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Im Lernspiel Geldversteigerung bringen sich zwei Lernende selbst in eine Situation, in der sie entscheiden müssen, ob sie weiter in einen Preiskampf investieren wollen oder aufhören möchten. Die kurzfristige Sicht legt dabei das Weitermachen nahe, eine langfristige Sicht das Aussteigen. Die Klasse erlebt dabei die Dynamik einer (kontrollierten) Eskalation im Zusammenhang mit «versunkenen Kosten» (von engl. «sunk costs»). Das Lernspiel geht auf die Bereiche «Rationalität» und «strategisches Verhalten» ein und schlägt den Bogen zu realen Situationen mit ähnlichen Dynamiken, wie etwa «Winner-takes-all»-Märkten.
Falls wirklich niemand oder nur eine Person einsteigt, können Sie den Lerngehalt trotzdem mit der Klasse erarbeiten:
Versuchen Sie dies jedoch, wenn immer möglich, zu vermeiden, indem Sie das Spiel entspannt erklären. Sprechen Sie notfalls Einzelne direkt an und animieren Sie die Lernenden, wenigstens einen Franken zu bieten.
Die Grundidee dieses Spiels ist in der Literatur als «Dollarauktion» bekannt. Die Erfindung wird teils Shubik (1971), teils Teger (1980) zugeschrieben.
Hintergrund waren der Vietnamkrieg und die Argumentation der US-Regierung, dass der Krieg weitergeführt werden müsse, weil sonst die amerikanischen Soldaten umsonst gestorben wären – auch dann, wenn der von der Weiterführung zu erwartende Nutzen in keinem Verhältnis zu den absehbaren Kosten stände. Ursprüngliche Absicht des Spiels war es, diese «Psycho-Logik» abzubilden und erlebbar zu machen.
Das Spiel lässt sich unter das Thema der «versunkenen Kosten» stellen. Auch andere wissenschaftliche Experimente haben gezeigt, dass Menschen nicht immer rational handeln, wenn es um versunkene Kosten geht. Wenn es darum geht, ein gekauftes Wertpapier wieder zu verkaufen, sollte bei vollkommener Rationalität ausschliesslich die erwartete Kursentwicklung eine Rolle spielen. Tatsächlich spielt es aber eine sehr wichtige Rolle, zu welchem Kurs das Wertpapier gekauft worden ist. Und dies nicht nur bei Laien.
Ein ähnliches Phänomen sind sogenannte «framing effects»: Es lässt sich experimentell zeigen, dass Menschen in zwei faktisch genau gleichen Situationen systematisch unterschiedlich entscheiden, je nachdem, ob ihnen die möglichen Handlungen als «Vermeidung eines Verlustes» oder als «Realisierung eines Gewinns» beschrieben werden. Ökonomische Modelle gehen im Allgemeinen von der Rationalitätsannahme aus. Aber irrationales Verhalten lässt sich gut in ökonomische Modelle integrieren, sofern sich die Bedingungen angeben lassen, unter denen es auftritt. Auf diesem Umstand basiert eine der wesentlichen Entwicklungen in der Wirtschaftswissenschaft. Im Jahr 2002 wurde der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an D. Kahneman und V. Smith für das Einführen von Ergebnissen der psychologischen Forschung in die Wirtschaftswissenschaft verliehen. Auch R. Aumann und T. Schelling (2005), sowie R. Thaler (2017) haben für ihre Beiträge zur Spieltheorie und zum besseren Verständnis von Konflikt und Kooperation den Nobelpreis erhalten.