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Zeichnung sich erhaben und für den Druck auf der Buchdruckpresse geeignet darstellte. Eine sehr interessante, aber bisher wenig geübte Manier ist die lithographische Schabkunst, wobei der ganze Stein mit lithographischer Tusche eingeschwärzt und dann die Lichter mit der Nadel und dem Schabmesser herausgekratzt werden. Der Tondruck unterscheidet sich von der gewöhnlichen Lithographie nur dadurch, daß dazu mehrere Platten nötig sind, welche verschiedene Partien derselben Zeichnung in verschiedenen Tönen gefärbt darstellen und nacheinander gedruckt werden.
Der einfache Tondruck, welcher seine Entstehung dem Umstand verdankt, daß die Zeichnung auf der gelblichen Farbe des Steins eine andre, saftigere Wirkung hervorbringt als auf dem kalten Grunde des weißen Papiers, besteht darin, daß ein der Steinfarbe ähnlich gefärbter Grund, vielleicht mit Aussparung der höchsten Lichter, untergedruckt und auf diesen dann die eigentliche Zeichnung gedruckt wird. Bei drei und vier Platten enthält eine den Grundton, die zweite die eigentliche Zeichnung, die andern die Mitteltonpartien.
Aus diesem Tondruck ist endlich der chromolithographische Druck (Chromolithographie, auch Lithochromie und, wenn zur Nachbildung von Aquarellgemälden verwandt, auch Aquarelldruck genannt) entstanden, indem man die bloße Betonung [* 2] in wirkliches Kolorit verwandelte und Gemälde durch eine Reihe farbiger Platten, die sämtlich Teile derselben Zeichnung darstellten, zu reproduzieren versuchte. Man bedient sich dieser Manier auch zur Vervielfältigung, resp. Nachahmung von Ölgemälden, in welchem Fall man das Verfahren als Ölgemäldedruck oder Ölfarbendruck (s. d.) bezeichnet.
Eine Abart der ist die Zinkographie, richtiger Lithozinkographie genannt zum Unterschied von der Typozinkographie (s. Zinkographie); bei ersterer werden als Surrogat für den lithographischen Stein Zinkplatten angewandt, die durchaus wie dieser behandelt werden. Auf einer Verbindung der Lithographie mit der Photographie beruht die Photolithographie (s. d.), für faksimileartige Reproduktion von Kupferstichen, Holzschnitten oder Lithographien, von Handzeichnungen, Manuskripten, Autographen etc. Man überzieht den Stein mit einer Chromgelatineschicht und belichtet ihn unter einem Negativbild, worauf sich auf dem Stein eine Positivzeichnung bildet, die man, nachdem sie noch verschiedenen chemischen Prozessen unterzogen worden, auf der lithographischen Presse [* 3] abdrucken kann.
Der Druck gravierter Platten wird nur bei kleiner Auflage von dem Originalstein hergestellt, bei größern Auflagen überträgt man den Originaldruck mehrmals auf einen zweiten Stein (Umdruck, Überdruck) und behandelt diesen wie bei der Kreidemanier. Nach dem von Eberle in Wien [* 4] angegebenen Brennätzverfahren wird der Umdruck durch Aufbrennen von Kolophoniumstaub widerstandsfähiger gemacht, so daß er sich stark ätzen läßt. Während die gewöhnlichen Umdrucke höchstens 3-4000 Abzüge lieferten, kann man nach dem Brennätzverfahren die drei- oder vierfache Auflage drucken, ohne daß der Umdruck wesentlich leidet.
Die lithographische Presse unterscheidet sich wesentlich von der Buchdruckpresse (s. d.) und der Kupferdruckpresse. Die früher gebräuchliche Stangenpresse (Reiberpresse) bestand in einer Vorrichtung, vermittelst deren eine fest aufdrückende Leiste (Reiber) über die Rückseite des auf dem Stein liegenden Papiers oder vielmehr der dasselbe bedeckenden Pappdecke fortgezogen wurde. Später wurde die Rollenpresse (Sternpresse) angewandt, bei welcher der auf einer beweglichen Unterlage ruhende Stein vermittelst des Sterns, so genannt nach den sternartig um die Achse stehenden Speichen eines Triebrades, unter dem feststehenden Reiber hindurchgetrieben wird.
Die Walzenpresse ist eine Vervollkommnung der Rollenpresse, indem statt des feststehenden Reibers eine sich um eine Achse drehende Druckwalze angewandt wird, die den Druck erleichtert. Als eine große Vervollkommnung erwies sich die lithographische Schnellpresse, [* 5] deren Konstruktion Ähnlichkeit [* 6] mit der des Buchdrucks (s. auch Schnellpresse) hat. Soll zum Druck eines Steins geschritten werden, so ist derselbe nach vollendeter Zeichnung durch Anätzen und Gummieren druckfähig zu machen, nach welcher Vorbereitung er in die Presse gebracht und dann mit Druckschwärze vermittelst der Walze eingerieben wird. Von größern Steinen sind auf der Handpresse täglich höchstens 200-300 Abdrücke herzustellen, von kleinern bis 1000; die Leistungen der Schnellpresse können auf das Sechs- bis Achtfache der Leistungen der Handpresse veranschlagt werden.
Die ist, nachdem der bayrische Hofkaplan Simon Schmidt bereits 1788 einige Versuche mit dem Solnhofener Stein gemacht haben soll, 1796 von Aloys Senefelder (s. d.) erfunden worden und hat seitdem große Fortschritte in der Technik gemacht. In künstlerischer Beziehung hoch steht sie in Frankreich, doch auch Deutschland [* 7] und Österreich [* 8] besitzen vorzügliche Lithographen. Ebenso ist die Chromolithographie, womit Professor Zahn bereits 1827 Versuche für sein großes Werk »Pompeji, [* 9] Herculanum und Stabiä« anstellte, namentlich durch die Bemühungen von Storch, Kramer, Leuillot, Bach, Hölzel, Seitz, Prang u. a. sehr gefördert worden, und heutzutage wird sie überall geübt, in vorzüglicher Weise besonders in Deutschland, Frankreich, Österreich, England und Nordamerika. [* 10]
Vgl. Senefelder, Lehrbuch der Lithographie (Münch. 1818; in kürzerer Bearbeitung, Regensb. 1834);
Neubürger, Der Farbendruck auf der Steindruckpresse (Leipz. 1867);
Weishaupt, Das Gesamtgebiet des Steindrucks (5. Aufl., Weim. 1875);
Richmond, Grammar of lithography (6. Aufl., Lond. 1886; deutsch von Franke, Leipz. 1880).