Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/169083

<h2>SubmittedText<h2><p>Welche Schäden die Kirschessigfliege verursacht, muss nicht mehr bewiesen werden. </p><p>Der Bundesrat ist sich dieses Problems bewusst. Das Ziel dieser Interpellation ist es also, eine Bilanz über die getroffenen Massnahmen zu ziehen. </p><p>Ich würde gerne erfahren, welche Studien an den Eidgenössischen Forschungsanstalten für Agrarwirtschaft und Landtechnik (z. B. Changins) oder anderswo durchgeführt werden, und vor allem, ob den Landwirtinnen und Landwirten konkrete Lösungen zur Verfügung gestellt wurden oder bald zur Verfügung gestellt werden. Dies insbesondere infolge der Motion Pezzatti 14.3721. </p><p>Es interessiert mich besonders zu erfahren, ob momentan zu Parasitoiden oder zu Parasiten zur Schädlingsbekämpfung geforscht wird.</p><p>Gibt es auf internationaler Ebene und besonders in Asien, wo die Kirschessigfliege herkommt, Erfahrungen, auf die man sich stützen könnte?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die von Agroscope, unter Einbezug des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau (Fibl), nach Annahme der Motion Pezzatti etablierte Task-Force Kirschessigfliege betreibt Forschung zu einer breiten Palette von vorbeugenden und kurativen Lösungsansätzen zur Minimierung der Verluste durch die Kirschessigfliege in Beeren, Steinobst und Trauben. Dazu gehören der Einsatz von Lockstoffen (z. B. Massenfang und "Attract and kill"-Verfahren), die Einnetzung der gefährdeten Kulturen, der Einsatz von biologischen und chemischen Pflanzenschutzmitteln sowie Untersuchungen zur Sorten- und Standortwahl und zur Umsetzung von Hygienemassnahmen in den Kulturen (z. B. rechtzeitige Erkennung und Entsorgung befallener Früchte). Die praxisnahe Versuchstätigkeit erfolgt in Absprache und enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Fachstellen und wird von Vertretern der Produzenten und der nachgelagerten Stufen (z. B. Handel) der betroffenen Sektoren begleitet. Neben der praxisorientierten Entwicklung von Lösungen erforschen Agroscope und das Fibl im Hinblick auf neue Ansätze der Vorbeugung und Bekämpfung auch die Lebensweise des Schädlings in den betroffenen Agrarökosystemen und der natürlichen Umgebung.</p><p>So werden beispielsweise die Bewegungsmuster der Kirschessigfliege in den Kulturen und in den umliegenden ungenutzten Habitaten sowie die Interaktionen der Kirschessigfliege mit der einheimischen Insektengemeinschaft (z. B. mit anderen Drosophila-Arten als Konkurrenten und mit Räubern und Parasitoiden als Gegenspielern) untersucht. Weil die Wirksamkeit der Massnahmen je nach Wirtspflanze und lokalen Gegebenheiten variiert, werden die Untersuchungen in allen gefährdeten Kulturen und an verschiedenen Standorten durchgeführt. Agroscope und das Fibl kooperieren mit Forschungsinstitutionen im benachbarten Ausland, welche an ähnlichen Lösungsansätzen arbeiten, und nutzen auch das publizierte Wissen der Forschung ausserhalb Europas (USA, Asien).</p><p>Jährlich veröffentlicht Agroscope auf der Projekt-Webseite die Bekämpfungsstrategien für den Beeren-, Steinobst-, Feldobst- und Weinbau in Form von öffentlich zugänglichen technischen Broschüren. Während der Saison fliessen die neuesten Informationen zur Befallssituation und zu den zutreffenden Kontrollmassnahmen über einen monatlichen Newsletter und weitere Beratungsunterlagen in die Praxis ein. Das Fibl pflegt ebenfalls eine laufend aktualisierte Webseite mit allgemeinen und für die biologische Produktion abgestimmten Informationen. Eine jährlich stattfindende Nationale Tagung "Kirschessigfliege" und häufige Beiträge von Agroscope und Fibl an Informationsveranstaltungen der kantonalen Beratung (z. B. an kantonalen Pflanzenschutztagungen) fördern den gegenseitigen Austausch, schaffen Vertrauen und beschleunigen den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis. Umfragen unter den Produzenten zeigen, dass die Empfehlungen generell als zweckmässig angesehen und trotz beträchtlicher Mehrkosten mehrheitlich umgesetzt werden. Dort, wo sie rechtzeitig und sachgerecht durchgeführt werden, tragen die empfohlenen Massnahmen bereits heute zur Minderung der durch die Kirschessigfliege verursachten Ertragsverluste bei, trotz des anhaltend hohen und nachweislich steigenden Schädlingsdrucks.</p><p>In der Schweiz befasst sich ausserdem das Cabi (Centre for Agriculture and Biosciences International) in Delémont mit dem Einsatz von Gegenspielern aus dem Ursprungsgebiet des Schädlings. Mitarbeitende des Cabi arbeiten dabei eng mit asiatischen Kollegen zusammen. Einige vielversprechende Gegenspieler der Kirschessigfliege wurden vor Kurzem in China und in Südkorea identifiziert. Zur Prüfung ihrer Eignung in Befallsgebieten ausserhalb der Ursprungsregion ist jedoch eine mehrere Jahre in Anspruch nehmende und sorgfältige Abklärung der potenziellen Auswirkungen auf Nichtzielorganismen unerlässlich, insbesondere auf die einheimischen Drosophila-Arten und deren Gegenspieler. In den Quarantänelaboratorien des nordamerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) werden zurzeit einige wenige Parasitoidenarten (Schlupfwespen) den erforderlichen Biosicherheitstests unterzogen. Neben der längerfristigen Zeitperspektive für die Einführung solcher Gegenspieler ist zu beachten, dass infolge der typischerweise hohen Umweltansprüche von Parasitoiden (einheimische und exotische) und ihres zeitlich verzögerten Auftretens dieser Ansatz nur als ergänzende Massnahme zu betrachten ist, welcher zwar zu einer temporären Reduktion der Populationsgrösse beitragen kann, jedoch für sich alleine keine durchschlagende Lösung liefert.</p>  Antwort des Bundesrates.