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“Wenn man in Paris nicht genug ass, bekam man grossen Hunger, denn die vielen Bäckereien hatten so gute Sachen in den Schaufenstern, und draussen auf den Bürgersteigen sassen Leute an Tischen und assen, sodass man überall Essen sah und roch.” – Ernest Hemingway, A Moveable Feast
Hemingway liebte nicht nur Fisch und Fleisch, sondern auch frisches Gebäck, wie diese Schwärmerei verrät. Croissants, Baguette, Tartelettes, in den Pariser Bäckereien haben die Kohlenhydrat-Skeptiker_innen nichts verloren, alle anderen kommen prächtig auf ihre Kosten. Fast sieben Jahre lang lebte der junge Hemingway – seines Zeichen kein Kohlenhydrat-Skeptiker – in Paris. In dieser Zeit bekam er einen Sohn, verschrieb sich vollkommen der Schriftstellerei und pflegte Freundschaften zu Grössen wie Scott Fitzgerald oder Gertrude Stein – und ass so richtig gut.
Der Schöpfer, der später dann Der Mann und das Meer schreiben wird, hatte auch in seiner Zeit in Frankreich schon eine ganz besondere Schwäche für alles, was aus dem Wasser kommt. Über Austern schrieb er: “Als ich die Austern mit ihrem strengen Meergeschmack und dem leicht metallischen Geschmack ass, den der kalte Weisswein fortspülte, sodass nur der Meergeschmack und die fleischige Konsistenz blieben, und als ich die kühle Flüssigkeit aus jeder Schale trank und mit dem frischen Geschmack des Weins hinunterspülte, verliess mich die Leere, und ich begann, mich glücklich zu fühlen und Pläne zu machen.”
Ernest Hemingways Leibspeise? In Speck eingewickelte Forelle. Oder sonst ein frischer Fisch – und da legte er am liebsten auch gleich selber Hand an. Ob auf hoher See oder im Wald, Hemingway war leidenschaftlicher Fischer und Jäger, das Tier zu zerlegen lehrte ihn sein Vater. Im Jahre 1938 zog Ernest an einem einzigen Tag sieben Marline aus dem Wasser, 16 Jahre vor seinem Nobelpreis angelte er sich also einen Marlin-Rekord.
Der Abenteurer Hemingway, der seine Stammkneipe angeblich eigenhändig von den Nazis befreite und sich auch schon in eine Stierkampf-Arena gewagt haben soll, hat nicht nur Literatur und Legenden hinterlassen, sondern auch ein herzhaftes Frühstück für alle Kater-Brunches dieser Welt.
Die Eggs Hemingway sind eine schuppige Variante der klassischen Eggs Benedict und kommen mit Rauchlachs und Spinat daher, das pochierte Ei bleibt gleich. Ernest Hemingway, der mindestens so gerne getrunken wie gegessen hat, würde dazu eisgekühlte Bloody Mary trinken – und das reichlich. Sowas hätte ihm gefallen.
Rezept für Eggs Hemingway mit Bloody Mary
Zutaten (für 2 Personen)
Eggs Hemingway
1 Zwiebel
150 g Lachs
2 Croissants
Senf
2 Eier
Salz, Pfeffer, Piment d’Espelette
Dill
Senfsauce
180 g saurer Halbrahm
1 TL flüssiger Honig
4 EL grobkörniger Senf
Salz, Pfeffer
Bloody Mary
4 dl Tomatensaft
1EL Zitronensaft
einige Tropfen Tabasco
einige Tropfen Worcestershire Sauce
½ dl Wodka
Salz, Pfeffer
Stangensellerie
Eiswürfel
Zubereitung
1 Die Zwiebel in Olivenöl andünsten, dann den Spinat beifügen und köcherln lassen bis der Spinat zusammengefallen ist. Mit Weisswein ablöschen, weiterköcherln und mit Salz und Pfeffer würzen.
2 Die Eier pochieren. Dazu 1 Liter Wasser und 1 dl Essig zum kochen bringen, dann Temperatur zurückstellen, das Wasser sollte nicht mehr kochen. Das Ei in ein Schälchen schlagen und vorsichtig ins Wasser gleiten lassen. Mit einem grossen Löffel das Eiweiss behutsam ‘formen’, sodass es nicht zu sehr zerzaust. Das Ei für circa 4 Minuten pochieren, danach vorsichtig mit einem grossen Löffel rausfischen.
3 Für die Senfsauce Senf, Salz, Pfeffer und Honig mit dem sauren Halbrahm mischen.
4 Die Croissants halbieren, mit Senf bestreichen, erst mit Spinat, dann mit dem Lachs belegen. Das pochierte Ei darauf geben und mit Salz, Pfeffer und Piment d’Espelette toppen. Die Senfsauce dazu servieren.
5 Tomatensaft, Zitronensaft, Tabasco, Wodka in einem Cocktailbecher mixen, würzen. In zwei Gläser mit Eis füllen und mit Stangensellerie garnieren.