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Liebende beschenken sich am 14. Februar gegenseitig mit Blumen, Süssigkeiten oder anderen Köstlichkeiten. Wie der Valentinstag entstand und woher er seinen Namen hat.
Martin Ötker
Wie der Tannenbaum zu Weihnachten gehören rote Rosen und Herzen aus Schokolade zum Valentinstag. Die Frage, warum der heilige Valentin zum Patron der Liebenden wurde, lässt sich historisch nicht ganz einfach lösen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich Ereignisse und Vermutungen fast unentwirrbar miteinander verbunden. Deshalb ranken sich um das Leben von Valentin auch mehr Fragen und Spekulationen als gesicherte Antworten.
Wer ist der Namensgeber dieses Tages?
Gleich zwei frühchristliche Heilige gibt es, die den Namen Valentin (der Gesunde, der Starke) trugen. Für den 14. Februar finden sich Valentin von Rom und Valentin von Terni:
Einigen Märtyrerberichten zufolge, die nach dem 6. Jahrhundert entstanden sind, soll Valentin von Rom Priester gewesen sein. Als er die blinde Tochter von Kaiser Claudius Goticus (268–270) geheilt habe, habe sich das ganze Haus taufen lassen. Daraufhin sei Valentin des Hochverrats angeklagt worden und habe am 14. Februar 269 den Märtyrertod durch Enthauptung gefunden. Er sei an der Via Flaminia, ausserhalb Roms, begraben worden.
Valentin von Terni war Bischof von Interamna, das heutige Terni in Umbrien. Er soll zur Heilung eines spastisch Gelähmten nach Rom gerufen und dort wegen seiner Bekehrungserfolge sowie nach der Weigerung, den Göttern zu opfern, unter Kaiser Aurelian (270–275) im Jahre 273 enthauptet worden sein. Auch sein Grab, so heisst es, habe sich an der Via Flaminia befunden, wenn auch an einem anderen Ort.
Nach der Auffassung des Theologen Manfred Becker-Huberti ist «der wirkliche heilige Valentin der Bischof von Terni, dessen kultische Verehrung im 4. Jahrhundert eingeführt war. Ihm errichtete Papst Julius I. (337–352) an der Via Flaminia eine Basilika, in der er Brandea deponierte, also Leinen- oder Seidentücher, mit denen die Reliquien des Heiligen berührt worden waren.»
Der Valentinstag ist ein Gedenktag in der anglikanischen Gemeinschaft und bei den Lutheranern finden mancherorts Gottesdienste für Liebende statt. In der katholischen Kirche wurde der Gedenktag von Papst Gelasius I. (492– 496) im Jahre 496 für die ganze Kirche eingeführt, aber nach der Reform des römischen Generalkalenders (1970) und der anschliessenden Umgestaltung des Regionalkalenders für das deutsche Sprachgebiet (1972) gibt es keinen Heiligen Valentin mehr, dessen am 14. Februar gedacht wird. Der Grund dafür liegt in der zweifelhaften Quellenlage.
Verknüpfung mit der romantischen Liebe
Das Brauchtum dieses Tages leitet sich mit ziemlicher Sicherheit nicht vom heiligen Valentin ab, auch wenn er der Namensgeber des 14. Februar ist. «In den im Mittelalter unter angelsächsischem Einfluss stehenden Ländern England, Nordfrankreich und Belgien ist wohl anknüpfend an den Festtermin, der als Tag der jährlichen ‹Vogelhochzeit› galt, der Valentinstag zum Tag der Liebenden geworden.» So konnte in England an diesem Tag jeder «Valentin» seine «Valentine» als Partnerin wählen. Entschieden wurde durch das Los oder durch die erste Begegnung am Morgen. So singt Ophelia in William Skakespeares «Hamlet»: «Morgen ist Sankt-Valentins-Tag, wohl an der Zeit noch früh, und ich‚ ne Maid, am Fensterschlag, will sein eur‘ Valentin» (4. Akt, 5. Szene). Auch gehörte es zum Ritual, dass sich Liebende gegenseitig Blumen, kleine Geschenke, Süssigkeiten sowie besonders Gedichte schenkten. Ausgehend von England ist das Valentinsbrauchtum durch Auswanderer nach Nordamerika gekommen. In den Vereinigten Staaten wurde aus dem englischen «Tag der Liebenden» ein «Tag der Freundschaft und der familiären Beziehungen».
Der Zeitpunkt, ab wann das Valentinsbrauchtum in modifizierter Form zurück nach Europa gelangte, ist so gut wie nicht mehr zu ermitteln. Offensichtlich brachten amerikanische Soldaten spätestens in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts den Valentinstag mit nach Deutschland. Zehn Jahre später gelangte er auch in die Schweiz. Zunächst verschenkte man an diesem Tag vor allem mit Herzchen geschmückte Karten und Blumen, später wurden die Präsente aufwendiger.
Gute Geschäfte
Den grossen Trubel um den Valentinstag, der sicher kommerziell bedingt ist, gibt es noch nicht so lange: «Die Migros warb zum ersten Mal im Jahre 1987 für den Valentinstag, Lindt und Sprüngli mit ihrer Schokolade erst im Jahre 2002.» Inzwischen haben die Händler den 14. Februar wohl schon längst zum «obligatorischen Geschenktag für Sie und Ihn erklärt». Bereits zwei Wochen vorher würden die Kaufhäuser entsprechend dekoriert und die Angebote platziert, sagte ein Sprecher. «Für den Coop ist der Valentinstag – gefolgt vom Muttertag – der wichtigste Blumenverkaufstag des Jahres. 70 Prozent der verkauften Blumen seien Rosen.» Danach folgen Einladungen zum Essen in ein Restaurant, Pralinen und Schokolade sowie andere Süssigkeiten. Ansonsten werden heute «auch gerne Gutscheine, Uhren, Schmuck an die Liebsten verschenkt». Die Werbung war zweifellos erfolgreich, denn Supermärkte und der klassische Detailhandel profitieren vor allem vom Valentinstag.
Alternativ zur Geschäftigkeit am Valentinstag hat die Österreichische Bischofskonferenz im Februar 2005 Leitlinien für Segensfeiern am 14.2. veröffentlicht. Darin werden Ehepaare, Brautpaare, Verlobte und diejenigen, die nicht in einer sakramentalen Ehe oder in Vorbereitung darauf leben, zu einer Segensfeier im Rahmen eines Wortgottesdienstes eingeladen: «Gott liebt alle Menschen und möchte sie durch den Segen seiner Kirche diese Liebe erfahren lassen. Neben Gottesdiensten für Familien und der vielerorts üblichen Feier von Ehejubiläen bietet sich der Valentinstag für die Kirche als Chance an, der Sehnsucht vieler Paare nach Gottes Schutz und Segen entgegenzukommen.»