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Weggis zieht seit jeher berühmte Persönlichkeiten an.
Die Lage, das Klima, das dörfliche Leben, die Sicherheit und vieles mehr bewogen unter anderem Sergej und Natalja Rachmaninoff mit ihren Kindern, Mark Twain und seine Familie, Rosa Luxemburg, aber auch Kaiser Karl I von Österreich-Ungarn mit seiner Frau Kaiserin Zita, Königin Victoria, Hans Arp, Hélène Grimaud sowie zahlreiche andere Berühmtheiten dazu, nach Weggis zu kommen oder sich hier niederzulassen.
Sergej Rachmaninoff liebte Hertenstein, weil ihn Ruhe und Landschaft an seine russische Heimat Iwanowka erinnerten.
Er erwarb 1930 ein ansehnliches Stück Land mit Seeanstoss und sagte begeistert zu seinem künftigen Nachbarn, dem betagten Gemüsebauer Ernst Zurmühle: „Wissen Sie auch, dass Sie am schönsten Ort auf der ganzen Welt zuhause sind“?
Ernst Zurmühle beschrieb die Ankunft von Rachmaninoff wie folgt: „1931 kam Rachmaninoff zum ersten Mal hierher, in einem Ford ‚Lincoln‘, den ihm Henri Ford persönlich geschenkt hatte…. Stundenlang hörte ich ihn Tonleitern üben, tagtäglich besorgten Hausangestellte die Einkäufe, und seine Frau Nathalya war seine ‚Managerin‘…. Er strömte viel Adel, Vornehmheit, Etikette aus, und trug auch immer weisse Handschuhe“.
Trotz weisser Handschuhe: Rachmaninoff liess es sich nicht nehmen, im Garten zur Schaufel, Säge oder Sense zu greifen. Gartengestaltung und -arbeit waren ihm wichtig.
Die Villa Senar (SErgej NAthalya RAchmaninoff) wurde zu einem Ort des Komponierens und einem Ort voll glücklicher Momente des Familienlebens.
Die politischen Umstände zwangen 1939 Sergej Rachmaninoff und seine Familie, Hertenstein Richtung USA zu verlassen. Er konnte bis zu seinem Tod 1943 nie mehr zurückkehren.
PS. Die Villa Senar gehört heute dem Kanton Luzern. Der Park kann besichtigt werden, und an gewissen Wochenenden öffnet das Gartencafé. Zudem finden kulturelle Anlässe für Jung und Alt statt: https://rachmaninoff.ch/programm/.
Bild: Serge Rachmaninoff Foundation (Hrsg.). Villa SENAR. Sergei Rachmaninoff Traum von einem Haus. Eigenverlag
2016. S. 12 / Titelbild: Staatsarchiv Luzern
, FDC 132/5923
Die 1871 geborene Rosa Luxemburg war eine der einflussreichsten Vertreterinnen der europäischen Arbeiterbewegung. Sie war ein Kind ihrer Zeit, die Zeit der Industrialisierung und des ersten Weltkriegs.
Sie sprach sich vehement gegen Militarismus sowie gegen den Imperialismus aus und wurde Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands.
Als sie sich der revolutionären Arbeiterbewegung anschloss, musste sie flüchten und gelangte so nach Zürich, wo sie studierte und doktorierte.
Von dort entdeckte sie Weggis und weilte in der Pension „Zur Tanne“ (heute: Gotthardstrasse 69). Am 3. Februar 1898 wurde in der lokalen Presse bekanntgegeben, dass die in Weggis wohnhafte Rosa Luxemburg den in Basel wohnhaften Gustav Lübeck geheiratet habe.
Hätte es sich nicht bloss um eine Scheinehe gehandelt und hätte Rosa Luxemburg längere Zeit in Weggis gewohnt, so würden wohl bis heute zahlreiche Anhänger/innen von Rosa Luxemburg nach Weggis pilgern.
Und wenn auch noch bekannt geworden wäre, dass Waldemar Pabst, der Chef des Elite-Freikorps, der 1919 für die Ermordung von Rosa Luxemburg verantwortlich war, in einer Villa in der Nähe von Weggis residiert hatte, dann wäre der Touristenmagnet perfekt gewesen.
Aber eben: wenn…. Noch immer finden in Berlin alljährlich Grossdemonstrationen zu Ehren von Rosa Luxemburg statt - aber in Berlin und nicht in Weggis.
Bild: https://jacobin.com/2021/03/rosa-luxemburg-socialism-history / 13.6.2023
Mark Twain übersiedelte mit seiner Frau und den beiden Töchtern 1878 von Amerika nach Europa, um billiger leben zu können. Er hatte finanzielle Sorgen, war doch sein Verlag bankrott gegangen.
Weggis schien dem Portemonnaie angemessen zu sein. Trotz Geldsorgen liess er es sich wohlergehen.
Kaum angekommen, mietete er für eine Woche ein Ruderboot und in Luzern ein Klavier für seine Frau. „Alles radelt heute“, schrieb er und mietete für die beiden Töchter Fahrräder.
Schon bald entdeckte er das weisse Haus an der Gotthardstrasse 69 und richtete sich im Dachgeschoss ein Arbeitszimmer ein, wo sein Buch „More Tramps Abroad“ entstand.
An seinen Freund Henry H. Rogers schrieb er: „Ich glaube, dass dieser Ort (Weggis, eine halbe Stunde von Luzern) der lieblichste und behaglichste in der Welt ist. Wir haben ein kleines Haus am Abhang ganz für uns und unser Essen wird uns dort von der Wirtschaft unten am Seeufer serviert.“ Mit dem kleinen Haus meinte Mark Twain die Dependance der Pension Schlössli Bühlegg und die Wirtschaft am See (heute Restaurant Riva).
Der Lieblingsort von Mark Twain war schnell klar: Eine Bank unter der Eiche auf dem kleinen Landvorsprung, dort, wo heute der Gedenkstein Mark Twain zwischen dem Restaurant Riva und dessen Parkplatz zu finden ist.
Nach zwei Monaten, am 19. September 1878, reiste Twain mit seiner Familie wieder ab. Ins Gästebuch der Pension Bühlegg schrieb er: „Vergiss bitte diese Wahrheit nicht: Gewohnheit ist Gewohnheit: sie kann von niemandem einfach zum Fenster hinausgeworfen werden; sie muss durch Schmeicheleien stufenweise die Treppe hinuntergelockt werden.“
Bild: https://api.time.com/wp-content/uploads/2018/06/twain.jpeg / 13.6.2023