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Der Koloss unter den Hühnern besticht mit seinen stattlichen fünf Kilogramm Körpermasse und nicht mit einem üppigen Federkleid. Indische Kämpfer sind muskelbepackte Hühner mit sehr breiter Stellung. Die Beine sind sehr dick und rund. Die hintere Zehe ist tief angesetzt und steht auf dem Boden. Das Gefieder ist sehr hart und glanzvoll ohne viel Flaumbildung. An der Brust, den Schultern und dem After zeigen sich oft unbefiederte Stellen. Die kühne Haltung mit den breiten und hervortretenden Schultern ist ein wichtiges Rassemerkmal von Indischen Kämpfern. Die Brust ist ebenfalls breit und darf keinen Kiel zeigen.
Die Rasse wird in fünf Farbenschlägen gezüchtet. Die Fasanenbraunen zeigen eine kastanienbraune Grundfarbe und eine tiefschwarze Doppelsäumung. Mit den gleichen Zeichnungsmerkmalen, jedoch einer anderen Grundfarbe, gibt es noch die Weiss-fasanenbraunen und die Blau-fasanenbraunen. Alle drei Farbrichtungen werden in der Schweiz gezüchtet. Die Farbpalette wird mit den Gelben und Weissen abgerundet.
Schreckhafte Riesen
Indische Kämpfer haben Temperament, sind im Charakter aber nicht zu vergleichen mit anderen Kampfhuhnrassen. So sind sie eher schreckhaft und schüchterner als andere Kämpfer. Und auch ihr Name verleitet zu einer falschen Annahme. Die Hühner kommen nämlich nicht aus Indien, sondern sind eine englische Züchtung. Dabei wurden Asil, weisse Malaien, gelbe Cochin und später auch Shamos eingekreuzt.
Erschaffen wurden die bulldoggenartigen Hühner im südenglischen Cornwall. Es kam zu Kreuzungen, welche die Seeleute aus dem Bengalischen Meer von Vorder- und Hinterindien in die Hafenstädte Falmouth und Plymouth brachten. In den Anfängen gab es noch wenige optische Unterschiede zwischen den Malaien und den Indischen Kämpfern. Das milde und fast tropische Klima in Cornwall war ideal und wirkte sich positiv auf das Wachstum und Gedeihen der Indischen Kämpfer aus. Die Kreuzungen bekamen die Bezeichnung «Injeesgame», wie Wilfried Detering im Buch «Kämpfer und Zwerg-Kämpfer der Welt» schreibt. Eigentlich wäre «Cornish Game» passender gewesen.
Vor 70 Jahren 50 Franken pro Tier
Je länger man die Indischen Kämpfer züchtete, umso mehr merkte man, wie schwerfällig sie waren, und sie verloren die Bedeutung als Kampfhuhn. So ist die Rasse gewissermassen der Kuckuck unter den Kampfhühnern, wie es Horst Schmidt im «Handbuch der Nutz- und Rassehühner» schreibt. Die Indischen Kampfhühner gewannen an Bedeutung als Ausstellungshühner und waren ein vorzüglicher Masttyp. So setzten sie nach dem Zweiten Weltkrieg neue Massstäbe in der Geflügelzucht. Und selbst die heutigen Mastlinien in der Wirtschaftsgeflügelzucht sollen Blut von Indischen Kämpfern führen.
Vor ungefähr 70 Jahren ist eine Zwergform dazugekommen. Sie ist wohl bei der Schaffung von Zwerg-Malaien so nebenher entstanden, wie Detering schreibt. Pate standen vor allem fasanenbraune Asil, welche auf Kleinheit gezüchtet wurden.
Bereits 1882 wurden die ersten Tiere in Deutschland eingeführt. In der Schweiz gibt es Hinweise auf die stattlichen Hühner an den Nationalen Geflügelschauen seit 70 Jahren, als die Tiere damals für 50 Franken pro Tier gehandelt wurden. Seit diesem Zeitpunkt wurden von der Gross- und Zwergrasse insgesamt 324 Tiere gezeigt. Die Grossrasse war in den 1990er-Jahren in der Schweiz nicht präsent. Aktuell gibt es jedoch auch in der Schweiz Züchter der schweren Hühner.
Grossrasse:
Gewicht Hahn: 3,5 bis 4,5 Kilogramm
Gewicht Henne: 2 bis 3 Kilogramm
Bruteier: Mindestgewicht 50 Gramm, bräunlich
Legeleistung pro Jahr: 80 Eier
Zwergrasse:
Gewicht Hahn: 1,6 Kilogramm
Gewicht Henne: 1,3 Kilogramm
Bruteier: Mindestgewicht 30 Gramm, hellbraun
Legeleistung pro Jahr: 90 Eier
Nachzucht ist nicht einfach
Einer der Züchter von Indischen Kämpfern, Christoph Wirz, empfiehlt für eine erfolgreiche Nachzucht, die Tiere «mager» zu füttern. Am besten setzt man auf schwere Hennen mit drei Kilogramm Körpergewicht und schlanke Hähne. Das Mindestgewicht liegt bei den Hähnen bei 3,5 Kilogramm, ein ausgewachsener Hahn kann aber durchaus fünf Kilogramm auf die Waage bringen, wie erfahrene Züchter berichten. Wirz spricht ausserdem von einer Legeleistung der stattlichen Hühner von 90 bis 120 Eiern pro Jahr, was über dem im Standard festgehaltenen Wert von 80 Eiern liegt.
Die grösste Schwierigkeit in der Nachzucht sei die Befruchtung. Zu schwere Hähne können für die Begattung nicht mehr auf die Hennen springen. Im Ausland setzen deswegen einige Züchter auf die künstliche Befruchtung. Auch die Nachzucht der Indischen Zwergkämpfer ist schwierig. Doch die Züchter in der Schweiz ziehen ihre Nachzucht erfolgreich mit Tieren im «Natursprung». Als ideal erwiesen haben sich kleine Zuchtgruppen von einem Hahn und drei Hennen.
In der Aufzucht setzt Züchter Wirz auf Kükenfutter mit Kokzidiostatika und wechselt nach acht Wochen auf das Legehennenfutter. Bis zum Erreichen der grossen Körpermasse im ausgewachsenen Stadium braucht die Rasse bis zu zehn Monate. In der Pfanne geben Indische Kämpfer ein grosses Poulet. Das Fleisch ist durch seine Muskeln jedoch eher etwas zäher, als man sich dies bei den nur wenige Wochen alten Hühnchen aus dem Grossverteiler gewöhnt ist.