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Geschichte der Akupunktur
In China hat die Akupunktur eine lange Tradition und soll als Heilmethode schon über 3000 Jahren bestehen. Bei Ausgrabungen fand man Stein- und Knochennadeln, die darauf schliessen lassen, dass diese zur Akupunktur verwendet wurden. Der chinesische Historiker, Astrologe und Schriftsteller Sima Qian (um 145 v. Chr.; † um 90 v. Chr.) erwähnt erstmals in seinen Aufzeichnungen die Steinnadeln.
Akupunktur hat eine lange Entwicklung hinter sich und entstand aus der Kultur und Philosophie Chinas. Praktiken zur Gesundheitspflege „Yang Sheng“, worunter man Atemübungen, Aufnahme von kosmischem Qi, gymnastische Methoden, Diätetik, Arzneimitteleinnahme, Meditationsübungen, sexuelle Praktiken und allgemeine Gesundheitsregeln für den Alltag, sowie kalendarische Ge- und Verbote zählte, waren schon immer von Bedeutung in China. Die traditionelle chinesische Medizin und somit die Akupunktur entwickelte sich über die Jahrtausende hinweg zu einer ernstzunehmenden Medizin und exakten Wissenschaft, weit entfernt von jeglicher Esoterik.
Frühe Werke über die Akupunktur
Ein grundlegendes historisches Werk zur traditionellen chinesischen Medizin (TCM) „Die Medizin des Gelben Kaisers“ soll ca. 2698–2598 v. Chr. entstanden sein. Als gesichert gilt das Entstehungsdatum des erstenTeils - Huáng Dì Nèi Jīng Sù Wèn. Das Entstehungsdatum des zweiten Teils ist noch nicht eindeutig geklärt. Das ganze Werk umfasst 18 Bände, mit insgesamt 162 Kapiteln. Diese Aufzeichnungen geben genaue Anweisungen zu Akupunktur, Moxibustion, Schröpfkopfbehandlung, sowie Zungen-, Puls- und allgemein klinischer Diagnostik. Zudem beschreibt das Buch das theoretische Modell von Qi, Yin und Yang, die fünf Elemente und die Meridiantheorie. Den Taoisten nach soll das Buch von Huang Di stammen. Dieser wird zur Gruppe der chinesischen Ur-Kaiser gerechnet. Ursprünglich ist Huáng Dì jedoch eine göttliche und mythische Gestalt, die erst während der Zhou-Zeit (ca. 1122/1045–770 v. Chr.) historisiert wurde.
Entwicklung der chinesischen Medizin von den Anfängen bis zum heutigen Tag
Schamanenkult
1200 bis 200 v.Chr., zur „Zeit der grossen Kriege“, entstand in China der Schamanenkult. Zu jener Zeit waren es die Dämonen, die in die Menschen eindrangen und dadurch Krankheit und Leid verursachten. Atemrituale, Atemtechniken, Fasten- und Säuberungsrituale, Feuernadeln, sowie rituelle Tänze waren das Mittel der Wahl, um gegen die Dämonen anzugehen, um sie wieder auszutreiben. Die Schamanen verfügten auch schon über ein grosses Wissen der Heilwirkung von Kräutern, Mineralien und tierischen Substanzen. Das Erwärmen der Akupunkturnadeln mit Hilfe von glimmenden Kräutern entstand vermutlich in dieser Zeit. Die erwärmten Nadeln sollten das Dämonenherz treffen. Sun Si Miao (581–682 n. Chr.) hat als erster die 13 Dämonenpunkte systematisch beschrieben, welche gegen Besessenheit, manisch-depressive Geisteskrankheiten und Epilepsie eingesetzt wurden.
Taoismus / Daoismus
Es ist unklar, wann die taoistische Lehre wirklich entstand. Die philosophische Lehre nahm einen Grossteil des Gedankenguts auf, welches während der Zhou-Dynastie (1040-256 v. Chr.) bereits existierte. Dazu gehörten die bereits erwähnte Praktik „Yang Sheng“, sowie kosmologische Vorstellungen und Astrologie, das I Ging, die fünf Wandlungsphasen, die Lehre von Qi und des Yin/Yang. Als Begründer dieser Lehre wird der legändere Laotse (auch Laozi) genannt. Jedoch ist man nicht sicher, ob er wirklich gelebt hat. Ihm wird das Daodejing (400 v. Chr.) ein knapp 5000 Schriftzeichen umfassender Text zugeschrieben. Dieser befasst sich in poetischer Weise und in vieldeutigen Formulierungen mit dem Wirken des Tao und der wahren Tugend. Das zentrale Thema des Taoisten war die Suche nach Unsterblichkeit. Ihrer Lehre nach, konnte der Körper ebenso beständig und unversehrt wie das gesamte Universum sein. Die Bedingung war, den Körper und den Geist nach den Regeln des Tao zu organisieren. Für den Taoisten gilt das Tao als Ausgangspunkt aller Lebensvorgänge. Das Tao wird als unfassbare Kraft definiert, welche aus Qi Yin und Yang (die Polarität) erzeugt. Diese beiden gegensätzlichen Kräfte Yin und Yang bringen wiederum alle tausend Dinge, das Dasein des ganzen Universums hervor.
Konfuzianismus
Der Philosoph Konfuzius (551-479v. Chr.), sozusagen der Gegenspieler der taoistischen Lehre, hat vermutlich stärker die chinesische Geistesgeschichte geprägt als der Taoismus. Vom Schamanenkult und Dämonenglauben wurde Abstand genommen, er betrachtete die Welt von einem rationaleren Blickwinkel aus. Konfuzius strebte nach dem „Edlen Menschen“. Im Gegensatz zum Taoismus glaubten Konfuzianer, dass der Mensch erzogen werden muss und das Studium der konfuzianischen Lehre ihm ermöglicht ein "Edler" zu werden. Hierbei waren die vier Tugenden von grösster Wichtigkeit: „ Die Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit, Kindliche Pietät (die Liebe der Kinder zu ihren Eltern und darüber hinaus zu ihren Ahnen) und Riten“.
Taoistische Praktiken wurden in die Klöster und Tempel zurückgedrängt. Das Weltbild änderte sich, vom dämonenbeeinflussten zum eigenverantwortlichen Menschen hin. Der Mensch ist zwar in die Naturkräfte eingebunden (Taoismus), doch kann er durch sein Handeln einen gewissen Einfluss auf sich und seine Umgebung ausüben. Für einige Philosophen ist diese Betrachtungsweise der Anfang der Emanzipation der Menschheit, der Mensch gilt erstmals als eigenverantwortliches Wesen.
Wissenschaftlicher Beginn
In dieser Zeit wurde auch die Akupunktur allmählich Bestandteil der wissenschaftlich begründeten Medizin. Das Konzept der Lebensenergie (Qi) spielte immer noch eine wichtige Rolle. Das Qi wurde jetzt naturwissenschaftlich untersucht, was für den medizinischen Fortschritt sehr förderlich war. Anstatt von Dämonenbeeinflussung zu sprechen, erklärte man physiologische Funktionen und Fehlfunktionen mit Hilfe von Qi. Es entwickelten sich mehrere Schulen, mit unterschiedlichen theoretischen Ansätzen als Grundlage für die chinesische Medizin. Die einen griffen auf die Lehre der Fünf Wandlungsphasen zurück, andere nahmen als Grundlage die Yin-Yang-Lehre, wiederum andere arbeiteten mit den Himmelsstämmen/Erdenzweigen oder mit dem I Ging, um die wirkungsvollsten Akupunkturpunkte für eine Behandlung zu finden. Die heute am meisten angewendete und jüngste Lehre ist die Zang-Fu-Lehre. Sie bezieht sich auf die Funktionskreise der Organe, berücksichtig aber auch die Yin/Yang- und Wandlungsphasen-Lehre.
Verbot der traditionellen chinesischenMedizin (TCM)
Abgeschirmt von jeglichen ausländischen Einflüssen entwickelte sich die chinesische Medizin und mit ihr die Akupunktur bis ins 19. Jh. hinein weiter. Durch die zunehmende Präsenz des Westens in China, vor allem nach dem Opiumkrieg (1840-42) http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Opiumkrieg , der durch die Briten ausgelöst wurde, fand jedoch allmählicheine kulturelle Entwurzelung statt. Anfangs des 20. Jh. stockte die Weiterentwicklung der TCM. Missionare, die ins Land kamen, führten die westliche Medizin ein. Die Methoden der über zweitausend Jahre altenTradition der chinesischen Medizin wurden nun vielfach als Aberglaube abgetan. Von 1927 – 1949 herrschte der Chinesische Bürgerkrieg und im Jahre 1929 wurde die traditionelle chinesische Medizin sogar von der politischen Führung des Landes verboten.
Wiederbelebung
Unter Mao Tse Tung (1954–1959 Staatspräsident der Volksrepublik China) fand wieder eine Rückbesinnung auf die eigene Kultur statt. Auch wurde die einheimische Medizin wieder eingeführt. Mao Tse Tung unterstützte stark die Wiederbelebung und Weiterentwicklung der traditionellen chinesischen Medizin, vermutlich auch aus wirtschaftlichen Gründen, da diese viel kostengünstiger ist als die westliche pharmakologische und technische Medizin.
Akupunktur im Westen
Ab 1950 interessierte sich auch der Westen vermehrt für die traditionelle chinesische Medizin. Anfangs wurden die Kenntnisse aus Vietnam und Japan bezogen, doch erst die politische Öffnung Chinas im Jahre 1970 führte dazu, dass immer mehr Menschen diese Heilkunst, vorallem die Akupunktur, zur Kenntnis nahmen und sich damit befassten. In China wurde die Akupunktur als Wundermethode dem Westen gegenüber angepriesen. Es kam zu Schauoperationen, bei denen ausschliesslich die Akupunktur als Anästhesie benutzt wurde. Doch die Akupunktur-Anästhesie, welche grosses Aufsehen im Westen erregte, entpuppte sich schlussendlich als Schwindel. Thematisiertim Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14334827.html
Die Geschichte unserer Kultur belegt, dass es schon lange einen Konkurrenzkampf zwischen der Ganzheitsmedizin und der konventionellen Medizin gab. Auch heute noch tut sich unsere Wissenschaft schwer, die Wirkung der Akupunktur oder anderer Heilweisen anzuerkennen. Vermutlich hat dies zum Teil auch mit unserer linearen Denkweise und Wissenschaftsgläubigkeit zu tun. „Was nicht labortechnisch und in Doppelblindstudien bewiesen werden kann, existiert nicht.“ Andererseits sind vermutlich finanzielle Interessen nicht auszuschliessen. http://www.mymedi.ch/index.php/de/news/251-schweizer-schlucken-mehr-medikamente
Die Heilwirkung der Ganzheitsmedizin wird oft als Placebo Effekt abgetan. Die jahrzehntelange Erfahrung bei uns im Westen hat jedoch bewiesen, dass Akupunktur, wie andere alternative Heilmethoden, ein geeignetes Mittel ist, um Menschen erfolgreich und kostengünstig zu behandeln.