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Im Rahmen meiner Dissertation zum Thema "Sprachkontakt im Norden Myanmars" habe ich zur zusätzlichen Datensammlung vom 3. August bis zum 16. September eine Forschungsreise nach Myanmar unternommen. Die Reise beinhaltete verschiedene Stationen, wie etwa Mandalay, Taunggyi, Lashio und Myitkyina. Im Rahmen des Projektes wurden von mir gezielt Aufnahmen zu bestimmten grammatikalischen Eigenschaften (v.a. das Verbsystem, wie etwa die Verwendung und genaue Bedeutung der Verben "geben" und "bekommen") gemacht, aber auch Texte und mündliche Erzählungen in verschiedenen Sprachen gesammelt und transkribiert.
Der Aufenthalt in Myanmar lief zum Teil mit Kollegen der Universität Zürich ab, die zu einem Teil an den gleichen Orten forschten, allerdings zum Großteil zu anderen Sprachen des Landes. Die Reise begann für mich im Kloster
Im Anschluss daran habe ich 18 Tage in Myitkyina verbracht, der Hauptstadt des Kachin-Staates. Auch hier traf ich Sprecher obengenannter sino-tibetischer Sprachen sowie zusätzlich zweier Dialekte des Rawang (insg. ca. 63'000 Sprecher) um Aufnahmen zu machen, aber auch Sprecher des Khamti (13'000 Sprecher), einer mit dem Shan verwandte Tai-Kadai-Sprache, deren Wortstellung stark von der des Shan abweicht, sich aber aufgrund von jahrhundertelangem Sprachkontakt den umliegenden Kachin-Sprachen und dem Burmesischen angeglichen hat. Da es in diesem Gebiet keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, stand mir eine Assistentin mit Motorrad zur Seite, die mir auch bei den Aufnahmen, bei der Organisation von Informanten, sowie bei Verständigungsschwierigkeiten half. Sie war zudem auch meine Sprachinformantin der dortigen Verkehrssprache Jinghpaw.
Abgesehen von den nicht bedrohten lokalen Verkehrssprachen Jinghpaw und Shan, habe ich während des anderthalbmonatigen Aufenthalts in Myanmar sehr viele hilfreiche Daten zu den verschiedenen Sprachen sammeln können, die mir vor allem für den Teil meiner Dissertation nützlich ist, die sich vergleichend mit den Verbalkomplexen der Sprachen Myanmars beschäftigt. Zusätzlich zu den jeweils etwa 11-stündigen Aufnahmen des Jinghpaw und des Shan, die beide einen Schwerpunkt meiner eigentlichen Arbeit bilden, habe ich zu den kleineren Sprachen der Region etwa 34½ Stunden Audio-Aufnahmen sammeln können, sowie viele nützliche Wörterbücher, Zeitschriften, religiöse Schriften, Lehrhefte und Geschichtensammlungen in diversen Sprachen erwerben können. Mit diesen Daten ließ sich auch ein neues Korpus der Sprache Zaiwa beginnen, von der bisher nur die in China gesprochene Variante näher beschrieben ist. Die Arbeit an den Korpora für Jinghpaw und Zaiwa sind noch nicht abgeschlossen.
Insgesamt bin ich mit den Ergebnissen meines Aufenthaltes sehr zufrieden. Ich konnte sehr viel Material über die Verbalsysteme der Kachin-Sprachen und die soziolinguistischen Einstellungen ihrer Sprecher sammeln. Ich habe ebenso Kontakte für weitere Feldforschungsreisen knüpfen können, die mir vor allem für Maru, Zaiwa und Khamti nützlich sein können. Leider war es mir zeitlich nicht möglich, mich mit Sprechern des Ngochang zu treffen, über das ich sehr gerne noch mehr herausgefunden hätte. Dies wird sich aber bei einer weiteren Reise hoffentlich ergeben.