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Nr. 511
Die Ursprünge des Bauernhauses von Tentlingen weisen in die Epoche eines intensiven Ackerbaus im Voralpenraum zurück. Die Stallscheune mit ihrem schwach geneigten Giebeldach als ältester Teil dürfte aus dem 17. Jahrhundert stammen. Hauseingang, Tenntor und Stall befanden sich damals auf einer Flucht an der Traufseite des Hauses. Im Kanton Freiburg sind noch einige wenige Bauten von diesem ursprünglichen Typus des längs gerichteten voralpinen «Tätschdachhauses» erhalten.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begannen auch kleinere Bauern ihre Häuser nach barockem Vorbild umzugestalten. So entschloss sich Joseph Corpataux, der Besitzer des Gebäudes, seine Wohnung ganz neu errichten zu lassen. Der Zimmermann löste diese Aufgabe mittels der Konstruktion eines Kreuzfirstes mit Giebelbogen (bernisch: «Ründi») über der repräsentativen Schaufassade. Dadurch gewann die Bauernfamilie mehr Platz sowie eine bessere Belichtung des Obergeschosses und verfügte zudem über ein zeit- und standesgemässes Haus.
Trotz neu gewonnenem Prestige blieb der altbewährte Grundriss der Idee nach bestehen: Quadratische Stube, schmale Schlafkammer, knapp so breit wie ein damaliges Bett, das hier – welch ein Luxus – dank dem originellen Wanddurchbruch gleich vom warmen Stubenofen aus bestiegen werden konnte. Der Hausgang führt in die mit Sandsteinplatten ausgelegte Küche, die wegen der Rauchentwicklung keine direkte Verbindung zur Stube aufweisen durfte; eine Durchreiche mit Schieber für die in freundlicher Atmosphäre am Stubentisch eingenommenen Speisen musste genügen. Der kleine Vorratsraum in der Küchenecke enthält einige Geräte der Freiburger Milchwirtschaft.
Der lnnenausbau des 18. Jahrhunderts ist weitgehend überliefert. Die Stube ist mit Bohlenwänden versehen. Einbauten, ein origineller Alkoven und ein Sandsteinofen aus dem 19. Jahrhundert konnten mit dem Haus übernommen werden.
Die Stubenwände sind aus liegenden Bohlen gefügt. Der aus weichem Material geschaffene Sandsteinofen hat meist eine relativ kurze Lebensdauer; dieser ist denn auch nach rund 100 Jahren ersetzt worden und hat dann ebenso lange – bis zum Abbau – seinen Dienst getan. Die teilweise bemalten Möbel aus der Zeit um 1800 sind Leihgaben aus dem Sensler Heimatmuseum Tafers FR. Aus dieser Region stammen auch einige Geräte zur Strohverarbeitung. Der bescheidene bäuerliche Wohlstand scheint bald nach dem Ende des Ancien Régime wieder abgebröckelt zu sein: Ab Mitte des 19. Jahrhunderts teilen sich zwei, manchmal drei Haushaltungen in das nur unwesentlich vergrösserte Gebäude; zudem leben einige Bewohner vom Handwerk und der schlecht entlöhnten Heimarbeit der Frauen und Kinder, eben der Strohflechterei. In diesem Zusammenhang ist der Vergleich mit einem anderen voralpinen Kreuzfirsthaus aufschlussreich, jenem von Brülisau AI (Nr. 911), das seine stattlicheren Dimensionen der einträglichen Viehwirtschaft verdankt.
Der in der Westschweiz und bis ins Berner Oberland verbreitete Deckelkamin aus Holz, fälschlicherweise auch «Burgunderkamin» genannt, diente dem Räuchern des Fleisches. Nach erfolgter Behandlung lagerte man die Schinken und Speckschwarten in der kleinen Fleischkammer im oberen Stock. Dort befindet sich auch eine Laube zum Trocknen von Feldfrüchten und Wäsche. Wie allgemein üblich im westschweizerischen Mittelland, waren auch hier aus Gründen der Feuersicherheit zwei lebenswichtige Tätigkeiten aus dem Bauernhaus ausgelagert: das Brotbacken im eigenen Ofenhaus und das Aufbewahren der Kornernte im freistehenden Speicher.