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30. März 2002: Im Halbfinal von Key Biscayne sorgt ein aufstrebender Basler für Schlagzeilen. Roger Federer besiegt mit Lleyton Hewitt zum ersten Mal in seiner Karriere die Weltnummer 1 und nähert sich langsam den Top 10.
Roger Federer, der junge Schweizer mit dem Stirnband und den langen Haaren, ist im Jahr 2002 noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Zwar wird ihm grosses Talent nachgesagt, doch die in ihn gesteckten Erwartungen kann der 20-Jahrige noch zu selten erfüllen. Ende März gelingt nach dem historischen Sieg gegen Pete Sampras in Wimbledon 2001 aber eine weitere Sensation.
Im Halbfinal des ATP-Turniers in Miami besiegt Roger Federer zum ersten Mal die Nummer 1 der Welt und zieht in sein erstes Masters-Finale ein. Nach der Partie bestätigt Federer den für ihn ausserordentlichen Wert dieses Sieges: «Der Sieg gegen Pete Sampras in Wimbledon ist nicht zu übertreffen. Aber dann kommt dieser gleich dahinter»
Ein deutliches Zeichen, das der Schweizer Tennisspieler mit dem mehr als verdienten 6:3, 6:4 über Lleyton Hewitt aussendet. Federer zieht ohne Satzverlust in sein erstes Masters-Finale ein, beendet Hewitts Serie von 20 Siegen in den letzten 21 Partien und bezwingt mit der Weltnummer 1 den Dominatoren der frisch angebrochenen Tennis-Saison.
Hewitt spürt, dass mit Federer ein neuer Superstar heranwachsen könnte: «Dieses Jahr kann er den ganz grossen Durchbruch schaffen», sagte der Australier nach dem Match. «Ob es für die Top 4 oder 5 reicht, dies ist eine andere Frage.» Wie Federer auf diese Frage antwortet, werden die folgenden zwölf Jahre zeigen.
Den Final des Turniers in Key Biscayne verliert Federer dann gegen den Titelverteidiger Andre Agassi. Beim 3:6, 3:6, 6:3 und 4:6 fordert der 20-jährige Basler den Amerikaner mehr, als es dem einheimischen Publikum lieb ist. Eine kurze Baisse kostet Federer jedoch den vierten Satz und beschert Agassi am Schluss seinen fünften Titel im siebten Final.
Diese zehn beeindruckenden Tagen in Amerika sorgen nicht nur für endlose Anerkennung bei Spielern und Publikum, die Resultate zeigen auch auf dem Papier ihre Wirkung. Dank des Final-Einzuges macht Federer einen Sprung auf Rang 11 in der Weltrangliste und lassen ihn so nah an die Top 10 vorstossen, wie nie zuvor. Mit einem Turniersieg wäre diese Ehre bereits damals der Fall gewesen, doch Agassi verteidigt diesen Platz.
Der ganz grosse Durchbruch lässt entgegen der Aussage von Hewitt noch eine Weile auf sich warten. Im Mai des gleichen Jahres dringt Roger Federer mit dem Turniersieg in Hamburg zwar das erste Mal in die Liste der Top 10 ein, danach muss er aber um diese Platzierung kämpfen.
Das Jahr 2002 beendet der Schweizer auf Platz 6, ehe im folgenden Jahr der erste Grand-Slam-Titel herausschaut. Dank des Sieges in Wimbledon und weiteren grossartigen Erfolgen kämpft sich Federer bis auf Platz 2 vor. Und ab 2004 ist es nicht mehr Federer, der die Weltnummer 1 schlagen muss. Ab Februar 2004 heisst die Weltnummer 1 Roger Federer. Bis 2008 steht er 237 Wochen unangefochten an der Spitze.