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Wie laufen Wahlen in Brasilien ab?
Wir sagen es Ihnen.
- Der jeweilige Kandidat (Präsidentschafts- oder Gouverneurswahl) benötigt mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen (ohne Enthaltung/Ungültige), um die Wahl zu gewinnen. Erreicht keiner der Kandidaten 50% + 1 gültige Stimmen im ersten Wahlgang, findet meistens 30 Tage später eine Stichwahl mit den zwei stärksten Kandidaten statt.
- Nach 22h Ortszeit am Samstagabend endet endgültig in Brasilien die Wahlwerbung, die viele Bürger seit Wochen allmählich in den Wahnsinn getrieben hat. Neben Lautsprecherdurchsagen dürfen dann auch keine Flugblätter oder T-Shirts mehr verteilt oder Sympathiemärsche durchgeführt werden. Am Wahlsonntag sind solche Aktivitäten ebenso vollständig – und nicht nur in der Nähe der Wahllokale – verboten.
- Übrigens: Das erste Wahllokal in Brasilien wird jeweils auf Fernando de Noronha im Atlantik eröffnet.
Was darf man noch nicht alles am Wahltag ausser der bereits genannten Wahlwerbung inkl. Beschallungsorgie?
- Die Helfer in den Wahllokalen dürfen keine Kleidung mit Wahlwerbung, Stickern, Kappen oder ähnlichem tragen. Auch den Zeugen der Parteien ist dies untersagt, maximal sind Ausweise mit Parteisymbol erlaubt.
- Sympathisanten der Parteien dürfen sich am Sonntag 17 Uhr nicht in grösseren Gruppen treffen und dabei Werbe-T-Shirts, Fahnen, Schilder oder ähnliches bei sich haben. Autokorsos sind natürlich auch verboten.
- Erlaubt ist allerdings die “individuelle und stille” Darstellung seiner Parteizugehörigkeit oder die Unterstützung eines Kandidaten. Umstritten ist jedoch die Nutzung von T-Shirts mit Kandidatenaufdruck. In der Theorie müsste der Wähler der Wahlbehörde unter Umständen erklären, dass er das T-Shirt für sich selbst angefertigt hat.
- Alkoholverbot: das “Lei seca” ist Sache des Amtes für öffentliche Sicherheit eines jeden Bundesstaates und kann auch dort von Stadt zu Stadt variieren. Bislang ist bekannt, dass der Verkauf und der Ausschank von Alkohol in Sao Paulo, Rio de Janeiro, Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná erlaubt sein wird. Im Hauptstadtdistrikt und in Ceará z.B. ist es verboten. Aber auch die genauen Uhrzeiten können unterschiedlich geregelt sein. So kann es schon um Mitternacht beginnen, aber auch erst um 6 Uhr morgens und u.U. bis zum Folgetag andauern, um auch die Feiernden und Frustrierten evtl. “trocken” zu halten.
- Brasilianer im Ausland mussten sich übrigens bis zum 5. Mai bei ihrem zuständigen Konsulat registriert haben, um heute wählen zu dürfen. Und sie dürfen nur über den Präsidenten (und seine Vize) bestimmen. Denn die Abgeordneten und Senatoren werden für den jeweiligen Bundesstaat bestimmt, in dem der Wähler seinen Wohnsitz hat.
- Wer die Anmeldung vergessen hat, muss sich übrigens innerhalb von 60 Tagen erklären und der Wahlbehörde eine “Entschuldigung” übermitteln. Ansonsten wird das Konsulat demjenigen kein Dokument wie Reisepass, Geburtsurkunde oder ähnliches mehr ausstellen. Die Geldstrafe beträgt 3,50 R$, also ca. 1,50 Euro.
- Bevor wir es vergessen. Nicht alle Brasilianer und Brasilianer sind Wahlpflichtig. Nicht wählen dürfen Kinder bis zur Vollendung des 16. Lebensjahrs. Wahlberechtigt sind Jugendliche von 16 und 17 Jahren und Senioren ab 70 Jahren. Zudem sind Analphabeten, körperlich Schwerstbehinderte und sowie geistig Behinderte ebenfalls von der Wahlpflicht ausgenommen.