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21. Januar 2002
Offener Brief an den Schächtbefürworter Thomas
Fleiner, Rechtsprofessor an der Universität Freiburg
Thomas,
Du erinnerst Dich vielleicht nicht mehr an mich. Wir sassen zusammen auf derselben Schulbank, in der ersten Reihe in der Mitte des Klassenzimmers. Oft war ich bei Dir zu Hause und habe Deine Mutter als sehr liebevolle Frau in Erinnerung. Wann immer ich später in den Zeitungen etwas von Dir las, war ich sehr zufrieden - "mein" Thomas war nicht nur etwas "Rechtes" geworden, sondern eine anerkannte Grösse seines Faches. Jahre später habe ich Dich gebeten, Dich für die Nominierung für den Friedens-Nobelpreis von Edmond Kaiser einzusetzen: Wir "Frauen für den Frieden" hatten ihn vorgeschlagen. Du hattest allerhand ganz faule, feige Ausreden, obwohl Du ja, wie Du sagtest, E.Kaiser persönlich sehr bewundertest; als Mitarbeiter beim IKRK (oder was ähnliches) könntest Du dies nicht, da E.Kaiser eben diese Organisation sehr oft mit harschen Kommentaren bedacht habe. Ich ärgerte mich damals sehr und meine Bewunderung für Dich schwand beträchtlich!
Und nun, nach x Jahrzehnten treffe ich wieder auf Dich - als Gegner meiner tiefsten Ueberzeugungen. Du hast Dich für die Aufhebung des Schächtverbotes ausgesprochen; Deine diesbezüglichen Aussagen werden von den Befürwortern als Referenz angeführt. Bist Du Dir und Deinesgleichen bewusst was Ihr damit anrichtet? In der sterilen Welt abstrakter Normen macht ihr das Recht auf Glaubensfreiheit zum Götzen, dem alles geopfert werden muss. Versteckt hinter von Staub bedeckten, von Würmern angenagtem Bücherhaufen vermögt Ihr nicht zu erkennen, welches Leid von Gott erschaffenen Lebewesen zugefügt werden soll. Offenbar besteht für euch Schreibtischtäter in euren Elfenbeintürmen kein Unterschied zwischen Bekleidungsvorschriften, Begräbnisriten und dem Zufügen von Todesmartern! Hast Du Deine Studierstube eigentlich schon einmal verlassen und einer rituellen Schlachtung beigewohnt?* Bist Du so erbarmungslos verroht oder gibst Du Deine Kommentare nur von der hohen Warte Deines Amtes aus ab, ungeachtet der grausigen Folgen Deiner Worte? Was ist aus dem Bild meiner Erinnerung meines kleinen Schulkameraden geworden? Ein Feindbild!
Susanne Wachtl, Leiterin ACUSA, der Westschweizer Sektion des VgT
* Ich rede aus Erfahrung: Vor Jahren habe ich erlebt, wie sich ein Moslem durch den Hals eines sich verzweifelt wehrenden Schafes durchsägte. In Israel sah ich die an einem Bein hängenden, unbetäubten Kühe, ich sah wie das Blut aus ihren Nasen und weit aufklaffendem Hals floss. Diese Alptraumbilder werden mich bis an mein Lebensende verfolgen!
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