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- Ratgeber
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Radiologie - die Fotografie des Inneren
Rund um die Computertomographie (CT)
Die Computertomographie erlaubt sehr viele Diagnosen zu stellen und das in sehr kurzer Zeit. Der Nachteil ist, dass diese Methode mit Röntgenstrahlen arbeitet. So wird sie vor allem dann angewandt, wenn Zeit eine zentrale Rolle spielt. Beispielsweise nach einem Unfall, wenn der Verdacht auf eine akute Verletzung vorliegt, bei einer akuten Verschlechterung der Patientin oder des Patienten beispielsweise durch eine Infektion/Entzündung oder bei einem Tumorverdacht ist eine CT angebracht.
Die CT ist immer dann sinnvoll, wenn die Diagnose möglichst schnell gestellt werden muss, damit die Behandlung rasch erfolgen kann, um weiteren Schaden zu verhindern.
In der Regel reicht bei einer Lungenentzündung ein normales Röntgenbild der Lunge aus. Allerdings kann es manchmal schwierig sein, die durch Keime verursachten entzündlichen Veränderungen in der Lunge zu sehen. In solchen Fällen erfolgt eine Computertomographie. Insbesondere atypische Bakterien oder Viren, die nur für sehr feine Veränderungen im Gewebe, aber dennoch für starke Krankheitssymptome sorgen, sind nur in hochaufgelösten Schichtbildern erkennbar.
Ausserdem gibt es Erkrankungen, die eine Lungenentzündung vortäuschen können. Damit bewiesen werden kann, dass es sich um eine Lungenentzündung handelt, kann neben Blut- oder Schleimuntersuchungen auch eine Computertomographie erforderlich sein. So kann sichergestellt werden, dass die Patient:innen mit den richtigen Medikamenten behandelt werden und keine noch ernstere Erkrankung übersehen wird.
Einen sehr interessanten Fall erlebte ich als junger Oberarzt. Ich hatte einen Patienten, der in einem anderen Spital immer wieder aufgrund einer starken Leberentzündung stationär behandelt werden musste. Diese ging mit Schüttelfrost einher. Sie bildete sich zwar nach Antibiotikagabe zurück, kam aber immer wieder und wies auch Anzeichen einer Blutvergiftung auf. Man ging damals von einer Entzündung der Gallenwege aus, weil auch in der Bildgebung nichts Richtungsweisendes gefunden werden konnte. Ich war damals an einem Unispital tätig und fertigte eine Computertomographie an. Auch in dieser Untersuchung fand ich keine typischen Veränderungen im Bereich der Leber oder der Gallenwege.
Allerdings war da ein etwa zwei Millimeter grosses helles «Pünktchen» im Zentrum der Leber, welches ich nicht näher einordnen konnte. Keine mir bekannte anatomische Struktur passte hierzu. Durch eine bestimmte Bildnachverarbeitung fand ich heraus, dass dieses Pünktchen zwar lediglich einen Durchmesser von zwei Millimetern hatte, aber ca. zwei Zentimeter lang war und wie ein Strich aussah. Nach der dreidimensionalen Rekonstruktion am Computer stellte ich fest, dass es in direkter Nachbarschaft zum ersten Darmabschnitt nach dem Magen lag, dem sogenannten Zwölffingerdarm.
Mutig postulierte ich daraufhin, dass es sich hierbei um einen verschluckten Fremdkörper - wie beispielsweise einen Zahnstocher - handeln könnte. Meine Überlegung war, dass dieser die Darmwand durchstochen haben und in die Leber gewandert sein könnte. Ein Fremdkörper, der da nicht hingehört und in der Leber immer wieder zu einer Entzündung führt. Es war riskant, diese Verdachtsdiagnose zu stellen, erst recht als junger Oberarzt. Immerhin würde meine Diagnose dazu führen, dass ein Patient sich einer gefährlichen Leber-Operation unterziehen musste. Was, wenn ich mich irrte?
Der Patient wurde daraufhin tatsächlich operiert. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen kleinen Knochen eines Pouletflügels handelte. Wir kennen ihn alle, diesen kleinen, aber scharfen, spitzen Knochen. Ein Teil davon steckte tatsächlich in der Leber, wo er immer wieder eine Entzündung verursachte.
Im Nachgang bestätigte der Patient, dass er gerne mal auf Knochen herumkaut und auch hin und wieder welche verschluckt. Es war zwar letztendlich nicht der vermutete Zahnstocher, sondern ein Knochen, aber eben ein Fremdkörper, der weiterhin immer wieder zu einer Entzündung in der Leber geführt hätte, wenn er nicht entfernt worden wäre. Insofern war die Interpretation des zwei Millimeter grossen Pünktchens in der Computertomographie von entscheidender Bedeutung für die Gesundung des Patienten gewesen.
Man muss in einem solchen Fall davon ausgehen, dass lebensgefährliche Verletzungen im Inneren des Körpers vorliegen könnten. Jetzt muss schnell geklärt werden, ob es beispielsweise im Kopf oder im Bauch blutet oder Organverletzungen oder lebensgefährliche Knochenbrüche im Bereich der Wirbelsäule vorliegen. Wenn beispielsweise eine Wirbelkörperfraktur vorliegt, kann eine normale Bewegung die Fraktur nachträglich verschieben. Dadurch kann das Rückenmark verletzt und womöglich eine Querschnittslähmung hervorgerufen werden. Eine Blutung im Kopf, in der Lunge oder im Bauchraum kann zu grossem Blutverlust führen. Das sind mögliche Verletzungen, die schnellstmöglich herausgefunden werden müssen, damit kein weiterer Schaden entsteht und möglichst schnell operiert werden kann.
All diese Fragen stellen sich nach einem Verkehrsunfall: Denn man kann nicht genau wissen, was mit dem Körper passiert ist, ohne dass man hineinsieht. Die Computertomographie kann diese Fragen direkt beantworten. Nur so ist es möglich, dass viele Patient:innen schwere Unfälle überleben bzw. keinen grösseren/bleibenden Schaden davontragen.
Rund um die Magnetresonanztomographie (MRI/MRT)
Die MRT-Untersuchung hat einen sehr guten natürlichen Weichteilkontrast. Das heisst, man kann verschiedene Gewebearten voneinander unterscheiden, meist auch ohne zusätzliche Kontrastmittel. Deshalb wird sie vor allem dann eingesetzt, wenn man Veränderungen innerhalb von Gewebe sehen möchte. Das ist beispielsweise bei Gelenken der Fall, wenn man die Muskulatur von Sehnen, Knorpel und Knochen unterscheiden möchte. Sehr gut kann sie auch Hirnparenchym unterscheiden, welches sich aus unterschiedlichen Gewebearten zusammensetzt. Zudem wird die MRT sehr häufig eingesetzt, um entzündliche Veränderungen oder feine Brüche zu sehen. Bei einer Entzündung oder einem Knochenbruch findet sich immer etwas mehr Flüssigkeit in diesem Bereich, da der Körper selbst versucht, zu heilen. Er sendet dabei bestimmte Stoffe an diese Stelle. Diese vermehrte Flüssigkeit kann sichtbar gemacht werden, sodass eine Entzündung, die in anderen Untersuchungen unentdeckt bleibt, aufgespürt werden kann.
Ein Magnetresonanztomograph ist in der Regel vorn und hinten offen. In der Untersuchungsröhre fühlt man sich beengt, das ist ganz normal. Wenn jemand unter Platzangst leidet, kann dies zu einer Horrorvorstellung werden. Ist die MRT absolut notwendig, versuchen wir alles, um auch diesem Patienten oder dieser Patientin die Untersuchung zu ermöglichen.
Manchmal reicht es schon aus, die Augen zu schliessen, bevor man hineingefahren wird. So wird die Enge gar nicht erst wahrgenommen. Ein Angehöriger oder die beste Freundin kann natürlich mit in den Untersuchungsraum kommen und die Hand zur Beruhigung halten. Oft vermittelt diese Nähe Sicherheit. Wenn das nicht klappt, können wir auch mit Medikamenten beruhigen oder den Patienten oder die Patientin ganz schlafen legen, sodass die Zeit in der Röhre nicht wahrgenommen wird. Wichtig ist, dass wir das im Vorhinein wissen, damit wir entsprechend planen können.
Das hängt von der Untersuchung ab. Essen oder Trinken sorgen für Veränderungen im Körper. Je nachdem, was wir herausfinden wollen, ist es wichtig zu verhindern, dass die Nahrungsaufnahme die Stelle visuell beeinträchtigt, die wir untersuchen wollen. Wenn wir z.B. die Leber mit der Gallenblase und der Bauchspeicheldrüse darstellen wollen, ist es wichtig, dass die Gallenblase, die sich mit der Nahrungsaufnahme entleert, gut sichtbar ist. Achtet man nicht darauf, fällt sie in sich zusammen und ein möglicher Gallenblasenstein kann evtl. nicht gefunden werden. Auch wird nach dem Essen die Darmbewegung erhöht. Das ist ganz normal, er muss ja arbeiten. Allerdings stört dies bei der Bildgebung, weil die Darmschlingen dann verwackelt oder unscharf dargestellt werden und evtl. bösartige Veränderungen nicht gesehen werden können.
Ausserdem gibt es bestimmte Stoffe in der Nahrung, die beispielsweise den Puls erhöhen. Wenn wir also eine Herzuntersuchung machen, darf vorher kein Kaffee oder Tee getrunken werden, da beide Getränke Stoffe beinhalten, die den Kreislauf anregen.
Rund um die Radiologie im Allgemeinen
Eines der wichtigsten Dinge in der Medizin ist herauszufinden, warum es einem Menschen schlecht geht. Diese Detektivarbeit, die man in der Radiologie leistet, finde ich extrem spannend. Sie stellt mich jeden Tag vor neue Herausforderungen. Und um diese Detektivarbeit leisten zu können, braucht es ein gutes Verständnis des menschlichen Körpers, seiner Anatomie und seiner Physiologie - also der Funktionsweise. Aber auch ein Verständnis dafür, wie Krankheiten entstehen und sich verhalten, welchen Mechanismus sie haben, um den Körper zu befallen oder zu verändern. Das heisst, es ist ein breites Wissen notwendig, um herauszufinden, warum es einem Menschen schlecht geht. Das hat mich schon immer fasziniert. Ich wollte und will verstehen, warum manche Dinge so sind, wie sie sind, warum der menschliche Körper so funktioniert bzw. reagiert.
Ich habe die Radiologie gewählt, weil sie mit fast allen anderen medizinischen Fächern verbunden ist. Das heisst, man bleibt immer in Kontakt mit der gesamten Medizin. Man ist als Radiologe einerseits spezialisiert auf die Bildgebung, aber bleibt im Allgemeinen doch ein wesentlicher Teil der ganzen Medizin.
Das Interessante in der Radiologie ist, dass in dem Bereich immer wieder etwas Neues passiert, das Feld sich ständig weiterentwickelt. In den nächsten Jahren wird die Radiologie sicherlich davon profitieren, dass sich die Technologien weiterentwickeln. Dadurch werden die Untersuchungen insgesamt schneller werden - sowohl für Patient:innen als auch für die Ärzteschaft. Die Patient:innen werden für eine MRT nicht mehr 45 Minuten in einer Röhre liegen müssen, sondern wahrscheinlich nur noch die Hälfte der Zeit.
Ärzt:innen werden durch künstliche Intelligenz unterstützt werden. Um z.B. eine Lungenmetastase zu entdecken, müssen heute hunderte von Bildern angesehen werden, bis dieses drei Millimeter grosse Pünktchen gefunden wird. Diese wenig herausfordernde Tätigkeit wird in Zukunft der Computer übernehmen können und die Ärzteschaft direkt auf ein Pünktchen hinweisen, welches da nicht hingehört. So kann sich die Ärztin oder der Arzt auf die Interpretation konzentrieren.
Eine weitere Entwicklung ist, dass es spezielle Kontrastmittel geben wird, die bestimmte Erkrankungen markieren können. Mit dem Vorteil, dass man bereits kleinere Veränderungen im Körper entdecken kann, da sie im Bild sichtbar gemacht werden können. Und je früher man eine krankhafte Veränderung entdeckt, umso besser kann man sie behandeln.