Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03600.jsonl.gz/1824

DER FISCHER – Ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe
Eine lustvolle Anima-Vision
Das Gedicht «Der Fischer» von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt die magische Erscheinung einer Meerjungfrau am Steg eines Fischers.
Die Anima – Quelle der Inspiration
Das Weibliche übt seit jeher auf Männer und insbesondere auf Künstler eine grosse Faszination aus. Dieser Ur- oder ARCHETYP von Weiblichkeit wurde von C.G. Jung ANIMA genannt. Die Anima als inneres Frauenbild des Mannes ist Muse und Inspiration zu Höchstleistungen, Hure oder Göttin, Sehnsucht oder Sucht.
C.G. Jung schreibt über die Meerjungfrau in Goethes Gedicht «Der Fischer»:
Die Nixe ist eine noch instinktivere Vorstufe eines zauberischen weiblichen Wesens, welches wir als Anima bezeichnen .[1]
Die Anima in «Der Fischer» als Meerjungfrau
In seinem Gedicht «Der Fischer» beschreibt Goethe eine imaginäre Begegnung mit dem Fabelwesen der Meerjungfrau. Sie spricht zu ihm, rührt etwas in ihm an und zieht ihn schliesslich zu sich in die Tiefe hinab.
Die Meerjungfrau als ANIMA-Gestalt ist ein Symbol für die innere Frau des Mannes, welche noch nicht sehr entwickelt ist. Als Wesen aus dem WASSER gehört sie zum kollektiven Unbewussten und zum Bereich der Triebe. Sie können zu einem Kontrollverlust des Bewusstseins führen (s. Das Bewusstsein und das Unbewusste).
Als Vergleich: Die Anima in Goethes Faust
Im Gegensatz dazu thematisiert Goethe zum Beispiel in seinem Faust die Anziehungskraft der Anima in der Figur des unschuldigen Gretchens (als JUNGFRAU) und der schönen Helena als GÖTTIN. Die erhabene Vorstellung von Weiblichkeit hat ihn zum Satz inspiriert:
«Das ewig Weibliche zieht uns hinan.»
Der Fischer wird von der Meerjungfrau jedoch hinab gezogen.