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Titel
Messe,
entstanden aus der lat. Formel:
Ite, missa est (s. d.), womit nach dem ersten
Teile des altchristl.
Gottesdienstes die
Katechumenen (s. d.) entlassen wurden. Mit derselben Formel wurde auch der
zweite
Teil des Gottesdienstes geschlossen. Dieses am Ende der katholischen
Messe noch jetzt gebräuchliche Schlußwort
wurde dann als Bezeichnung für beide
Teile des Gottesdienstes gebraucht und man nannte dieselben missa catechumenorum (Katechumenen
messe)
und missa fidelium (
Messe der Gläubigen).
Allmählich hörte diese
Teilung
auf und es gestaltete sich der Gottesdienst zu einer Reihe fortgesetzter Handlungen, die unter
dem
Namen
Messe sich um das Meßopfer als ihren Höhepunkt gruppieren. Das Meßopfer ist nach griech.
und röm.-kath.
Lehre
[* 2] die unblutige
Darstellung des blutigen Opfers Christi am Kreuze (s.
Transsubstantiation und
Abendmahl). Dieses Meßopfer oder die heilige
Messe im engern
Sinne wird von der «heiligen
Kommunion», d.h. dem Genusse des
Abendmahls
durch die Gemeinde unterschieden.
Häufig wird die
Messe gefeiert («gelesen», vom Ablesen der vorgeschriebenen
Gebete), ohne daß überhaupt Gemeindeglieder zugegen sind, da nach kath.
Lehre der unmittelbare Zweck der
Messe nicht
die Erbauung der Gemeinde, sondern die Versöhnung
Gottes ist. Der Segen dieser Versöhnung aber wird denen zu teil, welchen
er vom Priester zugewendet wird (die
Messe für jemand applizieren), Anwesenden und Abwesenden, Gläubigen und Ungläubigen,
Lebenden und
Toten. Den Lebenden können durch die
Messe außer
Sündenvergebung auch andere göttliche Wohlthaten
vermittelt werden; die
Messe für die
Toten (Seelen
messe,
Totenmesse, missa pro defunctis, s. Requiem) bewirkt
Abkürzung des
Fegefeuers
(s. d.). Für solche
Messe werden Vermächtnisse gestiftet, aus denen
das Meßstipendium für den die Messe lesenden Priester bezahlt wird.
Daneben sind auch einzelne, dem Priester sofort durch sog. Manualstipendien zu bezahlende Messe (sog. Handmessen) gebräuchlich, wie z. B. Braut- und Hochzeitsmessen. Die römisch-katholische Messe soll streng nach dem Missale Romanum (s. Missale) in lat. Sprache [* 3] an einem konsekrierten Altar [* 4] und in der Regel von jedem Priester täglich einmal gefeiert werden. Nach der Art ihrer Feier unterscheidet man öffentliche (missae publicae), die am Hochaltar celebriert werden und bei denen die Gegenwart der Gemeinde vorausgesetzt wird, und Privatmessen (missae privatae), die der ¶
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Priester mit dem Meßdiener (Ministranten) allein an einem Nebenaltar vollzieht, weshalb Luther sie Winkelmessen nannte; ferner stille Messe (missa simplex) ohne Gesang, dabei brauchen Gemeindeglieder nicht anwesend zu sein) und feierliche Messe (missa solemnis), wobei einige Teile der Meßgebete vom Priester und dem Chor oder der Gemeinde gesungen werden, oft mit Musikbegleitung (missa cantata). Sie erhält einen höhern Grad von Feierlichkeit, wenn die Verrichtungen der Ministranten dabei von Priestern (Diakonen und Subdiakonen) versehen werden, wenn Incensationen (s. Incensatio) oder gar die Ausstellung des Sakraments (s. d.) hinzutritt (missa solemnissima oder Hochamt).
Die feierlichste Messe ist die von einem Bischof (Pontifikalmesse) oder vom Papst (Papalmesse) celebrierte. Wesentlich ist bei der Messe die Konsekration und die Kommunion von Brot [* 6] und Wein. Nur uneigentlich nennt man also missa sicca («trockne) eine Feierlichkeit, bei der keine Konsekration stattfindet, sondern nur eine in einer frühern Messe konsekrierte Hostie kommuniziert wird, wie dies in der röm. kath. Kirche am Karfreitag geschieht, wo der Priester eine am Gründonnerstag konsekrierte Hostie empfängt (missa praesanctificatorum).
Ähnliches geschieht in der griech.-kath. Kirche auch an einigen andern Tagen und auf Schiffen, wo, um ein Verschütten des Weins zu vermeiden, keine Konsekration stattfindet, sondern nur die vorher konsekrierte Hostie kommuniziert wird. (S. auch Konventualmesse, Pfarrmesse, Votivmesse.) Die ganze röm.-kath. Meßfeier zerfällt in zwei Hälften, die der ursprünglichen missa catechumenorum und missa fidelium entsprechen. Die erste Hälfte hat gegenwärtig eine Einleitung: den abwechselnd vom Priester und vom Ministranten gesprochenen Psalm 43. mit dem kleinen Gloria (s. Doxologie), Sündenbekenntnis, Absolution und zwei Teile;
1. Teil: Introitus (s.d), womit bei der musikalischen Messe Gesang und Musik beginnt, Kyrie eleison (s.d.), das große Gloria (s. Doxologie), Kollekte (s.d.); 2. Teil: Epistel, Graduale (s.d.), Evangelium (hier folgte in der alten Kirche und jetzt noch in kleinern Kirchen die sonst oft vor oder hinter die Messe gestellte Predigt): die zweite Hälfte, die eigentliche Messe, hat drei Teile: Opferung, Konsekration und Kommunion. Auf das Evangelium folgt an den meisten Tagen das Nicänische Glaubensbekenntnis, dann folgt das Offertorium (ursprünglich die wirkliche Darbringung von Brot und Wein seitens der Gemeindeglieder zum heiligen Mahle, jetzt die Darbietung des noch nicht konsekrierten Brotes und Weins an Gott), vollzogen in einer Reihe von Weihegebeten; dann folgt die Präfation, das feierliche «Vorwort» zu dem Lobgesange der Engel (Sanctus, s. d.) mit beigefügtem Hosianna s. d.). Dann beginnt der Meßkanon, nämlich mit andern Gebeten die Fürbitte für die bestimmten Personen, für die die Messe gehalten wird, die Konsekration von Brot und Wein, deren Elevation und Adoration, abermalige Gebete mit der Fürbitte für die Verstorbenen (commemoratio defunctorum), das Vaterunser, der Friedenskuß (s. d.) und die Kommunion, d.h. der Genuß des konsekrierten Brotes und Weins durch den celebrierenden Priester, der, wenn Gläubige da sind, die das heilige Abendmahl begehren, auch diesen die Hostie darreicht; endlich die Purifikation (s. d.) und die Ablution (s. d.). Nun folgt der Schluß, nämlich die Postkommunion genannte Oration, mit Kollekte, Segen und Verlesung von Joh. 1,1–14 («Letztes Evangelium»).
Mit dem vom Ministranten gesprochenen «Deo gratias» ist die Feier beendet. Die Meßliturgie der griech. Kirche weicht von dieser römisch-katholischen mehrfach ab. Die Reformatoren des 16. Jahrh. haben die Lehre von dem Meßopfer heftig bekämpft. Mit dessen Verwerfung kam in der evang. Kirche auch der zunächst noch für den sonntäglichen Hauptgottesdienst gebräuchliche Name Messe frühzeitig ab. Bestandteile der Meßliturgie sind aber in der Liturgie, namentlich der luth. Kirche, mehrfach beibehalten worden. –
Vgl. Alt, Der christl. Kultus (2. Aufl., 2 Bde., Berl. 1847–60);
Thalhofer, Handbuch der kath. Liturgik (2 Bde., Freib. i.Br. 1883–93).
Die Musik während des Hochamtes in der kath. Kirche, gewöhnlich ebenfalls Messe oder Missa benannt, besteht außer dem Introitus (s. d.) nach den Anfangsworten des zu singenden Textes
1) aus dem Kyrie eleison;
2) aus dem Gloria in excelsis Deo (Lobgesang der Engel, Luk. 2, 14,. und einigen andern Lobpreisungen); ferner 3) aus dem Credo oder Nicänischen Glaubensbekenntnis;
4) dem Sanctus mit Hosianna und Benedictus und 5) dem Agnus Dei. Unter den Messe aus der Periode der alten Kirchenmusik ragen die von Josquin und Palestrina hervor; unter den Spätern haben J. S. Bach und Beethoven Werke geschaffen, die schon ihres Umfangs wegen für den Gottesdienst ungeeignet sind, als Kunstwerke im Konzertsaal aber allgemeine Anerkennung fanden.