Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03643.jsonl.gz/737

Alan Mathison Turing (1912-1954) verlor seinen Namen an eine Maschine, die alle anderen sein kann: die Turingmaschine. Das von ihm entwickelte Berechenbarkeitsmodell der Turingmaschine bildet eines der Fundamente der theoretischen Informatik. Während des Zweiten Weltkrieges war er massgeblich an der Entzifferung der mit der Enigma verschlüsselten deutschen Funksprüche beteiligt. Der Grossteil seiner Arbeiten blieb nach Kriegsende jedoch unter Verschluss.
Einer Archäologie der Gegenwart (siehe: Robert A. Fischer »Ich / Buchstabendrescher) mag es dienen, Turings Papiere zu sammeln. Ohne Turing kein Computer und keine Dechiffrierung der Enigma.
1952 half der 19-jährige Arnold Murray, zu dem Turing eine gleichgeschlechtliche Beziehung hatte, einem Komplizen dabei, in Turings Haus einzubrechen. Turing meldete daraufhin einen Diebstahl bei der Polizei, die ihm als Folge der Ermittlungen eine sexuelle Beziehung zu Murray vorwarf. Homosexuelle Handlungen waren - wie in den meisten anderen Ländern - auch in Grossbritannien strafbar, Turing wurde wegen »grober Unzucht und sexueller Perversion« angeklagt. Turing wurde schuldig gesprochen und zu psychiatrischer Behandlung verurteilt, die wegen der Medikamente zu einer Verweiblichung des Körpers führte, und Turing, den Sportler in eine Depression stürzte. Ein vergifteter Apfel beendete sein Leben.
Am 10. September 2009 veröffentlichte der britische Premierminister Gordon Brown eine Erklärung, in der er, im Namen der britischen Regierung, die Verfolgung Turings bedauerte und den ausserordentlichen Beitrag während des Zweiten Weltkriegs würdigte. 2012 feiern wir Alan Turings 100sten Geburtstag.