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Eine zugegebenermassen provokative Frage: Bereits im Jahr 2000, also vor zehn Jahren, lag ein weit fortgeschrittenes Konzept des Move-Controllers bereit zur Vermarktung in den Schubladen von Sony. Damals sahen die Japaner jedoch davon ab, das neuartige Controller-System zur Marktreife zu bringen und mit Bewegungssensoren, wie die heutige Version, zu ergänzen. Den Rest der Geschichte kennen wir bereits. Nintendo machte den «ersten Move» mit einer eigens entwickelten idee und einer etwas anderen Technologie (Infrarot plus Motion Sensor), und feierte damit riesige Erfolge.
Dr. Richards Marks und seine Vision
Gross war die Aufregung in der Game-Szene bei der Ankündigung des MOVE vor einiger Zeit, und nicht wenige wollten Sony des Plagiats und des Nachmachens bezichtigen. Nach ersten Tests von Kotaku und anderen Gamesites hat sich jedoch gezeigt, dass MOVE sogar präziser arbeitet als die Wii.
Dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Wii als sogenannter «First Mover» (Wirtschaftsjargon), oder ganz einfach «First», als erstes den Mut hatte, im grossen Stil Bewegungen in die Wohnzimmer der Welt zu bringen.
Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, wurde MOVE als Plagiat des Wii-Steuersystems angeschaut. Betrachtet man jedoch dieses Video aus dem Jahre 2004 (erstmals gezeigt wurde die Präsentation aber bereits im Jahr 2000), wird die augenscheinliche Ähnlichkeit mit dem nun fertiggestellten MOVE-Prinzip offensichtlich. Und es geht daraus hervor, dass es schon vor langer Zeit Leute gegeben hat bei Sony, die das Bewegungs-Controller-Prinzip gern zur Massenproduktion geführt hätten:
el-habib.at schreibt dazu: «(...) führt Dr. Marks diese Techdemo mit der PlayStation 2 Eyetoy-Kamera vor. Die Grundidee dazu kam Marks 1999, als er auf der damaligen GDC die Eyetoy-Kamera von Sony sah. Im selben Jahr wechselte er dann in die R&D-Abteilung von Sony und im Jahr 2000 stellte er öffentlich eine erste Techdemo vor. Einige der auf der E3 2010 angekündigten Spiele, wie etwa Sorcery, sind vom Spielprinzip her sehr nahe an der damaligen Techdemo von Marks angesiedelt.»
Fazit: Das Sony R&D-Team hat also nicht erst letztes Jahr angefangen an vertieften Prinzipien von Bewegungs-Controllern herumzuwerkeln. Nintendo war zuerst am Markt, aber Sony hatte bereits seit langer Zeit Prototypen in peto. Diese kamen jedoch nie zur Vermarktung und wurden entsprechend nicht finalisiert. Dr. Marks Vision von der grossflächigen Ermöglichung von bewegungsgesteuerten Spielen war vor mehr als zehn Jahren bereits da, wurde von Sony nicht weiterverfolgt. Wer hätte das gedacht!
Festzuhalten gilt es an dieser Stelle, dass viele Befehlsintegrationen des Controllers der Wii wie auch des MOVE auf dem mit eingebauten Motion-Sensor beruhen, welcher hier nicht Thema des Artikels ist. In erster Linie im Zentrum der Gedanken steht die Idee einer volkstauglichen Konsole mit Bewegungssteuerung, und diese Idee scheint nicht erst mit der Wii durch Nintendo aufgekommen zu sein.
Was macht Microsoft?
Interessanterweise spricht in diesem ganzen Zirkus um wer was und wann zuerst keiner von Microsoft mit dem neuen Kinect-System. Leider scheint dieses noch nicht ganz so präzise zu funktionieren. Vergangene Versuche, z.B. die Eye-Toy zu kopieren, sind in Form der Xbox Live Vision offensichtlich gescheitert. Kinect wirkt innovativ, kann aber in der momentanen Form noch nicht recht überzeugen. Fraglich ist auch, ob die User wirklich lieber mit beispielsweise komplett imaginären Steurerädern rumhantieren wollen, statt etwas handfestes in den Händen zu halten.
Die Zukunft wird weisen, wer in Sachen Motion Controls die Nase vorn hat, oder ob es sich als eine Zeiterscheinung herausstellen und wieder verblassen wird.
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