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Wow, gratuliere! Wie gelang dir dann der Einstieg in den Berufsalltag?
Nach dem Studium wollte ich eigentlich vorwiegend als Dolmetscher arbeiten, aber ein damaliger Freund besass ein Übersetzungsbüro und überschüttete mich förmlich mit Aufträgen. Ausserdem erhielt ich Anfragen von ehemaligen Kommilitonen, die inzwischen für verschiedene Firmen arbeiteten und Bedarf an Übersetzungen ins Deutsche hatten. Das Volumen vergrösserte sich im Laufe der Zeit immer weiter, und so freundete ich mich schnell mit meinem Übersetzerdasein an und übe diesen Beruf bis heute mit grosser Freude aus.
Mit welchen Sprachen arbeitest du und was sind deine Fachgebiete? Was für Texte übersetzt du für Apostroph?
Ich übersetze aus dem Englischen, Französischen und Niederländischen ins Deutsche. Für Apostroph übersetze ich hauptsächlich Texte in den Bereichen Banking, IT, Radsport und Landwirtschaft.
Wie bist du als Freelancer zu Apostroph gekommen?
Zu Apostroph kam ich 2014 über einen LinkedIn-Kontakt, der dort als Projektmanager arbeitete und mich zuvor im Rahmen der Zusammenarbeit für einen anderen Kunden kennengelernt hatte. Er schickte mir eine Nachricht und fragte mich, ob ich Lust hätte, eine Probeübersetzung für seinen neuen Arbeitgeber zu machen.
Was bereitet dir an der Zusammenarbeit mit Apostroph Freude?
Eigentlich fast alles! Die Projektmanager sind kommunikativ, professionell und freundlich. Die Zahlungsmoral ist vorbildlich, Rechnungen werden stets am selben Tag des Monats pünktlich bezahlt. Auch die technische Seite gefällt mir gut, es wird mit einem guten CAT-Tool gearbeitet, und alle TMs sind online zugänglich. Bisweilen erhält man auch Zugang zu einer kundenspezifischen Terminologie-Datenbank.
Welches Wort kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an Apostroph denkst? Wieso dieses Wort?
Wertschätzung. Apostroph behandelt seine Übersetzer sehr fair und respektvoll. Wir sind keine Ware, die man nach Belieben austauschen kann, so wie dies bisweilen von Übersetzungsbüros praktiziert wird. Jeder Übersetzer wird immer wieder für dieselben Kunden und Kundinnen eingesetzt.
Möchtest du uns von einem coolen/lustigen Erlebnis erzählen, das du beim Übersetzen hattest?
Vor elf Jahren lebte ich in einem Apartmenthaus in Brüssel. Eines Tages wurde neben unserem Haus ein neues Gebäude errichtet. Der damit verbundene Lärm machte es mir unmöglich, mit meinem Diktierprogramm zu arbeiten. Irgendwann verlor ich die Beherrschung und fing an, allerlei Schimpfwörter zum Besten zu geben. Leider war, ohne dass ich das bemerkt hätte, das Mikrofon meiner Spracherkennung noch eingeschaltet. So rutschten meine uncharmanten Äusserungen ungefiltert in den verborgenen Text meiner Übersetzung. Damals wurde noch mit dem Word-Plug-in von Trados gearbeitet, wobei der Originaltext als verborgener Text angezeigt wurde. Dieser Text wurde normalerweise beim Clean‑up herausgelöscht. Dummerweise befanden sich die von mir diktierten Peinlichkeiten aber zwischen zwei Tags, die Trados nicht löschen konnte. Es kam, wie es kommen musste: Ich gab den Text ab, und der Kunde sah schliesslich die Schimpfwörter am Ende des Textes. Sinngemäss las sich das so, als wäre sein Text Sch… Ich glaube, mir war in meinem Leben noch nie etwas so peinlich. Ich musste aber wohl oder übel den Gang nach Canossa auf mich nehmen und den Sachverhalt erklären – so gut es eben ging. Glücklicherweise nahm es der Kunde mit Humor.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir als Übersetzer aus?
Ich versuche stets, so früh wie möglich zu beginnen. Ein guter Tag fängt für mich morgens um 6 Uhr an. Meistens nehme ich meinen Hund mit zur Arbeit, der mich zwingt, den Griffel von Zeit zu Zeit niederzulegen und einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen. Positiv ist auch, dass ich in einem Co-Working-Space mit anderen Freelancern arbeite. Da kann man stets einen netten Plausch halten, wenn einem danach ist. Ein normaler Arbeitstag hat bei mir etwa 10 –12 Stunden. Dafür versuche ich aber, mir die Wochenenden für meine Familie freizuhalten, und nehme im Jahr mindestens vier Wochen Ferien.
Würdest du den gleichen beruflichen Weg einschlagen, wenn du nochmals von vorn anfangen könntest?
Eine schwierige Frage, die ich mir in letzter Zeit auch des Öfteren gestellt habe. Ich bin mir sicher, dass ich den Beruf ausübe, in dem ich mein geistiges Potenzial und meine Talente voll entfalten kann. In den nächsten 5–10 Jahren werden wir Übersetzer sicherlich gut zu tun haben und von unserem Beruf weiterhin gut leben können. Aber ob es auch danach noch möglich ist, übersetzend eine Familie zu ernähren, ist aufgrund der Digitalisierung mit einem grossen Fragezeichen behaftet. Das zu übersetzende Volumen wird gewiss nicht sinken, sondern eher steigen. Demgemäss muss ich diese Frage, zumindest aus heutiger Sicht, (leider) mit einem Nein beantworten.
Hast du ein paar Tipps für angehende Linguisten und Linguistinnen oder für die anderen Freelancer und Freelancerinnen, die für uns übersetzen?
Ich stelle immer wieder fest, dass angehende (aber auch erfahrene!) Kolleginnen und Kollegen technische Hilfsmittel nur sehr eingeschränkt verwenden. Elektronische Wörterbücher, Spracherkennung, ein gutes Alignment-Programm und ein vernünftiges CAT-Tool sollten zur Standardausstattung jedes Übersetzers gehören. Insbesondere verstehe ich nicht, warum sich Spracherkennung in der Übersetzerwelt noch immer nicht richtig durchgesetzt hat. Ich könnte meinen Tages-Output unmöglich tippenderweise bewältigen.
Danke, dass du uns deine Geschichte erzählt hast, Michael!
Möchtest du mehr über die Freelancer und Freelancerinnen in unserem Pool erfahren? Bist du auf ähnliche Weise zum Übersetzen gekommen wie Michael oder hast du völlig andere Wege eingeschlagen?
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Und halte natürlich die Augen offen nach weiteren Freelanceinterviews in den kommenden Monaten.