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Reste aus der Druidenzeit auf
Chatollion. Der
Ort erscheint urkundlich zum erstenmal 1011 als Arinis; 1111: Arens; später
Ecclesia Arynis. Seit welcher Zeit der Name Saint Blaise gebräuchlich geworden, ist nicht bekannt. (St. Blasius, einer der 14 Nothelfer,
war
Bischof zu Sebaste in Kleinasien und Märtyrer unter Lizinius um 316). In Saint Blaise haben die
MalerLéonBerthoud und Jacot-Guillarmod gelebt. Vergl.
Quartier La Tente, Ed. Le canton deNeuchâtel. I.
Neuchâtel 1901; Godet,
Phil.
Neuchâtelpittoresque.Genève 1902; MuséeNeuchâtelois. 1873.
Klima im Winter rauh, im Sommer dagegen sehr angenehm,
so dass sich der
Ort zu einer gut besuchten Sommerfrischeentwickelt hat.
Landwirtschaft. Holzhandel. Uhrenindustrie.
Sehr schöne Aussicht auf die
BernerAlpen, das Doubsthal und die Vogesen von zwei Punkten aus, deren einer westl. (1058 m)
und deren anderer nö. (1056 m) vom Dorf liegt. Die nach
Glovelier hinunter führende und die Gallerie von
La Roche (2,4 km
ö. Saint Brais) durchziehende schöne Strasse ist im Auftrag der
Berner Regierung vom Ingenieur
Watt (†
1834) aus
Löwenburg erbaut worden. Spuren ehemaligen Eisenerzbaues. 1275: Sem
Bris; 1316:
Saint Brey.
Nahe der Gallerie von
La Roche sieht man noch Spuren des ehemaligen Pfarrdorfes
Planey, das 1139 zum erstenmal genannt wird
und schon vor langer Zeit zerstört worden ist. Seine dem h. Brix
(Saint Brice) geweihte Pfarrkirche erscheint
schon 1178 als Filiale des Stiftes zu
Saint Ursanne. 1306 werden ein Werner de
Planey und 1336 ein
Jean und ein Guillaume de
Planey genannt. Nach der Zerstörung des Dorfes (in unbekannter Zeit) baute man die neue Pfarrkirche
in dem 20 Minuten entfernten
OrtSaint Brais.
Der Standort des einstigen Dorfes
Planey heisst heute noch Le Plaignat. Ein Edelgeschlecht derer von Saint Brais erscheint
vom 13. bis zum 15. Jahrhundert. Daneben besassen hier auch noch die Edeln von
Pleujouse und die Abtei
Bellelay Grundbesitz.
Der Bürgermeister wurde mit Zustimmung des Stiftspropstes von
Saint Ursanne vom
Bischof von Basel
ernannt. Das
Dorf hatte im 30 jährigen Krieg furchtbar zu leiden: von den 80 Herdstätten und 500 Ew., die es 1630 zählte, waren 1639 blos
noch 50 Herdstätten und 160 Ew. übrig geblieben.
Nachdem es schon von den Truppen des Herzogs von Weimar geplündert worden, zündeten es die Franzosen
am an allen vier
Ecken an. Die Kirche wurde erst 1656 wieder aufgebaut. Als sich die
Freiberge 1792 weigerten, die
französische Staatsgewalt anzuerkennen, errichtete der französische General
Ferrières bei Saint Brais ein durch Artillerie
verteidigtesLager und brachte alle Schrecken der Revolution in das Land. Kirche
1765 umgebaut und 1769 dem
Bischof Saint Brais geweiht, dessen
Fest am 13. November gefeiert wird. Sie enthält die Gebeine des Märtyrers St. Aurelius. Zur
Kirchgemeinde gehören ausser Saint Brais selbst noch die
WeilerMontfavergier (1338:
Mons fabrorum = Schmiedeberg),
Les Sairains (1210: Sorores rupes = Schwesternfelsen),
Cesai (1393: Cesar),
Moron,
Sceut Dessus (1210 genannt; mit Schulhaus)
und endlich zahlreiche zerstreut gelegene
Hofe.
Cergue(Kt. Waadt,
Bez. Nyon).
1013 m. Gem. und Pfarrdorf; 9,5 km nw.
Nyon und an der schönen Strasse, die von
Nyon über den
zwischen dem
Noirmont und der
Dôle eingeschnittenen, bedeutenden Grenzpass des
Col de Saint Cergue nach
dem französischen Dorf Les Rousses führt. Strasse nach Arzier. Postbureau, Telegraph, Telephon; Postwagen
Nyon-Morez und
La
Cure-LeBrassus. Der Bau einer Eisenbahn von
Nyon her wird geplant. Die ziemlich umfangreiche Gemeinde (2300 ha) reicht bis
zur Landesgrenze gegen Frankreich und liegt ganz im Bergland, weshalb sie hauptsächlich
Wald und Sennberge
umfasst.
Durch die Abtretung des
Dappenthales an Frankreich ist sie seinerzeit um ein gutes Stück verkleinert worden. Zusammen mit
dem Grenzweiler
La Cure und einigen nahe dem Dorf zerstreuten Einzelhöfen: 82
Häuser, 376 zur grossen Mehrzahl
reform. Ew.; Dorf: 57
Häuser, 269 Ew. Land-,
Wald- und Weidewirtschaft, Viehzucht. Die vor etwa 50 Jahren eingeführte Fremdenindustrie
hat sich lange Zeit in bescheidenem Rahmen gehalten und ist erst seit den letzten Jahren zu hoher Blüte gelangt.
Mehrere Gasthöfe.
Brüche auf dolomitische Purbeckmergel, die in
Nyon zu Töpferwaren gebrannt werden.
Die Bergstrasse steigt aus der
Ebene mit grossen Schlingen bis Saint Cergue auf, erreicht 3,5 km w. vom Dorf den Passscheitel
(1211 m) und vereinigt sich im Grenzweiler
La Cure mit der von Genf
über die Faucille einerseits und der aus dem Jouxthal über
Le Bois d'Amont andererseits herkommenden Strasse. Das Gebiet von Saint Cergue gehörte einst der
Abtei von
Saint Oyens de
Joux (heute
Saint Claude in Frankreich), doch besassen hier auch noch die Propstei
Bassins und das Kloster
Oujon Grundbesitz.
Der
Pass selbst ist schon seit dem 13. Jahrhundert von
Pilgern, Kaufleuten und Reisenden überschritten worden. Als
das Waadtland an
das Haus Savoyen überging, empfanden die
Mönche von
Saint Oyens das Bedürfnis, den
Pass von Saint Cergue
zu befestigen. Zu diesem Zweck schloss Étienne de
Villars, Abt von
Saint Oyens, 1299 einen Vertrag mit seinem Verwandten Humbert
de Thoire-Villars, Herrn von
Aubonne, wonach dieser sich zum Bau eines festen
Schlosses und eines Dorfes
am Eingang zum
Pass verpflichtete.
Das
Schloss wurde in den nächsten Jahren auf einer den
Pass beherrschenden Anhöhe s. vom jetzigen Dorf erstellt. 1326 beanspruchte
das Haus Châlon die Hut des Passes für sich, die es dann nach verschiedenen Schwierigkeiten und nach Bezahlung einer
Entschädigung an die
Herren von
Villars auch wirklich erhielt. Da das Dorf Saint Cergue während der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts
nur langsam sich entwickelte und ganz klein geblieben war, gewährten die
Mönche allen neuen Kolonen verschiedene
Freiheiten
und Vorrechte.
Nachdem zwischen dem Kloster
Saint Oyens und dem
Haus Savoyen zu wiederholten Malen Streitigkeiten entstanden
waren, bemächtigte sich letzteres 1412 des
Schlosses, das aber noch im selben Jahr wieder an die Châlon zurückkam. Es scheint
aus verschiedenen Quellen hervorzugehen, dass seit dem 15. Jahrhundert die Gerichtsbarkeit über die Gegend von Saint Cergue
dem Burgherrn von
Nyon zustand, während der Burgherr von Saint Cergue blos diejenige über das
¶
mehr
Dorf ausübte. Das Schloss wurde 1475 von den Eidgenossen in Asche gelegt und ist seither nicht wieder aufgebaut worden. In
der Nacht vom 9. auf den lagerten in Saint Cergue die unter dem Befehl von Jakob Wildermett stehenden Neuenburger
und Bieler Freischaren, die zum Entsatz der vom Herzog von Savoyen belagerten Stadt Genf heranrückten.
Am folgenden Morgen stiegen sie in die Ebene herab und gewannen dort die Schlacht bei Gingins. Als Bern
während der Eroberung des
Waadtlandes 1536 auch Saint Cergue ganz in seine Gewalt bekommen wollte, stiess es auf heftigen Widerstand von Seiten Burgunds.
Es kam zu zahlreichen Unterhandlungen, während welcher die Leute der Landvogtei Nyon 1593 sogar einmal
plündernd ins burgundische Gebiet einfielen. 1606 sprach dann endlich ein von beiden Parteien bestelltes Schiedsgericht,
dessen Mitglieder aus verschiedenen Schweizer Städten stammten, Saint Cergue endgiltig der Republik Bern
zu. Doch gab die Grenzbereinigung
noch zu mancherlei Streitigkeiten Anlass, die bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts andauerten (vergl.
den Art. Dappes).
Unter der Berner Oberhoheit blieb das Dorf lange Zeit sehr arm. Die Berner befestigten während ihrer Herrschaft den Passeingang
w. vom Dorf. Es fand sich in dieser Gegend (vielleicht auf dem 1862 an Frankreich abgetretenen Gebiet)
eine Quelle, La Bonne Fontaine genannt, die ihrer kräftigen Heilwirkungen auf Hautkrankheiten (selbst Aussatz) wegen weit
berühmt war und ohne Zweifel vieles zur Besiedelung des Landes beitrug. Um ihren Besitz stritten sich der Herzog von Burgund
und der Graf von Savoyen; als letzterer sich ihrer mit Gewalt bemächtigen wollte, liess man sie verschütten.
Dies wird aber von anderer Seite her bezweifelt, indem man geltend macht, dass sie noch auf verschiedenen späteren Karten
(so besonders auf einer 1766 erschienenen Karte des Kantons Bern)
eingezeichnet ist. Auf diese Quelle bezieht sich wahrscheinlich auch
ein 1557 vom Rat von Genf
erlassenes Verbot des Wasserschöpfens aus einer verfehmten Quelle bei Saint Cergue.
1100: Saint Ciricus; 1228: Saint Cyricus; 1314: Saint Cericus.
Cergue(Colde) (Kt. Waadt,
Bez. Nyon).
1211 m. Passübergang mit schöner Strasse über den südl. Waadtländer
Jura zwischen dem Noirmont und der Dôle; verbindet das Waadtländer Mittelland nw. vom Genfersee mit dem
Thal von Les Rousses und dem Jouxthal einerseits und über die Faucille mit dem Thal von La Valserine, sowie über Morez
mit dem Thal der Bienne andererseits. Die Depression, der der Pass folgt, entspricht geologisch einer horizontalen Transversalverschiebung,
die bis zum Thal von Les Rousses durch mehrere Jurafalten hindurchgeht. Daraus folgt, dass sich die Falten
der einen Seite des Passes auf der gegenüberliegenden Seite nicht direkt fortsetzen, indem diejenigen der SW.-Seite gegenüber
denen der NO.-Seite um etwa 1 km nach NW. verschoben worden sind. Diese Dislokationslinie bildet beim Dorf Saint Cergue, dessen
Neocommulde an ihr einen plötzlichen Abschluss findet, einen wirklichen Querbruch, während sie weiterhin
als Horizontalflexur mit Schleppung erscheint (Richtungsablenkung der Mulden von Prangins-LeVuarne und von der Combe Grasse-La
Trélasse um etwa 1 km). Die von Nyon ausgehende Strasse über den Col de Saint Cergue ist eine der belebtesten und zugleich
auch eine der malerischsten Passstrassen im Jura.
Beim Grenzweiler La Cure vereinigt sie sich mit der von Genf
über die Faucille einerseits und vom Jouxthal über Bois d'Amont andererseits
herkommenden Strasse, so dass der Col de Saint Cergue einen Jurapass
erster Ordnung bildet. Während man auf der Passstrecke
selbst nur die die verschiedenen Ketten zusammensetzenden jurassischen Schichten und das die dazwischen
gelagerten Mulden ausfüllende Neocom sehen kann, ist der Hang gegen das Mittelland mit sehr bedeutenden Glazialablagerungen
bedeckt, die sich bis Genollier hin ziehen. Sie bestehen weiter oben ausschliesslich aus Geschieben, die aus dem Jura selbst
stammen und von einem lokalen Gletscher abgelagert worden sein müssen, während von Le Muids an abwärts
Kiese, Schotter und erratische Blöcke alpinen Ursprungs auftreten.