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Das Buch «Koala» des Schweizer Autors Lukas Bärfuss ist mit viel Spannung erwartet worden. Die Kritiker sind nun geteilter Meinung, denn Aufbau und Inhalt des Buches sind speziell.
Bärfuss schreibt über den Selbstmord seines Halbbruders, der in der Pfadi den Übernamen «Koala» trug. Das Buch ist dreigeteilt: Im ersten Teil beschreibt Bärfuss sein letztes Treffen mit seinem Bruder. Die beiden verbindet nicht viel: Einer ist ein gefeierter Autor, der andere hat Probleme, war lange heroinabhängig. Im ersten Teil beschreibt Bärfuss auch die erste Reaktion, die ersten Gefühle, als er vom Selbstmord erfährt. «Vielleicht eine, vielleicht zwei Stunden blieb ich in meinem Lehnstuhl sitzen und weinte, erstaunt über die Automatik, mit der mein Körper geschüttelt wurde.» Er beschreibt, wie sein Umfeld nicht über den Selbstmord sprechen will. Seine Frage bleibt immer: Weshalb nimmt sich jemand das Leben?
Der zweite Teil ist eine Ausschweifung: Bärfuss schreibt, ausgehend vom Koala, über die Kolonialisierung Australiens. Und erst ganz am Schluss kommt er zurück zu seinem Bruder. Seine Frage hat sich verändert: Weshalb lebt ihr noch immer? Der letzte Teil ist der beste, und es lohnt sich, den etwas zu lang geratenen Mittelteil auszuhalten.
Lukas Bärfuss:«Koala». Wallstein Verlag, 2014.