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Spiicher
[Speicher, Vorratsraum]
Das Korn wird in einem eigens dazu erstellten Bau aufbewahrt, dem Speicher, der, stehe er im Dorf oder in einem den Speichern reservierten Dorfteil, vor allem vor Feuersgefahr sicher sein soll.
Speicher, typisiertes Beispiel:
a) Grundriss, b) Querschnitt, c) von vorne, d) linke Traufseite; Quelle: Zeugen...
Auf dieser Abbildung sehen wir einen Speicher mit nicht weniger als fünf Türen, d.h. in diesem Gebäude lagern die Vorräte von fünf verschiedenen Familien. Foto: Volmar Schmid
Spiicher
Das Korn wird in einem eigens dazu erstellten Bau aufbewahrt, dem Speicher, der, stehe er im Dorf oder in einem den Speichern reservierten Dorfteil, vor allem vor Feuersgefahr sicher sein soll.
Der Inhalt des Speichers soll wie derjenige des Stadels besonders vor Bodenfeuchtigkeit und Nagetieren bewahrt werden, weshalb für beide dieselbe Stelzenkonstruktion gewählt wird. Der stets kleinere Speicherbau weist vier bis sechs hölzerne Stelzen mit Mäuseplatten auf. Wenn er ein Untergeschoss besitzt, wird dieses als Keller oder bei einer Holzkonstruktion als Lagerraum, aber nie als eigentlicher Stall benützt (Für Schmalvieh wird hin und wieder eine Ausnahme gemacht). Der Speicherraum ist im Gegensatz zum Stadel, wo man es gerne sieht, wenn die Luft durchstreichen kann, ganz sorgfältig als Kantholzblock mit Vorstössen errichtet, damit weder Ungeziefer noch Feuchtigkeit eindringen können.
Der Speicher ist ausser dem Wohnhaus der gepflegteste Bau unserer Mehrhausbau-Gegend. Er wurde nicht nur in der besten Holzbautechnik ausgeführt, sondern auch geschmückt und nach örtlichem Geschmack abgewandelt, sodass sich von Ort zu Ort recht verschieden gebaute Speicher finden.
Wir verweisen hier auf drei seltene Abarten : die ganz aus Mauerwerk bestehenden Speicher, wie man sie zum Beispiel im Bagnestal (Abb. 34 c), aber auch anderswo findet ; die stelzenlosen Blockbauspeicher des Goms (Abb. 34 f) und die auf gemauerten Stelzen erbauten Blockbauspeicher der Vispertäler.
Das Innere des Speichers, bestehe er aus einem einzigen Raum oder sei er in mehrere Abteile verschiedener Besitzer (je mit eigenem Eingang) unterteilt (Abb. 34 a-b), ist immer mit festen Truhen ausgestattet, in denen man das Korn aufbewahrt. Da und dort ist ein kleines Fach für Mehl abgeteilt. Ausser dem Korn wurde aber früher viel kostbares Gut aufbewahrt : in kleinen Truhen geborgenes Geld und Dokumente, an den Wänden aufgehängte Sonn- und Festtagskleider, Trachten, aber auch der auf senkrechten Brotleitern gestapelte Brotvorrat (manchmal auch auf waagrechten Brotleitern), Dörrobst und Trockenfleisch.
Da der Speicher früher den wertvollsten Besitz der Familie barg, war er mit gut schliessenden Türen und festen Schlössern versehen.
Quelle:
- Zeugen der Vergangenheit im Wallis von heute. (Maiarbeiter der französischen Originalfassung Dr. Roae-Claire Schüle und Dr. Walter Ruppen übertrugen den Text ins Deutsche).
- Staat Wallis (DEKS), Sitten, 1975, S. 56 f.
- Vgl auch [Id. 10/30,a; SDS, VII23ff, Anderegg, 120f.; Zeugen, 57; Sandoz, 11ff.;W. 3339; Gr. 17
- Schmid Volmar, 8. März 2008