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Geboren wird Eugen Bänziger am 15. Mai 1937 in Winterthur, wo er fast 65 Jahre später, am 4. Mai 2002, stirbt. Dazwischen steht ein aussergewöhnlich spannendes Leben mit Aufenthalten in Afrika, Asien und Amerika. Ebenso spannend und aussergewöhnlich war Eugen Bänziger selbst: ungeheuer phantasievoll, witzig, warmherzig, liebenswert und vielseitig. Seine zahlreichen Freunde wissen, was ich meine. Wer ihn nicht kannte, entdeckt einen Teil seines Wesens in seinem Werk...
Mit dem Malen fängt der Winterthurer im Alter von knapp zwanzig Jahren an. Er verbringt viele Nachmittage und Wochenende in der Natur, wo farbintensive, stimmungsvolle Öl- oder Ölkreidebilder entstehen. Auffallend oft zeigen sie Wasser, insbesondere Flüsse. Sie übten von jeher eine ganz besondere Anziehungskraft aus auf Eugen Bänziger, der damals noch in seinem gelernten Beruf als Lehrer arbeitet.
Rund zehn Jahre später, 1969, gibt er das Lehren auf, um ausschliesslich als Kunstmaler zu arbeiten. Ab 1971 lernt er, vorwiegend als Autodidakt, verschiedene Tiefdrucktechniken (Radierung, Aquatinta, Kaltnadel, Kupferstich, etc). Gleichzeitig ändert er seinen Stil und kehrt der Landschaftsmalerei den Rücken - um später in seinen Aquarellen wieder darauf zurückzukommen. In den frühen Siebziger Jahren schafft er Kunstdrucke wie Die vier Elemente. Er zieht in sein Atelier auf dem Winterthurer Sidi-Areal, das er bald liebevoll Atelier i de Sidi nennt. Hier, im Speisesaal der ehemaligen Seidenspinnerei, finden in den nächsten dreissig Jahren zahlreiche Ausstellungen und noch viel mehr Feiern statt.
Nach verschiedenen Ausstellungen in der Schweiz (unter anderem in Winterthur, in Zürich, Basel, Bern und Glarus) findet 1972 die erste Werkschau im Ausland statt. Sie führt den Künstler zum ersten Mal nach Afrika, wo er in den nächsten zwei Jahrzehnten viele Monate verbringen wird. Bis 1982 stellt er vor allem in Tunesien aus. Dort entstehen farbintensive Aquarelle, die der Kunstkritiker Hans Neuburg im Jahr 1979 als "etwas vom Schönsten in seinem malerischen Werk" bezeichnet. Zu Hause schafft er Werke wie Ausblick, Einblick, eine Radierung, in der laut Hans Neuburg "sein lineares Ausdruckvermögen auf besonders eindrucksvolle Weise offenkundig" wird. Der phantasievolle Blick auf sein Atelier erweist sich als Verkaufshit. Die Auflage von 69 Einzeldrucken ist schon bald ausverkauft.
Warme, sonnige Tage verbringt der Sonnenanbeter Eugen Bänziger nach wie vor am liebsten in der freien Natur, am allerliebsten natürlich am Wasser. Immer hat er einen Bleistift dabei. Aus den unzähligen Skizzen entstehen Aquarelle und Radierungen, die von einer phantastisch wilden, fast unberührten Landschaft erzählen.
1982 stellt er zum ersten Mal im damaligen Zaïre (heute: Kongo) aus, wo er unter dem Spitznamen Maître Eugéne bald im ganzen Land bekannt ist. Bis 1990 folgen zahlreiche, mehrmonatige Aufenthalte im schwarzafrikanischen Land. Als die politische Lage dies nicht mehr zulässt, verliert er nicht nur seine Wahlheimat, sondern auch seinen Lieblingsfluss. Der Zaire ist an manchen Stellen mehrere Kilometer breit und völlig unverbaut. Der ausladende Flusslauf mit seinen von Tropenwald überwucherten Ufern zwingt dem Maler natürlich auch hier den Bleistift in die Hand. Selbst in seinen filigranen Federzeichnungen und Radierungen schafft er es, das Geheimnisvolle des scheinbar still da liegenden Dschungels einzufangen. In den farbintensiven Aquarellen brechen Leoparden, Schlangen oder Fetische aus dem Dickicht hervor. Oft sieht man sie erst bei genauerem Hinsehen. Einfach schnell hingucken geht bei seinem Werk nicht: Seine Liebe zum Detail und noch viel mehr zum Verspielten macht es dem Betrachter möglich, auch nach dem hundertsten Blick Neues zu entdecken. Am offensichtlichsten wird dies in Bänzigers Spätwerk, wo verschiedenste Wildtiere auf Telefondrähten herumtollen, den verhassten Jäger verbrennen oder sich auf zum Turnier machen. Den Hang zum Verspielten hatte er aber schon immer, wie man beispielsweise in der 1973 geschaffenen Radierung Im Gebirge feststellt.
Nach Ausstellungen in New York und Japan reist Eugen Bänziger 1993 zum ersten Mal nach drei Jahren wieder nach Afrika. In der kenyanischen Hauptstadt Nairobi wird er nach über zwanzig Jahren wieder zum Lehrer. Er bildet junge Künstler im Drucken von Kunstdrucken aus und lehrt sie auch das seltene Handwerk des Farbdruckes. Auch seine eigenen Werke werden immer farbiger. Er beginnt damit, Schwarz-Weiss-Radierungen mit Aquarellfarbe zu colorieren und erfindet damit schon fast eine eigene Kunstform.
Sein Gesamtwerk gleicht seinem Leben: Es lässt sich keiner Richtung zuordnen und bricht regelmässig Konventionen. Er selbst sagte: "Ich bin keiner Kunstrichtung zugehörig, ich ströme selber wie ein grosser Fluss und ich bin die Richtung, in der ich fliesse." Da passt es ins Bild, dass er aus Thailand, wo er sich im Juni 2000 zum ersten Mal aufhält, anstelle von Bildern Gedichte mitbringt. Mit seinen Freunden Joe Dahinden und Dieter Spörri macht er sie zu Musik, später setzt er sie auch grafisch um. Von nun an ersetzt der Kugelschreiber den Bleistift, der Schreib- den Malblock. Als Eugen Bänziger Ende 2000 erfährt, dass er Krebs hat, verarbeitet er viele Ängste in Gedichten. Seinen Bildern sieht man von der schweren Krankheit nichts an: Sie strahlen mehr denn je unbeschwerte Fröhlichkeit aus. Obwohl er sich von einer Chemotherapie gut erholt, stirbt er im Mai 2002 überraschend. Neben seinem malerischen Werk hinterlässt Eugen Bänziger über 60 Gedichte, die heute unter dem Titel "Sinn und Unsinn" auch in Buchform vorliegen.