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Karate-Meister
Das Wort Sensei wird in Japan gebraucht, um den Lehrer zu definieren. Es lässt sich wörtlich übersetzen mit "derjenige, der sich zuerst auf den Weg begab", "derjenige, der früher geboren wurde".
Kūshankū Sensei
Meister Kūshankū war ein Kampfkunstexperte, der als Gesandter des chinesischen Imperator Ming nach Okinawa gelangte.
Er gelang 1756 auf die Insel und blieb bis 1762. Unter den wenigen historischen Dokumenten, welche seinen Aufenthalt dokumentieren ist "Ōshima Hikki" (die Annekdoten von Ōshima) aus dem Jahre 1762, worin steht: "...vor einigen Jahren kam ein Experte der Kampftechniken aus China mit seinen Schülern an. Er hiess Kō-shan-kin (auf Okinawa Kūshankū ausgesprochen). Er war eine kleine, schlanke Person, die sich jedoch mit der Leichtigkeit grosser und starker Personen verteidigen konnte.
Wenn er eine Hand benutzte, hielt er die andere an seine Brust und machte mit den Beinen einen Befreiungskick oder stellte ein Bein. [...]"
Es ist fast unmöglich eine exakte Biografie zu erstellen, es ist jedoch bekannt, dass Meister Kūshankū eine entscheidende Rolle bei der Einführung der Techniken, welche die spätere Entwicklung des Karate charakterisierten, auf Okinawa spielte.
Die Tradition besagt, dass, in den Jahren seines Aufenthaltes auf Okinawa, der Meister des "Tōde" Sakugawa Kanga, von welchem, wie man sagt, die Kata Kūshankū stammt (später Kankū-Dai und Kankū-Shō), ebendiese Kata zu Ehren seines grossen Meisters entwickelte.
Sakugawa Kanga Sensei
Das Leben von Meister Satunuku "Tode" Sakugawa ist schwierig zu rekonstruieren, da die Existenz der sogenannten "Wegbereitern des Karate" auf Informationen basiert, welche mündlich überliefert wurden und sich daher oftmals widersprechen.
Die Tatsache ist auch nicht schwer zu verstehen, wenn wir in betracht ziehen, dass sich die Praktizierenden der Kampfkünste auf Okinawa nach dem Edikt des Satsuma-Clan im XVII Jahrhundert, vereinigten um im Geheimen zu üben, mit dem Ziel, die Insel vor der japanischen und chinesischen Vorherrschaft zu schützen. Der Unterricht erhielt daher einen unverständlichen und esoterischen Charakter.
Meister Sakugawa kam im März 1773 in Shuri, Okinawa zur Welt und starb im August 1815. Sakugawa lernte seinen ersten Meister, ein chinesischer Mönch der Ortschaft Akata, Takahra Peichin, im Alter von 17 Jahren kennen. Er war auch Schüler von Meister Kūshankū, welcher als einer der grössten Kampfkunstexperten auf Okinawa angesehen wurde.
Sakugawa spielte eine entscheidende Rolle in der Entstehung des modernen Karate. Ihm haben wir die Kata Kankū Dai (Kūshankū) sowie die Niederschrift des Dōjō-Kun zu verdanken.
Der Name "Tode" steht um seine enorme Meisterschaft im Kampf mit der leeren Hand zu zeigen.
Matsumura Sokon Sensei
Matsumura Sokon Bucho kam zwischen 1798 und 1805 in Yamagawa, Shuri, zur Welt. Er stammte aus einer Noblen Familie aus Ryukyu.
Bereits im Alter von nur 24 Jahren, dank einem einflussreichen Staatsmann der Satsuma, hatte er die Möglichkeit, Schwertkunst an der Schule Jigen Ryu zu studieren, eine Praxis, welche ausschließlich den Kriegern der Herrschaft erlaubt war.
Der Unterricht in der Schule war hart und zermürbend und sah Übungen mit sehr engem Rhythmus vor. Meister Matsumura erhielt dennoch nach zwei Jahren das Diplom von Jigen Ryu.
1836 begab sich Matsumura nach Peking, mit dem Auftrag, dem Imperator Abgaben zu bringen. Für ungefähr ein Jahr blieb er in Peking, und vertiefte in dieser Zeit die Kampfkunst und erlernte unter einem Meister namens Wei Bo neue Techniken.
Bei seiner Rückkehr nach Ryukyu nahm er seine Aufgabe als königlicher Leibwächter wieder auf und behielt sein Mandat für drei Königsgenerationen. In dieser Zeit vertiefte er seine Techniken und sein Wissen der Kampfkunst.
Das Leben des Meisters - wie jenes aller großen Persönlichkeiten - bleibt zwischen Geschichte und Legende verschwommen, ohne dass dabei die Grenze zwischen beiden sichtbar wäre. Es gibt unzählige Anekdoten und mündlich überlieferte Erzählungen über ihn. Es wird erzählt, dass er fähig war, gegnerischen Gruppen von großer Anzahl entgegenzutreten, gefährliche Bestien zu bändigen und dass er eine Frau hatte, welche ihm in der Kampfkunst ebenbürtig war.
Matsumura begann auch seine Erfahrungen weiterzugeben und Unterricht zu geben, wozu er eine Schule namens Shuri-Te eröffnete. Er wurde außerdem durch die Königsfamilie mit dem Titel Bushi (wörtl. Krieger) ausgezeichnet, für seine Anstrengungen und Fähigkeiten in den Kampfkünsten.
Azato Anko Sensei
Meister Azato wurde 1827 in eine noble Samurai Familie geboren, die der Königsfamilie Okinawas sehr nahe stand. Er wurde ein gebildeter Mann, der grosse Kenntnis der Klassiker der Chinesischen Literatur hatte.
Er studierte und vertiefte die Kampfkunst unter Meister Matsumura zusammen mit Meister Itosu.
Er war auch ein exzellenter Meister des Kendo der Schule Jigen Ryu.
Als Meister mit grosser Kenntnis der Kampfkünste studierte er auch das Kyudo, sowie das Jobe Jutsu. Von all diesen Künsten realisierte er eine persönliche Synthese, welche er an seinen Schüler Gichin Funakoshi weitergab.
Azato, wie man den Zeugnissen, die uns Meister Funakoshi hinterlassen hat, entnehmen kann, war ein aufmerksamer Beobachter der menschlichen Natur und es scheint, dass er in einem Heft alle Überlegungen notierte über die möglichen Schwächen aller grossen japanischen Meister, welchen er die Möglichkeit gehabt hatte entgegenzutreten.
Seine klassische Routine des Studiums bestand in der unendlichen Wiederholung der Kata, welche er als grundlegend für das Studium und die Perfektionierung der Kampfkünste betrachtete.
Itosu Anko Sensei
Anko Itosu wurde 1830 in Shuri geboren.
Zusammen mit Meister Matsumura Sokon spielte er eine zentrale Rolle in der Entwicklung des heutigen Karate, indem er die Prinzipien des ursprünglich aus China stammenden Kempo anpasste und bis zum Erreichen einer Synthese veränderte, die zu dem führte, was wir heute kennen.
Meister Itosu begann schon sehr früh mit dem Training, ungefähr 1846 wurde er Sokon Matsumura vorgestellt und wurde in der darauffolgenden Zeit dessen Uchi Deshi, ein Schüler der sich den ganzen Tag dem Training widmete.
Der Meister war vor allem vom Blick des jungen Itosu, mehr als von dessen körperlichen Fähigkeiten, beeindruckt.
Die Anekdoten aus seinem Leben sind zahlreich und alle zielen auf die unglaubliche Kraft, die der Meister bei der Ausführung einer nahezu perfekten Technik, zu entwickeln im Stande war.
Meister Itosu trug dazu bei, dass das Karate aus seiner geheimen und misteriösen Welt auftauchte und schließlich der Öffentlichkeit zugänglich wurde, indem er es der damaligen Mentalität und den damaligen Sitten anpasste. So war er auch der Begründer der Pinan Kata, welche in den öffentlichen Unterricht aufgenommen wurden.
Karate wurde 1903 auf Okinawa in den Schulen der Oberstufen eingeführt, sowie in allen öffentlichen Programmen, wodurch es ein Mittel zur Perfektionierung der technischen, moralischen, physischen und spirituellen Qualitäten der Inselbewohner wurde. Gerade dadurch, dass er die Erfahrung machte, große Gruppen zu unterrichten, bemerkte Meister Itosu die Ineffizienz der klassischen Kata. Er zerlegte daher diese Kata in verschiedene Teile, um sie größeren Gruppen einfacher zugänglich und verständlich zu machen.
Eines seiner wichtigsten Niederschriften ist bestimmt das Tode Jukun, die zehn Regeln des Karate-Dō:
- Karate darf nicht aus persönlichem Interesse praktiziert werden, sondern um die eigene Familie zu schützen und darf nicht zum Schaden anderer eingesetzt werden.
- Karate wird praktiziert, um Muskeln und Knochen hart wie Stein und Arme und Beine wie Schwerter zu erhalten, um die Gesellschaft zu verteidigen.
- Karate kann nicht in einer kurzen Periode erlernt werden. Ein bis zwei Stunden seriöses und hartes Training pro Tag für drei bis vier Jahren ist nötig.
- Im Karate werden so starke Hände und Füße benötigt, dass man 100 - 200 Mal pro Tag am Makiwara und Sack trainieren muss.
- Karate muss mit geradem Oberkörper (Lendenzone), gut geöffneter Lunge (Brustkorb), entspannten Schultern (tief) und den Füßen fest im Boden verwurzelt praktiziert werden.
- Die Kata im Karate muss praktiziert werden, wobei einem die praktische Anwendung klar sein muss.
- Die Kata im Karate darf sowohl als physisches Training, als auch mit der Idee der wirklichen Anwendung praktiziert werden.
- Karate muss mit derselben Intensität praktiziert werden, wie wenn Ihr euch auf dem Schlachtfeld befinden würdet.
- Karate muss auf die richtige Art praktiziert werden, um die eigene körperliche Kraft zu steigern.
- Die Karatemeister lebten lange, weil sie fähig waren, Knochen und Muskeln zu entwickeln, den inneren Organen mit dem Training zu helfen und die Blutzirkulation zu verbessern.
Laut Itosu sollte aus diesen Gründen Karate an den Grundschulen praktiziert und gelehrt werden.
Yabu Kentsu Sensei
Meister Kentsu Yabu wurde 1866 (laut anderen Quellen 1863) in Shuri, auf der Insel Okinawa, in eine aristokratische Familie mit noblem Ursprung geboren. Schon als Kind boten sich ihm daher die besten erzieherischen und kulturellen Möglichkeiten.
Er war, schon in jungen Jahren Schüler von Meister Matsumura Sokon, lernte jedoch auch viel von Anko Itosu.
Als einer von wenigen Bewohnern Okinawas wurde er ins Militär einberufen, um im Koreakrieg von 1894 - 1895 zwischen China und Japan zu kämpfen.
Gichin Funakoshi schreibt aus diesem Anlass in seinem Karate-Dō Nyūmon:
[...]
Während dem chinesisch - japanischen Krieg wurde ein junger Mann, der für Monate bei Itosu trainiert hatte, bevor er ins Regiment eingezogen wurde, der Kumamoto Division zugeteilt, wo der offizielle Arzt, der seine perfekte muskuläre Entwicklung bemerkte, ihm sagte: "Ich weiss, dass du aus Okinawa kommst. Welche Kampfkunst hast du trainiert?".
Der Rekrut antwortete, dass die Arbeit auf dem Bauernhof stets seine einzige Beschäftigung gewesen war, ein Freund der mit ihm war, ließ sich jedoch entwischen: "Er praktiziert Karate". Der Doktor murmelte nur "Verstehe, verstehe", aber er war tief beeindruckt davon.
Die Annekdoten und Legenden über die enorme Kraft seiner perfekten Technik sind zahlreich, insbesondere was den Gebrauch der offenen Hand angeht.
Die Chroniken erzählen, dass seine Lieblingskata Gojushiho und Naihanchi (die aktuelle Tekki) waren.
Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg begann Kentsu Yabu zusammen mit Itosu an den Schulen von Shuri zu unterrichten, wobei er von seinen Schülern die unaufhörliche Repetition der Kata Naihanchi verlangte (Laut der Legende 27 Mal pro Tag).
Während den 20er Jahren begab er sich verschiedene Male nach Amerika, um seinen ersten Sohn Kenden zu besuchen, vor allem nach Kalifornien und auf Hawaii, wo er auch zahlreiche Demonstrationen des Karate aus Okinawa machte.
Er starb 1937 in Shuri.
Funakoshi Gichin Sensei
Meister Funakoshi wurde 1868 im Yamakawa-Cho Distrikt auf Okinawa geboren. Seine Familie gehörte der Shizoku-Klasse an, die nach der Meijireformation die Stellung der Samurai übernahmen. Im Alter von dreizehn Jahren wurde er von Meister Azato als Schüler akzeptiert.
Aufgrund einiger verschiedener Missstände ökonomischer Natur war Meister Funakoshi gezwungen zu arbeiten um seine Familie über Wasser zu halten und daher unter kröfteraubenden Bedingungen und im Geheimen, während der Nacht, zu trainieren und das Studium der Kata zu vertiefen: Das Training war sehr hart und bestand in der unendlichen Wiederholung um durch das ständige Wiederholen derselben Techniken die Perfektion zu erlangen.
Mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht von 1877, entging es den Ärzten nicht, dass die Praktizierenden des Te stärker und robuster gebaut waren und physischen und mentalen Anstrengungen besser ertrugen. Die jungen Okinawer wurden daher in die japanische Armee eingezogen.
Meister Funakoshi, der sich der sozialen und kulturellen Veränderungen bewusst war, ersuchte die Regierung daher Karate an den Grundschulen zu unterrichten, jedoch merkte er sehr bald, dass die pädagogischen Methodiken, die bis zu diesem Zeitpunkt angewandt wurden, für den Unterricht von Gruppen völlig ungeeignet waren.
Meister Itosu entwickelte daher 1904 die Pinan Kata mit dem Ziel das Karate-Studium zuerst auf nationaler und anschliessend internationaler Ebene zu verbreiten.
1903 fiel schliesslich der Entscheid der japanischen Autorität, Karate in den offiziellen Unterricht der öffentlichen Schulen aufzunehmen: Das Karate kam aus dem Dunkeln hervor und näherte sich der Kampfkunst an, die wir heute kennen. Im Jahre 1927 begab sich Erbprinz Hiro Hito auf die Insel Okinawa. Zu diesem Anlass organisierte Funakoshi, der Präsident der Vereinigung von Okinawa zum Erhalt des Geistes der Kampfkünste war, ein Karate-Vorführung: Hiro Hito war schwer beeindruckt, die Eleganz der Techniken und Bewegungen lösten bei ihm Erstaunen und Freude aus.
1922 wurde Meister Funakoshi nach Tokyo eingeladen um an einer Sportveranstaltung teilzunehmen, eine Veranstaltung die sich als Erfolg herausstellen sollte: Jigoro Kano, Begründer des modernen Judo lud ihn ein, Vorführungen in seinem zu machen.
Meister Funakoshi bemerkte jedoch bald, dass er, um Karate in Japan und auf der Welt zu verbreiten, dessen kulturelles und technisches Niveau erhöhen musste: Zu diesem Zweck veranstaltete er Konferenzen und machte Demonstrationen, bei welchen er auf der Wichtigkeit des Karate, als Mittel zur Verbesserung der Physis und Psyche, beharrte. Gegen Ende desselben Jahres wurde er von einem Professor der Keido Universität kontaktiert, welcher ihm riet, Karate an den Universitäten einzuführen und ein Dōjō an der Universität zu eröffnen. 1936, auch dank verschiedenen Finanzhilfen, wurde das erste Dōjō in Zoshigawa eröffnet. Es erhielt den Namen Shōtōkan.
Während dem Zweiten Weltkrieg, wurde das Karate des Meisters als Mittel und Methode für das Training der Armeeeinheiten anerkannt. Genau zu diesem Zeitpunkt trat Meister Kase ins Dōjō ein. Bei Kriegsende starb der Sohn von Funakoshi: Yoshitaka, der sich in Zusammenarbeit mit seinem Vater um das Training an der Universität gekümmert hatte. Der Meister war desorientiert und entschied sich 1947 nach dem Tod seiner Frau, nach Tokyo zurückzukehren um seine Arbeit ganz von Neuem zu beginnen.
Es war in dieser schweren Zeit, als sich ein junger Schüler der Takushoku Universität hervortat: Meister Nakayama welcher den Impuls für die darauffolgende Oranisation des Shōtōkan gab.
1950 wurde das Verbot für die Ausübung der Kampfkünste auf japanischem Boden durch die amerikanische Regierung aufgehoben: Meister Funakoshi wurde auf die amerikanischen Basen eingeladen um Demonstrationen, zur Illustration der Prinzipien des Karate, zu halten.
Der Meister verstarb am 26. April 1957, im Alter von 89 Jahren, nachdem er sich sein ganzes Leben dem Unterricht und der Verbreitung des traditionellen Karate gewidmet hatte.
Eines seiner wichtigsten Werke ist das Shōtō Niju Kun, zwanzig Regeln, welche das Karate illustrieren und den Praktizierenden den zu gehenden Weg aufzeigen.
- Karate wa rei ni hajimari, rei ni owaru koto wo wasuruna
Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.
- Karate ni sente nashi
Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.
- Karate wa gi no tasuke Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.
- Mazu jiko wo shire, shikoshite tao wo shire
Erkenne dich selbst zuerst, dann den Anderen.
- Gijutsu yori shinjutsu
Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.
- Kokoru wa hanatan koto wo yosu
Lerne, deinen Geist zu kontrollieren, und befreie ihn dann von Unnützem.
- Wazawai wa getai ni shozu
Unheil entsteht durch Nachlässigkeit.
- Dojo nomino karate to omou na
Karate findet nicht nur im Dōjō statt.
- Karate no shugyo wa issho de aru
Die Ausbildung im Karate umfasst Dein ganzes Leben.
- Arai-yuru mono wo karate-ka seyo, soko ni myo-mi ari
Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate.
- Karate wa yu no got shi taezu natsudo wo ataezareba moto no mizu ni kaeru
Karate ist wie heisses Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig erwärmst.
- Katsu kangae wa motsu na makenu kangae wa hitsuyo
Denke nicht ans Gewinnen, doch denke darüber nach, wie du nicht verlierst.
- Tekki ni yotte tenka seyo Wandle dich, abhängig von deinem Gegner.
- Tattakai wa kyo-jutsu no soju ikan ni ari
Anspannung und Entspannung müssen zum richtigen Zeitpunkt angewandt werden.
- Hito no te ashi wo ken to omoe
Stell dir deine Hand und deinen Fuss als Schwert vor.
- Danshi mon wo izureba hyakuman no tekki ari
Wenn man das Tor der Jugend verlässt, hat man viele Gegner.
- Kamae wa shoshinsha ni ato wa shizentai
Das Einnehmen einer Haltung gibt es beim Einsteiger, später gibt es den natürlichen Zustand.
- Kata wa tadashiku jissen wa betsu mono
Übe die Kata korrekt, der echte Kampf ist eine andere Angelegenheit.
- Chikara no kyojaku, karada no shinshuku, waza no kankyu wo wasaruna
Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.
- Tsune ni shinen kufu seyo
Denke immer nach und versuche dich ständig am Neuen.
Funakoshi Yoshitaka Sensei
Yoshitaka Funakoshi spielte, trotz seines frühen Todes im Frühling 1945 im Alter von knapp vierzig Jahren, eine wichtige Rolle in der Entwicklung und Verbreitung des modernen Karate.
Sein Vater, Meister Gichin, war derjenige, welcher das Karate aus dem Schatten herausholte und es ins Licht des persönlichen Wachsens rückte.
Meister Yoshitaka führte den Weg seines Vaters fort, indem er Techniken entwickelte, durch welche man das Karate klar von seinem Ursprung auf Okinawa unterscheiden konnte.
Er begann bereits mit 12 Jahren mit der Karate-Praxis. Im Alter von 70 Jahren wurde eine Form von Tuberkulose diagnostiziert. Yoshitaka begann somit während jedem Moment seines Lebens hart zu trainieren.
Seine unglaubliche körperliche Kraft und seinen noch stärkeren Willen, brachten ihn im Studium und der Perfektion der Kampfkunst zur Einführung neuer Fusstechniken, welche heute alle gebraucht werden: Mawashi-Geri (Halbkreistritt), Yoko-Geri (Seitwärtstritt), Ushiro-Geri (Tritt nach hinten).
In den Jahren von 1930 bis 1935 legte Yoshitaka den Schwerpunkt aufs Kumite-Training, und löste sich somit von der Vorliebe seines Vaters für die Kata. Genau in diesen Jahren entstand das Gohon Kumite, inspiriert durch das Training des klassischen Kendo.
1933 wurde das Kihon Ippon Kumite festgelegt und das Studium des Jyu Ippon Kumite eingeführt.
Nakayama Masatoshi Sensei
Masatoshi Nakayama wurde am 6. April 1913 in Kanazawa, Japan geboren. Seine Familie war adligen Ursprungs, der Vater gehörte zum alten Rang der Samurai und war ein Lehrer des Kendo und zudem ein Mitglied der Militärklasse der Experten der Künste des Budo.
In jungen Jahren, von seinem Vater beeinflusst, widmete sich Meister Nakayama dem Kendo und Judo.
1932 begannt er sein Studium an der Universität Takushoku, welche auf die Abwicklung von internationalen Geschäften zwischen Japan und dem Rest der Welt spezialisiert war.
An dieser Stelle traf er zum ersten Mal Meister Funakoshi. Von den Vorführungen der Schüler Funakoshis fasziniert, entschied er sich komplett dem Studium und der Vertiefung des Karate zu widmen.
Er war 1949, nach Ende des Krieges, Mitbegründer der Japan Karate Association (JKA) und war deren erster offizieller Instruktor.
Nakayama spielte eine grundlegende Rolle bei der weltweiten Verbreitung des Karate sowie bei der Errichtung der Programme für die Instruktoren. Ihm ist auch die Verbreitung und die Theoretisierung des Karate auf schulischer Ebene zu verdanken.
Auch seine Bücher "Dynamic Karate" und "Katas of Karate", die in den 70er Jahren publiziert wurden, waren von großer Bedeutung und werden von vielen als grundlegende Werke für das Verständnis dieser Kampfkunst gesehen.
Meister Nakayama starb am 14. April 1987 im Alter von 74 Jahren.
Bis zu seinem letzten Tag widmete er sich der Realisierung von Videos, Dokumentarfilmen, Büchern, Schriften und Seminaren für die Verbreitung des Karate auf der Welt.
Nishiyama Hidetaka Sensei
Meister Hidetaka Nishiyama ist einer der Pioniere der Verbreitung des Traditionellen Karate auf der Welt. Er war Präsident der International Traditional Karate Federation (ITKF).
Er wurde 1928 in Tokyo geboren und begann 1944 unter der direkten Aufsicht von Meister Gichin Funakoshi mit dem Karatetraining. Meister Nakayama wurde Mitglied der Wettkampfmannschaft der Takushoku Universität und nur ein Jahr später, 1949, Mannschaftskapitän.
1951 erwarb er den Hochschulabschluss in Wirtschaft und gründete im selben Jahr die noch heute existierende Japan Karate Association.
Ein Jahr später begann er, US-amerikanische Militärangehörige des Stratec Air Command (SAC) auszubilden.
Ein weiteres Jahr später begab er sich, zusammen mit weiteren Meistern, vorübergehend in die USA und hielt dort beispielhafte Vorführungen, welche zur Verbreitung des Karate in der neuen Welt beitrugen.
1960 veröffentlichte er eines der ansehlichsten Bücher über das Traditionelle Karate: "Karate: die Kunst der leeren Hand", von welchem 2000 die 70. Neuaflage gedruckt wurde und somit das meistverkaufte Werk zu diesem Thema ist.1961 organisierte er die All American Karate Federation (AAKF) und ermöglichte somit die ersten Landesmeisterschaften in Los Angeles, wo er zur gleichen Zeit sein Dojo eröffnete.
Von diesem Zeitpunkt an war er der Ausgangspunkt für die Verbreitung des Karate in Amerika und auf der Welt.
1965 organisierte Meister Nishiyama ein Komitee, mit dem Ziel, das erste Karateturnier zwischen den Vereinigten Staaten und Japan zu organisieren. Das erste richtige Karate-Turnier auf internationalem Niveau.
1974 gründet er die I.A.K.F. (International Amateur Karate Federation) und ändert den Namen 1985 in I.T.K.F. (International Traditional Karate Federation) mit dem Ziel, die Wurzeln des Traditionellen Karate zu bewahren.
1968 plante er das erste Weltturnier, welches in der "Sports Arena" in Los Angeles ausgetragen wurde. Fünf Jahre später war er der Mitbegründer der Pan American Karate Union (PAKU).
1977 trug er zur amerikanisch/karibischen Karate Confederation Konföderation bei sowie der des asiatischen und ozeanischen Verbandes.
Weiter unterstützte er 1981 die Gründung der Confederación Suramericana de Karate und dem Nordamerikanischen Karateverband.
Der Meister starb in der Nacht vom 8. November 2008.
Kase Taiji Sensei
Meister Taiji Kase wurde am 9. Februar 1929 in Chiba in Japan geboren.
Schon mit 6 Jahren begann er mit der Praxis des Judo und unterschied sich sehr schnell durch seine unglaubliche Fähigkeiten in den Kampfkünsten: bereits 1944 im Alter von 15 Jahren war er Träger des Nidan (zweiter Dan).
Im selben Jahr, beeindruckt von der Lektüre des Bandes "Karate do Kyohan" von Meister Funakoshi, entschloss er sich der Kunst des Karate anzunehmen und präsentierte sich im Shotokan Dojo in Tokyo. Er war sowohl direkter Schüler von Meister Funakoshi, als auch von dessen Sohn Yoshitaka.
1946 erhielt er den ersten Dan und nach nur drei Jahren den dritten Dan, als Anerkennung seiner Fähigkeiten und seines Einsatzes als Mannschaftskapitän des Wettkampfteams der Universität von Senshu.
In der Folgezeit trat er der JKA (Japan Karate Association) bei, mit dem Ziel sich komplett und professionell dem Unterricht dieser Kampfkunst zu widmen. 1964 verließ er zusammen mit den Meistern Enoeda, Shirai und Kanazawa sein Land, um das Studium des Traditionellen Karate auf der ganzen Welt zu verbreiten.
1967 ließ er sich definitiv in Paris nieder, wo er von Präsident Jacques Delcourt den Auftrag erhielt, die französische Nationalmannschaft zu trainieren, und somit Nationaltrainer wurde. Bald darauf trat er jedoch wieder zurück: Er wollte das Shotokan Karate nach den Regeln des Begründers und der Tradition unterrichten, unabhängig von jeglichen politischen und sportlichen Vorgaben.
1989 gründete er zusammen mit Meister Hiroshi Shirai die W.K.S.A. (World Karate Shotokan Academy) von der er auch Präsident war. Der Verband wurde mit dem Ziel, Meister und Ansprechpartner im Umfeld des Internationalen Karate auszubilden und zu unterrichten, gegründet. Auf technischer Ebene sei hier die Einführung der Techniken Ushiro Geri (Rückwärts-Fusstritt) und Uramawashi Geri (Halbkreisfusstritt) und sein konstantes Studium von O-Waza (lange Technik) und Ko-Waza (kurze Technik) erwähnt.
Meister Kase verkörperte den authentischen Geist des Karate, welchem er sein ganzes Leben widmete. Loyalität, Aufrichtigkeit, unermüdlicher Geist und tiefe Menschlichkeit sind nur einige der Schlüssel-Charakteristika der Persönlichkeit von Kase Sensei, weshalb er von allen, die Karate praktizierten, so geliebt wurde und die ihn zu einer wahren "lebenden Legende" machten.
Durch seine starke Persönlichkeit, wurde er auch im Ausland auf Verbands- und politischer Ebene geschätzt. Meister Kase verkörperte nicht nur für seine Athlethen das Traditionelle Karate.
Er starb am 24. November 2004, im Alter von 75 Jahren. 60 Jahre seines Lebens hatte er der Vertiefung und der weltweiten Verbreitung des Karate gewidmet.
Shirai Hiroshi Sensei
"Der Zwetschgenbaum ist ein sehr bescheidener Baum und die Leute schenken ihm oftmals nicht viel Aufmerksamkeit. Doch der Baum ist sehr stark im Innern, sehr stark bis in die Wurzeln. Es ist ein Baum der im eisigen Winter inwendig seine Kraft behält und kämpfend den Frühling erwartet. Im Wind, Schnee und Eis verändert er sich nicht, er behält seine Kraft. Dann, zu Beginn des Frühlings blüht er früher als die anderen Bäume, fast ohne aufzufallen. Seine Blüte ist wie ein Lächeln aus welchem eine wunderschöne Blume herausgeht. Dann fallen die Blätter der Blüte ab und der Baum wartet mit süsser Zähigkeit auf die nächste Jahreszeit, wieder, wieder, und so für immer. So ist unser Leben, man muss es mit sehr starkem Geist leben, ohne dabei das Lächeln zu verlieren, mit Sanftheit leben, ohne mit den anderen zu streiten. Auf diese Art gehend, alleine, auf seinem Weg, lebt der Mann des Karate diesen "Lebensweg" (Dō), mit Stärke und Unbeschwertheit, wie der Zwetschgenbaum."
~ Sensei Hiroshi Shirai
Hiroshi Shirai wurde am 31.07.1937 in Nagasaki (Japan) geboren und gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Figuren in der Entwicklung des Shotokan-Karate, welches von Sensei Gichin Funakoshi gegründet wurde.
Sensei Shirai begann das Karatetraining mit 18 Jahren unter Sensei Nishiyama an der Universität Komazawa in Tokyo, wo er den Abschluss in Geologie machte. Nach nur zwei Jahren wurde ihm der Shodan (1. Dan) verliehen. Von Beginn an unterschied er sich durch seine technischen Fähigkeiten. 1962 wurde er Instruktor, 1963 Meister unter der Leitung von Sensei Kase.
Im Februar 1965 begab er sich zusammen mit den Meistern Kase, Kanazawa, Enoeda ins Ausland mit dem Ziel, das Karate weltweit zu verbreiten: USA, Europa und Südafrika waren die ersten Stationen. Im Oktober desselben Jahres liess sich Sensei Shirai in Mailand (Italien) nieder, während sich Sensei Kase nach kurzem Aufenthalt in Holland und Belgien, in Paris niederliess.
1970 gründete er die FE.S.I.KA., der erste große italienische Verband für Traditionelles Karate, welche 1978 wieder aufgelöst wurde.
1971 eröffnete er sein persönliches Dojo in Mailand: Studio Shirai - Accademia del Karate.
1979 gründete er die F.I.K.T.A. (Federazione Italiana Karate Tradizionale e discipline Affini), welche er heut noch leitet.
Aktuell ist Sensei Shirai Träger des 10. Dan.
Marchini Dario Sensei
Dario Marchini wurde am 30.12.1957 in Brescia (Italien) geboren und begann 1970 mit dem Karatetraining. Innerhalb weniger Jahre wurde er Protagonist der italienischen Karateszene.
1973 legte der die Schwarzgurtprüfung unter Sensei Kase und Sensei Shirai ab.
1975 erhielt er die Qualifikaiton als Instruktor und 1986 die Qualifikation als Meister. Aktuell ist er Träger des 7. Dan.
1999 gründete er mit seinen engsten Schülern die "Initiative Kokoro", welche eine "traditionelle Revolution" im Studium und in der Praxis des Karate-Dō vorschlägt. Aufgrund der grossen Resultate der "Initiative Kokoro" auf menschlicher und technischer Ebene, immer im Einvernehmen mit seinen Schülern, gründet er und wird Präsident der "Associazione Culturale Kokoro International" für "eine kontinuierliche Vertiefung und Überlegung über die tiefsten Werte und Prinzipien des Karate-Dō".
Hier eine Zusammenfassung seiner wichtigsten Wettkampferfolge.
Als Athlet:
- Weltmeisterschaften W.U.K.O. (1984 - 1990) - I.T.K.F. (1992 & 1996): 9x Gold, 7x Silber, 2x Bronze
- Europameisterschaften U.E.K. (1982 - 1990) - E.T.K.F. (1982 - 1992): 20x Gold, 1x Silber, 5x Bronze
- Italienische Meisterschaften (1976 - 1990): 17x Gold, 2 Silber
Als Trainer der italienischen Nationalmannschaft:
- Weltmeisterschaften I.T.K.F. (1994 - 2006): 22x Gold, 3x Silber, 3x Bronze
- Europameisterschaften E.T.K.F. (1994 - 2007): 46x Gold, 20x Silber, 1x Bronze
Als Clubtrainer (Wichtigste Ergebnisse):
- Italienische Meisterschaften (1987 - 2011): 46x Gold, 23x Silber
Auf die Frage nach seinem wichtigsten Resultat antwortete Sensei Marchini jedoch:
"Die Ehrlichkeit der Beziehung mit meinen Schülern, meinem Sensei und in meiner Praxis und Recherche im Karate-Dō, dies ist mein wichtigstes Resultat in 40 Jahren Karate-Praxis. Die Medaillen? Nur Mittel, nichts anderes als Mittel."