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Ein älteres Ehepaar sitzt mit seiner Tochter im Salon, ein paar Guetzli vor sich auf dem Tisch liegend, scheinbar auf die Tasse Kaffee wartend: Was aussieht wie die normalste sonntägliche Familienzusammenkunft der Welt, ist im Fall von Ex-König Albert II., 86, seiner Frau Paola, 83, und Delphine Boël, 52, eine kleine Sensation. Denn: Bis vor einem Jahr wollte der frühere Regent Belgiens nicht zugeben, dass Boël seine Tochter ist. Nun hat er sie zum ersten Mal in seiner Rolle als Vater getroffen.
Gerichtsstreit zog sich lange hin
Dem allem Anschein nach lockeren Treffen war ein jahrelanger Gerichtsstreit vorausgegangen. Bereits 1997 hatte Boël, eine renommierte Künstlerin, behauptet, die uneheliche Tochter Alberts zu sein. Nach ihrer Darstellung hatten der damalige Prinz und ihre Mutter Sybille de Sélys Longchamps eine fast 20 Jahre andauernde Affäre, was Albert allerdings stets bestritten hatte.
Kurz nach Alberts Abdankung als König beantragte Boël 2013 die gerichtliche Klärung der Vaterschaft, was er zunächst verweigerte. Im November 2018 wurde entschieden, dass sich der Ex-König innerhalb von drei Monaten einem Vaterschaftstest unterziehen müsse, was er allerdings nicht tat. Im Mai 2019 verhängte das Gericht in Brüssel ein tägliches Zwangsgeld von 5000 Euro, solange er sich dem Test verweigern würde. Schliesslich wurde der DNA-Test im Mai 2019 durchgeführt; im Januar dieses Jahres liess Albert schliesslich über seine Anwälte ausrichten, dass er der biologische Vater Boëls sei.
Anfang Oktober dann hatte das zuständige Gericht in Brüssel endgültig im Sinne Boëls entschieden. Seither darf sie sich offiziell Prinzessin von Belgien nennen. Auch ihre Kinder Joséphine, 16, und Oscar, 12, tragen nun königliche Titel.
«Zeit für Versöhnung»
Nun also haben sich Albert II. und Boël zum ersten Mal privat getroffen. Mit dabei war auch Alberts Ehefrau – und das, obwohl seine Tochter gezeugt wurde, als Paola bereits mit ihm verheiratet war. Dabei soll die aussereheliche Affäre kein einmaliger Ausrutscher gewesen sein, sondern gemäss Boël von 1966 bis 1984 bestanden haben.
Doch auch Paola scheint mit der Vergangenheit ihren Frieden geschlossen zu haben und liess es sich nicht nehmen, beim Treffen ihres Mannes und dessen unehelichen Tochter im Château du Belvédère dabei zu sein. Die Streitereien vor Gericht sind demzufolge Schnee von gestern, wie der belgische Palast mitteilt. «Nach den Turbulenzen, Leiden und Verletzungen ist es Zeit für Vergebung, Heilung und Versöhnung.»
In der Familie angekommen
Mit dem Besuch hat Delphine Boël auch den wohl zentralsten Teil ihrer neuen Familie kennengelernt: Albert als ihr Vater. Bereits vor kurzem war sie bei ihrem Halbbruder König Philippe, 60, zu Besuch. «Es war eine herzliche Begegnung», teilten die beiden Geschwister danach mit. «Eine lange und reiche Diskussion gab uns die Gelegenheit, uns kennenzulernen. Wir sprachen über unser jeweiliges Leben und Bereiche von gemeinsamem Interesse. Diese Bindung wird sich im familiären Umfeld weiterentwickeln.»
Im Anschluss daran liess auch Albert sein Herz erweichen. Er teilte mit, dass er sich auf bessere Tage mit seiner nun anerkannten Tochter freue. «Ich unterstütze voll und ganz das Communiqué, das der König und Prinzessin Delphine gerade veröffentlicht haben, und ich schliesse mich dem Geist dieser Botschaft an.»
Nun also ist Delphine am Ziel angekommen – nach vielen Turbulenzen. Sie habe lange für etwas kämpfen müssen, das zu ihr gehöre, sagte sie nach der Gerichtsverhandlung gegenüber «60 Minutes». «Dies ist das Ende einer quälenden Zeit.» Jetzt allerdings fühle sie sich geliebt – «es geht in eine gute Richtung», sagte sie im Rahmen der Präsentation eines neuen Kunstwerks gemäss «Berliner Zeitung».
Dass sie sich so vehement für Alberts Anerkennung seiner Vaterschaft eingesetzt hat, hatte derweil nichts mit dessen Rang als Ex-König zu tun, wie Boël im Interview mit dem TV-Sender «VRT» betonte. Um den finanziellen Aspekt ist es ihr vor Gericht nie gegangen. «Ich hätte das genauso gemacht, wenn mein Vater Zoodirektor oder ein Verbrecher gewesen wäre.»