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Die Stadt Wil hat ein neues Wahlsystem. Neuerdings muss der Stadtpräsident auch als Stadtrat gewählt werden, um effektiv Stadtpräsident werden zu können. Das hat das Volk beschlossen. Doch dieses System hat Tücken. Eine davon: Womöglich reichen zwei Wahlgänge nicht aus, um die neue Wiler Exekutive zu bestimmen. Folgendes Szenario – aufgezeigt an einem mehr oder weniger fiktiven Kandidierenden – ist denkbar:
Kandidat Jean Meder (der Name ist von der Redaktion nicht ganz zufällig gewählt, Rückschlüsse auf etwelche bevorstehende Handlungen von Personen mit ähnlichem Namen sind aber nicht zulässig) möchte Wiler Stadtpräsident werden. Im ersten Wahlgang am 27. September wird er zwar in den Stadtrat gewählt, im Rennen um das Stadtpräsidium fällt aber noch keine Entscheidung. Also würde ein zweiter Wahlgang angesetzt. Meder erhält bereits nach dem ersten Wahlgang eine so genannte Wahlanzeige für die Wahl in den Stadtrat. Heisst konkret: Meder ist grundsätzlich in den Stadtrat gewählt, hat aber drei Tage Zeit, um die Wahl abzulehnen. Tut er nichts, ist Meder gewähltes Mitglied des Stadtrats.
Dieses Wahlsystem war schon mal Stolperstein
Am 29. November steht der zweite Wahlgang an. Sollte Meder nicht zum Stadtpräsidenten gewählt werden und er die alleinige Wahl in den Stadtrat keine Option darstellen, kann er bis zu Beginn der Amtsdauer am 1. Januar 2021 jederzeit zurücktreten. In diesem Fall muss eine Ersatzwahl angesetzt werden. Diese dürfte im Februar 2021 stattfinden. Ein eigentlicher dritter Wahlgang ist das formal nicht. Aber die Wiler würden ein drittes Mal in dieser Thematik an die Urne gerufen. Die neu gewählte Stadtregierung, auch wenn temporär nur zu viert besetzt, würde am 1. Januar 2021 beginnen. Ein «Nachrücken» bei einer Ablehnung der Wahl eines Stadtratskandidaten im zweiten Wahlgang erfolgt nicht.
Dieses neue Wahlsystem ist in Wil ein altes. Es hat im Jahr 2000 zur Abwahl von Josef Hartmann, dem Vater der bis Mai 2020 im Amt stehenden Wiler Stadtpräsidenten Susanne Hartmann, geführt. Er wurde von Bruno Gähwiler abgelöst, obwohl dieser im ersten Wahlgang nicht einmal offizieller Kandidat war. Doch Gähwiler machte genug Stimmen, so dass ein zweiter Wahlgang angesetzt werden musste. In diesem setzte sich Gähwiler dann durch.