Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03645.jsonl.gz/1480

Schritt für Schritt kehrt die westafrikanische Elfenbeinküste nach monatelangem blutigen Machtkonflikt wieder zur Normalität zurück. In der Hafenstadt Abidjan verliessen zahlreiche Bewohner zum ersten Mal seit mehr als zwei Wochen wieder ihre Häuser.
Orangefarbene Taxis fuhren im Zickzack zwischen von Kugeln durchlöcherten Panzern und verbrannten Leichen hindurch. Erste Zeitungen erschienen wieder. Die meisten Blätter hatten die Produktion Anfang April eingestellt, weil wegen der angespannten Sicherheitslage Produktion und Verkauf unmöglich waren.
Auch SMS-Nachrichten, die wochenlang blockiert waren, können wieder gesendet werden. Langsam sinken zudem die Preise für Lebensmittel, die während der Krise um ein Vielfaches gestiegen waren.
Dominique Liengme, Leiterin der Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) berichtete in einem Communiqué von einer "leichten Verbesserung der Lage" in Abidjan. Allerdings lägen in einigen Quartieren noch immer Leichen auf den Strassen, und die Not der Bevölkerung sei enorm.
Wegen der unsicheren Situation und mangels Transportmittel könnten viele Kranke und Verletzte noch immer nicht zu den Spitälern gelangen. "Jene medizinischen Einrichtungen, die noch in Betrieb sind, sind überfüllt und haben zu wenig Material und Personal", sagte Liengme.
Spannung bleibt
Noch schlimmer sei die humanitäre Lage im Westen des Landes. Viele Häuser, Spitäler und Märkte seien zerstört. Die Delegationsleiterin spricht von einer nach wie vor sehr angespannten Situation. Es könne sein, dass die Gewalt wieder aufflamme.
Präsident Alassane Ouattara setzt jedoch auf Normalisierung: Er kündigte an, er werde "in den nächsten Tagen" in den Präsidentenpalast ziehen. Seit den Wahlen im vergangenen November hatte Ouattara sein Hauptquartier in einem Hotel in Abidjan, das auch der Sitz der UNO-Mission UNOCI ist.
Bereits am vergangenen Mittwoch hatte Ouattara eine Aufarbeitung ethnischer Morde und politischer Gewalt mit Hilfe des Internationalen Strafgerichtshofs angekündigt. Das UNO-Gericht solle wegen Gräueltaten sowohl seiner eigenen Truppen als auch der des festgenommenen Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo ermitteln.