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Das Schwandergässli war von alters her Kirchweg und Verbindungsweg zwischen Schwanden und Brienz. Der ehemals schmale, holprige, für einen Leichenzug schlecht passierbare Pfad verursachte oft Streit zwischen den beiden Gemeinden (…).»1
Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts waren Säumer und Handelsleute mit ihren Waren sowie Pilger in Richtung Brünig- und Grimselpass, weiter nach Italien und dem Osten Europas unterwegs. Es ist heute der längste historische Wegabschnitt zwischen Brienz und dem Brünigpass, der noch begehbar und beidseits besäumt ist.
Die Sust, wo die Güter von den Brienzersee-Schiffen auf die Saumtiere umgeladen wurden, befand sich seit dem 17. Jahrhundert in unmittelbarer Nähe dieses Wegabschnittes (heutige Schiffsstation Brienz).
Die Trockenmauern des Schwandergässlis bieten Schutz für Menschen, Tiere und Pflanzen. Das Gässli ist Bestandteil einer Strecke von nationaler Bedeutung des Bundesinventars der historischen Verkehrswege der Schweiz IVS und ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung ISOS aufgeführt.
Die meist freistehenden Trockenmauern wurden Anfang des 20. Jahrhunderts allseitig mit einem wasserabweisenden, zementhaltigen, dichten Mörtel verputzt. Im Laufe der Zeit lösten sich grössere Flächen des starren Verputzes und das Trockenmauerwerk drohte an einigen Stellen einzubrechen. Im Jahr 2000 wurden Stimmen laut, die «unbequemen» Mauern zu entsorgen. Dazu kam es aufgrund deren Schutzwürdigkeit glücklicherweise nicht.
Im Jahr 2003 initiierte die Regionalgruppe Interlaken Oberhasli des Berner Heimatschutzes ein Instandstellungsprojekt. Parallel dazu wurden an einigen Mauerstellen Qualitätsuntersuchungen durchgeführt. Ein unerwarteter feuchter Erdkern führte über Jahrzehnte zu einer konstanten Belastung der Mauersteine. Das Einwirken von Frost und Eis verursachte die Zerspaltung und Zermürbung der Steine.
Nach einer Beurteilung durch Fachleute wurde entschieden, die Trockenmauern abzubrechen und mit neuem sowie bestehendem Steinmaterial wieder aufzubauen. In der Folge wurde das Trockenmauerprojekt mit einer Gesamtlänge von 144 Metern zwischen 2005 und 2007/2012 in sechs Etappen instandgesetzt.
Dass der eingeschlagene Lösungsweg der richtige war, bestätigte sich, als bei der Jahrhundert-Unwetterkatastrophe am 21. August 2005 vom Glyssibach her eine Schuttlawine in das Schwandergässli eindrang (weitere Informationen und Fotos auf PLANAT). Die kurz vorher fertiggestellten Trockenmauern hielten dem enormen Druck des Geschiebes stand. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn entlang dieses Siedlungsgebietes noch die alten, modernden Mauern gestanden hätten.
Rudolf Schild
1 Acher, P., Ob ächt... Geschichte, Geschichten, Gedanken und Gedichte über das Dorf Schwanden am Sonnenhang des Brienzersees, 2001, Seite 153
Ort Schwandergässli, Gemeinde Brienz BE
Bauvorhaben Instandstellung der wegsäumenden Trockenmauern
Schutzstufe von nationaler Bedeutung (in den Bundesinventaren IVS und ISOS aufgeführt)
Bauzeit zwischen 2005 und 2012, in 6 Bauetappen
Baukosten rund 380 000 CHF
Finanzierung ASTRA, Zivildienst, Lotteriefonds des Kantons Bern, Fonds Landschaft Schweiz, Schweizerischer Heimatschutz: Schoggitaleraktion, Berner Heimatschutz: Sammelaktion, Spende einer Anwohnerin
Bauherrschaft/Schutzherrin Berner Heimatschutz, Regionalgruppe Interlaken Oberhasli
Projektgesamtleitung BHS Bauberater Rudolf Schild, Architekt und Kulturprojektleiter, Schwanden b. Brienz BE
Weiteres Ausführung Etappe 1 bis 5 durch Stiftung Umwelteinsatz Schweiz (SUS) Thun, mit Zivildienstleistenden
Ausführung Etappe 6, Jahr 2012, Ersatz Mauerwerk, durch ortsansässige Trockenmauerspezialisten
Situationsplan 1:1000 des Schwandergässli in Brienz
Flotron AG, Ingenieure