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Hochgeachteter Herr Regierungsrath!
Indem ich Ihnen Ihre beiden letzten verehrl. Briefe bestens verdanke, will ich Ihnen über die uneinläßliche Behandlung der Alpenbahnfrage in unserm Großen Rathe Aufschluß geben. Die «Adresse» sprach die Hoffnung aus, daß der Große Rath den Vorlagen des Regierungsrathes betreffend sein Vorgehen in dieser Angelegenheit die Genehmigung versagen werde. Da nun der Regierungsrath dem Großen Rathe keine sachbezügliche Vorlage gemacht, so konnte sich der letzere auch nicht über eine solche aussprechen. Die Peti| tionscommission des Großen Rathes hob also diesen Sachverhalt hervor & fügte bei, daß, da der Regierungsrath ganz in seiner Competenz gehandelt, eine Vorlage desselben auch nicht zu erwarten gewesen, daß der Regierungsrath nun aber durch seine Mitglieder im Schooße der Petitionscommission erklärt habe, es sei ihm erwünscht, von der Adresse Veranlassung zu einer Vorlage nehmen zu können & er werde daher in einer der nächsten Sitzungen dem Großen Rathe Bericht erstatte & daß endlich die Berichterstattung des Regierungsrathes nach der einmüthigen Ansicht der Commission zu voller Beruhigung des Gr. Rathes & des Volkes gereichen werde. – In der| Petitionscommission, in der ich die Hauptgesichtspuncte der Frage entwickelte, war Einmüthigkeit für das Vorgehen des Regierungsrathes. Im Falle einer Abstimmung hätte sich der Gr. Rath in seiner entschiedenen Mehrheit für dasselbe ausgesprochen. Die Wahlen, die der Gr. Rath in seiner letzten Session traf, waren in dieser Beziehung bezeichnend. Obgleich die Alpenbahnfrage stark mit der Ständerathswahl von gegnerischer Seite in Verbindung gebracht wurde, fiel die Wahl gleichwol auf 2 Gotthardtfreunde & Sulzer unterlag mit 55 Stimmen von etwa 180 Votanten. Bei der Wahl eines indirecten Mitgliedes des Gr. Rathes wurde der| Hauptagitator für den Lucmanier, Herr Boller, mit Aufwendung aller Künste der Intrigue portirt, um eine Demonstration zu machen. Der Schuß ging hinten heraus. Von 160 Votanten erhielt Herr Boller – 41 Stimmen!
Soweit zu Ihrer Orientirung über die Situation in Zürich. Wenn die technischen & finanziellen Untersuchungen, die sich im Gange befinden, für den Gotthardt ebenso günstig ausfallen, so dürfen wir zufrieden sein!
In ausgezeichneter Hochachtung Ihr freundschaftlich ergebener
Dr A Escher
Zürich
29 Oct. 63.