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2001 erlebte die Schweiz Unvorstellbares: Der Stolz der Nation, die Fluggesellschaft Swissair, musste am 2. Oktober ihren Betrieb einstellen. Aufgrund der am Vorabend angekündigten Nachlassstundung pochten alle Zulieferer auf Barzahlung und die Begleichung offener Rechnungen. Als die letzten Liquiditätsreserven aufgebraucht waren, weigerten sich die Treibstofflieferanten folgerichtig, die Flugzeuge zu betanken. So kam es um 16.15 Uhr am Flughafen Kloten zur wohl berühmtesten Lautsprecherdurchsage in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte: «Aus finanziellen Gründen ist die Swissair nicht mehr in der Lage, ihre Flüge auszuführen.» Zwei Tage später gelang es dank eines Notkredits des Bundes, wieder einen reduzierten Betrieb aufzunehmen. Im Frühling 2002 hob schliesslich die neue Airline namens «Swiss» ab.
Swissair am Boden
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die Zürcher Kantonalbank zweifach überrascht: Die als unzerstörbar geltende Swissair musste im Oktober 2001 Konkurs anmelden. Und 2008 wurde die Bank vom Bundesgericht angewiesen, 80 Millionen Franken in die Swissair-Konkursmasse zu zahlen.
Die Demontage eines Mythos, 2002.
Kampf um die Konkursmasse
Am Rand des Geschehens befand sich auch die Zürcher Kantonalbank, die 1999 der Swissair einen Blankokredit von 100 Millionen Franken gewährt hatte. Sie hatte allerdings – wie bei solchen Finanzierungen üblich – mit der Betreibergesellschaft SAirGroup vereinbart, dass sie die sofortige Rückzahlung verlangen könne, wenn andere Banken ihr Kreditengagement gegenüber der SAirGroup einschränken würden. Tatsächlich zahlte die SAirGroup im August und September 2001 der Bank 80 Millionen Franken zurück.
Wer nun jedoch gedacht hatte, dass die Zürcher Kantonalbank mit dem Konkurs der Swissair nichts zu tun haben würde, sah sich Jahre später eines Besseren belehrt. 2005 klagte der SAirGroup-Liquidator Karl Wüthrich gegen die Bank und forderte die Rückzahlung der 80 Millionen Franken plus Zinsen in die Konkursmasse. Er stützte sich dabei auf die sogenannte paulianische Anfechtung. Nach dieser Regelung sind alle Rechtshandlungen anfechtbar, die der Schuldner innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Pfändung oder Konkurseröffnung in der erkennbaren Absicht vorgenommen hat, seine Gläubiger zu benachteiligen. Das Bundesgericht sah es in seinem Urteil von 2008 als erwiesen an, dass die Zürcher Kantonalbank 2001, zum Zeitpunkt der Darlehensrückzahlung, hätte erkennen müssen, dass die Swissair eine mögliche Schädigung anderer Gläubiger zumindest in Kauf nahm. Aufgrund des Urteils, das mit drei zu zwei Stimmen sehr knapp ausgefallen war, musste die Zürcher Kantonalbank die 80 Millionen Franken zuzüglich Zinsen zurückerstatten. Die Gläubigerdividende, sprich der Anteil des Geldes, den alle Gläubiger aus der verwertbaren Konkursmasse wiedererlangten, stieg mit dieser Zahlung um 0,8 Prozent. Bisher erhielten die nachrangigen Gläubiger wie Lieferanten, Obligationäre und Banken rund 20 Prozent ihrer Forderungen zurück.