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Eigentlich sollte ich zufrieden sein. Ich habe eine Arbeit, die mir gefällt, trainiere in einer Equipe hobbymässig Fussball und bin auch sozial gut vernetzt. Was mir aber bisher fehlt, ist eine Partnerschaft, wie sie andere in meinem Umfeld haben, die später zu einer Familie führen könnte. Vermutlich stehe ich mir selber im Weg. Ich mag mich nicht, so wie ich bin. Und ich denke, wenn ich so eine Figur hätte wie zum Beispiel meine Kollegin, wäre ich besser dran. Sie wird immer sofort von Männern angesprochen und umworben. Mir fällt es zwar leicht, auch mit männlichen Kollegen ins Gespräch zu kommen, doch es bleibt immer alles so nett und vernünftig. Meine Kollegin ist superschlank und gross und hat wunderbar blonde Haare. Ich dagegen bin sehr klein und rundlich und irgendwie unproportioniert, habe zu viel um Hüfte und Bauch. Was raten Sie mir? Frau R. aus W.
Liebe Frau R., dass Sie noch keinen Partner gefunden haben, ist vermutlich auf andere Gründe als auf Ihr Äusseres zurückzuführen. Und vielleicht sind Sie gegenwärtig mit ihren kollegialen Kontakten in Arbeitsumfeld und Sport so zufrieden, dass Sie gar nicht weiter suchen. Mir scheint aber, dass Sie mit sich selbst nicht im Lot sind, weil Sie sich nicht so mögen, wie Sie sind. Das könnte Sie daran hindern, genügend Zeichen nach aussen zu senden, dass Sie eigentlich auf Partnerschaftssuche sind. Die Ausstrahlung auf andere Menschen beginnt halt auch bei einem grundsätzlichen Annehmen von sich selbst, so wie man ist. Damit sollten Sie beginnen. Vielleicht hilft Ihnen folgender Gedanke. Stellen Sie sich als sportliche Frau einmal die Frage: «Was habe ich alles meinem Körper zu verdanken? Was leistet er Tag täglich und auch nachts für mich?» Daran schliesst sich die Überlegung an: Was kann ich für meinen Körper tun? Und wenn Sie etwas körperlich verändern möchten, so tun Sie es liebevoll, so wie es für Ihren Körper zuträglich ist, ohne zu grossen Stress: zum Beispiel mit gezielten Körperübungen oder etwas reduzierter, ausgewogener und leichterer Ernährung. Dazu möchte ich Sie ermutigen. Zum Problem mit Ihrer Figur fällt mir die Geschichte einer jungen Frau ein, die auch immer wieder unter ihrem Körper litt, weil sie klein und übergewichtig war. Bei einem Spitalbesuch sah sie im Zimmer eines Bekannten einen Tetraplegiker und war tief erschüttert. Sie versuchte sich, in diesen Menschen zu versetzen. Zuhause notierte sie in ihr Tagebuch: «Ich bin so dankbar, dass ich jeden Tag aufstehen und mich frei bewegen kann. Dass meine Füsse und Beine mich tragen, wohin ich will; dass ich sie spüre, wenn ich gehe, dass ich mich mit offenen Sinnen am Leben erfreuen kann, dass ich Düfte wahrnehmen, und auch essen und trinken kann.» Sie entschloss sich, etwas für ihren Körper zu tun, brauchte von nun an mehr ihre Füsse, ging die Treppen hoch, anstatt mit dem Lift und benutzte täglich ihr Fahrrad. Das brachte ihr bald erfreuliche Ergebnisse. Sie fühlte sich besser in ihrem Körper und fand zu mehr Zufriedenheit mit sich und ihrer Umgebung. Versuchen Sie es auch, liebe Frau R., mit Ihren eigenen Möglichkeiten. Sollte es Ihnen dabei nicht gelingen, sich mit ihrem Körper anzufreunden, so rate ich Ihnen zur Psychotherapie, vielleicht gibt es tiefer liegende Probleme, die Ihnen zu schaffen machen.
Info: Regula Gilg, lic. phil. Psychotherapeutin FSP mit eigener Praxis in Biel, beantwortet einmal monatlich Leserfragen.