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Drei Jahre arbeitete die Zuger Regierung an einer Vorlage für familien- und schulergänzende Betreuungsangebote. Aus Sicht von Politblogger Beni Riedi fiel diese oberflächlich und einseitig aus. Ausserdem behaupte die Regierung, dass fremdbetreute Kinder später weniger häufig kriminell oder von der Sozialhilfe abhängig würden als andere.
Mittels Motion wurde der Zuger Regierungsrat beauftragt, dem Kantonsrat eine Vorlage zu unterbreiten, die im Kanton Zug für ein bedarfsgerechtes Angebot an familien- und schulergänzenden Betreuungsangeboten sorgt. Knapp drei Jahre arbeitete die Direktion des Innern an der Ausarbeitung dieses Berichts und Antrags. Das Thema bedarfsgerechtes Angebot an familien- und schulergänzender Betreuung ist wichtig und verdient es auch, genau analysiert und im Detail betrachtet zu werden. Es ist ein Thema, das unbedingt auch wegen seiner gesellschaftspolitischen Brisanz mit grösstmöglicher Genauigkeit und mit Fingerspitzengefühl erörtert werden muss.
Fremdbetreuung wird angepriesen
Ich war erstaunt, wie oberflächlich und einseitig der Bericht und Antrag der Regierung nach dreijähriger Ausarbeitung ausgefallen ist. In diesem Bericht wurden unbelegte Behauptungen als Fakten und Argumente verwendet, was meines Erachtens einer Zuger Regierung nicht würdig ist und korrigiert werden sollte. Ohne Fakten zu präsentieren, erwähnt die Regierung in ihrem Bericht und Antrag, dass durch frühe Fremdbetreuung die Bildungschancen der Kinder verbessert würden. Weiter behauptet sie, dass Kinder, die fremdbetreut werden, später in ihrem Leben seltener von der Sozialhilfe abhängig werden, und dass fremdbetreute Kinder später weniger kriminell werden als andere.
Beni Riedi ist seit 2010 Mitglied des Zuger Kantonsrates und gehört der SVP-Fraktion an. Der Betriebswirtschafter ist ausserdem seit 2010 Vorstandsmitglied der SVP Baar. Beni Riedi ist Vater von zwei Kindern.
Ich bin der Meinung, dass wir von der Direktion des Innern mehr Qualität und Fingerspitzengefühl erwarten dürfen als eine solch saloppe Aussage, dass Eltern, die sich noch selber um ihre Kinder kümmern, ungebildete, kriminelle Sozialhilfeempfänger züchten. Ohne Zahlen zu nennen wird behauptet, dass die Staatsfinanzen langfristig von dieser Investition profitieren würden und dass die Wirtschaft nicht länger auf beide Elternteile als wertvolle Fachkräfte verzichten könne. Beim Lesen dieser Passage des Berichts glaubte ich zuerst, von meinen eigenen Augen belogen zu werden.
Eltern sollen arbeiten anstatt ihre Kinder zu betreuen
Unsere Regierung schreibt doch tatsächlich, dass die Eltern nicht in erster Linie ihre Kinder erziehen, sondern dass sie arbeiten und ihre Kinder fremdbetreuen lassen sollen, damit die Wirtschaft keine Arbeitskräfte verliert und die Kinder durch ihre Eltern nicht zu ungebildeten, kriminellen Sozialhilfeempfängern verzogen werden. Diese Aussage muss man erst mal verdauen, es ist doch eine Beleidigung, ja ein Schlag ins Gesicht aller Eltern, die ihre Kinder noch ohne fremde Hilfe erziehen, Eltern, die ihre Kinder vor ihre eigene Karriere stellen, Eltern, die sich noch Zeit nehmen, für ihre Kinder täglich ihr Bestes geben und sich für ihre Kinder einsetzen.
Als SVP-Kantonsrat und zweifacher Familienvater verweigere ich mich sicher nicht der Diskussion zu familien- und schulergänzenden Betreuungsangeboten. Ich verlange aber von der Regierung, einen sauberen, sachlichen und auf Zahlen und Fakten basierenden Bericht und Antrag zu präsentieren, ohne die Eltern zu verurteilen, die eigenverantwortlich ihre Kinder erziehen und sie nicht einfach der staatlich finanzierten Betreuung überlassen. Allgemein stört es mich, dass der Staat und die Politik sich immer mehr in private Angelegenheiten einmischen. So wird seit längerer Zeit die Drittbetreuung einseitig durch die Politik gefördert.
Kinderbetreuung ist Eigenverantwortung der einzelnen Familien
Die SVP misst der Eigenbetreuung der Kinder den gleichen Stellenwert wie der Drittbetreuung zu. Es liegt in der persönlichen Eigenverantwortung und Entscheidung jeder einzelnen Familie, wie sie ihre Kinder betreuen will. Die Betreuung der eigenen Kinder ist eine gesellschaftlich wertvolle Aufgabe und dementsprechend auf Augenhöhe mit der Kinderdrittbetreuung zu behandeln. Dies gilt auch für die Steuerpolitik. Eine staatliche Bevorzugung der Drittbetreuung ist demzufolge abzulehnen. Aus diesem Grund hat meine Partei eine Motion betreffend Erhöhung des Eigenbetreuungskostenabzuges eingereicht.
Gleiches gilt auch für die kantonale Schaffung von Tagesschulen. Die Gemeinden wissen selber am besten, wie gross der Bedarf an Fremdbetreuung im eigenen Dorf ist. Deshalb darf ihnen doch nicht durch den Kanton ein je nachdem unverhältnismässiges Angebot aufs Auge gedrückt werden. Der Kantonsrat darf nicht über die Köpfe der Gemeinden hinweg beschliessen, was sie künftig anzubieten und auch noch selber zu bezahlen haben.