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Nach Bekanntgabe der Milliardenabschreibungen bei Merrill Lynch und der Trennung vom 54-jährigen Chef Stanley ONeal muss das Unternehmen sich beeilen, einen möglichen Nachfolger zu finden. Es geht um Stabilität angesichts der Gefahr weiterer Verluste und möglicher Rechtsstreitigkeiten mit Aktionären.
Als mögliche Nachfolger sind Laurence Finke, CEO von BlackRock, und Greg Fleming, Co-Präsident von Merrill Lynch, im Gespräch. Ebenso John Thain, CEO von NYSE Euronext und ein früherer Präsident von Goldman Sachs, sowie Bob McCann, Chef der riesigen Broker-Abteilung bei Merrill. Der Abschied von ONeal ist eine direkte Folge von Merrills Bekanntgabe, das Unternehmen würde Abschreibungen in Höhe von 8,4 Mrd Dollar auf Hypothekenwerten vornehmen – einer der höchsten Verluste an der Wall Street.
Kommunikationsprobleme
Wie schnell Verwaltungsrat und Management CEO ONeal jedoch loswerden wollten, überrascht viele Wall-Street-Executives. Schliesslich wird es vor allem ihm zugeschrieben, dass er die Profitabilität von Merrill Lynch erhöht und das Unternehmen von einem amerikanischen Börsenmakler in einen internationalen Player umgewandelt hat. Doch ONeal «hatte Probleme mit Meinungen, die seinen zuwiderliefen, oder Personen, deren Loyalität bei der Firma lag und nicht bei ihm», sagt Barry Friedberg, Merrills langjähriger Investment-Banking-Chef, dem ONeal kündigte. Aber nicht nur Mitarbeiter bemerkten die fehlende Kommunikation seitens von ONeal. Ende September teilte ONeal dem Management mit, dass aufgrund der Hypothekenkrise Abschreibungen in Höhe von 4,5 Mrd Dollar zu erwarten seien. Nachdem er jedoch David Sobotka zum neuen Anleihechef ernannt hatte, damit dieser den Schlamassel wieder aufräume, legte das neue Team eine konservativere Schätzung vor, die den Abschreibungsbedarf um 76% auf 7,9 Mrd Dollar nach oben korrigierte. «Was die Konzernleitung am meisten ärgerte, war, dass der Verlust um so viel höher lag», so ein Insider. Zu einer Zeit, da ONeal das Management über die Verluste auf dem Laufenden halten sollte, hat er seine Kollegen nicht über alle Gründe informiert.
Das sind die neuen Aufgaben
Die vordergründigste Aufgabe der Konzernleitung und des Interims-Managementteams wird es nun sein, die Finanzen und den Personalstand des Unternehmens zu stabilisieren – auch wenn die strategische Richtung bis zur Ernennung eines neuen Chief Executive unklar sein wird. Die Suche nach dem neuen CEO ist nicht zuletzt deshalb schwierig, weil Merrill noch mit weiteren 20 Mrd Dollar in Subprime-Krediten und deren Derivaten engagiert ist.
Analysten schätzen, dass dieser Bestand einen weiteren Verlustausweis von bis zu 4 Mrd Dollar im 4. Quartal 2007 auslösen könnte.
«Alles ist zu diesem Zeitpunkt unklar», meint Scott Sprinzen von Standard & Poors. Als Folge der aktuellen Probleme könnte es einen abrupten Wechsel in der strategischen Richtung geben oder mehr Abschreibungen. Aber Merrills Liquidität ist sehr stark, das ist also kein Thema.