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Viktoriasee-Buntbarsche
Mit über 800 endemischen Arten von Buntbarschen der Unterfamilie Haplochromini beherbergt die Viktoriasee-Region in Ostafrika einige der artenreichsten adaptiven Radiationen der Welt. Adaptive Radiationen sind Abstammungslinien, welche in kurzer Zeit zahlreiche Arten mit vielfältigen ökologischen Rollen hervorgebracht haben. Wann und wie diese entstanden sind, untersucht David Marques in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe von Ole Seehausen der Universität Bern.
Der flache Viktoriasee mit seinen über 500 endemischen Buntbarscharten ist zwar dreimal so gross wie die Schweiz, aber nur etwa 16'000 Jahre alt. Er trocknete aufgrund klimatischer Veränderungen vor 20'000 bis 16'000 Jahren aus. Es ist deshalb ein grosses Rätsel, wann und wo diese riesige Fischvielfalt entstanden ist. Mit der Sequenzierung ganzer Genome von mehreren hundert Arten versucht die Forschungsgruppe von Ole Seehausen an der Universität Bern, deren Entstehung im Viktoriasee, den benachbarten Seen des ostafrikanischen Grabenbruchs und in jungen Kraterseen zu rekonstruieren.
Erste Rekonstruktionen stützen die These, dass die grosse Vielfalt erst nach Wiederauffüllen des Viktoriasees vor 16'000 Jahren entstanden ist. Damit werden Buntbarsche zu Rekordhaltern der schnellen Artbildung.
Weitere Analysen zeigen, dass die schnelle Artentstehung im Viktoriasee, in Grabenseen und Kraterseen und selbst das Überleben von hochspezialisierten Arten während Umweltveränderungen durch Hybridisierung zwischen unterschiedlichen Buntbarsch-Arten begünstigt wurde. Dieser Austausch von Genen zwischen bestehenden Arten führte zur Neukombination ihrer genetischen Vielfalt und erleichterte die Entstehung neuer Arten.