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02.12.2022, 09:47 Uhr
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Systematische Vorurteile und Pandemie-Stress wirkten sich laut Robeco negativ auf berufstätige Frauen aus. Dabei schaffen Frauen erhebliche Werte für Unternehmen, Länder und Gesellschaft. Gender-orientierte Investitionen und Engagements zielen auf Vorurteile, Stress und Ungleichheit ab.
"Vor der Pandemie waren es Vorurteile und gläserne Decken; jetzt stellen pandemiebedingte Erschöpfung, Burnout und Arbeitslosigkeit zusätzliche Hürden dar, die weibliche Erwerbstätige bremsen. Die Belastungen und Vorurteile, mit denen berufstätige Frauen konfrontiert sind, haben ebenso zugenommen wie ihr Beitrag zu Wirtschaft und Gesellschaft. Die Welt braucht Unternehmen, die langjährige Vorurteile in der Wirtschaft bekämpfen und gleichzeitig ihre Anstrengungen verstärken, um sich mit den neuen Kräften auseinanderzusetzen, die den Aufstieg von Frauen behindern und die Vielfalt der Belegschaft verringern", fordern Audrey Kaplan und Michiel Plakman, beide Portfoliomanager der RobecoSAM Global Gender Equality Strategie.
Die Pandemie war eine beeindruckende Macht, die den Kampf der Frauen um die erfolgreiche Bewältigung der Anforderungen von Beruf und Privatleben deutlich gemacht habe. Schon vor der Pandemie hätten Frauen unter der systematischen Benachteiligung am Arbeitsplatz gelitten, die sie in Bezug auf Bezahlung und Beförderung schlechter stellte. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergab, dass 85% der Männer und Frauen der Meinung sind, dass es für Männer leichter ist als für gleich qualifizierte Frauen, in Führungspositionen zu gelangen – eine Meinung, die durch einschlägige Daten bestätigt wurde.
In den USA und vielen anderen Industrieländern stellen Frauen die Hälfte aller Arbeitskräfte, sind aber in Management- und Führungspositionen stark unterrepräsentiert. Eine kürzlich durchgeführte Studie über wesentliche US-Branchen ergab, dass nur ein Viertel der gesamten Managementpositionen und nur 6% der CEO-Posten mit Frauen besetzt sind.
Laut den beiden Portfoliomanagern weist eine Vielzahl von Studien über Arbeitskräfte auf Voreingenommenheiten hin, die den Aufstieg von Frauen behindern. Zu den unausgesprochenen Vorurteilen gehören die Ansicht, dass Frauen der Familie Vorrang gegenüber der Karriere einräumen, sowie die Auffassung, dass Männer die besseren Führungskräfte sind. Die weltweiten Statistiken zeigen ein ähnliches Muster.
Neben dem hohen Preis der Voreingenommenheit habe auch die Pandemie einen unverhältnismässig hohen Tribut von Frauen gefordert. Weltweit erlitten Frauen einen Beschäftigungsverlust von 5% gegenüber 3% bei den Männern. In Europa betrugen die Lohneinbussen während der Pandemie 8,1% für Frauen gegenüber 5,4% für Männer. Mit dem Voranschreiten der Pandemie habe sich die Kluft zwischen den Frauen und den Männern in Bezug auf Burnouts verdoppelt. Würde man in den USA die fast zwei Millionen Frauen, die seit Februar 2020 aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, in die Arbeitslosenzahlen einbeziehen, läge die Frauenarbeitslosenquote Ende September 2021 bei 6,8%.
Obwohl sich die Beschäftigung seither erholt hat, reichte dies nicht aus, um die langfristigen geschlechtsspezifischen Verluste zu kompensieren. Nach Schätzungen des World Economic Forums vergrösserte sich die Geschlechterlücke um 36 Jahre – mehr als eine Generation.
"Die Vorteile der Anstellung, Bindung und Förderung von Frauen auf den Arbeitsmärkten sind vielfältig. Frauen gewinnen an Zielstrebigkeit und Empowerment für sich selbst sowie an Einkommen und Stabilität für ihre Familien", sagen Kaplan und Plakman. Auf der Makroebene zeigten Studien, dass die Schliessung der geschlechtsspezifischen Diskrepanz bei der Erwerbsbeteiligung das nationale BIP erhöht – in einigen Fällen um bis zu 80%. Gemäss einer Hochrechnung von McKinsey könnte die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter das BIP bis 2030 um 13 Bio. USD steigern.
Die Vorteile kämen auch den Unternehmen zugute. Firmen, die sich aktiv um Vielfalt in ihrer Unternehmenspolitik und -praxis bemühten, hätten eine geringere Fluktuation und ein höheres Mass an Zufriedenheit und Engagement ihrer Mitarbeiter. Neben den sozialen Werten erzielten Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen auch bessere Finanzkennzahlen wie höhere Gewinne (EBIT), höhere Eigenkapitalrenditen (ROE) und höhere Aktienkurse. Zudem gelte: Je ausgeprägter die Vielfalt in einem Unternehmen, desto stärker der Einfluss auf die finanzielle Performance.
"Ausserdem tragen Frauen an der Spitze dazu bei, sowohl das interne Unternehmensklima als auch die externe Atmosphäre zu schützen", so die Portfoliomanager. Eine im Laufe der Pandemie durchgeführte McKinsey-Studie ergab, dass sich weibliche Führungskräfte stärker um das Wohlergehen ihrer Mitarbeitenden sorgten als männliche Führungskräfte auf derselben Ebene. Und eine Analyse von Bloomberg New Energy Finance von mehr als 11'700 Unternehmen zeigte eine positive Korrelation zwischen einer signifikanten Anzahl von Frauen in den Vorständen und der Governance im Klimabereich sowie der Innovation.
Fortschritte in sozioökonomischen und ökologischen Bereichen haben dazu geführt, dass die Bindung und Förderung berufstätiger Frauen für viele Länder und Unternehmen zu einem strategischen Gebot geworden sind. Auch die zunehmenden Mittelzuflüsse in genderorientierte Investitionen weisen darauf hin, dass dieses Thema zunehmend in den Fokus der Investoren rückt,, wie die Experten feststellen. Gender Lens Investing (GLI)-Portfolios stützen sich bei ihren Investitionen auf geschlechtsspezifische Kriterien wie Lohngleichheit, Frauenquote, Weiterbeschäftigungsquote und flexible Arbeitsbedingungen. Die GLI-Vermögenswerte haben sich seit 2018 fast verfünffacht und werden bis 2021 fast 12 Mrd. USD erreichen.
"Es ist erwiesen, dass Frauen mehr Innovation, mehr Kreativität und eine durchdachtere Entscheidungsfindung mit sich bringen, was sich wiederum positiv auf das Endergebnis auswirkt", sagt Audrey Kaplan, Co- Portfoliomanagerin des GLI-Fonds von Robeco. "Bei unseren eigenen Investitionen berücksichtigen wir bei der Auswahl von Unternehmen die Diversität der Belegschaft neben einer Reihe anderer Faktoren der Vielfalt und Inklusion."
Die Vorteile von Diversität und Inklusion (D&I) als Teil der DNA eines Unternehmens hätten dazu geführt, dass das Active-Ownership-Team von Robeco diesem Thema besondere Aufmerksamkeit schenkt. Dieses Jahr wird das spezielle D&I-Engagementprogramm des Teams gestartet, das auf früheren Bemühungen in diesem Bereich aufbaut. Das Programm werde die Unternehmensleitung zu Fortschritten bei der Gleichberechtigung und Chancengleichheit für alle Mitarbeiter drängen, mit besonderem Augenmerk auf die Beteiligung von Frauen in der Geschäftsleitung und den Verwaltungsräten.
Obwohl staatliche Vorschriften und Massnahmen nach Meinung der Expertinnen und Experten von Robeco immer wichtig sein werden, seien dies nur einige Möglichkeiten, wie auch Investoren dazu beitragen können, alte Vorurteile abzubauen und einer neuen Generation von Arbeitnehmern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.