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Trotz der eher konservativen Einstellung der Bevölkerung von Reigoldswil fehlte es nie an Männern, denen eine gute Ausbildung der jungen Generation oberstes Anliegen war. Schon im Herbst 1865 regte Pfarrer Johann Rudolf Linder in der Schulpflege die Errichtung einer Sekundarschule an, und ein Jahr später, am 30. Dezember 1866, fand im Gasthaus zur Sonne eine gut besuchte Versammlung von Vertretern aller Gemeinden des Hinterlandes statt, welche die Gründung einer höheren Schule im Reigoldswilertal bezweckte.
Die Gemeinde Reigoldswil unterstützte das Begehren einhellig, fand aber beim Staat Baselland kein Entgegenkommen. Man begnügte sich damals eben mit den 4 Bezirksschulen und betrachtete den weiten Weg nach Waldenburg als eine gesunde körperliche Übung für die jungen Leute. Als viele aufstrebende Gemeinden des Baselbiets anfingen, auf eigene Kosten Sekundarschulen zu errichten, regte es sich auch in Reigoldswil. Auf die Initiative des Landrates Gustav Schneider beschloss die Einwohnergemeinde vom 28. April 1901 mit grosser Mehrheit die Einführung einer solchen Schule. Da kein Schulzimmer vorhanden war, offerierte Gustav Schneider unentgeltlich ein grosses Zimmer im ehemaligen Käsereigebäude. Doch in den Kreisen der Landwirtschaft und bei vielen Posamentern fanden diese Bildungsbestrebungen eine kühle Aufnahme. Ein Rekurs gegen den Gemeindebeschluss wurde zwar vom Regierungsrat abgewiesen; aber ein von 90 Einwohnern unterschriebenes Begehren verlangte eine ausserordentliche Gemeindeversammlung.
An dieser nahm sogar Erziehungsdirektor Gustav Adolf Bay teil. Trotz dem vehementen Einsatz des kantonalen Magistraten erfolgte mit 102 gegen 63 Stimmen die Annullierung des ersten zustimmenden Beschlusses. Zehn Jahre vergingen; der Initiant und Freund einer guten Schulbildung, Landrat Schneider,
warb unverdrossen im Stillen weiter und fand schliesslich 1912 eine grosse Mehrheit für die Einführung einer zweiklassigen Kreissekundarschule und die Erstellung eines neuen Schulhauses auf Chläberen für Primar- und Sekundarschule, mit Turnhalle, Schulküche und zwei Lehrerwohnungen. Die Pläne entwarf der Reigoldswiler Bürger Hermann Walliser. Das aus Bruchsteinen von der Gillenflue erbaute, imposante, hochgiebelige Gebäude kostete 180 000 Franken. Kurz nach der Vollendung warf einer der militanten Gegner des Neubaus auf der Hinterseite eine Anzahl Fensterscheiben ein; das Schulhaus stand aber zur Freude der meisten Reigoldswiler da und leistete während eines halben Jahrhunderts gute Dienste. Bei seiner Eröffnung beherbergte es 4 Primarabteilungen und die Sekundarschule. Im 50. Jahr seines
Bestehens waren noch 3 Primar-, aber 6 Realschulabteilungen, ein Lehrerzimmer, die Kochschule
und ein Handarbeitsraum für Knaben darin untergebracht.
Nachdem zu Beginn der sechziger Jahre im Schulhaus sämtliche Räume belegt worden waren - während zweier Jahre wurde sogar im Duschenraum und im Sammlungszimmer Schule gehalten - war die Erstellung neuer Schulräume kein Luxus mehr. So wurde nach einem Planierungs-Wettbewerb von Architekt Max Schneider, einem Reigoldswiler Bürger, ein neues Realschulhaus nebenan in der Rüschelmatte geplant. Dazu kamen eine Turnhalle und ein Hauswirtschaftstrakt mit Abwartswohnung.
Als erste Gemeinde im Kanton wagte man, im Untergeschoss der Turnhalle ein Lehrschwimmbecken mit einzuplanen. Bereits im Frühjahr 1962 bezogen zwei Klassen den Rohbau des Realschulhauses, und im Frühjahr 1963 waren sämtliche Klassen im neuen Schulhaus untergebracht. Seit dem Wintersemester 1964/65 wurde auch die neue Turnhalle benützt. Die am 19. - 21. März 1965 eingeweihten Schulbauten kamen auf 5,1 Mio. Franken zu stehen.
Nach beinahe 25-jähriger intensiver Benützung zeigten sich im Sekundarschulhaus (seit 1981 heissen die Realschulen wieder Sekundarschulen) nach energietechnischen Untersuchungen verschiedene Schwachpunkte; auch forderte das erweiterte Fächerangebot der Sekundarschule vermehrte Arbeits- und Nebenräume. Eine Baukommission wurde bestimmt, die mit dem Architekturbüro Kurt Roth in Reigoldswil und dem Ingenieurbüro Gysin und Ehrsam AG in Pratteln ein Sanierungs- und Erweiterungsprojekt ausarbeitete.
Nach 1 1/2 jähriger Bauzeit konnten die Bauarbeiten mit einer würdigen Einweihungsfeier am 23. Mai 1987 abgeschlossen werden. Das Bauprogramm umfasste folgende Arbeiten: Erneuerung der Wand- und Bodenbeläge, Erweiterung des Baukörpers nach Osten, Untergeschoss mit Werk- und Materialraum; Erdgeschoss: Vorbau in Metall und Glas als Wintergarten, Vergrösserung der Eingangshalle, Lehrersitzungs- und Arbeitszimmer, Rektorat und Kopierraum, Schülerbibliothek und Aufenthaltsraum; Obergeschoss: Sing- und Musizierzimmer, Medien- und Informatikraum. Mit seinen hellen, freundlichen Räumen inmitten einer wohltuend grünen und baumbewachsenen Umgebung ist das Sekundarschulhaus ein Schmuckstück unseres Dorfes. Die Baukosten beliefen sich auf 1,6 Mio. Franken; die neu erstellten Räume bezahlte der Kanton, für die Renovationen kam die Gemeinde Reigoldswil auf.
Die im Jahre 1913 gegründete Kreis-Sekundarschule war zuerst eine Gesamtschule, indem ein Lehrer alle Fächer in 2 Schulklassen (7. und 8. Schuljahr) unterrichtete. 1931 entschloss man sich für eine zweite Lehrkraft, wobei in 2 Abteilungen 3 Klassen mit Anschluss an die 5. Primarklasse geführt wurden. Mit dem Schulgesetz von 1946 erhielt die Sekundarschule eine dritte Lehrkraft, ausserdem wurde sie Staatsschule und bekam den neuen Namen Realschule. Durch den Anschluss der Gemeinden Arboldswil und Ziefen stieg die Schülerzahl rasch an, und es mussten Doppelklassen geführt werden. Seit 1981 heisst die Realschule wieder Sekundarschule und sie umfasst 4 Doppelklassen mit 9 Lehrkräften. Im erweiterten Schulhaus sind alle Einrichtungen für einen erfolgreichen Unterricht vorhanden: Sprachlabor, Werkräume, Schulbibliothek, Photoraum, Musizierzimmer u.a. Die vor Jahrzehnten eingeführten Neuerungen: Maschinenschreiben und Photographieren als Freifächer, Klassenlager der 4. Klassen, haben sich eingelebt und auch die Projektwoche am Schluss des Schuljahres bewährt sich bestens. Während noch in den dreissiger und vierziger Jahren nur wenig austretende Schüler weiterführende Lehranstalten besuchten, ist es heute meistens die Hälfte der progymnasialen Klasse. Der Rückgang der Schülerzahlen war in den letzten Jahren auch in der Sekundarschule spürbar, 1984/85 betrug die Gesamtzahl 168, 1987/88 noch 144. Von der Lehrerschaft ist zu bemerken, dass nach einem starken Wechsel in den sechziger Jahren in den letzten Jahren wenig Mutationen vorgekommen sind. Bis zu ihrer
Pensionierung haben in Reigoldswil gewirkt: Dr. Jakob Aellig, Willy Schaub und Dr. Paul Suter.
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