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Das Gedicht « als ob »
Das Gedicht « als ob » von Leo Straus
Das Gedicht wurde von dem bekanntem Kabarettisten Dr. Leo Straus (geboren 1897) geschrieben. Leo Straus wurde 1942 mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert und blieb dort, bis er am 10.12.1944 nach Auschwitz deportiert wurde und in der Gaskammer den Tod fand.
Arrangement von Jiři O. Růžička
ALS OB
Ich kenn ein kleines Städtchen,
ein Städtchen ganz tiptop,
ich nenn es nicht bei Namen,
ich nenn's die Stadt Als-ob.
Nicht alle Leute dürfen
in diese Stadt hinein,
es müssen Auserwählte
der Als-ob-Rasse sein.
Die leben dort ihr Leben,
als ob's ein Leben wär,
und freun sich mit Gerüchten,
als ob's die Wahrheit wär.
Die Menschen auf den Strassen,
die laufen im Galopp.
Wenn man auch nichts zu tun hat,
tut man doch so als ob.
Es gibt auch ein Kaffehaus
gleich dem Café de l’Europe,
und bei Musikbegleitung
fühlt man sich als ob.
Und mancher ist mit manchem
auch manchmal ziemlich grob -
daheim war er kein Grosser,
hier macht er so als ob.
Des Morgens und des Abends
trinkt man Als-ob-Kaffee,
am Samstag, ja, am Samstag,
da gibt’s als Als-ob-Haschee.
Man stellt sich an um Suppe,
als ob da etwas drin,
und man geniesst die Dorsche
als ob Vitamin.
Man legt sich auf den Boden,
also ob das wär ein Bett,
und denkt an seine Lieben,
als ob man Nachricht hätt.
Man trägt das schwere Schicksal,
als ob es nicht so schwer,
und spricht von schöner Zukunft,
als ob’s schon morgen wär.