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Sich auf gleicher Augenhöhe mit anderen zu bewegen, ist eine Notwendigkeit für eine partnerschaftliche und teamübergreifende Zusammenarbeit. Egoismen, wie sie auf jeder Ebene, persönlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich zu finden sind, torpedieren eine vernünftige, zeitgemässe Kooperation.
Egoismus ist das Streben nach Erlangung von Vorteilen für die eigene Person, nach Erfüllung der die eigene Person betreffenden Wünsche ohne Rücksicht auf die Ansprüche anderer. Ein Leader tut gut daran, sich selbst und seine Mitarbeiter auf offensichtliche und versteckte Egoismen zu untersuchen und zu kennen. Eine Zusammenarbeit im Team und ganz sicher auch teamübergreifend scheitert, wenn der Egoismus Einzelner überhandnimmt. Es ist die Aufgabe von allen Beteiligten in einem Projekt und in Arbeitsgruppen einzugreifen, wenn rücksichtsloses Verhalten, Gartendenken und gar Raffgier entstehen. Bei der Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe kann nicht der Einzelne seine eigene Handlungsmaxime über diejenige der anderen stellen. In diesem Sinn ist Egoismus das Gegenteil von Solidarität. Dieses sich über andere stellen ist ein Teil unserer westlichen Kultur, was nicht heisst, dass es richtig ist. Es heisst lediglich, dass wir uns daran gewöhnt haben, dass es sich so verhält. Egoismus ist ein wesentlicher Teil des alten wirtschaftlichen Paradigmas, das sich beispielsweise in Aussagen wie «America First» niederschlägt. Unsere Gesellschaften sind tief gespalten und die Welt verändert sich. Jonas Schaible hat in einem Essay für «die Zeit» den aktuellen Zustand zwischen Alt und Neu hervorragend beschrieben. Westliche Gesellschaften rücken nicht geschlossen nach rechts, wie es den Anschein haben könnte, obschon die politische Situation beispielsweise in Ungarn, Italien, Polen oder Brasilien genau dies zu wiederspiegeln scheint. Es gibt auch grosse Teile der Gesellschaften, die sich im Gegenteil, öffnen, diese werden pluraler, liberaler und selbstverständlich unterschiedlicher. Wie zeigt sich diese Offenheit auf der gesellschaftlichen Ebene?
- 1997 übernahm zum ersten Mal eine Frau das US-Aussenministerium
- 2001 regierte der erste offen schwule Mann ein deutsches Bundesland
- 2005 wurde die erste Frau deutsche Kanzlerin
- 2008 wurde der erste schwarze Präsident in Amerika gewählt
- 2015 ist der kanadische Premierminister bekennender Feminist
- 2016 wurde ein Moslem Bürgermeister von London
- …
Bereits in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 wurde festgehalten, dass alle Menschen gleiche Rechte haben sollen. Dies entspricht der Notwendigkeit, auf gleicher Augenhöhe mit unseren Mitmenschen zu agieren. Offensichtlich gibt es noch immer viel zu tun, sowohl auf der persönlichen wie auch auf der gesellschaftlichen Ebene. Mit dem aktuellen Wandel ist es nicht mehr ethisch vertretbar, dass der Norden den Süden der Welt ausnutzt. Es ist nicht mehr richtig, dass ein Mann einer Frau auf den Hintern klopft. Mitarbeiter heissen jetzt auch Mitarbeiterinnen. Christen sind nicht die besseren Menschen und Vorgesetzte machen auch Fehler.
Dieser Wandel prägt zurzeit nicht nur die Politik in hier die «alten weissen Männer», die ihre Werte verteidigen und dort die bunten, netten und weltoffenen Vertreter einer neuen Offenheit, die ihre Vision von einer neuen Welt durchsetzen wollen. Auf der ganzen demokratischen Welt zeigt sich dies in Abstimmungsresultaten, die annährend unentschieden ausfallen. Denken Sie an die Brexit-Abstimmung im Vereinigten Königreich, an die Präsidentschaftswahl in den USA oder für die Schweizer an die Masseneinwanderungsinitiative. Dieser Spalt zeigt sich auch auf der Ebene der Zusammenarbeit von Teams, insbesondere bei teamübergreifenden Projekten der Zusammenarbeit. Was eben noch selbstverständlich gewesen ist, dass einem der Vorgesetzte klare Anweisung gibt, dass man am Morgen weiss, was man tagsüber zu tun hat und dass man Ende des Jahres einen Bonus erhalten wird, ist nicht mehr ein Naturgesetz. Die Grenzen zwischen Abteilungen, zwischen Unternehmungen und zwischen Ländern verlieren an Bedeutung. Dieser Bruch, dieser Einschnitt ins Gewohnte zwingt uns, wachsam und offen zu sein für das gerade Entstehende. Dabei geht es nicht darum, dass es keine Führung mehr geben wird oder dass nur noch agil gearbeitet werden soll, aber die Trennung zwischen so war es früher richtig und so ist es heute besser, löst sich auf. Wir müssen uns neu aufstellen und die Selbstverständlichkeit von alten Privilegien überdenken. Das löst, wie dies Neues immer tut, Angst aus.
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