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Andy Erickson lebt und arbeitet seit 1994 im Napa Valley und ist ständig bestrebt, die Techniken des Weinbaus und der Weinbereitung zu verbessern. Mit einem MS von der UC Davis und über 25 Jahren Erfahrung im Napa Valley - und auf der ganzen Welt - verfolgt Andy einen ganzheitlichen Ansatz für den Weinbau und die Weinherstellung. Sein Ziel ist es, jeden Schritt des Prozesses zu begleiten, von der Anpflanzung der Weinberge bis hin zum Verschneiden und Abfüllen der Weine, um sicherzustellen, dass bei jedem dieser Schritte und deren Abläufe die richtigen Entscheidungen getroffen werden.
Andy Erickson ist beratender Winzer für Dalla Valle, Arietta, Alpha Omega, Cervantes, Dancing Hares Vineyard, Marciano, Mayacamas, Seven Apart und ist zusammen mit seiner Frau Annie Favia auch Eigentümer der Favia Winery und der Leviathan Wines, dessen Weinmacher Andy natürlich auch ist. Nach seiner ersten Ernte bei Stag's Leap Wine Cellars studierte Andy Önologie an der University of California Davis und arbeitete danach auf den Weingütern Spottswoode und Saintsbury. Anschliessend arbeitete er zehn Jahre lang für Harlan Estate, Staglin Family Vineyards und Screaming Eagle.
Ein Gespräch, eine Art von ungewolltem Interview lässt uns Andy Erikson besser kennenlernen.
Welcher war der erste Wein der dich wirklich bewegt und inspiriert hat?
Andy Erickson: Ich muss sagen, es war der 1991er "Maya" von Dalla Valle. Es war ein Wein, der mir die Augen öffnete und der sich für mich von vielen anderen Weinen im Napa Valley abhob. Er hat mich wahrscheinlich auf die Suche nach grossen Cabernet Franc-Weinen gebracht.
Hat dir jemand geholfen, hattest du so etwas wie einen Mentor?
AE: Noch besser, ich nenne dir drei. Ich hatte das grosse Glück, schon früh in meiner Karriere mit John Kongsgaard zu arbeiten, als er noch bei Newton Vineyard war. John hat mir wirklich gezeigt, wie man Wein im Zusammenhang mit der Landwirtschaft, der Natur und dem Leben betrachtet. Sein nicht-interventionistischer Ansatz ist etwas, das ich immer noch anstrebe. Dann ist David Abreu jemand, mit dem ich seit vielen Jahren zusammenarbeite, seine Verbindung, sein Gespür zu den Weinbergen ist inspirierend. Auch Michel Rolland, mit dem ich nach mehr als 18 Jahren immer noch zusammenarbeite, hat mir geholfen, meinen Gaumen zu verfeinern und die Art und Weise aufgezeigt, wie ich die Verschnitte/Assemblagen betrachte und ausführe, um grosse Texturen im Weinen zu erreichen.
Wie sieht dein durchschnittlicher Arbeitstag aus?
AE: Das hängt wirklich von der Jahreszeit ab, und das macht es für mich so spannend. Ich arbeite mit mehreren Weingütern zusammen die alle im Napa Valley angesiedelt sind. Während der Vegetationsperiode treffe ich mich vielleicht morgens mit dem Weinbergsteam, arbeite an den letzten Verschnitten der Weine des letzten Jahrgangs und veranstalte nachmittags vielleicht eine Verkostung. Im Moment haben wir gerade unsere letzten Abfüllungen fertiggestellt und kümmern uns um den letzten Schliff in den Weinbergen. Auch haben wir bereits einige Sauvignon Blanc Trauben für einen Kunden geerntet. Im Winter fahre ich gerne in Tahoe Ski.
Wenn du nicht im Napa Valley Wein machen könntest, wohin würde es dich ziehen?
AE: Ich habe die Weine aus Saint Émilion in Bordeaux immer geliebt, und es wäre ein Traum, mit diesen Weinbergen zu arbeiten. Bolgheri, an der toskanischen Küste wäre auch ziemlich spektakulär. Das Lustige ist, dass ich damals, als ich mich entschied Wein zu machen, dachte, dass ich zumindest an einem schönen Ort leben würde, auch wenn es nie zu etwas Lukrativem führen würde, denn überall, wo ich je gewesen war, wo Wein angebaut und Wein hergestellt wurde, war es fantastisch. Man kann also fast nichts falsch machen. Aber ich würde wollen, dass es dort Cabernet Franc gibt.
"Ich liebe es, einen Wein zu probieren, bei dem ich mich sofort frage, woher er kommt, wo die Trauben angebaut werden. Das Konzept der "Ortsweine" ist eine Idee, die ich liebe."
Du bist beratender Weinmacher für einige der renommiertesten Weingüter. Wie unterscheidet sich die Arbeit eines beratenden Weinmachers von der eines normalen Weinmachers?
AE: Ich habe das Glück, mit Eigentümern zusammenzuarbeiten, die sich hundertprozentig dafür einsetzen, das Beste aus ihren Weinbergen herauszuholen, so dass es eine sehr kooperative und weinbergsorientierte Arbeit ist, die zudem in kleinem Rahmen stattfindet. Bei unseren eigenen Weinen sind Annie und ich ähnlich fokussiert, so dass es bei der eigentlichen Arbeit keine allzu grossen Unterschiede gibt, wenn es um die Details geht.
Bei der Beratung versuche ich, mich auf die Wünsche des Eigentümers einzustellen, denn schliesslich ist es sein Weingut, nicht meines.
Ich weiss welche deine Lieblingsweinsorte ist. Aber welchen Wein oder welche Art von Wein magst du am wenigsten?
AE: Ich mag Weine aus der ganzen Welt, von vielen verschiedenen Sorten. Ich sehe darin eine grossartige Möglichkeit, mit verschiedenen Kulturen und Menschen aus der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Die Weine, die ich am wenigsten mag, sind fehlerhafte Weine. Leider scheint es eine Bewegung zu geben, die fehlerhafte Weine feiert und ich will ehrlich sein und sagen, dass ich das verwirrend finde. Mir fällt kein anderer Wirtschaftszweig ein, in dem der Erfolg einiger Erzeuger darauf beruht, dass die Leistungen anderer in derselben Branche niedergemacht werden. Ich würde gerne mit einigen dieser Leute diskutieren. Ich würde sagen, dass wir uns genauso oder sogar mehr für biologische, nachhaltige und natürliche Praktiken einsetzen, aber wir sind auch bestrebt, jedes Jahr den bestmöglichen Wein von jedem Weinberg abzufüllen.
Welches ist das letzte Weinbuch, das du gelesen hast?
AE: Ich denke immer noch an «The Billionaire's Vinegar» von Benjamin Wallace, das ich vor einigen Jahren gelesen habe. Was für eine Geschichte und eine grossartige Lektüre. Ich habe natürlich viele Fachzeitschriften gelesen.
Was ist es, das dich am Wein so bewegt?
AE: Ich liebe es, einen Wein zu probieren, bei dem ich mich sofort frage, wo er herkommt, wo die Trauben angebaut wurden. Das Konzept der "Weine des Ortes" ist eine Idee, die ich liebe.
Was ist neben Wein dein anderes Lieblingsgetränk?
AE: Ganz einfach: Bier. Es ist eine grossartige Zeit für Bierliebhaber.
Im Dezember 2022 ereilte uns die Nachricht, dass Annie und Andy enger mit der Familie Huneeus von der Quintessa Winery zusammenarbeiten werden und deshalb Teile der Favia Winery an die neuen Partner über gingen. Ganz klar ist die Sachlage für uns nicht. Wir wissen aber, dass in Oakville für dieses neue Projekt oder wie und was auch immer, Rebland gekauft wurde. Die Zeit wird es zeigen und wir bleiben daran.
Annie und Andy werden sicherlich ihre Beweggründe zu diesem Schritt gehabt haben.