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Obstbaumzucht,
die Vermehrung und Erziehung (Formierung) der Obstbäume und Sträucher, wird in Baumschulen (s. Garten) [* 2] betrieben. Zur Bildung der Hochstämme pflanzt man Wildlinge in Reihen mit 70 cm allseitiger Entfernung auf und zieht aus diesen den Stamm (z. B. Kirschen), oder man veredelt den Wildling in der Höhe des Bodens und erzieht aus dem Edeltrieb den später kronentragenden Stamm. Den Wildlingsstamm veredelt man in Kronenhöhe, d. h. für Halbstämme 1–1 ¼ m über Bodenhöhe, für Hochstämme bei 2 ½ –3 m Stammhöhe; aus der Veredelung wird dann die Krone gezogen, während bei den Edelstämmen durch Rückschnitt in der oben angegebenen Höhe die Entwicklung der Krone bewirkt wird.
Der Stamm muß vor Beginn der Kronenbildung 1 m über dem Erdboden mindestens 2 ½ cm Durchmesser haben. Zur Kräftigung des Stammes läßt man anfangs alle Seitenzweige desselben wachsen, entspitzt dieselben aber im Trieb stets auf etwa 15 cm Länge und schneidet sie im Frühjahr auf zwei Augen kurz zurück; später werden dieselben allmählich ganz entfernt. Ist die Stammverlängerung des verflossenen Jahres verhältnismäßig schwach, so schneidet man diese um ein Drittel zurück, um einen kräftigern Trieb zu erlangen; der darauffolgende Trieb muß dann aber sorgfältig und gerade aufgebunden werden; bei Kirschen ist ein solcher Rückschnitt des Stammes nicht erforderlich.
Die Krone des Baums wird möglichst pyramidenförmig gezogen. In den folgenden 6–10 Jahren werden sämtliche Kronenzweige um etwa die Hälfte gekürzt; man erstrebt dabei eine Richtung der Kronenzweige, die etwa um 45–50° von der Hauptachse des Baums abweicht. Alle Seitenzweige der Kronenäste werden stets kurz gehalten, einmal durch wiederholtes Entspitzen im Triebe während des Frühlings und Sommers, andererseits durch Rückschnitt im Februar und März auf 6–8 Augen oder bei ältern Bekleidungszweigen auf ebensoviele Kurztriebe (s. Fruchtholz). [* 3]
Diese Behandlung erfährt der Baum aber meist erst an seinem spätern, bleibenden Standort im Obstgarten nach dem Versetzen (s. Obstbaumpflege). Kesselkronen, Zwergbäume, Spaliere und Cordons werden nach der vorgeschriebenen Form durch regelrechten Schnitt gebildet, jedoch werden hier größere Ansprüche an die korrekte Ausführung gestellt, über Vermehrung s. die einzelnen Obstarten. –
Vgl. Goethe, Die Obstbaumschule (2. Aufl., Stuttg. 1884).