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|Abt Rudolf von Güttingen (1220-1226)

Abt Rudolf von Güttingen
Rudolf von Güttingen, 1220-1226. Rudolf entstammte einem thurgauischen Freiherrengeschlecht. Im Jahre 1208 ist er erstmals urkundlich faßbar, wie er einen Hof in Merishausen verpfändet. Von 1211 bis 1217 begegnen wir ihm in den Urkunden als Propst und 1219 zudem als Dekan, er war auch Cellerarius und wurde 1220 zum Abt gewählt und von Friedrich II. bestätigt. Noch im gleichen Jahr ist er erstmals und am 15.8.1226 letztmals als Abt urkundlich belegt. Noch vor der Abtswahl hat sich Rudolf ein Anniversar gestiftet. Auf den Finanzhaushalt wirkte sich seine Regierungszeit negativ aus. Gleich zu Beginn seiner Herrschaft hat er sich mit 350 Mark von der Verpflichtung, am Romzug Friedrichs II. teilzunehmen, losgekauft. Aus den Einkünften einer freiwilligen Besteuerung der Ministerialen und Konventualen konnte er bis auf 200 Mark alle Schulden abtragen. Doch die Schulden wuchsen wieder an, als er 1221 versuchte, seinem Bruder, Albert von Güttingen, gegen Heinrich Realta den vakanten Bischofsstuhl von Chur zu verschaffen. Da beide Kandidaten starben, bevor der Handel in Rom entschieden war, versuchte Rudolf zwar mit Erfolg, jedoch mit großen Kosten den Churer Bischofsstab für sich selbst zu gewinnen, allein die Dispens vom 23.2.1224, die ihm auf drei Jahre erlaubte, Abtei und Bistum Chur in Personalunion zu vereinen, kam ihn auf 300 Mark zu stehen. Um seine Schulden abzuzahlen, übertrug ihm Papst Honorius III. für sechs Jahre die Einkünfte der Pfründen, die sein verstorbener Bruder Albert inne gehabt hatte. In den Jahren 1225 und 1226 ist er als Bischof wiederholt urkundlich belegt. Als Bischof und Abt erscheint er 1226 in mehreren Urkunden Kaiser Friedrichs II. als Zeuge. Er hatte nämlich den Kardinallegaten Konrad von Urach, der 1224/25 in Süddeutschland und der heutigen Schweiz für den Kreuzzug arbeitete, 1226 nach Italien begleitet, wo er im März in Pescara Kaiser Friedrich II. traf; er folgte diesem in die Lombardei und nahm an einem Reichstag in Cremona teil. Darauf wandte er sich nach Rom, wo er eine Fristverlängerung seiner Dispens erhoffte, doch am 25.51226 befahl Honorius III. dem Konvent von St. Gallen, innerhalb von 20 Tagen nach dem Ablauf der dem Bischof für die Beibehaltung von St. Gallen gewährten Frist, einen neuen Abt zu wählen. Rudolf erlag am 18.9.1226 einem Fieber und wurde in S. Giovanni in Laterano beigesetzt. Er hinterließ dem Konvent eine Schuld von 1400 Mark.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)