Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03653.jsonl.gz/2011

Bereits im Gründungsjahr 1910 setzte sich der VVH für eine Badeanstalt ein. 1913 erwarb der Verein mit Unterstützung der Gemeinde einen Strassenspritzwagen zur Staubbekämpfung der damals ungeteerten Seestrasse. Bereits in der Gründungszeit führte der VVH den 1. August durch und gab Ansichtskarten heraus.
Dorf und Natur erhalten
Zwischen 1920 und 1940 schuf der VVH Anreize, um den Zürichsee als Erholungsort zu erleben. Erstmals wurde ein Inventar von schützenswerten Bäumen erstellt. Zwischen 1940 und 1960 waren der Weg im Rossbachtobel und ein gedeckter Schiffsteg sowie die Mitarbeit bei der 600-Jahrfeier (1951) Themen der Vereinsarbeit. Später begann, auf Initiative des VVH, die Diskussion über die Renovation der Vogtei. 1967 wurde zur Schulhauseinweihung Rebacker das Musical "Aufstand im Schlaraffenland" angeregt.
In den 1970er Jahren entstand u.a. ein Rastplatz im Rossbachtobel, der Samichlaus wurde im Tobel durchgeführt (1973), der Räbeliechtli-Umzug wieder zum Leben erweckt sowie der Waldlehrpfad im Rossbachtobel geschaffen (1976). Jean-Jacques Vaucher drehte 1975 im Auftrag des VVH den Dorffest-Film.
Vogtei, Galerie, Neuzuzüger-Tag
Zum Eröffnungsfest der Zehntenscheune Vogtei im Jahre 1975 wurde eine erste Ausstellung im notdürftig hergerichteten Galerie-Raum des damals noch nicht renovierten Wohnhauses Vogtei gezeigt. Aussteller war der Bildhauer Robert Lienhard, dessen Holzplastik seeseits der Zehntenscheune steht.
Gründer der Galerie Vogtei waren die aktiven VVH-Ehepaare Edi und Ruth Lanners, Hans und Helen Kasser, Walter und Madi Stutzer, Pierre und Rita Weber, Robert und Dorli Wegmann, sowie der Photograph Arnold Lutz.
Der VVH führte ab 1984 den Neuzuzügertag durch, ein Anlass, der seit 1992 von der Gemeinde und der Präsidentenkonferenz organisiert wird. Während Jahren legte der VVH Sammlungen (Postkarten, Objekte etc.) an und bildete so den Grundstock für das spätere Dorfarchiv. Einen Bestandteil bilden Abzüge von Glasnegativen des Photographen Fritz Bopp (1888-1977), die Arnold Lutz, neben unzähligen eigenen Aufnahmen, für den VVH anfertigte. Die Glasplatten hatte er bei den hinterbliebenen Schwestern Bopps entdeckt und übergab, zusammen mit Edi Lanners, die für Herrliberg wichtigen Zeitzeugnisse der Gemeinde.
Geschichte lebendig erhalten
Initiant der Herrliberger Ortsgeschichte war Rudolf Egli, Primarlehrer, Ornithologe und VVH-Präsident von 1924-56. Mehrere VVH-Mitglieder waren in der Chronikkommission vertreten, welche, zusammen mit dem damaligen Gemeinderat Pierre Weber, die Arbeiten der Verfasser der "Geschichte der Gemeinde Herrliberg" (1980) begleiteten. Der zweite Band, "Bilder der Gemeinde Herrliberg", wurde 1981 von den drei VVH-Vertretern Robert Wegmann, Edi Lanners und Antonia Baumann erstellt. Beide Bände sind in der Gemeindekanzlei und beim VVH erhältlich.
Erhalten und verbessern
Die Gruppe Dorfbild unterbreitet der Gemeinde Vorschläge für Verbesserungen auf öffentlichem Grund. Ihre Tätigkeiten umfassten 1979 etwa eine Bestandesaufnahme von Herrliberger Kachelöfen oder Abklärungen über die Machbarkeit von Wohnstrassen. Auch liess der VVH die Ortstafel am Schiffsteg erstellen. Weiter eingesetzt hat sich das Team u.a. für die Renovation des Brunnens an der Geissbühlstrasse (1981) oder für den Erhalt des Dorfplatzes.
Die 1986 der Gemeinde gestiftete Wetterstation steht vor dem Gemeindehaus an der Forchstrasse. Auf Anregung des VVH wurde 1991 die Bahnhofsunterführung durch Guy Dessauges bemalt (von den Gemeinden Herrliberg und Meilen finanziert). Edi Lanners erwirkte 1993 die Rückführung des in der Bronzezeit bearbeiteten "Schalensteins" vom Landesmuseum auf den Rasenplatz seeseits der Zehntenscheune Vogtei.
Wege und Biotope
Die Gruppe Natur nimmt sich dem Erhalt von Naturschönheiten an. Dabei werden Fusswege auf ihre Begehbarkeit kontrolliert, Wanderwege geplant, Bänke und Feuerstellen angeregt, Hecken gepflegt und Anregungen zum Erhalt oder Ersatz von Bäumen gegeben.
Seit 1980 wurde u.a. das Biotop unterhalb des Schönhölzli und im Schweisstobel (bereits 1971 angeregt) erstellt, das Tobelplätzli (Ruedi Egli-Platz) frisch herausgeputzt und die Pflege des Tobelweihers initiiert. Im Frühling und Herbst werden jeweils Tobelreinigungen durchgeführt.

Unpolitischer Verein|
Durch Bezahlung eines freien Beitrages zur Unterstützung der Vereinstätigkeiten wird der Einzahler automatisch Mitglied des VVH. Während der letzten Jahre bestand der unpolitische Verein aus durchschnittlich 150 Mitgliedern (1910 waren es 135 und 1976 sogar 420 Mitglieder). Als ordentlicher Verein lädt der VVH jeweils im Frühling zur GV in die Vogtei ein, an der sich Referenten zu aktuellen Themen äussern.
Als der VVH 1977 umstrukturiert wurde, entstanden mehrere themenbezogene Arbeitsgruppen mit je einem Vertreter im Vorstand. Heute wirken rund 30 Mitarbeitende im VVH mit, dessen Aktivitäten teilweise durch die Gemeinde unterstützt werden.
Seit der VVH 1963 ein Panoramabild herausgab, wurde die Liste der käuflichen Drucksachen mehrmals erweitert. Die von Heinz Meyer gestaltete Vitrine in der Bahnhofunterführung zeigt davon eine Auswahl und verweist gleichzeitig auf aktuelle Ereignisse des VVH. (vvh)

Ein "uufgschtellter" VVH-Vorstand vor der Vogtei mit (von links) Caspar Sennhauser (Natur + Dorf), Norma Dreiding (Präsidentin), Antonia Baumann (Archiv), Marly Straub (Aktuarin) und Hans Rudolf Weinmann (Kalender). Der Kassier Rainer Panse fehlt auf dem Foto. Marten Baumann
Bevölkerungsnah
Blumen- und Vorgartenwettbewerbe (1979 erstmals durch Helen Kasser organisiert) wie auch die Initiative zur Bemalung der Fussgängerunterführung im Dorf durch Primarschüler (1979) waren Ereignisse, die Vielen im Gedächtnis geblieben sind.
Auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, den verschiedenen Vereinen und den Primarschülern für das Gelingen der 1. August-Feier sowie die Durchführung des beliebten Samichlaus am Tobelplätzli bringen die Aktivitäten der Gruppe Kontakte allen Dorfbewohnern näher.
Herrliberger Jahrheft
Die Gruppe Kalender ist für den "Herrliberger Kalender" verantwortlich. Erstmals 1977 erschienen, ist er aufgrund seiner inhaltlich und gestalterisch hohen Ansprüche längst zum Sammelobjekt geworden. Das durch die Gemeinde finanzierte Heft ist gewissermassen eine jährlich aktualisierte Fassung der "Geschichte der Gemeinde Herrliberg" und arbeitet rückblickend das vergangene Jahr auf. Die themenbezogenen Beiträge, liebevoll und mit viel sachkundigem Verständnis verfasst, sprechen einen grossen Leserkreis an.
Die Gruppen Kalender und Archiv sind mit Unterstützung der Gemeinde dabei, einige alte Filme auf Video aufzubereiten.
Dorfarchiv und Vitrinen
Im Dachgeschoss des Wohnhauses Vogtei besteht seit 1991 ein Archiv, wo Herrliberger Zeitzeugnisse registriert und dokumentiert werden. Die Gruppe Archiv gab auch den Anstoss zum "Wetzwiler-Fest" (1997) oder regte 2001 die Gemeinde zum Kauf der Marmorskulptur von Jaya Schürch an (seeseits der Zehntenscheune Vogtei). Zusammen mit der Gruppe Kalender werden Interviews mit älteren Dorfbewohnern geplant.
Seit 1998 ist das Archiv-Team verantwortlich für die Vitrinen-Ausstellungen in der Vogtei. "Einst und Jetzt" sowie "David Herrliberger" sind Themen, die auf breites Interesse gestossen sind. Die nächste Ausstellung wird dem "Naturnetz Pfannenstil" gewidmet sein, in Zusammenarbeit mit dem Natur- und Vogelschutzverein Herrliberg.
Inspirieren und Mitmachen
Als Verein mit freiwilligen Mitwirkenden hat der VVH im 20. Jahrhundert Aktivitäten entfaltet und angeregt, die entscheidend zur Festigung des Gemeindewesens und zur Förderung der Lebensqualität beigetragen haben. Auch im 21. Jahrhundert ist der Verein auf Mitwirkende angewiesen, die motiviert sind, einen Teil ihrer Freizeit auf kreative Weise zu investieren.
An dieser Stelle sei den unzähligen Freiwilligen herzlichst gedankt, die sich während Jahren liebevoll, umsichtig und tatkräftig für den VVH eingesetzt haben!
Walter Stutzer, langjähriges Vorstandsmitglied, beschrieb schon im "Herrliberger Kalender 1981" die Aufgabe des VVH treffend: "Zur Verschönerung unseres Dorflebens kann man letztlich nur beitragen, wenn man Beispiele zu setzen versucht, die inspirieren, die zum Mitmachen, zum Nacheifern anregen."
Auskünfte über den VVH erteilt die Präsidentin Norma Dreiding (Tel: 915 1565), die auch gerne Anregungen entgegen nimmt.
Drucksachen sind am Bahnschalter erhältlich sowie in der Papeterie im Dorf.

Unvergessen|
Carl Fischer (1888-1987), Bildhauer und Kunsthandwerker, schuf Plastiken u.a. für die Landesausstellung 1939 in Zürich. Während 32 Jahren war er Entwerfer der "Schoggitaler" für den Schweizerischen Heimat- und Naturschutz; seine Eisenbilder flankieren die Bahnhofuhr in Zürich-Enge.
Er leitete, als noch kein Gemeindeverein bestand, vor den Abstimmungen die Wahlversammlungen und war jahrelang künstlerischer Berater des VVH.
Hans Kasser (1907-1978) war Graphiker, Photograph und Redaktor und betreute jahrelang die Zeitschrift "Schweiz" der Schweizerischen Verkehrszentrale, die früher in den Eisenbahnwagen zum Lesen einlud. Auch engagierte er sich in der kantonalen Natur- und Heimatschutzkommission.
Sein hervorragendes Gespür für alles, was erhaltenswert ist, kam dem VVH vollumfänglich zugute. So war er Initiant zur Erhaltung der Vogtei und ihre Umwandlung in ein kulturelles Zentrum.
Edi Lanners (1929-1996) war Architekt, zusammen mit seiner Frau Ruth Lanners Neugestalter der Vogtei, Galerist, Künstler, Herausgeber und Verfasser mehrerer Bücher sowie treibende Kraft der Baugenossenschaft "Herrlibau". Zusammen mit Hans Kasser war er Initiant des "Herrliberger Kalenders", den er gestalterisch betreute und mit vielen Beiträgen bereicherte.
1974 initiierte er die Vitrinen in der Vogtei und konzipierte während 22 Jahren die Wechselausstellungen. Besonders am Herzen lag ihm das Gedeihen der Galerie Vogtei. Seine kreativen Ideen forderten den VVH heraus und verschafften der Gemeinde Herrliberg bleibende kulturelle Werte.