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Am 20. September 2019 haben wir über diverse Rhonegletscher-Bilder berichtet. Eins davon, das “Bezaubernde”, wurde dabei besonders hervorgehoben. Dazu sind nun Rückmeldungen eingegangen
Zunächst hat Peter Michels, der ebenfalls von dem Bild sehr angetan ist, über Facebook folgenden interessanten Kommentar geschickt: “Anhand der Bewegung des Pferdes soll die Belichtungszeit ±20s betragen haben (sagte mir ein Bauer/Fotograf). Links: die mobile Dunkelkammer des Fotografen. Einer der Personen ist halbtransparent abgebildet. Ev. der Fotograf :-).”
August Berlinger hat sich ausführlicher mit dem bezaubernden Bild beschäftigt und folgende aufschlussreiche Gedanken zunächst im Blog-Kommentarfeld gepostet. Diese werde ich nun hier 1:1 wiedergegeben, da sie zu schade sind, um “nur” im Kommentarfeld unten zu stehen.
- Ich gehe davon aus, dass das Bild vor 1850 aufgenommen wurde, weil es sich A nicht um den typischen Alpenpostwagen handelt, B der Postkondukteur ein Käppi trägt, wie es die amerikanische Armee (und ähnlich Einheiten der Franzosen) verwendeten und nicht den schweizerischen Pöstler- oder Offiziershut und C das Firmenschild auf dem Wagenschlag viel zu üppig ist für ein braves helvetisches Postsignet; es handelt sich hier offensichtlich um ein (staatlich konzessioniertes) privates Unternehmen. Der Fotoerwerber hat also das Bild als Souvenir 1877 erstanden und dabei seine Reise auf der Rückseite verewigt.
- Die Person hinter dem Wagen ist kein Reisender, sondern wahrscheinlich ein Wegmacher, wie seine einfache und verstaubte Kleidung sowie der Rechen in der linken Hand andeuten.
- Dieser Postkurs hatte mindestens 7 Passagiere, die fünf hinter den Pferden (feine Kleidung), einen im hinteren “Séparé” (Kopf) und einen im vorderen “Séparé” (Ärmel und Hand). Da hätte der Fotograf zwar noch Platz gehabt, aber kaum seine sperrige Ausrüstung. Wenn auch die Postillons für ein “Föteli” immer gerne angehalten haben, so hätte dieser wohl kaum Zeit für das Auspacken der Ausrüstung, die komplizierten Vorbereitungen samt den Aufnahmen und das Einpacken gehabt. Dass nur ein kurzer Halt vorliegt, zeigt auch der Umstand, dass sowohl Postillon und Kondukteur auf sowie zwei Reisegäste im Wagen geblieben sind. Es ist davon auszugehen, dass der Fotograf nicht Mitreisender war, sondern den Postkurs an dieser Aussichtsstelle abgewartet hat, weil da für die Fahrgäste jeweils kurz angehalten wurde.
- Der Kasten links unten ist kein Fotoapparat. Ich vermute, dass es sich um eine mobile Dunkelbox handelt, in der die „jungfräulichen“ Glasplatten für das Einschieben in den Fotoapparat resp. die belichteten für den Rücktransport vorbereitet wurden. Darauf weisen die Gucköffnung mit “Scheuklappen” hin, sowie die „Ärmel“ darunter, die ein lichtloses Hantieren in der Box erlaubten.
- Weiter sind links neben der Box die Transportkistchen für die Glasplatten (belichtet und unbelichtet) und (Chemie)Flaschen sowie der Kittel des Fotografen zu sehen.
Dank diesen Zusatzinformationen haben wir die Datierung angepasst, was wiederum dazu führte, dass wir den Fotografen geändert haben. Auf dem Abzug selber ist “A. Gabler, Interlaken (Suisse)” vermerkt. Von Arthur Gabler (1867-1927) haben wir auf dessen Vater (Johann) Adam Gabler (1833-1888) angepasst.
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Vollständige Bildinformationen
Gabler, Johann Adam: Route de la Furka et Poste, Glacier du Rhône, ca. 1850 (Ans_13523, http://doi.org/10.3932/ethz-a-001025557)