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Von einer Natur- zu einer Kulturlandschaft
Natürliche Kräfte wie Wasser und Eis, Sonne und Wind geben einer Landschaft ein sich immer wieder wandelndes Gesicht. Zu diesen Naturkräften gesellte sich vor einigen Tausend Jahren der Mensch. Er machte Jagd, rodete Wald, wurde sesshaft, baute Höfe und Siedlungen und bestellte die Felder. Von Beginn an beeinflusste er seine Umwelt, und durch sein Wirken wurde aus einer ursprünglichen Naturlandschaft eine Kulturlandschaft.
Der Mensch breitet sich aus
Spätestens mit den Römern erreichte die intensive Landwirtschaft das Seebachtal. Dies wird durch zahlreiche archäologische Funde belegt. Diese Intensivierung der Landnutzung erreichte im 18. Jahrhundert einen ersten Höhepunkt. Die Bevölkerung wuchs in rasantem Tempo und musste ernährt werden. Auf einem grossen Teil der Nutzfläche wurde Ackerbau betrieben. Die damals noch ausgedehnten Sumpf- und Riedflächen wurden zur Streuegewinnung genutzt. Die Waldfläche war mit rund 14 % Anteil an der Gesamtfläche nur halb so gross wie heute, denn die Menschen benötigten immer mehr Land für den Anbau von Feldfrüchten, sowie Bau- und Brennholz. Holz war Mangelware, insbesondere für den ärmeren Teil der Bevölkerung.
Brennstoff für die Armen
Mit dem Verbrennen von getrocknetem Torf konnte das fehlende Brennholz teilweise ersetzt werden. Die ausgedehnten Flachmoorflächen des Seebachtals waren ideal für den Torfabbau. Dieser wurde anfangs vor allem zur Selbstversorgung von Hand, später auch maschinell für industrielle Zwecke durchgeführt. Um an die bis zu fünf Meter mächtigen Torfschichten zu gelangen, musste der Boden durch Stichgräben und eine erste Tieferlegung des Seebaches entwässert werden.
Melioration
Am bedeutendsten für die landschaftliche Entwicklung des Seebachtals in jüngster Zeit waren die Güterzusammenlegungen, die sogenannten Meliorationen, im 20. Jahrhundert. Seit dem Mittelalter war das Landschaftsbild geprägt durch die Dreifelderwirtschaft auf unzähligen, kleine Landparzellen. Diese wurden nun zusammengelegt, denn nur auf grossen Anbauflächen konnte rationell mit Maschinen gewirtschaftet werden. Im Seebachtal kam es ab 1943 zu einer gross angelegten Melioration, der eine künstliche Absenkung der drei Seen um stattliche eineinhalb Meter voranging. Durch unzählige Kilometer Entwässerungsleitungen wurde eine Fläche so gross wie 213 Fussballfelder entwässert und landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Die Auswirkungen waren für die Dreiseenlandschaft folgenschwer: Die Entwässerung zerstörte viele Feuchtflächen, und durch die Absenkung des Seespiegels gingen in Ufernähe wertvolle Flachwasser-zonen verloren. In kurzer Zeit verschwand die ursprüngliche Lebensraumvielfalt der traditionellen Kulturlandschaft – und mit ihr zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Die Anbauschlacht und ihre Folgen
Bald schon zeigten sich jedoch Probleme auf den trockengelegten Flächen. Durch die ausgeführten Entwässerungsanlagen und die intensive Nutzung sackten die Torfböden rasch ab, und weite Gebiete um die Seen vernässten langsam, aber unaufhaltsam. Eine Bewirtschaftung der Böden im engeren Seebereich war zunehmend erschwert, ja teilweise gar nicht mehr möglich. Weil dadurch die Existenzgrundlage vieler Bauern bedroht war, befasste sich bereits 1986 eine Arbeitsgruppe mit der «Sanierung des Seebachtals». Gleichzeitig schlugen Naturschützer schon lange Alarm: Eines der wichtigsten Naturschutzgebiete des Kantons Thurgau zeigte klare Anzeichen des Zerfalls. Es war Zeit für neue Lösungsansätze.