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Am 11. Mai 1919 sprachen sich in einer Volksbefragung in Vorarlberg über 80 Prozent für Anschlussverhandlungen mit der Schweiz aus: Das aus der Not geborene Begehren erhitzte die Gemüter auch im Werdenberg.
Als am 11. November 1918 der Erste Weltkrieg zu Ende ging, blieb ein zerbrochenes Europa zurück. Die Donaumonarchie existierte nicht mehr, das riesige Reich war in Nationalstaaten aufgesplittert. Am 12. November 1918 rief die provisorische Nationalversammlung in Wien die Republik Deutschösterreich aus, die sich in der provisorischen Verfassung zum Bestandteil der Deutschen Republik erklärte. Damit sollte der Anschluss an Deutschland staatsrechtlich vorbereitet werden. Allerdings stand Deutschösterreich vor enormen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen, und die Regierung in Wien hatte grösste Mühe, einen Weg zu finden, um das Rumpfgebilde in einem gemeinsamen Staat zusammenzubinden.
In Vorarlberg drohte Hungersnot. Die Regierung in Wien war nicht in der Lage, Vorarlberg zu unterstützen. Auch von Deutscher Seite war keine Hilfe möglich. Die Schweiz war das einzige Land, das Unterstützung bieten konnte, um die Katastrophe abzuwenden. Schon 1918, unmittelbar nach Kriegsende, bildete sich in Vorarlberg ein Ausschuss, der für einen Anschluss an die Schweiz warb. Initiator war der Lustenauer Volksschullehrer Ferdinand Riedmann. Die Bestrebungen führten zur Volksbefragung vom 11. Mai 1919, bei der sich über 80 Prozent der Abstimmenden für die Aufnahme von Anschlussverhandlungen mit der Schweiz aussprachen. Im Friedensvertrag von Saint-Germain-en-Laye fand das Anliegen trotz Bemühens des Vorarlberger Landeshauptmanns Otto Ender keine Berücksichtigung. In der Schweiz bildete sich das gesamtschweizerische Komitee «Pro Vorarlberg», in welchem der in Werdenberg aufgewachsene St.Galler Augenarzt und Kantonsrat Ulrich Vetsch eine führende Rolle spielte. Im Bundesrat konnte sich einzig der Bündner Felix Calonder für den Anschluss erwärmen. Vehemente Gegner im Werdenberg waren zwei Buchser: Nationalrat Gallus Schwendener und Gemeindeammann Jacques Kuhn. Anderseits empfahl der Schweizer Generalstabschef Emil Sonderegger noch im September 1922 sogar eine militärische Intervention in Vorarlberg und bezeichnete die Besetzung des Nachbarlandes als «vaterländische Pflicht».
Es war eine turbulente Zeit an der Ostgrenze der Schweiz, die Jahre 1918 bis 1922: Hintergründe, Zusammenhänge und Details finden sich im Band 2 der WERDENBERGER GESCHICHTE|N – er erscheint rechtzeitig vor Weihnachten.
HJR