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Ich war ein Spätzünder, lernte spät sprechen, besuchte ein zusätzliches Jahr den Kindergarten, weil ich nicht schulreif war, und benötigte Psychomotorikherapie, um meinen steifen Gang zu überwinden. Mein Bruder hingegen lernte schnell und holte kräftig auf. Obwohl er zweieinhalb Jahre jünger war, konnte er bald vieles gleich gut wie ich.
Viele Eltern kennen diese Situation, die oft zu Eifersucht und Geschwisterrivalitäten führt. Manche Eltern reagieren darauf, indem sie versuchen, das Selbstvertrauen des «schwächeren» Kindes zu stärken. Sie nehmen es in den Arm, wenn es sich selbst abwertet, und sagen ihm: «Aber du kannst dafür besser …». Verzweifelt zählen sie ihm seine Stärken auf in der Hoffnung, dass es sich dadurch besser fühlt. Meiner Erfahrung nach funktioniert das höchst selten. Und zwar deshalb, weil es den Konkurrenzgedanken stärkt. Die Kinder erhalten das Gefühl, es gehe darum, besser und talentierter zu sein als andere.
Das weniger talentierte Kind beginnt dabei zu rechnen und sieht bald: Ich mag zwar in ein, zwei Bereichen stärker sein – aber wenn ich ehrlich bin, schlägt mich mein Geschwister in fast allem anderen. Bald flammt jedes Mal Eifersucht auf, wenn das Geschwister einen Erfolg erlebt oder von den Eltern gelobt wird. Nicht selten greift ein Kind in dieser Situation zum letzten Mittel, um sich zu schützen: Es beginnt sein Geschwister abzuwerten, um sich selbst aufzuwerten. Das wiederum wird von den Eltern nicht gerne gesehen und führt zu heftiger Kritik und noch grösseren Selbstzweifeln auf Seiten des Kindes.
Dossier Resilienz
Nicht die Leistung des Kindes in den Vordergrund stellen
Im Vordergrund standen nicht wir als Personen, sondern unsere Beziehung zueinander und unser Beitrag für ein schönes Miteinander. Wenn dann Johannes wieder etwas Erstaunliches gelungen war, rannte ich zu meinen Eltern und rief voller Stolz: «Kommt schnell, schaut, was unser kleiner Johannes kann!»
Was also unterscheidet Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl?