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Der Schweizer Sommer 2011 war rund 1 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1961-90, wie aus den Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Im Süden, im Südwallis und in Graubünden waren die Regenfälle überdurchschnittlich, auf der Alpennordseite blieben die Summen verbreitet etwas zu gering. Sonnenscheindefizite resultierten in den Alpen. Das Mittelland der Deutschschweiz erhielt etwas mehr Sonne als im langjährigen Mittel.
Bergwinter zum Sommerbeginn
Genau auf den klimatologischen Sommerbeginn am 1. Juni meldete sich in den höheren Alpenregionen der Winter zurück. In Verbindung mit den ergiebigen Niederschlägen in den westlichen Alpen und in der Innerschweiz sank die Schneefallgrenze lokal bis etwa 1000 m hinunter. In Adelboden (1320 m ü.M.) wurden am Morgen des 1. Juni 11 cm Neuschnee gemessen, in Mürren (1650 m) sogar 18 cm. In höheren Lagen waren es örtlich über 30 cm. Danach zeigte sich das Wetter bis am 6. Juli sehr unbeständig mit einem raschen Wechsel von hochsommerlichen Tagen und markanten Temperaturstürzen. Eine mehrtägige, sommerliche Schönwetterperiode blieb vorerst aus.
Sommerunwetter
Schäden durch lokale Überschwemmungen entstanden durch die kräftige Gewitterstörung vom 27./28. Juni, welche am Alpennordhang verbreitet 30 bis 60 mm, lokal aber auch 80 bis 120 mm Regen brachte. An der Station Siebnen (SZ) wurde mit 127 mm die grösste Tagessumme seit Messbeginn vor 50 Jahren verzeichnet.
Vom 7. bis 13. Juli lagen schwül-warme Luftmassen über dem Alpenraum, wodurch wiederholt schwere Gewitter entstanden. Am 7. Juli zog ein Hagelunwetter von den Freiburger Voralpen über Bern zum Napfgebiet und vom Entlebuch über das Zugerland und den Zürichsee hinweg und schliesslich unter Abschwächung weiter über den Alpstein. Der Hagel verwüstete besonders die Region vom Zugerland bis zum Zürichsee. Auf der Alpensüdseite brachten die Gewitter vom 7. Juli vor allem sehr starken Regen. Teile des Mittel- und Südtessins wurden von Überschwemmungen und Erdrutschen in Mitleidenschaft gezogen.
Am 10. Juli verursachten heftige Gewitter vor allem in der Ostschweiz massive Überschwemmungen. Neben vielen Gebäuden erlitten auch Bahn und Strassen Schäden durch die wilden Wassermassen. Schliesslich entluden sich in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli schwere Gewitter mit Starkniederschlag, Hagel und Sturmböen über der Schweiz. Am schwersten betroffen war der Kanton Aargau. Doch auch in den Kantonen Bern, Basel-Landschaft, Solothurn, Zürich und Luzern hinterliessen die Gewitter erhebliche Schäden. Nach den Gewittern folgte am 13. Juli eine Kaltfront mit erneuten Starkregen. Im Tessin gingen Tagessummen von 50 bis 70 mm nieder, wobei z.B. an der Messstation Locarno-Monti 42 mm in einer Stunde oder 17 mm innerhalb 10 Minuten fielen. Ein solches Ereignis ist hier etwa alle 5 Jahre zu erwarten.
Verregnete Ferienzeit
Von Mitte Juli bis Mitte August befanden sich die Alpen meist unter dem Einfluss von Tiefdruckgebieten und polaren Luftmassen. Die Sonne machte sich rar, besonders in den Alpen. Grosse Regensummen fielen insbesondere auf der Alpensüdseite. Doch auch nördlich der Alpen, im Oberwallis und im westlichen Teil Graubündens war der Juli nass. In weiten Landesteilen war es zudem der kühlste Juli seit dem Jahr 2000. Insgesamt etwas wärmeres Wetter brachte die erste Augusthälfte.
Späte Hitzewelle
Am 17. August entstand erstmals in diesem Sommer eine beständige Hochdruckwetterlage mit entsprechend viel Sonnenschein und grosser Hitze. Die 30-Grad-Marke wurde in den Tagen vom 19. bis 26. August verbreitet überschritten. Der 22. August wurde mit vereinzelt über 35 Grad der heisseste Tag des Jahres. Die grösste Hitze verzeichnete Sion mit 36.8 Grad, was für diesen MeteoSchweiz Messstandort für die zweite Augusthälfte einen neuen Rekord bedeutet. Am 26. August stellte sich eine für Sommerverhältnisse ungewöhnlich starke Föhnlage ein. Der Südföhn war bis zur Nordgrenze der Schweiz spürbar und erreichte Windspitzen bis 104 km/h in Luzern und bis 154 km/h auf dem Gütsch oberhalb Andermatt. Abends drang dann Polarluft zu den Alpen vor, begleitet von stürmischen Westwindböen. Die Temperaturen stürzten im Mittelland innerhalb von 4 Stunden verbreitet zwischen 10 und 15 Grad ab und beendeten den kurzen Hochsommer.
Sommerbilanz
Dank der Hitzewelle im August resultierte für den ganzen Sommer eine positive Temperaturabweichung von rund 1 Grad gegenüber dem Durchschnitt (Norm) der Jahre 1961-90. Im Norden war der Wärmeüberschuss regional etwas geringer, in höheren Lagen, im Wallis und im Süden eher grösser als 1 Grad. Vom Sopraceneri über den westlichen Teil Graubündens bis nach Chur wurden teilweise mehr als 150 Prozent der normalen Regensummen gemessen. Etwas trockener als im langjährigen Durchschnitt war der Sommer 2011 aber verbreitet auf der Alpennordseite. Die Besonnung war im Jura und in den Alpen unternormal, während das Flachland der Deutschschweiz einen etwas sonnigeren Sommer erlebte als im langjährigen Mittel.