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Wer nach Spuren deutscher Kultur sucht, der muss schon genau hinschauen. Aber es gibt sie: in Brasilien, in Paraguay und in Aserbaidschan.
Wer sucht, der findet beispielsweise den Ort Göygöl im Westen Aserbaidschans. Er wurde 1819 von deutschen Einwanderern unter dem Namen Helenendorf gegründet. Es war die erste deutsche Siedlung in Aserbaidschan.
2017 jährte sich die Auswanderung der Schwaben aus Württemberg in den Südkaukasus zum 200. Im Laufe von über 120 Jahren haben die Schwabenkolonien im Südkaukasus wechselvolle Zeiten und Entwicklungen durchgemacht – von der opfervollen Ansiedlung über die wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit bis zu deren Auslöschung 1941.
Die Deutschen kamen Anfang des 19. Jahrhunderts aus Württemberg hier her, weil sie arm waren. Sie lebten unter schlechten Bedingungen. Es hatte immer wieder Krieg gegeben und es gab wenig Arbeit.
Die ersten deutschen Siedler waren 1818 in den Ort Elisabethpol, das heutige Ganja, gekommen. Rund 120 der 200 neu angekommenen Familien gründeten daraufhin Helenendorf. Ein Jahrhundert später lebten schon 6.000 Deutsche in der Region, verteilt auf acht Kolonien.
Heute sind die Deutschen verschwunden. 2007 ist der Letzte von ihnen im Alter von 72 Jahren gestorben: Victor Klein.
Seit Mitte der 1930er Jahre tobte in ganz Sowjetunion der Rote Terror mit politischen Säuberungen und Verfolgungen. Nach der Machtergreifung der National-Sozialisten in Deutschland erschien die Loyalität der eigenen Deutschen gegenüber dem Sowjetregime zunehmend immer zweifelhafter.
Im Juni 1941 griff Nazideutschland die Sowjetunion an. Aserbaidschan war damals sowjetisch. Vier Monate später begannen die Sowjets, 200.000 Deutsche aus Aserbaidschan zu deportieren.
Alleine aus Aserbaidschan, das damals Sowjetrepublik war, brachten sie 22.000 zum Arbeitsdienst nach Zentralasien und Sibirien. Aber Kleins Familie durfte bleiben, obwohl seine Mutter aus Deutschland stammte.
Sein Vater war ein Arzt aus Polen. Er war Mitglied der kommunistischen Partei. Und es gab eine Entscheidung, dass Paare gemischter Herkunft nicht deportiert werden. Deshalb durfte er bleiben.
Klein baute Wein an, wie viele andere auch. Das war eine Leidenschaft der Deutschen in Helenendorf. Hier haben sie 1860 das erste Weingut Aserbaidschans errichtet. Obwohl die Deutschen heute weg sind, hat sich die Weinbautradition in Göygöl erhalten.
Die Weinbauern Fohrer und Hummel waren weithin bekannt. Ende des 19. Jahrhunderts produzierten sie mehr als die Hälfte des Weins in der Region. Das Unternehmen gibt es noch heute.
Die Fabrik hat ihre Arbeit während der Sowjetzeit nicht eingestellt. Die deutschen haben Cognac und Brände produziert, die in Russland und im europäischen Ausland verkauft wurden.
In Göygöl ist nicht nur der Wein ein Vermächtnis der Deutschen. Auch der Ort selbst zeigt Zeichen deutscher Baukunst und Stadtplanung. Deutsche Siedlungen nehmen eine wichtige Rolle in der Geschichte von Göygöl ein.
Die Johanneskirche war die erste lutherische Kirche Aserbaidschans. Über 300 deutsche Häuser stehen in Göygöl noch. Die geraden Strassen durch den Ort sind ein Zeichen typisch deutscher Gründlichkeit und Ordnung.
So ist die deutsche Kultur zu einem kleinen Teil der aserbaidschanischen Kultur geworden.