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Interleukin-2 hilft Patienten mit primärem Sjögren-Syndrom
Für die Behandlung des primären Sjögren-Syndroms könnte es eine neue Option geben. Niedrig dosiertes Interleukin-2 linderte in einer Phase-II-Studie die Trockenheitsbeschwerden und verbesserte die gestörte Immunbalance.
Beim primären Sjögren-Syndrom spielt die Dysregulation von B- und T-Zellen pathogenetisch eine zentrale Rolle. Typisch ist dabei eine gestörte Funktion der regulatorischen T-Zellen, berichten Dr. Jing He vom Peking University People’s Hospital und Kollegen (1).
Als unabdingbar für die Entwicklung, Proliferation und das Überleben dieser Zellen gilt Interleukin-2 (IL-2). Die direkte Gabe des Zytokins scheint das primäre Sjögren-Syndrom dabei positiv zu beeinflussen. Dabei hat sich gezeigt, dass insbesondere niedrige IL-2-Dosierungen zu einem selektiven Anstieg regulatorischer T-Zellen führen und die Differenzierung bestimmter Helferzellen unterdrücken.
Jeden zweiten Tag 1 Mio. IU IL-2 subkutan injiziert
Ob dieses Therapieprinzip funktioniert, haben die chinesischen Wissenschaftler bei 60 Frauen mit primärem Sjögren-Syndrom im Alter von 18 bis 70 Jahren getestet. Sie alle wiesen im European League Against Rheumatism Sjögren’s Syndrome Disease Activity Index (ESSDAI) einen Score von mindestens fünf auf.
Ihre Beschwerden bezüglich Trockenheit, Schmerz und Fatigue beurteilten sie auf der jeweiligen visuellen Analogskala mit mindestens 50 mm. Zusätzlich erforderlich für den Einschluss in die Studie war das Vorliegen einer der drei folgenden Faktoren:
- Hypergammaglobulinämie
- vergrösserte Parotis, oder
- systemische Beteiligung.
Nach einer 1:1-Randomisierung durchliefen die Patientinnen drei vierwöchige Behandlungszyklen. Dabei wurden in deren ersten beiden Wochen jeden zweiten Tag 1 Mio. IU rekombinantes humanes IL-2 oder Placebo subkutan injiziert. Danach fing, nach zweiwöchiger Pause, der nächste Zyklus an. Der dreimonatigen Behandlungsphase schloss sich eine dreimonatige Beobachtungszeit an.
IL-17A und Interferon-alpha signifikant reduziert
Den primären Endpunkt (ein um mindestens drei Punkte verbesserter ESSDAI in Woche 24) erreichten signifikant mehr Verumpatientinnen (67 %) als solche unter Placebo (27 %). Ausserdem gingen nach zwölf Wochen unter IL-2-Therapie Trockenheit, Fatigue und Schmerz stärker zurück als in der Placebogruppe. Aber noch einen weiteren positiven Effekt hatte das niedrig dosierte IL-2: Die Patientinnen der Verumgruppe erlitten im Studienzeitraum signifikant seltener Infekte als die der Kontrollgruppe.
Die Analyse der immunologischen Parameter ergab in der Interventionsgruppe einen Anstieg der Treg und der regulatorischen (IL-10 produzierenden) CD24highCD27+-B-Zellen in den jeweiligen Behandlungszyklen, berichten die Autoren. Begleitet wurde dieser Effekt von einer signifikanten Reduktion proinflammatorischer Zytokine, unter anderem IL-17A und Interferon-alpha.
Aus anderen Untersuchungen ist bekannt, dass IL-2 die Funktion von CD8+ T-Zellen und NK-Zellen verbessert. Dies könnte die Ursache für die gestärkte Abwehr gegen Infektionen sein, vermuten die Autoren. Schwere unerwünschte Ereignisse traten unter der Therapie nicht auf. Damit könnte sich die Gabe von niedrig dosiertem IL-2 als eine effektive und sichere Behandlungsalternative für Patienten mit primärem Sjögren-Syndrom entwickeln, schlussfolgern die Autoren.