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Festtage ohne Champagner? Das klingt langweilig und trocken. Wer feiert, sollte es sprudeln lassen – und zur richtigen Flasche greifen. Ob Brut, Rosé oder edler Jahrgang, jung oder mit gereiften Nuancen: Falstaff sagt Ihnen, was Sie zum Thema Champagner als Kenner unbedingt wissen sollten.
1. Sind Jahrgangs-Champagner besser ?
Als Jahrgangschampagner werden Produkte bezeichnet, deren Grundweine aus einem einzigen Erntejahr stammen. Der weitaus grössere Teil trägt keine Jahrgangsbezeichnung, weil die Basis aus Weinen verschiedener Jahre komponiert wird, um den Stil des Hauses optimal zum Ausdruck bringen zu können. Nur etwa acht Prozent der Produktion in der Champagne sind Vintage-Weine, speziell die Prestige-Cuvées der führenden Häuser werden meist mit Jahrgang vermarktet.
Das Gros dieser Top-Weine wird nur aus den besten Jahrgängen erzeugt, die aktuellen Spitzenjahrgänge sind 2008, 2002, 1998 oder 1996. Der mit Abstand am meisten verkaufte Luxus-Champagner ist der Dom Pérignon (aktueller Jahrgang 2007), dessen Jahresproduktion die Zahl von fünf Millionen längst überschritten hat. Auf Platz zwei rangiert Louis Roederers legendärer Cristal (2007). Im exquisiten Hause Krug geht man einen anderen Weg. Die elitäre Krug Grande Cuvée ist eine komplexe Komposition aus gut fünfzig verschiedenen Grundweinen aus mindestens sechs Jahrgängen. Nicht selten ist die Grande Cuvée den raren Krug-Jahrgangsprodukten (2003) zumindest ebenbürtig.
2. Was bedeutet Solera beim Champagner?
Anstatt jedes Jahr aufs Neue eine Cuvée für den Basiswein zusammenzustellen, gehen Winzer dazu über, eine sogenannte Cuvée perpétuelle anzulegen. Dabei wird im Fass der neue Jahrgang mit Weinen aus den vorhergehenden Jahren vermählt. Jedes Jahr wird der «ewigen Reserve» der junge Wein zu einem Anteil von beispielsweise 25 Prozent zugesetzt, und aus der neuen Assemblage werden wieder 25 Prozent für die Füllung der zweiten Gärung entnommen. So beinhaltet der Grundwein eine wachsende Zahl von Weinen aus unterschiedlichen Jahrgängen, deren Anteil mit jedem Jahr etwas abnimmt.
3. Wie gut sind Winzerchampagner wirklich?
Die handwerklich orientierten Familienbetriebe bewirtschaften oft recht kleine Parzellen und wollen den speziellen Terroirausdruck ebenso in ihren Champagnern abbilden wie den Verlauf des jeweiligen Jahrgangs. Mit ein Grund, die Trauben reifer zu ernten als die Industrie, denn man will des Resultat so trocken wie möglich gestalten. Diese Vorgangsweise erspart dem Winzer das Chaptalisieren der Moste am Anfang und die Dosage am Ende seiner Produktion, und die Weine gewinnen an individuellem Ausdruck. So kommen die artisanalen Champagner meist mit weniger als sechs Gramm oder als «Brut Nature» gar ohne Restzucker auf die Flasche. Anselme Selosse von Champagne Jacques Selosse gilt heute als Doyen unter den Erzeugern, seine Produkte sind gesuchte Meisterwerke.
4. Was ist ein nicht dosierter Champagner?
Unter Dosage versteht man beim Champagner jene Menge an Zucker, die dem Produkt nach der zweiten Gärung in der Flasche beigegeben wird, um einen gewissen Stil zu gewährleisten. Das kann auch mit Süsswein oder Altweinreserven erfolgen, dieser Zusatz wird in der Fachsprache auch als Versandlikör bezeichnet. Der Grossteil der handelsüblichen Champagner kommt als «Brut» auf den Markt – eine Bezeichnung mit Verwirrungspotenzial. Denn sie erlaubt einen Restzuckergehalt von bis zu zwölf Gramm je Liter, und das ist bei Stillweinen längst nicht mehr «trocken».
Lässt ein Winzer die Dosage weg, erlebt der Kunde seinen Champagner völlig ungeschminkt. Diese Weine werden als «Brut Nature», aber auch «Brut Sauvage», «Brut Ultra», «Zero Dosage», «Pure» oder «Integral» bezeichnet. Ihr maximaler Restzuckergehalt ist mit drei Gramm limitiert. Die nächste Stufe ist der «Extra Brut», hier sind maximal sechs Gramm je Liter erlaubt. Da nicht alle Grundweine völlig trocken vergären, kann es vorkommen, dass ein Champagner einige Gramm Restzucker aufweist, ohne dass ihm eine Dosage verabreicht worden wäre. Diese sind dann meist durch die längere Hefekontaktzeit gut eingebunden.
5. Welche Mengen an Champagner werden jährlich produziert?
Den rund dreihundert Champagner-Häusern (darunter versteht man die bekannten Marken) stehen heute in etwa 15.800 Winzer und deren Genossenschaften gegenüber. Bewirtschaftet wird aktuell eine Rebfläche von 33.705 Hektar. Der Anteil, der von den Häusern selbst bewirtschaftet wird, liegt bei 4000 Hektar. Der weltweite Gesamtabsatz betrug im Jahr 2014 insgesamt 307.132.540 Flaschen, davon rund siebzig Prozent durch Champagner-Häuser und etwa dreissig Prozent durch Winzer und Genossenschaften. In Frankreich selbst wurden 162.262.278 Flaschen abgesetzt, das entspricht rund 53 Prozent des Gesamtabsatzes. Dort erreichen Champagner-Häuser einen Absatzanteil von etwa 55 Prozent und Winzer und Genossenschaften von zirka 45 Prozent. Im Export wurden 144.870.262 Flaschen abgesetzt, das entspricht in etwa 47 Prozent des Gesamtabsatzes. Auf den Exportmärkten erreichen die Häuser einen Absatzanteil von rund 87 Prozent.
6. Wer sind die grossen Player im Marken-Business?
Mehr als siebzig Prozent des Umsatzes entfällt auf die Konzerne, die sich auf klingende Marken konzentrieren. Diese grossen drei dominieren: LVMH ist die klare Nummer eins. Unter diesem Dach firmieren Weltmarken wie Moët & Chandon, Dom Pérignon, Ruinart, Veuve Clicquot, Krug, Montaudon oder Mercier. Auf Platz zwei ist Vranken Pommery. Die Gruppe führt die Marken Pommery, Vranken mit Demoiselle und Diamant, Heidsieck & Co Monopole und Charles Lafitte. Auf Platz drei rangiert Lanson-BCC (Boizel Chanoine Champagne) mit Namen wie Lanson, Maison Burtin Besserat de Bellefon, Boizel, Chanoine, Philipponnat, de Venoge oder Bonnet.
7. Ist der Trend zum Rosé-Champagner wieder vorbei?
Ganz sicher nicht – im Gegenteil. Lange Zeit führte der Rosé in der Champagne ein Mauerblümchen-Dasein. Erfunden hat ihn die Witwe Clicquot bereits am Anfang des 19. Jahrhunderts, aber auch noch zum Ende des 20. Jahrhunderts betrug der Anteil an Rosé-Champagnern nur zwei, drei Prozent der Gesamtproduktion. In den letzten beiden Jahrzehnten konnte auch beim Stillwein ein kräftiger Trend zum Rosé beobachtet werden, der schliesslich auch die Schaumweinszene erfasst hat – die Zahl der Rosé-Liebhaber wächst stetig.
Aktuell hat die Herstellung bereits die Zehn-Prozent-Marke überschritten, und die Vielfalt an Stilen stellt für die Konsumenten eine echte Herausforderung dar. Die Farben reichen von hellem Rosa bis hin zu dunklem Pink, die Strukturen von rassig-trocken bis cremig-süss. Unter den zahlreichen erstklassigen Erzeugern haben Namen wie Billecart-Salmon, Bollinger, De Sousa, Deutz, Dom Pérignon oder Roederer die Nase vorne. Die Zeiten, in denen der Rosé als Damengetränk belächelt wurde, sind vorbei.
8. Hat der Natural-Trend auch die Champagner erreicht?
Wer die Alternative sucht, wird fündig. Ein Thema sind Produkte, bei denen kein Schwefel zugesetzt wird. Ein Beispiel für einen derartigen minimalinvasiv erzeugten Champagner ist die Cuvée Brut Nature sans Soufre von Drappier. Für Konsumenten mit Schwefelunverträglichkeit kämen auch in Frage: Charlot-Tanneux Extravagant sans Sulfites ajoutés, Marie Courtin Concordance oder Fleury Père et Fils Extra Brut Sonate No. 9. Für eine neue Bio-Welle stehen Namen wie Fleury, Francis Boulard, Larmandier-Bernier, Vincent Laval (Georges Laval), Dominique Moreau (Marie-Courtin), Thierry Demarne (Demarne-Frison) oder Jêrome Bourgeois (Bourgeois-Diaz). Eine Handvoll Artisans arbeitet auch nach den Prinzipen der Biodynamik, es gibt aber durchaus bereits einige von Demeter zertifizierte Erzeuger wie David Léclapart oder Vouette et Sorbée.
9. Hat man bei Top-Champagner einen Wertzuwachs?
Wenn man die richtigen Raritäten eingekauft hat, dann ist die erzielbare Steigerung höher als bei den meisten Stillweinkategorien. Nur manche Edel-Burgunder wie jene von Romanée-Conti oder Henri Jayer performen bei Auktionen besser als Top-Champagner. Bei Sotheby’s wurde vor wenigen Wochen bei einer Flasche Krug 1915 Private Cuvée um 116.375 US-Dollar zugeschlagen. Enorme Preise wurden auch für jene Flaschen aus der Zeit um 1840 bezahlt, die vor einigen Jahren am Meeresgrund vor Schweden geborgen wurden. Wichtig sind die Exzellenz des Jahrgangs, die hohe Qualität und Rarität des Produkts sowie eine perfekte Lagerung. Wer auf Top-Marken wie Krug, Dom Pérignon, Bollinger, Pommery oder Salon setzt, gewinnt.
10. Deutschland, Österreich, Schweiz: Wo wird am meisten Champagner getrunken?
Die deutschsprachigen Länder sind in der Champagne hochgeschätzte Kunden. Im Jahr 2014 hat sich der Export für das prickelnde Luxusprodukt günstig entwickelt. Mit einem Zuwachs von 8,1 Prozent und einer importierten Menge von 5,55 Millionen Flaschen liegen die Eidgenossen beim Champagner-Konsum pro Kopf ganz klar in Führung und nehmen unter den Champagner-Importeuren den beachtlichen Platz acht ein. 12,61 Millionen Flaschen wurden aus der Champagne nach Deutschland geliefert: ein Wachstum von 2Prozent oder genau 242.729 Flaschen. Deutschland ist seit vielen Jahren der Champagne-Exportmarkt Nummer drei weltweit, nach Grossbritannien und den USA. Auch die Champagne-Lieferungen nach Österreich sind leicht im Plus: 2014 wurden 13.633 Flaschen mehr eingeführt. Die Lieferungen stiegen von 1,29 Millionen Flaschen auf 1,31 Millionen – ein Plus von 1,1 Prozent. Österreich liegt auf Platz neunzehn der Liste der Champagne-Importländer weltweit.
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