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Noah und seine Frau Haikal
DER NAME VON NOAHS FRAU
Der Name von Noahs Frau wird in der Bibel nicht genannt. In der
ausserbiblischen Tradition werden wir jedoch fündig, und zwar
im 14. Kapitel der apokryphen Schrift "Die
Schatzhöhle": Dort heisst sie mit Namen Haikal
und sie ist
die Tochter der Namos und Enkelin des Henoch, der hier als Bruder des
Metusala genannt wird. So zu lesen bei
http://de.wikipedia.org/wiki/Noah. Die ursprüngliche Quelle
ist hier zu finden: http://12koerbe.de/arche/schaeinl.htm -
inbesondere: http://12koerbe.de/arche/schatz3.htm#14.
Dem Wort Haikal
begegnen wir
heute noch als Familienname. In der arabischen Sprache bedeutet es
"Palast" und ist schon im Sumerischen HAI.KAL (haikal), "grosses Haus",
nachweisbar, im Akkadischen als ekallu(m) und schliesslich im
Hebräischen als hēkāl, "Tempel" (Jesaja 6,1).
In der jüdischen Überlieferung wird der Name von Noahs Frau zuweilen auch mit Naema
(Na'amah
;
Gen. 4,22) angegeben. Im Midrasch Bereschit Rabba 23,3 heisst es: "Und
die Schwester Thubalkains war Naema. Nach Rabbi Abba bar Kahana war
Naema die Frau von Noah. Warum hiess sie Naema? Weil sie in ihrem Tun
liebenswürdig war. Nach den
Rabbinen aber war das eine andere Naema. Nach einer anderen Ansicht hiess sie Naema, weil sie die Pauke vor den Götzen schlug."
Predigt
von Pfarrer Jakob Vetsch, gehalten am 22. Januar 2006 in der Kirche von
Matthäus-Zürich
Eine
Schülerin wird gerettet – und Noah erfährt
Gnade,
oder:
"Bei Gott sind alle
Dinge möglich"
(Matthäus-Evangelium 19,26c)
Wir machen uns heute Gedanken über Möglichkeiten und
Unmöglichkeiten, Leistung und Gnade. Dazu möchte ich
Ihnen eine Geschichte erzählen, welche nicht in der Bibel
steht und die mich erschüttert hat:
Zur Zeit des Noah lebte eine seiner Schülerinnen nicht weit
von ihm entfernt. Sie brachte ihm als Zeichen ihrer Liebe und
Dankbarkeit jeden Tag eine Schale Milch. Er hatte ihr gesagt, dass es
bald eine Sintflut geben werde. Und er hatte ihr versprochen, sie mit
in seine Arche zu nehmen, wenn es soweit sein würde.
Aber als der Tag der Sintflut kam, dachte er nicht an sie.
Später bemerkte er zwar, dass sie nicht in der Arche war. Aber
es war zu spät, um sie noch zu retten.
Die Sintflut dauerte sechs Monate. Als die Wasser sanken, kehrten die
Menschen in ihre Dörfer zurück.
Eines Tages kam jene Schülerin wieder wie gewöhnlich
zu Noah, mit der Milchschale in der Hand, und sie sagte zu ihm: "O
Noah! Hoffentlich vergisst du mich nicht, wenn die Sintflut kommt. Ich
hatte dich zwar gestern Morgen daran erinnert. Aber du hast sehr viel
zu tun, und deswegen ist es wohl möglich, dass du dich dessen
nicht mehr erinnerst."
Noah fragte erstaunt: "Gestern?" Aber er sprach nicht weiter.
Nachdem die Frau gegangen war, fragte er seinen Herrn: "Wie ist es
möglich, dass diese Frau gerettet wurde? Wie kommt es, dass
sie sich nicht an das vergangene halbe Jahr erinnert?"
Daraufhin kam von Gott die Antwort: "O Noah! Sie glaubte dir. Du
hattest sie zwar vergessen, aber WIR haben UNS ihrer erinnert. Wir
haben sie gerettet, und wir ließen die Zeit so vergehen, dass
sie glaubte, es sei nur ein Tag vergangen."
Diese feinsinnige und so wahre Erzählung entstammt der
außerbiblischen Tradition. Sie zeigt aufs Schönste,
dass Gott etwas Überraschendes an sich hat, und zwar oft
gerade dort, wo wir Menschen versagen, Fehler machen oder nicht mehr
weiter wüssten!
Auch die Gestalten der Bibel waren Menschen mit ihren Grenzen, wie wir
alle es sind. Das ist ja der Reiz dieser Legende, dass Noah so etwas
hätte passieren können! Auch wir haben unsere
Versäumnisse und Fehltritte, auch wir haben unsere Schuld. Das
gehört zum Leben von uns Menschen.
Es fällt uns bestimmt leicht, uns in der Rolle des Noah wieder
zu erkennen. Je mehr Verantwortung wir zu tragen haben, in der Familie,
im Beruf und in der Freizeit, als Menschen, als Christen, desto
stärker werden wir unserer Möglichkeiten und
Unmöglichkeiten bewusst. Da tut es gut, die Erfahrung machen
zu dürfen, dass Gott noch viel weiter denkt und wirkt, als wir
dies je zu tun vermögen.
Aber auch in der Rolle der Schülerin können wir uns
ohne weiteres wieder finden. Sie setzt ihre Hoffnung vertrauensvoll auf
ihren Lehrer Noah, dem sie sehr zugetan ist. Aber sie weiß
auch, dass vieles an ihm hängt, dass er an vieles denken muss
und er viel zu tun hat. Unser Leben hängt immer auch von
anderen Menschen ab, die eine noch größere
Verantwortung tragen. Oft schauen wir erwartungsvoll und etwas
ängstlich auf sie, ob sie ja auch an uns denken und uns nicht
vergessen. Solche Angst ist berechtigt. In der heutigen Zeit besonders,
wo allzu viele nur an sich selbst, an den eigenen Lohn und
nächsten Karriereschritt denken und ihrer Umgebung und Umwelt
gegenüber, und schließlich auch sich selbst
gegenüber, verantwortungslos handeln. Da ruft uns diese
Geschichte zuversichtlich und hoffnungsvoll zu: Dein Leben
hängt nicht nur von anderen Menschen und von
Zufälligkeiten ab! Es ruht auch in der Hand Gottes, der dich
kennt, der an dich denkt, der die Fäden spannt und
sorgfältig das Bild auf Deinem Lebensteppich zu Ende webt! Er
lässt nicht fahren das Werk seiner Hände, und er
rettet den, der von Herzen glaubt und vertraut! Verlasse dich nicht nur
auf dich selbst und auf deine Mitmenschen, sondern auch auf deinen Gott
und den Sieg des Guten!
Die Vorstellung von Noahs Arche ist in unseren Tagen, in denen das
Bedrohliche erneut so offensichtlich wird, wieder ganz besonders zu
einem Bild der Hoffnung auf das Überleben in der Welt
geworden. Wir sind wieder so weit, dass wir auf eine Arche angewiesen
sind, um weiterleben zu können. Lasst uns daran denken, dass
dies nicht nur guten Willen und viel Arbeit, sondern ebenso viel Gebet
und gläubiges Vertrauen erfordert. Unsere kleine und auch die
große, weite Welt krankt an Beziehungslosigkeit unter
Menschen, zu Gott und zu seiner Schöpfung.
Jene Schülerin in unserer Legende brachte ihrem Meister und
Lehrer Noah täglich eine Schale Milch, als Zeichen ihrer Liebe
und Dankbarkeit. Sie wusste: „Liebe geht durch den
Magen.“ Deshalb schenkte sie ihm jeden Tag etwas
Bekömmliches und Gesundes von den natürlichen Gaben
der Schöpfung. Und so waren Schöpfer,
Schülerin und Lehrer durch dieses Zeichen eng verbunden. Das
Vertrauen war da. Und in dem Moment, als Noah die Schülerin
vergaß und versagte, da griff Gott selber ein. Wo ehrliche
Herzen am Werke sind, da passieren zwar auch Fehler, aber Gott heilt
und rettet.
"Was unmöglich ist bei den Menschen, ist möglich bei
Gott." So heißt es im Lukas-Evangelium (18,27). Und bei
Matthäus (19,26c) lesen wir: "Bei den Menschen ist dies
unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich."
Diesen Titel könnten wir groß über die
Noah-Legende schreiben. Jesus hatte diesen Satz im Zusammenhang mit dem
Wort ausgesprochen, dass sich Reiche schwer damit tun, in das Reich
Gottes zu kommen. Vielleicht ist das auch unser Schicksal. Vielleicht
haben wir äußerlich viel, aber innerlich zu wenig.
Äußeres Wohlergehen bekommt einem nur gut, wenn es
mit innerer Wahrhaftigkeit, Wohlbefinden und unvergänglichem
Reichtum einhergeht. Aus innerer Unsicherheit heraus streben wir oft
nach äußerer Sicherheit ... und schießen
dabei weit über das Ziel hinaus. Nur noch eines täte
dann Not: Sich von allem Ballast befreien und Jesus nachfolgen. Wer
aber tut das schon?
Die ruhigen Januartage können willkommener und chancenreicher
Anlass zur Standortbestimmung unseres persönlichen Lebens
sein. Die Winterzeit mit ihren langen Nächten bringt ohnehin
an den Tag, was uns im Grunde der Dinge wichtig ist. Lasst uns da nicht
ausweichen und fliehen vor uns selbst, sondern innehalten und stille
stehen. Und wenn das Dunkel der Nacht (damit ist unsere eigene
Unzulänglichkeit gemeint) uns bedrohen will, dann wird uns das
Wort Christi leuchten: "Bei den Menschen ist dies unmöglich,
bei Gott aber sind alle Dinge möglich."
Wir sehen, dass unser Weg ein Weg von der Finsternis ans Licht sein
darf und dass Gott uns zu neuen Menschen machen möchte, die
vertrauend und glaubend, zuversichtlich und fröhlich sind. Zu
Menschen möchte er uns machen, in denen er, Gott, wohnt und
wir in ihm, Menschen, die Gott lieben und sich von ihm lieben lassen,
Menschen, in denen das Seelenlicht entzündet wurde und die es
sich zur vornehmsten Aufgabe gemacht haben, diese Flamme des Lebens
weiterzureichen.
Selbstvertrauen soll im Gottvertrauen wurzeln. Vertrauen vertreibt
Unsicherheit und Ängstlichkeit. Es nimmt dem Bösen
den Boden. Es ebnet dem Frieden den Weg.
Gott will unter uns wohnen. Und er möchte, dass wir uns auf
ihn verlassen und mit ihm rechnen im Leben. "O Noah! Sie glaubte dir.
Du hattest sie zwar vergessen, aber WIR haben UNS ihrer erinnert."
last update: 26.01.2016