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Selbstvertrauen ist ein Thema, welches in meinen Coachings oft auftaucht und viele Menschen beschäftigt. Viele sind der Meinung, dass sie zu wenig Selbstvertrauen haben und sind überzeugt, dass es eine angeborene Eigenschaft ist, die nicht veränderbar ist. Es wird davon ausgegangen und resigniert angenommen, dass man nun einfach mal wenig Selbstvertrauen hat. Die gute Nachricht ist, dass dem nicht so ist: Selbstvertrauen kann durchaus verändert und gestärkt werden. Hierzu muss man jedoch zuerst verstehen, wie Selbstvertrauen überhaupt zustande kommt, denn da gibt es oft Missverständnisse. Echtes Selbstvertrauen lässt sich nicht durch Anerkennung im Aussen oder materielle Zuwachse gewinnen, sondern erfordert ein nach innen Richten und ein tiefes Verständnis seiner selbst. Daniel Goleman, einer der Pioniere im Bereich der emotionalen Intelligenz, beschreibt Selbstvertrauen als eines der zentralen Bereiche der Selbstwahrnehmung. Nebst Selbstvertrauen beruht und entsteht die Selbstwahrnehmung durch emotionales Bewusstsein und eine zutreffende Selbsteinschätzung. Es sind drei aufeinander aufbauende Fähigkeiten, die somit nacheinander erworben werden. So baut eine zutreffende Selbsteinschätzung auf dem emotionalen Bewusstsein auf und das Selbstvertrauen wiederum auf einer zutreffenden Selbsteinschätzung
Selbstwahrnehmung wird oft auch als Synonym für Achtsamkeit verwendet, da beide Begriffe im Prinzip das Gleiche meinen. Jon-Kabat Zinn, der Gründer des weltberühmten Achtsamkeitsprogramms MBSR (mind-based-stress-reduction), beschreibt Achtsamkeit folgendermassen: «Achtsamkeit beinhaltet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen». Bei der Selbstwahrnehmung geht man von einem praktisch identischen Zustand aus.
Emotionales Bewusstsein findet auf einer physiologischen Ebene statt und beruht auf den Empfindungen unseres Körpers. Wer ein emotionales Bewusstsein besitzt, kann seine Körperempfindungen richtig wahrnehmen und ist sich bewusst, wie seine Emotionen und Gefühle zustande kommen, und wie sie das eigene Verhalten beeinflussen. Dies bedeutet beispielsweise, dass wenn in einer bestimmten Situation Wut aufkommt, wir nachvollziehen können, was konkret unsere Wut ausgelöst hat (zum Beispiel eine alte Erfahrung, die wir mit der jetzigen Situation assoziieren). Man kann dann wahrnehmen, wie diese Emotion uns handeln lässt. So könnte man beispielsweise erkennen, dass man dazu neigt jedes Mal aggressiv zu werden, wenn man wütend wird. Man beginnt festzustellen, dass die Wut eigentlich nichts mit seinem Gegenüber, sondern mit seiner eigenen Geschichte zu tun hat und man deshalb zu einer der Situation nicht angemessenen Reaktion neigt. Nur wenn wir unsere Gefühlswelt verstehen und bewusst wahrnehmen, welche Reaktion unsere emotionalen Reize hervorrufen, können wir auch angemessen reagieren. Ansonsten werden wir von unseren Gefühlen jedes Mal überwältigt und unser Verhalten weitgehend durch unsere Gefühlswelt gesteuert. Emotionales Bewusstsein unterstützt uns zudem dabei den Zugang zu unserer Intuition zu erleichtern und verbessert die Selbstmotivation. Chade-Meng Tan, der Entwickler des berühmten Achtsamkeit-Programms bei Google «Search Inside Yourself», drückt dies so aus: «Am besten können wir uns motivieren, wenn wir unser Handeln nach unseren am tiefsten empfundenen Werten ausrichten, und ein ausgeprägtes emotionales Bewusstsein verschafft uns direkten Zugang dazu».
Bei der zutreffenden Selbsteinschätzung geht es um die Deutung, die wir unseren Fähigkeiten und Neigungen beimessen. Sie baut auf dem emotionalen Bewusstsein auf und bezieht sich insbesondere auf die Selbstkenntnis also darauf, wie gut wir uns als menschliches Wesen einschätzen können. Dabei kennt man beispielsweise die Antworten auf Fragen wie: was sind meine Stärken und Schwächen? Wo kann ich noch mehr Potential ausschöpfen und wo sind meine Grenzen? Für was stehe ich im Leben, und was ist mir wirklich wichtig? Durch eine zutreffende Selbsteinschätzung wird man sich auch bewusst, dass niemand perfekt ist, und es in Ordnung ist Schwächen zu haben. Sie hilft uns sozusagen trotz unseren Schwachstellen erfolgreich zu sein.
Selbstvertrauen ist nichts, was man ausstrahlt, weil man sich besonders erhaben oder toll fühlt. Es hat vielmehr damit zu tun zu wissen, wann man sein Ego ernst und wann mit Humor nehmen soll. Menschen mit Selbstvertrauen nehmen also ihr Ego nicht allzu ernst und wissen, dass man ihm am besten mit Humor begegnet. Norman Fischer beschreibt Selbstvertrauen auf eine sehr präzise Weise: «Selbstvertrauen ist nicht Eigendünkel…Wenn du wirklich Selbstvertrauen besitzt, bist du flexibel im Hinblick auf das Ego: Du kannst es, wenn notwendig, aufnehmen, aber es auch, wenn nötig, ablegen, um durch Zuhören etwas vollkommen Neues zu lernen. Und wenn du feststellst, dass du dein Ego nicht ablegen kannst, dann weisst du wenigstens, dass dies so ist. Du kannst es dir eingestehen. Es erfordert tiefes Selbstvertrauen, um demütig zu sein, die eigenen Begrenzungen ohne Selbstvorwürfe zu akzeptieren.»
Im Umgang mit anderen bedeutet Selbstvertrauen demütig zu sein und seinem Gesprächspartner freundlich gegenüber zu treten. Gleichzeitig hat man aber die Fähigkeit sein Ego so stark wachsen zu lassen, dass man sich von seinem Gegenüber, egal wer es auch sein mag, nicht eingeschüchtert fühlt. Chade-Meng Tan beschreibt diese Strategie im Umgang mit seinem Ego so: «In diesem Sinne bedeutet Selbstvertrauen für mich, die Fähigkeit zu besitzen, so gross wie der Berg Fuji und so klein wie ein unbedeutendes Sandkorn zugleich zu sein».
Der Weg zu mehr Selbstvertrauen erfordert eine tiefe Selbsterkenntnis und einen vollkommen aufrichtigen Umgang mit sich selbst. Dies bedeutet seine Gefühle richtig wahrzunehmen und zu interpretieren, seine Stärken und Schwächen zu kennen und zu wissen, wie wir mit unseren Schwächen umgehen. Es fordert eine tiefe Kenntnis darüber, wie wir mit Niederschlägen umgehen, und wie wir uns von ihnen erholen.
In herausfordernden Situationen empfiehlt Chade-Meng Tan eine achtsamkeitsbasierte Strategie: wenn man wahrnimmt, dass man sich in einer schwierigen Situation zum Beispiel einem Vorstellungsgespräch oder einer Podiumsdiskussion befindet, hilft es sein Ego kleiner werden zu lassen und sich als Person nicht ganz so ernst zu nehmen. Durch Beobachten seiner Gedanken und durch Behandlung unseres Egos mit Humor schaffen wir etwas Distanz zwischen uns und der schwierigen Situation. Dies gibt uns die Möglichkeit die Situation als Beobachter und nicht als Teilnehmer des Dramas wahrzunehmen. Gleichzeitig konzentriert man sich darauf sein Ego so hoch zu halten, dass wir uns nicht eingeschüchtert fühlen und als gleichwertigen Gesprächspartner jeder Person gegenübertreten können. Dies klingt komisch und schwierig zu Beginn, aber mit ein wenig Übung wird man feststellen, dass dies lernbar ist und den Umgang mit Herausforderungen stark erleichtern kann. Anschliessend lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Stärken und Schwächen und entscheiden, wo es gut ist einen Beitrag zu leisten, weil wir einen Mehrwert liefern können, und wo wir uns lieber etwas zurückhalten. Hinzu kommt, dass wir uns nochmals vor Augen führen wie wir uns bei allfälligen Rückschlägen verhalten können. Wenn man beispielsweise besonders Respekt hat sich an wichtige Informationen im Verlauf des Gesprächs nicht mehr erinnern zu können, kann man sich vor Augen führen, dass es einem hilft kurz eine paar tiefe Atemzüge zu nehmen, dem Gegenüber ein Lächeln zu schenken und seine Aufmerksamkeit nicht auf die Angst, sondern auf die Sache zu richten. Zu wissen wie der eigene Wiederherstellungsmodus funktioniert, hilft einem trotz Druck und Stress Ruhe zu bewahren.
Die Voraussetzung um diese Strategie für sich anwenden zu können ist Achtsamkeit (=Selbstwahrnehmung). Nur wenn wir uns in herausfordernden Situationen selbst wahrnehmen, können wir unsere Handlungsoptionen erweitern und entsprechend neu ausrichten. Wenn man nicht achtsam ist, passiert es schnell, dass man sich durch auftauchende Gefühle und Zweifel überwältigt fühlt und seine Situation zusätzlich verschlimmert.
Die Grafik zeigt uns nochmals deutlich wie man zu mehr Selbstvertrauen kommen kann: