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Diverse feministische Positionen diskutieren das Phänomen un- und unterbezahlter Reproduktionsarbeit, die weiterhin vorwiegend von Frauen geleistet wird, als grundlegendes Problem kapitalistischer Gesellschaften. In «Die Akkumulation des Kapitals» hat Rosa Luxemburg im Jahr 1913 eine marxistische Kritik an Marx’ Thesen zur gesellschaftlichen Reproduktion des Kapitals formuliert, die bis heute als Grundlage dieser Diskussion gelten kann: Luxemburg stellte Marx’ Position der historischen Abgeschlossenheit der «ursprünglichen Akkumulation» als eines gewaltförmigen Enteignungsprozesses infrage und konstatierte dagegen die notwendige Fortsetzung unterschiedlicher Gewalt- und Ausbeutungsverhältnisse.
Aktuell ist die Tendenz des globalisierten Kapitalismus unübersehbar geworden, «sich auf dem Erdrund auszubreiten und alle anderen Wirtschaftsformen zu verdrängen», aber zugleich «Milieus» in Natur und Gesellschaft zu bedürfen, um dauerhaft akkumulieren zu können. Diese These griffen Feministinnen nach 1968 auf, um die Bedeutung unbezahlter Reproduktionsarbeit von Hausfrauen, aber auch kleinbäuerlicher Subsistenzarbeit im Globalen Süden zu analysieren. Operaistische Feministinnen wie Silvia Federici verstanden familiäre Haus- und Pflegearbeiten als notwendigen Bestandteil kapitalistischer Reproduktion. Ihr Kampf galt deshalb der Doppelherrschaft von persönlicher Abhängigkeit in der Familie und vertragsförmiger Lohnarbeit.
Heute erweisen sich Luxemburgs Schlussfolgerungen leider negativ eingelöst. Der Kapitalismus mag in Krisen immer wieder «an der inneren Unfähigkeit zerschellen» und dabei den Planeten als seine Grundlage ruinieren. Die dialektische Hoffnung Luxemburgs, im Sozialismus als harmonischer Gesellschaftsform diese Widersprüche lösen zu können, wurde in Deutschland mit der Ermordung der Sozialistin nachhaltig demontiert.
Alle Zitate stammen aus Rosa Luxemburgs Schrift «Die Akkumulation des Kapitals».
Die Kuratorin und Autorin Felicita Reuschling lebt in Berlin und arbeitet zu feministischer Ökonomiekritik.