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Verätzung durch einen Nagellackentferner?
Die Autoren beschreiben im Rahmen einer Vergiftungsstudie bei Kindern (<16 Jahren) eine einzige schwere Vergiftung, bei welcher es zu einer Verätzung durch einen Nagellackentferner gekommen sein soll.
Tox Info Suisse berät jährlich bei über 130 Anfragen zu Nagellackentfernern, mit und ohne Aceton. Unter den ärztlichen Rückmeldungen finden sich vereinzelt mittelschwere Verläufe, bei denen es zu wiederholtem Erbrechen oder ZNS-Symptomen wie Benommenheit und Verwirrtheit gekommen ist. Verätzungen sind nie aufgetreten.
Die üblicherweise in Nagellackentfernern enthaltenen Stoffe sind Aceton, Ethylacetat, Methylacetat und/oder Butanon. Diese Lösungsmittel können bei Einnahme durch eine Reizung der Schleimhäute zu Übelkeit und Erbrechen führen. Nach Einnahme oder Inhalation grösserer Mengen kann es auch zu Benommenheit, Ataxie und Koma kommen. Eine Ätzwirkung ist nicht zu erwarten [1].
Hingegen finden sich in unserer Kasuistik Fälle mit Verätzungen durch spezielle Produkte für Fingernägel, die Nagel-Primer. Diese verbessern die Haftung zwischen dem natürlichen Nagel und künstlichen Gelnägeln. Solche Produkte können Methacrylsäure enthalten, die stark ätzend ist. Bereits die Einnahme geringer Mengen kann zu Läsionen im Mund, Rachen, Oesophagus und Magen führen. Solche Verläufe sind auch in der Literatur beschrieben [2–4].
Der in der oben erwähnten Vergiftungsstudie beschriebene schwere Verlauf mit Verätzungen würde somit viel besser zur Einnahme eines methacrylsäurehaltigen Produktes passen als zu einer Exposition mit einem Nagellackentferner.
Literatur
2 Linden CH, Scudder DW, Dowsett RP, Liebelt EL, Woolf AD. Corrosive injury from methacrylic acid in artificial nail primers: another hazard fingernail products. Pediatrics. 1998;102:979–84.
3 Woolf A, Shaw J. Childhood poisoning from methacrylic acid-containing artificial nail primers: burn severity vs product characteristics. Clin Toxicol. 1997;35:517.
4 Gesell LB, Stephen M. Toxic nails – methyl methacrylate exposure in a pediatric patient. Clin Toxicol. 1997;35:517.
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