Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03342.jsonl.gz/2275

DER SCHWEIZER KONZEPTKÜNSTLER UND NETZWERKER H.R. FRICKER IST GESTORBEN
10.05.2023 Der am 9. August 1947 in Zürich geborene Schweizer Künstler und Netzwerker H.R. Fricker (Bild) ist am 6. Mai 2023 in Trogen (Appenzell Ausserrhoden) gestorben. Er war eine prägende Figur in der internationalen Mail-Art-Szene, schuf Land Art, Foto Art, Lichtkunst, Objekte und Umgebungen, gründete Museen, trat als unermüdlicher Vermittler in Aktion und bleibt als charmanter, engagierter Kommunikator kleinster und auch imposant grosser Formate in Erinnerung.
Bild oben: H.R. Fricker im Sommer 2022 - Foto: © Verena Fricker
Nach anfänglichen Fotoarbeiten und Schriftspuren in der Winterlandschaft von Trogen nutzte H.R. Fricker Ende der 1970er-Jahre die Fotokopie für seine Kunstaktionen im öffentlichen Raum. Er markierte seine Wege durch St.Gallen mit Fotokopien seines Selbstporträts. Daraufhin entstand eine Kleinplakatszene in den Strassen von St.Gallen. 1980 proklamierte er mittels Plakaten die "fiktive Kunsthalle St.Gallen".
1981 gründete H.R. Fricker das "Büro für künstlerische Umtriebe auf dem Land" in Trogen (Appenzell Ausserrhoden) und wurde aktiv in der weltweiten Mail-Art-Szene. Mit Sondermarken zum Abbruch der Rotbachbrücke wehrte sich Fricker gegen den Abbruch der 1924 erbauten Brücke mit dem eigenwilligen S-förmigen Grundriss. Er schuf Ida Schläpfer, ein Wortspiel in Anspielung an Idee Schläpfer, das dazu diente, auf das fehlende Frauenstimm- und Wahlrecht an der Landsgemeinde des Kantons Appenzell Ausserrhoden hinzuweisen. Briefmarken zeigten den Bär aus dem Appenzellerwappen als weibliches Wappentier mit roter Vulva statt dem üblichen männlichen Wappentier mit rotem Penis.
H.R. Fricker rief 1984 zum "Tourism", zum Sich-gegenseitig-Besuchen, auf und initiierte 1986 mit Günther Ruch und 1992 mit Peter W. Kaufmann den 1. und 2. weltweiten dezentralen Mail-Art- und Networker-Kongress. 1992 kennzeichnete er sein Wohnhaus in Trogen mit dem Schild "Networker Hotel".
Ab den 1990er-Jahren arbeitete H.R. Fricker vermehrt mit Emailleschildern und bezeichnete Orte mit Formeln wie "Ort der List", "Ort der Gewalt" oder "Ort der Ironie". 2007 entstand seine Homepage "placeofplaces.com".
Fricker gründete eigene, zum Nachdenken anregende Museen wie das temporäre "Alpstein Museum", das vor allem aus Hausbibliotheken in Berggasthäusern bestand, und das Museum für Lebensgeschichten in Speicher. 2005 rief er den "Trogener Kunstpreis für Menschen mit Behinderung" ins Leben. Dieses und zahlreiche weitere Projekte begleitete stets seine Frau Verena Fricker.
Im Jahr 2012 schuf H.R. Fricker das Geometer-Denkmal in Teufen als symbolischen Mittelpunkt des Kantons Appenzell Ausserrhoden.
https://de.wikipedia.org/wiki/H._R._Fricker
"Creative Commons Attribution/Share Alike"
Bild: LAST DAY OF ISSUE, © H.R. Fricker, https://www.facebook.com/photo?fbid=10229154606066055&set=a.1174051427749
Mit Hans Ruedi Fricker ist (…) eine wichtige, unkonventionelle, spannende und stets überraschende Kunst-Stimme verstummt
map
https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/appenzellerland/appenzellerland-ticker-konfirmation-in-speicher-walzenhausen-verliert-zum-auftakt-zwei-neue-vorstandsfrauen-gewaehlt-ld.2453701
Der Namengeber
H.R. Fricker, Künstler, Mailartist, Networker, Museumserfinder und Wortvirtuose, ist 75jährig in Trogen gestorben.
"Nur Sender kann man orten", war einer der Slogans, mit denen H.R. Fricker schon früh seine künstlerische Position deklarierte. Nun ist der Sender verstummt. "LAST DAY OF ISSUE" steht auf einem seiner letzten postalischen Werke, gesendet aus "Stoneland", jenem Universum der Steine, das Fricker die letzten paar Jahre intensiv erkundet und künstlerisch dokumentiert hat.
(…)
"I AM A NETWORKER (SOMETIMES)" ist ein anderer der Fricker’schen Merksätze, verewigt auf unzähligen seiner postalischen Arbeiten sowie als Titel der 1989 im St.Galler Vexer Verlag erschienenen Monografie. (…) In der Hüttschwendi konnte man ihn als mit dem Dorf ebenso wie mit der Welt verbundenden Netzwerker erleben. Immer freundlich, immer voll Elan für das Projekt, das ihn gerade beschäftigte, immer bereit, BesucherInnen Einblick in seine Denkart und Arbeitsweisen zu bieten.
(…)
Bilder waren für ihn stets auch Schrift-Bilder und Sprach-Bilder. Und sein höchst individueller Schöpfungsakt bestand darin, Orte zu benennen, zu beschriften, zu behaupten, sie überhaupt erst als "Ort" kenntlich zu machen.
(…)
Die wohl radikalste Wort-Tafel aus H.R. Frickers scheinbar unerschöpflichem Fundus von Benennungen heisst: "da". Wo "da" steht, ist man selber da, angekommen, zumindest an einem wie auch immer richtigen Ort, existent, als "da"-seiende Person für voll genommen.
(...)
"IM TRUEBEN FISCHEN / SCHEINT MEIN BERUF" – das ist eines der Anagramme, die H.R. Fricker der Sprache abgerungen hat. Dabei war nichts trüb, alles hoch präzis und zugleich vieldeutig, was er schuf. Wie MENU BANAL, das Anagramm von ANNA BLUME, jener Kunstfigur des Dadaisten Kurt Schwitters, die Fricker mit seiner Buchstabenjonglage neu zum Leben erweckt. Oder, die wohl schönste und politischste aller Trouvaillen: aus GLASNOST wird ANGSTLOS.
Peter Surber
https://www.saiten.ch/der-namengeber/
Zeit seines künstlerischen Schaffens war der 1947 in Zürich geborene Appenzeller Künstler H.R. Fricker ein Vernetzungsstratege
Mit H.R. Fricker verliert Trogen nicht nur seinen aktuell berühmtesten Bewohner und Künstler, sondern auch einen großen Humanisten und Menschenfreund, der sich stets vehement gegen jegliche Form von Abstumpfung und Indifferenz auflehnte.
Karlheinz Pichler
https://kultur-online.net/inhalt/gr%C3%BCnder-des-b%C3%BCros-f%C3%BCr-k%C3%BCnstlerische-umtriebe-auf-dem-lande-hr-fricker-%E2%80%A0
Bild: ORT DER ZEIT, © H.R. Fricker, https://www.facebook.com/photo/?fbid=10228838298158555&set=a.1174051427749
Videos:
Kunstmuseum Thurgau I H.R. Fricker, 13.10.2011
https://arttv.ch/kunst/kunstmuseum-thurgau-i-hr-fricker/
ALPS ART ACADEMY – Artist Talk / H.R. Fricker
https://www.youtube.com/watch?v=4v6cgVCmmog
Sammlung von H.R. und Verena Fricker, Kunstwerke von Menschen mit Behinderung im Kunsthaus Müllersberg © Aufdi Aufdermauer, videocompany
https://www.kunsthausmuellersberg.ch/kunsthaus-muellersberg/
Aufdi Aufdermauer mit H.R. Fricker, Networker, 1947 bis 2023
https://www.facebook.com/aufdi/videos/177496951546229
Mehr:
https://www.facebook.com/hrfricker
https://www.erobertdiewohnzimmer.net/
http://www.placeofplaces.com/overview.php?id=2&lang=de
https://www.steingarten-murgtal.ch/
https://www.museumfuerlebensgeschichten.ch/web/
https://friedens-stationen.ch/friedenstisch.html
https://recherche.sik-isea.ch/de/sik:person-4001093:exp/in/sikart/actor/list
https://sgbn-primo.hosted.exlibrisgroup.com/primo-explore/search?query=any,contains,h.%20r.%20fricker&tab=default_tab&search_scope=SGARK&vid=41STGKBG_VU1&lang=de_DE&offset=0
https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/appenzellerland/als-der-bar-seinen-penis-verlor-ld.2110344
https://kunstmuseum.tg.ch/de/sammlung/sammlung/kuenstlerinnenkuenstler-von-a-z/kuenstler.html/7914/artist/53
https://www.tagblatt.ch/kultur/ostschweizerkultur/freipass-2-analog-statt-digital-kommunizieren-ist-reizvoll-der-trogner-kuenstler-hr-fricker-im-fragebogen-ld.2161803
https://www.appenzelldigital.ch/h-r-fricker/
https://www.appenzellerzeitung.ch/ostschweiz/appenzellerland/trogen-ld.2240438
https://vexer.ch/collections/all/fricker-h-r
https://www.ai.ch/land-und-leute/veranstaltungen/praesentation-der-publikation-miin-ort-von-h-r-fricker
https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=hoc-001:1996:9::1158
https://de.wikipedia.org/wiki/H._R._Fricker
#HRFricker #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Bild: da, © H.R. Fricker, https://www.saiten.ch/wp-content/uploads/2023/05/fricker_044_da.jpg