Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03125.jsonl.gz/984

1842 wollte eine Privatgesellschaft zwischen Thun und Bern eine Eisenbahnlinie erstellen und erhielt vom Regierungsrat die entsprechende Bewilligung. Die Erwartungen in Thun waren hoch, wie ein Artikel der «Thuner Woche» zeigt: «Im Sommer 1844 fahren wir in 45 Minuten auf der Eisenbahn nach Bern».22 Das Vorhaben scheiterte, und so verpassten es Thun und Bern, als erste Schweizer Städte per Bahn miteinander verbunden zu sein, denn schon 1847 nahm die sogenannte Spanisch-Brötli-Bahn zwischen Zürich und Baden ihren Betrieb auf.
1852 erteilte der Regierungsrat der Schweizerischen Centralbahn die Konzession zum Bau der Eisenbahnstrecke Bern–Thun. Umstritten war der Standort des Bahnhofs in Thun: Die Bahngesellschaft wollte ihn nahe am See bauen, um das Umsteigen der Passagiere auf die Schiffe und das Umladen der Güter zu erleichtern. Die Stadt befürchtete, dass damit die flussabwärts gelegenen Stadtteile «veröden» und um «mehrere hunderttausend Franken»23 entwertet würden, und verlangte einen Standort am unteren Ende der Stadt. Thun setzte sich vorerst durch: Der Bahnhof kam 1859 nahe der Allmendbrücke zu stehen. In der Folge entstand zwischen dem Bahnhof und der Äusseren Aare ein Gewerbe- und Industriegebiet, an der Allmendstrasse und an der damaligen Bahnhofstrasse wurden Wohn- und Geschäftshäuser gebaut, einige Cafés und Hotels eröffneten hier ihren Betrieb und auch das Bälliz erlebte einen raschen Aufschwung.
1861 nahm die Centralbahn in Scherzligen einen zusätzlichen Güterbahnhof in Betrieb, den sie zwei Jahre später für den Personenverkehr öffnete und mit einer Dampfschiffstation kombinierte. Von nun an stiegen die meisten Reisenden hier direkt von der Bahn auf das Schiff um, und der schon vorher bestehende Hauptbahnhof Thun wurde in den nächsten Jahren vorübergehend etwas weniger stark frequentiert. Die Gütertransporte vom und ins Oberland verlagerten sich ab 1873 von den Personendampfern auf Trajektschiffe. Diese konnten bis zu fünf Eisenbahnwagen aufladen und pendelten zwischen Scherzligen und Därligen, den Endstationen der Bahnstrecke Bern–Thun und der Bödelibahn, die Därligen mit Bönigen verband.24
Um 1900 führte die Bahnhofstrasse, die heutige Gewerbestrasse, vom alten Hauptbahnhof zur Allmendbrücke. Das grosse Gebäude im Vordergrund links war das Hotel zum Goldenen Löwen – deshalb hiess der heutige Guisanplatz Löwenplatz.
Am südwestlichen Ende der Bahnhofstrasse, hier in der Bildmitte, befand sich der alte Hauptbahnhof. Fotografie von Jean Moeglé (1853–1938).