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gegründeten Halbkultur bis in die Länder jenseit des Polarkreises.« Die Wasserscheide zwischen den einzelnen von N. nach S. aufeinander folgenden Becken wird durch Erhebungen des Bodens gebildet, zuweilen so unbedeutenden, daß zur Regenzeit die Gewässer des einen Beckens in die des andern überfließen, ja selbst, wie zwischen dem Becken des Amazonenstroms und dem des Orinoko, eine fortwährende Wasserverbindung durch eine Bifurkation stattfindet. Es sind im ganzen fünf solcher Ebenen oder Becken zu nennen und zwar (von N. nach S.): die Nordhälfte der großen Ebene von Nordamerika, [* 2] die Becken des Mackenzie-, Nelson- und Missinippiflusses umfassend;
die Südhälfte derselben oder das Becken des Mississippi;
das Becken des untern Orinoko und die Ebenen von Venezuela; [* 3]
das Becken des Amazonenstroms;
die Ebenen des Rio de la Plata [* 4] und Patagoniens.
Die große Ebene Nordamerikas, östlich von den Rocky Mountains, dehnt sich in ihrem westlichen höhern Teil in der Nähe jenes Gebirges, nur lokal von vereinzelten Bergzügen unterbrochen, vom Golf von Mexiko [* 5] bis zum Eismeer aus, und die Grenze zwischen ihrem nördlichen und südlichen Teil ist hier lediglich durch die Wasserscheide zwischen den Flüssen bezeichnet, welche auf der einen Seite gegen N. und NO. zum Eismeer und zur Hudsonsbai, auf der andern gegen S. durch den Mississippi zum Golf von Mexiko abfließen.
Diese Wasserscheide liegt ungefähr unter 49° nördl. Br. auf einer sich vom Fuß der Rocky Mountains zwischen dem obern Missouri und dem Saskatschawan gegen O. ungefähr bis zum 99.° westl. L. ausbreitenden Hochebene, welche in der Nähe der Rocky Mountains wahrscheinlich noch eine Meereshöhe von 1600 m besitzt, gegen O. aber in den Landhöhen von Minnesota allmählich absinkt. Weiter östlich sind beide Teile der großen nord amerikanischen Ebene durch eine weite, beckenförmige Einsenkung in dem Plateau, in welchem sie im W. ineinander übergehen, geschieden.
Diese Depression [* 6] zieht sich mit ihrem Nordrand von dem nördlichen Ufer des Obern Sees gerade nach O. und schließt sich westlich vom St. Johnssee dem Bergland von Labrador an, die Wasserscheide zwischen dem Becken der Kanadischen Seen und des St. Lorenz und dem südlichen Teil der Hudsonsbai bildend. Der Südrand der Depression beginnt ebenfalls an den Ufern des Obern Sees, zieht sich südwärts hart an den Ufern des Michigansees bis zu dessen südlichstem Winkel [* 7] hin, von da östlich über die Michiganhalbinsel zum südlichsten Punkte des Eriesees, dessen südlichen Gestaden er in geringer Entfernung bis nahe zum 79.° westl. L. folgt, worauf er in östlicher und nordöstlicher Richtung fortzieht, bis er nahe unter 71° westl. L. auf das Gebirge von Neuengland trifft, durch welches hier wie weiter nach N. durch das Bergland von Labrador diese merkwürdige Einsenkung geschlossen wird.
Nahe ihrem südlichen Rand in ihrem tiefsten, stellenweise weit unter den Meeresspiegel hinabreichenden Teil enthält sie die größten Süßwasserseen der Erde, die Kanadischen Seen, die zusammen eine Fläche einnehmen, welche (253,300 qkm) diejenige Großbritanniens übertrifft. Sie liegen in zwei Terrassen übereinander, der Obere See, 186 m, der Michigan- und Huronsee, 180 m, und der Eriesee, 175 m, auf der obern, der Ontariosee, 76 m ü. M., auf der untern.
Alle sind durch schmale Kanäle miteinander verbunden, wovon aber nur der zwischen dem Huron- und Michigansee, die Straße von Michillimakinak, gut schiffbar ist. Der den Obern See mit dem Huron verbindende Kanal [* 8] hat auf 60 km etwa 10 m Gefälle, in der Mitte aber die Stromschnellen von St. Mary's, welche sich über eine Strecke von etwa 3 km ausdehnen. Die Verbindung zwischen dem Huron- und Eriesee bildet zuerst der Fluß St. Clair, der nur für Boote fahrbar ist, bis zum See St. Clair, darauf der Abfluß desselben, der Detroitfluß.
Der Eriesee steht mit dem Ontariosee durch den Niagarastrom in Verbindung, der 45 km lang ist und ungefähr in der Mitte seines Laufs die berühmten Niagarafälle bildet, in denen sich der Fluß von der obern Terrasse 40 m senkrecht herabstürzt. Obwohl äußerst zahlreiche Flüsse [* 9] sich in diese Seen ergießen, so haben sie doch nur einen Abfluß, durch den St. Lorenz, der dem Ozean nächst dem Amazonenstrom [* 10] von allen Flüssen der Erde die größte Wassermenge zuführt.
Die Nordhälfte der nordamerikanischen Ebene, die sich im N. der eben bezeichneten Grenzlinie ausbreitet, ist in ihrem südwestlichen Teil am höchsten und sinkt von da an allmählich herab, einerseits gegen O. zum südlichen Teil der Hudsonsbai, anderseits gegen N. zum Eismeer. Die fast nur durch die Richtung der fließenden Gewässer bezeichnete Wasserscheide zieht sich vom Fuß der Rocky Mountains zwischen den Quellen des Saskatschawan- und des Athabascaflusses hin, läuft von dort in nordöstlicher Richtung zum Wollastonsee und darauf nach NNO. zum arktischen Hochland, welches den Winkel zwischen dem nördlichen Teil der Hudsonsbai und dem Arktischen Eismeer ausfüllt.
Die zur Hudsonsbai abfallende Ebene, welche unter 50° nördl. Br. von W. nach O. sich an 2200 km, unter 57° nördl. Br. aber nur etwa noch 740 km weit ausdehnt bei einer größten Breite [* 11] von nahe an 1480 km, ist im W. eine weite, sandige Prärie, in der Mitte unebenes und felsiges Land voller Seen, im O. niedriges Flachland. Ihre bedeutendsten Flüsse sind der Nelson und der Churchill. Der erstere, in seinem obern Lauf Saskatschewan genannt, entspringt in den Rocky Mountains, fällt in den Winnipegsee, den größten See dieser Ebene, und verläßt diesen unter dem Namen Nelson am Nordwestende, um in die Hudsonsbai zu münden.
Der Churchill oder Missinippi entspringt aus dem Methyesee, nimmt die Gewässer des Deer- und Wollastonsees auf und mündet in dieselbe Bai. Die nördlich zum Eismeer abfallende Ebene, das Becken des Mackenzieflusses, im S. unter 59° nördl. Br. über 750 km breit und von N. nach S. über 1110 km lang, enthält ebenfalls eine große Zahl Seen, worunter der Große Sklaven-, der Große Bären- und der Athabascasee die bedeutendsten sind. Der in seinem südlichen Quellarm, dem Athabasca, aus einem Gebirgssee in den Rocky Mountains entspringende Mackenzie ergießt sich in den Athabascasee, fließt aus diesem unter dem Namen des Sklavenflusses in den Großen Sklavensee und aus diesem endlich als Mackenziefluß gegen NW. in das Nördliche Eismeer.
Die Südhälfte der nordamerikanischen Zentralebene, welche sich zum Mexikanischen Golf hinabsenkt, der Nordhälfte an Größe ungefähr gleich ist und größtenteils aus dem Becken des Mississippi besteht, umfaßt beinahe ein Fünftel des ganzen Flächeninhalts von Nordamerika, und zwar nimmt das Flußgebiet des Mississippi ca. 3,150,000 qkm (57,000 QM.) ein, wird also nur von den Gebieten der beiden südamerikanischen Riesenströme und des Ob, des größten Asiatischen Stroms, übertroffen. Den niedrigsten Teil dieser Ebene bildet das Bett [* 12] des Mississippi, dessen Quellsee nur 512 m ü. M. liegt. Von den Ufern des Mississippi erhebt sich das Land nach W. und O., nach jener Richtung bei einer ¶
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mittlern Breite von ungefähr 740 km bis an den Fuß der Rocky Mountains, nach dieser bei einer Breite im S. von 220-300, im N. von 590-670 km zu den Alleghanies hin. Bei der Höhe der Basis des Felsengebirges, die stellenweise bis über 1500 m hinausgeht, haben wir es im W. des Mississippi vorwiegend mit Hochebenen zu thun, die bei ihrem sehr allmählichen Abfall erst in unmittelbarer Nähe des Stroms zweifellosen Tieflandscharakter annehmen. Im allgemeinen sind Tiefländer im strengen Sinn des Worts im Innern Nordamerikas nur in zurücktretender Ausdehnung [* 14] vorhanden; die Ebenen sind vielmehr weitaus vorwiegend Hochebenen von zum Teil bedeutender Erhebung.
Auch eine absolute Flachheit und Ebenheit des Terrains findet man fast nur längs der Flußläufe. Vielmehr herrscht in den Prärien, die den größten Teil namentlich des westlichen Innern einnehmen, eine wellige Bodenform vor, welche die Amerikaner treffend mit einer von der Bewegung des Meers hergenommenen Benennung »rolling« bezeichnen. Im S. der Alleghanyberge hängt die Mississippi-Ebene mit der niedrigen atlantischen Küstenebene zusammen, welche sich auf der Ostseite der Alleghanies bis zum Atlantischen Ozean erstreckt und hier ungefähr 275,300 qkm (5000 QM.) groß ist, während das Land südlich von jenem Gebirgszug mit dem Tiefland der Halbinsel Florida gegen 330,400 qkm (6000 QM.) enthält. Nur dieser atlantische Küstensaum von Long Island bis zur Rio Grande-Mündung sowie das eigentliche Mississippithal bis zur Missourimündung aufwärts repräsentieren ein eigentliches und charakteristisches Tiefland.
Die Ebene des Orinoko (s. d.) zerfällt in zwei Teile, einen nördlichen und einen südlichen. Jener begreift die von der Küste des Atlantischen Ozeans an zwischen dem Orinoko und dem Apure im S. und der Küstenkette im N. und NW. bis zum Fuß der östlichen Andes sich hinziehende Ebene von Venezuela, dieser die Ebenen des Meta und des Guaviare. Ihrem Vegetationscharakter nach sind zu unterscheiden bewaldete und steppenartige Ebenen. Letztere, die Llanos (s. d.), im allgemeinen baumlose, nur an den Flußufern von Gebüsch und Baumwuchs bedeckte, fast vollkommen ebene Flächen, erstrecken sich über die ganze nördliche und den westlichen Teil der südlichen Ebene; bewaldet sind die Strecken zu beiden Seiten des Guaviare bis über den untern Lauf des Rio Meta und zum Rio Arauca.
Die Oberfläche der bewaldeten Ebenen ist hier und da etwas hügelig, vornehmlich zwischen dem Guaviare und dem Rio Negro, wo selbst Felsen an 100 m hoch schroff emporragen. Im Durchschnitt liegen diese mit dichtem Urwald bedeckten Ebenen ungefähr 300 m ü. M. Das Becken des Amazonenstroms, das größte des ganzen westlichen Kontinents, hängt mit der Orinokoebene unmittelbar zusammen, wie denn auch der in den Amazonenstrom fallende Rio Negro durch den Cassiquiare in ununterbrochener Verbindung mit dem Orinoko steht. Es zerfällt in zwei Teile, von denen der eine von O. nach W. gerichtet, der andre südlich von diesem zwischen den Andes und dem Brasilischen Gebirgssystem nach S. bis zum Becken des Parana, 20° südl. Br., sich erstreckt.
Jener wird im N. durch den Südabfall des Berglands von Guayana und durch eine unbedeutende Erdanschwellung unter 2-3° nördl. Br. zwischen dem Guaviare und dem Guainia begrenzt, erstreckt sich westlich bis zur Mündung des Rio Huallaga und den Stromschnellen des Pongo von Manseriche und südlich bis zu den Katarakten, welche die südlichen Nebenflüsse des Amazonenstroms bei ihrem Abfluß aus dem höher gelegenen Land bilden. Seine Ausdehnung beträgt zu beiden Seiten des Amazonenstroms von dessen Mündung bis zum Pongo von Manseriche 2970 km bei einer Breite von 660-1300 km. Diese Ebene, die im W. am Fuß der Andes von Loxa nur ungefähr 380, im N. am Fuß der Berge von Guayana nur etwa 300 m ü. M. liegt, wird ihrer ganzen Länge nach von W. nach O. von dem Amazonenstrom (s. d.), dem größten Strom der Erde, durchflossen.
Der zweite, von N. nach S. gerichtete Teil des Beckens des Amazonenstroms begreift den mittlern und obern Teil der Becken der südwärts vom 10.° südl. Br. zwischen den Andes im W. und dem brasilischen Gebirgssystem im O. laufenden Nebenflüsse des Amazonenstroms und wird im S. durch eine in schräger Richtung von den Andes zum brasilischen Gebirgssystem laufende, kaum merkliche wasserscheidende Schwelle, die sich aus niedriger, sumpfiger Ebene erhebt, gegen die Zuflüsse des La Plata begrenzt, so daß eine ziemlich offene Verbindung zwischen dem Becken des Amazonenstroms und demjenigen des Rio de la Plata bestehen bleibt.
Von N., wo er in den von O. nach W. gerichteten Teil des Amazonenbeckens übergeht und nur etwa 260 m ü. M. liegt, steigt er sanft und stufenartig, wie sich aus den Stromschnellen der Flüsse ergibt, nach S. an, durch den gegen O. weit in die Ebene vordringenden Kordillerenzweig von Cochabamba mehr und mehr eingeengt. Der Hauptstrom dieses Beckens, der Rio Madera (s. d.), übertrifft sowohl an Länge des Laufs (3340 km) und Wasserreichtum als an Ausdehnung seines Gebiets die größten Ströme Europas.
Dieser südliche Teil des Amazonenstrombeckens besteht im O. und SO. durchgängig aus feuchtem Wiesen- und Sumpfland, während die übrigen Teile fast durchgängig von den dichtesten Urwäldern, den sogen. Selvas oder Bosques, bedeckt sind, die von den Flüssen periodisch weithin überschwemmt werden. Die Ebene des Rio de la Plata und von Patagonien wird gegen NO. durch das brasilische Gebirgssystem, gegen W. durch die Andes von Bolivia [* 15] und Chile begrenzt, während sie sich gegen S. östlich von den Andes bis gegen die Südspitze des Erdteils ausdehnt.
Sie bietet hinsichtlich der Gestalt ihrer Oberfläche große Verschiedenheit dar. Ihre nördliche Region wird größtenteils von einem noch sehr wenig bekannten Landstrich, dem Gran Chaco [* 16] (s. d.), eingenommen, worunter man die weite, nördlich bis an die bezeichnete Wasserscheide gegen den Amazonenstrom sich ausdehnende Ebene versteht. Andre Teile der Ebenen des Rio de la Plata-Beckens sind die Ebene von Tucuman im W. des Rio Salado, einer der schönsten und fruchtbarsten Landstriche, dann die Pampas (s. d.), in denen weite Grasfluren mit salzreichen, wüsten Strecken wechseln, welch letztere in den heißen Salzsteppen, Las Salinas, besonders entwickelt sind (s. Argentinische Republik). [* 17]
Die Ebene von Patagonien, welche sich südlich vom Rio Negro zwischen den Andes und dem Atlantischen Ozean ausdehnt und gegen das Innere bis zu etwa 330 m ü. M. ansteigt, hat durchgängig eine felsige, steinige und sterile Oberfläche; nur in den Flußthälern, namentlich des Rio Negro, finden sich kleinere, mit Vegetation bedeckte Strecken (s. Patagonien). Die ungeheuern Ebenen östlich von den Andes zwischen dem Becken des Amazonenstroms und der patagonischen Ebene werden von einem Flußsystem eingenommen, das aus drei Strömen, dem Paraguay, dem Parana und dem ¶