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Die Nachricht aus Samsungs Forschungs- und Entwicklungszentrum SARC in Austin, Texas, lässt aufhorchen: Der südkoreanische Konzern habe ein Team mit hochspezialisierten Chip-Designern aufgelöst, berichtet golem.de.
Die Entlassenen entwickelten sogenannte Prozessorkerne, eine zentrale Komponente für Samsungs hauseigene Exynos-Prozessoren. Und diese Prozessoren wiederum werden in populären Galaxy-Smartphones verbaut.
Betroffen ist Samsungs CPU-Entwicklungsteam, in dem einige ehemalige AMD-Mitarbeiter arbeiteten, und Austin gilt seit Jahrzehnten als wichtiger Knotenpunkt für AMD.
Die Südkoreaner waren noch einer der wenigen Hersteller, die eigene Smartphone-CPU-Kerne entwickelt haben, schreibt golem.de. Nun sei offenbar damit Schluss.
Um die Tragweite dieser Entwicklung zu verstehen, müssen wir etwas ausholen und zentrale Begriffe klären.
Von einem sogenannten System-on-a-Chip (SoC).
Man stellt sich das am besten als einen vollständigen Computer vor, der miniaturisiert und komprimiert wird, um auf einen einzelnen, stromsparenden Silizium-Chip zu passen.
Auf dem SoC befinden sich der Hauptprozessor (CPU), der Grafikprozessor (GPU), diverse Co-Prozessoren wie das interne Modem (LTE oder neu auch 5G) und so weiter.
Die meisten Hersteller von Android-Smartphones verbauen aus Kostengründen ein Standard-SoC, das vom US-Hersteller Qualcomm stammt und in aller Regel die Markenbezeichnung «Snapdragon» trägt.
Android-Smartphones werden von einem der folgenden SoC angetrieben (nach Marktanteil geordnet):
Hinzu kommt, wie oben erwähnt, Apple: Die «A»-Serie ist ein SoC, der nur in iPhones, iPads und anderen Apple-Geräten verbaut wird. Die Kalifornier entwickeln und designen dabei nahezu alles selbst und lassen ihre Eigenentwicklungen von Auftragsfertigern wie TSMC in Asien produzieren.
Eine unverzichtbare Komponente jedes SoC ist die zentrale Recheneinheit, CPU genannt. Sie besteht aus einem oder, wie es heute gebräuchlich ist, aus mehren Kernen (Cores).
Das gebräuchlichste mobile CPU-Design stammt von ARM Limited. Das ist eine britische Firma, die sich schon in den 1980ern auf die Entwicklung von besonders stromsparenden Prozessoren spezialisiert hat und mit der Lizenzierung seiner Chip-Designs sehr viel Geld verdient.
Allen Herstellern ist gemein, dass sie das grundlegende Chip-Design von ARM Limited lizenzieren müssen.
Jüngstes Beispiel ist Microsoft, das nun versucht, Windows in die ARM-Chips-Familie aufzunehmen, wie CNET schreibt. Bekanntlich wird das Surface Pro X von einem stromsparenden ARM-basierten System-on-a-Chip angetrieben. Das «SQ1» ist ein Gemeinschaftswerk mit Qualcomm.
Während einige Smartphone-Hersteller das CPU-Design direkt von ARM lizenzieren, benutzen andere lediglich eine sogenannte ARM-Architekturlizenz. Zu diesen Herstellern gehörten bislang schon Apple, Samsung und Qualcomm.
Doch neu ist das nur noch Apple. Denn vor Samsung hatte schon Qualcomm das CPU-Chip-Design eingestellt.
Nur Apple habe bis hin zum neusten A13-Chip eigene CPU-Kerne, die fortwährend verbessert werden, schreibt golem.de. Für Qualcomm und Samsung würden sich Eigenentwicklungen offenbar nicht mehr lohnen: Anders als bei Apple fehle «die durchgehend vertikale Integration von Hardware und Software» und das Geschäftsmodell variiere.
Sprich: Apple kann es sich leisten, für seine SoCs mehr auszugeben und diese Investitionen über die (vergleichsweise hohen) Endverkaufspreise seiner Hardware wieder hereinzuholen. ARM und Qualcomm können das nicht.
Anzumerken bleibt, dass Samsung seine Flaggschiffe seit Jahren mit zwei unterschiedlichen Prozessoren bestückt. In den USA und Asien werden Galaxy-Smartphones mit Snapdragon verkauft. Hingegen kommen sie in der Schweiz und Resteuropa mit der Eigenentwicklung Exynos in den Handel.
Wenn Samsung in Zukunft auf die allgemein verbreitete ARM-Architektur setzt, statt eigene CPU-Kerne zu entwickeln, dann muss das kein Nachteil sein für die Kunden.
Bezüglich Leistung dürften die Smartphones gar profitieren: In neueren Geschwindigkeits-Vergleichen (Benchmark-Tests) schnitten die Snapdragon-Prozessoren von Qualcomm häufig besser ab als Samsungs Exynos-Prozessoren.
Mit dem Exynos 9825, der im Galaxy Note 10 verbaut wird, habe Samsung «Mongoose M4 Cores» implementiert, schreibt gizchina.com. Diese Eigenentwicklung, die auf der ARM v8-Architektur basiere, habe zwar ein hohes Leistungsniveau, könne aber nicht mit den ARM-Chips mithalten.
Samsung sei zudem eine Allianz mit AMD eingegangen, um die Grafikleistung seiner Prozessoren zu steigern. «In Zukunft könnten wir Samsung-Handys mit Exynos-Prozessoren haben, die so leistungsstark wie die von Qualcomm sind.»
Sinkende Halbleiterpreise und der lang anhaltende Handelskrieg zwischen den USA und China hätten die Profite des weltweit führenden Herstellers von Speicherchips und Smartphones geschmälert, berichtet Reuters. Aber Analysten gingen davon aus, dass sich die Situation 2020 verbessere. Chips machten mehr als die Hälfte des Gewinns aus.
Im Mobilfunkgeschäft, das rund einen Viertel des Gesamtbetriebsergebnisses ausmacht, profitiere Samsung von US-Sanktionen gegen den chinesischen Smartphone- und Netzwerkausrüstungskonzern Huawei Technologies.
Der Anteil von Samsung am europäischen Mobilfunkmarkt sei im zweiten Quartal auf ein Fünfjahreshoch von mehr als 40 Prozent gestiegen, während Huawei nach Angaben des Forschungsunternehmens Canalys unter 20 Prozent fiel.
Quellen:
(dsc, via golem.de)