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Eine kürzlich veröffentlichte Erhebung von NBC/"Wall Street Journal" sieht die Demokratin elf Prozentpunkte vor ihrem republikanischen Rivalen Donald Trump. Eine Analyse von Reuters/Ipsos ergab bereits am Freitag - also noch vor den neuesten Enthüllungen über sexistische Bemerkungen Trumps - eine Siegeschance für Clinton von 95 Prozent.
Die Statistik-Website FiveThirtyEight kommt auf fast 83 Prozent. Paradoxerweise könnte aber ein zu grosser Vorsprung bei den Umfragen ihre Chancen am 8. November mindern: Umfragen und Experten zufolge braucht Clinton ein knappes Rennen, um ihre Wähler an die Urnen zu locken.
Denn die Umfragen zeigen auch, dass Clinton weniger für ihre Politik oder gar ihre Person gewählt wird, sondern um den Einzug Trumps ins Weisse Haus zu verhindern. Reuters/Ipsos zufolge geben etwa die Hälfte ihrer Anhänger genau dieses "Stop Trump" als Motivation an, für die ehemalige Aussenministerin zu stimmen. Nur etwas mehr als ein Drittel nennt ihre politischen Pläne als Grund und nicht einmal 13 Prozent geben an, sie als Person zu mögen.
Wahlbeteiligung hängt von der Knappheit ab
Die Zusammensetzung der demokratischen Wählerschaft verstärkt noch das Problem: Besonders junge Bürger, Schwarze, Hispanics und Geringverdiener - alles wichtige Bevölkerungsgruppen für die Partei - müssten durch einen bestimmten Kandidaten oder ein bestimmtes Thema zur Stimmabgabe motiviert werden, sagt der Wahlforscher Michael McDonald von der University of Florida.
Dies sei bei der Wahl von Amtsinhaber Barack Obama 2008 deutlich zu sehen gewesen. Allgemein hänge die Wahlbeteiligung davon ab, als wie knapp das Rennen empfunden werde - "Die Beteiligung steht in Bezug zur Intensität des Wettstreits."
Clintons Wahlkampfteam ist sich des Problems bewusst und betont immer wieder, dass das Rennen knapp sein wird, ein Argument, das durch die neuen Umfragen allerdings geschwächt wird. Einige eher linksgerichtete Demokraten - in der amerikanischen Politik "liberals" genannt - fordern daher eine andere Botschaft.
"Diese Wahl muss mehr sein als nur ein Referendum über Donald Trump", sagt Arun Chaudhury von der Beratungsfirma Revolution Messaging, die Clintons Vorwahl-Rivalen Bernie Sanders beraten hatte. Die Botschaft laute bislang, dass "alle aufstehen müssen, um zu verhindern, dass Donald Trump Präsident wird". Sie laute nicht, dass sie aufstehen müssten, um Hillary Clinton zur Präsidentin zu machen.
(Reuters)