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Der doppelte Irrtum
Im Dezember 1938 hielt Alvin Hansen, Präsident der American Economic Association (AEA), eine Rede, deren Inhalt in letzter Zeit wieder aufgenommen wurde. Er behauptete, die grosse Zeit des Wachstums sei vorbei, und die USA stünden vor einer Periode der «säkularen Stagnation».
Die Prognose war vollkommen falsch. Es folgte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Phase des überschäumenden Wirtschaftswachstums. Man sprach von einem «Wirtschaftswunder».
Noch schlimmer: Hansen lag auch in Bezug auf die unmittelbare Vergangenheit vollkommen falsch. Die Dreissigerjahre waren ein Jahrzehnt der Innovation und des hohen Produktivitätsfortschritts. Eine neue Schätzung kommt sogar zum Schluss, dass die technologische Innovation von 1930–41 deutlich höher war als in der Zeit des Wirtschaftswunders (1949–66). Hansen erlag einem doppelten Irrtum.
Die Schätzung stimmt mit den Ergebnissen von Alexander Field überein. Field schrieb in seinem Buch «The Great Leap Forward» («Der grosse Sprung nach vorn»), dass nicht der Zweite Weltkrieg die USA aus der Depression befreit habe, sondern dass das ausserordentliche Produktivitätswachstum entscheidend war.
Hier ein längeres Interview mit Alexander Field.
Es geht nun nicht darum, einem bedeutenden Ökonomen im Nachhinein eine Fehleinschätzung nachzuweisen und sich in Schadenfreude zu üben. Irren ist menschlich. Viel relevanter ist die Tatsache, dass Alvin Hansen offenbar nicht in der Lage war, die grossen Veränderungen der Wirtschaft objektiv zu erfassen. Sie waren weder in den Daten noch physisch so klar sichtbar, dass sie ihn von seiner pessimistischen Prognose abbringen konnten.
Dies könnte durchaus auch heute der Fall sein. Vielleicht ist die Produktivitätsstatistik so ungenau, dass sie unbrauchbar geworden ist. Der US-Ökonom Robert Solow sagte schon 1987: «You can see the computer age everywhere but in the productivity statistics.»