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Die Sargassosee ist ein Hochseegebiet und damit das einzige Meer der Welt, das keine Küste hat. Stattdessen treiben dort schwimmende «Algenwälder»,
die Lebensraum für bedrohte Tierarten sind. Ein Forschungsprogramm soll helfen, dieses einzigartige Ökosystem zu verstehen.
Text: Marie Le Berre
Der Schutz der Sargassosee ist Teil der 2019 von der Uhrenmarke Rolex gestarteten «Perpetual Planet»-Initiative, die unter anderem ein Ozean-Schutzprogramm beinhaltet. Für dessen Durchführung stützt sich das Unternehmen auf die Partnerschaft mit Mission Blue: Diese von der Ozeanografin Sylvia Earle gegründete Organisation richtet in besonders gefährdeten Gebieten sogenannte «Hope Spots» ein und versucht dann, diese «Flecken der Hoffnung» zu schützen, indem neue rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen oder bestehende Vorschriften verbessert werden. In der Regel geschieht dies in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung. Für jeden «Hope Spot» sind ein oder mehrere «Champions» zuständig, die mit den Behörden verhandeln, Sensibilisierungskampagnen starten und wissenschaftlich tätig sind.
Das Besondere im Falle der Sargassosee ist, dass hier, mitten im atlantischen Ozean, keine örtliche Gemeinde unmittelbar zuständig ist. Das 2011 zum «Hope Spot» erklärte Gebiet wird seit 2014 von der «Sargasso Sea Commission» verwaltet, einem Gremium, das anlässlich der Unterzeichnung der «Hamilton Declaration» von Ländern gegründet wurde, die entweder in der Nähe der betroffenen Region liegen oder ein Interesse am Schutz der Hochsee haben. Bisher wurde die Erklärung von den Regierungen der folgenden zehn Länder unterzeichnet: Azoren, Bermuda, Britische Jungferninseln, Bahamas, Kanada, Kaimaninseln, Dominikanische Republik, Monaco, Grossbritannien und USA. Die Kommission, die über Gesundheit, Produktivität und Resilienz des Ökosystems wacht und aktiv Massnahmen zu dessen Schutz ergreift, gehört von nun an zu den Mission-Blue-Champions. Sylvia Earle bestätigt, dass diese neue Rolle mit einem Plus an Handlungskompetenz verbunden ist: «Mein grosser Dank gilt der Kommission für ihren Einsatz als «Champion» zugunsten der Sargassosee. Dieser goldfarbene «tropische Algenwald» ist extrem wichtig für zahlreiche Arten des atlantischen Ozeans und auch weltweit von grösster Bedeutung.»
Das seltene Naturphänomen Sargassosee bedeckt eine Fläche von 5 180 000 km2 und wird durch vier Meeresströmungen begrenzt: den Golfstrom, den Nordatlantikstrom, den Kanarenstrom und den Nordäquatorialstrom. Im Zentrum dieser vier Wirbel ist das Wasser so ruhig, dass die Segelschiffe vergangener Tage dort zum Leidwesen ihrer Besatzungen wochenlang kaum vorangekommen sein sollen. Das Meer ohne Küsten ist weltweit das einzige dieser Art. Seinen Namen verdankt es riesigen Algenteppichen der Gattung «Sargassum», die frei auf der Wasseroberfläche schwimmen und durch ihre goldgelbe Farbe auffallen. Sie sind Heimat bedrohter Aal-, Krabbenund Garnelenarten, die an diesen schwimmenden Lebensraum angepasst sind, aber auch der Weisse Marlin, der Heringshai, die Goldmakrele, der Buckelwal und verschiedene Thunfischarten brauchen die Sargassosee. Nicht zuletzt machen zahlreiche Zugvögel auf der Suche nach Futter hier Station.
Obgleich die Hochsee einen Anteil von 60 % an der gesamten Ozeanfläche hat, gehört sie zu den am wenigsten geschützten Gebieten der Erde, denn internationale Übereinkommen zum Schutz dieser Gewässer zu schliessen, ist extrem schwierig. In der Sargassosee sind die Folgen der vom Menschen verursachten Umweltschäden überdeutlich, insbesondere die Belastung mit Mikroplastik ist enorm hoch. Seitdem die Schutzkommission ihre Arbeit als
«Champion» für Mission Blue aufgenommen hat, haben sich die Überlebenschancen unzähliger Arten beträchtlich verbessert. Dank zweier Zuschüsse, die die Kommission von der Globalen Umweltfazilität GEF und dem französischen Umweltfonds FFEM erhalten hat, kann nun ein wichtiges Forschungsprojekt finanziert werden, von dem man sich ein besseres Verständnis des Ökosystems erhofft. «Mit diesen Geldmitteln können wir zum ersten Mal überhaupt eine diagnostische Ökosystemanalyse in einem Hochseegebiet durchführen», erläutert David Freestone, Geschäftsführer der Sargasso Sea Commission und «Hope-Spot-Champion». Die Analyse ist die technische Basis für einen strategischen Aktionsplan für das Meeresgebiet, der dann von den beteiligten Parteien verantwortet und umgesetzt wird.