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Füsilier Wipf
- Sonntag, 23. Juli 2017, 13:10 Uhr
1914 muss Coiffeurgeselle Wipf in den Aktivdienst einrücken. In den folgenden Jahren wird der Knabe zum Mann und findet die grosse Liebe. «Füsilier Wipf», 1938 in Koregie von Leopold Lindtberg und Hermann Haller gedreht, wurde zu einem immensen Kinoerfolg.
Man schreibt den 1. August 1914. Im Coiffeursalon von Meister Wiederkehr (Emil Hegetschweiler) herrscht Aufregung. Der Gemeinderat, der Notar (Alfred Rasser), der Metzger (Schaggi Streuli) und weitere Kunden diskutieren über die bestürzende Nachricht, die Wiederkehrs Tochter Rosa (Elsie Attenhofer) soeben ins Haus gebracht hat: Es herrscht Krieg. Deutschland, Belgien und Russland haben die Mobilmachung ausgerufen. Die französischen Truppen stehen an der Grenze. Der Bundesrat hat bereits die Armee aufgeboten. Auch der Coiffeurgehilfe Reinhold Wipf (Paul Hubschmid) muss einrücken. Rosa, die ein Auge auf den hübschen Gesellen geworfen hat, wirft sich dramatisch in seine Arme und gesteht dem Verdutzten ihre Liebe. Sie drängt auch zur sofortigen Verlobung, denn schon am nächsten Tag muss Wipf den Fahneneid leisten.
In den folgenden Jahren wächst der bleiche, von seinen Kameraden gefoppte Jüngling zum Mann heran. Er leistet mit seiner Kompanie in verschiedenen Gegenden der Schweiz Dienst und freundet sich mit dem Soldaten Leu (Heinrich Gretler) an, der sich väterlich um ihn kümmert. Die überstürzte Verlobung bereut er längst, denn inzwischen hat er sein Herz an ein Landmädchen verloren. Vreneli (Lisa Della Casa) heisst die Schöne, die der ganzen Kompanie den Kopf verdreht hat. Doch bevor Wipf an eine gemeinsame Zukunft denken kann, werden er und seine Kameraden ins Wallis abkommandiert. Im Gebirge an der Schweizerisch-italienischen Grenze werden sie erstmals mit den Gräueln des Krieges konfrontiert.
1915 schrieb Robert Faesi die Novelle «Füsilier Wipf - Erzählungen aus dem schweizerischen Grenzdienst». 1938 diente dieser Stoff der Praesens-Film in Zürich als Vorlage für den aufwendigen Kinofilm «Füsilier Wipf». Produziert wurde er allerdings ohne Hilfe der Armee oder des Eidgenössischen Militärdepartements. Erst nach der Fertigstellung erhielt der Spielfilm den Segen von Militär und Politik und wurde - noch vor der Landesausstellung und dem Kriegsausbruch im September 1939 - zum eigentlichen Aushängeschild und Wegbereiter der «geistigen Landesverteidigung». Innerhalb eines Jahres sah jeder dritte Schweizer den Film, der - obwohl dessen Handlung im Ersten Weltkrieg angesiedelt ist - die Bedrohungslage und die Reaktion der Schweizer Bevölkerung vorwegnahm.
«Füsilier Wipf» wurde in Zürich, im Wallis und Tessin, im Berner Jura und in der Ostschweiz gedreht. Der 2008 mit viel Aufwand restaurierte Klassiker ermöglicht ein Wiedersehen mit vielen Volks- und Charakterdarstellern, die in der Schweiz einst Rang und Namen hatten.