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Stuhlinkontinenz
Bei der Stuhlinkontinenz unterscheidet man drei Formen:
- Unmöglichkeit, Gas zu halten
- Unmöglichkeit, flüssigen Stuhlgang zu halten
- Unmöglichkeit, festen Stuhlgang zu halten
Meistens leiden die Patienten schon seit Jahren unter der Inkontinenz und fühlen sich in ihrem Sozialleben stark eingeschränkt.
Die Therapie beginnt immer mit stuhleindickenden Massnahmen und dem Muskelaufbau durch Beckenbodentraining und Biofeedback-Therapie. Bei Beckenbodenproblemen bündeln wir das Wissen unterschiedlicher Spezialistinnen und Spezialisten im Interdisziplinären Beckenbodenzentrum.
Sollte im Verlauf keine deutliche Verbesserung eintreten, so besteht die Möglichkeit entweder die Stimulation des Nervus tibialis posterior (PTNS-Therapie) oder die sakrale Neuromodulation (SNS) durchzuführen, um eine deutliche Kontinenzverbesserung herbeizuführen.
Stimulation Nervus tibialis posterior (PTNS)
Die Stimulation mit Strom durch eine dünne, am Fussknöchel gelegte Metallnadel sorgt für eine perkutane Stimulation des Nervus tibialis (PTNS). Die Wirkungsweise erfolgt retrograd über den Nervus tibialis posterior an den Plexus sacralis. Der Plexus sacralis und die Nervi pudendi werden stimuliert und der Enddarm und der Schliessmuskel bekommen Impulse, besser anzuspannen und den Stuhlgang länger zu halten.
Mit der PTNS-Therapie werden ebenfalls die Symptome einer überaktiven Blase wie akuter Harndrang, erhöhte Miktionsfrequenz und Dranginkontinenz behandelt.
PTNS ist eine hervorragende Alternative für Patienten, deren Stuhlinkontinenz-Symptome sich trotz konservativer Therapien nicht verbessern und die (noch) nicht einen SNS (Sakrale Nerven-Stimulation) wünschen.
Sakrale Neuromodulation (SNS-Therapie)
Die Sakrale Neuromodulation läuft in zwei Phasen ab, einer Testphase und einer permanenten Phase.
Zuerst werden die Beckenbodennerven (Äste des Nervi pudendus) im Bereich des Kreuzbeins durch die Sakralforamina S3 oder S4 mit einer Nadel aufgesucht und dann eine feine Elektrode in die Nähe dieser Nerven eingebracht.
Diese Operation wird in lokaler Betäubung durchgeführt.
Die Stromabgabe erfolgt über eine externe Batterie, die ausserhalb der Haut liegt.
Nach der Elektroden-Implantation erfolgt eine mehrtägige bis mehrwöchige Testphase zur Beurteilung des Therapie-Erfolgs. Wird in dieser Testphase eine Verbesserung der Symptome um mindestens 50 Prozent erzielt, erfolgt die Implantation der fixen Schrittmacherbatterie in das Unterhautfettgewebe im Bereich des Gesässes.
Der genaue Wirkungsmechanismus der Sakralen Neuromodulation für die Stuhlinkontinenz ist noch unklar. Durch die sakrale Neuromodulation konnten verschiedene Effekte nachgewiesen werden: verbesserte Kontraktion des äusseren Schliessmuskels, Erhöhung des rektalen Blutflusses sowie Aktivierung von gewissen Hirnzentren, welche für die Kontinenz zuständig sind.
Die sakrale Neuromodulation kann eine Stuhlinkontinenz deutlich verbessern.