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Der Blick auf die aktuelle Baustelle des Zentrum Pilatus täuscht: Die Betondecke, in welche Ende September der Grundstein gelegt wurde, ist nicht der effektive Grund des Gebäudes. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Teil des Bodens des ersten - und damit gleichzeitig des Dachs des zweiten Untergeschosses. Dieses zweite Untergschoss der Tiefgarage wird nun in den kommenden Monaten ausgebaggert - quasi mit darüberliegendem Betonkranz.
Die Anwendung des "Spriessdeckensystem" geht zurück auf die engen Platzverhältnisse. Im Fall des Zentrum Pilatus wurden rund um die Baustelle Spundwände bis zu 30 Meter in den Boden getrieben. Sie ermöglichen es, dass der Grundwasserspiegel mit Hilfe eines Pumpensystems für die Bauzeit abgesenkt werden kann - und zwar eng begrenzt auf die eigentliche Baugrube.
Der Betonkranz, der jetzt erstellt wird, versteift diese Spundwände gegen den Erddruck, wenn das zweite Untergeschoss ausgehoben wird. Der Kranz liegt auf provisorischen Stützpfählen, die in den letzten Wochen ebenfalls im Boden eingelassen wurden. Ist der Betonkranz erst einmal ausgetrocknet, machen sich Bagger daran, unter dem Betonkranz das zweite Untergeschoss auszubaggern. Der neu entstehende Hohlraum wird dann mit Boden und Wänden zum zweiten Unterschoss der Einstellhalle ausbetoniert. Sind erst einmal beide Geschosse der Einstellhalle erstellt, beginnt der Hochbau - und die Spundwände können wieder entfernt werden, womit dass Grundwasser wieder seinen herkömmlichen Weg nehmen kann.
Das Verfahren ermöglicht effizientes und damit auch kostengünstiges Bauen im weiteren Verlauf des Projektes. Andere Verfahren für die Versteifung der Spundwände wären zwar kostengünstiger gewesen, hätten aber ein höheres Risiko für die Umgebung (zum Beispiel die Gefahr von Setzungen, die Werkleitungen in der Luzernerstrasse hätten beschädigen können) mit sich gebracht. "Für diesen Weg hat man sich nicht zuletzt auch aufgrund der engen Platzverhältnisse im Dorfzentrum von Kriens entschieden," sagt Herbert Birrer, Projektleiter bei der Generalunternehmerin Alfred Müller AG. Andere Formen der Versteifung hätten zudem eine grössere Baugrube und damit deutlich mehr Platz gefordert. Auch eine Verstrebung innerhalb der Baugrube wäre machbar gewesen. "Diese aber wären beim späteren Bau hinderlich gewesen," sagt Herbert Birrer. Unter dem Strich also war das jetzt angewendete Verfahren das sinnvollste für diese Baustelle. Zudem ist das Verfahren vielfach erprobt. "Es wird gerade auch bei Bauten, die noch tiefer gehen als hier, angewendet."
Bezugsbereit ist das Zentrum Pilatus Ende 2018 - mit zentraler Gemeindeverwaltung, Gemeindesaal, Büros, Läden und Wohnungen. Mitte September fand die offizielle Grundsteinlegung statt.