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[* 2] (Cervus L.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Paarzeher und der Familie der Hirsche
[* 5] (Cervina), schlank gebaute
Tiere, von welchen die Männchen ein mehrfach verästeltes Geweih mit mindestens drei nach vorwärts gerichteten Sprossen, stets
vorhandenen Augen- und Mittelsprossen, aber weniger regelmäßig vertretenen Eissprossen tragen. Die Thränengruben sind deutlich,
und an der Außenseite des Mittelfußes stehen Haarbüschel. Der Edelhirsch (CervusElaphusL.), 2,3 m
lang, 1,5 m hoch, mit 15 cm langem Schwanz, ist schlank, doch kräftig gebaut, mit breiter Brust, ziemlich langem, schlankem,
seitlich zusammengedrücktem Hals und nach vorn stark verschmälertem Kopf, mittelgroßen, lebhaften Augen, zugespitzten Ohren
von halber Kopfeslänge, hohen, schlanken Beinen, schlanken Hufen und den Boden nicht berührenden Afterhufen.
Die Thränengruben sondern eine fettige, breiartige Masse ab, welche das Tier durch Reiben an den Bäumen auspreßt. Das Geweih
sitzt auf einem kurzen Rosenstock, unmittelbar über letzterm entspringt an der Vorderseite der
Stange die Augensprosse, dicht
über derselben die Eissprosse, in der Mitte die Mittelsprosse, und über diesen nach vorn gerichteten
Sprossen erhebt sich mannigfach wechselnd die Krone. Der Schwanz ist nach der Spitze zu verschmälert, das Haar
[* 6] verlängert sich
am Vorderhals oft bedeutend; auf der Oberlippe und über den Augen stehen dünne, lange Borsten.
Bei tiefem Schnee
[* 21] und anhaltender strenger Kälte leidet er besonders dann Not, wenn sich nach Tauwetter durch Frost eine Kruste
auf dem Schnee gebildet hat. Das Wild tritt dann durch diese hindurch und verwundet sich die Läufe, welche
schweißig werden. Da es unter solchen Verhältnissen nicht den Schnee fortscharren kann, um die darunter befindlichen Flechten
und Kräuter zu äsen, muß es gefüttert werden. Dies geschieht mit gutem Wiesenheu, besser mit Heu von Klee und Luzerne, sowie
mit Hafergarben. Man legt diese Futtermittel entweder auf den Boden in kleinen Haufen aus, bindet sie auch
wohl in kleine Bunde und hängt solche an Sträuchern auf oder legt sie in Wildraufen. Eicheln, Kastanien und Kartoffeln streut
man auf den Boden, gibt letztere aber nicht bei Frost, weil sie gefroren nicht vom Wild zerkaut werden und, ganz verschluckt,
im Schlund stecken bleiben können.
Desinfektion
[* 23] sowie sofortiges Vergraben der gefallenen und Abschuß der kranken Stücke haben sich gegen diese Epidemie wirksam
erwiesen. Außerdem wird das Wild durch die teils unter der Haut,
[* 24] teils in der Rachenhöhle lebenden Engerlinge (s. d.) nicht
nur sehr belästigt, sondern es gehen auch Stücke, welche von der Rachenbremse stark befallen sind, ein.
Das Rotwild wird im Walde durch Zertreten und Verbeißen der jungen Pflanzen sowie durch Schälen der Stangenhölzer, auf dem
Felde dagegen durch Zertreten und Abäsen der Saat, Abbeißen und Abstreifen der Getreideähren, Ausschlagen der Kartoffeln etc.
schädlich, und es wird deshalb meist nur noch in mäßiger Zahl im Freien gehalten, was jedoch nur in
großen, zusammenhängenden Waldkomplexen möglich ist.
Der Hirsch geht leicht und zierlich, anstandsvoll; sein Lauf ist von fast unglaublicher Geschwindigkeit, auch überschwimmt er
breite Ströme und Meeresarme. Die Jäger haben die Kenntnis der Fährte
[* 25] ungemein ausgebildet, sie unterscheiden nach derselben
das Geschlecht u. ziemlich genau das Alter des Tiers.
[* 2]
Fig. 1 zeigt die untern Teile des Laufs oder die Klauen.
Aus der Größe und Gestaltung der Fährte, besonders auch aus der Weite der Schritte läßt sich auf das Tier schließen, welchem
sie entstammt.
Der Abstand der beiden Liniena b und c d
[* 2]
(Fig. 3), welche die Tritte miteinander verbinden, heißt derSchrank;
[* 26] er ist beim Tier
sehr unbedeutend, beim Hirsch um so größer, je feister und stärker dieser ist, und erreicht 10-15, selbst 20 cm und mehr.
Der fortlaufendeSchrank ist daher eins der gerechtesten Zeichen. Gehör,
[* 27] Geruch und Gesicht
[* 28] des Hirsches sind außerordentlich
scharf; für manche Töne, z. B. die des Waldhorns, hat er große Vorliebe und läßt sich durch dieselben anlocken. Wo er
verfolgt wird, ist er sehr furchtsam, während er höchst zutraulich wird, wenn er sich des Schutzes sicher
bewußt ist.
In der Erregung vergißt er oft seine Sicherheit. In der Brunftzeit ist er förmlich von Sinnen, höchst reizbar und nimmt
dann auch den Menschen an; das weibliche Tier ist sanfter, liebenswürdiger und niemals boshaft. Der Hirsch nährt sich im Winter
von grüner Saat, Knospen, Rinde, Brombeerblättern etc., im Frühjahr von Gras und Kräutern, später von
Getreidekörnern, Rüben, Kraut, Kartoffeln, Bucheckern, Eicheln etc. In der Brunftzeit fressen alte Hirsche namentlich Pilze.
[* 29]
Die Brunft beginnt mit Anfang September und dauert bis in den Oktober; die starken Hirsche, welche sich bis
dahin allein gehalten haben, treten dann zum Mutterwild, treiben dasselbe, soweit möglich, zusammen und kämpfen schwächere
Nebenbuhler davon ab. Der Hirsch, welcher sich hierdurch die Alleinherrschaft errungen hat, heißt der Platzhirsch; die Stellen,
an welchen der Boden durch das Treiben des Mutterwildes, um es zu beschlagen, wund getreten ist, heißen
Brunftplätze.
An der Tiefe und Stärke
[* 34] des Tons kann man die Stärke des Hirsches erkennen, auch läßt sich ersterer auf
Instrumenten (s. Hirschruf) nachahmen. Das Kämpfen, wobei bisweilen tödliche Verwundungen stattfinden, auch wohl solche Verschränkungen
der Gehörne vorkommen, daß die Hirsche nicht wieder auseinander kommen können und verenden müssen, bezweckt wohl die Fortpflanzung
durch die kräftigsten männlichen Individuen bei der unvermeidlichen Inzucht.
StarkeHirsche wiegen in der Feistzeit, kurz vor derBrunft aufgebrochen, 125-200 kg, während der Brunft
äsen sie wenig und verlieren erheblich an Gewicht. AlteTiere wiegen 50-75 kg, wenn sie gelt sind, auch mehr, Spießer etwa
ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 20-25 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher über das
Alter des Hirsches, er überspringt bei reichlichem Futter gewisse Stufen und kann auch eine erreichte Endenzahl wiederholen,
selbst zurückgehen; mehr als 20 regelrechte Enden sind wohl selten vorgekommen, Sechsundsechzigender sind Monstrositäten,
entstanden durch ungewöhnliche Zerteilung von Nebensprossen.
Übrigens vererben sich Eigentümlichkeiten des Geweihs in den Familien und sind abhängig von Örtlichkeiten.
Sehr starke Geweihe erreichen ein Gewicht von 16-18 kg. Der Edelhirsch kann sehr alt werden, sicher bis 50 Jahre. Jung eingefangen,
wird der Hirsch sehr zahm und zutraulich, im Alter aber wieder wild und bösartig. Wildbret, Haut und Geweih des Hirsches sind geschätzt
und gut verwertbar; dennoch ist der Schade, welchen das Rotwild anrichtet, viel bedeutender als der Nutzen,
welchen es gewährt. Früher benutzte man fast alle Teile des Hirsches gegen unzählige Krankheiten, trug sie als Amulette etc.