Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03404.jsonl.gz/1978

Maturaarbeit: "Is the Universality of Human Rights Justified?"
Vor rund 73 Jahren verkündeten die Vereinten Nationen die «Allgemeine Erklärung der Menschenrechte» mit der Zielsetzung, diese als Massstab einer weltweit verbindlichen Moralordnung zu etablieren. Wer die Menschenrechte anzweifelte, stellte sich ausserhalb der Grenzen einer universellen Moral. Im Zuge eines fortgeschrittenen Souveränitätsgewinns nichtwestlicher Gesellschaften mehrten sich jedoch die Zweifel an der universellen Geltung. Diese Skepsis ist nachvollziehbar, schliesslich befinden sich einige der in der Erklärung formulierten Rechte in starkem Konflikt mit geltenden Normen insbesondere in der östlichen Hemisphäre.
Formulieren die Menschenrechte tatsächlich eine universell verbindliche Moral? Nein, sagt der Professor für internationale Menschenrechte Makau Mutua: Menschenrechte sind lediglich Ausdruck einer westlichen Zivilreligion, die ihren Anspruch auf Weltherrschaft ideologisch kaschiert. Die Diskussion, worin Menschenrechte im Kern bestehen und ob und wie ihr universeller Geltungsanspruch begründet werden kann, interessiert mich. Die Möglichkeit, dieses faszinierende Thema unter philosophischen Aspekten zu diskutieren, hat mich dazu bewogen, im Fach Philosophie eine Maturaarbeit mit dem Titel «Is the Universality of Human Rights Justified?» zu schreiben.
Je intensiver ich mich mit dieser scheinbar einfachen Frage auseinandergesetzt habe, desto facettenreicher, ergiebiger und komplexer wurde der Themenkomplex. In der Vorbereitung gab es Phasen, in denen ich mich verzettelt habe und vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr erkennen konnte.
Schliesslich konnte ich mich, mit der Unterstützung von Herr Flückiger, auf folgendes Vorgehen festlegen: Um eine Basis zu schaffen, kläre ich einleitend im zweiten Kapitel die Frage, was Menschenrechte sind. Das dritte Kapitel beschreibt den philosophischen Kontext. Anschliessend wird die Position von Makau Mutua vertreten, der sich in seinem 2002 erstmals erschienen Buch «Human Rights: A Political and Cultural Critique» kritisch mit dem Universalitätsanspruch der Menschenrechte auseinandersetzt. Im fünften Kapitel versuche ich, unter Anwendung vier verschiedener klassischer Theorien, die Universalität der Menschenrechte abzuleiten, um im sechsten Kapitel die Argumente gegeneinander abzuwägen und die Argumentation von Makau Mutua zu relativieren. Meine Maturaarbeit schliesse ich mit der Überzeugung, dass auf der Grundlage transzendentaler Interessen und Rechte auf Leben, Überleben, Selbstbestimmung und Entwicklung sich ein universeller Anspruch der Menschenrechte ableiten lässt.
Lia Schraner
Maturaklasse 2021