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Die erste grosse Verbreitung der geplanten Obsoleszenz in einem Produkt durch Manipulation der Materialien entstand wahrscheinlich an Weihnachten 1924 in einem Hinterzimmer in Genf. Dort wurde das Phoebus-Kartell gegründet. Es hatte sich zum Ziel gesetzt, die Lebensdauer einer Glühbirne auf 1000 Stunden zu senken.
«Geplante Obsoleszenz» bedeutet geplanter Zerfall (obsolet = nicht mehr gebräuchlich). Es gibt verschiedenste Strategien, um sie in ein Produkt einzubauen. Ein Beispiel dafür sind die heutigen Drucker – schon kurze Zeit nach dem Ablauf der Garantiezeit verweigern sie ihren Dienst.
Firmen versuchen uns zum kontinuierlichen Kaufen zu bewegen. Im 20. Jahrhundert gab es Personen, welche die geplante Obsoleszenz fest im Gesetz verankern wollten. Einzelne Gruppierungen wehren sich allerdings gegen die Formen der geplanten Obsoleszenz: Organisationen wie die «Stiftung Warentest» und «Murks? Nein danke!» machen auf die Problematik aufmerksam. Man kann sie positiv und negativ bewerten, oder man kann etwas dagegen unternehmen.
Das Vorhaben des Phoebus-Kartells war sehr gewagt, denn schon die erste, von Thomas Alva Edison entwickelte Glühbirne hatte 1480 Stunden lang gebrannt. Die Glühbirne gilt als erstes Opfer der geplanten Obsoleszenz, welche grosse Auswirkung auf die Wirtschaft haben sollte. Danach gab es innert der nächsten zehn Jahre etliche Manager, welche die Idee weiterdachten. Unter anderem kam man auf den Gedanken, dass man ein Produkt nach einem bestimmten Verfallsdatum nicht mehr benutzen dürfte und das Produkt dann sofort zu einer Abgabestelle bringen müsse.
So hätte man einen Kreislauf für alte Produkte geschaffen, der vielleicht noch besser als das heutige Recycling gewesen wäre. Doch das heutige System der Garantieprodukte, die nach Ablauf der Garantiezeit an «Sollbruchstellen» oder gar durch Codes in der Software «defekt» werden, ist im Grunde das gleiche.
Nun war es vor dem Phoebus-Kartell – in der Zeit bis 1918 – üblich, dass ein Produkt gefertigt wurde, bis es keine Beliebtheit mehr hatte. Das Automodell «Ford T» ist ein Beispiel dafür. Es wurde von 1909 -1927 hergestellt: Ein sehr robustes Auto, eigentlich eher ein Traktor. Er fand hohe Beliebtheit bei den Menschen, so dass er bis zur Entwicklung des «Volkswagens» Käfer das meistverkaufte Automobil der Welt war. Die Produktion wäre wohl auch noch länger als 18 Jahre (1909-1927) gegangen, aber es gab schlaue Köpfe, die das änderten.
Das ist eine der wichtigsten Formen der geplanten Obsoleszenz: Modellwechsel. Man entwickelt nicht ein Auto, um es dann jahrelang als einziges Produkt zu vertreiben, sondern man bringt jedes Jahr ein neues Modell heraus. Die neue Version hat oft nur kleine Änderungen, aber der Hersteller kann das Auto so der Zeit anpassen und dem Kunden mehr bieten.
Das Prinzip der Jahresmodelle kann man heutzutage nicht mehr wegdenken. Egal ob beim Auto oder anderen Produkten. Heute erscheint in Abständen von einem Jahr ein Produkt-Update. Beispiele dafür sind nicht nur Mode-Kollektionen. Der Schnelle Wechsel hat längst auf Gebrauchsgeräte wie eben Autos und Mobiltelefone übergegriffen.
Während meiner Arbeit und den vielen Recherchen lernte ich den Mechanismus kennen, der hinter der geplanten Obsoleszenz steckt. Die Dreistigkeit, die Firmen anwenden, ja sogar in die Entwicklung eines Produkts miteinbeziehen, fand ich erschreckend. Deshalb ist es mir wichtig, dieses Thema in einem E-Book zur Geplanten Obszoleszenz bekannter zu machen.
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