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Beschreibung
Rudolf Glutz und Thomas Ron: Der Caslasc oberhalb von Giornico TI. Versuch einer Deutung und Datierung
Werner Meyer: Die Alpen als Migrationsraum im Mittelalter
Der Caslasc oberhalb von Giornico TI. Versuch einer Deutung und Datierung
Rund 270 m über dem in der Leventina liegenden Dorf Giornico befindet sich auf einem Felssporn auf der rechten Talseite die rätselhafte Ruine Caslasc. Besonderes Merkmal dieser Befestigungsanlage sind ihre imposanten, bis 8 m hohen, trocken geschichteten Mauern, die aus teilweise riesigen Granitplatten bestehen. Der sonderbare dreieckige Grundriss führte bereits im Jahr 1681 zu einer fantasievollen Deutung der Anlage als römisches Siegesdenkmal. Später wurde der Caslasc als prähistorische Wehrsiedlung interpretiert. Doch neue Überlegungen linguistischer, bautypologischer und verkehrsstrategischer Natur deuten eher auf eine frühmittelalterliche Entstehungszeit hin. Am wahrscheinlichsten handelt es sich um eine langobardische Alpenfestung (im Sinn der claustra Italiae, von denen der Chronist Paulus Diakonus im 8. Jahrhundert spricht). Es liegen jedoch keine datierbaren Funde vor, die diese Deutung belegen.
Anlass zu dieser ersten summarischen Erforschung des Caslasc war die durch das Institut für Denkmalpflege der ETH durchgeführte archäologisch-topographische Detailaufnahme der Anlage, die in den Jahren 1999 und 2000 erfolgte. Mit verschiedenen Messmethoden wurde auch die einst intensiv bewirtschaftete Kulturlandschaft kartiert und so der Caslasc in sein weiteres Umfeld eingebunden.