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Der zeitgenössische Mensch ist zunehmend mit dem ebenso faszinierenden wie ernüchternden Gedanken konfrontiert, dass sich das menschliche Erleben auf die Funktionen des Gehirns reduzieren lässt. Bruno Moll hat sich einen Bereich ausgesucht, der oft als «Krone» menschlicher Erlebnismöglichkeiten gesehen wird: die Wahrnehmung von Musik. Sein Dokumentarfilm geht Fragen nach, die damit zusammenhängen. Vor allem aher folgt er der erwähnten Faszination: dem mysteriösen Zusammenhang zwischen Musik als Erfahrung und Musik als hochkomplexem Verarbeitungsprozess im Gehirn.
Die filmischen Mittel für ein solches Unterfangen scheinen beschränkt: Was im Kopf vorgeht, kann nicht direkt aufgenommen werden. In «Brainstorm» wird Nervenaktivität in Zwischenschnitten als «Feuern» von Nervenzellen der Anschauung nahegebracht, oder aher der Film schaut über die Schulter der Neurologen. Moll zeigt Bildschirme mit LLG-Verläufen (Elektro-Enzephalographie), wie sie durch Elektronen am Schädel aufgezeichnet werden, während Musik gespielt oder gehört wird; oder Hirnschnitte, die auf neueren bildgebenden Verfahren wie PET (Positronen-Emissionstomographie) beruhen; oder Hirnschnitte im buchstäblichen, kruden Sinn: Einmal führt uns das Messer des Spezialisten und seine Stimme durch die tote Hirnmasse in seiner Hand; einmal sehen wir zu, wie ein lebendiger Schädel aufgemacht und darin operiert wird.
Die verbale Ebene wird ganz den auftretenden Personen überlassen. Der Film gleicht den gängigen filmischen oder televisuellen Dokumentationen im wissenschaftlichen Bereich. Ein Neurochirurg, ein Mathematiker und Jazzmusiker, eine Musiktheoretikerin und Philo sophin und ein Evolutionshistoriker sprechen über Fragen und Bereiche, in denen ihr Wissen an seine Grenzen stösst. Es defilieren so Fragmente, die im Grunde nur durch den grossen thematischen Rahmen verbunden sind, während die Drehorte und Inszenierungen (der Evolutionshistoriker im urgeschichtlich anmutenden Canvon; der Jazzmusiker am Klavier; die Philosophin mit Freunden im Jazzlokal usw.) jeweils auf den entsprechenden «Experten» eingehen.
Der Autor führt keinen eigenen Diskurs. Er sammelt vielmehr «Stücke» - im musikalischen wie im theoretischen, biographischen und symbolischen Sinn. Viele interessante Fragen werden gestreift, oft auch brüsk stehengelassen: Wie hängt Jazz mit Sexualität zusammen? Wie unterscheidet sich Musik in Kriegszeiten von solcher in Friedenszeiten? Wie erklärt sich das Aktiv-Werden verschiedener Hirnregionen von verschiedenen Personen beim Anhören derselben Musik? Der Zuschauer verharrt wie der Filmer in der Position des staunenden Laien. Der klassische Habitus des räsonierenden Experten bleibt trotz mehrerer biographischer Annäherungen seltsam ungebrochen.