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In der Wildnis leben Wölfe in familienähnlichen Gebilden, deren Sozialstrukturen und Rangordnung der Mensch-Hund-Beziehung ähnelt. Wolfseltern geniessen ihren Jungen gegenüber gewisse Privilegien, da sie die Ressourcen kontrollieren, für Sicherheit sorgen und die Versorgung der Familie sicherstellen. Einem Jungwolf käme es nicht in den Sinn seinen Eltern den Status strittig zu machen. Warum aber zweifeln zunehmend mehr Hunde am Status ihrer Menschen?
Der Unterschied ist, dass Wolfseltern von ihren Kindern in erster Linie als Problembewältiger wahrgenommen werden. Sie leben ihren Jungen souverän vor, was in welcher Situation zu tun ist und welches Verhalten nicht geduldet wird. Wolfseltern treffen Entscheidungen und setzen diese konsequent durch. Das souveräne Verhalten der Wolfseltern wird von den Jungen beobachtet und kopiert (Beobachtungslernen), bis sie selbst zu einem ebensolchen souveränen Wolf heranreifen.
Der Mensch hingegen stiftet durch inkonsequentes Verhalten und Mitleid vielfach Verwirrung beim Hund, was dieser als unsouverän wahrnimmt. Gleichzeitig nimmt der Mensch dem Hund dadurch die Möglichkeit, durch Beobachtungslernen souverän zu werden. Ein Beispiel: Auf einem Spaziergang entscheide ich, dass Theo, mein einjähriger Deutscher Schäferhund, anständig an der Leine laufen soll. Ich rufe ihn aus dem Freilauf zurück und nehme ihn an die Leine. Theo macht es gut, bis mein Nachbar um die Ecke kommt und ein Stück mit uns geht. Vertieft in unser Gespräch mag ich Theo nicht mehr korrigieren, weshalb ich ihn regelmässig an der Leine zu mir zurückziehe, um ihn daran zu erinnern, neben mir zu gehen. Theo hingegen hat seine eigenen Pläne und zieht wild an der Leine. Mir reisst der Geduldsfaden und ich schreie ihn an, dass er anständig an der Leine laufen soll. Um ihm Eindruck zu machen, fluche ich zum Abschluss noch. So, jetzt hat er es verstanden, denke ich.
Was Theo in dieser Situation wahrnimmt und lernt, ist;
… dass sein Herrchen/Frauchen für ihn nicht nachvollziehbare Entscheidungen trifft.
… dass Regeln nicht gelten, wenn Herrchen/Frauchen mit jemandem redet.
… dass an der Leine zurück gerissen werden, nichts bedeutet.
... das Leinelaufen selbständig unterbrochen werden kann.
… dass Herrchen/Frauchen unberechenbar und unsouverän ist.
Was würde der Wolf tun? Will ein Wolf von seinem Jungen etwas, fordert er seinen Anspruch unmissverständlich und beharrlich ein. Dies tut er, indem er den Jungwolf so lange korrigiert, bis dieser unterlässt, was vom Erwachsenen nicht geduldet wird. Sprich, eine Korrektur ist dann zu Ende, wenn das Ziel erreicht ist. Am Beispiel von Theo hätte sein Herrchen/Frauchen ihn in der Leinenführigkeit konsequent weiter korrigieren müssen, unabhängig von den äusseren Einflüssen wie z.B. dem Nachbarn. Alternativ hätte die Unterhaltung mit dem Nachbarn im Stehen stattfinden können, während Theo ruhig neben seinem Herrchen/Frauchen wartet. Diese zwei Alternativen wären für Theo nachvollziehbar gewesen und er hätte sein Herrchen/Frauchen als souverän wahrgenommen, als jemanden an dem man sich orientieren und dem man folgen kann.
Fazit: Bleibe in jeder Situation klar in deiner Kommunikation, ruhig und souverän. Unsicherheit registriert ein Hund sofort, und wo Unsicherheit herrscht, ist Führung abwesend. Was dir helfen kann ist die Kontrolle deines Atems:
1. Konzentriere dich auf deinen Atem. Atme langsam und tief aus.
2. Atme langsam durch die Nase und bis in den Bauch ein.
3. Erde dich, indem du mit beiden leicht angewinkelten Beinen hüftbreit auf dem Boden stehst und spüre beim Ausatmen, wie dein Gewicht über die Füsse auf den Boden drückt und dir so Halt gibt.
Bleibe in jeder Situation souverän und kontrolliere deine Impulse!