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Die Luftqualität hat sich seit dem Jahr 2000 verbessert und ist im europäischen Vergleich gut. Die meisten Grenzwerte werden eingehalten. Trotzdem schädigen Ozon, Feinstaub und Stickstoffverbindungen weiterhin die Gesundheit und die Ökosysteme. Es braucht weitere Massnahmen in der Landwirtschaft, im Verkehr, bei der Industrie und den Heizungen. Fortschritte sind möglich durch den konsequenten Einsatz der besten verfügbaren Technik.
1. Mobilität, Energieverbrauch, industrielle und landwirtschaftliche Produktion (Ursachen)
Seit Mitte der 1990er-Jahre hat die Verkehrsleistung in der Schweiz kontinuierlich zugenommen. Rund drei Viertel der Verkehrsleistung im Personenverkehr (nur Landverkehr) entfallen auf den privaten motorisierten Strassenverkehr. Erst die Massnahmen zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie wie zum Beispiel die Homeoffice-Pflicht führte bei den Verkehrsleistungen in der Schweiz 2020 zum ersten Mal seit Mitte der 1990er-Jahre wieder zu einem Rückgang.
Die Nachfrage nach Mobilität und nach dem Transport von Gütern wird gemäss Verkehrsperspektiven 2050 weiter zunehmen, und der Verkehr wächst auch in Zukunft. Aufgrund gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Trends wie der Zunahme von Homeoffice, der weitergehenden Urbanisierung und der Alterung der Bevölkerung wächst der Verkehr indes weniger stark als die Bevölkerung.
Benzin- und Diesel-Autos werden zunehmend abgelöst durch Elektrofahrzeuge. Der Fuss- und Veloverkehr gewinnt besonders in den Städten an Popularität. Diese Entwicklungen helfen, die Luftbelastung zu senken. Neben dem Verkehr beeinflussen auch unser Energieverbrauch und Konsum, der Betrieb von industriellen und gewerblichen Anlagen sowie die Landwirtschaft den Zustand der Luft.
Natürliche Vorgänge wie mikrobielle und chemische Prozesse in Böden und Gewässern, Ausscheidungen von Pflanzen und Tieren, Erosion, Waldbrände oder Blitze wirken sich ebenfalls aus; ihr Beitrag ist jedoch in der Regel für die gesamtschweizerische Luftverschmutzung gering.
2. Schadstoffemissionen (Belastungen)
Hauptverursacher der heute noch vorhandenen Luftbelastung sind in erster Linie:
- der motorisierte Verkehr (Stickoxide (NOX), Feinstaub, Flüchtige organische Verbindungen (VOC), Russ),
- die Haushalte inkl. Holzverbrennung (Feinstaub, VOC, Russ),
- die Landwirtschaft (Ammoniak, VOC, Feinstaub)
- die Industrie (VOC, NOX, Feinstaub)
Die Schadstoffe werden von Luftströmungen transportiert und können sich während ihres Transports chemisch und physikalisch verändern. So entsteht Ozon (Sommersmog) aus den Vorläuferschadstoffen Stickoxide (NOX) und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Aus Ammoniak, VOC, NOX und Schwefeldioxid können sich «sekundäre» Feinstaub-Partikel bilden.
Die Emissionen der meisten Schadstoffe sind seit 2000 weiter zurückgegangen. Die im Luftreinhaltekonzept des Bundesrates von 2009 vorgegebenen Reduktionsziele wurden aber bisher nur für Schwefeldioxid und NMVOC erreicht.
- Die Feinstaub-Emissionen (PM10, PM2.5) stammen etwa zu gleichen Teilen aus der Industrie und dem Verkehr und zu einem kleineren Teil aus der Landwirtschaft und den Haushalten. Die PM10-Emissionen sanken zwischen 2005 und 2020 um 26%. Ziel ist eine Reduktion von PM10 um 45% gegenüber 2005. Die PM2.5-Emissionen dagegen sanken seit 2005 um 45%.
- Die Stickoxid-Emissionen stammen über die Hälfte aus dem Verkehr. Der Ausstoss hat zwischen 2005 und 2020 um 44% abgenommen. Ziel ist eine Reduktion von 50%.
- Flüchtige organische Verbindungen (VOC) stammen zu 45% aus der Industrie und zu 28% aus der Landwirtschaft (Stand 2020). Ziel ist eine Reduktion von zirka 30% gegenüber 2005. Mit einer bisherigen Reduktion um 41% ist dieses Ziel erreicht.
- Ammoniak (NH3) stammt fast ausschliesslich aus der Landwirtschaft, wo es im Stallbereich sowie bei der Lagerung und Ausbringung von Gülle in die Luft entweicht. Die Ammoniakemissionen, die zu rund zwei Drittel für den Stickstoffeintrag verantwortlich sind, haben seit 2005 nur um knapp 11% abgenommen. Ziel ist eine Reduktion von 40%.
3. Schadstoffimmissionen (Zustand)
Die Luftqualität in der Schweiz hat sich seit 2000 weiter verbessert und ist im internationalen Vergleich mit ähnlich dicht besiedelten Gebieten gut. Bei den meisten Luftschadstoffen, für welche die Luftreinhalte-Verordnung Immissionsgrenzwerte festlegt, liegt die Belastung heute in der ganzen Schweiz unter diesen Limiten.
Dagegen überschreiten die gemessenen Konzentrationen von Ozon (O3) die Immissionsgrenzwerte grossflächig, von Feinstaub PM10 und PM2.5 an mehreren Orten und von Stickstoffdioxid (NO2) an einzelnen verkehrsnahen Standorten.
Übermässige Stickstoffeinträge, die zu zwei Dritteln von Ammoniak (NH3) Emissionen und zu einem Drittel von NOX Emissionen stammen, belasten die Umwelt in einem Ausmass, das deutlich über den kritischen Belastungswerten liegt. Unter einer Stickstoffbelastung, die über dem kritischen Wert liegt, leiden
- fast alle Hochmoore
- fast 90% der Wälder
- drei Viertel der Flachmoore
- ein Drittel der Trockenwiesen.
4. Folgen für Mensch und Umwelt (Auswirkungen)
Die grösste Gefahr für die Gesundheit geht von übermässigen Belastungen mit Feinstaub, Ozon und Stickstoffdioxid aus, welche zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen bzw. solche Erkrankungen verschlimmern. Der gegenwärtige Zustand der Luft führte gemäss dem Bericht «Externe Kosten und Nutzen des Verkehrs in der Schweiz» für das Jahr 2018 zu rund 2300 frühzeitigen Todesfällen, davon etwa 200 durch Lungenkrebs. Erhöhte Luftschadstoffkonzentrationen sind in der Schweiz Jahr für Jahr verantwortlich für mehr als 1800 Spitaleintritte wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Atemwegserkrankungen mit insgesamt 14000 Spitaltagen.
Hohe Stickstoffeinträge aus der Luft bewirken eine weiträumige Überdüngung der Ökosysteme. Dies führt zu einem Verlust von Biodiversität und trägt zur Versauerung von Waldböden bei. Davon betroffen sind insbesondere Wälder, artenreiche Naturwiesen und Trockenrasen, alpine Heiden, sowie Hoch- und Flachmoore. Zahlreiche Arten, die an nährstoffarme Lebensräume angepasst sind, werden dadurch gefährdet. Im Boden kann sich Stickstoff zudem in klimaaktives Lachgas umwandeln.
In der Landwirtschaft führt die Luftverschmutzung (namentlich durch Ozon) zu Ertragseinbussen von bis zu 15%.
Luftschadstoffe führen zu erhöhter Korrosion von Materialien und tragen damit zur Beschädigung von Gebäuden und Kulturdenkmälern bei.
Die Luftverschmutzung verursacht in der Schweiz jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe. Diese externen Kosten, welche nicht von den Verursachern bezahlt werden, betreffen die Gesundheit, Ernteverluste und Schäden an Materialien und Gebäuden. Die gesamten Gesundheitskosten werden vom ARE auf jährlich über CHF 6 Milliarden beziffert.
Russpartikel, Methan, Lachgas und bodennahes Ozon sind Luftschadstoffe, die auch das Klima beeinflussen.
5. Emissionsvorschriften (Massnahmen)
Um Menschen, Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume vor den schädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung zu schützen, muss der Schadstoffausstoss nach dem Gesetz so tief gehalten werden, wie dies ökonomisch tragbar und nach dem Stand der Technik möglich ist - selbst wenn kein unmittelbares Risiko für die Umwelt besteht (Vorsorgeprinzip). Strengere Beschränkungen treten in Kraft, wenn von schädlichen Auswirkungen ausgegangen werden muss.
Auf Bundesebene existieren Vorschriften über den Schadstoff-Ausstoss von Heizungen, industriellen Anlagen, Motorfahrzeugen, Maschinen und Geräten sowie Schiffen und Schienenfahrzeugen, und Vorschriften über die Qualität von Brenn- und Heizstoffen.
Ausserdem soll der beste Stand der Technik bei Fahrzeugen, Industrie- und Landwirtschaftsanlagen sowie Wärmeerzeugern zur Anwendung kommen. Die seit 2014 geltenden und schrittweise verschärften Euro-6/VI-Normen für Motorfahrzeuge bringen weitere Verbesserungen beim Feinstaubausstoss und den Stickstoffoxidemissionen. Zudem sind Massnahmen in Entwicklung, um den Abrieb von Feinstaubpartikeln bei Bremsen und Reifen zu senken.
Weitere Massnahmen sind die Schwerverkehrsabgabe oder die Lenkungsabgabe auf flüchtigen organischen Verbindungen (VOC).
Um den Ammoniakausstoss aus der Tierhaltung zu reduzieren, müssen Güllelager in der Landwirtschaft bis 2030 fest abgedeckt sein, so dass weniger Ammoniak austritt. Ausserdem muss die Gülle ab 2024 mit einem emissionsarmen System (z. B. Schleppschlauch) ausgebracht werden. Zudem wird der emissionsarme Stallbau mit finanziellen Beiträgen gefördert.
Die Kantone haben Massnahmenpläne zum Schutz der Luft erarbeitet, um die Belastung lokal zu reduzieren - indem sie beispielsweise den öffentlichen Verkehr fördern oder zeitlich begrenzte Verbote für Holzfeuerungen aussprechen.
Synergien mit anderen Politikbereichen ergeben sich vor allem im Bereich der Energie- und Klimapolitik. Massnahmen zur Effizienzsteigerung und der Ersatz fossiler durch erneuerbare Energien stehen in der Regel im Einklang mit der Luftreinhaltepolitik.
Zusätzlich muss die grossräumige Luftverschmutzung durch dauerhafte Massnahmen in den übrigen europäischen Ländern gesenkt werden. Deshalb sind auch auf internationaler Ebene im Rahmen des Übereinkommens über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung weitere Anstrengungen nötig.
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Letzte Änderung 20.12.2022