Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03420.jsonl.gz/1591

| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

IV. Rede
121.
[Forts. v. [S. 155] ] Das zweitwichtige Gebot muß lauten: Du sollst deine Eltern achten und lieben, nach dem ersten Grunde des Seins auch den zweiten Grund ehren! So muß Vernunft und Theologie lehren. Kronos aber kann es doch nicht lehren, da er den Uranos kastrierte1, damit er keine Götter erzeuge und den Meereswogen die Macht gebe, die schaumgeborene Göttin zu vollenden, und Zeus kann es nicht, da er, der süße Stein2 und wütende Tyrannenmörder3, dem Beispiele des Vaters folgend, sich gegen Kronos erhoben hatte, ― um zu schweigen von dem, was sonst noch in ihren Büchern zur Ehre der Eltern überliefert wird.
Das dritte Gebot verlangt, Geld zu verachten, nicht überall nach Gewinn zu streben und sich nicht schlimmen Besitz als Unterpfand des Unglückes zu erwerben. Warum nun wird ihnen Kerdoos4 vorgeführt und dessen Sack5 vorgezeigt? Warum wird das Diebstalent des Gottes geehrt, und warum weissagt Phöbos nur gegen Geld, und warum geht nichts über die Münze?
1: Kronos hatte nach Verstümmelung und Absetzung seines Vaters Uranos sich mit den übrigen Titanen die Herrschaft der Welt angeeignet.
2: Da Kronos seinen neugeborenen Knaben Zeus verschlingen wollte, rettete diesen seine Mutter Rhea und setzte ihrem Gemahl Kronos einen in Windeln eingewickelten Stein vor, den Kronos auch verschlang in der Meinung, es wäre Zeus. Vgl. Hesiod Theog. 485 ff.
3: Zeus stürzte die Titanen.
4: Kerdoos ist ein Beiname des Hermes, des Beschützers der Diebe und Habsüchtigen.
5: Hermes wurde von den Alten mit einem Sacke dargestellt.