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Immer wieder wurde er abgeschrieben, immer wieder hat Rafael Nadal zurückgeschlagen. Doch diesmal glaubte er nicht einmal mehr selber daran, noch einmal auf den Tennisplatz zurückzukehren, geschweige denn, um Titel spielen zu können. Vor wenigen Wochen hatte er erstmals ernsthaft darüber nachgedacht, seine Karriere zu beenden. Seit einem Jahrzehnt leidet er am Müller-Weiss-Syndrom, einer Knochenkrankheit, die bei ihm zur Deformierung des Kahnbeins im Mittelfuss führte.
Nun gehört Rafael Nadal der wichtigste Rekord im Männertennis: Nach 5:42 Stunden bezwingt er Daniil Medwedew (25, ATP 2) mit 6:7 (6:8), 2:6, 6:3, 6:2, 6:4 und gewinnt zum zweiten Mal nach 2009 die Australian Open. Für Nadal ist es der 21. Grand-Slam-Titel – einer mehr als Titelverteidiger Novak Djokovic und Roger Federer. Nadal ist damit auch erst der vierte Spieler nach Djokovic und den Australiern Roy Emerson und Rod Laver, der alle vier Grand-Slam-Turniere mindestens zwei Mal gewonnen hat. Danach sagt der Spanier, der im Sommer seinen 36. Geburtstag feiert:
Der Final ist eine Analogie auf seine Karriere, vielleicht sogar sein Leben. Rafael Nadal ist einer der erfolgreichsten Spieler der Geschichte in einem Spiel, das fast nur Verlierer kennt, auch ihn. Vier Mal hat er in Melbourne einen Final verloren. Gegen Medwedew gewinnt Nadal erst zum dritten Mal eine Partie nach 0:2-Satzrückstand, zum ersten Mal seit Wimbledon 2007, zum ersten Mal in einem Final. Rafael Nadal, der König der Leiden.
Fast so lang wie die Liste der Grand-Slam-Turniere, die Rafael Nadal nun gewonnen hat, ist die Liste jener, die er wegen Verletzungen verpasst hat. Sie umfassen praktisch das ganze Spektrum der Anatomie. Einmal waren es die Knie, dann die Schultern, die Oberschenkel, der Rücken und immer wieder der Fuss. Mit jeder neuen Verletzung, jeder früheren, die wieder aufbrach und ihn zu einer Pause zwang, wuchsen die Selbstzweifel. Nadal war gefangen in der Endlosschleife der eigenen Vergänglichkeit.
Denn so selbstsicher und entschlossen er auf dem Platz wirkt, so unsicher und zweifelnd ist Rafael Nadal zuweilen daneben. Selbst in Paris, wo er 13 Mal den Titel gewonnen und wo man ihm schon zu Lebzeiten mit einer drei Meter hohen Statue aus Stahl ein Denkmal gesetzt hat, tritt Nadal nie mit dem Selbstverständnis auf, das seine Rivalen Novak Djokovic und früher auch Roger Federer ausgezeichnet hatte. Die Verletzungshistorie ist eine Erklärung für Nadals Demut. Eine andere liegt in seiner Biografie.
Rafael Nadal wurde mit traditionell spanischen Werten erzogen, nach denen er noch heute lebt. Die Familie steht über allem. Sie beschützt er, wie sie ihn beschützt. Sein Onkel Toni betreute ihn seit seiner frühsten Kindheit. Auch nachdem er sein Amt niedergelegt hatte, blieb er eine wichtige Bezugsperson. Rafael Nadal ist immer der Junge aus Manacor geblieben, der sich am liebsten mit seiner Familie umgibt, niemanden an sich heranlässt und in seiner eigenen, abgeschirmten Welt lebt. Während der Corona-Pandemie, die seine Heimat Spanien besonders hart getroffen hat, zog er sich dorthin zurück, wo er sich am wohlsten fühlt: nach Hause.
Rafael Nadal fehlt das Weltmännische, das Roger Federer ausstrahlt. Er polarisiert nicht wie ein Novak Djokovic, der den Anspruch hat, seine Spuren nicht nur in den Geschichtsbüchern des Tennis zu hinterlassen. Rafael Nadal verkörpert Werte, die überall auf der Welt gut ankommen. Bescheidenheit, Demut, Arbeitsethos, Respekt. Nie hat er aus Frust ein Racket zertrümmert. Nur sehr selten lamentiert er, wenn er das Zeitlimit zwischen Ballwechseln überschritten und dafür verwarnt worden ist. Nadal ist Sportler mit Leib und Seele, die Politik überlässt er anderen.
Mit seinem 21. Grand-Slam-Titel entfacht Nadal die Diskussionen neu, wer nun als bester Spieler der Geschichte in die Annalen eingehen soll: Er, Roger Federer oder Novak Djokovic. Seit 2003 gewann das Trio 61 von 73 Grand-Slam-Turnieren. Federer gewann das Gros seiner 20 Titel zwischen 2003 und 2010 (16). Nadal war 19, als er 2005 in Paris triumphierte. Seither beendete er nur drei Saisons (2015, 2016 und 2021) ohne Triumph bei einem Major-Turnier. Der dominante Spieler der letzten Dekade bleibt Novak Djokovic. Er gewann die Hälfte der letzten 12 Grand-Slam-Turniere.
In Australien ist er mit neun Titeln Rekordsieger. Seinen Titel konnte der Serbe nicht verteidigen, nachdem ihm das Visum entzogen worden war.
Dass Genoni ein Phänomen ist, unterstreicht allein die Tatsache, dass er mit drei verschiedenen Vereinen sieben Mal Schweizer Meister geworden ist und noch nie eine Playoff-Finalserie verloren hat. Diesmal holte er mit Zug nach einem 0:3-Rückstand nach Siegen gegen die ZSC Lions in extremis den Titel.