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Erweiterung und Sanierung Schulanlage Umiken, Brugg
Das Umiker Schulhaus
Das Schulhaus Umiken, gebaut in den 1920er Jahren, ist ein typisches etwas dörfliches Schweizer Schulhaus. Es steht etwas abseits westlich des ursprünglichen Umiker Dorfkerns, inmitten von Einfamillienhäusern. Nach Westen öffnet sich das Geviert auf die ländlich anmutende Umgebung. Im Norden prägt die erhöhte Bahnlinie die Situation und bildet einen räumlichen Abschluss.
Es ist ein viergeschossiges Schulhaus, verputzt mit gelblicher Farbgebung, Mansardendach. Stilelemente des Schweizer Heimatstils zeichnen das bestehende Gebäude aus. Durch seine Gestaltung und Grösse im unmittelbaren gebauten Kontext ist das Haus unmissverständlich als Schulhaus, als öffentliches Haus lesbar. Ergänzt wird das Schulhaus durch die in den 90er Jahren erbaute Turnhalle, die die alte, nur 4 Meter hohe Turnhalle im Erdgeschoss ersetzte. Die beiden Bauten bilden einen schön definierten Aussenraum im Norden des Schulhauses, der als Sportplatz verwendet wird.
Westlich des Schulhauses ist ein Rasenspielfeld angeordnet. Die Pausenflächen befinden sich rund um das bestehende Schulhaus, die grösste Fläche im Süden, wo auch der Eingang angeordnet ist. Ein freistehender Holzpavillon bietet hier ausserdem eine vom Regen geschützte Pausenfläche.
Ein eigentlicher Pausenplatz fehlt in der heutigen Situation.
Das neue Schulhaus
Der bestehenden Schule wird ein neues Schulhaus zur Seite gestellt. Die beiden Häuser stehen nicht in Konkurrenz, sie ergänzen sich. Dem Neubau kommt hier die Rolle des eigentlichen Schulhauses zu, es beherbergt im Erdgeschoss die beiden Kindergärten und in den beiden Obergeschossen die Klassenzimmer mit den Gruppenräumen. Situiert ist der neue Baukörper nordwestlich des Bestandsgebäudes. Damit wird zusammen mit dem Bestand ein Aussenraum definiert, der neu als Pausenplatz dient.
Das bestehende Schulhaus beherbergt im Erdgeschoss die Tagesstruktur. Der ursprüngliche Zugang ins Schulhaus dient als neue Adressierung der Tagesstrukturen. Neu werden eine Garderobe, ein Zahnputzbereich, sowie neue Nasszellen eingefügt, damit die Räumlichkeiten optimal genutzt werden können. Die ehemalige Turnhalle bietet sich als Ess- und Aufenthaltsraum an. Mit einer kurzen Treppe wird der Niveaunterschied aufenommen. Eine Küche mit direkter Anbindung an den Essraum wird integriert. Eine direkte Verbindung zum Lager gewährleistet kurze Wege. Die Ruheräume sind losgelöst vom Aufenthaltsbereich nutzbar. Der bisherige Pausenplatz dient den Tagesstrukturen als Aussenfläche. Eine direkte Anbindung zum Aussenraum ist über den Eingang im Westen gewährleistet. Auch die Anlieferung der Küche erfolgt über diesen Zugang.
An der Nordseite wird ein neuer Eingang eingefügt. Dieser dient als Eingang der Schulnutzungen mit den Spezialzimmern in den Obergeschossen. Er liegt auf gleichem Niveau wie das bestehende erhöhte Erdgeschoss und ist somit rollstuhlgerecht. Zudem dient er als Fluchtweg, so dass die alte Eingangshalle als Teil der Tagesstruktur möbliert und bespielt werden kann. Mit dem Einbau eines Übereck-Liftes lassen sich sämtliche Geschosse barrierefrei erschliessen. In der Dachfläche wird die benötigte Höhe mittels neuer Lukarne, ein Pendant zu den bestehenden Lukarnen, bewältigt. Die bestehenden Nasszellen für Mädchen und Jungen werden enstprechend reduziert und umgestaltet.
An der Nordseite wird ein Pausendach erstellt, das gleichzeitig die Verbindung trockenen Fusses vom Bestand zum Neubau sicherstellt.
Neubau
Ein gedeckter Zugangsbereich führt über den Windfang in die grosszügige Erschliessungshalle. Die durchlässige Treppe in der Mitte als verbindendes Vertikalelement, Garderoben an den Wänden und Sichtbezüge nach aussen charakterisieren diesen Bereich. In der Längsrichtung wird jeweils ein Gruppenraum oder ein Aufenthaltsbereich, welche auch als zusätzliche Gruppenräume genutzt werden können, angeordnet. Transparente Raumabschlüsse ermöglichen Ein- und Durchblicke. Sie können bei Bedarf mit Vorhängen optisch getrennt werden. Ein grosses Oblicht im Dach bringt viel zenitales Tageslicht in den Erschliessungsbereich.
Die Klassenzimmer verfügen über zwei natürlich belichtete Seiten. Entlang der Fenster ist ein Arbeitssims angelegt. Einbauschränke und Doppellavabos in den Schulzimmern gewährleisten eine optimale Nutzung. Direkt oder nah angebundene Gruppenräume ermöglichen einen zeitgemässen Unterricht.
Arbeitsplätze für Lehrpersonen auf verschiedenen Stockwerken ermöglichen einerseits kurze Wege und andererseits auch ruhige Rückzugsmöglichkeiten oder Bezüge zum vorgelagerten Pausenplatz. Im zweiten Obergeschoss befindet sich der Aufenthaltsraum für die Lehrpersonen, weitere Klassenzimmer, sowie die Räumlichkeiten der Schulsozialarbeit und Heilpädagogen.
Der Kindergarten liegt im Erdgeschoss und wird autonom erschlossen, hat aber eine direkte interne Verbindung zur Schulnutzung. Beide Einheiten können von zwei Fassadenseiten profitieren. Die Aussenspielflächen des Kindergartens sind räumlich von deren der Schule getrennt.
Das Untergeschoss dient ausschliesslich organisatorischen oder haustechnischen Zwecken und ist durch einen Abschluss von der Schulnutzung getrennt. Das Pelletlager mit der -heizung, sowie die weiteren Technikräume sind in unmittelbarer Nähe zu den Steigzonen platziert. Um einen möglichst kleinen Eingriff in das Terrain vornehmen zu müssen wird das Untergeschoss kleiner als ein Normgeschoss ausgeführt, weist dennoch alle geforderten Flächen für die Nutzung auf.
Bestand
Das alte Schulhaus wird im Erdgeschoss mit der Tagesstruktur und in den oberen Geschossen mit den Spezialräumen der Schule, sowie dem Büro Schulleitung bespielt.
Um den energetischen Anforderungen gerecht zu werden ist vorgesehen, die Aussenwände mit einer 80mm starken Multipor - Innendämmung zu ertüchtigen. Ebenso werden die Fenster ersetzt und das Dach entsprechend besser gedämmt. Mit diesen Massnahmen, welche einen geringe Eingriffstiefe in die Substanz erlauben, sind im Gesamtkontext die Werte nach Minergie-P-ECO erreichbar. Aufwendige An- und Abschlüsse, sowie eine optische Veränderung der Aussenhülle können so vermieden werden. Das äussere Erscheinungsbild bleibt bestehen.
Der neue bodenbündige Zugang auf der Nordseite ermöglicht die Anbindung an den Neubau und gewährleistet kurze Wegführungen von den Klassenzimmern in die Spezialräume und die Bibliothek. Mit dem Einbau eines Übereck-Liftes sind alle Geschosse barrierefrei erschlossen. Die Nasszellen können reduziert und umorganisiert werden.
Durch neue raumbildende Abschlüsse wird die ehemalige Turnhalle / Aula zum Aufenthalts- und Essbereich mit Küchenanschluss für die Tagesstrukturen. Neue Nasszellen und die Anbindung der Ruheräume können die Tagesstrukturen autonom von der eigentlichen Schulnutzung funktionieren. Der Freiraum ist direkt über die Aussentür auf der Westseite oder durch den Haupteingang zugänglich. Die Aussenräume der Tagesstrukturen befinden sich auf dem jetzigen Pausenplatz der Schule.
Mit wenigen Eingriffen können die neuen Räume in den oberen Stockwerken integriert werden. Wo immer möglich soll der Zustand erhalten bleiben.
Aussenraumgestaltung
Mit dem neuen Schulhaus entsteht eine Neuordnung der Freiräume. Es entstehen drei raum-bildende Freiräume: der bestehende Hartplatz, der Pausenplatz und das Rasenspielfeld.
Der bestehende Hartplatz wird räumlich gefasst durch die Turnhalle, das neue Schulhaus und das bestehende Schulhaus. Für den Aussenraum des Kindergartens wird die vorhandene Böschung in eine abwechslungsreiche Spiellandschaft verwandelt.
Vom Hartplatz gelangt man über eine Treppe zum Verbindungsdach und dem neuen Pausenplatz. Als Erweiterung der bestehenden Anlage fliesst der neue Pausenplatz nun um das bestehende Schulhaus bis zum Neubau. Vor dem Haupteingang des Neubaus bietet der baumbestandene chaussierte Platz mit Spielgeräten viel Abwechslung für die Schulkinder in der Pause und nach der Schule eine schöne Begegnungs- und Spielmöglichkeit für das gesamte Quartier.
Zur Strasse ist der Pausenplatz mit einer Sockelmauer und einer Hecke eingefasst. Zum Rasenspielfeld hin wird der Platz mit dem Velodach gefasst und ein Weg führt am Schulhaus vorbei zum Eingang des Kindergartens. So sind die wartenden Kinder des Kindergartens und er Schule voneinander getrennt.
Das neue Rasenspielfeld liegt zwischen dem Neubau und der alten Sägerei. Nach Norden bieten ein paar Sitzstufen die Möglichkeit das Treiben auf dem Rasenfeld zu beobachten und fangen das bestehende Terrain ab. Die bestehende Weitsprunganlage kann so erhalten bleiben.
Mit der Setzung des Neubaus entsteht ein neues Schulensemble das dem bestehenden Schulhaus genügend Raum gibt und die verschiedenen Freiräume klar lesbar gliedert.
Ort: Umiken Brugg
Projektwettbewerb 2022
ARGE mit Mentha Walther Architekten, Zürich
Landschaftsarchitektur: Hoffmann & Müller Landschaftsarchitekten