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Gegenkulturen haben ab den 1960er Jahren eine ästhetische und politische Subversionskraft entwickelt und zur Pluralisierung von Gesellschaft und Öffentlichkeit beigetragen. Mit alternativen Medien, Arbeits- und Wohnformen und Bildungsmodellen haben sie nicht nur neue soziale Umgangsformen und Lebensstile geprägt, sondern auch in verschiedenen Gesellschaftsbereichen sogenanntes «Gegenwissen» produziert und verbreitet. Gegenkulturen haben aber auch zu einer «Kultur der Besonderheiten» (Andreas Reckwitz) beigetragen, in der Einzigartigkeit und Authentizität als eherne Prinzipien gelten. Damit einher ging ein Versprechen von Freiheit, Autonomie und Selbstverwirklichung, das in entsolidarisierende und regressive Haltungen mündete, wie sie in den ökonomischen und gesellschaftlichen Krisen der letzten Jahre zusehends zum Ausdruck kamen. In diesem Masterseminar befassen wir uns mit den neueren theoretischen Diskussionen zu Konzepten wie Authentizität und Subjekt, Gemeinschaft und Politik. Danach geht es darum, anhand von Fallbeispielen das breite Spektrum an Gegenkulturen der 1960er bis 1980er Jahren zu erfassen und kulturell, politisch, lebensweltlich bis religiös orientierte Gruppierungen und Projekte zu berücksichtigen.
Literatur
Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey, Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus, Berlin 2022.
Andreas Reckwitz, Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne, Berlin 2017.
Sven Reichhardt, Authentizität und Gemeinschaft. Linksalternatives Leben in den siebziger und frühen achtziger Jahren, Frankfurt a. M. 2014.