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Jetzt war auch Jeff Bezos kurz im Weltall
Ein weiterer Milliardär hat sein eigenes Raumschiff erprobt: Amazon-Gründer Jeff Bezos unternahm mit der «New Shepard» einen Kurztrip ins All – dabei war das Raumschiff noch nie zuvor bemannt getestet worden.
Mit Cowboy-Hut und Daumen hoch stieg Jeff Bezos in der Morgensonne der westtexanischen Wüste als erster aus der gerade gelandeten Raumkapsel – und umarmte erstmal seine Eltern. Dann feierte der Amazon-Gründer und reichste Mensch der Welt am Dienstag den ersten bemannten All-Ausflug des Raumschiffs «New Shepard» seiner Firma Blue Origin mit einer Chamapagner-Dusche. Der Start in Texas fiel auf den 52. Jahrestag der ersten Mondlandung von Apollo 11.
Der Amazon-Gründer Jeff Bezos war gemeinsam mit seinem Bruder Mark und zwei weiteren Menschen an Bord ins All geflogen. Die 82-jährige Wally Funk ist nun der älteste Mensch, der je ins All geflogen ist – der 18-jährige Oliver Daemen, dessen Vater ihm den Flug geschenkt hatte, der jüngste.
Die frühere US-Pilotin Wally Funk war eine von 13 Pilotinnen, die sich in den 1960er-Jahren denselben Tests unterzogen wie die «Mercury»-Astronauten der Nasa. Die Pilotinnen wurden aber letztlich nicht ausgewählt, weil sie Frauen waren.
Daemen umarmte nach der Landung als erstes seinen Vater, einen niederländischen Investment-Banker. Funk riss beim Ausstieg aus der Kapsel die Hände in die Höhe. «Oh mein Gott! Das war so gut!» Christina Bezos, Schwester von Jeff und Mark, hatte ihre Brüder vor dem Flug in einer Ansprache darin erinnert, wie sie schon als Kinder immer «Raumschiff Enterprise» gespielt hatten.
Der Flug sollte ursprünglich um 15 Uhr Schweizer Zeit abheben: Wegen einer technischen Überprüfung wurde der Start um einige Minuten verschoben. Zuvor hatten die «New Shepard»-Raketen seit 2015 15 erfolgreiche Testflüge ins All absolviert. Alle waren unbemannt.
Nach zehn Minuten war alles schon wieder vorbei
Der vollautomatische Flug war nahe der westtexanischen Stadt Van Horn von einem firmeneigenen Weltraumbahnhof gestartet. Nach dem Start beschleunigte das Raumschiff innerhalb von zwei Minuten auf rund 3500 Kilometer pro Stunde. Kurz danach trennte sich die Kapsel, in der die vier Menschen waren, von der wiederverwendbaren Rakete. Die Schwerelosigkeit setzte ein, die vier Passagiere durften kurzzeitig ihre Sitze verlassen und Lachen und Jubel war zu hören.
An ihrem höchsten Punkt erreichte die Kapsel mehr als 100 Kilometer über der Erde, bevor sie abgebremst von grossen Fallschirmen in der westtexanischen Wüste landete. «Bester Tag aller Zeiten», war nach der Landung aus der Kapsel zu hören. Auch die ebenfalls wiederverwendbare Raketenstufe landete vertikal wieder auf der Erde.
Bezos hatte den Flug schon vor einigen Wochen angekündigt – auch in der Erwartung, damit der erste Milliardär zu werden, der sein eigenes Raumschiff testet. Dann hatte sich allerdings der Brite Richard Branson vorgedrängelt. Dessen «VSS Unity» von seiner Firma Virgin Galactic war bereits am 11. Juli im US-Bundesstaat New Mexico auf eine Höhe von etwa 86 Kilometern aufgestiegen. Unter Experten ist es damit strittig, ob Branson tatsächlich im Weltraum war: Der Internationale Luftfahrtverband (FAI) und viele andere Experten sehen 100 Kilometer über der Erde als Grenze zum Weltraum an, es gibt jedoch keine verbindliche internationale Regelung.
Bezos hatte Branson zum All-Ausflug gratuliert – und nun gab Branson die Glückwünsche zurück. «Gut gemacht», schrieb der Milliardär am Dienstag via Kurznachrichtendienst Twitter. «Eindrucksvoll!»
Die Milliardäre erhoffen sich neben der Erfüllung eigener Träume auch einen Einstieg in das Geschäft mit dem Weltraumtourismus. Noch für dieses Jahr hat Blue Origin bereits zwei weitere Flüge angekündigt – und warb während der Live-Übertragung des All-Ausflugs von Bezos immer wieder für den Ticket-Verkauf. Kritiker werfen den Milliardären vor, ohne Rücksicht auf das Klima und weitgehend ohne wissenschaftliche Forschungsinteressen sehr viel Geld zu verschwenden.
dpa