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Über die Punktprävalenz-Erhebung
Die Punktprävalenz-Erhebung der Healthcare-assoziierten Infektionen und des Einsatzes antimikrobieller Mittel in Schweizer Akutspitälern 2017: Worum geht es?
Wozu dient die Erhebung?
Jährlich erkranken rund 70'000 Patientinnen und Patienten in Schweizer Spitälern an einer Healthcare-assoziierten Infektion (HAI). Bis zu 50% der HAI liessen sich dank Surveilllance-Massnahmen sowie Massnahmen zur Infektionsprävention und –kontrolle vermeiden. Der Bundesrat anerkannte Handlungsbedarf auf dem Gebiet der HAI-Prävention. Er reihte die Bekämpfung von HAI unter die Prioritäten seiner Gesamtstrategie "Gesundheit2020" ein. Das Bundesamt für Gesundheit lancierte die "Nationale Strategie zur Überwachung, Prävention und Bekämpfung von nosokomialen Infektionen" (Strategie NOSO). Das Globalziel der Strategie ist die Reduktion der Anzahl HAI und die Verhinderung der Ausbreitung potenziell gefährlicher Erreger im Bereich der stationären Pflege. Ein zentrales Element der Strategie besteht in der Beurteilung des Ausmasses der HAI in der Schweiz. Die HAI-Prävalenzerhebung stellt die einfachste Methode zur Durchführung dieser Beurteilung dar. Deshalb wird die Punktprävalenz-Erhebung 2017 vom Bundesamt für Gesundheit im Rahmen der Strategie NOSO finanziell unterstützt.
Prävalenzerhebungen haben in der Spitalhygiene und in der HAI-Prävention eine lange Tradition. Der Nutzen von Programmen zur Infektionsprävention und –kontrolle wurde durch wiederholte Punktprävalenz-Erhebungen der US-amerikanischen "Study on the Efficacy of Nosocomial Infection Control" (SENIC) nachgewiesen. Bereits 1981 empfahl eine Sachverständigengruppe der WHO die Durchführung von nationalen Erhebungen, um das globale Ausmass der HAI besser abzuschätzen. Obgleich die Empfehlung insgesamt wenig Beachtung fand, nahmen in den darauf folgenden Jahren immer mehr Länder HAI-Prävalenzerhebungen vor. Swissnoso führte in früheren Jahren eine Reihe von Periodenprävalenz-Erhebungen durch, letztmals 2004. Dieses Instrument zur Beurteilung der HAI-Last in Akutspitälern geriet allmählich in Vergessenheit, wurde aber 2011/2012 wieder aktuell, als das ECDC und das US-amerikanische CDC gross angelegte Punktprävalenz-Erhebungen durchführten. Beide Untersuchungen ergaben für die Länder der Europäischen Union und für die Vereinigten Staaten eine Prävalenz von 4-6%. Derzeit (2016/2017) führt das ECDC seine zweite Punktprävalenz-Erhebung über HAI und über den Einsatz antimikrobieller Mittel in den Ländern der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums sowie in den Beitrittsländern durch. Indem die Schweiz zeitgleich eine Punktprävalenz-Erhebung durchführt, erhält sie erstmals die einzigartige Gelegenheit, ihre Daten mit denjenigen anderer Länder in Europa zu vergleichen.
Was sind die Ziele der Erhebung?
- Abschätzung des Ausmasses von HAI und des Einsatzes von Antibiotika in Schweizer Akutspitälern
- Charakterisierung der Patientinnen und Patienten, der invasiven Verfahren, der Infektionen (Stellen, Mikroorganismen einschliesslich der antimikrobiellen Resistenzmarker) sowie der angewandten antimikrobiellen Mittel (Substanzen, Indikationen)
- Darstellung der allgemeinen Aspekte der Schlüsselstrukturen und der Abläufe zur Prävention von HAI und von antimikrobieller Resistenz
- Datenvergleich zwischen der Schweiz und den übrigen europäischen Ländern.
Welche Spitäler können teilnehmen?
Swissnoso lädt sämtliche Schweizer Akutspitäler zur Teilnahme ein. Ausgeschlossen sind Notaufnahmen (ausser bei einer Verweildauer von mehr als 24 Stunden) sowie Patientinnen und Patienten auf psychiatrischen Stationen, auf Rehabilitations-Stationen und in allen übrigen Langzeitpflegeeinrichtungen. Die Anmeldefrist wurde bis Ende Februar 2017 verlängert. Wenn Sie Ihr Spital für die Teilnahme an dieser Erhebung anmelden möchten, schicken Sie bitte ein Email an <email-pii>.
Woraus besteht diese Erhebung?
Methode
Um die Situation in der Schweiz mit den Verhältnissen in den übrigen europäischen Ländern vergleichen zu können, übernahm die Schweiz für die Prävalenzerhebung das ECDC-Protokoll und passte es den spezifischen Bedürfnissen der Schweiz an. Die angepassten Protokolle sind in deutscher und französischer Fassung im pdf-Format verfügbar.
Datenerhebung
Die Spitäler sind gebeten, die Prävalenzdaten von April bis Juni 2017 zu erheben. Die Daten müssen pro Station/Abteilung an einem einzigen Erhebungstag erfasst werden. Die gesamte Zeitspanne für die Erfassung der Daten sämtlicher Stationen eines Spitals darf zwei Wochen nicht überschreiten.
Die Zusammensetzung des Datenerfassungsteams darf zwischen den Spitälern variieren. Es empfiehlt sich, das Personal für Infektionsprävention und –kontrolle (IPK) mit der Datenerfassung zu beauftragen. Die Daten sollten nicht durch das Personal erfasst werden, das die Patientin oder den Patienten betreut, doch sollte dieses Personal das IPK-Team bei Bedarf unterstützen.
Eingabe/ Übermittlung der Daten
Jedes Spital muss sich zur Eingabe der Daten in der elektronischen Datenbank im CH-PPS-Portal registrieren. Wir empfehlen, dass zwei Mitglieder des lokalen Datenerfassungsteams die Registrierung zusammen durchführen. Das Koordinationszentrum prüft die Registrierungsanfrage, vergibt den Code und schaltet das Spital frei. Dieses erhält daraufhin eine E-Mail.
Nach Ausfüllen der Papierbögen und nach Bestätigung durch das Koordinationszentrum können die erhobenen Daten in die elektronische Datenbank eingegeben werden, wobei der Benutzername und das Passwort zu verwenden sind, die vom Koordinationszentrum zugestellt wurden.
Feedback an die Spitäler
Jedes Spital, dessen Daten vollständig in die elektronische Datenbank eingegeben werden konnten, kann jederzeit über die Funktion "Auswertung" im CH-PPS-Portal ein individuelles Feedback erhalten. Sobald die Daten für die ganze Schweiz verfügbar sind, werden anonymisierte gruppierte Daten auf der CH-PPS-Plattform hinterlegt.