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Roselyne Crausaz besucht nacheinander die öffentliche Schule der Stadt Freiburg, die Schule der Ursulinen, das Institut St. Joseph in der Gauglera (Sensebezirk) und das Kollegium Gambach, das sie 1962 mit der Matura abschliesst. Nach einem Englandjahr studiert sie an der Universität Freiburg Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und schliesst ihr Studium 1967 mit dem Lizentiat ab.
1968 arbeitet sie in Bern im Bundesamt für Statistik und wechselt im nächsten Jahr in das später so genannte Bundesamt für Bildung und Wissenschaft. Als stellvertretende Sektionsleiterin ist sie für die Unterstützung der Hochschulen zuständig. 1986/87 präsidiert sie die Konferenz für Universitätsfragen, Forschung und Hochschulunterricht des Europarats.
Roselyne Crausaz gehört zu den ersten Bürgerinnen, die, zunächst vergeblich, ein Grossratsmandat anstreben. 1978 gründet sie innerhalb der Partei die kantonale Kommission « Frau und Gesellschaft », die spätere « Arbeitsgemeinschaft der CVP-Frauen ». 1980 wird sie in den Grossen Rat gewählt, aus dem sie 1986 zurücktritt. 1982 wird sie in den Generalrat der Stadt Freiburg gewählt, den sie von April 1982 bis April 1983 präsidiert.
1986 ist Roselyne Crausaz die einzige weibliche Kandidatin für ein Staatsratsmandat. Im ersten Wahlgang, in dem niemand die absolute Mehrheit erreicht, wird sie vierte von elf Bewerbern. Im zweiten Wahlgang wird sie als zweite – hinter dem Sozialdemokraten Félicien Morel – der verbliebenen neun Kandidaten gewählt und steht an der Spitze der christlichdemokratischen Liste. Sie ist die erste Frau im Freiburger Staatsrat und in allen Westschweizer Regierungen sowie die erste CVP-Staatsrätin der Schweiz. In der Regierung übernimmt die Neugewählte aufgrund ihrer in Bern gewonnenen Erfahrungen die Baudirektion. Die unter ihrer Leitung durchgeführten Arbeiten betreffen insbesondere die Erneuerung der Jaunpass-strasse (1989), das Projekt der Umfahrungsstrasse von Estavayer-le-Lac (1990), die Erneuerung und Verbreiterung der Pérollesbrücke, die Totalerneuerung der Route de la Crausaz (1991) und die Aufhebung der Einsprachen aus Umweltschutzgründen gegen den Bau der A1.
Darüber hinaus erarbeitet ihre Direktion mehrere Richtund Sachpläne : Raumplanung, Abfallbewirtschaftung, Luftreinhalte- Massnahmen und Materialabbau. Hinzu kommen der Lärmkataster der Kantonsstrassen und der Wasserversorgungsatlas. Sie schafft die kantonalen Kommissionen für Umweltschutz und für das Verzeichnis zeitgenössischer Architektur sowie das Naturschutzbüro.
1991 stellt sich Roselyne Crausaz zur Wiederwahl. Im ersten Wahlgang vom 17. November erreicht sie 31% der Stimmen und den sechsten Platz unter 21 Kandidaten. Auf der fünf Namen umfassenden CVP-Liste steht sie jedoch an letzter Stelle, so dass sich das Problem der Aufrechterhaltung ihrer Kandidatur für den zweiten Wahlgang stellt. Laut einer Regel, die sich die « grosse alte Partei » gegeben hat, begnügt sie sich mit drei Staatsratssitzen. Angesichts der Umstände beschliesst Roselyne Crausaz sich zurückzuziehen. Am 16. Juli 1991 wird sie mit der Goldmedaille für «Verdienste um Europa» ausgezeichnet. 1995 kandidiert sie auf der SVP-Liste für den Nationalrat, hat jedoch keinen Erfolg. Damit beendet sie ihre politische Karriere.
Nun beginnt für sie ein zweites Leben mit Tätigkeiten in vielen Bereichen. 1992 organisiert sie mehrere wissenschaftliche, wirtschaftliche und politische Kongresse in der Schweiz, in Europa und in Asien. 1994/95 beauftragt sie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mit der Kontrolle seiner Geschäftsführung. Im Rahmen der Expo.02 ist sie Protokollchefin der Arteplage Murten. Im sozialen Bereich ist sie 2005 die Initiatorin der Fondation Paix 21, die sie präsidiert und die ein Quartierspital in Beirut (2007) und ein Ambulatorium im Tschad (2010) baut. 2011 organisiert sie in Freiburg das internationale Kulturfestival « Makel los » für und von Menschen mit Behinderung.
Roselyne Crausaz präsidiert zahlreiche Vereinigungen, darunter die Freunde der Archäologie, die Freunde des Schweizer Figurentheater-Museums und die Fondation Bindschedler. Zudem ist sie Mitbegründerin der Freiburger Sektion (1970) des Schweizerischen Verbands der Akademikerinnen, Vorstandsmitglied der Auslandschweizer- Organisation und Mitglied der Eidgenössischen AHV-Kommission.