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merkt, dass sich das Staphylom nicht als mechamistische Folge einer Visa tergo, sondern durch den Substanzwucher der Hornhaut bilde. Der Verf. hat an einem andern Orte -”) seine Ansicht über die Genesis des Staphyloms aufgestellt, die durch das gestörte polare Verhalten der Iris und Hornhaut, das Verwachsen dieser Gebilde, und durch die in denselben vorherrschende productive Tendenz sich erklären lässt. Beer *) stellte eine Prophylaxis der Staphy– lome auf, welche auf die Unterhaltung einer ent– zündlichen Reaction durch Einstreichen des Laudanum, der Naphthen etc. begründet, und an– wendbar ist, sobald durch eine adhäsive Entzündung Hornhaut und Iris sich verbinden, und für die Erhaltung des Gesichts keine Hoffnung mehr übrig bleibt. Der Zweck, welchen Beer bei Vollziehung dieses Verfahrens zu erreichen strebt; ist die Vernichtung der Organtheile des Auges, welche der Absonderung der wässerichten Feuchtigkeit vorstehen. Besser erklärt man die vorzügliche Wirkung dieses Verfahrens dadurch, dass durch die Entzündung die Gefässe, welche zur Iris und Cor– nea hinlaufen, sich obliteriren und die Zufuhr des, zum Producirtwerden des Staphyloms nothwendigen, organischen Stoffes gehindert wird. Die heilende Kunst kat die Entfernung des Staphyloms durch ein zweckmässiges Heilverfahren zu bewirken, um die Zufälle, welche an das Staphylom an sich geknüpft sind, zu entfernen, nnd jede weitere Metamorphose desselben zu ver– hüten. Immer muss man streben, das Auge in soweit zu erhalten, dass ein künstliches Auge mit Erfolg angewendet werden kann *). Die Anwen
1) Neuer Chiron 4. B. 4. Heft S. 41. 2) Im a. W. S. 54.
3) Es ist unzweckmässig, schmerzlose Staphylome, wie es - (
dung der Aetzmittel nach Richter und Callsen ), der Compression nach WYoolhouse, der Unterbindung nach Aetins *), die einfache Spaltung des Staphyloms, diese Verfahren, obgleich in einzelnen Fällen der günstige Erfolg derselben nicht geleugnet werden kann, sind durch sicherere Ver– fahren, nämlich durch die partielle oder totale Ausschneidung der Hornhaut verdrängt worden. Scarpa *) hat auf die Vorzüglichkeit der von Celsus *) gerühmten Operationsweise aufmerksam gemacht, und die totale Exstirpation widerrathen, da dieser zuweilen beunruhigende Zufälle folgen. Er stellt als Erfahrungssatz auf, dass, je mehr die zirkelförmige Abtragung des Staphyloms sich von der Spitze entfernt; und je näher sie der Sclerotica rückt, desto gefährlicher die der Ope– ration folgenden Zufälle sind. Nach Scarpa wird die Operation auf folgende Weise verrichtet: der Operateur und der Patient setzen sich, wie bei der Staaroperation; der Gehülfe stellt sich hinter den Rücken des zu operirenden Individuums, um den Kopf desselben mit einer Hand zu befestigen, und mit der andern Hand entweder unbewaffnet oder mittelst eines Drathhakens das Augenlied in die Höhe zu ziehen. Der Operateur sticht einige Linien von der Spitze des Staphyloms das Staarmesser ein, auf der entgegengesetzten Seite aus, und schneidet ein halbzirkelförmiges Segment durch, indem er durch Fortschieben des Messers die grössere Breite eintreten lässt. Dieser Lappen wird nun mit der Pincett gefasst, das Messer so um
Delpech (im a. W. 3. B. S. 298) vorträgt, unberührt
zu lassen.
4) De med. lib. 7. C. VII. In summa parte ejus ad lenticula magnitudinem excindere.
gewandt, dass die Schneide nach aufwärts gerichtet den obern Theil durchschneide, wodurch dann die Spitze des Staphyloms, in der Grösse 3 bis 4 Linien haltend, abgetragen wird. Das Auge wird geschlossen, nach vier Tagen, wenn es entzündet ist, mit Cataplasmen bedeckt; nach acht bis zwölf Tagen ist die Wunde geheilt, der Augapfel abgeflacht, und zum Einlegen eines künstlichen Auges geeignet. Man beobachtet niemals ein ferneres Wachsthum und neues Hervordrängen des gebliebenen Rudiments des Staphyloms. Beer und Demours ) ziehen die totale Abtragung des Staphyloms der partiellen vor. Nach Beer wird durch die Basis der Hornhaut ein Messer, geformt wie dessen Staarmesser, aber etwas grösser, durchgeschoben; wenn nun der untere Theil der Hornhaut in Form eines Halbzirkels losgetrennt ist, so wird dieser gefasst, und mittelst einer Schere der obere Halbzirkel ebenfalls schnell losgeschnitten. Um dem Verlust des Glaskörpers vorzubeugen, muss das Auge schnell geschlossen, und darf erst nach Verlauf des vierten Tages geöffnet werden *). Beer bemerkt, niemals Zufälle nach diesem Verfahren gesehen zu haben, ebenso Demours. Der Augapfel erscheint nach vollbrachter Heilung abgeflacht, und zum Einlegen eines künstlichen Auges geeignet. Das partielle Hornhautstaphylom wird durch das partielle Hervordrängen der an dieser Stelle undurchsichtigen und an diesem Puncte mit der
4) Im a. W. 4. B. S. 32 1. Bei kleinen Staphylomen empfiehlt Demours die Punction des Staphyloms und nach dieser einen drückenden Verband anzulegen. Zur gänzlichen Abtraguug des Staphyloms empfiehlt er ein Instrument, welches in seiner Construction mit dem Guerinschen Augenschnepper übereinkommt.
2) Das vorläufige Befestigen des Staphyloms mittelst eines
durchgezogenen Fadens oder eines Häkchens ist verwerflich.
Regenbogenhaut in Verbindung stehenden Hornhaut hervorgebracht. Es hat 2 bis 3 Linien im Durchmesser, die vordere Augenkammer ist durch die stattfindende Verwachsung der Iris und Hornhaut sehr beengt. Die Hornhaut ist am erhabensten Punct des Staphyloms, das eine weissgraue Farbe hat, mehr oder weniger conisch vorgedrängt. Das partielle Staphylom ist Folge einer vorhergegangenen Entzündung. Die Aetzmittel sind zur Entfernung dieses Uebels vorzüglich geeignet; das Sehvermögen lässt sich durch diese wieder herstellen, wenn nicht der Pupillarrand der Iris in die Verwachsung gezogen, und eine Pupillensperre bedingt ist. Im letztern Falle würde die Bildung einer künstlichen Pupille angezeigt seyn. Die Spiessglanzbutter hat vor den übrigen Aetzmitteln den Vorzug. Man bedupft mit der Spitze eines feinen in Spiessglanzbutter getauchten Miniaturpinsels die Protuberanz, bis sich eine weisse Brandkruste bildet, über die man sogleich mit einem grössern in Milch getauchten Pinsel wegwischt, damit von dem Aetzmittel sich nirgends etwas verstecken, und böse Zufälle hervorbringen kann. Die Wiederholung der Anwendung des Mittels findet bis zur Entfernung des Uebels dann Statt, wenn die Brandkruste verschwunden ist.
Von dem Chalazion und von den Balggeschwül- sten der Augenlieder.
Das Chalazion entwickelt sich aus dem Gerstenkorn, indem in letzterem die Eiterung gehin– dert oder unterdrückt wurde. Es häufen sich die ins Zellgewebe ergossenen Säfte an, die Wandungen der Zellen verbinden sich mit einander. Durch Gefässprolongation und neue Gefässbilduu wird diese Ä in den organischen Ä übergeführt. Der Sitz des Uebels ist bald auf der äussern, bald auf der innern Fläche der Augenlieder. Das Chalazion bildet eine schmerzlosc, bewegliche, mit der Hautfarbe gleiche, erbsen– grosse, zuweilen auch kleinere Geschwulst ). Liegt es auf der innern Fläche des Tarsus, so überzeugt man sich davon durch Ausstülpung des Augenliedes. Sind anorganische Stoffe in demselben angehäuft, so ist es sehr hart, und wird Lithiasis, lapis palpebralis, nach Plenk *) Chalazion terreum genannt. Bildet das Chalazion eine ungleiche, höckerichte, harte, schmerzlose Geschwulst, so nennt man es scirrhös. Zuweilen entzündet sich dieses, wird missfarbig, mit varikösen Gefässen durchzogen, schmerzhaft, und bil– det endlich ein Krebsgeschwür. Die Balggeschwülste, welche man in der Umgegend des Auges, oder auf den Augenliedern beobachtet, bilden mehr oder weniger bewegliche, vollkommen unschmerzhafte, elastische, begränzte Geschwülste. Nach der Beschaffenheit der in dem Balge enthaltenen Masse verhält sich auch die Consistenz dieser Geschwülste, welche zuweilen weich, fluctuirend, zuweilen fest gefunden wird. Im erstern Falle ist die Flüssigkeit breiicht oder sulzicht, gewöhnlich gelbbräunlicht gefärbt, und mit kleinen Haaren vermischt; die Geschwülste werden dann Hygroma, Atheroma oder Meliceris enannt; im letztern Falle ist der Inhalt weiss, gelblicht, dem Fette ähnlich, und die Geschwulst erhält die Benennung Steatoma. Die innere Fläche des Sackes ist mit einer serösen Haut umkleidet; der Sack ist ein neu erzeugtes Organ krankhaften Ursprungs, der Inhalt des Sackes ist das Product der Lebensthätigkeit desselben.