Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03479.jsonl.gz/1351

In der Schweiz beträgt im Jahr 2018 der potenzielle Gewinn an Produktivität (ökonomisches Potenzial) durch den Abbau arbeitsbedingten Stresses 6,5 Mrd. Schweizer Franken. Dieser Wert ist – nach einem leichten Rückgang zwischen 2014 und 2015 – leicht gestiegen. 2018 beträgt das durch Präsentismus (Anwesenheit am Arbeitsplatz mit reduzierter Leistung) verursachte, ungenutzte ökonomische Potenzial 5,3 Mrd. Schweizer Franken und ist damit deutlich höher als die Produktivitätsverluste durch Absentismus (krankheitsbedingte Abwesenheit), welche sich 2018 auf 1,2 Mrd. Schweizer Franken beliefen.
Dieser Indikator ist Teil des Monitoringsystems Sucht und NCD (MonAM) des Bundesamts für Gesundheit (BAG).
Stress hat einen Einfluss auf die Produktivität und die damit verbundenen Kosten. Letztere können auf verschiedene Weise entstehen, wie durch temporäre krankheitsbedingte Arbeitsabwesenheit, reduzierte Produktivität, hohe Fluktuation der Arbeitnehmenden, gesundheitsbedingte Reduktion des Arbeitspensums, frühzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben aufgrund von Krankheit oder frühzeitiger Tod. Das ökonomische Potenzial zeigt, inwiefern sich die Produktivität durch Reduktion von Absentismus und Präsentismus in der Schweiz verbessern würde, wenn für alle Erwerbstätigen ein ausgeglichenes Verhältnis von Stressoren und Ressourcen erreicht werden könnte.
Definition
Der Indikator zeigt den Umfang des ökonomischen Potenzials in Schweizer Franken, welches mit Verbesserungen des Verhältnisses von Arbeitsbelastungen und Arbeitsressourcen erreicht werden kann. Das ökonomische Potenzial steht in engem Zusammenhang mit dem Indikator Arbeitsbedingter Stress, der im Rahmen der gleichen Erhebung (Job-Stress-Index-Erhebung) berechnet wird. Dieser bildet die Grundlage für die Berechnung des ökonomischen Potenzials, welche in drei Schritten erfolgt (Details siehe Gesundheitsförderung Schweiz):
- Berechnung der individuellen gesundheitsbedingten Produktivitätsverluste durch Addition von Absentismus und Präsentismus (in Prozenten der Arbeitszeit) und Multiplikation mit den individuellen Jahreslöhnen. Erhoben wurden die beiden Grössen (Absentismus und Präsentismus) mittels "Work Productivity and Activity Impairment"-Fragebogen.
- Berechnung der individuellen Verbesserungspotenziale im Job-Stress-Index. Diese werden für alle Personen mit mehr Belastungen als Ressourcen berechnet und entsprechen der Differenz zwischen tatsächlich beobachtetem und ausgeglichenem Job-Stress-Index.
- Schätzung des Effekts einer Veränderung im Job-Stress-Index auf die gesundheitsbedingten Produktivitätsverluste mittels Regressionsanalyse. Auf dieser Grundlage wird die Höhe der Produktivitätsgewinne berechnet, die eingetreten wären, wenn die in Schritt 2 berechneten Verbesserungspotenziale hätten realisiert werden können. Die individuellen ökonomischen Potenziale lassen sich schliesslich über die Differenz zwischen den erwarteten und den tatsächlichen Produktivitätsverlusten berechnen und auf die gesamte Schweiz hochrechnen.
Unter Präsentismus wird die reduzierte Arbeitsleistung während der Arbeit infolge gesundheitlicher Probleme verstanden. Das heisst, dass man sich am Arbeitsplatz befindet, aber aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen nicht die übliche Arbeitsleistung erbringen kann. Absentismus sind die gesundheitsbedingten Fehlzeiten, wie beispielsweise die Abwesenheit aufgrund von Krankheit.
Die Daten für den Indikator wurden im Rahmen der Job-Stress-Index-Erhebung von Gesundheitsförderung Schweiz erhoben. Dabei handelt es sich um eine repräsentative Stichprobe von Erwerbstätigen in der Schweiz. Die Erhebungen wurden 2014, 2015, 2016 und 2018 mit jeweils rund 3'000 Befragten durchgeführt.
Quellen, Referenzen und weiterführende Informationen
Quellen: Gesundheitsförderung Schweiz (Job-Stress-Index-Erhebung)
Referenzen: Gesundheitsförderung Schweiz, Arbeitspapier 26, Job-Stress-Index 2014. Erhebung von Kennzahlen zu psychischer Gesundheit und Stress bei Erwerbstätigen in der Schweiz (Arbeitspapier).
Weitere Daten und Informationen zum Thema können auf der Webseite von Gesundheitsförderung Schweiz gefunden werden (Faktenblatt 34, Job Stress Index 2018).