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23 Kugeln im Körper, ein paar davon lebensgefährlich im Kopf, in der Wirbelsäule, in der Milz oder Leber. Leader der «Bloods», einer Gruppierung, welche die amerikanischen Behörden zu den gefährlichsten Gangs der USA zählen. Ausgeschafft in die Schweiz.
Diese Sätze reichen eigentlich für drei Filme. Mich faszinierte, dass in dieser Geschichte vieles anders ist, als es auf den ersten Blick scheint. Allein das Wort «Ausschaffung» löst in der Schweizer Bevölkerung meist klar definierte Bilder aus. Jemand, meist männlich, dunkelhäutig, andersgläubig wird von der Schweiz dahin zurück gebracht, «wo er hin gehört».
Bloodhound will weg aus der Schweiz
Ja – wo gehören wir denn hin? Bloodhound ist Schweizer. Seine Vorfahren waren Schweizer. Er trägt einen sehr typischen Schweizer Familiennamen (den er allerdings in der Öffentlichkeit nicht verwenden möchte).
Bloodhound lebt seit fünf Jahren in der Schweiz. Alles gut? Nein, er will nichts wie weg. Weg von der Schweiz und zurück in die USA.
Dafür kämpft Bloodhound. Er schreibt an einem Buch über seine Geschichte. Er trägt täglich T-Shirts, mit denen er auf seine Sache hinweisen will. Und er kämpft mit Musik für seine Rechte. Er rappt, um zu verarbeiten, was ihm widerfahren ist.
Der Song «Bloodhound and the Bloods» handelt davon, dass er als US-Veteran aus den USA ausgeschafft wurde. In «A Bloods Bleeding Heart» verarbeitet er seine persönlichen Erlebnisse.
Nach seinen Schätzungen wird er rund 35‘000 Dollar Anwaltskosten bezahlen müssen, um eine Chance auf eine Rückkehr in die USA zu haben. Bloodhound arbeitet rund um die Uhr an diesem Ziel. Meist in der Nacht. Tagsüber arbeitet er in der Kantine vor meinen Augen, räumt das Geschirr ab und wäscht Teller.
Kampf für die Rückkehr
Bloodhound glaubt unerschütterlich an seine Rückkehr in die USA. Er kämpft rund um die Uhr dafür: Mit dem Musikprojekt «Bloodhound And The Bloods», mit einem Buch und mit seinen selbst gestalteten T-Shirts. Insbesondere prangert er an, dass er als ehrenhaft aus dem Dienst entlassener US-Veteran aus den USA ausgeschafft wurde.
Vermittler zwischen Gangs
Bloodhound agierte jahrelang als Vermittler zwischen den verfeindeten «Bloods» und den «Crips» in Los Angeles. Er genoss auch bei den Gegnern einen solch hohen Respekt, dass er zum Beispiel als rotgekleideter «Blood» unter Tausenden von blauen «Crips» an der Beerdigung des Crip-Anführers Tookie Williams teilnahm. Dieser war während der Amtszeit von Arnold Schwarzenegger als kalifornischer Gouverneur von einem Gericht zum Tode verurteilt worden. Ein Artikel im Los Angeles Sentinel zeigt, wie Bloodhound sich für die Begnadigung von Tookie Williams stark machte.
Marc Gieriet (*1967) arbeitet seit 2001 beim Schweizer Fernsehen. Er ist Autor diverser Reportagen und DOK-Serien.
«DOK» am Donnerstag
«Bloodhound und Streuli», Donnerstag, 21. Mai 2015, 20:05 Uhr, SRF1