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Die Entdeckungsgeschichte der Antarktis
Gehen Sie selbst auf Entdeckungsreise und erfahren Sie mehr über die unglaublichen Geschichten, die sich hinter der Erkundung der Antarktis im 20. Jahrhundert verbergen.
Es waren bereits die alten Griechen, die zuerst auf die Idee einer möglichen Antarktis kamen. Sie wussten bereits von der Arktis, die sie Arktos nannten – „Der Bär“, nach dem Sternbild des großen Bären –, und sie kamen zu dem Schluss, dass es, um einen Ausgleich in der Welt zu schaffen, eine ähnliche eisige Landmasse auch im Süden geben müsse, die der Arktis ähnelte, aber ihr Gegenstück war – „Ant-Arktos“ – das Gegenstück zum Bären.
Der Weg zum sagenhaften Kontinent aus Eis
Es ist 1820 und das Rennen um den schwer erreichbaren südlichen Kontinent ist eröffnet. Doch wer wird ihn zuerst entdecken? Was folgt, ist eine Geschichte menschlicher Kraftanstrengungen, Beharrlichkeit, Entschlossenheit und des Willens, da zu triumphieren, wo andere versagten.
Um diese Geschichte jedoch vollständig zu erzählen, müssen wir bereits weit vor 1820 beginnen und bis ins antike Griechenland zurückblicken. Die griechischen Gelehrten gehörten zu den ersten, die die mögliche Existenz eines riesigen südlichen Kontinents in Erwägung zogen. Es war Aristoteles, der erklärte, dass die Symmetrie einer Sphäre dafürspräche, dass die Region im Norden der Erde durch ein ihr gleichendes Pendant im Süden ausgeglichen werden müsste. Dieses theoretische Land erhielt den vagen Namen Antarktos oder „das Gegenstück zu Arktos“.
Aber springen wir in das Zeitalter der europäischen Entdeckungsreisenden im 15. Jahrhundert. Das imaginäre Land im Süden wurde oftmals auf Karten abgedruckt und dort als „Terra Australis Incognita“ – „Unbekanntes Land im Süden“ – bezeichnet. Noch eine ganze Zeitlang wurde die Antarktis dem Reich der Fantasie zugeschrieben, obwohl allein der Gedanke an ein solches Land die Fantasie vieler Entdecker beflügelte. Und schon bald sollte der Zeitpunkt kommen, zu dem aus Fantasie Wirklichkeit wurde.
Die Überquerung des Polarkreises
1773 überquerten James Cook und seine Mannschaft zum ersten Mal den Polarkreis. Er entdeckte entlegene Inseln, aber keinen Kontinent. Und er ahnte nicht, dass er an einem Punkt seiner Reise nur noch 128 Kilometer von der antarktischen Küste entfernt war. Cooks berühmte Worte waren: „Ich kann wohl getrost sagen, dass sich niemand je weiter wagen wird, als ich es tat, und dass die Länder, die vielleicht dort unten im Süden liegen, von niemandem je erforscht werden.“ Doch schon 48 Jahre später sollten diese Worte widerlegt werden.
Land in Sicht!
Am 27. Januar 1820 gelang es einer von Bellingshausen geleiteten russischen Expedition, zum zweiten Mal in der Geschichte der Menschheit den südlichen Polarkreis zu überqueren. Und schon am folgenden Tag wurde er zum ersten Entdecker, der den bis dahin unbekannten Kontinent mit eigenen Augen sah – doch aufgrund einer Fehlübersetzung seines Tagebuchs sollte ihm trotz dieses Erfolgs keine große Ehre zuteilwerden. Nur ein Jahr später setzte der Entdecker und Robbenjäger John Davis als erster Mensch einen Fuß auf die Antarktis. Die Existenz des siebten Kontinents war endlich bewiesen. Die letzten Zweifel waren ausgeräumt.
Das goldene Zeitalter der Antarktisforschung
Der Fokus verlagerte sich schnell auf die unvermeidliche Frage, welchem Land und welchem Forscher wohl die einzigartige Ehre zuteilwerden würde, zuerst den Südpol zu erreichen. Der britische Entdecker Robert Falcon Scott setzte 1901 in England die Segel und versuchte 1902, zum Südpol zu gelangen. Doch es war nicht möglich, den harten Bedingungen zu trotzen, und so war die Expeditionsgruppe auf 82° 17’ S gezwungen, den Rückweg anzutreten.
Der Anglo-Ire Ernest Henry Shackleton war eines der Mitglieder von Scotts Expedition, bei der er nur knapp mit dem Leben davongekommen war. Und dennoch war er fest entschlossen, es erneut zu versuchen. 1908 leistete er Pionierarbeit auf dem Weg zum Polarplateau und kam bis auf 180 km an den Südpol heran, bevor auch er zur Rückkehr gezwungen wurde.
Der Wettlauf zum Südpol
Schon 1910 folgten zwei weitere Expeditionen. Der Norweger Roald Amundsen leitete die eine, Robert Falcon Scott die andere. Zu dieser Zeit war Amundsen bereits ein Veteran der Arktis-Expeditionen und hatte von 1903 bis 1906 als erster die Nordwest-Passage vollständig mit dem Schiff durchquert. Diese Erfahrung erwies sich als entscheidender Vorteil und so schafften er und sein Team es, genau das zu erreichen, woran alle anderen zuvor gescheitert waren.
Am 14. Dezember 1911 hisste Roald Amundsen 99 Tage und 1.400 Seemeilen nach seiner Abreise die norwegische Flagge am Südpol. 33 Tage später traf Robert Falcon Scott hier ein. Die Qualen, die er dabei empfunden haben musste, gehen aus seinem Tagebuch deutlich hervor, wo es heißt: „Das Schlimmste ist eingetreten [...] Alle Tagträume sind dahin [...] Großer Gott! Dies ist ein schrecklicher Ort.“ Tragischerweise schafften weder er noch seine Gefährten es, lebend von hier zurückzukehren.
Mit vereinten Kräften für den Frieden
In den kommenden Jahren erhoben mehrere Länder ihre Ansprüche auf die Antarktis, und 1948 begannen die Verhandlungen zwischen Großbritannien, Australien, Neuseeland, Frankreich, Norwegen, Chile, Argentinien und den USA. Um alle Konflikte in der Region zu verhindern, unterzeichneten 1959 zwölf Länder den Antarktisvertrag.
Der Vertrag sah die Antarktis als Schutzgebiet allein für die wissenschaftliche Nutzung vor, begründete die Freiheit wissenschaftlicher Untersuchungen und untersagte jegliche militärischen Aktivitäten auf dem Kontinent. Der Vertrag war das erste Rüstungskontrollabkommen, das während des Kalten Krieges geschlossen wurde. Die Antarktis ist bis heute ein Ort der wissenschaftlichen Erforschung und ein Anziehungspunkt für besonders abenteuerlustige Expeditionsreisende.