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Zwei Schweizer Luchse zur Stärkung der Luchspopulation in Italien
Im Kanton Jura wurden von KORA in Zusammenarbeit mit dem Institut für Fisch- und Wildtiergesundheit FIWI und dem zuständigen Wildhüter zwei Luchse gefangen, die Anfang März nach Italien zur Freilassung gebracht wurden. Die Umsiedlung dient dem Zweck, das Aussterben der Luchse in den Dinariden und den Südostalpen zu verhindern. Beide Luchse werden nach der Freilassung mittels Sender überwacht.
Aus dem Kanton Jura
Der Kanton Jura berichtete am 02.03.2023 vom Fang zweier Luchse im Bezirk Delémont. Der Wildhüter des Kantons Jura und die Mitarbeitenden von KORA und FIWI konnten die zwei Katzen mit Hilfe gerissener Rehe, an welche sie zum Fressen zurückkehrten, fangen. Die beiden Luchse wurden von Veterinärinnen des FIWI als gesund eingestuft. Die genetische Untersuchung durch KORA ergab, dass sie nicht miteinander verwandt sind. Vor dem Grenzübertritt wurden sie in Quarantänestationen gebracht. Von dort ging es einige Tage später nach Italien ins Gebiet ihrer Freilassung.
Ab nach Italien
Tarvisio in der Provinz Udine, befindet sich im Dreiländereck von Italien, Österreich und Slowenien. Der Ort ist ideal für eine Freilassung, da er sich ca. 30 km westlich von einer in den slowenischen Alpen wiederangesiedelten Luchspopulation befindet. Die Erwartung ist, dass sich die Schweizer Luchse mit dieser Population vernetzen, sie dadurch genetisch stärken und damit einen Beitrag an die langfristige Überlebensfähigkeit der Luchse in dieser Region leisten.
Quelle: LCIE / Beschriftung in rot: KORA
Ziel
Die Luchspopulation in den Dinariden hatte seit dem Beginn des Jahrtausends stark abgenommen, war isoliert und genetisch verarmt. Sie drohte auszusterben, weshalb im Rahmen eines EU LIFE Projekts «Preventing the Extinction of the Dinaric-SE Alpine Lynx Population Through Reinforcement and Long-term Conservation» seit 2017 eine Aufstockung durch Umsiedlung von Luchsen im Gange ist. Ein Teilziel dieses Projekts ist die Bildung einer Trittstein-Population in den östlichen Alpen. Die beiden Schweizer Luchse tragen hierzu bei. Diese Trittstein-Population soll die Dinariden-Population langfristig besser mit der Luchspopulation in den Westalpen verbinden. Eine Metapopulation ist eine in mehrere Teilvorkommen aufgeteilte Population, in welcher der Genfluss zwar möglich, aber zwischen den Teilpopulationen mehr oder weniger stark eingeschränkt ist. Falls zwischen zwei Teilpopulationen der Genfluss nicht ausreicht, um die genetische Gesundheit aufrecht zu erhalten (und die Aufwertung von Korridoren keine Option ist oder nicht ausreicht), muss gelegentlich ein Tier umgesiedelt werden. Man spricht dann von einer «unterstützten Metapopulation». Ganz generell kann eine Metapopulation dazu beitragen, dass die negativen Auswirkungen der Lebensraumfragmentierung und die genetische Verarmung der Teilpopulationen vermindert werden.
Population in der Schweiz
Die Entnahme der beiden Luchse aus dem Schweizer Jura ist für diese Population kein Problem. Der gesamte Jurabogen ist besiedelt und Bestand ist stabil. Die freigewordenen Territorien werden höchstwahrscheinlich schnell wieder von jüngeren Weibchen besetzt werden.
Projektumgebung
Im Rahmen des LIFE Lynx-Projektes wurden bereits 15 Luchse in das Dinarische Gebirge (Slowenien und Kroatien) und in die slowenischen Südostalpen umgesiedelt. Nebst den beiden Schweizer Luchsen, werden diese Saison auch noch zwei Luchse aus den rumänischen Karpaten in Italien erwartet. Die Umsiedlung der Schweizer Luchse nach Italien ist eine Kooperation zwischen der Stiftung KORA, dem Bundesamt für Umwelt BAFU, den Schweizer Kantonen, dem FIWI, dem LIFE Lynx-Projekt und den italienischen Partnern: dem ULyCA2-Projekt, der Carabinieri Forestali, dem Progetto Lince Italia, dem WWF und den regionalen Jagdvereinen.