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Im Blickpunkt …
Ihr sollt auch das Leiden Gottes in Eurem Herzen tragen, denn es ist für den Menschen der grösste Halt an seinem letzten Ende. (Brief an den Rat von Bern, Quelle 031). Im Originaltest heisst es «trost», was im älteren Deutsch mehrere Bedeutungen hat: Trost, Halt, Sicherheit, Erwartung, Zuversicht, Mut, freudvolle Zuversicht. Und weiter in diesem Brief: «… dabei sei Euch die Weisheit das Allerliebste, denn mit ihr verläuft alles zum Besten [alles wird gut]. Friede ist immer in Gott, denn Gott ist der Friede. Friede kann nicht vernichtet werden, Unfriede aber wird zerstört.»
Im Oktober 1582 wurde von der römischen Kirche der Gregorianische Kalender eingeführt. Der Ostertermin wurde 1583 erstmals neu berechnet. Das Osterfest findet jeweils statt nach dem ersten Frühlingsvollmond (nach dem 21. März), die Grenze ist der Vortag (Karsamstag) nach Jerusalemer Normalzeit Abends (Ad Vesperas).
Den vorgängigen Julianischen Kalender gab es seit dem Konzil von Nizäa 325 (Computus Paschalis). Die Terminierung hatte einen entscheidenden Unterschied, die Zeitgrenze für den Frühlingsvollmond war hier die Vesper nach Jerusalemer Zeit aber nicht am Samstag sondern am Gründonnerstag. Das Abendmahl (Paschamahl Jesu und seiner Jünger) gehörte mit zum vollständigen Ostergeheimnis (Triduum Paschalis) und war darum für die Zeitberechnung massgebend. Die Differenz kann man heute noch sehen, denn die Orthodoxen Kirchen richten ihre Feste immer noch nach dem Julianischen Kalender. Zudem war früher der Jahresanfang nicht geregelt. Je nach Region begann das Jahr am 1. März. Rom bevorzugte jedoch das Fest der Beschneidung (circumcisio) Jesu als Neujahrstag, Weihnachtsoktav. Hat nun der Gregorianische Kalender einen theologischen und einen semantischen Fehler?
Der Gregorianische Kalender war insofern notwendig. Die Anzahl Tage eines Jahres ist nicht eine ganze Zahl ist sondern eine Bruchzahl. Darum sind Schalttage nötig. Diese werden am ursprünglich letzten Monat des Jahres angehängt, als der 29. Februar. Wird dies im Julianischen Kalender alle vier Jahre gemacht, sind es jedoch auf längere Zeit zu viele Tage, «die Zeit rennt davon» vor der astronomischen Wirklichkeit. Darum wurden mit der Gregorianischen Reform 1582 die überzähligen Tage zurückgenommen und bei ganzen Hunderten, die nicht durch vier teilbar sind, fällt der Schalttag aus (zum Beispiel 1900). Inzwischen haben wir zum Julianischen Kalender eine Differenz von 13 Tagen. Im Jahr 2014 fallen beide Ostertermine zusammen, nach moderner Zeitrechnung ist das der 20. April (der Vollmond ist am Dienstagabend), auf den Julianischen Kalender umgerechnet ist es aber erst der 7. April.
Die Gregorianische Kalenderreform war notwendig, damit die Zeit mit den astronomischen Verhältnissen wieder «synchron» läuft. Dennoch hat der neue Kalender möglicherweise zwei Fehler.
1. Der semantischer Fehler: In den germanischen und romanischen Sprachen sind heute etliche Monatsnamen falsch, zum. Beispiel heisst der neunte Monat «September», wo doch «septem» die Zahl sieben ist usw. Das Jahr beginnt eigentlich – in semantischer Hinsicht – ideal am 1. März und läuft aus im Februar, dem «Restmonat».
2. Der theologischer Fehler: Für die Terminberechnung für Ostern wird nur der Sonntag berücksichtigt und nicht das ganze Ostermysterium, beginnend mit dem Paschamahl Jesu am Donnerstagabend. – Ursprünglicher, vorexilischer, fixer Paschatermin der Israeliten war der 14. Abib (später 14. Nisan, vgl. Exodus 12,6).
In den Quellen zur Spiritualität von Bruder Klaus ist nirgendwo die Rede von der Auferstehung Jesu, dafür um so mehr vom «Leiden Gottes» (Quellen 005, 031, 047, 055, 068 etc.), beginnend in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag. Damit steht der Einsiedler nicht allein, es ist vielmehr typisch für das Mittelalter und spiegelt sich später auch wieder in der Theologie der Reformation. Bis heute ist das wichtigste Fest bei den Evangelischen Christen der Karfreitag, kulminierend in den Dichtungen von Paul Gerhardt und den musikalischen Werken von Johann Sebastian Bach. Der Karfreitag ist ein Mahnmal. Mahnmal für was? – Die katholische Gegenreformation stellte die Bedeutung des «Leidens Gottes» zurück hinter die «leibliche» Auferstehung, der Karfreitag war nun ein Werktag. Das mag der Grund gewesen sein, die Weisung des Konzils von 325 für den Ostertermin nicht mehr zu beachten.
Das Mahnmal: Gott ist Frieden, Gott ist Liebe, die Weisheit geht von Gott aus. Weisheit und Liebe gehen aus dem Herzen Gottes hervor wie ein gewaltiger Strom und umgreifen das All, die Schöpfung. Liebe und Weisheit sind die Macht, die das geistige Leben durchströmt. Das Kreuz, die verratene, verleugnete, geschundene und gekreuzigte Liebe ist das Mahnmal. Die Liebe und Weisheit aus dem Herzen Gottes wurde Mensch und unterwarf sich dem grössten Leiden. Und so nützt den Menschen die höchste Intelligenz und die grösste Gewalt nichts, wenn ihre Seelen nicht durchströmt werden von Liebe und Weisheit. Wer das glauben kann, der ist erfüllt von Frieden und Gefühlen der Dankbarkeit, völlig fern von Überheblichkeit. Jeder erforsche seine Gefühle!
Wenn Bruder Klaus jeweils in der Messe die gewandelte Hostie sah, erlebte er besonders intensiv dieses Durchströmen der Macht (Quelle 221). Und wie sprach er in diesem Sinne über das Betrachten des Leidens Christi? «Denn Gott weiss es zu machen, dass dem Menschen eine Betrachtung so schmeckt, als ob er zum Tanz ging und umgekehrt weiss er ihn eine Betrachtung so empfinden zu lassen, als ob er im Kampfe streite.» (Quelle 047). – Das Blut des Pascha-Lammes ist die Liebe Gottes, der Leib die Weisheit. Der Frieden ist beides, Liebe und Weisheit. So kann jeder Mensch das Pascha (Ostermysterium) zu jeder Zeit und überall spirituell erleben, diese Macht, dieses Durchströmen erfahren. Wenn diese Macht mit einem Menschen ist, findet er einen Halt, er wird getragen vom Strom der Liebe und der Weisheit aus dem Herzen Gottes, der ihn vor dem Abgrund des Nichts fernhält– das Nichts ist die Leere der Lieblosigkeit und Sinnlosigkeit. So hat das Pascha eine neue Bedeutung.
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