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Artikel - Dallas eine gute Adresse für Bichsel (Stand heute)
Lian Bichsel wurde von den Dallas Stars in der ersten Runde an 18. Stelle gedraftet, die Hockeyschweiz, vor allem aber Lian Bichsel selbst dürfen stolz darauf sein. Was kann Lian Bichsel in Dallas erwarten? Wie ist diese Franchise aufgestellt? Was für ein Spielstil bevorzugt Dallas? Passt Lian Bichsel in die Spielerpipeline bei den Stars, resp. wann kann er erwarten, in der NHL spielen zu können? Fragen über Fragen. In der Folge der Versuch, Antworten auf diese Fragen zu finden.
Die Talentpipeline der Stars ist leicht überdurchschnittlich. Neben den alternden Stars, Tyler Seguin, Jamie Benn, Joe Pavelski und Ryan Suter besteht das Tafelsilber für die Zukunft aus dem Top-Flügel Jason Robertson, den sehr guten Verteidigern Miro Heiskanen und Thomas Harley (auch der 28-jährige Verteidiger Esa Lindell ist überdurchschnittlich gut) und dem Supergoalie Jake Oettinger.
Causa Klingberg und Probleme auf der Centerposition
Kurzfristig haben die Stars das Problem, Offensiverteidiger und Bruder des EV Zug-Stürmers, John Klingberg, verlängern zu müssen und es ist sehr fraglich, ob dies gelingt, denn er ist ein so genannter Unrestricted Free Agent. Ich rechne damit, dass Klingberg in der neuen Saison nicht mehr in Dallas spielen wird. Auch die beiden Jungstars Jake Oettinger und Jason Robertson benötigen neue Verträge, sie sind aber Restricted Free Agents und können so mit grosser Sicherheit in Dallas gehalten werden, belasten aber die Salary Cap Situation.
Dallas wird dies aber in den Griff kriegen und auch auf dem Free Agent Markt vermutlich noch das eine und andere Wort mitreden wollen. Das Problem bei den Dallas Stars sind einerseits die teuren, alternden Stars (Pavelski, Benn, Seguin, Suter) und andererseits die für meinen Geschmack ungenügende Qualität auf der Centerposition. Ungenügend gemessen am Anspruch, ein Contender sein zu können. Insgesamt beurteile ich die mittelfristigen Perspektiven der Dallas Stars als durchschnittlich, die Stars sind weder ein klassisches Rebuild-Team noch ein wirklicher «Contender». Meine bisherigen drei Lieblingsspieler bei Dallas sind Goalie Oettinger, Verteidiger Heiskanen und Stürmer Robertson. Dies ist das Gerüst der künftigen Dallas Stars und vielleicht schafft es Lian Bichsel, schon bald in einem Atemzug wie die genannten grossen Drei erwähnt zu werden.
Verteidigerposition Nr. 4 ist realistisch
Interessant wird es für Lian Bichsel, wenn ich die Verteidigertiefe im Kader und die Verteidigertalentpipeline bei den Stars analysiere. Aus diesem Blickwinkel ist die Konstellation für Bichsel auf den ersten Blick vorteilhaft. Aus heutiger Sicht, nach dem ersten Drafttag 2022, hat er Chancen sich mittelfristig die Verteidigerposition Nr. 4 im Dallas-Kader zu erkämpfen. Seine beiden diesbezüglich grössten Konkurrenten sind der Russe Artyom Grushnikov und der Kanadier Jack Bar. Beide gehören bei weitem nicht zur Créme de la Créme in der NHL-Verteidigertalentshow, d.h. ich traue Lian Bichsel durchaus zu, diese beiden in der so genannten «Depth-Chart», ziemlich schnell zu überholen.
Im bestehenden Kader orte ich mit Esa Lindell einen Verteidiger mit mehr oder weniger ähnlichem Profil wie Bichsel, d.h. vielleicht nimmt sich Lindell Bichsel zur Brust und betätigt sich als sein Mentor. Kurzfristig steht aber vermutlich noch einmal eine Saison in Schweden an und wie das Roster in Dallas in einem Jahr ausschaut steht in den Sternen geschrieben. Vielleicht zieht Dallas am zweiten Tag des diesjährigen Drafts weitere Verteidiger mit ähnlichem Profil wie Bichsel, vielleicht bedienen sie sich im Free Agent Teich mit einem ähnlichen Spieler und vielleicht geschieht genau dies in einem Jahr. Aus diesem Grund ist die Frage, ob Dallas eine gute Franchise ist für Lian Bichsel, um sich einen Platz zu erkämpfen, eine Frage, die überbewertet wird.
Bichsel bringt ein neues Element
Vom Spielstil her gesehen ist es ebenfalls nicht leicht, abzusehen, ob das Peter DeBoer-Hockey – Peter DeBoer ist neuer Head-Coach in Dallas und löst Rick Bowness ab — für Lian Bichsel vorteilhaft ist oder nicht. Peter DeBoer war jüngst nicht sehr erfolgreich, hatte aber in Vegas auch grosses Verletzungspech und mit Joe Pavelski findet er einen Spieler wieder der sein bestes Hockey unter Peter DeBoer in San Jose gespielt hat. DeBoer hat den Ruf, speziell ein Powerplay befeuern zu können, dies ist ihm aber in Vegas alles andere als gelungen, vielleicht auch darum die Trennung. Tendenziell passt DeBoer sein System an die Qualitäten seiner Spieler an, tendenziell verlangt er von den spielerisch starken Verteidigern eine gewisse Risikobereitschaft im Spielaufbau. Im Spielaufbau muss sich Lian Bichsel noch verbessern, aber er bringt mit seiner Postur, seiner Reichweite und seiner physischen Spielweise ein Element ins Dallas Stars Kader, das heute noch weitgehend fehlt. Ich bin tendenziell optimistisch für Lian Bichsel, immer aber mit dem Vorbehalt, dass es keine grösseren Kaderumwälzungen gibt. Kurzfristig soll sich Lian ganz einfach mit seiner Familie und seinem Betreuerstab freuen und feiern und falls es sich zeigen sollte, dass er tatsächlich in Schweden eine weitere Saison anhängt, so finde ich dies eine gute, smarte, pragmatische Entscheidung. In einem Jahr erwarte ich den Sprung nach Nordamerika und wenn alles gut läuft, dann auch bereits erste Spiele in der NHL.
Auch wir in der Schweiz freuen uns: Endlich wieder ein Schweizer, der früh gedraftet wurde!

Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den Central Scouting Service und verfolgt die beste Liga der Welt hautnah. Für MySports ist Roost als NHL-Experte & Co-Kommentator im Einsatz. In seiner wöchtenlichen Kolumne «Roosts Ramblings» schreibt er über Themen aus der NHL und der grossen Hockey-Welt.