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51 Peg b – streng geheim
Die Beobachtungen im Observatorium Haute-Provence hatten die Genfer Astronomen auf eine heisse Spur geführt. Doch die Forscher hielten ihre Resultate im Sommer 1995 noch geheim, bis sie alle Fehlerquellen ausschliessen konnten.
Sommer 1995: Wie immer um zwölf Uhr unterbrachen die Astronomen im Genfer Observatorium ihre Arbeit zum Mittagessen in der Cafeteria. Unter ihnen war Didier Queloz. Er setzte sich zu einem Kollegen an den Tisch. „Hallo, ich glaube, wir sind auf der Spur von etwas Grossem“, meinte er mit einem Hauch von Triumph in der Stimme. „Aber ich darf noch nichts sagen“, flüsterte er geheimnisvoll weiter. „Du hast schon zu viel gesagt, nun musst du alles erzählen“, entgegnete sein Kollege, der wie die meisten Leute im Observatorium fühlte, dass sich etwas Wichtiges anbahnte.
Nichts zu machen, obwohl die Aufregung spürbar war, erzählte Didier Queloz nicht weiter, fügte aber an, dass man bis zu einer Konferenz in Florenz warten müsse, um das Ende der Geschichte zu erfahren. Diese Aussage steigerte die Neugierde der Kollegen noch mehr, da niemand von diesem Kongress gehört hatte.
„Die Atmosphäre war tatsächlich etwas fieberhaft“, erinnert sich Luc Weber, der Informatiker, der den anspruchsvollen Computercode entwickelt hatte, den Didier Queloz für die Analyse der Sternspektren benützte. „Fieberhaft, aber freundlich“, versichert der Informatiker. „Es handelte sich um etwas völlig Neues. Wir sprachen noch nicht von einem Planeten, aber die Idee, dass wir eine Realzeitmessung von Radialgeschwindigkeiten mit einem extrem genauen Instrument hatten, motivierte uns enorm.“ Die Astronomen, Informatiker, Optikspezialisten und Ingenieure, die am Projekt ELODIE arbeiteten, drangen im Bereich der CCD- und Glasfaser-Technik tatsächlich auf unbekanntes Gebiet vor.
„Damals war ich im Büro von Didier Queloz“, erzählt Stéphane Udry. „Mit einer ziemlich einfachen Software suchte ich nach Sinuskurven in einem Wald voller Punkte.“ Didier Queloz bat Stéphane Udry zu testen, ob sich in den Messungen von Peg 51 mit dieser Software eine mögliche charakteristische Periode entdecken lasse. „Wir fanden sofort 4,2 Tage, aber Didier glaubte dies nicht. Du fantasierst, sagte er mir, und zweifelte an meiner geistigen Gesundheit und der Software“, amüsiert sich der Mann, der später Direktor des Genfer Observatoriums wurde. Je mehr Messungen sich anhäuften, umso sicherer wurden Michel Mayor und Didier Queloz: Das kann nur ein Planet sein.
Während des ganzen Sommers 1995 arbeiteten sie intensiv, um sämtliche Fehlerquellen und alle übrigen physikalischen Phänomene ausser der Existenz eines Planeten auszuschliessen. „Sie wurden sehr zurückhaltend“, erinnert sich Daniel Schaerer, der soeben seine Doktorarbeit abgeschlossen hatte. „Sie zogen sich häufig zurück in ihre Büros, aus denen nichts verlautete“, sagt der heutige Experte für entfernte Galaxien.
Wie es weiter ging, wissen wir: Die Bekanntgabe am Kongress in Florenz im Oktober 1995, die Bestätigung durch US-amerikanische Konkurrenten angeführt von Geoffrey Marcy und der Mediensturm. „Ich erinnere mich, dass die Marcel-Benoît-Stiftung ihren Preis schon 1995 an Michel Mayor verleihen wollte“, erklärt Stéphane Berthet, Generalsekretär der Universität Genf; aber im Zug der Polemik, ausgelöst durch ein kanadisches Team, das behauptete, es handle sich nicht um einen Planeten, sondern um einen Sternfleck, entschied die Stiftung, die Preisverleihung aufzuschieben.“ Der Marcel-Benoît-Preis, der oft als Schweizer Nobelpreis bezeichnet wird, ging schliesslich im folgenden Jahr an Michel Mayor. (pb)