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«10 vor 10»: Fehlerhafte Einordnung von Bildern beanstandet
Im Frühjahr 2022 berichtete «10 vor 10» über die Unterdrückung von Uigur:innen in China. Ein Beanstander bemängelte die Sendung, da eine Aufnahme aus einer Übungsanlage für Sicherheitskräfte falsch eingeschätzt wurde.
«Auf lange Sicht gewinnt man nur, wenn man bei der Wahrheit bleibt und nicht mit Bildern emotional aufheizt, welche eindeutig nicht dem entsprechen, was zu diesen Bildern gesagt wird», so die Kritik des Beanstanders zu einem «10 vor 10»-Beitrag.
Was war passiert?
Im Mai 2022 berichtete das Newsmagazin über die Situation von Uigurinnen und Uiguren in «Umerziehungslagern». Anlass für die Berichterstattung waren neue Beweise und Bilder für die Unterdrückung der Bevölkerungsgruppe in China. Das geleakte Material war von einem internationalen Recherchenetzwerk wochenlang ausgewertet und anschliessend freigegeben worden.
Im Beitrag zeigte «10 vor 10» auf, dass die neu aufgetauchten Akten und Fotos in erheblichem Widerspruch stehen zu dem, was das offizielle China zu den Uiguren und Uigurinnen kommuniziert. Zudem wurde erklärt, wie die Bilder an die Öffentlichkeit gelangten und wer sie auf ihre Authentizität geprüft hatte.
Eine Aufnahme wurde dabei mit der Moderation «Es zeigt sich nun konkret, dass es hier zu Diskriminierung und Folter kommt» gezeigt. Ein Beanstander hat kritisiert, diese Aufnahme stamme höchstwahrscheinlich von einer Übung, denn auch die am Boden liegenden Personen seien Polizisten.
Es sei zwar diskussionslos richtig, das Leiden der Uiguren anzusprechen, die Glaubwürdigkeit jedoch dürfe nicht verloren gehen, so der Beanstander.
Beitrag aus dem Online-Archiv gelöscht
Die Redaktion gibt dem Zuschauer recht, denn beim besagten Bild handle es sich tatsächlich um eine Übungsanlage der chinesischen Sicherheitskräfte. Und wie der Beanstander richtig vermutet habe, zeigten auch weitere Bilder der Sendung solche Übungssituationen. Die Redaktion habe es verpasst, dies zu erwähnen und entschuldige sich für diesen Fehler.
Das Bild sei Teil der vom internationalen Recherchenetzwerk (BBC, der Spiegel, El Pais und weitere Medien) ausgewerteten und freigegebenen Dokumente aus den Internierungslagern. Die geleakte Materialmenge sei dabei immens: Über 10 Gigabyte an «unzähligen Fotos, Aufzeichnungen, Polizeiinstruktionen».
Die verantwortliche Journalistin sei mit einer grossen Menge an Material konfrontiert gewesen, aus welchem sie in kurzer Zeit einzelne Bilder auswählen musste. Sie konnte sich auf die Authentizität des Materials verlassen und habe deshalb nicht jedes einzelne Bild analysiert.
«Uns ist aber klar: Das beanstandete Bild haben wir falsch eingeordnet. Solche Fehler dürfen nicht passieren, sie unterwandern unsere Glaubwürdigkeit», so die Redaktion. «10 vor 10» entschied sich deshalb, den Beitrag aus dem Online-Archiv zu löschen.
Beanstandung wird unterstützt
Die Ombudsleute begrüssen die Löschung des Beitrags als folgerichtige Handlung, zeigen sich aber überrascht, dass das «Recherchenetzwerk» die Bilder nicht bereits selbst aussortierte. Dass die «10 vor 10»-Redaktion die Quelle als «verlässlich» und «seriös» erachtete und deshalb die Bilder nicht zusätzlich «prüfte», sei nachvollziehbar.
Ein Verstoss gegen die Sachgerechtigkeit liege jedoch vor. Einzelne Bilder seien nicht richtig eingeordnet, resp. wie der Beanstander feststellte, mit dem falschen Text versehen worden. Der Beitrag sei zwar mittlerweile gelöscht, die Ombudsstelle aber habe nicht die Korrektur, sondern das beanstandete «Original» zu beurteilen. Aus diesem Grund unterstützt sie die Beanstandung des Zuschauers.
Text: SRG Deutschschweiz/df
Bild: Illustration Cleverclip
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