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Einst war die Aktivierung des «weiblichen Blicks» das Hauptanliegen Sally Potters. Das war Anfang der achtziger Jahre, als die englische Regisseurin mit der Fagottistin Lindsay Cooper mit «The Gold Diggers» (1983) einen aufregenden, ganz und gar antinarrativen Schwarz-Weiss-Film komponierte. Damals ging es ihr auch um «die visuelle Natur des Films, nämlich das Spiel von Licht und Schatten» sowie um dessen musikalische Eigenschaften.
Ihre Erfahrungen als Tänzerin und Choreografin brachte sie 1997 mit «The Tango Lesson» ein, in dem sie selbst die Hauptrolle spielt. Mit dem Motiv einer Liebesbeziehung zu einem um einiges jüngeren, attraktiven Tangolehrer thematisiert Potter darin die physische und psychische Befindlichkeit einer fünfzigjährigen Frau und bedient ebenso subtil wie radikal und humorvoll die Schaulust ihres Publikums.
Und jetzt also «Ginger & Rosa». Der Film ist ein historisches Melodrama um die zwei siebzehnjährigen Mädchen Ginger (Elle Fanning) und Rosa (Alice Englert), das Potter in einem der dramatischsten Momente des Kalten Kriegs ansiedelt: 1962 zur Zeit der Kubakrise. Auch in Britannien gingen damals FriedensaktivistInnen zu Tausenden gegen die atomare Bedrohung auf die Strasse und wurden von der Polizei misshandelt. Potter benutzt Archivmaterial, um das politische Engagement ihrer Protagonistin Ginger zu illustrieren. Aus ihrer Sicht wird die Geschichte denn auch erzählt: die symbiotische Beziehung der beiden Teenager und deren Horror vor dem Alltagstrott ihrer misslaunigen und enttäuschten Mütter. Die Attraktion von Gingers Vater, der als freiheitsliebender Schriftstellerbohemien alsbald seine Kleinfamilie verlässt und auch die Mädchenfreundschaft zerstört, weil er Rosa verführt und damit seine Tochter Ginger in den psychischen Abgrund stösst. Ein pittoreskes Drama, das auch moralisches Lehrstück ist. Ein wehmütiger, aber ästhetisch anspruchsloser Blick zurück.