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Gebärdensprache
Hände, die "für sich sprechen" - wie geht das?
Wie kommunizieren Menschen, die gehörlos sind?
Gehörlose Personen kommunizieren in Gebärdensprache. Viele glauben, dass Gebärdensprache überall auf der Welt gleich sei. Das ist nicht der Fall, so werden z.B. die Wochentage in Liechtenstein anders gebärdet als im benachbarten Österreich. Gebärdensprache ist auch keine Zeichensprache! Gebärdensprache hat eine eigene Grammatik, es gibt Regeln und Ausnahmen und auch Dialekte - wie in jeder anderen Sprache auch.
Eine Sprache mit eigener Grammatik
Gebärdensprache ist eine natürliche, vollwertig anerkannte Sprache mit eigener Grammatik.
Wichtig ist dabei die Mimik. Sie ist für Gehörlose gleichbedeutend wie Töne für Hörende. Zum Ausdruck gebracht werden grammatikalische Hinweise durch Mimik und Körperhaltung. Fragen werden z. B. über die Kopfhaltung oder die Stellung der Augenbrauen verdeutlicht.
Die Grammatik der Gebärdensprache lässt sich mit den herkömmlichen sprachwissenschaftlichen Kategorien Phonologie, Morphologie, Morphosyntax und Syntax beschreiben, folgt aber einem ganz anderen Satzbau.
So kommen Ort- und Zeitangaben an erster Stelle, gefolgt von Subjekt, Objekt und dem Verb, z. B.
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Zeichensprache oder Gebärdensprache oder
Taubstummensprache oder Fingeralphabet?
Sehr oft wird der Begriff «Zeichensprache» anstatt «Gebärdensprache» gebraucht. Das ist falsch, denn die Zeichensprache ist ein künstlich erschaffenes Verständigungssystem – zum Beispiel beim Tauchen. Die Gebärdensprache dagegen, ist eine natürliche Sprache, die gleichwertig wie eine Lautsprache ist. Gehörlose mögen es deshalb nicht, wenn man von Zeichensprache spricht. Viel schlimmer noch ist die Bezeichnung «Taubstummensprache», denn Gehörlose sind nicht stumm, nur weil sie mit den Händen gebärden! Das ist eine Beleidigung und sollte schnellstmöglich aus den Köpfen der Hörenden verschwinden.
Ein zweiter grosser Irrtum herrscht beim Fingeralphabet. Oft wird es als Teil der Gebärdensprache angesehen. Auch das ist falsch, denn das Fingeralphabet wird nur dazu benutzt, Namen oder Begriffe zu buchstabieren, für die es keine Gebärde gibt oder um sicherzustellen, dass ein Wort richtig geschrieben wird.
Weitere Information: https://de.wikipedia.org/wiki/Fingeralphabet
Grosser Dank an die Forscher der Gebärdensprachen
Viele Jahre lang galt die Gebärdensprache als primitive Ausdrucksweise der Gehörlosen. Dies änderte sich, als 1960 der amerikanische Linguist William Stokoe in den USA eine Studie über die sprachliche Struktur von Gebärden veröffentlichte und damit bewies, dass die Gebärdensprache eine vollwertige Sprache ist. Damit konnte er die herrschenden Vorurteile wenigstens teilweise widerlegen. Bis zur vollen Anerkennung der Gebärdensprache dauerte es jedoch noch Jahre und in einigen Ländern geht der Kampf immer noch weiter.