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«Bitte, helft mir!» Den Hilferuf von Rachel Hunter auf TikTok haben bereits hundertausende Leute gehört. Dabei wollte sie nur ihr Exemplar von «Speak Now (Taylor's Version)» von Taylor Swift hören.
«The 70 billion people of Earth... The 70 billion people of Earth... where are they hiding?» Nein, das singt definitiv nicht Taylor Swift. Das ist «Soul Vine (70 Billion People)» von Cabaret Voltaire mit dem Sample aus dem Film «The Outer Limits» (1963).
Zu finden ist dieser Song auf dem Album «Happy Land: A Compendium of Electronic Music from the British Isles 1992-1996 (Vol 1)», einer Sammlung früher Elektronica-Tracks.
«Auf der zweiten Seite wird es noch komischer»
Rachel Hunter sagt: «Zuerst dachte ich, dass hier eine versteckte Botschaft drin steckt. Taylor ist bekannt für solche Sachen. Aber die Stimme sagte so komische Sachen über ‹Fleisch› und ‹Angst›. Und die zweite Seite der Platte war dann noch komischer.»
Statt «Speak Now (Taylor's Version)» wurde diese spezielle Pressung der Platte schon bald «Speak Now (Cursed Version)» («Verfluchte Version») genannt. Viele Leute in den Kommentaren finden aber auch Gefallen an der «komischen» Musik. Auch Hunter, die meint: «Zuerst fand ich es unheimlich. Aber nachdem der Beat kommt, dachte ich mir: Ok, das macht Stimmung.»
Stephen Mallinder, der Mitgründer von Cabaret Voltaire, hat unterdessen auch mitbekommen, dass seine Musik plötzlich von Swifties gehört wird. Er sagt gegenüber dem «Guardian»: «Meine Kinder haben mir davon erzählt. Sie sagten: ‹Dad, du bist auf einer Taylor-Swift-Scheibe und das Mädchen, das sie hört, sieht ziemlich verstört aus.›»
Verwechslung im Vinyl-Presswerk?
Die Elektronica-Compilation ist auf dem Label «Above Board» erschienen. Zusammengestellt wurde sie von Ed Cartwright und Leon Oakey. Cartwright sagt: «Es ist wunderbar. Es gibt glaub keine perfektere Compliation, um mysteriös auf dieser Platte zu erscheinen.»
Doch wie konnte es dazu kommen? Die plausibelste Erklärung ist eine Verwechslung im Vinyl-Presswerk. Beide Platten wurden in Frankreich bei MPO gepresst. Für eine Plattenpressung gibt es eine Vorlage, diese wurde womöglich vertauscht. Betroffen sei jedoch nur eine ganz kleine Charge.
«Die subversivste Aktion»
Stephen Mallinder von Cabaret Voltaire spekuliert ebenfalls, wie es zur Verwechslung kommen konnte: «Vielleicht setzt hier Taylor ihre Macht für einen guten Zweck ein. Was natürlich kaum der Fall ist, aber ich würde das gerne glauben. Einige vermuten auch einen PR-Stunt im Banksy-Stil.» Wie auch immer – «es ist die wahrscheinlich subersivste Aktion, die es je von uns gegeben hat», so Mallinder.
Was die ganze Geschichte noch kurioser macht: Auf der Version von Rachel Hunter gibt es den Song «Happy Land» von Ultramarine gleich doppelt. Das dürfte bei einer normalen Pressung gar nicht möglich sein, jemand müsste dafür die Press-Vorlage neu erstellen.
Ed Cartwright findet die Verwechslung lustig und glaubt, dass jetzt ganz viele Leute direkt aus dem UK-Shop von Taylor Swift genau diese Vinyl-Variante kaufen. In der Hoffnung, dass auch sie die «Verfluchte Version» erwischen.
Wohl bald die teuerste Swift-Platte
Dan Hill, der Labelboss von «Above Board», ist sich sicher, dass diese Version bald sehr wertvoll sein wird: «Alle Leute, die ich kenne, haben mindestens eine Platte gekauft. Auch Personen, die sonst nie Vinyl kaufen. Es ist genial. Da gibt es Taylor-Swift-Fans, die plötzlich elektronische Musik hören und die ganzen Sammler, die nun die Platte kaufen, obwohl sie nie Taylor Swift hören würden.» Auf Online-Börsen werden schon horrende Summen für die «Verfluchte Version» geboten, allerdings will sie (noch) niemand verkaufen.
Übrigens wird die «Cursed Version» bereits auf kreative Art genutzt. Der Musiker Half Bam Half Whisky hat aus «Nag Nag Nag» von Cabaret Voltaire und «All Too Well» von Taylor Swift ein Mashup mit dem Namen «Cabaret Voltaylor» gebastelt.
Wird es auch einen Voltaire-Remix eines Swift-Songs geben? Unter dem Namen Cabaret Voltaire nicht, denn dieser gehört dem 2021 verstorbenen Mitgründer Richard H Kirk. Aber Mallinder sagt dem «Guardian»: «Wir sind für alles zu haben. Falls Taylor einen Mix will, schreiben wir ein paar Songs.»
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