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Ankaufsvorschlag l Manfred Pernice. Jeep l – lll
2002 präsentierte die Annemarie Verna Galerie, Zürich eine Einzelausstellung des 1963 in Hildesheim geborenen, in Berlin lebenden Künstlers Manfred Pernice. Sie bestand aus zwei grossformatigen Pressspanobjekten, mehreren Zeichnungen, verschiedenen Postern und Dokumentationsmaterial sowie einer Wandmalerei. Jeep, so der Titel der Installation, bezog sich auf das geländegängige Fahrzeug, genauer auf einen Ort, an dem diese verkauft wurden. Im Erdgeschoss des Luzerner Bourbaki-Panoramas befand sich nämlich früher ein prominenter Showroom für die amerikanische Automobilmarke. In einer unverwechselbaren, assoziativen Denkbewegung verbindet Manfred Pernice die Geschichte des Historiengemäldes – Edouard Castres zeigt darin den Übertritt der französischen Bourbaki-Armee während des Deutsch-Französischen Krieges in die neutrale Schweiz – mit dem Fahrzeug, das im 2. Weltkrieg als Transportmittel der US-amerikanischen Armee berühmt wurde.
Solche gedanklichen Verbindungen übersetzte der Künstler in eine räumliche Inszenierung, welche die Ausstellungsräume miteinander verband. An beiden Enden der Installation war eine sogenannte „Dose“ aus Pressspan zu sehen mit allerlei Gegenständen des Automobilbedarfs.
Dosen bilden die Grundlage von Pernice skulpturaler Sprache. Das kommt in Pernice‘ Ausstellungstiteln Dosenwelt oder Dosenweg zum Ausdruck. Bei einer Dose handelte es sich im Grunde um ein Behältnis mit Deckel, oft prunkvoll verziert für Luxusgegenstände, später profanisiert als Konserven- oder Getränkedose: ein exemplarischer Wegwerfartikel des zivilisatorischen Fortschritts. Seit den 1990er Jahren nutzt Pernice die Dose gleichsam als „Motiv“ für sein plastisches Schaffen. Sie ist Form und Inhalt zugleich. Denn obwohl Pernice’ Werk fest in der Tradition der Minimal Art verankert ist, sind seine Objekte nie selbstbezüglich. Im Gegensatz zu Donald Judd beispielsweise produziert Pernice keine industrielle Hochglanz-Ästhetik, sondern macht mit der Verwendung von billigen Werkstoffen deutlich, wie weit er sich von diesen Traditionen entfernt hat. Gleiches lässt sich zur Farbigkeit sagen, die sich sowohl auf die Pop-Kultur als auch auf die Ästhetik der 1950er Jahre und des Wirtschaftswunders bezieht.
Die vielfältigen formalen Traditionen interpretiert der Künstler für die Gegenwart neu: Pernice‘ Schaffen ist somit exemplarisch für die zeitgenössische Kunst und vorbildhaft für Generationen jüngerer Kunstschaffender. Denn seine Kunst bezieht sich auf den zweiten, im Titel Dosenwelt angedeuteten Begriff, auf die Welt, d.h. auf die Wirklichkeit, beispielsweise auf architektonische Strukturen als Ausdruck von Ideologien oder Weltbildern.
Wie in Jeep nähert sich Pernice gedanklich assoziativ und befragt in seiner unverwechselbaren Art sowohl die Geschichte als auch die Gegenwart: in diesem Falle die Verbindung eines kulturhistorisch bedeutenden Ortes und seine eigentümliche Zwischennutzung eines Showrooms für Geländefahrzeuge. Dabei zeichnet sich sein Werk durch die Präzision der Form aus wie durch präzise Unschärfen im Gedanklichen.
Manfred Pernice zählt zu den herausragenden Künstlern der Gegenwart. Sein Werk war zu sehen u.a. an der documenta 11, 2002, an den Biennalen von Lyon und Venedig 1997 und 2002 sowie in zahlreichen Einzelausstellung von der Kunsthalle in Zürich über das SMAK in Gent bis zum Institut d’Art Contemporain in Villeurbanne. Im Kunst Museum Winterthur war er 2021 in der Ausstellung Moment.Monument mit zwei raumgreifenden Arbeiten zu erleben.
Ankaufsvorschlag
Jeep I, 2002
Spanplatte, Kunstharzlack, diverse Materialien
Durchmesser: 114 cm x 190 cm
Jeep II, 2002
Spanplatte, Kunstharzlack, diverse Materialien
Durchmesser: 114 x 170 cm
Jeep III, 2002
Dreiteilige Zeichnung, Collage, Kugelschreiber, Aquarell
Je 21 x 29,5 cm, gerahmt
Ankaufsvorschlag ll Ankaufsvorschlag ll Walter Swennen. Konvolut von Zeichnungen
Im Anschluss an die beeindruckende Retrospektive des malerischen Werks von Walter Swennen (*1946 in Brüssel) im Kunst Museum Winterthur konnte der Galerieverein zwei Gemälde erwerben: Blue Fills Gap, 2015 (Acryl, Öl und Tinte auf Leinwand, 170,4 x 150 cm), eine beinahe abstrakte Komposition und DOORN, 2017 (Öl auf Leinwand, 50 x 39,7 cm), eines seiner zahlreichen Gemälde, in denen Worte bzw. Texte eine zentrale Rolle spielen. Die beiden Werke wurden ergänzt durch einen weiteren Ankauf mit Mitteln des Lotteriefonds des Kantons Zürich: La rade, 2019 (Ölfarbe auf Leinwand, 50 x 60 cm). Das malerische Schaffen des bedeutenden belgischen Künstlers ist somit erstrangig in der Sammlung vertreten. Swennen ist aber auch ein grandioser Zeichner. Deshalb war von Beginn weg der Wunsch da, diese im Medium der Zeichnung zu reflektieren. Bei der Auswahl von vier mittelformatigen Arbeiten auf Papier und sechs skizzenhaften Zeichnungen im Atelier wurde Vorhaben mehr als bestätigt.
Bei den Arbeiten auf Papier handelt es sich um finale Kompositionen, in denen Swennen seine Bildwelt erprobt. Es handelt sich bei den ausgewählten Arbeiten indes nicht um klassische Farbstudien auf Papier, sondern um Werke, in denen das künstlerische Vokabular eigenständig umgesetzt wird. So finden sich in einem Blatt neben einer offenbar prominent auf einer Architektur platzierten Werbeschrift skizzenhaft angedeutete Strassenzüge: Ansichten überlagern sich mit Aufsichten, während die gesamte Komposition durch kräftig gesetzte Rot- und Blauflächen selbstbewusst gegliedert wird. In einem anderen Blatt springt einem ein clownesker Kopf mit rotem Kragen und Hut aus dem weissen Bildgrund entgegen, wie er einem klassischen Comic entstammen könnte. Im Vergleich mit diesen ausgearbeiteten Werken erscheinen die kleinerformatigen Zeichnungen deutlich spontaner. Es scheint, als würden wir Walter Swennen beim Entwickeln seiner Figuren und Szenerien gleichsam über die Schultern schauen: Die sechs Skizzen zeigen funktionslose Treibriemenmaschinen, Vikingerboote, Texte, Logos, Raucher, Cowboys…. Selbst bei diesen sehr informellen Skizzen offenbart Swennens virtuosen Strich, der mit wenigen Linien Räumlichkeiten andeutet und mit seinem abgründigen Bildwitz immer wieder zu überraschen vermag.
Walter Swennen ist ein «artist’s artist» – ein Maler, der für jüngere Kunstschaffende zur Inspiration wurde. Das zeigte sich exemplarisch in der Winterthurer Ausstellung Das Phantom der Malerei, eine Kooperation von Kunstmuseum Bonn und Kunstmuseum Den Haag mit Winterthur. Im Ausstellungstitel klingt Swennens Überzeugung an, wonach das, was ein Gemälde als Motiv wiedergibt, nie identisch mit dem Bild selbst ist und Motiv und Malerei dennoch untrennbar miteinander verwoben sind. Mit seinem bildskeptischen Ansatz führt Swennen die inhaltlichen Untersuchungen des belgischen Surrealisten René Magritte gleichermassen fort wie die reflexiven Strategien des Konzeptkünstlers Marcel Broodthaers. Auf der Suche nach einer Malerei, die jede Form von Eindeutigkeit unterläuft, schöpft Swennen aus einem breiten Motivfundus, der belgische Comic-Traditionen ebenso umfasst wie philosophische und belletristische Literatur, Enzyklopädien und Werbelogos. Dabei bezieht er sich in seinem Schaffen sowohl auf die konstruktive Kunst, den Surrealismus und die Pop-Art als auch auf die Wiederentdeckung der Malerei in den 1980er Jahren, die er mit seinem Bild- und Sprachwitz massgeblich beförderte.
Ankaufsvorschlag
Walter Swennen (*1946 in Brüssel)
Konvolut von vier Arbeiten auf Papier und sechs Zeichnungen