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Als Produktionsleiterin hat Simona Isler früher Kultserien wie Lüthi & Blanc verantwortet. Heute kreiert die zweifache Mutter eine eigene Schmuckkollektion, die sie in der ganzen Welt vertreibt.
Ihrem Akzent hört man das kanadische Englisch, das sie hie und da mit ihrem einwandfreien Schweizerdeutsch vermischt, noch immer leicht an. «Meine Eltern, damals sehr jung, wollten sich den Traum vom fernen Amerika verwirklichen», erklärt die gebürtige Bündnerin. Sie wandern mit ihren beiden Kindern von Chur nach Kanada aus, nach Montréal in der französischsprachigen Provinz Québec. In der englischsprachigen Minderheit wächst Simona Isler die nächsten rund 20 Jahre auf. Hier beginnt die junge Frau ein Kommunikationsstudium, spezialisiert sich danach auf Filmproduktion und arbeitet nach erfolgreichem Abschluss für ein Jahr in der lokalen Filmbranche. «Meine Eltern waren zu dieser Zeit bereits seit sechs Jahren zurück in der Schweiz», erinnert sie sich. «Sie meinten, ich solle doch nachkommen, da es hier viele gute Stellen in der Filmbranche gebe.» Was Simona Isler dann auch tat. Für ein Jahr will sie zurück, meldet sich bei diversen Filmproduzenten und bekommt tatsächlich verschiedene Angebote. «Hier habe ich meine erste Stelle als Filmcutterin angenommen.» Danach sammelt sie weiter Erfahrung, arbeitet erst als Freischaffende und gründet später mit Freunden die Abrakadabra Films AG in Zürich, die bis heute besteht. Anschliessend ist sie für verschiedene Schweizer Produktionsfirmen wie Condor Films und C-Films tätig. Aus dem geplanten Jahr werden mehrere und Simona Isler entscheidet sich, zu bleiben.
Kultserie aus der Scheune
Die junge Frau macht weiter Spielfilme, folgt ihrem Instinkt und wird irgendwann als Produktionsleiterin für jene Serie engagiert, die später Kult wird im Schweizer Fernsehen: Lüthi & Blanc. «Mit dem Produzenten haben wir damals eine grosse Scheune in ein Filmstudio umgewandelt und quasi aus dem Nichts versucht, unsere Ideen umzusetzen.» Also hat Simona Isler von frühmorgens bis spätabends die Drehbücher von Katja Früh heruntergebrochen, Budgets erstellt und die Filmcrew betreut. «Dann wurde ich schwanger mit meinem Sohn Frank.» Sie beschliesst, ihr Pensum herunterzufahren und als Freischaffende weiter in der Filmbranche zu arbeiten. Knapp vier Jahre später folgt die Geburt der Tochter Vivien. «Spätestens da habe ich mich entschieden, endgültig mit Film aufzuhören, um meine Kinder grosszuziehen», erklärt sie. Denn der Beruf als Produktionsleiterin fordere viel bezüglich Pensum und Verantwortung. «Und Assistenz kann ich nicht machen, das ist gar nicht meine Stärke», fügt die Macherin lachend an.
Schmuck statt Filme
Sie bleibt mit den Kindern zuhause, sucht nach einer Tätigkeit und beginnt, ohne Vorkenntnisse Schmuck zu gestalten. Erst nur für sich, dann immer öfter auch für Freunde. Schliesslich zieht sie eine eigene Schmuckkollektion auf und verkauft ihre Kreationen offiziell. «Das war ein langer Lernprozess.» Zweierlei fasziniert Simona Isler: Schmuck zu gestalten und die Möglichkeiten des Internets zu entdecken. «Heute kann jeder ein eigenes Produkt lancieren und es auf der ganzen Welt verkaufen», erklärt sie. «Als ich jung war, war das alles noch nicht möglich.»
Sie gründet also ihr eigenes Schmucklabel und nennt es – nach ihren beiden Kindern – Vivien und Frank. «Diese waren ja der Grund dafür, dass ich Schmuck mache. Und ausserdem tönt es besser als Simona Isler.»
Es dauert nicht lange, bis die ersten Bestellungen reinkommen. «Scheinbar habe ich damals einiges richtig gemacht, hatte aber auch ein bisschen Glück». Heute finden ihre Kreationen Abnehmer auf der ganzen Welt. Der Grossteil ihrer Kundschaft kommt aus Nordamerika, Australien, England und Europa. «Schweizer machen lediglich etwa fünf Prozent aus.» Simona Isler bezeichnet ihre Kreationen als modernen, verspielten Alltagsschmuck, den jeder und jede überall tragen kann. «Die Freundschaftsbändchen, Glücksbringer und Amulette nehmen sich nicht zu ernst», erklärt die Designerin. «Mir ist vor allem wichtig, Freude und positive Lebensenergie zu vermitteln, dazu gehört auch eine gesunde Portion Humor.» Vom Design und der Wahl der Materialien über die Fotos für die Webseite bis zum Verpacken und Versenden macht die Selfmadefrau möglichst alles selbst.
Zwischen Zollikon und Jaipur
Simona Isler ist keine Goldschmiedin. Deshalb lässt sie einen Teil ihrer Kollektion in Indien produzieren. Die Zollikerin wohnt mit ihrer Familie seit 20 Jahren hier. Sie reist leidenschaftlich gern, war bereits mehrmals in Indien und hat das südasiatische Land ins Herz geschlossen. «An Indien fasziniert mich das riesige Chaos. Und dennoch scheint alles zu funktionieren. Das ist beeindruckend.» Sie schätzt die Zusammenarbeit mit einer kleinen Goldschmiede in Jaipur. «Hier lasse ich vor allem Stücke produzieren, die mit Edelsteinen besetzt werden.» Sie schickt computerbasierte Skizzen ihrer Ideen nach Jaipur, wo diese dann feste Formen annehmen. Oder setzt sich lieber gleich selbst in den Flieger. «Das ist momentan, wie wir alle wissen, leider nicht möglich.»
Seit rund zehn Jahren arbeitet Simona Isler nun von zu Hause aus. Jetzt wagt sie den nächsten Schritt und eröffnet Mitte November einen kleinen Laden im Zürcher Seefeld, der auch als Atelier dienen soll. «Darauf freue ich mich extrem!» So wird sich ihr Arbeitsort nicht zu weit weg verlagern, denn in Zollikon, dem Geburtsort ihres Ehemanns Rudolf Isler, fühlt sich die frühere Weltenbummlerin mit ihrer Familie extrem wohl. «Als Wohngemeinde und als Ort, wo meine Kinder aufwachsen dürfen, finde ich Zollikon fantastisch.» Die Kinder seien hier fest verwurzelt – Sohn Frank spielt beim SC Zollikon Fussball und Tochter Vivien ist Leiterin in der Pfadi. «Und es herrscht einfach eine gute Stimmung unter den Leuten. Man kennt sich, trifft sich beim Einkaufen, in der Badi oder an all den Anlässen wie der Chilbi oder dem Weihnachtsmarkt. Das finde ich einfach schön.»