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„In Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit.“ So lautet ein Zitat des schottischen Historikers Thomas Carlyle (1795-1881). Damit hat er sicher nicht unrecht. Wäre es beispielsweise nicht interessant, sich durch die Bücher einer ganzen Bibliothek zu lesen und zu schauen, was die Autoren zu welcher Zeit beschäftigte? Wenn man untersuchen würde, wie häufig ein bestimmtes Wort in den Büchern einer gewissen Zeit vorkam, so könnte man viel über die Vergangenheit erfahren. Zu welcher Zeit gewann beispielsweise das Wort „Kolonie“ in Büchern an Bedeutung? Wann wurde „Mondlandung“ oft erwähnt? Wie sieht es beispielsweise mit „Telegramm“, „Fax“, „E-Mail“ oder „SMS“ aus?
Wahrscheinlich haben sich Jon Orwant und Will Brockman, zwei Mitarbeiter von Google, ähnliche Gedanken gemacht. Jedenfalls haben sie 2010 das Tool Google Ngram Viewer veröffentlicht. Dieses basiert auf 5.2 Millionen Büchern (mit insgesamt über 500 Milliarden Wörtern), die zwischen 1500 und 2008 veröffentlicht und im Rahmen von Google Books digitalisiert worden sind. Mit Google Ngram Viewer kann man genau wie oben beschrieben ein bestimmtes Wort suchen und erhält ein Liniendiagramm, das dessen Häufigkeit in der Literatur im Laufe der Zeit darstellt. Meiner Meinung nach lohnt es sich, die Seite zu besuchen. Die Antworten zu den oben stehenden Fragen sind hier aufgelistet:
1. Kolonie
Die Häufigkeit der Verwendung des Wortes „Kolonie“ begann im deutschen Sprachraum um 1880 stark zuzunehmen. Dies ist wohl kaum ein Zufall, da zu dieser Zeit der Kolonialismus des deutschen Reiches begann. Um 1945 nimmt die Häufigkeit stark ab. Dieses Jahr wird auch als Ende des Kolonialismus angesehen.
2. Mondlandung
Wann hat sie wohl stattgefunden?
3. Kommunikationsmittel
Die Bedeutung des Telegramms hat in den letzten 50 Jahren (zumindest in der Literatur) stetig abgenommen. Das Wort „Fax“ hat seine besten Zeiten wohl hinter sich und auch die Bedeutung des E-Mails könnte noch sinken. Die Häufigkeit von „SMS“ nimmt in Büchern langsam zu, ist aber noch nicht sehr hoch.
Quellen
Beitragsbild: upload.wikimedia.org
Wikipedia: Google Ngram Viewer
Diagramme: Screenshots aus Google Ngram Viewer
Was geschah am 10. Oktober 1582? „Wahrscheinlich nichts Weltbewegendes“, wird man wohl sagen, wenn man sich nicht gerade speziell mit den Tagen dieses Jahres auskennt. Diese Antwort ist gar nicht so falsch, denn am 10. Oktober 1582 geschah nichts. Wirklich komplett nichts. Dieser Tag hat nämlich gar nie stattgefunden. Auch die fünf Tage zuvor und die vier Tage danach gibt es nicht. In unserer Zeitrechnung folgte der Freitag, 15. Oktober 1582 direkt auf den Donnerstag, 4. Oktober 1582.
Verantwortlich für das Verschwinden der 10 Tage aus unserer Zeitrechnung ist Papst Gregor XIII. Er hatte aber auch gute Gründe dazu. Vor 1582 war in Europa der Julianische Kalender verbreitet, der auf den Römischen Kaiser Julius Cäsar zurückzuführen ist. Der Julianische Kalender sieht alle vier Jahre ein Schaltjahr vor, da ein Tropisches Jahr (Zeitperiode von einer Frühlings-Tagundnachtgleiche zur nächsten) etwas länger als 365 Tage dauert, diese Differenz also wieder ausgeglichen werden muss (mit dem zusätzlichen Schalttag). Die Jahre des Julianischen Kalenders dauern somit durchschnittlich 365,25 Tage, das Tropische Jahr aber nur 365,2422 Tage. Die Abweichung zwischen dem Julianischen Kalender und dem Sonnenjahr wurde also jedes Jahr grösser und machte sich schliesslich im 16. Jahrhundert bemerkbar. So stimmten das Sonnenjahr und die Mondzyklen nicht mehr mit dem Kalender überein. In der Folge wurde beispielsweise Ostern (Datum abhängig vom Frühlingsbeginn und vom Frühlingsvollmond) nicht mehr zur richtigen Zeit gefeiert. Da musste der Papst natürlich handeln.
Gregorianischer Kalender
Gregor XIII. führte den Gregorianischen Kalender ein, der sich bis heute in Europa als Standard durchgesetzt hat (einige reformierte Gebiete wechselten jedoch erst mehrere Jahrhunderte später). Der Gregorianische Kalender ist genau gleich aufgebaut wie der Julianische (alle vier Jahre ein Schaltjahr), sieht aber in Jahrhundertjahren, die kein Vielfaches von 400 sind, keinen Schalttag vor. Somit ist ein Jahr des Gregorianischen Kalenders durchschnittlich 365.2425 Tage lang und somit viel näher an der Dauer des Tropischen Jahres (365.2422 Tage). Dadurch weicht der Gregorianische Kalender in 4’000 Jahren nur um rund einen Tag vom Sonnenjahr ab.
Um den Jahresverlauf der Sonne wieder einzuholen, mussten einige Tage übersprungen werden. Deshalb ordnete Gregor XIII. an, dass auf den 5. Oktober gleich der 14. Oktober 1582 folgen sollte. Zehn Tage verschwanden aus unserer Zeitrechnung.
Quellen
Beitragsbild: foto.nationalgeographic.de
Wikipedia: Gregorianischer Kalender, Julianischer Kalender, Jahr
Bundesamt für Metrologie (METAS): Der Gregorianische Kalender
Ein Jahr ist bekanntlich die Zeit, während der die Erde (und somit wir) einmal um die Sonne kreist. Da wir die verstrichene Zeit seit unserer Geburt, die wir „Alter“ nennen, in Jahren zählen, stellt diese somit nichts anderes als die Anzahl Umdrehungen um die Sonne, die wir bereits gemacht haben, dar. „Nur Menschen, die bereits 18 volle Umdrehungen um die Sonne erlebt haben, dürfen hier eintreten“, lautet also die eigentliche Aussage vieler Clubs und Bars.
Aber man muss das Alter ja auch nicht zwingend in Jahren angeben. Auf der Seite ihr-alter.de kann man sich ganz einfach sein Alter in Tagen, Stunden, Minuten und Sekunden ausrechnen lassen. So wird man sein 1-Milliarden-Sekunden-Jubiläum (nach ungefähr 31 Sonnenumdrehungen) nicht verpassen.
Eine weitere interessante Website zum Thema Geburtstag und Alter ist whenwasiconceived.com. Diese Website berechnet aus dem Datum der Geburt die Woche, während der man wahrscheinlich gezeugt wurde und zeigt dann den beliebtesten Song und Film dieser Zeit an. Vielleicht hatten diese sogar einen Einfluss…
Auf der Seite outreach.jach.hawaii.edu kann man seinen Geburtsstern finden. Dazu muss man einfach sein Geburtsdatum eingeben und die Seite zeigt einem dann einen Stern an, der genau so viele Lichtjahre von der Erde entfernt liegt, wie man Jahre alt ist. Das bedeutet, dass das Licht, welches von diesem Stern heute sichtbar ist, genau zum Zeitpunkt der eigenen Geburt dort ausgesendet wurde. Umgekehrt könnte ein Beobachter auf dem „Geburtsstern“ nun gerade den Geschehnissen auf der Erde während des Geburtstages zuschauen.
Quellen
Quelle Beitragsbild: spacelapse.net
Laut Statistik liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in der Schweiz bei 82.7 Jahren. Der gewöhnliche Schweizer oder die gewöhnliche Schweizerin lebt somit ungefähr 30’000 Tage, 725’000 Stunden oder 2.6 Milliarden Sekunden. In diesem Beitrag habe ich einige Hochrechnungen zur Frage, womit wir unser Leben verbringen, zusammengestellt.
Lebenszeit
Auf das gesamte Leben hochgerechnet schlafen wir ca. 25 Jahre. 3.5 Jahre verbringen wir mit Essen. Dabei landen 45.5 Schweine, 3.2 Rinder, 926 Hühner, 6’921 Liter Milch, 5’192 Brote, 8’028 Äpfel, 3’367 Schokoladentafeln, 11’586 Liter Kaffee und 8’857 Liter Bier in unseren Mägen. Unser Herz pumpt das Blut, welches unsere Zellen über das gesamte Leben mit etwa 85 Millionen Kilokalorien Energie (entspricht 160’000 Schokoladentafeln) versorgt, mit insgesamt bis zu 4 Milliarden Schlägen durch unseren Körper. Was wir davon nicht brauchen, scheiden wir während 6 Monaten auf der Toilette wieder aus. Wir führen ungefähr 500 Millionen Lidschläge durch, was einer Zeit von etwa 6 Jahren entspricht. Mit dem Auto fahren wir etwa 2 Jahre, 6 Monate warten wir im Stau. Insgesamt haben wir in unserem Leben etwa 10 Autos, verbrauchen 45’000 Liter Benzin und reisen damit 819’214 km weit. Zu Fuss bringen wir es auf 25’160 km. 8 Jahre verbringen wir mit Arbeiten und etwa 2 Jahre lernen wir oder bilden uns fort. Dafür küssen wir während 2 Wochen und haben etwa 4’000 mal Sex. Ungefähr 12 Jahre unseres Lebens reden wir und die gleiche Zeit verbringen wir vor dem Fernseher. 12 Monate gehen wir in Konzerte, Theater oder Kinos. Allen anderen Beschäftigungen, die hier nicht aufgezählt wurden, gehen wir während 16 Jahren unseres Lebens nach.
Quellen
Wikipedia: Mensch in Zahlen, Herzfrequenz, Lidschlag
sbv-usp.ch (Nahrungsmittelverbrauch pro Kopf)
kalorientabelle.tv (Kalorien verschiedener Lebensmittel)