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Auf den Spuren der Inkas in Machu Picchu
Hoch über den mächtigen Gipfeln der Anden, in der peruanischen Region Cusco, liegt mit der Ruinenstadt Machu Picchu eine der spektakulärsten Sehenswürdigkeiten Südamerikas. Die ungewöhnlich gut erhaltene Inkastadt lag einst an einem Pfad, der die 75 km südöstlich gelegene Stadt Cuzco mit der heutigen Ruinenstadt Llactapata verband. Mit ihrer Terrassenbauweise und über 200, teils mehrstöckigen Gebäuden zählt Machu Picchu zu den herausragenden Beispielen des Inka-Städtebaus.
Der heutige Name Machu Picchu leitet sich vom gleichnamigen Gipfel ab, der die Stadt gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Huayna Picchu in 2360 m Höhe einschliesst. Zu ihrer Hochblüte soll die Stadt in der Lage gewesen sein, bis zu 1000 Personen zu beherbergen und zu versorgen. Der genaue Zweck der mächtigen Festungsstadt ist bis heute ungeklärt; verschiedene Theorien sehen die Stadt als königliches und religiöses Zentrum, andere vermuten eine noch im Bau befindliche Stadt, die bei der Ankunft der Spanier aufgegeben wurde.
Auch entdeckt wurde Machu Picchu erst spät, nach mehreren vergeblichen Expeditionen, die der Legende der alten Inkastadt auf der Spur waren. Im Juli 1911 stiess der US-amerikanische Forscher Hiram Bingham durch Zufall auf die völlig überwucherten Ruinen der Siedlung und hatte damit mehr Glück als viele seiner Vorgänger, die den Standort von Machu Picchu nicht ausmachen konnten, obwohl sie durch die einheimische Bevölkerung von der legendären Stadt erfahren hatten. Heute ist Machu Picchu Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und wird täglich von rund 2000 Personen besucht.
Vom königlichen Zufluchtsort zur Touristenattraktion
Die Stadt Machu Picchu wurde im 15. Jahrhundert auf einem Bergrücken erbaut und fasziniert bis heute durch ihre aussergewöhnliche Lage zwischen den mächtigen Andengipfeln. Vermutlich gab der Inka-Herrscher Pachacútec Yupanqui um 1450 den Befehl zum Bau der neuen Festungsstadt, die in einem komplexen Terrassensystem angelegt war und deren weitläufige Treppen, Wasserabläufe und Zulaufkanäle bis heute in ihrem Originalzustand erhalten sind. Die Anlage teilt sich in eine landwirtschaftliche und eine städtische Zone, wobei die weitläufigen, durch Treppen verbundenen Terrassen vor allem dem landwirtschaftlichen Anbau dienten. Der eigentliche Stadtbereich ist durch eine 400 m lange Mauer von den Anbaugebieten getrennt.
Neben Tempelanlagen und Wohnhäusern wurden in Machu Picchu auch mehr als 50 Grabstätten entdeckt, und neuere Theorien gehen davon aus, dass es sich bei den rund 100 gefundenen Skeletten zum Grossteil um Bedienstete handelt, die sich in der Stadt für Besuche von Mitgliedern der herrschenden Familien bereithielten. Mit ihren eindrucksvollen Gebäuden in der traditionellen Inka-Steinbauweise und ihrer spektakulären Lage hoch über dem Fluss Urubamba gilt die Ruinenstadt Machu Picchu noch heute als heilige Stätte. Die Entwicklung zur weltberühmten Touristenattraktion hat der Region jedoch nicht nur Gutes beschert, und aufgrund der extrem hohen Besucherzahlen in der Hochsaison sprach die UNESCO bereits die Empfehlung aus, die täglichen Besucherzahlen um mehr als die Hälfte zu reduzieren. Auch die örtliche indigene Bevölkerung, die zum Grossteil in Armut lebt, profitiert bislang weit weniger von der Popularität der Ruinenstadt als die grossen Gastronomie- und Hotelbetriebe.
Über den Inca Trail nach Machu Picchu
Der alte Inka-Pfad, der Machu Picchu einst mit Cusco verband, dient noch heute als Zugangsweg zu den Ruinen. Wer die alte Festungsstadt auf diese einzigartige Weise entdeckt, kann die alten Inka-Herrscher nur für ihre strategische Wahl des unzugänglichen und zugleich spektakulären Standortes bewundern. Der Inca Trail führt je nach gewähltem Startpunkt auf einer mehrtägigen Wanderung nach Machu Picchu und durchquert dabei auch das mächtige Sonnentor Inti Punku, das einst als Eingang zur Stadt diente. Vor allem zum Sonnenaufgang bietet das Sonnentor in rund einer halben Stunde Fussmarsch Entfernung einen atemberaubenden Anblick auf die Ruinenstadt.
Das schwer zugängliche Gebiet rund um Machu Picchu wurde aber auch längst für den Tourismus erschlossen, sodass die alte Inkastadt heute auch auf weitaus bequemere Weise zu erreichen ist. Das nächstgelegene Dorf, Aguas Calientes am Fusse des Machu Picchu, ist inzwischen über eine eigens eingerichtete Bahnlinie mit der Provinzhauptstadt Cusco verbunden. Über eine Serpentinenstrasse kann Machu Picchu von Aguas Calientes aus direkt mit dem Bus oder auf einem acht Kilometer langen Fussmarsch erreicht werden. Auch eine direkte Seilbahnverbindung von Aguas Calientes ist mittlerweile in Planung, wogegen sich allerdings die UNESCO aufgrund der zu erwartenden erhöhten Besucherzahlen und der Erdrutschgefahr mit allen Mitteln wehrt.
Besucher, die die Ruinenstadt Machu Picchu auf dem Inca Trail entdecken möchten, müssen sich vor allem in der Hauptsaison lange im Voraus um eine Buchung bemühen, da die tägliche Anzahl der Besucher ebenso wie für den Zugang zu den Ruinen begrenzt ist. Auch das unbegleitete Begehen des historischen Pfades ist nicht gestattet; die entsprechenden Veranstalter sind von der peruanischen Regierung speziell für die mehrtägigen Touren zugelassen. Die angebotenen Wanderungen dauern je nach Startpunkt zwei oder vier Tage; übernachtet wird in Zelten unter freiem Himmel. Dabei überqueren die Wanderer mehrere Gebirgspässe und tiefe Schluchten, erhalten einen Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Anden und haben schliesslich am Sonnentor Gelegenheit, von der wohl schönsten Stelle aus einen ersten Blick auf das legendäre Machu Picchu zu werfen.
Auf den Spuren der Inkas durch die Quebrada de Humahuaca.
Oberstes Bild: Blick auf Machu Picchu mit dem Huayna Picchu (Bild. Colegota / Wikimedia / CC)