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Burgruine
Die Ruine einer imposanten Grottenburg liegt am Fusse der Balmfluh. Die Freilegungsarbeiten und Teilrestaurierung fanden 1939/1941 statt. Es ist ein Nachweis aus verschiedenen prähistorischen Siedlungsperioden. Der Ausgrabungs-befund - leider nur ungenügend dokumentiert - deutet auf eine weitläufige, mittelalterliche Wehranlage hin, die sich in drei Teile gliedert: 1. Vorburg mit Oekonomiegebäude am Fusse des Burgfelsens.2. Langgestreckter Aufgang über eine Felsrampe. 3. Kernburg im Bereich der natürlichen Grotte, die der Festung den Namen gegeben hat. Von der Vorburg ist ein mächtiges, rückwärts an die steil aufsteigende Felswand gelehntes Mauergeviert erkennbar. Vermutlich wehrhafte Umfassungsmauer eines landwirtschaftlichen Gebäudekomplexes. Die hier von den Ausgräbern beobachteten Reste eines Kalkbrennofens sind nicht näher datiert. Der Aufgang, der einst die Verbindung zwischen der Vorburg und Kernburg hergestellt hat, ist nur noch unvollständig zu rekonstruieren. (Der heutige Aufstieg ist modernen Ursprungs und überschneidet sich mit dem ursprünglichen nur teilweise.)
Am östlichen Beginn des mittelalterlichen Aufgangs Spuren eines rückwärts an den Fels gelehnten Gebäudes (Mauerwinkel und ausgehauene Balkenlöcher). Evtl. Tor-bau. Den ursprünglichen Aufgang hat man sich als teils aufgemauerte, teils ausgehauene Rampe vorzustellen. Die Funktion der längs dieser Rampe in den Fels gemeisselten Balkenlöcher und Pfostenlager nicht mit Sicherheit zu bestimmen (Baugerüst oder kleine Holzbauten?).
Die Kernburg besteht aus einem mehrgliedrigen Gebäudekomplex, angelegt auf der Felsterasse im Bereich Grotte. Letztere selbst durch eine starke Mauer geschlossen. Oeffnungen (Türen und Fensterscharten) durch die Restaurierung verunechtet.
Ursprüngliche Höhe der Mauer unbekannt, der Oberbau bestand evtl. aus Holz. An der rückwärtigen Wand der Felsgrotte Reste von ausgehauenen Balkenlagern. Ueber allfällige Binnenunterteilungen fehlen nähere Hinweise. Die ausgebaute Höhle ist mit Sicherheit als Wohntrakt anzusprechen. Auf dem schmalen Felsband vor der Abschlussmauer der Grotte weitere, nicht eindeutig identifizierbare Mauerreste. Vielleicht Torbau und kleine Zwingeranlage. Ausgehauene Balkenlager deuten auf eine Fortsetzung dieses schmalen Traktes gegen das nordöstliche, anschliessende Felsband hin.
Die nur unsystematisch gesammelten Bodenfunde (Hist. Mus. Olten) belegen eine Besiedlung der Burg Balm zwischen der Jahrtausendwende und der Mitte des 15. Jahrhunderts. Mutmassliche Erbauer sind die edelfreien Herren von Balm, die im Jahrzeitenbuch von Flumenthal (wohl 12. Jh.) mit Fridericus von der Hüli und dessen Sohn Guntram erstmals erwähnt werden. Burkart von Balm ist urkundlich um 1200 bezeugt. Die Burg Balm bildet den Mittelpunkt einer kleinen, erst im Spätmittelalter näher fassbaren Rodungsherrschaft, die ungefähr mit dem späteren Gemeindebann Balm identisch ist. Das Besitzschwergewicht der Freiherren von Balm liegt indessen im Oberaargau, wo im 13. Jh. als Herrschaftszentrum und bevorzugter Wohnsitz des Geschlechtes die Feste Altbüron bezeugt ist. Balm wird damals wohl nur noch von Dienstleuten bewohnt. Verwandtschaftliche Beziehungen, vielleicht sogar Stammesgleichheit mit den führenden Familien edelfreien Standes im Oberaargau, mit den Altbüron, Langenstein, Grünenberg etc., sind anzunehmen. Die Unsicherheit der Quellenlage gestattet indessen keine sicheren Schlüsse auf die Herkunft der Freiherren von Balm. Möglicherweise handelt es sich bei dem Geschlecht um einen Nebenzweig des Hauses Altbüron. Nach dem Aussterben der Hauptlinie um 1150 scheint jedoch deren Stammgut im Oberaargau erbweise an den Nebenzweig gefallen zu sein. Ministerialgeschlechter der Balm sind im Oberaargau sesshaft. Verwandtschaftliche Bindungen und partikularistische Interessen veranlassen 1308 Rudolf von Balm, sich am Attentat gegen König Albrecht zu beteiligen. Ob wegen der über die Mörder ausgesprochenen Reichsacht die Burg Balm zerstört worden ist, bleibt offen. Sicher fällt Altbüron, der Hauptsitz des Geschlechtes, dem Rachefeldzug zum Opfer. Ueber die Aufteilung des konfiszierten Familiengutes erhebt sich ein längerer Rechtsstreit. Graf Otto von Strassberg erhält u.a. die Herrschaft Balm als Reichslehen zugesprochen, veräussert jedoch den Güterkomplex mit der Burg um 1320 an Ritter Pantaleon von Gebstrasse, der u.a. als Schultheiss von Solothurn bezeugt ist. 1327/1336 geht die Herrschaft an die Grafen von Nidau über. 1374 und 1376 Erwerbung der Feste Balm durch Peter Schriber von Solothurn und dessen Sohn Petermann. Deren Erbe, Arnold Bumann, verkauft 1411 alle seine Rechte auf Balm an Solothurn. Oesterreich, an das die noch bestehenden Nidauer Rechte gefallen sind, macht keine Ansprüche mehr geltend.
Die Burg befindet sich um 1400 in einem verwahrlostem Zustand. Wie die Stadt Solothurn um 1417 die Feste Balm gegen einen jährlichen Zins dem Hans Sigrist aus Naters verleiht, verlangt sie eine gründliche bauliche Instandsetzung. Sigrist erfüllt diese Verpflichtung nur unzureichend. 1421 erhält er Aufschub bis in den nächsten Frühling, um mit den Bauarbeiten zu beginnen. Obwohl die Bodenfunde eine Belegung der Burg bis gegen 1450 bezeugen, scheint Schriber keine grösseren Instandstellungsarbeiten mehr ausgeführt zu haben. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts ist die Burg eine Ruine.
Bezugsquelle: Burgen von A-Z / A. Meyer / Basel 1981