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Euro: Game over?
Man kann es sich zwar immer noch nicht vorstellen, dass das Euro-Projekt definitiv gescheitert ist. Aber nüchtern betrachtet ist weit und breit keine Lösung in Sicht. Italien ist am Ende, wie wir schon Mitte September in diesem Blog festgestellt haben, d. h. das Land kann sich nicht mehr aus eigener Kraft retten, und es gibt keine Institution, welche die Mittel oder den Willen hätte, die hohen Risikoprämien auf den italienischen Staatsanleihen innert nützlicher Frist zu reduzieren:
1. Der Rettungsschirm ist zu klein. Dazu ein paar Zahlen:
- Italiens Staatsschuld beträgt knapp 2000 Milliarden Euro. Nächstes Jahr muss Italien rund 260 Milliarden Euro an neuen Schulden aufnehmen.
- Der Rettungsschirm der Eurozone (EFSF) verfügt zwar über Mittel in der Höhe von 440 Milliarden Euro, aber wegen der Programme in Griechenland, Irland und Portugal stehen nur noch rund 250 Milliarden Euro zur Verfügung. Der Rettungsschirm würde also nur knapp ein Jahr reichen.
- Zudem muss man in Rechnung stellen, dass Italien 140 Milliarden des EFSF garantiert. Diese Garantie ist in der Zwischenzeit natürlich wertlos geworden, so dass nur noch rund 100 Milliarden Euro für eine italienische Stützung übrig bleiben. Das ist eindeutig zu wenig.
2. Die Mittel des IWF sind ebenfalls beschränkt. Ausserdem würden sich die Schwellenländer gegen eine Aufstockung der Hilfsgelder an Euroländer aussprechen.
3. Die Europäische Zentralbank (EZB) hätte die Mittel, die Risikoprämien zu reduzieren (siehe diesen Blogbeitrag). Die meisten Beobachter gehen aber davon aus, dass sie nicht als Retter in der Not einspringen will. Mittlerweile gibt es sogar Stimmen, die sagen, die EZB könnte sowieso nichts mehr ausrichten, weil die Krise bereits zu stark eskaliert ist. (Die einzig denkbare Möglichkeit ist, dass China und die USA Deutschland dazu zwingen versuchen, das Anwerfen der Notenpresse anzuordnen – so wie China 2008 die USA gezwungen hat, Fannie Mae und Freddy Mac zu verstaatlichen.)
Wie geht es weiter? Wenn die EZB nicht einspring, werden die italienischen Risikoprämien weiter in die Höhe schiessen, bis die ersten italienischen Banken ins Wanken geraten. Die nächste Eskalationsstufe wäre dann eine gewaltige Kapitalflucht aus Italien, was die Behörden zur temporären Schliessung der Banken (verbunden mit einer Verstaatlichung) und zur Einführung von Kapitalkontrollen zwingen würde.
Ich kann nur hoffen, dass ich mich vollständig irre. Aber seit Juli, als die italienischen Risikoprämien schnell zu steigen begannen, habe ich das Gefühl, dass es keine realistischen Optionen mehr gibt. Es fühlt sich an wie ein Fussballspiel, in dem der Gegner in der 85. Minuten 0:3 führt.
Reuters meldet ausserdem, dass deutsche und französische Unterhändler bereits neue Pläne für eine radikale Reform der EU diskutiert haben. Geplant sei unter anderem eine «viel stärker integrierte und potenziell kleinere Eurozone». Die politische Bereitschaft, alles zu unternehmen, um den Euro in der gegenwärtigen Form zu bewahren, scheint sich zu verflüchtigen.