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Brusio: Private Sammlung bald als öffentliches Museum?
Meistens waren die ersten sesshaften Bewohner einer Gegend Bauern. Die Val Poschiavo wurde schon in vorrömischer Zeit, vermutlich aus dem Süden, besiedelt. Die Landwirtschaft und die Viehzucht blieben bis fast in die Gegenwart die einzigen Säulen der lokalen Wirtschaft. Mit viel Geduld und Ausdauer hat mein Grossvater, Romerio Zala (1903–1984), unzählige Utensilien der Vorfahren gesammelt. Seine Mühe hat sich gelohnt: das gesammelte bäuerliche Erbgut besteht jetzt aus etwa 350 Exponaten. Fast alle Geräte und Utensilien, welche von den früheren Bauerngenerationen von Brusio täglich verwendet wurden, sind vertreten: von der Ahle bis zur Getreideschwinge, um nur das kleinste und das grösste Stück zu erwähnen, das die Sammlung zeigt. Leider können aus Platzmangel keine landwirtschaftlichen Wagen und grössere Maschinen ausgestellt werden. Die Geräte zeigen sowohl die Härte des Kampfes um die bäuerliche Existenz, wie aber auch die naturgemässere Lebensweise der Vorfahren.
Das Haus der Familie Zala bildet dem «privaten Museum» einen passenden Rahmen. Es ergänzt die Sammlung mit Möbeln, Gemälden und Dokumenten. Ich weise hier auf die sehr schöne Truhe aus dem Jahre 1661 hin. Und die Gemäldesammlung zeigt ein doch recht breites Spektrum des Schaffens einheimischer Maler, wie zum Beispiel Ponziano Togni (1906–1971), Fernando Lardelli (1911–1986), Paolo Pola (*1942) oder mein Onkel, Lorenzo Zala (*1932).
Das alte Gemeindehaus von Brusio, Casa Besta genannt, mit sehr schön getäfelten alten Räumen ist schon seit Jahren als Museum vorgesehen. Es stellt sich nun die Frage, ob die Sammlung von Romerio Zala nicht von der Gemeinde übernommen und dann auch mit grösseren Stücken ausgebaut werden könnte.
Reto Kromer
Dieser Artikel ist am 17. Mai 1983 in der Bündner Zeitung (Chur) erschienen.
2019–08–03