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Aufgefrischte Reformarchitektur auf dem Bruderholz
Das villenartige Wohnhaus am Unteren Batterieweg 125–129 gehört zu den frühen Wohnbauten auf dem Bruderholz. Es wurde 1908 von Erwin Heman errichtet und darf als charakteristisches Beispiel für den Heimatstil gelten. Die drei Hausteile sind weitgehend im ursprünglichen Bauzustand erhalten, Nr. 129 wurde aufgrund eines Besitzerwechsels restauriert und sanft umgebaut.
Eine Gartenstadt auf dem Bruderholz
Mit der Bebauung des Bruderholzes im Süden der Stadt sollte kurz nach 1900 attraktiver Wohnraum für wohlhabende Schichten geschaffen werden. 1912/13 legten Erwin Heman und Eduard Riggenbach einen vielbeachteten – später teilweise umgesetzten – Stadterweiterungsplan vor, der sich in seiner Anlage am Modell der Gartenstadt orientierte. Ausgehend von der englischen Reformbewegung kam es zum damaligen Zeitpunkt an der Peripherie zahlreicher europäischer Städte zur Planung solcher Anlagen, die eine Alternative zu den monotonen Blockrandbebauungen bieten sollten. Bewusst ging man bei der Planung von den topografischen Gegebenheiten aus, bettete die neuen, meist geschwungenen Strassen möglichst «organisch» ins Terrain ein. Die lockere Bebauung bestand vorwiegend aus kleinen Wohnhäusern, oft zusammengefasst zu grösseren Einheiten oder zu Reihen, ergänzt durch einige öffentliche Bauten, die sich meist um Platzanlagen gruppierten. Die gesamte Anlage war stets stark durchgrünt und sollte die Basis für eine lebendige Gemeinschaft bilden. Die charakteristische Mischung verschiedener Ideenwelten – von der Idealisierung des idyllischen Landlebens bis zu lebensreformerischen Ansätzen – widerspiegelte sich auch in der Architektur. So sollten die Wohnhäuser stilistisch einheitlich gestaltet werden, gleichzeitig aber eine motivische Vielfalt bieten. Ziel war es, traditionelle und lokal verankerte Bauformen mit reformerischen Ansätzen zu verbinden und somit die historischen Stilhülsen, ebenso wie den Jugendstil, endgültig zu verabschieden. Je nach Land und Kontext sind für diese wichtige Entwicklungsetappe in der europäischen Architektur – zwischen 1900 und dem Ersten Weltkrieg – die Bezeichnungen Reformarchitektur, Heimatstil oder Nationale Romantik gebräuchlich.
Erwin Heman
Erwin Heman (1876–1942) war ein wichtiger Basler Vertreter dieser Strömung. Nach einer Ausbildung bei Emanuel La Roche und Adolf Stähelin studierte er an der Technischen Universität in München bei Friedrich von Thiersch, erwarb sich Büropraxis bei Curjel & Moser in Karlsruhe und eröffnete 1903 sein eigenes Büro in Basel. 1908 war er Gründungsmitglied des Bunds Schweizer Architekten BSA und wurde später Mitglied des reformorientierten Schweizerischen Werkbunds SWB. Unter dem Eindruck der englischen und deutschen Reformbewegung entwickelte er in seinen Bauten einen regional differenzierten Heimatstil. Das Wohnhaus am Unteren Batterieweg ist ein anschauliches Beispiel für Hemans Schaffen. Es entstand noch vor seinem Bebauungsplan für das Bruderholz und war mit seinem malerisch gestalteten Baukörper für die zukünftige Bebauung des Quartiers wegweisend. Im Innern äussern sich die damaligen Reformbestrebungen insbesondere in der funktionalen Raumgliederung, einfachen aber sorgfältig gestalteten Details und einem Farbkonzept, das zur harmonischen Gesamtstimmung beiträgt.
Die restauratorischen Massnahmen
Der Hausteil am Unteren Batterieweg 129 wurde sorgfältig restauriert und im Innern moderat an zeitgemässe Wohnbedürfnisse angepasst. Ziel war es, so viel wie möglich an originaler Bausubstanz zu erhalten und unsachgemässe Eingriffe, die im Lauf der Zeit erfolgt waren, rückgängig zu machen. So wurden der defekte Kellenwurfverputz an der Nordfassade wiederhergestellt und die unschönen Kunststofffenster durch neue, den ursprünglichen Fenstern nachgebaute Holzfenster ersetzt. Zu besseren Belichtungsverhältnissen geführt hat der Einbau eines zusätzlichen Fensters im zurückversetzten Seitenteil des Gebäudes sowie einer neuen Gaube im oberen der beiden Dachgeschosse. Letzteres hatte bereits Erwin Heman vorgesehen, liess es dann bei der Ausführung aber weg. Verzichtet wurde bei der Restaurierung – durchaus im Sinn der Bauherrschaft – auf die farbliche Rekonstruktion der Fensterläden: Sie waren ursprünglich bunt gefasst und mit pittoresken Motiven verziert gewesen, später dann bei allen Hausteilen einheitlich grün gestrichen worden. Heikel war letztlich die Frage der energetischen Optimierungsmassnahmen. Basierend auf einer umfassenden Energieanalyse verzichtete man auf grössere Eingriffe und beschränkte sich vornehmlich auf Dämmungsmassnahmen am Dach, an der Kellerdecke und bei den Fenstern.
Reto Bieli
Weitere Beispiele
Dieser Beitrag stammt aus dem Jahresbericht der Kantonalen Denkmalpflege 2012, in dem Sie weitere Beispiele für gelungene Restaurierungen finden.