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Ein Gastbeitrag des UBER-Fahrers Roland Erichsen.
Der Fahrauftrag durch die UBER-App führte mich in einen kleinen Vorort von Zürich. Die Adresse lag in einer ruhigen, gepflegten Wohngegend. Wie üblich dachte ich, dass mich mein Fahrgast bereits auf der Strasse erwarten würde. Doch weit und breit war niemand zu sehen.
Nur ein paar Schritte die Strasse hinunter stand ein Mann, der aber augenscheinlich nicht mein Fahrgast sein konnte. Er wirkte nicht wie jemand, der in dieser gepflegten Wohngegend wohnte, sondern eher so, als lebe er unter einer Brücke. Langsam fuhr ich an ihm vorbei und konnte ihn so etwas genauer anschauen.
Die Assoziation, die dieser Mann spontan bei mir hervorrief, erzeugte sofort ein Lächeln in meinem Gesicht: In seinem zerknitterten alten Trenchcoat, den langen, etwas wirren Haaren und mit der uralten, abgewetzten Aktentasche in der Hand erinnerte er mich nämlich an den bekannten Detektiv «Columbo» aus der gleichnamigen Fernsehserie.
Auch er beobachtete mich im Vorbeifahren. Und hob dann plötzlich die Hand zu einem kleinen Winken. Ich hielt an, liess die Scheibe herunter und hörte dann, wie er mir zurief: «UBER?» Ups. Also das war wohl doch mein Fahrgast.
Mit meinem Volvo V90 T8 Twin Engine hatte er nicht gerechnet
Ich gab mich sofort als «UBER» zu erkennen und er nahm auf dem Rücksitz Platz. «Ich hatte nicht erwartet, dass ein solch nobles UBER-Fahrzeug kommen würde, daher hatte ich nicht sogleich reagiert» entschuldigte er sich. Ich antwortete ihm, dass ich mir unsicher gewesen wäre, ob er mein Fahrgast sei, weil er nicht direkt vor der angegeben Adresse gestanden hatte.
Das war aber auch schon alles an Kommunikation zwischen uns, denn mein Gast öffnete sofort seine Aktentasche und vertiefte sich in ein kleines Notizbuch, in das er während der ganzen Fahrt auch eifrig hinein kritzelte.
Ich hatte meine übliche Musikuntermalung auf ein Minimum herunter geregelt und versuchte auch nicht, ein Gespräch mit ihm zu führen, da er augenscheinlich beschäftigt war. Die Fahrt war nicht lang und führte in die City. Dort angekommen packte er seine Tasche wieder zusammen.
«Machen Sie auch längere Fahrten?»
«Vielen Dank für die angenehme Fahrt. Das ist sicher ein sehr ungewöhnlicher, aber toller UBER-Wagen. Und danke, dass Sie mich nicht zugetextet haben wie manche Ihrer Kollegen. Aber eine Frage bzw. Bitte habe ich noch: Machen Sie auch längere Fahrten, z.B. nach Deutschland? Ich habe da übermorgen einen Termin; wären Sie interessiert?»
Überrascht fragte ich nach: «Wann genau wäre das und wohin soll es gehen?» Er nannte mir eine Stadt im Süden Deutschlands und ergänzte dann: «Es geht wohl morgens schon gegen 4:30 Uhr los, damit wir rechtzeitig ans Ziel kommen.»
Ich war unsicher: Sollte ich diese Fahrt – die durchaus lukrativ zu sein schien – annehmen, obwohl ich aufgrund von «Columbos» Erscheinungsbild sicherlich Zweifel an der Seriosität des Fahrauftrags hatte? Und das dann noch um diese Uhrzeit?
Als könnte er meine Gedanken lesen, erklärte er dann weiter: «Ja, das ist sicherlich früh, aber meine Planung lässt keine andere Variante zu: Ich leite dort an der Universität ein internationales wissenschaftliches Symposium und da sollte ich schon pünktlich sein».
Universität? Wissenschaftlich? Symposiums-Leitung? COLUMBO?
Jetzt war ich völlig verwirrt. Aber als ich dachte, das liesse sich jetzt nicht mehr steigern, sollte ich mich irren: Denn jetzt zog er eine Visitenkarte aus der Tasche und reichte sie mir mit den Worten: «Bitte, es wäre sehr schön, wenn Sie mich mit Ihrem schönen Volvo fahren würden.» Ich schaute auf die Visitenkarte und las: Professor Dr. Dr. (XXX), Lehrstuhl für (XXX), Universität (XXX)
Oha, da war ich wohl auf seine äussere Erscheinung hereingefallen. Dies war ein absolut hochrangiger Wissenschaftler, dem offensichtlich der äussere «Schein» völlig unwichtig war. Was zählte, war wohl eher sein «Sein» – und das war offenbar eine Klasse für sich.
Um es kurz zu machen: Ich nahm die Fahrt an, alles verlief perfekt und wir verbrachten eine hochinteressante Zeit miteinander. Was für mich aber neben dem Kennenlernen eines brillanten Geistes und dem Eintauchen in eine faszinierende wissenschaftliche Welt vor allem als Lebens-Lektion übrig blieb, war: Beurteile nie wieder jemanden nach seinem Äusseren. Es könnte z.B. ein Professor sein, der völlig andere Werte und Prioritäten in seinem Leben hat als ich.
Und für diese Lektion bin ich ehrlich dankbar ☺
Roland Erichsen hat seine Uber-Erlebnisse in seinem Buch „Über UBER“/ “Driven by Uber” in Deutsch und Englisch veröffentlicht. Das Buch ist in Buchhandlungen und auf amazon erhältlich.
Im Rahmen der Partnerschaft mit Volvo Car Switzerland erzählt Roland Erichsen hier auf dem Volvo-Blog in regelmässigen Abständen seine spannendsten und unterhaltendsten Geschichten rund um seine UBER-Fahrten.