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Das Schultergelenk ist eines der komplexeren Gelenke des menschlichen Körpers. Wir haben Dr. med. Philipp Meyer, Facharzt für Orthopädie und Traumtologie des Bewegungsapparates FMH, fünf häufige Schulterprobleme zur Diskussion vorgelegt!
1. Was ist ein Schulterimpingement? Wie kommt es zustande?
Als «Impingement» an der Schulter bezeichnet man ein Engpass- Syndrom.
Das Schultergelenk besitzt einen knöchernen Überbau, das Acromion. Darunter gibt es nur einen begrenzten Raum für die Weichteile. Diese setzen sich zusammen aus den Rotatorensehnen, die den Oberarmkopf wie eine Manschette umgeben und einer darüber liegenden Gleitschicht, dem Schleimbeutel. Aus verschiedenen Gründen kann dieser Raum zu eng werden, sodass die Weichteile zwischen Oberarmkopf und Acromion eingeklemmt werden. Dieses «Einklemmen» führt zu schmerzhaften Entzündungen des Schleimbeutels oder kann im langfristigen Verlauf auch zu Sehnenrissen führen.
Hauptsymptom beim «Impingement» der Schulter sind Schmerzen bei Überkopfbewegungen sowie Nachtschmerzen seitlich im Oberarm, teilweise ausstrahlend über den Ellbogen bis in die Finger.
2. Wenn ich diese Beschwerden habe, welche Abklärungen helfen weiter, was kann ich dagegen tun?
Mit einer vertieften klinischen Untersuchung der Schulter kann der behandelnde Arzt die Beweglichkeit, Kraft sowie Schmerzauslösende Tests an der Schulter beurteilen. Zudem werden in der Regel Röntgenbilder angefertigt, auf denen man die knöchernen Strukturen beurteilt. Mit einer Ultraschall- Untersuchung können zudem die Weichteile beurteilt und allfällige Schwellungen, Ergüsse oder gar Sehnenrisse diagnostiziert werden.
Nach gesicherter Diagnose wird zuerst Physiotherapie eingeleitet.
Bei stärkeren entzündungsbedingten Schmerzen kann als nächste Therapiestufe eine Injektion mit Kortison helfen.
Bei hartnäckigen, über Monate anhaltenden Schmerzen kann eine arthroskopisch durchgeführte Operation angezeigt sein. Dabei wird der Schleimbeutel entfernt und Platz für die Rotatorensehnen geschaffen, indem Knochen vom Acromion abgetragen wird.
3. Seit einem Sturz kann ich meinen Arm nicht mehr anheben; was soll ich jetzt machen? Was kann die Ursache dafür sein?
Der unfallbedingte Abriss einer Rotatoren- Sehne ist schmerzhaft und oft mit einer akuten Funktionseinschränkung oder einem Kraftverlust verbunden. Häufig kann der geübte Arzt bereits nach einer gezielten klinischen Untersuchung einen Rotatorensehnen Abriss vermuten. Zur Bestätigung des Verdachtes und als Grundlage für therapeutische Empfehlungen werden Röntgenbilder, eine Ultraschalluntersuchung oder besser eine Magnetresonanztomografie durchgeführt. Das MRI hilft neben der Diagnosestellung auch bei der Operationsplanung. Es erlaubt die Risskonfiguration sowie den Zustand der entsprechenden Muskulatur zu beurteilen, was wichtige prognostische Faktoren sind für den Operationserfolg.
4. Wenn ich eine Sehnenverletzung an der Schulter habe, sollte ich sofort operieren oder kann ich auch zuwarten?
Die Therapie eines Abrisses einer oder mehrerer Rotatorensehnen folgt keinen allgemeingültigen Prinzipien. Die Entscheidung, welche Therapiemethode zu welchem Zeitpunkt die richtige ist, hängt stark von individuellen Faktoren ab und muss mit dem behandelnden Arzt von Fall zu Fall besprochen werden.
In diese Erwägungen einbezogen werden die MRI-Befunde, die Risskonfiguration und die davon abhängigen Auswirkungen auf die Schulterfunktion, aber auch das Alter sowie der persönliche Anspruch des Patienten für sportliche Aktivitäten.
Bei der konservativen Therapie können Schmerzen gelindert werden durch Kortison Injektionen ins Schultergelenk. Physiotherapeutische Massnahmen, helfen die Funktionsfähigkeit des Armes zu verbessern und zu erhalten.
Bei unfallbedingten Abrissen der Rotatorensehnen mit erheblichem Funktionsverlust oder bei ungenügendem Ansprechen auf konservative Therapiemassnahmen empfiehlt sich die operative Therapie zu erwägen.
Zur operativen Naht der Rotatorensehnen wird heute in der Mehrzahl der Fälle ein arthroskopisches Vorgehen bevorzugt. Dabei werden über kleine Schnitte die Instrumente und eine Kamera gewebeschonend ins Schultergelenk eingeführt. Dies erlaubt eine detaillierte Beurteilung des Schadens und eine exakte Rekonstruktion. Ziel der Operation ist die Befestigung der abgerissenen Sehnen an ihrem jeweiligen Knochenansatz, so dass diese ungestört wieder einheilen können.
Nach einer operativen Rekonstruktion der Rotatorensehnen ist eine mehrmonatige Nachbehandlung mit vorübergehender Ruhigstellung des Armes mit einer Orthese zur Entlastung der Sehnennähte notwendig. Eine regelmässige und phasengerechte physiotherapeutische Behandlung ist wichtig. Ein Krafteinsatz ist bei normaler Heilung erst nach drei Monaten wieder erlaubt. Somit verzögert sich ein Sporteinsatz je nach Operationsmethode und angestrebtem Leistungsniveau um bis zu sechs Monate.
Ein herzliches Dankeschön an Dr. Philipp Meyer, dass er sich die Zeit genommen hat, uns die häufigeren Probleme um das Schultergelenk näher zu erläutern!
Dr. med. Philipp Meyer
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH
Orthopädische Klinik Luzern AG
St. Anna-Strasse 32
6006 Luzern
Tel. +41(0) 41 208 38 03
sekretariat.meyer(at)okl.ch
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