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Wer kümmerte sich eigentlich vor der Gründung der Zürcher Kantonalbank um Kleinsparer? In der Stadt Zürich war 1805 die Zinstragende Ersparungs-Cassa für alle Stände der Einwohner des Cantons Zürich – kurz: zürcherische Sparkasse – aus der Taufe gehoben worden. Hinter der Gründung steckte die Hülfsgesellschaft, die 1799 von 15 Personen aus einflussreichen Zürcher Familien ins Leben gerufen worden war. Nach den Schlachten zwischen französischen und alliierten Heeren bei Zürich und machtpolitischen Umwälzungen litt die lokale Bevölkerung grosse Not, sodass die wohltätige Gesellschaft mit Hilfsgütern und Aufträgen an die lokale Wirtschaft willkommene Hilfe leisten konnte. Mit Beginn der Industrialisierung und einer wirtschaftlichen Erholung entstand bei Fabrik- und Heimarbeitern sowie Dienstboten das Bedürfnis, ihr bescheidenes Vermögen sicher und mit vorteilhafter Verzinsung anzulegen, als Rücklage für das Alter und Notfälle. Während später bei der Kantonalbank der Staat als Garant der Einlagen fungierte, war es bei der Sparkasse die private Hülfsgesellschaft, deren reiche Mitglieder sich der Gemeinnützigkeit verschrieben hatten. Die Kasse genoss deshalb – trotz bescheidener Kapitalisierung – von Anfang an hohes Vertrauen. Das Geld wurde zudem nur in sicheren Hypotheken angelegt.
Die andere Bank für Kleinsparer
Die Zürcher Kantonalbank ist zwar erst 1870 gegründet worden, doch im Unternehmensarchiv finden sich auch Unterlagen, die viel älter sind. Warum? Des Rätsels Lösung ist der Aufkauf der Sparkasse der Stadt Zürich im Jahr 1990. Man übernahm nicht nur alle Geschäftsbeziehungen, sondern auch das historische Archiv des 1805 gegründeten Bankhauses. Dies ist seine Geschichte.
Spargelder einzahlen? – Vielleicht später!
In den 1830er Jahren war der Andrang der Sparerinnen und Sparer bei der Sparkasse so gross, dass man eine Art Numerus clausus einführen musste. Grund dafür war ein Mangel an Einnehmern, die das Geld entgegennehmen konnten. Da es sich um ein wohltätiges Engagement ohne Entschädigung handelte, war es nicht leicht, weitere Personen für ein solches Ehrenamt zu gewinnen. Die Gesamtzahl der Sparkunden blieb deshalb lange Zeit auf 5700 begrenzt. Dazu heisst es in der Jubiläumsschrift zum 150-Jahr-Jubiläum der zürcherischen Sparkasse: «Man durfte es sich also als besondere Ehre anrechnen, wenn man seine Sparbatzen bei der Sparkasse gnädigst deponieren durfte, und musste unter Umständen längere Zeit warten!» Die Situation entspannte sich erst 1853 mit der Eröffnung eines professionell geführten Banklokals an der Kirchgasse und der Zentralisierung der Dienstleistungen.
Ernsthafte Konkurrenz erwuchs der Sparkasse mit der Gründung der Kantonalbank, die den ganzen Kanton mit einem feinen Netz an Filialen und Einnehmereien überzog. 1877 – nur sieben Jahre nach ihrer Gründung – hatte ihr Einlagebestand an Spargeldern die Sparkasse bereits überflügelt. Zudem waren auch auf dem Land immer mehr lokale Spar- und Leihkassen gegründet worden. Die Sparkasse der Hülfsgesellschaft konzentrierte sich deshalb in der Folge auf die Stadt Zürich und die Aussengemeinden, was sich auch im Namenswechsel von 1870 zu «Sparkassa der Stadt Zürich» widerspiegelt. 1894 verlegte die Sparkasse ihren Sitz an die Bahnhofstrasse, um näher am Zentrum der Finanzwelt zu sein und den Kunden nicht mehr den steilen Anstieg zum «Haus zur Engelburg» zumuten zu müssen. Gleichzeitig löste man die enge organisatorische Verflechtung mit der Hülfsgesellschaft. Die Sparkasse war nun ein selbstständiges Bankinstitut.
Fischen im gleichen Teich
Im Laufe der Jahre vervielfachten sich die Spargelder bei der Sparkasse, die sich vor allem auf das Geschäft mit kleinen Sparbeiträgen spezialisiert hatte und sich auf reine Sparguthaben beschränkte. Doch anteilsmässig verlor sie stark an Bedeutung. Während sie 1869 noch über zwei Drittel der Sparhefte auf dem Platz Zürich ausgab, sank der Anteil nach dem Zweiten Weltkrieg auf unter 20 Prozent. Auch die ab den 1960er Jahren eröffneten Filialen konnten den langsamen Abstieg nicht mehr stoppen. Zu stark war der Konkurrenzdruck. 1990 entschied man sich schliesslich zum Rückzug aus dem Bankgeschäft. Die Zürcher Kantonalbank erhielt den Zuschlag als Käuferin, da sie versprechen konnte, das Personal und die Kunden zu guten Bedingungen zu übernehmen. Das Finanzvermögen ging an die Genossenschaft zum Baugarten, die sich, ganz im Sinne des gemeinnützigen Gedankens der Sparkasse, bis heute der Förderung von Sozialem, Wissenschaft und Kultur widmet.
Die Übernahme diverser kleinerer Sparkassen durch die Zürcher Kantonalbank setzte bereits in den 1970er Jahren ein. So integrierte sie die Sparkassen Kollbrunn (1971), Seebach (1972), Brütten (1976) und Zell (1982). Bei der Leihkasse Stammheim kam eine Übernahme nicht zustande, da sich 1971 an der Generalversammlung die Mehrheit der Leihkassen-Aktionäre dagegen aussprach. Die Zürcher Kantonalbank kaufte zwar in der Folge einige Aktien, bis heute ist die Leihkasse Stammheim jedoch selbstständig.
Jährlich variierende, handgestaltete Titelblätter für die Jahresrechnung der zürcherischen Sparkasse in den 1820er Jahren.
Titelbild: Zweigstelle der Sparkasse der Stadt Zürich mit Graffitis im Zusammenhang mit den Jugendunruhen 1980.