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Franz Schnyder und die Schweiz im Krieg
- Donnerstag, 7. Februar 2013, 12:22 Uhr
Franz Schnyders filmischer Umgang mit dem Thema Krieg war ambivalent. Er drehte einen hochpatriotischen Film wie «Gilberte», lieferte mit «Das Gespensterhaus» Eskapismushilfe und übte in seinem Film «Der 10. Mai» Gesellschaftskritik.
«Gilberte de Courgenay» (1941)
Sein Regiedebut als Regisseur gab der Schweizer Franz Schnyder mit der Verfilmung des Bühnenstücks «Gilberte de Courgenay» von Rudolf Bodo Mäglin. Den Zuschlag für die Produktion erhielt Schnyder dank seiner Schweizer Herkunft.
Erzählt wird die Geschichte um eine Kompanie Deutschschweizer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg in einem welschen Städtchen stationiert wird. Im Mittelpunkt steht dabei eine Wirtstochter, die mit ihrem Charme alle in ihren Bann zieht.
Die junge Anne-Marie Blanc erlangte mit der Rolle der Gilberte grosse Berühmtheit, ebenso wie das beliebte Volkslied aus dem Film. Die in hübsche Melodien verpackte geistige Landesverteidigung erzielte mitten im Zweiten Weltkrieg grosse Wirkung beim Schweizer Publikum. Der Film wurde zum Klassiker, der Generationen von Kino- und Fernsehzuschauern berührt hat.
«Das Gespensterhaus» (1942)
Eine gänzlich andere Form des möglichen Umgangs mit der Kriegsrealität um 1942 wird in Schnyders zweitem Film sichtbar. Die Komödie «Das Gespensterhaus» ist leichte Kost fürs Gemüt – und Ausdruck des herrschenden Eskapismus. In der Geschichte um ein Spukhaus inmitten der Berner Altstadt versucht ein junger Journalist, dem ominösen Treiben eines Verstorbenen auf den Grund zu gehen.
Das Werk traf den Geschmack der Schweizer. Diese fanden im leichten Stoff der Gruselkomödie eine willkommene Ablenkung vom Kriegselend im umgebenden Europa.
«Wilder Urlaub» (1943)
Als starken Kontrast zur patriotischen «Gilberte» realisierte Franz Schnyder 1943 den Film «Wilder Urlaub». Der Spielfilm nach einer Romanvorlage von Kurt Guggenheim handelt von einem Soldaten, der sich nach einem unglücklichen Zwischenfall von seiner Truppe absetzt. Nun steht er vor der schweren Entscheidung, zu desertieren oder nicht.
Mit «Wilder Urlaub» wollte Schnyder beweisen, dass er auch künstlerisch anspruchsvolle Filme schaffen könne. Tatsächlich lässt sich die Filmsprache mit dem amerikanischen «Film noir» vergleichen und die herausragende Bild-und Kameraführung begeisterte die Kritiker.
Dies ganz im Gegensatz zum Publikum, der Film war ein Misserfolg. Ein Soldat mit Dienstkoller widersprach dem Credo der geistigen Landesverteidigung. Danach dauerte es 10 Jahre, bis Franz Schnyder wieder bei einem Langspielfilm Regie führte.
«Der 10. Mai – Angst vor der Gewalt» (1957)
Der gesellschaftskritischste Film Franz Schnyders war «Der 10. Mai – Angst vor der Gewalt». Der Filmtitel bezieht sich auf den Tag der Mobilmachung der Schweiz im Jahr 1940, als Hitlers Truppen die Benelux-Länder besetzten. 17 Jahre später zeichnet der Regisseur ein kritisches Zeitbild der bedrohten Schweiz. Rund um die Figur eines deutschen Flüchtlings zeigt Schnyder auf, wie sich die Landsleute verhielten, als Gefahr drohte.
Um den Film produzieren zu können, machte sich Schnyder unabhängig. Er gründete eigens zu dem Zweck die Firma «Neue Film AG», eine Neuheit in der Schweiz. Das Weltkriegsdrama realisierte er somit auf eigene Rechnung – eine Kalkulation, die nicht aufging. Für eine kritische Vergangenheitsbewältigung war das Publikum noch nicht bereit, Schnyder erlitt mit seiner neuen Firma hohe finanzielle Verluste.