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Die Geschichte des Barbaresco
Der Barbaresco Wein ist historisch tief verwurzelt. Die Römer fielen in die Region ein, unterwarfen die hier lebenden keltischen Einwohner, rodeten die Eichenwälder, die dem Mars (Martinenga) geweiht waren und pflanzten Wein an. Vielleicht war es nicht gleich Nebbiolo, aber er wird sich bald durch das Wechselspiel von genetischer Wandlung und die Macht des Schicksals entwickelt haben.
Im 13 Jahrhundert wird er nebiul genannt und ein Dokument aus dieser zeit beweist, dass er bis hin nach Pinerolo (mehr als 75 km weiter) angebaut wurde, was zeigt, dass es sich hierbei um den wichtigsten Wein des Piemont handelte, da moscato und barbera erst später dazukamen, irgendwann zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert.
Im wunderschönen hölzernen Chorgestühl der Kathedrale von Alba (15. Jahrhundert), der Besuch wärmstens empfohlen wird, stellt einer der Sitze das alte Dorf Barbaresco dar, über dem ein Obstteller voller Trauben prunkt: wir können uns schlecht vorstellen, dass es sich dabei nicht um Nebbiolo gehandelt hat. Innerhalb von wenigen Jahren wurde diese Traube in vielen Gegenden des Piedmonts zugunsten der populäreren Sorten moscato und barbera, lukrativer und widerstandsfähiger, aufgegeben, blieb aber dennoch die am meisten angebaute Sorte auf den Hängen von Barolo und Barbaresco, wo bekannt war, das sie bessere Weine hervorbrachte.
Soweit noch Nebbiolo zwischen Legende und Realität. Die faktengestützte Geschichte, die Gewissheiten über Barbaresco begannen viel später. Hier also die aussagekräftigsten Daten einer sich immer noch weiter entwickelnden Saga:
1799: die österreichiche Armee besiegt die französische in der Ebene von Genola (Cuneo) am 4. November. Zwei Tage später zieht die Siegerarmee in die Stadt Bra (Cuneo) ein und der Generalhauptmann De Melas befiehlt dem Dorf Barbaresco eine Wagenladung hervorragenden Nebbiolo zu bringen. Dieses Dokument wird in den Gemeindeunterlagen aufbewahrt und ist so das älteste schriftliche Zeugnis des Barbaresco und seiner Weine.
1870: eine Flasche, die auf dem Gut Drago in San Rocco Seno d'Elvio aufbewahrt wird, trägt das handschriftliche Etikett Barbaresco 1870. Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Dörfchen San Rocco Seno d'Elvio noch zur Gemeinde von Barbaresco und es handelt sich um die älteste erhaltene Flasche, auf der der Name Barbaresco benutzt wird, um den Wein zu identifizieren.
1894: ein historisches Datum, zu dem Barbaresco volljährig wird. Domizio Cavizza, Vorsitzender der königlichen Weinbauschule von Alba kauft das Schloss von Barbaresco zusammen mit Landbesitz in der Gegend von Pora und Ovello. Im gleichen Jahr gründet er den Gemeinschaftskeller von Barbaresco, zusammen mit 10 anderen Weingutbesitzern.
Er verfügt die moderne Methode für die Erstellung von Nebbiolo Weinen und plaziert so den Wein von Barbaresco auf dem nationalen Markt neben den schon berühmten Barolo... in dir sind die verschlossenen Geschenke deines älteren Bruders gut ausgeglichen, ... bei dir muss man die Gläser nicht beschränken, wie bei schwereren Rivalen; für dich ist jede Stunde passend und jedes Gericht ist ein guter Begleiter.... (aus der Ode an den Barbaresco, 1897, D. Cavizza). Domizio Cavizza als Vater des Barbaresco zu bezeichnen, wird allgemein für richtig gehalten. Jeder kennt seinen rastlosen und erstaunlichen Einsatz für die Weinbereitung und die Wohlfahrt der örtlichen Bevölkerung.
1899: Die Arbeit des Gemeinschaftskellers und anderer berühmter Winzer des Dorfes (Giovanni Gaja, Gioachino Deforville, DeGiacomi- usw.) führt zu guten Ergebnissen. Teobaldo Calissano, Mitglied des Parlaments in Rom, legt ein Gesetzt vor für den Schutz der echten Weine Barolo und Barbaresco vor Betrug und Fälschungen. Als er die Überraschung der anderen Parlamentsmitglieder sieht, lädt er sie alle in die Langhe Berge ein, um die Weine zu verkosten und sich persönlich von ihrer Qualität zu überzeugen. Das war der erste italienische Versuch, den Weinbau gesetzlich zu regeln, Jahrzehnte nachdem in Frankreich Bordeaux schon seine eigene offizielle Klassifizierung hatte.
1908: am18. Oktober, auf Einladung des Bürgermeisters, Dr. L. Dogliotti, schliessen sich die Nebbiolo Winzer von Barbaresco zu, Verein zum Schutz der Produktion und des Handels mit dem echten Nebbiolo für Barbaresco zusammen.
Einige Wochen später folgen ihre Kollegen von Barolo ihrem Beispiel und gründen den pro-Barolo-Verein, mit den gleichen Zielen.
So versuchen sie zwei wertvolle Weine vor Betrug und dem häufigen Versuch, Weine unbestimmter Herkunft unter dem Namen der beiden Gemeinden zu verkaufen. Aus dem gleichen Grund wird in den dreissiger Jahren der erste Schutzverband für Barolo und Barbaresco gegründet, während die Weine aus bestimmten Anbaugebieten - D.O.C. ( 1963) und kontrollierte und garantierte Anbaugebiete - D.O.C.G. ( 1981) weitere Massnahmen sind, um die besten italienischen Weine zu erhalten (das entsprach zumindest der ursprünglichen Absicht ....).
1912: ein unglückliches Datum, denn in diesem Jahr verschied frühzeitig Domizio Cavazza. Und mit ihm auch die treibende Kraft der Erneuerung des Barbaresco, die die Gemeinde und ihre Weine der nationalen Aufmerksamkeit aufgedrängt hatte und ihre Weine auf das gleiche Niveau wie den Bruder Barolo gehoben hatte. Ohne sein Licht, ging fast die ganze Gegend verloren und versank in einen Tiefschlaf, der erst 50 Jahre später wieder unterbrochen wurde. Wenige Monate später brach auch der 1. Weltkrieg aus und mit ihm eine lange Periode mit grossen Schwierigkeiten. Der Mangel an treibenden Kräften machte sich dramatisch bemerkbar.
1922: ein anderes schwarzes Jahr, als direkte Folge des vorigen. Der Gemeinschaftskeller von Barbaresco schloss zehn Jahre nach dem Tod seines Gründers. Die Weine wachsen immer noch auf unseren Hügeln, aber nach den ökonomischen Selbstversorgungsregeln, die vom Faschismus aufgestellt werden, wird ein grosser Teil der Rebflächen in Felder verwandelt.
Die Produktion der wertvollen Weine wird von den Weinhändlern aus Alba kontrolliert, die die Trauben zu sehr niedrigen Preisen aufkaufen, dabei mehr um ihre eigenen Interessen besorgt, als um die des Weins und seines Anbaugebietes.
Gute und schlechte Jahre folgen aufeinander, so wie immer, aber ohne den Enthusiasmus und den Willen zum Fortschritt, die für Barbaresco um die Jahrhundertwende so typisch waren.
1926 e 1933: trotz der dunklen Jahre, wurde 1926 zum ersten Mal die Barbaresco Herkunftsgegend offiziell eingegrenzt (Cavazza hatte das schon 1898 getan, und dabei ebenfalls die besseren crus benannt!). Dieses Gebiet wurde später ausgeweitet, und schloss so das ganze Gebiet von Neive ein, (1933), als Barolo und Barbaresco als typische Prestigeweine anerkannt wurden. Die vierziger und fünfziger Jahre waren schwierige Jahre für Italien, das sich erst mühsam vom zweiten Weltkrieg erholen musste. In diesen Jahren war der Barolo, gestärkt durch die ältere Tradition, ein grösseres Anbaugebiet und wichtigere und machtvollere Winzer, weiterhin der König der Weine und der Wein der Könige, während Barbaresco, in den Händen von Traubenhändlern, ein härteres Leben führen musste; aus diesem Grund errang er die Bezeichnung des kleineren Bruders, die bis in die sechziger Jahre und noch länger anhielt.
1958: in diesem Jahr wurde der Keller der Winzer von Barbaresco (Produttori del Barbaresco) gegründet, mit einer Wiedergeburt der ganzen Gegend. Dieser Zusammenschluss war vom weitsichtigen Gemeindepriester des Dorfes, Rev. Fiorino Marengo, gegründet worden, um die Winzer vor den Unwägbarkeiten des Marktes zu schützen, und die Arbeit von Cavazza weiter fortzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt umfasste er 19 Weinbauern (heute 63). In den Fussstapfen des ersten Gemeinschaftskellers von 1894, spezialisierten sich die Produttori von Anfang an auf die Produktion eines einzigen Weines, des Barbaresco.
1961: die Kellerei Gaja in Barbaresco beschliesst, Wein ausschliesslich aus ihren eigenen Trauben herzustellen, ohne anonyme Trauben von ausserhalb hinzuzukaufen. Sie hören deshalb damit auf, Barolo zu produzieren, der Barbaresco wird das Flaggschiff der Gaja Kellerei., das 30 Jahre später die bekannteste Marke für die italienische Weinwirtschaft werden soll. Für Barbaresco war diese Entscheidung indirekt ein grosses Glück : dank der Qualität und angesichts der Preise ... des Gaja Barbaresco, wagte es nun niemand mehr, den Barbaresco als kleineren Bruder zu bezeichnen.
1966: Mit dem Dekret des Präsidenten vom 23. April, wird Barbaresco als D.O.C. Wein (aus kontrolliertem Herkunftsgebiet) festgelegt, der erste in Italien, zusammen mit Barolo, Brunello di Montalcino und Chianti.
1967: Dem Barolobeispiel folgend, werden in der Gegend die Weinbereitung und der Vertrieb von Barbaresco Weinen nach Lagen (entsprechend den französischen crus) aufgenommen; die Namen der berühmtesten Barbarescoweinberge (Martinenga, Pora, Rabaja', usw.) werden als Synonyme von Qualität in der ganzen Welt bekannt und bewundert.
1980: Mit dem Präsidialdekret vom 3. Oktober wird Barbaresco zum D.O.C.G. Wein (kontrolliertes und garantiertes Anbaugebiet).
1997: unter Anleitung der Schutzgemeinschaft nehmen die vier Gemeinden des kontrollierten Anbaugebiets eine offizielle Karthographierung der Lagen des Barbaresco Weinanbaugebiets vor, wie sie auf der Karte der regionalen Vinothek wiedergegeben wird, die sie auf dieser Webseite unter Das Anbaugebiet und seine Lagen finden.