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Begegnungen und Ereignisse sind Puzzle des Lebens. Mitte des Geschehens weiss man oft nicht, wohin und wozu das Versatz-Stueck dient. Auch wenn alles, was geschieht und geschah eine Bedeutung haben sollte, fuehle ich mich oft verloren in Puzzle.
Glueck hat verschiedene Lesarten und Erfolg hat viele Interpreten. Es ist schwer, jemanden zu treffen, der den gleichen Geschmack hat. Es ist fuer einen Kuenstler schwer, jemanden zu treffen, der sein Werk bewundert. Es ist fuer ein Kunstwerk schwer, jemanden zu treffen, der es so wie es ist, schaetzt.
Ich lernte You kennen, ueber Azhong, der immer noch mit meinem Lehrer kriegt. You erzaehlte mir von seiner Liebe zur Teekanne – das war der Anfang seines Wegs. Teekanne - ich erzaehlte ihn von Lin Guoxiang, dessen Jadekanne mich ueberall begleitet und beauftragt wurde, noch mehr zu kaufen. You stand sofort auf, rief jemanden an und sagte danach, dass er mich zu einem Sammler bringen wollte, der ueber 100 Teekanne von Lin hat und mir bestimmt welche geben wollte. So lernte ich den Sammler und Rotariat-Praesident Li kennen, der sein Buero von drei Stockwerke voller Kalligrahpie. Malerei und Steinkannen schmueckt. Es war wie ein Musuem! Ein unscheinbarer Person, der bescheiden und normal geblieben ist. Er gab mir – fast verschenkt, drei wunderschoene Steinkanne. Geld hatte ich nicht dabei und spielte ueberhaupt keine Rolle. Ich war sprachlos ueber diesen Zufall. Er sagte mir, zeige Europaer, was fuer Kuenstler und Kunstwerk wir auf Formosa haben. Er sagte, die schoenen Teekanne von Lin ist kulturuebergreifend.
Ueber You habe ich viele wertvolle Tassen und Kanne bekommen. Geld ist dabei fast ein Witz. Was dabei eine Rolle spielt, war das Herz – die Liebe zu Tee, zu den gleichen Dinge, die man gemeinsam gerne hat. Mit diesem Herz bringe ich nun die wertvollen Dinge nach Europa, hoffe, mit Teefreunde, die den gleichen Geschmack haben, zu teilen.
Tee spricht fuer sich. Kunstwerk auch – davon bin ich ueberzeugt. Was ist denn schon Kulturgrenze und sprachliche Barriere!
Ich wollte You etwas schenken, etwas besonders. Was denn? Das wusste ich nicht. Da ich nicht heim fliegen koennte, ging ich am Freitag Meister Hsu Chaozong besuchen, ein Meister von Porzellan-Malerei und Toepfer. Ich kannte ihn nicht gut, wurde immer von ihm reichlich beschenkt, einfach so. Er machte mir einen Oriental Beauty, zu dem er keinen Zugang hat. Er sgate, das Geschirr ist gut, der Tee ist scheinbar auch gut und die Gaeste sind wertvoll, aber der Gastgeber ist ein Kultur-Banause… Hsu ist in der Wirklichkeit die einzigen Kuenstler neben Tsai Xiaofang die Lebendigkeit und Vollkommenheit von Song-Stil-Keramik beherrschen kann! Seine zurueckhaltende und fuer sich sprechende Art der Interpretation von Song-Stil berueht mich zutiefst. Da ich ihm meine Gefuehle immer sehr direkt ausspreche, wenn ich seine Werke beruehre, gab er mir immer einfach die Kostbarkeiten. Am Freitag wurde er sentimental neben seinem Vasen, Figuren und Vitrinen und sagte, dass er sich sehr einsam fuehlt.
„Warum?“ „Meine Frau will nur Geld damit verdienen und meine Kinder wollen dadurch ein schoenes Leben. Ich habe Ruhm und Vermoegen mit meinen Dinge, aber sie machen mich nicht gluecklich. Ich bin wie ein Kind, will spielen, mit dem was ich kann. Ich bin zufrieden mit einem bescheidenen Leben und die Zeit moechte ich fuer das Spiel gerne nutzten… Die Momente, in den das Ofen geoeffnet wird, teilt niemand mit mir vor einem gelungenen Spiel mein Freude…“
Freude moechte gerne geteilt werden. Auch viele viele Dinge des Lebens. Freude sind Puzzles, die das Leben zu einem Bild zusammenfuegen. Das Bild erzaehlt uns, wer wir sind, wohin wir eigentlich gehen wollen.
Kurz vor meinem Abflug traf ich You und wollte ihm eine Teeschale von Ruyao-Stil (mein Lieblingsstilrichtung von Sung Porzellan) schenken, die ich vorgestern von Hsu geschenkt bekam. Ich habe zwei Stueck davon – alles von ihm geschenkt. Als ich die Schale auspackte, war sein Gesicht voller Uerberaschung. „Weisst Du nicht – ich habe sechs Stuecke davon! Ich trinke meinen Pu Er aus ihm. Kennst Du Hsu persoenlich?“ dann seufzte er „Wir haben den gleichen Geschmack!“ Er wollte diese Schale nicht. Er starrte mich an. Ich wurde rot. Wir moechten Tsai Xiaofang nicht, obwohl er stets in Medien und Rampenlicht steht – als der Sung-Porzellan-Guru. Er bat mir naechtest Mal, ihn mitzunehmen, wenn ich Hsu besuchen gehe. Und vielleicht kommt er Mal in absehbarer Zukunft nach Europa, sagte er, einen anderen Teil der Erde zu erleben.
Foto von Lin Guo Xiang und Menglin in Yingge.