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Er werde nicht älter als dreissig Jahre alt, beschieden ihm die Ärzte Ende der 1980er-Jahre. Heute ist er 44-jährig. Roland hat letzte Woche Jugendlichen der Deutschen Orientierungsschule der Stadt Freiburg erzählt, was es heisst, mit dem HI-Virus zu leben.
Er hat sich Mitte der Achtzigerjahre mit einer verseuchten Spritze angesteckt: «Ich hatte eine Spritze, aber keinen Stoff; der andere hatte Stoff, aber keine Spritze.» Kurz darauf seien die ersten Gerüchte über eine seltsame Krankheit aufgetaucht, die in San Francisco vor allem Schwulen das Leben kostete. Roland machte den Test – er war positiv. «Damals bedeutete dies den sicheren Tod – und die Ausgrenzung.»
Roland freut sich, dass die Todesfälle wegen Aids rückgängig sind. Doch bedrückt ihn, dass die Zahl der Ansteckungen steigt: «Heute ist der Umgang mit der Krankheit zu salopp.» Er zeigt den Jugendlichen die Schachtel, die er auf sich trägt. Sie ist voller grosser Tabletten. «Das alles muss ich heute noch schlucken, wenn ich leben will», sagt der Homosexuelle. Einige der Tabletten seien nicht gegen seine Krankheit – sondern gegen die Nebenwirkungen, welche die Tabletten gegen den Virus haben. «Ich habe schon viele Tablettenkombinationen ausprobiert; immer wieder gab es so starke Nebenwirkungen, dass ich wieder wechseln musste.» Noch verbleiben ihm zwei Kombinationen, die er noch nicht eingenommen hat – «mir läuft die Zeit davon». njb