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Die Herrschaft E. bildete sich im 13. Jh. aus dem ausgedehnten Besitz der Frh. von Tengen an Gütern und Rechten: von Laufen am Rheinfall bis nach Küsnacht am Zürichsee, vom Klettgau bis an Töss und Glatt. Nach der Gesamthand von Konrad I. und Heinrich II. erfolgte um 1275 die Teilung: An Konrad II. und seine Nachkommen fiel die Herrschaft E. mit Glattfelden, Rafz, Wil (ZH), Bülach, Dübendorf und Bassersdorf. Aufwendiger Lebensstil zwang im 14. Jh. zu massiven Verkäufen (u.a. Bülach 1386). Ks. Karl IV. verlieh E. 1359 die Reichsfreiheit mit Blutbann. Als Gegenleistung mussten die Frh. von Tengen einen Dienst- und Soldvertrag mit Ehzg. Rudolf IV. von Österreich eingehen, die Stadt für durchziehende Truppen öffnen und 1386 Hilfstruppen gegen die Eidgenossen entsenden. 1422 wurde Johan IV. von Tengen in den Grafenstand erhoben und mit der Grafschaft Nellenburg belehnt. Im Alten Zürichkrieg liess Gf. Johan V. 16 eidg. Knechte hinrichten, 1455 überfiel er Bürger des mit Zürich befreundeten Strassburg. In der Folge eroberte Zürich Schloss und Stadt E.; Johan verkaufte die Herrschaft seinem Schwager Markwart von Baldegg, der sie über einen Scheinvertrag mit Zürich 1463 dem steirischen Frh. Bernhard Gradner veräusserte. Dieser wurde Zürcher Bürger und stellte im Burgunderkrieg bei Murten eine Hilfstruppe. Sein Neffe Hanns verkaufte 1496 die Herrschaft an Zürich. Die neu konstituierte zürcher. Landvogtei E. umfasste die gleichnamige Landstadt, Glattfelden, Wil (ZH), Rafz, Hüntwangen und Wasterkingen. Im Rafzerfeld hatte Zürich nur die niedere Gerichtsbarkeit inne und erwarb die vollen Hoheitsrechte erst 1650 von den Gf. von Sulz. Zwischen 1497 und 1798 residierten im Schloss E. 57 Ober- und Landvögte als Regierungsstatthalter nach Weisungen des Zürcher Bürgermeisters und Kl. Rats. Sie waren verantwortlich für Abgaben und Zölle, Inhaber der Polizei- und Militärgewalt, der niederen Gerichtsbarkeit, zusammen mit dem Pfarrherrn Sittenrichter. Die Amtsdauer betrug drei, ab 1542 sechs Jahre. Wählbar waren nur Mitglieder eines der beiden Zürcher Räte. Gehilfen waren der Amtsuntervogt und die Gemeindevögte, Landschreiber, Zoller und Weibel. Rund 80% der Zollerträge der Zürcher Landschaft stammten vom Eglisauer Zoll. Letzter Landvogt war Salomon Landolt. Die Helvet. Regierung unterstellte die Landvogtei dem Distrikt Bülach (ab 1831 Bez. Bülach).
Literatur
– F. Lamprecht, M. König, E., 1992
Autorin/Autor: Franz Lamprecht