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In Römer 15,4 heisst es: «Alles, was zuvor geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben.» Deshalb dürfen wir auch aus den Ereignissen im Buch Ruth praktische Belehrungen für uns ziehen.
Notzeiten im Glaubensleben
«Mein Gott ist König»
Das Buch beginnt mit der Geschichte Elimelechs (= Mein Gott ist König). Sein Name war ein Bekenntnis, das zum Ausdruck brachte, dass Gott in seinem Leben das Sagen hatte.
Jeder, der sich zu Christus bekennt und auf den Namen des Herrn Jesus getauft ist, hat damit etwas Ähnliches zum Ausdruck gebracht: Jesus Christus ist der Herr meines Lebens! Nun stellen sich jedem von uns die Fragen: Ist dies in meinem Leben auch erkennbar? Hat der Herr wirklich das Sagen? Überlasse ich Ihm die Führung? Ist Er es, der mein Leben bestimmt und die Prioritäten setzt? Oder ist mein Christsein in der Praxis nur ein leeres Bekenntnis?
Elimelech machte seinem Namen leider keine Ehre. Er zog es vor, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Deshalb wanderte er aus dem guten Land aus, wo Gott sein Volk segnen wollte, und zog nach Moab. Der Segen des Landes – das sind in der Anwendung auf uns die geistlichen Segnungen, die Gott uns im Herrn Jesus geschenkt hat – bedeuteten ihm nichts. Moab erschien ihm attraktiver. Dort glaubte er zu finden, was ihm in Bethlehem nicht geboten wurde. Moab ist in der geistlichen Anwendung ein Bild der Welt in ihrer Sorglosigkeit, Bequemlichkeit und Genusssucht (Jer 48,11). Dorthin zog es Elimelech.
Hungersnöte – verschiedene Ursachen
Hatte er nicht einen guten Grund, nach Moab zu ziehen? Es herrschte ja Hungersnot im Land! Hungersnot dort, wo Gott Segen verheissen hatte – war das möglich? Sehr wohl! Doch die Ursachen für eine Hungersnot im Alten Testament waren unterschiedlich. Abraham und Isaak erlebten eine Hungersnot, wodurch Gott ihren Glauben prüfte: Würden sie unter diesen Umständen an Gottes Zusagen im Blick auf das verheissene Land festhalten?
Nachdem Gott Israel aus Ägypten erlöst und in das verheissene Land geführt hatte, war es in der Regel so, dass die Menschen eine Hungersnot selbst zu verantworten hatten. Denn Gott hatte versprochen, den Regen nicht zurückzuhalten, wenn sie Ihm gehorchten. Dann würden sie essen und satt werden (5. Mo 11,10-15). Eine Hungersnot war hier eine Folge von Ungehorsam.
Auch in unserem Leben als Christen kann es im geistlichen Sinn Hungersnöte geben. Sie können ganz unterschiedliche Gründe haben. In manchen Fällen sind wir dafür mitverantwortlich. Wenn sie uns gemeinsam treffen, kann es sein, dass sie eine Prüfung für uns darstellen. Fragen wir uns dann: Was will Gott uns damit sagen und inwieweit sind wir dafür verantwortlich? Tragen wir dazu bei, dass im Volk Gottes keine Hungersnot, kein Mangel an geistlicher Nahrung herrscht? Wie verhalten wir uns, wenn es doch einmal «Hungersnot» gibt, wenn wir vielleicht in der örtlichen Versammlung einen Mangel an geistlicher Nahrung empfinden? Nehmen wir die Prüfung aus Gottes Hand an? Bringen wir Ihm die Not und harren wir aus, indem wir uns vor Ihm demütigen? Oder sehen wir die Verantwortung nur bei den anderen? Tragen wir uns sogar mit dem Gedanken wegzugehen?
Hungersnot im persönlichen Leben
Eine geistliche Hungersnot kann uns allerdings auch rein persönlich betreffen. Sie kann Ursachen haben, die allein in meinem Leben zu suchen sind. Es ist möglich, dass ich selbst keinen Geschmack mehr an guter geistlicher Nahrung habe. Es fehlt mir die Freude an den Segnungen, die Gott mir geschenkt hat, weil ich mich innerlich vom Herrn Jesus entfernt und es versäumt habe, mich von Gottes Wort zu ernähren. Wenn mir die geistliche Speise des Wortes Gottes nichts mehr bedeutet, nehme ich sie nicht wirklich auf und verkümmere innerlich. In der Folge beginne ich, die Leere in meinem Inneren mit anderem zu füllen.
Israel konnte den Segen des Landes nur geniessen, wenn es mit Gott in Verbindung blieb. Nur dann wollte Er ihm den Segen des Himmels geben. Dasselbe gilt auch für uns. Die Segnungen, die Gott uns geschenkt hat, können wir nicht geniessen, wenn unser Herz in der Welt ist, sondern nur, wenn wir uns beim Herrn Jesus aufhalten und in Gemeinschaft mit Ihm leben. Ansonsten werden wir den Geschmack daran verlieren und eine Leere in unseren Herzen empfinden. Dann stehen wir in Gefahr, anderes zu suchen.
Wir wollen uns persönlich prüfen, wie unsere Herzen stehen: Suche ich etwas, was ich «in Bethlehem» – das heisst dort, wo der Herr mich segnen will – nicht empfange? Liebäugele ich gar mit den Freuden und Attraktionen der Welt? Zieht es mich innerlich nach Moab, weil das Leben dort bequemer und angenehmer ist? Solch ein Weg mag zuerst sehr anziehend erscheinen, aber er hat bittere Folgen: Er lässt uns geistlich verkümmern und verarmen. Das beweisen unzählige Beispiele aus der christlichen Zeit. Die weitere Geschichte von Elimelech und Noomi führt es uns eindrücklich vor Augen.
Der Weg in die Welt
Tod und Bitterkeit
Das erste Ereignis, das uns aus Moab berichtet wird, ist Elimelechs Tod. Noomi hingegen überlebt. Was lernen wir daraus, wenn wir dies geistlich auf uns übertragen?
Elimelech hat nicht verwirklicht, was sein Name bedeutet: «Mein Gott ist König.» Gott hat ihn durch den Tod weggenommen. Das heisst für uns: Ein Leben in der Welt, das auf irdische Freuden und auf Wohlleben ausgerichtet ist, führt über kurz oder lang dazu, dass in der Praxis von einem wirklichen Christenleben nichts mehr übrig bleibt. Unser Zeugnis, dass Christus unser Herr ist, zu dem wir uns bekennen, «stirbt». Übrig bleibt nur «Noomi», allerdings nicht in ihrer Lieblichkeit, sondern in ihrer Bitterkeit (= Mara). Wenn wir das göttliche Leben, das Gott uns in Christus geschenkt hat, auch nicht verlieren können, so hinterlässt ein Leben in «Moab» doch bittere Spuren.
Verlust
Zum einen werden wir die Erfahrung machen, dass die Genüsse dieser Welt keine wirklichen Freuden für einen Christen sind, sondern einen bitteren Nachgeschmack haben. Zum anderen werden wir feststellen, dass uns ein solcher Weg grossen Verlust einbringt. Auch wenn Moab sehr verlockend erscheint, wenn es mehr Freiheit zu bieten scheint und ein angenehmeres Leben verspricht, muss sich Noomi am Ende doch eingestehen, dass die Jahre in Moab eine verlorene Zeit waren – dass sie tatsächlich alles verloren hatte: «Voll bin ich gegangen, und leer hat mich der HERR zurückkehren lassen» (Rt 1,21).
So ist es auch in geistlicher Hinsicht: Wer das Wohlleben in der Welt sucht, verliert die wirkliche Freude und den Genuss des Segens, den Gott uns geschenkt hat. Er verkümmert und verarmt. Die geistlichen Segnungen und die Stellung in Christus verliert er zwar nicht. Aber das Bewusstsein und der wirkliche Herzensbesitz davon gehen verloren.
Hilfe oder Hindernis?
Die Auswirkungen davon werden über kurz oder lang auch für andere erkennbar. Noomi war nach ihrem Aufenthalt in Moab in einem erbärmlichen geistlichen Zustand. Ihr Glaubensleben war völlig auf der Strecke geblieben. So war sie nicht in der Lage, suchenden Menschen die rechten geistlichen Impulse zu geben. Im Gegenteil! Noomi wirkte für andere eher abweisend als anziehend. Ihren Schwiegertöchtern, die ebenfalls den Wunsch hatten, sich dem Gott Israels zuzuwenden, war sie eher ein Hindernis als eine Hilfe. Sie gab denen, die zu Gott umkehren wollten, den Rat: Kehrt in die Welt zurück! Eine Hinwendung zu Gott lohnt sich nicht für euch (Rt 1,12).
Welche Empfehlung gibt unser Leben in dieser Hinsicht ab? Sind wir anderen Menschen, vor allem Suchenden, wirklich eine Hilfe und eine Empfehlung zu einem Leben mit dem Herrn Jesus? Oder vermittelt unser Verhalten eher den Eindruck, dass sich ein solches Leben nicht lohnt?
Wendepunkt und Neubeginn
Ruth entscheidet sich
Wie gut, dass Gott so gross ist und über unser Versagen hinaus zum Guten wirken kann! Ruth liess sich nicht abweisen. Trotz aller Einwände Noomis traf sie die feste Entscheidung, mit ihrer Schwiegermutter zurückzukehren.
Damit kommen wir zur Hauptperson dieses Buches. Als Moabiterin gehörte Ruth nicht zum Volk Gottes, sondern stammte aus einem götzendienerischen Umfeld. Doch dann gab es einen entscheidenden Wendepunkt und Neuanfang in ihrem Leben. Ruth fasste einen festen Entschluss. Sie brach mit ihrer Vergangenheit, wandte sich von ihrem früheren Leben ab und kehrte sich dem lebendigen und wahren Gott zu, um Ihm zu dienen (1. Thes 1,9).
Ein Neuanfang
Einen solchen Kurswechsel im Leben nennt die Bibel Bekehrung. Sie markiert den Anfang eines neuen Lebens, was sich auch auf die Praxis auswirkt. Ruth bietet dazu eine schöne Illustration. Entschlossen verfolgte sie nach ihrer Umkehr den richtigen Weg, so dass sie sich sogar durch vermeintlich wohlgemeinte Ratschläge nicht beirren liess. Von ihrer Zielstrebigkeit können wir viel lernen. Sie sagte: «Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, um hinter dir weg umzukehren; denn wohin du gehst, will ich gehen, und wo du weilst, will ich weilen; dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott» (Rt 1,16).
Neues Leben zeigt sich
Nachdem sie mit ihrer Schwiegermutter nach Bethlehem zurückgekehrt war, ergriff Ruth die Initiative, um für sich und ihre Schwiegermutter Nahrung zu beschaffen. «Lass mich doch aufs Feld gehen und unter den Ähren lesen hinter dem her, in dessen Augen ich Gnade finden werde», sagte sie zu Noomi (Rt 2,2). «Lass mich doch auflesen», bat sie den Knecht, der über die Schnitter bestellt war (Rt 2,7). Wenn Moab durch Sorglosigkeit und Trägheit gekennzeichnet war (Jer 48,11), zeigt die gebürtige Moabiterin nach ihrer Rückkehr Fleiss und Emsigkeit. Was für eine Veränderung!
Wachstum
Das Verlangen nach geistlicher Nahrung ist ein Indiz für das Vorhandensein göttlichen Lebens. Es ist auch die Voraussetzung für geistliches Wachstum, denn dieses beginnt mit der Nahrungsaufnahme. Manchmal flaut dieses Verlangen nach einer Zeit wieder ab. Deshalb ermahnt uns Petrus in seinem ersten Brief: «Wie neugeborene Kinder seid begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch diese wachst zur Errettung» (1. Pet 2,2). In seinem zweiten Brief fordert er uns auf, in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus zu wachsen (2. Pet 3,18).
Ohne geistliche Nahrung verkümmert das neue Leben. Die Beschäftigung mit dem Herrn Jesus ist nötig, damit es gestärkt wird und sich entfalten kann. Wie viel Eifer und Fleiss wenden wir auf, um geistliche Speise aufzunehmen, um die Bibel zu lesen und uns mit dem Herrn Jesus zu befassen, damit wir innerlich gekräftigt werden und zu Ihm hin wachsen? Haben wir ein echtes Verlangen nach Gottes Wort? Haben wir den tiefen Wunsch, den Herrn Jesus besser kennen zu lernen?
Das Aufgelesene ausschlagen
Neben dem Ährenauflesen, um Nahrung zu beschaffen, wird in Kapitel 2,17 noch eine weitere wichtige Tätigkeit erwähnt: Ruth schlug aus, was sie aufgelesen hatte. Auflesen bedeutet Sammeln von Nahrung. Das ist die erste Voraussetzung für die geistliche Nahrungsaufnahme. Dafür müssen wir Energie aufwenden. Wir wollen uns fragen: Nehmen wir uns wirklich Zeit dafür?
Doch es gibt noch eine andere wichtige Tätigkeit. Damit aus den gesammelten Ähren auch Nahrung werden kann, müssen sie ausgeschlagen werden. Es ist erforderlich, dass wir weiter über das Aufgesammelte nachdenken und es innerlich verarbeiten. Dann können wir das Wort in unser Herz fassen, so dass es Frucht und Wachstum in unserem Leben bewirkt.