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Autismus ist eine Störung, die einen Menschen in seiner Entwicklung schwer beeinträchtigt. Ein Autist isoliert sich typischerweise von seinen Mitmenschen. Das Spektrum von Autismus ist breit und auch davon abhängig, um welche Autismus-Form es sich handelt: Während manche Autisten in der Lage sind, ein weitgehend normales Leben zu führen, sind andere lebenslang auf Unterstützung angewiesen.
Die typischen Autismus-Symptome betreffen im Wesentlichen drei Lebensbereiche, in denen alle Autisten mehr oder weniger beeinträchtigt sind:
Mediziner unterteilen verschiedene Formen von Autismus:
Eine weitere Störung, die mit autistischen Symptomen einhergeht, ist das Rett-Syndrom, welches ausschliesslich Mädchen betrifft und – wie auch beim frühkindlichen Autismus – eine lebenslange Unterstützung der Betroffenen nötig machen kann.
Das breitere Publikum lernte den Autismus durch den Film Rainman kennen: Darin stellt der US-amerikanische Schauspieler Dustin Hoffman die Schwierigkeiten von Autismus bei Erwachsenen dar.
Die Autismus-Therapie verfolgt in erster Linie zwei Ziele: Zum einen sollen die Fähigkeiten und Stärken des Autisten gefördert werden, zum anderem geht es darum, seine Entwicklung zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen Methoden der Verhaltenstherapie, einer Form der Psychotherapie: Hierbei lernt ein Autist, gezielt mit anderen in Kontakt zu treten und Beziehungen aufzubauen.
Heilbar ist Autismus jedoch nicht. Die Störung begleitet die Menschen ihr Leben lang. Allerdings ist ein Autist nicht als krank anzusehen, sondern als Mensch, der die Welt mehr oder weniger anders wahrnimmt und erlebt als der Grossteil der Bevölkerung.
Autismus zählt zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Die Entwicklung des Menschen ist dabei in verschiedenen Bereichen stark beeinträchtigt. Welches Ausmass die Beeinträchtigung hat, kann sehr unterschiedlich sein.
Zwar ist bei Autismus das Spektrum der möglichen Störungen sehr breit. Dennoch haben Menschen, die an Autismus leiden, bestimmte Gemeinsamkeiten:
Es war der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler, der den Begriff Autismus (griech.: autos = selbst; ismos = Zustand) im Jahr 1911 einführte. Autisten waren seiner Meinung nach Menschen mit einer Schizophrenie, die stark selbstbezogen und sozial zurückgezogen lebten.
Erst im Jahr 1943 beschrieb der amerikanische Psychiater Leo Kanner Autismus als eigenständige Störung, die in der Kindheit beginnt. Damit grenzte er Autismus von der Schizophrenie ab. Das von Kanner beschriebene Störungsbild ist heute als frühkindlicher Autismus (bzw. Kanner-Syndrom) bekannt und steht meist für den in der Allgemeinheit verwendeten Begriff des Autismus.
Erst seit den 1980er Jahren ist Autismus allgemein als eigene Störung anerkannt.
Autismus tritt in verschiedenen Formen auf, die sich in bestimmten Merkmalen voneinander unterscheiden:
In der Praxis ist es nicht immer leicht, die einzelnen Formen voneinander abzugrenzen. Aus diesem Grund verwenden Mediziner heute auch den Oberbegriff «Autismus-Spektrum-Störung» (ASS), welcher inhaltlich alle Autismus-Formen umfasst.
Eine weitere tiefgreifende Entwicklungsstörung, die ebenfalls mit autistischen Zügen einhergeht, ist das Rett-Syndrom. Das Rett-Syndrom betrifft fast ausschliesslich Mädchen. Erste Symptome treten etwa zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 4. Lebensjahr auf. Die normale Entwicklung des Kindes kommt dabei zunächst zum Stillstand – danach bilden sich viele Fähigkeiten wieder zurück. Etwa eines von circa 15'000 Mädchen hat das Rett-Syndrom.
Welche Ursachen der frühkindliche Autismus hat, ist nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass verschiedene Faktoren zur Entstehung beitragen, so zum Beispiel genetische Einflüsse und hirnorganische Störungen.
Vieles spricht dafür, dass bei Autismus genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Wenn ein Zwillingskind Autist ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch der andere Zwilling betroffen ist, überdurchschnittlich hoch – bei eineiigen Zwillingen beträgt das Risiko hierfür etwa 95 Prozent, bei zweieiigen Zwillingen etwa 23 Prozent.
Zudem liegen bei Kindern mit frühkindlichem Autismus wahrscheinlich neurologische Veränderungen in der Gehirnstruktur beziehungsweise der Gehirnfunktion vor. Im Gegensatz zu gesunden Kindern weisen Autisten zum Beispiel Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, im Essverhalten oder in der Ausscheidungsfunktion auf. Dass als Autismus-Ursachen neurologische Faktoren infrage kommen, liegt auch deswegen nahe, weil bei bis zu 30 Prozent der Erkrankten im Laufe des Lebens epileptische Anfälle auftreten.
Darüber hinaus haben Forscher herausgefunden, dass Personen mit frühkindlichem Autismus einen veränderten Gehirnstoffwechsel aufweisen.
Vermutlich sind es mehrere Faktoren, die ein Asperger-Syndrom begünstigen. Die genauen Ursachen sind bislang nicht abschliessend geklärt.
Eine genetische Komponente spielt eine grosse Rolle, denn das Asperger-Syndrom kommt in manchen Familien gehäuft vor.
Aber auch andere Faktoren sind an der Entstehung beteiligt. Hierzu zählen vor allem hirnorganische und biochemische Auffälligkeiten.
Beim Rett-Syndrom, das ausschliesslich Mädchen betrifft, gelang es, die genaue erbliche Ursache einzugrenzen: Bei den Kindern ist ein bestimmtes Gen (MeCp2) auf dem X-Chromosom verändert.
Autismus kann sich durch viele unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Der Begriff Autismus umfasst ein breites Spektrum an Störungen – nicht jeder Autist entwickelt dieselben Symptome.
Ausserdem können autistische Störungen unterschiedlich stark ausgeprägt sein – von nur milden autistischen Züge bis hin zu schweren Behinderungen. Entsprechend unterscheiden Ärzte verschiedene Autismus-Formen voneinander, deren erste Symptome in unterschiedlichen Lebensaltern auftreten. Hierzu zählen
Autismus wirkt sich auf verschiedene Lebensbereiche aus. Typische Autismus-Symptome, die alle Autisten – mehr oder weniger ausgeprägt – zeigen, sind
Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen sind typische Symptome bei Autismus. Ein Autist neigt dazu, sich von seiner Umwelt abzukapseln. Manche Autisten wirken auf unbestimmte Art seltsam und unnahbar. Zudem sind Autisten nur eingeschränkt oder gar nicht in der Lage, dauerhafte und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Auf Kontaktversuche reagieren sie meist abweisend: Sie weichen Blickkontakten aus und lehnen Körperkontakt, wie Umarmungen oder Berührungen, sehr stark ab. In schweren Fällen suchen sie Kontakt über Riechen, Tasten oder andere Sinne – oft sind diese Versuche mit bestimmten Ritualen verbunden. Beim Spielen bezieht das autistische Kind andere Menschen nicht mit ein und bleibt lieber für sich.
Weitere bei Autismus typische Symptome für die Störung der zwischenmenschlichen Beziehungen sind ein im Vergleich zu gesunden Kindern schwach ausgeprägtes Nachahmungsverhalten sowie Schwierigkeiten, eigene Gefühle wahrzunehmen und zu äussern. So erwidern autistische Kinder zum Beispiel beim Verabschieden kein Winken. Und wenn autistische Kinder traurig sind, suchen sie meist nicht nach Trost oder können ihren Wunsch nach Trost nicht angemessen ausdrücken.
Beim frühkindlichen Autismus (Kanner-Syndrom) sind erste Anzeichen für eine gestörte Kommunikation schon früh ersichtlich. Das Sozialverhalten der Betroffenen ist bereits im Säuglingsalter auffällig. So sehen sie zum Beispiel andere Menschen nicht an, begrüssen sie nicht und suchen auch keinen Körperkontakt zu ihren Eltern. Für viele Kinder mit frühkindlichem Autismus scheinen die Mitmenschen gar nicht zu existieren.
Beim Asperger-Syndrom sind die Symptome milder ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus: Die Beziehung zu anderen Menschen ist zwar gestört, jedoch weniger tiefgreifend. Ein Asperger-Autist nimmt nur sehr begrenzt Kontakt zu anderen Kindern auf und wirkt isoliert. Es fällt ihm schwer, sich in die Gefühle anderer Menschen hineinzuversetzen und deren Gedanken zu verstehen. Die Symptome fallen meist erst im Kindergarten oder in der Primarschule auf.
Beim Rett-Syndrom verlangsamt sich die körperliche und geistige Entwicklung der betroffenen Mädchen und erworbene Fähigkeiten bilden sich wieder zurück. Die Fähigkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, geht verloren.
Vor allem Kinder mit frühkindlichem Autismus (sog. Kanner-Syndrom) zeigen eine gestörte Sprachentwicklung. Sie haben schon im Kleinkindalter Schwierigkeiten, mit anderen zu kommunizieren. Etwa die Hälfte der Menschen mit frühkindlichem Autismus erwirbt nie eine sinnvolle Sprache. Die anderen entwickeln die Sprache verzögert oder stark eingeschränkt: Sie sprechen mit wenig Gefühlsausdruck, ihre Mimik und Gestik beziehen sie kaum mit ein, wenn sie mit anderen reden. Die Kinder sind in ihrem Sprachgebrauch sehr stark auf sich selbst bezogen und reden häufig eher auf ihr Gegenüber ein, als mit ihm zu sprechen.
Ein weiteres Anzeichen für den frühkindlichen Autismus ist eine ungewöhnlich betonte und tiefe Stimmmelodie. Die bei frühkindlichem Autismus gestörte Kommunikation und Sprache kommt zudem dadurch zustande, dass frühkindliche Autisten bestimmte Wörter sehr gerne benutzen und diese häufig wiederholen (sog. Echolalie) – manche haben auch Spass daran, Wörter zu erfinden (sog. Neologismen). Häufig verdrehen sie die Bedeutung des Wortes «Du» und meinen eigentlich «Ich» (sog. pronominale Umkehr).
Bei Menschen mit Asperger-Syndrom hingegen entwickelt sich die Sprache normal. Trotzdem weisen auch Asperger-Autisten Symptome einer gestörten Kommunikation auf. Sie verwenden ihre Sprache häufig nicht, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Viele sind sehr intelligent und wirken oft altklug, ernst und unkindlich – einige neigen zu Selbstgesprächen, reden mit einer auffälligen Sprachmelodie und gehen auf ihre Zuhörer nur wenig ein. Dadurch ist es für ihre Mitmenschen sehr schwierig, mit ihnen zu kommunizieren. Auffällig bei vielen Autisten ist, dass sie Gesagtes wörtlich auffassen: So können sie Sprichwörter, Redewendungen oder Ironie nicht deuten. Diese Sprachbesonderheiten machen es für ihre Mitmenschen sehr schwierig, ein Gespräch mit ihnen zu führen.
Begrenzte Interessen sowie sogenannte stereotype Bewegungen und Verhaltensweisen sind weitere Symptome einer autistischen Störung. Autisten neigen zu Stereotypien: Sie verspüren den Drang, bestimmte Tätigkeiten immer nach dem gleichen Muster auszuführen. Manche Kinder mit frühkindlichem Autismus bewegen eine Hand ständig hin und her, andere wippen ihren ganzen Körper im Sitzen immer wieder vor und zurück. Auch Asperger-Autisten neigen zu stereotypen Verhaltensweisen: Sie halten an bestimmten Ritualen fest, so müssen sie sich zum Beispiel immer zu einer ganz bestimmten Uhrzeit die Zähne putzen. Von plötzlichen Veränderungen fühlen sie sich überfordert.
Mit normalen Spielsachen beschäftigen sich autistische Kinder in der Regel nicht gerne. Vor allem ein frühkindlicher Autismus (sog. Kanner-Syndrom) führt dazu, dass sich die Betroffenen mehr für Teilaspekte einer Sache interessieren, zum Beispiel mehr für das Rad eines Spielautos als für das Auto selbst. Zudem können mechanische, sich drehende Gegenstände ihre Aufmerksamkeit fesseln – beispielsweise können sie stundenlang vor einer Waschmaschine die Trommel beobachten. In vielen Fällen geht ein frühkindlicher Autismus bei den Kindern mit einer geminderten Intelligenz einher.
Autisten hängen sehr an Ritualen: Ihnen ist es etwa wichtig, dass bestimmte Dinge wie Möbelstücke immer am gleichen Ort stehen. Auf ein plötzliches Umstellen von Möbeln reagieren viele autistische Menschen mit emotionalem Stress, was sich unterschiedlich äussern kann: Vor allem bei frühkindlichem Autismus sind Symptome wie grosse Angst, Wut oder Aggression als Reaktionen auf solche Veränderungen möglich. Eine ähnliche Reaktion zeigen frühkindliche Autisten, wenn Bezugspersonen zum Beispiel beim Einkaufen plötzlich einen anderen Weg als den gewöhnlichen zum Supermarkt einschlagen.
Menschen mit Asperger-Syndrom sind meist durchschnittlich oder überdurchschnittlich intelligent, haben aber trotzdem oft Lernprobleme. Ein Grund für diese Symptome ist ihre mangelnde Aufmerksamkeit und die Tendenz, sich durch eigene spontane Ideen ablenken zu lassen. Besonders bemerkenswert sind auch ihre ungewöhnlichen Interessen. Einige fallen bereits im Vorschulalter als wahre Naturforscher, Kunstexperten oder Rechenkünstler auf.
Menschen mit Asperger-Autismus reagieren auf Anforderungen oder Einschränkungen häufig mit Wutausbrüchen. Ausserdem neigen sie dazu, ihren Willen durchsetzen zu wollen. In ihren Bewegungen sind Asperger-Autisten oft ungeschickt, wodurch ihre Körpersprache gering ausgeprägt ist.
Beim Rett-Syndrom verlieren die betroffenen Mädchen die Fähigkeit, ihre Hände zielgerichtet zu steuern: Sie bewegen die Hände eigenartig, so als ob sie etwas mit ihnen waschen würden. Diese Bewegung wiederholen sie sehr oft. Ihr Gang wirkt flapsig, grobmotorisch und unkoordiniert – das gleiche gilt auch für die Bewegungen ihres Oberkörpers. Viele knirschen mit den Zähnen und haben epileptische Anfälle. Auffälliges Merkmal bei Menschen mit Rett-Syndrom ist auch das verlangsamte Kopfwachstum.
Oft führt Autismus zu weiteren Einschränkungen: Autistische Menschen sind häufig von Angststörungen, Schlafstörungen und Essstörungen betroffen. Besonders bei Menschen mit Asperger-Syndrom sind häufig eine gestörte Aufmerksamkeit, eine Bewegungsunruhe (sog. hyperkinetisches Verhalten) und sogenannte Tic-Störungen zu beobachten.
Nicht jedes Baby, das sich nicht für seine Umwelt interessiert, ist autistisch. Und auch manche Kinder im Kindergarten oder in der Primarschule möchten gerne für sich sein, ohne dass ein leichter frühkindlicher Autismus oder ein Asperger-Syndrom dahinterstecken. Auch andere Probleme wie zum Beispiel Angststörungen können der Grund für ein solches Verhalten sein. Daher ist es für den Arzt nicht immer leicht, die Diagnose Autismus zu stellen.
Oft vergeht viel Zeit, bis es dem Arzt gelingt, eine autistische Störung sicher festzustellen.
Hat der Mediziner – in der Regel ein Kinder- und Jugendpsychiater – den Verdacht, dass ein Kind Autismus hat, wird er die Eltern nach bestimmten auffälligen Verhaltensweisen befragen, die sie an ihrem Kind beobachtet haben könnten. So wird er beispielsweise wissen wollen, ob das Kind sogenannte stereotype Verhaltensweisen zeigt – etwa, indem es bestimmte Körperbewegungen immer wiederholt.
Zu den Hauptmerkmalen des Autismus gehören:
Aber auch der Arzt selbst wird das Kind sorgfältig beobachten und seine Ergebnisse in entsprechenden Beurteilungsskalen festhalten. Spezielle Entwicklungs- und Intelligenztest geben ihm weitere Hinweise auf eine mögliche autistische Störung. So ist der Intelligenzquotient bei Kindern mit frühkindlichem Autismus beispielsweise oft niedriger als der Durchschnitt.
Um auszuschliessen, dass andere Erkrankungen vorliegen – etwa ADHS, eine Angststörung oder auch Einschränkungen im Hör- oder Sehvermögen –, wird der Arzt in Kooperation mit Ärzten anderer Fachrichtungen eine Reihe weiterer Untersuchungen durchführen.
Welche Therapie bei Autismus-Therapie infrage kommt, ist individuell verschieden: Die Vorgehensweise richtet sich immer nach den einzelnen Autisten und ihren jeweiligen Einschränkungen, aber auch nach ihren Stärken. Allerdings zielt die Behandlung autistischer Menschen nicht darauf ab, sie zu heilen.
Eine Heilung des Autismus im klassischen Sinn ist nicht möglich – die Störung begleitet die Betroffenen trotz Therapie ihr Leben lang und schränkt sie mehr oder weniger besonders in ihrem Sozialleben ein.
Bei der Autismus-Therapie werden allgemein mehrere Ziele verfolgt:
Diese Ziele der Autismus-Therapie versuchen Psychiater, Psychologen und Pädagogen mit unterschiedlichen Methoden zu erreichen.
Ein Baustein der Autismus-Therapie ist das Verhaltenstraining, eine Methode der Verhaltenstherapie. Ein wichtiges Ziel dieser Behandlung besteht darin, dem Autisten zu helfen, Beziehungen mit anderen Menschen aufzubauen und mit diesen zu kommunizieren. Beim Verhaltenstraining findet in erster Linie das sogenannte Belohnungsprinzip Anwendung. Das bedeutet: Der Autist erhält für jedes erwünschte Verhalten eine Belohnung (sog. positive Verstärkung). Nimmt das autistische Kind beispielsweise Kontakt mit einem anderen Kind auf, bekommt es als Belohnung ein Lieblingsspielzeug oder es darf sich eine Aktivität aussuchen. Die Eltern sind in diese Form der Autismus-Therapie intensiv eingebunden – dadurch können sie ihr Kind auch in der häuslichen Umgebung bestärken und die Beziehung zu ihm verbessern.
Bei Autismus kann die Therapie auch kreative Verfahren wie die Musiktherapie und Kunsttherapie umfassen. Auch Verfahren, bei denen Tiere therapeutisch zum Einsatz kommen, kommen infrage, beispielsweise die Reittherapie (Hippo-Therapie). Grundlegende wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit solcher Behandlungen fehlen noch – in Einzelfällen und im Rahmen eines vollständigen Behandlungsplans können aber für Menschen, die autistisch sind, hilfreich sein.
Mithilfe von Krankengymnastik und Logopädie können motorische Auffälligkeiten und Sprachstörungen verringert werden. Ausserdem können Autisten – durch den Umgang mit unterschiedlichen Materialien – von einer Ergotherapie profitieren.
Für den Erfolg der Autismus-Therapie spielt nicht zuletzt die Elternarbeit eine grosse Rolle. Ist Ihr Kind autistisch, können Sie es nur dann wirksam fördern, wenn Sie seine Störung akzeptieren und auch verstehen. Viele Eltern fühlen sich durch den Autismus ihres Kindes stark belastet – sie können lernen, mit der Situation besser umzugehen, indem sie sich umfassend informieren und um Unterstützung kümmern. Schon allein das Wissen, dass ein ablehnendes Erziehungsversagen entgegen früheren Annahmen nichts mit der Entwicklung von Autismus zu tun hat, bedeutet für viele eine starke Entlastung.
Um das Kind optimal zu fördern, ist es wichtig, bei der Elternarbeit das richtige Mass zu finden – also das Kind nicht in seiner Entwicklung zu hemmen, es aber auch nicht zu überfordern: Je realistischer die gesteckten Behandlungsziele sind, desto eher erzielen Sie auch spürbare Fortschritte. Bei aller Elternarbeit ist es aber auch ratsam, dass Sie Ihr eigenes Wohlbefinden nicht aus den Augen verlieren: Nehmen Sie bei Bedarf Hilfe in Anspruch – etwa eine stundenweise Aufsicht oder Kurzpflegeeinrichtung für Ihr Kind –, wenn Sie etwas Zeit für sich brauchen!
Bisher stehen keine Medikamente zur Verfügung, die zuverlässig gegen die Hauptsymptome der Störung helfen. Daher kommen Medikamente bei Autismus nur zum Einsatz, um Begleiterscheinungen der autistischen Störung zu behandeln: So helfen zum Beispiel Neuroleptika und Benzodiazepine, starke Spannungszustände abzubauen und selbstverletzendes Verhalten zu begrenzen. Viele Autisten haben epileptische Anfälle, zu deren Behandlung ebenfalls Medikamente geeignet sind.
Wie sich ein Kind mit Autismus entwickelt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Der individuelle Verlauf kann von Kind zu Kind sehr unterschiedlich sein.
Zwar bleibt ein Autist in der Regel ein Leben lang autistisch. Der Verlauf einer autistischen Störung hängt jedoch insbesondere davon ab, welche Form von Autismus vorliegt und wie stark die Entwicklung eingeschränkt ist.
Beim Asperger-Syndrom sind die autistischen Züge eher milde ausgeprägt. Menschen mit Asperger-Syndrom können als Erwachsene ihren Alltag meist selbstständig gestalten und einen Beruf ausüben. Viele leben allerdings isoliert und bauen keine näheren Beziehungen mit anderen Menschen auf.
Menschen, die von anderen Formen des Autismus betroffen sind (z.B. frühkindlicher Autismus, Rett-Syndrom), benötigen meist starke Unterstützung bei ihrer Lebensführung. Vor allem autistische Menschen, deren geistige Entwicklung zurückgeblieben ist, leben häufig in sozialen Einrichtungen. In der Regel können frühkindliche Autisten keinem normalen Alltag nachgehen. Besserungen treten nur in Einzelfällen auf. Das Rett-Syndrom nimmt einen fortschreitenden Verlauf, die Betroffenen sind im Lauf ihres Lebens zunehmend pflegebedürftig. Sie werden aufgrund der körperlichen Degeneration meist nicht älter als 40 Jahre.
Autismus kann man nicht vorbeugen. Jedoch gilt: Je früher eine autistische Störung erkannt wird, desto besser kann das Kind in seiner Entwicklung gefördert werden.
Symptome wie eine gestörte Kommunikationsfähigkeit, sozialer Rückzug oder eingeschränkte Verhaltensweisen können viele Ursachen haben – manchmal können sie Anzeichen für eine tiefgreifende Entwicklungsstörung wie Autismus sein. Wenn Sie bei Ihrem Kind Auffälligkeiten beobachten, sollten Sie Ihren Arzt zurate ziehen.