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Fritz Söllner, Professor für Volkswirtschaftslehre, beschäftigt sich in seiner neusten Abhandlung «Krise als Mittel zur Macht» mit einem Thema, welches immer wieder von neuem aktuell ist. Er macht eine Auslegeordnung der grossen Krisen der letzten Jahre: Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die Flüchtlings-, die Klima- und die Coronakrise, sowie schliesslich die Inflation. Darauf aufbauend zieht er dann allgemeine Schlussfolgerungen zur deutschen Krisenpolitik.
Söllner diagnostiert korrekt, dass die Krisen zu mehr europäischer Integration führten. Dies sei nicht das Resultat eines komplexen Prozesses mit vielen Akteuren, welche sowohl gemeinsame Ziele haben als auch konkurrieren. Vielmehr sei die gesamte deutsche Krisenpolitik bewusst darauf ausgerichtet, unbemerkt einen bürokratischen europäischen Einheitsstaat zu kreieren – unter Beteiligung aller etablierten Parteien.
Söllner wehrt sich im Buch präventiv gegen den Vorwurf eine Verschwörungstheorie zu präsentieren. Er postuliert aber mindestens, dass es eine mehr oder weniger geheime Zusammenarbeit mehrerer Personen zum Nachteil Dritter gibt.
Die Abhandlung fokussiert sich auf Deutschland und die EU. In einer Schweizer Version dürfte wohl eine Erwähnung des bundesrätlichen Vollmachtenregimes während des zweiten Weltkriegs nicht fehlen. Erst auf Druck einer Volksinitiative wurde es abgeschafft. Auch wenn man sich Zurufe über den Zaun eher verbieten sollte, vielleicht braucht Deutschland ja einfach ein bisschen direkte Demokratie, um übereifrigen Magistraten Einhalt zu gebieten? Das ist im Grundgesetz eigentlich ohnehin so vorgesehen.
Fritz Söllner: Krise als Mittel zur Macht. München: Langen/Müller. Erhältlich ab dem 19.09.2022.