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Sheriff Tiraspol ist drauf und dran, das favorisierte Dinamo Zagreb in den Playoffs der Champions League zu bezwingen und als erster moldawischer Klub in die Gruppenphase einzuziehen. Wäre eine Champions League mit moldawischer Beteiligung eine Sensation?
Vielleicht, wenn man bedenkt, dass Moldawien eines der ärmsten, wenn nicht das ärmste Land Europas ist. Das Land ist als ehemalige Sowjetrepublik teilweise in kommunistischen Strukturen verharrt. Korruption beherrscht den Alltag. Eine gute, breite Fussballbewegung kann sich kaum entwickeln.
Spitzenfussball auf unfruchtbarem Boden
Tiraspols Abschneiden ist jedoch überhaupt keine Sensation, wenn man den Klub unter die Lupe nimmt. «Sheriff» ist der Name des mächtigsten Konzerns des Landes und besonders in der moldawischen Republik Transnistrien, in der die Moldauer nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Das Sagen haben die Russen. Sheriff heisst Sheriff, seit das Unternehmen anfänglich ein Polizeidienstleister und eine Security-Firma war. Heute ist es eine überdimensionale Gemischtwarenkette, die die unterschiedlichsten Lebensbereiche kontrolliert. Dem Unternehmen wird auch Geldwäscherei in einer mafiösen Organisation vorgeworfen.
Die Firma lässt für den Fussball einiges springen. Die neue Arena in Tiraspol kostete 200 Millionen Dollar, mehr also als das Wankdorf und der St.-Jakob-Park. Um den Klub in Europa konkurrenzfähig zu machen, kauft man Spieler aus der ganzen Welt zusammen. Einheimische spielen im Kader kaum noch eine Rolle. Die vielen Söldner haben keinen hohen Marktwert. Das sagt jedoch nicht viel über ihr Können aus, denn die Marktwertangaben sind immer direkt an die Wertigkeit der jeweiligen Liga geknüpft. Und das durchschnittliche Niveau der Moldauer Meisterschaft ist niedrig.
Zuhause ohne ernsthafte Gegner
Auf nationaler Ebene ist Sheriff Tiraspol konkurrenzlos wie nur etwas. In der Meisterschaft 2020/21 - es wird nach dem Modus der Schweizer Super League gespielt - holte Sheriff 99 von möglichen 108 Punkten. Das Torverhältnis lautete 116:7. Sieben Gegentore in 36 Spielen.
Der Hauptstadtklub Zimbru Chisinau, nach der Unabhängigkeit Moldawiens noch Serienmeister, ist schon lange nicht mehr konkurrenzfähig. Fast alle Spieler Zimbrus sind Moldauer, weil man sich kaum Legionäre leisten kann.