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«Weiss jemand, was ‹Rot› heisst?», fragt Corinna Mauron, Leiterin des Deutschkurses im Asylzentrum in Wünnewil, ihre neun Schülerinnen und Schüler. «Red», rufen einige und freuen sich, dass sie richtig liegen. Das Thema der Lektion an diesem Morgen sind Farben. Da die meisten der neun anwesenden Asylbewerberinnen und Asylbewerber Englisch sprechen, bereiten ihnen die Farben Grün, Grau, Blau und Weiss keine Mühe. Schwieriger ist es mit Schwarz oder Violett.
Aussprache bereitet Mühe
Die neun Menschen unterschiedlicher Herkunft sind konzentriert bei der Sache und hören ihrer Lehrerin aufmerksam zu. Es ist ruhig im Klassenzimmer, nur gelegentlich flüstern die Schüler zusammen, um sich gegenseitig zu helfen. Auch für Lacher hat es Platz im Unterricht. Die Aussprache des Wortes «Schwarz», bereitet den Meisten Mühe, sie nehmen es jedoch mit Humor und artikulieren das Wort mehrmals gemeinsam.
Später sind «sch»-Wörter an der Reihe. Auch hier ist die Aussprache für viele nicht einfach, etliche Wörter scheinen für die Schüler gleich zu klingen. Über den ähnlich lautenden Wörtern «Schule» und «Schuhe» schüttelt ein Asylbewerber bloss verzweifelt den Kopf.
«Was heisst ‹Flasche›?», fragt Mauron weiter. Mehrere antworten mit «meat», also «Fleisch». Als die Lehrerin das Wort erklärt, schmunzelt einer der Teilnehmer verschmitzt und sagt: «Ah, Flasche Bier.»
Drei Monate dauert ein solcher Deutschkurs, dessen Besuch für die Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Wünnewil obligatorisch ist. Der Kurs, welcher drei Mal pro Woche stattfindet, dient in erster Linie dazu, den Menschen im Asylzentrum eine Beschäftigung zu geben (siehe Kasten). Da in ihrer Situation ungewiss ist, ob sie die Schweiz nicht bald wieder verlassen müssen, gibt es für sie noch keine offiziellen Integrationsmassnahmen.
Im Deutschkurs, den die FN besuchen, wirken alle Teilnehmer sehr motiviert. Mauron erklärt, dass es aber auch solche gebe, die nicht an den Kursen interessiert seien. «Einige machen ihre Hausaufgaben immer, andere halt nicht.» Im Kurs spricht sie meistens Englisch. «Es ist hilfreich, wenn es mehrere Personen aus der gleichen Sprachgruppe hat, dann können sie einander Dinge übersetzen.»
Corinna Mauron setzt aber auch ihre schauspielerischen Fähigkeiten ein, um sich mit den Asylbewerberinnen zu verständigen: «Erinnert ihr euch?», fragt sie und greift sich dabei mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Kopf. «Kopfschmerzen», sagt eine Asylbewerberin sofort. Schmerzen und Körperteile waren Thema eines früheren Kurses. So kennen die Kursteilnehmer auch Wörter wie «Bauchschmerzen», «Schnupfen» oder «Husten». Eine Schwierigkeit bei der Arbeit mit den Asylsuchenden ist, dass nicht alle von ihnen lesen und schreiben können. Mauron setzt im Unterricht umso mehr auf Demonstration und mündliche Wiederholung.
Die junge Freiburgerin absolviert die Ausbildung zur Migrationsfachfrau und hat bereits einige Erfahrung im Umgang mit Migranten. So hat sie beispielsweise im Empfangszentrum in Kreuzlingen und im Espace Femmes gearbeitet und ist momentan in einem anderen Asylzentrum in Freiburg für die Animation von Familien zuständig.
Individuelle Ziele
Corinna Mauron erklärt, dass die Niveaus im Kurs sehr unterschiedlich seien und sie deshalb versuche, individuelle Ziele für die Teilnehmer zu setzen. Gelegentlich macht sie kleine Tests, die aber nicht benotet werden. Und wenn die Teilnehmer 80 Prozent der Lektionen besucht haben, erhalten sie ein kleines Diplom. «Es geht darum, ihnen erste Sprachkenntnisse zu vermitteln, eine Art Vorbereitung zur Integration», sagt sie.
Die Kursteilnehmer sind sich des Nutzens eines Sprachkurses meist bewusst. Und als an diesem Morgen das Wort «schön» an der Reihe ist, sagt ein Teilnehmer zwinkernd: «That’s an important word.»
Asylzentrum: Der Langeweile entfliehen
D a Asylbewerber nicht arbeiten dürfen, bleibt ihnen viel Zeit. Im Asylzentrum in Wünnewil gibt es mehrere Beschäftigungsangebote. «Ein Teil sind die Ämtli», erklärt Michel Jungo, Leiter des Asylzentrums. So werden die Asylbewerber beispielsweise für Reinigungsarbeiten oder den Küchendienst eingesetzt. Die ORS Service AG, welche das Asylzentrum betreibt, bietet zudem interne Beschäftigungsprogramme wie Näh- oder Veloateliers an. Daneben gibt es Animationen wie Sport, Spaziergänge oder auch Ausflüge. «Wir werden gut unterstützt von der Gemeinde», sagt Jungo. So würden regelmässig Einwohner Asylbewerber abholen.
Michel Jungo erklärt, dass sich einige der Asylbewerber gut selbst organisieren können und beispielsweise die vorhandenen Spiele nutzten. Andere seien schwieriger zu motivieren. «Es ist keine einfache Situation, doch wir machen das Beste daraus.» mir