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| Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

43.
Um den so wichtigen Gegenstand in einem Gleichnis verständlich zu machen, sei als [S. 594] entsprechendes Bild hierfür ein großer Chor gewählt. Der Chor gruppiert sich ja aus verschiedenerlei Leuten: aus Knaben, Frauen, bejahrten Männern und Jünglingen. Auf das Zeichen eines Dirigenten hin singt ein jedes nach seiner Natur und Fähigkeit, der Mann wie ein Mann, der Knabe wie ein Knabe, der Greis wie ein Greis, der Jüngling wie ein Jüngling, und doch erzielen sie alle eine Harmonie. Oder (ein anderes Bild): Unsere Seele setzt in ein und demselben Augenblick unsere Sinne entsprechend ihren Einzelfunktionen in Bewegung, so daß bei einem augenblicklich sich abspielenden Vorgang alle zugleich bewegt werden, das Auge zum Sehen, das Ohr zum Hören, die Hand zum Betasten, der Geruchsinn zum Riechen, der Gaumen zum Kosten, ja oft gar auch die übrigen Glieder des Leibes, wie die Füße zum Gehen. Oder um in einem dritten Gleichnisse die Sache zu veranschaulichen: Es verhält sich mit ihr wie mit einer eben erbauten großen Stadt, die unter den Augen ihres Herrn und Königs, der sie auch erbaut hat, verwaltet wird. Solange er nämlich persönlich da ist und regiert und sein Auge auf alles richtet, leisten alle Gehorsam, die einen eilen zur Feldarbeit, die anderen an die Wasserleitungen, um Wasser zu holen; ein anderer wieder geht fort, um Lebensmittel beizuschaffen; der eine geht in die Ratsversammlung, der andere besucht die Volksversammlung; dem Richter obliegt die Pflicht, Recht zu sprechen, dem Fürsten Gesetze zu geben. Hurtig macht sich der Handwerker an seine Arbeit, der Schiffer eilt ans Meer, der Zimmermann zum Zimmern, der Arzt zum Kurieren, der Baumeister auf den Bauplatz. Der eine geht auf das Feld hinaus, der andere kommt vom Feld zurück; die einen machen ihre Gänge in der Stadt herum, die anderen ihre Ausgänge außerhalb der Stadt und kehren wieder dahin zurück. All das spielt sich ab und geht (schön) zusammen unter den Augen des einen Fürsten auf seine Anordnung hin. Danach also hat man auch von der ganzen Schöpfung, wofür das gewählte Bild freilich ein schwacher Vergleich ist, sich seine Vorstellung zu machen, nur in größerem Maßstabe. Denn durch einen einzigen Willensakt des Logos Gottes wird alles zugleich geordnet, [S. 595] entfaltet jedes Wesen seine Kräfte und durch alle zugleich kommt eine Ordnung zuwege1.
1: Die Textverstellung des früheren Übersetzers zum Zweck einer mehr logischen Gedankenfolge der cc. 42 u. 43 ist eine unnötige und willkürliche Konstruktion, zumal da auch nach seinem Vorschlag nicht jedes Bedenken schwindet und zudem solche Textversetzung als bloße Willkür der Abschreiber nicht glaubhaft ist.