Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/60389

<h2>SubmittedText<h2><p>Mit dem Postulat 02.3383, "Besondere Nachbetreuung von Wöchnerinnen", vom 30. August 2002, das der Bundesrat auch entgegennahm, wurde er gebeten, einen Bericht über den Gesundheitszustand von Wöchnerinnen und deren Betreuung vorzulegen. Damit wurde einer Petition des Schweizerischen Hebammenverbandes Folge gegeben. Fachorganisationen weisen immer wieder darauf hin, dass die Erholungsmöglichkeiten und die Unterstützung in der frühen Mutterschaft mangelhaft sind und der Gesundheitszustand der Mütter teilweise schlecht ist. Ich frage den Bundesrat deshalb an:</p><p>1. Welches sind die Ergebnisse des erwähnten Berichtes, und wann werden diese veröffentlicht?</p><p>2. Wie beurteilt er den Gesundheitszustand von Schwangeren, Wöchnerinnen und Stillenden sowie die bestehenden Betreuungsmodelle?</p><p>3. Erfüllen diese Modelle die Forderungen des KVG in Bezug auf ihre Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit, oder müssen Alternativen mit entsprechenden Ressourcen zur Verfügung gestellt werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Das Bundesamt für Sozialversicherung, zu welchem die Krankenversicherung damals noch gehörte, hat eine Literaturübersicht erstellen lassen (Nachbetreuung von Wöchnerinnen, 2002), die sich vor allem auf internationale Studien bezieht. Sie sagt Folgendes aus: Es gibt diverse Betreuungsmodelle für Wöchnerinnen. Sie basieren entweder auf institutioneller Nachbetreuung durch Spitäler/Gesundheitszentren oder auf persönlicher Nachbetreuung durch Anbieter im Gesundheitswesen. Ambulante Angebote sind vor allem Hausbesuche, Praxiskonsultationen oder Telefonkontakte. Die Kernangebote der Nachbetreuung sind folgende: Erfassung gesundheitlicher Probleme; Schulung bezüglich der Ernährung, des Umgangs mit dem Kind und des Stillens; praktische Unterstützung im Alltag.</p><p>2. Gestützt auf die erwähnte Literaturübersicht, die Berichte "Schwangerschaft, Mutterschaft, Erwerbstätigkeit und Gesundheit" (BAG, 2004) und "Sexuelle und reproduktive Gesundheit in der Schweiz" "Synthesebericht des BAG, 2003) sowie auf Materialien zu einer nationalen Stillstudie (BAG, Publikation Ende 2005 vorgesehen) kann der Bundesrat die Frage wie folgt beantworten: Im internationalen Vergleich besteht in der Schweiz eine gute bis sehr gute Situation der Bevölkerung bezüglich sexueller/reproduktiver Gesundheit, wobei Unterschiede zwischen Migrantinnen/Schweizerinnen bestehen. Die Müttersterblichkeit ist im internationalen Vergleich tief (bei Migrantinnen leicht höher).</p><p>Heute kommen 55 Prozent aller jährlich in der Schweiz geborenen Kinder in Geburtskliniken zur Welt, die als "stillfreundlich" gelten (Unicef-Auszeichnung). Eine nationale Stillstudie zeigt, dass Säuglinge in einer solchen Klinik häufiger gestillt werden. Die WHO-Empfehlung (sechs Monate ausschliessliches Stillen) ist allerdings noch nicht erreicht (erst 25 Prozent der Kinder).</p><p>Die postnatale Gesundheit der Mütter ist häufig durch psychische und/oder körperliche Symptome beeinträchtigt. Postnatale Depression z. B. wird bei der Mehrzahl der Frauen nicht systematisch erkannt und deshalb nicht behandelt. Eine schlechte postnatale Gesundheit korreliert im Übrigen mit finanziellen Sorgen, schlechter Ausbildung, ledigem Zivilstand, mangelnder sozialer Unterstützung. Neuere Langzeitstudien widerlegen die bisherige Annahme, dass die körperliche und psychische Gesundheit in der Regel acht Wochen nach der Geburt wiederhergestellt ist.</p><p>Wegen den zunehmend kürzeren Hospitalisationen zur Entbindung ist die Nachbetreuung wichtig. Diese Betreuung nehmen Still- und Laktationsberaterinnen, Mütterberaterinnen und Hebammen wahr. Unabhängig vom Betreuungsmodell hängt die Zufriedenheit der Wöchnerinnen davon ab, inwieweit sie die Kontrolle und Entscheidungsmöglichkeit über Dienstleistungsangebote, deren Dauer, Häufigkeit und Zeitpunkt haben. Unterstützungsangebote gemäss Standardplan der Dienstleistungsanbieter entsprechen oft nicht den realen Bedürfnissen der Wöchnerinnen.</p><p>Bezüglich perinataler Betreuung und Familienplanungsfragen zeigt sich eine lückenhafte Bedarfsdeckung bei Migrantinnen, bei jungen Frauen sowie bei unverheirateten Müttern.</p><p>3. Eine generelle Beurteilung der bestehenden Betreuungsmodelle bezüglich Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit kann nicht vorgenommen werden, da die Modelle nicht integral der Leistungspflicht der obligatorischen Krankenversicherung unterstehen. Unabhängig vom Aufenthaltsort der Wöchnerinnen werden folgende Mutterschaftsleistungen (Art. 29 KVG) von der Krankenversicherung vergütet: Kontrolluntersuchung nach der Entbindung, nötige Pflege, Stillberatung. Letztere wird im Rahmen des KVG nur dann vergütet, wenn sie durch Hebammen oder speziell in Stillberatung ausgebildete Pflegefachpersonen durchgeführt wird. Die gestellte Frage kann deshalb nicht abschliessend beantwortet werden, wobei für denjenigen Leistungsteil, der als KVG-Pflichtleistung gilt, immerhin festgehalten werden kann, dass die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit eine gesetzlich verbriefte Voraussetzung für die Übernahme der Kosten durch die Versicherer darstellt.</p>  Antwort des Bundesrates.