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Wie eine restriktive Praxis der Integration schaden kann
"Abraham Negash* verfügt nicht über die nötigen finanziellen Mittel um den Lebensunterhalt für sich und seine Ehefrau zu finanzieren. Er muss seit seiner Einreise von der Sozialhilfe dauerhaft und erheblich unterstützt werden. Eine nachhaltige berufliche Integration von Abraham Negash in der Schweiz ist nicht erfolgt. (…) Gemessen am fiskalischen Interesse, sind die privaten Interessen an der Einreise der Ehefrau zum Zwecke der Familienzusammenführung als weniger hoch einzustufen." In diesem technokratischen Ton lehnt das Migrationsamt in seiner Verfügung an Herrn Negash den Nachzug seiner sich im Sudan aufhaltenden Ehefrau ab.
Was das Migrationsamt der Berücksichtigung nicht würdig fand, ist Folgendes: Herr Negash ist im Jahr 2008 in die Schweiz eingereist und musste – üblich für eriteische Asyl Suchende - zweieinhalb Jahren mit dem N-Ausweis auf seinen Asylentscheid warten. Er unterstand damit während der Hälfte seines Aufenthaltes in der Schweiz einem faktischem Arbeitsverbot. Nach der Asylgewährung lernte Herr Negash im Rahmen eines Intensivkurses Deutsch. Der Kurs steht anerkannten Flüchtlingen zu und das Erlernen der deutschen Sprache ist unbestritten Hauptvoraussetzung für eine nachhaltige Integration. Unmittelbar anschliessend absolvierte er für längere Zeit ein Praktikum bei einer Firma in der Baubranche. Herr Negash erhielt dabei beste Leistungsnachweise, weshalb er einen Lehrvertrag bei der Firma erhielt.
Die Unabhängigkeit von der Sozialhilfe ist Voraussetzung für den Familiennachzug. Dies ist im Ausländergesetz geregelt. Klar festgelegt ist aber auch, dass die künftige (ökonomische) Integrationsperspektive berücksichtigt werden muss. Herr Negash lebt tatsächlich seit Beginn seines Aufenthalts von der Sozialhilfe. Doch seine Integrationsleistungen sind mehr als beachtlich. Es kann ihm sogar eine sehr gute Prognose für eine nachhaltige ökonomische Integration in den ersten Arbeitsmarkt gestellt werden.
Herr Negash wird, falls das Nachzugsgesuch für seine Frau auch von der Rekursinstanz abgelehnt wird, die Lehre abbrechen und sich einen Job suchen. Am wichtigsten ist ihm, mit seiner Ehefrau zusammen zu leben. Dies ist mehr als nachvollziehbar.
Die restriktive Praxis des Migrationsamtes könnte somit eine gelingende Integrationsgeschichte vereiteln. Eine Integrationsgeschichte mithin, die von einer anderen Stelle der kantonalen Verwaltung, der Integrationsförderung, mitfinanziert wurde. Herr Negash würde sich und seine künftige Familie wohl langfristig mit Jobs im Niedriglohnbereich durchbringen müssen und es bestünde ein erhöhtes Armutsrisiko. Nachhaltige Integration braucht ihre Zeit und hat ihren (finanziellen) Preis. Soweit hat das Migrationsamt noch nicht gedacht.
* Name geändert