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Die Landwirtschaft hat in den letzten Jahren einen enormen Wandel durchgemacht: 1951 wurde das Landwirtschaftsgesetz verabschiedet, das geprägt war durch die während des zweiten Weltkrieges gemachten Erfahrungen. Ziel dieses Werkes war es, einen gesunden Bauernstand und eine produktive Landwirtschaft zu sichern, damit die Versorgung der Bevölkerung auch in Krisenzeiten gewährleistet werden kann. Die staatlich kontrollierte Landwirtschaft mit fixen Preisen und Übernahmegarantien führte jedoch bald zu Überproduktion und hohen Kosten für die Überschussverwertung. In den neunziger Jahren kam die Kehrtwende. Kernstück der Reform war, die Preis- und Einkommenspolitik zu trennen und die Subventionen durch an Verpflichtungen gebundene Direktzahlungen zu ersetzen. Die Übernahmegarantien und festen Preise verschwanden allmählich. Heute stehen die ökologische Produktion und die Landschaftspflege im Vordergrund. Mit dem neuen Verfassungsartikel, welchen die Bevölkerung in der Abstimmung vom 24. September 2017 angenommen hat, sollen die Ernährungssicherheit und die produzierende Landwirtschaft wieder gestärkt werden.
Die Produktionsfaktoren haben sich in den letzten Jahren ebenfalls stark verändert: mit der Gewässerraumausscheidung, welche das revidierte Gewässerschutzgesetz des Bundes von den Kantonen und Gemeinden verlangt, wird die landwirtschaftliche Produktionsfläche weiter eingeschränkt. Intensiv genutztes, sehr wertvolles Kulturland geht damit der landwirtschaftlichen Produktion verloren.
Die Herausforderungen in der Landwirtschaft sind gross. Es gibt aber auch und gerade im Kanton Graubünden Beispiele, wie Tourismus und Wirtschaft von der einheimischen landwirtschaftlichen Produktion profitieren können. Seit Mitte der 1990er-Jahren besteht auf der Lenzerheide die Puracenter AG. Sie verarbeitet die von den einheimischen Landwirten produzierte Milch vor Ort und verkauft diese Produkte in den von ihnen betriebenen SPAR-Läden. Mit dem SPAR konnte nämlich ein Partner gefunden werden, welcher diejenigen Produkte abnimmt, welche nicht in den eigenen Läden verkauft werden können. Es wird ein einheimisches Produkt auf der Lenzerheide verarbeitet und vermarktet. Die Produkte finden einen wesentlichen Absatz im Tourismusgebiet. Damit wird Wertschöpfung vor Ort generiert und die Landwirte erzielen einen angemessenen Preis für ihr Produkt, die Milch. Die beachtlichen Leistungen auf der Lenzerheide sind ein Gewinn für Tourismus, Wirtschaft und die Landwirtschaft: einheimische Produkte werden vor Ort verarbeitet, veredelt und verkauft. Unsere Gäste können Produkte, welche nicht durch halb Europa transportiert werden, einkaufen und wissen, woher diese Produkte stammen und wie sie produziert wurden. Es entstehen Arbeitsplätze, womit die Wirtschaft profitiert. Die Landwirtschaft ihrerseits erzielt ein angemessenes Entgelt für ihre Leistungen. Eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten – und ein Beispiel mit Exportcharakter.
Auf der anderen Seite will der Bundesrat die Märkte weiter öffnen: dies hätte für die einheimische Landwirtschaft, welche mit den ausländischen Importprodukten kaum konkurrenzfähig ist, gravierende Konsequenzen. Während die Importe mit ausländischen Billigprodukten und Produzenten, welche sich nicht an unsere Standards halten müssen, deutlich zunehmen würde, wären unsere Exportprodukte kaum konkurrenzfähig. Der Import würde also zunehmen, während die Schweizer Landwirtschaft kaum vom Markzugang im Ausland profitieren könnte. Marktöffnungen sind vor diesem Hintergrund gefährlich und abzulehnen. Die Zukunft liegt vielmehr in der regionalen Produktion, Verarbeitung und Vermarktung. Von erfolgreichen Beispielen gilt es dabei, sich inspirieren zu lassen.
Reto Crameri, CVP-Grossrat, Surava
Das Politforum auf GRHeute besteht aus 12 PolitikerInnen aus Graubünden. Jede Woche nimmt eine/r zu einem aktuellen Thema Stellung.
(Bild/Montage: Wikipedia/Hinrich)