Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03234.jsonl.gz/166

Diversifizieren lautet die Devise, wenn sich Postunternehmen, deren Kerngeschäft im Inland schrumpft, in einem globalen Umfeld behaupten wollen. Dies zeigt auch der Zusammenschluss eines Bereichs der Schweizer Post mit Frankreichs La Poste.
Obschon der Zusammenschluss von Swiss Post International (SPI), der im grenzüberschreitenden Brief- und Warenversandgeschäft tätige Arm der Schweizerischen Post), mit der globalen Division der französischen La Poste im Juli 2012 unter Dach gebracht wurde, gilt es noch etliche Dinge auszudiskutieren, wie Ulrich Hurni, Direktor des Konzernbereichs Briefpost (der Schweizerischen Post) und Verwaltungsratspräsident des neuen Unternehmens Asendia erklärt.
Büros im Ausland müssen fusioniert werden und die Angestellten in den Hauptquartieren in Bern und Paris müssen sich an die Zusammenarbeit mit ihrem ausländischen Gegenüber gewöhnen, damit Asendia das Ziel, im Markt mit dem grenzüberschreitenden Mailversandgeschäft zu einem Hauptakteur zu werden, in Angriff nehmen kann.
Das Ziel von Asendia ist es, die DHL, die der Deutschen Post gehört, als Marktführerin abzulösen. Hurni anerkennt, dass DHL heute Marktführerin ist, fügt aber hinzu: "Wir haben die Vision, in dem Bereich an die Spitze zu stossen und DHL zu überholen".
Das Ziel mag etwas hoch gesteckt sein, wenn man bedenkt, dass die DHL zurzeit in dem Bereich in Europa über einen Marktanteil von rund 30% verfügt. Die Idee hinter der Fusion von SPI und La Poste Global Mail sei aber richtig, sagt Matthias Finger, der an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) den von der Schweizerischen Post finanzierten Hochstuhl für Management von Netzwerkindustrien innehat.
"Wie andere Schweizer Unternehmen ist die Schweizerische Post zu gross für das Land, aber zu klein, ein globaler Akteur zu sein", sagt Finger. "Durch das Zusammengehen mit der französischen Post kann sie dies teilweise überwinden."
Finger und Hurni sind der Meinung, dass die Schweizer bei der Ausweitung von Postdiensten ins Ausland einen klaren Vorteil hätten. Viele Unternehmen aus der Schweiz hätten Zweigstellen im Ausland – und das schaffe eine Nachfrage nach Dienstleistungen der Schweizerischen Post ausserhalb des Landes.
"Die ursprüngliche Strategie [der internationalen Expansion] war immer, sich zuerst um die multinationalen Schweizer Unternehmen im Ausland zu bemühen und danach weiter zu expandieren", sagt Finger. Die Schweizerische Post habe damit gegenüber ähnlich grossen Ländern wie Finnland oder Dänemark mit weniger multinationalen Firmen einen Vorteil.
Neue Postprojekte
Die Schweizerische Post streckt ihre Fühler durch elektronische und "hybride" Post sowie e-Voting-Plattformen immer mehr in neue Gefilde aus, sagt Ulrich Hurni, der Direktor des Konzernbereichs Briefpost und Asendia-Verwaltungsratspräsident.
Im Ausland biete Swiss Post Solutions bereits Lösungen für elektronische und hybride Post an (die Möglichkeit, zu wählen, ob man Post physisch oder in elektronischer Form erhalten will), was nun auch auf die Schweiz ausgeweitet werden soll.
In Zukunft könnten Kunden sich für einen "elektronischen Briefkasten" entscheiden, um Briefe per Internet zu erhalten.
Ein Testprojekt der Schweizerischen Post, eine personalisierte Zeitung unter dem Titel "My Newspaper", wurde jüngst wegen ungenügender Nachfrage eingestellt.
Für "My Newspaper" stellten sich Abonnenten ihre Zeitung im Internet zusammen, indem sie aus verschiedenen nationalen und internationalen Blättern ihre gewünschten Inhalte auswählten.
Die Post druckte diese personalisierte Zeitung dann und stellte sie zu. Als Alternative konnte die Zeitung auch als E-Paper abonniert werden.
"Das beste Fusionsszenario"
Trotz des vorteilhaften Geschäftsklimas habe die Schweizerische Post historisch betrachtet im Ausland bisher keine besonders angriffige Agenda verfolgt, sagt Finger. Sie habe sich stattdessen auf einige wenige spezifische Märkte konzentriert, zum Beispiel auf Angebote für Back-Office-Prozesse durch den Konzernbereich Swiss Post Solutions.
"Ich denke, sie tun das Richtige. Es ist aber einfach so, dass sie eher klein sind, und die Schweiz ein kleines Land ist", sagt Finger. "Die Regierung erlaubt der Post zwar, all diese Dinge zu tun, doch letztlich ist es ein Unternehmen im Staatsbesitz, das nicht allzu viele Risiken eingehen darf."
James Campbell, ein Berater für Postpolitik, sagt, auch die französische La Poste sei in der Vergangenheit ziemlich konservativ gewesen.
Wahrscheinlich habe diese Einsicht das Unternehmen dazu gebracht, die Fusion seines internationalen Arms mit SPI voranzutreiben, etwas wie ein letzter Versuch, international wettbewerbsfähig zu werden.
Betrachte man die letzten 10 bis 15 Jahre, komme man zum Schluss, die Franzosen seien bei der Anpassung an die neuen Märkte langsam gewesen, sagt Campbell gegenüber swissinfo.ch. "Sie haben viele intelligente Leute, doch insgesamt verstanden sie nicht, dass der Markt sich wandelt. Sie sind ins Hintertreffen geraten, und zwar so sehr, dass sie unter Umständen gar nicht mehr aufholen können."
Und Finger erklärt, für Swiss Post International sei ein Zusammengehen mit La Poste das beste umsetzbare Fusionsszenario gewesen. Die beiden Unternehmen seien sehr ähnlich, was die Art der Postdienste angehe. "Auch die französische Post gehört dem Staat, und sie hat auch einen Finanzdienstleistungsbereich. Wenn man sich umschaut, so sehe ich nichts, das besser gewesen wäre."
Die moderne Post
Fusionen wie die von SPI und La Poste haben einen Weg gefunden, die Rentabilität der Infrastrukturen zu optimieren, die Postunternehmen in den Jahren brauchten, in denen die Postdienste ihre besten Zeiten hatten, wie Kenneth McKeown, Direktor der Abteilung Marktentwicklung beim Weltpostverein (UPU, Universal Postal Union), erklärt.
Der Rückgang beim Postvolumen und den Einnahmen vielerorts bedeute, dass Anlagen, die auf grössere Mengen ausgerichtet waren, eine Kostenbelastung geworden seien. "Personal, das für bestimmte traditionelle Aufgaben eingestellt worden war, muss anderweitig beschäftigt werden, Packanlagen müssen modernisiert werden, um in neue Geschäftsbereiche vorstossen zu können", sagt er.
McKeown verweist auf Dänemark und Schweden als extreme Beispiele: Die beiden Länder haben ihre individuellen nationalen Postunternehmen vor etwa drei Jahren zu einem neuen Unternehmen zusammengelegt. Auf der Welt gebe es aber noch immer Regionen, wo Post im herkömmlichen Sinn – Versand von Briefen und kleineren Paketen – nach wie vor ein blühendes Geschäft sei, sagt McKeown.
"Schwellenländer sind die Ausnahme von der Regel. In Brasilien, Indien, China und Russland sieht es im Moment recht gut aus, was die herkömmliche Post angeht. Dort sagt ihr niemand den Tod voraus. Doch die Dinge sind im Wandel." Noch immer viel Post gebe es in Entwicklungsländern.
Gratwanderung
Diversifizierung und Fusionen können für Postunternehmen zwar ein Weg sein, in einer Zeit wandelnder Nachfrage profitabel zu bleiben. Viele müssen sich aber durch Regierungsmandate und althergebrachte Geschäfts-Konzepte manövrieren. Campbell erklärt, gewisse Analysten seien der Ansicht, dass die Deutsche Post über ihr Mandat hinausgegangen sei, als sie mit dem Frachtdienst DHL ins Ausland expandierte.
Hurni erklärt, die neue Rolle von Asendia sei klar und einfach: Es gehe darum, für das internationale Versandgeschäft Lösungen anzubieten. Alles Weitergehende würde das Mandat der Schweizer Regierung für den Postdienst überschreiten. "Was wir nicht tun werden, sind Investitionen in die Infrastruktur anderer Länder, ich denke auch, dass man uns das gar nicht erlauben würde."
"Wir werden im Ausland nie grosse Sortieranlagen haben. Asendia ist eine Vertriebsgesellschaft ohne grosse Infrastruktur. Was wir brauchen sind gute Produkte, Qualität, IT-Systeme und natürlich Verkaufspersonal. Das ist alles."
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch), swissinfo.ch