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Die Geschichte der Titanic wurde insgesamt zwanzigmal verfilmt, es existieren mindestens 15 Fernsehserien darüber. Das Drama ereignete sich am 10. April 1912, d.h. in diesem Jahr «zelebriert» die Welt das 100-jährige Jubiläum.
Was in Gottes Namen haben die Thuner Seespiele mit Titanic zu tun?
Nun, bis anhin hatte ich nur eine einzige Verbindung mit der Schifffahrt und Thun. Während meiner Schulzeit fragte nämlich ein Lehrer die Klasse, was ihre Grossväter für einen Beruf ausgeübt hätten. Da antwortete einer, sein Opa sei Kapitän auf einem Thuner Seedampfer gewesen - die Klasse lachte 20 Minuten darüber.
Was hat aber Titanic wirklich mit den Thuner Seespielen und dem Musical zu tun?
An Board des Schiffes wurden 40'640 kg Kartoffeln geliefert. Insider wollen wissen, dass eine ähnliche Menge von den Besuchern von Thun konsumiert wird – dennoch, dies ist nicht der Zusammenhang. 1997 feierte ein Musical namens «Titanic» am Broadway Premiere. Es gewann sogar 5 Tony Awards, darunter jenen für das beste Musical, das beste Libretto und die beste Musik. Dennoch war es nicht sehr erfolgreich. Es lief in New York nämlich nur 800-mal und wurde dann abgesetzt, das Musical spielte knapp die Produktionskosten ein. Im Vergleich dazu «Cats», 1981 uraufgeführt, hatte in London 9000 Vorstellungen in Folge. Mit anderen Worten: «Titanic» war als Musical nicht der grosse Hit; bis zum heutigen Tag wird es auch relativ selten gespielt, im gleichen Jahr kam beispielsweise der Film Notting Hill heraus, der bis zum heutigen Tag unvergessen blieb. Sound und Story sind zu «mainstreamartig». Den Ohrwurm gibt es nicht. Die Geschichte verläuft trotz des Dramas nicht sehr dramatisch. Romeo und Julia aus der ersten und dritten Klasse analog dem berühmten Film finden wir in diesem Libretto nicht. Der Tiefgang ist im Original im doppelten Sinn nicht vorhanden. Obwohl die unverständliche Unbegreiflichkeit, wieso so etwas geschehen konnte, bleibt dennoch haften.
«Titanic» ist für mich wie ein «Musicalfloss», erst mit dem entsprechenden Antrieb wird es zu einem Schiff. Die Werft, die dieses Musical ausserordentlich erfolgreich in die See begleitete, heisst zweifellos Thuner Seespiele.
Gestern fand auf der «schönsten Seebühne Europas» die Premiere statt. Fraglos wurde das mittelmässige Musical «Titanic» noch nie so gut inszeniert wie in Thun.
Die Macher kürzten das Stück auf 2 Stunden. Sie bereicherten die Story mit zusätzlichen Elementen. Da bauten sie einmal noch ein bisschen «Swissness» ein, indem sie Herr und Frau Lehmann erfanden, gekonnt gegeben von Bea Rohner und Roland Herrmann. Neu war auch eine Szene, indem sich das Ensemble witzig und frech einem Irish Jip (Volkstanz) gab und das Publikum zum Applaus «zwang».
Extrem beeindruckend waren aber Bühnenbild, Regie und Choreographie, wobei aber das Wichtigste gratis geliefert wird – die atmosphärische Seekulisse. Sie sind die eigentlichen Stars dieser Inszenierung. Das Bühnenbild von Ueli Binggeli erschaffen, integrierte das Publikum als Passagiere der «Titanic» mit ein. Diese Schiffsbühne am und im Thunersee macht den Anlass zu einem einmaligen Erlebnis.
Die Regie führt der «Altmeister» Max Sieber. Für die Co-Regie und die Choreographie ist der in Thun bestens bekannte Simon Eichenberger verantwortlich. Ihnen beiden kann man nur zurufen: «Super gemacht!»
«Titanic» ist eine traurige Geschichte, nota bene kamen 2/3 der Menschen an Bord, insgesamt 1496 Personen ums Leben, es ist die Story eines «modernen Turmbaus zu Babel». Ohne Demut steht die Aussage, «nicht einmal Gott könne dieses Schiff versenken». «Titanic» widerspiegelt einen traurigen Mythos, der zumindest die Sicherheitsbedingungen der Schifffahrt grundlegend revolutioniert hat, die Thuner Inszenierung der Beweis, dass man auch aus einem mittelmässigen Musical ein eindrückliches Spektakel machen kann.
Vater der Thuner Seespiele, die dieses Jahr 10 Jahre alt wurden, war der letztes Jahr verstorbene Andreas Stucki - mit Titanic wurde ihm ein würdiges Andenken bereitet.
Das sehr empfehlenswerte Stück kann noch bis zum 30. August 2012 genossen werden.
Ps: Zwei Tage danach geht mir eine Szene nicht aus dem Kopf: Am Schluss suchen kleine beleuchtete Boote auf dem «Originalthunersee» nach Überlebenden. Diese Authentizität macht diese Produktion so unvergesslich.
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