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Einige Autoren sind tatsächlich der Meinung, dass ein teilweise arbeitsunfähiger Arbeitnehmer im Ausmass seiner Restarbeitsfähigkeit Ferien beziehen kann. Nach ihnen dürfte im Falle einer Arbeitsunfähigkeit von 50% einem Arbeitnehmer, der eine Woche Ferien bezieht, lediglich eine halbe Woche von seinem Ferienanspruch abgezogen werden.
Unserer Ansicht nach ist diese Behauptung falsch und die Antwort hat nuanciert auszufallen.
Der Hauptzweck der Ferien für den Arbeitnehmer besteht darin, sich erholen und entspannen zu können. Gewisse Arbeitsunfähigkeiten – sogar teilweise – verhindern offensichtlich jegliche Konkretisierung des Ferienzwecks. Es gibt also Situationen, in denen es dem sogar teilweise arbeitsunfähigen Arbeitnehmer unmöglich ist, von seinen Ferien zu profitieren und er somit ferienunfähig ist. Aber es gibt auch Situationen, in denen eine – ganze oder teilweise – Arbeitsverhinderung vorliegt, ohne dass sie eine Ferienunfähigkeit bewirkt. Wenn erstellt ist, dass der betreffende Arbeitnehmer in einem grossen Ausmass die Möglichkeit hat, sich zu entspannen und erholen, muss ihm die fragliche Ferienwoche ganz an seinem Ferienanspruch angerechnet werden, auch wenn er teilweise arbeitsunfähig ist.
In dieser Hinsicht gilt es festzuhalten, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer, der trotz Arbeitsunfähigkeit Ferien bezieht, in dieser Zeit den vollen Lohn zu bezahlen hat. Wenn beispielsweise der Lohn zu 80% durch Taggelder einer Krankentaggeldversicherung bezahlt wurde, müsste der Arbeitgeber die Versicherung über den Ferienbezug des Arbeitnehmers informieren. Als gewissenhafte Versicherung würde diese die Taggelder vorübergehend bis zum Ende der Ferien einstellen.
Den Arbeitgebern wird auch empfohlen, zumindest wenn sie Zweifel an der „Ferienfähigkeit“ des Arbeitnehmers haben, vorgängig mit dem behandelnden Arzt Kontakt aufzunehmen und diesen Punkt zu klären.
Unseres Erachtens gibt es hinsichtlich Ferien keine Zwischenlösung. Ist der Arbeitnehmer ferienunfähig, dürfen ihm die Ferien nicht gewährt werden. Ist er ferienfähig dürfen ihm die Ferien gewährt werden und die entsprechenden Tage dürfen ganz von seinem Ferienanspruch abgezogen werden.
Oder etwas einfacher ausgedrückt, es ist nicht vorstellbar, am Vormittag krank und ferienunfähig und am Nachmittag ferienfähig zu sein.
Für weitere Informationen zu den Ferien, vgl. Kapitel III-12.