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Zum Wohl!
Ein Globuspokal, Abraham Gessner, um 1600
Globen aus Schweizer Produktion gibt es weniger als eine Handvoll. Dafür existieren heute noch mehr als ein Dutzend so genannte Globuspokale. Das abgebildete Exemplar besteht aus getriebenem und gegossenem Silber und ist höchst exquisit vergoldet, ziseliert und graviert. Es war Eigentum der Chorherren-Gesellschaft in Zürich, später der Stadtbibliothek und heute der Zentralbibliothek Zürich. Der Globuspokal wird aktuell als Dauerleihgabe im Nationalmuseum aufbewahrt. Hersteller war vermutlich der Goldschmied Abraham Gessner (1552–1613), der damit seinem Vorbild und Kollegen Hans Jacob Stampfer (1505–1579) nacheiferte. Auf einem reich verzierten Podest steht Atlas, der die Erdkugel auf seinem Kopf balanciert. Die Erdkugel selbst hat 15,5 cm Durchmesser und ist innen hohl. Auf ihrem Nordpol ist ein Gestell befestigt, das seinerseits eine kleine lose Himmelskugel trägt. Kartografisch konnte Gessner natürlich nichts Neues bieten. Er musste sich auf die damaligen Autoritäten wie Gerard Mercator (1512–1594) stützen, von dem er auch die typische Kursive zur Beschriftung der Ozeane übernahm. Doch weshalb sollte ein Zürcher Goldschmied überhaupt mehr als ein Dutzend solcher Kunstwerke anfertigen? Die meisten Exemplare dürften Prestigeobjekte gewesen sein. Sie prunkten in den Schatzkammern von Fürsten und anderen Adligen. Das abgebildete Exemplar wurde jedoch 1673 von der Chorherren-Gesellschaft erworben. Von da an gehörte der Pokal jeweils am 28. Januar zum Tafelsilber. Das Datum ist der Todestag Kaiser Karls des Grossen, dessen die Chorherren und – seit deren Abschaffung – die Mitglieder der Gelehrten Gesellschaft mit einer lateinisch vorgetragenen Rede und einem üppigen Festmahl zu gedenken pflegen. Und jetzt kommt der Clou: Wenn man die Himmelskugel aus ihrer Halterung hebt und die Erdkugel entlang des Äquators trennt, erhält man zwei Becher. Edle Weine wurden so herumgereicht und zu Ehren des Kaisers von jedem anwesenden Mitglied gekostet. Mit diesem Brauch hörten die gelehrten Herren freilich spontan auf, als sie vernahmen, dass Gold und Silber im Nationalmuseum jeweils mit Zyankali gereinigt werde. Zum Wohl!
Bibliografische Angaben
Globuspokal von Abraham Gessner, um 1600. Bild aus: Die Becher der ehemaligen Chorherrenstube. Zürich: Orell, Füssli, 1860. (Neujahrsblatt herausgegeben von der Stadtbibliothek in Zürich, 1860).
Bildauswahl und Text
Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich