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Krabbenesser
Lobodon carcinophaga
© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Artwork © Owen Bell
Der Krabbenesser (Lobodon carcinophaga) ist ein stattliches Mitglied der 18 Arten umfassenden Familie der Hundsrobben (Phocidae). Als erwachsenes Tier erreicht er im Allgemeinen eine Körperlänge zwischen 210 und 240 Zentimetern und ein Gewicht um 200 Kilogramm, wobei die Weibchen im Durchschnitt etwas grösser sind als die Männchen.
Das Verbreitungsgebiet des Krabbenessers erstreckt sich im Bereich der Antarktis rund um den Erdball herum. Im südlichen Sommer besiedelt er zur Hauptsache den Grenzbereich zwischen dem ringförmig den antarktischen Kontinent umgebenden Packeisgürtel und dem nördlich davon befindlichen Treibeisgürtel. Im südlichen Winter wandert er weit umher und gelangt dann mit Treibeis bis an die Küsten verschiedener antarktischer Inseln.
Im Unterschied zu den meisten seiner Vettern ist der Krabbenesser kein Beutegreifer, sondern ein «Planktonfilterer»: Zu rund 90 Prozent ernährt er sich von Antarktischem Krill (Euphausia superba), einem garnelenartigen Krebschen, das in den antarktischen Gewässern in riesigen, wolkenartigen Schwärmen vorkommt und das er mit Hilfe seines Gebisses, das in geschlossenem Zustand eine Art Sieb bildet, aus dem Meerwasser seiht. Die restlichen 10 Prozent seiner Kost setzen sich aus kleinen Tintenfischen, Fischen und weiteren Krebstieren zusammen. Krabben allerdings fehlen, weil es in den antarktischen Gewässern keine solchen gibt. Der deutsche Name ist also genau genommen nicht zutreffend.
Auf Nahrungserwerb geht der Krabbenesser vor allem nachts. Typischerweise bewegt er sich jeweils etwa 16 Stunden lang im Wasser umher und ruht dann tagsüber ungefähr 8 Stunden lang auf einer Eisscholle. Seine Tauchgänge führen ihn meistens in Tiefen von weniger als 10 Metern und dauern normalerweise 3 bis 6 Minuten.
Wenn sich die Krabbenesser auf Eisschollen ausruhen, trifft man sie im Allgemeinen einzeln oder in Kleingruppen von meistens zwei bis fünf Individuen an. Bei Letzteren handelt es sich aber stets um zufällige, temporäre Gruppierungen, deren Mitglieder keine Beziehungen zueinander pflegen. Die Krabbenesser führen eine im Wesentlichen einzelgängerische Lebensweise
Die Wurfzeit fällt bei den Krabbenessern in die Monate September und Oktober. Das trächtige Weibchen bringt dann auf einer geeigneten Eisscholle ein einzelnes Junges zur Welt. Dieses ist bei der Geburt etwa 130 Zentimeter lang und um 30 Kilogramm schwer. Dank des hohen Fettgehalts der mütterlichen Milch wächst es rasch heran. Je grösser und dicker es wird, desto mehr nimmt seine Mutter ab, denn sie verlässt die Eisscholle während der ganzen Säugezeit nicht, sondern zehrt einzig von ihren Fettreserven. Tag für Tag trinkt das Junge ungefähr fünf Liter Milch und legt etwa 4,2 Kilogramm an Gewicht zu, während die Mutter etwa 5,6 Kilogramm abnimmt.
Wenn das Junge nach etwa zweieinhalb Wochen eine Länge von rund 150 Zentimetern und ein Gewicht zwischen 80 und 110 Kilogramm erreicht hat, erfolgt die Entwöhnung. Es verlässt dann die mütterliche Eisscholle und sorgt fortan für sich selbst. Die jungen Weibchen erreichen die Geschlechtsreife im Allgemeinen im Alter von 2,5 bis 3,5 Jahren. Die Lebenserwartung der erwachsenen Tiere beträgt typischerweise um 25, das nachgewiesene Höchstalter 39 Jahre.
Es ist schwierig, die Grösse der Krabbenesserpopulation einigermassen verlässlich einzuschätzen, da die Tiere rund um die gesamte antarktische Packeiszone verstreut leben und Bestandserhebungen in dieser unwirtlichen und schwer zugänglichen Weltgegend überaus schwierig durchzuführen sind. Die zuletzt (1990) veröffentliche Bestandserhebung schlägt einen Krabbenesser-Gesamtbestand von 11 bis 12 Millionen Individuen vor. Frühere Publikationen nannten Zahlen zwischen 2 und 75 Millionen Individuen. Wie hoch auch immer die genaue Zahl sein mag: Der Krabbenesser gilt als die häufigste Robbenart der Welt, und da es keinerlei Hinweise auf eine negative Bestandsentwicklung gibt, wird er von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als nicht gefährdet eingestuft.
Trotz dieser erfreulichen Situation ist der Krabbenesser nicht unverwundbar. Würde nämlich die seit vielen Jahren von verschiedenen Seiten geplante Ausbeutung der antarktischen Krillbestände im grossen Stil einsetzen (vor allem für die Futtermittelproduktion), könnte das Nahrungsnetz in den antarktischen Gewässern empfindlich gestört werden und unter Umständen zu einem schnellen Schwund der Krabbenesserbestände führen. Glücklicherweise ist diese Gefahr vorderhand gering, denn der international anerkannte Antarktisvertrag, der 1961 in Kraft trat und mindestens bis 2041 allgemeine Gültigkeit hat, schützt die Antarktis als «ein dem Frieden und der Wissenschaft gewidmetes Naturreservat» wirkungsvoll vor den direkten Einflüssen des Menschen.
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