Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03233.jsonl.gz/1938

Nein zur Massentierhaltungsinitiative – Ja zur Ernährungssouveränität
Die Massentierhaltungsinitiative ist abzulehnen. Sie würde uns vom Ausland abhängig machen und die Existenz vieler Landwirte gefährden, ohne dem Tierwohl zu nützen.
Als Bio-Landwirt produziere ich seit 25 Jahren Lebensmittel nach den Bio-Suisse Richtlinien für Konsumenten, welche bereit sind, für ihre Nahrungsmittel mehr Geld auszugeben als der Durchschnitt. Getrost könnte ich sagen, mich betrifft die Massentierhaltungsinitiative nicht, da ich die Anforderungen, welche im Initiativtext stehen, schon erfülle. Der extreme Initiativ-Text fordert jedoch eine Tierhaltung, welche der heutigen Zeit nicht mehr entspricht. Eine tierische Produktion nach den Richtlinien von Bio-Suisse würde die Produktion für Nicht-Biolandwirte massiv verteuern. Dies hätte auch Auswirkungen für die Konsumenten, wären doch diese Lebensmittel nicht für alle Lohnklassen erschwinglich.
Der aktuelle Trend zeigt auf, dass die schweizerische Landwirtschaft in den letzten Jahren immer mehr Fleisch nach Label-Vorschriften produziert, die ein höheres Tierwohl verlangen. Der Konsum dieser Label-Produkte ist jedoch rückläufig. Die Annahme, dass es Tieren in grossen Ställen, welche in der Schweiz erlaubt sind, schlechter geht, ist ausserdem erwiesenermassen falsch. Die Betreuung der Tiere in diesen Ställen wird in der Regel von sehr gut ausgebildeten Landwirtinnen und Landwirte professionell erledigt. Auch hinsichtlich Tierwohl sind die modernen Ställe gut und nach den strengsten Tierschutzvorschriften gebaut und eingerichtet. Wäre dies nicht der Fall, würden die Leistungen der Tiere für eine kostendeckende Produktion nicht ausreichen. Bei einer Annahme der Initiative müssten rund das Drei- bis Vierfache an Schweine- und Hühnerställe gebaut werden, um die gleiche Nahrungsmittelmenge zu produzieren. Dies wäre aus raumplanerischer Sicht, mit den heute schon geltenden Bauvorschriften in der Landwirtschaftszone, überhaupt nicht möglich.
Mehr Importe, weniger Tierwohl
Gleichzeitig würde der Import von Eiern, Poulet und Schweinefleisch massiv zunehmen. Gemäss einer aktuellen Untersuchung der Fachhochschule Nordwestschweiz würde der Selbstversorgungsgrad bei Poulet von heute 58 auf 5 Prozent sinken. Bei den Eiern ginge er von 56 auf 20 Prozent und beim Schweinefleisch von 92 auf 50 Prozent zurück. Ob die Tiere im Ausland ein gleich gutes Tierwohl haben wie unsere Nutztiere, welche nach den heute geltenden Vorschriften gehalten werden, ist mehr als nur stark zu bezweifeln. Würde die Höchstgrenze der Tiere pro Stall nach dem Initiativtext ausgelegt, wären sehr viele Familienbetrieb auf ein Nebeneinkommen ausserhalb der Landwirtschaft angewiesen. Einen dadurch entstehenden negativen Einfluss auf das Tierwohl ist deshalb nicht auszuschliessen, da die Tierbetreuung nur noch am Morgen und am Abend stattfinden würde.
Initianten gegen Fleischkonsum
Betrachtet man die Initianten und ihr Gedankengut etwas genauer, ist schnell festzustellen, dass es ihnen nicht um die Höchstzahl der Tierbestände in den einzelnen Ställen geht. Ihr Ziel ist es, dass der Fleischkonsum stark zurückgeht und sich die Bevölkerung in der Schweiz in absehbarer Zeit nur noch vegetarisch oder vegan ernährt.
Mit einem NEIN zur Massentierhaltungs-Initiative am 25. September sagen wir ja zu einer tiergerechten, leistungsfähigen und umweltschonender Tierhaltung.