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Medienmitteilung
Ausgabedatum: Dienstag, 12. Mai 2015 16:08 Uhr
Hochwasserlage entspannt sich – grössere Schäden ausgeblieben
Das trockene Wetter der vergangenen Tage und der erhöhte Abfluss aus dem Thunersee haben dazu geführt, dass sich die Lage am Thunersee und an der Aare bis zum Bielersee normalisiert hat. Der gesteigerte Abfluss aus dem Bielersee trägt dazu bei, dass sich die Lage an den Jurarandseen langsam entspannt, wie Daten des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) zeigen. Aufgrund des immer noch erhöhten Abflusses aus dem Bielersee herrscht an der Aare bis zur Emmemündung aber weiterhin sehr grosse Hochwassergefahr (Gefahrenstufe 4).
Aussergewöhnlich intensive Niederschläge hatten am Wochenende des 2./3. Mai sowie an den darauffolgenden Tagen die Gewässer der Alpennordseite und der Westschweiz sehr stark ansteigen lassen. Die meteorologische und klimatologische Einschätzung des Starkniederschlags durch MeteoSchweiz zeigt, dass starke west- bis südwestliche Höhenwinde sehr feuchte und zunehmend auch milde Luft subtropischen Ursprungs zum Alpenraum geführt hatten. Die Front blieb lange Zeit beinahe stationär über der Schweiz liegen. Das führte zu anhaltenden und teils ergiebigen Niederschlägen. Die gemessenen Niederschlagsmengen blieben während der gesamten sechstägigen Niederschlagsperiode hoch.
In der Westschweiz und im Unterwallis fielen 90 bis 140 Prozent einer üblichen Mai-Summe von 60-155 mm Niederschlag. Am westlichen und zentralen Alpennordhang waren es 70 bis 130 Prozent von 120-170 mm Niederschlag. Die Arve bei Genf führte Abflussmengen, wie sie seit Messbeginn 1935 noch nie beobachtet worden waren. Auch der Neuenburgersee erreichte den neuen Höchststand von 430.65 Metern über Meer. Der Rhein führte zeitweise so viel Wasser, sodass die Schifffahrt eingestellt werden musste. An einigen Orten kam es wegen der stark durchnässten Böden zu Rutschungen.
Seeregulierung hilft
Die Hochwasserschäden blieben insgesamt relativ gering. Angesichts der riesigen Wassermassen, welche in den Jurarandseen gespeichert sind, beschlossen die beteiligten Kantone zusammen mit dem BAFU vergangene Woche, den Abfluss aus dem Bielersee beim Wehr Port (BE) in Abweichung vom Wehrreglement soweit wie möglich zu erhöhen. Diese schnellere Entlastung der Seen ist jetzt auch wegen der guten Witterung möglich. Dank der vorausschauenden Seeregulierung konnte das Rückhaltevermögen des Thunersees und der Jurarandseen vollständig ausgenutzt und dadurch die Abflüsse in der Aare bei Bern und unterhalb des Bielersees begrenzt werden. Zudem waren aufgrund der frühzeitigen Warnung die Einsatzkräfte bereit und konnten an exponierten Stellen Schäden verhindern.
Die Seen reagieren naturgemäss langsam. Deshalb verfügen die Jurarandseen aktuell über ein beschränktes Rückhaltevermögen, um nach allfälligen neuen Niederschlägen mehr Wasser aufzunehmen. Bis die Jurarandseen und auch die Aare auf ein für die Jahreszeit normales Niveau gesunken sind, dürfte es zwei bis drei Wochen dauern. Die angekündigten Niederschläge der kommenden Tage dürften das Absinken der Wasserstände etwas verlangsamen oder gar stagnieren lassen.
Die Schneeschmelze entspricht dem für die Jahreszeit typischen Verlauf. Die Schneemengen sind im langjährigen Vergleich (seit 1999) insgesamt unterdurchschnittlich, einzig im Tessin liegt etwas mehr Schnee.
Gute Vorbereitung und Zusammenarbeit
Dank der frühzeitigen Warnungen durch die Vorhersagedienste des Bundes konnten die betroffenen Kantone und die Einsatzkräfte rechtzeitig Massnahmen treffen und die Bevölkerung sowie wichtige Anlagen vor dem Hochwasser schützen. Während des Hochwasserereignisses haben die Naturgefahrenfachstellen des Bundes gemeinsam mit den Kantonen die Lage laufend beobachtet und beurteilt. Behörden und Bevölkerung wurden durch die Fachstellen des Bundes regelmässig informiert, zum Beispiel auf dem Naturgefahrenportal des Bundes www.naturgefahren.ch.
Das Hochwasser von Anfang Mai zeigt, dass die Schweiz im Vergleich zu den Hochwasserereignissen von 2005 und 2007 deutlich besser vorbereitet ist und sich die Investitionen in organisatorische Massnahmen (Warnung, Alarmierung, Intervention) gelohnt haben. Ein absoluter Schutz gegen Naturgefahren kann jedoch nicht sichergestellt werden. Mit guter Vorbereitung, rechtzeitiger Warnung und Alarmierung sowie individueller Vorsorge (eigene Vorsorgemassnahmen und angemessenem Verhalten im Ereignisfall) kann jede Person mit dazu beitragen, das Risiko zu senken und Schäden zu vermeiden oder zu verringern.