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32. Beiheft zu Vallesia über die Hexerei im Wallis erschienen
Das Staatsarchiv Wallis veröffentlicht ein zweisprachiges Standardwerk über die Hexenprozesse im Goms im 15. Jahrhundert. Das 650 Seiten umfassende Werk wurde von der Historikerin Chantal Ammann-Doubliez in Zusammenarbeit mit Hans-Robert Ammann und Domherr Joseph Sarbach redigiert und enthält die lateinischen Texte der Hexenprozesse, eine Übersetzung ins Französische und Deutsche sowie einen Überblick über die Hexenverfolgungen in der Diözese Sitten zwischen 1380 und 1482.
Ein aussergewöhnliches, aber wenig erforschtes Thema
In den Sechzigerjahren des 15. Jahrhunderts fand im Goms eine Hexenjagd statt, in deren Verlauf in Ernen mindestens zehn Personen den Feuertod erlitten. Davon zeugen vier Hexenprozesse, die von einem weltlichen Gericht geführt wurden. Die aussergewöhnlich gut erhaltenen und vollständigen Prozessakten betreffen zwei Männer, einen Schuhmacher und einen Schneider, sowie zwei Frauen, eine Mutter und ihre Tochter, alle aus der Grafschaft Biel. Diese gestehen nach erlittener Folter ihre Begegnung mit dem Teufel, den sie angeblich als Meister angenommen haben; sie offenbaren ihre Untaten und nennen ihre Komplizen, die sie bei erfundenen Versammlungen getroffen haben sollen. Eine breit angelegte Voruntersuchung bei den Leuten der Grafschaft verrät deren Ängste, Klagen und Verdächtigungen. Sie zementiert den schlechten Ruf einiger Individuen, indem sie ihnen aufgrund von Gerüchten bösen Schadenzauber vorwerfen. Anhand der Akten kann man die Aussagen der Bevölkerung mit den Geständnissen der angeblichen Hexen und Hexer vergleichen und gewinnt einen vertieften Einblick in das Räderwerk des damaligen weltlichen Gerichtswesens.
Eine sorgfältige und gründliche Forschung
In der Einleitung des vorliegenden Bandes gibt Chantal Ammann-Doubliez einen ausführlichen Überblick über die verschiedenen Hexenverfolgungen in der ganzen Diözese Sitten von 1380 bis 1482, dem Todesjahr von Bischof Walter Supersaxo. Anschliessend analysiert sie die Gommer Prozesse von 1466-1467, ediert die in Latein abgefassten Texte und übersetzt sie ins Französische. Die deutschsprachigen Leser finden schliesslich eine Kurzfassung der französischen Einleitung, übersetzt von Curdin Ebneter, sowie die von Hans-Robert Ammann und Josef Sarbach erarbeitete deutsche Übersetzung der Prozessakten.
Die Beihefte zu Vallesia – eine Reihe des Staatsarchivs Wallis
Die Publikation erscheint in der Reihe Beihefte zu Vallesia, die 1990 vom Staatsarchiv Wallis gegründet wurde. Sie ist der Veröffentlichung von Dissertationen, Monografien, Textausgaben und Arbeiten vorbehalten, welche den Rahmen des Jahrbuchs Vallesia sprengen würden. Die 32 bisher veröffentlichten Bände behandeln alle historischen Fragen zur Walliser Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Militär, Musik, Architektur sowie weitere Themen mit einem Bezug zum
Wallis, vom Mittelalter bis heute. Von den 32 bisher erschienenen Bänden sind 16 französisch, 8 deutsch und 8 zweisprachig.