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Georg Böhm (1661–1733) erhielt von seinem Vater, einem Lehrer und Organisten, die erste musikalische Ausbildung. Nach dem Tode des Vaters im Jahre 1675 besuchte er die Lateinschule in Goldbach und danach das Gymnasium in Gotha, auf dem er im Jahre 1684 seinen Abschluss machte.
Nach dem Studium in Jena hielt er sich zunächst einige Jahre in Hamburg auf und war danach als Organist an der Kirche St. Johannis in Lüneburg tätig. In dieser Zeit war Johann Sebastian Bach in Lüneburg Freischüler des Michaelis-Klosters und sang als Diskantist im Mettenchor. Böhms Einfluss auf Bachs frühe Orgelwerke und Klaviersuiten lässt sich stilkritisch vermuten, doch nicht belegen. Die Stelle des Organisten hatte Böhm bis zu seinem Tode im Jahre 1733 inne. In seiner Amtszeit wurde die Orgel auf 47 Register erweitert.
Im Jahre 2006 im Altbestand der Weimarer Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek entdeckte Abschriften von Orgelwerken auf Papier mit Böhms Wasserzeichen legen nahe, dass sie der 15-jährige Johann Sebastian Bach für den Orgelunterricht bei Georg Böhm verfertigt hat. Im Vergleich mit Bach ist Böhm ein Kleinmeister, im Vergleich mit seinen thüringischen Zeitgenossen hingegen kann er als fortschrittlicher und ideenreicher Komponist bezeichnet werden. Einige Präludien von Georg Böhm sind noch der Tradition der Norddeutschen Schule verpflichtet, die übrigen Kompositionen sind stilistisch klar dem 18. Jahrhundert zuzuordnen.
Orgelwerke von Georg Böhm
Von Georg Böhm sind über 30 Werke für Tasteninstrumente überliefert, viele davon können auf der Orgel oder dem Cembalo wiedergegeben werden:
- 15 Choralbearbeitungen (Partiten, Fantasien)
- 6 freie Orgelstücke (Präludien, Capriccio)
- 11 Klaviersuiten
Von Böhms geistlichen Vokalwerken (Passionen, Motetten, Kantaten und Lieder) sind nur eine Motette und fünf Kantaten erhalten.
Beitragsbild: Die Niehoff-Orgel in der Kirche St. Johannis in Lüneburg