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Jedes Jahr wird am 8. September der Weltalphabetisierungstag zelebriert, um daran zu erinnern, wie wichtig die Alphabetisierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen als Faktor für die Würde und die Menschenrechte ist. 773 Millionen Menschen auf der Welt können weder lesen noch schreiben.
Im Tschad steht der Bildungssektor vor grossen Herausforderungen: Nach Angaben der französischen Entwicklungsagentur (AFD) können nur 32 % der Frauen lesen und schreiben, während es bei den Männern 48 % sind.
Programm zur Förderung einer qualitativ hochwertigen Grundbildung (ProQEB) im Auftrag der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) durch und verändert damit das Schicksal von Tausenden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.Seit 2013 führt Enfants du Monde im Tschad das
Im vergangenen August bat das tschadische Bildungsministerium ProQEB um Unterstützung bei der Organisation des Weltalphabetisierungstags. Die Veranstaltung findet in der Stadt Sarh statt und bietet die Gelegenheit auf die Aktivitäten des ProQEB aufmerksam zu machen, welches sich als wichtiger Treiber im Wandel des Bereichs der Alphabetisierung und der nicht-formalen Bildung etabliert hat.
Im Zentrum der Bildung intervenieren: aktive Pädagogik und sprachliche Innovationen
Im Rahmen von ProQEB arbeiten unsere Teams in vier Gebieten - den Provinzen Batha, Wadi-Fira, Moyen-Chari und Mandoul - an der Verbesserung der Lehrinhalte und des pädagogischen Ansatzes. Es wurden Feldstudien durchgeführt, um Themen des Alltags zu ermitteln, die in die Schulbücher aufgenommen werden sollten, so z.B. Malaria, weibliche Beschneidung, Zugang zu Trinkwasser und landwirtschaftliche Produktion. Dieser pädagogische Ansatz fördert die Anwendung von Wissen im Alltag, um so die Lebensbedingungen der Schüler zu verbessern, alles unter Berücksichtigung ihrer Kultur.
Bevor ich das Alphabetisierungszentrum besuchte, konnte ich nur ein wenig im Koran lesen, aber ansonsten weder lesen noch schreiben. Dort lernte ich lesen, schreiben und rechnen. Ich habe auch gelernt, wie man Wasser filtert oder abkocht, bevor man es konsumiert.
Es wird ein aktiverer pädagogischer Ansatz verfolgt, insbesondere durch die Diversifizierung der Aktivitäten der Schüler/innen oder durch Gruppenarbeit. Es wurden Innovationen entwickelt, um dem Sprachenproblem besser entgegenzuwirken. Wenn in der Schule nur Französisch und Arabisch - die offiziellen Sprachen - verwendet werden, spricht die Mehrheit der Kinder diese Sprachen nicht in ihrer Familie oder der Gemeinschaft, was zu grossen Lernschwierigkeiten führt. Aus diesem Grund wird ein zweisprachiger Unterricht angeboten.
Um eine nachhaltige Verbesserung des Bildungssystems zu gewährleisten, werden alle Akteure der "Bildungskette" geschult: Direktor/innen, Lehrer/innen, Aufsichtspersonen und Lehrerausbilder.
Lehren und lernen unter den Bedingungen von Covid-19
In den vergangenen zwei Jahren hat die COVID-19-Pandemie die Betreuung bei der Alphabetisierung und der nicht-formalen Grundbildung im Tschad vor grosse Herausforderungen gestellt sowie den Lernprozess von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in noch nie dagewesenem Masse beeinträchtigt. ProQEB passte seine Aktivitäten rasch an die Bedingungen der Pandemie an, insbesondere durch das Angebot von Fernunterricht für Lehrer/innen, um die Kontinuität des Unterrichts zu gewährleisten. Der Einsatz von Fernunterrichtsmethoden verdeutlichte jedoch die anhaltende digitale Kluft in Bezug auf die Konnektivität, die Infrastruktur und die Fähigkeit zur Nutzung von Technologie.
Im Einklang mit dem UNESCO-Thema für den Weltalphabetisierungstag 2021 „Alphabetisierung für einen auf den Menschen ausgerichteten Aufschwung: Überwindung der digitalen Kluft” planen das Bildungsministerium und ProQEB neben festlichen Aktivitäten auch Ausbildungsworkshops, Konferenzen und Debatten mit dem Schwerpunkt der Mobilisierung von Personal für neue pädagogische Ansätze im Bereich der Alphabetisierung in Verbindung mit Fernunterricht und -lernen. Die Veranstaltung bietet die Gelegenheit, ein breites Publikum für das Thema der Alphabetisierung zu sensibilisieren und zu mobilisieren und die Notwendigkeit zu verdeutlichen, die derzeitigen pädagogischen Methoden an die aktuellen Bedingungen und die Zeit nach COVID-19 anzupassen.