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Dr. Wolfgang Fuhrmann
Forschungsprojekt
In dem zunehmenden wissenschaftlichen Interesse an Bildern und Filmen und deren Aufwertung gegenüber sprachlichen Quellen der historischen Erkenntnis zeigt sich ein Paradigmenwechsel in der Wissenschaft, der «iconic turn». Damit ist die eigenständige Historiographie des Bildes in das Zentrum interdisziplinärer wissenschaftlicher Forschung gerückt, die ebenfalls eine Überprüfung und Neubewertung historischer Medienkontexte dringend erforderlich macht. Das Forschungsprojekt untersucht den Beginn und die Entwicklung des ethnographischen Films im ersten Viertel seiner nunmehr als hundert Jahre alten Geschichte. Die wenigen existierenden Untersuchungen zu diesem Thema beruhen entweder auf Hypothesen, die bisher nicht verifiziert wurden oder beschreiben den frühen ethnographischen Film lediglich als das Ergebnis der «Experimentierfreude» vereinzelter Wissenschaftler. Im Gegensatz dazu geht das Forschungsprojekt von einer organisierten und strukturierten Anwendung des Films in der ethnographischen Beobachtung aus, die zur Etablierung des Films in der Wissenschaft führte. Die Forderung nach einem eigenständigen ethnographischen Filmarchiv im Jahr 1928, so eine Arbeitshypothese des Projekts, konnte nur auf Grund langjähriger Erfahrung und Diskussion innerhalb der Wissenschaft formuliert werden. Die fundierte historiographische Aufarbeitung des frühen ethnographischen Films in der deutschprachigen Ethnologie erfordert eine empirisch gesicherte Grundlage. Anhand existierender Filmdokumente und einer intensiven Überprüfung bisher unbeachteter archivarischer Quellen in Museen, Bild- und Schriftgutarchiven sollen detailliert die personellen- und institutionellen Verbindungen zwischen Ethnographen, Museen und Institutionen, die an der Einführung und Fortführung ethnographischer Filmexpeditionen mitwirkten, untersucht werden.