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Anämie
Griech.: Blutarmut; Verminderung des eisenhaltigen Blutfarbstoffes durch Verminderung der Zahl der roten Blutkörperchen. Die Blutbildung erfolgt im Knochenmark und ist von bestimmten Enzymen sowie Vitaminen (B2, B6, B12, Folsäure) abhängig. Mangel an Vitamin B12 führt zu perniziöser Anämie.
Ariboflavinose
Ariboflavinose ist die Folge eines Mangels an Riboflavin (Vitamin B2). Die Symptome sind Hautprobleme wie Schuppen und eingerissene Mundwinkel. Ausserdem tritt vermindertes Sehvermögen und eine Wachstumsverzögerung bei Kindern ein. Diese Avitaminose ist selten, weil Riboflavin in vielen Nahrungsmittel vorkommt.
Beri-Beri
Eine typische Mangelkrankheit infolge des Fehlens von Vitamin B1 aufgrund einseitiger Ernährung. Ursprünglich namentlich im Fernen Osten infolge Konsum von grosser Mengen an enthülstem, poliertem Reis verbreitet. Heute durch die Vitaminisierung des Reises viel seltener. Auch eine einseitige Ernährung mit stark ausgemahlenem Mehl (Weissmehl) oder mit viel rohem Fisch (Suschi) kann zu dieser Mangelerscheinung führen. Roher Fisch enthält ein Enzym, welches das Thiamin zerstört. Auch Alkoholiker können an Vit. B1-Mangel leiden, weil sie oft sehr wenig essen.
Das Krankheitsbild von Beri-Beri ist in China seit dem 7. Jahrhundert erwähnt. Es beinhaltet Nervenlähmungen, Kreislaufstörungen und Wassersucht.
Folsäuremangel
Folsäure ist ein Vitamin aus der B-Gruppe und nimmt Einfluss auf die Blutbildung sowie die Zellteilung und damit indirekt auch auf die Embryo- und Fötusentwicklung. Schon seit Jahren vermutete man deshalb einen Zusammenhang zwischen der Versorgung mit Folsäure während der Schwangerschaft und einigen Missbildungen bei Neugeborenen. Angesprochen sind dabei die folgenden Missbildungen, die unter dem Begriff Neuralrohrdefekte zusammengefasst werden:
- Spina bifida: Offener Rücken aufgrund einer unvollständigen Schliessung der Wirbelsäule während der Entwicklung
- Anenzephalie: Das Gehirn wird unvollständig oder gar nicht ausgebildet
Die Folgen sind eine vollständige oder teilweise Lähmung der unteren Körperhälfte oder im Falle der Anenzephalie Tod innerhalb weniger Stunden oder Tagen nach der Geburt.
Neuere Untersuchungen konnten inzwischen zeigen, dass die Einnahme von Folsäure oder folsäurehaltigen Multivitaminpräparaten das Risiko für diese Missbildungen tatsächlich vermindert.
- Britische Forscher konnten zeigen, dass sich bei Müttern, die bereits ein Kind mit Neuralrohrdefekt geboren hatten, das Risiko reduzierte, wenn sie vor der Schwangerschaft zusätzlich Folsäure zu sich nahmen.
- In einer anderen Studie wurden 4000 Probandinnen in zwei Gruppen unterteilt, die zum einen ein Folsäurepräparat und zum anderen ein Placebo (Präparat ohne Wirkstoff) erhielten. Die Einnahme der Präparate begann mindestens einen Monat vor der Empfängnis. Das Ergebnis war, dass bei der mit zusätzlicher Folsäure versorgten Gruppe in der Folge keine Missbildungen zu beobachten waren, während bei der Kontrollgruppe 6 Neugeborene einen Defekt hatten.
Empfohlen wird aufgrund dieser Befunde für Frauen während der Schwangerschaft eine Dosis von 0.8 mg Folsäure pro Tag. Die Einnahme sollte bereits 4 Wochen vor Eintritt der Schwangerschaft begonnen werden. Kritisch ist die Zeit zwischen der 2. und 4. Schwangerschaftswoche, weil in dieser Zeit beim Embryo das zentrale Nervensystem angelegt wird. Das Neuralrohr muss sich bei diesem Prozess vollständig schliessen, weil sonst ein offener Rücken entsteht.
Die Vitamintabelle gibt Auskunft darüber, in welchen Lebensmitteln Folsäure enthalten ist. Leider ist es fast nicht möglich durch geeignete Auswahl der Nahrung diese Menge auf natürlichem Weg zu sich zu nehmen.
Mehr zum Thema Folsäure finden Sie hier.
Megalozytenanämie
Megalozytenanämie ist eine Folge von Folsäuremangel, in deren Verlauf die roten Blutkörperchen zu gross werden und deren Anzahl zu gering ist. Dies ist die schlimmste Folge von Folsäuremangel.
Pellagra
Mangelkrankheit bei zu geringer Niacin-Versorung und mangelnder Eiweissqualität (Tryptophanmangel). Tritt beispielsweise auf, bei einer Ernährung mit wenig Frischgemüse und viel Mais. Es entstehen Hautveränderungen an den unbedeckten Körperstellen ("rauhe Haut") sowie Störungen der Verdauung und des Nervensystems (geistige Verwirrung). Bei Vegetariern ist das Risiko erhöht. Diese sollten beachten, dass Erdnüsse und Hülsenfrüchte wichtige Niacin-Quellen sind.
Perniziöse Anämie
Auch Biermersche Krankheit genannt. Sie äussert sich durch eine Störung der Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrocyten) aufgrund eines Mangels an Vitamin B12. Sie ist verbunden mit einem allgemeinen Kräftezerfall.
Rachitis (Englische Krankheit)
Mangelkrankheit aufgrund eines Mangels an Vitamin D. Tritt besonders bei Säuglingen und Kleinkindern auf, wenn nicht gestillt wird und/oder wenn eine genügende Sonnenbestrahlung fehlt. Das Krankheitsbild zeigt ein Erweichen und Verbiegen der Knochen infolge Kalkmangels (Skelettfehlbildungen). Typisch sind verdickte Gelenke, X-Beine und Wirbelsäulenverkrümmungen.
Bei Tieren tritt das Krankheitsbild bei einem Mangel an Kalk oder Phosphorsäure in der Nahrung oder bei einem Mangel an Vitamin D auf (siehe auch Mineralstoffe).
Die Grundlagen für die Heilung dieser Krankheit wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts in England geschaffen. Der durch die Umweltverschmutzung durch die Industrie verursachte Smog legte sich damals wie ein Tuch über die Wohngebiete der Arbeiter, so dass die Sonne nicht mehr durchdringen konnte. Die Folge war, dass viele Kinder die typischen Symptome zeigten. Regelmässige Lebertrangaben halfen dann die Krankheit zu verhüten.
Skorbut
Eine Mangelkrankheit verursacht durch das Fehlen von Vitamin C infolge einer Ernährung ohne frisches Gemüse, Früchte, Salat etc. Skorbut war früher als Seemannskrankheit allgemein bekannt und gefürchtet, trat aber auch in Gefängnissen, Gefangenenlagern und während längeren Elendszeiten auf.
Das Krankheitsbild zeigt geschwürige Erkrankungen der Mundschleimhaut mit Blutungen des Zahnfleisches sowie Blutungen in der Haut und in den Muskeln. Namentlich der Einführung der Kartoffel verdankt man das Verschwinden des Skorbuts in Europa. Die heilende Wirkung frischen Gemüses war schon früh bekannt, doch das Vitamin C selbst wurde erst 1932 entdeckt.
Als Heilpflanze wurde schon früh das Löffelkraut benutzt (Cochlearia officinalis, auch Skorbutkraut genannt; Kreuzblütler). Es ist reich an Vitamin C und schmeckt kressenartig scharf.
Der Name Skorbut geht übrigens auf den holländischen Ausdruck "Scheurbek" zurück. Dies bedeutet so viel wie "wunder Mund". Aus dem Wort wurde später "Scharbock" und schliesslich "Skorbut" abgeleitet.
Skorbutähnliche Erkrankungen gibt es übrigens auch bei einigen Tierarten. Die meisten Tiere können allerdings das Vitamin C selbst bilden. Dies gilt auch für Hunde, Katzen und Widerkäuer, die deshalb kein Vitamin-C benötigen.
Eine besondere Form des Skorbuts ist als sogenannter Säuglingsskorbut bekannt. Er tritt auf, wenn Kleinkinder im Alter zwischen einem halben und einem Jahr einseitig ernährt werden und man ihnen kein Frischobst, keine Fruchtsäfte und kein Gemüse gibt.
Xerophthalmie
In Entwicklungsländern weit verbreitete Augenkrankheit, die vor allem Kinder befällt und auf einen Mangel an Vitamin A zurückzuführen ist. Hauptsymptom ist die Trockenheit des äusseren Auges. Im fortgeschrittenen Stadium führt sie zur Erblindung.