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Herr Ferguson, wünschen Sie manchmal, Sie könnten Ihr Gehirn ausschalten und zwischendurch das Leben eines Halb- oder Unwissenden geniessen?
Wie kommen Sie darauf?
Sie waren 48 Stunden nonstop unterwegs, Rede reiht sich an Rede, Auftritt an Auftritt. Und sonst reiht sich Aufsatz an Aufsatz, Buch an Buch…
…Übung macht den Meister! Ich liebe es, wenn das Gehirn auf Hochtouren läuft. Als ich ein kleiner Junge war, trug mir meine Mutter jeweils ein Gedicht des amerikanischen Lyrikers Ogden Nash vor: «See the happy moron, He doesn’t give a damn. I wish I were a moron. My God, perhaps I am!» Sie verstehen? Ich habe die Lektion verinnerlicht, die mir meine Mutter mit auf den Weg gab: dass ich nie mit dem Denken aufhören und dass ich mich selbst zugleich nie zu ernst nehmen soll. Seit Jahr und Tag versuche ich, nicht ein glücklicher Idiot, sondern ein glücklicher Denker zu sein. Klar, manchmal habe ich meine idiotischen Momente. Aber ich hege nicht den Wunsch, mein Denken abzustellen. Ich wünschte mir im Gegenteil, ich hätte mehr Zeit zum Nachdenken.
Teil Ihrer Denkarbeit sind Experimente mit kontrafaktischer Geschichte und «Was wäre, wenn…?»-Fragen. Was wäre gewesen, wenn Sie nicht nach Oxford gegangen wären, um Ihren Kopf zu trainieren, sondern dem Wunsch Ihres Vaters gefolgt und Rugbyspieler für Schottland geworden wären?
Ich war nie auch nur ansatzweise gut genug in Rugby und kam an meiner Schule nicht mal unter die besten 15. So realisierte mein Vater früh genug, dass er keinen Rugbystar produziert hatte (lacht). Ich hatte aber einst noch einen anderen Plan: mich als Polizist zu bewerben, statt zu studieren. Als ich dies später mal einem meiner Oxford-Dozenten erzählte, meinte er süffisant, dass aus mir bestimmt ein guter Polizist geworden wäre. Vielleicht hatte er recht. Und vielleicht wäre ich heute nützlicher. Aber ich habe meine Entscheidung nie bereut, mich auf die Historie zu verlegen. Und dies, obwohl mich mein Onkel ständig fragte, wann ich endlich einen richtigen Beruf erlernen würde.
Welcher akademischen Trophäe bedurfte es, damit er aufhörte, diese Frage zu stellen?
Er verstarb leider und ging in der – richtigen! – Annahme von dannen, dass ich niemals richtig erwachsen und ewig an Universitäten rumhängen würde.
Nun haben Sie die Zeit an den Universitäten produktiv genutzt: Sie haben über 6000 Buchseiten publiziert, unzählige Artikel geschrieben, an US-amerikanischen und britischen Universitäten unterrichtet und halten auf der ganzen Welt gutbezahlte Reden und Seminare. Wie schaffen Sie das? Mit einer verständnisvollen Frau, einem Heer von fleissigen Forschungsassistenten oder dank Verzicht auf genügend Schlaf?
Forschungsassistenten habe ich nur einen, dafür einen extrem guten. Abgesehen davon bin ich aber so etwas wie ein Alleinunterhalter: Die Vorstellung, dass ich ein Atelier voll versklavter Schreibstudenten habe, ist ein journalistisches Hirngespinst. Ich bin fast wie besessen davon, jedes Wort selbst zu schreiben. Dadurch bin ich gefangen im Trilemma des akademischen Lebens, das darin besteht, dass man nur zwei der drei folgenden Dinge haben kann: gute Noten, ein Sozialleben und Schlaf. Nun, ich habe die akademische Arbeit lange höher gewichtet als mein Sozialleben und meine Gesundheit: Den Schlaf habe ich lange in minimalen Dosen zu mir genommen, und eine Zeitlang habe ich auch meine Familie vernachlässigt. Das habe ich aber bewusst geändert. Heute versuche ich, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen.
Investoren, Politiker und Wissenschafter – Sie werden ständig gefragt, welche Entwicklungen die Finanzmärkte bewegen und wo die nächsten geopolitischen Veränderungen zu erwarten sind. Ich habe die gleiche Absicht, versuche es aber mal anders: mit einem kleinen Abc-Spiel. Können Sie mir sagen, was Ihnen als erstes einfällt, wenn ich Ihnen unzusammenhängende Begriffe und Namen zuspiele?
Einverstanden.
Sie können…