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Weniger Stau mit Reservierungssystem für Autofahrten
Raphaël Lamotte untersuchte im Rahmen seiner Doktorarbeit das Stauphänomen auf den Strassen zu den Stosszeiten. Im Hinblick auf eine geteilte und autonome Mobilität befürwortet er die Idee, Fahrten auf einer separaten Fahrspur wie den Platz im Flugzeug zu reservieren.
Wir alle kennen die Stosszeiten: am Morgen, wenn wir aus dem Haus gehen, und am Abend, wenn wir nach Hause zurückkehren. Wenn man genug hat, von den Staus ausgebremst zu werden, versucht man, seine Fahrzeiten zu verschieben, indem man etwas früher oder später losfährt. Allerdings machen das alle, die die Möglichkeit haben, sodass wieder ein gewisses Gleichgewicht entsteht. Viele wissenschaftliche Arbeiten im Bereich Verkehrsökonomie und ‑ingenieurwesen haben sich mit diesem Gleichgewicht befasst, um die Auswirkungen grosser Infrastrukturprojekte vorherzusagen und Lösungen für die Entlastung der Strassen zu finden.
In seiner unter der Leitung von Prof. Nikolas Geroliminis vom Labor für städtische Verkehrssysteme (LUTS) erstellten Doktorarbeit untersucht Raphaël Lamotte dieses Gleichgewicht und vor allem die Möglichkeiten, Staus zu verringern. Um die aktuelle Regel, «wer zuerst kommt, mahlt zuerst», aufzuheben, befürwortet er eine Regulierung über ein System der Fahrtenreservierung für ein bestimmtes Zeitfenster.
Als Erstes stellte Raphael Lamotte fest, dass auf einem multidirektionalen Strassennetz wie typischerweise in einer Stadt und ihren Randgebieten die Autofahrer, die lange Strecken zurücklegen, die schlimmsten Stauzeiten am ehesten meiden. Mit anderen Worten: Sie haben einen grösseren Anreiz, angesichts des notwendigen Kompromisses zwischen der Abfahrtszeit und der Ankunftszeit am Arbeitsort ihre Fahrzeiten zu verschieben.
Reservierte Fahrspuren
Wie kann die Überlastung der Strassen unter diesen Umständen verringert werden? Eine der Massnahmen, die sich insbesondere in Stockholm als wirksam erwiesen haben, ist die Stadtmaut. «Schon mit einem vergleichsweise geringen und je nach Uhrzeit variablen Tarif lassen sich die Entscheidungen der Strassenbenutzer beeinflussen», erklärt der Forscher. Diese Massnahme ist jedoch sehr unbeliebt und nicht unbedingt umsetzbar. In der Schweiz wäre beispielsweise eine Verfassungsänderung notwendig.
Aufgrund der Feststellung, dass die Überlastung der Strassen auf einen unproduktiven Wettkampf zwischen den Strassenbenützern zurückzuführen ist, hat sich der Forscher von anderen Verkehrsmitteln inspirieren lassen, um eine Lösung vorzuschlagen. Beim Flugzeug erfolgt die Regulierung beispielsweise über die Reservierung, die möglich ist, bis das Flugzeug voll ist. Wenn keine Plätze mehr verfügbar sind, muss ein anderes Flugzeug genommen werden. Raphaël Lamotte schlägt folglich ein Reservierungssystem für den Zeitpunkt der Strassenbenützung vor, um nicht verstopfte, reservierte Fahrspuren benutzen zu dürfen. Die Fahrzeugflotte wird so dimensioniert sein, dass die Kapazität der Infrastruktur nicht überlastet wird, und über die Anzahl Reservierungen wird man bestimmen können, welcher Teil der Strasse denen gewidmet werden soll, die zusammenarbeiten. Die Teilnahme bliebe freiwillig, und die Strassenbenützer, die fahren, wann sie wollen, könnten die nicht reservierten Fahrspuren benützen – auf die Gefahr hin, dass sie verstopft sind.
«Mit der Zunahme des Carsharings und dem Aufkommen autonomer Fahrzeuge werden sich die Strassenbenützer daran gewöhnen, ihr Fahrzeug zu reservieren.»
Lenkung der öffentlichen Politik
«Im aktuellen Umfeld wäre dieses System nur schwer einzuführen», räumt der Forscher ein. Er setzt aber auf die Weiterentwicklung der Mobilität. Mit der Zunahme des Carsharings und dem Aufkommen autonomer Fahrzeuge werden sich die Strassenbenützer daran gewöhnen, ihr Fahrzeug zu reservieren. Das Reservieren an sich existiert bereits, sodass nur noch das Zeitfenster hinzugefügt werden muss.» Letztlich verfolgt diese Doktorarbeit das Ziel, die öffentliche Politik langfristig zu lenken. Abschliessend meint Raphaël Lamotte: «Es ist wichtig, sich der Kosten des Wettbewerbs um die Wahl der Abfahrtszeit bewusst zu sein und zu zeigen, dass diese durch intelligente Konzepte erheblich verringert werden können.»