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Polit. Gem. VD, Bez. Aigle. Die am rechten Rhoneufer gelegene Gem. erstreckt sich von der Ebene bis zum Gipfel des Chamossaire (2112 m). Mit ihren 23 Dörfern und Weilern (u.a. Antagnes, Arveyes, Chesières, Huémoz, Panex, Saint-Triphon, Villars-sur-O.) und ausgedehnten Sommerweiden (Bretaye, Les Closalets, La Barboleusaz) gehört sie zu den flächenmässig grössten Gem. des Kantons (58 km²). Nach 1018 Aulonum (unsicher), 1025-31 Olonum. 1313 202 Feuerstätten; 1764 1'982 Einw.; 1850 2'875; 1900 3'428; 1950 4'006; 1980 4'429; 2000 6'257.
Das Gemeindegebiet von O. war vermutlich schon früh dauerhaft besiedelt. Auch wenn sich keine ununterbrochene Besiedlung nachweisen lässt, finden sich Zeugnisse menschl. Anwesenheit vom Neolithikum bis ins FrühMA. Die meist vor längerer Zeit gemachten Zufallsfunde sind grossenteils schlecht dokumentiert. Entlang der Flussufer liegen mehrere Fundstellen (Derrière-la-Roche, Panex, La Combaz). Archäologisch von Bedeutung ist offenbar v.a. der Hügel in Saint-Triphon (Le Lessus, Charpigny, Le Signal, Les Fontenailles), obwohl bei der Ausbeutung des Steinbruchs von Le Lessus im 19. und 20. Jh. zahlreiche Spuren zerstört wurden.
Aus dem Neolithikum stammen die in Le Lessus gefundenen Scherben und Steinwerkzeuge. Am selben Ort wurden viele Körpergräber zerstört, die sich jedoch aufgrund der Beigaben in die Bronzezeit datieren lassen. Die in Charpigny und Derrière-la-Roche entdeckten Grabstätten stammen aus derselben Epoche. Überreste von Siedlungen und Metallverarbeitungsstätten gehen auf die mittlere und späte Bronzezeit zurück, insbesondere auch die in Le Signal zutage geförderte Ansammlung von Kupferstücken, die wahrscheinlich als Rohstoffvorrat dienten. Ein in Panex zum Vorschein gekommenes Grab dürfte in die späte Bronzezeit gehören. Die Funde aus der Hallstattzeit beschränken sich auf eine Fibel vom ital. Typ (Fundort nicht mehr zu eruieren) und eine Siedlungsspur im Creux d'Enfer bei Panex. Drei in der Nähe von La Combaz freigelegte Gräber, die Fibeln enthielten, könnten ins Frühlatène datieren, ebenso eine aus der Gegend von Volterra stammende schwarz glasierte Keramikschale. Dem Spätlatène zuzuordnen sind in Le Lessus gefundene Grabstätten und Gräben, die auf Wohnbauten hindeuten. Aus der Römerzeit stammen zahlreiche Münzen, Gegenstände und Gräber, die in Le Lessus, Les Fontenailles und entlang des Sentier des Dames entdeckt wurden. Galloröm. Architekturfragmente aus gelbem Jurakalk wurden in jüngerer Zeit oberhalb des Weilers Villy für eine Mauer verwendet. Am Fuss des Hügels von Saint-Triphon wurde ein Meilenstein des Ks. Licinius (Anfang 4. Jh. n.Chr.) gefunden und im Chor der Kirche von O. aufgestellt. Im Dorf O. und in Villy entdeckte Mehrfachgräber könnten ins FrühMA datieren.
Autorin/Autor: Redaktion / EM
Der Name O. erscheint in einer späten Abschrift der Schenkungsurkunde Kg. Sigismunds für die Abtei Saint-Maurice, deren Original vermutlich von 515 datiert. Im MA hatte der Bf. von Sitten in O. Rechte inne und das Hospiz auf dem Gr. St. Bernhard sowie die Spitäler von Villeneuve und Saint-Maurice waren im Ort begütert. Zu O. gehörten die Mitherrschaften La Roche und Saint-Triphon sowie das Viztum, das sich im 12. und 13. Jh. im Besitz der Fam. de la Tour befand. Deren Mitglieder waren Lehensträger des Bf. von Sitten, des Gf. von Savoyen und der Abtei Saint-Maurice. Ab dem 13. Jh. brachten die Savoyer O. zunehmend in ihren Machtbereich. Das Lehen La Roche fiel 1345 an die Fam. Rovéréa, die einen Teil der Herrschaft besass, bis diese 1768 an die de Löes gelangte. Nachdem seine Oberwalliser Verbündeten in den Burgunderkriegen die Burgen Saint-Triphon und La Roche in Brand gesetzt hatten, nahm Bern O. ein und machte es zu einem der vier Mandements des Gouvernements Aigle (1475-1798). Nach der Eroberung der Waadt durch Bern 1536 erhob die Abtei Saint-Maurice bis 1636 weiterhin die Telle. Die Gem., die seit 1798 zum Bez. Aigle gehört, gliederte sich bis 1874 in zwölf Quartiere oder Zenden (sechs in der Ebene, sechs im Berggebiet). Das vier Zenden umfassende Dorf sowie Antagnes und Saint-Triphon bildeten die Zenden in der Ebene; Villars, Chesières, Arveyes, Huémoz, Panex und Forchez diejenigen im Berggebiet. Jeder Zenden hatte seine eigenen Steuern, seine Bürger und seinen Rat der Hausvorstände. Die Generalversammlung beschloss 1528 die Einführung der Reformation, am 24.1.1798 den Anschluss an die Leman. Republik und am 15.2.1798 die Übernahme der Verfassung der Helvet. Republik. Die laufenden Geschäfte besorgte ein Rat der Vierundzwanzig. Die Rechtsprechung oblag einem Gericht, dem ein Kastlan vorsass und zwölf Vertreter der Zenden sowie ein Gerichtsschreiber angehörten.
Die Ende 12. Jh. erbaute Burg La Roche war nach den Ereignissen von 1476 dem Zerfall überlassen. Im 16. Jh. wurde sie von der Fam. Rovéréa wieder instand gestellt. Seit 1983 wird sie von einer privaten Stiftung als kultureller Begegnungsort genutzt. Die 1244 belegte Pfarrei O. war 1364 der Diözese Sitten angegliedert. Die Kirche Saint-Victor ist 1179 erstmals erwähnt. Der Glockenturm stammt von 1413. Der Ende des 15. Jh. von Baumeister Jacques Perrier - ihm werden auch verschiedene der dortigen Skulpturen zugeschrieben - umgebaute Chor wurde zur selben Zeit mit Wandmalereien ausgeschmückt, die Christus und die zwölf Apostel thematisieren. Das Schiff wurde Mitte des 17. Jh. teilweise neu aufgebaut. O. hatte mehrere Kapellen, darunter eine im Dorf Huémoz, das 1824 zur Pfarrei erhoben wurde. In Chalex ist 1281 ein Siechenhaus belegt. Eine Bruderschaft vom Hl. Geist und eine eucharist. Bruderschaft sind 1420 bzw. 1477 erwähnt. Das Rathaus datiert von 1792.
Die Solequelle in Panex wurde von 1554 bis 1832 genutzt. Gips-, Marmor- und Tufflagerstätten wurden ab dem 18. Jh. ausgebeutet. Die Landwirtschaft mit Acker- und Obstbau prägt die Talebene (2000 62 Betriebe). An den untersten Hängen dominiert der Weinbau (2000 25 Betriebe), der einen guten Ruf geniesst und im 19. Jh. zum Wohlstand der Bevölkerung beigetragen hat. In den höheren Lagen wird Wald- und Weidewirtschaft betrieben. Mit der Eröffnung der Simplon-Linie (1857 Bahnhof in Saint-Triphon) und der Strasse zwischen O. und Chesières (1867) nahm der Tourismus ab Mitte des 19. Jh. einen raschen Aufschwung. Die 1901 in Betrieb genommene Bahnlinie Bex-Villars, die 1913 bis Bretaye verlängert wurde, die Linie Aigle-O.-Monthey (1907) sowie der Bau von Pensionen und Grandhotels ab 1856 liessen Villars-Chesières zu einem der beliebtesten Winter- und Sommerferienorte der Waadtländer Alpen werden.
Autorin/Autor: Emmanuel Abetel / EM