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V. bezeichnet die Ernährungsweise, die bewusst auf Nahrungsmittel von getöteten Tieren - Fleisch, Fisch und daraus hergestellten Produkten - verzichtet. Aufgrund der Nahrungsmittelauswahl werden mehrere Formen des V. unterschieden: Ovo-Lakto-Vegetarier verzehren neben pflanzl. Kost auch Eier, Milchprodukte und Honig, Lakto-Vegetarier beziehen Milch und Milchprodukte und Ovo-Vegetarier Eier und deren Produkte mit ein. Veganer ernähren sich rein pflanzlich und benutzen häufig auch keine Gegenstände und Materialien tier. Ursprungs wie Wolle und Leder.
In der Antike ebenso wie in den meisten Weltreligionen gab es Speisevorschriften, die bereits vegetar. Elemente enthielten. Als die Kirche im HochMa. Fastengebote erliess, nahm sie v.a. Fische und Krebse vom Fleischverbot aus, weil sich diese Tiere nach der damaligen Auffassung ohne Zeugung im Wasser fortpflanzen würden und deshalb kein Fleisch seien. Doch zwangen wirtschaftl. Gründe die meisten Menschen zu einer vorwiegend fleischlosen Kost. Eine freiwillig gewählte vegetar. Lebensweise blieb Ausnahme.
Der V. fand an der Wende vom 19. zum 20. Jh. als wichtiges Element der Lebensreformbewegung auch in der Schweiz erste Anhänger. Der Pionier des V. war Theodor Hahn. Er führte seine St. Galler Naturheilanstalt Obere Waid vegetarisch und veröffentlichte zahlreiche Schriften zur Verbreitung des V. Eine noch grössere Wirkung erreichte der Arzt Maximilian Oskar Bircher-Benner, der die Ernährung in den Mittelpunkt seiner Therapie rückte (Naturheilkunde) und dessen Müesli aus Obst und Getreideflocken allgemein beliebt wurde. Weitere Förderer waren der vielseitige Lebensreformer Werner Zimmermann und Anhänger der Anthroposophie.
Sozial gesehen waren die Vegetarier lange individualist. Aussenseiter, die sich nur selten organisierten und sich oft über die Richtung, die Ernährungstheorie oder die Gefolgschaft von Pionieren zerstritten. Erst mit der Ökologiebewegung ab den späten 1970er Jahren erhielt der V. neuen Auftrieb. Neben Bioläden in den Städten entstanden vermehrt vegetar. Restaurants und solche mit vegetar. Menüangeboten. Das von Vorurteilen geprägte Bild des V., Vegetarier waren etwa als sog. Körnlipicker verschrien, wandelte sich innerhalb der Gesellschaft. Treibende Kräfte waren die Ängste um die Zerstörung der Lebensgrundlagen, die Skandale um hormonbelastetes Fleisch und um den Rinderwahnsinn. Die Veränderung der eigenen Konsumgewohnheiten und das Meiden von Nahrungsmitteln, für die Tiere leiden und sterben mussten, war für viele Menschen eine notwendige Konsequenz. Ohne Umweg über das Tier könnte zudem mit derselben Anbaufläche ein Mehrfaches an Menschen ernährt werden.
Zu Beginn des 21. Jh. bevorzugten insbesondere viele junge Menschen mit höherer Bildung eine fleischlose Nahrung. Studien zeigten, dass eine abwechslungsreiche vegetar. Ernährung für eine ausreichende Versorgung mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen sorgt und ernährungsbedingten Erkrankungen vorbeugt. Doch neben gesundheitl. Motiven spielen v.a. ethische und ökolog.-wirtschaftl. Beweggründe mit einer krit. Haltung gegenüber der Massentierhaltung und den Praktiken der Fleischindustrie eine Rolle. Gemäss der Schweiz. Gesundheitsbefragung von 2002 gaben 2,5% der Befragten an, nie Fleisch und Wurstwaren zu essen, wobei sich deutlich mehr Frauen (3,7%) als Männer (1,3%) vegetarisch ernährten. 2006 betrug der Anteil der Vegetarier an der Bevölkerung in der Schweiz rund 3%, in Deutschland waren es 8%, in Grossbritannien 9%, in Österreich 3%, in Italien 5% und in Frankreich 2%.
Die erste vegetar. Gaststätte der Schweiz, das 1898 in Zürich gegr. und als Familienunternehmen geführte Hiltl, erweiterte ab Ende der 1990er Jahre sein kulinar. Angebot. Mit dem Tibits entstanden bald nach der Eröffnung 2000 in Zürich weitere Betriebe in Winterthur, Bern, Basel und London. In der Westschweiz scheint der V. vergleichsweise kaum akzeptiert. Von den einst zahlreichen, nach Ernährungsrichtungen getrennten Vegetariervereinen überlebte nur die aus der Schweizer Reformjugend hervorgegangene, 1993 gegr. Schweizerische Vereinigung für V., eine international abgestützte Vegetarierorganisation. Sie schuf ein sog. V-Label und gibt seit 1998 die Zeitschrift "Vegi-Info" heraus.
Literatur
– A. Wirz, Die Moral auf dem Teller, 1993
– H.-J. Teuteberg, «Zur Sozialgesch. des V.», in VSWG 81, 1994, 33-65
– Gesundheitl. Vor- und Nachteile einer vegetar. Ernährung, hg. von P. Walter et al., 2006
– C. Leitzmann, V., 22007, 14-38
Autorin/Autor: Peter F. Kopp