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Anfang der 1970er-Jahre entstanden im Bereich der Kunst die ersten feministischen Produktionen. Mit neuen Ausdrucksformen, die rasch über die Landesgrenzen hinweg zirkulierten, inszenierten Künstlerinnen die Zwänge und Einschränkungen, denen weibliche Körper ausgesetzt waren. Als Medien benutzten sie oft Performances, Videos und die Fotografie. Obwohl innovativ in der Wahl ihrer Themen und dem stilistischen Ausdruck, wird das feministische Kunstschaffen von der Kunstgeschichte kaum je als avantgardistisch anerkannt. Überdies wird es meist als eigenständiger Bereich dargestellt, der zwar Verbindungen zur Frauenbewegung aufwies, sich aber ausserhalb von dieser entfaltete. In diesem Aufsatz wird hingegen argumentiert, dass die feministische Kunst sehr wohl als Komponente der Frauenbewegung der 1970er-Jahre zu verstehen ist. Denn sie beruhte auf derselben kognitiven und politischen Orientierung wie die feministische Bewegung und ging wie diese von einer fundamentalen Infragestellung der sozialen Stellung und der Ausbeutung von Frauen aus. Zur Untermauerung dieser These werden im Fotobeitrag nicht nur verschiedene Werke von feministischen Künstlerinnen der 1970er-Jahre präsentiert, sondern es wird auch aufgezeigt, wie eng das feministische Kunstschaffen mit den Praktiken der Aktivistinnen verbunden war und welche Kontroversen dafür charakteristisch waren.
Erschienen in: traverse 2016/2, S. 109