Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03584.jsonl.gz/1925

Im Jahrzehnt von 2001 bis 2010 kam es gemäss der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zur grössten Häufung von Wetterkatastrophen seit Beginn der Aufzeichnungen 1850. Seit 1993 starben über 530‘000 Menschen bei mehr als 15‘000 extremen Wetterereignissen. Die materiellen Verluste liegen bei ca. 1‘866 Milliarden Euro. Der Tropensturm „Haiyan“ auf den Philippinen, der der heftigste je beobachtete Taifun (Windgeschwindigkeiten bis zu 315km/h) gewesen sein dürfte, hat mehrere Tausend Todesopfer gefordert. Aber auch die Bauweise von Häusern, Deichen und Siedlungen entscheidet darüber, wie viele Menschen durch einen Sturm verletzt werden. Über 12 Mio. Menschen sind vom Sturm betroffen, allein 4 Mio. Kinder, Hunderttausende wurden obdachlos.
Doch wie sieht es in der Zukunft aus? Gemäss Klimaforschenden werden Wetterextreme wie Hitzewellen oder Starkregen durch die Klimaveränderung zunehmen. Allerdings ist der genaue Zusammenhang von Tropenstürmen und der Klimaveränderung noch nicht abschliessend geklärt. Mangelnde Langzeitdaten erschweren die Analysen. Klimaforscher sagen sowohl häufigere wie auch vermehrt stärkere Stürme voraus. Ein Wirbelsturm benötigt zur Entstehung eine Temperatur auf der Meeresoberfläche von 26° Grad. Durch die globale Erwärmung nehmen einerseits die Wassertemperaturen zu und andererseits dehnen sich die Flächen höherer Temperaturen aus. Die für die Auslösung eines Wirbelsturms nötige Temperatur wird immer häufiger erreicht. Ausserdem nimmt die Temperaturdifferenz der Meeresoberfläche zur oberen Troposphäre zu, bedingt durch den Ozonschwund. Das verstärkt die Aufwinde des tropischen Sturms. Tropenstürme können bei höheren Temperaturen größere Kraft entfalten. „Haiyan“ entstand über einer Meeresoberfläche, deren Temperatur 30°C (!) betrug.
"Wir weigern uns zu akzeptieren, dass unser Leben darin bestehen soll, vor Monsterstürmen zu fliehen, unsere Familien in Sicherheit zu bringen, Zerstörung und Not zu erleiden und unsere Toten zählen zu müssen." Yeb Sano, philippinischer Abgeordneter an der UN-Klimakonferenz
Zudem erwarten Klimaforscher mehr Regen in einer wärmeren Welt, da mildere Luft mehr Feuchtigkeit halten kann. Die Taifune der Zukunft dürften demnach noch mehr Wasserfluten bringen, die zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen. Dazu kommen Sturmfluten an den Küsten bei steigendem Meeresspiegel. Dies dürfte insbesondere für Küstenregionen wie die Philippinen problematisch werden.
Die aktuelle Klimakonferenz in Warschau ist für die Industriestaaten eine Gelegenheit, ihre finanziellen Zusagen an die besonders von Klimakatastrophen getroffenen Entwicklungsländer zu erneuern und klare Ziele zur Reduktion ihrer Emissionen (insbesondere CO2) zu definieren, um die globale Erwärmung zu stoppen. Leider sind die Ergebnisse der ersten Verhandlungswoche alles andere als ermutigend.
„Aber selbst wenn die Chancen nur 50:50 stünden, dass wir durch unsere Treibhausgasemissionen solche Katastrophen verschlimmern – wie ruhig können diejenigen, die sich mit aller Macht gegen Klimaschutzmaßnahmen stemmen, im Angesicht der Bilder aus den Philippinen noch schlafen?“ Stefan Rahmstorf, Professor an der Uni Potsdam