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Wie können die Ortsnamen neu gedeutet werden?
Diese Grundthesen widersprechen zum grössten Teil der traditionellen Ortsnamenkunde. Die meisten von ihnen haben sich im Laufe meiner Deutungsarbeit herausgeschält, es ist also nicht von Thesen im Sinne von vorgestellten Arbeitshypothesen auszugehen. Aber nur dadurch, dass ich schlussendlich diesen Thesen gefolgt bin, konnte ich die keltischen Ortsnamen überhaupt erst neu deuten.
1. Die Basis der Deutung eines Ortsnamen ist die Bestimmung seiner Ursprungssprache. Erst wenn diese bekannt ist, wird kann dessen Deutung erfolgreich sein.
Solange man beispielsweise glaubt, ein Ortsname stamme aus dem Deutschen, obwohl er in Wirklichkeit aus dem Keltischen stammt, ist eine korrekte Deutung unmöglich.
2. Viele Ortsnamen‑Stämme im deutschen Sprachgebiet sind in Wirklichkeit keltisch, und nicht deutsch, wie bisher angenommen wurde.
Dies gilt entsprechend auch für andere europäische Gebiete.
3. Die Römisch-lateinische Ortsnamenform ist für die Deutung ursprünglich keltischer Ortsnamen kritisch zu betrachten.
Der Grund ist, dass sie meist nur ein lateinisches Derivat des ursprünglich keltischen Namens sind, manche waren gar Phantasienamen, die schnell wieder vergessen wurden. So haben die Römer Arbon „Arbor felix“ also „glücklicher Baum“ genannt.
Römisch-lateinische Ortsnamen haben sich in unserem Gebiet nur sehr wenige bis heute erhalten, als Beispiel mag etwa Konstanz dienen.
4. Die Endung des Ortsnamens ist häufig jünger als der Ortsnamen‑Stamm.
Viele keltische Ortsnamen haben eine deutsche Endung erhalten, so wurde zum Beispiel dem keltischen „Thun“ die deutsche Endung „Dorf“ angehängt, was Thundorf ergab, zahllose Ortsnamen erhielten die deutsche Endung -ingen, da sie schon früh germanisiert wurden. 1)Ing oder Ingen wird als althochdeutsch angesehen, sie wurde also vor 1050 vergeben.
5. Bei der Germanisierung der keltischen Ortsnamen sind Ausspracheveränderungen aufgetreten, die bei der Deutung berücksichtigt werden müssen.
Beispielsweise wurde an den Wortanfang vor einen Vokal häufig ein H- gestellt. (Beispiel: Hallwil hiess keltisch Allwil)
Auch die spezifisch deutsche Orthographie muss soweit möglich rückgängig gemacht werden, will man das keltische Ursprungswort erkennen.
Zum Beispiel müssen die spezifisch deutschen Umlaute und Doppelkonsonanten entfernt werden. (Beispiel: Mör-schwil geht auf das Wort „Mor“ zurück)
6. Bei der Analyse der Ortsnamenbestandteile hat sich ergeben, dass das vor allem nördlich der Alpen gesprochene Gallische offenbar mit dem damals in Irland und Schottland gesprochenen Altgälischen recht weitgehend identisch war.
Anmerkungen [ + ]
|1.||↑||Ing oder Ingen wird als althochdeutsch angesehen, sie wurde also vor 1050 vergeben.|