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Der Schneiderballen tritt bei Frauen häufiger auf als bei Männern, was an den von Frauen oft getragenen hohen Absätzen mit stärkerer Druckbelastung der Zehen liegt. Der Schneiderballen kann an nur einem Fuss oder an beiden Füssen auftreten. Gelegentlich ist der Schneiderballen angeboren. Weitere Bezeichnungen für den Schneiderballen sind Kleinzehenballen und Bunionette.
Bei einem überdurchschnittlich grossen Winkel zwischen viertem und fünftem Mittelfussknochen ragt das Mittelfussköpfchen des kleinen Zehs weit nach aussen. Beim Tragen von Schuhen bildet sich an der Fussaussenkante in Höhe des Mittelfussköpfchens eine Druckstelle mit Verdickung der Hornhaut, die sich zu einer Schwiele oder einem Hühnerauge fortentwickelt. Typisch für den Schneiderballen ist die gut sichtbare Schwellung im Ballenbereich, häufig auch in Begleitung von Rötungen und Entzündungen aufgrund der mechanischen Belastung durch das Schuhwerk.
Für sich gesehen verursacht Ihnen ein Schneiderballen meist keine oder nur leichte Beschwerden. Erst das Tragen von Schuhen führt zum Aufkommen von Schmerz im seitlichen und oberen Bereich des fünften Mittelfussknochens. Beim Auftreten von Rötungen und Schwellungen verursacht der Schneiderballen bereits barfuss Beschwerden.
Beim Schneiderballen kann ausserdem der ursprünglich abstehende und im Schuh nach innen gedrückte Kleinzeh gegen den benachbarten vierten Zeh drücken und sich über oder unter diesen schieben. Zwischen den beiden Zehen können sich ebenfalls Druckstellen bilden.
Ursächlich für die Entstehung eines Schneiderballens ist die mechanische starke Belastung des Kleinzehenballens. Häufig handelt es sich bei dem betroffenen Fuss um einen Spreizfuss, bei dem die Zehen generell weiter auseinander stehen.
Der kleine Zeh hat dabei an der Aussenseite eine prominente Position inne, bei der er wie ein Puffer die von der Seite auf den Fuss ausgeübten Druckkräfte abfangen muss. Üblicherweise stammt der Druck von Schuhen. Da sich ein Spreizfuss gelegentlich erst allmählich über die Jahre verstärkt, kann es auch später im Leben noch zu einem Schneiderballen kommen. Insgesamt lassen sich vier Ursachen für die Entstehung eines Schneiderballens ausmachen:
- Der Winkel zwischen dem vierten und fünften Mittelfussknochen ist überdurchschnittlich gross, was oft auf einem Spreizfuss beruht.
- Ein zu kräftiger Mittelfussknochen ist stärkerer mechanischer Belastung ausgesetzt und kann ebenfalls zu einem Schneiderballen führen.
- Der fünfte Mittelfussknochen weist eine Biegung auf, bei der sein Mittelfussköpfchen am weitesten aussen liegt und entsprechend starken Druck von aussen erhält.
- Ein Schneiderballen kann angeboren sein.
Die sichtbaren charakteristischen Symptome legen bereits beim Hausarzt den Verdacht auf einen Schneiderballen nahe. Das Hinzuziehen eines weiter- oder mitbehandelnden Orthopäden ist ratsam. Zur Absicherung seiner Diagnose wird der Arzt eine Röntgenuntersuchung durchführen, bei der er nähere Erkenntnisse über die Fehlstellung der Fussmittelknochen erhält. Ausserdem helfen ihm die Aussagen des Patienten auf gezielte Fragen bei der Diagnosestellung.
Je nach Zustand wird der Schneiderballen konservativ oder operativ behandelt.
Es kann ausreichen, wenn Sie Ihren Schneiderballen mit druckentlastenden Massnahmen behandeln. Kühlung verschafft bei akuten Beschwerden erste Linderung. Ein spezielles gepolstertes Druckstellenpflaster, das im Bereich des Schneiderballens ein Loch aufweist, entlastet die Stelle. Besondere Einlagen und sogenannte Zehenspacer, welche die zusammengedrückten vierten und fünften Zehen wieder auf Abstand bringen, haben sich in der konservativen Schneiderballen-Behandlung ebenfalls bewährt.
Führt die konservative Schneiderballen-Behandlung nicht zum gewünschten Erfolg, wird Ihnen der Arzt zu einer Operation raten. Bei anhaltenden starken Schmerzen, Einschränkungen beim Gehen sowie bei einer Entzündung ist eine operative Therapie erforderlich. Abhängig vom Zustand des Schneiderballens kann die Operation mehrere Ziele verfolgen:
- Eine Fehlstellung des fünften Mittelfussknochens wird begradigt und die anatomische Normalposition hergestellt.
- Stehen fünfte und vierte Zehe miteinander in Kontakt, lässt sich dies durch eine Korrektur ebenso operativ richten.
- Ein vorhandener Knochenüberstand wird abgetragen.
- Entsprechend des Ausmasses der Entzündung nimmt der Arzt eine operative Schleimbeutelbehandlung vor.
Nach der Operation erhält der Patient neben einem korrigierenden Zügelverband einen sogenannten Verbandsschuh, durch den bereits kurz nach der Operation wieder eine Fussbelastung möglich ist. Verband und Schuh trägt der Operierte ungefähr drei Wochen lang. Darf nach der Schneiderballen-OP der Fuss noch nicht belastet werden, benötigt der Patient Gehstützen. In dem Fall können vier bis sechs Wochen oder mehr vergehen, bis eine Fussbelastung möglich ist.
Langfristig hat ein Schneiderballen eine gute Prognose, vorausgesetzt, es erfolgte eine korrekte Diagnose mit anschliessender zielführender Therapie. Dennoch sollen Betroffene sich nach der Behandlung umsichtig verhalten, vor allem bezüglich ihrer Schuhauswahl, und Nachbehandlungstermine wahrnehmen.
Selbst wenn der Fuss offiziell nach der Operation schon wieder als belastbar gilt, sollten Sie anfangs noch wenig gehen und das Pensum allmählich steigern. Nach der Operation können gelegentlich noch Schwellungen auftreten. Vorteilhaft ist es, wenn Sie den Fuss zwischendurch immer wieder hochlegen. Je nach Operationsumfang, persönlichem Heilungsprozess und Art der Berufstätigkeit ist mit einer Arbeitsunfähigkeit von circa vier bis sechs Wochen zu rechnen.
Betroffene können selbst einiges tun, um die von ihrem Schneiderballen verursachten Beschwerden zu mildern oder nach einer Therapie einem erneuten Schneiderballen vorzubeugen:
- Tragen Sie am besten weite Schuhe aus weichem Material und ohne Absätze.
- Wo immer es möglich ist, sollten Sie barfuss gehen.
- Mit gezieltem Fussmuskeltraining stabilisieren Sie die feinen Fussmuskeln zwischen den Knochen.