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VN97-2
Crevetten sind kein Gemüse, Herr Schawinski!
... sondern Tiere mit Augen und Fühlern. Und trotzdem gibt es Menschen, die sich Vegetarier nennen, wenn sie Fisch oder Crevetten und ähnliches essen. Zu letzteren gehört der Radio-24-Chef Roger Schawinski. Auf meine Frage, was er als Jude zum grausamen rituellen Schlachten von Tieren nach jüdischer Tradition (Schächten) meine, antwortete er, dies ermögliche den Juden, Fleisch zu essen, da er aber Vegetarier sei, habe er damit nichts zu tun. In einem Interview mit der Schweizer Illustrierten nannte Schawinski dann als Lieblingsgericht "Shrimps" (das englische Wort für Crevetten).
Da stimmt einiges nicht: Crevetten sind nicht koscher, dürften also nach den
jüdischen Ess-Vorschriften gar nicht gegessen werden. Und vegetarisch sind sie sowieso
nicht. Nichtsdestodennoch hält Schawinski, der selbst sowohl die Regeln der koscheren wie
auch der vegetarischen Ernährung missachtet, das grausame Schächten zur Produktion von
koscherem Fleisch für notwendig.
Das Thema Schächten ist nicht nur bei Schawinski eine Frage der moralischen Ehrlichkeit: Wer glaubt, dass ihm die jüdischen Religionsvorschriften den Genuss von Fleisch aus humaner Schlachtung verbieten, der könnte das tierquälerische Schächten ganz einfach durch vegetarische Ernährung. D a s wäre wirklich eine religiöse Haltung, und bekanntlich erst noch viel gesünder, als Fleischnahrung.
Die Schächttradition ist auch in sich unehrlich, denn sie beruht darauf, dass der
Genuss von Blut verboten ist, weil darin die Seele des getöteten Tieres enthalten sei.
Nun ist aber längst erwiesen, dass die Ausblutung beim Schächten keineswegs besser ist
als bei moderner Schlachtung mit Betäubung. Erwiesen ist auch, dass bei jeder
Schlachttechnik immer intramuskuläres Blut zurückbleibt. Wer die jüdischen Speiseregeln
ernst nimmt, müsste sich auch aus diesem Grund vegetarisch ernähren.
Die Regeln des koscheren Essens wären - ernst genommen - durchaus sinnvoll. Sie schränken grundsätzlich den Fleischgenuss ein, indem im vornherein nur das Fleisch von bestimmten Tierarten zulässig (koscher) ist. Zum Beispiel ist Schweinefleisch nicht koscher. Dass Fleischgenuss nicht gänzlich verboten ist, muss als Kompromiss der damaligen Religionsführer an die Fleischgier der Menschen verstanden werden. Das betäubungslose Schlachten stand damals mit Sicherheit überhaupt nicht zur Diskussion, da humane Betäubungsmethoden erst in der Neuzeit entwickelt worden sind. Es ist dogmatischer Traditionalismus, wenn diese modernen Betäubungsmethoden aus angeblich religiösen Gründen abgelehnt werden. Wenn solcher Traditionalismus mit Grausamkeiten verbunden ist, ist er nicht mehr Privatsache.
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