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ZWEI GC TRAINER ÜBER VERÄNDERUNGEN IM JUNIOREN-TENNIS
Marco Wäger (ehemaliger Stützpunkttrainer von Swiss Tennis und langjähriger Nationaltrainer Liechtensteins, nunmehr im dritten Jahr GC Cheftrainer) und Isabelle Bianchi-Villiger (ehemalige Profi-Tennisspielerin und seit rund 16 Jahren GC Trainerin) wissen einiges über Veränderungen im Junioren-Tennis zu berichten.
Turnierbetrieb, Training an der Wand und Material
“Als ich Junior war, gab es ausser den Stadtzürcher Jugendmeisterschaften sowie den Kantonalen, Ostschweizer und Schweizer Juniorenmeisterschaften keine Juniorenturniere. Ich spielte meistens gegen Erwachsene und trainierte ansonsten stundenlang gegen die Wand“, erzählt der heute 50-jährige Marco. Nicht nur die Holzschläger seien dabei schwer gewesen, auch die weissen Tretorn-Bälle hätten sich wie Steine angefühlt. Deshalb sei vor allem der Slice zur Anwendung gekommen, der Topspin unbekannt und der Drive – ein leichter Vorwärtsdrall – das höchste der Gefühle gewesen. Ende der 1970er Jahre und Anfang der 1980er Jahre habe sich mit dem Material auch die Technik geändert.
Kids Tennis High School, Förderung der koordinativen Fähigkeiten und Individualität
“Um eine optimale Entwicklung zu ermöglichen, hat sich im Juniorentennis in den letzten Jahren einiges getan. Heute müssen die Junioren, bevor sie Turniere spielen dürfen, verschiedene Bausteine der Kids Tennis High School durchlaufen. In einer ersten Phase werden sie spielerisch mit roten, weichen Tennisbällen in den Tennissport eingeführt. Danach erlernen sie das Spiel im Dreiviertel-Feld mit ein wenig härteren orangenfarbenen und schliesslich im ganzen Feld mit erneut etwas härteren grünen Bällen. Erst wenn sie die “grünen Bausteine“ gemeistert haben, dürfen sie eine Lizenz lösen und mit grünen Bällen Turniere bestreiten. Die weicheren Bälle verhindern, dass sich die jungen Spieler aufgrund ihrer geringen Grösse einen extremen Griff aneignen, der später nur mit viel Mühe an die veränderte Körpergrösse angepasst werden kann. Ausserdem garantieren die speziellen Bälle verlängerte Ballwechsel. Dadurch wird, neben dem Gefühl für das Spiel, die Taktik geschult“, erläutert Marco. “Während man früher vor allem bewegungsorientiert unterrichtete und zur Steigerung der Kondition Joggen ging sowie Rumpfbeugen und Liegestützen die Muskelkraft aufbauen sollten, ist der Sport heute vielseitiger und athletischer geworden. Die koordinativen Fähigkeiten werden gezielter geschult. Dies hängt allerdings teilweise auch damit zusammen, dass Kinder aufgrund des erhöhten Leistungsdrucks in der Schule und der Möglichkeit ihre Freizeit mit Computerspielen zu füllen, nicht mehr dieselben koordinativen Fähigkeiten mitbringen wie früher.“
Damit ein junger Spieler sich individuell entwickeln könne, würden ihm heute im Training allgemein mehr Freiräume gelassen. Zudem sei das Konditionstraining spezifisch auf den Tennissport ausgerichtet und ergänze das Training auf dem Platz. Entsprechend sei auch die Ausbildung vielseitiger, der Job anspruchsvoller geworden.
Professionalisierung der Profi-Tour
1967, im zarten Alter von fünf Jahren, fand Isabelle dank ihrem Vater und Trainer Hans Villiger einen gelungenen Einstieg in den Tennissport. Früh zeigten sich Talent und Ehrgeiz des hübschen blonden Mädchens. Bald gehörte Isabelle nicht nur zu den besten Juniorinnen der Schweiz, sondern auch zur Juniorinnen-Elite Europas. 1977 konnte GC das Talent für sich gewinnen. Eine weise Entscheidung, denn noch im selben Jahr errang die erst 15-Jährige mit dem NLA-Team den Meistertitel. Das sollte aber erst der Anfang sein, denn mit Isabelle gewann, die höchste Damen-Liga des Clubs noch weitere acht Titel (1978-1982, 1984 und 1985, 1988). Mit 18 Jahren war die stets positiv eingestellte Schweizer Tennisspielerin Europas Nummer 1. Ein Jahr später erreichte sie in der WTA-Rangliste Platz 41. Der Weg zu einer erfolgreichen Profi-Karriere schien vorbestimmt, bis ein Sehnenabriss am rechten Handgelenk dieser ein abruptes Ende bereitete.
“Heute sind vermehrt Spielerinnen und Spieler mit Coach, Konditionstrainer und Physiotherapeut anzutreffen“, kommentiert die ehemalige Profispielerin fachkundig die gegenwärtige Profi-Tour. Früher sei das undenkbar gewesen. “An internationale Turniere reiste ich oft mit meiner Mutter oder in einem vom Schweizerischen Tennisverband selektionierten Team von vier bis sechs Spielern“, erinnert sich Isabelle. Dabei habe jeweils ein Coach das Team betreut. “Als ich mit einem solchen Team vom Verband auf eine US-Futures-Tour geschickt wurde, erreichte ich in einem der Turniere den Halbfinal. Diese Leistung qualifizierte mich für eine Teilnahme an einem Top-Turnier in Chicago. Meine Freude war riesig im selben Tableau wie die damaligen Top-Spielerinnen der Welt antreten zu dürfen! Weil sich die anderen Schweizer Spieler nicht für dieses Turnier hatten qualifizieren können, reiste der Coach mit ihnen an ein anderes Future-Turnier weiter. Ich musste meinen Flug nach Chicago alleine organisieren, ein Hotel finden und buchen, die Fahrt zum Turniergelände auskundschaften und mich vor dem Match aufwärmen und mental vorbereiten. Ich fühlte mich mutterseelenallein und kam mir während dem Match auf dem Platz verloren vor. Ich wollte so schnell wie möglich zurück zu meinen Teamkollegen“, erzählt sie lachend. Grundsätzlich sei sie am liebsten mit ihrer Familie unterwegs gewesen, denn deren Unterstützung sei ihr stets am sichersten und damit am wichtigsten gewesen.
Problemfeld Übergang vom Junioren- in den Profi-Bereich
Der Übergang vom Juniorentennis in den professionellen Erwachsenenbereich ist eine schwierige Phase, deren erfolgreiches Durchlaufen den späteren Erfolg auf der Profi-Tour bestimmt. Die Entwicklungsverläufe und Karrieremuster im internationalen Spitzentennis hängen u.a. von der Persönlichkeit, der mentalen und physischen Fähigkeiten des Spielers sowie der Betreuung durch sein engeres und erweitertes Umfeld ab. Dabei spielt auch die anhaltende Unterstützung des nationalen Verbandes, welche den Spieler in seiner Individualität fördern sollte, eine wichtige Rolle. Basis einer Profi-Karriere bildet eine möglichst optimale Aufbaumethode, welche Swiss Tennis mit erhöhten spezifischen Anforderungen an Tennis- und Konditionstrainer umzusetzen versucht. Die Aufgabe scheint durch die zunehmende Professionalisierung des Spitzentennis noch komplexer geworden zu sein.
Im Grasshopper Club bilden Marco und Isabelle, zusammen mit Luregn Schmid und Annette Gruber, jedenfalls ein dem Tennissport, der Fairness und dem gegenseitigen Respekt geweihtes, eingeschworenes, gut ausgebildetes GC Trainer-Team. Von Marcos und Isabelles reichhaltiger Erfahrung sowie der positiven Stimmung im Team profitieren vor allem die GC-Juniorinnen und -Junioren.
Chantal Coens
(Von: Eugen Desiderato)