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Für Katzenhalter sind Krallen manchmal störend, für Samtpfoten jedoch von grosser Bedeutung. Mit ihnen hat sich die Natur nämlich ein brillantes Körperteil ausgedacht, das einiges zu bieten hat.
Eigentlich ist die Kralle nichts anderes als ein scharfer, sichelförmig gebogener Zehennagel. Gleichzeitig ist sie aber auch so viel mehr als nur das: Sie bildet die Verlängerung des letzten Zehengliedes, des sogenannten Krallenbeins, und dient dort als wertvolle Waffe bei Jagd und Verteidigung. Sie unterstützt ihren Träger beim Klettern und sogar in der Kommunikation, wenn zum Beispiel mit Kratzspuren das Revier markiert wird. (Lesen Sie mehr dazu im Beitrag ab Seite 10.)
Die Struktur der Kralle ist von ihrer Einsatzweise abhängig und variiert innerhalb verschiedener Spezies. Die der Katze hat die typischen Eigenschaften einer Fleischfresserkralle: Ihr Rückenwulst ist aufgrund seiner gekrümmten Form für die starke Biegung der Kralle verantwortlich. Ein weiteres Merkmal ist die starke Hornproduktion vom Rückenwulst über den Krallenrücken bis hin zur Spitze, was das scharfe Ende zur Folge hat. Ebenso ist die Anzahl der Krallen charakteristisch. Am Vorderfuss besitzt die Katze fünf und am Hinterfuss vier Krallen. Die als Afterkralle oder Wolfskralle bekannte erste Kralle am Hinterfuss ist nur selten bei Katzen ausgebildet.
Tiere mit anormal vielen Krallen werden übrigens als polydactylbezeichnet. Diese auf einer Genmutation beruhende Anomalie tritt oftmals bei Maine Coons an den Vorderpfoten auf und ist aus tierschützerischem Grund umstritten. Laut dem «Guinness-Buch der Rekorde» 2002ist die Katze mit den meisten Zehen jedoch keine Maine Coon. Der gingerfarbene Tabbykater «Jake» aus Kanada zählte an jeder Pfote sieben Krallen.
Komplexe Entwicklung
Im Prinzip besteht die Kralle aus zwei Teilen: dem inneren Mark und dem äusseren Krallenhorn. Im Mark verlaufen sowohl ein Blutgefäss als auch Nervenbahnen, die das Mark schmerzempfindlich machen. Das Krallenhorn wiederum setzt sich aus mehreren, übereinander geschichteten Hornlagen zusammen, die aus Kreatin bestehen. Die Entwicklung der Kralle erfolgt kontinuierlich und durchläuft insgesamt vier Stadien, die tierartübergreifend bei jedem Zehenendorgan, ob nun Kralle, Huf oder Nagel, zu beobachten sind.
Bereits um den 28. Tag der Trächtigkeit bilden sich im Mutterleib die Krallen und härten bis zur Geburt aus. Im zweiten Stadium gleicht die Kralle in ihrer Form bereits der von ausgewachsenen Katzen. Zu diesem Zeitpunkt ist auch das Ballensegment aus der Kralle ausgelagert, das laut engerer Definition aber nicht zur Kralle an sich zählt. Bei der Geburt ist das Krallenbein nur etwa zu zwei Dritteln verknöchert und ein tiefer knöcherner Krallenfalz kann erst nach rund neun Monaten erkannt werden. Die Krallen an Vorder- und Hinterfüssen entwickeln sich in der gleichen Art und Weise, doch erfolgt die der Hinterfusskrallen zeitlich verzögert, was wohl auf ihren fehlenden Verwendungszweck als Greifwerkzeug und Waffe zurückzuführen ist. Bis die kleinen Kätzchen ihre scharfen Werkzeuge richtig einzusetzen wissen, vergeht weitere Zeit. Erst mit fünf bis sechs Wochen beginnen die Kitten ihre Krallen bei Bewegungsspielen effektiv einzusetzen.
Allroundeinsatz mit einmaligem Einziehmechanismus
Ab dann lernen die Kätzchen eine Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten ihrer Krallen kennen. In erster Linie dienen sie natürlich wie alle Zehenendorgane als Schutzorgan der Extremitätenspitze. (…)
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 4/19 des Katzen Magazins.