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Psychologische Berufsverbände
Eine Mitgliedschaft lohnt sich und unterstützt berufspolitische Entwicklungen
Mit Abschluss des Studiums und Beginn der Berufstätigkeit als Psycholog*in stellt sich die Frage, einem psychologischen Berufsverband beizutreten. Der vorliegende Artikel liefert eine kurze Übersicht über die psychologischen Berufsverbände der Schweiz und erklärt den Nutzen einer Mitgliedschaft.
Von André Widmer
Lektoriert von Marie Reinecke und Marina Reist
In der Schweiz sind über 10’000 Psycholog*innen in rund 60 verschiedenen Psychologieverbänden organisiert. Davon bilden 45 die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP) mit über 8’000 Mitgliedern. Damit ist die FSP der grösste und bedeutendste Schweizer Psycholog*innenverband. Der Schweizer Berufsverband für Angewandte Psychologie (SBAP) ist nicht Teil der FSP und mit knapp 1’000 ordentlichen Mitgliedern einer der ältesten Verbände. Traditionell sind vor allem die Psycholog*innen des früheren Zürcher Institutes für angewandte Psychologie (IAP), welches als Hochschule für Angewandte Psychologie Zürich (HAP) heute ein Departement der ZHAW darstellt, wie auch die Psycholog*innen anderer Fachhochschulen im SBAP organisiert. Die Schweizerische Gesellschaft für Psychologie (SGP), 1943 während des zweiten Weltkriegs von Jean Piaget gegründet, ist der älteste Verband. Als ursprüngliches Gründungsmitglied der FSP hat sie sich 2015 von einem psychologischen Berufsverband zu einer Wissenschaftsgesellschaft gewandelt und ist deshalb nicht mehr FSP-Mitglied. In der Folge reduzierte sich der Mitgliederbestand um rund ein Drittel. Aktuell hat die SGP aber wieder etwas mehr als 350 Mitglieder. Voraussetzung für eine ordentliche SGP-Mitgliedschaft ist eine Promotion in Psychologie.
Neben diesen gesamtschweizerischen Verbänden, die jeweils alle psychologischen Fachbereiche vereinen, gibt es eine ganze Reihe von Psychotherapieverbänden, die sich in der Regel in den psychotherapeutischen Methoden unterscheiden. Eine Ausnahme stellt die Assoziation Schweizer Psychotherapeuten (ASP) mit rund 800 hauptsächlich psychologischen Psychotherapeut*innen dar. Sie vertritt die berufspolitischen Interessen von Psychotherapeut*innen verschiedener Richtungen und ist unabhängig von der FSP. Neben psychotherapeutischen Fachverbänden, die ihre berufspolitischen Anliegen durch die FSP wahrnehmen lassen, gibt es eine ganze Reihe von nicht-psychotherapeutischen Fachverbänden, die mehrheitlich ebenfalls in der FSP organisiert sind (Kinder- und Jugendpsycholog*innen, Neuropsycholog*innen, Klinische Psycholog*innen, Gesundheitspsycholog*innen, Sportpsycholog*innen, Coaching-Psycholog*innen etc.).
Neben den Fachverbänden gibt es weiter regionale Psycholog*innenverbände, welche sich für die berufspolitischen Interessen von Psycholog*innen einer Region engagieren. Der grösste regionale Berufsverband ist der Kantonalverband der Zürcher Psycholog*innen (ZüPP) mit über 1’100 ordentlichen Mitgliedern. In anderen Regionen und Kantonen der Schweiz haben sich die Psycholog*innen ebenfalls organisiert (Kantone Waadt, Genf, Bern, Basel, Wallis, Tessin und weitere, auch in den Regionen Ostschweiz, Zentralschweiz etc.), praktisch alle sind ebenfalls Teil der FSP.
«Die FSP ist führend im Engagement für die berufspolitischen Interessen der Psycholog*innen.»André Widmer
Was nützt die Mitgliedschaft in einem psychologischen Berufsverband?
Die Gliedverbände der FSP – wie auch die FSP selbst – aber auch der SBAP, organisieren Weiterbildungen, welche zu psychologischen Fachtiteln führen. Fachtitel sind Fähigkeitsausweise, welche bestätigen, dass jemand in einem bestimmten psychologischen Fachgebiet selbständig und eigenverantwortlich seinen Beruf auszuüben vermag. Neben dem Bund vergeben allein die Psychologieverbände solche Fachtitel, wobei die Mitgliedschaft eine Voraussetzung darstellt. Die Fachtitel der FSP sind die bekanntesten und werden in der Praxis gleichwertig wie die Weiterbildungstitel des Bundes akzeptiert. Die FSP und der SBAP verbinden mit ihren Fachtiteln eine Fortbildungspflicht, welche auf dem Psychologieberufegesetz basiert. Darüber hinaus verpflichtet die FSP ihre Mitglieder zur Einhaltung der Berufsordnung.
Die FSP ist zudem führend im Engagement für die berufspolitischen Interessen der Psycholog*innen. Beispielsweise die Ablösung der delegierten Psychotherapie durch ein Anordnungsmodell, welches für die psychologischen Psychotherapeut*innen die selbständige Abrechnung über die Grundversicherung ermöglicht. Oder auch Empfehlungen für Anstellungsbedingungen von Psycholog*innen in Institutionen etc.
Die Psychologieverbände, insbesondere die FSP, bieten neben breiten Informationen zur Berufspraxis diverse Hilfen und meist kostenlose oder ermässigte Beratungen zu Berufsfragen an (Newsletter, Zeitschrift Psychoscope, Stellenangebote, Fortbildungen, Beratungen zu Anstellungsbedingungen und Lohn, Antworten auf rechtliche Fragen, Erfahrungsaustausch, Beschwerdestelle etc.).
Die FSP und der SBAP wie auch andere Berufsverbände vermitteln zudem persönliche Vergünstigungen bei verschiedenen Dienstleistungen und Produkten von externen Anbietern (Versicherungsangebote, Freizeitangebote, Fachzeitschriften etc.).
«Ein Beitritt zur FSP über einen ihrer Gliedverbände bietet ohne Zweifel den breitesten Nutzen, insbesondere für Psychotherapeut*innen.»André Widmer
Exkurs: Weiterbildungstitel des Bundes
Der eidgenössische Weiterbildungstitel Psychotherapie ist für eine psychotherapeutische Praxisbewilligung Voraussetzung. Die eidgenössischen Weiterbildungstitel Neuropsychologie, Klinische Psychologie, Kinder- und Jugendpsychologie und Gesundheitspsychologie sind im Psychologieberufegesetz ebenfalls festgelegt, werden zurzeit aufgrund fehlender anerkannter Weiterbildungen aber noch nicht vergeben. Parallel vergibt auch die FSP diese Fachtitel, welche in der Praxis äquivalent akzeptiert sind.
Was kostet die Mitgliedschaft?
Der jährliche Mitgliederbeitrag der Gliedverbände der FSP liegt zwischen 50 und 400 Franken. Dazu kommt der zusätzliche FSP-Mitgliederbeitrag von 470 Franken. Studienabgänger*innen, die der FSP spätestens zwei Jahre nach der Erlangung des Masterdiploms beitreten, bezahlen im Jahr des Beitritts sowie im darauffolgenden Jahr keinen Mitgliederbeitrag. In den zwei folgenden Jahren zahlen sie nur die Hälfte. Weitere Ermässigungen sind auf der Website der FSP zu finden. Der ordentliche ZüPP-Mitgliederbeitrag beträgt 225 Franken. Psychologiestudierende im Masterstudium zahlen nur einen einmaligen Beitrag von 25 Franken bis zum Abschluss des Studiums. Für Studienabgänger*innen gelten die gleichen Reduktionen wie beim FSP-Mitgliedsbeitrag. Der SBAP-Mitgliedsbeitrag beträgt 600 Franken. Studierende zahlen einen Jahresbeitrag von 100 Franken.
Welcher Verband ist der «richtige»?
Ein Beitritt zur FSP über einen ihrer Gliedverbände bietet ohne Zweifel den breitesten Nutzen, insbesondere für Psychotherapeut*innen. Die FSP ist der mächtigste Berufsverband mit dem grössten Know-how und den meisten Ressourcen. Für Psycholog*innen im Kanton Zürich bietet sich entsprechend ein Beitritt via Kantonalverband der Zürcher Psycholog*innen (ZüPP) an. Der ZüPP setzt sich aktiv und engagiert für die Interessen seiner Mitglieder in den verschiedenen Fachbereichen ein. Eine Alternative zu einem regionalen Berufsverband wäre die Mitgliedschaft in einem der Fachverbände. Diese unterstützen und fördern vor allem die Weiter- und Fortbildung sowie die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch in einem spezifischen Fachgebiet, wie zum Beispiel die Schweizerische Vereinigung für Kinder- und Jugendpsychologie (SKJP), Schweizer Gesellschaft für Rechtspsychologie (SGRP), Swiss Association of Sport Psychology (SASP), Schweizerische Vereinigung Neuropsychologinnen und Neuropsychologen (SVNP) oder andere psychotherapeutische Fachverbände.
Mitgliedschaft in einem psychologischen Berufsverband
Föderation Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP)
Kantonalverband der Zürcher Psychologinnen und Psychologen (ZüPP)
Schweizer Berufsverband für Angewandte Psychologie (SBAP)
Schweizerische Gesellschaft für Psychologie (SGP)
Assoziation Schweizer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (ASP)