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Die schwangere Sun-young ist mit dem Taxi auf dem Weg zum Haus ihrer Mutter, wo sie gebären will. Als ein Mann in der südkoreanischen Einöde am Strassenrand steht, beschliessen der Taxifahrer und Sun-young, den Fremden mitzunehmen. Ohne, dass sie ihn gefragt hätten, beginnt der ein wenig später, aus dem Leben des Taxifahrers zu erzählen. Zuerst hält dieser es für einen Spass, aber als dann immer mehr pikante Details aus seiner Vergangenheit preisgegeben werden, wird es ihm unheimlich. Sun-young findet derweil den Countdown, welchen der Fremde im gleichen Atemzug hinunterzählt, eindeutig beunruhigender.
Bei der Zahl Null angekommen, erhellt sich der Himmel plötzlich und die Fahrgäste, sowie der Fahrer werden ohnmächtig. Ohne zu wissen, was passiert ist, wacht Sun-young einige Zeit später alleine in dem Auto auf. Verwirrt macht sie sich auf die Suche nach einer Raststätte und damit nach einem Telefon, damit sie ihre Mutter anrufen kann. Doch irgendwas scheint sich mit der Welt seit dem grellen Licht verändert zu haben.
"Stell dir vor, du wachst auf und weisst nicht, was passiert ist. Du versuchst, das Rätsel zu entschlüsseln und entdeckst Unglaubliches". So oder ähnlich könnte die Ausgangslage von End of Animal spannungsreich beschrieben werden. Doch anstatt Unglaubliches zu entdecken, läuft die Heldin von Regiedebütantin Jo Sung-Hee etwas herum, trifft Leute, die nicht viel Interessantes zu sagen haben, aber eine Grundlage für Interpretationen bieten sollen. Wer es noch nicht geahnt hat: End of Animal ist eine Arthouse-Produktion, die sich deutlich vom Hollywoodeinheitsbrei distanzieren möchte. Doch da das Werk keinen Zugangspunkt bereithält, wird es sehr mühsam, die Zeichen zu deuten und man wundert sich eher über das vergewaltigende Muttersöhnchen, die zickige Frau und den Bub mit Baseballschläger und Hund.
Laut Pressetext geht der Weltuntergang gerade vonstatten. Anstatt dies mit brennenden Landstrichen visuell zu veranschaulichen, steckte man die Hauptdarstellerin schlicht an einen Ort, an dem sie immer wieder im Kreis läuft. Doch anstatt dann die Atmosphärekarte zu spielen, zieht Sung-Hee alles furchtbar in die Länge und verliert sich selbst auch ein wenig in dieser verlorenen Welt. Es mag ja zu Beginn in Ordnung sein, wenn man Figuren in der Einöde laufen sieht, aber wie diese, scheint der Film auch über weite Strecken kein wirkliches Ziel zu verfolgen. Das macht ihn recht anstrengend und ermüdend.
Was auffällt, ist, dass je länger der Film dauert, das Bild umso dunkler wird. Als die Nacht hineinzubrechen droht, erreicht der Film seinen Höhepunkt mit ein paar intensiven Szenen. Doch diese weichen dann einem Finale, das wieder mehr Fragen aufwirft und sogar den Weltuntergang anzweifelt.
Fazit: End of Animal ist ein Film, zudem der Zugang gefunden werden muss. Beim letztjährigen NIFFF-Arthouse-Film Valhalla Rising fanden den Zugang auch lange nicht alle, aber dort bot Nicolas Winding Refn wenigstens audiovisuell noch etwas. Regisseurin Sung-Hee bedient mit ihrem minimalistisch gehaltenden Film nur eine kleine Zielgruppe, der jedoch einige intensivere Szenen wohl zu weit gehen werden. Was am Ende in der Erinnerung bleibt, sind die trostlose Umgebung und das Vogelgezwitscher, welches während des ganzen Filmes nicht aufhören will und einen zur Weissglut treiben kann.
Chris Schelb [crs]
Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.