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Das Ticken der Uhr ist eine Ikone der Vergänglichkeit – «Kinder flüchtiger Sekunden» dichtete der (im übrigen ziemlich erfolglose) Zürcher Autor und Journalist Heinrich Leuthold um 1850 und meinte damit den Augenblick, der, einmal verstrichen, nie mehr wiederkehrt.
Die Sekunde ist uns so vertraut, dass wir uns über ihren seltsamen Namen nie Gedanken machen. Sekunde heisst auf Lateinisch «die Zweite» – und warum nicht «Prim» oder «Terz»? Das hat mit der Teilung der Zeit in kleinere und kleinste Einheiten zu tun. Schon die alten Ägypter teilten den Tag in 24 Stunden auf. Die erste Tagesstunde begann mit Sonnenaufgang, in der zwölften ging die Sonne unter, mit der Dämmerung begann die erste Nachtstunde. Gemessen wurde das Mass aller zeitlichen Dinge mithilfe der Sonnenuhr. Mit der Erfindung mechanischer Uhrwerke im Mittelalter war das Stundenmass auf einmal nicht mehr genau genug, und so wurde die Stunde, ein erstes Mal, durch 60 geteilt. Die so entstehende Minute kommt von lateinisch minuere, «verkleinern», und hiess ursprünglich pars minuta prima, also jener Teil, der entsteht, wenn man die Stunde ein erstes Mal aufteilt. Pars minuta secunda, von der die Sekunde abstammt, ist also folgerichtig das Ergebnis einer zweiten Teilung durch 60 – durch 60 deshalb, weil das die Grundzahl des 4000 Jahre alten Sexagesimalsystems war, des Zahlensystems im alten Babylon, das nicht auf der 10 wie unser Dezimalsystem, sondern auf der 60 beruht.
Wenn wir heute also in bangen Momenten die Sekunden zählen, dann machen wir, ohne es zu wissen, eine sekundenlange Zeitreise durch die Jahrtausende.