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Rahm Emanuel »weiß, wo die Leichen im Keller liegen« 16.11.2008 21:14

Als erste Person nominierte der designierte Präsident Obama seinen engen Chicagoer Freund Rahm Emanuel * für den mächtigen Posten des Stabschefs [1]. Emanuel wurde 2002 in den Kongreß gewählt, nachdem er einen Demokraten von der Parteibasis mit Hilfe der berüchtigten Daley-Maschine bei den Vorwahlen besiegt hatte. Binnen vier Jahren stieg er zum viertmächtigsten Demokrat im Kongreß auf.
Er verdankt diesen Rang seiner rücksichts- und erbarmungslosen Taktik, die ihm den Spitznamen »Rambo« einbrachte. Der ehemalige Direktor des Demokratischen Kongreß-Wahlkomitees, John Lapp, meinte, Emanuel werde in der neuen Regierung der »absolute Vollstrecker« sein: »Er weiß, wo die Leichen im Keller liegen und was die Leute wollen, wünschen, brauchen, und wo sie verwundbar sind. Er toleriert keine Fehler. Er toleriert keinen menschlichen Irrtum.« Interessanterweise meldete sich Emanuel 1991 bei der Operation Desert Storm als Freiwilliger, um die israelische Armee zu beraten, wie sie sich vor irakischen Scud Raketen schützen könne. (Sein Vater, ein Israeli, war Mitglied der vorstaatlichen terroristischen Organisation Irgun.) Danach war »Rambo« ein wichtiger Spendenbeschaffer für Bill Clinton und blieb bis 1998 als Berater. Nach Clintons Wahlsieg 1992 berichtete die New York Times-Reporterin Bumiller über ein Treffen zwischen Emanuel und Clintons Wahlkampfberatern, um zu besprechen, wer gegen sie sei: »Plötzlich ergriff Emanuel sein Steakmesser und - so erinnern sich die, die dabei waren - schrie den Namen eines Feindes, hob das Messer, und stieß es mit voller Wucht in den Tisch. ›Tod‹, schrie er. Und so begleitete das Messer und der Ruf ›Tod‹ eine Litanei von ›Feindesnamen‹. Von 1999 bis 2001 arbeitete Emanuel für die Investmentbank von Bruce Wasserstein, die 2000 an die Dresdner Bank verkauft wurde, als Wasserstein zu Lazard Frères wechselte. In dieser Zeit verdiente Emanuel als Investmentbanker über 16 Mio. $ und füllte sein Adreßbuch mit einflußreichen Kontakten in der Banken- und Finanzwelt. Seit seiner Wahl zum Kongreß 2002, so http://www.opensecrets.org/, erhielt Emanuel mehr Geld von Individuen und PACs aus dem Bereich des Anlagen- und Investmentgeschäfts als von jeder anderen ›Industrie‹.
Außerdem gehörte Emanuel dem Vorstand von Freddie Mac an, als die Regierung Clinton dieser Agentur und Fannie Mae gestattete, minderwertige Hypotheken aufzukaufen und mit wertlosen Anlagen einen Markt zu entwickeln. 2006 berief Nancy Pelosi Emanuel zum Vorsitzenden des Demokratischen Kongreß-Wahlkomitees, das darüber entscheidet, welche Kongreßwahlkämpfe von der Partei finanziert werden. Wo er konnte, unterstützte er Kandidaten, die für den Irakkrieg waren. Zahlreiche von diesen schlossen sich der ›Blue Dog Coalition‹ der fiskalisch Konservativen an. Viele im Kongreßausschuß der Farbigen (Black Caucus) hegen wohlbegründeten Groll gegen Emanuel. Man geht davon aus, daß er hinter Anstrengungen steht, mit denen der Abgeordnete Rangel aus New York als Vorsitzender des mächtigen Steuerbewilligungsausschusses abgelöst werden sollte. Damit wirkt die erste Personalentscheidung des ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten wie ein Schlag ins Gesicht des Black Caucus. Es muß noch viel mehr erwartet werden.
Quelle: Strategic Alert, Jahrg. 22, Nr. 46 vom 13. November 2008
* Der hebräische Vorname Rahm bedeutet hoch oder erhaben. Emanuel ist der Sohn von Benjamin M. Emanuel, einem Kinderarzt und zeitweiligem Mitglied der Irgun, und von Martha Smulevitz, die zunächst als Röntgenassistentin tätig war und später einen Rock ’n’ Roll-Club in Chicago besaß.