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|Gefährten

Land: USA
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Lee Hall, Richard Curtis, Michael Morpurgo (Buch)
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Tom Hiddleston, Emily Watson, David Thewlis, Jeremy Irvine, Peter Mullan, Eddie Marsan, u.a.
Kamera: Janusz Kaminski
Schnitt: Michael Kahn
Musik: John Williams
Laufzeit: 146 Minuten
Start CH: 16.02.2012
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Switzerland
Weitere Infos bei IMDB
Märchenhaftes Kriegsdrama
von Şule Durmazkeser
Mit viel Pathos erzählt Steven Spielberg in «War Horse» die rührende Geschichte von Albert Narracott (Jeremy Irvine) und dessen Pferd Joey, deren Freundschaft so stark ist, dass sie sogar den ersten Weltkrieg übersteht. Teilweise mutet die Geschichte zu sentimental und realitätsfremd an, dafür besticht der Film durch grossartige Bilder.
Joey ist ein aussergewöhnliches Pferd. Das sieht Farmer Ted Narracott (Peter Mullan) sofort, als er den Hengst auf dem Pferdemarkt in einer englischen Kleinstadt entdeckt. Entgegen aller Vernunft und den gutgemeinten Ratschlägen seiner Kollegen, er solle lieber ein Tier ersteigern, das für die harte Feldarbeit geeignet sei, hat er nur ein Ziel: den Grossgrundbesitzer Mr. Lyons zu überbieten. Narracott setzt sein gesamtes Geld, das er eigentlich für die Pacht der Farm benötigt, und kauft das Pferd: sehr zum Entsetzen seiner Frau Rose (Emily Watson), aber ganz zur Freude seines Sohnes Albert, der sogleich damit beginnt, das junge Pferd an die Feldarbeit zu gewöhnen. Dadurch entwickelt sich zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit der Familie. Obwohl – dank Joeys unglaublicher Kraft – nun Böden gepflügt werden können, die so steinig sind, dass sie bislang als unbrauchbar galten, bringt eine Missernte die Familie in Zahlungsnot. Um den skrupellosen Verpächter Lyons (David Thewlis) bezahlen zu können, ist Ted gezwungen Joey an die britische Armee zu verkaufen, als der Erste Weltkrieg beginnt. Entsetzt über den Verlust meldet sich Albert ebenfalls zum Dienst, doch da er noch nicht volljährig ist, wird er abgelehnt. So trennen sich gezwungenermassen die Wege von Albert und Joey. Für das Pferd beginnt eine entbehrungsreiche und gefährliche Odyssee. Der Weg führt es zu den unterschiedlichsten Menschen, aber auch ins Kriegsgetümmel; doch trotz der vorherrschenden Feindseligkeit an der Front kann Joey immer wieder auf die Menschlichkeit einzelner Personen zählen.
Steven Spielberg, der sowohl für märchenhafte Geschichten wie E.T.: The Extra-Terrestrial (1982) und Hook (1991) als auch für menschliche Tragödien und Kriegsdramen wie Schindler’s List (1993) und Saving Private Ryan (1998) bekannt ist, versucht in War Horse das Märchenhafte mit der Grausamkeit des Krieges zu kombinieren, um eine universelle Metapher für die Bedeutung von Freundschaft, Loyalität und Menschlichkeit zu kreieren. Deshalb gerade verzichtet er darauf eine bestimmte Kriegspartei zu dämonisieren und zum Feind zu erklären. Vielmehr wird durch das Hervorheben einzelner Schicksale und deren Interaktion mit Joey versucht, beiden Seiten ein Gesicht zu geben. Beispielhaft sind hierfür die beiden Brüder Günther (David Kross) und Michael (Leonard Carow), die – vom Vater gezwungen – als Soldaten für Deutschland in den Krieg ziehen müssen und ihre Fahnenflucht später mit dem Leben bezahlen. Währenddessen müssen ein französische Bauer (Niels Arestrup) und seine kränkelnde Enkelin Emilie (Celine Buckens) hilflos mitansehen, wie deutsche Soldaten ihren Hof plündern. All diese Figuren und ihre Geschichten werden zu Stationen auf Joeys beschwerlichem Weg, gleichzeitig werden sie durch die Begegnung mit dem Pferd lose miteinander verbunden.
War Horse ist die Adaption des gleichnamigen Romans von Michael Morpurgo aus dem Jahre 1982, der bereits fürs Theater adaptiert wurde und seit 2007 auf den Bühnen von London und New York grosse Erfolge feiert. Während Joey in Morpurgos Version der Erzähler seiner eigenen Geschichte ist, übernimmt bei Spielberg die Kamera diese Aufgabe, der es gelingt, das Tier auf äusserst poetische Weise in Szene zu setzen. Der eigentliche Held dieser Geschichte ist Joey, die Menschen werden zu Nebendarstellern. Das wird vor allem in der Darstellung von Alberts und Joeys Freundschaft deutlich, die von Spielberg zu Beginn detailliert ausgearbeitet wird, während Joeys Zeit im Krieg aber – genauso wie Albert – praktisch in Vergessenheit gerät. Erst gegen Ende des Films erscheint Albert wieder auf der Bildfläche, als Soldat, der im Krieg nach seinem Pferd sucht. Die vorhersehbare Wiedervereinigung der beiden ist dann aber mehr einem märchenhaften Zufall zuzuschreiben als Alberts unermüdlicher Suche.
Märchenhaft mutet allerdings der gesamte Film an. So trifft Joey immer wieder auf Menschen, die trotz der Not, die ein Krieg mit sich bringt, bereit sind einem Pferd zu helfen – auch wenn sie sich dabei selbst in grosse Gefahr bringen. Den Höhepunkt des Märchenhaften bildet dabei wohl Joeys Rettung aus einem Maschendrahtzaun, in dem er sich – mitten auf dem Kriegsfeld zwischen den gegnerischen Schützengräben – verfangen hat. Diese Rettungsaktion führt Deutsche und Engländer auf wundersame Weise zusammen und der Krieg hält für einen Moment inne. Das Ganze erscheint sehr absurd, dennoch passt es in diesen Film, dessen idealistische Hauptaussage offenkundig die ist, dass jeder Mensch eine gute Seite besitzt, die nur darauf wartet, zum Vorschein zu kommen. Passend dazu kommen die kleine englische Ortschaft, das Farmhaus der Narracotts und dessen Umgebung als Inbegriff der sprichwörtlichen Idylle daher; in warmes Licht getaucht bildet diese einen eindrücklichen Kontrast zu den düster gehaltenen Kriegssequenzen. Etwas zuviel des Guten ist dafür John Williams Filmmusik, die – voller Dramatik und Pathos – die Kamera, die über weite Landschaftsflächen schwebt, begleitet und jede ausserordentliche Leistung von Joey untermalt.
War Horse ist ein Filmmärchen, das mit viel Sentimentalität und oft auch Kitsch aufwartet, was besonders in der lichtdurchfluteten, goldgelben Schlusssequenz auf die Spitze getrieben wird. Trotzdem verspricht der Film dank spannender Kameraführung, eindrücklichen Bildern und sympathischen Darstellern gute Unterhaltung.
©Walt Disney Studios Motion Pictures Switzerland
©Walt Disney Studios Motion Pictures Switzerland