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Wer einem Esel Rosen zu essen gibt, wird bald merken, ob es sich nicht doch um einen Menschen handelt. Denn laut Apuleius, der die Geschichte von Lucius, der mittels einer Zaubersalbe zu einem Esel verwandelt wurde, erzählt, hilft allein ein Zaubermittel gegen ein anderes. Die bekannteste Episode aus dem Asinus Aureus von Apuleius ist wohl Amor und Psyche, eine Liebesgeschichte zwischen einem Gott und einem jungen Mädchen. Aber Apuleius Roman - der einzige der aus der Antike zu seiner Gänze überliefert ist - hat noch viel mehr Gauner- und Schelmengeschichten auf Lager, die auf amüsante Weise erzählt werden.
Amor, Psyche und der Asinus
Apuleius lebte im zweiten nachchristlichen Jahrhundert und stammte aus Madauros, einer nordafrikanischen Stadt. Erst studierte er in Karthago, dann in Athen. Der fortan philosophicus Platonicus Madaurensis genannte Gelehrte wäre beinahe selbst für Magie bestraft worden, da ihm vorgeworfen wurde, seine Frau, eine reiche Witwe, mittels Zauberei gewonnen zu haben. Magie sei damals ein veritabler Tatbestand gewesen, schreibt Stefan Stirnemann in seinem lesenswerten Vorwort zur vorliegenden gebundenen Prachtausgabe der Anderen Bibliothek. Aber als Studierter und gebildeter Redner konnte er durch eine beeindruckende Verteidigungsrede (Apologie) den Kopf gerade noch aus der Schlinge ziehen. Was wieder einmal zeigt, wie gut es ist, studiert zu haben und nicht auf den Mund gefallen zu sein.
Schwänke goldener Zunge
Die vorliegende Übersetzung aus dem Lateinischen, die den einzigen vollständigen Roman der Antike scharfzüngig übersetzt, stammt von August Rode, einem Zeitgenossen Goethes, der als Diplomat sogar Verhandlungen mit Napoleon geführt hatte. Seine Übersetzung aus dem Jahre 1783 wurde übrigens auch von Goethe aus der Weimarer Bibliothek am 6. April 1826 ausgeliehen, wer weiß, ob nicht genau dieses Buch den deutschen Dichterfürsten so beflügelte. "Ich will dir, lieber Leser, in diesem milesischen Märchen allerhand lustige Schwänke erzählen, welche deine Ohren auf das angenehmste kitzeln sollen...", so Apuleius in Rodes Übersetzung.
Oder wie es der klassische Philologe Eduard Norden am Ende des 19. Jahrhunderts ausdrückte: bei Apuleius sei die römische Sprache, die ernste würdige Matrone zum Strichmädchen geworden. Natürlich ist dies als Kompliment zu verstehen, denn Apuleius nützte quasi alle 55'000 Wörter des Lateinischen, um den Asinus Aureus zu echtem Leben zu erwecken. Kurzum: ein Buch für alle Sinne.