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Andrej Potschebut
geb. 1984
Der Mann kommt aus Nikolajew, er ist Automechaniker von Beruf. Sein Vater verliess die Familie, als Andrej noch klein war. Vor zwei Jahren starben seine Mutter (an Blutkrebs) und sein Bruder (an Leberzirrhose). Andrej lebte mit der Frau und dem Sohn, die nach dem Unfall in eine andere Stadt umzogen.
Eines Tages rannte der Mann in einen Stein, dies f├╝hrte zu einer Zehenfraktur am Fuss. Bald wurde die verletzte Zehe schwarz und musste amputiert werden. Die ├ärzte diagnostizierten Venenthrombose und Gangr├Ąne bei Andrej, deswegen wurde ihm auch das Fussgelenk abgenommen. In der Zeit, wo Herr Potschebut im Krankenhaus behandelt wurde, verlor er seine Arbeitsf├Ąhigkeit.
Wenn sich die Tr├Ąume in Luft aufl├Âsen
Das Leben ist kein Wunschkonzert. Man weiss nie, in welcher Reihenfolge unbeschwertes Gl├╝ck und abgrundtiefes Leid auftreten k├Ânnen. Seine Regeln sind nicht wie in einem Spiel ÔÇô es werden keine drei Versuche gegeben. Hingegen l├Ąsst sich alles, was gemacht wird, nicht mehr korrigieren und hat einen direkten Einfluss auf die weitere Existenz. Es ist bewundernswert, wenn eine Person mit einem wirklich schweren Schicksal ihre Kr├Ąfte und ihren Optimismus einfach aus der Luft sch├Âpft und sich wieder aufrafft. Dagegen gibt es diejenigen, die sich unerm├╝dlich beschweren, obwohl sie nicht im Geringsten im Schatten des Lebens stehen. In diesem Heft schildern wir die Geschichte von Andrej Potschebut (geb. 1984), einem Mann aus Nikolajew. Liebe Leserinnen und Leser, unser Team geriet in h├Âchstes Erstaunen, wie auffallend unterschiedlich sein ÔÇ×VorherÔÇť und ÔÇ×NachherÔÇť doch sind. Nun fordern wir Sie freundlich auf, sich die unten folgenden Informationen zu Gem├╝te zu f├╝hren.
Der junge Andrej macht eine Strandpromenade, 1998
Herr Potschebut spielt mit seinem Sohn Nasar, Winter 2017
Segensreiche Stille wird zum zerst├Ârerischen Sturm
Noch als kleiner Junge tr├Ąumte Andrej von einer ereignisreichen Zukunft. Er w├╝nschte sich, dereinst gleich wie Christoph Columbus oder James Cook endlose Meere und Ozeane zu erobern und erz├Ąhlte davon immer wieder mit leuchtenden, aufgeregten Augen. Seine treusten Zuh├Ârer waren seine Mutter und sein Bruder, ihr Glaube daran, dass Andrej alles schafft, was er sich fest vornimmt, verlieh ihm zus├Ątzliche Inspiration und Zuversicht. Es fehlte hier die Hauptfigur der Familie ÔÇô der Vater. In seinen kindlichen Tr├Ąumen stellte sich Andrej ihn als einen tapferen Helden, der die Meeresweiten bezwingt und bald wieder heimkommt, vor. Leider liess der Mann in der Wirklichkeit die Finger von der Familie, die Kinder erweckten in seinem Herzen nicht das geringste Interesse. Als ob es sie nie gegeben h├ĄtteÔÇŽ
Schrittweise n├Ąherte sich der Junge seinem gr├Âssten Traum. Er fing mit dem Segelsport an und wurde bald ein Teammitglied. In seiner Heimatstadt Nikolajew m├╝nden zwei Fl├╝sse, die Kinderaugen betrachteten sie wie einen Ozean. Das Wasser zog ihn mit unwiderstehlicher Kraft an, Andrej f├╝hlte sich ganz und gar eins mit ihm. Als 15-j├Ąhriger J├╝ngling bestieg er dreimal das Podest und wurde mit dem ersten Platz im nationalen Wettkampf belohnt. Von seinem Hobby profitierte der Junge finanziell keinerlei. Um sich und die Familie k├╝nftig versorgen zu k├Ânnen, ├╝bte Andrej den Beruf des Schiffschweissers aus. Die tiefe wirtschaftliche Krise, in die unser Land nach dem Krieg st├╝rzte, liess aber viele Branchen stillstehen. Die Dienstleistungen unseres Helden waren nicht mehr gefragt, der Mann verdiente seitdem seinen Lebensunterhalt als Monteur in einer Werkstatt.
Vor zwei Jahren drang in sein Leben ein Leid nach dem anderen Leid, so dass der Mann die Schultern h├Ąngen liess und beinahe aufgab. Als Erstes ist seine Mutter an Blutkrebs gestorben, bald danach schied der Bruder aus dem Leben. Leberzirrhose im letzten Grad liess ihm keine Chance. Andrejs Seele war so verheert, er konnte die entstandene Leere nicht ausf├╝llen, das Herzensleid wurde nicht kleiner und sorgte f├╝r eine tiefe, trostlose Trauer. H├Ątte damals jemand dem Mann gesagt, es sei erst der Anfang seines Kummers, das Schlimmste lauere noch auf ihn und sei bereit, anzugreifen, er h├Ątte es nicht geglaubt.
In Schmerz und Machtlosigkeit gefangen
An einem ganz gew├Âhnlichen Arbeitstag stolperte Andrej ├╝ber einen Stein. Die Zehenverletzung erwies sich sp├Ąter als ein Bruch. Es entstand eine Thrombose, die Zehe wurde schwarz. Es wurde bei dem Mann Gangr├Ąn (Eiterung und Gewebeabsterben) festgestellt. Im Spital wurde der K├Ârperteil abgenommen, mehrere Medikamente sollten den Kranken genesen lassen. Leider hatten die Pr├Ąparate keine Wirkung, das Bein schmerzte immer mehr und schwoll von Tag zu Tag an. Mehrere Arztbesuche und st├Ąndig wachsende finanzielle Ausgaben f├╝r die Medikamente liessen Andrej zus├Ątzlich in eine d├╝stere Stimmung st├╝rzen. Bei einem Arzttermin bekam der Patient zu h├Âren, das Bein m├╝sse ├╝ber dem Knie weg. Diese brutale Offenbarung des Doktors war f├╝r Andrej fast schlimmer als ein Todesurteil und liess ihn zusammenbrechen. Er willigte in die Amputation des Gliedes nicht ├╝ber dem Knie, sondern nur des abgestorbenen Teiles ein. Nur der Herrgott weiss genau, wie viele bittere Tr├Ąnen von Herrn Potschebut vergossen wurden und wie schwer er sein wie ein Kartenhaus zusammengefallenes Leben zu meistern versuchte.
Die Behandlung und die unz├Ąhligen Medikamente rissen ein riesiges Loch in Andrejs Tasche. Um sein Leben zu bewahren, st├╝rzte er sich zus├Ątzlich in die Schulden. Diese Sachlage mit solch pessimistischen Aussichten ging mit der Lebensposition seiner Frau nicht zusammen. Die nahm ihren gemeinsamen Sohn Nasar mit und ging auf der Suche nach einem besseren Leben in die Hauptstadt. ÔÇ×Was kommt noch, um mich endg├╝ltig zu zerquetschen?ÔÇť, fragte sich Andrej ├Âfters. Nur eine geringe Invalidenrente dient ihm im Moment als Einkommensquelle.
Herr Potschebut hat aber ein felsenfestes Argument nicht aufzugeben! Die verwitwete Frau seines Bruders Anastasija (28) und ihre zwei S├Âhne Kirill (11-j├Ąhrig) und Daniil (4-j├Ąhrig) wurden zum Lebenssinn von Andrej. Wer ausser ihm soll f├╝r sie sorgen und sie besch├╝tzen? Daniil hat von Geburt an gesundheitliche St├Ârungen ÔÇô die Bauchspeicheldr├╝se will ohne st├Ąndige Medikamenteneinnahme nicht ordentlich funktionieren.
Zusammen mit Anastasija und den Jungs behaust Andrej ein sch├Ąbiges, renovierungsbed├╝rftiges Haus. Die Decke l├Ąsst die N├Ąsse durch und ist instabil geworden. Neben den Hausreparaturen hat sich die Familie hoch verschuldet f├╝r Gas. W├Ąhrend Andrej in der Klinik war, konnte die Familie keine Rechnungen bezahlen und wurde von dem Netz ausgeschlossen. Doch das Ziel Nummer eins ist jetzt, dem Mann im w├Ârtlichen Sinne des Wortes auf die Beine zu helfen. Nur so kann er dann f├╝r seine Familie ordentlich sorgen.
Andrej widmet seiner Lieblingsbesch├Ąftigung Zeit, Sommer 2017
Andrej Potschebut zeigt seinen Beinstumpf in der Klinik, aktuelle Aufnahme
Wenn alles im Leben wie ein Kartenhaus zusammenst├╝rzt, ist es wichtig, nach jedem Strohhalm zu greifen und unter dem Berg der K├╝mmernisse nicht zu ersticken. Fr├╝her ein aktiver Mensch, verwandelte sich Andrej in einen hilflosen Invaliden. Er ben├Âtigt eine Beinprothese, um laufen und der Familie helfen zu k├Ânnen. Ihm steht noch eine langwierige Rehabilitation bevor, um St├╝ck f├╝r St├╝ck das Leben in die gewohnten Bahnen zu bringen. Liebe Spenderinnen und Spender, wollen wir alle zusammen Herrn Potschebut einen Hoffnungsstrahl schenken und ihn aus dem Schatten des Lebens ins Licht zur├╝ckholen! All den Herausforderungen zum Trotz ist das Leben es wert, um daf├╝r zu k├Ąmpfen!