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Hepatitis C: Im Schatten des HIV
Diagnose Wer denkt denn heutzutage noch an Hepatitis. Die Angst gilt vor allem dem HI-Virus. Dieser Trugschluss sorgt immer wieder für Neuansteckungen.
Was, Herr Müllhaupt, passiert bei einer Infektion mit Hepatitis C?
Hepatitis C ist eine infektiöse Leberentzündung, die durch das Hepatitis-C-Virus ausgelöst wird. Da der Krankheitserreger in erster Linie durch Blut einer infizierten Person übertragen wird, besteht die Gefahr einer Infektion heute vor allem beim gemeinsamen Gebrauch von Injektionsspritzen. Sexuelle Übertragungen des Virus sind relativ selten, kommen aber bei HIV-positiven Männern vor, die Sex mit Männern haben. Häufig verläuft die Infektion ohne Symptome. Deshalb sprechen wir auch von einer «stillen» Epidemie. In andern Fällen kann es sechs bis neun Wochen nach der Ansteckung zu Erbrechen, Bauchschmerzen sowie Fieber und einer Gelbsucht kommen. Leider gibt es gegen Hepatitis C bis heute keine Impfung.
Was bedeutet es, wenn jemand zusätzlich HIV-positiv ist?
Dann schreitet die durch die Hepatitis bedingte Leberschädigung schneller voran. Im Gegensatz zum ungünstigen Einfluss der HIV-Infektion auf die HCV-Infektion sind in umgekehrter Richtung keine negativen Auswirkungen bekannt. In der Regel vertragen Menschen mit einer HIV-HCV-Koinfektion auch die Behandlung mit HIV-Medikamenten gut. Wie das HI-Virus benötigt auch das Hepatitis-C-Virus für seine Replikation eine Protease. Die ersten direkt wirksamen antiviralen Medikamente blockierten dieses Enzym. Dadurch konnten die Heilungsraten bei gewissen Patientengruppen verbessert werden, sie verursachten aber schwere Nebenwirkungen. Da wir jetzt ein besser wirksames und verträglicheres Medikament zur Verfügung haben, werden sie heute praktisch nicht mehr eingesetzt.
Das heisst, dass für Betroffene neue Hoffnung besteht?
Grundsätzlich ja. Allerdings wird dieses Medikament in der Schweiz, im Gegensatz zu gewissen europäischen Ländern, von der Krankenkasse nur vergütet, wenn eine fortgeschrittene Vernarbung der Leber oder bereits eine Leberzirrhose vorliegt.
Heute gibt es neue Wirkstoffe gegen Hepatitis C. Welche Vorteile resultieren daraus für die Patienten?
Zurzeit gibt es einen Wirkstoff aus der Gruppe der HCV-Polymerase-Inhibitoren zur Behandlung einer chronischen Hepatitis C. Die Effekte beruhen auf der Hemmung der viralen RNA-Polymerase, welche bei der Virusvermehrung eine wichtige Rolle spielt. Die Tabletten werden einmal täglich im Rahmen einer Kombinationstherapie und unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen. Nebenwirkungen sind nicht sehr häufig und meistens mild. Die Therapie führt häufig zu einer dauerhaften Heilung.
Haben die neuen Medikamente auch Nachteile?
Zurzeit wird der neue Wirkstoff bei den meisten Gentoypen (Ausnahme Genotyp 2 und eventuell 3) in Kombination mit Interferon und Ribavirin eingesetzt. Da viele Nebenwirkungen durch Interferon verursacht werden, wird intensiv an der Entwicklung von Interferon-freien Behandlungsmöglichkeiten geforscht. Ich bin überzeugt davon, dass eine neue Ära der Behandlung gegen Hepatitis C angebrochen ist.
Wie meinen Sie das?
Es werden nun immer mehr Wirkstoffe entwickelt, die das Virus direkt angreifen. Je mehr solcher Wirkstoffe uns zur Verfügung stehen, umso besser und effektiver können wir eine gezielte Therapie für jeden Patienten anbieten. So erwarten wir die Zulassung von ersten Interferon-freien Behandlungen, die in den USA und Europa zum Teil bereits zugelassen sind, in den nächsten Wochen und Monaten auch in der Schweiz.
Müssen alle Patienten, die an Hepatitis C leiden, behandelt werden?
Nein. Grundsätzlich wird nur behandelt, wenn eine Lebererkrankung oder gar eine Leberzirrhose erwartet werden muss. Der Entscheid hängt aber auch noch von anderen Faktoren ab, etwa dem Alter oder weiteren Erkrankungen des Patienten.