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Das Coronavirus verbreitet sich auf der ganzen Welt. Am stärksten betroffen sind zur Zeit die Lombardei und New York. In der Schweiz verbreitet sich das Virus in den Kantonen Genf, Waadt und im Tessin am stärksten. Diese «Hotspots» zeigen aber ganz unterschiedliche Entwicklungen, wie ein Blick auf die Fallzahlen zeigt.
Wie sich die Ausbreitung des Coronavirus in den drei Schweizer Kantonen im Vergleich zur Lombardei und New York entwickelt, siehst du hier:
Schauen wir zunächst auf die Entwicklung der absoluten Zahlen.
In absoluten Zahlen sind die Lombardei und New York der Schweiz weit voraus. Auch in der lombardischen Stadt Bergamo, aus der am Sonntag 8664 positive Fälle gemeldet wurden, ist die Fallzahl deutlich höher als in jedem der drei Schweizer Kantone.
Legt man den Beginn aller drei Kurven auf den selben Stichtag (An Tag 1 wurde der 100. Fall gezählt), sieht auch die Entwicklung der Kurven sehr unterschiedlich aus. In New York verbreitet sich das Virus am rasantesten, hier wurden am Montag fast 5000 neue Fälle gezählt.
Doch sowohl die Lombardei (rund 10 Millionen) als auch New York City (ca. 8,4 Millionen) haben deutlich mehr Einwohner als unsere drei «Hotspot»-Kantone. Berücksichtigen wir die Anzahl Fälle pro 10'000 Einwohner, ergibt sich ein anderes Bild:
Wir sehen also, dass vor allem Tessin und Genf hier sogar schlechter abschneiden als New York oder Bergamo (mit einer Einwohnerzahl von ca. 120'000). Obwohl also die Bevölkerungsdichte im Kanton Waadt und im Tessin sehr viel tiefer ist als an den anderen Orten. Woran liegt das?
Das Coronavirus verbreitet sich anhand von Clustern. Zu Beginn steigen die Fallzahlen deshalb in weniger dicht bevölkerten Gebieten genau gleich wie zum Beispiel in Städten. Eine Person steckt zwei weitere an, diese infizieren wiederum zwei weitere und so weiter. Nur in Städten kann sich das Virus so länger verbreiten.
Eine weitere Erklärung für diesen ungewöhnlich hohen Anteil Erkrankter in der Schweiz findet sich auch in der Menge der durchgeführten Tests. In der Schweiz wurden bislang 110'000 Tests durchgeführt, was einem Schnitt von fast 130 Tests pro 10'000 Einwohnern entspricht. Die Schweiz hat damit weit häufiger getestet als die Lombardei oder New York.
In der Lombardei liegt dieser Schnitt bei 111 Tests pro 10'000 Einwohner und in New York nur bei 82 Tests. Da die Dunkelziffer in allen Ländern sehr viel höher ist als die tatsächliche Anzahl Fälle, werden auch mehr positive Tests gezählt, wenn mehr getestet wird. Oder anders gesagt: Wer mehr testet, findet mehr Fälle.
Werfen wir nun einen Blick auf die Todesfälle. Es ist die derzeit wohl verlässlichste Zahl, weil hier die Dunkelziffer sehr viel tiefer ist als bei der absoluten Anzahl positiver Fälle. Wer stirbt, wird fast ausnahmslos erfasst und die Todesursache ist in den meisten Fällen bekannt. Vor allem, wenn es sich um einen Corona-Fall handelt.
Die Statistik zeigt, dass die Schweiz bislang verhältnismässig wenige Todesfälle zu beklagen hat, während die Lombardei – wenig überraschend – aus der Statistik hervorsticht:
Trotzdem sind die Zahlen aus den Kantonen Tessin, Waadt und Genf besorgniserregend. Denn genau wie die absoluten Fallzahlen bewegen sie sich momentan noch auf einer exponentiellen Kurve. Das heisst, die Zeit zwischen der Verdoppelung der Todesfälle bewegt sich hier zwischen vier und sechs Tagen in der Schweiz.
Auch die Todesraten unterscheiden sich stark in den unterschiedlichen Regionen. Die Wissenschaft geht beim Coronavirus etwa von einer Sterberate von unter einem Prozent aus. In den von uns analysierten Regionen sieht es allerdings so aus:
Warum ist hier die Sterberate bei allen so viel höher? Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einerseits ist die Anzahl jener, die zwar mit dem Coronavirus infiziert sind, aber keine Symptome zeigen, relativ hoch. Diese Personen werden jedoch nie getestet und landen so auch nicht in der Statistik der Fallzahlen.
Weiter werden besonders in Italien praktisch nur Risikopatienten getestet. Dies erhöht die Sterberate beträchtlich. Eine Praxis, die auch auf die Hospitalisationsstatistiken einen grossen Einfluss hat, wie der nächste Punkt zeigt.
Wie bereits bekannt ist, sterben besonders ältere Personen und Patienten mit Vorerkrankungen an der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit. In Italien waren 84 Prozent der verstorbenen über 70 Jahre alt. 95 Prozent der Todesopfer waren über 60 Jahre alt.
Die Zahlen aus New York sehen ähnlich aus. Von den insgesamt 1096 Todesfällen, die bis am 31. März gemeldet wurden, hatten 14 (1,2%) keine bekannten Vorerkrankungen.
Die Zahl der Hospitalisationen ist in der Schweiz ebenfalls sehr viel tiefer als in der Lombardei und in New York. Da die Fallzahlen in den bevölkerungsreichen Regionen sehr viel höher ist, schlagen unsere drei Kantone in dieser Statistik kaum aus:
Fokussieren wir also noch kurz auf unsere drei Kantone. Es zeigt sich, dass in den letzten Tagen die Kurve der Hospitalisationen abflacht – und zwar in allen drei Kantonen:
Anteilsmässig sieht das folgendermassen aus:
Wie auch bei der Sterberate hängt der Anteil jener, die Spitalpflege benötigen, ebenfalls davon ab, wer getestet wird. Werden nur Patienten getestet, die zur Risikogruppe gehören, steigt dieser Anteil. Wenn dann diese Risikopatienten auch noch hospitalisiert werden, ohne dass sie schwere Symptome zeigen, steigt der Anteil weiter. Beides trifft für die Lombardei zu.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Intensivpflege. In der Lombardei befanden sich am 29. März 1330 Patienten wegen einer Covid-19-Erkrankung auf einer Intensivstation.
In der Waadt waren es am Sonntag 78 Patienten, im Tessin 69 und in Genf 59. Für New York sind bislang keine solche Daten verfügbar.
Der Anteil der Patienten, die auf einer Intensivstation landen, bewegt sich in den betrachteten Gebieten zwischen 2,5 und 3,8 Prozent:
Auch hier zeigt sich, dass in der Lombardei sehr viele Patienten hospitalisiert werden, die keine intensive Pflege benötigen. Zur Erinnerung: Der Anteil der Hospitalisierten liegt hier bei über 30 Prozent.
Die Fallzahlen in der Lombardei und mittlerweile auch in New York sind um ein Vielfaches höher als in der Schweiz. Dies liegt aber zu einem grossen Teil daran, dass diese Regionen auch sehr viel bevölkerungsreicher sind. So sind die Fallzahlen im Vergleich pro Kopf in der Schweiz höher als an den anderen Orten, auch wenn sich das Coronavirus überall etwa gleich schnell verbreitet. Deshalb dürfte hierzulande der Höhepunkt schneller erreicht sein.
Ein weiterer Faktor sind die Anzahl Tests, die die Schweiz macht. In diesem Vergleich machen wir am meisten Untersuchungen auf das Coronavirus. Das lässt auch die Fallzahlen steigen.
Weil man verstärkt Risikopatienten testet, sind die Todesraten höher, als sie die Wissenschaft berechnet. Am stärksten zeigt sich das in der Lombardei. Hier wird auch ein sehr hoher Anteil der Erkrankten hospitalisiert, während in der Schweiz nur Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf in Spitalpflege kommen.
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