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William Shakespeare, Julius Caesar
Die Shakespeare Company am Lyceum Alpinum Zuoz spielt Shakespeares „Julius Cäsar“ – wohl das bekannteste Politdrama des englischen Dramatikers. Giovanni Netzer, Spielleiter am Haus, inszeniert das zeitlose Werk als todbringendes Spiel um Geltungsdrang, Machtbesessenheit und menschliche Verlassenheit. Am 10. Dezember 2010 ist Premiere.
Am 21. September 1599 besuchte der Schweizer Reisende T. Platter eine Aufführung von Shakespeares „Julius Cäsar“ und notiert in sein Tagebuch, er habe ein „in dem streuwinen Dachhaus die Tragedy vom ersten Keyser Julio Cesare mitt ohngefahr 15 personen sehen gar artlich agieren.“ Das Globe Theatre, auf das der reisende Eidgenosse anspielt, war kurze Zeit vorher vollendet worden: möglicherweise hat Shakespeare das Stück sogar für die Eröffnung des Globe geschrieben. Die geschichtliche Bedeutung der Titelfigur würde jedenfalls bestens zur repräsentativen Wucht einer Theatereröffnung passen.
Der Plot
Cäsar kehrt als erfolgreicher Feldherr nach Rom zurück und soll von seinen Anhängern zum Kaiser gekrönt werden. Aber in den Reihen der Senatoren regt sich Widerstand: Brutus, ein Freund Cäsars, will die Dikatur verhindern und beschliesst Cäsars Tod. Als Cäsar, allen Vorahnungen seiner Frau Calpurnia zum Trotz, sich zum Senat begibt, wird er von Brutus und seinen Mitverschworenen ermordet. Brutus hält eine Verteidungungsrede auf dem Forum und wird vom Volk bejubelt. Aber dann betritt Marc Anton das Rednerpodium und wiegelt mit gekonnter Rede das Volk gegen Brutus auf. Die Verschwörer müssen fliehen und werden in der Schlacht von Philippi besiegt. Brutus stürzt sich ins Schwert, um nicht als Gefangener in Rom einziehen zu müssen. Die Herrschaft über das Reich obliegt fortan einem Triumvirat, dem Marc Anton, Octavius und Lepidus angehören.
Staatsmann mit vielen Schwächen
Die Figur des Julius Cäsar hat nicht nur die Staatsleute aller Epochen fasziniert: Cäsar hat auch eine gewaltige dramatische Wirkungsgeschichte ausgelöst, die besonders während der Renaissance zu immer neuen Deutungen des römischen Feldherrn führte. Shakespeare indes stützt sich auf wesentlich ältere Quellen: auf die Biographien des griechischen Dichters Plutarch, der im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebte und kritische Charakteranalysen der römischen Senatoren zu Cäsars Zeiten verfasst hat. Shakespeare vertieft die Charaktere, stärkt die widersprüchlichen Momente der Figuren und verwickelt sie in ein dichtes, todbringendes Beziehungsfeld, in dem es um Machterhalt und Geltungsdrang, aber auch um Hinterfragung von Ideologien und um menschliche Verlassenheit geht. Cäsar ist für Shakespeare ein grosser Staatsmann mit ebenso markanten Schwächen; Brutus, Cäsars Freund und dessen Mörder, ist ein stoischer Denker mit lyrischer Kraft; Antonius zeichnet er als Opportunisten, dessen tiefe Bindung an Cäsar sich mehr und mehr offenbart. Es sind zwiespältige Charaktere, die das Stück bestimmen – und dem Zuschauer die Ambivalenz des Themas markant vor Augen führen.
Arenatheater der politischen Besessenheit
Die Zuozer Inszenierung, von Giovanni Netzer entworfen, spielt in der Arena: mitten im Raum, von Zuschauerrängen umfangen, ereignet sich der Kampf um die Macht in Cäsars Rom. Der Zuschauer sitzt – ungewollt – unter den Plebejern, jener leicht zu manipulierenden Volksmasse, die zuerst und scheinbar willenlos Brutus bejubelt, um ihn dann mit Hasstiraden und Gewaltexzessen in den Tod zu jagen. Der von Menschen umschlossene Raum wird zum Symbol: er ist Krönungssaal und Mordstätte, Schlachtfeld und Sterbezelt. Alles findet letztlich in der Öffentlichkeit statt, und Cäsars Leben und Sterben gleicht zuweilen der Biographie eines medienverfolgten Hollywoodmimen.
A propos Globe
Es lohnt sich, das provisorische Cala-Theater im alten Schwimmbad des Lyceum Alpinum anzusehen – solange es noch steht. Denn bald soll es durch einen neuen, ständigen und durchaus ambitionierten Theaterraum ersetzt werden. Ursula Sommer, die Projektleiterin des Globe Theaters, ist zuversichtlich: der Baubeginn des Zuoz Globe ist für März 2011 geplant, die Eröffnung findet am 9. Dezember 2011 statt - mit einem Shakespeare Stück, versteht sich.