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Das, was jetzt kommt, ist der 33. Streich des Sportkulturkolumnisten, der vom Lektorat i.d. R. zum Sportkolumnisten degradiert wird, was er aber stoisch über sich ergehen lässt. 33 Kolumnen. 33 Mal der Versuch, eine gute Geschichte zu erzählen, ohne sich je darüber Gedanken gemacht zu haben, was eine gute Geschichte ist. Höchste Zeit also. Zwei Dinge sind ausschlaggebend, erstens: Der, der der Geschichte lauscht, muss inhaltliche Erwartungen haben, deren Gegenteil erfüllt wird. Kennt er die Geschichte bereits, läuft sie auf Grund. Hat der Zuhörer keine Erwartungen an ihren inhaltlichen Ausgang, ist die Geschichte im schlechtesten Fall langweilig und im besten ein bitzli spannend. Aufgespannt ist die Geschichte dann aber höchstens in sich selbst: Sportler trainiert. Sportler tritt an. Sportler gewinnt (nicht). Spannend? Wirkliche Spannung – und damit die erste Ingredienz einer guten Geschichte – entsteht dort, wo das Auditorium von einem bestimmten Verlauf überzeugt und vom Gegenteil überrascht wird. Sportler gewinnt Sportgerät bei einer Tombola, tritt aus Jux an den Olympischen Spielen an und gewinnt Gold. Oder: Sportler gewinnt an Olympia Bronze. Bravo, es war der Trostpreis, weil er der schlechteste war. Übrigens: Beide Geschichten stimmen.
Zweitens: Eine Geschichte muss gut erzählt sein. Das wird sie nur, wenn die Performance authentisch ist. Authentizität aufseiten des Geschichtenerzählers kann nur dann vorliegen, wenn zwischen dem Inhalt einer Geschichte und der Biografi e des Erzählers eine entscheidende Verbindung besteht. Der elfte Rang im 200-Meter-Delfin-
Rennen an den Schweizermeisterschaften 1985 in Nyon hätte 1956 in Melbourne Olympiagold bedeutet. Und jetzt? Der Erzähler ist der Schwimmer, alles klar? Beides zusammen: Eine Gruppe von Landräten erfährt, dass ihr Kollege Georges Thüring 1978 mit dieser Packung (Bild) den Frauenfelder Waffenlauf gewann. Waffenlauf hatte damals, im Gegensatz zu heute, eine grosse TV-Präsenz (alle nicken), was darauf zurückzuführen ist, dass es zwischen dem Eidgenössischen Militärdepartement (EMD) und der SRG einen Vertrag gab, der das Schweizer Fernsehen im Rahmen der Gesamtverteidigung dazu verpflichtete, ausgiebig über diesen Sport zu berichten. Nach Auslaufen des Vertrags verschwand der Waffenlauf von der Bildfläche. Die Erwartungen waren: Thüring ist alles, nur kein Spitzensportler, und das Fernsehen berichtet aus freien Stücken. Der biografische Link zum Erzähler: Er war Militärdienstverweigerer und verbüsste drei Monate Halbgefangenschaft
im Polizeiposten Binningen. Acht Jahre nach Thürings Triumph.
Gregor Dill
Die Kolumne erschien in der Volksstimme vom 26. Mai 2016