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Es hat dem HERRN gefallen, euch zu seinem Volk zu machen. 1. Samuel 12,22
«Es hat dem Herrn gefallen» ist ein altmodischer Spruch, bei dem mir automatisch der Widerspruch aus Kurt Martis Leichenreden in den Sinn kommt: «Es hat dem Herrn ganz und gar nicht gefallen, dass Gustav E. Lips…» Man darf die Formel gefälligst entsorgen und eine neue Wendung wagen. Etwa so: «Gott hat sich aus freien Stücken für euch entschieden.» Im grösseren Zusammenhang der biblischen Theologie hat sich für dieses göttliche Wohlgefallen der Begriff der
«Erwählung» eingebürgert. Im Johannesevangelium spricht Christus zu seinen Jüngern: «Ihr habt nicht mich erwählt; sondern ich habe euch erwählt.» (Joh 15,16) In der Losung ist es Samuel, der zum Volk spricht. Der Kontext der Rede, in der das Volk an die Erwählung erinnert wird, ist spannungsvoll. Es geht darum, dass die Israeliten einen König wollten – ganz und gar nicht zum Gefallen Gottes. Aber Gott hat nachgegeben und willigt in das Experiment ein. Samuel salbt mit priesterlicher Vollmacht Saul zum König. Was er in prophetischer Manier dazu predigt, ist happig. Wenn euch Gott diesen Gefallen tut, haltet euch gefälligst an die Gebote. Denn Gott ist euer König. Und was missfällt Gott? Absolutistische, selbstherrliche, autoritäre und aufgeblasene Machthaber. Und ein Volk, das sich ihnen unterwirft. Ich glaube, Gott findet Gefallen an der Demokratie, in der sich Bürger und Bürgerinnen aus freien Stücken für ihn entscheiden.
Von Ralph Kunz