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Arthrose: Knorpelreparatur im Knie mit Zellen aus der Nase
Basler Forschende haben eine Knorpelschicht aus Zellen der Nasenscheidewand im Labor gezüchtet und sie zwei jungen Arthrose-Patienten chirurgisch ins Knie eingesetzt. Diese verspürten daraufhin weniger Schmerzen und berichteten von einer höheren Lebensqualität.
Die Ergebnisse legten eine biologische Basis für eine Therapie, und man sei vorsichtig optimistisch, sagte Studienleiter Ivan Martin vom Universitätsspital und der Universität Basel gemäss einer Mitteilung der Hochschule. Den Ansatz präsentierten er und sein Team am Mittwoch im Fachmagazin «Science Translational Medicine».
Wenn sich bei Arthrose die Knorpel abbauen, beginnen die Gelenke zu knirschen. Das führt zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Millionen Menschen weltweit sind davon betroffen, vor allem ältere Menschen, aber auch Junge aufgrund von Überbelastung, früheren Verletzungen oder ihrer genetischen Veranlagung. Regenerative Behandlungen gibt es derzeit keine.
Um die Leiden zu lindern, behandeln Ärztinnen und Ärzte die Patienten deshalb mit entzündungshemmenden Medikamenten - so lange, bis nur noch Gelenkprothesen helfen. Deshalb tüftelt das Basler Team an einer Alternative, um die erkrankten Gelenkknorpel mit gezüchteten Knorpelschichten zu heilen.
Entzündungsreaktion herunter gekurbelt
Um zu untersuchen, wie das von der Nasenscheidewand gezüchtete Knorpelgewebe auf Entzündungen im erkrankten Gewebe reagiert, setzten sie an unter Arthrose leidenden Schafen Knorpelzellen aus der Nase in deren erkranktes Knie ein.
Das gezüchtete Gewebe erwies sich als robust und schien den Entzündungsreaktionen entgegenzuwirken. Die Forschenden gehen davon aus, dass dies zumindest teilweise darauf zurückzuführen ist, dass ein bei Arthrose chronisch überaktivierter molekularer Signalweg durch die Anwesenheit der Nasenknorpelzellen herunter reguliert wird.
Hinweis auf Gelenk-Erholung
Schliesslich testeten die Forschenden den Ansatz bei einer 36-jährigen Frau und einem 34-jährigen Mann. Die Patienten litten gemäss der Universität Basel aufgrund einer Fehlstellung der Beinknochen an schwerer Arthrose - eine Kniegelenkprothese als nächster Schritt wäre unausweichlich gewesen. 14 Monaten nach dem Eingriff berichteten die behandelten Patienten über weniger Schmerzen sowie über eine verbesserte Gelenkfunktion und höhere Lebensqualität. Nebenwirkungen seien keine aufgetreten, berichten die Forschenden.
Sie fanden bei der Patientin nach Untersuchungen im Spital zudem Hinweise darauf, dass sich ihre Gelenke nach der Operation erholt hatten. Beim Patienten sei aufgrund der Corona-Pandemie keine Untersuchung mehr möglich gewesen, da er nach der Operation nach Australien gezogen sei, hiess es auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dem behandelnden Arzt zufolge nehme er hin und wieder ein Schmerzmittel. Generell gehe es jedoch beiden Patienten gut.
Um die Wirksamkeit der Behandlung zu bewerten, brauche es nun vertiefte klinische Studien, so die Forschenden.
https://doi.org/10.1016/j.jasrep.2021.103107