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Kurzfassung der Serie im "Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern", jedoch mit mehr Bildern:
Die schwarze Truhe
Eines Tages gelangte er in den Besitz einer kleinen, schwarzen Truhe. Diese war keine der üblichen Truhen, denn sie war sehr auffallend. Nebst den auf beiden Seiten eingelassenen, metallenen Traggriffen fällt mitten auf dem Deckel ein glänzendes, metallenes Familienwappen auf. Das Wappen ist geviertelt, in einem Viertel sind drei Herzen. Über dem Wappen ein Ritterhelm und darüber ein Schwert. Erstaunt und voller Spannung öffnete er den Deckel. Die Truhe war voller Briefe und Dokumente, sowie einiger Bücher und ein paar Fotos. Die vornehmen Herrschaften auf den Fotos und die alten Dokumente mit den schwungvollen Schriften erregten sofort seine Aufmerksamkeit. Diese Truhe existiert heute noch, was befindet sich alles darin?
Amélie du Fay
Eine junge hübsche Dame fällt auf den etwa zwei Dutzend Fotos auf. Es handelt sich um Amélie du Fay. Auf den ältesten Fotos steht sie als Dreikäsehoch vor ihrem Kinderwagen. Der Kinderwagen ist ohne Übertreibung ein Luxusmodell. Beidseitig je eine Petrollampe wie bei einer Kutsche. Weitere Fotos zeigen sie beim Lesen, beim Violine spielen oder zusammen mit ihrem Vater oder ihrer Mutter. Ein anderes Foto zeigt ein Gemälde. Gemäss Beschriftung auf der Rückseite sind darauf ihre Grosseltern väterlicherseits zu sehen: Alexandre du Fay (1789-1836) und Caroline du Fay (1794-1835). Ihr Vater Jean-Noé du Fay (1816-1879) ist als kleiner Bub zu erkennen. Ein weiteres Bild zeigt ihren Wohnsitz in Frankfurt am Main, eine herrschaftliche Villa. Der Inhalt der Truhe bezieht sich denn auch hauptsächlich auf Frankfurt am Main und enthält verschiedenste Dokumente und Briefe.
"Das Paar sich vergnügt umfasst"
Eine Hochzeitszeitung ist datiert mit dem 28. Dez. 1742 und hat vier Seiten. Auf dem Titelblatt wird in grossen Lettern angekündet, wer heiratet, nämlich die Braut de Fay und der Bräutigam von Fleischbein: "Die wahre Dankbarkeit wollte an den höchstbeglückten DE FAYischen und von FLEISCHBEINischen Hochzeits-Feste, welches den 28. Dez. 1742 zu Frankfurt am Main höchst vergnügt begangen wurde, in tiefster Ehrfurcht an den Tag legen". Auch der Verfasser dieser Hochzeitszeitung verewigte sich sogleich auf der Titelseite: "Ein von dem hohen Hochzeits-Hause von vielen Jahren her ganz untertänig gehorsamster Diener Christian Gotthelf Jacobi. Auch der Drucker ist auf der ersten Seite vermerkt: Gedruckt bei Philipp Willhelm Eichenberg, in der Gelnhäusser-Gass. Auf den nächsten zwei Seiten folgen gereimte Sinnsprüche und auf Seite vier schliesst die Hochzeitszeitung mit dem Kinderwunsch: "Gib, dass das neue Paar, das sich vergnügt umfasst an diesem frohen Tage, nie eine Kummerlast beschwert und bedrückt! Lasst es beglückt stets leben, damit des Segens bald mag ein Zeugnis geben".
"Vom Schatz entfernt zu leben, ist eine grosse Pein"
Eine andere Hochzeitszeitung, undatiert, aber wohl aus derselben Zeit, ist dem Vermählungsfeste des Brautpaars von Stockum und du Fay gewidmet. Die Verfasser dieser Hochzeitszeitung bezeichnen sich auf der Titelseite als "Glück wünschende Hirten Lipps und Tönges". Lipps und Tönges halten während der nächsten drei Seiten ein (gereimtes) Zwiegespräch: "Vom Schatz entfernt zu leben, ist eine grosse Pein. Drum muss man sich bestreben, oft um den Schatz zu sein. Dann wird die Pein gestillt, die Sehnsucht gleich erfüllt. Soll sie Vergnügen geben, so sprech man bei ihr ein".
Geburt, Heirat und Tod
Vier ledergebundene Bücher in der Truhe fallen besonders auf: Es sind Familienbücher, voll geschrieben mit genealogische Familienaufzeichnungen: Geburtsdatum, Heirat wann und mit wem, Geburtsdaten und Namen der Kinder und das Datum des Todes. Immer wiederkehrende Ereignisse, als Alltäglichkeit in der Geschichte einer Familie. Eines der Familienbücher, ein umfangreicher brauner Ledereinband wurde 1746 in Frankfurt am Main angelegt von Marie Madeleine du Fay, Tochter des Frederic du Fay und der Anne Marie Roosen. Marie Madeleine du Fay blendet anfangs der Aufzeichnungen ihre Familiengeschichte zurück und beginnt mit Jean du Fay, geboren 1345 in Valenciene. 401 Jahre Rückblende! Das Buch ist Seite um Seite voll mit Familienaufzeichnungen. Nebst der Familie du Fay erhielten die zugeheirateten Familien namens Roosen, Famars, Lameline und Schelckens immer ein neues Kapitel mit einem prächtigen, kolorierten Familienwappen in das Buch eingezeichnet. Die letzten Eintragungen enden 1794. Durch Heirat kommt auch erstmals der Name Brevillier zur Familie und findet seinen Eintrag in diesem Familienbuch. So ist es auch zu erklären, dass folgende drei Familienbücher dieser Familie in die Truhe kamen.
"Livre de Famille de moy"
Diesen Titel schrieb Jean Pierre Brevillier 1711 mit Tinte in Druckschrift auf dem Buchumschlag. Die Bleistiftlinien, welche ihm zum Schreiben als Hilfe dienten, sind heute, fast 300 Jahre später, immer noch zu sehen. Auf der ersten Seite vermerkte er, dass er am 15. Februar 1677 in Lyon, Frankreich geboren wurde. Fein säuberlich notierte er Jahr für Jahr alle für die Familie wichtigen Begebenheiten auf. Sein letzter Eintrag stammt aus dem Jahre 1752, mit 75 Jahren. Auf einem anderen Buch steht auf dem Einband: Familienbuch von mir, Johann Carl Brevillier, Burger und Handelsmann in Frankfurt, anno 1748. Auf der ersten Seite ist zu lesen, dass er am 3. Januar 1723 in Frankfurt geboren wurde, also begann er mit 25 Jahren dieses Buch zu schreiben. Auf einem dritten Buch steht auf der ersten Seite: Familienbuch von mir, Jacob Friderich Brevillier, anno 1777. Auch er begann anfangs mit dem Eintrag, wann er geboren wurde: am 18. Januar 1753 in Frankfurt. 1829 schrieb er seinen letzten Eintrag, mittlerweile 76-jährig. Die restlichen Seiten des Buches blieben unbeschrieben, bis heute.
Anweisungen bei Feuer 1745 in Frankfurt
Aus jener Zeit, als die Familie du Fay in Frankfurt wohnte, zeugt auch folgendes Dokument. Es besagt, wie sich Peter du Fay, zu verhalten habe bei Feindes- und Feuergefahr oder auch bei Gefahr von Verrätern, bei Tag und Nacht. Dabei musste er unterscheiden, wie diese Nachricht gemeldet wurde. Wenn die Sturmglocken in Frankfurt langsam geschlagen, das Feuerhorn geblasen oder mit den Musketen geschossen wurde, bedeutete dies ein "normales" Feuer. Wurden die Sturmglocken jedoch viel schneller geschlagen und war dies auch von den "Wällen" (Schanzen) zu vernehmen, so hiess dies Gefahr vor Feuer, Feind oder sogar vor Verrätern. Peter du Fay hatte unverzüglich am Paradeplatz zu erscheinen. Dort hatte er auf die Befehle zu warten und sich "gehorsamlich" zu halten. Bei Ungehorsam gab es 9 Gulden Strafe oder bei weiteren Verfehlungen sogar noch höhere Strafen. Weiter wird auf dem Dokument darauf hingewiesen, dass ein Wohnungswechsel dem "Capitain" unfehlbar zu überliefern sei, bei Strafe im Unterlassungsfall! Das Dokument wurde ausgestellt am 1. Februar 1745 von Jacob Passavant, "Capitain" beim "Feuer-Amt" Frankfurt.
"An mein innigst geliebtes Mariechen"
Die Truhe enthält weitere interessante Dokumente so u.a. einen Kreditabzahlungsvertrag für achtzehnhundert Gulden, ausgestellt am 28. Octobris, anno 1647, abzuzahlen bis Ostern 1648, ist zu lesen. Ob der Schuldner den Kredit wohl zurückbezahlt hat? Darunter das von der Truhe bekannte Siegel der Familie du Fay. Ein Bündel Briefe richtete sich an Herrn Alex du Fay in Frankfurt um 1816. Andere Briefe an "Madame Sophie Schlosser, geborene du Fay, aus Frankfurt in Wien". Die Briefe wurden so gefaltet, dass die vierte Seite als Umschlag diente. Darauf schrieb man die Anschrift und ein Siegel schloss den Brief. Briefmarken gab es noch keine! Ein Bündel Liebesbriefe, alle in Streifen gefaltet und in Kuverts von 16 x 6 cm! Wöchentlich geschrieben "An mein innigst, innigst geliebtes Mariechen" mit den "innigsten Grüssen von Ihrem getreuen Alfred". Abgeschickt um 1895 in Orbe. Was wurde wohl aus dieser so innigen Liebe?
Wie kam diese Truhe nach Affoltern?
Der Sache näher auf die Spur kommt man beim genauen Lesen der Rückseite einer der Fotos von Amélie
du Fay. Da schrieb jemand nachträglich "jetzt Frau Amrhein in Zürich, 1909". Damit ist die
Spur dieser geheimnisvollen Truhe nach Affoltern bereits einen Schritt näher! Eine weitere Suche bleibt allerdings
ergebnislos. Die Spuren haben sich verwischt, die Menschen, welche auf den Dokumenten in dieser Truhe erwähnt
werden oder welche Briefe erhalten blieben, wurden wieder zu Staub. Fast wäre es auch diese Truhe samt deren
Inhalt geworden. Aber jemand hat sie davor bewahrt. Damit hat sie nach ihrem langen Weg von Frankfurt am Main in
Zwillikon eine Bleibe gefunden!
|Hier ein Ausschnitt aus einer Zuschrift, Okt. 2003

Habe ihren Artikel über die Schwarze Truhe regelrecht verschlungen. Meine nächste Ahnin mit dem Namen "du Fay" aus Frankfurt am Main ist Eleonore Elisabeth du Fay *13. 9. 1757 in Frankfurt, (verheiratet mit Jacob Friedrich Sarasin). Sie ist Tochter des Peter du Fay, *25.5.1709 + 5.11.1777 in Frankfurt, Kaufmann in Frankfurt und der Elisabeth Magdalena Cray (aus Hanau). Sein Vater wiederum war Johann Martin du Fay, und die Mutter Rachel Wendel.
11.11.03 Herr Hug erzählt noch:
Es habe sich eine alte Dame aus Frankfurt gemeldet, sie wusste von dem Koffer und hat noch Möbel, die auf den Bildern abgebildet wurden in ihrem Besitz, z.B. den runden Tisch aus dem Gemälde oben. Sie war der Ansicht, dass der Koffer schon lange verschwunden sei...
Mai 2005:
Die Truhe ist wieder in der Ursprungsfamilie, in Heidelberg - unbekannte Adresse...
Viele Menschen haben sich gemeldet... ich habe die Mailadressen jeweils gesammelt und weitergegeben...
Die Truhe und ihre Geschichte sind somit fürs Säuliamt abgeschlossen - sorry