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Verwandtschaft & Verbreitung
Der Hecht (Esox lucius) gehört zur Familie der Esocidae, die in erster Linie aus Arten der Gattung der Hechte (Esox) besteht. Es sind weltweit sieben Hechtarten bekannt, diese leben in Europa, Nordamerika und Nordasien. Bevorzugt lebt der Hecht in Tümpeln, Seen und Fliessgewässern mit langsamer Fliessgeschwindigkeit.
In der Schweiz gibt es nebst dem nordeuropäischen Hecht auch den italienischen Hecht (Esox cisalpinus). Dies ist eine im Jahr 2011 neu beschriebene Art in der Hechtfamilie. Diese Art umfasst die Hechtpopulationen des nördlichen und mittleren Italien, welche seit langer Zeit von den nordeuropäischen Hechten(Esox lucius) abgetrennt wurden und taxonomisch aufgrund der genetischen und morphologischen Unterschiede einen eigenen Artstatus erhielten.
Zudem gibt es Hinweise darauf, dass sich die pelagischen (im offenen Wasser lebenden) von den benthischen (am Boden lebenden) Hechten möglichweise genetisch wie auch im äusseren Erscheinungsbild unterscheiden könnten. Ob diese aber ebenfalls sogar verschiedene Arten bilden, ist Gegenstand aktueller Forschung.
Aussehen & Körperbau
Der Hecht kann eine Länge von mehr als 130 cm und ein Gewicht von über 20 kg erreichen. Die Körperlänge der grössten Männchen ist bedeutend kleiner und erreicht selten einen Meter. Unverwechselbar ist sein langgestreckter, seitlich nur wenig zusammengedrückter Körper. Rücken- und Afterflosse sind weit nach hinten verschoben im Vergleich zu anderen Fischarten.
Hechte haben einen langgestreckten Kopf mit einem flachen, entenschnabelförmigen Maul. Dieses ist äusserst weit und mit zahlreichen grossen Zähnen versehen. Die Färbung des Hechts kann je nach Aufenthaltsort und Alter variieren: Einjährige Fische aus der verkrauteten Uferregion können grünlich gefärbt sein („Grashechte“), ältere, grössere Individuen aus den Brackwasserregionen bräunlich bis gelblich mit oft auch grauen Farbtönen.
Meister der Jagd
Der Hecht frisst Fische, Wasservögel, Schlangen und Säugetiere wie Ratten und Mäuse und auch vor seinen Artgenossen macht er nicht halt. Kannibalismus unter Hechten scheint dabei eine Funktion zur Regulierung des Hechtbestands zu haben. Als Raubfisch macht er so seinem Namen alle Ehre.
Mit seinem aggressiven und kämpferischen Verhalten ist er als Zuchtfisch nicht eignet. Bewegungslos lauert er in Ufernähe oder Unterwasserstrukturen in den Gewässern seiner Beute auf und ergreift sie dann pfeilschnell und mit immenser Beschleunigung mit seinem kräftigen Kiefer.
Besonders in Schilfgürteln versteckt er sich gerne. Er gilt als Einzelgänger und seine Feinde werden mit zunehmender Grösse rar.
Hechte nehmen als grosse Räuber an der Spitze der Nahrungskette eine wichtige Rolle im Ökosystem war und regulieren teilweise durch ein artselektives Beutespektrum die Bestände bestimmter Fischarten. Im Normalfall sind Hechte jedoch sogenannte Opportunisten und fressen, was sie am einfachsten erlangen können.
Fortpflanzung/Lebensräume
Stille und krautreiche Gewässer, typischerweise Überschwemmungsbereiche, sucht der Hecht im Frühling zum Laichen auf. Sobald die Wassertemperatur auf über 5°C ansteigt, finden sich die Hechte zum Paarungsritual ein. Die Männchen kämpfen mit Stössen und Bissen oft heftig um die Weibchen. Die Weibchen legen ihre Eier als Haftlaicher an Wasserpflanzen. Ein Weibchen produziert ungefähr 40.000 Eier/kg Körpergewicht. Diese haben einen Durchmesser von 2-3 mm. Die nach 10-30 Tagen geschlüpften Jungfische stellen ihre Nahrung bereits ab einer Grösse von 2-4 cm von Kleinstlebewesen auf Jungfische um.
Wiesen, die im Frühling überflutet sind, Flussauen, aber auch die Flachwasserzonen und Überschwemmungsbereiche unserer grossen Seen sind für das Laichgeschäft des Hechtes besonders wichtig. Durch Trockenlegung von Wiesen und Regulierungsmassnahmen, die regelmässige Überschwemmungen verhindern, sind gute Laichplätze selten geworden. Hinzu kommt der Verlust an Lebensraum durch Verbauung und Begradigung der meisten See- und Flussufer.
Wenn Gewässerufer und Auen renaturiert oder in einen naturnahen Zustand zurückgeführt werden, dienen sie auch dem Hecht als attraktiver Lebensraum und Laichplatz. Damit wird nicht nur der Bestand dieses eindrucksvollen Fisches gesichert, sondern auch der Lebensraum vieler weiterer Tier- und Pflanzenarten verbessert.
Laichgeschäft
In diesem Video von Matthias Meyer wurden die Hechte auf frischer Tat beim Laichgeschäft ertappt:
Fischerei & Kulinarik
Der Hecht ist ein attraktiver Fisch sowohl für die Berufsfischerei als auch für die Freizeitfischerei. Wenn die Fangzahlen der Berufs- und Freizeitfischer der letzten zwanzig Jahre verglichen werden, fällt auf, dass einerseits die Berufsfischer und Freizeitfischer ungefähr gleich viel fangen und andererseits, dass die Fangerträge über die Jahre hinweg mehr oder weniger konstant bleiben. Diese Fangzahlen untermauern die Tatsache, dass der Hecht eine der nicht gefährdeten Fischarten der Schweiz ist. Damit gehört er leider zu einer Minderheit.
Drei Viertel aller anderen Fischarten sind bereits ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder gefährdet und sind auf unsere Hilfe angewiesen, auch in Zukunft.
Als Schweizer Allzeit-Rekord wurde dem Petri Heil ein Hecht von 137cm und 33kg aus dem Luganersee gemeldet, Eros Pelli konnte diesen Prachtsfisch 2003 mit einem Wobbler fangen.
Wegen seines mageren, hellen und sehr aromatischen Fleisches zählt der Hecht seit jeher in fast allen Verbreitungsgebieten zu den wertvollen Speisefischen. In der Schweizer Küche gehören «Hechtknusperli», «Hecht gebraten» oder «Hechtfilet Müllerinnenart» zu den Klassikern und in manch einem Restaurant am See erhält man den Fisch fangfrisch. Vor allem auch in der gehobenen Gastronomie werden die vielseitigen Verarbeitungsmöglichkeiten des Hechtes geschätzt.
Charakteristisch für den Hecht sind seine fest im Fleisch verankerten Y-Gräten. Das ist auch der Grund, weshalb Hechtfleisch häufig zu Fischfarce (z. B. Hechtburger oder Hechtklösschen) verarbeitet wird. Es gibt aber auch die Möglichkeiten, die Filets vom Hecht grätenfrei abzulösen. In folgendem Video wird dies ausführlich beschrieben:
Alltägliches
Nicht nur Fischerinnen sprechen über den Hecht, der Hecht ist ein Bestandteil unseres Alltags und unserer Sprache:
- „Ein toller Hecht zu sein“ bedeutet, man ist erfolgreich, gewieft und wird bewundert. Ursprünglich wurde “Hecht” für eine männliche, grobe Person bezeichnet, der “echte” Hecht ist ein ziemlich aggressiver Raubfisch, was es auch so schwer macht, ihn zu züchten. Über die Zeit wurde “Hecht” dann allgemeiner für “Mann” oder “Kerl” verwendet.
- Wie ein „Hecht im Karpfenteich“, so bezeichnet man unruhige oder ungeliebte Zeitgenossen. Das kommt nicht von ungefähr, denn der Hecht ist alles andere als ein stilles Wässerchen.
- Eine der momentan erfolgreichsten Mundartbands der Schweiz nennt sich „Hecht“ und füllt, sozusagen in Petris Namen, die Konzertsääle (auch das Hallenstadion haben sie schon ausverkauft) hierzulande. www.hechtimnetz.ch
- Unter dem Projektnamen „Koeder“ trägt Michael Glauser den Hecht in die ganze weite Welt hinaus. Wetten du hast ihn auch schon gesehen? www.koeder.ch