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«Was? Die Coppola wird schon 80?», werden sich jetzt die Jüngeren verwundert die Augen reiben. „Ach was waren das für tolle Filme: «Lost in Translation» oder «Marie Antoinette» oder auch «Somewhere» …» – «Hallo! Die wird doch nicht 80», entgegnen nun die etwas älteren Semester. «Das ist doch die Tochter von dem, um den es hier gehen soll. Sofias Vater wird 80!»
Wie so oft fällt der Apfel nicht weit vom Stamm: Francis Ford Coppola, Sohn einer italienischen Schauspielerin und eines Musikers und Komponisten wurde am 07. April 1939 in Detroit geboren. Er hat zwei Geschwister. Warum erwähne ich dies? Weil sein älterer Bruder der Vater von Nicolas Cage ist, der ein berühmter Schauspieler wurde.
Francis Ford Coppola wäre wahrscheinlich auch Schauspieler geworden, wenn er im Alter von 10 Jahren nicht an Polio erkrankt wäre, die zu einer Lähmung seiner linken Körperhälfte führte. Nur langsam und mit Hilfe eines Physiotherapeuten verbesserte sich Coppolas Zustand allmählich, so dass er in der Lage war, selbstständig die Schule zu besuchen und er sich fast vollständig wieder erholte. Ein Geschenk seiner Eltern in Jugendtagen legte dann den Grundstein für seinen späteren Berufsweg: eine Super-8-Kamera, mit denen Coppola seine ersten Filmaufnahmen machte.
Aber Halt, nicht so vorschnell, denn auch wenn Francis Ford Coppola während seines Studium an der Filmhochschule «University of California, Los Angeles» ziemlich schnell durch den unabhängigen Autorenfilmer Roger Coman als Produktionsassistenten, Tonmeister und Drehbuchautor in die Arbeiten der Filmbranche eingeführt wurde und so zahlreiche praktische Erfahrungen im Filmbereich sammeln konnte, führte dies zwar zum Willen, auch Regisseur zu werden, sich aber dabei von der Filmindustrie à la Hollywood abzuwenden.
Zu den Dreharbeiten seines Filmes «Der goldene Regenbogen» lernte Coppola George Lucas (Star Wars) kennen, der an dem Samuel-Warner-Memorial-Stipendium teilnahm. Coppola stellte Lucas als seinen Assistenten zu dem Film ein, woraufhin sie bis zum Ende des Filmes gute Freunde wurden und Coppola Lucas dabei unterstützte, dass Lucas sein erstes Projekt «THX 1138» von Warner Bros.-Seven Arts bezahlt erhielt. Finanziell abgesichert konnte so Lucas nebenbei weiter als Assistent für Coppola arbeiten.
Coppola, der sich in Gedanken schon von Hollywood verabschiedet hatte, schlug Lucas vor, ein unabhängiges Studio zu gründen. Aus dieser Idee heraus ging 1969 das neu gegründete Studio American Zoetrope hervor, in dem Filme wie «THX 1139» (George Lucas), «The Godfather», «Apocalypse Now» (Francis Ford Coppola), «Lost in Translation» (Sofia Coppola) und die aussergewöhnlichen und sehr sehenswerten Filme «Koyaanisqatsi», «Powaqqatsi» und «Naqoyqatsi» von Godfrey Reggio produziert wurden.
Nun wollen wir uns zurücklehnen und nochmals Francis Ford Coppolas beste Filme bei einem Glas guten Weines geniessen, vielleicht ein Wein von Coppolas Weingut, von dem er sich heute hauptsächlich finanziert. Viel Vergnügen!
«APOCALYPSE NOW» – 1979
Coppolas berühmter Antikriegsfilm geht durch Mark und Bein, erschüttert und lässt niemanden kalt. Der Film basiert auf der freien Interpretation der Erzählung «Heart of Darkness» von Joseph Conrad und den Vietnamkriegs-Reportagen «An die Hölle verraten» von Michael Herrs. Erzählt wird die Wandlung des Captain Benjamin Willard, der Angehöriger einer Spezialeinheit ist und den Auftrag erhielt, den angeblich wahnsinnig gewordenen Colonel Walter Kurtz zu töten; dabei werden die Widersprüche und der Wahnsinn des Vietnamkrieges eindrücklich aufgezeigt. Nicht ohne Grund wird «Apocalypse Now» als einer der einflussreichsten Filme des 20. Jahrhunderts genannt, denn seine Bilder brennen sich ein, und der Film wurde zur Oscar-Verleihung 1982 acht Mal nominiert, bekam aber lediglich zwei Oscars, die für die beste Kamera und den besten Ton.
«THE OUTSIDER» – 1983
In diesem Filmdrama, basierend auf dem gleichnamigen Roman der Schriftstellerin S.E. Hinton, stehen sich zwei Jugendgangs rivalisierend gegenüber: «The Greasers» und «The Socs». Coppola versuchte mit dem Film Vergangenes heraufzubeschwören, um den James-Dean-Mythos vielleicht nicht wieder neu zu beleben, aber sicher daran zu erinnern. Die Besetzung des Filmes ist aus heutiger Sicht ziemlich beeindruckend, denn es spielten mit: Tom Cruise, Patrick Swayze, Sofia Coppola, Matt Dillion, Rob Lowe, Diane Lane, Leif Garrett, Tom Waits und Emilio Estevez, der Bruder von Charlie Sheen.
«BRAM STOKERS DRACULA» – 1992
Kann ein Film dazu animieren, ein Buch zu lesen und dazu noch ein Altes? Antwort lautet klar: Ja, kann er!
Der Roman «Dracula» des irischen Schriftsteller Abraham «Bram» Stoker wurde bereits 1897 veröffentlicht und besteht formal aus vielen Tagebuchbeiträgen, Briefen und Zeitungsartikel. Dadurch erscheint das Buch wie ein dokumentarisches Werk, welches wohl auch den letzten Grundstein legte, an den Mythos von Dracula als blutrünstiges Monster im Realen zu glauben. Coppolas Verfilmung des Dracula-Stoffss gilt als die werktreueste Umsetzung des Romans von Stoker und regt an, das Buch im Nachhinein selbst zu lesen. In den Hauptrollen glänzen neben Winona Ryder und Keanu Reeves, Anthony Hopkins als Prof. van Helsing und Gary Oldman als Dracula, der mit seinen typischen Gary Oldman-Gesten und seine Verwandlungskünste vom jungen zu sehr alten Vampier Gänsehaut erzeugt.
«THE RAINMAKER» – 1997
Eine weitere spannende Romanadaption von Coppola. Dieses Mal die Verfilmung eines Romans von John Grisham mit Matt Damon in der Hauptrolle als jungem Anwalt, der frisch von der Uni kommt und seine ersten Berufserfahrungen machen soll. Er ist ehrgeizig und möchte einer der reichen und berühmten Anwälten werden, die durch gewonnene Prozesses Geld auf ihre Klienten «regnen» lassen. So lässt uns die Geschichte nicht lange warten, und der junge Anwalt zieht einen Versicherungsbetrug an Land, gewinnt den spektakulären Prozess gegen die betrügerische Versicherung und bekommt so den Namen «Der Regenmacher». Jedoch entscheidet sich der junge Anwalt aus persönlichen Gründen, zukünftig nicht mehr als Anwalt tätig zu sein, sondern lehr fortan Rechtswissenschaften.
«YOUTH WITHOUT YOUTH» – 2007
Der 70-jährige rumänische Professor Dominic Matei forscht Jahre lang nach einer sagenumwobenen Ursprache. 1938, just zu der Zeit, als er die Suche aufgibt, wird er vom Blitz getroffen und sein Körper durchlebt eine wundersame Verwandlung: Er verjüngt sich, sein Geist wird wieder enorm leistungsfähig. Ausserdem erhält er die Fähigkeit, Bücher nur durch eine Berührung in sich aufzusaugen. Er entwickelt sich zum Übermenschen, was widerum das Interesse der Nazis weckt, die an ihm Experimente durchführen möchten. Matei flieht, um später in der Schweiz eine eigene Sprache zu entwickeln …
Interessant ist, dass die von Alexandra Maria Lara im Film gesprochene Sprache nach dem Stand der Wissenschaft authentisch ist und die, die im Film von Tim Roth gesprochen wird, wurde von Prof. David Shulman von der Hebräischen Universität Jerusalem in wenigen Stunden für den Film entworfen. Und wer noch einmal den erst kürzlich verstorbenen grossartigen Bruno Ganz erleben möchte, hat mit dem Film die Möglichkeit.
«JACK» – 1996
Der Film mit dem viel zu früh aus dem Leben geschiedenen Comedian Robin Williams polarisiert. Die einen finden ihn grossartig, die andern tränenrührig, müde und sentimental. Robin Williams spielt einen Jungen, der auf Grund einer seltenen Krankheit viermal schneller altert als seine Altersgenossen und mit 10 Jahre bereits wie 40 aussieht. Es ist ein gewöhnlicher Film, der auf den ersten Blick oberflächlich wirkt und als Komödie daherkommt. Mit dem zweiten Blick jedoch ebensoviele Elemente eines Dramas beinhaltet und sich der Situation eines viel zu kurzen Lebens stellt, denn der Film wirft die Frage auf, wie im Angesichts des Todes damit umgehen, wenn Kinder zu früh gehen..
«PEGGY SUE GOT MARRIED» – 1986
10 Jahre vor «Jack» widmete sich Francis Ford Coppola bereits schon einmal dem Thema Alter im falschen Körper. Dieses Mal ist in dieser Fantasyromanze alles umgekehrt und so verschlägt es die reife Kathleen Turner in den Körper eines Teenagers von 17 Jahren und erhält eine zweite Chance in Sachen Liebe. Der nach einem Buddy-Holly-Song genannte witzige Film brachte eine Oscar-Nominierung für die damals 32jährige Kathleen Turner ein.
«RUMBLE FISH» – 1983
Dieser Coming of Age-Film ist die Verfilmung eines weiteren Romans der Schriftstellerin S.E. Hinton mit Coppolas Neffen Nicolas Cage in einer der Hauptrollen. In weiteren Rollen sind Matt Dillon, Denis Hopper, Mickey Rourke, Tom Waits, Diana Lane und Chris Penn zu sehen, die alle am Anfang ihrer Karriere standen. Die Handlung umfasst eine kurze Zeitspanne aus dem Leben einer Gang von Kleinkriminellen, die eines Abends einen Bandenkrieg austragen. Aussergewöhnlich ist, dass «Rumble Fish» fast nur in schwarz-weiss gedreht wurde, was in den 80ern sehr selten war. Das hatte bei Coppola mehr als nur formelle Motive und war vielmehr eine dramaturgische visuelle Unterstützung der Erzählung. Während die Erzählerstimme aus dem Off von Rusty James kommt, sehen wir den Film durch die Augen seines farbenblinden Bruders Motorcycle Boy.
Für die Zoologen unter den Cineasten: Rumble Fish ist ein Siamesischer Kampffisch, dessen Männchen sich seinen Artgenossen gegenüber so aggressiv verhält, dass er in Aquarien nur einzeln gehalten werden kann. Wer es auf die Spitze treiben möchte, hält diesem männlichen Rumble Fish einen Spiegel vor, denn das verleitet diesen, das eigene Spiegelbild töten zu wollen. Machogehabe eben.
«COTTON CLUB» – 1984
Zu Zeiten der Prohibition ist der «Cotton Club» einer der angesagtesten Jazzclubs in Harlem. Während die einen sich die Klinke in der Hand geben und den Club immer wieder besuchen, möchten die anderen diesen so schnell wie möglich schliessen. Ja, es ist ein opulenter, brutaler und romantischer Mafia-, Gangster- und Musikfilm, in dem Richard Gere weit vor seinem grossen Durchbruch mit «Pretty Woman» die Hauptrolle als Jazztromperters Dixie Dwyer spielt.
«THE GODFATHER – Triologie» – 1972/1974/1990
Endlich kommen sie, die Filme der Filme: «THE GODFATHER» -Trilogie!
1972 begann die erfolgreichste Geschichte aller Filme von Francis Ford Coppola – «Der Pate»: 11 Oscar-Nominierungen, von denen er drei bekam: Bester Film, Bestes adaptiertes Drehbuch und für den Besten Hauptdarsteller für Marlon Brando, der diesen Oscar jedoch aus Protest gegen den zu dieser Zeit weit verbreiteten abwertenden Umgang der US-Filmindustrie mit den amerikanischen Ureinwohnern ablehnte. Nur der zweite Teil war mit 6 verliehenen Oscars erfolgreicher.
Die Godfather-Triologie liefert eine Innenansicht der Mafia und ist zugleich Familiendrama. Es sind gewaltige Filme, die gleichzeitig gesellschaftliche und zeitgenössiche Probleme der USA in perfekter Unterhaltung aufzeigen. Vielleicht sind sie deshalb heute immer noch aktuell und sehenswert, nicht umsonst wird «The Godfather» als König der Gangsterfilme in allen Bestenlisten genannt.
In «The Godfather» kommen die Wörter «Mafia» oder «Cosa Nostra» kein einziges Mal vor. Das war ein Kompromiss, um einem Verbot des Filmes zu umgehen, denn der Bürgerrechtsverband «The Italian-American Civil Rights League» drohte mit einer Klage, bzw. wollte den Film stoppen, weil der Film aus ihrer Sicht zur Stereotypisierung der Italo-Amerikaner trug.
Jetzt lasst uns endlich zurücklehnen, den Fernseher einschalten und uns bei einen der oben aufgezählten Filme mit einen guten Glas Coppola-Wein anstossen: Auf Dich! Francis Ford Coppola. Auf weitere 80 Jahre!