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Der Gentleman-Sport Tennis steht in den Schlagzeilen da, wo niemand stehen will: Neben Wettkartellen aus Russland und Italien. Die britische BBC und Buzzfeed haben pünktlich zum Auftakt der Grand-Slam-Saison am Australian Open einen umfangreiche Bericht über einen Wettskandal publiziert.
«The Tennis Racket» lautet dessen Titel, der sogleich zum Twitter-Hashtag wurde. Das englische «Racket» steht hier für einmal nicht für den Schläger, sondern für Betrügerei. Denn über ein Jahrzehnt, so der Vorwurf, sollen mehrere Spieler der Profitour gegen Geld Partien manipuliert haben.
Namen werden im Bericht keine genannt. BBC und Buzzfeed begründeten dies damit, dass sie ohne Zugang zu Telefonen, Computer oder Bankauszügen der betroffenen Spieler nicht nachweisen könnten, dass diese in illegale Absprachen verwickelt seien.
Bereits im Jahr 2008 lieferten Ermittlungsbehörden den Tennis-Verantwortlichen Beweise, die den Verdacht auf Spielmanipulation im Tennis durch russische und italienische Wettkartelle stützten. Genannt wurden 28 Spieler. Das geht aus Listen hervor, auf die sich nun die Journalisten berufen. Ermittler Mark Phillips wird im Bericht wie folgt zitiert: «Sie hätten sich eines Netzwerks von Spielern entledigen und damit fast den ganzen Sport aufräumen können.» Die Verantwortlichen hätten sämtliche Informationen schön angerichtet serviert erhalten – «doch sie unternahmen überhaupt nichts».
Die International Tennis Federation (ITF) kündigte an, sich im Laufe des Tages zu den Vorwürfen zu äussern. Der Präsident der «Association of Tennis Professionals» (ATP) dementierte, dass die Verantwortlichen Informationen über vermeintliche Absprachen von Tennisspielen zurückhalten würden. «Wir weisen jeden Vorwurf, dass Beweise über Wettmanipulationen verdrängt wurden, absolut zurück», sagte Chris Kermode.
Nun wurden die Journalisten in der Sache tätig. Und die kamen bei ihrer Recherche zu folgenden Schlüssen:
Nigel Willerton von der Tennis Integrity Unit (TIU) bestätigt, dass seine Abteilung 2008 den Bericht erhalten habe. Die Beweise seien allerdings zurückgestellt worden, weil Anwälte den Standpunkt vertraten, dass eine 2009 neu eingeführte Integritätsnorm nicht rückwirkend angewandt werden könne. Deshalb habe es keine neuen Untersuchungen gegen die im Bericht erwähnten Spieler gegeben. Willerton betonte, dass seine Abteilung 13 männliche tiefklassierte Tennisprofis wegen Spielmanipulation teilweise lebenslang gesperrt habe.
Anstoss für die Untersuchung von 2008 war eine Partie im polnischen Sopot zwischen dem Russen Nikolai Dawydenko und dem Argentinier Marin Vassallo Arguello. Millionenbeträge wurden auf die Partie gewettet – aus Konten in Moskau. Im dritten Satz die Überraschung: Favorit Dawydenko gibt Forfait. Die Tennis-Funktionäre erklärten am Ende der Untersuchung, sie hätten keine Hinweise auf Regelverstösse durch die beiden Spieler gefunden.
Die Unterlagen, auf die sich BBC und Buzzfeed berufen, hätten dagegen gezeigt, dass Vassallo Arguello bei einem früheren Turnier 82 SMS mit einem mutmasslichen Anführer eines italienischen Wettrings ausgetauscht hatte, der beim Setzen auf andere Partien von Vassallo Arguello hunderttausende Pfund gewann.
Investigating match fixing in tennis is tough. Tournaments everywhere, ability to bet online from anywhere, and just one line player needed— Richard Ings (@ringsau) 18. Januar 2016
Der ehemalige ATP-Vizepräsident Richard Ings sagt, Tennis sei besonders anfällig für Korruption, weil jedes Jahr zehntausende Partien ausgetragen würden mit Milliarden-Beträgen im Wett-Pot. «Und es braucht bloss einen Spieler, um den Ausgang der Partie zu manipulieren.» (kad)