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Hier ein paar Fakten zum Eisenbahnwesen in Grossbritannien:
- Die englischen Bahnen gehören zu den sichersten in Europa. Zahlreiche Unfälle, von welchen die SBB in den letzten Jahren betroffen waren, wären vom englischen Zugssicherungssystem (aber nicht nur dort) verhindert worden.
- In Grossbritannien werden gegenwärtig bedeutende Investitionen in die Eisenbahn getätigt. Neben den Grossanschaffungen von Rollmaterial durch die privaten Betreiber sei der über CHF 20 Mia. teure neue Stadttunnel von London erwähnt.
- Die Passagierzahlen und die Personenkilometer England entwickeln sich trotz der Konkurrenz durch Fernbusse in den letzten Jahren nur in einer Richtung – nach oben.
- Ich selbst habe während der Privatisierungsphase 1996 und 1997 in Mittel- und Nordengland ausgedehnte Zugreisen unternommen. Dabei bin ich hauptsächlich mit British Rail und mit der Great Nord Eastern Railway und der Midland Mainline gefahren. Meine Erfahrungen in zwei Sätzen: (a) Die Qualität der Reisen mit den privaten Gesellschaften war weitaus besser als diejenige mit British Rail, (b) Die Infrastruktur war teilweise in einem desaströsen Zustand. Ich staunte, dass auf gewissen Strecken überhaupt noch Züge fahren konnten.
- Gemäss dem beiliegenden Bericht – einer der beiden Autoren gehört zu den herausragenden Beobachtern des Schweizer Eisenbahnwesens – zeichnet sich das Eisenbahnwesen in Grossbritannien heute durch eine erfreuliche Qualität aus.
- British Rail wurde von der konservativen Regierung zwischen 1994 und 1997 schrittweise privatisiert. Unter anderem wurden rund 25 Betreibergesellschaften gegründet. Die Privatisierungen wurde von Labour während ihrer 13-jährigen Regierungszeit nicht rückgängig gemacht.
Zeit also, die positiven Entwicklungen im englischen Eisenbahnwesen vorurteilslos zur Kenntnis zu nehmen und die Gründe für den Aufschwung zu analysieren – ehe es auf dem Kontinent zu spät ist.
Der Bericht kann hier heruntergeladen werden:Bericht Eisenbahn Grossbritannien 2015
Eindrücke von einer Bahnreise nach Sizilien und Erfahrungsberichte von Bekannten von Bahnreisen in Oberitalien haben mich zu einer Bahnreise nach Italien bewogen. Das Gesehene und das Erlebte waren enorm beeindruckend. Die Qualität des Fernverkehrs zwischen der Lombardei und Kampanien aus Sicht eines anspruchsvollen Reisenden ist überragend.
Nachstehend die Begründung für diese Beurteilung anhand verschiedener Aspekte:
Zugang und Auftritt der Bahnhöfe
Obenstehend zwei Bilder vom Bahnhof Milano Centrale. Die Bilder sprechen für sich. Ergänzend sei auf die exemplarische Sauberkeit der Anlagen hingewiesen.
Innenräume der Züge
Hier ein Bild vom Innenraum eines Frecciarossa. Man beachte die grosszügige Raumgestaltung und die diskrete Bildung von Abteilen.
Betreuung am Platz
Kurz nach der Abfahrt der Züge wird den Reisenden in der ersten Klasse ein breites und kostenloses Angebot an Zeitungen und Zeitschriften offeriert. Später kommen die Reisenden der ersten Klasse in den Genuss eines kleinen Snacks und können aus einem reichen Angebot an Getränken einen Drink auswählen.
Zugbegleitung
Alle Zugbegleiter tragen Veston und Krawatte. Sie repräsentieren ihr Unternehmen in untadeliger Weise. Der Zugchef trägt eine Mütze oder hat sie bei sich. Analoges habe ich selbst in sizilianischen Regionalzügen und bei hochsommerlichen Temperaturen beobachtet.
Geschwindigkeit und Kundeninformation
Die Reisenden werden anhand von diskreten Bildschirmen laufend über den Stand der Reise informiert. Die Züge verkehren mit grosser Geschwindigkeit auf neuen Strecken. Das verkürzt die Reisezeit für alle und spart auch Personalkosten.
Kommentar
Von einem vertieften Vergleich mit Gegebenheiten im schweizerischen Fernverkehr wird abgesehen. Dennoch ein paar Kritikpunkte
- Mit RE sichergestellter Fernverkehr – auch in der ersten Klasse vier Sitze in einer Reihe und keine Zugbegleitung, ist und bleibt inakzeptabel.
- Auftritt und Bekleidung vieler Zugbegleiter besonders in den hochwertigen Fernverkehrszügen sind für mich unhaltbar. Viele Zugbegleiter strahlen weder Kompetenz noch Sicherheit aus. Dafür patrouilliert Sicherheitspersonal. Für mich repräsentiert es nicht Sicherheit, sondern dokumentiert durch seine Präsenz, dass Zugreisen unsicher geworden sind.
- In der Illustrierten „Eisenbahn Amateur“ wurde der unterirdische Bahnhof von Montreal kritisiert. Ich kenne die Gegebenheiten vor Ort relativ gut. Sie sind – abgesehen vom dünnen Zugsangebot – fast deckungsgleich mit denjenigen im Bahnhof Bern.
Der erste Kontakt mit der Bahn erfolgt in der Regel an einem Bahnhof. Es heisst doch so schön, dass der erste Eindruck der Wichtigste sei.
Nachstehend ein paar Bilder von zwei Zürcher Stadtbahnhöfen – Zürich-Enge und Zürich-Wollishofen. Vor allem Zürich-Enge ist ein wichtiger Verknüpfungspunkt zwischen der SBB, dem Zürcher Tram und Schnellverbindungen von Postauto AG in den Westen. Zudem befinden sich in Schrittdistanz zwei grosse Zürcher Mittelschulen.
Zürich-Enge
Die gezeigte Unterführung im Bahnhof Zürich-Enge führt vom Gleis 1 unter der vielbefahrenen Bederstrasse hindurch direkt zur Tram- und Bushaltestelle sowie zu den Schulhäusern. Also ist sie eine sichere und effiziente Verbindung. Die Unterführung wird werktäglich wahrscheinlich von einigen tausend Passagieren verwendet. Und diese sind dabei mit diesen Missständen konfrontiert.
Zürich-Wollishofen
Die zweite Unterführung – auch dazu drei Bilder – ist der einzige Zugang zum Bahnhof Zürich-Wollishofen. Dieser ist – und das sei nur am Rande erwähnt – weiterhin nicht behindertengerecht ausgebaut und verfügt auch in der weiteren Umgebung über kein öffentliches WC. Die Frequenz von Zürich-Wollishofen ist in den letzten Jahren erfreulicherweise stark gestiegen – besonders bei Anlässen auf der Landiwiese wird der Bahnhof rege benützt.
Kommentar:
- Weder in Italien noch in Österreich habe ich derart üble Bilder gesehen. Solche Bahnhöfe sind eines Landes, das sich seines öffentlichen Verkehrs rühmt, unwürdig – wer auch immer schlussendlich die Verantwortung dafür trägt.
- In Tierzuchten bestehen strenge Vorschriften für die Qualität von Wand- und Bodenbelägen. Sie müssen mit Keramikplatten oder speziellen Belägen versehen sein. Offensichtlich gelten für Passagiere weniger strikte Normen.
- Analoge Aufnahmen hätten auch in anderen Stadtbahnhöfen gemacht werden können, beispielsweise in Schlieren.
- Nicht der Neid, wie von einem Kollegen aus dem Westen unterstellt, führt mkich in Gedanken immer wieder zu den feudalen Bürogebäuden der SBB – unter anderem in Bern, Olten oder Zürich. Aber heisst es nicht, dass der Kunde zuerst kommt? Das wäre Kundenfreundlichkeit. Zustände wie oben beschrieben, sind nur ein Indiz für den Zerfall der Kundenfreundlichkeit vorab bei den SBB.