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FARITANY
TOLIARA:
Dornen
und Durst
Der
Mangel an Wasser bildet die Grundthematik der Bevölkerung
der südlichsten, grössten und trockensten Provinz
Madagaskars. Grundwasser ist zwar vielerorts vorhanden, doch
erweist sich das Bauen von Brunnen und die tägliche
Wasserbeschaffung als problematisch. Nur gerade die Südostecke
und damit Fort-Dauphin verfügt über ein feuchtes Klima, weil
diese Zone dem Einfluss der regenreichen Ostküste unterliegt.
Die Provinz Tulear weist mit 1,8 Mio. Leuten eine Dichte von
11,4 Pers/ km2
auf, doch die Bevölkerung konzentriert sich vor allem in
den fruchtbareren Tälern, entlang der Strassen und in
einigen oasenartigen Gunstzonen.
Für
die Bewohner des Südens gehört die Migration in andere
Landesteile seit Generationen zur Familientradition - besonders
die jungen Antandroy wandern für ein paar Jahre nach Norden in
die grossen - früher kolonialen - Landkonzessionen: immer mit
der Absicht, mit erspartem Kapital zurückzukommen, um Vieh zu
kaufen und zu heiraten. Die Wanderarbeiter werden im Nordwesten
der Insel meist mit der generischen Bezeichnung Antandroy
bezeichnet, obwohl sich sehr viele Mahafaly darunter befinden.
Im
Süden gab es aber auch grossangelegte Völkerwanderungen
mit einer generellen Bewegungsrichtung nach Nordwesten. Die
daraus erfolgte Vermischung der Völker wirkt sich bis heute
aus: noch immer stehen in diesen Zonen die tompon-tany (Herren
der Erde) über den mpiavy (Neuangekommene). Diese Situation führt
zuweilen zu gespannten Verhältnissen zwischen Ansässigen
und Einwanderern. Insbesonders auch, weil jede der Volksgruppen
einen Hang zu grosser Mobilität aufweist und im Laufe der
Jahrhunderte allmählich weiterwandert.
Tulear
ist eine agro-pastorale Provinz. Zwar wird Reis, als Regenreis
oder in bewässerten Feldern, angebaut, doch kann sich die
Provinz nicht selbst mit Reis ernähren, unter anderem auch,
weil sich viele Gebiete als Enklaven ohne gesicherte
Strassenverbindungen ausserhalb des Güteraustausches befinden.
Extensive
Viehhaltung dominiert in den weiten Savannen und
Dornbuschgegenden. Der grösste Teil der Provinz kennt ein
gravierendes Sicherheitsproblem: schwerbewaffnete Viehdiebe (dahalo)
verursachen oft auch Tote unter den Dorfbewohnern.
Die
mangrovenbesetzte Küste ist fischreich. Die industrielle
Fischerei hat erst in den letzten Jahren in der Region von
Fort-Dauphin an Bedeutung gewonnen. Fische und Zebu bilden die
Ernährungsbasis der Bewohner, wie dies auch im
Provinzwappen symbolisiert wird.
Mit
den anderen Provinzen ist Tulear einzig über die wettersichere
RN 7 (Tulear - Ihosy - Fianarantsoa) verbunden. Die Piste von
Fort-Dauphin über Betroka nach Ihosy ist stark degradiert und während
der Regenzeit nur sehr schwer zu befahren. Von Fort-Dauphin nach
Vangaindrano und Manakara zu gelangen, ist mit einem Fahrzeug
unmöglich.
Diese
prekären Verkehrsverhältnisse führen zu dauernder
oder zeitweiser Isolierung vieler Zonen innerhalb der Provinz.
So ist die Region nördlich von Miandrivazo, einst ein sehr
wichtiges Tabakanbaugebiet, nur von Tsiroanomandidy her zugänglich
und auch dies nicht das ganze Jahr.
Der
Menabe, die Region um Morondava zwischen den Flüssen
Tsiribihina und Mangoky, führt innerhalb der Provinz fast ein
Eigenleben. Die Strassenverbindung zur Provinzhauptstadt war
schon vor 1991 prekär, dann jedoch komplett unterbrochen,
weil der Zyklon Cynthia auch die zweite Brücke nach Süden
zerstörte. Für die 700 km von Antananarivo nach Morondava
sind auch heute noch mindestens 12 Fahrstunden zu rechnen, weil
die Strecke zwischen Miandrivazo und Malaimbany sehr schwierig
zu befahren ist.
Der
grösste Teil des Menabe ist eine trockene Savanne,
dominiert durch kily (Tamarindenbäume) und Baobab,
bewachsen von sakoa (pourpatia caffra) und Büschen.
Der
Menabe ist mit 6 Pers/ km2
nicht dicht besiedelt, zudem wohnen die Leute in wenigen
Gunstzonen. So sind die fruchtbaren Deltas und Schwemmgebiete
der Flüsse Morondava und Kabatomena in der Umgebung der Stadt
Morondava und auch jene entlang des Flusses Tsiribihina relativ
stark besiedelt.
Der
Menabe hätte an sich eine grosse landwirtschaftliche Potenz
für verschiedene Produkte. Früher wurden - vor allem in der
Region zwischen Manja und Morondava - Kaperbsen angebaut und in
grosse Mengen exportiert. Ebenso wurden Erdnüsse, Tabak,
Baumwolle angebaut, heute finden sich diese Kulturen kaum mehr
oder im Niedergang. Der Anbau von Burley-Tabak stellte früher
eine wichtige Einnahmequelle dar, vor allem im heissen Bruchtal
zwischen Miandrivazo und Antevamena, doch auch diese Produktion
ist in dramatischer Regression. Das Anpflanzen von Baumwolle in
der Region von Miandrivazo wurde wieder aufgegeben. Einzig
Zuckerrohr wird in der Region von Morondava angepflanzt und
verarbeitet.
Morondava
als zentraler Ort des Menabe konzentriert die wenigen
industriellen Betriebe der Region: Zuckerfabrik, Rumdistillerie,
Schlachterei und Ölmühle mit Seifenfabrik.
Die
SIRANALA (Siramamy Analaiva, Zucker von Analaiva) beschäftigt
etwa 800 Personen und während der Erntezeit zusätzlich
1800 Saisoniers. Die mit chinesischer Hilfe erbaute Fabrik mit
einer Verarbeitungskapazität von 1000 Tonnen Zuckerrohr pro
Tag produzierte 1986 13500 Tonnen Zucker. Die Produktion wird
vor allem in der Provinz Tulear verkauft, zudem liefert die
SIRANALA 1000 Tonnen Zucker an die Getränkefabrik STAR in
Antsirabe.
Die
SAGRIM (Société Agricole et Industrielle du Menabe) bei Mahabo
destilliert Rum und beschäftigt etwa 60 Personen.
Die
Schlachterei SECIAM wurde zu Beginn der 1990er Jahre
rehabilitiert und soll den Export in den europäischen Raum
aufnehmen. Interne Schwierigkeiten haben aber die Aufnahme der
Aktivität seit 1991 immer wieder hinausgezögert und
letztlich nie aufgenommen.
Seit
Jahren hofft man auf Ölvorkommen und Erdgas im Menabe oder
off-shore im Kanal von Mozambique, fündig ist bislang noch
keine der vielen Bohrequipen geworden. Hingegen existieren
verschiedene Quarzadern und Vorkommen von Beryll. Ein
industrieller Abbau wird allerdings nicht vorgenommen. Ebenso
wird Gold in der Gegend um Miandrivazo nur von Familien und
Einzelsuchern geschürft.
Morondava
ist nicht nur die Kapitale des Menabe, sondern auch der einzige
Ort mit städtischen Funktionen. Mahabo ist als früherer
Hauptort des Sakalava-Menabe ein alter notabler Ort und wird von
12’000 Einwohner bewohnt. Miandrivazo hat bloss 3000
Einwohner.
Der
Menabe wurde früher von den viehzüchtenden Sakalava bewohnt
und von den fischenden Vezo an der Küste. Doch die Viehhalter
wurden zusehends verdrängt, denn die fruchtbaren, breiten
Flusstäler sind auch ein altes Einwanderungsgebiet von
Betsileo (besonders in der Region um Mahabo und Malaimbandy),
von Leuten aus dem Südosten der Provinz (Antaisaka, Antandroy,
Antanosy) und von den viehhaltenden Bara. Nur die Küstenzonen
westlich von Manja und die Region nördlich von
Belo-sur-Tsiribihina werden noch mehrheitlich von Sakalava
bewohnt. Mahabo zum Beispiel war schon 1960 zu 82% von
Immigranten bewohnt.
Ein
verstärkter Zustrom von Landwirtschaftsarbeitern fand ab
1910 statt, als am Unterlauf des Tsiribihina Kaperbsen
angepflanzt wurden. Ein neuer Schub kam ab 1925, als der Anbau
von Tabak in der breiten Talsohle zwischen Malaimbandy und
Ankavandra begann. Eine weitere Einwanderungswelle löste
1955 - 60 der Anbau von Tabak in der Gegend von
Belo-sur-Tsiribihina aus.
Im
Menabe werden die Leute des Südostens generell Kirao (wörtlich:
junge Leute) genannt. Oder oft auch einfach Antandroy (obwohl
sich dabei auch Leute aus anderen Stämmen befinden). Die
Kirao halten sich im Schnitt sieben bis acht Jahre im Menabe auf
und gehen dann wieder in ihre Heimat zurück. Etliche liessen
sich jedoch in ihrem Gastland fest nieder. Diese Immigrationen
und die starke Mobilität sind auch verantwortlich für die
sehr schwankende Bevölkerungszahl der Region.
Die
Immigranten pflanzen überall wo nur möglich Reis an. So
entstanden die mit Kanälen bewässerten Reisebenen von
Mahabo (7000 ha) und die 3000 ha grosse Reisebene im Delta des
Flusses Morondava. Der bewässerte Reisanbau erlaubt bei genügend
Wasser zwei Ernten pro Jahr (Mai und November). Entlang des
Tsiribihina wird das in Sümpfen und Seen stagnierende Überschwemmungswasser
des Flusses benutzt, um Reis anzupflanzen. Diese Methode ist die
ursprüngliche der Gegend.
Die
Zerstörung des Trockenwaldes ist dramatisch: jedes Jahr
verschwinden in der Region mindestens 1000 ha Wald. Dabei
wirkten sich die Erkundungsstrassen der Ölsucher
aktivierend aus: die Öltrupps schlugen ein quadratisches
Strassennetz durch die Waldgebiete nördlich und südlich
von Morondava. Diese Wege wurden dann zu den bevorzugten
Einfallachsen der Holzdiebe, die rund 50 Baumsorten ausbeuten.
Verheerend wirkt sich aber auch die Herstellung von Holzkohle
aus und natürlich auch das Roden zur Gewinnung von neuem
Pflanzland.
Viehzucht
ist eine wichtige Tätigkeit der Bevölkerung und hat
stark sozialen Prestigewert. Doch Vieh aus dem Menabe wird auch
auf das Hochland verkauft. Die trockene Zone erlaubt ebenso die
Haltung von Ziegen und von Schweinen.
Die
an der Meeresküste lebenden Vezo ernähren sich vom
Fischfang. Die Überproduktion wird auf den Märkten
frisch angeboten oder als geräucherter Trockenfisch aufs
Hochland verkauft. Als neuer Industriezweig ist der Fang von
Garnelen, Krabben und Langusten im Aufbau.
In
Morondava hat ein zaghafter Tourismus - zumeist Strandtourismus
- eingesetzt, angeboten werden aber auch Touren zu Naturschönheiten
wie Lagunen und Schluchten, dann auch Besichtigungen von Gräbern
der Sakalava und von ehemaligen Königsorten. Doch infolge
des schwierigen Zugangs zu diesen Orten werden solche Touren
bislang als Abenteuertourismus verkauft - etwa die Fahrt zu den
tsingy nördlich von Belo-sur-Tsiribihina.
Die
prekären Strassenverhältnisse machen die
Flussschiffahrt vielerorts zum einzigen Verkehrsmittel. So hängt
die Region im Einflussbereich des Tsiribihina vom Flussverkehr
ab: zwischen Belo-sur-Tsiribihina und Miandrivazo transportieren
die Anwohner ihre Landwirtschaftsprodukte auf Pirogen ans Meer.
Sogar der Nachschub für die Stadt Belo-sur-Tsiribihina wird während
der Regenzeit mit Boutres geliefert.
Morondava
selber ist Versorgungshafen für viele Dörfer und kleine Städte
entlang der Westküste. Die Boutres beliefern diese Orte mit
Grundbedürfnisartikeln und nehmen auch Güter der Region (vor
allem getrocknete Fische) an Bord. Als Exporthafen hat Morondava
keine grosse Bedeutung. Es werden etwa 6’000 Tonnen Produkte
(Zucker, Trockenfisch und Holz) pro Jahr verladen.
Angeliefert
werden 5’000 Tonnen pro Jahr, wobei Treibstoff und Zement den
Hauptteil ausmachen. Entlang der Westküste verkehren wie seit
Jahrhunderten die motorlosen boutry, arabischen Dhows
vergleichbar.
Bedingt
durch die Isolierung von den angrenzenden Gebieten und gelähmt
durch die Unsicherheit gilt der Menabe als fast autonome Region.
Belo-sur-Tsiribihina sollte eigentlich ein Verbindungsglied sein
zwischen dem Menabe und der nördlich angrenzenden Provinz
Mahajanga, doch ist eine Fahrt von Belo-sur-Tsiribihina nach
Norden beschwerlich, abenteuerlich - und sehr oft gar nicht möglich.
Die
Westküste wird immer wieder von Zyklonen heimgesucht. So zerstörte
der Zyklon Kalasanjy 1989 in Belo-sur-Tsiribihina sehr viele Häuser,
Kulturland und Infrastrukturen wie Schulen und Brücken. 1991
verursachten die gewaltigen Überschwemmungen des Zyklons
Cynthia erneut erhebliche Schäden.
Der
südliche Menabe ist dünn besiedelt, die Dichte nimmt erst
wieder im Tal des Flusses Mangoky zu. Die Region um den kleinen
Ort Manja hat - insbesonders während der Regenzeit - enorme
Verkehrsprobleme. So werden die Landwirtschaftsprodukte über
den kleinen Boutry-Hafen von Andranopasy ausgeschifft. Die
Anlegestelle verfügt jedoch über keine Lagermöglichkeiten,
die beiden Lagerhallen wurden vor Jahren von einem der Zyklone
vollkommen zerstört.
Dabei
bildet die Umgebung von Manja eine der Hauptzonen Madagaskars für
den Anbau von Maniok. Früher waren auch Erdnüsse und Kaperbsen
sehr wichtige Produkte, doch der Anbau dieser Exportkulturen ist
stark rückläufig. So bleiben heute 60% der
landwirtschaftlichen Erzeugnisse in der Region und werden dort
verbraucht.
Die
südlich an den Menabe angrenzende Region wird von der
Provinzhauptstadt Tulear dominiert. Die Stadt Morombe spielt nur
eine sehr untergeordnete Rolle. Die Bevölkerung lebt
entlang der Verkehrsachsen: von Tulear nach Sakaraha, dann auch
in den Tiefgebieten von Tulear nach Morombe: der Korridor von
Manombo nach Befandriana-Sud erreicht eine Bevölkerungsdichte
von 100 Pers/ km2.
Erhebliche Bevölkerungskonzentrationen bestehen auch im
alten Siedlungsgebiet entlang der Flusstäler des Onilahy
und des Mangoky. Das Tal des Onilahy, seit Jahrhunderten eine
Einwanderergegend für Leute aus dem Südosten, ist ein Überschussgebiet
für Reis. Die mit Mangrovenwald bewachsene
Küste ist nur dünn von Vezo-Fischerdörfern besetzt.
Die
kaum besiedelten Waldgebiete südlich von Morombe sind
sagenumwobenen, weil darin das nomadische Waldvolk der Mikea
leben soll, das sich seit Jahrhunderten jeglicher Kontrolle
entzieht.
Die
von den Sakalava besiedelte Zone wurde durch Einwanderungen von
Bara und Antanosy überlagert. Oft sind diese Einwanderungen nur
arbeitsmässig bedingte Migrationen, die sehr oft nur ein
paar Jahre dauern. Doch die Tendenz, sich im Immigrationsgebiet
niederzulassen, besteht durchaus. So sind 95% der über 45-jährigen
Antaisaka nicht in der Zone um Tulear geboren, hingegen über
80% der unter 21-jährigen. Für viele Arbeitssuchende aus
dem Südosten ist Tulear allerdings bloss ein Etappenhalt von
ein paar Jahren auf ihrem Weg nach Norden.
Die
Region um Tulear weist eine grosse Varietät an Landschaften
auf. Die mehrheitlich trockene und im wesentlichen entwaldete
Region kennt sehr unterschiedlich ausfallende Regenmengen.
Generell dominiert eine Savanne mit verschiedenen Palmenarten,
mit Tamarinden (kily), Büschelgräsern und zuweilen auch
mit Trockenwäldern.
Reisanbau
wird überall betrieben, als Bewässerungsfeldbau oder als
Regenfeldbau. Der Reis wird zu 70% selber konsumiert, ergänzt
durch Maniok, der kaum kommerzialisiert wird, sich sehr gut in
der Trockenzeit aufbewahren lässt und so die Hungerzeit überbrücken
hilft. Dazu kommt Mais, der oft in Brandrodungsfeldbau (hatsake)
angepflanzt wird und so zur Degradierung und Erosion der Böden
beiträgt, ebenso wie die Buschfeuer und die Herstellung von
Holzkohle.
Bohnen
werden vor allem im Tal von Beroroha angepflanzt, dort betrug
die Produktion in den 1970er Jahren um die 1000 Tonnen pro Jahr,
jetzt ist sie auf unter 50 Tonnen gesunken. Süsskartoffeln,
Erbsen, Linsen, Erdnüsse (kapiky) und vor allem Kaperbsen (kabaro)
wurden früher in grossen Mengen angepflanzt, seit Jahren jedoch
geht die Produktion tendenziell und zum Teil sehr stark zurück.
Einzig Kaperbsen werden noch in nennenswerten Quantitäten
angebaut und zu 90% in den Export verkauft. Der Niedergang des
Erdnussanbaus wurde noch verstärkt durch die Schliessung
der Ölfabrik (SNHU) in Tulear, die ihrerseits wegen
mangelnder Erdnusslieferungen und veralteten Maschinen
geschlossen wurde. (Dieses Unternehmen war für die Produktion
von um die 3000 Tonnen Öl und 4000 Tonnen Seife pro Jahr
ausgelegt.)
Baumwolle
wird insbesonders im Delta des Mangoky und in der Region um
Sakaraha und Ankazoabo angepflanzt. Im Delta des Mangoky wurde
1961 für das Management der Baumwollproduktion ein spezielles
Unternehmen gegründet. Die mit europäischen Geldern
finanzierte SAMANGOKY sollte 35’000 ha für die
Baumwollproduktion einrichten, verwirklicht wurden nur 10’000
ha - und die Baumwollproduktion trat immer mehr zugunsten der
Reisproduktion zurück. Während 1977 noch 6284 Tonnen
Baumwolle produziert (2 t/ha) wurden, waren es zehn Jahre später
nur noch 125 Tonnen (1,1 t/ha).
Die
trockenen weiten Ebenen machen die Zone zu einem idealen Gebiet
für Viehhaltung, die auf extensiver Basis betrieben wird.
In
der Umgebung der Stadt Tulear (Ankilibe, Ifaty) gibt es mehrere
Salzsalinen, produziert werden mehrere tausend Tonnen Salz. Der
Absatz leidet allerdings unter der grossen Konkurrenz aus Diégo-Suarez.
Auch in der Nähe von Tsiombe werden pro Jahr 1300 Tonnen
Salz gewonnen, ebenso wie in Belo-sur-Mer südlich von Morondava.
Die
wenig nördlich des Wendekreises des Steinbocks gelegene
Hafenstadt Tulear hat mehr als 100’000 Einwohner und ist seit
1947 Hauptstadt der Provinz. Sie ist eine grossflächige
Stadt mit 40 Kilometern Strassen innerhalb der Stadt.
Tulear
ist vor allem eine Verwaltungsstadt. 35% der aktiven Bevölkerung
arbeitet in der Verwaltung, befindet sich im Staatsdienst oder
in der Armee. Weitere 45% sind im informellen Bereich tätig,
sie erledigen kleine Jobs wie Pousse-pousse Zieher und fliegende
Verkäufer.
Nur
5,5 % der aktiven Bevölkerung arbeitet im sekundären
Bereich. Die Stadt hat sich als Industriestandort nicht
durchsetzen können. Die Mehrheit der wenigen
Industriebetriebe schlossen in den 1970er und 80er Jahren, so
eine Fleischfabrik (JAMOKA), eine Ölmühle und Seifenfabrik
(SNHU), eine Textilfabrik (SUMATEX) und eine Landwirtschaftsgerätefabrik
(TOLY). Mindestens 2000 Arbeitsstellen gingen damit verloren.
Als
grösseres Unternehmen funktioniert einzig die Bierbrauerei
STAR weiter, sie produziert mit rund 80 Personen 60’000 hl
Bier und Softdrinks pro Jahr. Angegliedert daran eine Fabrik zur
Herstellung von Bierflaschenkapseln (VIFOTSY). Eine
Kautabakfabrik (SOMASOA) verarbeitet rund 350 Tonnen Tabak pro
Jahr.
Der
Grosshandel befindet sich fast ganz in den Händen der
Indo-Pakistaner, die im Handel mit Stoffen und Kleidern,
Autoersatzteilen und Eisenwaren quasi ein Monopol ausüben.
Madagassen sind nur im Detailhandel in den kleinen Epicerien der
Quartiere und auf den Ständen der Märkte tätig.
Das Gemüse auf den vier täglichen
Stadtmärkten
von Tulear stammt zumeist nicht aus der Umgebung, sondern wird
vom Hochland hertransportiert.
Die
Stadt ist Ausgangspunkt der Touristentouren durch den Grossen Süden
und bietet ein paar Hotels, aber keinen Strand. So entstand im
Dorf Ifaty nördlich der Stadt ein Ferienressort mit
mehreren Hotels. Nach Morombe gelangen nur sehr wenig Touristen
und fast gar keine nach Beroroha, obwohl von dort aus eine mehrtägige
Pirogenfahrt den Fluss Mangoky hinunter äusserst
interessant und abenteuerlich ist. Der Mangoky wird von den
Bewohnern auf 150 Kilometern genutzt, um ihre
Landwirtschaftsprodukte per Piroge aus der Zone
hinauszuschaffen.
Fahrten
auf dem Onilahy ab Tongobory werden angeboten und verbunden mit
einem Besuch der sieben Seen. Etwas südlich des Onilahy
befindet sich das einsame Réserve Naturelle Tsimanampetsotsa um
einen See, in dem blinde Fische schwimmen und an dessen Ufern
sich tausende von rosa Flamingos aufhalten.
Doch
nicht nur für die Bedürfnisse des Tourismus, sondern vor allem
für den Austausch von Produkten ist die Infrastruktur ungenügend
ausgebaut, zum einen sind die Strassen in schlechtem Zustand,
zum anderen werden die Transportmittel von wenigen Händlern
monopolisiert.
Der
Hochseehafen von Tulear empfängt 50’000 Tonnen Güter pro
Jahr. Die Anlegestelle für Schiffe mit einem Wassergang von
maximal 7,3 Metern befindet sich fast einen Kilometer vom Ufer
entfernt und ist mit dem Festland durch eine Dammstrasse
verbunden. Der Hafen, ausgelegt auf 100’000 Tonnen Güterumschlag
pro Jahr, ist nur zu 63% ausgelastet.
In
Morombe werden 500 Tonnen pro Jahr per Schiff gelöscht, der
Grossteil davon ist Treibstoff. Morombe hat keine Hafenanlagen,
die rund 30 Boutrys pro Jahr fahren an den Strand heran und
stehen bei Ebbe auf dem Sand. Die Treibstoff-Schiffe werden
durch Leichter entladen.
Die
Boutrys fahren auch Manombo nördlich von Tulear und Soalara
in der Bucht von Saint-Augustin an. Generell werden die Orte
entlang der Südwestküste praktisch nur per Segelfrachter
bedient.
Die
Strasse der Küste entlang nach Morombe und weiter nach Manja
sollte eigentlich landwirtschaftliche Produkte evakuieren: Reis,
Maniok, Kaperbsen, Baumwolle. Doch viele Zonen sind nur in der
Trockenzeit und nur mit Ochsenkarren zu erreichen. Während
sechs bis acht Monaten sind sie so gut wie abgeschnitten von der
Umwelt.
Eine
Piste verbindet Tulear mit Fort-Dauphin und führt durch eine
benachteiligte Zone von grosser Trockenheit. Kurz vor dem Überqueren
des Onilahy bei Tongobory fällt die Strasse hundert Meter
über eine Bruchstufe ins Mahafaly-Plateau ab. Während das
Onilahy-Tal und die Küstenstreifen ziemlich bevölkert
sind, ist das Mahafaly-Kalksteinplateau praktisch unbewohnt. Der
Schriftsteller Robert Mallet schrieb von dieser
Dornbuschsavanne, dass in diesem Wald ohne Blätter einzig
die Stacheln Schatten geben.
Das
Landschaftsbild wird dominiert von einer Buschsavanne mit
Didiereaceen und Kaktus (raiketa). Die Küstenregion unterliegt
dem Einfluss der Südwinde (tsiokantimo), die zeitweise sehr
heftig wehen. Maniok wird gepflanzt, auch etwas Süsskartoffeln
und Mais. Reis gedeiht nur an wenigen Gunstorten mit genügend
Wasser. Fischerei wird entlang der wenigen Küstendörfer
betrieben.
Die
Region des Südens ist ein traditionelles Emigrationsgebiet: die
Leute, insbesonders die Männer, verdingen sich für ein
paar Jahre auf den Zuckerrohrplantagen von Ambilobe und auf Nosy
Be.
Wasser
ist das grosse Problem dieser Region. Das Regenwasser stagniert
oft wochenlang und bleibt die einzige Quelle für Mensch und
Tier. Während der Trockenzeit werden Gruben in die
ausgetrockneten Flussläufe gegraben, um in den Sandteichen
etwas Wasser einfliessen zu lassen. Aus mangelnder Hygiene und
unsauberem Wasser resultieren viele Krankheiten, die mit Wasser
in Verbindung stehen, insbesonders Durchfall, unter dem die
Mehrzahl der Kinder leiden.
Unter
der sehr wasserdurchlässigen Bodenschicht aus Kreide, Sand
und Kalk findet sich jedoch Untergrundwasser, das durch
Ziehbrunnen von durchschnittlich zehn Metern erschlossen wird.
Man sagt im Süden: das Wasser fällt vom Himmel, fliesst über
den Boden und versteckt sich unter der Erde. Konflikte zwischen
Hirten und Bauern, zwischen nomadisch lebenden Viehhaltern und
sesshaften Ackerbauern sind häufig. Es geht häufig um
Land, aber ebenso um Wasser.
Viehhaltung
ist die Lieblingsbeschäftigung der Männer, die aber
auch Ziegen und Fettschwanzschafe halten. Der Diebstahl von Vieh
ist längst nicht mehr Sport sondern blutiges Geschäft.
Als Gegenmassnahme wurde die Aktion 'Dinan'ny mpihary omby'
lanciert mit der Devise: 'ein Rind gestohlen gleich das Dorf
attackiert'. Das Dorf als Einheit sollte seine eigene
Verteidigung gemeinschaftlich organisieren. Denn die staatlichen
Stellen sehen sich ausserstande, den Viehdieben Einhalt zu
gebieten. Zudem hat die 'opérations anti-dahalo' der Militärs
und der Gendarmerie oft ebenso viele Opfer beim beraubten Dorf
verursacht wie unter den Dieben.
Im
mittleren Süden sind einige Bodenschätze bekannt. Das
Kohlevorkommen entlang des Flusses Sakoa wurde schon während
der 1930er Jahre ausgebeutet und gar mit einer Bahnlinie von
Ankinany nach Beheloka zum Meer hin abtransportiert. Die
Schienen kann man heute noch sehen. Doch diese Kohlen bleiben -
vorläufig - ebenso unausgebeutet wie die zwei Millionen
Tonnen Kaolin-Vorkommen südlich von Ampanihy und die 30
Millionen Tonnen Eisenerz südlich von Betioky. Einerseits wegen
der geringen Qualität der Vorkommen (besonders bei der
Kohle), andererseits wegen Mangel an Finanzen. Mit dem Kaolin könnte
man eine Porzellanindustrie aufbauen und mit der Kohle eine
Zementfabrik betreiben, von der die Region Tulear immer wieder
träumt.
Eine
Industrie existiert im mittleren Süden nicht. Eine gewichtige
Rolle mit regionaler Ausstrahlung spielte die 'Coopérative
Mohair' von Ampanihy, die 1949 gegründet wurde und die Wolle
der eingeführten Mohair-Ziegen zu Teppichen verarbeitete. Das
florierende Geschäft kam ins Trudeln, wurde als
Entwicklungshilfeprojekt rehabilitiert und schlief dann endgültig
ein. Heute arbeiten noch ein paar Weberinnen auf privater Basis,
doch die Wolle der Ziegen hat durch genetische Degenerierung der
Angora-Ziegen an Qualität verloren.
Gegen
Osten hin nimmt die Bevölkerungsdichte trotz des
semi-ariden Klimas und den grossen Wasserproblemen besonders an
der Küste um Ambovombe wieder stark zu. Kleine rechteckige Häuschen,
aus Pflanzenmaterial hergestellt und recht windschief anzusehen,
säumen vermehrt die Strasse. Zwischen dem Fluss Menarandra
und Amboasary leben die Antandroy vom Anbau vor allem von
Maniok, dann auch von Mais und Süsskartoffeln und - wo das
Wasser es erlaubt - von Reis,
zumeist für den Eigenkonsum. Auch sie stehen immer
wieder unter einem grossen Bevölkerungsdruck und wandern
daher in andere Gegenden aus.
Der
Norden dieser Südzone, um Betroka, wird von den sehr mobilen,
viehzüchtenden Bara bewohnt. Die Bara weichen ihrerseits dem
Druck der eingewanderten Antanosy aus und ziehen vermehrt gegen
Westen.
Innerhalb
dieser Zone gibt es auch mehrere Monate dauernde
Transhumanzbewegungen von 100 bis 200 Kilometern, die Hirten
sind auf der ständigen Suche nach Wasser und Weide für das
Vieh.
Zwischen
Fort-Dauphin und Ambovombe wird etwas Tabak angebaut. In der
gleichen Gegend wird in Ranopiso rotes Piment (pilou-pilou)
geerntet und zum guten Teil exportiert. Auch Medizinalpflanzen
werden gesammelt und exportiert, 1978 waren es 900 Tonnen,
darunter das Immergrün (catharantes roseus), das eine Zeitlang
plantagenartig in der Region von Ambovombe angepflanzt wurde.
Ambobombe,
die 'Hauptstadt' der Antandroy mit ihren 50’000 Einwohnern,
ist ein wichtiger Kreuzungspunkt: einerseits führt dort die
Strasse nach Tulear weiter, andererseits geht die RN 13 - als
schlechte Piste - nach Norden auf das Hochland. An diesem
verkehrsgünstig gelegenen Punkt haben sich sehr viele
Transportunternehmer niedergelassen.
In
der Gegend von Amboasary siedeln zugewanderte Arbeitskräfte
während ein paar Monaten im Jahr. Sie finden eine saisonale
Beschäftigung auf den 20’000 ha grossen Sisalplantagen
von Amboasary, die 1000 Saisonarbeiter beschäftigen. Die
Produktion schwankt zwischen 1500 und 2000 Tonnen pro Jahr.
Amboasary lebt vom Sisal, doch von den 12 Sisalfabriken sind nur
noch 5 in Betrieb. Sisal wird grösstenteils in Faserballen
exportiert. Nur in Bezavo bei Fort-Dauphin verarbeitet eine
Fabrik (SIFOR) Sisal zu Schnüren, Seilen und 2000 Paaren
Espadrilles (Leinenschuhe mit Sisalsohlen).
Die
RN 13 gelangt östlich den Sisalfeldern von Amboasary abrupt
in den humiden Einflussbereich des Ostküstenklimas. Die
Landschaft ändert ebenso schnell von Trockensteppe in
Sekundärvegetation (savoka) mit den Ravenala, die nach der
Abholzung der Primärvegetation entstanden.
In
der Umgebung von Fort-Dauphin leben die Antanosy (Leute der
Inseln), die immer wieder gegen Westen auswandern, sei es
aufgrund ihres hohen Bevölkerungsdrucks oder aufgrund von
Unzufriedenheit mit der jeweiligen Regierung. So wanderten 1825
und 1845 mehrere Zehntausend Antanosy gegen Westen an den
Onilahy-Fluss aus und gründeten dort eine heute noch bestehende
grosse Antanosy-Kolonie. In der Gegend um Fort-Dauphin leben die
Antanosy von Ackerbau meist auf Subsistenzniveau, einzelne
Familien bauen etwas Kaffee an. Im Hügelgebiet nördlich
von Fort-Dauphin machen sie auch Brandrodungsfeldbau (tavy):
durch tavy werden in der Region von Fort-Dauphin pro Jahr 700 ha
Wald zerstört.
Die
Stadt Fort-Dauphin zählt 48’000 Einwohner. Sie ist ein
ökonomischer Pol des Südens und einer der wichtigen
Attraktionspunkte Madagaskars für Touristen. Zu bieten hat die
Region den Park von Berenty, kilometerlange Strände und
romantische Flussfahrten.
Wichtig
in den letzten Jahren wurde der Export von Langusten und Krabben
nach Europa und La Réunion und von getrockneten Algen in die
USA.
Die
Region weist Vorkommen an Edelsteinen und Halbedelsteinen auf.
180 Millionen Tonnen Bauxit lagern in Manantenina und
Titaneisenerz in der sandigen Küstenzone um Fort-Dauphin.
Bislang wird einzig Mica ausgebeutet, pro Jahr werden etwa 400
Tonnen exportiert. Der Abbau von Mica beschäftigt 300
Personen.
Fort-Dauphin
ist der Endpunkt für die Strassenfahrzeuge. Der Ostküste
entlang nach Norden existiert zwar eine Piste - in einem
lamentablen Zustand - bis Manantenina. Von Fort-Dauphin bis zur
Provinzgrenze in Maroroy sind sieben Flüsse mit Fähren zu
überqueren. Falls die Fähren in Betrieb sind, ist jedoch
die Strasse unpassierbar: Morast und Schlammlöcher, Flüsse
und Bäche verhindern eine Fahrt nach Vangaindrano und
Manakara.