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Von Michael Sennhauser | 15. Februar 2016 - 19:30
Nicole Kidman, Jude Law, Colin Firth, Laura Linney, Guy Pearce: Kein schlechtes Aufgebot für den ersten Film eines gefeierten Theaterregisseurs. Aber Michael Grandage ist auch beim Theater ein Spezialist für grosse Namen. Er hat Daniel Radcliffe inszeniert und Nicole Kidman und viele mehr.
Genius ist ein Film aus einer anderen Zeit. Es ist der grosse Aufbruch der us-amerikanischen Literatur. Colin Firth spielt Max Perkins, jenen Lektor bei Scribner’s, der die ganz grossen Autoren entdeckt und gefördert hat: F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway oder Thomas Wolfe (nicht zu verwechseln mit Tom Wolfe).
Von der tumultuösen Beziehung zwischen dem bedächtigen Lektor und dem von Jude Law gespielten Literatur-Genie Wolfe handelt der Film in erster Linie. In zweiter Linie kommen die Kollateralschäden zum Zug, Nicole Kidman als erste Fördererin und verprellte Geliebte Aline Bernstein, Perkins‘ Frau und Töchter, der völlig ausgebrannte Fitzgerald (Guy Pearce) mit seiner geliebten, verstörten Zelda.
Grandage inszeniert flüssig und bewegt. Oft wird gegangen beim Reden, auf den Zug gerannt, aufgestampft (von Law/Wolfe) oder fein gelächelt (von Firth). Genius leidet am gleichen Problem wie die meisten Filme über den Literatur-Zirkus: Er muss die Energie aus den Figuren beziehen, die eigentlich aus den Texten kommen müsste. Das heisst, er kann nur Reaktionen zeigen und Prozesse.
Die Prozesse, die inszeniert Grandage allerdings meisterlich, fast schon schulmeisterlich. Wie Perkins Wolfe dabei hilft, hunderte von Seiten von Text zusammenzustreichen, wie er ihm nachweist, dass viele Worte manchmal weniger sagen als das richtige, wie die beiden Männer um Passagen und Bilder ringen, das macht Spass.
Eben so beeindruckend ist ein Besuch in einem Jazz-Club, in den Wolfe den älteren Perkins abschleppt. Er zeigt ihm und dem Kinopublikum den Unterschied zwischen Henry James und Thomas Wolfe anhand der Jazz-Improvisation über ein einfaches klassisches Thema.
Genius folgt allen Konventionen des Bücher-Films, schafft aber doch ein paar Momente, die aus der Sprache und ihrer Musikalität heraus funktionieren, nicht einfach über die Illustration menschlicher Dynamik.
Und auch da, bei der dramatischen Spannung zwischen den Figuren, gibt es ein paar starke Momente. Colin Firth hat wie immer eine ruhige, unumgängliche Präsenz, gegen die Jude Law auch mit grotesk übersteigertem Dauerreden und Gezappel nicht wirklich ankommt.
Und Nicole Kidman ist für einmal wieder wirklich grossartig, wie fast immer, wenn sie sich auf undankbare Rollen einlässt, auf Frauen, die gleichzeitig zum Fürchten und zum Bedauern sind.
Und den Kalauer, dass Virginia Woolf in diesem Film die Geliebte von Thomas Wolfe spielt, den bringen wir jetzt einfach noch schnell hinter uns.
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