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Wer irgendwo auf der Welt ein Museum für alte Kunst besucht, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit eines oder mehrere niederländische Gemälde sehen. Im Laufe des 17. Jahrhunderts fertigten 700 Maler jährlich 70’000 Gemälde – nicht einmal die italienische Renaissance hatte so viel Kunst produziert.
Kunst wurde damals wie heute von einer wohlhabenden Elite finanziert. In den Niederlanden waren das Händler – allen voran die Amsterdamer Seehändler. Kleinere, schnellere und weniger personalintensive Schiffe und der kontinuierliche Ausbau der Handelsrouten nach Asien, Afrika und Amerika haben sie steinreich gemacht.
Mit der Zeit – Mitte des 17. Jahrhunderts waren die Niederländer die Wirtschaftsmacht schlechthin – konkurrierte man nicht mehr nur auf dem Wasser, sondern zunehmend auch auf dem sozialen Parkett. Reiche Geschäftsleute zementierten ihren Status, indem sie aufwändige Bau- und Kunstwerke stifteten oder für ihre privaten Salons in Auftrag gaben.
Damit aber nicht genug: Wer etwas auf sich hielt, kultivierte Tulpen in seinem Garten. Anfangs wurden Tulpenzwiebeln in einer kleinen eingeschworenen Liebhaberszene getauscht, man definierte sich über Kennerschaft. Als die Tulpen dann zu Statussymbolen wurden, stiegen die Preise – nur noch Reiche konnten sich seltene, besonders schöne Exemplare besorgen.
Mit Ausblick auf enorme Gewinne stiegen Spekulanten in das Geschäft mit Tulpenzwiebeln ein und trieben die Preise ab den 1630er-Jahren in extreme Höhen. Der höchste dokumentierte Preis aus dieser Zeit beträgt 30’000 Gulden für eine Tulpenzwiebel der Sorte Semper Augustus. Zum Vergleich: Ein Haus an bester Lage in Amsterdam kostete 10’000 Gulden.
1637 platzte die Tulpenblase. Bei einer Versteigerung in einem Wirtshaus in Haarlem konnten auf einmal nicht die erwarteten Preise erzielt werden. Das Vertrauen in die bisher scheinbar todsichere Anlage begann zu schwinden – innert zwei Tagen brach der ganze Markt zusammen, die Tulpenzwiebeln verloren 95% ihres Werts.
Gelernt hat die Nachwelt daraus wenig – man erinnere sich jüngst an die Dotcom-Blase von 2000 oder an die Derivatekrise von 2007. Bemerkenswert ist diese sich wiederholende Blindheit deshalb, da die Tulpenmanie als erste relativ gut dokumentierte Spekulationsblase gilt. Man wüsste es seither eigentlich besser...