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In Iqaluit, Nunavuts Hauptstadt mussten die Einwohner rund zwei Monate lang wegen einer Verschmutzung der Trinkwasserversorgung extern mit sauberem Wasser beliefert werden. Erst Mitte Dezember konnte wieder Entwarnung gegeben werden und das Wasser aus den Hähnen wieder gefahrlos getrunken werden. Doch schon nur sechs Tage später musste erneut die Gefahrenglocke geläutet werden.
Am 10. Dezember hatten die Behörden erklärt, dass die Verunreinigung des Trinkwassers beendet sei und die Werte wieder normal seien. Dies, nachdem die 7’740 Einwohner rund zwei Monate lang von aussen mit Trinkwasser versorgt werden mussten, weil im eigenen Wasser hohe Werte von Kohlenwasserstoffen aus Diesel und Kerosin gemessen worden waren. Doch nur sechs Tage später hatten die Einwohner ein Déjà-vu: Schon wieder roch das Trinkwasser nach Treibstoff und die Messungen ergaben eine Verunreinigung mit Kohlenwasserstoffen. Zwar konnten die Behörden diesmal rascher reagieren und die Verunreinigung aus dem System entfernen. Doch für viele Bewohner und auch die lokalen Medien war dies der Tropfen zuviel ins Wasserfass. Vor allem, weil erst drei Wochen später darüber informiert wurde, was das Problem verursacht hatte.
Beim ersten Vorfall, der von Oktober bis Dezember gedauert hatte, war aus einem leckgeschlagenen Dieseltank neben der Wasseraufbereitungsanlage von Iqaluit Treibstoff ins Erdreich ausgetreten. Der Treibstoff vermischte sich mit dem Grundwasser tief unter der Anlage, welches dann in einen Überlauftank gedrückt wurde. Immer mehr Treibstoff gelangte in den Tank, verdampfte langsam und die Dämpfe gelangten in einen Wassertank vor der Reinigung. Da das Trinkwasser in Iqaluit mit Chlor gereinigt wird, wurde der Treibstoff nicht entfernt und führte zur lange andauernden Verunreinigung. Es dauerte lange, bis die Quelle der Verschmutzung entdeckt und der Bevölkerung mitgeteilt worden war. Um die Bevölkerung mit ausreichend Wasser zu versorgen, wurden einerseits Unmengen von Trinkwasserflaschen nach Iqaluit geflogen. Gleichzeitig installierte und betrieb aber die kanadische Armee ein Filtrier- und Reinigungssystem für die Dauer der Krise.
UPDATE: Ein von der regionalen Zeitung Nunatsiaq News gestern veröffentlichter Bericht zweifelt den Grund für die Verunreinigung im letzten Oktober an. Gemäss einer ersten Beurteilung durch eine Expertenfirma könnte der Grund nicht der leckgeschlagene Dieseltank gewesen sein. Der Experte der Firma ist der Meinung, dass nicht genügend Daten diese Theorie stützen würden und andere Faktoren ebenfalls in Betracht gezogen werden müsste. Dafür sei eine umfangreichere Untersuchung notwendig, heisst es im Bericht. Eine mögliche andere Quelle könne auch die gleich neben der Aufbereitungsanlage liegende Energieproduktionsanlage sein, zitiert die Zeitung den Bericht.
Um die Trinkwasserversorgung im grossen Stil durchzuführen, installierte und betrieb die Armee Filtersysteme^, wie hier im Video, das auf Facebook erschien, zu sehen ist.
Der zweite Vorfall ereignete sich nur sechs Tage nach der Freigabe des Trinkwassers durch die Behörden. Bei Unterhaltsarbeiten war verschmutztes Wasser in einen sauberen, aufbereiteten Wassertank geflossen und verschmutzten so das Trinkwasser. Durch das Echtzeitmesssystem wurden die erhöhten Mengen an Kohlenwasserstoffen festgestellt und ein Notfallplan trat in Kraft. Nach einer kurzzeitigen Abschaltung wurde der betroffene Tank vom Netz genommen, die Anlage durchgespült und später wieder freigegeben. Die Behörde gab danach Entwarnung und erklärte, dass sie bis auf weiteres die Messdaten der Wasserüberwachung veröffentlichen würden. Ausserdem werden die betroffenen Bereiche der Anlage saniert und weiterhin inspiziert.
In den Medien müssen die Behörden viele kritische Fragen über sich ergehen lassen, vor allem in Sachen Kommunikation. Vor allem die Tatsache, dass der zweite Vorfall sich zwar Mitte Dezember ereignet hatte, aber erst jetzt veröffentlicht worden war, stiess bei einigen Einwohners auf Unverständnis, wie ein Blick auf die Kommentare in den Medien zeigt. Tatsache ist, dass die Wasserversorgung in der grössten Stadt von Nunavut schon länger in der Kritik steht. Das rasche Anwachsen der Bevölkerung in den letzten Jahren hat zu Kapazitätsengpässen geführt. Mehrfach wurde auch schon kritisiert, dass gleich neben der Wasseraufbereitungsanlage eine grosse Anlange zur Energieproduktion steht, die in Iqaluit immer noch auf Diesel angewiesen ist. Ausserdem war die Wasserkontrolle als unzureichend und die Kommunikation als zu langsam und träge kritisiert worden. Diesem Aspekt haben die Behörden zumindest nun durch die Krise Rechnung getragen und ein Messsystem installiert, das die Qualitätskontrollen in Echtzeit misst. Dies hat sich nun beim zweiten Vorfall bewährt. Doch die Problematik der Versorgung und der in die Jahre gekommenen Infrastruktur plus die scheinbar träge Kommunikation mit der Öffentlichkeit schweben immer noch über der Versorgung mit der wichtigsten Quelle des Lebens: Wasser.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal