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Geschichte zum „Alt-Beginenhuus“ an der Malzgasse 9 in Basel
Historische Beschreibung des Alt-Beginenhauses nach G.A. Wanner (1985)
Für die Erklärung des Namens der Liegenschaft Malzgasse 9 „zum Alt-Beginenhaus“ sind wir auf Mutmassungen angewiesen. Jedenfalls figuriert sie nicht in der von Brigitte Degler-Spengler veröffentlichten langen Reihe der Häuser, welche seit dem 13. Jahrhundert baslerische Gemeinschaften von Beginen beherbergten, jenen frommen Frauen, die sich von der Welt absonderten, zu Keuschheit und Armut verpflichteten und ein klosterähnliches religiöses Leben führten. Denkbar wäre es indessen, dass es sich dabei um das Haus „auf dem Albanberg“ handelt, das die Begine Anna Brugke 1363 dem Kloster St. Alban vergabte; denn in seinem Besitz erschienen die beiden Hofstätten zu Ende des 14. Jahrhunderts. 1384 verlieh es die Liegenschaft dem Rebmann Nicolaus von Spechbach; er hatte dafür einen jährlichen Zins von sechs Schilling und sechs Pfenning zu verabfolgen und während der Erntezeit eine Tagleistung als Schnitter zu erbringen. Ihm folgten ums Jahr 1395 Henni Snider von Zeglingen und im Lauf des 15. Jahrhunderts Henni Hurrus und Welti Körber. Später befand sich die Liegenschaft im Eigentum der „fabrica ecclesiae“, der „Münsterfabrik“, die für den baulichen Unterhalt des Münsters zu sorgen hatte; der mit den beiden Hofstätten verbundene Rebgarten wurde nach der heiligen Maria, der Patronin des Münsters, „Unser lieben Frowen Garten“ genannt. Als „Baumeister unser lieben Frowen auf Burg“ verkaufte 1486 der Domkaplan Martin Richental Haus, Trotte, Hof, Hofstatt und Garten um 80 Pfund dem Rebmann Peter Herbrecht von Habichsheim, Hintersäss zu Basel, und dessen Gattin Barbara. Nach dem Reichssteuerrodel des Jahres 1497 bewohnten sie das Anwesen „selbdritt“, vermutlich mit ihrem Sohn Thiebolt, dem sie ihren Besitz 1516 abtreten wollten. Indessen kam dieser Verkauf nicht zustande; denn 1517 erscheint als Käufer der Rebmann Jacob Besserer, der von 1521-1527 als Zunftmeister und Ratsherr zu Rebleuten amtete.
Im gleichen Jahr gab Besserer den Komplex weiter an Hans Galizian, den aus der zweiten Generation der piemontischen Papiererfamilie im St. Alban-Tal stammenden Grosskaufmann, der 1512 zum Zunftmeister zu Safran aufgestiegen war, aber, als Haupt der Franzosenpartei und „Pensionenfresser“ 1521 aller Ämter entsetzt, vor dem Unwillen seiner Mitbürger nach Solothurn zu fliehen gezwungen war, wo er drei Jahre später starb. Mit seinem jähen Sturz tritt das Geschlecht der Gallizian vom Schauplatz der baslerischen Geschichte ab.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gelangte die Liegenschaft an der Malzgasse in die Hände des Ratssubstituten Melchior Krug, eines Stiefbruders des Bürgermeisters Kaspar Krug, mit dem zusammen er 1563 beim Besuch Kaiser Ferdinands in Basel in den Adelsstand erhoben wurde. Er und seine Gattin Magdalena Falkner erstellten auf dem „mit vier Mauern umfangenen“ Areal einen Neubau, wofür sie 1568 beim Schaffner des ehemaligen Predigerklosters ein Darlehen von 200 Gulden aufnahmen, das sie indessen innerhalb eines Jahrzehnts zurückzuzahlen vermochten. Als Bevollmächtigter ihrer Erben veräusserte 1585 der kaiserlichen Notar Hans Rudolf Kuder-Merian das Anwesen um 1500 Pfund an Johann Georg Eckenstein, des Schaffner des Domstifts, der im Auftrag des bedeutenden Bischofs der Gegenreformationszeit, Jakob Christoph Blarers von Wartensee den „Domhof“ erbaute, und an dessen Frau Elisabeth Spyrer. In der Stadtbeschreibung Felix Platters von 1610 wird die Liegenschaft als „Krugen Haus, jetzt des Meyers“ bezeichnet; denn nach dem Tod ihres ersten Gatten hatte sie Elisabeth Spyrer in ihre zweite Ehe mit Adelberg Meyer zum Pfeil, dem Grosssohn des gleichnamigen Bürgermeisters, eingebracht.
Rund 200 Jahre lang schweigen anschliessend die Akten über die Besitzverhältnisse des Komplexes. 1798 wird dann der Seidenbandfabrikant und Ratsherr Peter Vischer-Sarasin im „Blauen Haus“ am Rheinsprung als Eigentümer eines Lehenhauses an der Malzgasse genannt, unter dem mit grosser Wahrscheinlichkeit das „Alt-Beginenhaus“ zu verstehen ist; denn dieses veräusserte Vischer 1813 samt dem dazugehörigen Ziehbrunnen, Höflein und Garten an den Weissbeck Johann Friedrich Werdenberg, der seine Bäckerei in der St. Alban-Vorstadt betrieb und das Haus an der Malzgasse wohl als Magazingebäude verwendete.
1835 wurde die Liegenschaft erworben durch die Firma von Speyr & Cie. im „Grünen Ring“ an der Ecke der Freien Strasse und des Ringgässleins. Neben ihren Bank- und Kommissionsgeschäften betrieb diese 1912 im Schweizerischen Bankverein aufgegangene Privatbank damals auch eine Textil-Appretur, die von Peter Bonnand geleitet wurde. Für ihn erstellte die Firma ein neues Wohngebäude, das durch einen Flügelbau für die Appretur und einen solchen für eine Dampfmaschine ergänzt wurde. Kürzere Zeit stand das Haus anschliessend im Besitz der Seidenbandfabrik Sulger & Stückelberger in der St. Alban-Vorstadt. 1861 ging es über an den Dekorationsmaler Bernhard Thommen und 1873 an den Schreinermeister Emil Rudin-Madörin, der das Erdgeschoss zeitweise an die private Mädchenschule der Jungfer Oser vermietete. 1896 zog dann August Hofstetter im „Alt-Beginenhaus“ ein, der seine Werkstätte zuvor an der Weissen Gasse geführt hatte.