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Porphyr Naturstein
Porphyr – ein komplexer Begriff
Nach modernem geologischem Verständnis bezeichnet Porphyr in der Fachsprache das Gefügebild eines Natursteins. In diesem Fall spricht man von einem porphyrischen Gefüge, weshalb damit nicht eine bestimmte Natursteinsorte bezeichnet wird. Allerdings wird Porphyr nach wie vor als Sammelbegriff für eine Gruppe vulkanischer Gesteine genutzt, in deren Struktur einzelne grössere Kristalle erkennbar sind (die also ein porphyrisches Gefüge aufweisen). Diese sogenannten Einsprenglinge sind in eine feinkörnige Grundmasse, auch Matrix genannt, eingebettet.
Hinter Porphyr verbirgt sich so Einiges
Als ob der Begriff an sich nicht schon kompliziert genug wäre, so unterscheidet man auch noch zwischen zwei Arten von Porphyr: Quarzreiche und –arme Natursteine. Quarzreiche Porphyre weisen logischerweise einen höheren Quarzanteil bei den Einsprenglingen auf, weshalb der Naturstein früher auch als Quarzporphyr bezeichnet wurde. Heute nennt man den quarzreichen Porphyr Rhyolith. Quarzarme Porphyre weisen gar keinen (oder einen sehr geringen) Anteil an Quarz auf, wobei sich das Mineral auch nur in der feinkörnigen Grundmasse befindet. Die Bezeichnung gibt neben dem Fehlen von Quarz keine genaue Auskunft über die chemische Zusammensetzung des Natursteins, weshalb auch Andesite, Trachyte oder Dazite zu den quarzarmen Porphyren zählen.
Geht es noch komplizierter?
Allerdings! Neben quarzarmem und –reichem Porphyr grenzt man ausserdem noch Porphyrgranit, bzw. Granitporphyr ab. Das Gefüge dieses Gesteins liegt zwischen dem von echtem Granit und dem von Porphyr. Eine eher grobkörnige Grundmasse macht hierbei einen Porphyrgranit aus, während eine feinkörnige Matrix charakteristisch für einen Granitporphyr ist. Zu guter Letzt existieren auch noch die Porphyrtuffe. Diese unterscheiden sich nicht durch ihre chemische Zusammensetzung von Porphyren, sondern durch ihre Entstehung. Während Porphyr aus erkaltetem Magma besteht, handelt es sich bei Porphyrtuff um pyroklastische Sedimente, zumeist sehr feinkörnige vulkanische Asche.
Eins nach dem anderen – so entsteht Porphyr
Die Entstehung von Porphyr ähnelt der von Granit (z.B. Chinesischem Granit) und erstreckt sich über mehrere Etappen: Zunächst bilden sich in den Tiefen der Magmakammern unter der Erdoberfläche sogenannte Frühkristalle, wie Feldspäte und Quarze. Gelangt das Magma dann durch einen Vulkanausbruch an die Erdoberfläche, kühlt es rasant ab. Dadurch erstarrt es und kristallisiert. Um die grossen, bereits ausgereiften Frühkristalle bildet sich eine Grundmasse, die umso feiner ist, je schneller das Magma abkühlt. Genau dieses Gefüge aus sichtbaren Kristallen und feinkörniger Matrix macht einen Porphyr aus. Die grossen Kristalle, die sich von der Matrix abheben, werden auch Einsprenglinge oder Phänokristalle genannt. Der Entstehungsvorgang von Porphyr Naturstein muss sich allerdings in der letzten Phase nicht über der Erdoberfläche abspielen: Das Magma kann auch im Laufe von Millionen von Jahren langsam abkühlen und die Einsprenglinge umschliessen.
Porphyr, der kaiserliche Naturstein
Wie die Herkunft des Begriffes Porphyr (porphyra ist altgriechisch und bedeutet „purpur“) vermuten lässt, weist der Naturstein eine purpurne Farbe auf. Variationen reichen von rötlich über gräulich bis hin zu bräunlich. Aufgrund seiner Farbgebung war Porphyr in der römischen Kaiserzeit auch ausschliesslich den höchsten Beamten und den Kaisern selbst vorbehalten. Die grösste Porphyr-Schale, die heute in der Sala Rotunda im Vatikan und auf dem oberen Bild zu bestaunen ist, stammt aus dem goldenen Haus von Nero. Heute wird Porphyr als Werkstein zum Pflastern von Böden oder in polierter Variante für Küchenarbeitsplatten verwendet. Ausserdem dient er als Rohstoff für die Baustoffindustrie, wo er zu Schotter oder Splitt verarbeitet wird. Porphyr ist somit die farbenfrohe Alternative zum meist grauen Granit!
[Fotos v.o.n.u.: stonenaturelle, "Musei vaticani - sala della Rotonda - Porphyrschale" von Rudolf Schürer unter CC-Lizenz]