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Geschichte
Die Grabungen anlässlich der Renovation von 1968 brachten den Nachweis, dass die ältesten Teile der Dorfkirche aus dem 10. oder 11. Jahrhundert stammen. Mit ihrem Bau wurde also vor rund 1000 Jahren begonnen. Für die damalige Zeit muss Brittnau schon eine bedeutende Siedlung gewesen sein, damit sich ein adliger Grundherr (vermutlich aus dem Grafenhaus Frohburg) entschloss, eine Kirche zu stiften und sie und den Leutpriester mit Einkünften aus seinem Grundbesitz zu versehen. Sie war in den 500 Jahren der katholischen Glaubenszugehörigkeit der heiligen Verena geweiht, auch ein Hinweis auf ihre frühe Gründung.
Geschichtlicher Rückblick
Das erste Brittnauer Gotteshaus war ein trapezförmiger Saal von 9,5 Metern Länge und einer Breite zwischen 5 und 6 Metern. In den folgenden Jahrhundert wurde es ständig erweitert. Im 12./13. Jahrhundert kam eine Vergrösserung des Schiffes nach Westen hinzu und auf der Ostseite ein Chorvorbau. Dieser wurde bereits im 14. Jahrhundertn durch einen grösseren ersetzt. Beim Brand von Brittnau am 5. Juli 1547 verzehrte das Feuer „32 Hüser sampt etlich Spycher und Schüren, derby der Stadt Bern Kornschütte mit ist gerechnet. Blieb ein Kind in der Fürin Gluot und die Kilchen sampt dem Turm, der Glocken und des Kilchherren Hus verbrann(ten)“. Mit Hilfe der benachbarten Orte und Städte bis weit ins Luzern- und Bernbiet hinein erfolgte der Wiederaufbau. 1585 wurde auch der neue Kirchturm hochgezogen. Die erhalten gebliebene grosse Glocke trägt die Jahrzahl 1596. Sie war ein Gelegenheitskauf von der Kirche in Kulm, weil sie zu den dortigen Glocken „übel gelütet und eine schlechte Consonantz zu selbigen gehabt.“ Ihre heutige Gestalt bekam die Kirche im wesentlichen beim Umbau von 1641. Damals erhielten Schiff und Chor den heutigen Grundriss. Eine Innen- und Aussenrenovation erfolgte 1881-1884 und 1905-1906 bekam die Kirche den neugotischen Treppenvorbau, der bei der Renovation von 1968 wieder abgebrochen wurde.
Ein Jahrhundertereignis war der Einzug der vier neuen Glocken am 3. September 1960. Mit festlich geschmückten Pferdegespannen waren sie frühmorgens in Aarau abgeholt worden und trafen unter dem Geläute der Kirchenglocken der auf dem Transportweg berührten Ortschaften um 14.30 Uhr in Brittnau ein. Das ganze Dorf war auf den Beinen, als die Glocken von Schulklassen mit dem Seil zum Turm hochgezogen wurden.
Eine Kirche mit Zentrumsfunktion
Der erste Leutpriester, als „Heinricus von Brittnau“ bezeichnet, kommt mit diesem Namen 1274 in einer Urkunde des Klosters Sankt Urban vor. Von den früheren und späteren katholischen Priestern weiss man nicht viel. Im Vorfeld der Reformation gaben jedoch zwei von Ihnen, Kaplan Benedikt Tischmacher und Pfarrer Johannes Zurmühli, in Bern viel zu reden, weil sie vor „viel ehrbar Lüten“ in der Kirche ungebührliche Reden gegen die Messe gebraucht hätten. Zurmühli war der letzte katholische und erste reformierte Pfarrer in Brittnau. Ihm folgten weitere 27 Seelsorger, darunter einige Persönlichkeiten, die sich weit über ihr Amt hinaus engagierten.
Zur Berner Zeit war die Kirche die massgebliche Instanz in der Gemeinde. Sie war zuständig für das Zivilstandswesen und führte seit 1567 die Tauf-, Ehe und Sterberodel. Mit dem Chorgericht wachte sie über Sitte und Anstand der Bevölkerung, um diese durch ein gottgefälliges Leben vor einem Strafgericht in Form von Hunger, Pest, Krieg und Naturkatastrophen zu bewahren. Sie sorgte für die Armen und stellte die Mittel für den Schulunterricht zur Verfügung. Von der Kanzel wurden die bernischen Mandate und Gesetzte verkündet und in der Kirche der Treueeid abgelegt und die Gemeindeversammlungen abgehalten.
Kurt Buchmüller