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- "I want to be ready to walk in Jerusalem just like John"
Ich will bereit sein, nach Jerusalem zu ziehen, wie Johannes (gemeint
ist das himmlische Jerusalem, von dem der Apostel Johannes im Buch
der Offenbahrung berichtet).
- "I’m gonna walk them golden stairs when i die, ...‘cause i know
my Jesus answers all my prayers."
Ich werde die goldenen Stufen gehen wenn ich sterbe, denn ich weiß,
Jesus beantwortet alle meine Gebete.
- "Steal away, steal away home to Jesus, i ain’t got long to
stay here."
Ich stehle mich davon, ich stehle mich davon heim zu Jesus; ich hab
nicht mehr lang hier zu bleiben (hier wird sogar ganz deutlich
von Flucht gesprochen).
Viele der Gottesdienste mit Gebeten um Erlösung von Ungerechtigkeit und Leid fanden in dieser Zeit fernab von den Ohren der Sklavenhalter statt, als sogenannte Camp Meetings an geheimen Plätzen auf Waldlichtungen oder an Flüssen oder in Sklavenhütten, in denen man dann nur leise predigen, beten und singen konnte und die deshalb Hush Harbors (Stiller Hafen) genannt wurden.
Heute ist
, der
.
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In einigen Spirituals vermutet man auch buchstäblich codierte Nachrichten zur Fluchthilfe. Es gab ein System von Geheimpfaden und Menschen (schwarze und weisse), die als Fluchthelfer fungierten, die immer wieder Sklaven aus der Gefangenschaft im Süden der amerikanischen Staaten in die Freiheit in den Norden halfen. Dieses System wurde die "Underground Railroad" (Untergrund Eisenbahn) genannt.
Beispiel aus "Ride on, King Jesus":
"If you want to find your way to God, the Gospel Highway must be trod... Gonna walk all over those streets..." Wenn du deinen Weg zu Gott finden willst, musst du auf der Strasse (der Guten Nachricht) gehen... geh genau diese bestimmten Strassen...
Sind Spirituals amerikanische Volkslieder?
Die Spirituals gelten als die einzigen original in Amerika entstandenen Volkslieder. Wie auch bei unseren mitteleuropäischen Volksliedern ist es nicht möglich, den Komponisten für ein bestimmtes Lied zu benennen. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass Musiker einen Song schufen, ein anderer Sänger den Song hörte und weitertrug, dabei seine eigene Interpretation einbrachte und dadurch die Versionen von Songs entstanden, die wir heute kennen.
Für die Entstehung eines Spirituals wie auch eines jeden anderen Volksliedes gibt es drei Möglichkeiten:
1. durch Improvisation und Variation über einen schon existierenden Song,
2. durch Kombinieren von Material aus verschiedenen alten Songs zu einem neuen Song
3. Komposition eines komplett neuen Liedes.
In der afrikanischen Tradition spielt der erste Weg die grösste Rolle und in der Tat, auch die amerikanischen Spirituals entstanden und leben besonders durch das Mittel der Improvisation. Die Melodien dienen oft "nur" als Mittel, um einen Text zu transportieren. Sie sind deshalb häufig so stark vom Text abhängig, dass sie von einer Strophe zur anderen sehr variieren können.
Ein weiteres Charakteristikum des Gesangsstils der Spirituals ist der "Call and Response", also Ruf eines Vorsängers und Antwort des Chores oder der Gemeinde, was sich auch aus der afrikanischen Tradition des Singens herleiten lässt.
In Afrika wurden die Geschichte, Kultur und Religion über Jahrhunderte von Mund zu Mund weitergegeben und bewahrt.
Und auf die gleiche Weise erhielten die schwarzen Sklaven Amerikas die Kultur der Spirituals über die Jahrhunderte am Leben. Die Spirituals wurden von Mund zu Mund über viele Generationen weitergegeben. Dabei sind die Songs immer wieder verändert worden, Melodien wurden abgewandelt, neue Strophen kamen hinzu, andere gerieten in Vergessenheit. Damit ist auch erklärbar, warum viele Spirituals Strophen mit anderen gemeinsam haben.
Beispiel:
Der Vers "If you get there before I’ll do, tell all my friends I’m coming too" taucht sowohl in "Swing Low, Sweet Chariot" als auch in "Walk in Jerusalem" auf.
Einen weiteren Einfluss auf die Entstehung von Spirituals hatten die Choräle und Kirchenlieder, die von den (vor allem protestantischen) Christen aus Europa mitgebracht worden. Dabei wurden diese Chörale aber nicht einfach nur in einer Variation wiedergegeben, sondern so stark textlich und melodisch verändert, dass völlig neue Songs entstanden.
Mit dem Ende des Bürgerkrieges um 1870 begann eine neue Zeit. Der Süden der Vereinigten Staaten von Amerika mit seiner auf Landwirtschaft basierenden und von Sklaverei abhängigen Wirtschaft verlor gegen den vor allem durch leistungsfähige Industrie mächtigen Norden, in dem die Sklaverei abgeschafft war.
Etwa 4 Mio. Sklaven wurden offiziell freigelassen und waren nun voller neuer Hoffnung. Aber viel änderte sich nicht für sie. Abgesehen davon, dass sie vor dem Gesetz "frei" waren, blieben die ärmlichen Lebensbedingungen die gleichen. Die Mehrheit der Schwarzen blieb im Süden, wo sie nun für wenig Geld auf den gleichen Plantagen wie schon zuvor arbeiteten, unter den selben Besitzern, die ihre über Jahrhunderte gefestigten Rassenvorurteile weiter offen bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus auslebten.
Ein großer Teil der ehemaligen Sklaven begann, in den Norden auszuwandern und sein Glück in einer der grossen Fabriken in den Städten zu finden. Dort herrschte aber eine grosse Konkurrenz zu weissen Arbeitsuchenden, so dass sich die Beziehungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen alles andere als entspannt darstellten.
Vom Spiritual zum Gospelsong
In dieser Zeit und unter diesen Bedingungen kamen die ersten Gospelsongs auf. Es werden der traditionelle (etwa seit 1870 bis in die 1950er Jahre entstanden) und der zeitgenössische oder "Contemporary" Gospelsong (seit den 1960ern bis heute) unterschieden. Es war die gleiche Zeit, in der der Blues populär wurde. Und so könnte man sie auch als Reaktion auf die gleichen Umstände und Probleme der Menschen verstehen.
Viele musikalische Mittel haben beide Formen auch gemeinsam, die Rhythmisierung, die Phrasierung im Gesang, zum Teil auch die Harmonik. Grundsätzlich nähern sich beide musikalischen Formen den Problemen aber von verschiedenen Seiten, der Blues mit seiner weltlichen, oder säkulären Sicht, der Gospel aus einem christlichen Weltbild heraus. Dabei musste dieser Unterschied keine unüberwindbare Trennungslinie sein. Viele der bekanntesten Gospelmusiker begannen ihre Karriere mit Bluesinterpretationen und umgekehrt.
Gerade die musikalische Nähe zum Blues machte es der Gospelmusik am Anfang aber auch sehr schwer, in den konservativen Kirchen Einzug zu halten. Sie wurde von hohen kirchlichen Würdenträgern anfangs sogar als "Musik des Teufels" bezeichnet. Schliesslich konnten sich solche Meinungen aber nicht gegenüber der Kraft, die diese Art von Musik auf die Christen ausstrahlte, durchsetzen.
Und so fühlen sich heute unüberschaubar viele Menschen von Gospels angesprochen, nicht nur in afroamerikanischen Kirchengemeinden, auch in vorwiegend von Weissen besuchten Kirchen der USA, ja fast überall auf der Welt. Besonders populär ist die zeitgenössische Gospel Musik zum Beispiel in Skandinavien.
Anders als bei den Spirituals kennt man die Komponisten der Gospels sehr wohl. Einer der bekanntesten Komponisten, und oft als "Vater der Gospel Musik" bezeichnet, war Thomas A. Dorsey (1899-1993). Als Sohn eines Kantors war Dorsey von klein auf von Musik umgeben und begleitete als junger Mann einige der berühmtesten Blues Sänger aller Zeiten, insbesondere Bessie Smith und Ma Reiney.
Auf einem Treffen der National Baptist Convention hörte er zum ersten Mal christliche Kompositionen von Charles A. Tindley (1851-1933), zum Beispiel "We’ll understand it better By and By". Von da an begann er, religiöse Lieder zu schreiben, mit der musikalischen Erfahrung, die er aus seinen Blues Sessions wohl sehr reichlich gesammelt hatte. So entstanden Gospelklassiker wie "There’ll be Peace in the Valley" oder "Take my Hand, Precious Lord", die zum Beispiel als Interpretationen von Elvis Presley weltbekannt wurden.
Während die Spirituals meist unbegleitet, a cappella, erklangen, wurden die Gospelsongs durch Instrumente unterstützt. Anfangs nur mit Klavier und Tambourin, in den 1950er Jahren mit Hammond-Orgel, elektrischen Gitarren und Drums. Schliesslich werden heute aufwendige Gospelproduktionen mit ganzen Orchestern und aufwendiger Computer-Studio-Technik produziert. Eine der erfolgreichsten Interpreten traditioneller Gospelsongs ist die "Queen of Gospel" Mahalia Jackson. Sie war es, die vor Dr. Martin Luther Kings weltberühmter Rede "I have a Dream" seinen Lieblingssong "Take my Hand, Precious Lord" vor Hunderttausenden Zuhörern am 28. August 1963 beim Marsch auf Washington sang.
Seit den Zeiten der Bürgerrechts- und Friedensbewegung in den 1960er Jahren unseres Jahrhunderts erfüllten Gospelsongs immer mehr die Funktion, die Einigkeit und Entschlossenheit der Protestierenden gegen Krieg und Unrecht in der Welt zu artikulieren.
Beispiel:
"We shall Overcome" - Wir werden es eines Tages geschafft haben. Ein Song, der geradezu zur Hymne der Friedensbewegung in den USA und weltweit wurde.
Es war auch die Periode, in der Gospelsongs es erstmals auch in die Hitparaden der Radiostationen schafften. Die Plattenfirmen wurden aufmerksam auf das Geschäft, das mit Gospel Musik zu machen war, und verhalfen dieser durch ihre Werbung zu noch mehr Bekanntheit und Erfolg.
Beispiel:
Von "Oh Happy Day" verkauften die Edwin Hawkins Singers 1969 zwei Millionen Singles. Dies war der erste große Chartdurchbruch für einen Gospelsong.
Bis heute hat die Gospelmusik die Chartmusik beeinflusst. So sind der Gesangsstil von Ray Charles oder Aretha Franklin sehr vom Gospelsound der 1950er geprägt. Sängerinnen wie
Whitney Houston oder Mariah Carey veröffentlichen regelmäßig Gospelalben. Aber die Gospelmusik selbst hat immer wieder, vor allem in den letzten Jahrzehnten, Impulse aus der Popmusik bekommen.
So bedienen sich zeitgenössische Gospelproduktionen immer wieder ausgiebig an Hip Hop und R&B Sounds der 1990er. Beispielhaft sind die zur Zeit in den USA sehr populären Musiker, Produzenten und Interpreten Kirk Franklin oder Hezekiah Walker.
Gospel Musik ist eine Form der christlichen Musik, die mit einer reichen und abwechslungsreichen Geschichte durch ihre intensive spirituelle Qualität bis heute eine stetig wachsende Anziehungskraft auf Musiker, Sänger und Zuhörer ausübt.
Quelle: Sebastian Hentsch