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Vom Webstuhl zum Weltkonzern
Seit mehr als 40 Jahren sind die Autos von Suzuki in der Schweiz unterwegs. Die Geschichte begann aber schon viel früher – und nicht auf vier Rädern.
Wer an Suzuki denkt, denkt an Motoren: Die Marke ist bekannt für Autos, Bootsmotoren und Motorräder. Die Geschichte des Unternehmens, das inzwischen mehr als 50 000 Leute beschäftigt, beginnt aber in einem anderen Industriezweig.
Michio Suzuki gründete sein Unternehmen 1909 in Hamamatsu, 200 Kilometer südwestlich von Tokio, und stellte Webstühle her. In Sachen Auto war Japan damals deutlich schwächer aufgestellt als Europa oder die USA, weswegen Suzuki schon bald Ideen für ein eigenes Modell entwickelte. 1936 kaufte er einen Austin 7, den er mit seinen Ingenieuren zerlegte und studierte; 1937 präsentierte das Unternehmen den ersten Prototyp für ein Auto – und musste die Pläne bald wieder auf Eis legen. Wie viele Fabriken musste sich auch Suzuki während des Zweiten Weltkriegs auf militärische Aufträge konzentrieren. Die Produktion von Gütern, die als «nicht lebenswichtig» eingestuft wurden, war stark beschränkt. Nach Kriegsende baute Suzuki in den Fabrikanlagen, die nicht zerstört wurden, vor allem Landmaschinen und Heizlüfter.
Zunächst auf zwei Rädern
Der Plan eines eigenen Autos musste auch nach dem Krieg warten; ein Auto wäre für die breite Masse zu teuer gewesen. Daher präsentierte Suzuki 1952 ein motorisiertes Fahrrad. 1954 benannte man das Unternehmen in Suzuki Motor Co. Ltd. um, die Produktion von Webstühlen wurde eingestellt. Dafür folgte 1955 endlich Suzukis erstes eigenes Auto: der Suzulight mit 16 PS. Ein weiterer Meilenstein der Firmengeschichte wurde 1965 gesetzt, als Suzuki den ersten Aussenbordmotor für Boote ins Angebot aufnahm – ein Geschäftsfeld, das auch heute noch wichtig ist für das Unternehmen.
Schritt nach Europa
In Europa waren die Autos aus Japan noch lange unbekannt. Während die Motorräder von Suzuki in Deutschland schon 1969 angeboten wurden, kamen die Automobile erst 1980 nach Europa; im Folgejahr startete die Suzuki Automobile Schweiz AG den Import hierzulande. Das erste Modell war der Geländewagen LJ80, der sich zum beliebten Arbeitshelfer und dank seinem Cabrio-Stoffdach auch zum Freizeitmobil entwickelte. Der LJ80 ist nur gerade 3,20 m kurz und 1,40 m breit. Zum Vergleich: Ein aktueller VW Golf ist 1,08 m länger und fast 40 cm breiter! Zudem war der LJ80 mit 800 Kilogramm ein Leichtgewicht. Der Vierzylindermotor mit 0,8 l Hubraum bringt es auf 41 PS; eine Zeit für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h konnten die damaligen Tester nicht bestimmen – bei 97 km/h erreichte der Geländefloh seine Höchstgeschwindigkeit. Was damals schon für den Suzuki sprach: Er war ausgesprochen erschwinglich – schon ab 11 490 Franken war er zu haben.
Nach und nach erweiterte Suzuki die Modellpalette und steigerte seinen Marktanteil auch in der Schweiz mit erschwinglichen Autos, die mit simpler, aber nützlicher und robuster Technik vor allem die Pragmatiker unter den Autofahrern ansprachen – damals wie heute. Als Durchbruch in der Schweiz sieht Suzuki die vierte Generation des Swifts, die 2005 auf den Markt kam. Vor allem weil er mit Allradantrieb zu haben war – damals eine Seltenheit in dieser Klasse. Auch heute noch ist der 4×4-Antrieb ein wichtiges Markenzeichen von Suzuki. Modelle wie der Ignis oder der kultige Jimny bringen Allrad in kompakten Autos zu erschwinglichen Preisen; das können nur wenige Hersteller bieten. Mit dem Swace und dem Across haben die Japaner zwei Modelle mit Voll- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb im Angebot. Sie basieren auf einer Partnerschaft mit Toyota – und geben Suzuki die Möglichkeit, sich für die elektrifizierte Zukunft zu rüsten. Der Across ist mit einem Grundpreis von 57 990 Franken das teuerste Modell, das die Marke je in der Preisliste hatte. Aber: Er bietet auch so viel Technik wie kein anderer Suzuki. Er schafft 75 km rein elektrisch, bietet Allradantrieb und 306 PS – und verbraucht gerade mal 1,2 l/100 km. Für den LJ80 wurden damals 10,1 l/100 km gemessen!
Philipp Aeberli