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Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?
Bei Männern ist zurzeit ein Rockabilly-Stil beliebt, also seitlich und hinten kurz und oben länger. Bei den Frauen gibt es heute deutlich mehr Variationen als früher, auch im Bereich der Kurzhaarschnitte.
Haben Sie eine spezielle Methode?
Ich habe verschiedene internationale Ausbildungen gemacht und so meinen eigenen Stil entwickelt. Ich arbeite mit einer Technik namens «Sliding». Dabei werfe ich die Haare ständig in die Luft und lasse sie gleiten, während ich sie bearbeite, was sie geschmeidig macht. Zudem schneide ich ziemlich schnell.
Was ist der Sinn von Sliding?
Ich nehme mehrere Haare, und wenn ich sie slide, werden die einen kürzer, andere länger. Je nach Richtung, in die ich sie slide, kann ich dem Haar mehr oder weniger Volumen geben. So erhält das Haar eine bestimmte Struktur und einen bestimmten Effekt. Andere Coiffeure brauchen mehrere Scheren, um diesen Effekt zu erreichen, ich tue das mit dem Sliding mit einer einzigen.
Warum sind Sie Coiffeur geworden?
Meine Mutter führte lange einen bekannten Coiffeursalon im Viertel Condesa, in dem viele Künstler verkehrten. Als ich nach dem Abitur erwog, an die Universität zu gehen, dachte sie darüber nach, den Salon zu schliessen. Das wollte ich verhindern. Also bin ich dort eingestiegen und habe eine zweijährige Ausbildung gemacht. Dann erhielt ich ein Angebot von einem TV-Sender, als Hairstylist zu arbeiten. Die Herausforderung habe ich angenommen.
Wie war die Arbeit beim Fernsehen?
Lehrreich und vielseitig, weil die Produktionen verschiedene, oft historische Themen hatten. Aber es war auch hart. In den drei Jahren hatte ich nie Ferien. Ich arbeitete von fünf Uhr früh bis sechs Uhr abends. Dann erfuhr ich zufällig von diesen Räumen hier in der Colonia Roma und habe mich vor zehn Jahren selbständig gemacht.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Meine Frau ist aus Texas, und wir werden in Austin einen zweiten Salon eröffnen. Zuerst werde ich sechs Monate dort verbringen und ein gutes Team aufbauen, dann werde ich zurück nach Mexiko kommen und eine geeignete Person nach Austin schicken. Da ich noch Familienangehörige in Valencia in Spanien habe, würde ich auch dort gern einen Salon eröffnen.
Wer schneidet Ihre Haare?
Meine Mutter und meine Frau, aber auch Alessandro hier im Salon und schliesslich ich selbst. Da ist gewissermassen ein Kollektiv am Werk.
Haben Sie viele Stammkunden?
Ja, durchaus. Man kennt meinen Salon hier in der Colonia Roma. Zugleich kommen Touristen zu uns.
Welche Art Kunde ist die grösste Herausforderung für Sie?
Der, der mit einer ganz genauen Vorstellung kommt. Ich mag es, wenn die Kunden mir vertrauen.
Wem würden Sie gerne die Haare schneiden?
Lady Gaga fände ich prima. Sie ist phantasievoll und kreativ. Es wäre sicher interessant.
Haben Sie sich schon einmal geweigert, einen Wunsch auszuführen?
Ja, wenn jemand mit stark chemisch behandelten Haaren kommt und diese erneut chemisch behandeln lassen möchte.
Was gefällt Ihnen an Mexiko Stadt?
Das Leben hier ist vielfältig, was natürlich auch an der hohen Bevölkerungszahl liegt: Die Viertel Condesa und Colonia Roma sind kosmopolitisch, und die Stimmung ist offen und tolerant.
Wo waren Sie zuletzt in den Ferien?
Wir waren mit meiner Mutter in einem kleinen Dorf auf dem Land. Diese kleinen Ortschaften in Mexiko faszinieren mich.