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Diakonissen, Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona
Kontakt
Geschichte
Die Leitung hatte der damalige theologische Lehrer Walter Gutzke. Zusammen mit seiner Frau stand er dem Werk vor. Er orientierte sich an den bereits bestehenden Diakonissen-Mutterhäusern Kaiserswerther Prägung. Die Diakonissen waren in vielen diakonischen Aufgaben tätig. Heute engagieren sie sich vorwiegend in der Altenarbeit und Schulen.
Die Schwesternschaft hatte von Anfang an einen internationalen Charakter, geprägt durch Eintritte junger Frauen aus verschiedenen europäischen Ländern. Das erforderte strukturell zwei Vereine: Der deutsche Verein wurde 1928 gegründet. Er läuft heute unter dem Namen «Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona (D) e.V.» Der Schweizer Verein wurde 1937 gegründet. Er heisst heute «Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona (CH)». Das Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona in Bettingen/BS ist die Heimat der Diakonissen beider Vereine.
1929 war die Schwesternzahl auf 100 angewachsen. Sie wurden im In- und Ausland vorwiegend in der Krankenpflege, Kinder- und Gemeinschaftsarbeit und in der äusseren Mission eingesetzt.
1952 bekam die Schwesternschaft ihre erste Oberin.
Zu den externen Aufgaben, wie in Psychiatrischen Kliniken und Krankenhäusern, kamen im Laufe der Jahre immer mehr eigene Häuser dazu, in denen die Schwestern arbeiteten. Dies waren ein Kindersanatorium und Kinderheime, Alters- und Pflegeheime, Kur- und Erholungsheime.
1956 wurde die Haushaltungsschule für junge Mädchen im Mutterhaus, 1985 die Altenpflegeschule «Manoah» in Lörrach eröffnet. Seit einigen Jahren bietet die Schwesternschaft dreijährige Ausbildungen zur «Hauswirtschafterin im städt. Bereich» in ihren Häusern in Lörrach und Stuttgart-Bad Cannstatt an. An den verschiedenen Schulen werden derzeit ca. 85 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.
Zur Schwesternschaft zählen zur Zeit 178 Diakonissen. Die eine Hälfte von ihnen steht im Dienst, die andere lebt im Ruhestand (Feierabend). Die grösste Zahl von Eintritten junger Frauen verzeichnete das Mutterhaus von 19251961.
Lehre
Das Leben der Diakonissen vollzieht sich im Rahmen der drei «evangelischen Räte»: Armut-Anspruchslosigkeit, Keuschheit-Ehelosigkeit, Gehorsam-Sendungsbereitschaft.
Anspruchslosigkeit bedeutet, anzuerkennen, dass wir vor Gott arm und bedürftig sind, und durch die Liebe zu Gott fähig zu sein, uns den Armen und Bedürftigen zuzuwenden und zu teilen. Die Diakonissen leben in Gütergemeinschaft mit gemeinsamer Kasse.
Ehelosigkeit bedeutet für die Diakonissen, ganz für Gott offen und ihm allein verfügbar zu sein. Sie heiraten nicht entsprechend Matth. 19: «Einige bleiben ehelos um des Himmelreiches willen.» Die Diakonissen teilen Freud und Leid miteinander und geben einander Geborgenheit und Rückhalt.
Das Sendungsprinzip Gehorsam in mündiger Freiheit bedeutet in erster Linie: Hören auf Gott, sich seinem Ruf öffnen und ihm folgen. Nach Dietrich Bonhoeffer: «Nur der Glaubende ist gehorsam und der Gehorsame glaubt.» Verantworteter Gehorsam verlangt Mitdenken und Mitsuchen.
Organisation, Finanzen
Die an dieser Lebensform interessierte Frau vollzieht aufgrund ihrer inneren Berufung und der Einwilligung der Schwesternschaft den Eintritt ins Diakonissenmutterhaus. Die Einkleidung zur Diakonisse erfolgt nach eineinhalbjähriger Vorprobezeit. Nach sieben weiteren Jahren Probezeit wird die Schwester durch Einsegnung in einem öffentlichen Gottesdienst in die verbindliche Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft der Diakonissen aufgenommen. Sie erhält dadurch Anrecht auf ihre Versorgung durch das Mutterhaus bis an ihr Lebensende.
Je nach Begabung und Auftrag arbeiten die Diakonissen nach entsprechender Berufsausbildung in den verschiedensten Bereichen innerhalb der zum Mutterhaus gehörenden Einrichtungen (Verwaltung, Hauswirtschaft, Küche, Pflege, Garten, Schulen, u.a.) oder in einem Dienst im Auftrag Dritter (zum Beispiel Gemeindearbeit, Gemeindekrankenpflege, Arbeit unter Drogen- und Suchtgefährdeten, äussere Mission u.a.). Als Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit und als Bekenntnis nach aussen tragen die Diakonissen eine einheitliche Tracht.
Das Diakonissenmutterhaus St. Chrischona gehört mit seinem Schweizer Verein zur «Konferenz Schweizer Diakonissenhäuser». In ihr sind elf kirchliche, freikirchliche und Gemeinschafts-Diakonissen-häuser lose zusammengeschlossen. Der Verein «Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona (D) e.V.» gehört zum «Bund Deutscher Gemeinschafts-Diakonissenmutterhäuser», zum Gnadauer Gemeinschaftsverband und ist Mitglied des Diakonischen Werkes.
Weltweit gibt es ca. 80 ähnlich gestaltete Schwesternschaften.
Die Diakonissen leben in Gütergemeinschaft, wobei jede ein Taschengeld erhält. Das Mutterhaus kommt für die Lebenskosten der Diakonissen auf. Aus den Erträgen des Werkes sowie aus dem durch die Schwestern im Rahmen der Gütergemeinschaft erarbeiteten finanziellen Beträgen werden die Auslagen des Diakonissen-Mutterhauses und Löhne der freien Mitarbeitenden bezahlt. Die Finanzen werden von einer unabhängigen Rechnungsstelle geprüft.
Versammlungslokal, Angebote, Auftreten in der Öffentlichkeit
Weitere Angebote sind Fortbildungsseminare und Seniorentage. Am ersten Sonntag im Mai wird das Jahresfest gefeiert. Die Jubiläumsfeier für die Schwestern findet am letzten Samstag im September statt. Externe Gruppen können den Seminarraum im «Haus der Stille» mieten, sofern ihr Anlass dem Charakter dieses Hauses entspricht. Besuchern steht die Teilnahme an den Tageszeitengebeten und den Andachten offen.
Die Schwesternschaft führt Alten- und Pflegeheime in St. Chrischona, Zürich, Lörrach und Stuttgart, sowie die Pension «Lydiaheim» in Zürich für Studentinnen und berufstätige junge Frauen.
Die Diakonissen sind tätig in der Gemeindekrankenpflege, Gemein-schaftsarbeit, in der Aufgabe an Drogen- und Suchtgefährdeten. Eine Schwester arbeitet in der äusseren Mission in einer ländlichen Klinik in Äthiopien, eine andere leitet das kirchliche Gesundheitssystem in Kenia.
Die angebotene Seelsorge ist für alle Menschen gedacht, die diesen Dienst wünschen.
Die Diakonissen bieten auch verschiedene Ausbildungen an: die Altenpflegeschule «Manoah» in Lörrach, die einjährige Haushaltungsschule im Mutterhaus auf St. Chrischona und eine dreijährige Ausbildung zur «Hauswirtschafterin im städtischen Bereich» in ihren beiden Heimen in Lörrach und Stuttgart-Bad Cannstatt.
Öffentlichkeitsarbeit geschieht durch Kontakte mit Aussenstehenden in den verschiedenen Arbeitsbereichen. In den Rundbriefen an Schwestern und Freunde des Werkes und der Broschüre mit dem Jahresbericht wird aus dem Werk berichtet.
Für die Begegnung mit Jugendgruppen und Gemeinden gibt es eine Tonbildschau und einen Videofilm über das Werk. An christlichen Tagungen und Kongressen sind die Diakonissen mit einem Ausstellungsstand präsent.
Diakonissen, die ihren Dienst in der äusseren Mission sehen, werden von der Deutschen Missionsgemeinschaft (DMG) ausgesandt.
Literatur, Zeitschrift
Theophil Stöckle «Die Mutterhaus-Diakonie hat Zukunft!», Briefe über Auftrag und Lebensform der Diakonissen. Neuhausen/Stuttgart: Hänssler-Verlag, 1998.
Dr. Helmut Burkhardt «Der Dienst des Christen und die Mutterhausdiakonie», CLS-Verlagsteam, Sierre.
Dr. Th. Stoll «Haus der Stille», Reinhardt-Verlag Basel, 1999.
Rundbriefe, Jahresberichte.
Jubiläumsschrift zum 75-Jahre-Jubiläum.
[int.Nr.: 1040]