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Eine Wehranlage unbestimmten Ausmasses wird 960 erw., als Otto I. dem Bf. von Chur die Kirche in castello beneduces et razunnes übergibt. Wie diese Burganlage an das edelfreie Geschlecht der R. gelangte, bleibt unbekannt. 1137-39 erscheint der erste urkundl. nachweisbare Vertreter, und ab Mitte des 13. Jh. zählten die Frh. von R. zu den angesehensten Adelsfamilien Rätiens. Zur Stammherrschaft gehörten die Burg und die geschlossene Grundherrschaft über R. und Bonaduz. Nach Mitte des 14. Jh. erwarb die Familie Rechte und Leute im Domleschg und am Heinzenberg sowie 1343 die Herrschaft Fryberg mit den Festen Jörgenberg und Fryberg (Siat). Der bedeutendste Vertreter, Ulrich II. Brun, manchmal "der Mächtige" genannt, war finanzstark und ein geschickter Verwalter. So gingen 1368 Burg und Dorf Felsberg, zwischen 1378 und 1383 ein Grossteil der Erbschaft der Montalt in der Surselva (Burgen Grünenfels und Schlans) an R. Damit hatte sich Ulrich in nächste Nähe zur Herrschaft des Klosters Disentis gesetzt. Durch Verwandtschaft mit den Belmont gelangten die von R. 1380 in den Besitz von Burg und Dorf Ems. Sie erwarben 1383 Herrschaftsrechte am Heinzenberg, in Vals und Safien (von den verschwägerten Gf. von Werdenberg-Sargans) und führten ab Ende der 1380er Jahre Fehden mit dem Bf. von Chur im Domleschg und am Heinzenberg. Diese führten 1395 zur Bildung des Oberen Bundes, Vorläufer des Grauen Bundes, zwischen dem Abt und den Gotteshausleuten von Disentis, Ulrich II. Brun von R., Albert von Sax und den Lugnezer Talleuten. Die jahrzehntelangen Kämpfe führten zu einer Erschöpfung der militär. und wirtschaftl. Kräfte des Geschlechts der R.; die polit. Zukunft gehörte den kommunalen Bewegungen und den Bünden. 1424 beschworen die Frh. von R. mit dem Abt von Disentis, den Gf. von Sax-Misox sowie mit Gem. des Vorder- und Hinterrheintals den Grauen Bund.
Nach dem Aussterben des männl. Stammes 1458 gingen die engere Herrschaft R. mit den Nachbarschaften R., Bonaduz, Ems und Felsberg, daneben Jörgenberg, Tenna, Obersaxen und Rechte im Lugnez an den Sohn der Ursula von R., Niclas von Zollern. Thusis, Tschappina, der Heinzenberg mit der Burg Tagstein sowie Safien gelangten an Gf. Jörg von Werdenberg-Sargans, den Gatten Annas von R. 1497 erwarb Maximilian I. von Österreich die engere Herrschaft R., die vorerst als Pfandbesitz an verschiedene einheim. Fam. ausgegeben wurde (Marmels, Planta, Stampa, Travers) und ab 1696 direkt unter habsburg.-österr. Verwaltung stand. Die vier Dörfer der Herrschaft R. bildeten weiterhin eine eigene Gerichtsgemeinde im Grauen Bund und wählten einen Ammann, der die niedere Gerichtsbarkeit ausübte. Die Untertanen waren zu keinem Kriegsdienst für Habsburg-Österreich verpflichtet. Dieses hatte sein Interesse am polit. Einfluss im Grauen Bund, den der Kaiser als einer der drei Hauptherren mit Vorschlagsrecht für das Landrichteramt bis zum Ende des 18. Jh. wahrnehmen konnte. 1809-14 ging die Herrschaft kurzfristig an Frankreich, 1819 wurde sie infolge eines Beschlusses des Wiener Kongresses dem Kt. Graubünden abgetreten. Mit der 1851 neu geschaffenen Gerichts- und Verwaltungsordnung wurden die Dörfer R., Bonaduz und Ems dem Kreis R., das ref. Felsberg dem Kreis Trins zugeteilt.
Das erstmals 1282 urkundlich erw. Schloss R. enthält teilweise hochma. Bausubstanz. Der Nordtrakt und Torbau mit dem Wappen der Frh. von R. und Fresken (Bärenjagd) stammen spätestens aus dem 14. Jh., Umbauten fanden im SpätMA statt, der Ostturm ist abgestürzt. Bedeutende Erneuerungen und Ausbauten folgten in der 2. Hälfte des 16. Jh., in der letzten grossen Ausbauphase um 1700 wurden der äussere Torbau und der Kapellentrakt errichtet. Die Ausstattung des Schlosses ist weitgehend neuzeitlich. Die Besitzergeschichte widerspiegelt die polit. Geschichte der Herrschaft. Zu Beginn des 21. Jh. war das Schloss im Besitz der Ems-Chemie AG.
Literatur
– L. Schmid, Aus der Gesch. der Herrschaft R., o.J.
– L. Bühler, Die Frh. von R., Liz. Zürich, 1977
– S. Rageth, Die Rechtsgesch. der Herrschaft R. von der Übernahme durch Österreich (1497) bis zur kant. Verfassung von 1854, 1981
– O.P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984
Autorin/Autor: Linus Bühler