Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03417.jsonl.gz/934

[Erschienen am 5. August 2007, 12.02] Wenn nach wenigen Filmen schon ein Trend festgestellt werden müsste, dann ist das wiederkehrende Thema in den Filmen des Internationalen Wettbewerbs das Familiendrama. Im kanadischen Beitrag «Contre toute espérance» kämpft ein Ehepaar gegen sein bitteres Schicksal.
Réjeanne (Guylaine Tremblay) sitzt im Verhörzimmer, Gesicht und Hände blutverschmiert. Der Kommissar möchte wissen, weshalb sie mit einem Gewehr auf ein Haus geschossen hat und woher das Blut stammt. Dann folgt die Rückblende: Réjeanne und ihr Mann Gilles (Guy Jodoin) kaufen sich ein hübsches Haus in der Vorstadt von Québec. Er ist Lastwagenfahrer, sie arbeitet als Telefonistin. Auf das kurze Glück folgt ein schwerer Schicksalsschlag. Nach einem Schlaganfall ist Gilles nicht mehr arbeitsfähig.
In der Gegenwart hat der Kommissar mittlerweile herausgefunden, dass der Mann von Réjeanne tot in der Wohnung gefunden worden ist, erschossen mit dem Gewehr, mit dem Réjeanne um sich geschossen hat. Was ist passiert? In der Folge wird die Geschichte in beiden Ebenen parallel weiter erzählt. Réjeanne verliert wegen Restrukturierungen ihre Arbeit, Gilles erleidet einen zweiten Schlaganfall, der ihn noch mehr behindert. Trotzdem versucht die pflichtbewusste Réjeanne alles, um das Leben erträglich zu gestalten. Doch Gilles sinkt immer tiefer in eine Depression.
Dem aufmerksamen Betrachter wird schnell einmal klar werden, was am Ende vorfallen muss. Auch wenn es sich der Struktur wegen wie ein Krimi anhören mag, ist «Contre toute espérance» nicht besonders spannungsgeladen konstruiert. Das Schicksal der beiden Hauptfiguren steht im Zentrum, die «gegen jede Hoffnung» in einer globalisierten Welt ihrem Schicksal entrinnen wollen.
Bestechend an «Contre toute espérance» sind die fein herausgearbeiteten Figuren, die von Guylaine Tremblay und Guy Jodoin brillant gespielt werden. Etwas aufgesetzt wirkt hingegen die plötzlich auftauchende, ziemlich plakative vorgetragene Sozialkritik. Regisseur und Drehbuchautor Bernard Émond sieht seinen Film nämlich auch als Anklage gegen das Profitdenken der westlichen Konzerne. Gegen manches Unglück ist aber selbst das wirksamste Sozialsystem machtlos.
Fazit: «Contre toute espérance» ist erschütterndes Drama mit zwei herausragenden Hauptdarstellern.
Bewertung:
Schreib einen Kommentar
You must be logged in to post a comment.