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Dieser Artikel hat eigentlich nichts mit uns als Firma zu tun – ab und zu erlauben wir uns aber, den einen oder anderen Artikel einfach so online zu stellen – einfach so, zur Erheiterung unserer Kunden. Und zu unserer eigenen Belustigung.
Alle halbe Jahre wieder werden wir durch ein “Feature” auf Trab gehalten, welches sich “Zeitumstellung” nennt.
Für Administratoren von Systemen hat dies insofern einen Einfluss als dass insbesondere die Zeitumstellung im Herbst bei Datenbanken immer wieder zu Schluckaufs führt (gleicher Timestamp zwei Mal).
Aus diesem Grund benutzen die meisten UTC als Systemzeit – da gibt es diesen “Wahnsinn” nicht.
Trotzdem: Der sonntägliche Systemcheck (meistens mit einer Stunde weniger Schlaf) ist quasi garantiert. Die Kosten trägt meistens der Kunde…
Aber woher kommt die Zeitumstellung eigentlich? Die Idee, Kerzenlicht zu sparen und durch die Zeitumstellung mehr Tageslicht nutzen zu können wird meistens als historischer Hintergrund angeführt.
Das ist insofern korrekt, als dass sich diese Weisheit historisch als Fakt eingebürgert hat und somit salonfähig gemacht wurde.
Nur… als die Sommerzeit eingeführt wurde war Kerzenlicht schon längst nicht mehr die Lichtquelle der Wahl. In der Schweiz wurde die Sommerzeit im Jahr 1981 eingeführt (siehe 941.299 Zeitgesetz vom 21. März 1980).
Allerdings ist der Hintergrund für die Umstellerei weitaus trivialer:
Im Prinzip basiert die Zeitumstellung auf einem (leicht bösartigen) Seitenhieb in Form eines Leserbriefs von 1784 an das “Journal of Paris” (nebenbei: absolut lesenswert!), verfasst von Benjamin Franklin (*17. 1. 1706 (Boston, USA), +17. 4. 1790 (Piladelphia, USA), amerikanischer Drucker, Verleger, Schriftsteller, Erfinder und Staatsmann).
Dazu muss man wissen, dass die Beziehungen zwischen Frankreich und den damals noch sehr jungen vereinigten Staaten nicht von überschäumender Freundschaft geprägt waren. So ist die Einführung des metrischen Systems (angestossen im Zuge der französischen Revolution von 1789) auch ein Seitenhieb gegen die Amerikaner…
Nun aber zurück zu Benjamin Franklin… dieser behauptete in seinem Essay “An economical Project for Diminishing the Cost of Light”, dass die Franzosen grundsätzlich viel zu spät aufstehen (zu Deutsch: Faulpelze seien).
Sein Vorschlag damals war, dass “in jeder Strasse Kanonen augefeuert werden sollen, um die Faulpelze aufzuwecken”:
“Fourth. Every morning, as soon as the sun rises, let all the bells in every church be set ringing; and if that is not sufficient?, let cannon be fired in every street, to wake the sluggards effectually, and make them open their eyes to see their true interest.”
Seine angeführte Logik: Wer früher aufstehe verbrauche nachts weniger Kerzen (weil er früher ins Bett geht). Seiner Berechnung nach liessen sich dadurch 64 Millionen Pfund an teurem Wachs einsparen. So weit, so gut.
Womit Benjamin Franklin nicht gerechnet hatte: Sein Witz entwickelte ein Eigenleben.
So kämpfte der britische Baulöwe William Willet (1856-1915) (er gilt in der Folge auch als “Erfinder” der Sommerzeit) jahrelang für die Einführung der Sommerzeit. Um die Umstellung weniger schmerzhaft zu machen schlug er vor, die Umstellung auf insgesamt vier Wochenenden zu verteilen (pro Wochenende 20 Minuten), was also eine Zeitverschiebung von 80 Minuten zur Folge gehabt hätte.
Eine überlieferte Antwort auf Willets Idee kam vom britischen Chef-Astronomen zu der Zeit (mutmasslich Herbert H. Turner). Dieser hielt die Idee für absolut schwachsinnig und ätzte, dass man dann doch bitte auch “von Oktober bis März das Thermometer zehn Grad hochschrauben möge”, damit die Temperatur nicht mehr als so kalt empfunden werde.
Willet starb 1915 ziemlich enttäuscht, dass seine Idee nirgendwo Gehör fand.
1916 wurde die Idee dann doch umgesetzt. Und zwar vom Erzfeind Deutschland (Stichwort erster Weltkrieg, 1914 – 1918). Die Deutschen erhofften sich (die von Franklin beschriebene) massive Einsparungen an Brennstoffen.
Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Zeitumstellung in Deutschland übrigens sofort wieder abgeschafft, nur, um sie im zweiten Weltkrieg dann wieder einzuführen.
Und zwar genau so autoritär wie von Franklin vorgeschlagen. Damals schlossen sich (interesanter weise) Länder wie England und die USA an; die Zeit wurde “Daylight Saving Time” oder “War Time” genannt.
Die Sonnenzeit (also die Zeit ohne Umstellung) wurde übrigens “God’s Time” genannt.
Nur wenige Jahre nach dem Krieg war damit dann wieder Schluss…. nur um…. Sie ahnen es:
1980 wurde sie in Deutschland wieder eingeführt, seit 2002 ist die Zeitumstellung für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union pflicht.
Allerdings machen längst nicht (mehr) alle Länder mit.
In der folgenden Graphik ist ersichtlich, wer den “verordneten Wahnsinn” bis heute auslässt oder nicht mehr mit macht.:
Der Widerstand gegen die Zeitumstellerei wächst – und der Autor hofft, dass die Zeitumstellung irgendwann dann doch noch Geschichte wird. Vermutlich wird dann aber kurz darauf wieder irgend ein Beamter die Idee erneut aufgreifen – und für eine Wiedereinführung kämpfen.
Bis es soweit ist bleibt uns nichts weiter als nach der Zeitumstellung brav alle Systeme zu prüfen – auf dass auch dieses Mal kein Ärger ins Haus steht (und alle zu bitten, als Systemzeit doch bitte UTC zu verwenden).
Wir, für unseren Teil, werden uns in Zukunft aber hüten, irgendwelche ätzenden Leserbriefe zu schreiben – könnte ja sein, dass die Idee von dann irgendwann aufgegriffen und umgesetzt wird. Nicht immer geht es so glimpflich ab wie bei “Microsoft BOB“, aber das ist eine andere Geschichte 🙂