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Süden im Winter noch nie so mild und trocken
Seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahr 1864 war der meteorologische Winter auf der Alpensüdseite noch nie gleichzeitig so mild und trocken wie in diesem Jahr. In diesem Blog beleuchten wir diese ganz besondere Jahreszeit aus klimatologischer Perspektive.
Die langen homogenen Messreihen des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz erlauben es, den klimatologischen Trend von Grössen wie Temperatur und Niederschlag im Winter seit Messbeginn 1864 zu analysieren. Obwohl noch einige Tage bis zum Ende des meteorologischen Winters, der die Monate Dezember, Januar und Februar umfasst, verbleiben, können wir unter Berücksichtigung der Prognosen für die kommenden Tage bereits erste Rückschlüsse auf die zu Ende gehende Saison ziehen und sie klimatologisch einordnen, also mit der Norm vergleichen und in den Kontext der langjährigen Entwicklung stellen.
Südlich der Alpen dürfte die Durchschnittstemperatur der laufenden Wintersaison etwa um 1,8 °C höher als die Norm 1991-2020 liegen (Rang 5, Stand: 22. Februar 2022). Die Niederschlagssumme wird voraussichtlich weniger als ein Viertel (ca. 22 %, Rang 4 der trockensten Winter, Stand: 22. Februar 2022) des Normwerts betragen. Bislang wurde auf der Alpensüdseite noch nie eine gleichzeitig so milde und trockene Wintersaison verzeichnet.
Die nachstehende Grafik zeigt dies deutlich. Auf der x-Achse ist der Gesamtniederschlag im Winter aufgetragen, auf der y-Achse die saisonale Durchschnittstemperatur. Beide Grössen sind im Verhältnis zur Norm 1991-2020 dargestellt. Jeder einzelne Punkt repräsentiert eine Wintersaison von 1864 bis heute. Die Punkte im gelben Quadrant (oben rechts) des Diagramms bezeichnen Winter, in denen die Niederschläge reichlicher und die Temperaturen milder waren als im Durchschnitt 1991-2020; die Punkte im blauen Quadrant bezeichnen Winter, die kälter und niederschlagsreicher waren als normal (unten rechts). Die Winter, die kälter und trockener als normal waren, sind im weissen Quadrant dargestellt (unten links), während die Winter, die milder und trockener als die Norm 1991-2020 waren, in den roten Quadranten fallen (oben links). Der Winter 2021/22 ist in der Grafik rot eingekreist. Er liegt relativ weit ausserhalb der Punktwolke aller früheren Jahre: Südlich der Alpen war eine Kombination aus so hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen während der Wintersaison noch nie aufgetreten.
Mit einer Temperaturanomalie von mehr als 2 °C gegenüber der Norm 1991-2020 war der mildeste Winter in der langen Reihe 2006/07, allerdings mit etwas mehr Niederschlag als üblich. Der kälteste Winter war dagegen 1894/95 mit einer Anomalie von mehr als 4 °C unter der Norm und leicht unterdurchschnittlichen Niederschlägen. Der Winter 2013/14 war mit Abstand der niederschlagsreichste und wies eine saisonale Durchschnittstemperatur auf, die etwa 1 °C über dem Normalwert lag. Am niederschlagsärmsten war dagegen der Winter 1980/81, in dem nur 3 % der normalen Niederschlagsmenge gemessen wurde.
Wie die Grafik deutlich zeigt, gab es in der Vergangenheit noch nie einen Winter mit einer Durchschnittstemperatur von 1 °C über der Norm und weniger als der Hälfte des durchschnittlichen Niederschlags. In der zu Ende gehenden Wintersaison war dies jedoch der Fall, was vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen ist: Anhaltende Hochdruck-Bedingungen mit sehr milder Luft in höheren Lagen, die vor allem in den Bergen zu milden Temperaturen beitrugen, und viele Tage mit Nordföhn, die die Temperaturen auch in tiefer gelegenen Gebieten ansteigen liessen.