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Die Literatur im Gebiet der heutigen Deutschschweiz steht seit jeher in enger Wechselbeziehung zur Literatur des gesamten dt. Sprachraums. Für das MA lässt sich ohnehin die genaue Herkunft der Dichter oft nicht feststellen. Bis zum Ende des 19. Jh. gab es kaum eine Bezugnahme von Schweizer Schriftstellern auf ihre Vorgänger im eigenen Land. Man orientierte sich an der Literatur Deutschlands. Gewisse polit. und soziale Entwicklungen gaben allerdings der D. in der Schweiz in manchen Epochen, v.a. im 20. Jh., ein eigenes Gepräge (Nationalliteratur).
Im Gegensatz zur neuzeitl. Literatur liegen über die volkssprachlichen Dichtungen des MA nur in Ausnahmefällen gesicherte Erkenntnisse vor. Bis zur Erfindung des Buchdrucks um 1450 erfolgte die Weitergabe der einzelnen Werke in Form von Handschriften. Häufig spielte auch die mündl. Tradierung eine wichtige Rolle. Nicht nur die Dichter selbst, sondern auch ihre Auftraggeber, letztlich aber auch die - mit den aus Klerus, Adel oder Bürgertum stammenden Mäzenen häufig identischen - Rezipienten der literar. Werke waren unabdingbar mit der Entstehung und Ausformung der einzelnen Dichtungen verbunden.
Die erste der drei Epochen, in welche die D. des MA aufgrund sprachgeschichtlicher Kriterien unterteilt wird, ist die der ahd. und frühmhd. Literatur (700-1150). Die Reihe der seit der 2. Hälfte des 8. Jh. v.a. im Umfeld des Klosters St. Gallen greifbaren Zeugnisse der ahd. Literatur wie Glossen, Wörterbücher, theol. Werke, Übersetzungen und Bibelübertragungen bzw. -überarbeitungen endet bereits um 900. Lediglich Notker der Deutsche schuf um die Jahrtausendwende wieder eine volkssprachliche Literatur, deren Bedeutung an die älteren Werke heranreicht. Ansonsten kam die Produktion von D. um diese Zeit beinahe vollständig zum Erliegen. Ahd. Dichtungen im eigentl. Sinn sind nur vereinzelt fassbar. Neben der überwiegend mündlich tradierten Heldendichtung ist der wahrscheinlich in St. Gallen entstandene lat. "Waltharius" überliefert, der germ. Heldensagenstoffe in gelehrtem Gewand präsentiert.
Zwischen 1050 und 1150 wurde im dt. Sprachraum eine ganze Reihe von geistl. Werken geschaffen, die zur frühmhd. Literatur gerechnet werden. Die einzelnen Texte sind in der Regel anonym überliefert und dürften v.a. geistl. Institutionen zuzuordnen sein. Es dominieren bibl. Themen, Gebets- und Predigtliteratur sowie naturkundl. Literatur, die ebenfalls geistl. Deutungsschemata folgt. Das Gebiet der heutigen Schweiz ist kaum an der Produktion dieser Texte beteiligt. Die handschriftl. Überlieferung weist vereinzelt in diesen Raum.
Autorin/Autor: Michael Bärmann
Die 2. Epoche umfasst den Zeitraum von 1150 bis 1350, wobei zusätzlich zwischen den mhd. Werken der sog. Blütezeit (um 1190-um 1220) und der Spätzeit (um 1220-1350) unterschieden wird. Die Blütezeit der ma. Literatur, die durch die Hofkultur geprägt wurde, zeigt eine breite Entfaltung von Lyrik und Epik. Insbesondere während der 2. Hälfte des 12. Jh. trat - überwiegend auf der Basis rom. Themen und Formen - eine Vielzahl neuer literar. Typen auf. In der Lieddichtung entstand der Minnesang, der in der Schweiz v.a. durch die Lieder Gf. Rudolfs von Neuenburg vertreten wurde. Für die spätere Zeit sind zahlreiche Lyriker und Sangspruchdichter nachweisbar, die - wohl aufgrund der Sammeltätigkeit des Zürcher Manesse-Kreises - Eingang in die grossen Liederhandschriften wie die Manessische Handschrift fanden.
In der Epik entstanden umfangreiche Versromane, die sich in die Typen der sog. Spielmannsdichtungen, pseudohist. Grossepen, Antikenromane (z.B. die versch. Versionen des "Alexanderliedes", darunter der handschriftlich überlieferte "Basler Alexander" und der "Göttweiger Trojanerkrieg") und der legendenhaften Dichtungen aufgliedern lassen (Sagen und Legenden). Der Liebesroman ist etwa durch die frühen Epenfassungen des Tristan-Stoffs vertreten. Die höf. Epik um 1200 wurde durch die drei grossen Dichterpersönlichkeiten Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Strassburg bestimmt, die sowohl als Bearbeiter von Artus- und Liebesromanen als auch als Dichter legendarischer Werke sowie als Lyriker noch heute bekannt sind. Von grosser Bedeutung sind auch Ulrich von Zatzikhoven und Konrad Fleck, Rudolf von Ems, Konrad von Würzburg sowie der unbekannte Dichter des "Reinfried von Braunschweig". In der 2. Hälfte des 13. Jh. entstand mit dem "Osterspiel von Muri" das älteste deutschsprachige Osterspiel (Geistliche Spiele).
Während sich die in der Blütezeit der mhd. Dichtung entwickelten Werktypen im SpätMA zunehmend ausdifferenzierten, traten neue Gattungen auf wie etwa die versch. Formen der Reimpaarrede - darunter die Sonderform der allegor. Lehrdichtung, wie sie von Konrad von Ammenhausen gepflegt wurde -, das Bispel, die Märendichtung, didakt. Grossformen, versch. Bereiche der Wissensliteratur und eine Fülle geistl. Texte, so z.B. die "Marienleben" Walters von Rheinau und Wernhers sowie die Übertragung des "Speculum humanae salvationis" von Konrad von Helmsdorf. In der 1. Hälfte des 14. Jh. verfasste Ulrich Boner mit dem "Edelstein" die erste hochdt. Gesamtbearbeitung des Äsop'schen Fabelkorpus.
Autorin/Autor: Michael Bärmann
Um 1350 setzte die Epoche der sog. frühnhd. Literatur ein, die erst um 1620 durch die Barockliteratur abgelöst wurde. Ihr erster Abschnitt dauerte bis zur Reformation und war durch tief greifende Wandlungen sowohl in der Lyrik als auch in der Epik geprägt. Die Lieddichtung war durch das Aufkommen des Meistersangs gekennzeichnet. Daneben setzten sich aber auch die aus dem SpätMA bekannten Liedtypen fort. Die polit. Lyrik - z.B. das "Sempacherlied", das "Lied vom Güminenkrieg" und die Lieder Veit Webers - behandelte häufig Themen aus dem Bereich der Schweizer Geschichte, wobei die Überlieferung dieser Texte nicht selten an Chroniken gebunden ist, etwa an jene von Christian Kuchimeister und Konrad Justinger oder an die "Reimchroniken des Schwabenkriegs" von Johann Lenz und Niklaus Schradin.
Neben der Lieddichtung und dem Roman traten neue Gattungen in Erscheinung, deren interessanteste Vertreter dem Bereich der Autobiografie und der Reiseberichte (Schweizerreisen) angehören. Um 1420 entstand im Bodenseeraum die Ständesatire "Des Teufels Netz", die der Lehrdichtung zugerechnet werden kann. Bedeutende Vertreter der Fachliteratur sind Heinrich Laufenberg und Ludwig Moser. Auch die religiöse Literatur wurde gepflegt: geistl. Spiele (Oster-, Passions-, Weihnachts-, Himmelfahrts- und Weltgerichtsspiele), Marienklagen, geistl. Prosa, Predigten sowie myst. Texte wie etwa der "Engelberger Prediger" und das "Tösser Schwesternbuch" Elsbeth Stagels.
Um 1400 hatte der Konstanzer Jurist Heinrich Wittenwiler mit dem "Ring" das wohl bedeutendste Epos des SpätMA verfasst. Die Epik der frühen Neuzeit ist durch das Aufkommen und die Verbreitung der Prosaromane - z.B. Thürings von Ringoltingen "Melusine" - gekennzeichnet, während der höf. Versroman zwar nach wie vor rezipiert, aber nicht produktiv weiterentwickelt wurde. Zentren dieser Literaturproduktion waren v.a. die Adelshöfe, in verstärktem Mass aber auch die Städte.
Autorin/Autor: Michael Bärmann
Für das 16. Jh. unterscheidet man zwei grosse Strömungen: die gelehrte lat. Dichtung des Humanismus und die volkssprachliche Dichtung der Reformationszeit. Der Humanismus fand in der Schweiz nur wenige Vertreter; zu den hervorragendsten zählen sicher Vadian und Erasmus von Rotterdam. In humanist. Tradition stehen auch die historiograf. Schriften von Aegidius Tschudi und Johannes Stumpf, die das eidg. Bewusstsein von der Antike herleiteten. Ein bedeutender Vertreter der vielfältigen, frühhumanist. Übersetzungsliteratur ist Niklaus von Wyle.
Zu den sprachlich herausragendsten Leistungen der Reformationsepoche gehört Huldrych Zwinglis Übersetzung der Bibel. Die Literatur der Zeit war primär Tendenzliteratur, die sich in den Streit der Konfessionen einmischte. Sie wandte sich an ein breites Publikum, das zum grössten Teil aus Analphabeten bestand. Deshalb wählte man oft illustrierte Flugblätter und Schauspiele, um die jeweilige konfessionelle Position zu vermitteln. Schweizer Autoren lieferten einen wichtigen Beitrag auf dem Gebiet der Dramatik (Theater). Die ersten religiösen Tendenzstücke stammen von Pamphilus Gengenbach und Niklaus Manuel.
In den ref. Gebieten waren Dramen mit bibl. Stoffen beliebt, wie sie beispielsweise Jost Murer, Hans von Rütte, Jakob Ruf und Sixtus Birck verfassten. "Das Zürcher Spiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus" (1530) gilt als erstes deutschsprachiges Spiel dieser Gattung. In den kath. Gebieten dagegen hatten das Legenden- und das Fasnachtsspiel Erfolg, bis sie von den Jesuitendramen abgelöst wurden. Charakteristisch für die Eidgenossenschaft sind Aufführungen mit oft bis zu hundert Mitwirkenden.
Autorin/Autor: Rosmarie Zeller
In dem von höf. Vorstellungen geprägten Barock des 17. Jh. beschränkte sich der Beitrag der Schweiz grösstenteils auf Gelegenheitspoesie und Erbauungsliteratur, etwa von Johann Wilhelm Simmler, Johann Ulrich Bachofen und Maurizius Zehnder. Mit Hans Rudolf Rebmanns Lehrgedicht "Gastmahl zweier Berge" (1606) wurden im Gefolge Konrad Gessners, aber auch antiker Schriftsteller zum ersten Mal die Berge Gegenstand dichter. Darstellung. 1698 verurteilte Gotthard Heidegger in seiner "Mythoscopia romantica" die immer erfolgreicher werdenden Romane.
Die Epoche der Aufklärung war geprägt vom Glauben an die Vernunft und die Glückseligkeit, die dem Menschen bei tugendhaftem Verhalten zuteil würde. Die Literatur orientierte sich zu einem bedeutenden Teil an engl. und franz. Vorbildern. Weder vorher noch nachher erreichten Schweizer Literaten eine so grosse Ausstrahlung wie im 18. Jh. Albrecht von Hallers Lehrgedicht "Die Alpen" stellte die unschuldige Berg- der verdorbenen Hofwelt gegenüber. Zwischen 1740 und 1760 wurde Zürich - auch aufgrund seines Verlagsbuchhandels (Verlage) - zu einem geistigen Zentrum im dt. Sprachgebiet. Salomon Gessners "Idyllen", welche die Natur beschaulich-friedlich darstellen, wurden in ganz Europa gelesen. Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger griffen mit ihrer Auseinandersetzung mit Johann Christoph Gottsched, die sich um die Rolle von Phantasie und Metaphorik drehte, in eine ästhet. Diskussion ein. Bodmer und Breitinger gaben in Anlehnung an den engl. "Spectator" die erste - allerdings wenig erfolgreiche - moral. Wochenschrift der Schweiz heraus, die "Discourse der Mahlern" (1721-23). Sie spielten eine wichtige Rolle in der Vermittlung engl. Literatur (v.a. Shakespeare).
Weit über die Landesgrenzen hinaus wirkte auch der Zürcher Pfarrer Johann Kaspar Lavater mit seinen bibelhistorischen, in pietist. Tradition stehenden Erbauungsschriften sowie v.a. den "Physiognom. Fragmenten". Mit seiner übersteigerten christl. Geniekonzeption beeinflusste er teilweise die Geniebewegung, die in der Schweiz durch den Dichter und Maler Johann Heinrich Füssli vertreten wurde. Ganz im Geist des Optimismus der Aufklärung und Jean-Jacques Rousseaus verfasste Heinrich Pestalozzi den erfolgreichen Roman "Lienhard und Gertrud", der die Not einfacher Leute und den Nutzen der Erziehung darstellt. Ulrich Bräker leistete mit seiner Lebensgeschichte "Der arme Mann im Tockenburg" einen bedeutenden Beitrag zu der im 18. Jh. blühenden Gattung der Autobiografie. Gaudenz von Salis-Seewis gilt als einer der wichtigsten Lyriker der Zeit.
Das Verbot des Theaterspiels in den ref. Städten - nur in St. Gallen konnte sich eine Theatertradition halten - führte dazu, dass auf dem Gebiet des Dramas mit Ausnahme des bis in die 1770er Jahre gepflegten Jesuitentheaters auch in den kath. Orten kaum aufführbare Werke entstanden; eine Ausnahme bilden die Dramen des Jesuiten Josef Ignaz Zimmermann. Vaterländ. Themen fanden in der 2. Hälfte des 18. Jh. ein reges Interesse sowohl in der Poesie - hingewiesen sei auf Lavaters "Schweizerlieder" - wie in der beginnenden Geschichtswissenschaft eines Isaak Iselin oder Johannes von Müller.
Autorin/Autor: Rosmarie Zeller
Weder die Klassik noch die Romantik haben hierzulande literar. Vertreter gefunden, obschon die Schweiz Gegenstand romant. Dichtung war. Für die Epoche zwischen 1815 und 1848 gibt es keine einheitl. Bezeichnung; je nachdem, ob man den Akzent eher auf den restaurativen oder auf den revolutionären Aspekt legt, wird sie als Biedermeier bzw. Restauration oder Regeneration bzw. Vormärz bezeichnet. In der Schweiz tritt v.a. ein charakterist. Zug der Biedermeierliteratur hervor: die Konzentration auf das Lokale.
Die Beschäftigung mit patriot. Themen herrschte vor. Es entstanden Erzählungen und Nacherzählungen von hist. Begebenheiten und Sagen, so etwa durch den Immigranten Heinrich Zschokke, durch Johann Rudolf Wyss den Jüngeren, Josef Anton Henne und Franz Kuenlin. Als Publikationsorgane dienten Almanache und Zeitschriften wie die Alpenrosen. Bezeichnend ist das Aufkommen der Dialektliteratur, so z.B. Martin Usteris Hexameter-Idyllen und die Gedichte von Johann Rudolf Wyss dem Älteren.
Jeremias Gotthelf, der unter allen Autoren der Epoche hervorragt, fand mit seiner Darstellung der Emmentaler Bauernwelt Beachtung weit über die Landesgrenzen hinaus. Nicht zu unterschätzen für das literar.-kulturelle Leben der Schweiz sind die dt. Flüchtlinge, die wie Joseph von Görres und August Follen als Lehrer und Vermittler dt. Geisteslebens wirkten oder - wie Georg Herwegh, Arnold Ruge, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Ferdinand Freiligrath - in der Schweiz eine Publikationsmöglichkeit fanden.
Autorin/Autor: Rosmarie Zeller
Die Epoche des bürgerl. oder poet. Realismus (1848-90) ist die grosse Zeit der Erzählung und des Romans. Dargestellt wird die äussere, aber verklärte Realität der kleinen Städte und Dörfer. Weder die Industrialisierung noch die Grossstädte spielen im dt. Realismus eine entscheidende Rolle. Im Mittelpunkt steht das Individuum und seine Integration in die bürgerl. Gesellschaft. Diese Thematik bearbeitete Gottfried Keller, allerdings mit krit. Blick auf die heraufziehende kapitalist. Ordnung, in den "Leuten von Seldwyla" und im "Grünen Heinrich". Sein Zeitgenosse Conrad Ferdinand Meyer ist ein bedeutender Vertreter der hist. Novelle. Doch das erfolgreichste Buch der Zeit verfasste Johanna Spyri mit Heidi.
Mit dem entstehenden Nationalismus kamen auch Versuche auf, die D. der Schweiz von den andern deutschsprachigen Literaturen abzugrenzen. Der ab 1845 in der Schweiz lebende Ludwig Eckardt wollte eine schweiz. Nationalliteratur und ein -theater begründen, doch er hatte keinen Erfolg. 1866 gab Robert Weber eine Anthologie zur "poet. Nationalliteratur der dt. Schweiz" heraus. Die in realist. Tradition stehende Heimatliteratur eroberte sich mit Jakob Christoph Heer, Heinrich Federer und Alfred Huggenberger einen immer grösseren Platz unter der Leserschaft. Allerdings gab es auch einzelne Autoren, die sich dieser Tradition verweigerten, wie der subversive Robert Walser oder Carl Spitteler.
Der Expressionismus fand mit Max Pulver, Hans Ganz und Karl Stamm einige Anhänger in der Schweiz, konnte aber ebenso wenig wie in Deutschland eine tief greifende Änderung der literar. Produktion herbeiführen. Während des 1. Weltkriegs wurde in Zürich von den Emigranten Hugo Ball und Tristan Tzara die Bewegung des Dada begründet. Sie blieb allerdings die Angelegenheit eines kleinen intellektuellen Zirkels.
Autorin/Autor: Rosmarie Zeller
Die Geistige Landesverteidigung begünstigte v.a. traditionelle Formen der Literatur. Lisa Wenger, Cécile Lauber, Maria Dutli-Rutishauser und Ernst Zahn verherrlichten die Bauernwelt, Cäsar von Arx schrieb vaterländ. Festspiele. Mit seinem Roman "Schweizerspiegel" gelang Meinrad Inglin eine krit. Darstellung der Schweiz im 1. Weltkrieg. Jakob Bührer und andere Autoren setzten sich - wie auch z.B. das Cabaret Cornichon (Cabaret) - kritisch mit dem Frontenfrühling auseinander. Die literar. Wirkung dieser Autoren der 1. Jahrhunderthälfte beschränkte sich, sieht man von den Bestseller-Autoren John Knittel und Jakob Christoph Heer ab, auf die Schweiz.
Erst nach dem 2. Weltkrieg fand die Literatur der dt. Schweiz wieder Anschluss an die Weltliteratur. Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt ernteten zunächst als Dramatiker und Hörspielautoren internat. Erfolg. Mit seiner Kritik an einer selbstzufriedenen Schweiz wurde Frisch zum geistigen Vater einer neuen Generation von Autoren wie Adolf Muschg, Peter Bichsel und Otto F. Walter, die sich ab dem Ende der 1960er Jahre auch mit experimentellen Formen des Erzählens zu Wort meldeten. Im Bereich der Lyrik bekam die Mundartlyrik unter dem Einfluss der konkreten Poesie, zu deren Vertretern auch der Schweizer Eugen Gomringer gehörte, neue Impulse. Die Werke von Kurt Marti, Ernst Eggimann und Ernst Burren zeugen davon. Für die Generation, die in den 1970er Jahren zu publizieren begann - etwa Gertrud Leutenegger, Christoph Geiser und Hermann Burger -, waren die "Enge" der Schweiz, wie sie noch von Paul Nizon konstatiert worden war, sowie das öffentl. Engagement immer weniger ein Thema; dies trifft jedoch nicht auf Adolf Muschg zu. Als bedeutender Autor des 20. und beginnenden 21. Jh. gilt auch Hugo Loetscher.
Autorin/Autor: Rosmarie Zeller