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Name: Achim Stößer Permalink: http://tierrechtsforen.de/darwinsdilemma

Datum: 20.11.14 19:31
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Über einen Zeitraum von über einer Milliarde Jahren seit es Vielzeller gibt wirken ein paar wenige Millionen Jahre, in denen während des Kambriums (ein Erdzeitalter voen etwa einer halben Milliarde Jahre) die Artenvielfalt wie es scheint rasant zunahm, wie ein plötzliches, eben explosionsartiges Ereignis.
Dies nennen "evolutionskritische" Kreationisten, die Vertreter des "Intelligent Design", "Darwins Dilemma". So schreibt der ein kreationistischer Propagandaverlag in einer "Rezension" zum Film "Darwins Dilemma. Das Geheimnis des kambrischen Fossilberichts":
http://www.wort-und-wissen.de/index2.php?artikel=info/rezens/b43.html
Zitat:
Dagegen überliefern die Sedimente des Kambriums mit fossil erhaltenen Lebewesen aus allen bekannten Tierstämmen, die Hartteile besitzen. Dazu gehören z. B. Gliederfüßer, Weichtiere, Stachelhäuter und auch Chordatiere (darunter als erste Wirbeltiere auch kieferlose Fische). Es tauchen komplexe Organe, Sinnesorgane und Gliedmaßen mit Gelenken in fertiger Form auf. Diese Tierstämme sind zudem von Beginn ihres fossilen Nachweises in der Regel in verschiedene, deutlich abgrenzbare Untergruppen (Klassen) aufgespalten und geographisch meist weit verbreitet. [...] Nach [Darwins] Theorien der gemeinsamen Abstammung und natürlichen Auslese erwartete er eine Geschichte von zunehmender Vielfalt und Verschiedenartigkeit, was zur bekannten Baumdarstellung evolutionärer Abfolgen führt. Die Fossilwelt des Kambrium offenbarte jedoch eine gewaltige Diskrepanz zwischen den Befunden und seiner Theorie. Die meisten Hauptbaupläne der Tiere erscheinen plötzlich, im Widerspruch zu Darwins Vorstellung einer allmählichen Auffächerung. [...] Dieser Befund stellt aber nicht nur ein Problem für evolutionäre Deutungen dar, sondern bietet nach Auffassungen der Filmproduzenten deutliche Hinweise auf einen intelligenten Urheber. [...] Als Alternative zur evolutionstheoretischen Deutung des Fossilberichts kommen biblische Zusammenhänge nicht zur Sprache, es wird nur auf die Plausibilität der Annahme eines Designers verwiesen.
Nun war diese Artenvielfalt in ihrer vermeintlichen Kürze nicht ganz so plötzlich wie etwa ein Sprengstoffanschlag eines Selbstmordattentäters. Schon vor 20 Jahren war klar:
http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/kambrische-explosion/35250
Zitat:
Zwar stehen (Stand 1993) bisher 21 Familien primitiver Pflanzen und 40 Familien von Wirbellosen im jüngsten Präkambrium (Neoproterozoikum) den 22 Pflanzen- und 519 Wirbellosenfamilien des Kambriums gegenüber. [...] Nach neuesten Untersuchungen begann jedoch die Aufspaltung in die Stämme der Echinodermen, Anneliden, Arthropoden und Chordaten bereits ca. vor 670 Millionen Jahren. Bis zur Entwicklung einer fossil nachweisbaren Makrofauna vergingen allerdings weitere 100 Millionen Jahre. Am Ende des Kambriums scheinen alle lebenden Tierstämme vertreten zu sein. Die sprunghafte Entfaltung der Wirbellosen im Kambrium geht hauptsächlich auf das Aufblühen (Anastrophe) einiger weniger Gruppen zurück [...]. Die verhältnismäßig artenarmen Faunen präkambrischer Organismen beruhen nur zum Teil auf dem frühen Evolutionsstadium. Der irreführende Eindruck einer explosionsartigen Entfaltung wird durch eine verbreitete Schichtlücke zwischen dem jüngsten Präkambrium und dem Kambrium verstärkt. Andere Gründe dafür sind weitgehendes Fehlen präkambrischer Fossillagerstätten, Erosion und Metamorphose der entsprechenden Gesteinsschichten (Gesteine), Verwechslung präkambrischer und kambrischer Schichten infolge Unzulänglichkeiten der Datierungsmethoden, die Abwesenheit fossilisierbarer Hartteile (Chitinpanzer, Innenskelette, Kalkschalen) bei präkambrischen Wirbellosen [u.a.] Der vielfach geforderte „Urknall“ zu Beginn des Kambriums läßt sich auch molekularbiologisch nicht belegen. Zudem gibt es auch im Mesozoikum und Känozoikum scheinbar plötzliche Entfaltungen von Organismengruppen. Dabei ist meist nur die biostratigraphische Auflösung (Biostratigraphie) nicht fein genug, so daß ein solches Aufblühen und seine Ausbreitung auf der ganzen Erde scheinbar gleichzeitig erfolgt.
http://www.csmonitor.com/Science/2013/0913/Evolutionary-biologists-resolve-Darwin-s-dilemma
Zitat:
One group of scientists now say they've solved a big chunk of the puzzle: they've made the first-ever estimates of the rates of evolution during the Cambrian explosion – and it wasn't as fast as it sounds. While the word "explosion" implies a split-second transformation, evolution in the Cambrian was only 4 to 5 times faster than in later years, they say. [...] The problem of the abrupt beginning to the fossil record was resolved in the 1950s, with the discovery of pre-Cambrian life forms. Why hadn't they left fossils like their Cambrian cousins? Simple: These squishy creatures, similar to slugs, worms, and jellyfish, didn't have bones or shells that could fossilize. With that discovery, scientists had proof that the Cambrian explosion didn't mark the dawn of life – just the beginning of life with hard parts.
Und seit kurzem (und diesmal sind nicht Jahrmillionen gemeint) gibt es auch eine Erklärung einer möglichen Ursache für diese Evolutionsbeschleunigung: durch Plattentektonik trennte sich Laurentia von Gondwanaland, was massive geophysikalische Veränderungen mit sich brachte:
http://phys.org/news/2014-10-massive-geographic-triggered-explosion-animal.html
Zitat:
"At the boundary between the Precambrian and Cambrian periods, something big happened tectonically that triggered the spreading of shallow ocean water across the continents, which is clearly tied in time and space to the sudden explosion of multicellular, hard-shelled life on the planet," said Dalziel, a research professor at the Institute for Geophysics and a professor in the Department of Geological Sciences.
Beyond the sea level rise itself, the ancient geologic and geographic changes probably led to a buildup of oxygen in the atmosphere and a change in ocean chemistry, allowing more complex life-forms to evolve, he said.
The paper is the first to integrate geological evidence from five present-day continents—North America, South America, Africa, Australia and Antarctica—in addressing paleogeography at that critical time.
Dalziel proposes that present-day North America was still attached to the southern continents until sometime into the Cambrian period. Current reconstructions of the globe's geography during the early Cambrian show the ancient continent of Laurentia—the ancestral core of North America—as already having separated from the supercontinent Gondwanaland. [...]
"I'm not claiming this is the ultimate explanation of the Cambrian explosion," Dalziel said. "But it may help to explain what was happening at that time."
Achim