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Der Kommuneaufstand in Paris18. März brachte Thiers in die höchste Bedrängnis, und nur seinem Mut und Selbstvertrauen
sowie seiner unermüdlichen Thätigkeit war
es zu danken, daß derselbe überwunden und gleichzeitig 10. Mai definitive Friede
mit Deutschland abgeschlossen wurde. Daran schlossen sich die erfolgreichen Maßregeln zur Beschaffung der nötigen Geldmittel.
Am ward er auf drei Jahre zum Präsidenten der Republik ernannt. Nun begannen aber die Schwierigkeiten des Parteigetriebes
in der Nationalversammlung.
Die monarchistischen Parteien sahen sich in ihren Hoffnungen auf Thiers' energische Unterstützung getäuscht und rächten sich
durch gehässige Angriffe und Ränke, obwohl Thiers den klerikalen Ansprüchen möglichst nachgab. Als daher
Thiers, überzeugt, daß die Herstellung des Königtums in Frankreich, besonders des orléanistischen, eine Unmöglichkeit und
die Republik die einzig mögliche Regierungsform sei, die definitive Konstituierung der Republik von der Nationalversammlung
verlangte, beschloß die klerikal-monarchistische Majorität derselben, da die Zahlung der Kriegsentschädigung an Deutschland
und die Räumung des Gebiets durch den Vertrag vom gesichert waren, Thiers zu stürzen. Am 19. Mai brachte die Rechte
eine Interpellation ein über das neue Ministerium, welches Thiers berufen hatte, um seine Verfassungsvorschläge für die Republik
durchzuführen; nach heftiger Debatte ward 23. Mai ein Tadelsvotum gegen dies Ministerium mit 360 gegen 344 Stimmen
angenommen und, als Thiers darauf seine Entlassung gab, diese mit 368 gegen 338 Stimmen genehmigt. Thiers zog sich darauf wieder vom
öffentlichen Leben zurück und nahm nur an wichtigen Abstimmungen in der Deputiertenkammer teil.
Nach dem Staatsstreich vom richteten sich die Hoffnungen aller Republikaner wieder auf Thiers als
das Haupt einer gemäßigten Republik, aber er starb plötzlich zu St.-Germain en Laye infolge eines Schlaganfalls
und wurde am 8. in Paris feierlich bestattet. 1879 wurde ihm ein Standbild in Nancy,
[* 17] 1880 ein solches in St.-Germain errichtet.
Thiers, von kleiner Gestalt, aber scharf geschnittenen, lebendigen Zügen, war einer der bedeutendsten Staatsmänner
Frankreichs im 19. Jahrh. und jedenfalls der populärste.
Als Geschichtschreiber verherrlichte er die Freiheitsideen der französischen Revolution und den Kriegsruhm Napoleons I. in
schwungvoller Sprache
[* 18] und glänzender Darstellung, jedoch keineswegs stets wahrheitsgetreu und unparteiisch. Ganz erfüllt
von der Idee, daß Frankreichs berechtigte Suprematie das politische GleichgewichtEuropas bedinge und die kleinen deutschen
und italienischen Staaten für diese Suprematie notwendig seien, war er ein heftiger Gegner der italienischen und deutschen
Einheitsbestrebungen und, obwohl Voltairianer, ein Beschützer des Kirchenstaats. Thiers' »Discours parlementaires« wurden von
Calmon (1879 bis 1883, 15 Bde.) herausgegeben.
Vgl. Laya,
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Études historiques sur la vie privée, politique et littéraire de M. Thiers 1830-46 (Par.
1846, 2 Bde.);
Derselbe, Histoire populaire de M. Thiers (das. 1872);
Richardet, Histoire de la présidence de M. Thiers (das. 1875);