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Wenn wir eine verfahrene Situation ins Unmögliche verdrehen, zum Weltendrama überhöhen oder sie zu einer Lapalie verniedlichen, entziehen wir ihr das Moment der Bedrohung. Mit der Absurdität verpassen wir der ernsten Lage eine Clownnase. Wie genau funktioniert das?
Das Unmögliche denken
Unser Gehirn liebt Unmögliches. Das Unmögliche zu denken, bereitet uns Vergnügen. Weil unseren Gedanken keine Grenzen gesetzt sind, verspüren wir beim Denken von Unmöglichkeiten eine Freiheit, die uns beglückt. Wir lieben die Vorstellung von jahrtausendealten Eisbergen, die in der Wüste unter den Pyramiden ein Schattendasein fristen. Es begeistert uns der Gedanke an nachts leuchtende Goldfischschwärme im Regenwald, die so klein sind, dass sie in Regentropfen wohnen. Und wir amüsieren uns, wenn wir an ein Handbuch mit Sicherheitsvorschriften für die Haltung von Pfeilgiftfröschen in brasilianischen Blasrohrschiessständen denken.
Wenn man einen unmöglichen Zusammenhang gefunden hat – zum Beispiel Wüste und Eskimo –, ergibt sich die Geschichte daraus wie von selbst: «Seit Tagen versuchen die Eskimos in der Wüste ein Iglu zu bauen. Die solarbetriebenen Eismaschinen, die sie bei den Beduinen gegen ihre Schlittenhunde getauscht haben, laufen auf Hochtouren. Wie jeden Morgen haben sie auch heute ein Loch in den Sand gesägt, aber keinen einzigen Fisch gefangen. Hinter einer Düne zieht eine Karawane vorbei, es sind palästinensische Pinguinschmuggler. Die Palästinenser schmuggeln alles, was sie kriegen können, in den Gazastreifen. Wegen der Blockade der Israeli sind Pinguine in Gaza Mangelware. Ausserdem sind Pinguine genügsam und sehen ein bisschen aus wie Raketen.»
Einfach das Unmögliche denken – klingt absurd einfach, nicht? Aber absurde Assoziationen zuzulassen, ist anspruchsvoll. Denn dazu muss man seine durch Wahrnehmung genormte Bandbreite des Denkens ausdehnen bzw. ausgetrampelte Denkpfade verlassen. Diese Form von Humor nennt man Phantasie. Sie ist die Gabe, das Universum aus einer so grossen Distanz zu betrachten, dass Dinge in Nachbarschaft geraten, die sonst durch Welten getrennt sind.
Die Übertreibung
Eine simple Form von Absurdität ist die masslose Übertreibung. Sie kursiert als beliebte humoristische Auflösung von mässig ärgerlichen Situationen: «Das Essen hier war auch schon besser.» – «Ober, bringen Sie mir bitte die Rechnung, den Koch und eine Peitsche.»
Die Untertreibung
Im Gegenzug entschärft man grössere Probleme am besten mit einer kleinen Untertreibung: «Chef! Das Lager brennt!» – «Kein Ding. Kennen Sie übrigens schon den Witz mit dem Feuerwehrmann und dem Gartenschlauch?» Oder: «Wenn wir so weitermachen, dann ist der Planet dem Untergang geweiht!» – «Ach, davon geht die Welt nicht unter.»
Ironie
Im letzten Beispiel finden wir etwas ganz Besonderes: Ironie. Sie ist die eleganteste Form von Absurdität. Wenn wir über todernste Angelegenheiten wehmütig lächeln, ist Ironie im Spiel. Sie ist der verzweifelte Versuch, auch aus dem Schlechtesten noch das Beste zu machen: «Guten Morgen, Majestät. Haben Sie gut geschlafen?» – «Göttlich, Alfred. Welchen Tag haben wir heute?» – «Den Tag Ihrer Hinrichtung.» – «Ha! Das nenne ich mal eine Abwechslung.»
Selbstironie
Selbstironie ist dementsprechend die Erkenntnis der Absurdität des eigenen Handelns. Der Satiriker erreicht diesen Level von Selbsterkenntnis, wenn er merkt, dass er das, was er sagt, ernster meint, als es ist – während es das Publikum lustiger findet, als es ist. Und: die Ironie wird bitter, wenn statt des Humors die Humorlosigkeit in die Absurdität abdriftet. Wenn deshalb Satiriker reihenweise verklagt und erschossen werden, bleibt uns immerhin noch die Erkenntnis, dass auch davon die Welt nicht untergeht.