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Les pires
FR 2022, 99', DCP, F/d. Ab 16 J., Regie Lise Akoka, Romane Gueret. Drehbuch Lise Akoka, Romane Gueret, Éléonore Gurrey. Mit Mallory Wanecque, Timéo Mahaut, Johan Heldenbergh.
Die Linie ist dünn zwischen Kunst und Ausbeutung, wenn in sozialkritischen Spielfilmen mit jungen Laien gearbeitet wird. Davon handelt der seinerseits mit grossartigen Laien besetzte Film, der 2022 in Cannes den Prix Un Certain Regard gewann.
In einer Wohnsiedlung im nordfranzösischen Boulogne-Sur-Mer finden Dreharbeiten statt. Beim Casting werden vier Teenager ausgewählt. In der Nachbarschaft sind alle erstaunt: Warum haben sie nur «die Schlimmsten» genommen? Im stellenweise fast satirischen Spielfilm über die Dreharbeiten eines belgischen Regisseurs versuchen die Teenager sich zwischen fremden Erwartungen, den Tricks der Erwachsenen, dem Neid der Gleichaltrigen und ihren eigenen Träumen zu behaupten.
«Von einer Stigmatisierung eines Arbeiterviertels oder einer Idealisierung des sozialen Elends ist hier keine Spur. Die beiden ehemaligen Kinder-Casting-Frauen Lise Akoka und Romane Gueret, die ihr Thema wie aus dem Effeff beherrschen, stellen vielmehr die Verantwortung von Filmschaffenden in Frage, wenn diese sich an Orte begeben, wo die Menschen unter schwierigen sozialen Bedingungen leiden, und dann nach den Dreharbeiten wieder abreisen. Wird dadurch nicht gründliche soziale Arbeit, die vor Ort geleistet wird, zerstört, indem Hoffnungen geweckt werden, die nicht erfüllt werden können? Und riskieren Filmschaffende nicht, Stereotypen zu verfestigen, die sie eigentlich aufbrechen wollten? Die beiden Regisseurinnen konkretisieren diese komplexen Fragen in einer nuancenreichen Darstellung der Konflikte und ihrer Figuren, die von grossartigen Laien verkörpert werden, welche die Leinwand geradezu sprengen.» Thierry Chèze, «Première»