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Steckbrief
Gefährdungsgrad: verletzlich (VU)
Nationale Priorität: mässig (4)
Merkmale:
- Gestalt grazil
- Hinterbeine auffällig lang
- Grundfarbe bräunlich, rötlich, beige oder gräulich
- Körperoberseite schwach gezeichnet
- Schnauze stumpf, auf Höhe Nasenöffnung abgeknickt
- dunkler, auffälliger Schläfenfleck
- Brunstschwielen beim Männchen braun bis schwarz
- Helles Oberlippenband endet abrupt unter dem Auge
Beschreibung
Der Italienische Springfrosch, Rana latastei, gleicht stark seinen nahen Verwandten Spring- und Grasfrosch und gehört wie diese zu den Braunfröschen. Die Grundfärbung der Oberseite variiert zwischen verschiedenen Brauntönen und beige; mitunter kommen aber auch gräuliche Tiere vor, und insbesondere die Weibchen sind oft rötlich gefärbt.
Eine feine, dunkle Fleckung ist oft vorhanden, bunte Tiere – wie beim Grasfrosch – kommen nicht vor. Die Unterseite ist weisslich, an der Kehle und der vorderen Bauchhälfte aber durch eine meist dichte, dunkle und verwaschene Fleckung überlagert, die an der Kehle durch ein helles Längsband und auf der Brust durch ein entsprechendes Querband geteilt wird.
Der Kopf ist von der Seite betrachtet weniger abgeflacht und zugespitzt als der des Springfrosches, und das helle Längsband über der Oberlippe endet unter dem Auge abrupt. Der dunkle, für Braunfrösche charakteristische Schläfenfleck ist meist deutlich ausgeprägt, und das sich darin befindende Trommelfell viel kleiner als der Augendurchmesser, undeutlich und weit vom Auge entfernt. Die Hinterbeine sind im Verhältnis zur Körpergrösse ebenso lang wie beim Springfrosch.
Die Hinterbeine sind deutlich, dunkel gebändert, die Brunftschwielen an den Daumen der Männchen dunkelbraun. Italienische Springfrösche bleiben meist unter 60 mm, wobei Weibchen ausnahmsweise 70 mm erreichen können. Männchen werden bereits mit knapp 40 mm Körperlänge geschlechtsreif.
Ökologie
Die Sommerlebensräume des Italienischen Springfrosches liegen oft bis einige hundert Meter vom Laichgewässer entfernt, durchschnittlich wohl weniger weit als beim Springfrosch. Beobachtungen deuten aber darauf hin, dass diese auch in annähernd einem Kilometer Entfernung liegen können. Über die Herbstwanderung ist wenig bekannt; im Herbst können aber je nach Gewässer schon Tiere im Wasser beobachtet werden, die hier auch überwintern, und mit etwas Glück kann bereits der typische Ruf gehört werden. Viele Tiere ziehen jedoch erst im Februar oder sogar im März zum Laichgewässer, oft gemeinsam mit dem Springfrosch.
Wie beim Springfrosch warten die Männchen am Gewässergrund auf die Weibchen, die später eintreffen. Am Gewässergrund können dann öfters wartende Tiere des Italienischen Springfrosches und des Springfrosches durchmischt und gleichzeitig rufend beobachtet werden; Fehlpaarungen sind gar nicht so selten, zu erfolgreichen Kreuzungen kommt es jedoch nicht.
Der Ruf des Italienischen Springfrosches erinnert etwas an ein feines Miauen einer Katze. Das einzeln ausgestossene "ää” wird in Abständen von mehreren Sekunden wiederholt, fast ausschliesslich unter Wasser von sich gegeben und ist nur am Gewässer zu hören. Ins Wasser springende Weibchen werden sofort erhascht und bis zur Besamung des Laichballens hinter den Vorderbeinen festgehalten.
Ein Weibchen produziert zwischen 400 und 1’200 Eier und gibt diese in Form eines kompakten Ballens ab, der durch die kleinen, nur etwa 6 bis 7 mm messenden Gallerthüllen von den andern Braunfroschlaichballen unterschieden werden kann. Die Ballen werden in 5 bis 30 cm Wassertiefe einzeln oder in ganzen Trauben an Ästchen und anderen Pflanzenteilen befestigt, wobei schräg vom Ufer ins Wasser ragende Ästchen besonders günstig zu sein scheinen. Ab und zu gelangen die Ballen später an die Wasseroberfläche. Die Laichzeit verteilt sich in der Südschweiz über beinahe zwei Monate, von Mitte Februar bis in den April hinein; innerhalb des gleichen Laichgewässers dauert die Fortpflanzungszeit aber meist kaum länger als drei Wochen. Der Höhepunkt des Laichgeschehens wird in der ersten Märzhälfte erreicht. Während die Weibchen das Wasser nach der Eiablage wieder verlassen, bleiben die Männchen noch einige Tage im Wasser, ab anfangs April können aber kaum mehr Adulte im Wasser beobachtet werden.
Die Larven schlüpfen nach einer etwa zweiwöchigen Embryonalphase und hängen dann noch einige Tage am Laichballen, bis sich der Ruderschwanz fertig ausgebildet hat, der die Larve zum Schwimmen bemächtigt.
Frisch metamorphosierte Italienische Springfrösche können ab anfangs Juni beobachtet werden. Nun sind die etwa 13-15 mm messenden Jungtiere für das Landleben bereit und wandern in ihren Sommerlebensraum ab. Männchen nehmen teilweise bereits nach der ersten und Weibchen nach der zweiten Überwinterung erstmals am Laichakt teil.
Verbreitung
Die rund 250 bekannten Vorkommen konzentrieren sich hauptsächlich auf die nördliche Hälfte der Italienischen Poebene. Das kleine Gesamtverbreitungsgebiet erstreckt sich von Turin und Cuneo im Westen, östlich über die ganze Poebene, über Venezien, das Friaul, das westlichste Slowenien bis in das Kroatische Istrien.
In der Südschweiz lebt der Italienische Springfrosch im südlichsten Teil des Tessins, im Mendrisiotto, südlich der Linie Rancate-Mendrisio-Balerna. In diesem rund 24 km2 messenden Gebiet ist die Art durchgehend und mit 30 Vorkommen in einer erstaunlichen Dichte verbreitet. Das höchstgelegene Laichgebiet des Italienischen Springfrosches befindet sich direkt auf der schweizerisch-italienischen Grenze bei Pedrinate auf 490 m ü. M. Vorkommen über 300 m ü. M. sind selten.
Gefährdung und Schutz
Mit nur etwa 250 bekannten Vorkommen gehört der Italienische Springfrosch zu den seltensten Amphibienarten Europas. Da sich die Verbreitung auf das Tiefland konzentriert, das auch durch den Menschen am intensivsten genutzt wird, ist der Italienische Springfrosch besonders stark durch direkte Zerstörung der Laich- und Sommerhabitate bedroht. So sind von den grossflächigen, ursprünglichen Auen der Poebene nur noch Relikte vorhanden. Zudem führte die Grundwasserabsenkung mancherorts zur Austrocknung der Laich- und Landhabitate. In der Schweiz hat die Art sehr positiv auf Habitatsaufwertungen reagiert. Trotzdem verdient diese Art wegen des kleinen Verbreitungsgebietes unsere besondere Aufmerksamkeit.
Beim Schutz haben die Neuschaffung von geeigneten Grundwasser oder bachgespeisten Gewässern sowie die Rückführung von Pappelplantagen und andern Monokulturen in potentielle, standortgerechte Waldgesellschaften oberste Priorität. Die Verhinderung einer weiteren Grundwasserabsenkung sowie die Förderung einer intakten „Lebensraumvernetzung“ zwischen den Laichgewässern und Wäldern sind übergeordnete Ziele.
Lebensraum
Im Gegensatz zu Spring- und Grasfrosch ist der Italienische Springfrosch eine Charakterart von weiten Tiefebenen in Gebieten mit hohem Grundwasserspiegel. Damit kann er als typischer Auen- und Riedbewohner bezeichnet werden. Die Palette der Fortpflanzungsgewässer reicht von Tümpeln über Weiher bis zu Flüsschen. In der Poebene nutzt er teilweise auch Reisfelder. Die stehenden Gewässer sind meist durch Grundwasser gespeist. Optimal scheinen leicht fliessende Gewässer wie Entwässerungsgräben und -Kanäle sowie Altläufe zu sein. In Bächen und kleinen Flüssen wird öfters in Kolken und ruhigen Partien abgelaicht, wobei die Konkurrenz durch Fische in solchen Gewässern oft gross ist. Der Italienische Springfrosch pflanzt sich sowohl in besonnten wie auch in beschatteten Wasserstellen fort.
Günstige Landlebensräume sind Auenwälder und andere feuchte bis frische Waldtypen. Die für das Tiefland charakteristischen lichten, warmen und frischen Eichen-Hagebuchenmischwälder, die meist eine dichte Krautschicht aufweisen, scheinen sehr geeignet zu sein. Diese finden sich auch im Tessiner Areal nebst kastanienreichen Wäldern, Eschen-Erlenwäldern und Erlenbruchwäldern. Die ursprünglichen (Auen)wälder sind nur noch in wenigen Gebieten vorhanden, so dass oft Ausweichlebensräume besiedelt werden. So bewohnt der Italienische Springfrosch in der Poebene z. T. auch Pappelhaine, sofern diese genügend strukturiert und nicht zu trocken sind, und in der Südschweiz lebt er auch in Wäldern mit dominierendem Robinienanteil. Genauere Untersuchungen zur Verteilung im Sommerlebensraum fehlen.