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An diesem ersten Abo-Konzert, das am Sonntagabend die neue Saison der Zuger Sinfonietta eröffnete, erklangen Meisterwerke dreier Komponisten: Othmar Schoeck, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Zum Höhepunkt des Abends avancierte Beethovens wenig gespielte Zweite Sinfonie.
Wenn es auch wahr ist, dass in der Zeit um 1900 ein Komponist in der Regel Werke für ein breit besetztes Orchester schrieb, haben sich neben imposanten Orchesterwerken auch andere Kompositionen im Kleinformat behaupten können: Das «Kleine Orchester» mit der Streicherfarbe, die nur mit ein paar wenigen verschiedenen Bläsern ergänzt wird.
Othmar Schoeck, geboren 1886 in Brunnen und einer der bedeutendsten Komponisten der deutschsprachigen Schweiz, beschreibt in seiner Serenade op. 1 ein romantisches Sommerabend-Ständchen. Die 1906 begonnene Serenade für kleines Orchester wurde bei Schoecks Abschlusskonzert am Konservatorium unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt und stellt das typische Erzeugnis aus dem Lebensgefühl eines damals 20-Jährigen dar.
Maestro Clemens Heil und die Zuger Sinfonietta führten die Zuschauer mit grossem Elan durch die empfindungsreichen Melodien dieses kurzen Werks, das grosse Affinitäten zum Lied aufweist; es handelt sich eigentlich um eine Art Sommernachtsmusik («eine Serenade für eine Herzensdame», so Schoeck selber), die mal aus ohrenbetäubenden und sogar hektischen, mal aus sanften, ruhigeren Motiven besteht.
Pathos und Bitterkeit bei Mozart
Beim Konzert für Klavier und Orchester KV 466 handelt sich hier um ein traumhaftes, geniales, in überaus seltenem Moll komponiertes Klavierkonzert (nur zwei der 21 Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart sind in Moll geschrieben), und bestimmt um das düsterste. Die Moll-Tonart steht bei ihm eben in Verbindung mit Finsternis, Schmerz, Verzweiflung und Tod, und diese dunkle Leidenschaft, das Pathos und die Bitterkeit haben die Zuger Sinfonietta unter der Leitung von Clemens Heil, und vor allem Oliver Schnyder bedingungslos fühlen lassen. Der Schweizer Pianist, der seit seinem Gewinn des grossen Preises beim Pembaur-Wettbewerb 1999 zu Gast in den renommiertesten Konzertsälen Europas, Nordamerikas und Asiens weilt, beeindruckte das Publikum bereits ab den ersten bedrückenden Takten.
Es war ein Hin und Her von Gefühlen verschiedener Intensität und Farbe: Rage und Einsamkeit, Verzweiflung und Leidenschaft, Wille und Resignation. Man hatte den Eindruck, dass sich Solist und Orchester in einem Kampf befanden, indem sie versuchten gegensätzliche Empfindungen am deutlichsten darzustellen; eine Auseinandersetzung, die sich während der ganzen Ausführung des Klavierkonzertes immer weiter verschärfte.
Die Zweite von Beethoven
Nach der Pause wurde die Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 von Ludwig van Beethoven aufgeführt, mit welcher der Komponist sozusagen nach vorne flüchtete und schon hier einen klaren Paradigmenwechsel zur Epoche der Romantik merken liess. Die Zweite ist nicht die populärste Sinfonie Beethovens, nicht so bekannt wie zum Beispiel die Dritte (die «Eroica»), die Fünfte oder die Neunte.
Sicher zu Unrecht, denn die beeindruckende Vielfältigkeit der Klänge macht aus diesem Werk ein richtiges Juwel, wie es Clemens Heil und der Zuger Sinfonietta am Sonntagabend zu zeigen gelang. Und dies schon beim breiten Adagio molto mit seinen Kontrasten zwischen Fortissimo-Akkorden und sanften Kantilenen, über zum Allegro con brio. Der Höhepunkt war aber der 2. Satz, ein langsamer, jedoch nicht ohne Pathos beherrschter und eher durch Ruhe und Lyrik geprägter Larghetto: dank Maestro und Orchester zum beglückendsten Moment des Abends geworden. Eine tiefe Emotion vor den dynamischen, nervösen, ja fast dissonanten Effekten des folgenden Scherzos und vor dem einfallsreichen, unbändigen Finale.
Junges Publikum
Das von Anfang bis Schluss anregende Programm dieses ersten Abo-Konzertes war das richtige, um auch das zahlreich erschienene, sehr aufmerksame Publikum – darunter viele junge Leute – zu erwärmen. Sie bedankten sich mit langanhaltendem, starkem Applaus bei Clemens Heil, der Zuger Sinfonietta und, vor der Pause, natürlich vor allem bei Oliver Schnyder, der nicht von einer intensiven Zugabe absah.