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Noch einmal möchte Nosferatu, der berühmte Vampir, sein Schloss in Transsilvanien verlassen und in der Stadt ein Haus mieten. Zu diesem Zweck wendet er sich an einen Immobilienhändler. Kurze Einstellungen sowie mit Computer bearbeitete Standbilder aus Murnaus Klassiker Nosferatu, eine Symphonie des Grauens von 1921 werden zu neuen Schwarzweiss- Aufnahmen geschnitten. Dank geschickten Zwischentiteln bleibt der Charakter des Stummfilms erhalten. „Das Haus gegenüber scheint das richtige zu sein“, meint der Immobilienhändler, nur handelt es sich in Stefan Jungs Kurzspielfilm nicht mehr um den Kornspeicher von Lübeck, sondern um das leerstehende Eckhaus am Stauffacher, seit Jahren Brennpunkt der City-Erweiterung im Züricher Aussersihl.
Der Vampir macht sich also auf den Weg, wobei Murnaus Film witzig-subversiv verfremdet wird: So kickt der Vampir, von dem zunächst nur die Schuhspitzen sichtbar sind, auf der Treppe zu seinem Schloss eine Alu- Büchse weg. Kurz darauf sieht er sich von widerborstigen Kühen umzingelt, und wenig später entsteigt er, seinen Sarg als Schnellboot benützend, den Fluten des Zürichsees. Sogleich wird er von den Autokolonnen im abendlichen Stossverkehr bedrängt. Vorbei an verpissten Kehrrichtsäcken erreicht er „Stunden später“ sein neues Domizil. Argwöhnisch beobachtet der Immobilienhändler die Silhouette seines neuen Mieters. An einem der nächsten Tage verfolgt dieser am Fernseher eine Sendung, in der verschiedene Passanten ihre Ansicht über die Existenz von Vampiren äussern. Jemand gibt zu bedenken, „Vampir“ sei eine ökonomische Metapher, und Nosferatu erkennt, dass andere das Metier des Blutsaugens längst viel besser beherrschen als er selbst. Kräne und Baulärm tun ein übriges: Der Vampir flieht. „Nach langer Fahrt“, so ein Zwischentitel, erreicht er wieder seinen Stammsitz, in Zürich aber erhebt sich, „nach kurzer Bauzeit“, ein weiterer Büroklotz.