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<h2>SubmittedText<h2><p>Verschiedene Höchstspannungsleitungen sind am Ende ihrer Lebensdauer angelangt und müssen, zwecks Sicherstellung der Stromversorgung erneuert und/oder ausgebaut werden. Der entsprechende Prozess ist anspruchsvoll und dauert, aufgrund verschiedenster Ansprüche bei gleichzeitig enger werdenden Räumen erfahrungsgemäss Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. </p><p>Die genannten Probleme könnten durch eine neue Druckluftkabel-Technologie, welche in der Schweiz entwickelt und patentiert wurde, gelöst werden. Diese erlaubt die Übertragung bis 420kV mit teils markant weniger Energieverlusten. Zudem erlaubt diese Technologie eine baulich deutlich einfachere und damit bei vielen Projekten auch kostengünstigere Erdverlegung als VPE-Kabel. Im Vergleich mit Freileitungsanlagen beeinträchtigt diese das Landschaftsbild nicht, ist wesentlich sicherer gegenüber Naturereignissen und gezielten Angriffen und geniesst eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Im Gegensatz zu herkömmlichen Technologien enthalten die Druckluftkabel zudem keine umweltschädlichen Treibhausgase (wie z.B. in SF6 GIL Anlagen), benötigen keine Beton-Rohrblöcke, keine Muffen, sind geräuschlos, nicht brennbar und komplett recyclebar. Die innovative Schweizer Druckluftkabel-Technologie ist marktreif. Sie wurde mit Erfolg über ein Jahr bei der SBB getestet (145kV). Alle Zertifizierungsprozesse bis 145kV sind erfolgt, jene für 220kV werden 2023 abgeschlossen. Trotz aller Vorzüge zögert Swissgrid, damit zu planen, mangels langfristiger Erfahrungswerte, welche allerdings nur zu Stande kommen können, wenn die Technologie auch eingesetzt wird.</p><p>Bei der geschilderten Ausgangslage bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Warum setzt man immer noch auf die veraltete, gesellschaftlich kaum noch akzeptierte, Technologie von Freileitungen für Projekte, welche die nächsten Generationen mindestens 80 Jahre belasten werden, und man weiss, dass diese Übertragungsverluste aufweisen, verwundbar sind, viel Raum beanspruchen, das Landschaftsbild beeinträchtigen und eine neue, marktreife Schweizer Technologie diese Probleme lösen könnte?</p><p>2. Wie gross sind die aktuellen Übertragungsverluste im Swissgrid Netz (220/380kV), und wie gross wären die Verluste, wenn das Swissgrid Netz nur aus Druckluftkabel bestehen würde?</p><p>3. Inwiefern werden reduzierte Übertragungsverluste bei der Netzplanung und der Ausschreibung für Leitungsprojekte berücksichtig?</p><p>4. Bei einer Betrachtung der Auslastungsprognose des Höchstspannungsübertragungsnetzes im Jahr 2050: Wie gross wären die Übertragungsverluste mit einem Netz bestehend aus Freileitungen und VPE-Kabel (realistische Anteile beider Technologien im Jahr 2050), und wie gross wären diese in einem Netz aus Druckluftkabel? Würden die daraus resultierenden Stromeinsparungen erlauben, auf ein oder mehrere Stromproduktionsgrossprojekte (neue Stauseen, alpine Solarparks) zu verzichten und somit weitere Auswirkungen auf die Umwelt zu vermeiden?</p><p>5. Erfüllt die neue Druckluftkabel-Technologie aus Sicht des Bundesrates die Anforderungen an den Umweltschutz, sowie die technologischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Bewilligungsbehörden und Netzbetreiber, allen voran der Swissgrid, so dass die neue Technologie bei der Netzplanung und deren Ausbau berücksichtigt werden kann? Falls nicht, welche fehlen?</p><p>6. Falls ja, welche gesetzlichen Grundlagen müssen erfüllt, bzw. allenfalls abgeändert werden, damit Swissgrid/BFE/ElCom und alle anderen involvierten Stellen mit der Druckluftkabel-Technologie planen (können)?</p><p>7. Ist der Bundesrat bereit, die notwendigen Massnahmen rasch an die Hand zu nehmen, damit die Druckluftkabeltechnologie im Rahmen der aktuellen Erneuerung/Erweiterung des Höchstspannungsnetzes umgesetzt werden kann?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Netzbetreiber sind gemäss Artikel 8 des Stromversorgungsgesetzes vom 23.&nbsp;März 2007 (SR 734.7) für die Gewährleistung eines sicheren, leistungsfähigen und effizienten Netzes verantwortlich. Damit ist für Fragen bezüglich der Wahl der Technik der Stromübertragung im Übertragungsnetz (220/380 kV) grundsätzlich die nationale Netzgesellschaft (Swissgrid) zuständig.</p><p>Aufgrund der geschilderten Zuständigkeiten können die Fragen 1 – 7 wie folgt beantwortet werden:</p><p>Die Druckluftkabel-Technologie ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zertifiziert für den Höchstspannungsbereich (220/380 kV) und somit nicht verfügbar. Zudem fehlen Erkenntnisse bezüglich den (Langzeit-) Auswirkungen auf den Netzbetrieb. Für die Leitungsverluste liegen bislang nur die Angaben des Herstellers vor. Vor einem allfälligen Einsatz dieser neuen Technologie im Übertragungsnetz muss das Betriebsverhalten vertieft untersucht werden und eine Zertifizierung erfolgen. Aktuell wird die neu entwickelte Technologie auf der Spannungsebene 145&nbsp;kV im Rahmen eines Pilotprojekts auf dem SBB-Gelände in Zürich-Seebach getestet. Der Bund fördert dieses Projekt mit über 300'000 Franken im Rahmen des Pilot- und Demonstrationsprogramms des Bundesamts für Energie. Die Netzbetreiber sind aufgefordert, die Erkenntnisse aus diesem Projekt bei zukünftigen Kabelprojekten zu berücksichtigen. Auch die nationale Netzgesellschaft (Swissgrid) beabsichtigt einen Pilotversuch dieser neuen Übertragungstechnik im Höchstspannungsbereich (220/380 kV) durchzuführen.</p><p>Im Sachplanverfahren für Übertragungsleitungen (SÜL) legt der Bundesrat das Planungsgebiet, den Planungskorridor und die Übertragungstechnologie fest. Der Entscheid ist das Ergebnis einer umfassenden Interessenabwägung bezüglich technischer Aspekte, Raumentwicklung, Umwelt und Wirtschaftlichkeit. Teil des Entscheids des Bundesrates ist auch die Wahl der Übertragungstechnologie (Kabel oder Freileitung). Swissgrid ist dabei zuständig für Abklärungen zu den verschiedenen Übertragungstechniken der Übertragungstechnologien, u.a. bezüglich der Vor- und Nachteile, Life Cycle Cost (LCC)-Betrachtungen und den Auswirkungen auf den sicheren Betrieb der Stromnetze (bspw. bezüglich der erforderlichen Schutzeinrichtungen).&nbsp;</p><p>Sowohl Erdkabel- als auch Freileitungsvarianten haben Vor- und Nachteile betreffend Bau, Betrieb und Instandhaltung, die Verfügbarkeit von Elektrizität, Einflüsse auf den Raum, die Umwelt und das Landschaftsbild sowie Kosten und gesellschaftliche Akzeptanz. So ist die Fehlerhäufigkeit bei Freileitungen zwar höher als bei Erdkabeln, da sie Natureinflüssen (z.B. Blitzeinschlag) stärker ausgesetzt sind. Erdkabel haben dafür deutlich längere Reparaturzeiten. Ebenso weisen Freileitungen gegenüber den heute zur Anwendung kommenden Verkabelungstechniken zwar höhere elektrische Verluste im Betrieb auf, die heutigen Verkabelungen benötigen jedoch mehr Massnahmen zur Kompensation von Blindleistung. Das Übertragungsnetz der Schweiz besteht heute zu rund 99&nbsp;Prozent aus Freileitungen, was folglich kaum mit einem hypothetischen Netz aus Druckluftkabeln verglichen werden kann. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich eine neue Übertragungstechnik – sofern verfügbar (zertifiziert) und erprobt – rasch durchsetzen wird, falls diese eindeutige Verbesserungen gegenüber dem heutigen Stand der Technik aufweist.</p>