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Alptriebe
Früher war der Claridengletscher eine blühende Alp. Sie gehörte einem reichen Talbauern, der seinen Sohn im Frühling mit dem Vieh auf die Alp schickte. Der aber, statt Alp und Vieh zu pflegen, trieb es mit der schönen Kathry. Kathry war je nach Quelle entweder seine Geliebte, seine Magd oder seine Hure. Die beiden trieben es verschwenderisch und wild. Der Senn vergötterte Kathry dermassen, dass er den Weg vom Käsegaden zur Hütte mit Käselaiben auslegte, damit ihre Füsse nicht schmutzig würden. Als die Mutter eintraf, um den Sommer auf der Alm zu verbringen, fühlten der Senn und seine Geliebte sich vom ungebetenen Gast in ihrem Treiben gestört. Der Senn vergraulte seine Mama gründlich, behandelte sie schlechter als seinen Hund Parysi. Als er ihr eine mit Pferdemist aromatisierte Milchspeise vorsetzte, machte die Mutter sich auf dem Weg ins Tal, nicht ohne den missratenen Sohn, sein Weib und die ganze Alp zu verfluchen.
Der Fluch
In der darauf folgenden Sommernacht begann es zu schneien. Es schneite so lange und lawinenartig, bis die Alp und alles Leben zugeschneit und hoch mit Schnee und Eis bedeckt war. So entstand der Claridengletscher. Und das einzige, was von der Alp darunter zeugt, ist Brändi, die Treichelkuh des Sennen, die manchmal auf dem Eis auftaucht und gemolken werden möchte, damit Senn, Hure, Hund und Alp wieder erlöst würden. Kann eine Verfluchung solche Naturgewalten auslösen? Dr. Jakob Bösch, Psychiater und Experte der Swiss-Mystery-Redaktion für Paranormales: «Wenn Segnungen wirkten, so täten dies auch Verfluchungen, meinen die einen. Sie verweisen auf die Bibel, die berichtet, Jesus hätte einmal einen Feigenbaum verwünscht, der daraufhin verdorrt sei. Andere halten das für Aberglauben. Beispielsweise sei US-Präsident George W. Bush wegen des Irakkrieges millionenfach verwünscht worden und lebe doch in vollem Wohlbefinden weiter.»
Wahr oder nicht wahr?
Erzählt wird die Geschichte von der verfluchten Alp seit langem. Als erster aufgeschrieben hat sie der Zürcher Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer im Jahr 1705, und das gleich in mehreren Versionen. Der damalige Priester von Unterschächen, Karl Joseph Arnold, habe ihm damals selbst erzählt, er sei einst als junger Priester hinauf gestiegen und habe den verfluchten Senn laut herausgefordert. Daraufhin habe die Erde gebebt, er sei beinahe von Steinen erschlagen worden und wieder ins Tal geflohen. Kann es Zufall sein, dass auch von andern Gletschern ähnliches berichtet wird, etwa vom Unteraargletscher und vom Walliser Turtmanngletscher? Und dass die Frau in allen Varianten Kathrin oder Kathry hiess und der Hund Parysi oder Pari? Nur die Geisterkuh Brändi hat man andernorts nicht gesehen. Sie gehört zum Claridengletscher. Einer soll es übrigens tatsächlich einmal geschafft haben, sie zu melken. Aber aus den Eiszapfen an ihrem Euter soll Blut geflossen sein. Seither, so heisst es, hätte es keiner mehr versucht.
Tourenfotos August 2011
Abstieg: Gleich wie Aufstieg oder über die Ostseite auf den Claridenfirn.
Auf der Höhe von etwa 3000 m nach Süden Richtung Clariden-/Hüfipass.
Am Südfuss des Claridenhorns nach rechts Richtung Chammlijoch (3031 m). Vom Joch über Iswändli und Tierälpligrat zurück zum Klausenpass.
Zum Clariden sind es rund 1350 Höhenmeter und etwa 4 Std.
SAC-Schwierigkeitsgrad: WS - wenig schwierig.