Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03120.jsonl.gz/666

Gründung Barreirinhas: 1871
Lage: 4 Meter über Meer
Bevölkerungszahl: 47.850 (Stand 11/2007)
Grösse/km2: 2.291,1 km2
Bevölkerungsdichte/km2: 16,77 Einw./km2
Regenzeit: April bis Juni
Eine Wüste im tropischen Land Brasilien, welches weltweit durch seine immergrünen Regenwälder und seine herrlichen Badestrände bekannt geworden ist? Ja, die gibt es tatsächlich: im brasilianischen Nordosten, an der Küste des Bundesstaates Maranhão – auf einer Fläche von 155.000 ha, mit einer Küstenlinie von 70 km – eine durch haushohe Sanddünen aufgetürmte Wüstenei, welche die Einheimischen auch als „brasilianische Sahara“ bezeichnen. Ihr offizieller Name „Lençois Maranhenses“ (die Bettlaken von Maranhão) versteht man eher, wenn man die bis zu 30 Meter hoch aufgetürmten schneeweissen Sanddünen vor sich sieht – „wie riesige Laken scheinbar wahllos übers Bett geworfen“.
Die Winde fegen mit bis zu 70 km/Std. über dieses Gebiet – vorzugsweise in den Monaten September und Oktober – und der Regen füllt zahllose Lagunen, die das kristallklare Wasser während vieler Monate speichern. Die Niederschlagsmenge liegt bei 1.500 bis 1.750 mm pro Jahr, die Temperaturen schwanken zwischen 16º C Minimum, bei Nacht, und 38º C Maximum. Das Klima ist warm und ein bisschen feucht, 4 bis 5 Monate regnet es überhaupt nicht.
Um die unvergleichliche Schönheit dieser einmaligen Landschaft wirklich begreifen zu können, muss man sie persönlich kennen gelernt haben und dann erlebt man die „brasilianische Wüste“ als Oase: denn im Gegensatz zur Sahara regnet es hier etwa 300 mal mehr – in der ersten Jahreshälfte – und das Regenwasser staut sich in unzähligen kristallklaren Lagunen, die zwischen dem grotesken Sandlabyrinth der Dünen den Himmel in tiefem Azurblau oder Türkisgrün reflektieren. Man glaubt sich in einen Schöpfungsakt zurückversetzt, wenn man vom Kamm einer Düne den Blick ungehindert über das alles umschlingende Meer wandern lässt – weit hinaus bis zur Verschmelzung mit dem wolkenlosen Himmel.
Die Lençois Maranhenses befinden sich in steter Bewegung. Die Wasser der beiden Flüsse Rio Preguiças und Rio Parnaíba schwemmen den feinen Quarz-Sand bis ins Meer, die Meeresströmungen verteilen ihn über die einsamen Strände der Küste. Der Sand trocknet aus und wird besonders leicht und jetzt wirbelt der mit 70 km/Std. heranbrausende Wind die feinen Sandkörner auf und formt aus diesem Ballett der mikroskopisch kleinen Sandpartikel Dünen, die sich bis zu 50 km ins Land erstrecken. Tausende von Dünen, deren Höhe zwischen 2 und 30 Metern schwankt. Wander-Dünen in konstanter Veränderung durch den Einfluss der Winde, eine der jüngeren geologischen Formationen, aber immerhin schon rund 13.000 Jahre alt!
Auf den ersten Blick scheint in dieser kargen Landschaft wenig Leben zu existieren, aber man muss nur ein bisschen in dieses Labyrinth eindringen, um eine ganze Kette von Lebenszyklen zu entdecken, welche die Region als eines der interessantesten Ökosysteme Brasiliens bestätigen. So findet man hier zum Beispiel eine besonders reiche Mikro-Fauna, die in der Ernährung und Reproduktion diverser Arten eine wichtige Rolle spielen.
FLORA
Die Dünenlandschaft wird von ausgedehnten Mangrove-Wäldern eingerahmt. Charakteristisch ist die Rote Mangrove (mangue-vermelho), die eine Höhe von bis zu 12 Metern erreichen kann, die Weisse Mangrove (mangue-branco) und die Siriúba.
Auf den Stränden und Dünenausläufern, die vom Meerwasser bespült werden, wächst u.a. das Sandgras (capim-de-areia), der Strandhafer (alecrim-da-praia), der Pfeffer-Strauch (pimenteira) und der Rosendorn (espinho-de-roseta), zwischen den Dünen sind verschiedene Kakteen-Arten (Cereus sp.) häufig.
FAUNA
Verschiedene Arten von Krebsen und Meeresschildkröten suchen die einsamen Strände zur Eiablage auf. Unter ihnen die Gemeine Schildkröte, die Grüne – und die besonders hübsche Karett-Schildkröte.
Auch ein so seltenes Reptil wie die Riesen-Meerschildkröte kann man hier beobachten. Die Zugvögel machen hier regelmässig eine Erholungspause, unter ihnen der „Trinta-réis-Boreal“ (Sterna hirundo), der „Maçarico-Rasteirinho“(Calidris fuscicollis + pusilla) und die „Marrecas-de-asa-azul“ (Anas discors). Letztere stammen aus den Vereinigten Staaten. Im Mangrove-Wald ist der „Jacaré-tinga“ (Caiman c. crocodilus) heimisch und der „Veado-Mateiro“ (Mazma americana) sowie das ferkelgrosse „Paca“ (Agouti paca) trifft man hier regelmässig.
Wunderbarerweise findet man während rund zwei Drittel des Jahres in den vom Regen geformten Süsswasserlagunen reichlich Fische, Krebse (Shrimps) und Molusken. Niemand weiss dieses Phänomen ganz genau zu erklären, denn die Lagunen trocknen im letzten Drittel des Jahres völlig aus! Eine der Hypothesen vermutet, dass der Fischlaich im feuchten Sand überlebt und die Brut mit dem fallenden Regen schlüpft.
Eines der vielen Mysterien dieser grandiosen Landschaft, die 1981 unter Naturschutz gestellt wurde und in einen Nationalpark verwandelt, mit dem Ziel, das vorhandene Ökosystem zu schützen und die einheimische Bevölkerung für den Naturschutz zu sensibilisieren.
Apropos Bevölkerung: Rund 370 km von der Hauptstadt São Luis liegt der kleine Ort „Barreirinhas“ (Bevölkerung runde 48.000) am Rio Preguiça, dem Fluss, welcher die Lençois Maranhenses durchquert und in die so genannten „Pequenos Lençois“ und die „Grandes Lençois“ unterteilt. „Barreirinhas“ ist das Tor zum Nationalpark, und man erreicht es am besten per Kleinflugzeug von São Luis aus (45 Minuten). Über die prekären Pisten dorthin sollte man zumindest nicht das eigene Auto zuschanden fahren! In dem kleinen Ort findet der Besucher einfache Unterkunft in so genannten „Pousadas“.
Von Barreirinhas aus bedient man sich am besten eines regulären kleinen Liniendampfers oder eines gemieteten Motorbootes um den Fluss an der Grenze zu den „Grandes Lençois“ hinabzufahren, vorbei an den Flecken „Vassouras“ (Ort zwischen Dünen und Meer), „Atins“(einer grossen Fischerkolonie – hier mündet der Rio Preguiça ins Meer), „Mandacaru“ (hier steht der einzige Leuchtturm der Gegend, von dem man einen schönen Blick auf die Dünen und das Meer hat) und „Caburé“ (hier leben die so genannten „Nomaden-Fischer“, welche nur während der Regenzeit in den Lagunen der Lençois ihrem Handwerk nachgehen, um sich in der anderen Jahreshälfte anderweitig durchzuschlagen).
Die beste Art den Parque Nacional de Lençois Maranhenses kennen zu lernen, ist eine Wanderung zwischen den haushohen Dünen, immer in Kontakt mit der überraschenden Natur dieser weissen Unendlichkeit. Der höchste Punkt der gesamten Region ist der Preguiças-Leuchtturm, innerhalb des Örtchens „Mandacuru“.
Die beste Jahreszeit für die Region liegt zwischen Juli bis Dezember, wenn der Regen jene Süsswasser-Lagunen zwischen den Dünen geformt und gefüllt hat. Mitten im Herzen dieser scheinbaren Wüste befinden sich zwei Oasen: „Queimada dos Britos“ und „Baixada Grande“. Die „Wege“ sollte man stets unter Führung eines erfahrenen lokalen Guides angehen und es ist zu empfehlen, immer Trinkwasser und ein Lunch-Paket auf diesen Wanderungen mitzunehmen, ausserdem Sonnenbrille und Sonnenschutz. Die Lagunen unterwegs bieten dem Besucher immer ein erfrischendes Bad.
Es ist ausserdem zu empfehlen, die Dünenbewegung nicht zu unterschätzen! Sie pflegen alles zu verschlingen, was sich ihnen entgegenstellt: Wagen, Menschen, Esel, Häuser und ganze Ansiedlungen. Die Einheimischen erzählen von der Zeit als das Dorf der Caeté-Indianer vollkommen verschüttet wurde, verschlungen von den Dünen, wie von einer Sand-Lawine. Der Flughafen der Stadt Tutóia, im Grenzgebiet des Parks, ist ebenfalls begraben unter den Dünen. In „Barrerinhas“ droht der „Morro da Ladeira“ – eine riesige Sanddüne von über 20 Metern Höhe – den Eingang zur Stadt zu verschliessen.
Orte wie Barreirinhas, Caburé, Morro de Boi, Mandaçaru, Atins, Alazão, Vassouras, Espadarte und die Lagunen Azul, Bonita und dos Bentos scheinen mit einem göttlichen Pinsel platziert. Oder man fühlt sich plötzlich an einen Ort versetzt, der dem Genius eines DALI entsprungen scheint.
TUTÓIA
Der Name bedeutet „Betttuch aus Sand“ oder „Grosse Ausbreitung von Dünen“, was die Topografie jener Küstenlandschaft um dieses Städtchen bereits bestens beschreibt. Im Volksmund zirkuliert noch eine weitere Version, nach der dieser Name aus der Tupi-Sprache stammt und „Gutes Wasser“ bedeutet. Jedoch die vierte, und von den meisten verteidigte Version ist logischer und beweisbarer als alle anderen – sie behauptet, dass „Tutóia“ eine Abwandlung vom indianischen „Tutoi“ ist, das in der Tupi-Sprache „wie schön!“ bedeutet oder „was für eine Schönheit!“ Nun, wen Sie herausfinden wollen, woher der Name stammt, oder was am besten auf ihn passt – fahren Sie einfach mal nach Tutóia und ziehen Sie dort Ihre eigenen Schlüsse!
Die Stadt wird in der Regel auch als Eingangstor für Besuche im Nationalpark „Lençois“ angefahren, oder als Zwischenaufenthalt für eine Tour im „Parnaíba-Delta“. Von hier aus dauert die Fahrt zum Park etwa 2 Stunden und ist nur mit Allrad-Fahrzeugen zu machen. „Paulino Neves“, ist ein kleiner Ort auf dem Weg dorthin (34 km) und der letzte Stützpunkt vor der Dünenlandschaft.
Wer das „Delta des Parnaíba“ kennen lernen möchte, kann dies mit einer regulären Schiffslinie tun, die zwischen „Tutóia“ nach „Parnaíba“ verkehrt. Die Fahrt dauert 6 Stunden und überquert fast die gesamte Mündungsbreite des Flusses, der Maranhão vom Nachbarstaat Piauí trennt.
„Praia de Tutóia“ – ein ausgedehnter Strand, der fast ausschliesslich von Fischern und deren Familien benutzt wird. Er hat hellen Sand, sanfte Wellenbewegung und sauberes Wasser, das allerdings ein bisschen trüb erscheint, wegen Flusseinmündungen in der Nähe. Lagunen mit kristallklarem Wasser bilden sich in den Dünen während der Regen-Monate Januar bis Juli.
Bitte vergessen Sie die folgenden Utensilien nicht:
– Ziemlich viel Sonnenschutzlotion und auch für die Lippen
– Imbiss für zwischendurch- vorzugsweisse Früchte
– Wasser – zum Trinken und die Haut zu befeuchten
– Fotoapparat, um alles zu registrieren (und, damit andere Sie beim Ansehen der Bilder beneiden können.)
– Einen Plastiksack für Ihren Müll – den dort zu lassen ist nämlich verboten!
– Leichte Baumwollkleidung
– Hut oder Schirmmütze
– Sonnenbrille
Zu Ihrer Information:
Der Nationalpark Lençois Maranhenses steht unter dem Schutz der IBAMA (Brasilianische Naturschutz-Behörde). Der Besucher sollte mit dem Bewusstsein anreisen, keinen Müll im Park zurückzulassen. Dies ist eine wichtige Überbelegung, denn wenn in diesem Fall nicht jeder Besucher diese Regelung unterstützt, werden jene einmaligen Naturschönheiten in Kürze verschwinden. Nutzen Sie Ihre Ferien zum Entspannen in einem paradiesischen Ambiente, und schützen Sie die Natur ganz bewusst!
Sie sollten niemals ohne offiziell registrierten Führer durch die Dünen, entlang der Lagunen und Strände wandern! Dies ist unumgänglich für Ihre Sicherheit, denn dieser Park ist äusserst weitläufig und fast unbewohnt. Die Guides begleiten Sie per Motorfahrzeug mit Vierrad-Antrieb und per Boot, sie kennen sich perfekt aus in der gesamten Gegend.
KURIOSITÄTEN
Sieht wie eine Wüste aus – ist aber keine!
Die Dünen des Nationalparks Lençois Maranhenses sind durch das Zusammenwirken verschiedener Naturphänomene geschaffen worden: Die Flüsse – allen voran der Rio Parnaiba – transportieren grosse Mengen von Sand ins Meer. Die Meeresströmungen wiederum verteilen jenen Sand erneut entlang der Küste und häufen ihn dort auf – die Sonne trocknet ihn aus, und die Winde tragen ihn mit sich ins Innere des Kontinents.
Die Lagunen bilden sich in den Vertiefungen wegen der grossen Niederschlagsmengen während der Regenzeit – im ersten Semester eines jeden Jahres. Die Dünen absorbieren enorme Wassermengen, deren Überschuss die Lagunen auffüllt – eine phantastische Landschaft mit weissen Sanddünen und blauen Lagunen dazwischen bildet sich jedes Jahr neu. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1.250 mm – mit anderen Worten: Im Nationalpark Lenos regnet es nicht mehr als in anderen Teilen der brasilianischen Nordostküste – wie in Fortaleza oder in Recife – aber die Natur bringt es fertig, weiter nördlich ein ganz besonders grandioses Kunstwerk aus Sand und Regen zu erschaffen!
Was ist eigentlich „Caburé“?
Es handelt sich um eine Eule, die man leicht und regelmässig im Bereich der „Restinga“ (Gras- und Busch bestandenes Küstengebiet) aufspüren kann. Und die „Praia de Caburé“ (Strand von Caburé) – früher hiess er „Praia de Moitas“ – hat diesen Namen erhalten, nachdem einer der ersten Touristen in Lençois an jenem Strand eine Menge dieser kleinen Eulen angetroffen hat.
Der Name „Caburé“ stammt von der Tupi-Indianersprache „CAÁ-BORÉ“ (caá=Pflanze und boré=Stachel) – wahrscheinlich eine Anspielung auf den bevorzugten Aufenthalt dieser keinen Nachtvögel auf stacheligen Pflanzen.
„Preguiça“ oder „Preguiças“?
Wenn das Säugetier gemeint ist, handelt es sich um „Preguiça“ (Faultier – in Portugiesisch auch „Faulheit“) – wenn der Fluss gemeint ist, handelt es sich um „Preguiças“ im Plural! Der Fluss im Nationalpark Lençois hat diesen Namen erhalten, weil sein Wasser besonders langsam seiner Mündung ins Meer zufliesst – mit vielen Kurven. Er ist von dunklem Wasser und hat viele Seitenarme, und es wird empfohlen, ihn auf einer Spazierfahrt entsprechend zu geniessen: sehr langsam, und sich die Zeit nehmen, die seltene Schönheit seiner Ufer, welche viele Überraschungen bereit halten, ausgiebig bewundern zu können.
Der Rio Preguiças entspringt in dem Örtchen Anaurus (Bundesstaat Maranhão) und durchfliesst 150 km des Bundesstaates Maranhão, bevor er sich bei Atins ins Meer ergiesst. Seine Strömung ist besonders langsam, weil sie von der Gewalt der Meeresflut gebremst wird. Der Fluss bildet eine geographische Grenze zwischen den „Kleinen Lençois“ (an seinem rechten Ufer) und den „Grossen Lençois“ (an seinem linken). Die Vegetation an seinen Ufern ist hoch und vielfältig – mit verschiedenen Palmenarten (wie „Babaçu – Buriti – Carnaúba“ und „Juçara“), die sich mit dem Mangrove-Dschungel mischen. Die Dünen formen kleine Flussstrände, auf denen man kleine Siedlungen von Fischern antrifft – zum Beispiel „Vassouras, Morro de Boi“ und „Alazão“. Auf der Fahrt zur Mündung kommt man ausserdem am Leuchtturm „Farol de Mandacaru“ vorbei.
Der Mangrove-Dschungel bedeckt einen Grossteil der Ufer. Der Fluss ist an manchen Stellen bis zu 100 Meter breit. Eine Fahrt den Fluss hinab ist eine der schönsten Erlebnisse dieser Region – aber bitte: vermeiden Sie, sich in den Booten zu erheben und vergessen Sie nicht, eine Schwimmweste zu tragen!
Die Besetzung dieser Region – nachdem sie dermaleinst vom Indianervolk der Caeté bewohnt worden war – vollzog sich eben durch den bequemen Transport auf jenem trägen Fluss. Und die heutigen Bewohner sehen in als willkommenes Mittel an, die Sommerhitze ertragen zu können: Wäscherinnen und Kinder verbringen einen grossen Teil des Tages in seinem Wasser – arbeitend, spielend und sich unterhaltend.
Die „Guarás“ und ihre mystische Färbung
„Guará“ der brasilianische Name eines Storchenvogels aus der Familie „Threskiornithidae“, der auch als „scharlachroter Ibis“ im deutschen Sprachgebrauch, und als „Guará-vermelho, Guará-rubro“ und „Guará-pitanga“ (aus der Tupi-Sprache „roter Vogel“) im Brasilianischen bekannt ist. Er wird von vielen Kennern als Brasiliens schönster Vogel bezeichnet, wegen der herrlichen Färbung seiner Federn.
Der „Guará“ besitzt einen langen, dünnen und leicht nach unten gekrümmten Schnabel. Ein eleganter Vogel, der sich im flachen Wasser vor dem Mangrove-Dschungel am liebsten aufhält, seinem natürlichen Habitat. Seine bevorzugte Nahrung bilden kleinere Krebse und Shrimps, aber er verschmäht auch Schnecken und Insekten nicht. Ein ausgewachsenes Exemplar misst zirka 58 cm und die Farbe seiner Federn – karmesinrot – ist ein Mysterium für sich. Denn die in Gefangenschaft gehaltenen Guarás verlieren diese wunderschöne Farbtönung bald – ihr Gefieder zeigt eine hellrosa Färbung. Das Karmesinrot der freilebenden Exemplare stammt von einem Pigment, einem Karotenoiden, der „Cantaxantin“ genannt wird, man findet ihn bei einer bestimmten Art von Krebs, welcher dem Guará in Freiheit zur Hauptnahrung dient. In Gefangenschaft, mit der Umstellung auf andere Nahrung, verlieren die Federn ihre auffallende Färbung.
Jungvögel präsentieren eine grau-beige Färbung der Deckfedern, die ins Weiss der unteren Federn übergeht. Frisch geschlüpfte Junge sind von schwarzem Flaum bedeckt und gleichen ihren Eltern gar nicht, aber das ist bei dieser Spezies normal.
Die Fortpflanzung geschieht innerhalb grosser Kolonien. Die Nester werden auf hohen Bäumen am Rand des Mangrove-Bestandes gebaut. Das Weibchen legt 2 oder 3 Eier von oliv-grauer Farbe mit braunen Tupfen hinein. In Brasilien findet die Fortpflanzung der Vögel während der Regenperiode statt. Ein anderer kurioser Aspekt: Während dieser Zeit färbt sich ihr Schnabel schwarz und das Gefieder erreicht den Höhepunkt seiner karmesinroten Färbung! Die Tiere halten sich stets innerhalb von Gruppen auf und beeindrucken mit ihrem kollektiven Flug, der einem Ballett ähnelt – sie legen täglich zwischen 60 bis 70 Kilometer bis zu den Schlammtümpeln zurück, aus deren Krebsangebot sie sich ernähren – dabei bilden die Jungvögel eigene Gruppen.
Diese Vögel suchen stets eine besonders dichte Vegetation auf, um zu übernachten und auch um ihre Nester anzulegen. Weil sie mit ihrer unbestreitbaren Schönheit den Menschen erfreuen, ist es besonders wichtig, ihr bevorzugtes Habitat zu erhalten.
Queimada dos Britos
Ist eine „Insel“ – so nennen die Bewohner ihre kleine Oase, in der sie leben, und die von einem Meer von Sand umgeben ist – ihre Siedlung befindet sich ein paar Stunden weit weg von „Barreirinhas“. In dem Örtchen sind alle Bewohner miteinander verwandt – Cousins heiraten in der Regel untereinander. Der Ortsgründer hiess Manuel Brito – der schon einige Jahre tot ist und von seinen Nachkommen hoch verehrt wird. Sein Vater war einst aus dem Bundesstaat Ceará hierher gekommen, geflüchtet vor einer furchtbaren Trockenheit, welche damals den „Sertão“ von Ceará beutelte – und er fand zwischen den Dünen von Lençois das einzige Plätzchen ohne Sand und richtete sich darauf ein.
Heute leben hier zirka 200 Menschen vom Fischung (das Meer liegt etwa zwei Stunden Fussweg vom Dorf) und von der Zucht von Rindern und Ziegen (ihre Tiere laufen frei zwischen den Dünen herum). Sie pflanzen kaum etwas, aus Angst vor dem Vormarsch der Dünen, die letztlich schon ein paar ihrer Häuser vereinnahmt haben. Von elektrischem Licht können sie nicht einmal träumen – alle begnügen sich mit einer „Lamparina“ (Kerosin-Funzel) und ein bisschen Unterhaltung gegen Abend vor dem Schlafengehen. Der Kommerz erreicht den winzigen Ort auf dem Rücken eines Esels, der allerdings gar nicht allzu viel zu schleppen hat: Streichhölzer, Seife und Kerosin sind die meist verbrauchten Produkte an diesem Ende der Welt.
Um nach Queimada dos Britos zu kommen gibt es zwei Wege: Von „Atins“ aus – diese Wanderung dauert einundeinhalb Tage – oder man lässt das Auto in „Sucuruju“, zirka 40 km von Barreirinhas, und hat dann noch einen Fussmarsch von 10 km vor sich – zirka vier Stunden. Im Osten von Queimada dos Britos befindet sich die Kommune von „Baixa Grande“.
Die „Lençois Maranhenses“ sind ein besonderes Naturwunder
Um die unvergleichliche Schönheit dieser einmaligen Landschaft wirklich begreifen zu können, muss man sie persönlich kennengelernt haben – und dann erlebt man die „brasilianische Wüste“ als Oase: denn im Gegensatz zur Sahara regnet es hier etwa 300 mal mehr – in der ersten Jahreshälfte – und das Regenwasser staut sich in unzähligen kristallklaren Lagunen, die zwischen dem grotesken Sand- Labyrinth der Dünen den Himmel in tiefem Azurblau oder Türkisgrün reflektieren. Man glaubt sich in einen Schöpfungsakt zurückversetzt, wenn man vom Kamm einer Düne den Blick ungehindert über das allesumschlingende Meer wandern lässt – weit hinaus bis zur Verschmelzung mit dem wolkenlosen Himmel.