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Studiolo
Ich betrete den Raum. Wenig Tageslicht dringt durch kleine Fenster, weit oben an den Wänden, hinein. Kalte Luft kommt mir entgegen. Es fröstelt mich. Ich spüre die Feuchtigkeit in der Luft. Leicht hängt ein Geruch von altem, nassem Holz in der Luft. Ein metalligen Geruch nehme ich ebenfalls wahr. Es riecht wie in einer Werkstatt. Die Luft ist muffig.
Ich begebe mich weiter in die Mitte des Raumes. Meine Schritte ertönen auf dem harten Betonboden. Schwache Stimmen aus der Wohnung oben sind zu hören. Ab und an fährt ein Auto vorbei. Die Nachbaren unterhalten sich nebenan. Diese Laute hört man nur ganz leise und von ganz weit weg.
Ich schaue mich um. An einer Wand im Raum verlaufen feine Lichtlinien, die in den Raum hineinscheinen. Ich bewege mich zu ihnen. Die Lichtlinien kommen von einer feinen Öffnung in der Wand. Ich erkenne eine Art Garagentüre. Ich fasse sie an. Meine Hand wird kalt und nass. Ich wende mich wieder der Raummitte zu. Den dünnen Lichtstrahlen folgend gelange ich in den hinteren Teil des Raumes.
Ich erblicke einen Lichtschalter, ich betätige ihn. Ein gedämpftes Licht geht an. Tücher die etwas zu überdecken scheinen, werden sichtbar. Ich hebe ein Tuch an. Staub wirbelt auf. Ich muss niesen. Unter dem Tuch kommt ein dunkles, elegantes Holzmöbel zum Vorschein. Ich betrachte es eine Zeitlang. Das Möbelstück wieder zudeckend schaue ich mich weiter um.
Rechts von mir erblicke ich plötzlich eine Art Zweitraum. Er trennt sich mit Glasscheiben vom restlichen Raum.
Ich betrete den Raum. Ein Papierduft stößt mir in die Nase. Die Temperatur scheint hier drin wärmer zu sein. Das Licht geht an, ein sanftes aber doch helles Licht, in einem weichen Gelbton. Ich schaue mich um. Ein langes Büchergestell erstreckt sich an der einen Wandseite. Wieder hängt ein Tuch darüber. Ich hebe es an und darunter kommt eine Sammlung von Comics zum Vorschein. Ich nehme ein Buch in die Hand und blättere es durch. Topolino der Lieblings Comics meines Vaters. Ich lege es zurück. Beim weiteren Umschauen im Raum erhasche ich einen sehr schönen Sessel, der einladend wirkt. Weitere Möbel und Spielzeuge, die meinem Vater gehört haben mussten, sind anzutreffen. Meine Großmutter hatte alles aufbewahrt. Ich blieb in diesem Raum hängen. Dieser kleine gemütliche Raum. Ein kleiner gemütlicher Raum in einer grossen doch eher ungemütlichen Garage. Ich will nicht mehr fort. Ich will in dieser Erinnerung an die Kindheit und Jugend meines Vaters weiter verweilen.
Ich will nicht aus diesem Erinnerungsraum.
Basel, 2019