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Feilenfabrik R. Schwarz, Oberwinterthur
1867 wurde von Rudolf Schwarz in der Winterthurer Altstadt eine Feilenhauerei gegründet. Die Nachfrage nach solchen Werkzeugen war damals gross. Drei solcher Betriebe waren in Winterthur ansässig. Später zog die Fabrik weiter in den „unteren Sulzberg“ gegenüber der Vögelimühle. Ein grosser Entwicklungsschritt folgte mit dem Umzug nach Oberwinterthur.
1867 kehrte der Winterthurer Feilenhauer Rudolf Schwarz von seiner Wanderschaft zurück. Um sein erworbenes Wissen umzusetzen, eröffnete er in einem Hinterhaus am Untertor eine eigene Werkstadt. Die Arbeit des jungen Feilenfabrikanten fand schnell eine gute Kundschaft. Bereits nach vier Jahren benötigte er grössere Räumlichkeiten. Schwarz fand sie im „unteren Sulzberg“, in einer Liegenschaft an der heutigen St. Georgenstrasse. Zehn bis zwölf Angestellte konnten beschäftigt werden. Aber auch hier war die Platzreserve bald aufgebracht. 1873 zog das Unternehmen in das Nebengebäude der Vögelimühle, das zusammen mit der Wasserkraft der Eulach erworben werden konnte. In diesen neuen Produktionsräumen waren mit der Zeit bis zu vierzig Arbeiter tätig.
Inzwischen fand Sohn Robert Schwarz, der sich im Ausland in der Sparte seines Vaters ausgebildet hatte, nach Winterthur zurück. Die ersten Haumaschinen, die er aus England mitgebracht hatte, brachten eine gänzliche Umwälzung des Produktionsprozesses. Die Handarbeit wurde zurückgedrängt. Die Werkstätten waren aber wiederum zu klein.
Im Geviert Hegistrasse-Talackerstrasse-Eulach wurde 1900 eine mechanisierte Feilenfabrik erstellt. Im Strasseneck westlich davon erstellte der Firmeninhaber für sich und seine Familie ein schönes Villengebäude, das Jahre später von einem grossen Baumbestand umgeben war. 1907 wurde das Geschäft vom Sohn Robert Schwarz übernommen. Der Betrieb wurde bis in die kleinsten Einzelheiten modernisiert und stand auf höchster technischer Stufe. Ein Teil der Produkte konnte exportiert werden. In der Schweiz hatte die Feilenfabrik Schwarz in der Branche eine führende Stellung. 1938 baute der bekannte Architekt Adolf Kellermüller zwischen Fabrikhallengebäude und Villa ein Bürogebäude. Die Gebäulichkeiten sind ein polychromer Backsteinbau. Die Werkhallen sind mit einem Sheddach versehen. Und schliesslich folgte 1948 eine letzte Ausbauetappe. Im östlichen Arealteil entstanden weitere Fabrikationsräumlichkeiten. Diese zeigen sich moderner und die Fassaden zum östlichen Abschluss des Fabrikareals sind mit grossflächigen Sprossenfenstern versehen.
1966 wurde die Fabrik an die Usines Métallurgiques de Vallorbe SA verkauft. Auch dieses Unternehmen war ein traditionelles Unternehmen der Feilenherstellerei. Die Produktion in Winterthur wurde eingestellt. Bis 1992 führte die „Vallorbe“ noch eine Niederlassung in Winterthur. Dann war ganz Schluss mit der Feilenhauerei in Winterthur.
Im östlichen Teil der Fabrikanlage nisteten sich in Kürze verschiedene Gewerbebetriebe ein. Die Gebäulichkeiten gegen Westen hingegen blieben lange ungenutzt. Ein Glücksfall trat ein als dieser Teil der alten Fabrik in die Hände einer Dame kam, die willens war, die denkmalpflegerischen Vorgaben zu akzeptieren und trotzdem Wohnraum zu schaffen. So kann man ab 2011 ein Teil dieses Fabrikensembles zu Wohnzwecken nutzen. Die Wohnungen in der ehemaligen Fabrikationshalle sind originelle loftartige Räume, die das ganz Spezielle in den Mittelpunkt stellen. Auch das Bachbord gegen den Winterthurer Stadtbach, der Eulach, kann als Erholungsraum genutzt werden. Durch die Errichtung eines neuen Wohnteiles gegen die Hegistrasse entstand ein gemütlicher Hof als Begegnungszone. Die jüngsten Fabrikanlagen im Osten wurden in Kindergarten- und Horträumlichkeiten umfunktioniert.