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1963
Constantin Zuppiger : Neugestaltung
... ein erster Versuch
Abonnent Constantin Zuppiger (1929-2017) oder Coni, wie alle ihn nannten, nahm sich die Lage des KREIS und die Appelle Karl Meier / Rolfs zu Herzen und tat etwas. Als Architekt sah er vor allem das Erscheinungsbild der Zeitschrift und wollte dieses verändern. Dazu stellte er etliche Entwürfe (Maquetten) her, wählte kritisch aus und hatte schliesslich je ein ganzes Heft im bisherigen kleinen wie in einem neuen Grossformat beisammen. Modernes Layout, andere Schrift und grafisch übersichtliche, zeitgemässe Gestaltung stachen sofort ins Auge. Damit ging er zu Karl Meier, erklärte sein Vorhaben und legte zudem eine Kostenberechnung bei, nicht ohne zu betonen, dass seine gesamte Arbeit ein Geschenk sei.
Die Antwort, nach Begutachtung durch alle drei Redaktoren, war negativ. Man wolle grundsätzlich beim Bisherigen bleiben, werde aber - durchaus im Sinne dieser Vorschläge - eine moderate, schrittweise Modernisierung etwa im Schriftbild der Titel und der Präsentation einzelner Beiträge vornehmen.
Coni zog sich nach dieser Enttäuschung zurück und wurde erst wieder aktiv, als es um die Nachfolgepublikation club68 ging.
Wer war Constantin Zuppiger?
Sein schweizerischer Grossvater wanderte nach Russland aus und heiratete dort die junge Fürstin Meschtschersky, die deswegen enterbt wurde. Ihre Kinder zog sie nach dem frühen Tod des Gatten traditionell russisch auf. Der eine ihrer beiden Söhne kämpfte als 19-Jähriger während der Revolution gegen die Rote Armee.
Im Prager Exil lernte er seine zukünftige Frau kennen, eine Russland-Tschechin, die ebenfalls fliehen musste. 1929 heirateten die beiden in Paris, wo Constantin geboren wurde - daher die französische Form seines Namens. Drei Jahre später zog die konsequent russisch sprechende Familie in die Schweiz, wo sie, wie zuvor in Prag und Paris, in Emigrantenkreisen verkehrte. Man rechnete mit der Rückkehr nach einem baldigen Zusammenbruch des Roten Regimes. 1940 kam die fürstliche Grossmutter über verschiedene Stationen ebenfalls in die Schweiz und wohnte bei ihrem Sohn und dessen Familie. Sie starb in Zürich.
1950 begann Coni das Architektur-Studium an der ETH, unterbrach es dann für zwei Jahre, um an den Städtischen Bühnen Düsseldorf als Mitglied des Ballett-Ensembles von Kurt Jooss zu wirken. 1956 schloss er an der ETH ab und wurde im selben Jahr Abonnent des Kreis.
Ein knappes Jahr später trafen wir (Röbi Rapp und Ernst Ostertag) den nur ein Jahr älteren Coni an einem KREIS-Anlass. Daraus entwickelte sich eine beständige Freundschaft. 1961 lernte Coni den damals 20-jährigen Waadtländer Philippe Vialatte kennen. Beide blieben ein Paar bis 1998, als Philippe völlig unerwartet starb.
Coni führte sein eigenes Architekturbüro. 1968 berief ihn die Pro Helvetia zum Direktor der in Moskau, Leningrad und Erewan (Hauptstadt der damaligen Armenischen Sowjetrepublik) gezeigten halbjährigen Ausstellung Zeitgenössische Architektur in der Schweiz, denn dazu bedurfte es eines perfekt russisch sprechenden Fachmannes.
Von 1967 bis Ende 1969 beteiligte sich Coni an den Vorarbeiten zur SOH (Schweizerische Organisation der Homophilen) und der Gründung von club68 (Zeitschrift), deren Bildredaktion er unter dem Pseudonym Conny Meierhof leitete.
1975/76 lag der Bau des offiziellen Klublokals der SOH, des Club HEY, in Conis Händen. Von 1978 bis 1981 führte er Industriebau-Unternehmungen in Saudi-Arabien und im Iran.
1985 zog er sich ins Privatleben zurück. Coni war ab 1999 Mitglied im Verein Schwulenarchiv Schweiz (sas) und gehörte ab 2002 dem Vorstand an, bis er krankheitsbedingt in ein Alters- und Pflegeheim umziehen musste.
Ernst Ostertag, Januar 2006, Mai 2017