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Demenz vom Typ Alzheimer
Mit dem Begriff Demenz wird eine verminderte Hirnleistung bezeichnet, die für Betroffene eine Unterstützung im Alltag erfordert. Die Alzheimererkrankung ist die häufigste Ursache einer Demenz.
Nach heutigem Wissensstand gehen wir davon aus, dass die Alzheimererkrankung in einem mittleren Lebensalter (um 50 Jahre) beginnt. Die ersten Symptome einer Hirnleistungsstörung - wie zum Beispiel Gedächtnisprobleme oder Probleme mit komplexen Planungsaufgaben - zeigen sich aber erst 15-20 Jahre später. Die Diagnose wird heute mittels sorgfältiger medizinischer und laborchemischer Untersuchungen gestellt. Auch eine neuropsychologische Testung sowie eine Bildgebung des Gehirns (MRI/CT) gehören mit dazu. Andere mögliche und einfach behandelbare Demenzursachen werden durch die Untersuchungen ausgeschlossen. Die Suche nach weiteren Erkennungszeichen der Alzheimererkrankung (z.B. Untersuchung der Rückenmark- oder Hirnflüssigkeit, Nachweis von Alzheimertypischen Ablagerungen im Gehirn und genetische Bestimmungen) ist zwar technisch möglich, aber vorerst für die Forschung reserviert und deshalb nicht krankenkassenpflichtig.
Eine heilende Therapie gibt es zurzeit noch nicht. Es gibt jedoch zahlreiche medikamentöse und nicht medikamentöse Massnahmen, die den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen, da sie das Eintreten der zunehmenden Hirnleistungsstörungen bedeutend verlangsamen können. Diese Massnahmen sind umso wirksamer, je früher die Diagnose gestellt wird. Die Selbständigkeit und ein Verbleiben in den eigenen vier Wänden können damit um Jahre erhalten werden, ohne die Gesamtlebensdauer zu beeinflussen.
Ferner gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Hirnleistung positiv zu beeinflussen. Sie reichen von der Korrektur zusätzlicher Faktoren, die sich negativ auf die Hirnleistung auswirken, über regelmässige körperliche Betätigung (insbesondere Tanzen und Rhythmik) oder Stimulierungen verschiedenster Art, wie Gedächtnistraining, Lesen, Wiederaufnahme des Musizierens, bis zur Förderung der Geselligkeit oder dem Beibehalten von Freizeitaktivitäten.
Die Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns.
Der Abbau der Gehirnfunktionen betrifft nicht nur die Gedächtnisleistungen, sondern auch das abstrakte Denkvermögen, die Fähigkeiten zu rechnen und sinnvoll zu planen. Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen gehen ebenso verloren wie die Möglichkeiten, sich auszudrücken und zu kommunizieren. Mit zunehmender Erkrankungsdauer verschlechtern sich auch Auffassungsgabe und Orientierung; selbst enge Angehörige werden dann nicht mehr erkannt. Schliesslich versinkt das Gehirn immer mehr in einem Dämmerzustand, aus dem es kein Erwachen mehr gibt.
Warum eigentlich „Alzheimer“?
Es war der Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer (1864-1915), der 1906 als erster diese Demenzform beschrieb. Die Krankheit wurde nach ihm benannt und ist seither als Alzheimer-Demenz oder Alzheimersche Krankheit bekannt.
In der Schweiz leben zurzeit 110’000 demenzkranke Menschen; weltweit sind heute über 20 Millionen Menschen von einer Demenz betroffen. Zweidrittel der Erkrankten leiden unter der Alzheimer-Demenz. Sie stellt somit die häufigste Demenzform dar.
Wer ist betroffen?
Das Risiko, an dieser Demenzform zu erkranken,nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Während das Demenzrisiko bis zum 60. Lebensjahr noch gering ist, verdoppelt sich das Erkrankungsrisiko danach alle 5 Jahre; von den über 90-jährigen Männern und Frauen sind laut Statistik etwa 50 Prozent betroffen.
Ist die Alzheimer-Demenz erblich?
Es gibt eine seltene, familiär bedingte Form der Alzheimer-Demenz, die nur in 5% der Fälle und dann bereits früh, also deutlich vor dem 60. Lebensjahr, auftritt. Diese Variante der Alzheimer-Demenz ist erblich bedingt. Die wesentlich
häufigere Form offenbart sich nach dem 65. Lebensjahr. Ob auch diese späte Form eine erbliche Komponente hat, ist bisher nicht bekannt.
Wie entsteht die Alzheimer-Demenz?
Trotz intensiver weltweiter Forschungsbemühungen sind die Gründe für die Entstehung der Alzheimer-Demenz immer noch nicht eindeutig geklärt.
Nach bisheriger Erkenntnis sind es möglicherweise zwei Proteine (= Eiweisse), die für die typischen Veränderungen verantwortlich sind, die bereits Alois Alzheimer nach dem Tod seiner Patientin in deren Gehirn entdeckte.
Das altern des Gehirns spielt eine wichtige Rolle. Obwohl auch hier noch nicht nicht klar ist, wodurch der Alterungsprozess ausgelöst wird, weiss man, dass dabei - auch durch Umwelt- oder Lebensstilfaktoren bedingt entstehen, die Schäden an den Erbanlagen oder Fehlfunktionen wichtiger Eiweisse verursachen, die das Nervengewebe zusätzlich schädigen können.
Beginn und Verlauf
Die Krankheit beginnt schleichend. Die ersten Anzeichen sind zunächst alltägliche Vergesslichkeiten (Wo liegt denn wieder der Autoschlüssel? Wie heisst noch der Freund unserer Tochter?) oder das ständige Wiederholen der immer gleichen Fragen.
Mit der Zeit nehmen die Gedächtnisausfälle zu, und Gewohntes birgt plötzlich unüberwindbare Hürden wie der Nachhauseweg, der eines Tages völlig fremd erscheint, oder lang genutzte Haushaltsgeräte, die plötzlich nicht mehr bedient werden können. Selbst gestern Erlebtes ist heute nicht mehr präsent, Termine, Abmachungen und Daten werden vergessen.
Viele Betroffene merken, dass etwas in ihnen vorgeht, was für sie nicht einfach einzuordnen und zu beschreiben ist. Sie sind irritiert und fühlen sich dem Geschehen hilflos ausgeliefert. Die eigene Unsicherheit führt zu Ersatzhandlungen, um Peinlichkeiten aus dem Weg zu gehen. Frustriert über ihre Unfähigkeit, sich mitzuteilen oder andere zu verstehen, reagieren manche ungeduldig oder gar aggressiv. Mit fortschreitendem Gedächtnisverlust wissen die Patienten nicht mehr, wo sie sind, sie vergessen Tag und Uhrzeit und erkennen selbst enge Angehörige nicht mehr.
Im späten Stadium wirkt sich die Zerstörung des Gehirns zunehmend auf andere Organsysteme aus. Durch den Verlust der Organfunktionen werden die Patienten anfällig für Krankheiten und Infektionen, die dann häufig zum Tod führen.
Patienten mit Alzheimer-Demenz machen im Verlaufe ihrer Krankheit unterschiedliche Phasen durch - stabilere Zeiten wechseln mit Perioden, in denen sich die geistigen und körperlichen Fähigkeiten weiter verschlechtern. Aufhalten lassen sich die Veränderungen nicht. Wie sich die Krankheit entwickelt und wie rasch sie fortschreitet, ist individuell unterschiedlich.
Die Dauer der Alzheimer-Demenz nach Diagnosestellung ist individuell verschieden und kann bis zu zehn Jahre oder mehr betragen.
Demenzformen wie die Alzheimer-Demenz können nicht geheilt werden. Es gibt jedoch Behandlungsmöglichkeiten, durch die Betroffene wieder mehr Normalität und Lebensqualität gewinnen und die den Verlauf der Krankheit verzögern können. Voraussetzung ist eine möglichst frühe Diagnosestellung, denn je früher die Behandlung einsetzt, desto besser der Therapieerfolg.
Wer also bemerkt, dass er öfters Dinge vergisst und das Erinnerungsvermögen bedenklich nachlässt, der sollte seinen Hausarzt aufsuchen und die Gründe dafür abklären lassen. Gedächtnislücken und Vergesslichkeiten können auch Teil des normalen Alterungsprozesses sein. Der Gang zum Hausarzt bringt in solchen Fällen Klarheit und Aufschluss über den Gesundheitszustand. Falls sich tatsächlich Anzeichen einer beginnenden Demenzerkrankung zeigen sollten, besteht die Möglichkeit, frühzeitig eine adäquate medikamentöse Behandlung einzuleiten um das Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern.
Diagnose
Der Hausarzt wird bei einer Demenzabklärung zunächst ein ausführliches Gespräch mit der betroffenen Person und - wenn möglich - auch mit den Partnern oder nahestehenden Angehörigen führen. Neben einer allgemeinmedizinischen Untersuchung und Blutanalysen werden demenzspezifische Kurztests durchgeführt, durch die sich Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Konzentrationsfähigkeit überprüfen lassen. Zu den üblichen Tests gehören z.B. der Mini Mental State Examination (MMSE-Test) und der Uhrentest.
Besteht der Verdacht einer Demenzerkrankung werden die Patienten zu weiteren neuropsychologischen Abklärungen an ein Memory Clinic überwiesen. Dort werden die Hirnleistungen - auch durch bildgebende Verfahren wie CT oder MRI (Computer- oder Magnetresonanztomographie) - sorgfältig überprüft.
Behandlungsmöglichkeiten
Die medikamentöse Therapie
Die für die Behandlung der Alzheimer-Demenz zugelassenen Medikamente (Antidementiva) zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie die Wirkung bestimmter Botenstoffe verstärken, die durch die Erkrankung beinträchtigt, für die geistige Leistungsfähigkeit aber unentbehrlich sind.
Bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz wird der Hausarzt so genannte „Cholinerase-Hemmer“ verschreiben. Dazu gehören: Donezepil, Galantamin und Rivastigmin. Diese Medikamente haben einen positiven Einfluss auf die Verfügbarkeit von Überträgerstoffen im Gehirn, verbessern die geistigen Fähigkeiten und können das Fortschreiten der Erkrankung vorübergehend hinauszögern. Spricht der Patient auf die Behandlung an, bessern sich Selbständigkeit und Alltagsfähigkeiten sowie Stimmung und Verhalten des Patienten.
Bei moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz kommt das Medikament Memantin zum Einsatz. Auch dieser Wirkstoff kann die Hirnleistung und die Demenzsymptome verbessern und demenzbedingte Verhaltensstörungen mildern. Allerdings lassen sich diese Wirkungen auch hier nur vorübergehend beobachten.
In schweren Fällen kann die Behandlung auch mit einer Kombinations-Medikamentation erfolgen.
Demenzkranke leiden häufig auch unter psychischen Problemen, die unterschiedlichste Ursachen haben können (Schmerzen, ungewohntes Umfeld,Probleme mit der Ernährung, Schlafstörungen). Bevor entsprechende Medikamente (Antidepressiva, Neuroleptika) eingesetzt werden, sollte zunächst versucht werden, den Ursachen auf den Grund zu gehen.
Nicht-medikamentöse Massnahmen
Der Einsatz von Medikamenten ist nur eine Behandlungsform. Eine mindestens ebenso wichtige Rolle ist die psychosoziale Betreuung der Patienten.
Dazu gehört eine ruhige häusliche Umgebung, eine verständige und mitfühlende Betreuung und ein klar strukturierter Tagesablauf, um den Patienten möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Im sehr frühen Stadium der Erkrankung können kognitive Trainingsprogramme (z.B. Gedächtnistraining) noch sinnvoll sein, um Alltagsfähigkeiten zu erhalten. Besser geeignet - auch in fortgeschritteneren Stadien - sind psychosoziale Gruppentherapien, in denen z.B. motorische Fähigkeiten auf spielerische Weise geübt werden. Werden diese auch durch Musik rhythmisch untermalt, lässt sich die Effektivität noch verbessern. Darüber hinaus haben sich künstlerische Therapien (z.B. Mal- oder Musiktherapie) als sinnvoll erwiesen, um Wahrnehmung, Konzentration und Orientierung zu fördern.
Wichtig darüber hinaus alles, was das Erinnerungsvermögen der Betroffenen anregt (z.B. Ansehen von alter Fotoalben, Hören und Singen von Lieblingsliedern). Dadurch wird die eigene Identität und Persönlichkeit des Kranken unterstützt und das Gefühl der Selbstsicherheit gefördert.
Auch Haustiere haben einen beruhigenden und angstlösenden Effekt auf die Betroffenen, insbesondere bei unruhigen Patienten.
Präventionsmöglichkeiten
Aus zahlreichen epidemiologischen Studien (Häufigkeit und Verbreitung von Krankheiten in einer Bevölkerung) kennt man inzwischen gewisse Risikofaktoren, die das Entstehen von Demenz begünstigen oder fördern. Dazu gehören insbesondere beeinflussbare Lebensstilfaktoren, wie:
-Nikotin- und Alkoholmissbrauch
-ungesunde Ernährung
-fehlende körperliche Bewegung
-fehlende geistige Beschäftigung
-fehlende soziale Aktivitäten
Aus diesen Erkenntnissen lassen sich eine Reihe präventiver Massnahmen ableiten, die das Gehirn auf Trab halten, stimulierend und durchblutungsfördernd wirken und die Neubildung von Nervenzellen (die nachweislich auch im Alter noch möglich ist) fördern. Das Gehirn besitzt - wenn es trainiert und gefordert wird! - die Fähigkeit, die Aufgaben geschädigter Hirnareale durch Bildung und Verknüpfung neuer Nervenzellen bis zu einem gewissen Grad zu kompensieren. Dies gelingt allerdings nicht mehr, wenn der Abbau der geistigen Fähigkeiten bereits zu ersten Demenzsymptomen führt.
Lebensstilfaktoren ändern
Ausgehend von den genannten Risikofaktoren lässt sich die Leistungsfähigkeit des Gehirns durch eine ausgewogene Ernährung und durch regelmässige körperliche und soziale Aktivitäten stärken.
Als positiv gilt die sogenannte Mittelmeerdiät, eine Ernährung, die regelmässige Fischmahlzeiten, viel Gemüse und Obst sowie Getreideprodukte und Hülsenfrüchte enthält, aber wenig Milchprodukte, Fleisch und gesättigte Fettsäuren. Fisch, Gemüse und Obst sind reich an Substanzen, die nachweislich gefässschützende und antientzündliche Wirkungen entfalten.