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Die Medizin- und Bioethik problematisiert technologische Möglichkeiten, stellt aber zugleich auch Verfahren bereit, die legitimierend wirken und Vertrauen herstellen. Damit gerät ihre Operationslogik in den Blick: Seit den 1960er Jahren gerieten zuvor politische oder wissenschaftliche Fragen in ihren Zuständigkeitsbereich; es kam zum einem Aufstieg der Figur des Experten und zu einem Vertrauensverlust in etablierte medizinische Verfahren. Ein an Daten orientiertes „governing by numbers“ wurde von einem auf Werte und Normen gestützten „governing by values“ abgelöst. In der Schweiz wurde die SAMW dafür zuständig. Sie verhandelte Fragen zu den Grenzen des Lebens mit wachsender Ausstrahlung in gesetzgeberische Prozesse und die mediale Öffentlichkeit. Ethik ist zwar durch nationale und internationale Formalisierungen geprägt, zirkuliert jedoch in Form von Diskursen und Verfahren auch global, weshalb ihre Geschichte nicht als schweizerischer Sonderfall untersucht werden kann. Das Projekt ist in drei Teilprojekte gegliedert: Ein historisches Dissertationsprojekt untersucht ethische Grenzaushandlungen in der klinischen Forschung; ein zweites Projekt erforscht menschliches Material und damit verbundene ökonomische und normative Werte; und ein rechtshistorisches Dissertationsprojekt widmet sich der Genese von Normen zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren.