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Wer hat es nicht schon gesehen, das bunt übermalte Backsteingebäude, kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Bern: die Reitschule. Gelesen hat man auch darüber. Denn die einstige Städtische Reitschule Bern ist seit über dreissig Jahren ein umstrittenes autonomes Kulturzentrum.
Glorreiche Vergangenheit
In diesem Beitrag soll aber nicht von diesem Kulturzentrum Reitschule die Rede sein, mit irritierenden Vorfällen, vermuteten illegalen Machenschaften und der Hilflosigkeit der Politik und der Behörden, eine für alle befriedigende Lösung zu finden. Berichtet wird von der glorreichen Vergangenheit der Städtischen Reitschule Bern, dem einst grössten Reitinstitut der Schweiz. Gaston Delaquis, Georg Wahl und Christine Stückelberger repräsentieren die Geschichte in den Nachkriegsjahren bis 1967. Bereits 1964 gab es erste Diskussionen über eine Schliessung und gar über einen Abbruch der Gebäude wurde geredet. 1980 wurden dann die Reitaktivitäten eingestellt. Im Jahr darauf wurde die Reitschule erstmals besetzt. Nach der gewaltsamen polizeilichen Räumung fünf Monate später dauerte es bis 1987, als, nach der Gründung der «Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule», die Gebäude erneut besetzt wurden. Die Besetzer erhielten schliesslich einen «Gebrauchsleihvertrag». 2004 schlossen die Stadt und die Betreiber einen «Miet- und Leistungsvertrag». Zwischendurch gab es 1989 in der Reithalle eine vielbeachtete Ausstellung des Eisenplastikers Bernhard Luginbühl. Ich erinnere mich, wie ich mit Roland von Siebenthal an der Vernissage die Umnutzung von einer Reithalle in eine Ausstellungshalle diskutierte.
Über 120 Jahre Geschichte
Die Städtische Reitschule auf der Schützenmatte beim Bahnhof Bern wurde 1895 bis 1897 erstellt. Der von Architekt Albert Gerster entworfene Bau umfasste die grosse Reithalle, Stallungen, Einstellplätze für Kutschen und einige Wohnungen. Der Bau ersetzte die erste Städtische Reitschule, die 1739 am Unteren Graben eröffnet worden war, und die 1899 abgebrochen wurde, um Platz für den Bau des Stadttheaters zu machen. Diese erste Städtische Reitschule von 1739 hatte seinerseits die Reitschule von J. F. Fischer ersetzt, die dieser 1690 am Oberen Graben eröffnet hatte.
Die erste grosse Krise kam einige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg, als die SBB von 1936 bis 1941 den Eisenbahnviadukt über die Aare und die Schützenmatte baute. Damit verschwand der Reit- und Turnierplatz, die Städtische Reitschule wurde de facto zum Hallenbetrieb.
Von Bigler über Delaquis zu Wahl
1949 übernahmen Eva Bigler und Major Bernard de Mestral die Anlage. De Mestral war einer der Pioniere der Dressur in der Schweiz. Er war von 1912 bis 1949 Reitlehrer an der Eidgenössischen Pferderegieanstalt in Thun. Eva Bigler war die erste international erfolgreiche Schweizer Dressurreiterin. Mit Xaurado und vor allem mit Trebonius ritt sie, im Gefolge der Thuner und Berner Bereiter, in Wiesbaden, Rotterdam und Aachen. Mit ihrem Ehemann Robert Bigler hatte sie jahrelang die Reitanstalt Seefeld in Zürich geführt. Nach dessen Tode wurde 1946 der Reitbetrieb aufgelöst. 1949 übernahm sie mit De Mestral die Anlage in Bern. Dort war seit 1947 Gaston Delaquis Direktor. Der Jurist Delaquis hatte zuvor als juristischer Berater im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement gearbeitet. Daneben war er seit 1935 Speaker auf den Schweizer Rennplätzen. Er verliess die Städtische Reitschule 1953. Sein Nachfolger wurde Georg Wahl. Der Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule in Wien war 1951 in die Schweiz gekommen. Hier arbeitete er von 1951 bis 1953 mit Fredy Knie im Zirkus, bevor er die Leitung der Städtischen Reitschule in Bern übernahm. 1967 kehrte Wahl an die Spanische Hofreitschule zurück.
In Bern lernte er die junge Reitschülerin Christine Stückelberger kennen. 1968 war die 21-jährige Christine Stückelberger mit Merry Boy Ersatzreiterin an den Olympischen Spielen in Mexiko. 1972 bestritt sie mit Granat ihre ersten von sechs Olympischen Spielen. 1976 wurde sie mit Granat Olympiasiegerin und 1988 gewann sie mit Gauguin de Lully Einzelbronze. Dazu kam der Sieg beim Festival 1980 in Goodwood, dem Ersatz für die boykottierten Olympischen Spiele von Moskau. 1978 wurden Stückelberger und Granat Weltmeister, 1975 und 1977 Europameister. Mit Gauguin de Lully gewann Christine Stückelberger zweimal, 1987 und 1988, den Weltcupfinal.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 46/19)
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