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Seit mehr als 200 Jahren werden potenzierte Arzneimittel in alternativen Therapieformen wie der Homöopathie oder der Anthroposophischen Medizin erfolgreich eingesetzt. Aus naturwissenschaftlicher Sicht sind spezifische Wirkungen dieser Arzneimittel jedoch noch immer umstritten, da sie während des Herstellungsprozesses z.T. so stark verdünnt werden, dass sie kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr enthalten (Potenzstufen > C12 bzw. D24). Auch ist die Wirkungsweise dieser Arzneimittel bis heute ungeklärt. Daher werden mögliche Effekte der Arzneimittel häufig auf den sogenannten Placeboeffekt zurückgeführt.
Ziel dieser Untersuchung war es, ein pflanzliches Testsystem zu entwickeln, mit dem die Effekte von potenzierten Substanzen untersucht werden können. Als Testorganismen wurden Wasserlinsen (Lemna gibba L.) ausgewählt. Diese Organismen werden häufig als empfindliche Indikatororganismen in ökotoxikologischen Untersuchungen eingesetzt.
Die Wasserlinsen wurden unter streng kontrollierten Laborbedingungen in verschiedenen Potenzstufen (D 14 bis D 30) einer frisch potenzierten Testsubstanz oder den entsprechenden Kontrollen (unpotenziertes und einmal potenziertes Wasser) kultiviert und ihr Wachstum über eine Woche gemessen.
Um zu ermitteln, welche Testsubstanzen für grössere experimentelle Serien mit Wasserlinsen geeignet sind, wurden zunächst Screening-Experimente mit 12 verschiedenen potenzierten Substanzen durchgeführt [1]. Aufgrund der Ergebnisse wurden dann die vier Substanzen Gibberellin, Kinetin, Argentum nitricum und Lemna minor ausgewählt und die Experimente mehrfach unabhängig wiederholt.
Das Pflanzenhormon Gibberellin beeinflusste die Wachstumsrate der Wasserlinsen über 7 Tage am deutlichsten. Die Potenzstufen D15, D17, D18, D23 und D24 reduzierten die Wachstumsrate statistisch signifikant im Vergleich zur Wasserkontrolle. Die Ergebnisse bestätigten Literaturhinweise aus füheren Studien mit homöopathischen Potenzen, nach denen sich nebeneinanderliegende Potenzen in ihrer Wirkung auf biologische Testsysteme stark unterscheiden können. Eine ausführliche Darstellung der Ergenisse ist in der Publikation von Scherr et al. 2009 zu finden [2].
Um beurteilen zu können, ob es sich bei den gemessenen Effekten um wirkliche Effekte der Potenzen und nicht um falsch positive Resultate handelt, wurde die Stabilität des Testsystems in sechs systematischen Negativ-Kontroll-Experimenten dokumentiert, d.h. alle Bechergläser in einem Experiment beinhalteten nur Wachstumsmedium ohne zugesetzte Testsubstanzen. Es ergaben sich keine Hinweise auf Systeminstabilitäten während der Experimente [2]. Zusätzlich wurde das Wachstum der Wasserlinsen in allen unbehandelten und unpotenzierten Wasserkontrollen über ein Jahr beobachtet und gemessen. Trotz konstanter Bedingungen im Labor veränderte sich die Wachstumsrate der Wasserlinsen im Jahresverlauf deutlich. Diese Beobachtung führte zur Hypothese, dass die natürliche Variabilität in Wachstum und Stoffwechselaktivität im Laufe eines Jahres mit einer ausgeprägten Periodizität der Wasserlinsen in Zusammenhang stehen könnte, welche in zukünftigen Laborexperimenten berücksichtigt werden sollte [3]. Für die Übernahme der Publikationskosten dieses Artikels danken die Autoren Sampo recht herzlich.
[1] C. Scherr, M. Simon, J. Spranger, S. Baumgartner. Duckweed (Lemna gibba L.) as a test organism for homeopathic potencies. Journal of Alternative and Complementary Medicine 2007; 13(9):931-937.
[2] C. Scherr, M. Simon, J. Spranger, S. Baumgartner. Effects of potentised substances on growth rate of the water plant Lemna gibba L. Complementary Therapies in Medicine 2009; 17:63-70.
[3] C. Scherr, M. Simon, J. Spranger, S. Baumgartner. Test system stability and natural variability of a Lemna gibba L. bioassay. PloS ONE 2008; 3(9):e3133.
Förderung durch Sampo: 8.000 CHF
Weitere Dokumente:
Artikel zum Biotest mit Wasserlinsen (Lemna gibba) (PDF)