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Essen in der Residenz des Schweizer Botschafters.
Accra, Ghana, 1. August 2011 (720).
Lomé ist nahe bei Accra, aber ganz anders.
Die Hinfahrt dauert gute drei Stunden, nach der Grenze ist man bereits in Lomé. Togo ist ärmer als Ghana, das sieht man sofort. Weniger Autos, weniger asphaltierte Strassen, mehr Motorräder. Das höchste Gebäude der Stadt ist ein überdimensioniertes und verlassenes Fünfsternhotel.
Gnassingbé ist Präsident der Republik Togo, seit er 2005 nach dem Tod seines Vaters mit Hilfe der Armee die Macht übernommen hatte. Aufgrund internationalen Drucks musste er zwar nochmals zurücktreten, gewann dann aber die Präsidentschaftswahlen klar und 2010 erneut. Sein Vater war 38 Jahre an der Macht geblieben.
Anruf aus Abuja
Was bisher geschah: Unser Held bemüht sich um ein Visum für Nigeria, dafür fehlt ihm jedoch die Aufenthaltsbewilligung in Ghana.
Ich war optimistisch. Irgend jemand würde meine blöde Situation schon verstehen und mir helfen. Und sonst könnte ich mich ja doch nochmals um eine Aufenthaltsbewilligung in Ghana bemühen. Noch am selben Abend setzte ich mich vor meine Hermes Baby und tippte eine Depesche an die Nigerianische Botschaft in Bern, obs denn nicht via Umweg durch Schweiz ein Visum für mich geben könnte. Ähnliche Fragen erreichten auch das nigerianische Informationsministerium in Abuja und die Schweizer Botschaft in Nigeria.
Das Ledersofa im Hochkommissariat
Im April dieses Jahres waren in Nigeria Wahlen. Ich wollte darüber berichten. Am 10. März fand ich mich deshalb auf dem Nigerianischen Hochkommissariat in Accra/Ghana ein. Visa darf man dort Montags, Dienstags und Donnerstags von 10 bis 14 Uhr beantragen. Abholen kann man das Visum Mittwochs und Freitags von 14.30 bis 15 Uhr. „Wie ich (nicht) nach Nigeria gelangte – Teil 1“ weiterlesen
Wie weiter mit dem Problem E-Waste in Ghana?
Timothy nennt sich «Boardmaster». In kurzer Zeit hat es der Nigerianer geschafft, auf dem Schrottplatz von Agbobloshie ein Geschäft mit gebrauchten Platinen (Leiterplatten) von Computern und DVD-Playern aufzuziehen. Er kauft sein Material von den Jungs, welche die defekten Geräte in ihre Einzelteile zerlegen. Dann verkauft er es den «white men», in diesem Fall Chinesen. Die verschiffen die Platinen nach China, wo man sie maschinell recycelt. So können mehr der wertvollen Metalle zurückgewonnen werden.
Timothy ist die Person, welche meinem Beitrag über Elektroschrott in Ghana (nun auch im Deutschlandfunk) am Schluss den Dreh Richtung Zukunft gab. Richtung Initiative aus der Privatwirtschaft – weil ich nicht glaube, dass sich der Staat demnächst ernsthaft des Problemes annimmt. Zwar gibt es einen Entwurf (von europäischen Organisationen) zu einer zukünftigen Strategie. Aber darin werden einfach alle Probleme aufgezählt, es fehlt der Fokus auf ein bestimmtes Problem und dessen Lösung. Und sowieso: Zunächst stehen nun in einem Jahr die Wahlen an, dann kann man mit Entwicklungsorganisationen wieder über konkrete Lösungen (und deren Finanzierung!) nachdenken.
Die Agbogbloshie-Girls kümmert das übrigens wenig. Sie hängen auf dem Schrottplatz rum und verkaufen ihren Cousins Wasser im Plastiksack.
Wie man günstig und professionell Beiträge erstellt.
Mein Aufnahmegerät (1) ist zugleich mein Mikrofon. Das Olympus LS-5 ist mit Fr. 250.- nicht teuer und qualitativ gut. Es braucht wenig Strom, aber man muss es ruhig in der Hand halten – sonst hört man auf den Aufnahmen das Gehäuse wackeln. Ich kann es sogar als USB-Mik benutzen, also direkt im Computer aufzeichnen. Wichtig: bei Aussenaufnahmen immer Windschutz (2) mitnehmen!
Ein Interview bei der Umweltschutzagentur braucht Nerven.
Weinroter Teppich, hellgrüne Wände, geschlossene Vorhänge und hohe Zeitungsstapel auf dem Tisch – ich kenne mittlerweile jedes Detail dieses Büros. Leuchtstoffröhren und eine laute Klimaanlage machen den Raum kühl. Meine Stimmung ist auf dem Gefrierpunkt. Bereits zum vierten Mal sitze ich bei der Umweltschutzbehörde und warte.
Angefangen hatte es einige Wochen zuvor. Für einen Beitrag über Elektroschrott in Ghana wollte ich nicht (wie die meisten Medien) nur Umweltorganisationen zu Wort kommen lassen, sondern auch einen Vertreter des Staates. Ich könne am Montag vorbeikommen, sagte mir die nette Dame aus der PR-Abteilung am Telefon. „Umweltbehördenbelästigung“ weiterlesen
Ein Festival zu Ehren des Ashanti-Königs und der Ahnen.
Endlich kommt der König. Eigentlich kommt er nicht, sondern wird von seinen Untertanen in einer geflochtene Sänfte getragen. Ashanti-König Otumfuo Osei Tutu II formt mit seinen Armen einen Kreis und schlägt dann mit seinen Händen gegen die Brust. Die Geste bedeutet «ihr gehört alle mir».
Natürlich ist das heute nicht mehr so. Das Ashanti-Volk wird in Ghana wird von denselben Politikern regiert wie die anderen Volksgruppen. Doch der König behält eine wichtige Funktion im Land. Wer Ghanas Präsident werden will, muss beim König vorsprechen.
Beim Akwasidae-Festival ist der König der Chef auf dem Platz. Dutzende Chiefs aus den Provinzen kommen, um ihm Tribut zu zollen. Begleitet werden sie von Trommlern, einige präsentieren ihre historischen Waffen. Und jeder Chief hat einen Schirm – je wichtiger der Mann, desto grösser der Schirm. Die Chiefs bringen dem König Geschenke mit, Geld, Schafe, Alkohol.
Beim Akwasidae-Festival werden auch die vergangenen Herrscher geehrt. Das findet jedoch nicht auf dem Platz vor dem Königspalast statt, sondern dort, wo frühere Paläste gestanden haben. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit bietet der König den Seelen der Toten eine spezielle Mahlzeit an. Die Seelen der Herrscher ziehen sich nach dem Tod in ihre Stühle zurück, so der Ashanti-Glaube.
Noch heute besitzt jeder lokale Chief einen solchen Stuhl, oft ein Hocker geschnitzt aus einem Stück Holz. Doch auch komfortablere Versionen mit Lehne und Polster kommen vor. Die lokalen Chiefs wirken heute ebenfalls nur noch beratend im politischen Leben mit. Etwa Bafou Adoko Abo II, er ist erst seit drei Monaten Chief, seinen Beruf hat er deswegen nicht aufgegeben: «Die Zeiten haben sich geändert, früher war es so, das Chiefs überhaupt nicht gearbeitet haben, sondern sich auf die Beiträge ihrer Untertanen verliessen. Wir passen uns jedoch der Gegenwart an, ich gehe täglich zur Arbeit.»
Der König hingegen arbeitet nicht. Was nicht heisst, dass er nichts zu tun hat. Aber sein Geld verdient er mit den Bodenrechten in seiner Gegend. Im Boden gibts Gold. Und so fährt der König zum Schluss des Festivals in seinem neuen Rolls Royce die wenigen Meter in den Palast zurück.
(Bilder Lemapress)