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Achilles Müller war ein Chirurg und Urologe, der von 1917 bis 1948 für das Diakonissenspital in Riehen tätig war. Bedeutend sind seine Forschungen über Missbildungen und Geschwüre innerer Organe infolge der Einwirkung von Anilinfarben.
Sohn des August Müller (Vizedirektor der Nationalbank) und der Elise, geborene von Mechel. Heirat 1907 mit Theodora-Dorothea Marie Luise (Dora) Kober.
Achilles Müller wurde am 3. Januar 1877 als Sohn von August Müller, Vizedirektor der Schweizerischen Nationalbank, und der Elise, geborene von Mechel, im Haus zum Himmel an der Rebgasse 28 in Kleinbasel geboren. Im grossen, herrschaftlichen Haus lebte neben der Kernfamilie, zu der auch eine um drei Jahre jüngere Schwester gehörte, ein grosser Teil der Familie von Mechel, die eine Weinhandlung und eine Küferei betrieb. Beim Umzug in die Grenzacherstrasse begleitete die Grossmutter, die massgeblich für die Erziehung der frühen Jugendjahre verantwortlich war, die Familie. Achilles Müller besuchte die Theodorsschule in Kleinbasel und anschliessend das Gymnasium in Grossbasel. Aufgrund des Interesses an alten und neuen Sprachen ermöglichte ihm der Vater zusätzlich privaten Sprachunterricht.
Nach der Maturität studierte Achilles Müller an der Universität Basel Medizin. Er besuchte unter anderem den Unterricht beim Zoologen Friedrich Zschokke, mit dem er ein Leben lang befreundet blieb. Gemäss eigenen Aufzeichnungen beeinflussten ihn auch der Pathologe Otto Hildebrand und der Internist Friedrich von Müller stark. Vor dem Staatsexamen im Jahr 1901 absolvierte Müller ein Studiensemester in Tübingen. Während des Studiums schloss Müller mit dem Psychiater C. G Jung eine lebenslange Freundschaft.
Nach der Promotion zum Dr. med. war Müller Assistent von Professor Hildebrand am Basler Bürgerspital. Nach drei Jahren Dienst folgte ein halbes Jahr Weiterbildung in Berlin und Paris. 1906 kehrte Müller nach Basel zurück, wo er fünf Jahre lang als Assistent von Professor Carl Sebastian Hägler in der Andlauer-Klinik arbeitete. Gleichzeitig betrieb er eine Privatpraxis am Nadelberg, die er später in der Eisengasse verlegte. Nach eigenen Worten befriedigte ihn die Arbeit in Basel nicht und er übernahm daher eine Landpraxis in Aesch.
1907 heiratete Müller Dora Kober, die ihn in seinen ersten beruflichen Jahren zu Pferd auf seinen Krankenbesuchen begleitete und ihm als gelernte Krankenschwester assistierte. 1911 begab sich Müller nach Wien, um in der Allgemeinen Poliklinik bei Hofrat Anton von Frisch seine Kenntnisse auf dem Gebiet urologische Chirurgie zu vertiefen. Zurück in Basel eröffnete Müller eine chirurgische Praxis an der Leonhardsstrasse und trat als Chirurg in die Privatklinik an der Leimenstrasse ein.
1917 berief ihn sein Freund Emmanuel Veillon als ‹Sekundararzt› und damit als sein Stellvertreter ans Diakonissenspital in Riehen, das in bereits früher vielfach beigezogen hatte. 26 Jahre arbeiteten die beiden dort in ungetrübter Harmonie zusammen. Müller, der seinen Wohnsitz an der Austrasse 27 in Basel beibehielt, arbeitete nach Veillons Rücktritt im Jahr 1943 noch bis 1948 am Diakonissenspital weiter und pflegte neben der allgemeinen Chirurgie sein Spezialfach, die Urologie. Daneben war er während 25 Jahren als Chirurg am Schweizerischen Israelitischen Spital und als Konsiliararzt und Chirurg am Bezirksspital Dornach tätig.
Bekannt wurde Müller unter anderem durch seine pionierhaften Arbeiten über Missbildungen der Harnorgane und Blasen- und Nierengeschwüre beim Arbeiten mit Anilinfarben, die einen wichtigen Schritt in der Prophylaxe darstellten. Seit 1928 war er korrespondierendes Mitglied der Wiener Urologischen Gesellschaft.
Achilles Müller-Kober verstarb am 24. Dezember 1964 in Basel.
Autorin / Autor: Peter Nussberger | Zuletzt aktualisiert am 26.10.2023
Hundert Fälle von Perityphlitis aus der Basler chirurgischen Klinik. Berlin 1902 (Diss. med. Basel).
Zur Kenntniss der Hodenemryome. In: Archiv für klinische Chirurgie 86 (1905). S. 661–683.
Über Cystinurie und Cystinsteine. Wien 1911
Über Prostataatrophie. In Korrespondenzblatt für Schweizer Ärzte, 1914. Nr. 29.
Eingabe der Medizinischen Gesellschaft Basel an die tit. grossrätliche Kommission für die Revision des Schulgesetzes und den tit. Vorsteher des Erziehungsdepartements Basel betreffend die körperliche Erziehung in den Schulen. Basel 1924.
Über Blasenveränderungen durch Amine. Erfahrungen aus dem Industriegebiet Basel. In: Zeitschrift für urologische Chirurgie 36 (1933). 3. und 4. Heft.
Lebenserinnerungen von Achilles Müller
Hämmerle, Markus: Die Anfänge der Basler chemischen Industrie im Lichte von Arbeitsmedizin und Umweltschutz. Basler Veröffentlichungen zur Geschichte der Medizin und der Biologie 32. Basel 1979 (Diss. med. Bern). S. 43.
Hoch, Fritz: Hundert Jahre Diakonissenanstalt 1852–1952. Riehen o.J. [1952]. S. 61, 165.
Misteli, Daniel: Der Basler Urologe Achilles Müller 1877–1964 als Arzt, Forscher und Pionier in der Bekämpfung der Anilintumoren, Diss. Bern 1987.
Stückelberger, Karl: Ein Neues «Eben Ezer». Das Diakonissenhaus Riehen in seinem Werden und Wirken. Riehen 1927. S. 218.
Zur Erinnerung an Dr. Achilles Müller-Kober. 3. Januar 1877 – 24. Dezember 1964. Basel 1964.