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Der Verwaltungsrat habe den Rücktritt von Olsen angenommen, schreibt das Unternehmens in einer Mitteilung vom Montag. Die vorliegenden aktualisierten Informationen aus dem Bericht liessen nicht darauf schliessen, dass die Vorwürfe einen "wesentlichen nachteiligen Einfluss auf die Finanzlage des Konzerns" haben werden, heisst es weiter.
Zwei Jahre nachdem er die Rolle des CEO übernommen und die Fusion von Lafarge und Holcim erfolgreich umgesetzt habe, werde Olsen das Unternehmen verlassen, so das Unternehmen weiter. Der Verwaltungsrat sei nach eingehender Prüfung der Sachlage zwar zum Ergebnis gekommen, dass Olsen weder für Fehlverhalten, welches im Zuge der Überprüfung festgestellt wurde, verantwortlich war, noch habe er den Eindruck gehabt, dass er davon Kenntnis hatte. Olsen wolle mit seinem Schritt aber Ruhe in das Unternehmen bringen.
"Meine Entscheidung wurde getrieben von meiner Überzeugung, dass sie dazu beitragen wird, die Spannungen, die sich in letzter Zeit rund um den Syrien-Fall entwickelt haben, beizulegen", wird der abtretende CEO im Communiqué zitiert. "Obwohl ich in keinerlei Fehlveralten involviert war oder davon Kenntnis hatte, denke ich, dass mein Rücktritt dazu beitragen wird, Ruhe in ein Unternehmen zu bringen, das während Monate diesbezüglich im Zentrum der Aufmerksamkeit stand", so Olsen weiter.
Die Suche nach einem Nachfolger wird laut den Angaben umgehend eingeleitet, und in der Zwischenzeit wird Verwaltungsratspräsident Beat Hess die Übergangsphase bis zur Ernennung eines neuen CEO beaufsichtigen, ab 15. Juli als Interim-CEO.
BERICHT BESTÄTIGT FEHLVERHALTEN - LAFARGE-MAMAGEMENT WAR INFORMIERT
In dem Bericht habe sich bestätigt, dass einige Massnahmen, die für die Weiterführung eines sicheren Betriebs des Werks in Syrien getroffen wurden, nicht akzeptierbar waren und dass wesentliche Fehleinschätzungen vorlagen, die gegen den geltenden Verhaltenskodex verstiessen, heisst es zu dem Ergebnis der Untersuchung. Zudem habe sich bestätigt, dass bestimmte Mitglieder des Konzernmanagements Kenntnis von Umständen hatten, die darauf hindeuteten, dass eine Verletzung bestehender Geschäftsgrundsätze von Lafarge stattgefunden hat, hält das Unternehmen fest. Dies obwohl diese Massnahmen vom lokalen und regionalen Management veranlasst wurden.
"Ich nehme zur Kenntnis, dass die für Syrien Verantwortlichen offenbar in der Absicht gehandelt haben, wie sie dies für das Unternehmen und die Mitarbeitenden für richtig hielten", lautet das Statement von VRP Beat Hess zum Bericht. "Dennoch darf es keine Kompromisse geben, wenn es um Compliance-Regeln und die Einhaltung der Vorgaben des Verhaltenskodex unseres Unternehmens geht."
LafargeHolcim hält in einer auf der Internetseite des Konzerns veröffentlichten Zusammenfassung des Berichts fest, dass die Tochter Lafarge Cement Syria (LCS) über Mittelsmänner Gelder an verschiedene bewaffnete Gruppierungen gezahlt habe. Das LCS-Management habe in der volatilen Situation in den Jahren 2011 bis zur Schliessung 2014 etwa versucht, durch diese Massnahmen Passierscheine für die Mitarbeitenden zu erlangen und das Werk durch Rohstoff- und Öllieferungen in Betrieb zu halten.
Das Lafarge-Management sei dabei währen der gesamten Zeit über die Entwicklungen und die Sicherheitsbedenken über die dafür vorgesehenen Berichtswege gut informiert gewesen. Das LCS-Management habe zudem seine Entscheidungen unter dem Eindruck getroffen, dass ihre Bemühungen vom führenden Lafarge-Management voll verstanden, unterstützt und anerkannt würden, heisst es dort weiter.
Als Folge der Untersuchung hat das Unternehmen Korrekturmassnahmen angekündigt. Dazu zählen etwa die Anwendung eines strikteren länderspezifischen Risikobewertungsverfahrens, die Einführung eines erweiterten "Restricted Party Screening"-Programms sowie neue Sanktionsrichtlinien und Exportkontrollen. Zudem wird ein Ethik-, Integritäts- und Risikoausschuss eingerichtet.
LAFARGE-WERK WAR BIS HERBST 2014 IN BETRIEB
Ins Rollen gebracht wurde die Untersuchung 2016 durch Vorwürfe, Lafarge habe mit bewaffneten Gruppen zusammengearbeitet, um das Werk Jalabiyeh rund 160 Kilometer nordweiter in Betrieb zu halten. Dabei seien auch Vereinbarungen mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getroffen worden und Gelder geflossen. In Frankreich hat das Wirtschaftsministerium im Januar diesen Jahres eine Ermittlung durch die Staatsanwalt veranlasst und laut Berichten haben zwei Menschenrechtsorganisationen sowie Privatpersonen Klage gegen den Konzern eingereicht.
yr/rw
(AWP)