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Im April 1922 bestritten sieben Schweizer Offiziere das «Championat du Cheval d’Armes» – eine internationale Military – die im Rahmen des CHI Militaire im südfranzösischen Nizza ausgetragen wurde. 100 Jahre ist es also her, als Hauptmann Hans Bühler, der Vater von Anton Bühler, mit Mikosch Zweiter wurde und Major Walo Gerber mit Alwine Sechster. Es war der erste internationale Schweizer Start in dieser, nach Springen und Dressur, dritten olympischen Disziplin. Kurz vor der Europameisterschaft in Avenches wagen wir einen Blick zurück in die Historie der Schweizer CC-Reiter auf internationalem Parkett.
Bereits 1924, bei der dritten Teilnahme in Nizza, gab es durch Major Werner Fehr auf Prahlhans den ersten Schweizer Sieg in einer internationalen Vielseitigkeitsprüfung. Im Jahr darauf siegte der gleiche Werner Fehr mit Fleurette in der vorolympischen Military von Hilversum in den Niederlanden. Dritter wurde Hauptmann Charley Stoffel (der Vater von Alexander Stoffel) mit Kreuzritter. Dazwischen bestritten vier Schweizer Offiziere 1924 in Paris erstmals eine olympische Military: Mit den Einzelrängen 14 (Bühler), 15 (Stoffel), 18 (Fehr) und 28 (Ribeaupierre) wurden sie in der Mannschaftswertung vorzügliche Vierte.
1927 führte die 1921 gegründete FEI erstmals ein offizielles Military-Championat durch. Es wurde vom 1. bis 3. Juli 1927 im Rahmen des CHIO Luzern auf der jetzt überbauten Hausermatte und auf der Allmend durchgeführt. Es siegte der deutsche Prinz Sigismund von Preussen mit Heiliger Speer. Der Prinz starb am darauffolgenden Tag nach einem Sturz im Training mit einem Nachwuchspferd. Fünf Schweizer Offiziere beendeten dieses erste FEI-Championat: 4. Ernest Haccius, 10. Walo Gerber, 11. Charley Stoffel, 12. Ernst A. Sarasin und 14. Pierre de Muralt. 28 Reiter waren am Start, 15 beendeten die Prüfung.
1928 nahm die Schweiz zum zweiten Mal an den Olympischen Spielen teil. Das IOC hatte die Zahl der erlaubten Reiter pro Nation von vier auf drei reduziert; dies – nicht zuletzt in der Military – mit katastrophalem Resultat. Die niederländischen Organisatoren hatten den Geländeritt derart überkorrekt mit hunderten von Flaggen ausgeschildert, dass die Hälfte der 14 Equipen nach Flaggen-Disqualifikationen eliminiert wurde. Darunter war auch die Schweiz. Major de Ribeaupierre musste nach dem Auslassen einer Flagge nachträglich disqualifiziert werden. Gerber und Stoffel platzierten sich als Zwölfte respektive 20. Mit de Ribeaupierres Resultat vor der Disqualifikation hätte es eine Medaille für die Schweiz gegeben!
Mit dieser Enttäuschung von Amsterdam 1928 endete der erste Höhenflug der Schweizer Militaryreiter. Nach dem Verzicht auf eine Reise 1932 an die Olympischen Spiele in Los Angeles kamen die Schweizer erst 1936 in Berlin zu ihrem dritten Olympiastart. Lt. Mario Mylius wurde dort mit Saphir Achter – der spätere Dressur-Olympiasieger Lt. Hans Moser 22. Hauptmann Pierre Mange schied aus.
Zögerlicher Start
Der zweite Höhenflug der Schweizer Militaryreiter begann zögerlich. 1947 in Turin und 1948 in London, bevor es 1951 in Badminton zu einer wahren Erfolgsexplosion kam. Zuvor, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939, hatte die FEI nach 1927 sein zweites FEI-Military-Championat durchgeführt. Bei sechs teilnehmenden Nationen im Juni 1939 in Turin wurde die Schweiz Zweite in der Mannschaftswertung und Pierre Musy auf Murillo – drei Jahre nach seinem Olympiasieg im Viererbob – wurde Einzelfünfter.
Im September 1947 organisierte Turin das dritte FEI-Military-Championat. Nur zehn Schweizer und acht Italiener waren am Start. Die Schweizer waren hoch überlegen und belegten mit Fred Blaser auf Sommartel, Pierre Musy und Anton Bühler die ersten drei Plätze. Das damals wohl beste Militarypaar der Schweiz, Max Honegger mit Nicanor, siegte in der Dressur, war schnellstes auf der Rennbahn und stürzte im Cross Country. Nicanor war augenblicklich tot. Blaser, Musy und Bühler vertraten im darauffolgenden Jahr die Schweiz an den Olympischen Spielen in London. Dort – mit zwei Ersatzpferden – gab es mit den Einzelrängen elf, 19 und 32 in der Mannschaftswertung den vierten Platz.
1950 kam es zu zwei privaten Reisen an die CCIs von Kopenhagen und Rotterdam. In Dänemark wurde Samuel Koechlin mit Madelon Zweiter, in den Niederlanden gab es Platz zwei für Fred Blaser mit Volpone und Platz fünf für Samuel Koechlin. 1951 wurden die 1949 erstmals national ausgetragenen Badminton Horse Trials «Open to the World» ausgeschrieben. Das Schweizerische Olympische Komitee beschloss eine offizielle Teilnahme. Von den 37 Startern waren sieben Schweizer und sechs von ihnen klassierten sich in den ersten zehn der Schlussrangliste. Sieger wurde Hauptmann Hans Schwarzenbach mit Vae Victis. Die Mannschaftswertung, jeweils nur zwei Reiter pro Nation, gewann Schweiz A vor Schweiz B. An den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki schied die Schweiz aus. Hans Schwarzenbach und Jürg Ziegler belegten mit Vae Victis und Vanna die Plätze 15 und 16, Werner Kilcher wurde eliminiert.
Erste Europameisterschaft
Ein Jahr später, 1953, wurde in Badminton die erste Military-EM ausgetragen. Und wiederum brillierte Hansi Schwarzenbach. Mit Vae Victis gewann er die Bronzemedaille. Die Equipe schied aus, auch der Dressursieger Louis Musy mit Aphrodite. Die zweite EM wurde im Oktober 1954 in Basel durchgeführt, mit eher enttäuschenden Schweizer Resultaten. Nur gerade Toni Bühler überzeugte als Vierter hinter den drei Briten Bertie Hill, Frank Weldon und Laurence Rook. Im darauffolgenden Jahr, an der dritten EM in Windsor, profitierte die Schweiz von den vielen Ausfällen. Das Quartett Anton und Hans Bühler, Marc Büchler und Andrea Zindel gewann mit den Einzelrängen sechs, neun, 14 und 27 hinter den Briten als einzige ebenfalls im Wettkampf verbliebene Equipe die Silbermedaille. Die nächste EM, 1957 in Kopenhagen, wurde von der Schweiz nicht beschickt. Das Jahr zuvor, an den Olympischen Spielen in Stockholm, gab es mit den Einzelrängen 30, 31 und 32 nur Platz acht in der Mannschaftswertung.
Dritter Höhenflug
Der dritte Höhenflug der Schweizer Militaryreiter folgte gleich darauf: 1959, an der fünften EM im britischen Harewood, wurde Hans Schwarzenbach mit Burn Trout Europameister. Nicht weniger als 63 Reiter aus elf Nationen waren am Start. Im darauffolgenden Jahr, an den Olympischen Spielen von 1960 in Rom, folgte ein neuer Höhepunkt: Einzelbronze für Anton Bühler mit Gay Spark und Mannschaftsbronze für Bühler, Hans Schwarzenbach (13), Ruedi Günthardt (20) und dem ausgeschiedenen Rolf P. Ruff. Im darauffolgenden Jahr, 1961, siegte Wachtmeister Günthardt mit der Stute Atbara im CCI Genf, vor der versammelten englischen Elite mit Michael Bullen und Anneli Drummond-Hay.
Die EM von 1963 in Moskau und die WM von 1966 in Burghley wurden nicht beschickt. Auch an die Olympischen Spiele von 1964 in Tokio und 1968 in Mexico Stadt reisten keine Schweizer Militaryreiter. Einen Mini-Höhepunkt erlebten die Schweizer 1967 im tschechoslowakischen Albertovec. Mit Oblt. Konrad Streiff auf Rockett und Oblt. Silvio Moor auf Wolswin gab es einen Doppelsieg. Das gab Mut zu einer Teilnahme an der EM von 1967 in Punchestown. Dort schieden alle drei Schweizer aus.
Die bevorstehenden Olympischen Spiele von 1972 in München – die ersten in Europa seit zwölf Jahren – motivierten die Schweizer Militaryführung zu verstärkten internationalen Anstrengungen. In jenen Jahren fand in Colombier ein jährlicher CCI statt, in dem die Schweizer, so Beat Bohli und Alfred Schwarzenbach, schöne Erfolge feierten.
An der EM 1971 in Burghley ritten fünf Schweizer, von denen drei ausschieden. Anton Bühler war mit Wukari bester Nicht-Brite. Aber eben: Die ersten acht Plätze dieser EM wurden von britischen Reitern belegt – für Toni Bühler blieb Platz neun. Die spätere FEI-Präsidentin Prinzessin Anne wurde Europameisterin.
An den Olympischen Spielen in München 1972 startete erstmals seit 1960 wieder eine Schweizer Equipe. Paul Hürlimann, Anton Bühler und Alfred Schwarzenbach wurden mit den Einzelrängen 14, 15 und 33 Sechste in der Mannschaftswertung, Max Hauri schied aus.
An der EM von 1973 in Kiew in der heutigen Ukraine nahmen keine Schweizer teil. Dafür ritten drei Schweizer in Badminton mit mittelmässigen Erfolg. 1975 siegte Alfred Schwarzenbach mit Big Boy beim CCI im österreichischen Mölbling. Ein Start von Schweizer Militaryreitern an den Olympischen Spielen von 1976 in Montreal war kein Thema, ebenso wenig beim Festival von 1980 in Fontainebleau, der Alternativveranstaltung zu den boykottierten Olympischen Spielen in Moskau.
Ein neues Championat
In Mölbling wurde 1975 das «Alpen Championat» ins Leben gerufen, das in den Jahrzehnten danach eine willkommene Alternative zu nicht beschickten Championaten (OS, WM, EM) war. Das erste «Alpen Championat» fand 1976 in Achselschwang statt. 1977 folgte Frauenfeld, wo die Schweiz die Mannschaftswertung gewann. 1978 gewann die Schweiz in Piber gar beide Goldmedaillen.
Dann kam die Military-EM 1981 im dänischen Horsens und diese endete mit einer Schweizer Doppelsensation: Hansueli Schmutz wurde mit Oran Europameister und die Schweiz wurde mit ihm, Sepp Räber/Benno (14), Josef Burger/Beaujour de Mars (17) und Emil Baumann/Baron (18) EM-Zweite. In den Monaten zuvor hatten Schmutz/Oran die nationale Military von Sonnenberg bei Möhlin gewonnen. An der SM in Frauenfeld/Kalchrain waren die beiden hinter Räber/Benno nur Zweite geworden. Tragischerweise erlebte der Triumph von Horsens keine Fortsetzung. An der WM 1982 in Luhmühlen stürzte Ernst Baumann im Gelände tödlich. Die Schweizer Equipe zog sich darauf vom Wettkampf zurück. Im darauffolgenden Jahr, an der EM von 1983 auf der Frauenfelder Allmend, enttäuschten die Schweizer. Zwei der vier Equipenreiter schieden nach Stürzen aus und Hansueli Schmutz wurde mit Oran nur 13. Dies gab dem Paar immerhin die Olympiaqualifikation als Einzelstarter. In Los Angeles 1984 gewannen Schmutz/Oran die Dressur, aber nach einer Verweigerung beim Wasserhindernis gab es nur Platz elf in der Schlussrangliste.
Baisse der Elite – Erfolge im Nachwuchs
In den verbleibenden eineinhalb Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts blieben absolute Spitzenleistungen der Schweizer Militaryequipe aus. Dafür gab es eine EM Gold- und zwei EM-Silbermedaillen der Ponyreiter: Gold für Caterina Klemm 1987 in Saumur, Silber für Dani Klemm 1996 in Barthahus und nochmals Silber für Eveline Bodenmüller 2000 in Hagen. Dazu kamen eine Handvoll CCI-Siege von Jörg Bodenmüller, so 1990 in Boekelo und 1991 in Breda, Vittel und Hasselt. Bei höheren Aufgaben reüssierte Bodenmüller nicht; in beiden Jahren schied er im FEI-Championat aus.
Für 1992 war ein Olympiakader nominiert worden, mit Saumur und Luhmühlen als Qualifikationsplätze für einen Olympiastart in Barcelona. Aber Unklarheiten, Eigensinnigkeit und Pannen verhinderten eine Olympiaqualifikation. Nach Atlanta wurden 1996 drei Militaryreiter entsandt. Dort wurde auf ein vorderes Abschneiden in der damals separaten Mannschaftsprüfung gesetzt. Aber ohne Streichresultat gab es nur Platz zehn. Im Jahr zuvor, an der EM 1995, hatte die Schweiz mit den Einzelrängen 31, 33, 34 und 38 den sechsten Equipenrang belegt. Für einen Olympiastart 2000 im australischen Sydney wurde eine Leistungsbestätigung beim CCI Punchestown verlangt. Dies gelang nicht. An den Olympischen Spielen von 2004 in Athen gab es für die zwei Einzelreiterinnen die Plätze 33 und 64 – 2008 in Hongkong für die einzige Schweizerin Platz 36. 2012 in London waren keine Schweizer Militaryreiter dabei, dafür 2016 in Rio de Janeiro: die Brüder Ben und Felix Vogg. Der Erstere klassierte sich als 43., der andere schied aus.
2019 geschah ein neues Militarywunder. Eine Handvoll junger Schweizer Reiter qualifizierte sich für die Olympischen Spiele von 2020 in Tokio. Nach der coronabedingten Verschiebung auf 2021 flogen vier Schweizer nach Japan. Nach dem tragischen Ausscheiden von Jet Set unter Robin Godel gab es für die Schweiz den zehnten Mannschaftsplatz. Mélody Johner und Felix Vogg qualifizierten sich für den Einzelfinal, wo sie den 17. respektive 19. Platz belegten. Ein nicht ganz glücklicher Abschluss – vor der noch anstehenden EM in Avenches – der 100-jährigen Geschichte der internationalen Beteiligung von Schweizer Militaryreitern.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 38/2021)
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