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"In einem ertragsarmen Anlageumfeld bieten Unternehmensanleihen aus Schwellenländern den Anlegern nach wie vor eine überdurchschnittliche Rendite bei vertretbarem Risiko", sagt Wouter Van Overfelt, Senior Portfoliomanager Schwellenländeranleihen bei Vontobel Asset Management.
Eine Verbesserung der Kreditqualität, die typischerweise mit einem hohen Wachstum einhergehe, führe zu einer Wertsteigerung des Kapitals. Coupons stellen eine Einkommensquelle dar, die in einer Niedrigzinswelt derzeit Mangelware sind. In einer Zeit, in der steigende Zinsen für viele Anleger grosse Sorgen verursachen, bietet die niedrigere Zinssensitivität der Anlageklasse einen zusätzlichen Vorteil.
Zudem sei eine Investition in solche Unternehmen über Anleihen weniger riskant als eine direkte Aktienanlage, da Anleihen vorrangig behandelt werden, so der Experte.
Vorurteile bestimmen die Wahrnehmung
Trotz der Attraktivität der Anlageklasse, würden die Anleger fern bleiben, so Van Overfelt weiter. Mit einer Grösse von über zwei Billionen US-Dollar bietet das Universum der Unternehmensanleihen aus Schwellenländern eine breite Diversifikation über Länder und Branchen hinweg, aber wenn es um Investitionen geht, spielen Wahrnehmungen eine grosse Rolle. Viele Investoren sehen die Schwellenländer als riskanter als die entwickelten Märkte – ein Grund dafür ist die unterschiedliche Wahrnehmung der Regierung (Governance) zwischen Industrie- und Schwellenländern. Tatsächlich hat die Weltbank sechs Indikatoren entwickelt, die sich mit den spezifischen Eigenschaften von Governance befassen. Die Indikatoren lauten Meinungsfreiheit und Verantwortlichkeit, politische Stabilität, Effektivität der Regierung, Rechtsstaatlichkeit, regulatorische Qualität und Korruptionsbekämpfung.
Unabhängig vom Indikator sieht das Bild immer mehr oder weniger gleich aus: Die wahrgenommene Governance ist in den Emerging Markets schwächer als in den entwickelten Märkten. Für den Anleger bedeutet dies, dass in der Anlageklasse eine strukturelle Prämie angeboten wird.
Um das Ganze zu veranschaulichen, zeigt Grafik 1 den Spread (Prämie einer Anleihe zum risikofreien Zins, normalerweise eine Staatsanleihe gleicher Laufzeit) von zwei Anleihen mit ähnlicher Laufzeit: Telefonica Colombia und Telefonica Spain. Telefonica Colombia befindet sich zu ca. 70% im Besitz von Telefonica Spain und zu 30% im Besitz der kolumbianischen Regierung. Diese Anleihen verhalten sich je nach Marktgeschehen und dem Sentiment, die sie antreiben, sehr unterschiedlich. Auffällig sei, dass die Spreads der Emerging Bonds höher sind (die Differenz des Spreads liegt im Durchschnitt bei rund 3%). Ausserdem sind die Spreads von Telefonica Colombia volatiler und werden von Ereignissen und (Über-) Reaktionen auf diese Ereignisse getrieben.
Der Schlüssel zum Ertrag
Wie aus dem obigen Beispiel hervorgeht, bietet die Emerging Bond-Anleihe eine volatilere Entwicklung (Wahrnehmung von Governance), aber auch eine lohnendere Entwicklung in Bezug auf die Spreads. "Letztendlich kommt es also auf die Frage an, ob Sie in den Emerging Markets ausreichend entlohnt werden. Dies hängt von Ihrer persönlichen Risikobereitschaft und der Fähigkeit Ihres Managers ab, gute von schlechten Risiken zu unterscheiden", fasst Van Overfelt zusammen. Investoren, die erfolgreich zwischen beiden unterscheiden können, können attraktive Renditen erwirtschaften. «Wir sind der Meinung, dass Anleger die mit Preisüberreaktionen verbundene Volatilität nicht scheuen sollten. Im Gegenteil, sie sollten sie annehmen. Für Anleger, die die Ressourcen haben, sich eingehend mit den Besonderheiten eines Unternehmensemittenten (einschliesslich der Governance) auseinanderzusetzen, bieten die Kursschwankungen die Möglichkeit, Erträge zu generieren, die nicht mit dem breiteren Markt korrelieren», so Van Overfelt.