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Ein wohlgeregelter Zyklus
Den längsten Teil ihres Lebens verbringt eine Libelle im Larvenstadium, das sich bei den Winterlibellen — so genannt, weil sie als Erwachsene überwintern — über mehrere Monate erstrecken kann bis zu sogar mehreren Jahren bei den Quelljungfern, die im kalten Wasser leben.
Die eigentliche Libelle lebt kaum mehr als 2 Monate lang, dann stirbt sie völlig verbraucht. Da unsere Libellen im Prinzip nur eine Generation im Jahr zählen, ist es die Staffelung der individuellen Flugperioden, die es ermöglicht, sie während 3 bis 5 Monaten zu beobachten. In den ersten schönen Frühlingstagen und im Altweibersommer führt eine kleine Zahl frühreifer oder später Arten ihre ersten bzw. letzten Flüge aus.
Die Zeit der Libellen beginnt Mitte März. Kaum haben in Pfyn und in Le Verney bei Martigny die Grasfrösche ihre Eier gelegt, sieht man die Gemeinen Winterlibellen ankommen. Gemeinsam mit den fast identischen Sibirischen Winterlibellen sind sie die einzigen schweizerischen Libellen, die im Erwachsenenstadium überwintern. Um das zu können, suchen sie gut geschützte Hochgrasbüchsel auf, sogar recht weit vom Wasser entfernt. Sie können Temperaturen bis -17 °C widerstehen und werden von der milden Wärme der Sonne im März geweckt. Die Fähigkeit, sich vor beissenderri Frost zu schützen, bewahrt sie nicht vor Steppenbrand oder Wintermahd an Böschungen, wo sie wohnen.Im April kehren alle zu ihren Weihern zurück und man sieht Dutzende von Paaren Gemeiner Winterlibellen, die ihre typische Stellung einnehmen, bei der das Männchen mit seinen Hinterzangen das Weibchen am Genick festhält, während dieses Eier in schwimmende Vegetationsreste an den noch verlassenen Ufern legt. Sinkt die Temperatur unter 10 °C, wird diese Tätigkeit verzögert: die Sibirische Winterlibelle legt dann ihre Eier auf grüne Stengel ausserhalb der Reichweite von Fröschen.
Die Frühe Adonislibelle, eine zarte Jungfer mit rotem Körper, zeigt sich in der zweiten Hälfte April in Pfyn und wenig später in Berglagen. Auch die Gemeine Smaragdlibelle, die Plattbauch-Libelle, die Grosse Pechlibelle und die Becherazurjungfer stehen auf der Liste der frühen Arten.
Zwischen Mai und September nimmt die Zahl aktiver Arten rasch zu: dann kann man alle Arten beobachten, vor allem im Juli. Im Oktober beginnt der Niedergang dieser feenhaften Insekten, und trotzdem ist die Nachsaison reicher als der April und zeitigt späte Arten, die man kaum vor Ende Juli fliegen sieht, vor allem die zarten Heidelibellen, die zu den letzten Aktiven gehören.Der Kalender des gestaffelten Schlüpfens im Lauf der Monate wird von einem eigenen Tagesrhythmus unterteilt: frühe Libellen legen zeitiger am Tag als späte. Schliesslich sind da gewisse Libellenarten, die ihren Geburtsort während einer Reifeperiode verlassen und sich auf Jagd- und Hochzeitsgebieten versammeln. Um alle Libellen eines Weihers zu kennen, muss man mehrmals in der Saison hingehen, und zwar während mehreren Jahren.
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