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Dieser Satz für den Mai-Gedanken mag Dir vielleicht bekannt vorkommen? Er stammt aus einem Gedicht von Thay, dem Zen-Meister Thich-Nhat-Hanh, und er möge Dich heute und vielleicht auch in der Zukunft begleiten?
Seit dem Beginn des Jahres hast Du das bewusste Atmen und das Lächeln geübt und die verschiedenen Formen der Umwandlung des Lebens betrachtet. In diesem Monat lade ich Dich ein, innezuhalten, zu ruhen und ganz lebendig und präsent zu sein, während Du gehst. Diese Art des Gehens nennen wir Gehmeditation oder achtsames Gehen.
Wir gehen ja immerzu, nur dass unser Gehen gewöhnlich eher einem Laufen gleicht. Häufig sind unsere Schritte mit der Last unseres Kummers und unserer Sorgen beschwert: Wenn wir in Achtsamkeit gehen, bringt jeder Schritt eine frische Brise des Friedens und der Harmonie hervor.
Beim stillen Gehen nimmst Du Deine Schritte und Deinen Atem gleichzeitig wahr: die Berührung der Fusssohle mit der Erde; das Ein- und das Ausatmen. Den Rhythmus kannst Du selber bestimmen, ob es ein Schritt, zwei oder drei Schritte mit einem Einatmen und ein Schritt, zwei oder drei Schritte mit einem Ausatmen sind. Das bestimmt Du. Wenn Du noch nie Gehmeditation gemacht hast, dann beginne der Einfachheit halber mit einem Schritt pro Einatmen und einen Schritt pro Ausatmen (1 - 1). Sobald Du den Atem und die Schritte mühelos verbinden kannst, möchtest Du eventuell einen anderen Rhythmus versuchen: 2 - 2; 2 - 3 oder 3 - 4, ganz so, wie es sich für Dich angenehm anfühlt.
Das folgende Gedicht von Thay, Thich-Nhat-Hanh, beschreibt vollumfänglich die Bedeutung des achtsamen Gehens. Du möchtest dieses Gedicht vielleicht lernen und es leise für Dich aufsagen, wann immer Du Gehmeditation praktizierst. Ich ermuntere Dich dazu, denn es hilft Dir, Dich bei guten Gedanken zu sammeln. Mir hilft es auf jeden Fall, beim stillen Gehen meinen Geist zu beruhigen und den Frieden und die Freude in mir zu kultivieren.
Gehmeditation
Nimm meine Hand.
Wir wollen gehen.
Wir werden einfach nur gehen.
Wir werden unseren Weg geniessen
Ohne daran zu denken, irgendwo anzukommen.
Gehen in Frieden.
Gehen mit Freude.
Unser Gehen ist ein Weg des Friedens.
Unser Gehen ist ein Weg zur Freude und zum Glück.
***
Dann lernen wir,
dass es keinen Weg gibt, der zum Frieden führt,
dass das Gehen selbst der Frieden ist,
dass es keinen Weg gibt, der zur Freude und zum Glück führt,
dass das Gehen selbst das Glück ist und die Freude.
Wir gehen für uns.
Wir gehen für alle,
immer Hand in Hand.
***
Geh und berühre den Frieden in jedem Augenblick!
Geh und berühre das Glück und die Freude in jedem Augenblick!
Jeder Schritt bringt eine frische Brise.
Jeder Schritt lässt unter unseren Füssen eine Blume blühen.
Küsse die Erde mit deinen Füssen!
Schenke der Erde deinen Abdruck der Liebe und Freude!
***
Die Erde wird sicher sein,
wenn wir genügend Sicherheit in uns verspüren.
Wenn das Gedicht für Dich zu lang ist, kannst Du das langsame Gehen auch schon mit diesen beiden Sätzen begnügen:
Jeder Schritt bringt eine frische Brise.
Jeder Schritt lässt unter meinem Fuss Blume wachsen.
Oder wenn Du noch kürzer magst, kannst Du Dich an die untenstehende Kaligraphie von Thay orientieren:
[smile – breathe – go slowly]
lächle – atme – geh langsam
Somit wünsche ich Dir einen Monat mit friedvollsten Schritten, und dass frische Blumen aus Deinen Spuren wachsen.