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Lukas Bärfuss hat einen Roman über die Schweiz geschrieben. Er spielt in Ruanda, in der Hauptstadt Kigali, in einer Botschaft, einem Garten, einem Haus. Er spielt an hundert Tagen zwischen April und Juli 1994 und noch an einigen mehr davor und danach. Er spielt im Völkermord der Hutu an den Tutsi, im Flüchtlingslager von Goma, in einem Hotelzimmer am Kivu-See, in einer Bettgeschichte zweier Menschen, die Agathe und David heißen: Sie ist Hutu, er ist Schweizer und hat sein Land mit nach Ruanda genommen, als er dort seinen Dienst als Entwicklungshelfer antrat. Seine Rechtschaffenheit hat David mitgenommen, seinen Gerechtigkeitssinn, sauber und weiß gestärkt wie ein Oberhemd, und seine Neutralität, die Vorsicht und Zurückhaltung, all die stubenreinen Werte des Westens, die im Augenblick der Gewalt nichtig werden: In den hundert Tagen, die diesem Romandebüt seinen Titel geben, sterben in Ruanda zwischen achthunderttausend und eine Million Menschen – vor den Augen von Entwicklungshelfern, UN-Soldaten, Hilfsorganisationen, vor den Kameras der Ersten Welt.