Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03303.jsonl.gz/953

Basel, Anfang 20. Jh.
Rosenholz, Kirsche, Vogelaugenahorn u.a. Hölzer, teilweise gefärbt; Intarsientechnik
H. 16,5 cm, B. 18,5 cm, T. 15,7 cm
Inv. 2011.469.
Miniaturmöbel können sehr unterschiedliche Funktionen haben. Einige dienten als Modelle zur Visualisierung des fertigen Möbelstücks, andere waren Ausstattungsgegenstände in Puppenhäusern. Vielfach haben sie aber auch eine humorvolle Verwendung: So können keramische Tintenzeuge die Gestalt winziger Kommoden haben und Schmuckschatullen wie kleine Truhen oder Sammlerkabinette wie Aufsatzsekretäre gebildet sein. Auch diese kleine Kommode ist nicht, was sie zu sein scheint. Denn als Kommode, die sie der Form nach ist, müsste sie eigentlich Schubladen besitzen. Doch stattdessen öffnet sich die Abdeckplatte wie ein Deckel und gibt den Blick in das Innere mit einem unterteilten Einsatz frei. Darunter, ganz am Boden des Möbelchens, sieht man – in verschiedenen Hölzern eingelegt – zwei auseinandergehende Personen, einen jungen Mann und eine junge Frau, in einer knapp angedeuteten Landschaft. Da der biographische Hintergrund der ursprünglichen Besitzerin nicht bekannt ist, muss die Bedeutung dieser Darstellung unsicher bleiben. Doch darf man wohl von einer Abschiedsszene eines Liebespaares ausgehen. Auch die eingelegten Darstellungen auf der Vorderseite deuten eine Polarität an: Das Basler Münster auf der einen Seite und eine nicht identifizierte Ortschaft auf der anderen sind wohl als die beiden Aufenthaltsorte des getrennten Paares zu verstehen. Zur Verwahrung von Briefen, die während der Trennung gewechselt wurden, scheint diese ungewöhnliche Kassette in Auftrag gegeben worden zu sein.