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Anke Hoffmann
«Rechnungen ohne Wirt_innen – vom Widerstand des Unrealisierten», Art/Lecture von Tim Zulauf mit Nistiman Erdede und Gaststimmen
In Nordkurdistan begleitete ich eine internationale Delegation, die sich für die Roma interessierte. Sie wollten in Diyarbakir einen Verein gründen, der die Rechte der Roma stärken sollte.
Ich hatte bis dahin keinen Kontakt zur Roma-Bevölkerung. Die Arbeit mit der Delegation, für die ich vor allem als Dolmetscher tätig sein sollte, war ein wichtiger Lernprozess für mich. Wir gingen in ein armes Aussenquartier von Diyarbakir und haben dort versucht, Roma-Leute kennenzulernen. Ich bemerkte einen alten Mann, der vor einem Kiosk eine verbotene kurdische Zeitung las. Ich fragte ihn, was er über die Beziehung zwischen Romas und Kurden denkt. Seine Antwort war: “Wie kann es eine Beziehung zwischen Menschen zweiter und dritter Klasse geben?
Ich arbeitete vor meiner Flucht in die Schweiz sechs Monate in diesem und weiteren Roma-Projekten von Journalist*innen, Fotograf*innen und Wissenschafter*innen. Ich merkte, dass ich vorher nur Klischeebilder über Roma im Kopf hatte. Ich begann deshalb einen Versuch der Selbstkritik, eine Selbstkritik, die nicht nur mich, sondern die ganze Gesellschaft verändern sollte.
Nach meiner Flucht merkte ich, dass meine damaligen Überlegungen auch auf meine Situation als Asylsuchender in der Schweiz übertragbar waren. Für Asylsuchende in der Schweiz wie für Roma in der Türkei gibt es keine Möglichkeiten mit der Mehrheitsgesellschaft auf Augenhöhe zusammenzuleben.