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Larry Silverstein: Wir vertrauen auf unsere juristische Position und gehen davon aus, dass wir den Prozess gewinnen werden. Bei den Terroranschlägen haben unserer Auffassung nach zwei verschiedene Flugzeuge zwei separate Gebäude zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten getroffen und zwei verschiedene Feuer zu zwei voneinander unabhängigen Gebäudeeinstürzen geführt.
Daraus leiten Sie die Versicherungsforderung von 7 statt 3,5 Milliarden Dollar ab?
Ja, dass die Angriffe Teil einer einzigen Verschwörung gewesen sein mögen, spielt aus versicherungstechnischer Sicht laut Gesetz des Bundesstaates New York keine Rolle. Die beiden gekaperten Flugzeuge – und nicht das Komplott – waren der unmittelbare physische Grund für den Verlust.
Jacques Dubois, US-Chef des Hauptversicherers Swiss Re, sieht das anders. Für ihn handelt es sich um ein Schadensereignis.
Die Swiss Re versucht sich aus ihrer vertraglichen Verpflichtung zu stehlen, indem sie auf eine Klausel im ersten Entwurf einer Versicherungspolice verweist, die seinerzeit von der Agentur Willis ausgearbeitet wurde und als Ausgangspunkt für die Verhandlungen diente. Dieser Entwurf, der so genannte WilProp, enthält eine Formulierung, laut deren die Anschläge zweier Flugzeuge tatsächlich als ein Schadensereignis verstanden werden könnten. Nur: Swiss Re hat diesen ersten Entwurf abgelehnt und wurde vor ihrer endgültigen Beteiligung an dem internationalen Versicherungskonsortium davon in Kenntnis gesetzt, dass die Police des Lead-Underwriter Travelers – die nicht definiert, was unter «Schadensereignis» gemeint ist – Verwendung finden würde.
Warum hat der zuständige Bezirksrichter John S. Martin Anfang Juni Ihren Antrag abgelehnt, den Angriff als «mehr als ein Ereignis» zu bewerten?
Richter Martin zeigte sich unter Berücksichtigung bestimmter Dokumente ausser Stande, diese Frage in einem summarischen Urteil zu entscheiden. Deshalb hat er erklärt, dass die Frage nun von einer unabhängigen Jury entschieden werden solle.
Als die Twin Towers zusammenbrachen, hatten Sie mit den Versicherern noch keine endgültige Police abgeschlossen. Die Swiss Re hat Silverstein Properties nun vorgeworfen, den Gang der Verhandlungen im Nachhinein verfälscht zu haben. Stimmt das?
Herr Dubois hat offenbar die Fakten nicht ganz parat. Nochmals: Bereits am 23. Juli vergangenen Jahres wurde Swiss Re per E-Mail eine Kopie des Vertragsentwurfs der Travelers-Police zugesandt. Die Vertreter von Swiss Re behaupten jetzt, sie seien damals von einer «redigierten und aktualisierten» Version von WilProp ausgegangen – dabei stand auf dem Entwurf oben auf der ersten Seite dick und fett «The Travelers Insurance Companies», zudem war das Dokument 75 statt 35 Seiten lang. Wir glauben nicht, dass die Geschworenen diese Aussage glaubwürdig finden werden.
Haben Sie das World Trade Center «vorsätzlich und bereitwillig» unterversichert?
Nein, die 3,546 Milliarden pro Schadensfall ist die grösste Police, die je für einen einzelnen Immobilienkomplex abgeschlossen wurde.
Wie bitte?
Ja, bevor etwa die Twin Towers von der Port Authority of New York und New Jersey an Silverstein Properties vermietet wurde, war die maximale Schadens- und Haftpflichtdeckung pro Fall für sämtliche New-Yorker Brücken und Tunnel, den John F. Kennedy International Airport, den La Guardia Airport, den Newark International Airport als auch das WTC auf 1,5 Milliarden Dollar fixiert worden. Unsere Police für das WTC allein war also mehr als doppelt so hoch wie die der Port Authority für ihre gesamten Einrichtungen.
Ist es angesichts der moralischen und emotionalen Dimension der Terroranschläge überhaupt möglich, eine faire und unabhängige Jury zu finden, mit der beide Seiten leben können?
Die Auswahl der Geschworenen wird sicher einige Zeit in Anspruch nehmen. Dennoch sind wir überzeugt davon, dass am Ende eine unparteiische Jury gefunden wird. Wir haben volles Vertrauen in unser Rechtssystem.
Welche Pläne haben Sie für den Wiederaufbau des WTC?
Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich eng mit der Port Authority, dem Bundesstaat und der Stadt New York sowie der Öffentlichkeit zusammenarbeiten werde, um das World Trade Center wieder aufzubauen – in welcher Form auch immer. Eines ist klar: Jeder Entwurf muss ein bedeutendes Denkmal für die Opfer der Terroranschläge einschliessen.