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In der Schweiz sind die Orte, an denen Rauchen erlaubt ist, in den letzten zwanzig Jahren immer weniger geworden. Dabei nahmen die Behörden vor allem die Tabakkonsumenten ins Visier. Gegenüber den Tabakproduzenten zeigten sie sich deutlich nachsichtiger. Doch der Wind scheint sich zu drehen.
Raucher in der Schweiz: Ihre Art zu konsumieren und ihr Platz in der Gesellschaft haben sich in den letzten zwanzig Jahren stark verändert. Grund dafür sind neue Vorschriften, eine grössere Produktenvielfalt und ein Mentalitätswandel.
Dennoch hat sich die Zahl der Raucher zwischen 1997 und 2017externer Link kaum verändert: Der Anteil der Raucherinnen und Raucher in der Bevölkerung sank bei den Frauen von 27 auf 23% und bei den Männern von 39 auf 31%. Ungefähr 9500 Personen sterben jährlichexterner Link aufgrund tabakbedingter Krankheiten.
Rückgang des Passivrauchens
Enorm verändert hat sich die Toleranz gegenüber Rauchern. Noch in den 1990er-Jahren konnte sich jeder ohne Probleme bei der Arbeit, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder gar in einem Spital eine Zigarette anzünden. Seither haben aber neue Vorschriften zur Bekämpfung des Passivrauchensexterner Link diese Freiheiten stark eingeschränkt.
In der Schweiz ist das Rauchen in geschlossenen Räumlichkeiten, die öffentlich zugänglich sind oder die von mehreren Personen als Arbeitsplatz genutzt werden, seit 2010 verboten. Dazu gehören Schulen, Spitäler oder Einkaufszentren. Das Verbot gilt auch für Restaurants, Bars und Diskotheken. Jederzeit erlaubt ist die Einrichtung eines sogenannten "Fumoirs". Seit dem 1. Juni dieses Jahres ist auch das Rauchen in den Bahnhöfenexterner Link verboten.
Diese neuen Einschränkungen haben die Belastung durch Passivrauchen deutlich reduziert: 2002 waren 26% der Nichtraucher mindestens eine Stunde am Tag dem Tabakrauch ausgesetzt. Dieser Prozentsatz sank 2017 auf 6%.
Zurückhaltung bei Werbeverbot
Die Behörden beschlossen also, die Schraube gegenüber Rauchern und Raucherinnen anzuziehen. Eine ganz andere Haltung nahmen sie aber gegenüber den Tabakproduzenten ein, von denen viele in der Schweiz ansässig sind (JTI, BAT, PMI). Ein erster Versuch der Regierung, Tabakwerbung zu verbieten, scheiterte 2016 im Parlament – auch auf Druck der multinationalen Konzerne.
Am Dienstag nun hat der Ständerat (kleine Kammer) damit begonnen, eine Neufassung des Bundesgesetzes über Tabakprodukteexterner Link zu diskutieren. Diese sieht nur ein Werbeverbot speziell für Minderjährige vor, was nicht den Anforderungen der von 180 Ländern und der Europäischen Union (EU)externer Link ratifizierten Anti-Tabak-Konvention der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Eindämmung des Tabakkonsums entspricht.
Dabei hat die Schweiz diesen Vertrag 2004 unterzeichnet. Ratifiziert allerdings ist er noch nicht, weil das Parlament bisher nichts von einer Einschränkung der Tabakwerbung wissen wollte.
Öffentliche Gesundheit im Fokus
Doch nun scheint der Wind zu drehen: Jetzt ist es der Ständerat selbst, der die Regierung auffordert, die neue Fassung des Gesetzes zu verschärfen. Er hat den Vorschlägen seiner Kommission zugestimmt, Tabakwerbung im Radio und Fernsehen, aber auch in Zeitungen, Zeitschriften, anderen Publikationen und im Internet zu verbieten.
Der Ständerat beschloss ausserdem, das Sponsoring durch Tabakkonzerne von Veranstaltungen, die in der Schweiz stattfinden, aber international ausgerichtet sind, sowie von Veranstaltungen der Schweizer Behörden (Bund, Kantone oder Gemeinden) zu verbieten.
Die Parlamentarier begründeten ihre Kehrtwende damit, dass es nun darum gehe, die WHO-Anforderungen zu erfüllen und die Jugend zu schützen. Die öffentliche Gesundheit sei höher zu gewichten als die Wirtschaft.
Der Ständerat wird seine Diskussion über den Gesetzesentwurf nächste Woche fortführen. Danach beschäftigt sich der Nationalrat (grosse Kammer) mit dem Thema. Ein erster Schritt in Richtung Ratifizierung des WHO-Übereinkommens scheint aber dennoch getan.