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Er ist einer der wichtigsten lateinamerikanischen Gegenwartskünstler: Fernando Botero ist seiner Heimat Kolumbien immer treu geblieben und hat den Friedensprozess auf seine Art gewürdigt. Heute wird er 85 Jahre alt.
Von Juan Garff und Gerog Ismar
Bis nach China sorgt Botero mit seinen überproportionalen, meist recht sexualisierten Formen für Furore. Damit sich der nimmermüde Künstler nicht zu alt fühlt, dürfen ihn seine Enkel übrigens nicht Opa nennen, sondern nur Fer, wie die Zeitung «El Tiempo» berichtet.
«Ich habe nie eine dicke Frau gemalt», betonte er mal ironisch. Dabei hat er es zu Weltruhm gebracht mit seinen üppigen Damen. Für ihn sind das aber keine dicken Frauen, sondern der künstlerische Ausdruck einer Verherrlichung der Sinnlichkeit und des Lebens. «Ich gebe allem Volumen: einem Tier, einem Mann, einem Pferd, einer Landschaft, was es auch sei. Grosszügigkeit und Üppigkeit stehen für mich in enger Verbindung mit der Sinnlichkeit.»
Der malende Torero
Seinen unverkennbaren Stil begann Botero 1956 in Mexiko zu entwickeln, als er eine Mandoline malte. «Als ich das Loch im Musikinstrument malte, sah ich, dass es sehr klein war und die Mandoline dadurch grösser wirkte. Da sagte ich mir: Hier ist etwas geschehen. Ich begann hierüber nachzudenken», erzählte er in Mexiko-Stadt bei einer Retrospektive über sein Erweckungserlebnis. Botero wurde 1932 in Medellín geboren. Sein Vater starb früh und hinterliess der Familie nur wenig. Ein vom Stierkampf begeisterter Onkel schickte Botero mit 15 Jahren in die Toreroschule. Doch anstatt mit den Stieren zu kämpfen, zeichnete der Junge sie. Er fand Arbeit als Illustrator bei der Zeitung «El Colombiano» und gewann einen Kunstpreis in Bogotá. Mit dem Geld reiste er nach Europa, wo er vor allem in Italien die Künstler der Renaissance studierte.
Grosse Farbenpracht
In Mexiko beschäftigte er sich später mit den Wandgemälden von Diego Rivera und José Clemente Orozco. Auch die lateinamerikanische Tradition der indianischen Kirchenmalerei in ihrer Farbenpracht sowie die Werke von Pablo Picasso und Georges Braque hatten Einfluss auf Botero. «Die eigene Identität zu finden, ist ein sehr delikates Problem», sagt er. Er habe dafür zehn Jahre seit dem Erlebnis mit der Mandoline gebraucht, auf der Suche nach einer stilistischen Kohärenz und Reife, die er in seinen New Yorker Jahren festigte.
Dort entdeckten ihn 1969 zwei deutsche Kunsthistoriker und Kuratoren, Dietrich Mahlow und Klaus Gallwitz, die den noch recht unbekannten Künstler nach Deutschland einluden und dort Ausstellungen mit seinen Werken organisierten. Ab da ging es bergauf mit seiner Karriere. Seine über 3000 Bilder und 300 Skulpturen stehen in Museen und auf öffentlichen Plätzen in 60 Städten und erreichen Rekordpreise.
Politische Message
In Bogotá gibt es das grösste Museum mit seinen Werken. 2007 machte er mit politischen Werken von sich reden, in seinem unnachahmlichen Stil stellte er in überproportionalen Formen mit der «Abu Ghraib»-Serie die Folterpraktiken der US-Soldaten im Irak nach, zudem setzte er sich mit dem Konflikt in seinem Heimatland Kolumbien auseinander. Botero lebt überwiegend in Monte Carlo und im norditalienischen Pietrasanta, im europäischen Winter kam er mit seiner dritten Frau, der griechischen Künstlerin Sophia Vari, auch immer wieder zum «Überwintern» nach Río Negro bei Medellín. Er ist der Heimat bis heute treu verbunden. Im September überreichte er Präsident Juan Manuel Santos eine Bronzefigur, um den Friedensprozess mit der Farc-Guerilla zu würdigen: eine ziemlich dicke weisse Friedenstaube. (sda)