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Vom Alkohol und den ominösen Promillen
Für den Bierfreund ist der Alkohol im Bier nicht das Wichtigste. Er erfreut sich am angenehmen Geschmack, an der kühlen Frische und an der Wirkung des Bieres auf sein Gemüt, die ihn fröhlich und gesellig macht und seine Unruhe besänftigt. Mit der Behauptung, Biertrinken berge die Gefahr, Alkoholiker zu werden, wird dem Bier Unrecht getan. Begegnet man einem schwerberauschten Trinker, der torkelnd das Wirtshaus verlässt, so ist es gewöhnlich nicht der Alkohol im Bier, der ihn so zugerichtet hat, sondern es sind allerlei scharfe Schnäpse, die er sich so nebenher einverleibte.
Man kann sagen, dass es gar nicht so einfach ist, vom Bier einen Rausch zu bekommen. Der Alkoholgehalt des Bieres beträgt nur 3 bis 4,5 Gewichtsprozent, das sind etwa 3,8 bis 5,6 Volumenprozent, mit denen der Alkoholgehalt im Handel gewöhnlich angegeben wird. Damit hat das Bier von allen alkoholischen Getränken am wenigsten Alkohol. Im Vergleich dazu enthält Wein mehr als das Doppelte, nämlich 8 bis 15 Volumenprozent, und Branntwein wie Cognac, Whisky und Wodka weisen rund 40 Volumenprozent auf.
Von den Promillen und der Wirkung des Alkohols beim Trinken verschiedener Biermengen.
Hört man von Promillen, so denkt man an die Verkehrspolizei, die darauf zu achten hat, dass keine angetrunkenen Autofahrer den Verkehr gefährden. Was aber versteht man unter Promillen?
Die durch den Genuss alkoholhaltiger Getränke ins Blut gelangende Alkoholmenge bezeichnet man als Blutalkoholkonzentration und nennt ihre Masseinheit Promille. Ein Promille entspricht dem tausendsten Teil der Gesamtmenge des Blutes im menschlichen Körper. Lässt sich im Blut eines Trinkenden 1 Teil Alkohol in 1000 Teilen seines Blutes nachweisen, so hat er eine Blutalkoholkonzentration von einem Promille. In diesem Fall ist der Betroffene schon angetrunken und darf sein Auto nicht mehr lenken.
Kennt man die Menge des getrunkenen Alkohols, so kann man daraus die Promille annähernd bestimmen. Genauere Promillewerte ergeben sich, wenn man auch das Körpergewicht des Trinkenden nebst dessen Konstitution (normal, schlankwüchsig, fettleibig) berücksichtigt. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle. Da der Körper der Frau verhältnismässig mehr Fettgewebe aufweist als der des Mannes, das den Alkohol kaum aufnimmt, der Mann aber mehr Muskelfleisch, in dessen Zellen der Alkohol eindringt, verteilt sich der genossene Alkohol auf einen kleineren Teil des Körpers. Dadurch tritt die gleiche Alkoholmenge bei der Frau stärker in Erscheinung.
Auch die seit dem Beginn des Trinkens verflossene Zeit sollte berücksichtigt werden, da schon kurz nach dem Trinken der Abbau des ins Blut gelangenden Alkohols durch die Leber einsetzt. Wissen sollte man auch, ob das Bier zu einer reichlichen Mahlzeit oder in den nüchternen Magen getrunken wurde. Während des Essens vermischt sich das Bier mit den aufgenommenen Speisen, so dass der Alkohol langsamer in die Blutbahn gelangt und ein Anstieg des Blutalkoholgehaltes verzögert eintritt.
Die Gewöhnung an den Alkohol, die bei Trinkern oft angenommen wird, hat kaum Bedeutung, da die Leber nur eine beschränkte Alkoholmenge abbauen kann, nämlich pro Stunde und Kilogramm Körpergewicht 0,1 Gramm, das sind bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen etwa 7 Gramm Alkohol. Logischerweise benimmt sich eine Person, die nur selten ein alkoholhaltiges Getränk zu sich nimmt, nach aussen hin ganz anders als ein Gewohnheitstrinker nach dem Genuss der gleichen Alkoholmenge.
Mit diesen Ausführungen über die Wirkungen des Biergenusses möchte ich dem Bierfreund keineswegs Vorschriften machen, wie viel er von seinem Lieblingsgetränk zum Essen, nach getaner Arbeit oder als Schlummertrunk des Abends zu sich nehmen darf. Sie sollen ihn nur darauf aufmerksam machen, dass der wahre Genuss am Bier und der gute Einfluss auf das körperliche und seelische Wohlbefinden abhängig ist von der Menge des Bieres, die er jeweilen trinkt.
Jeder weiss, dass bei Durst der erste Schluck am besten schmeckt. Aber allzu oft wird übersehen, dass die köstlichen Empfindungen, die das Bier in Mund und Nase hervorrufen und das Trinken zur Freude machen, von Glas zu Glas geringer werden und schliesslich überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden. An Stelle des Wohlbefindens ergibt sich eine Berauschung mit allem ihr folgenden Missbehagen.
Übrigens gerät der Biertrinkende nicht so leicht in Gefahr, zu viel Alkohol zu sich zu nehmen. Konsumiert einer zum Essen oder beim Fernsehen eine grosse Flasche oder zwei Becher, so ergibt das einen Blutalkoholgehalt von 0,4 Promille, was nach aller Erfahrung keine üblen Folgen nach sich zieht.
(Text aus Schweizer Bierbuch, Karl Thöne, Fachverlag Schweizer Wirteverband)