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Umzugsunternehmen leben bekanntlich vor allem von der Mobilität der Bevölkerung. Förderlich sind dieser Mobilität eine reiche Auswahl an Leerwohnungen, weil dies auf die Mietpreise drückt. Steigt zudem die Kaufkraft der Bevölkerung, so leistet sie sich eine Verbesserung der Wohnsituation. Sinkt hingegen die Kaufkraft bei ähnlich hohem Leerwohnungsbestand, löst dies ebenfalls Umzüge aus - allerdings in entgegengesetzter Richtung.
Eine solche Entwicklung vollzog sich in der Stadt Basel während der Zwischenkriegszeit. Dazu finden sich im historischen Archiv unserer Firma einige interessante Quellen, die einem allerdings erst bei der Betrachtung des damaligen demografischen, sozialen und wirtschaftlichen Umfeldes verständlich werden. Nachdem sich die Einwohnerzahl unserer Stadt vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges bis zum Jahr 1925 (137 600) kaum verändert hatte, stieg sie jährlich um beachtliche 1 bis 1,5% an. Ab 1936 stagnierte die Bevölkerungszahl. Bei der Volkszählung von 1940 zählte man auf dem Stadtgebiet 162 600 Einwohner. Entfesselt durch diesen starken Zuzug, setzte eine hektische Wohnbautätigkeit ein, die selbst durch die 1929 ausgelöste Weltwirtschaftskrise nicht gebremst wurde. Da ausserhalb der alten Stadt genügend gut erschlossenes Bauland zur Verfügung stand, wurde kaum alter Wohnraum abgerissen. Zwischen 1920 und 1935 stieg der Wohnungsbestand um über 50% von 33 700 auf 52 400. Dazu kamen jährlich gut 100 Einfamilienhäuser auf den Markt. Kurz: Es wurde weit über den Bedarf hin-aus Wohnraum produziert. Der Leerwohnungsbestand stieg von gut 200 im Jahre 1925 auf über 2000 Ende April 1934, also fast 4% aller Objekte. An diesem hohen Leerbestand änderte sich bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wenig.
Das Leben in einer einfachen Mietwohnung bis zum Beginn der 20er-Jahre muss man sich etwa wie folgt vorstellen: Die Wohneinheit bestand aus 1 bis 3 Zimmern, nur in der Küche gab es fliessendes Kaltwasser. Ein kleiner Brikettofen im Gang oder in der guten Stube sorgte im Winter für ein wenig Wärme. Für die heranwachsende Jungmannschaft mietete man sich für wenig Geld ein Mansardezimmerchen, mehrere Parteien teilten das WC, das sich auf dem Treppenhauspodest befand. Die tägliche Körperpflege fand in der Küche oder am sog. Waschtisch im Schlafzimmer statt. Zum Baden musste der Zuber in der Waschküche genügen, oder man ging in eines der öffentlichen Wannen- und Brausebäder. Noch 1930 verfügten 86% aller Kleinwohnungen über kein eigenes Bad.
In den 1920er-Jahren stieg das Bedürfnis nach mehr Wohnkomfort. Als in Folge der Wirtschaftskrise in den Dreissigerjahren die Baupreise einbrachen, erstellten Architekturbüros, Wohnbaugenossenschaften und institutionelle Anleger Siedlungen und Wohnblöcke mit Zentralheizung, hellen und geräumigen Zimmern, eigenem Bad, WC und Boiler. Als Resultat dieser Angebotserweiterung verdoppelten sich im Zeitraum von 1925 bis 1935 die Wohnungswechsel. Unsere Umzugsabteilung profitierte anfänglich von dieser Entwicklung. Doch mit dem Fortschreiten der Krise drängten zunehmend unterbeschäftigte Gewerbler, Händler und dgl., die über irgendwelche Transportmittel verfügten, mit Dumpingpreisen auf den Markt.
Die Qualität ihrer Arbeit war häufig dem Preis entsprechend. Aus dieser Zeit dürfte der Spruch stammen: «Ziigle isch halbe abbrennt». Auch den Hausbesitzern brachte diese Sorte von Unternehmern viel Ungemach. Sie hatten oftmals Mühe, diese für Schäden wie verschrammte Treppenhäuser zur Rechenschaft zu ziehen. Im Frühjahr 1937 war das Mass offensichtlich voll.
Der massive Umsatzeinbruch, der spätestens 1934 einsetzte, zwang die vier professionellen Basler Umzugsfirmen - Gerspach AG, F. Henschen, Keller AG und die Basler Droschkenanstalt Settelen -, die sich zuvor knallhart bekämpft hatten, an einen Tisch. Ziel war die Suche nach einer gemeinsamen Abwehrstrategie. Sie verfügten über gepolsterte Möbelwagen und geschultes Personal, sie hatten sich über die Jahre eine guten Ruf geschaffen, sie waren die Umzugsprofis der Stadt.