Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03145.jsonl.gz/922

Geschichtsstunde: Coghuf (Ernst Stocker) – künstlerische Ausgestaltung der Aula Als Ausnahme im Kunstkonzept der HSG wurde ein Wettbewerb für die künstlerische Ausgestaltung der Aula ausgeschrieben. In dessen Rahmen erstellten vier Künstler Entwürfe für Glasfenster und einen Wandbehang. Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Regierungsrat Dr. Simon Frick verlieh am 16. Juni 1961 den ersten Preis an Coghuf. 14. Mai 2020. Ernst Stocker wurde am 28. Oktober 1905 als Sohn des Gärtners und späteren Zugführers Johannes Stocker im Leimental, an der Grenze zwischen dem Elsass und der Stadt Basel, in ein kleinbürgerliches Milieu geboren. Von 1920 bis 1924 machte er, wie sein älterer Bruder Hans Stocker, eine Lehre als Schlosser. Schon in dieser Zeit unternahm er erste bildhauerische Versuche bei Louis Léon Weber. 1925 folgte Ernst Stocker seinem neun Jahre älteren Bruder, der sich als Maler einen Namen zu verschaffen suchte, nach Paris. Lehrjahre in Paris Von 1925 bis 1927 fand Ernst Stocker über die Kunstschlosserei und Bildhauerarbeiten bei Jacques Lipchitz den Weg zur Malerei. Um sich von seinem älteren Bruder Hans Stocker –ebenfalls Maler – abzugrenzen, legte er sich um 1927 den Künstlernamen Coghuf zu, unter dem er künftig seine Arbeiten signierte. Inspiration fand der junge Coghuf unter den Malern vorangehender Generationen bei den Meistern Honoré Daumier und Vincent van Gogh. Indem er Werke der Künstler der «Ersten École de Paris» wie Amedeo Modigliani und Maurice Utrillo studierte, erhielt er weitere Impulse. Studien bei Willi Baumeister eröffneten ihm Wege ins zeitgenössische Schaffen. Doch waren es vor allem die Gemälde des russisch-jüdischen Malers Chaim Soutine, die in ihrer ekstatischen Ausdruckskraft einen grossen Einfluss auf ihn hatten. Die künstlerische Selbstfindung 1928 kehrte Coghuf für kurze Zeit nach Basel zurück. Er wurde Mitglied der neu gebildeten Künstlergruppe «Rot-Blau II», die 1929 eine gemeinsame Ausstellung organisierte. Coghuf war jedoch in seinem Wesen ein Einzelgänger. In einer Zeit der Selbstfindung und der Suche nach einer künstlerischen Heimat zog er sich in den Jura zurück, malte die ersten Juralandschaften und machte Reisen in den Süden (u. a. Provence, Spanien, Positano). 1931 ging Coghuf erneut für zwei Jahre nach Paris, um an der «Académie de la Grande Chaumière» zu studieren. Mitte der 1930er Jahre fand er in den weiten, von schroffen Tälern durchzogenen Freibergen (Franches-Montagnes) im Jura schliesslich seinen Ort. Er liess sich um 1934 erst in Le Bémont, später in Saignelégier nieder. Im selben Jahr begründete er die kurzlebige Künstlergruppe «BBZ 8» mit. Wandbilder und Mosaiken in Basel Ab 1927 entstanden erste Wandbilder. Mit dem zwischen 1931 und 1934 entstandenen Werk «Bewegung oder Arbeiter auf dem Weg zur Arbeit» gewann Coghuf den Wettbewerb des Kunstkredits Basel-Stadt. Das Wandbild «Les quatre heures» schuf er für die Isaak Iselin Schule in Basel. In den folgenden Jahren entstanden u. a. das grosse Mosaik «Kennen und Erkennen» (1955–1969) für das Kollegienhaus der Universität Basel und das Wandgemälde «Der Zaubergarten» für die Gewerbeschule Basel (1961–1964). 1939 heiratete Coghuf die Baslerin Hedwig Rudin. Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor. Künstlerische Ausgestaltung der HSG-Aula Ursprünglich sah Architekt Walter Förderer Coghuf für die Ausgestaltung der Bibliothek des HSG-Neubaus vor. Coghuf empfahl aber den spanischen Künstler Antoni Tàpies. Förderer äusserte sich diesbezüglich gegenüber dem Präsidenten der Kunstkommission, Prof. Eduard Naegeli, folgendermassen: «Ich bat Prof. Naegeli – wie ich mit Coghuf abgemacht hatte – diesen statt für die Bibliothek nun für die Aula um Mitarbeit zu bitten, wo er seinem Wunsch entsprechend eher ‹farbig› wirken konnte.» Am 16. September 1960 wurde Coghuf von Prof. Naegeli um einen Entwurf für Reliefs im Neubau des Aulagebäudes angefragt. Als Ausnahme im Kunstkonzept der HSG wurde ein Wettbewerb für die künstlerische Ausgestaltung der Aula ausgeschrieben. In dessen Rahmen erstellten vier Künstler Entwürfe für Glasfenster und einen Wandbehang. Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Regierungsrat Dr. Simon Frick verlieh am 16. Juni 1961 den ersten Preis an Coghuf. Am 16. Februar 1962 bestätigte der Hochschulrat den Entscheid. Architekt Förderer besprach sich mit dem Künstler und den Ausführenden: «Die im Wettbewerbsentwurf noch flächigen Steg-Zeichnungen zwischen den Gläsern haben mir nicht genügt. Eingehende Besprechungen mit Coghuf – unter Beizug von Alfons Keller – führten diesen dann zu dem starken Eisenrelief mit den Kammern für die in verschiedene Ebenen gestaffelten Gläser. Damit ist, wie ich meine, einer der wenigen Fälle geschaffen worden, wo zu Recht von Integration der Kunst in Architektur gesprochen werden kann (…).» Die St.Galler Firmen Alfons Keller und Andreas Kübele wurden mit der Ausführung der Glasreliefs der Fenster betraut. Den Wandbehang wob Silvia Valentin nach Coghufs Vorgabe. Ende Mai 1963 waren die Glasfenster vollendet und der Teppich bis zum Jahresende fertig gewoben. Spätere Werke Ab 1946 lebte Coghuf mit seiner grossen Familie im jurassischen Muriaux. In dem kleinen Dorf konnte er einen Bauernhof erstehen. Inmitten von eigenwilligen Bauern und Pferdezüchtern widmete sich Coghuf auch der Haltung von Pferden, der Bienenzucht und dem Ausbau seiner Modelleisenbahnen. Er fand Zeit und Ruhe für die Weiterentwicklung seines künstlerischen Werks. Seine Glasbilder und -fenster, Tapisserien und Emailarbeiten wiesen sich zunehmend durch abstrakte und farbintensive Kompositionen aus. Coghuf selbst bezeichnete seinen kreativen Prozess als «Verinnerlichung»: «Was heisst denn Abstraktion bei meinen Arbeiten? Im Grunde ist das ein kurioses Wort. Verinnerlichen, ja! Darum rede ich lieber von einer «peinture intérieur»; das scheint mir die beste Formulierung zu sein.» Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre entstanden weitere Werke für den öffentlichen Raum, u. a. die Ausgestaltung der «Kirche zum guten Hirten» in Altstätten (SG) 1966–67, das Wandgemälde «Der Winter» für das Progymnasium Binningen (BL) 1968, ein Glasfenster für die Kapelle Mettenberg (LU) 1969–70 und ein Glasfenster für die Kirche «Saint-François d’Assise» in Mulhouse (Frankreich) 1974. Coghuf (Ernst Stocker) starb am 13. Februar 1976 in Muriaux.