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Titel
Jerusalem
[* 2] (in den Keilinschriften Ursalimmu, in den Hieroglyphen Schalam, griech. und lat. Hierosolyma, hebr. Jeruschalajim, »Wohnung des Friedens«, bei den Arabern El Kuds, »das Heiligtum«, bei den Türken Küdsi-Schêrif genannt), die alte Hauptstadt Palästinas, unter 31° 47' nördl. Br. und 35° 13' östl. L. v. Gr., auf mehreren Hügeln am Bache Kidron gelegen, welcher östlich von der Stadt zwischen ihr und dem Ölberg durch das gleichnamige Thal [* 3] (jetzt Wadi Sitti Mariam) fließt, in einer ungeachtet des steinigen Kalkbodens doch ziemlich ergiebigen Gegend.
Der ursprüngliche altkanaanitische Name des Ortes, Salem (»Stein«),
scheint von den ersten Ansiedlern semitischen Stammes herzurühren. Dann sollen die aus Ägypten [* 4] vertriebenen Hyksos den Platz in Besitz genommen und Jebus genannt haben. Von den Jebusitern eroberte David nach vielen vergeblichen Anstrengungen der Israeliten endlich die Burg Zion, machte die Stadt zu seiner Residenz und vergrößerte sie beträchtlich (daher auch Stadt Davids genannt). Eigentlich war sie dem Stamm Benjamin zugeteilt worden, doch finden wir sie stets im Besitz des Stammes Juda.
Nach David ward die Stadt durch Salomo vergrößert und verschönert, namentlich durch einen prächtigen königlichen Palast und den auf dem geebneten und durch hohe, aus dem Thal aufgeführte Böschungsmauern erweiterten Gipfel des Moria errichteten berühmten Tempel, [* 5] dessen Bau, mit Hilfe tyrischer Arbeiter ausgeführt, sieben Jahre dauerte. Diese Blüte [* 6] währte aber nur kurze Zeit: schon unter Salomos Sohn wurde J. von Sisak von Ägypten (um 970), ein Jahrhundert später von südarabischen und philistäischen Völkern, darauf von Joas, König von Israel (839-823), eingenommen und geplündert.
Usias (811-788) brachte I. wieder zu größerm Ansehen, Hiskias (728-699) und ebenso Manasse befestigten es von neuem und sorgten für seinen Wasserbedarf, bis es endlich 586 nach fast zweijähriger Belagerung in die Hände von Nebukadnezar fiel, geplündert und der meisten seiner Einwohner beraubt wurde. Zu jener Zeit umfaßte I. eine Bevölkerung [* 7] von 17-18,000 Seelen. Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil ward I. mit Benutzung der noch vorhandenen Fundamente und Trümmer und soviel wie möglich mit Beibehaltung des alten Plans und Umfanges von 536 an innerhalb 20-25 Jahren durch Serubabel, Esra und Nehemia wieder aufgebaut und mit Mauern und Türmen versehen.
Die Zahl der Thore ward vermehrt; die neue Stadt hatte deren 12, unter denen sich 5 der alten wiederfinden. Auch der Tempel ward wiederhergestellt, jedoch bei weitem nicht in der alten Größe und Pracht. Judas Makkabäus ließ später, nachdem er der syrischen Herrschaft über Palästina [* 8] ein Ende gemacht, den von Antiochos Epiphanes 169 geplünderten und durch Götzendienst entweihten Tempel reinigen, ausbessern und stark befestigen; aber erst Herodes d. Gr. war es, der seit 20 v. Chr. Serubabels einfachen Tempel, welcher inzwischen wieder durch die Syrer, dann durch Crassus gelitten hatte, wieder in einen bewundernswerten Prachtbau verwandelte, der aber nie ganz vollendet wurde. Er befestigte auch die Burg Baris an der Nordwestecke der Tempelarea von neuem und nannte sie seinem römischen Patron M. Antonius zu Ehren Antonia, errichtete sich auf dem höchsten Punkte des Westhügels (des traditionellen Zion) einen prächtigen Palast, den die drei Türme Hippikos, Phasael und Mariamne gegen N. schirmten, und wo später der römische Statthalter residierte, erbaute ein Theater, [* 9] den Xystos (einen von Säulenhallen umgebenen Platz, östlich vom Palast) sowie ein Rathaus.
Unter Herodes' Regierung hatte I. den Höhepunkt von Glanz und Pracht erreicht; aus jener Zeit besitzen wir die Schilderung des Josephus, nach welchem I. an 250,000 Einw. gezählt haben soll. Zwar hatte die Stadt schon damals enge und krumme Gassen wie heute, aber jene Prachtgebäude, die Mauern der Altstadt mit 60, die der nördlichen Vorstadt mit 14 Türmen gaben ihr ein imposantes Ansehen. Außerhalb (d. h. nördlich der Stadt) dehnten sich Villen und Gärten weithin aus. Dieser Teil wurde erst durch Herodes Agrippa 41-44 n. Chr. mit Mauern eingefaßt, die ¶
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wahrscheinlich den heutigen an jener Stelle entsprechen. So besaß J. eine dreifache Umwallung: die erste Mauer (Davids und Salomos) um Zion und Moria;
die zweite Mauer (erbaut von Hiskias etc., wiederhergestellt von Nehemia), welche das jene Hügel trennende »Käsemacherthal«, den Hügel Ophel (im S. des Tempels) und die untere Stadt (nördlich vom Millo) einfaßte, und die dritte Mauer (Agrippas), welche die Neustadt [* 11] oder Bezetha umgab und im NO. und NW. je einen mächtigen Eckturm und außerdem noch 88 kleinere besaß.
Für immer verlor J. seine politische Bedeutung 70 n. Chr., als infolge des allgemeinen Aufstandes der Juden gegen die Römer
[* 12] Titus vom April bis September die Stadt belagerte und schrittweise eroberte. Erst Kaiser Hadrian erbaute,
nachdem infolge eines neuen Aufstandes der Juden auch noch die letzten Reste niedergerissen worden waren, seit 130 an der Stelle
Jerusalems eine ganz neue Stadt als römische (Militär-) Kolonie
und nannte sie Älia Capitolina. Diese hatte
aber nicht den Umfang des alten J., indem der südliche Teil des Westhügels und der Berg Ophel davon ausgeschlossen blieben.
Die neue Stadt ward bloß mit Römern bevölkert, den Juden der Aufenthalt daselbst untersagt und an der Stelle des alten Jehovahtempels
ein Tempel des Jupiter Capitolinus erbaut. Von nun an erfuhr die Stadt, einige Neubauten von Kirchen, Klöstern
und Hospizen unter Konstantin d. Gr. und Justinian abgerechnet, im Altertum keine weitern Veränderungen; wohl aber führte
die Besitznahme
Jerusalems durch die Araber unter Omar 637, wonach die Stadt den Namen El Kuds (»das Heiligtum«) erhielt, dann
wieder die Eroberung durch die Kreuzfahrer 1099 und endlich die durch Saladin herbeigeführte Rückkehr
der Stadt unter mohammedanische Herrschaft 1187 vielfache Umgestaltungen herbei, wodurch J. nach und nach seine heutige Gestaltung
erhalten hat. In
[* 2]
^[Abb.: Plan des alten
Jerusalem]
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neuester Zeit ist die Topographie der alten Stadt durch die Nachgrabungen von de Saulcy, von Voguë, dem Palestine Exploration Fund und dem Deutschen Verein zur Erforschung Palästinas mehr und mehr klargelegt worden, nachdem man den stellenweise 25 m, an einem Ort sogar 40 m hoch aufliegenden Schutt hinweggeräumt hatte. Namentlich sind die großartigen Aquädukte und das mit denselben in Verbindung stehende, sehr umsichtig angelegte System von Zisternen und Kanälen deutlich erkennbar verfolgt worden. Eine dieser Wasserleitungen leitete Wasser bis zum Tempelplatz, eine andre in die obere Stadt. Unter den archäologischen Funden ist am interessantesten eine der von Josephus erwähnten Stellen, auf welcher Nichtjuden in zweisprachiger Schrift vor dem Betreten des innern Vorhofs gewarnt wurden.
Das jetzige
Jerusalem.
(Hierzu der Stadtplan, Beilage.)
J. ist gegenwärtig (seit 1872) Sitz eines Mutessarifs, der das bis dahin zur türkischen Provinz Syrien gehörige Paschalik J. (mit 292 Ortschaften, 24-30,000 Häusern und über 110,000 Einw.) unter sich hat, und gilt noch jetzt nicht nur den Christen und Juden, sondern auch den Bekennern des Islam als eine heilige Stadt. Es liegt 725-784 m ü. M. auf und an dem Abhang eines Kalkfelsens, der nur auf der Nordseite sanft ansteigt, sonst nach allen Seiten steil abfällt. Von den die Stadt umgebenden Bergen [* 14] ist der Ölberg, an der Ostseite, der höchste (828 m ü. M., 148 m über dem Kidron); an ihn schließt sich südlich der Berg des Ärgernisses (Dschebel Batn el Hawa), wo Salomo dem Moloch geopfert haben soll. Im S. liegt der Berg des bösen Rates, wo nach fränkischer Sage in einem Landhaus des Kaiphas die Kreuzigung Christi beschlossen worden sein soll.
Auf drei Seiten, gegen O., S. und W., ist J. von tiefen Thälern umgeben: im O. vom Thal Josaphat, das sich zwischen dem Ölberg und dem Berg Moria hinzieht, im W. und S. vom Thal Ben Hinnom, das sich mit jenem vereinigt. Ein drittes, weniger tiefes, von N. nach S. gerichtetes Thal, das Tyropöon oder Käsemacherthal, teilt die Stadt in eine westliche Hälfte (97 m über dem Kidron) und eine östliche mit den Höhen Moria und Bezetha. Die aus großen Werkstücken erbauten Mauern, welche von 34 viereckigen Türmen überragt werden, stammen aus der Zeit Sultan Solimans, messen etwa 4 km im Umfang und sind 12 m hoch.
Von sieben Thoren sind nur fünf im Gebrauch, nämlich das Damaskusthor im N., das Stephansthor im O., das Moghrebiner oder Mistthor und das Zionsthor im S. und das am meisten benutzte Jafathor im W. Die belebtesten Gassen sind die Suks oder Bazare, welche meist überwölbt sind, dann die zum Damaskusthor führende und die die Stadt etwa in der Mitte von W. nach O. durchschneidende Straße. Dadurch zerfällt J. in vier Quartiere (Haret), die nach den vorherrschenden Konfessionen [* 15] benannt werden: im O. das mohammedanische mit dem Tempelplatz (Haram esch Scherif), der sogen. Via dolorosa (s. unten), der Kaserne und der Amtswohnung des Paschas;
im NW. das christliche mit der Kirche des Heiligen Grabes, dem Hiskiasteich, den Wohnungen des lateinischen und griechischen Patriarchen, des evangelischen Bischofs, vielen Klöstern etc.;
im SW. das Quartier der Armenier, mit der Citadelle, einer zweiten Kaserne, der protestantischen Kirche und dem Jakobskloster, der Residenz des armenischen Bischofs;
endlich das Judenquartier, im Thal zwischen Zion und Moria, mit mehreren Synagogen.
Die Straßen sind eng, abschüssig und vielfach gebrochen, schlecht oder gar nicht gepflastert und voll Unrat. Häufig geht man durch dunkle, dumpfige Kellergewölbe und an Trümmern einstiger Prachtbauten vorüber. Die Häuser sind durchweg von Stein, aber klein und niedrig, meist mit Kuppeln gekrönt oder mit flachen Dächern versehen. Schmale, niedrige Thüren und Fensteröffnungen, die nur zum Teil mit Glastafeln, meist mit eisernen oder hölzernen Gittern geschlossen sind, geben den Häusern ein gedrücktes, gefängnisartiges Aussehen.
Verräucherte Kaffeeschenken, düstere Bazare und Sackgassen, stallartige Erdgeschosse, der Mangel an geräumigern Plätzen,
die Stille der meisten Straßen vollenden das trübselige Bild der Stadt, die, vom Ölberg oder von N. gesehen, sich sonst stattlich
genug ausnimmt. Erwähnenswerte öffentliche Gebäude weltlicher Bestimmung hat J., mit Ausnahme des
neuen österreichischen Pilgerhauses und der Citadelle, nicht aufzuweisen. Letztere zeigt, namentlich an dem viereckigen Hauptturm,
in gewaltigen Quadern Spuren hohen Altertums und ist sehr wahrscheinlich der Turm
[* 16] Phasael des Josephus, während die Tradition
in ihr den »Turm Davids« sieht. Das reichste und größte Kloster
Jerusalems ist das armenische Jakobskloster auf
dem (traditionellen) Berg Zion, das in seinen umfangreichen Gebäuden zur Osterzeit außer dem Patriarchen und den 180 Mönchen
mehrere Tausend Pilger beherbergen soll und außer Druckerei, Seminar etc. auch die verschwenderisch ausgestattete Kirche des
heil. Jacobus enthält.
[Heiligtümer.]
Die vornehmsten Heiligtümer
Jerusalems sind in der sogen. Via dolorosa (»Schmerzensweg«) vereinigt,
einer 1 km langen, vom Stephansthor zur Kirche des Heiligen Grabes hinführenden Straße, welche nach der aus dem 16. Jahrh.
stammenden Sage Jesus auf seinem Gang
[* 17] zum Tode durchwandelt haben soll. Zuerst liegt rechts eine moderne Kapelle der Lateiner,
die an der Stelle erbaut sein soll, wo die Kriegsknechte Jesus geißelten; links eine Kaserne, wo angeblich
einst das Prätorium, des Pilatus Wohnung, stand; weiter folgt der Platz, wo man Jesus das Kreuz
[* 18] auflegte.
Unweit davon ist die Straße von einem Bogen [* 19] überwölbt, worauf ein kleines Häuschen steht, nach der Legende die Stelle, wo Pilatus sein »Ecce homo« ausrief. Dann folgen die Stelle, wo Jesus, unter der Last des Kreuzes zusammenbrechend, sich an ein Haus gelehnt und da den Eindruck seiner Schulter zurückgelassen haben soll; die Stelle, wo er seine Mutter traf, wo ihm die heil. Veronika ihr Schweißtuch (s. d.) reichte, etc. Die letzten drei der 14 Stationen befinden sich in der Heiligen Grabeskirche selbst.
Vor dem Thor derselben ist ein mit Steinplatten gepflasterter Platz, wo Händler mit Wachslichten, Jerichorosen, Rosenkränzen etc. ihre Waren anpreisen. Die Fassade der Kirche hat zwei Portale, von denen das eine jetzt zugemauert ist, und darüber zwei jetzt ebenfalls fast ganz vermauerte Fenster mit flachen Spitzbogen. Das flache Dach [* 20] wird von einer großen und weiter zurück von einer kleinern Kuppel überragt, während sich zur Linken ein halb eingefallener Glockenturm erhebt. Jeder der verschiedenen Sekten gehören einzelne Teile des verzwickten Kirchen- und Kapellenkomplexes. Die erste Reliquie dieses »größten Reliquienschreins der christlichen Welt« ist eine rötliche Marmorplatte, auf welcher die Salbung des Gekreuzigten durch Joseph von Arimathia stattgefunden haben soll (der jetzige Stein datiert von 1808). Eine Treppe [* 21] zur Rechten führt von da nach Golgatha, ¶
Im Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910
Jerusălem
(lat. und grch. Hierosolyma; hebr.
Jeruschalēm, Jeruschalājim; auf Keilinschriften Ursalimmu, d. h. Wohnung des Friedens; arad. El-Kuds), die heilige Stadt
der Juden, Christen und Moslems in Palästina, Hauptstadt eines Verwaltungsbezirks der türk. Provinz Syrien, der unmittelbar
der Pforte in Konstantinopel
[* 22] untersteht, liegt in 790 m Höhe am Ende der Jaffa-Jerusalemer Eisenbahn (s. d.).
(Hierzu Plan: Das alte und das neue
Jerusalem.)
Das jetzige J. zählt (nach einer Schätzung von 1886) 33951 E., darunter 20000 Israeliten, 5500 Mohammedaner, 4600 Griechisch-Orthodoxe, 70 Griechisch-Unierte, 2200 Katholiken, 950 Evangelische sowie 450 armenische, 85 kopt., 56 abessin. und 40 syr.-jakobit. Christen. Gegenwärtig kann eine Gesamtzahl von 60000 E. (darunter 35-40000 Israeliten) angenommen werden, da die Zuwanderung von Israeliten fortdauert. Die stattliche Ringmauer, die ihre jetzige Gestalt dem Sultan Suleiman dem Prächtigen (1536-39) verdankt, steht im W., N. und O. der Stadt meist auf alten Grundlagen aus der jüd. Zeit, im S. dagegen läuft sie quer über den Rücken des Südwesthügels, der ursprünglich die Stadt J. trug (s. S. 901 b), und schließt den Südosthügel, den alten Zion, ganz aus.
Vielleicht geht dieser südl. Mauerlauf auf die Abgrenzung der Aelia Capitolina des Hadrianus zurück (s. S. 903 a.). Die Stadt hat 7 Thore, deren bekannteste das Jaffathor (arab. Bāb el-Chalil), das Damaskusthor (arab. Bāb el-Amud) und das Abd ul-Hamid-Thor sind. Seit der Beendigung des Krimkrieges 1856 ist in und bei J. viel gebaut worden. Im NW. der Stadt an der nach Jaffa führenden Straße ist eine Vorstadt mit zum Teil ansehnlichen Häusern entstanden, im SW. an der Straße nach Bethlehem seit 1873 die deutsche Kolonie der Templer.
Die Stadt selbst zerfällt in vier Quartiere, das Christenquartier im NW., das mohammed. Quartier im NO., das Judenquartier im SO. und das armenische Quartier im SW. Die Straßen sind eng, schlecht gepflastert und zum Teil überwölbt, nur die Christenstraße neben dem großen griech. Kloster und die 1889 neu angelegte Deutsche [* 23] Straße neben dem der preuß. Krone gehörigen Teile des Muristan (s. unten) zeichnen sich vorteilhaft aus. In den letzten Jahren ist jedoch eine bedeutende Verbesserung der Straßenpflasterung zu verzeichnen.
Die Häuser sind massive Steinbauten mit platten Dächern, die am Rande mit niedrigen Schutzmauern gegen Einblicke der Nachbarn versehen sind und nach der Mitte ein oder mehrere Kuppelgewölbe zeigen. Fromme Stiftungen, Klöster und kirchliche Gebäude nehmen mehr als den vierten Teil des ummauerten Stadtgebietes ein. Die Perle von J. ist der Haram esch-Scherif, «das vornehme Heiligtum», im O. der Stadt. Diese im N. von hohen Gebäuden, im W., S. und O. von hohen Mauren ^[korrekt: Mauern] umschlossene Fläche (1552 m) entspricht dem alten Tempelplatz und trägt auf einer erhöhten Plattform in der Mitte den vom Chalifen Abdulmelik (685-705) mit Hilfe christl. Architekten aufgeführten Prachtbau des Felsendoms (arab. Kubbet es-Sachra), den man früher fälschlich Omarmoschee nannte. Zwei Umgänge in Form eines Achtecks umschließen den innern Rundbau, der als eine Kuppel von 30 m Höhe und 20 m Durchmesser ¶
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den heiligen «Felsen» (es-Sachra) überwölbt. Dieser ist eine um etwa 1-2 m aus dem Boden des Baues hervorragende, 17,7 m lange und 13,5 m breite, ziemlich unebene Felsplatte, an die sich eine große Anzahl heiliger Sagen knüpft. Das Innere des Gebäudes zieren prächtige Glasmosaiken, das Äußere schöne Fayence- und Marmorplatten. Aus dem Alten Testament ist er nicht bekannt, sondern erst aus der jüd. Tradition (Targum und Talmud); es ist daher ungewiß, auf welche Stelle des jüd. Tempels man ihn beziehen soll, ob auf den Brandopferaltar oder auf die Stätte der Bundeslade. Am Südrande des Haram esch-Scherif erhebt sich die Moschee el-Aksa, d. h. der entfernteste Betort (von Mekka-Medina aus gerechnet, als die Araber Damaskus noch nicht besaßen), ein siebenschiffiger Hallenbau, ebenfalls von Abdulmelik erbaut.
Unter den arab. Bauten sind noch der Gerichtshof, el-Mehkeme, an der westl. Außenseite des Haram, aus der Türkenzeit das Armenhaus (et-Tekje) zu erwähnen, von den Christen gewöhnlich Helenaspital genannt. Über das Grab Christi und die Auferstehungskirche s. Heiliges Grab. Die Via dolorosa, «der Schmerzensweg» (Christi),
beginnt in der türk. Kaserne an der Nordwestecke des Haram esch-Scherif, die an Stelle der Antonia des Herodes (s. S. 902 b) sich erhebt und fälschlich für das «Richthaus» oder das Prätorium (s. S. 902 b) gehalten wird, und zählt bis zum Heiligen Grabe 14 Stationen. Die St. Annakirche nördlich vom Haram esch-Scherif, 1856 vom Sultan Abd ul-Medschid an Napoleon III. geschenkt und von den Franzosen erneuert, ist als wohlerhaltenes Bauwerk aus der Kreuzfahrerzeit bemerkenswert.
Die drei christl. Hauptkonfessionen in J., die griechisch-orthodoxe, die armenische und die römisch-katholische, haben große Klöster, Patriarchate, Hospitäler und Hospize. Die Russen haben von 1860 bis 1864 stattliche Bauten (Kathedrale, Konsulat, Hospital, Hospiz) an der Jaffastraße aufgeführt, und seitdem sind entstanden ein Aussichtsturm auf dem Ölberge, eine neue Kirche bei Gethsemane, ein Hospiz für Reisende besserer Stände in der Stadt gegenüber dem Muristan und ein anderes außerhalb der Stadt gegenüber der deutschen evang. Schule.
Die Casa-Nova der Franziskaner, das österr. Hospiz und das vom Verein der Katholiken Deutschlands [* 25] neu erbaute große deutsche kath. Hospiz (mit Kapelle und Schule), das deutsche Johanniterhospiz werden viel von Fremden benutzt. Die prot. Kirche ist vertreten durch drei Gemeinden, durch die deutsche mit einem Pastor und einem Hilfsgeistlichen, durch die anglikanische mit einem Bischof und einem Geistlichen und durch die arabische mit engl. Geistlichen und arab. Hilfsgeistlichen. An prot.
Anstalten verdienen in erster Linie genannt zu werden: Talithakumi, ein Erziehungshaus für Mädchen (Kaiserswerth) und das syr. Waisenhaus für Knaben (1860 von Schneller begründet);
ein deutsches (Kaiserswerth) Hospital, ein engl. Hospital für Israeliten, das Aussätzigenhaus Jesuhilf (Brüdergemeine) und das Kinderhospital (Marienstift) des Dr. Sandreczki. Am wurde unter der Protektion des Deutschen Kaisers der Grundstein zu einer deutschen evang. Kirche gelegt.
Reste aus den alten Zeiten J.s liegen in großer Anzahl nicht zu Tage. Starke Schuttlagen von 20 bis 30 m Tiefe verdecken am Kidron- und Tyropöonthal die Grundlagen der alten Bauten. Ausgrabungen sind bereits von dem English Palestine Exploration Fund und von dem Deutschen Verein zur Erforschung Palästinas unternommen worden; sie sind jedoch wegen des schweren Steinschutts sehr mühsam und können in umfassender und gründlicher Weise nur außerhalb des jetzigen Stadtgebietes ausgeführt werden.
Die berühmten Ringmauern des Haram esch-Scherif rühren in ihren untern Lagen in der Hauptsache vom Bau des Herodes her, so z. B. das durch die wöchentliche Klage der Juden über den Fall J.s bekannt gewordene Stück unweit der Südwestecke (Klagemauer) und das sog. Doppelthor mit dem unterirdischen Aufgang zum Haram unter der Aksamoschee. Die Wasserleitung, [* 26] die in die Stadt und zum Haram aus der Gegend südlich von Bethlehem noch jetzt Wasser bringen könnte, wenn sie von den Einwohnern Bethlehems nicht immer zerstört würde, um das Wasser in Bethlehem zu behalten, geht auf ein hohes Altertum, zum Teil vielleicht auf die Zeiten Salomos zurück.
Das Goldene Thor in der östl. Harammauer (vermauert) pflegt als ein Bauwerk Justinians angesehen zu werden. Die jetzige Citadelle (el-Kala) bezeichnet den nördlichsten Teil des Herodespalastes; zwei ihrer Türme ruhen auf den alten Grundlagen des Hippikus und Phasael («Davidsturm»). Mehrere Stellen des alten Mauerlaufs sind wieder gefunden worden. Eine große Anzahl von geräumigen Cisternen (auf dem Haram allein 35) und Teichen sind wegen der Wasserarmut der Stadt (s. Gihon) schon im Altertum in den Felsboden gehauen worden. Clermont-Ganneau fand 1870 eine der von Josephus erwähnten Tafeln, die in zweisprachiger Inschrift die Nichtjuden vor dem Betreten des äußern Tempelvorhofes warnten. Die 1880 zufällig entdeckte Siloahinschrift berichtet über die Herstellung des in Felsen gehauenen Siloahkanals (s. Siloah).
Die Geschichte J.s reicht ins hohe Altertum hinauf. Briefe eines Königs von Ursalimmu (Urusalim, d. i.
Jerusalem) an Amenophis III. von Ägypten (14. bis 15. Jahrh. v. Chr.), unter den Tafeln von El-Amarna (s. d.), bieten, soviel
bisher bekannt, die ältesten Nachrichten über J., das danach Sitz eines Königs unter ägypt.
Schutze war. In das Licht
[* 27] der Geschichte tritt aber J. auf die Dauer erst seit der Eroberung durch David
im 11. Jahrh. v. Chr. Das Gebiet der Jebusiter, dessen Hauptstadt J. damals war, trennte die nördl. Stämme Israels vom Stamme
Juda. Seine Unterwerfung ermöglichte sodann die Vereinigung beider Teile, wie sie durch das Volkskönigtum Davids beabsichtigt
und für die Dauer einiger Generationen auch erreicht wurde.
Die Lage der ältesten Stadt unterscheidet sich von der heutigen so, daß sich jene, wenn auch auf denselben Höhen im O. der Wasserscheide zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer, doch weiter südlich erhob und einen viel geringern Raum einnahm. Sie bestand aus zwei Teilen, der eigentlichen, wohl offenen Stadt J. und der Bergfeste Zion (s. d.). Jene lag auf einem 768 m hohen ziemlich breiten Rücken, der durch einen schmalen Sattel im NO. mit dem Plateau der Wasserscheide zusammenhängt, auf allen andern Seiten aber durch Thäler abgeschlossen ist: im W. und S. durch das Hinnomthal, im O. durch das jetzt stark verschüttete Tyropöonthal, im N. durch ein Seitenthal des letztern. Die Zionsfeste lag, entgegen der heute noch in weiten Kreisen verbreiteten Annahme, östlich der Stadt gegenüber, auf einer niedrigern und ¶
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schmalern Höhe (jetzt 690 m), die im W. und SW. durch das Tyropöonthal, im SO. und O. durch das Kidronthal und im N. wahrscheinlich ebenfalls durch eine (jetzt verschüttete) Schlucht abgeschnitten, also schwer zugänglich war, und beherrschte ferner die einzige immer fließende Quelle [* 29] J.s, den Gihon (s. d.), an ihrem Fuß im Kidronthal, aus beiden Gründen zu einer Zwingburg für die Umgegend vortrefflich geeignet. David machte die Zionsburg unter dem Namen Davidsstadt zu seiner Residenz.
Die Befestigung sowohl dieser als der Stadt J. vollendete Salomo und fügte auf der Ostseite eine dritte Höhe nördlich von der Davidsstadt hinzu, indem er dort die königl. Staats- und Wohngebäude nebst dem Tempel Jahwes erbaute. Diese dritte Höhe (jetzt 744 m) wird bei den Propheten und in den Psalmen vermöge einer Erweiterung des Sprachgebrauchs auch Zion genannt. Die Anbauten im N. der alten Salomonischen Mauer, der einzigen Seite, nach der eine Vergrößerung der Stadt möglich war, umschloß Hiskias mit einer neuen, der sog. zweiten Mauer.
Die Bewahrung J.s vor der Eroberung durch den assyr. König Sanherib (701 v. Chr.), der durch eine Abteilung seines Heers die Stadt eine Zeit lang beobachten (wohl nicht belagern) ließ, hob ihr Ansehen als heilige, den Heiden unzugängliche Wohnung Jahwes bedeutend und trug mit dazu bei, daß der Tempel in J. durch die Kultusreform des Josia (s. d.) zu dem einzigen rechtmäßigen Heiligtum Jahwes im Reich Juda bestimmt wurde. Doch schon 597 v. Chr. mußte J. dem König Nebukadnezar von Babel seine Thore öffnen und seinen König Jojachin mit den angesehensten Bewohnern
in die Gefangenschaft nach Babel wandern sehen. Die Belagerung wiederholte sich 588 und endete nach 1 ½ Jahren 586 mit der Zerstörung. Durch zwei größere aus Babel heimkehrende Züge, etwa 120000 Seelen im J. 537 und etwa 1600 Männer im J. 458, wurde die Stadt neu besiedelt. Von 520 bis 516 wurde durch Serubabel, einen Nachkommen Davids, der Tempel wiederhergestellt. In seiner Nähe ließen sich Priester und andere Beamte des Heiligtums nieder; die mit dem Salomonischen Tempel verbunden gewesenen königl. Staats- und Wohngebäude wurden jedoch nicht erneuert.
Erst dem Mundschenken des Königs Artaxerxes Langhand (464-424), Nehemia mit Namen, gelang es 444 v. Chr., die Ringmauer der bis dahin zum Teil offenen Stadt neu zu bauen. Ihr Lauf entsprach der zweiten Mauer des Hiskias (s. oben) und der übrigen Ringmauer im W., S. und O. der Stadt. Zum Schutze des Tempels war nördlich davon neben der Stadtmauer die «Bira (Burg) am Tempel» (Nehem. 2, 8) gebaut worden. Wenn auch mit dieser neuen Befestigung J.s ein wichtiger Schritt zur Sicherung und Hebung [* 30] der Stadt geschehen war, so konnte doch von einem neuen Aufblühen keine Rede sein.
Von den weitern Schicksalen der Stadt unter der pers. (538-330) und griech. Oberhoheit ist fast nichts bekannt. Der Besuch J.s durch Alexander d. Gr. 332 ist nicht unmöglich, aber jedenfalls von Josephus (Jüd. Altertümer XI, 8, 5) kräftig ausgeschmückt. Nachdem J. im mehrfachen Wechsel bald den ptolemäischen Königen von Ägypten, bald den seleucidischen Herrschern von Syrien unterthan gewesen war, kam es 198 v. Chr. dauernd unter die Herrschaft der letztern, gegen die es im 2. Jahrh. v. Chr. unter der Führung der Makkabäer oder Hasmonäer den großartigen Kampf zur Abwehr der Hellenisierungsversuche bestand. 170 und 168 erschien Antiochus IV. Epiphanes in J., suchte durch blutige Grausamkeit jeden Widerstand einzuschüchtern, ließ die Mauern niederreißen, den großen Brandopferaltar vor dem Tempel in einen heidn.
Altar [* 31] umwandeln und dort dem olympischen Zeus [* 32] opfern («Greuel der Verwüstung», Dan. 11, 31;. 12, 11; richtig der «entsetzliche Greuel») und die alte Davidsstadt (s. oben) zu einer starken Burg umbauen, deren syr. Besatzung seine Macht über J. für alle Fälle sichern sollte. Aber schon 165 ergriff Judas Makkabi wieder Besitz von J., reinigte den Tempel vom Götzendienst und befestigte den Tempelberg. Nach mehrfachem Wechsel des Kriegsglücks gelang es erst Simon Makkabi, 142 v. Chr. die Burg der Syrer zu erobern und damit Herr der ganzen Stadt zu werden.
Über die Lage dieser Burg, Akra genannt, ist viel gestritten worden. Nach 1 Makk. 1, 33;. 2, 31 u. a. war sie an Stelle der alten Davidsstadt erbaut, lag also südlich vom Tempel auf dem alten Zion (s. d.). Dafür spricht auch der Umstand, daß Josephus den Stadtteil Akra, der offenbar nach der später wahrscheinlich abgetragenen Burg Akra benannt war, zwischen dem Tempelplatz und der Quelle Siloah (s. d.) gelegen sein läßt. Johannes Hyrkanus I. baute die Burg Bira (s. oben) oder Baris zu seiner Wohnung aus; auch gab es einen Palast der Makkabäer in der Oberstadt.
Pompejus mischte sich 63 v. Chr. in den Streit der makkabäischen Brüder Hyrkanus II. und Aristobul II. und leitete durch Eroberung des Tempelberges die röm. Oberherrschaft über J. ein. Durch Herodes d. Gr. gelangte J. zu neuer Blüte. Vom röm. Senat zum König von Judäa erklärt, eroberte er mit Hilfe eines röm. Heers J., das er namentlich 25-13 v. Chr. durch großartige Bauten verschönerte. Schon zur Zeit des Antonius hatte er die Burg nördlich vom Tempel umgebaut und Antonia genannt.
Ein Theater und Amphitheater, vielleicht auch ein Hippodrom, zierten die Stadt, die damals in die Oberstadt (Südwesthügel, das alte J.), Unterstadt oder Akra (Südosthügel, einst Zion oder Davidsstadt), den Tempelplatz und in die Vorstadt westlich vom Tempel und nördlich von der Oberstadt zerfiel. An der Nordwestecke der Oberstadt baute Herodes einen prächtigen Palast, dessen Ringmauern und Türme (Hippikus, Phasael und Mariamme) zum Teil mit der Stadtmauer zusammenfielen. Zu besonderm Glanze erneuerte er den Tempel, dessen Bezirk auf 6 Stadien (= 1100 m) erweitert und durch mehrere Brücken [* 33] mit den westl. Stadtteilen verbunden wurde. Der Umbau begann 20-19 v. Chr., wurde jedoch erst 62-64 n. Chr. vollendet. Nach der Zeit des Archelaus (4 vor bis 6 n. Chr.) entstand im N. der bisherigen Stadt ein neuer Stadtteil, die Neustadt mit dem Bezeta-(Bethzetha-)Hügel, den der König Agrippa I. (41-44 n. Chr.) mit einer neuen, der «Dritten» Mauer J.s zu umschließen begann, die jedoch erst zu Beginn des jüd. Aufstandes 66 n. Chr. vollendet wurde.
Das Zeitalter der Herodäer umfaßt die größte Blüte der Stadt, die nach einigen Angaben des Josephus damals vielleicht mehr als 200000 E. gehabt hat, bei einem Umfang von 33 Stadien = 6,3 km. Zu den aus dem Leben Jesu, der diese Stadt sah, bekannten Örtlichkeiten in oder bei J. sei Folgendes bemerkt: Das «Richthaus» (Joh. 18, 28). oder das Prätorium war die Wohnung der röm. Landpfleger in J., nämlich der ehemalige Palast ¶