Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03220.jsonl.gz/28

Der «Right Livelihood Award» - besser bekannt als «Alternativer Nobelpreis» - geht 1998 unter anderem an eine «alte Bekannte» der GSoA: Vesna Terselic von der Antikriegskampagne Zagreb (ARK)
Ende Mai 1995 besuchte ich Vesna Terselic in Zagreb. Ich war auf Durchreise nach Westslawonien, das kurz zuvor von der kroatischen Armee «zurückerobert» worden war. Als Vesna mich vom Bahnhof abholte, sagte sie, sie wundere sich, heute noch keine Morddrohung von «aufrechten kroatischen Patrioten» erhalten zu haben. Vesna hatte am Tag zuvor einen Artikel über die Vertreibung der serbischen Bevölkerung aus Westslawonien publiziert. Sie war sich gewohnt, für solche Artikel in gewissen Kreisen als Verräterin zu gelten.
Vesna Terselic (geboren 1962) engagierte sich nach ihrem Studium in der Umweltschutzbewegung. 1991 gehörte sie zu den GründerInnen der Antikriegskampagne Kroatien (Anti Ratna Kampanja ARK). Ihr Ziel war es, ein Netzwerk für all die vielen kleinen Initiativen zu schaffen, die sich für eine friedliche Gesellschaft engagierten.
«Uns war von Anfang an klar», schreibt die ARK über sich, «dass unsere Arbeit keine schnellen Resultate bringen konnte. Also entschieden wir uns, vor allem Langzeitprojekte in den Bereichen Menschenrechte, Konfliktbewältigung, Friedenserziehung usw. zu entwickeln. (...) Die Eskalation der Kriege in Kroatien und Bosnien zwang uns später auch zu Nothilfe-Aktionen, in erster Linie für Flüchtlinge.»
Zu den typischen ARK-Projekten, gehörte das Projekt in der westslawonischen Kleinstadt Pakrac, die von 1992 bis 1995 in eine serbische und eine kroatische Hälfte zweigeteilt war. Das Freiwilligenprojekt, in dem 1994 auch Mitglieder der GSoA mitarbeiteten, half der Bevölkerung beim Wiederaufbau der kriegszerstörten Stadt und versuchte dabei, Brücken zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen zu schlagen. Die militärische Eroberung des Gebiets durch die kroatische Armee im Mai 1995 zerstörte viel von dieser Arbeit. Aber das Pakrac-Projekt half, Schlimmeres zu vermeiden und für die Nachkriegs-Gesellschaft erste zivile Ansätze zu schaffen.
Vesna Terselic selber hat mehr als 200 Workshops für PsychologInnen, LehrerInnen und SchülerInnen durchgeführt. Die GSoA-Zitig hat darüber schon mehrere Artikel von und Interviews mit Vesna veröffentlicht.
Für ihre Arbeit erhielt Vesna Terselic nun zusammen mit Katarina Kruhonja, Mitbegründerin des Zentrums für Frieden, Gewaltfreiheit und Menschenrechte im ostkroatischen Osijek, den «Right Livelihood Award». Dieser Preis wird seit 1980 vom schwedischen Parlament vergeben. Er gilt als Auszeichnung für Menschen, die sich in Bereichen wie Umweltschutz, Menschenrechte, Friedensarbeit und für das Wohl der Menschheit eingesetzt haben.
Wir gratulieren Vesna ganz herzlich und wünschen ihr und der ARK viel Erfolg.
siehe auch: http://www.rightlivelihood.se/