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Eine der wichtigsten Börsen für Agrarprodukte der Welt ist die Chicago Mercantile Exchange. Dort werden auch am meisten Futures-Kontrakte – also Wetten auf zukünftige Preise – gehandelt. Reguliert wird der Handel von der Commodity Futures Trading Commission. Diese Behörde soll garantieren, dass niemand die Preise von Mais, Weizen, Baumwolle, Soja oder Nutztieren manipulieren kann.
Dies geschieht mit einer Limite: Kein Händler darf mehr als zehn Prozent eines Rohstoffmarktes kontrollieren. «Solche Grenzen sind ein brauchbares Instrument, um spekulatives Verhalten und die Preismanipulation abzuwehren», sagt Paul Peterson, Finanzprofessor am Institut für Agrarwirtschaft der University of Illinois.
Ausnahmen für Multis sind bewilligungspflichtig
Die Behörde sieht jedoch Ausnahmen vor. Etwa für Händler, die im Auftrag von Lebensmittelkonzernen oder Landwirtschaftsbetrieben Futures kaufen. Zweck der Übung: Die Landwirte und Lebensmittelfirmen sollen mit planbaren Preisen rechnen können. Jede Transaktion dieser Art muss allerdings einzeln bewilligt werden.
Diese Marktakteure, zum Beispiel Nestlé oder der Agrarkonzern Cargill, seien aber in der Minderheit im Vergleich zu reinen Spekulanten wie etwa den Banken, erklärt Peterson. «Es gibt viel Spekulation. Aber eine gewisse Anzahl Spekulanten ist sogar nötig. Damit jene, die Preise absichern wollen, dies zu gewünschten Preisen und Terminen tun können, braucht es andere, die ihnen die Wertpapiere abkaufen.»
Stärkere Regulierung als Folge der Finanzkrise
Momentan ist die Behörde im Begriff, die zehnprozentige Limite von heute neun Agrarrohstoffen auf den Handel mit sämtlichen Agrarprodukten auszuweiten. Hinzukommen sollen auch Rohstoffe wie Metalle, Gas und Öl. Das verlangt das Finanzmarktregulierungsgesetz namens Dodd Frank Act, das im Zuge der Finanzkrise erlassen wurde.
Bart Chilton, bis vor kurzem einer der fünf Kommissare der Regulierungsbehörde, erklärt: «Grosse Investitionsbanken dürfen dann nur noch zehn Prozent eines Rohstoffmarktes kontrollieren. Ich habe gesehen, wie sie regelmässig viel mehr, nämlich 20, 30 oder einmal beim Silber sogar 40 Prozent des Marktes beherrschten.» Das sei inakzeptabel, sagt er.
Geltende Limiten besser als Spekulationsverbot
Chilton ist der Meinung, dass alle Länder die Spekulation begrenzen sollten. Die Schweizer Initiative setzt aber keine Limite wie die USA, sondern würde es Banken ganz verbieten, mit Agrarrohstoffen zu handeln. Das gehe zu weit, findet er.
Die Kunst bei den Spekulationslimiten sei es, die Grenzen sorgfältig zu ziehen. «Die Regeln müssen mit Bedacht geschaffen werden, damit sie wirksam sind, aber nicht so drakonisch, dass sie den Märkten schaden, statt sie zu verbessern», so Chilton. Denn dann würde der Handel einfach abwandern. Dieser Balanceakt sei in den USA gelungen.