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Momentan sind die Playoffs der Schweizer Eishockeymeisterschaft in vollem Gange. Solche sportlichen Ernstkämpfe haben nicht nur grössten Unterhaltungswert, sie liefern uns auch wertvolle Erkenntnisse und Lehren, die man auf den beruflichen und zivilen Alltag übertragen kann. Ein tolles Beispiel sind die stoischen Bieler Eishockeyspieler.
Wahrscheinlich ist es den Eishockeyfans unter meinen Lesern auch aufgefallen, wie die Luganesi im zweiten Playoff-Halbfinalspiel versucht haben, die Bieler mittels Provokationen aus der Fassung zu bringen.
Vor allem im ersten Drittel unterliessen die Tessiner, allen voran der Kanadier Maxime Lapierre, keine Möglichkeit um die Seeländer zu reizen: Viel Trash-Talk, ein Schubser hier, eine Handgreiflichkeit da. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Provokation ist in meinen Augen ein taktisch legitimes Mittel.
Interessant ist, dass funktionierende Provokation sowohl einen Provokateur, wie auch einen Provozierten braucht. Fühlt sich niemand provoziert, kann eigentlich nicht von einer Provokation gesprochen werden.
Genau hier können wir etwas von den Spielern des EHC Biels lernen. Nicht nur blieben die Bieler cool, es fiel auf, dass die Reizversuche meist mit einem Lächeln quittiert wurden.
Was die Bieler Spieler zeigten war stoische Philosophie in Reinkultur. Ganz im Sinne des römischen Stoikers Epiktet, der vor über 2‘000 Jahren erklärte: „Denke daran, es reicht nicht, getroffen oder beleidigt zu werden, um geschädigt zu werden. Um verletzt zu sein, muss man auch daran glauben, dass man verletzt wurde. Wenn es gelingt, dich zu provozieren, erkenne, dass dein Verstand an der Provokation beteiligt ist. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht impulsiv auf Eindrücke reagieren; Nimm dir einen Moment Zeit, bevor du reagierst, und du wirst feststellen, dass es leichter ist, die Kontrolle zu behalten.“ Die Bieler behielten die Kontrolle bis zum Spielende und gewannen schlussendlich die Partei im Tessin mit 1:2.
Auch im Alltag wäre es angebracht, wenn wir gewisse Provokationen mit einem Lächeln beantworten würden, statt uns beleidigt, empört oder verletzt zu fühlen. Dann könnten auch wir die Kontrolle über unser Leben behalten...