Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03631.jsonl.gz/1878

Nie wieder zurück auf die Müllhalde!
In Kenia leben Tausende von Menschen in unmittelbarer Nähe einer Müllhalde – und das nur 15 Kilometer vom Zentrum von Mombasa entfernt. Erwachsene und Kinder suchen Tag für Tag im Müll nach Plastik, Metall oder anderen Gegenständen, die sie auf dem Schwarzmarkt verkaufen können. Meistens sind es Frauen, die auf den Müllhalden „arbeiten“, denn sie haben weder Rechte noch wirtschaftliche Möglichkeiten oder ein Zuhause.
Die Kinder haben keine Hoffnung auf eine Zukunft. Weil sie den Erwachsenen helfen müssen, gehen sie auch nicht regelmässig zur Schule. Die zehnjährige Margaret zum Beispiel muss zuerst arbeiten und kann erst danach, wenn sie noch Zeit hat, rasch zur Schule rennen.
„Ich heisse Margaret, bin zehn Jahre alt und lebe mit meinen Eltern und drei jüngeren Geschwistern auf der Müllhalde. Keines meiner Geschwister geht zur Schule, wir können es uns nicht leisten, wir sind sehr arm.“ Margaret fragt sich immer: Wie stelle ich es an, dass ich zur Schule gehen kann?“
Wer arm ist, hat keine Chance. Wer Glück hat, besucht zwischen all den Gelegenheitsjobs, mit denen er sich über Wasser hält, ab und zu die Schule. Margaret geht zum Unterricht, wenn sie mit ihrer Arbeit auf der Müllhalde fertig ist.
„Weder mein Vater noch meine Mutter gehen einer regelmässigen Arbeit nach. Wir leben von dem, was sie auf der Müllhalde finden. Plastik und anderes Material. Meine Mutter flickt die Hüllen, die wir finden, damit wir sie weiterverkaufen können. Oft gehe auch ich auf die Müllhalde und versuche, ihnen zu helfen, wo ich kann. Wenn ich etwas Geld verdiene, gebe ich es meiner Mutter, damit sie Wasser kaufen kann.“ Es braucht nicht viel Fantasie, um sich die harte und entwürdigende Arbeit auf der Müllhalde vorzustellen. „Ich hasse die Müllhalde. Immer habe ich Angst, mich an irgendetwas zu schneiden, zum Beispiel an Glasscherben. Noch mehr Angst habe ich aber vor den Männern, die dort herumlungern. Das sind keine guten Menschen. Einige sind betrunken und stellen den Frauen nach.“ Für ein Mädchen kann ein solcher Ort gefährlich sein. Die schlechten Bedingungen und die extreme Armut führen immer wieder zu Gewalt, deren Opfer meist Frauen sind.
Margaret beschreibt ihren Tagesablauf: „Am frühen Morgen gehe ich auf die Müllhalde, um etwas Geld zu verdienen (etwa 50 Schilling). Wenn ich es schaffe, gehe ich um elf Uhr zur Schule. Dort versuche ich, möglichst viel zu lernen. Ich träume davon, nicht mehr auf die Müllhalde gehen zu müssen. Dort ist es dreckig und ich habe Angst, mich mit Krankheiten anzustecken. Die Luft ist schrecklich. Ich möchte studieren und Lehrerin werden. Eines Tages werden wir die Müllhalde verlassen und in einem schönen Haus wohnen…“
Für ActionAid sind die Frauen das neuralgische Zentrum, das das Leben vieler kenianischer Familien verändern könnte. Deshalb hat die Organisation in der Region, in der Margaret lebt, die Kampagne „Safe Cities“ lanciert. Einer bei den Bewohnern dieser Gegend durchgeführten Umfrage zufolge sind Armut und soziale Ausgrenzung die Hauptursache der täglichen Gewalt gegen viele Frauen und Mädchen. Mit dem Projekt werden über 8‘000 Personen (ca. 1‘500 Familien) erreicht und dank der Aufklärung und Sensibilisierung im Zusammenhang mit der Sicherheit der Frauen, dem Recht auf Grund und Boden, der Rechtshilfe für Opfer von Gewalt und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit konnte einiger Erfolg erzielt werden.
Schliesslich gibt es auch in Bezug auf die Hausarbeit der Frauen in den Familien Positives zu vermelden. Mit Methoden wie beispielsweise dem „Zeittagebuch“ konnten viele Frauen ihren Ehemännern aufzeigen, wie viele Arbeiten sie tagtäglich im Haushalt und in der Familie verrichten. Dank des neu gewonnenen Verständnisses wird nun nicht nur die Familienarbeit neu verteilt, sondern auch die Rolle der Frau innerhalb der Gemeinschaft aufgewertet. Wichtig ist, dass die Arbeit der Frauen anerkannt, reduziert und neu verteilt wird.