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Das zweite Leben der Medana Watch
Briefgeschichten Die traditionelle Uhrenmarke «Medana Watch» aus dem Hause Roamer erlebte in Olten eine zweite Blüte.
Von: Urs Amacher
Auch Olten war eine solothurnische Uhrenstadt. Zwar nur für kurze Zeit, als sich 2007 die Medana Watch SA in Olten etablierte. Die Geschichte der Schweizer Uhr mit dem Markennamen «Medana Watch» geht allerdings bis ins 19. Jahrhundert zurück. Der aus dem zürcherischen Dällikon stammende Fritz Meyer-Scheidegger errichtete 1888 am Heidenhubel in Solothurn ein Atelier zur Fabrikation von Zylinder-Hemmungen. Diese Uhrenbestandteile, auch Echappements, genannt, steuern die Uhr und erzeugen das Ticken. Fritz Meyer produzierte auch in Heimarbeit und in mehreren lokalen Ateliers, etwa in Wangen an der Aare, in Aeschi, im Thal und ab 1897 auch in Olten. 1899 stieg Meyer in die Fabrikation ganzer Taschenuhren ein. 1905 schloss er sich mit dem Uhrmacher Johann Stüdeli von Bellach zu einer Kommanditgesellschaft zusammen.
Bob Hope als Brand Ambassador
Bereits 1903 hatte Leo Meyer, ein Sohn des Gründers Fritz Meyers, in London unter dem Label «Medana Watch Ltd.» ein Büro eröffnet und vertrieb die Uhren von da aus in die ganze Welt. Die Mutterfirma Meyer & Stüdeli liess die Uhrenmarken «Medana» und «Medana Watch» erst 1909 beim Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum eintragen, 1926 kamen «ROAMER» (Wanderer, Vagabund) und «ARROW» (Pfeil) hinzu, wobei Roamer für die Uhren mit Ankerhemmung und Medana für Uhren mit Zylinderhemmung verwendet wurden. 1951 wurde dann das ganze Unternehmen in Roamer Watch Co. SA umbenannt.
In den USA waren jedoch die Medana-Uhren populärer als die Roamer. Nicht zuletzt, weil 1945 in New York ein Büro eröffnet wurde und 1952 der bekannte Filmschauspieler Bob Hope als Brand Ambassador (Marken-Botschafter) erfolgreich Werbung für Medana machte. Zudem wurde 1953 die «Medana Ladies Baguette Watch» lanciert, ein schmales Modell mit M-förmig arrangierten Diamanten, das bei Damen sehr guten Anklang fand.
Medana-Uhren aus dem Winkel
Trotzdem überlebte die stolze Solothurner Firma die Krise der Schweizer Uhrenindustrie nicht und musste Mitte der 1970er-Jahre aufgeben. Doch dann erlebte «Medana» mit Rolf Wuethrich einen kurzen Frühling. Wuethrich hatte ursprünglich an der Schweizerischen Textilfachschule in Wattwil sowie am Technical College der University of Bradford studiert und ist eigentlich Textilingenieur. 1990 stieg er als Geschäftsführer von Tissot Deutschland in die Uhrenindustrie ein. Zwischen 1995 und 2007 war er CEO der Firma Roamer sowie der Al-Futtaim-Watches & Jewelry Group Dubai (Vereinigte Arabische Emirate). Im Oktober 2007 verliess er die Gruppe, blieb aber im Uhrengeschäft.
Mohammed Marzooq Al Shamlan, der in Katar bereits ein Uhrengeschäft führte, war interessiert, in eine Schweizer Marke zu investieren. Zusammen mit Rolf Wuethrich sowie einem indischen Geschäftsmann wurde eine Aktiengesellschaft gegründet. Diese konnte die lange nicht mehr aktiv verwendete Marke «Medana» nutzen und Oltner Swiss-made-Uhren unter diesem Label herstellen und verkaufen. Die neue Medana-Firma bezog Räume im Winkel an der Bahnhofstrasse 7 in Olten, wo ein kleines Team von fünfzehn Personen die Uhren aus den einzelnen Komponenten zusammensetzte und bald in alle Welt versandte. Medana startete gut, als kleine Firma agierte sie flexibel und konnte an der Basler Uhrenmesse 2010 bereits die zweite Generation ihrer Damen- und Herrenuhren präsentieren. Diese beinhaltete neben den anfänglichen Quarzuhren bereits Prototypen von Automatik- und Handaufzugsmodellen.
Doch dann kam sehr schnell das Ende, wie sich der damalige CEO und Delegierte des Verwaltungsrates Rolf Wuethrich eingestehen musste. Im Rahmen der Finanzkrise wurden der jungen Medana AG die Markenrechte 2011 wieder entzogen, und eine Fortführung der Unternehmung war unter diesen Umständen somit nicht mehr möglich. Damit verlor Olten den Status einer Uhrenstadt wieder.
Quellen: Schweizerisches Handelsamtsblatt; Auskünfte Rolf Wuethrich, Olten.