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Yannick Weber hätte seine Karriere gerne in der NHL beendet. Er sah jedoch rasch das Positive am Wechsel zu den ZSC Lions.
Weber zog 2006 im Alter von 17 Jahren nach Nordamerika – seine erste Station war das Juniorenteam Kitchener Rangers. Ein Jahr später wurde er von den Montreal Canadiens als Nummer 73 gezogen, am 8. Januar 2008 gab er beim Rekord-Champion der NHL sein Debüt in der besten Liga der Welt. So weit, so gut. Der Verteidiger durchlebte aber auch schwierige Phasen. Nach dem Lockdown in der Saison 2012/13 setzten ihn die Canadiens kaum noch ein.
Zwar fand er mit Vancouver einen neuen Arbeitgeber, bei den Canucks spielte er zunächst aber nur eine kleine Nebenrolle. Nach zehn Partien mit einer durchschnittlichen Einsatzzeit von 5:37 Minuten wurde er gar auf die Waiver-Liste gesetzt, worauf er in die AHL musste. Er kämpfte sich jedoch zurück in die NHL und trotzte dort weiteren Rückschlägen. 2016 nahmen ihn die Nashville Predators unter Vertrag, für die er bis 2020 tätig war und mit denen er 2017 den Stanley-Cup-Final erreichte. Seine letzte Station waren die Pittsburgh Penguins, für die er indes bloss zweimal auflief.
Weber bestritt dank seinem Durchhaltewillen beachtliche 541 Partien in der NHL. Wohl manch ein anderer hätte auf seinem Weg aufgegeben, zumal er in der Schweiz mehr verdient hätte. Für ihn war das allerdings kein Thema. «Ich wusste, dass ich das Können, den Willen und die Mentalität dazu habe, um in dieser Liga zu bestehen, dass ich Chancen erhalten werde, so lange ich weiterarbeite», sagt Weber im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Der Glaube an mich war das A und O. Ohne diesen schafft man es nicht weit, ausser man ist ein Superstar. Zweifel wirken sich auf die Leistung aus.»
Auch Unterstützung von Josi half nichts
In Nashville wurde ihm nach dem Auslaufen des Vertrages 2020 zum Verhängnis, dass die Predators in den zwei Saisons zuvor in den Playoffs frühestmöglich ausgeschieden waren und deshalb Änderungen vornahmen. Deshalb nutzte Weber auch nichts, dass sein guter Freund Roman Josi, der als Captain eine gewichtige Stimme in der Organisation hat, sich für ihn einsetzte. Bei der Suche nach einem neuen Team kam damals Corona erschwerend dazu, dennoch wurde er mit Pittsburgh fündig.
Eine Chance erhielt er bei den Penguins jedoch nicht. Dennoch will er auch die dortige Zeit nicht missen, schliesslich war es für ihn sehr speziell, in der gleichen Mannschaft wie Sidney Crosby, Jewgeni Malkin und Kris Letang zu sein. «Ich spielte mit vielen Superstars zusammen, aber das Level von Crosby hat keiner – ausser vielleicht McDavid (Edmonton). Zu sehen, wie er und die dortige Leadergruppe arbeiten, ihn als Mensch und Spieler zu erleben, das fand ich sehr beeindruckend. Das war für mich positiv in einer unglücklichen Saison.»
Aufgrund seiner Situation in Pittsburgh war Weber klar, dass es für ihn schwierig werden würde, sein Ziel, die Karriere in der NHL zu beenden, in die Tat umsetzen zu können. Deshalb hörte er sich in der Schweiz um und unterschrieb Anfang Juni für drei Jahre bei den ZSC Lions. «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir einfach gefallen ist, die Zelte in Nordamerika abzubrechen. Ich konnte mich jedoch darauf vorbereiten und hatte deshalb relativ viel Zeit, das zu verarbeiten. Ich schaue mit grossem Stolz zurück. Ausserdem sah ich rasch das Positive am Wechsel in die Schweiz.»
Weber sieht Druck als Privileg
So erhält er bei den Lions viel Verantwortung und ist er nahe bei der Familie. «Zürich bietet eine sehr, sehr hohe Lebensqualität, die Organisation ist sehr professionell, das Ziel ist jedes Jahr der Meistertitel. Diesen Druck, dass von der Mannschaft etwas erwartet wird, wollte ich haben», sagt Weber, der mit Kayla Price, der Schwester von Weltklasse-Torhüter Carey Price, verheiratet ist.
Viel erwartet wird selbstredend auch von ihm, wobei er diesen Druck als Privileg sieht. «Die grössten Erwartungen kommen ohnehin von mir selber», so Weber. «Ich bin einer, der nie zufrieden sein wird mit meiner Leistung. Das ist der Grund, warum ich so lange Erfolg hatte in Nordamerika.» Er ist sich aber bewusst, dass die ganze Adaption Zeit braucht. «Es ist sehr, sehr viel neu für mich. Ich wusste von Anfang an, dass es eine grosse Herausforderung wird, zurück in der Schweiz zu sein.»
sfy, sda