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Adrian Michael
Westlich vom Dorfe Trins erhebt sich wie ein steiler Felszahn der Crap St. Bringazzi, der St. Pankratiusstein, auf dem noch Mauerreste zu sehen sind. Es handelt sich um eine grosse Anlage, in deren Bereich eine dem hl. Pankratius geweihte Kirche stand, die dem Felsen den Namen gab. Ober die Burg, deren Anlage zur gleichen Kategorie wie St. Georgenberg und St. Johann auf Hohenrätien gehört, ist nichts bekannt.
In den Jahren 1931/32 und 1936 wurde die Burganlage durch den Schweizerischen Burgenverein einer genauen Untersuchung unterzogen und die verschütteten Teile ausgegraben. Das Resultat ist aus den beiden obigen Zeichnungen ersichtlich. Der Aufstieg zur Burg ist fast halsbrecherisch zu nennen; man wundert sich immer wieder, daß die Erbauer solcher kühner Anlagen mit ihren primitiven technischen Hilfsmitteln der Schwierigkeiten Herr werden konnten.
Sogn Barcazi ist eine sehr alte Anlage aus dem späten 8. Jahrhundert. Hier stand die dem heiligen Pankratius geweihte Kirche, möglicherweise die ursprüngliche Pfarrkirche für Tamins und Trin. Alte Dokumente weisen auf zwei mögliche Erbauer der Burg von Hohentrins hin. So kommen sowohl der Vater des Carl des Grossen wie auch Pipin von Heristal als Erbauer dieses Schlosses auf dem Crap Sogn Barcazi in Frage. Dabei handelte es sich jedoch nicht um eine feudale Privatburg, sondern um eine stark befestigte, alte Kirchenburg. Die langsame Umwandlung des Kirchenkastells zur Feudalburg und später zum Sitz der Herrschaft Hohentrins bzw. dem Zentrum der Herrschaft von Trin geht ins hohe Mittelalter zurück. Die ersten Wohngebäude werden somit auf das 11. Jahrhundert zurückdatiert. Heute wird die Ruine durch die Stiftung Fundaziun Crap Sogn Barcazi restauriert und erhalten.
Die Bedeutung dieser Burg auf dem Crap Sogn Parcazi ist heute noch unklar und es gibt verschiedene Ansichten. Weil der Zugang zur Burg sehr eng, gefährlich und beschwerlich ist (und deshalb nur trittsicheren Besuchern zu empfehlen ist), glaubt man heute, dass die Burg als Zufluchtsort gebraucht wurde.
Während des römischen Reiches herrschte im Süden ein hoher Lebensstandard, Kultur und viel Luxus. Dies hat bewirkt, dass immer wieder einzelne Gruppen aus Gallien oder Alemannien diesem Ruf des Reichtums folgend nach Süden wanderten. Diese Gruppen waren meistens hungrig und somit eine Bedrohung für die ansässige Bevölkerung. Für diese gab es nur eine Möglichkeit: Auf die Burg Crap Sogn Parcazi zu fliehen und dort abzuwarten bis die Raubritter und das Gesindel weitergezogen war. Auf Crap Sogn Parcazi waren Vorräte vorhanden, das Wasser wurde in Zisternen gesammelt. Ebenfalls war eine Kirche vorhanden, welche zusammen mit dem Glauben geistigen Trost spendete.
Später befand sich der Sitz der Herren von Hohentrins auf dem Crap Sogn Parcazi. Hohentrins war seit dem 9. Jahrhundert eine Immunitätsherrschaft des Klosters Reichenau. Danach, im Jahre 1314 ging der Besitz an die Freiherren von Frauenberg bei Ruschein über. Durch Kauf und Erbschaft gehörte Hohentrins später dem Grafen von Werdenberg-Heiligenberg. Im Jahre 1428 stirbt Hugo von Werdenberg-Heiligenberg ohne männliche Nachkommen, so dass die Herrschaft Hohentrins an Peter von Hewen aus Südbaden überging. Die Herren von Hewen hatten die Herrschaft von Hohentrins bis ins 16. Jahrhundert inne. Die letztgenannten Besitzer setzten den Vogt Otto Capol als Verwalter und Herrscher auf Hohentrins ein. Am 2. Juli 1470 ging dieser mit seiner Frau zu den Herren von Reichenau an ein Festgelage. In derselben Nacht brannte die Burg samt den drei Kindern des Vogtes und der Magd ab. Man vermutet, dass dieses Feuer von den Pfandinhabern absichtlich gelegt wurde, um diese Dokumente zu zerstören. Daraufhin zog der Vogt Capol ins Schloss Reichenau um und Trin war seither ohne Vogt. Die Burg Hohentrins wurde seitdem nicht mehr aufgebaut. Weil die Anlage auf Canaschal als Vorwerk zu Crap Sogn Barcazi zu betrachten ist, dürfte sie um die gleiche Zeit aufgegeben worden sein.
Adrian Michael
Bibliographie