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Aktualisiert: Juli 8
Es war ein warmer, sonniger Frühsommertag, und ich entschloss mich, meine tägliche Meditation auf dem Balkon an der frischen Luft zu machen. Es gibt für mich wenig Schöneres, als an einem sonnigen Tag draussen zu meditieren. So begann ich mit der Meditation und freute mich auf eine schöne, halbe Stunde einfachen Seins. Auch meine Tochter wurde von dem schönen Wetter angelockt und kam kurz darauf auch auf den Balkon. Sie lief umher und summte. Die Bedingungen waren für mich damit nicht mehr ideal, und das störte mich. Ich wünschte mir ideale Bedingungen. Normalerweise habe ich den Balkon für mich allein, wenn ich meditiere, und so möchte ich währenddessen gerne meine Ruhe haben. Ich überlegte mir also, ob ich meine Tochter reinschicken, oder später meditieren sollte. Da ich bereits mit der Meditation begonnen hatte, wollte ich die Meditation nicht abbrechen. Andererseits wusste ich, dass eine Konfrontation mit meiner Tochter in dieser Situation nur noch mehr Unruhe stiften würde, und mich das komplett aus der Meditation holen würde. Also entschliesse ich mich zunächst etwas widerwillig dazu, unter den erschwerten Bedingungen weiter zu meditieren.
Je nachdem wie perfektionistisch Du bist, sind ideale Bedingungen sehr selten bis unmöglich anzutreffen. Darüber, wie Du vom Perfektionismus wegkommen kannst, habe ich bereits in einem früheren Beitrag aufgezeigt. Vielleicht kennst Du das. Es kann sein, dass Du unbewusst oder sogar bewusst, diese erschwerten Bedingungen als Vorwand nutzt, um nicht ins Handeln zu kommen. Vielleicht redest Du Dir immer wieder ein, dass Du deswegen noch nicht bereit bist, zu handeln. Du darfst Dir einerseits die Frage stellen, ob die Bedingungen denn wirklich so schwierig sind, wie Du es Dir ausmalst. Und weiter kannst Du Dich auch fragen, ob es sich lohnt, auf noch bessere Bedingungen zu warten, anstatt endlich ins Handeln zu kommen.
Dazu fällt mir ein, wie meine Frau und ich uns damals über das Thema Nachwuchs unterhalten haben. Obwohl wir bereits eine Wohnung hatten, die genug Platz für Kinder bietet, fühlte ich mich trotzdem nicht bereit, Vater zu werden. Ich hatte zahlreiche Gründe zur Hand, die dagegensprachen. Die Zukunft sei ungewiss, es würde immer schwieriger werden, einen Job zu finden und seinen Lebensunterhalt zu verdienen und so weiter. In Wahrheit waren das aber alles nur Vorwände, die mir dazu dienten, mich vor der Verantwortung zu drücken. Entweder musste ich klar Stellung beziehen und sagen, dass ich keine Kinder wolle, oder sonst musste ich mich endlich dazu bekennen, auch wenn ich mich noch nicht bereit fühlte. Denn gerade Eltern-Werden ist etwas, wozu sich wohl nie jemand bereit fühlen wird. Es gibt da wohl immer irgendetwas an den Bedingungen auszusetzen. Es ist ein bisschen, wie ins kalte Wasser zu springen. Es wird immer unangenehm sein, aber nur so kommst Du ins Handeln.
Es ist völlig in Ordnung, etwas nicht tun zu wollen, zum Beispiel eben Kinder kriegen und aufziehen. Dann solltest Du aber auch die Verantwortung übernehmen und diese Entscheidung klar treffen. Wenn Du es ständig vor Dir herschiebst, ohne eine klare Entscheidung zu treffen, dann ist das so, als würdest Du einen schweren Koffer mitschleppen mit lauter Sachen, von denen Du weisst, dass Du sie nicht brauchen wirst. Es ist unnötiger Ballast, der das Leben schwer macht. Solltest Du grundsätzlich aber dafür sein, etwas Bestimmtes zu tun, dann warte nicht auf die perfekten Bedingungen. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass diese idealen Bedingungen nie eintreten, und dann hast Du die ganze Zeit dieses Vorhaben mit Dir rumgeschleppt, ohne es je umzusetzen. Auch in diesem Fall ist es so, als würdest Du ständig eine schwere Last vor Dir herschieben. Das soll natürlich nicht heissen, dass Du Dir keine Zeit nehmen sollst, eine Entscheidung abzuwägen. Aber Du merkst vermutlich selbst, wenn Du nach einer gewissen Zeit keine Entscheidung gefällt hast, wird es nicht einfacher, im Gegenteil, es wird immer schwieriger. Und inzwischen werden sich vor Dir weitere Entscheidungen stapeln, die darauf warten, dass Du sie triffst.
Wenn es Dir wie den meisten Menschen geht, dann wägst Du die Vor- und Nachteile bei einer Entscheidung ab, bevor Du zur Tat schreitest. Das ist sicher eine gute Vorgehensweise, es ist aber nur eine unserer Ebenen des Menschseins. Auf den Verstand legen wir in unserer Gesellschaft allerhöchsten Wert, doch der Verstand kann uns oft auch blockieren und daran hindern, ins Handeln zu kommen. Denn wir sind evolutionär darauf gepolt, Gefahren zu erkennen. Unser Verstand und unser Unterbewusstsein sind ganz darauf fokussiert, reale und potenzielle Gefahren zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Das führt in unserer modernen Gesellschaft dazu, dass wir uns hauptsächlich auf die möglichen Risiken konzentrieren oder diese entsprechend höher gewichten als die Chancen, die sich aus einer Handlung ergeben können. Versuche bei der nächsten Entscheidung doch einmal, auch Deine anderen Ebenen des Menschseins zu erkunden. Welche Körpergefühle nimmst Du wahr, wenn Du Dir vorstellst, Dich für oder gegen eine bestimmte Sache entschieden zu haben? Welche Gefühle fühlst Du dabei? Freude, Schmerz, Motivation, Trauer, Ungeduld oder Wehmut? Und wenn Du in Dich hineingehst, kannst Du Dich auch fragen, welchem grösseren Zweck es dient, Dich für eine Sache zu entscheiden. Wir Menschen sind soziale Wesen und wir blühen auf, wenn wir uns für etwas einsetzen können, das grösser ist als wir selbst sind, in dem wir einen tieferen Sinn sehen und das in uns eine tiefe innere Gewissheit hervorruft: «Das ist der richtige Weg.»
Wenn Du das tust, wirst Du feststellen, dass die Bedenken und Einwände Deines Verstandes nicht mehr so stark ins Gewicht fallen werden, und Du zügiger zu einer Entscheidung kommen kannst. Denn die vermeintlich widrigen Umstände kannst Du so entweder relativieren, oder Du nimmst sie in Kauf, weil Du weisst, dass es der richtige Weg ist. Schliesslich sind die Herausforderungen, die sich auf dem Weg stellen auch immer Möglichkeiten, um zu wachsen. Zu diesem Zweck stellt das Leben Dir diese Herausforderungen. Das Leben meint es immer gut mit Dir, es wird Dir jedoch dieselbe Aufgabe in unterschiedlicher Form immer wieder stellen, bis Du sie gemeistert hast. Es ist immer leicht gesagt, sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Doch würdigst Du auch die kleinen, unscheinbaren Erfolge? Wenn Du das tust, ist es auch wesentlich einfacher, einmal einen Rückschlag zu verkraften und wieder aufzustehen. Feiere Deine Erfolge, auch wenn sie klein scheinen mögen. Tauche gedanklich und emotional immer wieder kurz in diese Momente ein. Sie sind Ressourcen, aus denen Du Kraft schöpfen kannst. Und versuche auch, vom Vergleich mit anderen abzusehen. Jeder hat seine Lebensaufgabe, seinen Seelenplan und seine Geschwindigkeit, mit der er im Leben voranschreitet. Es ist nicht der Sinn des Lebens, uns mit anderen zu vergleichen, wenn auch dieses Konkurrenzdenken in unserer Gesellschaft noch einen grossen Stellenwert hat. Der Sinn des Lebens ist es, dass wir unseren eigenen Weg finden und diesen auch beschreiten.
Zum Schluss habe ich noch ein paar praxistaugliche Tipps für Dich, um ins Handeln zu kommen:
Notiere Dir die Schritte, die Du für Dein Vorhaben machen willst. Wirf immer wieder einen Blick auf Deine Notizen, um Dich zu erinnern und zu sehen, wo Du stehst.
Setze Dir ein verbindliches Datum, bis wann Du damit in die Umsetzung gehen wirst. Das gibt Dir einen sanften Druck, anzufangen.
Kommuniziere das Datum Deinem Partner oder einem vertrauten Freund und schildere Dein Vorhaben. Damit stärkst Du Dich in der Verantwortung, es auch wirklich anzugehen.
Kommuniziere immer wieder über Deinen Fortschritt, hole Feedback und Ideen aus anderen Perspektiven ein. Was für Dich stimmt, kannst Du übernehmen oder gegebenenfalls anpassen. Was für Dich unpassend ist, verwirfst Du.
Denke immer daran, dass Du nicht allen gefallen musst. Das wäre ein unerreichbares Ziel. Nimm Dir lieber vor, die für Dich richtigen Menschen anzusprechen mit dem, was Du tust.
Tue das, was Dich glücklich macht und was für Dich sinnvoll ist. Damit wirst Du automatisch die Menschen und Situationen in Dein Leben ziehen, die Dir guttun.