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Eine überraschende Anfrage aus Rumänien bringt mich zurück in die späten 90er Jahre – und eine Recherche zum Thema Holocaust in Rumänien
Die Anfrage war sehr spezifisch: Man habe ein Foto gefunden, das ich in den spätern 90er Jahren gemacht hatte. Es zeigt eine verlassende Ziegelfabrik am Stadtrand von Tirgu Mures (heute: Targu Mures). Der freundliche junge Mann fragte, ob ich noch mehr Fotos von diesem Ort hätte. Man sei daran das Thema des Holocaust in Rumänien für einen Spielfilm zu recherchieren und suche nach Bildern jener Orte. Tatsächlich wurden im April 1944 die Juden aus der Umgebung von Tirgu Mures in diese Ziegelei gebracht und von dort nach Auschwitz deportiert.
Ich habe 1997 mit zwei Holocaust-Überlebenden reden können, die dabei waren: Ladislaus Grün und Martha Marmor. Ihnen habe ich im Brückenbauer einen langen Artikel gewidmet. Später habe ich sie aus den Augen verloren, ich glaube aber gehört zu haben, dass Ladislaus Grün verstorben ist.
Der Spielfilm der Produktionsfirma Libra in Rumänien thematisiert offenbar eine spezielle Geschichte, nämlich das Schicksal der Sabbatarier. Es handelt sich dabei um eine Gruppe, die sich von der unitarischen Kirche abspaltete und ähnliche Anschauungen und Bräuche pflegte, wie die Juden. Die meisten von ihnen wurden 1944 mit den Juden deportiert und ermordet. Die israelische Zeitung Haaretz hat 2011 über sie geschrieben: „Although neither Jewish nor Christian, the Szekely Sabbatarians honored the Sabbath and kept many Jewish rituals, with their activities centered around the village of Bozodujfalu in Transylvania. The Jewish world had its doubts about them, but the Nazis didn’t.“
Reportage: Die letzten 100 Meter. Brückenbauer vom 16.Juli 1997 von Dominik Landwehr.