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Im Januar 2018 fand der 13. Frauenkongress des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB statt. In ihrer Resolution fordern die Gewerkschaftsfrauen, dass die Lohngleichheit nun endlich tatsächlich umgesetzt wird. Schwergewichtig haben sie bessere Schutzbestimmungen bei den Arbeitszeiten, gerecht bezahlte Arbeit sowie Verbesserungen im Bereich der Care-Arbeit diskutiert. Sie betonten, dass sich der Ruf nach Frauen als Fachkräfte und die gleichzeitigen Sparübungen bei öffentlichen Betreuungs- und Pflegeangeboten diametral widersprechen.
In diesem Zusammenhang besonders enttäuschend ist, dass der Ständerat sich gegen die Revisionsvorlage des Gleichstellungsgesetzes und damit gegen konkrete Massnahmen für die Umsetzung des Lohngleichheitsgebots aussprach.
Die SGB-Frauenkommission hat eine Resolution erlassen, in welcher sie eine bessere Verteilung der bezahlten und unbezahlten (Familien)Arbeit auf Männer und Frauen fordert. Um die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsleben tatsächlich zu fördern, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die sowohl Männern als auch Frauen die Übernahme von bezahlter und unbezahlter Arbeit ermöglicht. Insbesondere planbare und familienfreundliche Arbeitszeiten sind hierfür notwendig.
Die Realität in der Schweiz ist jedoch gegenteilig: Hohe Arbeitszeiten, hoher Arbeitszeitdruck, kurzfristig ändernde Arbeitspläne insbesondere bei Teilzeiterwerbstätigen, fehlende Zeiterfassung bei Home Office sowie im Parlament geforderte Aufweichungen bei den Arbeitszeitbestimmungen führen eher zu einer Entgrenzung der Erwerbsarbeit als zu einer besseren Planbarkeit. Keine Spur von einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsleben sowie einer gleichmässigeren Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit auf Frauen und Männer.
Zu diskutieren ist in dieser Hinsicht auch eine generelle Verkürzung der Arbeitszeiten, zumal Arbeits- und Organisationspsychologen davor warnen, dass eine Arbeitszeit von über 40 Stunden pro Woche zu Erkrankungen führen kann, wenn den Arbeitnehmenden nicht genügen Kompensations- und Erholungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Diesbezügliche Projekte in Schweden zeigen, dass die Wirtschaftlichkeit unter der Verkürzung der Arbeitszeit nicht litt, da die Arbeitsleistung entsprechend produktiver war.
Zusätzliche Care-Angebote
Die demographische Entwicklung führt zu einer alternden Gesellschaft, die zukünftig mehr Pflegeleistungen in Anspruch nehmen muss. Die Sorge und Pflege von kranken und alten Menschen ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die alle etwas angeht und welche nur durch eine gute Organisation und faire Rahmenbedingungen wahrgenommen werden kann.
Obwohl Frauen heute selbständiger im Erwerbsleben stehen, übernehmen sie noch immer einen grossen Teil der Betreuungs- und Pflegearbeit bei Familienangehörigen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn genügend zeitliche und finanzielle Ressourcen, vorhanden sind, um sich (bezahlt oder unbezahlt) um Menschen kümmern zu können, die ohne Betreuung und Pflege nicht in Würde alt, krank oder Kind sein können. Mehrheitlich Frauen, aber auch Männer, versuchen deshalb, Lücken im Bereich der Care-Angebote durch tiefere Erwerbspensen zu kompensieren. Dies hat nachhaltige Auswirkungen bei einer Scheidung oder spätestens beim Eintritt ins Rentenalter – da auch heute noch vorwiegend das traditionelle Modell, in dem die Frauen die Hauptverantwortung für die Familienarbeit übernehmen, gelebt wird, betrifft dies Frauen in einem grösseren Mass als Männer.