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Der Korandruck des Oporinus von 1542/43

Hans Herbster, gräzisiert Johannes Oporinus (1507-1568), hatte die Laufbahn des Gelehrten ergriffen, und unterrichtete ab 1536 an der Universität von Basel Griechisch. Seine Tätigkeit als Korrektor des prominenten Buchdruckers Johannes Froben (ca 1460-1527) mag Oporinus zum Druckergewerbe geführt haben. Jedenfalls richtete er in den 1530er Jahren mit Gleichgesinnten eine Druckerei ein, und widmete sich ab 1542 ausschliesslich dem Buchdruck.
Grosses Aufsehen erregte 1543 der kühne Verlag eines Werkes des Zürcher Gelehrten Theodor Bibliander (1506-1564). Dieser hatte die Koranübersetzung des englischen Theologen Robert von Ketton (ca 1110-1160) nachbearbeitet, um die Heilige Schrift des Islam in Lateinisch drucken zu lassen. Mit Oporinus fand Bibliander in Basel einen Drucker, der bereit zu diesem Unterfangen war. Namhafte Gelehrte wandten sich gegen eine Publikation eines übersetzten Koran.
Bonifacius Amerbach (1495-1562) bewegte mit einem juristischen Gutachten gegen die Koranübersetzung den Rat von Basel dazu, Druck und Publikation einer solchen zu verbieten. Es gab auch Befürworter der Übersetzung, wie den Reformator Oswald Myconius (1488-1552). Beiden Seiten war gemein, dass sie den Islam ablehnten. Während die eine Seite bereits eine Übersetzung verwarf, hielt die andere es für nötig, den Koran zu verstehen, um ihn widerlegen zu können.
Der Rat von Basel untersagte am 30. August 1542 die Veröffentlichung der Koranübersetzung, womit das Vorhaben gestoppt wurde. Der prominenteste Befürworter der Übersetzung war der Reformator Martin Luther (1483-1546), der im folgenden Oktober einen Brief an den Rat von Basel zu Gunsten einer Übersetzung verfasste. Als Luthers Schreiben im Dezember vorlag, überdachte der Rat seine Haltung. Er gestattete die Publikation, allerdings nur unter Auflagen.
Die Koranübersetzung in drei Bändern sollte nicht mit Basel in Verbindung gebracht werden. Daher wurde angeordnet, dass nicht Oporinus als Drucker und nicht Basel als Verlagsort angegeben werden dürften. Im Januar 1543 konnte der erste gedruckte Koran der Welt zum Verkauf in den Buchhandel gehen. Oporinus hatte vor Luthers Brief für die unerlaubte Drucklegung sogar in Haft gesessen. Doch er erwarb sich nun, zusammen mit Bibliander, einen europaweiten Ruf.
Zusammenfassung
Der Zürcher Gelehrte Theodor Bibliander überarbeitete eine mittelalterliche englische Übersetzung des Koran. Er fand in Basel mit Johannes Oporinus einen Buchdrucker, der das Wagnis auf sich nahm, das umstrittene Werk zu drucken. Das Projekt hatte prominente Gegner, wie den Juristen Bonifacius Amerbach. Schliesslich verbot der Rat das Vorhaben im August 1542. Oporinus selbst sass deswegen vorübergehend in Haft. Doch gewichtige Fürsprecher traten auf den Plan.
Schliesslich sprach Martin Luther sich mit einem persönlichen Brief beim Rat Basels für die Koranübersetzung aus. In der Folge wich der Rat von seinem Verbot ab. Er gestattete Druck und Publikation. Allerdings nur unter der Bedingung, dass weder der Name des Druckers noch jener der Stadt Basel im fertigen Werk enthalten sein dürften. So kam die weltweit erste gedruckte Fassung des Koran im Januar 1543 in lateinischer Sprache von Basel aus in den Buchhandel.
Beitrag erstellt 26.10.16
Quellen:
Hartmut Bobzin, Beitrag "Zur Anzahl der Drucke von Biblianders Koranausgabe im Jahr 1543", publiziert in Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Band 85, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1985,, Seiten 211 bis 219
Kaspar von Greyerz, Beitrag "Reformation, Humanismus und offene Konfessionspolitik", publiziert in Basel - Geschichte einer städtischen Gesellschaft, herausgegeben von Georg Kreis und Beat von Wartburg, Christoph Merian Verlag, Basel, 2000, ISBN 3-85616-127-9, Seiten 98 (Oporinus und Korandruck)
Karl Rudolf Hagenbach, Beitrag "Luther und der Koran vor dem Rathe zu Basel", publiziert in Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Band 9, herausgegeben von der historischen Gesellschaft in Basel, Basel, 1870, Seiten 291-326.