Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/218182

<h2>SubmittedText<h2><p>Folgende Fragen stellen sich an den Bundesrat: </p><p>1. Welcher Anteil an den gesamten nötigen CO2-Sparanstregungen zur Erreichung der Schweizer COP21-Reduktionsziele kann mit der Förderung des Baustoffes Holz erreicht werden? </p><p>2. Wie beurteilt der Bundesrat die Ausschöpfung des Klimaschutzpotentials der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern mit vergleichbaren Waldanteilen? </p><p>3. Wie gross ist die lokale Wertschöpfung im Vergleich zu anderen Ländern? </p><p>4. Welche Schritte konnten bezgl. des Zieles 1.3 d der Waldpolitik 2020 getätigt werden. Ist der Bundesrat bereit, das Gebäudeprogramm konsequenter auf die Förderung von energieeffizienten Holzbauten auszurichten?  </p><p>5. Ist der Bundesrat zu verbindlichen Zielvorgaben des Holzanteils bei Neubauten bereit? </p><p>6. Welche Massnahmen plant der Bundesrat, um das Klimaschutzpotenzial von Holz für die Schweiz zu nutzen? </p><p>7. Sind die Leistungen für das Klima, die durch den Schweizer Wald erbracht werden, bekannt und quantifiziert?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Basierend auf den Empfehlungen des Nationalen Forschungsprogramms "Ressource Holz" (NFP 66) an den Bundesrat haben das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) die Erarbeitung einer Vorstudie für erste Grundlagen zu einer Bioökonomiestrategie in Auftrag gegeben. Im Rahmen der aktualisierten Ressourcenpolitik Holz wird diese Thematik aufgenommen und soll im Rahmen des Aktionsplans Holz umgesetzt werden (Veröffentlichung 2021).</p><p>1) Die Schweiz hat sich im Rahmen des Übereinkommens von Paris verpflichtet, bis 2030 ihren Treibhausgasausstoss gegenüber dem Stand von 1990 zu halbieren (Reduktion um ca. 26.9 Millionen Tonnen CO2). Der Anteil von Holz an den gesamten nötigen CO2-Sparanstregungen hängt von der maximalen Holzmenge ab, die im Wald nachhaltig genutzt werden kann. Der aktuelle Zielwert des Bundesrates beträgt 8.2 Millionen Kubikmeter (m3) Holz pro Jahr, was etwa derselben Menge in Tonnen CO2 entspricht. Da Holz auch als Energieträger und in verschiedenen Qualitäten im Wald verfügbar ist, ist die Klimaleistung abhängig vom Verwendungszweck. Beispielsweise speichert verbautes Holz den Kohlenstoff länger als energetisch genutztes Holz, dieses substituiert jedoch fossile Energieträger.</p><p>2 und 3) Klimaschutzwirkungen von Wald und Holz entstehen durch drei Effekte: CO2-Abscheidung (Sequestrierung), Speicherung und Substitution. Zahlen zu den Potenzialen und Vergleichszahlen werden zurzeit erarbeitet. Beim Vergleich mit anderen Ländern (wie Deutschland, Österreich und skandinavischen Ländern) sind die jeweiligen Strategien und Umsetzungsinstrumente gegenüberzustellen (z.B. Waldpolitik, Ressourcenpolitik Holz, Bioökonomiestrategien). Grundsätzlich enthalten diese Grundlagen Massnahmen zur Anpassung des Waldes an den Klimawandel sowie zur Förderung der Holzverwendung insbesondere beim Holzbau. Beim mehrgeschossigen Bauen mit Holz gehört die Schweiz heute zu den führenden Ländern Europas. Von den nachgefragten Mengen an Halbfabrikaten und Holzwerkstoffen kann ein geschätztes Viertel durch die Schweizer Verarbeitungskapazitäten beliefert werden, der Rest wird aus dem angrenzenden Ausland zugekauft.</p><p>4) und 6) Die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB) und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) haben zusammen die Empfehlung 2020/1 "Nachhaltiges Bauen mit Holz" erarbeitet. Die Empfehlung richtet sich an Bauherren bzw. Bauherrinnen, Architekten bzw. Architektinnen und Planungsbüros. Sie zeigt die vielfältigen Möglichkeiten des Holzbaus in der Schweiz auf und verweist auf weitere hilfreiche Informationen und Instrumente. Die Ausrichtung des Gebäudeprogramms auf die Förderung von energieeffizienten Holzbauten ist ein pendenter Prüfauftrag, der mit der Umsetzung des totalrevidierten CO2-Gesetzes erledigt werden soll.</p><p>Die neue CO2-Gesetzgebung enthält eine Reihe neuer (z.B. Klimafonds), aber auch bisherige (z.B. Kompensationspflicht für die Treibstoffimporteure) Instrumente. Das Gebäudeprogramm, die Innovationsförderung sowie die Anpassung an den Klimawandel (klimagerechte Baumaterialien und Hitzeschutz) werden ebenfalls Möglichkeiten für die Nutzung des Klimaschutzpotenzials enthalten. Das BAFU untersucht im Rahmen einer Studie (geplant 2022/2023) die CO2-Effekte von Wald und Holz, woraus die Möglichkeiten für staatliche und private Massnahmen zur Klimaleistung geprüft werden können. Ergänzende Möglichkeiten, die Rahmenbedingungen zu verbessern, prüft der Bundesrat im Rahmen der Umsetzung des Postulates Noser (18.3509).</p><p>5) Der Beitrag von Holz zur Nutzung des Klimaschutzpotenzials wird bereits heute durch existierende Instrumente gefördert. Im Rahmen der Weiterentwicklung der Massnahmen wird auch die Möglichkeit von Zielvorgaben des Holzanteils bei Neubauten geprüft. Für verbindliche Zielvorgaben müsste dann aber ohnehin eine entsprechende gesetzliche Grundlage geschaffen werden.</p><p>7) Die Sequestrierung von CO2 und Senkenleistungen des Waldes sowie die Senkenleistung von langlebigen Holzprodukten (Speicherung) werden jährlich mit dem Treibhausgasinventar erhoben und publiziert. Die Substitutionsleistungen werden bis anhin nicht systematisch erfasst. Eine Studie im Auftrag des BAFU soll für das Jahr 2022/23 erste Abschätzungen vorlegen.</p>  Antwort des Bundesrates.