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Nach einem Umsatzplus von 33,4 Prozent im Vorjahr muss sich die globale Industrie für elektronische Auftragsfertigung 2011 auf ein deutlich geringeres Wachstum von 8,5 Prozent einstellen, sagen die Analysten von IHS iSuppli. Als Teile der Industrie definieren sie Anbieter von Electronic Manufacturing Services (EMS) wie den Apple-Produktionspartner Foxconn und Xbox-Bauer Flextronics aus Singapur sowie OEM-/ODM-Hersteller (Original Equipment/Design Manufacturing) wie die Notebook-Riesen Quanta und Compal, beide wie Foxconn aus Taiwan.
Insgesamt soll der Umsatz der elektronischen Kontraktindustrie 2011 von 347,3 auf 376,7 Milliarden US-Dollar steigen, um dann mit moderaten jährlichen Zuwachsraten von 7 bis 9 Prozent im Jahr 2014 bei 472,3 Milliarden Dollar anzulangen. Ein zunehmender Wettbewerbsdruck beschert der Industrie bei bestimmten Consumer-Produkten immer geringere Margen, erklärt IHS-Chefanlayst Thomas Dinges. Manchen EMS- und ODM-Providern, die in solchen Feldern verhaftet sind, wehe der Wind kräftig entgegen, während andere mit einem ausbalancierteren Portfolio weit besser führen, so Dinges.
Vor allem die grossen EMS-Anbieter wie eben Foxconn profitierten von einem vielfältigen Produktmix und haben auch genug finanzielle Kraft, in Zukunftsbereiche zu investieren. Viele asiatische Hersteller, darunter auch Foxconn und der Foundry-Riese TSMC (Taiwan Semiconductor), springen derzeit auf den Solarzug, obwohl dieser mit geringeren Einspeisevergütungen in den wichtigsten Märkten, allen voran Deutschland, mittlerweile sehr viel langsamer fährt als in früheren Jahren. Das nur am Rande.
Anders als die EMS-Hersteller orientiert sich die ODM-Industrie noch sehr stark an den Computer- und Consumer-Endmärkten und kommt davon kaum weg. Obwohl viele Auftragsfertiger ihren Hauptsitz auf Taiwan haben, lassen sie zum Grossteil in China produzieren. Über 75 Prozent des aggregierten Wachstums in der EMS- und ODM-Industrie kam 2010 im kommunistischen Reich der Mitte zusammen. IHS iSuppli geht davon aus, dass der Trend 2011 anhalten wird. Foxconn Electronics (offiziell Hon Hai Precision Industries), der führende Elektronikauftragsfertiger und mit rund 940'000 Beschäftigten allein in China wohl auch der grösste privatwirtschaftliche Arbeitgeber der Welt, hat in den ersten neun Monaten des Vorjahres 2010 ein Umsatzplus von fast 60 Prozent vermeldet. Auch wenn sich in China mit einem für 2011 erwarteten Wirtschaftswachstum von fast 10 Prozent immer mehr Inflationsängste regen, ist die Kontraktindustrie zuversichtlich, von dem Boom eher zu profitieren.
Sollte das Wachstum aber hinter den Erwartungen zurückfallen, wären die Auftragsfertiger ebenfalls betroffen, so IHS iSuppli. Immer mehr Hersteller, darunter auch Foxconn, Quanta und Compal, haben derweil die Provinz Sichuan (Berthold Brechts Sezuan) weit im chinesischen Hinterland als neues Produktionsmekka für sich entdeckt. Denn dort sind die Löhne und Gehälter noch wesentlich günstiger als am Pazifikspeckgürtel, wo die Inflation immer mehr davongaloppiert. Foxconn musste nach einer einzigartigen Selbstmordwelle chinesischer Fabrikarbeiter die Löhne im Oktober 2010 teils kräftig anheben, was sich auf die Profitabillität niederschlägt. Ebenso die teils explodierenden Rohstoff- und Materialkosten. IHS iSuppli zufolge haben die 10 grössten EMS-Serviceanbieter 2010 ihre Gewinnspannen dennoch im Schnitt um 1,3 Prozent steigern können, während die 10 grössten ODM-Hersteller an der Margenfront 1,16 Prozent verloren haben, weil sie viel mehr den Preisschwankungen auf den Märkten ausgesetzt sind. (Klaus Hauptfleisch)