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Covid-19 hat die Weltwirtschaft in den Ausnahmezustand versetzt. Das Global Market Strategy Office von Invesco hat die längerfristigen Auswirkungen dieser Pandemie analysiert. Nach einer Rezession 2020 rechnen die Experten in den kommenden Jahren mit einem grundlegenden Wandel der globalen Wirtschaftslandschaft.
07.05.2020, 12:02 Uhr
Redaktion: lek
Das Global Marke Strategy (GMS) Office von Invesco hat gemeinsam mit verschiedenen Invesco-Experten ein Whitepaper veröffentlicht und darin die wirtschaftlichen Auswikrungen der Corona-Krise analysiert. Daraus geht hervor, dass nach der Rezession in diesem Jahr einschneidende strukturelle Veränderungsprozesse, die bereits vor der Coronavirus-Krise wirkten, nicht nur andauern werden, sondern vielleicht sogar noch verstärkt werden. So könnte der Wunsch nach einer besseren staatlichen und privaten Absicherung einschliesslich einer besseren "Portfolioversicherung" auf breiter Basis zunehmen.
Hilfspakete können Abwärtsspirale abfangen
"Inzwischen ist klar, dass diese Rezession erheblich schwerer sein wird als eine typische Rezession. Die gute Nachricht ist aber, dass eine systemische Finanzkrise wie 2008/09 aufgrund der proaktiven Massnahmen der grossen Notenbanken und Regierungen eher unwahrscheinlich ist. Die umfangreichen Rettungsprogramme haben ein Sicherheitsnetz unter die Weltwirtschaft gespannt", sagt Arnab Das, Global Macro Strategist EMEA bei Invesco. "Geld- und fiskalpolitische Hilfspakete können den Einbruch der privaten Ausgaben und damit der globalen Wirtschaftsaktivität zwar nicht vollständig kompensieren. Ohne sie wäre es aber deutlich wahrscheinlicher, dass wir in eine Abwärtsspirale rutschen, an deren Ende eine mehrjährige Rezession stehen könnte – ähnlich wie beim weltweiten Ausbruch der Spanischen Grippe in den Jahren 1918 bis 1920, die vermutlich zur Depression in den frühen 1920er Jahren beitrug."
Wenn Wirtschaft und öffentliches Leben wieder hochgefahren werden, sollte sich der Nachfragestau auflösen. Wie Das weiter ausführt, könnte das Wirtschaftswachstum könnte aber weiter durch ein schwächeres Wachstum des internationalen Handels und der Investitionen gedämpft werden. Auf globaler Ebene würden diese Effekte nach und nach zum Tragen kommen, da die Pandemie die verschiedenen Länder nicht zeitgleich erfasst hat und auch die Lockdown-Massnahmen nicht überall gleichzeitig verhängt wurden. Die Regierungen könnten ihre Grenzen für Reisende aus bestimmten Staaten länger geschlossen halten als für andere. Das würde die Erholung in Sektoren wie der Luftfahrtindustrie oder dem Hotelsektor genauso verzögern wie in Ländern, die besonders abhängig vom Tourismus und Handel sind – darunter viele Schwellenländer.
Höhere Investitionen unterstützen Finanzmärkte
Der Invesco-Experte sieht aber auch Faktoren, durch die sich die Prognosen für Wirtschaft und Finanzmärkte verbessern könnten. Dazu gehören eine rasche Eindämmung der Pandemie und eine früher als erhoffte Verfügbarkeit von Impfstoffen oder Behandlungsmethoden, sowie umfangreiche, koordinierte fiskalpolitische Stimulusmassnahmen mehrerer grosser Volkswirtschaften, ähnlich wie die Massnahmen der G20 nach der globalen Finanzkrise. Weitere positive Faktoren wären Strukturreformen, zum Beispiel im Gesundheitssektor oder anderen Bereichen der Sozialsysteme, die zu einem grösseren Vertrauen in die Zukunft beitragen würden. Auch höhere Investitionen in Infrastruktur und das Bildungswesen, um die negativen Folgen der Lockdowns im Bildungsbereich zu kompensieren, würden für positive Impulse sorgen.
Was den Finanzmarktausblick angeht, rechnet das GMS-Team mit einer andauernden Marktvolatilität in einem auf mehrere Quartale hinaus schwierigen makro- und mikroökonomischen Umfeld. In vielen unter Druck stehenden Branchen muss mit anhaltenden Herabstufungen und Zahlungsausfällen von Unternehmensanleihe-Emittenten gerechnet werden. Das gelte auch für Emittenten aus den Emerging Markets, die unter erheblichem Refinanzierungsdruck stehen könnten. Der Ausblick der Invesco-Experten für die Gewinne und Dividenden in vielen Aktienmärkten – vor allem in der EU und Grossbritannien – ist sehr verhalten. Am US-Markt rechnen sie mit einer deutlich geringeren Unterstützung durch Dividenden und Aktienrückkäufe.
Bottom-up-Investmentumfeld erwartet
Im Zuge der Normalisierung der Weltwirtschaft im weiteren Jahresverlauf 2021 gehen die Investmentexperten von einem weiteren Anstieg der Anleiherenditen, einer weiteren Abschwächung des US-Dollars und einem Rückgang der Risikoaufschläge risikoreicherer Anlagewerte sowie der Volatilität aus. "Wir erwarten, dass die verschiedenen Länder und Branchen jedes dieser Themen unterschiedlich adressieren werden. Das deutet eher auf ein Bottom-up- als ein Top-down-Investmentumfeld hin – das längerfristig entsprechend weniger Beta-dominiert wäre und mehr Alpha-Potenzial bieten würde", prognostiziert Das. "All dies spricht für eine engere Verknüpfung von Asset Allokation und Einzeltitelselektion bei einer längerfristig grösseren Bedeutung der Länder- und Wertpapierauswahl."
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