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Dübis Hochgebirgsführer durch die Berner Alpen
Von der deutschen Ausgabe der Climbers'Guides sind in den beiden letzten Jahren, gleichzeitig mit den entsprechenden englischen „ ", zwei Bändchen erschienen, beide verfaßt und im Auftrage der Sektion Bern S.A.C. herausgegeben von Dr. H. Dübi.
Das erste Bändchen behandelt den westlichen Flügel der Berner Alpen von der Dent de Mordes bis zur Gemmi, der durch die Einsattelungen der Frète de Sailles, des Pas de Cheville, des Sanetsch und des Rawyl in die Gruppen der Dent de Mordes, des Muveran, der Diablerets, des Wildhorns und des Wildstrubels gegliedert wird. Die vier ersten dieser Gruppen waren 1880 und 1881 Exkursionsgebiet unseres Clubs, und Prof. Renevier in Lausanne hat dazu ein Itinerar geschrieben, das der Hauptsache nach aus einer sehr instruktiven geologischen Orographie mit mineralogischen, botanischen und entomologischen Exkursen besteht, aber dem Bergsteiger nur für einige der wichtigsten Gipfel Wegleitung gibt.
Auch die Wildstrubelgruppe zwischen dem Rawyl und der Gemmi war einmal Exkursionsgebiet. Sie gehörte zum Clubgebiet 1882/83 und ist im Itinerar Edmund von Fellenbergs ziemlich einläßlich behandelt. Es sind aber in der Wildstrubelgruppe im letzten Vierteljahrhundert so viel neue Touren ausfindig gemacht worden, daß das für seine Zeit sehr reichhaltige Itinerar von 1882 dringend einer Ergänzung bedurfte.
Jahrtuch des Schweizer Alpenclub. 44 Jahrg.25 Außer diesen Itinerarien S.A.C. gibt es für einige Sommerfrischen und Kurorte des Gebietes Lokalführer, von denen insbesondere derjenige für Plans de Frenières, von Wagnon, und der für die Ormonts, von Busset und de la Harpe, dem Bergsteiger. in den Waadtländer Alpen gute Dienste leisten. Es fehlte aber bis in die letzte Zeit an einem das ganze Gebiet umfassenden, alle Gruppen gleichmäßig behandelnden Führer für Bergsteiger.
Dr. H. Dübi, der die Aufgabe übernommen hat, einen solchen zusammenzustellen, hat dieselbe trefflich gelöst. Er kennt das Alpengebiet vom Knie der Rhone bei Martigny bis zur Gemmi von vielen Exkursionen her aus eigener Anschauung und Erfahrung; über manche weniger bekannte Punkte hat er von zuverlässigen Gewährsmännern Nachricht erhalten, und daß er auch die ziemlich reiche, aber stark zerzettelte Litteratur über die westlichen Berner Kalkalpen fleißig durchsucht und zu Rate gezogen hat, versteht sich von selbst. Der Nachweis dieser Quellen, die zum Teil bis ins XVI. Jahrhundert zurückgehen, macht seinen Hochgebirgsführer auch für denjenigen wertvoll, der längst nicht mehr zu den „ aktiven " Bergsteigern gehört, aber sich als „ alter Herr " immer noch um die Topographie und die Besteigungsgeschichte unserer Berge interessiert.
Ein Führer für jedermann soll freilich der Hochgebirgsführer nicht sein; es ist ein Führer für Bergsteiger von einem Bergsteiger verfaßt. Statt der für die große Horde unerläßlichen Angaben über Fahrzeiten und Fahrpreise der Bahnen, Posten und anderer Fahrgelegenheiten sind die Durchschnittszeiten notiert, die ein Durchschnittsberggänger unter normalen Umständen für die Ersteigung eines Gipfels oder eines Joches braucht. Statt der Angaben über Gasthöfe und Gasthofpreise finden wir solche über die Lage und die Zugänge der vier Clubhütten des Gebiets, der Cabane Eugène Rambert an der Frète de Sailles, der Cabane des Diablerets am Fuß des Oldenhorns, der Wiklhornhütte im Iffigental und der Wildstrubelhütte an der Weißhornlücke. Es hätte aber hier eine Ausnahme zu gunsten einiger Bergwirtshäuser nicht geschadet. Die kleine Auberge Moreillon auf Anzeindaz am Wege des Pas de Cheville, das Hotel des Sanetsch und auf der Gemmi das Hotel Wildstrubel und die alte Herberge im Schwarenbach sind als Ausgangspunkte für Bergfahrten nicht weniger wichtig als die Clubhütten und hätten füglich anhangsweise erwähnt werden dürfen.
Die Reihenfolge der einzelnen Gruppen geht von West nach Ost. Die Wege zu den Gipfeln und Pässen werden, wie es in den Climbers'Guides die Regel ist, jeweilen als Aufstiegswege behandelt. Auf den Namen und die Quote folgt die Quellenangabe. Die Wege sind knapp und klar beschrieben, so daß man sich mit Hülfe der Siegfriedkarten 1: 25,000 und 1: 50,000, auf die jeweilen verwiesen wird, leicht zurecht findet. Gibt es zu einem Gipfel mehrere Routen, so sind sie chronologisch nach dem Datum der ersten bekannten Besteigung angeordnet. Bei der Grande Dent de Mordes, pag. 7, ist im Datum ein Druckfehler, 1887 statt 1787, stehen geblieben. Der Vollständigkeit wegen sind auch solche Punkte aufgenommen worden, über die kein Bericht existiert; es erscheint das auf den ersten Blick überflüssig, soll aber wohl darauf hinweisen, daß da möglicherweise noch ein Kränzlein zu holen ist, wenn nicht das Kränzlein einer ersten Besteigung, so doch das eines „ first recorded ascent ", der ja auch zu den bekannten sechs Arten einer ersten Besteigung gehört.
Auch das Gebiet, das im anderen Bändchen des Hochgebirgsführers besprochen wird, der Ostflügel der Berner Alpen von der Grimsel bis zum Urirotstock, ist ehemaliges Exkursionsgebiet des S.A.C. Der südlichste Teil, die eigentliche Dammagruppe von der Furka bis zum Sustenpaß, war unter dem Namen „ Triftgebiet " schon 1864 und 1865 offizielles Clubgebiet; ein eigentliches Itinerar dafür ist aber nicht erschienen, sondern nur ein Zirkular mit allgemein orientierenden topographischen und Reisenotizen. Dagegen sind die beiden nördlichen Hauptgruppen, diejenigen des Titlis und des Urirotstocks, in dem hübschen Itinerar für die Unterwaldner und die anstoßenden Urner Alpen behandelt worden, das Dr. H. Christ von Basel für das Exkursionsgebiet von 1875/6 geschrieben hat. Seither ist aber der Fuß der Urnerberge durch die Eröffnung der Gotthardbahn so leicht erreichbar geworden und hat die Zahl der Bergsteiger und der Bergbesteigungen in ihrem Gebiet so stark zugenommen, daß ein der heutigen Kenntnis des Gebirges entsprechender Spezialführer zum Bedürfnis wurde.
Diesem Bedürfnis ist der Urnerführer von 1905 entgegengekommen. Er behandelt im zweiten Band, Teil IV—VI, die Damma-Sustenhorn-gruppe, die Titlis-Spannortgruppe und die Urirotstockgruppe, mithin dasselbe Gebiet wie der Hochgebirgsführer von 1908. Er macht aber diesen doch nicht überflüssig, denn Dr. Dübi hat für seine Arbeit Material benützen können, das den Herausgebern des Clubführers von 1905 nicht zugänglich war, nämlich den Entwurf eines Climbers'Guide für die östlichen Berner Alpen von dem 1905 verstorbenen Mr. J. A. Luttman-Johnson, A. C, der sein Manuskript, d.h. die Beschreibungen seiner eigenen Bergfahrten und ein reichhaltiges Literaturverzeichnis, Herrn Dr. W. A. B. Coolidge hinterließ, der es wieder dem Herausgeber des Hochgebirgsführers zur Benutzung übergab. Dank dieser wichtigen Vorarbeit, die Dr. Dübi mit seinen eigenen Notizen aus dem Gebiet und den Mitteilungen mehrerer Mitarbeiter sorgfältig zusammengearbeitet hat, bietet der Hochgebirgsführer manche willkommene Ergänzung zu dem Clubführer für die Urner Alpen, der übrigens, selbstverständlich unter Quellenangabe, öfters zur Ergänzung des von M. Luttman und Dr. Dübi gesammelten Materials benutzt wurde.
Die Anordnung und die Behandlungsweise sind im vierten Bändchen des Hochgebirgsführers im wesentlichen dieselben wie im zweiten; auf das Vorwort und die Tafel der Abkürzungen folgt das Verzeichnis der Clubhütten, die sich von 1864 bis heute von einer einzigen ( Trifthütte am Thältistock ) auf sieben vermehrt haben, und die Zugänge zu den- selben, eine Notiz über die zudienlichen Siegfriedkarten, die aber, beiläufig bemerkt, nicht dem Blatt XII, sondern dem Blatt XIII der Dufourkarte entsprechen, und ein Verzeichnis der einzelnen Abschnitte des Gebietes, deren nicht weniger als 12 unterschieden werden. Innerhalb eines jeden Abschnittes folgen die Beschreibungen der Routen, jeweilen wieder mit topographischen und sehr wertvollen litterarischen Angaben, die von genauer Kenntnis und kritischer Benutzung der alpinen Litteratur zeugen. Unter den Autoritäten für die Triftlimmi, die am Anfang der Routen steht, hätte noch Ebel erwähnt werde » dürfen, der in der „ Anleitung " ( Ausgabe 1793, pag. 53 ) angibt, der Spittler der Grimsel ( 1790 ) habe das sechs Stunden lange „ Eisthal, das sich zwischen hohen Felsenspitzen nach dem Gentel- und Mühlethal ausdehnt ", einigemal durchgangen.
Wie dem ersten Bändchen des Hochgebirgsftthrers ist auch dem vierten ein sehr reichhaltiger alphabetischer Index beigegeben; die Ausstattung ist sehr sauber, das Format etwas größer als bei den englischen Climbers'Guides, aber immer noch ein sehr bequemes Taschenformat. Beide Bändchen bilden eine wesentliche Bereicherung der alpinen Litteratur und lassen uns nur bedauern, daß nicht auch die Bändchen III und IV, die Berner Alpen von der Gemmi zur Grimsel, schon in deutscher Ausgabe erschienen sind. Sie werden hoffentlich nicht allzu lange mehr auf sich warten lassenA. Wäber.