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Wieder ein Altar
an einer Strassenecke, wie ein Briefkasten in die Hauswand eingefügt. Es ist schon der dritte, dem ich in den letzten Minuten begegne, überall stehen sie, in Innenhöfen, an Strassenecken, in Treppenaufgängen. Hier ist es wieder einmal Maria, die Mutter Gottes (wo bleibt eigentlich Josef?), die in Form einer Statuette in ihrem Schrein steht, Tag und Nacht mit Neon beleuch- tet und mit Plastikblumen geschmückt. Maria, die Mutter Gottes, die immer helfen kann und schon oft geholfen hat und wieder helfen soll. Aber sie ist nicht die Einzige, die helfen kann, da ist auch Padre Pio, der überall anzutreffen ist, und sei es nur in der Grösse eines Heiligen- bildchens, wie man es früher vom Pfarrer geschenkt bekam. Und da sind auch die anderen Heiligen, die verteilt in der Stadt auf ihren Säulen stehen und auf die Auferstehung warten, Gennaro, Benedikt und Kumpanen. Die schiere Masse an Kreuzen, Heiligen und Altären muss unbedingt ihre Wirkung haben, wie sonst soll man es sich erklären, dass diese Stadt am Fusse des Vesuv immer noch dasteht, putz und munter, als wäre nichts geschehen, kein Erdbeben, kein Bankrott und auch kein Bauboom rund um die Altstadt, der sie zu ersticken droht. Wie ist das christenmöglich? Die Stadt ist fest in Gottes Hand und in der Hand von vielen Kirchen, an jeder Strassenecke steht eine, auf jedem Platz, und wenn irgendwo zwischen zwei Gebäuden eine leere Stelle war, wurde dort noch eine Kapelle gebaut.