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| Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Siebenundsechzigstes Hauptstück.
Viele von uns, geliebteste Brüder, lehren Eine Substanz des Vaters und Sohnes so, daß ihre Lehre nicht so fast der Religion zu entsprechen, als vielmehr zu widersprechen scheint; denn dieser Ausdruck schließt nicht nur den Inhalt des Glaubens, sondern auch eine Veranlassung zur Täuschung in sich. Denn wenn wir jene Lehre in dem Sinne aufstellen, daß die Beiden eigenthümliche Natur ähnlich sey, so daß die Aehnlichkeit nicht die Scheinbarkeit allein herbeiführt, sondern die wesentliche Beschaffenheit in sich faßt; so lehren wir auf die der Religion entsprechende Weise Eine Substanz, wenn wir nur unter der Einen Substanz die ihnen eigene Aehnlichkeit1 verstehen, so daß dieses, daß sie Eins sind, nicht eine einzelne Person, sondern Gleiche bedeutet. Gleichheit2 sage ich, das ist, Nichtverschiedenheit der Aehnlichkeit3, so daß Gleichheit und Aehnlichkeit für gleich angesehen werden, die Gleichheit aber darum Eins genannt werde, weil sie gleich ist, das Eins aber, durch welches das Gleiche ausgedrückt wird, nicht auf eine einzige Person beschränkt werde. Eine Substanz also wird, wenn sie das persönliche Daseyn nicht aufhebt, und die Eine Substanz nicht theilt und in zwei trennt, auf eine der Religion entsprechende Weise gelehrt werden; welche vermöge der Eigenthümlichkeit der Geburt, und vermöge der Aehnlichkeit der Natur so unverschieden ist, daß sie Eine genannt wird.
[S. 19]
1: Similitudinem.
2: Aequalitatem.
3: Similitudinis.