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Die Erkenntnisse, welche Folgen wärmere Winter für Amphibien haben, sind widersprüchlich. In Studien konnten sowohl negative als auch positive Effekte nachgewiesen werden. Bis zu einem gewissen Grad scheinen Amphibien ihr Verhalten dem Klimawandel anpassen zu können.
Durch den Klimawandel sind die Winter in der Schweiz wärmer geworden und oft auch kürzer. Als wechselwarme Tiere verbringen Amphibien den Winter zwar in der Winterruhe, trotzdem beeinflusst sie das verändere Klima auch zu dieser Jahreszeit. Denn im Winter zehren Amphibien von den Fettreserven, die sie im Sommerhalbjahr aufbauen konnten. Je wärmer es im Winter ist, desto aktiver ist der Stoffwechsel der Amphibien, und desto mehr Fettreserven verbrauchen sie.
Eine Studie über die Erdkröte in Grossbritannien zeigte, dass die Weibchen nach warmen Wintern mit einem geringeren Body-Mass-Index (BMI) aus der Winterruhe kamen. Die Jungtiere waren nach wärmeren Wintern kleiner, vermutlich weil sie mehr Energie verbrauchten, die nun für das Wachstum fehlte.
Andererseits konnte bei einer Kreuzkrötenpopulation in Grossbritannien während 30 Jahren kein Einfluss von wärmeren Wintern auf die Anzahl abgelegte Eischnüre im nächsten Frühjahr festgestellt werden. Eine neuere Studie von 2016 zeigt sogar einen positiven Effekt von wärmeren und kürzeren Wintern auf Amphibien: Junge Erdkröten hatten im Labor bessere Überlebensraten und kamen auch mit höherem Körpergewicht aus der Überwinterung, wenn die Temperatur rund 3°C erhöht und der labor-simulierte Winter um einen Drittel verkürzt wurde.
Die Erkenntnisse, wie sich der Klimawandel auf das Überwintern von Amphibien auswirken wird, sind also widersprüchlich. Je nach Art und auch zwischen Populationen der gleichen Art findet man unterschiedliche und teils sogar gegensätzliche Effekte auf die verschiedenen untersuchten Werte. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es also nicht möglich, Vorhersagen zur Auswirkung von wärmeren Wintern auf die Amphibien zu machen, oder generelle Empfehlungen für geeignete Schutzmassnahmen zu geben.
Allgemein können Amphibien anscheinend schnell auf veränderte Durchschnittstemperaturen reagieren: In den 80er- bis 2010-er Jahren führte eine Luftströmung im Mittelmeergebiet dazu, dass die durchschnittlichen Temperaturen im späten Winter bis ins Frühjahr zuerst wärmer, dann kälter, dann wieder wärmer wurden. Es zeigte sich, dass sich die Amphibien sofort an diese Schwankungen anpassten und entsprechend früher oder später aus der Winterruhe erwachten. Das deckt sich auch damit, dass die Arten, die im Frühling als erstes laichen, ihren Zeitplan eher an den vorherrschenden Temperaturen als an der Tageslänge ausrichten, also eine gewisse Flexibilität haben wann sie erwachen.
In grossen Amphibienpopulationen mit einer grossen genetischen Diversität ist es wohl auch eher möglich, dass sich die Bestände durch natürliche Selektion an die neuen Bedingungen anpassen können. Die Tiere, die aufgrund ihres Körperbaus oder Verhaltens besser an die wärmeren und kürzeren Winter angepasst sind, überleben den Winter einfacher und in besserer körperlicher Verfassung. So können sie im nächsten Frühjahr ihr Erbgut an mehr Nachkommen weitergeben, und diese Eigenschaften breiten sich weiter aus. In Populationen, die durch andere Faktoren wie Lebensraumverlust, Isolation, Strassentod etc. schon geschwächt sind, ist anzunehmen, dass eine solche Anpassung viel schwieriger ist.
Amphibien scheinen also über die Fähigkeit zu verfügen, ihr Verhalten dem Klimawandel zumindest teilweise anzupassen. Wie sich das Experiment «Klimawandel» auf die Amphibien auswirken wird, werden aber erst die kommenden Jahre und Jahrzehnte zeigen. Als vorbeugende Schutzmassnahme dient in erster Linie alles was die Amphibien allgemein stärkt. Gerade das Anlegen von zusätzlichen, gut abgedichteten Laichgewässern hilft zudem auch gegen eine weitere negative Auswirkung des Klimawandels, die teils extremen Trockenperioden im Sommer. Nur so sind die Voraussetzungen gegeben, dass sich die Amphibien durch natürliche Selektion an die neuen Bedingungen anpassen können. Zudem kann die Vernetzung von aktuell isolierten Populationen mithelfen, dass Gebiete, in denen viele Tiere einem klimatisch ungünstigen Winter zum Opfer fielen, aus benachbarten Gebieten mit besseren lokalen Bedingungen wieder besiedelt werden können.
Literatur:
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