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In den Fifa-Akten der US-Ermittler taucht die kleine Delta Bank besonders häufig auf. Das brasilianische Institut war schon früher in etliche Skandale auf zwei Kontinenten verstrickt.
Eine kleine, von einem öffentlichkeitsscheuen Brasilianer kontrollierte Privatbank taucht mehr als zwei Dutzend Mal in den Korruptionsvorwürfen der US-Behörden gegen Fussballfunktionäre auf. Es ist nicht das erste Mal, dass die Bank in die Nähe von Skandalen gerät.
Delta National Bank & Trust Co. hatte zuvor in den letzten 15 Jahren bereits mindestens drei Mal Ärger mit Behörden auf zwei Kontinenten. Zum Beispiel als brasilianische Parlamentarier ihre Rolle als Bank eines skandalumwitterten führenden Fussballfunktionärs untersuchte. 2003 bekannte sich Delta in den USA schuldig, Transaktionen im Zusammenhang mit einem kolumbianischen Drogenkartell nicht gemeldet zu haben.
Bestechungsgelder in Millionen-Höhe
Dessenungeachtet führte Delta seine Tätigkeit von seinen Büros in Manhattan, Miami und Genf aus fort. US-Ermittler erklärten letzte Woche, ein Teil dieses Geschäfts bestehe in der Bearbeitung von Bestechungsgeldern in Millionen-Dollar-Höhe, die eine Sportmarketingagentur in Sao Paulo an Fussballfunktionäre gezahlt haben soll, die mit der Fifa in Verbindung stehen. Delta war in der Anklageschrift des Justizministeriums mit 47 Punkten allerdings nicht als Beschuldigter aufgeführt. Auch wurde der Bank kein Fehlverhalten vorgeworfen.
Die Aufsichtsbehörde der Bank in den USA, das Office of Comptroller of the Currency (OCC), untersuche allerdings nun die Rolle der Bank bei diesen Transaktionen, berichtet eine informierte Person, die mit Verweis auf die laufende Untersuchung nicht namentlich genannt werden wollte. Linda Chapman, als Vice President bei Delta für Compliance zuständig, wollte keinen Kommentar abgeben.
US-Aufsicht: «Kein Kommentar»
Eine Durchsicht von Prozessakten, Pflichtveröffentlichungen und Dokumenten über behördliche Untersuchungen fördert Warnhinweise zutage, die über mehr als zehn Jahre zurückreichen. Es ist unklar, wie die Bank in dieser Zeit ihr Berichtswesen oder ihre Compliance-Programme geändert hat, etwa nach dem Schuldspruch vor zwölf Jahren. Das OCC erlegte der Bank damals keine weiteren Strafen auf und gestattete ihr, ihre Geschäftstätigkeit in den USA fortzusetzen, so OCC-Sprecher Bryan Hubbard. Zur jüngsten Delta-Untersuchung wollte Hubbard keinen Kommentar abgeben.
«Es gibt nicht viele Beispiele von Bankenschliessungen wegen schlechten Verhaltens, oder?», sagt Jack Blum, ehemaliger Ermittler des US-Senats und Experte für Geldwäsche. Delta sei «bloss eine weitere Bank in diesem Meer von Problemen in der Bankenbranche.»
Fifa-Schmiergelder durch grössere Banken geschleust?
Die Geschichte von Delta zeigt, dass auch eine kleine Bank nach einer strafrechtlichen Verurteilung weiter arbeiten kann. Darin unterscheidet sie sich nicht von einigen der weltweit grössten Institute, die in den letzten Jahren Schuldeingeständnisse ablegten, etwa im Zusammenhang mit Geschäftsbeziehungen zu «Schurkenstaaten» oder mit der Manipulation von Zinssätzen.
Mutmassliche Fifa-Schmiergelder seien von Delta zeitweise durch grössere Banken geschleust worden, darunter Citigroup Inc. und JPMorgan Chase & Co., heisst es in den Bekanntmachungen des Justizministeriums von letzter Woche. Amerikanische Ermittler hatten zuvor erklärt, sie überprüften Banken im Zusammenhang mit den Fifa-Korruptionsermittlungen, nannten aber keine bestimmten Institute.
HSBC studiert die Fifa-Klageschrift
Banken in den USA müssen verdächtige Transaktionen an die Behörden melden. Die Anklageschrift gibt keine Auskunft darüber, ob Banken dies versäumt haben. Nicht nur Citigroup und JPMorgan hatten Beziehungen zu Delta. Laut den Unterlagen des Justizministeriums hat die Bank im Lauf eines Jahrzehnts einen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag im Auftrag des brasilianischen Sportvermarkters Traffic Group durch die genannten Institute sowie durch HSBC Holdings Plc, Wells Fargo & Co. und Banco Do Brasil SA geschleust.
Sprecher von Citigroup, JPMorgan, Wells Fargo und Traffic Group wollten keinen Kommentar abgeben, Banco Do Brasil antwortete nicht auf Anfragen. HSBC überprüfe die Fifa-Klageschrift «um sicherzugehen, dass unsere Dienste nicht für Finanzkriminalität missbraucht wurden», sagte Rob Sherman, Sprecher der Bank in New York.
Geschäftsmodell Steuervermeidung
Delta wurde in den 1980er Jahren von Aloysio De Andrade Faria gegründet, einem Milliardär mit Leidenschaft für die Zucht preisgekrönter Milchkühe und Araberpferde. In den brasilianischen Medien ist er dafür bekannt, dass er nur selten Interviews gibt. Der mittlerweile 94-jährige Faria hat ein Geschäftsimperium aufgebaut, das die Banco Alfa de Investimento SA in Sao Paulo umfasst, daneben Hotels, einen Palmölproduzenten und eine Baumarktkette. 1998 verkaufte er eine Bank, die sein Vater gegründet hatte, für 2,1 Milliarden Dollar.
Das Geschäft von Delta habe «ausschliesslich» darauf beruht, lateinamerikanischen Klienten dabei zu helfen, ihre Steuerzahlungen zu verringern, hiess es in einem OCC-Bericht von 1996. Faria habe die Verbindung zu Delta über eine Investmentfirma auf den Cayman Islands gehalten, geht aus einem jüngeren Dokument der Federal Reserve und den Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters hervor.
Faria war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, und eine Sprecherin von Banco Alfa, seiner Bank in Sao Paulo, lehnte einen Kommentar ab.
In Drogenprozess involviert
Den bisher grössten Ärger bekam Delta 2003, als das Justizministerium die Bank beschuldigte, Geldwäsche kolumbianischer Drogenhändler über Konten bei der Bank zugelassen zu haben. Nach einem Schuldspruch wegen des Nichtmeldens verdächtiger Aktivitäten zu Transaktionen im Volumen von bis zu zehn Millionen Dollar stimmte Delta der Zahlung einer Strafe von 950.000 Dollar zu.
Jahre später schrieben Vertreter des Justizministeriums, die für den Fall zuständig waren, in einem juristischen Artikel, das Verhalten von Delta sei eine «bewusste Entscheidung der Bank» gewesen, diese Art von Transaktionen zuzulassen, keineswegs nur eine Nichteinhaltung von Vorschriften.
Auch schon in Fussballskandale verwickelt
2008 erbaten brasilianische Ermittler beim US- Justizministerium Amtshilfe im Rahmen einer neuen Ermittlung gegen einen Delta-Kunden. Sie forderten Informationen über ein Konto bei Delta an, um wegen angeblicher Geldwäsche und Steuervergehen im Zusammenhang mit einem brasilianischen Manager aus der Zuckerbranche zu ermitteln, zeigen amerikanische Gerichtsunterlagen.
Der Fall von letzter Woche ist nicht das erste Mal, dass Delta ins Umfeld eines Fussball-Skandals gerät. 2001 ergab eine Untersuchung des brasilianischen Senats, dass der Fussballbetrieb des Landes von Korruption durchsetzt sei. Das konzentrierte sich grossenteils auf den damaligen Chef des brasilianischen Fussballverbands Ricardo Teixeira. Delta hatte zweistellige Millionen-Dollar-Beträge an Krediten für Teixeira und den Verband abgewickelt, was Fragen bei den Ermittlern aufwarf, so der Senatsbericht.
Jahre später trat Teixeira aus dem Fifa-Exekutivkomitee zurück. Die brasilianische Zeitschrift Epoca meldete diese Woche, die Bundespolizei habe ihn nach einer zwei Jahre andauernden Untersuchung der Geldwäsche und des Betrugs beschuldigt. Bloomberg News konnte zunächst keine Kontaktdaten von Teixeira ermitteln.
(bloomberg/gku/moh)