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Riesenrappenantilope
Hippotragus niger variani
© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)
Die Rappenantilope (Hippotragus niger) gehört innerhalb der Sippe der Huftiere unübersehbar zur Familie der Hornträger. Männchen und Weibchen sind äusserlich gut unterscheidbar: Die Weibchen sind oberseits kräftig rot bis dunkelbraun gefärbt, und dasselbe gilt für die Männchen bis zu ihrem vierten Altersjahr. Dann aber wird das Fell der Männchen zunehmend schwärzer, und gleichzeitig wachsen die Hörner über das bei den Weibchen übliche Mass hinaus. Im Alter von fünf Jahren sind die Männchen schliesslich ausgewachsen und unterscheiden sich fortan deutlich vom «schwachen» Geschlecht.
Die Riesenrappenantilope (Hippotragus niger variani)
wurde 1916 als letzte der vier Rappenantilopen-Unterarten wissenschaftlich beschrieben. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die Länge ihrer Hörner. Diese messen im Durchschnitt 30 Zentimeter mehr als bei den Vertretern der drei anderen Unterarten und können bei den Männchen über 160 Zentimeter lang werden. Ferner unterscheidet sich die Riesenrappenantilope von den anderen Rappenantilopen durch das Fehlen eines weissen Wangenstreifens. Keine Unterschiede scheinen hingegen bezüglich der Körpergrösse und des Gewichts zu bestehen, soweit man das aus den wenigen vorhandenen Messungen schliessen kann.
Im allgemeinen gelten die Riesenrappenantilopen-Männchen mit ihren mächtigen Hörnern, dem samtigen schwarzweissen Fell und der «edlen» Haltung als die schönsten Vertreter der vielgestaltigen afrikanischen Antilopenverwandtschaft. Leider gehören sie heute auch zu den meistbedrohten Grosssäugern Afrikas: Der Riesenrappenantilopen-Gesamtbestand wird auf nurmehr 1000 bis 2000 Individuen geschätzt.
Die Heimat der Riesenrappenantilope ist der zentrale Bereich Angolas. Als Lebensraum bevorzugt sie sogenanntes «Miombo-Waldland», einen mässig feuchten, ziemlich «lückigen» Waldsavannentyp. Hier ernährt sie sich zu 70 bis 80 Prozent von (vorzugsweise grünen) Gräsern und zu 20 bis 30 Prozent von Kräutern und Blättern.
Wie bei den anderen Rappenantilopen leben bei der Riesenrappenantilope die Weibchen und die Jungtiere friedlich vereint in Herden von gewöhnlich etwa 25 Individuen, welche in grossflächigen Wohngebieten umherstreifen, während die erwachsenen Männchen untereinander ungesellig sind und einzeln kleine Territorien besetzen. Aus diesen vertreiben sie hartnäckig alle anderen Männchen, lassen jedoch die Weibchen-Jungen-Herden gerne ein. Nur Männchen mit Grundbesitz erhalten nämlich die Gelegenheit, sich mit den brünftigen Weibchen zu paaren, und jene kräftigen Männchen, welche besonders hochwertigen, hart umkämpften Lebensraum zu erobern vermochten und deshalb von den Weibchen-Jungen-Herden am häufigsten besucht werden, vermögen ihr Erbgut an besonders viele Nachkommen weiterzugeben. Das interessante Gesellschaftssystem der Riesenrappenantilope ist somit keineswegs eine «Laune der Natur», sondern eine sehr zweckmässige Einrichtung zur Erhaltung einer gesunden, starken Art.
Das «Herz» des Verbreitungsgebiets der Riesenrappenantilope, eine zwischen den beiden Flüssen Luando und Cuanza gelegene, 8280 Quadratkilometer grosse Landschaft, wurde 1936 von Portugal, der damaligen Kolonialmacht in Angola, zum Riesenrappenantilopen-Reservat erklärt. Zuvor war hier ein von Grosswildjägern gern besuchtes Jagdgebiet gewesen, denn die mächtigen Hörner der männlichen Riesenrappenantilopen galten als begehrte Jagdtrophäen. Ein zweites Riesenrappenantilopen-Reservat mit einer Fläche von 630 Quadratkilometern wurde 1963 bei der Ortschaft Kangandala geschaffen, um eine Population der imposanten Antilopen unter Schutz zu stellen, die erst in den fünfziger Jahren entdeckt worden war.
Weder das Luando- noch das Kangandala-Reservat sind allerdings menschenleer: Man trifft auf eine ganze Reihe von Dörfern und mehrere tausend illegale Siedler innerhalb der beiden Antilopenschutzgebiete. So wird die Riesenrappenantilope leider selbst an ihren letzten Zufluchtsstätten immer weiter zurückgedrängt.
Die Schutzsituation der Riesenrappenantilope verschlimmerte sich im Jahr 1975 beträchtlich, als in Angola - im Anschluss an die Befreiung des Lands von der Unterjochung durch die Portugiesen - ein heftiger Bürgerkrieg entbrannte. Wiederholt wurde das «Niemandsland» des Luando- wie auch des Kangandala-Reservats von bewaffneten Truppen durchkämmt, und dabei wurde auf alles geschossen, was sich bewegte - auch auf Riesenrappenantilopen.
Trotz erheblicher Bemühungen der Vereinten Nationen dauert der Bürgerkrieg in Angola noch immer an. Es ist deshalb um den Naturschutz im Land weiterhin schlecht bestellt. Immerhin ist aber die Riesenrappenantilope seit 1975 Angolas Wappentier - und damit für alle Angolaner ein Symbol der nationalen Unabhängigkeit. Es besteht daher eine gewisse Hoffnung, dass die Führer der verschiedenen politischen Lager selbst während der Wirren des Bürgerkriegs um den Schutz dieses prächtigen Hornträgers besorgt sind.
Riesenrappenantilope
Hippotragus niger variani
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Paarhufer
Familie: Hornträger
Körpermasse
Kopfrumpflänge: 190-255 cm
Schulterhöhe: 117-143 cm
Gewicht: 204-263 kg
Fortpflanzung
Tragdauer: ca. 8 Monate
Jungenzahl: meist 1 je Wurf
Höchstalter: ca. 17 Jahre
Bestandssituation
Bestand: 1000-2000 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
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