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...auch wenn die SVP und der Bauernverband je eine "Landwirtschafts- und Ernährungsinitiative" lancieren.
http://www.landwirtschaft.ch/de/aktuell/agronews/detail/article/2014/02/17/initiative-fuer-ernaehrungssicherheit-ist-lanciert/
Die Initiative verlangt, dass die produzierende Landwirtschaft in der Lage sein muss, für unsere Bevölkerung in angemessener Menge gesunde und qualitativ gute Nahrungsmittel herzustellen. Tönt ja gut, aber war das bis anhin nicht schon so?
Die Definition "angemessene Menge" ist mir nicht klar, zumal es heisst: " Auf die Festschreibung einer bestimmten Höhe des Selbstversorgungsgrad wird dabei verzichtet."
Die Zahlen:
In unserer Schweiz sank die Anzahl an landwirtschaftlichen Betrieben von 70'500 (2000) auf 56'575 (2012), wobei die Landwirtschaftsfläche (1.05 Millionen Hektaren) praktisch gleich gross blieb. Davon sind 25.6% (2012), 27.3% (2000) reine Ackerflächen - also rund 1/4. Der Rest sind Grasflächen für Tiere. Die Anzahl Beschäftigten auf diesen Betrieben sank im gleichen Zeitraum von 203'000 auf 162'000 Personen.
Bei einem Bedarf von 7.15 Millionen Tonnen Nahrungsmittel die wir jährlich verputzen, entfallen 67% an pflanzlicher und 33% (inkl. Milchprodukte) an tierischer Nahrung. Eine solche Menge kann die Schweiz nicht herstellen und ist auf den Import angewiesen. Voran Gemüse und Früchte für rund 1.5 Milliarden Franken, das entspricht etwas weniger als die Hälfte unseres Konsums. Dieser stammt zu über 75 Prozent aus EU-Ländern. Die Hauptimport-Länder sind Frankreich, Italien und Spanien. Beim Verarbeitungsgemüse ist der Schweizer Anteil geringer und liegt bei rund 1/5 der gesamten in der Schweiz verwendeten Menge.
Für die Fleischherstellung und Milchproduktion, welches aus 1/3 unserer Nahrung besteht, braucht es 3/4 der gesamten Landschaftsfläche. Selbst wenn wir Tierfabriken, die auf den ersten Blick platzsparend sind, aufstellen würden, werden für den Futtermittelanbau enorme Flächen benötigt.
Auf der Fläche eines Grundstückes, die benötigt wird, um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, könnte man im selben Zeitraum 200 kg Gemüse oder 160 kg Kartoffeln ernten.
In der Ostschweiz mussten die Gemüseproduzenten rund 100 Tonnen Eisbergsalat vernichten. Das sind rund 140'000 Salatköpfe. Obwohl Eisbergsalat nach Rüebli und Tomate das drittliebste Gemüse der Schweizer ist, war es für die Produzenten billiger, den Salat zu vernichten, als ihn zu ernten.
Interessant ist der Deckungsgrad von 85% für Fleisch, wobei wir gleichzeitig nicht in der Lage sind dieses Produkt aus eigener Kraft zu produzieren. Das fängt bei den Heu- und Strohimporten an.
- Heuimport jährlich rund 168'000 Tonnen
Der Hauptteil stammt zwar aus Deutschland, Frankreich und Italien, doch 22 Tonnen des im Jahr 2010 importierten Heus kamen aus dem ostafrikanischen Eritrea, 2008 kamen 19 Tonnen Heu aus Kirgistan und 22 Tonnen sogar aus dem 10'000 Kilometer entfernten Peru. Österreich importiert Heu aus Ungarn und der Slowakei.
- Strohimport jährlich rund 316'000 Tonnen
Aus Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien
Die Selbstversorgung fängt auch da an, dass wir unser Vieh zu einem Grossteil selbst ernähren müssten. Von Kraftfutter ganz zu schweigen.
Als Beispiel sicherte der Hördöpfel im zweiten Weltkrieg die Ernährung der Schweizer Bevölkerung.
Die Anbaufläche wurde nach bundesrätlichem Plan in kurzer Zeit auf 80'000 Hektaren ausgedehnt, was heute nicht mehr denkbar ist. Schweizer Bauern pflanzen heute knapp 11'000 Hektaren Hördöpfel an. Dank des technischen Fortschrittes und bessere Sorten werden heute auf der gleichen Fläche wesentlich höhere Mengen geerntet als früher. Trotzdem ist der Hördöpfelanbau mithilfe teurer Maschinen immer noch arbeitsintensiv und verursacht viel Handarbeit und ist nur für solche Betriebe rentabel, wo genügend familieneigene Arbeitskräfte und bezahlbare ausländische Helfer bei den Erntearbeiten mithelfen können.
Das gilt allgemein für den Gemüseanbau, denn wenn der Schweizer einheimisches Gemüse kauft, was durch die höheren Löhne teurer ist, müsste auch das Haushaltsbudget aufgestockt werden. Nicht einmal eine Familie mit einem Einkommen von 70'000 Franken kann es sich leisten, nur einheimische Nahrungsmittel zu kaufen.
Eine Möglichkeit wäre, aus den rund 750'000 Hektaren Grasflächen einen Teil für Ackerflächen abzuzwacken. Da blieben aber immer noch das Heu- und Grasproblem, was wiederum heisst, dass wir den Rindviehbestand, der seit 15 Jahren mit rund 1.56 Millionen Tieren konstant blieb, reduzieren müssten.
Oder:
Müssen wir unser Gemüse bald im Ausland anbauen?
Andere Länder mit grosser Bevölkerungsdichte hätten sich längst damit abgefunden, von einem sehr hohen Anteil an Importprodukten abhängig zu sein. China pachte oder kaufe gar Agrarflächen im Ausland, um die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherstellen zu können. Vor allem in Afrika und in Südamerika sind bereits riesige Ackerflächen in chinesischem Besitz. Und in der Ukraine machte kürzlich ein Deal Schlagzeilen, bei dem rund 100'000 Hektaren in chinesische Hände wanderten – eine Fläche, die grösser ist als die Stadt Berlin.
Ohne die Alpen, die rund 2'500'000 Hektaren unserer kleinen Schweiz in Anspruch nehmen, hätten wir genügend Acker- und Grasflächen. Aber eben, man kann nicht "dä Föifer und s'Weggli" gleichzeitig haben. Die Acker- und Grasflächen, die seit zig Jahren gleich goss sind, können wir nicht vergrößern, aber so beibehalten, wie bis anhin.