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Bislang ging man davon aus, dass ein Tisch zufällig so heisst. Ein Tisch ist halt ein Tisch. Ganz einfach. Zwischen den Lauten und dem Gegenstand – in diesem Fall dem Tisch – bestehe kein Zusammenhang und das gelte eigentlich für alles.
Ist da ein Zusammenhang zwischen Lauten und Sinn?
Mal abgesehen von lautmalerischen Worten wie «zischen». Da steckt das zischen schon in den Lauten. Oder «hüpfen». Da sieht man die Bewegung förmlich in den Lauten. Oder das «Quaken» der Frösche. Quaken mit einem sehr offenen «a». Abgesehen vom Lautmalerischen sei alles andere Zufall, hiess es bislang.
Eine Gruppe von Sprachwissenschaftlern kommt gerade zu anderen Ergebnissen. Einer von ihnen ist Søren Wichmann, ein Dänischer Linguist, der an der niederländischen Universität Leiden forscht und lehrt.
Durch einen Zufall sind Wichmann und einige seiner Kollegen darauf gestossen, dass überdurchschnittlich viele Sprachen ein «k» verwenden, wenn sie ein Knie meinen. Bei der Nase taucht das «n» häufig auf, beim Sand das «a» und beim Stein das «t».
Das könne doch kein Zufall sein, meinten die linguistischen Forscher und untersuchten das genauer. Sie gingen der Frage nach, besteht wirklich kein Zusammenhang zwischen sprachlichen Lauten und dem Sinn, den sie beschreiben?
4000 Sprachen wurden untersucht
Sie untersuchten von den derzeit existierenden 6000 Sprachen 4000. Und filterten aus diesen eine Wortliste von 40 Begriffen, die sie quer durch die Sprachen analysierten.
Herausgekommen ist: Erstaunliche lautliche Parallelen treten auf in Sprachen, die nichts miteinander zu tun haben. Wichmann sagt, sie sprächen von einer Auffälligkeit im parallelen Auftreten eines Lautes, wenn er in drei komplett unterschiedlichen Sprachräumen auftrete, also etwa, wenn ein Laut beim selben Begriff in Europa, Afrika und Australien auftrete.
Sie sind fündig geworden: Das Knie knackt auf «k» in Europa, Afrika und in Australien. Wichmann sagt sehr bescheiden, das sei «ein bisschen ähnlich». Er spricht von «überzufällig auftretenden Ähnlichkeiten».
«Überzufällig auftretende Ähnlichkeiten»
Danach gefragt, woran die «überzufällig auftretenden Ähnlichkeiten» liegen könnten, sagt er, das zu interpretieren sei spekulativ. Aber wenn er denn spekuliere, dann könne das «k» beim Knochen daran liegen, dass diese beim Aufeinanderschlagen einen solchen Laut produzierten. Aber sie stünden mit ihrer Studie gerade erst am Anfang, Erklärungen könnten sie noch keine bieten, soweit seien sie noch nicht.
Was er aber auf jeden Fall sagen könne ist: Die Annahme der modernen Sprachwissenschaft, dass zwischen Laut und Sinn kein Zusammenhang bestehe, könne nicht mehr für alles gelten.
Eine kleine Sensation
Eigentlich ist das eine kleine Sensation. Auch da bleibt er wieder sehr bescheiden: «Ja vielleicht.» Und lacht.
Wer sich für die Studie interessiert, sie hat den Titel: «Sound–meaning association biases evidenced across thousands of languages.» Wenn man dem Link zur Studie , Link öffnet in einem neuen Fensterfolgt, dann dauert es laaange, bis sich die Seite aufgebaut hat. Laaange hängt eng zusammen mit Waaaarten. Eben mit einem langen «a».
Und die Antwort auf die Eingangsfrage, wieso der Tisch Tisch heisst, könnte sein: Weil auf t-förmigen Beinen eine glatte Fläche ist, die «sch» macht, wenn man mit der flachen Hand drüber streift.
Sendung: Radio SRF 2, Wissenschaftsmagazin, 17.9.2016, 12:40 Uhr