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Die Cholera ist eine durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöste Durchfallerkrankung, die unbehandelt in bis zu 60 Prozent der Fälle tödlich endet. Die Übertragung der Bakterien erfolgt in erster Linie durch mit Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser.
Die Cholera-Erreger bilden ein Gift (Exotoxin), das im Darm zu massiven Flüssigkeitsverlusten von bis zu 20 Litern am Tag führen kann. Typisch für Cholera sind die plötzlich einsetzenden, wässrigen Durchfälle («Reiswasserstühle»). Fieber tritt meist nicht auf, dafür Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Durch den grossen Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten treten mitunter starke Muskelkrämpfe auf und der Stoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht. Dies kann bis zum Kreislaufschock führen. Unbehandelt können Kreislaufkollaps und Nierenversagen zum Tode führen.
Die wichtigste Cholera-Therapie ist der schnellstmögliche Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten. Hierfür stehen Trinklösungen und vor allem Infusionen zur Verfügung. Manchmal verschreibt der Arzt zusätzlich Antibiotika (z.B. Tetracylcine, Ciprofloxacin, Cotrimoxazol). Wird die Cholera angemessen behandelt, liegt die Sterblichkeitsrate unter einem Prozent.
Die Cholera ist in der Schweiz eine meldepflichtige Erkrankung. Sie tritt vor allem in Afrika, Südamerika und Südostasien auf. In der Schweiz wird durchschnittlich nur ein Fall pro Jahr gemeldet. Die Betroffenen stecken sich normalerweise im Ausland mit der Cholera an. Deshalb ist es auf Reisen in Gebiete, in denen die Cholera häufig auftritt, wichtig, bestimmte Verhaltensregeln einzuhalten. Die wichtigste Vorbeugung gegen Cholera auf Reisen ist, immer an die Lebensmittelhygiene zu denken (z.B. nur gefiltertes Trinkwasser verwenden).
Die Cholera ist seit dem 6. Jahrhundert vor Christus in Indien bekannt; dort ist ihr Hauptverbreitungsgebiet das Gangestal. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts breitete sie sich in mehrere Krankheitswellen weiter aus und erreichte auch Europa. Durch die Dampfschifffahrt begünstigt, verbreitete sich die Cholera seit 1826 weltweit. Gehäuft (endemisch) tritt sie in Ländern mit einem niedrigen Hygienestandard – zum Beispiel mit schlechter Abwasserentsorgung.
Erstmals beschrieben wurde das gekrümmte, kommaförmige und hochbewegliche Stäbchenbakterium Vibrio cholerae im Jahr 1854 von Filippo Pacini. Seuchenhistorisch gesehen lassen sich sieben Cholera-Krankheitswellen unterscheiden. Die momentane (siebte) Seuchenwelle begann 1961 in Südasien und breitete sich über Afrika und Südamerika weiter aus. In der Schweiz kommen nur vereinzelte Cholera-Fälle vor.
Cholera trat erstmals im Gangesdelta in Indien auf und breitete sich im19. und 20. Jahrhundert auf mehrere Kontinente aus. Seit 1991 tritt die Cholera vor allem in Südamerika (Peru), Südostasien (Indonesien) und Afrika auf. Betroffen sind insbesondere Länder mit niedrigem Hygienestandard.
In der Schweiz wurden in den letzten Jahren sehr wenige Cholera-Fälle gemeldet. Als Reisekrankheit wird die Cholera hierzulande durch Reisen in die sogenannten Endemiegebieten eingeschleppt.
Nicht jeder, der mit dem Cholera-Erreger infiziert ist, wird auch krank. Dafür scheidet er mit dem Stuhl weiterhin für einige Wochen ansteckungsfähige Bakterien aus. Bereits der Krankheitsverdacht auf Cholera ist in der Schweiz meldepflichtig. Die Cholera gehört zu den international vorgeschriebenen Quarantäne-Krankheiten.
Bei Cholera sind die Ursachen bereits lange bekannt: Das Bakterium Vibrio cholerae führt zu der Erkrankung .
Zwei Erreger-Gruppen (sog. Serogruppen) des Cholera-Bakteriums verursachen die grossen Krankheitswellen der Cholera: Ursprünglich waren Bakterien der Serogruppe O1 mit dem klassischen Cholera-Erreger und dem El Tor-Erreger die Ursachen der Cholera. Der El Tor-Keim ist für die Mehrzahl der aktuellen Cholera-Fälle der Auslöser. Seit 1992 breiten sich ausserdem Bakterien der Serogruppe O139 aus und führen zu Krankheitsfällen.
Der Mensch ist vermutlich das einzige Reservoir für die Bakterien. Auch wenn eine Person eine Cholera überstanden hat, kann sie noch Wochen bis Monate später die Erreger mit dem Stuhl ausscheiden. Die Zeit zwischen der Ansteckung mit dem Erreger und dem Krankheitsausbruch (sog. Inkubationszeit) beträgt bei der Cholera wenige Stunden bis fünf Tage. Meist treten die ersten Beschwerden nach zwei bis drei Tagen auf.
Die Erreger der Cholera gelangen durch mit Kot verunreinigtes Wasser oder mit verunreinigter Nahrung, in den Magen-Darm-Trakt des Menschen. Die Salzsäure des Magens (Magensäure) tötet den grösstenteil der säureempfindlichen Cholera-Erreger ab. Zu einer Cholera-Infektion kommt es deshalb erst, wenn eine grosse Anzahl der Erreger in den Körper gelangt. Im Dünndarm können sich die Bakterien, welche die Säurebarriere des Magens überwinden, gut vermehren.
Im Dünndarm durchdringen die Erreger der Cholera die Schleimschicht und gelangen in die Darmepithelzellen. Dort heften sie sich an bestimmte Kontaktstellen (sog. Rezeptoren) der Darmschleimhautzellen und produzieren hier das Choleragift (Toxin). Dieses Gift bindet sich an die Zellen und hemmt dort Vorgänge, die den Elektrolythaushalt regeln. Dadurch gehen Natrium, Kalium und Chlorid aus der Zelle ins Innere des Darms verloren. Das Wasser aus den Darmzellen folgt den Salzen nach. Hierdurch entstehen die für Cholera typischen Durchfälle, die ein Austrocknen des Körpers (Exsikkose) zur Folge haben. Dies führt unbehandelt oft zum lebensbedrohlichen Kreislauf-Zusammenbruch und Schock.
Bei Cholera zeigen sich zu Beginn Symptome wie Übelkeit, «reiswasserartige» Durchfälle, Bauchschmerzen und Erbrechen. Die Durchfälle werden als «Reiswasserdurchfälle» bezeichnet, weil der Stuhl farblos und leicht trüb aussieht und Schleimflocken enthält – in seinem Aussehen also Reiswasser ähnelt.
In schweren Fällen der Cholera verlieren Betroffenen bis zu 20 Liter Flüssigkeit pro Tag. Der Körper wird nicht mehr ausreichend mit Flüssigkeit versorgt und trocknet aus (sog. Exsikkose). Zu den Cholera-Durchfällen kommen Symptome der Austrocknung hinzu – oftmals zuerst Heiserkeit, aber auch zum Beispiel tiefliegende Augen oder Hautfalten. Im Verlauf der Cholera kann es dann zu starken Muskelkrämpfen in den Waden, zu Nierenversagen und zum Kreislauf-Kollaps kommen. Das Blut kann durch den Flüssigkeitsverlust so eingedickt sein, dass es in kleineren Blutgefässen zu Verschlüssen (Thrombose) kommt.
Eine schwere Form der Cholera ist die Cholera siderans, bei der die Betroffenen bereits innerhalb von zwei bis drei Stunden nach einsetzen der Symptome versterben. In sehr schweren Cholera Fällen treten keine Symptome wie Durchfall auf, bevor die Erkrankten versterben. Mediziner sprechen dann von einer Cholera sicca.
Schwere, reiswasserartige Durchfälle geben dem Arzt einen ersten Hinweis auf eine Cholera-Erkrankung. Die genaue Diagnose erfordert allerdings eine Untersuchung von Stuhl oder Erbrochenem. Der Nachweis des Cholera-Erregers darin sichert die Diagnose. Die Erreger der Cholera reagieren sehr empfindlich auf Trockenheit, daher müssen die Proben beim Transport ins Labor feuchtgehalten werden. In einer Stuhlprobe von einem Cholera-Patienten sind unter dem Mikroskop massenhaft kommaförmige, bewegliche Stäbchen sichtbar – die Cholera-Erreger (Vibrio cholerae).
An erster Stelle der Cholera-Therapie steht der rasche Ersatz verlorener Flüssigkeit, Elektrolyten und Zucker (Glukose). Für die Therapie in Gebieten, in denen keine ausreichenden Mengen von Infusionen zur Verfügung stehen, hat die WHO eine salz- und glukosehaltige Trinklösung entwickelt. Diese besteht aus folgenden Komponenten:
Die Glukose in der Lösung fördert die Aufnahme von Natriumionen in die Dünndarmzellen durch spezielle Pumpen in der Zellmembran. Den aufgenommenen Natriumionen und der Glukose folgt Wasser in die Zellen. Dadurch sorgt die Lösung dafür, dass die Zellen wieder besser mit Flüssigkeit versorgt werden und gleicht die Flüssigkeitsverluste aus.
Bei schweren Cholera-Fällen verlieren die Betroffenen enorme Flüssigkeitsmengen. Dann sind Infusionen in die Venen notwendig, um die Verluste wieder auszugleichen.
Zusätzlich ist möglichst früh die Gabe von Antibiotika zur Cholera-Therapie ratsam, zum Beispiel Tetracycline, Ciprofloxacin oder Cotrimoxazol. Sie töten die Bakterien im Darm ab, können aber den Flüssigkeitsverlust nicht beheben. Antibiotika spielen daher im Vergleich zum Flüssigkeits- und Elektrolytersatz bei der Cholera-Therapie eine untergeordnete Rolle.
In etwa 80 Prozent aller Cholera-Fälle kommt es zu einem milden Verlauf. Die Cholera kann dann mit anderen Durchfallerkrankungen verwechselt werden. Weniger als 20 Prozent der Erkrankten weisen schwere Anzeichen einer Cholera auf. Der Verlauf kann dann lebensbedrohlich sein, wenn die Cholera mangelhaft oder gar nicht behandelt wird. In unbehandelten Fällen liegt versterben etwa 60 Prozent der Betroffenen mit klassischer Cholera. Bei angemessener Behandlung der Cholera überleben über 99 Prozent der Erkrankten.Der Erreger-Typ Vibrio El Tor verursacht einen leichteren Cholera-Verlauf, die Infektion verläuft milder. Auch unbehandelt überleben 70 bis 85 Prozent der Betroffenen.
In der Schweiz ist der Verdacht auf Cholera, die Erkrankung, der Tod sowie der direkte und indirekte Nachweis des Erregers namentlich zu melden.
Der Cholera können Sie am besten vorbeugen, indem Sie auf Reisen in Gebiete, in denen die Erkrankung häufig auftritt, an bestimmte Verhaltensregeln halten und Infektionsquellen meiden.
Die Cholera gehört zu den Quarantänekrankheiten, wie beispielsweise Ebola, Pest oder das Gelbfieber. Ist die Cholera aufgetreten oder besteht der Verdacht darauf, muss der Betroffene isoliert werden.
Wenn Sie in Länder oder Kontinente reisen, in denen es häufig zu Cholera-Fällen kommt (z.B. Südamerika), sind einige Verhaltensregeln wichtig, mit denen Sie einer Cholera-Infektion vorbeugen können:
Eine Schutzimpfung mit abgetöteten Cholera-Bakterien – also eine sogenannte aktive Impfung – ist für Personen geeignet, die einem erhöhten Risiko für Cholera ausgesetzt sind. Ein erhöhtes Risiko besteht bei einem Aufenthalt in Infektionsgebieten, vor allem, wenn mangelhafte hygienische Bedingungen vorherrschen. Dies ist oft in Flüchtlingslagern oder bei Naturkatastrophen der Fall. Zu der gefährdeten Personengruppe gehören zum Beispiel Flüchtlingshelfer, Ärzte, Pflegepersonal und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks. Sie sollten einer Cholera-Infektion mit einer Impfung vorbeugen.
Die Cholera-Impfung ist eine Schluckimpfung und verleiht einen circa 90-prozentigen Impfschutz, der bei Erwachsenen nach 2 Jahren wieder aufgefrischt werden muss. Weitere Informationen zu bestimmten Reiseländern und den vorbeugenden Massnahmen sind beispielsweise in jedem Gesundheitsamt oder auf den Internetseiten des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) erhältlich.