Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03219.jsonl.gz/7

Ist die Rede von einer Mandelentzündung oder Angina, ist eine Infektion der Gaumenmandeln gemeint.
Was und wofür sind die Mandeln?
In der Mundhöhle und im Rachen gibt es mehrere Mandeln, auch Tonsillen genannt. Umgangssprachlich sind damit aber meist die Gaumenmandeln gemeint, da diese am häufigsten erkranken. Diese sitzen links und rechts neben dem Halszäpfchen und sind bei weit geöffnetem Mund gut sichtbar. Neben den Gaumenmandeln gibt es noch die zwei Tubenmandeln im Nasenrachenraum, eine Zungenmandel am Zungengrund und eine Rachenmandel am Gaumen.
Die Tonsillen bestehen aus lymphatischem Gewebe und sind etwa ein bis zwei Zentimeter dick. Sie sind stark eingefurcht, was ihre Oberfläche und damit die Funktion vergrössert. Die Mandeln sind Teil des Immunsystems. Dadurch, dass sie am Eingang des Magen-Darm-Traktes und der Lunge sitzen, bekämpfen sie Erreger, die durch Mund und Nase in den Körper eindringen, an Ort und Stelle. Gelingt ihnen dies nicht, ist das Immunsystem trotzdem alarmiert und bereit, die Keime weiter im Köper unschädlich zu machen. Zusätzlich können sich die Tonsillen Viren, Bakterien oder Pilze im Gedächtnis behalten, indem "Gedächtniszellen" die Informationen über den Erreger speichern. Dies geschieht vor allem in den ersten 6 Lebensjahren.
Die Ursachen und Symptome einer Mandelentzündung
Bis sich das Immunsystem eines Kindes komplett entwickelt hat, haben die Mandeln also viel zu tun. Jeder Erreger, der über den Mund aufgenommen wird, muss von den Mandeln bekämpft werden. Die Keime werden durch Tröpfchen (Niesen, Husten, Speichel) übertragen und die Inkubationszeit ist mit 24 bis 72 Stunden eher kurz.
Eine Tonsillitis – oder Angina – ist also eine Infektion der Gaumenmandeln. Meist sind Viren (Grippe-, Herpesviren) der Auslöser, seltener Bakterien (Streptokokken, Haemophilus influenzae). Eine Mandelentzündung kann darum als Begleitsymptom einer anderen Erkrankung auftreten. Scharlach ist beispielsweise eine Streptokokken-Angina mit einem Ausschlag und auch das Pfeiffersche Drüsenfieber, das durch Viren verursacht ist, kann sich durch eine Mandelentzündung äussern.
Symptome dieser schmerzhaften Entzündung der Mandeln sind:
Schwellung und Rötung der Mandeln
Eitrige Beläge auf den Tonsillen
Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
Schmerzen beim Öffnen des Mundes
Mundgeruch
Fieber
Schwellung der Lymphknoten am Hals
Belegte Stimme, klossige Sprache
Die Behandlung einer Tonsillitis
Ist die Mandelentzündung durch einen Abstrich als bakteriell diagnostiziert, helfen Antibiotika. Andernfalls können nur die Symptome behandelt werden:
In Absprache mit dem Kinderarzt können Sie schmerz- und fiebersenkende Medikamente verabreichen.
Bieten Sie Ihrem Kind weiche und kalte Speisen wie zum Beispiel Joghurt, Milchshake oder Galcé an.
Viel trinken, wahrscheinlich mag Ihr Kind gekühlte Getränke am ehesten. Meiden Sie aber Fruchtsäfte und Getränke mit Kohlensäure. Diese reizen die Mandeln zusätzlich.
Bonbons und Lutschtabletten, die desinfizieren, befeuchten, den Schmerz nehmen oder Reizungen lindern. Beachten Sie aber, dass Bonbons wegen der Gefahr des Verschluckens für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet sind. Ausserdem sollten Sie daran denken, dass sich Kinder an schmerzstillenden Pastillen eher verschlucken können, da der Rachen betäubt ist.
Ein bewährtes Hausmittel gegen Halsschmerzen sind Wickel. Sie können warm oder kalt angewendet werden, je nachdem, was Ihr Kind als angenehmer empfindet. Bei Halsschmerzen empfiehlt sich ein Quarkwickel. Wenn der Quark mit der Haut in Berührung kommt, beginnt ein Milchsäureprozess. Dieser wirkt gegen Entzündungen und ist schmerzlindernd sowie abschwellend.
Bei grösseren Kindern können Sie es mit Gurgeln von entzündungshemmendem Kamillen- oder Salbeitee versuchen.
Ingwertee mit Honig kann ebenfalls Entzündungen reduzieren. Beachten Sie hier, dass Honig erst ab dem Alter von einem Jahr empfohlen wird.
Tonsillektomie: Die Mandeln operativ entfernen
Wenn ein Kind mehrmals im Jahr an einer Tonsillitis erkrankt, bedeutet dies, dass es häufig an starken Halsschmerzen, Fieber und weiteren unangenehmen Symptomen leidet. Es kann zu einer chronischen Mandelentzündung kommen, wobei die Mandeln permanent von Keimen besiedelt sind. Dies birgt immer die Gefahr, dass die Erreger in den den Körper verstreut werden und andere Organe befallen. In diesem Fall ist die Entfernung der Mandeln sinnvoll.
Die Tonsillektomie dauert 15 bis 30 Minuten und wird in Vollnarkose durchgeführt. Danach bleibt das Kind in der Regel ein paar Tage im Spital. Dies vor allem darum, weil es zu Nachblutung kommen kann, bei denen rasch gehandelt werden muss.
Auch wenn die Tonsillektomie ein kleinerer Eingriff ist, will sie gut überlegt sein. Lassen Sie sich vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt ausführlich aufklären. Wenn die Mandeln beispielsweise zu früh entfernt werden, kann das eine geschwächte Immunabwehr zur Folge haben.
Es kommt bei Kinder häufig vor, dass sowohl die Gaumen- als auch die Rachenmandeln vergrössert sind. Dies auch ohne eine Infektion, manche Kinder kommen bereit mit vergrösserten Mandeln auf die Welt. Eine Behandlung ist nur dann notwendig, wenn das Kind wegen der Vergrösserung Atmenschwierigkeiten oder Schluckbeschwerden hat. In diesem Fall hilft ebenfalls eine Operation, die Mandeln müssen in diesem Fall aber nicht vollständig entfernt werden. Bei einer Tonsillotomie wird mit dem Laser oder Radiofrequenz nur ein Teil der Mandeln abgetragen. Die Abwehrfunktion bleibt also erhalten, die Schmerzen nach der Operation sind weniger und auch die Gefahr einer Nachblutung ist geringer. Diese Operation eignet sich nur, wenn die Mandeln nicht chronisch entzündet sind.