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Nun muss es endlich gesagt sein: Maulbrüter sind Kampffische! Und das nicht deshalb, weil die Strömung, wie man lange glaubte, in ihren Herkunftsgebieten so stark ist. Nein, ganz und gar aus dem einzigen Grund, dass ein Maulbrüter Entscheidendes zu verlieren hat.
Ein erste genuine Schwäche des Maulbrüters nämlich ist das vollständige Fehlen einer Wirbelsäule.
Das zweite Problemfeld liegt in seiner Herkunft, bekanntlich liegt der Ursprung der Fische auch heute noch im Dunkeln. Und wie ihre Abgrenzung innerhalb der Wissenschaft nicht einheitlich gehandhabt wird, ist insbesondere jene der Maulbrüter ein Minenfeld. Experten streiten sich seit je um die Frage: Ist der Maulbrüter eher ein politisch Haiartiger, da sich seine Zähnchen auf der ganzen Haut verteilen? Oder vertritt er eine eigene Disziplin? Sicher ist nur eines: Der Maulbrüter gehört zu den hypersensibel Wechselwarmen, d.h. ist besonders auf das Leben in vollklimatisierten Zonen angepasst – und er besitzt innerhalb seiner Gattung einen ausserordentlichen Kieferapparat.
Ein Nächstes ist die Bedeutung seiner Gliedmassen, Flossen genannt: die Brust- und Bauchflossen des Maulbrüters sind stets paarig, doch wird zur Stabilisierung des Körpers in erster Linie die Schwanzflosse eingesetzt. Die Haut ist zumeist mit Schuppen bedeckt, sie kann aber auch völlig nackt sein.
Die Fortbewegung als Viertes: Maulbrüter bewegen sich selten durch eine einzige Antriebsart fort. Meistens handelt es sich um Mischformen, die sich im Wesentlichen aus 3 (drei) Motivationen zusammensetzen. Die Bewegung der einzelnen Flossen; die Rückstossbewegung durch das Herausdrücken von Luft; die Schlängelbewegung des Gesamtkörpers durch das Zusammenziehen und Ausdehnen von Rumpf- und Schwanzmuskulatur – oder das seitliche Schlagen des Schwanzstiles (in Aquarien besonders gut beim Picasso-Drückerfisch zu beobachten).
Aus den Punkten eins bis vier zieht die moderne Maulbrüter-Wissenschaft folgendes Fazit: Maulbrüter sind Kampfische weil sie a) an einem Identitätsdefizit leiden und b) keine Herkunft, sondern lediglich einen Ruf zu verlieren haben.
Daniele Muscionico ist Journalistin bei der «NZZ» und Trägerin des Zürcher Journalistenpreises 2004.