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Retouchieren mit Temperafarben verbessert. Zum Retouchieren bedient man sich gewöhnlich einer Mischung von gleichen Teilen geronnener Milch und gelöschten Kalks. Jedoch müssen die Bilder wenigstens acht Tage bereits vollendet und durchaus trocken sein. Eine Bereicherung empfing die Freskomalerei durch die von Fuchs [* 2] und Schlotthauer erfundene Stereochromie, die zuerst von Kaulbach bei seinen großen Wandmalereien im Neuen Museum zu Berlin [* 3] in Anwendung gebracht wurde. Nach diesem Verfahren wird der Malgrund nicht mehr stückweise, sondern im ganzen aufgetragen, so daß man auch das größte Bild im ganzen anlegen und nach Belieben vollenden kann. Doch hat sich auch diese Technik nicht bewährt, da die Kaulbachschen Wandgemälde sich vollständig mit starken Rissen überzogen.
Das Abtragen alter Freskogemälde geschieht gewöhnlich auf folgende Weise: Man leimt auf einen nicht zu großen Teil des abzunehmenden Mauergemäldes Leinwand und sprengt dann mit scharfen Instrumenten das aufgeleimte Stück von der Mauer los. Nicht zu große Bilder kann man auch mittels einer Säge [* 4] von dem Mauerwerk trennen. Ist nach der ersten Art das stückweise Abtrennen der Bilder gelungen, so hat man zunächst die angeleimte Leinwand zu erweichen und vom Bild loszutrennen.
Die Zwischenräume, welche bei der Zusammensetzung der Stücke entstehen, füllt man mit Mörtel aus, läßt ihn trocknen und bessert dann solche Stellen mit Wasserfarben, nicht mit Freskofarben aus, weil letztere in der Mischung sehr schwer den alten Farben entsprechend herzustellen sind. Die abgelösten Bilder bringt man, gehörig angefeuchtet, in eiserne Rahmen, die soweit wie nötig mit Mörtel ausgefüllt sind. Wenn solche abgetragene Freskomalereien in kurzer Zeit bis zur Unkenntlichkeit stark überschimmeln, so überfährt man sie mittels eines Schwammes mit einer Auflösung von 1 Teil ätzendem Quecksilbersublimat in 15-20 Teilen Weingeist; doch ist dieses Mittel nur bei dem Wetter [* 5] nicht ausgesetzten Bildern anwendbar.
[Geschichtliches.]
Der Ursprung der Freskomalerei reicht weit in die ältesten Zeiten der Kunst hinauf. Die Ägypter scheinen sie schon gekannt zu haben, später finden wir sie bei den Griechen, obgleich der bedeutendste Maler der ersten Blütezeit, Polygnotos, sich vorzugsweise der Temperatechnik bedient zu haben scheint. Während dieser Zeitgenosse des Perikles und Pheidias noch in einfachen Konturen mit Lokalfarben seine Kompositionen entwarf, hat eine jüngere, mit Apollodoros beginnende Epoche auch der Wirkung von Schatten [* 6] und Licht [* 7] sich bedient.
Aber Monumente sind aus dieser und der griechischen Zeit überhaupt nicht erhalten. Erst die römische liefert uns deren in großer Menge, besonders die verschütteten Städte am Fuß des Vesuvs, Herculaneum, Pompeji [* 8] und Stabiä, auch Rom [* 9] u. a. Über die griechisch-römische Technik der Freskomalerei haben Plinius und Vitruv genauere Angaben hinterlassen. Ersterer sagt: »Wenn die Wandbekleidung nicht aus drei Lagen von Sandmörtel und zwei Lagen Marmorstuck besteht, so bekommt sie niemals genügenden Glanz«.
Nach Vitruv müssen jedoch außer der ersten groben Berappung nicht weniger als drei Lagen Sandmörtel und auf diese drei Lagen Marmormörtel gelegt werden, in welchen in der untersten dem Kalk grobe, in der zweiten weniger grobe und in der obersten feine Marmorstückchen als Zuschlag beigemischt sind. Eine jede dieser sechs Lagen wird auf die untere aufgetragen, gerade wenn dieselbe zu trocknen beginnen will, und die drei letzten müssen mit Hölzern geschlagen werden, damit sich ihre Masse soviel wie möglich verdichte.
Stücke von Freskowandbewurf der palatinischen Paläste, die genau nach dieser Vorschrift ausgeführt worden, zeigen denn auch eine Dicke des Sandmörtels von 6 cm, des Marmorstucks von 2 cm, im ganzen also von 8 cm, was 2½mal die Stärke [* 10] unsers modernen Freskostucks beträgt. Da nun ein so starker Bewurf bedeutend mehr Wassergehalt besitzt, demnach auch viel länger feucht bleiben kann, so erklärt sich daraus, daß die antiken Maler viel größere Flächen gleichzeitig, und ohne neu anstücken zu müssen, ausführen konnten, und daß ihre Gemälde viel haltbarer wurden als die modernen. Die Einzelheiten der antiken Technik sind durch sorgfältige Untersuchungen an den Denkmälern neuerdings von O. Donner erkannt und beschrieben worden (Einleitung zu Helbigs »Wandgemälde der vom Vesuv [* 11] verschütteten Städte Kampaniens«, Leipz. 1868).
Vgl. außerdem R. Wiegmann, Die Malerei der Alten in ihrer Anwendung und Technik (Hannov. 1836).
Die nächsten nach diesen Denkmälern der Freskomalerei sind die aus der urchristlichen Zeit herstammenden in den Katakomben zu Rom und Neapel. [* 12] Nach dieser Zeit findet man zwar einzelne Nachrichten über die Freskomalerei, die Kunst selbst aber wurde nicht mit Eifer oder Erfolg gepflegt; wenigstens sind nur wenige Denkmäler aus dem frühern Mittelalter auf uns gekommen. Erst im 13. und 14. Jahrh. gelangte die Freskomalerei von neuem zu einiger Blüte. [* 13] Cimabue, Giotto u. a. traten bereits mit einem größern Stil auf als ihre Vorgänger und verbreiteten durch zahlreiche Schüler die Freskomalerei über ganz Italien. [* 14]
Damals suchte man, da die Kalkwand oft Risse und Sprünge bekam, ein altes Mittel wieder hervor, das die Griechen schon benutzt hatten: man bekleidete die Mauer mit Leinwand, bewarf sie mit Gips [* 15] und malte darauf (vgl. Tempera). Aus derselben Zeit hat auch Deutschland [* 16] interessante Denkmäler dieser Kunst, unter andern im Dom zu Braunschweig, [* 17] in St. Gereon, St. Ursula und St. Kunibert zu Köln. [* 18] Jener und der nächstfolgenden Zeit verdanken wir auch viele Darstellungen in den Kreuzgängen von Klöstern und Schlössern (unter andern mehrere Totentänze) sowie viele historische und allegorische Wandmalereien an den Fassaden der Häuser. Am großen Aufschwung der Kunst im 15. Jahrh. in Italien nahm die Freskomalerei wesentlich Anteil; Masaccio, Freskomalerei Lippi, D. Ghirlandajo u. a. haben sich darin ausgezeichnet.
Sie arbeiteten so tüchtig ihren Nachfolgern vor, daß das 16. Jahrh. die höchste Blüte der in Italien sah, besonders in den Schulen von Rom, Florenz [* 19] und Mailand, [* 20] wenn auch die Leistungen der antiken Freskomalerei bei weitem nicht erreicht wurden; besonders nötigte die geringe Stärke des Stuckbewurfs zu nachträglicher Lasierung und Übermalung der feinern Nüancen (Loggien des Vatikans). Die Venezianer pflegten mehr die Ölmalerei, die auch in den Niederlanden und Deutschland weit vorwog (Fresken von Holbein, [* 21] Amberger, Chr. Schwarz).
Ein Meister in der Freskomalerei war Correggio, der an Pracht des Kolorits und Kühnheit der Verkürzungen in seiner Zeit einzig dasteht, freilich auch durch diese perspektivischen Künsteleien den Verfall des Fresko anbahnen half. Er leitete die Barockzeit ein, in der mehr und mehr die eigentliche Kunst verschwand, dagegen eine handwerksmäßige Fertigkeit einriß, in kurzer Zeit große Flächen zu bedecken und das Auge [* 22] durch perspektivische Spielereien zu täuschen. Allerdings gab es auch noch Künstler, die Bedeutendes leisteten; so bewahrt z. B. die Farnesische Galerie vortreffliche Fresken von Annibale Carracci. Guido Reni hat in der Marter des heil. Andreas und in der heiligen ¶
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Dreifaltigkeit zu St. Gregorius sowie in der Aurora im Palazzo Rospigliosi und Domenichino in der Abtei zu Grotta Ferrata u. a. O. große Werke in der Freskomalerei hinterlassen. Ebenfalls geschickt in der Farbenbehandlung war Guercino, der zu Piacenza, Bologna und Rom (Villa Ludovisi) arbeitete, ferner Lanfranco, der zu Rom und Neapel umfangreiche Werke schuf. Die rein äußerliche Bravour, die sich übrigens schon bei diesen Malern vielfach kundgibt, steigerte sich noch in den fingerfertigen Pietro da Cortona und Luca Giordano, und im 18. Jahrh. war die Freskomalerei zur flüchtigen Dekoration herabgesunken.
Sie fesselte nur noch, namentlich bei den Franzosen, durch eine gewisse Anmut und Zierlichkeit. Sehr viel wurde im 17. und 18. Jahrh. in Fresko gemalt, auch in Süddeutschland, wo namentlich die Tiroler mit großer Handfertigkeit thätig waren. Mengs ging wieder auf die frühere Zeit zurück, wo die perspektivische Täuschung, das sotto in su, noch nicht Mode war, wurde aber dafür steif und leblos. Mehr und mehr geriet die Freskomalerei dann in Vergessenheit; wenn sich das Technische auch noch kümmerlich bei einzelnen italienischen und tirolischen Malern fort erhielt, so war man doch im Anfang des 19. Jahrh. dahin gekommen, daß die Freskomalerei beinahe so gut wie neu von der deutschen Malerkolonie in Rom erfunden werden mußte.
Freilich ist es nicht zu verwundern, daß man unter solchen Umständen in der Technik stark zurückblieb; die neuern Fresken stechen durch die Roheit ihrer Farbe unangenehm von den alten ab. Cornelius, Overbeck, Veit und Schadow schufen für den preußischen Konsul Bartholdy ein großartiges, reiner Begeisterung entsprungenes Kunstwerk, die Geschichte Josephs in sieben Bildern. Dann ließ Fürst Massimi seine Villa beim Lateran mit einem Cyklus von Freskogemälden nach den drei größten Epikern Italiens [* 24] ausschmücken. Julius Schnorr übernahm Ariosts »Rasenden Roland«, Overbeck mit J. ^[Joseph] Führich Tassos »Befreites Jerusalem«, [* 25] Veit mit Koch Dantes »Göttliche Komödie«. Später entstand Overbecks großes Freskobild in der Kirche Maria degli Angeli bei Assisi, das Rosenwunder des heil. Franziskus darstellend, wieder das erste Kirchengemälde in Fresko von Künstlerhand.
Das Großartigste in der neuesten Freskomalerei entstand auf Veranlassung des Königs Ludwig I. von Bayern [* 26] in München [* 27] durch Cornelius und unter dessen Leitung. Die Glyptothek versammelte einen frischen Künstlerkreis in ihren Hallen, und mit den mythologischen Szenen, welche die Wände derselben schmücken, hielt die Freskomalerei einen würdigen Einzug in Deutschland. Heinrich Heß schmückte die Allerheiligenkapelle mit Fresken in altertümlichem Stil auf Goldgrund, ebenso die Basilika. [* 28] J. ^[Julius] Schnorr zeigte seine reiche Phantasie in den Nibelungensälen des Königsbaues, wo die Freskomalereien zugleich in möglichst enge Verbindung mit der architektonischen Ausschmückung traten.
Historisch bedeutsame Freskobilder sind ferner das Jüngste Gericht in der Ludwigskirche von Cornelius und die an den Kuppeln und Lünetten der Arkaden längs der Südseite der Pinakothek, Momente aus der Lebensgeschichte der hervorragendsten Maler von Cimabue bis Rubens darstellend, von Zimmermann nach Cornelius' Entwürfen ausgeführt. J. ^[Julius] Schnorr schmückte die neue Residenz mit Fresken aus der deutschen Kaisergeschichte. Ebenso wurden die Neue Pinakothek, die Ruhmeshalle, die königliche Villa bei Aschaffenburg [* 29] mit Freskomalereien ausgestattet. K. Rottmann brachte die Freskomalerei auch im rein Landschaftlichen zu hoher Ausbildung in den Ansichten aus Italien, Sizilien [* 30] und Griechenland [* 31] für die Arkaden des Hofgartens.
Auch am Rhein war von Cornelius selbst für die ein guter Grund gelegt worden, solange er Direktor der Düsseldorfer Akademie war. So wurde unter anderm die Aula der Universität Bonn [* 32] mit großen Fresken, die vier Fakultäten darstellend, geschmückt. Die St. Apollinariskirche malten Deger und ein Düsseldorfer Künstlerkreis aus. Steinle malte die Fresken im Chor des Kölner [* 33] Doms und im Schlosse Stolzenfels, Schraudolph diejenigen in dem restaurierten Dom zu Speier. [* 34] In Dresden [* 35] zierte Bendemann das königliche Schloß mit Freskomalereien; in Weimar [* 36] führte Neher im Goethe- und Schiller-Zimmer des großherzoglichen Schlosses große Freskomalereien aus.
Das Städelsche Institut zu Frankfurt [* 37] a. M. besitzt Veits großes symbolisches Freskobild: die Einführung des Christentums in Deutschland. In Berlin ward durch Cornelius in den großartigen, aber leider nicht zur Ausführung gekommenen Kompositionen zum Campo santo, namentlich aber durch Kaulbachs ideenreiche Ausmalungen des Treppenhauses des Neuen Museums der Freskomalerei Bahn gebrochen. Dann kam eine Zeit, wo die Freskomalerei immer mehr dem Ölbild Platz machte und nur die Sgraffitomalerei einen Ersatz dafür bot.
Der Vorgang Th. Grosses, der die Loggia des Leipziger Museums mit trefflichen Fresken ausmalte, Peter Janssens (Rathaussaal in Krefeld), [* 38] Arthur Fitgers (Rembertikirche in Bremen) [* 39] u. a. blieb ziemlich vereinzelt, und die fabrikartig von Verschiedenen gemalten Fresken im bayrischen Nationalmuseum zu München können größtenteils nicht auf künstlerischen Wert Anspruch machen. In neuerer Zeit hat die preußische Kunstverwaltung Versuche zur Wiederbelebung der Freskomalerei gemacht, unter denen die Fresken von H. Prell im Berliner [* 40] Architektenhaus besonders hervorzuheben sind.
Doch wird die Freskomalerei mehr und mehr durch die Wachsmalerei verdrängt, welche reichere koloristische Wirkungen ermöglicht. Neben diesen neuen Leistungen in Deutschland kommen die des Auslandes kaum in Betracht. Zwar legt man sich in Frankreich, namentlich in Paris, [* 41] in neuerer Zeit mit großem Eifer auf die Freskomalerei, doch meist ohne bedeutenden Erfolg. Man malt dort die Freskobilder in der Regel im Stil und in der Technik der Ölmalerei und gibt damit sogleich alles Eigentümliche der Freskomalerei auf.