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Vor drei Jahren wurde Jacinda Ardern mit einem glänzenden Ergebnis als Premierministerin von Neuseeland gewählt. Sie galt schon zu diesem Zeitpunkt als weiblicher, progressiver Gegenpol zu Politikern wie US-Präsident Donald Trump.
Während jene sich eher an den Themen und Erfolgen vergangener Jahrzehnte orientierten, setzte die 40-jährige auf die Bewältigung der nächsten grossen Themen – Digitalisierung, Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit dominierten ihre Agenda.
Die Politik hat sie bisher ihr ganzes Leben lang begleitet – ausser einem Job in einem Imbiss war sie ab dem siebzehnten Altersjahr für die Labour-Partei tätig und arbeitete unter anderem für die frühere Premierministerin Helen Clark.
Auch ihre persönlichen Entscheide in ihrer ersten Amtszeit wurden von einem neuen Wind getragen: Als Premierministerin war sie die erste Regierungschefin weltweit, die sich für die Geburt ihres Kindes eine Auszeit nahm.
Grosse Anerkennung erfuhr sie dann aber international besonders auch wegen ihrer empathischen und entschiedenen Reaktion auf den Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch an der Ostküste von Neuseeland.
Ein Rechtsradikaler tötete 51 Menschen und verletzte beinahe ebenso viele schwer. Ardern trauerte aufrichtig mit, hörte den Betroffenen zu, spendete ihnen Trost, verzichtete auf Parteipolitik und trug bei einem Besuch der muslimischen Gemeinschaft ein Kopftuch – als Zeichen des Respekts und der Verbundenheit. Und nicht nur das: Entschieden trieb sie in kurzer Zeit eine tiefgreifende Verschärfung des Waffenrechts voran.
Die Regierungschefin der Labour Party war allerdings vor der Corona-Krise nicht unumstritten – aufgrund von Meinungsverschiedenheiten in der Regierungskoalition konnte sie einige ihrer innenpolitischen Ziele nicht verwirklichen. Dann aber navigierte sie Neuseeland bisher höchst erfolgreich durch die Pandemie und konnte zuletzt rekordträchtige Umfragewerte vorweisen.
Vor der vor kurzem erfolgten Wahl gaben 59,5 Prozent der Neuseeländer*innen an, sie weiterhin als Premierministerin zu wollen – der bisher höchste, je erzielte Wert dieser Umfrage und zudem um 20,8 Prozent höher als bei der letzten Befragung.
Es erstaunt deshalb wenig, dass Ardern und ihre Partei bei der Parlamentswahl im Oktober einen historischen Sieg erringen konnten. Ihre Partei gewann 64 der 120 Sitze und kann das erste Mal seit Jahrzehnten allein – ohne Koalition mit einer anderen Partei – regieren.
Die Wahl war ein Referendum über Arderns Corona-Politik, die mit strikten Lockdowns bisher dafür gesorgt hat, dass die Todeszahlen sehr tief blieben und das Land zu weitgehender Normalität zurückkehren konnte.