Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03462.jsonl.gz/3498

Letzteres war anfangs bloß um der Nichtrömer willen vorhanden, allmählich wurde jedoch das eigne nationale
Recht derRömer
jenem allgemeinen
Recht immer ähnlicher, und es waren insbesondere die Prätoren, welche diesen Übergang
durch ihre Edikte vermittelten und regelten. Sie machten beim Antritt ihres
Amtes durch
Anschläge diejenigen Rechtsgrundsätze,
nach welchen sie
Recht und
Gerechtigkeit in dem Jahr ihrer Amtsführung beobachten wollten, gleich zum voraus öffentlich bekannt.
Sie stellten aber nicht sowohl ganz neue Rechtsvorschriften auf, sondern sprachen meist nur aus, was
zu ihrer Zeit durch
Gewohnheit schon als
Recht galt. Wo sie
Lücken in dem bestehenden
Recht fanden oder dasselbe für ihre Zeit
nicht mehr anwendbar hielten, gaben sie selbst die Entscheidungsregeln an, die sie befolgen wollten. Diese Edikte hießen
Edicta schlechthin, auch Edikt annua oder Edikt perpetua. Die Edikte der beiden Prätoren in
Rom,
[* 5] des
Praetor urbanus und des
Praetor
peregrinus, nannte man Edicta Praetorum, die der
Prokonsuln und
Proprätoren in den
Provinzen Edikt provincialia.
Aber nicht jeder Prätor publizierte immer gleich neue Rechtssätze (Edictum novum), sondern der Nachfolger
im
Amt behielt gewöhnlich das Edikt seines Vorgängers ganz oder zum Teil bei (Edikt tralatitium). Auch die
Ädilen, welchen
hauptsächlich die Sorge für das Polizeiwesen oblag, hatten das
Recht, beim Antritt ihres
Amtes ein Edikt zu publizieren, welches
meist
Verfügungen und Vorschriften in Polizeiwachen enthielt, aber auch für dasPrivatrecht nicht unwichtig
war.
Schloß steht, dessen düstere Mauermassen und hoch übereinander emporsteigende Warttürme die ganze Stadt beherrschen.
Der südliche Höhenzug erstreckt sich nach O. bis zum Fuß der steil abfallenden SalisburyCrags, hinter welchen der malerische
basaltische »Arthurssitz« zu einer Höhe von 251 m ansteigt (vgl. Tafel »GeologischeFormationen«).
[* 10] Der nördliche Höhenzug
schließt sich östlich an den bereits von Straßen umgürteten Calton Hill (107 m) an, eine Art Edinburger
Akropolis
[* 11] mit den Denkmälern berühmter Schotten, wie denn auch die ganze Lage Edinburgs, mit seinen umgebenden Höhen und dem
nahen Firth, den PhilhellenenStuart veranlaßte, ihm den Namen »Neuathen« beizulegen. Die Thäler, welche die
genannten Höhenzüge voneinander trennen, werden von Brücken
[* 12] überspannt, welche die einzelnen Stadtteile verbinden.
Die Altstadt, der eigentliche Kern Edinburgs, nimmt den mittlern Höhenzug ein und erstreckt sich vom Schloß (castle) im O.
bis zu dem 1,6 km entfernten Palast von Holyrood. Sie zeichnet sich durch die ungemein hohen Häuser von
zehn und noch mehr Stockwerken und durch die engen Gassen aus, die sich zu beiden Seiten der Hochstraße an den Abhängen hinziehen.
Letztere heißen Close, wenn sie zu eng für Fuhrwerke sind, Wynd, wenn sie dieselben zulassen. Abweichend von London,
[* 13] bewohnen
hier viele Familien ein und dasselbe Haus, jede meist ein Stockwerk (flat).
In der Altstadt befinden sich viele öffentliche Gebäude, so namentlich die älteste Kirche der Stadt (St. Giles), das alte
Parlamentsgebäude, die Stadthalle u. a.; auch Häuser, welche durch ihre frühern Bewohner Berühmtheit erlangt haben, wie
das Haus des ReformatorsJohnKnox (von 1490) in der Canongate genannten Fortsetzung der Hochstraße. Durch
ein Thal, in welchem die Cowgate (»Kuhthor«) genannte Straße hinläuft und der alte Grasmarkt liegt, wird diese Altstadt von
einem neuern Stadtteil im S. getrennt.
Zwei Viadukte, die 1785-88 gebaute Südbrücke und die 1825-36 erbaute Brücke
[* 14] Georgs IV., verbinden die beiden Stadtteile.
Die wichtigsten Gebäude hier sind: das Universitätsgebäude, das Gewerbemuseum, das Royal Infirmary (Krankenhaus)
[* 15] und Heriot's Hospital von Inigo Jones (1628-60). Südlich erstreckt sich die Stadt bis zu dem the Meadows (»die
Wiesen«) genannten Park, jenseit dessen die von Balltreibern vielbesuchten Links und die hübschen Vorstädte Newington, Merchiston
und Morningside liegen. Die eben beschriebenen Stadtteile waren bis gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts
Sitz des Adels und Reichtums, sind aber seit dem Bau der nördlichen Neustadt
[* 16] den weniger wohlhabenden Klassen überlassen worden.
Edinburg zählt 142 gottesdienstliche Gebäude, von welchen 31 der schottischen Hochkirche, 40 der Freikirche, 16 der protestantischen
bischöflichen Kirche, 3 (nebst Kloster) den Katholiken und 67 verschiedenen protestantischen Gemeinden angehören. Von diesen
Kirchen ist die von St. Giles, wie erwähnt, die älteste der Stadt. Sie hat einen schönen, 47 m hohen Turm,
[* 18] ist aber durch
moderne Umbauten entstellt. Außerdem verdienen Erwähnung die Tronkirche (1637-63 erbaut) und die seit 1874 erbaute
protestantische Kathedrale mit 3 Türmen, von denen der mittlere eine Höhe von 84 m erreicht.