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Die Koffer sind gepackt, die Kinder verstaut, die Ehefrau ( die beste Ehefrau aller Zeiten ) sitzt schon im Wagen, gibt aber noch einige Anweisungen (!), ein letzter Blick auf den vereinsamten Kontrabass und schon geht die Reise Richtung Abenteuer. Was da noch fehlt, ist ein Buch. Wenn man schon den heissgeliebten Kontrabass nicht mitnehmen darf, ( dem Frieden zu liebe ) so gibt es kein Argument gegen ein Buch. Vor allem wenn dieses Buch nicht von einem Kontrabass handelt ( sämtliche Einwände sind hiermit entkräftet ). Es handelt von einem Cello! ( man kann ja auch mal Ferien vom Kontrabass machen ). Und nicht von einem gewöhnlichen Cello, sondern von einem ganz besonderen Cello, dem Stradivari Cello: „The Mara“!
Antonius Stradivarius, ( ca 1644 bis 1737 ) der geniale Geigenbauer aus Cremona, einem malerischen Kaff in der Poebene, baute zeitlebens etwa 1200 (!) Geigen, Bratschen und Celli ( leider keine Kontrabässe ) und von seinen Instrumenten haben nur etwa 600 überlebt. Jedes dieser Instrumente hat einen Namen. Meistens bezieht er sich auf einen Musiker oder berühmten Besitzer, der dieses bestimmte Stradivari Instrument besessen oder gespielt hat. Wie z.B die „Berthier“, nach ihrem berühmten Vorbesitzer, Marshall Berthier oder die „Lady Blunt“ von 1721, nach Lady Anne Blunt, Enkelin von Lord Byron.
Wolf Wondratschek, 1943 geboren, lebt und schreibt in Wien, hat mit diesem Buch eine fesselnde Geschichte über dieses faszinierende Instrument geschrieben. Er erzählt die Geschichte höchst ungewöhnlich aus der Sicht des Cellos. Das „Mara“ wird lebendig und nimmt kein Blatt vor`s F-Loch. Es lästert über die Trunksucht und die Vielweiberei seines ersten Besitzers, des talentierten Cellisten Giovanni Mara, die schlechte Intonation seines Nachfolgers, und ja, die völlige Unmusikalität diverser Sammler, die sich mit stetig steigenden Summen seine Zuneigung zu erkaufen erfrechten.
Ungeschminkt erzählt es vom Fährunglück am Rio de la Plata und von seinen grossen Momenten auf allen berühmten Bühnen dieser Welt. Seinen kleinen stillen Glücksmomenten bei einem schweigsamen Geigenbauer und seinen schillernden Erfolgen, wenn ein talentierter Musiker es schaffte, das „Mara“ herauszufordern und mit ihm die irisierenden Grenzen der Genialität auszuloten. Solche Musiker gibt es und es werden noch viele kommen…! Denn ein Stradivari Cello lässt sich nicht einfach so unterkriegen.
Nein, im Gegenteil. Zwischendurch kommt das „Mara“ ziemlich in Fahrt und gerät gar etwas ins Fabulieren. Es plaudert über geheime Fertigungstechniken seines Erbauers, des sagenumwobenen Geigenbauers Antonio Stradivari und prahlt mit angeblichen Tricks, die einen Geigenbauer doch etwas die Stirne runzeln lassen. Doch als Kontrabass weiss man ja: Cellos sind halt etwas schwatzhaft !
Ein atemloses Buch voller Freude und Lebenslust, geschrieben mit Herzblut und feinfühliger Feder, eine Ferienlektüre, die man nie vergisst und sofort vermisst !
Viel Spass und bis gleich wieder mal, hier auf meinem Kontrabassblog,
Giorgio Pianzola
Kontrabassbauer
© Umschlagabbildung, dtv Verlag München
© Text, Giorgio Pianzola, Bern 2017