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Persönlich sind sie sich nie begegnet: Franz Schubert und Johann Wolfgang von Goethe, der bei Schuberts Geburt 1797 bereits 47 Jahre alt war und diesen dennoch um gut drei Jahre überlebte. Zwei Kontaktversuche gab es von Seiten Schuberts, jedoch blieben beide unbeantwortet: 1816 schickte Schuberts Freund Joseph von Spaun einige dem Dichter gewidmete Kompositionen und schrieb: «Sollte der junge Künstler (Schubert) so glücklich sein, auch den Beifall desjenigen zu erlangen, dessen Beifall ihn mehr als der irgendeines Menschen in der weiten Welt ehren würde, so wage ich die Bitte, mir die angesuchte Erlaubnis mit zwei Worten gnädig melden zu lassen.» Das Anliegen blieb unerhört, Goethe schickte den Brief unkommentiert zurück. Auch der zweite, nun persönliche Annäherungsversuch von Schubert neun Jahre später hatte lediglich einen lapidaren Eintrag in Goethes Tagebuch zur Folge: «Sendung von Schubert aus Wien, von meinen Liedern Compositionen.» Und so blieb Schuberts Wunsch, «einige Beachtung für meine Unbedeutendheit zu gewinnen» unerfüllt – und ihm damit das «schönste Ereignis meines Lebens» verwehrt.
Auch wenn die künstlerische Liebesbeziehung zwischen Schubert und Goethe nicht auf Gegenseitigkeit beruhte, zählt das Ergebnis zum Schönsten, was in der Liedkunst hervorgebracht wurde. Einen Auszug davon haben der Tenor Mauro Peter und der Pianist Joseph Middleton zusammengestellt. Anlässlich ihres Liederabends präsentieren sie einen Querschnitt durch Schuberts Goethevertonungen: Das Lied «Sehnsucht» von 1814 ist ebenso zu hören wie «Wandrers Nachtlied II» von 1824. Mit «Ganymed» und dem «Erlkönig» sind ausserdem zwei Kompositionen vertreten, die Schubert Goethe gewidmet hat. Der «Erlkönig» ist ein Lied, das mit der musikalischen Herausarbeitung der verschiedenen Stimmen des Erzählers, des Knaben, des Vaters und des Erlkönigs wie kaum ein anderes für Schuberts Kunst steht. Getrieben wird das Lied von lautmalerischem Pferdegetrappel, das Schubert laut Goethe – nicht ganz ohne ironischen Unterton – «vortrefflich ausgedrückt» habe. Im scharfen Kontrast dazu steht «Meeres Stille», das in seiner Statik die regungslose See gleichnishaft darstellt.
Das Konzert findet anlässlich der ersten «Goethe Tage Andermatt» statt, das Konzertticket berechtigt zum Besuch der Podiumsdiskussion um 16.30 Uhr zu Goethes Gotthardreise.
Programm: Franz Schubert (1797–1828): Lieder nach Gedichten von Johann Wolfgang von Goethe Der Sänger, D 149 Sehnsucht, D 123 Rastlose Liebe, D 138 Meeres Stille, D 216 Wandrers Nachtlied II, D 768 An den Mond, D 296 Der Fischer, D 225 Der Rattenfänger, D 255 Der König in Thule, D 367 Erlkönig, D 328 Gesänge des Harfners aus «Wilhelm Meisters Lehrjahre», D 478 Ganymed, D 544 Erster Verlust, D 226 Versunken, D 715 Geheimes, D 719 An die Entfernte, D 765 Willkommen und Abschied, D 767