Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/157265

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Auswirkungen des starken Frankens auf die Landwirtschaft sind unklar. Verschiedene Branchenvertreter forderten jüngst vom Bund flankierende Massnahmen, um die ungünstigeren Exportbedingungen auszugleichen. Dabei geht vergessen, wie viel die Landwirtschaft an Vorleistungen aus dem Ausland importiert.</p><p>Um Forderungen der Branche in Zukunft sachlich beurteilen zu können, ersuche ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie hoch war 2014 der Wert der importierten Vorleistungen durch die Schweizer Landwirtschaftsbetriebe aus der EU und aus dem übrigen Ausland (in absoluten Werten und im Verhältnis zum Erlös der Schweizer Landwirtschaft aus der Produktion von Nahrungsmitteln)?</p><p>2. Welchen Wert hatten 2014 die Exporte der Schweizer Landwirtschaft in die EU und ins übrige Ausland?</p><p>3. Wie hoch sind die entsprechenden Werte aufgeschlüsselt auf die hauptsächlichen Produktegruppen (Exporte z. B. Milchprodukte, Fleisch, Wein; Importe z. B. Maschinen, Energie, Futtermittel, Dünger, Pestizide, Tierarzneimittel)?</p><p>4. Wie stark sind die Schweizer Landwirtschaftsbetriebe durch die Frankenstärke in der Folge betroffen respektive profitieren davon?</p><p>5. Wie gross ist der Anteil der Vorleistungen, der über die Fenaco bezogen wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Ausgangsgrösse für die Berechnungen zu den Auswirkungen des starken Frankens auf die Schweizer Landwirtschaft sind die Erlöse und Vorleistungen der Landwirtschaft ohne Gartenbau gemäss landwirtschaftlicher Gesamtrechnung des Bundesamtes für Statistik. Da die Zahlen für 2014 noch nicht vollständig vorliegen, wird für die Beantwortung der Fragen das Jahr 2013 als Referenz herangezogen.</p><p>1. Insgesamt beliefen sich die Vorleistungen der Landwirtschaft ohne Gartenbau 2013 auf 6 Milliarden Franken. Darin enthalten sind Güter im Wert von etwa 1,2 Milliarden Franken aus dem Ausland (20 Prozent). Der grösste Teil der Importe stammte aus der EU (65 Prozent). Das Verhältnis zwischen importierten Vorleistungen und Erzeugung des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs (9,6 Milliarden Franken) betrug 13 Prozent.</p><p>2. Exportiert wurden im Jahr 2013 landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 8,6 Milliarden Franken (Zolltarif Kapitel 1-24). Davon gingen Güter im Wert von 5,3 Milliarden Franken in die EU (62 Prozent). Je nach Verarbeitungsgrad der ausgeführten Güter ist der wertmässige Anteil des landwirtschaftlichen Rohstoffs jeweils unterschiedlich hoch. Gewisse ausgeführte Güter enthalten gar keine Schweizer Rohstoffe (z. B. Genussmittel wie Kaffee).</p><p>3. Die Exporte beliefen sich auf 660 Millionen Franken für Milch- und Milchprodukte (Zolltarif-Nr. 0401-0406), auf 65 Millionen Franken für Fleisch (Zolltarif-Nr. 0201-0210) und auf 159 Millionen Franken für Wein und Traubenmost (Zolltarif-Nr. 2204). Die Anteile der Ausfuhren in die EU beliefen sich auf 75 Prozent, 96 Prozent respektive 56 Prozent. Die Importe von Vorleistungen bezogen sich vor allem auf Futtermittel (etwa 615 Millionen Franken), Treibstoffe (etwa 300 Millionen Franken), Dünger (etwa 95 Millionen Franken), Pflanzenbehandlungsmittel (etwa 70 Millionen Franken) sowie Saat- und Pflanzgut (etwa 67 Millionen Franken). Mit Ausnahme der Treibstoffe stammte der grösste Teil aus der EU. Zudem wurden Maschinen, Geräte und Fahrzeuge im Wert von 435 Millionen Franken importiert.</p><p>4. Bei den Vorleistungen kann aufgrund des erstarkten Frankens (Wechselkurs Euro-Franken-Verhältnis von 1 zu 1.05) von Minderausgaben in der Höhe von etwa 80 Millionen Franken pro Jahr ausgegangen werden. Die grössten Einsparungen könnte es bei Futtermitteln geben, und zwar bei jenen, deren Einfuhrpreise über dem Schwellenpreis liegen und die somit im Inland durch die Frankenstärke billiger werden sollten. Das war 2013 bei den Ölkuchen der Fall. Primär aufgrund des gesunkenen Erdölpreises könnten zudem Minderausgaben in der Höhe von etwa 50 Millionen Franken bei den Treibstoffen dazukommen. Wechselkursbedingt sollten ausserdem die Ausgaben für Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge im Ausmass von etwa 60 Millionen Franken sinken.</p><p>Die Auswirkungen der Wechselkursentwicklung auf die Erlöse der Schweizer Landwirtschaft sind schwierig zu beziffern, da sie nur eines unter vielen Elementen sind, welche Preise und Mengen beeinflussen und weil nicht zum Vornherein klar ist, welcher Teil der Einbussen auf Stufe der verarbeiteten Erzeugnisse an die Landwirtinnen und Landwirte weitergegeben wird. Geht man bei der Milch ceteris paribus davon aus, dass die ganze verkäste Milch im Jahr 2013 zu einem im Ausmass der aktuellen Aufwertung des Frankens tieferen Preis abgesetzt worden wäre, hätten die Einbussen bei dieser Milch rund 125 Millionen Franken betragen.</p><p>5. Gemäss Geschäftsbericht 2013 hat die Fenaco in den Sparten Pflanzenbau (Saatgut, Dünger und Pflanzenbehandlungsmitteln) und Getreide, Ölsaaten, Futtermittel insgesamt 1,276 Milliarden Franken erwirtschaftet. Zu beachten ist, dass davon ein (nichtausgewiesener) Teil aus Verkäufen an Kunden ausserhalb der Landwirtschaft stammt.</p>  Antwort des Bundesrates.