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Dem Weitblick und der Entschlossenheit von Heinrich von Thun ist es zu verdanken, dass sich Basel zu einer bedeutenden und belebten Verkehrsdrehscheibe Europas entwickelt hat. Er war es nämlich, der den Brückenschlag zwischen Gross- und Kleinbasel vorangetrieben hatte. Heinrich II. von Thun war von 1216 bis 1238 Bischof des Fürstbistums Basel und ging dank seinem wegweisenden Bauwerk, die heute als die Mittlere Brücke bekannt ist, in die Stadtgeschichte ein.
Stadtansichten von barfi.ch, Historiker Peter Habicht
Ein exaktes Datum des Brückenbaus ist nicht überliefert. Im Staatsarchiv existieren zwar Urkunden aus dem Jahr 1225, die eine Brücke erwähnen; es geht aus ihnen aber nicht hervor, ob das Bauwerk damals bereits bestand oder erst geplant war. Der erste schriftliche Beleg für die Existenz der Brücke stammt aus dem Jahr 1244. In einer Urkunde wird ein «Johannes an der Rheinbrücke» genannt.
Die Basler Rheinbrücke war damals aber nicht die Erste zwischen dem Niederrhein und dem Bodensee. Bereits Ende des 12. Jahrhunderts besass Rheinfelden eine Brücke über den Rhein. Die erste Rheinbrücke überhaupt wird von Historikern um das Jahr 55 v. Chr. bei Koblenz (D) angesiedelt. Allerdings verfielen diese und andere römische Brücken schon bald, so dass lange Jahrhunderte ohne Rheinbrücken folgten.
Wenn die Daten aus jener frühen Zeit der Stadtgeschichte auch nicht lückenlos überliefert sind, eines ist sicher: Dank des sicheren und problemlosen Übergangs konnte sich Basel in einer für die Stadtentwicklung wichtigen Epoche zum blühenden Verkehrs- und Handelszentrum aufschwingen.
Der Weg nach Rom – dem damaligen Zentrum der Welt – wurde durch den Rheinübergang erheblich verkürzt. Die Rheinbrücke war während Jahrhunderten Schauplatz geschichtlicher Ereignisse und Begegnungen. Fürste, Könige, Geistliche und Kaufleute auf dem Weg nach Italien entrichteten dem Brückenmeister den gerechten Zoll.
Auf der Kleinbasler Seite konnte die eine Hälfte der Brücke auf fünf Pfeilern aus Stein gebaut werden. Die starke Strömung des Rheines und die grosse Tiefe auf der Grossbasler Seite erlaubten hier nur den Bau einer Holzbrücke. Sie musste auf sieben Holzstelzen-Pfeilern aus gebündelten Eichenbalken errichtet werden. Teile dieser Holzbrücke wurden immer wieder von Hochwassern weggerissen oder die Pfeiler wurden im Winter durch Eisschübe beschädigt. So mussten in kurzen Abständen aufwendige und kostspielige Reparaturen vorgenommen werden. Auch sonst hat die Brücke viel erlebt, sogar ihre Überflüssigkeit. Dazu schreibt Albin Breitenmoser in seinem Büchlein «Die Basler Rheinbrücken» aus dem Jahr 1962:
Die Chroniken berichten anderseits von Zeiten, da der Rhein vollständig zugefroren war (wie 1462 und 1514), was dazu führte, dass kaum jemand mehr die Brücke benützte. Ebenso seltsam muss es auch 1540 zugegangen sein, als in der Folge monatelanger Trockenheit der Strom bis zum Käppeli austrocknete und an einigen Stellen bequem durchritten werden konnte.
Im weiteren vermittelt Breitenmoser in seiner Schrift einen Eindruck über das Treiben auf der Brücke jener Zeit:
Die Brücke selbst dürfte Jahrhunderte lang einen seltsam beschaulichen Anblick geboten haben. Auf den Jochbogen standen noch bis gegen Mitte des 19. Jahrhunderts allerlei Verkaufsbuden, in denen die verschiedenartigsten Waren zum Verkauf angeboten wurden. Überhaupt scheint die Brücke, wie viele Schilderungen erzählen, ein beliebter Tummelplatz für Jung und Alt gewesen zu sein. Käppelijoch
1392, im Jahr der Vereinigung von Gross-und Kleinbasel, wurde die «Käppelijoch» genannte Kapelle auf der Brücke erneuert. Diese erhob sich auf dem fünften und somit äussersten Steinpfeiler der Brücke und war wohl zunächst aus Holz. Das neue Käppelijoch diente nicht nur der religiösen Besiegelung der Verbindung der beiden Stadtteile, sondern auch der Beschwerung des Brückenpfeilers, damit er dem Hochwasser besser standhalten konnte. Im Jahre 1457 beschloss der Rat, aus Stabilitätsgründen die Steinpfeiler um einen weiteren in Richtung Grossbasel zu erweitern. Der neue steinerne Brückenabschnitt wurde dem damaligen Bürgermeister Hans von Bärenfels zu Ehren «Bärenfelserjoch» getauft.
Das «Käppelijoch» behielt eine besondere Bedeutung, weil die Kapelle auch Schauplatz des öffentlichen Strafvollzugs war: Frauen, die des schweren Diebstahls, des Ehebruchs oder der Kuppelei für schuldig befunden worden waren, aber auch Kindsmörderinnen, wurden dort gefesselt in die Fluten des Rheins geworfen. Das blühte auch Männern, denen man Bigamie oder die Misshandlung ihrer Eltern vorwarf. Bei St. Johann, einige Hundert Meter rheinabwärts, liess man sie dann aus dem Wasser ziehen und wiederbeleben, sofern sie nicht ertrunken waren.
Die Historikerin Barbara Rettenmund schrieb:
Die letzte Frau, die vom Käppelijoch aus in den Rhein geworfen wurde, war Madlen Egerin. Sie wurde 1634 angeklagt, ihr neugeborenes Kind umgebracht zu haben. Madlen Egerin überlebte jedoch, wurde herausgefischt und aus der Stadt verbannt. Angeblich überlebten zu viele Frauen; deshalb ging man dazu über, die verurteilten Frauen zu enthaupten.
Eine andere Strafe war das Schwemmen. Sie wurde vollzogen, wenn sich die Übeltäter des wiederholten Ehebruchs, der Kuppelei oder des Kindermordes schuldig gemacht hatten. An einem Seil zog man sie dreimal unter der Brücke hindurch.
Hier die Geschichte der alten Mittleren Brücke auf der Seite basler-bauten.ch.
Der Neubau
Dank der ständigen Renovationen hielt die alte Basler Brücke bis 1903. Die Einführung der elektrischen Stassenbahn 1895, deren einzige Linie über die alte Rheinbrücke führte, kündigte das Ende an – die alte Brücke konnte der Belastung nicht mehr lange standhalten. Jahrzehntelang wurden Pläne für eine neue Brücke gemacht – und aus Kostengründen wieder verworfen. Endlich, – im April 1899 – fällte der Grosse Rat Basels den Beschluss, eine neue Brücke ganz aus Stein zu bauen. Beim Baubeginn wurde am 27. Mai 1903 die alte Brücke gesperrt. Tram-, Wagen- und Fussgängerverkehr wälzten sich nun aus Kleinbasel über die wenige Meter unterhalb erstellte provisorische Brücke und durch die Marktgasse auf den Markt. Der Bau der neuen Mittlere Brücke mit den aus den Steinbrüchen des Gotthards fertig bearbeiteten Granitquadern konnte beginnen.
Die Bezeichnung «Mittlere Brücke» existiert erst seit 1905. Damals gab es erst drei städtische Rheinbrücken, und die Mittlere Brücke lag zwischen der Wettstein- und der Johanniterbrücke. Die ebenfalls schon existierende Eisenbahnbrücke rheinaufwärts spielte bei der Namensgebung offenbar keine Rolle. Sie lag noch ausserhalb des bebauten Stadtgebietes und wurde nicht mitgezählt.
Am 11.November 1905 konnte Basel die Mittlere Brücke, nach fast dreijähriger Bauzeit, offiziell einweihen. Im Rahmen der ersten umfassenden Sanierung im Jahr 2002, beinahe hundert Jahre nach der Eröffnung, wurde nichts Wesentliches an der Brücke verändert. In den 50er Jahren waren zwar Stimmen laut geworden, so der Historiker Albin Breitenmoser, «… die den Umbau der durch ihre ungenügende Durchfahrtsbreite und –höhe die Sicherheit des Schiffsverkehrs gefährdenden Brücke wünschten.» Diese Ideen wurden aber nicht verwirklicht.
Artikel aus der Basellandschaftlichen Zeitung vom 11.05.2017
2017 wurde die Brücke saniert. Die Trottoirs der Mittleren Rheinbrücke werden zugunsten der Fussgängerinnen und Fussgänger auf beiden Seiten um 40 Zentimeter verbreitert. Der Randstein der Greifengasse wird auf 2.5 Zentimeter abgesenkt, damit Fussgängerinnen und Fussgänger die Strasse leichter überqueren können. Die Unterlagen des Tiefbauamts.
Artikel zu den Bauarbeiten von barfi.ch