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Christoph Columbus sucht einen westlichen Seeweg nach Indien und entdeckt die Bahamas, Kuba und Hispaniola. Überzeugt, die Vorposten von Indien erreicht zu haben, nennt er die einheimischen «Indianer» und tauft das Gebiet auf den Namen Westindien.
Lange Zeit glaubte man, Columbus habe 1502 auf seiner vierten und letzten Amerika-Reise auch Santa Lemusa entdeckt. Jüngere Forschungen haben jedoch nun gezeigt, dass er höchstwahrscheinlich nur nahe an der Insel vorbeisegelte. Laut einer anderen These soll Juan de la Cosa der erste Europäer gewesen sein, der seinen Fuss auf die Insel setzte. Dieser weniger bekannte Entdecker hatte unter Columbus als Steuermann gedient – und soll Santa Lemusa schon 1499 betreten haben.
Die Spanier gründen Kolonien auf den grösseren Inseln der Karibik und später auch auch dem Festland. Mit Hilfe von Sklavenarbeit beuten sie die Bodenschätze aus. Die kleineren Inseln des östlichen Antillenbogens interessieren sie kaum. Dort nutzen andere europäische Mächte die Gelegenheit, in der Neuen Welt Fuss zu fassen: Die Franzosen, Briten, Niederländer und Dänen sind am Aufbau einer Plantagenwirtschaft interessiert. Die Besiedlung dieser kleinen Inseln wird den Europäern allerdings erst ab den 1620er Jahren gelingen – also mehr hundert Jahre nach der Entdeckung Amerikas. Auf den Weltkarten jener Zeit tauchen auch immer wieder Inseln auf, die sich mit Santa Lemusa identifizieren lassen könnten – zum Beispiel die Karte, die Juan Vespucci 1526 entwarf.
Unabhängig von allen historischen Tatsachen ist für die Bewohner von Santa Lemusa vor allem eine Legende von Bedeutung, die als eine Art Gründungsmythos der Insel gelten kann. Sie hat viel mit der schon früh beschriebenen Fruchtbarkeit dieser Weltengegend zu tun.
Für die Spanier waren die Kleinen Antillen mangels Bodenschätzen nicht sonderlich interessant – für Piraten aber schon. Die spanischen Schiffe mussten auf dem Rückweg nach Europa an diesen Inseln vorbei – die Antillen waren folglich ideale Ausgangspunkte für Angriffe auf die reich bepackten Galeonen. In den 1550er Jahren soll der Pirat François le Clerc, alias Jambe de Bois, ein Basislager auf Santa Lemusa eingerichtet haben – später folgte ihm Francis Drake. Die Präsenz dieses und anderer Piraten auf der Insel lässt sich zwar nicht nachweisen – kann aber auf jeden Fall nicht ausgeschlossen werden.
Laut einer anderen These waren aus St. Lucia fliehende Engländer die ersten Europäer, die Santa Lemusa betraten.
Als Reaktion auf die karibischen Aktivitäten anderer Nationen Europas gründet Richelieu 1626 die Compagnie des Isles d'Amérique. Wenig später besiedeln die Franzosen Guadeloupe und Martinique.
First Publication: 4-2007
Modifications: 20-2-2009, 30-9-2011