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Folgende Aussage von Konfuzius ist mir letzthin begegnet:
‚Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist;
ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen die Werke nicht zustande;
kommen die Werke nicht zustande, so gedeihen Moral und Kunst nicht;
gedeihen Moral und Kunst nicht, so trifft die Justiz nicht;
trifft die Justiz nicht,
so weiss das Volk nicht,
wohin Hand und Fuss setzen;
also dulde man keine Willkür in den Worten.‘
Anders: sei dir über die Bedeutung deiner Worte (und Gedanken) im Klaren und verwende nur jene, die deiner Absicht entsprechen. Sei dir bewusst, dass Worte (und Gedanken) Kräfte sind und wirken.
Sei dir deiner Verantwortung diesbezüglich bewusst.
Ein Erlebnis aus meinem Schulalltag: Vor Unterrichtsbeginn oder auch in den Pausen, wenn die SchülerInnen privat miteinander sprachen, fiel sehr oft das Wort ‚Hass‘.:
i hasse daa!
i hass di!
so än hass!
hassesch mi jetzt?
Ich hörte mir das einige Zeit an – es war klar, dass ‚Hass‘ ein neues Modewort war, das in die Jugendsprache Einzug gefunden hatte. Eines Tages stellte ich die Frage, ob denn klar sei, was sie da sagten. Ja, ja, aber das sei nicht so gemeint! Ja, wie denn??? Das sage man halt einfach so… Genau! Ein Wort sei aber nicht nur ein Wort; es habe einen Inhalt, eine Bedeutung – und das Wort ‚Hass‘ sei über Jahrhunderte aufgeladen durch die entsprechende Emotion, es sei keine leere Hülse, ihm hänge quasi ein riesiges negatives Gewicht an.
Im Sommer nahm ich an einem zweitägigen Kurs zum Thema ‚Achtsamkeit mit Kindern‘ teil. Es war ein sehr guter Kurs, an dem auch viele gute Übungen vermittelt wurden. Die Kursleiterin hatte selbst erfahren, was geschehen kann, wenn man mit sich unachtsam umgeht und hatte daraus gelernt. Nur in eine Ecke hatte sie scheinbar nicht geschaut. In die Sprachecke. So hiess es dann immer wieder: super! cool! mega cool! Und für etwas weniger Cooles hiess auch einmal ’shit‘.
Es ist schon klar, dass mit diesen Worten Positives, sehr Positives und Negatives bezeichnet werden sollte! Aber wie arm! Wie undifferenziert, unpräzise und auch langweilig. Es klingt irgendwie hohl – und sehr unachtsam. Unsere Sprache kennt so viele Wörter, die helfen, die Dinge genau zu beschreiben, die Nuancen berücksichtigen und im Gegenüber genauere Vorstellungen von dem hervorrufen können, was wir beschreiben. Bei Jugendlichen kann man so eine Sprache noch durchgehen lassen in der Hoffnung, dass sie mit dem Alter und der Reife reichhaltiger wird. Wenn aber Erwachsene, Lehrpersonen, Eltern, mögliche Vorbilder so sprechen, dann läuten bei mir die Alarmglocken. Wenn es zwischen (und anstatt) cool und shit nichts mehr gibt, wie begegnen wir einander dann!? Wir begeben uns, zwar vermutlich unbewusst und doch freiwillig, in die ‚Sprachlosigkeit‘ und in die Langeweile – und vielleicht auch in die Verzweiflung, weil wir nicht mehr in der Lage sind, unsere Gedanken, Ideen und Erfahrungen in farbigen Bildern zu schildern.