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Auf der Wiese vor dem Bahnhof Chelm in Polen herrscht reges Treiben. Reihenweise sind Stände aufgebaut, die von warmen Speisen über Wasserflaschen bis hin zu Windeln und Babyartikeln alles anbieten. Jeden Tag kommen hier Tausende von Menschen, die vor dem Konflikt in der Ukraine fliehen, in Zügen und Bussen an. Viele sind erschöpft von der langen und schwierigen Reise und dankbar für die freundliche Unterstützung, die ihnen angeboten wird.
Die 25-jährige Justina kümmert sich um einen Industriegrill und hat ein wachsames Auge auf die Würste, die sie brät. «Ich bin Mitglied des Landfrauenkreises und komme aus einem sehr kleinen Dorf. Ich bin hier mit meinen Freundinnen und Freunden, Frauen und Männern, jungen Leuten, alten Leuten und Kindern. Es ist sehr wichtig für uns, den Menschen, die aus der Ukraine kommen, zu helfen. Heute bereiten wir Suppe und warmes Essen mit Süßigkeiten für die Kinder vor. »
Die Menschen in Polen bereiten den ukrainischen Flüchtlingen, die in ihrem Land ankommen, einen herzlichen Empfang - von überfüllten Spendenzentren in Grenznähe bis hin zu Angeboten für Lebensmittel, Transport und Unterkünfte im ganzen Land.
Europa steht vor seiner grössten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg
Derzeit kommen alle drei Sekunden zwei ukrainische Flüchtlinge nach Polen, und die Bevölkerung des Landes wächst zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder. Mit den 1,4 Millionen Menschen, die bisher in Polen angekommen sind, würde die zweitgrösste Stadt des Landes entstehen. Bis nächste Woche werden sie wahrscheinlich Warschau, die grösste Stadt des Landes, überholen, so die Erwartung der polnischen Behörden.
«Es ist sehr wichtig, all diesen Menschen zu helfen. Heute habe ich geweint, weil ich gesehen habe, wie diese jungen Kinder in ein neues Land kommen, neue Menschen kennen lernen und eine neue Sprache lernen. Es ist schrecklich. Es ist Krieg. », sagt Justina seufzend.
Europa steht vor seiner grössten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. In den drei Wochen seit Beginn der Feindseligkeiten sind mittlerweile über 3 Millionen Menschen in die Europäische Union geflohen, und ein Ende ist nicht abzusehen. Die überwiegende Mehrheit strömt in die Länder im Osten der EU. Die Behörden bemühen sich um den Ausbau von Unterkünften, Schulen und Sozialdiensten für einen Zustrom von Menschen, der voraussichtlich um weitere Millionen anwachsen wird.
Grosse Solidarität
Lotte Claessens vom Nothilfeteam von Plan International in Polen sagt, dass die meisten der ankommenden Menschen Frauen und Kinder sind, die dringend Unterstützung benötigen. «Die Kinder und ihre Eltern sind extrem verängstigt, sie wissen nicht, was passieren wird. Sowohl in ihrem Heimatland, der Ukraine, als auch jetzt in ihrem Ankunftsland.
Für Kinder ist es äußerst wichtig, dass wir sie durch Aktivitäten unterstützen, die ihnen helfen, sich zu entspannen und sich normal zu fühlen. Also spielerische Aktivitäten, die sie von der momentanen Situation ablenken können. Und für Kinder ist es auch sehr wichtig, dass ihre Eltern unterstützt werden, denn wenn ihre Eltern gestresst sind, spüren das auch die Kinder.
Die Organisationen bereiten sich jetzt zusammen mit den Schulen darauf vor, dass ukrainische Kinder gemeinsam mit polnischen Kindern in die Schulen gehen können. Wir sehen, dass hier eine Menge Vorbereitungen für eine langfristige Situation getroffen werden, in der möglicherweise Millionen von Ukrainer:innen in Polen aufgenommen werden. »
Justina sagt, dass sie weiterhin alles tun wird, um den Familien zu helfen, die in Chelm in der Nähe der Grenze ankommen. «Jetzt ist Polen offen für alle Ukrainer, Mädchen, Jungen, Kinder, für alle Menschen. Sie sind unsere Freunde. Mein Land ist sehr schön, und mein Dorf ist offen für alle. Ich möchte diesen Menschen mit meinen Freunden helfen. Wir werden Veranstaltungen und Workshops für Kinder und alle anderen organisieren. »