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Neue Konkurrenz im Sportklettern Vermehrt Wettkämpfe in Asien und Südamerika
Westeuropäische Wettkampfkletterer waren bis Ende der 1990er-Jahre unter sich. Mit der diesjährigen Gründung eines eigenen internationalen Sportkletterverbandes IFSC bewerben sich neue Veranstalter aus China, dem Nahen Osten und Südamerika – und mit ihnen erwächst dem angestammten Kreis der Kletterelite neue Konkurrenz.
Die ersten Weltcups der Sportklettergeschichte Anfang der 1990er-Jahre fanden im Zürcher Hallenstadion, im Palais de Bercy in Paris oder im Olympiastadion von Innsbruck statt. Die Preisgelder waren deutlich höher als heute, und oft konnten die Siegerin und der Sieger neben einem Check auch gleich noch ein Auto des Titelsponsors mit nach Hause nehmen. Diese Wettkämpfe fanden fast ausschliesslich in Westeuropa statt.
Erste Euphorie bald verflüchtigt
Meist waren es private Organisatoren oder grosse Konzertagenturen wie Good Weltmeisterschaft und Weltcup Eine Weltmeisterschaft ist eine einmalige, internationale Veranstaltung, an der sich die Spitzenathleten messen. Sie findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Meist gibt es mehrere Aus-scheidungsrunden innerhalb von maximal zwei Tagen. Ein Weltcup besteht aus mehreren Wettkämpfen, verteilt über mehrere Monate. Weltcupsieger wird, wer nach dem Absolvieren der ganzen Serie am meisten Punkte gesammelt hat.
News in der Schweiz, die die Anlässe durchführten und auch das gesamte finanzielle Risiko übernahmen. Das war ein Glücksfall für die (alpinen) Verbände, die damals weder das Know-how noch die Finanzen dazu hatten. Letztere waren zudem mehr mit der Frage beschäftigt, ob und wie diese neue und boomende Sportart in die eigenen Verbandsstrukturen integriert werden könnte.
Wie in anderen Trendsportarten liess die Ernüchterung der Grossveranstalter auch im Sportklettern nicht allzu lange auf sich warten, denn für sie war die Rechnung weder finanziell noch image-mässig aufgegangen. Sie sprangen ab, neue Organisatoren liessen sich kaum finden. 1998 war der Sportkletter-Weltcup, der bis zu sieben Anlässe umfasst hatte, am absoluten Tiefpunkt angelangt: Für Simon Wandeler, die damalige Nummer eins der Schweiz, gab es über die gesamte Saison nur drei Weltcups zu absolvieren. Erst als die Wettkämpfe in Chamonix (F), Imst (A) und Kranj (Slo) regelmässig am gleichen Datum im Kalender erschienen, stieg das Interesse der Medien wieder und damit auch jenes der Veranstalter.
Heute präsentiert sich die Situation völlig neu: Viele der starken Sportkletternationen verfügen über eine Mehrjahresplanung und garantieren damit Wettkämpfe auf hohem Niveau. Neben der Schweiz, die auch im organisatorischen Bereich zu den führenden Nationen zählt, sind dies zurzeit Frankreich, Österreich, Slowenien, Belgien, Bulgarien. In der Disziplin Bouldern sind Deutschland, Grossbritannien und Italien bestimmend – sowie neuerdings China.
Steigende Ausgaben wegen weiter Reisen
Diese Entwicklung scheint eine erste Konsequenz der neuen Verbandsgründung des IFSC zu sein. Der Wettkampfbereich des Sportkletterns war seit seinen Anfängen der UIAA angegliedert, eine Unabhängigkeit war aber schon länger zur Diskussion gestanden. Im Herbst 2006 im kanadischen Banff trennte man sich von der UIAA. Unter dem neuen Verband IFSC hat der Sportkletterbereich grössere Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Die finanziellen Probleme und die Fülle der Aufgaben sind zwar nicht weniger geworden, trotzdem ist eine eigentliche Aufbruchstimmung nicht zu übersehen. Sie spiegelt sich in einem vollen Wettkampfkalender wider, aber auch in der Aufnahme neuer Verbände und damit neuer Wettkampf orte: Im Verlaufe dieses Jahres sollten neun hinzukommen, so jene aus Peru und Kamerun.
Neue Konkurrenz aus Fernost
China ist auf dem besten Weg, auch die Standards im Sportklettern zu verändern. Hunderte von Athleten stehen in den Startlöchern, die finanziellen Mittel scheinen unbegrenzt und mehrere Wettkämpfe pro Jahr problemlos möglich. Nach den ersten Wettkämpfen in Shenzen und Shanghai konzentriert sich der chinesische Verband heute auf den noch wenig bekannten Ort Xining in der nördlichen Provinz Qinghai. Die Stadt liegt auf über 2000 Meter und bietet ideale klimatische Verhältnisse für Sportanlässe aller Art, beispielsweise Radrennen – oder eben Sportklettern. Dort fand dieses Jahr zum zweiten Mal ein Weltcup statt, mit 16 Stunden TV-Liveübertragung und über 200 Millionen Zuschauern vor den Bildschirmen – eine Reichweite, von der westliche Organisatoren nur träumen können.
Eine neue Situation entsteht damit auch für die erfolgsverwöhnten Athleten aus Europa: Wer in China die Leistungen der erstmals im Weltcup gestarteten Iraner in der Disziplin Lead sowie die Leistungsstärke der Chinesen im Speedklettern gesehen hat, kann dies nur bestätigen. So schafften es alle vier iranischen Athleten ins Halbfinal, während die Chinesen hinter den Podestplätzen der Russinnen und Russen nur wegen der (noch) fehlenden Erfahrung mit Ehrenplätzen vorliebnehmen mussten.
Die europäischen Verbände sind finanziell gefordert, da die Destinationen im asiatischen oder amerikanischen Raum immer mehr Pflicht sind. Im nächsten Jahr wird der Weltcup nicht nur in China und Taiwan, sondern erstmals auch im australischen Sydney Halt machen. Und auch die USA werden nach Jahren der Absenz ihr organisatorisches Comeback geben. Eine Woche nach dem bereits traditionellen Weltcup in Grindelwald wird in Vail (Colorado) ein Boulder-Weltcup stattfinden – zweifelsohne ein attraktiver Wettkampfort.
Herausforderung für Spitzensport im SAC
Bereits heute ist praktisch jedes Wochenende ein Swiss-Climbing-Team des SAC irgendwo auf dieser Welt an einem Wettkampf unterwegs: Noch während das Eliteteam aus China zurückkam, begab sich das Nachwuchsteam schon auf die Reise nach Ecuador, wo die Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften 2007 stattfanden. Die Zukunft des Sportkletterns wird noch mehr Reisen und noch mehr Konkurrenz mit sich bringen: Setzt sich die Entwicklung fort, werden in Europa nur noch wenige Weltcups stattfinden. Zugleich müssen sich die europäischen Teilnehmer gegen eine immer breitere und globalisierte Konkurrenz durchsetzen – und das in immer exotischeren Destinationen. Unsere Athletinnen und Athleten werden in einem kulturell ungewohnten Umfeld und in einer anderen Zeitzone mehr als bisher gefordert sein, wenn sie sich weiterhin an der Weltspitze behaupten wollen.