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Vortrag über die Rolle von Überzeugungen beim Drogenkonsum
Wieviele Jugendliche haben schon einmal Ecstasy versucht? 5,5 Prozent oder 32,5 Prozent? Zwischen tatsächlichen Zahlen und (Fehl-)Einschätzungen öffnet sich eine weite Schere. Doch Einschätzungen, auch wenn sie falsch sind, bestimmen weitgehend unser Verhalten.
Die Suchtprävention befasst sich seit längerem intensiv mit solchen sozialen Normen und normativen Überzeugungen (wie soll ich mich verhalten, um «normal» zu sein etc.). Im Rahmen der Generalversammlung des Vereins für Gesundheitsförderung und Suchtprävention und der Suchtpräventionsstelle Freiburg vom Donnerstag (siehe Kasten) referierte Sabine Dobler von der Schweizer Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) zu diesem Thema.
Vor allem Frauen
neigen zu überhöhten Schätzungen
Im Herbst 1998 wurde in Freiburg unter 19- bis 20-jährigen Jugendlichen eine Studie durchgeführt. Die Jugendlichen mussten dabei einerseits angeben, ob sie schon einmal Cannabis, Ecstasy, Speed oder Heroin probiert hatten und andererseits schätzen, wie viele ihrer Altersgenossen diese Substanzen schon versucht hatten. Es zeigte sich, dass der tatsächliche Konsum weit tiefer war als die geschätzten Werte.
5,5 Prozent der Frauen und 9 Prozent der Männer gaben zum Beispiel an, dass sie schon einmal Ecstasy versucht hatten. Die gleichen Befragten vermuteten aber, dass 32,5 Prozent der Frauen und 27,6 Prozent der Männer schon einmal Ecstasy geschluckt haben. Es fiel auf, dass bei jenen Jugendlichen, die angaben, bisher noch nichts konsumiert zu haben, die Bereitschaft zum Konsum um so grösser war, je höher ihre Schätzungen lagen.
Die Gruppe der Gleichaltrigen, so Sabine Dobler, ist gerade bei Jugendlichen eine wichtige Referenz für das eigene Verhalten. Dieses wird dem angepasst, was man bei den anderen als normal vermutet. Dass der Drogenkonsum als so verbreitet verstanden wird, erhöht die eigene Konsumbereitschaft. Ausserdem wird so das eigene Verhalten gerechtfertigt.
Für die Drogenprävention ergibt sich aus diesen Werten, dass sie der Bereitschaft zum Drogenkonsum entgegenwirken kann, indem sie solche Fehleinschätzungen durch eine realistischere Einschätzung korrigiert. Die Befassung mit sozialen Normen, so Sabine Dobler, versteht sich als Alternative oder als Ergänzung der Aufmerksamkeit, die bisher dem Phänomen des sozialen Drucks gewidmet wurde: Hier müssten die Jugendlichen lernen, dem Druck ihrer Umgebung zu widerstehen und nein zu sagen. Eine solche Aufklärungsarbeit ist zwar nötig, birgt aber das Risiko, dass der Druck dadurch erst richtig wahrgenommen wird. Die Arbeit mit den sozialen Normen und der Weg zu einer realistischen Sicht des eigenen und fremden Konsumverhaltens (seien es nun Drogen, Tabak oder Alkohol) scheint erfolgsversprechender als die blosse Botschaft «Just say no!»
An erster Stelle der konkreten Arbeit an den Schulen steht gemäss Sabine Dobler die direkte Zahlenvermittlung, um den Jugendlichen solche überhöhten Einschätzungen vor Augen zu führen.
Je näher dabei die ermittelten Zahlen an der Realität der Jugendlichen sind (d.h. nicht irgendeine Studie, sondern womöglich Zahlen aus der näheren Umgebung, der eigenen Schule oder Klasse), desto höher ist der Überzeugungseffekt. Natürlich muss man sich auch mit den Normen an sich auseinandersetzen.
Von der Suchtpräventionsstelle Freiburg sind Unterrichtsmodule zu diesem Thema ausgearbeitet worden, die jetzt zuerst im Kollegium Gambach zur Anwendung kommen und später auch an den Orientierungsschulen unterrichtet werden sollen.
Die Generalversammlung in Kürze
Im Jahresbericht bezeichnet Präsident Patrik Gruber die Ziele des letzten Jahres als erreicht. Hauptaufgabe des Vereins bleibe auch im nächsten Jahr die Verwirklichung von Projekten, zu deren Finanzierung man sich in Zukunft eventuell neue Schritte überlegen und unternehmerischer handeln könne.
Der gesamte Vorstand wird in einer Wiederwahl bestätigt. Einen Wechsel gibt es im Amt des Präsidenten zu verzeichnen. Patrik Gruber wird durch Gisela Marly-Landtwing ersetzt.