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Die Symptome und die individuellen Ausprägungen des Autismus sind vielfältig. Auffälligkeiten im Sozialverhalten sind zentrales Merkmal der Störung des autistischen Spektrums. Menschen mit Autismus sind häufig nicht sehr an engen Sozialbeziehungen interessiert oder haben Schwierigkeiten solche zu gestalten.
Allen autistischen Behinderungen sind Beeinträchtigungen des Sozialverhaltens gemeinsam: Schwierigkeiten mit anderen Menschen zu sprechen, Gesagtes richtig zu interpretieren, Mimik und Körpersprache einzusetzen und zu verstehen. Viele haben auch Schwierigkeiten, andere Menschen zu erkennen. Diese Gesichtsblindheit (Prosopagnosie) kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Autistische Menschen zeigen grundlegende Unterschiede gegenüber nicht-autistischen Menschen in der Verarbeitung von Sinneseindrücken und in der Art ihrer Wahrnehmungsleistungen.
Beispiele dafür sind: Wortwörtlichkeit, Nicht-Beachten oder Nicht-Verstehen von Tonfall, Mimik, Gestik und Körperhaltung, Bevorzugung konkreter Fakten, gleichförmiger Gebrauch von Satzstrukturen, fehlende Strategien zur Kontaktaufnahme und zum Beginn einer Interaktion, Schwierigkeit, Zusammenhänge herzustellen und somit Bedeutungen aufzubauen.
Viele Asperger Autisten mögen keinen Körperkontakt
Berührungen können für autistische Menschen sehr unangenehm sein. Autisten haben ein individuell unterschiedlich ausgeprägtes Bedürfnis nach Körperkontakt. Einerseits nehmen manche mit fremden Menschen direkten und teils sozial unangemessenen Kontakt auf, andererseits kann auch jede Berührung für sie aufgrund der Überempfindlichkeit ihres Tastsinns unangenehm sein und Schmerzen auslösen (viele beschreiben es wie ein „Blitzschlag“). Die meisten Autisten haben in Menschenmengen grosse Probleme mit Körperkontakt von fremden Menschen.
Soziale Interaktion bei Asperger-Autisten
Von aussen betrachtet scheinen Personen mit Asperger-Syndrom oft nicht an ihren Mitmenschen interessiert zu sein. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Belegen dafür, dass sie ein grosses Interesse an sozialer Interaktion haben, jedoch nicht wissen, wie dies zu bewerkstelligen ist. Schwierigkeiten, die Körpersprache und Mimik anderer zu erkennen, spielen dabei eine Rolle und werden als „mangelnde Empathiefähigkeit“ interpretiert.
Menschen mit Autismus haben Schwierigkeiten beim Initiieren und Aufrechterhalten von sozialen Interaktionen. Ein passives Verhalten weist nicht zwangsläufig auf mangelndes Interesse an anderen hin, sondern auch auf die Unfähigkeit, dieses Interesse in angemessene und Erfolg versprechende Handlungen einmünden zu lassen. Sie sind oft auf die Unterstützung durch andere angewiesen. Dies erklärt auch, warum Menschen mit Autismus oft eher den Kontakt zu Betreuungspersonen suchen, die aufgrund ihrer Rolle bereit sind Unterstützung zu bieten.
Auch fühlen sich Asperger nicht wohl in grossen Menschenmengen oder Gruppen (Familienfeste), da sie mit der Reizfilterung Probleme haben.
„Das Zusammensein mit anderen bedeutet eine grosse Herausfordeung, weil viele Stimmen, Gerüche, Erwartungen, Gespräche und Fragen gefiltert werden müssen.“
Dies überlastet sie sehr schnell und daher meiden sie eher Menschengruppierungen. Oftmals wird dies von Aussenstehenden als „unsozial“ empfunden, da sie die Hintergründe für ein „Fernbleiben“ nicht kennen.
Asperger und die Detailwahrnehmung
Autistische Menschen reagieren häufig schnell erregt bei Veränderungen in der Umwelt und in Routinen, selbst dann wenn es sich in den Augen anderer um geringfügige Veränderungen handelt. Sie scheinen Details deutlicher wahrzunehmen. Ihre Wahrnehmung kann mit der Funktion eines Punktscheinwerfers verglichen werden, der einen kleinen Bereich intensiv ausleuchtet, das Ganze aber nicht überblicken kann. Sie orientieren sich stärker an Einzelheiten und erkennen häufig nicht den Gesamtzusammenhang. Fehlen dann genau diese für sie sinnstiftenden kleinen Details, so kann dies dazu führen, dass für die Person mit Autismus die gesamte Situation bzw. Handlung ihre bekannte Bedeutung und Sinnhaftigkeit verliert. Die Folge davon ist Stress, der sich in Angst- und Panikreaktionen zeigt.
Auf diesem Hintergrund erscheinen das oft beobachtete Beharren auf Gleichförmigkeit und ritualisierte oder sogar zwanghafte Verhaltensweisen als angemessene Versuche, die Bedeutung der Situation zu erhalten und die Orientierung in der Umwelt wiederzufinden.
Kommunikation bei Asperger-Autisten
In der Kommunikation mit anderen Menschen haben autistische Menschen Schwierigkeiten, Gesagtes über die genaue Wortbedeutung hinaus zu verstehen, zwischen den Zeilen zu lesen. Sagt man also: „Du stehst auf dem Schlauch“, wird ein Autist dies wörtlich verstehen und zu seinen Füssen hinunter schauen. Auch Sprüche wie: „Ich reiss mir ein Bein aus“, können Autisten total verstören, da sie das wortwörtlich verstehen.
Vor diesem Hintergrund ist verstehende Kommunikation mit einem Autisten manchmal schwer. Emotionen werden oft falsch gedeutet oder gar nicht erst verstanden. Diese möglichen Probleme müssen bei der Kontaktaufnahme berücksichtigt werden und verlangen ein grosses Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen.
„Bei vielen Asperger-Autisten fällt eine „altkluge“ Sprechweise auf. Als Kind wirken sie daher schon oft wie kleine Erwachsene.“
„Viele Asperger sind auf bestimmt Themen fixiert und reden unaufhörlich darüber.“
Viele Asperger Autisten lernen mit den Jahren die Kunst der Kommunikation (Small Talk, Sprichwörter) auswendig und schaffen es, so weniger aufzufallen. Vor allem Frauen mit Asperger-Syndrom lernen schneller, ihre Symptome zu überspielen. Einige Frauen mit AS entwickeln im Laufe der Zeit immense Anpassungs- und Tarnstrategien, hinter denen sie sich verstecken, um nicht aufzufallen. Sie spielen eine Rolle in einer ausgeprägten Perfektion, um im Alltag zu funktionieren.
Emotionen
Oft heisst es, Autisten hätten keine Gefühle. Dem ist aber nicht so: Hans Asperger empfand die Emotionen seiner Probanden nicht als gefühlsarm, sondern eher als von andersartiger Qualität.
Asperger können Gefühle vielleicht nicht so gut erkennen und diese selber ausdrücken. Aber sie haben Gefühle wie andere Menschen auch.
Blickkontakt bei Asperger-Autisten
Für die Kontaktaufnahme und -aufrechterhaltung spielt normalerweise der Augenkontakt eine wesentliche Rolle. Autistische Menschen weisen oft Auffälligkeiten im Blickkontakt auf. Für sie ist es sehr anstrengend Blickkontakt zu halten. Sie meiden ihn entweder ganz, starren eher als dass sie den anderen ansehen oder scheinen durch ihn hindurch zu schauen. Genaue Videoanalysen haben gezeigt, dass Menschen mit Autismus beim Blick in das Gesicht des Gegenübers nicht die besonders informationsträchtigen Bereiche, vor allem die Augen, betrachten, sondern stattdessen oft an irrelevanten Bereichen hängen bleiben oder den Blick im Raum umher wandern lassen. Es fällt ihnen schwer den emotionalen Gehalt eines Gesichtsausdrucks zu interpretieren und entsprechend haben sie Probleme, sich in ihrem Verhalten darauf einzustellen.