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oder weshalb «gut gemeint» nicht gut ist.
Folgendes Gedankenspiel habe ich einem Buch entnommen. An dessen Titel kann ich mich leider gerade nicht erinnern, weshalb die Nachforschung nach dem Urheber bereits im Ansatz auf der Strecke bleiben muss. Ich masse mir aber nicht die Urheberschaft besagten Prinzips an.
Das Prinzip funktioniert so: In einem Raum voller Menschen – ein Apéro, eine Weihnachtsfeier – wirft eine Person die Frage auf, ob jemand «die schwarze Katze gesehen habe.» Der Fragende weiss, dass es im Raum keine schwarze Katze hat und aufgrund der Räumlichkeiten ist auch einigermassen schnell erkennbar, dass keine schwarze Katze im Raum ist. Durch die blosse Erwähnung dieser schwarzen Katze ist sie aber dennoch ab sofort in den Köpfen der Anwesenden und immer wieder ist zu beobachten, wie jemand nach der schwarzen Katze Ausschau hält und sie doch irgendwo vermutet.
Es ist von einer schwarzen Katze die Rede, weil diese glaublich Unglück bringen kann. Man vermutet also, Unheil, weil sich irgendwo eine schwarze Katze im Raum aufhalten könnte.
Wo nichts ist, ist nichts, ausser im Bewusstsein in unseren Köpfen.
Da ist keine schwarze Katze im Raum, trotzdem schauen die Menschen nach, ob tatsächlich nichts ist.
Der Hauptanwendungsfall des Prinzips der «schwarzen Katze» im Sport ist, leistungshemmende Punkte zu erwähnen. Dadurch wird einzig bewirkt, dass der Athlet nach der schwarzen Katze Ausschau hält und sich nicht mehr zu 100% auf das Wesentliche konzentriert.
Beispielsweise der «gut gemeinte» Satz: Schön, dass es dir gut läuft, ich hoffe du bleibst verletzungsfrei.» ….
Danke schön, sagt der Psychologe (und der Trainer), jetzt hält sich der Athlet für verletzlich. Auch wenn er noch so guter Dinge war, vor dem Saisonstart, jetzt ist die blosse Verletzungsmöglichkeit ins Bewusstsein gerückt. Ich will nun nicht behaupten, jemand verletzte sich deswegen, das wäre dann schon unheimlicher Voodoo-Zauber. Aber wird der Athlet nun bei den letzten Trainingseinheiten vor der Saison noch etwas ändern? Wird er sich schonen? Wird er überzeugt an die Sache gehen oder hört er irgendwo eine Stimme, die ihm sagt: «Achtung, verletz dich jetzt bloss nicht.» Derjenige der das dem Athleten sagte, hat ihm keinen Dienst erwiesen. Gut gemeint eben ist nicht immer gut.
Weitere Beispiele:
«Verändere jetzt nichts an deinem Anlauf.»
«Mach jetzt nicht wieder den Fehler….»
«Schau, dass du beim Sprung nicht…..»
«Jetzt nicht nervös werden…..»
Die schwarze Katze ist das Etwas, das nicht ist und über das man erst nachzudenken beginnt, wenn es jemand erwähnt. In der Folge lenkt es den Athleten vom Wesentlichen ab.
Ein weiteres Beispiel: Wenn man dem Athleten zuruft: „Wenn du jetzt im ersten Versuch drüberspringst, hast du eine Medaille auf sicher!“
Als wäre der Athlet effektiv so blöd, sich beim ersten Versuch weniger Mühe zu geben. Aber jetzt wo er von dieser Medaille gehört hat, ist sein Fokus nicht mehr 100% auf den Bewegungsablauf gerichtet. Irgendetwas studiert jetzt daran herum, dass es gilt, unbedingt einen gültigen Versuch zu machen. Den gültigen Versuch garantiert aber die Fokussierung auf den Bewegungsablauf. Vom Wunsch nach einer Medaille alleine wird der Bewegungsablauf nicht besser.
Weshalb ist das so? Mit Blick auf die Evolution des Menschen war es durchaus hilfreich, sich Gefahren und Risiken bewusst zu bleiben («Lass dich nicht fressen»). Die warnende Stimme hatte ihren Sinn und hat ihn in den meisten Anwendungsbereichen auch heute noch, nur eben dann weniger, wenn es darum geht, sportliche Höchstleistung abzurufen. Das Ziel der Evolution war es, dass wir so lange am Leben blieben, bis wir uns fortgepflanzt hatten, dafür mussten wir uns vor Gefahren hüten. Beim Sport ist diese Schutzfunktion weitestgehend hinderlich.
Wer das Prinzip der schwarzen Katze berücksichtigen will, erwähnt nicht Negatives, sondern formuliert ausschliesslich positiv und erwähnt nichts, was ablenken könnte (wie vorstehend die Medaille).
Wenn beispielsweise ein Athlet regelmässig im entscheidenden Moment, weil er dann nervös wird, das Schwungbein hangen lässt, dann ist die richtige Anweisung die, welche den Bewegungsablauf stabilisiert. Das kann die positive Anweisung sein, das Schwungbein hochzureissen, es kann aber auch ein anderer Input sein, von dem Athlet und Trainer wissen, dass er automatisch dazu führt, dass die Schwungbeinbewegung richtig ausgeführt wird (das sind die richtig guten Inputs). Damit kann ein Knackpunkt im Bewegungsablauf, der durch den Input «nur jetzt nicht das Schwungbein hangen lassen» noch stärker negativ verfestigt würde, entschärft und im besten Fall völlig aufgehoben werden.
Der Trainer mag es manchmal kaum aushalten, wenn er einen Fehler seines Athleten antizipiert. Da muss man sich als Trainer richtig stark auf die Lippen beissen, um nicht Sätze zu sagen wie, eben:
«jetzt, einfach nicht….»
«jetzt, nur nicht…..»
Umgekehrt darf man aber zweierlei nicht vergessen. Der Athlet macht die Dinge nicht absichtlich falsch. Wird der Athlet konditioniert, im entscheidenden Moment Dinge «nicht falsch» zu machen, schürt dies Versagens-Ängste. Schafft er es nicht, hat er versagt.
Geht es aber darum, Dinge «richtig» zu machen, ist der Fokus ein ganz anderer. Klappt es nicht, kann sich der Athlet nach dem Wettkampf sagen: Ok, ich habe es versucht, aber noch nicht geschafft.
Das ist ein wesentlicher Unterschied, der entweder eine positive oder eine negative Denkweise verankert.
Der zweite Punkt: Lernen funktioniert über Scheitern. Athleten müssen Fehler machen, um lernen zu können. Die Karriere ohne Scheitern, die kann gar nicht erst erfunden werden, sie ist grundsätzlich ausgeschlossen.