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Beschreiben Sie in 4-5 Sätzen Ihre aktuelle berufliche Tätigkeit und was Sie daran besonders schätzen.
Seit über 15 Jahren arbeite ich als Konferenzdolmetscherin. Das bedeutet, dass ich mündlich vorgetragene Texte simultan von einer Sprache in eine andere übersetze. Die Personen, welche die Originalsprache nicht verstehen und meiner verdolmetschten Version zuhören, tragen Kopfhörer. Selber sitze ich mit einer Kollegin irgendwo unsichtbar in einer schalldichten Kabine. Ich arbeite sowohl als Angestellte der Parlamentsdienste des Bundes (während den Sessionen) als auch als freiberufliche Konferenzdolmetscherin zu sämtlichen Themen fast überall in der Schweiz. Meine aktiven Sprachen sind Deutsch und Französisch; ich dolmetsche auch aus dem Italienischen in diese beiden Sprachen.
Wie sind Sie zu Ihrem heutigen Beruf gekommen?
Nach meinem Studium wollte ich ursprünglich eine Doktorarbeit schreiben, die es zu finanzieren galt. Ich hatte keine Assistenzstelle angeboten bekommen und suchte nach einem Teilzeiterwerb. Bei der mühseligen Suche musste ich feststellen, dass allfällige Arbeitgeber kaum je an meinem Studium interessiert waren, sondern nur daran, dass ich zweisprachig (Französisch und Deutsch) bin. So habe ich mir überlegt, diesen Segen mit einem Diplom zu unterfüttern. In der Übersetzerausbildung habe ich dann gemerkt, dass das mündliche Dolmetschen noch viel mehr Spass macht als das schriftliche Übersetzen.
Welche Fächerkombination haben Sie an welcher Uni studiert?
Ich habe im Hauptfach Altgriechische Sprache und Literatur, im ersten Nebenfach Indogermanistik und im zweiten Nebenfach Altgermanistik studiert, und zwar an der Universität Zürich.
Was hat Sie zu einem Studium der Sprach- und Literaturwissenschaften bewogen?
Am Gymnasium war Latein mein Lieblingsfach. Griechisch wollte ich nicht gleich wieder fallen lassen, wo ich es doch erst einigermassen gelernt hatte. Und Sprachgeschichte, Sprachentwicklung und überhaupt Grammatik hat mich seit der Schulzeit fasziniert. Ich wollte der Sache auf den Grund gehen.
Was ist das Wichtigste, das Sie aus Ihrem Studium für Ihre berufliche Tätigkeit mitgenommen haben?
Die Fähigkeit, mich voll auf eine Materie einzulassen oder in sie einzutauchen. Quellen suchen, Quellen kritisch nutzen. Genauigkeit. Lese- und Assimilationsgeschwindigkeit. Das Erkennen von Mustern (Texte, Argumentationen). Die Gewissheit, dass ich im Allgemeinen intelligent genug bin um zu verstehen, was Rednerinnen und Redner sagen wollen.
Welche Tipps geben Sie angehenden Studierenden der Sprach- und Literaturwissenschaft mit auf den Weg?
Tun Sie, was Ihnen gefällt, ohne an die direkte wirtschaftliche Verwertbarkeit zu denken. Tun Sie es aus ganzem Herzen. Lesen Sie, soviel Sie können. Es gibt keine unnützen Fächer!
Weitere Bemerkungen zu Ihrem Studium, Ihrem Beruf?
Mein Studium war sehr spannend und bestand im recht tiefen Vertiefen in relativ wenige Fragen. In meinem Beruf sind die Themen viel breiter gefächert, dafür lerne ich nur einen relativ oberflächlichen Teil. Auch wenn ich mich gut vorbereite auf eine Urologietagung werde ich nicht zur Urologin.
September 2016