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190 Salaga und Jendi bis in die Landschaft Mossi vordrang. Wolf drang von Bismarckburg in nordöstl. Richtung ins Hinterland von Dahome vor, wo er unweit Ndali starb. Wolf und François lieferten vorzügliches kartogr. Material. Hauptmann Kling bereiste mit wissenschaftlichem Erfolg 1891/92 die Borgu-Staaten und Kintampo. – Drei Reisen haben in der neuesten Zeit uns Kenntnis vom Innern Nordwestafrikas gebracht. Krause ging 1886 von der Goldküste über Salaga nördlich durch Mossi bis Duensa in Massina und kehrte auf demselben Wege 1887 wieder zurück.
Der franz. Kapitän Binger zog von Bammako aus am obern Niger 1888 nach Süden, durch Samorys Reich, erreichte die Stadt Kong (in der Landschaft Wangara) und von hier Mossi; über Salaga zurückkehrend, traf er 1889 mit Treiche-Lapène zusammen, der zu seiner Unterstützung von Assini an der Elfenbeinküste aufgebrochen war. Beide gelangten durch noch unbetretene Länder nach Groß-Bassam an der Guineaküste. Monteil durchquerte 1891–92 von Segu am Niger aus den Nigerbogen (Lanfiera-Wagadugu-Say) und über Bornu die Sahara. c. Das Nilproblem und die centralafrikanischen Seen.
Zur Lösung der Nilfrage führten zuerst schrittweise die Reisen und Kriegszüge, die 1793–1839 von Ägypten [* 2] aus gegen den Sudan und Abessinien unternommen wurden. Abgesehen von einem vereinzelt gebliebenen Vorstoß Brownes (1793–96) über Assuan nach Darfur warf man sich zur Zeit Napoleons (1798–1801) und unmittelbar darauf auf die mehr archäol. als geogr. Erforschung des Nilthals bis zu den Katarakten. Cailliaud und Letorzek wandten sich 1819–20 westwärts in die Libysche Wüste, deren gründliche Untersuchung erst Rohlfs 1869 und 1873–74 mit Zittel, Jordan und Ascherson zum Abschluß brachte.
Mit dem Heere Mehemed Alis zogen 1820–21 Cailliaud und Letorzek nach Nubien bis zur Teilung des Nils in den Blauen und Weißen Nil. Ihre Entdeckungen setzten nach Süden fort: Beke, der 1840 die Quellen des Blauen Nils fand, Pruyssenaere, Poncet und Lejean 1859–64, Marno 1870–71 und Schuver 1881–82, der hier den 9.° nördl. Br. erreichte. Man stand vor den Thoren Abessiniens; nach Salts wissenschaftlich wenig verwertbarer Reise wirkten 1837–48 die Gebrüder d'Abbaddie grundlegend für die Kenntnis des Landes bis südlich nach Kaffa, nachdem Combes und Tamisier schon 1835 und 1836 bis Schoa Bahn gebrochen hatten.
Fast gleichzeitig (1839–43) hielten sich hier auf: die Reisenden Rüppell, Ferret und Galinier;
Lefebre;
Krapf;
in den sechziger Jahren Heuglin, Steudner, Rohlfs und Lejean;
auch der engl. Feldzug 1867–68 bereicherte das topogr. und ethnogr.
Wissen. Während durch die Wüsten im Westen des Nils schon 1824 Rüppell bis Kordofan und Russegger und Kotschy sogar bis Dar [* 3] Nuba, d. h. bis zum 11.° nördl. Br. und 29.° östl. L. von Greenwich gewandert waren, entschloß man sich erst mit Beginn der fünfziger Jahre, von den Küsten des Roten Meers aus dem Hochland durch die Wüsteneien sich zu nähern. 1852 ging Malzac, 1854 Hamilton von Suakin gegen den Atbara vor; Munzinger leistete während seines langen Aufenthalts in Keren (1855–75) Vorzügliches im Marebgebiet, das Hildebrand und Heuglin in den siebziger Jahren ebenfalls durchforschten.
Cecchi und Chiarini drangen 1876–81 von Zeila, Soleillet 1882 von der Tedschurabai gegen Schoa und Kaffa vor, denen Aubry 1883–85 bis Bonga folgte. Ebenso war Schoa das Ziel für Antonelli, der 1883 die Danakil-Wüste durchschritt, wie auch Bianchi 1884, Ragazzi und Rimbaud, die von Harrar aufbrachen. 1885–87 nahmen Antonelli und Traversi an den Kriegszügen des Königs Menilek teil und erweiterten wesentlich unsere geogr. und ethnogr. Anschauungen von dem Süden Abessiniens; Borelli gelangte 1886–88 von Schoa aus nach Dschimma. 1821 war die Mündung des Blauen Nils gefunden und der Weiße Nil als der Hauptstrom erkannt worden. 1827 befuhr ihn Linant de Bellefonds bis zum 13. nördl. Br. Mehemed Ali nahm die weitere Erforschung zum Ziel; die erste Expedition unter Thibaut gelangte 1840 bis zum 6.° 30' nördl. Br. und die zweite 1841 unter d'Arnaud und Werne bis zu 4° 42'. Der südlichste Punkt nilaufwärts, der von Ägypten aus und zwar durch Miani 1860 zuerst erreicht wurde, lag unter 3° 34' nördl. Br. Ein ungeheuer wasserreiches und fruchtbares Gebiet war durch Mehemed Ali erschlossen worden.
Den Kaufleuten, Elefantenjägern und Sklavenhändlern folgten ein Jahrzehnt später die Männer der Wissenschaft, hauptsächlich in die Länder westlich vom Nil, in das sog. Bahr el-Ghasal-Gebiet. Brun Rollet fand 1856 den Schlüssel dazu in Meschra el-Rek;
weiter nach Süden zum Djur drang 1857 Poncet, Petherick bis zu den Niam-Niam;
weiter nach Südwesten 1860–65 Antinori, Piaggia;
Lejean (1861) und Heuglin (1863);
in Gondokoro im Nilthal selbst hielten sich 1860–62 Petherick und Peney auf.
Den Beginn der gründlichen und wissenschaftlichen Erforschung machte Schweinfurth 1868–71, der die Wasserscheide der westl. Nilzuflüsse überschritt und im Monbuttu-Lande den nach Westen strömenden Uelle entdeckte, den wir jetzt als den Oberlauf des Ubangi, also als Nebenfluß des Kongo kennen. Nach Miani im Monbuttu-Lande (1871) und Marno in Makaraka 1874–75 leistete Dr. Schnitzer, bekannter unter dem Namen Emin Pascha, 1877–89 durch seine ethnogr., topogr. und botan. Arbeiten im weiten Umkreis nach Westen und Osten von Lado und Dr. Junker durch seine Reisen (1877–78 und 1880–86) im Flußgebiet des Uelle bis zur Seriba Abdallah 23° 10' östl. L. von Greenwich und des Nepoko der geogr. Wissenschaft die wertvollsten Dienste. [* 4]
Gleichzeitig mit Emin Pascha wirkte Lupton als ägypt. Beamter im Bahr el-Ghasal-Gebiet und kam 1883 zum Teil durch die von Potagos (1876–77) bereisten Länder bis Foro in Dar Banda, sehr nahe der weit westlich liegenden Vereinigung des Mboma mit dem Uelle-Ubangi; Buchta machte 1878 interessante ethnogr. Studien im Djur-Lande; Casati ergänzte 1884–89 die Forschungen bei den Monbuttu, und Bohndorff glückte es in dieser Zeit wahrscheinlich bis Dar Abu Dinga zu kommen.
Nicht unwesentlich wurden alle diese wissenschaftlichen Expeditionen durch den Generalgouverneur des Sudan Gordon (1874–80) in Chartum unterstützt, in dessen Auftrag auch ägypt. Generalstabsoffiziere, außerdem die Engländer Purdy und Colston (1874–75) topogr. Aufnahmen in Kordofan und dem bisher verschlossenen Darfur bewerkstelligten. – Das Nilproblem zu lösen wurde nicht durch ein weiteres schrittweises Vordringen von dem 1860 erreichten südlichsten Punkte (3° 34') im Nilthal versucht, sondern weitausgreifend von der Ostküste aus ¶
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191 angestrebt. Mitteilungen von Arabern aus dem Jahre 1845, Erkundigungen Rebmanns und Krapfs von 1849, welche die Existenz eines ungeheuern Binnengewässers behaupteten, veranlaßten Burton und Speke 1857–59 zu ihrer epochemachenden Expedition nach dem vermeintlichen Nilsee; sie fanden den Tanganika und Speke allein den Victoria-Njansa. Die zweite Reise von Speke im Verein mit Grant (1860–64) löste endlich in großen Zügen das Rätsel. Nachdem sie die Westseite des Victoria-Njansa umschritten, fanden sie den Ausfluß [* 6] des Sees bei den Riponfällen, verfolgten ihn bis zu den Karumafällen und trafen in Gondokoro am Weißen Nil mit dem von Kairo [* 7] gekommenen Baker (1862-64) zusammen, der durch die Entdeckung des Albert-Njansa und den Einfluß des Somerset-Nil in denselben ihre Resultate vervollständigte.
Als dann durch Stanley 1876 der Kagera- oder Alexandra-Nil in Karagwe als wichtigster Zufluß des Victoria-Njansa, dessen einen Oberlauf Baumann 1892 bis zum Mondgebirge (im Norden [* 8] des Tanganika), dessen andern Oberlauf Graf Götzen 1894 bis zum Ostrand des Centralafrikanischen Grabens verfolgte, und als 1889 der Semliki, der den Albert-Edward-Njansa mit dem Albert-Njansa verbindet, als zweiter Quellfluß gefunden war, hatte man das Jahrtausende alte Geheimnis über den Ursprung des Nils enthüllt.
An der Erforschung der Seen und der umgebenden Länder beteiligten sich: am Albert-Njansa: Gessi 1876, der die Zugehörigkeit desselben zum Nilsystem absolut sicher stellte;
Mason 1877, der ihn umschiffte, und Stanley 1889. Ausdehnung [* 9] und Ufergestaltung des Albert-Edward-Njansa stellten 1891 Stuhlmann und Lugard genau fest. Am Victoria-Njansa: 1875 Stanley, durch dessen Rundfahrt sämtliche Inseln und Uferstaaten, namentlich Uganda und Karagwe, bekannt wurden;
1877 Wilson;
O'Neill und Smith, die auf der Ukerewe-Insel ermordet wurden;
1878 Felkin, Pearson, Lichtfield und der Missionar Mackay, der sich in Rubaga, der Hauptstadt Ugandas, von 1878 bis 1887 aufhielt;
1890 Pater Schynse und Stuhlmann am West- und Südwestufer, 1892 Baumann im Speke-Golf u.s.w. – Am Tanganikasee: Livingstone (1869–72) und Stanley, der jenen, den verloren Geglaubten, 1871 wieder aufgefunden und mit ihm auf einer Fahrt nach dem Nordende die Unmöglichkeit irgend eines Zusammenhanges mit den wirklichen Nilseen konstatierte;
Cameron 1873, der im Westen den Lukuga als Ausfluß bezeichnete;
Stanley 1877, der bei seiner zweiten Afrikareise den ganzen See umfuhr;
Hore 1878, der Camerons Entdeckung in Bezug auf den Lukuga bestätigte;
Jos. Thomson 1879–80, dem wir die Kenntnis von dem Rikwasee im Osten verdanken.
Die schönen Ufer des Sees, als Basis für weiter gehende Forschungen, und die Fruchtbarkeit der Landschaft Unjamwesi bestimmten 1879 die Absendung zweier belg. Expeditionen von der Sansibarküste aus, von welchen die erste unter Cambier die Station Karema am Tanganika gründete, die zweite unter Popelin, von der Heuvel und Harter in Tabora verblieb. Eine deutsche Expedition unter Kaiser, Böhm und Reichard ließ sich 1880 in Unjamwesi (in Kakoma, später in Igonda) nieder. Die meisten dieser Unternehmungen gingen von der Ostküste aus und erschlossen die dazwischen liegenden Länder dem geogr. Wissen.
d. Das Kongo-Stromgebiet. 1486 hatten Europäer zum erstenmal die Mündung des Riesenstroms gesehen. 450 km flußaufwärts wagte sich zuerst 1816 Tuckey; bis zu den Jellalafällen 1848 Ladislaus Magyar und 1863 Burton. Tief im Süden war am Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrh. eine große Menge von Flußläufen entdeckt worden, darunter als mächtigster der Kassai und Kuango oder Zaire. Die Phantasie verband beide mit dem Kongo. Livingstone traf 1867 westlich vom Njassasee auf den Tschambesi und den Moerosee, aus dem nach Norden der Luapula fließt. Er hielt ihn für den Oberlauf des Nils, auch dann noch, als er ihn als Lualaba wieder bei Njangwe vorfand.
Diese irrtümliche Auffassung beseitigte Cameron 1874 dadurch, daß er die Seehöhe von Njangwe als niedriger feststellte wie die der Nilseen. Die Erkundigungen bei Eingeborenen führten Cameron andererseits zu der ebenfalls unrichtigen Annahme, der Lualaba ergieße sich in ein großes westäquatoriales Wasserbecken, den Sankorrasee. Was ihm nicht glückte, Schiffe [* 10] zur Befahrung des Lualaba aufzutreiben, das setzte zwei Jahre später Stanley durch List, Energie und Kühnheit durch. Am trat er von Njangwe seine Kongofahrt an, eine That von der höchsten Bedeutung für die geogr. Erschließung Innerafrikas, und erreichte, nachdem er die Mündungen mächtiger Nebenflüsse entdeckt, Boma nahe dem Atlantischen Ocean.
Die ersten Entdeckungen über das östl. Quellgebiet des Kongo hatte Livingstone, ohne es zu wissen, durch seine Reisen am Moero- und Bangweolosee (1867 und 1868) gemacht, die 1883 Giraud, 1890 Jos. Thomson erweiterte. Nach dem südl. Ouellgebiet, nach Warua und Katanga zum Kissalesee und zum Lomami gelangte Cameron 1874, Marimel 1890 und Bia 1891; den Oberlauf des Lualaba, Msidis und Kasongos Reich erforschten 1883–84 Böhm und Reichard, 1884–85 Capello und Ivens, 1886–88 Arnot, 1890–91 Le [* 11] Marinel, 1891 Stairs, 1892 Delcommune und Bia-Franqui; 1893 Mohun, der die Nichtexistenz des Landschisees feststellte.
Das südliche Kongobecken war schon 1796 von Pereira und 1798 von Lacerda von Angola aus durchschritten worden. Die Pombeiros Pedro und Antonio José hatten es 1802–11 bis zu Kasembes Reich und bis an den Sambesi durchquert. Lunda, Muata Jamvos Reich, war das Ziel für Graça (1843–46) und Ladislaus Magyar (1850–51). Das geogr. wissenschaftliche Interesse für den Kassai und seine Seitenflüsse erweckte Livingstone durch seine Reise (1852–54) von der Wasserscheide des Sambesi hinüber in das Hochland von Lunda bis nach Angola.
Eingehende und sichere Nachrichten über Muata Jamvos Reich erhielten wir durch Pogge (1875) und Buchner (1879–81). Schütt verfolgte 1878–79 von Süden nach Norden den Tschikapa und drang als erster Europäer bis Mai Munene am Kassai (7° südl. Br.). Capello und Ivens erforschten 1877–79 den Oberlauf des Kuango, Tschikapa und eine Strecke des Kassai. 1880 erreichte von Mechow am Kuango abwärts den 5.° südl. Br. und arbeitete dadurch den mit schließlichem Erfolg gekrönten Bestrebungen Massaris 1884–85, Büttners 1885 und Grenfells 1886 vor, die den Unterlauf des Kuango bis in den Kongo genau fixierten. Die Länder der Baschilange und Baluba, vom Kassai, Lulua und Santuru durchströmt, nördlich von Muata Jamvos Reich, ¶