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Die Rückkehr zur taktischen Realität beschert Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer den grössten Turniererfolg ausserhalb einer WM seit 2006.
Kein anderes Turnier während der Saison ist für die Schweizer so schwierig zu gewinnen wie der Slowakei-Cup. Der Heimsieg ist Pflicht, die Stadien sind voll, die Stimmung ist grandios. Die Slowaken bieten jeweils die bestmögliche Mannschaft auf. Nur die NHL-Stars fehlen. Zum letzten Mal haben die Schweizer 2006 unter Ralph Krueger das Turnier in Oberungarn gewonnen. In den letzten Jahren waren wir gegen diesen Gegner in der Slowakei chancenlos (0:2, 0:5, 0:3). Letztmals haben wir die Slowaken in der Slowakei 2009 unter Ralph Krueger besiegt (3:2).
Und nun am Samstag ein grandioses 4:3. Mit elf Neulingen. Gegen eine starke slowakische Mannschaft. Die Schweizer bogen sich unter dem gewaltigen Ansturm des Gegners im Mitteldrittel (die Slowaken holten in 66 Sekunden von 0:3 auf 2:3 auf). Aber sie brachen nicht.
Wie ist das möglich? Nun zahlt sich ein Wechsel an der Bande aus. Der Schwede Tommy Albelin ersetzt den verantwortungsscheuen Opportunisten Felix Hollenstein. Mit Hilfe des schwedischen Defensivspezialisten hat Patrick Fischer den taktischen Haushalt endlich in Ordnung gebracht. Ohne dabei sein Charisma, seine Begeisterungsfähigkeit und seinen Optimismus einzubüssen. Im Idealfall ergibt die Kombination Patrick Fischer/Tommy Albelin zumindest hockeytechnisch einen neuen Ralph Krueger.
In der letzten Saison, bei der letzten WM und noch im vergangenen Herbst, beim ersten Turnier mit Tommy Albelin als Assistent, liess Patrick Fischer «Pausenplatz-Hockey» spielen. Wildes, spektakuläres, aber unstrukturiertes, naives, international untaugliches Offensivhockey mit viel zu hohem taktischem Risiko. Die WM-Viertelfinals 2016 verpasste er und im Herbst 2016 setzte es beim Deutschland Cup in Augsburg noch einmal drei krachende Niederlagen ab – die letzte mit 1:4 gegen die Slowakei.
Die wundersame Wende, die jetzt im vierten Sieg in Serie (gegen Frankreich und Weissrussland beim Heimturnier in Biel und nun gegen Weissrussland und die Slowakei in Nitra) führt der Nationaltrainer auf den Wechsel der Taktik, die Abkehr vom «Pausenplatz-Hockey» zurück. «Wir haben die Taktik geändert und spielen jetzt mit viel weniger Risiko. Es gelingt uns, die neutrale Zone zu kontrollieren.» Diese Kontrolle der neutralen Zone ist der Schlüssel jedes Defensivsystems.
Patrick Fischer sagt, er habe auch darauf geachtet, physisch starke Spieler zu nominieren. Vor allem in der Abwehr: Vier Verteidiger sind grösser sind als 190 cm (Dave Sutter, Claude Paschoud, Christian Marti, Fabian Heldner) und Phil Baltisberger war mit 186 cm der Kleinste. Noch nie hatten wir eine Abwehr mit so viel Wasserverdrängung.
Und siehe da, es war in Nitra, als sei die Uhr um elf Jahre zurückgestellt worden. Zum letzten Mal haben die Schweizer 2006 das Turnier in der Slowakei gewonnen. Unter Ralph Krueger. Die Schweizer spielten beim 4:3 gegen die Slowakei wie einst unter Krueger. Taktisch diszipliniert, geduldig, selbstsicher und furchtlos.
Die Frage ist natürlich: wer von den elf Neulingen hat das Potenzial für künftige WM- und Olympiaeinsätze? Patrick Fischer sagt: «Dieser oder jene Spieler wird bei der nächsten WM dabei sein. Aber nicht viele.»
Drei Neulinge sind potenzielle WM-Kandidaten. Die HCD-Titanen Claude Paschoud (22) und Fabian Heldner (20). Noch nicht für Paris 2017. Aber für die Turniere von 2018 (Olympia, WM). Beide haben eine NHL-Postur. Beide sind für ihre Grösse erstaunlich beweglich (unter HCD-Trainer Arno Del Curto sind alle «gut zu Fuss») und beide können die Scheibe auch unter Druck kontrollieren und behaupten.
Beide gingen gegen die Slowaken mit einer Plus-Bilanz vom Eis: Fabian Heldner mit +1, Claude Paschoud gar mit +2. Nur noch ein weiterer Abwehrspieler hatte in dieser Partie eine positive Statistik: Dave Sutter (+1). Biels cooler, furchtloser Titan, der die nächsten drei Jahre im Zürcher Hallenstadion rumpeln wird, ist der Geheimtipp. Er ist wahrscheinlich der einzige der elf Neulinge, der bereits zur nächsten WM 2017 in Paris aufgeboten wird.
Der Unterschied zur «Ära Krueger»: das Defensivkonzept ist zwar sehr ähnlich – aber die neue Spielergeneration, die es umsetzt, ist talentierter.
Nitra 2017 hat uns noch etwas gezeigt: Im Februar machen Aufgebote für junge Spieler viel mehr Sinn als die Nomination von Routiniers, für die Länderspiele kein Abenteuer mehr sind. Die elf Neulinge rissen mit ihrer Leidenschaft die ganze Mannschaft mit. Kein Vergleich zum unsäglichen uninspirierten und undisziplinierten Auftritt beim Deutschland Cup im vergangenen Herbst.
Seit Nitra 2017 wissen wir: Nationaltrainer Patrick Fischer ist lernfähig. Die Phase des Pausenplatz-Hockeys hat er hinter sich gelassen und er wird taktisch erwachsen. Das weckt Hoffnungen für die WM 2017 in Paris und das olympische Turnier 2018.