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Angeborene Augenkrankheiten
Angeborene oder kongenitale Krankheiten sind bei der Geburt bereits vorhanden oder manifestieren sich kurz danach. Dazu gehören unter anderen die folgenden Krankheiten:
Während der Entwicklung des Auges vor der Geburt wird die spätere Pupille von einem pigmentierten Gefässgeflecht überzogen, welches sich um die Geburt zurückbildet. Bei ganz jungen Welpen, welche eben erst die Augen geöffnet haben, sieht man oft noch feine Überreste dieses Geflechts. Wenn pigmentierte Gewebestränge auch noch später sichtbar sind, dann spricht man von persistierenden Pupillarmembranen. Solche PPM sind in Abbildung 1 erkennbar. In der Regel haben sie keine oder nur geringfügige Auswirkungen auf das Sehvermögen des Hundes und treten auch bei vielen Rassen sporadisch auf. Beim Basenji sind sie ein vererbtes Problem, welches Sehstörungen verursachen kann.
Angeborene Katarakte (Star)
Die meisten Formen des grauen Stars entwickeln sich beim Hund erst später im Leben. Bei einigen Rassen können aber auch angeborene Katarakte beobachtet werden. Sie können vererbt sein, oder als Folge von Störungen der fötalen Entwicklung auftreten.
Der angeborenen Star betrifft hauptsächlich den Linsenkern und bewirkt eine mehr oder wenige ausgeprägte Sehstörung. Bei starker Sehbehinderung kann die Linse operativ entfernt werden.
Die Netzhaut ist ein äusserst kompliziert aufgebautes Gewebe und es erstaunt kaum, dass es im Laufe der Entwicklung der Netzhaut auch hin und wieder zu Störungen kommt. Solche Fehlentwicklungen können nur kleine Teile der Netzhaut betreffen und sind dann als Falten erkennbar. Die Auswirkungen auf das Sehvermögen ist gering (Abbildung 2). In anderen Fällen sind grössere Bezirke betroffen, und die Sehstörungen können erheblich sein (Abbildung 3). Selten treten auch vollständige Netzhautdysplasien auf, die dann meistens auch mit weiteren Fehlentwicklungen des Auges vergesellschaftet sind. Solche Augen sind in der Regel blind (Abbildung 4). Oft sind neben solchen Augenveränderungen auch Fehlentwicklungen des Skelettes zu beobachten.
Eine Behandlung kommt hier nicht in Frage, weshalb der züchterischen Vorsorge grosse Bedeutung zukommt.
Die sogenannte Collie Augen Anomalie (Collie Eye Anomaly = CEA) ist eine weitverbreitete Entwicklungsstörung der Aderhaut bei Collies und Shelties.
Glücklicherweise sind in den weitaus meisten Fällen die klinischen Auswirkungen gering. In Einzelfällen kann es aber durchaus zur Erblindung des betroffenen Tieres im Alter von wenigen Wochen bis Monaten kommen. Die Veränderung ist bei Welpen im Alter von 6 bis 8 Wochen am deutlichsten zu erkennen und manifestiert sich oft nur als hellrote Verfärbung neben der Sehnervenscheibe (Abbildung 5). Es kann aber auch zu Missbildungen des Sehnerven, sogenannten Kolobomen kommen (Abbildung 6). In schwerwiegenden Fällen kann es zu Blutungen und Netzhautablösungen führen.
Auch hier ist eine Behandlung nicht möglich. Die züchterische Vorsorge findet bei den Züchtern wenig Anklang, weil in den meisten Fällen keine klinischen Symptome zu erwarten sind, und damit der Leidensdruck bei Tier, Besitzer und Züchter relativ klein ist.
Im Winkel der von der Hornhaut und der Regenbogenhaut gebildet wird, verlässt die intraokulare Flüssigkeit das Auge (Abbildung 7). Bei gewissen Hunderassen ist dieser sogenannte Kammerwinkel missgebildet, was zu Abflussstörungen des Kammerwassers führen kann (Abbildung 8). In solchen Fällen steigt der Augendruck abnorm an, was als Glaukom oder grüner Star bezeichnet wird. Betroffene Augen erblinden früher oder später (Abbildung 9). Zwar kann mit Medikamenten und verschiedenen Operationen versucht werden, den Augendruck zu normalisieren, die Langzeitprognose ist aber recht ungünstig.
Dieser Artikel ist erschienen in HUNDE 14/2000
Autor:
Prof. Dr. Bernhard Spiess,
Veterinär-Chirurgische Klinik der Universität Zürich