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und Schmuckformen des Orientes übernommen und meist mit anerkennenswertem Geschick verwendet; die Reinheit der griechischen Kunst wird geopfert, die Vermischung mit fremden Bestandteilen ist aber bei der Verpflanzung auf fremden Boden eben unvermeidlich.
Die von Alexander gegründete Hauptstadt Aegyptens, Alexandria, zeigte in ihrer ganzen Anlage und Ausstattung am besten den Geist und das Können dieser Zeit, und übertraf an Pracht alles bis dahin Dagewesene. Antiochia in Syrien wetteiferte in dieser Hinsicht mit der Schöpfung Alexanders.
Eigenheiten der griechischen Baukunst. Wenn ich kurz die Hauptkennzeichen der griechischen Baukunst zusammenfassen soll, so ergeben sich als solche für die äußere Erscheinung: maßgebend ist die Breitenausdehnung, welcher die Höhe sich unterordnet;
im Grundriß herrscht das Rechteck vor, Kreis und Ellipse treten erst später und verhältnismäßig selten auf (außer wo der Zweck des Gebäudes diese Form erheischte, wie bei Theatern und Rennbahnen, Stadien).
Die Dachform ist das Satteldach mit den zwei Giebelflächen; in ausgedehntem Maße werden Säulen verwendet, welche bei keinem Baue fehlen; Bogen und Gewölbe kommen nicht vor.
Die geistige Eigenart prägt sich aus in dem lebendigen, durch innere Notwendigkeit bedingten Zusammenhang aller Bauglieder; in der schönen Verhältnismäßigkeit aller Teile untereinander und zum Ganzen, in der Berücksichtigung der Gesetze des Sehens oder der Augentäuschung. Am besten wird man, was die äußeren Formen anbetrifft, der Merkmale der griechischen Bauweise sich bewußt werden, wenn man ein «gotisches» Bauwerk zum Vergleich heranzieht: hier überwiegt die Höhenausdehnung, der Grundriß ist nicht mehr rein rechteckig, an Stelle des Satteldaches tritt das Zeltdach, statt der Säulen werden außen Strebepfeiler verwendet, Gewölbe und Bogen kommen zur Anwendung.
Wie aus der Schilderung der verschiedenen Zeiträume hervorgeht, hat die griechische Bauweise in ihren Grundzügen im Laufe der Jahrhunderte nur geringe Veränderungen erfahren, in der Hauptansicht gleicht der älteste dorische Tempel dem spätgriechischen; die verschiedenen Stile prägen sich eigentlich nur in der Gestaltung einzelner Bauteile, vor allem in der Säule aus. Diese Formen sind aber nicht so sehr baulicher, sondern vielmehr bildnerischer Natur; sie beeinflussen nicht die ganze Fügung des Baues, sondern das schmuckhafte Aussehen.
Bildnerei. Damit ist auch auf das Gebiet hingewiesen, auf welchem der griechische Kunstgeist das Bedeutendste geleistet und seine Kräfte am reichsten entfaltet hat: auf die Bildnerei. Die Werke derselben stehen in solchem Ansehen, daß nach der landläufigen Ansicht sie sozusagen als unübertrefflich gelten, und wenn die neuzeitliche Bildhauerei oft eine ungerecht strenge Beurteilung fand, so hatte sie dies - sowie ihre ganze stiefmütterliche Behandlung gegenüber der bevorzugten Malerei - zum nicht geringen Teil jenem Vorurteil zu danken.
Bei aller Schätzung der griechischen Bildhauerkunst soll man jedoch nicht so weit gehen und bestreiten, daß die spätere Kunst - und auch die neuzeitliche - Vollkommenes
^[Abb.: Fig. 101. Metope vom Tempel zu Olympia.
Herkules empfängt die Aepfel der Hesperiden.] ¶
schaffen könne. Ich bin sogar der Anschauung, daß Höheres geleistet wurde und wird. Dies hindert aber gar nicht, den Leistungen der griechischen Meister volle Bewunderung zu zollen. Die innige Verbindung, in welcher die Bildnerei mit der Baukunst stand, zeigt sich auch darin, daß vielfach die Bildhauer auch als Baumeister auftraten. Wir begegnen dieser Erscheinung, daß große Künstler sich nicht einseitig auf ein Kunstgebiet beschränken, sondern mehrere beherrschen, auch im Mittelalter, sowie in der neuesten Zeit.
Die Bildnerei des ersten Zeitraums. Wie die Anfänge der eigentlich griechischen Baukunst in Dunkel gehüllt sind und die ältesten dorischen Tempel schon eine fertige Entwicklung erkennen lassen, so ist dies auch bei der Bildnerei der Fall. Zwischen den Bildwerken der mykenischen Zeit und jenen des 7. Jahrhunderts v. Chr. fehlt ein erkennbarer Zusammenhang, die Zwischenstufen der Entwicklung sind uns unbekannt. Aus dem genannten Jahrhundert stammen die ältesten Ueberreste und diese lassen bereits eine ziemlich hohe Fertigkeit erkennen.
Entwicklung. Sie weisen auch darauf hin, daß die Bildhauerkunst von der Holzbildnerei ihren Ausgang nahm, denn die ganzen Formen der Steinbilder lassen deutlich ersehen, daß aus Holz geschnitzte Vorbilder nachgeahmt wurden. Daß auch für die Bildnerei die Religion den Anstoß zur Entwicklung gab, ist gewissermaßen selbstverständlich. Die älteste Zeit kannte allerdings keine Götterbilder; im Heiligtum des Tempels stand nur der «Thron» für die unsichtbare Gottheit, vor dem man die Opfergaben niederlegte.
Es waren auch nicht Götterbilder, welche zuerst in den Tempeln auftraten, sondern vielmehr Standbilder von Menschen, - vielleicht zunächst Bildnisse von Verstorbenen -, die als Weihegeschenke gestiftet wurden. Der Gläubige brachte sein oder seines verstorbenen Angehörigen Ebenbild im Tempel unter, wohl in der Anschauung, dadurch der Gottheit näher gerückt zu werden. Erst später stellte man auch die Gottheit in einem Bilde dar, und in der Zelle des Tempels wurde der Thron durch das Standbild ersetzt. Das geschah aber, nachdem die Kunst bereits vorgeschritten war.
In das 6. Jahrhundert fielen einige wichtige Erfindungen - das Löten des Eisens, der Erzguß in Hohlform - oder vielleicht richtiger gesagt, wurden diese Fertigkeiten auf griechischem
^[Abb.: Fig. 102. Diskoswerfer des Myron.
Marmornachbildung. Rom, Palazzo Lanzellotti.] ¶