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Staatssiegel und Wappen
Manchem Betrachter mag auffallen, dass das Zürcher Staatssiegel nicht das Kantonswappen, sondern die Gestalten der drei Zürcher Stadtheiligen aufweist.
Nach der Legende waren die Geschwister Felix und Regula um 300 nach Christus Angehörige der sogenannten Thebäischen Legion. In dieser römischen Truppe dienten christliche Soldaten aus der Gegend von Theben (Ägypten), die unter Diokletian ihres Glaubens wegen getötet wurden. Felix und Regula sowie ihr Diener Exuperantius waren zwar dem Blutbad in Agaunum (St. Maurice) entkommen, wurden dann aber in Zürich bei der heutigen Wasserkirche enthauptet. Nach der Enthauptung sollen sie ihre Köpfe ergriffen und bis an ihre Grabstätte beim späteren Grossmünster getragen haben. Die Klosterleute sowohl des Grossmünsters wie des Fraumünsters verehrten diese Märtyrer als ihre Stiftsheiligen bis zur Klosteraufhebung in der Reformation. Felix und Regula sind auf dem Siegel abgebildet, das die Fraumünster-Äbtissin führte.
Die Stadt Zürich hat seit dem Aussterben der als Reichsvögte waltenden Herzöge von Zähringen (1218) ein politisches Eigenleben zu führen begonnen, womit die Äbtissin des Fraumünsters ihre Stellung als Stadtherrin je länger je mehr verlor. Ein städtischer Rat wird erstmals um 1220 erwähnt. Als diese Behörde ein Siegel benötigte - Verträge wurden damals nicht mit Unterschriften sondern durch Anbringen des Siegels bekräftigt - lag es nahe, als Siegelbild die in beiden Zürcher Münstern verehrten Stadtpatrone Felix und Regula zu wählen. Um das Stadtsiegel aber von demjenigen der Fraumünster-Äbtissin abzuheben, fügte der städtische Rat im Siegel den bisherigen zwei Stiftsheiligen deren Diener Exuperantius bei. Eines der ältesten noch erhaltenen Stadtsiegel mit den drei Stadtheiligen hängt an einer Urkunde aus dem Jahre 1225. Die Fraumünster-Äbtissin als - wenigstens nominell - eigentliche Stadtherrin hat zusammen mit Probst und Kapitel des Grossmünsters noch den zweiten Geschworenen Brief vom Jahre 1373 mitbesiegelt, weshalb an diesem Dokument nebeneinander ihr Siegel mit zwei und dasjenige der Stadt mit drei Heiligen hängen.
Die heute übliche Siegelform geht zurück auf das seit 1347 verwendete sogenannte Sekretsiegel des Rates von Zürich, das folgende Umschrift aufwies: 'SECRETVM CIVIVM THVRICENSIVM' (Geheimsiegel der Bürger von Zürich). Weder die Reformation noch die Helvetik, weder die Regeneration noch die demokratische Bewegung der 1860er Jahre brachten eine wesentliche Änderung des Siegelbildes. Das ist nicht selbstverständlich, treffen wir doch zum Beispiel auf den Münzen die Stadtheiligen seit der Reformation nicht mehr an. Gelegentlich wurde das Staatssiegel zwar kritisiert, aber ohne grossen Widerhall, da sich inzwischen sein Bildinhalt von seinem ursprünglichen religiösen Gehalt gelöst hatte. 1803 übernahm der Kanton das Stadtsiegel, die Stadt Zürich schuf sich ein neues mit dem Zürcherwappen. Während sich anfänglich die Regierung den alleinigen Gebrauch des Staatssiegels vorbehielt, wurden die drei Stadtheiligen in jüngerer Zeit auch in die Stempel des Obergerichtes und des Kantonsrates aufgenommen.
Der originale Siegelstempel des vom Jahre 1347 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verwendeten Geheimsiegels wird noch heute im Staatsarchiv aufbewahrt. Ansichtskarten sind dort erhältlich.
Seit dem 14. Jahrhundert führt Zürich das Zürcherwappen 'von Silber und Blau schräg geteilt'. Die Farben stammen von den seit 1315 verwendeten Bannern ab, während die Gestaltung des Wappens sich an dasjenige des Rottweiler Hofgerichtes anlehnte, nach dessen Vorbild ein Zürcher Hofgericht eingerichtet wurde. Im 15. Jahrhundert wurden farbige Zürichschilde geschaffen. Die Sitte, den Wappen auch noch prunkvolle Ehren-zeichen beizufügen, kam besonders gegen Ende des 15. Jahrhunderts, also nach den Burgunderkriegen, auf. Um 1490 sind die Zürcher Leuen erstmals, seit 1500 sehr häufig bezeugt. Die Gründe für die Übernahme des Löwen als Wappenhalter mag die Tatsache gewesen sein, dass der Löwe ein Sinnbild des Mutes und ein Symbol des Reiches war (Zürich war Reichsstadt). Früher hielten üblicherweise stets zwei Löwen zusammen den Schild. Seit dem 18. Jahrhundert wird auch ein einzelner Löwe als Schildhalter verwendet.