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Beate Uhse
Beate Köstlin erblickte 1919 in Ostpreussen als Jüngste von drei Kindern das Licht der Welt. Ihre Mutter Magarete war einer der ersten Ärztinnen Deutschlands, Beate selbst mauserte sich zu einer Meisterin des Speerwurfs und entwickelte früh eine Leidenschaft fürs Fliegen. Mit 20 heiratete sie zu Kriegsbeginn ihren Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse, wurde leider schon fünf Jahre später zur Witwe. Als Pilotin wurde Beate Uhse in den Krieg eingezogen und kam 1945 mit ihrem kleinen Sohn Klaus in britische Gefangenschaft.
Nach Kriegsende flüchteten Mutter und Sohn nach Flensburg, wo Beate 1949 den Kaufmann Ernst-Walter Rotermund heiratete und ihr zweites Kind zur Welt brachte. Da ihr jegliche fliegerische Tätigkeit verboten war, schlug sie sich mit Schwarzmarktgeschäften durch. Durch den regen Austausch mit anderen Frauen erfuhr sie viel über deren Bedürfnisse und verkaufte schon bald Kondome und die Aufklärungsbroschüre «Schrift X». 1951 gründete Beate Uhse-Rotermund das Versandhaus Beate Uhse, 1962 eröffnete sie in Flensburg ihr «Fachgeschäft für Ehehygiene» – den ersten Sexshop der Welt.
Unter der strengen Adenauer-Regierung musste sich die clevere Geschäftsfrau immer wieder den Vorwurf der «Unzucht» gefallen lassen, liess sich davon aber noch lange nicht beirren. Nicht mal diverse Anzeigen und Gerichtsprozesse oder die Versiegelung ihrer Lagerhalle mit 300'000 versandbereiten Katalogen konnten Beate Uhse stoppen. Nach der Wiedervereinigung tat sich für sie schliesslich ein ganz neuer Markt auf. Pornofilme und Sexspielzeuge bedienten einen neuen Kundenstamm.
«Hier steht der Orgasmus vor Gericht», rief Uhse einmal gegen all die Stimmen aus, die sie wegen ihrer Sex-Shops für verrückt erklärten. Der Satz wurde zur deutschlandweiten Schlagzeile.
1999 ging die Beate Uhse AG sogar an die Börse. Der Höhenflug hielt leider nicht lange an: Das Internet mit all seinen kostenlosen Sexfilmchen wurde zum harten Konkurrenten.
Neben ihrer beständigen Leidenschaft fürs Fliegen (Aufnahme aus dem Jahr 1972) lernte Uhse im Alter von 76 Jahren noch das Tauchen. Tennis, Skilaufen, Fallschirmspringen und Golfen gehörten ausserdem zu ihren liebsten Hobbys.
Beates Söhne Klaus Uhse (links) und Ulrich Rotermund unterstützen den Konzern ihrer Mutter. Klaus kümmerte sich um das Versandgeschäft und führte es unter dem Namen Orion eigenständig weiter. Ulli betrieb den Grosshandel und die Läden. Ein schlimmer Schicksalsschlag für die Familie: Beate Uhse und Sohn Klaus erkrankten an Magenkrebs. Während sie die Krankheit besiegen konnte, starb ihr Sohn an deren Auswirkungen.
Öffentliche Anerkennung für die visionäre Unternehmerin gab es kaum. Das änderte sich erst, als Beate Uhse zum 50. Firmenjubiläum in Berlin ein eigenes Museum für erotische Kultur eröffnete. 1997 erhielt sie für ihr Lebenswerk den Filmpreis der Erotikbranche, den Venus Award.
Je weiter sich das Internet verbreitete, umso mehr ging es mit dem Erfolg des Unternehmens bergab, Kunden und Marktanteile gingen verloren. Im Jahr 2017 beantragte die Holdinggesellschaft Beate Uhse AG die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
Beate Rotermund-Uhse selbst erlebte diesen Niedergang nicht mehr mit. Sie erlag 2001, im Alter von 81 Jahren, in St.Gallen den Folgen einer Lungenentzündung .