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Cornwall, im äussersten südwestlichen Zipfel Grossbritanniens gelegen, ist die Heimat der Pixies: freche Fabelwesen, immer aufgelegt zu einem Schabernack.
Unser persönlicher Pixie heisst TomTom und spricht ein geschliffenes Englisch: Nach stundenlanger Reise im Mietauto führt uns das eingebaute Navigationssystem zu einem kleinen Hafen. Unser Zielort ist nur einen Steinwurf entfernt – auf der anderen Seite der Bucht. «Now take the ferry.»
Natürlich ruht die Fähre um 11 Uhr nachts, und so schickt uns das Navi auf einen kilometerlangen Umweg durch schmale, tief eingeschnittene Landsträsschen, die wirken, als hätten Hobbits sie mit munzigen Schaufeln in den Boden gegraben – Hobbits, die noch nie von «Gegenverkehr» gehört haben.
Literarisches Nest
Die Ankunft im Hotel ist umso eindrücklicher. Fowey Hall, ein herrschaftliches Anwesen über dem gleichnamigen Fischerdorf, ist ein Spukschloss wie aus dem Bilderbuch, mit altertümlichem Mobiliar und hohen Räumen, in denen die Meerluft salzig-feucht steht. Fowey Hall hat es tatsächlich zu literarischen Weihen gebracht: «Der Wind in den Weiden», eines der beliebtesten englischsprachigen Kinderbücher, soll vom ehemaligen Herrenhaus inspiriert worden sein.
Fowey selbst ist ein charmant verwinkeltes Dörfchen, das in den letzten Jahren mit viel Wandfarbe aufgehübscht wurde. Auf einer Hafenrundfahrt erzählt uns der kornische Skipper Dan («Kann sein, dass ich zwischendurch flunkere») die bewegte Geschichte des Ortes: von Piraten und den stationierten US-Truppen während des Zweiten Weltkrieges.
Von dem Mann, der sein Haus höher baute als die Kirche, nur um dem Pfarrer eins auszuwischen, und wie der Käptn selbst als Kind über die Bucht zum Schulunterricht schwamm, wenn er das Fährboot verpasst hatte.
An der Bucht des Flusses Fowey liegt auch das Haus der britischen Schriftstellerin Daphne du Maurier, die hier ihren ersten Roman schrieb. Bekannt wurde sie durch ihren romantischen Thriller «Rebecca», ebenfalls inspiriert von einem Landsitz, der bei Fowey liegt und den sie jahrzehntelang bewohnt hatte.
Unter der Regie von Alfred Hitchcock wurde das Drama zu einem Welterfolg, ebenso wie «Die Vögel», basierend auf einer Kurzgeschichte du Mauriers: Wer die Schwärme grosser Seemöwen sieht, die frech auf Fenstersimsen sitzen und in die Häuser glotzen, traut ihnen wirklich alles zu.
Und weiter geht der literarische Trip: An der Nordküste Cornwalls, nur eine Stunde Autofahrt von Fowey entfernt, liegt auf einer schroffen Landzunge die Burgruine Tintagel, sagenumwobener Geburtsort von Merlin und König Artus. Es ist einer der meistbesuchten Orte Englands überhaupt, aber trotz zahlreicher Reisecars haben die zerklüfteten Felsen und Gemäuer etwas von ihrem Zauber bewahrt.
Auch die Watergate Bay liegt an der Nordküste, die weite Bucht zeichnet sich durch ihren feinen Sand aus – solange Ebbe ist. Das Wasser kehrt jedenfalls überraschend schnell zurück. Und weil das Wetter alles andere als englisch ist, stürze ich mich in die Wogen, wobei ich glatt meine Brille verliere. Watergate? Waterloo!
Andererseits: Das war es wert. Auch die stärkste Korrektur nützt nichts, um sich an Cornwall satt zu sehen.
- Ankommen: in Fowey Hall. Das Herrschaftshaus mit seinen Pälmchen, Rhododendronbüschen und separatem Spa verleiht jedem Familienurlaub einen «touch of class».
- Anbeissen: in Sam’s Restaurant in Fowey. Hier stimmt einfach alles, der Service, die Jukebox und das Menü: Ich sage nur – Fischsuppe!
- Mitmachen: bei einer Hafentour mit dem Fischerboot Moogie in Fowey. Skipper Dan spinnt sein Seemannsgarn, dass es eine wahre Freude ist.
- Mitbringen: «Rebecca» von Daphne du Maurier. Und eine Ersatzbrille.