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Ein unkontrollierter Wutausbruch? Panikattacke? Schweissausbruch? Vielleicht ist Dein Reptiliengehirn schuld daran, dass Du Deine Emotionen nicht immer kontrollieren kannst. Nun aber etwas genauer: Was in aller Welt haben wir mit einem Reptil gemeinsam?
Die Evolution hat einen grossen Umbau geleistet, um uns zu dem zu machen, was wir heute sind. Die Frage ist nun, wie genau sich unser Gehirn entwickelt hat. Forscherinnen und Forscher diskutieren schon seit Längerem über Areale unseres Gehirns, deren Wurzeln weit in die Vorzeit der menschlichen Evolution zurückreichen. So soll das “Reptilienhirn” ein solches Überbleibsel sein und beim Menschen absolut unkontrollierbare Emotionen auslösen.
Das Modell des “Triune Brain” von Paul McLean
Ein Verfechter des sogenannten Reptiliengehirns ist der Hirnforscher Paul MacLean. Der amerikanische Wissenschaflter hat sich an der Evolution orientiert und die Hirnareale bereits in den frühen 60er-Jahren in drei Regionen aufgeteilt:
Der Hirnstamm und das Zwischenhirn gehören für MacLean zum “protoreptilischen Gehirn“, kurz Reptilienhirn. Dieses sei die niedrigste und stammesgeschichtlich älteste Form des Gehirns. Es steuere angeborene Instinkte, besitze nur bedingte Lernfähigkeit und ermögliche noch kein Sozialverhalten.
Das limbische System sei ein „Versuch“ der Natur, ein individuelles Bewusstsein zu entwickeln, Gedächtnisinhalte zu bilden, die ausserdem auch affektiv und emotional gefärbt sein können.
Erst durch den Neokortex seien wir in der Lage, kognitiv und logisch zu denken und die Affekte und Impulse des limbischen Systems zu kontrollieren.
Umstrittene Theorie
Diese Aufteilung von Mc Lean hat sich in der Wissenschaft nicht gehalten. Die Datenlage zeige, dass auch die frühesten Säugetiere bereits einen Neocortex entwickelt hätten und zum Beispiel Vögel und Reptilien dem Neocortex ähnliche Gehirnregionen hätten, schreibt Wikipedia. Wohlgemerkt sind die kognitiven Leistungen mancher Vögel, etwa in der Sprache oder der Werkzeugherstellung, nicht geringer als bei Menschenaffen.
Was ist also dran an der Vorstellung des Reptiliengehirns? Die Vorstellung, dass verschiedene Areale unseres Gehirns für verschiedene Funktionen zuständig sind, ist gar nicht so falsch. MacLeans chronologische Vorstellung der Evolution unseres Gehirns ist aber streng wissenschaftlich widerlegt. Klar ist: Unser Gehirn hat sich entwickelt und wird sich auch in Zukunft weiter entwickeln. Der Umgang mit unseren Emotionen wird dabei ein Thema bleiben.
Nicht nur unser Körper bewegt sich. Auch unsere Organe. Dabei gibt es zwei Grundformen der Organbewegung – die sogenannte Mobilität und die Motilität.
Kommen wir zunächst zur Mobilität: Beim Atmen schiebt unser Zwerchfell die Organe entlang einer festgelegten Achse hin und her. Diese Organbewegung sieht der Arzt zum Beispiel auf einem Ultraschallbild.
Bei der Motilität ist etwas ganz anderes gemeint. Diese Bewegung wurde vom französischen Osteopathen Jean-Pierre Barral entdeckt. Er beobachtete, dass sich Organe auch unabhängig von der Atmung subtil bewegen. Diese Bewegung folgt einem gewissen Grundrhythmus. Sie schiebt die Organe entweder auf die Körperachse zu oder von ihr weg. Ihr Rhythmus und ihre Amplitude sind völlig unabhängig von unserer Atembewegung.
Wir können diese Bewegung mit unseren Händen nur spüren, wenn wir mit dem jeweiligen Organ Kontakt aufnehmen. Jean-Pierre Barral hat auf dieser Entdeckung seine “viszerale Osteopathie” aufgebaut.
Du hast einen strengen Tag, ein schwieriges Gespräch steht Dir bevor oder Du bist einfach nervös. Und dann entspannst Du Dich: Du rollst Deine Schultern sanft nach unten, hinten, innen und Du atmest durch. Es fällt auf: Unsere Schultern sind für Emotionen anfällig. Warum nur nehmen wir Anspannung oft zuerst in den Schultern wahr?
Die Schulter ist unser beweglichstes Gelenk. Eine derart ausgeprägte Beweglichkeit macht für spontane Anpannung durchlässig. Wäre die Schulter so stabil wie die Hüfte, würde sie Spannungen, die anderswo im Körper ihren Ursprung haben, nicht so direkt übernehmen. Unsere Hüften sind in sehr stabile Bänder eingepackt. Diese machen das Gelenk fest und stark – schliesslich müssen wir auf zwei Beinen stehen können. Ein solches Gewicht wie die Hüften müssen unsere Schultern nicht tragen. Bei den vierbeinigen Primaten beispielsweise ist das anders.
Leichte Schultern, leichter Kiefer
Seit der Entwicklung des aufrechten Gangs sind beim Menschen die Schultergelenke immer “luftiger” geworden. Ebenso der Kiefer: Während der Evolution hat sich der Gesichtsschädel vom Oberkiefer bis zur unteren Partie der Augen zu einer Art “Leichtbauweise” entwickelt. Schultern und Kiefer wurden im Lauf der Zeit nicht nur feiner, sondern auch sehr viel leichter. Deshalb sind sie auch so sensibel – und ein guter Barometer für unser aktuelles Wohlbefinden.
Ob wir “eine schwere Last auf den Schultern tragen”, oder ob wir uns “durch etwas durchbeissen”: Diese Redewendungen sind kein Zufall. Unser Organismus bringt unsere emotionale Verfassung recht schnell über die Haltung der Schultern und über muskuläre Spannung im Kiefer zum Ausdruck. Wird eine solche Anspannung chronisch, kann sie sich im Körper auch für längere Zeit festsetzen.
Bewegung ist gesund, sagt man. Warum nur gibt es denn so viele Leute, die sich viel bewegen, und trotzdem Schmerzen haben? Bewegen ist eben nicht nur bewegen. Ein intensiver Sport zum Beispiel kann die Spannung im Körper verstärken. Zu viel Dehnung hingegen kann auf Dauer Bänder und Gelenke schädigen. Anstatt Kraft und Flexibilität zu steigern, macht Überdehnung instabil und verletzungsanfällig. Es kommt also auf das Mass der Bewegung an, die Intensität und natürlich auch die Vielfalt. Peter Schwind ist Rolfer und Heilpraktiker. In seinem Buch “Faszien- Gewebe des Lebens” plädiert er für ein speziell entwickeltes Faszien-Training. Damit spricht er unter anderem gezielt auch ältere Menschen an.
“Wenn wir verstehen, was im Alter mit wirklich allen Faszien geschieht, wird uns einleuchten, weshalb ein Übungssystem für die Faszien so wichtig ist. Bewegung der Muskeln ist gut für den alten Menschen. Muskelstärkung alleine ist aber nicht genug. Und zwar deshalb, weil die Stärkung der Muskeln unter Umständen den Körper noch mehr unter Druck bringt. Die Kombination Muskelstärkung und Steigerung der Faszienelastizität kann uns da weiterhelfen.
In diesem Zusammenhang sollten wir nicht vergessen, dass es sehr wichtig ist, zu welcher Art Sport wir uns entscheiden. Wir wissen bereits, dass beim Fasziensystem wie beim Nervensystem alles mit allem zusammenhängt. Aber es gibt Unterschiede, wie sich eine gute Spannung und eine destruktive Spannung im Rücken manifestieren, und Sport verändert die Spannung im Körper.”
Peter Schwind: Faszien, Gewebe des Lebens. Irisiana Verlag, 2014, S. 44
Die Thymusdrüse liegt hinter dem Brustbein. Sie ist ein zweilappiges Organ, bei Neugeborenen zum Beispiel ist jeder Lappen ca. 6 cm lang und 2 cm breit ist. Als Organ des lymphatischen Systems produziert die Thymusdrüse weisse Blutzellen für die Immunabwehr (T-Lymphozyten).
Bereits in unserer Kindheit und Jugend wird in der Thymusdrüse die Basis für eine gesunde Immunabwehr gelegt: Die T-Lymphozyten (T-Zellen) lernen hier, körpereigene von körperfremden Strukturen zu unterscheiden. Nur so können Sie später Eindringlinge angreifen und Krankheiten abwehren.
Schule der Körperpolizei
Die Thymusdrüse also ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems. Wegen seiner Funktion wird der Thymus auch “Schule der Körperpolizei” genannt. Die Abwehrzellen werden im Knochenmark gebildet. Nachdem Sie den Thymus erfolgreich durchlaufen haben, gelangen sie in den Blutkreislauf und nehmen dort ihre Arbeit auf.
Doch diese “Schule der Körperpolizei” ist nur eine Schule auf Zeit. Zwar nimmt die Thymusdrüse bereits vor der Geburt des Menschen ihre Arbeit auf. Sie wächst bis zur Pubertät und erreicht ein Maximalgewicht von 50 Gramm. Danach beginnt der Thymus sich stark zurückzubilden und sein Gewebe wird durch funktionsloses Fettgewebe ersetzt. Die Ausbildung der Immunabwehr-Zellen ist zu diesem Zeitpunkt so gut wie abgeschlossen. Das Lymphsystem und die Milz übernehmen dann die Aufgaben der Drüse.
Die Thymusdrüse klopfen – was bringt das?
Manche Menschen sprechen davon, dass durch Klopfen die Thymusdrüse wieder “aufwacht”. Ob dadurch ein Organ, was sich zurückgebildet hat, tatsächlich reaktiviert werden kann, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Klar ist auf jeden Fall, dass wir dem Thymus viel zu verdanken haben.
Wenn wir also mit den Fingerspitzen sanft auf unser Brustbein klopfen, bringen wir unser Thymus-Gewebe in Schwingung. Was das bringt? Probiere es aus! Übrigens: Schon die alten Griechen sahen einen Zusammenhang zwischen Thymusdrüse und Lebensenergie. Das griechische Wort “Thymos” heisst übersetzt Lebenskraft, Leben, Seele, Gemüt. Erinnern wir uns also an diese Drüse und bringen sie sanft in Schwingung.
Es gibt Vieles, das so in diesem Jahr nicht passiert wäre, hätte es nicht die Corona-Krise gegeben. Bestimmt hätte ich nicht während 5 1/2 Monaten von Zuhause aus gearbeitet. Online-Yoga hätte ich sicher auch nicht unterrichtet. Auch selber habe ich mich regelmässig in die Online-Stunden meiner Lehrer eingeloggt. Hier eine kurze Bilanz, was mir an dieser Unterrichtsform durch den Kopf ging:
Online-Yoga ist ein Mittel, um mit den Schüler*innen in Kontakt zu bleiben. Die Vorteile davon liegen auf der Hand:
Online-Yoga ist ortsunabhängig. Sowohl fürs Unterrichten als auch fürs Praktizieren spart es lange Wege. Einzige Voraussetzung sind 1-2 Quadratmeter auf dem Boden und eine funktionierende Internetverbindung.
Mangels klassischer Yoga-Hilfsmittel war für mich das Online-Yoga auch eine Möglichkeit, mit Alltagsgegenständen zu experimentieren. Warum nicht mal ein dickes Buch statt einen Klotz benutzen? Weichere und härtere Kissen oder eine leichte Decke finden sich in jedem Wohnzimmer. Auch eine Wand, ein Türrahmen oder ein Stuhl mit Lehne gibt es in jedem Zuhause. Als Yoga-Gurt geht auch ein fester Schal, eine Kordel oder ein Hosengurt. Als Lehrerin hat mich das Online-Yoga dazu inspiriert, Neues auszuprobieren und vielleicht auch in die Live-Praxis zurückfliessen zu lassen.
Auch technisch habe ich einiges dazu gelernt. So ist den Umgang mit Headset und Webcam mittlerweile selbstverständlich geworden. Man gewöhnt sich auch daran, ständig sein eigenes Bild zu sehen.
Gemerkt habe ich aber auch, dass nicht alle Übungen für Online-Yoga gleichermassen geeignet sind. Dinge, die eine Korrektur benötigen, eignen sich weniger. Die Korrektur übers Netz ist einfach zu umständlich und zu ungenau. Auch subtilere Dinge würde ich weniger online üben.
Echtes Yoga braucht den Kontakt zwischen den Praktizierenden und dem Lehrer. In dieser Beziehung liegt auch bei mir persönlich ein wichtiges Stück Motivation, um überhaupt weiter zu kommen. Als Lehrerin möchte ich Eure Gesichter und Körper sehen – nicht nur ein in die Höhe gestreckter Fuss, der in Briefmarkengrösse auf meinem Monitor zu sehen ist. Lieber als das Klick-Klick in meinem Headset ist mir, wenn ich Euren Atemfluss direkt wahrnehmen kann. Nur so kann ich seriös prüfen, ob die eingenommene Haltung für Euch stimmt.
Fazit: Online-Yoga ist für den gezielten Einsatz oder in speziellen Zeiten durchaus eine Alternative. Auf Dauer könnte es mich jedoch nicht halten.
Bewusst habe ich deshalb entschieden, nach den Sommerferien erst mal wieder ausschliesslich Live-Yoga anzubieten. Wenn nötig, werden wir die Klasse aufteilen.
Ich sitze im Kino in einem spannenden Film. Erst nach einer Weile wird mir bewusst, dass ich eigentlich meine Schultern auch mal wieder entspannen könnte. Ich hatte sie, ohne es zu merken, die ganze Zeit hochgezogen. Schulter- und Nackenmuskeln reagieren sehr subtil. Oft sind sie ein Indiz für Stress und emotionale Anspannung.
Viele Menschen sitzen jeden Tag stundenlang mit gesenktem Kopf am Arbeitsplatz. Für den Nacken und die Schultern eine Qual! Gerade bei Computerarbeit kommt es nicht selten vor, dass man jahrelang die Schulter des “Maus-Arms” hochgezogen hält und in krummer Haltung vor dem Bildschirm sitzt.
Und was tun wir in der Freizeit? Viele, gerade junge Leute, verbringen auch ihre Freizeit mit gesenktem Kopf vor dem Handy-Display. Unsere filigranen Halsmuskeln sind dafür aber nicht gemacht. Das Halten des Kopfes in dieser Position ist für sie Schwerstarbeit: Bei einem Winkel von 60 Grad muss der Kopf bis zu 30 Kilogramm Gewicht aushalten.
Sprechen wir vom “Smartphone-Nacken”, meinen wir genau die daraus resultierende dauerhafte Verspannung. Aus dieser Fehlhaltung wird eine chronische Fehlbelastung. Später drücken die verkürzten, verpannten Nackenmusekln auch noch auf die Nerven. Der Nacken schmerzt und oft beginnt eine jahrelange Schmerzgeschichte. Die Durchblutung und Ernährung dieser verhärteten Muskeln ist stark erschwert. Ein Teufelskreis entsteht, wenn wir nicht an unserer Körperhaltung arbeiten und nicht durch Übungen gezielt gegensteuern.
.. empfielt der Bund als neue Abstandsregel seit dem 19.06.2020. So kann auch der Platzbedarf pro Person in den Yogastudios verringert werden. Der Schweizer Yogaverband empfiehlt 4 m2 pro Person (anstatt bisher 6 m2). Zur Erinnerung: Unser Yogasaal hat 165 m2. Rechne. Nun sind wir der «neuen Normalität» wieder ein grosses Stück näher und vieles liegt jetzt wieder in unserer eigenen Verantwortung.
50 Millionen Schritte macht der Mensch in seinem Leben, ungezählte Male beugen, bücken, setzen, strecken oder drehen wir uns. Jedes Mal rotiert die Kugel in der Pfanne des Hüftgelenks. Nach dem Kniegelenk ist die Hüfte das zweitgrösste Gelenk des menschlichen Körpers.
Das Knorpelgewebe schützt uns vor den Schmerzen, die wir spüren, wenn sich Knochen an Knochen reibt. Ist diese Gleitschicht lückenhaft oder gar aufgebraucht, drohen die Qualen der Hüftarthrose – mit Ausstrahlung in die Leiste, das Gesäss, den Oberschenkel oder bis ins Knie.
Während die klassische Medizin auf Schmerzmittel zurückgreift, arbeitet die Yoga-Therapie mit gezielten Übungen daran, die Beweglichkeit der Hüfte zu erhalten. Verspannte und verkürzte Hüft- und Beinmuskeln werden gelöst und gedehnt. Das Hüftgelenk, oft vom vielen Sitzen unbeweglich geworden, soll wieder lernen, sich flüssig in alle Richtungen zu bewegen. Die hüftumgebende Muskulatur sowie der untere Rücken wird gestärkt und die Beinachse vom Sprunggelenk bis zu Hüftgelenk exakt ausgerichtet. Eine bewegliche Hüfte kann in gewissen Fällen sogar eine Operation überflüssig machen. Roland Liebscher Bracht erklärt anschaulich wieso:
So gut, so einfach? Die Hüften – und nebenbei bemerkt auch die Schultern – werden im Yoga als „Tore zur Freiheit“ bezeichnet. Asanas für offene Hüften entlasten immer auch die Muskulatur in den Gelenken, die sich mit der Hüfte verspannen. Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk und kann dreidimensional bewegt werden. Bevor wir in die Dehnung gehen, versuchen wir den Kopf des Oberschenkels, genannt Femurkopf, im Becken zu zentrieren, um die Hüfte während der Hüftöffnung oder der Oberschenkeldehnung in der Pfanne zu halten. Du kannst es kontrollieren, indem deine Leisten möglichst weich und „hohl“ bleiben.