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«Die Prognose für schwarzen Hautkrebs hat sich deutlich verbessert»
Behandlung Wird ein Melanom früh entdeckt und behandelt, ist es komplett heilbar, sagt Joanna Mangana, Oberärztin der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich.
Ist Hautkrebs heute vollständig heilbar?
Dazu muss man die Unterscheidung zwischen schwarzem Hautkrebs, dem sogenannten Malignen Melanom, und weissem Hautkrebs (Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom) machen. Weisse Hautkrebsarten sind nach einer chirurgischen Entfernung fast immer heilbar. Wird ein Melanom in einem frühen Stadium entdeckt, ist es komplett heilbar. Entscheidend ist deshalb die Früherkennung.
Wie verbreitet ist der weisse Hautkrebs?
Die genaue Anzahl der Neuerkrankungen für die Schweiz liegt nicht vor; schätzungsweise wird bei 20000 bis 25000 Menschen ein Basaliom oder Spinaliom diagnostiziert.
Was sind denn die Auslöser für die beiden Hautkrebs-Arten?
Die wichtigste Ursache für den Hautkrebs ist die Sonnenstrahlung. Für den weissen Hautkrebs spielt die kumulative Sonneneinstrahlung eine Rolle; typischerweise sind dann auch die Hände, das Gesicht und die Schädelplatte davon betroffen. Schwarzer Hautkrebs bildet sich indes durch intermittierende Sonneneinstrahlung, sprich eine kurzzeitige, sehr starke UV-Belastung. Er tritt häufig an Körperstellen auf, die nicht dauernd der Sonne ausgesetzt sind, etwa am Rücken, an Armen oder Beinen.
Welcher der beiden Arten ist aggressiver?
Etwa 90 Prozent aller Todesfälle infolge einer Hautkrebserkrankung lassen sich auf den schwarzen Hautkrebs zurückführen. Jährlich erkranken in der Schweiz rund 2700 Menschen daran.
Wie sehen die Prognosen für Erkrankte von schwarzem Hautkrebs aus?
Durch die verbesserte Früherkennung und ausführliche Information sowie die Fortschritte in der medikamentösen Tumortherapie hat sich die Prognose für schwarzen Hautkrebs deutlich verbessert.
Wie hat sich die Behandlung von Hautkrebs in den letzten Jahren entwickelt?
Bis vor Kurzem war ein Chemotherapeutikum das einzige zugelassene Medikament für die Therapie des metastasierten Melanoms. In den vergangenen Jahren sind neue Therapien entwickelt worden, die einerseits in den molekularen Mechanismus der Melanome eingreifen, andererseits solche, die das eigene Immunsystem aktivieren.
Seit letztem Jahr ist die Kombination dieser beiden Ansätze als sogenannte First-Line-Behandlung für fortgeschrittene Melanom-Patienten unabhängig von vorhandenen genetischen Veränderungen zugelassen.
Welche Bedeutung hat die Immuntherapie für Patienten?
Klinische Ergebnisse belegen, dass rund 50 bis 60 Prozent der Patienten von der Immuntherapie profitieren. Bei zirka 15 Prozent aller Patienten erfolgt eine komplette Rückbildung des Tumors. Bei vielen weiteren Patienten konnte zumindest ein dauerhaftes Nachlassen der Krankheitssymptome erzielt werden.
Die Erfolge sind eindrücklich, jedoch besteht Verbesserungspotenzial, insbesondere bei der Auswahl der Patienten für die einzelnen Therapieoptionen, durch die Etablierung geeigneter Biomarker.
Wie sieht es mit Nebenwirkungen aus?
Bei 95 Prozent aller Patienten unter Kombinations-Immuntherapie treten Nebenwirkungen auf – die Hälfte davon sind schwer. Trotz der höheren Nebenwirkungsraten wurde gemäss Studienergebnissen die Lebensqualität der Melanompatienten nicht signifikant negativ beeinflusst.
Für welche Arten von Hautkrebs kommt diese Methode infrage?
Immuntherapie ist für alle Patienten mit schwarzem Hautkrebs geeignet. Klinische Studien haben gezeigt, dass Checkpoint-Inhibitoren auch für weisse Hautkrebsarten wie Plattenepithelkarzinom und Merkelzellkarzinom wirksam sind. Für diese Hautkrebsarten wird derzeit die Immuntherapie routiniert eingesetzt.
In der Hautklinik des Universitätsspitals Zürich wird momentan im Rahmen von zwei verschiedenen klinischen Studien untersucht, ob Immuntherapeutika (anti-PD1 Antikörper oder gentechnisch veränderten Herpesvirus) bei lokal fortgeschrittenen Basalzellkarzinomen wirksam ist.
Wie hoch ist das Risiko, dass der schwarze Hautkrebs nach der operativen Entfernung wieder zurückkehrt?
Das Risiko beziehungsweise die langfristige Prognose hängt hauptsächlich von der Eindringtiefe des Primärtumors sowie Zahl der befallenen Lymphknoten ab.
Für dickere Melanome unabhängig von Lymphknotenbefall liegt das Rezidiv-Risiko bei zirka 20 bis 30 Prozent; andererseits zeigen die dünneren Melanome eine ausgezeichnete Prognose mit einem Zehn-Jahres-Überleben von 92 bis 98 Prozent. Ebenfalls und je nach Zahl der befallenen Lymphknoten oder nach dem Durchmesser des grössten befallenen Lymphknotens variiert die Zehn-Jahres-Überlebensrate zwischen 75 und 43 Prozent.
Welche Entwicklungen gibt es bei der adjuvanten beziehungsweise vorbeugenden Therapie?
Hier gibt es seit Kurzem erfreuliche Entwicklungen. Sowohl Kinase-Inhibitoren als auch Immuntherapeutika verbessern die rückfallfreie Überlebensrate bei Melanompatienten mit Lymphknotenbefall. Hierunter wird das Risiko für einen Rückfall um zirka die Hälfte verringert.
Wie wichtig ist der Miteinbezug des Patienten in die Therapieentscheidung?
Therapieentscheidungen sollten vorerst in spezialisierten Behandlungszentren und multidisziplinär im Rahmen von Tumorboards getroffen werden.
Trotz vieler neuer Medikamente sind klinische Studien zur Evaluierung von Nebenwirkungen, zur Erkennung von Non-Responders und zur individuellen Anpassung der Therapien essenziell. Im Sinne einer personalisierten Medizin und mit Einbezug von spezialisierter Pflege sollen alle Therapieoptionen offen und ausführlich mit den Patienten diskutiert werden.
Betroffenenbericht
Als bei Natalie Huber ein Melanom diagnostiziert wurde, bestätigte sich zugleich ihr Verdacht. Wie es für die junge Frau nach der Diagnose weiterging und wie sie heute damit umgeht, hat sie uns erzählt.
Wie kam es zur Diagnose «Melanom»?
Am Oberschenkel oberhalb des Knies hatte ich ein sehr dunkelbraunes, immer dicker werdendes Muttermal, dessen Anblick mich störte.
Ich begann, es mit Fotos zu dokumentieren und informierte mich im Internet über bösartige Muttermale. Meine Eltern brachten mich dazu, zum Hausarzt zu gehen, der das Muttermal dann auf meinen Wunsch hin in seiner Praxis entfernte. Einige Wochen später erhielt ich die Diagnose «Melanom in situ» aus dem Labor.
Was ging dir nach der Diagnose durch den Kopf?
Melanom in situ war kein Begriff für mich. Mein Hausarzt hatte aber sehr ernst auf die Diagnose reagiert, was in mir ein Unwohlsein auslöste.
Nachdem ich zuhause recherchiert hatte und mir so richtig bewusst wurde, dass es Hautkrebs ist, kamen mir die Tränen. Gleichzeitig war ich aber auch froh darüber, auf mein Bauchgefühl gehört zu haben und das Muttermal los zu sein.
Wie ging es weiter?
Der erste Eingriff beim Hausarzt war leider nicht tief genug, weshalb nochmals nachgeschnitten werden musste.
Da die erste Narbe ziemlich hässlich war, liess ich die zweite OP von einem Schönheitschirurgen durchführen, die sehr schnell und professionell ablief. Zudem musste ich einen Hautarzt aufsuchen, der meinen ganzen Körper auf weitere gefährliche Muttermale untersuchte, wobei jedoch nichts herauskam.
Welche Spuren hat der Vorfall bei dir hinterlassen?
Heute erinnert mich meine Narbe daran, meinem Körper mehr Sorge zu tragen. Ich creme mich häufiger mit hohem Sonnenschutz ein als früher und halte mich öfters im Schatten auf. Allgemein achte ich mehr auf Veränderungen meiner Haut.
Ich halte Ausschau nach möglichen neuen Muttermalen und beobachte die bereits vorhandenen sehr genau. Fünf Jahre lang muss ich halbjährlich zur Untersuchung. Ich ermuntere auch Freunde und Familienangehörige zur Kontrolle, wenn sie kritisch aussehende Muttermale haben.
Hast du Angst davor, erneut an Hautkrebs zu erkranken?
Mit dieser Angst lebe ich ständig. Auch wenn sie meinen Alltag nicht direkt beeinflusst, ist sie doch in meinem Hinterkopf.