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Im Juni 1872 liess sich Johann Gisler in Wädenswil nieder und betrieb in einer eigenen Liegenschaft in der Seeferen eine Hafnerwerkstätte. Er legte damit den Grundstein zur Firma Hanspeter Gisler, Plattenbeläge, die heute in vierter Generation geführt wird. Das traditionsreiche Wädenswiler Unternehmen, das 1915 an die Stegstrasse 6 in Wädenswil verlegt wurde, konnte 1997 das 125-Jahr-Jubiläum feiern: Anlass, der Geschichte des Familienbetriebs nachzugehen.
Bereits im 18. und frühen 19. Jahrhundert waren in Wädenswil Ofenbauer und Hafner tätig. Ein 1864 gedrucktes Verzeichnis von Beruf, Handel und Gewerbe führt Heinrich Hüni an der Seefahrt als damals einzigen Hafner der Gemeinde auf.1 Am 15. Juni 1869 meldete sich der 28jährige Hafner Johannes Gisler (1841-1912) in Wädenswil an. Der von seinem Bürgerort Flaach Zugereiste wurde hier ins Register der Niedergelassenen eingetragen, das als Adresse "wohnhaft an der Seefahrt" vermerkt.2 Es ist anzunehmen, dass Gisler in der für diese Zeit nachweisbaren Hafnerei von Jakob Peyer in der Seeferen arbeitete. Dessen Wohnhaus mit hinterem Garten und einen Siebtel Anteil an einem Sodbrunnen gehörte dann für kurze Zeit dem Dachdecker Heinrich Knabenhans zur Seeau in Wädenswil und wurde am 25. März 1872 von Johannes Gisler - damals wohnhaft in Kilchberg - käuflich erworben. Der Kaufantritt fand am 1. Mai 1872 statt. In den Kauf eingeschlossen war der vorhandene Lehmvorrat.3
Gisler betrieb in dieser Liegenschaft nun sein eigenes Geschäft. Er fabrizierte einerseits grüne und braune Ofenkacheln, die er von Hand formte, glasierte und im eigenen Brennofen brannte. Andererseits stellte er Geschirr her, das er mit der Kräze im Wädenswiler Berg austrug. Der Brandkataster vermerkt für das Jahr 1877 Gislers Wohnhaus mit Hafnerwerkstätte und einen Zinnenanbau und für 1891 grössere Umbauten: Zeichen dafür, dass die Hafnerei einen guten Geschäftsgang verzeichnen konnte.4 Es war die Zeit grosser Bautätigkeit in Wädenswil. In den Neubauten brauchte es Öfen, und die stark anwachsende Bevölkerung hatte Bedarf für Töpferwaren.
Gründer Johannes Gisler-Meyer (1841-1912).
Im Zentrum die Liegenschaft in der Seeferen, in der sich um 1872 bis 1915 die Hafnerei Gisler befand.
Aber nicht nur das Geschäft in der Seeferen hatte sich vergrössert; auch Gislers Familie hatte wiederholt Zuwachs erhalten. Anlässlich der Volkszählung vom 1. Dezember 1888 registrierte man im Haus mit der Versicherungsnummer 505e (seit 1894 Nummer 735) ausser dem Geschäftsinhaber dessen Ehefrau Elisabetha Gisler-Meyer und die Kinder Amalie, Elisa, Emma, Hans und Fritz.5 1897 wurde die Familie ins Bürgerrecht der Gemeinde Wädenswil aufgenommen.6
Die Volkszähung vom 1. Dezember 1900 zeigt Veränderungen in Gislers Haushalt.7 Elisa, jetzt Lisette genannt, betätigt sich nun als Glätterin, Emma als Seidenweberin, und der 1884 geborene Hans als Hafner. Im gleichen Haus in der Seeferen wohnen nun auch der Hafner Anton Fussenegger, der sich mit Gislers ältester Tochter Amalie verheiratet hat, sowie der Taglöhner Werner Gubler und die Hausgehilfin Lisette Meier.
Im Jahre 1900 erwarb Johann Gisler vom Bäcker Albert Holdener dessen eingeschossigen Zinnenbau Türgass 2 und betrieb hier eine zusätzliche Hafnerei.8 Was ihn zur Eröffnung eines zweiten Betriebs veranlasste, ist nicht überliefert. Vermutlich wollte er näher bei der Wädenswiler Kundschaft sein. Eine Fotografie aus den ersten Jahren unseres Jahrhunderts zeigt die Hafnerei Gisler an der Türgass. Ein ovales Blechschild über der Eingangstüre, neben der sich der Besitzer für den Fotografen aufgestellt hat, weist auf den neuen Zweigbetrieb hin.9 1910 wurde das Geschäft an der Türgass wieder aufgegeben. Der Bau diente zunächst Bernhard Peyer, dann Sebastian Eberle und seit 1933 Hans Höhn als Coiffeursalon. 1976 wurde das Gebäude abgebrochen.
Von 1900 bis 1910 führte Johann Gisler im eingeschossigen Bau an der Türgass 2 in Wädenswil einen Zweigbetrieb seiner Hafnerei.
Am 21. November 1912 starb der Hafnermeister Johannes Gisler-Meyer. Die Hafnerei in der Seeferen wurde vorerst als Erbengemeinschaft weitergeführt und ging dann am 8. März 1915 je zur Hälfte in den Besitz der beiden Söhne über, des Hafnermeisters Hans Gisler und des Schlossermeisters Fritz Gisler.10 Wenige Tage später verkauften diese ihr ererbtes Wohnhaus mit Werkstätte, das Magazingebäude mit Anbau und etwas Mattland dem Fabrikanten Heinrich Blattmann-Ziegler.11 Dieser schuf damit eine Landreserve für die Erweiterung seiner Stärkefabrik. 1931 wurde das ehemals Gislersche Wohnhaus mit Werkstätte für den Bau des neuen Kesselhauses abgebrochen.
Die zweite und dritte Generation: Hans Gisler-Hohl mit Sohn Hans.
1915 verlegte Hans Gisler-Hohl seinen Betrieb an die Stegstrasse 6.
Hans Gisler (1884-1949) hatte bei seinem Vater Johannes Gisler das Hafnerhandwerk erlernt. An der Wädenswiler Gewerbeausstellung vom 8. bis 15. Oktober 1905 zeigte er in einem Zimmer des Alten Eidmattschulhauses mit der Hafnerarbeit an einem Kochherd sein Können.12 1915 kaufte Hafnermeister Hans Gisler eine neue Liegenschaft für seinen Betrieb und den Geschäftssitz: Von Zimmermeister Jakob Ringger erwarb er das 1891 erstellte Wohnhaus und den Waschhausanbau an der Stegstrasse 6, dazu zwei Werkstättegebäude, einen Schopf und einen offenen Schopfanbau.13
An der Stegstrasse betrieb Hans Gisler das Ofenbaugeschäft weiter, erstellte Kachelöfen und setzte oder flickte Backöfen von Bäckereien. Die Geschirrproduktion dagegen gab er auf. Dafür begann er in den 1930er Jahren keramische Wand- und Bodenplattenbeläge zu verlegen. Es war die Zeit, da sich in den Badezimmern die keramischen Beläge allgemein durchzusetzen begannen. Grossaufträge in Bauten wie dem Kronenblock (1932/33) und dem Spital in Wädenswil (1934/35) machten es möglich, auch in wirtschaftlich schwierigen Jahren immer einen bis drei Arbeiter zu beschäftigen. Um die selbe Zeit kam als neuer Zweig der Cheminéebau dazu. Eine Offerte, die Hans Gisler im Januar 1937 dem Architekten Heinrich Kübler für eine Rauchkammer zustellte, kalkulierte einen Stundenlohn von 1.80 Franken.14
Im Jahre 1949 übernahm Hans Gisler (*1927) als Vertreter der dritten Generation das väterliche Geschäft an der Stegstrasse 6, in dem er auch seine Hafnerlehre absolviert hatte. 1951 wurde ein erster Lieferwagen angeschafft: ein Brückenwagen der Marke Austin aus der Zentrum Garage Wädenswil. Vorbei war damit die Zeit, da man die Materialien mit dem von Hand gezogenen Leiterwagen auf die Baustellen bringen musste.
In den 1970er Jahren gab Hans Gisler den Kachelofenbau auf und konzentrierte sich voll auf das Verlegen von Wand- und Bodenbelägen aus Keramik und Naturstein. Auch der Cheminéebau wurde stark erweitert. Am 4. Januar 1976 brannte das Haus Stegstrasse 6 aus und musste in der Folge abgebrochen werden. An seiner Stelle entstand ein modernes Lagerhaus, das 1979 bezugsbereit war. Eine grosse Blüte erlebte die Firma in den für das Baugewerbe goldenen 70er und 80er Jahren. Grosse Leistungen waren in der Zeit der Bauhochkonjunktur zu erbringen, damit die Nachfrage der Kunden befriedigt werden konnte. In dieser Zeit wurden pro Jahr über 40 000 Quadratmeter Keramik-, Naturstein- und Mosaikplatten verlegt. Dazu kamen jährlich noch über 150 neue Cheminée-Anlagen.
Als sich zu Beginn der 1990er Jahre ein Rückgang der Baukonjunktur abzeichnete, reduzierte Hans Gisler den Cheminéebau, und später gab er diesen Geschäftszweig ganz auf. Der Entscheid für die Konzentration wirkte sich positiv auf das Familienunternehmen aus. Trotz massiver Rezession im Baugewerbe wurden vereinzelt immer noch grössere Bauvorhaben realisiert. So konnte die Firma Gisler 1995/96 im Neubau Stockerhof in Zürich über 5000 Quadratmeter Boden- und Wandbeläge in weissem Marmor aus Griechenland verlegen. Wurden Arbeiten in grösseren Neubauten rarer, so stiegen andererseits Umbauten und Renovationen stark an.
Anfangs 1997 übernahm der Sohn Hanspeter Gisler (*1958) den Plattenleger-Betrieb, in welchem er seit bereits sechs Jahren in der Geschäftsleitung tätig war. Auf den gleichen Zeitpunkt trat Hans Gisler nach 54jähriger Tätigkeit in der Firma, der er während 48 Jahren als verantwortlicher Inhaber vorgestanden hatte, in den Ruhestand.
Hanspeter Gisler begann seine Berufsausbildung 1975 mit einer dreijährigen Lehre als Plattenleger im väterlichen Betrieb. Berufliche Weiterbildung, Offiziersschule, zweijährige kaufmännische Ausbildung an einer Abendhandelsschule und der Besuch der 1984 mit Diplom zum eidg. dipl. Plattenlegermeister abgeschlossenen Meisterschule waren weitere Aus- und Fortbildungsschwerpunkte. 1986 erwarb Hanspeter Gisler zudem das Diplom der zweijährigen SIU Unternehmerschulung. Dann fand der mit Conny Gisler-Nüsperli verheiratete Vater von zwei Kindern auch Zeit für die Familie und für Öffentlichkeitsarbeit in der Gemeinde. Seit bereits zwölf Jahren ist er in der Feuerwehr Wädenswil tätig, inzwischen im höheren Kader. Seit einigen Monaten gilt die Aufmerksamkeit des neuen Inhabers der Firma Hanspeter Gisler, Plattenbeläge einer betriebswirtschaftlichen Schulung, damit er bestens vorbereitet den gesunden Familienbetrieb in vierter Generation weiterführen kann.
Hans Gisler-Pfister (links) mit Sohn Hanspeter Gisler-Nüsperli der vierten Generation, dem heutigen Inhaber der Firma.
Kleine und mittlere Unternehmer sind seit Generationen auf die Mitarbeit der Ehefrau angewiesen. Das gilt auch für den Plattenleger-Betrieb Gisler. Mit Erfahrung und Routine erledigte Emmy Gisler-Pfister, die Gattin von Hans Gisler der dritten Generation, während 46 Jahren die Büroarbeiten des Handwerksbetriebs. Seit anfangs 1996 führte sie dann die junge Unternehmersfrau Conny Gisler-Nüsperli in alle Belange der Finanz- und Buchführung ein. Inzwischen hat auch in diesem Zweig der Generationenwechsel stattgefunden.
Unternehmer Hanspeter Gisler kann auf ein gut ausgebildetes Mitarbeiter- und Kaderteam zählen. Dieses ist in drei Abteilungen gegliedert:
1. Geschäftsführung, Technik, Logistik
2. Service, Privatkunden
3. Verlegung, Objekte.
Zur Tradition des aufgeschlossenen Unternehmens gehört selbstverständlich die stetige Ausbildung von Lehrlingen.
Arbeiten mit dem Hubstapler im Zwischenlager.
Verlegen von Bodenplatten.
1979 wurde das moderne Lagerhaus an der Stegstrasse 6 bezugsbereit. Es ist 1997 mit dem neuen Logo der jubilierenden Firma versehen worden.
Peter Ziegler