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| Tertullian († um 220) - Gegen die Valentinianer. (Adversus Valentinianos)

24. Cap. Die Lehren der Valentinianer über das Wesen, über die Entstehung des Menschen und den Stoff, woraus er gebildet wurde.
Da sie sich über Gott oder vielmehr die Götter mit solchen Hirngespinsten tragen, wie toll werden erst die den Menschen betreffenden sein? Nachdem der Demiurg die Welt zustande gebracht, legt er Hand an zur Bildung des Menschen und holt sich die Substanz dazu nicht aus der trockenen Erde, wie sie sich ausdrücken, welche eben die einzige ist, die wir kennen; — denn wenn sie auch nachher trocken wurde, so ist sie es doch erst nach vorheriger Ausscheidung des Wassers geworden, — wobei der Lehm übrig blieb. Er entnahm sie vielmehr aus dem unsichtbaren Körper der philosophischen Materie, aus deren flüssigen und tropfbaren Teilen, von deren Existenzart ich gar keine Ahnung habe, weil sie selber nirgendwo existiert. Denn wenn tropfbar und flüssig sein eine Eigenschaft des Wassers ist, das ganze Wasser aber aus den Thränen der Sophia hervorging, so müssten wir folglich annehmen, dass der Lehm aus dem Rotz und Augenwasser der Sophia bestehe, die ebenso die Hefe der Thränen sind, wie der Lehm der Bodensatz des Wassers. Der Demiurg formt also den Menschen und belebt ihn durch seinen Anhauch. Somit wird er sowohl erdiger als psychischer Beschaffenheit sein, indem er nach seinem Bilde und Gleichnisse geschaffen wurde. Er ist etwas vierfaches: insofern er nämlich Bild ist, wird er als erdig angesehen, da er selbstverständlich materiell ist, obschon der Demiurg nicht aus Materie entstanden ist; insofern er aber Gleichnis ist, ist er psychischer Beschaffenheit; denn dies ist auch der Demiurg. Das sind zwei. Sodann, sagen sie, sei das erdige Wesen noch mit einer fleischlichen Oberfläche überkleidet worden, darauf beziehe sich „der Rock von Fellen“, der unter die sinnliche Wahrnehmung fällt.