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Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Verkehrswesen der Schweiz mit zunehmendem Tempo. Die Eisenbahn veränderte Landschaften, Gesellschaft und Wirtschaft, Bergbahnen und Seilbahnen sowie das Postauto erschlossen Gipfel und Täler. Die alte Postkutsche hatte hingegen ausgedient.
Die Anfänge der Eisenbahn
Das Aufkommen der Eisenbahn markierte in der Schweiz den Beginn einer neuen Zeit, die vom Aufschwung der Maschinenindustrie und von Unternehmer-Politikern wie dem Eisenbahnpionier Alfred Escher geprägt war. Vor allem aber brachte sie eine tief greifende Umgestaltung der Landschaft und eine beschleunigte Verstädterung mit sich.
Das Eisenbahngesetz von 1852 überliess den Bau und den Betrieb der Eisenbahnen den Kantonen. Der Bund war zuständig für die Erteilung der Betriebskonzession, für Enteignungsfragen, für die technische Standardisierung sowie für die Überprüfung von Bauplänen und die Sicherheit der Arbeiter. Wegen dem «Eisenbahnkrach» Ende der 1870er-Jahre und den Bauarbeiten am Gotthard, die von vielen Unfällen überschattet waren, weitete der Bund seine Kompetenzen allmählich aus. Damit die grossen Eisenbahntunnel gebaut werden konnten, wurden Staatsverträge mit den betroffenen Nachbarländern abgeschlossen. Konzessionen mussten erteilt, Baufristen geprüft und die Finanzierung mittels Bundesanleihen sichergestellt werden. Der Bund setzte Experten ein, welche die Bauverträge begutachteten und Arbeitsunfälle untersuchten. Zudem vermittelten die Behörden bei rechtlichen Streitigkeiten.
1902 gingen die Centralbahn, die Nordostbahn, die Vereinigten Schweizerbahnen, die Jura-Simplon-Bahn, die Gotthardbahn und weitere Unternehmen in den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) auf. Einzelne Privatbahnen wie die Rhätische Bahn (RhB) oder die spätere Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) konnten sich auch während des 20. Jahrhunderts behaupten. Kantone und Bund wurden bei diesen aber wichtige Aktionäre.
Die Unterlagen der Eisenbahnverwaltung des Bundes aus dem 19. Jahrhundert werden im Bestand Eisenbahnwesen (1843-1965) aufbewahrt. Dort finden sich folgende Themen:
- Errichtung und Betrieb des Eisenbahnnetzes und anderer Anlagen des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz
- Gesetzgebung
- Verstaatlichung der Bahnunternehmen
- Konzessionserteilung
- Sicherheitsfragen bei den staatlichen wie auch bei Privatbahnen, Seilbahnen und Sesselliften
Die Geschäftsakten der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und ihrer Vorgänger werden dagegen nicht im Bundesarchiv aufbewahrt, sondern im historischen Archiv der SBB.
Für die Anfangszeiten des staatlichen Eisenbahnwesens von Bedeutung sind die Handakten der Bundesräte Josef Zemp (1870-1908) und Ludwig Forrer (1873-1922). Auch die Privatarchive von Ludwig Forrer (1863-1917) oder des Nationalrats, Unternehmers und Eisenbahnpioniers Alfred Escher (1820-1891) enthalten interessante Dokumente zum Thema.
Die Bahnen im 20. Jahrhundert
1902 nahmen die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) ihren Betrieb auf. Die stete Nachfrage nach neuem Rollmaterial war Auslöser eines Booms der schweizerischen Maschinenindustrie, die im Bau von Lokomotiven internationale Standards setzte. In den 1940er-Jahren wurde die Bahn zum Massenverkehrsmittel für Personen und Güter. Sie geriet jedoch in den 1960er-Jahren wegen der Konkurrenz durch den motorisierten Individualverkehr in die Krise. Die 1970er-Jahre waren das Jahrzehnt der Prognosen und Pläne. Neue Strecken für schnellere Züge sollten gebaut, der Anschluss an den Flugverkehr hergestellt und die Pendlerinnen und Pendler besser bedient werden. In den folgenden Jahrzehnten wurden grosse Projekte wie die Bahn 2000 oder die NEAT initiiert. Bei der SBB kam es 1999 zu einer grossen Veränderung. Fast 100 Jahre lang war die SBB direkt der Bundesversammlung und dem Bundesrat als Aufsichtsbehörde unterstellt gewesen. Nun wurde sie als privatrechtliche Aktiengesellschaft organisiert, die sich zu 100 Prozent im Besitz des Bundes befindet.
Unterlagen zum Eisenbahnwesen im 20. Jahrhundert finden sich vor allem im heutigen Bundesamt für Verkehr (1823-2005) und seinen Vorgängerorganisationen, der Eisenbahnabteilung (1874-1934) und dem Eidgenössischen Amt für Verkehr (1820-1992). Neben den schriftlichen Unterlagen befinden sich in diesen Beständen viele Pläne zur Streckenführung, zu Niveauübergängen und Höhenprofilen. Vereinzelt enthalten die Dossiers Fotomaterial, vor allem Jubiläumsschriften oder Geschäftsberichte.
Auch die Handakten ehemaliger Departementsvorsteher des heutigen eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) können wichtige Unterlagen zur Thematik beinhalten, zum Beispiel jene von Marcel Pilet-Golaz (1893-1948) oder von Adolf Ogi (1988-1994).
Unterlagen zu Bahnen, Bahntransporten und Bahnunfällen während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs sind im Bestand Landesverteidigung (1600-1960) abgelegt. Hinweise auf weitere Bestände enthält das Kapitel Eisenbahnen und Postautos.
Berg- und Seilbahnen
Bergbahnen und Tourismus hängen eng zusammen. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden die Schweizer Berge zu einem bevorzugten Ziel für vorwiegend ausländische Touristen. 1871 wurde die Vitznau-Rigi-Bahn als erste europäische Zahnradbahn in Betrieb genommen. 1934 entstand in Davos der erste Schlepplift. Die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg verzögerten die weitere Entwicklung bis in die 1960er-Jahre. Zuletzt kamen die Skilifte hinzu, als in den frühen 1970er-Jahren neue Wintersportgebiete erschlossen wurden und sich Skifahren zum Volkssport entwickelte. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts betrieben 505 Seilbahnunternehmen in der Schweiz insgesamt 1774 Seilbahn- und Skiliftanlagen.
Seit den 1890er-Jahren ist der Bund für die Überwachung des Baus und des Betriebs von Berg- und Seilbahnen zuständig. Die Unterlagen dazu sind hauptsächlich in den Beständen Eisenbahnwesen (1843-1965), Eidgenössisches Amt für Verkehr (1820-1992) sowie Bundesamt für Verkehr (1823-2005) abgelegt. Beim Bundesamt für Verkehr existiert zudem unter dem Titel Teilregistratur Seilbahnen (1878-1981) ein Teilbestand mit Unterlagen zu den einzelnen Seilbahnen.
Von der Postkutsche zum Postauto
Der private und regional organisierte Postkutschenverkehr entwickelte sich ab Mitte des 18. Jahrhunderts. Mit der Gründung des Bundesstaats wurde das Postwesen verstaatlicht und 1849 ein gesamtschweizerisches Pferdepostnetz aufgebaut. Berühmtheit erlangte die Gotthard-Pferdepost. 1906 wurde für den Postverkehr zwischen Bern und Detligen erstmals ein Auto eingesetzt.
Nach dem Ersten Weltkrieg baute man Armeelastwagen serienmässig zu Postautos um, welche die Pferdepost allmählich verdrängten. Die Postautos erschlossen laufend neue Regionen, darunter viele Alpentäler und Pässe, die nicht ans Eisenbahnnetz angeschlossen waren. Konzessionierte regionale Automobilunternehmen boten zunehmend Postautodienste an.
In den letzten 30 Jahren führte der vermehrte Wettbewerbs- und Kostendruck im öffentlichen Verkehr teilweise zu einem Leistungsabbau bei den Postautoverbindungen. Anderseits übernahmen Postautos den Streckenservice für stillgelegte Eisenbahnlinien oder verlegten sich auf spezielle Transportangebote. Dazu gehören touristische Fahrten sowie Fahrten ausserhalb des Linienverkehrs.
Im Bestand Postwesen (1708-1931) finden sich diverse Unterlagen zur Pferdepost, zu den Postkonzessionen oder zu den Poststrassen. Neuere Unterlagen zu den Postautos sind im Eidgenössischen Amt für Verkehr (1820-1992) sowie im heutigen Bundesamt für Verkehr (1823–2005) abgelegt.
Tipps zur weiteren Recherche
- Historisches Lexikon der Schweiz mit Artikeln u. a. zu den Eisenbahnen und Bergbahnen.
- Historic SBB : Historisches Archiv der SBB (inklusive Archive der Vorgängerunternehmen Gotthardbahn, Centralbahn, Nordostbahn etc.) in Bern, ausserdem Bibliothek und aktuelle Zeitschriftensammlung. Website mit Fotos und technischen Daten zum Rollmaterial sowie Hinweise zu den Sammlungen historischer Bahnunterlagen und -exponaten der SBB.
- Verkehrshaus der Schweiz in Luzern: Fachbibliothek und Archiv zur Verkehrsgeschichte der Schweiz. Zahlreiche Exponate, zum Beispiel nachgebaute Komposition der «Spanisch-Brötli-Bahn» oder einer der ersten elektrischen Strassenbahnwagen der Linie Vevey–Schloss Chillon.
- Staatsarchive und städtische Archive: Unterlagen zum Eisenbahnwesen und zum öffentlichen Verkehr in der Schweiz. Wichtige Nachlasse sowie Informationen zu bestimmten Eisenbahnstrecken, Brücken- oder Bahnhofsbauten in den betreffende Staats- oder Stadtarchiven.
- Staatsarchiv Luzern: Unterlagen der SBB-Kreisdirektion Luzern zur Gotthardbahn, zur Centralbahn und zur Nordostbahn sowie solche des Schweizerischen Eisenbahner-Verbands (SEV), Sektion Luzern.
- Staatsarchiv Graubünden: Fotos und Unterlagen zum Bau von Bündner Bergbahnen.
- Staatsarchiv Bern: Unterlagen zum Bau und Plakate zur Eröffnung der Bern-Lötschberg-Simplon-Linie.
- Bibliothèque de Genève: Privatarchive der Gotthardtunnel-Ingenieure Louis Favre und Jean-Daniel Colladon.
- Schweizerisches Wirtschaftsarchiv: Diverse Bestände von historischen Eisenbahngesellschaften der Schweiz.
- arCHeco: Verzeichnis der Wirtschaftsbestände in zumeist öffentlich zugänglichen Firmenarchiven in der Schweiz und in Lichtenstein.
- Asea Brown Boveri (ABB): Teilweise von der kanadischen Firma Bombardier Transportation übernommen. Über den Archivdienst der Firma gibt es Informationen zu Unterlagen über die Herstellung von Rollmaterial durch die Firmen BBC, ABB und MFO.
- Firmenarchiv der Sulzer AG: Historische Unterlagen der Rollmaterialhersteller Escher Wyss AG und der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur.
- Schweizerischer Eisenbahn-Amateur Klub Zürich (SEAK):Umfassende Link-Liste von Alp-Transit über Modelleisenbahn-Vereinigungen bis zu den Transports Publics du Chablais.
- Eisenbahn & Nostalgie: Informationen zu historischen Lokomotiven.
- Seilbahninventar: 2012 unter der Leitung des Bundesamts für Kultur (BAK) veröffentlichte Bestandaufnahme historisch bedeutender Anlagen.
- Museum für Kommunikation in Bern: Umfangreiche Sammlung von Postkutschen und Postfahrzeugen. Betreibt das Historische Archiv und die Bibliothek PTT.
Publikationen des Bundesarchivs
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Letzte Änderung 26.05.2016