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Titel
Asien
[* 2] (hierzu
»Fluß- und Gebirgskarte« und »Staatenkarte von
Asien«). Nach
seiner geschichtlichen
Entwickelung ist der älteste, nach seiner
Lage der mittelste, nach seiner horizontalen
Ausdehnung
[* 3] der
größte, nach seinem vertikalen Aufsteigen der höchste, nach seiner
Körpermasse der stärkste und nach seinen physischen
Kräften und
Schätzen der reichste der fünf
Erdteile. Wie der
Name »Asia« entstanden ist, welches
Volk ihn
zuerst gebraucht habe, ist noch unklar; genug, daß er schon aus den frühsten
Zeiten der griechischen Geschichte als eine
uralte Benennung herüberklingt.
|Übersicht des Inhalts.|
|Lage, Größe, Gestalt||S. 911|
|Bodengestaltung||S. 912|
|Gewässer||S. 915|
|Geologische Verhältnisse||S. 917|
|Nutzbare Mineralien||S. 919|
|Klima||S. 920|
|Pflanzen- und Tierwelt||S. 921|
|Bevölkerung||S. 924|
|Religionen||S. 926|
|Beschäftigungen||S. 927|
|Staatliche Verhältnisse||S. 928|
|Entdeckungsgeschichte||S. 928|
Lage, Größe und Gestalt.
Von vier Hauptmeeren (dem
Eismeer, dem
Großen
Ozean, dem
Indischen
Ozean und dem
Mittelländischen
Meer) umgürtet, nimmt
Asien eine
außerordentlich günstige
Stellung zwischen den andern
Erdteilen ein. Inselbrücken und geräumige
Thore führen zu diesen
hinüber: die
Alëuten nach
Amerika,
[* 4] die Sunda- und
Gewürzinseln nach
Australien;
[* 5]
Landverbindung besteht mit Europa [* 6] über Kaukasien und den Ural, mit Afrika [* 7] über Arabien;
künstlich ist hier die Wasserstraße des Suezkanals eingeschnitten.
Die Grenzen [* 8] des Festlands liegen im N. bei 77° 34' (Kap Tscheljuskin), im S. bei 1¼° nördl. Br. (Kap Buros). Die Ausdehnung beträgt vom Kap Baba in Kleinasien bis zum Ostkap an der Beringsstraße 9646 km (1300 M.), zwischen der Südspitze von Malakka bis Kap Tscheljuskin im hohen Norden [* 9] 8620 km (1160 M.). Von dem Areal des Erdteils entfallen rund ⅛ auf die heiße, ¾ auf die nördliche gemäßigte, ⅛ auf die kalte Zone. Der Flächeninhalt ist berechnet zu 44,580,850 qkm (809,478 QM.), auf welchen 796 Mill. Menschen wohnen. A ist nicht allein der größte, es ist auch der am stärksten bevölkerte unter den Erdteilen (vgl. die Tabelle, S. 928).
Die
Grenzen, nach allen
Richtungen natürliche, nur auf der Landstrecke zwischen
Europa und
Asien willkürlich durch administrative
Rücksichten bestimmt, bilden im N. das
Nördliche
Eismeer;
im O. der Große oder Stille Ozean, der an der Küste die Namen Ochotskisches, Japanisches, Gelbes und Chinesisches Meer erhält;
im S. der Indische Ozean, der als Bengalisches und Arabisches Meer Indien bespült;
im W. das Rote Meer, die Landenge von Suez, das Mittelländische Meer, das mittels der Dardanellenstraße, des Marmara-Meers und des Bosporus [* 10] mit dem Schwarzen Meer zusammenhängt.
Weniger springt in die Augen die Landgrenze; in Rußland werden für die kaukasische Statthalterschaft als Grenze angesehen die Flüsse [* 11] Kuban ¶
ASIEN. Fluß- und Gebirgssysteme.
Maßstab=1:50.000000
Höhen- und Tiefenschichten in Metern.
Zum Artikel »Asien«. ¶
Maßstab [* 14] 1:56.000000
Europäische Besitzungen:
Britische
Französische
Niederländische [* 15]
Spanische [* 16]
Portugiesische
Türkische ¶
1. Tschuktsche.
2. Kamtschadale.
3. Aino.
4. Giljakin.
5. Samojede.
6. Ostjake.
7. Tatar.
8. Kirgise.
9. Buräte.
10. Kalmükin.
11. Tunguse.
12. Golde (Amur).
13, 14. Japaner und Japanerin.
15. Koreaner.
16. Lao.
17. Chinese.
18. Negrito.
19. Batavierin.
20. Ostjavaner.
21. Frau von Bali (Sudaninsel).
22. Batta von Sumatra.
23. Dajak von Borneo.
24. Celebes.
25. Georgierin.
26. Tscherkesse.
27. Kabardiner.
28. Araber.
29. Jude.
30. Weddah.
31. Singhalese (Ceylon). [* 18]
32. Hindu.
33. Perser.
34. Belutsche.
35. Kosak (Russe). ¶
mehr
und Terek, im Gouvernement Orenburg der Ural, höher hinauf das Uralgebirge, so daß das ganze Gebiet der Uralkosaken zu
Asien gerechnet
wird. Die Kerngestalt von Asien macht ein Trapez
[* 20] aus, dessen vier Ecken in die Landenge von Suez, den Golf von Tongking
[* 21] (Reich Anam),
das Karische Meer und den Anadyrbusen (nördlich von Kamtschatka) fallen. Die kürzeste Seite dieses Trapezes
ist die nördliche, sie mißt 4450 km; die westliche ist 4570, die östliche 6820, die südliche von Suez bis Tongking 7550 km
lang.
Außerhalb dieses Trapezes ist die horizontale Dimension [* 22] des Erdteils gekennzeichnet durch das Auslaufen seiner Küsten in weit vorspringende Halbinseln, die man als mehr oder weniger getrennte Glieder [* 23] des großen und breiten Körpers von Asien zu betrachten hat; es sind dies im N. das Tschuktschenvorland, im O. die Halbinseln Kamtschatka und Korea, im S. Hinterindien [* 24] mit der langen Halbinsel Malakka, Vorderindien und Arabien, westlich Kleinasien, die Kulturbrücke nach Europa.
Alle zusammengenommen bilden annähernd ein Fünftel des ganzen Erdteils. Selbst die Nordküste, die am wenigsten gegliedert ist, zeigt mehr Meeresbuchten und vorspringende Landzungen als der Erdteil Afrika; dagegen wird Asien an Reichtum der Formen wie in seiner Längenentwickelung von der europäischen Küste weit übertroffen. In Europa kommt eine Küstenmeile auf 37 QM. Kontinent, in Asien auf 105, in Afrika auf 150 QM. Bevorzugt ist dagegen in der Zahl der Inseln; namentlich im O. und SO. umgeben Inseln Asien wie mit einer eignen Atmosphäre.
Sie sind in ihrem Flächeninhalt dem 17. Teil des Kontinents gleich (2,500,000 qkm) und über einen Raum verteilt, der von der Sundakette bis Neuguinea in Australien, von der Molukken- und Philippinenkette bis Formosa und Japan [* 25] hinüberreicht und etwa der Ausbreitung des europäischen Kontinents gleichkommt. Diese Inseln treten in einer solchen Größe und dicht gedrängten Anzahl und mit solchem Reichtum an Erzeugnissen auf, daß sie des Kontinents kaum noch bedurften und, eigne Tierarten sowie einen eignen Volksstamm (den malaiischen) beherbergend, beiden Geographen schon darum den Namen eines insularischen Erdteils verdienten.
Bodengestaltung.
Das Tiefland nimmt in Asien vom Gesamtareal etwa 17,340,000 qkm (315,000 QM.) ein, d. h. also nur etwa 37 Proz. der Gesamtoberfläche; es überwiegt daher, wie in Afrika, das Hochland sehr bedeutend. Von diesem Tiefland beansprucht ein Fünftel Zentralasien; [* 26] an 8 Mill. qkm gehören Sibirien zu, und nur etwas mehr als 3 Mill. qkm sind den Ozeanen zugewandt, nämlich das Tiefland von China (1,1 Mill. qkm), die indo-gangetische Niederung Vorderindiens, Mesopotamien am untern Euphrat und Tigris; räumlich am kleinsten, aber äußerst ertragsreich ist das Tiefland von Siam.
Alle diese Tiefländer liegen im Kreis [* 27] um das gemeinsame Hochland gelagert. Unter den Halbinseln wurden durch ihre Lage Träger [* 28] der Kultur und Gesittung Indien unter der arischen Rasse, Arabien durch semitische Völker, Hinterindien durch Malaien. Diese Halbinseln sind die am schönsten und mannigfaltigsten ausgerüsteten, die am meisten entwickelten Glieder des Erdteils und seit alters vom Handel ausgesucht; jede bildet mit ihren Bewohnern eine Welt für sich und entwickelte sich mit mehr oder weniger Selbständigkeit. Das innerasiatische Tiefland ladet zur Niederlassung nur stellenweise ein, gab aber durch die Wanderungen seiner Hirtenvölker Veranlassung zu jenen denkwürdigen Völkerwanderungen, welche Europa (bis zur Westküste), Ostafrika (in Ägypten) [* 29] und Südasien (Persien, [* 30] Afghanistan [* 31] und Vorderindien) mit fremdländischen Heeren überzogen und neue Kolonisten brachten.
Gebirge. Asien zeigt das größte System der Massenerhebung der Erde mit ausgedehnten und hoch gelegenen Plateaubildungen innerhalb und zwischen den Gruppengebirgen. Die Massenerhebung mit ihren Stufenländern nimmt über zwei Fünftel des Erdteils oder ein Areal von ca. 18,72 Mill. qkm (340,000 QM.) ein. Eine Eigentümlichkeit der Gebirgszüge, welche das Innere Asiens von den Küstenländern abschließen, ist ihr nahes Aneinandertreten unter 75° östl. L. v. Gr. Drei Gebirge vereinigen sich hier zur Bildung unwirtlicher Hochwüsten: Thianschan, Kuenlün und Himalaja; nahe heran reicht mit seinen Ausläufern das Altaisystem oder die Gebirgsketten des südlichen Sibirien.
Das Altaisystem hat Nordwest-Südostrichtung; ihm gehören die Gebirge im südwestlichen Sibirien an und die Gebirgsketten am rechten Ufer des Sir Darja (Jaxartes). Das Thianschansystem ist das längste aller dieser Gebirge; es beginnt in der Mandschurei, zieht sich durch die nördliche Mongolei hindurch und findet sein Ende in Turkistan am mittlern Amu Darja. Die Richtung ist SW.-NO. Angegliedert ist dem Thianschan das Hindukuschgebirge; es folgt der Streichrichtung des Thianschan, hat denselben geologischen Bau, nimmt aber eine besondere orographische Stellung ein.
West-Ostrichtung hat Kuenlün (Kwen-lun), der unter 76° östl. L. v. Gr. beginnt, zuerst Tibet von der Mongolei abschließt, dann Südchina durchsetzt und in den letzten Ausläufern bis zur Küste des Chinesischen Meers fortzieht. Höher als alle diese Gebirge ist der Himalaja aufgetürmt. Er steht durch den Bolor genannten Hals mit dem Thianschan in Verbindung und bildet die Grenze zwischen der reichen südlichen Flora und Fauna Indiens und den ärmern Ländern Innerasiens.
Mit der Streichrichtung NW.-SO. zieht das Gebirge in einem nach N. geöffneten Bogen [* 32] fort bis zum 97. Meridian östl. v. Gr. Hier legt sich mit Nord-Südrichtung das Hinterindische Gebirge vor, das bis zur Südspitze von Malakka hinabreicht. Den Südrand von China und die Grenze zwischen China im N., Birma, Siam und Anam im S. bildet dann das Sinische Gebirgssystem, das unweit Lhassa in Tibet unter 89° östl. L. beginnt und sich bis zu 140; in die Gegend von Tokio, [* 33] fortsetzt.
Im einzelnen ist folgendes zu bemerken. Der Himalaja ist die höchste aller Bergketten der Erde; seine Länge entspricht der Entfernung zwischen den Südspitzen von Spanien [* 34] und Griechenland. [* 35] Er gliedert sich in eine Südkette, einen Zentralzug und eine Nordkette. Die höchste Erhebung liegt in der Südkette unter 87° östl. L. v. Gr.; Gaurisankar (Mount Everest) in Nepal ist mit 8837 m der höchste Gipfel der Erde. Nach Hunderten und Tausenden zählen die schneebedeckten Gipfel.
Die Schneegrenze liegt auf dem südlichen Abhang (indische Seite der Kette, von Bhutan bis Kaschmir, [* 36] bei einem Jahresmittel der Lufttemperatur von +0,6° C.) bei 4860 m, auf dem Nordabhang (tibetische Seite der Kette, bei -2,8° C.) bei 5580 m. Die mittlere Paßhöhe beträgt 5340 m. Parallel [* 37] dem Himalaja zieht in ebenbürtiger Höhe der Karakorum oder Mustagh zwischen Indien und Turkistan. Von ihm und dem Kuenlün im N. begrenzt und vom Himalaja im S. eingeschlossen, ¶
mehr
breitet sich das große, in der Mitte gehobene Längenthal Tibet aus, das von O. nach W. streicht und durch eine große Wasserscheide in einen östlichen und westlichen Teil getrennt wird. Im Karakorum erreicht der Dapsang oder »K 2« genannte Berggipfel 8616 m Höhe, er ist somit nach unsrer jetzigen Kenntnis der zweithöchste Berg der Erde; die mittlere Paßhöhe beträgt 5610 m; die Schneegrenze liegt auf der Nordseite bei 5500 m, auf der Südseite bei 5800 m. Der Kuenlün ist geologisch das älteste Gebirge von Asien, dem an der Südseite Karakorum und Himalaja und zwar mit veränderten Faltungen anwuchsen.
Anfangs von geringer Breite, [* 39] erreicht das Gebirge seine höchste Erhebung zwischen 77 und 81° östl. L. v. Gr. In seinem östlichen Laufe verbreitert sich der Kuenlün. Gleichen die Ketten westlich einem Wall, und entbehren sie der Auswaschungen, wie sie im Himalaja reichlichere Niederschläge zu stande brachten, so sind in Osttibet und weiterhin die Abfälle sanfter, die Thäler weiter. Der landschaftliche Charakter in diesen drei Gebirgsketten ist sehr verschieden. Im Himalaja reicht üppige, subtropische Vegetation bis zu Höhen von 2400-3000 m; den Raum zwischen dem Karakorum und Kuenlün füllt eine Steinwüste aus, deren Thalsohlen nirgends so tief liegen wie der Montblanc. An Waldungen ist der Himalaja reich, Tibet arm; die Abhänge des Kuenlün gegen N. fallen rasch ab. Dörfer finden sich in den äußern Teilen des Himalaja selten über 2700 m, in den zentralen Teilen kommen sie noch bei 3450-3500 m vor. In Tibet ist der am höchsten gelegene Ort das fortwährend bewohnte Kloster Hanle in 4606 m Höhe und mit einer mittlern Jahrestemperatur von 2,3° C. Am Kuenlün finden sich Wohnorte und Pflanzenwuchs im Karakaschthal noch bei 3600 m. Das den Himalaja östlich begrenzende Hinterindische Gebirge ist noch schwer zugänglich.
Wir kennen nur die südlichen Ausläufer; diese erreichen Höhen von 700-1100 m und sind stark bewaldet. Das Sinische Gebirge füllt die südlichen chinesischen Provinzen Jünnan, Setschuan, Schensi, Kansu aus, reicht nach Osttibet hinein und findet seine Grenze im Land um den hoch gelegenen großen Alpensee Kuku-Nor, in dessen Umgebung sieben in die Wolken ragende Schneepiks erwähnt werden. Es fehlt noch völlige Aufklärung über den innern Zusammenhang dieses weitverzweigten Gebirges; sein westliches Ende schildern die wenigen Europäer, die es betraten, als hoch gelegen, rauh und waldlos.
Als Ausläufer gegen O. erscheinen Nantschan, südlich vom Jantsekiang, dann zwischen Jantsekiang und Huangho die Parallelzüge Tapaschan und Funfuschan, bisher fälschlich Peling genannt, eine Parallelkette des Kuenlün. Im Paß [* 40] von Nantschan (ca. 112° 50' östl. L. v. Gr. und 33° 40' nördl. Br.) bietet sich ein sehr bequemer Handelsweg von S. nach N. über den Funfuschan. Handels- wie Heerweg wurde der vielbetretene Verkehrsweg zwischen China und Zentralasien, welcher die Stadt Lantschau am Huangho berührt.
Im N. des Kuenlün zwischen den chinesischen Gebirgen im O., Thianschan im W. und Altai im N. liegt die Mongolei mit Ostturkistan, dem Tarimbecken und der Wüste Gobi. Dieses an 30 Tagereisen breite Gebiet, das sich über 40 Längengrade hinzieht, ist eine weite, gewellte Hochebene, von Nomaden bewohnt, wo nicht, wie an den Zuflüssen des Lop, ständig laufende Gewässer zu seßhaften Niederlassungen einluden. Alle Flüsse enden in Sümpfen und Seen oder versiegen im Sand in weitem dichten Gestrüpp.
Der Boden der Gobi oder Schamo ist grobkörniger roter Sand, stellenweise mit Beimischung von Gerölle; im nördlichen wie südlichen Teil erheben sich, teils archipelartig gruppiert, teils kettenartig hingelagert, Höhenzüge mit Paßübergängen von 100-140 m relativer Höhe. Auf durchaus vegetationslose Stellen stößt man selten; am fruchtbarsten ist der Südrand der Gobi. Vom eigentlichen China, der reichlich bewässerten Niederung, trennen die Mongolei eine schmale, im S. Mulingberge genannte Gebirgskette, die östlichen Ausläufer der Funfuschankette, der Sungschan mit seinem reichen Kohlengebiet und nördlich vom Huangho eine Reihe von Bergketten, die von SW. nach NO. streichen.
Auf diesem Randgebirge ist die weltberühmte Chinesische Mauer aufgeführt. Im weitern nördlichen Verlauf steigt das Bergland zum weide- und waldreichen Chingan oder Mandschurischen Alpenland auf, das kaum über 2000 m reicht. Auch der Norden und das Innere von Korea sind voll gebirgiger Waldwildnisse. Ebenso ist die ganze mandschurische Küste gebirgig und steil, im N. bis zum Amurland ein 600-700 m hohes Plateau mit aufgesetzten niedern Hügelzügen.
Im Nordrand des großen innerasiatischen Hochlandes, dem in seiner Gesamtausdehnung Sibirien vorgelagert ist, breitet sich zwischen den Flüssen Irtisch und Jenissei der Altai aus, der in der Bjelucha 3352 m Höhe erreicht; östlich vom Jenissei streicht das Sajangebirge, ein schmalrückiges Kammgebirge, in seinen östlichen Partien Ergik-Targak-Taigan, auch Gurbi, Urall und Tunkinskische Alpen [* 41] genannt. Der höchste Gipfel, der Munku Sardik (3473,5 m), stellt den Gebirgsknoten dar, dem nordwärts die Oka, Bjellaja, der Kitoi und Irkut entströmen, während sich südwärts ein Gebirgsstreifen abtrennt, der auf sieben Pässen den Übergang nach dem Kossogolsee ermöglicht und als Querjoch die Ergik-Targak-Taigankette mit dem Tangnu, einer Parallelkette des Sajan, verbindet.
Das Kamardabangebirge umlagert den Süden des Baikalsees (2000 m). Das Apfel- oder Jablonoigebirge streicht östlich davon zuerst in Nordostrichtung meist in mehreren Parallelketten, wendet sich dann ostwärts, bleibt größtenteils auf dem 55.° nördl. Br. und nimmt erst am Ochotskischen Meer als Stanowoigebirge wieder die Richtung nach NO. an. Die Höhenzüge verflachen sich allmählich und erreichen durchschnittlich in den Pässen 900-1200 m, in den Kämmen 1500-1800 m. Die Küstenflüsse des Eismeers trennt vom Flußsystem der Lena das Werchojanische Gebirge. Eine andre Meridiankette ist das Burejagebirge (der Kleine Chingan genannt), das unter 131° östl. L. v. Gr. mit steilem Abfall am Nordufer des Amur beginnt und bis zu 52° nördl. Br. hinzieht.
Am Westrand des Hochlandes haben die Gebirgszüge der Dsungarei und Turkistans bis zum Oxus die Richtung NO.-SW. und gehören dem Altaisystem an;
die einzelnen Gebirgsketten heißen: Tarbagatai, bis 2400 m hoch, mit Ausläufern nach der Kirgisensteppe;
Alatau, vom Ural durch die große, ebene Barsukisteppe getrennt;
Dsungarischer Alatau, zwischen dem See Alakul und dem Ilistrom, in den Kopalketten fast 2400 m hoch;
Transilenischer Alatau, zwischen der Iliniederung im N. und dem Issi-kulplateau im S. (44 und 43° nördl. Br.), der Krümmung des Tscharin (linker Nebenfluß des Ili) und dem Tschu-Knie westlich vom Issi-kul.
Die mittlere Kammhöhe ist 1900 m, die Gipfelhöhe von ¶
Im Meyers Konversations-Lexikon, 1888
Titel
Asien
[* 2] (Forschungsreisen). Im folgenden geben wir eine Übersicht über die wichtigsten Forschungsreisen auf asiatischem Gebiet, indem wir uns in der Anordnung des Stoffes eng an den entsprechenden Abschnitt des Hauptartikels »Asien« (Bd. 1, S.928-938) anschließen. Als Anfangstermin kann das Jahr 1885 gelten; doch sind auch einige Reisen etwas ältern Datums zu erwähnen, über welche erst später Nachrichten in die Öffentlichkeit gedrungen sind, wie umgekehrt über manche neuere bis jetzt nur dürftige oder gar keine Nachrichten vorliegen.
Sibirien.
Noch in das Jahr 1880 fällt die ethnographische Studien- und Sammelreise von E. Sommier nach Westsibirien, besonders dem untern Ob. Gleiche Zwecke verfolgte 1885 Kapitän Jacobsen, welcher für das Berliner [* 42] Museum für Völkerkunde bei den Buräten an den Quellen der Lena, am Amur, bei den Golden und Giljaken und auf der Insel Sachalin mit gewohntem Geschick reiche ethnographische Schätze zusammenbrachte. Der norwegische Naturforscher L. Stejneger untersuchte 1882 die durch Berings unglückliche Überwinterung 1741/42 berühmt gewordene Beringsinsel; 1882-83 erforschte Oberstleutnant I. Nadarow den obern Ussuri und dessen östliche Zuflüsse: eine geologische Untersuchung desselben Gebiets durch Iwanow im Hinblick auf eine zu erbauende Eisenbahn soll sich daran anschließen.
Über fünf Jahre (1882-86) erstrecken sich ausgedehntere Reisen des französischen Minengenieurs J. Martin in Ostsibirien, unter deren Resultaten die 1883/84 ausgeführte Übersteigung des Stanowoigebirges von der Lena zum Amur oberhalb Albasin und deren topographische Aufnahme obenan stehen. Doch zeigte sich das Unternehmen derart mühselig und gefahrvoll, daß an eine öftere Wiederholung nicht zu denken und ein bequemer direkter Weg von der Lena und den Goldwäschereien von Olekminsk nach dem Amur und dem Stillen Ozean noch zu finden ist. Im äußersten Westen finden fortgesetzt Versuche zur Erschließung der gewaltigen sibirischen Ländermasse statt: nachdem Sibiriakow wie schon früher, so auch 1884 (und ebenso 1885) vergeblich versucht hatte, auf dem Seeweg durch das Karische Meer einen Verkehr zwischen dem nördlichen Sibirien und Europa ins Leben zu rufen (ein Versuch, welcher 1887 dem Kapitän Wiggins mit dem kleinen Dampfer Phönix wieder einmal geglückt ist), reiste er im Herbst 1884 zu Land über den nördlichen Ural, um mittels der Flüsse Petschora, Sygwa und Soswa einen Handelsweg zu eröffnen, der meist schiffbar sein und nur 180 km über Land führen wird.
Vorstudien für die Anlage einer Eisenbahn über den nördlichen Ural machte 1883 und 1884 K. D. Rossilow, indem er sieben verschiedene Pässe untersuchte, während Golochwastow, welcher den untern Ob mit dem Chaipudirskbusen des Nördlichen Eismeers durch Schienen in Verbindung bringen will, 1884 zum Studium der Produktion und des Handels das Obgebiet bereiste. In demselben Jahr nahm de Dobbeler an der ersten Dampfschiffahrt vom Ob nach dem Tasbusen teil und kehrte von dort auf nie erforschtem Weg über Land nach Surgut am Ob zurück, untersuchte I. P. Dubrow die Buräten bei Irkutsk und in Transbaikalien in ethnographischer Hinsicht, erforschte N. K. Slatkowski die Geologie [* 43] der Bezirke Krasnojansk und Kansk und verfolgte I. T. Sawenkow prähistorische Studien an der Mana und im Bezirk von Minussinsk. 1885 sammelten die Entomologen Emberg und Hammerström im Minussinsker Gebiet hauptsächlich Insekten, [* 44] außerdem Pflanzen u. a., und in demselben Jahr nahm die Expedition von Bunge und Baron Toll nach der untern Lena, der Jana ¶
mehr
und den Neusibirischen Inseln ihren Anfang, um im Januar 1887 abzuschließen. Meteorologische, geologische und andre naturwissenschaftliche Beobachtungen, die Ausgrabung von Mammutresten, die Erforschung der Inseln Blishni, Ljachow, Nowaja Sibir, Faddejew und Kotelny, welche den Sommer 1886 in Anspruch nahm, waren die Resultate der mühseligen Reise. Namentlich über die Vergangenheit der Inseln und ihre einstige reiche Fauna (Mammut, Nashorn, zwei Arten Rinder, [* 46] Pferde, [* 47] Moschusochsen, drei Hirscharten, Hasen etc.) und Flora sind wichtige Daten gesammelt worden.
Zu archäologisch-ethnographischen Zwecken unternahm N. Jadrinzew 1886 eine mehrmonatliche Reise nach dem Westen Sibiriens, die bis an den Baikalsee ausgedehnt wurde, und auf welcher er die privaten und städtischen Sammlungen des Landes studierte; gleiche Ziele verfolgte W. P. Margaritow in demselben Jahr am Kaiserhafen (Amurgebiet) und Professor Aspelin 1887 am obern Jenissei, welcher seine Aufmerksamkeit den Resten der sibirischen Bronzeperiode und bisher nicht entzifferten Felsinschriften zuwandte.
In das Jahr 1888 fallen die erdmagnetischen Beobachtungen Stellings im Gouvernement Irkutsk, die pflanzengeographischen Forschungen Preyns im Angaragebiet und die geologischen Materows an den linken Zuflüssen des Amur, wo noch unbekannte Goldlager existieren sollen. 1889 endlich wurde N. F. Katanow von der Petersburger Akademie und Universität nach Sibirien und der Mongolei abgesandt, um ethnologische und linguistische Untersuchungen unter den Turkstämmen, zunächst am obern Jenissei, anzustellen, und Grinewetzki trat eine mehrjährige Reise in die Küstenländer des Beringsmeers an, um die Ethnologie der Tschuktschen, die Geographie und die wirtschaftlichen Aussichten zu studieren.
Kaukasien.
Eine sehr rege Thätigkeit entfalteten neuerdings russische, englische und andre Forscher in den kaukasischen Gebieten. So beschenkte uns G. Radde, der 1885 die Hochalpen von Daghestan bereiste, 1886 mit einem zusammenfassenden Werk über Talysch und seine Bewohner, welche Grenzprovinz er seit 1870 teils allein, teils in Gesellschaft von Sievers und Leder wiederholt durchzogen hatte. Naturwissenschaftliche Forschungen, namentlich in Bezug auf die Gletscher, führte in den letzten Jahren N. J. Dinnik aus, ebenso Rossikow, dieser in den Gebieten östlich von der grusinischen Militärstraße, in der Tschetschna und im westlichen Daghestan, zuletzt wieder im J. 1888. Nach M. Smirnows Untersuchungen bildet der Kaukasus hinsichtlich seiner Vergletscherung und der Lage der Schneelinie den strengen Übergang von den europäischen Alpen zu dem Thianschan (Tienschan) und Hindukusch Asiens; mit dem Himalaja zeigt der westliche Kaukasus insofern eine gewisse Ähnlichkeit, [* 48] als die Schneelinie am Südabhang erheblich tiefer liegt als am Nordabhang. 1886 untersuchte M. v. Déchy das Massiv des Adai-Choch im zentralen Kaukasus; 1887 war Fürst Massalski von der Russischen Geographischen Gesellschaft mit ethnographischen und botanischen Forschungen in Transkaukasien beauftragt, während eine archäologische Spedition unter Graf Asien Bobrirski im W. reiche Ernte [* 49] durch Aufgraben alter Kurgane erzielte. In demselben Jahr nahm der bekannte Alpinist D. W. Freshfield seine 1868 begonnenen Wanderungen und physikalischen Forschungen in der Zentralgruppe des Kaukasus wieder auf und bestieg unter anderm den 4858 m hohen Tetnuld; namentlich wies er auf den charakteristischen Mangel an Seen und Wasserfällen sowie die bisher unterschätzte Ausdehnung der Gletscher hin.
Genauere Aufklärung wird die demnächst erscheinende Karte dieses Gebirgsteils bringen, mit deren Aufnahme eine Abteilung des russischen Generalstabs unter General Shdanow in den letzten Jahren beschäftigt war. Besonders reich an Hochgebirgsreisen war der Sommer 1888: 21. Aug. erklomm ein Ossete, Tulatow, den Kasbek und suchte sogar, freilich vergeblich, dem schon genannten Engländer Freshfield die Ehre der ersten Ersteigung streitig zu machen;
25. Aug., an demselben Tag, an welchem auch der Ararat an der türkisch-persisch-russischen Grenze von Markow, Popow und Manukow erstiegen wurde, gelangte Baron v. Ungern-Sternberg über den bis dahin für unbezwinglich geltenden Irikgletscher auf die 5648 in hohe Spitze des Elbrus.
Mummery bezwang den 5209 m hohen Koschtantau, Holder, Cockin und Wolley denselben und die nahe dabei gelegenen, gleichfalls zum Teil über 5000 m hohen Piks am Bezingigletscher, während zwei andre Engländer, Donkin und Fox, an demselben Koschtantau Ende August ihr Leben eingebü§t haben. G. R. Kusnezow endlich, welcher im Sommer 1888 mit naturwissenschaftlichen, namentlich botanischen, Beobachtungen auf der Nordseite des Kaukasus sich beschäftigte und unter anderm den Fischtag bestieg, beabsichtigt diese Studien im Sommer 1889 fortzusetzen. Von Engländern waren 1889 im zentralen Teil des Gebirges thätig Freshfield, Powell, Dent und H. Wolley; au§erdem die beiden Italiener Vittorio und Erminio Sella. [* 50]
Westturkistan.
Der Schweizer H. Moser, welcher schon 1868-69 Westturkistan bereiste, als dasselbe noch fast ganz von einheimischen, von Ru§land mehr oder weniger unabhängigen Fürsten beherrscht wurde, hat 1883-1884 diese Gebiete von neuem besucht, diesmal als Gast der russischen Behörden; er legt unumwunden Zeugnis ab für den gro§en Fortschritt, welchen jene Länder infolge der russischen Oberherrschaft gemacht haben. Seine Resultate liegen besonders auf kulturhistorischem und ethnographischem Gebiet. Im Sommer 1884 erforschte der durch seine Reisen in Zentralasien bekannte Botaniker Asien Regel den östlichen Teil der Turanischen Wüste von Bochara bis zu dem erst kürzlich eroberten Merw uud gelangte von dort südwärts bis über Pände hinaus, während zu gleicher Zeit Sorokin den russischen Thianschan in archäologischer und botanischer Hinsicht erforschte und unter anderm den Issi-kul und San-kul besuchte.
Schon 1880 begann der Bergingenieur Asien Konschin seine geologischen Forschungen in der Westhälfte der Turanischen Wüste, in der Wüste Karakum, und führte sie bis 1886 fort, zuletzt als Mitglied der gro§en Raddeschen Expedition nach Transkaspien und Nordchorasan. Er wies zuerst die Unmöglichkeit nach, da§ der Amu Darja jemals durch sein angeblich früheres Bett, [* 51] den Usboi, wieder in das Kaspische Meer geleitet werden könnte, weil er nie durch dasselbe geflossen ist. Alles, was man früher in der Wüste Karakum für einstige Oxusbetten gehalten hat, ist durchaus marinen Ursprungs, entstanden infolge der allmählichen Austrocknung eines Meers, welches einst die Karakum bedeckte, Aralsee und Kaspisches Meer miteinander verband und umfa§te und durch Hebung [* 52] des Bodens und Einflu§ polarer Winde [* 53] in (geologisch gesprochen) junger Zeit verschwand. Den Beweis für seine Existenz liefern ganze Kolonien von Vertretern ¶
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der aralo-kaspischen Molluskenfauna im Sande, die Existenz von Uferwällen, Spuren von Meeresbrandung an den beiden Balkangebirgen etc. 1884 begann Grum-Grshimailo seine naturwissenschaftlichen Reisen, welche die Geologie, Entomologie, Ethnographie [* 55] und Anthropologie förderten: 1884 durchforschte er Ferghana und 1885 die westlichen Vorländer des Pamir, [* 56] Karategin, Darwas, Bochara, um sich dann im folgenden Jahr dem Pamir selbst zuzuwenden, wovon weiter unten unter »Hochasien« die Rede sein wird.
Praktischen, staatlichen Zwecken dienten in der Zwischenzeit mehrere Unternehmungen, die gleichzeitig die Kenntnis des Landes bedeutend förderten: so vor allen die Erbauung der Transkaspischen Eisenbahn durch General Annenkow, durch welche das ganze Westturkistan im S. umspannt und an Rußland fest angeschlossen wurde. 1880 wurde ihr Bau bei Michailowsk am Kaspischen Meer begonnen (sie sollte zunächst als strategische Bahn für die Expedition nach Achal Teke dienen); dann aber nach Besiegung der Teke-Turkmenen wurde sie weiter fortgeführt und bis Merw, bis Samarkand eröffnet.
Die Strecke bis Taschkent wird voraussichtlich nicht lange auf sich warten lassen. 1885 ließ sodann das russische Kriegsministerium durch Oberst Bjeljawski eine topographische Rekognoszierung des Amu Darja von seiner Mündung bis hinauf nach Tschardschui, wo die Karawanenstraße von Bochara nach Merw und Herat den Strom überschreitet, vornehmen; ebenso von drei militärisch benutzbaren Wegen durch die Ust-urtsteppe, welche die Mündung des Amu Darja in den Aralsee mit der Cäsarewitschbucht des Kaspischen Meers in Verbindung bringen.
In das Jahr 1886 fällt zunächst die schon erwähnte Raddesche Expedition nach Transkaspien (Achal Teke, Merw, Serachs) und Nordchorasan, an welcher außer Radde noch Asien Walter und M. Konschin teilnahmen; ihre Ziele waren besonders zoologischer und botanischer Art, abgesehen von Konschins Beobachtungen über das einstige Karakummeer (s. oben). Im Sommer d. J. führte der bekannte Astronom Schwarz zahlreiche astronomische und hypsometrische Bestimmungen im östlichen Bochara aus, während seine Begleiter Myschenkow, Rudnew und Glagolew geologisch und topographisch thätig waren. Im archäologischen Interesse bereiste Wesselowski das Thal [* 57] des Serafschan, wo er den Spuren altheidnischer Zeit unter der jetzigen mohammedanischen Bevölkerung [* 58] nachging.
Im J. 1886 begannen auch die Franzosen Capus, Bonvalot und Pepin ihre zweite Reise in Turkistan, welche im nördlichen Persien ihren Anfang nahm und über Merw nach Tschardschui und Samarkand führte. Ein Versuch, in Afghanistan einzudringen, mißlang, so daß sie im Winter den Pamir überschritten (ein tollkühnes Unternehmen bei dem tiefen Schnee [* 59] und einer Kälte, die bis auf -44° C. sank). Den chinesischen Truppen, welche sie am Rang-kul zurückjagen wollten, entkamen sie glücklich, wurden aber in Tschitral fast zwei Monate lang festgehalten und erst durch Vermittelung der indischen Regierung befreit. 1887 stellten zwei junge russische Gelehrte, Bogdanowitsch und Obirtschew, in Bochara und Transkaspien geologische Untersuchungen an, während gleichzeitig Nikolski die geologische Beschaffenheit der Umgebung des Balchaschsees untersuchte und zu dem Schluß kam, daß derselbe in Urzeiten nicht, wie man bisher annahm, mit dem Aralsee zusammengehangen, dagegen sich weiter als jetzt gegen O. erstreckt hat. Aus dem
Jahr 1888 endlich verlautete nur, daß Lidski geographische Untersuchungen im östlichen Bochara und Karategin unternommen hat und dabei außerordentlich viel von dem hohen Schnee zu leiden hatte, der stellenweise nur durch das Auflegen von Filzdecken überwunden werden konnte.
Hochasien.
Noch in die Jahre 1878-82 fallen die weit ausgedehnten Reisen des unter der Chiffer A-K-reisenden Punditen Krischna im östlichen Tibet und der südlichen Mongolei, über deren Ergebnisse erst Ende 1884 näheres verlautete. In Gesellschaft zweier Begleiter erreichte er in der Maske eines Kaufmanns Lhassa, wo er ein volles Jahr verweilen mußte, ehe er sich einer nach N. reisenden mongolischen Karawane anschließen und von S. her den fernsten, kurz zuvor von Prschewalskij erreichten Punkt passieren konnte.
Sein nördlichster Punkt war Satscheu (nördlich vom 40.° nördl. Br.) am Rande der Wüste Gobi, sein östlichster Tatschialo (102° südl. L. v. Gr.); sein Hauptresultat ist die topographische Aufnahme einer Wegestrecke von 2800 engl. Meilen Länge. Ihm verdankte man zuerst die Gewißheit, daß der große Fluß von Tibet, der Iarudsangpo, nichts andres sein konnte als der Oberlauf des indischen Brahmaputra. Erst 1886 traten die Resultate eines andern Punditen, des Lama U. G., ans Licht, [* 60] welcher einige Jahre zuvor den zwischen dem Iarudsangpo und dem Himalaja 4206 m hoch gelegenen Paltisee oder Jamdok-tso (d. h. Skorpionensee) vollständig umwanderte und ihn größer fand, als man bisher annahm (Umfang 290 km). Auch daß er zeitweise dem Iarudsangpo tributär ist und neben ihm noch zwei kleinere Seen existieren, ist neu. 1884-85 führte Prschewalskij seine vierte große Forschungsreise in Zentralasien aus, welche ihn von Kiachta zu den Quellen des Huangho, nach der Salzwüste Zaidam und dem Nordrand des Tibetischen Hochlands, nach dem schon früher von ihm besuchten Lob-Nor, von dort am Südrand des Tarimbeckens über Tschertschen nach Chotan und Aksu und über den Thianschan zurück auf russisches Gebiet führte.
Eine Fülle von wertvollen topographischen und naturthistorischen Beobachtungen machen das über diese Reise erschienene Werk zu seiner besten Leistung, die leider seine letzte sein sollte. Denn, wie wir hier gleich hinzufügen wollen, es ereilte den kühnen und glücklichen Reisenden, als er schon seine fünfte Expedition in jene unwirtlichen Gebiete angetreten hatte, in Karakol am Issi-kul der Tod. Ein Denkmal von gewaltigen Dimensionen soll sich dort für ihn erheben, und die erst 1868 gegründete Stadt selbst soll in Zukunft seinen Namen führen. Sein Unternehmen selbst aber wird durch den Obersten Pewzow durchgeführt werden, welcher bereits 1876 und 1878-79 größere Reisen im chinesischen Reich ausgeführt hat. Das Ziel ist diesmal das nordwestliche Tibet und vielleicht Lhassa, die Hauptstadt selbst; unter seinen 20 Gefährten sind Roborowski und Koslow, schon Prschewalskijs treue Mitarbeiter, und der Geolog Bogdanowitsch zu nennen. Mitte Juli 1889 hatte die Expedition Jarkand erreicht.
Von April 1884 bis März 1887 dauerte die Reise des Russen Potanin, welcher in Begleitung seiner Frau, des Naturforschers Beresowski und des Topographen Skassi die Mongolei erforschte. Potanin selbst studierte vornehmlich die Ethnologie. Die Reise begann in Tiëntsin; von dort ging er über Peking [* 61] und Kukuchoto nach Ordos, wo er in Iedschenchoro das Grabmal Dschengis-Chans besuchte, Lantscheufu, Sining, in die tibetische Provinz Amdo (eine noch ¶
Im Meyers Konversations-Lexikon, 1888
Titel
Asien
[* 2] (Forschungsreisen in jüngster Zeit).
Drei Schiffen ist es im Sommer und Herbst 1890 geglückt, die Nordküste Sibiriens zu erreichen: es waren das norwegische Schiff [* 62] Biscaya, Kapitän Petersen, der englische Dampfer Thule, Kapitän Cordiner, und der Schleppdampfer Bard, Kapitän R. Wiggins, welche sämtlich nach dem Jenissei fuhren. Diese vereinzelten Erfolge beweisen indessen nichts für die Möglichkeit einer dauernden Schiffsverbindung mit dem nördlichen Sibirien. Eine auf vier Jahre berechnete Expedition unter Tscherski wird jetzt von der St. Petersburger Akademie ausgerüstet, um die Flüsse im Nordosten Sibiriens zu untersuchen, geologische Aufnahmen zu machen und namentlich Die Diluvialfauna, die Mammut- und Rhinozerosreste zu studieren.
Kleinasien.
Aus dem Jahr 1890 sind noch einige Expeditionen hier nachzutragen. Kusnetzow unternahm 1890 im Auftrag der Russischen geographischen Gesellschaft seine dritte Reise, welche hauptsächlich dem westlichen Transkaukasien (Karthalinien) galt und Studien über Gletscher und Flora zum Zweck hatte. Im Juli 1890 bestieg der Topograph Pastuchow behufs topographischer Aufnahmen den Elbrus, konnte aber den Abstieg infolge eingetretenen Schneesturms nur unter großen Gefahren vollenden.
Von Engländern unternahm G. G. Baker eine Tour durch den weniger erforschten und niedrigern östlichen Kaukasus, wo er den zu 4830 m anzeigenden Basardschusi erklomm. In der Zentralkette war Holder thätig, die Gletscher und die Orographie der Adai Choch-Gruppe an den Quellen des Rion aufzuhellen, während der Italiener Sella drei Monate lang ebendort reiste und photographierte. Im Sommer 1891 erschienen auch Deutsche [* 63] auf diesem Felde wissenschaftlicher Thätigkeit: Ende Juni gingen Merzbacher aus München [* 64] und Purtscheller aus Salzburg [* 65] zu Gletscherforschungen nach dem zentralen Kaukasus, wo sie trotz schlechten Wetters eine Reihe von Bergbesteigungen und wissenschaftlichen Beobachtungen ausführten.
Westturkistan.
Adolf Bastians letzte große zweijährige Reise, welche, wie stets ethnographischen Zwecken dienend, 1889 ihren Anfang nahm, war zunächst nach den russischen Besitzungen in Westturkistan gerichtet. Samarkand, Taschkent, Chodshent. Buchara und Merw waren die vorzüglichsten Stationen; der Weg führte dann weiter durch Kaukasien, Konstantinopel, [* 66] die europäische Türkei, Ostafrika, Ostindien. [* 67]
Hochasien.
Der vorjährige Bericht (vgl. Bd. 18, S. 337) hatte die Brüder Grum Grshimailo auf ihrer zentralasiatischen Reise bis zu dem Vorstoß von Turfan südwärts nach dem Lop-Nor zu begleitet. Anstatt dort durch ein von den bisherigen Karten verzeichnetes Dünengebiet zu kommen, stießen sie auf ein Gebirge, Tageta, von 2700-3000 m Höhe; den Lop-Nor selbst erreichten sie nicht. Doch konstatierten sie auf diesem Ausflug, welcher hauptsächlich unternommen worden war, um eine Herde wilder Kamele [* 68] zu verfolgen, bei dem Ort Lukschin kyr (in etwa 42½° nördl. Br. und 89½° östl. L. v. Gr.) das Vorhandensein einer ungeahnten Depression [* 69] von 50 m unter der Oberfläche des Ozeans, deren genauere Untersuchung der Generalmajor Asien v. Tillo plant.
Die beiden Brüder, der eine, Gregor, Naturforscher, der andre, Michael, Offizier, gingen dann über Chami durch die Wüste Gobi nach Sutschou, durch das Gebirge Nanschan nach dem Westufer des Kuku-Nor, überschritten südöstlich desselben den obern Huangho und drangen jenseit desselben noch etwa 100 km südwärts bis zum Gebirge Ulan vor. Ihre Rückreise führte sie über Kantschou, Sutschou und Chami nach Kuldscha. Ihre Resultate sind namentlich in zoologischer und botanischer Hinsicht bedeutend; sie brachten unter anderm drei Exemplare des Wildpferdes mit heim. Aber auch für die Geographie haben sie gearbeitet, indem sie an 40 Punkte astronomisch bestimmten, ihre ca. 8000 km langen Routen auf chinesischem Gebiet krokierten und einige hundert Photographien aufnahmen, und diese Arbeiten sind um so wichtiger, als sie es sich angelegen sein ließen, ¶
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möglichst Wege einzuschlagen, welche ihr Vorgänger Prschewalskij nicht betreten hatte. Der großen Expedition unter Oberst Pewzow ist es dagegen nicht gelungen, von Nia aus in Tibet einzudringen, wie das Mitglied Prof. Bogdanowitsch meint, weil das tibetische Randgebirge im W. viel größere Schwierigkeiten darbietet als weiter im O., so daß die ohnehin schon besser mit Waffen [* 71] und Munition als mit Geld ausgerüstete Expedition unnütz Kraft [* 72] und Mittel im W. verschwendete.
Immerhin sind die Ergebnisse ansehnlich: 8000 km topographische Aufnahmen, 50 astronomische Ortsbestimmungen, magnetische Beobachtungen von zehn Punkten, umfangreiche zoologische, botanische und geologische Sammlungen, zu deren Fortschaffung es nicht weniger als 40 Kamele bedürfte. Der englische Offizier Younghusband ging 1890 in Begleitung des als Dolmetsch dienenden Mac Cartney von Indien über Ladak nach Jarkand, überwinterte in Kaschgar und gedachte im Frühling über Tschitral nach Indien zurückzukehren.
Obwohl mehr zu politischen als wissenschaftlichen Zwecken reisend, stellt er doch auch astronomische und geographische Beobachtungen an. Nachrichten vom September 1891 zufolge hatte er sich nach Pamir begeben, um das Vordringen der Russen zu beobachten, war aber von denselben ausgewiesen worden. Von Indien aus besuchten gleichzeitig Beech und Lenard Kaschgar. Zunächst einen praktischen Zweck hatte die Reise des englischen Rittmeisters Bower: sie galt der auch glücklich durchgeführten Ergreifung des Mörders des englischen Reisenden Dalgleish (vgl. Bd. 17, S. 57) und damit der Aufrechterhaltung englischen Prestiges in Innerasien;
daneben aber hat Bower sich nicht geringe Verdienste um die Erforschung des Berglandes im W. der Ebene von Kaschgar erworben.
Während so von englischer Seite verhältnismäßig wenig in diesem Gebiete geschieht, kommt dasselbe seitens der Franzosen mehr in Aufnahme. Die Reise von Littledale über Pamir, von Chokand bis Kaschmir, im J. 1890, ist weniger wegen ihrer Resultate, als dadurch bemerkenswert, daß der Reisende stets von seiner Frau begleitet wurde. E. Blanc, welcher im Auftrag des französischen Ministeriums die transkaspische Bahn u. die Produkte von Russisch-Turkistan studiert hatte, hat diese Reise von Ferghana über den 3730 m hohen Terek-dawan bis nach Kaschgar ausgedehnt und kehrte, nachdem sich ihm dort der schwedische Geolog Hedin angeschlossen hatte, über den Issyk-kul auf russisches Gebiet zurück.
Der bereits durch eine Reise von der Lena nach dem Amur bekannte Franzose Joseph Martin verließ im Frühling 1889 Peking, um durch die Provinz Kansu nach Hochasien vorzudringen; doch wurde er von Mißgeschick verfolgt, indem seine Begleiter ihn betrogen und er in Langtschou und Sutschou monatelang krank daniederlag. Wiederhergestellt, bereiste er das Gebiet des Kuku-Nor, wo er große botanische und zoologische Sammlungen anlegte, und zog dann über Chami und Karaschahr nach dem Lob-Nor, Chotan und Kaschgar.
Endlich hat sich 1891 Dutreuil de Rhins im Auftrag des französischen Unterrichtsministers über Russisch-Turkistan zunächst nach Kaschgar und Chotan begeben und einen Vorstoß nach den Quellen des Keria Darja gemacht; von Samarkand aus ist eine russische Expedition unter Hauptmann Bartschewski Ende Mai aufgebrochen, um die Forschungen im Pamir und Hindukusch weiterzuführen (dieselbe traf im August wieder in Samarkand ein), und zu ethnologischen Studien hat sich Katanow nach dem Tiënschan aufgemacht, um die Sitten und Sprachen der chinesischen Sarten kennen zu lernen. Eine russische archäologische Expedition unter Radloff und Jadrintzew besuchte 1891 Karakorum, dann die Wüste Gobi und die Landschaft Changai, wo sie alte Inschriften und Basreliefs fand. Radloff kehrte über Peking, sein Gefährte mit der Ausbeute über Kiachta nach Rußland zurück.
China, Korea, Japan.
In den Jahren 1889 und 1890 machte der Naturforscher Pratt, welcher vorher mit naturwissenschaftlichen Studien am untern Jangtsekiang beschäftigt war, zwei Reisen nach Tatsienlu im W. der Provinz Jünnan und erforschte dann einen Teil des großartigen Schneegebirges, welches sich unweit dieser Stadt in nordsüdlicher Erstreckung hinzieht. Weiter südlich hat die Reise von Asien R. Agassiz von Haiphong in Tongking über Land nach Langson und Kanton [* 73] uns die Handelsstraßen dieses Teiles von Südchina näher kennen gelehrt. In neuester Zeit besuchte der deutsche Naturforscher Warburg mit einer japanischen Regierungsexpedition die zu diesem Reich gehörigen Bonin- und Volcano Inseln im Stillen Ozean; die erstern haben sich nach seiner Schilderung durch die japanische Kolonisation sehr gehoben, während die Kolonisierung der Volcano -Inseln an dem Wassermangel und der Unwirtlichkeit derselben scheiterte. Das eigentliche Japan ist aus der Reihe derjenigen Länder, wohin geographische Forschungsreisen sich richten, ausgeschieden; das beweist am besten die Thatsache, daß die provisorische Karte des Landes in 1:200,000 und 77 Blatt [* 74] schon fertig vorliegt. Auch von der definitiven in 1:20,000 (mit japanischer Schrift; die in Arbeit begriffene geologische in 1:400,000 hat dagegen lateinische Schrift) befinden sich bereits gegen 300 Blätter im Handel.
Hinterindien.
Aus den Jahren 1888 und 1889 ist noch die Reise des französischen Marineoffiziers Raoul Humann nachzutragen, welcher das Gebiet des Flusses Donaï im südlichen Anam und der Moïs, deren Sprache [* 75] er beherrscht, geographisch untersuchte, an der Ausführung seiner weitern Pläne aber durch einen Unfall auf der Elefantenjagd verhindert wurde. Vom südlichen Tongking aus hat 1890 der Missionar Guignard die wilden Meos am obern Ngan-Ca oder Sông-Mo (zwischen 19 und 20° nördl. Br.) besucht; ihn begleitete eine kleine militärische Expedition, welche diesen Teil der Grenze gegen Siam näher erforschte.
Die Expedition Pavies, welche die Grenze zwischen den französischen Besitzungen und Siam ermitteln soll (vgl. Bd. 18, S. 338), hat sich, am Mekhong angelangt, in mehrere Partien geteilt, welche auf verschiedenen Wegen die Wasserscheide zum südchinesischen Meer überschreiten sollten. Zuerst ist dies dem Kapitän de Malglaive geglückt, welcher im Herbst 1890 von Lakhon am Mekhong zwischen 17 u. 18° nördl Br. ostwärts nach Dong-Hoï an der Küste vordrang. Etwas südlicher, und zwar von Huë aus, machte er dann die Reise in umgekehrter Richtung, wurde aber an den Quellen des Flusses von Tschepon von seinen Trägern verlassen und ist im Dezember 1890 mit einer militärischen Begleitmannschaft zum zweitenmal von Huë nach W. aufgebrochen. Eine andre Expedition unter Kapitän Cupet erreichte im Juni 1891 Luang-Prabang am Mekhong, blieb dort während der Regenzeit, zog dann am Mekhong abwärts und ¶
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ging von Kratieh in östlicher Richtung über die Wasserscheide, ein ausgedehntes Plateau von ca. 500 m Höhe, nach der anamitischen Küste, welche er im April 1891 bei Na-Trang erreichte. Die Längen verschiedener Orte in Siam hat in jüngster Zeit James M'Carthy, Leiter der Aufnahme von Siam, auf telegraphischem Weg bestimmt und auf Grund derselben, hauptsächlich durch Zeitübertragung, mehr als 400 Punkte in den verschiedenen Teilen des Landes miteinander verbunden.
Die britische Besitzergreifung von Birma hat viele kleine Expeditionen und lokale Grenzbestimmungen zur Folge gehabt, und jedesmal sind dabei Aufnahme-Beamte beteiligt, so daß die Kenntnis des Landes (Upper Burma der Engländer) rasche Fortschritte macht und die Thätigkeit privater Forschungsreisender dort bald kein Arbeitsfeld mehr finden wird, abgesehen vielleicht von den Grenzgebieten gegen Tibet und China. Diese Arbeiten stehen unter der Leitung des Majors J. R. Hobday, welcher selbst im Winter 1890/91 einen Versuch machte, die Quellen des Irawadi zu bestimmen und dabei etwa einen halben Breitengrad über den Vereinigungspunkt der beiden Quellströme nach N. vordrang.
Aus der Wassermenge des Mekha oder östlichen Quellflusses schließt er, daß dieser nicht viel weiter nördlich entspringen kann als der westliche, der Malikha, und daß demnach der große tibetische Strom Lukiang nicht der Oberlauf des Irawadi sein kann, sondern sich als derjenige des Salwen herausstellen wird. An der Festsetzung der Grenze zwischen Birma und Siam waren in den Jahren 1889 und 1890 Kapitän Jackson, Ogle und Elias beteiligt, wodurch unsre Kenntnis vom Mittellauf des Salwen und einiger seiner Zuflüsse erweitert wurde.
Auch konnte Jackson einige Vorstöße in das indochinesische Grenzgebiet machen. In dem Distrikt Kjaukse, südöstlich von Mandale, war G. B. Scott thätig, ebenso in den Schanstaaten Baw und Jatsauk östlich von Mandale. In politischem und Handelsinteresse bereiste Lord Lamington die Schanstaaten zwischen dem Salwen und Tongking. Die Regierung der Straits Settlements läßt sich ebenso die Erforschung der bis zum 6.° nördl. Br. unter britischem Schutz stehenden malaiischen Halbinsel angelegen sein; sie hat unter dem Forstdirektor Ridley eine Expedition ausgesendet, um den gebirgigen Westen des Schutzstaates Pahang auf der Ostküste der Halbinsel zu erforschen und über dessen Hilfsquellen und Aussichten zu berichten. An dem Unternehmen beteiligen sich Dawison, Kurator des Museums in Singapur, [* 77] und Leutnant Kelsall, drei Jäger und Sammler und drei Malaien vom Forstdepartement.
Ostindien.
Zu ethnologischen und kulturhistorischen Studien und Sammlungen bereiste Bastian (s. oben unter Westturkistan) die ostindische Halbinsel und Ceylon, wobei er sein Hauptaugenmerk auf die noch wenig bekannte Sekte der Dschainas richtete. Augenblicklich reist zu ähnlichen Zwecken Jagor aus Berlin [* 78] dort, und 1890 verweilte Kurt Böck acht Monate im Himalaja, wo er mehrere hundert photographischer Aufnahmen machte. Im Winter 1890/91 reiste der französische Schiffsfähnrich Roux in Sikkim, Birma und Kaschmir.
Die ostasiatischen Inseln.
Von den Philippinen sind die noch in die Jahre 1888 und 1889 fallenden Rekognoszierungen und Reisen der spanischen Jesuitenmissionare Pastells, Llord, Heras, Terricabras und Barrado auf Mindanao nachzutragen, welche den Oberlauf und die Quellen des Rio [* 79] Pulangui oder Rio Grande de Mindanao entschleierten. Im Sommer 1890 machte Dunlop eine Reise durch Britisch-Nordborneo, und zwar vom Kinabatangan-Fluß im O. zum Padas-Fluß im W., wobei er fand, daß beide Stromgebiete leicht durch einen Weg verbunden werden könnten.
Sumatra zu durchkreuzen gelang im Februar und März 1891 dem Ingenieur Izermann, und zwar von Padang im W. nach Siak im O.; es ist dies das dritte Mal, daß eine solche Durchkreuzung gelang. Nach Celebes begab sich im August 1890 eine Expedition unter W. Jack von Queensland aus, um auf dieser Insel nach Mineralien [* 80] zu suchen. Wohl schon in etwas frühere Zeit fallen die Reisen und Untersuchungen, namentlich ethnographischer und linguistischer Art, welche de Clercq als Resident von Ternate über wenig bekannte Teile seines Bezirks angestellt hat; es sind namentlich die Sula-und Banggoai-Inseln, der Osten von Celebes rings um die Tomoribucht, Ternate, Tidore und die südlich davon gelegenen Inseln und Teile von Dschilolo.
Die Key-Inseln bereiste und erforschte 1890 H. O. W. Planten. Im südlichen Sumatra untersuchte Claine das Volk der Orang-Ulu und bestieg den Dempo und Merapi; im nördlichen Teil der Insel besuchte Modigliani die Südwestecke des Toba-Sees und den 90 m hohen Wasserfall, welchen der Ausfluß [* 81] desselben bildet. Die Schweizer Naturforscher Bedot und Pictet studierten 1890/91 die Landfauna Sarawaks (Borneo), besuchten Java und die kleinern Inseln östlich davon und studierten dann die Meeresfauna auf Amboina; auch machten sie ethnologische Sammlungen und photographische Aufnahmen. Das westliche Flores durchkreuzte Meerburg von N. nach S. Im November 1890 begab sich Ten Kate zur weitern Erforschung der kleinen Sundainseln und zu anthropologischen Studien nach Niederländisch-Ostindien. Flores zu besuchen hinderte ihn vorläufig Feindseligkeit der Eingebornen; dafür unternahm er drei Exkursionen auf Timor, wo er zahlreiche Messungen an Eingebornen ausführte. Später gedenkt er wiederum nach Flores und nach Sumba zu gehen.
Iran.
Bedeutend ist die Thätigkeit der Engländer in Belutschistan, das jetzt völlig unter ihrem Protektorat steht, und wo Sir Robert Sandeman unermüdlich an der Arbeit ist: so unternahm er im Dezember 1889 eine Expedition nach dem Zhobthal, welche durch die Teilnahme von Oberst Holdich und Leutnant Mackenzie für die Geographie sich sehr fruchtbar erwies, und im Frühjahr 1891 eine zweite durch den Süden des Landes bis fast an die persische Grenze, wobei es ihm gelang, die durch Stammesfeindschaften versperrten Handelswege wieder zu eröffnen.
Ferner wurden von europäischen Beamten Aufnahmen im westlichen Mekran und an der persisch-belutschischen Grenze gemacht, und ein Eingeborner, Jusuf Scherif, rekognoszierte ca. 25,000 engl. Quadratmeilen an der persischen Grenze. Aus Persien ist nur über eine Reise des Generalmajore T. E. Gordon von Teheran nach Mohammera im J. 1890 zu berichten, welche mit den englischen Bestrebungen zur kommerziellen Erschließung des südlichen Persien durch Straßenbau zusammenhängt. Auf einer östlich ausbiegenden Straße reisten Biddulph und Vaughan von Teheran nach Kaschan, wobei sie den großen Salzsumpf Darja-i-Namak entdeckten und überschritten. ¶
Im Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910
Titel
Asien.
(Hierzu fünf Karten: Physikalische Karte. Politische Übersichtskarte. Innerasien. Westasien I. Westasien II.) Der Name Asien, dessen Bedeutung den Griechen schon frühzeitig verloren gegangen ist, spricht den natürlichen Gegensatz zu Europa aus und bedeutet das Morgenland gegenüber dem Abendland. Wenn später unter den Griechen die Überlieferung dahin ging, Asien habe seinen Namen von einer Wiese in der Landschaft Lydien erhalten, so ist wohl der Kern der, daß die phöniz. Seefahrer vom Ägäischen Meer aus die Gegensätze des Sonnenauf- und Unterganges der Länder zuerst empfunden und verbreitet haben.
Lage, Grenzen und Küsten. Asien ist der größte Erdteil, ein Drittel des Festlandes der Erde; es liegt mit seiner kontinentalen Masse ganz auf der nördl. Halbkugel der Osthemisphäre, nur mit seiner südöstl. Inselwelt den Äquator schneidend und mit unbedeutenden Gliedern auf die Westhälfte übergreifend, auf drei Seiten vom Ocean umspült und im W. teilweise mit Europa und Afrika zusammenhängend. Der Flächenraum des asiat. Kontinents wird auf 41 392 800 qkm, der zu Asien gerechneten Inseln ohne Polarinseln auf 2 662 399 qkm geschätzt, also 44 055 199 qkm Gesamtflächenraum.
Schon die Auseinanderstellung der äußersten Punkte, des Kap Tscheljuskin (77° 23' nördl. Br.) und Buru (1° 23' nördl. Br.) sowie des Kap Baba an der Westküste von Kleinasien (26° 4' östl. L. von Greenwich) und des Ostkaps an der Nordostspitze von Sibirien (169° 44' westl. L. von Greenwich), deutet auf großartige Ausdehnung; ihnen schließt sich eine reiche Gliederung an, so daß Asien bei 82 300 km Küstenumfang auch die längsten Landesgrenzen aller Kontinente besitzt.
Von dieser Küstenlänge kommen 15 900 km auf das Nördliche Eismeer, 27 300 km auf den Stillen Ocean, 33 600 auf den Indischen Ocean, 5500 auf das Mittelländische und das Schwarze Meer, daher im ganzen auf ungefähr 503 qkm 1 km Küstenlänge. Das Nördliche Eismeer, der Stille und Indische Ocean umgrenzen den asiat. Kontinent im N., O. und S. Im W. aber bildet das Mittelländische Meer nur teilweise die Grenze, denn im N. des Roten Meers besteht durch die 145 km breite Landenge von Sues eine Verbindung mit Afrika, und auf der 2700 km langen Erstreckung zwischen dem Karischen Golf und Kaspischen Meer legt sich Europa an, gleichsam wie eine westlich hingestreckte zersplitterte Halbinsel des großen asiat. Kontinents, der von Amerika auf der andern Seite durch die 92 km breite Beringstraße geschieden ist und eine reiche Inselbrücke zu Australiens Festland besitzt.
Dem großen, in Trapezform sich schmiegenden Massenkörper A.s gesellt sich eine großartige Gliederung bei, die etwa 9 966000 qkm bedeckt und aus folgenden größern Halbinseln besteht: Im W. Kleinasien oder Anatolien, mit den Inseln des Ägäischen Meers im W. und der Insel Cypern [* 82] unfern der Südküste;
im S., wie in Europa, eine dreifache Gliederung zwischen den Buchten des belebtesten Meers, hier des Indischen, dort des Mittelländischen.
Was in Europa Spanien in einfacher Küstenform, das ist in Asien Arabien zwischen dem Roten und Persischen Meere; wie dort Italien [* 83] mit dem benachbarten Sicilien, so liegen hier Vorderindien und die Insel Ceylon zwischen dem Persischen und Bengalischen Meere in der Mitte; und während in Europa die zerrissene griech. Halbinsel südöstlich durch einen vielgliedrigen Archipel zu Asien übergebt, so weist hier die zersplitterte hinterindische Halbinsel zwischen dem Bengalischen und Chinesischen Meer durch den Ostindischen Archipel nach Australiens Festland hinüber.
Eigentümlich sind die Ostküsten A.s dadurch, daß der Große Ocean in weiten Busen in die Küsten des Festlandes einspült, bogenförmig umgrenzt durch südwärts gestreckte Halbinseln und lange Inselreihen. So buchten in Richtung von S. nach N. ein das Süd- und Ostchinesische, das Gelbe, Japanische, Ochotskische und Beringmeer, umklammert von den Halbinseln Korea und Kamtschatka und den Inselreihen der Kurilen, Sachalins, den japan. Inseln mit Jesso, Nipon, Shikoku und Kiushiu, während Formosa und Hainan im Golfe von Tongking dem Festlande benachbart liegen. Im N. sind die sibir. Küsten zwar ebenfalls zersplittert, doch mehr durch die Mündungen mächtiger Ströme als durch Meeresbuchten, wie denn auch, außer Wrangelland, Neusibirien, ferner Waigatsch und Nowaja Semlja auf der europ. Scheide der arktischen Wassermasse, der Inselreichtum sich auf die Limane oder seichten Flußmündungen beschränkt.
Inseln. Die Inselwelt A.s drängt sich im Osten und Südosten zusammen. Große Gebirge durchziehen dieselben, die infolge des Auftretens von ¶
(Doppelseitige Farbkarte) ¶
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Vulkanen bedeutende Höhen erhalten, über Malaka, die Andamanen und Nikobaren setzen sich die aus Mittelasien herausziehenden Ketten nach der austral-asiat. Inselwelt fort. Diese, Australasien oder Indonesien, besser der Malaiische Archipel benannte Inselwelt zerfällt in die Hauptgruppen der Philippinen, Molukken, der Großen und der Kleinen Sunda-Inseln mit Timor. Ein geschlossener, stark vulkanischer Zug umfaßt Sumatra, Java und die Inselreihe bis Ceram.
Hier erheben sich in Sumatra der Korintji oder Indrapura zu 3766 m, der Gunung Dempo zu 3167, in Java der Semeru zu 3703 m Höhe. In dem durch diese Inseln gebildeten Bogen liegen das krystallinisch-archäische Borneo und Celebes. Der Kinibalu in Nordborneo erreicht 4175 m. Die Molukken und Philippinen bilden einen gebrochenen Gebirgszug von paläozoischem Alter, um den sich zahlreiche Vulkane [* 86] lagern. Im Mayon erreichen die Philippinen 2522 m; Japan ist ein verwickelt gebautes Land, ein archäisch-paläozoischer Kern mit Tertiäranlagerung, stark zerrissen und zerbrochen, mit großen Mengen vulkanischer Gesteine; der Vulkan Fusijama erreicht 3745 m Höhe. Kamtschatka ist Fortsetzung dieses Zuges, es ist ebenfalls stark vulkanisch und erreicht im Vulkan Kljutschew 4877 m. Sachalin dagegen besteht aus mesozoischen und tertiären Gesteinen, Formosa aus altem Gebirge und Tertiär im Westen. Letztere Insel erreicht im Mont-Morrison 3917 m Höhe. Auch Hai-nan ist stark gebirgig. Die Kurilen, Alëuten und Liu-kiu (Lu-tschu) sind vulkanisch.
Bodengestaltung. Asien hat sehr ausgedehntes Tiefland, das höchste Hochland, die höchsten Gebirgsketten und höchsten Gipfel der Erde. Die Tiefebenen nehmen wenig über ein Dritteil, die Erhebungen fast zwei Dritteile des Weltteils ein, und zwar erfüllt dessen Mitte ein zusammenhängendes Hochland, dem nördlich ein großes Tiefland, südlich eine reiche Gebirgsgliederung anliegen. Der innere Hochgürtel wird durch das Eingreifen des Tieflandes von Turan und Hindustan unter 55° östl. L. von Greenwich in zwei Hauptmassen, das Hochland Ost- und Central- oder Hinterasiens und das Vorderasiens gegliedert, jedoch durch einen wilden, schneebedeckten Gebirgsisthmus, den Hindukusch, zusammengehalten.
Das Hochland Centralasiens, die Fläche ganz Europas um zwei Dritteile übertreffend, erfüllt den Hauptteil des Kontinentalkörpers und zeigt sich in seinen Grenzen verschieden gekennzeichnet. In Kettengebirgsform stürzen die steilen Abfälle des Südrandes zu der sumpf- und waldreichen Hügelzone (von den Einheimischen die Terai oder Tarai, d. i. feuchte Ebene, geheißen) des hindustan. Tieflandes. Es sind dies die Abfälle des 2450 km langen Himalajagebirges, dessen mittlere Kammhöhen um 5220, dessen Gipfel um 6500-8840 m das Meer überragen, ja dessen höchste Piks alle Gipfel der Erde an Höhe übertreffen.
Parallel mit dem Himalaja von WNW. nach OSO. verläuft nördlicher die Karakorumkette mit einer mittlern Paßhöhe von 5480 m und riesigen Gipfeln, unter denen der zweithöchste gemessene Berg der Erde, der 8620 m hohe Dapsang. Den westl. Rand bildet das Pamirhochland, das Dach [* 87] der Welt, ein im Mittel 4000 m hohes, von zahlreichen Ketten durchzogenes Hochland, das auf seiner Ostseite eine hohe Kette hat, die Kisil-Jart-Kette, die im Tagharma (Mustag-ata) 7864 m erreicht.
Auf dem Pamir (s. d.) liegen die Quellen des Amu-darja (des Oxus der Alten). Der Norden des centralasiat. Hochlands wird von einer Reihe von Gebirgen gebildet, die sämtlich in der Richtung von OSO. nach WNW. und ONO. nach WSW. gleichsam aus dem Innern nach außen hinausstreben. Der Thian-schar (s. d.), das Himmelsgebirge, bildet die Hauptkette, aus der sich mannigfache Äste, wie die Altaiketten, das Alexandergebirge, der Dsungarische Alatau, in die Steppen von Turkestan hinaus erstrecken.
Gebirgsseen, wie der 1615 m hoch gelegene Issyk-kul, der Ebi-nor u. a., erfüllen die Zwischenräume der Ketten, an deren Fuße der Balchaschsee ausgebreitet liegt. Alle diese Ketten sind archäisch und paläozoisch und erreichen im Chantengri (80° östl. L.) 7320 m Höhe. Sie sind mit Schnee und Eis [* 88] bedeckt, Pässe von bedeutender Höhe führen über sie, z. B. der Musartpaß (3900 m). Die östl. Ausläufer erreichen im Bogdo-ola den 95.° östl. L. von Greenwich. Zwischen diesem und den folgenden Gebirgen im N. dehnt sich die Steppe der Dsungarei zwischen 43 und 47° nördl. Br. aus, dann erscheint den Altai, der Ektagaltai, ebenfalls paläozoisch und archäisch, aber nur 3000-3500 m hoch. Als Tar-bagatai zieht ein Zweig weit in die Kirgisensteppe. Der höchste Gipfel des Altai ist die Bjelucha (3352 m). Gegen Osten ist nun die Umrandung Centralasiens ungeordneter. Das Sajanische Gebirge (3500 m) zeigt diese Eigenschaft am deutlichsten und geht östlich in Berglandschaften über, welche die Selenga durchbricht. Südlich vor ihm lagern das Tannu- und das Changaigebirge, von Seen umgeben.
Stärker ausgesprochene Umrandung erfolgt erst weiter gegen NO. Hier ziehen das Jablonoi- und das Stanowoigebirge von den Quellen der Schilka nach Ochotsk, beide archäischer Zusammensetzung. Ihnen vorgelagert ist gegen N. das Witim- und Aldanplateau, gegen NW. liegt in 469 m Höhe der Baikalsee. Die östl. Umrandung der innern Hochebenen erfolgt durch das Chingangebirge an der Westgrenze der Mandschurei, dann durch das nordchines. Bergland. Im SO. ziehen eine Reihe von Ketten aus dem Innern parallel gegen S. und SSO., hoch, schneebedeckt, wild, wenig bekannt.
Zwischen ihnen liegen die Oberläufe der Flüsse Jang-tse-kiang, Me-kong, Saluen. Das innere Hochland zerfällt in zwei Teile, den Süden, Tibet, ein im Westen abflußloses Hochland von 3600 bis 4000 m mittlerer Höhe, mit Seen, Sümpfen, Höhenzügen und dem Tanlagebirge. Hier liegen die Quellen der großen chines. und hinterind. Flüsse sowie die der Zuflüsse des Brahmaputra. Der nördl. Teil Centralasiens ist in den tiefsten Teilen nur 800 m hoch, im W. 1200-1300, im O. 1100-1200 m. Die niedrigste Lage bezeichnet der Lob-nor, ein Steppensee, in den der Tarim mündet.
Den Westen bezeichnet man daber als Tarimbecken, den Osten dagegen als die Wüste Gobi oder Schamo. Ein Ausläufer derselben ist die Dsungarei. Das ganze Land zwischen 90 und 120° östl. L. von Greenwich und 40-50° nördl. Br. heißt die Mongolei. Getrennt werden der Norden und Süden Centralasiens durch die Kuen-lun-Kette, die vom Pamir bis nach China zieht, 6000 m Höhe erreicht, ein ödes, altes, mit Gletschern bedecktes, doch meist wasserarmes Gebirge. Im Altyn-tag und Nan-schan, sowie im Marco-Polo-Gebirge verästelt es sich und setzt sich im Tsin-ling nach dem eigentlichen China fort.
Das chines. Bergland wird von einer Reihe von einzelnen durch Querriegel miteinander ¶
mehr
verbundenen nordöstlich streichenden Zügen gebildet, welche in zahlreichen Ästen durch Südchina ziehen. Der N. wird nur im W. durch Gebirge eingenommen, der O. ist hier Tiefland, das des Hoang-Ho. Nördlich schließt sich an China die Mandschurei, ein wenig bekanntes Gebiet. Im Sichota-alin oder dem Tatarischen Gebirge, archäischen Ketten, fällt es zum Großen Ocean ab. Auch Korea ist durchaus archäisch. Hinterindien wird durch die Ausläufer der aus Tibet herausziehenden Ketten in vier Flußgebiete gespalten.
Eine archäische Kette durchzieht im O. Annam, erhebt sich im Phusan zu 2760 m, eine zweite liegt zwischen Saluen und Me-nam; ein devonisches Tafelland füllt das Land zwischen Me-nam und Me-kong sowie bis zur annamitischen Kette. Der W. und N. sind sehr wenig bekannt. Tertiär begleitet den Irawadi bis 22° nördl. Br., also tief ins Land. Die zwischen Saluen und Me-nam liegende Kette setzt sich bis zur Südspitze A.s durch Malaka fort. In der Vorderindischen Halbinsel erhebt sich das Hochland von Dekan, in einer Steigung von O. nach W. und einer mittlern Höhe von 450 bis 980 m, westlich durch die höhern Randgebirge der Westghat von der schmalen Küstenebene Malabar, östlich durch die gruppenförmigen niedrigen Ostghat von der breitern ebenen Küste Koromandel geschieden.
Während die innere archäische und basaltische keineswegs einförmige Hochfläche nördlich durch die Ketten des basaltischen Windhjagebirges und die Malwavorberge vom hindustan. Tieflande gesondert ist, vereinigen sich die Ghats südlich, in der Quellgegend des Kaweri, zu der höchsten Gebirgslandschaft der Halbinsel, dem Nilgiri, d. i. Blaues Gebirge, mit 2630 m hohem Gipfel. Dieses sinkt steil zur schmalen Tiefebene Gap herab, erhebt sich wiederum als Cardamumgebirge zu 2693 m und taucht mit dem Kap Komorin in das Meer. Gegenüber auf der Insel Ceylon setzt sich das krystallinische Gebirge im Adams-Pik und dem 2536 m hohen Pedurutallagalla fort.
Auf kleinerer Basis und niedriger an Höhe schließt sich das Hochland Vorderasiens an die östl. Hochmassen, und zwar in den drei Abteilungen des Hochlandes von Iran, des armenischen Alpenlandes und des Hochlandes von Anatolien. Das Plateau von Iran ist im O. noch 1500 m, im W. 1200 m hoch, in Seistan aber vielfach beckenförmig bis auf 300 und 560 m eingesenkt. Salz-, Kies- und Sandwüsten bedecken unabsehbare Räume, und hohe Gebirgswälle umstehen sie von allen Seiten. Es sind östlich die steilen und hohen Ketten des Suleimangebirges mit dem 3910 m hohen sog. Tacht-i-Suleiman (d. i. Salomonsthron) im N., südlich die wilden Terrassenlandschaften von Belutschistan und Farsistan, nördlich der jäh zum Kaspischen See abstürzende Elburs mit dem 5900 m hohen erloschenen Vulkan des Demawend; und weiter östlich das von zugänglichen, breiten Einsenkungen, Salzwüsten, unterbrochene Bergland von Chorassan, welches durch die Höhen des Paropamisus zu dem turkestan.
Alpenlande und dem Hindukusch übergeht. Mannigfaltiger ist die Bodengestaltung in der armenischen Alpenlandschaft. Hier erscheinen in Fortsetzung des Südwestrandes von Iran die kurd. Alpenterrassen als eine wilde und vielfältig zerspaltene Südbegrenzung der Hochebenen um den Urmia- und Wansee, während dieselben nördlich in Fortsetzung des Elburs bis zu den tiefen Thalspalten des Aras und der Kura von dem Alpenlande Aserbeidschan und dem armenischen Berglande eingefaßt werden, wo neben Hochebenen, wie die 1848 m hohe von Kars, steile Gipfel in die Wolken ragen, wie der 5156 m hohe Ararat, und vulkanische Gewalten den Boden zerklüftet haben.
Von diesen Felslabyrinthen lösen sich mit vorherrschender Westrichtung die Randgebirge ab, welche die kleinasiat. Halbinsel im N. und S. begleiten und ihre innern Abfälle zu einem mannigfach gestalteten und zerrissenen Plateau vereinen, das hohe, zum Teil vulkanische Gipfel trägt, wie den Hassan-Dagh (2900 m) und den Ardschisch (Argäos 4000 m). Das Randgebirge der Südküste führt den allgemeinen Namen des Taurus und beginnt östlich mit der absoluten Höhe von 3250 bis 3570 m. Auf der längsten europ.-asiat. Landgrenze erhebt sich der archäische, in drei Teile zerfallende Ural mit Gipfeln bis zu 1600 m Höhe, aber ohne Verbindung mit dem asiat. Hochlande, dagegen nach Nowaja Semlja übertretend.
Auf dem Isthmus zwischen dem Kaspischen und Schwarzen Meere erreichen die Alpenketten des Kaukasus eine Höhe von 3250 bis 3570 m zwischen tiefen Thalspalten und riesigen Berggipfeln, wie dem Vulkan Elbrus (5646 m), dem Koschtan-Tau (5151 m), dem Dych-Tau (5211 m) und dem Kasbek (5043 m). Allmählich erheben sich die Hochebenen des syr. Gebirgslandes aus der benachbarten Wüste zu den bis 3066 m aufsteigenden Ketten des Antilibanon und Libanon, der steil und terrassenförmig zum schmalen Küstenstriche Phöniziens und Palästinas abfällt und südwärts in Hochebenen übergeht, die die tiefste Senkung der Erdoberfläche, das 394 m unter dem Spiegel [* 90] des Oceans gelegene Tote Meer mit dem Jordanthal umfassen, während südöstlich die vulkanischen Gebirge und Plateaus des Hauran zu dem arab. Hochlande hinüberführen. Dieses trägt echt afrik. Charakter in seinem einförmigen Scheitel, von kahlen Felsketten und Sandwüsten durchzogen und von fruchtbaren Oasenlandschaften unterbrochen, und in seinen terrassenförmigen Rändern, deren trennende Gebirgsketten in Jemen bis zu 4000 m aufsteigen sollen.
Schaut man von den Erhebungen des asiat. Bodens in seine Tiefen, so findet man dem Nordwestsaume des ostasiat. Hochlandes die sibir. Ebenen vorgelagert, langsam gegen SO. aufsteigend, bis östlich vom Jenissei an die Stelle der Ebene das Bergland tritt, mit einer zum großen Teil winterlich verödeten Natur. In offenem Zusammenhange steht Sibirien südwestlich mit dem Tieflande Turan, den einzelnen Sand-, Salz- und Kiessteppen, die den Kaspischen- und Aralsee umlagern und im erstern eine Depression von 26 m unter dem Spiegel des Schwarzen Meers darbieten.
Während dem Südrande des kontinentalen Gebirgskörpers westlich das weidenreiche Mesopotamien und die heiße syr.-arab. Sandwüste vorliegt, bildet Hindustan sowohl in seinem sandigen, öden Charakter der westl. Wüste Thar wie in den reichbewässerten Gegenden Bengalens einen scharfen Gegensatz zu den nahen Schneegipfeln des Himalaja. Die breiten Längenthäler und schmalen Thalsohlen der hinterind. Tiefebenen sind durch hohe Bergketten voneinander geschieden, während im Osten A.s die fruchtbaren, wohlbebauten Ebenen des chines. Tieflandes sich ausbreiten.
Die geologischen Verhältnisse des Festlandes sind weniger mannigfaltig, als dem großen Raume nach zu erwarten wäre. Ganz Mittelasien hat ein archäisch-paläozoisches Gebirgsgerüst, Granit, Gneis, Schiefer, Quarzit, Kalkstein, Sandstein. Darüber liegt in den innern Steppenbecken der quartäre Löß, ¶