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Sprachkünstler – tongue artists?
Da dankt der Schweizer Bundespräsident Ueli Maurer US-Präsident Donald Trump für die Einladung ins Weisse Haus im Gästebuch mit «Thank you for the invitation to the Withe House, Togethe ahead!» und signiert «Ueli Maurer, Präsident, Switzerland». Anschliessend gibt er bei CNN ein Live-Interview, bei dem er die Fragen nicht versteht, verdutzt aus der Wäsche schaut und als eine seiner nichtssagenden Antworten brabbelt «Nothing for publicity» und «I can nothing say to this issue», nachdem ihm sein Sprecher die Antwort hörbar einsouffliert hat.
Staatssekretär Franz Blankart hatte vor Jahren an seiner Abschiedsvorlesung moniert, wie schwach die Englischkenntnisse der Schweizer Aussenminister seien, und wie wichtig sie wären, weil bei Verhandlungen Durchbrüche oft im informellen Teil, z.B. beim Essen, passieren, wobei es wesentlich sei, dass sich ein Minister mit seinem ausländischen Peer direkt, ohne den Filter von Dolmetschern unterhalten könne.
Es geht hier nicht um die politische Wellenlänge oder die Qualifikation des Buchhalters Ueli Maurer als Bundesrat. Der Mann hat im Exekutivamt leidlich an Format gewonnen und nicht nur Intellektuelle machen gute Arbeit. Aber wenn man die Schweiz im Ausland repräsentiert, darf man sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Erinnerungen an «Rire c’est bon pour la santé» werden wach, als sich Bundespräsident Schneider-Ammann mit seinem Fernsehauftritt der internationalen Häme auslieferte.
Doch der Fehler liegt eigentlich nicht bei den Magistraten selbst. Da beschäftigt die Bundesverwaltung Heerscharen von Kommunikationsbeauftragen und diese sind nicht imstande, ihren «Schützlingen» elementare Regeln zu empfehlen:
1. Wenn jedes Wort zählt, rede in deiner Muttersprache und lasse dich dolmetschen. Pass auf, denn schnell einmal kann durch das Missverstehen einer Frage oder die unglückliche Wahl eines dir nicht vertrauten Ausdrucks Missverständliches, Verletzendes oder Lächerliches entstehen.
2. Rede langsam, damit die Dolmetscherin dir folgen und alles korrekt übersetzen kann.
3. Wenn du nichts sagen kannst oder zu sagen hast, gib kein Interview.
4. Denke nicht nur an den Inhalt, sondern auch an deine Beziehung zum Thema. Ziehe das Thema so auf, dass es deiner Person und deinem Stil liegt (Schneider-Ammann und Ironie …!). So, dass du eine persönliche Beziehung zum Thema zum Ausdruck bringen und damit Glaubwürdigkeit schaffen kannst.
5. Bereite deine Argumente gut vor, so dass du sie unter Stress flink als «Pfeile» aus dem Köcher ziehen kannst.
6. Trainiere deinen Auftritt – die Begabtesten und Routiniertesten tun es!
7. Lerne trotzdem die wichtigsten Sprachen, die du brauchst, um in deiner jeweiligen Funktion (z.B. als Magistrat in der mehrsprachigen Schweiz oder als Expat-CEO eines Unternehmens) glaubwürdig zu sein und akzeptiert zu werden.
Pierre Freimüller
Geschäftsleiter appunto communications