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FRAGE | Ich habe einen Sohn, der im selben Dorf wie ich lebt, und eine Tochter, die in Spanien wohnt. Mein Sohn und seine Frau arbeiten beide seit je zu 100 %. Während rund acht Jahren habe ich deren drei Kinder, meine Enkel, jeweils an drei Tagen pro Woche gehütet. Nun hat mir meine Tochter vorgerechnet, was mein Sohn an Kinderbetreuungskosten gespart hat. Ich habe meine Enkel gerne betreut. Gleichzeitig fühle ich mich schlecht, weil ich meiner Tochter mit ihren zwei Kindern nicht helfen konnte. Ein Geldausgleich könnte ein Zeichen sein, dass ich meine Kinder und Enkel alle gleich gern habe. Allerdings möchte ich der Tochter nicht jetzt schon Geld geben. Das sähe nach einem Schuldeingeständnis aus, obwohl ich für die örtlichen Gegebenheiten ja nichts kann. Gibt es eine Möglichkeit, dass sie bei meinem Tod etwas zusätzlich erhält?
ANTWORT | Ja. Leistungen, die der Erblasser den Erben erbracht hat und die üblicherweise auch unter nahen Verwandten nur gegen Vergütung geleistet werden, können ausgleichungspflichtig sein. Während ein unentgeltlicher Betreuungsdienst von einem ganzen Tag pro Woche als üblich bezeichnet werden kann, dürfte dies bei drei Tagen wohl nicht mehr der Fall sein. Zwar besteht unter Umständen eine gesetzliche Pflicht zur Ausgleichung. Um nach Ihrem Tod Streitigkeiten über das Ob der Ausgleichungspflicht und die Höhe des Betrags möglichst zu vermeiden, sollten Sie in einer Erklärung die von Ihrem Sohn auszugleichende Summe definieren und festhalten, dass und weshalb Sie die Ausgleichung anordnen. Gemäss juristischer Lehre muss die Anordnung keiner besonderen Formvorschrift genügen. Wenn Sie die Erklärung aber eigenhändig, inklusive Datum und Unterschrift, oder im Rahmen eines öffentlichen Testaments oder Erbvertrags abgeben, sind Sie auf der sicheren Seite, was die Form angeht.
Rechtsfragen können gestellt werden an:
Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86,
5001 Aarau, E-Mail: <email-pii>