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Die
Griechen brachten viele Rebsorten nach Italien und gaben dem für Weinbau
geradezu idealen Land den Namen "Oinotria". Die Römer entwickelten die
Rebzucht weiter und führten die Weinbereitung zur hohen Kunst. Eine Spezialität
war das Würzen mit Harz, Honig, Gewürzen und Kräutern um den Wein
geschmackvoller und haltbarer zu machen. Um den Wein geschmeidiger zu machen,
den Schimmel-Geschmack zu vermeiden und die Säure zu verbessern wurde während
der Gärung auch Meereswasser oder Salz zugefügt.
Die
bekanntesten Weine aus der Zeitenwende waren wohl die Weissweine "Caecubum", "Surrentinum"
und der Rot- und Weisswein "Falerner" - alle aus der heutigen Region Kampanien.
Aber auch aus andern Regionen wurden beachtliche Weine bekannt, so z.B. aus
dem heutigen Friaul der "Pucinum", aus Syrakus in Sizilien der "Haluntium" oder
der aus der Region Venetien stammende "Raeticum".

Monte Massico - Heimat
des Falerners
"Falerner"
galt vom 1. vor Chr. bis zum 4. Jahrhundert n.Chr. eindeutig als „ Der Wein der Cäsaren“. Er
stammte aus einem Anbaugebiet im Norden Kampaniens an den
Südhängen des Monte Massico. Das Gebiet war in drei Lagen unterteilt: der "Cauciner" wurde
oben auf den Hügeln, der "Faustitianer" an den Hängen und der wirkliche "Falerner"
am Fusse der Hügel angebaut.
Als Inbegriff höchster Qualität wiesen die Weinsorten des ager Falernus
unterschiedliche Geschmacksrichtungen auf. Neben dem süssen kannte Plinius der
Ältere (23-79.n.Chr.) auch einen herben und einen halbtrockenen, leichten
Falerner (austerum, dulce, tenue). Horaz (65-8 v. Chr.), Martial (40-102 v.
Chr.) und Virgil (70-19 v. Chr) schwärmten in ihren Werken vom roten oder
weissen Falerner. Der
römische Politiker, Redner und Philosoph Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.)
beschäftigte sich sehr mit dem Thema Wein und berichtete in seinen Werken über
den "Bianco Capena" aus der Region Latium, den "Minervois" aus dem französischen
Languedoc und den hier beschriebenen "Falerner".
Der berühmteste Jahrgangswein war der „Opimianer“ von
121.v.Chr. benannt nach dem
damals amtierenden Konsul Luzius Opimius, der die Optimaten erfolgreich gegen
die Agrarreformen des C.Sempronius Gracchus aufbrachte. Der zweite Konsul zu
dieser Zeit war Fabius
Maximus
Allobrigicus.
Der "Falerner" wurde übrigens ebenfalls zur
Herstellung des beliebten Honigweins "Mulsum" verwendet. Mulsum war
leichter und milder als Wein, auf nüchternen Magen sehr bekömmlich und als
Aperitif geschätzt. Der Falerner hingegen war sehr süss und stark und glich in
der Herstellung und im Geschmack vermutlich eher einem Sherry.
Der "Surrentinum" und der weisse "Falerner" wurden aus
der antiken weissen Rebsorte Aminea (Vitis aminea) hergestellt. Die heutigen
Sorten Amigne, Falanghina und Greco Bianco haben eine gewisse Ähnlichkeit und
stammen vermutlich von der Aminea ab. Die rote Variante des Falerner wurde aus
einem Vorfahren der heutigen Aglianico gekeltert.
Tafel- und Landweine mussten wegen ihrer geringen Haltbarkeit innerhalb eines
Jahres konsumiert werden. Alle andern römischen Weine waren Jahrgangsweine und
entsprechend beschriftet. Der Falerner erreichte seine optimale Reife nach 15
Jahren. Auf der Etikette wurde vermerkt, in wessen Konsulatsjahr dieser Wein
gekeltert wurde. Nicht immer war aber die Echtheit des Jahrgangsweins
damit sichergestellt. Im berühmten Satyricon des Petronius wird ein solcher Schwindel
aufgezeigt. Trimalchio offerierte ein Gastmahl mit "Opimianer" - Falerner. Das
Mahl fand in neronischer Zeit statt, also rund 180 Jahre nach Konsul Opimius. Ob
Wein dieses Alters noch geschmeckt hätte?
Der Preis eines halben Liter Falerner lag im ersten Jahrhundert n.Chr. bei einem
Sesterz und damit mehr als dem Vierfachen eines Landweines oder rund einem
Viertel des Tagelohnes eines einfachen Arbeiters. Im alten Pompeji
wurde an der Wand eines Weinhauses eine Preisliste mit folgendem Inhalt
gefunden, der auf ein sehr hohes Preisniveau des Falerner hinwies:
“Für ein As
bekommst du Wein, für zwei As den besten und für vier As Falerner”.
Nur sehr vermögende Geniesser konnten sich diesen
edlen Tropfen tatsächlich leisten.