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Der Indochina-Loop ist schon beinahe vollendet. Mein Töff ist an Zuverlässigkeit kaum mehr zu überbieten, dabei wäre ein Service dringend notwendig. Mein Hinterpneu sind beinahe ein Slick und hat
auch die Schlamm- und Steinbrockenabenteuer auf den Ho-Chi-Minh-Trail überstanden. Die hinteren Bremsbeläge beginnen an der Bremsscheibe zu kratzen.
Der Trip auf dem Ho-Chi-Minh-Trail war das Highlight, wenn auch etwas risikobehaftet, ich bin tatsächlich im Urwald steckengeblieben, musste im Zelt übernachten und literweise Wasser
aufkochen, weil mir dieses ausgegangen war. Schliesslich konnte ich jedoch sämtliche Schlammlöcher, Flussübergänge und Felsklippen überwinden. Ein weiterer Teil ist bald definitiv Geschichte- In
Chiang Mai werde ich Zeit finden, mich neu zu orientieren und die nächsten Etappen zu planen.
Am Morgen fuhr ich nochmals zum Ritthi, wo es ein gutes Omelett mit einem wenig gesalzenen Baguette gab. Der Kaffee war leider lau, dafür bekam ich danach einen ausgezeichneten Ananas-Milkshake. Ich bekam nochmals einige Information, wie ich den Weg über das Cardamom-Gebirge finden soll.
Ich hatte heute nicht weit zu fahren bis zur 18 km entfernten Tatai-Brücke, um die sich ein kleines Dorf geformt hat. Einige Langboote standen unter der Brücke bereit, die einen zum Tatai-Wasserfall bringen würden. Ich fand ein kleines Guesthouse mitten im Dorf, wo ich einen kleinen Bambus-Bungalow bewohne. Es war drückend heiss in der tropischen Sonne, sodass ich mich im nahen, breiten, herrlich klaren Tatai-Fluss etwas abkühlte. Weil sich bereits Wolken zusammenzogen, war ich bald unterwegs Richtung Wasserfall. Ich fuhr drei Kilometer zurück Richtung Ko Kong und fand eine Abzweigung direkt in den Dschungel. Die teils glitschige, rötlich-lehmige Piste führte über zwei kleine Bäche, die mich aber vor keine Probleme stellten. Nach weiteren drei Kilometern stellte ich mein Motorrad unter einen Bambus-Hain an den Schatten. Der Wasserfall war jetzt unschwer zu finden, denn sein Rauschen war nicht zu überhören. Der breite Tatai-Fluss, umgeben von üppigem Urwald, stürzt sich hier über verschiedene Felsen 15 m in die Tiefe. Natürlich kühlte ich mich oberhalb des Flusses im seichten Wasser ab, der Untergrund war glatt-felsig, aber sehr glitschig, das Wasser jedoch glasklar – kein Wunder, der Fluss kommt vom Cardamom, und dort hat es beinahe keine menschlichen Siedlungen. Ich hatte mich glücklicherweise mit frischen, kleinen Bananen und Wasser versorgt, sodass ich es hier problemlos den ganzen Nachmittag aushielt. Es kamen immer wieder Gruppen von orange gekleideten, buddhistischen Mönchen, die offensichtlich die besten Badeplätze kannten. An einer Stelle konnte man unter einen der unzähligen Fälle gehen, ohne nass zu werden. Später umrundete ich zu Fuss den ganzen Fall. Unter diesem war die Strömung aber so stark, dass ich beinahe abgetrieben wurde. Glücklicherweise konnte ich mich an einem Fels in der Mitte des Flusses festhalten. Später traf ich auf den gut Englisch sprechenden, jungen Guesthouse-Chef, der mit seiner Familie ebenfalls diesen idyllischen Ort aufsuchte. Es zeigte mir eine Stelle, von der man gefahrlos in den Fluss springen konnte.
Den richtigen Zeitpunkt für die Rückkehr verpasste ich knapp, denn ich fuhr geradewegs in ein heftiges Gewitter. Ich wurde tropfnass, aber ich hielt wegen der kurzen Distanz nicht an, auf der Strasse wurde ich von den Wassermassen beinahe mitgeschwemmt… Der Schauer war nur von kurzer Dauer. Ich machte einen Rundgang durch das Dorf, beobachtete die überaus einfache Lebensweise der Menschen hier, die unglaublich friedfertig und nett sich. Beinahe von jedem wird mir ein Lächeln zugeworfen. Jetzt sitze ich im einfachen, kleinen Restaurant. Seit einer Stunde hat es (über einen Generator) für drei Stunden Strom, die Familie des Hauses hängt am Fernseher und berieselt sich mit einer thailändischen Komödie. Die kleine, dreijährige Tochter des Hauses interessiert sich nicht wirklich dafür, nimmt mit unglaublichem Charme immer wieder Kontakt mit mir auf. Die grosse Wärme wurde vom Gewitter weggeblasen, jetzt ist es angenehm kühl, ja eigentlich temperaturmässig perfekt, der riesige Wald fungiert hier bestens als Klimaanlage. Das Essen war einfach – Reis mit Chicken und getrockneter Fisch. Das Dorf wird bald einschlafen – und ich wohl nicht weniger…
Km: 25‘797