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«Der grosse Geist hat uns dieses Land gegeben»
- Samstag, 4. Juli 2015, 9:34 Uhr
Auf Black Mesa, einem abgelegenen Tafelberg in der trockenen Landschaft Arizonas, leben Familien seit Generationen von ihren Schafen. Vor dreissig Jahren wurde ihnen von der US-Regierung befohlen, ihr Land zu verlassen. Die Familie Lane weigert sich, dem Kohleabbau Platz zu machen.
Jerry Lane füllt Wasser in einen grossen Behälter auf seinem Pickup-Truck. Um es zu holen, ist er mit seiner Schwester Mary dreissig Meilen gefahren. Das ist in dem Navajo-Reservat üblich: 40 Prozent der Haushalte haben kein fliessendes Wasser.
Bei der Familie Lane gibt es noch einen zusätzlichen Grund: Die nahe gelegene Kohlemine. Weil die Kohle lange mit Wasser abtransportiert wurde, ist der Grundwasserspiegel gesunken. Quellen sind versiegt, nur noch wenige Brunnen sind tief genug. Auf dem Heimweg einem holprigen Schotterweg entlang zeigen die Geschwister auf einen Brunnen, der mit Zement zugemauert wurde. Jerry Lane sagt lakonisch: «Der Hopi-Stamm hat das gemacht, unterstützt vom Bureau of Indian Affairs.»
Angeblicher Konflikt mit dem Hopi-Stamm
Mary und Jerry Lane leben auf einer Anhöhe namens Black Mesa, umgeben von einsamen Canyons. In drei Hütten hausen sie hier mit einer weiteren Schwester und ihrer betagten Mutter. Mary Lane schaut nach den rund 60 Schafen, sie sind ihre Lebensgrundlage.
Black Mesa hat ihren Namen von den schwarzen Steinen, der Kohle, die hier im Boden liegt. Wegen dieser Kohle müssen die Lanes ihr Land aufgeben. So hat es das Bureau of Indian Affairs vor dreissig Jahren angeordnet. Grund ist angeblich ein Konflikt mit dem Hopi-Stamm nebenan, der aber nachweislich von der Kohleindustrie und der US-Regierung geschürt wurde. Die Lanes harren aus, doch nahegelegene Brunnen werden zugemauert, ihre Tiere regelmässig beschlagnahmt.
«Der Kohleabbau verletzt die Mutter Erde»
Drinnen in der Hütte sitzt die Mutter Rena Lane auf ihrem Bett. Im Ofen knistert ein Feuer. Die Medizinfrau ist dreiundneunzig. Sie wurde von Ranchern brutal zusammengeschlagen, als sie verhindern wollte, dass ihre Tiere beschlagnahmt wurden. Sie erlitt dabei einen Herzinfarkt.
Rena Lane spricht nur die Navajo-Sprache. «Die Mutter Erde ist heilig, der grosse Geist hat uns dieses Land gegeben, mit den Tieren, die wir halten. Wir haben das Recht, hier zu bleiben.» Der Bergbau macht ihr Sorgen: «Der Kohleabbau verletzt die Mutter Erde. Das darf nicht geschehen. Wir leben hier von den Heilpflanzen und Tieren. Die Heilpflanzen wachsen nicht mehr, weil alles ausgetrocknet ist».
« Der Kohleabbau verletzt die Mutter Erde. Das darf nicht geschehen. »
Rena Lane
Medizinfrau
Vier Stunden südöstlich von Black Mesa liegt Window Rock, die Hauptstadt der Navajo. Albert Damon war bis vor kurzem Wirtschaftsminister des Indianerstammes. In den USA sinkt die Nachfrage nach Kohle, wegen dem Gasboom und dem Klimaschutz. Das ist ein Problem für den Navajo-Stamm, denn vierzig Prozent seiner Einnahmen stammen aus dem Kohleabbau.
Deshalb blicke die Stammes-Regierung nach Übersee, um die Kohle langfristig zu verkaufen, sagt Damon. «Die Chinesen sind zu uns gekommen, um nach Investitionsmöglichkeiten zu suchen. Wir zeigten ihnen die Kohle der Peabody Mine. Sie waren sehr interessiert». Diese Mine liegt in der Nähe von Black Mesa. Die Chinesen würden hoffentlich helfen, Bahnlinien zu finanzieren, sagt der Wirtschaftsberater. Dann könnte die Kohle bis weggeführt werden für den Export über den Pazifik.
Der Druck bleibt
Genau das befürchtet Marsha Monestersky, denn es würde den Druck auf die Familien auf Black Mesa erhöhen. Sie sitzt in der Eingangshalle der Community College von Flagstaff, Arizona.
Monestersky ist Gründerin der Organisation Forgotten People, die sich für Familien wie die Lanes einsetzt. «Dieses Gebiet ist der einzige Ort des Landes, wo indigene Menschen umgesiedelt, wo Tiere beschlagnahmt werden. Das ist menschenrechtswidrig. Die US-Regierung prangert überall auf der Welt Länder an, weil sie die Menschenrechte verletzen. Schaut her was hier in Arizona geschieht.»
« Dieses Gebiet ist der einzige Ort des Landes, wo indigene Menschen umgesiedelt werden. »
Marsha Monestersky
Gründerin der Organisation Forgotten People
Die Navajo-Indianer
Die Navajo sind mit 300‘000 Mitgliedern der zweitgrösste Indianerstamm der USA. Etwa 170‘000 von ihnen leben in dem Reservat, das etwa anderthalb Mal so gross ist wie die Schweiz und abgelegen im Südwesten der USA liegt, zwischen Arizona, New Mexiko, Utah und Colorado. Rund die Hälfte der Navajo sprechen noch ihre traditionelle Sprache.
Das Bureau of Indian Affairs lässt Anfragen zu der Situation auf Black Mesa unbeantwortet. Die Regierung der Navajo setzt sich nicht wirklich für die Betroffenen ein, sagt Monestersky. Zu abhängig sei sie von den Lizenzeinnahmen aus dem Kohleabbau.
Internationaler Aufruf wirkte
Die US-Regierung erliess immer wieder Fristen, um die Familien zu zwingen, umzusiedeln. Marsha Monestersky erklärt: «Im Jahr 2000 wollte sie die US-Regierung mit bewaffneten Ordnungshütern vertreiben. Wir lancierten einen internationalen Hilferuf. Menschen kamen aus Italien, Deutschland, Schweden, von überall, um die Navajo zu unterstützen.»
So haben die Familie Lane und andere Navajo Zeit gewinnen können. Aber sie leben weiter im Ungewissen darüber, wie lange sie noch auf ihrem Land bleiben dürfen.
Sendung zu diesem Artikel
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04.07.2015 09:08
04.07.2015 09:08
Die 300 000 Navajo-Indianer in den USA leben in einem Reservat, das anderthalb Mal so gross ist wie die Schweiz. Sie müssten eigentlich reich sein, denn unter dem trockenen Sand lagern Bodenschätze wie Uran, Erdgas, Erdöl und Kohle.
Sendungsbeitrag zu diesem Artikel
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Streit um die Kohlemine der Navajo
Aus Echo der Zeit vom 3.7.2015
Die Indianerfamilie Lane lebt abgeschieden in einem entlegenen Winkel von Arizona. Vor 30 Jahren bekam sie den Befehl wegzuziehen, um Platz zu machen für den Kohle-Abbau. Doch die Navajo-Familie weigert sich bis heute. USA-Korrespondentin Priscilla Imboden hat die Lanes besucht.
Priscilla Imboden
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