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Wenn Sterne von der Masse der Sonne altern, wachsen sie und werden zu Roten Riesensternen – üblicherweise bedeutet dies das Ende für alle Lebewesen in der ehemaligen „bewohnbaren Zone“. Doch jenseits davon könnte auch neues Leben entstehen…
Die Erde umkreist die Sonne innerhalb der sogenannten „dauernd bewohnbaren Zone“, ein schmaler Bereich im Sonnensystem, in dem flüssiges Wasser möglich ist. Wäre die Erde 5% näher oder 37% weiter von der Sonne entfernt, würde alles Wasser verdampfen bzw. gefrieren, und Leben, wie wir es kennen, wäre nicht möglich (obwohl Bakterien auch ausserhalb der bewohnbaren Zone existieren könnten, einige vermuten z.B. Leben in der Atmosphäre der Venus).
Die Grenzen der bewohnbaren Zone sind jedoch nicht auf alle Zeiten fixiert: Jeder Stern legt mit der Zeit, im Verlauf von Jahrmilliarden, an Leuchtkraft zu: Die Sonne von heute scheint bereits 30% heller als die Sonne, die vor 4.5 Milliarden Jahren auf die frisch gebildete Erde schien. Diese Zunahme an Leuchtkraft treibt die bewohnbare Zone immer weiter nach aussen. Bereits in rund einer Milliarde Jahre wird die innere Grenze der bewohnbaren Zone die Erde erreichen, und alle Ozeane werden verdampfen. Da die Sonne mit zunehmendem Alter immer schneller an Leuchtkraft zulegt, wird die bewohnbare Zone immer schneller nach aussen wandern.
Dies gilt natürlich nicht nur für die Sonne, sondern für alle Sterne. Die Geschwindigkeit der Entwicklung und die Ausdehnung der bewohnbaren Zone zu einem bestimmten Zeitpunkt der Entwicklung hängt dabei von der Masse des Sterns ab – bei einem massiveren Stern wird die ganze Entwicklung viel schneller vor sich gehen. Bei einem Stern von der Masse der Sonne wird diese „fliehende bewohnbare Zone“ zuerst einmal bei etwa der doppelten Erde-Sonne-Entfernung für etwa 1 bis 2 Milliarden Jahre stehen bleiben. Dies liegt daran, dass der Stern zu diesem Zeitpunkt in eine Phase des stabilen Heliumbrennens eintritt. Sterne in diesem Stadium werden oft auch als Unterriesensterne bezeichnet (Beta Hydri, möglicherweise auch Procyon sind die nächstgelegenen Beispiele für diesen Sterntyp).
Im Sonnensystem könnte während dieser Zeit flüssiges Wasser auf dem zunehmend wärmeren Mars existieren: die Erde ist zu dieser Zeit bereits zu einer venusähnlichen Treibhaushölle geworden. Das Leben, so scheint es, bekommt während gut zwei Milliarden Jahren die Chance, sich auf dem Mars zu entwickeln. Auch auf den Asteroiden und Planetoiden des inneren Asteroidengürtels könnte das Leben eine Chance erhalten, allerdings aufgrund der fehlenden Atmosphäre nur unter der Oberfläche.
Doch nach maximal zwei Milliarden Jahren ist die Phase des stabilen Heliumbrennens vorbei – der Stern legt weiter an Leuchtkraft zu und wird zum Roten Riesen und verschlingt dabei die inneren Planeten Merkur, Venus und vermutlich auch die Erde. Die bewohnbare Zone dehnt sich auf rund 10 Astronomische Einheiten (1 Astronomische Einheit = Entfernung Erde-Sonne) aus. Die Monde des Jupiters verdampfen in der glühenden Hitze des Roten Riesen, doch auf den Saturnmonden, möglicherweise bis hinaus zu den Monden des Uranus, herrschen angenehme Temperaturen. Für einige 100 Millionen Jahre bekommt das Leben die Chance, sich auf Titan, Rhea, Iapetus und Enceladus auszubreiten. Für einige 10 Millionen Jahre wird das Sonnensystem sogar bis hinaus zum Kuipergürtel jenseits des Neptuns auf Temperaturen über dem Gefrierpunkt aufgeheizt, bevor die Sonne ihre äusseren Hüllen abwirft und ihr Kern zu einem kleinen, leuchtschwachen Weissen Zwerg kollabiert.
Was wird das Leben aus dieser chance machen? Auf der Erde dauerte es rund 3.5 Milliarden Jahre, bis das Leben den Sprung von den primitivsten Lebensformen zu Mehrzellern schaffte. Dauert es auf anderen Welten genauso lang, oder herrschten auf der Erde während Jahrmilliarden einfach unwirtliche Zustände? Werden Bakterien von der Erde per Meteorit zu den anderen Welten des Sonnensystems reisen und dort im Tiefschlaf die Zeit bis zur Erwärmung durch die sterbende Sonne verbringen? Oder wird sich primitives Leben, das zurzeit dort auf diesen kalten Monden vorhanden ist, weiterentwickeln, sich an die neuen, ungewöhnlich hohen Temperaturen anpassen? Werden sich komplexe Lebensformen bilden? Wird gar eine intelligente Zivilisation auftauchen, die glaubt, dass Leben nur um sterbende Sterne möglich ist? Wird diese Zivilisation hoffnungsvoll nahe gelegene Riesensterne auf Radiosignale von fremden Zivilisationen abhören?
Wieder einmal Fragen über Fragen… Wenn komplexes Leben um Unterriesen- und Riesensterne häufig ist, könnte man vermuten, dass es weit verbreitet ist: In der „bewohnbaren Zone“ eines Unterriesen- oder Riesensterns liegen im Schnitt dutzende von Welten, während es bei einem „gewöhnlichen“ Hauptreihenstern wie der Sonne höchstens einer, selten mal zwei sind. Macht die hohe Anzahl potentiell bewohnbarer Welten die kurze Lebenszeit solcher Ökosysteme wett? Konzentrieren wir uns bei der Suche nach ausserirdischem Leben vielleicht sogar auf die falschen Sterne? Einmal mehr könnte sich auf unserer Suche nach ausserirdischem Leben herausstellen, dass in Wirklichkeit wir die Exoten sind.