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Infektionskrankheiten:
Krankheitserscheinungen und Prophylaxe
Felines Immunschwächevirus
Das feline Immunschwächevirus (FIV) ist wie das FeLV ein Retrovirus. Wie das humane Immunschwächevirus (HIV) beim Menschen, verursacht das FIV ein Immunschwächesyndrom bei der Katze. Das FIV ist für den Menschen nicht gefährlich, wie auch das HIV keine Bedrohung für die Katze darstellt. Das FIV kann sehr lange im Katzenorganismus unbemerkt bleiben; während dieser Zeit wird das Immunsystem progressiv geschwächt. Wenn die Patienten in der tierärztlichen Praxis vorgestellt werden, sind sie meistens fünf bis zwölf Jahre alt. Kater sind fast viermal häufiger mit dem FIV infiziert als weibliche Tiere. Männliche unkastrierte Tiere, die ins Freie dürfen, sind am meisten gefährdet. Das ist verständlich, wenn man den Übertragungsweg des FIV berücksichtigt. So wird das Virus vor allem bei Katzenkämpfen über Bissverletzungen übertragen. Im Gegensatz zur FeLV-Infektion bleibt eine einmal positiv getestete Katze ihr ganzes Leben lang infiziert. Wenn das Virus mehrere Jahre nach der Infektion ausbricht, können verschiedene Krankheitsbilder auftreten. Eine schmerzhafte Maulschleimhautentzündung ist eines der häufigsten Symptome. Auch Tumore (vor allem Lymphosarkome), Augenentzündungen, andere Infektionskrankheiten, Nierenversagen und Erkrankungen der unteren Harnwege sind häufig anzutreffen. Im Blutbild findet man häufig Anämien und Leukopenien, d. h. eine Verminderung der roten und weissen Blutzellen.
Versuche, wirkungsvolle Impfstoffe gegen FIV und HIV zu entwickeln, sind bis heute gescheitert. Mitverantwortlich für den Misserfolg ist die Mutationsfreudigkeit (Veränderungsfähigkeit) des Virus, welche die Gelegenheit für das Virus erhöht, dem Immunsystem zu entgehen. Bis ein wirksamer Impfstoff entwickelt wird, ist daher die beste präventive Massnahme, um eine FIV-Infektion zu vermeiden, der Katze den Kontakt mit infizierten Tieren zu verbieten. Eine Kastration von Katzen, die nach draussen gehen, vermindert das Verbreiten von FIV-Infektionen, da die Kampffreudigkeit der Katzen abnimmt. Infizierte Katzen sollten im Hause gehalten werden, einerseits, um das Risiko für andere Katzen zu reduzieren und andererseits, um den immungeschwächten Patienten sekundären infektiösen Erkrankungen weniger auszusetzen. Da eine Übertragung des FIV unter friedlich zusammenlebenden Katzen unüblich ist, ist es möglich, eine FIV-positive Katze in einer Katzenkolonie zu behalten. Solange es zu keinen Kämpfen kommt, besteht für die anderen Katzen kein grosses Ansteckungsrisiko.
Wie bei den FeLV-infizierten Katzen können bei FIV-infizierten Tieren die Symptome häufig eine gewisse Zeit lang behandelt werden. Da aber beide Viren die Fähigkeit besitzen, sich in die Gene der Katzenzellen einzubauen, ist eine gegen das Virus gerichtete Therapie sehr schwierig zu finden: jede infizierte Zelle der Katze müsste von einem Medikament erkannt und dann zerstört werden, um die Infektion zu beseitigen. Viele antivirale und immunmodulierende Mittel sowie Medikamente aus der Alternativmedizin sind mit unterschiedlichem Erfolg eingesetzt worden. Bis heute ist aber kein Mittel bekannt, das zuverlässig und ohne massive Nebenwirkungen FeLV- oder FIV-infizierte Katzen heilen kann.
Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 3 / 2001
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Autor:
Dr. med. vet. C. Rohrer Kaiser, Dipl. ACVIM (Innere Medizin)