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Motion Nr. 2019-306 von Noel Schemm, L20, und Mitunterzeichnenden: Fair Trade Town Horw
- Nummer
- 2019-306
- Geschäftsart
- Motion
- Status
- Eingereicht
- Datum
- 25. Oktober 2019
- Verfasser/Beteiligte
- Schemm Noel (Erstunterzeichner/-in), Bucher Lukas (Mitunterzeichner/-in), Eberli Martin (Mitunterzeichner/-in), Heeb Jonas (Mitunterzeichner/-in), Koefoed Pia (Mitunterzeichner/-in), Kreienbühl Richard (Mitunterzeichner/-in), Manser Urs (Mitunterzeichner/-in), Portmann Nathalie (Mitunterzeichner/-in), Schwegler Charlotte (Mitunterzeichner/-in), Studer Ivan (Mitunterzeichner/-in), Wyss Rita (Mitunterzeichner/-in)
- Beschreibung
Um den Fairen Handel auf Gemeindeebene zu fördern, wird der Gemeinderat beauftragt, innerhalb von zwei Jahren nach Annahme der Motion:
- die Auszeichnung als «Fair Trade Town» anzustreben und
- die dafür nötigen Massnahmen so rasch wie möglich umzusetzen.
Begründung
Was wir kaufen und konsumieren, bestimmt die Lebensbedingungen von Menschen hier und anderswo. Für den Fairen Handel kann die Gemeinde Horw als Grosseinkäuferin eine Vorbildrolle einnehmen, um auch private Anbieter, Institutionen und Vereine zu verantwortungsvollem Handeln zu motivieren. Schweizer Städte und Gemeinden können sich um die Auszeichnung «Fair Trade Town» bewerben. Unter einer Fair Trade Town versteht man eine Gemeinde, in der sich Bewohnerinnen und Bewohner, ortsansässige Organisationen und Betriebe für den Fairen Handel engagieren. In ihren Kaufentscheiden beachten sie soziale und ökologische Kriterien und beziehen vermehrt Produkte aus Fairem Handel mit ein.
Um Fair Trade Town zu werden, muss die Gemeinde Horw fünf Kriterien erfüllen:
- Die Gemeinde bekennt sich mit offiziellem Beschluss dazu, die Auszeichnung «Fair Trade Town» anzustreben.
- Eine Arbeitsgruppe koordiniert das Fair Trade-Engagement.
- Detailhandel und Gastronomie/Hotellerie bieten Fair-Trade-Produkte an.
- Institutionen und Unternehmen verwenden Fair-Trade-Produkte.
- Durch Öffentlichkeitsarbeit wird der Faire Handel der Bevölkerung nähergebracht.
Konkret kann dies beispielsweise Folgendes bewirken: In der Gemeindeverwaltung wird Kaffee und Tee aus Fairem Handel getrunken, am Mittagstisch in den Schulen gibt es Reis aus gerechtem Handel zu essen und als Geschenk bei Ehrungen kommen Fair-Trade-Blumen zum Einsatz. Die Gemeinde könnte ihre Mitarbeitenden zum Thema nachhaltige, soziale Beschaffung weiterbilden, zusammen mit dem lokalen Gewerbe eine Infokampagne für die Bevölkerung durchführen oder einen Einkaufs- und Gastroführer mit Betrieben herausgeben und so aufzeigen, wo und welche Produkte aus Fairem Handel erhältlich sind.
Die Umsetzung der Motion verursacht keinen hohen Zeitaufwand oder Mehrkosten für die Verwaltung. Da «Fair Trade Town» kein Label, sondern eine Auszeichnung ist, bleiben die Kosten gering und sind nicht mit bekannten Labeln wie dem «Energie Stadt»-Label vergleichbar.
Die Arbeitsgruppe definiert, was unternommen wird. In vielen Geschäften und Gastronomiebetrieben in Horw werden heute schon Fair-Trade-Produkte angeboten. Der Arbeitsgruppe kommt die Aufgabe zu, das bestehende Angebot aufzuzeigen und die unterschiedlichen Akteure zu vernetzen. Sie übernimmt die Koordination der Aktivitäten sowie die Akquisition neuer Partner möglichst in Kooperation mit Vereinen und interessierten Institutionen.
Fair Trade Town führt zwingend zu einer engen Interaktion zwischen der öffentlichen Verwaltung, dem lokalen Gewerbe und der Bevölkerung. Weiter bietet die Auszeichnung Städten und Gemeinden die Möglichkeit, ihr Engagement für den Fairen Handel nach innen und aussen positiv zu kommunizieren und ihr nachhaltiges Image zu stärken. Horw fördert damit ihr Standortmarketing und stärkt die Vernetzung des lokalen Kleingewerbes. Die Auszeichnung bietet Chancen für die Besetzung neuer Nischen und das Akquirieren neuer Kunden, da bewusstes, nachhaltiges Konsumverhalten immer mehr zunimmt.
Nach der Auszeichnung von Horw als Fair Trade Town soll der Nachhaltigkeitsprozess weitergeführt werden. Mögliche Massnahmen sind gemäss Swiss Fair Trade eine Ergänzung der Produktepalette mit lokalen und regionalen Angeboten aus sozial nachhaltiger und ökologischer Produktion oder die Entwicklung von Beschaffungsgrundsätzen, in denen soziale Nachhaltigkeit als Grundprinzip für alle Beschaffungsebenen verankert ist.
Dass die Gemeinde Horw bei der nachhaltigen Beschaffung Nachholbedarf hat, zeigt das Gemeinderating 2019 von Solidar Suisse. Da rangiert Horw auf Platz acht der zehn bewerteten Zentralschweizer Gemeinden. Die Gemeinde spricht jährlich Fr. 10'000.00 für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe, was 0,1 Promille des Nettosteuerertrags 2018 ausmacht. Bei der Beschaffung werden keine Kriterien für soziale Nachhaltigkeit berücksichtigt.
Demgegenüber verhält sich beispielsweise Baar geradezu vorbildlich. Die Gemeinde gab für Entwicklungszusammenarbeit Fr 200'000.00 aus, was 2,23 Promille des Nettosteuerertrags ausmacht.
Fair Trade Town ist eine internationale Auszeichnung: Bislang gibt es knapp 2’000 Fair Trade Towns in 31 Ländern. Die ausgezeichneten Gemeinden beweisen entwicklungspolitische Weitsicht: Sie stärken hier in der Schweiz das Bewusstsein für die Bedeutung des Fairen Handels und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern und damit zur Bekämpfung der weltweiten Armut.
- Fraktion
- L20-Fraktion des Einwohnerrates