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Methodisches Vorgehen
Themenabgrenzungen und Begriffsklärungen
Methode
Die Herangehensweise an die Problemstellung ist sinnvollerweise eine Zweifache. Es werden vorerst die Bibliotheken und ihre Eigenheiten in Zügen dargestellt sowie deren historische Hintergründe aufgezeigt. Darauf wird das Lebens- und Leseumfeld bildungsferner Personen dargelegt, die aus der Sicht der Bibliotheken relevant sind.
Den ersten zwei Schritten folgt der synthetische Teil, der die Erkenntnisse der vorangegangenen Teile reflektiert und für die praktische Anwendung in allgemeinen Bibliotheken weiterentwickelt.
Die Ausarbeitung und Formulierungen bedürfen verschiedener interdisziplinärer Ansätze. Auf diese Art werden die Blickwinkel deutlich und zueinander in Verbindung gebracht.
Buchlesepraxis und übriger Medienkonsum
Die Hintergründe einer Lesepraxis im Allgemeinen und der Buchlesepraxis im Speziellen werden heutzutage in der Leseforschung kaum von einem Gesamtmedienkonsum getrennt.
In der heutigen vielfältig ausgestatteten Medienlandschaft mit ihren unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten ist die Buchlesepraxis eingebettet und sollte nicht isoliert davon betrachtet werden. Die Auseinandersetzung mit der Buchnutzung als dem für Bibliotheken wesentlichen Aspekt erlaubt im Rahmen dieser Arbeit nur am Rande eine Auseinandersetzung mit dem Fernsehen und der Internetnutzung.
Bildungsferne Schichten
Bei der Begriffsbestimmung des Ausdrucks bildungsferne Schichten ergeben sich verschiedene Schwierigkeiten, die nicht ganz ausgeräumt werden können. Dies rührt insbesondere daher, dass der Ausdruck bildungsferne Schichten ein gängiger Sammelbegriff ist, um einen Bevölkerungsteil ohne viel Bildung, niedrigem sozialen Status und beschränkten finanziellen Ressourcen zu charakterisieren.
In der vielfältigen wissenschaftlichen Literatur, die im Wesentlichen als Grundlage für diese Arbeit herangezogen wurde, besteht zu Recht kein zwangsläufiger Zusammenhang zwischen Ausbildung, Einkommen und sozialem Status. Diese Merkmale bedingen sich zwar in gewisser Weise wechselseitig, sind aber nicht so verbunden, dass aus dem einen Merkmal das andere abzuleiten wäre.
Je nach wissenschaftlichem Blickwinkel und Terminologie finden sich deshalb Begriffe wie tiefer sozialer Status oder tiefe soziale Schicht, unterer Bildungsstatus oder unteres Bildungsniveau, tiefer Bildungsgrad, tiefe Bildungsstufe, tiefe sozioökonomische Stellung und tiefer ökonomischer Status oder einfach einkommensschwache Schichten.
Daneben findet man auch etwa in journalistisch aufgearbeiteten Artikeln Begriffe aus dem Alltag, deren genaue Bedeutung sich jeweils aus dem Zusammenhang ergibt, wie etwa unterprivilegierte oder unqualifizierte Personen, aber auch einfach den Ausdruck Unterschichtsangehörige. Der vor noch nicht allzu langer Zeit gebräuchliche Ausdruck Arbeiterschicht wird hingegen kaum mehr angewendet.
Einen etwas anderen Zugang, um die Bildungsferne einer Person zu bestimmen, wurde im Rahmen der Auswertung der Lesekompetenz Schweizer Jugendlicher für die PISAStudien gewählt: «Ist von bildungsfernen Bevölkerungsschichten die Rede, so wird die Eigenschaft bildungsfern anhand folgender Merkmale identifiziert: Anzahl der im Elternhaus der Schüler vorhandenen Bücher, Vorhandensein klassischer Kulturgüter im Elternhaus der Schüler (Bilder, Plastiken, klassische Literatur etc.) und Zugang zu klassischen Bildungsgütern (Konzert- und Theaterbesuch etc.).
Für die Schweizer Nachfolgeanalysen zu PISA kam die Variable regelmässige Diskussionen mit den Eltern über soziale, kulturelle und politische Themen hinzu. Diese Variablen wurden zu einem Sammelindex verdichtet».
Bei diesem Zugang wird weder der Bildungsstatus, das Einkommen oder der tatsächliche soziale Status verwendet, sondern die Bildungsferne einer Person wird über Indikatoren ermittelt: auf der einen Seite materiell messbare IndikatorenBuch- und Kulturgüterbesitz, auf der anderen Seite soziale und somit schwieriger zu messende Kriterien.
Gerade die vierte von der Schweiz zusätzlich aufgenommene Variable Gespräche über gesellschaftliche Themen ist in dieser Arbeit ein wichtiges Merkmal, um den Lebensbezug bildungsferner Personen darzustellen, und davon ausgehend mögliche Buchinteressen einzuschätzen. Es ist ein Merkmal, das im Umgang mit bildungsfernen Personen immer wieder auffällt.
Der Begriff bildungsfern wird demnach in dieser Arbeit mit niedrigem Einkommen, wenig Bildung und niedrigem sozialem Status sowie mit ausschliesslich alltagsnahen Gesprächsinhalten assoziiert. Sie haben vorstellungsmässig den obligatorischen Schulunterricht ohne weiterführende Schulen besucht.
Je nach Zusammenhang kann in den Ausführungen das eine oder andere Merkmal in den Hintergrund treten und zu möglichen denkbaren Widersprüchen führen. Damit werden Schwierigkeiten berührt, die gewissermassen eine Eigenart in denjenigen sozialwissenschaftlichen Forschungsgebieten darstellen, wo aufgrund spärlicher Literatur verschiedenartige Quellen herangezogen werden müssen. Auch in dieser Arbeit treten diese Schwierigkeiten auf und können nicht umgangen werden.
Die Terminologie der zugezogenen wissenschaftlichen Arbeiten wurde aus prinzipiellen Erwägungen beibehalten. Damit besteht eine gewisse Gefahr einer begrifflichen Unschärfe, sodass Vergleiche ähnlicher Fragestellungen wegen den dabei unterschiedlichen wissenschaftlichen Weltbildern und den damit einhergehenden verschiedenen Terminologien eigentlich nur bedingt statthaft sind. Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit, sich mit einer so gestalteten vorläufigen Annäherung neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dies entspricht dann eher einer interpretierenden und auslegenden Vorgehensweise, die in dieser Arbeit Verwendung findet.
Geschlechtsspezifisches Leserverhalten
In der Buchleseforschung fällt immer wieder auf, dass das Geschlecht als Buchlesemerkmal hochrelevant ist. Dieser Sachverhalt zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Untersuchungen und betrifft sämtliche Bereiche der Leseforschung, neben dem Bücherbesitz auch die Lesehäufigkeit, Lesedauer, Lesefrequenz usw.
Haben bildungsferne Personen im Durchschnitt schon einen durchschnittlich kleinen Buchbesitz, so haben Männer regelmässig einen noch kleineren, während Frauen einen etwas über dem jeweiligen Durchschnitt liegenden ihr eigen nennen.
Es zeigt sich nebst einer Schere zwischen Lesern mit hohem Bildungsniveau und Nichtlesern mit tiefem Bildungsniveau demnach auch eine Schere bezüglich des Geschlechtes innerhalb der Wenig- oder Nichtleser. Auf diesen Problemkreis wird in dieser Arbeit nicht näher eingegangen, er muss ausgeblendet bleiben.
Das Geschlecht als Buchlesemerkmal wird in der Leseforschung oft beobachtet und ist dementsprechend gut dokumentiert. Hingegen mangelt es an einem gestützten Erklärungsansatz, der die unterschiedlichen Lesepraxen interpretiert und zusammenhängend darstellt.
Alter
In der Buchleseforschung ist neben dem Bildungsniveau und dem Geschlecht auch das Alter ein immer wieder erwähntes sehr relevantes Merkmal. Das Leseverhalten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zeigt variable Muster und Orientierungen. Diese werden im Hinblick auf eine generelle Buchlesepraxis nicht verglichen, je nach Literaturstand werden die Buchlesetätigkeiten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen herangezogen.