Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03340.jsonl.gz/1336

Aus alten Schulakten
Das Durchblättern der alten Schulakten im Gemeindearchiv erlaubt einen guten Einblick in das Leben einer Dorfschule im 19. Jahrhundert. Auffallend sind die Beanstandungen der strengen Inspektoren. So ermahnte 1856 Schulinspektor Kaspar Mettauer den Gemeinderat, dafür zu sorgen, dass: 1. Künftig das Maximum der Ferienzeit nicht wieder überschritten, 2. Das Schulhaus innen und aussen reinlicher und dadurch freundlicher gemacht, 3. Die Absenzen rechtzeitig gestraft und vollzogen werden.
1865 wurde die erste Schulpflege gewählt, die alt Grossrat Zachäus Ursprung präsidierte. Im Schuljahr 1867/68 unterrichtete der damalige Lehrer Jakob Herde
45 Schüler, im folgenden Jahr waren es 56. Neben dem Gesamtschullehrer unterrichtete auch noch eine Arbeitsschullehrerin. Damals standen in der Schulbibliothek 21 Bücher. 1869 beanstandete der Schulinspektor den Abtritt. Die Gemeinde wurde aufgefordert, den Schulabtritt, in dem in seinem jetzigen Zustande unmöglich eine Reinlichkeit zu erzielen ist, zu reparieren. Mit den Ferien nahm man es nicht immer so genau: 1872 erhielten Schulpflege und Lehrer vom Bezirksschulrat einen Verweis, weil die gesetzlich vorgeschriebenen Ferien in Ueken um vier Wochen verlängert worden waren!
1879 erhielt Lehrer Jakob Herde, dessen Frau in Ueken das Postbüro führte, vom Bezirksschulrat einen Rüffel, weil der Schulmeister während des Unterrichts postamtliche Arbeiten verrichtet hatte. Herde seinerseits rügte den Uebelstand, dass der Gemeinderath Ueken während der Unterrichtszeit Sitzung halte, wodurch der Schulunterricht gestört werde, da kein Abtretzimmer für die Vorgeladenen vorhanden sei und sich diese durch die Schulstube vor die Gemeindebehörde begeben müssen; Aergerniss geben hiebei oft namentlich die Frevler durch ihr Fluchen und durch ihr sonstiges unanständiges Benehmen.
1887 wurde Gemeinderat und Hirschenwirt Peter Biri aus Herznach Schulverweser in Ueken, obwohl dieser schon mehrere Jahre keinen Unterricht mehr gegeben hatte. Als die Gemeinde Biri definitiv zum Lehrer wählte, erhob "Aarau" Einspruch. Ein Wirt als Lehrer wollten die kantonalen Schulbehörden nicht billigen. Biri versprach zwar, dass seine Frau in Zukunft die Wirtschaft führen werde, drang damit jedoch bei der Erziehungsdirektion nicht durch. Er erhielt sechs Monate Zeit, in der er sich entscheiden musste, ob er nun als Lehrer oder als Wirt sein Brot verdienen wollte. Biri entschied sich nach langem Zögern für die Schule, worauf der Kanton seine Wahl genehmigte. 1896 trat Peter Biri als Lehrer zurück. Sein Nachfolger wurde Friedrich Gerster aus Zeihen, der zuvor Lehrer in Böbikon und Herznach gewesen war.