Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03323.jsonl.gz/3043

Vitamin C wurde in den 1970-er Jahren als neues Mittel gegen Krebs gefeiert. Der Auslöser hierfür war die Veröffentlichung mehrerer Artikel des berühmten Nobelpreisträgers und Chemikers Linus Pauling, in welchen dem Vitamin eine bedeutende Wirkung in der Krebstherapie und Prävention attestiert wurde. 1)
In den 80-er Jahren wurde zunehmend an der Anti-Krebs Wirkung des Vitamins gezweifelt, da zwei Studien der angesehenen Mayo-Klinik in den USA eine solche Wirkung nicht nachweisen konnten. Als Folge des in den 2000-er Jahren eingeläuteten Anti-Vitamin-Hypes schien dessen Niedergang endgültig besiegelt und dem Vitamin C wurde jegliche solche Wirkung abgesprochen.
Es zeichnet sich jedoch eine Wiedergeburt des Vitamin C als Krebstherapeutikum ab. 2) In zahlreichen wissenschaftlichen Studien 2) konnte nachgewiesen werden, dass es durchaus für die Krebstherapie taugt. Der Trick: man muss es intravenös verabreichen. Erhöht man nämlich die Menge des geschluckten Vitamins nimmt auch dessen Ausscheidung über die Nieren zu und gleichzeitig sinkt dessen Aufnahmeleistung im Darm. So wird verhindert, dass sich im Blut eine therapeutisch wirksame Konzentration einstellt. Will man Krebs mit Vitamin C wirksam bekämpfen, kommt man also um die intravenöse Verabreichung nicht herum. Dies gilt jedoch nicht für den Darm. Hier wird die Konzentration lediglich durch die eingenommene Menge limitiert, andere Regelmechanismen spielen hier noch keine Rolle. Dies ist von grosser Bedeutung, weil auch Darmkrebszellen in der Anwesenheit von Vitamin C absterben, wie eine soeben erschienene Studie bestätigen konnte. 3) Grob geschätzt, dürften etwa 1-2 g Vitamin C ausreichen, um für Darmkrebszellen ein ungemütliches Klima im Darm zu schaffen. Ob eine ständige Einnahme solcher Dosen via Nahrungsergänzungsmittel zu empfehlen ist, muss sich allerdings erst noch zeigen. Hier darf man auf weitere Studien gespannt sein. Um es in den Worten einer amerikanischen Forschungsgemeinschaft von Wissenschaftlern der Mayo-Klinik und des Nationalen Gesundheits-Instituts zu sagen: Lasst den Phönix fliegen (in Anlehnung an den aus der griechischen Mythologie stammenden Vogel Phönix).
Literatur
1 E. Cameron und L. Pauling, Supplemental ascorbate in the supportive treatment of cancer: prolongation of survival times in terminal human cancer. Proc. Natl. Acad. Sci. USA (1976) 73: 3685–3689.
2 N. Shenoy et al., Ascorbic Acid in Cancer Treatment: Let the Phoenix Fly, Cancer Cell (2018) 34 : 700-706
3 A.S. Pires et al. Ascorbic acid and colon cancer: an oxidative stimulus to cell death depending on cell profile. European Journal of Cell Biology 95 (2016) : 208–218