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«Jackie» von Pablo Larraín
“People like to believe in fairy tales. Don’t let it be forgot, that for one brief, shining moment, there was a Camelot.”
Die tödlichen Schüsse auf John F. Kennedy gingen um die Welt. Ebenso die Bilder der trauernden Jacqueline Kennedy am Trauerzug für ihren Ehemann durch Washington D.C.. Der Film von Pablo Larraín blickt gekonnt hinter den Trauerschleier und porträtiert eine gebrochene Frau, die versucht, in einer tragischen Situation ihre eigene Würde, die ihres Mannes und die ihres Volkes zu wahren.
Dass man Jacqueline Kennedy stets stilvoll und mit erhobenen Haupt in Erinnerung behält, ist vor allem ihr selber zu verdanken. In den Tagen nach der Ermordung von John F. Kennedy in Dallas, Texas, im November 1963, war sie stets darum bemüht, das Vermächtnis ihrer Familie, vor allem aber das ihres Mannes, positiv zu prägen. Die Erkenntnis, dass sie sich dabei selber nicht ganz selbstlos immer wieder gekonnt in Szene setzt, kommt gegen Ende des Films.
Die Rahmenhandlung bildet ein Interview, welches sie eine Woche nach dem Attentat dem “Life”-Magazin auf ihrem Anwesen in Hyannis Port, Massachusetts, gab. Bekanntermassen verglich sie darin die Kennedy-Ära mit Camelot aus King Arthur. Die erzählte Zeit des Films beschränkt sich also auf die Tage nach dem Attentat. Persönlich, authentisch, und ohne grosse Umschweife wird das soeben durch mehrere Schüsse zerstörte Leben einer Frau und ihrer jungen Familie erzählt.
“I’m guessing you won’t allow me to write any of that.” – “No. Because I never said that.”
Der Film kommt so ganz unamerikanisch daher. Als ob der Hollywood-Filter auf die Seite gelegt wurde und man sich stattdessen dazu verpflichtet fühlte, nicht Jacqueline, sondern eben ’Jackie’, zu zeigen. Auf der formalen Ebene kommen – immer passend zum jeweils Erzählten – viele Nah- und Frontalaufnahmen, aber auch durch Handkameras verwackelte Bilder zum Einsatz. Besonders in Erinnerung bleibt eine Szene, in der der Kameramann auf einem sumpfigen Friedhof eine verzweifelte und in hochhackigen Schuhen laufende Jackie verfolgt. Wie so oft, eine sehr künstlerische Szene, aber immer geprägt von echten Emotionen seitens der Hauptfigur – makellos verkörpert durch eine fabelhafte Natalie Portman.
Entscheidend erscheint mir aber, dass sie nicht als Opfer dargestellt wird, sondern als Persönlichkeit mit klaren Vorstellungen, mit Ecken und Kanten. Dass sie sich mit ihrem exzentrischen Verhalten nicht immer Freunde gemacht hat, wird unmissverständlich gezeigt. Mehr als einmal könnte man sich fragen, ob die 1994 verstorbene Jacqueline Kennedy mit einer solch ehrlichen Darstellung einverstanden gewesen wäre. Das Bild, welches sie stets von sich vorantrieb, wird mehr als einmal untergraben.
Der Film mutet wie ein Kunstfilm an, ist mit einer Laufzeit von rund 90 Minuten aufs Wesentliche reduziert und macht aus der Hauptfigur keine typische Film-Heldin. Der chilenische Regisseur Pablo Larraín (“Neruda”, “No”) schuf eine Art Collage all dieser ikonischen Bilder von Jacqueline Kennedy, die man noch aus den Geschichtsbüchern kennt. So stilvoll wie Jacqueline stets durchs Leben, vor allem aber durch die Tragödien schritt, ist auch der ihr gewidmete Film. Ein kleines Meisterwerk, so echt wie das Leben selbst.
“Jackie” läuft ab Donnerstag, 26. Januar im Kino.
Directed by Pablo Larraín / Written by Noah Oppenheim / Darsteller: Natalie Portman, Peter Sarsgaard, Greta Gerwig, Billy Crudup und John Hurt
Trailer- und Bildquelle: © 2016 Jackie Productions Limited / http://www.pathefilms.ch/