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"Die Schweiz ist gleich nebenan" stand auf einer grossen Banderole über der Agora des Messegeländes. Doch anstatt im Obeliskenhof, wie in den Jahren zuvor, einen Pavillon vorzufinden, in dem sich das Gastland Schweiz darstellte, gelangte man unter dem Banner hindurch über einen roten Teppich zu einer unscheinbaren Halle, die sonst meist als Lager dient. Halle 7 als Standort zu nutzen und durch eine Intervention zu gestalten, sollte signalisieren, dass die Schweiz an der Frankfurter Buchmesse in einen Prozess der Identitätsbestimmung eingebunden ist. Die aus dem Zentrum der Messe herausgerückte „Schweizer Halle“ unterstrich diese reflektierende Haltung und die Parole „Die Schweiz ist gleich nebenan“ forderte den Besucher auf, seine Beziehung zur Schweiz und sein Verhältnis zu ihr neu zu überdenken. Das bewusste Abseitsrücken des Schweizer Beitrags wurde Ausdruck der aktuellen Situation der Bundesstaats, der Rolle der Schweiz als Nachbarin mit Sonderstatus.
Der Umgang mit dem Vorhandenen eröffnete ungewohnte architektonische Möglichkeiten. Die Halle empfing das Publikum in Gestalt räumlicher und stofflicher Dimensionen. Von hoch oben herabfallende, farbige Vorhänge teilten sieben Bereiche ab, die akustisch und visuell verbunden waren und den Raum und die Funktion der Industriehalle nicht verschleierten.
Den Mittelpunkt bildete eine grosse Bibliothek. An der Decke hingen nach wie vor die Neonröhren der Lagerhalle. Alle Aufmerksamkeit richtete sich auf zwei lange lesepultartige Tische, auf denen in mehreren Lagen 1400 farbig eingeschlagene Bücher ausgebreitet waren: Publikationen von Schweizer Autorinnen und Autoren, aus Schweizer Verlagen oder zum Thema Schweiz. Vier Farben markierten, in welcher der vier Schweizer Landessprachen die Bücher verfasst waren, die fünfte verwies auf alle übrigen Sprachen. Die vereinheitlichten, auf wenige Angaben reduzierten Papierumschläge befreiten den Inhalt von seiner werbewirksamen Aufmachung. Entlang der Wände waren Regale voller unverhüllter Zweitexemplare aufgestellt – ein „Zwischenlager der Schweizer Literatur“ vor dem realen Hintergrund der „Schweiz als Umschlagplatz geistiger und materieller Güter“ (Peter Suter).
Schmale Schleusen, als doppelte Schicht zwischen die angrenzenden Räume eingezogen erschlossen ein Fernsehstudio, ein Restaurant, Auditorien und eine Installation der Lesemaschine Hans Peter Lischers.
Die Vorhänge schufen Orte, die für Austausch und Veränderungen offen schienen. Die Präsentation der Schweiz war voll hintergründiger Analogien zum Selbstverständnis und zur Aussensicht des Landes.
in Zusammenarbeit mit Peter Suter
Datum: 1998
Auftraggeber: Bundesamt für Kultur und Christoph Vitali, Haus der Kunst, Munich
Ort: Buchmesse, Frankfurt am Main, Deutschland
Bruttogeschossfläche (BGF): 2.300 m²
Programm: Foyer, Garderobe, Cafè, TV studio, Bibliothek, Auditorien, Ausstellung 'Lesemaschine" Peter Lischer
Stahlkonstruktion, Konfektion der Vorhänge: Stahl & Traumfabrik