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«Over there, I was a liberator. People lined up in the streets waiting for us. And here, I’m just another n–gger pushing a plow.»
«Mudbound» erzählt die Geschichte zweier Familien im Farmland von Mississippi während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die weissen McAllans und die schwarzen Jacksons haben mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen, sind sich schlussendlich aber vielleicht ähnlicher als sie denken.
Jamie McAllan zieht mit Frau, Kindern und Vater von den Suburbs in die weite Farmlandschaft Mississippis, in den Schlamm («mud» auf Englisch) sozusagen. Nicht gerade das, was sie sich erwünscht hatten, sehen sie sich in diesem Niemandsland mit finanziellen Nöten und viel Knochenarbeit konfrontiert. Ebenfalls vor Ort ist die afroamerikanische Familie Jackson, Hap (Rob Morgan) und Florence (Mary J. Blige) und ihre Kinder, die ihnen auf dem Ackerland zur Seite steht.
Währenddessen beginnt Tausende von Kilometern entfernt der Zweite Weltkrieg. Auch Jamie (Garrett Hedlund) und Ronsel (Jason Mitchell), die Söhne der McAllan- und Jackson-Familie werden einberufen und ziehen nach Westeuropa. Jahre vergehen, und während die beiden jungen Männer – wenn auch unabhängig voneinander – ihre Erfahrungen im kriegsgeplagten Europa machen, kehren sie mit ähnlichen Erinnerungen an den Krieg ins hinterwäldlerische, rassistische Mississippi zurück. Während Ronsel den weissen Männern im Gefecht gleichgestellt war, muss er sich in den Südstaaten wieder unterordnen.
«I don’t want you working for them» – «I won’t be working for them, I will be working for us.»
Der Film verbindet geschickt die Rassenthematik im Süden der USA während der 1940er Jahre und das im Vergleich gesellschaftlich liberale Europa (mit Vorbehalten natürlich) während des Zweiten Weltkriegs. Die direkte Gegenüberstellung der beiden Gesellschaften präsentiert sich als neuer, frischer Zugang zum wohl meistverfilmten Ereignis des 20. Jahrhunderts, wodurch der Film eine angenehme Dynamik und eine gewisse Frische aufweist.
Was die Erzählform angeht, ist «Mudbound» ein kleines Meisterwerk. Spielerisch wechselt das Drama zwischen den verschiedenen Protagonisten hin und her, wobei die Figuren durch Voiceover ihre eigene Geschichte erzählen und ihre Gefühle preisgeben. Dass sich trotz dieser riskanten Struktur ein roter Faden von Anfang bis Schluss durchzieht und sich der Zuschauer immer gut in der Geschichte aufgehoben fühlt, ist hohe Erzählkunst.
Die Darstellerriege liefert indes solide Leistungen ab. Angeführt wird sie vom unterschätzten Garrett Hedlund («Tron: Legacy», «Unbroken») und «Straight Outta Compton»-Star Jason Mitchell. In den Nebenrollen überzeugen Jonathan Banks («Breaking Bad»), Jason Clarke («Zero Dark Thirty»), Carey Mulligan («Drive») sowie Sängerin Mary J. Blige als Florence Jackson.
Netflix hat einen Volltreffer gelandet, als sie den Film nach dem Sundance Film Festival vergangenen Winter gekauft haben. Dank der innovativen Erzählform, der brandaktuellen Rassenthematik, einer authentischen Atmosphäre und einem perfekten Finale ist der Film auf direktem Weg zu den Oscars. «Mudbound» lässt sich sehen.
«Mudbound» ist seit dem 17. November auf Netflix Schweiz verfügbar.
Written by Virgil Williams und Dee Rees, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Hillary Jordan / Directed by Dee Rees / Darsteller: Garrett Hedlund, Jason Mitchell, Jason Clarke, Carey Muligan, Rob Morgan, Jonathan Banks und Mary J. Blige