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Tricky – Maxinquaye
Ältere Schmuckstücke
TrickHop
Das Debut-Album des Ghetto-Kids Tricky aus Bristol gilt als eine der Grundsteine des Trip-Hop. Der im Elendquartier Knowle West (später Titellieferant für eines seiner Alben) aufgewachsene Adrian Thaws liess seine deprimierende, kaputte Umgebung Musik werden und schuf damit, zusammen mit Bands wie Portishead und Massive Attack, die Basis für den weltweiten Erfolg des Genres.
„Dem Bulldozer, der den Schrott zusammendrückte, hätte ich ewig zuhören können, für mich war das Musik“.
So umschreibt Tricky die Inspirationsquellen für sein späteres Wirken. In einer Zeit, in der die Hitparaden von hochpolierten Bands/Sängern/Projekten wie Take That, Celine Dion, Coolio und Oasis angeführt wurden, wirkte er wie ein suizidgefährdeter Paranoiker, der einem mit einem Grinsen den Stinkefinger vors Gesicht hält.
Er zerriss, zerstückelte, verstümmelte, minimierte und provozierte; um am Ende alles genial mit Tränen, Blut, Schweiss und Sperma wieder zusammenzukleben. Gekonnt wurden Beats verschleppt, Sounds bis zum Flirren entstellt und mit endlos wiederholten Loops zu einem Ganzen verwoben. Rauschen wurde nicht technisch wegradiert („Hell is Round the Corner“, weitere), das Klicken eines Abzuges wurde zum bedrohlichen Stilelement („Strugglin’“), ekstatisches Stöhnen wurde mit Streichern gepaart („Suffocated Love“). Bei der Auswahl seiner Samples und deren Umsetzung bewies Tricky sowieso ein sehr feines Händchen. So wird der Hip Hop Track „Black Steel“ von Public Enemy zum schrammenden Gitarren-Kracher hochstilisiert. Isaac Hayes „Ike’s Rap“ wird zum knisternden Klagegesang (falls einem das Sample bekannt vorkommt – man höre Portisheads „Glory Box“; hier wurde freundschaftlich geteilt). Vor allem die Nähe zu den Bands wie Portishead und Massive Attack (an deren Alben Blue Lines und Protection er mitwirkte) ist immer wieder hörbar. Die Textzeile „Karmacoma“ wurde nicht nur im Song „Overcome“ als Refrain verwendet sondern wurde später auch zum Songtitel bei Massive Attack. Auf dem Song „Pumpkin“ begleitet Ihn zudem Alison Goldfrapp zu eher leisen Tönen von den Smashing Pumpkins.
Selten wurde „Wahnsinn“ so ästhetisch verpackt, wie in dem, nach seiner durch Suizid aus dem Leben geschieden Mutter Maxine Quaye benannten Album. Zusammen mit seiner damaligen Freundin Martina Topley Bird, schuf Tricky ein Werk, das irgendwo zwischen Hip Hop, Wut, Dub, Depression, Punk und der totalen Verweigerung lag. Über den fliessenden Beat- und Soundcollagen, erzählt er mit gequältem, rauhem Sprechgesang von Tod, Verderben, Drogen, Verlust, Gewalt und Sex, ohne sich gross um Political Correctness zu kümmern. Alles umrahmt von Topley Birds souliger, mal feinen, mal druckvollen Stimme.
Nach dem Tod seiner Mutter und dem Verschwinden seines Vaters wuchs Adrian Thaws bei seiner Grossmutter auf. Laut Überlieferung hörte er sich mit ihr tagsüber Nina Simone-Platten an und brachte die Nacht mit Horrorfilmen über die Runden. Vor allem der Einfluss durch Jazz und Hip Hop dürfte dazu geführt haben, dass das Album, inklusive aller nächtlichen „Horror-Düsternis“, viel Soul und einen unglaublichen Groove besitzt.
Obwohl er als einer der Protagonisten des Trip-Hop gilt, hatte er sich von Anfang an gegen die Etikettierung seiner Musik gewehrt.
„Alles Blödsinn! Trip-Hop ist nichts anderes als eine billige Variante des amerikanischen Hip Hop. Merkt euch: Meine Musik heisst TrickHop. Liebe zerstört die Menschen. Sie ist nur von kurzer Dauer, und wenn Sie verschwunden ist, bleiben zwei kaputte Figuren übrig. Das ist die Realität und darüber schreibe ich.“
Diese Aussage zeigt nicht nur seine damalige Zerrissenheit, sondern auch seine (bis heute anhaltende) establishmentfeindliche Haltung und sein überhöhtes Ego (Stand nicht bekannt, aber sein Folgealbum hiess „Nearly God“). Es muss ihm folglich wie der totale Hohn vorgekommen sei, als das Album in der Veröffentlichungswoche auf Platz 3 der UK-Charts schoss.
Mit dem Album „Maxinquaye“ schuf Tricky ein wegweisendes Album, das das Genre Trip-Hop mit zu definieren half. Vor allem aber schaffte er es, aus Samples, Sounds und Lyrics ein dichtes, groovendes und sehr persönliches Werk entstehen zu lassen, das in keiner Plattensammlung von geneigten Trip-Hop-Hörern fehlen sollte.
Seit 1995 im Handel
Anspieltipps:
> Take Me To The Hospital
> Warrior’s Dance
Diskographie:
> Maxinquaye (1995)
> Nearly God (1996)
> Pre-Millennium Tension (1996)
> Angels with Dirty Faces (1998)
> Juxtapose (1999) (with DJ Muggs and Grease)
> Blowback (2001)
> Vulnerable (2003)
> Knowle West Boy (2008)
Dies ist eine Rezension unserer Partnerseite out-of-space.ch.