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1890 wurde Kanos System von offiziellen Stellen in die Erziehungsprogramme der Schulen aufgenommen. Anfangs enthielt es noch Techniken des Tretens und des Schlagens, die Meister Kano jedoch allmählich aussortierte, um das Judo sport- und wettkampffähig zu machen. Die wichtigste Veränderung, die gegenüber dem Jujutsu stattfand, war die Einführung der Grundstellung (Shizen Tai) vor jedem Kampf und die vorgeschriebene Art des Fassens (Kumi Kata). Dadurch verlor das Judo gegenüber dem Jujutsu (das aus realitätsbezogenen Haltungen geübt wurde) den größten Teil seines Selbstverteidigungscharakters und erklärte sich selbst zum Wettbewerbssport. Nach dem Prinzip „Siegen durch Nachgeben“ entwickelte Kano viele dem Wettbewerb angepasste Würfe (Nage waza) und entfernte sich so immer mehr vom alten Jujutsu.
Die Basis des sportlichen Systems wurde das Randori. Ein wichtiger Punkt in der Trainingsausbildung wird den Techniken des Fallens (Ukemi Waza) gewidmet. Kano perfektionierte zusammen mit Hajime Isogai das Kodokan-Programm der Kampftechniken am Boden (Ne Waza). Im Jahre 1895 wurde mit Hilfe der Meister SAKUJIRO YOKOYAMA, HIDEKATSU NAGAOKA und YOSHIAKI YAMASHITA das Gokyo no Kaisetsu ausgearbeitet und am Kodokan eingeführt. Das System wurde 1920 von Kano erneut überarbeitet und wird bis heute im Kodokan und in der Zen Nihon Judo Renmei unverändert gelehrt.
Das Prinzip „Ju“ (Nachgiebigkeit) gibt es in vielen klassischen Kampfkünsten. Es ist eng mit dem chinesischen Prinzip von Yin und Yang verbunden, welches die Basis aller Bewegungen im Kito Ryu bildet (Ki — steigen /Yang, To — fallen/Yin). Kano war sich jedoch des Fehlers mancher Jujutsu Ryu bewußt, bei denen dieses Prinzip zu einem bloß ästhetischen Streben und ineffektiven Techniken führte. Er verließ sich auf die körperliche Erfahrung aus seiner Jugend und hatte großen Respekt vor starker körperlicher Kraft. Dies zeigt sich auch in dem Element Rentai-ho. Kano wollte das Ju weniger auf die körperliche Kraft als auf den Geist beziehen der diese Kraft kontrolliert. Dieses Prinzip des flexiblen Geistes ist eine der Grundlagen des Tenshin Shinyo Ryu. In körperlicher Hinsicht enthielt das Prinzip des Ju für Kano wie in vielen andere Jujutsu Ryu auch, zwei Aspekte: Nachgeben und Widerstehen. Der Kraftverlauf sollte sich immer dem Gegner anpassen, um dessen Kraft für sich selbst zu gebrauchen.
Das von Kano gegründete System Gokyo enthält 5 Gruppen mit je 8 Wurftechniken mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Neben dieser Einteilung gibt es noch das Kawaishi-System, gegründet von MIKINOSUKE KAWAISHI, einem Meister des Butokukai. Dieses besteht aus 40 Grundwürfen, 20 Haltegriffen, 30 Würgegriffen und 25 Hebelgriffen.
Die Zusammensetzung der einzelnen Technik enthält grundsätzlich immer 4 Phasen:
- Tsukuri (die Vorbereitung) 2. Kuzushi (das Gleichgewichtbrechen), 3. Kake (eigentliche Wurfaktion) und 4. Nage (die Phase des Fallens).
Kano verstand seine Kampfkunst nicht als ein ausschließliches Technik-System, sondern betonte immer wieder drei Prinzipien:
|Ju No Ri||Prinzip der Nachgiebigkeit|
|Seirjoku Zenryo||Rationelle Verwendung der Energie|
|Jita kyoei||Gegenseitige Hilfe und Unterstützung|