Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03289.jsonl.gz/1186

Nach einigen Gedanken über Kreativität gab ein Wort das andere, und plötzlich stand Peter, unser Kollege, der sich ein wenig weit aufs Eis gewagt hatte, einer Challenge gegenüber:
Er musste ein Auto bauen, und zwar aus Materialien, die wir anderen bestimmten:
- eine Rolle WC-Papier
- ein alter Kissenbezug
- ein Ei
Peter sagte, er werde nicht ein, sondern fünf Autos bauen.
Wir freuten uns bereits auf den gewetteten Apéro, wenn der Lockdown dann einmal zu Ende ist. Doch am nächsten Morgen hatten wir in unserem Posteingang fünf Fotos.
Peter hat einen halben Kissenbezug zerfleddert und mit den Fäden auf die andere Hälfte einen Opel gestickt. Mit Eigelb und Toilettenpapier erstellte er eine Art Pappmaché und formte draus einen Lamborghini. Er schnitt eine WC-Rolle in Scheiben für Räder, darauf kam eine gefaltete und zusammengenähte Karosserie aus Toilettenpapier (das Ei als Fahrer). Aus einer anderen Kartonrolle bastelte er eine Auto-Form, goss sie mit Eiweiss aus und liess sie in der Mikrowelle gerinnen, dann malte er mit dem Eigelb Scheiben und Felgen auf. Er legte einen Kissenbezug so zusammen, dass er den Umriss eines Sportwagens hatte.
Peters Sieg zeigte, weshalb er ein so wertvoller Mitarbeitender ist. Denn auch in seinem Arbeitsalltag lebt er seine Kreativität aus, zum Vorteil der Firma. Aber schöpft er wirklich aus dem Vollen? Als Unternehmerin und Unternehmer fragt man sich: Wie kann ich die Kreativität meiner Mitarbeitenden besser erkennen, fördern und nutzen?
Betrachtet man Kreativität aus verschiedenen Blickwinkeln, kann sie in verschiedene Elemente zerlegt werden. Eine der bedeutendsten Unterteilungen stammt von Mel Rhodes, in der er vier Dimensionen der Kreativität benennt:
- person (Person)
- process (Prozess)
- press (Umfeld)
- product (Produkt)
Zu jeder dieser Dimensionen kann man sich als Unternehmerin oder Unternehmer positionieren. Im Führungsverständnis 5.0 werden zwei dieser Dimensionen kombiniert, bzw. in Relation gesetzt: process und press, also der kreative Prozess und das kreative Umfeld.
Was unter process verstanden wird, beschreibt Rhodes mit folgender Frage: «What causes some individuals to strive for original answers to questions while the majority are satisfied with conventional answers?» Wir wissen, dass das Umfeld, press, nicht die alleinige Ursache der Kreativität ist, aber einen Einfluss auf deren Prozess hat. Denn: «Each person perceives his environment in an unique way; one man’s meat is another man’s poison.» Das Umfeld muss also an die Person angepasst werden, will man die Kreativität fördern.
Wie macht man das als Führungskraft?
Erstens schafft man Rahmenbedingungen im Unternehmen, welche die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden fördern. Führungskräfte positionieren sich in diesem Zug weniger als Anführer und mehr also Moderatoren der Lösungsfindung. Damit erkennen die Mitarbeitenden, dass ihre Ideen anerkannt werden und dass sie einen effektiven Beitrag zum Erfolg leisten können.
Zweitens geht es um die Stärkung der Widerstandskraft (Resilienz) der Mitarbeitenden, d.h. die Fähigkeit, schwierige Phasen ohne Beeinträchtigung zu überstehen. Führungskräfte, die ihr Handeln darauf ausrichten, mobilisieren Kräfte und wirken im Umfeld stabilisierend.
Mit der Förderung von Eigenverantwortung und Resilienz vermittelt man psychologische Sicherheit. Diese ermöglicht den Mitarbeitenden, sich selbstsicher und zu Gunsten der Firma einbringen zu können, ohne dass sie befürchten müssen, be- und verurteilt zu werden.
Der Umgang mit der menschlichen Vielfalt ist anspruchsvoll, doch Unternehmen sind auf Führungspersönlichkeiten angewiesen, die die Vielfalt und das Potential von Mitarbeitenden wie Peter entdecken und fördern. Denn in diesem Potential liegen die kreativen Lösungsvorschläge, die zu innovativen Produkten und Prozessen führen.
Aus diesem Grund steht Leaders Solutions ihren Kunden in dieser Thematik beratend zur Seite. Wir sind Ihre Partnerin für zeitgemässe Leadership-Modelle.
Quelle: Rhodes, M.: An Analysis of Creativity, in: Phi Delta Kappan. April 1961, S. 305–310.