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Anbei findet ihr die Kolumne von unserem Museumsleiter Hans-Dieter Gerber,
die einmal im Monat in der Volksstimme erscheint. Diese Woche über
Fussballfelder und Kartoffeläcker während des ersten Weltkrieges:
Kraut und Rüben
Der Fussballbetrieb in der Schweiz konnte vor 100 Jahren nur unter
Anstrengungen aufrechterhalten werden. Viele Spieler leisteten während des
1. Weltkriegs Militärdienst und Spielplätze wurden für den
Nahrungsmittelanbau genutzt.
Von Hans-Dieter Gerber, Co-Leiter Sportmuseum Schweiz
Kälteeinbruch
Während die Nahrungsmittelversorgung nach dem Ausbruch des
1. Weltkrieg 1914 in ganz Europa eine Herausforderung darstellte, führte
1916 eine Klimastörung mit globalem Ausmass zu massiven Ernteausfällen.
In der Schweiz regnete es im Sommer 1916 sehr viel und die Schneefallgrenze
fiel vorübergehend bis auf 500 Meter. Darauf folgte ein sehr kalter Winter.
Die Schweiz, die üblicherweise Käse, Fleisch und Milch exportierte und dafür
Getreide importierte, war schlecht auf Ernteausfälle und die fehlenden Importe vorbereitet. Der Bundesrat reagierte deshalb mit dem Beschluss vom
16. Februar 1917 und erlaubte es den Kantonen und Gemeinden, Land,
das sich für die Nahrungsmittelproduktion eignete, zu diesem Zweck
heranzuziehen.
Kartoffeln statt Fussball
Im Frühling 1917 rechnete der Schweizerische Fussballverband SFV vor,
dass von den 92 Hektar Sportland 31 Hektar dem Kartoffel- und
Getreideanbau und weitere 49 Hektar der Gras- und Heuproduktion dienten.
Übrig blieben noch 12 Hektar, die nicht für die Lebens- und Futtermittelproduktion eingesetzt wurden. 59 Clubs – mehr als die Hälfte der Mitglieder des
Schweizerischen Fussballverbandes besassen dadurch keinen eigenen
Spielplatz mehr und viele waren gezwungen den Spielbetrieb einzustellen.
„Das allmächtige eidgenössische Ernährungsamt kann nicht begreifen, dass man Rasenplätze auch für etwas Anderes als zur Anpflanzung von Kraut und Rüben verwenden kann,“ beklagte der Jahresbericht des SFV die Sportplatzkrise.
Fussballkost in Basel
In Basel blieben den Sportvereinen zwar der Landhof und die Margarethenwiese erhalten, doch war die Nutzungskapazität bei einer Gesamtzahl von rund 1’300 Mitgliedern (sieben Fussballklubs und drei Athletikvereine), die in der
Saison 1917/1918 365 Wettspiele austrugen, erreicht. Ein Initiativkomitee,
das Vertreter aller Basler Sportvereine umfasste und von Grossrat Fritz Hauser
präsidiert wurde, reichte darauf bei den baselstädtischen Behörden eine
Initiative zum Bau eines Zentralsportplatzes ein. Der Initiative blieb aber
kein Erfolg beschieden. Die Tatsache, dass der Meisterschaftsbetrieb
einigermassen aufrechterhalten werden konnte und 1917 in Basel das erste
offizielle Länderspiel seit zwei Jahren stattfand, musste als Hoffnungsschimmer
auf bessere Zeiten reichen.