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Die Gewerkschaft und die auf Gerichtsklagen wegen Menschenrechtsverletzungen spezialisierte NGO mit Sitz in der Berlin werfen den Nestlé-Verantwortlichen vor, wegen unterlassener Schutzmassnahmen mitverantwortlich für die Ermordung Luciano Romeros zu sein. Die Klage schafft einen Präzedenzfall, denn damit könnte ein Schweizer Unternehmen erstmals für im Ausland begangenes Unrecht in der Schweiz haftbar gemacht werden.
Alliance Sud begrüsst die Klage: Sie lotet aus, inwieweit das Schweizer Recht schon heute für Menschenrechtsverletzungen von Konzernen im Ausland greift. Und sie fördert die Diskussion über die Verantwortung international tätiger Unternehmen mit Sitz in der Schweiz für Menschenrechtsverletzungen ihrer Filialen im Ausland, wie dies auch die Kampagne Recht ohne Grenzen anstrebt.
Der Fall Luciano Romero war auch eines der Themen, die Alliance Sud mit verschiedenen Organisationen (darunter Sinaltrainal) anlässlich ihres „Nestlé-Dialogs“ in Kolumbien 2008 diskutierte. Eine eigentliche Untersuchung des Falls war aber weder das Ziel der Mission, noch verfügte Alliance Sud über entsprechende Mittel. Damals legte uns kein Gesprächspartner Elemente vor, die eine direkte oder indirekte Verwicklung Nestlés in die Ermordung bewiesen hätten. Das bedeutet allerdings nicht, dass es keine solche Verwicklung gab oder dass Nestlé alles unternommen hätte, um Romero zu schützen. Der Schlussbericht von Alliance Sud zum Nestlé-Dialog hält denn auch fest, dass das Unternehmen bis 2008 eine mangelhafte Konfliktsensibilität zeigte und die Sicherheitsfrage ungenügend behandelte. Wir sind gespannt, ob die in der Schweiz eingereichte Klage des ECCHR mehr Licht in den Mord an Romero bringen wird.