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Eisenmangel bei Frauen, Kindern, Älteren, Leistungssportlern und Patienten mit chronischen Darmerkrankungen, Niereninsuffizenz, malignen Tumoren und Herzinsuffizienz
Grundsätzlich kann bei wesentlich zu geringer Zufuhr, einer Resorptionsstörung oder einem Blutverlust jeder Mensch in jedem Alter unter einem Eisenmangel leiden. Es existieren jedoch zahlreiche Faktoren, welche einen solchen begünstigen.
Bei der Menstruation verliert die Frau im Durchschnitt ca. 50 ml Blut, was einem Eisenverlust von 25 mg entspricht. Wenn dieser Verlust nicht durch ein zusätzliches Milligramm täglich resorbiertes Eisen ausgeglichen wird, entsteht ein Eisenmangel. Rund 80% der prämenopausalen Frauen haben reduzierte Eisenspeicher und zwischen 10% und 20% leiden unter einem Eisenmangel.
Noch verstärkt wird die Negativbilanz in der Schwangerschaft, da der Bedarf stark ansteigt. Gemäss einer europäischen Analyse trat in der Schwangerschaft bei bis zu 30% der untersuchten Frauen eine Anämie auf, in der Mehrzahl der Fälle eine Eisenmangelanämie [1]. Morbidität und Mortalität von Kind und Mutter sind bei Eisenmangelanämie erhöht [2]. Die Häufigkeit von Aborten und Frühgeburten, fetalen Wachstumsretardierungen, mütterlichen Infektionen (insbesondere Harnwegsinfektionen) und das Risiko einer geringeren Toleranz gegenüber Blutverlusten bei der Geburt nimmt zu.
Ebenfalls ein erhöhter Bedarf besteht in der Stillperiode, da das Kind zusätzlich mit Spurenelementen versorgt werden muss. Hinzu kommt, dass der Blutverlust während der Geburt die Eisenbilanz negativ belastet.
Kinder und Jugendliche haben durch ihr Wachstum einen erhöhten Eisenbedarf. Eine Untersuchung von Kindern und Adoleszenten in den USA zwischen 2003 und 2006 hat gezeigt, dass ein Eisenmangel bei durchschnittlich 14.4% der 1-2-jährigen Kinder, 3.7% der 3-5-jährigen Kinder und bei 9.3% der 12-19-jährigen Adoleszenten vorlag. Eine ausreichende Eisenzufuhr ist also vor allem bei Kleinkindern - insbesondere bei Frühgeborenen - und in der Pubertät für eine normale körperliche und psychische Entwicklung notwendig.
Im höheren Alter nimmt die Inzidenz des Eisenmangels wieder zu [3]. Einerseits ist eine verminderte Zufuhr wegen häufig reduziertem Appetit, sozialem Rückzug oder Problemen mit der Essensaufnahme daran schuld; andererseits liegen häufig chronische Erkrankungen, welche mit einer gestörten Eisenaufnahme im Darm oder einem erhöhten Eisenverlust einhergehen, vor (siehe unten).
Anämie und Eisenmangel korrelieren mit Muskelschwäche, einem erhöhten Sturzrisiko, Demenz, Mortalität und erhöhter Hospitalisierungen, weshalb es Sinn macht, die Eisenreserven bei älteren Patienten aufzufüllen
Ausdauerathleten haben einen höheren Eisenbedarf als die Durchschnittsbevölkerung. Ausserdem haben sie oft eine kohlenhydratreiche Ernährung, die im Normalfall sehr wenig Eisen enthält.
Eine routinemässige Eiseneinnahme ohne medizinische Betreuung ist weit verbreitet, jedoch nicht zu r anderem das Risiko einer Eisenüberladung, obwohl die Eisenaufnahme im Darm bei Gesunden im Normfall von selber herabgesetzt wird.
Die häufigste Ursache eines Eisenmangels oder einer Eisenmangelanämie sind gastrointestinale Blutungen: Kolonpolypen, Kolonkarzinom, Ulzera im Magen oder Duodenum, Magenkarzinom, Ösophagitis usw. Eine verminderte Aufnahme von Eisen resultiert bei Malabsorptionssyndrom - am häufigsten bei Zöliakie auftretend -, bei Achlorhydrie oder nach Magenbypass oder -resektion.
In den letzten Jahren zugenommen hat die Anzahl Patienten mit chronisch entzündlichen Darmkrankheiten, also einem Morbus Crohn oder einer Colitis ulcerosa. Bis zu einem Drittel der Betroffenen soll an einer Anämie leiden, wobei viele dieser Anämien durch einen Eisenmangel oder eine Eisenverwertungsstörung bedingt sind [4].
Neuere Studien zeigen, dass eine chronische Infektion mit Helicobacter pylori auch ohne Ulkus oder Gastritisbefund in der Endoskopie einen auf orale Eisentherapie resistenten Eisenmangel verursachen kann [5]. Protonenpumpenblocker haben zwar einen die Eisenaufnahme hemmenden Effekt, dieser scheint aber klinisch wenig bedeutsam zu sein.
Die Anämie ist eine häufige Begleiterscheinung von Krebserkrankungen. Im Verlauf einer Chemotherapie entwickeln ausserdem rund 63% der zuvor nicht anämischen Patienten eine Anämie. Am häufigsten tritt sie bei Patienten mit gynäkologischen Tumoren (81%) oder Bronchialkarzinom (77%) auf [6]. Die Erythropoese kann dabei entweder durch den Tumor selbst oder durch Zytostatika vermindert sein.
Wichtig ist, bei onkologischen Patienten an einen zusätzlichen Eisenmangel zu denken. Wenn bei diesen Patienten zusätzlich zur Anämie ein solcher besteht, ist dieser mit Eisenpräparaten zu behandeln. Die orale Eisenzufuhr ist in diesen Fällen meist unwirksam, deshalb wird die intravenöse Substitution empfohlen.
Häufigste Ursachen für eine chronische Niereninsuffizienz sind Hypertonie, Diabetes mellitus und Glomerulonephritis. Etwas seltener sind chronische Infektionen, Obstruktion durch Steine, polizystische Nieren oder Autoimmunkrankheiten für die eingeschränkte Filtrationskapazität verantwortlich. Im Frühstadium der chronischen Nierenerkrankung leidet ca. jeder Vierte an einer Anämie, bei terminaler Niereninsuffizienz fast alle [7,8]. Ursachen sind einerseits die verminderte Produktion von Erythropoetin und andererseits die regelmässigen Blutverluste während der Dialyse, eine verkürzte Erythrozyten-Lebensdauer sowie ein verändertes Ernährungsverhalten. Die renale Anämie ist aufgrund der erhöhten Pumpleistung des Herzens mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert. Chronische Nierenerkrankung, Anämie und Herzinsuffizienz werden als kardiorenales Syndrom bezeichnet.
Eine Eisen-Behandlung verbessert die Nierenfunktion und verhindert andere Massnahmen des Anämie-Managements.
Wichtig ist, bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung an einen zusätzlichen Eisenmangel zu denken. Wenn bei diesen Patienten zusätzlich zur Anämie ein solcher besteht, ist dieser mit Eisenpräparaten zu behandeln. Die orale Eisenzufuhr ist in diesen Fällen meist unwirksam, deshalb wird die intravenöse Substitution empfohlen.
Eine Anämie hat bei Patienten mit Herzinsuffizienz eine signifikante prognostische Bedeutung, wie mehrere Studien der letzten Jahre gezeigt haben [9-11]. Die Mortalität sowie die Morbidität nehmen zu, wenn ein Eisenmangel oder eine Anämie bestehen. Ca. jede fünfte Anämie ist bei Patienten mit Herzinsuffizienz durch einen Eisenmangel bedingt. Involvierte Mechanismen bei der Entstehung sind die chronische Erkrankung per se, Resorptionsstörungen im Darm, Mikroblutungen bei Antikoagulation, Hämodilution durch Überwässerung und Nierenfunktionsstörungen.