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Die Anziehungskraft des Concorde Opéra Paris liegt vor allem in seiner Vergangenheit. In dieser zurückliegenden Zeit brillierte das grosse Haus mit einem adäquaten Namen: Grand Hôtel Terminus Saint-Lazare. Pünktlich zur Weltausstellung 1889 eröffnet, war es das erste Pariser Hotel in Bahnhofsnähe. Die grosse Halle gilt auch heute noch als einmalige Attraktion. In seinen Mauern wurde nicht nur die Anarchie ausgerufen, sondern hier trieb auch Feydeau's gehörnter Gockel sein Unwesen.
Die monumentale Le Grand Hall, die zum Hundertjahr-Jubiläum renoviert wurde und heute unter Denkmalschutz steht, empfiehlt sich wirklich als Herzstück des Hotels. Nach Besichtigung dieser grandiosen Halle setzen wir uns in die Le Golden Black Bar. Der Kontrast könnte nicht grösser sein: Eine sehr tiefe Decke, alles in schwarz gehalten, eine zwar theatralisch inszenierte aber viel zu dunkle Beleuchtung, laute Musik, ein Fernseher, der eingeschaltet ist! Wir studieren die Barkarte, geben dem freundlichen Servicemitarbeiter die Bestellung auf und beauftragen ihn, uns doch bitte die Drinks in die Halle zu servieren.
Hier richten wir uns auf einem modernen Sofa gemütlich ein und lassen die Halle auf uns wirken. Schon kommen die Drinks: Manjulta erhält einen Le 108, benannt nach der Adresse des Hotels 108, rue Saint-Lazare und bestehend aus Baileys, Amaretto und Gin, ich erhalte einen altbekannten Black Russian (je EUR 17.- pro Cocktail). Dazu werden eine Nussmischung und ein feines und kleines hausgemachtes Gebäck geliefert.
Der französische Architekt Juste Lisch (1828-1910) spezialisierte sich auf öffentliche Bauten und Bahnhöfe. So gestaltete er von 1885-87 die Gare Saint-Lazare inklusiv dem beigefügten Grand Hôtel Terminus. Als Beispiel nahm er das 1854 in London eröffnete Hotel Great Western Royal at Paddington (heute Hilton London Paddington). Der Reisende konnte zu Fuss direkt vom Bahnsteig ins Hotelfoyer gelangen.
Während in London die ersten Grandhotels in Bahnhofnähe gebaut wurden, erhielt Paris mit dem Grand Hôtel Terminus Saint-Lazare sein erstes Hotel neben einem Bahnhof. Allerdings musste Juste Lisch eine Fussgängerbrücke errichten, um dem Reisenden einen ähnlichen Komfort wie in London bieten zu können.
Es vergehen elf Jahre, bis 1900 mit dem Hôtel du Palais d’Orsay (heute Musée d’Orsay) von Victor Laloux ein zweites Bahnhof-Hotel in Paris gebaut wird. Das Grand Hôtel Terminus Saint-Lazare wird nach dem Bau des Bahnhofs Saint-Lazare in der Rekordzeit von nur 15 Monaten erstellt und am 7.Mai 1889 eröffnet, rechtzeitig zur Weltausstellung 1889 (mit dem Tour d’Eiffel) und zugleich zum 100-Jahr-Jubiläum der französischen Revolution. Es ist auch das Jahr, in dem die Bahnstrecke von London über Paris nach Konstantinopel mit dem Orient-Express erstmals durchgehend befahren werden kann. Das sechsstöckige Gebäude des Grand Hôtel Terminus erhält eine einfache Frontpartie im traditionell-klassischen Stil, die sich bis heute kaum verändert hat. Auffallend sind am ehesten die vielen Kamine auf dem Dach.
Ganz anders gestaltet sich das Innenleben dieses Hauses: Hier brilliert die Le Grand Hall, die sich über drei Stockwerke mit Galerie hinzieht. In der im Stil Napoleon III gehaltenen Halle ragen Säulen aus rosa Marmor in die Höhe, die Wände sind mit Malereien und Skulpturen des Künstlers Charles Joseph Lameire (1832-1910) dekoriert. Die Galerie wird von strukturierten Stahlsäulen getragen. Reich verzierte Kristalllüster sorgen für Licht. Zum hundertjährigen Bestehen des Hotels wurde dieses Foyer naturgetreu restauriert und steht seitdem unter Denkmalschutz.
Das Grand Hôtel Terminus erhält als eines der ersten Hotels in Paris elektrisches Licht. Weiter verfügt das Haus über einen Lift und Telefone. Auf jeder Etage stehen sechs Badezimmer und Duschen. Im Haus sind drei Restaurants, eine Weinbar, ein Coiffeur und ein Comestibles-Geschäft untergebracht. Im ersten Hotel-Prospekt wird ausführlich darauf hingewiesen, dass ein Aufenthalt im Grand Hôtel Terminus dem Reisenden Zeit, Geld und Mühe spart: Vom Bahn-Coupé erreicht er zu Fuss direkt das Hotelfoyer, einen Gepäckträger braucht er nicht, das Hotel kümmert sich darum und alles wird registriert, damit die Abreise ebenfalls schnell und unkompliziert über die Bühne geht.
Der 21 jährige Anarchist Emile Henry betritt am 12.Februar 1894 das Café Terminus. Er setzt sich an einen freien Tisch, zieht aus seiner Tasche eine selbst gebaute Bombe, die er in die Luft wirft, wo sie gegen den Kronleuchter stösst und um 20.52 Uhr explodiert. Die Fenster gehen zu Bruch, die Marmortische werden pulverisiert. Zwanzig Personen werden verletzt, wobei einer davon später stirbt. Im Café entsteht Panik und Emile Henry ergreift die Flucht.
Ein Polizeibeamter und ein Kellner nehmen die Verfolgung auf, ein Eisenbahner schliesst sich ihnen an. Auf ihn schiesst Henry, verfehlt ihn aber. In der Rue de Rome wird er endlich von den Verfolgern gestellt und arretiert. Vor Gericht gibt er zu Protokoll, das Café Terminus für seinen Anschlag gewählt zu haben, weil dort die Pariser Bourgeoise verkehrt. Er habe möglichst viele Leute töten wollen, um sich an der Todesstrafe für den Anarchisten Vaillant, der ein paar Tage vorher exekutiert wurde, zu rächen. Das Gericht verurteilt auch Henry zum Tode. Beim Verlassen des Gebäudes ruft er: „Genossen, nur Mut! Es lebe die Anarchie!“ Am 21.Mai des gleichen Jahres wird Emile Henry guillotiniert.
In den Jahren 1909 bis 1919 wohnt der bekannte Dramatiker und Autor vieler Vaudeville-Komödien, Georges Feydeau (1862-1921), im Grand Hôtel Terminus, nachdem er sich von seiner Ehefrau getrennt hatte. In den Salons des Hotels lässt er sich zu seinem Stück „Le Dindon“ inspirieren. Claude Barma dreht 1951 den Film dazu.
Zwischen 1930 und 1934 erhält das Grand Hôtel Terminus Saint-Lazare eine vollständige Renovation. Dazu wird der Architekt Henri Pacon (1882-1946) engagiert. Pacon war ein bedeutender Vertreter des Art-Déco-Stils in Frankreich. Er gestaltete die Innenausstattung des Speisesaals erster Klasse auf dem Transatlantik-Schiff Normandie, arbeitete aber auch für die französischen Staatsbahnen.
So gestaltet er das Café Terminus neu mit weissen Marmor-Säulen, dekorativ umrahmt mit Kugeln aus Bronze. Hier spielen abends Orchester Jazz und Charleston. Für die Rôtisserie Normande lässt sich Henri Pacon von seiner Arbeit für das Luxusschiff Normandie inspirieren. Die einzigartige Decke mit indirekter Beleuchtung strahlt den Glamour der 1920er Jahre wider. Das Restaurant ist klimatisiert.
Dieser Raum kann heute als Empfangssaal unter dem Namen Boléro gebucht werden. Zu dieser Renovation gehört ebenfalls der neue Billard-Room im französischen Stil mit zehn Tischen. Hier lässt Henri Pacon Rot-, Gold- und Schwarztöne aufleben und den Raum von vier spiegelnden Kronleuchtern aus Baccaratkristall illuminieren. Auch dieser Raum kann heute als Veranstaltungsraum unter dem Namen Baccarat gebucht werden.
Zwischen 1944 bis 1946 bietet das Hotel dem amerikanischen Grand Central Club Gastrecht. Zur 60-Jahr-Feier des Hauses 1949 kann der französische Arbeitsminister 19 Hotel-Mitarbeitern zu 30 Jahren, 10 Mitarbeitern zu 40 Jahren und einem Mitarbeiter, dem Chef-Buchhalter Monsieur d’Hostingue, gar zu 60 Jahren Treue zum Hotel gratulieren! In den 1990er Jahren werden die Zimmer renoviert und die Anzahl von 500 auf 300 verringert. Seit November 2009 nennt sich das Haus Concorde Opéra Paris. Die Le Grand Hall wurde vom Designer Hierro neu möbliert. Und die Zimmer von Sybille de Margerie neu dekoriert.
Restaurants: Le Terminus Café - kreativ, Le Golden Black Bar; Zimmer: 266 Zimmer & 40 Suiten; Adresse: Concorde Opéra Paris, 108, rue Saint-Lazare, F-75008 Paris / http://operaparis.concordehotels.de/de/