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Der Rat von Zürich hat im ausgehenden Mittelalter schon frühzeitig die Bedeutung der neuen Feuerwaffen erkannt, die damals die Armbrust im militärischen Bereich verdrängten. Bereits um 1440 belegt eine Art Schützenrechnung, dass der Rat von Zürich jenen Büchsenschützen "Hosentuch" stiftete, welche auf der "Zielstatt am Platz" (beim heutigen Hauptbahnhof) regelmässig die Schiessübungen absolvierten. Bereits im Jahr 1472 fand das erste Schützenfest auf Zürcher Boden statt, nachdem der Rat schon im Juni 1441 - noch während des Alten Zürichkrieges - eine erste Schützenordnung erlassen hatte.
Die enge Verbundenheit der Obrigkeit mit den Büchsenschützen und deren Wertschätzung durch die Regierung zeigt sich ganz besonders am grossen Freischiessen zu Zürich im Jahre 1504 - dem grössten Volksfest der alten achtörtigen Eidgenossenschaft. Für dieses vom Rat auf den Spatsommer 1504 ausgeschriebene Freischiessen sind über 600 Einladungsschreiben versandt worden - nicht nur an die Schützen und Regierungen der eidgenössischen Orte, sondern auch der Niederlande, der süddeutschen Städte bis ins Tirol. Den vom Rat ausgesetzte Preis von 20 Gulden für den "verosten Schützen" (der am weitesten Hergekommene) erhielt ein Schütze von Rom.
Nach Berichten von Edlibach, der an diesem Schiessen als Aufseher amtete, hielt der Rat von Zürich während drei Wochen die Schützen jeden Tag über Mittag und am Abend bei Wein, Semmeln und Wecken frei. Die Vermutung liegt nahe, dass für den Rat von Zürich bei dieser grossen Freigebigkeit auch politische Motive im Spiel gewesen sein mögen, galt es doch, die freundschaftlichen Beziehungen Zürichs insbesondere mit den süddeutschen Städten, die im Schwabenkrieg 1499 sehr gelitten hatten, wieder zu verbessern.
Zum grossen Gaudi der breiten Bevölkerung, welche sich am Schiessen nicht beteiligte, wurde ein sog. Glückshafen aufgestellt, der eine Art Lotterie war. Als bedeutsames Dokument aus jener Zeit ist 1941 von der Antiquarischen Gesellschaft Zürich der "Glückshafenrodel" (Verzeichnis aller Personen, die an dieser Lotterie teilnahmen) publiziert worden.
Zum einflussreichen politischen Forum wurden die Ehr- und Freischiessen auch im 19. Jahrhundert, in der Auseinendersetzung um die Gründung des Bundesstaates. Das von Gottfried Keller besungene Freischiessen zu Aarau 1849 ("Das Fähnlein der sieben Aufrechten") diente nicht zuletzt auch der freundeidgenössischen Versöhnung nach dem Sonderbundskrieg und der Gründung des Bundesstaates.
Initiant des Zürcher Ratsherren-Schiessen war Dr. Hans-Ulrich Graf, damaliger Nationalrat und Ehrenmitglied des Zürcher und des Schweizer Schiesssportverbandes. Sein Weggefährte Hannes Ringger hat ihn wesentlich unterstützt in seinen Bestrebungen, im Kanton Zürich ein Ratsherren-Schiessen ins Leben zu rufen.
Unter der Leitung von Dr. HU. Graf fand im Jahre 1982 das Zürcher Kantonalschützenfest im Bezirk Bülach statt. Als zusätzlichen, aber eigenständigen, und vom Kantonalschützenfest strikte getrennten Anlass, organisierte er auch das 1. Zürcher Ratsherren-Schiessen in Rafz. Der Erfolg rechtfertigte die Weiterführung dieses Anlasses.
Das Ziel, den politischen Mandatsträgern aller Stufen die Bedeutung des freiwilligen wie auch des ausserdienstlichen Schiessens näher zu bringen, stand im Vordergrund. Nach dem Militärgesetz waren und sind die Gemeinden noch heute für die Zurverfügungstellung von Schiessanlagen für die Absolvierung der ausserdienstlichen Schiesspflicht von den in ihrer Gemeinde wohnhaften Wehrmännern zuständig. Was lag deshalb näher als ein Schulterschluss zwischen den Gemeindebehörden mit den Schützenvereinen, welche die Durchführung der Schiessübungen gewährleisten. Daneben bietet sich die einmalige Gelegenheit, dass sich politische Vertreter aller Stufen ausserhalb der üblichen Traktanden zu einem ungezwungenen Treffen zusammenfinden und einen unbeschwerten Gedankenaustausch pflegen können.
Das Kuratorium, welches durch einen Regierungsrat geleitet wird, beauftragt nach Prüfung der Bewerbungen nicht einen Schiessverein, sondern die Exekutive einer Stadt oder einer Gemeinde im Kanton Zürich für die Durchführung des Zürcher Ratsherren-Schiessen. Die wesentlichen Aufgaben sind in den Satzungen des Kuratoriums festgehalten.
Grundsätzlich findet das Ratsherren-Schiessen alle zwei Jahre statt. Dieser Zwei-Jahres-Zyklus kann in den Jahren geändert werden, in welchen ein Kantonalschützenfest stattfindet. Diese Praxis hat bisher immer dazu geführt, dass zwischen dem 5-jährigen Turnus der Kantonalschützenfeste zwei Ratsherren-Schiessen ausgetragen wurden. Dies aus der einfachen überlegung, den politischen Mandatsträgern während einer Amtsdauer von vier Jahren die Teilnahme an mindestens zwei Ratsherren-Schiessen zu ermöglichen.
Zu den unverrückbaren Eckpunkten eines Zürcher Ratsherren-Schiessen gehören die obligate Ratsherrenwurst zum Znüni, der Frühschoppen (Apéro), die Mittagsverpflegung in Form eines «Spatz», der Crèmeschnitte als Dessert und einer Flasche Wein. Die Kavalleriemusik Zürich umrahmt den Festanlass während des Mittagessens und dem Absenden. Jeder Teilnehmer erhält zur Erinnerung einen gravierten Zinnbecher.
Seit der Durchführung im Jahre 2007 in Kyburg ist das Kuratorium stolzer Besitzer einer Fahne. Dank der grosszügigen Vergabung durch das OK des Eidg. Schützenfestes für Veteranen 2004 in Zürich ist der lange gehegte Wunsch in Erfüllung gegangen. Auf dem Fahnentuch aus Zürcher Damast sind ein Ratsherr aus alten Zeiten und eine Scheibe gestickt. Die Fahne ist in den Räumlichkeiten des Zürcher Rathauses stationiert.
|Jahr||Austragungsort||OK-Präsident|
|1.||1982||Rafz||Dr. Hans-Ulrich Graf|
|2.||1984||Rüschlikon||Erwin Brunner|
|3.||1986||Zürich||Kurt Egloff|
|4.||1987||Meilen||Hans Glarner|
|5.||1989||Wallisellen||Paul Remund|
|6.||1991||Wettswil||Ernst Gallmann|
|7.||1992||Dielsdorf||Walter Kunz|
|8.||1994||Oberstammheim||Werner Schwendimann|
|9.||1996||Kloten-Winkel||Bruno Heinzelmann|
|10.||1997||Affoltern a.A.||Ernst Gallmann|
|11.||1999||Volketswil||Kurt Fenner|
|12.||2001||Wädenswil||Ueli Fausch|
|13.||2002||Zürich||Monika Weber|
|14.||2004||Dübendorf||Heinz Jauch|
|15.||2006||Kyburg||Henri Woltersdorff|
|16.||2007||Ossingen||Kurt Stamm|
|17.||2009||Rafz||Jürg Sigrist|
|18.||2011||Rüti||Anton Melliger|
|19.||2012||Fehraltorf||Wilfried Ott|
|20.||2014||Uster||Martin Bornhauser|
|21.||2016||Oberglatt||Werner Stähli|
|22.||2018||Wädenswil||Philipp Kutter|