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Unter dem Begriff “Flächendeckung” versteht man, dass alle Wohn- und Geschäftsliegenschaften im Versorgungsgebiet mit einem eigenen Glasfaser-Hausanschluss ausgerüstet werden.
Eine Studie ermittelte 2015 für das Versorgungsgebiet des EKZ ungefähr 300’000 sogenannte Nutzungseinheiten (Haushalte, Gewerbe). Die Städte Winterthur und Zürich sind durch ihre Energieversorger grösstenteils bereits erschlossen worden, andere Städte und Ortschaften im Kanton wurden durch Swisscom oder ihre örtlichen Energieversorger und/oder politischen Gemeinden mit FTTH versorgt (u.a. Adliswil, Dietlikon, Kloten, Lindau, Meilen, Schlieren, Uster…). Nach Abschluss der bestehenden städtischen FTTH-Projekte werden etwa 400’000 Nutzungseinheiten erschlossen sein. Die Initiative verlangt, dass die verbleibenden ~40% der Bevölkerung im Kanton auch mit FTTH versorgt werden.
300’000 Nutzungseinheiten verteilen sich auf mutmasslich etwa 100’000 Gebäude, wenn man annimmt, dass jedes Gebäude durchschnittlich drei Nutzungseinheiten aufweist. Einfamilienhäuser sind naturgemäss aufwendiger als Mehrfamilienhäuser. Ein Hausanschluss (sogenannter BEP = Building Entry Point) kostet etwa CHF 2’500 bis CHF 3’000.
Jede Wohnung muss ausserdem mit einer Glasfaserdose, der sogenannten OTO (Optical Termination Outlet) ausgerüstet werden. Eine OTO kostet etwa CHF 500 bis 600, inklusive der Verlegung des Kabels vom BEP durch die Steigzone im Gebäude.
Die Rechnung für den Vollausbau (OTO-Ready) sieht also etwa so aus:
100’000 Gebäude à CHF 3’000 + 300’000 OTOs à CHF 600 =~ CHF 480 Mio. Besonders schlecht erschlossene Gebiete (z.B. Berggebiete im Tösstal) sind teurer, das Initiativkomitee schätzt deshalb die Kosten auf etwa CHF 600 Mio.
Alternativ könnte man das Netz “nur” BEP-ready ausbauen und die OTOs nur dort nachrüsten, wo auch tatsächlich ein Service vom Kunden bestellt wird. Dies senkt zwar die Kosten kurzfristig, allerdings jedoch auch das Bewusstsein der potenziellen Endkunden. Es gibt für BEP-ready wie OTO-ready gute und weniger gute Argumente. Beide Methoden kommen in der Praxis zur Anwendung.
EKZ gehört der Bevölkerung des Kantons Zürich und geniesst eine hohe Akzeptanz. EKZ verfügt über viel bestehende Infrastruktur, die für den FTTH Ausbau nützlich sind. Vor allem Rohranlagen und Kabelschächte sind vielerorts bereits vorhanden. Glasfaserkabel können neben Stromleitungen problemlos in die bestehenden Rohre eingezogen werden. Da und dort sind natürlich auch Tiefbauarbeiten notwendig, und deshalb werden Infrastruktur-Arbeiten wie Wasserversorgung, Fernwärme, Abwasser, Gas, Lichtsignalsteuerungen, Stromversorgung und eben Glasfaserausbauten möglichst koordiniert, damit die Strasse nur einmal aufgerissen werden muss und Kosten gespart werden können.
EKZ schreibt gemäss Geschäftsbericht jährlich etwa CHF 80 Mio Reingewinn, der für den Nutzen der Bevölkerung reinvestiert werden soll. EKZ ist eine Körperschaft im Besitz der Öffentlichkeit und muss keine Gewinne an Aktionäre ausschütten.
Die geschätzten 600 Millionen Franken Investitionen für das FTTH-Glasfasernetz können über 30 Jahre amortisiert werden, die Amortisation beträgt also lediglich CHF 20 Mio pro Jahr (lineare Amortisation ist Vorschrift des Kantons).
Nein, EKZ ist über die Erträge der Stromkunden finanziert.
Die Wirtschaftlichkeit hängt einzig von der kalkulatorischen Abschreibedauer ab. Ein Glasfasernetz ist praktisch unterhaltsfrei. Bei 30 Jahren Abschreibedauer (siehe oben) ist die Wirtschaftlichkeit mit Sicherheit gegeben, müsste hingegen auf 5 oder 10 Jahre abgeschrieben werden, rentierte es nicht.
Ein Gewinn ist durchaus möglich, allerdings nicht kurzfristig. Bei der angenommenen Abschreibung von CHF 20 Mio jährlich und 300’000 Anschlüssen müsste ein einzelner Anschluss mit etwa CHF 67 pro Jahr abgeschrieben werden. Wenn auf 50% aller Anschlüsse mittelfristig ein Dienst abonniert wird (Telefonie, TV, Internet), dann würde jeder zweite Anschluss einen Ertrag erwirtschaften. Ein Anschluss könnte also für etwa 11 Franken pro Monat an den Serviceprovider vermietet werden, und der “Businesscase FTTH-Glasfasernetz” wäre break-even. Die günstigsten kommerziellen Internet- oder TV-Abonnemente wären dadurch für etwa CHF 30 pro Monat von Endkunden zu beziehen.
Einen Gewinn zu erzielen soll aber nicht das vordringlichste Ziel für die EKZ sein, denn das Glasfasernetz muss als Service Public betrachtet werden. Der volkswirtschaftliche Nutzen von FTTH ist sehr gross, auch aus Infrastruktur-Sicht. Wenn Menschen dank FTTH-Homeoffice vermehrt zuhause arbeiten können und dadurch die knappen und teuren Verkehrs-Infrastrukturen (ÖV, Strassen) nur schon um wenige Prozent entlasteten, wäre der Gewinn für den Staatshaushalt eklatant. Der Ausbau von Verkehrsinfrastrukturen könnte vermindert oder verzögert werden, die Ersparnis überstiege sogar die Investitionen ins Glasfasernetz.
Mit einem Glasfaserausbau ziehen die Landgemeinden mit den städtischen Gemeinden gleich, was den Ausbau der Infrastruktur anbelangt. Die Städte Winterthur und Zürich haben eigene Energieversorger und zahlen deshalb nichts an den Glasfaserausbau der EKZ.
Mit der Unterstützung der Initiative zeigen Sie sich solidarisch, und ausserdem könnte es ja sein, dass Sie einmal in der Zukunft in eine EKZ-Gemeinde umziehen und dann auch profitieren möchten.
EKZ hatte bisher keinen Auftrag, ein Glasfasernetz zu bauen. Die Kantonsbevölkerung wurde bisher nicht zu diesem Thema befragt, die Initiative möchte dies jetzt ändern.
In den Städten Zürich und Winterthur konnte die Bevölkerung über den FTTH-Glasfaserausbau abstimmen, und zwar mit folgenden Ergebnissen:
Zürich (zweimalige Abstimmung)
- Abstimmung 2007: Budget CHF 200 Mio., Ergebnis: 64,9% JA
- Abstimmung 2012: Budget CHF 400 Mio., Ergebnis: 64,8% JA
Winterthur
- Abstimmung 2012: Budget CHF 67 Mio., Ergebnis 80,4% JA
Glasfaser ist unbestritten das Übertragungsmedium der Zukunft. Trotz Versuchen mittels dem sogenannten Vectoring mehr Daten über Kupferleitungen zu übertragen, ist diese Technologie begrenzt. Ein Ausbau auf FTTH muss also zweifelsohne stattfinden.
Auf Kupfer kann mittels den technischen Methoden Vectoring und G.fast bei sehr kurzen Distanzen bis zu 500 Megabit/Sekunde erzielt werden. Allerdings ist die Bandbreite nicht symmetrisch (der Download ist viel schneller als der Upload). Via Glasfaser ist die Geschwindigkeit nicht mehr von der Länge der Leitung abhängig. Kommerzielle Internet Angebote auf FTTH sind heute bis zu 1 Gigabit/Sekunde erhältlich, in einigen Jahren dürften auch 10Gigabit-Angebote verfügbar werden. Die technischen Möglichkeiten sind im Gegensatz zur Kupferleitung praktisch unbegrenzt (100Gigabit ist heute Standard, 1 Terabit wird in ein paar Jahren möglich sein).
Der Begriff “Glasfaser” wird inflationär gebraucht. Ex-Monopolistin Swisscom und andere Anbieter machen unklare und verwirrende Werbung. Sie verwenden bewusst Begriffe, wie Glasfasertechnologie, für Angebote, die auf der Kupferleitung basieren, aber Glasfaser assoziiert. Damit wird ein umfangreicherer Ausbau suggeriert, als tatsächlich stattgefunden hat.
Aussagekräftig und am verbreitesten sind folgende zwei Begriffe:
- FTTH (Fiber-To-The-Home), das heisst Glasfaser bis in die Wohnung (was die Initiative fordert)
- FTTS (Fiber-To-The-Street): Glasfaser bis ins Quartier, letzte Meile erfolgt aber via Kupferkabel
Ferner werden Begriffe wie FTTC (Fiber-To-The-Curb, Glasfaser bis an den Randstein, ab dort Kupfer) oder FTTB (Fiber-To-The-Building, Glasfaser bis ins Gebäude, die Steigzone ist aber eine Kupferleitung) verwendet.
Lassen Sie sich nicht täuschen: die einzig wahre Glasfaser bis zum Endkunden ist FTTH Fiber-to-the-Home, erkennbar an der Glasfaserdose (OTO), in der Regel mit einem Code wie B.101.xxx.xxx.x bezeichnet. Die Beschriftungen können im Kanton Zürich häufig auch B.110, B.111 oder B.116 lauten. Ohne eine solche Glasfaserdose basiert der gelieferte Service auf einer Kupferleitung, selbst wenn der Anbieter “Fiber Power, Glasfaserkabelnetz, Glasfasernetz, Glasfaser, Ultra-Breitband, Highspeed, FTTB, FTTC oder FTTS” schreibt.
Nur so wird eine Umsetzung in nützlicher Frist erzielt. Planmässig würde der Ausbau in den Jahren 2020 bis 2026 erfolgen. Sieben Jahre für ein solches Projekt sind aufgrund ähnlicher Umsetzungen realistisch.
Diese Art von Volksinitiative wird im Kanton Zürich häufig verwendet. Eine Umsetzung erfordert womöglich eine Anpassung der rechtlichen Situation im EKZ-Gesetz. Nicht zuletzt deshalb ist die Volksinitiative als allgemeine Anregung formuliert.
Das aus Sicht der Initianten ideale, einigermassen realistische Szenario sieht so aus:
- die Unterschriftensammlung vom September 2017 bis Februar 2018 ist erfolgreich mit mindestens 8’000 Unterschriften (6’000 gültige Unterschriften sind notwendig, es braucht etwa 25% Sicherheitsmarge)
- der Kantonsrat erklärt die Initiative für gültig und überweist sie an den Regierungsrat mit der Aufgabe, eine Umsetzungsvorlage im Sinne der Initiative zu erarbeiten (Mitte 2018)
- der Regierungsrat bringt die Umsetzungsvorlage im Sinne der Initiative in den Kantonsrat, der diese positiv zu Handen einer Volksabstimmung verabschiedet (Ende 2018, Anfang 2019)
- die Initiative wird durch das Komitee zurückgezogen, weil alle Ziele in der Umsetzungsvorlage erreicht worden sind. Es wird also nur über die Umsetzungsvorlage abgestimmt (Frühjahr oder Sommer 2019), das Volk sagt mit überwältigender Mehrheit Ja 🙂
- Der Ausbau beginnt unverzüglich und bereits 2020 können erste Haushalte von FTTH profitieren. Ab 2020 werden jedes Jahr mindestens 50’000 Anschlüsse realisiert
Natürlich kann es viele Verzögerungen geben: in erster Linie natürlich politischer Widerstand. Womöglich haben etablierte Telekommunikationsanbieter etwas gegen das FTTH Glasfasernetz und intensivieren ihr Lobbying dagegen. Last but not least stehen im Frühjahr 2019 Gesamterneuerungswahlen im Kanton Zürich an: Kantonsrat und Regierungsrat werden neu gewählt, und Wahlen haben immer einen Einfluss auf die Traktandenliste – ob positiv oder negativ wird sich zeigen