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Jürgen Ploog (geboren 1935) gelangte erstmals durch Jörg Fausers autobiografischen Roman «Rohstoff» ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit: Darin gewährt Ploog als Anatol Stern dem gebeutelten Harry Gelb alias Fauser in seiner Frankfurter Wohnung ein Refugium. Der deutsche Autor, der 35 Jahre lang im Dienst der Lufthansa geflogen war, Kopf des Undergroundmagazins «Gasolin 23» und Verfasser von «Cola-Hinterland», «Fickmaschine» und weiterer Texte in der Cut-up-Technik, schrieb seit je auch theoretische Texte. Deren bekanntester dürfte «Strassen des Zufalls» (1995) sein, «das beste deutsche Buch über Burroughs» (Carl Weissner), die Frucht von Ploogs Auseinandersetzung mit dem Werk des «Naked Lunch»-Autors, mit dem er befreundet war.
Nun liegt ein langer Essay vor, «Simulatives Schreiben», in dem sich Ploog Gedanken über die Bedingungen seines Schreibens macht. Mit grosser Klarheit leuchtet er die semiotischen und semantischen Implikationen der Cut-up-Technik aus, die in einem ausgeklügelten Montage- und Decollage-Verfahren besteht, das Brion Gysin 1959 in Paris erfunden hat. Trotz der Luzidität, die Ploog in seinem Essay entfaltet, bewahrt das Schreiben seine undurchdringliche Aura: «Kehren wir zum simplen Handwerk des Schreibens zurück, das sich trotz allen Wie und Warum sein Geheimnis bewahren wird. Der Mensch schreibt, aber dem göttlichen Lachen wird er nicht entgehen. Ein Text, der zerschnitten wird, verliert nicht etwa seinen Sinn (...), sondern sein erweiterter Sinn wird freigesetzt. Er kann sich in alle Richtungen entfalten. Indem ich einen zweiten Text danebenlege, beginnen die beiden Teile zu interagieren. Dieser Vorgang ist primär etwas, das sich im Kopf des Schreibers abspielt. (...) Ein solcher Schreiber kann Gegenden finden, in denen er noch nie gewesen ist. Er wird auf Figuren stossen, die ihm im ersten Augenblick fremd und unbekannt entgegentreten (so wie das auch bei lebenden Personen geschieht).»