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| Hilarius von Poitiers († 367) - Der Brief an seine Tochter.

2.
Ich erhielt die Nachricht, es gebe einen Jüngling, welcher eine Perle und ein Kleid von unschätzbarem Werthe habe, und wenn Jemand dieselben von ihm erhalten könnte, so würde er reicher und glücklicher seyn, als er durch irgend einen menschlichen Reichthum und Wohlstand werden könnte. Als ich dieses vernommen hatte, reisete ich zu ihm ab. Nachdem ich nun auf vielen weiten und beschwerlichen Wegen zu ihm gekommen war, fiel ich, sobald ich ihn sah, vor ihm nieder. Denn es stand ein Jüngling vor mir, welcher so schön ist, daß vor seinem Angesichte Niemand stehen zu bleiben wagt. Als er sah, daß ich vor ihm zur Erde gefallen sey, ließ er mich fragen, was ich wollte, und was ich verlangte; und ich antwortete, ich hätte von seinem Kleide und seiner Perle Kunde erhalten, und deßwegen sey ich gekommen; und wenn er mir dieselben zu geben geruhte, so hätte ich eine Tochter, die ich ungemein liebte, und für welche ich dieses Kleid und diese Perle zu erhalten wünschte. Hingeworfen auf das Angesicht weinte ich indeß heftig, und flehte Tag und Nacht mit Seufzen, er möchte doch meine Bitte gütigst erhören.