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Polit. Gem. NE, Bez. Neuenburg. Dorf am Fuss des Juras. 1212 Curnaul. 1750 308 Einw.; 1850 459; 1900 522; 1950 405; 1990 1'545; 2000 1'473.
Lange machten die Archäologen in C. nur Funde aus der frühen Eisenzeit (Gruppe von Hallstatt-Tumuli oberhalb von Souaillon) und Streufunde aus der galloröm. Zeit sowie der Merowingerzeit (im Dorf und im Flussbett der Zihl). Seit 1965 aber ist C. für Archäologen ein Begriff. Man stiess nämlich bei der zweiten Juragewässerkorrektion bei Les Sauges zwischen Neuenburger- und Bielersee auf eine Holzbrücke über die Zihl aus dem 2. und 1. Jh. v.Chr. Sie war 90 Meter lang und ruhte auf sieben Pfeilern, die je aus drei Pfählen und zwei schrägen Seitenstützen bestanden. Darauf lagen Balken und darüber Rundhölzer als Brückenbelag. Unter der eingestürzten Brücke fand man Skelette von etwa 20 Menschen (z.T. mit erhaltenem Gehirn) und von Vieh. Die ebenfalls gefundenen Schwerter, Lanzenspitzen, Werkzeuge, Fibeln, Zaummundstücke, Münzen und Keramikgefässe stammen aus der späten Latènezeit. Dendrochronologisch konnte bestimmt werden, dass das Eichenholz im Jahr 116 v. Chr. gefällt worden war. Die Skelettanhäufung ist kaum auf eine Hochwasserkatastrophe, sondern eher auf sakrale Riten zurückzuführen. Auf dem Latène-Fundplatz 2,8 km flussaufwärts gibt es ebenfalls Hinweise auf solche Riten. Die Helvetierbrücke von C. lässt den Schluss zu, dass es bereits vor der galloröm. Besiedlung eine Strasse gab, die das Schweizer Mittelland über das Seeland (Region der drei Seen am Jurafuss) mit dem Jura verband.
Autorin/Autor: Michel Egloff / MF
Bereits zu Beginn des 13. Jh. gab es in C. eine landwirtschaftl. Nutzungsgemeinschaft, die sich aber erst im 15. Jh. als Gem. konstituierte. Bis zur Aufhebung der Eigenschaft im Jahr 1526 waren die meisten Bewohner von C. Unfreie, mit Ausnahme jener wenigen Fam., die im 14. Jh. das Bürgerrecht von Neuenburg erwarben. Bis 1848 gehörte C. zur Kastlanei Thielle, ausser während der Regierungszeit von Louis-Alexandre Berthier über Neuenburg, als die Kastlanei Thielle der Kastlanei Le Landeron (deren Hauptort 1807-14 C. war) einverleibt wurde. Die polit. Gem. C. gibt es seit 1869. Die Pfarrei bzw. Kirchgemeinde (Kirche Saint-Pierre) ist seit 1228 belegt und gehörte zum Dekanat Solothurn (Diözese Lausanne); sie umfasst C., Thielle, Wavre und seit der Reformation von 1532 auch die Reformierten von Enges; bis 1888 gehörte auch Epagnier dazu. Weinbau und Landwirtschaft dominierten im Dorf bis Mitte des 20. Jh. Die Société d'agriculture et de viticulture du district de Neuchâtel errichtete in C. 1927 ihre Lager, 1950 ihre Mühle und 1963 ihr Sammelzentrum. 1964 ermöglichte die zweite Juragewässerkorrektion die Trockenlegung des Ufergebiets der Zihl und die dortige Ansiedlung von Schwerindustrie: Die Zementfabrik Juracime ist seit 1966 in Betrieb und baut beim Bois Jacques Kalkstein und auf dem Plateau bei Wavre tonhaltigen Mergel ab. Auf Gemeindegebiet von C. liegt der Rangierbahnhof der Raffinerie von Cressier; ferner haben sich in C. mehrere kleine Betriebe, insbesondere Schreinereien und Maschinenindustrie, niedergelassen.
Autorin/Autor: Olivier Girardbille / MF