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Das Strassennetz des Römischen Reichs prägt Wohlstand bis heute
Auch wenn Bau und Planung des römischen Strassennetzes weit über zwei Jahrtausende zurückliegen, gibt es deutliche Zusammenhänge zwischen dem Verlauf der Strassen und heutigem Wohlstand. Dies zeigt eine Studie der Universität von Göteborg.
Quelle: Gemeinfrei
Die Via Appia in Rom, wie man sie sich Ende des 19. Jahrhunderts vorstellte. (Aus: Strafforello Gustavo, La patria, geografia dell’Italia. Provincia di Roma. Unione Tipografico-Editrice, Torino, 1894)
In seiner Blütezeit umfasste das Strassennetz des Römischen Reiches insgesamt 80‘000 Kilometer. Angelegt worden war es nicht in erster Linie aus ökonomischen sondern aus militärischen Gründen. Denn dank ihm liessen sich Truppen vergleichsweise schnell auch in entlegene Gebiete entsenden.
Obwohl bei Planung und Bau jener Strassen kaum auf ältere Strassennetze und Siedlungen Rücksicht genommen wurde, avancierten sie schnell zu rege genutzten Handelswegen und wichtigen Verkehrsadern: Sie verbanden aufstrebende Städte und spielten eine zentrale Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Ihre Auswirkungen sind bis heute spürbar. Viele Städte, die an diesen Strassen liegen, prosperieren bis heute. Der Frage, was die Gründe dafür sind, geht eine Studie eines Teams der Universität von Göteborg nach.
Satellitenbilder und antike Vekehrswege
Für ihre Untersuchungen legten die Forscher Karten des Strassennetzes des Römischen Reiches über moderne, in der Nacht aufgenommene Satellitenbilder, die die Lichtintensität abbilden. Aus solchen Aufnahmen lässt sich die wirtschaftliche Aktivität eines Gebiets ablesen. Danach wurde die Karte in ein kleinräumiges Raster eingeteilt und in jedem Feld das Vorkommen römischer Strassen ermittelt und mit der heutigen Infrastruktur, Bevölkerungsdichte und Wirtschaftsaktivität verglichen.
Seit dem Bau jener Strassen sei vieles passiert, somit dürfte vieles an die heutigen Gegebenheiten angepasst worden sein, sagt Studienmitautor Ola Olsson von der School of Business Economics and Law der Universität Göteborg. Die wichtigste Erkenntnis, die der Wirtschaftsexperte und seine Kollegen aus ihren Analysen ziehen, ist, dass die römischen Strassen zur Konzentration der Städte und der Wirtschaftstätigkeit in ihrem Umfeld beigetragen haben.
Allerdings: Sind die Strassen von den Römern in bereits wirtschaftlich starken Gebieten gebaut worden oder haben erst die Strassen das Wirtschaftswachstum ausgelöst? „Das ist die grosse Frage“, so Olsson. Was die Studie besonders interessant mache, sei, dass die Strassen selbst verschwunden seien und dass das vom Fall des Römischen Reiches ausgelöste Chaos in Westeuropa eine Gelegenheit gewesen wäre, die wirtschaftlichen Strukturen neu auszurichten. Trotzdem sei das städtische Muster erhalten geblieben. – Die Strassen wurden weiter genutzt, im Laufe der Zeit wurde manche auch neu gebaut.
Der Osten entwickelte sich anders als der Westen
Ein Faktor, der die Studienresultate stützt, ist die Entwicklung im Osten des Römischen Reiches, in Nordafrika und im Nahen Osten: Im 4. und 6. Jahrhundert gab man den Transport auf Rädern grösstenteils zugunsten von Kamelkarawanen auf. In der Folge wurden die Strassen immer weniger genutzt und sie verfielen. Im Gegensatz zum Westen des Reichs entstanden keine neuen Strassen auf den alten. Dies wiederum wirkte sich offenbar auf den Wohlstand aus: „Die Region war von einer so genannten ‚Umkehrung des Schicksals‘ betroffen“, führt Olsson aus. „Länder wie der Irak, der Iran und die Türkei, die schon früh eine Zivilisation entwickelt haben, sind heute autokratisch und weisen eine deutlich schlechtere wirtschaftliche Entwicklung auf als Länder, die damals in der wirtschaftlichen Peripherie lagen.“
Die Erkenntnis, dass sich Investitionen in die Infrastruktur
Jahrzehnte und Jahrhunderte später für die Wirtschaft auszahlen, ist laut Olsson wichtig. Sie erklärt, weshalb manche
Regionen weiter entwickelt sind als andere. Als Beispiel führt er Schweden
an: „Die Eisenbahn hat seit dem 19. Jahrhundert eine enorme Bedeutung für die
Wirtschaftstätigkeit des Landes. Werden neue Zugstrecken gebaut,
kann man davon ausgehen, dass einige Gemeinden einen grossen wirtschaftlichen
Aufschwung erfahren werden.“ (mai)