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Alpha, Dominanz und Rudel - drei Worte die mich triggern! Ich frage mich, warum sich diese alte Geschichte von Alphatier und Dominanztheorie so hartnäckig in den Köpfen der Menschen hält. In den Hundeforen, wo ich mich so tummle lese ich immer wieder - "du musst ihm zeigen, wo's lang geht. Du muss das Alphatier sein in deinem Rudel" - echt jetzt?
Woher stammen diese Weisheiten?
1970 wollte L. David Mech in einer Studie die Dominanztheorie bestätigen, in dem er Wölfe in Gefangenschaft beobachtete. Die Wölfe waren allesamt als Einzeltiere aus verschiedenen Familienverbänden in ein Gehege gesteckt worden. Die Wolfsgruppe kämpfte daraufhin auf viel zu kleiner Grundfläche um die beschränkten Ressourcen. Der Stärkste gewann - das Alphatier. Daraus resultierte Mech, dass Wölfe in einer Hierarchie leben, es darum ein Alphatier geben muss und sah die Dominanztheorie bestätigt. In seinem Buch "Die Wölfe: Ökologie und Verhalten einer bedrohten Art" veröffentlichte er seine Erkenntnisse und das Werk wurde dem breiten Publikum zugänglich gemacht. Autoren aus aller Welt nahmen diese Studie als Referenz und beriefen sich auf diese Erkenntnisse. Die Alphatier- und Dominanztheorie war geboren.
Erst im 2008 wiederlegte L. David Mech( siehe PDF unten) seine Meinung grundlegend. Er beobachtete über eine längere Zeit freilebende Wölfe und stellte fest, dass ein Wolfsrudel ausschliesslich aus einem Familienverbund besteht. Es leben Elterntiere und zwei bis drei Generationen Jungwölfe in einer Gruppe. Geführt wird diese auf ganz natürliche Weise von den Elterntieren und die Jungwölfe übernehmen eine leitende Funktion gegenüber den Welpen. Hier wird weder gekämpft noch agressives Verhalten gezeigt. Es gibt kein Alpha- und kein Omegatier. Wölfe sind äusserst sozial innerhalb ihres Rudels, es wird umsorgt und sich gekümmert. Es wird nicht am Nacken gepackt und geschüttelt, es werden keine Seitenhiebe verpasst und schon gar nicht wird gewaltsam auf den Rücken gelegt. Kein Rudelführer geht an der Front, um Macht zu demonstrieren, keiner wird "eingeteilt. Das sind alles Menschendinge, die unsere gscheiten Freunde nicht brauchen.
Obwohl die Dominanztheorie in der Verhaltensforschung längst als veraltet und wiederlegt gilt, hält sich dieser Mythos fest verankert in den Köpfen der Menschen. Nicht zuletzt auch, weil es immer noch Hundeschulen gibt, die diese Art von Hundeerziehung weitergeben. Möchtegern Hunde-flüsterer und Rudelführerclowns verteilen ungebremst ihren Quatsch via TV an die Bevölkerung. So vielen Hunden wird dadurch Unrecht getan.
Einige dieser haarsträubenden, dominanz-basierenden "Erziehungsmethoden" nimmt sich Ulli Reichmann in Ihrem Buch "Perfekt unerzogen" vor und erklärt, warum diese Methoden nicht zielführend sein können. Ich kann die Bücher von Ulli nur immer und immer wieder empfehlen. Eine Herzensangelegenheit eben.
Um zurück auf meine Frage zu kommen: warum bleibt der Mythos Alphatier und Dominanztheorie trotzdem so hartnäckig in den Köpfen der Menschen?
weil.....
- wir gerne unterdrücken?
- weil wir gerne befehlen?
- weil wir gerne dominieren?
- weil wir selber mit der "ohne Leistung gibts keine Liebe/Anerkennung"-Methode aufgewachsen und "festgefroren"sind?
- weil wir gerne manipulieren?
- weil wir verlernt haben nach dem Bauchgefühl zu handeln?
Es kommt also draufan wie wir mit Mensch und Tier umgehen und aus welchen Beweggründen wir gewisse Verhaltensmuster verfolgen. Tatsächlich hinterfrage ich mein Tun immer wieder. Warum genau muss sich mein Hund vor mir hinsetzen, bevor er sein Gutzeli bekommt? Was genau bringt es mir, was bringt es dem Hund? Der Gesellschaft?
Warum muss er vor dem extrem lecker riechenden und voll gefüllten Napf warten, bis wir ihn "frei" geben und er zuhauen kann?
Warum freuen wir uns nicht einfach ab der imensen Freude unseres Freundes, der es kaum abwarten kann bis es Essen gibt.
Napf hinstellen, guten Apetit wünschen - gut ist!