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Die Alterung von Gesellschaften in Verbindung mit sinkenden Bevölkerungszahlen in wichtigen Ländern bedroht nach Ansicht des IWF das globale Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität. Die Kombination beider Entwicklungen könnte auf mittlere Sicht das Wachstum in den Industrieländern um 0,2 Prozentpunkte im Jahr und in Schwellenländern um 0,4 Prozentpunkte drücken, warnte am Freitag die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde.
Zudem könnte die Verschuldung der Staaten wegen der finanziellen Folgen explodieren und die Finanzstabilität leiden. Es gibt nach Lagardes Worten aber Gegenmittel: wachstumsfördernde Reformen, mehr Innovationen sowie einen Umbau der Steuersysteme.
Gesundheitskosten explodieren
Mit sinkenden Bevölkerungszahlen wegen abnehmender Geburtenraten haben nach Darstellung von Lagarde nicht nur Staaten wie Japan und Deutschland zu kämpfen, sondern inzwischen auch China. Das Problem betrifft nach ihrer Einschätzung die meisten Industrie- und Schwellenländer. Oft gehe die Bevölkerungsentwicklung Hand in Hand mit einer rasch zunehmenden Alterung der Gesellschaften, erläuterte Lagarde vor dem «Massachusetts Institute of Technology» (MIT) in Cambridge.
Die IWF-Experten errechneten: Wenn die Lebenserwartung in den reichen und aufstrebenden Ländern um drei Jahre steige, erhöhten sich die damit verbundenen Renten- und Gesundheitskosten um 50 Prozent. Damit könnten die öffentlichen und die privaten Finanzen völlig aus dem Lot geraten. Würden die Staaten diese Kosten allein über Schulden finanzieren, würde das die gesamte Staatsverschuldung in der Welt von derzeit 100 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 400 Prozent Ende des Jahrhunderts hochtreiben.
Lagardes Ratschläge
Lagarde sieht aber Gegenmittel, um das zu verhindern. Mit einem höheren Renteneintrittsalter, mit flexibleren Renten-Systemen sowie Reformen in Pensions- und Gesundheitssystemen liessen sich Gegengewichte schaffen. Die Güterbasis, für die Mehrwertsteuer gezahlt wird, könnte verbreitert und Steuer-Schlupflöcher für Firmen könnten geschlossen werden. Ausserdem könnte mit forcierter technologischer Innovation mehr für das Wachstum getan werden, was die Demografie-Folgen abdämpfen würde.
(reuters/mbü)