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Der Schweizer UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung hat in Genf verlangt, dass während fünf Jahren keine Biotreibstoffe hergestellt werden dürfen.
Biotreibstoffe aus Mais oder Getreide würden die Preise dieser Nahrungsmittel in die Höhe treiben und damit den Hunger fördern, so die Begründung.
Für eine 50-Liter-Tankfüllung eines Autos mit Biotreibstoff würden 200 Kilogramm Mais benötigt, rechnete Ziegler vor. Damit könne eine Person ein ganzes Jahr ernährt werden.
Biotreibstoffe sollten deshalb nur auf der Basis von solchen Pflanzen produziert werden, die nicht der Nahrungsmittel-Produktion dienten, sagte der Schweizer Sonderberichterstatter am Donnerstag in Genf.
Dort stellte er seinen Bericht zum Welternährungstag vom 16. Oktober vor, der an die UNO-Vollversammlung adressiert ist. Als weiterer möglicher pflanzlicher Rohstoff kommen laut Ziegler landwirtschaftliche Abfälle in Frage.
Nur so könne ein Preisanstieg von Getreide vermieden werden, der wiederum mehr Hunger über die Welt bringe, lautete seine Begründung.
Mit jeder Preissteigerung der Grundnahrungsmittel um 1% litten 16 Mio. Menschen mehr an Unterernährung. Jedes Jahr kämen 12 Millionen zu den heute schon 854 Mio. Unterernährten dazu. Von diesen wiederum sterben laut Ziegler jährlich etwa 36 Mio. Menschen.
Das Beispiel Brasiliens
Der UNO-Sonderberichterstatter beklagte am Beispiel Brasiliens, dass die Ausweitung der Zuckerrohr-Anbaufläche auf Kosten der Artenvielfalt gehe.
Wo sonst sieben bis zehn verschiedene Pflanzen gediehen, werde eine Monokultur betrieben.
Asylrecht für Hungerflüchtlinge
In seinem Bericht fordert Ziegler von den Staaten zudem einen neuen globalen Vertrag für den Umgang mit Hungerflüchtlingen. Seiner Ansicht nach sollte mindestens das Prinzip der provisorischen Aufnahme angewendet werden. Zu diesem Zweck könne zum Beispiel der UNO-Menschenrechtsrat die Flüchtlingskonvention von 1951 weiterentwickeln.
"Das humanitäre Drama, das sich am Mittelmeer abspielt, muss beendet werden", sagte Ziegler. "Die Europäer antworten nur mit militärischen Mitteln auf das Problem. Hungerflüchtlinge sind nicht Wirtschaftsflüchtlinge. Sie kämpfen um ihr Leben."
Kehrtwende
Mit der Einführung eines Asylrechts für Hungerflüchtlinge will Ziegler die europäischen Staaten zwingen, ihre Politik gegenüber Afrika radikal zu verändern.
Sobald die Industrieländer verpflichtet würden, diese Menschen aufzunehmen, hätten sie ein Interesse an sinkenden Opferzahlen. Deshalb muss laut dem Genfer Soziologen der Druck auf die reichen Länder zunehmen.
"Dann steigt auch die Chance, dass die Exportsubventionen aufgehoben und die europäische Dumping-Politik bei den Agrarprodukten beendet wird, welche die afrikanische Landwirtschaft zerstören." Auch würden die Entwicklungsgelder erhöht, sagte der UNO-Sonderberichterstatter.
swissinfo und Agenturen
JEAN ZIEGLER
Jean Ziegler (71) war Professor für Soziologie und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Genf und der Pariser Sorbonne.
Zwischen 1967 und 1983 und zwischen 1987 bis 1999 sass er als Abgeordneter der Sozialdemokratischen Partei (SP) im Nationalrat, der grossen Parlamentskammer.
Seine wiederholten Angriffe auf des schweizerische Bankgeheimnis haben ihm in der Schweiz und im Ausland zu grosser Bekanntheit verholfen. Er gilt auch als scharfer Globalisierungskritiker.
Jean Ziegler ist seit 2000 Sonderberichterstatter der UNO für das Recht auf Nahrung.