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Der überraschende, aber überzeugende Grand-Prix-Sieg des ägyptischen Springeiters Nayel Nassar beim CSIO St. Gallen 2021 weckt Erinnerungen an die 50er-Jahre, als erstmals ägyptische Springreiter in der Schweiz starteten (1952 beim CSIO Luzern) und darauf an den Olympischen Spielen von 1952 in Helsinki. Damit begann damals eine zehnjährige Teilnahme ägyptischer Offiziere auf Europas Turnierplätzen, mit weiteren Olympiateilnahmen. 1956 in Stockholm und 1960 in Rom, endend mit einem vierten Mannschaftsplatz im Römer Olympiastadion. Bereits 1949 hatte der 1942 gegründete ägyptische Pferdesportverband in Kairo-Heliopolis erstmals einen CSIO durchgeführt. Nach zwei weiteren Austragungen 1950 und 1951, jedesmal mit französischen Siegen im Nationenpreis, verzichtete man auf den Heim-CSIO zugunsten der Auslandsreisen.
Mohamed Selim Zaki und Gamal El Din Hares
Die ägyptischen Springsportaktivitäten jener Jahre wurden vom ersten Präsidenten des ägyptischen Pferdesportverbandes, Prinz Mohamed Taher Pasha, gefördert. Der damals bereits 70-jährige Prinz hatte 1951 die Mittelmeer Spiele gegründet und sie in jenem Jahr in Alexandrien austragen lassen. Er war jahrelang Mitglied des IOC; von 1952 bis 1957 als Mitglied des «Executive Board». Nur fünf Reiter bestritten 1952 bis 1960 die internationalen Starts Ägyptens, so auch bei den Olympischen Spielen 1952, 1956 und 1960. Drei der fünf stiegen im Militär auf bis zum General und zwei von ihnen traf man in den 90er-Jahren bei den damals populären internationalen Einladungsturnieren mit Leihpferden im Garten des Mövenpick-Hotels beim Flughafen von Kairo. Die beiden waren Dauergäste im Mövenpickgarten jener Jahre.
Mohamed Selim Zaki und Gamal El Din Hares waren auch die erfolgreichsten des Quintetts. Sie waren bei den drei ägyptischen Olympiastarts in der Equipe und bestritten elf respektive zehn Nationenpreise. Die beiden wurden, nach divergierenden Quellen, zwischen 1923 und 1925 geboren. 1952 ritt Mohamed Khairy mit Zaki und Hares in der Olympiaequipe. 1956 war es Omar El Hadari und 1960 Elroy Ghazi. Auch der Letztere brachte es zum General. 1952 gab es die Einzelränge zwölf (Kairy), 25 und 41 sowie Platz zwölf mit der Mannschaft. 1956 wurde Zaki mit Inch Allah Neunter und Hares 21., aber Hadari schied aus.
Sensation in Rom
1960 in Rom wurden Zaki, Hares und Ghazzi sensationelle Vierte, nur von Deutschland, den USA und Italien geschlagen. Die Schweiz hatte mit Paul Weier und Hans Möhr nur zwei Einzelreiter nach Rom entsandt. Im damals erstmals wieder ausgetragenen separaten Springen um die Einzelmedaillen gab es für Zaki und Hares die Plätze 26 und 28 – Ghazzi schied aus. In Rom 1960 ritten die drei unter dem 1958 geschaffenen Staatenbund der Vereinigten Arabischen Republik (VAR, UAR auf Englisch). 1952 hatten die Offiziere Nagib und Nasser König Faruk gestürzt. Zuerst Nagib, dann Nasser wurden Staatspräsidenten. Der starke Mann jener Jahre, Nasser, verfolgte eine Politik des Zusammenschlusses der arabischen Staaten, basierend auf dem Sozialismus. Die konservativen Monarchien von Saudi Arabien, Irak und Jordanien waren dagegen. Aber Syrien liess sich überzeugen und mit Vorbehalten auch Jemen. Vier Jahre später, 1962, brach die VAR wieder auseinander. Zu diesem Zeitpunkt hatten Ägyptens Springreiter bereits alle internationalen Aktivitäten aufgegeben – nicht zuletzt auch wegen der in jenen Jahren in einigen Ländern ausgebrochenen afrikanischen Pferdepest.
Sakakini, El Zoghby und Nassar
Ende der 80er-Jahre tauchte ein ägyptischer Zivilreiter auf Europas Turnierplätzen auf: André Sakakini, Sohn wohlhabender Landbesitzer. Neben einem Dutzend Starts bei Weltcupspringen der Europaliga kam der 1957 geborene Sakakini 1988, 1992, 2000 und 2004 zu vier Olympiastarts. Platz 41 in Sydney 2000 war sein bestes Resultat. Olympischer Nachfolger von Sakakini wurde Karim El Zoghby, der 2008, 2012 und 2016 zu drei Olympiastarts kam. Platz 40 in Rio de Janeiro war sein bestes Resultat. Nun also 2021 der GP-Sieg der 30-jährigen Nayel Nassar beim CSIO St. Gallen, mit darauffolgendem Olympiastart in Tokio.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 30/2021)
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