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Geschichte
Der strenge Ablauf des Zunftgeschehens, das Zeremoniell, sowie Insignien und Abzeichen unterscheiden die Zunft vom Verein. Bis Ende der 30er Jahre war es übrigens noch Sitte, dass sich Zunfträte per Sie mit „Zunftbruder“ ansprachen und die Zünftler „Zunftgenossen“ genannt wurden.
Erst 1937 wird das Duzis im Zunftrat eingeführt! In den Aufbau- und Bewährungsjahren von 1922 -1929 leitete der Gemeindeammann Josef Gilli die Zunft. Er führte 1926 die Samichlausbescherungen ein, und das Archiv konnte erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. 1927 hatte die Zunft fast 150 Einzel- und 14 Kollektivmitglieder, und sie erhielt 1929 ihre erste Fahne. Für zwei Jahre übernahm der Kirchmeier Josef Theiler die Geschicke der Zunft gefolgt für ein Jahr von Emanuel Baumli. Mit Eduard Elmigers Wahl 1931 übernahm wieder der Gemeindeamman das Zepter, und er führte das Ehrenmitglied-Abzeichen ein.
Jahrzehnte geprägt durch Transportunternehmen Heggli
Stark geprägt sind die folgenden Jahrzehnte durch das Transportunternehmen Heggli. Mitbegründer Xaver Heggli präsidierte von 1937-41, Heinrich Heggli sen. von 1945-53 und Heinrich Heggli jun. von 1969-79. Wie bereits zur Gründerzeit profitiert die Zunft noch heute von der Grosszügigkeit dieses Transport-Unternehmens. An dieser Stelle darf natürlich erwähnt werden, dass die Zunft auch von praktisch allen andern Gewerbe-Unternehmen und vielen Kriensern jedes Jahr tatkräftig unterstützt wird und Ihnen zu grossem Dank verpflichtet ist. Die Kriegsjahre 1941-45 führte Bäckermeister Fritz Müller die Zunft, und 1949 brach unter ZM Heinrich Heggli sen. eine neue Zunft-Ära an.
Seit 1949 gibt es eine Plakette
Mit Walter Lienhard wurde ein alle Jahre wechselndes Oberhaupt der Zunft, der erster Gallivater, erkoren, welcher auch gleich zusammen mit Heinrich Heggli die neuen Insignien stiftete: Gallivaterkette, Gallivaterstab und Zunftmeisterstab. Dem Gallivater zur Seite steht jeweils der von ihm vorgeschlagene Weibel (bis 1959 war es immer Josef Theiler). Er begleitet ihn während des ganzen Amtsjahres bei all den vielen Verpflichtungen und nimmt ihm sehr viele der Aufgaben und Arbeiten ab. Jährlich wird seit 1949 ein Umzug durchgeführt, eine Plakette kreiert und die Gallischnörre mit ihrem witzigen Humor herausgegeben.
Seppi Zust war 16 Jahre als Zunftmeister im Amt
Die grösste Ausdauer als Zunftmeister (1953-69) zeigte der ehemalige Wirt zur „Linde“, Seppi Zust mit 16 Jahren Amtszeit. In seiner intensiven Präsidialzeit erhielt die Zunft von Gallivater Josef Schryber eine Landparzelle für den Bau eines Archives geschenkt, komponierte Karl Arnet den Galli-Marsch, fand 1961 das Gallifäscht für das Archiv statt, erhielt die Zunft zum 40. Geburtstag im Beisein des 92jährigen Gründungspräsidenten Louis Meier das Zunftlied (Musik: Karl Arnet / Text: Fritz Meletta). In seiner Amtszeit wurde auch die Gallivater- und Zunftratsplakette geschaffen, 1966 das Schlösslifest durchgeführt und als Höhepunkt das Zunfthaus mit Archiv gebaut (1968).
Geburtsstunde der Bööggerätschete im Jahre 1975
Unter der Führung von Zunftmeister Heinrich Heggli jun. wurde 1970 das Wettchlöpfen eingeführt und ab 1971 sogar eine Chlöpferschule eröffnet. Im Jahre 1972 konnte das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert werden, zu welchem der Chronist Alfred Michel die Zunftgeschichte in einem Zunftbuch niederschrieb und Gallivater Henri Baer eine neue Fahne stiftete. Zum ersten Mal fand 1972 der Zunftball statt, seit 1974 wird der erfolgreiche Maskenschnitzerkurs durchgeführt und die Bööggerätschete erlebte 1975 ihre Geburtsstunde.
Ein Fasnachts-Umzug am Sonntag und die Reaktivierung von Kursen
1979 übernahm der Kaufmann Adolf Siegrist die Zepter, und das nächste Jubiläum, 60 Jahre Gallizunft, liess nicht lange auf sich warten. Die Brauchtumspflege stand an erster Stelle seines Wirkens als Zunftmeister und 1984 übergab er das immer zeitaufwendigere Amt weiter an den Baufachmann Werner Lustenberger. Unter ihm wurden die notwendig gewordenen Statutenänderungen durchgeführt, das Zunfthaus renoviert, die Maskenschnitzerkurse mit Seppi Schnyder und die Geisslechlöpferschule mit den „Obernauern“ reaktiviert, das Zunftfest 65 Jahre Galli-Zunft organisiert und für die nach einem Unfall beim Samichlausumzug 1983 abbruchreife Kutsche durch eine neue ersetzt. Seine letzte Fasnacht begann "stürmisch", musste doch der Umzug wegen des Wetters auf den kommenden Sonntag verschoben werden. Seiner Initiative verdanken wir auch die neue Zunftmütze. Ebenso hatte er schon in seiner Amtszeit die ersten Abklärungen für eine eigene Galli-Werkhalle in Angriff genommen. Im November 1998 konnte dann die Galli-Halle eingeweiht werden.
Baurechtsvertrag für Galli-Halle als Jubiläumsgeschenk
1990 übernahm der Treuhänder Josef Bucher die Führung der Zunft. In seiner Amtszeit wurde das Weibelabzeichen ein-geführt und seit 1994 den rüüdigen Samschtig den er zusammen mit Ruedi Koch, Gallivater 1993 und der Chacheler Musig ins Leben gerufen hat. Mit der Devise „In der Tradition und dem Brauchtum verankert, aber mit mutigen und ange- messenen Schritten vorwärts in eine sich wandelnde Zeit“, übernahm 1994 Hans-Rudolf Hasler das Zepter als Zunftmeister. Unter seine Amtszeit fallen das 75 Jahre Jubiläum Galli-Zunft verbunden mit der von Alt-Gallivater Jürg Studer verfassten Zunftchronik sowie „neue“ immer auf dem Dorfplatz stattfindende „Tagwache“. Mit dem 75 Jahr Jubiläumsgeschenk der Gemeinde, einem Baurechtsvertrag am Schattenberg, konnte die Planung und der Bau der Galli-Halle definitiv in Angriff genommen werden. 1998 übernahm Karl Luginbühl das Zepter und er durfte als erste Amtshandlung im November die neue Halle einweihen. In seiner Zunftmeisterzeit beteiligte sich die Zunft am 50 Jahre LFK- Umzug, wurden die Zunfthauswohnungen renoviert, das Schirmfest auf dem Dorfplatz durchgeführt sowie neue Statuten ausgearbeitet.
Erweiterung der Galli-Halle und Umbau im Zunfthaus
Als das 30 Jahr Jubiläum „Bööggerätschete“ gefeiert wurde, konnte 2003 der neue Zunftmeister Erwin Schwarz die Ausstellung des wohl berühmtesten Krienser Maskenschnitzers „100 Jahre Alois Blättler“ in der Galli-Halle eröffnen. Aus Platznot musste die Halle bereits 2006 erweitert werden. In seine Amtszeit fallen die neu eingeführte Kinderfasnacht mit Maskenprämierung, der neue Schnitzerkurs mit Fritz Kunkler und der Umbau im Zunfthaus, bevor er 2009 die ZM-Insignien an Hansruedi (Häse) Bolliger weitergab.
Rücktritt von Venner Hans Ochsenbein nach 37 Jahren
Seit 2010 wird der Empfang des Gallipaares (ehemalige Tagwache) zusammen mit der Kinderfasnacht am "rüüdige Samschtig" auf dem Dorfplatz durchgeführt. Die Bööggerätschete ist im Jahr 2011 vom Schmutzigen Donnerstag auf den Freitag verschoben worden und ein Jahr später findet die ehemalige Güdis-Montag Dorfplatz-Bööggenacht neu mit Erfolg am "rüüdige Samschtig" auf dem Dorfplatz und in der Gallusstrasse statt. Höhepunkt seiner Amtszeit war die Einweihung der neuen Zunftfahne mit Venner Hans Ochsenbein, welcher nach 37 Jahren als Zunftrat zurücktrat.
Anpassungen der Statuten mit Streichung der Wohnsitzwartefrist
Am Bot 2013 übernahm Alt-Gallivater René Hug das Zunftmeisteramt und durfte im Februar 2014 das 40 Jahr-Jubiläum «Bööggerätschte» mitfeiern. Die Zunft präsentierte sich im selben Jahr mit all ihren kulturellen Facetten an der kulinarischen Wanderung in der Gallihalle. Am Bot 2015 wurde der Hallenwart als 14. Mitglied in den Zunftrat aufgenommen, der Hallenbatzen in den Brauchtumsbatzen überführt und 14 Samichlausgruppen waren unterwegs. 2017 konnten mit einem Crowdfunding ein neues Samichlaus-Gewand finanziert und mit 15 Gruppen über 900 Kinder beschert werden. Auf Initiative von René Hug verbesserte eine Zunftmarketinggruppe mit Instagram die Kommunikation nach aussen und an der Fasnacht 2018 wurde auf Facebook erstmals die Abholung direkt übertragen. Da sich 2017 keine Neuzünftler meldeten wurde 2018 mit einer Statutenanpassung die 5jährige Wohnsitzwartefrist für Neuzünftler gestrichen und René Hug übergab den Zunftmeisterstab an Samuele Donatelli.
Herausfordernde Corona-Jahre auch für die Galli-Zunft
Am Bot 2018 übernahm demnach der Gallivater 2012, Samuele Donatelli, worauf bald auch die Anzahl Neuzünftler wieder einen Zuwachs erfuhr. So wartete der Neuzünftler-Jahrgang 2020 mit neuen Neuzünftlern auf und der Jahrgang 2021 mit sieben. Als besondere Herausforderung für die Zunft können sicher die Corona-Jahre 2020/2021 bezeichnet werden. Aufgrund der weltweiten Pandemie konnte beispielsweise das Bot vom 17. Oktober 2020 nur in "reduzierter" Form stattfinden und die Zünftler sassen mit Mundschutz in der Krauerhalle. Betroffen von Covid19 waren aber auch Anlässe rund um den Samichlaus und die Fasnacht 2021.
Die Zunftchronik 1922 - 1997 kann beim Chronist bestellt werden: <email-pii>