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Etwa die Hälfte der Patienten nimmt ihre Medikamente nicht so, wie sie sollten. Dies vermindert die Wirkung der Therapie und erhöht das Risiko von Komplikationen. Santésuisse rechnet mit Kosten von jährlich 500 Millionen Franken, die durch mangelnde Therapietreue mitverursacht werden. Apotheken bieten ihren Patienten die richtige Hilfestellung, um ihre Therapie besser zu managen.
Eine Therapie mit Arzneimitteln ist nur wirksam, wenn sie richtig und regelmässig angewendet wird. Es zeigt sich jedoch, dass ein grosser Teil der Patienten ihre Medikamente nicht so anwendet, wie vom Arzt verordnet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass nur etwa die Hälfte der Patienten mit Langzeittherapie ihre Medikamente korrekt einnimmt. Das Vergessen der Tabletteneinnahme oder die falsche Anwendungstechnik bei Verabreichungsgeräten (z.B. Inhalatoren, Injektionspens) sind wichtige Beispiele.
Die Ursachen sind sehr vielfältig. Oft erhalten Patienten eine Vielzahl von Medikamenten, was die Übersicht erschwert und grössere Disziplin bei der Einnahme erfordert. Umstellungen bei einem Spitalaufenthalt oder zusätzliche Verordnungen von Spezialisten können zu komplizierten Situationen führen. Jahrelang Medikamente einnehmen zu müssen, dämpft zudem die Motivation und schafft ein Gefühl der Abhängigkeit. Bedenken über Nebenwirkungen werden oft nicht angesprochen, sondern führen zum stillschweigenden Absetzen des Medikaments. Manch ein Patient weiss gar nicht, wofür genau er das Medikament überhaupt nehmen sollte. Betagte Patienten bekunden zunehmend Schwierigkeiten in der Handhabung von Spritzen, Inhalatoren und Tablettenverpackungen.
Die aktive Unterstützung der Therapietreue, die man auf Englisch als „Adherence“ oder „Compli-ance“ bezeichnet, ist daher ein hochaktuelles Thema im Gesundheitswesen. Mangelnde Therapietreue führt einerseits dazu, dass Medikamente ungebraucht im Abfall landen, andererseits führt eine unregelmässige Therapie zum Fortschreiten der Erkrankung, was das Risiko von Komplikationen wie Spitalaufenthalten erhöht und damit wiederum Kosten verursacht. Santésuisse schätzte im Jahr 2001, dass jährlich Medikamente im Wert von etwa 500 Millionen Franken ungebraucht entsorgt werden. Über die komplikationsbedingten Folgekosten von „Non-Adherence“ gibt es in der Schweiz keine Schätzungen.
Apothekerinnen und Apotheker bieten als Spezialisten für Arzneimittel Lösungen an, damit Patientinnen und Patienten besser mit ihrer Therapie zu Recht kommen. Hilfsmittel wie Wochendosiersysteme sowie Gespräche, die sowohl Information als auch Motivation vermitteln, bieten Unterstützung für Patienten, die langfristig mehrere Medikamente einnehmen müssen („Polymedikation“). Inzwischen gehören sie zum festen Dienstleistungsangebot jeder öffentlichen Apotheke. Patienten bleiben dadurch länger unabhängig und werden in ihrer Fähigkeit zur Selbsthilfe gestärkt. Personen, die Interesse an solchen Dienstleistungen haben, können sich in der Apotheke in ihrer Nähe informieren.
Quellen
World Health Organization (2003). Adherence to long-term therapies: evidence for action . Geneva: World Health Organisation. ISBN 92-4-154599-2.
http://www.santesuisse.ch/de/dyn_output.html?content.vcid=6&content.cdid=1318&detail=yes&navid=96