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«London Bridge is down»
Vier Wörter: Mit «London Bridge is down» hat der Privatsekretär des Königshauses die frischgewählte Premierministerin Liz Truss über eine gesicherte Telefonleitung informiert. Dadurch wurde «Operation London Bridge» ins Rollen gebracht, der Plan für die Stunden und Tage nach Queen Elizabeths Tod.
Nach Liz Truss wurde auch das britische Aussenministerium über die Neuigkeiten in Kenntnis gesetzt. Dieses informierte daraufhin die 54 Länder des «Commonwealth of Nations». In diesem Staatenbund, der aus dem britischen Weltreich hervorgegangen ist, war die Queen bis zu ihrem Tod noch in 15 Nationen Staatsoberhaupt, darunter in Kanada, Australien, Neuseeland und auf den Bahamas.
Beim letzten Tod eines britischen Monarchen, König Georg VI. im Jahr 1952, dauerte es ganze vier Stunden, bis die Öffentlichkeit vom Tod des Königs erfuhr.
Zehn Tage voller Trauer und Spektakel
«Operation London Bridge» sieht für die ersten zehn Tage nach dem sogenannten D-Day eine minutiöse Planung vor. Sozusagen die letzte Ausfahrt auf der Autobahn des Lebens einer Königin.
Doch «Operation London Bridge» ist wohl wichtiger für die Briten als für die Königsfamilie. Journalist Sam Knight schrieb einst im «Guardian»: «Zehn Tage voller Trauer und Spektakel, ähnlich wie die Monarchie selbst, in denen wir darin schwelgen werden, wer wir waren und die Frage vermeiden, was aus uns geworden ist.»
Die Tage nach dem Tod sind für das britische Königshaus mehr als die Beerdigung der Grossmutter und Urgrossmutter. Es geht um Verabschiedung, Würdigung, Nachfolge und Reibungslosigkeit. Es geht darum zu zeigen: Die Ordnung im Reich ist nicht bedroht – und dies seit über 1200 Jahren! Nicht umsonst übten die Royals die Beerdigung von Queen Mum, Elizabeths Mutter, 22 Jahre lang.
Gestatten, royale Leichenbestatter
«Leverton & Sons» ist der Name eines Bestattungsunternehmens aus dem Norden von London, seit 1991 der offizielle Leichenbestatter des Königshauses. Wobei, einen schriftlichen Vertrag zwischen den Bestattern und den Windsors gibt es nicht. Es sei mehr ein Handschlag gewesen, sagte der Geschäftsführer des 200 Jahre alten Unternehmens einst gegenüber der Zeitung «The Telegraf». Und so hält «Leverton & Sons» seit 30 Jahren einen Eichensarg für «royale Notfälle» bereit.
Die Queen starb in ihrem schottischen Sitz auf Balmoral Castle. Von dort wird die Königin nach Edinburgh, in ihren kleinsten Palast Holyroodhouse gebracht und von ihrer schottischen Leibgarde, der Royal Company of Archers, bewacht. Dann beginnt die eigentliche Reise. In der Kathedrale St. Giles wird eine Totenmesse abgehalten. Danach wird der Sarg per Zug über die sogenannte «East Coast Mainline»-Strecke von Edinburgh bis nach London gefahren. Überall könnten Menschen an den Gleisen stehen und Blumen auf den vorbeifahrenden Zug werfen.
Elizabeths Leiche wird anschliessend ein letztes Mal in den Thronsaal im Buckingham Palace getragen. Im Thronsaal warten ein eingerichteter Altar und vier Soldaten der Grenadier-Garde, die ihre typischen schwarzen Bärenfellmützen respektvoll auf dem Kopf geneigt tragen werden.
Zeit, um «Farewell» zu sagen
Danach hat die Belegschaft Zeit, sich von «ihrer» Königin zu verabschieden – menschlich und beruflich. Denn auch wenn manche von ihnen über 50 Jahre im Dienste ihrer Majestät standen, ist es üblich, dass viele von ihnen durch König Charles ersetzt werden, der seine eigene Belegschaft mitbringen wird.
Spätestens jetzt stehen die Flaggen im ganzen Land auf halbmast und die Kirchenglocken läuten: ganze 96 Mal – für jedes Lebensjahr der Königin einmal. Am Tag nach dem Tod der Königin wird aus Prince Charles, King Charles. Seine erste Ansprache als König wird der 73-jährige neue König aus dem St. James Palast halten.
Währenddessen wird es im Londoner Hyde Park ziemlich laut. 41 Kanonen schiessen zu ehren der Queen in den Himmel. Fast 7 Minuten lang. Vier Tage nach ihrem Tod wird der Sarg von Queen Elizabeth in den Westminsterpalast gebracht und von einer Militärparade begleitet. Dort steht der Sarg für weitere vier Tage. Die Blumenkränze am Sarg der Königin werden jeden Tag gewechselt. Nur die frischesten und schönsten Blumen sind gut genug für ihre Majestät.
Wenn der Big Ben stumm bleibt
Neun Tage nach dem Ableben der Queen findet die Beerdigung statt. Am Morgen der Beerdigung, um 9.00 Uhr, wird der Big Ben seine Glocken ein einziges Mal läuten lassen. Danach bleibt die Turmuhr den ganzen Tag still. Um 11.00 Uhr wird der Sarg der Königin in der Kirche Westminster Abbey eintreffen, wo die Beerdigungszeremonie stattfindet.