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Medizinische Fachinformationen
Krankheitsbilder

Krebserkrankungen des Dickdarms finden sich am häufigsten in den unteren Darmabschnitten. Im Zökum (Blinddarm) und im Colon ascendens (aufsteigender Teil) sind ca. 25% der Karzinome lokalisiert, im Colon transversum (querverlaufender Teil) 11%, im Colon descendens (absteigender Teil) ca. 4%, und Colon sigmoideum (s-förmiger Anteil) ca. 20%. Ca. 40 % der Karzinome treten im Mastdarm und im Analkanal auf.
Anatomische Verhältnisse im Bereiche des Dickdarms
Risikofaktoren:
Folgende Risikofaktoren gelten heute für das vermehrte Auftreten von Krebserkrankungen des Dickdarms und des Enddarms als akzeptiert: Ballastarme Kost, Kost mit vielen tierischen Fetten, Übergewicht, übermäßiger Nikotin- und Alkoholkonsum sowie Bewegungsmangel. Im Rahmen von chronischer Verstopfung können schädliche Stoffe durch verlängerte Kontaktzeit des Stuhls mit den Zellen der Darmwand ihre allenfalls krebserzeugende Wirkung zusätzlich entfalten.
Man weiss heute, dass Erbfaktoren bei der Entstehung des Darmkrebses eine wesentliche Rolle spielen. So haben erstgradige Verwandte (Eltern, Geschwister) von Patienten mit einem Dickdarmkrebs ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken. Zudem gibt es Familien mit speziell erhöhtem Darmkrebsrisiko im Rahmen von seltenen Erkrankungen wie FAP (= familiäre adenomatöse Polyposis) oder HNPCC (= hereditäres, nicht polypöses kolorektales Krebssyndrom).
Bei Frauen und Männern steigt das Risiko, an einem Darmkrebs zu erkranken, ab ca. 40 Jahren mit steigendem Alter an. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt für Frauen bei 70 Jahren, für Männer bei 65 Jahren.
Symptome:
Im Vordergrund stehen Blutbeimengungen im Stuhlgang. Verdächtig sind ebenfalls Änderungen der Stuhlgewohnheiten (Wechsel von Durchfall und Verstopfung), ungewollter Gewichtsverlust, Müdigkeit und Leistungsabfall auf Grund einer durch chronischen Blutverlust entstehenden Eisenmangelanämie (Blutarmut). Besonders bei Patienten, die schon seit längerer Zeit an Hämorrhoiden leiden, können diese wichtigen Alarmsymptome verkannt werden.
Abklärungen:
Die wichtigste Abklärungsuntersuchung ist die Darmspiegelung (Koloskopie).
Bei dieser Untersuchung können gutartige Polypen entfernt werden. Damit wird
einer späteren Krebsentstehung vorgebeugt. Bei verdächtigem Befund ermöglicht
die Entnahme einer Biopsie eine sichere Beurteilung, ob eine Krebserkrankung
vorliegt.
Aus diesen wichtigen Angaben kann das so genannte TNM-Stadium (T=Tumor,
N=Lymphknoten, M=Metastase) festgelegt werden.
Therapie:
Je nach Ort des Tumors und je nach Art des Tumors kommen bei Erkrankungen des Dickdarms und des Enddarms einzeln oder in Kombination die folgenden Therapieformen zur Anwendung:
Dickdarmkarzinom
Beim Dickdarmkarzinom steht primär die Operation im Vordergrund. Die genaue Kenntnis des TNM-Stadiums hat dabei praktisch keinen Einfluss auf die Entscheidung zur Operation. Es geht hier insbesondere um die Vermeidung eines Darmverschlusses, sodass praktisch immer die Operation notwendig ist. Nach der Operation wird das entfernte Darmstück zusammen mit den Lymphknoten genau untersucht. Auf Grund des daraus resultierenden definitiven TNM-Stadiums wird dann entschieden, ob dem Patienten noch eine zusätzliche Chemotherapie empfohlen werden muss. Das ist im allgemeinen dann der Fall, wenn der Tumor tief in die Wand eingewachsen ist und/oder zum Befall von Lymphknoten und/oder Auftreten von Fernmetastasen geführt hat.
Im Allgemeinen werden diese Operationen durch einen Bauchschnitt ausgeführt. Zunehmend kommt in ausgewählten Fällen heute auch die laparoskopische Dickdarmentfernung (Schlüssellochchirurgie) zur Anwendung. Die beiden verbleibenden Darmenden werden miteinander verbunden (Anastomose), teilweise unter Verwendung eines Klammergerätes. In den allermeisten Fällen kann heute ein künstlicher Darmausgang vermieden werden. Je nach Lokalisation des Tumors wird eine Hemikolektomie rechts, eine Transversumresektion, eine Hemikolektomie links oder eine Rektosigmoidresektion durchgeführt. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele für klassische Operationen beim Dickdarmkarzinom.
Hemikolektomie links
Hemikolektomie rechts
Transversumresektion
Aus der Broschüre "Darmkrebs" ©Prof.Dr.Hermann Bockhorn und Dr. med Davorin Wagner Krankenhaus Nordwest Frankfurt.
Auf Grund fortgeschrittener Narkose- und Operationstechniken lassen sich die Dickdarmoperationen heute patientenfreundlich und relativ risikoarm durchführen.
Mastdarmkarzinom ( Rektumkarzinom)
Auch beim Rektumkarzinom ist die chirurgische Entfernung des Tumors in der Regel die wichtigste Behandlungsmassnahme. Allerdings ist es bei dieser Tumorart von grosser Bedeutung, für die Planung der optimalen Therapie das möglichst genaue TNM-Stadium bereits vor einem operativen Eingriff zu kennen. In relativ frühen Stadien ( T1, T2 und N0 ) wird in der Regel direkt operiert. Bei fortgeschrittenen Stadien profitieren die Patienten nach heutigem Wissensstand von einer etappierten Therapie. Zuerst wird eine kombinierte Radio-Chemotherapie ( Bestrahlung und Krebsmedikamente ) empfohlen. Im Abstand von ca. 6 Wochen wird dann der befallene Darmabschnitt operativ entfernt. Heute ist es auch bei einer Tumorlokalisation nahe dem analen Schliessmuskel in vielen Fällen möglich, dieses Organ zu erhalten. Dies nicht zuletzt auch dank moderner Klammer- und Nahtgeräte, die eine Darmnaht (Anastomose) auch tief im kleinen Becken ermöglichen. In ausgewählten Fällen entschliesst man sich zur Anlage eines sogenannten Kolon-J-Pouches zur Erhaltung einer ausreichenden Reservoirfunktion des Enddarms.
Anwendung eines Klammergeräts zur Anlage der Anastomose (Quelle: www.charite.de)
Kolon-J-Pouch (Quelle: www.klinikum-lev.de)
In Fällen mit einer sehr tiefen Anastomose kann es sinnvoll und nötig sein, bei der ersten Operation einen vorübergehenden künstlichen Darmausgang ( meistens Ileostomie= Dünndarmstoma ) anzulegen, der nach Abheilung der Operationsfolgen meistens nach ca. 6-8 Wochen wieder verschlossen werden kann. Die Fälle, bei denen zusammen mit dem betroffenen Darmabschnitt der gesamte Schliessmuskel entfernt werden muss (Rektumamputation mit definitivem künstlichem Darmausgang) sind heute relativ selten geworden. Auch diese Patienten dürfen aber trotz künstlichem Stoma eine recht gute postoperative Lebensqualität erwarten.
Nachsorge:
Nach einer Operation wegen eines Dickdarm- oder Enddarmkrebses sind regelmässige Nachsorgeuntersuchungen notwendig und sinnvoll, um eine allfälliges Wiederauftreten der Krankheit am primären Ort oder in Form von Metastasen (Ableger) zum Beispiel in der Leber oder in der Lunge frühzeitig erkennen zu können. Neben den klinischen Untersuchungen durch den Arzt stehen periodische Darmspiegelungen und die Computertomographie zur Verfügung. Ergänzend kann in vielen Fällen die Bestimmung der Konzentration eines sogenannten Tumormarkers ( z.B. CEA) ein Wiederauftreten des Tumors in Form eines lokalen Rückfalls (Rezidivs) oder von Fernmetastasen frühzeitig anzeigen. Die Nachsorgeuntersuchungen sind auch insofern von grosser Wichtigkeit, als beim gleichen Patienten zu einem späteren Zeitpunkt in einem anderen Darmabschnitt ein neuer Tumor entstehen kann. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn eine familiäre Belastung mit Tumorerkrankungen bekannt ist.
Prognose:
Die Prognose der Krebserkrankungen des Dickdarms ist weitgehend abhängig vom Ausbreitungsstadium der Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. Gelingt es, den Tumor frühzeitig zu erfassen und vollständig zu entfernen, darf von einer Heilungschance von ca. 90% ausgegangen werden. Falls die Diagnosestellung verspätet erfolgt, und sich der Tumor bereits in die Lymphknoten oder in weiter entfernt liegende Organe ausgebreitet hat, ist eine Heilung nur noch in Einzelfällen möglich.
Vorbeugung:
Da Dickdarm- und Enddarmkarzinome vorwiegend in der zweiten Lebenshälfte auftreten, ist eine Koloskopie im Alter von ca. 50 – 55 Jahren und anschliessend alle 10 Jahre empfehlenswert, um das Entstehen eines Karzinoms aus einem möglicherweise zu diesem Zeitpunkt noch gutartigen Polypen zu verhindern. Ebenso ist es von grosser Bedeutung, dass Frühsymptome (Blutbeimengungen im Stuhl!) ernst genommen und unverzüglich weiter abgeklärt werden.
Schlussfolgerung:
Dickdarm- und Enddarmkrebs gehören zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen, die bei frühzeitiger Behandlung heilbar sind. Es ist demzufolge von grösster Bedeutung, dass Warnsymptome ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.