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Wenige Bands haben die Rockszene so nachhaltig verändert wie Sonic Youth. Aus den Aschen der New Yorker No-Wave Bewegung entwickelte sich die Band Mitte der 80er Jahre mit Alben wie «Evol» oder «Sister» zum Nonplusultra der amerikanischen Alternative-Rock Szene. In der heutigen Ausgabe Intravinyl geben wir dir einen Einblick in die faszinierende Bandgeschichte und Musik von Sonic Youth.
Zusammen mit der Band «Swans» gehörten Sonic Youth zu den bedeutendsten Überbleibsel der New Yorker No Wave Szene. Die Vertreter*innen des No Waves stellten sich Ende der 70er direkt gegen die Kommerzialisierung der Rock Musik durch New Wave Bands aus dem New Yorker Uptown wie Blondie oder den Talking Heads. Ironischerweise war es Brian Eno, der Produzent von den Talking Heads, welcher mit einer Compilation den No Wave später im amerikanischen Underground popularisierte. Die No Wave Bands wollten den Rock nicht einfach parodieren, sondern regelrecht zerstören. Sie spielten zum Beispiel auf Gitarren mit nur noch zwei Saiten und das auch nicht immer mit den Fingern, sondern auch mal gerne mit zerbrochenen Bierflaschen oder mit Drumsticks. Kim Gordon, welche damals frisch nach New York gezogen ist, um eine Karriere als visuelle Künstlerin zu starten war so fasziniert von dieser Szene, dass sie selber anfing Musik hatten zu spielen (wobei No Wave Künstler*innen nie den Anspruch hatten, ihre Musik Kunst zu nennen). Mit ihrem damaligen Freund Thurston Moore und dem Gitarristen Lee Ranaldo gründete sie schliesslich Sonic Youth. Die ersten Platten entstanden unter dem «Neutral Records» Label von No Wave Legende Glenn Branca.
1986 wandte sich die Band mit einem Vertrag beim kalifornischen Label SST Records nicht nur von ihren Wurzeln in New York, sondern auch stilistisch vom radikaleren Sound ihrer frühen Alben ab. SST Records welches als die Heimat der Hardcore Band Black Flag anfing, wurde Mitte der 80er-Jahren zur Heimat vieler progressiv denkenden Punk Bands wie Hüsker Dü oder Minutemen. Diese Entwicklung gefiel Sonic Youth sehr. In Interviews behaupteten sie, dass SST Records, dass erste Label gewesen wäre, wo sie alles gemacht hätten, um einen Vertrag zu bekommen. Schon wenige Monate nach dem Unterschreiben des Labelvertrags schenkten sie dem Label ihr nächstes Album «Evol». Auf der Platte strebt Sonic Youth deutlich zugänglichere Töne an, als auf ihren frühen EPs. Vor allem die Einflüsse aus dem Goth Rock sind hier deutlich herauszuhören.
Sonic Youth hat nicht nur sehr viele bekannte Bands massgeblich inspiriert und beeinflusst, sie sind auch indirekt verantwortlich für den Erfolg von Kurt Cobain und seiner Band Nirvana. Durch Bruce Pavitt den Gründer des Indie-Labels Sub Pop aus Seattle, wurde Kim Gordon das erste Mal auf die damals erst lokal bekannte Band aufmerksam gemacht. Hellbegeistert vom neuartigen Sound der Band überzeugte sie ihren damaligen Labelboss David Geffen Nirvana zu unterschreiben. Zudem nahm Sonic Youth Nirvana mit auf Europatournee, bevor ihr 1991 erschienenes Album Nevermind, zu den meistverkauften Alben überhaupt wurde. Nirvana und Sonic Youth verband auch der gemeinsame Kampf gegen Homophobie und für einen ausgeprägteren Feminismus, welchen sie beide in Songtexten und Interviews wiederholt propagierten.
Nach der Scheidung von Kim Gordon und Thurston Moore entschied sich Sonic Youth dazu, sich nach einer letzten Tournee aufzulösen. Kim Gordon ist heute wieder vermehrt als visuelle Künstlerin tätig. Zu sehen ist ihre Kunst im Moment (bis zum 18. Dezember) im Museum Bellpark in Kriens.
Willst du mehr über Kim Gordon und Sonic Youth erfahren? Hier findest du die Sendung in voller Länge: