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Babyone hat geschrieben:
Das finde ich total interessant und im ersten Moment hat es mich ziemlich überrascht.Experimente haben aber gezeigt, dass es eher anders herum funktioniert. In einem Experiment hatte man zwei Gruppen von Probanden, die beide an einer Befragung teilnehmen sollten. Bei allen verhielt sich der "Befrager" bewusst unhöflich. Bei der einen Gruppe verließ der Befrager zwischendrin mal den Raum, der angebliche Vorgesetzte kam herein und fragte wie es so läuft und gab den Leuten damit die Gelegenheit sich zu beschweren. Bei der anderen Gruppe gab es diese Möglichkeit zur Beschwerde nicht. Anschließend wurden alle befragt wie gut oder schlecht sie sich fühlten, und außerdem waren bei allen auch körperliche Reaktionen wie Blutdruck und Stresshormone gemessen worden.
Das Ergebnis: diejenigen, die sich hatten beschweren können, fühlten sich subjektiv schlechter und hatten objektiv mehr Stresshormone, höheren Blutdruck etc. Außerdem bewerteten sie im Nachhinein das Verhalten des Befragers als schlimmer und unhöflicher als die andere Gruppe. Erklärung: diese Leute hatten sich gedanklich intensiver mit dem Fehlverhalten des Befragers beschäftigt , wodurch es für sie an Bedeutung gewonnen hat und sie sich mehr ärgerten. Außerdem mussten sie sich im Nachhinein vor sich selber rechtfertigen, denn immerhin hätte der Befrager ja Probleme im seinem Job bekommen können, und das nur wegen ein paar Unhöflichkeiten. Also rechtfertigten sie sich vermutlich unbewusst damit, dass der Befrager ja nicht nur ein wenig, sondern SEHR unhöflich und überhaupt völlig unmöglich gewesen war. Worüber sie sich dann noch mehr ärgerten.
Und dann hatte ich plötzlich eine ganz aktuelle Situation, in der ich dieses Muster gleich mal ausprobieren konnte.
Ich habe eine extrem schwierige Beziehung zu meiner Schwester, sie beleidigt mich alle paar Jahre aufs übelste, was mich immer total verletzt und auch aus der Bahn wirft.
Jetzt war es wieder soweit, am Morgen erwartete mich aus heiterem Himmel eine ellenlange SMS mit üblen und vernichtenden Vorwürfen an meine Person. Normalerweise hätte ich diese SMS tagelang mit mir rumgetetragen und sie immer wieder gelesen, mir 1000 Antworten überlegt und mit einem Freund oder meiner Mutter des langen und des breiten darüber gesprochen und wieder mal meine ganze Kindheit und unsere Familiengeschichte aufgerollt.
Diesmal kam mir aber obiges Experiment in den Sinn. Und versuchte es umzusetzen. Ich las die SMS genau zweimal durch und dann löschte ich sie. Ich sprach mit niemandem darüber.
Natürlich beschäftigte es mich, ziemlich sogar, ich fuhr auf dem Weg zur Arbeit ins falsche Parkhaus , aber das war auch schon alles.
Und jetzt, drei Tage später, ist diese Attacke nur noch ein dumpfer leichter Schmerz und nicht diese grosse Wut und Ohnmacht wie sonst.
Danke Babyone!
Val