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Der Ursprung von KNSM- und Java-Eiland im Amsterdamer Osthafen geht zurück auf das Ende des 19. Jahrhunderts. Vor dem Handelsquai wurde ein Wellenbrecher gebaut, um das Umschlagen der Güter von den grossen Handelsschiffen auf kleinere Schiffe zu ermöglichen. Der östliche Schenkel der Y-förmigen Insel wurde von der Königlich Niederländischen Dampfschiff-Gesellschaft (KNSM) genutzt, was ihm den Namen KNSM-Eiland einbrachte, der westliche wurde Java-Eiland genannt. Durch Lage und Form in eine besondere Beziehung zur Stadt gesetzt, ist Java-Eiland dem Hafen parallel vorgelagert, das im flachen Winkel ansetzende KNSM-Eiland dagegen weist in seiner Längsachse nach Westen Richtung Stadtzentrum.
Im „Übergangsgebiet“ zwischen beiden Teilen der Insel, das im Zuge der Urbanisierung eine neue Ordnung brauchte, liegen die alten Gebäude der Schifffahrtsgesellschaften, die alle nach aussen hin, auf den Quai gerichtet sind. Nach innen, zueinander, nehmen sie keinen Dialog auf. Die zwei neuen Wohnhäuser sind gestaffelt angeordnet, sodass sie an der Nahtstelle von KNSM- und Java-Eiland eine räumliche Tiefe erzeugen. Wo der Damm und die Brücke die Insel mit dem Handelsquai verbinden, weisen das „lange“ Haus und das Hofhaus ins Innere der Y-Insel und vermitteln durch ihre Position und Grösse zwischen den alten Hafengebäuden und den Bauten, die gemäss den Urbanisierungsplänen für die Y-Insel hinzukamen: Aus der Distanz gesehen führen die zwei Häuser die Folge der beiden Superblocks der Architekten Bruno Albert und Hans Kollhoff zu einem markanten Abschluss. Bei näherer Betrachtung wird jedoch ihre Zugehörigkeit zu den Bauten der Schifffahrtsgesellschaften sichtbar.
Durch seine gestreckte rechteckige Grundform unterscheidet sich das Langhaus, das wie ein Pendel in oder vielmehr an das Wasser gesetzt ist, von den Wohnblockriesen. Es mutet zunächst nicht wie ein Wohnhaus an. Der Baukörper wirkt struktural, und man ahnt eine Durchlässigkeit in der Querrichtung des Hauses. Auch das zweite Haus, das vom Wasser zurückgesetzt ist, lässt eher an ein Hotel oder ein Lagerhaus denken. Über die typologische Verwandtschaft mit Lager- oder Umschlaggebäuden und die räumliche Konstellation hinaus sind es schliesslich die Backsteine der Fassaden, die das ungleiche Paar gleichermassen vom Bestand unterscheiden wie mit ihm verbinden.
Ebenso wie sich aus verschiedenen, sich überlagernden Beziehungssystemen für die Bebauung des Übergangsgebiets ein instabiles Gleichgewicht aus neuen und alten Baukörpern einstellt, ist die innere Organisation der beiden Häuser zugunsten einer mehrdeutigen Lesart offen gehalten.
Im Langhaus sind Wohnung an Wohnung und Zimmer an Zimmer aneinandergelagert. Anders als die Superblocks mit ihrem Spiel aus Fenstern, Loggien und Balkonen baut es nur auf einem Typus von Maueröffnung auf, und dieses Fenster ist in Analogie zu den Schichten des Mauerverbands von Etage zu Etage um einen halben Stein verschoben. So werden die Öffnungen selbst zu Bausteinen des Baukörpers. Die aufgeschüttete Fläche zwischen der alten Ufermauer und dem Langhaus ist geneigt. Sie verweist auf den Prozess der wiederholten Verwandlung von Wasser und Land, auf den die Insel in ihrem Ursprung zurückgeht.
Das kleinere Hofhaus hat einen ausgesprochen öffentlichen Charakter. Der kubische Baukörper kragt zum Park Mien Ruys auf der Ostseite über die Erschliessungsstrasse aus. Die Wohnungen aus lauter ähnlich proportionierten Zimmern, mit je nach Lage frontal oder lateral gesetzten Fenstern und Türen, sind nicht hierarchisch geordnet. Sie erlauben ein Zusammenleben ausserhalb traditioneller Familienstrukturen um einen gemeinsamen Hof mit einem Laubengang. Durch das Spiel der Fenster in der Klinkerfassade wird eine statische Wirkung oder Frontalität vermieden.
Wettbewerb: 1. Preis, 1995
Datum: 1995—2001
Auftraggeber: Amstelland Vastgoed BV
Ort: "Hoogkade" KNSM- und Java Eiland, Amsterdam, Niederlande
Bruttogeschossfläche (BGF): Langhaus: 26.000 m², Hofhaus: 8.400 m²
Programm: Langhaus: 127 Wohnungen, Hofhaus: 45 Wohnungen
Architekt vor Ort: Bureau voor Bouwkunde
Landschaftsarchitekt: August Künzel Landschaftsarchitekten
Bauingenieur: Ingenieursgroep van Rossum
Bauingenieur: Bureau Amsterdam