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Was vor einem Monat der „Aquarius“ aus Marseille passiert war, geschah 1939 der „St.Louis“ aus Hamburg: Dem Kapitän des Flüchtlingsschiffs wurde von den Behörden des angesteuerten Hafens die Ankerung verweigert. Im Falle der „Aquarius“, ein Rettungsschiff der deutsch-französischen NGO „SOS Méditerranée“ mit 630 Flüchtlingen an Bord, war Italien verantwortlich. Bei der „St.Louis“, einem Dampfer mit über 900 Flüchtlingen, waren es die USA – ein Staat notabene, der zu den flächenmässig grössten des Planeten zählt. Doch der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt (1933-1945) fügte sich ein Jahr vor den Neuwahlen den Forderungen seiner Partei. Auch in Kanada und Kuba blieb die „St.Louis“ ohne Erfolg. Und so musste das Schiff nach mehrwöchiger Irrfahrt über den Atlantik umkehren und Mitte Juni im belgischen Antwerpen anlegen. Die meist jüdischen Flüchtlinge wurden darauf von Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Grossbritannien aufgenommen, befanden sich jedoch durch die Ausbreitung des Nazi-Regimes wieder in Lebensgefahr. Ein Viertel der Passagiere der „St.Louis“ sollte später in den Konzentrationslagern ermordet werden. Die „Aquarius“, mit über hundert Kindern und sieben schwangeren Frauen an Bord, konnte ein paar Tage später im spanischen Valencia an Land gehen. Italien hatte bereits zwei weiteren Rettungsschiffen die Einreise verweigert: der „Lifeline“ aus Dresden mit 234 Flüchtlingen und dem „Seefuchs“ aus Regensburg mit 138 Flüchtlingen. Inzwischen schaffen es die Flüchtlinge nicht einmal mehr in europäische Gewässer. Sie werden vorher abgefangen und von der libyschen Küstenwache, die von der EU finanziert und ausgebildet wird, zurück nach Libyen gebracht. Dort herrscht die selbe Situation wie 1939 in Europa: Krieg. Hauptbild: Auf dem Weg Richtung Nordafrika: Flüchtlinge aus Europa, fotografiert Anfang 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts (spiegel.de). Weiterführende Informationen Essay – Paradies im Kopf (mutantia) Video zur Irrfahrt der St.Louis (Englisch) “Kommunaler Ungehorsam” als Antwort auf die Flüchtlingskrise (Wochenzeitung vom 5. Juli 2018)