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Die Abstimmungsparolen von Parteien sind für das Abstimmungsverhalten in der Schweiz von fundamentaler Bedeutung. Die Stimmberechtigten orientieren sich stark nach den Parteien, denn ihre Parolen bieten eine wichtige Orientierungshilfe. Mit der EVP hat nun eine Partei für die Vorlagen vom September ihre Parolen gefasst. Sie sagt Ja zur Revision des Epidemiegesetzes und Nein zur Abschaffung der Wehrpflicht und der Liberalisierung der Öffnungszeiten von Tankstellenshops. Hilft dies nun die Abstimmungsergebnisse vorher zu sagen?
Natürlich reichen die Abstimmungsparolen einer einzigen Partei nicht, um verlässliche Vorhersagen zu machen. Aber wie im letzten Beitrag erläutert, kann man Zusätzlich das Stimmverhalten der Parlamentarier hinzuziehen. Wir können nun also testen inwiefern das Abstimmungsverhalten der Parlamentarier in Kombination mit den Abstimmungsparolen der EVP das Abstimmungsergebnis vorhersagen können. Ich habe dazu für die letzten zehn Jahre den Effekt des Abstimmungsverhaltens im Nationalrat und jenen der EVP-Parteiparolen auf das Abstimmungsergebnis geschätzt. Dabei habe ich zwischen Volksinitiativen und Referenden unterschieden. Erstellt man aufgrund dieser zwei Indikatoren Vorhersagen für die Abstimmungsergebnisse und bildet sie mit den tatsächlichen Ergebnissen ab, so erhält man für die Volksinitiativen die obere Abbildung.
Die Abbildung zeigt, dass Vorhersagen und tatsächliche Ergebnisse der letzten zehn Jahre bei einem Ja-Stimmenanteil von zwischen 20 und 60 Prozent liegen. Allerdings wird auch deutlich, dass die Vorhersagen, welche auf Basis des Abstimmungsverhalten im Nationalrat und Aufgrund der EVP-Parteiparolen erstellt wurden, sehr ungenau sind. Denn ein Zusammenhang zwischen Vorhersage und Resultat ist kaum erkennbar.
Etwas besser sieht es bei den Referenden aus (untere Abbildung). Die Vorhersagen liegen typischerweise zwischen 40 und 80 Prozent Ja-Stimmenanteil, das tatsächliche Ergebnis hingegen zwischen 20 und 90 Prozent. Dennoch: Es ist durchaus erkennbar, dass bei höherem Ja-Stimmenanteil im Nationalrat und einer Ja-Parole der EVP das tatsächliche Endergebnis ebenfalls positiver ausfällt. Die zum Teil grossen Distanz der Punkte von der Regressionsgerade weist aber darauf hin, dass sich daraus keine genauen Vorhersagen ableiten lassen. Es wäre auch zu einfach gewesen.
Wenn wir also aufgrund des Abstimmungsverhaltens im Nationalrat und der EVP-Parolen eine erste Prognose für den 22. September aufstellen, dann im Wissen darum, dass dies mehr Spielerei denn Wissenschaft ist. Nun, zu welchen Prognosen gelangen wir? Für das Epidemiegesetz würden 89 Prozent stimmen, die Abschaffung der Wehrpflicht würde bloss 22 Prozent der Stimmen erhalten, und für die Liberalisierung der Öffnungszeiten von Tankstellenshops würden 56 Prozent der StimmbürgerInnen votieren.