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„Divine Hymns and Dialogues with a Through-Bass for the Theorbo-Lute, Bass-Viol, Harpsichord, or Organ“ – so steht es auf der Titelseite der zweibändigen Sammlung „Harmonia Sacra“, in welcher Purcell’s Lieder „A Morning Hymn“, „Job’s Curse“ und „An Evening Hymn“ zum ersten Mal gedruckt wurden (Erstausgabe von Henry Playford 1688 und 1693, danach erweiterte Editionen 1703, 1716 und 1726).
Gedacht waren diese Gesänge zur Aufführung im häuslichen Rahmen zum Zweck von privaten Andachten, wie sie im puritanischen England des 17. Jahrhunderts gepflegt wurden.
Purcell versteht es in seiner Melodieführung und Rhythmik alle Facetten der Texte mit eindringlicher Ausdruckskraft hervorzubringen. Ich empfinde für seine Musik eine tiefe Bewunderung! Es war mir deshalb wichtig, in meiner Bearbeitung für klassisches Orchester (in der Besetzung 2 Oboen, 1 Fagott, 2 Hörner und Streicher) mit seinen Liedern entsprechend respektvoll umzugehen. Aber dennoch wollte ich der Expressivität der Purcellschen Musik in der Orchesterbehandlung gerecht werden, und so wandte ich auch Mittel an, welche über stilistische Grenzen hinausgehen und die Vorlage „kompositorisch interpretieren“. Zudem musste die Flexibilität der kammermusikalischen Situation des Originals auf eine klangfarbliche Ebene übertragen werden: Die Bläser übernehmen öfters die Rolle innerer Stimmen, das Streichorchester wird vielseitig eingesetzt, vom solistischen Streichquartett über mehrfache Teilungen verwende ich eine breite klangliche Palette. Auch modernere Spieltechniken gelangen zur Anwendung.
Zwei Orchesterzwischenspiele lassen den Instrumenten zusätzlichen Raum und schaffen Bezüge zwischen den Liedern. Das erste bereitet vor auf die furchtbare Verzweiflung und Einsamkeit Hiobs in „Job’s Curse“, das zweite geht aus von der Stimmung am Schluss dieses Liedes, wo zu einem Tanz die Gleichheit aller Menschen im Jenseits beschrieben wird, um sich dann allmählich aufzulösen in die versöhnliche Ruhe von „An Evening Hymn“.
Ich danke dem Meister Henry Purcell, dass ich in seine Welt eintauchen durfte!
Lukas Langlotz, 8. 1. 2012