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Locarno und seine Geschichte sind ohne das Schloss nicht denkbar. Das wichtigste historische und monumentale Zeugnis der Stadt ist das Schloss Visconti. Vermutlich gab es schon in der Antike eine Festung, mit Sicherheit aber seit dem Mittelalter. In der Renaissance (15. Jahrhundert) wurde es von den Grafen Rusca genutzt, den Feudalherren der Herzöge von Mailand. Das Schloss befand sich damals am Seeufer und verfügte über einen grossen, befestigten Hafen. Am Anfang des 16. Jahrhunderts, nach der Eroberung des Herzogtums Mailand durch die Franzosen, diente sie als Schauplatz von Kämpfen gegen Schweizer Soldaten. Im Jahr 1507 wurde sie durch den Bau des “rivellino”, eines Bollwerks, das Leonardo da Vinci zugeschrieben werden kann, verstärkt. Nach der Eroberung des Locarnese-Gebiets durch die Schweizer (1513) wurde ein Grossteil des Schlosses abgerissen, und nur ein Turm und die Residenz blieben erhalten. Die Residenz diente als Sitz der Landvögte der souveränen Kantone. In den Sälen des Schlosses kam es 1549 zum Streit zwischen der reformierten Gemeinde und der katholischen Obrigkeit, dem Vorspiel zur Vertreibung der Protestanten Locarnesi im Jahr 1555.
Nach der Gründung des Kantons Tessin im Jahr 1803 wurde das Schloss Visconti zum Sitz der kantonalen Behörden. Es beherbergte die Büros des Regierungskommissars und das Prätorium. Bis zu den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde es als Gefängnis, aber auch als Schule genutzt.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dank einer wachsenden historischen und kulturellen Sensibilität der Schwerpunkt auf die Monumentalität des Komplexes gesetzt. Der Bürgermeister Francesco Balli nahm Kontakt mit den Architekten Luca Beltrami (der das Castello Sforzesco in Mailand restauriert hatte) und Ambrogio Annoni auf, die eine Sanierung befürworteten. Es folgten einige Verhandlungen mit den kantonalen Behörden. 1921 erwarb die Stadt das Herrenhaus, das unter der Leitung von Edoardo Berta zwischen 1922 und 1926 restauriert wurde. In den 1930er-Jahren wurde das Schloss zum neuen Standort des Stadtmuseums. Zugleich diente es als Veranstaltungsort für die offiziellen Empfänge der Stadt, wo nationale und internationale politische Persönlichkeiten empfangen wurden.