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Gefälle von je nach der Jahreszeit 36,45-38,75 m und einer mittlern Minimalwasserführung von 40 m3, die in extremen Fällen bis auf 25 und während einigen Stunden sogar bis auf 21 m3 per Sekunde sinken kann. Dieses Gefälle erzeugt eine an den Turbinenwellen gemessene Kraft von 15000 PS, von denen aber zur Zeit bloss ein Drittel benutzt wird. Eine Luftkabelleitung von 56 km Länge führt die 5000 PS nach Lausanne, wo sie zur öffentlichen und privaten Beleuchtung der Stadt und ihrer Umgebung und zum Betrieb der Strassenbahnen verwendet, sowie an die Privatindustrie abgegeben werden. Die im NO.-Abschnitt des Kantons zur Verwendung kommende elektrische Energie wird vom Freiburger Werk Montbovon geliefert, das namentlich auch die elektrischen Joratbahnen treibt.
Beträchtlich sind daneben aber auch die im Kanton Waadt selbst erzeugten Kräfte. Die Waadtländer Laufstrecke der Saane erzeugt durch Fassung und Ablenkung im Engpass von La Tine 2100 PS, die dem Werk Montbovon zugeleitet werden. Der Avançon liefert seit 1898 der Société des forces motrices de l'Avançon 3000 PS in den Elektrizitätswerken La Peufayre (elektrische Lichtversorgung von Gryon-Villars und Chesières) und Sublin (Betrieb der elektrischen Bahn Bex-Gryon-Villars-Chesières und Beleuchtung von Bex).
Die Société des forces motrices de la Grande Eau gewinnt aus der Grande Eau rund 3000 PS und verwendet sie in Verbindung mit der aus dem Lac de Tanay herabgeholten Kraft zum Betrieb der zahlreichen blühenden industriellen Etablissemente der Stadt Aigle und zur Beleuchtung der Siedelungen rechts und links der Rhone von Bex abwärts und ferner noch einiger Dörfer des Bezirkes Vevey. Die mit der eben genannten Gesellschaft in Verbindung stehende Société électrique Vevey-Montreux besteht seit 1887 und verwertet die Wasser der Baye de Montreux und des Pays d'Enhaut (welch letztere sodann als Trinkwasser nach Lausanne weitergeführt werden); ihre Kraftzentralen sind die Werke Taulan und Sonzier, die zusammen mit den Reservemaschinen eine gesamte Kraft von 6077 PS erzeugen können.
Damit wird die Strassenbahn Vevey-Chillon betrieben und in Verbindung mit der Gesellschaft der Grande Eau der Siedelungsrayon zwischen Corsier und Villeneuve mit elektrischem Licht versorgt. Die Wasserläufe im Jorat haben Wildbachcharakter und sind zu wenig bedeutend, um starkes Gefälle liefern zu können; immerhin setzen sie einige kleine lokale Werke in Betrieb. Die übrigen Zuflüsse zum Genfersee entbehren einer ansehnlichen Wasserführung, werden aber soweit möglich dennoch benutzt. So wird die Venoge unweit La Sarraz gefasst und abgelenkt, so dass die dadurch erzeugte Kraft seit 1897 zur Versorgung von dreizehn umliegenden Ortschaften verwendet werden kann.
Die Société électrique d'Aubonne erzeugt die notwendige Energie zum Betrieb der Strassenbahn Allaman-Aubonne-Gimel, sowie Kraft und Licht für Allaman und die benachbarten Dorfschaften. Die Wasserläufe im Bezirk Nyon werden von der Gemeinde Nyon seit 1906 und von der Société électrique de la Côte in Nyon seit 1899 ausgebeutet. Die bedeutende Triebkraft, welche die Orbe liefert, wird heute vom Jouxsee an fast ununterbrochen bis hinunter zum Städtchen Orbe und zur Orbeebene ausgenutzt.
Die Compagnie vaudoise des forces motrices du Lac de Joux et de l'Orbe besitzt seit 1903 in La Dernier bei Vallorbe und seit 1907 in Montcherand je eine Kraftzentrale, verfügt damit über 8000 PS und verteilt Licht und Kraft nicht nur im N. und W. des Kantons, sondern auch noch in den Kantonen Neuenburg und Bern und selbst in Frankreich, sodass man die Zahl der von ihr bedienten Bewohner auf 100000 schätzt. Unterhalb Vallorbe speist die Orbe das Elektrizitätswerk Le Châtelard mit 500 PS, die Fabrik chemischer Produkte von Le Day mit 3000 PS und das Ballaigues mit Trinkwasser versorgende Pumpwerk.
Dann wird die Orbe noch von der in Yverdon ansässigen Société de l'usine électrique des Clées ausgebeutet, deren Werk seit 1896 besteht und den N. des Kantons versorgt. Endlich liefert der Fluss noch der Société des usines de l'Orbe in Orbe Kraft zur Beleuchtung dieses Städtchens und zum Betrieb der Strassenbahn Orbe-Chavornay. Neben den Elektrizitätswerken bedienen sich noch andre grosse und kleine Fabrikanlagen der direkten Triebkraft der fliessenden Gewässer des Kantons.
In einem Land, wo sowohl die Volkszahl als der allgemeine Wohlstand im Zuwachs begriffen sind, muss natürlich in erster Linie auch das Baugewerbe in Blüte stehen. In dieser Hinsicht steht Lausanne, dessen Bevölkerung innert 40 Jahren von 20000 auf 62000 Seelen emporgeschnellt ist, im ersten Rang. Dann zeigt die grosse Siedelungsgruppe Vevey-La Tour de Peilz-Montreux ebenfalls eine lebhafte Bautätigkeit. In Montreux verschlingt namentlich die Erstellung immer neuer Hotelpaläste Millionen. Auch in den übrigen Städten und industriellen Ortschaften des Kantons entstehen stetsfort neue Fabrikanlagen und damit naturgemäss auch Wohnhäuser für Beamte und Arbeiter.
Mit ihren 72000 ha Waldungen vermag die Waadt ferner einen lebhaften und lohnenden Holzschlag zu unterhalten. Sowohl die Wälder in den Alpen und im Jorat, als besonders auch diejenigen des Jura liefern Brenn- und Bauholz. Ueberall wird ein lebhafter Handel mit Holz betrieben. Sägen sind in jedem Bezirk vorhanden. Im Bezirk Aigle bestehen in Bex, Aigle und Les Vernes (Gem. Roche) Sägen und Fabriken für bearbeitetes Holz, die jährlich mehrere tausend Tonnen dieses Artikels versenden.
Die Parkettfabrik Aigle z. B. produziert jährlich 50000-60000 m2 Parkettholz, 150000 m2 Tannenriemen und 3500 m3 Bretter und Kisten. Ihre Absatzgebiete sind die welsche Schweiz, England, Frankreich und Amerika. Die Möbelindustrie beschäftigt eine grosse Anzahl Maschinen und Arme. Montreux besitzt zwei grosse Möbel- und Zimmergeschäfte, und in Nyon beschäftigen zwei ähnliche Unternehmungen 180 bezw. etwa 20 Arbeiter. Erwähnenswert sind noch die Möbelfabriken in Avenches, Vallamand, Cossonay, La Sarraz, Lutry, Montricher, Baulmes, Châtillens bei Oron, Les Cornes de Cerf und Renens.
Immerhin ist berechnet worden, dass der Kanton Waadt bloss den dritten Teil seines Bedarfes an Möbeln selber herstellt. Für die Möbelindustrie verwendet man zunächst die verschiedenen Holzsorten des eigenen Landes, dann aber auch gerne die ungarische Eiche und die weisse kalabrische Eiche; das harzreiche Pitchpinholz (Pinus rigida) und das Yellowpinholz aus Amerika verdrängen immer mehr das einheimische Lärchenholz. Bolle hat eine Kistenfabrik, die etwa 10 Arbeiter beschäftigt, ebenso Promenthoux. In L'Isle liefert ein Fabrikant imprägnierte Holzstangen, die zur Anlage von telegraphischen, telephonischen und elektrischen Kraftleitungen Verwendung finden. Auch Yverdon stellt solche Stangen her. Montreux und Yverdon erstellen feine Korbwaren und Rohrmöbel. Der Bezirk La Vallée liefert feine Scheffelartikel, Standen, Tansen und Kisten (grosse Fabrik in Le Lieu). Aehnliche Industrien sind auch in Provence und in Le Creux bei Ballaigues mit Erfolg eingeführt worden. Ackergerätschaften, Heu und Mistgabeln, Rechen, Tragkörbe etc. verfertigt man in verschiedenen ländlichen Ortschaften, so ¶
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u. a. in Maracon, Chesalles sur Oron und im Bezirk Cossonay. Lausanne hat eine bedeutende Fabrik von Spazierstöcken und Holzartikeln für Raucher, Morges eine Gewehrschäftefabrik.
Rolle liefert gute Kacheln. Lausanne besitzt drei umfangreiche Fabriken, die neben gewöhnlichen Oefen auch alle Arten von Heizeinrichtungen, vom Dauerbrenner bis zur vollständigen Warmwasser- oder Dampfzentralheizung mit Nieder- oder Hochdruck, herstellen. Auf dem Gebiet der Etagenzentralheizung kämpft die Waadtländer und speziell Lausanner Industrie erfolgreich gegen die ausserkantonale Konkurrenz an.
Von grosser Bedeutung sind die Metallindustrien und ihre verschiedenen Zweige. Hauptzentren dafür sind Yverdon, Vevey, Lausanne, Nyon und Vallorbe. Der Kanton hat zwar selbst keine Hochöfen, doch bestehen Giessereien in Yverdon, Lausanne und Vevey, die namentlich kleinere Stücke herstellen. Einen Teil des notwendigen Materiales giessen sich die mechanischen Werkstätten selbst. Die Maschinenfabrik in Vevey beschäftigt sich mit Giesserei und erstellt Turbinen, Dampfkessel, gusseiserne Apparate, sowie eiserne Gerüste und Brücken. 1830 gegründet, beschäftigt sie an die 200 Arbeiter und produziert namentlich für Spanien, Frankreich und Italien.
Eine Maschinenfabrik in Lausanne (mit 70 Arbeitern) liefert ebenfalls grosse Maschinen, Turbinen und ähnl. Apparate. Die Grobmechanik ist ferner vertreten durch die Reparatur- und Bauwerkstätten der eidg. Bundesbahnen in Yverdon, die im Jahr 1906 rund 400 Arbeiter beschäftigten. Die Dampfschiffahrtsgesellschaft auf dem Genfersee besitzt umfangreiche Reparaturwerkstätten und stellt auch eine Anzahl einzelner Maschinenteile selbst her. Blühend sind Bau- und Kunstschlosserei, die namentlich in Lausanne und Umgebung (Renens, Prilly etc.) ihren Sitz haben.
Neben zahlreichen kleinern Bauschlossereien bestehen hier einige grosse Werkstätten mit je 50-100 Arbeitern. Kunstschlossereien von gutem Ruf bestehen ferner in Nyon, Yverdon und Vevey. Eine Kassenschrankfabrik bei Renens steht in voller Blüte. Die Fahrräderfabrik Lausanne beschäftigte 1907 20 Arbeiter. Auch Sainte Croix hat sich in diesem Industriezweig versucht. In Nyon verlegt sich eine Gesellschaft speziell auf den Bau von Lastautomobilen. Vallorbe stellt Motorfahrräder her, Payerne und Montreux gewöhnliche Fahrräder.
Fast unübersehbar ist die Zahl der mittelgrossen und kleinen mechanischen Werkstätten, der Werkzeug-, Schrauben- und Nieten-, Feilen-, Messer- und Instrumentenfabriken der verschiedensten Art. 1907 bestanden allein in Lausanne 16 solcher Werkstätten mit zusammen etwa 100 Arbeitern. Einige haben sich in der Herstellung von elektrischen Apparaten und Präzisionsinstrumenten spezialisiert. Andre liefern kleine Maschinen, Werkzeug, Brücken- und andre Waagen, Messinstrumente, Hahnen, Pumpen etc. Werkstätten solcher Art finden sich u. a. auch in Morges, wo ferner die Gesellschaft «Acétyla» den Versuch gemacht hat, Heiz- und Leuchtanlagen mit Azetylen auf den Markt zu bringen. Nyon ist ein sehr tätiger Mittelpunkt für Fein- und Grobmechanik: Herstellung von gewöhnlichen und Präzisionsschrauben, Drahtwaren, Motoren verschiedener Art etc. Die Fabriken von Le Creux in Ballaigues und von Les Éterpas bei Vallorbe stellen Beile, Sicheln, Ketten und Ackergerätschaften her.
Einen wichtigen Mittelpunkt intensiver industrieller Tätigkeit bildet Vallorbe, dessen hervorragendste Spezialität die Herstellung von Feilen jeder erdenklichen Art ist. Im Jahr 1908 hat die Société des Usines métallurgiques de Vallorbe täglich 1400 Dutzend Feilen fabriziert, im ganzen 540 Arbeiter beschäftigt und 212 Schneidmaschinen im Betrieb gehalten. Diese Feilen werden vorzüglich nach Amerika, Deutschland, Frankreich, Russland, Italien und dem äussersten Osten ausgeführt.
Ausserdem stellt man in Vallorbe Ketten, Nägel, Grabstichel und Werkzeug für Uhrsteinschleifer her. Vaulion (unweit Vallorbe) erzeugt ebenfalls Feilen. Ballaigues hat einige Werkstätten für Kleinmechanik, aus denen Grabstichel, Drehbänke für Uhrsteinschleifer, zahnärztliche Instrumente etc. hervorgehen. Romainmôtier liefert ebenfalls Kleinmechanik, sowie Feilenschneidmaschinen. In Sainte Croix blüht das Gewerbe der Messerschmiede; anderwärts stellen einige Händler ihre Messer und Rasiermesser selbst her.
Feilen produziert man ferner in L'Auberson, Sainte Croix, L'Abbaye, Moudon und Yverdon. Yverdon hat zahlreiche Werkstätten für Bau- und Kleinmechanik, Schrauben und Nieten, ferner auch Giessereien. Dann seien noch genannt: Zwei mechanische Werkstätten in Payerne;
eine Präzisionsinstrumentenfabrik in Rolle, die u. a. einen zur Aufnahme von grossen Panoramen bestimmten sog. «perspecteur mécanique» herstellt;
eine mechanische Werkstätte und ein Etablissement für das Schleifen, Verkupfern und Vernickeln von Metallen in Montreux;
eine Werkstätte für Präzisionsmechanik in Territet;
ein Stahlwalzwerk mit Werkstätte für Abstreichmesser für den Buchdruck in Avenches;
eine Rasiermesserfabrik in Le Sentier, eine Lampenfabrik in Le Pont, Musikinstrumentenfabriken in Lausanne, Payerne und Morges (Pianos).
Eine grosse Kabelfabrik ist 1900 in Penthalaz im Bezirk Cossonay gegründet worden; 1901 zählte sie etwa 60 Arbeiter, 1905 deren 90 und 1907 deren über 100. Einige Wagner des Landes versuchen es mit dem Luxuswagenbau und stellen Landauer, Mylords, Breaks, Phaetons und Jagdwagen her. Je eine grosse Bootbauerei in Grandson und Ouchy.
Das Jouxthal stellt den Mittelpunkt für die Waadtländer Uhrenindustrie dar und liefert überall als vorzüglich anerkannte Werke für einfache Uhren. Daneben zeichnet sich die «Vallée» aber noch besonders aus durch ihre komplizierten und extrakomplizierten Präzisionsuhren aller Art (Repetier-, Schlag- und Weckeruhren, einfache Chronographen, Chronographen mit doppeltem und dreifachem Zeiger, Chronographen mit Zeiger für Viertels- oder Fünftelssekunden, Chronographen mit Datums- und Mondphasenzeiger etc.), die wahre Meisterwerke darstellen. Seit dem Jahr 1905 fabriziert man flache und extraflache Uhren. Die Uhrwerke und fertigen Uhren der «Vallée» werden überallhin ausgeführt, doch bleiben Amerika und Japan immer noch die besten Absatzgebiete.
Zweites Zentrum der Uhrenmacherei in der Waadt ist Sainte Croix mit Umgebung (L'Auberson, Bullet, La Sagne). Eine Spezialität von Sainte Croix bildet die sehr kleine, einfache oder künstlerisch reich verzierte Schmuckuhr (montre-bijou). Aubonne hat eine Fabrik für Uhrenbestandteile, Champagne bei Grandson eine grosse ¶