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Geschichte
Geschichte
500 Jahre Ochsengeschichte
“…Frau Margarete von Stuben, Witwe des Sebastian von Luternau, Herr von Schöftland, Kasteln, Villnachern, Schafisheim, Schultheiss zu Aarau, wollte ihre Taverne zum Ochsen 1515 verpachten. Die Gemeinde Schöftland erhob dagegen Einspruch, weil das Tavernenrecht ihr gehörte. Die angerufenen Richter befanden, dass die von Luternau der Gemeinde 16 Gulden bezahlen müsse, dass sie danach dieTaverne verpachten könne wie sie wolle….”
Ochsenkeller aus dem Jahr 1515
Der Gewölbekeller des Ochsen besteht heute aus zwei Teilen. Der kleinere, einige Stufen höher gelegene Keller, ist der erhalteneTeil der alten Taverne von 1515. Dieser Keller wurde aus Muschelkalk und Tuffsteinen erbaut. Der Boden war ursprünglich ein Stampflehmboden. Grössere behauene Steine deuten auf Wiederverwendungen aus anderen Bauten hin. Der ursprüngliche Kellerabgang ist noch sichtbar. Der Tavernenkeller wurde zu einem späteren Zeitpunkt abgegraben und kam so zu seiner heutigen Höhe. Ursprünglich war der Keller niedriger als heute. Der grosse Gewölbekeller stammt aus der Zeit des Neubaus um 1797 und wurde nach Plan gebaut. Die grossen Steine deuten darauf hin, dass die Erbauer über einen gewissen Reichtum verfügten.
Fam. von May
Um 1660 war der Ochsen im Besitz des Melcher Wäber, genannt Seyler Haller. Dieser verkaufte die Taverne an Melcher Klauenbösch. Weiterverkauf an Jakob Müller, dann um 1687 für 1700 Gulden an Hans Brügger aus Belp (BE).
Im 17. Jahrhundert kauften die von Mays, Herren zu Schöftland, Rued und Leerau die Taverne zum Ochsen. Somit waren sie Besitzer beider Tavernen, des Löwen und des Ochsen. Die Pächter waren verpflichtet, den Wein von der Herrschaft zu beziehen. Die Weine wurden in Schöftland angebaut, oberhalb des heutigen Weingartackers. Der durchschnittliche Ertrag betrug zu dieser Zeit ca 5600 Liter je Jahr, davon ein Drittel Rotwein und ein zwei Drittel Weisswein. Dazu lieferten die Herrschaften einen guten La Côte aus ihrem Weingut in Martheray und einen weiteren Aargauer Wein aus eigenem Rebbau in Mülligen. Erster Pächter unter dem Besitz der von May war der Thurgauer Georg Vogt, bereits nach einem Jahr wurde Hans Wälty bis im Jahre 1742 zum neuen Pächter ernannt. Es folgten der Wundarzt Peter Knechtli für sechs Jahre, dann Melcher Lüthy für 3 Jahre.
Gebete vor dem Essen
Für die Wirtschaften bestanden in dieser Zeit verschiedene Vorschriften, die zu beachten waren. In der Chorgerichtssatzung der Stadt Bern von 1667 wurde unter Anderem folgendes bestimmt: Jedermann, der in der Wirtschaft eine Mahlzeit einnimmt, soll vorher und nachher Gebete und Danksagungen aufsagen. Die Wirte haben darauf zu achten und dürfen jeden bestrafen, der es nicht tut.
"Zunge" wird ins Schloss geliefert
Der Löwen und der Ochsen hatten das Recht, für den Hausgebrauch zu metzgen. 1791 wollte der damalige Ochsenwirt Heinrich Hochuli auch für die Bevölkerung metzgen, da in Schöftland keine Metzgerei vorhanden war. Die entsprechende Bittschrift wurde von der Gemeinde, den Herrschaften und vom Pfarrer unterstützt, nicht aber von der Grafschaft Lenzburg. Hochuli hatte seine Wanderschaft nach der Metzgerlehre nicht vorschriftsgemäss abgeschlossen. Die Grafschaft Lenzburg lehnte die Bittschrift ab. Die Schöftler mussten das Fleisch im Bären Holziken oder in Staffelbach holen. Von jedem Stück Vieh, das der Pächter schlachtete, musste er die Zunge ins Schloss liefern. Die Wirschaften florierten schlecht. Die Wirte wechselten häufig und einige kamen in den Geltstag. Bild unten “Hotel du boeuf”.
Schulhaus wird zum Wirtshaus
1797 Liess die Schlossherrin Johanna Margaretha von May, geborene Steiger, den Ochsen abreissen und in den folgenden Jahren wieder aufbauen. Infolge der ausgebrochenen Revolution war der Neubau erst 1801 fertig. Architekt des Gebäudes war der damals sehr bekannte Ahasverus von Sinner. Weitere Bauten dieses Architekten in der Umgebung sind das Schloss in Schlossrued, das Müllerhaus in Lenzburg, diverse Häuser an der Laurenzenvorstadt in Aarau, sowie Bürgerhäuser in Bern. Die Bezahlung der Planzeichnung für den Ochsen sind heute noch ausstehend. Während der Bauzeit, durfte das daneben liegende Schulhaus als Wirtshaus benutzt werden. Die Schüler wurden in Privathäusern unterrichtet. Geschlachtet wurde im Haus von Schulmeister Gloor. Auf der alten Postkarte sieht man das alte Schulhaus, welches südlich des Ochsengartens stand (Heute Monique Gächter, ehemalige Bank).
Handänderungen
Familie von May verkaufte den Ochsen an den damaligen Wirt Heinrich Lüthy.
Von Heinrich Lüthy ging die Übergabe an Samuel Lüthy. 1869-1894 Friedrich Dutli, Metzger. 1894-1903 Gotthold und Rosa Lüthy, Metzger. Dann Ernst Zumstein-Pfister.
Um ca. 1820 wurde der Gasthof durch einen Anbau an der Nordseite erweitert. Dies lässt sich anhand der Dachform gut erkennen. Weitere Hinweise fanden sich nach dem Entfernen des Verputzes im März 2015. Das Mauerwerk rechtsseitig der Eingangstür unterscheidet sich deutlich vom Mauerwerk des Ursprungsbaus. Man sieht deutlich die ehemaligen Eckrisalite, welche auch friedhofseitig klar auszumachen sind. Nach der Revolution und der Gründung des Kanton Aargaus wurden die Einschränkungen betreffend neuer Wirtschaften gelockert. 1840 waren zwei Tavernen und zwei Pinten in Schöftland bewirtschaftet.
1921 Familie Schneider
Familie Schneider kaufte den Ochsen und führte diesen zusammen mit einer Metzgerei während drei Generationen. Ernst Schneider war vormals Wirt im National. Auf dem Bild sieht man Ernst Schneider Hess und Elise Schneider, die Käufer des Ochsen.
Erweiterungsbau Tanzsaal
Um 1926 wurde in den Tanzsaal investiert. Die ehemalige Terrasse wurde mit einem Aufbau ergänzt und in der Folge als Saal und Tanzfläche genutzt.
Geschwister Schneider
Die Kinder von Elsa und Ernst Schneider: Elsbeth, Erhard und Ernst.
Metzgerei
Auf dem Foto: Ehepaar Ernst und Elsa Schneider, im Verkaufsladen der Metzgerei um1947. Dazumal gab es noch keine Kühlvitrinen.
Wohnungen 1966
1966 wurden für die Brüder Ernst und Erhard Schneider und deren Familien zwei Wohnungen auf die Metzgerei gebaut. Ernst und Vreni Schneider führten die Metzgerei, Erhard und Marlies Schneider den Gasthof. Erhard Schneider war auch als Sulkyfahrer sehr aktiv und erfolgreich. Zwei ihrer Kinder haben diese Leidenschaft weitergeführt und so starten Erhard (Lucky) und seine Schwester Barbara Schneider erfolgreich in diversen Trabrennen. Auf dem Foto: Ehepaar Ernst und Elsa Schneider im Verkaufsladen der Metzgerei 1947.
Denkmalschutz
In den sechziger Jahren wurden zwei Fassaden und das Dach des Restaurants unter Denkmalschutz gestellt.
die Geschichte geht weiter
am 1. April 2013 kauften Daniel Frey und Sandra Roth den Ochsen von Marlies und Vreni Schneider. Die Metzgerei mit den zwei Wohnungen wurde zurückgebaut und an deren Stelle steht nun ein moderner Zwischenbau. In diesem Zwischenbau wird Gemüse gekocht und zu Suppen und Salaten verarbeitet. Die neue à la carte Küche wurde für den Betrieb des Restaurants geplant.