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Von Fürstinnen und Terzeln. Geschlechterkonstellationen in der höfischen Falknerei
Die Jagd wird in kulturwissenschaftlichen Studien bisweilen als Aktivität bezeichnet, die seit jeher männlich geprägt gewesen sei und damit zur Festigung einer patriarchalen Ordnung beigetragen habe. Die Figur des Jägers scheint in geradezu archetypischer Weise die Beherrschung der nichtmenschlichen Natur sowie von Frauen, Kindern oder sozial untergeordnetem Gesinde zu repräsentieren. Dieses Bild entspricht indes auch für das Europa der Frühen Neuzeit kaum der Realität. Frauen und auch Kinder sowie Angehörige sozial marginalisierter Gruppen waren in das Verfolgen und Töten von Wildtieren involviert, etwa bei den regelmässig durchgeführten Treibjagden auf Wölfe. An Fürstenhöfen trug die Jagd zudem zur Repräsentation – und damit stets auch Konstitution – von Rang sowohl von adligen Männern wie auch Frauen und Kindern bei. Einzelne Jagdformen wie die Falknerei erlangten an manchen Höfen gar den Status einer eigentlichen Kinder- oder Damenjagd. Der Beitrag untersucht die Praxis und Darstellung der Jagd mit abgerichteten Greifvögeln im 17. und 18. Jahrhundert und legt dabei einen besonderen Fokus auf die Performanz von Geschlechterrollen. Dabei werden nicht nur Fürst:innen, Prinzen und professionelle Falkner in den Blick gerückt, sondern auch die Beizvögel. Deren ausgeprägter Geschlechterdimorphismus stand seinerseits quer zu Projektionen hegemonialer Männlichkeit: Weibliche Falken wurden aufgrund ihres deutlich grösseren Körpers gegenüber männlichen «Terzeln» bevorzugt. Sie fügten damit den komplexen Geschlechterkonstellationen in der höfischen Falknerei ein weiteres symbolisch signifikantes Element hinzu. Der Niedergang der Falknerei ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kann wie das Verschwinden höfischer Prunkjagden auch unter dem Aspekt einer Vereindeutigung von Geschlechterrollen interpretiert werden. Denn erst im 19. Jahrhundert wurde der in der freien Natur pirschende Weidmann zur dominanten Jagdfigur.