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Endlich durfte ich einer Klavierstunde meines Sohnes beiwohnen. Dieser fand ausserplanmässig in den Räumlichkeiten der Zürcher Hochschule der Künste statt. Zeitgleich liefen Aufnahmeprüfungen. Das Haus hallte von Musik wider. Wir betraten ein kleines Zimmer. Der Flügel füllte einen Gutteil des Raumes aus. Die freudige Spannung stieg an, als der Unterricht begann. Es geht um Musik. Zuerst wird ein Stück frei nach Wahl aus dem Repertoire auswendig vorgespielt. (Erst mit einem Repertoire beginnt es Spass zu machen. Ich erinnere mich zurück an die Zeiten, als ich monatelang mit dem gleichen Stück beschäftigt war – aus reiner Faulheit.) Dann geht es um die Sitzhaltung, die Haltung der Hände. Der Lehrer zeigt Übungen im Trockenen, hält die Ellbogen. Er stellt am laufenden Band Fragen: Was hast du gehört? Wie ist es dieses Mal im Vergleich zum letzten Durchgang gelaufen? Solche Fragen fördern die Selbstwahrnehmung des Übenden. Das Stück wird „eingebettet“: Es ist der Schlussteil einer Symphonie, also eines langen Stückes mit Orchester und einem Chor. Zuerst kommen leise die Celli, dann die Geigen. Es stammt von einem berühmten Komponisten namens Beethoven, der das Stück taub geschrieben und uraufgeführt hatte. So werden vier Stücke behandelt, präzise Anweisungen für die Übungen folgen schriftlich. Aus einem bestehenden Stück wird flugs eine Variation angefügt. Die letzten Minuten öffnet der Lehrer den Flügel und zeigt die komplexe Mechanik des Innern. Nach zweiundvierzig Minuten verlasse ich inspiriert den Raum.