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Mark Chagalls Gemälde „Jakobsleiter“ wurde 1996 aus einer Galerie in Tel Aviv gestohlen und verschwand spurlos. Vor drei Jahren wurde das Gemälde im Nachlass einer in Jerusalem verstorbenen Frau entdeckt, was zu einem Rechtsstreit zwischen ihren Erben und der Versicherung führte, die vor 25 Jahren für das Gemälde eine Entschädigung zahlte. Jetzt steht es im Mittelpunkt einer wichtigen Auktion israelischer und internationaler Kunst, die Ende des Monats in Herzliya stattfinden wird. Neben Chagalls Gemälde sind ein seltenes Bild von Reuven Rubin aus dem Jahr 1924 und faszinierende Bilder prominenter israelischer Künstler zu sehen.
Das Gemälde „Jakobsleiter“, Öl auf Leinwand, 22×27 cm und signiert, des berühmtesten jüdischen Künstlers Marc Chagall wird am 25. Januar in Herzliah Pituach im Auktionshaus Tiroche versteigert. Der Wert des Bildes aus der Zeit nach dem Jom Kippur Krieg von 1973 wird mit geschätzten 130.000 bis 180.000 Dollar angegeben. Wer über das nötige Kleingeld verfügt, kann an der Versteigerung persönlich oder per Telefon teilnehmen.
„Das Bild zeigt eine der wichtigsten biblischen Geschichten, die die Geschichte des jüdischen Volkes und des Landes Israel symbolisiert“, so Amit Tiroche, der Veranstalter der Versteigerung. „Die Leiter verbindet die Erde mit dem Himmel, und die Engel steigen und fallen, in Anspielung auf die göttliche Prophezeiung, die auf die Menschen herabsteigt.“ Er fügte hinzu: „Infolge der schwierigen Zeit des Jom-Kippur-Krieges entschied Chagall sich dafür, die Szene nicht in utopischen Farben darzustellen, sondern vielmehr mit dramatischen Farben entsprechend der Malperiode von 1973 bis 1974.“
In einer anderen Version des Gemäldes aus den 1950er Jahren, habe Chagall ähnliche Farben verwendet. Aber es gibt einen deutlichen Unterschied zu den „Kriegsfarben“, die er in dem zu versteigernden Gemälde verwendet hat.
Das Gemälde wurde 1996 auf mysteriöse Weise aus dem Gordon Auktionshaus in Tel Aviv gestohlen, einige Tage bevor es versteigert werden sollte. Mehr als 23 Jahre später wurde es auf dem Dachboden einer verstorbenen Jerusalemer Frau von ihren Erben in einem Tresor entdeckt. Zunächst wussten sie nicht, was sie da gefunden hatten und brachten es einem Antiquitätenhändler zur Ansicht. Der verstand, dass es sich um einen Chagall handelte und empfahl ihnen, sich zur Überprüfung an das Comite Chagall mit Sitz in Paris zu wenden. Die Experten erkannten das Bild wieder und stellten ihm ein Echtheitszertifikat aus.
Amit Tiroche, der heutige Inhaber des 1922 von seinem Vater gegründeten Auktionshauses, erzählte im israelischen Rundfunk, dass die Kinder der verstorbenen Frau sich nicht erklären konnten, wie das Gemälde in ihren Besitz gelangt sei. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass ihre Mutter das Bild gestohlen hätte. Inzwischen gab es einen kurzen Gerichtsprozess. Die Richter verfügten, dass der Erlös der Versicherungsfirma zukommen solle, die seinerzeit das gestohlene Bild in der Gordon-Galerie versichert hatte.
Chagall wurde 1887 als Sohn chassidischer Eltern in Witebsk in Litauen (heute Weissrussland) geboren. Er war das älteste von 9 Kindern. Schon in seiner Jugend habe er das Bedürfnis verspürt, das jüdische Leben zu dokumentieren, insbesondere das Schtetl-Leben, das sich in einem grossen Wandel befand und schliesslich im Zweiten Weltkrieg von den Nazis ausgelöscht wurde. Er verbrachte viel Zeit in Frankreich, durchdrungen von dem „Goldenen Zeitalter“ der Kunststile, bevor er 1941 in die Vereinigten Staaten floh. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Frankreich zurück, wo er bis zu seinem Tod 1985 im Alter von 97 Jahren arbeitete und lebte.
Chagall arbeitete nicht nur in Öl. Er schuf auch Glasmalerei. Zu seinen berühmtesten Werken gehören die Fenster der Synagoge im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem und der fünfteilige Fensterzyklus im Chor (1970) und die Rosette im südlichen Querschiff (1978) im Fraumünster in Zürich. Hier ist die Darstellung der Jakobsleiter noch in dem für Chagall typischen Traumblau gehalten. Über seine Arbeit in Hadassah sagte Chagall später: „Während der ganzen Zeit meiner Tätigkeit fühlte ich, wie mir mein Vater und meine Mutter über die Schultern schauten, und hinter ihnen standen Juden, Millionen vergangener Juden von gestern und von vor tausend Jahren.“
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