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Was sind die Grundlagen von mentalen Modellen?
Da die kognitiven Ressourcen und Verarbeitungskapazitäten begrenzt sind, beginnen Menschen im Laufe ihres Lebens schon früh Strategien zu entwickeln, damit diese optimal ausgenutzt werden können und mit der Fülle von Reizen und Informationen, die täglich wahrgenommen werden, umgegangen werden kann:
Das Konzept des Schemas nach Bartlett und Piaget hat viele Gemeinsamkeiten mit mentalen Modellen und wird teilweise auch als gleichbedeutend beschrieben. Nach Johnson-Laird ist ein mentales Modell vor allem ein Schlussfolgerungsmechanismus, der im Arbeitsgedächtnis einer Person existiert (Jones et al, 2011) und uns hilft aus den begrentzen Kapazitäten des Arbeitsgedächtnisses das maximale herauszuholen und sparsam dabei vorzugehen. Jedoch stimmt auch Johnson-Laird zu, dass ein mentales Modell langzeitiges und kurzzeitiges Wissen beinhalten kann und physikalische oder konzeptuelle Entitäten repräsentieren kann. Andere Forscher konzeptualisieren mentale Modelle jedoch im Langzeitgedächtnis und sehen dieselben als längerfristige Wissensstrukturen, die Schlussfolgern und Denken unterstützen. In diesem Sinne sind mentale Modelle ähnlich wie Schemata nach Bartlett.
Schemata sind Grundbausteine des menschlichen Wissens und repräsentieren organisierte Wissens- oder Verhaltensmuster. Nach Piaget gibt es zwei Arten von Schemata:
- Verhaltensschemata, oder Handlungsschemata, wie z.B. ein Schema für das Laufen, ein Schema für einen Restaurantbesuch, usw.
- kognitive Schemata z.B. für Gegenstände die Anhand der Eigenschaften dieser Objekte aufgebaut ist.
Beide Arten werden miteinander vernetzt, so dass Kombinationen möglich werden und Schemas gebildet werden können, die beispielsweise Gegenstände und deren Gebrauch beschreiben.
Durch Erfahrung mit der Umwelt werden Schemata laufend an neue Gegebenheiten adaptiert und verbessert. Durch Assimilation werden Erfahrungen bestehenden Schematas zugeordnet und das Inviduum weiss, wie es mit der Erfahrung umgehen kann. Wenn eine neue Erfahrung so anders ist, dass sie sich durch Assimilation nicht bewältigen lässt, wird duch Akkommodation entweder das Schema angepasst, um die neue Erfahrung in die Wissenstruktur aufzunehmen, oder es wird sogar ein neues Schema gebildet, das von nun an weiter verfeinert werden kann. Ein Individuum strebt ein Äquilibrium (Gleichgewicht) zwischen der Umwelt und seinen kognitiven Strukturen an. Dies wird ermöglicht durch Adaption (Assimilation und Akkommodation), welches eine Form von Lernen darstellt.
Ab ca. 12-15 Jahren, in der Phase der formalen Operationen nach Piaget, sind Individuen in der Lage Probleme auf vollständig hypothetische Weise zu lösen, was logische Schlussfolgerungen wie auch das geistige Variieren von Variablen beinhaltet.
Der Vollständigkeit halber möchte ich im Zusammenhang mit ressourcenschonenden Strategien auch die Heuristiken erwähnen und sie von den mentalen Modellen unterscheiden: Auch Heuristiken sind eine Strategie zur Vereinfachung und Komplexitätsreduktion von Entscheidungssituationen, die mit Hilfe einfacher Regeln und weniger Informationen Ergebnisse von hinreichender Güte anstreben (Quelle), wobei jedoch unter gewissen Umständen systematische Denkfehler und kognitive Verzerrungen entstehen, wie z.B. ein Teil der Forschung von Kahnemann und Tversky zeigen konnte. In diesem Artikel werden die wichtigsten kognitiven Verzerrungern erklärt. Heuristiken werden nach der Zweiprozess Theorie, die Kahnemann in seinem Buch Thinking Fast and Thinking Slow erklärt hat, vor allem dann angewendet, wenn das System 1, das intuitive System verwendet wird, was oft der Fall ist, wenn z.B. die Motivation zur Verarbeitung tief ist, die kognitive Belastung gerade hoch ist, und wird auch beeinflusst von gewissen Persönlichkeiteigenschaften. Auch die Benutzung von mentalen Modellen wird davon beeinflusst, ob das intuitive oder das rationale System gebraucht wird, worauf ich jetzt aber nicht mehr näher eingehen werde. Heuristiken beziehen sich auf die Anwendung von Wissen, während mentale Modelle auch auf die Repräsentation von Wissen abzielen und die Wahrnehmung von Problemen im Allgemeinen prägen.
Eine wichtige Komponente, die es noch zu beachten gibt, ist die Anpassung von mentalen Modellen: Ich denke man kann da auf die Attributionstheorie schauen, die beschreibt, wie Menschen Verhaltensweisen anderer Personen zu erklären versuchen. Nach dem Kovariationsprinzip von Kelley wird bei niedriger Konsistenz eine Verhaltensweise als Ausnahme interpretiert und nicht dem Akteur zugeschrieben. So wird es auch schwierig wenn eine einzige Webseite ein neues Konzept ausprobiert und viele Konventionen über Bord wirft: Das neue Konzept wird nicht in das mentale Modell der Benutzer aufgenommen, sondern wird als Ausnahme interpretiert und ist wahrscheinlich beim nächsten Besuch der Webseite bereits wieder vergessen, da die Benutzer die meiste Zeit auf anderen Webseiten verbringen, wie Jakob Nielsens Gesetz der Internet User Experience beschreibt: