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Eine neue ultimative Schnüffelformel verrät, wo Gerüchte auf Facebook, aber auch Epidemien oder kriminelle Angriffe ihren Ursprung haben. Möglich macht es ein mathematischer Algorithmus, den die ETH Lausanne entwickelt hat.
„Mit dieser Methode können wir die Quelle von allen möglichen Phänomenen in Netzwerken finden, indem wir eine begrenzte Zahl von Mitgliedern des Netzwerkes ‚abhören’“, erklärt Forschungsleiter Pedro Pinto. Wurde etwa ein Gerücht über Facebook verbreitet und an 500 User gesendet, genügt es, sich die Nachrichten von 15 bis 20 Kontakten anzuschauen und den Zeitfaktor zu berücksichtigen – und schon ermittelt der Algorithmus den Pfad der Nachricht bis zur Quelle zurück.
Doch nicht nur im Internet leistet die Formel nützliche Dienste, sondern auch in der realen Welt – zum Beispiel bei der Untersuchung von Epidemien. So konnten die Forscher mit dem Algorithmus bereits herausfinden, wo die ersten Infektionsfälle einer Epidemie in Südafrika auftraten. „Wir haben dazu die Netzwerke des Wassers, der Flüsse und des menschlichen Transportsystems modelliert. Es genügte dabei, nur einen kleinen Ausschnitt der Dörfer zu untersuchen“, so Pinto.
Formel hilft polizeilichen Ermittlern
Ebenso hilft die Fahndungsformel polizeilichen Ermittlern dabei, die Ursprünge von terroristischen Attacken aufzuspüren. Als Beispiel nennen die Forscher den Saringas-Anschlag in der Tokioer Untergrundbahn im Jahr 1995, bei dem durch das giftige Gas im unterirdischen Tunnelsystem 13 Menschen getötet und fast 1000 verletzt wurden. Dank des Algorithmus sei es nicht nötig, jede Station mit Detektoren auszurüsten, erklärt Pinto. Bereits eine Stichprobe würde genügen, um den Ursprung der Attacke schnell zu identifizieren und Massnahmen zu ergreifen.
Sogar die Attentäter vom 11. September 2001 hätten mit der Formel im Vorfeld ermittelt werden können, behaupten die Forscher. Sie haben es selbst getestet, indem sie – gestützt auf die offiziellen Medienberichte – den telefonischen Nachrichtenaustausch innerhalb des Terrornetzwerkes rekonstruierten. Das System präsentierte den Forschern schliesslich drei Verdächtige, wobei sich einer als der offizielle Kopf des Anschlags herausstellte.
Doch nicht nur rückwirkend, sondern auch präventiv soll die Formel wirksam sein – beispielsweise um einen Ausbruch zu verstehen, bevor er ausser Kontrolle gerät. Ebenso stellt der Algorithmus für Werber ein nützliches Werkzeug dar, um die Wirkung von viralem Marketing zu verstehen. So kann die Formel etwa die Frage klären, welche Internetblogs am einflussreichsten sind, um die gewünschte Botschaft ans Zielpublikum zu bringen.
Der Forschungsbericht wurde am am Freitag, 10. August 2012, in der Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.
Quelle: www.actu.epfl.ch