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In Japan übernahm Kapitän zur See Miho Otani als erste Frau das Kommando über einen AEGIS-Zerstörer der Kongou-Klasse.
Siehe auch > Erste Frau befehligt AEGIS-Zerstörer
Das AEGIS-Kampfsystem (englisch Aegis Combat System) ist ein elektronisches Warn- und Feuerleitsystem namentlich auf Kriegsschiffen, das von der United States Navy entwickelt wurde und inzwischen von mehreren Kriegsmarinen weltweit eingesetzt wird. Benannt ist das System nach dem schützenden Schild Aigis aus der griechischen Mythologie.
- Aegis wurde im Laufe der 1970er-Jahre als Antwort auf die Bedrohung von Kriegsschiffen durch neue Waffensysteme (so MBDA Exocet) und insbesondere gegen das Konzept der Raketenangriffe des Warschauer Paktes entwickelt. Dieses bestand darin, die Abwehrkapazitäten westlicher Kriegsschiffe durch gleichzeitigen Angriff mit zahlreichen luft- und seegestützten Flugkörpern zu überwältigen. Aegis besteht aus einem via EDV vernetzten System von Sensoren, Datenbanken und Feuerleitsystemen.
- Die erste Testinstallation wurde 1973 auf dem Lenkwaffenversuchsschiff Norton Sound eingebaut und erprobt. Als einsatzfähiges System arbeitete es ab 1983 erstmals auf der Ticonderoga.
Falkland: Exocet versenkt den Zerstörer Sheffield
Während des Falklandkrieges wurde jedermann bewusst, wie schlagkräftig beispielsweise die Exocet ist: Die Briten verloren am 4. Mai 1982 den Zerstörer Sheffield – 20 Seeleute starben und 24 wurden verwundet. Der Angriff der Super Étendards auf die Sheffield war der erste Kampfeinsatz mit luftgestützten Seezielraketen überhaupt. Die zweite der beiden abgefeuerten Exocets verfehlte die Fregatte Yarmouth nur knapp (möglicherweise stürzte sie wegen Treibstoffmangels ins Meer).
Aegis wurde der breiten Öffentlichkeit bekannt, als die Vincennes den Iran-Air-Flug 655 abschoss, der vom System als iranische F-14 Tomcat identifiziert worden war. Damit demonstrierte Aegis die Fehlergefahr vollautomatischer Kampfführungssysteme. Wegen der immer kürzeren verbleibenden Reaktionszeiten auf mögliche Angriffe gelten sie in der modernen Seegefechtsführung dennoch als zunehmend alternativlos.
Komplexe Technik
Den Kern bildet ein Komplex aus AN/SPY-1 phasengesteuerten Radargeräten, vier in 3-, 6-, 9- und 12-Uhr-Position ausgerichteten flachen Radarantennen, die eine kontinuierliche Überwachung des Luftraumes um das Aegis-Schiff ermöglichen. Das AN/SPY-1 Radar ist ein passiv phasengesteuertes System mit elektronischer Strahlschwenkung (Passive Electronically Scanned Array) und agilem Strahl, das in Millisekunden von einem Ziel zum anderen wechselt. Die agilen Strahlen machen das SPY-1 zu einem Multifunktionsradar, das verschiedene Ziele gleichzeitig orten, verfolgen und bekämpfen kann. Der Zeitraum zwischen der ersten Ortung des Ziels und dem Start der Abfangrakete beträgt unter 15 Sekunden.
Die mittels Link 16 und Link 11 vernetzten Datenverarbeitungssysteme ermöglichen es, in Echtzeit tausende von Zielen zu verfolgen und die von ihnen ausgehende Bedrohung zu analysieren, der Schiffsführung auf dieser Grundlage Bedrohungsanalysen und Entscheidungsvorlagen zu liefern und dutzende dieser Ziele nach Reihenfolge ihrer Priorität auch vollautomatisch mit der Hauptwaffe Standard Missile (SM) 2 zu bekämpfen.
Dabei kann Aegis mittels Datenvernetzung nicht nur alle geeigneten Waffensysteme des eigenen Schiffes, sondern über C3 (Command-Control-Communication)-Vernetzung auch die anderer Schiffe des Verbandes einsetzen. Diese Fähigkeit wurde in jüngster Zeit unter der Bezeichnung co-operative engagement capability (CEC), speziell zur Abwehr ballistischer Flugkörper in die US Navy eingeführt. CEC wird im Rahmen der Network-Centric-Warfare-Doktrin verwendet.
Umfassendes Lagebild
Die CEC ermöglicht es, dass jede Kampfeinheit über ein umfassendes Bild der Lage verfügt, mittels der gemeinsamen Verarbeitung der Informationen von allen anderen Einheiten (Schiffe, U-Boote, Flugzeuge) und Satelliten. Was eine Einheit der Gruppe sieht, ist unmittelbar auch für alle anderen sichtbar. Dadurch können Ziele schneller entdeckt und bekämpft werden.
Aegis ist in verschiedenen Varianten auf den amerikanischen Kreuzern der Ticonderoga-Klasse sowie den Zerstörern der Arleigh-Burke-Klasse installiert. Außerhalb der Vereinigten Staaten wird das System von japanischen Kongō-Klasse-Zerstörern und spanischen Zerstörern der Álvaro-de-Bazán-Klasse benutzt.
Die Bunker Hill ist das erste Schiff, das mit einer völlig neuen Aegis-Architektur ausgerüstet wird. Das neue Konzept sieht vor, die vielen spezialisierten Computersysteme durch COTS-Komponenten zu ersetzen. So sollen die Kosten gesenkt und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit erhöht werden. Auch im Hinblick auf die Zukunft erleichtert die offene Systemstruktur Upgrades und Änderungen. Die Bunker Hill wurde im Rahmen von Reparatur- und Umbauarbeiten mit diesem System ausgerüstet. Die Fertigstellung war für den Februar 2009 geplant.
Aegis-Nutzer
- Australien Hobart-Klasse Zerstörer SPY-1D 3
- Japan Kongō-Klasse Zerstörer SPY-1D 1993 4
- Japan Atago-Klasse Zerstörer SPY-1D(V) 2007 2
- Norwegen Fridtjof Nansen Fridtjof-Nansen-Klasse (F-310) Fregatte SPY-1F 5
- Spanien Almirante Juan de Borbon Álvaro-de-Bazán-Klasse (F-100) Fregatte SPY-1D 2002 5
- Südkorea ROKS Sejongdawang (DDG 991) Sejongdawang-Klasse Zerstörer SPY-1D 2008 3
- Vereinigte Staaten SPY-1B(V) (CG-59–CG-73 nachgerüstet) 27, Arleigh-Burke-Klasse (Flight I & II) Zerstörer SPY-1D 28, Flight IIA Arleigh-Burke-Klasse (Flight IIA) Zerstörer SPY-1D(V) 34