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Die Umstellung auf eine ökologische Wirtschaft verändert das globale Wettbewerbsgefüge, da sich immer mehr Länder, Regionen und Unternehmen Emissionsziele setzen, um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen.
Doch welche Länder sind gut aufgestellt, um die Entwicklung zu einem Netto-Null-Ziel zu fördern und im Endeffekt auch wirtschaftlich überdurchschnittlich zu profitieren? Dazu hat Lombard Odier zusammen mit der Universität Oxford eine Studie ausgearbeitet, um die sich abzeichnenden globalen Trends bei der Wettbewerbsfähigkeit in einer grünen Wirtschaft zu ermitteln.
Einer der entscheidenden Faktoren wird die Fähigkeit eines Landes sein, komplexe grüne Produkte wie Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien oder Teile für Elektrofahrzeuge herzustellen. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes lässt sich anhand zweier Parameter bemessen:
- Der Green Complexity Index (GCI), der die Zusammensetzung der Exporte grüner Produkte eines Landes misst, die zu Wettbewerbsvorteilen geführt haben.
- Das Green Complexity Potential (GCP), das die durchschnittliche Nähe eines Landes zu komplexen grünen Produkten misst, die es noch nicht wettbewerbsfähig exportiert. Dies ist ein starker Indikator für den zukünftigen GCI.
Als Ausgangspunkt bei der Bestimmung der Länder, die als grüne Vorreiter betrachtet werden können, dient der Vergleich ihrer Exporte von Produkten aus dem Bereich der erneuerbaren Energien.
Gemessen am weltweiten Handelsvolumen war China zwischen 2015 und 2019 mit einem Anteil von 22% an den Exporten von Produkten aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, darunter Solarzellen, Windturbinen, Elektrolyseure und Batterien, eindeutig führend. Deutschland lag mit 12% an zweiter Stelle, gefolgt von den USA mit 10% und Japan mit 9%.
Die Daten deuten auch darauf hin, dass ökologische Wettbewerbsfähigkeit eine Eigendynamik erzeugt: Länder, die im GCI bereits gut abschneiden, scheinen im Durchschnitt auch ein höheres GCP zu haben.
Gut aufgestellt beim Übergang zu Netto-Null sind Deutschland, die USA und China. Sie alle können eine starke grüne Produktions- und Technologiekompetenz aufweisen.
Wie kann die Schweiz den Trend umkehren?
Die Schweiz rangiert im globalen Economic Complexity Index (ECI) an fünfter Stelle und nimmt somit einen Spitzenplatz ein, wenn es um die produktiven Fähigkeiten eines Landes geht. Allerdings ging die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz bei der Herstellung komplexer grüner Produkte deutlich zurück. In den Zeiträumen 1995–1999 beziehungsweise 2015–2019 rutschte das Land im GCI vom 6. auf den 23. Platz ab, und der GCP-Rang sank von 18 auf 47.
Die Schweiz ist bereits ein wettbewerbsfähiger Exporteur von Eisenbahnteilen und Ausrüstungen für die Biogasproduktion. Dem Bericht zufolge hat sie zudem die Möglichkeit, sich als Produktionsstandort von Teilen für Windturbinen auszuzeichnen – ein Sektor, der bis 2040 um das Zehnfache wachsen könnte, wenn die derzeitigen Wachstumsraten anhalten. Die Schweiz verfügt auch über Potenzial bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, über den derzeitigen Bedarf hinaus. Damit ist sie gut positioniert, um den heimischen Markt zu bedienen und grüne Energie in die EU zu exportieren.
Je früher die Länder und damit auch die Schweiz die Umstellung anpacken, desto eher gehen sie als Gewinner aus diesem Rennen. Denn Länder, die bereits eine grüne Komplexität aufweisen, haben einen grösseren Spielraum, noch grüner zu werden.
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Von Thomas Höhne-Sparborth, Leiter Sustainability Research bei Lombard Odier