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Eine Frage der Zuverlässigkeit Der Wind weht, wo er will. Manchmal auch nicht.
Das Netz
Wenn wir die Perspektiven erneuerbarer Energien realistisch einschätzen wollen, müssen wir zuerst einige physikalische und technische Grundlagen klären. Nötig ist das deshalb, weil Naturgesetze nicht verhandelbar sind.
Elektroenergie wird an einigen Punkten erzeugt und an anderen Punkten verbraucht. Diese Punkte sind durch ein Stromnetz verbunden. Das Netz kann die Energie nur transportieren. Es speichert keinen nennenswerten Anteil davon. Die von den Erzeugern eingespeiste Energie muss deshalb zum gleichen Zeitpunkt von den Verbrauchern entnommen werden. Umgekehrt muss die von den Verbrauchern benötigte Energie zum gleichen Zeitpunkt von den Erzeugern bereitgestellt werden. Ich möchte hoffen, dass diese Dinge soweit inzwischen allen Spitzenpolitikern klar sind, auch denjenigen der Grünen. Weil Spitzenpolitiker Entscheidungen im Energiebereich treffen, hängt von solchem Verständnis die Zukunft der Gesellschaft ab.
Während das Netz keine Energie speichern kann, verliert es doch welche. Der Übertragungsverlust wird mit steigender Spannung geringer. Die meisten Erzeuger produzieren Wechselstrom und die meisten Verbraucher benötigen Wechselstrom. Aus diesen Gründen wird Strom derzeit fast ausschließlich mit Hochspannungs-Drehstrom-Leitungen transportiert. Diese verlieren etwa 10% der Leistung über 900 Kilometer. Um zu veranschaulichen, was das bedeutet, betrachten wir den Ersatz eines Braunkohlekraftwerks in Schwarze Pumpe (Lausitz, nahe Berlin) durch ein Solarkraftwerk in der Sahara. Die Entfernung beträgt etwas mehr als 9000 Kilometer. Der Anteil der Energie, die über diese Entfernung noch ankommt, ist die zehnte Potenz von 0,9. Das sind etwa 35%. Das Solarkraftwerk müsste also etwa die dreifache Menge an Strom erzeugen, die das stillzulegende Braunkohlekraftwerk erzeugt. Wegen der Infrastruktur- und Transportkosten würde sich der Strompreis mehr als vervierfachen. Über so lange Strecken lohnt es sich allerdings, Gleichstrom zu transportieren und ihn dann in Wechselstrom umzuwandeln. Der Verlust kann so im günstigsten Fall bis auf 3% je 1000 Kilometer verringert werden. Zusätzlich fällt dann ein einmaliger Umwandlungsverlust von etwa 3% an. Diese Technologie wird beispielsweise zur Verbindung einiger Offshore-Windparks mit dem Festland eingesetzt. In unserem Beispiel kämen so etwa 73% der in der Sahara erzeugten Elektroenergie in Schwarze Pumpe an. Demgegenüber ist eine Umwandlung in andere Energieträger für den Transport nicht konkurrenzfähig.
In einer langfristigen Strategie ist ein Transport von Elektroenergie über lange Distanzen eine mögliche Lösung. Sie würde wohl etwa zu einer Verdopplung des Strompreises führen (plus Inflation). Kurz- und mittelfristig gilt das allerdings nicht. Selbst nach einer politischen Entscheidung und internationalen Einigung würde der Aufbau einer solchen Infrastruktur mehr als ein Jahrzehnt beanspruchen. Wenn wir zunächst über einen Zeithorizont bis 2035 sprechen, können wir uns auf regionale Lösungen mit Transportwegen unter etwa 1000 Kilometern beschränken.
Energieerzeuger
Zunächst betrachten wir die Situation ohne Speicherung von elektrischer Energie. Dann muss immer noch alle Energie, die zu einem Zeitpunkt verbraucht wird, zum gleichen Zeitpunkt erzeugt werden. Deshalb sind Energieerzeuger attraktiv, deren Produktion dem Bedarf angepasst werden kann. Das ist für alle Kraftwerke gegeben, die fossile Energieträger verwenden. Auch Atomkraftwerke können das. Wasserkraftwerke können es, solange die Kapazität des oberen Stausees ausreicht. Bei den am meisten diskutierten erneuerbaren Energien, Solarstrom und Windkraft, kann hingegen in nur eine Richtung gesteuert werden. Eine Überproduktion lässt sich verhindern, indem man die Anlage abschaltet. Wenn aber der Lichteinfall zu gering ist oder eine Flaute herrscht, muss der Bedarf durch andere Energieerzeuger gedeckt werden.
Hat man keine hinreichend großen Speicherkapazitäten, so folgt daraus eine harte Wachstumsgrenze für diese erneuerbaren Energien. Es muss eine ausreichend hohe Kapazität an anderen Energieerzeugern vorgehalten werden, um den Bedarf auch dann noch decken zu können, wenn die Erzeugung von Solar- und Windenergie am Geringsten ist. Die anderen Energieerzeuger müssen dafür schnell genug hochgefahren werden können.
Die Solarkraft unterliegt einer Tag-/Nacht-Schwankung, einer witterungsbedingten Schwankung über mehrere Tage und in Mitteleuropa auch einer saisonalen Schwankung. Die Windkraft unterliegt ebenfalls der witterungsbedingten Schwankung über mehrere Tage und saisonalen Schwankungen. All diese Schwankungen muss der Mix anderer Energieerzeuger abfangen können. Der oben dargestellte Überblick über die vergangenen 31 Tage zeigt, dass vor allem die konventionellen Kraftwerke den Tagesgang und Wochengang im Energiebedarf ausgleichen.
Betrachtet man die Entwicklung über ein ganzes Jahr, so erkennt man extreme Schwankungen in der Erzeugung erneuerbarer Energien, die oft auch schlagartig eintreten. Schnelle Einbrüche lassen sich besonders günstig mit Gaskraftwerken abfangen. Die deutsche Energiestrategie sah deshalb den Ausbau der Kapazität an Gaskraftwerken vor, um die steigende Fluktuation beim Ausbau erneuerbarer Energien zu kompensieren. Nur mit dieser Kompensation konnte main einen sehr hohen Anteil erneuerbarer Energien in kurzer Zeit anpeilen, ohne die Netzstabilität zu gefährden. Die Politiker haben der Bevölkerung noch nicht erklärt, dass diese Strategie am 24. Februar 2022 hinfällig geworden ist.
Beim Blick auf den Jahresgang stellt man fest, dass die Produktionsmenge erneuerbarer Energien nicht planbar ist. Das Wetter kann man nicht für die nächsten zwei Wochen vorhersagen. Genauso wenig kann man die Produktionsmenge erneuerbarer Energien für die nächsten zwei Wochen vorhersagen. Die Gründe sind die gleichen. Aus der Sicht eines Netzbetreibers sind Solarstrom und Windkraft vor allem unzuverlässig.
Energiespeicherung
Die Tagesschwankungen, Wochenschwankungen und Spitzen im Strombedarf waren bereits lange vor dem Aufkommen erneuerbarer Energien ein Problem. Ihnen durch eine Steuerung der Energieerzeugung zu begegnen, war mit konventionellen Kraftwerken möglich. Allerdings war das mit erheblichen Kosten verbunden. Deshalb wurde bereits sehr früh über Speicherlösungen nachgedacht.
Die klassische Lösung ist das Pumpspeicherwerk. Wenn die Energieproduktion den Bedarf übersteigt, verwendet man den Überschuss, um Wasser von einem unteren in einen oberen Stausee zu pumpen. Auf diese Art wandelt man die elektrische Energie in potentielle Energie um. Diese ist verlustarm und billig speicherbar. Wenn umgekehrt der Bedarf die Energieproduktion übersteigt, lässt man das Wasser wieder vom oberen in den unteren Stausee laufen. Dabei treibt es eine Turbine an, die elektrischen Strom erzeugt.
Diese Lösung ist nahezu perfekt, aber ihre Kapazität ist beschränkt. Man benötigt geografische Gegebenheiten, welche die Anlage nahe beeinander gelegener oberer und unterer Stauseen erlauben. Zudem muss der Höhenunterschied ausreichen, damit sich die Investition lohnt. Im Großen und Ganzen ist diese Lösung in Deutschland und der Schweiz inzwischen ausgereizt. Die deutsche Maximalleistung beträgt etwa 7 GW bei einer Kapazität von etwa 40 GWh. Diese Zahlen stammen von der deutschen Wikipedia und aus dem Jahr 2010. Angesichts der ständigen Diskussion über erneuerbare Energien ist es bezeichnend, dass aktuelle Information schwer auffindbar ist. Die Deutsche Energie-Agentur gibt 6.7 GW installierte Leistung an, mit der 9.6 GW Netto-Nenn-Leistung bereitgestellt werden könnten. Vergleicht man diese Zahlen mit den Abbildungen oben, so wird ersichtlich, dass Pumpspeicherwerke nur etwa 10% der deutschen Spitzenlast abdecken können. Deutlich wird auch, dass bereits beim jetzigen Ausbaustand der erneuerbaren Energien deren Erzeugung viel stärker schwankt als um 7-10 GW. Interessant ist noch eine andere Zahl, die sich ebenfalls bei der Deutschen-Energie-Agentur findet: 99% der weltweiten Stromspeicherkapazität wird derzeit von Pumpspeicherwerken bereitgestellt. Diese Technologie hat praktisch ein Monopol.
Ohne eine Einführung anderer Speichertechnologien in großem Maßstab können bestehende konventionelle Kraftwerke nicht durch Anlagen gleicher Leistung auf der Basis erneuerbarer Energie ersetzt werden. Aus der Jahresgrafik wird ersichtlich, dass mehr als die dreifache Leistung an erneuerbaren Energien installiert werden müsste, um eines der zuverlässigen konventionellen Kraftwerke zu ersetzen. Diese Einschätzung ist vermutlich etwas zu optimistisch. Die bereits für die Solar- und Windstromerzeugung genutzten Standorte dürften im Durchschnitt günstiger sein als diejenigen, die in Zukunft erschlossen werden können. Bezüglich des Abschaltens von Atomkraftwerken und Kohlekraftwerken folgt daraus, dass die meisten durch andere konventionelle Kraftwerke ersetzt werden müssen. Diese neuen konventionellen Kraftwerke werden im Durchschnitt mit niedriger Kapazität laufen und daher teuer produzieren. Sie werden aber unbedingt benötigt, wenn es bei Flaute im Winter nicht zu Stromausfällen kommen soll.
Neue Speichertechnologien
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Gesetz) ist in Deutschland in seiner ersten Version im Jahr 2000 in Kraft getreten. Bezieht man seinen Vorläufer mit ein, das Stromeinspeisungsgesetz vom 7.12.1990, so ist der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland seit über 30 Jahren ein politisches Desiderat. Mindestens ebenso lange ist bekannt, dass Solar- und Windenergie unzuverlässig sind, dass also ein weitgehender Übergang zu erneuerbaren Energien nur mit hoher Energiespeicherkapazität möglich sein wird. Mindestens ebenso lange gibt es Forschungs- und Entwicklungsbestrebungen in diese Richtung. Was ist dabei bisher herausgekommen? Wenig.
Der aktuelle Stand lässt sich auf einer Seite kurz zusammenfassen, wahrscheinlich auch in wenigen Sätzen. Außer Pumpspeicherwerken ist keine Technologie auch nur einigermaßen wirtschaftlich und auf große Kapazitäten skalierbar. In Batteriespeicher ist auch aus anderen Gründen erheblicher Entwicklungsaufwand gesteckt worden. Die meisten Batterietechnologien sind daher bereits ausgereizt. Oft wird die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern am Beispiel von Privathaushalten diskutiert, die selbst Solarstrom produzieren und diesen entweder einspeisen oder speichern. In diesem Fall ist die Speicherung bereits unwirtschaftlich, allerdings nicht um einen hohen Faktor. Die Bezugsgröße ist dabei die Differenz zwischen dem Strompreis für Privathaushalte von 0.32 €/kWh und der Einspeisevergütung von 0.08 €/kWh. Wenn Strom einen Preis von 0.24 €/kWh hätte, wäre Batteriespeicherung also immer noch unwirtschaftlich. An der Börse liegt der Strompreis bei um die 0.2 €/kWh.
Der weltweit größte netzintegrierte Batteriespeicher soll in Kupferzell (Baden-Württemberg) von der Fluence AG für den Übertragungsnetzbetreiber Transnet AG errichtet werden. Erstaunlicherweise war das Genehmigungsverfahren schwierig. Der Speicher soll eine Größe von 250 MWh (wie etwa 2500 der größten verfügbaren E-Auto-Batterien) haben und hat ein Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro. Die Lösung ist allerdings nicht geeignet, um Schwankungen der Erzeugung über Wochen oder gar saisonal auszugleichen, sondern nur über Minuten oder Stunden.
Realistisch ist eigentlich nur eine chemische Speicherung in Form von Wasserstoff oder in Form synthetischer Treibstoffe. Für die Schweiz ergibt eine Überschlagsrechnung einen Bedarf von 116 Quadratmetern Solarfläche pro Kopf der Bevölkerung (unrealistisch) und einen Tag-Nacht-Speicher von 57 kWh/Kopf (um die 500 Schweizer Franken). Die Energiekosten würden dabei auf etwa das Anderthalbfache steigen (plus Inflation). Auf einen weiteren Haken an diesem Szenario komme ich weiter unten zu sprechen.
Heizenergie
Selbst wenn die Erderwärmung sehr viel schneller voranschreitet als erwartet, wird auch im Winter 2049/2050 in Deutschland und der Schweiz noch ein erheblicher Bedarf an Heizenergie bestehen. Das Leben hat sich auf diesem Planeten entwickelt als er viel wärmer war als heute. Die Evolution hat befunden, dass die optimale Temperatur für das Funktionieren eines menschlichen Organismus bei etwa 37°C liegt. Der Unterschied zur Außentemperatur wird zum Teil dadurch ausgeglichen, dass biochemische Prozesse Wärme erzeugen. Diese stammt aus der in Nahrungsmitteln enthaltenen Energie. Die optimale Umgebungstemperatur liegt für den menschlichen Körper bei etwa 20 bis 25°C. Ist sie geringer, so steigt der Energiebedarf des menschlichen Körpers – er heizt zusätzlich von innen. Dieses Heizen mit Nahrungskalorien ist keine ökologisch sinnvolle Lösung.
In Deutschland beträgt der Jahresbedarf an Heizenergie etwa 2000 Petajoule bei einem Gesamtenergieverbrauch des Landes von 2500 TWh. Die Heizenergie macht damit etwa 22% des gesamten Energieverbrauchs aus. Will man sie unter Verzicht auf fossile Energieträger bereitstellen, so steigt der Elektroenergiebedarf in den Monaten Dezember-Februar, in denen etwa 50% der Heizenergie verbraucht wird, um etwa 50%. Da in diesen Monaten nicht mehr, sondern weniger erneuerbare Energie erzeugt wird, müsste die nötige Heizenergie im Sommer erzeugt und gespeichert werden. In Schweizer Modellrechnungen erschien nur eine Untergrundspeicherung von Wasserstoff (25 Gotthard-Tunnel voll Wasserstoff bei 200fachem Atmosphärendruck) oder eine Speicherung in Form synthetischer Flüssigtreibstoffe annähernd realistisch. Dass man bis 2035 oder auch 2050 Wasserstoffspeicher im benötigten Umfang bauen wird, ist schon in der Schweiz ausgeschlossen, geschweige denn in Deutschland. Eine Umstellung auf synthetischen Flüssigkraftstoff ist zumindest bis 2035 ebenfalls unrealistisch. Zudem würden sich dadurch nach der Schweizer Modellrechnung die Energiekosten nicht auf das Anderthalb- sondern auf das Dreifache erhöhen.
Fazit
Eine CO2-neutrale Energieerzeugung bzw. einen kompletten Übergang zu erneuerbaren Energien wird es in der Schweiz, in Deutschland und in der EU weder bis 2035 noch bis 2050 geben. Die Technologien dafür stehen nicht zur Verfügung und können auch nicht so schnell für den nötigen Maßstab entwickelt werden. Selbst wenn es sie gäbe, könnten die Planungen, Genehmigungen und Investitionen nicht schnell genug erfolgen. Die zu erwartenden Preissteigerungen dürften politisch auch kaum durchsetzbar sein.
Ist das ein Problem? Man kann natürlich der Meinung sein, dass wir den CO2-Ausstoß unbedingt schnell drastisch verringern müssen, um die weitere Erderwärmung zu bremsen. Man kann aber auch der Meinung sein, dass dieser Planet zur Versorgung von perspektivisch 10 Milliarden Menschen zu kalt ist und nicht zu warm. Wenn man letzterer Meinung ist, favorisiert man eine Anpassung an die Erderwärmung anstelle einer Vermeidung.
Tatsächlich handelt es sich dabei nur um Meinungen. Wollte man auf wissenschaftlicher Basis feststellen, ob eine davon richtig ist und die andere falsch, dann müsste man Folgendes tun. Die für die Vermeidungsstrategie nötigen Ressourcen und die damit verbundenen indirekten Kosten und gesellschaftlichen Verwerfungen müsste man den nötigen Ressourcen, indirekten Kosten und Verwerfungen in der Anpassungsstrategie gegenüberstellen. Einen seriösen Vergleich dieser Art kann derzeit niemand leisten. Insofern ist die Entscheidung zwischen den beiden Meinungen eine Frage von Ideologie oder Glauben, nicht das Ergebnis einer rationalen Überlegung. In westlichen Ländern neigt die herrschende Ideologie zur Vermeidung. Böse Zungen behaupten, dass man hier das größere Absatzmarktpotential sieht.
In der Praxis scheitern allerdings viele Vermeidungsansätze oder leisten doch zumindest nicht annähernd das, was man von ihnen erwartet hatte. Im Jahr 2021 wurden in Deutschland 19.7% des Endenergieverbrauchs (Strom, Wärme, Verkehr) durch erneuerbare Energien abgedeckt. Laut den EU-Klimazielen soll dieser Anteil 2030 jedoch bereits 32% betragen. Das würde eine erhebliche Beschleunigung der Umstellung erfordern. Es wird nicht stattfinden.
Zu erwarten ist auch im Westen ein Mix aus Vermeidung und Anpassung, der sich in den nächsten Jahren eher in Richtung Anpassung verschieben wird. Die mediale Begleitung wird indessen noch lauter nach Vermeidung schreien.
101 Antworten zu “Grenzen des Wachstums erneuerbarer Energien”
Sie weisen sehr richtig auf viele der Probleme hin, die eine CO2-Vermeidung erschweren.
» …einen kompletten Übergang zu erneuerbaren Energien (Eine CO2-neutrale Energieerzeugung) wird es…weder bis 2035 noch bis 2050 geben. Die Technologien dafür stehen nicht zur Verfügung, sind nicht so schnell für den nötigen Maßstab zu entwickeln. Selbst wenn es sie gäbe, könnten die Planungen, Genehmigungen und Investitionen nicht schnell genug erfolgen.»
Hier ein Link zu einem Artikel, der auf ein bisher weniger beachtetes Problem hinweist:
Weder werden z.Z. genügend Metalle gefördert um die technischen Geräte zu bauen, die bei einer kompletten Umstellung auf nicht-fossile Energie benötigt würden, noch gibt es auf diesem Planeten genügend Vorräte von den meisten der für eine weltweite Umstellung benötigten Metalle:
https://www.counterpunch.org/2022/08/23/is-there-enough-metal-to-replace-oil/
Vielen Dank für das Link. Diesen Beitrag kannte ich noch nicht.
Ein Detailproblem in dieser Hinsicht ist mir bekannt. Wollte man tatsächlich eine Wasserstoffwirtschaft aufbauen, bei der erneuerbare Energien zur Wasserstoffherstellung benutzt werden, gäbe es derzeit nur eine hinreichend saubere und effiziente Elektrolysetechnologie dafür. Das ist die Protonen-Austausch-Membran-Wasser-Elektrolyse (englische Abkürzung PEMWE). Daran wird zum Beispiel auch in der Schwei am Paul-Scherrer-Institut geforscht.
Für diese Elektrolyse gibt es wiederum nur einen Katalysator, der die sogenannte Ueberspannung von Wasserstoff an der Elektrode ausreichend verringert. Das ist Iridium. Man kann leicht berechnen, dass die Iridiumvorräte und bekannten Lagerstätten nicht ausreichen, um auf dieser Basis von fossilen Energieträgern zu einer Wasserstoffwirtschaft überzugehen. Eine wissenschaftliche (aber offen zugängliche) Untersuchung dazu ist im vorigen Jahr erschienen.
Sie kommt aus Hannover. In den deutschen Medien hat man davon nichts gehört. Das Fazit ist, dass man nicht nur ein effizientes Elektrodenrecycling aufbauen müsste, sondern zusätzlich den Iridumgehalt der Katalysatoren verringern muss (bei sonst gleicher Effizienz). Sprich: Die Technologie ist noch nicht einsatzfähig oder zumindest nicht ausreichend skalierbar.
So ist es mit vielen Technologien, die in den Medien als Hoffnungsträger herumgereicht werden. Ein kompletter Übergang von fossilen Energieträgern zu erneuerbaren Energien wird sicher irgendwann mal möglich (und nötig) sein, wenn unsere technologische Zivilisation überlebt. Aber eben nicht annähernd so schnell, wie die Politiker und Medien annehmen und der Bevölkerung weismachen wollen.
Die zur Energiewende notwendigen Materialien sind vielfältig. Wie Sie schreiben z.B. auch die Metalle.
Nehmen wir Kupfer. Zuwenig und teuer. Aber auch der Punkt, wie isoliere ich Leitungen spielt mit. Kein Erdöl mehr lautet die Forderung. Außer Hochspannungsleitungen müssen alle Leitungen isoliert werden mit unterschiedlichen Kunststoffen. Diese Posten bleibt, auch wenn wir Kupfer durch Aluminium ersetzen würden.
Im Prinzip ginge Aluminium, nur müßten die Adern ca. doppelt so dick werden und man bekäme Nachteile bei den Materialeigenschaften. Doppelte Stärke beim Aluminiumleiter bedeutet auch einen Mehrverbrauch beim isolierenden Kunststoff.
Der Aluminiumleiter muß dicker werden, da der Durchgangswiderstand um einiges höher ist und der Verlust entsprechend steigt bzw die max Temperatur des Leiters überschritten wird.
Daher ist Kupfer in Bezug auf Preis und praxistauglichkeit der beste Werkstoff.
Nicht zu vergessen die vielen Elemente die selten vorkommen, aber unbedingt gebraucht werden. Die Vorstufen bevor ein Betrieb überhaupt mit dem Bau einen Windanlage beginnen kann werden zuwenig berücksichtigt.
So stelle ich mir Presseartikel vor. Daten, Fakten und die Auswirkungen beleuchten. Man hat Punkte zum Anfassen, um Für und Wider abzuwägen bzw zu diskutieren.
Leider wird es so von Politik und Aktivisten nicht praktiziert und daraus können schwerwiegende Fehlentscheidungen resultieren. Auch die Bevölkerung wird auf einen evtl. falschen Pfad gelockt und es entstehen unhaltbare Erwartungen.
Die Verbindung von politischen und naturwissenschaftlichen Problemfeldern erschwert mögliche Lösungen.
Im Besonderen die Negierung physikalischer/chemischer Grundlagen. Insofern kommt es zu Forderungen die nicht, oder nur langfristig umsetzbar sind.
Siehe die Forderung: Abschaltung von Kohle-, Öl, Gas-, Kernkraftwerken – SOFORT. KKW hat seine Problematik und liefert nicht viel zum Strommix. Die Abschaltung ist machbar. Nur sollte man das erst einmal kompensieren, bevor man an die tragenden Säulen geht, die nicht ersetzbar sind. Das wäre ein langfristiger Prozess dessen Verlauf noch ungeklärt ist.
Zu dem genannten Strompreis für Privathaushalte möchte ich anfügen, ich bezahle gerade ca. 50 cent kw/h. Die angenommenen 32 cent gibt es wohl nur noch bei Altverträgen die zur Zeit auslaufen. Das verschärft die allgemeine Lage nochmals. Da eine Umstellung von Privat und Gewerbe auf den alleinigen Energieträger el. Strom geplant ist, liegt die Herausforderung bei der angebotenen Menge UND beim zugehörigen Preis.
Diskutiert wird meist die Deckung des derzeitigen Stromverbrauchs, davon sind wir noch sehr weit entfernt. Die Pläne gehen aber davon aus, auch Gewerbe und Industrie fast komplett auf el. Strom umzustellen. Dazu die gesamte private Heizung und die E-Mobile. Die Menge die dazukommen soll übertrifft den derzeitigen Strombedarf bei weitem.
Daher sind Absichtserklärungen oder Forderungen diesbezüglich als unseriös zu bezeichnen, gerade weil auch noch naheliegende Zeiträume genannt werden.
Die Kosten? Kaum zu beziffern. Wir kommen langsam in den Zeitraum, in dem Altanlagen wieder erneuert werden müssen. Es geht also nicht nur um die Zahl der geplanten zusätzlichen Neubauten, sondern auch um die Erhaltung des bestehenden Anlagen.
Für eine große Windkraftanlage benötigt man ca. 6.000 Tonnen Beton. Dazu 200 bis 300 Tonnen Stahl, Kupfer usw. Der Ressourcenbedarf ist nicht unbeträchtlich. Auch das steckt in der Rechnung bezüglich Umweltfreundlichkeit. Daß man in diesem Zusammenhang gegen die energiefressende Produktion von Beton/Zement argumentiert konterkariert das Vorhaben, denn alleine für Deutschland werden noch zig Tausende Windräder benötigt. Rechnet man nun weltweit ergibt das eine enorme Dimension. Berücksichtigen muß man auch, daß es viele Länder gibt, in denen der benötigte Sand gar nicht zur Verfügung steht.
Es besteht also noch viel Forschungsbedarf, um wirklich eine Energiewende zu schaffen die man als umweltfreundlich bezeichnen kann.
«Für eine große Windkraftanlage benötigt man ca. 6.000 Tonnen Beton. Dazu 200 bis 300 Tonnen Stahl, Kupfer usw. Der Ressourcenbedarf ist nicht unbeträchtlich.»
Dabei bläst man übrigens erst einmal ziemlich viel CO2 in die Luft. Die Windräder mögen über ihre gesamte Lebensdauer eine bessere CO2-Bilanz haben, aber wenn man sehr schnell sehr viele baut, sind sie kurzfristig ein Treiber von CO2-Emissionen.
Also, jede Menge Schwierigkeiten, 8 Milliarden Menschen in eine technische Wunderwelt zu befördern, die kein CO2 produziert.
Was folgt daraus? Viele Experten geben zu bedenken, dass nicht die Erderwärmung, sondern der Zusammenbruch des Ökosystems wegen der zerstörerischen Dominanz einer Spezies das No.1 Problem auf diesem Planeten ist.
Müßte dann nicht die dringendste Frage sein, wie wir auf verträgliche Art und Weise auf eine Kopfzahl an „Homo Sapiens“ kommen könnten, die eine nachhaltige und umweltverträgliche Bewirtschaftung des Planeten ermöglichen würde?
Das ist natürlich das Grundproblem, aber das Nachdenken über mögliche Lösungen kann sehr schnell zu üblen Gedanken führen.
Gehen wir einmal nicht nur von Deutschlnd aus, sondern weltweit mit den verschiedenen Gesellschaftsstrukturen und Denkweisen. Es gäbe die Möglichkeit wie China vorzugehen und die Kinderzahl wird auf 1 Kind beschränkt bei Androhung von Strafen. Oder ein freiwilliges Umdenken.
Die in beiden Fällen zu lösenden Probleme wären die Tradition, Kinderwunsch, in ärmeren Ländern aufzubauendes Sozialsystem, Einbruch der Einzahler in Renten- und Krankenkassen, fehlendes Personal bei Pflege, Krankenhäusern, Betrieben.
Die Übergangszeit wäre wohl mindestens 100 bis 200 Jahre bei optimistischen Annahmen.
…üble Gedanken…wenn es das Grundproblem ist, wird die Menschheit nicht umhin kommen, sich damit auseinanderzusetzen und zwar besser schneller als langsamer. Denn wenn es auf die lange Bank geschoben wird, werden die Umstände womöglich sehr schnell eine drastische und eher wenig verträgliche Reduktion bewirken.
Es ist möglich, dass das dann eher akzeptiert wird, da es dann die «Sachzwänge» sind, auf die man keinen Einfluß nehmen kann.
100 oder 200 Jahre werden die Supportsysteme meiner Meinung nach nicht mitmachen.
«100 oder 200 Jahre werden die Supportsysteme meiner Meinung nach nicht mitmachen.»
Kommt darauf an, was sie mit Supportsystemen meinen. Der Planet und die Pflanzen- und Tierwelt werden sich anpassen, wie sie das in der Erdgeschichte immer getan haben, auch bei drastischeren Katastrophen, wie etwa Einschlägen von Asteroiden.
Dass die Gesellschaften südlich der Sahara aber stabil sind und diese Menschenmassen versorgen können, ist sehr zweifelhaft. Es würde also zu einer Völkerwanderung in der Grössenordnung von zig Millionen kommen müssen oder es sterben Menschen in diesem Ausmass an Hunger und Kriegen.
>> Dass die Gesellschaften südlich der Sahara aber stabil sind und diese Menschenmassen versorgen können, ist sehr zweifelhaft. <<
Es geht nicht nur um Gebiete südlich der Sahara. Die Desertifikation ist längst in Europa angekommen: In Spanien z.B. schreitet die Verwüstung munter voran. Weltweit kommen jedes Jahr 70.000 Quadratkilometer dazu – das entspricht der Größe Bayerns. Es finden sich noch weit höhere Zahlen, wenn von degradiertem Land die Rede ist: Land, dessen Fruchtbarkeit durch Verwüstung, Erosion oder Übernutzung abgenommen hat. Das bebaubare Ackerland zieht sich jedes Jahr um X-Kilometer nach Norden zurück habe ich neulich gelesen.
Als ich neulich in Deutschland war, sah ich einen sehr interessanten Film über die beginnende Versteppung Deutschlands, einmal ein regenreiches Gebiet. Sehr empfehlenswert:
https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/die-grosse-duerre-video-100.html
Der Grundwasserspiegel sinkt europaweit teilweise dramatisch.
«Das bebaubare Ackerland zieht sich jedes Jahr um X-Kilometer nach Norden zurück habe ich neulich gelesen.»
Was ist X und wer hat das wie festgestellt?
Statistiken gibt es über die Nahrungsmittelproduktion, zum Beispiel von der FAO (einer UN-Unterorganisiation, die selbst kräftig Oeko-Lobbyismus betreibt).
Was ist 2000-2020 tatsächlich geschehen?
«Aus den jüngsten Statistiken geht hervor, dass die weltweite Produktion von Primärkulturen zwischen 2000 und 2020 um 52 Prozent auf 9,3 Milliarden Tonnen im Jahr 2020 angestiegen ist. Die Hälfte der weltweiten Produktion von Primärkulturen im Jahr 2020 entfiel auf vier einzelne Kulturen: Zuckerrohr, Mais, Reis und Weizen. Die weltweite Obstproduktion stieg zwischen 2000 und 2020 um 55 Prozent, während die Gemüseproduktion im gleichen Zeitraum um 65 Prozent zunahm.
Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)»
Leider konnte ich den Artikel über den Rückzug des bebaubaren Landes weg von den südlichen Breitengraden nicht mehr finden, deswegen schrieb ich X.
Es gibt aber zahlreiche Artikel die sich mit dem Verlust des Ackerlandes befassen. Hier einer von 2015:
https://www.theguardian.com/environment/2015/dec/02/arable-land-soil-food-security-shortage
So so, der Guardian behauptet, es sei in den letzten 40 Jahren ein Drittel des Ackerlandes verlorengegangen.
In diesem Zeitraum hat sich aber die Nahrungsmittelproduktion der Welt weit mehr als verdoppelt. Es gibt weniger Hunger, auch anteilig an der Weltbevölkerung, die stark gewachsen ist.
Könnte es vielleicht sein, dass in dieser Zeit zum Beispiel in der EU Ackerflächen absichtlich stillgelegt oder in Weideland umgewandelt wurden, um Ueberproduktionskrisen zu begegnen?
iziti sagt:
«Es gibt weniger Hunger, auch anteilig an der Weltbevölkerung, die stark gewachsen ist.»
Das Bild kehrt sich aber gerade wieder um:
«Der Welthunger-Index 2022 zeigt eine weltweit dramatische Hungersituation auf. Die Welt steht vor einem schweren Rückschlag bei den Bemühungen den Hunger zu beenden…Es ist davon auszugehen, dass sich die Situation angesichts der sich überlappenden globalen Krisen noch weiter verschlechtern wird.»
https://www.welthungerhilfe.de/hunger/welthunger-index
(Also nicht der «Guardian»)
Ja, die neue Hungerkrise hat nur nichts mit Umweltzerstörung oder Erderwärmung zu tun, sondern mit verfehlter Corona-Politik, mit verfehlter Sanktionspolitik und mit einem Krieg zwischen zwei grossen Getreiderzeugern.
@ iziti
Ja gut, Sie bezogen sich nur auf den Acker.
Aber ist es den Betroffenen nicht egal aus welchen Gruenden sie hungern oder ihre Liebsten verhungern?
«Hat… mit verfehlter Corona-Politik, mit verfehlter Sanktionspolitik und mit einem Krieg…zu tun.»
Das denke ich auch. Bei nichts mit Umweltzerstoerung bin ich mir nicht sicher. (Eine Frage der Definition und der Relevanz.)
Supportsysteme:
Dazu zählt alles, was es dem Menschen ermöglicht, auf diesem Planeten zu überleben. Die technische Zivilisation benötigt natürlich andere Supportsysteme als z.B. Menschen indigener Kulturen.
Zu den unbedingt nötigen Supportsystemen zählt natürlich auch ein einigermaßen verträgliches Klima. Für die technische Zivilisation auch die Möglichkeit der Ausbeutung der zur Herstellung der technischen Geräte notwendigen Rohstoffe.
Ob es dem homo technikus möglich sein wird, auf dem Planeten zu leben, nachdem Flora und Fauna weitgehend zerstört wurden, wird sich dann zeigen. Manche sind der Meinung, homo sapiens könne auch auf dem Mars existieren.
«nachdem Flora und Fauna weitgehend zerstört wurden»
Wie kommen Sie darauf? Sind Sie manchmal draussen in der Natur? Ich bin Outdoor-Typ in einem der am stärksten industrialisierten Länder der Welt und meine Eltern leben auf dem Dorf in einem anderen der am stärksten industrialisierten Länder der Welt. Ich weiss wirklich nicht, wovon Sie da sprechen.
Nun, «üble Gedanken» könnte man eine absichtliche Reduzierung der Bevölkerungszahlen nennen die nicht öffentlich werden und mit heute undenkbaren Maßnahmen durchgeführt werden. Da sind wir aber im Bereich der Verschwörungstheorien.
Allerdings fällt systematische Unterlassung von Hilfen in betroffenen Ländern auch darunter.
Die 100 und mehr Jahre wird man investieren müssen, da die heute lebenden Jungen ja weiter existieren und auf absehbare Zeit weitere Erdenbürger dazukommen. Die existenten Individuen können Sie ja nicht reduzieren, sondern nur den Zuwachs. Nimmt man nun die Lebenserwartung…..
Es ist ja nicht anzunehmen, daß es weltweit in einigen Jahren eine Geburtenkontrolle gibt.
Insofern bleibt sich darauf vorzubereiten und die Zahl von 10 Milliarden zu akzeptieren und versuchen mit humanen Mitteln gegenzusteuern.
Aber es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten in absehbarer Zeit größere Effekte erzielen.
Ich persönlich denke nicht, dass in den kritischen Regionen ein freiwilliges Umdenken absehbar ist oder dort politische Verhältnisse herrschen, die eine staatliche Kontrolle in absehbarer Zeit ermöglichen. Insofern ja, Zeithorizont eher 100 Jahre, wenn überhaupt.
Einigermassen realistische Vorhersagen zur zukünftigen Entwicklung gibt es nur bis 2050, von der UN.
Die interessanteste Grafik findet sich auf Seite 4, die entsprechende Tabelle auf Seite 5. In Afrika südlich der Sahara erwarten die UN nahezu eine Verdopplung der Bevölkerung zwischen 2022 und 2050. Das wird nicht gutgehen, wenn es eintrifft.
» Viele Experten geben zu bedenken, dass nicht die Erderwärmung, sondern der Zusammenbruch des Ökosystems wegen der zerstörerischen Dominanz einer Spezies das No.1 Problem auf diesem Planeten ist.»
Diesen Zusammenbruch kann ich nicht ansatzweise erkennen. Ja, es gibt ein Artensterben. Auf systemischer Ebene, also für das Funktionieren der lokalen Ökosysteme ist das aber auf absehbare Zeit keine Gefahr.
Der Zusammenbruch der Ökosysteme zeigt sich z.B. in der Desertifikation. Wenn pro Jahr weltweit eine Fläche von Bayern zur Wüste wird, heißt das für mich, dass in dieser Größe lokale Ökosysteme zusammengebrochen sind. Die Böden verlieren ihre Fruchtbarkeit. Bebaubarer Boden verschwindet über 100 Mal schneller, als er durch natürliche Prozesse wieder aufgefüllt werden kann.
Nehmen Sie das Beispiel des Erdüberlastungstages, der dieses Jahr bereits auf den 28. Juli fiel.
Der Amazonas nähert sich seinem Kipppunkt, ab dem er mehr CO2 emittieren als speichern wird. Schätzungen zufolge könnte für das Erreichen des Kipppunktes ein Verlust von 20 bis 25 % der Walddecke im Amazonasbecken ausreichen.17 % sind bereits abgeholzt. Ein weiteres ziemlich großes Ökosystem, welches wir gerade zerstören.
Wird ein Kipppunkt in einem natürlichen System wie dem Klima erreicht, kann das rasche Veränderungen in einem anderen System auslösen. Ein kaskadenartiger Zusammenbruch der Umwelt wird eintreten, wenn das empfindliche Netz des Lebens auseinanderbricht.
Dem Planeten wird das nichts weiter ausmachen .
Nun kann man einwenden, dass es sich auch in einer Wüste recht ordentlich leben läßt. Die Araber können das ja auch.
Noch etwas zum Thema Artensterben:
Es ist eine Fehlannahme, dass der Klimawandel die Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt ist.
Der Wildtierbiologe Joel Berger (Colorado State University) und der Evolutionsbiologe Andrew Dobson, (Princeton) haben die Frage des Klimas und des Artensterbens letztes Jahr in der Fachzeitschrift Conservation Letters aufgegriffen und warnen, dass «die Bedrohung der biologischen Vielfalt zunehmend durch die einzige kurzsichtige Linse des Klimawandels gesehen wird”, dass aber der Klimawandel nicht die Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt sei.
Es wird prognostiziert, dass die Erwärmung der Atmosphäre in den kommenden Jahrzehnten ein wichtiger Faktor für das Aussterben von Arten sein wird, aber was die Arten heute vernichtet, sei die Fragmentierung und der Verlust von Lebensräumen, die Überjagung und der Raubbau, die Ausweitung der Landwirtschaft, die Umweltverschmutzung und die industrielle Entwicklung.
Laut einer Studie (2022) des WWF ist es nicht der Klimawandel, der zwischen 1970 und 2018 zu einem Rückgang der gesamten Wildtierpopulationen um 69 Prozent geführt hat. Die Ursache sind zu viele Menschen, die den Ökosystemen zu viel abverlangen, oder die Überschreitung der biophysikalischen Tragfähigkeit der Erde durch den Menschen.
«Das Meta-Problem, das wir im Auge behalten müssen», so der Ökologe William Rees, emeritierter Professor an der University of British Columbia ist der «ökologische Overshoot». Die moderne technisch-industrielle Kultur, so schreibt er, «verzehrt systematisch – sogar mit Begeisterung – die biophysikalischen Grundlagen ihrer eigenen Existenz». Rees beschreibt dies als einen bösartigen Prozess, die Menschheit als Krebs.
Es gibt derzeit nirgendwo einen Plan, um das Aussterben, den Zusammenbruch der Artenvielfalt und den Verlust von Lebensräumen zu bekämpfen. Die düstere Realität ist, dass wir mit einem grünen Ausbau nicht das komplexe Netz des Lebens auf der Erde retten werden, sondern die besondere Lebensweise einer privilegierten, herrschsüchtigen Spezies, die für ihren Erfolg auf ein die Natur zerstörendes Netz technologischer Wunderwerke angewiesen ist.
Dazu gibt es diesen sehr guten Artikel von Christopher Ketcham:
Addressing Climate Change Will Not “Save the Planet”
https://theintercept.com/2022/12/03/climate-biodiversity-green-energy/?utm_medium=email&utm_source=The%20Intercept%20Newsletter
«Überschreitung der biophysikalischen Tragfähigkeit der Erde»
Wie genau berechnet man die «biophysikalische Tragfähigkeit» der Erde?
Ich betreibe durchaus Biophysik, aber ich sehe keine Verbindung zwischen der Biophysik und dem Konzept, das sie ansprechen (wie viele Menschen sind konsistent mit dem Bestand der Erde als belebtem Planeten?).
>> Wie genau berechnet man die «biophysikalische Tragfähigkeit» der Erde? <<
Mit diesen Fragen befassen sich Viele. Genau wird man das sicher nicht errechnen können, denn die Tragfähigkeit wird wohl durch die Art der Ausbeutung eines Systems begrenzt.
Eine winzige Insel wie z.B. Sentinel Island in den Andamanen die von Menschen, seit den ersten Migrationen aus Afrika durchgängig bewohnt wird, könnte eine technische Zivilisation mit Bergbau und allem anderen was dazugehört wohl nur kürzeste Zeit tragen.
Für das Amazonas Gebiet gilt ähnliches. Tausende von Jahren konnte das Gebiet menschliche Zivilisationen tragen, aber eben nicht unsere Art der Zivilisation.
Für die Erde als begrenztes System gilt das Gleiche.
Unsere Zivilisation erkundet das gerade durch „trial and error“.
Eine Doktorarbeit, in der auch diese Tragfähigkeitsproblematik erörtert wird (S. 84 ff), wurde 2005 von
Jörg Tremmel
vorgelegt:
https://elib.uni-stuttgart.de/bitstream/11682/5481/1/Bevoelkerungspolitik_im_Kontext_zur_Veroeff._in_UB.pdf
«Eine Doktorarbeit, in der auch diese Tragfähigkeitsproblematik erörtert wird»
Schaue ich mirt heute Abend an.
Ich finde da nirgends eine Angabe, wie gross die Bevölkerungszahl nun ist, welche die Erde tragen kann.
iziti sagt:
«Ich finde da nirgends eine Angabe, wie gross die Bevölkerungszahl nun ist…»
maximale Tragekapazität:
«…mehr als die Hälfte aller Schätzungen zwischen 4 und 16 Milliarden rangieren.»
Allerdings ist das dazugehoerige Diagramm Mist, weil die Vertikalachse geht bis 1000 (Mrd.?) und da sind auch Eintraege – oder es ist das falsche Diagramm zur dazugehoerigen Ueberschrift. (Jedenfalls stimmen dort die Schaetzungen zum Text nicht ueberein.)
Jedenfalls 4 – 8 Mrd. sind schon mal falsch.
Und eine genaue Bevoelkerungszahl kann wohl niemand berechnen. Zu viele unbekannte Variablen in der Gleichung.
(Sie waren aber gestern Abend auf Krawall gebuerstet..)
«…mehr als die Hälfte aller Schätzungen zwischen 4 und 16 Milliarden rangieren.»
Und ich schätze jetzt mal 100 Milliarden.
Schätzen kann man viel und Statistik über Schätzungen ergibt keinen Sinn.
Ist ja auch erstaunlich, dass der Mittelwert der Schätzungen gerade dort liegt, wo wir absehbar bald sein werden, finden Sie nicht?
zum Kommentar direkt darueber
«Schätzen kann man viel und Statistik über Schätzungen ergibt keinen Sinn.»
Ja, in dem Fall ist das wie Wahrsagen. Aber was sollte denn der «arme Joerg» bei seiner Doktorarbeit anderes als Schaetzungen zu diesem Thema schreiben? (Ich hoffe, er hat die Pruefung bestanden.)
Ich schaetze uebrigens auch 10 Mrd. Mit Sicherheit nicht 100 Mrd. (Falls Sie fragen: Das sage ICH). Wenn man auch noch weiter in die Hoehe (und Tiefe) und da auch Gemuese usw. anbauen kann, wuerde wohl schon viel eher die Infrastruktur zusammenbrechen. Finden Sie nicht?
«Aber was sollte denn der «arme Joerg» bei seiner Doktorarbeit anderes als Schaetzungen zu diesem Thema schreiben?»
Tja, was er schreiben sollte, um in Stuttgart einen Doktortitel in den Sozialwissenschaften zu bekommen, weiss ich nicht.
Ich weiss aber so einigermassen, wie wirkliche Wissenschaft geht. Wenn man über etwas keine sichere Aussage machen kann, dann sagt man das. Wenn man keine Aussage machen kann, die irgendeinen Wert hätte, macht man keine Aussage. In keinem Falle täuscht man vor, dass man etwas wüsste, was man nicht weiss.
Wenn das in den Sozialwissenschaften anders sein sollte, sollte man für die Sozialwissenschaften getrennte Hochschulen haben. Eine Hochschule fühlt sich entweder intellektueller Redlichkeit verpflichtet oder eben nicht.
«Mit diesen Fragen befassen sich Viele.»
Das ist keine Antwort. Ich habe nicht nach «Wer» gefragt, sondern nach «Wie». Es gibt aus meiner Sicht keine auch nur annähernd intellektuell haltbare Art, so etwas zu berechnen. Das Problem ist hochkomplex und hängt von Anpassungen und Technologien ab, die heute noch gar niemand voraussehen kann.
Ganz richtig, berechnen läßt sich das leider nicht. Zu viele Unbekannte. Aber wir sehen sehr deutlich, wie unsere Art des Wirtschaftens den Planeten ruiniert, finde ich. Ozeanvermüllung und -Versauerung, Klimakatastrophe, Artentod, Ökozid. Ich las gerade das Wort vom «Terrazid»:
https://tomdispatch.com/terracide-and-the-terrarists/?utm_source=TomDispatch&utm_campaign=1c4e63bb33-EMAIL_CAMPAIGN_2021_07_13_02_04_COPY_01&utm_medium=email&utm_term=0_1e41682ade-1c4e63bb33-309092641#more
>> Anpassungen und Technologien ab, die heute noch gar niemand voraussehen kann. <> Die Omega-Phase beschleunigt den Ruin, wird das, was eigentlich noch zu retten wäre, unter sich begraben.
Das Kennzeichen eines Systems in der Omega-Phase ist, dass es keine Konzeption einer qualitativ anderen Zukunft gibt. Es gibt nur mehr oder weniger vom Bekannten, aber nicht etwas außerhalb der gegenwärtigen Struktur. Die Protagonisten handeln und planen in der Annahme, dass die Gegenwart so ist, wie sie nun einmal ist, dass keine wirkliche Alternative besteht und dass deswegen nichts anderes übrigbleibt, als eben weiterzumachen wie bisher, nur mit noch mehr Energie und Entschlossenheit, immer weiter hinein, immer schneller, immer mehr. <<
Aus: Philipp Blom „Das große Welttheater – 2020."
Als Beispiel sei der zerstörerische Abbau von Lithium genannt: Im Irrglauben, den CO2 Ausstoß wesentlich verringern zu können, indem man auf die Batterientechnologie setzt, werden neue, gewaltige Zerstörungen in die Wege geleitet. Oder, wie schon erwähnt, die tausenden von Tonnen Zement für Windkraftanlagen.
Nehmen wir es mal neutraler. Der Mensch macht das, wozu die Natur ihn geschaffen hat. Er hat sich im Gegensatz zu manchen anderen Arten behaupten können. Wenn man die «Natur» mal als handelnde Instanz vermenschlicht sieht. Tatsächlich arbeitet die Natur nach dem Zufallsprinzip und dem Erfolg.
Kipppunkte sind so ein Ding. Nach welcher Richtung kippt es? Was in Strümpfelbach ein Nachteil wäre würden Kanadier begrüßen.
Es geht um unseren derzeitigen Standpunkt in dieser Situation den wir erhalten wollen. Unabhängig von Natur oder anderen potentiellen Nutznießern einer Veränderung.
Die Probleme sind aber klar, nur nicht auf 1 Faktor zu beschränken. Materialverbrauch, Energie, CO2, Bevölkerungszahl usw.
Der Amazonas ist im Prinzip nur ein Einmalspeicher. Was er gebunden hat setzt er schon immer auch wieder frei. Ein Kreislauf. Durch Abholzung verringern wir den Speicher, aber er hat nie immer mehr gespeichert. Der Speicher kann nur erhalten werden, nicht vergrößert.
Für die Sauerstoffproduktion ist er weniger relevant. Man muß der Bevölkerung Einkommensmöglichkeiten bieten, die weitere Abholzung unnötig machen.
«Wenn pro Jahr weltweit eine Fläche von Bayern zur Wüste wird»
Weltweit gibt es 1.407 Milliarden Hektar Ackerland. Insgesamt für Landwirtschaft genutzt werden 4.924 Milliarden Hektar. (Quelle: Wikipedia).
Bayern hat eine Fläche von 70’550 Quadratkilometern. Das sind 7.055 Millionen Hektar. Wenn Ihre Zahl stimmt (Quelle?) sind das 0.5% der als Ackerland genutzten Fläche. Da aber wohl kaum Ackerland zu Wüste wird, sondern eher Steppe, ist die Bezugsgrösse (schlimmstenfalls) das Agrikulturland. Dann reden wir von 0.14%.
Was Wüstenbildung genau ist, dafür gibt es über 100 verschiedene Definitionen (Quelle: ebenfalls Wikipedia)
In jedem Fall ist aber klar, dass sie nicht unumkehrbar ist. Für die Wiederurbarmachung gibt es sogar einen Fachbegriff, Farmer-managed natural regeneration.
>> Bayern hat eine Fläche von 70’550 Quadratkilometern. Das sind 7.055 Millionen Hektar. Wenn Ihre Zahl stimmt (Quelle?) sind das 0.5% der als Ackerland genutzten Fläche. <<
https://www.ardalpha.de/wissen/natur/naturgewalten/desertifikation-wueste-verwuestung-wuestenbildung-ausbreitung-100.html
«…wie wir auf verträgliche Art und Weise auf eine Kopfzahl an „Homo Sapiens“ kommen könnten,
die eine nachhaltige und umweltverträgliche Bewirtschaftung des Planeten ermöglichen würde?»
Da bin ich ganz pessimistisch. M.M.n. geht das nur mit diktaturischen Masznahmen oder es kommt demnaechst zu einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaszes, die die Bevoelkerung praktisch auf einen Schlag signifikant reduziert.
Beides kann ich mir nicht wuenschen.
Hm, diktatorische Maßnahmen würden bedeuten, ich fordere für etwas, das in meinem Ermessen liegt, eine Diktatur die mich dazu zwingt.
Oder ich stülpe Anderen eine Diktatur über, falls sie diesem Beispiel nicht folgen.
Schwierig, das haben wir China doch schon vorgeworfen. Auch stellt sich die Frage, wo endet diese selbstgewollte Diktatur? Aber fürs erste ist das egal, die Frage stellt sich weltweit nicht in Bezug auf die Bevölkerungsreduzierung.
Zur Zeit geht es eher um Problemstellungen mit kürzeren Zeithorizonten. Ich nehme an die werden uns nicht nur bis 2030 oder 2050 beschäftigen.
«Schwierig, das haben wir China doch schon vorgeworfen.»
Ja – und so wuerde es nur gehen (bzgl. 1-Kind-Politik und nicht nur da.)
Wir haben China auch seine repressiven Masznahmen ganz zu Beginn in Bezug auf das Corona-Virus (Dezember ’20, Jan. ’21) vorgeworfen. Danach haben wir das nicht viel anders gemacht. (Auch dann noch, wo klar war, dass die mehr schaden als nutzen)
Um mich nicht miszzuverstehen: Ich bin entschieden dagegen, aber perspektivisch werden wir das ohne eigene Reduzierung nicht ueberleben – und fast niemand wird das aus Gruenden der Vernunft tun. Oder wir reisen durch den Weltraum und suchen uns einen neuen Planeten – in hundert Jahren (!), wie Stephen Hawking das sagte.
«aber perspektivisch werden wir das ohne eigene Reduzierung nicht ueberleben»
Das Problem ist selbstregulierend.
Im Prinzip ja, aber es ist eben keine «schoene» Loesung. Die Meisten werden verhungern. Die Reichen (und ihre Dienerschaft) muessen sich nur gut genug abschotten. Drumherum geht’s dann Jeder gegen Jeden. Kampf ums Dasein. Nennt man das nicht Sozialdarwinismus?
Auch das Problem «Klimawandel» ist selbstregulierend. (Falls die Temperaturen dann doch zu hoch oder zu niedrig ausfallen, dann eben bis zum Aussterben der Menschheit.)
Letzlich loesen sich alle Probleme irgendwie selbst.
«Falls die Temperaturen dann doch zu hoch oder zu niedrig ausfallen, dann eben bis zum Aussterben der Menschheit.»
Eher unwahrscheinlich. Aber ich habe dazu eine Frage von Max Frisch (aus Fragebogen, Suhrkamp, 1988. Es ist die erste im Buch:
«Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und all Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?»
Die zweite Frage ist:
«Warum? Stichworte genügen.»
Haben Sie darauf eine Antwort? Ich eigentlich nicht.
Erste Frage:
Nee, ist mir Rille. (Wenn ich tot bin, bin ich tot. Da interessiert mich nichts mehr.)
Zweite Frage stellt sich wohl dann nicht.
Und wer auf Frage eins mit «Ja» antwortet, kann wohl Frage zwei nicht schluessig beantworten.
Oder er ist eben religioes und glaubt an die Unsterblichkeit der Seele oder so.
Ich bin an sich auch kein großer Freund der Kernkraft. Man sollte möglichst keine Abfälle produzieren, um die sich künftige Generationen bis in 10000 Jahren kümmern müssen. Am Ende ist es aber eine Abwägung zwischen verschiedenen Methoden der Energierzeugung, von denen jede auch Nachteile hat. Wenn man das seriös macht, kommt eigentlich immer ein Mix aller möglichen Technologien als Optimum heraus, nicht der Ausstieg aus einer oder mehreren Technologien.
Ich denke auch, wir benötigen noch eine schwer absehbare Zeitspanne den Energiemix. Ob man Kernkraft dazunimmmt ist vielleicht weniger relevant. Ich nehme an, da könnte man kompensieren. Nur der Widerstand gegen alle konventionellen Erzeugungsarten ist zur Zeit noch realitätsfremd.
Wirkung nicht ohne Nebenwirkung. Ich bin kein Gegner von Windkraft, aber man sollte auch die Gegenrechnung berücksichtigen, nicht nur da Endergebnis und dabei auch die Volatilität mit einbeziehen. Es ist eben nicht zielführend, wenn ich im Sommer eine Unmasse Energie erzeugen kann, ohne daß sie gespeichert wird. Ich habe demzufolge im Winter trotzdem einen Mangel. Die immer wieder präsentierten Jahresleistungen gehen an der Realität vorbei. Das geht bei Weizen, Kunststoff oder Kaugummi, nicht aber bei el. Strom.
Trotzdem tauchen solche Meldungen immer wieder in der Presse auf oder werden als Argument genannt. Man fragt sich schon, ob relativ viele bei der Physikstunde regelmäßig auf der Toilette waren.
Am 09.12. wars ja besonders schlecht mit den alternativen Stromerzeugern. Wenn man sich anschaut, wer den mit Abstand größten Anteil der Erzeugung stemmt, ist es schon mehr als abenteuerlich die sofortige Abschaltung zu fordern.
Der Text wurde immer schmaler und teilweise wurde Text verschluckt, als ich auf «antworten» schrieb. Darum hier noch einmal zu der «Omega-Phase»:
>> …Anpassungen und Technologien ab, die heute noch gar niemand voraussehen kann. <<
Die Suche nach neuen Technologien und der Glaube, diese könnten aus dem Schlamassel, den Technologien angerichtet haben, herausführen, erinnert mich an die "Omega-Phase".
Der Klimawissenschaftler Hans Joachim Schellnhuber hat diesen Begriff, aus der Wirtschaft entlehnt. Die Omega-Phase ist eine Phase des extremen und ruinösen Niedergangs, in der ein Betrieb, der in Schwierigkeiten geraten ist, versucht, seine Probleme zu lösen, indem er genau das intensiviert, was er bisher getan hat: Produktivität, Innovation, Sparmaßnahmen, Stellenabbau, Preisdruck, Werbung — alles mehr, schneller, radikaler.“
«…alles mehr, schneller, radikaler.“
Mich erinnert das eher an die Klimaaktivisten und ihre politische Gefolgschaft:
Alles anders und zwar sofort.
«Der Klimawissenschaftler Hans Joachim Schellnhuber hat diesen Begriff, aus der Wirtschaft entlehnt.»
Ein Apokalyptiker, wie sie seit mehr als 2000 Jahren immer wieder aufgetaucht sind. Sie haben nur nie Recht behalten.
Ich habe ihn für einen hochbegabten Physikprofessor und hochangesehenen Klimaforscher gehalten.
Eines der Kippunkt-Szenarien, die er prognostizierte ist die Veränderung der El Niño-Southern Oscillation. Dieses Jahr wird womöglich das dritte La-Niña-Jahr in Folge werden.
«Ich habe ihn für einen hochbegabten Physikprofessor und hochangesehenen Klimaforscher gehalten.»
Man muss wissenschaftliche Publikationen, die auf harter Evidenz beruhen, und politische Aussagen, die auf persönlicher Meinung beruhen, sauber auseinanderhalten.
Das tun heute leider viele nicht mehr. Die Skepsis gegenüber eigenen Resultaten und Annahmen, die in der Forschung Pflicht ist, wird einfach ausgeschaltet, wenn man mit der Oeffentlichkeit kommuniziert. Aus meiner Sicht ist das unwissenschaftlich. Man darf nicht, um mit Laien zu kommunizieren, einfach die Unsicherheiten der eigenen Ergebnisse und Einschätzungen ausblenden. Wie viel Schaden so etwas anrichtet, haben wir gerade in der Corona-Krise gesehen.
Finden Sie, dass Ihre Äußerung, Schellnhuber sei ein Apokalyptiker, sehr wissenschaftlich ist?
Für seine Leistungen in der Klimaforschung wurde er jedenfalls weltweit ausgezeichnet.
«Finden Sie, dass Ihre Äußerung, Schellnhuber sei ein Apokalyptiker, sehr wissenschaftlich ist?»
Jemand kann sogar Nobelpreisträger sein und politisch Stuss reden (es gibt Beispiele) oder ein sehr guter Physiker und dabei extremer Pessimist sein oder extremer Optimist oder eben ein Apokalyptiker. Das schliesst einander nicht aus.
Was Schellnhuber mathematisch kann, sagt nichts darüber aus, ob er in gesellschaftlichen Fragen balancierte Aussagen macht.
Wenn ich
>> …nachdem Flora und Fauna weitgehend zerstört wurden»
Sie antworteten:
>> Wie kommen Sie darauf? Sind Sie manchmal draussen in der Natur? Ich bin Outdoor-Typ in einem der am stärksten industrialisierten Länder der Welt und meine Eltern leben auf dem Dorf in einem anderen der am stärksten industrialisierten Länder der Welt. Ich weiss wirklich nicht, wovon Sie da sprechen. <<
Das Problem mag Ihr Alter und die „shifting baselines“ sein.
Wenn man es nicht anders kennt, hält man den „Ist-Zustand“ für normal. Vor etwas über hundert Jahren blieben Segelschiffe auf dem Ozean in Fischschwärmen stecken. Heute undenkbar.
Vogelpopulationen in Europa: Rückgang in 40 Jahren 20 %.
https://www.europeanscientist.com/de/umwelt/extremer-20-rueckgang-bei-europaeischen-vogelbestaenden/
Insektensterben:
Große Aufmerksamkeit erregte im Oktober 2017 eine Studie aus Krefeld. Im Schnitt ging die Menge – genauer: die Biomasse – der Insekten, die an 60 Orten vor allem im Rheinland in ihre Netze flogen, binnen 27 Jahren um etwa drei Viertel zurück:
https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/tiere/insekten/bedrohung/
Dem älteren Autofahrer kann das aufgefallen sein: In meiner Jugend wurden an den Tankstellen erst mal die Scheiben und die Scheinwerfer gesäubert. Heute fehlt an vielen Tankstellen die dafür benötigten Utensilien weil sie nicht mehr benötigt werden.
Ich lebe seit über 40 Jahren in der Natur, auf einem Segelschiff in tropischen Gewässern und erlebe hautnah das Sterben der Korallen, das Fischsterben, die Vermüllung des Ozeans, die drastische Vermehrung der Lebebewesen die nicht zu den Wirbeltieren gehören (Quallen und z.B. Tintenfische) da die zunehmende Versauerung des Ozeane (Abnahme des pH-Wertes des Meerwassers) die Knochenbildung der Wirbeltiere (Fische etc) erschwert.
Zerstörung des Regenwaldes: Pro Jahr werden 158.000 Quadratkilometer – also etwas weniger als die Hälfte von Deutschland (356.000 km2). Pro Minute macht das 42 Fußballfelder!
Ich könnte so weitermachen, aber Sie scheinen es vorzuziehen, diese Entwicklung der Flora und Fauna-Zerstörung durch den Menschen zu ignorieren.
ZU dem Thema der «Shifting Baselines» hat der Journalist J.B. MacKinnon 2013 ein sehr unterhaltsames und lehrreiches Buch veröffentlicht:
The Once and Future World – Nature As It Was, As It Is, As It Could Be
Finden Sie, es gäbe zu wenig Insekten? Oder Vögel (beides hängt vermutlich zusammen)?
Wie definieren Sie, was zu wenig ist?
Warum sollte die Welt so bleiben, wie sie mal war? So etwas hat es in der Erdgeschichte nie gegeben.
In der Erdgeschichte hat es – bis jetzt – noch nie eine Spezies gegeben, die ein Massenaussterben in die Wege geleitet hat.
Ich finde, wie viele (tausende) von Wissenschaftlern, dass die von Menschen gemachte Umweltzerstörung (incl. Vogel und Insektensterben)ein Ausmaß erreicht hat, welche das zur Zeit bestehende Leben auf dem Planeten gefährdet.
Vielleicht haben Sie schon einmal die Warnung der Wissenschaftler zur Kenntnis genommen? Zuerst 1997:
https://www.ucsusa.org/sites/default/files/attach/2017/11/World%20Scientists'%20Warning%20to%20Humanity%201992.pdf
und wieder 2017:
https://www.scientistswarning.org/2017/11/13/scientists-warning-2nd-notice-2017/
In der deutschen Version fehlen leider die Schaubilder, die in der französischen oder holländischen Ausgabe zu sehen sind.
«In der Erdgeschichte hat es – bis jetzt – noch nie eine Spezies gegeben, die ein Massenaussterben in die Wege geleitet hat.»
Das ist demonstrabel falsch. Die Cyanobakterien haben, nach unserem besten Wissen, als erste Lebewesen oxygene (sauerstofferzeugende) Photosynthese betrieben. Das war ein extremer Evolutionsvorteil, sie haben sich explosiv vermehrt. Die anderen Lebewesen haben damals aber keinen Sauerstoff vertragen. Der war für sie ein Giftgas. So etwas gibt es heute noch in Nischen (obligat anaerobe Bakterien).
Die Große Sauerstoffkatastrophe war das wahrscheinlich größte Massenaussterben der Erdgeschichte.
Für Apokalyptiker heilsam ist auch die Darstellung der Aussterbensrate über die Erdgeschichte. Wir befinden uns ganz rechts in dieser Darstellung, wo die Werte so niedrig sind.
Das ist richtig.
Ich bezog mich auf das Phanerozoikum. Die dramatischen Entwicklungen des Präkambriums hatte ich dabei nicht im Schirm.
Dass wir uns in einem Eiszeitalter befinden und es auf der Erde die meiste Zeit sehr viel wärmer war, ist kein Grund, finde ich, dass der Mensch da verändernd eingreifen sollte.
«Dass wir uns in einem Eiszeitalter befinden und es auf der Erde die meiste Zeit sehr viel wärmer war, ist kein Grund, finde ich, dass der Mensch da verändernd eingreifen sollte.»
Es ist nicht unbedingt ein Grund. Es relativiert die Panikmache um die Erderwärmung aber doch erheblich.
Die Frage ist eben nicht, ob es 2, 3, 4 oder auch 8 Grad wärmer wird. Bei all dem bliebe der Planet habitabel, er würde sogar insgesamt lebensfreundlicher. Die Gesamtproduktion an Biomasse würde steigen.
Die Frage ist nur, ob der Anstieg so schnell ist, dass eine Vermeidung oder Bremsung gegenüber einer Anpassung die günstigere Alternative ist. Ich sehe nicht, dass das irgendjemand auch nur annähernd belegt hätte. Angesichts der riesigen Kosten der Vermeidung ist es nicht einmal plausibel.
Ich schrieb Eingangs, dass ich die Erwärmung auch nicht für das vordringliche Problem halte. Die Säugetiere haben sich wunderbar entwickelt nachdem die Dinos ausgestorben waren und da war es 10-15 Grad wärmer als heute. Auch viele Ozeanbewohner wie Fische und andere Seetiere haben Warmzeitalter und Aussterbeereignisse gut weggesteckt.
Prinzipiell bin ich aber der Meinung dass der Mensch nicht über genügend Hirn – Weitsicht – verfügt, um mit Erfolg in riesige Systeme eingreifen zu dürfen. Seine Aktionen gingen in der Regel schief (Kaninchen nach AUS etc.)
Das menschengemachte Aussterben der Arten und der durch die Ausbreitung des Menschen auf der Erde induzierte Ökozid werden erheblich größere Probleme bereiten als die Erwärmung die allerdings zu großen Verteilungskämpfen (Ressourcen und Land) führen wird.
Die Erwärmung ist nicht mehr aufzuhalten, das menschengemachte Artensterben wäre es schon.
«Prinzipiell bin ich aber der Meinung dass der Mensch nicht über genügend Hirn – Weitsicht – verfügt, um mit Erfolg in riesige Systeme eingreifen zu dürfen.»
Und wofür halten Sie die gegenwärtigen Pläne der Politiker zur ökologischen Weltbeglückung dann?
Unsere technologische Zivilisation ist ein Riesensystem, dass sich (als System) nicht durch menschliches Design entwickelt hat, sondern durch eine im Wesentlichen ungesteuerte Entwicklung. Dieses System nach den Vorstellungen einiger Leute mit maximal doppeltem durchschnittlichem menschlichem IQ (die wenigstens liegen im IQ auch nur über 150, Schellnhuber vielleicht gerade noch) drastisch und sehr hastig umzubauen, wird sehr wahrscheinlich fatal enden.
Ich finde, es ist ein großer Unterschied, ob Menschen mit ihrem aufgeblasenen technischen Apparat in das funktionierende Ökosystem der Erde eingreifen und es durch dieses Eingreifen, wo immer es passiert, zerstören, oder ob Menschen in der Erkenntnis, dass ihre technische Zivilisation ungeheure zerstörerische Qualitäten entfaltet hat, beginnen, ihr selbstgeschaffenes System zu überdenken und zu begrenzen.
Umbau endet fatal sagen Sie…fatal für wen oder was?
«Umbau endet fatal sagen Sie…fatal für wen oder was?»
Ich fürchte, ein überhasteter Umbau wird für sehr viel mehr Menschen fatal (tödlich) enden als es ein einfaches «Weiter so» täte, von einem sehr behutsamen Umbau mal ganz abgesehen.
Unsere technologische Zivilisation, so wie si eist, kann auf diesem Planeten 8 Milliarden Menschen tragen. Es ist ohne Zweifel so, dass die vorindustrielle Wirtschaftsweise das nicht gekonnt hätte. Ich sehe keinen Grund für die Annahme, dass eine nachindustrielle Wirtschaftsweise annähernd so viele Menschen auf diesem Planeten unterhalten könnte.
Was wird dann mit dem Rest?
Die technologische Zivilisation hat den Menschen zu einer Massenvernichtungswaffe für den Rest der Lebewesen auf dem Planeten entwickelt.
Für eine gewisse Zeit wird der Planet womöglich 8 bis 10 Milliarden Menschen in einer Entwicklungsstufe tragen können, die dem der „entwickelten“ Länder entspricht.
Da aber bereits Abfallprodukte des Lebensstils der „reichen“ 1,5 Milliarden die Artenvielfalt gefährden, braucht es nicht viel Phantasie, sich auszumalen, was passiert, wenn alle 8 Milliarden sich „entwickelt“ haben werden.
Sollte es den Menschen der technischen Zivilisation gelingen, eine Lebensweise zu entwickeln, die die Luft atembar, das Wasser sauber und das Land fruchtbar erhält und genügend Raum für die Entfaltung einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen läßt, dann haben sie eine Zukunft.
Bisher wurden gesunde Wälder, Flüsse und Meere zur Erhaltung „höheren“ Lebens auf dem Planeten gebraucht. Ob es ein Überleben auch ohne das geht, erkundet der Mensch gerade.
Wie haben es die Bewohner kleiner Inseln geschafft, über tausende von Jahren ihr Biotop zu nutzen ohne es zu zerstören?
Ein weiter so wird tödlich für die Artenvielfalt und damit am Ende auch für unsere Spezies sein.
«Sollte es den Menschen der technischen Zivilisation gelingen, eine Lebensweise zu entwickeln, die die Luft atembar, das Wasser sauber und das Land fruchtbar erhält und genügend Raum für die Entfaltung einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen läßt, dann haben sie eine Zukunft.»
Wie schon gesagt, gehen Sie einfach mal in Deutschland in die freie Natur. Oder in den USA. Oder in Japan. Oder schnorcheln in der Nähe von Cairns, Australien.
Es gibt sehr viele Theorien, nach denen Industrialisierung und saubere Luft, sauberes Wasser und Artenvielfalt nicht vereinbar seien. Sie halten nur allesamt einer experimentellen Ueberprüfung nicht stand.
«Warum sollte die Welt so bleiben, wie sie mal war?»
Richtig.
«So etwas hat es in der Erdgeschichte nie gegeben.»
Richtig.
Wenn ein Tier ausstirbt, kommt eben ein anderes. Wenn die Dinosaurier nicht ausgestorben waeren, haette es den Menschen nie gegeben.
Technik-Freaks haben eben einen anderen Blick auf die Welt als Apokalyptiker.
Alles gut.
«Technik-Freaks haben eben einen anderen Blick auf die Welt als Apokalyptiker.»
Obwohl ich Säbelzahntiger und Mammuts sehr cool finde (so lange sie mir nicht in freier Wildbahn begegnen). Aber es lebt eben nichts ewig, nicht mal Arten.
Saebelzahntiger und Mammuts fand ich auch mal cool – wegen der Stosszaehne. Spaeter sind’s dann reale Tiere geworden, die noch existieren. Zum Glueck gehoert der Isegrim wieder zu Deutschland.
Ja, nichts lebt ewig. Zum jetzigen Artensterben (in Ihrer verlinkten Darstellung ganz rechts) halte ich mich mal vornehm zurueck.
Es gibt zweifellos gegenwärtig ein Artensterben und zweifellos ist die Menschheit eine der Ursachen.
Daraus folgt nur eben nicht, dass dieses Artensterben für uns als Art bedrohlich wäre. Es folgt auch nicht, dass wir etwas Unethisches tun. Wie jedes Artensterben schafft auch dieses Platz für neue (modernere) Arten. Das coole Zebra und die coole Giraffe gäbe es eben auch nicht, wenn es noch immer die Saurier gäbe.
«Daraus folgt nur eben nicht, dass dieses Artensterben für uns als Art bedrohlich wäre.»
Bienensterben?
https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article144151778/Sterben-die-Bienen-aus-sterben-auch-Menschen.html
Zum Bienensterben drei Antworten: Erstens steht dort nicht, dass die Menschen aussterben. Zweitens steht dort nicht einmal, dass die Bienen aussterben werden. Da wird nur über eine «Was -wäre-wenn»-Schätzung gesprochen – was würde passieren, wenn sie aussterben würden. Drittens nimmt die Studie an, dass es überhaupt keine Anpassungen in den Anbaumustern gäbe usw. Es ist eine apokalyptische Milchmädchenrechnung, deren erste Voraussetzung nicht annähernd belegt ist, auch wenn die Publikation in Lancet erschienen ist.
Die milchmädchenhochgrechneten 1.42 Millionen zusätzlichen Todesfälle pro Jahr wären bei 8 Milliarden Menschen und einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 71 Jahren überigens gar nicht so leicht überhaupt statistisch nachzuweisen.
Na gut. Das war ja auch nur eine zaghafte Anfrage. (Eigentlich die falsche Rubrik.)
Mir ist schon klar, dass die spekulativen 1,4 Mio Toten nur ein (political incorrect) «Fliegenschiss» sind – fuer unsere Art nicht bedrohlich, aber eben auch nicht Null.
Wollte eigentlich nur mal Ihre Meinung wissen. Wahrscheinlich haben wir hier im hochentwickelten «Westen» sowieso ein schiefes Bild von den Problemen, die es wirklich gibt – und die man auch beheben kann.
Man soll die Bienen schon schützen, sie sind sehr nützlich.
Es gibt aber in den Medien – und selbst in wissenschaftlichen Zeitschriften – ein Filter, das alle Schwarzmalereien bezüglich der Auswirkungen von Technologie und Industrialisierung begünstigt und das Gegenteil zurückdrängt. Diese dunkelgrauen Brillengläser werden auf die Dauer dazu führen dass die technologische Zivilisation an die Wand gefahrhen wird mit sehr nachteiligen Folgen für die Menschheit.
Ich habe noch so eine hübsche Grafik: Klima in den letzten 500 Millionen Jahren.
Verdammt kalt gerade. Zuletzt ging auch der Trend immer nach unten, so dass ein absolutes Temperaturminimum bevorzustehen schien.
Oder die letzten 400’000 Jahre, nach der Grafik weiter oben alles eine Kaltperiode, aber zyklisch. Es ging da schon mehrfach sehr steil nach oben, dann flachtes es ab und ging wieder abwärts. Ziemlich Schwankungsbreite auch.
Hübsch ist auch noch diese Darstellung der University of California at Santa Cruz. Wenn das so weitergeht, erreichen wir 2100 die Temperatur des jüngsten Klimaoptimums, das ein Maximum während des Miozäns (einer andauernden Kälteperiode) war. Dieser Planet war schon mal 15°C wärmer als jetzt.
Eigentlich eine gute Idee, den Planeten zu heizen, der in letzter Zeit so ungewöhnlich kalt geworden ist.
«Verdammt kalt gerade.»
Ja bei mir um 04:00 Uhr sind -12°C vorausgesagt.
«Eigentlich eine gute Idee, den Planeten zu heizen…»
Na dann: Gute Nacht!
«Eigentlich eine gute Idee, den Planeten zu heizen.»
Was sagen eigentlich Ihre Verwandten, Bekannten, Freunde und Kollegen (d/w/m) zu Ihrer abweichenden Meinung bzgl des hiesigen Mainstreams. Oder ist das in Ihrem Umfeld die Mehrheitsmeinung?
«Oder ist das in Ihrem Umfeld die Mehrheitsmeinung?»
In meinem Umfeld insgesamt vielleicht nicht, aber in meiner Verwandtschaft stehen die meisten den unausgegorenen ökologischen Weltbeglückungsplänen kritisch gegenüber.
Der grösste Teil meines anderen Umfelds, so er meine Meinung kennt, ist allerdings an rationale Argumentationen gebunden. Solange das so ist, ist meine Meinung und meine Kritik an mangelnden wissenschaftlichen Belegen für die Mainstream-Meinung nicht so leicht zu attackieren.
Ja, in meiner Verwandtschaft ist das aehnlich und auch unter den KollegInnen (wenn es ueberhaupt mal Thema ist). Allerdings habe ich noch nie jemand gehoert, der es fuer eine gute Idee haelt, den Planeten zu heizen.
Hab› mal wieder in Ihren alten Beitraegen rum gewuehlt. Und da scheint es ja ein cooles Maerchen (in vier Teilen) zu geben: «Die Erde – Ein Wintermaerchen». Mal seh’n, ob ich das in den Weihnachtsfeiertagen mal durchlesen kann.
Viel Spass noch beim Skifahren!
>> Wie schon gesagt, gehen Sie einfach mal in Deutschland in die freie Natur. Oder in den USA. Oder in Japan. Oder schnorcheln in der Nähe von Cairns, Australien. <> Es gibt sehr viele Theorien, nach denen Industrialisierung und saubere Luft, sauberes Wasser und Artenvielfalt nicht vereinbar seien. Sie halten nur allesamt einer experimentellen Ueberprüfung nicht stand. <<
Eine etwas frivole Äußerung angesichts des gerade laufenden Experiments und seiner offen liegenden Resultate:
Das Barrier Reef z.B. hat seit 1995 die Hälfte seiner Korallen verloren. Es erlebte 3 Massenbleichen in 5 Jahren…aber die hatten natürlich überhaupt nichts mit den Abfallprodukten menschengemachter industrieller Aktivitäten auf der Erde zu tun.
Seit über 40 Jahren – auch auf meiner Weltumsegelung – tauche und schnorchle ich in den Korallenriffen der Weltmeere und habe mit eigenen Augen feststellen können, wie die Zerstörung der Artenvielfalt und der Grundlagen des Lebens auf diesem Planeten durch die industrielle Zivilisation des Menschen voranschreitet.
Manche Menschen können das nicht erkennen, manche Menschen wollen das nicht sehen.
Einen sehr guten Überblick über die Lebensgrundlagen (CO2 Kreislauf etc) und die Veränderung des Lebens auf der Erde gibt das von dem USamerikanischen Paläontologen Prof. Peter Ward veröffentichte Buch:
Peter D. Ward & Joe Kirschvink – 2015 – Eine neue Geschichte des Lebens – Wie Katastrophen den Lauf der Evolution bestimmt haben
Das katastrophale Massenaussterben beschränkt sich nicht auf die großen Vögel und Säugetiere, die in einer ersten Phase der Ausbreitung der Hominiden zum Opfer fielen: Die durch die industrielle Zivilisation eingeläutete zweite Phase konzentriert sich derzeit auf Pflanzen, Vögel und Insekten, und verwandelt die alten Wälder des Planeten in Felder und Großstädte.
«verwandelt die alten Wälder des Planeten in Felder und Großstädte»
Das haben die Griechen schon in der Antike getan, wenn auch eher Felder und Schiffe.
Die Antike und der Wald
Die Zwischenüberschriften sind:
Bevölkerungswachstum führt zu verstärkter Waldrodung
Wälder für Flotten abgeholzt
Ausbeutung der Natur als Prinzip
Wälder als Brennholz für römische Bäder
Trotz Raubbau relativ geringe Unmweltschäden
>> trotz Raubbau relativ geringe Umweltschäden <> Dort, wo die Wälder abgeholzt wurden, erodierte der Boden, der nun seinen natürlichen Schutz verloren hatte. Die fruchtbare Erde wurde durch den Ackerbau schnell ausgelaugt und vom Regen weggespült, eine verkarstete Steinwüste blieb zurück. <> Die wirtschaftlichen Aktivitäten des Römischen Reiches hatte erhebliche und dauerhafte negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt des Mittelmeerraums. Viele Pflanzen- und Tierarten sind während der Kaiserzeit im Mittelmeerraum ausgestorben. Extensive Landwirtschaftz beschleunigte die Wüstenbildung. Plinius berichtet, dass der letzte bekannte Silphiumstängel – niemand weiss genau, was das war – der in der Cyrenaika gefunden wurde, dem Kaiser Nero «als Kuriosität» geschenkt wurde. Die berühmten Balsambäume von Iudaea/Palaestina waren am Ende der römischen Ära ausgestorben. Myrrhe und Weihrauch wurden in riesigen Mengen importiert, so dass diese Bäume in Südarabien «vom Aussterben bedroht» waren. Die Beschaffung von Tieren für die römischen Amphitheater verdrängte größere Säugetiere, Reptilien und Vögel aus den für Berufsjäger und Fallensteller zugänglichen Gebieten. Sie erschöpften die Jagdgründe Nordafrikas, wo Elefanten, Nashörner und Zebras ausstarben. Nilpferd und Krokodil verschwanden vom unteren Nil. Die Löwen wurden im westlichen Kleinasien. Tiger verschwanden aus Armenien und Hyrkanien im nördlichen Iran, den nächstgelegenen Quellen zu Rom. Auch die Artenvielfalt der Meeresfauna ging zurück. Neue Methoden, die im westlichen Mittelmeer eingeführt wurden (z. B. nächtlicher Fischfang, Thunfischbeobachtungsstellen, die so genannten Thynoskopeia, Reusen usw.), führten vielerorts zur Überfischung. Der riesige weiße Zackenbarsch (Epinephelus aeneus), der bis zu drei Meter lang und 600 Kilogramm schwer werden konnte, ist im Mittelmeer fast ausgerottet. Auch die Murex, die rote Koralle und die Schwämme wurden in industriellem Maßstab gefischt und starben in großen Gebieten aus. <<
Das funktioniert nicht richtig.
Ich schrieb:
>> trotz Raubbau relativ geringe Umweltschäden <> Dort, wo die Wälder abgeholzt wurden, erodierte der Boden, der nun seinen natürlichen Schutz verloren hatte. Die fruchtbare Erde wurde durch den Ackerbau schnell ausgelaugt und vom Regen weggespült, eine verkarstete Steinwüste blieb zurück. <<
scheint mir ein Widerspruch zu sein.
Mehr zu den Praktiken Roms:
https://en.wikipedia.org/wiki/Deforestation_during_the_Roman_period
Die Tatsache, dass weite Teile Spaniens der Desertifikation ausgesetzt sind, ist eine Folge römischen Raubbaus.
Das zweite Zitat ist aus einem Papier von Tibor Grüll
Ecological Changes in the Roman Mediterranean
https://www.academia.edu/2037107/Ecological_Changes_in_the_Roman_Mediterranean
Mag alles sein. Aber in Griechenland leben nach wie vor Menschen (mehr als damals) und das Land (und das Meer dort) ist sogar attraktiv genug für Tourismus.
«Das Barrier Reef z.B. hat seit 1995 die Hälfte seiner Korallen verloren.»
Dort wird es den Korallen zu warm. Haben Sie sich mal überlegt, dass durch die Erderwärmung andere Teile des Ozeans für Korallen und die tropische Artenvielfalt bei Meerestieren überhaupt erst habitabel werden? Waren Sie mal in sehr kalten Meeresteilen schnorcheln?
Gut möglich, dass Korallenriffe in Gegenden umziehen, die ihnen klimatisch besser passen. Immerhin haben die Korallen auch die letzten Massenaussterbeereignisse überlebt.
Dann sollten wir aber wirklich kräftig CO2 rausblasen, die Antarktis wartet auf ihre Korallenriffe. Meiner Meinung nach kann es nur schief gehen, wenn der Mensch in das System Erde so stark eingreift wie er das seit der Industrialisierung tut. Die Schäden, die Rom hinterlassen hat sollten eher eine Warnung sein.
«Die Schäden, die Rom hinterlassen hat sollten eher eine Warnung sein.»
Es gibt keinen Grund, warum Italien und Spanien genau so aussehen sollten, wie vor den Zeiten des Römischen Reichs oder warum der untere Teil der Alpen bewaldet sein sollte (wie er das vor der menschlichen Nutzung war). Die Alpen sind eine Kulturlandschaft und gerade deshalb sehen sie so interessant aus, wie zum Beispiel auch die terrassierten Reisfelder in Asien.
Wölfe fressen Hasen, Menschen betreiben Landwirtschaft und Industrie. Die Welt ist so eingerichtet.
Woelfe fressen Hasen – wenn’s nichts besseres im Angebot gibt, schon auch die.
«Die Alpen sind eine Kulturlandschaft…»
https://www.alps-magazine.com/die-alpen-vom-verschwinden-einer-kulturlandschaft/
Auch das wird sich wohl veraendern.
Nun ja, ich bin kein grosser Freund von Städten in den Alpen, wie etwa Davos oder St. Moritz. Bei Zermatt allerdings, obwohl das auch verbaut und zu touristisch ist, werde ich schwach.
Geheimtipp: Französische Alpen in der Nähe des Mercantour-Nationalparks. Der müsste auch Sie begeistern (wegen der Wölfe). In einen Nationalpark, finde ich, gehören sie auch.
In Graubünden hatten sie übrigens 1650 ihr Wappentier ausgerottet (den Steinbock). Der wurde aber wieder angesiedelt, ironischerweise durch das Schmuggeln italienischer Kitze. Inzwischen gibt es wieder ein paar Tausend (in der gesamten Schweiz etwa 16’000).
«Wappentier ausgerottet» Ja, das ist nun leider einmal so, die kann man nicht zu Veganern umerziehen. (Hunde schon) Aber schoen, dass es wieder Steinboecke gibt.
«Geheimtipp: Französische Alpen – Mercantour-Nationalpark»
Ja, klingt super. War da mal in der Naehe wandern.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ligurische_Grenzkammstraße
«Bei Zermatt allerdings…werde ich schwach.»
Na ja – keine Ahnung. Habe gehoert, die Stadt ist nur was fuer ganz Reiche. (Also Leute wie Sie (-;)
«Wappentier ausgerottet» Ja, das ist nun leider einmal so, die kann man nicht zu Veganern umerziehen. (Hunde schon)
««Wappentier ausgerottet» Ja, das ist nun leider einmal so, die kann man nicht zu Veganern umerziehen. (Hunde schon)»
Ach so, das ist ein Missverständnis. Es geht auf meine Kappe, der Text legt wirklich nahe, dass es die Wölfe waren. Den Steinbock hatten 1650 aber die Bündner Jäger ausgerottet.
Zermatt: Die billigste Uebernachtung für eine Person wäre zum Beispiel am 1./2. Juli für 58 Franken zu haben (allerdings Jugendherberge, 8-Bett-Schlafsaal). Das billigste Einzelzimmer für 89 Franken, das billigste Doppelzimmer für 148 Franken. Berchtesgaden ist billiger, aber superreich muss man in Zermatt auch nicht sein.
Zermatt: Okay. Mir hat das Einer gesagt, der war vor Jahrzehnten paar mal dort. Und ihm hat’s eben gar nicht gefallen. (Lauter reiche Touristen). Kann aber auch Frust gewesen sein, weil er eigentlich wg. des Matterhorns in der Gegend war und beim Besteigen auf halber Strecke wg. schlechten Wetters wieder umgedreht ist.
«Den Steinbock hatten 1650 aber die Bündner Jäger ausgerottet.»
Wusste ich’s doch: An allem Unheil ist der Mensch schuld – und nicht nur der Calvinismus.
Es waren calvinistische Jäger – zumindest im übertragenen Sinne – nämlich zu fleissige.
Heu – etwa auch schon frei?
Tja, das bestaetigt mich nur, dass Fleiss (neben anderen «Tugenden») allgemein ueberbewertet wird.
Um was ging’s denn – warn’s die Hoerner?
Das Fleisch dieser Tiere ist schmackhaft. Sie stammen von den gleichen Urahnen ab wie die Ziegen. Manche behaupten sogar, die Ziegen seien einfach nur die domestizierte Zuchtform der Steinböcke.
Ja, das war naheliegend.
Dann erstmal Danke fuer alles.