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Als ich von Bea Hohl und dem Team von 4myHorse eingeladen wurde, über pferdegerechte Ausbildung zu schreiben, nahm ich als erstes das Wort "pferdegerecht" unter die Lupe, um mir klar darüber zu werden, was dieser Begriff für mich persönlich beinhaltet.
Dabei entdeckte ich darin die Wörter "gerecht", "recht" und "echt".
Mit "gerecht" verknüpfe ich Fairness, Gleichwertigkeit und Achtung. Bei "recht" kam mir "richtig", "aufrichtig", "das Richtige tun" in den Sinn, aber auch das „Recht“ auf Würde und Respekt. Und bei "echt" tauchten "Wahrhaftigkeit", "Authentizität" und "Integrität" in mir auf - für mich alles Attribute eines achtsamen Zusammenseins mit meinem Gegenüber.
Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was "pferdegerecht" für uns und unsere Pferde bedeuten könnte, benötigt es die Bereitschaft, sich mit der Lebensweise, den Verhaltensstrukturen, den Bedürfnissen sowie den körperlichen, emotionalen und seelischen Gegebenheiten des Pferdes auseinanderzusetzen. Wenn wir unsere Verantwortung gegenüber dem Pferde ernstnehmen, ist Wissen, Erfahrung und Kompetenz unabdingbar.
Zum Beispiel müssen wir lernen, wie man pferdegerecht mit ihm umgeht, es hält, pflegt und füttert und dann versuchen, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten dem Ideal so nahe wie möglich zu kommen.
Für mich als Ausbilder steht natürlich die Frage im Vordergrund, wie eine pferdegerechte Ausbildung aussieht. Hierfür muss ich, besonders als Ausbilder, die physiologischen Gegebenheiten des Pferdes kennen und seine emotionale und psychische Befindlichkeit stets im Auge behalten, respektieren und darauf eingehen. Eine solche Haltung dem Pferd gegenüber erfordert Fachkompetenz, Erfahrung und die Bereitschaft zu Selbstreflexion.
An erster Stelle im Training steht für mich immer die emotionale Befindlichkeit des Pferdes, denn ein Pferd unter Stress kann nicht wirklich lernen und verstehen. Es befindet sich in einer Atmosphäre der Unsicherheit und Gefahr, worauf es seinem Wesen entsprechend mit Fluchtbereitschaft reagiert. In diesem Zustand ist ein Pferd jedoch nicht mehr aufnahme- und somit lernfähig.
Ähnlich verhält es sich mit den körperlichen Gegebenheiten. Einem Pferd Versammlung abverlangen zu wollen, das noch nicht genügend darauf vorbereitet ist oder dies von seinem Gebäude her noch gar nicht leisten kann, ist mit Sicherheit nicht pferdegerecht, und das sollten Ausbilder wie auch Pferdebesitzer erkennen und respektieren. Auch wenn ein sogenannter „starker Reiter“ es schaffen würde, ein solches Pferd in die Versammlung zu bringen, wäre dies dem Pferd gegenüber unfair und rücksichtslos und wird auf die Dauer mehr Schaden als Nutzen bringen. Stattdessen sollte man Übungen und Trainingsformen wählen, die Kraft und Geschmeidigkeit in der Hinterhand, die Aufspannung des Rumpfes und die Leichtigkeit an der Hand fördern, und dabei mit Geduld und Freundlichkeit vorgehen.
Wohl können Gesetze, Verordnungen und Reglemente einen positiven Beitrag zu pferdegerechter Ausbildung leisten, doch letztlich kommt es vor allem auf persönliche Reife, Können und Herz jedes einzelnen Ausbilders an.