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© Foto Claude Giger
"Nichts Gutes im Schild": Paraplegiker-Papst Guido A. Zäch
Guido Zäch soll in den eigenen Sack gewirtschaftet haben
Basler Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen den Präsidenten der Schweizer Paraplegiker-Stiftung
VON PETER KNECHTLI
Die Basler Staatsanwaltschaft erhebt gegen CVP-Nationalrat Guido A. Zäch (67), den Präsidenten der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, Anklage. Der Stiftung sei ein Schaden von 60 Millionen Franken entstanden. Zäch soll massiv in den eigenen Sack gewirtschaftet haben.
Ob er vor laufenden Kameras zärtlich dem verunglücktgen Abfahrs-Skifahrer Silvano Beltrametti über das Haupt strich oder ob er den Mitgliedern seiner von ihm präsidierten Gönnervereinigung in emotionalen Worten eine Spende ans Herz legte Guido A. Zäch wusste sich immer als Gutmensch in Szene zu setzen. Doch nun droht i
Die Untersuchungsjustiz wirft dem Angeklagten vor, er habe "als Präsident des Stiftungsrats der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und der Gönnervereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung in den Jahren 1990 bis 1999 einen Teil der ihm anvertrauten Vermögenswerte, für deren Verwaltung er verantwortlich war, zweckwidrig verwendet". Dadurch sei die Stiftung im Umfang von mehr als 60 Millionen Franken geschädigt worden.
Über 60 Millionen Franken Schaden
Die Anklage der Staatsanwaltschaft teilt sich in zwei verschiedene Arten der Gesetzesverletzung - mehrfache ungetreue Geschäftsführung und mehrfache Veruntreuung:
"Pflichtwidrig" habe Zäch 57 Millionen Franken Stiftungsvermögen in "nicht rentable Projekte oder Liegenschaften investiert". Dabei seien unter anderem über 17 Millionen Franken in den Gasthof "Engel" in Dornach SO geflossen, wobei jährlich wiederkehrende Verluste und aufwändige Renovationen bezahlt wurden, sowie rund 29 Millionen Franken in die "Hotel Herisau AG" - dies hauptsächlich, um den Kauf von Grundstücken sowie Erstellung und Betrieb eines Hotels zu finanzieren.
Zudem habe Zäch seine Verfügungsmacht missbraucht, indem er mit Stiftungsgeldern von "mindestens 7,7 Millionen Franken" das geplante Projekt der "Fuhrenmatte AG" unterstützte, das den Bau eines luxuriösen Sporthotels in Grindelwald vorsah. Überdies verkaufte er die der Stiftung gehörende Liegenschaft Mariasteinstrasse 21 in Basel rund 200'000 Franken unter ihrem Wert an Bekannte, wie Staatsanwaltschaftssprecher Markus Melzl erklärte.
Der Tatbestand der Veruntreuung könnten die mindestens drei Millionen Franken erfüllten, die Zäch als Geschäftsführer aus dem Vermögen seiner Stiftung "zu seiner persönlichen unrechtmässigen Bereicherung" verwendet haben soll. So habe er sich selbst gegenüber Vergütungen eigenmächtig festgelegt. Ebenso habe Zäch den Aufwand für die von ihn selbst privat bewohnte 16-Zimmer-Villa in Zofingen AG über Stiftungsvermögen finanziert. OnlineReports weiss, dass auch die Umstände, unter denen Zäch in den Besitz des repräsentablen Anwesens mit 60 Aren Umschwung gelangte, keineswegs über jeden Zweifel erhaben sind.
Aufhorchen lässt auch der Vorwurf, Zäch habe eine von dritter Seite erfolgte Zuwendung in Höhe von 300'000 Franken für seine eigenen finanziellen Bedürfnisse verwendet statt sie der Zweckbestimmung zuzuführen: Behinderten in Härtefällen zu helfen, bei denen die Paraplegiker-Stiftung keine Leistungen erbringen konnte.
Ausgelöst wurde die Strafuntersuchung gegen Zäch durch den Berner FDP-Nationalrat Marc Suter, den früheren Vizepräsidenten der Schweizer Paraplagiker-Stifung. Suter hatte sich mit Zäch überworfen, worauf sich die beiden einstigen Freunde regelrecht einen öffentlichen Showdown lieferten.
Zäch weist Vorwürfe kategorisch zurück
Guido Zäch wies die Vorwürfe gegenüber der Nachrichtenagentur sda zurück: "Ich werde jetzt die Möglichkeit haben, jeden Vorwurf lückenlos zu widerlegen." Es gehe grundsätzlich immer darum, dass er durch Investitionen in rollstuhlgängige Hotels Stiftungsgelder zweckentfremdet haben solle: "Die Vorwürfe sind so falsch wie am Anfang." Zäch räumte aber ein, dass er bei den fraglichen Investitionen "keine glückliche Hand" gehabt habe. Das sei aber kein Tatbestand, der vor Gericht gehöre.
Auch den Vorwurf der persönlichen Bereicherung refüsiert Zäch: "Das ist leicht widerlegbar." Es sei kein Franken missbraucht worden, sagte Zäch. Hinter der Anklageerhebung stünden Gegner, die "nichts Gutes im Schild führen". An einen Rücktritt als Stiftungspräsident, wie ihn Kritiker Suter fordert, denkt Zäch nicht: Er werde auf einstimmigen Beschluss des Stiftungsrats weiterhin Präsident bleiben, sagte Zäch weiter.
Dauernd Streit schon in Basel
Streit ist für Guido Zäch nichts Neues. Schon bei seiner Anstellung als Chef des damals noch in Basel domizilierten Paraplegikerzentrums war es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, die zweimal zur Einleitung eines Nichtwiederwahlverfahrens führten. "Verfehlungen" warf ihm seine Wahlbehörde schon in den achtziger Jahren vor. So habe Zäch 1982 - entgegen seinem Versprechen - ohne vorherige Absprache mit der vorgesetzten Behörde erneut das Präsidium der Stiftung übernommen. Zäch selbst erklärte in einem Interview im August 1986, er habe seine "angeliche Macht noch nie missbraucht". Sein damals verteuertes Vermögen beziferte er auf 13'000 Franken.
Aktenkundig ist auch "unakzeptables menschliches Verhalten" (so ein damaliges Behördemitglied): Zäch habe gedroht, einen Direktor "in den Medien fertig zu machen" oder Verantwortliche "spitalreif zu schlagen". Obschon sich in Basel 25'000 Personen für Zäch einsetzten, ging er Anfang der neunziger Jahre nach Nottwil, wo ihm in seiner von ihm selbst kontrollierten Umgebung weniger Widerstand erwuchs als Basel.
Kommentar
14. August 2002
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