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Jean arbeitete auf dem Bau und ging jeden Tag in die Kirche. Jeden Tag. Wirklich. Er ging dahin, wenn sonst kaum jemand hinging, wenn keine Gottesdienste stattfanden. Punkt 11.55 Uhr betrat er die Kirche, exakt fünf Minuten später kam er wieder heraus. Die Leute nahmen Notiz davon, befragten den Priester, aber der kannte den Mann nicht und wusste nicht, was der jeden Tag zwischen 11.55 Uhr und 12.00 Uhr in der Kirche – in seiner Kirche tat. Ein auffälliges Verhalten, schien es dem Priester, fast ein bisschen lusch. Auch der Sakristan wusste nichts Näheres, schaute aber, dass er in den nächsten Tagen kurz vor zwölf Uhr in der Kirche zu tun hatte.
Der Mann, also: Jean – das wusste der Sakristan aber noch nicht – betrat wie erwartet um 11.55 Uhr die Kirche, sass genau fünf Minuten ruhig in einer Bank und ging dann wieder. Beim dritten Mal sprach der Sakristan ihn beim Hinausgehen an und fragte, was er denn da so regelmässig mache? «Ich setze mich», sagte der Mann, «grüsse Jesus Christus und sage ihm: Ich bin Jean. Ein anderes Gebet kenne ich nämlich nicht.»
Woher ich das weiss?
Die Geschichte von Jean erzählte mir ein Patient an der Insel. Jean sei über lange Zeit in einer schwierigen Situation gewesen und habe sehr viel Mut gebraucht.
Der Patient selbst hatte auch langwierige Probleme, mit seinem Bewegungsapparat, und musste viele Enttäuschungen hinnehmen und aushalten. Trotzdem strahlte er eine berührende Stärke aus und schien fast unpassend fröhlich zu sein. Das komme daher, erklärte er mir, dass er in so vielen Insel-Begegnungen ein leises «Ich bin Jesus Christus» heraushöre, es sei wunderbar.
Die Spiegelung der Jean-Geschichte berührte mich. «Ich bin aber nicht Jesus Christus», wollte ich entgegnen, sagte es aber nicht. Nicht alles Verkehrte ist falsch.
Ich ging weiter und stellte fest, wie ansteckend Zuversicht manchmal sein kann.