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(zoon politicon) Ziel des heutigen Vorlesungsblocks war es, einen Ueberblick über den Forschungsprozess zu geben. Die Uebersicht soll es den TeilnehmerInnen erleichtern, ihr eigenes kleines Projekt zu realisieren.
Die Zyklen des Forschungsprozesses
Wir haben gesehen, dass es drei Zyklen gibt, die je einem anderen Ziel dienen:
. die Ausarbeitung einer Fragestellung
. die Behandlung einer (oder mehrerer) Hypothesen und
. die Beschaffung von Fällen und Daten, die zur Prüfung der Hypothese geeignet sind.
Meist werden die drei Zyklen als drei Phasen beschrieben, die einander folgen. Im Idealfall ist das auch so. Im Realfall greifen sie aber nicht sequenziell, sondern meist zyklisch ineinander: Die Prüfung von Hypothese soll diese bestätigen oder widerlegen, damit man weiss, mit welchen Erklärungen man weiter arbeiten soll resp. auf welche man verzichten kann. Allenfalls kann es auch sein, das in dieseer Phase, neue, modifizierte Hypothesen entstehen, geeignetere Aussagen ergeben, als die anfänglichen. Das kann zu Präzisierung der Fragestellungen führen, es kann auch eine erneute Erhebung von Daten bedeuten.
Ziel des Ganzen ist es, geprüfte Aussagen zu machen, die einem helfen, Antworten auf die anfängliche Fragestellung(en) zu geben. Diese sollen im wissenschaftlichen Sinne nicht spekulativ erfolgen, sondern logisch und intersubjektiv nachvollziehbar sein. Sie sollen jedoch nicht nur rational hergeleitet werden, sondern sich auch an der Realität bewähren, also empirisch geprüft sein. Hat man das, hat man auch die Antwort auf die Ursprungsfrage, die gilt, bis man allenfalls eine bessere, das heisst widerspruchsfreiere und gehaltvollere findet.
Ergebnisse aus Forschungsprozessen der angewandten Sozialwissenschaften dienen praktischen Folgerungen. Resultate in der Grundlagenwissenschaft dienen der Konstruktion resp. Sicherung von Theorien. Die theoretischen Folgerungen werden in der wissenschaftlichen Literatur publiziert, sodass sie auch durch dritte nachvollzogen und kritisiert werden können. Die praxisrelevanten Folgerungen finden sich eher selten in der wissenschaftlichen Literatur; ihr Adresse ist der Kunde der Forschung, der den Anstoss zu ihr gegeben hat, weil er in der Regel ein Verwertungsinteresse hat.
Das Arbeitspapier
Im Forschungsprozess selber dominieren Arbeitspapiere. Sie werden für Workshops oder Seminare mit ForschungskollegInnen geschrieben. Sie sind meist technisch abgefasst, gelten als als graue Literatur, die ausserhalb von Forschungsteams nicht verwendet wird. In der Grundlagenforschung es ist wichtig, am Ende eines Forschungsprozesses ein Thesenpapier zu haben, das die gesicherten Ergebnisse in einem grösseren Ganzen verbindet. Und in der Anwendungsforschung braucht es am Ende ein Ergebnispapier, das unabhängig vom Forschungsprozess selber, die gesicherten Befunde und Folgerungen daraus aus Sicht der Forschung für die Praxis festhält.
So nun hoffe ich, sie alle, die Forschen worden, haben das minimale Rüstzeug mitbekommen, um sozialwissenschaftliche korrekt zu arbeiten!
Claude Longchamp