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Lydia Welti-Escher war die Gründerin der Gottfried-Keller-Stiftung. Die Stiftung ist eng mit ihrem tragischen Schicksal verknüpft.
Kunsthaus Zürich
Vom Liebesdrama zur Kunststiftung
Die Schweiz hat keine Nationalgalerie, dafür hat sie die Gottfried- Keller-Stiftung. Hinter diesem Namen verbirgt sich nicht nur hochkarätige Kunst, sondern auch ein tragisches Schicksal.
Gegründet wurde die Gottfried-Keller-Stiftung 1890 von Lydia Welti-Escher. Escher? Genau, Lydia war die Tochter des berühmten Schweizer Eisenbahnpioniers Alfred Escher. Nach dessen Tod 1882 erbte sie als einziges Kind sein ganzes Vermögen. Doch glücklich wurde sie damit nicht. Verheiratet mit Friedrich Emil Welti, dem Sohn von Bundesrat Emil Welti, fühlte sie sich in ihrer Ehe einsam. Als ihr Mann seinen ehemaligen Schulkollegen, den begabten Maler Karl Stauffer, bat, Lydia zu porträtieren, verwandelte sich ihre Einsamkeit in eine Tragödie.
Missglückte Flucht
Die Beziehung zwischen dem Berner Künstler und der Escher-Erbin wurde bald mehr als eine geschäftliche erbindung. Als Karl Stauffer 1888 mit finanzieller Unterstützung des Ehepaars Welti nach Florenz ging, um die Bildhauerei zu studieren, schien das Techtelmechtel ein Ende zu haben. Doch schon ein Jahr später zogen Friedrich Emil und Lydia Welti ebenfalls nach Italien in die toskanische Stadt. Dort begannen Maler und Modell angeblich eine Affäre. Die Situation eskalierte und die beiden flohen nach Rom. Mit seinem politischen Einfluss erwirkte der Schwiegervater, Bundesrat Emil Welti, die Verhaftung der beiden in der italienischen Hauptstadt. Lydia Welti-Escher wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, Karl Stauffer ins Gefängnis gesteckt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe die angeblich geisteskranke Lydia vergewaltigt. Die Diagnose «systematischer Wahnsinn» erwies sich allerdings bald als unhaltbar. Lydia Welti-Escher konnte die Klinik verlassen. Damit war auch die Anschuldigung gegen Karl Stauffer vomTisch. Obwohl in Freiheit, fanden die beiden nicht mehr zueinander. Karl Stauffer starb kurz darauf an einer Überdosis Schlafmittel. Lydias Lebenswille war gebrochen.
Stiftungsgründung und Selbstmord
Zurück in der Schweiz folgte die Scheidung von Friedrich Emil Welti. Die Trennung trug dem Bundesratssohn ein beträchtliches Vermögen ein. Ihr restliches Vermögen, knapp fünf Millionen Franken, vermachte die Tochter von Alfred Escher der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Die von ihr gegründete Stiftung hatte den Zweck, bedeutende Werke der bildenden Kunst zu kaufen. Ironischerweise war es Lydias Ex-Mann, der sie bei den Vertragsverhandlungen beriet. Er war es auch, der auf die Umbenennung der Institution von Welti-Escherin Gottfried-Keller-Stiftung gedrängt hatte. Vermutlich, weil der Name Welti-Escher nach den Geschehnissen in Rom zu stark belastet war. Da der Dichter zum Freundeskreis der Familie Escher gehört hatte, liess sich die Stifterin schliesslich überzeugen. Nur ein Jahr danach, 1891, nahm sich die gerade einmal 33-jährige Lydia Welti-Escher das Leben. Was als Liebe zur Kunst begonnen hatte, endete in einer menschlichen Tragödie. Wenn man heute die Preziosen der in der Schweizer Kunst äusserst bedeutenden Gottfried-Keller-Stiftung geniesst, sollte man dabei die Gründerin und ihr tragisches Schicksal nicht ganz vergessen.
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