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Vor mehr als 175 Mio. Jahren, während der Jurazeit, lagerte sich am Grund eines flachen Meeres feiner Schlamm aus Tonpartikeln ab. Daraus entstand der sogenannte Opalinuston. Das tonige Sedimentgestein ist in Teilen der Nordschweiz gleichförmig abgelagert. Opalinuston hat seine Eigenschaften seit Millionen von Jahren nicht verändert.
Was ist der „Entsorgungsnachweis“?
Der Nachweis, dass sich eine Gesteinsart grundsätzlich für ein geologisches Tiefenlager eignet und in genügendem Ausmass vorkommt. Die Nagra hat diesen Nachweis für den Opalinuston erbracht.
Was ist ein Tiefenlager? Wie funktioniert ein Tiefenlager?
Die radioaktiven Abfälle werden in geeigneten Gesteinsschichten in mehreren hundert Metern Tiefe eingeschlossen. Bevor ein Lager endgültig verschlossen wird, kann es über mehrere Jahrzehnte hinweg beobachtet werden.
Wer sind „die Verursacher“? Wer ist die „Nagra“?
Die Nagra. „Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle“. Gegründet: 1972 von den Betreibern der Kernkraftwerke sowie der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
Gemäss Kernenergiegesetz sind die Verursacher radioaktiver Abfälle – unter Aufsicht des Bundes – verantwortlich für eine dauernde und sichere Entsorgung.
Die Nagra erarbeitet die technisch-wissenschaftlichen Grundlagen für die langfristig sichere Entsorgung der radioaktiven Abfälle. Sie projektiert geologische Tiefenlager, prüft insbesondere die Eignung möglicher Standorte, sorgt für eine laufende Inventarisierung der Abfälle und berät die Abfallverursacher bezüglich der tiefenlagergerechten Vorbereitung und Verpackung der Abfälle.
Wieviel Abfall wird entsorgt?
Bis Ende 2005 haben sich rund 7‘500 m3 radioaktiver Abfall angesammelt. Für den Rückbau der bestehenden KKW ist mit der 15fachen Abfallmenge zu rechnen: Für rund 90‘000 m3 radioaktives Material muss eine sichere Entsorgung möglich sein. » Entspricht ungefähr dem Volumen der Zürcher Bahnhofshalle.
Warum will die Schweiz das Entsorgungsproblem im Alleingang lösen?
In der Schweiz anfallende radioaktive Abfälle müssen grundsätzlich im Inland entsorgt werden (Kernenergiegesetz Art.30 Abs.2). Es ist deshalb die Pflicht der Abfallverursacher nach Lösungen im Inland zu suchen und vorzubereiten. Multinationale Lösungen werden zwar in Fachgremien von internationalen Organisationen immer wieder diskutiert. Es zeichnet sich aber bis heute keine für die Schweiz akzeptierbare multinationale Lösung im Ausland ab. Die Schweiz ist in den internationalen Gremien vertreten und eingebunden. Dabei werden Lösungsansätze zur Entsorgung radioaktiver Abfälle diskutiert, und es findet ein stetiger Wissens- und Forschungsaustausch statt.
Gibt es die Möglichkeit, das Thema international zu lösen?
Die Schweiz ist in verschiedenen internationalen Gremien vertreten und eingebunden. In diesen Gremien findet ein steter Wissens- und Erfahrungsaustausch unter den Experten statt. Es existieren etliche Gremien, wie bspw. die Internationale Atom-Energie Agentur IAEO, eine Unterorganisation der UN, welche die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie fördert. Eine weitere wichtige Organisation in diesem Bereich ist die NEA (Nuclear Energy Agency), eine Unterorganisation der OECD, welche als Forum des Austausches von Wissen und Erfahrung dient und die Mitgliedstaaten bei technischen Expertisen unterstützt. Bis heute besteht aber noch kein Projekt zur Realisierung einer internationalen Entsorgungslösung.
Wieviel Steuergelder werden für Bau und Unterhalt eines Tiefenlagers aufgewendet?
Die Kosten des Baus eines geologischen Tiefenlagers übernehmen die Verursacher des Abfalls, d.h. zum grössten Teil die Kernkraftwerke. Deshalb ist in den Stromkosten etwa 1 Rappen/KWh für die Entsorgung enthalten. Die Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung, welche einen kleineren Teil ausmachen, sammelt der Bund ein. Die Verursacher dieser Abfälle haben dabei eine Gebühr zu entrichten.
Wer finanziert den Bau eines Endlagers?
Die Betreiber der Kernkraftwerke bezahlen gemäss Verursacherprinzip die gesamten Stilllegungs- und Entsorgungskosten. Die Entsorgung ist vorfinanziert. Dazu gehören die heute anfallenden Kosten für die Entsorgung (bspw. Zwischenlagerung), die Stilllegungskosten der Kernkraftwerke, die Betriebskosten für die Lagerung sowie die Kosten, die nach Betriebsende der Lager für die Entsorgung anfallen.
Inwiefern profitieren betroffene Gemeinden vom Standort finanziell?
Aufgrund der Erfahrungen im In- und Ausland ist davon auszugehen, dass eine Standort-Region Abgeltungen erhalten wird. Die Festlegung von Abgeltung ist transparent und nicht losgelöst vom Sachplanverfahren. Abgeltungen werden in Etappe 3 ausgehandelt und von der Nagra erst nach rechtskräftiger Rahmenbewilligung geleistet (frühestens ab 2017). Die Idee dahinter: Eine Standort-Region wird für eine Leistung entschädigt, die sie für die Lösung einer nationalen Aufgabe leistet. Für Verteilung und Verwendung erarbeiten die Standortregionen Vorschläge zuhanden der betroffenen Kantone und Gemeinden.
Wie sieht der aktuelle Zeitplan zum Bau eines Tiefenlagers aus?
Etappe 1: Identifizierung geeigneter Standortgebiete aufgrund von sicherheitstechnischen und geologischen Kriterien. Diese möglichen Standortgebiete werden von der Nagra auf Basis des erdwissenschaftlichen Kenntnisstands vorgeschlagen.
Etappe 2: Partizipation steht im Vordergrund. Standortregionen haben die Möglichkeit, bei Konkretisierung der Lagerprojekte und den sozioökonomischen und raumplanerischen Auswirkungen mitzuarbeiten. Und: sicherheitstechnischer Vergleich der Standorte.
Etappe 3: Vertiefte Untersuchung verbleibender Standorte. VOR Einreichung Rahmenbewilligungs-Gesuche müssen Grundlagen für Kompensationsmassnahmen und Beobachtung der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, und ökologischen Auswirkungen erarbeitet werden. Sowie: Regelung der Abgeltungen.