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Umbau
An der Limmat in Baden, umgeben von altem Baumbestand, stehen vier ehemalige Bürogebäude aus der Nachkriegsmoderne. Nach einem Um- und Ausbau sind darin stilvolle Wohnlofts entstanden.
Es war die Zeit des industriellen Aufbruchs und des Aufschwungs. Im Jahr 1958 errichtete die damalige Brown, Boveri&Cie. (BBC), aus der später ABB und heute Alstom hervorgehen sollten, vier Büropavillons an der Römerstrasse, die direkt vom Bäderquartier ins Industriegebiet der 1891 gegründeten BBC führt.
Für die Neubauten musste damals unter anderem die Villa von Charles E. L. Brown, einem der Firmengründer, abgerissen werden; womit ein Hauptwerk der Architekten Curjel und Moser verlorenging, die unter anderem den Altbau des Kunsthauses Zürich und das Hauptgebäude der Universität Zürich entworfen hatten.
Die vier fünfgeschossigen Bürogebäude liegen zur Limmat hin an einem bewaldeten Steilhang. Diese attraktive, zentrumsnahe Lage erwies sich als prädestiniert für eine Umnutzung in Wohnraum. Beim Um- und Ausbau wurden die geometrisch klaren und horizontal betonten Volumen der bestehenden Bauten beibehalten. So auch die Struktur der Fassade sowie die Stützen und die Rippendecke der Betonkonstruktion.
Entstanden sind 78 Eigentumswohnungen unterschiedlicher Grösse. Deren 3 Meter 20 hohen, nordseitigen Wohnungen erhalten aufgrund durchgehender Fensterfronten eine Exklusivität. Das fortlaufende Fensterband wird lediglich durch zurückversetzte Loggien unterbrochen. Das macht die Wohnungen hell und lichtdurchflutet.
Die Vision: ein aussergewöhnliches Refugium für Design und Kunst
Für die Innenarchitektin Christine Tschan erwies sich die Entscheidung, eine der grosszügigen 4,5-Zimmer-Wohnungen ab Plan zu erwerben und sie nach eigenen Vorstellungen auszubauen, als grosse Herausforderung. Denn der Standard-Innenausbau, die Materialisierung und die Käuferoptionen entsprachen nicht den Vorstellungen Tschans und ihres Ehemanns.
Ihre Vision war ein persönliches, aussergewöhnliches Refugium mit Spielraum für Design und Kunst, ein nicht alltägliches, aber klares Wohnerlebnis mit rauem, industriellem Charme.
Die Planung und Gestaltung des gesamten Ausbaus passte sie ihren persönlichen Bedürfnissen an. So bereinigte Christine Tschan den Grundriss zugunsten durchgehender Sichtachsen und maximalen Tageslichteinfalls. Sämtliche Zimmertüren und dazugehörige Wandteile wurden weggelassen, der Schlafbereich wurde um eine Badnische erweitert. Einzig der Schlafbereich sowie die Nasszellen und Reduits sind mit Schiebetüren ausgestattet.
Die offene Küche verfügt über einen direkten Zugang zu einem der beiden Reduits. Das Ergebnis ist ein offener Grundriss mit fliessenden, durchgehenden Raumfluchten. Prägend für die Atmosphäre der Räumlichkeiten ist die bestehende, brutalistischwirkende Beton-Rippendecke, welche eine starke architektonische Geste des Bestandes darstellt.
Die Kombination mit schwarzem MDF als Frontmaterial für sämtliche Innenausbauten bringt den Charakter der Rohbauarchitektur zum Ausdruck. Auch die Küche ist aus MDF gefertigt, mit Abdeckungen in massivem Chromstahl. Die sorgfältig proportionierten Innenausbauten mit hohem Detaillierungsgrad tragen wesentlich zur Wohnqualität in den einstigen Büro räumen bei. Ebenso die dreimassgefertigten transluziden Faltvorhangfronten, die den Abschluss von Ankleide, Schuhschrank und Reduit im Atelierbereich bilden.
Verbindendes Element der rund 155 Quadratmeter grossen Wohnungsfläche ist das neu verlegte Eichenparkett. Dieses bildet ein warmes, wertiges Fundament für die Einrichtung.
Über 50 Jahre gesammeltes Mobiliar
Stilsichere Möblierung Innerhalb des rohen Industrial-Looks der Räumlichkeiten setzt die Möblierung besondere Akzente. Diese besteht grösstenteils aus vorhandenem Mobiliar, das Tschan im Laufe der letzten 50 Jahre gesammelt hat; ein spannender Mix aus über einem halben Jahrhundert Designgeschichte, ergänzt durch zahlreiche Leuchten, Kunstwerke, Kunsthandwerkliches und persönliche Sammelstücke aus der Natur.
Wesentliches Element und das Lieblingsstück der Innenarchitektin im Wohnbereich ist das zeitlose, multifunktionale Regal 606 von Dieter Rams, 1962 für Vitsœ entworfen. Es dient als Raumtrenner, Stauraum, Bibliothek und Home-Office. Es gliedert den Hauptraum und schafft eine wohnliche Atmosphäre.
Weitere Highlights sind das einladende, schlammfarbene Sofa «Sfatto» von Edra, das moderne Gemütlichkeit ausstrahlt. Der Esstisch «Seven» von B&B Italia unterbricht mit der organischen Form die geometrischen Linien im Raum. An Einrichtung und Interieur lässt sich die jahrelange Erfahrung der Innenarchitektin im Umgang mit baulichen Strukturen, Oberflächen, Materialien und Farben erkennen.
Die Möbel integrieren sich bestens in die Substanz der Räume, obwohl es keine Neuanschaffungen sind. Zeitgemässes, urbanes Wohnen, ohne den radikalen Groove zu verlieren – das war die Vision der Innenarchitektin, die sie mit Bravour umsetzen konnte.
Ein Artikel aus dem «Residence»