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N.P. "Narv" Narvekar von der Harvard University setzt verstärkt auf ein aus der Mode gekommenes Investment: Hedgefonds. Für Narvekar ist die Wette auf die komplexe, kostenintensive Kategorie der Vermögensverwalter die grösste seit 2016. Die Universität hatte ihn damals angeheuert, um die rückständige Performance der 39 Milliarden Dollar schweren Stiftung umzukehren.
In den zwei Jahren bis Juni hat der grösste Fonds im Hochschulbereich seine Investitionen in Hedgefonds auf nunmehr insgesamt 13 Milliarden US-Dollar fast verdoppelt, wie aus Pflichtmitteilungen der Universität hervorgeht. Harvards Hedgefonds machen ein Drittel des Stiftungsvermögens aus, verglichen mit rund einem Viertel bei Yale und Princeton. Hedge-Fonds verzeichnen seit Jahren uneinheitliche oder schlechte Ergebnisse. Der langjährige Bullenmarkt hat kostengünstige Investments in Marktindizes wie ETF begünstigt.
Die Gebühren von Hedgefonds - traditionell 2 Prozent des verwalteten Kapitals und 20 Prozent der Gewinne - haben viele andere Institutionen frustriert. Laut einer im letzten Monat durchgeführten Umfrage des Beraters NEPC rechnet ein Drittel der US-amerikanischen Stiftungen damit, in diesem Jahr weniger Mittel an Hedgefonds zu vergeben.
Um die Konkurrenz zu schlagen, scheint Narvekar sich gegen den Trend zu positionieren. Dies könnte sich auszahlen, wenn die Aktien nach unten gehen. "Er versucht, das Portfolio für den nächsten Marktzyklus zu positionieren", sagte Laurence Siegel, ehemaliger Leiter Investment-Research der Ford-Stiftung. "Jeder gute Manager sollte das tun."
Strategieschwenk
Die Massnahmen stehen in Zusammenhang mit einem Umbau von Harvard Management, des Investmentbereichs der Universität. Seit Narvekar als CEO der Stiftung angeheuert wurde, hat er unter anderem die Abläufe gestrafft, ein Immobilienteam ausgelagert und Wald- und landwirtschaftliche Vermögenswerte abgeschrieben. Er hat 100 Stellen gestrichen, jedoch einige ehemalige Kollegen der Eliteinstitute Columbia und University of Pennsylvania eingestellt, die bei der Neuorganisation der Aktivitäten helfen sollen.
Harvard war unter den grossen Stiftungen untypisch, weil es einen Grossteil des Geldes intern verwaltet hatte. Einige ihrer Portfoliomanager - die Jahresgehälter in ein- sogar- zweistelliger Millionenhöhe verdienten - betrieben gewissermassen einen hauseigenen Hedgefonds.
In Anlehnung an das Modell von Yale, das von einem Investmentchef mit Top-Performance, David Swensen, geführt wird, konzentriert sich Harvard jetzt darauf, nur die besten externen Vermögensverwalter anzuheuern. Die Stiftung baut ihr bestehendes Hedgefonds-Portfolio ab, vergibt mehr Geld an Top-Performer, und versucht etablierte und aufstrebende Stars zu gewinnen.
Neue Namen
Für Narvekar sind Hedgefonds eine seit langem bevorzugte Strategie. Sie machen immer noch ein Drittel des verwalteten Kapital der Columbia University aus, wo Narvekar vor seinem Wechsel zu Harvard elf Jahre lang tätig war.
Narvekar und sein Team haben Manager mit unterschiedlichen Stilen im Visier. Man setzt zum Beispiel auf Long-Short-Equity, dern Ansatz des Vermögensverwalters D1 Capital. D1 hält auch Anteile an nicht börsennotierten Unternehmen, die häufig günstiger als börsennotierte Gesellschaften sind. Der Fonds legte in den ersten zwei Monaten dieses Jahres um 10 Prozent zu, nachdem er im letzten Jahr einen Ertrag von 5,4 Prozent erzielt hatte. Harvard hat aber auch weiterhin Vertrauen in einige Investoren, die intern Geld verwalteten. Es hat einigen ehemaligen Mitarbeitern Mittel anvertraut, die Fonds aufgelegt haben.
Grosse Stiftung
Während Narvekar ähnliche Ergebnisse wie die Konkurrenz zu erreichen versucht, erschwert die schiere Grösse der Stiftung seinen Job, sagen Skeptiker. "Es gibt einfach keine Möglichkeit, den Markt deutlich zu übertreffen, wenn Sie einen Fonds in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar haben", sagte David Yermack, Finanzprofessor an der New York University. "Je grösser Sie werden, desto schwieriger wird es."
Die Umstellung auf Hedgefonds hat noch nicht gefruchtet. Harvard konnte im Laufe des Jahres bis zum 30. Juni 2018 um 10 Prozent zulegen und hinkte damit hinter allen Elite-Universitäten-Pendants hinternher, mit Ausnahme von Columbia. In den zehn Jahren bis zum Juni verzeichnete die Stiftung die schlechtesten Ergebnisse, einen durchschnittlichen jährlichen Ertrag von 4,5 Prozent. Columbia gewann 8 Prozent pro Jahr und erzielte damit die beste Position in der Rangliste.
"Wir arbeiten daran, jeden Teil des Portfolios zu verbessern, und werden das immer tun", schrieb Narvekar in seinem Jahresbrief. "Hochqualifizierte Mitarbeiter, die Unternehmenskultur und Investitionsprozesse führen zu langfristigen Spitzenerträgen, genau wie bei der Stiftung, die ich zuvor leitete."
(Bloomberg)