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Aufgabe
Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) ist die einflussreichste Ernährungsorganisation der Schweiz. Sie berät das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und erhält von ihm Aufträge. Unter anderem ist die SGE auch für die aktuelle Lebensmittelpyramide verantwortlich, die der Schweizer Bevölkerung in einfacher Form eine Richtlinie geben soll, wie sie sich ernähren sollte. Ausserdem ist sie Herausgeberin der Schweizer Nährwerttabelle (zusammen mit dem BAG und der ETH Zürich).
Position
Die SGE hat im Juli 2021 erstmals ein Merkblatt zur veganen Ernährung veröffentlicht. Zudem hat die SGE ihr Merkblatt zur vegetarischen Ernährung neu überarbeitet. Swissveg hat sie dabei fachlich unterstützt.
Im Merkblatt zur veganen Ernährung heisst es:
«Viel diskutiert wird die Frage, ob eine vegane Ernährung gesund ist. Diese Frage kann nicht per se mit ja oder nein beantwortet werden. Dies ist aber genauso wenig für eine Mischkost, also eine Ernährung mit tierischen Produkten, möglich. Viel entscheidender als die Ernährungsform ist die konkrete Umsetzung. Es hängt stark von der Lebensmittelauswahl ab, ob eine vegane Ernährung (oder eine andere Ernährungsform) ausgewogen ist oder nicht.»
Weiter ergänzt die SGE ihr Statement folgendermassen:
«Laut den offiziellen Schweizer Empfehlungen wird eine vegane Ernährung für Säuglinge, Kinder, Jugendliche, schwangere und stillende Frauen sowie ältere Menschen nicht empfohlen. Diese Bevölkerungsgruppen haben spezielle Ernährungsbedürfnisse. Das Risiko für eine ungenügende Versorgung mit einzelnen Nährstoffen ist besonders gross.»
Die SGE äusserte sich vor einigen Jahren ähnlich über die vegetarische Ernährung:
«Eine ausgewogene ovo-lacto-vegetarische Ernährung liefert ausreichend Nährstoffe für gesunde Menschen. Bestimmte Altersgruppen (z.B. ältere Menschen) sowie schwangere und stillende Frauen müssen besonders gut auf ihre Ernährung achten, um keine Mangelerscheinungen zu bekommen. Die . . . [vegane] Ernährung kann aus ernährungsphysiologischer Sicht für breite Bevölkerungskreise nicht empfohlen werden.»
Mittlerweile wird die vegetarische Ernährung von der SGE als weniger kritisch angesehen. Jedoch wird explizit erwähnt, dass eine vegane Ernährung für Säuglinge, Kinder, Jugendliche, schwangere und stillende Frauen sowie ältere Menschen nicht empfohlen wird.
In anderen Ländern wie z.B. in Kanada oder in den USA wird eine vegane Ernährung von den Fachgesellschaften für Ernährung hingegen in allen Lebenslagen als gesund eingestuft. Die Academy of Nutrition and Dietetics aus den USA spricht sich in ihrem Positionspapier aus dem Jahr 2016 für die vegane Ernährung folgendermassen aus:
«It is the position of the Academy of Nutrition and Dietetics that appropriately planned vegetarian, including vegan, diets are healthful, nutritionally adequate, and may provide health benefits for the prevention and treatment of certain diseases. These diets are appropriate for all stages of the life cycle, including pregnancy, lactation, infancy, childhood, adolescence, older adulthood, and for athletes.»
Im direkten Vergleich spricht sich die SGE deutlich weniger positiv für die vegane Ernährung aus. Doch woran liegt das? Ein Blick auf die Finanzierung der SGE liefert Antworten.
Finanzierung
Um die Abhängigkeiten einer Organisation erkennen zu können, ist ein Blick in deren Finanzierung oft sehr hilfreich. Die SGE finanziert sich zu über einem Drittel durch die Mitgliederbeiträge ihrer ca. 5000 Einzelmitglieder und 250 Kollektivmitglieder. Rund 20% stammen vom BAG (in der Regel projektbezogen). Der Rest verteilt sich auf eigene Verkäufe (z.B. aus dem eigenen Verlag) und diverse Einnahmen. Dies zeigt eine breit abgestützte Einnahmenseite.
Was allerdings dieses positive Bild etwas beeinträchtigt, sind die Gönner der SGE: darunter Swissmilk, Schweizer Fleisch, Nestlé, Emmi, Unilever und McDonald's. Einen negativen Artikel über eine dieser Grossfirmen im Ernährungssektor wird es somit kaum je geben. Unter anderem sieht man dies in der Behandlung der Milch: Positive Studien über die Milch werden ausführlich in der SGE-Zeitschrift vorgestellt, jedes negative Studienresultat jedoch ignoriert.
Vereinszweck
In den Statuten der SGE wird explizit erwähnt, dass nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse zur Ernährung verbreitet werden:
«Die SGE ist gemeinnützig und bezweckt . . . [,] wissenschaftsbasierte und fachlich unabhängige Ernährungsinformationen für die Praxis bereit[zu]stellen und die Schweizer Ernährungsempfehlungen [zu] verbreiten.»
Die Schweizer Ernährungsempfehlungen werden also unhinterfragt verbreitet, da dies zum Vereinszweck gehört – selbst wenn es der Wissenschaft widerspricht. Da die SGE das Sprachrohr des Bundes ist, kann und darf die SGE nicht unabhängig und neutral informieren.