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Die dritte Auflage des Sitzball Weltcups wurde in Uganda ausgetragen. Acht Mannschaften aus Burundi, Deutschland, Kongo, Ruanda, Schweiz und Uganda nahmen teil. Den Titel holte sich das A-Team von Ruanda. Die Schweiz erreichte Platz drei.
Schon vor dem Abflug am 7. November sorgte Walter Widmer für eine Verunsicherung im Team. Er rollte mit einem vom Flughafen zur Verfügung gestellten Rollstuhl Richtung Gate. Dabei geriet er mit den Fingern ins Rad des Rollstuhls und riss sich den Fingernagel am Daumen ab. Würde er trotzdem spielen können?
In London trafen die Schweizer auf die deutsche Delegation. Von nun machten die beiden Teams praktisch alles zusammen – ausser natürlich spielen. Werner Brawand, der bereits einige Tage früher nach Afrika gereist war, holte die Truppe in Entebbe ab. 20 Personen zwängten sich bei schwülen 22 Grad (gegen 23 Uhr) in einen Kleinbus, der sie ins Hotel Metropole in der Hauptstadt Kampala transportierte. Im Hotel der gehobenen Klasse wurden die Europäer während ihres Aufenthalts einquartiert. Die Schweizer Delegation umfasste 13 Personen.
Drei Tage lang hatten die Mzungus (afrikanisches Wort für weisse Männer) Gelegenheit, sich an das Klima und die Umgebung zu gewöhnen. Ein Höhepunkt war sicher der Empfang beim Schweizer Honorarkonsul Rainer Köhler und dessen Frau Yvonne. Sie erhielten viele Informationen über Land und Leute. Es folgte ein Ausflug zu den Bujagali Falls, schönen Stromschnellen im Oberlauf des Nils. Hier zeigte ein behinderter Afrikaner beeindruckende Akrobatik.
Der Mittwoch war gewissermassen ein Ruhetag, den die meisten dazu benützten, durch Märkte zu streifen und Souvenirs zu kaufen. Kampala ist eine riesige Stadt mit pulsierendem Leben und unheimlich viel Verkehr, weist jedoch kaum Sehenswürdigkeiten auf.
Ab Donnerstag galt es dann ernst. Am Vormittag hatten die Europäer Gelegenheit, in der Halle zu trainieren und sich mit dem Spielfeld vertraut zu machen. Der Boden war eher schmutzig und wies viele Luftbeulen auf, die einen Ball sofort stoppten. Die Schiedsrichter entschieden deshalb, dass in solchen Fällen keine Punkte vergeben wurden.
Der Donnerstagnachmittag beinhaltete die relativ lange Eröffnungszeremonie. Die Musikanlage versagte den Dienst, und so mussten Deutsche und Kongolesen ihre Hymne selber singen. Zum Glück blieb dies den Schweizern erspart. Ruanda und Uganda stellten je zwei Teams. Dazu traten Burundi, Deutschland, Kongo und die Schweiz an. Erstmals wurde ein Turnier für Frauenteams durchgeführt, an dem sich Burundi, Ruanda und Uganda beteiligten. Vielleicht ist nächstes Mal auch eine europäische Mannschaft dabei?
Die Schweiz startete mit einem eher bescheidenen 25:22 gegen Uganda B ins Turnier. 37 Mal „Point for Switzerland“ hiess es im Spiel gegen Kongo, das seinerseits nur 14 Mal punktete. Weil Deutschland das Eröffnungsspiel gegen Ruanda A mit 22:25 verlor, lagen die Eidgenossen nach dem ersten Tag punktegleich mit Ruanda A auf Platz eins. Die Deutschen besiegten Uganda A mit 29:16.
Am Freitag fügten die Schweizer Burundi eine 17:21 Niederlage zu und wiesen Ruanda B mit 31:19 in die Schranken. Vier Spiele, vier Siege: Eine verheissungsvolle Bilanz. Doch nun folgte der erste Dämpfer. Die Schweizer unterlagen dem A-Team des Gastgebers 19:20. Die Chancen auf die Halbfinalqualifikation waren dennoch weiterhin intakt.
Die Deutschen hatten sich von der Auftaktniederlage schnell erholt. Sie gewannen ihre Partien gegen Uganda B, Kongo und Burundi deutlich und schlossen damit zu den Schweizern auf. Unangefochten auf Platz eins beendete Ruanda A den zweiten Tag.
Die schwierigsten Gegner sassen den Schweizern am Samstag gegenüber. Zuerst das A-Team von Ruanda, eine athletische und junge Gruppe. Die Afrikaner gewannen die Partie mit 24:17. Am Nachmittag kamen Schweizer und Deutsche kurz ins rotieren. Ihr letztes Spiel der Vorrunde war auf 15 Uhr angesetzt. Als die Spieler nach dem Mittagessen in einem nahen Restaurant in die Halle zurückkehrten, erfuhren sie, dass sie schon gut eine Stunde früher antreten mussten. Der Spielplan wurde immer wieder geändert. Afrika tickt halt ein bisschen anders ...
In einem sehr ausgeglichenen Spiel holten sich die Deutschen mit 20:19 drei Punkte (auch die Punktewertung war anders als in Europa). Zuvor hatten sie Ruanda B besiegt. Zum zweiten Mal an diesem Tag hiess der Gegner Ruanda A, denn die Schweizer waren Dritte, die Afrikaner Erste. Diese waren auch diesmal stärker und qualifizierten sich mit 23:17 für den Final. Das gleiche schaffte Deutschland mit einem diskussionslosen 27:11 gegen Burundi.
Nach einem kurzen Unterbruch fochten die Schweiz und Burundi den Kampf um Platz drei aus. Die Europäer behielten die Oberhand und holten sich mit 21:15 Platz drei und damit die Bronzemedaille. Nach vierten Plätzen in den Jahren 2006 und 2008 ein schöner Erfolg.
Bevor es zu den Finalspielen und zur Siegerehrung nochmals in die MTN Arena Lugogo ging, besuchten die „Touristen“ aus Europa das ugandische Museum. Doch bald war es Zeit für das Finale. Auf der einen Seite die jungen und athletisch wirkenden Ruander. Ihnen gegenüber die nicht mehr ganz taufrischen aber dafür routinierten Deutschen. Wer würde wohl triumphieren? In der ersten Halbzeit schien alles für Ruanda zu laufen, das sich einen Siebenpunkte-Vorsprung erarbeitete. Die Deutschen gaben aber nicht auf und machten den Rückstand wett. Doch kurz vor dem Schlusspfiff erzielten die Ruander den entscheidenden – und sehr umstrittenen – Punkt zum 21:20. Damit löst Ruanda die zweimaligen Weltcup-Sieger Deutschland an der Spitze ab.
Die grosse und gutgelaunte Delegation aus Ruanda hatte noch mehr Grund zum jubeln, denn auch das Frauenteam holte sich den Titel. Der Final war eine absolut einseitige Angelegenheit: Ruanda deklassierte Uganda gleich mit 33:8! Die zierlichen Burunderinnen hatten in diesem Turnier keine Chance und belegten Platz drei.
Für die Schweiz spielten (in Klammer Sitzballgruppe) Thomas Lötscher, Peter Schöpfer, Walter Widmer (alle Sursee), Heinz Lutz (Wohlen), Marcel Knellwolf (Thurgau) und Albert Büchi (Winterthur/Reservespieler). Die Deutschen hatten Schwierigkeiten, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. Sie holten sich als Schlagmann den Österreicher Karl Humer. Er unterstützte Holger Voll, Andreas Bässler, Kurt Kaiser, Imanuel Gräser und Christoph „Bonsai“ Seimetz. Walter Widmer wurde als bester Setter (Passeur?) ausgezeichnet, „Bonsai“ als bester Verteidiger.
Um gegenüber Behörden und Sporthoheiten besser auftreten zu können, wurde am Rande des Weltcups die International Sitball Organisation (ISBO) gegründet. Zu deren Präsidenten wurde der ehemalige SSBV-Präsident Werner Brawand gewählt. Für die Finanzen zuständig ist Holger Voll.
Pikantes Detail zum Schluss: Die Europäer brachten den Afrikanern viele nützliche Dinge mit, wie Kleider, technische Hilfsmittel oder Bälle. Doch in einem Punkte sahen die „reichen“ Schweizer echt „alt“ aus: sie mussten das ganze Turnier mit einem einzigen Leibchen bestreiten. Selbst die Kongolesen, eindeutig schwächste Mannschaft und sicher nicht auf Rosen gebettet, hatten für jeden Spieler mindestens zwei Leibchen dabei.
Albert Büchi
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