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Sebastian Euler legt in der Reihe «Mentalisieren in Klinik und Praxis» (Herausgeber: Ulrich Schultz-Venrath) mit dem Band «Mentalisieren bei Persönlichkeitsstörungen» ein Buch vor, dass sich mit Störungsbildern auseinandersetzt, die bei der Entwicklung des mentalisierungsbasierten Ansatzes eine zentrale Rolle gespielt haben. Insbesondere für die Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörungen haben Bateman und Fonagy [1] eine manualisierte Therapieform entwickelt, die als Mentalization-Based-Therapy (MBT) zu einer der wichtigen und erfolgreichen Behandlungsmethoden der Gegenwart wurde. Diese manualisierte Methode führt bei Borderline-Patient:innen mit komorbiden Störungen in verschiedenen Settings (stationär, teilstationär, ambulant) zu deutlichen und nachhaltigen Verbesserungen auf der Symptomebene bezüglich Lebensqualität und Integration im Alltag [2].
Das vorliegende Buch besteht aus sechs Kapiteln. Im ersten Kapitel werden – nach einer kurzen Erläuterung der Diagnostik im DSM-5 und ICD-11 – die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS), die Antisoziale Persönlichkeitsstörung, die Narzisstische Persönlichkeitsstörung und die Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung beschrieben. Diese Kapitel sind jeweils so gegliedert, dass nach einer allgemeinen Einführung mit Angaben zu Prävalenzen die Kernsymptome dargestellt werden. Zusätzlich werden für die jeweiligen Persönlichkeitsstörungen Forschungsergebnisse zur Ätiologie, zum Verlauf und zu den evidenzbasierten Behandlungsmethoden referiert – so weit Ergebnisse dazu vorhanden sind.
Im zweiten Kapitel beschäftigt sich der Autor mit dem «Mentalisieren bei Persönlichkeitsstörungen» und definiert dafür als erstes den Begriff des Mentalisierens als «…eine Fähigkeit, sich auf innerpsychische (mentale) Zustände, unter anderem Gedanken, Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse von sich selbst und anderen zu beziehen, diese als dem Verhalten zugrundeliegend zu begreifen und darüber nachdenken zu können» (S. 43).
Im nächsten Unterkapitel beschäftigt er sich mit der Entwicklungspsychologie des Mentalisierens, die er kurz zusammenfasst. Ausführlich beschreibt Sebastian Euler die vier Dimensionen des Mentalisierens, die mit den jeweiligen Polen (implizit-explizit; affektiv-kognitiv; innen-aussen; selbst-andere) das Funktionieren von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen beschreiben helfen. Im nächsten Unterkapitel stellt der Autor die prämentalistischen Modi vor und illustriert diese mit kurzen Beispielen. Im nächsten Unterkapitel geht der Autor auf die Bindung, das Trauma und das epistemische Vertrauen ein. Bindungserfahrungen und epistemisches Vertrauen sind zwei basale Konzepte, auf welchen die Mentalisierungstheorie aufbaut und sie zeigen, wie Bindungserfahrungen mit adäquat mentalisierenden Bindungspersonen dazu beitragen, dass von anderen Menschen gelernt werden kann. Dies führt bei Personen, die negative Bindungserfahrungen machen und die deshalb traumatisiert sein können, zu epistemischem Misstrauen. Die Ausführungen sind an dieser Stelle knappgehalten und mögliche Wechselwirkungen mit Persönlichkeitsstörungen (v.a. BPS) werden nicht referiert. Dies, obwohl die Frage nach dem Verhältnis zwischen BPS und Traumatisierungen ein wichtiges Forschungsthema ist und die Beantwortung je nachdem zu unterschiedlichen Behandlungsstrategien führt. Als letztes Unterkapitel wird die Operationalisierte Diagnostik des Mentalisierens anhand verschiedener Instrumente beschrieben.
In Kapitel 3 werden die in Kapitel 1 vorgestellten Persönlichkeitsstörungen aus der Perspektive der Mentalisierungstheorie betrachtet und entlang der Dimensionen des Mentalisierens beschrieben. Dabei macht der Autor nachvollziehbar, dass die Persönlichkeitsstörungen als Mentalisierungsstörungen betrachtet werden können.
In Kapitel 4 wird schliesslich die Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen näher vorgestellt. Nach mehreren einführenden Abschnitten zur Struktur von MBT, zur Fallformulierung, zum Krisenplan und zur Haltung, fokussiert der Autor auf die Techniken in der MBT, die er jeweils mit klinischen Beispielen illustriert. Danach präsentiert er die sogenannte «Adhärenzskala», welche die Übereinstimmung des klinischen Vorgehens mit dem theoretischen Modell der MBT vergleicht und die aus seiner Sicht «für jeden MBT-Therapeuten» (S.91) unverzichtbar ist.
Im nächsten Abschnitt widmet sich der Autor dem Vergleich zwischen MBT und anderen evidenzbasierten Verfahren für Persönlichkeitsstörungen und zeigt auf, dass MBT beispielsweise für die Behandlung von BPS als wirksam betrachtet werden kann.
Im nächsten Unterkapitel wird die MBT als Gruppentherapie für Persönlichkeitsstörungen beschrieben und mit spannenden und detaillierten klinischen Beispielen veranschaulicht. Es wird zwischen verschiedenen Settings unterschieden, die Möglichkeiten der Verschränkung zwischen Einzel- und Gruppensetting werden aufgezeigt und konkrete Techniken mit Beispielen erläutert.
Die einzelnen MBT-Interventionen werden in Kapitel 5 für die verschiedenen Persönlichkeitsstörungen durchdekliniert und mit Beispielen unterlegt.
Das sechste Kapitel besteht aus einer Schlussbemerkung, die unter anderem die Frage der Entwicklungen in der ICD-11 bezüglich dimensionaler Diagnostik streift und die Wichtigkeit der Weiterentwicklungen von MBT anspricht.
Fazit: Das Buch versucht viele Informationen auf verschiedenen Ebenen (Forschungslage, Diagnostik, Behandlung, Mentalisierungstheorie und -praxis sowie spezifische MBT in verschiedenen Settings und bei verschiedenen Persönlichkeitsstörungen) zu vermitteln. Dies führt immer wieder zu Verkürzungen und Vereinfachungen, die eine differenziertere Diskussion der vorgestellten Ergebnisse und Vorgehensweisen wünschenswert erscheinen lassen. Das Buch kann als Einführungslektüre zur MBT dienen und insbesondere wichtige Informationen zu den Vorgehensweisen bei den verschiedenen Persönlichkeitsstörungen im MBT-Gruppensetting im institutionellen Kontext geben.
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