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Abtei von Fontevraud
Die königliche Abtei Fontevraud befindet sich in der Region Pays de la Loire und liegt in der Gemeinde Fontevraud-l’Abbaye im Anjou, nahe den Städten Saumur und Chinonist Sie ist eine der grössten und am besten erhaltenen (d.h. rekonstruierten) Klosteranlagen in Europa. Gegründet im Jahre 1101 von Robert von Arbrissel unter Mitwirkung der Hersendis von Champagne und im Laufe der Jahrhunderte erweitert und umgebaut. Heute vereint die Anlage imposante Bauten romanischer Architektur mit Gebäuden der Gotik, Renaissance und anderer Architekturstile.
Napoleon wandelte die Abtei im Jahre 1804 in ein Gefängnis um und bewahrte sie dadurch vor der Zerstörung. In dieser Zeit zählte es zur gefurchtesten Strafvollzugsanstalt Frankreichs. Es wurde erst 1963 geschlossen.
Das Kloster
Die Abtei von Fontevraud ist als grösstes klösterliches Gebäude Europas auch unter dem Namen „Klosterstadt“ bekannt. Das aussergewöhnliche architektonische Gesamtwerk wurde auf einem Gelände von 14 Hektar erbaut.
Die Konzeption als gemischtes Kloster bestand zunächst unter Vorrangstellung der Frauen. Später existierten zwei getrennte Klöster nebeneinander, dann schliesslich vier:
Während die Frauen sich innerhalb einer strengen Klausur ausschliesslich dem Gebet widmen sollten, waren die notwendigen Arbeiten Sache der Männer. Bei ihnen lebten Kleriker und Laien ohne Trennung zusammen. Robert von Arbrissel, der den Abtstitel ablehnte, stand zunächst der gesamten Gemeinschaft als Magister vor. Er ging stets barfuss und trug Kleider aus grobem Tuch. Die Gemeinschaft von Fontevraud erhielt gewaltigen Zulauf aus allen Volksschichten. Vor allem aber suchten verstossene Ehefrauen, Prostituierte und sogar Aussätzige Zuflucht bei Robert von Arbrissel. Von 1115 an und sieben Jahrhunderte lang sollten nun, dem Willen des Gründers entsprechend, an der Spitze des Ordens 36 Äbtissinnen aufeinander folgen.
Das Kloster hatte von Anfang an eine starke Verbindung zum Haus Plantagenet, den Grafen von Anjou: Sie förderten dieses Kloster besonders und bestimmten es zu ihrer königlichen Grablege. Eleonore von Aquitanien zog sich im Alter in dieses Kloster zurück und liegt auch dort begraben. Das Kloster beherbergt ebenfalls die Gräber ihres zweiten Mannes Heinrich II. von England, des gemeinsamen Sohnes Richard Löwenherz und der Ehefrau seines jüngsten Sohnes Johann Ohneland, Isabella von Angoulême.
Die ehemaligen Klostergebäude sind weitgehend erhalten, auch wenn sie durch die Jahrhunderte in veränderten Stilrichtungen erneuert wurden. Hervorzuheben sind das romanische Küchengebäude sowie der Kreuzgang im Stil der Renaissance aus dem Jahr 1522 mit dem Kapitelsaal und dem Refektorium.
Abteikirche
Die Abteikirche besteht aus Chor, Langhaus, Kreuzschiff mit Vierungsturm und einer Westfassade mit zwei kleineren, nicht begehbaren Türmen. Im Zuge der Restaurierung der Aussenmauern hat man die romanischen Steinmetzarbeiten, hauptsächlich bestehend aus Kapitellen und Friesen, an besonders stark verwitterten Stellen durch Neuanfertigungen im romanischen Stil ersetzt, ohne jedoch die alte Substanz vollkommen zu ersetzen.
Auch der heutige Zustand des Innenraumes ist das Ergebnis einer gründlichen Restaurierung. Bereits während der Französischen Revolution kam es zu Beschädigungen an dem Kirchengebäude. Wie bereits erwähnt wurde unter Napoleon das Kloster zu einem Gefängnis. In die Kirche wurden ab 1821 vier Decken eingezogen und Werkstätten und Schlafsäle eingerichtet. Diese Arbeiten führten zur Zerstörung der Kuppeln und der Vergrösserung der Glasfenster im Norden, was im Zuge der Restaurierung rückgängig gemacht wurde. Der Chor wurde im romanischen Stil zwischen 1106 und 1117 unter der Leitung der Priorin Hersendis von Champagne erbaut, die Weihe nahm 1119 Papst Calixt II. vor. Im Chor befindet sich der leere Sarkophag des Klostergründers Robert von Arbrissel. Der Chor weist die traditionelle Schlichtheit der romanischen Kirchen der Loiregegend auf und ist Ausdruck des asketischen Geistes des Robert von Arbrissel. Der Chor hat mit seinem Säulenumgang deutliche Parallelen zu der Kirche Notre Dame la Grande in Poitiers.
Im Zuge des Kirchenbaus änderte man den ursprünglichen Bauplan. Das Langhaus wurde ab 1125 anstelle des üblichen Dreischiffs als eine ungeteilte Halle konzipiert, die mit einer Folge von vier Kuppeln überwölbt ist. Diese Bauweise ist wie bei mehreren ähnlichen Kirchen in Südwestfrankreich byzantinischen Ursprungs. Die Kirche gliedert sich durch diese Bauweise überdeutlich in Langhaus und Chor. Das Langhaus wurde 1160 vollendet.
An zentraler Stelle des Langhauses vor dem Eingang zum Chor liegen Heinrich II. von England und Eleonore von Aquitanien in der oberen Reihe, darunter Richard Löwenherz und Isabella von Angoulême, die Gemahlin von Johann Ohneland, deren Grabmal als einziges aus Holz geschnitzt wurde, begraben. Die anderen drei sind Plastiken aus Kalktuff, die ungefähr zu der Zeit gemeisselt wurden, als die Betreffenden gestorben sind, also zu Beginn des 13. Jahrhunderts (zwischen 1200 und 1256). Sie gehören mit zu den frühesten Grabplastiken, bei denen die Verstorbenen als Liegende, als Gisants dargestellt sind.
Grabmal von Eleonore von Aquitanien und Heinrich II. von England
Grabmal von Isabel von Angoulême und Richard Löwenherz
Diese Grablege des englischen Königshauses der Plantagenet gehört zu den bedeutendsten der europäischen Geschichte und steht in einer Linie mit der der salischen Kaiser in Speyer, der staufischen Könige in der Capella Palatina in Palermo, der französischen Könige in St. Denis und der anderen englischen Könige in Westminster Abbey.
Die Grabgestalten sind sämtlich in idealisierter Form dargestellt. So ist beispielsweise die Eleonore von Aquitanien nicht als 82-jährige Greisin zum Lebensende dargestellt, sondern in der Blüte ihrer Jahre. Im Gegensatz zur weissen Kühle der Kirche sind die Grabstatuen immer noch in den originalen, intensiven Farben gehalten. Diese Farbigkeit hatten früher auch die Kircheninnenräume. Die Statuen sind überlebensgross, ihre Urheber sind unbekannt. Deutlich ist versucht worden, den majestätischen Charakter der Figuren auch in ihren Grabstatuen zu erhalten. Sie sind gekrönt und liegen auf einem Paradebett, wie es den königlichen Begräbnisriten entspricht. Die beiden Könige dieser Vierergruppe sind mit einer Tunika bekleidet und halten in ihren behandschuhten Händen ein Zepter, das Symbol der königlichen Macht; an ihrer Seite liegt ein Ritterschwert.
Eleonore von Aquitanien stellte man auch auf dem Todesbett als Lesende dar. Dies unterstreicht ihre legendäre Gelehrtheit, eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters.
Das romanische Küchengebäude
Als seltene Ausnahme ist in Fontevraud noch das Küchengebäude im romanischen Stil erhalten geblieben. Der Grundriss des Baues ist ein Achteck – wie bei den Baptisterien – und durch eine raffinierte Verschachtelung von geometrischen Figuren ist auch das Gewölbe der Küche achtseitig geworden. Nicht nur aus Gründen des Feuerschutzes hat man eine Küche aus Stein erbaut, sondern auch aus Gründen der Repräsentation.
Die gleich hinter dem Refektorium gelegene Küche unterstrich mit ihren Kapitellen in Form von Kronen den Rang des ganzen Klosters als königliche Abtei.
Durch die Verschachtelung des Bauwerkes bilden sich Nischen in den Wänden, die als Feuerstellen Verwendung fanden. Der Blick direkt in das ungewöhnliche und hohe Gewölbe zeigt für eine Küche eine ziemlich komplizierte Konstruktion. Sogar in diesem scheinbar reinen Zweckbau hat man nicht nur auf saubere Verarbeitung, sondern auch auf Zahlensymbolik geachtet. In den hohen Gewölben befinden sich Abzüge für den Rauch der Feuerstellen sowie für die Wrasen der zubereiteten Speisen. Das Dach ist ganz im Stil der angevinischen Romanik in Stein gemauert und wie ein Pinienzapfen geformt.
Der Kapitelsaal
Der Kapitelsaal, der im 16. Jahrhundert wiederaufgebaut worden ist, vermittelt den Eindruck einer seltenen architektonischen Eleganz, mit seinen schlanken Säulen, die sich wie Palmen zu den sechs Gewölbejochen öffnen.
Das Refektorium
Die Schatzkammer
Eglise Saint-Michel
Seit 1975 gilt die Abtei als ein kulturelles Zentrum des französischen Westens. Regelmässig finden hier hochkarätige Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Kolloquien, Ausstellungen, Künstler-Workshops u. v. m. statt. Die Abtei bietet als modernes Besucherzentrum hinter historischen Mauern ein breites Spektrum an Entdeckungen, Besichtigungen und gastronomischen Einrichtungen.
Für mich war der Besuch der "Einmaligen Klosterstadt Fontevraud" eine privilegierte und aktive Entdeckungsreise in die Geschichte und die Architektur der Abtei von Fontevraud. Ich kann einen Abstecher jedem empfehlen der sich in dieser Gegend aufhält.
Praktische Info
Und wer einmal komfortabel im Kloster nächtigen will kann das in der Hotel- und Gaststättenanlage Saint Lazare die sich auf dem Klostergelände befindet tun. Vorausgesetzt dass man sich nicht daran stört, dass das ehemalige Lazarett für Leprakranke zum Hotel umgebaut wurde und sich im Moment wieder in einer gründlichen Umbauphase zum 4 Sterne Hotel befindet.