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|Bildebene /Dürerscheibe|
|Die Bildebene muss man sich als eine fiktive Fläche zwischen Betrachter und betrachtetem Umraum vorstellen. Im Normalfall steht sie im rechten Winkel zu der Blickrichtung zwischen dem
Betrachter und dem betrachteten Objekt. Dort, wo die Sehstrahlen zu den Objekten die
Bildebene durchstossen, liegen die entsprechenden, abbildenden Punkte (indexikalische Daten).

Albrecht Dürer hat als einer der ersten Künstler die Bildebene als technisches Hilfsmittel der perspektivischen Zeichnung verwendet. Er zeichnete auf eine vor ihm montierten Glasscheibe (Dürerscheibe) das, was er durch diese Glasscheibe sah. Dabei hielt er die Durchstosspunkte der "Sehstrahlen" durch die Bildebene direkt auf dieser fest. Im Photoapparat ist die Bildebene das Negativ (Film) oder der Sensor der Digitalkamera in der Rückwand des Apparates. Die Sehstrahlen werden im Objektiv gebündelt und spiegelverkehrt auf das Negativ (den Sensor) geworfen.

Darstellung der Dürerscheibe

Albrecht Dürer, 1525
Holzschnittillustration zu "Underweysung der Messung"
|Vogel-Perspektive||Frosch-Perspektive|
|Extreme Aufsicht auf das Objekt. Sicht eines Vogels oder von einem Flugzeug aus. Zu den Fluchtpunkten auf dem Horizont kommt der Fluchtpunkt der sich nach unten nähernden Fluchtlinien. Der Horizont kommt im Bild ganz oben zu liegen oder bleibt unsichtbar.||Extreme Untersicht auf das Objekt. Sicht vom Boden aus auf die Objekte (Möbel, Gebäude, Figuren etc.). Zu den Fluchtpunkten auf dem Horizont kommt der Fluchtpunkt der sich nach oben nähernden Fluchtlinien. Der Horizont kommt im Bild ganz unten zu liegen.|
|Abstraktion|
|Jedes auch noch so genaue und naturgetreue
Abbild ist eine Abstraktion des wahrgenommenen Objektes (des Abstrahierten).
Innerhalb der Darstellungsarten gibt es verschiedene Abstraktionsstufen.
Im Gegensatz zum Film oder der naturalistischen Skulptur stellt die Zeichnung
eine sehr hohe Abstraktionsstufe dar. Die rein lineare Zeichnung ohne Tonwerte
ist eine der radikalsten Abstraktionsstufen.

Der Begriff "abstrakt" in der Kunst wird nicht einheitlich verwendet. Im undifferenzierten, alltäglicher Gebrauch meint er einfach Nicht-Gegenständlich oder Nicht-Naturalistische Bilder. Richtig verwendet wird er für Bilder oder andere Werke der Visuellen Gestaltung, die im weitesten Sinn aus der Anschauung stammen. Werke der konkreten Kunst wie z.B. Max Bill oder R. P. Lohse oder des Suprematismus (Malewitsch) sind nicht abstrakt sondern eben "konkret".

Geschichte der Perspektive

Zu Beginn der Renaissance in Italien
wurden in den biblischen Bildern erstmals naturalistische Räume und
Landschaften dargestellt.
"Der dreidimensionale Raum ist ein
Produkt der Neuzeit. Die ersten dreidimensionalen Bilder entstanden in
Italien zu Beginn des 14. Jahrhunderts (erstmals bei Giotto de Bondone,
zu besichtigen im Freskenzyklus in der Oberkirche der Basilika von San
Francesco in Assisi). Giottos Bilder sind realistische Bilder. Er ist
der erste Künstler, der Bilder richtig malt, weil er sie perspektivisch
- räumlich malt. Bei ihm gibt es (erstmals!) einen einheitlichen
Raum für das gesamte Bild. Alles strebt einem Fluchtpunkt zu. Giottos
Bilder sind räumlich konstruierte Bilder. Alles wird einem Raum-Konzept
unterworfen. Alles ist Raum und alles, was es zu sehen gibt, ist räumlich
geordnet und räumlich gegliedert."
|In diesem Beispiel wurde die Zentralperspektive nur teilweise angewandt. Die vorderen Gebäudefassaden sind frontal und rechtwinklig dargestellt (blaue Linien). An die Seitenwände dürfte man dabei nicht sehen können. Einzelne Elemente laufen auf zentrale Fluchtpunte zu andere sind parallelperspektivisch oder werden gegen hinten sogar grösser (grüne Linien).|

Dieric Bouts, Harlem, ca. 1440, Marienkrönung *
In diesem Altarbild aus dem 15 JH wurde die Zentralperspektive rel. perfekt umgesetzt. Die Teile des Innenraumes stimmen, abgesehen von kleinen Details, alle zusammen. Es ist aber keine "starre" Perspektive.

Die Fluchtpunkte der Bodenplatten, des leicht erhöhten Podestes
und der Sitzbank der heiligen Figuren liegen alle am oberen Bildrand in
der Mitte. Sie variieren leicht in der Höhe. Der Fluchtpunkt der
Bank als oberstem Element ist am tiefsten. Der Horizont ist somit über
den dargestellten Figuren. In den Fenstern ist jedoch nur Himmel sichtbar.
Bei einem so hoch liegenden Horizont redet man von einer Vogelperspektive.
Landschaft müsste sichtbar sein und die Figuren gegen unten verkürzt.
Die Figuren sind aber frontal dargestellt, also von Auge zu Auge, auf
gleicher Höhe wie der Betrachter.
|Albrecht Dürer, Abendmahl 1523, Holzschnitt
(aus Dürer, Elektra Klett-Cotta)

|"perfekte" aber starre Zentralperspektive eines Innenraumes|
|Albrecht Dürer, Der heilige Hieronimus im Gehäus 1514, Holzschnitt (aus Dürer, Elektra Klett-Cotta)|
|Zentralperspektive des Innenraumes mit zwei Fluchtpunkten für Raum und nicht-parallelstehendem Stuhl.|
|* Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste, Wien|