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Bundesamt für Raumentwicklung (ARE)
Gemeinde Glarus Nord, Fair Trade Town – eine Gemeinde, die hervorsticht
KONTEXT
Eine verantwortungsbewusste Ernährung trägt unter anderem zum weltweiten Kampf gegen Armut bei. Denn dank fairem Handel lassen sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen Tausender Menschen dauerhaft verbessern. Dies sind die Hauptziele der internationalen Kampagne Fair Trade Town, die in der Schweiz vom Dachverband Swiss Fair Trade betreut wird. Sie bietet Städten und Gemeinden, ob gross oder klein, die Gelegenheit, sich für faire Nord-Süd-Handelsbeziehungen, transparente Preise, würdige Arbeitsbedingungen, nachhaltige Produktionsmethoden und einen schonenden Umgang mit der Umwelt zu engagieren.
Weltweit wurden bereits über 1700 Städte in 25 Ländern für ihr entschlossenes Engagement zugunsten des fairen Handels als Fair Trade Town ausgezeichnet. Hierzulande wurde die Kampagne 2014 lanciert. Im Februar 2016 wurde Glarus-Nord als erste Schweizer Gemeinde in den Kreis der Fair Trade Towns aufgenommen. Weitere Gemeinden, darunter Zweisimmen, Wil und Bern, werden das Label demnächst erhalten oder sind in der Zwischenzeit bereits ausgezeichnet worden.
BESCHREIBUNG
Möchte ein öffentliches Gemeinwesen die Auszeichnung als Fair Trade Town erhalten, so muss dieses aufzeigen, dass es – dank des Engagements von Behörden, Detailhandel, Unternehmen, Institutionen, Restaurants und der Bevölkerung – fünf Kriterien erfüllt:
1. Die Stadt oder Gemeinde bekennt sich zum fairen Handel – beispielsweise in Form einer politischen Erklärung.
2. Eine Arbeitsgruppe koordiniert das Fair-Trade-Engagement der Stadt oder der Gemeinde (Einsetzen einer Koordinations- und Arbeitsgruppe).
3. Detailhandel und Gastronomie bieten mindestens fünf Fair-Trade-Produkte an.
4. Institutionen und Unternehmen verwenden mindestens drei Fair-Trade-Produkte (darunter
Kaffee).
5. Durch Öffentlichkeitsarbeit wird der faire Handel der Bevölkerung nähergebracht.
Die Mindestzahl der Detailhändler, Restaurants, Institutionen und Unternehmen, die an der Kampagne teilnehmen müssen, hängt von der Einwohnerzahl der Stadt oder Gemeinde ab.
UMSETZUNG
Um sich für die Auszeichnung als Fair Trade Town zu bewerben, muss eine Stadt oder Gemeinde das entsprechende Formular auf der Webseite www.fairtradetown.ch/de ausfüllen. Dabei sind die verschiedenen Aktivitäten und Massnahmen zu beschreiben, welche die beteiligten Akteure zugunsten des fairen Handels durchgeführt haben. Ist das Formular ausgefüllt und sind die fünf Kriterien erfüllt, so erfolgt die Beurteilung des Dossiers durch Swiss Fair Trade, den Dachverband der schweizerischen Fair-Trade-Organisationen. Nach der Verleihung des Labels finden regelmässig Kontrollen statt. Damit wird überprüft, ob das Engagement der Stadt oder der Gemeinde echt und dauerhaft ist.
Die Kosten für die Auszeichnung, die auch Logos für die Kommunikation sowie Beratungsdienste abdecken, sind relativ bescheiden und hängen von der Grösse der Stadt respektive der Gemeinde ab. Für eine Gemeinde mit über 50 000 Einwohnerinnen und Einwohnern beispielsweise betragen diese 2000 Franken pro Jahr. Glarus Nord ist die erste Schweizer Gemeinde, die als Fair Trade Town anerkannt und ausgezeichnet wurde. Der Gemeinderat hatte sich einstimmig für die Bewerbung ausgesprochen. Dazu hatten ihn verschiedene Gründe bewogen:
— Die Suche nach tragfähigen, gemeinsamen Werten, die zur Identitätsbildung der jungen Gemeinde – sie entstand erst im Jahre 2011 – beitragen können.
— Der Wille, den von dieser Region bereits verschiedentlich bewiesenen Pioniergeist (Konsumentenschutz, Arbeitslosenversicherung, Stimmrechtsalter 16 Jahre) zu pflegen.
— Der Wunsch der Behörden nach echter «Public Leadership», um die in der Gemeinde tätigen Akteure zu vermehrter Nachhaltigkeit zu animieren und um aktiv zu einem Wandel der Mentalität und der Konsumgewohnheiten beizutragen.
So hat die Gemeinde Glarus Nord ihr Einkaufsverhalten namentlich im Bereich der Arbeitsbekleidung verbessert. Stand Frühling 2016 konnten auf Gemeindegebiet insgesamt vier Geschäfte, sieben Hotels und Restaurants, zehn Verbände und fünf Firmen aktiv einbezogen werden. Wenn eine Gemeinde zum Schluss kommt, dass die öffentlichen Anschaffungen sich auf die Wirtschaft positiv auswirken, sind die Kosten der öffentlichen Beschaffungen de facto nur leicht höher. Die Rückmeldungen fielen denn auch überwiegend wohlwollend aus. Heute profitieren Kundinnen, Hotels, Angestellte, Schüler, Sportlerinnen und andere mehr vom breit gefächerten Fair-Trade-Angebot in Glarus Nord. Dieses umfasst Produkte aus fairem Handel, von Kaffee, Tee und Fruchtsaft über Bananen, Datteln, Früchte, Nüsse und Ähnlichem bis hin zu Zucker, Honig und Schokolade.
Zudem ist es der Gemeinde gelungen, ihre Identität auf tragfähige und gemeinsame Werte zu gründen. Diese unterscheiden sie von anderen Gemeinden und schaffen einen echten Mehrwert. Dank des Engagements hat Glarus Nord sichtbar an Profil gewonnen und sendet ein starkes Signal an andere Gemeinden aus. Denn man hat bewiesen, dass ein Engagement für fairen Handel nicht nur sinnstiftend, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sein kann. Hoffentlich folgen zahlreiche weitere Gemeinden dem Vorbild von Glarus Nord. Schliesslich hat sich Swiss Fair Trade bis 2018 zum Ziel gesetzt, die uszeichnung an 55 Städte und Gemeinden zu verleihen.