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Schock und Hypovolämie
Acepromazin ist wegen seiner hypotensiven Wirkung (Alef 2003a) bei Tieren mit Hypovolämie oder Schock kontraindiziert (Plumb 2002a; Carroll 1999b). Bei vermindertem Herzminutenvolumen verursacht Acepromazin durch eine α1-adrenerge-Rezeptorblockade einen gravierenden Blutdruckabfall (Dodman 1984a).
Auch die Kombination Acepromazin-Ketamin sollte wegen der kreislaufdepressiven Wirkung nicht bei Hunden mit Hypotension oder Atemdepression angewandt werden (Farver 1986a).
Geschwächte und alte Tiere / Herzinsuffizienz
Bei geschwächten und alten Tieren, sowie solchen mit Herzproblemen, sollte Acepromazin nur mit Vorsicht angewandt werden (Gross 2001a).
Bei alten Tieren sollten nur geringe Dosen Acepromazin gebraucht werden, da es zur einer verlängerten Wirkungsdauer kommt (Plumb 2002a).
Neugeborene
Acepromazin darf wegen der blutdrucksenkenden Nebenwirkung bei neugeborenen Fohlen nicht angewandt werden (Magdesian 2003a). Zudem soll Acepromazin nicht bei Hunde- und Katzenwelpen, die jünger als 3 Monate alt sind, verwendet werden, da es zu Bradykardien und Hypotension kommen kann (Stubbs 1995a).
Gestresste Tiere
Bei gestressten Tieren kann Acepromazin durch die sogenannte Adrenalinumkehr einen Volumenmangelschock induzieren. Eine Adrenalinumkehr wird verursacht durch starke Erregung, die zu einem erhöhten endogenen Adrenalinspiegel führt. Dieses Adrenalin kann aber wegen der α1-Blockade peripherer Rezeptoren durch Acepromazin nur β-mimetisch wirken und führt somit zu einer ausgeprägten Vasodilatation (Alef 2003a).
Bei aggressiven Hunden sollte Acepromazin nur mit Vorsicht angewandt werden, da die Hunde zum Teil schreckhaft werden und sehr sensibel auf Geräusche und Sinnesreize reagieren (Plumb 2002a).
Anwendung als Anxiolytikum
Acepromazin hat keine anxiolytischen Eigenschaften und sollte daher nicht bei Angstzuständen eingesetzt werden. Durch die muskelrelaxierende und sedierende Wirkung werden die Tiere hauptsächlich in ihrer Bewegungfähigkeit eingeschränkt. Geräusche werden aber weiterhin wahrgenommen und das Tier ist durch seine Handlungsunfähigkeit dem Angstereignis schutzlos ausgeliefert. Eine Geräuschangst wird dadurch verschlimmert (Del Amo 2011a; Overall 2013a; Crowell-Davis 2005a).
Krämpfe / Tetanus
Acepromazin darf nicht angewendet werden bei ZNS-Erregung, nach Trauma, bei einem anamnestischen Hinweis auf Krämpfe (Short 1984b) und auch nicht bei Patienten mit Epilepsie (Plumb 2002a).
Gemäss einigen Autoren ist wegen den Effekten von Acepromazin auf das extrapyramidale System der Gebrauch bei Tetanus kontraindiziert (Plumb 2002a).
Rind
Die Anwendung von Acepromazin bei Kühen ist umstritten. Vor allem aber die i.v. Injektion ist kontraindiziert, da einige Todesfälle aufgetreten sind (Jones 1972a).
Zuchthengst / -eber
Zuchthengste sollten nur mit Vorsicht Acepromazin erhalten, da es zu einem Penisvorfall mit anschliessenden Verletzungen des Penis kommen kann. In seltenen Fällen kommt es sogar zu einem Priapismus (Hall 2001f), einem dauerhaften schmerzhaften Vorfall infolge Paralyse des Musculus retractor penis (Plumb 2002a).
Rassenspezifische Unterschiede Hund
Riesenrassen und Windhunde sind teilweise überempfindlich auf Acepromazin, im Gegensatz zu terrierartigen Hunderassen, bei denen Acepromazin zum Teil keine Wirkung hat (Plumb 2002a; Hall 2001j). Zudem wurde beobachtet, dass Riesenrassen oft über Tage nach Acepromazingabe noch sediert sind (Hall 2001b).
Brachyzephale Hunderassen
Bei brachyzephalen Hunderassen, die gewöhnlich schon einen hohen vagalen Tonus haben, kann Acepromazin Synkopen mit Bradykardien hervorrufen (Dodman 1984a). Vor allem bei Boxern tritt häufig schon bei kleinen Dosen Acepromazin eine plötzliche Bewusstlosigkeit mit Hypotension und Bradykardie auf. Aufgrund dieser vasovagalen Reaktion sollte diesen Tieren Acepromazin nur in sehr niedrigen Dosen (0,02 mg/kg) und immer in Kombination mit einem Anticholinergikum (Atropin) verabreicht werden (Hall 2001j).
Hunde mit MDR1-Genmutation
Besondere Vorsicht ist bei für eine MDR1-Gen-Mutation prädisponierten Hunderassen und deren Kreuzungsprodukte geboten, da ein genetisch bedingter kompletter Ausfall des p-Glykoprotein-Transporters an der Blut-Hirn-Schranke vorliegen kann und die Empfindlichkeit in Bezug auf die neurotoxischen Nebenwirkungen von einigen Wirkstoffen erhöht ist. So waren Hunde mit einer homozygoten MDR1-Genmutation nach der intravenösen Gabe von 0,04 mg/kg Acepromazin stärker und länger sediert, als Hunde ohne diesen Gendefekt. Auch bei heterozygoten Trägern der MDR1-Genmutation ist Acepromazin vorsichtig anzuwenden (Deshpande 2016a).
Kolik Pferd
Eine Injektion von Acepromazin bei Koliken beim Pferd ist nicht zu empfehlen (Miller 1987b; Parry 1982a), obwohl früher häufig Acepromazin aufgrund der spasmolytischen Wirkung (Hall 2001b) eingesetzt wurde (Frank 1970a). Die Behandlung eines Ileus bei Pferden mit Acepromazin beruht auf der Annahme, dass Acepromazin den Transport des Futters im Dünndarm fördert. Das Tier sollte aber auf alle Fälle vor der Applikation gut hydriert sein (Rakestraw 2003a) und ein ausreichendes Blutvolumen und einen stabilen Blutdruck haben (Gross 2001a).
Leberfunktionsstörung
Bei einer Leberfunktionsstörungen sollte Acepromazin nicht oder nur in reduzierter Dosis gebraucht werden (Otto 1992a), da Acepromazin in der Leber metabolisiert wird (Plumb 2002a) und somit bei Leberstörungen langsamer ausgeschieden wird (Hall 2001f).
Gerinnungsstörungen
Phenothiazine hemmen die Thrombozytenfunktion und sind daher bei Gerinnungsstörungen kontraindiziert (Hubbell 1996a; Carroll 1999b).
Analgesie
Acepromazin hat keine analgetische Wirkung und sollte daher bei Schmerzen immer mit angemessenen Schmerzmitteln kombiniert werden; siehe Dosierungen (Plumb 2002a).