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Sinkt sie oder sinkt sie nicht? Diese Frage beschäftigte Brasilien seit den drei Explosionen auf der Ölförderplattform Petrobras 36 (P36), die 120 Kilometer vor der Küste nördlich von Rio vertäut lag. Die erst im vergangenen Mai in Betrieb genommene Plattform stand auf vier Säulen, die an zwei Schwimmkörpern befestigt waren. Die Explosionen, deren Ursachen unklar sind, beschädigten eine der Säulen. Einströmendes Wasser liess die Plattform kippen und absinken. Taucher versuchten, mit Stickstoff und Druckluft das Wasser aus der beschädigten Säule zu pressen. Nach ersten Erfolgen machte schlechtes Wetter, das sehr hohe Wellen mit sich brachte, alles wieder zunichte. Am Dienstagmorgen sank die Plattform. Sie liegt jetzt in 1360 Meter Tiefe auf dem Meeresboden.
Bei dem Unglück starben zehn Arbeiter, allesamt Mitglieder der Betriebsfeuerwehr, die von der zweiten Explosion überrascht wurden. Die Ölarbeiter nennen die Förderplattformen «Sklavenschiffe». So waren zum Zeitpunkt des Unglücks statt 122 Menschen, für die es Kabinen gab, mindestens 175 Beschäftigte auf der P36. Die «Petroleiros» arbeiten 14 Tage ohne Unterbruch je zwölf Stunden täglich, in der ersten Woche tagsüber, in der zweiten nachts, dann folgen 21 Tage Landurlaub. In Vorbereitung auf die geplante Privatisierung hat Petrobras in den letzten Jahren fast die Hälfte des Personals entlassen. Heute stehen noch 35 000 Beschäftigte auf der Lohnliste; daneben arbeiten hunderttausend schlecht ausgebildet und von Drittfirmen niedrig entlohnt auf den Anlagen der Petrobras. Von den 81 tödlichen Arbeitsunfällen während der letzten drei Jahre trafen deren 66 Arbeiter von Drittfirmen. Der Arbeitsdruck, so ein Sprecher der Ölarbeitergewerkschaft, sei mitverantwortlich dafür, dass kaum noch Zeit für Sicherheitsprüfungen und Katastrophenübungen bleibe.
Noch nicht absehbar sind die Auswirkungen der Katastrophe auf die Umwelt. Sprecher der Petrobras versichern, die Zuleitungen zur P36 seien durch Ventile verschlossen, so dass kein Öl aus den Quellen ins Meer dringe. Auf der Plattform und in den Leitungen befanden sich aber 1,5 Millionen Liter Öl, die jetzt auslaufen. Nur zwei Tage vor den Explosionen auf P36 hatte Brasiliens Präsident Fernando Henrique Cardoso davon geschwärmt, Brasilien zur Ölexportnation machen zu wollen. Daraus wird vorläufig nichts. Zwar ist die Plattform im Wert von 500 Millionen US-Dollar versichert, durch den Wegfall ihrer Produktion muss das Land nun aber monatlich Öl im Wert von 60 Millionen Dollar importieren.