Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03637.jsonl.gz/1787

Die Ernährung hat einen starken Einfluss auf das Körpergewicht
Der Begriff Rheumatismus beschreibt rund 80 verschiedene schmerzhafte Krankheiten am Bewegungsapparat, d.h. an den Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bänder. Wir unterscheiden zwei Hauptformen und zwar einerseits das Abnützungsrheuma und das Entzündungsrheuma. Zum ersteren zählen wir Krankheiten wie die Arthrose, d.h. Abnützungserscheinungen an den Gelenken und bestimmte chron Rückenleiden, sowie Überlastungserscheinungen an Sehnen und Bänder, wie sie oft bei Sportlern auftreten. (Läuferknie) Daneben reden wir von Entzündungsrheuma bei Krankheiten wie die Polyarthritis, die Gicht oder Pseudogicht, sowie bei Krankheiten wie die Bechterewsche Krankheit, eine chronisch entzündliche Erscheinung v.a. am Rücken. Entzündungsrheuma kann aber auch als Folge von ganz anderen Krankheiten auftreten. Beispielsweise erkranken ein Teil der Psoriatiker an Gelenksentzündungen, aber auch nach Scharlach kann ein Rheumatisches Fieber auftreten, welches sich an den Gelenken, an der Niere und am Herzen äussern kann. Auch eine banale Grippe kann zu Gelenksentzündungen führen. Daneben gibt es chron. Darmerkrankungen, welche sich in einer späteren Phase als Entzündungsrheuma bemerkbar machen können. Bei diesen Krankheiten führen oft Ablagerungen von Kristallen oder anderen Abbauprodukten aus dem Stoffwechsel zur Entzündung an den Gelenken oder in den Muskeln, Sehen oder Bändern.
Allgemein darf gesagt werden, dass die Ernährung alleine nie der einzige Auslöser bei der Entstehung solcher Krankheiten ist. Sie kann aber bei bestimmten Rheumaerkrankungen eine Rolle spielen, vor allem durch ihren Einfluss auf das Körpergewicht. Übergewicht führt zu einer Überbeanspruchung der Gelenke und damit zur verstärkten Abnützung. Übergewicht ist somit ein gewichtiger Risikofaktor bei der Entstehung von Arthrosen an Knie-, Hüft- und Fussgelenk.
Es gibt keine „Diät“ gegen Rheumatismus
Leider gibt es keine „Rheumadiät“ im eigentlichen Sinne, obwohl viele populäre Werke das Gegenteil behaupten. Untersuchungen aus jüngerer Zeit zeigen allerdings, dass Fasten die Schmerzen bei chron Entzündungsrheuma lindern kann. Die gleiche Wirkung wurde bei der Zufuhr von Fischölkapseln (3-4g Omega-3-Fettsäuren pro Tag) festgestellt. In seltenen Fällen kann eine Überempfindlichkeit gegenüber gewissen Milchprodukten oder Geschmacksverstärkern bestimmte rheumatische Schmerzen verstärken. Typisch ist der Gichtschub nach üppigen Mahlzeiten, verbunden mit Alkoholkonsum.
Doch Vorsicht! Fasten bedeutet eine unausgewogene Ernährung, da sehr wenig Kalorien zugeführt werden müssen um das Ziel zu erreichen. Somit ist Fasten keine langfristige Lösung, da sonst andere Stoffwechselstörungen auftreten können. Um beispielsweise die notwendige Menge Omega-3-Fettsäuren zu erreichen, müssen täglich zwischen 15 und 20 Kapseln Fischöl eingenommen werden. Diese sind sehr teuer. Solche Zusatzpräparate können zudem zu einen Ungleichgewicht in der Ernährung führen. Lässt man Milchprodukte weg, steigt die Gefahr eines Kalziummangels und damit das Osteoporoserisiko. Diäten können also unter gewissen Umständen die Schmerzen lindern, heilen können sie diese Krankheiten leider nicht. Diäten sollten somit immer kontrolliert mit Ernährungsfachleuten durchgeführt werden, um Schäden durch die Ernährung zu vermeide, besonders dann, wenn diese über längere Zeit durchgeführt werden.
Gesunde Ernährung und regelmässige körperliche Bewegung
Eine gesunde, abwechslungsreiche und vorallem ballaststoffreiche Ernährung, verbunden mit einer angepassten körperlichen Aktivität (Spazieren, Wassergymnastik, Rheumaturnen usw.) fördern die Widerstandskraft gegen Krankheiten des Bewegungsapparates und wirken sich positiv auf Faktoren aus, welche Rheumatismus begünstigen, wie Übergewicht und Bewegungsmangel. Die beste Diät gegen Rheuma ist somit die Vorbeugung durch eine gesunde abwechslungsreiche Ernährung.
Wenn sie an Rheumatismus leiden oder wenn sie dieser Krankheit etwas entgegenstellen möchten hier einige einfache Regeln für eine „Rheumadiät“:
Achten Sie auf eine Kalorienzufuhr, die Übergewicht verhindert oder Abbaut. (Weniger ist mehr)
Essen Sie weniger Fleisch, dafür mehr Fisch.
Nehmen Sie mindestens 3 Mahlzeiten pro Tag zu sich und vermeiden Sie grosse Mahlzeiten.
(Verteilen der Kalorien über den Tag)
Achten Sie auf genügend Balaststoffe und wählen Sie deshalb Vollkornprodukte, meiden Sie Zucker und zuckerhaltige Speisen.
Sparen Sie beim Fett und wählen Sie vorzugsweise pflanzliche Öle zum Kochen wie Olivenöl oder Sonnenblumenöl.
Essen Sie viel Gemüse zu den Hauptmahlzeiten (gekocht oder roh (Salat))
Essen Sie mindestens zwei Früchte pro Tag bsp. als Zwischenmahlzeit oder als Dessert.
Wählen Sie fettarme Milchprodukte wie Milchdrink, Quark, Joghurt, Frischkäse usw.
Schränken Sie den Alkoholkonsum ein und trinken Sie mindestens 1 Liter Mineralwasser oder Hahnenwasser pro Tag, neben den gewohnten Getränken.
Sonderfall Gicht
Gicht ist eine bestimmte Form von entzündlichem Rheuma. Sie ist eine Folge eines gestörten Harnsäurestoffwechsels. Durch die Ablagerung von Harnsäurekristalle in den Gelenken können hochakute, sehr schmerzhafte Gelenksentzüngungen auftreten. Langezeit wurde diese Krankheit durch eine harnsäurearme Diät behandelt. Heute erfolgt die Behandlung, wenn immer wieder Anfälle auftreten, medikamentös. Dieser Weg ist für die meisten Patienten weniger beschwerlich als eine strenge Diät. Auslöser von Anfällen sind oft üppige Mahlzeiten und übermässiger Alkoholkonsum. Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor bei der Entstehung dieser Krankheit. Daneben spielen Vererbungsfaktoren eine Rolle. Nebst einer gesunden Ernährung sollte man auf Lebensmittel verzichten, die viel Purin enthalten (Vorstufe der Harnsäure). D.h. vorallem auf Innereien wie Hirn, Leber, Milke und Nieren. Zudem auf bestimmte Fischsorten wie Sardellen, Hering, Sardinen und Makrelen. Gleichzeitig sollten Sie auf gewisse Meeresfrüchte wie Crevetten, Hummer, Krabben und Austern verzichten.
Weitere Therapiemöglichkeiten
Als wirksame Therapiemöglichkeiten haben sich beim Rheuma vorallem physikalische Massnahmen gezeigt, wie Physiotherapie, Wärmeanwendungen mittels Packungen (Fango, Heublumen, etc), daneben in akuten Schüben Kälteanwendungen mittels Eispackungen. Zudem wirken Badekuren, welche übrigens auch zu Hause in der Badewanne durchgeführt werden können, mit Badezusätzen, welche Schwefel enthalten, lindernd. Daneben werden heute eine Vielzahl von Rheumaturn- und Schwimmkursen angeboten durch die Rheumaliga. Nicht vergessen dürfen wir die Rheumamedikamente, welche die Schmerzen in akuten Schüben zu lindern vermögen. Bei schweren Fällen von Entzündungsrheuma muss oft zu Cortison gegriffen werden, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Da dieses Medikament nicht über längere Zeit angewendet werden kann, werden auch Basistherapien mit Gold oder einem Krebsmittel, dem sog. Methotrexat mit Erfolg angewandt. Versagen all diese Therapien, kann vorallem beim Abnützungsrheuma, zum Schluss zu operativen Massnahmen gegriffen werden, indem ein abgenütztes Gelenk durch ein künstliches ersetzt wird. Diese Therapie wird heute vorallem beim Hüft- und Kniegelenk angewendet. Weniger häufig auch beim Schultergelenk oder bei den kleinen Fingergelenken. Kann ein Gelenk nicht durch ein Künstliches ersetzt werden, wie bsp. das Fussgelenk, kann das betroffene Gelenk versteift werden, um die oft unerträglichen Schmerzen zu lindern.
Wie sie aus den obigen Ausführungen entnehmen können, gibt es bis heute leider keine wirklich heilende Therapie von chron. rheumatischen Erkrankungen. Uns stehen jedoch eine Vielzahl von lindernden Massnahmen zur Verfügung, um den betroffenen Patienten das Leben mit Rheuma zu erleichtern. Leider werden auch bei diesen chronischen Erkrankungen von geschäftstüchtigen Leuten immer wieder wundersame Therapien, die meistens viel Geld kosten, angeboten, ohne dass eine Heilung eintritt. Dies gilt insbesondere für die vielen sehr teuren Hilfsmittel, wie Spezialdecken oder Betteinlagen und die oben erwähnten Diäten.
Nützliches:
Sprechstundenvereinbarung 044 950 40 70
Ärztehotline täglich von 13.30-14.00 Uhr auf die Nummer 044 950 40 90