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Es ist schon einige Monate her, dass die Studie von Daryl Bem, welche angeblich belegt, dass es «PSI»-Effekte gibt («Feeling the Future: Experimental Evidence for Anomalous Retroactive Influences on Cognition and Affect»), in den Medien diskutiert wurde.
Dieser Studie widmete ich mich in zwei Blogeinträgen: Teil 1, Teil 2. Mein Fazit: Es handelt sich um eine ausgesprochen schlechte Studie, gekennzeichnet durch viele Fehlschlüsse (insbesondere ist der «argument from ignorance»-Fehlschluss prominent vertreten) und perfide Tricksereien - diese Studie ist irrelevant.
Ende April fand an der Universität Harvard eine Debatte zu dieser Studie statt. Mit dem Studienautor Daryl Bem diskutierten die ihn kritisierenden Forscher Jonathan Schooler und Samuel Moulton (letzterer ist ein junger Wissenschaftler und wohl darum noch ohne Online-Präsenz). Die Diskussion ist auf Youtube einsehbar:
Die Audio-Qualität ist leider bescheiden; das Video ist ca. 2 Stunden lang.
Wirklich neue Erkenntnisse werden in diesem Video nicht geboten, ein Punkt kann aber nicht oft genug betont werden: Schooler bemerkt an einer Stelle, dass es wissenschaftlich nicht redlich ist, eine Messung durchzuführen und die Hypothesen, welche man eigentlich durch diese Messung hätte testen wollen, nachträglich den Resultaten anzupassen, um «bestätigte» Hypothesen zu erhalten - ein Vorgehen, welches den Sinn wissenschaftlicher Forschung pervertiert und wissenschafts-ethischem Bankrott gleichkommt.
Im engeren Sinne handelt es sich bei diesem unzulässigen Vorgehen um den im Wissenschaftsbetrieb erschreckend oft anzutreffenden «texas sharpshooter»-Fehlschluss: Ich schiesse wahllos auf eine Wand und male erst im Nachhinein eine Zielscheibe auf die Einschusslöcher - et voilà, ich habe ins Schwarze getroffen!