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Kapitel VIII. Die Panoramas und Reliefs.
Zu Bern 1761 als jüngerer Bruder Samuel Studer's geboren
(1),
war Gottlieb Studer schon als Knabe ein grosser Naturfreund, der Stunden lang dem Verglühen der Alpen,
dem Erwachen des Tages oder dem imposanten Verlaufe eines Gewitters zuschauen konnte
(2).
Später wurde er durch Haller's Gedicht „Die Alpen", durch Gruner's „Eisgebirge", sowie
durch den Besuch der Ateliers von Aberli und Wolf in verschiedener Weise angeregt, und als er 1777 das
Hochgebirge zum ersten Male besuchte, und bei dieser Gelegenheit von der Wahlalp aus unter Führung eines Hirten die
Spitze des Stockhorns erstieg, begnügte er sich nicht damit sich alle Berge benennen zu lassen, sondern zeichnete die Formen
und den Zusammenhang der Gipfel in s. Taschenbuch, schrieb die Benennungen bei, und merkte auch sorgfältig an,
was noch zu erfragen blieb:
So.entstand s. erstes Panorama, und so wuchs auch die Begierde jeden Gipfel, jede Einsenkung im Hochgebirge kennen zu lernen. —
Der junge Studer wäre am liebsten Künstler geworden, liess sich aber dazu bestimmen den ärztlichen Beruf zu ergreifen, und reiste desshalb 1780 nach Göttingen; aber weder die reizlose Gegend, noch der Secirtisch mutheten ihn an, und er kehrte nach kurzer Zeit heimwehkrank und melancholisch heim, um erst in s. geliebten Thierachern, wo s. Eltern ein Gut besassen, auf dem er einen grossen Theil s. Jugend verlebt hatte, durch Heimatluft und ärztliche Kunst wieder gesund zu werden.
Er arbeitete nachher bei einem Notar in Interlaken, bestand 1786 die Prüfung als Notarius publicus, bekleidete sodann verschiedene einschlägige Stellungen, gründete 1794 einen eigenen Hausstand, wurde 1798 Districtsschreiber in Steffisburg, und endlich 1803 Amtsschreiber des obern Emmenthales mit Amtssitz in Langnau. —
Seine Musse benutzte Studer nach wie vor zu Bergfahrten, — bestieg auf mehr als hundert Reisen fast alle merkwürdigen Schweizerberge mittlern Ranges, — besuchte auch die Montblanc-Gruppe; aber die Gebirgsmassen, die ihn am meisten interessirten, und die er immer wieder von neuen Punkten aus aufnahm, waren die Eiszinnen des Berner-Oberlandes. So entstanden eine Menge Panoramen vom Niesen, Napf (3), Faulhorn, etc.
Jedoch gab er selbst nur eine einzige s. Zeichnungen heraus, nämlich die aus dem Ende der Achtziger-Jahre datirende „Chaîne des Alpes vue des environs de Berne", — das erste classische Werk dieser Art, mit dem er sich ein förmliches Denkmal gesetzt hat. Er wählte dafür als Standpunkt mit feinem Takte eine Stelle am Saume des Bremgarten-Waldes, auf der man die meisten Gipfel sieht, ohne dass irgend ein wichtiger Höhenpunkt von andern weiter vorliegenden verdeckt wird. Vermittelst eines vertical gehaltenen Fadennetzes, in dessen Mitte er ein horizontales Stäbchen zur Fixirung des Auges befestigt hatte, und mit Hülfe eines guten englischen Fernglases, verfertigte er von da aus mit so merkwürdiger Correctheit eine Zeichnung, dass Ebel sagte, sie habe „die Genauigkeit einer Silhouette", und sei „ein unübertreffliches Muster für alle Zeichner von Gebirgsketten". Auch der von Dunker (4) besorgte Stich und die von Rieter ausgeführte Illumination lassen kaum etwas zu wünschen übrig. —
Leider erlag Studer schon 1808 einem Fieber, das er sich bei einer Besteigung des Pilatus, von welchem er eine Monographie zu schreiben beabsichtigte, geholt hatte.