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Was, wenn es einfach nicht läuft? Dann sind die Schiedsrichter schuld. Dabei zeigen uns gerade die Unparteiischen, wie die Spielerlöhne halbiert werden könnten.
Der Zorn des Publikums, der Trainer, der Spieler, der Sportchefs und der Präsidenten richtet sich in der Niederlage in jeder Liga der Welt gegen die Schiedsrichter. Wer nun eine anonyme Umfrage über die Schiedsrichter macht, wird in jeder Liga der Welt ein vernichtendes Resultat erhalten. Die anonyme Schiedsrichter-Umfrage des «Blick» ist also ein Lehrstück. Nur zwei Unparteiische erhalten von den Klubvertretern eine genügende Note.
Sind unsere Schiedsrichter wirklich so schlecht? Nein. Sie gehören zu den besten der Welt. Da aber 99 Prozent des Publikums, der Trainer, der Spieler, der Sportchefs und der Präsidenten keine anderen Spiele vor Ort sehen als die der eigenen Mannschaft, fehlen die Vergleichsmöglichkeiten. Daher die Überzeugung, unsere Schiedsrichter seien schlecht.
Unsere Schiedsrichter sind gut. Sie gehören zu den besten der Welt. Das wird jedem Beobachter klar, der hin und wieder auch ein Spiel im Ausland sieht. Aber auch unsere Schiedsrichter machen Fehler. Manchmal führen diese Fehler sogar dazu, dass eine Mannschaft ein Spiel verliert. Dazu ein Beispiel aus jüngster Zeit: eine Unaufmerksamkeit des Linienrichters (Offside übersehen) ermöglichte den SCL Tigers beim 2:1 gegen den SCB einen Treffer. Allerdings hätten die Stadtberner noch genügend Zeit und Gelegenheiten gehabt, das Spiel trotzdem zu gewinnen.
Unsere Spieler sind gut. Ein paar gehören zu den besten ausserhalb der NHL. Aber sie machen Fehler. Manchmal führen diese Fehler sogar dazu, dass eine Mannschaft ein Spiel verliert. Dazu ein Beispiel aus jüngster Zeit: eine Unaufmerksamkeit von Torhüter Jakub Stepanek ermöglichte den SCL Tigers beim 2:1 gegen den SCB einen Treffer. Allerdings hätten die Stadtberner noch genügend Zeit und Gelegenheiten gehabt, das Spiel trotzdem zu gewinnen.
Es gehört zu den Ungerechtigkeiten des Eishockeys, dass den Präsidenten, Manager, Sportchefs, Trainern und Spielern Fehler verziehen werden. Aber nicht den Schiedsrichtern.
Wenn sich die Sportchefs nach jedem Spiel und bei den Vertragsverhandlungen so genau an die Fehler ihrer Stars erinnern könnten, wenn sie ihre eigenen Spieler so kritisch beurteilen würden wie die Schiedsrichter und wenn sie sich gegen höhere Löhne so wehren würden wie gegen Ausgaben für die Schiedsrichter – dann würde das Gejammer über zu hohe Löhne aufhören. Denn dann hätten sie stets genug Argumente, um das Salär zu drücken. Dann wäre es kein Problem, die aktuellen Löhne zu halbieren. Bei Vertragsgesprächen sollten sich die Sportchefs einfach vorstellen, dass sie mit einem Schiedsrichter verhandeln.
Aber bei Vertragsverhandlungen mit den Spielern werden die Fehler ausgeblendet. Dann sind nur die Qualitäten und nie die Schwächen ein Thema. Und die Ausreden, warum da und dort die Leistung nicht stimmte und warum es dort nicht so gelaufen ist wie erwartet, sind wohlfeil. Die Kunst der Ausrede gehört zum Repertoire jedes Spieleragenten und jedes Spielers.
Bei der Beurteilung der Schiedsrichter werden die Qualitäten ausgeblendet. Dann sind nur die Fehler und nie die Stärken ein Thema. Und Ausreden, warum da und dort die Leistung nicht stimmte und warum es dort nicht so gelaufen ist wie erwartet, gibt es keine. Weil die Schiedsrichter ja nicht befragt werden, sich nicht äussern können und im grossen Hockeytheater keine Stimme haben.
Dass ein Spieler nur gut sein kann, wenn er Selbstvertrauen hat, ist unbestritten. Anerkennung für gute Leistungen ist wichtig, ständige Kritik führt zu Verunsicherung. Dass ein Schiedsrichter nur gut sein kann, wenn er Selbstvertrauen hat und dass ständige Kritik verunsichert, ist unbestritten. Aber Anerkennung für gute Leistungen haben die Unparteiischen keine. Dafür ständige Kritik.
Die zentralen Vorwürfe an die Schiedsrichter sind in allen Ligen der Welt die gleichen: zu wenig Konstanz, kein Fingerspitzengefühl. Mal werde etwas gepfiffen, mal nicht. Diese Kritik ist durchaus berechtigt: Jedes Spiel ist anders, erfährt eine eigene Dynamik. Es ist extrem schwierig zu spüren, wie sich ein Spiel entwickelt. Es wird zwar immer nach dem gleichen Regelbuch gepfiffen. Aber es ist fast unmöglich, in jeder Partie die gleichen Massstäbe anzuwenden. Würde konsequent JEDER Regelverstoss gepfiffen, dann wäre kein Spiel, das um 19.45 Uhr beginnt, vor 23 Uhr fertig.
Die Qualität einer Hockeykultur lässt sich gut daran ablesen, wie Trainer, Sportchefs und Manager mit den Schiedsrichtern umgehen. Gute Schiedsrichter sind im Interesse aller, sind im Interesse des «Produkts Eishockey». Das haben die Nordamerikaner, von denen wir bei der Vermarktung eines Sports viel lernen können, sehr gut verstanden. Wer öffentlich über die Schiedsrichter herzieht oder eine anonyme Schiedsrichter-Umfrage dazu benützt, den Frust über eigenes Versagen loszuwerden, schadet seinem eigenen Produkt. Deshalb wird Schiedsrichterkritik von Offiziellen (Spieler, Trainer, Manager) in der NHL richtigerweise konsequent hart bestraft.
Intern hingegen muss die Kritik an den Schiedsrichterleistungen hingegen möglich sein. Die Schiedsrichter unterliegen letztlich genauso dem Leistungsprinzip wie die Spieler. Betreuung, Aus- und Weiterbildung der Schiedsrichter ist so wichtig wie Betreuung, Aus- und Weiterbildung der Spieler. Aber wenn es darum geht, Geld für die Schiedsrichterabteilung zu bewilligen, geht bei den Klub-Managern regelmässig ein grosses Geschrei los. Heute ist praktisch jeder NLA-Spieler Profi. Dass jeder NLA-Schiedsrichter genug verdient, um Profi zu sein, ist hingegen völlig undenkbar. Dafür haben die Klubs kein Geld.