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jedoch nach wie vor als Gefängnis, in das u. a. auch zwei Vorkämpfer der Waadtländer Unabhängigkeit, Müller de
La Mothe
und
Rosset, in Folge des Bankettes der
Jordils in
Lausanne verbracht wurden. Zu lebenslänglicher Haft verurteilt und nach
Aarburg
übergeführt, entwichen beide. Das darauf in contumaciam gegen sie ergangene Todesurteil konnte niemals
vollzogen werden.
Ohne Schwertstreich fiel Chillon im Januar 1798 den durch die Männer von
Montreux unterstützten Patrioten von
Vevey in die
Hände. Damit ist das
Schloss in die neueste Phase seiner Geschichte eingetreten. 1836 wurde es zum Artilleriedepot und Staatsgefängnis
umgewandelt, während es heute weder Zeughallen noch Gefängnisse mehr birgt, sondern unter der Obhut
eines Hauswartes vom Staate als wertvolles Architekturdenkmal vergangener Zeiten pietätvoll gepflegt und von zahlreichen
Besuchern bewundert wird.
Am hielt die westschweizerische Geschichtsforschende Gesellschaft im Rittersaale des
Schlosses Chillon ihre übliche
Jahresversammlung ab und sprach bei dieser Gelegenheit den Wunsch aus, es möchte einer der
Säle zu einem
Altertumsmuseum umgewandelt werden. Glücklicherweise blieb es aber beim Wunsche.
Zur Zeit des Sonderbundes endlich sah das
Schloss den
Bischof Marilley von
Lausanne und Genf und eine Reihe von Waadtländer
Katholiken als unfreiwillige Gäste in seinen Mauern.
Der erste Schriftsteller, der die Namen Chillon und Bonivard der ganzen
Welt bekannt machte, war J. J.
Rousseau in seiner
NouvelleHéloïse. Ihm folgte Lord Byron, der seinen Gefangenen von Chillon in
Clarens begann und 1816 in
Ouchy vollendete. Byron, Alexander Dumas, Edgar Quinet, der englische Dichter Shelley u. A. haben zum
Andenken an ihren Besuch des
Schlosses ihre Namen auf einen der Pfeiler des Kerkers Bonivards eingegraben, und Victor Hugo
hat in seinem Werke Le Rhin Chillon mehrere
Seiten gewidmet.
Schon lange bevor man sich mit dem Gedanken einer Restauration der Burg trug, machte Rodolphe Töpffer in seinen Voyagesenzigzag auf die schwere Frage der Erhaltung dieses Denkmals alter Zeiten aufmerksam. Eine Geschichte
und genaue architektonische und kunsthistorische Aufnahme und Beschreibung der Burg, soweit dies damals möglich war, verdankt
man dem Zürcher Kunsthistoriker Prof. J.
Rud.
Rahn. Heute steht Chillon unter staatlichem
Schutz. 1888 bildete sich der Verein
ProChillone, der sich die vollständige Wiederherstellung der Veste zum
Ziel setzte und die Arbeiten dank
seinem energischen Vorgehen und bedeutender Geldunterstützung von
Seiten des Staates emsig zu fördern in der Lage war.
Bis 1892 liess man archäologische und kunsthistorische Fragen hierbei mehr oder weniger bei
Seite und beschäftigte sich
hauptsächlich mit Sicherungsarbeiten; erst als der hervorragende Waadtländer Architekt Albert Næf,
ein gewiegter Fachmann für solche Fragen, vom Staate mit der Aufsicht über die Arbeiten beauftragt und seit 1897 als Schlossbaumeister
bestellt worden, hat man bedeutende Entdeckungen gemacht und zahlreiche archäologische Rätsel gelöst.
Die unserm Artikel beigegebene Tafel ausser Text zeigt die verschiedenen baulichen Entwickelungsphasen
des
Schlosses in konventioneller Farbengebung und bildet das Endergebnis der bis heute unternommenen Forschungen zur Baugeschichte
von Chillon. In nächster Zeit wird Chillon zu einem Museum umgewandelt werden, das in der Ausstattung seiner verschiedenen
Räumlichkeiten ein getreues
Bild aller der einzelnen Zeiträume in der Geschichte desSchlosses bieten
wird.
Bibliographie.
Rahn, J.
Rud. Geschichte desSchlossesChillon in Mitt. der Antiquar. Gesellschaft inZürich.
22, 3; 1887. -
Rahn, J.
Rud. BeschreibungdesSchlossesChillon in Mitt. der Antiquar. Gesellschaft inZürich.
22, 4 u. 5; 1888 u. 89. -
Rahn, J. Rod. Une restaurationmodèleet les dernières découvertes faites au château de Chillon.Lausanne 1898. - Naef,
Alb. Guide au château de Chillon.Lausanne 1894. -
Rapports annuels und andere Veröffentlichungen der Association pour la restauration de Chillon, mit Spezialberichten des
Schlossarchitekten. Zur Geschichte vergleiche ausserdem den
sehr ins Einzelne gehenden betr. Artikel in
Martignier und de Crouzaz: Dict. histor., géograph. et statist. du cant. deVaud.
Laus. 1867. Mit
Supplément von Prof. Favey.
- Vulliemin, L. Chillon; étude historique.Laus. 1851. Dasselbe in 3. Aufl.; 1863. - Le Conservateur Suisse, Bd. 13 (Beschreibung
der Judenprozesse in Chillon). -
Bons, Ch. L. de.Notice sur Chillon.Laus. 1849. - Chillon in Feuilledu jour de l'An.Laus. 1847. - Archiv für schweiz. Geschichte, Bd. 14; 1854 (Kritische Bemerkungen über das Datum des in
Savoyer Chroniken erwähnten Kampfes bei Chillon). - DieSchweizin ihren Ritterburgen und Bergschlössern.Bern
und
Chur 1828-1839
(Artikel von Kuenlin im zweiten Band) u. a. m.
1289: Zschindun. Das Kollaturrecht auf die
über dem Dorf gelegene kleine Kirche zu
St. Leonhard stand vor der Reformation der Abtei
Bellelay zu.
Nach einer aus den Archiven von
Bellelay stammenden Urkunde von 1572 stand auf der Lokalität
Châtillon eine Burg, Eigentum
der Edeln von Chindon, die seit dem 14. Jahrhundert unter dem Namen
Zerkinden in Basel wohnten und als Helmzier
einen kleinen Knaben führten.
In den Urkunden des Bistums Basel
aus dem 13. Jahrhundert werden
Pierre deChindon und Johann Derkinden
häufig erwähnt.
Chindon ist seiner grossen Vieh-, besonders Pferdemärkte wegen weitherum bekannt, trotzdem diese eigentlich
in Reconvillier gehalten werden.
Acker- und Weinbau.
Brücke über die
Rhone. In der
Schlucht der Navizance kleines Elektrizitätswerk, das an
Siders und Umgebung
Licht abgibt.
Seit etwa 30 Jahren aufgegebene Kobalt- und Nickelmine.
Grosser Gipsbruch, ebenfalls nicht mehr im Betrieb.
Schieferbruch. In den Felswänden unterhalb
Géronde (bei
Siders und gegenüber Chippis) einst bewohnte,
heute nicht mehr zugängliche
Höhlen.
Der zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch ganz unbedeutende
Ort hatte kaum begonnen, sich
einigermassen zu entwickeln, als der Ausbruch des Zinalgletschers 1834 die ganze Gegend verwüstete und mit einer 1,5-2 m
hohen
Schutt- u. Schlammschicht überführte. 19 Jahre später (1853) zerstörte eine Feuersbrunst das
neu erstandene Dorf vollständig.
Gem. und Pfarrdorf, am Ausgang des vom Ticinetto (einem rechtsseitigen Zufluss zum Tessin)
entwässerten Thales gleichen Namens und 3 km
s. der Station Lavorgo der Gotthardbahn. Postablage. Gemeinde, mit Grumo und Nivo: 248 Häuser, 855 kathol. Ew.; Dorf: 183 Häuser, 633 Ew.
Ackerbau und Viehzucht; Käse. Periodische Auswanderung. Schönes Gebirgsdorf; alte Kirche, vermutlich
aus dem 12. Jahrhundert stammend. Ganz nahe die Torre dei Pedrini, eine alte Feudalburg aus dem 14. Jahrhundert. Ausgangspunkt
für die Besteigung des Pizzo Forno.
(Val) (Kt. Tessin,
Bez. Leventina).
Eines der bedeutendsten rechtsseitigen Nebenthäler der Leventina, 9 km lang. Beginnt mit einem
vom Pizzo Forno, Pizzo Barone und Cima Bianca gebildeten Felsenzirkus, ist zunächst ziemlich breit und von zahlreichen
Wildbächen bewässert, verengt sich später schluchtartig und mündet gegenüber dem Dorf Chironico in die Leventina aus.
Der obere Abschnitt des Thales ist steinig und unfruchtbar, im Mittellauf finden sich einige Alpweiden, der rechte Steilhang
des Unterlaufes ist bewaldet und einzig der terrassierte linke Hang weist kurz vor der Mündung einige
zerstreute Weiler und Häusergruppen auf. In einer stark eingesenkten Verzweigung des Thales nach rechts liegt am N.-Fuss der
Cima Bianca in 1767 m der schöne Laghetto (kleine See).