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Weitsichtigkeit ist die am schwierigsten zu verstehende und auch die am schwierigsten zu entdeckende Fehlsichtigkeit!
Oft wird sie vereinfacht erklärt mit den Worten: "Bei Weitsichtigkeit sieht man gut in die Ferne und schlecht in die Nähe". In Wahrheit ist das nicht ganz korrekt und viel komplizierter.
Weitsichtige Menschen sehen meistens bei einem Sehtest sehr gut, sowohl in die Ferne als auch in die Nähe. Oft sehen sie sogar "wie Adler", d.h. viel mehr als andere! Damit Weitsichtige gut sehen, müssen sie aber die inneren Augenmuskeln anstrengen (d.h. sie müssen die Akkommodation zu Hilfe nehmen). Dies tun sie für das Sehen in die Ferne und noch viel mehr in die Nähe.
Normalsichtige müssen die Akkommodation nur zum Lesen anwenden, d.h. sie müssen diese inneren Augenmuskeln nur zum Lesen etwas anspannen.
Da Weitsichtige dies den ganzen Tag machen müssen, d.h. beim Sehen in alle Distanzen, ermüden die inneren Augenmuskeln. Dies zeigt sich durch schnelle Ermüdung (vor allem beim Lesen ), durch Kopfschmerzen, durch wiederholtes unscharfes Sehen und Augenrötung.
Sind Kinder davon betroffen, zeigen sie meist wenig Interesse beim Lesen und Schreiben. Oft gelten sie zu Unrecht als schlechte oder faule Schüler. Abends sind sie viel müder als ihre gleichaltrigen Klassenkameraden. Sie können über chronische Kopfschmerzen klagen. Zum Teil äussert sich dies auch in Unkonzentriertheit, oder es wird fälschlicherweise eine Legasthenie oder ADHS vermutet.
Bei Erwachsenen können sich ähnliche Beschwerden zeigen. Typisch ist, dass diese viel früher eine Lesebrille brauchen als gleichaltrige Kollegen (oft bereits ab 30-35 Jahren). Dabei handelt es sich nicht um eine normale Alterssichtigkeit, sondern um eine bis anhin nicht entdeckte Weitsichtigkeit.
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Was ist die Ursache für Weitsichtigkeit?
Die Ursache der Weitsichtigkeit liegt in einer abnormen Augenform. Oft ist das Auge etwas kleiner gebaut (Achsenhyperopie), oder die brechenden Medien (Hornhaut, Linse) sind in ihrer Wölbung flacher (Brechungshyperopie), sodass beim Sehen kein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht.
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Wie behandelt man die Weitsichtigkeit?
Die Weitsichtigkeit wird mit Brille oder Kontaktlinse korrigiert. Dabei handelt es sich physikalisch um eine "Sammellinse" (Pluslinse in Plus-Dioptrien), welche ein scharfes Bild auf der Netzhaut ergibt.
Früher waren diese Gläser sehr dick, und die Augen dahinter riesig gross. Heute kann auch bei starker Weitsichtigkeit eine sehr schöne Brille angefertigt werden (Fragen Sie Ihren Optiker!).
Bei starker bis sehr starker Weitsichtigkeit ist das Sehen mit Kontaktlinse deutlich besser als mit Brille (keine Einschränkung des peripheren Sehens, d.h. des Gesichtsfeldes), weshalb der Kontaktlinse der Vorzug gegeben werden sollte.
Seit einigen Jahren gibt es auch die refraktive Chirurgie, mit welcher wieder entspanntes und besseres Sehen erreicht wird.
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Können Entspannungsübungen oder "Augenmuskel-Training" die Weitsichtigkeit bekämpfen?
Nein! Man kann damit vielleicht die inneren Augenmuskeln etwas trainieren; die Weitsichtigkeit bleibt aber genau gleich stark.
Verwöhnt man die Augen durch Brille oder Kontaktlinsen?
Nein! Ein weitsichtiges Auge muss zum Sehen in alle Distanzen den ganzen Tag die inneren Augenmuskeln anstrengen. Ein Normalsichtiges muss dies nur beim Lesen.
Ich vergleiche diese Anstrengung gerne mit einer allgemeinen sportlichen Aktivität. 1-2 Stunden Sport pro Tag sind sehr gut und gesund. Ein Marathon nach dem andern, nonstop über den ganzen Tag, kann verständlicherweise weder gesund noch sinnvoll sein. Der Körper resp. die Augen sind irgendwann k.o. Damit dies nicht passiert, ist die Entlastung mit einer Brille oder Kontaktlinse sehr wichtig. Auch dann muss sich das Auge noch wie bei einem "Normalsichtigen" beim Lesen anstrengen, d.h. es ist mit Brille nicht "total faul".
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Nimmt die Weitsichtigkeit zu, wenn man die Brille/Kontaktlinse nicht trägt, resp. nimmt sie ab durch konstantes Tragen?
Nein, das Tragen einer Brille oder Kontaktlinse hat keinen Einfluss darauf.
Vielmehr hat das Wachstum einen Einfluss. Während die meisten Kinder in der Vorschulzeit leicht weitsichtig sind, ohne dass sie Beschwerden haben, wächst sich diese mit der Zeit (mit dem allgemeinen Wachstum des Körpers und der Augen) aus.
Bleibt eine Weitsichtigkeit bestehen, und haben diese Kinder Beschwerden (Kopfschmerzen, müde Augen, Unkonzentriertheit, schlecht im Lesen und Schreiben, Doppelbilder oder Schielen), dann ist die Anpassung einer Brille unumgänglich.
Wie wird eine Weitsichtigkeit bestimmt?
Da ein Weitsichtiger zum Sehen stets seine inneren Augenmuskeln anspannt, müssen die Augenmuskeln vorübergehend ausgeschaltet (gelähmt) werden. Dies kann nur durch das Einbringen von Augentropfen erreicht werden. Da es sich dabei um ein Medikament handelt, darf es nur vom Augenarzt angewendet werden. Erst dann ist eine genaue Bestimmung dieser oft versteckten Fehlsichtigkeit möglich.
Da die Tropfen gleichzeitig die Pupille erweitern, kann der Augenarzt dabei sehr gut auch den Augenhintergrund kontrollieren. Aufgepasst: Die Tropfen müssen mindestens ½ Stunde einwirken. Reservieren Sie sich genug Zeit für die Untersuchung und organisieren Sie sich einen Chauffeur (Autofahren geht wegen der schlechten Sehschärfe und dem vermehrten Blendungsgefühl schlecht)!
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Kann eine Weitsichtigkeit erst in einem gewissen Alter auftreten?
Ja und nein.
Die Weitsichtigkeit ist, wie schon erwähnt, meist angeboren. Da sie aber durch Akkommodation (Anstrengung der inneren Augenmuskeln und damit Brechkraft-Erhöhung) kompensiert werden kann, bleibt sie oft jahrelang unentdeckt. Kinder haben eine sehr gute Akkommodationsfähigkeit, weshalb die Weitsichtigkeit lange nicht erkannt wird.
Mit zunehmendem Alter lässt diese Akkommodationsfähigkeit allmählich nach, weshalb eine Person plötzlich schlechter sieht, zuerst in die Nähe, später auch in die Ferne. Sie braucht dann viel früher als andere eine erste Lesebrille (wegen Weitsichtigkeit, nicht wegen Alterssichtigkeit).
Was ist die spezielle Gefahr von Weitsichtigkeit bei Kindern?
Bei Kindern liegt die Gefahr oft darin, dass man die Weitsichtigkeit nicht oder erst spät entdeckt. Bei den Reihenuntersuchungen in der Schule sehen diese Kinder sehr gut; niemand würde ein Augenproblem vermuten. Schulschwierigkeiten, Leseprobleme, Unkonzentriertheit, Kopfschmerzen und viele andere Beschwerden können ihren Ursprung in einer nicht entdeckten Weitsichtigkeit haben.
Entdecken resp. Nachweisen kann sie nur der Augenarzt in einer Augenuntersuchung mit pupillenerweiternden (und muskelentspannenden) Augentropfen.
Ein weiteres Problem kann bei Kindern sein, dass sie anfangen zu schielen. Da sie die Weitsichtigkeit mit Anstrengung der inneren Augenmuskeln kompensieren, kann es gleichzeitig zu einem Innenschielen kommen. Der Grund dafür liegt in der Koppelung der Akkommodation mit der Konvergenz, d.h. wenn die inneren Augenmuskeln zum Sehen angespannt werden, machen diese automatisch eine Einwärtsbewegung, d.h. es kommt zum Schielen nach innen. Dies kann man beim normalen Sehen in die Nähe, z.B. beim Lesen gut beobachten (Achten Sie einmal auf die Augen einer Person beim Lesen!).
Wenn ein Kind zur Überbrückung der Weitsichtigkeit schielt, dann kann es nebst einer Sehschwäche auch ein gestörtes Raumsehen entwickeln, was verheerend sein kann.
Daher gehört jedes Kind im Zweifelsfall in eine augenärztliche Kontrolle!