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Martin Weiersmüller arbeitet seit Anfang Oktober 2014 als Koordinator der Nothilfe (Emergency Coordinator) im Büro der Humanitären Hilfe der Schweiz in Monrovia, Liberia. Er spricht über das Engagement der Schweiz zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Liberia und über die grosse Motivation aller Mitarbeitenden vor Ort.
Martin Weiersmüller, wie würden Sie die Situation in Liberia beschreiben, mit der Sie tagtäglich konfrontiert sind?
Die Ebola-Krise stellt eine besondere Herausforderung dar. Die humanitäre Hilfe hat grosse Erfahrungen in Nothilfeaktionen nach Naturkatastrophen wie z. B. Erdbeben oder Taifune. Aber hier in Monrovia sind wir mit einer völlig neuen Art von Krise konfrontiert. Wird sich die Lage in den kommenden Wochen stabilisieren oder verbessern? Die Entwicklung ist unvorhersehbar. Die internationale Staatengemeinschaft muss die Region in der Bewältigung der Situation mit allen Konsequenzen unterstützen. Ebola kann nur hier in Westafrika nachhaltig bekämpft werden.
Welchen Mehrwert bringt die Schweiz mit ihrem Engagement vor Ort?
Die Schweiz ist seit langem in der Region engagiert. Das Büro in Monrovia wurde vor über zehn Jahren eröffnet. Entsprechend gut ist die Verankerung mit den Partnern auf der Regierungsebene (Gesundheits- und Landwirtschaftsministerien) aber auch verschiedenen multilateralen Partnern und NGO. Diese Kontakte ermöglichen eine konkrete, zielgerichtete Umsetzung der Projekte in den von uns definierten Aktionsfeldern zur Bewältigung der Ebola-Krise: Aktivitäten im unmittelbaren Zusammenhang mit der Epidemie (Lieferung von medizinischem Material, Unterstützung von Partnern in der Pflege von Patienten, Bereitstellung von Transportkapazitäten etc.) und Aufrechterhaltung des allgemeinen Gesundheitssystems. Patienten dürfen nicht an Malaria oder andern weitverbreiteten Krankheiten sterben, nur weil Gesundheitszentren ihren Service einstellen.
Wie reagieren die Partner der Humanitären Hilfe der Schweiz auf die Epidemie? Wie funktioniert die Koordination der Nothilfe?
Auf operationeller Ebene funktioniert die Koordination relativ gut. Verschiedene von der UNO geleitete Fachgruppen koordinieren die Vielzahl der Akteure. Dazu wurde Mitte September die UNMEER (UN Mission for Ebola Emergency Response) formiert, um die Aktionen auf der regionalen Ebene zu koordinieren und die verschiedensten Partner zusammenzubringen. Eine Schwierigkeit ist die sehr hohe Personalfluktuation. Oft bleibt das Personal nur wenige Wochen vor Ort. Netzwerke müssen stetig angepasst werden.
Ist man angesichts der Grösse der Aufgabe und der Zahl der Kranken nicht manchmal versucht aufzugeben?
Die Unberechenbarkeit der Situation und die stetige Präsenz von Ebola (Händewaschen und Temperaturmessen beim Betreten jedes Gebäudes etc.) lassen keinen Zweifel an der Notwendigkeit der Arbeit. Unser hervorragendes Team und die kompromisslose Mitarbeit insbesondere auch der lokalen Mitarbeitenden bestärkt die Motivation, positive Resultate zu erreichen. Das DEZA-Büro ist nicht direkt in die Pflege der Patienten einbezogen, was die psychische Belastung durch die Arbeit stark verringert. Dazu ist es so, dass die schlimmen Bilder von Menschen, die in den Behandlungszentren keinen Einlass fanden und zusammenbrachen, heute nicht mehr Realität sind. Die koordinierte Hilfe zeigt erste Resultate, wie zum Beispiel den Rückgang von Neuansteckungen in Lofa County, wo MSF Schweiz unterstützt von der DEZA ein Behandlungszentrum führt.