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Erfahrungsberichte
Simon*, um die 30, arbeitslos, sagt, dass er weder Menschenmengen noch Kontakt zu Leuten mag und sich am liebsten allein beschäftigt. Er lebt zu 100 % von der Invalidenversicherung. Er hat alle Spielkonsolen und «weil er alle Zeit der Welt hat», spielt er den ganzen Tag. Er begrenzt seine Ausgaben mit einer Prepaid-Kreditkarte, die er für In-Game-Käufe (in Candy Crush oder GTA) und Rubbellose (Tribolo) nutzt. Er gibt zu, dass es ihm schwerfällt aufzuhören, wenn er verliert.
Kevin* (Gymnasiast und halbprofessioneller Sportler) schloss seine erste Sportwette mit ca. 15 ab, also noch bevor er volljährig war. Mit 18 gewann er auf einer Schulreise 1000 Franken im Casino, die er sofort mit seinen Klassenkameraden ausgab. Jeden Abend, wenn er zum Training geht, zeigt er den QR-Code seiner Sportwetten-App am Bahnhofskiosk vor, um seine Wetten zu registrieren. Wenn er gewinnt, geht er am nächsten Morgen auf dem Weg in die Schule wieder dort vorbei. Seit Kurzem hat er seine Strategie geändert: Statt kleine Beträge auf hohe Quoten zu setzen, setzt er nun lieber grosse Beträge auf niedrige Quoten.
Ein Betriebspraktikum in Vollzeit und das Schreiben ihrer Diplomarbeit haben Daniela* dazu gebracht, sich von ihrer Leidenschaft für Free-to-Play-Spiele (F2P-Spiele), der sie während ihres Studiums uneingeschränkt nachging, abzuwenden. Aber dieser Verzicht ist noch nicht endgültig. Obwohl sie alle ihre Spiele-Apps deinstalliert hat, behält sie ihre Konten: Sie hat zu viel Zeit und Energie hineingesteckt, um sich jetzt davon zu trennen.
Emilie*, die als Pflegerin arbeitet, hat das Pokern von ihrem Vater und Grossvater gelernt. Während ihrer Lehre gewann sie zum ersten Mal: 3200 Franken – ein Betrag, der viel höher war als ihr damaliger Lohn. Ihre Leidenschaft für das Spiel ist seitdem immer grösser geworden, doch seit sie ein Kind hat, spielt sie deutlich seltener Online-Poker. Ihre Schwiegermutter und ihre Kolleg*innen wissen nichts von ihrer geheimen Leidenschaft. Wenn sie sie hin und wieder Geldspiele spielen sehen, dann nur in Form von Rubbellosen.
* Die Vornamen wurden geändert.