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Buchara liegt auf 222m ü. M. in einer Sandwüste. Hier trennten sich zwei Routen der Karawanenstrasse, die später zur „Seidenstrasse“ wurde.
Auch diese Stadt wurde um 1220 durch Dschingis Khan dem Erdboden gleich gemacht und erlebte unter den Timuriden im 14. Jh. wieder einen Aufschwung. In der Stadt wurden v.a. ab dem 16. Jahrhundert sehr viele Medresen für Koranschüler gebaut. Viele sind heute daran, zu verfallen, andere sind nach wie vor in Betrieb. Buchara gilt wegen der vielen Islamhochschulen als religionsstreng, es hat tatsächlich viel mehr Frauen mit Kopftüchern und Männer mit Vollbart und Kopfbedeckung als in Taschkent oder Samarkand.
Ich besuche den Ark, den einstigen Palast und Regierungssitz, in dem heute diverse angestaubte Museen untergebracht sind. Weil ich vorher schon einiges gelesen habe, sind die Ausstellungen aber interessant. Gezeigt wird z.B. Baumwolle. Baumwolle wurde in Buchara schon früh angebaut, erst mit der zentralisierten russischen und nachher sowjetischen Wirtschaft und dem Bau der Bahnlinie Orenburg – Taschkent anfangs 20. Jahrhundert wurde ihr Anbau aber derart forciert, dass mehr und mehr Bewässerung nötig war und Anbauflächen, die bisher für Nahrungsmittel gebraucht worden waren nun für Baumwolle umgenutzt wurden. Baumwolle wurde exportiert, Getreide, Obst und Gemüse mussten jetzt vermehrt importiert werden.
Das linke Bild zeigt ein Plakat aus den 1920-er Jahren: Fünfjahresplan in drei Jahren erfüllt. (David Trilling, Twitter), das rechte eine Briefmarke Ende 1990-er Jahre
Ein ähnliches Phänomen zeigte sich mit den Karakul-Schafen. Als das gewellte Fell der Karakul-Lämmer in Mode kam, wurden die bisherigen Woll- und Fleischschafe durch Karakulschafe ersetzt, es entstand erneut eine grössere Abhängigkeit von Nahrungsmitteln, die jetzt importiert werden mussten.
Schliesslich sind auch ein, zwei Fotos aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde in Buchara zu sehen. Buchara war lange auch ein Zentrum jüdischen Lebens. Die erste Auswanderungswelle setzt nach der russischen Eroberung ein, weil Russland zunächst bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen bot, ab 1889 wanderten Mitglieder der jüdischen Gemeinden dann vermehrt nach Palästina aus. Der Antisemitismus der späteren Stalinzeit verschlechterte die Lebensbedingungen nochmals, als in den 1970er Jahren Auswanderungen aus der UdSSR nach Israel möglich wurden, wanderten nochmals 17’000 Jüdinnen und Juden aus, die verbliebenen folgten ihnen nach 1989. Vgl. Paul, Jürgen: Zentralasien, Neue Fischer Weltgeschichte Bd. 10, Frankfurt a.M., Fischer, 2012, Pos. 1460)
Ich schlendere durch die Stadt, Moscheen, ein sehr kunstvolles Mausoleum, nur aus gebrannten Ziegeln, Medresen, der Basar und der Hiobsbrunnen, wo sich Muslime heiliges Wasser abfüllen. Auch ärmlichere Viertel mit nicht asphaltierten Strassen, kleinen Handwerksbuden, abenteuerlichen Gasleitungsinstallationen und (das erste Mal) aufdringlichen Jungen, die Postkarten verkaufen wollen.
Auch hätte ich eigentlich gerne ein Mittagsschläfchen gemacht, aber – das ist mir schon gestern im Restaurant aufgefallen – das Personal schreit pausenlos durch die Gänge. Sie haben keinen Streit, das scheint eine übliche Form zu sein, in einer Unterhaltung auch Emotionen auszudrücken. Gewöhnungsbedürftig.
Buchara gab auch den bekannten turkmenischen Teppichen den Namen, die früher in Turkestan geknüpft wurden und die nach wie vor in Turkmenistan, Afghanistan und Usbekistan hergestellt werden. Das Teppichmuseum zeigt einige eindrucksvolle, z.T. alte solche Teppiche.