Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03159.jsonl.gz/1368

Inhalt:
Janeway besucht wieder einmal Da Vinci auf dem Holodeck. DaVinci ist außer sich. Bei dem Versuch, ein neu konstruiertes Fluggerät auszuprobieren, ist er unter dem Gespött der Zuschauer mit Janeway in den Fluß gestürzt.
Plötzlich wird die Voyager von Piraten angegriffen wird. Mit Hochenergie-Transportern stehlen die Fremden mehrere technische Geräte der Voyager, darunter der Hauptprozessor und der Emitter des Doktors.
Die Crew verfolgt die Diebe zu einem Planeten. Auf der Oberfläche wird Janeway von Da Vinci gegrüßt. Er trägt den Emitter des Doktors und hält die fremdartige Umgebung für Amerika. Da Vinci arbeitet nun für Tau, dem Anführer der Diebe. Da Vinci glaubt, Tau sei sein neuer Mäzen. Mit Da Vincis Hilfe kann Janeway Tau überwältigen und den Computer in einer Lagerhalle auffinden. Sie deaktiviert das Schutzfeld, das den Prozessor umgibt, und läßt das Gerät auf die Voyager zurückbeamen. Da die Voyager angegriffen wird, befiehlt Chakotay den Rückzug, bevor auch Janeway in Sicherheit transportiert werden kann. Doch Janeway gelingt es, mit Hilfe von Da Vincis Flugmaschine den Verfolgern zu entkommen.
Da Vinci entschließt sich, Italien zu verlassen und nach Frankreich zu ziehen.
Kritik:
Trotz der vielversprechenden Idee zählt "Concerning Flight" zu den schwächeren Episoden der vierten Staffel. Einige Gags funktionieren, doch es sind zu wenige, um die ansonsten eher simple Geschichte mit genug Leben anzufüllen. Zu den gelungenen Szenen zählen DaVincis Erklärungen für die Wunder seiner Umgebung und Tuvoks Versuche, mit Da Vinci Smalltalk zu betreiben.
Janeway und Da Vinci sind natürlich ein nettes und sympathisches Paar, doch auch sie können nicht verhindern, daß man als Zuschauer immer wieder an den dünnen und langweiligen Plot erinnert wird. Es bleibt letztlich der Eindruck, daß die Macher der Serie glaubten, unbedingt eine witzige Episode liefern zu müssen, ohne über hinreichende humoristische Einfälle zu verfügen. Statt dieser Einfälle zeigte die Folge aber immer wieder Janeways langweilige Versuche, den verwunderten Da Vinci mit einfachen Erklärungen und Beteuerungen abzuspeisen.
Autor Menosky nimmt, was diese Episode angeht, kein Blatt vor den Mund: "Ich haßte diese Episode, ungeachtet der Tatsache, daß ich sie geschrieben habe. Das kommt dabei heraus, wenn eine Teamarbeit in sich zusammenfällt. Jimmy Diggs kam herein und schlug etwas vor, das vom tragbaren Emitter des Doktors und einer Figur, die damit entkommt, zu tun hatte. Weil wir alle da Vinci in "Scorpion" (dt.: Skorpion) so mochten, dachte Brannon [Braga], als er Jimmys Vorschlag hörte, daß es eine coole Methode sei, da Vinci vom Schiff herunterzubekommen und ihn ein Abenteuer erleben zu lassen. Wenn wir in einer solchen Situation zusammenarbeiten, in der es außer einem "da Vincis Ausflug" noch keine Story gibt, sitzen wir in einer Runde und reden darüber, wir alle als ein Team. Was könnten wir hier tun? Ich hatte schwere Auseinandersetzungen auf jeder Entwicklungsstufe der Geschichte, und ich verlor bei jedem weiteren Schritt alle Argumente. Jemand im Raum sagte: ‚Wie kommt er vom Schiff runter?‘ Ich sagte: ‚Das ist unerheblich. Es ist egal, wie er vom Schiff runterkommt. Da genügt eine Seite oder ein Zweizeiler mit Technik-Dialog, und das Abenteuer kann losgehen.‘ Ich verlor das Argument. Alle sagten, es sei wichtig, wie er vom Schiff runterkommt. So erfanden wir diese unglaubwürdige und gezwungene Technik-Geschichte darüber, wie der tragbare Emitter das Schiff verläßt. Mein Einwand war, daß hier der Technik-Schwanz mit dem Trek-Hund wedelt. Man hat eine lächerliche Technik-Geschichte, die alles übernimmt und die außer Kontrolle gerät, und die den Rest der Geschichte in die völlig falsche Richtung treibt. Doch ich konnte mich mit Argumenten nicht durchsetzen. Ich bin nur darüber glücklich, daß ich das späte 15te Jahrhundert von Italien und da Vincis Leben wirklich kenne, so daß alle seine Bemerkungen wirklich so sind, wie ein Renaissance-Italiener des späten 15ten Jahrhunderts eine außerirdische Welt interpretieren würde. Zumindest das habe ich richtig hingekriegt." (aus Cinefantastique; Vol 30, S. 93).
Die Charakterisierung von Da Vinci war erfreulich. Trotz seiner eingeschränkten Sichtweise wird er nicht als Narr dargestellt, im Gegenteil, er erweist sich sogar als sehr einsichtig. Janeway meint zu ihm: "Can you accept that there may be certain realities beyond the limits of your comprehension", worauf DaVinci erwidert: "If I could not accept that, I’d be a fool." DaVincis Unfähigkeit, seine Umgebung zu begreifen, liegt übrigens nicht darin, daß er sich auf dem Wissensstand des 15ten Jahrhunderts befindet, sondern daß ihm von dem Programm Grenzen gesetzt sind.
Janeway erzählt, Kirk habe behauptet, einst Da Vinci getroffen haben. Das ist offenbar eine Anspielung auf die Classic-Episode "Requiem for Methuselah" (dt.: Planet der Unsterblichen). In dieser Folge war Kirk auf ein unsterbliches Wesen namens Flint gestoßen, das auf der Erde mehrere Identitäten angenommen hatte, darunter auch da Vinci. In dieser Episode hatte Kirk zunächst versichert, Flints Geheimnis nicht zu verraten, wenn Flint dafür die Enterprise freigibt. Da Flint sich aber nicht an sein Versprechen hielt, war wohl auch Kirk nicht länger daran gebunden.
Diese Episode zeigt, daß Star Trek nach so vielen Jahren immer noch Probleme mit Planetenfolgen hat. So einfallsreich und aufwendig die Kulissen auch waren, sie reichen einfach nicht aus, um auf den Zuschauer echt zu wirken. Das gilt vor allem für den Marktplatz. Die Lagerhalle war nicht schlecht ausgewählt, es war aber eben leider nur eine ganz gewöhnliche Lagerhalle. Wenn dann darin ein paar Sternenflottenoffiziere herumlaufen, sieht das Ergebnis verheerenderweise aus, als würden ein paar Trekker in ihren Kostümen einen Fanfilm drehen. Die grüne Landschaft - gedreht wurde auf einer Ranch in Chatsworth - überzeugt noch am meisten, sie ist aber halt dummerweise nicht sonderlich futuristisch. Der neue "Star Wars"-Film hat gezeigt, inwieweit sich der Computer nutzen läßt, neue Welten zu entwerfen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies auch ansatzweise im TV-Rahmen umsetzbar ist und zugleich gut aussieht. Die Episode "Dragon’s Teeth" könnte der Startschuss für die neue Ära der Darstellung von außerirdischen Welten in SF-Serien werden.
John Rhys-Davies, bekannt unter anderem aus der SF-Serie "Sliders", ist hier zum letzten Mal als Da Vinci zu sehen. Die Produzenten argumentierten, man wolle den Eindruck vermeiden, Janeway könne sich nur mit Hologrammen anfreunden. Allerdings fühlt sich Janeway in der Episode "Fair Haven" erneut zu einer Holofigur hingezogen.
Seven ist hier noch nicht so weit entwickelt, sie wirkt noch immer sehr streng und sie argumentiert ausschließlich mit ihrer Logik. Sie empfindet es als unlogisch, eine Holodeckfigur wie ein lebendes Wesen zu behandeln. Bereits in der Episode "Latent Image" (dt.: Verborgene Bilder) setzt sie sich für die Rechte des Doktors ein.