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Fern von der Stadt, auf einem einsamen Bauernhof in Norwegen, lebte ein Bauer namens Gudbrand; der hatte eine sehr gute Frau. Das Leben schien ihnen leicht, der Hof war ihr Eigentum, sie hatten einen Spargroschen in der Lade und zwei gute Kühe im Stall. So konnten sie den Tod erwarten, ohne Not fürchten zu müssen. Eines Abends sagte die Frau zu ihrem Mann: «Mein lieber Mann, ich habe eine Idee. Warum gehst du nicht in die Stadt und verkaufst eine unserer Kühe? Wenn wir eine behalten, haben wir reichlich Butter und Milch für unsere Bedürfnisse. Haben wir es nötig, uns überflüssige Arbeit zu machen?»
Gudbrand dachte, dass seine Frau recht hätte wie immer. Und so holte er früh am Morgen eine der beiden Kühe aus dem Stall und machte sich mit ihr auf den Weg in die Stadt. Dort angelangt, fand er jedoch keinen Käufer, denn es war an diesem Tage kein Markt. «Macht nichts», sagte Gudbrand zu sich selbst. «Da nehme ich meine Kuh eben wieder mit nach Hause. Der Rückweg ist nicht länger als der Hinweg.»
Und mutig machte er sich auf den Heimweg. Aber nach einigen Wegstunden war er sehr müde und setzte sich am Wegrand nieder. Da sah er einen Mann, der ein Pferd am Halfter führte und in die Stadt wollte. «Der Weg ist noch weit und die Nacht nicht fern», murmelte Gudbrand. «Mit einer Kuh, die ich in einem fort ziehen und treiben muss, komme ich nicht vor morgen nach Hause. Dieses Pferd wäre mir von viel grösserem Nutzen.» So hielt er den Mann mit dem Pferd an und schlug ihm vor, seine Kuh gegen das Pferd einzutauschen. Der Mann war ohne Zögern einverstanden. Und Gudbrand war froh und schwang sich auf den Rücken des Pferdes.
Das Pferd war jung, lebhaft und scheute leicht. Gudbrand aber war alt und schwerfällig. So kam es, dass er schon eine halbe Stunde später den Tausch bedauerte. «Ich hätte nicht tauschen sollen», dachte Gudbrand. Da sah er einen Bauern, der trieb ein Schwein vor sich her, das war so fett, dass sein Bauch den Erdboden berührte. «Ein nützlicher Nagel ist mehr wert als ein blitzender Edelstein, der keinen Zweck erfüllt.» sagte Gudbrand, und er machte dem Bauern den Vorschlag sein Pferd gegen das Schwein einzutauschen.
Der Mann war einverstanden. «Das war mal eine gute Idee», dachte Gudbrand.
Aber das dicke Schwein war müde und wollte nicht voran. Er zog es an der Schnauze, er trieb es von hinten voran, er schlug es... vergebliche Mühe. Das Schwein wälzte sich grunzend im Strassenschmutz. Gudbrand wurde schon ganz mutlos; da sah er vor sich einen Mann mit einer Ziege, die mit milchgefülltem Euter und lustigen Sprüngen voraneilte. «Das ist ein Tier, wie ich es brauche», rief Gudbrand, und er tauschte das Schwein gegen die Ziege. Eine halbe Stunde lang ging alles gut. Die Ziege zog Gudbrand vorwärts, was ihm sehr gefiel, aber wenn man nicht mehr ganz jung ist, wird man schnell müde, über Stock und Stein zu springen. So kam es, dass Gudbrand, als er einem Schäfer begegnete, der seine Schafe hütete, darauf drang, seine Ziege gegen ein Schaf einzutauschen. Nichts konnte sanfter sein als dieses Schaf. Es sprang nicht, es stiess nicht mit dem Kopf, sondern trippelte voran und blökte unaufhörlich. Je weiter es sich von der Herde entfernte, desto mehr wurde es von dem Wunsch beherrscht, zu den anderen Schafen zurückzukehren, und je heftiger Gudbrand es vorwärts zog, desto mehr blökte es. «Euer Schaf wird bald krepieren, wenn ihr es so schlecht behandelt», sagte ein Bauer, der eine fette Gans unter dem Arm trug. «Gevatter», sagte Gudbrand zu ihm, «wollt ihr mein Schaf? Gebt mir eure Gans dafür.» Und Gudbrand nahm die Gans unter den Arm. Sie wehrte sich und tat, was sie konnte, um das Weite zu suchen. Es war zweifellos schlecht mit ihr auszukommen. Weder mit dem Schnabel noch mit den Flügeln, noch mit den Füssen gab sie Ruhe. Bald war Gudbrand des Kampfes müde. Da bemerkte er einen Bauernhof. Dort tauschte er die Gans gegen einen schönen Hahn, dessen Federkleid in den herrlichsten Farben schimmerte.
Jetzt war Gudbrand wirklich froh. Zwar krähte der Hahn von Zeit zu Zeit mit rauer Stimme, aber da man ihn an den Füssen gefesselt hatte und Gudbrand ihm den Kopf nach unten hielt, Schwieg er schliesslich und ergab sich in sein trauriges Schicksal. Indessen, bei Einbruch der Nacht, spürte Gudbrand, der seit dem frühen Morgen unterwegs war, gewaltigen Hunger. In der nächsten Herberge, die am Wege lag, verkaufte er seinen Hahn für einen Taler, und da er guten Appetit hatte, gab er alles bis auf den letzten Rappen aus, um sich richtig satt zu essen. Als Gudbrand sein Haus in der Ferne sah, wurde er jedoch nachdenklich.
So beschloss er, bevor er heimging, seinem Nachbarn einen Besuch abzustatten; denn so ganz geheuer war ihm nicht. «Nun», sagte Graubart, «ist alles gut gegangen?»
«So und so», erwiderte Gudbrand. Und er erzählte alles, was sich ereignet hatte.
«Nachbar», sagte der Nachbar, «da hast du etwas Schönes angerichtet. Möge der Himmel dir beistehen! Das wird einen schönen Empfang geben! Ich möchte nicht an deiner Stelle sein. Was wird deine Frau wohl sagen?»
«Es hätte schlimmer für mich ausgehen können», sagte Gudbrand, «aber ich bin ohne Sorge. Ob ich recht oder unrecht habe, meine Frau ist so gut, dass sie mir keinen Vorwurf machen wird.»
«Was du da sagst, lieber Gudbrand, davon glaube ich kein Wort.»
«Willst du wetten, dass ich recht habe?», fragte Gudbrand. «Willst du dagegen wetten?»
«Ja», sagte der Nachbar. «Hier die Hand darauf.» Die beiden gingen in das Haus von Gudbrand. Der Nachbar blieb hinter der Tür stehen, um die Unterhaltung der Eheleute mit anzuhören.
«Guten Abend, liebe Frau», sagte Gudbrand.
«Guten Abend», antwortete die gute Frau. «Bist du es, lieber Mann? Wie ist es dir ergangen?»
«Weder gut noch schlecht», sagte Gudbrand. «Als ich in die Stadt kam, war keiner da, dem ich unsere Kuh hätte verkaufen können. So tauschte ich sie gegen ein Pferd.»
«Gegen ein Pferd!», sagte die Frau. «Eine gute Idee! Wo ist es? Wir müssen es in den Stall bringen.»
«Unterwegs», sagte Gudbrand, «fiel mir etwas anderes ein: Ich habe das Pferd gegen ein Schwein eingetauscht.»
«Sieh mal an», sagte die Frau, «das hätte ich an deiner Stelle auch getan. Wozu brauchen wir ein Pferd? Bringen wir das Schwein unter Dach und Fach.»
«Das Schwein habe ich auch nicht mitgebracht», sagte Gudbrand. «Unterwegs habe ich es gegen eine Ziege eingetauscht.»
«Recht hast du getan!», rief die gute Frau. «Mit einer Ziege habe ich Milch und Käse, ohne von den Zicklein zu reden. Schnell mit der Ziege in den Stall.»
«Die Ziege habe ich auch nicht heimgebracht», sagte Gudbrand, «unterwegs habe ich sie gegen ein Schaf eingetauscht.»
«Wie recht hast du gehabt, antwortete die Frau. Die Ziege hätte mir zu viel Scherereien gemacht, aber von einem Schaf habe ich Wolle und Milch noch dazu. Stell es in den Stall.»
«Das Schaf habe ich auch nicht mitgebracht,» sagte Gudbrand. «Unterwegs habe ich es gegen eine Gans eingetauscht.»
«Von ganzem Herzen Dank», sagte die gute Frau. «Was hätte ich wohl mit einem Schaf angefangen? Ich habe ja weder Spindel noch Webstuhl. Aber eine Gans, eine fette Gans, das wünsche ich mir schon lange. Ich brauche Daunen für eine Bettdecke. Schnell mit der Gans in den Hühnerstall!»
«Die Gans habe ich auch nicht mitgebracht», sagte Gudbrand. «Unterwegs habe ich sie gegen einen Hahn eingetauscht.»
«Lieber Freund», sagte da die gute Frau, «du bist vernünftiger als ich. Ein Hahn ist mehr wert als eine Uhr, die man jede Woche aufziehen muss. Was hätten wir wohl mit einer Gans gemacht? Schnell mit dem Hahn in den Hühnerstall!»
«Den Hahn habe ich auch nicht mitgebracht», sagte Gudbrand, «denn als es Abend wurde, hatte ich plötzlich einen Wolfshunger und musste den Hahn für einen Taler verkaufen, sonst wäre ich an Hunger gestorben.»
«Das war eine sehr gute Idee!», sagte die Frau. «Wozu brauchen wir einen Hahn? Wir bleiben morgens im Bett, so lange es uns gefällt.»
Da öffnete Gudbrand die Tür: «Nun, lieber Nachbar, du kannst die hundert Taler holen!» Und er küsste seine alte Frau auf beide Wangen.
Aus: R. Soupault, Märchen aus fünf Kontinenten, 1968, unter dem Titel: Eine gute Frau.
Eher eine Geschichte für uns Erwachsene. Viele Märchen enden mit der Hochzeit der Held*innen. Wenige erzählen, wie eine gute Ehe aussehen könnte. Deshalb mag ich diese Geschichte. Die gute Frau, die in jeder Entscheidung ihres geliebten Mannes das Beste sehen kann und weiss, was wirklich wichtig ist. Nicht die Kuh oder andere Tiere, sondern, dass er gesund wieder da ist und sein Bestes gegeben hat. Und so kann sie sich ohne Vorbehalte hinter ihn stellen.
Diese Geschichte eignet sich sicher dazu:
- ein schönes Abendessen mit dem Partner/der Partnerin zu planen
- dankbar sein für den Partner / die Partnerin und dem anderen dies auch mitteilen