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Aretha Franklin: Amazing Grace
Regie: Alan Elliott, Sydney Pollack
Mitw.: Aretha Franklin, James Cleveland, Alexander Hamilton, C.L. Franklin, Cornell Dupree, Kenny Luper, Poncho Morales, Bernard Pretty Purdie, Chuck Rainey u.a.
1972 steht Aretha Franklin im Zenit ihrer Karriere. Doch nach zwanzig Studioalben, inklusive elf Nummer-eins-Hits, beschliesst die «Queen of Soul» zu ihren musikalischen Wurzeln zurückzukehren. Schon als Kind singt sie im Gospel-Chor der New Bethel Baptist Church in Detroit, die von ihrem Vater, dem charismatischen Baptistenprediger und Bürgerrechtsaktivisten C.L. Franklin, geleitet wird. Auch Aretha Franklin ist eine engagierte Menschenrechtsaktivistin; ihre Cover-Version des Otis-Reding-Songs «Respect» wird zur Hymne der afroamerikanischen Befreiungs- und der Frauenbewegung. Ganz bewusst will sie im Januar 1972 ihr neues Album «Amazing Grace» – es ist das bis heute meistverkaufte Gospelalbum – live aufnehmen, um die unvergleichliche Atmosphäre dieses einmaligen Anlasses, eine Mischung aus Konzert, Aufnahmesession und Gottesdienst, einzufangen. Die Plattenaufnahmen finden an zwei Abenden in der Missionary Baptist Church in Los Angeles statt. Am ersten Abend ist die Kirche zu zwei Drittel gefüllt, am zweiten Abend scheint sich das Ereignis herumgesprochen zu haben, plötzlich entdeckt man Mick Jagger und Charlie Watts im Publikum. Der damals 38-jährige Sydney Pollack («Out of Africa») wurde von Warner Bros. als Regisseur verpflichtet, die Plattenaufnahme filmisch zu dokumentieren. Nach den Dreharbeiten stellte sich aber heraus, dass Ton und Bild nicht parallel liefen, erst durch die digitale Technik konnte dieses Problem behoben werden. Zudem verhinderte Aretha Franklin Vorstellungen des Films per Gerichtsbeschluss. Erst nach ihrem Tod im August 2018 stimmte ihre Familie einer Aufführung zu. Der Film wurde im November 2018 zum ersten Mal am Dokumentarfilmfestival Doc NYC in New York gezeigt. «Amazing Grace» ist mehr als ein Konzertfilm, er ist pure, ekstatische Soul-Energie. Susanne Lenz schreibt in der Berliner Zeitung über Aretha Franklin: «Es ist ihre Fähigkeit, ihren Vortrag von innen zu durchdringen, mit dem Körper, mit ihrem ganzen Wesen und so durchlässig zu sein, dass diese Inbrunst sich überträgt. Ihre Augen hält sie meist geschlossen, doch auch ohne Blickkontakt entsteht ein inneres Band zu dem Chor, zum Publikum in den Kirchenbänken.»