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Leopard
Panthera pardus
© 1985 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Das grösste Verbreitungsgebiet aller Katzen
Der Leopard (Panthera pardus) gehört - mit Löwe, Tiger und Jaguar zusammen - zur Gattung der Eigentlichen Grosskatzen (Panthera). Diese unterscheiden sich von allen übrigen Katzenarten dadurch, dass sie laut brüllen können, und dass sich ihre Pupillen nicht zu Schlitzen, sondern kreisförmig zusammenziehen.
Von sämtlichen Katzenarten hat der Leopard bei weitem das grösste Verbreitungsgebiet. Es erstreckt sich über ganz Afrika, vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Mittelmeer und vom Atlantik bis zum Indischen Ozean. Es reicht von der Arabischen Halbinsel und der Osttürkei durch das ganze südliche Asien bis nach Korea und in die Mandschurei. Und es umfasst sogar die Inseln Sri Lanka und Java. Da der Leopard keine besonderen Ansprüche an seinen Lebensraum stellt - wenn nur genügend Beutetiere und Deckungsmöglichkeiten vorhanden sind - kommt er innerhalb dieses enormen Verbreitungsgebiets überdies in fast sämtlichen Klimazonen, Höhenlagen und Pflanzengesellschaften vor: in öden Halbwüsten wie im dichten tropischen Regenwald, in tiefliegenden, heissen Felsländern wie im nebeldurchzogenen Bergwald. Vielerorts - so etwa in den Vororten Nairobis (Kenia) - leben Leoparden auch in unmittelbarer Nähe des Menschen.
Wasser scheint für das Vorkommen des Leoparden von geringer Bedeutung zu sein. Er bewohnt durchaus auch sehr trockene Gebiete und vermag hier offensichtlich mit der Flüssigkeit auszukommen, die in seiner Nahrung enthalten ist.
Von weissen und schwarzen, getupften und gefleckten Leoparden
Angesichts des riesigen Verbreitungsgebiets des Leoparden und der Vielzahl seiner Lebensstätten ist es nicht erstaunlich, dass die Fleckenzeichnung seines Fells ausserordentlich wandelbar ist. Einzelne Leoparden weisen grosse Rosetten mit einem Fleck in der Mitte auf. Andere sind dicht mit vielen kleinen Tupfen übersät. In jedem Fall aber dient die scheinbar auffällige Fellzeichnung des Leoparden der Tarnung. Im Spiel von Licht und Schatten des bodennahen Pflanzengewirrs, in dem sich die Raubkatze vorzugsweise aufhält, lösen sich die Umrisse ihres Körpers förmlich auf; für den flüchtigen Beobachter bleibt die grosse Katze unsichtbar.
Auch die Grundfarbe des Leopardenfells variiert sehr stark. Die Farbskala reicht von weisslichen Tieren mit blauen Augen - wie sie in Indien und China schon aufgetreten sind - bis hin zu Schwärzlingen, welche vor allem in den Regenwaldgebieten Südostasiens vorkommen. Obwohl diese Tiere auf den ersten Blick pechschwarz erscheinen, sind bei Streiflicht die typischen Leopardenflecken in ihrem Fell deutlich erkennbar.
Schwarze Leoparden nennt man im allgemeinen «Schwarze Panther» und hält sie für besonders wild und blutrünstig. Sie verhalten sich aber nicht anders als normal gefärbte Leoparden. Es liegt offenbar in der Natur des Menschen, helle Tiere als besonders sanft und zahm, schwarze Tiere dagegen als unbändig und gefährlich anzusehen.
Schliesslich ist auch die Grösse des Leoparden starken Schwankungen unterworfen. Sie liegt - einschliesslich Schwanz - zwischen weniger als zwei Metern und 2,9 Metern. Diese Rekordgrösse ist bei einem in Ruanda erlegten Leoparden gemessen worden.
Die enorme Wandelbarkeit des Leoparden hinsichtlich Muster, Grundfarbe und Grösse hat in früheren Zeiten etwelche Verwirrung gestiftet. So glaubten etwa die Römer, Leopard und Gepard seien Weibchen und Männchen ein und derselben Art. Sie waren auch der Ansicht, Löwinnen würden gelegentlich ihre Männchen mit «Parden» betrügen und in der Folge mähnenlose Junge - eben «Leo-Parden» - zur Welt bringen.
Noch im späten 18. Jahrhundert hielt der berühmte französische Zoologe Georges Cuvier in einem seiner vielbeachteten Werke fest, dass Leopard und Panther zwei verschiedene Arten seien: Felis leopardus
und Felis panthera
. Cuvier's ebenso bekannter niederländischer Kollege C.J. Temminck pflichtete dem bei und ergänzte die Liste der Unterscheidungsmerkmale mit der Feststellung, dass der Panther 28 Schwanzwirbel besitze, der Leopard hingegen nur deren 22. Temminck hat sich hier ebenfalls von der enormen Variabilität innerhalb dieser Katzenart irreführen lassen. Heute bestehen in Fachkreisen keine Zweifel mehr, dass sämtliche Leoparden - ob gross oder klein, hell oder dunkel, getupft oder gefleckt - einer einzigen Art angehören: Panthera pardus
.
Dreissig verschiedene Unterarten
Insgesamt etwa dreissig Unterarten des Leoparden wurden wissenschaftlich beschrieben. Zu den Unterscheidungsmerkmalen gehören hauptsächlich die Körpergrösse, Grundfarbe und Musterung des Fells sowie Dichte und Länge des Haarkleids. In der Praxis fällt es allerdings sehr schwer, die Unterarten tatsächlich auseinanderzuhalten. Denn die Wandelbarkeit dieser Merkmale ist innerhalb der verschiedenen Unterarten dermassen gross, dass es selten möglich ist, ein Tier ohne Kenntnis seiner genauen Herkunft einer bestimmten Rasse zuzuordnen.
In Afghanistan, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, kommen vier Leoparden-Unterarten vor: Im Nordwesten lebt der Nordpersische Leopard (Panthera pardus saxicolor)
, im Südwesten der Zentralpersische Leopard (Panthera pardus dathai)
, im Nordosten der Kaschmir-Leopard (Panthera pardus millardi)
und im Süden der Belutschistan-Leopard (Panthera pardus sindica)
. Zu ihren Beutetieren gehören hauptsächlich die Bezoarziege (Capra aegagrus)
und das Wildschaf (Ovis ammon)
. Sie sind aber keineswegs wählerisch und verschmähen auch Nager, Vögel, Fische, Eidechsen und Schlangen nicht. In der Nähe menschlicher Siedlungen erbeuten sie mitunter auch Nutztiere, weshalb sie von der ansässigen ländlichen Bevölkerung massiv bejagt werden.
Heimlicher Einzelgänger
Der Leopard führt ein heimliches Leben und ist fast ausschliesslich nachts rege. Es ist daher ausgesprochen schwierig, nähere Kenntnisse über seine Lebensweise zu erlangen. Umfassende Studien des Verhaltens freilebender Leoparden sind erst in jüngster Zeit durch die Verwendung elektronischer Kleinstsender möglich geworden, die man einzelnen Leoparden an Halsbändern umgebunden hat.
Leoparden leben gewöhnlich als Einzelgänger und sind - ein genügendes Nahrungsangebot vorausgesetzt - sehr standorttreu. Sie leben in festen Wohnbezirken, die an den Rändern mit Nachbargebieten überlappen können. Gleichgeschlechtliche Nachbarn gehen sich geflissentlich aus dem Weg; bei unverhofften Begegnungen kann es zu erbitterten Kämpfen kommen.
Meister der Schleichjagd
Fast den ganzen Tag über ruht der Leopard an einem schattigen Ort. Im allgemeinen wählt er eine etwas erhöhte Stelle im Gelände, von welcher aus er seine Umgebung überblicken kann. Auf die Jagd geht er in der Regel erst am späten Nachmittag oder am frühen Abend. Er ist ein lautloser Schleichjäger mit ausserordentlicher Beweglichkeit und enormer Kraft. Seine beeindruckende Stärke zeigt sich darin, dass er oft Beutetiere, die schwerer sind als er selbst, in einen Baum hinaufzerrt, um sie vor nicht-kletternden Aasessern wie Schakalen und Hyänen in Sicherheit zu bringen.
Beim Beschleichen seiner Beute berührt der Leopard oft mit dem Bauch fast den Boden und nutzt geschickt jede kleinste Deckung. Schaut ein Beutetier in seine Richtung, so kann er minutenlang bewegungslos verharren. Aus nächster Nähe stürzt er sich schliesslich mit wenigen Riesensätzen auf sein Opfer und reisst es zu Boden. Im indischen Tigerreservat Ranthambhor konnten einst Besucher das unfassbare Anschleichvermögen des Leoparden eindrücklich miterleben: Sie beobachteten, wie ein Leopard einen Sambarhirsch anzuschleichen begann. Schon bald verschwand er aber aus dem Blickfeld der Zuschauer im Gebüsch und blieb unsichtbar. Als nach längerem Warten nichts weiter geschah, starteten die Besucher den Motor ihres Fahrzeugs um weiterzufahren. Das Geräusch des anspringenden Motors liess den Hirsch aufhorchen und seinen Kopf drehen - und im selben Moment sprang auch schon der Leopard von einem nahen Ast auf das ahnungslose Tier herunter. Die Raubkatze hatte es tatsächlich geschafft, vor den mit Feldstechern bewaffneten Augen mehrerer Menschen und vom Sambarhirsch völlig unbemerkt direkt über denselben zu gelangen.
Viele Anschleichversuche scheinen gemäss dem bekannten Feldbiologen George Schaller aber auch zu misslingen. Seinen Beobachtungen zufolge war durchschnittlich nur einer von neun Angriffen erfolgreich. Der Grosskatzenkenner Brian Bertram stellte im Serengeti-Nationalpark in Tansania fest, dass von 64 Jagdversuchen bei Tageslicht sogar nur drei zum Erfolg führten. Nächtliche Angriffe dürften wohl eine etwas bessere Erfolgsaussicht haben.
Grössere Beutetiere wie Wildschafe und -ziegen erstickt der Leopard durch einen festen Biss in die Kehle. Kleinere Tiere wie Nager und Hasen tötet er, indem er ihnen mit einem kräftigen Biss das Genick oder den Schädel bricht.
Mitunter machen Leoparden auch auf Stachelschweine Jagd. Allerdings ist dies selbst für die wendige Raubkatze kein ungefährliches Unterfangen, denn die eigenartigen Nagetiere wissen sich mit ihren spitzen und brüchigen Stacheln sehr wirkungsvoll zu verteidigen. Tatsächlich sind schon tote Leoparden gefunden worden, denen Stachelschweinborsten Lunge und Herz durchbohrt hatten. Oft werden Leoparden auch durch solche Stacheln in Gesicht oder Tatzen am Jagen gehindert, sodass sie schliesslich kläglich verhungern.
Vereinzelt spezialisieren sich Leoparden auf die leichte Beute Mensch. Oft handelt es sich um verletzte oder alte Tiere, deren Gebiss schadhaft ist. Solche «Menschenfresser» sind aufgrund ihres einzigartigen Anschleichvermögens mindestens so gefährlich wie menschenfressende Tiger. So forderte etwa der berüchtigte Leopard von Rudraprayag (Indien), der auf einer vielbegangenen Pilgerstrecke im Himalaja sein Unwesen trieb, über 125 Menschenleben, bis er schliesslich vom berühmten Grosswildjäger Jim Corbett erlegt werden konnte.
Leopardenmäntel
Trotz seines riesigen Verbreitungsgebiets und seiner grossen Anpassungsfähigkeit an örtliche Klima-, Vegetations- und Beutetierverhältnisse zählt der Leopard zu den gefährdeten Tierarten. Seine sämtlichen Unterarten sind sehr selten geworden. Verantwortlich für diese Situation ist in erster Linie die durch die «Leopardenmantel-Mode» hervorgerufene, gnadenlose Bejagung der eleganten Raubkatze vor allem in den sechziger und siebziger Jahren. Aber auch die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums und der Beutetierbestände sowie die Bejagung durch Viehzüchter und Trophäensammler haben ihren Teil zum Rückgang des Leoparden beigetragen.
Die Schönheit des Leopardenfells hat den Menschen schon immer begeistert. In Afrika galten Leopardenfelle als Zeichen besonderer Würde. So sassen etwa die Häuptlinge afrikanischer Stämme auf Sesseln, die mit Leopardenfellen behangen waren. Und noch heute trägt Präsident Mobuto aus Zaire eine Leopardenfell-Mütze als Zeichen seiner Macht. Die Bejagung des Leoparden zu diesem Zweck dürfte allerdings keinen grossen Einfluss auf die natürlichen Bestände der Art gehabt haben. Als dann aber in den sechziger Jahren Leopardenfell-Mäntel in der westlichen Welt gross in Mode kamen, da wurden viele lokale Leopardenbestände innert kurzer Zeit leergeschossen.
Grosse Kampagnen der internationalen Natur- und Umweltschutzorganisationen haben Ende der sechziger Jahre in den USA und in manchen europäischen Ländern auf diesen unverantwortlichen Frevel aufmerksam gemacht und viele Frauen vom Kauf eines Leopardenmantels abgehalten. 1971 verpflichtete sich dann der Internationale Pelztierhändler-Verband in einem mit dem World Wildlife Fund (WWF) abgeschlossenen Rahmenabkommen, zukünftig keine Leopardenfelle mehr auf den Markt zu bringen.
1975 erlangte das Internationale Übereinkommen über den Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (CITES), demzufolge der Leopard vollständigen Schutz geniesst, weltweite Gültigkeit. Diesem Abkommen ist es in erster Linie zu verdanken, dass der Fellhandel heute keine Gefahr mehr für die Art bedeutet. Die Zukunft der anpassungsfähigen, in zahlreichen Naturschutzgebieten vorkommenden Raubkatze sieht damit wieder vielversprechend aus.
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