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An Weihnachten feiern die Christen in aller Welt die Geburt von Jesus. Das ist die Ausgangslage. Doch die Feierlichkeiten sind von Land zu Land verschieden. Sieben Autoren und Autorinnen dieser Zeitung erzählen aus eigener Erfahrung, wie die Weihnachtstage im Ausland gefeiert werden.
In den USA ist alles viel grösser als anderswo: die Portionen im Family-Restaurant, die Spenden für die Oper oder die Hardware Stores. Grösser als anderswo ist auch der Rummel vor Weihnachten. Die Vorgärten im US-Staat New Jersey sind mitunter so beleuchtet wie das Berner Münster. Ein Highlight sind Spaziergänge durch die Vorortsquartiere, wo sich die Nachbarn mit Rentierschlitten samt Weihnachtsmann oder grell beleuchteten Krippenszenen gegenseitig zu übertrumpfen versuchen.
Apropos Weihnachtsmann: Er kommt nicht am 6., er kommt in der Nacht auf den 25. Dezember. Er kommt nicht mit «Schmutzli» und dem «Eseli» aus dem dunklen Wald; er kommt auf dem Rentierschlitten vom hohen Norden angebraust. Und es ist der Santa Claus und nicht das Christkind, welcher die Geschenke bringt. In den Träumen der Kinder klettert er durch den Kamin und füllt die von den Kindern aufgehängten Socken am Kamin oder Treppengeländer mit Geschenken.
Das Weihnachtsfest fängt am 25. Dezember mit der Mitternachtsmesse an. Im Familienkreis wird am Vormittag des 25. Dezember rund um den elektrisch beleuchteten Tannenbaum gefeiert. Baumkerzen sind aus Sicherheitsgründen verboten.
Weihnachten ist nicht das grösste Familienfest. Das Erntedankfest Thanksgiving am vierten Donnerstag im November hat für amerikanische Familien einen noch höheren Stellenwert. Es ist der Tag, an welchem Millionen von Truthähnen geschlachtet, an welchem die höchsten Reisefrequenzen registriert werden und der Präsident US-Soldaten im Ausland besucht. Thanksgiving wird nicht nur von Christen, sondern in gleichem Masse auch von den zahlreichen anderen Religionsgemeinschaften gefeiert.
Statt Christmas schreiben die Amerikaner häufig Xmas. Das ist nicht einfach nur cool; das hat eine tiefere Bedeutung: Das X ist in der griechischen Schreibweise der Anfangsbuchstabe von Christus.
Der Autor Claude Chatelain (57) lebte Anfang der Neunzigerjahre sechs Jahre in New York und New Jersey.
Erschienen in der BZ am 24. Dezember 2010