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Roky Erickson exorziert die Dämonen seiner Vergangenheit
Von Ralph Hofbauer | 20. April 2010 | 0 Kommentare
Roky Erickson gibt nach 14 Jahren Auszeit mit „True Love Cast Out All Evil“ ein überraschendes Comeback. Unterstützt wird der Frontmann der legendären 13th Floor Elevators von den Indie-Darlings Okkervil River.
„True Love Cast Out All Evil“ beginnt mit einer Aufnahme, die Anfang der 70er im Rusk State Maximum Security Prison For The Criminally Insane entstanden ist. Roky Ericksons Mutter hat den Song bei einem Gefängnisbesuch auf einen Kassettenrekorder aufgenommen. Aus dem Stück „Devotional Number One“, in dem der texanische Songwriter Jesus und Magic Mushrooms thematisiert, spricht der Wunsch nach Erlösung. In Form von effektvoll eingeblendeten Streichern trifft diese dann auch ein.
Im zweiten Song ist eine um 40 Jahre ältere Stimme zu hören, die erlöst und geläutert klingt. Roky Ericksons Comeback ist der persönliche Exorzismus eines Mannes, der in der Vergangenheit nur allzu oft die Dämonen beschworen hat, die sein tragisches Schicksal begleitet haben. Der Frontmann der Psych-Pioniere 13th Floor Elevators hat sich vom traumatischen Gefängnisaufenthalt, den er einmal mit einem Konzentrationslager verglichen hat, nie wirklich erholt.
In den 70ern hatte Erickson mit Drogenproblemen zu kämpfen und wurde durch verschiedenste psychiatrische Anstalten gereicht. Gelegentlich liess der Texaner mit Titeln wie „Don’t Shake Me Lucifer“ oder “I Think Of Demons“ von sich hören, bis er in den 80ern gänzlich von der Bildfläche verschwunden ist. Die 1995 gedrehte Doku „You’re Gonna Miss Me“ liess einen daran zweifeln, ob Erickson jemals wieder zum Mikrophon greifen würde. Doch nachdem er seinen wuchernden Abszess – dank der finanziellen Unterstützung von Henry Rollins (!) – kuriert hatte, erholte sich Erickson allmählich und begann wieder aufzutreten.
Das erste Spätwerk des 62-Jährigen enthält manchen Backflash in die dunkle Vergangenheit. Trotzdem verströmt das Album mit seinen rustikalen Klängen einen ansteckenden Optimismus. Zwar wird in „John Lawman“ tüchtig gerockt, doch Erickson präsentiert sich auf „True Love Cast Out All Evil“ eher als Country-Songwriter, denn als Psych-Rocker. Man kann ihn sich wie Jeff Bridges in „Crazy Heart“ vorstellen: Ein etwas verrückter, in die Jahre gekommener Texaner, der in letzter Sekunde doch noch die Kurve gekriegt hat. Okkervil River reiten an der Seite der altersweisen Legende stilsicher in den Sonnenuntergang. Die tragische Karriere des Roky Erickson steuert auf ein versöhnliches Ende zu.
Roky Erickson & Okkervil River – Be And Bring Me Home[audio:http://cdn.stereogum.com/files/mp3/Roky%20Erickson%20And%20Okkervil%20River%20-%20Be%20And%20Bring%20Me%20Home.mp3]
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