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Was ist die Rolle der Netzhaut?
Aufbau und Aufgaben der Netzhaut
Die Retina (Netzhaut) befindet sich im hinteren Augenbereich. Sie besteht aus vier verschiedenen Zellschichten mit einer jeweils eigenen Zellstruktur und unterschiedliche Aufgaben:
- Das retinale Pigmentepithel:
Diese flache, einschichtig Zellschicht befindet sich zwischen Aderhaut und Netzhaut. Das Pigmentepithel ist für die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung der Photorezeptorschicht verantwortlich.
- Die Photorezeptorschicht:
Die Photorezeptorschicht besteht aus zwei unterschiedlichen Zelltypen, die aufgrund ihrer spezifischen Form als Zapfen und Stäbchen bezeichnet werden. Es handelt sich um Lichtsinnzellen, welche die Lichtaufnahme ermöglichen. Während die Stäbchen sehr lichtempfindlich reagieren und daher für das Hell-Dunkel-Sehen zuständig sind, weisen die Zapfen kaum eine Photosensitivität auf. Drei unterschiedliche Arten von Zapfen ermöglichen stattdessen die Sehschärfe und das Erkennen der Farben Rot, Grün und Blau und anderen Farben.
- Die Bipolarzellschicht:
Die Bipolarzellschicht verbindet die Photorezeptorzellen mit den Zellen der Ganglienschicht. Die Zellen der Biopolarzellschicht erhalten von der Photorezeptorschicht chemische Signale, die sie in gebündelter Forma an die Ganglienzellen weiterleiten.
- Die Ganglienzellschicht:
Sie liegt – im Gegensatz zu den lichtempfindlicheren Zellschichten der Netzhaut – auf der dem Licht zugewandten Seite. Die Ganglienzellen wandeln die erhaltenen Informationen in elektrische Signale um. Diese für die Weiterleitung von Reizen verantwortlichen Impulse werden auch als „Aktionspotential“ bezeichnet. Der paarig angelegte Sehnerv (Nervus opticus) wird aus den beiden gebündelten Nervenenden der Ganglienzellen gebildet und verläuft bis zum zentral gelegenen Thalamus. Die Austrittstelle des Nervus opticus weist keinerlei Licht-Sinneszellen auf und wird daher auch als „Blinder Fleck“ bezeichnet. Als „Gelber Fleck“ (Macula lutea) wird dagegen der Bereich bezeichnet, der für die Sehschärfe zuständig ist.
Mögliche Ursachen von Netzhautentzündung und der Netzhautgefässe
Eine Retinitis, also eine Entzündung der Netzhaut des Auges tritt meist gemeinsam mit einer Entzündung der Aderhaut (Choroidea) auf und kann im ungünstigsten Falle sogar auf den Sehnerv übergehen. Eine Chorioretinitis ist also eine Netzhautentzündung, die mit einer gleichzeitigen Entzündung der Aderhaut einhergeht. Die Chorioretinitis wird durch Bakterien oder Parasiten hervorgerufen, die Infektionen oder Erkrankungen verursachen. So ist beispielsweise das Cytomegalievirus eine häufige Ursache der Retinitis. Doch können beispielsweise Erkrankungen wie Röteln oder auch HIV ebenfalls eine Retinitis (mit)verursachen.
Eine Entzündung der Blutgefässe der Netzhaut (retinale Vaskulitis) wiederum wird meist durch autoimmune Prozesse, bei denen das (fehlgeleitete) Immunsystem irrtümlicherweise körpereigenes Gewebe angreift, verursacht. Bei genetisch bedingten Erkrankungen der Netzhaut wie der Retinitis pigmentosa sterben mit der Zeit immer mehr Sehzellen ab.
Die Symptome einer Netzhautentzündung
Die Symptome einer Retinitis hängen vom jeweiligen Schweregrad und der Lokalisation des Ortes des Entzündungsgeschehens ab, da die Sinneszellen recht ungleichmässig über die Retina verteilt sind. Entzündungsprozesse, die sich am Netzhautrand abspielen, verursachen in der Regel weniger ernste Beschwerden wie eine reduzierten Sehfähigkeit. Ist jedoch die Umgebung des Makula lutea betroffen, kann es zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Sehfähigkeit kommen.
Im schlimmsten Fall kann eine Entzündung sogar zu Schwellungen und entzündlich bedingten Wasseransammlungen führen, die wiederum eine Netzhautablösung zur Folge haben können oder die Entstehung von Netzhautrissen bedingen.
Unter Umständen kann es auch zu Einblutungen in die Retina kommen. Bei schwerwiegenderen Entzündungen kommt es eventuell zum sogenannten Gesichtsausfall und je nach Schweregrad bestehen mehr oder weniger Schmerzen und Sehstörungen.
Diagnose der Retinitis
Mit Hilfe der Funduskopie (Spaltlampe) können Netzhaut- oder Netzhautgefässänderungen bereits im frühen Stadium festgestellt werden. Auch die sogenannte Fluoreszenzangiographie kann wichtige Hinweise über den Zustand der Netzhaut des Auges liefern. Hierfür werden die Pupillen durch entsprechende, lokal zu verabreichenden Tropfen weitgestellt und anschliessend die Retina fotografiert. Um den Zustand der Netzhautgefässe besser erkennen zu können, kann ein farbiges Kontrastmittel injiziert werden. Anhand der Ergebnisse der Untersuchung und der charakteristischen Symptome des Betroffenen kann der Augenarzt die Diagnose erstellen.
Mögliche Komplikationen einer Retinitis
Eine unbehandelte oder unsachgemäss behandelte Retinitis kann zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Sehvermögens führen. Daher sollte eine Netzhautentzündung oder retinale Vaskulitis umgehend dem Augenarzt vorgestellt und adäquat behandelt werden. Bei einer durch Infektion entstandenen Netzhautentzündung besteht das Risiko einer Netzhautnekrose, bei der es zum Tod (Nekrose) der Netzhautzellen kommt. Dieses stellt ein hochakutes Geschehen und damit einen Notfall dar, welcher einer sofortigen Behandlung bedarf.
Behandlung der Entzündung der Netzhaut und Netzhautgefässe
Je nach Entzündungsgeschehen kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten in Betracht. Bei infektiös bedingten Entzündungen werden Antibiotika oder antivirale Medikamente eingesetzt. Mitunter kommen auch cortisonhaltige Medikamente bzw. Steroide zum Einsatz.
Eine Ablösung der Netzhaut erfordert einen chirurgischen Eingriff und/oder eine Laserbehandlung, um die Netzhaut dauerhaft fixieren zu können.
Wichtig: Die frühzeitige Behandlung
Zwar kommen Netzhaut- und Netzhautgefässentzündungen selten vor. Bleiben sie allerdings unbehandelt, können sie zur Erblindung führen. Werden sie aber zu spät behandelt, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Daher ist ein rechtzeitiger Behandlungsbeginn ausschlaggebend. Bei einer frühzeitigen Behandlung ist die Prognose günstig und es sind keinerlei Folgen wie verminderte Sehfähigkeit zu befürchten. Regelmässige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt sind daher die beste Vorsichtsmassnahme für den Erhalt einer gesunden Netzhaut.
Fazit
Die Netzhäute der Augen sind für das Sehen unentbehrlich und sollten daher regelmässig auf pathologische Veränderungen hin untersucht werden. So kann der Augenarzt frühzeitig mögliche Entzündungs- und Erkrankungszeichen erkennen und entsprechend behandeln, damit die Retina und ihre Netzhautgefässe bis ins hohe Alter hinein gesund bleiben.
Unsere Augenärzte führen sehr gerne bei Ihnen Netzhautuntersuchungen durch und bei Problemen leiten die notwendigen Therapieschritte ein.