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Auf irgendeine unverstandene Art versteht jeder (der Deutsch spricht), was mit dem Ausdruck "Erdbeeren" gemeint ist. Auf dem Markt kann ich sagen, ich hätte gerne Erdbeeren, und ich kriege Erdbeeren. Der Referent des Ausdruckes ist gemeinhin (aufgrund einer mehr oder weniger impliziten Vereinbarung) bekannt.
Erd-Beeren sind aber keine Beeren, WENN man die Sache biologisch betrachtet, (also eine andere Perspektive wählt). Beeren wachsen dann nämlich gerade nicht bei der Erde, sondern an Sträuchern und haben wässeriges Fruchtfleisch und Kernen. Die adjektivische Vorsilbe sagt also, dass es sich gerade nicht um eigentliche Beeren handelt. Ich erkenne darin ein generelles Phänomen der deutschen Sprache. Vorsilben reflektieren die Position oder die Perspektive des Sprechers (beispielsweise sage ich heraus oder hinaus). Vorangestellte Eigenschaften dienen der begrifflichen Spezifizierung sehr verschieden. Erd-Beere heisst sowohl "Beere nahe der Erde", wie auch "Nicht-Beere".

Natürlich ist das eine Frage der Definition. Der Biologe hat andere Klassifikationsinteressen, als der Marktfahrer. Im Konversations-Lexikon geht es oft darum, was Erdbeeren sind (dann gibt es eben viele Definitionen), während es hier darum geht, wie wir über Erdbeeren sprechen.
Jenseits der Definitionen geht es hier darum. dass unsere sprachlichen Vereinbarungen oft reflektieren, was wir über die Referenten wissen. Mit der Vorsilbe "Erd-" verweisen wir darauf, dass Beeren (hier im Sinne einer Verallgemeinerung der biologischen Definition, die auch im Alltagsbewusstsein leicht zu finden ist) gerade nicht bei der Erde, sondern an Sträuchern wachsen. Wir wissen ja im gleichen Sinne, dass "Baum"-nüsse keine Nüsse und "Wal"-Fische keine Fische sind.
In diesem Hyper(!)-Lexikon gibt es sehr viele Beispiele dafür, wie Präfixe die Wortbedeutung verändern: giralgeldgeld, Zeigedefinition.htm, Programmiersprachen
siehe auch arbiträr, B. Whorf