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And The Oscar goes to … Gestern Nacht fand in Los Angeles zum 95. Mal die Verleihung der Academy Awards im legendären Dolby Theatre statt. Die grossen Abräumer waren «Everything Everywhere All At Once» mit sieben Oscars und «Im Westen nichts Neues» mit vier Awards. Wer lieber geschlafen hat, als sich die knapp vierstündige Verleihung anzuschauen – kein Problem: Hier kommen die besten Momente in der Zusammenfassung.
«Mom, I just won an Oscar!» Ke Huy Quan hält den amerikanischen Traum am Leben
Ke Huy Quan («Everything Everywhere All At Once») gewann den Oscar als bester Nebendarsteller und freute sich so herzerwärmend authentisch wie kein anderer an diesem Abend. In seiner Dankesrede berichtete er, dass er seinen Traum beinahe aufgegeben und 20 Jahre lang auf «seinen Moment» als Schauspieler gewartet habe. Er dankte seiner Mutter, die mit ihm aus Vietnam geflohen war, als er acht Jahre alt war. «This is the American Dream», sagte der Schauspieler unter Tränen.
Jamie Lee Curtis übertrumpft ihre berühmten Eltern. Aber nicht allen gefällt das.
Die 64-jährige Jamie Lee Curtis gewann 45 Jahre nach ihrem Debüt als Schauspielerin in «Halloween» einen Oscar als beste Nebendarstellerin und übertrumpft damit ihre berühmten oscarnominierten Eltern-Schauspieler Tony Curtis und Janet Leigh. Jamie Lee Curtis befreit sich damit endgültig vom Klischee des «Nepo-Babys» – so werden im Showbusiness Kinder berühmter Eltern genannt. Nur die ebenfalls in der Kategorie nominierte Angela Bassett schien davon nicht besonders beeindruckt: Sie applaudierte ihrer Konkurrentin nicht zum Sieg und geht nun mit ihrer Reaktion viral.
Michelle Yeoh setzt ein Statement für ältere Schauspielerinnen
Michelle Yeoh gewann in der Kategorie «Beste Hauptdarstellerin». Die 60-Jährige dankte erst allen Müttern dieser Welt, weil sie die wahren Superheldinnen seien und sagte dann: «Ladys, lasst euch von niemandem erzählen, dass ihr eure besten Jahre schon hinter euch habt!» Im oberflächlichen Hollywood traurigerweise noch immer eine wichtige Ansage.
Alle lieben das Comeback von Brendan Fraser
Nichts liebt Amerika mehr als einen gefallenen Star, der ein Comeback hinlegt. Brendan Fraser gewann als bester Hauptdarsteller für seine Performance in Darren Aronofskys «The Whale», und sagte, dass er seinen Erfolg als Schauspieler früher nicht zu schätzen gewusst habe; erst als es plötzlich vorbei war. Er dankte in seiner berührenden Rede seinem Regisseur dafür, dass er ihm eine kreative Rettungsleine geworfen habe.
«Im Westen nichts Neues»-Macher zeigen sich überraschend unpolitisch
Der wohl politischste Film des Jahres «Im Westen nichts Neues» gewann in vier Kategorien und ist somit einer der Abräumer des Abends. Vier Oscars bedeuten auch vier Mal die Möglichkeit, eine Rede mit Substanz zu halten. Diese Chance haben die deutschen Filmemacher leider verpasst. Bei der Thematik des Films hätte man im Hinblick auf den Ukraine-Krieg doch etwas mehr als belangloses Geplänkel erwartet. Denkwürdiger war da der Auftritt von Julija Nawalnaja, die den Oscar in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm» entgegennahm. «Bleib stark!», sagte sie in die Kamera zu ihrem Mann, Putin-Gegner Alexander Nawalny, der nach wie vor im Gefängnis sitzt. Sie träume von einer Zeit, in der Russland und ihr Ehemann wieder frei seien, sagte sie.
John Travolta weint um Olivia Newton-John
Wie in jedem Jahr gab es auch diesmal eine Ehrung der Verstorbenen aus der Showbranche. John Travolta musste seine Rede mehrmals kurz unterbrechen und sagte: «Sie haben unsere Herzen berührt, sie haben uns zum Lächeln gebracht und sind liebe Freunde geworden … denen wir immer hoffnungslos verfallen sein werden.» Damit spielte er auf den «Grease»-Hit «Hopelessly Devoted To You» an. Newton-John, eine gute Freundin von Travolta, ist im vergangenen August verstorben.
Kein Oscar für Elvis und Marilyn
Acht Mal nominiert war das Biopic «Elvis». Unter anderem in den wichtigen Kategorien «Bester Film» und «Bester Hauptdarsteller». Der Film von Baz Luhrmann gewann allerdings keinen einzigen Oscar. Ana de Armas, nominiert für ihre Performance als Marilyn Monroe im umstrittenen Film «Blonde», ging ebenfalls leer aus. Enttäuschend ebenfalls: Steven Spielbergs autobiografischer Film «The Fabelmans» war sieben Mal nominiert gewesen und gewann in keiner Kategorie.
Rihanna und Lady Gaga singen live – aber ein indischer Hit räumt ab
Rihanna performte ihren Wakanda-Song «Lift Me Up» und im Gegensatz zur Super Bowl Halftime Show sang sie diesmal auch live. Lady Gaga, zuvor noch in glamouröser Robe, tauchte plötzlich ungeschminkt, in zerrissener Jeans und Converse Chucks auf der Bühne auf und sang «Hold My Hand» vom «Top-Gun»-Soundtrack. Abgeräumt hat aber der penetrante Ohrwurm «Naatu Naatu» aus dem Tollywood-Film «RRR». Süss, wie sich die Künstler freuten, aber die Dankesrede vor lauter Übermut spontan zu singen, wird hoffentlich kein Trend.
Skandalfrei mit ein paar Fails
Es war eine skandalfreie Verleihung und das war wohl auch das Ziel nach dem Ohrfeigen-Debakel im letzten Jahr. Ein paar kleine Fails gab es natürlich trotzdem: Die heisere Elizabeth Banks schritt in einem höchst fragwürdigen und offensichtlich auch unpraktischen Kleid auf die Bühne, sie stolperte und wirkte auch sonst ziemlich verwirrt, was allerdings auch an ihrem Co-Moderator, einem Bären-Maskottchen namens «Cocaine Bear» (der Name ihres aktuellen Kino-Krachers) gelegen haben könnte. Der Freudsche Versprecher des Abends kam dagegen vom «EEAAO»-Produzenten Jonathan Wang. In seiner Rede für die Kategorie «Bester Film» dankte er unter Tränen seinem Immigranten-Vater, der ihn das Wichtigste überhaupt gelehrt habe: «Kein Mensch ist wichtiger als der Profit!» – oops, sorry Dad!