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© Jari-Peltomäki
Der Langstreckenflug verlangt eine gute Vorbereitung des Organismus an diese Ausdauerleistung, die teilweise ohne Nahrungsaufnahme gemeistert werden muss. Wir untersuchen, wie der Stoffwechsel diesen Wechsel zwischen dem Energieaufbau und dem Abbau der Körperreserven meistert und wie er reguliert wird.
Folgende Fragestellungen wurden untersucht:
Wir haben den Stoffwechsel der Zugvögel auf ihrem Weg in das Winterquartier untersucht und zwar im Rastgebiet während der Ruhe- und Auftankphase, und während des Fluges. Letzteres ist dank der weltweit einmaligen Gelegenheit, Vögel in den Alpen aus dem aktiven Zug herauszufangen, möglich. In einem kleinen Blutstropfen können wir Blutzucker, Fette und Abbauprodukte von Eiweiss bestimmen. Diese Stoffwechselprodukte sagen uns, welche Energietypen der fliegende Vogel verbraucht und ob seine Energiereserven zur Neige gehen. Beim rastenden Vogel können wir mit Hilfe dieser Messungen Rückschlüsse ziehen, ob er genug Nahrung findet, um die verbrauchten Energiereserven wieder aufzufüllen. Da wir auf dem Col de Bretolet Vögel fangen, deren Flugzeit unbekannt ist, haben wir die gleiche Fragestellung auch unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt. Dazu haben wir Stoffwechselprodukte an Brieftauben und an Knutts, die bis zu 10 Stunden nonstop im Windtunnel flogen (Zusammenarbeit mit der Universität Lund), untersucht.
Die Untersuchungen des Ausdauerfluges zeigten erstaunliche physiologische Besonderheiten, die erklären helfen, wie ein Zugvogel diese Ausdauerleistung ohne Nahrungsaufnahme bewältigen kann. Der wesentliche Punkt ist, dass sich der Organismus des Zugvogels optimal auf den Brennstoff Fett, d.h. Triglyceride, eingestellt hat. Dieser relativ leichte und energiedichte Brennstoff wird in grosser Menge zu den Brustmuskeln transportiert, was unter anderem dank eines speziellen Stoffwechselweges ermöglicht wird. Darüber hinaus decken ziehende Vögel ihren Energieverbrauch zu einem wesentlich höheren Anteil aus Fettreserven, als das andere Wirbeltiere bei Ausdauerleistung können. Ziehende Vögel verbrennen wenig Protein. Dadurch sparen sie Transportgewicht, da Protein viel Wasser enthält und somit im Verhältnis zu seinem Energiegehalt „schwer“ ist. Ausserdem baut der Organismus Organe nur zu einem geringen Ausmass und hauptsächlich zu Lasten der Brustmuskeln ab, so dass er während der Rastphase Reserven schnell wieder aufbauen kann.
Dr. Åke Lindström und Anders Kvist, Universität Lund, Schweden
Prof. Dr. Theunis Piersma, Netherlands Institute for Sea Research, Texel, Niederlande
Prof. Dr. Hubert Schwabl, Washington State University Pullman
Dr. Fernando Spina, Istituto Nazionale per la Fauna Selvatica, Bologna, Italien