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Zwischen Ständen und Kulturen. Die doppelten Grenzgänge des Juwelenhändlers und Indienreisenden Jean-Baptiste Tavernier (1605 – 1689)
Jean-Baptiste Tavernier gehörte gemeinsam mit den Zeitgenossen François Bernier (1625-1688) und Jean de Thévenot (1633-1667) zu den "großen" französischen Persien- und Indienreisenden des 17. Jahrhunderts. Obwohl sein Reisebericht im 17. und 18. Jahrhundert weithin bekannt und nicht zuletzt mit denen seiner Konkurrenten Bernier und Thévenot immer wieder verglichen wurde, fehlt es in der jüngeren Historiographie an genaueren Auseinandersetzungen mit der Figur und seinem Selbstzeugnis. Im Laufe seines Lebens unternahm Tavernier sechs Reisen nach Indien, die die Geschichte einer sukzessiven Annäherung an das Land spiegeln, die Entstehung von Netzwerken in der Fremde und die Möglichkeiten und Schwierigkeiten interkulturellen Handel mit kostbaren Dingen zu betreiben, allem voran mit Diamanten und Edelsteinen. Am Ende seines Lebens machte Tavernier nicht nur mit den Granden des indischen Mogulreichs Juwelengeschäfte, sondern wurde als erfolgreicher Diamantenlieferant Ludwig XIV. auch in den Adelsstand erhoben. Tavernier überschritt also nicht nur kulturelle und Zivilisationsgrenzen, sondern auch seine eigenen Standesgrenzen. Reise und Juwelenhandel waren das Vehikel mit dem er diese zweifache Grenze von Stand und Kultur überschritt. Sein Selbstzeugnis scheint die Geschichte dieses Erfolges zu beschreiben, und spiegelt doch bei genauerer Untersuchung auch die vielen Momente des Scheiterns im interkulturellen Kontakt. Der Beitrag will diese Spannung zwischen Gelingen und Problemen sozialer und kultureller Grenzüberschreitung zwischen Europa und Indien aufzeigen und die Figur Taverniers damit als Grenzgänger im doppelten Sinn verstehen.