Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03288.jsonl.gz/2041

Wissenschaft ist eine Meinung
“Woher kommt das plötzliche Vertrauen der Linken in den Staat, was den Umgang mit der Pandemie betrifft?”
Wir würden euch gerne fragen:
Woher kommt das plötzliche Misstrauen einiger Splittergrüppchen der Linken in die Wissenschaft?
Was ist der Unterschied zwischen Politik und Wissenschaft?
Materielle Wirklichkeit: Gibt es die? Wir sagen Ja – und dass sie von Menschen ausreichend gut beobachtbar und quantifizierbar ist. Naturwissenschaften haben patriarchale Geschichte und Muster, welche kritisiert und aufgehoben werden müssen. Diese werden aber nicht durch Ablehnung der wissenschaftlichen Methoden an sich korrigiert, sondern in ihrer Verbesserung und in der Erfassung von mehr Perspektiven.
Es ist grundsätzlich möglich, Daten zu erheben und daraus empirische Erkenntnisse zu erlangen, welche uns anzeigen, was eine gute Vorgehensweise im Umgang mit einer gesundheitlichen Bedrohung wie einer Pandemie wäre. Diese Daten könnten uns rückwirkend auch anzeigen, welche Massnahmen sinnlos oder schädigend waren. Das ist, was wir aus einer linken Perspektive einfordern.
Die Daten zu sozialen Fragen wurden aber nicht in ausreichendem Masse erhoben.
Datenerhebung und -klassifizierung geschieht immer selektiv, mit einem bestimmten Motiv und aus einer bestimmten Perspektive. Die momentane Perspektive ist die des bürgerlichen Staates. Darum werden Dinge ausgeblendet, die eigentlich wichtig wären, um einen von uns aus gesehen sinnvollen Umgang mit einer Pandemie zu erreichen. Der bürgerliche Staat hat den Fokus auf den Erhalt des Systems und der Wirtschaft gelegt, was bedeutet, dass die von ihm verwendeten Daten mit dem Fokus auf das Wohl der oberen Klassen erhoben und klassifiziert wurden. Das ist, was wir aus linker Perspektive kritisieren müssen.
Das ist auch, was Unbehagen bei Linken auslöst und sie mit unwissenschaftlichen Ideologien liebäugeln lässt. Unwissenschaftlichkeit kann aber nicht der Weg vorwärts sein.
Die antiwissenschaftlichen Ideologien, welche von den Massnahmengegner:innen propagiert werden, sind zutiefst hierarchisch, autoritär, patriarchal und chauvinistisch. Jede dieser Ideologien erschafft ein System in dem einige wenige Wissende Zugang zu okkultem (versteckten) Wissen haben und dies anderen mitteilen. Das ist mitunter der Grund, warum rechte Kräfte sich mit diesen Methoden so wohl fühlen.
Anstatt Daten über die Effekte der Krise und der Krankheit auf besonders marginalisierte Menschen zu erheben, wurden mehrheitlich Daten über mögliche Auswirkungen auf wirtschaftliche Profite erhoben. Deswegen wissen wir zum Beispiel auch nicht genug darüber, welche negativen psychischen Auswirkungen die Schliessung der Schulen auf Kinder hatte, oder in welchem Ausmass häusliche Gewalt im Lockdown angestiegen ist. Das ist schlimm, denn wir können nur davon ausgehen, dass häusliche Gewalt angestiegen ist. Dagegen kämpfen können wir natürlich auch ohne die Daten, aber sicher nicht gleich wirkungsvoll.
Wir fordern:
-Transparente, gesellschaftsfähige, repräsentative wissenschaftliche Methoden
-Abkoppelung der wissenschaftlichen Institutionen von kapitalistischen Prozessen und Interessen
-Stärkere Unterstützung von Grundlagenforschung
-Keine gewinnorientierte Forschung
-Massnahmen nach Sozialverträglichkeit, statt nach wirtschaftlichen Kriterien richten
-Mehr Forschung zu sozialen Fragen in der Pandemie!