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Die Frage «Wie gut geht es uns?» bedeutet immer auch Vergleiche über die Zeit – innerhalb eines Lebens oder gegenüber unseren Eltern oder Kindern. Die Wissenschaft spricht in diesem Zusammenhang von Alters- und Generationenphänomenen (vgl. Moser 2006):
- Bei Altersphänomenen ist ein bestimmtes Merkmal mit fortschreitendem biologischen Alter verknüpft. Altersphänomene treten unabhängig von der Generation für bestimmte Zeitpunkte im Lebensverlauf auf. Zum Beispiel: Beim Erreichen des Rentenalters sinkt für gewöhnlich das Einkommen gegenüber dem eigenen Einkommen während der Erwerbszeit.
- Generationenphänomene sind mit dem Zeitpunkt der Geburt verbunden. Generationenphänomene bedeuten eine unterschiedliche Situation derselben Altersgruppe zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Zum Beispiel: das Einkommen der 60-Jährigen heute gegenüber dem Einkommen von 60-Jährigen zehn Jahre zuvor.
Die nachfolgenden Grafiken betrachten diese beiden Phänomene für die Entwicklung der verfügbaren Äquivalenzeinkommen. Abgestellt wird dabei auf den Median (50 Prozent der Personen in der Schweiz verdienen mehr, 50 % verdienen weniger).
Die erste Abbildung zeigt zunächst den Alterseffekt. Dazu wird für sechs Jahrgangsgruppen dargestellt, wie sich die Einkommen zwischen 2007 und 2015 entwickelt haben. Weil immer die gleichen Jahrgänge beobachtet werden, kann gezeigt werden, wie sich die Einkommen mit steigendem Alter entwickelt haben. Aus der untenstehenden Abbildung gehen besonders zwei Dinge hervor:
- Personen aus Jahrgängen, die im Erwerbsleben stehen, konnten mit steigendem Alter von höheren Einkommen profitieren.
- Bei Jahrgangsgruppen, in denen ein bedeutender Teil der Personen im Beobachtungszeitraum das Pensionsalter erreichte (Jahrgangsgruppe 1952 bis 1943) nahmen die Einkommen ab. Das entspricht den Erwartungen bei Austritt aus dem Erwerbsleben. Bei jenen, die 2007 bereits in Rente waren (die Jahrgänge 1942 bis 1933) blieben die Einkommen weitgehend stabil, respektive, sie neigten sich leicht nach unten.
Die Einkommen haben sich aber nicht nur mit zunehmendem Alter, sondern auch im Vergleich zwischen den Generationen positiv entwickelt. Die nachfolgende Abbildung beschreibt, wie sich die mittleren Einkommen (wiederum gemessen als verfügbares Äquivalenzeinkommen) zwischen 2007 und 2015 für verschiedene Altersgruppen verändert haben. Der Generationenvergleich wird möglich, weil zum Beispiel die Situation der 18- bis 35-Jährigen 2007 mit der Situation der 18- bis 35-Jährigen 2015 verglichen wird.
Insgesamt führen uns die Daten zu einer deutlichen Erkenntnis: Jede Generation ist heute besser dran, als die zuvor – die Jungen genauso wie die Rentner. Die Medianeinkommen jeder Altersgruppe sind in den vergangenen Jahren real gestiegen. Die Einkommen der jüngsten Altersgruppe (18 bis 35 Jahre) waren 2015 rund 6 Prozent höher als acht Jahre zuvor. Und auch bei den Rentnern zeigt sich der steigende Wohlstand. Die Altersgruppe der 65- bis 75-Jährigen hatte 2015 rund 11 Prozent mehr als jene, die 2007 in diesem Alter waren.
Ist die Ungleichheit gestiegen?
Die Bestsellerlisten und Schlagzeilen der letzten Jahre zeigen es: Wirtschaftliche Ungleichheit ist eines der umstrittensten Themen der Zeit. Selbst jene, die sonst an den Fortschritt glauben, werden kleinlaut, wenn es darum geht, ob die Verteilung der Einkommen nun gleicher oder ungleicher ist als früher. Dabei wäre die Verunsicherung unnötig. Für die Schweiz – in anderen Ländern sieht das anders aus – zeigen die Daten ein optimistisches Bild:
In der Schweiz waren die Einkommen in früheren Generationen nicht gleichmässiger verteilt als heute. Das zeigt die nachfolgende Grafik anhand des Verhältnisses der Einkommen der reichsten 20 Prozent zu den Einkommen der ärmsten 20 Prozent (Quintilverhältnis). In fast jeder Altersgruppe sind die Einkommen gleicher verteilt als noch 2007. Einzige nennenswerte Ausnahmen sind die 45- bis 55-Jährigen, bei denen das Verhältnis der Einkommen der reichsten 20 % zu jenem der ärmsten 20 % angestiegen ist, und die Altersgruppe Ü75. Bei Letzteren aber ist der Anstieg so geringfügig, dass nur die zweite Kommastelle überhaupt erst einen Unterschied zeigt. Dazu passend sind die Unterschiede auch aus statistischer Sicht nicht relevant – sie sind nicht grösser als die zufälligen Schwankungen, die den Daten eigen sind. Damit ist das Fazit dieser Analyse klar: Wenn sich in den letzten Jahren etwas verändert hat, dann könnte man von einem Trend nach unten, das heisst zu einer Reduktion der Ungleichheit sprechen. Für einen Anstieg gibt es in den gesichteten Daten zur Einkommensverteilung keine Hinweise.