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«Zwei Gummibärli, bitte!» Ich schreie den Typ hinter der Bar an, damit er mich versteht. Er nickt wissend und holt den grünen Wodka und das Redbull hervor. «10 Franken», schreit er zurück. Ich gebe ihm zwei Foifliber und tänzle zurück zu meinen Freunden.
Diese Szene spielt in einer Disco auf dem Land. Irgendwann, Ende 2000er.
Hätte sich mein junges, wildes, sexyes Ich an diesem Abend entschieden, nach Zürich in den Ausgang zu gehen, hätte sich das so abgespielt:
«Zwei Gummibärli, bitte!» Der Barkeeper schaut mich fragend und ein bisschen mitleidig an. «Vodka mit Redbull», präzisiere ich. Jetzt kommt er draus. «36 Franken», sagt er, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich zücke mein Portemonnaie.
Wenn du auf dem Land deine Jugendjahre verbringst, hast du am Samstagabend zwei Optionen: Entweder du nimmst den Zug in die Stadt, oder du bleibst im Dorf. Party machen kannst du an beiden Orten (weil es ja überall, wo du bist, total abgeht – das denkst jedenfalls du, 16 Jahre alt und grössenwahnsinnig.) Meistens wurde die Entscheidung Tage zuvor in der Gruppe gefällt. Denn eins war klar: Zwischen dem Ausgang auf dem Land und dem in der Stadt liegen Welten.
In unserem Dorf hatten wir einen Club. Er hiess dementsprechend «de Club». Kein Witz, das war der offizielle Name. Es gab eine Zeit, in der das Lokal boomte. Da legte sogar der noch unbekannte DJ Bobo dort auf. Das habe ich jedenfalls gehört.
Als ich selber endlich alt genug war, um in «de Club» zu gehen, erlebte er seine letzten Zuckungen vor dem Sterben. Es waren grandiose Nächte. Viel Platz zum Tanzen, wir kannten fast jeden Türsteher, einmal umfallen, und ich war zu Hause. Wir besuchten den Club auch noch, als er längst anders hiess und oft menschenleer war. Als dann innerhalb eines Jahres «Revolution», «Magnet» und «Z1» auf dem Schild über dem Eingang stand, gestanden wir uns ein, dass die Club-Zeiten vorbei waren.
Älter und weiser geworden, besuchten wir fortan nur noch Discos in Zürich. Die Musik war besser, die Tanzflächen grösser, die Anonymität verlockend. Mit unserem Stamm-Taxifahrer bestritten wir jeweils für pauschal 100 Franken die Heimfahrt – bis er eines Nachts am Steuer eindöste und wir seine Nummer sofort von unseren Handys löschten. (Ahmet, falls du das liest: Ich hoffe echt, das ist dir nie wieder passiert!)
Heute habe ich Uber auf dem Smartphone. Und manchmal, wenn ich im Zürcher «Hive» an meinem Moscow Mule nippe, die elektronischen Klänge in meinen Gehörgang dringen, jemand neben mir ein Selfie mit einem lebensgrossen Einhorn schiesst, denke ich wehmütig an «de Club» zurück. Nur diese ekligen Gummibärli vermisse ich nicht.