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Gebetshaus
01. März 2016
“Wer von diesem Wasser trinkt…”
„Wer von diesem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm gebe, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Johannes 4,14)
Es kommt vor, dass uns Gott, während wir beten, einen inneren Eindruck schenkt. Dieser kann sogar als inneres Bild oder als ein Ablauf von „Film-Szenen“ auftauchen. In einer Gebetszeit sah ich einmal vor meinem inneren Auge einen Wasserfall. Das köstliche Wasser strömte herunter. Unten lagen Krüge im seichten Wasser. Sie hatten seltsamerweise schmale Öffnungen. Einige standen aufrecht. Diese nahmen das Wasser trotz ihrer schmalen Öffnungen auf und auf und flossen über. Andere waren jedoch auf die Seite gekippt, und es gingen nur wenige Tropfen rein.
Im Lauf meines Lebens hat mich so oft geschmerzt, dass Menschen sozusagen auf der Seite lagen und von Gott abgewandt lebten. Für manche Pianisten, deren Stimmer ich war, bedeutete Gott offenbar nichts. Umso stärker beschäftigten sie sich mit lächerlichen Kleinigkeiten. Ein Beispiel von Hunderten: Ich erlebte in den vielen Jahrzehnten meiner Tätigkeit für Horowitz nur n ein einziges Konzert, bei dem er mit anderen Künstlern zusammen auftrat. Es war zugleich das einzige Konzert seiner letzten Jahre – oder Jahrzehnte -, das er mit anderen Musikern zusammen gab. Es fand am 18. Mai 1976 in der Carnegie Hall statt und wurde das “Konzert des Jahrhunderts” genannt. Neben Horowitz spielten Isaac Stern und Mstislav Rostropowitsch. Dietrich Fischer-Dieskau sang. Leonard Bernstein dirigierte. Es war wirklich ein denkwürdiges Konzert und das einzige seiner Art. Horowitz spielte mit Rostropowitsch die Rachmaninow-Sonate für Cello und Klavier. Ich erinnere mich, daß Rostropowitsch den Wunsch äußerte, mit seinem Cello auf einem kleinen, vielleicht fünfzehn Zentimeter hohen Podium zu sitzen. Horowitz wehrte sich nun aber dagegen: “Das kommt überhaupt nicht in Frage! Sie sitzen auf der Bühne genauso hoch wie ich!” Es gab einen Kampf, der zwei Proben lang anhielt, bis schließlich Horowitz nachgab und auf sein Podest verzichtete. (Zum Abschluss des Konzerts sangen sie miteinander dann noch Händels “Halleluja”!)
Solches Verhalten sagt sehr viel darüber aus, ob sich das Leben eines Künstlers vor allem um die eigene Kunst und Karriere dreht – und dann auch zwangsläufig um den Konkurrenzkampf. Oder ob er das Wasser von oben entdeckt hat – und sich dann aus seiner Schieflage wegdreht und Gott zuwendet.
Was heisst das für uns? Die Samariterin bittet im Vers 15: „Herr, gib mir solches Wasser.“ Interessanterweise führt Jesus dann das Gespräch weiter und wie eine Antwort darauf kommt er auf die Anbetung zu sprechen, die „im Geist und in der Wahrheit“ geschehen muss.
Ich selber erfahre gerade in der Anbetung Gottes (sei es in einer Gemeinde oder im persönlichen Gebet), wie ich frei werde von mir selber – und auch von Sorgen. Und wie dann auch das Wasser kommt! Und wenn wir nicht oder nur schwer vor Gott kommen und anbeten können? Dann können wir Gott um die Hilfe seines Geistes bitten. Ein Rat: Nimm dir heute einmal mehr Zeit als sonst, Dich Gott zuzuwenden und ihn still oder laut (vielleicht auch musikalisch) anzubeten. Das Lebenswasser möge dich erfrischen, deinen Durst stillen und dann auch auf andere überfliessen.
Text: Franz Mohr
Franz Mohr war der Chef-Konzerttechniker Steinway & Sons, New York. Er war der persönliche Stimmer von Glenn Gould, Horowitz, Rubinstein, Serkin und vielen anderen grossen Pianisten. Crescendo hat Bücher (auch Audio-Bücher) von Franz Mohr herausgebracht – auf Englisch und Deutsch. Information und Bestellmöglichkeit: http://www.crescendo.org/en/publications/buecher.html