Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03337.jsonl.gz/1882

Dieser Text ist ein Extrakt vom Buch
"Menschsein"
Woher kommen die Kinder?
Gewöhnlich werden Kindern, die zu fragen beginnen, woher die Babys kommen, zwei Arten von Antworten gegeben. Es handelt sich dabei um einfache Geschichten, mit denen den Kleinen wichtige Vorgänge verständlich gemacht werden sollen. Und tatsächlich enthalten diese Bilder, wie wir gleich sehen werden, einen tieferen Sinn.
Die erste Antwort auf die Frage nach der Herkunft der Babys ist der Hinweis auf den Storch, welcher die Enden eines Schales im Schnabel hält, in welchem er ein Baby mit sich führt. Das Bild vom „Baby im Kohl“ ist gleicher Art: Das Kind existiert schon und wird zur Familie gebracht.
Das zweite Bild ist die ebenso klassische Geschichte von der Biene, die beim Honigsammeln Pollenstaub in der Blume hinterläßt, was die Entwicklung einer Kindesfrucht ermöglicht.
Natürlich sollen diese Geschichten nur Gleichnisse sein, die dem Kind einen Vorgang verständlich machen, den es sonst noch nicht begreifen könnte. Das Bild von der Honig sammelnden Biene erscheint als Gleichnis für die Befruchtung auch gut geeignet. Wie aber steht es mit der „Storch-Legende“ oder mit dem Bild vom „Kohl“, womit bildhaft zum Ausdruck kommt, daß etwas bereits Fertiges zur Familie kommt? Müssen wir solche Vorstellungen aufgrund unserer medizinischen Kenntnisse ins Land der (gehaltlosen) Märchen verweisen?
Naturwissenschaftlich gesehen ist die Verbindung des väterlichen Samens mit der mütterlichen Eizelle der Ausgangspunkt, der Ursprung jedes menschlichen Lebens. Und es wird die Formung der Organe, immer noch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, durch die „Weisheit“ der Gene in den Chromosomen geleitet. Charakter und psychische Veranlagungen stehen demnach ebenfalls nur in Verbindung mit der physischen Vererbung. Von diesem materialistischen Standpunkt aus gesehen sind die Kinder tatsächlich aus ihren Eltern hervorgegangen - oder, umgekehrt ausgedrückt, die Eltern sind es, die den Kindern das Leben verleihen. Sie tragen daher indirekt auch die Verantwortung für deren Gaben oder Fehler.
Schenken die Eltern ihren Kindern das Leben?
.Diese Ansicht hat schon manches Elternpaar nachdenklich gemacht. Man kann sich zum Beispiel fragen, wie Menschen als sterbliche Wesen befähigt sein sollen, Leben zu schaffen. Sich als „Schöpferin“ zu fühlen, die Leben enstehen läßt, wird für eine einfach empfindende Mutter ein beunruhigender Gedanke sein. Was tut sie denn dafür, daß sich das Leben in ihr formen kann? Welche bewußten Aktivitäten ihres Willens sind es, die einen Einfluß haben auf die Formung des Körpers ihres Kindes? Durch den Zeugungsakt bietet sie zwar die Möglichkeit, daß sich die Entwicklung eines Kindes in ihr vollziehen kann, aber sonst trägt sie nichts zum werdenden Leben bei, was einer willentlichen, bewußten Handlung entsprechen würde.
Auch eine andere, eher philosophische Überlegung führt uns vor Augen, daß unser Menschsein nicht mit einer „elterlichen Konzeption“ seinen Anfang nimmt: Wenn man an Neugeborene oder kleine Kinder denkt, die an schweren Krankheiten leiden, wie Krebs oder AIDS, an Babys, die verhungern müssen, oder wenn man sich all die Schwierigkeiten vor Augen führt, die ein physisch oder psychisch behindertes Kind treffen, so sind wir oft empört und fragen uns, wie so etwas kommen kann. Wer ist „schuld“ an der offensichtlichen Ungleichheit der Geburten?
Über diese Frage wurde schon lange nachgedacht, und im Grunde gibt es nur zwei mögliche Antworten: Entweder wir glauben an eine vom Zufall bestimmte Welt und (wenn überhaupt) an einen Schöpfer ohne Liebe und ohne Gerechtigkeit. Demnach würde sich menschliches Leben einfach überall dort entwickeln, wo ein Zeugungsakt stattfindet und die - unschuldigen - Kinder müßten bei ungünstigen Bedingungen etwas erdulden oder erleiden, wofür sie selbst nichts können. Diese Auffassung, daß wir Menschen mit unserem persönlichen Schicksal etwas „ernten“, was wir nicht selbst gesät haben, ist heute sehr verbreitet und entspricht auch der mechanistischen Weltauffassung, die viele wissenschaftliche Theorien bestimmt. Die zweite mögliche Antwort auf die Frage nach der Ungleichheit bei den Geburten geht von einem gerechten, liebenden Schöpfer aus. Das hat logischerweise zur Folge, daß das Kind nur dann etwas Scherzvolles erleidet, wenn es dies selbst einmal „gesät“ hat - was jedoch bedeutet, daß der Menschengeist schon vor seiner irdischen Geburt exisitert haben muß, denn wie sonst könnte er an seinem Schicksal selbst schuld sein. Wer vom Sein eines gerechten, liebenden Gottes überzeugt ist und nicht glauben kann, daß der Schöpfer für das Leid im Menschenschicksal verantwortlich sein soll, der muß zur Überzeugung kommen, daß nur die zweite Antwortmöglichkeit den richtigen Weg weist. Und die Annahme, daß wir alle schon vor der Geburt existiert haben, beinhaltet natürlich auch, daß nicht die Eltern der „Ursprung“ ihrer Kinder sind, sondern daß hier größere Zusammenhänge betrachtet werden müssen.
Und wenn der Geist schon vorher existierte?
Wenn unsere Existenz schon vor diesem Erdenleben begonnen hat, dann haben wir früher natürlich nicht mit unserem jetzigen Körper gelebt, sondern unsere Seele, unser eigentliches Ich existierte schon, bevor dieser Erdenkörper gezeugt war.
Geht man von dieser Ansicht aus, so ergibt sich ein anderer Sinn aus der Befruchtung der Eizelle durch den Samen. Sie bildet den Ausgangspunkt nicht für den Menschengeist, sondern für den kleinen Körper, der sich entwickeln und dem sich der Geist des werdenden Kindes verbinden wird. Der Fötus ist das Werkzeug, welchem sich der Menschengeist für die Dauer seines Erdenaufenthaltes anschließen wird, die fleischliche Hülle, welche er bewohnt und die er bei seinem Tod wieder verlassen wird. Der Ausdruck „inkarnieren“ bedeutet „in das Fleisch eintreten“ und bringt deutlich zum Ausdruck, was sich dabei vollzieht. Der Geist selbst ist nicht „von Fleisch“, er tritt in das Fleisch ein, er ist selbst nicht physisch-grobstofflich, sondern er verbindet sich dem kleinen, sich bildenden Kindeskörper.
Wenn man kleine Kinder beobachtet, kann man leicht feststellen, daß sie sich nicht mit ihrem Körper identisch fühlen. Die ersten Versuche eines Babys, sich fortzubewegen, vermitteln in ihrer Art doch deutlich den Eindruck, daß hier jemand versucht, ein neues „Instrument“ beherrschen zu lernen. Wir beobachten nicht einen planlos agierenden Körper, sondern einen Geist, der sich zielstrebig seiner neuen Möglichkeiten bemächtigt. Manchmal scheinen auch ältere Kinder ihren Körper noch als etwas „Außenstehendes“ zu betrachten - und rücksichtslos zu benützen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein wütender Junge mit dem eigenen Kopf auf seine Kameraden losgeht. Es gibt auch im Volksmund verschiedene Ausdrucksweisen, durch die wir unbewußt zum Ausdruck bringen, daß der Geist schon früher bestand als der Körper. Wenn wir zum Beispiel sagen: „Die Mutter bringt ihr Kind zur Welt“: Bedeutet das nicht, daß das Kind schon vorher da war, und daß es dank seiner Mutter nun in die Welt Einzug hält? Auch wenn man zum Beispiel sagt: „Er ist ein geborener Poet“ oder in Bezug auf eine Begabung zum Ausdruck bringt: „Es ist in ihm“, dann zeigt sich auch darin, daß bestimmte Fähigkeiten nicht neu erworben sind, sondern schon da waren - vor der Geburt. Daß ein Geist sie in sein neues Erdenleben mitgebracht hat.
Die Gesetze der Inkarnation
Man kann sich natürlich fragen, wie ein Geist, der um die Mutter „herumschwebt“, sich mit dem Fötus verbinden kann, wie er ihn belebt, warum gerade dieser und nicht ein anderer für ihn „vorgesehen“ ist, diese Familie, diese Zeitepoche usw. Ist das alles doch dem Zufall überlassen - oder gibt es Gesetze, welche den Ablauf jeder Inkarnation genau regeln?
Die Wissenschaft lehrt uns, daß alle materiellen Abläufe auf der Erde durch genaue Gesetze bestimmt sind. Sollte man das Gleiche nicht auch für das sogenannte „Jenseits“ annehmen - und auch für das geistige Reich, dem unser „Ich“ entstammt?
In der „Gralsbotschaft“ erklärt Abd-ru-shin, daß sowohl die Materie, das Jenseits, als auch das geistige Reich zur Schöpfung Gottes gehören. Alles aber wird von denselben Gesetzen regiert, da der Schöpfer nichts in seiner Schöpfung dem Zufall überläßt. Wenn wir diese Gesetze nicht kennen, so deshalb, weil wir uns nicht darum bemühen und uns damit begnügen, Kenntnisse über materielle Zusammenhänge zu erwerben. Doch die großen Schöpfungsgesetze bestimmen unser ganzes Sein - und auch alle Vorgänge, welche die Inkarnation und die Geburt betreffen.
In der Gralsbotschaft werden drei Hauptgesetze beschrieben: Als erstes das
Gesetz der Schwere, das wir aus dem sichtbaren Bereich gut kennen. Es hat zur Folge, daß etwas, je dichter und schwerer es ist, umso mehr sinkt - oder, je leichter es ist, umso höher steigt. Das zweite Gesetz ist das
Gesetz der Anziehung der Gleichart. Es bewirkt, daß Gleichgeartetes sich anzieht, jedoch auch, daß sich unterschiedliche Arten abstoßen. Daher die geflügelten Worte: „Gleich und gleich gesellt sich gern“ oder: „Wie der Vater, so der Sohn“. Das dritte Gesetz ist das
Gesetz der Wechselwirkung, das jede Ursache zu einer Wirkung führt, die wiederum auf die Ursache zurückwirkt. Die Bibel drückt dies in Bezug auf das Menschsein so aus: „Was der Mensch sät, das muß er ernten.“
Betrachten wir nun, wie sich diese Gesetze, die, wie gesagt, für die ganze Schöpfung ausschlaggebende Bedeutung haben, im Zusammenhang mit Inkarnation und Geburt auswirken. Das Gesetz der Schwere läßt, wie gesagt, Schwereres sinken, Leichteres jedoch aufsteigen. Ein Stück Holz fällt zu Boden, wenn man es in der Luft losläßt, aber dasselbe Stück Holz steigt auf, wenn man es unter Wasser losläßt. So befindet sich alles, was gleiche Dichte hat, auf einer gleichen „Ebene“ - ein für uns ganz selbstverständlicher Vorgang, der aber in der ganzen Schöpfung ordnend wirkt und verschiedene Ebenen sich zusammenschließen läßt. Der Geist, das eigentliche, immaterielle Ich des Menschen, stammt aus der geistigen Ebene, welche in ihrer Art weitaus weniger dicht und schwer ist als die darunter liegenden Ebenen der Fein- und Grobstofflichkeit. Unser menschlicher Kern hat demnach weder dieselbe Beschaffenheit noch dieselbe Dichte wie die physisch sichtbare Erdenwelt. Mit anderen Worten: unser Geist ist von nicht-materieller Art und muß sich nun, bedingt durch seine „Leichtigkeit“, mit Schwererem umhüllen, will er sich in einer dichteren Ebene aufhalten. Er muß also einen Körper von der gleichen Beschaffennheit der entsprechenden Ebene annehmen, sonst könnte er nicht dort bleiben. Die Hülle, die der Menschengeist „überzieht“, hält ihn also in der jeweiligen Ebene. Man könnte diesen Vorgang mit einem Taucher vergleichen, der Bleigewichte mit sich nimmt, um in den Tiefen des Meeres, denen er nicht angehört, eine Zeit lang verbleiben zu können. Nun umhüllt sich der Geist bei seinem „Tauchgang“ in die Stofflichkeit mit mehreren Körpern, denn jedes Mal, wenn er in die nächst niedrigere Ebene eindringen will, muß er eine neue Hülle „überziehen“. Und nur die letzte, äußerste dieser Hüllen ist dort, wo sich der Geist befindet, auch sichtbar, weil sie der Dichte der jeweiligen Ebene entspricht. Um in die dichte Stofflichkeit vorzudringen - also dahin, wo wir uns gegenwärtig befinden -, braucht der Geist ebenfalls eine Hülle. Und diese findet er mit dem Embryo, das sich im Leib der Mutter entwickelt.
Familiäre Gleichart
Die Schöpfungsgesetze regeln aber nicht nur in groben Zügen unsere Weltenwanderung durch die Schöpfung, sondern sie sorgen auch für unbedingte Gerechtigkeit bei den Geburten. Denn das Gesetz der Gleichart gewährleistet, daß der zur Inkarnierung kommende Menschengeist immer nur von einem gleichartigen anderen Menschengeist angezogen werden kann und in der Folge, daß auch der Körper, also der sich entwickelnde Fötus, exakt zu seinen Eigenschaften paßt. Wäre diese Gleichart nicht gegeben, so würde der Geist nicht angezogen, sondern zurückgestoßen, er hätte keine Möglichkeit zur Inkarnation.
Die „Fäden“ oder Verbindungen, die den auf die Inkarnierung wartenden Geist zu dem werdenden Körper führen, sind zu Beginn nur locker, werden jedoch immer straffer, je mehr der Kindeskörper die menschliche Form annimmt.
Wie wir heute aus der Embryologie wissen, durchläuft der Embryo im Mutterleib kurz alle Stufen der Entwicklung, die das Leben auf der Erde durchgemacht hat: vom Wasserwesen mit Kiemenanlagen über Amphibienmerkmale bis hin zum Landlebewesen mit Lungen. Zuletzt erst zeigt sich der typisch menschliche Fötus. Solange aber der sich entwickelnde Embryo noch die tierischen Stufen durchläuft, kann sich der Geist nicht endgültig mit ihm verbinden.
Sobald jedoch der werdende Kindeskörper menschlich genug geworden ist, kann sich der wartende Geist eng mit ihm verbinden. Die Gralsbotschaft beschreibt, daß die Inkarnation, also der Eintritt des Geistes in das Fleisch, etwa zur Mitte der Schwangerschaft stattfindet. Ab diesem Zeitpunkt sind für die Mutter auch die ersten deutlichen Kindesbewegungen spürbar, verbunden mit Empfindungen eines ganz besonderen, innigen Verbundenseins mit dem Geist des Kindes. Und ab diesem Zeitpunkt prägt der inkarnierte Geist auch das Blut im Kindeskörper. Die Tatsache, daß die Inkarnation des Geistes sich erst während des fünften Monats vollzieht, berechtigt natürlich keinesfalls zu Abtreibungen vor diesem Zeitpunkt.Denn auch wenn die endgültige „Ankoppelung“ des Geistes an den Körper erst relativ spät erfolgt, so ist er mit dem Fötus doch von Beginn an verbunden, wobei die anfangs zarten Verbindungsfäden im Laufe der Wochen immer mehr erstarken. Spontane, natürliche Aborte ergeben sich dann, wenn diese Fäden - aus verschiedenen Gründen, welche hier nicht aufgeführt werden sollen - nicht fest genug sind, um den Geist mit dem Fötus verbunden zu halten beziehungsweise um durch den Geist belebt zu werden.
Bei gewollten Schwangerschaftsunterbrechungen hingeben wird der Fötus zerstört und gezielt entfernt, und alle Fäden, die ihn mit dem Geist verbunden hatten, reißen zwangsläufig. In den Zeugnissen vieler Frauen, die abgetrieben hatten, wird oft das Gefühl erwähnt, etwas zerbrochen oder zerrissen zu haben. Manche sprechen auch davon, ihr Kind verraten zu haben - und tatsächlich haben sie ja die großen Hoffnungen des Geistes, der auf Erden zur Inkarnation kommen wollte, ertötet.
Doch nochmals zurück zum Gesetz der „Anziehung der Gleichart“, welches bewirkt, daß der zur Inkarnierung kommende Menschengeist stets von einem anderen, gleichartigen Geist angezogen wird. Es handelt sich dabei natürlich vor allem um die Geistesart der Eltern, besonders um die der werdenden Mutter, welche die Brücke für die „zur Welt kommende“ Menschenseele bildet. Je nachdem, wie ihr Inneres beschaffen ist, in welchem Zustand sich ihr eigener Geist befindet, wird die Mutter einen entsprechenden Geist anziehen. Viele Völker wußten von diesem Gesetz, und es war üblich, daß werdende Mütter sich an Orte mit friedlicher und lichter Atmosphäre zurückziehen, damit ein edler Geist angezogen werden kann und störende Einflüsse vermieden werden.
Die Grenzen der Vererbung
Es ist wichtig zu wissen, daß es die Geistesart der Mutter beziehungsweise der Eltern ist, welche für die Anziehung des werdenden Kindes ausschlaggebend ist, da uns dies auch dabei hilft, die Frage der Vererbung zu beleuchten.
Der wissenschaftlich vorherrschenden Meinung über die Vererbung zufolge enthalten die Gene in den Chromosomen alle Eigenschaften des Menschen. Diese Annahme ist durchaus richtig, soweit es sich um den Körper handelt, aber sie kann sich natürlich nicht auf nicht-stoffliche Eigenschaften beziehen; sie erweist sich also als falsch, wenn die Eigenschaften unseres Geistes angesprochen sind.
Daher konnten auch nur Gene entdeckt werden, welche physische Eigenschaften wie die Farbe der Augen, der Haare, Stärke oder Schwäche verschiedener Organe, usw. beschreiben, jedoch noch nie Gene für Eigenschaften wie Geduld, Nächstenliebe, künstlerische oder soziale Fähigkeiten usw.
Die Gralsbotschaft bringt ganz klar zum Ausdruck: „Es gibt keine geistige Vererbung“. (Band II, Vortrag „Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege“)
Dies erklärt sich so: Die Eltern können auf Grund ihres gemeinsamen „Erbkapitals“ den „Bauplan“ für den Körper eines werdenden Kindes liefern. Dieser wird dann natürlich klare Erbmerkmale aus der Familie erkennen lassen, der er entstammt. Die geistige Ebene aber muß für sich betrachtet werden. Die Eltern ziehen einen Menschengeist an, welcher Gleichart mit ihnen hat, die geistigen Eigenschaften jedoch hat das Kind sich selbst schon erworben, es bringt sie mit. Die Eltern sind dafür nicht verantwortlich.
Die Betrachtung von Zwillingen verdeutlicht diese Tatsache. Echte Zwillinge sind zwar körperlich identisch, nicht jedoch in ihren geistigen Fähigkeiten. Würde das genetische Material auch alle sogenanten psychischen Eigenschaften bestimmen, so hätten Zwillinge nicht nur einen ähnlichen Charakter, sondern ihre Art zu empfinden, zu denken und zu Handeln müßte ebenso identisch sein wie ihr Körper. Einer wäre die Kopie des anderen. Durch Beobachtung kann man jedoch leicht feststellen, daß das Innenleben von Zwillingen keinesfalls völlig gleich ist, sondern daß hier zwei Persönlichkeiten wirken.
Christopher Vasey