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»Wirst du etwa immer noch von deinem eigenartigen Verehrer belagert?« fragte Wolfgang.
Leonaüberlegte, weshalb er in bezug auf Robert beharrlich den BegriffVerehrer verwandte. Aus seinem Mund klang das wie»Schmeißfliege«. Er versuchte offenbar zu verdrängen, daß es sich um eine ernste Beziehung handelte, die vonzwei Seiten ausging.
»Robert und ich leben zusammen«, sagte sie,»und daran wird sich nichts mehrändern.«
Wolfgang seufzte tief.»Er gefällt mir nicht, Leona.«
Leona lachte.»Vielleicht würde mir deine neue Partnerin auch nicht gefallen. Aber ich muß dich deine Entscheidungen selber treffen lassen.«
»Und ich dich deine, ich weiß. Ich meine nur … ach, das ist alles so schwierig am Telefon! Könnten wir uns nicht einmal treffen in den nächsten Tagen? Nur wir beide?«
»Ich habe wirklich furchtbar viel zu tun, Wolfgang. Gerade in dieser Woche, weil ich die nächste im Urlaub bin. Ich muß meinen Schreibtisch leer bekommen bis dahin – wenigstens weitestgehend.«
»Seit wann nimmst du im März Urlaub? Das hast du noch nie getan!«
»Robert will mir Ascona zeigen. Wir fahren am Samstag.«
»Leona, bitte, laß uns vorher noch reden«, drängte Wolfgang.»Es ist mir wirklich wichtig, mit dir zu sprechen!«
Sie kostete ihren Triumph diesmal bewußt aus.
»Wolfgang, leider ist es mir nicht mehr wichtig, mit dir zu sprechen«, sagte sie und legte den Hörer auf.
13
Lisa stand eine ganze Weile vor dem grauen Mehrfamilienhaus in der Münchener Innenstadt und trat von einem Fuß auf den anderen, ehe sie wagte, die Klingel neben dem kleinen Türschild mit der Aufschrift»Frederica Hofer« zu betätigen. Vielleicht war Frederica an diesem Samstagnachmittag gar nicht zu Hause. Oder sie wollte später ausgehen, badete oder duschte gerade und würde alles andere als erfreut sein, wenn plötzlich unangemeldeter Besuch aufkreuzte. Aber selbst wenn sie nichts vorhatte, würde sie vermutlich unwillig reagieren. Durch ihr rasches Auflegen am Telefon hatte sie deutlich gezeigt, daß sie in nichts hineingezogen zu werden wünschte.
Aber mehr als hinauswerfen kann sie mich nicht, dachte Lisa.
Über die Auskunft hatte sie Fredericas Telefonnummer und Adresse herausgefunden, und eine Weile hatte sieüberlegt, Frederica noch einmal telefonisch um einen Termin zu bitten. Aber dann war sie zu dem Schluß gelangt, daß die Fremde sie weniger leicht abwimmeln konnte, wenn sie schon in der Tür stand.
Es war nicht leicht gewesen, von daheim wegzukommen. Sie hatte eine Nachbarin fast auf Knien anflehen müssen, für ein paar Stunden am Bett des Vaters Wache zu halten. Wer mochte schon gern neben einem Mann sitzen, der im letzten Stadium seiner Krebskrankheit angelangt war?
»Also gut«, hatte die Nachbarin schließlich mürrisch versprochen,»ab drei Uhr am Samstag kann ich’s für ein paar Stunden machen. Aber keinesfalls länger als bis um acht! Da will ich fernsehen!«
Dennoch war sie dann zurückgezuckt, als sie den zum Skelett abgemagerten Mann an der Schwelle des Todes im Bett liegen sah und den Gestank roch, der von dem zerfressenen Körper ausging.
»Jesus Maria! Der gehört längst in ein Krankenhaus!«
»Da will er aber nicht hin«, erklärte Lisa,»und ich respektiere das. Der Arzt war heute mittag da, er hat eine Morphiumspritze bekommen. Er müßte ruhig bleiben.«
»Hoffentlich«, murmelte die Nachbarin und krallte sich an dem Zettel mit der Telefonnummer des Arztes, den Lisa ihr gegeben hatte, förmlich fest. Lisa machte, daß sie fortkam. Die Alte konnte jeden Augenblick umkippen.
Als sie nun klingelte, betete sie, Frederica möge daheim sein. Eine zweite Gelegenheit für einen Besuch würde sie so rasch nicht bekommen.
Es knackte in der Sprechanlage.»Ja?«
»Frau Hofer?«
»Ja?«
»Hier ist Lisa Heldauer. Darf ich raufkommen?«
Zögern. Seufzen. Aber schließlich sagte Frederica:»In Ordnung!« Und betätigte den elektrischen Türöffner.
»Sie war so furchtbar nervös«, erzählte Frederica,»das ist mir als erstes an ihr aufgefallen. Sie schaute sich manchmal mit einem Blick um wie einängstliches Kaninchen. Und das schien gar nicht recht zu ihr zu passen. Sie war eine schöne, große Frau. Viele Männer verrenkten sich die Köpfe nach ihr. Aber sie ging auf keinen einzigen Annäherungsversuch ein.«
Das klang nicht im mindesten nach Anna, fand Lisa. Anna war nie schüchtern und furchtsam gewesen. Undnie hatte sie auf Annäherungsversuchenicht reagiert. Im Gegenteil. Den Flirt mit Männern hatte sie gebraucht wie die Luft zum Atmen.
»Sie war allein in dem Hotel, und ich war ebenfalls allein«, sagte Frederica.»Und einmal, als beim Frühstück kein Tisch mehr frei war, habe ich sie gefragt, ob ich mich zu ihr setzen dürfte. Von da an haben wir ab und zu etwas zusammen unternommen.«
»Und wo in Spanien war das Hotel?«
»In Torremolinos. An der Costa del Sol.«
»Oh …«, sagte Lisa ehrfürchtig. Da hatte sie immer schon hingewollt.
Frederica lächelte mitleidig.»Torremolinos ist grauenhaft. Eigentlich wollte ich sowieso nach Marbella, aber da war alles zu teuer. In Torremolinos haben sie einen Hotel-Silo neben den anderen gebaut, gleich am Meer, aber wenn man Pech hat, erwischt man natürlich ein Fenster zur anderen Seite, und wenn man noch mehr Pech hat – und das hatte ich –, schaut man in einen schachtähnlichen Innenhof, an dessen oberem Ende ein winziges Stück blauer Himmel sichtbar wird. Tagsüber drängelt man sich an einem schmutzigen,überfüllten Strand, an dem sich ein Liegestuhl an den anderen quetscht. Sie können mir glauben, diese Reise war ziemlich ernüchternd.«
Sie saßen einander in Fredericas Wohnzimmer gegenüber, Frederica auf dem Sofa, Lisa in einem Sessel. Frederica hatte sich als eine ausgesprochen attraktive junge Frau entpuppt, kaum dreißig Jahre alt, sehr schlank, ein südländischer Typ mit schwarzen