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Die Heilsarmee hat sich schon früh von London aus ins Ausland ausgebreitet. Für eine Organisation, die als „East London Christian Mission“ schon in ihrer Anfangszeit den Begriff „Mission“ im Namen trug, war die Verbreitung des Wort Gottes in alle Welt die natürlichste Sache. Auch Schweizerinnen und Schweizer waren früh unter den Missionaren zu finden.
Jedes Land, jede Stadt, in die die Heilsarmee kam, war Missionsfeld: auch die christlich geprägte Schweiz. Offiziere, die für die Schweiz geweiht wurden, schickte die Heilsarmee „aufs Missionsfeld“. Stellt man sich unter einem Missionar aber jemanden vor, der in ein fremdes Land reist, um „den Heiden“ das Evangelium zu bringen, dann denkt man viel mehr an Leute, die nach Afrika oder Asien reisten.
Die frühen Missionseinsätze führten Heilsarmee-Offiziere in die Kolonien des British Empire. Frederick Booth-Tucker – ein späterer Schwiegersohn des Gründers William Booth – begann 1882 das Werk der Heilsarmee in Indien, zur gleichen Zeit als auch in der Schweiz die ersten Salutisten auftauchten. Es dauerte nicht lange, bis auch die ersten Schweizer Heilsarmeeoffizierinnen in dieser Expansionsphase nach Indien gingen.
1887 war es soweit: In Yverdon segnete Catherine Booth-Clibborn (die Marschallin) am 19. Mai drei Frauen ein, die sich für den Missionsdienst in Indien zur Verfügung gestellt hatten. Es war ein grosses Heilsarmee-Fest, ein Kriegsrat, zu dem weit über tausend Menschen strömten, nicht zuletzt um die Frauen zu sehen, die die lange Reise in eine fremde Kultur auf sich zu nehmen bereit waren. Bevor sie das Schiff mit Ziel Bombay bestiegen, erhielten die Missionarinnen auch in London ein Abschiedsfest. Die Schweizerinnen waren Teil einer fünfzigköpfigen Gruppe von Missionsoffizieren für Indien. Sie wurden „Jubilee Fifty“ genannt nach dem 50-jährigen Thronjubiläum von Königin Victoria im gleichen Jahr.
Buache, Letissier und Rohrbach hiessen die Schweizerinnen laut Artikeln im "Kriegsruf" und "Cri de Guerre". Von den letzteren zwei finden sich kaum Belege; Letissier lässt einmal einen Gruss ausrichten. Leutnantin Adeline-Marie Buache hinterliess dagegen mehr Spuren. Sie stammte aus Neuenburg. Für den Dienst in Indien meldete sie sich gleich nach der Offiziersschule (damals in Paris), in die sie im Januar 1887 eingetreten war.
Buache schickte in den Monaten nach ihrer Abreise immer wieder Briefe nach Hause, die der französische „En Avant“ und der „Cri de Guerre“ abdruckten. Sie berichtete davon, wie sie mit anderen Offizieren auf den Strassen von Coimbatore im Süden Indiens Versammlungen hielt, wie sie die Sprache lernte. Die Missionare versuchten sich soweit wie möglich in die indische Gesellschaft, bei den Hindu, einzufügen. Sie kleideten sich nicht nur den Gepflogenheiten Indiens entsprechend in langen Gewändern und die Männer mit Turban auf dem Kopf, sie gingen auch barfuss und nahmen indische Namen an. Buache nannte sich fortan „Paranjothi“ – übersetzt: Gottes Brillant.
Im September 1890 heiratete sie den kanadischen Heilsarmeeoffizier William Frederick Jordan – und danach verlieren sich auch ihre Spuren. Möglicherweise kehrte sie mit ihrem Ehemann nach Kanada zurück, die dortige Heilsarmee findet heute jedoch auch nichts mehr von ihr. Vielleicht blieb sie in Indien, vielleicht starb sie auch an einer Krankheit – viele Missionare ereilte dieses Schicksal. An Heiligabend 1889 hatte Buache noch geschrieben, dass sie in den Jahren ihres Aufenthalts in Indien viel krank gewesen und mehrmals dem Tode nahe gestanden sei.
Dass die ersten Missionarinnen aus der Schweiz nach Indien gingen, war nicht erstaunlich. Nachrichten von Indien flossen rege in die Schweiz: Immer wieder druckte der „Kriegsruf“ Berichte ab von Booth-Tucker. Auf seinen Reisen nach Europa machte der Kommissär auch mehrmals Halt in der Schweiz. Die indischen Offiziere, die ihn begleiteten, wurden dem Publikum als Attraktionen angepriesen. Auch ergingen immer wieder Aufrufe an die Schweizer Salutisten, sich für den Missionsdienst in Indien oder anderswo zu melden.
Nachdem Buache & Co. den Anfang gemacht hatten, kam die Mission aus der Schweiz hinaus offenbar zu einem Stillstand. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts finden sich keine Belege mehr für entsandte Missionare, obwohl die Leser des „Kriegsruf“ und „Cri de Guerre“ immer wieder über die Fortschritte der Heilsarmee in aller Welt lesen konnten. Erst nach der Jahrhundertwende blühte die Mission wieder auf – und wieder war es der indische Subkontinent, nach dem neue Missionarinnen auszogen.
Stefan Trachsel