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Stück
Kommentar zum Stück
Ricardo Eizirik: «Trial and Error»
Der kürzlich verstorbene Regisseur Harun Farocki hat einst einen wunderbaren Film ‹komponiert›: «Ein Tag im Leben der Endverbraucher». Das Wort ‹komponiert› bezeichnet seine Methode exakt, denn der Film besteht aus einer kunstvollen Collage von Sequenzen aus Werbespots und imaginiert einen Tagesablauf, wie ihn das ideale Objekt von Industrie und Werbebranche zu erleben hätte: vom frühesten Morgen, wo der Alete-Bauer schon auf dem Feld ist, um die Ernte einzubringen, bis zur späten abendlichen Stunde, wo in einer minutenlangen Bilderfolge Hochprozentiges in Gläser gefüllt wird. In mancher Hinsicht funktioniert Ricardo Eiziriks «Trial and Error» ähnlich. Die Klänge, auf denen das Stück beruht, sind Objets trouvés aus der Industriegesellschaft, Geräusche, wie sie uns im täglichen Leben fortwährend umgeben, zumeist maschinell erzeugt, manchmal kurze Signale, das Surren von E-Motoren, das Geräusch sich öffnender oder schliessender Türen, das Zischen von Druckluft, der Klang einer künstlichen Stimme, das Plärren eines kleinen Lautsprechers, das Klicken, das Einrasten von etwas. Alle diese Geräusche beginnen nun ein Eigenleben, versammeln sich zu einem surrealen Tanz, zu einem gespenstischen Notturno.
Jens Schubbe (künstlerischer Leiter, Collegium Novum Zürich)