Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/83817

<h2>SubmittedText<h2><p>Es hat mich äusserst erstaunt und gleichzeitig beunruhigt, zu erfahren, dass der Unterricht an den Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) immer häufiger weder in der Sprache der jeweiligen Region noch in einer der anderen Landessprachen, sondern auf Englisch erfolgt. Möglicherweise wird damit einem Trend nachgegeben, der auch in diesem Fall dahin geht, dass unsere Landessprachen zugunsten des Englischen weichen müssen. Das trifft häufig das Italienische und das Französische, aber auch die deutsche Sprache. Es ist sicherlich wichtig, die ETH und ihr Bildungsangebot für das Ausland attraktiv zu machen. Es ginge allerdings entschieden zu weit, um dieser Attraktivität willen die Verpflichtungen der Hochschulen gegenüber der Bevölkerung aus den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz zu vernachlässigen. Betrachtet man die Internetauftritte der beiden Hochschulen, bestätigt sich jedoch die Praxis, dem Englisch gegenüber einer der beiden Referenzsprachen einen vorrangigen Platz zu gewähren: Es sind keinerlei Informationen auf Französisch auf den Internetseiten der ETH Zürich zu finden sowie umgekehrt keine Informationen auf Deutsch auf den Seiten der ETH Lausanne. Wenn sich Personen aus dem Ausland für Informationen der beiden ETH interessieren, so rechtfertigt dies den Gebrauch der englischen Sprache. Genauso scheint mir die Schlussfolgerung keineswegs abwegig, dass sich Personen aus den verschiedenen Schweizer Sprachregionen für dieselben Informationen in ihrer jeweiligen Sprache interessieren könnten.</p><p>Beabsichtigt der Bundesrat deshalb, dafür zu sorgen, dass die ETH die Nationalsprachen pflegen, wie dies in Artikel 12 Absatz 3 des ETH-Gesetzes ausdrücklich festgelegt ist?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) sind einer im internationalen Vergleich erstklassigen Lehre und Forschung verpflichtet. Sie stellen dabei ihre Bildungs- und Ausbildungsprogramme in den Dienst der Bedürfnisse der Gesellschaft des Landes, der nachhaltigen Entwicklung sowie des wissenschaftlichen Fortschritts auf internationaler Ebene gemäss dem Leistungsauftrag des Bundesrates an den ETH-Bereich 2008-2011.</p><p>Die ETH müssen sich entsprechend national und international präsentieren, wobei sich als Informationsplattform in den letzten Jahren das Internet weitgehend durchgesetzt hat. Sie präsentieren sich über diesen Kanal in einer Landessprache für nationale Besucherinnen und Besucher der Webseiten und daneben in englischer Sprache für Interessierte aus dem internationalen Raum. Auf die Übersetzung in eine zweite Schweizer Landessprache wird dabei verzichtet, weil davon ausgegangen werden kann, dass angehende Studierende aus dem Inland über ausreichende Kenntnisse in einer zweiten Landessprache verfügen, um die Inhalte der Webseiten der ETH zu verstehen. Die Broschüren zum Studienangebot der ETH Zürich sind nach wie vor in den vier Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch erhältlich. Informationen zum Studienangebot für angehende Bachelor-Studierende auf der Website der EPFL sind ebenfalls in drei Landessprachen (Französisch, Deutsch und Italienisch) verfügbar. Nach Vorliegen der Verordnung zum Sprachengesetz (SpG) werden die ETH prüfen, ob und allenfalls wie auf dem Internet neben den gesetzlich vorgeschriebenen Informationen gemäss Artikel 12 Absatz 2 SpG weitere wichtige Informationen in den vier Amtssprachen verfügbar gemacht werden können. Dabei wird auch der damit verbundene finanzielle Aufwand zu berücksichtigen sein.</p><p>Um sich in einem kompetitiven Umfeld langfristig erfolgreich etablieren zu können, sind die ETH auf die Gewinnung von begabten Studierenden aus dem Ausland angewiesen. Wichtig ist ebenfalls eine rege Mobilität im Rahmen des Bologna-Prozesses. Deshalb wurde in den letzten Jahren das Angebot an englischsprachigen Kursen insbesondere auf der Master- und Doktoratsstufe ausgebaut. Auch sieht das ETH-Gesetz Englisch ausdrücklich als mögliche Unterrichtssprache neben den Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch vor, soweit dies in Lehre und Forschung üblich ist (Art. 12 Abs. 1 ETH-Gesetz). Der Gebrauch des Englischen ist letztlich im Gebrauch des Englischen als "lingua franca" der Wissenschaft begründet, wie der Bundesrat bereits in seiner Antwort auf ein früheres Postulat betreffend die Unterrichtssprache an den ETH (Postulat Zisyadis 04.3069) festhielt.</p><p>Mit dieser Entwicklung geht allerdings keineswegs eine Vernachlässigung der Landessprachen einher. Vielmehr legt der Bundesrat grossen Wert darauf, dass an beiden ETH die Landessprachen und das Verständnis für die kulturellen Werte der Schweiz gepflegt werden. Das Centre de langues der ETH Lausanne bzw. das Sprachenzentrum der ETH Zürich bieten jeweils in Zusammenarbeit mit der lokalen Schwesteruniversität entsprechende Kurse an. Die Angebote ermöglichen es auch ausländischen Studierenden, sich eine unserer Landessprachen anzueignen und sich mit kulturellen Besonderheiten der entsprechenden Sprachregion auseinanderzusetzen.</p><p>Der Bundesrat erachtet aus den genannten Gründen eine Intervention beim ETH-Rat als nicht notwendig.</p>  Antwort des Bundesrates.