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Arbeitsmigration ist für viele Menschen in Kambodscha eine Möglichkeit, sich und ihren Familien eine Existenz zu sichern. Migrantinnen und Migranten ziehen auf regulärem oder auch auf irregulärem Weg in das benachbarte Thailand. In der Zeit der Corona-Pandemie haben sich die Bedingungen dafür verschlechtert.
Chronische Armut, Arbeitslosigkeit und Verschuldung im Herkunftsland sind die Gründe, welche viele Kambodschanerinnen und Kambodschaner zur Migration zwingen. Mindestens 1,2 Millionen Menschen aus Kambodscha arbeiten und wohnen in Thailand. Sie verdienen ihr Einkommen in den Bereichen Fischerei, Landwirtschaft, Viehzucht, Bauwesen, Produktion und Dienstleistungen. Eine Vereinbarung zwischen Thailand und Kambodscha sowie das Engagement von Entwicklungsorganisationen wie Caritas haben zwar die legale oder «sichere Migration» in den letzten Jahren gefördert, trotzdem machen sich die meisten Migrierenden nach wie vor ohne die notwendigen Papiere auf den Weg. Zu hoch sind die Kosten für Bewilligungen und Reisedokumente, zu langwierig und komplex die administrativen Verfahren.
Zur Rückkehr gezwungen
Die Corona-Pandemie hat auch Thailand nicht verschont. Kambodschanische Arbeitsmigrierende sind stark davon betroffen. Abriegelungen in Bangkok und anderen thailändischen Provinzen, die Angst, sich zu infizieren, sowie abgelaufene Arbeitserlaubnisse und der Verlust des Arbeitsplatzes haben viele Migrantinnen und Migranten zur Rückkehr nach Kambodscha gezwungen. Wer in Thailand bleibt, steht vor grossen Herausforderungen bei der Arbeitssuche. Es droht der Verlust des legalen Migrationsstatus. Bis April 2021 kehrten mindestens 185 000 Menschen von Thailand nach Kambodscha zurück. Bei ihrer Ankunft mussten sie ihre Körpertemperatur messen lassen, Gesichtsmasken tragen und sich einer zweiwöchigen Quarantäne in verschiedenen Zentren entlang der Grenzen unterziehen, oft unter sehr einfachen Bedingungen.
Ein Bericht der UNFPA (Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen) stellte nach der Befragung von 1000 Rückkehrern fest, dass kambodschanische Migrantinnen und Migranten mit drei Hauptproblemen konfrontiert sind: Erstens hat die Hälfte von ihnen kein Einkommen und verschuldet sich für die Gesundheitsversorgung und den Kauf von Lebensmitteln, wobei Frauen stärker gefährdet sind als Männer. Zweitens haben viele von ihnen nicht genug zu essen und müssen mit weniger Mahlzeiten auskommen. Sie haben auch nicht genug Geld, um Transportmittel und Gesundheitsdienste in privaten und öffentlichen Krankenhäusern nutzen zu können. Und drittens können die Kinder nicht in die Schule integriert werden, weil sie entweder noch nie eine Schule besucht haben oder nur an das thailändische Bildungssystem gewöhnt sind.
Die kambodschanische Regierung hat umfassende Massnahmen ergriffen, um die Rückkehrer zu unterstützen und die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen. Sie erhöhten die Quarantäne- und Testeinrichtungen an der kambodschanisch-thailändischen Grenze und stellten mehr finanzielle Unterstützung für jede Provinz entlang der Grenze zur Verfügung. Mit einem Budget von 25 Millionen Dollar hilft sie 560 000 Haushalten in ländlichen Gebieten und im Grossraum Phnom Penh. Sie hat dieses Programm auch auf die Migranten ausgeweitet, die aus Thailand zurückkehren.
Die Nothilfe der Caritas Schweiz
Darüber hinaus waren viele internationale und lokale NGOs aktiv daran beteiligt, die Rückkehrenden während der Pandemie zu unterstützen. Caritas Schweiz stärkte zwischen Juli und Dezember 2020
in einem Nothilfeprojekt in Zusammenarbeit mit dem National Committee for Counter Trafficking (NCCT) die Ernährungssicherheit von 27 000 Menschen (knapp 20% der Bevölkerung) im Distrikt Monkol Borei, dem Migrations-Hotspot in Kambodscha. Das Projekt umfasste Bargeldtransfers, Cash-for-Work für die Rehabilitierung von Bewässerungsinfrastruktur in der Landwirtschaft sowie die Unterstützung bei der Pflege von Hausgärten.
Derzeit unterstützt Caritas Schweiz gefährdete Rückkehrerfamilien mit 1000 Kindern, die in fünf Quarantänezentren in der Umgebung der Stadt Poipet im Nordwesten des Landes untergebracht sind. Bei Besuchen in diesen Zentren wurde deutlich, dass die Ressourcen der Regierung nicht ausreichen, um die bestehenden Bedürfnisse zu decken. So haben Kinder unter vier Jahren, die bei ihren Müttern bleiben, keinen Anspruch auf materielle Unterstützung. Es mangelt an Lebensmitteln und an Transportmitteln für die Heimreise in die Herkunftsdörfer. Das staatliche Bargeldtransferprogramm wird den Migranten erst nach ihrer Rückkehr in ihre Dörfer zur Verfügung gestellt, und das Antragsverfahren dafür nimmt Zeit in Anspruch. Familien, die keine Bleibe haben und gezwungen sind, sich vorübergehend in Poipet niederzulassen, sind noch härter betroffen. Ihnen fehlt ein Einkommen und sie sind mit hohen Ausgaben für Unterkunft und Lebenshaltungskosten konfrontiert.
Folgen noch lange spürbar
Die harten Auswirkungen der Pandemie auf kambodschanische Migrantinnen und Migranten werden noch viele Jahre andauern. Die Wiederherstellung der Lebensgrundlagen erfordert gemeinsame Anstrengungen von Regierung, Entwicklungsorganisationen und den Betroffenen selbst. Die Covid-19-Pandemie hat deutlicher denn je gemacht, dass das Einkommen, das durch Jobs im Ausland erzielt wird, für viele Familien entscheidend ist. Das Programm «Sichere Migration» der Caritas spielt auch zukünftig eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Migrantinnen und Migranten, die vor keiner anderen Wahl stehen, als ihr Heimatland zu verlassen.
Bild: Christopher Cusick
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