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Loperamid und absichtliche Überdosierung
Loperamid und absichtliche Überdosierung
Medikamentös ausgelöste Verlängerung des QT-Intervalls
In Zusammenhang mit der Einnahme von Loperamid wurden Fälle absichtlicher Überdosierungen berichtet. Bei Personen mit Opioidabhängigkeit sind Missbrauch und Fehlanwendung von Loperamid als Opioidersatz beschrieben worden. Nach dem Absetzen wurden bei Personen, die Loperamid überdosiert haben, Fälle von Arzneimittelentzugssyndromen beobachtet (Ref. 2).
Stichworte: Loperamid; Überdosierung; AM-Abhängigkeit; Opiat-Entzugssymptome; QT-Intervall

Daten Ereignis

Beschreibung

Jahr: 2022
Alter:
Alter: 35
Geschlecht: weiblich
Arzneimittel: Loperamid
Indikation: chronische Diarrhoe
UAW: QT-Verlängerung; Überdosierung; AM-Abhängigkeit; Opiat-Entzugssymptome

Der Literaturfall (Ref.1) berichtet von einer Patientin mit schwerwiegenden psychischen Vorbelastungen und moderater intellektueller Beeinträchtigung, die unter Einnahme von Loperamid wegen chronischer Diarrhoe eine Substanzgebrauchsstörung entwickelt hat.
Bei täglicher Einnahme von bis zu 60 mg pro Tag wurden Untersuchungen zum Metabolisierungsprofil durchgeführt, die eine stark reduzierte Aktivität von CYP3A und P-Glycoprotein ergeben haben. Diese sind stark an der Metabolisierung und dem Transport von Loperamid beteiligt.
Die daher erhöhte Bioverfügbarkeit von Lopermid bei dieser Patientin kann zur Substanzgebrauchsstörung beigetragen haben. Sie entwickelte eine Loperamid-Abhängigkeit nach Überdosierung, mit QT-Verlängerung und Opioid-Entzugssymptomen.

Jahr: 2015
Alter: 46
Geschlecht: männlich
Arzneimittel: Loperamid
Indikation: Reizdarmsyndrom
UAW: Überdosierung

Patient mit Loperamid-Abhängigkeit nach Überdosierung im Rahmen eines Reizdarmsyndroms, bei einer täglichen Einnahme von bis zu 120 Tabletten (240 mg), gelegentlich mit Somnolenz und starkem Durstgefühl. Bei Therapieabbruch mit akutem Durchfall, Darmkoliken und Angstzuständen, wahrscheinlich als Bild eines Entzugssyndroms.
Ref. 1) Crettol S et al.: Opioid Use Disorder Associated With Low/Moderate Dose of Loperamide in an Intellectual Disability Patient With CYP3A and P-Glycoprotein Reduced Activity. Front Psychiatry. 2022;13
Ref. 2) Arzneimittelinformation (swissmedicinfo.ch)
Fazit und Empfehlung
Loperamid kann missbräuchlich als Rauschmittel verwendet werden. Bei Personen, die Loperamid absichtlich überdosiert eingenommen haben, sind eine Verlängerung des QT-Intervalls und des QRS-Komplexes und/oder schwerwiegende ventrikuläre Arrhythmien, inklusive Torsade de Pointes, aufgetreten.
Im Falle einer Überdosierung sollte eine EKG-Überwachung hinsichtlich einer Verlängerung des QT-Intervalls erfolgen. Die Behandlung ist symptomatisch. Bei ZNS-Symptomen nach einer Überdosierung kann Naloxon als Antidot verabreicht werden.