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Mehrere amerikanische Finanzinstitute wollen neue Aktien im Wert von insgesamt 7 Mrd Dollar ausgeben, um damit staatliche Hilfsgelder aus dem Troubled Asset Relief Program (TARP) zurückzuzahlen. US Bancorp, Capital One, KeyCorp, Principal Financial Group und BB&T kündigten die Kapitalmassnahmen Anfang der Woche an.
KeyCorp muss nach Überprüfung seiner Bilanz durch den Stresstest der US-Regierung 1,8 Mrd Dollar aufbringen und will mindestens 750 Mio Dollar durch die Ausgabe neuer Aktien einspielen. Capital One möchte 56 Mio Aktien zum Stückpreis von 27,75 Dollar verkaufen. BB&T plant, 1,5 Mrd über die Ausgabe von Aktien zu erlösen, und kündigte gleichzeitig eine Dividendenkürzung an. Bei US Bancorp sollen 2,5 Mrd Dollar durch die Ausgabe wei- terer Anteilsscheine hereinkommen.
Kapitalerhöhungen aufgestockt
Von Staats wegen ist ausser KeyCorp keine der genannten Banken verpflichtet, eine Kapitalerhöhung vorzunehmen. Doch die Institute, denen eine ausreichende finanzielle Gesundheit bestätigt wurde, wollen trotzdem von der derzeit günstigen Stimmung am Aktienmarkt profitieren. So hat Morgan Stanley 4 Mrd Dollar durch die Ausgabe frischer Aktien eingesammelt. Und Wells Fargo konnte zwischenzeitlich ihr Kapital um 8,6 Mrd Dollar erhöhen - mehr als das Institut ursprünglich erwartet hatte.
Insgesamt könnte die Menge der von den Kreditinstituten verkauften Aktien weit höher sein als angenommen, da viele andere Unternehmen ihr Angebot aufgrund der wachsenden Nachfrage nach Aktien noch ausgeweitet haben. Nach Ankündigung der verschiedenen Kapitalmassnahmen fielen die Kurse der betreffenden Institute teilweise um bis zu 12%, nachdem sie in den vergangenen Wochen bis zur Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse eine Rally hingelegt hatten.
Nur das Wohlbefinden steigt
Jenseits des Atlantiks wächst dagegen die Besorgnis, europäische Banken könnten bei dem Versuch, ihre Finanzen aufzupolstern, ins Hintertreffen geraten. Anders als in den USA gab es in Europa keine politischen Initiativen, um die Kapitaldecken der Banken zu stärken. Regierungen haben nur punktuell interveniert, und die europäischen Banken haben die jüngste kräftige Rally nicht genutzt.
«Im Vergleich zu den USA droht das europäische Bankensystem auf der Strecke zu bleiben», warnt Philip Finch, Bankanalyst bei UBS. «Die Rally hat bestenfalls das Wohlbefinden von Bankern und Politikern erhöht.» Europäische Banken haben nach neuesten Schätzungen des IWF nur rund 40% der 1 Billion Dollar eingesammelt, die sie zur Deckung ihrer Verluste seit Ausbruch der Finanzkrise und zur Aufrechterhaltung gesunder Kapitallevel benötigen. In den USA sind dagegen rund zwei Drittel der erforderlichen Mittel in Höhe von 666 Mrd Dollar eingebracht worden - oder werden in Kürze eingesammelt. In gewissem Mass spiegelt die abwartende Haltung der Europäer eine andere Einstellung zur Aufklärung von Bankproblemen. Grossbritannien, eines der wenigen Länder Europas, die ihre Banken einem Stresstest unterzogen haben, hat die Ergebnisse nie veröffentlicht. Damit fehlt jene Transparenz, die nach Ansicht von Analysten und Investoren für ein glaubwürdiges Vorgehen nötig ist.
In Europa sind für die Stresstests die einzelnen Länder, nicht die EZB oder die Europäische Kommission zuständig. Es werden zwar derzeit Tests auf nationaler Ebene durchgeführt, die bis Ende September abgeschlossen sein sollen, es ist jedoch nicht vorgesehen, die Ergebnisse zu veröffentlichen. Auch soll nicht der Kapitalbedarf einzelner Institute ermittelt, sondern die Widerstandskraft des gesamten europäischen Finanzsystems gegenüber ökonomischen Schocks getestet werden.
Probleme in Osteuropa
Ein weiterer Grund, weshalb die Europäer bei der Kapitalaufnahme hinterherhinken, dürfte darin liegen, dass der Wirtschaftsabschwung erst mit einjähriger Verspätung auf dem Alten Kontinent angekommen ist. Abgesehen von wenigen Banken, die stark in toxische Assets in den USA investiert waren oder vom heftigen Rückgang der Immobilienpreise in Grossbritannien betroffen waren, haben die meisten europäischen Institute den ökonomischen Einbruch erst spät zu spüren bekommen.
Dafür kämpfen einige Häuser mit einem Problem, das die US-Institute nicht kennen: Der Gefährdung ihrer Osteuropainvestments durch die scharfe Rezession in dieser Region.