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Gemüseintoleranz Indikationen LebensmittelintoleranzDie Gemüseintoleranz ist eine Lebensmittelunverträglichkeit, die sich innert Stunden nach dem Verzehr von Gemüse in Verdauungsstörungen wie Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen äussert. Typische Auslöser sind zum Beispiel alle Kohlarten, Randen, Zwiebeln, Karotten, Erbsen, Linsen und Lauch. Die Gemüseintoleranz wird von un- oder schwer verdaulichen Kohlenhydraten verursacht, welche im Gemüse vorkommen und die im Darm von den Bakterien vergoren werden. Die Gemüseintoleranz ist für die Betroffenen unangenehm und kann zu einer ungesunden Ernährung führen, weil die auslösenden Nahrungsmittel gemieden werden. Neben der symptomatischen Behandlung stehen Enzyme zur Verfügung, welche die auslösenden Stoffe abbauen oder isomerisieren.Symptome
Eine Gemüseintoleranz äussert sich in den folgenden Beschwerden:
Die Beschwerden beginnen in der Regel innert Stunden nach dem Verzehr der auslösenden Lebensmittel und halten einige Stunden an. Sie beeinflussen sich gegenseitig, so verursachen die Blähungen und die Distension Schmerzen und Durchfall.Ursachen
Die Ursache der Beschwerden ist der Verzehr von Gemüse und anderen Lebensmitteln, welche unverdauliche oder schwer verdauliche Kohlenhydrate und insbesondere Oligosaccharide und Polysaccharide enthalten. Diese gelangen in den Dickdarm, wo sie vom Mikrobiom fermentiert werden. Dabei werden Darmgase gebildet, Wasser wird vermehrt zurückgehalten und durch verstärkte Darmbewegungen wird die Transitzeit verkürzt. Neben den Gasen werden auch kurzkettige Fettsäuren verantwortlich gemacht, welche aus den Kohlenhydraten bei der Fermentation entstehen.
Bei den auslösenden Kohlenhydraten handelt es sich zum Beispiel um Galactooligosaccharide (Abkürzung GOS) wie die Raffinose, die Stachyose und die Verbascose. Sie enthalten Galactose-Einheiten. Zwei weitere Gruppen sind die Fructane (Fructose-Polymere) und Fructooligosaccharide. Auch Monosaccharide wie die Fructose können beteiligt sein.
Malabsorbierte Kohlenhydrate sind ferner osmotisch aktiv und können so Wasser in das Darmlumen hineinziehen.
Im Folgenden sind kritische Lebensmittel aufgelistet. Die Verträglichkeit ist individuell unterschiedlich:
- Alle Kohlarten, z.B. Blumenkohl, Rosenkohl, Brokkoli, Rotkraut, Kohlrabi, Sauerkraut
- Randen (rote Beete)
- Lauch
- Zwiebeln
- Knoblauch
- Bohnen
- Erbsen
- Linsen
- Fenchel
- Gurken
- Karotten
- Salate
- Erdnüsse
Die genannten Substanzen sind auch im Getreide, in Nüssen, Pilzen und in einigen Früchten wie Bananen und Kiwis enthalten. Auch gekochter und im Ofen erhitzter Rahm (Sahne) wird oft nicht vertragen, weil fast jeder Rahm als Stabilisator Carrageen enthält, ein Polysaccharid, das aus Algen gewonnen wird. Auch Arzneimittel sind mögliche Auslöser, z.B. die Acarbose.
Die tiefere Ursache für die Gemüseunverträglichkeit ist uns nicht im Detail bekannt. Zugrunde liegt möglicherweise eine eingeschränkte Enzym- und Transporteraktivität, individuelle Faktoren und eine Veränderung des Mikrobioms. Eine erbliche Komponente ist wahrscheinlich und das Alter ist ein Risikofaktor. Die Betroffenen können gleichzeitig auch gegen andere Substanzen Unverträglichkeiten zeigen.Diagnose
Die Diagnose kann anhand der Patientengeschichte, mit persönlichen Beobachtungen, mit einem Ernährungstagebuch, einem H2-Atemtest und mit Provokationstests gestellt werden. Dabei soll festgestellt werden, ob weitere Unverträglichkeiten bestehen resp. die Gemüseintoleranz muss von ihnen abgegrenzt werden.Nicht-medikamentöse Behandlung
Durch das Meiden der auslösenden Lebensmittel kann das Auftreten der Beschwerden verhindert werden. Allerdings handelt es sich gerade bei diesen um gesunde Nahrungsmittel an der Basis der Lebensmittelpyramide. Zudem ist ein Verzicht nicht immer möglich.
Eine Alternative ist der Verzehr geringer Mengen. Bereits diese können aber Störungen verursachen.Medikamentöse Behandlung
Mit Enzymen können die Beschwerden gelindert oder eliminiert werden, denn sie bauen die kritischen Stoffe ab oder isomerisieren sie, ermöglichen die Aufnahme der entsprechenden Monosaccharide im Dünndarm und verhindern die Gasbildung. Die Enzyme, insbesondere die Alpha-Galactosidase, wurden in klinischen Untersuchungen getestet:
- Alpha-Galactosidase (z.B. Oligase® 600, Kombinationspräparat aus Deutschland, Beano®)
- Cellulasen, Hemi-Cellulasen (Xylanasen)
- Invertase (Saccharase)
- Xylose-Isomerase (auch in der Schweiz)
Probiotika können sich durch die Beeinflussung der Bakterienflora im Darm positiv auf die Beschwerden auswirken.
Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen können auch symptomatisch gelindert werden, zum Beispiel mit Simeticon, Aktivkohle, Loperamid, Scopolaminbutylbromid und weiteren. Die Wirkstoffe und Therapiemöglichkeiten sind unter den entsprechenden Artikeln im Detail dargestellt.
Der richtige Einnahmezeitpunkt ist wichtig. Die meisten Arzneimittel müssen bereits zum oder kurz nach dem Essen eingenommen werden, damit sie die Störungen verhindern können.
Verschiedene Tees sind für die Vorbeugung und Akutbehandlung der genannten Beschwerden gut geeignet. Schwarztee enthält Gerbstoffe, welche einem Durchfall entgegenwirken. Er kann beispielsweise dreimal täglich getrunken werden.siehe auchLiteratur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH)
- Chumpitazi B.P., Shulman R.J. Dietary Carbohydrates and Childhood Functional Abdominal Pain. Ann Nutr Metab, 2016, 68 Suppl 1(Suppl 1), 8-17 Pubmed
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- Fedewa A., Rao S.S. Dietary fructose intolerance, fructan intolerance and FODMAPs. Curr Gastroenterol Rep, 2014, 16(1), 370 Pubmed
- Ganiats T.G., et al. Does Beano prevent gas? A double-blind crossover study of oral alpha-galactosidase to treat dietary oligosaccharide intolerance. J Fam Pract, 1994, 39(5), 441-5 Pubmed
- Lenders M. et al. Effects of Orally Delivered Alpha-Galactosidase A on Gastrointestinal Symptoms in Patients With Fabry Disease. Gastroenterology, 2020, 159(4), 1602-1604 Pubmed
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