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Violet (Greta Gerwig leitet mit ihren beiden Freundinnen Heather und Rose die Selbstmordpräventionsstelle am Seven Oaks Campus. Schliesslich gibt es immer wieder verzweifelte Studentinnen und Studenten, die sich gerne durch einen Donut, heisse Schokolade oder auch ein wenig Stepptanz aufmuntern lassen. Als Liliy (Analeigh Tipton neu an die Universität kommt, wird sie von den Dreien herzlich empfangen und dazu überredet, der Gruppe beizutreten. Damit betritt sie einen skurrilen Mikrokosmos. Dabei wäre sie eigentlich eine ganz "normale", selbstbewusste junge Frau, die auf den hübschen Xavier steht und nicht wie Violet und Co. auf die unterbelichteten Typen der Studentenverbindungen steht.
Doch als der immerzu optimistischen Violet das Herz gebrochen wird, hinterfragt sie ihre Einstellung und ist selbst auf ein wenig Trost angewiesen. Doch zum Glück gibt es ihre Freundinnen, die jedoch selbst ein wenig an Gutmütigkeit eingebüsst zu haben scheinen. Gelingt es der Gruppe, wieder auf den richtigen Weg zu kommen und die Hölle, die das College sein kann, einigermassen unbeschadet zu überstehen?
Greta Gerwigs noch junge Karriere ist faszinierend: Angefangen hat sie in den Filmen der Mumblecore-Bewegung, wodurch sie ziemlich schnell zum Indie-Darling avancierte. Es folgte ein Abstecher ins Horrorgenre (The House of the Devil), und die Zusammenarbeit mit Noah Baumbach öffnete die Türen in den Mainstream (No Strings Attached). In Damsels in Distress kehrt sie wieder zu ihren Wurzeln zurück und darf sogar ihr Tanztalent zur Schau stellen. Obwohl der Film einen interessanten Ensemblecast aufweist, ist Gerwig das Zentrum des Filmes, und Regisseur Whit Stillman hätte keine bessere Castingentscheidung treffen können.
Neben Gerwig sticht vor allem Analeigh Tipton heraus, die als relativ normale Studentin zur Identifikationsfigur wird. Eine solche Figur ist dringend nötig, denn es braucht eine Weile, bis man sich im Universum von Damsels in Distress zurechtfindet. Die Dialoge sind derart überspitzt, dass sie keiner vorstellbaren Realität entsprungen sein können, und der Humor ist oft leise und versteckt, aber dennoch überall hör- und auffindbar.
In Whitmans Universum sind so ziemlich alle Jungs doof und das Erziehungssystem der USA wird auf die Schippe genommen sowie heftig kritisiert. Der eigentliche Plot bleibt hier sekundär, da der Film von seinen einzelnen Figuren, Momenten und Gesprächen lebt. Dies ist ebenso faszinierend wie frustrierend. Eine packendere Geschichte wäre hier definitiv möglich gewesen und hätte den Film bestimmt zugänglicher gemacht, was aber nicht die Intention zu sein schien. Stattdessen möchte man wichtige Themen zur Sprache bringen und porträtieren, dass die College Jahre nicht immer so toll sein mögen, wie es uns andere Filme weismachen wollen.
Damsels in Distress ist ein seltsamer Film. "Was soll das genau?" ist eine Frage, die beim ersten Kontakt mit diesem Werk auftreten mag. Ein zweiter Blick lohnt sich und mag einige Themen und Konzepte klarer in den Vordergrund rücken. Und jeder Film mit einem Song von MC Sar & The Real McCoy ist doch so oder so schon sehenswert.
Die DVD-Umsetzung des Filmes ist gut gelungen. Dem Bild mangelt es hin und wieder an Detailschärfe und die Farben sind alles andere als kräftig. Letzteres ist aber eher auf die Entscheidungen der Macher zurückzuführen. Der Ton ist genreüblich frontlastig und angemessen. Neben dem Audiokommentar ist vor allem "An Evening with Damsels in Distress" als lohnenswertes Extra hervorzuheben. Dieses rund 30-minütige Q&A bietet spannende Hintergrundinformationen, die im ebenfalls enthaltenen Making-of fehlen.
Marco Albini [ma]
2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.