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Der Kartoffel-Y-Virus (PVY) oder Mosaikvirus ist einer der wichtigsten Krankheitserreger der Kartoffel. In der Pflanzgutproduktion ist es der Virus, der die grössten Probleme verursacht. Die infizierten Kartoffeln wachsen schlechter und liefern viel weniger Ertrag. Links im Bild sind kranke Pflanzen zu sehen, rechts gesunde.
Blattläuse als Multiplikatoren
Dieser Virus wird durch die Stiche von Blattläusen von kranken auf gesunde Pflanzen übertragen. Mehr als 70 Blattlausarten kommen als Vektor, also als Überträger des Y Virus in Frage. Das Virus infiziert die Kartoffel, aber auch andere Nutzpflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse wie Tabak, Peperoni, Tomate und Aubergine sowie eine grosse Anzahl an Wildpflanzen. Vom Virus infizierte Kartoffelpflanzen können unterschiedliche Symptome aufweisen wie Mosaik, Nekrosen der Blattnerven, nekrotische Blattflecken, gekräuselte Blätter, Zwergwuchs, wie auch Ringnekrosen auf Knollen bei anfälligen Sorten.
Virusbekämpfung durch Mineralöle
Als Gegenmassnahme werden die Kartoffelpflanzen mit Mineralölen besprüht. Diese Öle verhindern, dass die Viruspartikel auf den Mundwerkzeugen der Blattläuse in die Blätter der Kartoffelpflanze eindringen. Doch durch das Pflanzenwachstum bleiben die neuen Blätter ungeschützt. Daher muss das Öl mehrmals aufgetragen werden. Die Wirksamkeit der Öle ist von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich.
Stroh verwirrt die Blattläuse
Agroscope hat nachgewiesen, dass das Mulchen der Pflanzkartoffelfelder mit Stroh den Schutz um mehr als 20 Prozent erhöht. Nebst dem Einfluss auf das Verhalten von Blattläusen bietet Stroh noch weitere Vorteile, wie z. B. den Schutz der Felder vor Erosion oder Trockenheit.
Der Einsatz von Stroh zum Schutz von Kulturen ist in der Schweiz im Gegensatz zum europäischen Ausland noch nicht weit verbreitet. Dabei wird gehäckseltes Stroh zwischen der Pflanzung und dem Auflaufen der Pflanzen direkt auf die Dämme mechanisch verstreut. Agroscope konnte zeigen, dass weniger geflügelte Blattläuse auf eingestreuten Parzellen einfallen. Das Stroh scheint auf eine abweisende oder verwirrende Weise das Verhalten der Blattläuse zu beeinflussen. Allerdings verliert das Stroh mit der Zeit an Wirksamkeit, da das Stroh für die anfliegenden Blattläuse auf der Parzelle sichtbar sein muss. Weil sich das Blattwerk der Kartoffeln entwickelt und das Stroh mehr und mehr bedeckt, vermindert dies mit der Zeit seine Wirksamkeit. Vergleicht man die Fangzahlen von geflügelten Blattläusen in eingestreuten Parzellen mit Parzellen mit unbedecktem Boden, so werden während den ersten vier Wochen nach Auflaufen der Kartoffel in den Parzellen mit Stroh weniger Blattläuse gefangen. Eine weitere Studie ergab, dass die Kosten der Strohverteilung durch eine bessere und qualitativ hochwertigere Pflanzgut-Produktion wettgemacht werden.
Gesundes Pflanzgut – zertifiziert und virenfrei dank molekularer Diagnostik
Der systematische Einsatz von virusresistenten Kartoffelsorten könnte die Verluste deutlich reduzieren. Doch sind diese noch rar: Mehr als 50 Prozent der in der Schweiz produzierten Sorten sind anfällig für PVY. Agroscope kontrolliert im Auftrag des Bundes das in der Schweiz eingesetzte Pflanzgut, rund 300’000 Kartoffelknollen. So wird garantiert, dass nur gesunde Pflanzkartoffeln zur Produktion verwendet werden.