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«Brandheisse» Forschung für vielseitige Textilien
Die Stoffe der Zukunft nehmen Schweiss auf, ohne nass zu werden und schützen Feuerwehrmänner vor Verbrennungen.Weiterlesen … «Brandheisse» Forschung für vielseitige Textilien
Der Biber lebt erst seit Kurzem wieder in der Schweiz, hat die Landschaft jedoch in dieser Zeit bereits verändert und geprägt wie kaum eine andere Tierart. Das führt zu verwunschenen Traumlandschaften und einer grösseren Artenvielfalt, birgt aber auch Konfliktpotenzial.
Der Europäische Biber (Castor fiber) ist mit einer Körperlänge von bis zu 135 cm (inklusive Schwanz) das grösste Nagetier Europas. Biber leben im Normalfall monogam, das heisst, Männchen und Weibchen verbringen ihr ganzes Leben zusammen. Biber sind semiaquatisch, sie verbringen also einen Teil ihrer Zeit im Wasser, bewohnen jedoch auch dessen Uferbereiche. Das Wissen um diese Lebensweise ist entscheidend, wenn man verstehen will, wie Biber Einfluss auf die Landschaft nehmen.
Bis ins 19. Jahrhundert war der Biber in der Schweiz weit verbreitet. Langsam fliessende Gewässer und unverbaute Ufer, die sich zum Graben eignen: Die fluss- und seenreiche Schweiz bot für die Tiere geeigneten Wohnraum zuhauf. Die Jagd nach seinem wertvollen Pelz, seinem angeblich schmackhaften Fleisch und dem Bibergeil, auch Castoreum genannt (siehe Highlight-Box), führten jedoch zur Ausrottung des Bibers in der Schweiz. Dank Wiederansiedlungsmassnahmen (Aussiedlungen, Renaturierungen von Flüssen und Auenlandschaften) in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich die Population der Nager hierzulande nun von anfänglich 140 ausgesetzten Tieren wieder auf beinahe dreitausend erhöht. Inzwischen zählen sie die Ufer aller grösseren Flüsse wieder zu ihrem Lebensraum. Vom Aargau aus wandern der Limmat entlang inzwischen sogar Biber bis auf die Werdinsel in der Stadt Zürich. Obwohl die Wiederansiedlung des Bibers in unserer Landschaft gefördert wird, die Tiere durch das Schweizer Jagdgesetz Schutzstatus geniessen und nicht gejagt werden dürfen und die Zerstörung ihrer Dämme und Bauten ebenfalls verboten ist, ist das Zusammenleben von Biber und Mensch auch heute nicht unproblematisch.
Wie kaum eine andere Art gestaltet der Biber die Landschaft, in der er zu Hause ist. Mit seinen eindrucksvollen Dämmen staut er Fliessgewässer und wandelt so Flüsse und die an sie angrenzenden Bereiche in Stauseen um. Auch gräbt er Höhlen in die Uferböschung und fällt Bäume, die er für seine Bauwerke benötigt.
Die eindrucksvolle Arbeit des Bibers freut aber nicht alle. Vor allem für Forst- und Landwirtschaft verursacht die Aktivität des Bibers Schäden: gefällte Bäume, Staunässe in Forstkulturen und auf Feldern und zerstörte Hochwasserschutzanlagen sind nur einige Beispiele. Der grösste Bibersee in der Schweiz befindet sich in Marthalen im Kanton Zürich, wo die Tiere durch das Stauen eines kleinen Baches die Landschaft auf grosser Fläche beeindruckend verändert haben. Ein Bericht von Schweiz aktuell aus dem Jahr 2012 zeigt die verwunschene Biberlandschaft.Doch auch in Gewässernähe liegender Privatbesitz oder Sportanlagen können betroffen sein.
Trotz dieser Konflikte ist der Schutz des Bibers in der Schweiz unbestritten. Ihr Bestand hierzulande ist immer noch klein und ihr längerfristiges Überleben nicht gesichert. So wird der Biber auf der Roten Liste auch weiterhin als critically endangered eingestuft, das heisst, er gilt nach wie vor als vom Aussterben bedrohte Art. Diese Liste ist von 1994, als die Biberpopulation in der Schweiz noch um einiges kleiner war. Die Fortschritte im Biberschutz in den letzten Jahren könnten dazu führen, dass der Biber auf der nächsten Ausgabe der Roten Liste als vulnerable, also als verletzlich eingestuft wird. Was dem Biber in seinem Kampf ums Überleben auf jeden Fall zugute kommt, ist sein Status als national prioritäre Art: Dank der Auswirkung seiner Stau-, Fäll- und Grabaktivitäten auf die Biodiversität geniesst der Biber in der Schweiz zusätzlichen Schutz.
Wasserfrosch, Teichrohrsänger und die gebänderte Prachtlibelle sind nur einige Tierarten, die direkt auf das Vorhandensein des Bibers angewiesen sind. Durch seine Umgestaltung der Landschaft entstehen neue Lebensräume, die Veränderungen im Habitat schaffen Nischen für Arten, für die der Lebensraum unter den vorherigen Bedingungen nicht gegeben war. Die gleichen Prozesse führen auch zu einer erhöhten Artenvielfalt in der Pflanzengesellschaft einer Landschaft. So gehören beispielsweise das Mädesüss und die Kohldistel zu den Arten, die auf den feuchten Biberwiesen gut gedeihen.
Die Bemühungen für das Überleben des Bibers in der Schweiz sind gross. So koordiniert die Biberfachstelle in Neuenburg seit 1996 das Wissen über die hiesigen Biberpopulationen, der Bund ermutigt Waldbesitzer und Landwirte zu präventiven Massnahmen, um Konflikte und Schäden vorzubeugen, und neben WWF und ProNatura bemühen sich auch verschiedene regionale Naturschutzorganisationen und Vereine um das Wohlergehen des Riesennagers. Eine Biberausstellung im Naturmuseum, Exkursionen in vom Biber gestaltete Landschaften, der Aufbau von Biberlehrpfäden oder Flussrenaturierungen und Aufwertungen von Gewässerufern sind nur einige Anstrengungen, die der Mensch in diesem Zusammenhang unternimmt. Daneben profitiert der Biber davon, dass seine natürlichen Feinde Luchs, Wolf und Braunbär bislang immer noch ausgestorben oder nur in kleiner Zahl vorhanden sind. Die Chancen stehen damit gut, dass die positiven Nachrichten in Sachen Biber anhalten und aus dem Wiederansiedlungserfolg Biber ein Bewohner und Gestalter unserer Landschaft wird, mit dem längerfristig zu rechnen ist. Beeindruckende Auenwälder und verwunschene Traumlandschaften, aber auch gefällte Bäume und überschwemmte Felder: Vielerorts lohnt es sich, diese Veränderungen in Kauf zu nehmen. Nur planbar sind die Renaturierungsmassnahmen des Bibers eben nicht ...
Das Bibergeil oder Castoreum ist ein Sekret, mit dem der Biber sein Revier markiert und sein Fell pflegt. Es war einer der Hauptgründe für die Biberjagd. Bis ins 19. Jahrhundert wurde dem Bibergeil medizinische Wirkung nachgesagt. Castoreum fand unter anderem Einsatz als Mittel gegen Epilepsie und hysterische oder krampfartige Anfälle. In der heutigen Medizin kommt die Substanz nur noch in der Homöopathie zur Anwendung. Allerdings ist der Zusatz von Castoreum in Nahrungsmitteln in den USA zugelassen. Es kommt dort als „natürliches Aroma“ für Himbeer-, Vanille- und Erdbeergeschmack zum Einsatz. Auch ein norwegisches Schnapsgetränk wird mit Bibergeil aromatisiert. Zudem gibt es Parfums, die Castoreum enthalten und vermutlich die angeblich erotisierende Wirkung ausnutzen wollen.