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Nur zwei der neun Wespenarten, die in der Schweiz vorkommen, werden von menschlicher Nahrung angelockt. Mit einigen Massnahmen können diese Wespen vom gedeckten Tisch ferngehalten werden und unerwünschter Nestbau kann verhindert werden. Ein Wespennest im Siedlungsraum kann, je nach Wespenart oder Nestort, stehen gelassen oder umgesiedelt werden.
Echte Wespen (Vespinae) bilden Staaten mit einer Königin und vielen Arbeiterinnen. Wespenvölker leben nur eine Saison lang. Die Wespenköniginnen überwintern und beginnen ab Anfang Mai an einem geschützten Ort mit dem Nestbau.
Wespen sind für die Natur sehr wertvoll: sie sind Bestäuber, ziehen ihre Brut mit Insekten (Fliegen, Raupen) oder Spinnen auf und dienen verschiedenen Vogelarten als Nahrungsquelle.
Nur die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) werden von menschlicher Nahrung wie Fleisch oder Marmelade angelockt. Einige Massnahmen können helfen, diese fernzuhalten. Die anderen sieben Wespenarten (siehe Früherkennung) sind nicht an menschlicher Nahrung interessiert und sind friedfertig, so lange man ihrem Nest nicht zu nahekommt.
Wespen fernhalten
Sollten Wespen in der Nähe sein, ist es wichtig, sich ruhig zu verhalten und keine hektischen Bewegungen auszuführen, damit sich die Wespen nicht bedroht fühlen.
Wespen können ferngehalten werden, indem:
- Insektenschutznetze an den Fenstern und Insektenschutzvorhänge an Türen montiert werden;
- das Essen und die Getränke draussen abgedeckt serviert werden;
- Süssgetränke draussen mit Trinkhalm (z.B. aus Edelstahl) getrunken werden;
- nach dem Essen draussen das Geschirr und das Essen entfernt oder abgedeckt, der Tisch gereinigt und Kindermünder gut abgewischt werden; und
- Fallobst unter Obstbäumen im Garten entfernt wird, um weniger Wespen anzulocken.
Einzelne Wespen können (z.B. vom Esstisch) vertrieben werden, indem man sie mit Wasser aus einer Sprühflasche ansprüht. Da Wespen nicht gerne nass werden, fliegen sie davon. Auf keinen Fall sollte das Nest angesprüht werden.
Nistmöglichkeiten verhindern
Die Deutsche und die Gemeine Wespe sind sogenannte Dunkelhöhlennister. Dies bedeutet, dass sie ihre Nester an dunklen, geschützten Orten bauen. Solche Orte können Dachböden, Rolladenkästen oder andere Hohlräume an Gebäuden sein. In der Natur nutzen sie auch Baumhöhlen oder unterirdische Mausbauten.
Um zu verhindern, dass Wespen ihr Nest am/im Haus bauen, sollten kleine Öffnungen bei Dachuntersichten, in Storenkästen, in der Fassade usw. verschlossen oder mit Gittern abgedeckt werden.
Das frühzeitige Erkennen eines sich am Haus ausbildenden Wespennestes kann für das weitere Vorgehen entscheidend sein. Abhängig vom Nestort und der Wespenart, kann das Nest unter Umständen stehen gelassen oder eine Umsiedlung in Betracht gezogen werden. Die Wespenart kann anhand ihres Neststandortes, der Nestform und -farbe und anhand ihres Aussehens bestimmt werden.
Wespenart bestimmen anhand vom Aussehen
Die Übersicht (Abbildung unten) zeigt die 9 wichtigsten Wespenarten in der Schweiz sowie die Asiatische Hornisse. Die invasive, gebietsfremde, Asiatische Hornisse ist zurzeit (Stand 2019), bis auf einen Einzelfall im Jura im Frühling 2017, noch nicht in der Schweiz gefunden worden, befindet sich aber auf dem Vormarsch.
Wespenart bestimmen - Nest gut sichtbar und frei hängend
Bei einem frei hängenden, gut sichtbaren Nest unter einem Dachvorsprung, im Estrich oder im Gebüsch handelt es sich um eine harmlose Wespenart, die nicht an menschlichem Essen interessiert ist.
Wenn die Waben sichtbar sind und keine Hülle darum gebaut wird (siehe Abbildung), handelt es sich um das Nest einer Feldwespenart (Polistes sp.).
Ist das Nest kugelförmig verbaut (siehe Abbildung), handelt es sich um eine Langkopfwespenart. Die Mittlere Wespe (Dolichovespula media) baut ihr Nest im Freien, zum Beispiel in Bäumen oder Sträuchern. Die Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica) baut ihr Nest nicht selten im Estrich oder unter Dachvorsprüngen.
Wespenart bestimmen - Nest versteckt, im Dunkeln oder in Hohlräumen
Hornissen (Vespa crabro) und Kurzkopfwespen bauen ihre Nester an dunklen, versteckten Stellen, wie zum Beispiel in Erd- und Baumhöhlen, unter Ziegeln aber auch in Storenkästen und sonstigen, versteckten Orten. Hornissen lassen sich optisch leicht von Kurzkopfwespen unterscheiden (siehe Abbildung oben: wichtigste Wespenarten in der Schweiz). Sie sind grösser als die anderen Wespenarten und der Kopf- und Brustteil ist braun-schwarz gefärbt anstatt gelb-schwarz. Hornissen sind friedfertig und nicht an menschlichem Essen interessiert. Sie ernähren sich von süssem Obst und füttern ihre Brut mit Insekten (wie andere Wespenarten). Ihre Stiche sind, wenn man nicht auf Wespengift allergisch ist, nicht schmerzhafter als die von anderen Wespenarten und sogar weniger schmerzhaft als Bienenstiche.
Die Rote Wespe (Vespula rufa), die zu den Kurzkopfwespen gehört, baut ihre Nester fast ausschliesslich in unterirdischen Hohlräumen und selten in Siedlungsnähe. Ihr Nest ist handballgross, grau und mit hellen Streifen marmoriert. Sie ist nicht aggressiv und bedient sich nicht an menschlicher Nahrung.
Die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris), die zu den Kurzkopfwespen gehören, bilden Nester an versteckten Orten, wie z.B. im Mäusegängen, Rollläden- und Storenkästen und bilden völkerreiche Staaten von 1’000 bis 7’000 Tieren. Ein Sicherheitsabstand zum Nest von drei bis vier Metern ist zu empfehlen. Diese beiden Arten sind die einzigen zwei Arten, die sich auch für Nahrung von Menschen wie Fleisch, Süssgetränke und Marmelade interessieren.
Wespennest
Wurde ein Wespennest im/am oder in der Nähe des Hauses entdeckt, sollten vorerst Abstand und gewisse Verhaltensregeln eingehalten werden. Wespen greifen nicht grundlos an. Wenn ihr Nest jedoch gestört wird oder sie sich bedroht fühlen, können sie zustechen. Wespenstiche sind für nicht-Allergiker in der Regel harmlos, können aber schmerzhaft sein. Befindet sich das Nest an einer Stelle, wo sich Kinder, Allergiker oder speziell viele Menschen aufhalten, sollte an eine Umsiedlung gedacht werden. Schäden an Gebäudeteilen können ebenfalls durch Umsiedlung des Wespennestes verhindert werden. Falls dies nicht möglich ist, muss das Nest bekämpft werden. Im Spätsommer lohnt sich das Umsiedeln oder die Bekämpfung nur noch, wenn Wespen ins Innere eines Gebäudes gelangen und die Gefahr besteht, dass jemand gestochen wird. Wenn dies nicht der Fall ist, kann abgewartet werden, bis sich der Staat aufgelöst hat und alle Wespen gestorben sind. Das kann unter Umständen, je nach Wespenart und Neststandort, bis im November/Dezember dauern.
Verhalten in Nestnähe
Ein Wespennest im/am oder in der Nähe eines Hauses sollte möglichst nicht gestört werden. Dazu sollte(n):
- ein Sicherheitsabstand von drei bis vier Metern zum Nest eingehalten werden;
- Erschütterungen, Berührungen, Lärm und hektische Bewegungen in Nestnähe vermieden werden;
- die Flugbahnen nicht zugestellt werden;
- man, wenn sich eine Wespe dem Menschen nähert, mit geschlossenem Mund ruhig stehen bleiben, bis die Wespe davonfliegt; und
- wenn sich eine Wespe oder Hornisse in die Wohnung verirrt hat, die Fenster geöffnet und gegebenenfalls das Licht gelöscht werden. Die Tiere werden vom Tageslicht angelockt und fliegen ins Freie.
Sichtschutz im Nestbereich
Sollte sich das Nest an einer Stelle Befinden, wo Menschen häufig vorbeigehen, z.B. im Eingangsbereich eines Hauses, so kann ein Sichtschutz angebracht werden, damit sich die Wespen nicht bedroht fühlen. Dieser kann ein altes Bettlaken oder ein Brett im Abstand von 10 cm unter dem Nest sein. Das Montieren des Sichtschutzes sollte spät abends erledigt werden, möglichst mit langen Kleidern und sehr langsamen Bewegungen.
Bei einem Erdnest, z.B. in der Nähe der Terrasse, kann ein langes Rohr über die Öffnung montiert werden, um den Ein-/Ausgang von der Terrasse wegzulenken.
In einem Abstand von drei bis vier Metern um das Nest herum, kann ein Absperrband angebracht werden, damit sich niemand in diesen Bereich begibt.
Wespennest Umsiedeln
Kann ein Wespennest an seinem Standort nicht geduldet werden, kann es möglicherweise umgesiedelt werden. Eine Fachperson kann am besten abschätzen, ob ein Wespennest umgesiedelt werden kann oder nicht.
Die Fachperson wird im Falle der Umsiedelung geeignete Schutzkleidung tragen. Die Arbeiterinnen werden abgesaugt, das Nest wird am Stiel abgetrennt und in einen fest verschlossenen Behälter gegeben. An einem geeigneten Ort wird das Nest dann wieder befestigt/aufgehängt und die Wespen werden wieder frei gelassen.
Kann das Wespennest an seinem Standort nicht geduldet werden und würde weder ein Sichtschutz helfen, noch wäre eine Umsiedelung möglich, so kann eine Bekämpfung des Nestes in Betracht gezogen werden.
Für die Bekämpfung empfiehlt sich, vor allem bei grossen Völkern, eine Fachperson mit eidgenössischer Fachbewilligung für die Anwendung von Bioziden im Auftrag Dritter zu beauftragen. Die Fachperson wendet geeignete Schutzmassnahmen an und wird das Nest mit zugelassenen, geprüften Bekämpfungsmitteln gezielt bekämpfen.
Falls im Verkauf angebotene Mittel privat eingesetzt werden, soll eine umfassende Beratung eingeholt und das Produkt sorgfältig, unter Berücksichtigung der Gefahrenhinweise ausgesucht werden. Bei der Verwendung müssen die Vorschriften gemäss Gebrauchsanweisung eingehalten werden. Eine unsachgemässe Anwendung von Bioziden kann zu Vergiftung von Menschen, Haus- und Wildtieren führen.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 28.04.2020