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Dark Shadows
Im Jahr 1752 stechen Joshua und Naomi Collins mit ihrem kleinen Sohn Barnabas im englischen Liverpool in See, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen. Derweil verguckt sich das gleichaltrige Mädchen niederen Standes, Angelique Bouchards, in Barnabas. Zwei Jahrzehnte später: die Familie Collins hat es durch einen Fischereibetrieb zu Reichtum gebracht und sogar ein eigenes Städtchen mit dem Namen Collinsport gegründet. Als eine Art junger Casanova verfügt Barnabas über Reichtum und Macht… bis der unverbesserliche Frauenheld den gravierenden Fehler begeht, Angelique Bouchards (Eva Green) Herz zu brechen. Angelique ist eine Hexe im wahrsten Sinne des Wortes und beschert ihm ein Schicksal, das schlimmer ist als der Tod: Sie bringt zuerst seine Eltern um, lässt seine grosse Liebe in den Tod springen und verwandelt ihn schliesslich in einen Vampir, um ihn zu allem Übel sogar noch lebendig zu begraben.
Fast 200 Jahre muss der Untote in seinem Sarg ausharren, bis zufällig befreit wird und endlich in sein geliebtes Anwesen Collinwood Manor zurückkehren kann. Doch mittlerweile hat sich so einiges verändert. Nicht nur hat die Technik in den zwei Jahrunderten riesige Fortschritte gemacht, sondern auch Collinsport hat sich komplett verändert. Die Familie Collins besitzt zwar noch ihr Anwesen, doch Geld ist kaum mehr vorhanden und so sieht alles ziemlich heruntergekommen aus. Der Familienbetrieb besteht lediglich noch aus ein paar armseligen Fischerbooten. Angelique hingegen ist mittlerweile die vermögendste und geachtetste Bewohnerin der Stadt.
DARK SHADOWS beginnt mit einer Tragödie. Hexe Angelique beraubt Barnabas nicht nur seiner Eltern, nein, sie lässt auch seine wahre Liebe, die schöne Josette DuPres, in den Tod Springen. Bis zu diesem Zeitpunkt, macht Tim Burton alles richtig. Barnabas Herz ist gebrochen und sein Leben sinnlos geworden. Seinen einzigen Ausweg sieht er im Freitod. Man fühlt sich unmittelbar an Shakespeares Romeo und Julia oder zumindest an Bram Stokers DRACULA (1992) Verfilmung. Als er sich jedoch von der Klippe in die Tiefe stürzt, nimmt der Film eine komische Wendung. Der Aufprall auf den Felsen im Meer ist nicht blutig und hässlich. Viel eher sieht es aus, wie wenn ein mit Sand gefüllter Kartoffelsack von 3 Metern Höhe auf dem Boden landet. Barnabas steht auf und muss mit entsetzen feststellen, dass er ein Vampir ist. Die Szene verliert sofort jegliche Dramatik – obwohl neben ihm der leblose Körper seiner geliebten Josette – auf einem Felsvorsprung liegt.
Weiter geht es mit der lebendigen Begrabung Barnabas und seines Wiedererwachens in den 1970er Jahren. Nachdem Barnabas mit viel Slapstick ein paar Bauarbeiter killt und leersaugt, macht er sich zurück zurück zu seinem Anwesen Collinwood Manor. Auf dem Weg dorthin, macht er zum ersten mal Begegnung mit der modernen Zivilisation. Es ist ihm nicht zu verübeln, erscheint ihm ein herannahendes Auto als Belzebub höchstpersönlich, der ihn holen kommen will.
So schwingt sich der Film zurch die Siebzigerjahre und es hätte nur zu gut gepasst, wenn ihm dabei auch gleich noch ein junger Austin Powers begegnet wäre. Die vorangegangene Tragik spielt keine grosse Rolle mehr. Die zur mächtigsten Bürgerin Collinsports aufgestiegene Hexe ist ihm zwar ein Dorn im Auge und er verabscheut sie ohne jeglichen Zweifel. Doch von blankem Hass und den damit einhergehenden Weg der süssen Rache, die man in einer solchen Situation vermuten würde, keine Spur. Barnabas ist es zunächst wichtiger, seinem heruntergekommenem Familienimperium wieder auf die Beine zu helfen. Dabei kriegen wir es mit ein paar schrägen und liebenswerten Figuren der höchst dysfunktionalen Famile Collins zu tun.
Jedes Mitglied davon trägt seine eigene dunklen Geheimnisse. Matriarchin Elizabeth Collins Stoddard (Michelle Pfeiffer) hat die Psychiaterin Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter) zu Hilfe geholt, die bei ihren Familienschwierigkeiten helfen soll. Weil dieses unterfangen schwieriger ist als gedacht, ist Dr. Hoffmann gleich bei den Collinses eingezogen.
Ein weiterer Resident des Herrensitzes ist Elizabeths Bruder, der Tunichtgut Roger Collins (Jonny Lee Miller), ihre rebellische Tochter Carolyn Stoddard (Chloe Moretz) und Rogers feinfühliger 10 Jahre alter Sohn David Collins (Gulliver McGrath), dessen Mutter vor ein paar Jahren ebenfalls auf mysteriöse umgekommen ist und der von seinem Vater keine Liebe geschenkt bekommt. Da sind auch noch die beiden Bediensteten, dem „Allrounder“ Willie Loomis, gespielt von Jackie Earle Haley, der netten alten Haushälterin Mrs. Johnson (Ray Shirley) und Davids neuer Nanny, Victoria Winters, gespielt von Bella Heathcote.
Johnny Depp kann sich in Bezug auf seine Karriere auf zwei Namen verlassen. Der eine ist Gore Verbinski (FLUCH DER KARIBIK, RANGO, LONE RANGER). Der andere, natürlich, ist niemand geringerer als Tim Burton. DARK SHADOWS markiert bereits deren achte Zusammenarbeit! Einmal mehr schlüpft Depp dabei in eine ziemlich spektakuläre Rolle. Die wahren Lacher des Film sind nicht die zahlreichen – eher nervenden Slapstickeinlagen – sondern viel eher seine Verkörperung eines Reliktes aus dem späten 19. Jahrhundert. Während bei der deutschen Synchronisation der ursprüngliche Witz vollkommen verloren geht (auf Deutsch kriegt der Film von mir mindestens einen halben Stern weniger), sprühen Depps Dialoge im Original nur so von Wortwitz. Eine Sängerin im Fernseher ist für Barnabas eine „tiny Songstress“ (mit Anlehnung auf das Wort Monstress). Auf deutsch ist sie bloss eine kleine Sängerin. Johnny Depp kann also aus dem vollen Schöpfen und tut dies phänomenal. Eine seiner wichtigsten Markenzeichen im Film sind theatralische Bewegungen mit den Fingern. Genauso wie das die Vampire in ihren glorreichen NOSFERATU-Tagen halt eben taten. Obwohl dies eine klare Reminiszenz an eine vor-LOST BOYS, vor-BLADE, und insbesondere vor-TWILIGHT Ära ist, empfand ich dieses Fingerspiel als zu theatralisch, zu dick aufgetragen. Sollte es auch sein, klar – und trotzdem. Auch an anderen Stellen in DARK SHADOWS scheint Overacting kein Schimpfwort zu sein.
Alles in allem macht der Cast seine Sache aber hervorragend. Ich empfand es als wahre Wohltat Schauspiellegende Michelle Pfeiffer wieder mal beim Schauspielern zuzusehen. In der Vergangenheit war ich nicht immer ihr grösster Fan, doch auf ihre Leistung in DARK SHADOWS darf sie mehr als stolz sein. Ebenfalls – wie immer – brilliant ist Jackie Earle Haley (LITTLE CHILDREN, WATCHMEN – DIE WÄCHTER).
Sehr viel Spass macht der Soundtrack, der aus sorgfältig ausgesuchten Perlen der Siebzigerjahre besteht und den Film superbe unterstützt. Auch Hippies und deren ganz spezifischer „Slang“ dürfen selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen. Aus dem Aufeinanderprallen der Kulturen bezieht DARK SHADOWS seinen grössten Witz. Barnabas Collins Redeweise, reich an Ausdrücken aus einem längst vergessenen Wortschatz, in Kontrast zur locker-flockigen Art der aufgeklärten Siebzigerjahre, macht höllisch Spass.
Unter dem Strich ist die Gruselkomödie DARK SHADOWS mehr Komödie als Grusel, was ich persönlich sehr bedaure. Während ich zwar durchaus Spass hatte an den Wortspielen, schienen mir insbesondere die sehr starken tragisch-dramatischen Ansätze (die eigentlich einen eigenen Film verdient hätten) in DARK SHADOWS deplatziert. Man könnte den Satz durchaus auch umdrehen. So, dass die vielen Gags in einem düsteren Horrordrama völlig fehl am Platz waren. Man kann es drehen und wenden wie man will. Tim Burton liefert uns etwas halbgares ab. Das macht sich auch in unzähligen kleinen Nebenplots bemerkbar, die oft keinen würdigen Abschluss im Film finden.
Was also tragisch, spannend und vielversprechend beginnt, verkommt zum Gruselspass à la ADDAMS FAMILY (1991) oder DER TOD STEHT IHR GUT (1992), ohne auch nur annähernd so lustig oder charmant wie diese zu sein.
DARK SHADOWS brilliert, wie man sich das bei Burton gewohnt ist, durch kuriose Einfälle, tolle Musik, seinen genialen visuellen Stil und bei den fast durchwegs perfekten Schauspielleistungen. Trotz alledem, bleibt der Film eher Durchschnitt. Sehr solide zwar, doch ich hätte sehr gerne etwas ernsteres gesehen. Die Charaktere rund um die Familie Collins sind zwar alle ziemlich abgedreht, doch wird viel zu wenig draus gemacht. Echter Horror kommt gar nie auf und der Spannungsbogen kann bis zum Filmende leider auch nicht aufrecht erhalten werden. Zum Schluss gibts dann noch einen völlig unnötigen Cliffhanger. Johnny Depp und Tim Burton Fans werden meine Kritik hassen und den Film lieben, alle anderen seien hiermit gewarnt.