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Geografische Lage
Ruanda liegt zwischen dem 1. und 3. Breitengrad südlich des Äquators an einem Seitenast des ostafrikanischen Grabens, 1500–2000 m über Meer. Eine massive Bergkette trennt die Quellflüsse des Nils von denjenigen des Kongos. Ruanda ist hügelig und wird darum auch das Land der 1000 Hügel genannt. Flächenmässig ist es etwa 2/3 so gross wie die Schweiz. Mit seinen 12 Millionen Einwohnern ist es das am dichtesten besiedelte Land in Afrika. Es herrscht das ganze Jahr ein mildes Hochlandklima, zwischen 18° und 24°. Es gibt je zwei Trocken- und Regenzeiten. Die Nachbarländer sind im Osten Tansania, im Süden Burundi, im Westen der Kongo und im Norden Uganda. Die Landessprache ist Kinyarwanda (eine Bantusprache), daneben gelten Französisch und Englisch als Amtssprachen.
Geschichte
Die Geschichte Ruandas wird bis zur Ankunft der Europäer 1896 mündlich überliefert. Diese Überlieferungen halten die Zeit der letzten 500–800 Jahre fest. Archäologische Funde belegen eine Eisenverarbeitung bereits vor 2'800 Jahren. Die Agrarforschung hat zudem festgestellt, dass es zu dieser Zeit bereits Waldrodungen gab, Viehwirtschaft und Ackerbau betrieben wurde. Ruanda war jahrhundertlang eines der vielen Königreiche im Gebiet der Grossen Seen in Ostafrika. Die grösste Ausdehnung erreichte Ruanda im 19. Jahrhundert unter König Kigeri IV Rwabugiri. Damals gehörten grössere Gebiete im heutigen Uganda und Kongo zu Ruanda. Zur Zeit des Imperialismus wurde Ruanda an der Berlinerkonferenz (1884/85) zu Deutsch-Ostafrika geschlagen. 1894 besuchten die ersten Weissen Ruanda, und um 1900 kamen die ersten Missionare. Während des ersten Weltkrieges marschierten Belgische Truppen in Ruanda ein und übernahmen die Herrschaft. Ruanda-Urundi wurde vom Völkerbund den Belgiern als Treuhandgebiet übertragen. Diese übernahmen von den Deutschen das System der indirekten Verwaltung, d.h. sie änderten nichts an dem bereits bestehenden Herrschaftssystem und vertraten ihre Interessen durch die bestehende königliche Verwaltung und durch lokale Fürsten. Dabei privilegierten sie einseitig die Tutsis in der Verwaltung. 1931 wurde der letzte traditionell eingesetzte König Musinga abgesetzt. Es folgte König Rudahigwa. In den 30er Jahren kam es zu einer Massenbekehrung zum Christentum. 1959 starb König Rudahigwa. Nach seinem Tod begannen die ersten Gewaltausbrüche zwischen Hutus und Tutsis. Kurze Zeit herrschte König Kigeri, bevor 1960 die Monarchie endgültig abgeschafft wurde und Ruanda 1962 seine Unabhängigkeit erlangte.
Grégoire Kayibanda übernahm die Führung als erster Staatspräsident. Er baute seine Macht auf der Parmehutu Partei auf, die auf ethnisch-rassistischer Grundlage basierte. Eine Folge davon war die Einsetzung eines Quotensystems in Schule und Verwaltung. 1963/64 begann der Bürgerkrieg zwischen Hutus und Tutsis. Tausende von Tutsis wurden niedergemetzelt und Hunderttausende zur Flucht gezwungen. 1973 kam es erneut zu Unruhen und Verfolgungen, die mit einem Militärputsch unter Generalmajor Juvenal Habyarimana endeten. Die 2. Republik wurde ausgerufen. Tutsis wurden im ganzen Land diskriminiert, und den Exilruandern wurde die Heimkehr kategorisch verwehrt. Das Einparteiensystem wurde eingeführt. Es bewirkte, dass jeder Ruander ab seiner Geburt zwangsweise zur Einheitspartei gehörte. Am 1. Oktober 1990 brach mit dem Einfall von Exilruandern aus Uganda erneut ein Bürgerkrieg aus, welcher 1994 im Genozid gegen die Tutsis endete. Beendet wurde der Genozid durch den Sieg der Patriotischen Front FPR. Beim Wiederaufbau des Landes wurden eine neue Staatsflagge, ein neues Staatswappen und eine neue Nationalhymne geschaffen. Im August 2003 fanden zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit freie Wahlen statt. Es wurde über eine neue Verfassung abgestimmt, der Staatpräsident und das Parlament wurden gewählt. Seit den Parlamentswahlen nehmen über 50% Frauen im Parlament und in höheren Funktionen im Staat Einsitz. Damit steht Ruanda vor einem hoffnungsvollen Neubeginn.
Wirtschaft
Über 90% der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft.
Im Aufschwung ist der Dienstleistungssektor (Tourismus, Gastronomie, Transport, Telekommunikation). Dies ist besonders an der regen Bautätigkeit in der Hauptstadt Kigali ersichtlich. Exportiert werden hauptsächlich Kaffee, Tee und in geringem Masse auch Pyrethrum und Mineralerze.
Kultur
Musik, Tanz und Poesie in der Landessprache Kinyarwanda sind wichtige Kunstformen. In der traditionellen Erziehung wurde der Rhetorik und dem Sport grosse Bedeutung beigemessen. Ein Ausdruck der hoch entwickelten mündlichen Literatur sind die unzähligen Sprichwörter.
An Kunsthandwerk sind zum Teil sehr fein ausgearbeitete Flechtarbeiten typisch.
Nationalfeiertage: 1. Juli (Tag der Unabhängigkeit), 7. April (Gedenktag an den Genozid gegen die Tutsis) und 4. Juli (Befreiungstag)