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Wohnbauten an der Oststrasse, St. Gallen
Studienauftrag auf Einladung 2022
Das Projektierungsgebiet liegt im Osten von St. Gallen, zwischen Rorschacherstrasse und Bahnhof St. Fiden, gut angebunden an die Innenstadt. Der Primärperimeter wird von der Ost-, der Friedegg-, der Schlössli- und der Frohsinnstrasse begrenzt, sowie von der Färberstrasse durchquert. Im Norden richtet sich die Bebauungsstruktur an den Gleisen aus. Östlich prägen längsgerichtete Mehrfamilienhäuser das Siedlungsbild. Im Süden orientieren sich die Bauten an der Rorschacherstrasse, wobei die ortsbauliche Struktur mit den historischen Blockrandbebauungen und den Volumen um den Silberturm grossformatiger ausgebildet ist. In direkter Nachbarschaft generiert der Strassenverlauf der Ost- und Helvetiastrasse eine eigene bauliche Orientierung. Die Wohn- und Gewerbebauten auf dem Areal sind zum Abbruch freigegeben. Eine Besonderheit bildet das siebengeschossige Verwaltungsgebäude an der Oststrasse 25, welches 1962 von Architekt Ernest Brantschen erbaut wurde. Nach Einschätzung der Projektverfasser gehört es zu den bedeutenden Bauten der Moderne in St. Gallen. Aufgrund seiner architektonischen Qualität, seiner Dichteziffer und seiner flexiblen inneren Struktur wird das Gebäude erhalten und in den Projektvorschlag integriert.
Die Neubauvolumen orientieren sich jeweils entsprechend der gegenüberliegenden Bebauung und definieren mit den Bestandesbauten die jeweiligen Strassenräume. Im Norden wird damit die dominierende Hauptausrichtung des Gebietes fortgeführt, während die Längsbebauung entlang der Oststrasse ein Gegenüber erhält. Die Neubauten fassen einen zentralen Freiraum, welcher zwischen den Ausrichtungen vermittelt. Durch die verwandten Gebäudetypen wird ein zusammengehöriges Ensemble ablesbar. Die Zugänge zum Hof sind bewusst schmal gehalten, um dem Aussenraum eine klare Kontur und eine eigene Atmosphäre zu verleihen.
Das Haus A ermöglicht sowohl ein Regelgeschoss mit zwei Wohneinheiten (3.5 Zi / 4.5 Zi) als auch die direkte Anbindung und Erschliessung von jeweils zwei Wohnungen im Haus Brantschen. In der Fuge der beiden Gebäude werden grosszügige Terrassen für die beiden 4.5-Zimmer-Wohnungen im Haus B angeboten. Der Bestandesbau beinhaltet einen vielfältigen Wohnungsmix. Unter anderem sind auf den Ebenen 4 und 5 vier durchbindende Maisonetten angeordnet. Das Dachgeschoss ist vom östlichen Treppenkörper erschlossen und bietet grosszügige Aussenräume sowie eine privilegierte Aussicht in die Umgebung. Die statische Eingriffstiefe in das Haus Brantschen ist minimal gehalten, was sich positiv auf die Kosten auswirkt. Die Häuser C, D und E sind in ihrer inneren Struktur identisch aufgebaut. Jeweils zwei kompakte, natürlich belichtete Treppenkerne erschliessen die einzelnen Wohneinheiten. Jede Wohneinheit hat mindestens zwei Ausrichtungen, teilweise sind sie durchbindend gelöst. Die Balkone richten sich nach Süden oder Westen, sind bewusst proportioniert und überdacht. Die Anordnung der privaten Aussenräume belebt den zentralen Innenhof. Im Erdgeschoss befinden sich jeweils grosszügige Familienwohnungen mit direkter Gartenanbindung. Das Haus F ist in der Ausbildung des Wohnangebotes eigenständig. Drei Wohneinheiten mit Ateliers, Gartenbezug und Balkonen bieten
Aus Gedanken der Ökonomie und Nachhaltigkeit wird einerseits das siebengeschossige Bestandesgebäude mit seiner gebundenen grauen Energie erhalten. Andererseits wird für die Neubauten eine einfache Hybridkonstruktion aus Recyclingbetondecken und vorfabrizierten Massivholzwänden vorgeschlagen. Haus A und F sind vollständig in Recyclingbeton konstruiert.
Der Bearbeitungsperimeter ist mit der quartierstypischen Vorgartensituation mit Mäuerchen und anschliessender Formschnitthecke gefasst. An der Oststrasse wird der Bewohner von einem grosszügigen Ankunftsplatz empfangen. Grafiken und Markierungen lösen die Asphaltflächen auf und laden zum freien Spiel ein. Die Hofzugänge sind bewusst als „Gassen“ ausgebildet, um die halböffentlichen Bereich räumlich zu definieren und die Öffnung zum weiten Innenhof zu akzentuieren. Im Hofinneren laden zwei grosszügige Plätze zum Aufenthalt ein. Im Hofzentrum liegt der Färberplatz, wo die Bewohner:innen mit Hochbeeten zum gemeinschaftlichen Gärtnern eingeladen werden. Sowohl für diesen Platz, wie auch für das Wegesystem im Innenhof, sind Beläge in wassergebundener Bauweise vorgesehen.