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Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Reizdarmsyndrom im Gespräch mit Dr. med. Saskia Büdenbender, Gastroenterologin Central-Praxis AG
Das Krankheitsbild des Reizdarms ist in unserer Gesellschaft immer noch gewissen Stigmas unterworfen. Denn viele Patienten klagen über Beschwerden, welche sie auf den Darm beziehen und man findet nichts. Dieses Syndrom gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Betroffene mit einer starken RDS-Ausprägung haben einen immensen Leidensdruck mit zum Teil einhergehenden Angst- und Verstimmungsstörungen. Doch was ist genau ein Reizdarm und inwiefern betrifft dies unsere Gesellschaft?
Das Krankheitsbild des Reizdarms ist in unserer Gesellschaft immer noch gewissen Stigmas unterworfen. Denn viele Patienten klagen über Beschwerden, welche sie auf den Darm beziehen und man findet nichts. Dieses Syndrom gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Betroffene mit einer starken RDS-Ausprägung haben einen immensen Leidensdruck mit zum Teil einhergehenden Angst- und Verstimmungsstörungen. Doch was ist genau ein Reizdarm und inwiefern betrifft dies unsere Gesellschaft?
Was ist genau ein Reizdarmsyndrom?
Das Reizdarmsyndrom (RDS) oder auch «irritable bowel syndrom» (IBS) genannt, ist eine «funktionelle Störung» der Verdauung und verursacht chronische Beschwerden im Magendarmtrakt über einen längeren Zeitraum hinweg (länger als drei Monate anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden). Die Verdauungsbeschwerden werden als «funktionell» bezeichnet, da man durch diverse Untersuchungen keine organische Ursache nachweisen kann.
Die Beschwerden sind teilweise so intensiv, dass die Betroffenen einen hohen Leidensdruck haben. Es treten Symptome wie Durchfall und / oder Verstopfung, Völlegefühl, krampfartige Bauchschmerzen, Blähungen oder eine Kombination daraus auf sowie eine Veränderung der Häufigkeit der Darmentleerung. Die Beschwerden können jedoch von Patient zu Patient variieren und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Ist das Reizdarmsyndrom gefährlich?
Das RDS ist ungefährlich, kann aber die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Leider ist trotzt intensiver Forschung die Entstehung eines RDS bisher unklar. Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren bei der Entwicklung der Krankheit zusammenkommen. Häufig entsteht ein RDS in Folge eines Magendarminfekts. Auch Antibiotika oder gegebenenfalls verschiedene Nahrungsmittel können zu einer Veränderung des Mikrobioms und dadurch zu einer Immunaktivierung führen. Infolgedessen werden Entzündungsmediatoren ausgeschüttet und dies wiederum führt zu einer gestörten neuronalen Aktivität bzw. Hypersensitivität. RDS-Patienten nehmen aufgrund dieser gesteigerten Hypersensitivität z. B. eine stärkere Gasbildung in Magen oder Darm als vermehrt schmerzhaft wahr. Weiterhin ist oft die Darmtätigkeit beeinträchtigt, was zu Durchfall oder Verstopfung führen kann. Stress sowie psychische und andere funktionelle Erkrankungen können die Symptome eines RDS verstärken.
Auch wenn die Diagnostik für den Patienten zumindest auf den ersten Blick erfreulicherweise positiv ausfällt, weil es sich um einen Normalbefund handelt, so ist dies oft frustrierend. Für viele Patienten ist es nicht nachvollziehbar, dass ihrem Leiden keine organische Ursache zugrunde liegt. Hier ist es wichtig, den Patienten gut zu informieren und über das RDS aufzuklären.
Wie wird ein Reizdarmsyndrom diagnostiziert?
Das RDS ist eine Ausschlussdiagnose. In einer ersten Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch) wird zuerst die genaue Krankengeschichte eruiert und Differenzialdiagnosen ausgeschlossen. Dabei handelt es sich um Krankheitsbilder, welche eine ähnliche bzw. nahezu identische Symptomatik aufweisen. Darunter fallen zum Beispiel Erkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmkrankheiten (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa), eine Zöliakie, eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms oder auch Nahrungsmittelintoleranzen.
In einem nächsten Schritt werden diese Krankheitsbilder mittels verschiedener Laboruntersuchungen wie Blut- oder Stuhlproben oder einem Atemtest gestellt bzw. ausgeschlossen. Es können weitere Massnahmen wie Ultraschall oder eine Magendarm-Spiegelung folgen. Eine fundierte Differenzialdiagnose bei RDS-Patienten ist sehr wichtig, da es keine Tests gibt, welche ein RDS diagnostizieren.
Wie wird ein Reizdarm behandelt?
Auch wenn es keine nachweisbaren organischen Ursachen gibt, existieren verschiedene Behandlungsoptionen. Um diesen Besonderheiten der Diagnostik und Behandlung gerecht zu werden, unterteilt die Wissenschaft die Krankheit in vier Subtypen (Durchfall, Verstopfungen, Blähungen und Schmerzen). Basierend auf diesen Kategorien werden die Behandlungsmöglichkeiten ausgerichtet. Mittels einer Stuhlregulation wird in einem ersten Schritt versucht, den Stuhlgang zu regulieren und die Beschwerden zu lindern. Das können zum Beispiel Ballaststoffe oder Durchfallhemmer sein. Dazu kommen krampflösende Medikamente, Probiotika oder andere pflanzliche Mittel zur Anwendung. Bei einem stark ausgeprägtem RDS mit Angst- und/oder Verstimmungsstörungen kann es unter Umständen sinnvoll sein, alternativ medizinische Massnahmen oder eine psychotherapeutische Begleitung in Anspruch zu nehmen.
Es gibt bestimmte Lebensmittel, welche im Darm fermentiert werden und zu einer erhöhten Gasbildung führen. Diese Lebensmittel werden unter der Abkürzung «FODMAP» zusammengefasst. Studien haben gezeigt, dass eine sog. «FODMAP-arme Ernährung» die Beschwerden deutlich lindern können. Eine solche Ernährung sollte befristet auf sechs bis acht Wochen unter Einbezug einer medizinischen Ernährungsberatung erfolgen.
Ist das Reizdarmsyndrom eine psychosomatische Erkrankung?
Wie bereits erwähnt, können psychische Stressoren die Symptome eines RDSs verstärken, was jedoch nicht heisst, dass Stress der alleinige Auslöser ist. Demnach ist das RDS keine psychosomatische Erkrankung und muss ernst genommen werden. Dies schon allein aufgrund des hohen Leidensdrucks der Patienten.
Haben auch Sie Probleme mit ihrer Verdauung und möchten gerne abklären, ob es sich hierbei um ein Reizdarmsyndrom handelt? Die Fachärzte der Central-Praxis AG beraten Sie gerne.