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Persönlichkeiten
Der Aufschwung des Kurorts Heiden ist verknüpft mit dem Namen des deutschen Augenarztes Albrecht von Graefe.
Er begründete mit weltweiter Ausstrahlung das Fach der Ophthalmologie (Augenheilkunde) und machte Heiden als Kurort weltberühmt. Das voralpine Klima, der weite Blick zum Bodensee, das satte Grün der Wiesen und die staubfreie Luft bewogen ihn, über viele Jahre in den Sommermonaten in der «Curanstalt zum Freihof» seine Praxis aufzuschlagen. Noch heute erinnert im Waldpark ein Gedenkstein an Albrecht von Graefes heilsames ärztliches Wirken und an seine Pionierrolle in der Medizin.
1866 wurde Albrecht von Graefe Direktor der augenärztlichen Abteilung der Charite in Berlin. Seine grösste Leistung war die Erfindung der Iridektomie zur Behandlung des akuten Grünen Stars (Glaukom). Verschiedene Fachbegriffe tragen seinen Namen, wie das Graefe-Syndrom, der Graefe-Fleck oder der Graefe-Reflex. 2004 feierte die von ihm gegründete Fachzeitschrift «Archiv für Ophthalmologie» ihr 150jähriges Bestehen.
Als Albrecht von Graefe erst 42jährig starb, hatte er ein neues medizinische Fachgebiet begründet, vielen Zeitgenossen - wobei er keinen Unterschied zwischen Adel, Bürgertum und Arbeiterschaft machte – ihr Sehvermögen zurückgegeben und entscheidend dazu beigetragen, dass Heiden als Kurort rund um den Globus bekannt wurde.
Johann Conrad Sonderegger (1834–1899)
Neben der Pflege des selbständig geführten Weinhandels in Heiden weist Conrad Sonderegger eine äusserst erfolgreiche Karriere als Politiker aus: 1861–65 Gemeinderat, 1865–73 Gemeindehauptmann von Heiden, 1869–73 freisinniger Ausserrhoder Grossrat, 1873–75 und 1886–90 Oberrichter, 1875–76 Landesstatthalter, 1876–83 Regierungsrat, 1877–99 Kantonsrat, 1880-83 Landammann, 1881–99 radikal-demokratischer Nationalrat. 1885–99 Verwaltungsrat der Kantonalbank und 1886–99 der Rorschach-Heiden-Bergbahn.
Quelle: HLS
Zwanzig Jahre war der Rotkreuzgründer nach seiner Verurteilung zum Bankrotteur in Genf durch Europa geirrt, bevor er im Sommer 1887 als gebrochener Mann in der Pension Paradies in Heiden Aufnahme fand. Hier erkannte der an sein Krankenbett gerufene Dr. Hermann Altherr den Rotkreuzgründer und nahm ihn zu sich ins Asyl des Bezirks-krankenhauses.
Dunant erfuhr nach einem Zeitungsaufruf eines Journalisten seine späte Rehabilitation, die in der Verleihung des ersten Friedensnobelpreises 1901 gipfelte. Bis zu seinem Tod lebte er zurückgezogen, aber stetig ideenaktiv in Heiden.
Während 30 Jahren lebte Alfred Tobler in Heiden. Er wird 1845 in Teufen als Sohn einer armen Schulmeisterfamilie geboren. Schon als Junge singt er in St. Galler Wirtshäusern, um Geld zu verdienen. Hier entdeckt ihn Ferdinand Huber, ein bekannter Komponist.
Alfred Tobler kann die Kantonsschule besuchen und Theologie studieren. Das Singen bleibt seine grosse Leidenschaft. Er gibt den Pfarrerberuf bald auf und wird ein gefeierter Konzertsänger. Als seine Frau stirbt, kehrt er der Sängerlaufbahn den Rücken zu. Er kommt in seine Heimat, das Appenzellerland, zurück.
1890 zieht er nach Heiden. Er ist jetzt als Schriftsteller und Forscher auf heimatkundlichem Gebiet tätig. Seine Liebe zum Singen und zur Musik verliert er nicht: Er sammelt Lieder und befasst sich mit der Appenzeller Volksmusik. 1914 verleiht ihm die Universität Zürich den Ehrendoktor «für die unermüdliche Forschung von Wort und Weise, Sitte und Geschichte seiner appenzellischen Heimat». 1923 stirbt der als fröhlich und humorvoll beschriebene und weit herum bekannte Sängervater Tobler in seinem Heim im Stapfen.
Aus seinem Nachlass stammt eine grosse Zahl der im Museum Heiden ausgestellten Möbelstücke.
Der spätromantische Komponist Heinrich von Herzogenberg, Freund von Johannes Brahms, beschliesst anlässlich eines Sommerurlaubs im Kurort Heiden, am Waldparkrand, mit prächtigem Blick zum Bodensee, seine Sommerresidenz zu bauen, das «Abendroth».
Viel Prominenz ist in seinem «Freundeshotel» zu Gast. Herzogenberg komponiert in Heiden seine wichtigsten kirchlichen Spätwerke, so die gross angelegte Messe in e-Moll op. 87, das Weihnachtsoratorium «Die Geburt Christi» op. 90 und sein opus maximum, das Oratorium «Erntefeier» op. 104.
Nach dem Tode Herzogenbergs senkt sich für 100 Jahre der Schleier des Geheimnisvollen über das stets geschlossene «Abendroth», bis im Jahre 2000 die Wiederentdeckung des vergessenen Komponisten einsetzt. Seither finden regelmässig Herzogenberg-Konzerttage statt und eine Internationale Herzogenberg-Gesellschaft wurde gegründet.
Das Haus «Abendroth» am Waldparkrand, erbaut von Heinrich von Herzogenberg im Herbst 1891. Im Frühling 1892 zog der Witwer allein in seine Sommerresidenz ein; seine Frau Elisabeth, geb. von Stockhausen, war am 7. Januar in San Remo einem Herzleiden erlegen.
Das Weihnachts-oratorium «Die Geburt Christi» ist Herzogen-bergs populärstes Werk, komponiert vom 18. bis 31. August 1894 (innerhalb von 14 Tagen!) im «Abendroth».
Carl Böckli hat über rund 50 Jahre hinweg Ereignisse und Personen der Gegenwart unter anderem im «Nebelspalter», dem bedeutendsten schweizerischen Satiremagazin, karikiert. Er hatte eine klare Linie. Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ereignisse und Entwicklungen fanden in seinen Arbeiten in Bild und Text einen zeitkritischen Ausdruck.
Bö kämpfte im Umfeld des 2. Weltkriegs mit den Waffen des Karikaturisten gegen Faschismus, Nationalsozialismus und Sowjetkommunismus, zielte auf das, was man «Torheiten der Zeit» nennen könnte: vom Sportbetrieb über Modeströmungen, von kleinbürgerlichen Einstellungen bis zum überdauernden Wirken der staatlichen Bürokratie.
Er wehrte sich gegen das passive Wegschauen, Windfahnencharakter - aber auch gegen den wahnhaften Fortschrittsglauben. Er karikierte ironisch die Emanzipationsbewegungen der Frauen, den fast blinden Glauben an die modernen Technologien oder das veränderte Freizeitverhalten.
Aber er war auch Kämpfer gegen die zunehmende Motorisierung, den überhandnehmenden Strassenverkehr und das Rowdytum auf den Strassen, gegen die Luft- und Gewässerverschmutzung, die masslose Verbauung unserer Landschaft, gegen den überbordenden Tourismus mit dem Bau von Bergbahnen auf (fast) jeden Gipfel.
In der Rückschau wird sein Werk zu einer kritischen Chronik, welche die Geschichte der Schweiz in seiner Zeit schlaglichtartig dokumentiert.
Amtsschimmel
"Was hät denn de Bundesrat scho wieder b'schlosse?" -
"No nüt - sie protestiered bloss efangs!"
Sondernummer Endphase
"Ganz im Vertraue, Herr Oberscht, de Chrieg isch uus!"
Während die Kunstwelt in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von stilistischen Extremen, von Expressionismus, Abstraktion oder Dada geprägt wurde, arbeitete Emil Schmid bescheiden und intensiv in der Manier alter Meister. Nach der Studienzeit in München, Hamburg und Berlin kehrte er nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges nach Heiden zurück. Eines seiner ersten Oelportraits – zu sehen im Museum Heiden – zeigt seinen Förderer Alfred Tobler.
In der Radierung hat der Zeichner Emil Schmid seine eigentliche Ausdrucksform gefunden. Wie kein anderer hat er es verstanden, die stille Schönheit der vorderländischen Landschaft in feinsten Linien, präzise und realtätsnah einzufangen.
Der in Heiden wohnhaft gewesene Ruedi Peter gehörte zu den bekanntesten Holzschnittkünstlern der Schweiz. Der Weg dorthin verlief aber nicht geradlinig: Nach einer Lehre als Gärtner besuchte er die Kunstgewebeschule St.Gallen und arbeitete zuerst als Typographieentwerfer, später als freier Graphiker. Als 46-jähriger stellte er seinen ersten Holzschnitt her und erst ab 1981 widmete er sich ausschließlich der Kunst. Die Jahre bis zu seinem frühen Tode 1988 waren eine intensive Schaffensperiode, von der rund 200 Holzschnitte zeugen.