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Um 23.30 Uhr an diesem 11. April 2017 flog die VistaJet-Maschine in Surinam ab. Am nächsten Tag kam sie um 13.30 Uhr in Genf an. Das ist der 129 300 US-Dollar teure Charterflug auf Kosten der FIFA, der dem FIFA-Boss Gianni Infantino aufgrund mehrerer Anzeigen ein Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, allenfalls wegen Betrugs einbrachte. Es bestand der Verdacht, dass der Flug den FIFA-Reglementen widersprach, was Infantino den Job gekostet hätte.
Doch die ausserordentlichen Bundesanwälte Ulrich Weder und Hans Maurer stellten das Verfahren letzte Woche ein. Sie kamen zum Schluss, dass sich Infantino in keiner Art und Weise strafbar gemacht hatte. Er habe im Einklang mit dem damals geltenden FIFA-Spesenreglement für hohe Kader gehandelt.
CH Media liegt jetzt die 30 Seiten starke Einstellungsverfügung der beiden Sonderermittler des Bundes vor.
Und darin zeigen sich weitere Ungereimtheiten und Widersprüche um den Flug und die Rechtfertigung dafür.
Aus der Verfügung geht hervor, dass Infantinos Vertrauter und Chef des Präsidentenbüros, Mattias Grafström, am 11. April 2017 um 20.27 Uhr dem FIFA-Compliance-Chef Tomaz Vesel eine E-Mail schickte: Der für den Rückflug aus Surinam vorgesehene KLM-Flug sei verschoben worden, Infantino aber habe am nächsten Tag Treffen in Europa verabredet. Mangels Alternativen müsse ein Flugzeug gechartert werden. Man flog dann mit VistaJet, weil der übliche Charterpartner Qatar Executive, bei dem die FIFA 50 Prozent Rabatt habe und der Infantino durch Südamerika flog, mangels eines einsatzfähigen Piloten nicht mehr zur Verfügung stand.
Um 21.10 Uhr am 11. April 2017 antwortete FIFA-Compliance-Chef Vesel und bat unter anderem darum, in naher Zukunft mit genaueren Informationen über die schon vereinbarten Treffen versorgt zu werden.
Am 18. April 2017 um 16.56 Uhr, also eine Woche nach Flug, teilte Grafström Vesel die verlangen Informationen mit. Für Genf schrieb Grafström: «Die geplanten Treffen vom 12. April in Genf waren die folgenden», und er erwähnte: «14.00 Uhr Treffen mit dem UEFA-Präsidenten in Nyon, gefolgt von einem anderen Treffen in Genf.» Dabei fand, wie sich später zeigte, das Treffen mit dem UEFA-Chef weder statt, noch war es je geplant gewesen.
An diesem 18. April 2017 sagte Grafström also auch noch nichts vom angeblichen wahren Grund für den dringenden Rückflug per Charter: Nämlich dem Treffen mit Vasilios Skouris, einem früheren langjährigen Präsidenten des Europäischen Gerichtshofes. Diesen wollte Infantino für einen der beiden Chefposten in der FIFA-Ethikkommission gewinnen. Denn Infantino war im Begriff, unbemerkt die beiden FIFA-Chef-Ethiker Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbély zu ersetzen. Sie konnten ihm gefährlich werden, hatten sie doch laut Medienberichten vom April 2017 damals bereits ein Verfahren gegen ihn eröffnet.
Infantino beziehungsweise Grafström legten also eine falsche Fährte: Auch die Sonderermittler halten in ihrer Verfügung fest, dass die E-Mail-Angaben von Infantinos Vertrautem Grafström «einem unbefangenen Leser den Eindruck vermitteln, am 12. April 2017 sei es zu einem Meeting des FIFA-Präsidenten in Nyon/VD gekommen, gefolgt von einem anderem Meeting in Genf».
Fakt aber ist, dass das Treffen in Nyon nicht nur nicht stattfand, sondern dass der UEFA-Präsident Alexander Ceferin an jenem Tag in Armenien war, dass also gar nie ein Treffen mit ihm geplant gewesen sein kann.
Dazu die Sonderermittler: «Gianni Infantino will dieses nicht verabredete Treffen mit einem Kadermitglied der UEFA , also mit seinen ehemaligen Mitarbeitenden, allein «quasi im Hinterkopf» vorgesehen haben, so wie er dort «ab und zu spontan vorbeigeschaut» habe. Grund für den Charterflug sei aber die Besprechung vom Abend mit Skouris in Genf gewesen. Diese habe, wie Skouris als Zeuge bestätigte, «um 17 oder 18 Uhr» im Genfer Hotel Kempinsky stattgefunden.
Sein Assistent, Grafström, gab gegenüber den Ermittlern an, Infantino habe ihm schon in Surinam gesagt, er plane, vor dem Treffen mit Skouris noch «den UEFA-Präsidenten oder den UEFA-Generalsekretär zu treffen, um diese Personen zu orientieren über eine allfällige Kandidatur von Herrn Skouris für eine Einsitznahme in ein FIFA-Organ, da es für Gianni Infantino wichtig gewesen sei, die Kandidatur eines Europäers für eine hohe Position in der FIFA der UEFA mitzuteilen».
Das Treffen mit UEFA-Boss Ceferin entstand also in Infantions «Hinterkopf». Die Frage ist nur, wann.
Denn diese Behauptung, aber darauf gehen die Infantino gegenüber überaus wohlwollenden Sonderermittler nicht ein, steht ja in diametralem Widerspruch dazu, dass Infantino das Treffen mit Skouris unter allen Umständen geheim halten wollte. Warum sollte Infantino, der intransparent über einen engen Vertrautenkreis führt, ausgerechnet den verhassten UEFA-Chef informiert haben? Denn jeder Insider weiss und wusste, dass sich Infantino und Ceferin nicht ausstehen können. Und dass Infantino damals, wie auch heute, gar keinen guten Draht zur UEFA hatte.
Zudem ist für Eingeweihte klar, dass ein Treffen zwischen dem FIFA- und dem UEFA-Chef nach einem bestimmten, festgelegten Protokoll vereinbart wird. Das funktioniert ähnlich wie zwischen Staaten. Aber das war klarerweise im vorliegenden Fall nicht so.
Infantino selbst «anerkannte» gegenüber den Ermittlern, dass die Formulierung über dieses allein fiktive Treffen mit dem UEFA-Boss und die Nicht-Erwähnung des wahren Grundes «nicht ganz klar, das heisst etwas sibyllinisch, das heisst rätselhaft» war.
Aber nicht nur das. Dass Infantino das Treffen mit Skouris geheim halten wollte, hatte einen nachvollziehbaren Grund: Er plante heimlich die Absetzung der beiden ihm nicht genehmen und nicht von ihm kontrollierbaren, noch unter Sepp Blatter eingesetzten, FIFA-Chef-Ethiker Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbély. Der Plan wurde einen Monat später umgesetzt: Borbély und Eckert wurden Anfang Mai 2017 von der FIFA buchstäblich in die Wüste geschickt. Formal lief es so, dass die beiden dem Kongress in Bahrain gar nicht erst zur Wiederwahl vorgeschlagen wurden. Stattdessen wurden zwei Infantino-Günstlinge vorgeschlagen und gewählt: Skouris sowie die Kolumbianerin Maria Claudia Rojas.
Eine weitere glückliche Fügung für den FIFA-Chef war: Per 31. März 2017 war offenbar ein neues FIFA-Spesenreglement durch den FIFA-Rat genehmigt worden und gleichentags in Kraft getreten. Danach dürfen der FIFA-Chef sowie die FIFA-Generalsekretärin Chartermaschinen wie Flugzeuge und Hubschrauber nutzen, «sofern die besonderen Umstände der entsprechenden Reise dies erfordern», wie die Sonderermittler festhalten: «Einer Bewilligung, Zustimmung oder Genehmigung durch die FIFA-Administration, den Vorsitzenden der Audit- und Compliance-Kommission oder den Chief Compliance Officer der FIFA bedarf es grundsätzlich nicht.» Für die Sonderermittler ist jedenfalls klar, dass Infantino alles reglementskonform machte.
Es fragt sich, warum Compliance-Chef Vesel überhaupt nach den Gründen für den Sonderflug fragte und von Infantinos Vertrautem konsultiert wurde, wenn er ja nach neuem Reglement gar nicht mehr Bewilligungsinstanz war.
So oder so, für Infantino scheint diese Sache ausgestanden. Die Einstellung wird rechtskräftig, da ausser Infantino niemand sie anfechten könnte. Morgen Donnerstag wird der Italo-Schweizer, daran zweifelt niemand, vom FIFA-Kongress in Ruanda für eine weitere Amtszeit als Präsident bestätigt – einen Gegenkandidaten gibt es nicht. (aargauerzeitung.ch)
Steasy
Ein Schelm, wer Böses denkt.
MRDL
Schmeisst diesen Schmierverein endlich aus der Schweiz!
Hinkypunk #wirsindimmernochmehr