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In Näfels wohnten vor Zeiten zwei Bauern, deren Güter aneinander stiessen. Der eine hiess Lori, und auf seinen Wiesen gedieh hohes, fettes Gras. Die Weiden des Nachbars hingegen waren sauer, so dass seine Milchtanse nur halb voll wurde. Daher stach ihn der Neid, und in einer kohlrabenschwarzen Nacht, als Hahn und Hund schliefen, versetzte er die Grenzmarchen ein Stück weit in Loris Gebiet hinein, um auf diese Weise zu besserer «Welt» zu kommen.
Doch brachte ihm die Freveltat keinen Nutzen, denn noch ehe er das erste Heu von dem erschwindelten Wiesenstreifen führen konnte, starb er.
Es mochten etwa zehn Jahre seit seinem Tode verflossen sein, da hörte Lori, als er eben über die Ofenstiege hinauf ins Bett wollte, draussen jemand seinen Namen rufen. Er lauschte - es blieb alles totenstill, und so legte er sich zur Ruhe. Da rief die Stimme wieder, diesmal ganz deutlich: «Lori!» Der Bauer dachte, da brauch’ einer seine Hilfe, stand auf und schob das Fensterchen zurück. Vor der Türe stand eine weisse Gestalt, die mit schauriger, hohler Stimme rief, er solle herauskommen, denn er habe etwas Wichtiges mit ihm zu reden. Nach langem Zögern trat Lori vors Haus. Dort sprach das gespenstige Wesen: «Kennst du mich noch? Ich bin dein Nachbar, den man vor zehn Jahren ins ,Kilchenlöchli’ getragen hat. Ich habe die Lagen zwischen unsern Wiesen versetzt und muss nun dafür büssen. Ich bitte dich, verzeih mir!» Der Lori tat es, worauf der andere weiterfuhr: «Gib mir noch deine Hand, so kann ich im Frieden scheiden!» Das getraute sich der gute Bauer doch nicht und hielt ihm stattdessen eine dürre Schindel hin. Wie der Geist zu griff, verbrannte das Holz zischend zu Asche. Den Büssenden hat man aber von Stund an nicht mehr gesehen.
Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch