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Martin van Creveld gilt als der bedeutendste israelische Militärexperte. Seine Thesen über die Zukunft des Krieges haben international Beachtung gefunden. Sein Buch "Kampfkraft. Militärische Organisation und militärische Leistung 1939-1945" gilt als Standardwerk über den Zweiten Weltkrieg und wurde vom Rombach-Verlag in drei Auflagen herausgebracht. Mit einem aktuellen Vorwort des Autors versehen, liegt es nun in einer erweiterten Neuauflage vor. In diesem Werk vergleicht er die deutsche Wehrmacht in Sachen Organisation, Training, Lehre, Taktik und Organisationskunst mit den Streitmächten der Alliierten und zeigt, dass sie ihren Gegnern in dieser Hinsicht überlegen war. Auch die Disziplin und Moral ihrer Soldaten bezeichnet Creveld in seiner überaus sachlich geschriebenen Studie als vorbildhaft. Als Jude, der Teile seiner Familie in nationalsozialistischen Konzentrationslagern verloren hat, liegt es Creveld fern, die Verbrechen des NS-Regimes in irgendeiner Weise zu beschönigen, doch hält er ebenso daran fest, dass die Wehrmacht als solche keine verbrecherische Organisation gewesen ist. Daher erklärte er auch in einem Interview mit der Zeitschrift „Focus“ anlässlich des 60. Jahrestages des Kriegstages, dass hinsichtlich Strategie, Organisation und Doktrin keine Armee des 20. Jahrhunderts mehr der Wehrmacht ähnelte als die israelische. Ein Standardwerk zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs ist wieder lieferbar!
Portrait
Martin van Creveld, einer der führenden Militärhistoriker der Gegenwart, wurde 1946 in Holland geboren. Seit 1950 lebt er in Israel. Studium an der London School of Economics und an der Hebrew University in Jerusalem, wo er seit 1971 als Professor für Geschichte lehrt. Darüber hinaus ist er als militärischer Berater und Referent in der gesamten westlichen Welt tätig.
…versucht der Autor, das Phänomen des 2.Weltkrieges, daß die Wehrmacht - oft hoffnungslos numerisch und an Ausrüstung unterlegen - in aussichtsloser Lage (wenn man allein auf den militärischen Gesamtsieg abstellt) weiterkämpfte und sowohl in Angriff als auch Verteidigung bemerkenswerte Erfolge errang, zu ergründen.
Unverkennbar ist van Creveld dabei bemüht, objektiv...…versucht der Autor, das Phänomen des 2.Weltkrieges, daß die Wehrmacht - oft hoffnungslos numerisch und an Ausrüstung unterlegen - in aussichtsloser Lage (wenn man allein auf den militärischen Gesamtsieg abstellt) weiterkämpfte und sowohl in Angriff als auch Verteidigung bemerkenswerte Erfolge errang, zu ergründen.
Unverkennbar ist van Creveld dabei bemüht, objektiv zu bleiben. Er nennt viele Faktoren, die eine Rolle gespielt haben k ö n n t e n, die Kampfkraft zu heben, wie beispielsweise die dezentrale Verwaltung, der sehr sparsame Einsatz von Statistiken und das ausgezeichnete Personalersatzsystem. Leider bedient er sich dabei allzu oft der Glaskugel als Waffe.
Die Schwierigkeit beginnt ja schon bei der Definition des Begriffes der Kampfkraft. So lange er dies allgemein als die Summe der geistigen Qualitäten, die Armeen zum Kämpfen bringen, definiert, geht man sicher noch mit ihm konform. Wenn er dann jedoch zu der Definition neigt, die Kampfkraft daran zu messen, die eigenen Verluste während einer militärischen Operation denen des Gegners gegenüberzustellen, so gelingt das schon weniger. Denn dies wirkt eher wie eine Betrachtungsweise, die auf die Konflikte bis zum Anfang des 19.Jahrhunderts gemünzt ist, als üblicherweise 2 Feldheere so lange gegeneinander anrannten - mit allen taktischen Finessen -, bis einer der Kontrahenten „ausgeblutet“ war.
Bemerkenswert sind allerdings jene Einschätzungen, die man in offiziösen bundesrepublikanischen Geschichtsdarstellungen nicht findet:"Wie schon viele Autoren gezeigt haben, war die Wehrmacht 1939 nicht auf einen Konflikt vorbereitet; er hätte nach Hitlers Zeitplan erst vier Jahre später ausbrechen sollen. Teils aus Zeitdruck und teils aus einer bewußten Entscheidung der nationalsozialistischen Führung hatte keine tiefgreifende Aufrüstung stattgefunden..."
Van Creveld bescheinigt zudem, daß der Nationalsozialismus viel zur Demokratisierung der Streitkräfte beigetragen habe, indem auch Deutsche aus den unteren Schichten die Möglichkeit erhielten, in verantwortungsvolle Führungspositionen aufzusteigen.
Im ersten Teil des Buches wähnt man sich bei Freud auf der Couch - da werden Persönlichkeitsmerkmale wie Erniedrigung, Unterwerfung, Ordnung, Dominanz und Heterosexualität als Beweis für eine mehr oder minder ausgeprägte "kriegerische Veranlagung" herangezogen. Bezeichnenderweise liegen solche Daten nur für US-amerikanische Jugendliche vor.
Er deutet den sogenannten "Nationalcharakter" als eine Quelle für die Kampfkraft. Da diese Kampfkraft aber in ein und derselben Nation über die Jahrhunderte stark schwankt, scheint - wenn es überhaupt einen "Nationalcharakter geben sollte - dieser keine entscheidende Auswirkung auf den Gefechtswert der Truppen einer Nation zu haben.
Viele der genannten Indizien beschreiben aber bestenfalls die Erhaltung der Kampfkraft, so die Militärgerichtsbarkeit und das Sanitätswesen. Obgleich in seinen Tabellen alle Teilstreitkräfte der Wehrmacht, also auch Luftwaffe und Waffen-SS, aufgeführt werden, finden sie in seinen Betrachtungen keinen Platz. Die beiden genannten Waffengattungen galten aber als Elite, so daß sie insbesondere in den Anfangsjahren sich zum großen Teil aus Freiwilligen zusammensetzten. Deren Motivation ist aber nachvollziehbar eine andere als die des Familienvaters, der per Einberufungsbefehl von seiner Familie weggeholt wird.
Als sehr ermüdend empfand ich die seitenlangen Zitate aus den Ausbildungsvorschriften beider Heere. Die Literaturliste nimmt einen erheblichen Teil des ohnehin recht schmalen Buches ein. Außerdem besitzt er eine ausgeprägte Vorliebe für Tabellen, deren Aussagewert jedoch wegen fehlender Legenden und Maßstäbe stark eingeschränkt ist.