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Es gibt zahlreiche Verbände und Dojos, die den Namen „Shotokan“ verwenden - oft ganz unterschiedlicher Stilrichtungen - sodass dies für Anfänger verwirrend sein kann.
Abgesehen von den Unterschieden sind sich Verantwortliche und Experten einig über die Definition des Begriffs „Shotokan“ und die Tatsache, dass kein Verband oder Dojo ein Monopol auf die Bezeichnung dieser berühmten Schule hat.
Bedeutung des Begriffs Shotokan
Der Begriff „Shotokan“ geht auf Meister Gichin Funakoshi zurück, den Begründer des modernen Karate-Do, dessen Künstlername "Shoto" war. Wörtlich übersetzt bedeutet "Shoto" “Rauschen in den Kiefern” bzw. "Pinienrauschen", und "kan" bedeutet "Haus".
Meister Funakoshi sagt dazu:
„… Meine Einsamkeit zu geniessen, während ich dem Wind zuhörte, wie er durch die Pinien pfiff, schien mir eine vorzügliche Möglichkeit zu sein, den Geistesfrieden zu erreichen, den Karate erfordert. Und da dies seit meiner frühen Kindheit zu meinem Leben gehörte, entschied ich mich, dass es keinen besseren Namen als SHOTO gab, um die Gedichte zu unterzeichnen, die ich schrieb. Im Laufe der Jahre wurde dieser Name besser bekannt als jener, welchen meine Eltern mir gaben, und ich stelle oft fest, dass, falls ich nicht Shoto zusätzlich zu Funakoshi schrieb, die Leute nicht wussten, wer ich war.“
Aus: «Karate-Do, Mein Weg», Gichin Funakoshi
Als im Jahre 1936 in Tokio ein Dojo eröffnet wurde, erhielt es den Namen „Shotokan“ (Haus des Shoto). Damit ging der Begriff „Shotokan“, der also ursprünglich als Name für ein Dojo gewählt wurde, als Bezeichnung des Karate-Do nach dem Stil von Meister Gichin Funakoshi in die Geschichte ein.
Die verschiedenen Stilrichtungen des Shotokan
Nach der Zerstörung durch einen Bombenangriff im Jahre 1945 wurde das Shotokan Dojo nicht wieder aufgebaut. Nach dem Krieg setzte Meister Funakoshi seinen Unterricht in den Dojos der Universitäten fort, welche bereits in den frühen dreißiger Jahren eröffnet wurden. Einige seiner Schüler, aus verschiedenen Universitäten kommend, gründeten ab 1957, dem Todesjahr von Meister Funakoshi, eigene Vereine oder Verbände, die alle eine Zugehörigkeit zu Shotokan für sich in Anspruch nahmen.
Shotokan nach Meister Tsutomu Ohshima
Geboren am 6. August 1930, schrieb sich Meister Ohshima im Jahr 1948 an der Waseda Universität in Tokio ein, wo er bis 1953 Wirtschaftswissenschaften studierte. Dort widmete er sich auch dem Karate-Do und trainierte unter der direkten Leitung von Meister Funakoshi. Im Jahr 1952 wurde er Kapitän des Karate Clubs der Waseda Universität und konzipierte die ersten Wettkampfregeln. 1955 zog er nach Kalifornien, wo er Shotokan Karate of America gründete. Später folgte die Gründung von France Shotokan, Canada Shotokan, Israel Shotokan, Marokko Shotokan, Gabon Shotokan, Spain Shotokan und Suisse Shotokan, um nur die ältesten Vereine zu nennen.
Seit Jahrzehnten ist Meister Ohshima bemüht, den ursprünglichen Karatestil, den er bei Meister Funakoshi lernte, beizubehalten. Diese Orthodoxie spiegelt sich in der von ihm angefertigten englischen Übersetzung des Buches seines Meisters " Karate-Do Kyohan", wider, der er sich mehr als 10 Jahre widmete.
Meister Ohshima legt grossen Wert auf die enge Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, wobei ersterer als Beispiel vorangeht und die Beziehung auf gegenseitigem Respekt beruht.
Sogenannte Spezialtrainings sind charakteristisch für die Shotokanlehre von Meister Ohshima. Sie dauern ca. vier Tage, während derer die Teilnehmenden nach einem festgelegten Programm mehrere Stunden am Tag intensiv trainieren und dabei versuchen, über sich hinauszugehen und ihre Grenzen zu durchbrechen. Erst am Ende eines Spezialtrainings dürfen Kandidaten, die für die Prüfung zum schwarzen Gürtel nominiert sind, die Prüfung ablegen.
"Sich selbst hart beurteilen", "gegen sich selbst gewinnen", "mentale Blockaden beseitigen", "versuchen, sein Bestes zu geben", all das sind Leitmotive, die Meister Ohshima verwendet. Es handelt sich um eine Art Suche eines jeden Menschen nach seinem wahren Kern.
Meister Ohshima lebt in Santa Barbara, Kalifornien, neben dem zentralen Shotokan Ohshima Dojo, das von seinen Schülern erbaut wurde.
Patrick Mottet, 20. Juni 2012