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Frage: Ich erhalte von der IV eine Rente von 1634 Franken. Von der Pensionskasse gibt es 979 Franken. Da mein Invaliditätsgrad 70 Prozent beträgt, könnte ich laut IV monatlich noch 1290 Franken verdienen, ohne dass mir die IV-Rente gekürzt wird. Wie verhält es sich mit der Rente der Pensionskasse? Wird die Rente gekürzt, falls ich wieder arbeiten gehe? H.F. in Olten.
Sie schneiden ein umstrittenes Problem an. Die Verordnung sagt: «Bezügern von Invalidenleistungen wird überdies das weiterhin erzielte oder zumutbarerweise noch erzielbare Erwerbs- oder
Ersatzeinkommen angerechnet.»
Der Gesetzestext ist eigentlich klar, wird der Praxis jedoch nicht gerecht. Mit einem Invaliditätsgrad von 70 Prozent erhalten Sie von der IV eine ganze Rente. Sie könnten aber einen monatlichen Zusatzverdienst von 1290 Franken erzielen, ohne dass die Rente gekürzt wird. So viel zur IV der ersten Säule.
Bei der zweiten Säule haben wir verschiedene Modelle. Bei strikter Auslegung des oben zitierten Verordnungsartikels wird die Pensionskasse bei einem IV-Grad zwischen 70 und 100 Prozent nicht die volle Rente zahlen. Vielmehr wird sie das «zumutbarerweise» noch erzielbare Erwerbseinkommen anrechnen. In Ihrem Fall wird sie also von der vollen IV-Leistung die 1290 Franken in Abzug bringen, welche Sie laut IV-Beschluss noch erzielen könnten. Dieser Abzug wird so oder so getätigt, unabhängig davon, ob Sie tatsächlich in der Lage sind, besagte 1290 Franken zu verdienen.
Gemäss Ueli Kieser, Buchautor und einer der bekanntesten Rechtsanwälte im Bereich der Sozialversicherungen, greift diese Interpretation zu kurz. Er sagt, die Berechnung der IV werde den tatsächlichen Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt nicht gerecht. Auch wenn die IV zum Schluss komme, aufgrund der gesundheitlichen Schädigung könne der IV-Bezüger noch 1290 Franken verdienen, sei das häufig nicht realistisch. Kieser meint, eine Pensionskasse müsste ab einem IV-Grad von 70 Prozent eine volle Rente bezahlen. Erst wenn der IV-Bezüger dann tatsächlich ein Erwerbseinkommen erzielt, sollte die Rente angepasst werden.
Beachten Sie auch das Folgende: Wird der Vater einer kinderreichen Familie erwerbsunfähig, addieren sich all die IV- und Kinderrenten häufig zu einer stattlichen Summe, die das frühere Einkommen übersteigt. Das kann nicht der Sinn einer IV-Rente sein. Deshalb werden die meisten Vorsorgeeinrichtungen die IV-Rente kürzen, wenn die Renten und anderen Einkünfte 90 Prozent des mutmasslich entgangenen Jahresgehalts übertreffen.
Fragen Sie bei Ihrer Vorsorgeeinrichtung nach, wie weit Sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen können, ohne mit einer Rentenkürzung bestraft zu werden.
Erschienen im CASH am 4. Januar 2007