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Adolf Wäber (1841-1913)
Adolf Wäber ( 1841-1913 ) Der einem alten bürgerlichen Geschlecht Berns entstammende Adolf Wäber wurde am 11. Oktober 1841 daselbst geboren, durchlief die städtischen Schulen, studierte in Bern und Paris Naturwissenschaften und wirkte zuerst an der Berner Realschule, dann an der Literarschule des dortigen Gymnasiums als Lehrer für Naturgeschichte, Chemie und Geographie, bis er wegen eines, später dann ausgeheilten Halsleidens im Jahre 1883 seinen Rücktritt nehmen musste. In der Folgezeit widmete er sich ganz gemeinnütziger und wissenschaftlicher Tätigkeit und diente er seiner Vaterstadt als Stadtrat und Mitglied des engeren Burgerrates und verschiedener Kommissionen. Wäber, der schon mit 21 Jahren seinen Vater und mit 35 seine Mutter verloren hatte, musste ausser drei jüngeren Brüdern noch drei eigene Kinder im blühenden Alter zu Grabe tragen, darunter einen im Jahr 1897 im Wetterhorncouloir durch Steinschlag getöteten Sohn. Als er ihnen am 20. März 1913 nachfolgte, trauerte eine grosse Freundesschar um diesen kraftvollen, in seinem Auftreten etwas barschen, in seinem Wesen aber grundgütigen und uneigennützigen Menschen.
Wäber ist nicht als Bergsteiger-Pionier in die Annalen der schweizerischen alpinen Geschichte eingegangen; seine Touren waren keine Erstbegehungen und führten nicht einmal in die 4000er Region. Sein Name ist vielmehr mit dem « Jahrbuch »und damit auch mit der Geschichte des SAC unlöslich verbunden.
Nach der durch die Kriegsjahre 1870/71 erzwungenen Pause war Wäber 1872 zum Redaktor besagten « Jahrbuches » ernannt worden, das er von 1872 bis und mit 1891 redigierte. Nach dem kompetenten Urteil seines Nachfolgers Heinrich Dübi hat er ihm in 20 Jahrgängen den Stempel seiner Persönlichkeit aufgeprägt und ihm seine endgültige Form gegeben. Dazu brachte er, wie kaum ein anderer, das erforderliche Rüstzeug mit: Umfassende naturwissenschaftliche und geographische Kenntnisse, Beherrschung dreier Fremdsprachen, ungeheure Belesenheit, methodisches Denken, kritisches Vermögen und feines Sprach- und Stilgefühl.
Typisch schon sind Wäbers Vorreden, die er im Stil seiner Vorgänger Theobald und Tschudi systematisch ausbaute, von einfacher « Aufmunterung » an Leser und Mitarbeiter bis zu fertigen Programmen oder « Bergpredigten », ja eigentlichen Philippiken an die Adresse der Clubisten. Auf Wäber geht auch die Sparte « Kleinere Mitteilungen » zurück, die viele Jahre beibehalten wurde; ferner der Ausbau der Bücherbesprechungen, deren allein er 1872 beisteuerte. Mit Band 18 ( 1882/83 ) führte er die Rubrik « Neue Bergfahrten in den Schweizeralpen » und mit Band 24 ( 1888/89 ) diejenige der « Alpinen Unglücksfälle » ein, die uns noch heute vertraut sind. In der Sparte « Alpine Literatur » gab er regelmässige bibliographische Zusammenstellungen, und in den « Beilagen » machte er mit Vorliebe mit kartographischen Neuigkeiten bekannt. In den « Freien Fahrten und Abhandlungen » bezog er auch aussereuropäische Gebirge mit ein. Und schliesslich war es Wäber, der den Illustrationen durch Verwendung moderner Reproduktionsverfahren ein neues Gesicht und dem « Jahrbuch » selbst ab dessen 26. Jahrgang ( 1890/91 ) ein neues, grösseres Format gab.
Redaktor Wäber steuerte aber auch 12 grössere Abhandlungen aus der eigenen Feder bei. Sie beschlagen alle möglichen Themen. Allen voran stehen seine Forschungen über alpine Namenkunde -die Berg- und Passnamen des Wallis, des Bergells und des Berner Oberlandes - und die Sprachgrenzen in den Alpen, immer in geschichtlicher Sicht; dann die grundsätzliche Frage der Einteilung der Alpen, ferner die alpine Verkehrsgeschichte. Leichtere Kost sind seine eigenen Tourenberichte, die in ihrer Mischung von geologischen Beobachtungen und touristischen Aufschlüssen Musterbeispiele dieser Art sind. Bleibenden Wert haben jedenfalls seine namenkundlichen Aufsätze. Seine nicht im « Jahrbuch » erschienenen warmen Nachrufe auf seine Freunde Rudolf Lindt ( « Alpina » 1893 ) und Edmund von Fellenberg ( « Bund » 1902 ) sind auch dokumentarisch wertvolle biographische Quellen.
Neben der « Jahrbuch »-Redaktion hat sich Wäber mit zwei Werken einen Namen gemacht. In Zusammenarbeit mit Heinrich Dübi gab er die 2. Auflage von G. Studers « Über Eis und Schnee » unter dem Titel « Geschichte der Besteigung der höchsten Gipfel der Schweiz » heraus. Nach Dübis Angaben stammen mehr als die Hälfte der Artikel und die « geradezu klassische Einleitung » aus Wäbers Feder.
Sein verdienstvollstes, aber auch entbehrungsreichstes Werk ist Faszikel III der « Bibliographie der Schweizerischen Landeskunde », betitelt « Landes- und Reisebeschreibungen. Ein Beitrag zur Bibliographie der schweizerischen Reiseliteratur 1479-1890 », Bern 1899, und Faszikel III 2 mit der « Fortsetzung von 1891-1900 » und « Nachträgen aus der Zeit vor 1891 », Bern 1909. Unter den Händen des mit exemplarischem Spürsinn begabten Bibliographen ist die ungeheure Stoffmasse dank seiner kritischen Stoff beherrschung und methodischen Schulung zu einem wissenschaftlichen Handbuch der schweizerischen Landesgeschichte und Landeskunde geworden, das seinem Schöpfer denn auch mit Recht den philosophischen Ehrendoktor der Universität Bern eintrug.
Schon 17 Jahre früher, an der 26. Generalversammlung des SAC von 1893 in St. Gallen, war ihm die Ehrenmitgliedschaft des SAC zugesprochen worden. Wäbers Verdienste um den SAC beschränkten sich aber nicht bloss auf seine redaktionelle Tätigkeit, die den Anlass dazu geboten hatte. Als Ausstellungskommissär der Schweizerischen Landesausstellung in Genf 1896 verfasste er den einschlägigen Bericht zuhanden der 29. Abgeordnetenversammlung 1894 in Baden. 1899 war er Mitarbeiter am neuen Führerreglement. Und schliesslich gehörte er als Gründermitglied des Alpinen Museums in Bern und Delegierter des Berner Burgerrates von 1905-1911 der Museumskommission an. Zusammen mit Ch. Montandon und R. Zeller betreute er die Sammlung und Bearbeitung der Kartographie und Gebirgsdarstellung in Bild, Panorama und Photographic Auch in der Sektion Bern SAC hat sich Wäber rühmlich hervorgetan. In der glanzvollen Aera G. Studer ( 1869-1878 ) versah er das Amt des Sekretärs und in der nachfolgenden Aera Dübi ( 1882-1903 ) von 1888-1893 dasjenige des Vizepräsidenten. Auch bereicherte er die Clubsitzungen mit vielen Vorträgen.
Wenn wir rückblickend Adolf Wäbers Gesamtschaffen überschauen, so dürfen wir ihn füglich unter die geistigen Pioniere unseres SAC einreihen.paui sieber