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Ein Hauptmerkmal des Aufbaus einer Gesellschaft ist die Haushaltsstruktur, d.h. die Verteilung der Haushalte nach Typ, der durch die Beziehungen zwischen den Haushaltsmitgliedern definiert wird. Die Haushaltsstruktur widerspiegelt die Lebenszyklen der einzelnen Individuen, die wiederum von sozialen Normen geprägt sind, und bestimmt unter anderem, ob Dienstleistungen wie z.B. Kinderbetreuung und Pflege durch unbezahlte Arbeit erbracht werden oder ob eine Nachfrage nach Leistungen durch öffentliche oder private Dienste existiert. Weitere Bezugspunkte bestehen zwischen Haushaltsstruktur, Arbeitsmarkt und Einkommen (Zahl der Erwerbstätigen in einem Haushalt, Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Freizeit) sowie zwischen Haushaltsstruktur und Sozialkapital (soziales Netz innerhalb oder ausserhalb des Haushalts). Armutsgefährdung, materielle Entbehrung sowie die allgemeine Lebenszufriedenheit variieren je nach Haushaltstyp, in denen die einzelnen Individuen leben. Da ein Privathaushalt gemäss Definition einer Wohnung entspricht, entwickelt sich die Haushaltsstruktur parallel zum Gebäude- und Wohnungsbestand.
Stand 7. November 2019
Die wichtigsten Ergebnisse
Die Bevölkerung lebt zunehmend in immer kleineren Haushalten. Der Anteil der Paarhaushalte mit Kindern ist deutlich zurückgegangen. Die häufigsten Haushaltstypen sind Einpersonenhaushalte sowie Paarhaushalte ohne Kinder. Die subjektive Einschätzung der Lebenszufriedenheit und die finanzielle Sicherheit sind in Einelternhaushalten mit Kindern im Vergleich zu den übrigen Haushaltsytpen deutlich weniger gut. Der Anteil der Personen, die in Kollektivhaushalten wie Alters- und Pflegeheimen oder Studentenheimen leben, bleibt unter 2%.
Kontext
Die Zunahme bei den Paarhaushalten ohne Kinder und den Einpersonenhaushalten ist teilweise auf die zunehmende Alterung der Bevölkerung zurückzuführen und den damit verbundenen Anstieg der Anzahl Personen, deren Kinder ausgezogen oder die selber verwitwet sind. Ein weiterer Faktor für die Zunahme ist die fortschreitende Individualisierung unserer Gesellschaft, die wiederum mit der Erhöhung des materiellen Wohlstands zusammenhängt. Dieser erlaubt es, auf die Skaleneffekte zu verzichten, die durch das Zusammenleben in grossen Haushalten erzielt werden.
Die Einelternhaushalte mit Kind(ern), die häufig aus Trennungen und Scheidungen der Eltern hervorgehen, sind bei den armutsgefährdeten Haushalten übervertreten. [vgl. Publikation Armut in der Schweiz]. In 83% der Fälle lebt die Mutter mit dem oder den Kindern alleine in einem Haushalt weiter. Wenn ein Elternteil mit einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner zusammenzieht, entsteht eine Patchworkfamilie. 2017 waren 6,5% der Paarhaushalte mit mindestens einem Kind unter 25 Jahren Patchworkfamilien.
Obschon Heiraten und Geburten in der Schweiz nach wie vor eng miteinander verknüpft sind, ist der Anteil nicht ehelicher Kinder zwischen 1990 (5%) und 2017 (25%) stetig angewachsen. Bei den Paarhaushalten mit mindestens einem Kind unter 25 Jahren waren 10% der Paare nicht verheiratet. Dieser Anteil ist bei den Patchworkfamilien deutlich höher.
Vergleich mit subjektiven Daten
Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Haushaltstyp, in dem Personen leben, und deren Lebenszufriedenheit einerseits (vgl. Indikator Lebenszufriedenheit) und der Zufriedenheit, alleine oder in einem gemeinsamen Haushalt zu leben, andererseits.
Internationaler Vergleich
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Methodologie
In der Schweiz ist die seit 2010 jährlich durchgeführte Strukturerhebung (Teil des neuen Volkszählungssystems) die Hauptquelle für statistische Daten zu den Haushalten. Vor 2010 konnten diesbezügliche Daten nur alle 10 Jahre anlässlich der Volkszählung umfassend erhoben werden. Bei der Strukturerhebung handelt es sich um eine Stichprobenerhebung. Daher enthalten die Ergebnisse Vertrauensintervalle, die den Präzisionsgrad anzeigen. Diese Vertrauensintervalle werden hier nicht verwendet.
Beim Übergang zum neuen Volkszählungssystem wurde einerseits die Definition der ständigen Wohnbevölkerung leicht verändert und andererseits die Haushaltstypologie an die sozialen Veränderungen und die internationalen Standards angepasst. Trotz des Bruchs in der Reihe können grobe Vergleiche vorgenommen werden.
Definitionen
Definition des Indikators
Die Haushaltsstatistik ist ein Teil der öffentlichen Statistik, bei der der Haushalt die Erhebungseinheit ist. Gliederungskriterien sind z.B. die Zahl der Personen oder die verwandtschaftlichen Verhältnisse der Haushaltsmitglieder und führen zu einer Klassifikation der Haushalte nach Haushaltstyp. Unter dem Oberbegriff «Privathaushalt» werden alle Wohn- und Lebensformen des privaten Lebens zusammengefasst. Ein Privathaushalt ist immer identisch mit einer Wohnung, in der eine Person alleine lebt bzw. die von einer Gruppe von Personen geteilt wird. Privathaushalte werden unterteilt in Familienhaushalte und Nichtfamilienhaushalte (dazu zählen z.B. auch Einpersonenhaushalte). Erstere umfassen immer mindestens einen Familienkern, der entweder aus einem Paar mit Kind(ern) oder ohne Kind(er) oder einem Elternteil mit mindestens einem Kind besteht. In allen Familienhaushalten können auch weitere, nicht zum Familienkern gehörende, Personen wohnen. Paarhaushalte können je nach Zivilstand, Geschlecht und Alter der darin lebenden Personen in weitere Untergruppen differenziert werden.
Publikationen
Links