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Wer mit offenen Augen durch den Kanton Zürich streift, entdeckt sie an vielen Ecken: die an Kirchtürme oder an Gartenhäuschen erinnernden Transformatorenstationen. Was hat es mit den oft übersehenen Kleinbauten auf sich?
Das Anbrechen des Elektrizitätszeitalters
Die Geschichte der Trafostationen beginnt mit der ab Mitte der 1880er-Jahre einsetzenden Stromerzeugung in der Schweiz. Die Elektrizität, die vorwiegend der Beleuchtung oder der Gewinnung mechanischer Energie diente, war in ihrer Nutzung zunächst noch örtlich begrenzt. Bis die Mehrheit der Bevölkerung tatsächlich Zugang zur neuen Technologie hatte, dauerte es noch eine ganze Weile. Möglich machte es die Einführung des Wechselstromsystems. Strom konnte nun mithilfe von Hochspannungsleitungen ohne nennenswerten Spannungsverlust über weite Distanzen transportiert werden. Dabei spielten die Trafostationen eine entscheidende Rolle: In ihrem Innern wurde der Strom von Transformatoren auf eine niedrige Spannung umgewandelt. So war es schon um 1900 möglich, die Haushalte grösserer Schweizer Städte mit Strom zu versorgen.
Die Gründung der EKZ und die Gestaltung eines neuen Bautypus
Das ehrgeizige Ziel, nicht nur die Städte, sondern jeden Weiler und jedes Quartier an das Energienetz anzuschliessen, verfolgten die 1908 gegründeten Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Dazu sollten im ganzen Kantonsgebiet genormte Transformatorenstationen eingeführt werden. Am 24. April 1909 schrieb die EKZ in der Schweizerischen Bauzeitung einen Wettbewerb für die «architektonische Gestaltung und bauliche Ausführung von Transformatorenstationen» aus, an dem sich zahlreiche renommierte Architekten beteiligten.
V.l.n.r.: Entwurf Nr. 17 von Johannes Bollert; Entwurf Nr. 34 von F. Hirsbrunner; Entwurf Nr. 60 von Heinrich Müller. Bilder: Kantonale Denkmalpflege Zürich.
V.l.n.r.: Enwtwurf Nr. 61 von F. & E. Zuppinger; Entwurf Nr. 77 von G. Rall, O. Schmidt und J. Egli; Entwurf Nr. 80 von Albert Hotz. Bilder: Kantonale Denkmalpflege Zürich.
Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt: Die eingehenden Entwürfe reichen von neubarocken Türmchen mit Zwiebelhelmen über an Kirch- und Burgtürme erinnernde Bauten bis hin zu modern anmutenden Stationen mit offenen Freileitungstürmen. Die Jury, der unter anderen Kantonsbaumeister Hermann Fietz und Ingenieur Eduard Locher angehörten, prämierte 24 der fast 130 eingegangenen Projekte. Zu den Siegern gehörten beispielsweise der Entwurf des Architekten Fritz Reiber, der spätere Typ E21…
Von Architekt Fritz Reiber für den Wettbewerb von 1909 eingereichte Pläne, die die Grundlage für die Trafostation des Typ E21 bildeten. Bild: Kantonale Denkmalpflege Zürich.
… oder derjenige der Architekten Steiner & Grossrubatscher, der von Kunkler & Gysler vereinfacht und als Typ B26 fast dreissig Mal ausgeführt wurde.
Der prämierter Wettbewerbsentwurf der Architekten Steiner & Grossrubatscher (links), wurde später als vereinfachte Version umgesetzt. Zustand 1985, noch mit Freileitungen (Mitte) und im heutigen Zustand in Gossau (rechts). Bilder: Kantonale Denkmalpflege Zürich.
Vom Trafoturm zum vorfabrizierten Baukasten
Im Zuge der Einführung einer neuen Betriebsspannung ab 1942 suchten die EKZ nach neuen, wirtschaftlichen Lösungen für den Bau von Transformatorenstationen. Im gleichen Zeitraum begann man, Spannungsleitungen in den Untergrund zu verlegen, was den Bau hoher Trafotürme überflüssig machte. An deren Stelle traten ab Ende der 1940er-Jahre zunehmend eingeschossige, vorfabrizierte Stationen. Ab den 1950er-Jahren stieg der Strombedarf infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs insbesondere in den Städten stark an, weshalb vielerorts zusätzliche Trafos – natürlich in zeitgemässem stilistischen Gewand – gebaut wurden.
1957 von Architekt Heinrich Raschle gebaut, ist die Transformatorenstation mit ihrer rasterartig gestalteten Hauptfassade ein qualitätsvoller, zeittypischer Bau der Nachkriegsmoderne. Vier Transformatoren anstelle eines Einzigen machten sie besonders leistungsfähig. Foto: Kantonale Denkmalpflege Zürich.
Ab 1980 traten die deutlich kleineren, meist grauen Fertigbaukästen bzw. «Kompaktstationen» ihren Siegeszug an und verdrängten die architektonisch aufwändig gestalteten Transformatorenstationen der vergangenen Jahrzehnte. Heute sind viele der älteren Trafos aus dem Ortsbild verschwunden. Von den übriggebliebenen werden einige noch in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt, während die zukünftige Nutzung vieler anderer Trafos noch in den Sternen steht.
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Verfasst von:
Nora Meier
Nora Meier hat ein Praktikum im Ressort Inventarisation bei der kantonalen Denkmalpflege absolviert und studiert jetzt Kunstgeschichte im Master an der Universität Bern.
Stephan Bischof und Norbert Föhn des Architekturbüros Bischof Föhn Architekten interessieren sich für die baugeschichtlichen und kulturellen Hintergründe ihrer Objekte. So fasziniert sie auch die denkmalgeschützte Bausubstanz des «Johanniterhauses», welches Teil der Kantonsschule Küsnacht ist. Swiss Architects, ein Netzwerk das regelmässig über qualitativ hochwertige Architektur berichtet, wählt die Instandsetzung des «Johanniterhauses» zum Bau der Woche.
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