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Eine Anmutung von Apokalypse begleitet die ersten Szenen von Mani Haghighis neuem Film: In Teheran steht alles im Stau, während ein nicht enden wollender Regen niedergeht. Während sie dem Geplapper ihrer Schülerin über schmelzende Polkappen lauscht, sieht die Fahrlehrerin Farsaneh (Taraneh Alidoosti) den eigenen Ehemann an einer Bushaltestelle stehen, offenbar auf Abwegen. Einem Impuls folgend, steigt sie aus, folgt ihm heimlich – und sieht, wie er zu einer anderen Frau geht.
Aber was wie ein klassisches Ehe- und Eifersuchtsdrama beginnt, nimmt eine überraschende Wendung ins Fantastische: Farsaneh entdeckt nicht nur, dass ihr Ehemann Dschalal (Navid Mohammadzadeh) einen Doppelgänger hat, sondern dass dieser mit einer Frau verheiratet ist, die wiederum ihr eigener Klon sein könnte. Die wegen ihrer Schwangerschaft bereits etwas labile Frau verstört das zutiefst.
Das Fesselnde an «Subtraction» ergibt sich dabei aus dem psychologischen Realismus, mit dem Haghighi sein surreales Drama entfaltet. Die vier Figuren reagieren nämlich alle sehr eigen und unterschiedlich auf das Wissen um die Doppelgängerexistenz. Bei Farsaneh löst die Begegnung mit ihrem Pendant Bita, die ihr Leben so viel besser im Griff zu haben scheint, beunruhigende Fragen über die eigenen Entscheidungen aus. Bita dagegen hat einen überraschenden Blick für den Nutzen, der sich aus der Konstellation ergeben könnte. Dschalal wiederum wirkt überwältigt von der Attraktion, die Bita auf ihn ausübt. Und Mohsen, Bitas Mann, steckt so sehr in Schwierigkeiten, dass ihn die Entdeckung kaum interessiert – bis er sich in seiner Vaterrolle bedroht fühlt.
Alidoosti und Mohammadzadeh in ihren Doppelrollen sind grossartig darin, ihre jeweiligen Figuren in subtilen Charakterzügen voneinander abzusetzen. Und ohne dass er auf aktuelle Zusammenhänge von staatlicher oder religiöser Unterdrückung verweisen müsste, funktioniert Haghighis Film zudem als vieldeutige Metapher für gesellschaftliche Zwänge und die Sehnsucht, einmal das Leben der anderen zu erfahren.