Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03404.jsonl.gz/349

Als Coaches, Eltern, Ärzt:innen oder Physiotherapeut:innen gehören Sie zu den wichtigsten Akteuren im sportlichen Umfeld einer Athletin oder eines Athleten. Damit geht eine besondere Verantwortung für die Begleitung Ihrer Schützlinge einher. Sie spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Athlet:innen darin zu unterstützen, sportliche Erfolge durch saubere Leistung zu erreichen. Die folgenden Gedanken können Sie dabei leiten.
Wie handle ich als Vorbild? Welche Kultur lebe ich vor?
Als Betreuer:in im Sport sind Sie eine Vertrauensperson und ein wichtiges Vorbild für die Sportler:innen. Ihr Verhalten wird beobachtet und bewusst oder unbewusst nachgeahmt. Mit Ihrer positiven Haltung verankern Sie den «Spirit of Sport» bei Ihren Sportler:innen.
Sportkultur
Sport kann Respekt, Freundschaft, Freude, Widerstandsfähigkeit und einen gesunden Lebensstil fördern. Wenn diese Werte jedoch nicht verankert sind, können im Sport auch Betrug, Lügen, Arroganz und übersteigerter Siegeswillen entstehen.
Mit den folgenden Verhaltensweisen können Sie gute Werte fördern:
- Lehren Sie Jugendlichen, ihre Gegner:innen, die Teammitglieder:innen, die Regeln, die Unparteiischen und sich selbst zu respektieren und als wichtigen Teil ihres Sports anzuerkennen.
- Loben Sie Respekt, persönliche Entwicklung, Integrität und Gerechtigkeit mindestens so oft wie sportliche Erfolge.
- Etablieren Sie Niederlagen als Chancen zum Lernen, nach dem Motto «Ich verliere nie. Entweder ich gewinne oder ich lerne dazu.»
- Intervenieren Sie, wenn Athlet:innen unfaires Verhalten jeglicher Art zeigen, um zu gewinnen.
Dopingmentalität
Regelmässiger Einsatz von leistungsfördernden Produkten im weitesten Sinne, z.B. von Nahrungsergänzungsmitteln, kann zu einer Dopingmentalität führen. Dopingmentalität bedeutet, dass jemand glaubt, mit bestimmten Mitteln, Pülverchen oder Medikamenten leistungsfähiger zu sein oder mental stärker zu werden. Wenn junge Sportler:innen sich an den Konsum z.B. von Traubenzucker oder Energy-Drinks gewöhnen, entsteht eine unbewusste psychische Abhängigkeit. Häufiger Konsum von «harmlosen Produkten» und Nahrungsergänzungsmitteln führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, später wissentlich verbotene Substanzen oder Methoden anzuwenden.
Neben den vorgelebten Werten hat auch ein gesunder, sportverträglicher Lebensstil Vorbildcharakter. Als Bezugsperson von Sportler:innen können Sie gesunde Ernährung und einen angemessenen Umgang mit Nahrungsergänzung, Energy-Drinks und Medikamenten vorleben und propagieren.
Wie kann ich unterstützen?
Ausbilden, beraten, erinnern
Athlet:innen lernen ihre sportartspezifischen Regeln und Taktiken von ihren Betreuungspersonen. Deren Rolle ist es auch, ihnen die sportartübergreifenden Regeln, wie die Anti-Doping-Bestimmungen, zu erläutern. Machen Sie sich damit vertraut und vermitteln Sie ihren Sportler:innen die wichtigsten Regeln und Tipps. Oft ist es nötig, das Wichtigste regelmässig in Erinnerung zu rufen.
Erkennen, unterstützen, intervenieren
An gewissen Merkmalen und Situationen können Sie erkennen, ob Sportler:innen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, absichtlich oder unabsichtlich gegen Anti-Doping-Bestimmungen zu verstossen. Bei folgenden Beobachtungen sollten Sie das Gespräch suchen und Unterstützung anbieten:
- Verletzungen und Krankheiten: Unbewusste Wahl verbotener Therapien, bewusster Versuch die Genesungsdauer durch verbotene Substanzen oder Methoden zu reduzieren.
- Charakter und Kultur der jeweiligen Sportart: Dopingvergangenheit, Körpergewicht als Erfolgsfaktor, dominante Bedeutung von Kraft oder Ausdauer, verbreitete Haltung «alle anderen dopen auch» usw. Athlet:innen in solchen Sportarten haben in der Vergangenheit öfter zu Doping gegriffen.
- Sportlicher Druck: Anstehende Vertragsverlängerungen, anstehende Selektionen, Misserfolg, implizite Erwartungen der Eltern, beeindruckende Fortschritte von Kolleg:innen oder Gegner:innen usw. Diese Situationen können zur Versuchung führen, die Erfolgschancen mit Hilfe von verbotenen Substanzen zu verbessern.
- Dopingmentalität: Regelmässiger Konsum von Energy-Drinks, umfangreicher Einsatz von Supplementen usw. Die psychologische Abhängigkeit von Nahrungsergänzungsmitteln gilt als Risikofaktor für späteren Dopingbetrug.
- Persönlichkeitsmerkmale: Geringes Selbstvertrauen, sehr hohe Erwartungen an sich selber, Ungeduld und mangelnde Bereitschaft, hart und diszipliniert zu trainieren, negativer Umgang mit Niederlagen, ausgeprägte Resultatorientierung statt Fokus auf eigene Entwicklung usw. Nicht alle Personen reagieren gleich in vergleichbaren Situationen, einige benötigen mehr Zuwendung, um als Athlet:innen zu reifen.
- Haltung zu Fairness und Gesundheit: Akzeptanz von unfairem Verhalten, Verharmlosung der gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Folgen von Doping, Bewunderung für Personen, welche durch unsportliches Verhalten auffallen oder für Doping verurteilt wurden usw. Fehlt eine auf Fairness und Integrität aufgebaute Grundhaltung zum Sport, steigt das Risiko für Verstösse gegen Regeln stark an.
- Persönliche Krisen: Beziehungsprobleme, finanzielle Notlage, schulische oder berufliche Probleme usw. Manchmal bleibt die Hoffnung, mit unerlaubten Mitteln wenigstens den sportlichen Erfolg sicherzustellen.
Begleiten während Dopingkontrollen
Werden Athlet:innen zu einer Dopingkontrolle aufgeboten, können und sollen sie von einer Vertrauensperson begleitet werden. Dies gilt insbesondere für Minderjährige. Dabei können Sie Ihre Schützlinge nicht nur moralisch unterstützen, sondern auch dabei helfen, ihre Rechte und Pflichten wahrzunehmen.
Welche Regeln gelten für mich selber?
Die Anti-Doping-Bestimmungen richten sich nicht nur an aktive Sportler:innen. Zahlreiche Regeln gelten auch für ihre Betreuungspersonen.
Artikel 2 des Doping-Statuts von Swiss Olympic nennt auch Verstösse, welche sich insbesondere an Betreuungspersonen richten. Auch Betreuungspersonen können sanktioniert und von sämtlichen Tätigkeiten im Sport ausgeschlossen werden.
In Artikel 22 des Sportförderungsgesetzes werden Tatbestände festgehalten, welche sich auf Betreuungspersonen beziehen und von staatlichen Gerichten mit Geld- oder Freiheitsstrafen bestraft werden können.