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Die Gesellschaft sowie die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur weiter Gebiete im nördlichen Osten Ugandas sind nachwievor gezeichnet von den Folgen verschiedener kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen der Regierung, der Lord Resistance Army oder der Uganda People‘s Army, sowie den Folgen bewaffneter Viehdiebstähle durch die Volksgruppe der Karimojong zeichnen nach. Ein Grossteil der Bevölkerung wurde intern vertrieben und erlebte massive Gewalt und Entbehrung.
Zwischen 2012 und 2017 stieg die Zahl der von Armut betroffenen Uganderinnen und Ugander von 20 auf 27 Prozent – trotz einer schnell wachsenden Wirtschaft. Prekär ist die Lage vor allem im Projektgebiet, in der Region Teso, wo bis zu 84 Prozent der Menschen in Armut leben. Hier sind die meisten Menschen abhängig von Subsistenz-Landwirtschaft, doch ist die Nahrungsproduktion zunehmend beschränkt. Landkonflikte und der damit verbundene fehlende Zugang zu Land sowie eine rasant wachsende Bevölkerung und klimatische Veränderungen setzen die Ernährungssicherheit und die Einkommensgrundlage der Menschen unter Druck. Dazu kommt, dass die Regierung des Landes von autoritärer Politik und Patronage geprägt ist und staatliche Dienstleistungen durch Korruption massiv geschwächt werden. All diese Herausforderungen führen jedoch auch zu einer ständigen Zunahme der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten. Mit dem Einsatz ökologisch nachhaltiger Anbau- und Haltungsmethoden liesse sich die Situation der betroffenen ländlichen Bevölkerung langfristig verbessern, indem sie nicht nur ihren unmittelbaren Eigenbedarf besser abdecken, sondern Überschüsse erwirtschaften und gewinnbringend vermarkten könnten.
Die Familie und der Klan prägen nach wie vor die gesellschaftliche Ordnung. Sie sind die wichtigsten sozialen Bezugsrahmen für den Einzelnen und befördern Identität und Vertrauen. Gleichzeitig kontrollieren die Klans das Land und dessen Verteilung, und damit ein, wenn nicht das momentan wichtigste, wirtschaftliches Kapital. Rund 90 Prozent des Landes in Norduganda gehört damit der Gemeinschaft und untersteht offiziell dem Gewohnheitsrecht. Das heisst, dass Übertragung und Vollzug von Landrechten oden traditionellen Autoritäten obliegen, namentlich den Oberhäuptern der einzelnen Klans. Bei Konflikten sind es dieselben Autoritäten, die Recht sprechen. Das Gewohnheitsrecht ist ein faires und unparteiisches System, das allen Gesellschaftsmitgliedern ohne Unterschied Landrechte zugesteht. Durch die Einbindung der Klan-Strukturen auch in wirtschaftliche Aktivitäten könnten diese kollektiv gesteuert und kontrolliert werden und erhielten grösseren Einfluss und Macht, letztlich im allgemeinen Interesse ihrer Mitglieder.
Die Teso Initiative for Peace (TIP), eine nordugandische Nichtregierungsorganisation, hat ein höchst innovatives Klan-Kooperativen-System entwickelt, das Teso Livelihoods Support Project (TELIS), das sie im Rahmen des vorliegenden Projekts im Distrikt Soroti in der Teso-Region umsetzt. Dabei geht es um die systematische Stärkung von technischem Knowhow, um umweltschonend die gängigsten landwirtschaftlichen Konsumgüter für den Eigenkonsum zu produzieren und über die Freilandzucht und den Verkauf von Hühnern und Eiern monetäres Einkommen zu erwirtschaften und effektiv zu verwalten. Ausserdem soll der Landzugang gesichert werden durch die friedliche Lösung von Landkonflikten, einschliesslich der Identifizierung, Demarkierung und Kartographierung von umstrittenen Landgrenzen. Witwen und geschiedene Frauen sowie benachteiligte Kinder und Jugendliche geniessen besondere Aufmerksamkeit.