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Helgoland – auf einer Laterne sitzt ein spatzenartiger kleiner Vogel. In diesem Moment kommt einer der wenigen Vogelbeobachter, die in diesem Frühjahr auf der Insel sind, auf seinem Weg zur Mittagspause vorbei. Zunächst schenkt er dem Tier wenig Beobachtung – eben ein weiterer Spatz, wie er an diesem Morgen schon so viele gesehen hat. Doch was ist das? Ein kurzer, fremd klingender Ruf lässt seinen Adrenalinspiegel ansteigen. So rufen keine Spatzen!
Der Vogel fliegt und der Beobachter greift schnell zu seinem Fernglas, ein Victory 10x42 T* FL. Der Vogel landet auf dem Rand eines alten Baucontainers. Das Glas gibt die Farben brillant wieder, mit überragender Helligkeit und größtmöglicher Detailauflösung. Scharf ist der zum Schnabel hin gelbe, aber ansonsten weiße Überaugenstreifen gegenüber der braunen Kopfzeichnung abgesetzt, die weiße Kehle strahlt im Sonnenlicht. Es besteht kein Zweifel: Dort, mitten in einem Baugelände auf Helgoland sitzt eine nordamerikanische Weißkehlammer.
Weißkehlammern leben in Nordamerika. Dort bewohnt die relativ häufige Art offene Nadel- und Mischwälder. Sie zieht jedes Jahr im Herbst bis nach Texas und Florida, um dann im Frühjahr wieder in die angestammten Brutgebiete nach Norden zu fliegen.
Neben der amerikanischen Weißkehlammer gelangte eine weitere Vogelart zum ersten Mal nach Deutschland. Ab dem 22.06.2011 konnte in den Braunschweiger Rieselfeldern ein Langzehenstrandläufer über mehrere Tage beobachtet werden. Diese Vogelart zieht von Anfang Juni bis Ende Juli in Nordsibirien seine Jungen auf. Im Herbst fliegen sie bis Südostasien, um dort zu überwintern. Noch nie zuvor ist ein Langzehenstrandläufer in Deutschland gesehen worden und auch die Weißkehlammer ist die erste, die als Wildvogel beobachtet wurde. Sie beide sind Vorboten für einen äußerst interessanten Vogelzug 2011 in ganz Europa.
Katja und Irene waren die ersten Hurrikans der Saison, die ab August in den USA wüteten. In Folge dieser Stürme wurde Frankreichs erster Goldwaldsänger am 30.08.2011 an der Gironde-Mündung in Westfrankreich gefangen und beringt. Dieser kleine, gelbe Waldsänger lebt normalerweise in Nordamerika und zieht im Winter bis ins nördliche Südamerika.
Durch die auf den Atlantik abziehenden Hurrikane-Ausläufer schaffte der Vogel den mindesten 3.900 km langen Flug bis nach Europa wohl mit Rückenwind. Das hier gezeigte Foto zeigt einen adulten Goldwaldsänger.
Dem Goldwaldsänger folgten weitere amerikanische Zugvögel. Zu den Seltensten zählten sicherlich der Blauflügel-Waldsänger am 02.10.2011 und die Purpurschwalbe am 15.10.2011 auf den Azoren. Aber nicht nur Singvögel aus Nordamerika schafften es bis nach Europa. Nach England und Finnland/Estland verflogen sich im September zwei verschiedene Kanadakraniche.
Amerikanische Watvögel (Limikolen) gelangten zum Teil in großen Trupps nach Europa. Der in den Tundren des nordamerikanischen Kontinents brütende Grasläufer war dort einstmals eine der häufigsten Limikolenarten. Heute sind seine Bestände rapide zurückgegangen. Der Grasläufer ist ein Langstreckenzieher, dessen Überwinterungsgebiet in Argentinien, Uruguay und Bolivien liegt. In Tacumshine, Co. Wexford, Irland, konnte sogar ein Trupp von 26 dieser Vögel beobachtet werden, in Deutschland freute man sich dagegen bereits über einen einzigen Vertreter dieser Art.
Seltene Gäste kamen jedoch auch aus dem Fernen Osten nach Europa. So gelang in Norfolk die Beobachtung einer Schwirrnachtigall am 14.10.2011. Eine Blaunachtigall wurde am 01.10.2011 auf den Shetland Inseln in Schottland nachgewiesen. In Pest, Ungarn, wurde eine Rötelammer am 27.09.2011 beringt. Ebenfalls durch Beringung gelang der erste Nachweis eines Mugimakischnäppers für die Westpaläarktis in Bagolino, Brescia, Italien, am 06.10.2011. Deutschlands erster Middendorflaubsänger wurde auf Mellum am 29.09.2011 fotografiert. Alle diese Arten haben ihr Brutgebiet im östlichen Asien. Sie überwintern normalerweise in Südostasien.
Auch einige der selteneren Greifvogelarten treten in diesem Herbst ungewöhnlich früh auf. So zogen über Falsterbo, Schweden bis Mitte Oktober bereits mehr als 1800 Raufußbussarde. Das sind bereits fast so viele wie während des gesamten Herbstes im Rekordzugjahr 2010. Möglicherweise war ein starkes Auftreten von Wühlmäusen und anderen Nagern zur Brutzeit in Fennoskandinavien für die große Zahl an Greifvögeln verantwortlich.
Ebenfalls eine Rekordzahl ist an Steppenweihen in (Nord-) West- und Mitteleuropa nachgewiesen worden. In Finnland brüteten mindestens 5 Paare und weitere 171 Individuen wurden zwischen dem 12. April und 1. Oktober festgestellt. Gewöhnlich brütet diese Art weiter östlich und südlich bis etwa Rumänien und zur Ukraine. Sie erscheint nur als Ausnahmeerscheinung oder seltener Gast im westlichen Europa.
In diesem Herbst gibt es ungewöhnlich viele Nachweise der Steppenweihe aus Holland, Deutschland und sogar Irland, Großbritannien, Island. Gerade bei jungen oder weibchenfarbenen Steppenweihen kommt es auf kleinste Farbdetails an, um sie von anderen Weihenarten unterscheiden zu können.
Das Victory DiaScope 85 T* FL tat hier in vielen Momenten gute Dienste bei Bestimmung und Alterung. Wichtig sind besonders die natürliche Farbwiedergabe, die optimale Darstellung kleinster Details über weite Distanzen durch das Vario-Okular mit bis zu 75-facher Vergrößerung und die schnelle und präzise Fokussierbarkeit vor allen Dingen bei fliegenden Vögeln. Junge Steppenweihen, wie der Vogel, der über mehrere Tage im Ricklsbüller Koog an der Grenze zu Dänemark in Norddeutschland rastete, zeichnen sich durch einen hellen Handflügelhinterrand beim fliegenden Vogel aus sowie durch die dunkle Boa am Hals der Vögel, die sich gegen den hellen Kragen deutlich absetzt. Ohne die optischen Features des Victory DiaScope wären diese wichtigen Bestimmungsdetails häufig zu unzureichend gesehen worden, um den Vogel sicher bestimmen zu können.
All die hier erwähnten seltenen bis sehr seltenen Vögel in Europa sind nur ein kleiner Auszug dessen, was in diesem Jahr bereits alles an außergewöhnlichen Ausnahmeerscheinungen gesehen worden ist. Der Herbstzug ist immer noch im vollem Gange. Betrachtet man die vergangenen Beobachtungen, verspricht er spannend zu bleiben.
|Deutsch||Englisch||Latein|
|Raufußbussard||Rough-legged Buzzard||Buteo lagopus|
|Langzehenstrandläufer||Long-toed Stint||Calidris or Erolia subminuta|
|Steppenweihe||Pallid Harrier||Circus macrourus|
|Goldwaldsänger||Yellow Warbler||Dendroica aestiva|
|Rötelammer||Chestnut Bunting||Emberiza rutila|
|Mugimakischnäpper||Mugimaki Flycatcher||Ficedula mugimaki|
|Kanadakranich||Sandhill Crane||Grus canadensis|
|Blaunachtigall||Siberian Blue Robin||Luscinia cyane|
|Schwirrnachtigall||Rufous-tailed Robin||Luscinia sibilans|
|Middendorflaubsänger||Two-barred Warbler||Phylloscopus trochiloides plumbeitarsus|
|Purpurschwalbe||Purple Martin||Progne subis|
|Grasläufer||Buff-breasted Sandpiper||Tryngites subruficollis|
|Blauflügel-Waldsänger||Blue-winged Warbler||Vermivora cyanoptera|
|Weißkehlammer||White-throated Sparrow||Zonotrichia albicollis|