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Veterinärmediziner war früher ein Männerberuf. Doch seit etwa zehn Jahren sind in Grossbritannien Frauen in der Mehrheit. Das hat allerdings nichts daran geändert, dass britische Tierärztinnen durchschnittlich acht Prozent weniger verdienen. Unbewusste Vorurteile sind ein Grund dafür, wie aus einer Studie der University of Exeter um den Psychologen Christopher Begeny hervorgeht. Die Fachzeitschrift «Science Advances» hat sie veröffentlicht.
Experiment mit Chefs und Chefinnen
Für die Studie rekrutierte die Fachgesellschaft «British Veterinary Association» über 200 Entscheidungsträgerinnen und -träger aus der Veterinärmedizin. Diese erfuhren lediglich, dass es darum gehe zu verstehen, wie sie als Vorgesetzte agieren.
Die Testpersonen erhielten die Leistungsbeurteilung einer Personalfachperson zu einer fiktiven Bewerbung und mussten ein Gehalt festlegen, falls diese Person für sie arbeiten würde. Nach dem Zufallsprinzip erhielten alle fast dieselbe Leistungsbeurteilung. Einziger Unterschied war der Vorname: Einmal hiess die Bewerberin Elizabeth, im anderen Fall der Bewerber Mark. Kriterien wie Qualifikation, Leistungen, Erfahrungen und Auszeichnungen waren bei beiden Bewerbungen identisch.
Mark erhält mehr Lohn als Elizabeth
Das Ergebnis:
- Die Mehrheit der Testpersonen, welche die Vornamen der Bewerberin oder des Bewerbers kannten, hielt Mark für kompetenter als Elizabeth und empfahl, ihm durchschnittlich acht Prozent mehr Lohn zu zahlen. Diese Differenz entspricht laut dem Forschungsteam dem realen Lohnunterschied zwischen britischen Veterinärmedizinern und Veterinärmedizinerinnen.
- Eine Befragung der Testpersonen ergab, dass fast die Hälfte – mehrheitlich Männer – fälschlicherweise davon ausgingen, dass es in der Veterinärmedizin keine geschlechtsspezifische Diskriminierung mehr gibt. Und vor allem solche Führungskräfte wollten laut der Studie Mark ein höheres Gehalt zahlen als Elizabeth. Testpersonen, die angaben, dass es in der Veterinärmedizin nach wie vor Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern gibt, empfahlen für Elizabeth annähernd gleiche Bezahlung.
Höherer Frauenanteil beendet Diskriminierung nicht
Das Forschungsteam zieht aus der Studie den Schluss, dass man die Macht unbewusster Vorurteile nicht unterschätzen darf. Diese könnten nicht nur die Lohnhöhe, sondern auch die Karriere beeinflussen. So wollten diejenigen Manager, die Elizabeth nur einen tieferen Lohn zugestanden, ihr auch nicht mehr Verantwortung zutrauen und sie eher nicht ermutigen, Karriere zu machen.
Allein ein höherer Frauenanteil in einem Beruf sorge nicht dafür, dass Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern verschwinden, schreibt Studienleiter Begeny. Dies müsse man Managern bewusst machen. «Auch mit der gleichen Anzahl von Frauen und Männern muss es keine Gleichbehandlung geben.»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Barbara Marti ist Redaktorin der Online-Zeitschrift «FrauenSicht».