Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03269.jsonl.gz/1833

Zur Förderung der rätoromanisch-deutschen Zweisprachigkeit bestehen im traditionell rätoromanischen Gebiet des schweizerischen Kantons Graubünden besondere bilinguale Schulmodelle: Während in der Grundschule die kantonale Minderheitensprache Rätoromanisch Schul- resp. Unterrichtssprache ist, wechselt auf der Oberstufe (ab der siebten Klasse) die Schulsprache in die Mehrheitssprache Deutsch. Unterschiede im Sprachkontakt mit dem Deutschen ausserhalb der Schule führen indessen zu extrem heterogenen Klassenkonstellationen in den Deutschlektionen ab der dritten Primarschulklasse. Schüler:innen mit einer Herkunftssprache weisen zwar ähnliche Rätoromanischkompetenzen wie ihre deutsch- und/oder rätoromanischsprachigen Mitschüler:innen auf, schneiden aber signifikant schlechter bei Lese- und Schreibtests in Deutsch ab. Dies deutet auf einen wesentlichen Förderbedarf in Deutsch für Kinder mit einer Herkunftssprache hin.
Vor diesem Hintergrund untersuche ich im Rahmen meiner Dissertation die Rolle der Schulsprache beim Wortschatzlernen in einer weiteren Sprache. Studien zeigten die Effizienz von Glossing (d.h. Worterklärungen am Rand eines Texts) und dem Gebrauch der L1 beim Wortlernen einer L2 auf. Um zu überprüfen, ob Glossen und Worterklärungen auch in der Schulsprache Rätoromanisch förderlich seien, entwickelte ich in Absprache mit Lehrpersonen aus dem Kontext theoriebasierte Wortfördermaterialien. Um den Effekt von Glossen und Worterklärungen in der Zielsprache Deutsch (L3) mit der Schulsprache Rätoromanisch (L2) zu vergleichen, ist die Hälfte des Materials zweisprachig resp. einsprachig. Im Frühling 2022 setzten Lehrpersonen von fünften und sechsten Klassen aus sechs rätoromanischen Schulen meine Wortfördermaterialien während 18 Deutschlektionen ein. Mittels ‘Within-School-Design’, bei der jede Schule beide Bedingungen (einsprachig vs. zweisprachig) durchläuft, messe ich den Effekt der Bedingungen mit rezeptiven Prä- Post- und Follow-Up-Wortschatztests. Fragebogen, Lehrpersoneninterviews sowie einzelne Unterrichtsfilme geben einen qualitativen Einblick in die Intervention.