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Mellingen
(Kt. Aargau, Bez. Baden). 355 m. Gem. und kleine Stadt, am rechten Ufer der Reuss und an der Strasse Lenzburg-Baden. Station der Linie Aarau-Suhr-Wettingen. Postbureau, Telegraph, Telephon; Postwagen Bremgarten-Mellingen. 144 Häuser, 899 Ew. (wovon 155 Reformierte). Kirchgemeinde. Acker- und Weinbau, Viehzucht u. Milchwirtschaft, Fischerei. Rosshaar- und Baumwollweberei. Stickerei. Seidenzwirnerei. Eine grosse Dampfziegelei. Branntweinbrennereien. Zementfabrik, Kautschukwarenfabrik. Hemden-, Weisswaren-, Tressen- und Kartonnagenfabrikation. Herstellung von Strohwaren.
Die Annahme, es habe hier zur Römerzeit eine
Brücke über die
Reuss geführt, ist nicht haltbar. Zum erstenmal wird
Mellingen 1045 als
Eigentum der
Grafen von
Lenzburg genannt. 1100 besassen in dem damaligen Dorf auch die
Habsburger etwelchen Grundbesitz. Nach
dem Erlöschen der
Lenzburger (1172) kam der
Ort durch Erbschaft an die
Grafen von
Kiburg. Kurz nachher entstand
neben dem Dorf das Städtchen, das zum erstenmal 1242 als solches genannt wird. Die dem
Ort seine strategische Bedeutung verleihende
Brücke wird 1243 erwähnt. Rudolf von
Habsburg kaufte die Stadt 1273 an und gab ihr 1282 das Recht, in ihrem
Siegel den
Habsburger
Löwen zu führen. 1296 erhielt
Mellingen von Albrecht von
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Oesterreich die nämlichen Rechte wie Winterthur. 1364 vereinigte man Stadt und Dorf zu einer einzigen Gemeinde. Die Bewohner
von
Mellingen haben in zahlreichen Treffen unter Habsburgs Banner mitgefochten.
Zur Zeit der Eroberung des Aargaues 1415 kam auch
Mellingen an die Eidgenossenschaft und zwar «zu Randes
des Reichs»; doch behandelten die Eidgenossen den Ort nicht als Reichsstadt, sondern als eine ihnen untergebene
Munizipalstadt. Die Reformation wurde 1528 eingeführt, doch stellten die die Stadt nach der Schlacht bei Kappel 1531 besetzenden
Luzerner den alten Glauben wieder her. Zur Zeit des Bauernkrieges (1653) lagen hier abwechselnd die Bauern und die Zürcher
Truppen. In dem dem zweiten Villmergerkrieg folgenden Aarauer Frieden wurde
Mellingen zusammen mit dem
untern Freiamt gemeinsames Untertanenland der Stände Bern,
Zürich
und Glarus.
Während der helvetischen Republik gehörte es zum Kanton Baden und
kam dann durch die Mediationsakte 1803 endgiltig an den Kanton Aargau.
Schon im 14. Jahrhundert und nachher bis 1531 bildete
Mellingen ein Dekanat des Bistums Konstanz, seit 1828 ein solches des Bistums Basel.
Vergl.
Liebenau, Theod. v. Die Stadt
Mellingen. Fund eines Bronzemessers auf der Allmend; römische Münzen von Augustus bis Nero;
im Brand ein Grabhügel. Alemannengräber heim Bildstöckli unter dem Birchwald.
Mellingen liegt mitten in einem
prachtvollen Moränenamphitheater, das von einem Arm des ehemaligen Reussgletschers zur Zeit seines letzten Vorstosses ins
Mittelland aufgeschüttet worden ist. Die Reuss durchschneidet diese 4 Endmoränen zwischen Birrhard und Mülligen. Vergl. darüber:
Penck, A., Ed. Brückner et Léon DuPasquier. Le système glaciaire des Alpes (im Bull. de la Soc. des sc.
nat. de Neuchâtel. 22, 1894).