Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03317.jsonl.gz/2026

In dieser Geschichte geht es um Beziehungen zwischen den Familien Amsler, Beldi und Büchli. Diese Verbindungen, die über 300 Jahre zurück liegen, haben Spuren hinterlassen in Form des heute noch gebräuchlichen Zunamens «Beldi». Die Übertragung des ortsfremden Namens «Beldi» erfolgte zuerst auf die Amsler von Bözen und vorn dort zu den Büchli in Elfingen.
Warum gibt es Zunamen oder Übernamen?
Zunamen oder Übernamen waren früher ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Nebst den offiziellen Vor- und Nachnamen existierte in der ländlichen Schweiz ein zweites, traditionelles Namenssystem, das die Alteingesessenen bis heute verwenden. Es beruhte auf Übernamen, die einzelnen Personen, Familien oder Sippschaften verliehen wurden. Dahinter stand ein praktischer Grund: Die offizielle Namensgebung war in vielen Dörfern, in denen weitverzweigte Verwandtschaftsnetze dieselben Nachnamen trugen und die traditionellen Vornamen beschränkt waren, kein taugliches Unterscheidungsmerkmal. Als Aufhänger für die Übernamen dienten Flurbezeichnungen, auffällige Betätigungen oder soziale und körperliche Merkmale. Dabei wurden manchmal ergänzend und präzisierend ganze Ahnenreihen mitaufgezählt.
Weinbau in Böztal – Büchli Weine
In der Gemeinde Böztal gibt es eine beachtliche Anzahl von Wein Produzenten, die mit einer breiten Auswahl von Produkten aufwarten und die mit hervorragender Qualität überzeugen. Eines dieser Unternehmen wird geführt von der Weinbauernfamilie Büchli in Effingen.
Diese Familie ist bei den Einwohnern von Böztal als «Beldi Heiris» bekannt. In diesem Beitrag soll die Herkunft des Übernamen «Beldi» geklärt werden.
Der Begründer des erfolgreichen Unternehmens war Willi Büchli-Pfister (1915-1976) aus Elfingen, der in Bözen wohnhaft war. Dort kelterte er seit 1946 seinen eigenen Wein. Die Familie übersiedelte 1972 nach Effingen, wo Willi und sein Sohn an herrlicher Südlage einen Rebberg anlegten und von dort aus weiterhin seine Reben in den Nachbardörfern Bözen und Elfingen pflegten. Der Betrieb wird heute von der dritten Generation geführt.
Mein Vater Willi Amsler-Hauser war begeisterter Hobby Winzer und liess sein Traubengut aus dem «Fuchsli» in Bözen bei der Familie Büchli keltern. Die beiden Willi waren gute Freunde. Dass diese tiefe Verbundenheit zwischen den Amsler und Büchli Familien Wurzeln hatte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, konnten sie jedoch nicht ahnen.
Es besteht nämlich eine besondere Verbindung zwischen den beiden Familien über den Übernamen «Beldi». Die Amsler waren die «Brücke», über welche der Zuname «Beldi» zu den Büchli gelangte.
Amsler – Beldi – Büchli
Die Geschlechter Amsler und Büchli waren schon im 16. Jahrhundert in der Kirchgemeinde Bözen eingebürgert. Erst später, um 1655, hatte sich Ulrich Beldi in Bözen eingebürgert. Das Geschlecht der Beldi stammt ursprünglich aus Rüfenach in der Kirchgemeinde Rein. Der Name hielt sich nur für drei Generationen im Dorf und verschwand dann wieder. Die Erforschung der Verbindungen unter diesen drei Familien erschliesst die Herkunft des Übernamen «Beldi».
Die Amsler - Beldi Verbindung
Allgemein wird angenommen, dass der Zuname Beldi durch Heirat nach Elfingen kam. In der Tat gab es in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Kirchgemeinde einige wenige Ehen mit Frauen namens Beldi. Doch keine dieser Ehen prägte den Zunamen «Beldi». Der wahre Grund lag in einer wesentlich früheren Ehe im Jahr 1659, der Heirat zwischen Uli Beldi und der Witwe Verena Amsler-Brändli. Eine ausführliche Beschreibung dieser Verbindung findet sich hier.
In den Bözer Kirchenbüchern sehen wir damals u.a. die Familie von Johannes Amsler und Verena Brändli mit sechs Kindern, daneben die Familie von Uli Beldi und Freni Brändli mit vier Kindern:
Auf den ersten Blick handelt es sich hier um zwei verschiedene Familien. Doch ein «Auskauf» oder eine Art Erbvertrag zwischen Hans Amsler (1652-1729) und seiner Mutter im Januar 1677 in den Effinger Gerichtsprotokollen zeigt auf, dass Johannes Amsler um 1658 verstarb und die Witwe anschliessend Uli Beldi geheiratet hatte.
Die Kinder aus der ersten Ehe mit Johannes Amsler erhielten den Zunamen «Beldi», der Name des zweiten Ehemannes von Verena. Dessen Geschlechtsname Beldi wurde zum Übernamen der Kinder des verstorbenen Johannes. Stiefvater Uli Beldi zeugte mit Verena vier weitere Kinder. Die zehn Kinder von Verena Brändli waren Stiefgeschwister.
Der Zuname «Beldi» oder «Bäldi» für Hans Amsler (1652-1729) wurde 1729 belegt durch den vom Pfarrer vorgenommenen Eintrag im Totenrodel:
«Den 30. April 1729 starb der alte 77.-jährige Hans Amsler,
sonst Bäldi – Hans genannt
von Alterschwachheit ohne Krankheit.»
Dieser Zuname blieb für alle Nachkommen von Hans Amsler (1652-1729) bis ins 19. Jahrhundert erhalten. Im ersten Bürgerregister Bözen von 1820 findet sich noch ein Johannes Amsler, der «Beldi» genannt wurde, er war ein Vertreter der Linie von «Beldi Ruedis». Nachher wurden z.B. die «Beldi Schumachers» nur noch als «Schuhmachers» bezeichnet und es entstanden neue Zunamen wie «Schreiners».
Die Amsler-Büchli Verbindung
Auch hier ist die Heirat mit einer Witwe der Auslöser für die Zuweisung des Übernamen «Beldi». Allerdings wird hier der bestehende Übername «Beldi» von Hans Amsler (1678-1762) auf seinen Stiefsohn übertragen. Hans Amsler war der zweite Ehemann der Witwe Susanna Büchli-Heitz und ihr Sohn Hans Urech Büchli aus der ersten Ehe erhielt den Zunamen vom Stiefvater.
Hans Urech Büchli wurde 1718 in Elfingen geboren als jüngstes Kind von Hans Büchli und Susanna Heitz die von Bözberg stammte. Kurz darauf verstarb der noch junge Familienvater im Alter von kaum 40 Jahren. Dieser Hans Urech wurde zum Stammvater der Familie Büchli, genannt «Beldi». Unter dessen Nachkommen findet sich unter anderen die vorgängig erwähnte Weinbauernfamilie Büchli in Effingen.
Wie schon im Fall der Amsler-Beldi Verbindung liegt auch hier der Nachweis in einem Ehe- und Erbvertrag. Dieser wurde im Jahre 1735 in Gegenwart des Obervogts von Schenkenberg ausgefertigt und bezeugt. Schon in den ersten Zeilen vernehmen wir wichtige Einzelheiten zu der familiären Situation des Ehepaars. Im Erbvertrag wird ein Alleinerbe genannt, Hans Urech Büchli, jüngster Sohn aus der ersten Ehe von Susanna Heitz und Hans Büchli.
Transkription:
Eheverkommnus
in Gothes Nahmen Amen:
Wir Hanss Amssler und Susanna Heitz Ehemenschen
zu Elfigen im Amt Schenkenberg gesessen, bekennend
dass wir bereits in die 17: jahrlang under dem Segen dess
Herren in süssem Friden und Einigkeit in der Ehe beyeinan-
gesessen und gelebt, ohne dass wir seither mit Kinderen
von unss beyden erzeüget, begabt, und ohne einche Ehebeding
under unss auffgerichtet, unss befinden. Derohalben…
Zusammengefasst heisst dies, dass sich das Ehepaar Hans Amsler und Susanna Heitz entschlossen hatten, nach 17 kinderlosen Ehejahren ihr Erbe zu regeln. Zu diesem Zeitpunkt waren die Eheleute um die 55 Jahre alt gewesen, es war also an der Zeit, ihren Willen festzuhalten. Es muss wohl auch auf beiden Seiten ein gewisses Vermögen vorhanden gewesen sein, welches eine vertragliche Abmachung notwendig machte.
Ob sie tatsächlich in «süssem Frieden und Einigkeit» gelebt hatten, entzieht sich unserer Kenntnis, doch es war damals üblich, dass der Landschreiber beim Abfassen solcher Verträge blumige Formulierungen verwendete.
In einem ersten Punkt versprechen sich die Ehepartner gegenseitige Liebe, Treue und «geneigten Willen». Zweitens wird bestimmt, dass beim Hinschied des einen Ehepartners der überlebende Partner der Alleinerbe sei. Im dritten Punkt geht es um das Erbe nach dem Hinschied beider Ehepartner.
Transkription:
Drithens denn, soll nach beidseithiger unser der Ehe-
leüthen früh oder spath zutragenden Todesfahl mein der
Ehefrauen von meinem ersten Ehemann dem Hanss Büchli
seel: von Elfigen erzeügte Sohn, nahmens Hanss Urech Büechlin
(…als alleiniger Erbe eingesetzt…)
Mit dem Ehevertrag wird sowohl von der Mutter Susanna Heitz als auch ihrem zweiten Ehemann Johannes Amsler einhellig erklärt, dass der «von der Ehefrau und meinem ersten Ehemann gezeugten Sohn», zum Alleinerben ernannt wird. Dies war der jüngste Sohn, Hans Urech Büchli, geboren 1718.
Vom 16-jährigen Stiefsohn Hans Urech wird weiterhin pflichtbewusster Gehorsam verlangt. Dies war die Bedingung des Stiefvaters, damit Hans Urech die Erbschaft nach dem Tod der Eltern auch tatsächlich antreten konnte.
Den Kirchenbüchern entnehmen wir die näheren Lebensdaten der vorgenannten Personen: Hans Büchli hatte Susanna Heitz vom Bözberg am 10. Februar 1708 geheiratet. Zehn Jahre später, am 18. Dezember 1718 verstarb Hans Büchli als «noch junger Hausvater von noch nicht 40 Jahren». Er muss also um 1678 oder 1679 geboren worden sein. Hans Büchli war der Vater des am 10. Februar 1718 geborenen Hans Urech Büchli. Der kleine Hans Urech hatte noch im gleichen Jahr seinen Vater verloren.
Er muss also um 1678 oder 1679 geboren worden sein. Hans Büchli war der Vater des am 10. Februar 1718 geborenen Hans Urech Büchli. Der kleine Hans Urech hatte noch im gleichen Jahr seinen Vater verloren.
Kurz darauf, am 17. Februar 1719, heiratete die Witwe Susanna Büchli-Heitz den Junggesellen Johannes Amsler aus Bözen, geboren am 24. November 1678. Er war das älteste Kind von Hans Amsler, genannt «Bäldi Hans» und Anna Heuberger.
Als Folge der zweiten Ehe seiner Mutter wurde Hans Urech Büchli (1718-1799) mit dem Übernamen seines Stiefvaters bezeichnet. So übertrug sich der Zunamen «Beldi» von Hans Amsler auf die Familie Büchli in Elfingen. Dieser Zuname blieb erhalten bis in die Gegenwart.
Der Übername «Beldi» in den Kirchenbüchern
Eine hervorragende Quelle für den Familienforscher sind die „Haus Besuchungs Rodel“ die vom Pfarrer der Kirchgemeinde Bözen geführt wurden. Es handelt sich dabei um eine Art Volkszählung, eine Momentaufnahme aller Bewohner der drei Dörfer Bözen, Effingen und Elfingen zu dieser Zeit. Solche Register wurden um 1755, 1766, 1790, 1812 und 1822 erstellt.
Je nach Pfarrer enthalten diese Aufzeichnungen nebst den Namen der Einwohner umfangreiche Zusatzinformationen, wie Geburtsdatum oder Aufenthaltsort der Personen (z.B. in fremden Kriegsdiensten). Dazu gehören auch die so wichtigen Familienübernamen, die zum Teil heute noch in Gebrauch sind.
In der von Pfarrer Johann Rudolph Lüpold verfassten Liste der Bewohner von Elfingen um 1790 befindet sich im Haus Nr. 11 die 17. Haushaltung im Dorf. Das Haus wurde bewohnt von drei Generationen der Familie Büchli, genannt «Beldi»:
Transkription:
Hans Ulrich Büchli, der Beldi 20. February 1718
Anna Brack von Bözen, obyt 7. February 1717
Son:
Hans Jacob Büchli, der Beldi Jacob 6. August 1747
Anna Maria Wülser 29. June 1749
children:
Anna Maria 21. Oct. 1781
Barbara 11. April 1784
Hans Jacob 2. July 1786
Nachfahren von Hans Büchli (1678-1718)
Hier die direkten Nachfahren von Hans Büchli. Sein Sohn Hans Urech war der erste Büchli mit dem Zunamen «Beldi». Er hatte ihn von seinem Stiefvater Hans Amsler übernommen.
Mit dem 1819 geborenen Heinrich Büchli wurde der Zweig der «Beldi Heiris» begründet. Auch vier Generationen später behielten die drei Söhne von Gottlieb Büchli und Bertha Brack den gleichen Zunamen. Unter den Alteingesessenen Böztalern weiss man heute noch, um wen es sich handelt.
Familie Gottlieb Büchli-Brack um 1930:
Mitte: «Beldi Heiri Willi» (1915-1976),
links: «Beldi Heiri Röbi» (1918-1991),
rechts: «Beldi Heiri Werni» (1924-1972),
Zweite von links ist Mutter Bertha Büchli-Brack (1889-1980),
zweiter von rechts ist Vater Gottlieb Büchli (1882-1941).
Auf diesem Bild sehen wir Maria Büchli-Dätwyler, «Pintenwirts» (1853-1931).
Ihr Ehemann Heinrich Büchli «Beldi Heiris» war wenige Jahre zuvor verstorben.
Links sitzend ist Maria Büchli, rechts von ihr ist die jüngere Tochter Elise (1885-1967), stehend hinten links Tochter Lina (1878-1970) sowie Sohn Gottlieb (1882-1941).
Der Fotograf war A. Varady-Pfister in Basel. Er muss eine besondere Beziehung zur Kirchgemeinde Bözen gehabt haben. Varady war oft beruflich hier. Zum Glück sind noch einige seiner schönen Aufnahmen erhalten, so zum Beispiel Gruppenaufnahmen der Musikgesellschaft Elfingen um 1904 oder des Männerchors Bözen um die gleiche Zeit.
Mit dieser kurzen Abhandlung wird nachgewiesen, wie der Zuname «Beldi» entstand. Vor Jahrhunderten gab es Verbindungen zwischen den Familien Amsler, Beldi und Büchli. Der Übername entstand durch Heiraten im Jahre 1659 für die Amsler, sowie 1718 für die Büchli. Der Zuname ist heute noch Zeuge dieser Beziehungen.
2 Gedanken zu “Büchli aus Elfingen, genannt «Beldi»”
Deine Entdeckung wie der Name “Beldi” über Patchwork-Verwandtschaften nach Bözen importiert wurde, schildert einen weiteren Grund dafür, dass die Nebenlinien ebenso achtsam erforscht werden sollten wie die direkte Blutlinie – zumindest diejenigen, die unter dem gleichen Dach hausten, Bett und Brot miteinander teilten. Dazu gehören auch die Halb- und Stiefgeschwister, die von Zweit- und Drittpartnern der Eltern in die Ehe gebracht wurden. Danke Walter für den höchst inspirierenden Beitrag!
Dem kann ich nur beipflichten. Da diese Informationen in den Kirchenbüchern meistens fehlen, sind zusätzliche Quellen wie Gerichts- und Fertigungsakten sehr wertvoll. In Ehe- und Schleissverträgen, Teilungen, Gant- und Hausbesuchungrodel finden sich oft Hinweise auf Patchwork Familien und Nachkommen aus mehreren Ehen.