Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03288.jsonl.gz/2455

Embolisation der Prostataarterien zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (BPH).
Bei der Behandlung der benignen Prostatahyperplasie gibt es medikamentöse, chirurgische und sowie minimal-invasive Therapiemöglichkeiten.
Patienten mit beginnenden und leichten Symptomen aufgrund einer benignen Prostatahyperplasie werden zunächst medikamentös behandelt. Dabei kommen sowohl sog. Alpha-Blocker als auch sog. 5-Alpha-Reduktasehemmer (z.B. Finasterid) zum Einsatz. Diese können alleine oder als Kombinationstherapie angewendet werden. Dabei führen Alpha-Blocker häufig zu einer raschen Besserung der Beschwerden, wobei sie jedoch keinen Einfluss auf das Fortschreiten der Erkrankung d.h. ein weiteres Grössenwachstum haben. 5-Alpha-Reduktasehemmer hingegen haben einen positiven Einfluss auf das Wachstum und können das Prostatavolumen um 20-30% reduzieren. Ungeeignet scheint die medikamentöse Therapie bei Patienten mit fortgeschrittener Symptomatik oder bei Patienten, bei denen es bereits zu Komplikationen in Folge der BPH gekommen ist.
Der Standard in der chirurgischen Therapie ist nach wie vor die sog. Transurethrale Prostataresektion (TURP), bei der das Prostatagewebe, das auf die Harnröhre drückt, über einen Zugang durch die Harnröhre entfernt wird. Damit können die Beschwerden um bis zu 70% reduziert werden. Mögliche Komplikationen sind nebst postoperativen Blutungen, narbige Veränderungen der Harnröhre, Inkontinenz und Ejakulationsprobleme. Neuere minimal-invasive chirurgische Verfahren sind zum Beispiel die Holmium Laser Enukleation oder die Photoselektive Vaporisation der Prostata. Dabei wird mittels Hitze überschüssiges, auf die Harnröhre drückendes Prostatagewebe zerstört. Beide Verfahren zeigten ein etwas sicheres Risikoprofil mit weniger Komplikationen als die klassische TURP.
Die Embolisation der benignen Prostatahyperplasie stellt eine weitere, neuere minimal-invasive, nicht-chirurgische Therapieoption dar. Erstmals beschrieben wurde diese Technik im Jahre 2000 bei einem Patienten mit starken Blutungen bei benigner Prostatahyperplasie, bei dem alle anderen chirurgischen und nicht-chirurgischen Therapieverfahren versagten. Durch die Embolisation der Prostatagefässe konnte die Blutung erfolgreich behandelt werden. Interessanterweise kam es gleichzeitig auch zur einer anhaltenden Verbesserung der Beschwerden beim Wasser lösen. Diese Beobachtung führte zu einem zunehmenden Interesse an dieser Methode und zahlreiche Studien zur Embolisation der Prostataarterien wurden mittlerweile bereits durchgeführt. Im Gegensatz zu den genannten medikamentösen und chirurgischen Therapien, wird die Embolisation der Prostataarterien jedoch durch einen interventionellen Radiologen oder eine interventionelle Radiologin durchgeführt und nicht durch einen Facharzt oder eine Fachärztin für Urologie.
Um beurteilen zu können, welche Patienten sich für eine Embolisation der Prostataarterien eignen, müssen vorgängig diverse Tests durchgeführt werden. Diese werden durch Fachärzte und Fachärztinnen der Urologie durchgeführt und unterscheiden sich nicht von den Tests, die auch vor einer Operation durchgeführt werden. Nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse sollten alle Patienten interdisziplinär, d.h. zwischen Urologen, Urologinnen, interventionellen Radiologen und interventionellen Radiologinnen besprochen werden, um für jeden Patienten die individuell beste Therapieoption zu bestimmen.
Im Gegensatz zu den chirurgischen Therapieverfahren wird der Eingriff in der Regel ambulant und in lokaler Anästhesie, d.h. ohne Vollnarkose durchgeführt. Vorbereitend erhalten alle Patienten ein Antibiotikum sowie einen Blasenkatheter. Letzterer dient während des Eingriffs als Orientierungshilfe und wird kurz vor Entlassung wieder entfernt. Als erstes erfolgt eine örtliche Betäubung in der Leiste. Anschliessend wird die Leistenschlagader mit einer feinen Nadel punktiert und ein Katheter (dünnes Schläuchlein) eingeführt. Mit Hilfe von diesem Katheter können dann die inneren Beckenschlagadern auf beiden Seiten aufgesucht werden. Dieser Vorgang ist für die Patienten nicht spürbar. Um die Prostatagefässe zu finden und genau zu identifizieren, müssen mehrfach Darstellungen der Gefässe (sog. Angiographien) gemacht werden. Dazu wird Röntgenkontrastmittel über den Katheter in die Schlagader injiziert, sodass sie mittels Röntgenbildern sichtbar gemacht werden können. Hat man die Prostatagefässe eindeutig identifiziert, wird ein ganz dünner Katheter (sog. Mikrokatheter) in die Prostatagefässe vorgeschoben. Über diesen Mikrokatheter erfolgt die eigentliche Embolisation. Dabei werden die genannten kleinsten Kunststoffpartikel mit dem Blutstrom in die Prostata eingeschwemmt bis diese die Prostatagefässe langsam verstopfen und schliesslich kein Blut mehr fliesst. Die Embolisation selbst ist nicht oder nur wenig schmerzhaft, sodass leichte Schmerzmittel während und nach dem Eingriff in der Regel ausreichen. Nach der Untersuchung wird die Leiste komprimiert und mit einem Druckverband versehen. Der Patient muss dann für einige Stunden (meist vier bis sechs Stunden) Bettruhe halten. Kurz vor Entlassung wird dann der Druckverband und der Blasenkatheter entfernt.
Ziel des Eingriffs ist die beidseitige Embolisation der Prostatagefässe. Dies gelingt in 75%-92% der Fälle. Bei Patienten mit stark geschlängelten und verkalkten Beckengefässen ist manchmal aber nur die Embolisation von nur einer Seite möglich. Ca. 76% aller Patienten zeigten eine subjektive Verbesserung ihrer Beschwerden, welche auch noch nach einem Jahr anhielten. Objektiv schrumpft die Prostata im Durchschnitt um 30-40%. Nach 12-24 Monaten kann das Volumen der Prostata wieder leicht zunehmen. Harnflussrate und Restharnmengen verbesserten sich deutlich v.a. in den ersten zwölf Monaten. In den bisherigen Studien gab es keine Patienten mit Urinkontinenz, Ejakulations- oder Erektionsprobleme nach erfolgreicher Embolisation.
Insgesamt gibt es nach Embolisation der Prostataarterien wenige gravierende Komplikationen. Am häufigsten besteht ein „Postembolisations-Syndrom”. Dabei kommt es zu leichten Schmerzen im Bereich des Dammes, Übelkeit und Erbrechen. Alle diese Symptome lassen sich mit leichten Schmerzmitteln relativ gut angehen. Brennen beim Wasserlösen sowie leichte Blutbeimengungen in Urin und Stuhl können v.a. in den ersten Tagen vorkommen, bedürfen in der Regel jedoch keiner Therapie, da die Symptome binnen weniger Tag von allein verschwinden. Eine Folgenschwere Minderdurchblutung des Mastdarms oder Harnblase wurde bisher in nur wenigen Fällen beobachtet und wurde durch ein Fehlembolisation (ungewollte Embolisation) der Enddarm- und Blasengefässe verursacht.
Die Patienten werden in der Regel noch am gleichen Tag nach Hause entlassen. Bei problemlosem Verlauf findet in der Regel eine 1. Kontrolle nach einer Woche beim interventionellen Radiologen oder bei der interventionellen Radiologin statt. Die weiteren Verlaufskontrollen erfolgen durch den behandelnden Urologen oder die behandelnde Urologin und beinhalten Bluttests, urodynamische Untersuchungen und meist eine erneute Magnetresonanz-Tomographie nach drei bis sechs Monaten. Bestehen keinerlei Beschwerden mehr, müssen auch keinerlei Medikamente mehr eingenommen werden.
Sie können sich entweder selbst anmelden oder von Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt, Ihrer Spezialistin oder Ihrem Spezialisten zuweisen lassen.
Universitätsspital Zürich
Interventionelle Radiologie
Rämistrasse 100
8091 Zürich