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Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen. - Heraklit
Zürich – 3 kleine Becher eines fruktosehaltigen Süßgetränks hat bei schlanken jungen Männern in wenigen Wochen die Bildung von Fettsäuren in der Leber in einem Maße angeregt, die auf Dauer auch ohne Gewichtszunahme zu einer Fettleber und einem Typ-2-Diabetes führen könnte. Die Ergebnisse der experimentellen Studie wurde im Journal of Hepatology (2021; DOI: 10.1016/j.jhep.2021.02.027) veröffentlicht.
Während Glukose von den meisten Körperzellen als Energieträger direkt verwertet werden kann, muss Fruktose zunächst in der Leber auf die weitere Verwendung vorbereitet werden. Dies führt am Ende zur vermehrten Bildung von Triglyzeriden, sprich Fetten, die in der Leber oder im Fettgewebe abgelagert werden.
Viele Menschen konsumieren relativ viel Fruktose, die nicht nur in vielen Süßgetränken enthalten ist. Auch der normale Haushaltszucker (Saccharose) besteht zur Hälfte aus Fruktose. Ein zu hoher Konsum von Saccharose kann deshalb ebenfalls die Leber schädigen. Zu den Folgekrankheiten gehört eine nichtalkoholische Fettleber und ein Typ-2-Diabetes. Beide Erkrankungen sind in den letzten Jahrzehnten deutlich häufiger geworden, was unter anderem auf einen erhöhten Konsum von Süßgetränken zurückgeführt wird.
Ein Team um Philipp Gerber vom Universitätsspital Zürich hat in einer randomisierten Studie untersucht, wie sich der regelmäßige Konsum der Süßgetränke durch junge Männer (Alter 18 bis 30 Jahre) auf den Leberstoffwechsel auswirkt. Die 94 Teilnehmer wurden per Los auf 4 Gruppen verteilt. In 3 Gruppen wurden die Teilnehmer gebeten, täglich 3 Gläser (à 0,2 l) eines Süßgetränks zu konsumieren.
Die 4. Gruppe sollte auf Süßgetränke verzichten. Die Getränke wurden gestellt. Sie enthielten in einer Gruppe Fruktose, in der 2. Gruppe Glukose und in der 3. Gruppe Saccharose in einer Dosis von 13,3 Gramm pro Deziliter. Mithilfe von sogenannten Tracern – markierten Substanzen, deren Weg im Körper nachverfolgt werden kann – analysierten die Forscher den Effekt der Süssgetränke auf den Fettstoffwechsel der Leber.
Die Süßgetränke hatten bei den jungen Männern keinen Einfluss auf das Körpergewicht. Nur die Gruppe, deren Getränke mit Glukose gesüßt waren, nahmen in den 7 Wochen leicht (um 0,8 kg) zu. Gerber vermutet, dass die Teilnehmer die Kalorien mehr oder weniger unbewusst an anderer Stelle wieder eingespart haben.
Beim Fettstoffwechsel gab es hingegen deutliche Unterschiede. Die körpereigene Fettproduktion in der Leber war in der Fruktosegruppe doppelt so hoch wie in der Glukose-Gruppe oder in der Kontrollgruppe. Die fraktionellen Sekretionsraten (FSR) betrugen 19,7 % pro Tag und 9,1 % pro Tag. Der Effekt war auch mehr als 12 Stunden nach dem letzten Getränk nachweisbar. Dies belegt, dass die Fruktose in größerer Menge in Fettsäuren umgewandelt wird.
Interessanterweise hatten die mit normalem Haushaltszucker gesüßten Getränke dieselbe Wirkung: Die FSR lag in der Saccharosegruppe mit 20,8 % pro Tag sogar noch etwas höher als in der Fruktosegruppe. Dies ist überraschend, da der Haushaltszucker nur zur Hälfte aus Fruktose besteht.
Gerber erklärt dies mit dem Umstand, dass Glukose im Darm die Resorption von Fruktose fördert. Außerdem induziere das Hormon Insulin, das durch die Aufnahme von Glukose vermehrt ausgeschüttet wird, die Enzyme zur Fettbildung. Das Ergebnis zeigt, dass Haushaltszucker in Süßgetränken keine Alternative zu Fruktose sind.
Die durch das regelmäßige Fluten der Leber mit Zucker erhöhte Fettproduktion in der Leber sei ein massgeblicher erster Schritt in der Entstehung von Fettleber oder Typ-2-Diabetes, warnt Gerber.