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Schauspieler Adam DriverEr darf auch im Streik für seinen Film werben
Trotz Arbeitskampf in Hollywood präsentiert der Amerikaner in Venedig seinen neuen Film «Ferrari», in dem er den Automogul Enzo Ferrari spielt. Mit den Protestierenden versucht er sich solidarisch zu zeigen.
«Warum können die kleineren Studios die Anforderungen der Gewerkschaft erfüllen – und die grossen nicht?» Adam Driver in Venedig.
Foto: Matteo Rasero (Keystone)
Driver, Adam. So muss man erst einmal heissen als Hauptdarsteller eines Films, der sich mit den berühmtesten Autos überhaupt beschäftigt. In «Ferrari» spielt Adam Driver den Firmengründer Enzo Ferrari, er gibt nach Maurizio Gucci in «House of Gucci» schon zum zweiten Mal den italienischen Patron, aber viel interessanter ist ja, dass Driver an den Filmfestspielen von Venedig gerade höchstpersönlich Werbung machen kann.
Den meisten Kolleginnen und Kollegen ist das momentan nicht möglich; der Streik der Screen Actors Guild and American Federation of Television and Radio Artists (SAG-Aftra), der grössten US-amerikanischen Schauspielergewerkschaft, dauert an. Weil «Ferrari» von Neon und STX vertrieben wird und Driver damit nicht unter einer der grossen Gesellschaften arbeitet, mit denen die Gewerkschaft im Streit liegt, kann er ihn mit einer Ausnahmegenehmigung promoten.
Drivers Angriff auf die grossen Studios
Das tat Driver in Venedig zuletzt eifrig, und weil die Filmfestivals in diesem Sommer kaum mit den grossen Stars aufwarten, erfuhr der Kalifornier umso mehr Aufmerksamkeit. Er nutzte sie, um auf die Anliegen seiner Gilde aufmerksam zu machen. «Warum können die kleineren Studios die Anforderungen der Gewerkschaft erfüllen – und die grossen nicht?», fragte er auf der Pressekonferenz zu «Ferrari» in die Runde, doch eher rhetorisch.
Die Kernanliegen der SAG-Aftra im Streit mit der Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP) umfassen Posten wie eine generelle Gehaltserhöhung, den Schutz von Bildrechten gegen künstliche Intelligenz sowie eine bessere Rentenabsicherung und Krankenversicherung. Wie lange der Stillstand in Hollywood noch andauert, ist unklar.
Dass «Ferrari» als kleiner Indiefilm gilt, mag bei einem Budget von fast 100 Millionen Dollar erstaunen; in dieser Kategorie spielen auch viele Major-Filme. Regisseur Michael Mann hat auf Hauptdarsteller Driver offenbar lange gewartet, war über die Jahre diesbezüglich auch mit Robert de Niro, Hugh Jackman und Christian Bale in Kontakt. Dass jetzt ausgerechnet der 39-jährige Driver den im Film gut 20 Jahre älteren Enzo Ferrari spielt, spricht für ihn.
Als er 2010 für die Hauptrolle der später so erfolgreichen HBO-Serie «Girls» vorsprach, soll er auf dermassen viele in seinen Augen so viel besser aussehende Männer getroffen sein, dass er sich keine Chancen ausrechnete, die Rolle zu bekommen. Es kam anders. «Girls» verhalf Adam Driver nicht nur zum Durchbruch, sondern auch zur ganz spezifischen Genre-Rolle des Beau für Indiefilme: Jim Jarmusch, Noah Baumbach und die Coen-Brüder wollten mit ihm drehen.
In «Ferrari» spielt Driver den Automogul mit silbergrauem Haar und einem für alle Beteiligten allzu gut durchsichtigen Doppelleben zwischen Ehefrau Laura (Penélope Cruz) und Freundin Lina (Shailene Woodley). Die Handlung ist in den 50er-Jahren angesiedelt, als es für das schon ins Wanken geratene Unternehmen und seine Fahrer darum geht, die so prestigeträchtige wie gefährliche «Mille Miglia» zu gewinnen, ein Strassenrennen über 1000 Meilen.
Der für die Deutschschweiz angepeilte Filmstart ist im Januar 2024. Ob Driver zu der Zeit noch für seine streikenden Kollegen weibeln muss, wird sich zeigen.
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