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Die Organisation "Jubilee 2000" will beim juristischen Kampf um Entschädigung für Opfer der Apartheid in Südafrika nicht mehr mit dem US-Anwalt Ed Fagan zusammen arbeiten.Dieser Inhalt wurde am 05. August 2002 - 16:44 publiziert
Ein anderer Anwalt aus den USA, Michael Hausfeld, soll stattdessen die Interessen der Apartheid-Opfer gegenüber den Banken vertreten. "Jubilee 2000" ist eine Koalition nichtstaatlicher Organisationen, Kirchen und Gewerkschaften.
Die Gruppe unterstütze die Klage und die Opfer zwar immer noch, sei aber besorgt über die Arbeitsweise von Fagan, bestätigte Jubilee-Sprecher Neville Gabriel am Montag Medienberichte der vergangenen Tage.
Ed Fagan ist in der Schweiz vor allem wegen seines Kampfs in der Affäre um nachrichtenlose Vermögen aus der Zeit des Holocaust bekannt. Die Geschichte endete mit dem Bankenvergleich in Höhe von 1,25 Mrd. Franken.
Im Juni nun reichte Fagan gegen die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse sowie gegen die US-Bank Citicorp eine Sammelklage wegen deren Tätigkeiten in Südafrika ein. Die Banken hätten durch ihr Kredite nach 1985 geholfen, das Apartheid-Regime in Südafrika aufrecht zu erhalten.
Falsche Erwartungen wecken
"Die Art und Weise, wie Fagan die Klage präsentierte, gibt den Opfern den Eindruck, dass sie damit reich werden könnten", sagte Neville nun. Und dies sei nie das Ziel von "Jubilee 2000" gewesen.
Man habe in den letzten dreieinhalb Jahren daran gearbeitet, die Banken und Unternehmen dazu zu bringen, ihre Verantwortung wahr zu nehmen.
"Jubilee 2000" verlange eine Diskussion darüber, wie das andauernde Erbe der Apartheid auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet ausgemerzt werden könne, und welche Rolle die Unternehmen dabei spielen müssten.
"Wir haben Hausfeld formell engagiert, Jubilee bei der Entwicklung einer integeren, sensiblen und glaubwürdigen Kampagne zu unterstützen", sagte Gabriel weiter. Die Koalition plane, in den kommenden Monaten mit Hausfeld Klage zu erheben.
Neue Strategie für Apartheid-Opfer
Anwalt Michael Hausfeld hat erstmals dargelegt, wie er die Interessen der südafrikanischen Apartheid-Opfer vertreten will. Er plant nicht unbedingt eine Sammelklage, sondern "eine Reihe verschiedener Klagen", wie er nach seiner Rückkehr aus Südafrika sagte.
Hausfeld erklärte, er plane mit verschiedenen südafrikanischen Organisationen "eine Reihe von Klagen, die eine Entschädigung für erlittenes Unrecht am besten reflektieren und die wirklichen Verantwortlichen treffen".
Diese habe er in Südafrika mit Vertretern von "Jubilee 2000" besprochen. Die Klagen würden nun finalisiert. Ende August kehre der letzte Mann seines Teams in die USA zurück. Darauf hin sollen die Klagen eingereicht werden.
Dazu, dass "Jubilee 2000" sich von Anwalt Ed Fagan distanziert hat, wollte sich Hausfeld nicht äussern. "Ich glaube ich habe schon früh deutlich gemacht, dass ich mit Herrn Fagan nicht zusammen arbeite", sagte Hausfeld. Hausfeld hatte Fagan "Mangel an Recherche, Seriosität und gedanklicher Sorgfalt" vorgeworfen.
Fagan-Sammelklage kommt vor Gericht
Die von Fagan eingereichte Sammelklage von Opfern der Apartheid gegen Schweizer Banken wird am Freitag (9. August) zum ersten Mal vor Gericht in New York behandelt. Fagans Firma vertritt nach wie vor einige Opfer der Apartheid.
Eine Angestellte der Anwaltskanzlei Nagel Rice Dreifuss & Mazie, der sich Fagan angeschlossen hat, bestätigte, dass man sich auf den Gerichtstermin am Freitag vorbereite.
Bei dem Termin handelt es sich laut der Angestellten nicht um eine öffentliche Anhörung, sondern um ein "Case Management", in dem Beweise gegen die Angeklagten präsentiert würden, bevor das Gericht das weitere Vorgehen im Verfahren beschliesse.
Ungeachtet der Distanzierung von "Jubilee 200" reichte Fagan diese Woche in den USA eine dritte Sammelklage im Namen von Apartheid-Opfern ein. Die Klage hat zwei Computerfirmen und zwei Banken im Visier. Die Namen der Unternehmen wurden nicht bekannt gegeben.
swissinfo und Agenturen