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In den 1960er-Jahren hatte der rumänische Präsident Nicolae Ceaușescu die Vision eines möglichst grossen rumänischen Volkes. Deshalb stellte er Empfängnisverhütung und Abtreibung unter Strafe. Das Resultat waren viele Kinder, um die sich niemand kümmern wollte oder konnte. Es entstanden überfüllte Heime mit unmenschlichen Bedingungen. Die Situation war so prekär, dass viele Kinder auf die Strasse flüchteten. Aus diesem Grund setzten sich viele Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Vereine für die Verbesserung der Bedingungen in den rumänischen Kinderheimen ein.
Der Verein PeCA und das Atelier Diversis
Der Verein PeCA (Pentru copii abandonati: Verein für verlassene Kinder in Rumänien) ist eine schweizerisch-rumänische Zusammenarbeit und wurde 1995 in Basel gegründet. Das Hauptziel des Vereins besteht in der Unterstützung sozialer Projekte zugunsten verlassener Kinder in Rumänien. PeCA führt ein Kinderheim in Ghimbav, wo verlassene Kinder durch materielle und fachliche Unterstützung in die rumänische Gesellschaft integriert werden sollen. Zwanzig Jahre nach der Gründung des Kinderheims engagieren sich auch immer mehr Rumäninnen und Rumänen freiwillig für das Heim. Die Arbeit der Zivilgesellschaft leistet damit einen wesentlichen Beitrag zum Wohlergehen der verlassenen Kinder in Rumänien. Nebst dem Kinderheim hat PeCA 2013 das Nähatelier Diversis ins Leben gerufen. Im Atelier Diversis gehen Kinder und Jugendliche handwerklich-gestalterischen Aktivitäten nach. Ausserdem bietet die Schneiderwerkstatt geschützte Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Personen in schwierigen Verhältnissen und für junge Erwachsene, die in einem Heim aufgewachsen sind. Damit soll den ehemaligen Heimkindern der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden. Die Schweiz hat die Gründung dieses Ateliers im Rahmen des Partnerschaftsfonds des Erweiterungsbeitrags unterstützt.
Verlassene Kinder in Rumänien
Rund 60‘000 Kinder in Rumänien sind in staatlicher Obhut. Davon
befinden sich ungefähr ein Drittel in Kinderheimen und zwei Drittel
bei Pflegefamilien. Jährlich kommen rund 1‘500 Kinder neu in ein Heim.
Die wenigsten dieser Kinder sind Waisen, die meisten werden
vorübergehend aus Armutsgründen in ein Heim bzw. zu Pflegeeltern
gebracht. Damit die Kinder in möglichst familienähnlichen Strukturen
aufwachsen, sind sie bei PeCA in kleine Gruppen eingeteilt, die in
einem eigenen Haushalt leben. Die Kinder bleiben in vielen Fällen im
Heim, bis sie erwachsen sind oder sogar bis sie ihr Studium beendet
haben. Oft besuchen die ehemaligen Schützlinge die PeCA-Stiftung als
Erwachsene weiterhin – genauso wie andere Kinder ihre Eltern besuchen,
nachdem sie ausgezogen sind. Einige unterstützen die Stiftung sogar
bei der Erziehung der Kinder, wenn es personelle Engpässe gibt.
Blog Stories of Renewal
Dieser Artikel über das Heim für verlassene Kinder in Rumänien basiert auf dem rumänischen Blog Stories of Renewal, der 2015 im Rahmen des rumänisch-schweizerischen Kooperationsprogramms entstanden ist. Der rumänische Journalist Victor Kapra und die rumänische Fotografin Cătălina Filip haben Menschen aus Projekten, die mit dem Schweizer Erweiterungsbeitrag unterstützt werden, zu Wort kommen lassen und fotografiert.
Der Schweizer Erweiterungsbeitrag finanziert die besuchten Projekte durch den Partnerschafts- und Expertenfonds und den Thematischen Fonds für die Partizipation der Zivilgesellschaft. Ziel dieser zwei Fonds ist es einerseits, bestehende und neue Partnerschaften zwischen rumänischen und schweizerischen Organisationen und Gemeinden zu unterstützen und Schweizer Fachwissen an rumänische Institutionen zu vermitteln. Andererseits fördern die Fonds die aktive Teilnahme der Zivilbevölkerung an der rumänischen Gesellschaft.