Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03185.jsonl.gz/462

Frage | Mein Bruder – und einziges Geschwister –, der in Wettingen wohnte, ist gestorben. Unsere Eltern sind schon lange tot. Er war mit einer geschiedenen Frau verheiratet, die aus erster Ehe eine Tochter hat. Mein Bruder hatte keine eigenen Kinder.
Nun heisst es, er habe weder Testament noch Erbvertrag gemacht, und ich sei an seinem Nachlass erbberechtigt. Weil ich selber gut situiert bin und auch keine Nachkommen habe, möchte ich eigentlich, dass seine Witwe alles erbt. Was kann ich tun?
Antwort | Richtig ist, dass Sie gesetzliche Erbin Ihres Bruders sind. In der vorliegenden Konstellation erbt die Witwe ¾ des Nachlasses. Ihnen steht ¼ zu, weil Sie an die Stelle der vorverstorbenen Eltern treten. Wenn Sie nichts erben wollen, müssen Sie innert dreier Monate ab Kenntnis des Todesfalls bei der zuständigen Behörde (hier: Bezirksgericht Baden) erklären, dass Sie die Erbschaft ihres Bruders unbedingt und vorbehaltlos ausschlagen. Dann verlieren Sie Ihre Erbenstellung.
Weil es keine weiteren Erben des elterlichen Stammes gibt, erhält Ihre Schwägerin von Gesetzes wegen die ganze Erbschaft. – Ihr Bruder hätte die aktuelle Situation verhindern können, wenn er in einem Testament oder Erbvertrag seine Ehefrau als Universalerbin bezeichnet hätte. Dies hätte zum gänzlichen Verlust Ihres Erbrechts geführt, denn anders als den Eltern steht den Geschwistern kein Pflichtteil zu.
Rechtsfragen können gestellt werden an:
Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86,
5001 Aarau, E-Mail: <email-pii>