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Veitstanz
(Chorea sancti Viti, C. minor), eine Nervenaffektion, welche durch das Auftreten fortwährender unzweckmäßiger Zuckungen von Muskelgruppen charakterisiert ist; diese Zuckungen treten entweder selbständig auf, oder sie sind bei beabsichtigten Bewegungen in Form sogen. Mitbewegungen vorhanden. Das Bewußtsein ist nicht beeinträchtigt, doch ¶
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ist häufig allgemeine Verstimmung mit dem Beginn der Krankheit verknüpft. Die Krankheit befällt vorzugsweise jugendliche Personen, namentlich Mädchen; die Anlage ist sehr oft in einer Vererbung von Hysterie, Epilepsie oder andrer Geisteskrankheit zu suchen, zuweilen jedoch sollen heftige Seeleneindrücke, Schreck etc., auch Würmer [* 4] im Darm [* 5] die unmittelbaren Ursachen davon sein. Der Ausbruch des Leidens fällt bei Kindern gewöhnlich in die Zeit des Zahnwechsels, bei Frauen in eine Schwangerschaftsperiode.
Meist beginnt die Krankheit sehr allmählich und wird längere Zeit hindurch gar nicht bemerkt. Höchstens fällt es auf, daß das kranke Kind manche Dinge zerbricht und aus der Hand [* 6] fallen läßt, daß es nicht stillsitzt etc. Die Muskelunruhe wird allmählich auffallender, die Ungeschicklichkeiten häufen sich und werden gröber, das Kind zeigt fast fortwährend grimassenhafte Verzerrungen des Gesichts. Beim ausgebildeten Veitstanz folgen sich die verschiedensten Bewegungen des Gesichts, des Kopfes, der Arme und Beine, des Rumpfes in der mannigfachsten und oft barocksten Weise.
Bei den höhern Graden des Veitstanzes vermögen die Kranken nicht ruhig auf dem Stuhl zu sitzen. Auch das Sprechen wird undeutlich. Feinere Beschäftigungen mit den Händen sind selbst in leichtern Fällen unausführbar. Die krankhafte Beweglichkeit wächst an Heftigkeit und Ausdehnung, [* 7] wenn die Kranken auf sich achten, und noch mehr, wenn sie sich beobachtet wissen. Die Kranken schlafen wegen der fortwährend bestehenden Bewegungen schwer ein; gelingt es ihnen aber endlich, einzuschlafen, so hört die Muskelunruhe auf.
Der Verlauf des Veitstanzes ist chronisch. Selten endet die Krankheit vor der sechsten oder achten Woche, häufig zieht sie sich 3-4 Monate lang hin. In ganz einzelnen Fällen wird sie habituell und dauert durch das ganze Leben. Der bei weitem häufigste Ausgang der Krankheit ist der in Genesung. Die Behandlung des Veitstanzes hat wesentlich für Herstellung von Ruhe, Schlaf und gutem Allgemeinbefinden zu sorgen. Sind Würmer im Darmkanal vorhanden, so mag man diese vorher durch Santonin u. dgl. entfernen. Gegen schwerere Formen des Veitstanzes ist der Gebrauch von Arsenik und Bromkalium, kalte Abreibungen, gymnastische Bewegungen und Elektrizität [* 8] als in vielen Fällen sehr wirksam empfohlen.
Vgl. Pierson, Kompendium der Krankheiten des Nervensystems (Leipz. 1876).