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Mehrere tausend Personen haben sich am Wochenende zum traditionsreichen Fest des jurassischen Volkes in der Kantonshauptstadt Delsberg versammelt.
Sie zeigten sich überzeugt davon, dass mit dem Gesetz "Un seul Jura", das im April vom Parlament verabschiedet worden war, eine neue Epoche auf dem Weg zur definitiven Lösung der Jurafrage eingeleitet worden ist.
In Delsberg sprach der Präsident des "Mouvement autonomiste Jurassien" (MAJ), Christian Vaquin, von einem erfolgreichen Jahr für die Autonomisten.
Die Verabschiedung des Gesetzes über die Vereinigung des Juras im vergangenen Frühling sei ein historischer Sieg gewesen und gebe im Hinblick auf weitere Lösungsansätze in der Jurafrage nun wieder neuen Elan.
Es sei nun Aufgabe der interjurassischen Versammlung (AIJ), eine Studie über die künftige politische Einheit im Jura mit den sechs Distrikten zu erarbeiten und dann - bis in zwei Jahren - der Regierung des heutigen Kantons Jura einen Vorschlag für einen "einzigen Jura" zu unterbreiten.
Über die zu erwartenden Widerstände im Berner Jura dürfe man sich allerdings schon heute keine Illusionen machen, sagte Vaquin.
Berner Jura dagegen
Die Studie war Ende August von der Interjurassischen Versammlung in Angriff genommen worden. Sie ist gedacht als möglicherweise entscheidender Beitrag zur Lösung der Jurafrage.
Geprüft wird jedoch nicht nur ein Zusammenschluss von Jura und Berner Jura, sondern auch ein Sonderstatus für den Berner Jura. Im August 2008 will die AIJ ihre Schlussfolgerungen vorlegen.
Im Berner Jura sind die Regierungsparteien geschlossen dagegen. Einzig die separatistische "Parti socialiste autonome" befürwortet einen neuen, grösseren Kanton.
Die berntreue Force démocratique hatte schon zu Beginn die Studie zu einem Jura mit sechs Bezirken heftig kritisiert. Sie zweifelt die Legitimität dieser Studie an.
Umstrittene Initiative
Im Zentrum des Konflikts steht die jurassische Volksinitiative "Un seul Jura". Sie wurde am 26. April 2006 vom jurassischen Kantonsparlament angenommen und verlangt die Schaffung eines vereinigten Kantons Jura auf politischem Wege.
Diese Initiative verstosse zwar gegen Bundesrecht und gefährde den mühsam aufgebauten Frieden zwischen den Kantonen, sagen Experten.
Das jurassische Parlament will die Übung aber trotzdem durchziehen. Um aus dem Dilemma herauszukommen, haben die beiden Kantonsregierungen einen Kompromiss gesucht und gefunden.
Nicht die Jurassier allein sollen ein Wiedervereinigungs-Angebot ausarbeiten, sondern die paritätische AIJ soll innerhalb von zwei Jahren verschiedene Szenarien für die Zukunft der Region prüfen.
Darbellay: Zentrale Rolle liegt beim Bund
Doch am Fest des jurassischen Volkes fordert der MAJ nun erneut die Behörden und Parteien auf, die Bevölkerung zu informieren. Der Zusammenschluss des Kantons
Jura mit dem Berner Jura könne sich nur vollziehen, wenn diese die Initiative ergreifen würden, sagte Vaquin.
Es sei auch möglich, dass "Un seul Jura" schnell vergessen gehe oder dass ein Zusammenschluss vom Kanton Bern verweigert werde. In diesem Fall müssten die bernjurassischen Gemeinden den Anschluss an den Kanton Jura fordern.
Der Kanton Jura müsse sich in einem solchen Fall bereit erklären, bernjurassische Gemeinden in den Kanton aufzunehmen. Maxime Zuber, der autonomistische Stadtpräsident von Moutier, das zum Kanton Bern gehört aber über eine pro- jurassische Mehrheit verfügt, hatte ein solches Szenario bereits mehrmals skizziert.
Am Fest des jurassischen Volkes war auch der neue Präsident der CVP Schweiz, Christophe Darbellay, als Redner geladen. Er ist der erste Parteipräsident, der an dieses traditionelle Fest eingeladen wurde.
Laut Darbellay kommt dem Bund in der Jurafrage die zentrale Rolle zu. Im Le Matin dimanche sagte er, die neuen Perspektiven liessen die Hoffnung auf eine "Entwicklung im Sinne der Wiederherstellung der Einheit des Juras" aufkommen.
swissinfo und Agenturen
Daten zur Geschichte der Jurafrage
1815: Anlässlich des Wiener Kongresses wird der Jura dem Kanton Bern zugeteilt. Seit 1793 war dieser Teil des Fürst-Bistums Basel ein französisches Departement.
1950: Das Stimmvolk des Kantons Bern sagt Ja zu einer Verfassungsänderung. Französisch wird zweite Amtssprache, die jurassischen Bezirke erhalten zwei garantierte Sitze in der Kantonsregierung.
1974: Das jurassische Volk entscheidet sich für einen eigenen Kanton. Die drei südlichen und protestantischen Bezirke bleiben beim Kanton Bern, das Laufental wechselt zum Kanton Basel-Land.
1978: Das Schweizer Stimmvolk spricht sich für die Gründung eines neuen Kantons aus. Er besteht aus drei Bezirken und ist mehrheitlich katholisch.