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Filmkritik: Dreimal China
Das Reich der Mitte war in den letzten Jahrzehnten zahlreichen Veränderungen unterworfen. Der Schweizer Dokumentarfilmer Luc Schaedler führt uns diese anhand dreier Beispiele vor Augen. Zuerst porträtiert er den Bauer Wie in Minqin, einem Dorf im Norden des Landes. Trotz einsetzender Wasserknappheit in den Achtzigern hat das Ehepaar ihren Wohnort nicht aufgegeben. Heute wächst im Garten nur noch Fenchel, und auch deshalb sah ihr Sohn keine andere Möglichkeit, als sich gegen sein Herz zu entscheiden und die Siedlung zu verlassen. Als Wanderarbeiter hat er nun selbst eine Familie. Ihn zieht es zurück nach Minqin, seine Frau aber ist strikte dagegen.
Tausende Kilometer entfernt, im Süden Chinas, gibt es Regen genug. Dort aber ist das Dorf Jiuxiancun noch immer verwundet von einem Massaker, dass in den Sechzigerjahren zur Zeit der Kulturrevolution verübt wurde. Der pensionierte Parteisekretär Li Yunchuang erinnert sich daran, meint aber, man müsse in die Zukunft schauen. Doch mögen die Narben des Verbrechens auch verheilt sein; verschwinden werden sie nie.
Die dritte Episode führt in die Mega-City Chonqing. Es braucht eine Weile, bis man merkt, dass der Wildfang Chaomei eigentlich eine Frau und kein Mann ist. Sie schlägt sich in der Stadt durch, während der Vater ausserhalb Tag für Tag Fische aus dem verdreckten Fluss zieht. Obschon die Eltern wollten, dass ihre adoptierte Tochter studiert, respektieren sie ihren Entscheid, in den Tag hinein zu leben. Chaomei dagegen stellt sich die Frage: Werde ich meinen Platz in der Stadt finden?