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Rechts auf dem Hügel, das Schloss Wildegg
Schloss Wildenstein erhebt sich auf dem niederen Jurasporn, der die Aare-Ebene beim Ausgang des Schenkenbergertals beherrscht. Ihm gegenüber liegt das Schloss Wildegg. Die Anlage von Wildenstein beschreibt ein unregelmässiges Viereck, in welchem die beiden Bergfriede die nördliche und die südliche Eckbastion bilden. Die beiden Türme sind in die Ringmauer miteinbezogen. Wohn- und Wirtschaftsbauten folgen dem Bering und bilden in der Mitte einen geräumigen Innenhof. Die südöstliche Gebäudegruppe umfasst einen repräsentativen Palas und weitere Wohnbauten. Die Ökonomiebauten lehnen sich an die nördliche Ringmauer an. Der nördliche Teil der Anlage hat bis heute sein mittelalterlich wehrhaftes Gepräge behalten, während die Wohnbauten mehrmals den steigenden Bedürfnissen nach Wohnlichkeit und Repräsentation angepasst wurden. In die Burg gelangte man durch das Nordtor, das mit einem gefassten Rundbogen mit seitlicher Schlüsselscharte ausgerüstet ist. Die beiden Türme weisen einen rechteckigen Grundriss auf und sind in gleicher Mauertechnik erstellt. Der nordöstliche ist mit einem Zinnenkranz bewehrt und schliesst an den Palas an. Der Südwestturm wurde im 18. Jahrhundert mit einem Walmdach über dem Zinnenkranz versehen. An seine Südseite schliesst ein Stück Ringmauer mit Zinnenkranz an, an der Westseite ein Ökonomiegebäude. Das behäbige zweigeschossige Wohnhaus in der Südecke wurde wohl 1645 unter Verwendung von älterem Mauerwerk im heutigen Aussehen erbaut. Das Gebäude diente im 18. Jahrhundert als Landvogtwohnung und besass deshalb eine Audienzstube gegen Osten, im Obergeschoss einen grossen Saal, ein Vestibühl und eine Vennerstube. Der 1645 erbaute Schneggen verbindet das grosse Wohnhaus mit einem rechtwinklig anschliessenden Ostflügel. Ein 1627 datierter Brunnen mit sechseckigem Trog mit den Allianzwappen Mülinen-Effinger steht in der Mitte des Hofes.
Die Anlage, wohl im 13. Jahrhundert entstanden, wird um 1300 in den Quellen als Eigengut der Herren von Rinach erwähnt. Die Herren von Rinach gestalteten im frühen 14. Jahrhundert die Burg baulich um. Aus dieser Zeit stammen wohl die beiden Türme, Teile des Berings und verschiedene Ökonomiegebäude. Die bernischen Feld- und Eroberungszüge in den Aargau von 1389 und 1415 überstand die Burg ohne Schaden. Henmann von Rinach musste aber 1415 den Bernern huldigen. Seine Burg blieb dafür unversehrt. Damit war aus der unabhängigen Allodherrschaft Wildenstein ein Lehen der Stadt Bern geworden.
1465 erwarb der Schultheiss Heinrich Hasfurter von Luzern die Anlage und liess sie modernisieren. Sein Umbau war ziemlich eingreifend, auch wenn er auf die Wohnbauten beschränkt blieb. Mit Hasfurter als Lehnsmann hatte Bern verschiedene Auseinandersetzungen. So mussten denn auch bald zwischen ihm und der Bern zustehenden Herrschaft Schenkeberg Reibereien wegen des Fährrechts über die Aare, wegen Jagdrecht und Weidgang und weiterer Rechte geschlichtet werden.
1487 übernahm Hans Rudolf Luternau die Herrschaft Wildenstein, verkaufte sie aber bereits 1491 an seine Schwäger Henmann und Hans Albrecht Mülinen, denen bereits Kasteln gehörte. Den Herren von Mülinen ist das heutige Aussehen des Wohnbaus in der Südostecke zu verdanken. Der Schneggen wurde 1645 errichtet.
1651 gelangte das Schloss durch eine Erbtochter an die Effinger von Wildegg und wurde zum Stammsitz dieses Effinger Zweiges. Wie schon auf ihrem Schloss Wildegg, liessen die Effinger von Wildegg um 1700 auch auf Wildenstein barocke Zutaten anbringen.
1720 erwarb Bern auf Anraten des Vogts von Schenkenberg die Liegenschaft, um den Landvogteisitz von Schenkenberg, der baufällig geworden war, nach Wildenstein zu verlegen. Bern beschränkte sich in der Folge lediglich auf den baulichen Unterhalt des Innern.
Nach dem Niedergang des Alten Regimes wurde Wildenstein der aargauischen Staatsdomäne einverleibt. Nach dem Verkauf der Anlage durch den jungen Kanton Aargau an Private wechselten die Besitzer häufig. Um 1850 wurde das arg vernachlässigte Schloss von den Effingern wieder instandgestellt. Die Stiftung Alters- und Pflegeheim Schloss Wildenstein konnte nach 1928 das Schlossareal als Altersheim benutzen. Diese machte verschiedene bauliche Änderungen nötig. 1959 wurde der malerische Innenhof des Schlossen mit seinen Wehr-, Wohn- und Ökonomiebauten restauriert.
Bibliographie