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Bruno Taut (1880–1938)
Architekt und Stadtplaner
Bruno Julius Florian Taut wurde am 4. Mai 1880 als zweiter Sohn des Kaufmanns Julius Taut in Königsberg geboren. Nach der Ausbildung an der Baugewerbeschule in Königsberg arbeitete er in verschiedenen Architekturbüros, zum Beispiel für den Architekten Bruno Möhring in Berlin (ab 1902) und für Professor Theodor Fischer in Stuttgart (ab 1904).
Rückkehr nach Berlin und Studium
1908 kehrte er nach Berlin zurück, studierte Städtebau und Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule und eröffnete mit seinem Bruder Max Taut und Franz Hoffmann 1909 sein erstes Architekturbüro.
Bau des Pavillions der Deutschen Glasindustrie und Einsatz für die Kunst
Bekannt wurde Taut 1914 durch den Bau des Pavillons der Deutschen Glasindustrie an der Ausstellung des Werkbundes in Köln. 1918 gründete er den Arbeitsrat für Kunst, dessen Mitglieder direkten Einfluss auf die Regierung ausüben sollten. Das Gründungsmanifest zeigt, dass er an eine gesellschaftliche Erneuerung durch die Kunst glaubte, und die Architektur dabei eine exemplarische Rolle einnahm. Mitglieder des Werkbundes, Künstler und Mäzene wie Karl-Ernst Osthaus schlossen sich der Bewegung an.
"Gläserne Kette"
Neben dem Bauen im eigentlichen Sinne nimmt die Auseinandersetzung mit der Architekturtheorie einen bedeutenden Teil seines Werkes ein. So initiierte er 1919 den Briefwechsel der "Gläsernen Kette". Sein Ziel, durch Kunst die Gesellschaft zu verbessern und vielleicht zu erlösen, sowie daran als Künstler notwendig zu scheitern, zieht sich als Motiv durch seine Beiträge. An dem Briefwechsel nahmen unter anderem Hans Scharoun, die Brüder Luckhardt, Adolf Behne, Walter Gropius und Tauts Bruder Max teil. Von 1920 bis 1922 gab er die Zeitschrift "Frühlicht" heraus, in der einige Briefe veröffentlicht wurden.
Türkei
Ab 1930 lehrte Taut an der Technischen Hochschule Berlin. 1932 reiste er in die Sowjetunion und richtete ein Büro für Neubauten in der Moskauer Stadtverwaltung ein. 1933 zurück in Berlin, floh er vor den Nationalsozialisten über die Schweiz nach Japan. 1936 emigrierte er in die Türkei, die unter dem westlich orientierten Atatürk um ausländische Ingenieure warb. Taut arbeitete als Chef der Bauabteilung des Unterrichtsministeriums in Ankara und lehrte in Istanbul an der Akademie der Schönen Künste. Am 24. Dezember 1938 verstarb Bruno Taut in der Türkei.
Handschrift
Legende zu einer Zeichnung in Alpine Architektur, 1919, Tafel 5
Werk
- 1910 Ausstellungspavillon für die "Träger-Verkaufs-Kontor Berlin GmbH" in Berlin -Baumschulenweg
- 1910 Frühwerk Wohnhaus Kottbusser Damm 90, Berlin
- 1913-1915 Gartenstadt Falkenberg, Berlin
- 1914 Glaspalast für die Werkbundausstellung, Köln
- 1917 Die Stadtkrone
- 1917–1918 Alpine Architektur
- 1921–1922 Hermann-Gieseler Halle - Halle 'Stadt und Land', Magdeburg
- 1922 Wettbewerbsentwurf Chicago Tribune Tower, Chicago
- 1925–1927 Siedlung Britz (Hufeisensiedlung), Berlin-Neukölln
- 1926 Wohnhaus des Architekten Berlin-Marzahn
- 1926–1932 Großsiedlung Onkel Toms Hütte Berlin-Zehlendorf
- 1926–1927 Haus des Architekten, Dahlewitz bei Berlin
- 1927 Haus in der Weißenhofsiedlung, Stuttgart
- 1927–1928 Wohnanlage Grellstraße, Berlin-Prenzlauer Berg
- 1930–1931 Gymnasium Senftenberg
- 1931–1932 Berufsschule Senftenberg
- 1935 Hyuga-Villa, Atami, Japan
- 1937–1940 Literaturfakultät der Universität Ankara, Ankara, Türkei
Bestand
Im Hochschularchiv der ETH Zürich ist ein Biographisches Dossier vorhanden. Ausserdem verfügt die ETH-Bibliothek über Originalausgaben und Mikrofiches der Schriften Bruno Tauts. Diese können im Wissensportal recherchiert und reserviert werden.