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Ich möchte eine Direkttaste zum Abhören des Anrufbeantworters einrichten. Das Manual ist diesbezüglich unklar. Also rufe ich die Telefongesellschaft an, die mir den neuen Telefonapparat vor zwei Tagen geschickt hat. »Fragen Sie Ihren Mann«, sagt Berater Markus von der Telefongesellschaft. »Oder Ihren Sohn.« Ich bin empört und lasse ihn das wissen. »Holen Sie doch mal Ihren Mann«, sagt er. Und insistiert: »Wie? Der ist nicht da?« Also bitte, in welchem Jahrhundert sind wir denn? Ich möchte Berater Markus an die Gurgel springen. Aber wie macht man das durchs Telefon? Ich muss wohl meinen Mann fragen. Oder meinen Sohn.
Innert Minuten fasst der Textgenerator GTP zum Beispiel Goethes Werther zusammen oder schreibt einen Aufsatz über Sonnenuntergänge. Die KI – künstliche Intelligenz – liefert nicht Plagiate, sondern erstellt neue Texte. Liebe Lehrpersonen, was wird nun aus den Hausaufgaben? Werdet ihr merken, was von KI verfasst ist und was nicht? Ich habe zur Probe mal »Autorin Angelika Waldis« eingegeben, und was flutschte heraus? Österreichische Schriftstellerin. Ihre Romane wurden in viele Sprachen übersetzt und haben unzählige Preise gewonnen, u.a. den renommierten Büchnerpreis.
Schön wärʼs ja.
Es ist ein trüber Morgen, ich fahre durch den Regen und hoffe, dass es bald ein Gramm wärmer und eine Prise heller wird. Der Scheibenwischer macht mir umgehend einen Strich durch die Hoffnung: swisch/swisch, links/rechts, swisch/swisch , nass/kalt, und so bleibt es, gewöhn dich dran, sollst nicht dauernd etwas wünschen, hoffen, ändern wollen, lass das Wetter Wetter sein und die Nässe nass und die Schwärze schwarz. Versuch mal, wie laut du singen musst, um das Rauschen der Reifen nicht mehr zu hören.
Tage, Tage – sie vergehen, und wenn ich heute darüber schreiben möchte, scheint mir alles, was ich in meinem Kopf finde, zu belanglos und zu persönlich und zu schonmalgesagt. Und alles, was ich in der Zeitung finde, zu schrecklich und zu böse und zu dumm. Und alles, was ich aus dem heiteren Himmel zupfe, zu schal, zu banal, zu achwassolls. Es ist, als ob ich etwas kochen möchte, und der Küchenschrank hat nichts zu bieten außer Verschimmeltes und ein paar leere Dosen. Let it be. Der Zeitforscher Karlheinz Geissler hat vorgeschlagen, eine Let-it-be-Liste statt der To-do-Liste zu erstellen.
Wir haben eine Neujahrskarte geschickt an ein Ehepaar, mit dem wir vor Jahren befreundet waren – als nettes Zeichen nach langer Zeit, warum denn nicht. Schon am übernächsten Tag rief die Frau an und dankte. Ihr Mann sei heute Nacht gestorben. Die letzten drei Jahre seinen absolut schrecklich gewesen, ein Krankheitsschlag nach dem andern, verbunden mit schlimmsten Erfahrungen. Sie habe vergessen, dass Weihnacht sei, sie habe von niemandem was gehört, sie sei sehr allein, die Karte habe sie gefreut.
Wie angenehm ist Ahnungslosigkeit.