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Für Leon Hänzi (*2008) war schon im zarten Kindesalter klar, wohin seine Reise gehen sollte. Zwar faszinierten ihn auch Handball und Fussball, waren aber kein Vergleich mit der Glückseligkeit, die er in der Welt seiner Pferde empfand. Genauso wie die Musiker es beschreiben, fühlt er sich auf dem Rücken seiner Pferde: Es sei für Leon das grösste Glück überhaupt, mit einem Pferd eins zu sein, ein Körper, eine Bewegung und die totale Sicherheit, einander zu verstehen und sich zusammen zu bewegen, selbstverständlich und in einer Symbiose der Perfektion, sagt sein Vater Thomas Hänzi, der Leon auch trainiert.
Darauf angesprochen, ob der erst 15-jährige Mann denn nicht Angst habe, mit seinen Pferden Hindernisse anzureiten, die grösser sind als er selbst, oder junge Pferde zu reiten, die vor Kraft und Spielfreude strotzen, sagt Leon: «Nein, sicher nicht, das ist doch meine Welt. Da gibt es keine Angst, sondern nur das vorbehaltlose Gefühl, gemeinsam die Gesetze der Schwerkraft hinter sich zu lassen.»
Leons Palmares umfasst schon heute viele beeindruckende Stationen: Nach unzähligen Klassierungen mit seinen Ponys verbuchte er den ersten Sieg mit Pferden 2020 am Children’s Masters in Gossau SG. Per 2021 wurde er – mit zwölf Jahren – ins Children-Kader des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport aufgenommen, war Schweizermeister Children 2021, gewann die Einzelwertung STT Swiss Team Trophy für Reiter bis 25 Jahre in der Höhe 120/125 und nahm bereits an zwei Europameisterschaften teil. Ferner belegte Hänzi den 2. Rang in der Gesamtwertung beim Youngstars, im Mekka der Reiter, in Aachen 2021. Seinen ersten GP-Sieg erkämpfte er sich am CSI Chevenez 2022 und in Albführen gelangen ihm drei S-Platzierungen, davon eine im 1. Rang mit C’Assisi. Die vermutlich grösste Leistung datiert vom 14. Mai 2023: der erste Sieg im S (N140) mit seiner heissgeliebten Stute Qui Rit PJ in Marsens, bereits als Mitglied des Junioren-Kaders.
Leon Hänzi hat seine Homebase im Reitsportzentrum St.Josefen, das seinem Vater Thomas Hänzi und dessen Freund Dr. med. Urs Amsler von der Radiologie Gossau gehört und Heimat für rund 70 Pferde ist. Vor allem auch mit der Unterstützung von Urs Amsler werden Kinder und Jugendliche gezielt gefördert, auch solche, die sich den Reitsport eigentlich nicht leisten können: «Wir vergeben jährlich Stall-Stipendien, die auch Kindern aus weniger begüterten Familien das Reiten ermöglichen – sofern sie sich intensiv für Pferde und Stall einsetzen», sagt Thomas Hänzi.
Für ihn und Urs Amsler stehen, man merkt es dem ehemaligen Reiter und heutigen Anwalt im Gespräch an, die Jugendförderung im Vordergrund, nicht der Profit. «Es gibt doch nichts Schöneres, als miterleben zu dürfen, wie sich die Kids mit vollem Einsatz für ‹ihre› Pferde engagieren und sich langsam, aber sicher zu guten Reitern entwickeln», sagt er. Sury, Priska, Alessia, Jasmin, Vanessa und wie sie alle heissen, kümmern sich mit Herzblut täglich um die Tiere und den Stall und sind zu einem zusammengeschweissten Team geworden.
Neben dem Reitsportzentrum betreiben die Hänzis im Lead von Dolores Hänzi, ein Green-Care-Projekt, den Assisihof, in Ostfriesland. Hier stehen Aufzucht und Reha der Pferde im Vordergrund – und das Arbeiten mit Menschen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen. Leon selbst wird in Kürze die Rudolf-Steiner-Schule in St. Gallen abschliessen, danach beginnt seine Ausbildung zum Pferdefachmann EFZ – natürlich im Reitsportzentrum St.Josefen, das er alsdann zusammen mit der Betriebsleiterin Jenny Huber führen soll.
Leon hat bis jetzt die meisten seiner Pferde selbst ausgebildet, einige zumindest weitergebildet – und kein Erwachsener oder Bereiter hat sich je auf seine Pferde gesetzt und ihm die Arbeit abgenommen. «Ein beeindruckender Beweis, dass es auch in diesem Sport möglich ist, auf hohem Niveau ohne Kraft, dafür in Harmonie mit dem Partner, Erfolg haben zu können», sagt Thomas Hänzi. Leon hätte schon gar nicht die körperlichen Mittel dazu und somit habe er allein die Chance, die Pferde über ein hohes Mass an Motivation, gegenseitigem Spass und gemeinsamer Freude zu überzeugen. «Und darum geht es doch primär in unserem Sport», ist Hänzi überzeugt.
Text: Stephan Ziegler