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Vorschlag, im Dt. — wie in allen anderen europ. Spr. — Substantive und Substantivierungen nicht mehr mit großem Anfangsbuchstaben zu schreiben. Diese Kleinschreibung wird von den Vorschlagenden deshalb als gemäßigt bezeichnet, weil weiterhin der Satzanfang, Eigennamen, Titel, Überschriften und die höfliche Anrede Sie groß geschrieben werden sollen.
kritik des begriffs
Die jahrhunderte lange debatte zeigt, dass nicht nur die sache widerstand auslöst, sondern auch der begriff. «Gemässigt» klingt nach einer beschwichtigung, nach «nicht so schlimm». Also schlecht, aber es könnte schlechter sein. Mit negativ formulierten zielen überzeugt man niemanden. Das noch schlechtere wäre eine radikale kleinschreibung, die damit in den bereich des möglichen gerückt wird, obwohl es auf der ganzen welt keinen präzedenzfall für einen entsprechenden wechsel gibt. Bei den unzähligen sprachen, die eine grossschreibung kennen, würde niemand von einer «gemässigten kleinschreibung» oder von einer «substantivkleinschreibung» sprechen. Diese begriffe können also nur diachron verstanden werden und sind damit unsystematisch und unwissenschaftlich.
Für alle anderen sprachen, die grossbuchstaben verwenden, genügt der begriff «grossschreibung»; eine abgrenzung zur substantivgrossschreibung ist nicht nötig. Wir brauchen aber eine abgrenzende bezeichnung dafür. Wir schlagen das neutrale, rein synchrone, nicht wertende eigennamengrossschreibung vor. Das umschreibt unser ziel nicht präzis, aber ausreichend. Die grossschreibung von satzanfängen, titeln und überschriften kann man als selbstverständlich voraussetzen. Die anrede Sie ist nicht matchentscheidend. Wichtig ist die botschaft, dass es für unser ziel eine positive begründung gibt.
Hans Krieger, Bayerische Staatszeitung,
[…] der sogenannten gemäßigten Kleinschreibung, welche natürlich ganz und gar nicht gemäßigt ist […].
Die zu Unrecht sogenannte/so genannte "gemäßigte" Kleinschreibung […]
Gegner, die so argumentieren, gehen anscheinend davon aus, dass es bezüglich grossschreibung keinen unterschied zwischen englisch, finnisch und russisch auf der einen und indischen und arabischen sprachen auf der anderen seite gibt.
Da ist zunächst die Benennung des Vorhabens. War man es bisher gewohnt, von der „gemäßigten“ Kleinschreibung zu lesen und zu hören, in der nur noch „(Eigen)namen“ groß zu schreiben wären, so segelt das Schiff seit heuer unter der Piratenflagge „Substantivkleinschreibung“, einer recht törichten Benennung, weil „(Eigen)namen“ entweder Substantive sind oder Substantive enthalten.