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Fruchtbare Künstlerfreundschaft
Autor: Carole Schneuwly
Beide prägten die Kunst des 20. Jahrhunderts, indem sie nach neuen Wegen jenseits des traditionellen Kunstverständnisses suchten. Beide waren inspiriert und beflügelt von der Dada-Bewegung und wollten die Grenzen der Bedeutung eines Kunstwerkes und seines Verhältnisses zum Betrachter erweitern. Und beiden ging es letztlich darum, Kunst und Leben einander anzunähern, sie miteinander zu verbinden.
Anfänge in New York
Es scheint fast schicksalhaft, dass sich die Wege des Schweizers Jean Tinguely und des Amerikaners Robert Rauschenberg früher oder später kreuzen mussten. Geboren 1925 im Abstand von genau fünf Monaten – Tinguely kam am 22. Mai in Freiburg zur Welt, Rauschenberg am 22. Oktober im texanischen Port Arthur -, begegneten sie sich zum ersten Mal 1960 in New York. Tinguely arbeitete dort an seiner Maschinen-Skulptur «Homage to New York», einer Konstruktion, die sich in einer Aufsehen erregenden Aktion im Garten des Museum of Modern Art selbst zerstörte. Rauschenberg beteiligte sich an dem Projekt mit einer Geldschleudermaschine, dem «Money Thrower for Tinguelys H.T.N.Y.».
Nach dieser ersten Zusammenarbeit entwickelte sich zwischen den beiden Künstlern eine Freundschaft, deren Bedeutung sich etwa in Rauschenbergs «Trophy III (for Jean Tinguely)» aus dem Jahr 1961 manifestiert. Es handelte sich um eine von Rauschenbergs «Combine Paintings», eine Collagentechnik, die er in Anlehnung an den Dadaismus und den Surrealismus entwickelt hatte und bei der er dreidimensionale Gebrauchsgegenstände auf abstrakte Gemälde montierte. «Trophy III» ist eine von nur fünf Arbeiten, die Rauschenberg anderen Künstlern widmete. Neben Tinguely erwies er diese Ehre noch Merce Cunningham, Teeny und Marcel Duchamp, John Cage und Jasper Johns.
Hochkarätige Leihgaben
Die facettenreiche Künstlerfreundschaft zwischen Tinguely und Rauschenberg und die Arbeiten, die daraus entstanden, stehen im Mittelpunkt einer neuen Wechselausstellung im Museum Tinguely in Basel. Unter dem Titel «Robert Rauschenberg – Jean Tinguely: Collaborations» wirft sie einen exemplarischen Blick auf eine Zeit, die geprägt war von intensivem künstlerischem Transfer, von der Befruchtung zwischen den Disziplinen und von der Annäherung zwischen künstlerischer Realität und Lebenswirklichkeit. Zu entdecken sind hochkarätige Leihgaben aus New York, Los Angeles oder Sydney ebenso wie zahlreiche Bild-, Film- und Tondokumente.
Voneinander beeinflusst
Darin werden etwa jene epochalen Ausstellungsprojekte nachgezeichnet, die für die Zusammenarbeit von Tinguely und Rauschenberg in den Sechzigerjahren zentral waren. Dazu zählen die Wanderausstellung «Bewogen Beweging» und das Projekt «Dylaby» in Amsterdam. Gemeinsam bestritten der Schweizer und der Amerikaner auch zwei Bühnenperformances: «Variation II», 1961 im Theater der Amerikanischen Botschaft in Paris, und «Construction of Boston», 1962 im Maidman Playhouse in New York.
Nicht zuletzt zeigt die Ausstellung in Basel, wie die Kooperationen beide Künstler in ihrer individuellen Entwicklung beeinflussten.
Museum Tinguely, Paul-Sacher-Anlage 1, Basel. Bis zum 17. Januar. Di. bis So. 11 bis 19 Uhr). Details unter: www.tinguely.ch.