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1987 machte in Chile eine offensiv geprägte Mannschaft an der U20-WM Furore. Mit zwölf Toren in drei Vorrundenpartien liessen Spieler wie Robert Prosinecki (Sohn eines Kroaten und einer Serbin), Davor Suker, Zvonimir Boban (beide Kroaten) oder Predrag Mijatovic (Montenegriner) erstmals aufhorchen. Den Ruf der «Goldenen Generation» schuf sich die aus verschiedenen Ethnien bestehende Mannschaft mit dem Finalsieg im Penaltyschiessen gegen die damalige BRD. «Der Stern ging in Chile für alle von uns auf, egal ob Bosnier, Serben, Montenegriner oder Kroaten», sagte der damalige Topskorer Davor Suker in einem Interview.
Durch Balkan-Krieg auseinandergerissen
Vier Jahre später, mit dem Ausbruch des Kriegs, wurde aber jenes Team jäh auseinandergerissen und sollte danach nie mehr in annähernd ähnlicher Besetzung antreten. Die Frage, wie weit es die Equipe im Zenit ihrer Karriere gemeinsam gebracht hätte, bleibt offen. «Die Leistungsexplosion wäre nach dem Viertelfinal-Einzug Jugoslawiens an der WM 1990 zwei oder spätestens vier Jahre später erfolgt», ist sich Sportjournalist Ante Buskulic von der grössten kroatischen Tageszeitung «Vecernji List» sicher.
Kroatische Konstanz
Kroatien ging schon früh, und nicht nur auf politischer Ebene, eigene Wege. Das ers te, inoffizielle Länderspiel bestritten die «Kockasti» (die Karierten) im Oktober 1990 mit Aljosa Asanovic als erstem Torschützen gegen die USA (2:1), bis zur Unabhängigkeitserklärung im Juni 1991 folgten zwei weitere Partien. Der Wiederaufstieg in Europas Elite gelang nach der Aufnahme in die internationalen Verbände Fifa (1992) und Uefa (1993) erstaunlich schnell und verhältnismässig problemlos. Seit der Teilnahme an der EM 1996 – als erstes Land des ehemaligen Jugoslawiens – verpasste Kroatien nur noch ein grosses Turnier: die EM 2000 durch ein 2:2 im letzten Qualifikationsspiel gegen … Jugoslawien.
Die selbst für langjährige Beobachter überraschende Konstanz machte im Land schnell Lust auf mehr. Speziell die WM 1998, an der Kroatiens beste Mannschaft aller Zeiten im Viertelfinal Deutschland 3:0 demontierte und erst danach vom späteren Weltmeister Frankreich gestoppt wurde, steigerte die Erwartungen fast ins Unermessliche.
Riesige Erwartungen
Doch es folgte die grosse Stagnation. Seit dem Coup in Frankreich schafften es die Kroaten nie mehr über die Gruppenphase einer EM oder WM hinaus. «Wir können nicht den Anspruch erheben, Welt- oder Europameister zu werden. Man muss bescheiden bleiben und dankbar für das sein, was man bisher erreichen durfte», findet Davor Suker, der WM-Torschützenkönig von 1998. Nach dem Sieg im Londoner Wembley gegen England (3:2) und der damit verbundenen Qualifikation für die Euro 2008 machte aber bereits die nächste Euphorie-Welle die Runde im Staat.
«Die Begeisterung ist fast zu gross», beobachtete Nationaltrainer und -held Slaven Bilic. «Die Leute erwarten den EM- Titel. Gut, wir haben in der schwersten Qualifikationsgruppe gezeigt, dass wir mit Druck umgehen können.» Mit dem 0:3 im ersten EM-Testspiel Anfang Februar gegen Holland wurde Kroatien auf den Boden der Realität zurückgeholt. Die Medien wollten die klare Niederlage (für einmal) nicht als Weltuntergang verstanden wissen, sondern als Warnsignal. Man ist selbst in einem der fussballfanatischsten Länder Europas vor- und einsichtiger geworden. Si