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Am 14. Juni 1991 haben die Frauen gestreikt. Vor 25 Jahren trat auch SP-Staatsrätin Anne-Claude Demierre ihr erstes politisches Amt in einer Exekutive an: Sie wurde in den Gemeinderat von La Tour-de-Trême gewählt. «Wärst du meine Frau, wärst du jetzt nicht hier», sagte ein Gemeinderatskollege an der ersten Sitzung. «Seither hat sich viel verändert», sagte Demierre am Dienstagabend am Gleichstellungs-Anlass des Freiburgischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann in der Aula des Kollegiums Gambach. Die Gleichstellung sei aber nach wie vor nicht erreicht; darum habe der Kanton Freiburg nun auch einen Aktionsplan verabschiedet, mit dem Ziel, mehr Frauen in Kaderstellen zu beschäftigen (die FN berichteten).
Sabina Gani vom Gleichstellungsbüro zeigte auf, wie die Ungleichheit unseren Alltag beeinflusst–oftmals unbewusst: So erhalten die Mädchen rosa Kleider und nette T-Shirt-Aufschriften, während die Knaben auf ihren braunen und blauen T-Shirts zu Mut, Kraft und Forschheit aufgerufen werden. «Die Ungleichheit ist oft unsichtbar, und sie begleitet uns von Geburt an», sagte Gani. «Sie ist in unseren Normen und unserem Umgang festgeschrieben.»
Der Psycholinguist Pascal Gygax von der Universität Freiburg zeigte den knapp fünfzig Anwesenden auf, wie das menschliche Hirn mit der Sprache umgeht. «Wer einen Satz liest, macht sich dazu Bilder in seinem Kopf.» Um den Satz «Ich gehe mit Dominique ein Bier trinken» zu verstehen, sei es nicht nötig, zu wissen, ob Dominique eine Frau oder ein Mann sei. «Trotzdem machen wir uns sofort ein Bild von Dominique.»
Automatismen im Kopf
Studien im Englischen – einer Sprache ohne weibliche und männliche Artikel – zeigen, dass die Menschen Bilder generieren, die mit Stereotypen aufgeladen sind. «The soldier»–der Soldat – hat im Englischen kein Geschlecht und wird ebenso für Frauen wie für Männer benutzt. In einer Studie mussten die Teilnehmenden sagen, ob die Fortsetzung eines Satzes logisch sei oder nicht. «The soldier drove to the playground after work and picked up one of the children» (Der Soldat fuhr nach der Arbeit zum Spielplatz und holte eines der Kinder ab): So begann der eine Satz. Geht die Aussage auf, wenn das Kind dann sagt «Hello Daddy» oder «Hello Mummy»? Grammatikalisch sind beide Varianten möglich. Trotzdem hatten viele Studienteilnehmende in ihrem Kopf das Bild eines männlichen Soldaten – die Lösung mit der Mutter als Soldatin akzeptierten sie nicht.
«Diese Automatismen in unserem Kopf beeinflussen unser Denken», sagte Gygax. In der französischen und der deutschen Sprache sei dies noch akzentuierter als im neutralen Englisch. «Die Studenten»–wer ist damit gemeint? «Wir haben in der Schule gelernt, dass eine Männergruppe mit Studenten bezeichnet wird, eine Frauengruppe mit Studentinnen, eine gemischte Gruppe mit Studenten», sagte Gygax. «Doch was ist eine gemischte Gruppe?» Ein einziger Mann mache aus fünf Studentinnen bereits Studenten. «Wie nennen wir eine Gruppe mit einer Million Frauen und einem Mann?»
«Die Musiker kamen aus der Mensa. Weil es regnete, öffnete eine der Frauen ihren Schirm.» Ist diese Aussage korrekt? Auch diese Studie zeigte: Viele Leute bezeichnen dies als falsch. Die Studie wurde in vielen verschiedenen Sprachen durchgeführt, immer mit dem gleichen Resultat: Eine Gruppe von Musikern oder Studenten oder Lehrern stellen sich die Leute mehrheitlich als Männer vor, nicht als Gruppe aus Frauen und Männern.
Überflüssige Debatte
«Wir sprechen seit dreissig Jahren über die männliche Sprache», sagte Pascal Gygax. Immer wieder stelle sich die Frage der weiblichen Formen. Diese Debatte sei aber überflüssig, denn die Wissenschaft zeige ganz klar: «Wer Studenten sagt, sagt nicht das Gleiche, als wenn er Studentinnen und Studenten sagt.»