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Die Stadt am «Lauffen»
Die Stadt Laufen dehnt sich in einer Ebene von Niederterrassenschottern
der Birs aus, genau dort, wo die Birs nach ihrem Austritt aus dem Kettenjura einen grossen halbkreisförmigen Bogen geschaffen hat, bevor sie wieder durch die Enge bei Lochbrugg fliesst. Das ursprüngliche Siedlungsgebiet befand sich rechts der Birs bei der St. Martinskirche, wo sich vermutlich auch ein Dinghof befand. Im 13. Jh. wurde auf dem linken Ufer zur Sicherung der Verkehrswege eine Wehrsiedlung errichtet. Laufen erhielt 1296 das Stadtrecht.
Die Verkehrsbeziehungen in verschiedene Richtungen, eine feste Brücke, die Wasserkraft an der Birsschnelle und die Holzflösserei gaben wichtige Entwicklungsimpulse. Die gitterförmige Anlage der Gassen charakterisiert den für das 13. Jh. typischen Stadtgrundriss. Als breite zentrale Verkehrsachse zieht die ehemalige Marktgasse vom Ober- zum Untertor.
Durch die Stadt fliesst auch heute noch unterirdisch der Stadtbach. Schon im Spätmittelalter wurde gleich oberhalb des Wasserfalls ein Kanal abgeleitet, der durch die Hauptstrasse und zurück durch das Wassertor zur Birs führt. In der Vorstadt betrieb er die Wasserräder der Mühlen und in der Stadt sorgte er für die «Abfallbeseitigung».
Ab 1783 gehörte Laufen zusammen mit dem Canton de Laufon (Département Mont-Terrible) zu Frankreich. Der Wiener Kongress 1815 ordnete die Stadt wieder der Eidgenossenschaft und dem Kanton Bern zu. Ab 1846 wurde Laufen Hauptort des neu geschaffenen Amtes Laufen. 1994 erfolgte nach vielen Abstimmungen und Diskussionen der Kantonswechsel von Laufen mit dem Laufental zum Kanton Basel-Landschaft.
Zwei Orte mit landwirtschaftlichem Gepräge
Laufen bestand ursprünglich aus zwei Stadtteilen: die von der Mauer umgebene Laufen-Stadt und die Laufen-Vorstadt. Sie wurden 1852 politisch zusammengelegt. Bis ins 19. Jh. wuchsen die beiden Siedlungen kaum über ihre alten Grenzen hinaus. Sie behielten das von einem ackerbäuerlichen Bevölkerungselement mitgeprägte Bild eines mittelalterlichen Städtchens. Die Vorstadt bildete aufgrund der natürlichen Voraussetzungen Standort für das Mühlen- und Sägereigewerbe.
Bis weit ins 19. Jh. hinein waren die Bewohner sowohl von Stadt als auch von Vorstadt etwa zu zwei Drittel Bauern und zu einem Drittel Gewerbetreibende. Innerhalb der Stadt gab es Bauern- und Obstgärten (Hofstatt), Scheunen und Viehställe. Gleich ausserhalb der Stadt lagen die Gemüsegärten (Bündten).
Erst in der Zwischen- und Nachkriegszeit des 20. Jh. wuchsen Wohnquartiere zu allen Seiten des alten Ortskerns. Es entstand ein planlos scheinender Siedlungsteppich. Heute sind sämtliche umliegenden Gemeinden baulich mit Laufen zu einer Art «Grosslaufen» zusammengewachsen.
Eisenbahnbau als Startschuss für die industrielle Entwicklung
Im Zuge der Industrialisierung Ende des 19. Jh. erfuhr das Landstädtchen einen starken Aufschwung. Zentral für die Entwicklung waren die Eröffnung der Jurabahn Basel – Delsberg 1875, sowie die Kantonsstrasse entlang der Birs.
Die Standortfaktoren Wasserkraft und ausbeutbare Steine waren ebenso wesentlich. In der Folge liessen sich verschiedene Industrien nieder, welche Arbeitsplätze schufen. Dies spiegelt sich in der Bevölkerungsentwicklung ab Ende 19. Jh. wider.
So entstanden im Laufe der Zeit folgende Industrien: 1886 wurde die Portland-Cement-Fabrik an der Stelle der alten Stadtmühle gebaut. Sie verlegte 1922 ihren Standort nach Liesberg. Die Aluminium Laufen AG übernahm 1927 deren Anlagen. 1892 entstand die Tonwarenfabrik Laufen AG. Sie baute ihre ersten Werkhallen direkt neben der Bahnlinie. 1925 erfolgte die Gründung der AG für Keramische Industrie, heute die «Keramik Laufen», und damit die Herstellung von Sanitärartikeln. Gleichzeitig wurde das Fabrikareal an den Südost-Ortsrand versetzt. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. entwickelte sich die Keramik AG zu einer weltweit tätigen Firma. Weiter erwähnenswert ist die 1897 entstandene Korkwaren-Fabrik, an welche die Korkstrasse erinnert. Heute befindet sich dort ein grosses Gewerbegebiet. Steinbrüche und Tongruben waren wesentliche Voraussetzung und Grundlage für diese Entwicklung. Durch die Ausbeutung dieser Rohstoffe veränderte sich das Landschaftsbild deutlich.
Die Entwicklung im 20. Jh.
Im 20. Jh. prägten die Aluminiumfabrik (1927) und die Papierfabrik (1928) die industrielle Entwicklung. Besonders erwähnenswert ist die 1930 von einem Bäcker in Laufen gegründete Bonbon-Fabrik. Mit der noch heute verwendeten Rezeptur aus 13 Kräutern wurden Bonbons hergestellt, welche im Laufe der Zeit weltberühmt wurden. 1951 wurde die Bäckerei geschlossen und der Betrieb an einen Standort ausserhalb des Städtchens verlagert. 1967 wurde die international tätige Ricola AG gegründet.
Weiter erwähnenswert sind die Überkleiderfabrik Spindler (1931) sowie die Korkwarenfabrik Kögler (1946 ). Bis weit ins 20. Jh. war Laufen somit von Schornsteinen und Fabrikbauten geprägt. Erst mit der Desindustrialisierung und dem Wandel vom Industrie- zum Dienstleistungszentrum veränderte sich das Bild.
Das Hochwasser und dessen Folgen
Das Hochwasser der Birs vom 8./9. August 2007 erreichte in Münchenstein den höchsten Abfluss seit Beginn der Messungen vor 100 Jahren. Der Fluss trat an mehreren Stellen im Laufental über die Ufer, wobei die Gemeinde Laufen am stärksten betroffen war. Innerhalb des Siedlungsgebiets erlitten insbesondere die Quartiere «Stedtli» und «Norimatt» hohen Sachschaden. Es entstanden Schäden von rund 60 Millionen Franken.
In der Folge ist ein Hochwasserschutzkonzept erstellt worden. Gemäss Tiefbauaumt Baselland soll die Bestvariante aus dem Konzept im Abschnitt Stedtli/Norimatt eine Kombination aus Aufweitung und Sohlenabsenkung der Birs vorsehen. Im Bereich des Wasserfalls wird das Anheben der Ufer- und Dammhöhen empfohlen. Des Weiteren könnte im Abschnitt Delsbergerstrasse/Bahnhof mit einer Erhöhung des rechten Ufers und dem Anheben der Werkleitungsbrücke ein grösseres Gebiet bis zum Bahnhof vor Hochwasser geschützt werden. Im Bereich Mühle sollte entlang der Birs eine Ufererhöhung vorgenommen werden. Der Beginn der Bauarbeiten soll frühesten 2019 erfolgen.
Eine Umfahrungsstrasse für Laufen?
Heute rollt der ganze Verkehr der H18 von Basel nach Delsberg durch Laufen. Seit einigen Jahren wird eine Umfahrung von Laufen und Zwingen untersucht. Dabei steht eine Streckenführung mit drei Tunnels östlich von Zwingen und Laufen im Vordergrund. Es ist geplant, die H18 in das Schweizer Nationalstrassennetz aufzunehmen. Damit wäre die Finanzierung des Projektes, welches in etwa 25 Jahren verwirklicht werden könnte, an den Bund übergeben. Umweltschützer kritisieren das Vorhaben als Scheinlösung und befürchten durch den Strassenbau eine starke Zunahme des Verkehrs. Befürworter weisen jedoch auf die Verkehrsabnahme in Sissach durch den Bau des Kienbergtunnels hin. Mit der negativ ausgegangenen Volksabstimmumng vom November 2013 über die Erhöhung des Autobahnvignettenpreises dürfte die Aufnahme ins Nationalstrassennetz allerdings weiter auf sich warten lassen, da die Erweiterung des Netzes mit dieser Vorlage gekoppelt war.
HPM