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Geschichtliches zur Kerze
Es ist nicht einfach, Licht in
das Dunkel der frühesten Kerzengeschichte zu bringen:
Historische Abbildungen und Texte lassen oft nicht klar genug erkennen,
ob wirklich Beleuchtungskörper dargestellt werden, die dem
Kerzenbegriff entsprechen, oder lediglich die seit dem Ende des 3.
Jahrhunderts v,Chr. benutzten Wachsfackeln. Man weiß aber
sicher: Lange vor Fackeln und Kerzen leuchteten ölgespeiste
Ampeln und Lämpchen der Menschheit heim.
Wahrscheinlich erst in
der Zeit nach Christi Geburt gelang die Beherrschung der
Dochtbrennbarkeit des Wachses ohne Benutzung eines
Gefäßes. Etwa Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr. waren
bei den Römern niedrige Wachskerzen soweit entwickelt,
daß sie in einem geschlossenen Raum brennen konnten - ohne
lästiges, übermäßiges
Rußen und üblen Geruch, was bei Fackeln
unvermeidlich war.
Das Christentum und die
Entwicklung seiner liturgischen Gebräuche waren der Impuls
für eine rasche weitere Verbreitung des Kerzengebrauchs. So
sind länglich-runde Kerzen mit Wergdocht und Kerzen
für liturgische Zwecke seit der zweiten Hälfte des 4.
Jahrhunderts n.Chr. mit Sicherheit festzustellen.
Mit dem Bienenwachs
entfaltete sich die Kerzentechnologie das ganze Mittelalter hindurch.
Dieses begrenzt vorhandene und damit sehr wertvolle Wachs war jedoch
vor allem den Kirchen und den reichen Fürstenhäusern
vorbehalten. In privaten Haushalten benutzte man Talg- oder sogenannte
Unschlittkerzen. Sie wurden aus minderwertigem
Rindernierenfett oder
Hammeltalg hergestellt, rochen dementsprechend ranzig, qualmten und
rußten.. Erst Ende des 15. Jahrhunderts zog das
Bienenwachs auch in die gute Stube wohlhabender
Bürgerhäuser ein.
Problemlose Wachslichter
kannten unsere Vorväter leider nicht: Die Kerzen
mußten ständig ,geschneuzt', also geputzt werden. So
nannte man das damals, wenn der abgebrannte Docht sogleich
gekürzt wurde, um Rußen und Tropfen zu verringern.
Sogar den Beruf des "Wachsschneuzers" gab es bei Hofe. Im 17.
Jahrhundert weißte man Talgkerzen mit Arsenik und vergiftete
damit fast die Zeitgenossen.
Natürlich
glänzend-weiße Luxuskerzen besaß man mit
der Entdeckung
des Walrats (1725) als Kerzenrohstoff. Walrat wurde aus dem Öl
der Schädelknochen des Pottwals gewonnen.
Das 18. Jahrhundert
liebte Kerzenschein - und ging besonders verschwenderisch damit um: Bei
einem Hoffest in Dresden wurden z.B. 14 000 Wachslichter verbraucht.
Und bei der Krönung Georg IV. 1821 in London
entzündete man gar auf 28 Lüstern jeweils 60 Kerzen -
gleichzeitig!
Erst im vorigen
Jahrhundert entdeckte man die vorteilhaften Kerzenrohstoffe Paraffin
und Stearin, die wir heute noch verwenden. Im gleichen Zeitraum wurde
der Docht entscheidend verbessert, so daß endlich in
Erfüllung gehen konnte, was Goethe schon so dringend
wünschte:
"Wüßte nicht, was sie besseres erfinden
könnten, als daß die Lichter ohne Putzen brennten."