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Am 23. November 1808 verabschiedete der Freiburger Grosse Rat das Gesetz über die Einrichtung einer Viehversicherungsanstalt. Es brauchte zwar einige Jahre, bis die Versicherung ihre Tätigkeit aufnahm. Doch wie die gegenwärtig grassierenden Tierseuchen zeigen, ist das Versicherungswerk aktueller denn je.
Ein weitsichtiger Grossratsbeschluss
Anton Jungo
Die kantonale Nutztierversicherungsanstalt (Sanima) kann dieses Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiern. Ähnlich wie die kantonale Gebäudeversicherung ist die Sanima eine autonome Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit. Oberstes Organ ist eine Verwaltungskommission.
Versichert sind bei der Sanima rund 257 000 Tiere der Rinder-, Pferde-, Schweine-, Schaf- und Ziegengattung. Dazu kommen 1,5 Millionen Tiere der Geflügelgattung, rund 9230 Bienenvölker sowie 70 Tonnen Fische aus Fischzuchten. Die verschiedenen Versicherungsfonds beliefen sich Ende 2007 auf rund 20 Millionen Franken.
In der Verwaltung der Sanima sind zurzeit fünf Personen beschäftigt, was 4,5 Personaleinheiten entspricht. Dazu kommen mehrere Personen, die teilzeitlich die regionalen Kadaversammelstellen betreuen.
Verwalter der Sanima ist seit 1984 der 55-jährige Nationalökonom Hubert Jungo. Mit ihm unterhielten sich die FN über Sinn und Bedeutung der Nutztierversicherungsanstalt.
Am 23. November 1808 hat der Freiburger Grosse Rat ein Gesetz für die Einrichtung einer Viehversicherungsanstalt beschlossen. Was waren die Gründe?
Grund waren die Seuchenzüge, die periodisch auch die Viehbestände im Kanton Freiburg heimsuchten. Betroffen waren die Tiere vor allem von der Maul- und Klauenseuche und von der Rinderpest. Sinn und Zweck der Versicherung war schon damals, Tierhaltern für Tiere, welche wegen einer ansteckenden Seuche abgetan werden mussten, eine Entschädigung auszubezahlen.
Es dauerte dann aber fast 20 Jahre, bis das Gesetz in Kraft gesetzt wurde. Weshalb diese Verzögerung?
Der Staatsrat war beauftragt, das Gesetz in Kraft zu setzen und umzusetzen. Die Zeitumstände waren damals offensichtlich aber so schwierig, dass man von den Leuten nicht erwarten konnte, noch Versicherungsabgaben zu leisten. Es herrschte eine grosse Armut.
Es brauchte neue Seuchenzüge, damit die Einrichtung einer Viehversicherung 1827 wieder an die Hand genommen wurde. (vgl. Kasten)
Das Viehversicherungsgesetz wurde in der Zwischenzeit oft revidiert. Wie funktioniert die Versicherung heute?
Eine der wichtigsten Revisionen erfolgte im Rahmen des Gesetzes vom 22. November 1985. Hauptgrund für die Revision war damals, dass der Bund aus Spargründen Ende der siebziger Jahre beschlossen hatte, ab 1980 seine Beteiligung an der Seuchenbekämpfung zu streichen.
Der Bund verlangte, dass sich die Kantone vermehrt engagieren. Er selbst wollte nur noch in schlimmen Fällen einspringen.
Bei der Gesetzesrevision von 1985 ging es darum, nach dem Wegfall des Bundesbeitrages auf kantonaler Ebene eine Lösung zu finden. Zum einen wurden alle Tierversicherungen, die bisher in verschiedenen Gesetzen geregelt waren, in einem Gesetz vereinigt. Zum andern wurden die Finanzierung sowie die notwendigen Reservefonds sichergestellt.
Diese Regelungen wurden auch in der letzten Gesetzesrevision von 2003 übernommen. Zusätzlich wurden neue Tiergattungen aufgenommen, so das Geflügel und die Fische in Fischzuchten. Seit 2003 tritt die Nutztierversicherungsanstalt unter dem Namen «Sanima» auf.
Wie sieht die Finanzierung aus?
Der Bund verpflichtet die Kantone, bei Tierverlusten infolge von Tierseuchen Entschädigungen zu leisten. Gleichzeitig verlangt er auch, dass die Kantone ganz oder teilweise die Kosten für die Seuchenbekämpfung übernehmen.
Das Gesetz von 1985 sieht vor, dass der Kanton 50 Prozent der Bekämpfungskosten und 50 Prozent der Entschädigungskosten übernimmt. Die andere Hälfte wird durch Prämien der Tierhalter bestritten.
Für jede Tiergattung besteht ein eigener Versicherungsfonds, so dass es nicht zu Quersubventionierungen kommt.
Was ist bei Sanima versichert?
Die Versicherung deckt im Rahmen der eidgenössischen und kantonalen Gesetzgebung zum einen den Verlust von Tieren infolge Tierseuchen und von Massnahmen zu deren Vorbeugung und Bekämpfung ab. Zum andern übernimmt sie die Kosten zur Tierseuchenbekämpfung, sofern diese vom Kantonstierarzt angeordnet wird. Dazu gehören die Intervention des Tierarztes, die Laborkosten sowie die Impfstoffe.
Seit 1998 läuft auch die Entsorgung der tierischen Abfälle und der Betrieb der regionalen Kadaversammelstellen über die Sanima.
Wie hoch sind die Versicherungsprämien?
Die Prämien für die verschiedenen Tiergattungen werden jährlich vom Staatsrat festgelegt. Sie liegen z. B. für das Rindvieh, welches über zweijährig ist, bei 7.50 Franken pro Tier und Jahr; dazu kommt eine Entsorgungsprämie für tierische Abfälle von 4.60 Franken.
Wie werden die Prämien eingezogen?
Im 19. und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein führte der Viehinspektor in seiner Gemeinde eine jährliche Viehzählung durch. Er zog auch die Prämien bar ein. Die Listen wurden zusammen mit den Prämien beim Oberamt abgeliefert, vom Finanzdienst kontrolliert und an die Versicherungsanstalt weitergeleitet.
Seit 1994 stützen wir uns auf die jährlichen landwirtschaftlichen Erhebungen des Bundes ab, welche vom Amt für Landwirtschaft durchgeführt werden. Alle Tierhalter sind elektronisch erfasst, wobei die Versicherungsanstalt Zugriff zu diesen Daten hat. Die Prämien werden heute zentral von der Sanima fakturiert und eingezogen.
Die Versicherungsprämien belaufen sich zurzeit auf rund eine Million Franken pro Jahr, gleichzeitig werden rund 650 000 Franken an Entsorgungsprämien einkassiert.
Wo zeigte sich die Viehversicherung in den letzten Jahren und Jahrzehnten als besonders hilfreich?
Grosse Bedeutung hatte die Versicherung in den 1950er-Jahren, als es darum ging, die Rindertuberkulose auszurotten. In den Sechzigerjahren trat schweizweit die Maul- und Klauenseuche auf und in den Achtzigerjahren waren wir mit der IBR/IPV, der so genannten Buchstabenseuche, konfrontiert. Im Rahmen der Bekämpfung der Buchstabenseuche wurden bei uns rund 3500 Rinder getötet. Die Rindviehkasse wurde dadurch praktisch geleert und der Grosse Rat musste einen Zusatzkredit bewilligen. Bei den meisten wird noch der Rinderwahnsinn in den Neunzigerjahren und zu Beginn des neuen Jahrhunderts in Erinnerung sein.
Offensichtlich treten immer wieder neue Krankheiten auf. War dies auch in den letzten Jahren der Fall?
Ja, vor allem das laufende Jahr hat uns sehr stark getroffen. In einer Grossaktion wird die BVD-Rinderseuche bekämpft. Der gesamte schweizerische Rinderbestand muss getestet werden – rund 1,5 Millionen Tiere. Die Virusträger werden ausgemerzt. Im Kanton Freiburg werden bis Ende Jahr 137 000 Tiere untersucht, bis heute wurden bereits 970 Tiere getötet und über eine