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Edwin Krämer, Senior Manager
Nuklearforum.
Das polnische Kabinett beschloss bereits Anfang 2005, dass das Land zur Diversifizierung der Energieversorgung und zur Verringerung der Kohlendioxid- und Schwefelemissionen sofort mit der Einführung der Kernenergie beginnen sollte. Ein Bericht aus dem Jahr 2009 an das Wirtschaftsministerium kam zum Schluss, dass die Kernenergie die kostengünstigste Methode zur Reduzierung der CO2-Emissionen darstellt. Um die Ziele der Regierung zu erreichen, kündigte PGE – Polens grösster Energiekonzern – Pläne zum Bau von zwei Kernkraftwerken mit einer Kapazität von jeweils 3000 MW an, eines im Norden und eines im Osten des Landes.
Energiepolitik Polens bis 2040
In den folgenden Jahren überarbeitete Polen seine Energiepolitik und -strategie. Die aktualisierte polnische Energiepolitik bis 2040 (PEP2040) enthält strategische Überlegungen zur Auswahl von Technologien zum Aufbau eines emissionsarmen Energiesystems. Ziel der staatlichen Energiepolitik ist Energieversorgungssicherheit bei gleichzeitiger Gewährleistung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, der Energieeffizienz und der Verringerung der Umweltauswirkungen des Energiesektors. Dabei soll der Übergang weg von der Kohle hin zu Netto-Null sozialverträglich erfolgen.
Fünf Indikatoren wurden als globaler Massstab zur Umsetzung des PEP2040 festgelegt:
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Im Jahr 2030 wird der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung 56% nicht überschreiten.
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Im Jahr 2030 wird der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch mindestens 23% betragen.
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Bis 2030 erfolgt eine Verringerung der Treibhausgasemissionen um ca. 30% (im Vergleich zu 1990).
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Für 2030 wird der Primärenergieverbrauch um 23% bis 2030 gesenkt (im Vergleich zu den Prognosen für den Primärenergieverbrauch 2007).
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Im Jahr 2033 wird der erste Block eines Kernkraftwerks mit einer Leistung von 1000 bis 1600 MW in Betrieb genommen. Insgesamt sind sechs Einheiten vorgesehen, die in Abständen von jeweils zwei bis drei Jahren an zwei Standorten gebaut werden.
Polens Kernenergieprogramm
Derzeit werden in Polen keine Kernkraftwerke betrieben. Das Kernenergieprogramm, das in den 1980er-Jahren umgesetzt wurde – d.h. die Errichtung von zwei Kernkraftwerken an den Standorten Żarnowiec und Warta) wurde 1990 eingestellt. Das im Jahr 2020 aktualisierte Programm enthält Pläne für den Bau und die Inbetriebnahme der ersten Kernkraftwerke des Landes mit einer installierten Leistung von insgesamt 6000 bis 9000 MW auf der Grundlage bewährter, grosser Druckwasserreaktorblöcke der Generation III und III+. Im September 2020 stellte der polnische Klimaminister Michal Kurtyka seinen Plan in Höhe von PLN 150 Mrd. (CHF 40 Mrd.) für den Bau von sechs neuen Kernkraftwerkseinheiten bis 2040 vor, dies im Einklang mit dem PEP2040. Einen Monat später unterzeichneten Polen und die USA ein Abkommen zur nuklearen Zusammenarbeit bei der Entwicklung des polnischen Kernenergieprogramms, das im Februar 2021 in Kraft getreten ist. Piotr Naimski, der polnische Staatssekretär für strategische Energieinfrastruktur, betonte, Polen sei weiterhin offen für Angebote anderer Länder.
Pläne für leistungsstarke Reaktoren
Ende Oktober 2022 wurde bekannt, dass Polen das amerikanische Unternehmen Westinghouse Electric als Reaktorlieferanten für das erste polnische Kernkraftwerk vom Typ AP1000 am Standort Lubiatowo-Kopalino in Pommern ausgewählt habe. Am 12. Juli 2023 gab das Ministerium für Klima und Umwelt grünes Licht für das erste Kernkraftwerk Polens. Mit dem Grundsatzentscheid wird formal bestätigt, dass das Investitionsprojekt der Nuklearprojektgesellschaft Polskie Elektrownie Jadrowe (PEJ) mit dem öffentlichen Interesse und der vom Staat verfolgten Politik, einschliesslich der Energiepolitik, in Einklang steht. Jetzt kann das Unternehmen weitere Genehmigungen beantragen, darunter die Standortgenehmigung und anschliessend die Baugenehmigung. Ein zweites staatlich finanziertes Kernkraftwerk soll an einem noch nicht festgelegten Standort gebaut werden. Zudem ist ein privatwirtschaftlich finanziertes Kernkraftwerk mit Reaktoren des südkoreanischen Typs APR-1400 am Standort des stillzulegenden Kohlekraftwerks Patnow vorgesehen. Dieses Projekt geniesst die volle Unterstützung der Regierung.
Pläne für SMRs
Neben dem Bau leistungsstarker Reaktoren stehen insbesondere für energieintensive Industrieunternehmen SMRs im Fokus. So haben das polnische Bergbauunternehmen KGHM Polska Miedź S.A. (KGHM) und der amerikanische Reaktorentwickler NuScale Power am 14. Februar 2022 eine wegweisende Vereinbarung über den Beginn der Arbeiten zur Realisierung fortgeschrittener SMRs in Polen unterzeichnet. Die Pläne für den Bau eines VOYGR-SMR von NuScale ständen in direktem Zusammenhang mit der Klimapolitik und der neuen energiestrategischen Ausrichtung von KGHM, erklärte das Unternehmen. Das Ministerium für Klima und Umwelt erteilte KGHM den Grundsatzentscheid für den Bau eines Kernkraftwerks auf Basis des VOYGR-SMR mit einer Leistung von insgesamt 462 MW (sechs Module zu je 77 MW) am 13. Juli 2023 – also praktisch zeitgleich mit demjenigen an PEJ. Der amerikanische Partner von KGHM, NuScale, ist der erste und bisher einzige Anbieter von SMR-Technologien, der von der amerikanischen Nuclear Regulatory Commission (NRC) die Zertifizierung für einen SMR erhielt. Sie gilt für das 50-MW-Modul des SMR VOYGR. Im Januar 2023 beantragte NuScale bei der NRC die Zertifizierung für das 77-MW-Modul, die für 2024 erwartet wird.
Auch Orlen Synthos Green Energy – ein Joint Venture von Polens grösstem Öl- und Gasunternehmen PKN Orlen und dem Chemiekonzern Synthos – reichte bei der PAA ein Gesuch um einen Grundsatzentscheid über den Bau von SMRs auf der Grundlage des BWRX-300 ein. Das Joint Venture plant den ersten BWRX-300 bereits 2029 in Betrieb zu nehmen und will bis Anfang der 2030er-Jahre mindestens zehn solche SMRs in Polen einsetzen. Das Gesuch ist noch hängig.
Verfasser/in
Marie-France Aepli, Technisch-wissenschaftliche Redaktorin, Nuklearforum Schweiz