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Idee der Paleoernährung
Paleo ist eine wieder entdeckte Ernährungsart, welche durch die Verwendung ursprünglicher und unverarbeiteter Lebensmittel der Ausbreitung verschiedener Zivilisations-Krankheiten (Diabetes mellitus Typ II, Adipositas, Bluthochdruck etc.) und Allergien entgegenwirken möchte (→ siehe William Banting, 1862).
Eine fett- und eiweissreiche, aber kohlenhydratarme Ernährung wie zur Zeit der Höhlenmenschen reduziert gemäss Studien nicht nur die gesundheitlichen Risiken, sondern auch das Gewicht. Eine viel zu hohe Aufnahme von stärkehaltigen Kohlenhydraten ist also eine Erklärung dafür, dass so viele Menschen entweder zunehmen oder einfach nicht abnehmen können (Zucker, Getreide, Kartoffeln, Reis und Mais).
Die Steinzeiternährung setzt auf Natur pur
Die Urkost orientiert sich an der Jäger- und Sammlerkultur. Gegessen wird nur das, was auch schon in der Steinzeit (Paläolithikum) verzehrt wurde: also Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Gemüse, Obst, Pilze, Nüsse, Kerne und Samen, Knollen, Honig, Kräuter und Sprossen etc. Jegliche Erzeugnisse von Ackerbau und Viehzucht, beides erst vor rund 12.000 Jahren erfunden, wurden höchstens in marginalen Mengen verzehrt (Getreide, Milch & Hülsenfrüchte).
Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich unser Erbgut seit damals nur minim verändert hat. Denn für die Evolutionsbiologie sind die letzten 10.000 Jahre, in denen der Mensch seine Umwelt zum Teil radikal verändert hat, lediglich ein “Wimpernschlag”, der allenfalls zu epigenetischen Anpassungen, nicht jedoch zu Genveränderungen taugt. Aber auch die Epigenetik ist – systembedingt – nur in begrenztem Umfang wirksam. Wird das “System Mensch” durch zu viele veränderte (unnatürliche) Faktoren überlastet, dekompensiert das System ungeachtet seiner hervorragenden evolutionären Fähigkeiten und der Mensch wird krank.
Wissenschaftliche Evidenz der Paleoernährung
Dass eine solche paleolithische Ernährungsweise auch beim westlich-zivilisierten Menschen Vorteile mit sich bringt, ist durch Humanexperimente, bei denen verschiedene gesundheitliche Parameter erhoben wurden, mittlerweile recht gut belegt. Schwedische Wissenschaftler stellten in einer Studie zudem fest, dass die Steinzeiternährung pro Kalorie sättigender ist als die als besonders gesund geltende Mittelmeer-Diät. Menschen, die sich wie Steinzeitmenschen ernährten, litten daher weniger an Übergewicht, lautete das Fazit.
Verzicht für eine bessere Gesundheit
Eine genaue Rekonstruktion der Ernährungsweise von Steinzeitmenschen ist heute nicht mehr möglich. Sicher gab es grosse Schwankungen, welche regional aber auch saisonal bedingt waren. Ob wir nun vermehrt Fleisch, Fisch oder Eier, Gemüse o.a. Produkte konsumieren, ist von unseren Bedürfnissen und Vorlieben abhängig. Proteine sind wichtige Bausteine für unsere Zellen und Muskeln. Allerdings sollten Sie auf eine einwandfreie Herkunft Ihrer tierischen Lebensmittel achten: Es kommen nur solche Produkte in Frage, die aus artgerechter Haltung, also Eier aus Freiland-, Fleisch* aus Weidehaltung oder Wild und Fisch aus Wildfang stammen. Eine populäre Paleo-Richtlinie in unseren Breitengraden ist: zu jeder Mahlzeit eine Proteinportion in der Grösse unserer Handfläche zu essen. Gute Fette sind zentral für die Hirngesundheit und helfen dem Körper, fettlösliche Vitamine aufzunehmen. Aber auch Gemüse und Obst sind mit ihren Vitaminen, Mineralien, sekundären Pflanzen- und Ballaststoffen wichtige Bestandteile unserer Ernährung, obwohl Kohlenhydrate per se nicht lebenswichtig sind. Daher ist es nicht sinnvoll, eine konkrete Mengenangabe zu den einzelnen Komponenten zu machen. Kommt hinzu, dass die Energiebilanz jedes Einzelnen individuell geregelt ist und nicht zuletzt auch vom Bewegungs- und Aktivitätsgrad beeinflusst wird.
Paleo gegenüber Low-Carb
Paleo-Ernährung wird oft mit Low-Carb gleichgesetzt, da beide eine Gewichtsabnahme zur Folge haben. Dies ist jedoch nicht korrekt, geht es doch bei der Paleo nicht um die einseitige Reduktion von Kohlenhydraten, sondern um eine artgerechte Ernährung mit qualitativ hochstehenden Produkten. Low-Carb-Diäten liefern generell wenig Ballaststoffe und Mikronährstoffe, da Früchte und auch viele Gemüsearten zu den kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln gehören und deshalb grösstenteils gemieden werden. Generell gilt: je mehr Sport gemacht wird, je mehr nährstoffreiche Kohlenhydrate (Süsskartoffeln, Kochbananen, Quinoa, Amaranth und gelegentlich Reis, auch z.B. in Form von asiatischen Reisnudeln) werden benötigt. Die “leeren” Kohlenhydrate wie Zucker, Mais, aber auch die sehr stärkehaltigen Kartoffeln oder die mit problematischen Anti-Nährstoffen ausgestatteten Getreide– und Soja-Produkte sollten auf ein Minimum reduziert werden.
Fazit
Der Kern der Paleo-Methode, welche seit 2013 in den USA für Furore sorgt, ist also, auf Lebensmittel zu verzichten, welche wir in der Steinzeit sicherlich nicht gegessen haben: industriell gefertigte, nährstoff- und ballastarme Nahrungsmittel und künstlich hergestellte Getränke. Angesichts der Fülle an “altbewährten” Lebensmitteln ist es sicherlich kein Fehler, auf “moderne Errungenschaften in der Ernährung” zu verzichten. Dies hat sowohl auf das körperliche und psychische Wohlbefinden, die Gesundheit und das Gewicht unbestritten positive Effekte.
Weitere interessante Informationen und Meinungen von anderen “Paleolanern” unter Braineffect: Die Paleo Diät – Steinzeiternährung für die Moderne.
Abschliessend sei noch darauf hingewiesen, dass sich das Paleo-Konzept nicht auf die artgerechte menschliche Ernährung beschränkt, sondern praktisch alle weiteren, anerkannten gesundheitsvermittelnden Faktoren beinhaltet. Dazu gehört die Darmgesundheit, ausreichende körperliche Aktivität, genügend und qualitativ guter Schlaf, Aufenthalt im Freien (Natur) mit Sonnenexposition zur Vitamin D Bildung, Minimierung der Elektrosmogbelastung und gemeinsame Unternehmungen zur Förderung der Sozialkontakte. Man könnte sagen, eine echte neue Lebensphilosophie, die Hoffnungen weckt, die Häufigkeit der Zivilisationskrankheiten deutlich zu reduzieren.
* vergessen Sie rotes Fleisch nicht (3 bis 4 Male pro Woche)! Es liefert uns das wertvolle Zink, viel Eisen, hochstehende Omega-3-Fettsäuren und unverzichtbare B-Vitamine. Heutzutage leiden immer mehr Menschen und vor allem auch Kinder an Eisenmangel, was zu Müdigkeit, aber auch zu Depression führen kann. Leider herrscht immer noch verbreitet die Meinung – wie auch schon beim gesättigten Fett (Herzkrankheiten) und bei den Eiern (Cholesterin) – dass rotes Fleisch für das Herz ungesund ist und sogar Krebs fördern kann. Die Studien, welche diese Resultate bestätigen, sind mit Vorbehalt zu geniessen:
> Dr. Mercola: Processed Meats Declared Carcinogenic
> Blog Paleosophie: Fleisch, Krebs und die WHO: Ist Wurst das neue Rauchen?
Quellen und Artikel:
> Dr. Michael Spitzbart über die ketogene Diät und Begeisterung statt Burn-Out