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heißt die durch Brennen von Tierknochen unter Luftabhaltung erzeugte, die erdigen Bestandteile derselben
mit enthaltende Kohle besonders dann, wenn sie für bestimmte Zwecke, wie zur Malerei, zu Wichse, zum Klären u. s. w.
fein gepulvert ist. S. übrigens Tierkohle. - Zollfrei.
Erhitzt man die Knochenkohle bei Zutritt der Luft, so verbrennt die Kohle, und es bleibt weiße Knochenasche zurück. Zur Darstellung der
Knochenkohle benutzt man Knochenkörnungen, welche bei der Herstellung von Knochenmehl gewonnen werden und aus den härtesten und dichtesten
Teilen der Knochen bestehen. Zur Verkohlung der Knochen dienen cylindrische eiserne Töpfe, die man inReihen
aufeinander stellt und so verschmiert, daß einer den andern dicht verschließt, während der oberste einen Deckel erhält.
Diese Töpfe werden in einem Flammofen aufgestellt, in welchem die Flamme
[* 5] gleichmäßig zwischen den Topfreihen durchzieht.
Die aus den Töpfen entweichenden brennbaren Gase tragen zur Erhitzung wesentlich bei. In neuerer Zeit
wendet man Öfen
[* 6] für kontinuierlichen Betrieb an, welche senkrechte eiserne Röhren
[* 7] enthalten, die man von oben beschickt und
von unten entleert, nachdem in einem bestimmten Teil derselben die Verkohlung erfolgt ist. Die flüchtigen Produkte der Verkohlung
werden bei diesen Öfen mehr oder weniger
vollständig kondensiert; die nicht kondensierbaren Gase und
Dämpfe leitet man aber ebenfalls in die Feuerung, um sie zum Heizen zu benutzen und zugleich die üblen Gerüche zu zerstören.
Sie ist ausgezeichnet durch ihr Absorptionsvermögen für verschiedene Stoffe und wird namentlich in der
Zuckerfabrikation benutzt, um Kalk, Salze und Farbstoffe aus dem Saft zu entfernen. Sie eignet sich dazu besonders gut, weil
die Unterlage der Kohle, die mineralische Knochensubstanz, ihr eine große Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Einwirkungen
verleiht. Man braucht nämlich, um eine erhebliche Reinigung der Säfte zu erzielen, verhältnismäßig
sehr bedeutende Mengen von Knochenkohle, und dies ist nur zulässig, weil es gelingt, die gekörnte Knochenkohle nach dem
Gebrauch, wenn ihr Absorptionsvermögen vollständig erschöpft ist, von den aufgenommenen Substanzen zu befreien und von neuem
benutzbar zu machen.
Mit Kohlenpulver oder sehr weichen Körnern würde dies nicht möglich sein, und man müßte daher die
Anwendung der Knochenkohle sehr beschränken. Bei der Wiederbelebung zieht man zunächst den absorbierten Kalk, der sich unmittelbar
nach der Benutzung als Ätzkalk in der Knochenkohle befindet (aber bald in kohlensauren Kalk übergeht), durch sehr stark verdünnte
Salzsäure aus und überläßt dann (auch wohl vor dem Säuern) die Knochenkohle einem Gärungs- und Fäulnisprozeß
(teils auf Haufen, teils in warmem Wasser), wobei sich viele Gase entwickeln und Verbindungen entstehen, die schließlich mit
den Salzen durch sorgfältiges Waschen entfernt werden können.
Statt die Knochenkohle gären zu lassen, kann man sie auch mit Ätznatron auskochen, was besonders nötig ist, wenn
die Kohle stark mit Gips verunreinigt war. Schließlich dämpft oder kocht man die Kohle, trocknet sie und glüht sie in einem
Ofen mit senkrechten, verschließbaren Röhren. Zu allen diesen Reinigungsarbeiten und besonders zum Kochen und Waschen sind
besondere Apparate und Maschinen konstruiert worden, welche den Erfolg sichern. Bei längerm Gebrauch verliert
aber die Kohle stets am Wert, weil die Reinigung doch niemals ganz vollständig gelingt, u. weil der Kohlenstoff allmählich
verbraucht wird und die Oberfläche der Körner sich glättet.
Letzterm Übelstand begegnet man durch das Entrinden, wobei die Knochenkohle vor ihrer jedesmaligen Anwendung in den
Filtern durch mühlenartig wirkende Maschinen geht, welche die Oberfläche der Körner bis zu einem gewissen
Grade durch Abreiben rauh machen. Abfälle von der Bereitung und Benutzung der Knochenkohle werden zur Darstellung von saurem phosphorsaurem
Kalk, Phosphorsäure, Phosphor, als Dünger, als schwarzer Farbstoff zum Schwärzen des Leders und als Zusatz zur Stiefelwichse
benutzt. Auf den Vorzug, welchen die Knochenkohle bezüglich ihres Entfärbungsvermögens vor
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mehr
anderer, namentlich vegetabilischer, Kohle besitzt, machte Figuier 1811 aufmerksam. Auf die Empfehlungen von Derosne, Payen und
Pluvier wurde sie sehr bald allgemein in der Zuckerfabrikation benutzt; aber erst Dumont benutzte 1828 gekörnte in feststehenden
metallenen Filtern und entdeckte die Möglichkeit der Wiederbelebung. Anfangs legte man den größten Wert auf
das Entfärbungsvermögen, und erst in neuerer Zeit wurde, namentlich durch die Arbeiten von Stammer, auf die viel größere
Wichtigkeit des Absorptionsvermögens für Alkalisalze hingewiesen.
Vgl. Stammer, Lehrbuch der Zuckerfabrikation (Braunschw.
1874).