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Tischrede von Regula Zweifel, Präsidentin der Gesellschaft zu Fraumünster, am Bärenmähli 2014
Die Gesellschaft zu Fraumünster ist seit 1989 Teil des gesellschaftlichen Lebens von Zürich. 62 Fraumünster-Frauen engagieren sich in kulturellen Projekten, zum Beispiel ehren sie jährlich mit dem „Zürcher Ehrenbuch für Frauen“ aussergewöhnliche Leistungen von Frauen und organisieren alle drei Jahre das grosse Mittelalter-Spectaculum auf dem Münsterhof in Zürich.
Die Gesellschaft ist konfessionell und politisch neutral. Sie bezieht sich historisch auf die mittelalterliche Zürcher Fraumünster-Abtei.
Die Fraumünster-Frauen wirkten im Frauenkloster an der Limmat in Zürich von 853 bis zur Reformation 1524. Die meisten dieser Frauen stammten aus süddeutschen adeligen Familien und waren gut ausgebildet in Theologie, Philosophie, Sprachen und Betriebswirtschaft. Sie lebten in einer Gemeinschaft von ungefähr 20 Frauen nach den Regeln des Heiligen Benedikt, jedoch mit mehr Pflichten für die Öffentlichkeit, was gewisse Abweichungen von den klösterlichen Regeln ermöglichte. Die Äbtissinnen waren, in heutiger Sprache ausgedrückt, die regierenden Stadtpräsidentinnen von Zürich, zudem eidgenössisch und international bestens vernetzt.
Was für Basel die Fasnacht ist, ist für Zürich das Sechseläuten mit Umzug und Verbrennung des Bööggs. Der Umzug wird von den Männer-Zünftern organisiert und ist reine Männersache. Deshalb bilden die Fraumünster-Frauen einen separaten Umzug und laufen eine Stunde im Voraus. Sie benötigen dafür von der Stadt Zürich eine Demonstrationsbewilligung.
Die Verhinderung der Teilnahme von Frauen am Sechseläuten-Umzug basiert auf der Ansicht, dass Geschichtsverlauf und Wandel ein Zerfallsprozess sind. Der Geschichtsverlauf ist aber ein Adaptationsprozess, zu welchem Macht und Gerangel um Ehre gehören und Werte wie Mut, Vertrauen, Solidarität, Erinnerung die Konstanten sind. Brigitta Gerber, Vorstandsmitglied der Gesellschaft zum Bären formuliert es so: „Unser Brauchtum ist zu wichtig, um sich langsam von der Macht des Althergebrachten erdrücken zu lassen.“ Die Phasen des Wandels beschrieb Mahatma Gandhi sinngemäss so: Zuerst ingnorieren sie dich, dann ziehen sie dich ins Lächerliche, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du und sie integrieren dich.
2014 ist die Gesellschaft zu Fraumünster Gast der Gesellschaft zur Constaffel am Sechseläuten-Umzug. Für dieses Jahr sind die Fraumünster-Frauen für einmal im Umzug integriert; sie sind also nicht nur gleichberechtigt, sondern für einen Tag auch gleichbedeutend.
Meine Kollegin Marianne Trapletti und ich danken der Gesellschaft zum Bären für die Einladung an den Bärentag. Wir freuen uns auf den abendlichen Auszug.