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Wer ein Schlichtungsverfahren einleiten möchte, schickt ein entsprechendes Schlichtungsgesuch an das zuständige Friedensrichteramt bzw. an die zuständige Schlichtungsbehörde. In der Regel erfolgt dies schriftlich per eingeschriebenem Brief und ist in diesem Fall handschriftlich zu unterzeichnen. Weiter ist zu beachten, dass das Schlichtungsgesuch samt allfälliger Beilagen in genügender Anzahl einzureichen ist, d. h. in einem Exemplar für den/die Friedensrichter/in bzw. die Schlichtungsbehörde und für jede Gegenpartei.
Inhaltlich muss das Schlichtungsgesuch mindestens die Bezeichnung der Gegenpartei, ein Rechtsbegehren (eine genaue Bezeichnung dessen, was die klagende Partei mithilfe des Gerichtsverfahrens erreichen möchte) und eine Umschreibung des Streitgegenstands enthalten. Das Schlichtungsgesuch muss nicht zwingend begründet werden. Grundsätzlich kann die klagende Partei ihr Anliegen auch erst mündlich an der Schlichtungsverhandlung erläutern. Dennoch kann es ratsam sein, das Problem bereits im Schlichtungsgesuch kurz zu erläutern, weil dies dem/der Friedensrichter/in bzw. der Schlichtungsbehörde die Vorbereitung der Verhandlung erleichtert.
Ist das Schlichtungsgesuch in formeller Hinsicht korrekt, wird üblicherweise innert zwei Monaten seit Eingang des Gesuchs eine Schlichtungsverhandlung angesetzt. Die Parteien müssen zu dieser Verhandlung persönlich erscheinen. Die Ausnahmen sind in Art. 204
Abs. 3 ZPO geregelt. Erscheint die klagende Partei unentschuldigt nicht, so gilt das Schlichtungsgesuch als zurückgezogen.
An der Schlichtungsverhandlung versucht der/die Friedensrichter/in bzw. die Schlichtungsbehörde, zwischen den Parteien eine Einigung herbeizuführen. Dazu werden zunächst beide Parteien angehört, und auch die vorhandenen Beweismittel können vorgelegt werden. Damit mögliche Lösungen frei erörtert werden können, ist alles, was im Rahmen einer Schlichtungsverhandlung gesagt wird, vertraulich und wird nicht protokolliert. Aussagen der Parteien, die im Schlichtungsverfahren gemacht werden, dürfen auch in einem späteren Gerichtsverfahren nicht verwendet werden. Die Schlichtungsverhandlung ist nicht öffentlich. Drittpersonen ist es daher grundsätzlich nicht erlaubt, an der Verhandlung teilzunehmen. Die Parteien dürfen sich jedoch von einem Rechtsbeistand oder einer Vertrauensperson begleiten lassen.
Falls eine Einigung nicht gelingt, stellt der/die Friedensrichter/in oder die Schlichtungsbehörde in der Regel die sogenannte Klagebewilligung aus. Dabei handelt es sich um ein Dokument, das die klagende Partei während dreier Monate zur Klage an das zuständige Gericht berechtigt.
Geht es um eine Streitigkeit mit einem Streitwert bis zu
5000 Franken, so kann der/die Friedensrichter/in oder die Schlichtungsbehörde den Parteien auch einen Urteilsvorschlag unterbreiten. Dasselbe gilt, wenn es sich um eine Streitigkeit nach Gleichstellungsgesetz handelt oder wenn es um die Hinterlegung von Miet- und Pachtzinsen, um den Schutz vor missbräuchlichen Miet- und Pachtzinsen, um die Anfechtung einer Miet- oder Pachtkündigung oder um die Erstreckung des Miet- oder Pachtverhältnisses geht. Der Urteilsvorschlag wird verbindlich, wenn ihn keine der Parteien innert 20 Tagen seit der Zustellung ablehnt.
Beträgt der Streitwert maximal 2000 Franken, kann der/die Friedensrichter/in oder die Schlichtungsbehörde auch direkt einen Entscheid fällen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die klagende Partei einen entsprechenden Antrag gestellt hat.