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Das Alternative Weltwasser-Forum in Genf hat vier Aktionspläne verabschiedet und will damit eine Privatisierung der Wasserversorgung verhindern.Dieser Inhalt wurde am 20. März 2005 - 11:37 publiziert
Die Massnahmen beinhalten einen Solidaritäts-Rappen auf dem Wasser und ein Welt-Wasser-Parlament.
Ziel des Forums sei die Schaffung einer globalen öffentlichen Wasserversorgung, erklärte Bastienne Joerchel von der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Hifswerke. Die vier Pläne seien eine Basis für eine entsprechende Infrastruktur.
So müsse das Wasser zu einem Menschenrecht und deshalb zu einem öffentlichen Gut erklärt werden. Die Trinkwasser-Aufbereitung dürfe dabei nicht an die Privatwirtschaft übergehen, sondern müsse demokratischen Kontrollen unterliegen.
Um dieses Ziel zu erreichen müsse die Einführung eines Solidaritäts-Rappen auf dem Wasser angepeilt werden. Mit dem Geld könne man verhindern, dass die Finanzierung der öffentlichen Wasserversorgung auf privatem Kapital beruhe.
Wasser: Allgemeingut oder Handelsware?
Duch die Bildung eines Welt-Wasser-Parlaments könnten transparente Regeln zur Verteilung der Ressource Wasser aufgestellt werden. Eine erste Sitzung dieser Instanz soll auf Initiative des Italieners Riccardo Petrella von der Universität der Italienischen Schweiz bereits im kommenden Jahr in Brüssel einberufen werden.
Zur Zeit hat ein Drittel der Menschheit keinen Zugang zu Trinkwasser. Sollte sich in den nächsten 25 Jahren nichts ändern, wird der Anteil nach Schätzungen des Alternativen Weltwasserforums in Genf auf zwei Drittel ansteigen.
"Der Druck zur Privatisierung des Wassers ist enorm", sagte der Präsident des Organisations-Komitees und Genfer Grossrat, Alberto Velasco. Doch Wasser sei ein allgemeines Gut der Menschheit und keine Handelsware.
Schwere Vorwürfe gegen Nestlé
In einer Studie von Nils Rosemann über die Rolle von Nestlé in Pakistan wird der Schweizer Nahrungsmittelkonzern schwer beschuldigt. Nestlé gefährde in dem Land den öffentlichen Zugang zu Wasser, schreibt Rosemann in seiner Arbeit für die Schweizer Hilfswerke und Amnesty International, die in Genf vorgestellt wurde.
In der Region Lahore zum Beispiel gewinne die Nestlé-Fabrik Wasser aus einer unterirdischen Quelle und verursache dadurch eine Senkung des Grundwasserspiegels um mehrere Meter pro Jahr. Dadurch hätten Tausende von Menschen immer grössere Probleme, in ihren Brunnen Wasser zu finden.
Millionen Liter "Pure Life" aus Lahore würden unter anderem an die US-Truppen in Afghanistan und Irak geliefert. Der Schweizer Konzern nütze dabei die Tatsache aus, dass das pakistanische Gesetz keine Bestimmung zur Verwendung von unterirdischem Wasser enthalte.
Über 50% des Marktes
Nestlé kontrolliere in Pakistan über 50% des Marktes und produziere 35 Mio. Flaschen Wasser pro Jahr, aber lediglich 23% der 160 Millionen Pakistani hätten Zugang zu sauberem Trinkwasser, so Rosemann.
Ein Pakistani verdiene im Durchschnitt zwei Franken pro Tag, und eine Flasche Nestlé "Pure Life" koste fast 50 Rappen. Das abgefüllte Wasser sei damit für die meisten Menschen nicht erschwinglich.
Nestlé: Vorwürfe sind nicht gerechtfertigt
Nestlé-Sprecher Robin Tickle vom Unternehmenssitz in Vevey weist die Vorwürfe zurück. Eine Messung vom Februar habe keine Grundwassersenkung in der Region von Lahore festgestellt. Die Messungen erfolgten regelmässig.
Ausserdem existierten sehr wohl gesetzliche Bestimmungen in Pakistan zur Verwendung von unterirdischem Wasser. Und diese würden von Nestlé auch peinlich eingehalten. Vielmehr würden die Möglichkeiten gar nicht voll ausgeschöpft, so Tickle.
UNO-Konvention gefordert
Jean Ziegler, der UNO-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, sagte, dass mehr als 9000 Kinder jeden Tag wegen des Mangels an sauberem Wasser stürben. Schmutziges Wasser sei ausserdem der Grund für zahlreiche Krankheiten.
Ziegler verurteilte die USA, weil sie sich gegen eine UNO- Konvention für das Recht auf Wasser wehrten. Die Umweltorganisation Green Cross International startet am Weltwassertag vom kommenden Dienstag ihre Kampagne für eine UNO-Wasserkonvention.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Die Zielsetzung des Fame:
Anerkennung des Rechts auf Wasser als Menschen-Recht
Deklaration des Wassers als weltweites öffentliches Gut
Demokratische Verwaltung der Wasser-Ressourcen und Finanzierung über
öffentliche Quellen.
In Kürze
Das erste Alternative Weltwasserforum (Fame) fand im März 2003 in Florenz statt, gleichzeitig mit dem 3. offiziellen Weltwasserforum in Kyoto.
Das zweite Fame fand vom 17. bis zum 20. März in Genf statt.
Rund 2000 Personen aus fünf Kontinenten und mehr als 150 Nichtregierungs-Organisationen haben daran teilgenommen.
Das Forum versteht sich als Gegengipfel zum offiziellen Weltwasserforum. Denn dieses gebe den internationalen Konzernen zu viel Platz, sei auf Privatisierung und öffentlich-private Partnerschaften ausgerichtet.
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