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|All is Lost

Land: USA/UK
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Cormac McCarthy
Schauspieler: Brad Pitt, Michael Fassbender, Javier Bardem, Cameron Diaz, Panelope Cruz, u.a.
Kamera: Dariusz Wolski
Schnitt: Pietro Scalia
Musik: Daniel Pemberton
Laufzeit: 111 Minuten
Kinostart: 28.11.2013
Verleih: 20th Century Fox Film Corporation
Weitere Infos bei IMDB
Viel Potenzial verschenkt
von (dap)
The Counselor hätte eigentlich die besten Voraussetzungen gehabt, um zu den Highlights des Jahres zu gehören: Ridley Scott, eine lebende Regie-Legende (Blade Runner, Alien); Nobelpreis-Träger Cormac McCarthy als Drehbuchautor und eine Besetzung der Extraklasse mit Michael Fassbender, Javier Bardem, Penelope Cruz, Cameron Diaz und Brad Pitt. Doch, was sich in der Theorie fantastisch anhört, zeigt sich auf der Leinwand als träge und uninspiriert.
Michael Fassbender ist ein Anwalt, der Nahe an der Grenze zwischen den USA und Mexiko seine Klienten betreut und von allen nur „Counselor“ genannt wird. Der Sunnyboy steht auf den grossen Luxus, kauft seiner schönen Freundin (Penelope Cruz) Diamant-Ringe und geht mit dem Drogenboss Reiner (Javier Bardem) auf krumme Geschäfte ein, die ihm das grosse Geld in Aussicht stellen. Als eine Heroin-Lieferung von Mexiko nach Chicago schief läuft, steht auch der „Counselor“ plötzlich zwischen den Fronten und muss die barbarischen Methoden der mexikanischen Mafia fürchten. Wem kann er noch trauen? Jeder Schritt, jedes Gespräch kann ihm zum Verhängnis werden…
Aufgrund der Aneinanderreihung überlanger und sinnfreier Dialogszenen fühlt man sich als Zuschauer selten involviert. Dabei erwiesen sich McCarthies Buchvorlagen bisher als äusserst kinotauglich: man denke an The Road oder No Country for Old Men. Allerdings zeichnete sich McCarthy bei diesen Beispielen auch nicht für das Drehbuch verantwortlich. Der bereits 81-jährige scheint nach den Erfolgen jener Verfilmungen selber auf den Geschmack des audiovisuellen Mediums gekommen zu sein und schrieb nicht zuerst einen Roman, sondern direkt das Drehbuch. Jedoch scheint dem gefeierten Literaten gerade das Gespür für das Filmische, nämlich die Montage, zu fehlen. Die einzelnen Szenen stehen für sich, wirken bruchstückhaft und die Erzählung wirkt nicht flüssig.
Die Dialoge stehen im Zentrum und sind äusserst bildhaft ausgeschmückt. Ähnlich wie man es schon lange von Tarantino kennt, sollen aufgrund der gesprochenen Sprache neue Bilder im Kopf des Zuschauers entstehen – man denke an den Soldaten Christopher Walken, der in Pulp Fiction eine kleine Anekdote über die Geschichte einer Armbanduhr vorträgt. McCarthy und Scott sind bemüht, Teile dieser bildhaften Sprache gleich selber auf der Leinwand zu bebildern: etwa (wie bei Tarantino) durch Rückblenden oder spätere Handlungsverläufe, die vorgehend Erzähltes wieder aufnehmen. Wie lächerlich dies jedoch teilweise wird, zeigt eine Szene, in der sich Bardem mit Fassbender über die sexgeile Diaz unterhält, weil sie ihn, den durchgeknallten Drogenbaron, teilweise mit ihren ausserordentlichen Aktionen überfordert. So erzählt Bardem mit Finger-in-die-Steckdose-Frisur, wie sie einmal sein Auto vor seinen Augen gefickt hat (!). Könnte diese Vorstellung im reinen Dialog lustig anmuten, wirkt sie in tatsächlichen Bildern umgesetzt – Diaz klettert in kurzem Kleidchen auf die Motorhaube, spreizt die Beine im Spagat und treibt es mit der Frontschutzscheibe – höchst übertrieben und ist auch nicht als Altherrenfantasie (Ridley Scott ist auch schon 76 Jahre alt) zu entschuldigen.
Angesichts des vorhandenen Talents und Knowhows ist es schon fast erschreckend, wie schleppend sich die Geschichte entwickelt und immer wieder von pseudophilosophischen Dialogwellen überschüttet wird. The Counselor bleibt somit lediglich als gutes Beispiel dafür in Erinnerung, dass ein grosser Regisseur und viele Stars nicht ausreichen, so lange das Drehbuch schwächelt.