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Als am 12. September 1848 die Bundesverfassung in Kraft trat, war die Frage nach dem Standort der Regierung und des Parlaments anfangs noch nicht geklärt. Erst im November entschied sich die Bundesversammlung für Bern als Sitz der Behörden. Zwei Jahre später schrieb der Berner Gemeinderat einen Architekturwettbewerb für das «Bundes-Rathaus» aus. Inzwischen tagte der Bundesrat im Erlacherhof, dem heutigen Sitz der Berner Regierung.
Der Nationalrat wechselte zwischen dem Berner Rathaus und dem so genannten «Casino», einem Musiksaal am Standort des heutigen Parlamentsgebäudes. Der Ständerat wiederum traf sich im Rathaus zum Äusseren Stand in der Berner Innenstadt, wo in den Jahren 1804 bis 1847 bereits die Tagsatzung zusammentrat.
Kein Prunk für Politiker
Keine der drei bestplatzierten Wettbewerbseingaben für das «Bundes-Rathaus» mochte den Berner Gemeinderat vollständig überzeugen. Erst dem durch Baumeister Jakob Friedrich Studer ausgearbeitete Vorschlag, basierend auf einem Entwurf von Ferdinand Stadler, wurde schliesslich zugestimmt. In einer fünfjährigen Bauzeit entstand neben dem alten Inselspital ein Gebäude im damals neuartigen Rundbogenstil. Dabei lag es der Bauherrin, der Stadt Bern, am Herzen, auf unnütze Pracht und übertriebene Dimensionen zu verzichten. Viel wichtiger war dem Berner Gemeinderat die Haustechnik: eine funktionierende Beleuchtung und die speziell angefertigte Dampfheizung.
Stadt übergibt Bauplanung an Bund
Mit der Totalrevision der Bundesverfassung 1874 wurden dem Bund auf einen Schlag neue Aufgabengebiete übertragen, die zuvor bei den Kantonen lagen. Die Verwaltung stiess bald an ihre Platzgrenzen und ein neues Gebäude musste her. Die Stadt trat deshalb zwei Jahre später ihre Verantwortung an den Bund ab. Dieser kaufte 1880 das Gebäude des Inselspitals, das sieben Jahre später dem Neubau des Bundeshauses weichen musste. Dazu wurde erneut ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, bei welchem Alfred Friedrich Bluntschli und Hans Wilhelm Auer zu den Preisträgern auserkoren wurden. So entstand das heutige Bundeshaus Ost, ein symmetrisches Pendant zum bereits bestehenden «Bundes-Rathaus» im Westen.
Gebaut nach internationalem Vorbild
Elf Jahre später wurden die beiden Architekten Bluntschli und Auer nochmals zu einem Wettbewerb, diesmal für ein Parlamentsgebäude zwischen den beiden Verwaltungstrakten, eingeladen. Obwohl ein internationales Architektenkomitee für die Auswahl des besten Entwurfs aufgeboten wurde, entschied sich der Bundesrat 1891 in eigener Kompetenz für den Vorschlag von Hans Wilhelm Auer. Dieser sah einen Kuppelbau im Stil des Kapitols in Washington D.C. vor. In mehrjähriger Arbeit entstand so aus 30 Schweizer Gesteinssorten mit der Hilfe von 38 ansässigen Künstlern ein Nationaldenkmal mit Ausstrahlung auf alle Kantone. Bereits am 1. April 1902 konnte das neue Gebäude feierlich der Eidgenossenschaft übergeben werden. Diese liess sich den Bau mit 7.2 Millionen Franken berappen – verglichen mit heutigen Verhältnissen würde dies etwa 700 Millionen Franken entsprechen.
Erneute Platznot und erstmalige Renovierung
Auch in den neuen Gebäuden hatte die Bundesverwaltung bald zu wenig Platz. 1950 präsentierte der Architekt Martin Risch deshalb ein Umbauprojekt, das vorsah, die Kuppel des Bundeshauses durch einen quadratischen Turm zu ersetzen. In diesem hätten zusätzliche Büros untergebracht werden sollen. Aus Gründen des Denkmalschutzes entschieden sich die Behörden allerdings gegen einen solchen Umbau. Stattdessen entschloss man sich für eine Rückbesinnung auf die parlamentarischen Aufgaben und lagerte die Arbeitsplätze von Medienschaffenden 2006 aus. Ab dem Jahr 2006 wurde das Bundeshaus erstmalig umfassend renoviert. Dabei wurden auch diverse Sicherheits- und Brandschutzmassnahmen vorgenommen. Im vergangenen Jahr wurden ausserdem der National- und Ständeratssaal saniert und technisch aufgerüstet. Zurzeit wird das Bundeshaus Ost saniert.