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5 Sekunden fehlten zur 3. EM-Medaille
Nach ihrer Verletzung in Doha nahm die Muttenzer Judoka Anfang März am Grand Prix von Tashkent die Wettkampf-Saison wieder auf. Der Wiedereinstieg glückte ihr jedoch nicht nach Wunsch. Tschopp verlor ihren ersten Kampf unglücklich gegen die wenig bekannte Peruanerin Gamarra Carbajal. Besser lief es der Konkurrentin im eigenen Lager, Fabienne Kocher. Sie holte sich die Bronze-Medaille an diesem Wettkampf.
Als Welt Nr. 13 reiste die mittlerweile genesene Schweizer Spitzen-Kämpferin einen guten Monat später an die Europa-Meisterschaften nach Lissabon. Bereits zwei EM-Medaillen hat Evelyne Tschopp in ihrem Palmares aufzuweisen. In Portugal sollte eine Dritte dazu kommen.
Die erste Runde bescherte Tschopp ein Freilos. In der zweiten Runde hiess die Gegnerin Cristina Blanaru aus Moldawien. Tschopp kämpfte konzentriert und zielgerichtet. Die unbequeme Kontrahentin hielt entsprechend dagegen. Keiner der beiden Kämpferinnen gelang eine entscheidende Aktion und es ging nach vier Minuten Kampfzeit in den Golden Score. Evelyne Tschopp packte ihre Chance und konnte die Gegnerin mit einem Wazaari werfen. Damit war der die Begegnung entschieden, denn im Golden Score beendet jede Wertung den Kampf.
Im Viertelfinale traf die Baselbieterin erneut auf die Spanierin Ana Perez Box, welche bereits in Doha vor ein paar Wochen auf ihrem Wettkampfblatt gestanden hatte. Damals konnte Tschopp das bessere Ende für sich behalten. Die Geschichte wiederholt sich leider nicht immer. Tschopp musste sich dieses Mal mit Ippon geschlagen geben und kam in die Hoffnungsrunde.
Dort kam es dann zum Schweizer Duell gegen Fabienne Kocher. In diesem Kampf setzte sich Tschopp nach zwei Minuten mit einem schönen Ippon durch und war damit für den Kampf um Bronze qualifiziert.
Im letzten Kampf des Turniers musste Tschopp gegen die Israelin Primo Gefen antreten, eine junge, aufstrebende Kämpferin, die voll auf EM und WM setzen muss, weil sie in den Ausscheidungen für Olympia gegen ihre Teamkollegin Gilli den Kürzeren gezogen hat und nicht mit nach Tokyo reisen darf (an den olympischen Spielen ist nur eine Kämpferin pro Kategorie zugelassen, an EM und WM sind es deren zwei).
Evelyne Tschopp begann sehr gut und konnte sich nach einer Minute mit einem Konter-Wurf einen Wazaari gutschreiben lassen. Sie bekam die Gegnerin in einen Festhalter, den sie zehn Sekunden lang hätte halten müssen. Leider konnte sich Primo Gefen nach fünf Sekunden befreien und der Kampf ging weiter. Im weiteren Verlauf drehte sich 90 Sekunden vor Kampfzeitende die Lage genau um: Tschopp wurde mit einem Fusswurf Wazaari geworfen und landete in einem Festhalter der Israelin, welche es besser machte und es schaffte, ihre Gegnerin zehn Sekunden am Boden zu fixieren. Damit musste sich Tschopp mit dem undankbaren fünften Rang begnügen und reiste ohne die angestrebte Medaille zurück in die Schweiz.
‚Ich habe irgendwie nach meiner Führung einen Moment die Konzentration etwas verloren‘, ärgerte sich Tschopp später. Im Judo kann sich eben der Spiess sehr rasch umdrehen, die Medaille ist zum Greifen nah und plötzlich findet man sich unvermittelt auf der Verliererstrasse wieder. Trotzdem ist dieser gute 5. Rang für Evelyne Tschopp ein wichtiger Erfolg für die interne Ausscheidung für Olympia.
Tschopp wird sich als Nächstes in einem Trainingslager in Köln auf die WM im Juni vorbereiten. Nach Köln folgt der Grand Slam im russischen Kazan. An beiden Turnieren können wieder entscheidende Qualifikations-Punkte gesammelt werden. Erst nach der WM wird definitiv entschieden, welche der beiden Schweizer Konkurrentinnen der Kategorie bis 52 kg - Kocher oder Tschopp – nach Tokyo an die olympischen Spiele fliegen werden, wenn diese denn überhaupt stattfinden können.
Bericht: Brigitta Pflugshaupt, Judo beider Basel