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Das Teatro Municipal (Staatstheater) von Rio de Janeiro befindet sich im ehemaligen Kino-Zentrum der Stadt, das man sinnigerweise “Cinelândia“ genannt hat – am Platz Marechal Floriano. Es wurde gegen Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut und ist eins der schönsten und bedeutendsten Theater Brasiliens. Die Verantwortung für seine Geschäftsführung obliegt der “Fundação Theatro Municipal do Rio de Janeiro“, einer Abteilung des staatlichen Kultursekretariats, unter Vorsitz seiner Präsidentin Carla Camurati (seit 2007) – künstlerischer Direktor Roberto Minczuk und operationale Direktion Sonja Dominguez de Figueiredo França.
Historische Hintergründe
Die schauspielerische Aktivität befand sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Rio de Janeiro auf einem Höhepunkt. Und die Stadt hatte keinen Saal zu bieten, welcher dieser Nachfrage und der Bedeutung Rios als Hauptstadt des Landes auch nur einigermassen gerecht werden konnte. Seine beiden Theater, das “São Pedro“ und das “Lírico“ wurden wegen ihrer mangelhaften Installationen sowohl vom Publikum als auch von den in ihnen agierenden Schauspielern kritisiert. Nach der Ausrufung der Brasilianischen Republik (1889) leitete der Theaterautor Arthur Azevedo im Jahr 1894 eine Kampagne ein, welche die Neukonstruktion eines Theaters mit Sitz einer städtischen Kompanie zum Ziel hatte, nach dem Vorbild der Comédie-Française. Jedoch, in diesen bewegten Tagen erreichte die Kampagne lediglich einen Erlass der Stadtverwaltung, welcher den Bau eines Stadttheaters festlegte. Aber dieser Erlass wurde nicht befolgt – obwohl man eine Steuerabgabe einführte, um das Werk zu finanzieren. Festzustellen, dass die Einnahmen dieses neuen Tributs niemals für den Bau des Theaters verwendet wurden!
Bis zur Morgendämmerung des 20. Jahrhunderts mussten die Bürger warten, als die Errichtung des Theaters zum Symbol eines republikanischen Projekts für die damalige Hauptstadt Brasiliens avancierte. Zu jener Zeit leitete der damalige Bürgermeister Pereira Passos eine grosse Modernisierung des Stadtzentrums ein – ab 1903 erweiterte man die Avenida Central (sie heisst heute Avenida Rio Branco) – nach dem Vorbild der Pariser Boulevards, gesäumt von herrlichen Exemplaren eklektischer Architektur.
In diesem Zusammenhang veranstaltete man auch einen Wettbewerb für die Konstruktion eines neuen Theaters – daraus ging siegreich hervor das Projekt des Francisco de Oliveira Passos (Sohn des Bürgermeisters), der von dem Franzosen Albert Guilbert unterstützt wurde, sowie mit einer Zeichnung von Charles Garnier, inspiriert an der Òpera de Paris.
Das Gebäude wurde im Jahr 1905 begonnen – auf einem Unterbau von 1.180 Holzbalken, welche in den Boden bis unter den Grundwasserspiegel eingerammt wurden. Für die Dekoration des Gebäudes berief man die bedeutendsten Maler und Bildhauer jener Epoche, wie zum Beispiel Eliseu Viscont, Rodolfo Amoedo und die Gebrüder Bernadelli. Ausserdem rekrutierte man europäische Kunsthandwerker, deren Aufgabe es war, die Vitreaus und Mosaiken zu gestalten.
Endlich, viereinhalb Jahre später – eine Rekordzeit für ein solches Werk, das im Schichtwechsel von 280 Arbeitern in zwei Schichten erstellt wurde – am 14. Juli 1909 wurde das Gebäude vom damaligen Präsidenten der Republik, Nilo Peçanha, als “Teatro Municipal do Rio de Janeiro“ eingeweiht. Der Bürgermeister der Stadt war damals Serzedelo Correia.
Das Theater war ursprünglich für 1.739 Zuschauer konzipiert worden – als man dann 1934 feststellte, dass es für die wachsende Bevölkerung der Stadt zu kein sei, erweiterte man die Kapazität des Saals auf 2.205 Plätze. Diese Reform, obwohl komplex, wurde in nur drei Monaten ausgeführt – ebenfalls in Rekordzeit für jene Epoche. Später erreichte man, durch ein paar Veränderungen, die noch heute gültige Anzahl von 2.361 Plätzen.
1975 – am 19. Oktober – schloss das Theater seine Türen erneut wegen Restaurierungs- und Modernisierungsarbeiten bis zur Wiedereröffnung am 15. März 1978. Im gleichen Jahr gründete man die “Technische Produktionszentrale“, welche ab sofort für sämtliche Spektakel des Hauses verantwortlich war.
1996 begann man mit der Errichtung eines Anschlussgebäudes, um das Theater hinsichtlich seiner Proben für die verschiedenen Aufführungen zu entlasten – denn durch die dichte Programmierung während des gesamten Jahres war das Theatergebäude für die grosse Anzahl von Proben zu klein geworden – ausserdem fehlte es an Platz für die Unterbringung der Schauspieler in würdigen Umkleide- und Schminkräumen vor einer Aufführung. Durch das Anschlussgebäude erhielten Chor, Orchester und Ballet neue Proberäume und Platz für ihr künstlerisches Training.
In den Anfängen präsentierten sich im neuen Theater nur ausländische Schauspieltruppen und Orchester – vorzugsweise Italiener und Franzosen – bis dann im Jahr 1931 das Symphonieorchester von Rio de Janeiro gegründet wurde. Unter den illustren Persönlichkeiten, die sich mit ihm präsentierten, sind so berühmte Namen wie Maria Callas, Renata Tebaldi, Arturo Toscanini, Sarah Bernhardt, Bidu Sayão, Eliane Coelho, Heitor Villa-Lobos, Igor Stravinsky, Paul Hindemith, Alexander Brailowsky und andere. Heute beherbergt das Haus das “Orquestra Petrobras Sinfônica“ und das “Orquestra Sinfônica Brasileira“ und das Programm besteht hauptsächlich aus Tanzdarbietungen und klassischer Musik.
Kunstwerke
Das Theater von Rio de Janeiro präsentiert Werke der renommiertesten brasilianischen Künstler während seiner Konstruktionsepoche. Gemälde von Eliseu Visconti, Henrique Bernardelli und Rodolfo Amoedo, sowie Skulpturen von Rodolfo Bernardelli.
Eliseu Visconti war der eigentliche Dekorateur des Theaters, von ihm stammen sämtliche Gemälde im Theatersaal: der majestätische Bühnenvorhang (die grösste jemals in Brasilien bemalte Leinwand), der Plafond über dem Zuschauerraum und das Fries über der Bühne. Ebenfalls von ihm sind die Gemälde im Foyer des Theaters (Decke und laterale Painele), sie werden als Spitzenwerke dekorativer Kunst Brasiliens betrachtet.
Rodolfo Amoedo hat seinerseits acht Gemälde an den lateralen Wänden der Rotunden des Foyers ausgeführt – und die Malerei der Decken zweier Rotunden stammt von Henrique Bernardelli.
Das “Restaurant Assirius“, im Untergeschoss des Theaters, präsentiert eine weitere Exklusivität: eine Dekoration in assyrischem Stil.
Reformen
Zur 100-Jahrfeier des Stadttheaters von Rio de Janeiro wurden weitreichende Reformen eingeleitet, welche den Original-Stil des Theaters wiederherstellen sollten. Dafür hat die Stadt 70 Millionen Reais in die Restaurationsarbeiten investiert, die mehr als 900 Tage in Anspruch nahmen. Um die originale Vergoldung wieder herzustellen, wurden Tausende von Goldfolien à 23 Kilo aus Deutschland importiert, welche nun Details der Fassade und der Kuppel schmücken – so wurde es vom Kultursekretariat der Stadt Rio de Janeiro mitgeteilt.
Die Bühne erhielt einen Lift speziell für den Flügel (um zu verhindern, dass das gute Stück unter dem Hin- und Hertransport litte), und sämtliche im Szenarium benutzte Ausrüstung wird von nun an durch eine Software kontrolliert, welche von demselben österreichischen Unternehmen installiert wurde, das auch das Theater “La Fenice“ in Venedig und die Staatsoper von Berlin ausgerüstet hat.
Die Restaurierung der Wände enthüllte Werke, die vor 80 Jahren entstanden waren und später von Reformen überdeckt wurden. Und eine weitere Überraschung war die Entdeckung eines Geheimgangs. Das Theater wurde wiedereröffnet mit 219.000 Goldfolien und 57 Tonnen Kupfer – ausserdem mit 1.500 neuen Leuchtern und mehr als 5.000 Glühbirnen.
Die Wiedereröffnung fand am 27. Mai 2010 in Gegenwart des Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, dem Kulturminister Juca Ferreira, dem Gouverneur von Rio, Sérgio Cabral Fílho und dem Bürgermeister der Stadt, Eduardo Paes, statt.