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In den 1880er und 1890er Jahren, während denen sich die III. Republik in einer Konsolidierungsphase befand, stiessen sportliche Tätigkeiten in Paris auf reges Interesse: Sie übten eine grosse Anziehungskraft auf die bessere Gesellschaft – die haute société – aus, insbesondere auf die Aristokraten. Letztere sahen sich enttäuscht in ihrer Hoffnung und ihren Illusionen bezüglich einer Rückeroberung der politischen Macht. Sie suchten neue Tätigkeitsfelder und interessierten sich für die neuen Sportarten wie Radfahren, Tennis, Polo und Golf, sowie etwas später für das Automobil, zu dessen Lancierung, Organisation und Propagierung sie beitrugen. Je mehr diese Tätigkeiten als mondän galten, desto länger beschäftigten sich die Aristokraten damit. Die Aristokraten waren oft «des hommes et des femmes de sport» sie traten aber nur ausnahmsweise als professionelle SportlerInnen oder als Meister ihres Fachs in Erscheinung.
In diesem Beitrag werden zwei unterschiedliche Beispiele untersucht: Zuerst das Radfahren, das in der besseren Gesellschaft zu verschiedenen kurzlebigen Moden geführt hat; die Aristokraten gaben zwar zunächst der Verlockung nach, sie wandten sich aber schnell wieder vom Fahrrad ab. Tatsächlich wurde das Radfahren ziemlich schnell zu einem professionalisierten Sport; dazu kommt, dass die Zahl der Radfahrer rasch anwuchs. Zweitens wird das Tennis untersucht, dem die Aristokraten länger ihre Treue hielten. Zunächst bedingt Tennis keine grösseren körperlichen Anstrengungen. Zudem gibt es Anlass zu zahlreichen Gelegenheiten, um die Geselligkeit zu pflegen, und zwar sowohl auf privatem Grundbesitz als auch im Club, wo die Spiele in Abendgesellschaften, Essen, Tanzanlässen oder Festen ihre Fortsetzung fanden. Im Gegensatz zum Radsport wurde das Tennis erst mit etwas Verzögerung auf nationaler Ebene organisiert, und auch die sportliche Seite des Spiels setzte sich nur allmählich durch.
(Übersetzung: Markus Lamprecht)