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Stelle dir vor, ich würde eines Tages an deiner Haustüre klingen, würde hoch offiziell aussehen und eine Polizei ähnliche Uniform tragen.
Wie ein Polizist würde ich dir mit ernster Miene einen “Dienstausweis” zeigen und mich als der neue Ernährungs-Kontrolleur für deinen Landkreis vorstellen.
Ich würde schnurstracks mit meiner Checkliste in der Hand zu deinem Kühlschrank gehen.
Ich würde mir den Kühlschrank ganz genau anschauen und nach kurzer Zeit eine Tafel Schokoloade herausholen, sie misstrauisch anschauen und mir die Nährstofftabelle zu Gemüte führen.
Dann würde ich sagen: “Mein lieber Mann, Sie überschreiten mit diesen raffinierten Kohlenhydraten aber eindeutig die monatliche Eigenkonsumgrenze.”
Als nächstes würde ich im Schrank ein Weißbrot entdecken und der nächste Kommentar wäre: “Also jetzt haben Sie aber leider doch noch ein bisschen Pech gehabt für den Monat.
Ich muss die Schokolade und das Weißbrot konfiszieren, außerdem bekommen sie ein Bußgeld wegen Verstoß gegen das Anti-Diabetes Gesetz.” (ersatzweise kann es auch ein anderes ähnlich klingendes Gesetz mit der Vorsilbe “Anti-” sein.)
Wie würde sich das anfühlen?
Und als besonders wichtige Frage: Könntest du dir noch sicher sein, der Eigentümer deines Körpers zu sein, wenn dir andere (der Staat) sogar eine Strafe über die “falsche” Ernährung “aufbrummen” können?
Ich wäre es sicherlich nicht mehr und es gibt bereits genügend Beispiele aus unserer aktuellen “Realität”, bei denen ich leicht ins Grübeln komme.
In der Theorie sollte ein Eigentümer eines wertvollen Gegenstands mit diesem Gegenstand tun und lassen können was er möchte (inklusive ihn zerstören, auch wenn das dumm ist).
Wenn wir Eigentümer unserer Körper (ein unbezahlbar wertvoller “Gegenstand”) sind, sollten wir ebenso mit ihm tun und lassen können, was wir möchten, inklusive ihn bewusst oder unbewusst zerstören können, auch wenn das dumm ist.
Und nicht anders verhält es sich mit dem Konsum von Drogen, bei dem sich eine dritte Partei wie unser “Schokoladen-Kontrolleur” einmischt und uns sagt, mit welcher Droge wir unseren Körper zerstören dürfen und mit welcher nicht.
Legalität und Illegalität gibt uns dabei absolut keine Orientierung für richtig und falsch oder moralisch und amoralisch. Die Hexenverbrennung war eine lange Zeit absolut legal, aber moralisch definitiv falsch.
Damit hilft uns die Abgrenzung zwischen Legalität und Illegalität in keinster Weise zerstörende und nicht zerstörende Drogen voneinander zu unterscheiden (siehe die besonders schädliche Droge wie Alkohol, raffinierter Zucker, Mais-Sirup, etc.). Alles legal und oft wesentlich schädlicher als manch illegale Droge.
Neurologisch gesehen wirkt Zucker sogar auf die gleichen Hirnareale wie illegales Kokain.
Alleine die Debatte, ob eine Droge verboten oder erlaubt sein sollte, ist überflüssig, da wir als Eigentümer unserer Körper mit unserem Eigentum tun und lassen können sollten, was wir wollen.
Wenn durch die Verwendung unseres Eigentums (im Falle des Körpers also einer Handlung) jemand anderem ein Schaden entsteht ist das ein anderes Thema.
Genauso wie unter Drogen kann jemand einem anderen Schaden zufügen, der nicht mit ausreichend Neuronen oder einem psychiatrischen oder neurologischen Problem auf die Welt gekommen ist und noch nie eine Droge angerührt hat.
Der Mensch kann je nach Handeln, immer einem anderen Menschen einen Schaden zufügen.
Es ginge in diesem Fall aber um eine andere Debatte, und zwar um jene, dass jeder Mensch die Verantwortung für seine Handlungen trägt, egal aus welcher Ursache oder Absicht heraus sie entstehen.
Warum selbst Tiere Drogen nehmen und das eigentlich auch für den Menschen das natürlichste von der Welt sein könnte…
Im Jahre 2012 befand sich die Emmy Award Wildfotografin John Downer an der Südostküste von Afrika, um Bildmaterial zu Großen Tümmlern (eine Delfinsorte) zu sammeln.
Sie brachte mit ihrem Team versteckte Unterwasserkameras an, um Aufnahmen von entspannten Delfinen machen zu können.
Diese bekamen sie auch, allerdings von ganz besonders entspannten Delfinen.
Sie standen unter Drogen.
Welche Droge, wirst du dich fragen?
Es waren Kugelfische.
Auf dem Filmmaterial (Video dazu gleich hier unten) ist ein Delfin zu sehen, der einen Kugelfisch vom Meeresgrund mitnimmt, ein paar Mal auf ihm herumkaut und ihn dann anderen Delfinen in der Gruppe übergibt.
Es sieht zuerst danach aus, als würden die Tiere so etwas wie ein Ballspiel mit dem Kugelfisch spielen, doch kurze Zeit später wird es dem Kugelfisch zu viel und er verteidigt sich mit seinem gelben Gift. Genau darauf haben es die Delfine abgesehen.
In hohen Dosen ist dieses Gift fatal (auch für Delfine), doch in kleinen Mengen wird dadurch ein Bewusstseinswandel oder eine Bewusstseinserweiterung bei den Tieren ausgelöst, der sie in eine Trance versetzt.
Psychopharmakologisten haben die letzten Dekaden damit verbracht, das Verhalten und die Strategien von Tieren zu analysieren, um ihr Bewusstsein zu verändern. (siehe Ronald K. Siegel, Intoxication: The Universal Drive for Mind-Altering Substances (Rochester, VT: Park Street Press, 1989), Seite 11))
Sie kamen zu weitreichenden Ergebnissen, die sich über eine Vielzahl unterschiedlicher Tierarten erstreckte:
- Hunde lecken für ihren Kick Pilze ab (oder meine Beobachtung: Giftkröten in Costa Rica)
- Pferde sind verrückt auf Narrenkraut
- Ziegen verschlingen “Zauberpilze”
- Vögel kauen auf Marijuana Samen herum
- Katzen genießen Catnip (Katzenminze)
- Wallaby Kängurus fallen über Mohnfelder her
- Rentiere fressen Fliegenpilze
- Paviane bevorzugen den Genuß von Ibogain
- Schafe kauen auf halluzinogenen Flechten herum
- Elefanten bevorzugen als eine der wenigen die weniger bewusstseinserweiternde Droge “Alkohol”, in dem sie gegorenes Obst essen.
Und Lemure machen das für ihren Kick:
In seinem Buch “Intoxication“ macht der Psychopharmakologist Ronald K. Siegel deutlich, dass das Suchen von Drogen und ihr Konsum bei Tieren biologisch normale Verhaltensweisen darstellt. Es ist mehr eine Regel als eine Ausnahme.
Diese Realität hat Siegel zu einer kontroversen Schlussfolgerung gebracht: “Das Verfolgen eines Rausches über Drogen ist eine primäre motivierende Kraft unter Organismen.”
Der Drang den “Kopf freizuschalten” ist so stark, dass man ihn als vierten Trieb neben Wasser, Nahrung und Fortpflanzung ansehen kann.
Warum ist das so?
Jeder Organismus geht mit dem Rausch ein gewisses Risiko ein.
Auf den ersten Blick sieht das nicht nach einer guten Überlebensstrategie aus.
Warum sollte das für die Evolution einen Sinn gemacht haben, wenn dieses Verhalten doch das Überleben der eigenen Spezies in Gefahr bringen kann?
Es gibt genügend betrunkene Vögel, die regelmäßig von Autos erfasst werden oder gegen Fensterscheiben fliegen und das Zeitliche segnen.
Katzen tragen mit ihrem Drogenkonsum manchmal Hirnschäden davon.
Affen, die sich nicht mehr orientieren können verlieren ihre Jungen aus den Augen und entfernen sich von ihrer sicheren Gruppe.
Die Tatsache jedoch, dass der Drogenkonsum sowohl im Dschungel als auch in größeren Städten der Menschen zum Alltag gehört, lässt einen nützlichen evolutionären Zweck dahinter vermuten.
Der Ethnobotanist Giorgio Samorini erwähnt in seinem Buch
“Animals and Psychedelics: The Natural World and the Instinct to Alter Consciousness” den wahrscheinlichen Grund für den Drogenkonsum, und zwar das Aufbrechen von alten Verhaltensmustern (inklusive Glaubenssätzen, wozu bald ein Monsterartikel folgt).
Wie Menschen kommen auch Tiere nach einer gewissen Zeit an den Punkt, wo sie in einer Routine oder einem Verhaltensmuster festhängen bleiben und die gleichen Handlungen täglich wie auf “Autopilot” wiederholen, allerdings mit immer schlechteren Resultaten.
Das kann auch uns ortsunabhängigen Unternehmern passieren, wenn Dinge, die bisher immer funktioniert haben nicht mehr funktionieren.
Und genauso wie bei Menschen fällt es auch Tieren nicht leicht, Verhalten einfach mal so zu von jetzt auf nachher zu durchbrechen.
Samorini schreibt ebenfalls, dass das Prinzip des Erhalts dazu tendiert, rigide etablierte Schemata und Muster zu erhalten.
Jedoch die Modifikation oder die Suche nach neuen eventuell besseren Wegen erfordert, dass diese Muster wenn auch nur kurzzeitig durchbrochen werden.
Wenn wir die Metapher von Software verwenden, entspricht das der Verbesserung oder einer Iterationsschleife des Programms.
Sowohl der bereits weiter oben erwähnte Siegel als auch Samorini argumentieren außerdem, dass Tiere psychoaktive Pflanzen konsumieren, da diese das Querdenken oder auch das Problem Lösen durch indirekte und kreative Herangehensweisen fördert.
Anstatt um graduelle oder iterative Verbesserungen mit der Zeit geht es dabei stärker um “out of the box” Einblicke, die während dem “normalen” Tagesbewusstsein deutlich schwerer zu erreichen sind.
Im Tagesbewusstsein stehen wir uns dafür oftmals viel zu oft selbst mit dem “Ego” im Wege, das als “Zensurorgan” fungiert und angeblich “bescheuerte” und nicht mit unseren Glaubenssätzen konforme Ideen ausfiltert, bevor wir sie überhaupt erst ernst nehmen können.
Der Rausch verringert bzw. umgeht diese “Zensurbehörde”.
2 Hindernisse für den Zugang zum Rausch
Zwei Hindernisse haben bisher die Organismen Tier wie Mensch vor dem vollen Zugang zu dieser evolutionären Hilfskraft abgehalten.
Die Ortsabhängigkeit ist das erste Hindernis.
Dadurch, dass Elefanten nicht in den Anden Coca-Blätter kauen können, sondern sich mit Früchten aus Afrika begnügen müssen, sind sie auf die gegorenen Früchte angewiesen, die sie vor Ort finden können.
Paviane können keine “Zauberpilze” aus der arktischen Tundra genießen, sondern müssen sich mit Ibogain begnügen.
Nur Menschen konnten diese Hürde mit dem Aufkommen des internationalen Handels besser umgehen.
Die zweite Hürde sind kulturelle Grenzen (beim Menschen besonders vorherrschend).
Antropologisten haben festgestellt, dass sobald sich ein örtliches Rauschmittel in vorherrschenden Traditionen verankert hat, alle anderen Rauschmittel verdächtigt und verteufelt werden.
Mit einem rationalen Grund hat das meist nichts zu tun (siehe Alkohol als das traditionelle Rauschmittel in unserer Kultur und Cannabis).
Ein weiteres Beispiel hierfür aus der Vergangenheit sind franziskanische Priester in Mexiko (Daniel Gade, Spell of the Urubamaba: Anthropogeographical Essays on an Andean Valley in Space and Time).
Als diese zwischen den Jahren 1493 und 1840 in Mexiko ankamen und dort sahen, dass die Einheimischen den Peyote Kaktus (ein psychoaktiver Kaktus) traditionell in ihrer Religion zu Rauschzwecken einsetzten, musste er sogleich von ihnen verboten werden und mit ihrem Meßwein ersetzt werden.
Fazit:
Entgegen der politisch und über ihre Medien beeinflussten Meinung kommt Drogen eine wichtige evolutionäre Rolle zu, um eingefahrene Verhaltensmuster aufzubrechen.
Das Aufbrechen dieser Verhaltensmuster führt oft zu neuen und besseren Wegen für die eigene Entwicklung oder die Entwicklung einer ganzen Spezies.
Der Konsum birgt aber auch das Risiko, die betreffende Droge dauerhaft für eine Flucht vor der Realität zu missbrauchen.
Die positiven evolutionären Effekte kehren sich dabei in’s Gegenteil um und zerstören auf lange Sicht den Konsumenten.
Das ist das Risiko dabei.
Da wir Eigentümer unserer Körper sind, ist also nicht die Frage, welche Droge mal gerade als “illegal” oder “legal” deklariert werden sollte, sondern wie man bewusst, verantwortungsvoll und vor allem mit der richtigen Dosis umgeht und die Erfahrung des temporär veränderten Bewusstseins richtig in das “Tagesbewusstsein” oder den Alltag integrieren kann.
Nur so kann sich der Konsum entsprechend positiv mit möglichst geringem Risiko auch auf die eigene Entwicklung und Produktivität auswirken.
Das Deklarieren einer Droge als “legal” garantiert noch lange nicht den richtigen und bewussten Umgang mit ihr (siehe Alkoholiker und Zuckersüchtige alias künftige Diabetiker).