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Vor zwanzig Jahren nahm in Thailand die Finanzkrise Asiens ihren Anfang. China blieb verschont, lernte aber entsprechend nicht aus den damaligen Fehlern. Rächen sich bald die versäumten Schritte?
Alles begann mit Thailand. Nach einer von starkem, weitgehend kreditfinanziertem Wachstum geprägten Phase kamen im Verlauf des Jahres 1996 und insbesondere in der ersten Jahreshälfte 1997 ernste Zweifel auf, wie stabil die Konjunktur des Landes wirklich sei. Diese Entwicklung setzte den thailändischen Baht unter Druck. Nachdem die Regierung die Reserven des Landes aufgebraucht hatte, um spekulative Angriffe auf den Baht zu bekämpfen, beschloss sie am 2. Juli 1997, die Währung nicht länger zu stützen.
Diese Entscheidung war der Auslöser für eine Reihe von Abwertungen in der Region, mit denen die Finanzkrise in Asien ihren Anfang nahm. Thailand, Indonesien, Südkorea und Malaysia – allesamt schnell wachsende Volkswirtschaften in der Region – waren besonders schwer betroffen. China hingegen überstand die Krise vergleichsweise glimpflich.
Ausufernde Verschuldung
Nicht zuletzt durch die hohe Verschuldung wurde in Asien eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Hohe Zinsen im Inland veranlassten Unternehmen dazu, Mittel in Fremdwährungen zu niedrigeren Zinssätzen aufzunehmen. Mit der Abwertung der Lokalwährungen begann ein Teufelskreis, in dem die Rückzahlung der ausufernden Schulden stark erschwert wurde. Der Internationale Währungsfonds griff einigen der am stärksten betroffenen Länder mit Rettungsprogrammen unter die Arme, um ihre Wirtschaft zu stabilisieren.
China hingegen geriet niemals in eine solche verzweifelte Lage.
Das Land blieb vergleichsweise unberührt von den Problemen, die mit überbewerteten Währungen, Leistungsbilanzdefiziten und sinkenden Anlagerenditen einhergehen. Es entging der sogenannten «asiatischen Ansteckung» und blieb in der von Thailand ausgelösten Krise isoliert. Doch die entscheidende Frage lautet: Blieb China wirklich von der Krise verschont oder tritt sie mit Verzögerung ein?
Milde Rezession
Diese wirtschaftlich schwierige Phase brachte für die ehemaligen Tigerstaaten und die schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften viele Veränderungen mit sich. Das Ausmass der Krise setzte Reformprozesse in Gang, die eine milde Rezession nicht ausgelöst hätte. Am Ende dieser Entwicklung waren eine verbesserte Unternehmensführung und höhere Dividenden in der gesamten asiatischen Region zu beobachten.
Die durchschnittliche Ausschüttungsquote stieg von 30 auf 40 Prozent im Jahr 2001 und verbleibt seither etwa auf diesem Niveau. Auch bei der Bekämpfung der in einigen dieser Länder herrschenden Korruption und Vetternwirtschaft wurden zweifellos Fortschritte erzielt.
Schwächere Währung und niedrigere Verschuldung
Doch je weniger stark betroffenen ein Land von der Krise war, desto geringer schien der Lerneffekt zu sein. In China stieg die Verschuldung im Verlauf der letzten acht Jahre am stärksten. Andere Länder indessen machten nur zögerlich neue Schulden, da sie noch immer die Nachwirkungen der Krise zu verarbeiten haben.
Kapitalverkehrskontrollen, eine schwächere Währung und eine niedrigere Verschuldung haben China womöglich vor zwanzig Jahren vor der Krise geschützt. Heute aber wächst die Besorgnis, dass das Land aufgrund seiner Finanzlage anfällig für eine schwere Krise sein könnte, die möglicherweise auf die gesamte Region übergreift. Immer, wenn im vergangenen Jahrzehnt ein Abschwung unmittelbar bevorzustehen schien, stützte die Regierung die Konjunktur bevorzugt durch höhere Infrastrukturausgaben.
Doch diesen Ausgaben sind Grenzen gesetzt, da diesmal weniger Argumente vorliegen als in der Vergangenheit. Das heisst, die Anlagerenditen dürften in Zukunft niedriger sein, weil bereits so viel investiert wurde.
Staatliche Schuldenquote bei fast 280 Prozent
Die staatliche Schuldenquote Chinas stieg bis Ende 2016 auf fast 280 Prozent.2 Im System baut sich eine Verschuldung in nie zuvor erreichter Höhe auf. Meiner Ansicht nach ist das kreditfinanzierte Wachstum Chinas auf Dauer schlichtweg untragbar – eine Ansicht, die auch die Ratingagentur Moody's vertritt. Sie stufte die chinesischen Staatsanleihen erst im letzten Monat aufgrund der genannten Bedenken herab.
Es ist äusserst schwierig, die Zukunft einer Planwirtschaft vorherzusagen. Erfahrungen aus der Vergangenheit haben jedoch gezeigt, dass früher oder später jede Wirtschaft eine Rezession durchlaufen muss. Eine Phase des starken Wachstums kann nicht einfach in eine Phase des schwachen Wachstums übergehen.
China als zentraler Akteur
Sollte die chinesische Wirtschaft schrumpfen, würden viele andere Länder, allen voran die direkten geografischen Nachbarn, in Mitleidenschaft gezogen, da China bei weitem die grösste Volkswirtschaft in der Region ist. Auch die engen Handelspartner wären stark betroffen. Die Philippinen beispielsweise dürften weniger in Mitleidenschaft gezogen werden als Brasilien. Ähnlich sieht es für Thailand aus, welches weniger betroffen wäre als Südafrika.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Krise von damals und einer potenziellen Krise heute würde darin bestehen, dass letztere von Regionen mit wirtschaftlich vollkommen anderer Grösse ausgehen würde. Eine vergleichsweise kleine Volkswirtschaft wie Thailand würde nicht die gleiche Ansteckungswirkung haben wie vor zwanzig Jahren. Ein Abschwung bei einem zentralen Akteur wie China könnte jedoch gewaltige Auswirkungen auf Asien und die übrige Welt haben.
Anlegereinschätzung
Wie viele Anleger sind wir uns der Probleme, die in einer Planwirtschaft wie China bestehen, vollkommen bewusst. Dies bedeutet nicht, dass wir kein Anlagepotenzial sehen, doch unsere mittel- bis langfristige Einschätzung mahnt zur Vorsicht. Insbesondere achten wir auf mögliche Marktblasen.
Die Kapitalverkehrskontrollen in China verhindern, dass Sparer ihr Geld auf einfache Weise aus dem Land bringen können. Infolgedessen tendieren sie dazu, ihr Kapital in Vermögenswerte zu investieren, die gerade angesagt sind. Solange, bis sich eine Dynamik und schliesslich eine Blase bildet. Wenn diese Blase platzt, ziehen sie weiter zur nächsten trendigen Anlagemöglichkeit. Für Anleger mit mittel- bis langfristiger Ausrichtung sind diese Blasen gefährlich. Eine solide Anlagestrategie sollte einen grossen Bogen hierum machen.
*Jason Pidcock ist Head of Strategy Asian Income und Fondsmanager des Jupiter Asia Pacific Income.