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Functional Training ist heutzutage in aller Munde. Seit ca. 20 Jahren hat diese Trainingsform, wenn man sie überhaupt als solche bezeichnen mag, Einzug in die Fitnessstudios und in das Athletiktraining gehalten – nicht zuletzt durch prominente Wegbereiter wie Gray Cook, Michael Boyle oder Mark Verstegen. Doch was verbirgt sich überhaupt hinter diesem Begriff?
Krafttraining wurde nicht zuletzt durch den Aufschwung des Bodybuilding in den 70er- und 80er-Jahren durch namhafte Vertreter dieser Zunft wie Arnold Schwarzenegger gleichgesetzt mit aktiver Körpergestaltung und isoliertem Training einzelner Muskeln, um eine maximale Hypertrophie (d.h. ein Massewachstum) zu erreichen. Mittel der Wahl, um diesen Effekt zu erzielen, waren und sind Fitnessgeräte wie man sie heute in jedem Fitnessstudio finden kann. Primäre Bewertungskriterien für diesen Sport sind insbesondere die Muskulosität (Masse, Härte, Definition, Vaskularität der Muskulatur), die Symmetrie (zwischen linker und rechter Körperhälfte) und die Proportionen (zwischen den einzelnen Muskelgruppen) – mit dem Ziel ein möglichst ästhetisches Gesamtkunstwerk zu präsentieren.
Mit den Ursprüngen und der durch die Evolution eingeschliffenen Funktionsweise unseres Bewegungsapparates hatte dieses Trend nicht mehr sonderlich viel zu tun. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass mit dem „Functional Training“ Anfang der 2000er-Jahre eine Rückbesinnung auf die Funktionalität menschlicher Bewegungsmuster eingesetzt hat, die sich den zunehmend „unfunktional“ gewordenen Praktiken im Krafttraining bis heute entgegenstellt. Doch was versteht man unter funktionalen Bewegungen überhaupt?
- Sie involvieren mehrere Muskeln und Muskelgruppen gleichzeitig, wirken auf mehrere Gelenke (z.B. Laufen, Springen, Tragen) und sind zumeist komplex (koordinativer Aufwand für die im Gehirn modulierten Bewegungsabläufe)
- Sie sind alltagsrelevant und keiner einzelnen Sportart zuzuordnen (z.B. Aufheben eines schweren Gegenstands vom Boden, Hochziehen des Körpers an einem Objekt, schnelles Weglaufen vor einer Gefahr). Wichtig ist die Anmerkung, dass „alltagsrelevant“ sich auf die Vielzahl körperlicher Herausforderungen bezieht, auf die die Evolution uns vorbereitet hat, und nicht auf den vorwiegend sesshaften und bewegungsarmen Alltag unserer heutigen Zivilisation.
- Sie entspringen einer starken Rumpfstabilität (= Core) und erlauben erst dann eine effektive Kraftübertragung auf die menschlichen Extremitäten. Auf diesem Zusammenhang basieren fast alle Sportarten, die wir kennen: Ohne starken Rumpf und reziproken Einsatz von Hüfte und Schulter gelingt einem Golfspieler kein sauberer Aufschlag bzw. eine erfolgreiche Aktion – genauso wenig wie einem Tennis- oder Fussballspieler, einem Sprinter oder einem Gewichtheber (um nur ein paar Beispiele von vielen zu nennen).
- Sie sind auf Ganzheitlichkeit fokussiert, indem sie einen Ausgleich der grundsätzlichen, körperlichen Fähigkeiten propagieren (siehe auch unseren Artikel „Was ist Fitness?„). Ein Zugewinn an Kraft bei gleichzeitigem Verlust von Balance oder Koordination wäre vor diesem Hintergrund zum Beispiel nicht anzuraten.
Mit diesem Ansatz einhergehend beschäftigt sich das Functional Training notwendigerweise auch mit Einschränkungen in der Funktionalität von Bewegungen (Dysfunktionen und -balance sowie Asymmetrien) durch unzureichende Mobilität und/oder motorische Kontrolle. Leider verlangt unser heutiger Alltag – ebenso wie viele Trainingsformen des Krafttrainings -, dass wir das Wort „Functional“ als Spezifikation zum Training hinzufügen, um auf die beabsichtigten Effekte hinzuweisen. Ohne unfunktionales Training gäbe es schliesslich kein funktionales.
Eine gute und ansprechende Anlaufstation für Übungen aus dem Functional Training findet sich in der Übungsbibliothek (Exercise Library) von Functional Movement Systems inklusive Anleitungen zur jeweiligen Übungsausführung mittels Text und Bewegtbild.