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Im Rahmen des neotektonischen Untersuchungsprogramms der NAGRA wird seit 1983 durch den Schweizerischen Erdbebendienst (SED) eine detaillierte Studie der Seismizität in der Nordschweiz durchgeführt. Ihr Ziel ist, die seismisch aktiven Störungszonen und ihre Beziehung zu den aus der Geologie ersichtlichen Bruchsystemen zu erfassen.
Mit dem Stationsnetz des SED und mit dem seit Ende 1983 in Betrieb stehenden speziellen Nordschweizer Stationsnetz sind über die vier Jahre zwischen 1983 und 1986 rund 100 Erdbeben mit Magnituden zwischen 0.9 und 4.2 in der Nordschweiz und dem unmittelbar nördlich angrenzenden Gebiet Süddeutschlands registriert und lokalisiert worden. Fünf der Beben waren stark genug um über ein grösseres Gebiet von der Bevölkerung deutlich gespürt worden zu sein. Die seismische Aktivität konzentrierte sich vor allem entlang eines Streifens, der sich vom Südschwarzwald bis unter den Kettenjura zieht, und in der Region der Kantone Thurgau und Zürich zwischen Bodensee und Albis. Im engeren Untersuchungsgebiet der NAGRA waren 7 Epizentren zu verzeichnen, alle mit Magnituden kleiner als 2. Im Gegensatz zu den meisten Beobachtungen von intrakontinentalen Erdbeben weltweit, sind die Herdtiefen der nordschweizer Beben über den gesamten Tiefenberich der Erdkruste, bis fast an die Krusten-Mantel Grenze, verteilt. Die Herdflächenlösungen deuten durchwegs auf Herdmechanismen im Bereich zwischen Horizontalverschiebungen und Abschiebungen, wobei die Horizontalkomponenten der grössten und kleinsten Schubspannungen grob NW-SE bzw. NE-SW ausgerichtet sind. In einigen Fällen wurde eine auf eine Kreuzkorrelation der Seismogramme beruhenden Methode zur sehr genauen Lokalisierung von Erdbebenherden relativ zu einem Referenzbeben angewendet. So konnte im Fall von sechs, in etwa 23 km Tiefe und nah beieinander liegenden Beben, eine Übereinstimmung der relativen Herdverteilung mit einer der aus der Herdflächenlösung ermittelten Bruchflächen nachgewiesen werden.
Gesamthaft gesehen ist die seismische Aktivität in der Nordschweiz relativ gering. Obwohl sich schon lokal gewisse Aktivitätskonzentrationen abzuzeichnen beginnen, genügen daher die bisher gewonnenen Daten noch nicht, um die Beziehung zwischen Seismizität und Oberflächen-Geologie eindeutig zu klären. Somit ist der vorliegende Bericht als eine Zwischenbilanz einer noch laufenden Untersuchung aufzufassen.