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Die Lagune „Lagoa Rodrigo de Freitas“ befindet sich in der Südzone von Rio de Janeiro. Obwohl sie von diversen Flüsschen und Bächen gespeist wird, welche von den sie umgebenden Berghängen herabfliessen – unter ihnen von Bedeutung ist der Rio dos Macacos – ist ihr Wasser vorwiegend salzhaltig. Man nimmt an, dass ihre grosse aquatische Masse von einem Meeresarm stammt, welcher durch bestimmte Meeresströmungen und die Winde an der Küste einst vom Ozean abgetrennt wurde. Inzwischen wird die Verbindung zwischen Lagune und Meer künstlich aufrecht erhalten – durch den Kanal des „Jardim de Alá“, mittels dessen sich das Wasser der Lagune erneuert. Zwei Inseln befinden sich in der Lagune: Die “Ilha Piraquê“ am westlichen Ufer – dort befindet sich die Sportabteilung des “Clube Naval“ – und die “Ilha Caiçaras“ am südlichen Ufer – hier befindet sich der Club gleichen Namens, wo 2007 die Meisterschaften im Wasserski ausgetragen wurden.
Historisches
Ursprünglich war das Umfeld der Lagune Wohngebiet der Tamoio-Indianer, von denen sie “Piraguá“ (ruhendes Wasser) genannt wurde oder auch “Sacopenapan“ (Weg der Socós – Rohrdommeln). Der portugiesische Kolonisator, Gouverneur und Kapitän der “Capitania do Rio de Janeiro“, Dr. Antônio Salema (1575-1578), hatte vor, eine Zuckerfabrik am Ufer der Lagune zu errichten. Um sich der lästigen Gegenwart der Eingeborenen zu entledigen, hatte er seine eigene Strategie: Er liess die mit Viren verseuchten Kleidungsstücke von Pockenkranken an den Ufern der Lagune verteilen – eine Pockenepidemie raffte die meisten Indianer dahin. Sodann begann man die Zuckerrohrpflanzungen anzulegen und die Zuckerfabrik zu installieren – dort, wo sich heute das Besucherzentrum des Botanischen Gartens befindet.
Später wurden diese Ländereien von jenem Dr. Salema an den Volksvertreter Amorim Soares weiter verkauft, und die Lagune bekam nun den Namen “Lagoa de Amorim Soares“. 1609 wurde Soares aus der Stadt verwiesen, und die Ländereien um die Lagune verkauft an seinen Schwiegersohn, Sebastião Fagundes Varela – mit der Konsequenz eines neuen Namens für die Lagune – sie hiess jetzt “Lagoa do Fagundes“. Dieser letzte Besitzer, ein gewiefter Landspekulant, erweiterte seinen Besitz in jener Region – durch Akquise und Invasion – dermassen, dass er um 1620 bereits im Besitz sämtlichen Grund und Bodens war, welcher sich zwischen den heutigen Stadtteilen Humaitá und Leblon erstreckt!
Im Jahr 1702 heiratete seine Urgrossenkelin Petronilha Fagundes – im Alter von 35 Jahren – den jungen Offizier der portugiesischen Kavallerie, Rodrigo de Freitas de Carvalho – der war damals erst 18 Jahre alt – von ihm hat die Lagune ihren heutigen Namen. Nachdem er Witwer geworden war, kehrte Rodrigo de Freitas nach Portugal zurück, im Jahr 1717, wo er im Jahr 1748 starb.
Besagte Region um die Lagune herum verblieb in Händen verschiedener Anmieter ohne grossartige Veränderungen – bis am Anfang des 19. Jahrhunderts, als die portugiesische Königsfamilie nach Brasilien umzog (1808). Der Kronprinz enteignete die Zuckerfabrik an der Lagune, um dortselbst eine Pulverfabrik zu bauen und den “Horto Real Botânico“ anzulegen, den heutigen Botanischen Garten von Rio de Janeiro.
Während des 19. Jahrhunderts erwog man verschiedene Lösungen für das Problem der Stagnierung des Lagunenwassers – bis dann im Jahr 1922 die “Sanierungsabteilug der ländlichen Hemisphäre“ ein Projekt präsentierte, welches “die Sanierung und Verschönerung der Hauptstadt für die Festlichkeiten zur Hundertjahrfeier der Unabhängigkeit“ zum Ziel hatte. Das Projekt sah die Schaffung eines Kanals vor – mittels Ausbaggerung – um so die Lagune weder mit dem Meer zu verbinden. Die bei der Ausführung ausgebaggerte Erde wurde zur Insel “Ilha dos Caiçaras“ aufgeschüttet, dem Sitz des Clubs gleichen Namens.
Innerhalb kurzer Zeit entstanden Erdaufschüttungen an ihren Ufern, welche allmählich ihre Wasserfläche verkleinerte – der Brasilianische Jockey-Club entstand, der Park “Jardim de Alá“ und die Sportabteilung des Clube Naval auf der Insel Piraquê. Der ausgebaggerte Kanal bekam den Namen “Canal do Jardim de Alá“.
Die “Lagoa“ gehört heute zu den bedeutendsten touristischen Sehenswürdigkeiten von Rio de Janeiro. Sie ist bekannt als das Herz von Rio (Coração do Rio). Der Stadtteil Lagoa ist ein “Bairro“ der Oberen Mittel- bis Oberklasse und besitzt eine der grössten Bevölkerungsdichten des Landes.
Ein Teil der “Lagoa“ wurde zugeschüttet. Das geschah in der Mitte des 20. Jahrhunderts (in den 40er, 50er und 60er Jahren), denn viele der sie umgebenden “Morros“ (Berghänge) – wie der von “Catumbi“ und jener der “Praia do Pinto“ unter anderen – waren während vieler Jahre besetzt von mehr als 50.000 Bewohnern bis hinunter zum Wasser der Lagune. Aber ihre an den steilen Abhängen errichteten Baracken waren andauernd vom Abrutschen bedroht. Nach mehr als zwanzig Jahren dieser illegalen Besetzung vertrieb die Regierung schliesslich alle Berghangbesetzer – die flüchteten sich in die Suburbs, ohne Unterstützung von Seiten der Regierenden, wo sie in prekären Wohngebieten unterkrochen. An jenen Hängen der “Lagoa“ errichtete man die luxuriösesten Wohngebäude der Stadt und umgab die “Lagoa“ mit einem Park. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass jene armen Bewohner von dort vertrieben wurden, weil sie einen einmaligen Panoramablick auf die Lagune genossen – denn zu jener Zeit war das Wasser der Lagune noch sauber und die Bewohner pflegten darin zu baden!
Heute sind von der Wasseroberfläche 2,4 Millionen Quadratmeter übrig geblieben – hier treibt man verschiedene Arten von Wassersport, wie zum Beispiel Rudern, oder man macht eine Spazierfahrt im Tretboot. In der Umgebung findet man einen Ruderclub (Estádio de Remo da Lagoa), einen asphaltierten Radweg von 7,5km, der am Ufer entlang führt, verschiedene Freizeiteinrichtungen und Fressbuden, welche ausser nationalen Spezialitäten auch internationale Delikatessen offerieren.
Hier befinden sich auch einige der bedeutendsten Clubs der Stadt Rio de Janeiro:
- Clube de Regatas do Flamengo
- Jóquei Clube Brasileiro
- Clube Naval na Ilha do Piraquê
- Paissandu Atlético Clube
- Clube dos Caiçaras
- Club de Regatas Vasco da Gama
- Botafogo de Futebol e Regatas
- Seit 1995 gehört es zur Tradition der Cariocas, zur Weihnachtszeit einen gigantischen Weihnachtsbaum in der Lagunen-Mitte aufzustellen, dessen Beleuchtung sich sehr dekorativ im Wasser spiegelt – der Sponsor ist die Versicherungsgruppe Bradesco Seguros.
Obwohl am Lagunenufer auch ein Fischerkommune recht und schlecht ihr Leben fristet, leidet das schöne Postkartenmotiv unter einer chronischen Krankheit: Periodisch tritt ein grosses Fischsterben auf, dessen Ursache in der Proliferation von Algen zu suchen ist, welche den Sauerstoff des Wassers absorbieren. Endlich hat die Initiative eines Biologen im Kampf gegen das Fischsterben Erfolge aufzuweisen – er hat nämlich die Bepflanzung mit nativen Mangrove-Arten am Ufer der Lagune wieder eingeführt, von denen die Lagune anfänglich umgeben gewesen ist. Sie verhindern die Ausbreitung der Algen, produzieren selbst Sauerstoff und dienen den Wasserlebewesen als Kinderstube und Versteck.