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John Hustons (1906–1987) legendäre Verfilmung des Romans Moby Dick von 1954 erreichte in den späten 1960er-Jahren auch die Kinosäle im nachrevolutionären Kuba. Antonio Reboiro (geb. 1935) verdichtete das Geschehen in einem leuchtend farbigen Bild, das nicht vom Schrecken erzählt, sondern Hermann Melvilles (1819–1891) Roman ganz anders interpretiert.
Nach der Revolution von 1959 erhielt das kubanische Plakat einen radikal neuen Auftritt, der direkt mit dem politischen Wandel zusammenhing. Die Mauern der karibischen Insel, bislang von kommerziellen Plakaten und banaler Wahlpropaganda überzogen, waren nun dicht behängt mit farbigen, sinnlichen Plakaten. Das vom kubanischen Filminstitut ICAIC geförderte Filmplakat entwickelte am konsequentesten eine andere Ästhetik. Befreit vom Druck, mit dem Plakat die Basis für den kommerziellen Erfolg des Films schaffen zu müssen, konnten sich die Gestalter völlige künstlerische Freiheit erlauben und ihre unmittelbaren Filmeindrücke in assoziative Bilder fassen. Dabei kam es, wie in Antonio Reboiros Plakat deutlich, auch zur Aneignung internationaler Avantgardeströmungen. Popart und das psychedelische Plakat mit seiner ornamentalen Schrift standen hier Pate. Die satten, kräftigen Farben des Siebdrucks verstärken die Wirkung noch. Anstelle der Wiedergabe des Filminhalts gelang den kubanischen Gestaltern die Verknappung zum Symbol, die stets auch eine eigene Interpretation beinhaltete. Das Vorhaben des Kapitäns Ahab, sein durch Moby Dick zerstörtes Bein zu rächen, scheitert kläglich. Andere Plakate zu Melvilles Roman rücken die Gefährlichkeit des Wals ins Zentrum und stellen Kapitän Ahab als Opfer dar. Bei Reboiro triumphiert jedoch die Macht der Natur – versinnbildlicht in der gleissenden Sonne, dem stürmischen Meer und der riesigen Walflosse – über den menschlichen Wahn, diese zu beherrschen.
(Bettina Richter)