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Der Chef will einen Park
Das Hin und Her beim Grundstück des ehemaligen Hotels «Rossija» neben dem Kreml in Moskau nimmt immer groteskere Züge an. Die jüngste Idee: Wo einst das grösste Hotel der Sowjetunion stand, soll ein Park angelegt werden.
Das Hin und Her beim Grundstück des ehemaligen Hotels «Rossija» neben dem Kreml in Moskau nimmt immer groteskere Züge an. Wir erinnern uns: In den Sechzigerjahren liess Nikita Chruschtschow anstelle eines von Stalin geplanten Zuckerbäckerhochhauses das 3400-Zimmer-Hotel bauen. Es war das grösste Hotel der Sowjetunion und zu seiner Zeit auch das beste. Nach einem Niedergang (mit Ratten in den Zimmern) rappelte es sich zu einer ideal gelegenen, sauberen und zahlbaren Touristenunterkunft hoch.
Doch dem früheren Bürgermeister Jurij Lushkow war das «Rossija» ein Dorn im Auge. 2005 verkaufte er die städtische Liegenschaft an seinen Busenfreund Schalwa Tschigirinskij. Für diesen machte Norman Foster ein Projekt für eine Überbauung mit elf Neubauten unterschiedlicher Nutzung. Das Hotel wurde ab 2006 vorsorglich abgebrochen. Doch dann annullierte ein Gericht den Landhandel, da die Stadt das Grundstück weit unter seinem Wert verschachert hatte. Tschigirinskij, Foster und später auch Lushkow (siehe HP 1-2/11) wurden ausrangiert.
Vor einem Jahr lancierte Lushkow-Nachfolger Sergej Sobjanin Pläne für ein Parlamentszentrum. Aber auch daraus wird nichts: Letzte Woche besuchte Noch-Premier und wohl bald Wieder-Präsident Wladimir Putin zusammen mit dem Bürgermeister das brachliegende Areal. Wladimir Wladimirowitsch (Putin) schlug vor, hier einen Park anzulegen. Damit will er den Moskowitern eine Freude machen und verhindern, dass der Verkehr im Quartier vollends kollabiert. Bei den derzeitigen politischen Verhältnissen in Russland erstaunt es nicht, dass der Bürgermeister die Idee Putins unterstützt: Es sei ein «sehr interessanter Entscheid», meinte er.
Der lakonische Kommentar eines Lesers auf «Gazeta.ru»: «Was interssant zu wissen wäre: Wenn es PolPutin (eine Verballhornung von Polkownik (Oberst) und Putin) herausgeplatzt wäre, dass hier ein Weltraumbahnhof gebaut werden muss – hätten die (die Stadtbehörden) dann auch aus lauter Dumpfheit salutiert?»