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Bill Whitfield & Javon Beard:
„Remember the Time: Protecting Michael Jackson in His Final Days“
jackson.ch Review*
Ich mag mich noch gut erinnern, wie sehr ich gespannt war, als man nicht allzu lange nach Michael Jacksons Dahinscheiden im Juni 2009 die ersten Informationen über dieses geplante Buch von Michaels Bodyguards vernahm. Man wusste zwar damals noch nicht viel, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das eine gute Sache würde. Und dann hörte man lange, lange nichts mehr. Ich hatte dieses Buch schon vergessen gehabt, als es dann letztes Jahr (auf Englisch) erschien. Wie wir berichtet haben, ist nun am 15. Mai 2015 die deutsche Version von “ Remember the Time: Protecting Michael Jackson in His Final Days” erschienen und zwar mit dem Titel “ Remember the Time: Die Bodyguards von Michael Jackson erzählen, warum der King of Pop wirklich starb“ — ein meines Erachtens unglücklich gewählter und irreführender Titelzusatz im Vergleich zur englischen Originalversion. Es geht in diesem Buch nicht um (weitere oder wiederholte) Mutmassungen, weshalb Michael Jackson vor etwas mehr als sechs Jahren frühzeitig verstorben war.
Die Einzigartigkeit dieses Buchs liegt darin, dass Bill Whitfield und Javon Beard während eines Zeitraums für den Schutz von Michael und seinen Kindern verantwortlich waren, als Michael Jackson vom öffentlichen Rampenlicht praktisch verschwunden war. Und wie kam es zu diesem einzigartigen Mandat für die beiden Bodyguards? Der Sicherheitseinsatz begann am 22. Dezember 2006, als Michael Jackson mit seinen Kindern zusammen in die USA zurückgekehrt war, nachdem er nach dem Freispruch im Juni 2005 sein Heimatland fluchtartig verlassen hatte. Bill Whitfield, der damals 31-jährige alleinerziehende Vater wurde von seinem Kollegen, Jeff Adams, dafür angestellt, den Transport einer „wichtigen Persönlichkeit“ und dessen Familie vom Flughafen bis zu deren Unterkunft in Las Vegas sicher zu stellen. Mehr war ihm nicht bekannt. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, war es dann um 22:35 Uhr soweit, als der Privatjet auf dem Flughafen in Las Vegas landete. Die Tür öffnete sich und ein Mann (Feldman, Michaels damaliger Assistent), eine Frau mit einem schlafenden Kind auf den Armen (das Kindermädchen Grace mit Blanket), gefolgt von zwei Kindern (Prince und Paris) kamen die Treppe runter und stiegen in den bereitstehenden Wagen. Bill dachte, das war’s und wollte die Türe schliessen, als eins der Kinder sagte: „Wo ist Daddy?“ Daddy??!! Er blickte zurück und sah einen Mann die Treppe runter kommen, ganz in schwarz gekleidet und mit einem schwarzen Schal über dem Gesicht. Bill bemerkte die weissen Socken, schmalen Knöchel und Slippers, Hochwasserhosen, aber es funkte noch nicht. Als er dann alle zur Unterkunft gebracht und die mindestens 30 Koffer reingetragen hatte, ging Bill zurück zum Wagen, bereit zu gehen, da der Auftrag erfüllt war. Sein Kollege Jeff kam zu ihm und Billl, der nun natürlich schon recht neugierig geworden war, fragte Jeff, wer denn nun dieser Typ war. „Hast Du ihn nicht gesehen?“, fragte Jeff ihn mit einem grossen Grinsen. „Klar, ich sah diesen dünnen Typen, eine Frau und drei Kinder“. Jeff lehnte sich vor und flüsterte: „Das ist Michael Jackson“. „Get the fuck out of here!“, war Bills dezente Reaktion. Feldman rief Bill dann nochmals rein, wo er ihn Michael Jackson vorstellte und dieser dann zu seinen Kindern sagte: „Kinder, das ist Bill. Er ist unser neuer Bodyguard“. Was? Neuer Bodyguard? Wovon spricht er? Mir wurde gesagt, dass dies ein Transport von Punkt A zu Punkt B sei. Und dann sagte Michael zu Bill: „Sie bleiben über Nacht, richtig?“ „Ähm… ja.“ „Wunderbar, dann sehen wir Sie am Morgen.“ Als die Familie sich nach oben zurück gezogen hatte, sagte Bill zu Feldman und Jeff: „Wir müssen uns unterhalten. Was geht hier ab? Wo ist der Sicherheitsdienst dieses Kerls“? Jeff erklärte, dass die Nation of Islam zuvor für die Sicherheit verantwortlich war, Michael aber dafür kritisiert wurde und er nun einige Änderungen vornehme. Feldman entschuldigte sich für die Verwirrung und fragte Bill, ob es für ihn okay sei, die Nacht und eventuell etwas länger zu bleiben. „Okay. Und wann trifft der Rest des Teams ein?“ Feldman sah Jeff an und dann wieder Bill und sagte, „Ich dachte, sie wären informiert. Es gibt kein Team. Sie sind das Team.“ Und als Feldman, Grace und Jeff das Haus verlassen hatten, waren es nur Bill, Michael und die Kinder. Es gab keine Entourage und niemand sonst wusste, dass Michael zurück in den USA war. Michael Jackson war allein.
Es war klar, dass Bill nicht allein 24 Stunden am Tag für die Sicherheit von Michael und seiner Familie zuständig sein konnte. Als Verstärkung dachte Jeff Adams an seinen Cousin Javon Beard, 26-jährig und Vater dreier Kinder. Dieser hatte zwar keine Erfahrung mit high-profile Personenschutz, aber er gehörte zur Familie und man konnte ihm vertrauen. Michael hatte ein besonderes Neujahrsprogramm für seine Kinder geplant und kurz nach Mittag am 31. Dezember kontaktierte Jeff seinen Cousin, der gerade in seine eigenen Neujahrsvorbereitungen absorbiert war, und fragte ihn, ob er an diesem Abend arbeiten könne. “ Hell, no!“ Dies könnte auf Deutsch etwa so übersetzen: „Spinnst Du!“ Jeff ging es finanziell gut, er hatte grosse Pläne für Neujahr und das für einen one-night Deal zu ruinieren, kam nicht in Frage. Aber Jeff gab nicht auf und so fragte ihn Javon dann, um wen es denn ginge? Das könne er nicht sagen, aber es handle sich um eine hochrangige Persönlichkeit. Diese Information reichte Javon nicht aus, um seine grossen Pläne für einen Einsatz, der nur ein paar Stunden dauern würde, abzusagen. „Okay, obwohl’s vertraulich ist, sag ich’s Dir, da Du zur Familie gehörst.“ Jeff beugte sich zu Javon rüber und sagte: „Es ist Michael Jackson“. „Get the fuck outta here!“ Und dies war der Anfang dieses einzigartigen Personenschutzauftrags für Bill Whitfiled und Javon Beard.
Im Buch gibt es zahlreiche Anekdoten, die einen zum Lachen und Schmunzeln bringen wie zum Beispiel:
– Als Michael zu Hause im Lift stecken gelieben war, weil er dachte, er hätte den falschen Knopf gedrückt
– Ein Einbrecher im Schlafzimmer, der sich als Taube entpuppte
– Michaels enge und einzigartige Beziehung zu seinen Fans, einschliesslich wie Michael seine Fans mit Soft Drinks und Snacks sowie Klappstühlen versorgen liess, wenn diese vor seinem Hause kampierten
– Wie Michael die Loyalität seiner Bodyguards testete
– Wie Michael mit seinen Kindern Hausaufgaben machte und ihre Wäsche wusch
Hundehaufen in der Garage (von Princes Labrador, Kenya) und wie das Problem gelöst wurde und von wem
– Wie Prince der einzige war, der es schaffte, dass Michael jemals rechtzeitig aus dem Haus kam
– Wie Paris Javon um Hilfe bat, einen Teddybären für ihren Daddy zu gewinnen
– Was es mit dem überraschenden Fund von Hunderten von Tabasco-Hot Sauce Flaschen auf sich hatte
– Wie lebensgrossen Figuren bzw. Displays von Spiderman, The Simpsons und Tinkerbell Michael begeisterten und seine Bodyguards zur Verzweiflung brachten
– Was es mit einer wunderschönen Lady namens Friend und einer herzigen, exotischen jungen Dame namens Flower auf sich hatte
„Manchmal war man traurig“, so Javon, „weil [Michael Jackson und seine Kinder] so isoliert waren, aber sie waren immer so glücklich, dass sie einander hatten und einfach zusammen sein konnten.“ Aber die Zeit, die Bill und Javon mit Michael verbrachte, war natürlich nicht nur immer Friede, Freude, Eierkuchen. Durch die konstante Nähe erlebten Bill und Javon auch aus erster Hand, was für ein Chaos um Michael herum herrschte, was seine Angestellten anbelangte und welche Freiheiten diese sich nur zu oft nahmen. Wie Bill es formulierte: „Seine Realität wurde zu meiner Realität. Und ich kann nicht sagen, dass es eine erfreuliche Sache war, sein Leben. Es machte keinen Spass. Wir hatten lustige Momente, aber als Ganzes war’s nicht lustig. Soviel Unruhe, soviel Tauziehen. Die stetige Sorge. Niemals zu wissen, wem man vertrauen kann. […] Ich habe [in dem Moment] sieben, acht Monate so gelebt und ich war schon ausgelaugt. Er hat so gelebt, seit er zehn Jahre alt war.“ Die Unruhen betrafen u.a. auch das komplexe Verhältnis von Michael zu seiner eigenen Familie. Michael verlangte am meisten Schutz vor seinen eigenen Leuten, inkl. Managern, Anwälten und seiner eigenen Familie. Die eigene Familie von ihm fernzuhalten wurde zum schwierigsten und verwirrendensten Teil ihres Jobs, so Bill.
Fazit: Ich kann Euch das Buch nur wärmstens empfehlen, insbesondere all denjenigen, die sich nicht nur für den King of Pop, sondern insbesondere auch für den Menschen und Familienvater Michael Jackson interessieren. Das Buch mag auch endlich einige Lücken füllen und Fragen und Ungewissheiten beantworten über einem Zeitraum, von dem bisher nicht viel bzw. gar nichts bekannt war; eine Zeit in Michaels Leben, die geprägt war von Heimatlosigkeit sowie finanziellen Herausforderungen und Turbulenzen mit Angestellten. Gleichzeitig aber hat man auch das Gefühl, dass diese Jahre dank der innigen und wunderschönen Beziehung zwischen ihm und seinen Kindern mit zu den schönsten und glücklisten seines Lebens gehörten. Das Buch kam mir in jedem Moment sehr authentisch und ehrlich rüber. Trotz der engen Beziehung, die sich aus diesem intimen Bewachungsauftrag ergab, hatte ich, gerade im Vergleich zu Frank Cascios Buch „My Friend Michael“ (siehe meinen Review vom Dezember 2011), keinen Moment lang das unangenehme Gefühl, dass ich etwas erfahre, wozu ich eigentlich kein Recht hatte bzw. von dem ich empfand, dass es (moralisch) nicht richtig ist, dass diese Geschichten der breiten Öffentlichkeit bekannt gegeben werden. Die Integrität von Michael und seinen Kindern sah ich keinen Moment lang beeinträchtigt. Dies mag insbesondere auch damit zusammen hängen, da Bill und Javon zu jedem Zeitpunkt ein respektvolles und professionelles Benehmen an den Tag (und die Nacht) legten, auch wenn es manchmal Momente gab, in denen sie Michael Jackson hätten an die Gurgel springen könnten. Aber genau diese Ehrlichkeit in Verbindung mit der stetigen Professonalität und Loyalität als Verständnis ihres Jobs machen dieses Buch in meinen Augen authentisch und nicht prahlerisch und eigennützig, wie einige andere Bücher über Michael Jackson dies zum Teil leider taten.
* Zu Eurer Information: Dieser Review bezieht sich auf die englische Originalversion.