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Der Abend wird durch eine kurze Einführung von Christian eröffnet, um dann direkt mit Euch zu diskutieren und die philosophischen Aspekte des Vertrauens zu beleuchten.
Die Tatsache, dass wir anderen Personen vertrauen können, eröffnet uns eine Vielzahl von Handlungsoptionen, die wir ohne Vertrauen gar nicht oder nur unter Aufwendung von kostspieligen Ressourcen haben würden. Können und müssen wir vertrauen?
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Rückschau zur Veranstaltung:
Am Abend des 27. März hatten jene ca. 30 Personen, die sich im Café Kairo wiederfanden anlässlich des Diskussionsabends das Vertrauen aufgebracht, dass dieser tatsächlich stattfinden wird. Besser gesagt: Sie haben sich darauf verlassen und sie wurden nicht enttäuscht.
Nachdem Christian Budnik, Oberassistent am Institut für Philosophie in Bern, eine Einführung zum Thema Vertrauen gab, entstand eine lebendige Diskussion, bei der sich die Teilnehmer aktiv beteiligten, indem sie Fragen stellten und persönliche Erfahrungen und Ansichten mit den Anwesenden teilten. Die Teilnahme der Diskutanten war sogar so engagiert, dass der Diskussionsabend, in Übereinstimmung mit den Teilnehmern, um ca. 20 Minuten verlängert wurde, damit alle Themen besprochen werden konnten, die sich Budnik vorgenommen hatte zu behandeln.
Der Anlass wurde in die beiden Teile „Können wir Fremden vertrauen?“ und „Brauchen wir Vertrauen in einer demokratischen Gesellschaft?“ aufgeteilt. Einleitend beschrieb Budnik die Philosophie als dialogische, voraussetzungslose Disziplin, die durch das Ordnen von Vorstellungen versucht ihre Themenfelder zu bearbeiten. Das Vertrauen war in der Geschichte der Philosophie kein prominentes Thema und stand somit nicht im Mittelpunkt philosophischer Untersuchungen. Bevor das Vertrauen mehr Aufmerksamkeit in der Philosophie erlangte, wurde es bereits stärker thematisiert innerhalb anderer Disziplinen wie der Psychologie, Soziologie, Ökonomie oder den Politikwissenschaften. Massgeblich dazu beigetragen, dass das Vertrauen mehr in den Fokus von philosophischen Auseinandersetzungen gelangte, hatte die neuseeländische Philosophin Annette Baier mit ihrem 1986 erschienen Aufsatz “Trust and Antitrust”.
Darin beschreibt sie eine wichtige Unterscheidung, an der sich auch Budnik in seinen Gedankengängen orientierte. In ihrem Aufsatz untersuchte Baier, ob es im Fall der Anwohner Königsbergs zutreffend sei von Vertrauen in die Pünktlichkeit Immanuel Kants zu reden. Dieser pflegte einen regelmässigen Tagesablauf und machte täglich zur gleichen Zeit einen Spaziergang durch das Städtchen, sodass die Anwohner ihre Uhren nach dem Erscheinen Kants stellen konnten. Gemäss Baier wäre es in diesem Fall sinnvoller von „sich verlassen auf“ anstelle von „vertrauen auf“ zu sprechen, also einer abgeschwächten Form des Vertrauens.
Budnik betonte diesen Unterschied, indem er den höheren Anspruch der das Vertrauen fordert schilderte, denn dieses kann besonders im Umgang mit anderen Menschen gebrochen, hintergangen oder fallengelassen werden, was beim blossen „sich verlassen auf“, das meist gegenüber unbelebten Gegenständen auftritt nicht der Fall zu sein scheint. Somit ist Vertrauen eher ein Phänomen, das sich zwischen Menschen abspielt und in besonderem Masse in Freundschaften und Intimbeziehungen eine grosse Rolle spielt.
Fragen, die mit dem Publikum besprochen wurden, waren z.B.: Ist es naiv fremden Personen Geld zu geben? Wie kann man Freund und Feind unterscheiden? Wieviel Vertrauen sollten wir gegenüber Ärzten aufbringen? Welche Rolle spielt die frühe Entwicklungsphase von Menschen für die Ausprägung von Vertrauen? Sind Angst und Kontrolle Gegenspieler des Vertrauens? Wie wichtig ist das Zeigen von Verletzlichkeit in Vertrauensbeziehungen? Wann ist Misstrauen angebracht und wieviel? Wie rational ist es zu vertrauen? Wie sind Hoffnung und Toleranz von Vertrauen zu unterscheiden?
Mit seiner charismatischen Persönlichkeit und seiner humorvollen Art bemühte sich Budnik diesen und weiteren Fragen auf den Grund zu gehen, bevor er abschliessend ein Plädoyer für die Vielseitigkeit in politischen Gemeinschaften hielt. Früher während des Feudalismus hatte man keine Wahl dem König zu vertrauen, heute verfügen wir über mehr Freiheiten, die jedoch angesichts von Hasskommentaren in Internetforen auch gefährliche, wenn nicht sogar demokratiegefährdende Tendenzen aufweisen können. In heutigen Gemeinschaften, in denen das Vertrauen kontinuierlich zu sinken scheint mit der Zunahme an Mitgliedern, sei es von Bedeutung sich über die Rolle des Staates Gedanken zu machen. Fremde bringen zwar andere Werte und Normen mit, doch die daraus entstehende Diversität zerstöre das Vertrauen innerhalb einer Gemeinschaft nicht. Sich gegenüber Fremdem abzuschotten ist keine Lösung, weshalb es elementar wichtig ist Verlässlichkeit unter den Mitbürgern herzustellen.
Ob die Redewendung „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ zutrifft, konnte an diesem Abend nicht definitiv geklärt werden, jedoch kann man abschliessend Seneca zustimmen, wenn er sagte: „Es ist gleich falsch, Allen oder Keinem zu trauen.“
Eintritt CHF 15.00 (AHV/IV CHF 10.00).
Wann? Montag, 27. März 2017
Türöffnung 18:30 / Beginn 19.00
Wo? Café Kairo, Dammweg 43, 3013 Bern.
Vom Bahnhof mit Bus Nr. 20 bis zur Haltestelle Lorraine