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Konzerte, die sich lohnen

Gonzague Monney
Stabat Mater speciosa
Kantate zur Geburt Christi
Zum Ursprung der Hymne
Den Begriff des "Stabat Mater" verbindet man praktisch immer mit dem "Stabat Mater dolorosa", das am 15. September (Gedächtnis der Schmerzen Mariens) und vor allem am Karfreitag gesungen wird. In der Musikgeschichte finden sich weit über 200 Vertonungen dieser Hymne, die an die schmerzerfüllte Maria erinnert, welche neben dem Kreuz steht, an dem ihr Sohn Jesus gekreuzigt ist. Die von Schmerz erfüllten Worte haben prächtige Kunstwerke der Musikgeschichte hervorgebracht. Erwähnt seien Dvor?ák, Pergolesi, Poulenc, Rheinberger, Rossini, D. Scarlatti, Vivaldi, die diesem Text einige ihrer schönsten Kompositionen verdanken.
Daneben gibt es jedoch noch ein weiteres Stabat Mater, das Stabat Mater speciosa. Zugeschrieben wird der Text Jacopone da Todi (I, 1236-1306). Im Gegensatz zum Stabat Mater dolorosa greift das Stabat Mater speciosa die Freude Mariens auf, die mit Joseph zusammen vor der Krippe steht, in der das neugeborene Jesuskind schläft. Die Strukturen der beiden Texte ähneln sich ausserordentlich, bis in den Satzbau hinein. So haben die Strophen fast gleich viele Verse, auch Versfüsse und Reime entsprechen sich. Man findet zuweilen nahezu identische Verse in beiden Texten. Nur einzelne Wörter sind verschieden, wodurch eine negative Bedeutung ins Positive gewendet wird.
Am Ende des 15. Jh. ist dieser Text in Vergessenheit geraten. Wiederentdeckt hat ihn in der Mitte des 19. Jh. der katholische französische Historiker Antoine-Frédéric Ozanam (1813-1853), der ihn in seinem Buch Les poètes franciscains en Italie au treizième siècle erwähnt. Nach fast 400 Jahren der Vergessenheit wurde das Stabat Mater speciosa lediglich von einem berühmten Komponisten vertont: Franz Liszt ist der einzige namhafte Komponist, der das Stabat Mater speciosa in seinem 1866 fertiggestellten Oratorium Christus verwendet. Das dreiteilige Werk erzählt die wichtigsten Stationen im Leben Jesu: Geburt - Wirken - Passion und Auferstehung. Im dritten Teil greift Liszt natürlich das Stabat Mater dolorosa auf, verwendet aber gleichzeitig im ersten Teil das Stabat Mater speciosa.
Von seiner Thematik her passt das Stabat Mater speciosa bestens in die Weihnachtszeit.
Beschreibung der Komposition
Als ich 2012 diesen Text entdeckte, verspürte ich sofort Lust, ein Werk darüber zu komponieren. Dies aus zwei Gründen: Erstens gibt es meines Wissens nur die Vertonung durch F. Liszt im Oratorium Christus, und zweitens hat mir der Text von Anfang an sehr gefallen. Eine passende Gelegenheit ergab sich, als zwei meiner Chöre, das Ensemble Vocal Utopie aus Fribourg und die Chanson du Lac de Courtepin, im Januar 2016 ein gemeinsames Projekt realisierten und mir hierfür einen Kompositionsauftrag erteilten. Das Werk sollte thematisch zum Weihnachtsoratorium von Saint-Saëns passen.
Die Herausforderung war riesig: Mein Werk musste eine gewisse Länge haben. Es sollte die Möglichkeiten von Solisten und Orchester, die für die Aufführung des Oratoriums von Saint-Saëns engagiert werden, ausschöpfen und zugänglich sein für Laienchöre. Und dann, und das scheint mir ausschlaggebend, sollte die Musik Chor und Publikum gefallen. Entstanden ist so eine 20-minütige, achtsätzige Kantate für Chor (SATB), 3 Solisten (STB) und Orchester (Harfe, Orgel und Streicher).
Was den Stil angeht, liess ich mich von gegenwärtigen Komponisten choraler Musik inspirieren, die zurzeit im Trend liegen wie John Rutter (GB, *1945), Karl Jenkins (GB, *1944), oder auch Ola Gjeilo (N, *1978). Ihre Musik ist fast immer tonal und folglich einer Mehrheit zugänglich. Ihre Kompositionsweise würde ich als "romantisch-farbig" bezeichnen. Es ertönen wunderbare melodische Linien. Zuweilen wirkt diese Musik "zuckersüss"; oft berührt sie einen bis ins Innerste.
Für den zweiten Satz, wo das Jesuskind in der Krippe liegt, habe ich auf das bekannte Wiegenlied von Brahms zurückgegriffen. Der vierte Satz lehnt sich ans sehr berühmten Air aus der D-Dur-Suite (BWV 1068) von J.S. Bach an.
Um dieses Stabat Mater speciosa zu schreiben und um die den einzelnen Sätzen eigene Atmosphäre wiedergeben zu können, habe ich mich in die Bedeutung der Texte vertieft.
Dazu ein Beispiel: Der 2. bzw. 3. Satz lassen die Freude anklingen: eine im zweiten Satz eher zurückhaltende, stille Freude - die Musik ist sanft und farbenfroh ("Stand die Mutter da, die hohe, / Die ob ihres Kindleins frohe, / Das in armer Krippe lag.") - eine nach aussen gekehrte Freude im dritten Satz - die Musik ist bewegter, hüpfend, enthält humorvolle Einschübe ("Deren Seele, voll Entzücken, / Strahlt' aus ihren Freudenblicken, / Jubelt in des Herzens Schlag.")
Um eine gewisse Einheit innerhalb des Werkes zu gewährleisten, verwendete ich immer wieder gleiche Motive und Klangfiguren. Häufig tauchen 4-tönige Akkorde auf, die sich entwickeln, wobei zwei Noten statisch bleiben (Pedal) und die anderen zwei lange fallende und steigende Bewegungen ausführen. Oft verwendete ich Tonleitern, lange unisono Chorstellen, Vorhalte (4-3/9-8) und farbige Akkorde häufig mit grosser Septime oder grosser None dazu (maj7 oder 9), die manchmal sogar ein wenig jazzig klingen (bis hin zu übermässiger Undezime (#11) und Tredezime (13). In der Melodie finden sich häufig aufsteigende und absteigende Quintsprünge.
Die Haupttonart (E-Dur) wählte ich, bevor ich zu komponieren begann. Für mich strahlt diese Tonart klanglich etwas Weiches, Zartes aus, wie zum Beispiel in der Arie Comfort ye des Messias von Händel, wenn sie in 440 Hz gespielt wird. Alle anderen Tonarten sind ebenfalls in Dur gewählt und verleihen so dem Werk ein Gefühl der Fröhlichkeit.
Da der Chor im Vordergrund stehen sollte, gibt es nur wenige solistische Passagen. Diese sind in einer für Amateure ungeeigneten Stimmlage gesetzt und sollten daher von professionellen Solisten gesungen werden.
Seit drei Jahren begleitete mich die Idee zu diesem Werk unentwegt. Trotzdem komponierte ich den grössten Teil des Werkes erst im Sommer 2015 im Hinblick auf die geplante Uraufführung im Januar 2016.
Gonzague Monney, Marly, 09.09.2015

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©opyleft Monday 16. Dec 2002, 12:00, by Daniel Schönenberger <<email-pii>>
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