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Peter Vischer-Sarasin, Basel, wohl 1815
Tinte auf Karton, Bleistiftspuren
H. 25,8 cm, B. 56,3 cm
Inv. 1973.101.
Eine für Basel ausserordentliche Zeit war der Jahreswechsel 1813/14, als die Truppen der gegen Frankreich verbündeten Staaten Russland, Österreich und Preussen durch Basel zogen. Eine Steigerung erfuhr dieser Ausnahmezustand noch, als im Januar 1814 auch deren Herrscher in Basel eintrafen: Kaiser Franz I. von Österreich, Zar Alexander I. von Russland und König Friedrich Wilhelm III. von Preussen, drei der ranghöchsten Fürsten Europas. Wenn sich viele hochrangige Gäste gleichzeitig in Basel aufhielten, war ihre Unterbringung ein nicht geringes Problem. Sie reisten mit einer grossen Entourage, die in verschiedenen Höfen und Häusern untergebracht werden musste. Die Quartierliste, die anlässlich des ersten Aufenthaltes des Kaisers 1814 gedruckt wurde, umfasst ca. 200 Namen. Der Kaiser selbst war im Haus Nr. 1509, dem Reichensteinerhof (auch «Blaues Haus» genannt), am Rheinsprung untergebracht. Gastgeber dort war der Ratsherr und Seidenbandfabrikant Peter Vischer-Sarasin (1751– 1823; Kat. 82). Neben dem Kaiser selbst beherbergte er auch den Oberstkämmerer, den Kabinettsdirektor und -sekretär, zudem Mundkoch, Zuckerbäcker und vier Tafeldecker.
Während des Tages werden zudem in grosser Zahl Offiziere und Wachen ein- und ausgegangen sein.
Im Blauen Haus feierten, wie eine dort angebrachte, ungefähr zwei Meter hohe steinerne Gedenktafel berichtet, am 13. Januar 1814 die drei Monarchen «ein brüderliches Mahl». Ein zweiter Aufenthalt des Kaisers im Juni 1814 ist auf dem Monument ebenso verewigt, wie der kurze Aufenthalt seiner Tochter Marie Louise und jener von zwei russischen Grossfürsten, die im Frühjahr 1814 «unter Tanz Musik und fröhlichen Spielen» die Gastfreundschaft von Peter Vischer-Sarasin 30 Tage lang in Anspruch nahmen.
Als nach Vollendung der monumentalen Steintafel der Kaiser im Oktober 1815 ein drittes Mal im Reichensteinerhof Quartier nahm und einige Tage dort «auszuruhen geruhete» – sei es aus Gewohnheit, Bequemlichkeit oder aus Sympathie zu Peter Vischer-Sarasin –, musste auch dieser Besuch verewigt werden. Die ergänzende Inschrift skizzierte der stolze Gastgeber Peter Vischer wohl selbst in ungefährer Originalgrösse auf einen Karton; mit einigen sprachlichen Veränderungen wurde dieser Text in eine rötliche Marmorplatte gehauen und diese an die bereits bestehende Inschrifttafel angefügt. Die damit verbundenen Kosten beliefen sich gemäss der Offerte, die unten auf dem Entwurf notiert ist, auf 12 Taler.
Der Karton diente später als rückseitige Verstärkung einer gerahmten Zeichnung seines ältesten Sohnes Peter Vischer-Passavant (1779–1851) und hat dementsprechend gelitten. Der Reiz der Unmittelbarkeit ist dem Objekt aber erhalten geblieben.