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Amphetamine | Speed
Amphetamin, das auf dem Schwarzmarkt auch «Speed» genannt wird, ist sowohl für seine pharmazeutische Verwendung als auch für seine stimulierenden Effekte bekannt. Es wird auf dem Schwarzmarkt in Form von Pulver, Kristallen oder als Paste (weiss, beige oder rosa) und seltener in Tablettenform verkauft. Das illegal erworbene Speed besteht sehr häufig aus Amphetamin, Koffein und Syntheseverunreinigungen. In der Analyse von Drug-Checkings in der Schweiz wurden jedoch noch weitere unerwartete Substanzen gefunden, deren Wirkungen noch nicht hinreichend erforscht sind. Ob durch Syntheseverunreinigungen infolge einer mangelhaften Herstellung oder durch die Verpackung bedingt (Wiederverwendung von bereits benutzten Beuteln, Rückstände), der Wirkstoffgehalt variiert stark. Es kommt vor, dass das gekaufte Speed auch noch weitere Drogen enthält, wie zum Beispiel neue synthetische Substanzen mit noch unbekannten Risiken und Wirkungen oder aber in sehr seltenen Fällen auch Methamphetamin.
Amphetamine werden oral eingenommen, gesnifft oder selten auch injiziert.
Wirkungen von Amphetaminen | Speed
Bei jeder psychoaktiven Substanz hängt die Wirkung von der Dosierung und der Wirkstoffkonzentration ab. Darüber hinaus beeinflussen auch die Person (Alter, Geschlecht, Gewicht), deren Grundstimmung («Set») sowie die Situation und die Umgebung («Setting») das Konsumerlebnis.
Amphetamine wirken auf das zentrale Nervensystem. Sie lösen die Freisetzung von körpereigenen Stimulanzien aus (Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin). Beim Konsum wird der Organismus also in einen Stresszustand versetzt, der normalerweise nur in Gefahrensituationen auftritt.
Die körperlichen Auswirkungen sind insbesondere: Logorrhö (erhöhter Redefluss, Sprechbedürfnis), Zittern, Unruhe, Übelkeit, Kopfschmerzen, Nervosität, Krämpfe, Erhöhung des Pulses, des Blutdrucks und der Körpertemperatur, eine Verminderung des Hungergefühls, des Schmerzempfindens sowie des Schlafbedürfnisses. Die Beschleunigung des Herzschlags und die Krämpfe können körperliches Unbehagen auslösen.
Der Konsum von Amphetaminen verursacht körperliche Auswirkungen wie Euphorie, aber auch permanente Unruhezustände, paranoide Gedanken und einen depressiven Zustand. Er verstärkt ausserdem das Selbstvertrauen.
Die Wirkung beginnt beim Sniff nach 2 bis 10 Minuten und bei der oralen Einnahme nach 30 bis 45 Minuten. Die Wirkung kann lange anhalten und dauert zwischen 6 und 12 Stunden (der Abbau von Amphetaminen ist für den Organismus schwierig). Einige Nebenwirkungen können bis zu 6 Stunden anhalten.
Die besonders gesundheitsgefährdenden Risiken bei einer Amphetamin-Überdosis sind Kreislaufstillstand, Herzinfarkt, Organversagen (Nieren, Leber, Herz), Hämorrhagie und vaskulärer Spasmus, der zu einem Infarkt und komatöser Bewusstlosigkeit führen kann. Die Körpertemperatur kann bis auf 41 °C ansteigen, was eine oft unterschätzte Gefahr darstellt und das Risiko einer lebensbedrohlichen Überhitzung und Dehydrierung mit sich bringt. In hohen Dosen können Amphetamine Halluzinationen verursachen. Nachdem die Wirkungen verschwunden sind, kann sich ein erhöhtes Schlafbedürfnis bemerkbar machen, und eine depressive Stimmung und Reizbarkeit können auftreten.
Folgen des Amphetaminkonsums
Bei häufigem Konsum von Amphetaminen stellt sich eine Gewöhnung ein, und die Konsument:innen müssen die Dosis erhöhen, um die gleichen Wirkungen zu erzielen. Ausserdem kann es rasch zu einer psychischen Abhängigkeit kommen. Der langfristige Konsum strapaziert den Körper und kann Schäden an den Organen und am Herzen verursachen. Ausserdem können Hautentzündungen (Pickel durch Speed), Zahn- oder Knochenprobleme (Kalziummangel), Verletzungen in der Nase (beim Sniff) und Magenschmerzen auftreten. Ferner können sich psychische Probleme wie Depression und Paranoia bis hin zur Psychose entwickeln. Auch die durch Schlafstörungen verursachten psychischen und physischen Auswirkungen sind nicht zu unterschätzen.
Der gleichzeitige Konsum von weiteren psychoaktiven Substanzen birgt Risiken. Die Wirkungen können sich gegenseitig verstärken oder hemmen und somit unabsehbare Folgen haben. Manche Konsumierende berichteten, dass sie unter dem Einfluss von insbesondere zusammen mit Alkohol konsumierten Amphetaminen aggressiv wurden. Diese Kombination erhöht ebenfalls das Risiko einer Alkoholvergiftung. Deshalb sollten Amphetamine nie gleichzeitig mit anderen psychoaktiven Substanzen (einschliesslich Alkohol und Medikamente) konsumiert werden.
Der Entzug von Amphetaminen kann zu Müdigkeit, unruhigem Schlaf, gereizter Stimmung und Empfindlichkeit, grossem Appetit, Depression, suizidalem Verhalten und Gewaltausbrüchen führen. Die Entzugssymptome verschwinden nach ein bis zwei Wochen. Es dauert hingegen wesentlich länger, sich von der psychischen Abhängigkeit zu befreien, die sich durch ein wiederkehrendes Konsumbedürfnis äussert.
Der Konsum von Amphetaminen während der Schwangerschaft kann zu einem Mangel bei der Mutter und in der Folge zu einer unzureichenden Nährstoffzufuhr für das Kind führen. Der Wirkstoff gelangt über das Blut zum Fötus, wodurch schwere Entwicklungs- und Verhaltensstörungen verursacht werden können. Der Konsum von Amphetaminen kann ausserdem Wehen und eine Frühgeburt auslösen.
Hilfe, Beratung und Therapie bei Fragen rund um Amphetamine
Für Betroffene, Angehörige und andere an der Suchtthematik Interessierte gibt es verschiedene Informations- und Beratungsmöglichkeiten in allen Regionen der Schweiz sowie Onlineangebote. Bei Suchtberatungsstellen können Termine vereinbart werden. Viele Angebote sind kostenlos, und die Beraterinnen und Berater unterliegen der Schweigepflicht.
Hilfe vor Ort
In der Datenbank Suchtindex.ch von Infodrog sind Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen zu finden.
Onlineberatung
Kostenlose und anonyme Onlineberatung zu Suchtfragen für Betroffene, Angehörige und Nahestehende, für Fachpersonen und Interessierte:
Prävention von Amphetaminkonsum
Durch präventive Massnahmen soll der Einstieg in den Konsum verhindert oder hinausgezögert werden. Gleichzeitig hat die Prävention zum Ziel, dass ein verantwortungsvoller und kontrollierter Umgang mit psychoaktiven Substanzen ermöglicht wird. Gängige Massnahmen sind zielgruppenspezifische Informationen über die Konsumrisiken sowie die Früherkennung problematischer Konsumformen.
Publikationen zu Amphetaminen
Sucht Schweiz stellt verschiedene Materialien und Publikationen im Bereich Amphetamine zum Download zur Verfügung.
United Nations Office on Drugs and Crime (Englisch)
Monitoring and Evaluating - Youth Substance Abuse Prevention Programmes.
Schadensminderung bei Amphetaminkonsum
Die Schadensminderung hat zum Ziel, dass die negativen Folgen des Konsums psychoaktiver Substanzen für Betroffene und die Gesellschaft minimiert werden.
Eine wichtige Massnahme der Schadensminderung ist die Kombination von Testen (Drug Checking) und Informieren (Informationen/Kurzberatungen). Durch das Testen kann die tatsächliche Zusammensetzung der Drogen in mobilen Labors oder vor Ort festgestellt werden und die negativen Folgen aufgrund beigemischter Substanzen verringert werden. Diese Kontroll-Tests werden durch begleitende Gespräche und durch Erklärungen der Substanzanalyse mit klaren Präventionsbotschaften ergänzt. Auf verschiedenen Websites können sich Konsumierende über Safer-Use-Regeln informieren. Die Websites geben Empfehlungen zu Konsumpraktiken und liefern detaillierte Informationen über die spezifischen Substanzen (Risiken, Langzeiteffekte usw.).
Hilfe vor Ort
In der Datenbank Suchtindex.ch von Infodrog sind Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen zu finden.
Praxis Suchtmedizin
Informationen zu den Amphetaminen für Fachpersonen.
Regulierung und Gesetzesvollzug im Bereich Amphetamine
Das Betäubungsmittelgesetz (BetmG) und die entsprechenden Verordnungen regeln den Umgang mit Betäubungsmitteln und psychotropen Stoffen sowie die Aufgabenteilung der zuständigen nationalen und kantonalen Behörden. Amphetamine unterliegen dem BetmG.
Medizinische Verwendung von Amphetaminen
Die Herstellung, die Abgabe und der Konsum von Amphetaminen oder gleichartigen Substanzen unterliegen in der Schweiz dem Betäubungsmittelgesetz (BetmG). Die Ärzteschaft darf auf speziellen Rezeptblöcken Medikamente verschreiben, die Amphetamine oder verwandte Substanzen enthalten.
Amphetamine können zu medizinischen Zwecken in der Behandlung von Narkolepsie oder einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verschrieben werden. Das Ziel einer medikamentösen Behandlung ist es, die Hauptsymptome von ADHS wie Zerstreutheit, Unaufmerksamkeit, fehlende Organisation und Impulsivität über die Filterung der eingehenden Stimuli abzuschwächen. Diese Behandlung darf nur auf Initiative eines Arztes begonnen werden, der über nachweisliche Erfahrung im Bereich Verhaltensstörungen bei Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen verfügt.
Folgende Medikamente sind in der Schweiz zugelassen:
- Dexmethylphenidat (Focalin®)
- Methylphenidat (zum Beispiel Ritalin®, Concerta®, Generika)
- Lisdexamphetamin (Elvanse®)
- Dexamfetamini sulfas (Attentin®)
Zahlen zum Amphetaminkonsum
Zahlen zum Amphetaminkonsum in der Schweiz, zu den Folgen und dem Markt finden sich auf folgenden Seiten:
Weiterführende Informationen zu Amphetaminen für Fachpersonen
Praxis Suchtmedizin
Medizinische Informationen für Hausärzt:innen sowie weitere Berufsgruppen der medizinischen Grundversorgung.
Informationsplattform für Prävention im Praxisalltag
PEPra ist ein Projekt der FMH und weiterer Trägerorganisationen zur Förderung der Prävention und Früherkennung von nicht übertragbaren Krankheiten, Sucht und psychischer Gesundheit in der ambulanten medizinischen Grundversorgung.
Publikationen im Suchtbereich
Sucht Schweiz stellt verschiedene Materialien und Publikationen zum Download zur Verfügung.
News zum Thema Amphetamin | Speed
Konsumieren Jugendliche wirklich mehr illegalisierte Substanzen, wird wirklich mehr gekifft und war Lachgas ein sogenannter «Sommertrend»? Die 48. Folge des Podcasts Psychoaktiv thematisiert die Konsum- und Drogentrends von Jugendlichen. Zu Gast ist Dr. Bernd Werse vom Centre for Drug Research der Goethe Universität Frankfurt.
Im vierten Jahr in Folge ist die Zahl der Drogentoten in Deutschland gestiegen. Der Beauftragte der Regierung spricht von «schockierenden» Zahlen – und will die Länder in die Pflicht nehmen.
Neue Umfrageergebnisse, die von der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) veröffentlicht wurden, zeigen, dass Cannabis und Ecstasy die Drogenkonsummuster sind, die am stärksten von den COVID-19-Beschränkungen betroffen sind: Cannabis wurde den Berichten zufolge häufiger konsumiert, während MDMA, Kokain und Amphetamine weniger konsumiert wurden. Fast 50 000 Erwachsene nahmen an der Erhebung in 21 EU-Mitgliedstaaten und der Schweiz teil. Pressemitteilung (pdf, 2 S.) auf www.emcdda.europa.eu.