Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/36291

<h2>SubmittedText<h2><p>Die zweieinhalb Millionen Mongolinnen und Mongolen, von denen ein Drittel als Hirten von ihren Tieren leben, haben zum dritten Mal innert eines Jahres eine ungeheure Naturkatastrophe erleben müssen. Wochenlang lag die Temperatur bei unter 40 Grad minus. Millionen von Tieren und Hunderte von Menschen haben nicht überlebt.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, den bisherigen Hilfeeinsatz von einer halben Million Franken mindestens zu vervierfachen und die Zahl der Experten des Schweizerischen Katastrophenhilfekorps von einem auf mindestens vier zu erhöhen. Weiter bitte ich zu prüfen, ob man - wie vor einigen Jahren im Fall der Bauern in Kosovo - Tiere, vor allem Schafe, und viel Heu entsenden könnte. Zudem sollte der Mongolei mehr Expertenwissen zur Verfügung gestellt werden, damit herausgefunden werden kann, wie die Menschen aus dem Teufelskreis des Elends und neuer Naturkatastrophen herauskommen können; dabei soll ihnen wiederum tatkräftig geholfen werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Sorge des Postulanten, dass die Hirten in der Mongolei aufgrund der sich wiederholenden Naturkatastrophen einer die Existenz gefährdenden Situation ausgesetzt sind. Die zentrale Problematik bezüglich der Herden besteht darin, dass die kollektiven Farmen in der Mongolei 1990 nach dem Ende der Existenz der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten aufgelöst wurden und, nach Schätzungen der Uno, bis zu 150 000 Personen ihr Einkommen wieder mit traditioneller Viehwirtschaft zu bestreiten versuchten. Dies führte zu einer Übernutzung der Weiden durch die immer grösser werdenden Herden. Diese problematische Situation wird im Falle von Naturkatastrophen zusätzlich verschärft, wie die extremen Kälteeinbrüche der beiden letzten Winter zeigten.</p><p>Die Schweiz hat bereits im letzten Winter (1999/2000) die Hilfsaktionen der International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRC) zugunsten der mongolischen Hirten und ihrer Herden unterstützt. Aufgrund der verschärften Situation in diesem Winter (2000/01) war die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) des EDA bereits bei einer Uno- Abklärungsmission Anfang des Jahres mit der Entsendung eines Experten und somit bei der Verfassung des Aufrufs (Appeal) der UN-OCHA (UN Office of the Coordination of humanitarian Affairs) beteiligt.</p><p>Die Deza hat aufgrund der Aufrufe von OCHA und IFRC Ende Januar 2001 entschieden, die multilateralen Partner mit einem Beitrag von insgesamt 500 000 Franken zu unterstützen. Der Beitrag der Schweiz von 250 000 Franken an die IFRC wird für den Ankauf und die Verteilung von Nahrungsmitteln und von First Aid Kits für die Hirten verwendet. Die Food and Agriculture Organization der Uno erhielt 125 000 Franken für den Ankauf und die Verteilung von Tierfutter und von Tiermedizin, während das Uno-Kinderhilfswerk Unicef mit 125 000 Franken bei der Ernährung von Kleinkindern in Kliniken und Spitälern unterstützt wird.</p><p>Die Deza hat weiter eine eigene Aktion zur Unterstützung der Hirten im Umfang von 1,1 Millionen Franken lanciert. Diese wird momentan in Zusammenarbeit mit dem russischen Partner Emercom (Ministry of the Russian Federation for civil Defence, Emergencies and the Elimination of Consequences of natural Disasters) und lokal tätigen NGO sowie in Absprache mit UNDP und den lokalen Behörden durchgeführt und zielt auf eine Zusatzfütterung der stärkeren, vor allem der weiblichen Tiere ab, um deren Überleben und damit den Nachwuchs im Frühjahr zu sichern. Die Schweizer Hilfe beinhaltet den Ankauf von 1000 Tonnen Tierfutter, Heu und Tiermedizin in Russland, den Transport der Hilfsgüter von Russland in die westlichen Provinzen der Mongolei und die Verteilung der Hilfsgüter. Diese Aktion wird von drei SKH-Experten, die sowohl in Russland als auch in der Mongolei stationiert sind, koordiniert.</p><p>Eine Entsendung von Tieren aus der Schweiz in die Mongolei, wie sie die Schweiz für die Provinz Kosovo durchgeführt hat, kann aus den folgenden Gründen keine Option sein:</p><p>- Der lange Transportweg wäre für die Tiere nicht zu verantworten.</p><p>- Die Herden bestehen aus unterschiedlichen Tierarten (Kühe, Ziegen, Schafe, Kamele, Pferde). Eine Abklärung der Anpassungsfähigkeit dieser Tiere müsste einer solchen humanitären Aktion - auch im Falle einer Entsendung von Tieren aus den Nachbarländern der Mongolei - vorausgehen und würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Hilfe der Schweiz zielt aber auf eine schnelle Umsetzung von Hilfsaktivitäten mit unmittelbarer Wirkung ab.</p><p>- Zudem ist die Entsendung von Tieren ins Ausland aufgrund der BSE-Krise sowie der Maul- und Klauenseuche erschwert.</p><p>- Die mit einer Entsendung von Material und Tieren (aus der Schweiz) verbundenen Transportkosten sind im Vergleich zur Wirksamkeit einer solchen Hilfsaktion unverhältnismässig hoch.</p><p>Die Deza wird abklären, inwieweit sie in Zukunft gegenüber der mongolischen Regierung und den multilateralen Organisationen eine Rolle im Bereich des Policy Dialogs übernehmen kann, um den vom Postulanten formulierten "Teufelskreis des Elends" zu durchbrechen.</p>  Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzuschreiben.