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"Opiate- eine entriegelte Tür im Gefängnis der Identität. Sie führt in den Gefängnishof."
(Ambrose Bierce)
Opium wird aus dem getrockneten Milchsaft unreifer, ausgewachsener Samenkapseln des Schlafmohns gewonnen. (Papaver somniferum L.)
Schlafmohn wurde als Heilpflanze, Schmerzmittel, Euphorikum, Aphrodisiakum und als Rauschdroge in rituellen Zusammenhängen schon von den Sumerern und den alten Ägyptern verwendet. Mohn soll ein Bestandteil des Trankes gewesen sein, den die Priesterärzte zur Erzeugung des religiösen Heilschlafs verwendeten. Opium wurde auch seit jeher mit Schlaf- und Traumzuständen in Verbindung gebracht, ja war ein Symbol der prophetischen Träume schlechthin.
So weihten die Griechen den Mohn der Nyx, der Göttin der Nacht, dem Morpheus, der der Sohn des Hypnos ist, sowie dem Thanatos. Auch war die Pflanze ein Attribut der Kornmutter Demeter, die stets mit Mohnkapseln und Getreidegarben in den Händen dargestellt wird. Bis weit ins Mittelalter liegen berichte von christlichen wie von arabischen Aerzten über die äusserliche und innerliche Anwendung von Opium bei verschiedensten Krankheiten vor. Paracelsus pries seinen aus Opium gewonnenen Saft „Laudanum“ als Allheilmittel.
Zum Narkotikum der breiten Masse wurde Opium in China bis das „Chandu“-Rauchen 1729 verboten wurde.
Der Kampf um die britische Vorherrschaft des Opiumhandels gipfelte im Opiumkrieg zwischen China und England (1840 bis 1842)
Im 19. Jahrhundert hatte der Opiumkonsum längst die europäischen Länder erobert. Vor allem bei den armen Industrie- und Hafenarbeitern Englands und Frankreichs war Opium sehr weit verbreitet. Es galt als billige Alternative zum Alkohol. In Nordamerika sollen in der Zeit nach dem Bürgerkrieg (1861-1865) vier bis fünf Prozent der Bevölkerung Opium konsumiert haben. Es ist unklar, inwieweit in dieser Zahl die weitverbreiteten, legalen Opiumderivate wie etwa die Tinktur Laudanum mit eingeschlossen sind. Ebenso dürfte die Erfindung der Injektionsspritze und die damit verbundene Möglichkeit in den Lazaretten Morphium intravenös zu spritzen, zur Morphiumabhängigkeit vieler Soldaten geführt haben.
Ein Zeremoniell, durch das Opium bei Künstlern und Intellektuellen in Europa sehr beliebt wurde Es ging um die Erweiterung des Bewusstseins und die Steigerung der künstlerischen Kreativität, um das Sich-Abheben von der bürgerlichen Welt. Als einer der Ersten berichtete der englische Schriftsteller Thomas de Quincey (1785 - 1859) in seinen 1822 erschienen "Bekenntnisse eines englischen Opiumessers", über seine Erfahrungen mit Opium.
De Quincey nahm darin zentrale Gedanken der Psychoanalyse vorweg und beeinflusste die poetische Drogenliteratur von Samuel Coleridge, Edgar Allan Poe, bis hin zu Aldous Huxley, Gottfried Benn und Ernst Jünger nachhaltig. Charles Baudelaire übersetzte im zweiten Teil seines Essays über den Haschischkonsum und seine Folgen, Les paradis artificiells (1860; Die künstlichen Paradiese), die Bekenntnisse eines englischen Opiumessers ins Französische. Sicherlich stand der Opiumgenuss auch in engem Zusammenhang mit der Entstehung von Kunstrichtungen wie dem Symbolismus bis hin zum Surrealismus. Für Charles Baudelaire war die Welt "une forêt de symboles" - ein Wald von Symbolen. Die Symbole werden in immer neuen Entsprechungen zusammengesetzt, in der Absicht, die Wirklichkeit zu vergeistigen. Orientalist Rudolf Gelpke über den Stoff: «Opium löst die Seele aus ihrer Verflechtung mit den Dingen des Alltags und der Aussenwelt. Opium macht still und sanft. Es inspiriert und beflügelt die Fantasie, auch die erotische, steigert die Sensibilität und das Zärtlichkeitsempfinden.»
Die Raupe in "Alice im Wunderland"saugt an einer Opiumpfeife, ebenso wie etwa Wilkie Collins Opium in Form von Laudanum, "That all-potent and all-merciful drug" gegen sein Rheuma nahm. Beliebt war auch, etwas Laudanum auf Zucker zu träufeln und mit Absinth abzuschmecken. In Oscar Wilde’s The Picture of Dorian Gray [1891], raucht der Protagonist Opium, ebenso wie schon einige Jahrzehnte früher in Dicken’s unvollendeter Novelle The Mystery of Edwin Drood [1870], das Opiumrauchen beschrieben wird.
Um Opium und die damit verbundene Geschichte der Tongs entstand eine ganze Flut von Kriminal- und Abenteuergeschichten.
The Poppy Is Also a Flower ist ein von den Vereinten Nationen international produzierter Antidrogenfilm des Regisseurs Terence Young nach einer Geschichte von Jan Fleming aus dem Jahr 1966. Die hochkarätige Starbesetzung, die Darsteller erhielten jeweils ein symbolisches Honorar von nur einem Dollarkonnte allerdings die betulich - oberlehrerhaft vorgetragene Geschichte auch nicht retten.