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Eine Gesamtaufführung seiner „Trojaner“ hat Hector Berlioz nie erlebt. Zu groß, zu lang, zu kostspielig war das fünfaktige Werk. Zusätzlich machte ihm auch noch der zeitgleich aus Deutschland herüberschwappende Wagner immer wieder Striche durch die Rechnung. So reichte es 1863 in Paris nur für eine Uraufführung der Akte drei bis fünf unter dem Titel „Die Trojaner in Karthago“. Der andere vorangestellte Opernteil, die „Einnahme von Troja“ durch das berühmt-berüchtigte Holzpferd ertönte sechzehn Jahre später erstmals.
Mittlerweile gehört die Grande opéra zu den zentralen Bühnenwerken des 19. Jahrhunderts. Gerade erst im Mai hatte die freizügige Inszenierung des Franzosen Christophe Honoré an der Bayerischen Staatsoper für Kontroverse gesorgt, nun wagt sich Regisseur Johannes Erath in Köln an das eindrucksvolle Epos. Mit Gounods „Faust“ und Massenets „Manon“ hatte Erath bereits während der letzten Jahre außerordentliches Geschick in der szenischen Handhabung französischer Opern bewiesen.