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Ein zu Unrecht vergessener Komponist
Notiz zu Leben und Werk Walter Furrers (1902-1978), eines zu Unrecht vergessenen Schweizer Komponisten. Furrer wurde am 28. Juli 1902 in Plauen im Vogtland geboren. Seine Eltern waren der Schweizer Ingenieur Adolf Furrer und Martha Furrer-Riedel, die älteste Tochter des Lehrers und vogtländischen Mundartdichters Louis Riedel.
Seine Kindheit und frühe Jugend verbrachte er in Bern, wo er schon früh Schüler des Konzertpianisten Oskar Ziegler wurde. Dieser wies ihn immer wieder auf das innovatorische Wirken Ferruccio Busonis hin, was seine positive Haltung gegenüber der kompositorischen Avantgarde wesentlich mitbestimmte. Nach der Maturitätsprüfung studierte er einige Semester Philologie an der Universität Lausanne, anschliessend ging er für zwei Jahre nach Paris, wo er an der Ecole normale de musique erst in der Klavierklasse Alfred Cortot und dann in der Kontrapunktklasse Nadia Boulanger eingeschrieben war.
Ein erstes Engagement als Chorleiter und Korrepetitor fand er am Landestheater Gotha; dort entstanden auch seine ersten Kompositionen: Lieder für Alt nach Texten von Christian Morgenstern, Gottfried Keller und August Stramm (Begleitung: Klavier, Klarinette, Orchester). Unter dem Druck der politischen Entwicklung in Deutschland kehrte er in den frühen dreissiger Jahren nach Bern zurück, wo er fünfundzwanzig Jahre als Chordirektor und Kapellmeister am Stadttheater und, ab 1957, zehn Jahre bei Studio Radio Bern als Kapellmeister, Leiter des von ihm im Auftrag des Senders gegründeten Kammerchors sowie als Komponist tätig war.
Innerhalb seines vielseitigen Oeuvres – Liederzyklen, geistliche Musik, a cappella-Chöre, Hörspielmusiken, Konzertmusik, Bühnen- und Radio-Opern – ragen zwei dramatische Werke besonders hervor: Der Faun, Oper in zwei Bildern nach Motiven von Felix Timmermans, sowie Zwerg Nase, burleske Oper in fünf Bildern nach Wilhelm Hauff, deren Textbücher er selber schrieb. In beiden Bühnenopern macht sich Walter Furrers angeborene Vorliebe für skurrile, burleske und mythische Elemente bemerkbar, wobei er dank einer ausgeprägten dramatischen Begabung die epischen Vorlagen – Timmermans’ Novelle Der Weihnachtsfaun und Hauffs Kunstmärchen Der Zwerg Nase, ohne deren Aussagen zu zerstören, effektvoll dramatisierte. Die Musik zeichnet sich, wie ein kompetenter Fachkollege des Komponisten seinerzeit schriftlich festhielt, «durch ein grosses fundiertes satztechnisches Können, eine ganz individuelle Instrumentation und eine Beherrschung der Mittel sowohl im Vokalen wie im Instrumentalen» aus.
Der Faun erlebte am 24. Januar 1947 am Stadttheater Bern eine erfolgreiche Uraufführung, wogegen Zwerg Nase bis heute unaufgeführt blieb. Bekannt daraus ist lediglich das Küchenjungenballett des vierten Bildes, das der Komponist unter dem Titel Scherzo drolatique für grosses Orchester bearbeitete. Es wurde mehrfach im schweizerischen Rundfunk ausgestrahlt und 1973 in Aachen im Rahmen eines Jugendkonzerts erstmals öffentlich aufgeführt.
Walter Furrers Oeuvre bildet einen wesentlichen Bestandteil des schweizerischen Musikschaffens des 20. Jahrhunderts und ist einer Wiederentdeckung würdig. Der gesamte musikalische Nachlass befindet sich seit Juni 2012 in der Burgerbibliothek Bern. Im Juli 2015 wurde in Bern der Förderverein Komponist Walter Furrer gegründet.