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Schätzungen aus dem Jahr 2011 ergaben, dass rund 8 Prozent der Oberengadiner Bruttowertschöpfung bzw. 20 Prozent der Exportwertschöpfung direkt oder indirekt mit dem Regionalflughafen zusammenhängen, wie es in einer gemeinsamen Medienmitteilung der Engadin Airport AG und der Hotelleriesuisse Graubünden heisst. Heute finden rund 15 000 Flugbewegungen jährlich statt; 43 Prozent davon sind Helikopterflüge. Seit Jahren werden Überlegungen angestellt, wie der Tourismus im Tal noch stärker vom Flughafen profitieren könnte. Bereits in den 1980er Jahren wurden Linienflügen zwischen London Luton und Samedan und sogar versuchsweise ein Langstreckenflug zwischen New York und Samedan durchgeführt.
2018 startete die Oberengadiner Hotellerie zusammen mit der Engadin Airport AG das Projekt «Wandervögel», bei dem das Potenzial eines Charterflugbetriebs am Flughafen Samedan mit grösseren Flugzeugen geprüft werden sollte. Erste Ergebnisse stimmten optimistisch, dass eine zahlungskräftige Klientel aus dem europäischen Raum künftig vermehrt auf dem Luftweg anreisen und für eine höhere, ganzjährige Auslastung der Hotellerie und zusätzliche Wertschöpfung im Tal sorgen könnte. Im Dezember 2019 wurde der Instrumentenanflug am Flughafen Samedan bewilligt. Dies gab Anlass zur Hoffnung, dass ein stabiler Linienflugbetrieb in Samedan ungeachtet der anspruchsvollen Wetterbedingungen realisierbar ist.
Der Pilotversuch «Palace in the Air» des Badrutt’s Palace Hotels zwischen Samedan und London im Februar 2020 stiess auf Interesse bei potenziellen Gästen und bestärkte die Oberengadiner Hotellerie, die Umsetzung eines Charterflugbetriebs detailliert zu klären. Dank der Unterstützung von Innotour konnten weitere Detailabklärungen unternommen werden. Der nun vorliegende Schlussbericht fasst die Erkenntnisse zusammen: Ein Charterflugbetrieb ab Samedan ist zwar möglich, aber nach wie vor mit grossen, geschäftlichen Risiken verbunden. Die grösste Hürde geht trotz des Instrumentenanflugs von der Lage des Flughafens und den entsprechenden Wetterrisiken aus: Eine detaillierte Mehrjahresanalyse der witterungstechnischen Daten zeigt, dass ein stabiler Flugplan mit grösseren Flugzeugen kaum möglich ist. Es ist zu erwarten, dass im Winter jeder dritte Passagier von einer Flugunregelmässigkeit betroffen wäre. Im Sommer liegt die einzig relativ stabile Abflugzeit zwischen 8.00 und 9.00 Uhr morgens, was die Flexibilität bei der Flugplangestaltung stark einschränkt und mit den Gästebedürfnissen kaum in Einklang zu bringen ist.
Die Wetterbedingungen sind aber nicht die einzigen Hürden: Auch die Luftraumnutzung durch die Luftwaffe von Montag bis Freitag, Einschränkungen aufgrund des Flugsicherungsdienstes AFIS und der ungenügende Ausbaustandard des Flughafens im Bereich Security für die Flug- und Passagierabfertigung stehen dem Charterflugbetrieb in Samedan derzeit noch im Weg. Die aktuellen Rahmenbedingungen führen dazu, dass ein Linienflugbetrieb derzeit nur am Wochenende und maximal eine Flugrotation zu bestimmten Jahres- und Tageszeiten beinhalten könnte. Ein kostendeckender Charterbetrieb bzw. wettbewerbsfähige Preise bedingen jedoch eine hohe Auslastung des gecharterten Flugzeugs. Mehrere Flugrotationen pro Tag und interessante Volumen übers Jahr sind unter diesen Bedingungen nur schwer zu erreichen. Es ist daher wenig erstaunlich, dass die Zielgrösse von einem Ticketpreis um rund 1000 Franken pro Retourflug ab einer europäischen Metropole derzeit deutlich verfehlt wird.
Mit dem Ziel, das Potenzial des Flughafens Samedan für den Tourismus besser zu nutzen, wurden aufgrund der Ergebnisse auch Alternativen zum Charter-Geschäftsmodell geprüft. Eine erste Auslegeordnung deutet darauf hin, dass ein «Hotel-Air Shuttle» mit flexiblen Flugplanzeiten und kleineren Maschinen funktionieren könnte. Noch ist ein Flugbetrieb mit kleineren Flugzeugmodellen mit einem relativ grossen CO2-Footprint pro Gast verbunden. Im Bereich des «Sustainable Fuel» und der Elektro-Miniflugzeuge ist aber in den kommenden Jahren mit massgeblichen technologischen Fortschritten zu rechnen. So könnten die Voraussetzungen für alternative Geschäftsmodelle mit Kleinflugzeugen interessant werden. Wenn sich künftig die erwarteten Technologiesprünge ergeben, welche die Anfliegbarkeit von Samedan und die Nachhaltigkeit der Flüge positiv beeinflussen, ist auch das ursprüngliche Charterflug-Modell erneut zu prüfen, heisst es weiter in der Medienmitteilung. (pd)