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Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern zu eliminieren. Die epidemiologische Überwachung dieser Krankheit ist wichtig, um sporadische Fälle und Ausbrüche zu erkennen, Massnahmen zur Verhinderung einer Übertragung zu ergreifen, und die Fortschritte auf dem Weg zur Elimination zu dokumentieren.
Stand: 21.11.2018
Das Ziel: Elimination der Masern
Die WHO zielt darauf ab, die Masern zu eliminieren. Die Schweiz hat sich – wie alle anderen europäischen Länder auch – hinter dieses Ziel gestellt. Sie möchte dies durch eine Erhöhung der Durchimpfung in der Bevölkerung, ein griffiges Meldesystem und die Kontrolle von Ausbrüchen erreichen. Die WHO hat festgelegt, dass die Masern dann eliminiert sind, wenn während mindestens 12 Monaten keine endemischen Fälle mehr auftreten. Die eingeschleppten bzw. mit einer Einschleppung assoziierten Fälle werden dabei nicht gezählt, und es ist die Aufgabe des Meldesystems, diesen Nachweis zu erbringen. Weiter sind bei jedem sporadisch auftretenden Fall – unabhängig davon ob eingeschleppt oder endemisch – Massnahmen zu treffen, um die Übertragung der Krankheit zu verhindern. Dies ist umso wichtiger, wenn ein Ausbruch mit mindestens zwei miteinander verbundenen Fällen auftritt. Voraussetzung dafür ist, dass Masernfälle rasch erkannt, durch einen Labornachweis bestätigt und innerhalb kurzer Frist den zuständigen Gesundheitsbehörden gemeldet werden. Der Lagebericht zur Masernsituation beschreibt die im Rahmen der obligatorischen Meldepflicht verzeichneten Fälle und fasst die getroffenen Massnahmen zusammen. Er dokumentiert damit die Fortschritte der Schweiz im Bemühen, die Masern zu eliminieren.
Allgemeine Lage
Im 2018 wurden bis 21. November 2018 48 Masernfälle gemeldet, was im Vergleich zum selben Zeitraum im 2017 mit 105 Fällen ein Rückgang von 54% Prozent bedeutet. Dies entspricht einer Inzidenz von 5.7 (2018) bzw. 12.4 (2017) Fällen pro Million Ein-wohner (nicht-annualisierte Inzidenzen). 24% der 153 im Jahr 2017 und 2018 verzeich-neten Fälle waren isolierte Fälle, die über 15 Kantone und Liechtenstein verteilt auftra-ten. Die Mehrheit der Fälle (76%) konnte 19 bestimmten Ausbrüchen zugeordnet wer-den. In diesem Zeitraum waren 24 % der Fälle jünger als 10 Jahre alt, 25% zwischen 10- und 19-jährig; 51% waren 20-jährig oder älter. 84% der Fälle waren nicht oder nur unzureichend geimpft. 20% der Fälle mussten hospitalisiert werden; bei 5% der Fälle wurde eine Pneumonie, bei 0.7% (1 Fall) sogar eine Enzephalitis diagnostiziert.
Ausbrüche
Die dreizehn Ausbrüche, welche 2017 verzeichnet wurden, sowie die sechs 2018 festgestellten Ausbrüche umfassten je zwischen 2 und 22 Fälle und traten – teils grenzüberschreitend – in neun verschiedenen Kantonen auf (siehe Grafik). Die grössten Ausbrüche wurden in folgenden Kantonen festgestellt:
- Tessin und Graubünden – 22 Fälle zwischen Ende Dezember 2016 und Anfang Februar 2017, vor allem bei Erwachsenen.
- Freiburg – 12 Fälle zwischen Januar und Februar 2017, betroffen sind vor allem Schülerinnen und Schüler einer Primarschule und Personen in ihrem Umfeld.
- Wallis und Neuenburg – 22 Fälle, davon 17 im Wallis zwischen Ende August und Ende September 2017; betroffen sind hauptsächlich Kinder. 90 % der Fälle waren ungeimpft. Die ersten vier Fälle waren im selben Walliser Freizeitpark exponiert. Genetische Analysen konnten zeigen, dass das Virus bei acht Fällen, die in diesen zwei Kantonen auftraten, identisch war;
- Neuenburg und Waadt – 8 Fälle (davon 6 im Kanton Neuenburg) zwischen Mitte Januar und Mitte Februar 2018, betroffen waren mehrheitlich junge Kinder. Lediglich einer dieser Fälle war vollständig geimpft. Der Index-Fall hatte die Masern aus Rumänien eingeschleppt. Nebst der epidemiologischen Verbindung (d.h. die Fälle hatten nachweislich Kontakt zueinander gehabt) konnte bei 5 Fällen aus diesen beiden Kantonen auch die vollständige Identität der Maserviren gezeigt werden.
- Waadt – 14 Fälle zwischen Ende September und Mitte November; betroffen waren mehrheitlich junge Erwachsene, welche an der Universität Lausanne verkehren, sowie einige ihrer jugendlichen Kontaktpersonen. Lediglich einer dieser Fälle war vollständig geimpft. Auch hier wurde in den acht untersuchten Fällen eine absolute Identität des Masernvirus nachgewiesen. Der Indexfall war nicht ins Ausland gereist, hat sich jedoch höchstwahrscheinlich bei einer importierten Quelle infiziert: Der im Kanton Waadt identifizierte Masernvirusstamm ist weltweit erst zweimal nachgewiesen worden, dies wenige Monate zuvor in England.
Bewertung im Hinblick auf das Eliminationsziel
Angesichts dieser detaillierten Surveillance-Daten hat die WHO im 2017 zum ersten Mal bestätigt, dass die endemische Zirkulation des Masernvirus in der Schweiz 2016 unterbrochen werden konnte. Vor kurzem hat sie dies auch für 2017 bestätigt. Die noch provisorischen Daten für 2018 weisen in dieselbe Richtung. Dieses Resultat ba-siert im Wesentlichen auf zunehmenden Durchimpfungszahlen (87% bei den 2-Jährigen, 93% bei den 16-Jährigen; Werte für 2 Dosen). Der Erfolg ist jedoch fragil: Die Masernelimination ist nur gewährleistet, wenn mindestens 95% der Kinder sowie nach 1963 geborenen Erwachsene mit zwei Dosen geimpft werden.
Anhand der durchgeführten Massnahmen bei kürzlich aufgetretenen Ausbrüchen in der Schweiz, insbesondere demjenigen aus dem Kanton Waadt, konnte gezeigt werden, dass nebst der Impfung zusätzliche Massnahmen erforderlich sind, um deren Ausbrei-tung zu verhindern. Dazu gehören zum Beispiel die Identifizierung der Kontaktperso-nen, der KiTa- und Schulausschluss von nicht geimpften Kindern und Jugendlichen, die Impfung des Umfeldes von Erkrankten sowie die postexpositionelle Impfung.
Dokumente
Meldepflichtige Infektionskrankheiten 2019 (PDF, 903 kB, 17.12.2018)Leitfaden zur Meldepflicht 2019
Links
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Zahlen zu Masern
Entwicklung der wöchentlichen Fallzahlen auf der Basis des obligatorischen Meldesystems, welches aufgrund von Meldungen der Ärzte erstellt wird.
Letzte Änderung 14.01.2019