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Gut Postzustellung will manchmal Weile haben
Nach rund 45 Jahren hat eine Wettbewerbspostkarte schliesslich ihren Weg in die Redaktion der «Südostschweiz» gefunden.
Nach rund 45 Jahren hat eine Wettbewerbspostkarte schliesslich ihren Weg in die Redaktion der «Südostschweiz» gefunden.
Als Schneckenpost bezeichnete man früher Postzustellungen, die erheblich später als vorgesehen am Zielort ankamen. Der Begriff stammt aus der Zeit der Postkutschen. Mit einer Postkutsche war die Karte von 1978 wohl nicht unterwegs. Lange gebraucht hat sie dennoch.
Atomgesetz, Preisanschreibepflicht und Arcas-Parkhaus
Am Donnerstag, den 20. April 1978, berichtete die damalige «Neue Bündner Zeitung» über die Preisanschreibepflicht im Detailhandel, die Teilrevision des Atomgesetzes und die Fertigstellung des Arcasplatzes in Chur nach dem Bau des darunterliegenden Parkhauses. Auf der Frontseite wusste die Redaktion ausserdem zu berichten, dass der Hauptpreis des aktuellen Wettbewerbs von «Bündner Zeitung» und «Oberländer Tagblatt» – gemeint ist das St. Galler Oberland – eingetroffen war.
Helikopterrundflüge und ein Auto
In den Wochen davor hatten die Leserinnen und Leser der «Neuen Bündner Zeitung» die Möglichkeit gehabt, am Wettbewerb «Orte im St. Galler Oberland» teilzunehmen. Zu gewinnen gab es wöchentlich einen Helikopterrundflug und als Hauptpreis am Ende des Wettbewerbs einen Opel Kadett. Jede Woche waren in der Zeitung jeweils zwei Orte beschrieben worden, ohne dass deren Namen genannt wurden. Das war dann Aufgabe der Leserschaft. Man sollte herausfinden, welche Orte gesucht wurden, die Ortsnamen auf eine Postkarte schreiben und diese mit dem Vermerk «Wettbewerb» an die «Bündner Zeitung» in 7001 Chur oder ans «Oberländer Tagblatt» in 7310 Bad Ragaz schicken. Insgesamt war in einer Serie nach zehn Ortschaften gesucht worden. An besagtem Donnerstag wurden die Ortschaften 7 und 8 gesucht. Eine kurze Umfrage in der Redaktion hat folgende Wettbewerbsantworten hervorgebracht:
- Ortschaft 7: Terzen. Auszug aus der Beschreibung: «Wir halten uns an die Drei, wo das Deutsche und das Lateinische miteinander verbunden werden, denn es gibt wohl eine obere und eine untere Drei.»
- Ortschaft 8: Flums. Auszug aus der Beschreibung: «Der Name der Ortschaft tönt wohl sehr ähnlich wie Flims, hat aber nichts mit dem Bünderischen Kurort zu tun. Vielleicht stammt der Name vom lateinischen ‹Flumen›, was so viel wie Fluss bedeutet.»
45 Jahre unterwegs
Nun ist diese Tage eine Postkarte bei der «Südostschweiz» gelandet, die auf genau diese Fragen Antworten liefern sollte. Noch am Erscheinungstag der Fragen in der Zeitung war die Postkarte den damaligen Post-, Telefon- und Telegrafenbetrieben (PTT) zum Transport nach Chur abgegeben worden. Eingetroffen ist sie rund 45 Jahre später. Leider ist aufgrund des nicht mehr ganz einwandfreien Zustands der Postkarte nicht zu eruieren, wer die Karte eingesendet hat und ob die richtigen Ortschaften auf der Karte standen. Dem Anmeldeschluss «übermorgen Samstag (Datum des Poststempels)» hätte die Sendung wohl noch entsprochen. Dass der Opel Kadett noch irgendwo herumsteht, ist zu bezweifeln. Nichtsdestotrotz: Die verspätete Sendung hat für eine äusserst kurzweilige Recherche gesorgt.
Sehr seltener Fall
Gemäss Stefan Dauner, Mediensprecher bei der Schweizerischen Post AG, kommt es sehr selten vor, dass eine Postkarte so lange auf dem Weg ist. Dass Sendungen verspätet ankommen, habe unterschiedliche Gründe: «Oft ist der Grund, dass die Adresse nicht korrekt oder unleserlich ist und unsere Mitarbeitenden die richtige Adresse herausfinden müssen. Es kann auch vorkommen, dass ein Brief oder eine Postkarte in der Sortiermaschine beschädigt wird oder aus einem anderen Grund aus der Maschine fällt. Unsere Mitarbeitenden machen aber regelmässige Kontrollgänge in den Briefzentren.» Eine Statistik über Sendungen, die nach Jahren erst wieder auftauchen, werde nicht geführt.
Im konkreten Fall könne die Post auch nur Mutmassungen anstellen: «Möglich ist, dass die Postkarte bei der Sortierung hinter ein Möbel fiel und erst kürzlich wieder zum Vorschein gekommen ist.» Mehr Informationen zur Wettbewerbspostkarte könne die Post leider nicht mehr herausfinden, da eine Sendungsverfolgung, wie zum Beispiel bei einem eingeschriebenen Brief mit einer Sendungsnummer, nicht möglich sei.
Im Jahr 2021 sind gemäss Dauner 97 Prozent aller A-Post-Briefe und 99,3 Prozent aller B-Post-Briefe pünktlich am Zielort angekommen. Schmunzelnd merkt er an: «Bei den allermeisten unpünktlichen Sendungen betrug die Verzögerung wenige Tage, nicht Jahre.»
Wer hat uns geschrieben?
Wir suchen Leserinnen oder Leser, die am 20. April 1978 eine Wettbewerbspostkarte an die «Bündner Zeitung» geschickt haben. Erkennt jemand die (eigene) Handschrift? Ein Auto können wir nicht versprechen – aber vielleicht einen Nachzug zu dieser Geschichte.
Schreibt uns in die Kommentare oder schickt eine Mail an <email-pii>
1978: Was sonst noch so los war
Im Jahr 1978 erblickte das erste Retortenbaby das Licht der Welt. Karol Wojtyla wurde zu Papst Johannes Paul II. und Argentinien Fussballweltmeister. Willi Ritschard war Bundespräsident, Boney M. belegten mit «Belfast» den ersten Platz der Schweizer Singlecharts und die Schweizer Bevölkerung konnte im Februar über die Volksinitiative zur Herabsetzung des AHV-Alters für Männer auf 60 Jahre und für Frauen auf 58 Jahre abstimmen – sie wurde mit 80 Prozent der Stimmen abgelehnt.
David Eichler arbeitet als redaktioneller Mitarbeiter bei der gemeinsamen Redaktion von Online/Zeitung. Er ist in Laax aufgewachsen, hat in Winterthur Journalismus und Organisationskommunikation studiert, und lebt in Haldenstein. Seit 2019 schreibt er für «suedostschweiz.ch.» Mehr Infos
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Dass diese Postkarte in Diensträumlichkeiten zurückgeblieben ist glaube ich weniger. Die Post befindet sich heute in Sargans und Chur in anderen Räumlichkeiten. Ebenfalls ausgeschliessen kann man Postsäcke und Bahnpostwagen. Das gibt's längst nicht mehr. Eventuell wurde die Karte falsch zugestellt und kürzlich wieder gefunden und neu aufgegeben. Das würde den Stempel von Untervaz erklären.