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Kurze Chronik der Schachgesellschaft Winterthur
Die Schachgesellschaft Winterthur wurde am 29. September 1846 von 17 Schachspielern im Kaffee zum „Ritter“ an der Schmidgasse gegründet. Präsident der Gesellschaft wurde der Lehrer Jakob Kübler (1788-1853), ein angesehener Bürger der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt stand die gesellige Unterhaltung durch das Schachspiel im Vordergrund. Trotzdem sind frühe Wettkämpfe teilweise auf dem Korrespondenzweg gegen andere Städte überliefert. Im Jahre 1889 war die SG Winterthur Gründungsmitglied des Schweizerischen Schachbundes, dessen erster Präsident ein Winterthurer wurde.
Nach dem ersten Weltkrieg erlebte das Winterthurer Schach einen Aufschwung. In diese Zeit fällt die Gründung des Arbeiterschachklub Winterthur im Jahre 1921, in welchem sich vor allem die Arbeiterschaft betätigte, während die Schachgesellschaft dem Bürgertum vorbehalten war, was einem Abbild der damaligen Gesellschaft entsprach. In den Quartieren Töss und Wülflingen entstanden weitere Arbeiterschachklubs. In den 1920er-Jahren wurde das Schachspiel in der Schachgesellschaft weiter reglementiert, indem für Turniere Paarungen an bestimmten Terminen festgelegt wurden und mit der Einführung der Schachuhr auch die Zeitbeschränkung für Partien Einzug hielt. 1928 empfing die SG Winterthur die erste Frau unter ihren Mitgliedern.
Zweifellos ein Höhepunkt in der Geschichte der Schachgesellschaft war 1931 die Durchführung des Schweizerischen Schachturnieres in Winterthur. Ende der 1930er-Jahre fanden die ersten Turniere zwischen der SG Winterthur und den Winterthurer Arbeiterschachklubs statt. Solche Begegnungen wurden erst nach dem Abschluss des landesweit wegweisenden Friedens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Winterthurer Maschinenindustrie von 1937 möglich.
Nachkriegszeit und Jugendförderung
Noch während Kriegszeiten entschied die SG Winterthur, ihr 100-jähriges Jubiläum 1946 mit der Durchführung eines Schweizerischen Schachturnieres zu begehen, das ein grosser Erfolg wurde. In den folgenden Jahren entstanden unzählige neue nationalen und städtischen Turniere. Die Tradition der Schachgesellschaft, immer wieder grosse Turniere in Winterthur durchzuführen, hielt sich bis in die Gegenwart.
Bis in die beginnenden 1960er Jahre kannte die Schachgesellschaft kaum Mitglieder, die das Mündigkeitsalter noch nicht erreicht hatten. 1963 begann der Verein, das Schachspiel der Jungen zu fördern und führte regelmässig Jugendturniere durch. Bald taten sich eine ganze Reihe von Winterthurer Nachwuchs- und späteren Meisterspielern hervor, die grosse Erfolge feiern konnten. Diese gingen einher mit dem ersten Gewinn der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft des Vereins im Jahre 1972. Es war Mitgliedern der Schachgesellschaft zu verdanken, dass die Stadt Winterthur nach der Durchführung von vier Versuchskursen 1975 Schachkurse in das fakultative Stoffangebot der Winterthurer Volksschule jeweils in den Winterhalbjahren aufnahm.
1981 gewann Winterthur zum zweiten Mal nach 1972 die Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft und setzte weiterhin nur auf eigene Spieler und eigenen Nachwuchs, was auch von den NLA-Spielern unterstützt wurde. Umgekehrt schritt die Professionalisierung im Nationalliga-Schach weiter voran, so dass ein richtiger „Spielermarkt“ entstand. Auch wenn praktisch alle Winterthurer Spieler dem Verein treu blieben, reichte es diesem nicht mehr, seine erste Mannschaft dauerhaft in der NLA zu halten. Winterthur wurde in der Folge zum „Liftklub“ zwischen den Nationalligen A und B.
Intensiverer Austausch unter den Winterthurer Schachklubs
In den 80er-Jahren wurde die Zusammenarbeit der Winterthurer Schachklubs enger, so dass 1985 der Winterthurer Schachverband als Dachverband der Winterthurer Schachklubs gegründet wurde. Besonders fruchtbar war das Zusammenwirken der Schachgesellschaft mit dem Arbeiterschachklub. In der Zwischenzeit waren viele Spieler Doppelmitglieder, darunter auch fast die ganze erste Mannschaft, die beim Arbeiterschachklub in der Schweizerische Gruppenmeisterschaft spielte und den Titel in den Jahren 1984-1987 viermal in Serie nach Winterthur holen konnten. Ausfluss dieser Zeit war auch die Festhütte „Zum Damenopfer“ des Arbeiterschachklubs jeweils am Albanifest mit ihrem gleichnamigen Spezialkaffee. 1996 feierte die Schachgesellschaft ihr 150-jähriges Jubiläum mit zwei grossen internationalen Einladungsturnieren, an welchen auch eigene Spieler mitspielten. Der Arbeiterschachklub holte im gleichen Jahr zu seinem 75-jährigen Jubiläum das jährlich ausgetragene Bundesturnier nach Winterthur.
Von der Kultur zum Sport
In der Folge entwickelte sich Schach, das lange Zeit als kulturelles Gut angesehen wurde, immer mehr zum Sport. Im Jahr 2000 tritt der Schweizerische Schachbund Swiss Olympic bei. Die Schachgesellschaft entschied sich ihrerseits 2007, dem Dachverband Winterthurer Sport beizutreten. Zwei Jahre später wurde die Ethik-Charta von Swiss Olympic in die Statuten des Vereins integriert. Von 2001 bis 2012 fand unter der Aufsicht des Schachverbandes Winterthur die Winterthurer Schachwoche, ein grosses jährlich wiederkehrendes internationales Schachturnier statt, das sich über die Landesgrenzen hinaus grosses Ansehen erarbeitete. Weitere Mannschaftstitel holte vorerst nur der Arbeiterschachklub, der die Schweizerische Gruppenmeisterschaft 2000, 2003, 2009, 2012 und 2015 fünf weitere Male gewinnen konnte. Mit dem Aufschwung der digitalen Gesellschaft und den aufkommenden neuen Freizeitangeboten fiel es den Winterthurer Schachvereinen immer schwerer, genügend Freiwillige zu finden, die sich für Vorstands- und Vereinsarbeiten zur Verfügung stellten. Vor diesem Hintergrund entschied der Arbeiterschachklub 2015, sich der Schachgesellschaft anzuschliessen. Mit diesem Zusammenschluss blieb mit der Schachgesellschaft nur ein Winterthurer Verein übrig, so dass der Schachverband Winterthur als separate Dachorganisation aufgelöst und in die Schachgesellschaft integriert wurde.
Nach der Konsolidierung in der Winterthurer Schachszene
Die Schachgesellschaft spielte fortan sowohl in der Schweizerische Mannschaftsmeisterschaft und Schweizerische Gruppenmeisterschaft und konnte weitere Titel feiern. So gewann sie 2017 als Aussenseiter zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte den Mannschaftsmeister-Titel, 36 Jahre nach dem letzten Erfolg. Wiederum war dieser Erfolg nur dank einer grossen Zahl an im Verein gross gewordenen Nachwuchsspielern möglich, auch wenn ein ausländischer Spitzenspieler die Mannschaft ergänzte. Dies war nach einerm denkwürdigen Entscheid im Jahre 1996 ab der Saison 1997 der Fall. Das Ziel war, so die erste Mannschaft stabil in der NLA zu halten, was den starken Nachwuchsspielern die Perspektive gab, in der höchsten Liga spielen zu können. Unter diesen Spitzenspielern gab es illustre Namen wie der heute hauptsächlich als Schachjournalist tätige Daniel King (von 1997-2003), der dreimalige WM-Halbfinalist und die ehemalige Nummer drei der Welt, Artur Jussupow (von 2004-2017), der nachmalige WM-Finalist und WM-Herausforderer und die gegenwärtige Nummer 2 der Welt, Fabiano Caruana (von 2010-2012), und der der erweiterten Top 10 der Welt angehörige Inder Harikrishna Pentala (2018-2019).
Weitere Mannschaftserfolge feierte die Schachgesellschaft 2020 mit dem zehnten Gewinn der Schweizerische Gruppenmeisterschaft und 2017 mit dem fünften Sieg im nationalen Teamcup nach Erfolgen in den Jahren 1966, 1967, 1970 und 1971.
Im Jahre 2021 feiert die Schachgesellschaft Winterthur ihr 175-jähriges Jubiläum.