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Am Rande des Kaukasus und entlang der Seidenstrasse liegt ein kleines Land. Was rosig anhebt, ist aber ganz und gar nicht märchenhaft, denn das Land ist klein und eingeschlossen. Armenien hatte geopolitisch betrachtet bis anhin vor allem eines: viel Pech. Mit Aserbaidschan befindet sich das Land immer noch im Krieg um die Region Berg-Karabach; die Grenze zur Türkei ist geschlossen, offen sind nur die Wege nach Georgien und in den Iran. Die zerrissene Region zwischen Asien und Europa hat die verschiedensten Imperialmächte kommen und gehen sehen. Wie aber hat sich Armenien seit seiner jüngsten Unabhängigkeit 1991 aufgestellt und entwickelt?
Die Zahlen
Die Bevölkerung Armeniens beträgt in etwa 3 Millionen. Etwa ein Drittel dieser Menschen lebt auf dem Land, immer mehr zieht es ins Ausland. Die Nettoabwanderung betrug zwischen 2008 und 2012 durchschnittlich 3,2 Prozent, nicht nur wegen der weit verbreiteten Arbeitslosigkeit, aber vor allem. Das bedeutet, dass die Bevölkerung beständig schrumpft, besonders jener Teil im arbeitsfähigen Alter.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Armeniens betrug 2013 in etwa 10 Milliarden US-Dollar, jenes der Schweiz im selben Jahr war 62mal grösser1. Ein Jahr davor kletterte die Wachstumsrate Armeniens auf 7,4 Prozent. Doch bereits 2014 fiel sie wieder auf 3,4 Prozent – der Bausektor erlebte eine Rezession und Russland litt unter der schlechten Wirtschaftslage.
Mengenmässig sind die drei wichtigsten Exportklassen des Landes: Schlacke und Asche; Getränke und Spirituosen; Perlen, Edelsteine und Schmuck-Imitate. Diese Exportgüter machen fast die Hälfte des Exportvolumens aus.
2013 importierte das Land doppelt so viel, wie es exportierte. Dieses Defizit in der Zahlungsbilanz muss irgendwie finanziert werden. Darin hängt Armenien massgeblich von ausländischen Direktinvestitionen, von Entwicklungshilfegeldern und allen voran von Geldüberweisungen aus dem Ausland ab. Letztere machten 2013 einen Viertel des gesamten BIPs aus und heben die grosse Diaspora in den Rang eines Hauptwirtschaftspfeilers. Schätzungsweise 7 bis 8 Millionen Armenier leben im Ausland, vor allem in Russland, in den USA und in Frankreich. Ihr finanzieller Beitrag wächst angesichts des schwachen privaten Sektors nur noch.
Die Sektoren
Wer sich die Arbeitsproduktivität Armeniens ansieht, weiss: der Staat ist nicht wettbewerbsfähig. Die schmale Wirtschaftsbasis setzt sich aus einer Handvoll grossen und mittelgrossen Firmen und einer Unmenge an kleinen und Mikrofirmen zusammen. Gerade mal 4 Prozent aller Unternehmen lassen sich zu den grossen Firmen zählen, diese allerdings erwirtschaften zusammen 71 Prozent der vom Privatsektor erzielten Wertschöpfung. Die mittelgrossen Unternehmen spielen dagegen in Sachen Beschäftigung und Wertschöpfung eine marginale Rolle. Was bleibt also übrig? Es sind die Mikrofirmen, die 80 Prozent aller registrierten Firmen ausmachen und deren Hauptaktivität im Handel besteht.
Die Schwäche des privaten Sektors lässt sich auch auf die Bedeutung der informellen Wirtschaft zurückführen, die sich hauptsächlich aus dem Agrarsektor speist. Mehr als die Hälfte aller Arbeitskräfte ist in nicht registrierten Jobs tätig, trägt aber gemäss dem IWF nur 35 Prozent zum armenischen BIP bei. Der informelle Sektor Armeniens beschäftigt mit anderen Worten am meisten Menschen – vor allem auf eigene Rechnung arbeitende und unbezahlte Familienmitglieder. Die Produktivität des informellen Sektors ist etwa 5mal geringer als die des formellen.
Wachstumshemmend ist auch der Mangel an Führungskräften, professionellen Buchhaltern und Finanzleuten. Banken zum Beispiel vertrauen den Firmenbuchhaltern nicht und überprüfen die Bücher ihrer Kunden selbst, was die Kreditkosten in die Höhe treibt.
Verpasste und aussichtsreiche Chancen
Der Grund, weshalb Armenien der Wandel nur bedingt gelingt, ist aber wohl eher darin zu suchen, dass das Land zwar, ebenso wie andere postkommunistische Länder, die alten sowjetischen Richtlinien über Bord geworfen hat, es allerdings versäumt hat, neue durchzusetzen, die dafür sorgen könnten, dass das Land an der globalisierten Wirtschaft teilnehmen könnte. Ohne diese bleibt die Auswanderungsquote auch bis auf weiteres hoch.
Während der Sowjetzeit war…