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Marianne Gujer, éducation21
éducation21 hat ein «Mystery» zum Thema «Virtuelles Wasser am Beispiel usbekischer Baumwolle» herausgegeben. Mit der Mystery-Methode können alle Dimensionen des versteckten Wassers - also jenes Wassers, welches zur Erzeugung eines Produkts verwendet wird - bearbeitet werden. Im Interview erklärt die Projektleiterin Marianne Gujer die Stärken und die Methode des Mysterys.
Was ist ein Mystery?
Ein Mystery ist eine Lernform, die auf motivierende Art vernetztes Denken fördert. «Mystery» deshalb, weil die Schülerinnen und Schüler zu Beginn mit einer rätselhaften Leitfrage konfrontiert werden. Um die Leitfrage zu beantworten, müssen sie 20-30 Kärtchen mit ungeordneten Informationen sinnvoll miteinander in Beziehung setzen. Bei einem gut konstruierten Mystery gibt es nicht nur eine richtige Lösung, was zusätzlich motivierend wirkt.
Wieso wurde gerade diese Methode ausgewählt, um sich mit der Problematik des virtuellen Wassers und des Verschwindens des Aralsees auseinanderzusetzen?
Diese Methode erlaubt es, komplexe Zusammenhänge in ihrer Vielschichtigkeit relativ übersichtlich darzustellen. Insofern eignet sie sich bestens, um die Zusammenhänge zwischen der Produktion von Baumwolle, dem Leben der Fischer am Aralsee, dem Kleiderkonsum bei uns und dem Einsatz von Pestiziden bewusst zu machen. Das Mystery schafft es, zwei Situationen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben (der Fischer vom Aralsee und ein Mädchen, das ein T-Shirt kauft), miteinander zu verknüpfen und zudem einen Bezug zum Alltag der Lernenden herzustellen.
Welche schulischen und BNE-Kompetenzen können die Lernenden entwickeln, wenn sie dieses Spiel in der Klasse spielen?
Die Schülerinnen und Schüler eignen sich auf spielerische Weise sowohl Fachwissen als auch methodische Kompetenzen an. In diesem Fall geht es um die angesprochenen Themen: der weltweite Wasserkonsum, der Aralsee, das versteckte oder virtuelle Wassser, die Bedeutung des Wasserfussabdrucks, die Baumwollpflanze, die Auswirkungen des Wassernutzungskonfliktes. Die Lernenden müssen die unterschiedlichen Informationen verstehen, ordnen, gewichten und strukturieren und schliesslich miteinander in Beziehung setzen. Dabei untersuchen sie die Zusammenhänge zwischen den Einzelinformationen und den Kärtchengruppen. Sie stellen Hypothesen auf und überprüfen sie. All dies geschieht in Kleingruppen: Die Schülerinnen und Schüler lernen einander zuzuhören und Meinungsverschiedenheiten auszudiskutieren. Sie lernen aber auch zu argumentieren, um ihre Hypothese in der Gruppe zu verteidigen. Am Schluss müssen sie mit einer stimmigen Argumentation die Leitfrage beantworten können.
Wann können Mysterys eingesetzt werden?
Sie eignen sich als Einstieg in ein Thema: So kann einerseits ein Sachverhalt umrissen werden, andererseits das Vorwissen der Schüler und Schülerinnen abgerufen werden. Setzt man sie am Ende einer Unterrichtseinheit ein, kann schon Gelerntes verfestigt werden.