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Die Behandlung von Personen, die an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung leiden, kann mitunter sehr herausfordernd sein. Betroffene erleben häufig Gefühle von Selbsthass, Scham, Schuld und Ekel. Um diese Gefühle zu bewältigen, setzen einige Betroffene dysfunktionale Strategien wie zum Beispiel Selbstverletzung ein. Es wurde ein spezifisches Behandlungskonzept entwickelt, um Personen, die an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung leiden, helfen zu können. Die Behandlung mit DBT-PTBS beinhaltet Komponenten der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT), der kognitiven Verhaltenstherapie, der Acceptance und Commitment Therapie (ACT) sowie der Compassion Focused Therapie (CFT). Diese Therapieform kann sowohl stationär als auch ambulant eingesetzt werden.
Die dialektisch-behaviorale Therapie
Die dialektisch-behaviorale Therapie wurde zur Behandlung von chronisch suizidalen Personen, die an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, entwickelt. Die Behandlung basiert auf Grundlagen der kognitiven Verhaltenstherapie, welche Veränderungen des Verhaltens durch kognitive Neubewertung von Situationen, Gedanken oder Gefühlen zu erreichen versucht. Die dialektisch-behaviorale Therapie beinhaltet zusätzliche Anpassungen, um diesem komplexen Störungsbild besser gerecht zu werden. Besonderheiten der dialektisch-behavioralen Therapie sind Methoden der Achtsamkeit, die Beachtung eines Gleichgewichts aus Akzeptanz und Validierung eines aktuell auftretenden Verhaltens einerseits sowie Veränderungsstrategien andererseits, die Thematisierung von Verhaltensweisen, welche die therapeutische Arbeit gefährden sowie die Wichtigkeit der therapeutischen Beziehung. Die Begründerin der Behandlungsform, Marsha M. Linehan, führt die selbst- und fremdschädigenden Verhaltensweisen auf eine grosse emotionale Verletzbarkeit bei gleichzeitiger Unfähigkeit, Gefühle zu verstehen oder zu steuern, zurück. Durch klare Strukturen und dialektische Prozesse wird versucht, die unkontrollierbar erlebten Verhaltensweisen zu verstehen und mit den zugrunde liegenden Gefühlen funktional umzugehen. Darüber hinaus wird mit den Betroffenen daran gearbeitet, Fertigkeiten zu erlangen, die eine bessere Emotionskontrolle ermöglichen. Dazu gehört die Fähigkeit, Spannungszustände abzubauen und Emotionen zu regulieren. Die Wirksamkeit der dialektisch-behavioralen Therapie konnte bereits in zahlreichen Studien nachgewiesen werden. Das Behandlungskonzept findet eine breite Anwendung sowohl im stationären als auch im ambulanten Setting.
DBT-PTBS
Bei einer komplexen posttraumatischen Behandlungsstörung lassen sich einige Gemeinsamkeiten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung beobachten. Bei beiden Erkrankungen kämpfen Betroffene mit Schwierigkeiten in persönlichen Beziehungen, einem negativen Selbstkonzept sowie stark aversiven Gefühlen, die zeitweise übermächtig erscheinen. Um mit diesen Symptomen umzugehen, entwickeln Betroffene Bewältigungs- und Vermeidungsstrategien. Genau diese Vermeidungsstrategien können auch häufig die therapeutische Arbeit erschweren. Dies liegt daran, dass die therapeutische Behandlung auf eine Konfrontation statt Vermeidung abzielt. Die Gemeinsamkeiten der beiden Störungsbilder haben zur Entwicklung der DBT-PTBS geführt. Es wurden diejenigen Aspekte der dialektisch-behavioralen Therapie integriert, die auf gemeinsame Symptome der beiden Störungen ausgerichtet sind. Zusätzlich wurden jedoch weitere Behandlungskomponenten anderer Therapieformen integriert, um den Besonderheiten der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung gerecht zu werden.
Zu Beginn der Therapie steht die Akzeptanz gegenüber dem Geschehenen im Vordergrund. Wenn eine Akzeptanz gegenüber dem Erleben eines traumatischen Ereignisses erreicht werden kann, werden die Vermeidungsstrategien der Betroffenen thematisiert. Dies ist die Grundlage für eine Traumaexposition. Ziel der Behandlung ist es, eine Traumaexposition durchzuführen, ohne dabei dissoziative Symptomatik zu entwickeln. Dies ermöglicht Betroffenen, korrektive Lernerfahrungen zu machen. Die Betroffenen erleben im sicheren therapeutischen Setting die Konfrontation mit dem traumatischen Erlebnis und den damit verbundenen Emotionen, wie Hilflosigkeit, Kontrollverlust, Erniedrigung, Ohnmacht oder Ekel. Das strukturierte Wiedererleben des traumatischen Ereignisses unterstützt das Gedächtnis dabei, eine zeitliche Abfolge der Geschehnisse abzuspeichern und zeigt den Betroffenen auf, dass befürchtete negative Konsequenzen wie Tod oder verlassen werden nicht eintreten.