Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03301.jsonl.gz/2107

In einer Patchwork-Familie richtig (ver-)erben
Das Schweizerische Familien- und Erbrecht ist trotz konstanter Reformen nach wie vor auf das Modell der klassischen Kernfamilie mit verheirateten Eltern und Kindern (über mehrere Generationen) ausgelegt. Dieser Umstand verlangt von Menschen in anderen Familienkonstellationen die umfassende Vorbereitung eines Erbfalls.
Konservative Rechtsordnung
Das Erbrecht baut in der Schweiz auf dem Eherecht und dem Familienrecht auf. Besonders wichtig sind daher Eltern-Kind-Beziehungen sowie solche zwischen Ehegatten.
Mit dem Tod wird ein ehelicher Güterstand (Errungenschaftsbeteiligung, Gütergemeinschaft oder Gütertrennung) aufgelöst, sodass vor dem Erbgang das Eigentum des überlebenden Ehegatten von dem des verstorbenen getrennt wird. Verheiratete Ehegatten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten versterben, «erben» somit voneinander einmal nach Eherecht und einmal nach Erbrecht.
Ehegatten und leibliche, anerkannte sowie adoptierte Kinder sind die einzigen Personen, die sowohl mit als auch ohne letztwillige Verfügung einen unbedingten Erbanspruch haben (sog. Pflichtteil). Dieser kann nur auf dem Wege der Enterbung vollständig entzogen werden.
Ohne Erbeinsetzungsverfügung sind sie auch die einzigen gesetzlichen Erben. Hat ein Erblasser keine eigenen Ehegatten oder Kinder, so erben seine nächsten Blutsverwandten (zuerst der elterliche Stamm, also Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen etc. des Erblassers, danach der grosselterliche Stamm) zu grundsätzlich gleichen Teilen.
Abhilfe durch individuelle Verfügungen
Bereits beim Lesen der obigen Passage wird klar, dass Konstellationen, in denen bspw. unverheiratete Partner gemeinsam mit eigenen Kindern aus vorigen Ehen zusammenleben oder Eltern ein zweites Mal heiraten, gesetzlich nicht geregelt sind.
Damit gehen alle Familienmitglieder, die nicht unter den gesetzlichen Erbenbegriff fallen oder vom Erblasser als solche bezeichnet wurden, leer aus. Kinder in Patchwork-Familien erben nur von dem Elternteil, mit dem sie verwandt sind. Beim Tod von Stiefeltern besteht kein gesetzlicher Erbanspruch.
Dies entspricht in vielen Fällen nicht dem Willen des Erblassers oder der Familie insgesamt, ergibt sich aber so, wenn nicht rechtzeitig bewusst Vorkehrungen getroffen werden. Daher ist es wichtig, neben dem Zusammenleben auch den Nachlass gemeinsam zu regeln. Doch welche Möglichkeiten gibt es?
Verfügungsfähige Erblasser können über ihr Erbe entweder einseitig mittels eines klassischen Testaments bestimmen oder andererseits mit einem Erbvertrag multilateral bindende Vereinbarungen treffen.
Je nach Bedarf kann vertraglich ein Erbvorbezug, ein Erbauskauf oder ein Erbverzicht einzelner Parteien vereinbart werden, womit diese hinsichtlich des Erbes grundsätzlich abgefunden sind (bspw. erwachsene Kinder aus erster Ehe, die gerade selbst im Begriff sind, eine Familie zu gründen und ihren Erbanteil dafür benötigen).
Ein ebenfalls sinnvolles Instrument zur Nachlassregelung ist die sogenannte Nacherbeneinsetzung, bei der für dieselbe Erbsache (häufig ein Grundstück, Sammlerstück oder Wertgegenstand) zunächst ein Vorerbe eingesetzt wird, der die Sache zu Eigentum erwirbt, aber bei Eintritt einer Bedingung an den Nacherben weiterzugeben hat. So kann der Erblasser einerseits sicherstellen, dass seine Nächsten unmittelbar von seinen Vermögenswerten profitieren, diese aber am Ende den Verwandtenkreis nicht verlassen. Zudem kann die Nacherbeneinsetzung in bestimmten Konstellationen steuerliche Vorteile mit sich bringen, da immer das Verhältnis der Erben zum ursprünglichen Erblasser relevant ist und Familienmitglieder erbschaftssteuerlich begünstigt sind.
Das Schweizerische Erbrecht fusst auf dem konservativen Familienmodell des ZGB und seine dispositiven Lösungen passen häufig nicht mehr auf moderne Konstellationen. So haben zum Beispiel unverheiratete Konkubinatspartner oder Stiefkinder keinen gesetzlichen Erbanspruch. Wer eine passendere, individuelle Lösung für seine Familie möchte, muss dies letztwillig anordnen und kann bspw. Pflichtteilserben auskaufen oder für beständige Vermögenswerte oder Geldsummen Nacherben einsetzen.
Das Schweizerische Erbrecht fusst auf dem konservativen Familienmodell des ZGB und seine dispositiven Lösungen passen häufig nicht mehr auf moderne Konstellationen. So haben zum Beispiel unverheiratete Konkubinatspartner oder Stiefkinder keinen gesetzlichen Erbanspruch. Wer eine passendere, individuelle Lösung für seine Familie möchte, muss dies letztwillig anordnen und kann bspw. Pflichtteilserben auskaufen oder für beständige Vermögenswerte oder Geldsummen Nacherben einsetzen.
Weitere Artikel zum Thema:
Enterben — leichter gesagt als getan
Der Verwandtschaftsgrad ist entscheidend…
Absicherung des Konkubinatspartners – wie geht man am besten vor?
Ehegüterrecht — der Nachlass verheirateter Erblasser
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren
Folgen der güterrechtlichen Auseinandersetzung Das Ziel der güterrechtlichen Auseinandersetzung ist es, die Vermögenswerte und das Eigentum der Ehegatten aufzuteilen. Verstirbt einer der Ehegatten, so bildet lediglich sein Anteil an der güterrechtlichen Auseinandersetzung die Erbmasse. Die Errungenschaftsbeteiligung Die […]
Weitere Artikel:
Pensionskasse im Todesfall – wer hat Anspruch und wie macht man ihn geltend? Wenn eine versicherte Person stirbt, finanziert die Pensionskasse die Hinterbliebenenrente, die dem Ehepartner oder eingetragenen Partner zusteht. Ehegatten resp. eingetragene Partner erhalten […]
Weitere Artikel:
Die Gültigkeitserfordernisse Das eigenhändige Testament ist neben dem öffentlich beurkundeten und dem mündlichen Nottestament eine der drei im Schweizerischen Zivilgesetzbuch vorgesehenen Arten, eine einseitige letztwillige Verfügung zu erlassen. Da das öffentliche Testament mit Kosten für die […]
Weitere Artikel: