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Volvo Cars hatte Ende der 1980er-Jahre ein Problem: Wie sollte man die Bestseller-Modelle der letzten Jahrzehnte noch toppen können? Wie immer überraschte Volvo alle und wagte erneut einen Paradigmenwechsel.
Volvo 440/460/480 (1985–1996) – Vorderradantrieb mit Bordcomputer
Zehn Jahre dauerten die Entwicklungsarbeiten am Projekt «Galaxy», bevor der Volvo 440 auf den Markt kam. Das Briefing war klar: eine moderne, kompakte Limousine mit Frontantrieb, die mit den Volvo typischen Eigenschaften wie Sicherheit, Qualität und Komfort ausgestattet war. Getestet wurden aber auch neue Leichtbaumaterialien, innovative Sicherheitstechnologien sowie erste Bordcomputer. Statt der erwarteten Limousine schob Volvo Cars 1985 überraschend ein Sportcoupé vor: den Volvo 480. Der Shooting-Brake wurde damit zum eigentlichen Nachfolger des legendären Volvo P1800. Gleichzeitig war der 480 aber auch das erste Volvo Modell mit Frontantrieb. Die Presse feierte den Mut zur Nische und das aussergewöhnliche Design. Die Frontansicht prägten markante Klappscheinwerfer – bis heute einzigartig in der Volvo Geschichte.
Drei Jahre nach dem Volvo 480 kam auf derselben Basis das Schrägheckmodell 440 raus. Es fuhr mit tollen Features vor wie der zweigeteilten Rückbank oder der dem Fahrer zugeneigten Mittelkonsole, was die Bedienung vereinfachte. Der Volvo 440 verfügte serienmässig über einen Bordcomputer, der sowohl Kraftstoffverbrauch, Durchschnittsgeschwindigkeit, Reichweite, Öl- und Kühltemperatur sowie Aussentemperatur anzeigte. Zudem war er schon ab 1989 ein Antiblockiersystem (ABS) erhältlich: untypisch für die Kompaktklasse, aber typisch für Volvo. Beide Varianten verkauften sich sehr gut und gaben Volvo Recht, auch künftig Kompaktwagen mit Qualität zu produzieren.
Volvo 940/960 (1990–1998): das Kofferraumwunder
Die Volvo 940/960er-Reihe wurde im Herbst 1990 eingeführt und ersetzte die Volvo 740/760er-Modelle. Der Volvo 940 erhielt eine Reihe neuer Sicherheitsfunktionen. Die 900er-Modelle bekamen dafür viele internationale Auszeichnungen, unter anderem den «Prince Michael Road Safety Award» und den «Autocar & Motor»-Preis. Zusammen mit dem Luxus-Sechszylinder 960 kam serienmässig eine verstellbare Kopfstütze in der Mitte des Rücksitzes, was eine weltweite Neuheit war. Optional erhältlich war auch ein in die Mittelarmlehne des Rücksitzes integrierter Kindersitz. Der Volvo 940/960er-Kombi erreichte schon bald den gleichen legendären Ruf wie sein Vorgänger.
Der Volvo 940 Kombi war dem Volvo 960 Kombi sehr ähnlich, bot aber mit dem 4-Zylinder-Aggregat eine Motorisierung, die erschwinglicher war. Der wichtigste Grund, warum die Volvo der 940/960er-Reihe so beliebt waren, ist der Kofferraum, der mit 2200 Litern und seiner kubischen Form auch sperrige Güter transportieren konnte. Ein Gepäcknetz aus Stahl sorgte dabei für Fracht-Sicherheit. Mit einer Anhängelast von 1,9 Tonnen waren die 900er Volvo auch beliebte Zugfahrzeuge. Und sind es bis heute. Überdurchschnittlich viele dieser Modelle stehen immer noch im Einsatz und erfreuen sich grosser Beliebtheit. Bei eingefleischten Fans sind die 940/960er auch wegen des Heckantriebs begehrt – die letzten Volvo Modelle mit dieser Antriebsart. Insgesamt wurden rund 670 000 Fahrzeuge der 900er-Reihe gebaut, davon etwa 390 000 Limousinen und knapp 280 000 Kombis.
Volvo 850 (1991–1996) – die neue Generation
Ende der 1980er-Jahre wurden 15 Milliarden Kronen (rund 1,5 Mia Franken) in die Entwicklung des Volvo 850 gesteckt. Es handelte sich damals um die grösste Investition, die je in Schweden getätigt wurde. Entwickelt wurde nicht nur eine komplett neue Plattform, sondern auch eine neue Motorengeneration.
Der Volvo 850 unterschied sich von seinen Vorgängern in vielerlei Hinsicht – obwohl die klassische Volvo Designsprache unverkennbar war. Mit der ein halbes Jahr später eingeführten Kombiversion kamen erstmals die senkrecht stehenden und bis ins Dach reichenden Heckleuchten zum Einsatz.
Der Volvo 850 war 1991 seiner Zeit weit voraus – sowohl in punkto Sicherheit und Fahrdynamik als auch bei der Motorisierung. Weg vom Sechszylinder mit Heckantrieb, hin zum Fünfzylinder mit Frontantrieb, was fortan ein Vierteljahrhundert zum Volvo Standard werden sollte. Der neue, quer eingebaute Reihen-Fünfzylinder war in Verbindung mit dem Frontantrieb ein Meilenstein.
Selbstverständlich setzten auch die Sicherheitsfeatures neue Massstäbe. Neben automatisch höhenverstellbaren Sicherheitsgurten für die Vordersitze kam im Volvo 850 erstmals das Seitenaufprall-Schutzsystem SIPS (Side Impact Protection System) zum Einsatz, das bei einem Seitencrash den Aufprall über die gesamte Karosseriestruktur ableitet.
Der Volvo 850 eroberte die Autowelt im Sturm: Rund 50 internationale Auszeichnungen bekam das Modell. Beim Publikum war besonders die Kombiversion begehrt: Dank des riesigen Laderaums, des modernen skandinavischen Designs und der klaren Linienführung wurde der Kombi zum Bestseller. In den sechs Jahren seiner Produktionszeit verkauften sich die Volvo 850 Modelle rund 717 000 Mal.
Der Volvo 850 schrieb auch Renngeschichte. Mit dem Volvo 850 T5-R kam eine 240 PS starke, limitierte Version auf den Markt, die sofort ausverkauft war und heute bei Volvo Fans als Kultauto gilt. Nicht zuletzt deshalb, weil der Volvo 850 T5-R der Wiedereintritt von Volvo in den Rennsport war und als erster Kombi die British Touring Car Championship BTCC gewann.