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Von Michael Sennhauser | 9. August 2013 - 16:49
Ein Künstlerehepaar und ihr Designerhaus in London stehen im Zentrum dieses britischen Konzeptfilms. Sie zeichnet und probt Performances, er entwirft Grafiken am Computer, ohne dass je deutlich würde, was er genau tut. Auf jeden Fall sind sie reicht, kinderlos und unabhängig. Er möchte nach 18 Jahren in dem Haus nochmal wo anders wohnen, ihr fällt der Abschied vom Haus offensichtlich schwer.
Namen bekommen die beiden nie, sie nennen sich gegenseitig D und H. Gespielt werden sie von der Musikerin und Sängerin Viv Albertine und dem britischen Konzeptkünstler Liam Gillick. Joanna Hogg kommt aus dem Umfeld von Derek Jarman und der ganze Film balanciert mit brillanter Sicherheit zwischen Szenen einer Ehe und einer subtilen Künstlerparodie.
Die formale Strenge des Designerhauses mit seinen raumhohen Fesnsterfronten, der stählernen Wendeltreppe, den vielen Faltwänden und Einbauschränken spiegelt sich in der Kameraarbeit von Ed Rutherford. Gebrochen wird beides durch Momente der Verzweiflung und vor allem verbal vermittelter Sentimentalität. Wenn die Frau einer Freundin via Skype erklärt, sie fühle sich geborgen in dem Haus, weil es imprägniert sei von der glücklichen Ehe des Architektenpaares, das es gebaut und bis ins hohe Alter darin gelebt hatte, dann erklärt das auch, warum sie zu Beginn und am Ende auf einem Sims oder um eine Ecke herum am Boden liegt, als ob sie möglichst viel Körperkontakt mit dem Bau haben wollte.
Es ist keine sehr glückliche Ehe, welche die beiden führen, bestimmt von Gewohnheit und Abgrenzung. Er ärgert sich darüber, dass sie ihre Ideen nicht mit ihm diskutieren will, sie fürchtet seine kritische Negativität.
Die Diskurse sind dabei stets nahe an der Parodie auf den etablierten Kunstdiskurs ,und etliche der von der Frau versuchten Vorstufen zu einer Performance ebenfalls, etwa, wenn sie sich an einem Ikea-Hocker lustvoll reibt und ihrem Mann über die Gegensprechanlage erklärt, sie könne gerade nicht hochkommen, sie sei an der Arbeit.
Die Mischung aus kühler Distanzierung und subjektivem Blick (es ist meist das Erleben der Frau, auch wenn sie im Bild ist) trägt den Film über seine nichts desto trotz zeitweise ziemlich zähen 105 Minuten. Gelegentliche Anflüge von Humor helfen auch dabei.
Exhibition ist als Titel eben so clever und mehrdeutig wie der Film. Das Wort bedeutet einerseits Ausstellung, ist aber auch das Gegenteil von Inhibition, Gehemmtheit, und es umfasst neben den Zuständen der Frau und des Mannes auch die Zustände des Hauses, das mit seinen offenen Glasfronten und den vielen Jalousien und Zugvorhängen zugleich Schaufenster, Ausguck und Blackbox sein kann.
Das ist ein sehr sorgfältig konzipierter, geschriebener und umgesetzter Film, mindestens so sehr Kunstdiskurs wie Kunstobjekt, aber zugleich doch auch ein rechtes Stück Arbeit für die Zuschauer.
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