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In den letzten Jahren hat IBM einen grossen Teil seines Hardwaregeschäfts und zuletzt auch seines Services-Bereichs abgestossen und will nun hauptsächlich ein Hybrid-Cloud- und KI-Unternehmen sein. Im neuen Gebiet des Quanten-Computings wittert IBM allerdings auch eine Chance, wie einst in den Zeiten der Grossrechner wieder zum führenden Computerhersteller zu werden.
Nun hat IBM eine neue Quantenprozessor-Generation angekündigt, die mit 127 Qubits erstmals mehr als 100 Qubits aufweist. IBM wird die neuen Prozessoren nicht an andere Hersteller verkaufen, sondern sie ausschliesslich in eigenen Systemen verwenden. Mitglieder des IBM- Quantum- Netzwerks sollen ab Dezember Zugriff auf Systeme mit den neuen Prozessoren erhalten.
Auch die Eagle genannten Prozessoren werden sich zwar noch kaum für reale Anwendungen eignen, sondern vor allem dazu dienen, dass Forscher und Entwickler noch mehr darüber lernen können, wie man Applikationen für zukünftige tatsächlich produktiv einsetzbare Quantensysteme entwickeln könnte.
IBM glaubt, dass schon ab 2023 die ersten realen, kommerziell einsetzbaren Applikationen als Service angeboten werden können, und dass sie dann auch bereits Aufgaben übernehmen können, die für klassische Computer nicht lösbar sind.
3D-Architektur
Für seine neuen Eagle-Prozessor verwendet IBM auch eine neuartige Architektur. Alle Qubits liegen in einer Schicht und werden sowohl an den Ecken als auch an den Kanten einer Bienenwabenstruktur angeordnet. Die Qubits werden entweder mit 2 oder, wenn sie an einer Ecke liegen, mit 3 anderen Qubits verbunden. Diese Anordnung hat IBM bereits in der Vorgängerversion "Falcon" verwendet. Sie soll die Fehler, die durch Interaktionen zwischen nahe liegenden Qubits verursacht werden, reduzieren. Neu werden nun aber alle Kontrollelemente auf eigene Schichten über und unter der Qubit-Schicht verteilt. Dies erlaubt es laut IBM, mehr Qubits zu verwenden und sie gleichzeitig besser zu kontrollieren.
Die aktuelle Roadmap für die Weiterentwicklung der IBM-Quantenprozessoren und -Systeme. Quelle: IBM
Die Quanten-Zukunft ist schon nahe, sagt IBM
Mit dieser "3D-Architektur", so IBM, werde es bis 2023 möglich sein, mit der für dann geplanten Prozessorgeneration "Condor" mehr als 1000 Qubits zu erreichen.
Gleichzeitig mit der Ankündigung der Eagle-Chips gab Big Blue auch einen Ausblick auf die Hardwaresysteme, in denen die Condor-Generation ab 2023 verwendet werden soll. Die "Quantum System Two" genannten Geräte werden demnach wesentlich modularer aufgebaut sein, als die aktuellen Systeme. Dies soll es unter anderem den Kunden erlauben, nur einzelne Teile der Systeme zu testen und zu verändern, ohne das ganze Setup zu beeinflussen. Gleichzeitig sollen die Systeme dazu fähig sein, mehr als einen Prozessor zu verwenden und zu kühlen und für grössere Prozessoren auch grössere und geräumigere "Kühlschränke" aufweisen.