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Jung, Atemlos, Lungenembolie
Belastungsdyspnoe ist bei Jungen häufiges Anzeichen einer Lungenembolie
In einer neuen Studie lag bei einer von drei Personen unter 75 Jahren, die sich im Spital mit neu aufgetretener Belastungsdyspnoe vorstellten, eine Lungenembolie vor.
Trotz der in den letzten zehn Jahren deutlich verbesserten Diagnostik werden Lungenembolien immer noch häufig zu spät entdeckt. Schlimmstenfalls führt das dazu, dass Patienten einen schweren Krankheitsverlauf erleiden oder sterben.
Die schwierige Erkennung liegt unter anderem daran, dass eine Lungenembolie typischerweise von unspezifischen klinischen Symptomen begleitet wird. Dazu gehören etwa Tachykardie, Brustschmerzen oder Synkopen. Einige Patienten weisen auch eine Erhöhung der D-Dimere auf, weswegen der Labortest zum Standard bei Verdacht auf Lungenembolie gehört. Bei manchen Patienten läuft eine Lungenembolie auch gänzlich ohne auffällige äussere Anzeichen ab.
Weltweit erleiden jährlich 34 bis 62 von 100.000 Menschen eine Lungenembolie. Die Sterblichkeit bei der Erkrankung ist in Europa jedoch in den letzten zehn Jahren stark gesunken. Das ist einerseits besseren Therapiemöglichkeiten zu verdanken, andererseits aber auch dadurch bedingt, dass sie immer besser erkannt wird.
Untypisches aber häufiges Symptom Belastungsdyspnoe
In einer neuen Studie konnten italienische Forscher nun feststellen, dass auch vor kurzem aufgetretene Atemschwierigkeiten bei leichter Anstrengung ein Kardinalsymptom einer Lungenembolie sein können – vor allem bei jüngeren Patienten (1).
In der neuen Studie im Journal of Thrombosis and Haemostasis wurden prospektiv 417 Personen unter 75 Jahren aus 14 italienischen Spitälern eingeschlossen. Sie hatten sich mit innerhalb des letzten Monats aufgetauchter schwerer Dyspnoe nach minimaler und zuvor gut tolerierter körperlicher Anstrengung (z.B. das Gehen von 100 Metern auf gerader Strecke) präsentiert.
Bei 20 Prozent war die Belastungsdyspnoe Leitsymptom
Die Untersuchung zeigte, dass bei insgesamt 32 Prozent der Patienten mit Dyspnoe eine Lungenembolie vorlag. Hatten die Patienten zusätzlich auch noch andere Anzeichen einer Lungenembolie, wie eine Erhöhung der D-Dimere, Tachykardie, Brustschmerzen oder Synkopen, stieg der Anteil der Embolie-Betroffenen auf 47,3 Prozent an. Bei 19,6 Prozent der Dyspnoe-Betroffenen wurde in der pulmonalen CT-Angiographie eine Lungenembolie erkannt, obwohl alle anderen klinischen Anzeichen dafür fehlten.
«Tritt plötzlich eine Belastungsdyspnoe auf, können dahinter unterschiedliche Störungen stecken», erklärt Erstautor Professor Paolo Prandoni von der Universität Padua. «Zu den wahrscheinlichsten Diagnosen gehören dann die Herzinsuffizienz, eine koronare Herzkrankheit, ein Asthma bronchiale, eine Pneumonie oder andere Lungenerkrankungen, eine Aortenstenose, Schilddrüsenfunktionsstörung, Anämie oder psychische Probleme.» In der neuen Veröffentlichung plädiert er dafür, dass Patienten mit diesen Symptomen aber auch in Hinblick auf eine Lungenembolie abgeklärt werden sollten.
Bei 20 Prozent war die Belastungsdyspnoe Leitsymptom
«Unsere Studie zeigt, dass bei allen Patienten, die mit einer schweren Belastungsdyspnoe in der Notfallstation ankommen, das Vorliegen einer Lungenembolie in Erwägung gezogen werden sollte. Vor allem bei Jungen», sagt Prof. Prandoni. Er erinnert, dass eine Lungenembolie auch vorliegen kann, wenn die Symptome erst seit wenigen Tagen bestehen, und auch andere Diagnosen in Frage kommen.
Warum die Lunge nur bei Anstrengung streikt
«Normalerweise ist eine allein auftretende Belastungsdyspnoe kein direktes Warnsignal für eine Lungenembolie. Dennoch ist sie eine plausible Ätiologie» schreiben die Autoren in ihrer Arbeit. «Zuvor gesunde Personen haben normal eine ausgeprägte kardiorespiratorische Reserve. Der embolische Verschluss eines Lungengefässes führt daher mit hoher Wahrscheinlichkeit als erstes nicht zu Atemschwierigkeiten im Ruhezustand, sondern zur Belastungsdyspnoe.»
Referenz
- Prandoni P et al. Prevalence of pulmonary embolism among patients with recent onset of dyspnea on exertion. A cross-sectional study. J Thromb Haemost. 2023;21: 68–75 https://doi.org/10.1016/j.jtha.2022.09.007