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«Der Krieg in Afghanistan wird uns noch lange begleiten». So lautete das Fazit der ersten Forschungsarbeit, die Albert A. Stahel 1981 zusammen mit dem Pierre Allan zum sowjetischen Einmarsch in Afghanistan publizierte. Nicht nur für die Weltpolitik, auch für Albert Stahel persönlich sollte diese Aussage bis zum heutigen Tag ihre Gültigkeit bewahren. Rund dreissig Jahre hat der Politologe und Experte für strategische Fragen dem Land gewidmet.
Eine von seiner Mitarbeiterin Claudine Nick herausgegebene Festschrift aus Anlass seines 65-sten Geburtstages im vergangenen Jahr würdigt nun Stahels Engagement für dieses Land. Das Buch mit dem Titel «Strategisches versus humanitäres Denken: das Beispiel Afghanistan» wurde ihm am Dienstag in einer kleinen Feier überreicht. «Albert Stahel hat sich nicht nur an der Universität Zürich, sondern auch in der Öffentlichkeit mit vollem Engagement für sein Fachgebiet eingesetzt», erklärte Rektor Andreas Fischer in seiner Grussadresse.
CIA und KPdSU interessiert
Stahels Geschichte mit Afghanistan habe an einem grauen Herbsttag 1981 in Lugano begonnen, erinnerte sich Pierre Allan, heute Professor an der Universität Genf. Damals stellten er und Stahel die eingangs zitierte Studie an einer Tagung von Politologen vor. Unter anderem interessierten sich auch «graue Männer in grauen Polyester-Anzügen mit grauen Gesichtern» für die Studie. Keine KGB-Agenten zwar, aber Journalisten der offiziellen Presseagentur Novosti. Stahel und Allan kamen nämlich aufgrund von Modellrechnungen zum Schluss, dass die Sowjets den Krieg nicht gewinnen und die Mujaheddin nicht bezwingen könnten.
Stahel nutzte dabei für seine Studien mathematische Modellrechnungen, um den Verlauf von asymmetrischen Konflikten zwischen Armeen und Guerillas zu simulieren. So konnte er Szenarien durchrechnen, etwa was passieren würde, wenn die Sowjets ihre Streitkräfte verdreifachen würden. Selbst in diesem –aufgrund der sowjetischen Möglichkeiten sowieso kaum wahrscheinlichen – Szenario, würde ihnen ein militärischer Sieg nicht gelingen, lautete das Ergebnis.
Nicht nur Stahel und Allan rechneten mit diesem Modell verschiedene Szenarien durch, sondern auch die CIA. Wie sie später erfuhren, wurde die Studie auch in geheimen Protokollen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei zitiert.
Lösung kann nur von den Afghanen herbeigeführt werden
Stahels Interesse an Afghanistan war und ist nicht ein rein wissenschaftliches. Stets habe er seine Erkenntnisse und seine Kontakte zur persönlichen Beratung führender Politiker in Afghanistan eingesetzt, erklärte der Präsident des Hilfswerkes Helvetas, Peter Arbenz, selber ein langjähriger Weggefährte Stahels.
Mit Stahel unternahm er 1995 auf Einladung der afghanischen Regierung eine Erkundungsmission im ganzen Land und erstellte einen Massnahmenplan zum Wiederaufbau. Dessen Umsetzung kam die Machtübernahme der Taliban zuvor. Doch die damals vorgeschlagenen Grundsätze, hätten auch heute noch ihre Gültigkeit, erklärte Arbenz. Allen voran der Grundsatz, dass eine Lösung des Konfliktes nur von den Afghanen selber herbeigeführt werden kann.
Humanitärer Antrieb
Stahel setze sich nicht nur als Wissenschaftler und Berater für das Volk ein, dessen unbändiger Wille zu Freiheit und Unabhängigkeit ihn fasziniere, erklärte Arbenz. So ermöglichte er in den 80-er und 90-er Jahren ein Rehabilitationsprogramm für kriegsverletzte Mujaheddin oder initiierte kürzlich den Bau einer Begegnungsstätte für Studierende in der Stadt Bamiyan.
Den humanitären Antrieb für sein Engagement strich auch Stahel selber heraus. «Ich werde nie auf der Seite der Mächtigen sein». Nicht zuletzt darauf gründet der Respekt, der ihm von seinen afghanischen Partnern und Freunden entgegengebracht wird. Dieser erlaubte ihm auch, ein einzigartiges Beziehungsnetz in Afghanistan zu knüpfen. Viele seiner damaligen Gesprächspartner bekleiden heute wichtige Ämter in der afghanischen Regierung oder Armee.
Glückwünsche von Hamid Karzai
So kommt es, dass fast die gesamte Führungsspitze von Politik und Armee in der Festschrift für Albert Stahel ihre Glückwünsche überbringt: Dazu gehören Hamid Karzai, der heutige Staatspräsident, Professor Burhanuddin Rabbani, der frühere Präsident, der heutige Parlamentspräsident M Younus Qanooni oder der Generalstabschef der Streitkräfte, General Rashid Dostum.
Fast seine ganze wissenschaftliche Laufbahn hindurch hat sich Stahel intensiv mit dem Schicksal Afghanistans und der Afghanen befasst. Heute, 30 Jahre nach dem Einmarsch der Sowjetunion ist eine dauerhafte Friedenslösung noch immer nicht absehbar. So steht ausser Frage, dass die Konflikte um und in Afghanistan ihn auch noch in den nächsten Jahren nicht loslassen werden.
Strategisches versus humanitäres Denken: das Beispiel Afghanistan. Claudine Nick-Miller (Hrsg.). vdf Hochschulverlag Zürich, 2009, 264 Seiten, Format 16 x 23 cm, gebunden, zahlreiche farbige Abbildungen, CHF 48.00 / EUR 33.40 (D), ISBN 978-3-7281-3230-7.
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