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| Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)

Viertes Buch [363—378]
37. Ursprung des Arianismus bei den Gothen
Ich halte es für angezeigt, denjenigen, welche es nicht wissen, noch mitzuteilen, wie diese Barbaren von [S. 260] der Krankheit des Arianismus angesteckt worden sind. Als sie nach Überschreiten der Donau mit Valens über einen Friedensvertrag verhandelten, da war der unglückselige Eudoxius zugegen und riet dem Kaiser, die Gothen dahin zu bringen, daß sie in kirchliche Gemeinschaft mit ihm treten; sie hatten nämlich schon vor längerer Zeit das Licht der Gotteserkenntnis in sich aufgenommen und nährten sich von der Lehre der Apostel. Die Gleichheit der religiösen Überzeugung, sagte er, werde den Frieden noch dauerhafter machen. Valens billigte diese Meinung und schlug den Führern der Gothen Glaubensgemeinschaft vor. Diese erwiderten jedoch, sie könnten es nicht über sich bringen, den Glauben ihrer Väter zu verlassen. Nun war aber zu jener Zeit ihr Bischof Ulphilas, ein Mann, dem sie volles Vertrauen schenkten und dessen Worte sie wie ein unabänderliches Gesetz betrachteten. Diesen wußte nun Eudoxius durch Worte zu gewinnen und durch Geldgeschenke zu ködern und brachte ihn so dahin, daß er die Barbaren überredete, mit dem Kaiser in Gemeinschaft zu treten. Er überredete sie aber dadurch, daß er ihnen vorstellte, der Streit verdanke seinen Ursprung nur dem Ehrgeize, in den Dogmen dagegen sei kein Unterschied. Daher halten die Gothen bis auf den heutigen Tag den Vater für größer als den Sohn; ein Geschöpf aber wollen sie den Sohn nicht nennen, obschon sie mit denen, welche ihn so nennen, Kirchengemeinschaft halten. Sie haben also doch die von den Vätern ererbte Lehre nicht ganz aufgegeben. Denn da Ulphilas sie überredete, mit Eudoxius und Valens in Gemeinschaft zu treten, erklärte er, es sei kein Unterschied im Dogma, sondern allein grundlose Streitsucht habe die Spaltung hervorgerufen1. Fünftes Buch (378—428)
1: Ulfila (Wulfila = Wölflein), der eigentliche Apostel der Gothen, war schon früher von Eusebius in Konstantinopel für den Arianismus gewonnen und 341 zum Bischof der Gothen geweiht worden. Unter Valens aber und durch den Einfluß dieses Kaisers hat der Arianismus, wie es scheint, erst so recht allgemeine Verbreitung bei den Westgothen gefunden, und ist von diesen dann auch auf die meisten anderen germanischen Stämme übergegangen.