Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03392.jsonl.gz/800

In verschiedenen Kontexten steht Wiederholung terminologisch gebunden für verschiedene Sachen:
Als Wiederholen bezeichne ich, etwas nochmals zu machen.
Dabei unterscheide ich verschiedene Fälle. Wenn ich eine Prüfung wiederholen muss, darf ich natürlich nicht wiederholen, was ich falsch gemacht habe, und wenn ich ein Lied nochmals singe, gelingt es mir nicht, es nochmals gleich zu singen.
Metapher: Ein Mechanismus "wiederholt" dieselbe Operation. Ein mechanischer Türschliesser schliess immer wieder dieselbe Tür auf dieselbe Art. Aber ein Türschliesser tut natürlich nichts, er wird beim Tun, beim Türschliessen. verwendet.
Ein spezieller Fall ist die bewusst programmierte Iteration mit einem Abbruchkriterium. Dabei bezeichnet Wiederholung (lateinisch Iteration) einen Programmteil, der solange ausgeführt wird, bis ein Abbruchkriterium erfüllt wird. Der programmierte Computer ist aber eine Maschine, die - im Sinne einer Tätigkeit - nicht tut, also auch nichts wiederholt.
Mit Gesetzen beschreibe ich, was sich wiederholt. Und beim Kopieren wiederhole ich das Herstellen von Instanzen.
Bei einigen Philosophen ist Wiederholen ein kritischer Begriff:
F. Nietzsche spricht von der "Ewigen Wiederkunft des Gleichen", dem zufolge sich (im Gegensatz zur linearen Zeit) alle Ereignisse unendlich oft wiederholen.
H. Arendt unterscheidet Arbeit und Herstellen so, dass Arbeit ein Kreislauf darstellt, der sich wiederholt, während das Herstellen ein Anfang und ein Ende hat.
J. Derrida bezeichnet mit Iteration die Wiederholung eines Begriffs im Diskurs, wobei sich dessen Bedeutung mit jeder Wiederholung verändert. Jede Iteration hat vielmehr eine Variation der Bedeutung zur Folge, die dem ursprünglichen Begriff etwas hinzufügt und ihn bereichert. Eine ursprüngliche Definition von Begriffen kann es demnach nicht geben. (Jacques Derrida: „Signatur Ereignis Kontext“ in: Peter Engelmann (Hrsg.): Randgänge der Philosophie, Passagen, Wien 1988). Obschon J. Derrida den Begriff popularisiert hat, hat schon Edmund Husserl den Begriff (mehr oder weniger terminologisch) verwendet: bspw. in den Vorlesungen zur Phänomenologie des inneren Zeitbewusstseins: „Das zeitkonstituierende Kontinuum ist ein Fluss stetiger Erzeugung von Modifikationen und Modifikationen. Vom aktuellen Jetzt aus, der jeweiligen Urimpression u, gehen die Modifikationen im Sinn von Iterationen, aber stetig vorwärts, sie sind nicht nur Modifikationen in Beziehung auf u, sondern auch der Reihe nach Modifikationen voneinander in der Reihenfolge, in der sie verlaufen.“ (S. 451).
G. Deleuze bezieht Wiederholung auf die wiederholte Benennung derselben Singularität
Revolution , zb die französische: Sie ist KEIN Beispiel für Revolutionen, es gibt sie nur einmal, aber sie ist immer noch "unterwegs" was als Wiederholung gedeutet wird: jedes Mal wenn ich von ihr spreche, OHNE über sie zu sprechen. Es gibt einen Verweis auf Marx: Die Perspektive auf Lohnarbeit/Mehrwert
Theater
als Repräsentation oder als Ereignis, dessen Wahrnehmung bewegt, es wird nicht etwas anderes erzählt, es ist keine Bericht und keine Abbildung ...
[wp]