Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/216198

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird gebeten in Zusammenarbeit mit den Kantonen zu prüfen, wie die Durchlässigkeit zwischen beruflicher Grundbildung auf Sekundarstufe II und den Hochschulen (Universitäten/ETH) in Ergänzung zur bereits bestehenden Passerelle sinnvoll verbessert werden kann. Insbesondere ist zu prüfen, ob Berufs- und Fachmaturanden einen direkten Zugang zu einem universitären Lehrgang in ihrem Fachbereich ohne Passerelle gewährt werden kann.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Meinung der Autorin des Postulats, dass dem lebenslangen Lernen und der Durchlässigkeit unseres Bildungssystems eine wichtige Bedeutung zukommt.</p><p>Unser Bildungssystem zeichnet sich durch die Vielfalt der Bildungsgänge auf der Sekundarstufe II und der Tertiärstufe aus: Die Abschlüsse der Berufsbildung führen zu den Bildungswegen der höheren Berufsbildung, die Berufsmaturität und die Fachmaturität zu den Fachhochschulen (FH), die allgemeinbildenden Bildungsgänge mit der gymnasialen Maturität zu den Pädagogischen Hochschulen und den universitären Hochschulen. Dank Passerellen zu den verschiedenen Hochschultypen mit Prüfungen oder anderen Zulassungsverfahren wird die Durchlässigkeit des Systems gewährleistet. Damit kann die Studierfähigkeit für den jeweiligen Hochschultyp ergänzt werden. Für die Zulassung zur ersten Studienstufe der universitären Hochschulen (einschliesslich ETH) wird in der Regel eine gymnasiale Maturität (Art. 23 Abs. 1 HFKG, SR 414.20) oder eine Berufs- bzw. Fachmaturität zusammen mit einer bestandenen Ergänzungsprüfung (Art. 23 Abs. 2 HFKG) verlangt.</p><p>Für Inhaberinnen und Inhaber einer Berufs- oder Fachmaturität stellt die zentralisierte Ergänzungsprüfung, die unter der Verantwortung der Schweizerischen Maturitätskommission (SMK) vom SBFI durchgeführt wird, die Durchlässigkeit zu universitären Studiengängen sicher. Alle Kandidatinnen und Kandidaten werden ausnahmslos zur Prüfung zugelassen und sind in der Vorbereitung frei. Im Unterschied zur Schweizerischen Maturitätsprüfung, die 12 Fächer abdeckt, konzentriert sich die Ergänzungsprüfung auf fünf Grundlagenfächer (Mathematik, erste Landessprache, zweite Landessprache, Geistes- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften), um den Inhaberinnen und Inhabern einer Berufsmaturität oder einer Fachmaturität die allgemeine Studierfähigkeit für die universitären Hochschulen zu bescheinigen. 2020 wurden nach der zentralisierten Ergänzungsprüfung 301 Abschlüsse ausgestellt, 35 Prozent mehr als 2017. Am 23. November 2017 hat der Hochschulrat der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK) die geltenden Bedingungen für die Zulassung zur ersten Studienstufe bestätigt. Sie tragen dazu bei, die Qualität der Lehre sowie die Durchlässigkeit sicher zu stellen und das Profil des Studiengangs wie auch des Hochschultyps zu stärken.</p><p>Ein direkter Zugang zu universitären Hochschulstudien für Berufs- oder Fachmaturandinnen und -maturanden würde dem 2019 bestätigten gemeinsamen Ziel von Bund und Kantonen zuwiderlaufen, die Profile der tertiären Bildungsangebote zu schärfen. Eine Ausnahme beim direkten Zugang zu einem mit dem Berufsmaturitäts- oder Fachmaturitätstyp verwandten Studienbereich an einer universitären Hochschule würde zudem den verlangten Eintrittskompetenzen für die erfolgreiche Aufnahme eines universitären Studienprogramms widersprechen.</p><p>Die für die Zulassung zur ersten Studienstufe zu erbringenden Leistungen sind ausgewogen und betreffen alle Hochschultypen: So müssen auch Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, die an einer Fachhochschule studieren wollen, für die Zulassung zum Studium eine mindestens einjährige Arbeitswelterfahrung vorweisen, um die fehlende Berufspraxis zu kompensieren (Art. 25 Abs. 1 Bst. b HFKG).</p><p>Der Bundesrat ist sich bewusst, dass dem Wissens- und Innovationsstandort Schweiz genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung gestellt werden müssen, und er fördert dies mit gezielten Massnahmen.</p><p>Vor diesem Hintergrund sieht der Bundesrat keinen Bedarf, weitere Massnahmen für den Zugang von Inhaberinnen und Inhabern einer Berufs- oder Fachmaturität zu universitären Hochschulstudien in einem verwandten Bereich zu treffen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.