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Die computergenerierte Videoprojektion Flag of Convenience (2014) des Schweizer Künstlers Alan Bogana ist eine von mehreren «Fallstudien» seines Cave Caustics Projektes (2013–2015). Darin experimentiert der multidisziplinär arbeitende Bogana mit dem Verhalten von Licht auf unterschiedlichen transluzenten Medien wie Wasser, Kunststoff, Diamanten oder Textilien. Auf der grossformatigen Projektion sieht man zunächst den anmutigen Tanz einer ätherisch weissen Stoffbahn im Licht vor einem dunklen, unbestimmten Grund.
Die haptische Stofflichkeit des vergänglichen Lichtspiels zeigt sich bei näherer Betrachtung schnell als digital übertragen. In dieser Transformation liegt das Besondere an Boganas Herangehensweise. Wir sehen nicht die Fahne selbst, wir sehen das Auftreffen des Lichtes, bzw. die Brechung und Reflektion der Lichtstrahlen auf den Fältelungen des sich bewegenden Stoffes. Physikalisch gesprochen sehen wir die kaustischen Muster des Lichtes auf dem transparenten Stoff, die für unsere menschliche Wahrnehmung nicht sichtbar sind. Erst Boganas systematische Experimente mittels ausgeklügelter Computergraphik Simulation machen die Bewegung des Lichts darstellbar.
Das Vorgehen, etwas Unsichtbares sichtbar zu machen erreicht er, indem er den direkten, genuinen Bezug zwischen dem Bild, also zwischen der Flagge selbst und deren Abbild, in diesem Fall der Videoprojektion auflöst. Stattdessen ersetzt er das Abbild der Flagge durch ein drittes Element, die Brechungen des Lichts an der Stoffoberfläche. Auf diese Substitution verweist ironischerweise auch der Titel Flag of Convenience, oder Ausflaggung. Darunter versteht man in der Schifffahrt die Auflösung des genuinen territorialen Bezugs zwischen Schiff und Flagge, das im Falle einer Ausflaggung unter einer anderen Nation fährt, als die des Schiffes selbst.
Bogana ermöglicht uns, das Verhalten einer kaum fassbaren Grundbedingung unserer Wahrnehmung poetisch auszuloten und dadurch greifbarer zu machen.
(Text: Bettina Back)
Alan Bogana was born in 1979 in Switzerland. He's a multidisciplinary artist based in Geneva, Switzerland. His art practice involves sculpture, computer graphics, electronics, time-based media and holography, and his works are usually presented in the form of installations.
During the last years his research has focused on the exploration, real and fictional, of the behavior of light and its interactions with matter. He investigates this broad field of study through various means, such as computer graphics simulations of impossible phenomena or the manipulation of translucent, phosphorescent and holographic materials.
Alan Bogana completed a Fine Arts Diploma with honors at the Geneva University of Art and Design, a specialization in computer graphics and one in artistic research methodologies at the Zürich University of Art and Design. He exhibited in Europe, in the United States, in the Emirates and in South Africa. He has been artist in residence at the Swiss Institute in Rome, at the Cité Internationale des Arts in Paris, at the Sommerakademie Zentrum Paul Klee in Bern, in Cape Town with Pro Helvetia and in Zug with the Landis & Gyr Foundation.