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Wer sich bei Hochschulen umhört, bekommt schnell den Eindruck, die Matur habe an Qualität verloren. Studienanfänger brächten nicht mehr die nötigen Grundlagen in Mathematik mit, klagt die ETH, andere Hochschulen beanstanden die mangelnde Fähigkeit der jungen Leute, einen Gedanken in Worte zu fassen und selbständig zu arbeiten. Es ist bestimmt nicht falsch, die Ausbildung im Gymnasium zu verbessern, doch die Vergangenheit lehrt, dass dabei Gelassenheit am Platz ist, denn wer glaubt, dass früher alles besser gewesen sei, irrt.
Die «abscheuliche Kantonsschule» Aarau wurde von einem Politiker schon im 19. Jahrhundert als «Herrenbüeblischule» beschrieben, die aus Kindern «frühreife Jünglinge» und aus diesen «bartlose Greise» mache, anstatt sie fürs Leben zu bilden. 1918 wurde dann die «Überhäufung der Lehrpläne» kritisiert, die «geistig übermüdete, nervöse, blasierte, bleiche und kurzsichtige Jünglinge» heranziehe. Eine Umfrage unter Ehemaligen ergab damals, dass die Schüler «nicht in genügendem Mass selbständig arbeiten» und sich in der Muttersprache auszudrücken gelernt hätten.
Dass die Klagen fast hundert Jahre später dieselben sind, zeigt, dass die Matur ein Kompromiss ist – immer schon war. Ein Flickwerk aus historisch gewachsenen Bildungsansprüchen und modernen Bedürfnissen. Ein Masterplan, der, selbst wenn er vollkommen wäre, scheitern müsste, weil die Bedürfnisse junger Leute selten mit dem Lehrplan übereinstimmen. Einen Vorwurf kann man dem Gymnasium aber nicht mehr machen: dass es eine «Herrenbüeblischule» sei. 60 Prozent der Maturzeugnisse gehen heute an Frauen.