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In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde eine deutsche Frau dazu aufgefordert, eine Amerikareise zu unternehmen, um den Amerikanern das wahre Wesen Deutschlands und des Deutschtums näherzubringen.
Die Rede ist von Monica von Miltitz, die unseren Lesern bereits bekannt ist. Miltitz war die Bewohnerin eines Schlosses, das geradezu ein Symbol ist für das wahre, tiefere Deutschland: Schloss Siebeneichen bei Dresden. Hier verkehrten Fichte und Novalis oder Körner, um nur die Prominentesten zu nennen. Die Einladung ging von einer unbefangenen amerikanischen Besucherin aus. «Was ist das deutsche Geheimnis, das uns anrührt?», fragte sie. «Was ist es, was vertraut und doch fremd ist?» Die Reise wurde ein voller menschlicher und kulturverbindender Erfolg.
Miltitz legte ihre Erfahrungen in einem so gut wie verschollenen Buche nieder: Eine deutsche Frau sieht U.S.A. Wir bringen in dieser Nummer einen Teilabdruck daraus.
Eine Reise aus ähnlicher Gesinnung unternahm im Jahre 1939 Eugen Kolisko, der geniale Schüler Rudolf Steiners, über die er nach seiner Rückkehr in bedeutenden Aufsätzen berichtete1. Sie endete mit der Gründung eines «Faust Branch» in Sacramento.
Heute stehen wir an einer scharfen Wende. Sie hängt mit dem verlogenen Interesse an der anthroposophischen Bewegung von Seiten führender Vertreter des Mormonentums zusammen. Dieses hat bekanntlich in Salt Lake City und der Brigham Young University seinen Schwerpunkt, von dem aus Amerika und die ganze Welt erobert werden soll. Darüber gibt es ein informatives Buch von Charles L. Wood, das dringend ins Deutsche übersetzt werden sollte.2
Die Mormonenideologie ist reine Anti-Anthroposophie. Sie propagiert den Glauben an eine physische Verkörperung Christi in den USA. Die finanzstarke Bewegung ist strikt männlich-autoritär geführt, besitzt umfassendste genealogische Datenbanken und organisiert massenhaft Taufrituale für Verstorbene. Ein Opfer des grenzenlos arroganten Taufwahnes – nur mormonisch Getaufte können nach dem Tod in den Himmel –, war auch Rudolf Steiner, der vor 28 Jahren am 22. Januar 1992 ebenfalls getauft worden war!3
Mehr noch: Ein akademisch tätiger Mormone figuriert mit seiner pseudo-wissenschaftlichen SKA seit Jahren, unter lautem Beifall prominenter «Anthroposophen», auf den letzten Seiten des GA-Gesamtkataloges! Zu guter Letzt: Mormonen unterstützen den untermenschlichen «Transhumanismus».4
Johanna Gräfin von Keyserlingk hatte nicht lange vor der Amerikareise von Monica von Miltitz eine Art prophetischer Vorschau auf den mormonischen Vormarsch gegen Anthroposophie. Wir veröffentlichen ihren kurzen Bericht in dieser Nummer.
Alles kein Wunder: Für den Zeitpunkt des erneuten Wirkens der Individualität Rudolf Steiners in Amerika haben anti-michaelische Gegnerschaften sich seit langem gerüstet. Die Speerspitze dieser Gegnerschaften kann im heutigen Mormonentum gesehen werden.
Es steht jedem frei, zu wählen, auf welcher Seite er sich an diesem Geisteskampf beteiligen will.
Thomas Meyer
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1 Eugen Kolisko, Die Mission des englischsprachigen Westens, Basel 2014.
2 The Mormon Conspiracy – A Review of Present Day and Historical Conspiracies to Mormonize America and the World, Black Forest Press, 2004.7
3 Siehe: Der Europäer, November 2013.