Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/14470

<h2>SubmittedText<h2><p>In diesem Jahrzehnt werden in der Schweiz rund 800 Lehrstühle neu besetzt, d. h. rund ein Drittel. Die Neubesetzung dieser Lehrstühle ist daher unbestrittenermassen eine grosse Chance für die Neuausrichtung von Forschung und Lehre. Der grösste Teil aller Lehrstühle war und ist durch Männer besetzt. Diese grosse Rotation bietet damit beste Gelegenheit, den Frauenanteil zu erhöhen. Gemäss Botschaft zur Wissenschaftsförderung 1996-1999 sind lediglich vier von hundert Lehrstühlen von Frauen besetzt. In der Wissenschaftsbotschaft ist deshalb auch explizit festgehalten, "dass die Hochschulen in ihrer Berufspolitik fortan der Frauenförderung in besonderem Masse Rechnung tragen" sollen.</p><p>Damit diese Zielsetzung auch erfüllt wird, gilt es rechtzeitig eine erste Bilanz zu ziehen, und ich ersuche deshalb den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Welche grundsätzlichen Massnahmen wurden vorgekehrt, damit der Zielsetzung, wie sie Bundesrat und Parlament in der Wissenschaftsbotschaft festgehalten haben, durch die jeweiligen Berufungsgremien nachgekommen wurde und wird?</p><p>2. Wie konnte der Anteil der Frauen durch die bis heute erfolgten Neubesetzungen von Lehrstühlen erhöht werden?</p><p>3. Welche weiteren Förderungs- und Stützungsmassnahmen sind nach Ansicht des Bundesrates notwendig, damit das wissenschaftspolitische Gleichstellungsziel auf Lehrstuhlebene effektiv erreicht wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Auffassung der Fragestellerin, dass der Frauenanteil an der Professorenschaft unserer Hochschulen zu erhöhen sei; er hat dies verschiedentlich, u. a. in der Botschaft zur Wissenschaftsförderung 1996-1999 und insbesondere mit seinem Nachwuchsförderungsprogramm, zum Ausdruck gebracht.</p><p>1. Der Bund verwendet sich bei seinen eigenen Hochschulen, in den gesamtschweizerischen hochschulpolitischen Gremien, in denen er mitwirkt, sowie in der Forschungsförderung (z. B. Nationales Forschungsprogramm 35, "Frauen in Recht und Gesellschaft") stets für Karrieremöglichkeiten und eine verbesserte Vertretung von Frauen im Lehrkörper der Hochschulen. Tätigkeit, Arbeitsweise und Entscheidungsabläufe der universitären Berufungsgremien liegen jedoch ausserhalb seines Zuständigkeitsbereiches. Es sei indessen darauf hingewiesen, dass verschiedentlich grundsätzliche Massnahmen für die Gleichstellung von Frau und Mann in entsprechende Bestimmungen der neuen kantonalen Universitätsgesetze aufgenommen worden sind. Zudem verfügen inzwischen alle Hochschulen über eine Anlaufstelle für Frauen, eine Frauenkommission oder ein Gleichstellungsbüro, die beauftragt sind, die Umsetzung der gesetzlich vorgeschriebenen Gleichstellung zu gewährleisten.</p><p>2. Der Frauenanteil an den ordentlichen Professuren hat sich zwischen 1986 und 1996 von 2,4 auf 5,6 Prozent erhöht (beim oberen Mittelbau von 15,1 Prozent auf 18,7 Prozent).</p><p>Das Nachwuchsförderungsprogramm des Bundes schreibt eine Frauenquote von einem Drittel vor, der bisher gesamtschweizerisch immer erreicht werden konnte (am 1. Mai 1997 waren 40 Prozent der vom Bund geförderten Stellen von Frauen besetzt). Rund ein Drittel der im Rahmen dieses Programms geförderten Frauen sind inzwischen in der Schweiz oder im benachbarten Ausland auf einen Lehrstuhl berufen worden.</p><p>3. Das Dokument "Strategische Planung, Horizont 2006" der Schweizer Hochschulen nennt u. a. folgende Massnahmen: Bevorzugung von Kandidatinnen bei der Anstellung von Mitgliedern des Lehrkörpers oder des Mittelbaus, sofern sie mindestens gleichwertige Fähigkeiten aufweisen wie die besten männlichen Kandidaten; Gewährung von Ausnahmen bei den für gewisse Tätigkeiten festgelegten Altersgrenzen; Flexibilität in der Frage des Anstellungsgrades; Aufbau von Kinderkrippen.</p><p>Ausserdem ist im Zusammenhang mit der Vorbereitung der bundesrätlichen Botschaft für die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2000-2003 ein Projekt in Prüfung zur Einführung eines strukturierten Studienangebots für Doktorandinnen und Doktoranden in Form eines Graduiertenkollegs. Dieses soll namentlich auch Frauen zugute kommen, denn gegenwärtig stellen Frauen zwar rund die Hälfte der Studierenden, aber bloss 28 Prozent von ihnen erwerben den Doktortitel. Der Bundesrat wird im Rahmen seiner nächsten Botschaft für die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen, allfällige Massnahmen vorschlagen und prüfen, ob und inwieweit sie im Rahmen der verfügbaren Kredite verwirklicht werden können.</p><p>Ferner ist zu bedenken, dass die Mädchen bereits auf der Mittelschulstufe vermehrt auf die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Karriere hingewiesen und vorbereitet werden müssen, damit überhaupt das Potential für die Rekrutierung künftiger Professorinnen vergrössert werden kann.</p>  Antwort des Bundesrates.