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Letztes Jahr ist die „Biblische Dogmatik“ von Wayne Grudem in deutscher Übersetzung erschienen (die englische Fassung ist bereits ein Klassiker). Ron Kubsch hat vor einiger Zeit auf einen Videobeitrag hingewiesen, in dem Grudem seinen Schritt, an ein kleines statt an ein renommiertes Seminar zu wechseln, begründet.
Meines Erachtens besteht in evangelikalen Gemeinden ein gewaltiges Defizit im Betreiben systematischer Theologie. Grudem schreibt in der Einleitung (S. 40; Hervorhebung von mir):
Die einzige Alternative – denn wir werden etwas über jene Themen denken – besteht darin, dass wir unsere Meinungen willkürlich aus einem allgemeinen Eindruck über das bilden, was wir für eine „biblische“ Position zu jedem Thema halten, oder vielleicht unsere Standpunkte mit einer sorgfältigen Analyse von einem oder zwei relevanten Texten untermauern, doch ohne jede Garantie, dass jene Texte eine ausgewogene Sicht des „ganzen Ratschlusses Gottes“ (Apg 20,27) über das betrachtete Thema bieten. Tatsächlich könnte diese Herangehensweise – eine heutzutage in evangelikalen Kreisen nur allzu gängige –, wie ich vermuten möchte, als „unsystematische Theologie“ oder sogar als „unordentliche und willkürliche Theologie“ bezeichnet werden! Eine solche Alternative ist zu subjektiv und kann zu sehr unter kulturellen Druck geraten. Sie führt leicht zur dogmatischen Zersplitterung und weitverbreiteten lehrmäßigen Ungewissheit, die die Kirche theologisch unreif lässt, wie „Unmündige … hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre“ (Eph 4,14).
Das Werk ist in einer Sprache geschrieben, die für Nicht-Theologen verständlich ist. Der Charakterisierung von John Piper kann ich zustimmen:
Wayne Grudems Systematische Theologie ist wegen ihrer außergewöhnlichen Gegenüberstellungen bemerkenswert. Das Buch ist gründlich, aber nicht verwirrend; direkt und unzweideutig, aber nicht rücksichtslos oder überspitzt; gut lesbar und klar, aber nicht oberflächlich; biblisch fundiert, ja von der Bibel durchtränkt, aber nicht nachlässig oder unbedacht mit den biblischen Texten umgehend; tiefgläubig und ehrfürchtig, aber nicht unkritisch oder naiv; praktisch, aber nicht dem vorherrschenden Trend entsprechend oder sentimental; umfassend, aber nicht Details überbetonend; ein Buch für die Gemeinde, aber nicht kirchen- oder denominationsgebunden. Ich gehe davon aus, dass ich jahrzehntelang darauf zurückgreifen werde.
Das Buch ist in sieben Hauptabschnitte gegliedert:
Teil 1: Die Lehre vom Worte Gottes
Teil 2: Die Lehre von Gott
Teil 3: Die Lehre vom Menschen
Teil 4: Die Lehren von Christus und dem Heiligen Geist
Teil 5: Die Lehre von der Zueignung der Erlösung
Teil 6: Die Lehre von der Kirche
Teil 7: Die Lehre von der Zukunft
Wie „schafft“ man ein solches Werk mit ca. 1300 Seiten? 3 Möglichkeiten:
- Jonas Erne und Waldemar Justus gehen 2014 durch das gesamte Werk. Sie haben dafür eine Facebookgruppe gegründet. Ich kann dieses Vorhaben sehr empfehlen.
- Meine Frau ist dieser Empfehlung schon gefolgt. Was für eine Möglichkeit, gemeinsam als Ehepaar geistlich zu wachsen!
- Es empfiehlt sich auch für Hauskreise und Jugendgruppen.