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Ethan Hawke kennt man vor allem als Schauspieler, etwa aus Linklaters Before Sunrise/Sunset/Midnight-Filmen mit der Französin Julie Delpy. Er schreibt aber auch, und nun kommt mit Blaze ein sehr ungewöhnlicher Musiker-Film von ihm ins Kino. Blaze erzählt aus dem Leben des Country-Singer/ Songwriter Blaze Foley, der 1989 erschossen wurde und schon zu Lebzeiten eher ein Geheimtipp war, eine rebellische Legende.
Blaze Foley hiess eigentlich Michael David Fuller, und aufgewachsen ist er in den 50er Jahren in Texas als Mitglied der Gospel-Gruppe «The Singing Fuller Family». Aber in den 70er Jahren klinkte er sich mehr oder weniger aus und lebte mit anderen Musikern und Künstlern ein Country-Hippie-Leben im Wald von Whitesburg, Georgia.
Bis seine Freundin Sybil Rosen eines Tages erklärte, es sei Zeit, nach Austin zu gehen und seine Songs unter die Leute zu bringen: «Time for you to peddle your songs!»
Ob sie denn bereit sei, das Paradies zu verlassen, fragt der von Country-Sänger Ben Dickey gespielte Blaze im Film von Ethan Hawke. Ja, es gehe nicht an, dass sie die einzige sei, die seine Songs kenne. Und sie könnten nicht den Rest ihres Lebens als Eichhörnchen verbringen.
Ethan Hawke hat nicht einfach ein Biopic gemacht, eine Musiker-Biographie. Blaze ist ein raffiniert verschränktes Musikerdrama, das in der Zeit vor und zurück springt, die glücklichsten Momente des Musikerlebens mit den Abstürzen, dem Alkohol und den Misserfolgen kontrastiert, und dabei das Bild eines eigenwilligen, kreativen, gestörten, enorm musikalischen Bären von einem Mann entstehen lässt.
Den roten Faden im Film bildet ein Radiointerview mit Blaze Foleys berühmteren Freund Towns van Zandt. Wer denn dieser «Blaze Fooly» sei, dem der letzte Song «Blaze’s Blues» auf dem Album gewidmet sei?
«Foley» korrigiert ihn Towns van Zandt. Und sagt, dass er ihn eigentlich kennen sollte, den Mann, der Songs für Merle Haggard und andere geschrieben habe. Und dann erzählt er dem Radiohost, wer dieser Blaze eigentlich gewesen sei. Seine Anekdoten und Erinnerungen organisieren die chronologischen Sprünge und geben dem Film eine tolle Intensität.
Gespielt wird van Zandt mit unheimlichem Charisma von einem weiteren echten Musiker, von Bob Dylans Gitarrist Charlie Sexton.
Ziemlich zwingend umklammert der Film mit viel Musik und saftigen Szenen dieses eigenwillige Musikerleben. Von der frühen Szene, in der Blaze Foley seiner Sybil erklärt, er wolle kein Star werden, sondern eine Legende, bis zu der Szene, in der die ebenfalls absolut grossartige Alia Shawkat als Sybil sich an Blazes Grab beklagt, nun sei er wohl eine Legende… und sie eine Country-and-Western Witwe.
Künstler lieben Künstler. Und erfolgreiche Künstler haben offenbar eine Vorliebe für ihre gescheiterten, dafür aber noch genialeren Leidensgenossen. Jedenfalls ist es diese Begeisterung, die aus jeder Sekunde von Ethan Hawkes Blaze herausfunkelt.
Hawke hat echte Musiker versammelt für diese «labour of love», jeder von ihnen ein ungebremstes Showtalent, und viele seiner prominenten Hollywood-Freunde. So spielt Hawke selber den unbedarften Radio-Host. Sein Freund und Erfolgsregisseur Richard Linklater spielt einen neureichen Ölbaron, zusammen mit Sam Rockwell und Steve Zahn, Country-Legende Kris Kristofferson gibt Blaze Foleys dementen Vater, und die echte Sybil Rosen spielt im Film ihre eigene Mutter.
Es ist diese organische Verschränkung von Musiker-Mythen und Realität, mit echten Musikern als Schauspielern, und der spürbaren Begeisterung des Filmemachers für seinen Stoff, welche aus Blaze ein einzigartiges Kinoerlebnis machen, einen Film mit tiefen Wurzeln und viel Sehnsucht.