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Auf das internationale Kapital wirkte China wie ein Magnet: Kein Land konnte in den vergangenen Jahren mehr ausländische Investitionen anziehen. Und es scheint, dass die Zahl immer weiter steigt. Im vergangenen Jahr sammelten sich über 58 Mrd Investitionsdollar in der Volksrepublik, fast 40000 neue Firmen mit ausländischem Kapital wurden im gleichen Zeitraum in China zugelassen.
Bisher schien der Weg nach China für die ausländischen Dollar eine Einbahnstrasse zu sein. Doch 25 Jahre nach dem der grosse Reformer Deng Xiaoping die Zügel der Planwirtschaft lockerte, sind im Reich der Mitte Unternehmen herangewachsen, die mit aller Macht ins verblüffte Ausland drängen. Auf dem 16. Parteitag der Kommunistischen Partei im November 2002 rief der damalige Staats- und Parteichef Jiang Zemin seinen Genossen zu: «Wir müssen unsere Firmen bestärken, im Ausland zu investieren, um den Export anzukurbeln und starke multinationale Konzerne zu schaffen.» Damit begann ein neues Kapitel der chinesischen Wirtschaftsgeschichte.
Erleichterung für Investitionen im Ausland
Im Jahr 2003 erreichten die chinesischen Auslandsinvestitionen insgesamt 3,32 Mrd Dollar, die sich auf 160 Länder und 7470 Firmen verteilten, bei einem jährlichen Wachstum von 23%, wie die Unternehmensberater von Roland Berger in einer Studie errechnet haben. Doch den Wirtschaftslenkern in Peking scheint das noch nicht auszureichen. Im Herbst 2004 beschloss die Regierung, weitere Erleichterungen für chinesische Firmen auf globalem Expansionskurs. Denn während sich Partei- und Staatsführung noch vor wenigen Jahren um jeden abfliessenden Yuan sorgten, ist China inzwischen bemüht, den gewaltigen Handelsbilanzüberschuss zu reduzieren und festen Willens, die Kraft der eigenen Konzerne durch internationale Expansionen zu stärken.
Während der gebeutelte Westen die Wunden der Wirtschaftskrisen leckte, sorgten bis dahin ausserhalb Chinas nahezu unbekannte Konzerne für Aufsehen. Lenovo, grösster Computerhersteller der Volksrepublik, kaufte für 1,25 Mrd Dollar die schwächelnde PC-Sparte des Branchengiganten IBM und wuchs damit über Nacht zum drittgrössten PC-Hersteller der Welt. Die Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) übernahm für 1 Mrd Pfund den britischen Automobilhersteller Rover. TV-Produzent Hisense aus der Provinz Shandong startete die Produktion in Ungarn, und Baoshan Iron and Steel, Chinas grösster Stahlkonzern, investierte in brasilianische Minen und versucht, Kanadas Minenindustrie unter seine Kontrolle zu bringen, um Chinas Stahlhunger auch in Zukunft sättigen zu können. Chinas Konzerne zeigen ihr Potenzial. Zum Beispiel der Elektronikkonzern TCL, der durch die Kooperation mit der französischen Thomson zum grössten Fernsehhersteller der Welt wurde.
Das Hauptinteresse chinesischer Auslandsinvestitionen gilt noch immer dem Bereich der Ressourcenerschliessung, denn China fehlt es an Rohstoffen. Die China National Petroleum Corporation investierte weit über 6 Mrd Dollar in die Öl- und Gasförderung, unter anderem in Australien und Indonesien. Mit gewaltigem Aufwand baut China in Pakistan einen Hafen für Containerschiffe und Öltanker.
Ein zweiter Bereich sind Repräsentanzen und Verkaufsbüros, die viele chinesische Firmen inzwischen auf der ganzen Welt eröffnen. In Europa profitiert vor allem Hamburg, wo inzwischen etwa 400 Unternehmen aus dem Reich der Mitte ihre Niederlassungen eröffnet haben. Hamburg heisst auf Chinesisch «Hanbao» «Burg der Chinesen».
Auch die chinesischen Investitionen in der Schweiz kommen vor allem aus dem Bereich des Handels. Vor ein paar Monaten startete zudem das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ein Programm speziell für die Werbung potenzieller Investoren aus China.
Unternehmen kaufen ihre Experten ein
«Einige Firmen haben inzwischen das Embryonalstadium internationaler Konzerne» erreicht, schreibt die amtliche Pekinger Volkszeitung. Um zur Weltelite aufzusteigen, fehlt es ihnen jedoch noch an Technologie, Markenimage und einem internationalen Vertriebsnetz. «All das kann man kaufen», sagt Eugen von Keller, Asien-Präsident von Roland Berger. Besonders etablierte europäische Markennamen sind im Moment günstig zu haben. Neulich besuchte von Keller einen Kunden in der alten Kaiserstadt Xi'an. Im Foyer des «Sheraton» traf er einen brasilianischen Fussballer in voller Montur, der dort für die lokale Mannschaft spielte. «Anders als japanische Unternehmen sind Chinesen bereit, sich Experten zu kaufen», sagt der Berater. «Das ist wie beim Fussball.»
China-Serie: Heimliche Riesen
Westliche Firmen zieht es nach China und chinesische Unternehmen in den Westen. Immer mehr Grosskonzerne aus dem Reich der Mitte machen mit spektakulären Übernahmen auf sich aufmerksam der Lenovo-IBM-Deal war erst der Anfang. Die «HandelsZeitung» stellt in einer losen China-Serie milliardenschwere Unternehmen vor, die den Westen erobern wollen. Zum Start werden die grössten Deals der letzten Monate zusammengefasst. (hz)