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Der Graue Star / Katarakt
Von Dr. med. Bruno S. Müller-Camenzind
Der graue Star, auch unter dem Fachwort Katarakt bekannt, bezeichnet eine Trübung der Augenlinse. Bei Menschen, die bereits im fortgeschrittenen Stadium erkrankt sind, kann man die graue Färbung hinter der Pupille sehen, woher die Krankheit auch ihren Namen hat. In der Antike nahm man an, bei der Entstehung des grauen Stars würden Substanzen hinter der Pupille herabfliessen, da der Seheindruck des Betroffenen einem Blick durch einen herabstürzenden Wasserfall glich. Der Begriff "Star" kennt man bereits seit dem 8. Jahrhundert und man geht davon aus, dass bereits in vorchristlicher Zeit operative Eingriffe am Auge getätigt wurden, um den grauen Star zu heilen.
Langsamer, schmerzloser Sehverlust als Hauptsymptom
Der Graue Star verursacht eine vermehrte Blendempfindlichkeit, eine zunehmende Sehverschlechterung und ein verändertes Farbensehen. Betroffene klagen über Verschwommensehen und beschreiben ihr Sehvermögen wie "durch einen Nebel" oder "durch eine stark verschmutzte, leicht bräunlich getönte Sonnenbrille" getrübt. Gelegentlich werden auch Doppelbilder wahrgenommen, die beim Schliessen des anderen Auges nicht verschwinden. Die Hell-Dunkel-Adaption des Auges ist verlangsamt und die Fähigkeit, räumlich zu sehen, wird mehr und mehr eingeschränkt. Über die Ursachen dieser Erkrankung weiss man wenig. Der graue Star ist in der Regel altersbedingt, d.h. bei über 90 Prozent der Betroffenen tritt er erst im fortgeschrittenen Alter auf. Er kann sich über mehrere Jahre langsam ausbilden, manchmal aber auch in wenigen Monaten auftreten. In jüngeren Jahren ist er häufig die Folge von Unfällen oder Verletzungen am Auge. UV-Strahlung kann die Augenlinse schädigen und so zur Entwicklung eines grauen Stars beitragen. Kataraktentwicklungen können auch Begleiterscheinungen einer chronischen Krankheit, wie z.B. Diabetes, oder eine Reaktion auf Medikamente, v.a. Kortison, sein. In seltenen Fällen ist der graue Star angeboren und muss dann, abhängig von seiner Ausprägung, in den ersten Lebenstagen bis -Wochen operiert werden.
Die Operation als einzige Behandlungsmöglichkeit
Auf die zunehmende Sehschwäche kann während einer bestimmten Zeit mit Korrekturen der Sehhilfen, also der Brille, reagiert werden. Wird trotz optimaler Brillenkorrektur kein zufriedenstellendes Sehvermögen erreicht, muss die getrübte Linse operativ entfernt und durch eine Kunststofflinse ersetzt werden. Ein extrem langes Hinauszögern der Operation hat keinerlei Vorteile, aber den Nachteil, dass die Linse zunehmend verhärtet, sodass ihre Entfernung später schwieriger und risikoreicher wird. Die gesamte Operation dauert in der Regel 20 bis 40 Minuten. Durch einen 3 mm grossen Zugang am Hornhautrand wird zunächst die vordere Linsenkapsel entfernt. Anschliessend wird die erkrankte Linse mittels eines Präzisionsultraschallstiftes abgesaugt. Die Kunstlinse wird im verbliebenen Kapselsack positioniert und die Wunde durch geeignete Massnahmen verschlossen. Ein Salbenverband stellt das Auge ruhig. Obschon diese Operation sehr gut verträglich ist und zu sehr guten Resultaten führt, muss darauf hingewiesen werden, dass es sich immer noch um einen komplizierten mikrochirurgischen Eingriff am offenen Auge handelt. Damit können die gängigen Operationsrisiken, insbesondere Infektionen und Komplikationen, nie ganz ausgeschlossen werden. Bei Kataraktoperationen können dies z.B. vorübergehende Drucksteigerungen, Blutungen am Auge, Netzhautablösungen, Hornhauttrübungen und andere sein. Solche unerwünschte Risiken betreffen allerdings weniger als ein Prozent der Eingriffe. Bei zwei Dritteln und mehr aller operierten Fälle kann der graue Star durch die Operation dauerhaft behoben werden. Bei 20 bis 30 Prozent der operierten Patienten tritt ein sogenannter Nachstar auf. Dieser ist nicht als Komplikation, sondern als eine bekannte Spätfolge zu taxieren. Der Nachstar kann ambulant und schmerzlos in der Augenarztpraxis mit dem Laser behandelt werden.