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Für immer lernen … wäre das eine Utopie? Wir alle haben schon einmal vor dem berühmten „Aussetzer“ gestanden: Wir waren uns doch sicher, dass wir dieses oder jenes gelernt haben, aber wir können uns nicht mehr erinnern. Und: Warum erinnern wir uns an bestimmte Dinge aus der Schulzeit, während andere für immer verschwunden zu sein scheinen?
Und doch gibt es eine Lösung, um das Lernen nicht nur schneller, sondern vor allem auch nachhaltiger zu fördern! Die Zauberformel lautet „Verbindungen herstellen“.
Was bedeutet Verlinken wirklich? Dieses Kapitel erklärt Ihnen in vier Punkten und auf wissenschaftliche Weise, warum es wichtig ist, Links zu erstellen.
Wenn wir Verbindungen zwischen neuen Informationen und bereits vorhandenem Wissen herstellen, fördert dies ein tieferes Verständnis. Nach der von Bransford, Franks und Vye 1986 vorgeschlagenen Theorie des Lernens durch konzeptuelle Verankerung ist das Lernen effektiver, wenn neue Informationen mit bereits bekannten Konzepten verknüpft werden, wodurch der Aufbau kohärenter mentaler Modelle erleichtert wird.
Was wir daraus lernen:
Um schnelleres und nachhaltigeres Lernen zu fördern, muss eine neue Information an eine bereits vorhandene Information angeknüpft werden.
In seinem 2001 veröffentlichten Buch „The molecular biology of memory storage: A dialogue between genes and synapses“ untersucht Eric R. Kandel, ein angesehener Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger, die molekularen Mechanismen, die der Gedächtnisbildung und dem Lernen im Gehirn zugrunde liegen.
Laut Kandel ist die synaptische Plastizität ein Schlüsselelement dieser kognitiven Prozesse. Synaptische Plastizität bezeichnet die Fähigkeit der Verbindungen zwischen Neuronen, der sogenannten Synapsen, sich in Abhängigkeit von der neuronalen Aktivität zu verändern. Wenn wir neue Informationen lernen oder neue Erfahrungen machen, verändern sich die Synapsen, wodurch die Verbindungen zwischen den Neuronen gestärkt oder geschwächt werden.
Lernen und Gedächtnis sind mit der Bildung neuer synaptischer Verbindungen sowie der Verstärkung bestehender Verbindungen verbunden. Wenn wir Informationen miteinander verknüpfen, aktiviert dies spezifische neuronale Bahnen und regt so die Aktivität der an diesen Verknüpfungen beteiligten Neuronen an. Diese erhöhte neuronale Aktivierung fördert die Freisetzung von Neurotransmittern und löst biochemische Prozesse aus, die die beteiligten Synapsen stärken.
Die Hebb-Theorie, die der Psychologe Donald Hebb 1949 formulierte, wird in diesem Zusammenhang häufig zitiert. Diese Theorie besagt, dass „Zellen, die aneinander ziehen, sich auch miteinander verbinden“. Mit anderen Worten: Wenn zwei Neuronen gleichzeitig und wiederholt aktiviert werden, wird die synaptische Verbindung zwischen ihnen verstärkt, was die Informationsübertragung zwischen diesen Neuronen in der Zukunft erleichtert.
Was wir daraus lernen:
Um langfristiges Lernen zu fördern, müssen Verbindungen zwischen neuem Lernen geschaffen werden. Beispiel: Es ist effektiver, Vokabeln zu lernen, indem man eine Verbindung zwischen den Wörtern herstellt, als sie einzeln zu lernen.
Das assoziative Gedächtnis ist die Fähigkeit, sich an eine Information zu erinnern, indem man sich auf Verbindungen zu anderen, damit verbundenen Informationen oder Kontexten stützt. Wenn wir Verbindungen zwischen ähnlichen oder verwandten Informationen herstellen, schafft dies Assoziationen, die es uns erleichtern, diese Informationen zu einem späteren Zeitpunkt abzurufen. In ihrer 1995 veröffentlichten Studie „Creating false memories: Remembering words not presented in lists“ haben Henry L. Roediger III und Kathleen B. McDermott untersuchen das Phänomen des assoziativen Gedächtnisses und seine Auswirkungen auf das Abrufen und Wiederaufrufen von Informationen.
Die Forscher führten ein Experiment durch, in dem den Teilnehmern Listen von Wörtern vorgelegt wurden, die miteinander in Verbindung standen, aber kein bestimmtes Schlüsselwort enthielten. Anschließend wurden die Teilnehmer gebeten, sich an die zuvor präsentierten Wörter zu erinnern. Die Forscher beobachteten, dass die Teilnehmer dazu neigten, sich an Wörter zu erinnern, die semantisch oder konzeptuell mit den Wörtern auf der Liste verbunden waren, auch wenn sie diese nicht wirklich gehört hatten. Mit anderen Worten: Die Teilnehmer hatten falsche Erinnerungen entwickelt, die auf Assoziationen und Verbindungen zwischen den präsentierten Wörtern und anderen ähnlichen Wörtern basierten.
Die Ergebnisse legen nahe, dass das assoziative Gedächtnis die Art und Weise, wie wir Informationen abrufen und erinnern, beeinflussen kann. Das Herstellen von Verbindungen zwischen ähnlichen Konzepten oder Informationen aktiviert diese Assoziationen, was den Abruf relevanter Informationen erleichtert.
Was wir daraus lernen:
Das Herstellen von Verbindungen zwischen Konzepten oder ähnlichen Informationen aktiviert das assoziative Gedächtnis und erleichtert das Abrufen von Informationen erheblich. Dieses Element verringert auch die Wahrscheinlichkeit, mit den „Aussetzer“ konfrontiert zu werden. Denn je mehr eine Information mit anderen verknüpft wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese abgerufen wird.
Das Herstellen von Verbindungen zwischen Informationen fördert die Reflexion und das kritische Denken, indem es den Vergleich, die Analyse und die Bewertung verschiedener Perspektiven oder Standpunkte fördert. Laut Facione (2015) beeinflusst und entwickelt dies unter anderem :
Vergleichende Analyse: Wenn wir Informationen miteinander verknüpfen, sind wir in der Lage, verschiedene Elemente zu vergleichen und zu kontrastieren. Dadurch können wir Ähnlichkeiten, Unterschiede und Beziehungen zwischen Ideen oder Konzepten erkennen. Indem wir diese Verbindungen untersuchen, sind wir in der Lage, Informationen kritisch zu analysieren.
Die Bewertung von Beweisen und Argumenten : Wenn wir Verbindungen zwischen Informationen herstellen, sind wir in der Lage, die Beweise und Argumente, die sie stützen, zu bewerten. Wir können die Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Relevanz der Informationen sowie die Stärke der ihnen zugrunde liegenden Argumentationen untersuchen. Dadurch können wir unser kritisches Denken entwickeln, indem wir Schwächen, Verzerrungen oder Unstimmigkeiten in den Informationen oder Argumenten erkennen.
Erforschung verschiedener Perspektiven: Das Herstellen von Verbindungen zwischen Informationen ermutigt uns, verschiedene Perspektiven oder Standpunkte zu einem bestimmten Thema in Betracht zu ziehen. Dies veranlasst uns, unseren eigenen Bezugsrahmen zu verlassen und Ideen oder Meinungen in Betracht zu ziehen, die sich von unseren eigenen unterscheiden können. Indem wir diese verschiedenen Perspektiven erforschen, entwickeln wir unsere Fähigkeit, Probleme aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten, alternative Lösungen in Betracht zu ziehen und fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Problemlösung: Das Herstellen von Verbindungen zwischen Informationen fördert analytisches und kreatives Denken, was wiederum die Problemlösung erleichtert. Indem wir relevante Informationen miteinander verknüpfen, können wir Ursachen und Wirkungen, potenzielle Lösungen und Implikationen einer bestimmten Situation erkennen. Dies ermöglicht es uns, Probleme systematisch anzugehen, indem wir die vielen Facetten des Problems betrachten und Strategien für eine effektive Lösung entwickeln.
Was wir daraus lernen:
Die Verknüpfung von Informationen fördert die Entscheidungsfindung, erleichtert die Problemlösung und stärkt unsere Argumentation.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Herstellen von Verbindungen zwischen Informationen das Lernen fördert, indem es das tiefe Verständnis unterstützt, neuronale Verbindungen stärkt, das assoziative Gedächtnis aktiviert und das Nachdenken und kritische Denken fördert. Diese kognitiven Prozesse tragen zu einem solideren Wissenserwerb und einer besseren Nutzung dieses Wissens in verschiedenen Kontexten bei.
Mehr zum Thema Gedächtnis und Informationsaufnahme erfahren Sie in unserem Artikel: „Die Funktionsweise des Gedächtnisses verstehen und effizienter arbeiten„
An diesem Punkt verstehen wir die Notwendigkeit, Links zu setzen. Aber wie macht man das konkret? Wir stellen Ihnen ein unglaubliches Hilfsmitell vor: die Mind-Map.
Eine Mindmap, auch Mindmap oder kognitive Karte genannt, ist ein Visualisierungsinstrument, mit dem Ideen, Konzepte und Informationen strukturiert organisiert und grafisch dargestellt werden können. Sie wird eingesetzt, um das Denken, die Planung, die Entscheidungsfindung, die Problemlösung, die Kreativität und das Lernen zu erleichtern. Ihre größte Stärke ist die Verknüpfung verschiedener Lerninhalte, mit anderen Worten: Sie zeigt unseren Gedächtnissen und unserem Gehirn, „wie man Verbindungen herstellt“.
Eine Mindmap besteht in der Regel aus einem zentralen Konzept oder Hauptthema, das von Zweigen umgeben ist, die Nebenideen oder Unterthemen enthalten. Von diesen Zweigen ausgehend kann man weitere Zweige hinzufügen, um die Ideen weiter zu entwickeln und eine Hierarchie zu schaffen. Die Verwendung von Farben, Bildern oder Symbolen verstärkt die Wirksamkeit dieses Instruments.
Die Wahl der Farben
Bevor Sie Farben verwenden, sollten Sie daran denken, diese zu kategorisieren und sie immer für die gleichen Elemente zu verwenden. Ihr Gedächtnis wird eine Farbe mit einer Kategorie verknüpfen, was das Abrufen von Informationen erleichtert.
Beispiele: wichtige Daten in rosa, wichtige Konzepte in grün, Autoren in lila und Definitionen in blau. Dasselbe gilt für Symbole.
Mindmaps können von Hand mit Papier und Stiften oder mit spezieller Software erstellt werden, die zusätzliche Funktionen bietet, z. B. die Möglichkeit, digitale Mindmaps zu erstellen, online zusammenzuarbeiten oder Medien hinzuzufügen.
Beispiele für Software:
Die „während“ Mindmap
Die „während“ Mindmap wird, wie der Name schon sagt, während des Lernprozesses erstellt. Beispiel: Das Lernthema ist der Zweite Weltkrieg. Das zentrale Element, d. h. der Titel, wird den Namen dieses Geschichtsthemas tragen. Anschließend, in der ersten Unterrichtsstunde, in der das Unterthema „Am Vorabend des Krieges“ behandelt wird, beginnt der Schüler mit dem Verfassen seines ersten Zweigs. Je weiter der Unterricht fortschreitet, desto vollständiger wird die Mindmap. So demonstriert der Lernende im Laufe des Unterrichts die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Elementen, was ein besseres Verständnis und Auswendiglernen fördert.
Die Mind-Map „Was weiß ich?“
Manchmal haben wir das Gefühl, „etwas zu wissen“, stellen aber schließlich fest, dass wir es nicht wirklich wissen. Um uns bewusst zu machen, was wir bereits gelernt haben und woran wir noch arbeiten müssen, können wir eine „Was weiß ich?“-Mindmap erstellen. Dazu setzen Sie sich einfach eine bestimmte Zeit (idealerweise zwischen 2-5 Minuten) und schreiben dann eine Mind-Map zu Ihrem Lernthema. Auf diese Weise sehen Sie, was Sie bereits beherrschen und was noch nicht.
Die Mindmap für die „Wiederholung“
In der Phase der Wiederholung, d. h. der Festigung des Gelernten, ist die Mindmap ein effektives Hilfsmittel. Zunächst sollten Sie Ihre Mind-Map mit Stichwörtern, Bildern und Symbolen erstellen. Verwenden Sie sie anschließend zum Wiederholen. Erzählen, erklären und erweitern Sie mündlich oder schriftlich die einzelnen Punkte dieses Tools und stellen Sie dabei immer wieder Verbindungen zwischen den einzelnen Elementen her.
Sie werden es verstanden haben: Die Mind-Map ermöglicht es, die Verbindungen zwischen Ideen visuell darzustellen. Sie fördert außerdem assoziatives und nicht-lineares Denken, indem sie Verbindungen zwischen scheinbar disparaten Ideen herstellt. Darüber hinaus können Mind-Maps leicht bearbeitet und aktualisiert werden, was sie zu einem flexiblen und skalierbaren Werkzeug macht.
Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Artikel: „Vokabeln für immer lernen – das ist möglich“.
Bibliogrfie:
Bransford, J. D., Franks, J. J., & Vye, N. J. (1986). Anchored instruction: Why we need it and how technology can help.
Facione, P. (2015). Critical Thinking: What It Is and Why It Counts. Insight Assessment.
Hebb, D. O. (1949). The organization of behavior; a neuropsychological theory. Wiley.
Kandel, E. R. (2001). The molecular biology of memory storage: A dialogue between genes and synapses. Science, 294(5544), 1030-1038.
Roediger, Henry & McDermott, Kathleen. (1995). Creating False Memories: Remembering words not presented in lists. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition. 21. 803-814. 10.1037/0278-73<ip-pii>3.