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Das Trienttal
lm ausgehenden 19. Jahrhundert entstanden die letzten topographisch genauen und atmosphärisch stimmigen Landschaften. Diese Feststellung gilt auch für die Darstellung des Trienttales, die Louis Patru, ein überzeugter Freilichtmaler, gestaltet hat. Nichts entgeht der peinlich genauen Wiedergabe, nicht einmal die verschiedenen Blumenarten im Vordergrund. Der leichte Schleier, der die zunehmende Ferne andeutet, verstärkt auf treffende Art den Eindruck der Tiefe. Dieses Bild ist ein bezeichnendes Beispiel für die Übungen, die Barthélemy Menn, Lehrer an der Ecole des Beaux-Arts in Genf, ein eifriger Vorkämpfer des Impressionismus in der Schweiz, immer wieder empfahl. Er gab den Anstoss zur Entwicklung der Malerei nach der Natur. In dieser Hinsicht verdankt ihm das Wallis viel, denn auf seinen Rat hin durchstreiften seine Schüler auf der Suche nach originellen Motiven, die sich für derartige Übungen eigneten, in grosser Zahl das Vieux Pays.
Die Landschaftsmalerei war die Gattung, die Louis Patru bevorzugte. Die rasche Verschlechterung seines Gesundheitszustandes zwang den jungen Künstler zu regelmässigen Aufenthalten in den Bergen. Die Gegend von Salvan-Les Marécottes-Finhaut erfreute sich dank ihrem Heilklima eines schmeichelhaften Rufes. Deshalb wurde das Trienttal zum bevorzugten Feld für Patrus Studien, in denen er sich durch die Wiedergabe der ständig wechselnden Lichteffekte auszeichnete.
Seine Staffeleibilder muten zwar konventionell an, sind aber gleichwohl von Interesse: einmal in ikonographischer Hinsicht, weil die malerischen Vergegenwärtigungen des Tales selten sind, während die Zahl der Ansichtskarten in die Dutzende geht, sodann in historischer Beziehung, weil Patrus Gemälde auf dem Kunstmarkt und in der Kunstszene nur selten in Erscheinung treten.
Patru Louis
Louis Patru wurde am 1. Januar 1871 im damals noch ländlichen Champel bei Genf geboren. Während seiner Gymnasialzeit nahm er bei Albert Gos Zeichenunterricht. Dann besuchte er an der Ecole des Beaux-Arts von Genf zwei Jahre lang die Kurse Barthélemy Menns.Mehr