Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03574.jsonl.gz/808

Für konfliktscheue Personen kann es bei bevorstehenden Auseinandersetzungen auf der Arbeit schwierig werden. Viele Fragen schiessen einem durch den Kopf: Ist eine Diskussion wirklich notwendig? Wie überzeuge ich mein Gegenüber? Wie drücke ich mich richtig aus?
Autor und Influencer Travis Bradberry hat für «Forbes» eine Liste von Tipps aufgestellt, die bei Konflikten auf der Arbeit helfen sollen, um selbstbewusst aufzutreten und zu überzeugen.
Schweigen löst keine Probleme
Niemand mag Konflikte. Sie nicht anzusprechen und im Raum stehen zu lassen ist aber ein Fehler, den man unbedingt vermeiden sollte. «Wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die Dinge hässlich werden könnten, ist es manchmal schwierig die Motivation aufzubringen um die eigene Meinung auszusprechen», schreibt Bradberry.
Motivieren kann man sich trotzdem, indem man daran denkt, welche Folgen das Schweigen hätte. Meistens lohnt es sich, einen Konflikt aufkommen zu lassen und die Probleme aus dem Weg zu räumen, bevor sie sich zu etwas viel Grösserem entwickeln, als sie eigentlich sind.
«Und» anstelle von «aber» sagen
«Der einfache Akt, das Wort ‚aber‘ mit ‚und‘ zu tauschen, macht den Konflikt viel konstruktiver und kolaborativer», so Bradberry. Man sagt: «Ich verstehe, dass Sie das Geld für Marketingzwecke nutzen möchten, aber ich denke, wir sollten einen neuen Mitarbeiter einstellen.» Falsch! Stattdessen sollte man lieber so etwas sagen wie: «Ich verstehe, dass Sie das Geld für Marketingzwecke nutzen wollen, und ich glaube, wir müssen einen neuen Mitarbeiter einstellen.»
Ein kleiner Unterschied mit grosser Wirkung: Man lässt die Meinung des Gegenübers gelten anstatt sie zu übergehen und bringt gleichzeitig die eigene Meinung ein. So fühlt sich niemand auf den Schlips getreten und man steht dem eigenen Vorschlag offener gegenüber.
Keine Ausdrücke wie «Sie sind immer» oder «Sie machen nie» benutzen
Denn das stimmt schlichtweg nicht, so Bradberry. «Niemand macht immer oder nie etwas. Menschen sehen sich nicht als eindimensional, deswegen sollte man sie nicht als solches definieren.» Bei Aussagen dieser Art fühlt man sich schnell angegriffen und nimmt eine Abwehrhaltung ein, die für eine Diskussion nicht förderlich ist.
So macht man es besser: Bleiben Sie bei den Fakten. Ist es tatsächlich so, dass die Person den gleichen Fehler immer wieder tut? Dann könnte man laut Bradberry immer noch etwas in der Richtung von «Es wirkt, als würden Sie das öfters tun» sagen. So stellt man die Person nicht direkt an den Pranger, sondern bleibt so sachlich wie möglich.
Hypothesen benutzen
Wie bereits beschrieben sollte man nicht dem Gegenüber auf den Schlips treten und ihm das Gefühl vermitteln, dass man nichts von seiner Idee hält — selbst wenn man es insgeheim denkt. Indem man Hypothesen nutzt, kann man sich auf eine ‚angenehme‘ Art und Weise behaupten.
Sätze wie «Ihre Idee wird nicht funktionieren, weil Sie nicht darauf geachtet haben, wie das Team arbeitet» sind der falsche Weg, das Problem anzugehen. Bradberry empfiehlt eine hypothetische Idee wie: «Wie denken Sie denn, dass unser Team mit dieser Idee umgehen wird?» So zeigt man nicht direkt mit dem Finger auf das Problem, sondern bringt dem Gegenüber dazu, nochmal die Idee zu überdenken und selbst Fehler zu entdecken. Ausserdem gibt man der Person die Chance, ihre Idee zu verteidigen. Wer weiss, vielleicht kann sie einen ja doch überzeugen.
Sich in den Gesprächspartner hineinversetzen
Selbst wenn man eine völlig andere Meinung vertritt, sollte man die Position und Motivation des Gegenübers nachvollziehen können. Wenn er oder sie bei einem nur auf Unverständnis trifft, wird man sich nicht einig werden. Bradberrys Tipp: Stellen Sie schlaue Fragen. «Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden? Was wollen Sie damit sagen? Können Sie mir helfen, es besser zu verstehen?» So schafft man Vertrauen und stimmt den Gesprächspartner wohlwollender — und entschärft den Konflikt.
Nicht nur das Problem nennen, sondern Lösungen vorschlagen
«Menschen mögen es nicht, wenn sie das Gefühl haben, dass man ihre Idee von Anfang an auseinandernimmt», so Bradberry. Besser sei es, eine Lösung anzubieten. Damit zeigt man, dass man kooperieren möchte und gemeinsam eine Lösung finden will.
Viel besser seien Sätze wie: «Ein potenzielles Problem, das ich mit Ihrer Idee sehe, ist... Aber ich denke, dass wir dieses Problem lösen können, wenn wir einen Weg finden, wie wir...»
Man muss nichtmal eine konkrete Lösung finden — es genügt, wenn man zeigt, dass man dazu bereit ist, gemeinsam daran zu arbeiten.
Noch wichtiger als Selbstbewusstsein sei aber die emotionale Intelligenz, schreibt Bradberry weiter. Wer die Gefühle seines Gegenübers analysieren und interpretieren kann, kann sich besser auf ihn abstimmen und dementsprechend seine Ansprache verändern.