Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/1726

Der Kohlendioxidgehalt in der Luft hat einen neue, was die Wissenschaftler eine besorgniserregende Grenze nennen, erreicht. Überwachungsstationen in der gesamten arktischen Region haben im Frühling 2012 mehr als 400 ppm (Teilchen pro Million) dieses Treibhausgases in der Atmosphäre gemessen. Diese Zahl ist nicht ganz überraschend, da die Konzentration mit immer grösserer Geschwindigkeit angestiegen ist.
Noch vor einigen Jahren hatte die Konzentration die Grenze von 350ppm, von den Forschern als die höchstmögliche Sicherheitsgrenze für CO2 bezeichnet, überschritten. Jetzt steht sie, im globalen Durchschnitt gesehen, bei 395ppm. Bis anhin wurden nur in der Arktis Werte von 400ppm erreicht. Aber es ist sicher, dass der Rest der Welt bald folgen wird.
«Die Tatsache, dass es 400 sind, ist signifikant», sagt Jim Butler, Leiter des Global Monitoring Program des NOAA Earth System Research Lab. «Es ist ein Schuss vor den Bug, um uns daran zu erinnern, dass das Problem immer noch besteht und wir in Schwierigkeiten stecken.»
«Diese Neuigkeit, dass einige Stationen in der Atmosphäre Konzentrationen über 400ppm gemessen haben, ist ein weiterer Beweis für die Unfähigkeit der politischen Führungen - mit einigen höchst löblichen Ausnahmen - die Klimakrise adäquat anzugehen», meint Al Gore, ehemalige US-Vizepräsident und bekannteste Kämpfer gegen globale Erwärmung, in einer E-Mail. «Die Geschichte wird sie weder verstehen, noch ihnen vergeben.»
Kohlendioxid ist mengenmässig das Haupttreibhausgas in der Atmosphäre und bleibt dort für 100 Jahre. Ein Teil der Konzentration ist natürlichen Ursprungs durch den Abbau von pflanzlichen und tierischen Organismen. Die Konzentration vor der Industrialisierung lag bei etwa 275ppm. Danach lagen für 60 Jahre die Messwerte konstant um die 300ppm, mit Ausnahme der städtischen Gebiete, wo die Werte viel höher lagen. Das Verbrennen von fossilen Brennstoffen, wie beispielsweise Kohle zur Elektrizitätsgewinnung und Öl für die Benzinherstellung, hat den Hauptanteil für den menschlich-verursachten Anstieg von Kohlenstoff in der Luft ausgemacht, sagen die Wissenschaftler. Es ist mindestens 800'000 Jahre oder mehr her, seit die Erde eine Konzentration von 400ppm und mehr gesehen hat, sagen Butler und andere Wissenschaftler.
Die Werte von 400ppm und mehr stammen aus verschiedenen Gebieten der Arktis. Sie wurden in Alaska, Grönland, Norwegen, Island und sogar in der Mongolei gemessen. Aber die Werte verändern sich mit der Jahreszeit und werden wieder auf den Sommer hin sinken, wenn die Pflanzen das CO2 aufnehmen werden für das Wachstum, meinen die Wissenschaftler der NOAA. Das heisst zwar, dass die jährlichen Durchschnittswerte wieder unterhalb der Grenze liegen werden, auch global. Aber: «Das ist ein wichtiger Grenzwert und zeigt, dass wir jetzt in einer veränderten Welt leben», sagt Chris Field, Ökologe an der Carnegie Institution und Mitautor der Nobelpreis-tragendene Intergouvernemental Panel on Climate Change (IPCC). Für Ronald Prinn, Atmosphärenforscher am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), ist dieser Wert von 400ppm eher ein psychologischer als ein wissenschaftlicher Meilenstein. Wir würden gerne in Hunderten denken und "wir strecken unsere Hälse bei über 400", meint er.
Die Forschergruppe sagt, dass die Messwerte aufzeigen, wie stark die Erdatmosphäre und das Klima vom Menschen beeinflusst würden. Die globalen CO2-Emissionen durch fossile Brennstoffe haben 2011 einen neuen Rekordwert mit 34.8 Milliarden Tonnen erreicht (plus 3.2% im Vergleich zu 2010), verkündete die Internationale Energieagentur letzte Woche. Die Agentur schrieb weiter, dass es sehr unwahrscheinlich erscheint, das von den Europäern angestrebte Ziel, die weltweite Erwärmung auf 2°C zu begrenzen, zu erreichen aufgrund der immer weiter ansteigenden Verschmutzungen und Treibhausgaswerte.
Quelle: www.guardian.co.uk
Aktuellste Artikel