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Das Darwin-Komplott (Buchbesprechung)
Aufstieg und Fall eines pseudowissenschaftlichen Weltbildes
von Reinhard Eichelbeck
Riemann Verlag, 1999, 380 Seiten
Die Verfechter des Darwinismus sind zwei fundamentalen Irrtümern zum Opfer gefallen: Sie betrachten den Lebenskampf der Lebewesen als Motor der Entwicklung, übersehen aber die wichtigere Zusammenarbeit von Zellen und Lebewesen. Ferner realisieren sie noch nicht, dass in den Zellen der Lebewesen ein Programm enthalten ist, das nicht vom Zufall, sondern nur von einem intelligenten Programmierer stammen kann.
Reinhard Eichelbeck erhielt 1984 vom Norddeutschen Rundfunk den Auftrag, zwei Sendungen zum Thema "Die Erde, der Himmel und die Dinge dazwischen" zu produzieren. Er entschloss sich, etwas über die Evolution zu machen. Das Ganze hielt er damals für eine leichte Übung, denn über Evolution war ja alles Wesentliche bekannt. Als er aber damit begann, stellte er fest, dass die Grundfragen der Evolution keineswegs geklärt sind, sondern das gesamte darwinistische Denkmodell schon seit Jahren von einigen Wissenschaftlern ernsthaft in Frage gestellt wird. Die Prinzipien wie "Mutation" und "Selektion" sind höchst umstritten und die Wissenschaftler sind sich durchaus nicht einig.
Es fiel ihm auf, dass das darwinistische Denkmodell von falschen Voraussetzungen ausgeht, in sich zum Teil unstimmig und unlogisch ist, in einigen wichtigen Punkten nicht mit den Erfahrungstatsachen übereinstimmt und alles andere als "bewiesen" ist. (S.13) Schliesslich entschloss sich Eichelbeck, das vorliegende Buch zu schreiben, in dem er zeigen will, was der Naturforscher Louis Agassiz schon 1860 erkannt hatte: Der "Darwinismus" ist ein "wissenschaftlicher Missgriff, unlauter hinsichtlich der Fakten, unwissenschaftlich in den Methoden und schädlich in der Tendenz". (S. 15)
Darwin behauptete, dass alle Lebewesen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen, also miteinander verwandt seien. Aber diese Behauptung lässt sich nicht nachprüfen. Alle Lebewesen verwenden zwar die gleichen Grundbausteine für den Aufbau ihrer Zellen und kopieren ihre Erbinformationen nach dem gleichen Prinzip. Aber es fehlen eindeutige Übergangsformen von Bakterien zu Fischen zu Amphibien zu Reptilien zu Säugern, zum Menschen. Der Mangel an Zwischenformen im Fossilbericht, den schon Darwin beklagte und mit der Unvollkommenheit der geologischen Urkunden erklärte, hat sich als Regel erwiesen und nicht als Ausnahme. (S. 21)
Es ist unlogisch, dass zufällige Fehler (nämlich die Mutationen) zu Verbesserungen führen und dadurch höhere Ordnungssysteme entstehen. Die Erfahrung zeigt, dass Ordnung nur aus Ordnung entsteht. Wenn man annimmt, dass Ordnung in einem System durch die Einführung von Unordnung erhöht wird, ist das etwa ebenso sinnvoll, wie die Annahme, dass ein Raum um so kälter werde, je mehr man ihn heizt. Kein Mensch wird ernsthaft erwarten, dass ein Klavierkonzert von Mozart dadurch besser wird, dass ein betrunkener Schreiber, der die Partitur kopiert, Noten oder ganze Takte weglässt oder willkürlich neue hinzufügt. Und daran ändert sich auch nichts, wenn er es hunderttausend Jahre lang tut (und auch nicht, wenn jemand da wäre, der von Zeit zu Zeit die schlimmsten Misstöne herausstreichen würde). (S. 23)
Seit neunzig Jahren werden mit Drosophila (Taufliege) Mutations-Experimente gemacht. Sie haben bisher nicht eine einzige neue Art hervorgebracht, ja nicht einmal Verbesserungen der alten Art, sondern nur verkrüppelte und verstümmelte Taufliegen. (S. 112)
Da gibt es eine Heuschrecke, "Wandelndes Blatt" genannt, die sich dadurch tarnt, dass sie wie ein Blatt aussieht. Seltsamerweise lebte sie aber schon vor 300 Millionen Jahren, als es noch gar keine Laubbäume gab, sondern nur Nadelhölzer. Sie musste gute 150 Millionen Jahre lang warten, bis Blätter erschienen, zwischen denen sie sich als Blatt tarnen konnte. (S. 196)
Wenn Fliegenkönnen ein Vorteil ist, warum hat dann inzwischen nicht alles Lebendige Flügel? (S. 212)
Die "natürliche Auslese", die die "zufälligen Veränderungen" sozusagen sortieren und selektieren soll, war bei Darwin eine schöpferische Instanz. Wenn man sein Denkmodell näher betrachtet, dann stellt sich heraus, dass er hier einen Schöpfungsmythos entworfen hat, bei dem Mutation und Selektion die Rolle Gottes übernommen haben. (S. 24) Denn die Selektion kann gar nicht selektieren. Das kann nur eine Intelligenz. Umweltbedingungen liefern nur Rahmenbedingungen. Entscheiden tun sie nicht. Die Schwerkraft hindert eine Raupe daran, zu fliegen - doch sie hindert sie nicht daran, sich in einen Schmetterling zu verwandeln. Übrigens muss der genetische Bauplan für den Schmetterling bereits in der Raupe vorhanden sein - aber wie kommt er dorthin?
Das Vokabular der Darwinisten ist ein Schöpfungsvokabular. Mutation und Selektion sind dann die grossen "Konstrukteure" der Evolution (K. Lorenz), die "Natur macht geniale (!) Erfindungen" (M. Eigen) oder "bastelt Neues aus alten Teilen" (F. Jacob). Das Leben wird als "das grosse Wunder einer Schöpfung" bezeichnet, und die Evolution ist dann der "Mechanismus dieser Schöpfung" (M. Eigen). Die Natur "probiert aus", das Leben "entwickelt", und "Zufall und Notwendigkeit gestalten die Evolution (C. Bresch). (S. 26-27) Der Schöpfer, den sie zur Vordertür hinausgetrieben haben, wurde durch die Hintertür der Sprache wieder hereingeholt. Der Darwinismus ist ein verkappter Schöpfungsmythos.
"Survival of the fittest" (Überleben des Tüchtigsten) ist die Ideologie der Krebszelle, die sich um jeden Preis vermehrt, ohne Rücksicht auf ihre Umgebung. Darwin irrte sich. "Überbevölkerung" und "Kampf ums Dasein" finden nicht so statt, wie er es angenommen hatte. Kooperation ist in der Natur vermutlich wichtiger als Konkurrenz. Dafür gibt es unzählige Belege. (S. 29) Man denke nur an die Kooperation aller Zellen und Organe in den Lebewesen.
Bei Darwin gibt es Widersprüche: Wenn die natürliche Selektion nur die Stärksten überleben lässt, wie ist dann Schönheit, die auf Kosten der Zweckmässigkeit geht (z.B. beim Pfau), zu erklären? Darwin meinte, das tue die "geschlechtliche Selektion". Aber wer bremst dann die natürliche Selektion, solange die geschlechtliche Selektion am Werk ist - und umgekehrt? Beides sind angeblich blinde Kräfte, also ist wiederum eine höhere schöpferische Instanz gefordert. (S. 31)
Wie es dazu kommt, dass einige Lebewesen sich seit vielen Millionen von Jahren kaum verändert haben, während es andererseits im gleichen Zeitraum enorme Änderungen gab, kann der "Darwinismus" nicht befriedigend erklären. Es ist jedenfalls höchst unlogisch, die gleiche blinde und unbewusste Kraft sowohl für Veränderungen als auch für Erhaltung verantwortlich zu machen. Das wäre etwa so, wie wenn beim Auto das Gaspedal zugleich die Bremse ist. (S. 32)
Ungeklärt ist auch die Frage der sogenannten "konvergenten Evolution", nämlich der Ausbildung funktionsgleicher Merkmale bei ganz unterschiedlichen Lebewesen, die nicht näher miteinander verwandt sind. Wenn die Seidenraupe auf dem Maulbeerbaum und eine Muschel im roten Meer beide Seidenfäden produzieren, deren Aufbau nahezu identisch ist, dann lässt sich das gewiss nicht durch ähnliche Umweltbedingungen erklären. Und durch die Metapher "Zufall" schon gar nicht. (S. 32)
Die Grundaussagen des Darwinismus sind keineswegs gesichert oder bewiesen. Die Logik und die bekannten Fakten sprechen eher gegen als für das darwinsche Denkmodell. Der "Darwinismus" ist nur im ersten Augenblick einleuchtend, solange man nicht darüber nachdenkt oder ins Detail geht. Bei näherer Beschäftigung mit der Komplexität der Lebewesen, mit der technischen Genialität ihrer Organe und der subtilen Vielfalt ihrer Verhaltensweisen wird jedem, der nicht völlig der "Darwinomanie" verfallen ist, deutlich, dass dieses Denkmodell die Evolution nicht zu erklären vermag. (S. 33)
Bekannte Darwinisten scheuen nicht davor zurück, die Zweifler als "unwissend, dumm oder geisteskrank" zu diffamieren (Dawkins), während sie für ihre Anhänger Modernität und Denkfähigkeit reservieren. (S. 35) Eichelbeck schreibt der Bequemlichkeit halber häufig auch dann "Darwinismus", wenn er der Genauigkeit halber "Neodarwinismus" oder "Synthetische Theorie des Neodarwinismus" sagen müsste. (S. 37)
Darwin hatte keine Ahnung davon, was Software ist; Information war für ihn noch kein Thema. Aber wir sehen die Lebewesen in der Natur und uns selbst heute nicht mehr als mechanische Maschinen, sondern als informationsverarbeitende Systeme. Für unsere Zeit ist eine rein materialistisch-mechanische Betrachtung der Natur und des Lebens nicht mehr angemessen. (S. 38)
Die Entstehung von Lebendigkeit und Bewusstsein ist nach wie vor auf einer rein materialistisch - mechanistischen Ebene nicht zu erklären. Informationsverarbeitende Systeme, und dazu gehören nun auch einmal die Lebewesen, brauchen neben der "Hardware" ebenso "Software" - und die ist kein mechanischer oder materieller Bestandteil der "Hardware". Sie entstammt einer höheren Ebene, einer notwendigerweise "metaphysischen" Ebene eines Programmierers. (S. 57)
Wir brauchen neue Denkmodelle, die auch diese dritte Komponente, die Information, mit einbeziehen. Wir brauchen ausserdem Denkmodelle, die nicht Konfrontation und Kampf betonen, sondern Kooperation und Symbiose (nützliche Partnerschaft ungleicher Organismen). Diese Aspekte sind in der Natur wesentlich wichtiger. Der "Darwinismus" - das sehen wir inzwischen immer deutlicher - hat uns zu einer falschen Einschätzung der Natur verleitet. Er hat sozialneurotische Unarten des Menschen - Egoismus, Aggressivität, Rücksichtslosigkeit, Geilheit, die alten Macho-Untugenden, möglichst viele Nachkommen und möglichst viele tote Feinde zu hinterlassen - als naturgegeben, ja sogar als Grundprinzipien der Evolution dargestellt. (S. 40) Der "Darwinismus" hat das Vertrauen der Menschen in eine höhere Ordnung untergraben und ihre paranoiden Sozialneurosen verstärkt - ihre Angst vor der "feindlichen" Natur, vor den "feindlichen" Nachbarn, vor den "feindlichen" Bakterien, Viren, Pollen, Unkräutern usw. Er hat uns zu einem Krieg gegen die Natur verleitet, der schon längst zu einem Krieg gegen uns selbst geworden ist. Und niemand hat einen Vorteil von diesem Krieg, ausser denen, die die Waffen dafür liefern und dabei Milliardenprofite einfahren. (S. 41)
Der Darwinismus hat die Gemüter von Generationen von Schulkindern verseucht, denen man einbleute, sie müssten entweder stärker oder angepasster sein als ihre Mitmenschen, um erfolgreich zu sein. Kooperation, Kreativität, Spontaneität, Freude wurden als unpassende Erfolgshindernisse in den Hintergrund gedrängt. Die antidarwinistischen Trends in der Evolution - zum Beispiel Schönheit, Bewusstheit und Liebesfähigkeit -, die vom Urschleim bis zum Menschen doch eindeutig mehr zugenommen haben als Giftigkeit und Aggressivität, wurden weitgehend übersehen. (S. 41)
Unter dem Titel "Alternativen" schreibt Eichelbeck wörtlich: "Es ist nicht schwer, dem "Darwinismus" nachzuweisen, dass er unlogisch ist, von falschen Voraussetzungen ausgeht und sich im Widerspruch zu den beobachteten Tatsachen befindet. Aber es ist schwierig, etwas anderes anzubieten, das man an seine Stelle setzen könnte... Es wird erarbeitet werden, wird sich im Widerstreit der Meinungen bilden müssen, im Laufe von Jahren - vielleicht von Jahrzehnten." (S. 333) Er weist dann deutlich darauf, dass das neue Modell ein übergeordnetes Prinzip der Ordnung enthalten muss. Jemand hat die Programme geschrieben, die in den Genen enthalten sind. Ordnung kann nur aus höherer Ordnung entstehen. Schliesslich kommt er kurz auf die höchste Ordnungsinstanz zu sprechen: "Ich habe den Begriff "Gott" für jene obengenannte höchste Ordnungsinstanz bisher vermieden, weil er heute durch so viele Vorurteile belastet ist." Eichelbeck sieht in Gott kein Wesen oder eine Person im herkömmlichen Sinne.
Unklar ist, warum Eichelbeck immer noch ein hohes Erdalter von mehreren Milliarden Jahren vertritt. Die vielen starken Hinweise für eine "junge Erde" sind ihm offenbar nicht bekannt. Auch das "biogenetische Grundgesetz" von Haeckel betrachtet er , zwar in eingeschränkter Form, als gültig (S. 93). Doch schon 1956 hat der Embryologe Gilbert L. Woodside von der Universität von Massachusett in Amherst seine Studenten gelehrt, dass dieses "Gesetz" inzwischen tot sei. Man hat dies in der Öffentlichkeit offensichtlich unter den Tisch gewischt und auch keine Korrektur in den Schulbüchern vorgenommen (siehe auch factum 1/99, Seiten 8-11). Es ist das Verdienst von Eichelbeck, klar darauf hinzuweisen, dass die Programme, die in den Genen enthalten sind, von einem Programmierer stammen müssen, denn noch nie ist auch nur das einfachste Programm aus Zufall entstanden. Bemerkenswert ist ausserdem, dass er an Stelle von Konkurrenz die Zusammenarbeit und Symbiose der Lebewesen in den Vordergrund stellt. Dies dürfte gelegentlich einen positiven ethischen Einfluss auf die Gesellschaft haben, wenn es gelingt, dass an Stelle des Darwinismus in den Schulen eine neue Theorie gelehrt wird.
Hansruedi Stutz