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Quick Facts
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StatusAktiv
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Wohnort
4814 Bottenwil
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Geburtstsdatum
17.11.1974
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Beruf
Technischer Kaufmann
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Wettkampfklasse
MC2
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Disziplin
Bahn: 1000m Zeitfahren, 3000m Einzelverfolgung, Scratch, 200m fliegend
Strasse: Zeitfahren, Strassenrennen
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Behinderung
Oberschenkelamputation rechts
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Behinderungsgrund
Arbeitsunfall in Käserei
Der Bottenwiler Roger Bolliger arbeitete als Käser, als im Oktober 2002 eine Zentrifuge zerbarst und ein rotierendes Teil seinen rechten Oberschenkel abtrennte. Das Bein konnte nicht mehr gerettet werden und nach mehreren Operationen lernte er in der Reha in Bellikon mit dieser neuen Lebenssituation umzugehen. Dabei kam ihm sicherlich zugute, dass er stets sportlich aktiv war. Er betrieb Geräteturnen und spielte Faustball. Noch in der Rehaphase trainierte er sein linkes Bein auf dem Veloergometer und brachte sich an den Wochenenden das einbeinige Radfahren auf seinem Mountainbike bei.
Einstieg in den Radsport
Kurz nach dem definitiven Abschluss seiner Rehabilitation im April 2004 meldete sich Roger Bolliger für das Para Cycling Rennen des weithin bekannten GP Gippigen im Kanton Aargau an und bestritt sein erstes Radrennen. Dabei wurde er vom Nationaltrainer entdeckt und motiviert, diesen Sport weiter zu betreiben. Gleichzeitig absolvierte er eine Umschulung zum technischen Kaufmann. Mit den Jahren steigerte er seine Trainingsumfänge stets ein wenig und konnte 2007 in Bordeaux erstmals an einer Weltmeisterschaft teilnehmen. Dabei bestritt er nicht nur die Rennen auf der Strasse, sondern auch jene auf der Bahn. Als Nobody lernte er ein erstes Mal die internationale Konkurrenz kennen und fand Motivation, um sich den Anschluss an die Weltspitze zu erarbeiten.
Fortan nahm er regelmässig an internationalen Titelkämpfen teil. Zu seinen Topresultaten zählen die Ränge fünf und acht an der Bahn WM 2014 im mexikanischen Aguascalientes oder die beiden Top 10 Ergebnisse an der Strassen WM in Greenville (USA). An dieser Zusammenfassung lässt sich auch ablesen, dass Bolliger ein kompletter Radfahrer ist und sich sowohl auf der Strasse wie auch auf der Bahn zu Hause fühlt. Auf der Bahn wird ein Rennrad mit Starrlauf und ohne Bremsen verwendet und in den Steilwandkurven wirken die Fliehkräfte. Das Training im Winter auf der Bahn hilft auch für die anschliessende Strassensaison und umgekehrt. Diese Abwechslung in der Art des Radfahrens und des Trainings gefällt dem stets aufgestellten Athleten.
Highlight Rio 2016
Sein bisheriges Karrierehighlight erlebte Roger Bolliger an den Paralympics in Rio 2016. Um dabei sein zu können, baute er sein Trainingspensum weiter aus und reduzierte gleichzeitig sein Arbeitspensum. Die Begeisterung und die Bewunderung für die Leistungen der Athleten durch die Bevölkerung von Rio war für ihn stets spürbar. Sei es bei Trainings auf den Strassen von Rio oder bei den Rennen im Velodrome. Mit seinen Leistungen war er aber nicht 100% zufrieden und sah weiteres Verbesserungspotenzial. Deshalb entschied sich der Hobbyjasser, nochmals einen paralympischen Zyklus in Angriff zu nehmen.
Auf diesem Weg kommt ihm seit dem ersten Januar 2019 eine weitere Unterstützung zu Gute. Als erster paralympischer Sportler der Schweiz wurde er Sportsoldat. Der Kommandant für den Spitzensport in der Armee, René Ahlmann, beobachtete ihn bei Trainings auf der Bahn in Grenchen, welche Bolliger zusammen mit der Fussgängernationalmannschaft absolvierte. Getreu dem Slogan des Corpskommandants «Wir lassen keinen zurück!», werden Armeeangehörige weiter unterstützt, die beispielsweise wie Bolliger durch einen Unfall aus dem Militärdienst ausschieden. Um von den Angeboten der Armee für Spitzensportler profitieren zu können, musste er sich nochmals stellen und wurde wieder militarisiert. So kann er sich nun jährlich 100WK-Tage anrechnen lassen und für Trainingslager und Wettkämpfe einsetzen. Dadurch konnte er sein Arbeitspensum auf 20% senken. Als Gegenleistung steht Bolliger der Armee für repräsentative Aufgaben zur Verfügung und hält Referate.
An der Strassen WM im niederländischen Emmen gelang ihm das Zeitfahren nicht wunschgemäss. Im Strassenrennen wollte er sich Rehabilitieren. Während des gesamten Rennens lag Roger Bolliger auf Kurs für die Top 10. Ein Spitzenresultat lag in Griffnähe. In der letzten Kurve, 200m vor dem Ziel, wurde er jedoch von einem Konkurrenten abgeschossen und er stürzte heftig. Glücklicherweise blieb es bei nur kleineren Blessuren, doch das Spitzenresultat war weg.
In seiner Freizeit kocht Roger Bolliger sehr gerne. Ausserdem ist er interessierter Beobachter der Schweizer Sportszene und unterstützt den Nachwuchs seines Veloclubs Pfaffnau Roggliswil als Leiter des Kids-Bikes.
Fotos Simon Wilkinson, Brett Florens, Michael Fund
Medienmitteilungen – WM Emmen 2019
WM Para Cycling Track, Apeldoorn, März 2019
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