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Musizieren verbessert schulische Leistungen
Aktives Musizieren kommt Schülerinnen und Schüler auch in nicht-musischen Fächern zugute. Ein kanadisches Forscherteam hat diese und weitere Thesen in einer grossangelegten repräsentativen Studie untersucht. Die Ergebnisse bestätigen einen direkten Zusammenhang zwischen musikalischer Aktivität und besseren schulischen Leistungen.
Lucas Bennett — Der Zusammenhang zwischen musikalischer Betätigung und schulischen Leistungen wurde bereits in zahlreichen Studien und auf verschiedene Weisen untersucht. Vielfältige Transfereffekte, kognitive und neurologische Aspekte, emotionale und soziale Faktoren, um nur einiges zu nennen, spielen dabei eine Rolle. In der hier besprochenen Studie ging es in allererster Linie darum, zum beobachteten Phänomen belastbare Zahlen zu gewinnen, bereitete doch genau dies in früheren Studien laut den Autoren Martin Guhn, Scott D. Emerson und Peter Gouzouasis, die an der University of British Columbia (Kanada) forschen, immer wieder Schwierigkeiten vor allem aufgrund der zu geringen Anzahl an Testpersonen, respektive -daten. Zentrales Anliegen war es deshalb, die empirische Untersuchung auf eine möglichst breite und repräsentative Basis zu stellen, was sich vor allem in der schieren Menge der hier untersuchten Testdaten äussert; Daten von rund einhundertzehntausend Schülerinnen und Schülern öffentlicher Sekundarschulen der kanadischen Provinz British Columbia flossen in die Untersuchung ein. Es dürfte sich damit um die grösstangelegte Studie dieser Art handeln. Anhand dieses enormen Datenmaterials wurde unter anderem untersucht, ob die schulischen Leistungen von Schülerinnen und Schülern, die Musikkurse besuchten, signifikant höher liegen als jene der anderen Schülerinnen und Schüler, ob allfällige Leistungsunterscheide mit der Art der betriebenen musikalischen Tätigkeit zusammenhängen und ob die Intensität der musikalischen Betätigung einen weiteren Einfluss auf die schulischen Leistungen hat.
Um eine möglichst grosse Vergleichbarkeit der Daten zu ge- währleisten, berücksichtigten die Autoren ausserdem Faktoren wie frühere schulische Leistungen, das Leistungsniveau in Musikfächern sowie kulturelle und sozio-ökonomische Faktoren.
Um den schulischen Erfolg zu messen, wurden Testergebnisse des zehnten und zwölften Schuljahres aus den Fächern Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften (science) zwischen Schülerinnen und Schülern, die in musikalischen Kursen aktiv musiziert hatten und solchen, die keine musikalischen Kurse belegt hatten, verglichen. Innerhalb der musizierenden Gruppe wurde zudem differenziert zwischen Kursen in Instrumentalmusik (z.B. Orchester, Bands) und solchen in Vokalmusik (z.B. Chor, Jazz vokal).
Die Resultate bestätigen die Thesen der Autoren durchgehend; die Testergebnisse derjenigen Schülerinnen und Schüler, die Musikkurse belegt hatten – es sind bezeichnenderweise nur etwa 14% aller Schülerinnen und Schüler – liegen in allen Fächern über denen der anderen. Zudem wirkt sich eine intensiver betriebene musikalische Aktivität weiter leistungsverbessernd aus; dies gilt vor allem für die Gruppe der instrumental Musizierenden, deren Leistungen auffälligerweise durchwegs über denen der vokal Musikzierenden lagen. Am höchsten fällt der Abstand zur nicht-musizierenden Gruppe dementsprechend bei denjenigen Schülerinnen und Schülern aus, die Instrumentalmusik-Kurse besuchten und bei denen die Intensität der musikalischen Aktivität (die Anzahl der absolvierten Kurse) als sehr hoch eingestuft wurde. Wie die Autoren anmerken, entspricht der Leistungsabstand bei dieser Gruppe ungefähr dem eines ganzen Schuljahres.
Dass der positive Effekt der musikalischen Aktivitäten für den Bereich der Instrumentalmusik deutlich höher ausfällt als für jenen der Vokalmusik-Kurse, erklären die Autoren in erster Linie mit den unterschiedlichen Profilen und Lernzielen der jeweiligen Kurse; während in den betreffenden Instrumentalkursen ein hohes Mass an selbständiger Übarbeit und beispielsweise Fertigkeiten wie Notenlesen verlangt würden und man in den Kursen der zehnten bis zwölften Klassen meist jahrelange vorangegangene Arbeit mit dem Instrument voraussetzen könne, würden in den Vokalkursen demgegenüber deutlich tiefere Anforderungen und Eintrittsbedingungen gestellt.
Ans Ende des vorab im Internet veröffentlichten Artikels (s. Link unten) stellen die Autoren den Auf-ruf, die musikalischen Fächer an den Schulen zu stärken. Fortgesetz-tes Musizieren vom Kindesalter bis in die Adoleszenz könne den schulischen Leistungen auch in nicht- musischen Fächern zugutekommen, und je mehr musiziert werde, desto ausgeprägter könne dieser Effekt sich einstellen.
Quelle:
Guhn, M., Emerson, S. D., & Gouzouasis, P. (2019, June 24). A Population-Level Analysis of Associations Between School Music Participation and Academic Achievement. Journal of Educational Psychology. Advance online publication.