Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/168544

<h2>SubmittedText<h2><p>Das Schweizerische Nationalgestüt (SNG) in Avenches ist das Kompetenzzentrum des Bundes für Equiden. Seit dem 1. Januar 2014 sieht Artikel 147 des Landwirtschaftsgesetzes ausdrücklich vor: "Zur Unterstützung der Pferdezucht betreibt der Bund ein Gestüt."</p><p>Zum SNG gehört eine Pferdeklinik. Diese betreibt ein in der Schweiz einzigartiges, von der Europäischen Union anerkanntes Reproduktionszentrum, das die Pferdezüchtung und -haltung mit Expertenwissen unterstützt.</p><p>Die Pferdeklinik des SNG und jene der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern wurden am 1. Januar 2012 zum Schweizerischen Institut für Pferdemedizin (ISME) zusammengeschlossen. Das Ziel bei diesem Zusammenschluss bestand darin, die Kompetenzen im Bereich der Veterinärmedizin in unserem Land zu fördern.</p><p>Anfang Juli dieses Jahres haben die Medien aufgedeckt, dass das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eine Auflösung der Pferdeklinik des SNG anstrebt und entsprechend Subventionen sowie Arbeitsstellen streicht. Dieses Vorhaben erkläre sich sowohl mit den Sparprogrammen des Bundes als auch mit Grundsatzüberlegungen. Da es in der Schweiz ja schon zwei universitäre Pferdekliniken gebe, nämlich in Bern und Zürich, rechtfertige sich der Weiterbetreib der Pferdeklinik des SNG nicht mehr. </p><p>Die Auflösung der Pferdeklinik des SNG hätte zur Folge, dass das Nationalgestüt eine seiner Kernbereiche verlieren würde. Ausserdem würde man dadurch der Westschweiz ein anerkanntes Forschungszentrum für Pferdemedizin entziehen.</p><p>1. Welches sind die Sparprogramme, die das BLW dazu veranlassen, die Pferdeklinik des SNG auflösen zu wollen? Hat sich das Parlament bereits zu den infrage stehenden Einsparungen ausgesprochen?</p><p>2. Ist die Auflösung der Pferdeklinik des SNG vereinbar mit dem Ziel, die Kompetenzen im Bereich der Veterinärmedizin zu fördern, wie es beim Zusammenschluss der Pferdeklinik des SNG und jener der Universität Bern im Jahr 2012 betont wurde?</p><p>3. Ist die Auflösung der Pferdeklinik des SNG vereinbar mit dem Entscheid des Parlamentes, die Existenz des SNG im Landwirtschaftsgesetz zu verankern?</p><p>4. Ist es im Hinblick auf das räumliche Gleichgewicht des Landes sinnvoll, die Forschungsaktivitäten im Bereich der Pferdemedizin auf die Deutschschweiz zu konzentrieren, obwohl die einzige Schweizer Pferderasse, der Freiberger, aus dem Kanton Jura stammt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die durch das Parlament beschlossenen Sparprogramme und die im Rahmen der Budgetierung festgelegten Konsolidierungsmassnahmen enthielten Querschnittkürzungen im Eigenbereich der Verwaltung und Teuerungskorrekturen, von denen alle Verwaltungseinheiten, auch Agroscope, betroffen waren. So hat das Parlament ab dem Voranschlag 2011 als Vorleistung zum Konsolidierungsprogramm 2012/13 u. a. eine Anpassung an die niedrigere Teuerung sowie eine Querschnittkürzung im Eigenbereich beschlossen. Der Beitrag von Agroscope an diese Kürzungen lag bei rund 1,6 Millionen Franken pro Jahr. Ab dem Voranschlag 2015 wurden zudem bei Agroscope die im Konsolidierungs- und Aufgabenüberprüfungspaket 2014 vorgesehene Kürzung im Eigenbereich sowie weitere Querschnittkürzungen von insgesamt knapp 0,7 Millionen Franken umgesetzt. Zu den im Stabilisierungsprogramm 2017-2019 vorgesehenen Massnahmen im Eigenbereich soll Agroscope rund 3,9 Millionen Franken beitragen. Seit 2011 ergibt sich somit ein Sparauftrag von insgesamt rund 6,2 Millionen Franken. Zur Erfüllung dieser Sparvorgaben und zur Optimierung der strategischen Ausrichtung der Forschung von Agroscope wurde 2014 eine Portfolioanalyse in Angriff genommen, die bis Ende 2018 umzusetzen ist. Die Massnahmen, die aus dieser Analyse resultieren, betreffen neben der Pferdemedizin auch andere Bereiche von Agroscope. Da die Forschung im Bereich der Pferdemedizin keine Hauptaufgabe von Agroscope ist und weiterhin zwei Universitäten eine Pferdeklinik betreiben, erachtet der Bundesrat diesen Aufgabenverzicht als zumutbar.</p><p>Der trotz den beschriebenen Kürzungen gestiegene Funktionsaufwand von Agroscope (178 Millionen Franken im Voranschlag 2011, 191 Millionen Franken gemäss dem vom Bundesrat beantragten Voranschlag 2017) wird für hochaktuelle und vordringliche Fragen im Bereich der Land- und Ernährungswirtschaft, wie beispielsweise den nachhaltigen Pflanzenschutz, eingesetzt. Dabei ist gut die Hälfte des Anstiegs auf haushaltneutral finanzierte Drittmittelprojekte zurückzuführen. Auch wurden Agroscope teilweise neue Aufgaben übertragen.</p><p>Derzeit werden mit der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern intensive Gespräche geführt, um die beste Lösung und optimale Rahmenbedingungen für das Schweizerische Institut für Pferdemedizin (ISME) zu finden. Die Kompetenzen im Bereich der Veterinärmedizin sollten somit nicht beeinträchtigt sein.</p><p>Das Schweizerische Nationalgestüt als Kompetenzzentrum des Bundes für Equiden innerhalb von Agroscope zählt derzeit rund sechzig Angestellte, von denen etwa ein halbes Dutzend im Bereich der Pferdemedizin tätig ist. Der Entscheid von Agroscope, die Ressourcen in der Pferdemedizin zu reduzieren, betrifft ausschliesslich das ISME und bedroht die Existenz des Schweizerischen Nationalgestüts in keiner Weise. Die Forschungsleistungen im Bereich der Zucht (Zucht und Genetik) und Haltung (Ethologie, Haltung, Fütterung) von Equiden wie auch die Beratungsstelle Pferd werden vom Schweizerischen Nationalgestüt weiterhin gewährleistet. Daneben wird Agroscope seine Forschungstätigkeiten im Bereich der Nutztiergenetik ausbauen.</p><p>Auch wenn Bern vom Jura nicht weiter entfernt ist als Avenches, ist das sprachliche Gleichgewicht natürlich ein wichtiger Faktor: Der Standort des Schweizerischen Nationalgestüts wird nicht infrage gestellt und bleibt in Les Longs-Prés in Avenches. Ausserdem bleibt die Unterstützung des Freibergerpferdes durch das Schweizerische Nationalgestüt unverändert bestehen. Zu diesem Zweck wird seit Anfang Jahr unter der Federführung von Agroscope und in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Stakeholdern eine Strategie zur Erhaltung des Freibergerpferdes erarbeitet, deren Umsetzung Agroscope begleitet. So leistet Agroscope mit dem Schweizerischen Nationalgestüt bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des Freibergerpferdes.</p>  Antwort des Bundesrates.