Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03380.jsonl.gz/2385

Erkennungsmerkmale
Die Seeforelle (Salmo trutta lacustris) gehört zur Familie der Lachsartigen (Salmoniden). Diesen gemeinsam sind ein stromlinienförmiger, im Querschnitt ovaler Körper und die kleine Fettflosse, welche zwischen Rücken- und Schwanzflosse sitzt. Bei den Männchen verformt sich zur Laichzeit der Unterkiefer hakenförmig zum sogenannten Laichhaken. Die Seeforelle ist oft silberglänzend mit unregelmässig geformten, schwarzen Flecken. Im ausgewachsenen Zustand hat sie im Gegensatz zur Bachforelle keine roten Punkte an den Flanken. Ihre Mundspalte erstreckt sich bis hinter die Augen. Seeforellen erreichen meist Längen von 35 - 80 cm, können jedoch bis zu 110 cm lang werden. Nach 3 bis 4 Jahren wiegen die Tiere bis zu 3 kg. Genetisch unterscheidet sich die Seeforelle nicht von der im Kanton Glarus häufigen Bachforelle. Ihr grösseres Aussehen und ihre Lebensweise unterscheiden sich aber so deutlich, dass sie als andere Standortform gilt.
Lebensraum und Verbreitung

Seeforellen leben im Gegensatz zur Bachforelle abwechselnd in zwei Lebensräumen: See und Bach/Fluss. Im See halten sich die älteren Fische häufig in grösserer Tiefe auf, die jüngeren in den oberen Wasserschichten, oft in Ufernähe. Ab September verlassen die Seeforellen die Seen und wandern in die Zuflüsse, wo sie ihren Laich ablegen.
Während ihrer Lebensphase im See findet man Seeforellen im Kanton Glarus natürlicherweise im Walensee. In vielen Bergseen gibt es zudem Tiere, welche künstlich ausgesetzt wurden. In der Laichzeit wandern die Tiere in der Linth bis nach Netstal, in den Rütelibach und teils in die Rauti. Früher wanderten sie bis ins Tierfehd, übrigens wie auch der heute in der Schweiz ausgestorbene Lachs.
Besonderheiten
Lebensweise:
Pro kg Körpergewicht legt ein Weibchen 1‘000 – 2‘000 Eier mit rund 5 mm Durchmesser. Im 3. - 4. Jahr (Männchen) resp. 4. - 5. Jahr (Weibchen) werden Seeforellen geschlechtsreif. Ihre Nahrung besteht mehrheitlich aus Kleintieren, bei ausgewachsene Forellen auch aus Fischen.
Gefährdung, Probleme, Massnahmen:
Wie auch andere Wanderfische, z.B. der Lachs, haben Seeforellen in den heutigen Gewässern mit künstlichen Wanderhindernissen zu kämpfen. Im Kanton Glarus können sie wegen den vielen Stauwehren
der Kraftwerke die Strecke ins Tierfehd nicht mehr bewältigen. Und bei grösseren Wasserentnahmen und dadurch tiefem Wasserstand (Restwasser) wird es eng für die grosse Forelle. Weitere Probleme
für die Laichablage und -entwicklung sind stark wechselnde Wasserführungen (Schwall-Sunk), Flussbegradigungen, fehlende Vernetzung mit Seitenbächen und zu wenig geeignete kiesige
Stellen. Wandern die Fische wieder seewärts sind Rechen, Turbinen u.ä. oft Todesfallen. Die Seeforelle ist dadurch schweizweit stark gefährdet.
Mit Massnahmen wie beispielsweise Fischtreppen bei Stauwehren und gesetzlichen Restwasserbestimmungen versucht man, die Glarner Fliessgewässer für die Fische zu verbessern. Die Hoffnung ist, dass die Seeforelle eines Tages wieder bis nach Linthal wandert.
Seeforellenzucht:
Um das Überleben der Seeforelle besser zu gewährleisten und den natürlichen Fischbestand zu stützen, züchtet man Seeforellen im Kanton Glarus künstlich. Für die Zucht werden ausgewachsene Seeforellen auf ihrer Laichwanderung in der Linth abgefangen und in die Kantonale Fischzuchtanlage „Mettlen“ nach Netstal transportiert. Dort befruchtet man die Eier der Weibchen künstlich mit dem Samen der Männchen. Nach erfolgter Laichentnahme werden die Elterntiere wieder in die Linth entlassen. Die aus den Eiern geschlüpften Fischchen bekommen regelmässig Futter. Mehrere zehntausend Jungfische werden dann nach ca. einem halben Jahr zwischen März und Juli der Freiheit übergeben.
Seeforelle als Angler- und Speisefisch:
Seeforellen sind beliebte Speisefische. Da die ausgewachsenen Tiere erst im Herbst, also praktisch schon in der fischereilichen Schonzeit, in die Glarner Fliessgewässer hinein ziehen, sind Glarner Fänge des bei uns grössten Lachsverwandten aber rar. 2009 wurden lediglich 260 Seeforellen gefischt.
Weitere Informationen
Bei Fragen stehen Ihnen der Fischereiaufseher im Kanton Glarus oder das Naturzentrum Glarnerland (Kontakt) gerne zur Verfügung:
Fischereiaufseher
Andreas Zbinden, Kleine Schwärzistrasse 9, 8752 Näfels
Tel: 055 640 33 01 / 079 564 54 45, Email: andreas.zbinden(at)gl.ch
Text: Barbara Zweifel-Schielly, Naturzentrum Glarnerland, 2010