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Blindheit trennt von den Dingen, Taubblindheit von den Menschen.
Helen Keller
Dieser Kurs richtet sich an Betroffene, deren Angehörige, aber auch an Kursleitende und freiwillige Mitarbeitende.
Lormen und die Sprache der Haptik ermöglichen eine fliessende und schnelle Kommunikation für Betroffene und deren Umfeld. In einem Tageskurs ist es Ihnen möglich, diese genialen ergänzenden Sprachen zu lernen.
Hieronymus Lorm (1821 – 1902), Erfinder des Lorm-Alphabets
Hieronymus Lorm wurde am 9. August 1821 in Nikolsburg (Mähren) als Sohn des jüdischen Kaufmanns Christian Landesmann geboren. Mit 15 Jahren ertaubte er nach langer Krankheit und musste sein Musikstudium aufgeben. Als Schriftsteller siedelte er zuerst nach Berlin, dann 1853 nach Baden bei Wien über. Sein erstes umfangreicheres Werk Abdul. Eine poetische Erzählung veröffentlichte er 1844 unter seinem eigentlichen Namen Heinrich Landesmann. 1856 heiratete er. Knapp 25 Jahre später, 1881, verlor er sein Augenlicht, nachdem er etliche Jahre zuvor nur noch schlecht sehen konnte. Um sich mit seinen Mitmenschen verständigen zu können, stellte er sein Lorm-Alphabet zusammen. 1873 zog es ihn nach Dresden, von wo er 1892 nach Brünn weiterzog. Seinen Lebensabend verbrachte er dort bei seinen Kindern, wo er 81-jährig am 3. Dezember 1902 starb.
Sein Tastalphabet hat Landesmann vor der Öffentlichkeit stets geheim gehalten. Es wurde erst nach seinem Tod von seiner Tochter veröffentlicht. Der ebenfalls taubblinde H. v. Chlumecky setzte sich für seine Verbreitung ein. Heute ist es ein wichtiges Kommunikationssystem Taubblinder im deutschen Sprachraum.
Was ist Haptik?
Die Haptik ist eine aus Skandinavien stammende Kommunikationsform, die auf Körperberührungen beruht.
Haptische Zeichen sind schnelle und praktische Signale, die für fast jeden gut zugänglich sind. Sie öffnen und erweitern Kommunikationshorizonte.
Die haptische Kommunikation basiert auf Berührungen innerhalb neutraler Körperzonen, wie etwa an den Händen, Armen oder Schultern. Dies spiegelt sich im Begriff „Haptik“, der auf das griechische Wort „haptos“ für „fühlbar“ zurückgeht. 35 definierte Berührungszeichen werden mit der Hand auf den zugeordneten Körperzonen taubblinder oder hörsehbehinderter Menschen ausgeführt. Für die Haptik „Ich bin wieder da“ gilt etwa folgende Beschreibung: „Vom Handgelenk der empfangenden Person mit den Zeige- und Mittelfingerspitzen Richtung Unterarm laufen. Auf Bestätigung der wartenden Person warten“.
Dies kann besonders an einem lauten und unübersichtlichen Ort, wie einem Bahnhof, praktisch sein. Ebenso können haptische Zeichen helfen, sich im Raum zu orientieren – beispielsweise, wenn einem jemand ein Schema des Raums auf den Rücken zeichnet. Diese Haptiks, die auf den Rücken ausgeführt werden, sind in der Schweiz noch nicht eingeführt worden, aber Standard in Skandinavien.
Als Pioniere der haptischen Kommunikation gelten das Ehepaar Riitta Lahtinen und Russ Palmer aus Helsinki. Russ Palmer ist taubblind und lebt heute mit einem Cochlea-Implantat. Am Anfang standen die eigenen Kommunikationsschwierigkeiten der beiden – um sie zu überwinden, wurden sie erfinderisch im Anwenden von Körperzeichen. Dank Riita und Russ ist die haptische Kommunikation in Skandinavien bereits weit verbreitet. „Mit der Herausgabe unseres Handbuchs hat die Haptik nun aber auch in der Schweiz Einzug gehalten“, freut sich Anita Rothenbühler.
Der Zweck der haptischen Zeichen ist in erster Linie, dass taubblinde und hörsehbehinderte Menschen rasch Zugang zu wichtigen Informationen bekommen. Sie ermöglichen, Zeit zu gewinnen und erleichtern den Informationsfluss. Gerade in hektischen oder gefährlichen Situationen kann dies wichtig sein. Damit ergänzt die Haptik bestehende Kommunikationsformen wie Lormen, Gebärdensprache, Visual Frame, Brailleschrift oder Lautsprache.
Quelle: tactuel St. Gallen
Kurs-DetailsDatum: 17. Februar 2020
Leitung: Elisabeth Gimpert, Lorm-, Haptik- und Braillelehrerin
Ort: Schweiz. Caritasaktion der Blinden (CAB), Schrennengasse 26, 8003 Zürich
Anmeldeschluss: 13. Januar 2020
Preis: Fr. 15.- (inkl. Mittagessen für Betroffene, Angehörige und Mitarbeitende, für weitere Interessierte auf Anfrage)