Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03171.jsonl.gz/2050

Der Schweizer Alpen-Club feiert dieses Jahr sein 150-Jahr-Jubiläum. Doch um den Initiant oder Gründer bleibt es auch im Jubeljahr merkwürdig still. Das mag mit seiner etwas umstrittenen Persönlichkeit zu tun haben, mit seinem frühen Tod oder mit seiner Behauptung, als erster den Piz Russein erstiegen zu haben. Nichtmal Wikipedia erinnerte sich seiner – inzwischen ist dieses Versehen korrigiert.
Rudolf Theodor Simler war der Sohn eines Spinnereibesitzers in Wollishofen bei Zürich, ein direkter Nachfahre von Josias Simler. Er besuchte Schulen in Winterthur und Zürich, studierte Chemie in Zürich und Heidelberg bei Carl Löwig, den er als Assistent nach Breslau begleitete.
1859 bis 1861 lehrte er an der Kantonsschule Chur, habilitierte an der Universität Bern in allgemeiner Chemie, Agrikulturchemie und chemischer Geologie. Ab 1864 lehrte er an der landwirtschaftlichen Anstalt Muri, ab 1872 an der landwirtschaftlichen Schule Strickhof bei Zürich.
Simler war verheiratet mit Maria Färber (1841–1906) aus Chur; das Paar hatte drei Kinder: Theodora Maria (geb. 1868), Bettina (geb. 1870) und Eduard (geb. 1872, als Kleinkind verstorben).
Wenige Wochen nach Erscheinen seines Hauptwerks «Die Lötrohr-Chemie» starb er nach neunwöchiger Krankheit.
Am 30. Juli 1861 bestieg er zusammen mit dem Kaufmann Georg Sand aus St. Gallen und den Bergführern Heinrich Elmer und Gabriel Zweifel den 3614 Meter hohen Piz Russein, den höchsten Gipfel des Tödimassivs. Dabei glaubte er an eine Erstbesteigung, was später jedoch widerlegt wurde.
Auf dem Gipfel des Piz Russein kam ihm, wie er schreibt, angesichts der vielen unbestiegenen Gipfel «der Gedanke an eine Association».
Auf den 19. April 1863 lud er Bergsteiger und Alpinfreunde ins Bahnhofbuffet Olten ein, wo die «35 schweizerischen Berg- und Gletscherfahrer» den Schweizer Alpen-Club gründeten. Im gleichen Sommer bestimmte der Club das Tödi- und Clariden-Gebiet als offizielles Forschungsgebiet unter der Leitung des Zentralpräsidenten Simler.
Der Simlergrat, Verbindungsgrat zwischen Piz Russein und Glarner Tödi, erinnert an den Gründer des Schweizer Alpen-Clubs.
Von Nachfahren Simlers erfahren wir einiges über das Schicksal seiner Famile nach seinem frühen Tod. Seine Witwe kehrte nach Chur zurück, wo ihre Eltern ein renommiertes Hotel betrieben. Als die beiden Töchter in Schulalter kamen, beschloss der Grossvater, sie in eine Waisenhaus nach Zürich zu bringen, da der Gastbetrieb keine geeignete Umgebung sei. Theodora erzählte jedoch später ihren Enkeln, sie hätten dort eine glückliche Zeit verlebt – vielleicht etwas bevorzugt behandelt als Töchter des verstorbenen Herrn Professor. Die Sommerferien durften sie in Chur verbringen. Theodora wurde Kindergärtnerin und Nanny in Privathaushalten. Sie heiratete einen Schreinermeister und gebar sieben Kinder. Ihre Schwester Bettina heiratet einen Norweger und gebar acht Kinder.