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Von Mona Sherpa, stv. Länderdirektorin für Helvetas Nepal
Kurz nach dem Erdbeben vom 25. April 2015, als wir alle wussten, dass unsere Verwandten gesund sind, organisierten wir Mitarbeitenden von Helvetas erste Lieferungen von Rettungsmaterial in die am meisten betroffenen Regionen. Ich koordinierte den Einsatz unserer Mitarbeitenden mit lokalen und zentralen Regierungsstellen und mit anderen Akteuren. Nach einer Woche brachte auch ich Material, vor allem Regenblachen, nach Kiul. Dort fiel mir eine Frau in einem weissen Sari auf, die von weitem, aber erwartungsvoll zusah, wie die Blachen verteilt wurden. Ich fragte sie, warum sie nicht für eine Blache anstehe. Sie sei in Trauer, sagte sie, und sie dürfe niemanden berühren. Die Vorschrift ist Teil des Reinheitsgebotes. Ich veranlasste, dass die Frau das nötige Material trotzdem erhielt. Die Begegnung zeigte mir einmal mehr, dass bei Katastrophen diejenigen am meisten leiden, die strukturell schon vorher benachteiligt waren.
Die Situation in der Nothilfe ist eine andere als in der Entwicklungszusammenarbeit. Unmittelbare grundlegende Bedürfnisse bekommen Priorität, und die Menschen haben das Recht, dass wir darauf eingehen.
Das Erdbeben liess viele dieser Menschen ohne irgendetwas zurück und raubte ihnen das Gefühl von Sicherheit. Alle Betroffenen haben ihre je eigenen Erfahrungen gemacht und haben ihre eigenen Geschichte zu erzählen. So hat das Erdbeben viele Geschichten hervorgebracht, und es sind keine erfreulichen Geschichten.
Die Erfahrungen rund um das Erdbeben haben meiner Arbeit eine neue Dimension gegeben, da Helvetas normalerweise nur langfristige Entwicklungsprojekte durchführt. Die Phase der Nothilfe ist abgeschlossen, doch wenn ich Programme und Vorhaben für den Aufbau entwickle, rufe ich mir die Gesichter der Menschen von Kiul in Erinnerung. Dann stelle ich mir selber die Frage, ob die geplanten Projekte ihnen wirklich helfen, aus den harten und schrecklichen Erfahrungen herauszukommen, die sie erlitten haben.
In meinem ganzen Berufsleben habe ich wahrscheinlich noch nie so viel improvisiert wie während der Wochen nach dem Erdbeben. Ich realisierte einmal mehr, dass guter Wille allein nicht ausreicht. Ebenso wichtig ist es, System und Struktur in die Hilfsaktionen zu bringen. Wenn das schon in der Vorbereitung geschehen ist, wird die Arbeit einfacher und effizient. Wir von Helvetas haben bei unserer Nothilfe von einer langjährigen, reichen Erfahrung in Nepal profitiert. So direkt wie noch nie habe ich die Erfahrung gemacht, dass Helvetas Teil eines dichten Netzwerks ist. Eines Netzwerks, das so gut hält, dass auch andere internationale Organisationen davon profitieren konnten.
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Diese Erzählung ist Teil der World Humanitarian Day Kampagne von Alliance2015, bei welcher humanitäre Geschichten von Mitarbeitern der Mitglieder-Organisationen erzählt werden. Für weitere Informationen zur Kampagne und weitere Geschichten, siehe hier.