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Rosario Giuseppe Assenza wurde am 19. März 1905 als Ältester von 8 Kindern in Modica, einem kleinen Ort im Südosten Siziliens, geboren.
Seine Mutter, Angela Spadaro, stammte aus vornehmem Haus, sein Vater Giorgio Assenza besaß eine religiöse Gesinnung und war durch Selbststudien Photograph, Maler und Stuckateur geworden. Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde der Vater einberufen, sodass der kleine Beppe schon mit 9 Jahren die Mutter in der Erziehung der Geschwister und in der Hausarbeit unterstützte. Auch trug er schon zum Einkommen der Familie bei, indem er kleine Schnitzereien und Zeichnungen anfertigte. Nach Kriegsende half Beppe dem Vater in der fotographischen Arbeit, was sich als so erfolgreich erwies, dass die Familie ein Ferienhaus in Pozzallo, einer direkt am Meer gelegenen Ortschaft, erwerben konnte. Die Eindrücke des Meeres erhielten in seinem Spätwerk, das der Dynamik von Farbe und Form gewidmet war, von neuem an Bedeutung.
Seine künstlerische Begabung wurde durch ein kleines Porträt entdeckt, das er mit Kohle im Vorübergehen auf die frisch verputzte Mauer einer Kirche zeichnete. In seinem 13. Lebensjahr begann seine künstlerische Ausbildung in Zeichnung und Malerei durch seinen Onkel Orazio Spadaro, mit dem er auf weitläufigen Spaziergängen Gespräche über die Kulturentwicklung führte, die seine Weltanschauung prägten. Später setzte er durch akademische Studien in Mailand und Rom, sowie durch Studienreisen nach Frankreich und Deutschland seine Ausbildung zur Meisterschaft fort.
1923 übersiedelte er nach Mailand, wo er als Fotograph und Porträtist seinen Lebensunterhalt verdiente. Während zwölf Jahren war er mit der Malerin Jolanda Oldoni liiert. Seine künstlerische Laufbahn setzte er 1925 mit einer ersten Ausstellung in Mailand in der Galleria Borgonuovo fort. Wenig später gewann er einen Wettbewerb in Syrakus und bekam verschiedene Aufträge, unter anderem die Ausmalung der Präfektur in Syrakus, sowie christliche Motive für Kirchen und Klöster. Während dieser Zeit war er mit einem großen Kreis von Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern freundschaftlich verbunden. Durch diesen intensiven kulturellen Austausch angeregt, hinterfragte er seinen bisherigen künstlerischen Weg, namentlich die klassischen Formen der Renaissance, um nach einem neuen, zeitgemäßen Stil zu suchen. Assenza verließ Italien und lernte auf seinen Reisen nach Paris und Deutschland den Impressionismus und Expressionismus kennen. In München hatte er einen vorübergehenden Wohnsitz mit Atelier, besuchte die Ausstellung der sog. Entarteten Kunst und lernte Gertrud Merkle kennen, mit der er sich verlobte. Aufgrund ihrer nationalsozialistischen Gesinnung, die sie bis zum Lebensende als Mitglied der NPD bewahrte, trennte er sich von ihr.
Nachdem Assenza bis in die 30er Jahre hinein Auftragskunst im klassizistischen Stil ausgeführt hatte, unter anderem ein beachtliches Gemälde des Erzbischofs Monsignore Giacomo Garabelli oder Porträtminiaturen, die er mittels Lupe malte, nahm er 1936 mit expressionistischen Porträts an der XX. Biennale in Venedig teil.
Von Beginn an hatte Assenza seinen beiden jüngeren Brüdern Kunstunterricht erteilt, sodass Valente Assenza zeitlebens als Maler und Kunstlehrer tätig wurde und Enzo Assenza einen Namen als Bildhauer bekam. Seine eigene Kunst in einer kulturellen und religiösen Verantwortung zu verwurzeln, wurde in den 30er Jahren zu einem seiner wichtigsten Anliegen.
Als er 1937 nach Italien zurückkehrte, entstanden einige wenige Arbeiten im impressionistischen Stil, bevor er sich der expressiven Porträtmalerei zuwandte. Seine Beziehung zum Expressionismus war durch die Freundschaft zu Karl Stirner geprägt und bestärkt worden, den er 1933 kennengelernt und seither oft in Ellwangen besucht hatte, wo sie gemeinsam malten. Beppe Assenza war zu dieser Zeit der gefragteste Portätmaler Italiens. Eine Anfrage des Ministers Ruggero Romano, Mussolini zu porträtieren, lehnte er jedoch ab. Wegen verlorengegangener Einberufungspapiere, oder, wie man nur vermuten kann, durch den Einfluss des ihm befreundeten Baron Saverio Polara (1870-1941), blieb Assenza ein zweijähriger Militärdienst sowie der Kriegsdienst während des 2. Weltkrieges erspart. Er lebte während des Krieges in der Villa Soderini am Stadtrand von Rom, wo er in eine tiefe Lebens- und Künstlerkrise geriet. Durch die Begegnung und Beschäftigung mit Goethes Farbenlehre und der Schrift Geheimwissenschaft im Umriss von Rudolf Steiner, sowie durch die künstlerische und seminaristische Zusammenarbeit mit einer Gruppe von anthroposophisch interessierten Menschen um die Baronessa de Renzis (Gruppo Michael), fand er eine neue spirituelle und künstlerische Perspektive.
In den Jahren 1943 bis 1947 entstanden monochrome Bilder zu Mythischen, Christlichen und literarischen Motiven, in denen er eine Beziehung zur Farbe sowie die Gestaltung der Bildmotive aus dem Erleben der Farbdynamik suchte. Veranlasst durch die Erkrankung seiner Frau Bianca zog Assenza nach Arlesheim, Schweiz, wo er den Klinikaufenthalt seiner Frau während zwei Jahren bis zu ihrem Tod 1958 begleitete. Er entschloss sich dazu, trotz der hohen Anerkennung als Künstler, die ihm ihn Rom zukam, in der Schweiz zu blieben. Er ließ sich in der Nähe des Goetheanum in Dornach nieder, wo seine künstlerische Arbeit einen Neubeginn fand.
In diesen Jahren kamen einzelne Maler zu ihm, die er unterrichtete. Daraus entstand innerhalb weniger Jahre eine große Malschule, die er ab 1969 als Malschule am Goetheanum leitete. Die Malschule wurde von durchschnittlich ca. 80 Studierenden aus aller Welt besucht und beinhaltete eine 4jährige Ausbildung mit Diplomabschluss. An der Schnittstelle zwischen der eigenen schöpferischen Arbeit und der künstlerischen Lehre entwickelte Beppe Assenza eine eigene Farben- und Formenlehre, die er in 33 sog. Skizzenbüchern erarbeitete. Dieses methodische Werk soll mittelfristig durch den 2019 gegründeten Beppe Assenza Fonds erstmals publiziert werden; Es verbindet eine künstlerische Könnerschaft mit phänomenologischen Grundlagenforschungen auf einmalige Weise und enthält vielseitige Anregungen für die künstlerische Praxis.
1961 heiratete Beppe Assenza seine 25 Jahre jüngere Schülerin Gerta Hörstel. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Unterdessen wurde Beppe Assenza zu einem besonders in anthroposophischen Kreisen international bekannter Maler. 1978 verfasste der Philosoph und Freund Dr. Herbert Witzenmann eine erste Bildmonographie mit einer biografischen Übersicht und aphoristischen wie auch kunstwissenschaftlichen Texten zur Kunst.
Nach einem 1982 erlittenen ersten Herzinfarkt beschloss Assenza, sich von der Familie zu trennen um seine künstlerische Arbeit, einschließlich einer reichen Ausstellungstätigkeit, in seinen letzten Lebensjahren intensiv zu verfolgen. Die Vorbereitungen für eine Herausgabe des methodischen Werks konnte er durch seinen Tod am 23. September 1985 nicht vollenden.
Eine zweite Buchpublikation erschien 2005 unter dem Titel Beppe Assenza, Ein Leben für die Malerei und Anthroposophie, die Dr. Klaus Hartmann mit zahlreichen Abbildungen, einem Einblick in das methodische Werk und mit ausführlicher Biographie verfasst hat.
Emanuela Assenza