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|Name||Rosa Yassin Hassan|
|Datum||Montag, 17. Juli 2017, 14.00 h|
An dem Tag, an dem ich in der Schweiz ankam, in einer kleinen Stadt, die wie ein Traum am Rhein liegt und Stein am Rhein heißt, habe ich meine kalte nördliche Stadt Hamburg verlassen, während sie gebrannt hat und in deren Zentrum die wütenden Demonstranten gegen den G20-Gipfel auf vielen Straßen und Gassen der Stadt unterwegs waren, der Himmel mit dem Rauch kontaminiert und überall Geräusche der Polizei- und Krankenwagen.
Für eine Weile habe ich mich in die Vergangenheit, in die Zeit vor vier Jahren, zurückversetzt gefühlt, als ich mit meinem Kind meine Stadt Damaskus verließ und meine Flucht nach Deutschland anfing. Ich habe Damaskus damals auch verlassen, während es in allen vier Richtungen gebrannt hat. Das war eine Abrechnung mit der Freiheit und Demokratie, welche die Damaszener gefordert haben. Der Unterschied besteht aber darin, dass ich damals das heiße Damaskus in Richtung kalte Länder verließ, die mich mit starkem Wind begrüßt haben. Ich habe aber diesmal meine kalte Stadt in Richtung einer heißen Stadt verlassen, die mich glauben ließ, dass ich Europa verlassen hätte und in kurzer Zeit in einem Land im Nahen Osten angekommen worden wäre! Stein am Rhein ist heiß wie eine orientalische Frau ( aus „Tausendundeiner Nacht“).
Eine Stadt aus der Geschichte wie ein archäologisches Objekt in einem modernen Museum. Nass wie ein Sommernachmittag unter der Rebe. Sehr nett, wie eine schöne alte Frau ihre Enkelkinder begrüßt, die sie besuchen!
„Guten Tag“. Eine fremde Frau hat mich angesprochen, die sommerliche
Shorts und eine rosa Bluse trag, als ich vom Bus ausgestiegen bin. Sie
wartete auf jemanden! Ich konnte nicht sofort antworten, vielleicht
konnte sie die Überraschung in meinem Gesicht bemerken!
Ich, die ich aus einer großen Stadt komme, einer Grossstadt, in der ich vier Jahre verbracht habe, und wo niemand mich auf der Straße grüßt. Die Hälfte meiner Nachbarn grüßt mich auch nicht! Auf den ersten Blick fühlte ich mich wie in meinem grossen Dorf, in dem die Menschen, schon wegen der Begrüßung, miteinander auf den Gassen keine Langeweile haben.
Die alten Gebäude, über deren Türen das Baujahr geschrieben war, wie Schmuck, waren voll von den Geistern der Menschen, die vor hunderten von Jahren da wohnten. Die Straßen waren auch voll von den Geistern, und man kann sie über dem Fluss klar sehen, über dem Bodensee, im Haus Chretzeturm auch, wo ich blieb, wo ich die alten Erinnerungen nachempfinden konnte.
Eine Stadt ohne Erinnerungen kann nicht Stadt heißen! „Eine Stadt für das Gedächtnis ist diese Stadt!“ sagte ich zu meinem Freund Ahmad, während wir in das Schaufenster eines Geschäfts geschaut haben. Die Auslage war voll von traditionellen Geschenken, bei denen wir nicht daran denken konnten, ein Stück zu kaufen, weil der Vergleich zwischen den niedrigen Preisen in Deutschland und den sehr hohen Preisen in der Schweiz Kopfschmerzen macht.
In diesem Moment kam die Verkäuferin aus dem Geschäft, und hat mich auf Schweizerdeutsch gefragt: Woher kommt ihr? Wo wohnt ihr? Warum seid ihr hier?
Ich lachte, aber nicht überrascht, dass eine fremde Frau mir solch viele Fragen stellte, weil ich hier in dieser Stadt die Erinnerungen treffe, die Liebe und Sehnsucht in mir erwachen lassen.
Als ich ihr antwortete, dass ich wieder nach Stein am Rhein komme, sagte sie mit einem Lächeln: „Komm mich besuchen, ich unterhalte mich gerne mit fremden Menschen.“ „Versprochen“, sagte ich, bevor wir Stein am Rhein verließen, den Kopf voll von wunderbaren Bildern, grüner Farbe mit Blau, einem geliebten schweizerdeutschen Akzent, einem Geräusch der abfahrenden Schiffe, den lächelnden Gesichtern, und mit einem Überfluss von Erinnerung und Sehnsucht!