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Er ist 21 Jahre alt, hat 2014 die spanische Moto2-Meisterschaft gewonnen und ist vor 3 Wochen in Australien im Trockenen auf Platz 4 gefahren. In der Moto2-WM hat er in diesem Jahr 26 Punkte gewonnen, damit schliesst er die Saison auf dem 19. WM-Rang ab und lässt 9 Fahrer hinter sich, die wie er die ganze Saison bestritten haben.
Warum nur soll dieser junge Zürcher, der während dem grössten Teil dieser Saison von schweren familiären Problemen durchgeschüttelt wurde (Vater und Mutter sind so zerstritten, dass der Vater in Untersuchungshaft landete), keine Zukunft in der Motorrad-WM haben?
Mehrere Gründe für das Aus
Wir haben nachgefragt. Und zwar bei der Team-Vereinigung IRTA. Sie vergibt die Startplätze, sie entscheidet, wer WM-würdig ist und wer nicht (mehr). Ein Interview wollte man uns nicht geben, in einem längeren Gespräch erklärte uns CEO Mike Trimby aber, wie es zum Nein zu Jesko Raffin kam. Die Gründe sind vielschichtig.
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Der erste und grundlegende Punkt: Aus drei mach zwei. Bisher war das Konstrukt des Teams um Tom Lüthi, Jesko Raffin und den jungen Spanier Iker Lecuona ein Spezialfall. Da nur zwei Fahrer pro Team erlaubt sind, schuf man für Lüthi ein eigenes Team, alle drei Fahrer fuhren aber unter dem gleichen Dach einer übergeordneten Struktur.
Es war eine Gefälligkeit gegenüber Hauptsponsor Olivier Métraux, dessen Vater die IRTA gegründet hatte. Mit dem Aufstieg von Lüthi in die MotoGP (inklusive Sponsor Métraux) war für die IRTA klar: Der Spezialfall ist beendet, für 2018 gibt es nur noch zwei Startplätze. Und da Teamchef Fred Corminboeuf bereits Sam Lowes unter Vertrag genommen hatte, war da plötzlich ein Fahrer zu viel mit gültigem Vertrag. Die IRTA nahm ihm den Entscheid zwischen Raffin und Lecuona ab, indem sie dem Schweizer für die nächste Saison keine Starterlaubnis erteilte.
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Dann wären da die Resultate. Wenn man nur die nackten Zahlen anschaue, dann sei Raffins Fortschritt schlicht zu gering. Einen Grossteil seiner Punkte der letzten beiden Jahre habe er in Australien eingefahren, einer Strecke, die ihm anscheinend besonders liege; die wenigen anderen Topresultate seien im Nassen zustande gekommen, in Rennen mit vielen Ausfällen und einem doch hohen Zeitrückstand auf den Sieger. Ein Moto2-Startplatz koste 300'000 Euro, das sei ihnen Raffin nicht mehr wert.
Der zweite Punkt: die Nationalität. Oft wird polemisch gesagt, Raffin habe schlicht den falschen Pass. Als Spanier, Italiener oder Malaysier hätte er den Platz behalten können. Trimby widerspricht dem nicht, im Gegenteil. Der Markt sei ein wichtiger Punkt. Die Schweiz sei im nächsten Jahr mit Tom Lüthi in der Königsklasse und Dominique Aegerter in der Moto2 ansprechend vertreten, für ein kleines Land, das nicht einmal eine Rundstrecke habe. Weil beispielsweise der asiatische Markt viel wichtiger sei, würde ein Asiate auch mit schlechteren Resultaten als Raffin seinen Startplatz behalten.
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Dazu kommt die fehlende Unterstützung von KTM. Der österreichische Motorrad-Hersteller wird im nächsten Jahr das Chassis für Corminboeufs Team liefern. KTM wollte eigentlich neben Lowes einen weiteren Podestfahrer im Team und propagierte den Deutschen Sandro Cortese.
Corminboeuf sagte nein. Cortese hätte zwar ein wenig Geld mitgebracht, was Corminboeuf nach dem Wegfall von Hauptsponsor Métraux auch dringend nötig hätte. Es war aber wohl zu wenig, damit Corminboeuf seine eigene «Entdeckung» Lecuona fallen gelassen hätte. Am Ende schluckte KTM den Spanier, Raffin hingegen war für die Österreicher kein Thema.
- Letzter Punkt: Raffins Manager. Marco Rodrigo hat aufgrund früherer Konflikte mit der IRTA nicht die besten Beziehungen zu dieser Institution, das hat sicher auch nicht geholfen.
Wenigstens wird Klartext gesprochen
All dies führt nun dazu, dass die WM-Karriere von Jesko Raffin an diesem Wochenende in Valencia zu Ende geht, trotz gültigem Vertrag für die nächste Saison. Eines muss man der IRTA lassen: So schwer nachvollziehbar die Überlegungen aus Schweizer Sicht auch sein mögen, zumindest wird (wenn auch mit etwas Verzögerung) Klartext gesprochen – davon könnte man vielerorts lernen.
Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 12.11.2017, 12:05 Uhr