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Erster Vorbericht über die archäologischen Untersuchungen
in Airolo-Madrano (2003-2005)
Emanuela Jochum Zimmermann, Philipp Wiemann, Philippe Della Casa
Abt. Ur- und Frühgeschichte, Universität Zürich

Der vorliegende Artikel bietet einen knappen Überblick über die bisherige Forschungstätigkeit der Abteilung Ur- und Frühgeschichte der Universität Zürich auf dem "Mött Chiaslasc" nahe der Ortschaft Airolo-Madrano (Kt. Tessin, Schweiz). Seit dem Jahr 2003 konnten in jährlichen Arbeitskampagnen umfangreiche Ergebnisse erzielt werden, die eine Besiedlung des Felsriegels in der Bronze- und Eisenzeit nachweisen. Naturwissenschaftliche Untersuchungen ergänzten die archäologische Feldforschung und inzwischen finden die dortigen Forschungen einen Platz und ebenso eine Ergänzung in einem interdisziplinären Forschungsprojekt.
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Abb. 1: Ansicht des Grabungsplatzes von Nordosten.
Im März 2003 unternahm die Abteilung Ur- und Frühgeschichte der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit dem Ufficio dei Beni culturali del Ticino mehrere Geländebegehungen an potentiellen Fundplätzen in der Leventina. Dabei wurde auch das Hügelplateau "In Grop" in Airolo-Madrano untersucht. Es befindet sich südlich Airolos auf dem Felsriegel "Mött Chiaslasc", der zusammen mit einem weiteren auf der gegenübenliegenden Talseite ein natürliches Verkehrshindernis darstellt. Das Felsplateau befindet sich nur ca. 100 m Luftlinie vom römerzeitlichen Gräberfeld Madrano entfernt. Auf einem kleinen Felskopf westlich des Plateaus befinden sich Mauerreste, die wahrscheinlich als hochmittelalterlich anzusprechen sind.
Abb. 2: Ansicht des Felsriegels Mött Chiaslasc von Süden.
In einigen Erdhaufen auf dem Plateau und einer angrenzenden Geländesenke fanden sich Eisenobjekte, Glas und Fragmente von Lavezgefässen.
Im Sommer 2003 wurde im Rahmen einer Lehrgrabung der Abteilung Ur- und Frühgeschichte der Universität Zürich ein erster Sondierschnitt von fünf mal zwei Metern in der Geländesenke angelegt. Im Sommer 2004 wurde der Schnitt auf 32 Quadratmeter vergrössert und auf dem Plateau ein zwei Quadratmeter grosser Sondierschnitt angelegt. Beide Schnitte wurden im Sommer 2005 erneut vergrössert.
Auf dem Plateau und in der Geländesenke fanden während der Grabungen zusätzlich systematische Bohrungen statt. Ausserdem wurde ein Planmodell des Hügels erstellt.
In der Grabungsfläche innerhalb der Geländesenke konnte bei den Untersuchungen an einigen Stellen der sterile Untergrund erreicht werden. Darauf folgte eine dünne, wahrscheinlich mittelbronzezeitliche, holzkohlehaltige und fundführende Schicht. Innerhalb der Schicht wurden zwei Herdstellen aus Steinplatten dokumentiert. Darüber folgte ein steriler Horizont. Die Schicht wurde von zwei grossen Gruben mit Holzkohle- und Steinverfüllung sowie mehreren Pfostenlöchern geschnitten. Diese gehören zu einem dicken Kulturschichtpaket mit Fundmaterial der Spätbronzezeit und Eisenzeit. Innerhalb des Schichtpaketes wurden weitere Befunde, unter anderem ein Steinplattenboden, weitere Gruben und eine parallel zur Hangkante verlaufende Steinreihe festgestellt. Direkt auf den Kulturschichten aufliegend wurde ein Versturz dokumentiert.
Abb. 3: Steinplattenbefund im spätbronzezeitlichen Schichtpaket.
Die Grabungsfläche auf dem Geländeplateau brachte weitere bronzezeitliche Strukturen zum Vorschein. Beachtenswert ist vor allem ein Steinplattenboden, im Aufbau ähnlich demjenigen aus der Grabung in der Geländesenke. Daneben wurden Pfostenlöcher und Gruben nachgewiesen. Die Schichtabfolge erwies sich als kompliziert, was weitere Grabungen auf dem Plateau nötig macht.
Den grössten Teil der Funde machen eisen- und bronzezeitliche Keramikfragmente aus. Die Funddichte in der Kulturschicht auf dem Plateau war deutlich höher als in der Geländesenke. Neben zahlreichen Keramikfragmenten, Knochenfunden, Bergkristallstücken, Glasperlen und Lavezobjekten ist der Fund einer Bronzescheibe und eines bronzenen Fibelfusses erwähnenswert. Die Funde lassen sich typologisch der Mittel- und Spätbronzezeit bzw. der jüngeren Eisenzeit zuweisen.
Abb. 4: Mittelbronzezeitliche Scheibe aus Bronzeblech nach der Restaurierung.
Aus den Kulturschichten und Gruben wurden systematisch Holzkohleproben genommen. Die Proben wurden auch auf Holzarten bestimmt: Es handelte sich hauptsächlich um Birke (Petula sp.) und Fichte (Picea abies). Erste 14-C Datierungen durch das geographische Institut der Universität Zürich ergaben zwei Besiedlungsschwerpunkte. In der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends waren sowohl das Plateau als auch die Geländesenke begangen. In der zweiten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrtausends wurde die Geländesenke erneut genutzt.
Aus den Kulturschichten wurden Erdproben genommen, die am Botanischen Institut der Universität Zürich untersucht wurden. Neben verschiedenen Unkräutern, typischen Kulturfolgern, konnte in mehreren Befunden Gerste nachgewiesen werden.
Die Grabungskampagnen in Airolo-Madrano finden neu einen Rahmen im Nationalfondprojekt: "Leventina - prähistorische Siedlungslandschaft. Besiedlung, Umwelt und Wirtschaft im alpinen Tessintal 1500 BC - 15 AD". Im Fokus dieser Studien steht die Erforschung der noch weitgehend unbekannten Siedlungslandschaft und ihrer Rolle im Netz der transalpinen Kontakte. Ein Artikel von Unipublic gibt einen ergänzenden Überblick (Hier klicken).
Die bisherigen Ergebnisse hätten nicht ohne die wohlwollende Unterstützung des Ufficio dei Beni Culturali, Bellinzona (namentlich: Giuseppe Chiesi, Rossana Cardani Vergani, Diego Calderara) erzielt werden können. Die Holzkohleanalysen führte Werner H. Schoch (Labor für quartäre Hölzer, Adliswil) durch. Die Makrorestanalysen wurden von Christiane Jacquat (Botanisches Institut und Abt. Ur- und Frühgeschichte, Universität Zürich) angefertigt.
JbSGUF 87, 2004; 88, 2005