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Wappentier und Fussballmaskottchen: Die Zürcher verdanken ihr Wahrzeichen vermutlich gefürchteten Schweizer Soldaten und einem geselligen Venezianer. Dieser schenkte der Stadt 1608 einen Markuslöwen aus vergoldetem Silber.
Zürich – Bern – Venedig. Was wie eine Interrail-Reise klingt, war schon im 17. Jahrhundert ein Thema. Allerdings nicht als Reise, sondern als Bündnis. Die drei Städte schlossen 1615 eine Allianz. Für die Venezianer ging es in erster Linie darum, die direkten Handelswege in den Norden und nach Frankreich zu sichern. Diese waren durch die Präsenz der Spanier in Oberitalien bedroht. Mit dem Abkommen erhielt Venedig das Recht, bei Bedarf je ein Zürcher und Berner Regiment anzuwerben. Die Schweizer Soldaten galten seit dem Spätmittelalter als gefürchtete Kämpfer auf Europas Schlachtfeldern und waren heiss begehrt. Im Gegenzug gewährte man den beiden Schweizer Städten Handelsfreiheiten, von denen vor allem die Zürcher Textilindustrie profitierte.
Der venezianische Gesandte machte bei diesen feucht-fröhlichen Gelegenheiten auch Bekanntschaft mit dem Zunftsilber.
Gefürchtete eidgenössische Kämpfer, hier in der Schlacht bei St. Jakob an der Birs, 1444.
Wie es der Name schon sagt, schwören auch die ZSC Lions auf einen Löwen im Klubemblem.
Dass die Allianz mit Zürich und Bern überhaupt abgeschlossen werden konnte, verdankte Venedig nicht zuletzt Giovanni Battista Padavino. Der venezianische Gesandte weilte bereits Jahre zuvor für längere Zeit in der Limmatstadt und war mit den hiesigen Gepflogenheiten bestens vertraut.
An zahlreichen Essen mit Persönlichkeiten der Stadt genoss Padavino – der Name verrät es schon – die lokalen kulinarischen Spezialitäten. Und machte bei diesen feucht-fröhlichen Gelegenheiten auch Bekanntschaft mit dem repräsentativen Zunftsilber, das zu jener Zeit bei feierlichen Essen gerne aufgedeckt wurde.
Der Kopf des Löwen kann abgenommen und als Trinkgefäss genutzt werden.
Offensichtlich hat ihn dieser Tischschmuck beeindruckt, denn er beschloss, den Zürchern einen Markuslöwen aus vergoldetem Silber zu schenken. Dieser ist hohl ausgegossen. Sein Kopf kann abgenommen und als Trinkgefäss genutzt werden. Produziert wurde das „Tischkätzchen“ von Bildhauer Ulrich Oeri, der nach Vorgaben des Venezianers das Wachsmodell erschuf, und von Goldschmied Diethelm Holzhalb. Letzterer war für die Ausführung in Silber verantwortlich. 1608 wurde das Geschenk feierlich überreicht und wer weiss, vielleicht hat ja genau dann die Faszination der Zürcher für den Löwen als Wappentier und Symbol begonnen …
Regelmässig gibt es auf dem Blog des Landesmuseums Zürich spannende Storys zur Vergangenheit von Zürich und der Schweiz: Die Themenpalette reicht von den alten Römern bis zu den Anfängen des Frauenfussballs.
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