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Langweilst du dich als Sportjournalist im Moment nicht? Ohne ein Spiel gibt es doch sicher nicht viel zu berichten!
Diese Art von Bemerkung ärgert mich. Es ist, als würde man denken, dass ein Spieler zwischen den Spielen nichts tut. Für einen Sportreporter ist ein Abend an einem Hockey-, Fussball- oder anderen Spiel das Tüpfelchen auf dem i, die Spitze des Eisbergs, der lustige Teil der Woche. Im Laufe eines Jahres macht diese Zeit nicht mehr als 10% meiner Gesamtarbeit aus. Besonders zeitaufwändig ist die Vorbereitung der Themen, die Planung der Kolumnen, die Redaktion, das Layout, das Korrekturlesen und die Verwaltung der vielen externen, oft nicht-professionellen Mitarbeiter. Also, nein, ich langweile mich nicht!
Wie und warum bist du zum Beruf des Journalisten gekommen?
Kurz bevor ich 20 wurde, bemerkte ich eine Begeisterung fürs Schreiben. Ich war Protokollführer der FSG Courtételle, dem Verein, der meine Volleyballmannschaft angehörte, und ich liebte es, Stil und Humor in meine Berichte zu bringen, die fast zu kleinen Zeitungen wurden. Ich hatte ein sehr gutes Feedback. Auch als Teenager habe ich nach den Hockeyspielen, die ich auf dem Amiga 500-Computer meiner Eltern gespielt habe, Artikel geschrieben, mit Telegrammen, Transfergerüchten und allem anderen! Ohne in die Freudsche Psychoanalyse zu verfallen, muss ich diese Leidenschaft mein ganzes Leben lang in mir gehabt haben.
Der aufmerksame Leser des Journal du Jura wird bemerkt haben, dass du aus dem Kanton Jura stammst. Dennoch schreibst du hauptsächlich über den EHC Biel. Was hat zu dieser Situation geführt?
Mein erstes Hockeyspiel besuchte ich Anfang Oktober 1988 in Porrentruy. Der neu in die NLA aufgestiegene HC Ajoie hatte gegen den EHC Kloten von Roman Wäger, Felix Hollenstein und Peter Schlagenhauf die Oberhand behalten. Es waren mehr als 4500 Zuschauer in der Voyebœuf eingepfercht. Ich war sofort Feuer und Flamme. Als ich das erste Mal in einer Eishalle "Biel" rief, folgte darauf als zweites Wort eine Beleidigung! Es war mein beruflicher Hintergrund, der mich zum EHC Biel brachte. Der Beginn meiner Zusammenarbeit mit dem Journal du Jura geht auf die Mitte der 90er Jahre zurück, während meines Studiums an der Universität Neuenburg. Daniel Bachmann, der damals für den Sport zuständig war, rekrutierte mich als Korrespondent für den Kanton Jura, um den HC Ajoie, die SR Delémont, Volley Franches Montagnes oder Amateurfussball zu verfolgen. Im Dezember 1999, nachdem ich meinen Abschluss in politischer Ökonomie gemacht hatte, wurde mir eine Praktikantenstelle angeboten. Zwei Jahrzehnte später bin ich immer noch hier!
Wie lange beschäftigst du dich konkret mit dem EHC Biel?
Angesichts der Konkurrenz von so begeisterten Journalisten wie Etienne Chapuis, Raoul Ribeaud und dem verstorbenen Olivier Breisacher musste ich mich erst einmal beweisen und den Verein kennen und schätzen lernen. Man kann sagen, dass ich seit der Saison 2003/04 für den EHC Biel zuständig bin. Es ist lange her... Eines Tages sagte mir Mathieu Tschantré, dass ich vielleicht der Mensch sei, der ihn am häufigsten spielen gesehen habe. Persönlich würde ich wohl eher auf Beat Moning setzen!
An welche Höhepunkte erinnerst du dich?
An den ersten Titel dieses Jahrhunderts, 2004 in der NLB, mit dem Treffer von Kevin Schläpfer auf Pass von Vincent Léchenne im entscheidenden Finalspiel gegen Sierre; den Aufstieg in die NLA am 8. April 2008 und das darauf folgende Wochenende in Madrid mit Cyrill Pasche, um den Aufstieg und seinen sportlichen Rücktritt zu feiern; den Treffer von Kevin Lötscher wenige Minuten vor Ende des siebten Spiels der Ligaqualifikation 2010 gegen Lausanne. Und Patrick Kane und Tyler Seguin darf man natürlich auch nicht vergessen. Die beiden, auf und neben dem Eis, waren schon was! In einem breiteren Kontext: ein langes Interview mit Henri Leconte in Wimbledon oder ein 20-minütiges, völlig improvisiertes Einzelinterview mit Mark Messier. Welch ein Charisma!
Wie beurteilst du die Entwicklung des Clubs?
Sie spiegelt die Bieler Mentalität perfekt wider. Sowohl im sportlichen als auch im finanziellen Bereich entwickelt sich der Klub Schritt für Schritt in dem Tempo, das er sich auferlegt. Jeder Schritt nach vorn wird durch die Arbeit im Vorfeld sichergestellt, jede Entscheidung wird sorgfältig durchdacht, abgewogen und bewertet. In vielen Clubs hätte Antti Törmänen die Saison 2019/20 nie überlebt, spätestens Anfang Januar wäre er geflogen. Nicht beim EHC Biel. Es bleibt zu hoffen, dass die Finanzkrise nach der Pandemie nicht alles zunichte macht, was bisher unternommen wurde.
Wie wird sich die Coronavirus-Pandemie auf Sport, Eishockey und deinen Beruf auswirken?
Mittelfristig mache ich mir keine Sorgen um den Sport. Interesse und Leidenschaft sind so gross, dass wirtschaftlicher Unsinn früher oder später die Oberhand gewinnen wird. Diese Krise gibt dem Schweizer Eishockey die Chance, seine Strukturen zu überdenken. Selbstreflexion ist immer gut. Meine Frage lautet jedoch: Warum eine Formel ändern, die funktioniert, wenn nichts Besseres angeboten wird? Auf der Seite der Printmedien schliesslich wird die Krise ihre Spuren hinterlassen, da der Werbemarkt zusammengebrochen ist. Die lokalen Medien, wie das Journal du Jura und das Bieler Tagblatt, sind zunehmend gefährdet, obwohl sie die Quellen der meisten Informationen sind, die über den EHC Biel zirkulieren. Facebook, Twitter und Websites von Nachrichtendieben hätten ohne das JdJ und das BT nicht viel über den EHCB zu schreiben. Das Abonnement wird zu einer soldarischen Geste, besonders für die Fans des EHC Biel!
Interview: Mirio Woern