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Anders als für die bürgerliche Wirtschaftslehre, die Kapital als einen Produktionsfaktor neben Boden und Arbeit versteht, ist Kapital für uns MarxistInnen nicht einfach ein physisches Ding (ein Geldbetrag oder ein Produktionsmittel), sondern ein Prozess und ein gesellschaftliches Verhältnis.
Kapital ist der Prozess, Geld in die Produktion von Waren zu investieren, um diese dann zu einem höheren Preis als ursprünglich investiert wurde, zu verkaufen. Der Kapitalist oder die Kapitalistin stehen am Ende mit mehr Geld da, weil er oder sie die einzige Ware gekauft hat, die selbst Wert schaffen kann: Arbeitskraft. Sie investieren also Geld und kaufen Arbeits- kraft und Produktionsmittel, damit die ArbeiterInnen Waren herstellen, die mehr Wert haben und entsprechend mit Profit verkauft werden können. Dieses Verhältnis nennen wir die Ausbeutung der Lohnarbeit.
Das Kapital selbst ist daher ein gesellschaftliches Verhältnis zwischen Menschen unterschiedlicher Klassen: Kapital kann nicht für sich alleine existieren, sondern setzt die Lohnarbeit voraus. KapitalistInnen verfügen nur insofern über Kapital, als sie in einem Verhältnis zu den Lohnarbeitenden stehen und ihr Geld und ihre Produktionsmittel zur Ausbeutung der Lohnarbeit nutzen.
Ein Geldbetrag oder Produktionsmittel sind nur dann eine Form des Kapitals, wenn sie in der Zirkulation dazu dienen, durch die Ausbeutung der Lohnarbeit den ursprünglichen Wert zu vermehren. Kapital ist also die Vermehrung des Werts durch die Ausbeutung der Lohnarbeit.