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Der Kaiser denkt an Rücktritt
In Japan schreibt man offiziell das Jahr «Heisei 28». Heisei («Friede überall») ist die Regierungsdevise des derzeitigen Kaisers und die Zahl steht für dessen Amtsjahre. Im 28. Jahr ist Akihito nun schon auf dem Thron. Für den 82-jährigen scheint dies genug zu sein. Er möchte frühzeitig abdanken. Dies hat er seinem engsten Familien- und Beraterkreis mitgeteilt, wie NHK berichtet.
Offenbar sind es gesundheitliche Gründe, die ihn zu diesem Entscheid bewogen haben. Er wolle kein Tenno sein, der seine Pflichten reduzieren müsse. Den genauen Zeitpunkt hat er jedoch nicht verraten. «In den kommenden Jahren», heisst es lediglich in den japanischen Medien. Der 56-jährige Sohn und Kronprinz Naruhito wäre der Nachfolger. NHK hat die Nachricht über eine anonyme Quelle im Hofamt in Erfahrung gebracht. Das offizielle Hofamt dementierte derweil eine solche Meldung. Solche Gespräche hätten nicht stattgefunden.
Nur vier Kaiser seit 1868
Eine Abdankung wäre ein Novum in der modernen japanischen Geschichte. Seit dem Beginn der Meiji-Zeit 1868 endeten die Amtsjahre eines Kaisers jeweils mit dessen Tod. Lediglich vier Tenno zählte das Land in den letzten 150 Jahren. Der letzte Thronwechsel fand 1989 statt, nachdem Kaiser Hirohito nach 63-jähriger Amtszeit verstorben war.
Der letzte Kaiser, der noch zu Lebzeiten einem Nachfolger wich, war Kaiser Kokaku im Jahr 1817. Zuvor war die Abdankung jedoch nichts Unübliches. Immer wieder wurden die Tennos vom Shogunat gezwungen, vorzeitig zurückzutreten. Unter den 125 Kaisern trat rund die Hälfte zu Lebzeiten ab. Doch seit der Modernisierungsphase blieb der Tenno stets bis zum Lebensende offiziell auf dem Thron. Im Gesetz über die kaiserliche Familie gibt es nicht einmal eine Regelung dafür. Dies müsste angepasst werden.
Die Rolle des Kaisers hat sich stark gewandelt. Seit 1947 ist der Tenno per Verfassung nicht mehr das Staatsoberhaupt, sondern lediglich noch ein Symbol. Die US-Besatzer entzogen dem Kaiser und dem Hofstaat damit jegliche Macht. Seither hat er ausschliesslich eine repräsentative Funktion.
Verfechter der Friedensverfassung
Akihito verkörpert diese Rolle in Perfektion. Im Gegensatz zu seinem Vater Hirohito, in dessen Namen Japan im Zweiten Weltkrieg kämpfte und der dadurch ein zwiespältiges Bild hinterliess, ist Akihito der erste Kaiser, der unter den neuen Verfassung inthronisiert wurde. Er gilt als ein überzeugter Vertreter der pazifistischen Verfassung. Trotz seines praktisch inexistenten politischen Aktionsradius verstand er es, klare symbolische Worte und Gesten zu finden. Sehr früh in seiner Amtszeit suchte er die Versöhnung mit den Nachbarn Korea, China und den Philippinen. 1992 besuchte er gar als erster japanischer Monarch China.
Bei seiner Gedenkrede zum 70-jährigen Ende des Zweiten Weltkriegs drückte er sein «tiefes Bedauern über den Krieg» aus aus. Da er diese Worte zu diesem Anlass so noch nie verwendet hatte, wurden sie als versteckte Kritik an das Geschichtsbild von Premierminister Shinzo Abe gewertet, der bei seiner Rede auf eine explizite Entschuldigung verzichtet hatte (Asienspiegel berichtete). Zuvor hatte bereits Kronprinz Naruhito betont, dass man die tragische Ereignisse des Zweiten Weltkriegs den jüngeren Generationen korrekt weitervermitteln müsse.
Ein nahbarer Tenno
Gleichzeitig war Akihito auch so nahbar wie kein anderer Kaiser vor ihm. Er heiratete mit Michiko Shoda eine Bürgerliche. Nach Naturkatastrophen, wie beispielsweise 2011, besuchte er wiederholt die Krisenregionen und suchte das Gespräch mit der Bevölkerung. Es sind diese Gesten und Worte, die ihm in Japan einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung eingebracht haben. Naruhito hat schon früher angekündigt, dass er den Stil seines Vaters weiteführen wolle.