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Nebst den Studierenden haben wir auch die Lehrpersonen zu ihren Erfahrungen mit dem papierlosen Studium befragt. Erfreulich ist, dass sie das Projekt nach einem Jahr positiver beurteilen als zu Beginn.
Positiv erwähnt werden vor allem die Arbeitserleichterung, da das Drucken entfällt und die neuen Möglichkeiten, die im Unterricht entstehen. Kritisch wird zum Beispiel kommentiert, dass die Studierenden zu sehr auf das Tablet fixiert seien und darunter die Interaktion leide. Eine andere eher skeptische Begründung der Einschätzung geht dahin, dass von dem Projekt in erster Linie der Reiz des Neuen ausgehe, aber der didaktische Vorteil noch nicht erkennbar sei.
Eingewöhnungszeit von Lehrpersonen unterschätzt
Interessanterweise schätzen die Lehrpersonen die Eingewöhnungszeit der Studierenden ähnlich hoch ein wie die eigene und unterschätzen damit die Eingewöhnungszeit der Studierenden etwas. Die Lehrpersonen haben nämlich nach eigenen Angaben die Umstellung schneller bewerkstelligt als die Studierenden.
In der Vorbereitung des Unterrichts ist der Arbeitsplatzrechner nach wie vor das wichtigste Gerät für die Lehrpersonen. Das Tablet scheint eher eine untergeordnete Rolle zu spielen.
Wenn das Tablet eingesetzt wird, wird es nicht als blosser Laptopersatz verwendet. Überraschend ist, dass das Tablet für 46.2% der Lehrpersonen andere Medien wie Wandtafel und Overheadprojektoren nicht ersetzten kann. Zudem sind über 60% der Lehrpersonen der Meinung, dass im Studium nicht restlos auf Papier verzichtet werden kann.
Das Tablet wird von den Lehrpersonen vor allem zum Vorführen von Präsentationen, Videos und Fotos genutzt. Entsprechend werden als wichtigste Apps für die Arbeit mit dem Tablet auch Präsentationsapps wie Powerpoint und Slideshark genannt. Auch Browser (Safari, Chrome) und YouTube werden erwähnt. Im Unterschied zu den Antworten der Studierenden werden zudem der Zeitungskiosk, Notizen, Kalender und der BBC iPlayer aufgeführt.
Immerhin 23.1% der Lehrpersonen nutzen das Tablet für Lernszenarien, die ohne das Tablet nicht möglich wären. Zudem versucht fast die Hälfte der Befragten (46.2%) den Unterricht Tablet gerecht aufzubereiten.
Seltener wird das Tablet für das Zeichnen, Markieren und Kommentieren genutzt. Unter Sonstiges werden Elemente aus dem Sprachunterricht genannt, wie Google Docs und Edupad für Schreibübungen, sowie Grammatikübungen und Forum-Nutzung. Gerade bei Live-Umfragen z.B. mit einem Classroom Respons System und Quiz- und Wissenstests besteht noch ein grosses Potenzial.
2/3 der befragten Lehrpersonen würden das Tablet gerne vielfältiger im Unterricht einsetzen. Wir haben sie daher gefragt, welche Lernszenarien sie sich mit den Tablets vorstellen können: Leere Folien in einer PowerPoint Präsentation können z.B. als Wandtafelersatz dienen, Studierenden könnten selber Videos, Quizzes und ähnliches erstellen und untereinander austauschen, auch das Verwenden von E-Books stellt eine neue Möglichkeit dar.
Einige Lernschritte fallen mit den Tablets weg, wie z.B. das Abschreiben der Herleitung von der Tafel, das jetzt durch ein einfaches Foto ersetzt wird. Einige Lehrpersonen möchten ihre benutzten didaktischen Methoden daher auf ihre Tauglichkeit für den Einsatz mit Tablets überprüfen, um das Tablet didaktisch besser einsetzen zu können.
Moodle wird nicht automatisch mehr genutzt
Während die Studierenden Moodle intensiver nutzen als früher, sind die Lehrpersonen bei dieser Frage geteilter Meinung. Auch scheinen sie den Studierenden nicht mehr Unterlagen zur Verfügung zu stellen als früher. Obwohl diese Möglichkeit als Faktor genannt wurde, der sich durch das papierlose Studium verändert hat.
Interessant sind die Antworten der Lehrpersonen auf die Frage , was sich durch den Unterricht mit den Tablets geändert hat. Oftmals wird aufgeführt, dass das papierlose Studium mit weniger Aufwand verbunden sei, weil das “Ausdrucken und Schleppen von Papierbergen” wegfalle. Dies ermögliche auch kurzfristigere Änderungen. Auch das Verteilen der Unterlagen falle weg, das Präsentieren mit dem Tablet sei einfacher als mit Laptop. Allerdings gibt es auch gegenteilige Stimmen: “Es braucht viel mehr Zeit für die Vorbereitung des Unterrichtes. In der Molekularbiologie müssen sehr viele Klonierungsstrategien mit DNA-Sequenzen gezeichnet werden. Dies ist auf Folie sehr viel besser”.
Für die Studierenden sehen die Befragten vor allem die Möglichkeit, selbständiger zu arbeiten. “Man kann viel mehr Materialien zur Verfügung stellen und erwarten, dass die Studis selbständig recherchieren.” Dazu gehört auch, dass kleine Internetrechercheaufträge gestellt werden. “Students can work a lot more independently. They can do work in groups and get running feedback from me in the class much more easily. It allows me to respond to the needs of the class.”
Ein Befragter empfindet die Studierenden als besser vorbereitet und konzentrierter, ein anderer hingegen stellt fest, dass die Studierenden während des Unterrichts in ihre Tablets vertieft sind.
Potenzial für Flipped Classroom
Die meisten Lehrpersonen finden den Frontalunterricht die geeignetste Unterrichtsform für den Einsatz von Tablets. Eine Antwort jedoch hält Frontalunterricht für weniger geeignet, stattdessen könne ein “Flipped Classroom” Ansatz besser sein. Für das Praktikum dagegen gäbe es nur eingeschränkte Einsatzmöglichkeiten. Eine Stimme sagt: “Ich sehe da keinen grossen Unterschied, ob mit oder ohne Papier unterrichtet wird.”
Die Evaluation bei den Studierenden hat gezeigt, dass sie das Tablet auch im Selbststudium intensiv nutzen, es besteht daher auch Potenzial ausserhalb des Frontalunterrichts.
Herausforderung für die Infrastruktur
Die Evaluation zeigt auch, dass es bei der Infrastruktur noch Verbesserungspotenzial gibt. Vor allem die Steckdosen sind ein Problem, da die Akkuleistung der Windows-Geräte nicht für 8-9 Stunden ausreicht. Von den Lehrpersonen werden WLAN-Beamer gewünscht: „Derzeit ist das Tablet, mit einem Kabel an den Beamer gebunden, welches stört, wenn man das Tablet in der Hand hält und das hängende Kabel zur Stolpergefahr wird. Auch das Netzwerk und das WLAN funktionieren noch nicht optimal, so dass man auf Ausfälle vorbereitet sein muss.“