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Franz Ignaz Anton von Reinach zu Obersteinbrunn (1686/89–1735)
Die Herren von Reinach
Die Herren von Reinach sind ursprünglich kyburgisch-habsburgische Ministerialen aus dem Aargau.[1] Als Folge der eidgenössischen Eroberungen siedeln sie im 15. Jahrhundert ins Elsass über. Ihre Besitzungen und Rechte in der Schweiz verkaufen sie bis 1545. Inzwischen haben sich verschiedene Linien gebildet. Der noch in Bern eingebürgerte Jakob von Reinach erhält 1509 Steinbrunn im Elsass als Lehen und gründet die Linie Steinbrunn, nach dem dortigen Schloss auch Obersteinbrunn genannt. Das Geschlecht wird 1635 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Seit der Annektion des Elsass durch Louis XIV sind vermehrt Familienmitglieder in französischen Diensten zu finden.
Obersteinbrunn
In Steinbrunn-le-Haut erinnert heute nur wenig an die noch eine Sammlung von Grenzsteinen vom Ende des 16. Jahrhunderts und das Pfarrhaus, welches Unterschloss genannt wird und heute als Rathaus dient, an die 300 Jahre Herrschaft der Familie von Reinach. Vom 1789 während der Revolution zerstörten Schloss, einem Landsitz mit flankierenden Nebenbauten, ist heute nichts mehr vorhanden.[2]
Franz Ignaz Anton von Reinach
Franz Ignaz Anton wird am 8. September 1686 (oder 1689) auf dem Stammsitz im elsässischen Obersteinbrunn als Sohn des Johann Jakob Kaspar Sigmund von Reinach und seiner Ehefrau Maria Salome Lucia von Pfirt getauft.[3] Sein Vater stirbt 1693 in Béthune (Flandern) als Offizier des Regimentes Froberg in französischen Diensten. Das Ehepaar hat dreizehn Kinder, sieben erreichen das Erwachsenenalter.[4] Sie wachsen als Halbwaisen auf. Nur vom Bruder Joseph Jakob Sigismund, dem späteren Fürstbischof von Basel, ist der Bildungsweg bekannt. Dieser kann am Jesuitenkollegium und dann am Collegium Germanicum in Rom studieren. Franz Ignaz Anton wird für die militärische Laufbahn bestimmt. 1709 nimmt er auf kaiserlicher Seite an der Belagerung von Tournai teil. 1710 wird er in den Deutschen Orden aufgenommen.[5] Fürsprecher sind die Familienmitglieder im Deutschen Orden. So ist sein Bruder Franz Konrad Hauskomtur in Virnsberg und sein Onkel Johann Franz von Reinach-Hirzbach ist Komtur in Beuggen. Seit 1705 ist zudem ein Onkel der Linie Reinach-Hirzbach, Johann Konrad, Fürstbischof von Basel. Die schlechten finanziellen Verhältnisse der Reinach von Obersteinbrunn werden im Gesuch als Mitbegründung für die Aufnahme angegeben. Im Orden wird er vorerst militärisch eingesetzt. 1716 ist er kaiserlicher Hauptmann in den Niederlanden. 1717 nimmt er unter Prinz Eugen an der Eroberung Belgrads teil. Im gleichen Jahr erhält er mit Rohr und Waldstetten die erste Kommende in der Ballei Elsass-Burgund. 1718 wird er zusätzlich Hauskomtur in Altshausen, wo sein Onkel Landkomtur ist. 1722–1731 ist er auch Komtur der wichtigen Kommende Mainau. 1723 wird er mit Stichentscheid des Hoch- und Deutschmeisters Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg zum Koadjutor seines Onkels gewählt. 1727 ist er auch Statthalter und übernimmt damit de jure die Funktion seines Onkels Johann Franz von Reinach-Hirzbach, dem vorherigen Komtur in Beuggen, der 1719–1730 Landkomtur ist. Dieser hat sich krankheitshalber 1724 auf das Schloss Achberg zurückgezogen und stirbt dort 1730.
Landkomtur der Ballei Elsass-Burgund in Altshausen
Am 18. Februar wird Franz Ignaz Anton von Reinach vom Hoch- und Deutschmeister als Landkomtur der Ballei Elsass-Burgund eingesetzt. Der Hoch- und Deutschmeister ist inzwischen auch Kurfürst von Mainz und ernennt ihn zusätzlich zum wirklichen kurfürstlich-mainzischen Geheimrat. Schon 1733 ersucht er wegen angeschlagener Gesundheit um einen Koadjutor. Die Kapitularen der Ballei wählen 1734 den Komtur von Rixheim, Philipp Joseph Anton Eusebius von Froberg. Im Sommer 1735 trifft Franz Ignaz Anton von Reinach ein Schlaganfall, er stirbt an seinen Folgen vor dem 1. Oktober 1735.
Bauverantwortlicher der Ballei Elsass-Burgund 1724–1734
Der verstorbene Landkomtur hinterlässt eine erhebliche Privatschuld. Private Schulden sind bei den niederadeligen Reichsrittern des 18. Jahrhunderts die Regel. Die grosse Ballei mit acht Kommenden und ihren Baupflichten im Herrschaftsbereich scheint er aber gut verwaltet zu haben. Für die Bauvorhaben ist er sofort nach seiner Ernennung zum Koadjutor ab 1724 verantwortlich. Mit der 1727 erfolgten Berufung des Baumeisters Johann Caspar Bagnato sorgt er für den Beginn einer Bautätigkeit, die jeweils zwar formell noch vom Deutsch- und Hochmeister genehmigt wird, und die auch vielfach von den Komturen selbst ausgeht, für die er aber doch verantwortlich ist. Grosses hat er mit Altshausen vor. Hier kann er die erste Etappe der Residenz 1729–1733 bauen. In Ravensburg lässt er gleichzeitig den Altshauser Hof erstellen. Die Fertigstellung der Neubauten auf der Mainau, die er 1733 beginnt, erlebt er nicht mehr. Das gleiche gilt für die Komturei Rixheim und auch für die Kirche Ebersbach. Die Bauten der Komtureien Altshausen, Mainau und Rixheim sind noch heute Denkmäler für einen zupackenden Bauherrn, auch wenn sein Wappen nur auf einem von ihm eingerichteten Hochaltar in der Pfarrkirche von Liggersdorf bei Hohenfels und über dem Portal am Altshauser Hof in Ravensburg zu finden ist.
Der Wappenschild zeigt im Geviert in Feld 1 und Feld 4 in Silber das schwarze Kreuz des Deutschen Ordens und in Feld 2 und 3 in Gelb den roten schreitenden Löwen mit blauem Kopf. Die Löwen können auch einwärts gewandt (der Löwe in Feld 1 ist nach links gewandt) dargestellt werden.
Porträt
Im Schloss Altshausen befindet sich ein Ganzkörperporträt des Landkomturs. Entsprechend der Gewohnheit der Deutschritter-Darstellungen malt ihn der unbekannte Maler in einem schwarzen Prunkharnisch. Der Landkomtur wirkt darin etwas unnatürlich steif. Mit der linken Hand hält er den Federbusch-Helm, der auf einem Kissen abgelegt ist. Der Handschuh liegt rechts von ihm auf einer Konsol-Ablage. Er trägt eine Allonge-Perücke, die zur Entstehungszeit des Bildes um 1730 bereits ausser Mode ist. Sein Gesicht zeigt eine gewisse Jovialität. Oben ist sein Wappen zu sehen. Die nach 1735 erstellte Inschrift bezeichnet sein erreichtes Alter mit 49 Jahren. («A:S:49»). Damit wäre er 1686 geboren.
Pius Bieri 2015
Literatur:
Kindler von Knobloch, Julius: Oberbadisches Geschlechterbuch, Dritter Band. Heidelberg 1919.
Gubler, Hans Martin: Johann Caspar Bagnato. Sigmaringen 1985.
[2] Ein Situationsplan 1:4000 von 1787 zeigt das Schloss mit Freitreppe. In einem Projekt von Gabriel Ignace Ritter (um 1780) ist es als zentrales Corps de Logis einer grossen Ehrenhof-Erweiterung festgehalten. Siehe: patrimoine.region-alsace
[3] Das Geburtsdatum hier nach Hans Martin Gubler (J. C Bagnato, 1985). Es stimmt mit der Inschrift im Porträt überein, wo das erreichte Alter mit 49 Jahren angegeben wird. Die unten aufgeführten Daten aus Kindler von Knobloch (1919), der bei Franz Ignaz Anton den 8. September 1689 als Taufeintrag angibt, können trotzdem stimmen. Irritierend ist allerdings der Taufvermerk von Philipp Kaspar Anton Ludwig mit dem Datum 16. September 1686. Zwillinge (im Abstand von acht Tagen?) oder doch Taufdatum 1689?. Die Notiz bei Gubler, Seite 38, dass der Vater 1710 noch lebt, wird hier nicht übernommen. (Die Mutter stirbt 1721 in Arlesheim).
[4] Kinder von Johann Jakob Kaspar Sigmund, die das Erwachsenenalter erreichen, nach Kindler von Knobloch.
1. Johann Franz Konrad (1681–1724), Deutschordensritter seit 1703, 1713–1718 Komtur von Oettingen und Donauwörth, 1718–1724 Komtur in Kapfenburg.
2. Franz Joseph Anton (1682–1740), heiratet Maria Eva Salome Truchsess von Wolhausen, welche die Herrschaft Ronchamp in die Familie bringt. Die Nachkommen nennen sich jetzt auch Freiherren von Ronchamp(s).
3. Joseph Jakob Sig(is)mund (1683–1743), Fürstbischof von Basel 1737–1743.
4. Philipp Kaspar Anton Ludwig (1686–?), Domherr zu Eichstätt, Chorherr von Moutier-Grandval in Delsberg.
5. Maria Anna Scholastika (1688–1771?), Stiftsdame in Masmünster.
6. Franz Ignaz Anton (1689–1735), siehe oben.
7. Maria Ursula, (1691–1757), heiratet 1710 Karl Hartmann Ignaz von Roll zu Bernau, kurkölnischer geheimer Rat, Bruder des Johann Baptist (Komtur zu Horneck und Mergentheim) und Bruder von Ignatius Servatius (Komtur zu Rixheim und der Mainau).
[5] Beim Geburtsdatum 1689 nach Kindler (1919) wäre er beim Ritterschlag am 1. Mai 1710 noch nicht 21 Jahre alt, was doch eher das Geburtsdatum 1686 rechtfertigt.
|Franz Ignaz Anton von Reinach zu Obersteinbrunn (1686/89–1735)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|8. September 1686/89||Obersteinbrunn, Elsass F||Königreich Frankreich|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Landkomtur der Ballei Elsass-Burgund||1730–1735|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|1. Oktober 1735||Altshausen Baden-Württemberg D||Deutscher Orden|
|Kurzbiografie|

Franz Ignaz Anton von Reinach zu Obersteinbrunn ist Ritter des Deutschen Ordens und Landkomtur der Ballei Elsass-Burgund. Wie die meisten Deutschordens-Ritter stammt er aus einer niederadligen Familie der Reichsritterschaft. Sofern sich ihre Söhne nicht früh dem geistlichen Stand verpflichten oder die Herrschaft bewirtschaften, werden sie für das Militär erzogen. Viele finden damit auch den Weg zu den Deutschrittern oder den Maltesern. Wahrend sein Bruder Fürstbischof von Basel wird, erreicht Franz Ignaz Anton mit dem Amt des Landkomturs die oberste Stufe im Deutschen Orden, die einem Reichsritter zusteht. Sein Hauptverdienst ist der frühe Beizug von Johann Caspar Bagnato als Ordensbaumeister.
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