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Nach einer subjektiven Zusammenstellung von Pia Ringel
Wolfgang Johannes Brunner kam 1930 in London zur Welt.
Er absolvierte von 1947 bis 1950 eine klassische Tanzausbildung in seiner Heimatsstadt Basel, wo er auch sein erstes Engagement im Stadttheater Basel erhielt, um ein Jahr später zu den Roland Petits Ballets de Paris zu wechseln. Es folgten weitere Engagements als Gruppen- und Solotänzer in klassischen Choreografien. 1956 choreografierte er ein Stück beim London Festival Ballett, welches europaweit über hundert Mal aufgeführt wurde. Später bekam er zahlreiche weitere Engagements als Choreograf.
1959 übernahm er für zwei Jahre die Leitung der Schweizer Tanztheaterschule am Stadttheater Zürich. Später wurde er als Ballettmeister und Solotänzer in Lübeck engagiert.
Ab 1964 zog er sich aus dem Tanz zurück bis er sich 1980 aktiv in der Kulturpolitik zeigte. 1985 gründete er die IGTZ (Interessengemeinschaft Tanz Zürich), welche heute TanzLOBBY IG Tanz Zürich genannt wird, und die Infostelle Tanz. Er initiierte das Tanzfestival Tanznovember, für welches die IGTZ dreimal die Organisation übernahm und in den Jahren 1985 bis 1988 und 1991 stattfand.
Er war Mitgründer des SVTC (Schweizerischer Verband der Tänzer und Choreografen), künstlerischer Ko-Leiter des Tanzhauses Zürich, Mitglied der Tanzkommission und Gründer des Vereins «Pro-Tanz», der ab 2002 in Partnerschaft mit der Stiftung Corymbo, Annette Ringier Fonds einmal jährlich den Schweizer Tanz- und Choreografiepreis verlieh.
Wolfgang Brunner war eine umtriebige und umstrittene Person. Er war dominant und sehr präsent in der IGTZ und der städtischen Kulturszene. Die Zusammenarbeit war nicht immer einfach mit ihm. Mit seinen dezidierten Standpunkten war nicht jede*r einverstanden. Dies führte dazu, dass sich eine Gruppe bildete, die ihn im Vorstand der IGTZ absetzen wollte und eine ausserordentliche Mitgliederversammlung einberief, um darüber abzustimmen. Wolfgang Brunner blieb aber in der IGTZ.
Er war ein sehr kreativer Geist mit originellen Visionen und Ideen und hatte viele Projekte initiiert, neben der IGTZ und dem Tanznovember, z.B. die Reihe DaTanzDa, die Mediathek Tanz, die später in die Stiftung Tanzarchiv überging, und das Magazin «Tanz der Dinge», die erste Tanzzeitschrift der Schweiz für die er als Chefredakteur tätig war. Selbst im Krankenbett kämpfte er noch für seine Ideen und Projekte.
Wolfgang J. Brunner war zweimal in seinem Leben verheiratet, beide Male mit einer Tänzerin: die
englische Ballerina Belinda Wright und Sylvia Ruetz, Solotänzerin in Bern, Zürich und Lübeck.
Er verstarb 2006.
Mit seiner Arbeit leistete er in der Kulturpolitik einen wichtigen Beitrag für die Anerkennung der freien Szene.1
Zum NZZ Artikel «Unermüdlicher Initiant» 7.1.2006
1 Interview mit Liliana Heldner Neil, 05.12.2018
Ursula Pellaton, „Wolfgang Johannes Brunner“, http://tls.theaterwissenschaft.ch/wiki/Wolfgang_Johannes_Brunner, 25.11.2018 Angela Reinhardt, „Wolfgang J. Brunner ist gestorben.“, https://www.tanznetz.de/blog/6899/wolfgang-j-brunner-ist-gestorben, 25.11.2018