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Über das Projekt berichtet ein Aufsatz, der in: Orbis Linguarum, 14 (1999) S. 159-176, erschienen ist.
Zur Restaurierung der Kettenbuch-Bibliothek in der Schloßkirche zu Oels
von Rudolf Lenz
In ihrer Sitzung im Januar 1986 beschloß die Kommission für Personalschriften auf Hinweise des Autors, der ihr als Sachverständiger angehört, sämtliche in der Universitätsbibliothek Breslau vorhandenen Trauerschriften durch Mitarbeiter der Forschungsstelle für Personalschriften ermitteln und verfilmen zu lassen, da die während des ersten Aufenthaltes im Jahre 1981 dort festgestellten Leichenpredigten sich als außerordentlich ergiebig für die Erforschung der schlesischen Landesgeschichte erwiesen hatten. Bereits im Oktober 1986, nach dem zweiten Aufenthalt dreier Mitarbeiter der Forschungsstelle an der Universitätsbibliothek Breslau, der wiederum den Leichenpredigten galt, erweiterte die Kommission ihren Beschluß vom Januar dahingehend, daß nicht nur sämtliche Leichenpredigten-Standorte in Breslau zu ermitteln und die jeweils vorhandenen Quellen festzustellen und zu verfilmen seien, sondern auch die der gesamten Region, der ehemaligen preußischen Provinz Schlesien. Damit war die Forschungsstelle neben der Region Hessen, deren Leichenpredigten exemplarisch ausgewertet werden, ein zweiter Forschungsschwerpunkt zugewiesen worden. Neben den notwendigen Auswertungs- und Katalogisierungsarbeiten versuchten Mitarbeiter der Foschungsstelle in den folgenden Jahren, über deutsche und polnische Literatur sowie über eine über die Universitätsbibliothek Breslau laufende Umfrage in Schlesien Bibliotheken und Archive mit deutschen Altbeständen zu eruieren, die tunlichst bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen sollten, um die Anfänge des Brauches, Leichenpredigten zu halten und zu drucken, ebenfalls zu erfassen. Aber auch in Schlesien selbst gingen wir während unserer zahlreichen Kampagnen in den dortigen Büchersammlungen immer wieder auf Spurensuche und bemühten uns, die aus der Literatur gewonnen Erkenntnisse durch Autopsie vor Ort zu überprüfen.. Bereits im Jahre 1987 - vor unserer dritten Reise nach Schlesien - hatten wir eine umfangreiche Aufstellung ehemaliger deutscher Bibliotheken und Archive in Schlesien zusammengetragen, deren Vorhandensein oder deren Vernichtung durch die Kampfhandlungen während des Zweiten Weltkrieges und die sich anschließende Devastierungsphase nur vor Ort abgeklärt werden konnte. Unser besonderes Interesse galt den umfangreichen barocken Majoratsbibliotheken und-archiven in Schloß Fürstenstein (Ksiaz) und Bad Warmbrunn (Cieplice Slaskie Zdroj), den Bibliotheken und Archiven der Friedenskirchen in Schweidnitz (Swidnica) und Jauer (Jawor) sowie den Buchbeständen der Gnadenkirche in Hirschberg (Jelenia Gora) und den drei Bibliotheken Goldberg (Zlotoryia), Liegnitz (Legnica) und Oels (Olesnica).
Die - vergebliche - Suche nach den beiden erstgenannten Bibliotheken sowie die nach dem Bücherbestand der Gnadenkirche in Hirschberg ist anderenorts ausführlich nachgezeichnet worden. Über den Verbleib der Bibliotheken in Goldberg und Liegnitz konnte uns Adam Skura, der Leiter der Abteilung Alte Drucke der Universitätsbibliothek Breslau, während unseres nächsten Aufenthaltes in Schlesien informieren: Die Kettenbuchbibliothek zu Goldberg sei sehr bald nach Ende des Krieges nahezu unversehrt in die Nationalbibliothek nach Warschau verbracht worden, wohingegen die der Kirche St. Peter und Paul zu Liegnitz im Sommer 1945 in ruinösem Zustand und weitgehend ohne Ketten in die Bestände der Universitätsbibliothek Breslau inkorporiert worden sei. Über das Schicksal der Oelser Bibliothek vermochte uns Skura keinerlei Hinweise zu geben. Die Bibliotheken der Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer konnten wir während der nächsten Aufenthalte in Breslau selbst überprüfen: In beiden Fällen existierten die Altbestände und mit ihnen die einst vorhandenen Leichenpredigten-Bestände nicht mehr. Welche Wege sie nach dem Krieg gegangen sein mögen, offenbarte sich in Schweidnitz: Während wir die am dortigen Gotteshaus und auf dem Kirchhof befindlichen Epitaphien fotografierten und aufnahmen, boten uns Kinder und Jugendliche Bibeln und Gesangbücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert zum Kauf an, die eindeutige Besitzvermerke der Friedenskirche trugen.
Nach diesen Erfahrungen konzentrierten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Schloßkirchenbibliothek zu Oels und auf die fürstliche Bibliothek im dortigen Schlosse. Von ersterer wußten wir aus der Literatur, daß sie bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in einem Bibliotheksraum in der Kirche untergebracht gewesen sein soll; zur zweiten brachten wir alsbald in Erfahrung, daß sie, die rund 30.000 Bände umfaßt hatte, bereits 1885 an die "Königlich öffentliche Bibliothek" zu Dresden abgegeben worden war. Diese Bibliothek war die Vorgängerin der heutigen Sächsischen Landesbibliothek, im Japanischen Palais untergebracht und wurde mit dessen Zerstörung in den Bombennächten des 13. Februar und 2. März 1945 mit fast der Hälfte ihres Buchbestandes, darunter auch dem der Oelser Schloßbibliothek, vernichtet.
Bereits im Sommer 1981, während unseres ersten Aufenthaltes an der Universitätsbibliothek Breslau, der ausschließlich der Ziehung einer sechsprozentigen Stichprobe aus den damals geschätzten rund 10.000 Leichenpredigten in den Beständen der Universitätsbibliothek und zur Abrundung der flächendeckenden Stichprobe in den deutschsprachigen frühmodernen Territorien galt, konnten wir wegen des akuten Treibstoffmangels nur eine kurze Exkursion unternehmen, die uns über Trebnitz (Trzebnica) und Juliusburg (Dobroszyce) auch nach Oels führte. "Das prachtvolle Renaissanceschloß zu Oels, Sitz der Württemberger und Braunschweiger Herzöge zu Oels und schließlich bis 1945 Wohnsitz des letzten deutschen Kronprinzen, war ebenso Ziel wie die Johannes dem Täufer gewidmete Schloßkirche. Während der Besichtigung wußten wir noch nicht, daß sie bzw. die in ihr verborgene Bibliothek, eine der drei bekannten und die einzige noch an ihrem ursprünglichen Aufbewahrungsort erhaltene schlesische Kettenbuchbibliothek, einmal für unsere Arbeiten eine besondere Rolle spielen würde". Auch während unseres nächsten Aufenthaltes in Breslau, im Sommer 1986, besichtigten wir die Schloßkirche zu Oels, um die dortigen Epitaphien zu fotografieren. Da zu dieser Zeit unser Bemühen ausschließlich dem Leichenpredigten-Bestand der Universitätsbibliothek Breslau galt, hatten wir keine Kenntnis von der Oelser Kettenbuchbibliothek und richteten die Aufmerksamkeit ausschließlich auf die barocke Ausstattung der Kirche und die leider unzugängliche Fürstengruftkapelle. Von unserem Führer erfuhren wir, daß das Gebäude während einer Umbaumaßnahme im Jahre 1905 weitgehend eingestürzt und in alter Form bis 1909 wiederaufgebaut worden sei, ein Sachverhalt, den nicht nur Hugo Weczerka bestätigte, sondern auch Georg Hähnel in seiner umfangreichen Geschichte der Schloßkirche und des kirchlichen Lebens im Herzogtum und in der Gemeinde Oels. Beiden Artikeln ist gemein, daß sie keinen Hinweis auf die Schloßkirchenbibliothek geben. Der Versuch, das Renaissanceschloß zu besichtigen, scheiterte am wohlverschlossenen schmiedeeisernen Tor zum Innenhof desselben.
Im Sommer 1988, während eines weiteren Aufenthaltes an der Universitätsbibliothek Breslau und unmittelbar vor dem Ende der Ermittlungsarbeiten in den dortigen Beständen, intensivierten wir die Suche nach der 'verschollenen' Oelser Schloßkirchenbibliothek. Dabei mußten wir feststellen, daß die Bibliothek in der Literatur nahezu keine Erwähnung findet und daß es offensichtlich auch keine mündliche Überlieferung gab, wie die Gespräche in Oels zu jener Zeit bezeugen.
Wiederum wußte unser Cicerone in der Schloßkirche nichts von einer dort vorhandenen Bibliothek zu berichten. Dem zu Rate gezogenen Küster war die Existenz der Bibliothek ebenfalls nicht bekannt. Der amtierende Pfarrer hingegen lehnte ein Gespräch mit uns schlichtweg ab, so daß uns nur die Besichtigung des in Renovierung befindlichen Gotteshauses blieb. Auffällig war, daß eine Tür im westlichen Vorraum der Kirche durch einen massiven Holzverschlag gesichert war, ein Umstand, den wir mit den stattfindenden Renovierungsarbeiten erklärten. Auf einem Rundgang über den Ring, der die herben Verluste manifestierte, die Oels in den letzten Kriegstagen und der sich anschließenden Devastierungsphase erfahren hatte - die Stadt wurde zu siebzig Prozent zerstört -, sprach ein in Oels verbliebener älterer Deutscher uns an und gab bereitwillig Auskunft über seine Lebensverhältnisse und über das Schicksal, das die Stadt seit 1945 genommen hatte. Von der Schloßkirchenbibliothek wollte er vor dem Kriege gehört haben, über ihren Verbleib vermochte er nur zu spekulieren. Ebenso erfolglos blieben Gespräche mit unseren Breslauer Konfidenten, sei es Adam Skura, sei es der damalige Bibliotheksdirektor Dr. Stefan Kubow, sei es der Direktor der Diözesanbibliothek Dr. Jozef Pater.
Dennoch ließen wir uns von den negativen Ergebnissen dieser Recherchen nicht entmutigen und begaben uns während des nächsten Aufenthaltes in Breslau, im Frühsommer 1989, wiederum auf die Suche nach der Schloßkirchenbibliothek. Wiederum führte unser Weg nach Oels, wiederum unterzogen wir die Kirche einer intensiven Besichtigung, wiederum wußten die dort Befragten keine Auskunft über die Existenz oder Nichtexistenz der Bibliothek zu geben und wiederum war es nicht möglich, die Tür zu öffnen, die Zugang zu dem Obergeschoß im westlichen Vorbau gewährt hätte, da diesmal eine Totenlade, ein Katafalk, deren Öffnen verwehrte, nachdem wir sämtliche Kapellen, Nischen, den Turm und sogar - wie wir später feststellen konnten - den ehemaligen Aufstellungsort der Bibliothek über dem Hauptportal hatten überprüfen können. Die Tür im westlichen Vorraum war die einzige, die uns verschlossen blieb - wie auch beim vorangegangenen Besuch. Auch die in Breslau wiederum geführten Gespräche wegen des Verbleibes der Bibliothek blieben ohne Ergebnis; keiner unserer Gesprächspartner hatte je von der Bibliothek gehört, geschweige denn, sie jemals gesehen. So unbefriedigend stellte sich uns im Frühsommer 1989 der Sachstand zur Schloßkirchenbibliothek Oels dar.
Nach all den hier beschriebenen unergiebigen Recherchen mußten wir davon ausgehen, daß die Bibliothek möglicherweise doch beim Einsturz der Kirche 1905 vernichtet worden war, da sie in der nach 1910 erschienenen spärlichen Literatur zu Oels keine Erwähnung findet. Sollte sie jedoch den Einsturz überdauert haben, konnte die Bibliothek - ähnlich anderen schlesischen Bibliotheken von sowjetischem Militär 1945 abtransportiert worden sein, da die Kirche durch die Kampfhandlungen nur geringfügig beschädigt worden war. Eine weitere Möglichkeit bestand darin, daß die Bibliothek nach der Kapitulation durch polnische Behörden in die Nationalbibliothek in Warschau verbracht worden war - gleich der Kettenbuchbibliothek aus Goldberg. Des weiteren konnte sie aber auch der nach 1945 einsetzenden Devastierungsphase zum Opfer gefallen sein. Fragen, die wir weder über die Literatur noch vor Ort, noch mit Hilfe unserer polnischen Gesprächspartner zu klären vermochten, so daß wir - ebenso wie bei der Fürstensteiner Bibliothek - die weitere Suche nach dieser Bibliothek einstellten und sie verschollen glaubten.
Eine dramatische Wende erfuhren unsere erfolglosen Bemühungen um die Schloßkirchenbibliothek zu Oels im Frühsommer 1991, nachdem wir bereits die Breslauer und niederschlesischen deutschsprachigen Altbestände auf ihr Leichenpredigten-Vorkommen überprüft und uns solchen in Oppeln (Opole) und Oberschlesien zugewandt hatten. Die Oelser Bibliothek war unserem Bewußtsein entschwunden bzw. von anderen Altbestandsvorkommen völlig überlagert. Während eines Aufenthaltes im St. Josefs-Kloster in Breslau, nach einem klösterlichen Abendbrot, überreichte uns Dr. Pater eine rund 200 Seiten umfassende Broschüre mit dem Bemerken, daß in diesem Inventar möglicherweise Leichenpredigten verzeichnet sein könnten. Bei näherem Betrachten erwies sich die Broschüre zu unserer großen Überraschung als das Inventar der verschollen geglaubten Schloßkirchenbibliothek zu Oels. Marta Samocka, vormals Mitarbeiterin von Adam Skura in der Abteilung Alte Drucke der Universitätsbibliothek Breslau und heute wie 1991 deren Leiterin, hatte dieses Inventar am 31. Mai 1990 abgeschlossen, so daß es nicht unwahrscheinlich ist, daß Frau Samocka im Sommer 1989 in dem uns nicht zugänglichen Bibliotheksraum im Obergeschoß des westlichen Vorbaus den Buchbestand inventarisierte, während wir die Kirche besichtigten und auf der Suche nach der Bibliothek waren. Dennoch wußte man in der Universitätsbibliothek Breslau um die Existenz dieser Bibliothek nicht. Vor unserer Weiterfahrt nach Oberschlesien überprüften wir das Inventar und stellten insgesamt 912 Leichenpredigten fest, die sich zum größeren Teil in Sammelbänden befinden. Dann erteilten wir Dr. Pater den notwendigen Verfilmungsauftrag, so daß wir auf dem Rückweg von Oberschlesien nach Marburg die Filme bereits in Empfang nehmen konnten, die in den folgenden Jahren in der Forschungsstelle für Personalschriften ausgewertet wurden. 1998 endlich konnte der Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in der Schloßkirche zu Oels mit 912 Eintragungen vorgelegt werden.
Rund zwei Drittel der Quellen sind in Sammlungen enthalten, die von seinerzeit bekannten Autoren stammen, darunter Fridericus Balduinus (1575-1627), Professor der Theologie in Wittenberg; Martinus Hammer, Superintendent in Glauchau; Casparus Sauterus (1547-1604), Pastor in Augsburg; Andreas Pancratius (1531-1576), Superintendent zu Hof an der Saale, und Georgius Draudius (1573-1635) , Prediger zu Dauernheim in Hessen. Schlesischer Herkunft war Johannes Heermannus (1585-1647), der in Raudten (Rudna) in Niederschlesien geboren wurde, seine Ausbildung in Breslau und durch seinen bekannten Amtsbruder Valerius Herberger in Fraustadt (Wschowa), in Brieg (Brzeg) und an der Universität Straßburg erfuhr. Wegen eines Augenleidens mußte er sein Pfarramt in Köben (Chobienia) und Brieg niederlegen und starb gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges im Exil in Polnisch-Lissa (Leszno). Heermannus oder Hermann verfaßte nicht nur die in diesem Katalog nachgewiesenen "Leichen=Predigten, in 5 Theilen", sondern "in [ihm] hat die protestantische Kirche ihren größten Dichter zwischen Luther und Gerhardt..." . Valerius Herberger (1562-1627) in Fraustadt in Groß-Polen, einem bekannten Fluchtort protestantischer Schlesier während der Gegenreformation und während des Dreißigjährigen Krieges geboren, verließ seine Vaterstadt nur zur Ausbildung in Freystadt (Kozuchow) in Schlesien, in Frankfurt an der Oder und in Leipzig, um bereits 1590 Diakon und 1598 Prediger an der Kirche seiner Vaterstadt, dem Kripplein Christi, einem bescheidenen, heute noch existierenden Fachwerkbau, zu werden. Trotz auswärtiger Berufungen hat er Fraustadt nicht mehr verlassen und unter anderem die "geistliche[n] Trauer=Binden oder Leichen=Predigten in 7 Theilen" verfaßt, die ebenfalls im Oelser Bestand enthalten sind. Weniger bekannt ist der dritte schlesische Autor, Jeremias Ulmannus (1547-1629), geboren zu Hirschberg und Pastor zu Waldenburg; er "schrieb 9 christliche Leichen=Predigten". Auch Georgius Weinrich (1554-1617), nachmaliger Superintendent und Professor der Theologie in Leipzig, wurde in Schlesien, in Hirschberg (Jelenia Gora), geboren. Bereits in jungen Jahren verließ er seine Heimat, um in Sachsen ansässig zu werden. Neben zahlreichen anderen Schriften ließ er auch "funeralia in fünf Theilen" zum Druck geben.
Jeweils ein Drittel der Adressaten lebte und starb in Hof an der Saale, dem Dienstort von Andreas Pancratius und in Sachsen; rund ein Viertel in Schlesien. Bemerkenswert ist die hohe Zahl von 40 Studenten der Universitäten Leipzig und Wittenberg, bedingt durch die Leichenpredigten von Weinrich und Balduinus. 17 Leichenpredigten und Trauerschriften sind Vertretern des Hochadels gewidmet, davon zwei auf schlesische Herzöge, darunter auch Karl II. Herzog von Münsterberg-Oels, dem Gründer der Bibliothek. Weitere 25 Adressaten stammen aus dem niederen Adel, wohingegen rund 800 Stücke Bürgerliche als Quellenpersonen haben, in der Mehrzahl Gelehrte und Geistliche sowie deren Angehörige. Wie dieser doch recht umfangreiche Leichenpredigten-Bestand Eingang in die Schloßkirche zu Oels gefunden hat, läßt sich heute nicht mehr nachvollziehen, da diese Bände keine Schenkungsvermerke tragen.
Stand zunächst die Ermittlung, Verfilmung, Auswertung und Katalogisierung der Leichenpredigten der Schloßkirche im Mittelpunkt unseres Interesses, änderte sich dies nachhaltig, nachdem das Vorwort des Inventars von Marta Samocka uns in deutscher Übersetzung vorlag und wir nur allzu deutlich erkennen mußten, daß die von uns bearbeiteten Leichenpredigten einen Teilbestand einer der drei bekannten schlesischen Kettenbuchbibliotheken darstellen, und zwar den der jüngsten von ihnen, der einzigen, die bis heute an ihrem ursprünglichen Platz erhalten geblieben ist.
Herzog Karl II. von Münsterberg-Oels stiftete die Bibliothek 1594, im selben Jahr, in dem der Superintendent des Fürstentums, Melchior Eccard, zur Beförderung des Oelser Schulwesens auf Geheiß seines Landesherrn in Oels das Gymnasium illustre einrichtete. Aufgabe der Bibliothek sollte es sein, die Oelser Geistlichkeit, die Angehörigen des Gymnasiums - Lehrpersonal und Schüler - sowie interessierte Oelser Bürger sowohl für den Dienstbetrieb als auch zur 'Weiterbildung' mit der notwendigen Lektüre zu versorgen. Deshalb trug die Bibliothek zumindest anfänglich den Charakter einer öffentlichen Gymnasial- und Kirchenbibliothek. Als Standort der Büchersammlung wurde ein Raum über dem Haupteingang der Schloßkirche bestimmt, in dem sie in zwei Wandregalen bis zum Einsturz des Gotteshauses 1905 ihren Platz hatte. In der Mitte des Raumes soll sich ein Tisch befunden haben, an dem potentielle Leser die Bände benutzen konnten. Wegen ihres öffentlichen Charakters wähnten Stifter und ihr erster Betreuer, Superintendent Melchior Eccard, die Werke mit Hilfe von Ketten vor Diebstahl sichern zu müssen, die - wie noch heute zu sehen ist - bei großformatigen Bänden eine schlesische Elle, nämlich 60,3 cm, lang sind. Kleinformatige Bücher tragen kürzere und zierlichere Ketten. In beiden Fällen enden sie in einem Ring, der über einer am Tisch befestigten abschließbaren Stange lief.
Der Buchbestand rekrutierte sich fast ausnahmslos aus Schenkungen, obzwar Superintendent Eccard auch den Überschuß aus Almosengeldern für den Ankauf von Büchern bestimmt hatte. Der erste Donator war der Stifter selbst: Er legte den Grundstock der Bibliothek, indem er großherzig Editionen der "Patres" (Kirchenväter) der Bibliothek übereignete. Selbst in seiner Leichenpredigt wird sein Mäzenatentum mit den Worten gerühmt: "In dem I. F. Gn. gar ein schön Opus Biblicum unter vielen Sprachen, nebenst andern Herrlichen Theologischen Büchern, zu der New angefangenen und auffgerichteten Fürstl: Kirch Bibliotheca, legen unnd verehren lassen." Auch seine beiden Söhne, Heinrich Wentzel und Karl Friedrich, folgten dem väterlichen Mäzenatentum, wie das Inventar ausweist. 1596 schenkte Herzog Joachim Friedrich von Liegnitz der Bibliothek Werke Luthers und Melanchthons, und Erzherzog Karl von Österreich, Bischof von Brixen und Breslau, findet sich mit "Baronii Annales" unter den Donatoren. Auch fürstliche Räte bedachten die Bibliothek mit Bücherspenden, so z.B. D. Paulus Heß, Fürstlich Oelsnischer Leib-Medicus, der Werke aus der Bibliothek seines Vaters, D. Johannes Heß, des ersten protestantischen Predigers an der Kirche Maria Magdalena in Breslau, der neugeschaffenen Bibliothek übereignete. Aus den Schenkungsvermerken, die aus den Jahren 1594 bis 1619 datieren und insgesamt 31 Namen von Stiftern aufweisen, geht aber auch hervor, daß Oelser Bürger die Kirchenbibliothek bedachten: sei es testamentarisch, sei es aufgrund anderer familialer Ereignisse.
Im Jahr 1595 sehen wir "nobilis et Amplissimus vir Dn. Balthasar Wiedemannus", der der Bibliothek die Heilige Schrift, die "Biblia, das ist die gantze Heilige Schrifft deudsch. Auffs new zugericht. D. Mart. Luther", in der Wittenberger Ausgabe von 1541, verehrt. Ein griechisch-lateinisches Lexikon dedizieren die Eltern und der Bruder zur Erinnerung an einen Oelser Studenten 1594, der zwei Jahre zuvor "in Prüssia placide in Christo obdormuit". Johann Konrazky, "weiland Bürger und Handelsmann in Breslaw hat Gott dem Allmechtigen zu Lob und ehren, der studirenden Jugend zu sonderem nutz und brauch, auch andern zum rühmlichen folgexempel und dann zum gedachtnüss seines Nahmens, in seinem Testament 1606, der Bibliothek allhier zur Olssen legiret und beschrieben... fünfzig Taller, dafür ist dieses und andern mehr Bücher... Ao 1607" angekauft worden, darunter ein Werk über den heiligen Gregor von Nazianz. Darüber hinaus bedenkt der fürstliche Mundkoch, der ehrbare und wohlgeachtete Herr Paul Jeckel, die Bibliothek sinnigerweise mit Martin Luthers Tischreden . Die 'Creditores' von Caspar Richter stiften nach dessen "tödlichen Abgang" 1610 eine Auslegung der Sonntagsevangelien und andere Werke.
Die wenigen hier angeführten Schenkungsvermerke lassen zwei Feststellungen zu: Zum einen beschränkt sich die Phase der Schenkungen - wie auch Marta Samocka bereits festgestellt hat - auf die ersten Jahre der Bibliothek; sie endet 1619, zwei Jahre nach dem Tod ihres Gründers. Zum anderen gehören die gestifteten Werke ausnahmslos der zeitgenössischen theologischen bzw. Erbauungsliteratur an, Befunde, die auch von den restlichen Schenkungsvermerken gedeckt werden. Die Vermutung liegt nahe, daß Karl II. zu seinen Lebzeiten sowohl das Hofpersonal als auch die Einwohnerschaft von Oels nachdrücklich dazu motivierte, die von ihm begründete Bibliothek zu bedenken.
Ebenfalls läßt sich anhand dieser Eintragungen die Entwicklung der Bibliothek in ihren Anfangsjahren nachvollziehen. Außerdem bilden gerade diese Schenkungen, soweit sie erhalten sind - von den von Karl II. überwiesenen Bänden finden sich gerade noch zwei Positionen - den heute noch wertvollsten Teil der Büchersammlung, stammen sie doch überwiegend aus dem 16. Jahrhundert. Marta Samocka schätzt, daß die Zahl der Bände 550 nie überschritten habe; zu Beginn des 19. Jahrhunderts war sie bereits auf 400 abgesunken. Weitere Verluste erlitt sie dadurch, daß zur Ergänzung des Bestandes der fürstlichen Bibliothek im Schloß, Bände der Kirchenbibliothek entnommen und durch Dubletten aus der fürstlichen Bibliothek ersetzt wurden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederum hatte sich die Zahl der Bände auf rund 350 reduziert, gegenwärtig beträgt sie 239. Welches Schicksal die abhanden gekommenen Stücke gefunden haben, ist unbekannt.
Wenn Marta Samocka feststellt, daß die Druckschriften aus bekannten europäischen Offizinen stammen, meint sie unzweifelhaft überwiegend solche aus deutschen Offizinen, neben Baumann und Baumanni Erben in Breslau findet man aber auch Chemlin in Gießen oder Beerwald in Leipzig, aber auch Paris und Basel sind als Druckorte vertreten. Marburg hingegen fehlt völlig. Wie früher für die Leichenpredigten bereits festgestellt, konzentrieren sich die Druckorte weitgehend auf Mitteldeutschland und weisen keine überraschenden Besonderheiten auf, wie auch der gesamte Bücherbestand heute außer einer Inkunabel aus dem Jahre 1489, nämlich die Summa astrologiae iudicialis von John Estwood mit dem Druckort Venedig, keine ungewöhnlichen Verfasserschaften und keine ungewöhnlichen Drucke ausweist. In seiner Mehrzahl besteht der noch erhaltene Bestand aus theologischer beziehungsweise in jener Zeit gebräuchlicher Erbauungsliteratur. Wenige Werke aus dem Bereich der Jurisprudenz und der Astrologie bestätigen diesen Sachverhalt. Cimelien sind in ihm nicht enthalten. Er entspricht der durchschnittlichen Qualität einer aus jener Zeit stammenden Gymnasial- oder Kirchenbibliothek, wie man sie auch heute noch in Deutschland antreffen kann. Auffällig ist, daß manche Werke in mittelalterliche liturgische Handschriften gebunden sind, die von einem Warschauer Einbandforscher vor geraumer Zeit untersucht wurden. Ein Ergebnis dieser Forschungen liegt allerdings bislang nicht vor.
Zweifellos ungewöhnlich ist, daß eine 1594 gegründete Bibliothek noch wie eine mittelalterliche Klosterbibliothek an Ketten geschmiedet wurde, ein Vorgang der bedingte, daß die Bände in hölzerne Buchdeckel oder in Leder gefaßt werden mußten, um den Kettenbeschlägen den entsprechenden Halt zu gewähren. Es ist nicht auszuschließen, daß sich Melchior Eccard, der erste Bibliothekarius der Oelser Schloßkirchenbibliothek, in Ordnungen anderer zeitgenössischer Bibliotheken über Diebstahlsicherungen informierte und so in Erfahrung brachte, daß auch anderenorts vorgesehen war, die Bücher an Ketten zu legen. So heißt es in den sogenannten revidierten Statuten vom 14. Januar 1564 zur Ordnung der Marburger Universitätsbibliothek: "Und damit die Bücher nicht verruckt werden, So sollen sie aller an Ketten geschmidt, Auch eyn ordentlich Inventarium darüber gehalten, und eynem yeden Professori unnd Studioso vergont werden in solche Bibliothecam zugehen, Doch das keyne Bücher privatim darvon getragen noch verlauhen, auch keyne bletter daraus geschnitten werden." Diese Bibliotheksordnung wurde in der Praxis jedoch nicht durchgeführt, denn keines der in der Marburger Bibliothek vorhandenen Bücher wurde an die Kette gelegt. In Oels hingegen wurde vielleicht diese oder eine ähnliche Bibliotheksordnung - noch in der Tradition mittelalterlicher Bibliotheken stehend - in die Tat umgesetzt und die frühen Bände an Ketten gelegt, ein für das ausgehende 16. Jahrhundert außergewöhnlicher Vorgang, der allerdings der Gegenwart mit dieser Büchersammlung ein kulturhistorisches Denkmal außergewöhnlichen Ranges beschert hat. Die Kettenbuchbibliothek in der Oelser Schloßkirche ist neben einigen Klosterbibliotheken in Italien, im niederländischen Zutphen und im englischen Hereford offensichtlich die letzte erhaltene Kettenbuchbibliothek in Mitteleuropa.
Nach dem Einsturz der Kirche am 15. Juli 1905 und ihrem Wiederaufbau in den bis 1909 folgenden Jahren erhielt die Bibliothek einen neuen Standort in dem neugotischen "Anbau einer Vorhalle" an der Westseite der Kirche.
Auf speziell für diesen Bibliotheksraum entworfenen neugotischen Holzregalen, die die gesamten Wandflächen des Raumes bedecken, befindet sich die Kettenbuchbibliothek der Schloßkirche noch heute.
Aufs höchste alarmierend und bestürzend zugleich war der Befund über den Zustand der Oelser Büchersammlung, den die erfahrene Bibliothekarin - im Umgang mit dem alten Buch wohlvertraut - im zweiten Teil des Inventars niedergelegt hatte. Bereits der erste Satz über den schlechten Zustand des Buchbestandes ließ aufhorchen. Darüber hinaus wurde festgestellt, daß sich nur ein knappes Drittel der Bücher - rund 80 Exemplare - in gutem Zustand befanden. Rund 160 Werke bedurften dringend der Restaurierung, um weitere Schäden von den Bänden abzuwehren.
Akribisch listete Samocka die Schäden und deren Ursachen auf: beschädigte Einbände und Buchblöcke, hervorgerufen durch Pilz- und Wurmbefall; mechanische Schäden, die durch zu dichtes Aufstellen der Bände in den Regalen bewirkt worden waren; geschwollene Einbandmakulatur und verzogene hölzerne Buchdeckel, ausgelöst durch das von hoher Luftfeuchtigkeit am ursprünglichen Aufstellungsort über dem Hauptportal geprägte Mikroklima. Die Ketten dagegen wiesen keinerlei Schäden auf, auch keine Oxidationsschäden.
Um die Büchersammlung vor einer weiteren Schädigung zu bewahren, schlug Samocka einen Katalog von Restaurierungsmaßnahmen vor: Zunächst sollte der gesamte Bestand einer Begasung unterzogen werden, um den Schädlingsbefall zu beseitigen. Derselbe Vorgang sollte in dem Bibliotheksraum durchgeführt werden. Nach Abschluß dieser dringlichen Vorarbeiten und gründlicher Reinigung des Raumes sollte die Restaurierung und Konservierung der Bände in Angriff genommen werden.
Nach der Lektüre dieses Befundes und nach Gesprächen in der Universitätsbibliothek Breslau wurde nur zu deutlich, daß sich die letzte noch erhaltene schlesische Kettenbuchbibliothek in der akuten Gefahr befand, in größeren Teilen in allernächster Zeit dem Untergang geweiht zu sein. Rettungsversuche der Kirchen- und politischen Gemeinde führten dazu, daß die Bände Anfang der neunziger Jahre der zwingend notwendigen Begasung zugeführt werden konnten. Ebenso wurden die Sicherungsmaßnahmen an den Zugängen zu dem Bibliotheksraum nachhaltig verstärkt, um Diebstähle, wie sie in anderen Bibliotheken Polens in jener Zeit zu beobachten waren, auszuschließen. An eine Restaurierung der sich zum Teil in desaströsem Zustand befindlichen Bände war - wie eine Autopsie erbrachte - weder durch die politische noch die kirchliche Gemeinde zu denken, da die Kosten eines solchen Vorhabens weit außerhalb der finanziellen Möglichkeiten beider lagen.
1995 traten die Leitung der Universitätsbibliothek Breslau als Mittler und Rektor Prof. Dr. Wladyslaw Dynak in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kulturausschusses seiner Vaterstadt Oels an den Verfasser mit der Überlegung heran, zu prüfen, ob er Möglichkeiten sehe, dieses für Schlesien und das östliche Mitteleuropa einzigartige kulturgeschichtliche Denkmal vor dem Untergang zu bewahren.
Nach Vorgesprächen im Bundesministerium des Innern und nachdem der damalige Leiter der Restaurierungswerkstatt der Universitätsbibliothek Breslau, Mgr. Bereziuk, die Oelser Büchersammlung einer intensiven Begutachtung unterzogen und festgestellte hatte, daß 153 Werke dringend der Restaurierung bedurften, konnte eine entsprechende Antragstellung im April 1997 erfolgen, die im September des gleichen Jahres auch die erwünschte Bewilligung erfuhr. In einem völlig unprätentiösen Akt wurden am 16. Oktober 1997 im Kofferraum des Autos des Verfassers die noch im Haushaltsjahr 1997 zu restaurierenden 32 Bände aus der Schloßkirche zu Oels in die Restaurierungswerkstatt nach Breslau transportiert. Bereits am 20. November hatten deren Mitarbeiter - inzwischen unter der Leitung von Frau Mgr. Labuz - die Restaurierungsarbeiten in vorzüglicher Qualität abgeschlossen, wie eine Besichtigung und Prüfung in Breslau ergab.
Abb. 4: Ein Kettenband nach der Restaurierung
Interessant war zu erfahren, daß das für diese Arbeiten verwendete Spezialpapier nach einer Rezeptur aus dem 17. Jahrhundert in der ebenso alten wie traditionsreichen Papiermühle in Bad Reinerz (Duszniki Zdroj), in der Nähe von Glatz gelegen, hergestellt worden war, eben in der Papiermühle, in der man in früheren Jahren das milbenfreie Büttenpapier für Staatsurkunden zu schöpfen gewußt hatte.
Am 14. Juli 1998 waren auch die restlichen 121 Bände erfolgreich restauriert. Im Beisein des Bürgermeisters von Oels, Mgr. Jan Brons, des Rektors der Universität Breslau, Prof. Dr. Wladyslaw Dynak, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Ehrenamtlichen Verwaltung für den Wiederaufbau der Baudenkmäler, des Propstes der Schloßkirche, Ks. Wladyslaw Ozimek, der Vorsitzenden der katholischen Intelligenz, Frau Halina Gorzkiewicz, der Leiterin der Restaurierungswerkstatt der Universitätsbibliothek Breslau, Frau Mgr. Katarzyna Labuz, und des ehemaligen Leiters dieser Einrichtung, Mgr. Jan Bereziuk, sowie des Verfassers wurden die Bände feierlich in die neunzig Jahre alten neugotischen Regale wieder eingestellt.
Abb. 5: Die restaurierten Kettenbände
Die letzte noch erhaltene schlesische Kettenbuchbibliothek befindet sich konserviert und restauriert wieder in der überlieferten Vollständigkeit an ihrem seit 1594 angestammten Standort. In einer bescheidenen Feier in dem der Schloßkirche benachbarten Pfarrhaus dankten Propst und Bürgermeister nachdrücklich dem Bundesministerium des Innern für die Bereitstellung der Mittel zur Restaurierung der Bibliothek, insbesondere den Herren Dr. Matthias Buth und Lothar Stürzebecher. In den hier und später im Rathaus geführten Gesprächen ergab sich, daß sowohl die kirchliche als auch die politische Gemeinde den früher erwähnten Holzverschlag in der westlichen Vorhalle der Schloßkirche vor der Tür zum Aufstieg in den Bibliotheksraum ebenso bewußt als Sicherungsmaßnahme für die Bibliothek eingesetzt hatten, wie auch die Vorhalle als Leichenhalle genutzt worden war, um potentielle Diebe abzuschrecken. Darüber hinaus wurde von allen polnischen Gesprächsteilnehmern bestätigt, daß die Existenz der Bibliothek besonders Ausländern gegenüber - also auch gegenüber uns - bewußt verheimlicht worden sei, da man nicht Gefahr laufen wollte, daß die Bibliothek Ziel von Raubzügen werden würde.
In Zukunft jedoch wird die Kettenbuchbibliothek in der Schloßkirche zu Oels wissenschaftlich Interessierten zur Verfügung stehen. Ihr Bestand soll in nächster Zeit einer bibliothekswissenschaftlichen Untersuchung zugeführt werden.
[1] Vgl. R. Lenz, Schlesische Impressionen, in: Orbis Linguarum 5 (1996) S. 281-286.
[2] Ders., Schlesische Impressionen - Folge 3, in: Orbis Linguarum, Vol. 12 1999, S. 175-186.
[3] Ders., Deutsches Kulturgut in polnischen Bibliotheken und Archiven, in: H.-J. Karp (Hrsg.), Deutsche Geschichte und Kultur im heutigen Polen. Fragen der Gegenstandsbestimmung und Methodologie, Marburg 1997, S. 141-152 (Tagungen zur Ostmitteleuropa-Forschung 2); vgl. ders. (wie Anm. 2).
[4] Eine Fotografie der Goldberger Kettenbände findet sich in: R. Mummendey, Von Büchern und Bibliotheken, Darmstadt 1984 (6. Auflage), S. 298. Johann Heinrich Zedler erwähnt diese Bibliothek weder unter dem Stichwort Goldberg noch unter Trotzendorf.
[5] Diese Bibliothek wird von Zedler ohne weitere Spezifikation "ein alte Bibliothec in einem besondern Behältnisse..." genannt. (J. H. Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexikon, Bd. 17, Halle-Leipzig 1738, Sp. 1071).
[6] S. Corsten u. a. (Hrsg.), Lexikon des gesamten Buchwesens, Bd. 2, Stuttgart 1989 (2. Auflage), S. 356.
[7] Lenz (wie Anm. 1) S. 285.
[8] Ebd.
[9] H. Weczerka (Hrsg.), Handbuch der historischen Stätten: Schlesien, Stuttgart 1977, S. 373.
[10] G. Hähnel, Zur Geschichte der Schloßkirche und des kirchlichen Lebens im Herzogtum und in der Gemeinde Oels, Oels 1910.
[11] Eine Ausnahme bilden z.B. M. Stein, Zur Geschichte der Schloßkirche in Oels, in: Schlesien 5 (1911/12) S. 219-222, und der Beitrag: Noch eine an Ketten geschmiedete Bibliothek in Schlesien, in: Schlesische Provincialblätter, Litterarische Beilage, Heft 4 (April 1804) S. 97-101. Zedler (wie Anm. 5) 1740, Bd. 25, Sp. 73, berichtet wohl unter dem Stichwort Oels "von der zu Oels befindlichen Bibliothek ...", ohne jedoch mitzuteilen, ob es sich um die fürstliche oder die Schloßkirchenbibliothek handelt.
[12] E. Michael, Oels, in: H. Stoob, P. Johanek (Hrsg.), Schlesisches Städtebuch, Stuttgart-Berlin-Köln 1995, S. 308-312 (Deutsches Städtebuch 1).
[13] Vgl. Hähnel (wie Anm. 10).
[14] M. Samocka, Inventarz dawnej biblioteki ewangelickiego kosciola zamkowego obecnie Kosciola Parafialnego p.w. sw. Jana Ewangelisty w Olesnicy (Typoskript vom 31. Mai 1990).
[15] R. Lenz u. a. (Bearb.), Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in der Bibliothek der Schloßkirche zu Oels, Sigmaringen 1998 (Marburger Personalschriften-Forschungen 20).
[16] C. G. Jöcher (Hrsg.), Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Bd. 1, Leipzig 1750, Sp. 736f.
[17] Ebd. Bd. 4, 1751, Sp. 177f.
[18] Jöcher (wie Anm. 16) Bd. 2, Sp. 212.
[19] Ebd. Sp. 1539f.; vgl. auch Die Religionen in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft (RGG), Bd. 2, Tübingen 1928 (2. Auflage), Sp. 1678f.
[20] Jöcher (wie Anm. 16) Bd. 2, Sp. 1540.
[21] F. van Ingen, Johann Heermann, in: M. Bircher (Hrsg.), Deutsche Schriftsteller im Porträt. Das Zeitalter des Barock, München 1979, S. 87.
[22] Jöcher (wie Anm. 16) Bd. 2, Sp. 1520f., sowie RGG (wie Anm. 19) Bd. 2, Sp. 1811.
[23] Jöcher (wie Anm. 16) Bd. 2, Sp. 1521.
[24] Ebd. Bd. 4, Sp. 1671.
[25] Ebd.
[26] Ebd., Sp. 1864.
[27] Ebd.
[28] Samocka (wie Anm. 14) S. I.
[29] J. Bach, Das höhere Schulwesen in Oels, in: E. Schlitzberger (Bearb.), Das Buch der Stadt Oels in Schlesien, Berlin-Spandau 1930, S. 83-87, hier: S. 84; vgl. Weczerka (wie Anm. 9) S. 372.
[30] F. Verdenhalven (Bearb.), Alte Meß- und Währungssysteme aus dem deutschen Sprachgebiet, Neustadt an der Aisch 1998 (2. Auflage), S. 16 f.
[31] Vgl. dazu und zum folgenden: J. C. Kundmann, Academiae et scholae Germaniae, praecique Ducatus Silesiae ... Oder die hohen und niedern Schulen Teutschlandes, insonderheit des Hertzogthums Schlesien ..., Breslau 1741, S. 376-378.
[32] Leichenpredigt auf Karl II. Herzog von Münsterberg-Oels von Samuel Heinnitz, 1617, S. 56 (Universitätsbibliothek Breslau, Signatur: 385107).
[33] Kundmann (wie Anm. 31).
[34] Zitiert nach Samocka (wie Anm. 14) S. 4.
[35] Ebd.
[36] Ebd. S. 8.
[37] Ebd. S. 12.
[38] Ebd. S. 21.
[39] Ebd. S. 36.
[40] Samocka (wie Anm. 14) S. I.
[41] Ebd.
[42] Vgl. dazu auch Provincialblätter (wie Anm. 11).
[43] Samocka (wie Anm. 14) S. I.
[44] Ebd. S. 207; zur Bedeutung des Verfassers siehe auch Zedler (wie Anm. 5) Bd. 8, Sp. 2017.
[45] Der Autor dankt herzlich Herrn Dr. Uwe Bredehorn, Leiter der Abteilung Handschriften, Rara und Bestandserhaltung der Universitätsbibliothek Marburg, der sich freundlicherweise der Aufgabe unterzog, den im Inventar nachgewiesenen Buchbestand zu überprüfen; Herr Dr. Bredehorn kam zu demselben Befund.
[46] Gespräch mit dem Bürgermeister der Stadt Oels, Herrn Jan Brons, am 14. Juli 1998.
[47] Zitiert nach G. Zedler, Geschichte der Universitätsbibliothek zu Marburg von 1527-1887, Marburg 1896, S. 17; vgl. auch Provincialblätter (wie Anm. 11) S. 97.
[48] Corsten (wie Anm. 6) Bd. 4, S. 204.
[49] Hähnel (wie Anm. 10) S. 107.
[50] Samocka (wie Anm. 14) S. IV.
[51] Vgl. Weczerka (wie Anm. 9) S. 13.

© GCA Christian Heilmann Kontakt: Heilmann AT GCA.CH / Letzte Änderung: 07.01.2008