Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/2096

Der Cashflow gibt an, ob eine Firma ihre Existenz sichern kann. Er wird berechnet, indem man den Gewinn vor Steuern und die Abschreibungen addiert.
Der Cashflow ist die beste Kennzahl, um die Finanz- und Ertragskraft eines Unternehmens zu beurteilen. Der Cashflow zeigt, ob die selbst erarbeiteten Mittel ausreichen, um die Existenz der Firma langfristig zu sichern.
Er berechnet sich im Unternehmeralltag aus dem Jahresgewinn vor Steuern plus Abschreibungen. Betriebswirtschaftlich exakt müssten auch noch Veränderungen bei den Reserven, Rückstellungen, Rücklagen, betriebsfremden Erträgen bzw. Aufwänden, Warenlagern und Privatbezügen einberechnet werden.
Im Minimum muss der Cashflow die Abschreibungen decken, denn so bleibt die Substanz des Unternehmens erhalten. Ohne Gewinn ist das Unternehmen aber nicht in der Lage, Fremdkapital zurückzuzahlen oder Erweiterungsinvestitionen vorzunehmen. Der Cashflow von 3 Jahren sollte ausreichen, um das ganze Fremdkapital zurückzuzahlen (Verschuldensfaktor 3).
Die Banken interessiert vor allem, welche Schuldenlast ein Unternehmen tragen könnte (dept capacity). Ausgangspunkt dafür ist der nachhaltig erzielbare Free Cashflow, also der Netto-Cashflow nach Zinsen und bereinigt um die effektiv getätigten Investitionen und Veränderungen im Umlaufvermögen.
Etwas vereinfacht gesagt handelt es sich um den frei verfügbaren Cashflow, den man entweder als Gewinn ausschüttet oder als Reserve für den Ausbau des Unternehmens einsetzen kann. Der Free Cashflow sollte ausreichen, um die betrieblichen Schulden über 5 bis 8 Jahre verzinsen und (theoretisch) zurückzahlen zu können.
Entscheidend ist dabei, dass der Free Cashflow regelmässig erreicht wird. Liegt er wegen ausserordentlicher Investitionen einmal tiefer, so ist das kein Problem. Anders sieht es aber aus, wenn die Rendite sinkt, weil in der betreffenden Branche ein Preiskampf herrscht oder sich die Produktionskosten massiv verteuert haben. Dann wird man seiner Bank sehr genau erklären müssen, welche Massnahmen eingeleitet wurden, um den Free Cashflow wieder in alter Höhe zu erreichen.
Liquidität, Debitoren- und Lagerbewirtschaftung, Rentabilität, und Kapitalstruktur sind weitere wichtige Kennzahlen, die beurteilen helfen, wie ein Unternehmen da steht.
Naturgemäss neigen gerade Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer dazu, ihre Firma und deren Aussichten allzu positiv zu bewerten. Es fehlt oft an Erfahrungswerten; zudem sind die Begeisterung und der Glaube an die Zukunft gross.
Es lohnt sich darum, in verschiedenen Szenarien zu denken und diese Varianten auch schriftlich zu fixieren. Das vermeintlich realistische Budget sollte man vorsichtshalber als optimistische Variante betrachten und zusätzlich ein konservatives und ein pessimistisches Budget (worst case) erstellen. Leider wird sich in vielen Fällen weisen, dass die Realität nachher näher beim pessimistischen als beim optimistischen Szenario liegt. Umso besser, wenn man sich schon im Vornherein intensiv mit dieser Möglichkeit befasst haben.