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Der ideale Einstieg bei Cantus Basel
Antonín Dvořák (1841-1904)
Der tschechische Komponist, der in einfachen Verhältnissen aufwuchs, erlernte in jungen Jahren das Spiel auf mehreren Instrumenten: Violine, Viola, Klavier und Orgel. Entgegen der Familientradition, eine Metzgerei oder ein Restaurant zu führen, entschied er sich für eine Musikerlaufbahn.
Bald übersiedelte er nach Prag, wo er als Organist in Kirchen und Bratschist im Nationaltheater seinen Lebensunterhalt knapp stemmte. Zum Durchbruch verhalf ihm ein mehrjähriges Stipendium des Kulturministeriums in Wien, in dessen Kommission u.a. auch Johannes Brahms sass. Es ermöglichte ihm, sich gänzlich aufs Komponieren, welches inzwischen zu seinem Lebensmittelpunkt wurde, zu konzentrieren. (Unter den beiden Komponisten entwickelte sich daraufhin eine lebenslange Freundschaft und gegenseitige Anerkennung.)
Ebenso gelang ihm die Aufnahme in den deutschen Verlag von Fritz Simrock.
In dieser Zeit konzentrierte er sich in seinen Kompositionen insbesondere auf slawische Themen. Dies einerseits getrieben durch die Sehnsucht nach Befreiung von der bereits mehrere Jahrhunderte andauernden Germanisierung Böhmens durch die Habsburger, zum anderen durch den Einfluss des Verlegers Simrock.
In den 80er Jahren gelang Dvořák auch der Durchbruch in England, wo seit Händel eine Tradition der Oratorienaufführungen blühte und wo Dvořák in kurzer Zeit London, Birmingham und Cambridge eroberte und grosse Wertschätzung genoss.
Sein Stabat Mater wurde unter seiner Leitung in der Orchesterfassung am 14.3.1884 in der Royal Albert Hall in London aufgeführt. Dies in immenser Besetzung: im Chor waren es 250 Soprane, 160 Alte, 180 Tenöre, 250 Bässe. Im Orchester 24 erste, 20 zweite Geigen, 16 Bratschen, 16 Celli, 16 Kontrabässe. Im Publikum sassen ca. 12’000 Zuhörer.
Zu den Kompositionen, die zu seiner „englischen“ Zeit gehören, zählen die 7. Sinfonie, das Oratorium Heilige Ludmila und das Requiem.
1891 war er zum Direktor des National Conservatory of Music in New York ernannt worden, das er 1892 - 1895 leitete. Während der „amerikanischen“ Zeit wurden seine 9. Sinfonie, mehrere Quartette, Biblische Lieder, 8 Humoresken sowie das Cellokonzert h-moll komponiert.
Zurück in seiner Heimat hat er sich Komposition, Unterrichten sowie Aufführungen seiner Werke gewidmet. U.a. wurde ihm 1896 die Leitung des Gründungskonzertes der Tschechischen Philharmonie anvertraut.
1904 starb er an Lungenembolie im Kreise seiner Familie.
Stabat mater op.58
Der Text, als dessen Autor ein Franziskaner Mönch Jacopone da Todi (1230–1306) vermutet wird, konzentriert sich gänzlich auf Maria, die leidende Mutter des gekreuzigten Jesus. Gerade die Verbindung der religiösen Thematik mit der zutiefst menschlichen Perspektive hat im Laufe der Musikgeschichte einige Komponisten zur Vertonung animiert. Die bekanntesten Vertonungen kennen wir von Palestrina, Pergolesi, Haydn, Rossini und Verdi.
Doch hat Dvořák unter ihnen eine ganz besondere Stellung. Seine Vertonung bezaubert und berührt durch die Innigkeit und Empfindung für die einzelnen im Text beschriebenen Bilder zutiefst.
Das Ehepaar Antonín und Anna Dvořák wurde von mehreren schweren Schicksalsschlägen getroffen.
Im Jahre 1875 starb 2 Tage nach der Geburt ihre Tochter Josefa. In diese Zeit (1876) fällt die Entstehung der Klavierversion dieses Werkes, die die Sätze 1-4 und 8-10 beinhaltet.
Nachdem 1877 ihre elfmonatige Tochter Růžena und vier Wochen später der erstgeborene Sohn Otakar starben, entschied sich Dvořák für die Orchestrierung sowie die Ergänzung des Werkes durch drei weitere Sätze (5-7). Die Uraufführung der Orchesterfassung fand 1880 in Prag statt.
In unserem Konzert ergänzen wir die originale Klavierfassung um die drei später entstandenen Sätze, somit erklingt das Werk in seiner inhaltlichen Vollkommenheit in der ursprünglich vorgesehenen Fassung mit Klavierbegleitung.
So wird der vokalen Komponente - dem Ausdruck des elterlichen Leidens beim Anblick des eigenen toten Kindes - noch mehr facettenreicher Raum und Innigkeit verliehen.
Dieser tiefste aller menschlichen Schmerzen ist so ergreifend und berührend vertont, dass er nicht nur das Individuelle, sondern auch das allgemein Menschliche reflektiert. Das Werk bringt somit auch das heutige Leid der Menschen in den aktuellen Kriegen zum Ausdruck.
Mit der hoffnungsvollen Botschaft des Werkes hoffen auch wir in unseren Herzen auf die Versöhnung, die Erlösung, den Glauben ans Leben und seinen grossen Wert, der zu schützen ist.
Olga Pavlu
Dauer 1 Std 25 Min
Sätze
1. Stabat mater dolorosa, h moll (Andante con moto)
2. Qui est homo, e moll (Andante sostenuto)
3. Eja mater, c moll (Andante con moto)
4. Fac, ut ardeat cor meum, b moll (Largo)
5. Tui nati vulnerati, Es dur (Andante con moto, quasi allegretto)
6. Fac me vere, tecum flere, H dur (Andante con moto)
7. Virgo virginum, A dur (Largo)
8. Fac ut portem Christi mortem, D dur (Larghetto)
9. Inflammatus, d moll (Andante maestoso)
10. Quando corpus morietur, h moll/D dur (Andante con moto)