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durch Vermächtnis die Bibliothek C. M. Cracherodes hinzu, 1815 wurden die Büchersammlungen des Barons Moll in München [* 2] und Burneys des Ältern, 1816 die Ginguenés und Burneys des Jüngern angekauft. Weitaus die wichtigste Vermehrung erhielt das Museum 1823 durch die 65000 Bände zählende Bibliothek Georgs III., die er während seiner 60jährigen Regierung mit einem jährlichen Aufwande von ungefähr 2000 Pfd. St. gesammelt hatte. Seitdem kamen hinzu 1827 durch Vermächtnis die Bibliotheken von Sir Joseph Banks, bestehend aus 16000 Bänden meist naturgeschichtlicher Werke, und 1847 die von Thomas Grenville, 20000 Bände stark und besonders reich an älterer span. und ital. Litteratur sowie an ältern Reisewerken.
Einen ganz andern Charakter gewann die Bibliothek des Museums, seit sie, von 1838 an, durch großartige Ankäufe planmäßig ergänzt und erweitert wurde. Während sie früher in einzelnen Litteraturgebieten ebenso arm wie in andern reich war, zeigte sie von nun an immer mehr ein durchaus allseitiges Gepräge. Von amerikanischen in engl. Sprache [* 3] gedruckten Büchern besitzt die Bibliothek des Museums mehr als selbst die größten Bibliotheken der Vereinigten Staaten, [* 4] und auch die in Australien [* 5] erschienenen Drucke sind mit ziemlicher Vollständigkeit vertreten, sowie viele deutsche Unica und Seltenheiten. Schon seit ihrer Gründung erhielt die Anstalt das Recht, von jedem Buche, das auf den brit. Inseln zur Veröffentlichung gelangt, die Einsendung eines Freiexemplars zu verlangen; aber dieses Recht wurde bis 1818 sehr nachlässig, bis 1850 wenigstens nicht streng geübt. Dennoch besitzt das in Britisches Museum Bezug auf engl. Litteratur die vollständigste Sammlung.
Die ältern Teile der Bibliothek sind in einer Reihe von 12 Sälen aufgestellt, von denen 4 die durch Geschenke an das Museum gekommenen Sammlungen (von Cracherode, Banks, Grenville und Georg II.) umfassen. Die Bibliothek Georgs III. erfüllt eine imposante Galerie von 92 m Länge und 12 m Weite. Hier und im Grenville-Saal ist eine reiche Auswahl bibliogr. Seltenheiten ausgelegt. Zwei besondere Säle umfassen die hebr. Bibliothek von 9000 und die chines. Bibliothek von fast 20000 Bänden.
Alle neuern Erwerbungen seit 1848 sind in den neuen, auf 800000 Bände eingerichteten Räumen untergebracht, welche die Lesehalle umgeben. Die Lesehalle selbst, der Kern des ganzen Gebäudes, bildet einen durch 20 große Fenster und nach Eintritt der Dunkelheit elektrisch erleuchteten, sowie mit Luftheizung versehenen, vortrefflich gelüfteten und reich ausgestatteten Rundsaal mit mächtiger Glas- und Eisenkuppel von 43 m Durchmesser und 32 m Höhe, der 70000 Bände enthält und alle Einrichtungen, Hilfsmittel und Bequemlichkeiten für mehr als 300 Leser bietet.
Dieser Bau kostete 150000 Pfd. St. Der Zutritt ist mit einer vom Oberbibliothekar ausgestellten Karte gestattet, die gegen schriftliche Eingabe verabfolgt wird. Die Leser können eine Sammlung von ungefähr 20000 Hand- und Nachschlagebüchern, die in der Halle [* 6] selbst aufgestellt ist, nach Belieben benutzen (vgl. List of the books of reference in the reading room of the British Museum, 3. Aufl., Lond. 1889; Catalogue of books placed in the British Museum, ebd. 1886). Der alphabetische Hauptkatalog des Museums (in etwa 2000 Bänden) ist zur freien Benutzung im Mittelpunkte des Leseraums aufgestellt.
Kein Buch oder Manuskript darf vom Leser mit nach Hause genommen werden. Seit 1882 (s. Garnett, R.) ist man damit beschäftigt, einzelne Abteilungen dieses Katalogs drucken zu lassen («British Museum Catalogue of printed books», Lond. 1882 fg.). Während der Hauptkatalog im allgemeinen nur die Verfasser alphabetisch aufzählt, macht eine Anzahl von Specialkatalogen (subject catalogoues) mit den in jedem Fach erschienenen Hauptwerken bekannt. Der neueste ist der von Fortescue 1891 herausgegebene «Subject index of the modern works added to the library of the in Britisches Museum the years 1885-90».
In derselben Weise wie die Bücher werden die Handschriften, mit Ausnahme einiger weniger ganz besonders wertvoller, an die Besucher der Lesehalle in einem eigens dafür hergerichteten Raume verabfolgt. Der Manuskriptenschatz des Museums ist aus 9 verschiedenen Privatsammlungen und den durch Ankauf (besonders seit 1827) erworbenen Handschriften zusammengesetzt. Die erstern umfassen die Sloanesche Sammlung von 4000 Bänden, die unschätzbare Cottonsche von 900, die Harleysche von 7639, die alte königl. Sammlung (Georgs II.) von 1950, die neue königl. Sammlung (Georgs IV.) von 438 Bänden, endlich die Sammlungen von Lansdowne, Hargrave, Burney und Arundel, zusammen mit 2818 Bänden.
Hierzu kommen noch die Egerton-Sammlung (durch Ankauf seit 1829 aus dem Egerton-Fund entstanden), die 1873 bereits 2510 Bände zählte, und die allmählich hinzugekommenen «Additional manuscripts», deren Zahl 1873 27 900 betrug und seitdem durch neue Ankäufe beständig vermehrt wurde. Außerdem besitzt die Anstalt noch eine Sammlung von 33000 Urkunden und Dokumenten. Besonders reich ist das Museum an Handschriften für die Geschichte Englands und die ältere engl. und franz. Litteratur; doch giebt es kein Gebiet der Geschichte oder Litteratur, das nicht durch einzelne wertvolle handschriftliche Werke vertreten wäre.
Unter den 6-7000 orient. Handschriften finden sich mehr als 1000 Bände arabische und etwa ebensoviel persische; die aus den Klöstern an den Natronseen stammende syr. Sammlung umfaßt in 620 Bänden mehr als 1200 verschiedene Schriften. Nach der abessin. Expedition von 1867 wurde eine beträchtliche Anzahl äthiopischer in Magdala gefundener Handschriften hinzugefügt. Das Juwel des ganzen Handschriftenschatzes ist der berühmte, aus dem 5. Jahrh. stammende Codex Alexandrinus der Heiligen Schrift, der Karl I. vom Patriarchen von Konstantinopel [* 7] geschenkt ward. Von kleinern ist die Handschrift von Aristoteles' Schrift über Athens Verfassung (1891 entdeckt) zu nennen.
Die Antiquitätensammlung zerfiel bis vor kurzem in drei große Abteilungen: in die ägyptisch-assyrische, die griechisch-römische oder klassische und die Abteilung für brit. und mittelalterliche Altertümer und für Ethnographie. [* 8] 1879-80 wurden diese vermehrt durch die vorher in dem India-Museum aufbewahrte merkwürdige Sammlung ind. Antiquitäten.
Die Ägyptische Sammlung, die eine Galerie von 92 m Länge und mehrere kleinere Räume erfüllt, besteht aus Denkmälern, die 1801 durch die Kapitulation von Alexandria von der franz. Armee überlassen wurde, aus Ankäufen aus den Sammlungen von Athanasi, Salt und Sams und aus Geschenken des verstorbenen Herzogs von Northumberland u. a. Sie ¶
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besitzt wertvolle Denkmäler kolossaler Plastik, den berühmten Stein von Rosette und die Tafeln von Abydos, sowie eine große Sammlung von Mumien, darunter die des Königs Mykerinos, des Erbauers einer Pyramide. Die Gesamtzahl der in ihr enthaltenen Gegenstände beträgt mehr als 10000. Die Assyrische Sammlung, in einer großen und mehrern kleinern Galerien zur Seite der ägyptischen aufgestellt, ist ohne Vergleich die bedeuteudste Europas. Sie besteht aus den Statuen und Basreliefs, die 1847-50 und 1851-56 durch Layard, Rassam und Loftus in den altassyr. Königspalästen zu Nimrud und Kujundschik ausgegraben wurden, ferner mit Inschriften bedeckten Obelisken und einer großen Anzahl kleinerer Gegenstände in Elfenbein, Glas [* 10] (die Vase der Sargina). Neuerdings wurde sie vermehrt durch die Ausgrabungen des berühmten Assyriologen George Smith 1873-75.
Die Griechisch-römische Sammlung erfüllt 12 Räume. Sie umfaßt die «Phigalian Marbles» vom Apollotempel zu Phigalia (erworben 1815),
die «Elgin Marbles», hauptsächlich die Bildwerke des Phidias vom Parthenon zu Athen [* 11] (angekauft 1816),
die «Xanthian» oder «Lycian Marbles», die durch Sir Charles Fellows 1842-46, vom Harpyiendenkmal zu Xanthos in Kleinasien nach London [* 12] gebracht wurden, die 1856-58 von Charles Newton an den Resten des alten Mausoleums zu Halikarnassos ausgegrabenen «Halicarnassian Marbles», eine vom Herzoge von Saint-Albans (1871-72) in Rhodus und Kreta veranstaltete Sammlung von Inschriften und Skulpturen, und in einem Anbau zu der Elgin-Galerie die berühmten Säulentrümmer, Skulpturen und Inschriften von dem Dianatempel und dem Augusteum in Ephesus, deren Entdeckung (1869-71) dem unermüdlichen Eifer Woods, eines Beamten des Britisches Museum, zu danken ist.
Der übrige Teil der Sammlung klassischer Altertümer, aus der Zeit der röm. Kaiser herrührend, umfaßt mehrere berühmte Kunstwerke, wie die Venus von Ostia, den Diskoswerfer [* 13] des Myron, die sog. Klytia, den Dornauszieher, und ist in der Hauptsache aus der Townley-Galerie entstanden, die 1805 den Erben Charles Townleys abgekauft und die Veranlassung zur Errichtung einer eigenen Abteilung für Altertümer am Britisches Museum wurde. Die Sammlung röm. Bildwerke erhielt 1864 eine beträchtliche Vermehrung durch Ankauf eines Teils der im Palast Farnese zu Rom [* 14] aufgestellten dem Exkönig von Neapel [* 15] gehörigen Altertümer.
Eine andere wichtige Erwerbung bildete die 1872 angekaufte Castellani-Sammlung antiker Gemmen [* 16] und Goldschmiedearbeiten, durch deren Zuwachs das Britisches Museum gegenwärtig die reichhaltigste Sammlung dieser Art besitzt. 1880 wurde eine Anzahl alter Vasen [* 17] und Skulpturfragmente von Cypern [* 18] gewonnen. Die Vasensammlung des Britisches Museum gilt für die schönste in Europa. [* 19] Ihre Grundlage bildet die berühmte, 1782 angekaufte Sammlung etrusk. Vasen Sir William Hamiltons, die, durch Ankäufe ansehnlich vermehrt, 1856 durch die Sammlung Sir William Temples einen beträchtlichen Zuwachs erhielt. Die berühmte Portlandvase [* 20] ist nicht Eigentum des Britisches Museum, sondern nur von ihrem Eigentümer hergeliehen.
Dic Abteilung für britische und mittelalterliche Altertümer und für Ethnographie wurde 1866 gegründet und hat unter ihrem jetzigen Vorstand, Äugustus Franks, einen ungemeinen Aufschwung genommen. Sie besteht jetzt 1) aus einer großen Sammlung von Altertümern der Stein- und Bronzeperioden aus den verschiedenen Teilen Großbritanniens, des ältern Eisenalters und der röm. und altsächs. Perioden; diese Objekte sind in besondern Räumen arrangiert. Zum bessern Verständnis sind auswärtige Antiquitäten ebenfalls in diese Serien eingereiht, mit Ausnahme der römischen nicht brit. Gegenstände, die, wie in andern Museen, mit griech. Altertümern vereint sind. Die wertvollste Sammlung in der auswärtigen prähistor. Serie sind die Objekte von den franz. Höhlen der Renntier-Periode, welche durch H. Christy und E. Lartet zusammengebracht und später durch Peccadeau de l'Isle und den Vicomte de Lastic vermehrt wurden.
2) Aus der mittelalterlichen Sammlung, die eine Reihe schöner Elfenbeinschnitzereien und Emaillen und sehr viele Uhren [* 21] enthält. Einen wichtigen Zuwachs erhielt kürzlich diese Sammlung in dem emaillierten Gefäß, [* 22] das der Herzog von Berry 1391 Karl VI. von Frankreich gab, und das später in den Besitz der engl. Könige von Heinrich VI. bis Jakob I. Gelangte. Diese Abteilung enthält auch die Sammlung von Glasgegenständen aller Perioden und Länder, wozu die Sladesche Sammlung 1868 den Grund legte. Die Sammlung ital. Majolika zeichnet sich durch die große Anzahl gezeichneter Stücke aus und ist in dieser Beziehung wahrscheinlich die bedeutendste, welche existiert. Auch ist eine Galerie orient. religiöser Objekte und eine reichhaltige Sammlung von Waffen [* 23] und Rüstungen und von Porzellan und Töpferarbeiten vorhanden.
3) Die ethnogr. Galerie, 92 m lang, enthält eine reichhaltige Sammlung der Geräte autochthoner und uncivilisierter Völkerschaften, geographisch geordnet; die amerik. Sektion ist in einem Nebensaale untergebracht. Der wichtigste Teil dieser Sammlung wurde von Henry Christy zusammengebracht und dem Museum geschenkt.
Die Sammlung von Münzen [* 24] und Medaillen, deren Zahl auf 200000 Stück geschätzt wird, ist ebenfalls eine der schönsten Europas. Deren Stamm bildete ebenfalls die Sammlung Sloanes, die 1810 und 1814 der Ankauf der Kabinette von Roberts und Townley beträchtlich vergrößerte. Hierzu kamen die reichen Vermächtnisse von Payne Knight (1824) und Marsden (1831) sowie die Schenkungen des Grafen von Salis u. a. Für griech. und röm. Münzen gehört das Kabinett des Britisches Museum zu den vollständigsten, für Münzen Englands steht es unerreicht da.
Die Sammlung von Kupferstichen und Handzeichnungen ist von sehr hohem Werte und in betreff der Nielli und der Schwefelabgüsse wohl die vollständigste in Europa, steht aber an Zahl der Blätter hinter andern großen Sammlungen zurück. Begründet wurde sie durch das Vermächtnis Cracherodes und 1836 durch die Erwerbung von Sheepshanks Sammlung geätzter Blätter niederländ. Meister (8450 Nummern), wozu 1845 zwei umfangreiche Sammlungen von ältern deutschen und ital. Stichen kamen. Neuerdings ward sie namentlich in Bezug auf die Stiche engl. Künstler ungemein vervollständigt; 1880 erhielt sie einen Zuwachs von nicht weniger als 11 134, 1891 von 16 687 Nummern.
Die naturgeschichtlichen und besonders die zoologischen Sammlungen waren in einer Weise angewachsen, daß es notwendig wurde, sie räumlich von der Bibliothek und den Antiquitäten zu trennen. Zu Anfang des letzten Jahrzehnts wurden sie in ein neues Gebäude in South-Kensington gebracht, das an Umfang dem ältern Museum nicht ¶