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Die Äbte am Tibet-Institut Rikon
Die Äbte am Tibet-Institut wurden jeweils von S.H. dem Dalai Lama bestimmt. Bis heute amteten fünf hochgelehrte Meister:
- Ew. Geshe Thupten Legmen (fünfter Abt, im Amt seit 2011)
- Ew. Geshe Phuntsok Tashi (vierter Abt, Amtszeit 1996-2010)
- Ew. Geshe Gedün Sangpo (dritter Abt, Amtszeit 1979-1995)
- Ew. Geshe Tamdin Rabten (zweiter Abt, Amtszeit 1975-1979)
- Ew. Geshe Ugyen Tseten (erster Abt, Amtszeit 1967-1974)
Der Ew. Abt Geshe Thupten Legmen (geb. 1963), Gelug, stammt aus dem grossen Kloster Sera Me in Südindien, dem er bereits im Alter von 13 Jahren beigetreten ist. Von S.H. dem 14. Dalai Lama erhält er seine volle Mönchsordination sowie viele Belehrungen und Initiationen. Nach einer buddhistischen Ausbildung von beinahe 20 Jahren erwirbt er den hohen Titel eines Geshe Lharampa. Seit 1986 unterrichtet er Novizen und Mönche in buddhistischer Philosophie. 2001 wird er zudem zum Disziplinmeister des Klosters Sera Me ernannt. 2006 geht er ans Gyumed Tantric Monastery, um seine Ausbildung im Tantra zu vervollständigen. Hier legt er das Examen für seinen weiteren Titel eines Geshe Ngarampa ab. Nach seiner Rückkehr ins Kloster Sera Me wird er 2008 auch Vorsteher dessen Bibliothek. Im Herbst 2010 wird Geshe Thupten Legmen von S.H. dem Dalai Lama persönlich als fünfter Abt des Klösterlichen Tibet-Instituts Rikon ausgewählt und ernannt. An der Neujahrszeremonie vom 5. März 2011 wird er feierlich im Tibet-Institut Rikon begrüsst.
Der Ew. vierte Abt, Geshe Phuntsok Tashi, Gelug, wird 1936 in der alten Familie Dragdong Shabtsang geboren. Mit zehn Jahren beginnt er im Kloster Dargye seine Mönchsausbildung, die er ab 1954 im Kloster Drepung mit dem Studium der Schriften fortsetzt. 1959 verlässt er Tibet und kommt im indischen Exil nach Buxar, wo er 10 Jahre mit tausend anderen Mönchen lebt und studiert. Dann geht er ins Kloster Drepung in Südindien und legt 1984 die Gesheprüfung ab. Dort müssen die Mönche für ihren Lebensunterhalt Feldarbeit verrichten. Als Zeremonienmeister im Schützertempel ist er für die Rituale verantwortlich und kann in dieser Zeit Retreats zu verschiedenen Gottheiten machen. Seine besondere Sorgfalt gilt der Erziehung und Ausbildung junger Mönche und Tulkus. 1996 kommt er auf Wunsch S.H. des Dalai Lama als vierter Abt des Klösterlichen Tibet-Institutes in die Schweiz. Hier leitet er die Mönchsgemeinschaft, sorgt für Wahrung der Ordensregeln, die Durchführung des jährlichen Sommerretreats und des Beichtrituals, gestaltet die buddhistischen Festtage, und gibt Belehrungen für die Tibeter. Dieses Amt bekleidet er bis zu seinem Tod am 19. Oktober 2010.
Der Ew. dritte Abt, Geshe Gedün Sangpo, Gelug, wird 1917 in Gartse, Amdo, geboren. Siebenjährig beginnt er am Kloster Rongpo die Ausbildung in tibetischer Schrift und buddhistischen Ritualen. Mit sechzehn macht er sich zu Fuss auf, um an der Klosteruniversität Ganden zu studieren. Dort trifft er den berühmten Gelehrten, Geshe Sherab, der ihn als Schüler annimmt. Bei ihm studiert er die fünf klassischen Werke des Buddhismus (Prajnaparamita, Madhyamika, Vinaya Sutra, Abhidharma Kosa, Pramana). Auf Pilgerreisen meditiert er an vielen Retreatstätten in den Bergen. 1959 verlässt er Tibet und setzt seine Studien in Buxar/Nordindien fort. Dort erwirbt er 1975 den Titel eines Geshe Lharampa. Er ist Lehrer am Central Institute of Higher Tibetan Studies in Varanasi, bis ihn S.H. der Dalai Lama als Abt von Ganden Jangtse Dratshang beruft. Er wird Leiter des Centre for Higher Tibetan Studies in Mont Pélerin. 1979 ernennt ihn S.H. der Dalai Lama zum 3. Abt des Klösterlichen Tibet-Institutes. Dieses Amt bekleidet er bis zu seinem Tod am 4. November 1995.
Der Ew. zweite Abt, Geshe Tamdin Rabten, Gelug, wird 1921 in Kham/Osttibet geboren. Er studiert an der Klosteruniversität Sera als Schüler von Geshe Khedup und erwirbt den Titel eines Geshe Lharampa, was so viel bedeutet wie Doktor der Buddhistischen Philosophie. Für das Studium und die Meditation nimmt er unglaubliche Strapazen auf sich. Nach seiner Flucht aus Tibet lebt er bei Dharamsala im Retreat, bis ihn S. H. der Dalai Lama zu seinem persönlichen Berater in philosophischen Fragen ernennt. 1969 beginnt er mit Belehrungen für westliche Interessierte und wird so Wegbereiter der vollständigen Lehre des Buddha im Westen. Er versteht es, die schwierigsten Sutras und Tantras für östliche und westliche Zuhörer gleichermassen auf verständliche Weise zu formulieren. Am 24. September 1975 tritt er auf Wunsch S.H. sein Amt als zweiter Abt des Tibet-Institutes an, des einzigen tibetischen Klosters S.H. des Dalai Lama im Westen, und bekleidet es bis 1979. 1977 gründet er das buddhistische Zentrum Tharpa Choeling (jetzt Rabten Choeling), dem er bis zu seinem Tod am 27. Februar 1986 ebenfalls als geistlicher Leiter vorsteht.
Der Ew. erste Abt, Geshe Ugyen Tseten, Gelug, wird 1914 in Dagyab/Osttibet geboren. Ein chinesischer Lama, der aus der Hand lesen kann, rät ihm schon früh, Mönch zu werden. Doch erst 1933 macht er sich heimlich auf nach Lhasa, tritt ins Kloster Sera ein und beginnt mit dem Studium. 25-jährig nimmt er von Purbutschok Dschampa Rinpoche, einem Tutor des 13. Dalai Lama, die vollen Mönchsgelübde. Nach der letzten Prüfung, die als öffentliche Debatte stattfindet, erhält er 1958 den Titel eines Geshe Lharampa. 1959 geht er ans Tantra-Kolleg. Als der 14. Dalai Lama flieht, verlässt auch er Tibet und kommt in Indien nach Buxar, einem ehemaligen englischen Gefangenenlager. Dort leben und studieren über 1’000 Mönche. 1967 sendet S.H. der Dalai Lama ihn mit vier weiteren Mönchen in die Schweiz, um das neu zu gründende Kloster in Rikon zu leiten. Nach sechs Jahren als Abt des Klösterlichen Tibet-Institutes übernimmt er 1974 die Leitung des Tantra-Kollegs in Indien. 1977 zieht er sich in der Schweiz für ein fünfjähriges Yamantaka-Retreat zurück. Heute lebt er im Kloster Sera in Indien.