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Die Listeriose ist eine vorwiegend über verseuchte Lebensmittel verbreitete Infektionskrankheit. Die ursächlichen Bakterien – sogenannte Listerien – kommen in der Natur häufig vor. Für gesunde Erwachsene ist die Infektion meist harmlos, aber in der Schwangerschaft oder bei einer Abwehrschwäche kann sie sich schwerwiegend auswirken.
Die für eine Listeriose verantwortlichen Listerien sind vor allem über rohe Tierprodukte (Milch, Käse, Fleisch, Fisch) übertragbar. Eine Ansteckung ist aber auch über verunreinigte pflanzliche Lebensmittel (z.B. vorgeschnittener Salat), durch Kontakt mit verunreinigter Erde, in der Schwangerschaft über die Plazenta oder bei der Geburt möglich. Die Diagnose der Listeriose erfolgt durch den Nachweis der Bakterien im Blut, in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor), im Stuhl, in Körperflüssigkeiten (z.B. Nasen-, Rachen- oder Scheidenabstrich) sowie im Fruchtwasser.
Zwar verläuft eine Infektion mit Listerien bei gesunden Erwachsenen meist symptomlos, doch bei schwangeren Frauen oder bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann die Listeriose ernsthafte Folgen haben: Bei schweren Verläufen von Listeriose kann es zu Gehirnhautentzündung (Meningitis), Gehirnentzündung (Enzephalitis) und Blutvergiftung (Sepsis) mit hoher Sterblichkeit kommen. Eine Infektion von Ungeborenen kann zu Fehlgeburten oder Totgeburten oder zur Neugeborenen-Listeriose führen, die in 30 bis 50 Prozent der Fälle tödlich endet.
Wenn eine Listeriose mit erhöhtem Risiko verbunden ist, sind daher wirksame Massnahmen zur Vorbeugung der Infektion besonders wichtig. Dazu zählen vor allem der hygienische Umgang mit Lebensmitteln und der Verzicht auf möglicherweise mit Listerien verseuchte Nahrung.
Die Listeriose ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Die ursächlichen Bakterien bezeichnet man als Listerien. Listerien-Infektionen kommen vor allem bei Haustieren und Wildtieren vor. Ein Erreger der Listeriose, Listeria monocytogenes, kann aber auch den Menschen krank machen. Damit gehört die Listeriose zu den sogenannten Zoonosen (= von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten).
Sowohl die Listeriose als auch ihre Erreger sind nach Joseph Baron Lister (1827 bis 1912), einem britischen Chirurgen, benannt. Er führte erfolgreich Untersuchungen zur Wundheilung durch und konnte zeigen, dass Wundinfektionen durch Erreger von aussen entstehen.
Die für Listeriose verantwortlichen Listerien weisen eine grosse Häufigkeit auf: Sie kommen praktisch überall vor. Doch obwohl das Listerien-Vorkommen gross ist, infizieren sich Menschen mit gesunder Immunabwehr selten. Noch seltener entwickeln sie durch die Listerien-Infektion eine Erkrankung, die sich dann oft nur in Form einer leichten fieberhaften Reaktion zeigt. Meist verläuft die Infektion unbemerkt.
In der Schweiz tritt die Listeriose mit einer Häufigkeit von durchschnittlich etwa 20 bis 60 Fällen pro Jahr auf.
Beim direkten Nachweis von Listerien im Blut, in Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) oder in anderen Körperflüssigkeiten sowie beim Abstrich von Neugeborenen ist die Listeriose meldepflichtig.
Eine Listeriose hat ihre Ursachen in Infektionen mit bestimmten Krankheitserregern, die auf verschiedenen Wegen übertragbar sind.
Die einer Listeriose als Ursachen zugrunde liegenden Erreger sind bestimmte Bakterien: die sogenannten Listerien. Listerien sind weltweit verbreitet. Der wichtigste Erreger der Listeriose beim Menschen ist Listeria monocytogenes: ein stäbchenförmiges Bakterium, das in der Natur praktisch überall vorkommt – im Wasser, im Boden und auf Pflanzen. Es findet sich in Abwässern, in Futtermitteln sowie auch im Kot von Tieren und im Stuhl von gesunden Menschen. Listerien sind in der Lage, sich noch bei niedrigen Temperaturen von etwa vier Grad Celsius (Kühlschrank) zu vermehren.
Für eine Listeriose kommen als Ursachen verschiedene Übertragungswege infrage. Die häufigste Ursache für die Übertragung der Infektionskrankheit ist der Verzehr von mit Listerien verseuchten Lebensmitteln: Diese Bakterien finden sich vor allem in Milch und Milchprodukten (v.a. in Käse), in rohem Fleisch (Hackfleisch) und Fleischerzeugnissen (z.B. Rohwurst wie Salami), Geflügel, geräuchertem oder mariniertem Fisch (z.B. Herings- oder Makrelenkarbonade) sowie in Schalentieren. Listerien sind aber auch auf verunreinigten pflanzlichen Lebensmitteln zu finden oder können durch nachfolgende Verarbeitung auf listerienfreie Lebensmittel gelangen. Durch den Verzehr der verunreinigten Lebensmittel gelangen die Bakterien in den menschlichen Körper.
Ein weiterer möglicher Infektionsweg ist ein direkter Kontakt mit an Listeriose erkrankten Tieren oder mit verunreinigtem Erdboden, etwa in der Landwirtschaft oder bei der Gartenarbeit. Ursache für die Übertragung der Listerien von Mensch zu Mensch kann – bei Besiedlung des Urogenitaltrakts – Geschlechtsverkehr sein.
Ausserdem kann eine Frau, die mit Listerien infiziert und schwanger ist, ihr Kind anstecken: Mögliche Ursachen für die Ansteckung des Ungeborenen in der Schwangerschaft sind die Übertragung der Listerien über die Plazenta (transplazentar) sowie die Infektion während der Geburt bei der Passage durch den Geburtskanal. Nach der Geburt ist die Listeriose auch durch engen Mutter-Kind-Kontakt übertragbar.
Eine seltene Ursache für Listeriose ist die Spitalinfektion (nosokomiale Infektion). Hiervon betroffen sind Menschen mit geschwächter Immunabwehr: Wenn beispielsweise zu früh geborene Kinder auf der Neugeborenenstation oder Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen auf der Intensivstation mit Listerien in Kontakt kommen, besteht das Risiko einer Übertragung. Mögliche Infektionsquellen können Mitpatienten oder gesundes Klinikpersonal sowie verseuchte Lebensmittel sein.
Wer sich mit Listerien infiziert hat, kann die Bakterien mehrere Monate lang über den Stuhl ausscheiden. Finden sich im Stuhl keine Listerien mehr, ist keine Ansteckung möglich. Eine Übertragung der Listeriose über Muttermilch ist nicht möglich, weshalb betroffene Frauen bedenkenlos stillen können.
Bei der Listeriose beträgt die Inkubationszeit (d.h. die Zeit zwischen der Infektion mit Listerien und dem Auftreten der Symptome) je nach Infektionsweg 1 bis 70 Tage (durchschnittlich ist die Inkubationszeit 3 Wochen lang).
Bei gesunden Erwachsenen verläuft eine Listeriose meist ohne erkennbare Symptome, bleibt also unbemerkt (inapparent). Gelegentlich kann eine Infektion mit den Erregern der Listeriose (Listerien) zu Anzeichen einer leichten Grippe führen. Der Verzehr verseuchter Lebensmittel kann auch nach ein paar Stunden bis zu zwei Tagen eine schwere Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis) mit Fieber, Erbrechen und Durchfall auslösen, die jedoch von selbst abklingt. Erfolgt die Ansteckung über verunreinigten Erdboden oder infizierte Tiere, können an den Kontaktstellen – meist an den Händen – pustelartige Veränderungen auftreten.
Wer ein geschwächtes Immunsystem hat, entwickelt nach einer Infektion mit Listerien mit grösserer Wahrscheinlichkeit stärkere Listeriose-Symptome. Anzeichen für die ausgeprägte Form der Listeriose sind Fieber, starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Örtliche Entzündungen und Durchfall sind weitere mögliche Beschwerden bei Listeriose. Bei einer Immunschwäche kann die Listeriose lebensbedrohliche Ausmasse annehmen und zu schweren Komplikationen wie Blutvergiftung (Sepsis), Gehirnhautentzündung (Meningitis) und Gehirnentzündung (Enzephalitis) führen. Je nach Verlaufsform können sich Granulome (Listeriome) und Abszesse in den inneren Organen ausbilden.
Eine Listeriose in der Schwangerschaft äussert sich durch Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Auch Harnwegsinfektionen können auftreten. Im letzten Drittel der Schwangerschaft (3. Trimester) ist das Risiko für eine Übertragung der Listeriose über die Plazenta auf das ungeborene Kind besonders hoch.
Säuglinge mit Listeriose entwickeln deutliche Symptome einer Erkrankung: Sie sind apathisch, trinken auffällig wenig und zeigen häufig einen über den ganzen Körper verteilten Ausschlag. Möglich sind auch Krampfanfälle. Es kommt zu Erbrechen und Atemnot bis hin zum Atemstillstand. Die schwerste Verlaufsform der Listeriose bei Säuglingen stellt die septische Neugeborenen-Granulomatose dar.
Die Listeriose weist keine kennzeichnenden Symptome auf, anhand derer die Diagnose möglich ist. Daher lässt sich die Listeriose schwer von anderen Infektionskrankheiten, wie etwa einer schweren Erkältung oder einer Grippe, abgrenzen.
Zur sicheren Diagnose der Listeriose ist es notwendig, die ursächlichen Bakterien (Listerien) nachzuweisen. Der Erregernachweis kann im Blut, in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor), im Stuhl und in Körperflüssigkeiten (z.B. Scheiden-, Nasen- oder Rachenabstrich) sowie im Fruchtwasser erfolgen. Die serologische Untersuchung – also die Überprüfung der Antikörperkonzentration – spielt bei der Diagnose der Listeriose nur eine untergeordnete Rolle, denn: Die meisten Menschen waren beziehungsweise sind bereits mit Listerien infiziert, so dass sich in ihrem Blut entsprechende Antikörper finden, obwohl sie gesund sind.
Bei einer Listeriose erfolgt eine Therapie mit Antibiotika, die gezielt gegen die ursächlichen Bakterien (Listerien) wirken. Am häufigsten besteht die Behandlung aus dem Antibiotikum Amoxicillin. Häufig kommt zusätzlich ein Aminoglykosid zum Einsatz. Als mögliche Alternative gilt Cotrimoxazol.
Die Listeriose ist mit einem hohen Risiko für Rückfälle (Rezidive) verbunden. Deshalb ist es ratsam, die Antibiotika mindestens 3 Wochen lang einzunehmen, damit sie wirklich alle Listerien im Körper abtöten. Bei einer schweren Listeriose mit Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder Hirnabszess beträgt die empfohlene Dauer der Therapie sogar 6 Wochen, bei Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) 4 bis 6 Wochen.
Eine Listeriose nimmt bei Menschen mit gesundem Immunsystem meistens einen symptomlosen oder milden Verlauf. Nach einiger Zeit heilt die Infektion mit den ursächlichen Bakterien (Listerien) von selbst aus. Weniger günstig ist die Prognose hauptsächlich bei geschwächter Immunabwehr:
Vor allem während der Schwangerschaft, bei Neugeborenen, in höherem Alter, bei chronischen Erkrankungen (wie Tumoren, AIDS), nach Organtransplantationen oder während einer Behandlung mit Glukokortikoiden zeigt die Listeriose oft einen schweren Verlauf. Infiziert sich beispielsweise das Ungeborene über die Plazenta mit Listerien, kann es zu einer Fehlgeburt oder Totgeburt kommen. Die Sterblichkeit der Neugeborenen-Listeriose liegt bei bis zu 50 Prozent. Für abwehrgeschwächte Menschen mit kompliziert verlaufender Listeriose ist die Prognose mit einer etwa 30-prozentigen Sterblichkeitsrate ebenfalls sehr ungünstig.
Besonders bei einem geschwächten Immunsystem kann eine Listeriose in ihrem Verlauf zu Komplikationen führen: Bei immungeschwächten Menschen kann die Listerien-Infektion beispielsweise mit Blutvergiftung (Sepsis), Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Gehirnentzündung (Enzephalitis) einhergehen.
Es gibt keine Impfung gegen Listeriose. Daher bestehen die wichtigsten Massnahmen zum Vorbeugen einer Listeriose darin, vor allem beim Umgang mit Lebensmitteln auf ausreichende Hygiene zu achten und unter Umständen auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Folgendes kann dazu beitragen, eine Listeriose zu vermeiden: