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Am Anfang stand ein Messfehler, und das kam so: Zu den Waffenstillstandsbedingungen nach dem Ersten Weltkrieg gehörte, dass sämtliche linksrheinischen Gebiete von den Siegermächten besetzt wurden und zudem auf der rechten Rheinseite Brückenköpfe durch die Briten, die Amerikaner und die Franzosen errichtet wurden.
Gemäss den offiziellen Berechnungen hätten sich die beiden Brückenköpfe der Amerikaner und der Franzosen überschneiden sollen. Doch als die Truppen ihre Positionen bezogen hatten, musste man feststellen, dass zwischen ihnen ein unbesetzter Fleck blieb, der auf Grund der kreisrunden Grenzziehung der Brückenköpfe die Form eines Flaschenhalses hatte. Selbstverständlich war keiner an diesem Messfehler schuld!
So ergriff heute vor 101 Jahren der Bürgermeister von Lorch die Initiative und nahm die Verwaltung dieses Flaschenhalses an die Hand. Er liess Notgeld drucken, und weil es zwischen den zahlreichen kleinen Orten keine direkte Verbindung gab, musste eine Verbindungsstrasse, die mehr einem Weg glich, erstellt werden. An guten Tagen konnte man den rund 50 Kilometer langen Weg in einem Tag zurücklegen. Schmuggel war allgegenwärtig. Vor allem der Rhein bot sich dafür an. Und eines Tages kaperte ein Lokführer sogar einen in der Nähe abgestellten Kohlezug, der eigentlich als Reparationszahlung nach Frankreich hätte fahren sollen, und fuhr ihn in den Flaschenhals, wo die Kohle gerecht verteilt wurde.
Als dann 1923 auch das rechtsrheinische Gebiet besetzt wurde, war es mit dem Freistaat Flaschenhals zu Ende. Heute nutzen vor allem Winzer und Gastronomen der «Freistaat Flaschenhals-Initiative» diese historische Episode und versehen ihre Weine, Sekte und Schnäpse mit diesem Siegel. Tja, was es nicht alles gibt!