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Die Schweizerischen Rheinhäfen boomen. An den drei Hafenstandorten wurden im Jahr 2012 von rund 80 Hafen- und Umschlagsfirmen 7,2 Millionen Tonnen Güter und mehr als 100 000 Containereinheiten umgeschlagen. Um dem Zuwachs und verschiedenen Entwicklungen gerecht zu werden, arbeiten die Schweizerischen Rheinhäfen an einer Reihe von Projekten.
(nh) Im Jahr 2012 wurden in den Schweizerischen Rheinhäfen 27 Prozent mehr Güter umgeschlagen als im Vorjahr. Das erfreuliche Resultat von 7,2 Millionen Tonnen basiert zu einem grossen Teil auf einem enormen Zuwachs im Bereich Mineralölprodukte. Durch den Totalausfall der Raffinerie Cressier entstand in der ersten Jahreshälfte ein Vakuum, das die Rheinschifffahrt problemlos füllen konnte. Statt dass Benzin, Heizöl und Diesel für den Schweizer Markt in der Raffinerie produziert wurden, transportierten Rheinschiffe diese über die Schweizerischen Rheinhäfen ins Land und sicherten damit die Landesversorgung.
Etwa ein Drittel aller Mineralölprodukte erreichten die Schweiz 2012 über den Wasserweg. Doch die Häfen spielen nicht nur im Energiebereich eine wichtige Versorgungsrolle. Insbesondere beim Transport von Containern haben die Schweizerischen Rheinhäfen die Nase vorn. Laut einer Studie des Bundesamtes für Verkehr wickeln die Schweizerischen Rheinhäfen 23 Prozent aller Container im Import-Export-Verkehr ab. Vergangenes Jahr gab es mit 102 000 Containereinheiten das zweithöchste jemals erzielte Ergebnis. Damit sind die Häfen die wichtigste Containerplattform der Schweiz.
Herausforderung Containerwachstum
Und das Containeraufkommen wird weiter steigen. Immer mehr Güter werden in diesen standardisierten Behältnissen transportiert, weshalb sich die Seehäfen zunehmend auf den Containerumschlag spezialisieren. Alleine der Hafen Rotterdam rechnet bis ins Jahr 2030 mit einer Verdreifachung der Transportleistungen in diesem Bereich. Die gigantische Hafenerweiterung «Maasvlakte 2», mit der dem Atlantik 2000 Hektaren Neuland abgetrotzt werden, dient primär dem Bau neuer Containerterminals und Anlegestellen für Containerschiffe.
85 Prozent aller Schiffe, die in den Schweizerischen Rheinhäfen ankommen, haben Ladung aus Rotterdam, Antwerpen oder Amsterdam an Bord. Wenn diese Seehäfen also im grossen Stil ausbauen, müssen sich auch Rheinschifffahrt und -häfen darauf einstellen. Dies gilt insbesondere auch deshalb, weil die Seehäfen sich verpflichtet haben, die Güter vermehrt auf Bahn und Binnenschiff von und zu den Häfen zu transportieren. Alle Prognosen weisen darauf hin, dass die Schweizerischen Rheinhäfen in den kommenden Jahrzehnten mit einem deutlich höheren Containeraufkommen rechnen müssen.
Die im Januar erschienene Logistikmarktstudie der Universität St. Gallen bestätigt diese Annahme erneut. Selbst unter konservativsten Annahmen – das heisst, wenn man von einer stagnierenden Wirtschaftslage sowohl in der Schweiz als auch weltweit ausgeht – rechnen die Experten mit mindestens zweieinhalbmal mehr Containern, die bis 2030 aus den Seehäfen in die Schweizerischen Rheinhäfen gelangen. Besonders wichtig dabei: Das Wirtschaftswachstum spielt bei dieser Entwicklung nur eine untergeordnete Rolle. Viel entscheidender ist der Strukturwandel im Umgang der Seehäfen mit ihrem Hinterlandverkehr. Die Binnenschifffahrt bietet grosse Vorteile: Sie ist kostengünstiger und energieeffizienter als Bahn und Lkw und hat zudem grosse Kapazitätsreserven. Bis in die 2030er-Jahre wird fast die Hälfte aller Güter aus und nach den Seehäfen auf Binnenschiffen befördert werden.
Neue Infrastrukturen für den Import- Export-Verkehr
In Zusammenarbeit mit SBB Cargo reagieren die Schweizerischen Rheinhäfen auf diese Herausforderungen. Seit zwei Jahren laufen die Planungen fürs Containerterminal Basel Nord und ein neues Hafenbecken auf Hochtouren. Diese für die Schweiz einzigartige neue Infrastruktur dient dem Umschlag von jährlich rund 200 000 Containern, der Schwerpunkt liegt auf der umweltfreundlichen Transportkette Schiff–Bahn. Das Containerterminal wird mit einem dritten Hafenbecken an den Rhein angebunden und auf dem Areal des ehemaligen badischen Rangierbahnhofs (Basel Nord) errichtet. Die Lage ist einzigartig: Nirgendwo sonst in der Schweiz können die Verkehrsträger Schiff und Bahn so direkt und effizient miteinander verbunden werden.
Eine Machbarkeitsstudie wurde Anfang 2012 vorgestellt. Vorgesehen ist in einer ersten Phase bis 2015 der Bau eines Basisterminals für den Umschlag Bahn/Strasse. Dieses wird in der zweiten Phase (Vollausbau bis 2018) erweitert und mit dem Hafenbecken an den Rhein angebunden. Dabei dient die erste einfache Phase der schnellen Abdeckung der heutigen Marktnachfrage, um die Planungs- und Bauzeit für die komplexere zweite Phase zu nutzen. Aktuell werden Planungsprojekt und Subventionsgesuch für die erste Phase erarbeitet. Parallel dazu werden die Grundlagen für das Planungsprojekt für den Vollausbau (Hafenbecken 3) gestartet.
Die Häfen entwickeln sich
Die Hafenentwicklung macht jedoch nicht beim Containerverkehr Halt. Auch andere Branchen und die Schifffahrt im Allgemeinen entwickeln sich und haben neue Bedürfnisse. So ist etwa die durchschnittliche Länge von neu gebauten Schiffen in den vergangenen Jahren angestiegen, sodass heute 135 Meter lange Schiffe der Standard sind. Bislang ist es jedoch so, dass diese rheinaufwärts nur bis zur Mittleren Brücke fahren dürfen – der Hafen Birsfelden und der Auhafen sind damit nur für Schiffe von maximal 110 Metern Länge (mit Ausnahmebewilligung 125 Meter) erreichbar. Zusammen mit den Sicherheitsbehörden der Kantone Basel-Stadt und Basel- Landschaft wird diese Regelung zurzeit geprüft.
Die Erreichbarkeit der zwei südlich gelegenen Häfen soll aber nicht nur auf dem Wasser, sondern auch an Land verbessert werden. Die bahnseitige Verbindung des Auhafens Muttenz mit dem direkt daran angrenzenden Industriegebiet Schweizerhalle ist in Planung und soll in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Ebenfalls gibt es Bestrebungen, dieses Industriegebiet trimodal zu erschliessen und eine neue Anlegestelle für den Schiffsverkehr zu errichten.
Schliesslich arbeiten die Schweizerischen Rheinhäfen auch eng mit den Nachbarhäfen in Deutschland und Frankreich zusammen. Die Arbeitsgemeinschaft RheinPorts Basel-Mulhouse- Weil hat das langfristige Ziel, für den Hafenbetrieb eine trinationale Organisation aufzubauen. Nebst bereits heute gemeinsam realisierten Projekten im Kommunikations- und Marketingbereich sowie der Teilnahme an verschiedenen internationalen und EU-Projekten ist das erste Ziel die Etablierung einer einheitlichen Struktur nach dem sogenannten Landlord- Prinzip. Dieses wird in den Schweizerischen Rheinhäfen bereits angewendet. Es postuliert die Trennung von Infrastruktur und Betrieb – eine Unternehmung darf also nicht gleichzeitig für Rahmenbedingungen sorgen und Umschlag betreiben. Sind diese Voraussetzungen einmal erfüllt, können Synergien zwischen den drei Häfen besser genutzt werden.
Nina Hochstrasser
Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH)
Die SRH bewegen sich zwischen vielen Aufgaben. Als Schifffahrtsbehörde vollziehen sie internationales Recht, stellen Schiffspapiere aus und sind für Patentprüfungen zuständig. Die Schifffahrtspolizei sorgt für Sicherheit und Ordnung im Grossschiffsverkehr, die Revierzentrale regelt Schiffsbewegungen und überwacht den Pegelstand. Die Hafenareale sind im Besitz der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft, ihre Bewirtschaftung und Entwicklung obliegt den SRH. Über diese Logistikplattform von nationaler Bedeutung werden zwischen zehn und zwölf Prozent aller Importe, rund ein Viertel der Container und ein Drittel aller Mineralölprodukte eingeführt. Hafenwirtschaft und Rheinhäfen leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Landesversorgung und zur Förderung des Wirtschaftsstandorts Schweiz.