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Morgen Mittwoch soll die Gewerbekammer des Schweizerischen Gewerbeverbands darüber entscheiden, ob die Altersbeschränkung von 68 Jahren für Vorstandsmitglieder aufzuheben sei. Das Thema kam vor allem auf, weil Präsident Jean-François Rime bereits 69-jährig ist, aber eine Wiederwahl im nächsten Jahr anstrebte.
Doch seit Sonntag ist alles anders. «Ich werde nicht mehr für das Gewerbepräsidium kandidieren», sagte Rime gestern auf Anfrage der FN. Da er als SVP-Nationalrat abgewählt worden sei, werde auch sein Mandat beim Gewerbeverband im Mai nächsten Jahres auslaufen.
Überhaupt musste der Gewerbeverband bei den Wahlen Federn lassen. Auch sein Direktor Hans-Ulrich Bigler (FDP) wurde nicht mehr in die grosse Kammer gewählt, ebenso wenig Vorstandsmitglied Hansjörg Brunner (TG/FDP) und Peter Schilliger (LU/FDP), der als möglicher Nachfolger Rimes genannt wurde.
«Wir müssen jetzt schauen, wer aus dem Gewerbeverband noch ins Parlament gewählt wurde», sagt Rime. «Als Konsequenz dieser Wahlen wird der Gewerbeverband in Zukunft aber wohl mehr über Referenden und Abstimmungen Politik betreiben.»
In ein Loch fallen werde er nach der Abwahl und dem Wegfall des Gewerbepräsidiums nicht, so Rime. «Ich werde Lösungen finden, um beschäftigt zu sein.» Er führe ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern und 45 Millionen Franken Umsatz, dazu sei er Grossvater geworden, und er reise gerne. Gestern Morgen habe er etwa die Hälfte der Zeit für die Politik und die Hälfte für seinen Betrieb aufgewendet.
Gelegenheit, die Resultate der Wahlen aus den einzelnen Gemeinden auszuwerten, habe er noch nicht gehabt. «Es war wohl eine falsche Strategie der Partei, ausser mit der EDU keine Listenverbindungen einzugehen», meint er. Listenverbindungen mit wem? «Wenn wir wie andere Parteien mit 28 Personen angetreten wären, hätte vielleicht die Hauptliste weniger Stimmen gemacht, doch dafür hätte dies im Umfeld der Kandidaten mehr Leute mobilisiert.»
Keine schlüssige Erklärung hat Rime dafür, dass er gegenüber den Wahlen 2015 rund 40 Prozent an Wählerstimmen eingebüsst hat. Ausser im Sensebezirk machte Rime in jedem Bezirk weniger Stimmen als der gewählte Pierre-André Page (SVP), selbst in seinem eigenen Bezirk. «Das Ergebnis im Greyerzbezirk überrascht mich», so Rime. Er schliesst nicht aus, dass auch er in seiner Kampagne Fehler gemacht habe, konnte aber noch nicht sagen welche. «Pierre-André Page ist jünger als ich», hielt er fest.
Rime bliebe ein kleines Hintertürchen offen, wenn Page noch in den Ständerat gewählt würde und er nachrutschen könnte. «Die Chancen dafür sind gering», meint er. «Dafür müsste sich die FDP uns anschliessen, und danach sieht es nicht aus.»
Zahlen und Fakten
Einbruch um 12 000 Stimmen
Mit über 29 000 Stimmen hatte Jean-François Rime vor vier Jahren seinen SVP-Listenkollegen Pierre-André Page um 9000 Stimmen distanziert. Jetzt haben sich die Stärkeverhältnisse verschoben. Page erhielt 2019 fast die gleiche Stimmenzahl wie 2015, während Rime rund 12 000 Stimmen verlor und deutlich hinter Page zurückfiel. Einzig im Sensebezirk erreichte Rime noch fast 300 Stimmen mehr als Page. In Rimes Heimatbezirk Greyerz nahm ihm Page aber 400 Stimmen ab. Und Page machte in seinem Bezirk, dem Glanebezirk, gegen 1300 Stimmen mehr als Rime.