftet und bei seiner Übertragung auf zahlreiche andere Tiergattungen und den Menschen unter gewissen Bedingungen wiederum die tödliche Wutkrantheit erzeugt.
Fol und Babès fanden im Gehirn [* 19] wutkranker Hunde eigentümliche Mikroben in der Form glänzender Diplokokken von 0,5 bis 0,8 Mikromillimeter Durchmesser, welche sie als die eigentlichen Erreger der Tollwut betrachten. Von andern Forschern sind diese Angaben nicht bestätigt worden, sodaß gegenwärtig die Natur des Wutgiftes noch nicht festgestellt ist. Große Hitze und Kälte, Mangel an Wasser und guter Nahrung, Behinderung der Befriedigung des Geschlechtstriebes u. dgl. können vielleicht einen günstigen Boden für die Krankheit schaffen, sie aber nicht hervorrufen.
Ebensowenig können die Einflüsse der Domestikation, der Zähmung und der Dressur als ursächliches
Moment der Wut hingestellt werden, da die Krankheit sich ebenso häufig in Gegenden entwickelt, wo die Hunde, wie z.B. im Orient,
in Algerien,
[* 20] in China,
[* 21] sehr große Freiheit genießen. Oft mag die Krankheit von Füchsen und Wölfen auf die Hunde
und umgekehrt übertragen werden. Die Häufigkeit des Vorkommens der
Hundswut ist in den einzelnen Ländern und je nach der Strenge,
mit welcher die staatlichen Schutzmaßnahmen gehandhabt werden, ungemein verschieden. Im Deutschen Reiche erkrankten 1886 im
ganzen 578 Tiere an der Tollwut, nämlich 438 Hunde, 92 Rinder,
[* 22] 32 Schafe,
[* 23] 7 Schweine, 5 Pferde, 3 Katzen
und 1 Ziege. Eine größere Frequenz findet sich in Österreich,
[* 24] Italien
[* 25] und Frankreich; so wurden 1883 in Österreich 837, 1884 sogar 911 wutkranke
oder der Wut verdächtige Hunde gezählt.
Die Übertragung der
Hundswut erfolgt durch Einführung des Speichels in eine Wunde und geschieht auch, wenn eine
wunde Stelle von einem kranken Tiere geleckt wird; doch erfolgt die Ansteckung nicht immer. Bei künstlichen Ansteckungsversuchen
mit Speichel erfolgte
dieselbe zu 23 Proz., und von 100 von tollen Hunden gebissenen Menschen erkranken gleichfalls etwa nur 20. Weniger
ansteckend als der Speichel ist das Blut. Auf die unversehrte Schleimhaut des Verdauungskanals gebracht,
ist das Wutgift unwirksam, weshalb Milch und Fleisch wutkranker Tiere in der Regel ohne Nachteil verzehrt und verfüttert werden
können.
Die Krankheit bricht in der Regel 60-70 Tage nach erfolgter Ansteckung aus, doch sind auch sichere Fälle bekannt, wo sie sich schon nach 14 Tagen oder erst nach einem Jahre und später zeigte; mit Sicherheit ist jedoch noch kein Fall beobachtet, bei welchem die Wut später als 14 Monate nach stattgehabtem Biß seitens eines tollen Hundes bei den Menschen oder Haustieren ausgebrochen wäre. Erkältungen, Gemütserregungen u. dgl. geben oft die Gelegenheitsursache zum Ausbruche ab. Bei den von einem tollen Hunde gebissenen Menschen nimmt die Wunde oder die Narbe einige Tage vor dem Ausbruch der Krankheit ein bläuliches Ansehen an und wird oft schmerzhaft; die Narbe bricht häufig wieder auf.
Dann zeigen die Kranken eine auffällige Verstimmung, suchen die Einsamkeit, bekommen Angst und Beklemmung, der Schlaf wird unruhig und die Respiration nimmt einen krankhaften Charakter an. Endlich bricht die Krankheit selbst aus, die sich besonders dadurch charakterisiert, daß die Kranken beim Versuch, Flüssigkeiten zu schlucken, ja schon beim Anblick des Getränks das Gefühl haben, als schnüre sich ihnen Brust und Kehle zusammen; daher die immer intensiver werdende Wasserscheu.
Dabei verbreitet sich der Krampf der Atmungsmuskeln auch auf andere Muskeln, die düstere Gemütsstimmung bleibt erhalten und wechselt, insbesondere bei roher Behandlung, mit Anfällen von Raserei und Tobsucht. Die Krampf- und Wutanfälle kehren zwei bis drei Tage immer häufiger wieder, verlieren sich dann mit der zunehmenden Schwäche des Kranken, und endlich tritt der Tod unter den Erscheinungen der Lähmung und Erschöpfung ein. In Preußen [* 26] starben 1884-87 sechs Menschen an der Tollwut, während in Frankreich nach Brouardel die durchschnittliche Zahl der Sterbefälle jährlich etwa 30 beträgt.
Bei dem Verdachte, von einem tollen Tiere gebissen worden zu sein, umschnüre man sofort das verletzte Glied [* 27] oberhalb der Wunde, lasse die letztere durch Drücken und Kneten der umgebenden Weichteile oder durch Setzen von Schröpfköpfen gehörig ausbluten, wasche sie sodann mit heißem Wasser oder einer starken Carbolsäurelösung tüchtig aus und ätze sie hierauf mit rauchender Salpetersäure, Ätzkali oder einer glühenden Kohle; die weitere Behandlung soll einem zuverlässigen Arzt überlassen bleiben.
Nach Fol ist Terpentinöl, welches nur zu wenigen Tropfen mit Wasser geschüttelt wird, das beste Mittel, um die Mikroben der
Hundswut zu vernichten und die erlittenen Bißwunden sicher zu desinfizieren. Unter den innern Mitteln werden subkutane Einspritzungen
von Pilokarpin (mehrmals täglich 0,01 g) in Verbindung mit Bromkalium und Chloralhydrat am meisten empfohlen.
Das verdächtige Tier soll man nicht töten, sondern zur Beobachtung einsperren. Wutkranke beruhige man psychisch oder durch
narkotische Mittel, Chloroform, Chloral und Morphium, und lasse ihnen besonders eine humane Behandlung zu teil werden. Die zahlreichen
Geheimmittel gegen die
Hundswut (arcana antilyssica)
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haben sich sämtlich als wirkungslos erwiesen. Bei der schlimmen Prognose der Wutkrankheit und der vollkommenen Unwirksamkeit aller therapeutischen Methoden gegen die ausgebrochene Krankheit ist die allgemeine staatliche sowie die individuelle Prophylaxis von der größten Bedeutung. Die Verminderung der Hundezahl durch möglichst hohe Besteuerung der Luxustiere, die strenge polizeiliche Beaufsichtigung aller herumstreifenden Hunde, bei vorkommenden Wutfällen die Anordnung des allgemeinen Tragens von Maulkörben für längere Zeit sowie die Beseitigung der wütenden und wutverdächtigen Hunde und die Vernichtung aller von den kranken Tieren mit Speichel u. dgl. besudelten Gegenstände haben sich als die einzig zweckmäßigen und erfolgreichen Mittel erwiesen.
In der neuesten Zeit hat Pasteur die Einimpfung des künstlich modifizierten Wutgiftes nicht nur als zuverlässige prophylaktische Schutzmaßregel, sondern auch als sicheres Heilmittel bei bereits ausgebrochener Krankheit dringend empfohlen. Den Pasteurschen Präventiv- oder Schutzimpfungen gegen den Ausbruch der Tollwut liegen folgende Beobachtungen zu Grunde. Das Wutgift kommt nicht nur im Geifer sowie in den Speichel- und Unterkieferdrüsen, sondern auch konstant und in reinem Zustand im Gehirn und Rückenmark der wutkranken Tiere vor, und es genügt, eine geringe Menge vom Rückenmark oder Gehirn eines an der Tollwut gestorbenen Hundes einem gesunden Tier unter die Haut [* 29] oder durch eine Trepanationsöffnung im Schädel unter die harte Hirnhaut einzuführen, um bei diesem Tier sicher tödliche Wutkrankheit hervorzurufen.
Von besonderer Wichtigkeit ist nun, daß sich das Virus oder Wutgift durch Übertragung auf verschiedene Tierspecies hinsichtlich
seiner Intensität beliebig modifizieren läßt. Wenn es vom Hund auf den Affen
[* 30] und von diesem wieder auf Affen verimpft wird,
so schwächt sich das Virus bei jeder neuen Verimpfung immer mehr ab, sodaß es schließlich beim Hunde,
selbst wenn es direkt unter die harte Hirnhaut gebracht wird, nicht mehr im stande ist, die
Hundswut hervorzurufen,
wohl aber das Tier immun, unempfänglich gegen die Krankheit zu machen.
Umgekehrt steigert sich die Virulenz des Wutgiftes, wenn es vom Hund auf Kaninchen und von diesen wieder auf Kaninchen oder von Meerschweinchen wieder auf Meerschweinchen übertragen wird. Impft man einem Kaninchen vermittelst der Trepanation der Schädelhöhle Hirn- oder Rückenmarksmasse von einem tollen Hunde unter die harte Hirnhaut, so wird es sicher nach einer mittlern Inkubationszeit von etwa 14 Tagen wutkrank. Wenn man nun auf dieselbe Weise Virus von diesem Kaninchen auf ein zweites, von diesem wiederum auf ein drittes u. s. f. überträgt, so zeigt es sich bald, daß die Virulenz des Wutgiftes dann mehr zunimmt und sich dementsprechend die Inkubationszeit stetig verringert; nach 20-25 Übertragungen beträgt die letztere nur noch 8 Tage, nach weitern 20-25 Übertragungen nur noch 7 Tage, und auf dieser Höhe hält sich nun die Inkubationszeit mit einer überraschenden Sicherheit in einer Reihe von 90 Übertragungen.
Wenn das Virus durch diese Übertragungen das Maximum der Virulenz erreicht hat, so wirkt es bei der Rückübertragung auf den Hund stärker als das gewöhnliche, durch den Biß eines tollen Hundes einverleibte Wutgift. Wenn man aber ein solches Rückenmark von einem wutkranken Kaninchen mit der siebentägigen Inkubationsdauer unter Beobachtung der sorgfältigsten Reinlichkeit in Stücke schneidet und sie in trockner Luft aufhängt, so verschwindet die Virulenz allmählich und erlischt schließlich ganz, und zwar geschieht das um so schneller, je dünner die Schnitte sind und je höher die Lufttemperatur ist. Hierdurch ist man im stande, sowohl ein ungemein starkes, als auch ein äußerst schwaches Wutgift zu erzeugen und sich beliebig alle Nüancierungen in der Virulenz zu verschaffen, welche zwischen diesen beiden Extremen liegen. Hierauf beruht aber Pasteurs Methode der prophylaktischen Wutimpfung.
Um einen Hund in verhältnismäßig kurzer Zeit unempfänglich gegen die Wutkrankheit zu machen, verfährt Pasteur folgendermaßen. In eine Reihe von weithalsigen, mit desinfizierter Watte verschlossenen Glasflaschen, deren Luft durch Stücke von Ätzkali trocken erhalten wird, hängt man täglich ein Stück vom frischen Rückenmark eines an Wutkrankheit verendeten Kaninchens auf, bei welchem die Wut sieben Tage nach der Impfung [* 31] ausgebrochen war. Nun wird dem Hunde täglich eine Pravazsche Spritze voll sterilisierter Fleischbrühe, in welcher ein kleines Stück von dem der Trocknung unterworfenen Rückenmark verrieben wurde, unter die Haut gespritzt, und zwar beginnt man dabei, um sicher zu sein, daß die vorgenommene Impfung unschädlich ist, mit einem Stückchen, welches an einem vom Impftermin möglichst weit entfernten Tage (14. Tage) in die Trockenflasche eingelegt wurde. In den folgenden Tagen verwendet man, regelmäßig fortschreitend, immer frischeres Rückenmark, bis man zuletzt einen Tag altes, sehr stark virulentes nimmt. Jetzt ist der Hund immun oder wutfest, d. h. man kann ihm das Wutgift subkutan oder durch eine Trepanationsöffnung oder durch den Biß eines tollen Hundes beibringen, ohne daß er die Tollwut bekommt.
Nachdem Pasteur seine Methode an 50 hinsichtlich der Rasse und des Alters verschiedenen Hunden erprobt, hat er dieselbe zum erstenmal in der gleichen Weise auch am Menschen ausgeführt und seitdem bis zum in seinem Institut im ganzen 5374 von tollen oder wutverdächtigen Hunden gebissene Personen geimpft. Auch beim Menschen geschehen die Impfungen in der Weise, daß man zuerst mit einem seit 14 Tagen trocknenden Rückenmark impft und fortschreitend zu frischerm Mark übergeht, bis man am 10. Impfungstage mit dem seit einem Tage trocknenden, in hohem Grade virulenten Mark schließt. In neuester Zeit hat Pasteur seine Behandlung infolge mehrfacher Mißerfolge etwas modifiziert, indem er namentlich bei tiefen und zahlreichen Bissen im Gesicht [* 32] täglich vier Impfungen vornimmt und so in zehn Tagen drei Impfserien vollendet, deren jede mit dem frischesten Mark schließt.
Üble Zufälle sind während und nach der Impfung von Menschen nicht vorgekommen. Von 1726 geimpften Franzosen starben 12 an ausgebrochener Tollwut, von 19 von einem Wolf gebissenen Russen starben trotz der Impfung 5, welch letztern Umstand Pasteur darauf zurückführt, daß der Wolfsbiß gefährlicher und die Inkubationszeit nach demselben geringer sei als nach dem Hundebiß, und daß die betreffenden Kranken infolgedessen zu spät in seine Behandlung gelangt seien. Die ersten Schutzimpfungsanstalten außerhalb Paris [* 33] sind in Rußland (Petersburg, [* 34] Moskau, [* 35] Odessa, [* 36] Warschau, [* 37] Samara) errichtet worden; ¶