Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03408.jsonl.gz/3063

Suchterkrankungen
In Bezug auf Sucht bzw. Substanzabhängigkeit möchte ich zunächst noch einmal auf einen Teilsatz aus der Beschreibung meines Therapiekonzeptes verweisen: „Ein substanzieller Teil der Patienten hält die in therapeutischen Kontexten als richtig erkannten Verhaltensänderungen nicht durch, sobald er wieder sich selbst überlassen ist und mit emotionalen Problemen konfrontiert wird, die seine intrinsische Motivation unterminieren“.
Während der akute Entzug von einer Substanz mit Hilfe der modernen Medizin in der Regel weitgehend unproblematisch verläuft, stellt der dauerhafte Verzicht eine wesentlich umfänglichere Herausforderung dar. Folglich wird im DSM-V mittlerweile auch nicht mehr zwischen Substanzmissbrauch und Substanzabhängigkeit differenziert, sondern allgemein von einer „Substanzgebrauchsstörung“ gesprochen. Zu den Kriterien gehören:
Höherer oder länger anhaltender Konsum als ursprünglich beabsichtigt
Fehlgeschlagene Versuche den Konsum zu reduzieren oder zu beenden
Hoher Zeitaufwand für den Konsum, die Beschaffung der Substanz oder zur Erholung von der Wirkungsweise
Intensives Verlangen nach der Substanz („Craving")
Anhaltender Konsum trotz Vernachlässigung von Verpflichtungen
Anhaltender Konsum trotz des Auftretens von zwischenmenschlichen Konflikten
Einschränkung und Aufgabe verschiedener Aktivitäten (Beruf, soziale Kontakte, Hobbys etc.) aufgrund des Konsums
Einnahme der Substanz in Situationen mit einhergehender körperlicher Gefährdung
Fortgesetzte Einnahme der Substanz trotz bestehender oder wiederauftretender körperlicher oder psychischer Symptome, die durch den Konsum ausgelöst wurden
Toleranzentwicklung (gesteigerte Dosis der Substanz, um die gewünschte Wirkung zu erzielen)
Auftreten von Entzugssymptomen beim Absetzen der Substanz
Wer unter Sucht leider, wird diese Kriterien aus eigener Erfahrung sicherlich zur Genüge kennen und gleichermaßen keinen Weg sehen, sich aus dem eigenen Suchtverhalten zu befreien. Letztendlich ist in den meisten Fällen eine Mischung aus ungenügender Lebensfreude im Alltag und dem Empfinden von Leere, Überdruss und Überforderung entscheidend für das stetig präsente craving (also das Verlangen nach der Substanz bzw. die Gegenwärtigkeit des „Suchtdrucks“).
Wie auch im Falle von Angst und Depressivität handelt es sich dabei um absolut nachvollziehbare Reaktionen auf Lebensumstände, welche in der modernen Gesellschaft vielfach auftreten. Ich möchte Ihnen dazu verhelfen, das Gefühl von Erfüllung, welches Sie in den Momenten des Substanzkonsums verspüren, regelmäßig in Ihrem Leben zu etablieren, ohne auf Suchtmittel angewiesen zu sein. Neben der Analyse von Möglichkeiten, ihre gegenwärtigen Lebensumstände in eine positivere Richtung zu entwickeln, werden wir auch Ihre Vergangenheit betrachten, um die Ursachen für Ihre heutige Suchtneigung zu ergründen. Nichtsdestotrotz steht in jeder meiner Therapieformen immer die Gegenwart und das Ziel, Ihnen im Hier und Jetzt zu mehr Lebensfreude zu verhelfen, im Mittelpunkt.