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Martin Ackermann, Präsident der Science Taskforce, warnte am Dienstag eindringlich vor den Corona-Mutationen aus Grossbritannien und Südafrika. Ein Epidemiologe aus London bläst ins gleiche Horn. Doch es gibt einen Ausweg.
Mit diesen Worten eröffnete Martin Ackermann, Präsident der Covid-19 Science Taskforce des Bundes, seine Rede beim Point de Presse am Dienstagnachmittag. Ähnlich düster ging seine Rede weiter: Auch die Fallzahlen seien viel zu hoch, man dürfe sich von den leicht gesunkenen Fallzahlen über die Feiertage nicht täuschen lassen. Diese seien in erster Linie auf weniger Tests zurückzuführen.
Am meisten Sorge bereiteten Ackermann jedoch die neuen, hochansteckenden Virusvarianten aus Grossbritannien und Südafrika. Obwohl diese Varianten bei den Infizierten aus der Schweiz momentan wohl bei unter einem Prozent liegen, würde ein Blick nach London zeigen, wie schnell sie sich ausbreiten können. Experten gingen davon aus, dass die neue Variante um bis zu 70 Prozent ansteckender als das bisherige Virus ist.
Ackermann nutzte seine Redezeit, um anhand dreier (extrem vereinfachten) Modelle aufzuzeigen, wie sich die epidemiologische Lage in der Schweiz entwickeln könnte.
Bei den drei Modellen ging die Taskforce jeweils von zwei Szenarios aus: Im ersten rechnete man mit einer Halbierung der Fallzahlen circa alle vier Wochen, beim zweiten mit einer Halbierung circa alle zwei Wochen.
Beim ersten Modell ging man davon aus, dass es die neue Virusvariante nicht gibt. Selbst dann würde es mit einer Halbierung der Fallzahlen alle vier Wochen bis im Mai dauern, bis die Kurve abgeflacht ist. Mit einer Halbierung alle zwei Wochen wäre dies bereits im März der Fall.
Beim zweiten Modell nahm man die Virusmutationen mit in die Rechnung. Das Ergebnis ist eindrücklich: Bei Szenario A würden die Fallzahlen nach einer Periode der Abflachung bis im April auf über 20'000 Neuinfektionen pro Tag schiessen.
Ein wenig konkreter wird Adam Kucharski, ein britischer Mathematiker und Epidemiologe an der «London School of Hygiene & Tropical Medicine». In einem Twitter-Thread rechnet er vor, was ein um 50 Prozent ansteckenderes Virus anrichten würde und warum ein solches um ein Vielfaches gefährlicher wäre als ein um 50 Prozent tödlicheres Virus.
Um diese Beispielrechnung durchzuführen, müssen einige Parameter gesetzt werden. Kucharski ging von einer Stadt mit 10'000 infizierten Menschen aus. Der R-Wert in dieser Stadt beträgt 1,1, die Sterberate 0,8 Prozent. Mit der bisherigen Virusvariante würden nach einem Monat unter diesen Bedingungen 129 Menschen sterben.
Würde jetzt ein Virus mit einer 50 Prozent höheren Mortalitätsrate grassieren, käme man nach einem Monat auf 193 Tote.
Rechnet man hingegen mit einem Virus, dass um 50 Prozent ansteckender ist, kommt man nach einem Monat auf 978 Tote. Diese Rechnung zeigt anschaulich, dass eine Zunahme von etwas, das exponentiell wächst, weitaus mehr Wirkung entfaltet als dieselbe proportionale Zunahme von etwas, das nur ein Ergebnis skaliert.
Doch es muss nicht zu den oben veranschaulichten Szenarien kommen. Martin Ackermann legte den Medien noch ein drittes Modell vor, ebenfalls mit Einberechnung der Mutationen.
Der erneute Anstieg könne verhindert werden, «wenn wir durch intensives Testen und intensive Kontaktverfolgung rund ein Drittel der Ansteckungen mit der neuen Variante verhindern könnten – hier die gestrichelte blaue Linie», sagte Ackermann.
Dafür müssten breit angelegte Tests in Regionen durchgeführt werden und das Contact Tracing müsse vor allem bei Personen, die sich mit der neuen Variante angesteckt haben, besonders intensiv und gründlich durchgeführt werden. Als zusätzliche Massnahmen nannte Ackermann erneut ein «vermehrtes Homeoffice» und ein Hinauszögern des Präsenzunterrichts auf den 11. Januar nach dem Schulstart. Damit sollten Ansteckungen von den Feiertagen nicht in die Schulen geschleppt werden. Einzelne Kantone haben dies bereits verfügt.
Die Schweiz müsse auch mit der Aussicht auf ein Ende der Pandemie nochmals viel investieren, damit in den nächsten Monaten die Todesfälle weniger werden.