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Was ist Lymphe?
Lymphe bedeutet im Lateinischen „klares Wasser“ und ist eine wässrige, leicht milchig getrübte Körperflüssigkeit, die in den Lymphgefässen des Körpers gespeichert ist. Sie enthält Lymphplasma sowie weisse Blutkörperchen, die Lymphozyten genannt werden. Lymphe fliesst in Lymphbahnen, das sind besondere Gefässe im Körper, denen Lymphknotenstationen eingeschaltet sind.
Wird die Lymphknotenstation erreicht, reinigen die einzelnen Lymphknoten dieser Station die Lymphe. Das bedeutet, Krankheitserreger und Giftstoffe wie Schlacken, Abfallstoffe, Bakterien oder entartete Zellen, werden aus dem System entfernt. Somit hat das Lymphsystem in erster Linie eine wichtige Reinigungsfunktion im menschlichen Organismus und ist Bestandteil des Immunsystems. Ist der Durchfluss in den Lymphbahnen behindert, können Schwellungen auftreten. Häufig betroffen sind dabei die Arme und Beine. Diese Gewebeschwellungen entstehen durch Einlagerung von Flüssigkeit, auch Lymphödem genannt.
Die Manuelle Lymphdrainage ist keine klassische Massage, sondern vielmehr eine Drainage, welche die Funktion des Lymphsystems positiv beeinflusst. Das genaue Ziel der Manuellen Lymphdrainage ist die Entstauung des geschwollenen Gewebes. Durch sanfte, oberflächliche Anwendungen, werden bei der Therapie die Lymphflüssigkeiten verschoben und der Lymphabfluss aktiviert.
Wissenswertes über die Manuelle Lymphdrainage: Die Manuelle Lymphdrainage findet ihren Ursprung bereits am Ende des 19. Jahrhunderts. Erst in den 30er Jahren wurden die Grifftechniken der Behandlung massgeblich vom dänischen Ehepaar Vodder entwickelt. Fortgeführt und erweitert wurde die Manuelle Lymphdrainage vom ungarischen Mediziner Michael Földi und in den 50er Jahren vom in der Schweiz geborenen Arzt Johannes Asdonk.
Die Manuelle Lymphdrainage eignet sich vor allem bei Beschwerden wie Schwellungen und Stauungen. Beispiele dafür sind Verstauchungen, Zerrungen, Blutergüsse, Knochenbrüche, Ödeme bei rheumatischen Erkrankungen oder Lymphödeme. Die Drainage regt den Abfluss von Flüssigkeiten an und verhindert gleichzeitig, dass neue Flüssigkeit in das Gewebe gelangt. Schmerzen in der betreffenden Gegend können so gelindert und der Heilungsprozess beschleunigt werden.
Auch Beschwerden wie Wassereinlagerungen zählen zu den typischen Anwendungsgebieten der Manuellen Lymphdrainage. Schwangere Frauen und ältere Menschen sind besonders häufig von solchen Einlagerungen in Armen und Beinen betroffen.
Die Manuelle Lymphdrainage kommt ausserdem nach Operationen zum Einsatz. Zum Beispiel nach Unfällen, nach der Entfernung der Lymphknoten oder nach zahnärztlichen Eingriffen. Operationsbedingte Schwellungen können mit den sanften Grifftechniken der Manuellen Lymphdrainage besonders wirksam behandelt werden.
Auch chronische Erkrankungen im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich sowie Gelenkerkrankungen (wie Morbus Sudeck), können mit der Manuellen Lymphdrainage therapiert werden.
Nicht zuletzt gehören auch neurovegetative Beschwerden in das Behandlungsgebiet der Manuellen Lymphdrainage. Durch die sanfte Massagetherapie können ganz unterschiedliche Symptome gelindert werden. Dazu zählt zum Beispiel Migräne oder Schmerzen im Gesicht (z.B. Trigeminusneuralgie).
- Schwellungen (z.B. nach Operationen oder Unfällen)
- Stauungen
- Wassereinlagerungen
- Nach Bestrahlung
- Chronische Entzündungen
- Gelenkerkrankungen
- Migräne
- Gesichtsschmerzen
- Schleudertrauma
Hinweis: Bei Beschwerden wie Herzschwäche, Venenthrombose, akuten Ekzemen oder offenen Wunden und ähnlichen Beschwerden, kommt die Manuelle Lymphdrainage nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt zum Einsatz.
Ein wichtiges Merkmal der Manuellen Lymphdrainage ist die Art der Reizsetzung auf verschiedene Hautareale des Körpers. Sie ist anders als bei vielen Methoden, die weitestgehend als „Massage“ bezeichnet werden. Auch wenn die Grifftechniken der Manuellen Lymphdrainage aus der Klassischen Massage entstanden.
Die Griffe der Manuellen Lymphdrainage werden klein- oder grossflächig angewendet und können aus oberflächlichen oder tiefgehenden Kreisbewegungen bestehen. Die verschiedenen Dehn- und Verschiebetechniken wirken vor allem behutsam auf den Haut- sowie Unterhautbereich ein. Dabei dürfen keine Schmerzen entstehen, da sich die Lymphgefässe sonst verschliessen. Vier Grundgriffe haben sich in der Manuellen Lymphdrainage durchgesetzt, die während der Behandlung auch miteinander kombiniert werden können.
1. Stehender Kreis
Bei diesem Grundgriff bearbeitet der Therapeut die Haut kreis- oder spiralförmig. Der Stehende Kreis wird vor allem dann angewendet, wenn blockierte Körperregionen eine besonders intensive Behandlung benötigen. Oft ist dies in der Halsregion der Fall.
Durch diese Technik wird die Lymphbildung gefördert, der Lymphtransport erhöht und die angestaute Flüssigkeit im Gewebe abtransportiert.
Der Stehende Kreis ist auf unterschiedlichen Körperregionen einsetzbar und kann sowohl klein- als auch grossflächig ausgeführt werden (ganze Handfläche oder Daumen).
Neben der klassischen Variante des Stehenden Kreises gibt es mittlerweile abgewandelte Formen.
2. Drehgriff
Der Drehgriff ist ein dynamischer Griff und eignet sich vor allem bei der Anwendung für grosse Körperflächen. Er wirkt flüssigkeitsverschiebend und verstärkt ähnlich wie der Stehende Kreis die Lymphbildung und den Lymphtransport.
3. Pumpgriff
Der Pumpgriff ist ebenfalls ein dynamischer Griff und wirkt in erster Linie flüssigkeitsverschiebend. Er wird vor allem aus dem Handgelenk heraus ausgeführt.
Den Pumpgriff wenden Therapeuten insbesondere bei grösseren, nicht ebenen Flächen an wie zum Beispiel an Armen, Beinen oder Flanken.
Der Pumpgriff kann einhändig (auf kleine Flächen), im Wechsel (auf grosse Flächen) oder im Wechsel mit dem Stehenden Kreis („Pumpen-Weiterschieben“) ausgeführt werden.
4. Schöpfgriff
Der Schöpfgriff ist ebenfalls ein dynamischer Griff und kommt vor allem an Unterarm und Unterschenkel zur Anwendung.
Der Therapeut benutzt dabei eine Hand oder führt die Massage beidhändig aus. Ähnlich wie andere Anwendungen, wirkt der Schöpfgriff flüssigkeitsverschiebend.
Er besteht aus einer fortlaufenden Bewegung, in der die Schub- und Trennungsphase ineinander übergeht.
Äusserst selten zeigen sich bei der Manuellen Lymphdrainage Nebenwirkungen oder Komplikationen während der Behandlung. Zwar wird die Methode bei bestimmten Beschwerden und Erkrankungen nicht direkt empfohlen, doch normalerweise wird die Therapie so sanft und behutsam durchgeführt, dass sie keine Risiken birgt.
Die Manuelle Lymphdrainage ist keine Massage im klassischen Sinn und kommt vor allem zur Linderung von Stauungen, Wasseransammlungen und schmerzhaften Beschwerden zur Anwendung. Das Besondere dabei ist, dass die Manuelle Lymphdrainage auf die Anatomie und die Physiologie des Lymphgefässsystems sowie auf die Flüssigkeiten im Zwischengewebe abgestimmt ist. Daher durchlaufen Therapeuten der Manuellen Lymphdrainage eine umfassende Ausbildung, um die Therapie wirkungsvoll anwenden zu können.
Wie effektiv wirkt die Manuelle Lymphdrainage?
Wie mehrere unabhängige Studien beweisen, kann die Manuelle Lymphdrainage positive Wirkung auf unterschiedliche Beschwerdebilder zeigen.
Erfolg nach Brustoperation
Forscher des „University Hospital“ in Alcalá de Henares (Spanien) beispielsweise fanden in einer Studie heraus, dass bei Patienten mit der Diagnose Mastektomie (Brustentfernung) die Manuelle Lymphdrainage als Interventionsmassnahme eine gute Wirkung zeigt.
120 Frauen, denen zwischen 2005 und 2007 die Brüste entfernt werden mussten und deren Lymphknoten entfernt waren, wurden dabei in zwei verschiedene Gruppen aufgeteilt, um die Wirkung der Manuellen Lymphdrainage zu erforschen.
Bei der Kontrollgruppe fand keine Behandlung mit der Manuellen Lymphdrainage statt. Die Interventionsgruppe hingegen, wurde mit einem speziellen Physiotherapie-Programm behandelt, welches die Manuelle Lymphdrainage mit einbezog.
Wie sich gezeigt hat, entwickelten sich die Lymphödeme in der Kontrollgruppe vier Mal schneller als es in der Interventionsgruppe der Fall war. Zudem waren die Lymphödeme in der Kotrollgruppe grösser als die in der Interventionsgruppe.
Erfolg bei Wassereinlagerungen
Auch Wissenschaftler des University Hospital in Lund (Schweden) konnten die Effektivität der Manuellen Lymphdrainage belegen.
1998 testete das Forschungsteam, ob die Manuelle Lymphdrainage bei der Wasserverdrängung im Gewebe helfen kann.
Auch in dieser Studie gab es zwei verschiedene Gruppen. Die Gruppe, welche mit der Manuellen Lymphdrainage behandelt wurde, erzielte signifikante Erfolge. Das Wasservolumen im Gewebe wurde stark reduziert und das Spannungsgefühl im Körper nahm ab.
Die Gruppe ohne die Manuelle Lymphdrainage als Therapie gegen ihre Beschwerden erzielte hingegen nur minimale Verbesserungen bei der Reduzierung des Wasservolumens.
„Die Lymphe, das ist das Allerfeinste, Intimste und Zarteste in dem ganzen Körperbetrieb… Man spricht immer von dem Blut und seinen Mysterien und nennt es einen besonderen Saft. Aber die Lymphe, die ist ja erst der Saft der Säfte, die Essenz… Blutmilch, eine ganz deliziöse Tropfbarkeit.“
(Thomas Mann, „Der Zauberberg“)
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