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Malereien: Die Gefangenschaft François Bonivards in Chillon
François Bonivard (1493-1570) stammte aus dem savoyischen Kleinadel und amtete ab 1514 als Probst im Kloster Saint Victor in Genf. Schon bald schloss er sich den Gegnern des Herzogen von Savoyen an, der ein Auge auf die Stadt Genf geworfen hatte. Dies führte zur Verhaftung Bonivards und zu seiner Gefangenschaft in Chillon ab 1530. Sechs Jahre später wurde er von der Berner Armee befreit, die das Waadtland einnahm. 1816 machte der Dichter Lord Byron in seinem berühmten Gedicht „Der Gefangene von Chillon“ Bonivard zu einem romantischen Helden.
Dieses Diptychon, das die Gefangenschaft Bonivards in Chillon zeigt, stammt vom Genfer Maler Joseph Hornung (1792-1870). Der Autodidakt, der sich durch eine starke Nostalgie nach dem 16. Jahrhundert auszeichnete, ist bekannt für seine historischen Gemälde, die sich hauptsächlich mit Savoyen und der Reformation befassen.
Die beiden Gemälde sind auch unter Fachpersonen wenig bekannt. Sogar die Erben Hornungs wussten nicht, wann sie entstanden sind, und einige kannten nicht einmal ihre Existenz. Sie gehen vermutlich auf einen Malereiwettbewerb zurück, den die Genfer Société des Arts 1824 veranstaltete: Die Maler Georges Chaix und Jean-Léonard Lugardon massen sich damals mit ihren jeweiligen Gemälden, auf denen die Befreiung Bonivards durch die Berner Armee zu sehen war. Dieser wichtige Kunstanlass prägte Hornung nachhaltig. 1845 malte er auch ein „Selbstporträt mit dem Gesicht Bonivards“. Das Diptychon stammt also vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Das erste Gemälde zeigt, wie der Gefangene von der Tochter des Kerkermeisters getröstet wird, während das zweite die Befreiung Bonivards durch die Berner aufnimmt. Hornung schenkte architektonischen Details wie beispielsweise dem berühmten Kreuzrippengewölbe des Schlossgefängnisses besondere Aufmerksamkeit. Dies lässt darauf schliessen, dass er den Ort mit eigenen Augen gesehen hat.
Der Stil der Gemälde rückt sie in die Nähe der holländischen Malerei, insbesondere die Verwendung von Hell und Dunkel sowie der Kontrast der leuchtenden Farben mit ihrem dunklen Hintergrund. Die Komposition erinnert jedoch an die französische Romantik des Beginns des 19. Jahrhunderts; die Figuren zeichnen sich durch äussert expressive Bewegungen aus.
Die beiden Gemälde konnten 2013 dank der grosszügigen Unterstützung des Freundeskreises von Chillon erworben werden. Aus Gründen der Konservierung werden sie abwechselnd während eines Jahres im Gefängnis des Schlosses ausgestellt.
Joseph Hornung
Szenen der Gefangenschaft François Bonivards in Chillon
1824-1845
Öl auf Leinwand