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internationaler ideenwettbewerb spreeinsel berlin 1993

Wir schlagen an jeweils präzis ausgewählten Bereichen zwei radikal gegenläufige Strategien vor: Das Fragment und die Stadtreparatur als Blockrandbebauung.
Das Fragment übernimmt an der historisch überbelasteten zentralen Lage, am Ort des ehemaligen Stadtschlosses und des künftig ehemaligen Palastes der sozialistischen Republik die Aufgabe, eine optimistische Interpretation einer demokratischen Gesellschaft zu interpretieren. Gleichzeitig schliesst es die sozialistisch-imperiale Stadtausräumung im Bereich Alexanderplatz / Nikolaiviertel / Spreeinsel ab; belässt sie jedoch auch als Reminiszenz in Form eines Stadtparks: ein "Central Park". Die feudalistisch-imperiale Achse Unter den Linden erhält ihren östlichen Abschluss, der Dom ein Pendant. Ein Brückenkopf entsteht.
Die Stadtreparatur als Blockrandbebauung hingegen ist das unprätentiöse Instrument, die Monokultur der Verwaltungsbauten mit dem historischen Stadtgrundriss zu versöhnen.
Berlin wird im Verlauf der nächsten Generation mit den Wunden eines Weltkrieges und mit einer geteilten Vergangenheit als sozialistische Staatshauptstadt und als gehätschelte Wirtschaftswunderoase, Schaufenster des Kapitalismus, fertig werden müssen. Unter dem Investitionsdruck der Konzerne und des Staates droht die Aura einer ganzen Stadt auf der Strecke zu bleiben.
Uns scheint das Mittel der Wiederherstellung der an die Spreeinsel angrenzenden Stadtviertel das Mittel zu sein, eine Strategie der Verträglichkeit zu entwickeln. Eine Reparatur lässt sich weitgehend unabhängig von den eingefüllten Nutzungen realisieren. Die Beispiele gebauter, unzerstörter, aber nutzungsmutierter Städte zeigt, dass das tradierte Blockrandmuster sich für fast beliebige Nutzungen adaptieren lässt; also auch für die Verwaltungen von Ministerien. Die austarierten Verhältnisse von Hohl und Voll, Aussen und Innen, Strassen/Grün/Wasserraum sowie Bau und Hofraum sind auch heute gültiger Qualitätsmassstab für den Stadtentwurf. Der Erinnerungswert und die "Aura", jenes "zarte Gespinst aus Raum und Zeit" (Benjamin) können vielleicht gerettet werden.
Für die Reparatur des weiter südlich angrenzenden städtischen Ödlandes wird dieses Prinzip zur Initialzündung. Damit wird der im Verlauf der nächsten Generation anstehende Ersatz der obsolet werdenden Bausubstanz eine stadträumlich adäquate Verbindung mit Kreuzberg sicherstellen.
Der historische Ballast des Ortes erlaubt keine ordinäre Verwaltungsnutzung. In Form eines fragmentierten Komplexes werden hier daher Konferenzzentrum, Bibliothek und Medienzentrum angeordnet. Das Fragment folgt den ungefähren Ausmassen des Stadtschlosses. Es spielt auf dessen abweisende, geschlossene Anlage an. Allerdings setzt es sich aus einzelnen zueinander versetzten Blöcken zusammen und ist damit aufgebrochen und durchlässig. Der aus der weiten Perspektive aus "Unter den Linden" insgesamt monolithisch und massig wirkende Bau erweist sich beim Nähertreten als bürgerfreundliche, durchschreitbare, kristalline Anlage, die vielfältige, überraschende Ein- und Ausblicke, jedoch keinen direkten Querdurchblick enthüllt.