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Wer kennt sie nicht, die römische Stadt Augusta Raurica? Gleich neben den eindrücklichen Ruinen fliesst die Ergolz beim heutigen Augst in den Rhein. Folgen wir dem Lauf des Flüsschens ins Oberbaselbiet, erleben wir ein verstädtertes Tal: Von Frenkendorf und Füllinsdorf über Liestal, Lausen, Itingen, Sissach bis nach Böckten, Gelterkinden und Ormalingen findet sich praktisch ein einziger zusammengewachsener Siedlungsgürtel.
Gelterkinden 1939 (Bild VBS)
Nun befinden wir uns über dem «oberen Ende» dieses Siedlungsgürtels. Auf der historischen Aufnahme, die kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 7. November 1939 entstanden ist, sind die Dörfer Gelterkinden (in der Mitte), Ormalingen (rechts) und das ganz kleine Böckten (links) noch klar getrennt. Es gibt zwar Häuser entlang der Hauptstrasse, aber die Dorfkerne sind klar als solche auszumachen. Nach rechts oben verläuft noch das kleine Tal des Rickenbächli in genau nördlicher Richtung, in dem nur einzelne Gebäude stehen. Oben knapp ausserhalb des Fotos folgt die Ortschaft Rickenbach.
Gelterkinden 2012 (Bild Peter Brotschi)
Auf der neueren Aufnahme von 2012 befindet sich unser Flugzeug über der Ortschaft Tecknau und wir schauen in nordwestlicher Richtung hinunter auf Gelterkinden, wie es auch die Besatzung der Schweizer Luftwaffe im Jahr 1939 getan hatte. Exakt unter dem Flugzeug befindet sich die stark frequentierte Bahnlinie von Olten nach Basel, die in Tecknau aus dem im Jahr 1916 eröffneten Hauenstein-Basistunnel kommt und in Gelterkinden in allgemein westlicher Richtung ins Tal der Ergolz einbiegt. Neben der Bahnlinie fliesst der Eibach und mündet dann in die Ergolz.
Die Landschaft hat sich in der Zwischenzeit sehr verändert. In der oberen Bildhälfte links ist immer noch Böckten zu sehen, ganz in der Ecke noch ein Teil von Sissach. Rechterhand liegt Ormalingen. Dieses Dorf ist nun mit Gelterkinden zusammengewachsen, gleiches ist zwischen Gelterkinden und Böckten geschehen. Aus der Vogelperspektive ist es jetzt ein einziger Siedlungsbrei, bei dem die drei Dörfer zu einem einzigen zusammengewachsen sind. Die überbaute Fläche hat sich ungemein vergrössert, so entwickelte sich Gelterkinden beispielsweise auch ins Tal des Rickenbächli hinein.
Zwischen Gelterkinden und Ormalingen befindet sich ein Hügel mit einem Wald. Im zungenartigen Einschnitt liegt ein Weiler, der sich vergrössert hat. Gelterkinden selber ist kräftig an die Hänge hinauf gewachsen. Am unteren Bildrand in der Mitte ist das Schwimmbad mit dem hellblauen Becken auszumachen. Rechts daneben befindet sich ein Quartier, das ohne Verbindung zum Dorf erbaut wurde. Solche raumplanerische Sünden von Quartieren, die losgelöst vom eigentlichen Sieldungsbereich einer Ortschaft entstanden sind, finden sich in der ganzen Schweiz (siehe auch bei Murten). Gelterkinden bildet da keine Ausnahme wie auch nicht in der Tatsache, dass viele Hochstammbäume, die ja eigentlich zum Baselbiet gehören, aus der Landschaft geräumt wurden.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Peter Brotschi ist Lehrer, Aviatikjournalist und CVP-Kantonsrat im Kanton Solothurn. Er kämpft politisch gegen die Zersiedelung der Schweiz. Autor von sieben Büchern, sein letztes: «Ein wenig des Himmels für mich».