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Lange Zeit ein unbedeutender Gegenstand der Sozialwissenschaften, wird der Skandal bis heute vor allem im Zusammenhang mit der Missbilligung von Norm- und Gesetzesverstössen thematisiert, wobei insbesondere Letztere die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Unabhängig von der Realität skandalöser Tatsachen entsteht ein Skandal nur dann, wenn Akteure öffentlich die Rechtschaffenheit anderer infrage stellen und sich auf multisektorielle Mobilisierungen stützen können. Der Artikel will zeigen, dass diese Mobilisierungen an das gleichzeitige Auftreten oszillierender Wahrnehmungen des Möglichen gebunden sind. Die Analyse der Variationen dessen, worauf sich die verschiedenen Akteure beziehen, erlaubt es zugleich das Auftreten, die Reichweite und das Erlöschen eines wie auch immer gearteten Skandals zu erklären. Der Skandal ist ein kontingenter Prozess, der über eine eigene Dynamik verfügt; seine offene Form kann unter gewissen Umständen die Mikro-Kontexte und sozialen Strukturen transformieren,in denen er sich ausbreitet.
Erschienen in: traverse 2015/3, S. 33