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| Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)

Zweites Buch: Widerlegung des persischen Heidentums.
25.
Auch dreht sich der Himmel nicht, wie auswärtige 1 Weise lehren, so daß er beim Drehen bald die Lichtgestirne verbirgt, bald sie zeigt. Und wenn er jeden Tag sich dreht, wieso führt er die Sonne jeden Tag gleichermaßen von Osten herauf und den Mond kaum in einem Monat an dieselben Stellen? Dazu gibt es noch andere Sterne, welche kaum einmal im Jahre an dieselbe Stelle gelangen. Es gibt solche, welche, wie sie sagen, in zwölf Jahren an dieselbe Stelle gelangen, und solche, welche es in anderthalb Jahren tun, und solche, welche in dreißig Jahren dahin kommen.
Aber die Erfahrung an den Dingen führt zu einer anderen Erklärung. Denn die Sterne, welche nachts am Himmel sind, befinden sich daselbst auch während des Tages 2. Wenn der Himmel sich bewegte, würden sie nicht am Tage auf derselben Bahn sich befinden, auf welcher wir sie nachts gesehen haben. Allein, da sie auf derselben Bahn gehen, wie wir auch den Mond und die Sterne auf derselben Bahn sehen, so zeigt es sich, daß diese sich bewegen und der Himmel unbeweglich feststeht. So nennen auch die von Gott gegebenen Schriften den Himmel eine Feste 3. Und was immer Feste ist, das ist unbeweglich.
Andere allerdings wollen aus der Schrift eine andere Begründung entnehmen. Sie sagen: In denselben Büchern steht: Er setzte sie an das Firmament des Himmels. Daraus geht hervor, daß sie (daran) befestigt sind und keine Bewegung haben.
[S. 123] Doch wenn dem so wäre, wollen sie auch annehmen, wann (die Schrift) von Adam sagt, daß er ihn in den Garten der Wonne setzte, er sei darin befestigt gewesen und ohne Bewegung? Wenn nun die von Gott gegebene Schrift das Wandeln Adams mit dem Wort „er setzte“ bezeichnet, so ist es klar, daß die Schrift auch das Wandeln der Gestirne mit: „er setzte“ ausdrückt.
Das ist um so mehr (anzunehmen), als wir an vielen Stellen den Lauf der Gestirne (angegeben) finden; wie als Josue [Josua], der Sohn des Naves [Nun], sagte: Es soll die Sonne stehenbleiben 4 gegenüber dem Tale Gabaon [Gibeon], und der Mond gegenüber dem Tale Elon [Ajalon] (Josua 10, 12). Er sagte nicht: der Himmel solle seine Bewegung einstellen, sondern die Sterne; daraus geht hervor, daß der Himmel feststeht, aber die Gestirne Bewegung haben. Und von Ezechias [Hiskija] hieß es: „Es soll der Strahl um zehn Stufen zurückgehen am Palast des Achaz [Ahas]“ [Is. 38, 8; 2. Kön. 20, 9. 11]. Daraus ist ersichtlich, daß die Sonne zurückging, nicht der Himmel. Und im Buch Ekklesiastes [Kohelet] steht geschrieben: „Die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter und schwebt ihrem Orte zu“ (1, 56) [=1, 5]. Aufgegangen, wandelt sie am Süden vorbei und geht nach Norden weiter, um zu zeigen, daß sie am Tage auf der Südseite gegen Abend geht und in der Nacht um den Norden nach Osten zurückkehrt unter den Fuß der Berge, wie die Weisen lehren. Und nicht unter dem Meere, wie sie behaupten, noch unter der Erde hindurch. Denn unter der Erde ist das Nichts, wie Job sagt: Er hat die Erde über dem Nichts ausgespannt, und im Syrischen heißt es: „Er hat die Erde über dem Nichts aufgestellt" (26, 7). Ein Wirkliches nun aber kann nicht durch ein Nichts sich bewegen und eine trockene Natur nicht in der Feuchtigkeit der Gewässer.
Wir sehen aber doch, sagen sie, mit unseren Augen, daß sie aus dem Meer hervorgeht.
Und das wissen sie nicht, daß, weil das Festland vom Meere aus nicht zu sehen ist, es deshalb den Anschein [S. 124] gewinnt, daß sie in das Meer ginge. Wie wenn einer im Westen (dem Horizont) nahe ist und auf der östlichen Seite ein Berg steht, den Eindruck bekommt, daß die Sonne von jenem Berge heraufsteigt. Und an allen Orten, wo jemand im Unbegrenzten steht, da scheint es ihm, daß irgendwo aus der Nähe die Sonne komme. So geht es auch denjenigen, die nahe am Meer stehen; weil das Auge nicht auf das Festland hinaus sehen kann, scheint es, als käme (die Sonne) aus dem Meere. Doch sie geht nicht aus dem Meere hervor, sondern von den Enden des Himmels, wie David spricht, vom Heiligen Geiste belehrt: „Von den Enden des Himmels ist ihr Ausgang und ihre Rüste bis an seine Enden“ (Ps. 18, 7) [= Psalm 19,7].
Doch sie wirft, wie sie sagen, einen starken Tau auf das Land; darin zeigt sich, daß sie aus dem Meere kommt.
Nur wissen sie das nicht, daß die Nässe, welche in der Nacht die Luft von der Feuchtigkeit des Wassers annimmt, die zu derselben hinzukommende Wärme der Sonnenstrahlen wegträufelt, weshalb nicht nur dort, sondern auf der ganzen Erde bei Sonnenaufgang der Tau fällt.
Und wenn sich der Himmel drehte, wieso behaupten sie von Kronos und den andern als Verursacher geltenden Sternen, daß sie in das Sternbild eintreten? Dieser Eintritt geschieht doch offenbar durch Bewegtheit und nicht ohne Bewegung.
1: Nicht zur christlichen Kirche gehörige Weise.
2: Eznik irrt hier mit der Annahme, daß die tagsüber an unserm Himmel befindlichen Sterne dieselben seien, die wir nachts sehen.
3: 1 Mos. 1, 6 ff. (Firmament).
4: Eznik übersieht bei dieser Beweisführung, daß an der zitierten Stelle die Hl. Schrift die Sprache des Augenscheines redet, nicht die astronomischer Belehrung. Überdies ist die Sprache dieser Stelle durchaus poetisch, s. Weber, das Alte Testament S. 162, Anm. 2.