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Der Tod Hutters war der Donnerstagsausgabe der «Solothurner Zeitung» zu entnehmen. In der Todesanzeige hiess es, Hutter sei nach einer schweren Krankheit verstorben.
Grösstes Aufsehen erregte Schang Hutter 1998, als er die tonnenschwere Skulptur «Shoah», einen kritischen Beitrag zur Holocaust-Diskussion, direkt vor dem Eingang des Bundeshauses in Bern platzierte. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion transportierte die damalige Freiheits-Partei die Skulptur ab und bewies damit ungewollt Hutters provokatives künstlerisches Potenzial.
Macht, Verletzlichkeit, Ausgrenzung und Widerstand waren Hutters zentrale Themen. Mit seinen Werken brachte Hutter, der am 11. August 1934 in Solothurn geboren wurde und seit 1999 mehrheitlich in Genua lebte, seine Solidarität mit Unterdrückten und Bedrängten zum Ausdruck.
Von Gewalt beeinflusst
Als Sohn eines Steinmetzes ging Jean Albert Hutter, wie Schang eigentlich hiess, im elterlichen Betrieb in die Lehre, bevor er sich in Bern an der Kunstgewerbeschule weiter ausbildete. Zum Schlüsselerlebnis wurde sein Umzug nach München im Jahr 1954.
Eigentlich wollte er dort schöne Frauen modellieren. Doch in der vom Krieg zerstörten Stadt erwies sich das als nicht realisierbar. Knapp zehn Jahre nach Kriegsende stiess Hutter in München auf gebrochene Menschen, die ihm furchtbare Kriegserlebnisse schildern.
«Gewalt, die Auswirkungen von Gewalt waren unmittelbar spürbar, sichtbar», sagte er Jahre später in einem Interview. «Diese Erfahrungen, welche mir als Schweizer zum Glück erspart geblieben sind, wurden in München fester Bestandteil meines Denkens und Fühlens.» Er blieb dort bis 1961.
Die künstlerische Bewältigung dieser Jahre setzte nach seiner Rückkehr nach Solothurn ein. Sein «Sterbender Häftling» (1964-1972) gilt als eines der wichtigsten Denkmäler für die Opfer der Konzentrationslager. Geschaffen hat es Hutter nach einer Fotografie eines ausgemergelten Mannes, «der auf die Befreier zukroch und starb, kurz bevor er sie erreichte».
Es folgten säulenartige Figuren. Einzeln oder in Gruppen («Buchenholzgruppe», 1975) erinnern sie an die Gestalten von Alberto Giacometti. Vorerst arbeitete Hutter mit Gips, Marmor, Eisen, Stahl oder Chrom, später mit Pappel- und Tannenholz.
Menschen leiden unter Menschen
Ebenfalls auf eine Fotografie gingen die Anfang der 1980er Jahre entstandenen «Veitstänze» zurück. Die bemalten Figurengruppen zeigen ungarische Volkspolizisten, die 1956 von Aufständischen erschossen wurden.
«Ich möchte mit meinen Figuren zeigen, was die Menschen wegen den Menschen aushalten müssen», schrieb Hutter auf seiner Website. Diese Aussage dokumentierte auch eine Retrospektive zu seinem 80. Geburtstag, 2014 in Bern, die neben Zeichnungen und Grafiken auch zahlreiche Plastiken zum Thema «Menschenbilder» versammelte.
2018 stellte Hutter oberhalb von Sarnen OW gemeinsam mit seiner Tochter aus. Er gestaltete den Aussenbereich des Landenbergs mit seinen Eisenplastiken und mitLisa Hutter Schwahn den Innenraum des Alten Zeughauses. Die in München lebende Kostümbildnerin und Malerin verknüpft in ihren Bildern und Installationen aktuelle Lebensfragen mit der Symbolwelt prähistorischer, vorpatriarchaler Kulturen.
Schang Hutters Werke sind übrigens permanent ausgestellt in einer alten Fabrikhalle im bernischen Huttwil und auf einem Fabrikareal in Langenthal. Auch seine Eisenplastik «Shoah», die nach der heftigen öffentlichen Debatte in Zürich, Basel, Aarau, Solothurn und Glarus ausgestellt wurde, ist heute in Langenthal zu sehen.