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Wer ist die Evangelische Allianz?
Jedes Jahr finden in der Evangelischen Kirche Rorschach diverse Veranstaltungen, wie der «Allianz-Gottesdienst» (15. Januar 2023) oder «Gebet für Rorschach» am zweiten Freitag des Monats statt. Vielen Kirchbürgern ist die «Evangelische Allianz» ein Buch mit sieben Siegel, obwohl die Wurzeln dieser Organisation in der Schweiz dieses Jahr ihr 175-jähriges Bestehen feiern darf.
* Text von Werner Nef
Die Evangelische Allianz besteht nicht nur aus der Evangelischen Kirchgemeinde Rorschach, der Freien Evangelischen Gemeinde Goldach und der Kirche im Park im Rorschacherberg. Sie ist eine weltumspannende, christliche Organisation.
Gegründet wurde die Weltweite Evangelische Allianz WEA 1846 in London. Damals waren die Evangelisch-Reformierten weltweit zerstritten, der Glaube Luthers und Calvins wurde in Frage gestellt, war sogar in ernsthafter Gefahr, auseinander zu fallen. Unter anderem herrschte in der Bevölkerung grosse Not wegen der sich rasch ausbreitenden Industrialisierung. Dazu machten sich diverse Ideologien wie Marxismus, Darwinismus, Kommunismus oder die Aufklärung breit, was das einfache Volk zusätzlich verunsicherte. Auf diesem Nährboden gründeten Männer wie Thomas Chalmers, Robert Balmers oder John Henderson ein Netzwerk von Christen, Kirchen und Organisationen aus dem die Weltweite Evangelischen Allianz hervor ging. Sie suchten in der Unterschiedlichkeit die Einheit der verschiedenen Völker und Kulturen. Heute gehören 143 Mitgliedsländer, 36 davon in Europa, mit zusammen 600 Millionen Christen der Weltweiten Evangelischen Allianz an. Ihre Sitze befinden sich in New York, Genf und Bonn. So gesehen darf die WEA als Vorreiterin der heutigen Globalisierung angesehen werden.
Schon ein Jahr später bildeten sich in der Westschweiz bereits die ersten Allianz-Gruppen. Sie organisierten 1861 auf Anregung der regionalen Allianzgruppe in Genf die vierte Generalversammlung der Weltweiten Evangelischen Allianz, mit über 2000 Teilnehmern. Am 28. Oktober 1875 wurde darauf in Lausanne mit Delegierten aus der ganzen Schweiz die Schweizerische Evangelische Allianz gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte kein geringerer als Henry Dunants, der Gründer des Roten Kreuzes. Er stellte sich auch als einer der ersten Sekretäre der jungen SEA zur Verfügung. Ihr erklärtes Ziel ist die Förderung der Einheit und Zusammenarbeit der evangelischen Christen und fördert die Unterstützung von Gemeinden bei der Verkündigung des Evangeliums. Ihr gehören heute 71 Sektionen mit rund 200'000 Christen an. Fünf Sektionen gibt es allein im Kanton St.Gallen. Heute ist die Evangelische Allianz in zwei Verbände für die Deutschschweiz und die Romande aufgeteilt.
Die Schweizerische Evangelische Allianz wich politischen Diskussionen nie aus, vermied aber stets eifernde Ausfälligkeiten. So setzte sie sich bereits um die Jahrhundertwende 19./20 Jh. für die Heilsarmee, Mitglied der SEA, ein, die vom Gesetzgeber wegen dem Jesuiten-Verbotsartikel schikaniert wurde. Sie nahm in jüngerer Zeit auch Stellung gegen das Burkaverbot oder setzte sich für Flüchtlinge ein, wie neulich bei der Ukrainer Krise. Grösste Medienpräsenz verschaffte ihr das Referendum «Ehe für alle». Obwohl die Abstimmung verloren ging, war die Stimme der SEA in allen Medien unüberhörbar und man brachte ihr grosses Interesse und Respekt entgegen. Als Zeichen einer modernen Organisation steht seit 2022 erstmals in der Geschichte der SEA eine Frau an der Spitze.
Die Evangelische Allianz Rorschach möchte Brücken zwischen verschieden Menschen und Kulturen aus allen Ländern in der Schweiz schaffen. Man will zeigen, dass Gott lebt und uns nahe ist. Darum trifft man sich zu Allianz-Gottesdiensten oder monatlich zum Gebet für Rorschach. Wichtig ist die Begegnung, sowie das Gespräch und die Zusammenarbeit aller evangelischen Christen in der Region. Als grosses High Light galt 2018 das Reformationsjubiläum, das die evangelisch-reformierte Kirche Rorschach mit einem spektakulären Seefest, zusammen mit den Allianzpartnern feierte. Wer weiss, vielleicht hilft das Jubiläumsjahr, dass der Stern der Evangelischen Allianz in Zukunft etwas heller leuchtet und bei den Christen die Aufmerksamkeit erlangt, die sie verdient.