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Lead
Wenn basierend auf unterschiedlichen Zielen oder Plänen Konflikte auftreten können, versuchen Menschen durch sogenanntes Verhandeln ("negotiation") eine Übereinkunft auf kommunikativer Ebene zu erzielen und den Konflikt zu vermeiden. Die Frage dieses Projekts ist es in wiefern andere Tiere ebenfalls zu solchen kommunikativen Konfliktlösungen in der Lage sind. Anhand von Videoaufnahmen potentieller Konfliktsituationen (Fressen, Spielen, Reisen) bei Wölfen und Hunden wird untersucht, inwieweit die kommunikative Konfliktvermeidung und das Aushandeln von Handlungszielen nicht nur abhängig von kognitiven Fähigkeiten sondern auch von der Lebensumwelt der Individuen ist.
Lay summary
Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Das übergeordnete Ziel des Projekts ist es ein besseres Verständnis der Konfliktlösungsfähigkeiten anderer Spezies zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, wird sowohl auf theoretischer als auch auf empirischer Ebene das Verhalten des Aushandelns von Handlungszielen zur Konfliktvermeidung in Wölfen und Hunden untersucht.
Im Detail wird (a) die theoretische Literatur zum Begriff des Konfliktaushandelns re-analysiert um die zentralen Merkmale dieses Verhaltens sowohl auf kognitiver als auch auf Verhaltensebene zu sammeln.
Basierend auf dieser Begriffsanalyse werden (b) die Merkmale für die empirische Analyse des Verhaltens der Tiere in potentiellen Konfliktsituationen in empirische Forschungshypothesen umgewandelt. (c) Potentielle Konfliktsituationen werden im Wolf Science Centre, Österreich, aufgenommen und anhand der Forschungshypothesen analysiert. Hunde und Wölfe leben hier unter gleichen Bedingungen, was ein komparatives Auswerten der Daten erlaubt. Da kooperativer Umgang mit Artgenossen zentral für menschliches Verhandeln ist, wird erwartet, dass (d) die in kooperativen Verbänden lebenden Wölfe ebenfalls Bereitschaft zeigen Konflikte kommunikativ zu verhandeln. Hunde hingegen, die als Aasfresser weniger kooperativ mit Artgenossen umgehen, werden weniger Bereitschaft zeigen.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts
Die Arbeit an diesem Projekt wird neues Wissen zu den kognitiven, sozialen und kommunikativen Fähigkeiten in Wölfen und Hunden generieren. Es wird weiterhin ein klareres Bild des potentiellen Einflusses sozialer und ökologischer Aspekte auf kommunikatives Verhalten sowohl bei Menschen als auch bei anderen Tieren aufgezeigt. Dies sind Aspekte, die bisher in komparativen Studien zu Tierkommunikation wenig berücksichtigt wurden. Die Ergebnisse des Projekts bezüglich kognitiver Fähigkeiten vor allem von Wölfen werden ethische Implikationen für den Umgang mit der anwachsenden Wolfspopulation in Europa haben.