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Malergeselle in München
Als zweitjüngstes Kind des Klosterbraumeisters von Rott am Inn, Christoph Asam, und seiner Frau Katharina wird Hans Georg in Unterwöhrn geboren und am 12. Oktober 1649 in der Pfarrkirche des Stiftes von Rott getauft. Er besucht wahrscheinlich die dortige Klosterschule und macht dann, dank den Beziehungen des Vaters und des Abtes sicher bei einem bekannten Meister, eine Lehre als Maler. Ein nachfolgender Italienaufenthalt, wahrscheinlich in Venedig, muss vermutet werden. Als Geselle des Münchner Hofmalers Niklas Prucker wird er 1679 erstmals aktenkundig. 1680 heiratet er dessen Tochter Maria Theresia, eine ebenfalls ausgebildete Malerin. In einem Brief an den Stadtrat bemüht er sich im gleichen Jahr um Aufnahme in das Bürgerrecht, was auch die Meistergerechtigkeit voraussetzt. Der Brief ist mit «Georg Asam Mahlergesöll» unterzeichnet. Als Hofmaler beansprucht er im Gesuch das Privileg, keine Abgaben für die Aufnahme in die Malerzunft zu entrichten. Die Münchner Zunft verweigert deswegen 1681 die Aufnahme.
Benediktbeuern
Die Sache erledigt sich, als Georg Asam im gleichen Jahr auf Einladung des Abtes Plazidus Mayr in Benediktbeuern Wohnsitz nimmt. Der selbst als Liebhaberarchitekt tätige Abt Plazidus beginnt in diesem Jahr mit dem Abbruch des gotischen Langhauses der Abteikirche und mit dem Neubau auf alten Fundamenten. Georg Asam malt für ihn vorerst einen umfangreichen neuen Äbtezyklus von 58 Äbteporträts, jeweils von Erläuterungstafeln flankiert und aufgelockert mit acht breiten Tafeln von Szenen der Klostergeschichte. Er muss den Abt, den er mit Architektenwerkzeug porträtiert, mit seinen Fähigkeiten beeindruckt haben, denn 1683–1687 kann er in der neuen Kirche alle 22 grossen und 36 kleinen Deckenbilder malen. Er beginnt im Mittelschiff mit einer Temperamalerei auf gelöschtem Gipsgrund, stellt dann aber im Chor und in den Seitenschiffen auf die bisher fast nur von welschen Künstlern beherrschte Freskomalerei in frischen Kalkputz um.[1] Er muss diese «welsche» Technik am Hof in München bei einem der wenigen deutschen Freskomalern, dem fünf Jahre jüngeren Johann Anton Gumpp gelernt, haben. Wie alle deutschen Maler seiner Zeit arbeitet Georg Asam bei seinen Kompositionen nach gestochenen Vorlagen italienischer Meister des venezianischen Manierismus, vor allem von Paolo Veronese, die er aber gekonnt dem vorgegebenen Bildrand anpasst. Er zeigt bei seinen Deckenbildern in Benediktbeuern, dass er den «Welschen» ebenbürtig ist, was die illusionistische Darstellung und die Technik betrifft.
Berühmte Söhne
Mit seiner Ehefrau Maria Theresia, die ihm jeweils beim Freskieren hilft und auch Fassarbeiten signiert, hat Georg Asam zwischen 1683 und 1701 neun Kinder. Der Älteste, Philipp Emanuel, tritt unter dem Namen Engelbrecht ins Kloster Fürstenfeld ein. Die zweitgeborene Tochter Maria Salome wird später ebenfalls Malerin. Das dritte Kind, 1686 noch in Benediktbeuern geboren, ist Sohn Cosmas Damian. Egid Quirin, als siebentes Kind 1692 in Tegernsee geboren, und sein älterer Bruder Cosmas Damian machen beide die Lehre bei ihrem Vater. Sie werden im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts die wichtigsten Vertreter des süddeutschen Barock.
Tegernsee
Die inzwischen fünfköpfige Familie zieht 1688 von Benediktbeuern nach Tegernsee. Die unter Abt Bernhard Wenzl durch den Misoxer Antonio Riva umgebaute Klosterkirche ist schon fertiggestellt.[2] Abt Bernhard beauftragt, sicher aufgrund der intensiven Kontakte zwischen den beiden Äbten von Tegernsee und Benediktbeuern, Georg Asam mit der Freskierung der Deckenfelder und der Kuppel. Asam arbeitet an diesem Auftrag bis 1694, erstellt aber in der gleichen Zeitspanne auch acht Altarblätter für die Klosterkirche und für Filialkirchen des Klosters Tegernsee. Die Fresken in Tegernsee sind weniger illusionistisch als in Benediktbeuern, das zeichnerisch Perfekte ist Asam hier wichtiger. Für das grosse Kuppelfresko fehlt ihm der Erfahrungshintergrund, hier liefert ihm der in Venedig lebende Münchner Johann Carl Loth (1632–1698) den Entwurf. Auch für einige Altarblätter dienen Ölvorlagen Loths. Asam setzt sich intensiv mit dessen Malweise auseinander und ist in dieser Periode stark von ihm beeinflusst.
Im Umfeld von Giovanni Antonio Viscardi
1696 zieht die Familie nach einem kurzen Aufenthalt in München nach Bruck.[3] Der in München tätige Misoxer Hofmaurermeister Giovanni Antonio Viscardi baut im nahen Fürstenfeld für den initiativen Bauabt Balduin Helm die grosse Klosteranlage der Zisterzienser. Hier kann Asam in Gemeinschaft mit den Stuckateuren Perti und Appiani bis 1698 nebst mehreren Gasträumen der Fürstengemächer auch den Fürstensaal freskieren. Er erhält allein für das Deckengemälde 800 Gulden.[4] Zwischendurch erstellt er 1699 in Landshut die Fresken der Klarissinnenkirche Heilig-Kreuz. In Fürstenfeld kann 1701 Baumeister Viscardi noch den Grundstein für die Klosterkirche legen, dann unterbricht der von Kurfürst Max Emanuel auf bayrischen Boden getragene Spanische Erbfolgekrieg alle Arbeiten. Abt Balduin Helm muss nach der bayrischen Niederlage unter österreichischer Besatzung 1705 resignieren, sein Nachfolger entlässt Viscardi. Auch Asam kommt hier nicht mehr zum Zuge. Die kaum vollendeten Fürstenräume werden zu Speichern umgenutzt, weil der neue Abt ein Gegner von barocker Repräsentation ist. 1731 kann dann, wieder unter einem anderen Abt, Sohn Cosmas Damian die Fresken der Klosterkirche erstellen.
Der in Fürstenfeld geknüpfte Kontakt mit Viscardi wird entscheidend für den künstlerischen Lebensweg von Georg Asam. Noch 1701 folgt er Viscardi in die Oberpfalz. Er nimmt Wohnsitz in Velburg. Für den Grafen von Tilly, einem Nachfahren des Feldherrn im Dreissigjährigen Krieg, baut hier Viscardi das Schloss Helfenberg.[5] Wieder ist Giovanni Nicolò Perti Stuckateur und Georg Asam Freskant. Im Schloss, vergleichbar mit der Willibaldsburg von Eichstätt, malt er die Räume aus. Bis 1703 verfertigt er auch Altarblätter für Pfarrkirchen im Pflegamt Helfenberg. Mit Arbeiten in Helfenberg ist Asam noch bis 1707 beschäftigt, hält sich aber 1703–1705 auch im Schloss Schönach bei Straubing auf. Auch hier ist Viscardi Architekt und Perti Stuckateur. Asam arbeitet an den noch heute erhaltenen 48 Bildern in 11 Zimmern und dem grossen Festsaal mit der Tochter Salome und den Söhnen Cosmas Damian und Egid Quirin. Der Bruder des Bauherrn von Schloss Schönach ist Domherr im Kapitel von Cham. Hier erstellen Georg Asam und seine Familie 1704 in der Stadtpfarrkirche 24 Deckenfresken, die bei einem Brand 1742 zerstört werden. 1705 zieht er mit der Familie nach Amberg, wohl wegen der Fresken für die schon stuckierte Wallfahrtskirche Maria Hilf, die aber wieder erst 1717 sein Sohn Cosmas Damian ausführen sollte.[6] 1707 ist Georg Asam nochmals für den Bauherrn des Schlosses Schönach tätig. Er freskiert hier die Kuppel der Wallfahrtskirche Frauenbrünndl bei Straubing. Nochmals ist Asam 1708 an einem Hauptwerk von Giovanni Antonio Viscardi in der Oberpfalz engagiert. Graf von Tilly stiftet hier den Neubau der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Freystadt, die von 1700–1710 erbaut wird. Stuckateur ist Pietro Francesco Appiani. An den 10 Haupt- und 22 Nebenbilder mit dem Kuppelfresko sind auch die Söhne Cosmas Damian Asam und Egid Quirin beteiligt.
Letzte Werke
1708 zieht Georg Asam mit der Familie nach Breitenbrunn und 1710 nach Sulzbach. Er erhält an beiden Orten Aufträge für Fassarbeiten und Altarblätter. Die letzten Hauptaufträge erreichen ihn aber aus Oberbayern. Der Fürstbischof von Freising beauftragt ihn mit einer Freskenfolge in der Aula des Gymnasiums und in der Maximilianskapelle des Freisinger Domes. Die Verbindungen Viscardis zu Freising könnten ihm zu diesem Auftrag verholfen haben, für den dritten Auftrag in Freising, der Ausmalung des Dekanantssaals in der Benediktinerabtei Weihenstephan, sind aber eher die Beziehungen des Abtes zu Benediktbeuern und Tegernsee ausschlaggebend. Die Werke in Freising der Jahre 1709 und 1710 sind teilweise nur noch fragmentarisch erhalten.
Am 7. März 1711 stirbt Georg Asam in Sulzbach im Alter von 62 Jahren. Bis zuletzt ist er bei guter Gesundheit und führt mit tätiger Mithilfe seiner Ehefrau Maria Theresia, seiner Tochter Salome und seiner beiden Söhne Cosmas Damian und Egid Quirin das wandernde Familienunternehmen mit Erfolg. Erst nach seinem Tod nehmen die Söhne ihre Weiterbildung auf. Der 19-jährige Egid Quirin geht zum Münchner Hofbildhauer Andreas Faistenberger in die Lehre. Der 25-jährige Cosmas Damian unternimmt seine vom Abt von Tegernsee geförderte Studienreise nach Rom, wo er 1713 in Anwesenheit des Papstes den ersten Preis der Malerklasse in der Accademia di San Luca übernehmen kann.
Es ist vor allem der künstlerische Ruhm seiner beiden Söhne, welche auf das Lebenswerk Georg Asam als Vorbild und Wegbereiter für eine grosse Periode der süddeutschen Deckenmalerei hinweist, die ihre italienischen Wurzeln nie verleugnet.
Pius Bieri 2010
Literatur:
Langenstein, Eva: Georg Asam, Ölmaler und Freskant im barocken Altbayern, München und Zürich 1986.
Anmerkungen:
[1] Wenige deutsche Maler beherrschen um 1680 die Freskotechnik. In Kempten freskiert Andreas Asper (1617–1683) aus Konstanz schon 1669. In Prag ist Johann Jakob Stevens von Steinfels (1651–1730) tätig. Egid Schor (1627–1701) aus Innsbruck freskiert in Stams und Wilten. Asper, Steinfels und Schor sind in Italien ausgebildet. Schor ist Lehrer des Münchner Hofmalers Johann Anton Gumpp (1654–1719). Von Gumpp lernt Georg Asam die Technik des Freskos. Vorherrschend sind in den 1680er-Jahren noch immer die «Welschen» wie zum Beispiel Carpoforo Tencalla aus Bissone, der 1682–1684 alle Kuppeln im Dom von Passau freskiert.
[2] Gesamtplanung Enrico Zuccalli. Die Kirche ist Vorbild für Abt Plazidus Mayr von Benediktbeuern.
[3] Heute Fürstenfeldbruck.
[4] Ein Maurergeselle kommt auf ein Jahresgehalt von 110 Gulden. Viscardi wird 1702 Hofbaumeister mit einem Jahresgehalt von 600 Gulden. Im Vergleich zu diesen Jahresgehältern sind jedoch die gleichzeitigen Schulden des kriegführenden Kurfürsten Max Emanuel gigantisch. Er hinterlässt bei seinem Tod 1726 Staatschulden von 20 Millionen Gulden.
[5] Die grosse Barockanlage ist reich ausgestattet. Allein für die Stuckaturen werden an Perti 3000 Gulden bezahlt. Die Gemälde und Fresken stellen das profane Hauptwerk von Georg Asam dar. Es ist nicht mehr vorhanden, da die Anlage 1807 auf Abbruch verkauft wird.
[6] Die Kirche wird nach einer Planung von Wolfgang Dientzenhofer vom einheimischen Maurermeister Georg Peimbl unter Aufsicht des Franziskanerfraters Philipp Plank mit den Stuckateuren Giovanni Battista Carlone und Paolo d'Allio von 1696–1702 gebaut.
|Jahr||Auftraggeber||Werk, Ort|
|1683–1687||Abt Plazidus Mayr, Benediktinerabtei Benediktbeuern.||Sieben grosse, 15 mittelgrosse und 36 kleine Deckenbilder in der Klosterkirche Benediktbeuern. Erhalten.|
|1688–1694||Abt Bernhard Wenzl, Benediktinerabtei Tegernsee.||11 grosse, 25 mittelgrosse und 41 kleine Deckenbilder in der Klosterkirche Tegernsee. Erhalten.|
|1695–1696||Abt Bernhard Wenzl, Benediktinerabtei Tegernsee.||«Fensterrundeln» und «Heilthumben» in der Filialkirche St. Egid in Gmund. Heute zerstört.|
|1696||Abt Balduin Helm, Zisterzienserabtei Fürstenfeld.||Drei Deckenbilder im Fürstentrakt des Konvent-Neubaus. Zwei Bilder sind erhalten.|
|1696–1698||Abt Balduin Helm, Zisterzienserabtei Fürstenfeld.||Deckengemälde im Fürstensaal des Konventneubaus. Heute zerstört.|
|1698||Abt Bernhard Wenzl, Benediktinerabtei Tegernsee.||Deckengemälde «Die vier Jahreszeiten» im Konventtrakt des Klosters Tegernsee. Heute zerstört.|
|1699||Abt Bernhard Wenzl, Benediktinerabtei Tegernsee.||Deckengemälde und Sonnenuhr für das Pfleghaus in München. Heute zerstört.|
|1699-1700||Äbtissin Johanna Cäcilia Gräfin von Seyboltstorff, Klarissinnenkloster Landshut.||Sechs Deckenbilder in der Klarissinnen-Klosterkirche Landshut. Heute zerstört oder in schlechtem Zustand.|
|1701–1702||Ferdinand Lorenz Franz Xaver Graf von Tilly und Breitenegg.||Umfangreicher Zyklus von Wand- und Deckengemälden im Neubau des Barockschlosses Helfenberg bei Velburg. Heute alle zerstört.|
|1703-1705||Johann Georg Joseph Graf von Königsfeld.||Zyklus von Wand- und Deckengemälden in 13 Räumen und dem Festsaal des Schlosses Schönach bei Straubing. Zum grösseren Teil erhalten.|
|1704||Stadtbürger von Cham und Regensburger Domkapitel.||24 Deckenfresken in der Stadtpfarrkirche St. Jakob in Cham. Bei Brand 1742 zerstört.|
|1707||Johann Georg Joseph Graf von Königsfeld.||Freskierung der Kuppel in der Wallfahrtskirche Frauenbrünndl bei Straubing.|
|1708 (vor)||Ferdinand Lorenz Franz Xaver Graf von Tilly und Breitenegg.||Freskoarbeiten unbekannten Umfanges in der Kirche St. Sebastian von Breitenbrunn. Heute zerstört.|
|1708||Ferdinand Lorenz Franz Xaver Graf von Tilly und Breitenegg.||ehn Hauptbilder und 33 Nebenbilder in der Wallfahrtskirche Maria Hilf von Freystadt. Siehe dazu den Vertrag (PDF). Im 19. Jahrhundert übermalt. Nur die Fresken der Seitenarme können 1954 freigelegt werden.|
|1709||Johann Franz Eckher von Kapfing, Fürstbischof von Freising.||Sieben Deckenbilder in der Aula des bischöflichen Gymnasiums in Freising, heute «Asamsaal» genannt. Erhalten.|
|1710||Johann Franz Eckher von Kapfing, Fürstbischof von Freising.||Hauptbild und 4 Nebenbilder in der Maximilianskapelle am Freisinger Dom. Erhalten.|
|1710 (um)||Abt Ildefons Huber, Benediktinerabtei Weihenstephan.||Hauptbild und 4 Nebenbilder im «Dekanatssaal» der Abtei Weihenstephan. Nur fragmentarisch erhalten.|
|(Hans) Georg Asam (1649–1711)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|12. Oktober 1649||Rott am Inn||Oberbayern D|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Kurfüstentum Bayern||Freising|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|7. März 1711||Sulzbach||Oberpfalz Bayern D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Kurfürstentum Bayern||Regensburg|
|Kurzbiografie|

Hans Georg Asam zählt zur kleinen Gruppe bayrischer Maler nach dem Dreissigjährigen Krieg, welche nebst der Tafelmalerei auch die Malerei «al fresco» beherrschen. Obwohl er diese Technik nicht in Italien lernt, wird ein Italienaufenthalt Ende der 1660er-Jahre allgemein angenommen. 1680 heiratet er die ebenfalls künstlerisch tätige Tochter seines Münchner Meisters. Mit ihr zieht er für seinen ersten Grossauftrag nach Benediktbeuern. Hier wird Cosmas Damian geboren, Egid Quirin kommt in Tegernsee zur Welt. Die beiden später berühmten Söhne erhalten ihre erste Ausbildung in der elterlichen Wanderwerkstatt. Sie ist seit 1696 im Umfeld des Baumeisters Antonio Viscardi tätig, vorerst in Fürstenfeld, dann vor allem in der Oberpfalz.