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Mit dem Begriff K. wird eine dyadische Beziehung bezeichnet, die eine instrumentelle Freundschaft zwischen einer Person mit einem höheren sozioökonom. Status, dem Patron (Paternalismus), und einer solchen mit niedrigerem Status, dem Klienten, beinhaltet. Der Patron gewährt dem Klienten Schutz (z.B. vor Gericht), Zugang zu bestimmten staatl. Ressourcen (Ämtern, Stipendien), günstige Pachtbedingungen oder Kredite. Er lässt ihn auch bis zu einem gewissen Grad an seinem sozialen Prestige teilhaben. Der Klient vergilt diese Leistungen mit seiner Arbeitsverpflichtung, mit polit. und allenfalls militär. Unterstützung, mit der Lieferung von Information oder der Verbreitung des Ruhms des Patrons. Eine vertikale Ausdehnung von klientelist. Netzwerken kann durch die Zwischenschaltung von sog. Brokern (Vermittlern) zustande kommen. Diese verfügen nur bedingt über eigene Patronage-Ressourcen; sie stehen meist selbst in einem klientelist. Abhängigkeitsverhältnis zu einem Patron. Sie ebnen diesem einerseits den Zugang zu potentiellen Klienten, indem sie ihre Unterstützung mobilisieren, und kontrollieren andererseits gegenüber den Klienten den Zugang zum Patron. Vermittler sind dann erforderlich, wenn zwischen potentiellen Partnern einer Klientelbeziehung eine grosse soziale oder geogr. Distanz besteht. Die Rolle, die der K. in der röm. Sozialgeschichte spielte, wird seit langem erforscht. In der zeitgenöss. Forschung verwenden Politologen, Soziologen und Historiker das Konzept des K. auch zur Analyse frühneuzeitl. oder moderner Gesellschaften.
In der alten Eidgenossenschaft stellte der K. ein wichtiges Strukturprinzip der Politik dar. Einen zentralen Anknüpfungspunkt für polit. K. bildeten insbesondere die Beziehungen zu auswärtigen Mächten. Solddienstverträge, Pensionen und der Salzhandel stellten bedeutende, leicht manipulierbare Ressourcen dar. Der polit. Betrieb zahlreicher Orte war deshalb durch vertikale Patronageparteien strukturiert, die sich jeweils auf eine äussere Macht ausrichteten. Besonders im Umfeld der Tagsatzung konnten potentielle Klienten an potentielle Patrone gelangen. Im landwirtschaftl. Bereich stellten der Bodenkredit und z.T. die Bodenpacht einen Anknüpfungspunkt für K. dar. Als Vermittler fungierten häufig Geistliche und Wirte, die über ein weites persönl. Beziehungsnetz verfügten und durch ihren Status oft an der Schnittstelle zwischen dörfl. und regionaler Gesellschaft standen.
Literatur
– R. Vitali, Politique locale et clientélisme: analyse du cas tessinois, 1991
– U. Pfister, «Polit. K. in der frühneuzeitl. Schweiz», in SZG 42, 1992, 28-68
– S. Teuscher, Bekannte - Klienten - Verwandte, 1998
Autorin/Autor: Ulrich Pfister