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| Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

27.1
Nach der Melodie 2: O, meine Schüler.
1. Wie gleichen doch die Leugner jenen, die das Siegel des Königs gestohlen haben und damit im geheimen falsche Münzen prägen! Fällt eine in die Hände von Kennern, so sehen sie darauf wohl das Gepräge und das Bild der königlichen Würde, sie sehen aber auch darauf den Betrug und die Fälschung des Verfertigers; es kann nämlich der Dieb nicht das Gepräge völlig nachmachen [fälschen], Die Lehren, die den Weg verfälschen, konnten die Meilensteine des Königreiches nicht verfälschen 3.
2. Und solange die Meilensteine stehen, ist auch der Weg nicht verändert; denn der, dessen Gedächtnis gesund ist, findet sich zurecht, wenn er auf die Meilensteine sieht, was sie sind, woher sie sind und wohin sie führen. Wenn jemand die Meilensteine vom [rechten] Weg nach dem Irrpfad versetzt, verdient er eine doppelte Bestrafung: daß er den Weg verdorben und die Meilensteine gestohlen hat.
Gepriesen sei, o Herr, die Macht deiner Wahrheit, denn nichts vermag ihre Strahlen zu verbergen!
3. Kommet, lasset uns den Weg betrachten, den die Leugner in die Irre gebahnt haben! Die Meilensteine unseres wahren Königs sind gestohlen und auf ihm [dem Irrweg] aufgestellt und angeordnet. Siehe, da sind die Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, siehe das Zeichen des Öles und der Taufe, des Brechens des Brotes und der Kelch der Erlösung und die gestohlenen Schriften bei ihnen.
Gepriesen sei der König der Könige, dessen Weges Meilensteine [wie] Berge sind, die sich nicht verstecken lassen!
4. Kommt, bewundert die Schwächlinge, die sich abmühen, mit Steinen [Felsstücken] der Wahrheit die hohen Berge zu verdecken, die weder gestohlen noch verborgen werden können! Da sie wußten, daß sich Meilensteine nicht verstecken lassen, benannten sie sie mit dem Namen eines andern Königs, der nicht existiert. Es gab einige, die sich verführen ließen und ihnen Glauben schenkten, andere aber verachteten und widerlegten sie.
Gepriesen sei, der Meilensteine auf Erden aufstellte und Leuchten am Himmel befestigte!
5. Und wie keiner das Aufleuchten der Strahlen verdecken kann, so kann auch niemand die Wahrheit der Bücher verbergen. Durch die Sterne geraten viele in Irrtum, und wegen der Bücher kommen viele auf Irrwege. An den Leuchten nehmen sie Ärgernis, und in den reinen Büchern finden sie Flecken.
Gepriesen sei, der durch das Licht uns erleuchtet und durch die rechte Wahrheit uns Leben verleiht!
1: Englisch übersetzt von H. Burgess, Select metrical Hymns and Homilies of Ephraem Syrus, London 1853, S. 152 – 154.
2: Dieselbe Melodie wie für Hymnus 11 [s. S. 47].
3: Ein eigentlicher Kehrvers ist in den Handschriften nicht angegeben; doch haben die Strophen 2 – 5 einen Lobspruch, der als wechselnder Kehrvers zu gelten hat.