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Eine weitverbreitete, wenn auch historisch wohl falsche Vorstellung besagt, dass die ersten Schriftsysteme in Sumer, Ägypten, China oder bei den Maya aus einer Abstraktion von «Bildern» entstanden seien. Diese hätten, zur Schrift geworden, «ikonisch» dargestellt, was sie in der Welt bezeichnen. Anders als in den antiken Entwürfen Europas seit Aristoteles, hätte Schrift anfangs ein nur auf Bedeutung ausgerichtetes Eigenleben geführt, das unabhängig vom gesprochenen Wort existierte.
Wir werfen einen Blick auf die ältesten lesbaren Texte aus China, die sich ab dem 13. Jh. v. Chr. v.a. auf Rinderschulterblättern, Schildkrötenpanzern und Sakralbronzen finden, und betrachten die Entstehung des ältesten noch heute gebrauchten Schriftsystems der Welt. Der Kurzvortrag möchte skizzieren, mit welchen Strukturmitteln eine nicht-alphabetische Schrift Worte und Sätze auf Ewigkeit stellt, und fragen, warum sie sich nie zur Silbenschrift oder gar zum Alphabet entwickelt hat. Abschliessend soll gestreift werden, ob ihr regelmässiger Gebrauch einen Einfluss auf das Formulieren, Fabulieren oder sogar das «Denken» gehabt haben mag.
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