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Hotelexpertin Monika Holzegger über den «Ritz-Kult» im Goms
Cäsar Ritz – König der Hoteliers?
Hätten Sie gewusst, wer Cäsar Ritz war und woher er stammte?
Nun, Cäsar Ritz, der wohl grossartigste Hotelier des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dessen Ruhm bis heute nachhallt, war ein echter Walliser oder, genauer gesagt, ein Gommer, der 1850 in dem kleinen Bergdorf Niederwald im Goms das Licht der Welt erblickte.
Als dreizehntes und jüngstes Kind bekam Cäsar Ritz schon früh das karge Dasein einer Bergbauernfamilie zu spüren. Da sich sein Interesse an der Landwirtschaft in Grenzen hielt, erhofften sich die Eltern für ihren Sprössling eine künstlerische Laufbahn – einen Weg, den bereits einige seiner Vorfahren eingeschlagen hatten. Doch auch diese Hoffnung zerschlug sich, und Cäsar trat schliesslich eine Stelle als Kellner in einem Hotel in Brig an. Mit recht wenig Erfolg, wenn man den überlieferten Berichten glauben darf, denn kurz darauf ging der junge Ritz nach Paris, um in der von der nahenden Weltausstellung 1889 elektrisierten Metropole sein Glück zu versuchen.
Dies gelang ihm mit einem schier unglaublichen Erfolg, der mit heutigen Massstäben und angesichts moderner Errungenschaften in Bezug auf Kommunikation und Mobilität kaum mehr vorstellbar ist: Cäsar Ritz wurde zum «Hotelier der Könige» und zum «König der Hoteliers». In seinen Hotels, die er in Paris, London, Rom und etlichen weiteren Orten mehr oder weniger gleichzeitig betrieb, gingen Monarchen und andere berühmte Persönlichkeiten ein und aus.
Cäsar Ritz, der sich als bereits erfolgreicher Geschäftsmann in die junge Elsässerin Marie-Louise Beck verliebte, sie kurz darauf ehelichte und mit ihr die beiden Söhne Charles und René bekam, überliess als gewiefter Hotelier nichts dem Zufall. In seinen Hotels, allen voran dem Ritz-Hotel am Place Vendôme in Paris, war er Designer, Planer und kreativer Geist zugleich. Immer zugegen, traf er auch in heiklen Situationen die richtigen Entscheidungen und erlangte für seine Pionierleistungen weltweite Anerkennung. Er liess sanitäre Einrichtungen in den Zimmern installieren und sorgte in den Hotels für elektrisches Licht, das er gekonnt inszenierte.
In die Geschichte eingegangen ist nicht zuletzt auch seine Freund- und Partnerschaft mit Auguste Escoffier, einem begnadeten Meisterkoch, der die französische Haute Cuisine revolutionierte.
Diese Hingabe und das stete Bedürfnis, auch die ausgefallensten Wünsche seiner Gäste bestmöglich zu erfüllen, hinterliessen bei Cäsar Ritz mit den Jahren ihre Spuren. Er erlitt einen Zusammenbruch und war danach nicht mehr in der Lage, seiner Arbeit in gewohnter Weise nachzugehen. Das letzte Jahrzehnt seines so erfolgreichen Lebens verbrachte er in abgedunkelten Räumen, zum Nichtstun verdammt. Er verstarb am 26. Oktober 1918.
Sein Werk führten zuerst seine Frau Marie-Louise und später sein älterer Sohn Charles weiter, dessen Ehe mit Monique Ritz kinderlos blieb. Da Cäsars zweiter Sohn René bei einem tragischen Unfall ebenfalls im Jahr 1918 ums Leben kam, gibt es keine direkten Nachkommen der Familie. Von den schlichten Holzkreuzen, die auf dem kleinen Friedhof in Niederwald stehen, trägt eines die Namen von Cäsar, Marie-Louise und René, die dort beerdigt sind.
Das bemerkenswerte Leben von Cäsar Ritz zu dokumentieren und einem interessierten Publikum zugänglich zu machen, haben sich die Gemeinde Goms, der Landschaftspark Binntal und Obergoms Tourismus zum Ziel gesetzt. Die drei Partner haben 2017 gemeinsam den Verein Besucherzentrum Niederwald gegründet, um das leer stehende Bahnhofsgebäude in Niederwald als Hommage an Cäsar Ritz zu renovieren und neu zu gestalten. In den Räumlichkeiten wird der Lebensweg des einzigartigen Hoteliers nachgezeichnet und ein Hotelzimmer des legendären Pariser Ritz-Hotels nachgestellt. Der Verein konnte dafür in einer einmaligen Internetauktion viele Originalobjekte des noch heute weltberühmten Hotels erwerben. Ausserdem wird ein geführter Rundgang im Dorf interessierte Besucher einladen, den Spuren von Cäsar Ritz zu folgen. Das Besucherzentrum – für das übrigens noch ein definitiver Name gesucht wird (mehr zum Namenswettbewerb auf caesar-ritz.ch) – soll Mitte Dezember 2019 rechtzeitig auf die Wintersaison eröffnet werden. Ebenso wird das Besucherzentrum seinen Gästen ein Bistro, einen Infopoint und einen Shop für regionale Produkte bieten. Einziger Wermutstropfen bei den derzeit auf Hochtouren laufenden Renovationsarbeiten ist, dass noch kein geeigneter Pächter gefunden werden konnte, um das Besucherzentrum im Geiste von Cäsar Ritz zu führen.
Letztes Jahr konnte der 100. Todestag von Cäsar Ritz gefeiert werden. Aus diesem Anlass gab es unzählige Veranstaltungen, darunter auch ein sehr erfolgreiches Freilichtspiel, das Cäsars Lebensweg in seiner gleichzeitigen Genialität und Tragik nachzeichnete. Zudem haben einige Hoteliers und Restaurateure der Region beschlossen, die Ritz-Philosophie wieder aufleben zu lassen. Sie verpflichten sich in einem 10-Punkte-Programm zu einem Code-of-Conduct und bieten ihren Gästen saisonale Ritz-Menüs in passendem Ambiente. Infos über die teilnehmenden Betriebe auf der Website von Obergoms Tourismus.