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08.09.2023 -
Um ein erfolgreicher Anleger zu sein, braucht es neben Wissen vor allem Disziplin. Einige Gedanken zur Börse – von Charles T. Munger.
Wenn Sie der beste Tennisspieler der Welt sein möchten, werden Sie es womöglich eine Weile versuchen – und feststellen, dass die Sache aussichtslos ist. Dass andere besser sind, weil sie mehr Talent haben.
Wenn Sie aber der beste Klempner in Bemidji* werden wollen, ist das wahrscheinlich für zwei Drittel von Ihnen machbar. Sie brauchen Willen und Intelligenz, vor allem aber Disziplin. Nach einer Weile werden Sie alles über das Klempnerhandwerk erlernt haben und beherrschen.
Worauf ich hinauswill: Auch wenn Sie niemals ein grosses Tennisturnier gewinnen werden, können Menschen sehr viel erreichen, indem sie sich Kompetenzen aneignen, ihr Wissen erweitern und sich so Wettbewerbsvorteile verschaffen.
Die Schule des Lebens besteht darin, ein guter Klempner in Bemidji zu sein. Nur wenige Menschen sind dagegen auserwählt, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen.
Ganz ähnlich verhält es sich bei der Geldanlage. Ich möchte mich nicht mit Schwellenländer-Investments oder komplizierten Arbitragegeschäften beschäftigen. Mir geht es um die Auswahl von Aktien normaler Unternehmen. Und glauben Sie mir, das ist schwierig genug.
Was ist die Natur des Aktienmarktes? Viele Jahre nach meinem Abschluss an der Universität wurde die Theorie des effizienten Marktes zum absoluten Renner. Niemand könne besser sein als der Markt. Die Lehrbücher sind seither voll davon.
Viel interessanter ist aber, dass einer der grössten Wirtschaftswissenschaftler der Welt ein bedeutender Aktionär von Berkshire Hathaway ist. Während er Studierende lehrte, der Aktienmarkt sei vollkommen effizient, floss sein eigenes Geld in Berkshire – und er wurde reich.
Ist der Aktienmarkt tatsächlich so effizient, dass ihn niemand schlagen kann? Ja und nein. Der Markt ist teils effizient und teils ineffizient. Es braucht Intelligenz und vor allem Disziplin, um ihn über einen langen Zeitraum schlagen zu können. Per definitionem kann das nicht jeder. Die eiserne Regel des Lebens lautet, dass nur 20 Prozent der Menschen zu den besten fünf gehören können. So ist es nun einmal.
Ich halte diejenigen, die die Theorie des effizienten Marktes bis zum Äußersten getrieben haben, für „Spinner“. Die Theorie ist etwas für Menschen mit grosser mathematischer Begabung – weil sich schöne Mathematik mit ihr betreiben lässt. Das Problem ist aber, dass die Grundannahmen nicht vollends mit der Realität übereinstimmen. Aber für einen Mann mit einem Hammer sieht jedes Problem wie ein Nagel aus ...
Als ich jung war, habe ich mit einem Mann gepokert, der seinen Lebensunterhalt ausschliesslich mit Wetten auf Trabrennen verdient hat. Die Trabrennbahn ist ein relativ ineffizienter Markt. Dort ist nicht so viel „Intelligenz“ versammelt wie bei normalen Rennen.
Für meinen Poker-Kumpel waren die Wetten der Hauptverdienst. Er wettete nicht sonderlich oft, aber er verdiente, nach Abzug der Nebenkosten, ein beträchtliches Vermögen damit. Zugegeben, sein Beispiel ist eher die Ausnahme, nicht die Regel.
Aber wenn der Markt nicht vollkommen effizient ist, dann wird es immer Menschen geben, die mit Scharfsinn und Fanatismus deutlich bessere Ergebnisse erzielen als andere.
Auf dem Aktienmarkt ist es genauso. Wer die Kosten begrenzt, weil er auf die richtigen Gelegenheiten wartet und deshalb nicht zu aktiv handelt, vergrössert die Chance, überdurchschnittlich gut abzuschneiden. Das braucht Disziplin!
Kurzum: Das, was erfolgreiche „Pferdewettspieler“ und Aktienanleger verbindet, ist – sie „wetten“ sehr selten.
*Bemidji ist eine Stadt und Verwaltungssitz des Beltrami County im Norden des US-amerikanischen Bundesstaates Minnesota. Sie hat rund 15.000 Einwohner.
Charles Thomas Munger (geboren am 1. Januar 1924) ist ein amerikanischer Investor, Geschäftsmann und Philanthrop. Er ist stellvertretender Vorsitzender von Berkshire Hathaway und Warren Buffetts enger Vertrauter. Wie Buffett wurde Munger in Omaha, Nebraska geboren. Nach einem Studium an der University of Michigan wurde er zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs Meteorologe bei der US-Army. Im Jahr 1948 machte er seinen Abschluss an der Harvard Law School. Elf Jahre später lernte er Warren Buffett auf einer Dinnerparty kennen. Als erfolgreiche Value-Investoren gelten sie vielen Anlegern weltweit als Vorbild. Der vorliegende Beitrag ist ein kleiner Ausschnitt aus einer Rede „Charlies“ vor der USC Marshall School of Business, den er uns autorisiert hat. Der Beitrag stammt aus dem Magazin „Position“, dass Sie hier kostenfrei abonnieren können.