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Einführung
Vorschriften
Die Verordnung über den Schutz der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen vor Gefährdung durch Mikroorganismen regelt unter anderem den Umgang und die Exposition bezüglich Mikroorganismen. Geht es um den Arbeitnehmerschutz, sind vor allem Artikel 5 und 8 von Bedeutung.
Art. 5 Allgemeines Vorgehen
Absatz 1: Der Arbeitgeber muss zum Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor jedem Umgang mit Mikroorganismen und vor jeder Exposition gegenüber Mikroorganismen die Gefahr ermitteln und das damit verbundene Risiko bewerten.
Absatz 2: Die Gefahrenermittlung und die Risikobewertung sind regelmässig zu wiederholen, insbesondere bei jeder Änderung der Bedingungen oder beim Vorliegen wesentlicher neuer Erkenntnisse.
Absatz 3: Der Arbeitgeber muss der zuständigen Behörde auf Verlangen die Kriterien mitteilen, die er zur Gefahrenermittlung und zur Risikobewertung anwendet.
Art. 8 Allgemeine Sicherheitsmassnahmen
Absatz 1: Der Arbeitgeber muss zum Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Gefährdung ihrer Sicherheit und Gesundheit durch Mikroorganismen alle Massnahmen treffen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den gegebenen Verhältnissen angemessen sind.
Absatz 4: Der Arbeitgeber muss durch Hygienemassnahmen dafür sorgen, dass Mikroorganismen weder die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gefährden noch auf Personen ausserhalb des Arbeitsplatzes übertragen werden. Er muss zudem dafür sorgen, dass den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geeignete Waschanlagen zur Verfügung stehen, in denen die erforderlichen Wasch- und Dekontaminationsmittel vorhanden sind.
Absatz 5: Überdies muss er für Räume, in denen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Gefahr einer Kontamination durch pathogene Mikroorganismen besteht, ein Ess-, Trink-, Rauch-, Schnupf- und Schminkverbot aussprechen sowie durchsetzen. In solchen Räumen dürfen auch keine Nahrungsmittel aufbewahrt werden.
Umschlag und Bearbeitung von Abfällen
Dies betrifft nicht nur Abfallverwertungsanlagen und Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA), sondern auch Abfallsammelstellen in Betrieben, insbesondere in der Lebensmittelproduktion, in Hotels und Spitälern.
Ein Grossteil der Abfälle besteht aus oder beinhaltet organisches Material. In aerober Umgebung und bei genügend langer Verweilzeit bilden viele dieser Stoffe ein gutes Wachstumssubstrat für Schimmelpilze.
Es besteht an vielen Arbeitsplätzen der Abfallwirtschaft eine potenzielle Exposition gegenüber Bioaerosolen. Mit Ausnahme der Kompostierung, wo den Mikroorganismen eine wichtige Rolle der Abfallumwandlung und -hygienisierung zukommt, handelt es sich um unbeabsichtigten Umgang mit Mikroorganismen.
Arbeiten in Stäuben von Schimmelpilzen gilt explizit als möglicher Auslöser von berufsbedingten Atemwegserkrankungen.
Besonders bei Abfallverwertungsanlagen, aber auch KVA und Abfallsammelstellen ist die Exposition bezüglich Bioaerosolen wenig kontrolliert und kontrollierbar. Abfall kann bereits im Vorfeld mit Schimmel und Bakterien belastet sein auf Grund der Abfallsammlung und -aufbewahrung in Haushalten und Industrie.
Bei den Abfalltransportfahrzeugen sind eine hohe Ladekante, seitlich begrenzt von schürzen, eine Wannenform, die freien Fall und anschliessenden Aufprall des Falls verhindert, eine Automatikschüttung von Containern von einem entfernten Standort aus, sowie weitere Reinigungs- und Hygienemassnahmen hilfreich, um die Keimbelastung der Beschäftigten zu reduzieren. Arbeiter, die mit Kompost oder Abfall in arbeiten, wie dies auch bei der Abfalltrennung und Wertstoffsortieranlagen der Fall ist, sind Toxinen und Allergenen besonders ausgesetzt. Die grossen Maschinen und das Bewegen der mikroorganismenbelasteten Massen unterstützt die Verteilung von Bioaerosolen. Staubbildung und ungenügende Lüftungstechnische Möglichkeiten tragen ebenfalls dazu bei.
Dies trifft auch auf Arbeiten im Bereich Kanalisationen und Kläranlagen, Deponien, Müllverbrennung und Kompostierung zu.
Eine weitere kommunale Aufgabe mit teils hoher Schimmelpilzexposition der Beschäftigten in der Strassenreinigung, insbesondere, wenn mit Laubbläsern gearbeitet wird. Diese hüllen den Menschen in eine Staubwolke ein.
In Lebensmittelbetrieben, wo gezielt Mikroorganismen eingesetzt werden (Käseproduktion, Brotproduktion, Bierherstellung), ist die Luft besonders belastet. Aber auch andere Lebensmittelbetriebe sowie Restaurants sind nicht zu vernachlässigen, denn die Abfälle/verdorbene Esswaren, bzw. schon auch die vorhandenen Lebensmittel, enthalten einerseits bereits eine Flora an Mikroorganismen und bieten andererseits ideale Lebensbedingungen. Aflatoxine aus Pilzen in Getreide ist sehr toxisch.
Landwirtschaftliche Betriebe
Pilze und pilzähnliche Organsimen sind in der Landwirtschaft und im Gartenbau über die ganze Produktionskette hinweg zu finden. Pflanzenpathogene Pilze sorgen für massive Ernteausfälle, jedoch werden auch einige Pilze als biologische Pflanzenschutzmittel eingesetzt.
Der Mensch ist im Freiland und im Innenbereich gegenüber pilzlichen Organsimen exponiert. Sowohl in der Pflanzenproduktion als auch in der Nutztierhaltung sind ernste gesundheitliche Belastungen in Form von Atemwegs- und Hauterkrankungen, Allergien und Mykotoxinvergiftungen bekannt.
Auch die von Pilzen produzierten MVOC, als erdig oder muffig riechend wahrgenommen, können Symptome wie Müdigkeit, Schleimhautschwellunge, Kopfschmerzen, Juckreiz und Hautausschläge sowie Stimmungsschwankungen und sogar Aggressivität auftreten.
Anbau- und Erntearbeiten, Aufbereitung, Transport und Lagerung von Pflanzen und Erntegut, aber auch das Verteilen von Hackschnitzeln oder Einstreumaterialien und Fütterungsarbeiten gehören zu den Tätigkeiten im Agrarbereich, die unter einer erhöhten Exposition von pilzlichen Organismen ausgeführt werden.
Wie viele Pilze vorhanden sind hängt unter anderem von Temperatur, Feuchtigkeit, Inokulum (Substrat, also um welche Pflanzen/Tiere es sich handelt), Ernterückstände und Lagerbedingungen. In der Tierhaltung weisen Pferde- und Geflügelställe eine höhere Sporenkonzentration auf als Rinder- oder Schweineställe. Neben der Haltungsform, den lüftungstechnischen Installationen und der Tierart wird die Sporenbelastung der Stallluft auch durch die Futtermittel beeinflusst.
Für Personen, die bei der Arbeit viel mit Einstreumaterial und Futtermitteln zu tun haben und hohen Staubbelastungen ausgesetzt sind, besteht ein Risiko, an der sogenannten Farmerlunge zu erkranken. Sie wird durch mikrobiell kontaminierten Staub ausgelöst und ist eine fortschreitende allergische Entzündung der Lungenbläschen, welche von grippeartigen Symptomen begleitet werden kann.
Pflanzenpathogene Pilze können eine allergene oder toxische Wirkung entfalten. Toxine können neurotoxisch, mutagen, karzinogen oder teratogen sein für Mensch und Tier. Die Aufnahme erfolgt über kontaminierte Lebensmittel, durch Inhalation oder bei Hautkontakt.
Vor allem die Mykotoxinbildung am Feld von Feldpilzen der Gattungen Claviceps und Fusarium ist bekannt und nicht zu unterschätzen. Durch optimale Lagerbedingungen können Nacherntekontaminationen weitgehend verhindert werden.
Hier einige Beispiele für wichtige, allergieauslösende und mykotoxinbildende Schadpilze:
Alternaria produzieren luftbürtige Allergene und werden als Risikofaktor für Asthma und alergische Rhinitis eingestuft. Auch fetotoxische, teratogene, mutagene und genotoxische Substanzen werden produziert.
Die Aufnahme erfolgt vorwiegend über Inhalation.
Sie befallen u. a. Getreide, Tomaten, Ölfrüchte, Kartoffeln, Äpfel, Gemüsearten und Zierpflanzen.
Mutterkorn; Claviceps purpurea: Als unbeabsichtigte Exposition in der Landwirtschaft. Der Pilz infiziert Gräser und Getreide während der Blütezeit.
Akute Vergiftungen führen zum Tod durch Atem- oder Herzstillstand. Chronische Vergiftungen können sich in Taubheitsgefühl, Magen-Darmstörungen, Brechdurchfällen oder epileptischen Anfällen äussern.
Das höchste Gefahrenpotenzial geht von rohen Getreideprodukten wie Müsli oder von gebackenem Brot aus kontaminiertem Mehl aus.
Fusarien in Getreide und Mais: Ihre Toxine wirken zytotoxisch, nephrotoxisch, dermatotoxisch, immunotoxisch und als gastrointestinale Reizststoffe.
Die Eliminierung der Toxine ist sehr schwierig, da diese sehr stabil sind. Die Gefährdung des Menschen ist vor allem durch Aufnahme von kontaminierten pflanzlichen Produkten gegeben. Aspergillus und Penicillium Arten sind ubiquitär verbreitet und finden sich vor allem in Getreide, Nüssen, Gewürzen, Reis, Obst und Gemüse. Sie bilden Aflatoxine und Ochratoxine, welche beide sehr gefährlich sind für den Menschen.
Die häufigste Aufnahme geschieht durch den Konsum von Erdnuss- und Maisprodukten.
Akute und chronische Vergiftungen rufen Leberzirrhosen und Lebertumore hervor, aber auch Lungenkrebserkrankungen nach Inhalation sind möglich. Die Toxine sind äusserst stabil und deshalb schwer zu eliminieren.
Lebensmittelbetriebe
Schadstoffe in Lebensmitteln werden als ein möglicher Faktor bei der Auslösung von Lebensmittel-Allergien diskutiert. In der Lebensmittelindustrie wird oft gezielt mit Bakterien oder Schimmelpilzen gearbeitet, wie zum Beispiel in einer Käserei oder Bäckerei. Die Organsimen selber, aber auch Enzyme oder andere Zusatzstoffe aus Pilzen können zu allergischen oder toxischen Problemen führen.
Arbeitsvorgänge, bei welchen eine Pilzexposition erhöht ist, sind vor allem Wareneingangskontrolle und Probennahme, innerbetrieblicher Transport und Verpackung, sowie Reinigungs- und Installationsarbeiten und Abfallentsorgung.
Auch ungewollt vorkommende Schimmelpilze sind verantwortlich für einige Gefahren. Zum Beispiel stellt Aflatoxin B1 in getreideverarbeitenden Bertrieben ein Risiko dar. Dies ist ein Schimmelpilzgift, welches stark leberschädigend und karzinogen ist.
Der Schimmel wächst in Getreide (Weizen, Mais), deshalb können eine gute, regelmässige Reinigung sowie die Untersuchung des verarbeiteten Rohstoffes auf das Gift wirksame Massnahmen darstellen.
Die Berufsallergie Bäckerasthma, ein allergisches Atemwegleiden, kommt durch gehäuften Kontakt zu den spezifischen Auslösern, die zu Bäckerasthma führen können, zustande. Dazu zählen beispielsweise Mehl und Enzyme der Hefen. Feiner Mehlstaub verteilt sich in Backstuben häufig in der Atemluft und kann so zu Bäckerasthma führen. Hier sind eine gründliche Reinigung sowie eine Staubverminderung sehr wichtig.
An der Malzarbeiterlunge, der der Pilz Aspergillus clavatus zugrunde liegt, zu erkranken, stellt in Mälzereien ein Risiko dar. In Käsereien und bei der Salamiherstellung wird mit Penicillium Arten gearbeitet, welche Mykotoxine produzieren.
Bibliotheken + Archive
Schimmelbefall von Archiv- und Bibliotheksgut stellt weltweit bis zum heutigen Tag ein noch nicht bewältigtes Problem dar. Ursache des Befalls ist eine Lagerung bei zu hoher Feuchtigkeit und Temperatur oder die Einlagerung nicht sanierter kontaminierter Objekte mit hoher Restfeuchte. In solchen Objekten kommt es aber nicht nur zur Vermehrung von Schimmelpilzen, sondern auch von Milben.
Milben gedeihen bei Temperaturen über 25° Celsius und Feuchtigkeit über 65% optimal. Schimmelpilze fördern das Milbenwachstum durch Aufschluss von Nährstoffen für die Milben oder dienen selbst den Milben, insbesondere Vorratsmilben, als Nahrung.
Atemwegserkrankungen, Sensibilisierungen gegen die Hausstaubmilben. vermehrt unter Allergien auf Hausstaubmilben litten, hohe Konzentrationen von Endotoxinen in der Luft am Arbeitsplatz, hautirritierend.
Bei Beschäftigten aus Archiven und Bibliotheken wurden toxisch und allergisch bedingte Krankheitsbilder der Haut und oberen Atemwege durch Bioaerosole zum Teil signifikant gehäuft beobachtet.
Neben dem Einhalten der Klimarichtwerte ist auch eine ausreichende Ventilation der Magazine erforderlich; entscheidend für die Befallsanfälligkeit für Schimmelpilze ist nicht nur die relative Luftfeuchte im Raum, sondern der Wassergehalt des einzelnen Objekts - so dürfen nur trockene Archivalien (10-12% Wassergehalt) ins Magazin eingestellt werden
Kontaminierte Archivalien sollten getrocknet und gereinigt werden, ehe sie in Magazine eingestellt werden. Magazine sollten Luftfeuchtigkeiten unter 50 % - 55 % und Temperaturen unter 19 C haben. Staubende Tätigkeiten sollten in einer geeigneten Werkbank durchgeführt werden, ggf. auch mit geeignetem persönlichem Arbeitsschutz. Arbeitstische und Flächen sollten bei Arbeit mit kontaminierten Archivalien täglich desinfizierend gereinigt werden. Da durch eine Abtötung der Mikroorganismen oder Milben nur ihre Infektionswirkung, nicht aber ihre allergene und toxische Wirkung unterbunden wird und die Analytik der Schimmelpilze ohnehin schwierig ist, wird vorgeschlagen, aseptische Techniken in den Archivbetrieb einzuführen, um die Exposition gegenüber Sporen generell so niedrig wie möglich zu halten.
Bei Hautverschmutzung sollte ein Hautschutzplan erstellt und geeignete Hautreinigungs-, Hautschutz- und Hautpflegemittel angeboten werden. So können Sensibilisierungen und damit schwere allergische Krankheitsbilder vermindert werden.
Räumlichkeiten im Gesundheitswesen
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