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Rassengeschichte/Ursprung
Der Scottish Terrier ist ein niederläufiger Terrier aus Schottland. Ältere Rassebezeichnungen waren "Scotch Terrier", "Aberdeen Terrier" oder "Diehard Terrier". Nah verwandt ist er mit dem West Highland White Terrier, dem Skye Terrier und dem Cairn Terrier. Die Reinzüchtung der Rasse geschah im 19. Jahrhundert in Schottland (wahrscheinlich Gebiet um Loch Rannoch). Niederläufige Terrier gab es aber schon viele Jahrhunderte zuvor in Schottland. Ute Luig hat ein Rassebuch über den Scottie geschrieben, das die Geschichte beleuchtet, zudem auch wunderschöne Geschichtenbücher.
Wesen/Temperament
Es heisst zu Recht: einmal Scottie, immer Scottie! Ein grosser Hund auf kurzen Läufen, mit viel Charme, Persönlichkeit und Witz! Er lässt
sich zu keinem Kadavergehorsam zwingen. Möchte man ihn erfolgreich trainieren, muss man ihn so motivieren, dass er das, was man von ihm möchte, auch selber will. Wenn man eine vertrauensvolle
Beziehung aufgebaut hat und mit positiver Verstärkung den
Scottie zu motivieren versteht, ist er ein grossartiger Arbeitshund, der mit seinem Willen Berge versetzt! Den sein eigener Kopf zu haben hat den Vorteil, dass er sehr hartnäckig ist, wenn er
etwas will. Der Scottie entstammt Jagdgebrauchshunden und ist somit kein Schosshund, was nicht bedeutet, dass er nicht verschmust wäre. Aber eigenständiges Denken und Problemlösen wurde
züchterisch gefördert, nicht primär "dem Menschen gefallen wollen". Die meisten Scotties haben eine eher hohe Reaktivität. Das heisst, dass sie schneller auf Reize reagieren. Beispielsweise wurde
für die ursprüngliche Verwendung ein Hund gewählt, der auch bei Unsicherheit die Strategie "nach vorne zu gehen" anstatt "zu fliehen" wählt. Deswegen finde ich es entscheidend bereits mit Welpen
und Junghunden viel engage-disengage games zu üben, so dass der Hund lernt sich bei allerlei Reizen zu entspannen und/oder
umzuorientieren.
Gesundheit
Glücklicherweise waren/sind unsere Hunde eigentlich gesund, beziehungsweise die ersten ernsthaften gesundheitlichen Probleme kamen meist so zwischen 11 und 13 Jahre. Ich finde die durchschnittliche Lebenserwartung von Scotties (so ca. 12 Jahre) zu tief und könnte durch unten angesprochene Verbreiterung des Genpools verbessert werden. Leider gibt es, wie bei allen Hunden, oft Tumorerkrankungen, insbesondere haben Scotties ein 16-18fach erhöhtes Risiko für TCC (transitional cell carcinoma) in der Blase. Es gibt Hinweise, dass die Fütterung von gewissen Gemüsearten einen schützenden Effekt hat und man sollte auf das Ausbringen von Herbiziden auf dem Rasen unbedingt verzichten. Zudem neigen Scotties dazu, erhöhte Leberwerte zu haben, diese müssen aber noch nicht zwingend ein Problem sein. Es macht Sinn, einen Hund ab dem 8. Lebensjahr jährlich zu untersuchen (Blutcheck, Ultraschall), um frühzeitig Problemen entgegenwirken zu können. Wenn Ihr Hund eine Narkose hat, lassen Sie doch immer auch ein Blutcheck durchführen - als Referenz und als Check.
Verantwortungsvolles Züchten/Auswahl der Zucht
Gute Sozialisation und Habituation der Welpen:
Wichtige Welpeninfos finden sich bei den Literaturempfehlungen und den
Artikeln von mir. Besonders zu empfehlen ist das Puppy Culture Programm, sowohl bei der Auswahl des Züchters wie auch für die erste Zeit zu Hause. Achten Sie bei der Wahl des Züchters darauf, dass die Welpen gut sozialisiert werden (siehe dazu mein Artikel Die gute Hundezucht). Die ersten 16 Wochen im Leben
eines Hundes sind entscheidend, eine sensible Phase des Lernens findet dann statt. So kann beispielsweise ein Vorspielen von Feuerwerk/Schuss/Donnerlärm vor der siebten Lebenswoche (noch bevor
die Angstkurve, die Neugierkurve übersteigt), die Entstehung von Geräuschphobien verhindern. Das im richtigen Setting angewandte Early Neurological Stimulation Programm soll helfen, dass die Hunde sich neurologisch gut entwickeln.
Dies ist noch ein junges Forschungsgebiet und da ist man weiterhin am Verbessern zum Wohle der Hunde.
Verantwortungsvolles Züchten:
Ein verantwortungsvoller Züchter züchtet nicht mit Hunden, welche bekannte Erbkrankheiten haben und testet die Hunde mit allen verfügbaren
Tests. Hier findet man einen Anbieter für Gentestes bei Scotties und hier noch einen Alternativanbieter. Was passiert, wenn das Ziel des Züchtens die Pokalvitrine für
Schönheitsausstellungen ist, zeigt der BBC Dok Pedigree Dogs exposed, bzw. der deutsche Dok Reine Rasse - volle Kasse. Welpenkäufer möchten einen gesunden, langlebigen Hund mit
einem guten Temperament - für diese Menschen ist ihr Hund sowieso der Schönste. Natürlich darf man sehen, dass es ein Scottie ist, aber eine Selektion auf "fit for function", so dass die Hunde
ein schmerzfreies und aktives Leben geniessen können und mehr genetische und phänotypische Variabilität zuzulassen ist zum Wohl der Hunde. Für die Beurteilung des Körperbaus empfehle ich das
grossartige Buch von Eva Holderegger-Walser und Doris Walder "Welpentest und Hundeanalyse". Sie bieten
auch Wurfevaluationen an.
Achtung vor Inzucht und genetischer Verarmung:
Züchter, die vor allem für ihre Pokalvitrine züchten, versuchen einen möglichst homogenen, dem Standard entsprechenden/von den Schönheitsrichtern favorisierten Typus Hund zu züchten, was meist dazu führt, dass eng verwandte Tiere verpaart werden, was gesundheitlichen Gefahren birgt. Da die Züchterin unserer Hunde gezielt möglichst wenig verwandte Tiere kreuzte, hatte sie oft sehr grosse Würfe (Fertilität ist ein gutes Zeichen für gesunde Gene). Generell plädiere ich dafür mehr Heterogenität zuzulassen, es soll kleine, grosse und mittlere Scotties geben, denn je höher die genetische Vielfalt, desto gesünder die Hunde. Siehe Artikel dazu der Artikel "the diehard is dying", beziehungsweise die ausführlichen und in die fachliche Tiefe gehenden Informationen des institute of canine biology: "What are we going to do with our terriers?" und Vergleich DNA Terrierrassen. Einige Genetiker sind der Ansicht, dass man viele Rassen langfristig nur retten kann, wenn man wohlüberlegtes Outcrossing (andere Rassen einkreuzen) durchführt. Züchter sollten sich nicht bedroht fühlen von wissenschaftlichen Daten und stattdessen offen und konstruktiv mit den empirischen Erkenntnissen umgehen.
Chondrodysplasie und Chondrodystrophie:
Im Artikel Chondrodysplasie und Chondrodystrophie wird über den Zusammenhang von merhrfach vorliegenden Kopien des FGF4 Gens und dem Auftreten von Gelenkproblemen geschrieben. Das Gen FGF4 sollte nur auf Chromosom 18 vorliegen, aber nicht auf Chromosom 12. Das Gen FGF4 codiert das Protein (fibroblast growth factor 4), welches für die normale Skelett Entwicklung nötig ist. Liegt es in zweifacher Ausführung vor, führt dies mit grosser Wahrscheinlichkeit zu Problemen wie Bandscheibenvorfällen oder Radius Curuvs (siehe Bild, dabei schliesst sich die Wachstumsfuge der Elle zu früh, die Speiche wächst weiter und das Vorderbein verkrümmt sich). Es wäre doch eine super Idee, wenn die Elterntiere durch den neuen Gentest darauf getestet würden, damit es zwar niederläufige, aber nicht verkrümmte Beine gibt. Im folgenden Podcast spricht ab Minute 12 ein Experte über Genetik und deren Anwendung in der Rassehundezucht, bei Minute 45:45 geht es um das erwähnte Thema des FGF4-Gens.
Geburtsschwierigkeiten und Kurzbeinigkeit:
Ursprünglich war der Scottie hochbeiniger, wie unten die Bilder von Jock und Rascal zu Beginn des 20 Jahrhunderts zeigen. Unsere Camilla und Hitchcock ähnelten diesen ursprünglichen Typ. Sie hatten ca 30/31cm Schulterhöhe und gerade Beine. Heute mögen Schönheitsrichter vor allem tiefbeinige Scotties. Eine Studie bei Scotties zeigte, dass Geburtsschwierigkeiten mit der Beckenform korrelieren. Es ist naheliegend, dass hochbeinigere Hündinnen eine geeignetere Beckenform zum Werfen haben. Diese Erfahrung machte auch die Züchterin unserer Hunde. Ihre Hündinnen werfen meist normal, während niedrigere Hündinnen häufiger Kaiserschnitte haben.
Scottie Jock 1911
Scottie Rascal 1904
Hier sieht man den Vergleich zwischen dem noch ziemlich ursprünglichen Typ von heute, den man aber (fast) nicht mehr findet
(links Hitchcock und rechts Camilla) und dem Showtyp unten (Scully)
Der Showtyp von heute (unsere Scully)