Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03184.jsonl.gz/463

Swiss Fair Trade ist der Branchenverband der Fair Trade Organisationen in der Schweiz. Die anerkannten Mitgliedsorganisationen verfolgen die gleiche Definition von Fair Trade und verpflichten sich zur Einhaltung der hohen Grundsätze und Standards des Fairen Handels.
Bedeutung von guten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen
Wer von fair produzierten Textilien spricht, meint damit nicht nur gute Arbeitsbedingungen, sondern vor allem auch faire Löhne. Doch was heisst eine faire Entlohnung überhaupt, wenn das Produkt in vielen Schritten an verschiedenen Orten der Welt hergestellt wird? Philipp Scheidiger vom Verband Swiss Fair Trade beschreibt, welche wesentlichen Punkte für gute Arbeitsbedingungen eine Rolle spielen.
Kleidung muss einen langen Weg zurücklegen, bevor sie in unserem Kleiderschrank hängt. Im Vergleich zu Lebensmitteln sind deutlich mehr Verarbeitungsschritte notwendig. Ein Kleidungsstück hat auf seiner Reise vom Baumwollfeld zahlreiche Stationen in mehreren Ländern durchlaufen. Daher lässt sicht nicht einheitlich ein fairer Lohn festlegen. Es existieren eine Vielzahl von nationalen Gesetzen, Sozialstandards, Regelwerke und Methoden. Die wichtigsten möchte ich hier kurz vorstellen.
Die Basis: Die Menschenrechte
Besonders zentral sind die Menschenrechte. Denn sie sind universell, sprich sie gelten überall auf der Welt. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurden 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und sie schützen verschiedene Aspekte des menschlichen Lebens. Neben den bürgerlichen und politischen Rechten sind vor allem die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Rechte wichtig. Sie regeln zum Beispiel das Recht auf Gründung von Gewerkschaften, die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie das Recht auf Arbeit und angemessene Entlohnung.
Internationale Arbeitsorganisation: Mindeststandards
Eine weitere zentrale Rolle nehmen die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ein. Die Internationale Arbeitsorganisation (englisch ILO: International Labour Organization) wurde 1919 gegründet und ist damit beauftragt, internationale Arbeitsstandards weiterzuentwickeln. Die Arbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation setzen universelle Mindeststandards für menschenwürdige Arbeit fest. Sie sind unabhängig vom Entwicklungsstand eines Landes gültig und umfassen die vier Bereiche Vereinigungsfreiheit, Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf, Abschaffung der Kinderarbeit und Beseitigung der Zwangsarbeit.
Existenzsichernde Löhne für den jeweiligen Kontext
Der Faire Handel fordert existenzsichernde Löhne. Denn obwohl existenzsichernde Einkommen und Löhne ein Menschenrecht sind, hat die ökonomische Debatte darüber erst in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Anders als andere Armutsindikatoren, wie etwa die Definition der Weltbank zur Armutsgrenze (weniger als $1.90 pro Tag bedeutet extreme Armut), können existenzsichernde Einkommen und Löhne nicht global mit einer einzigen Zahl erfasst werden, sondern müssen für den jeweiligen Kontext lokal berechnet werden.
„Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen. (…) Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.“ Artikel 23 und 25, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen
Referenzwerte für die Berechnung der existenzsichernden Löhne
Um zu berechnen, wie viel eine Person für ein menschenwürdiges Leben benötigt, werden auf lokaler Ebene verschiedene Komponenten, wie z. B. angemessene Ernährung und Unterkunft, Ausbildung, Kleidung, ärztliche Versorgung sowie soziale Leistungen und Rücklagen für unvorhergesehene Ereignisse, herangezogen. Diese bilden dann den sogenannten Referenzwert eines existenzsichernden Einkommens. Dabei ist es wichtig, die Bestandteile des Referenzwertes detailliert an die lokalen Gegebenheiten anzupassen, um die Lebensrealität an einem bestimmten Ort abzubilden.
Ausreichendes Einkommen als Voraussetzung für ökologisches Engagement
Für den Fairen Handel ist klar: Nur wenn Produzent:innen über ein ausreichendes Einkommen verfügen, können sie Umwelt- und Klimaschutzmassnahmen in ihrem Anbau bzw. ihrer Produktion umsetzen, ihren Angestellten einen existenzsichernden Lohn zahlen und gute Arbeitsbedingungen bereitstellen. Im Fairen Handel dreht sich die Debatte daher nicht darum, ob faire, existenzsicherende Löhne, sondern wann und wie diese gezahlt werden. Denn obwohl die Diskussion um existenzsichernde Löhne schon einige Jahre andauert, stehen viele Akteur:innen erst am Anfang der Berechnungen. Dennoch machen erste Pilot-Projekte Mut.
—
Hast du Anregungen oder Kritik? Wie reflektierst du deinen Style und mit welchen Textilien wohnst du? Teile es mit uns mit #reflectyourstyle auf Social Media – Instagram oder Facebook – oder via Mail <email-pii>