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Der blumige Stil
Nach einigen Jahren persönlicher und künstlerischer Krise versöhnt sich Gustav Klimt ab 1912 mit sich selbst und seiner Neigung zum Paradigma der Schönheit.
Mit dem Auftrag eines neuen Porträts von Adele Bloch Bauer eröffnete Klimt 1912 eine künstlerische Saison im Lichte des "blumigen Stils", der letzten Phase seiner Karriere. Darin durchbricht er den starren byzantinischen Rahmen und findet ein neues Maß, das das Feld der symbolischen Ornamentik nicht aufgibt. Durch die Überwindung der Formen des Mosaiks erreicht seine Forschung eine Fülle von Farben, die mit einer neuen vitalistischen Spontaneität angeordnet und aggregiert sind. Die Oberfläche verjüngt sich zur Transparenz und die Berührung des Pinselstrichs ist leichter. Das Ornament entwickelt sich zu einer beweglichen und unregelmäßigen Blüte. Die Figuren werden prägnanter und auf dem Hintergrund, mit dem sie sich vermischen, mit archaischer frontaler Einfachheit ausgeschnitten. Die Ausdrucksintensität der Gesichter wird betont. Immer explizitere Verweise auf die Kunst des Fernen Ostens und den japanischen figurativen Kontext erscheinen, als wollten sie die Exotik einer Welt hervorrufen, die für den Ansturm der Geschichte unzugänglich ist, und die Ängste der zeitgenössischen Europäität zerstreuen.
Während in Wien apokalyptische Winde zu atmen beginnen, scheint Klimt seine Suche nach Selbstversorgung in der Kunst über die Grenzen des sozialen Zauns hinaus zu treiben. Dies ist keine tröstliche Flucht, sondern die Überzeugung wird bestätigt, dass es durch Schönheit möglich ist, dem Pathos der Zerstörung Hoffnung aufzuzwingen. Im "blumigen Stil" wird eine visionäre Spannung gelöst, die endlich frei von der dekorativen Starrheit der bisherigen Kompositionen ist und einen Punkt erreicht, an dem das Gleichgewicht zwischen Bildwerten und Mysteriendichte wunderbar erreicht wird.