Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03177.jsonl.gz/1990

Donald Hess. (zVg (The Hess Collection))
Donald Hess sei im Kreis seiner Familie ruhig eingeschlafen, schrieb seine Familie in der am Mittwoch in Tamedia-Zeitungen publizierten Todesanzeige. Hess machte sich zuletzt durch Weingüter einen internationalen Namen. Die Handelszeitung bezeichnete ihn in ihrem Nachruf als «einer der ganz grossen Schweizer Unternehmer».
Seine Karriere begann Hess in Deutschland, wo er in einer Brauerei am Tegernsee ein Praktikum machte. In München besuchte er die Braumeisterschule, bis sein Vater starb und Donald die elterliche Bierbrauerei Steinhölzli in Köniz bei Bern übernehmen musste. Dort war er der erste, der alkoholfreies Bier herstellte. Damit belieferte er etwa die Detailhändlerin Migros. Doch das damals herrschende Bierkartell habe es dem unternehmerisch denkenden Hess verunmöglicht, seine Wachstumspläne umzusetzen.
Somit schwenkte Hess vom Bier aufs Wasser um. 1968 verkaufte er die Brauerei an die Freiburger Brauerei Cardinal, wobei Cardinal primär für die Lieferverträge der Brauerei zahlte. Mit zwei Partnern kaufte Hess die Mineralquelle in Vals. Vor rund 20 Jahren verkaufte er das in der Zwischenzeit schweizweit erfolgreiche Mineralwasser an den amerikanischen Getränkehersteller Coca-Cola. Damals schätzten Analysten den Kaufpreis auf 100 bis 120 Millionen Franken.
Auch in den USA war der Unternehmer tätig. Auf der Suche nach neuen Absatzmärkten für das Valser Wasser, kam er nach Kalifornien. 1978 kaufte er seine ersten 700 acres (280 Hektar) Reben und kreierte mit der «Hess Collection Winery» eine der bekanntesten Weinmarken. Mit seiner Napa's Hess Collection Winery habe er den Napa-Valley-Tourismus revolutioniert, schreibt der San Francisco Cronicle in einer Würdigung. In den späten 1990 Jahren investierte Hess im Nordwesten von Argentinien, in einen 150-jährigen Weinberg. Im auf einer Höhe von 3100 Metern gelegenen Bodega Colomé in den Salta Mountains, kultivierte Hess die Reben biodynamisch und lebte dort mit seiner Frau Ursula bis er Ende der 2000er Jahre wieder in die Schweiz zurückkehrte.
Sein Unternehmen Hess Family Estates verlagerte 2007 den Geschäftssitz von Bern nach Luxemburg. Zeitweise besass Hess sieben Weingüter in den USA, Argentinien, Südafrika und Australien. Jährlich produzierten diese mit über 400 Angestellten rund 20 Millionen Flaschen Wein. Heute gehören nur noch die Betriebe in Nord- und Südamerika zur Gruppe. Die Münsterkellerei verkaufte Hess 2008 an die Brauerei Eichhof, heute gehört sie zum Basler Weinhändler Paul Ullrich. Neben dem Getränkemark investierte Hess auch in Immobilien und eine Kunstsammlung. Die Todesanzeige schmückt ein Zitat des amerikanischen Unternehmers Steve Jobs. Zu deutsch heisst es: «Hab den Mut deinem Herz und deiner Intuition zu folgen.» Dies hatte Hess gemacht.