Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03176.jsonl.gz/2728

Gemäss dem Bericht der Weltbank State and Trends of Carbon Pricing 2019 ist die Bepreisung von CO2 in 46 Staaten und insgesamt 28 regionalen Rechtsräumen (einzelne Bundesstaaten in den USA und Provinzen in Kanada) geplant oder bereits eingeführt worden.
Die Besteuerung erfolgt grundsätzlich auf zwei Arten: durch die Mengensteuerung in Form eines CO2-Emissionshandelssystems wie es in Europa bereits der Fall ist (EU ETS, EU Emissions Trading System) oder mittels einer Steuer bzw. Abgabe auf CO2. In Europa haben vielen Länder auf fossile Brennstoffe ergänzend eine CO2-Steuer eingeführt. Finnland hat als erstes europäisches Land eine solche eingeführt, Schweden folgte bereits 1991 und Deutschland führte eine CO2-Steuer auf fossile Brennstoffe 2021 ein. Eine möglichst einheitliche Höhe der weltweiten Bepreisung von CO2 ist unter Ökonomen weitgehend sinnvoll, davon ist die Welt allerdings weit entfernt.
Das Europäische Emissionshandelssystem (EU ETS) ist das grösste internationale Emissionshandelssystem der Welt und wurde 2005 von der EU eingeführt. Folgende Branchen, welche in der EU für ca. 40 % aller CO2-Emissionen verantwortlich sind, müssen verpflichtend teilenehmen:
Ausnahmen für kleine und mittlere Unternehmen sowie für bestimmte Arten von Emissionen aus der Landwirtschaft und Verehr bestehen. Die Grundidee des Emissionsrechtehandel geht auf Thomas Crocker zurück. In seinem 1966 erschienen Buch «Pollution, Property and Prices» schlug er vor, einen Markt für Verschmutzungsrechte einzurichten um Gewässerverschmutzung zu begrenzen.
Somit ist die einheitliche Besteuerung von CO2 ein wichtiges Instrument gegen die Klimaerwärmung, allerdings ist es fraglich, ob eine geografisch beschränkte CO2-Bepreisung wie es zur Zeit hauptsächlich in Europa gemacht wird, sinnvoll ist und wirklich CO2 einspart oder energieintensive Branchen aus dieser Region verdrängt und somit weltweit keine Tonne CO2 einspart. Zum heutigen Zeitpunkt muss von letzterem ausgegangen werden.
Je mehr der Ausstoss einer Tonne CO2 kostet, umso mehr wird vermieden und lohnen sich Alternativen. Diese wirtschaftlichen Zusammenhänge sind logisch, über die Höhe des Preises wird allerdings heftig diskutiert. Die CO2-Abgaben bzw. CO2-Steuern auf fossile Brennstoffe pro Tonne CO2-eq in Europa betragen zur Zeit in Deutschland EUR 30, in der Schweiz sind es bereits CHF 120, Teilnehmer am EU-ETS zahlen knapp EUR 100 pro Tonne CO2.
Wolfgang Buchholz und Peter Heindl (Ökonomische Herausforderungen des Klimawandels, 2015) haben versucht, ein Optimum zwischen den Kosten von Klimaschäden und CO2-Vermeidungskosten zu bilden. Oder anders ausgedrückt: Je mehr Klimaschäden durch die globale Erderwärmung verursacht (Dürren, Brände, Klimaflüchtlinge etc.) und bezahlt werden müssen, umso höher steigen die Kosten für CO2-Vermeidung und deren Technologien.
Der Weltklimarat (IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change) veröffentlichte in seinem sechsten Sachstandbericht ein verbleibendes CO2-Budget um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.
Hierbei handelt es sich um den gesamten anthropogenen CO2 Ausstoss, welcher nicht überschritten werden soll. Das globale Rest-CO2-Budget beträgt demnach 420 Milliarden Tonnen CO2 um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen bzw. rund 800 Mrd. Tonnen CO2 um das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Der jährliche CO2-Ausstoss beträgt ca. 40 Milliarden Tonnen CO2, Tendenz steigend. Das genannte CO2-Budget bezieht sich auf das Jahr 2018. Die Wahrscheinlichkeit des Zahlenwerks gibt der Weltllimarat mit ca. 67% an.
Um bis 2050 Netto Null zu erreichen muss der vom Menschen verursachte CO2-Ausstoss drastisch gesenkt werden. Unter anderem muss innerhalb der nächsten 27 Jahren die gesamte Energiewirtschaft dekarbonisiert werden, da diese für rund einen Drittel aller weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist. CO2 Vermeidung kann sehr gut über den Preis gesteuert werden. Sobald der CO2-Preis höher ist als die Kosten für die Vermeidung, ist es wirtschaftlich, die Vermeidung zu wählen. Insbesondere die Technologische Entwicklung führt zu ständigen Veränderungen dieser Kosten. Waren Photovoltaikanlagen vor zwei Jahrzehnten unwirtschaftlich, gehören diese heute zu den günstigeren Formen der Gewinnung von elektrischer Energie. Der Ukraine-Krieg hat diesen Trend verstärkt, Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen durch Solarenergie zu ersetzen verursacht weniger CO2 und spart Geld ein. Der Prozess verursacht somit negative Vermeidungskosten, es lohnt sich CO2 zu reduzieren.
Die Kosten des Klimawandels sind schwer zu quantifizieren und äusserst komplex, da sie von vielen Faktoren abhängen wie beispielsweise der betroffenen Region, der Wirtschafstätigkeit in diesen Gebieten und den Bemühungen zur Anpassung des Klimawandels. Das UBA (Umweltbundesamt) in Deutschland errechnete Kosten von über EUR 600 für 1 Tonne CO2. Das Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment schlug 2021 vor, dass eine globale CO2-Steuer von etwa USD 200 pro Tonne CO2 notwendig wäre, um die weltweiten Emissionsziele zu erreichen.
Ihren persönlichen CO2-Fussabdruck können Sie über den unten stehenden Link berechnen und durch die Unterstützung eines Klimaschutzprojekts kompensieren
Weitere Informationen zu Themen der Nachhaltigkeit, Umwelt und Klimaschutz, einschliesslich der ESG-Berichterstattungspflicht in der EU und der Schweiz, finden Sie über den zweiten bereitgestellten Link.