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Unter den vielen bemerkenswerten Aspekten der Antarktis ist das Vorhandensein echter Wüstengebiete mit der grössten im südlichen Victorialand zu erwähnen. Dieses sehr kalte und öde Land, das von eisigen und trockenen Stürmen gepeitscht wird, entspricht wahrscheinlich am ehesten den Verhältnissen auf dem Mars. Das Land weist keinerlei Zeichen von Leben auf. Trotzdem gibt es hier Leben, allerdings nur im Innern des Gesteins.
In mikroskopisch kleinen Hohlräumen bilden winzige Lebewesen reichhaltige Gemeinschaften. Diese endolithische Lebensweise findet man nur bei Mikroorganismen, also Bakterien und Archaeen und einigen Flechten.
Endolithe leben meist lithotroph und gewinnen ihre zum Leben notwendige Energie aus der Umwandlung anorganischer Verbindungen, zum Beispiel aus Schwefel-, Eisen- und Manganverbindungen, aber auch aus Uran- und Arsen-Mineralen. Es existieren zudem phototrophe, also Photosynthese betreibende Endolithe. Dies ist kein Widerspruch, denn Sonnenlicht kann in bestimmten Gesteinen bis zu mehreren Millimetern tief eindringen. Besonders Quarzkristalle z. B. im Granit oder Sandstein ermöglichen eine Photosynthese. Die häufigsten phototrophen Endolithe sind einige Flechten, aber auch Cyanobakterien wie Chroococcidiopsis. In der obersten Gesteinsschicht sind die Mikroorganismen an eine hohe Lichtintensität angepasst, während die darunter befindlichen in tiefer Dunkelheit bleiben.
Wie können Lebewesen in einer so extremen und lebensfeindlichen Umgebung, wie sie die antarktische Wüste darstellt, überleben? Der Schlüssel ist die Sonne, welche das Gestein bis auf Temperaturen über dem Gefrierpunkt erwärmt. Der Zeitraum des aktiven Lebens beschränkt sich dann allerdings auf wenige Stunden pro Tag in der wärmsten Zeit des Sommers; in der übrigen Zeit sind die Organismen eingefroren und untätig.
Es gibt Anzeichen dafür, dass in der frühen Geschichte des Mars Wasser und vielleicht sogar eine Atmosphäre vorhanden waren. So ist auch denkbar, dass während dieser Zeit primitives Leben auftrat. Später, als der Mars sein Wasser und seine Atmosphäre verlor, könnten sich die Organismen in mikroskopisch kleine Räume innerhalb des Gesteins verzogen haben. Wenn dies der Fall gewesen wäre, hätten diese Mikroorganismen Spuren hinterlassen.
Die heute in der antarktischen Wüste vorkommenden Lebewesen könnten ein Modell für den Mars sein.