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Wie sein Name besagt, der wörtlich übersetzt „Lotos zum Halten“ bedeutet, handelt es sich bei diesem Ritualobjekt um ein hölzernes Zepter in Form des Lotos. Der Griff wird von einem Drachen umwunden und läuft oben in einer Lotosknospe aus. Aus dem Maul des Drachen steigen Wolken empor, die das Erscheinen einer sakralen Figur ankündigen. So ist in der Knospe oberhalb der glückverheissenden Wolken, die in buddhistischen Schriften oft als „fünffarbige Wolken“ bezeichnet werden, eine Mulde mit der heiligen Amida-Triade. Zur Linken des Buddha Amida steht der die Barmherzigkeit verkörpernde Bodhisattva Kannon, während zur Rechten Amidas der Bodhisattva Seishi steht, der die Weisheit verkörpert. Die Figuren wurden separat vom Ritualstab geschnitzt und mit Gold verziert, anschliessend wurden die Einzelteile zusammengesetzt. Dies entspricht der anspruchsvollsten der verschiedenen Herstellungsvarianten der Jirenge.
Das Jirenge ist ein typisches Ritualobjekt der Ji-shū oder Ji-Schule, eine der größten der Reinen-Land-Schulen des japanischen Buddhismus. Sie wurde Ende der Kamakura-Zeit (1185-1333) von Ippen gegründet und ist heute noch aktiv. Das Zepter ist ein privates Amulett, das bei sich getragen werden kann und als begleitendes Ritualobjekt zum täglichen Gebet von großer Bedeutung für die Gläubigen ist. Ippen, der als Missionar der Ärmsten tanzend und den Namen Amidas rezitierend durch die Lande zog, strebte nie die Gründung eines prestigeträchtigen Haupttempels an. Deshalb wurde seine Schule als anti-materialistisch und freisinnig interpretiert, und galt als jeglichen profanen Interessen abgeneigt, die in vielen der religiösen Schulen Japans dominierten. Ein Indiz für diese Einstellung ist die Bezeichnung der Anhängerschar Ippens als „Gruppe des Ji“ (時衆), genauer als „Gruppe die zu jeder Zeit (時) den Namen Amidas rezitiert“, und nicht als „Schule“ (宗), wie es eine Anpassung an die anderen etablierten Schulen des Buddhismus verlangt hätte. Ippen ist heute bekannt als einer der Begründer des odori-nenbutsu (Tanzrezitation des Namens Amida). Nach Ippens Tod löste sich die Gruppe zeitweilig auf, bevor sie unter der Führung seiner engsten Schüler wieder zum Leben erwachte.
In Europa kann man das Jirenge in mehreren Sammlungen vorfinden. Das vorliegende Objekt stammt aus der Edo-Zeit (1603–1868) und gehört zu den Feinsten seiner Art in Europa. Das erlaubt den Rückschluss, dass die Ji-Schule in der Edo-Zeit bis hin zur Meiji-Ära, als westliche Reisende japanische Objekte nach Europa zurückbrachten, eine starke Präsenz in der Bevölkerung hatte.
(Text: Tomoe I. M. Steineck)