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Zwetschgen
Über die Herkunft der duftenden Zwetschge ist nur wenig bekannt, doch vermutet man ihren Ursprung im Orient, wahrscheinlich in Damaskus (vielleicht aber auch im Kaukasus). Etwa 100 vor Christus soll sie angeblich via Syrien nach Griechenland und Italien gelangt sein, wo man sie zu Beginn des zweiten Jahrhunderts vor Christus unter dem griechischen Namen «prúmnon» kannte. Mit den Römern zog sie dann weiter über die Alpen. Mittlerweile ist die Zwetschge in der gesamten Welt beheimatet, hauptsächlich aber wird der echte Zwetschgenbaum in Europa, Westasien, Nordamerika sowie Nord- und Südafrika angebaut. In diesen Teilen der Welt sind über 1oo Sorten bekannt.
Gleich zu Beginn: Zwetschgen sind zwar eine Unterart der Pflaumen, dennoch sind Zwetschgen nicht gleich Pflaumen! Pflaumen sind kugelförmig und können blau, rot oder lila bis schwarz gefärbt sein. Ihr Fruchtfleisch ist saftig und süss sowie weicher, dennoch lässt sich der Stein nicht so leicht von ihm lösen wie bei der Zwetschge. Zwetschgen wiederum sind kleiner und oval. Ausserdem haben sie im Gegensatz zu Pflaumen eine Fruchtnaht. Ihre Färbung ist viel satter, meist Dunkelviolett bis Tiefblau, wobei ihr grünlich-gelbes Fruchtfleisch süss-sauer im Geschmack und fester ist. Obwohl beide Pflanzen von der Familie der Rosengewächse abstammen, sind die Zwetschgen vermutlich eine Kreuzung der Elternarten «wilde Kirschpflaume» und «gewöhnliche Schlehe». Folglich ist der Zwetschgenbaum, wie oben erwähnt, eine Unterart der Pflaumenbaums.
Der Name der Zwetschge leitet sich ab von ihrer Bedeutung für eine im September reifende, längliche Pflaumenart. In der deutschen Sprache des fünfzehnten Jahrhunderts wurden sie «Twetzschen» genannt und im sechzehnten Jahrhundert dann «Zwetschen», «Quetschken», «Zwetschken» und schliesslich «Zwetschgen». Diese Namen wurden allesamt vom alten französischen sowie oberitalienischen Begriff «davascena» abgeleitet und schliesslich zum spätlateinischen «damascena» umgewandelt, der auf den Herkunftsort der Zwetschgen hinweist: Pflaumen aus Damaskus bzw. Damaszener-Pflaumen.
Das Wort Schlehe wiederum ist verwandt mit dem slawischen «sliva» für Zwetschge, das alle kennen, die schon einmal den berühmten Pflaumenschnaps «Sliwowitz» auf dem Balkan getrunken haben. Die Zwetschge wurde vermutlich vom makedonischen König Alexander dem Grossen um 334 vor Christus von seinen berühmten Feldzügen in Kleinasien in seine Heimat und weiter in den Mittelmeerraum gebracht. Schon zu Zeiten des Frankenkönigs Karl des Grossen wurden Zwetschgenbäume an Königshöfen und auf Klosteranlagen angebaut. Er war es denn auch, der den systematischen Anbau von Pflaumenbäumen in Mitteleuropa veranlasste.
Zwetschgenbäume sind pflegeleicht und stellen geringe Ansprüche an ihren Standort, wobei sie feuchte und humusreiche Böden in sonnigen und windgeschützten Gebieten bevorzugen. Sie werden zirka sechs Meter hoch und sind wahre Tierfreunde. Im April finden viele Insekten reichhaltig Nahrung in den nektar- und pollenhaltigen Blüten. Käfern und Spinnen steht in in den Zweigen sowie in und unter der Rinde, die in der Jugend grau und glatt, im Alter braunschwarz und rissig ist, ausserdem wichtiger Lebensraum zur Verfügung. Vögeln und Fledermäusen bietet der Zwetschgenbaum überdies Sitz-, Jagd- und Brutplätze. Für die Wildtiere wiederum sind die Zwetschgen ein wahrer Festschmaus.
Das harte Holz ist sehr dicht und spröde. Die meist kurzen Stämme werden für Musikinstrumente, Drechslereiarbeiten und Schnitzereien verwendet. Auch kleinere Möbel sind realisierbar. Häufig wird es auch für Einlegearbeiten und kleinere Gebrauchsgegenstände genutzt. Das dekorative Holz ist jedoch nur in geringen Mengen erhältlich.
Gattung: Pflaume
Unterart: Echte Zwetschge
Lateinischer Name: Prunus I Prunus domestica
Pflanzenfamilie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Steinobstgewächse (Amygdaleae)
Anzahl bekannter Arten: mehr als 200
Habitus: laubabwerfender, selten immergrüner Strauch oder Baum I je nach Art können Wuchshöhen bis 25 Meter erreicht werden I einige Arten tragen Dornen, andere bilden Wurzelsprosse I wechselständig angeordnete Laubblätter, die manchmal in Büscheln beisammenstehen I einfache, flache, krautartige sowie fieder- und netznervige Blattspreiten, die je nach Art sehr unterschiedlich geformt sind I meist gesägter Blattrand, seltener glatt oder gelappt I ovale, blau bis dunkelblau oder violett gefärbte Frucht mit einer feinen Rückenfurche, die schräge Kammstriche aufweist I enthält einen halbmondförmigen, flachen Stein mit spitzen Enden I Fruchtfleisch löst sich leicht vom Kern, im Gegensatz zu jenem von Pflaumen
Alter: 30 bis 50 Jahre I bis zu 150 Jahre
Hauptblütezeit: April bis Mai
Erntezeit: Juli bis September
Standort: Liebhaber von nährstoffreichen, humosen und feuchten, jedoch gut durchlüfteten Böden I mag es geschützt, sonnig und warm I nach Süden ausgerichtete Orte, wo sich die Sonnenwärme staut, oder an Mauern und Hauswänden sind ideal I braucht mindestens drei Meter Platz um sich herum
Besonderheit: sowohl Tief- als auch Flachwurzler I das Volumen des Wurzelwerks entspricht dem der Baumkrone I Selbst- und Fremdbefruchter