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Weinsberg,
Oberamtsstadt im württemb. Neckarkreis, an der Sulm und an der Linie Heilbronn-Krailsheim der Württembergischen Staatsbahn, 203 m ü. M. hat eine alte romanische evang. Kirche, eine Weinbauschule, ein Amtsgericht, eine Weingärtnergesellschaft, vorzüglichen Wein- u. Obstbau und (1885) 2424 meist evang. Einwohner. Dabei der Schloßberg mit den Ruinen des Schlosses Weibertreu, so genannt zum Andenken an die durch Bürgers Ballade verherrlichte Sage (s. unten), und am Fuß desselben das ehemalige Wohnhaus [* 2] des Dichters Justinus Kerner, dem in der Nähe ein Denkmal errichtet ist.
Ebenfalls besitzt ein Denkmal des
Reformators
Ökolampadius. Bei
Weinsberg schlug König
Konrad III. den
Grafen
Welf VI.,
den
Bruder
Heinrichs des
Stolzen von
Bayern,
[* 3] welcher zum
Entsatz der schon seit 15. Nov. belagerten Stadt herbeieilte.
Bald darauf mußte sich die Stadt ergeben. Der König soll, so erzählen Zeitgenossen, den
Frauen von
Weinsberg das
Leben geschenkt
und ihnen erlaubt haben, mitzunehmen, was sie tragen könnten. Als jene dann ihre
Männer auf den
Schultern herausgetragen
hätten, habe ihnen der König nicht gewehrt, sondern gesagt: »Ein
Königswort darf nicht verdreht werden«. Ein altes
Bild in der Stadtkirche stellt die Begebenheit dar. 1824 kaufte der König
Wilhelm die
Ruinen der
Weibertreu und schenkte sie dem 1823 auf Antrieb des Dichters
Justinus
Kerner gestifteten
Frauenverein.
- Nachdem die Stadt 1140 in den
Besitz der
Hohenstaufen gekommen, wurde sie Reichsstadt und 1331 Mitglied
des
Schwäbischen Städtebundes, wurde jedoch oft verpfändet.
Während der Kämpfe zwischen den schwäbischen Städten und dem Adel wurde die Stadt 1440 eingenommen, ging durch Kauf an die Kurpfalz über und verlor so ihre Reichsfreiheit. Im Bauernkrieg wurden hier 1525 der Graf von Helfenstein und viele andre Edle durch die Spieße der Bauern gejagt. Zur Strafe wurde dann 21. Mai die Stadt von dem Truchseß von Waldburg eingeäschert.
Vgl.
Bernheim, Die
Sage von den treuen Weibern zu
Weinsberg (in »Forschungen zur deutschen
Geschichte«, Bd. 15, Gött.
1875);
Merk, Geschichte der Stadt
Weinsberg und ihrer
Burg
Weibertreu (Heilbr. 1880).