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Umbau Kantonsratssaal Solothurn: «Runder Tisch»
Guido Kummer + Partner Architekten gewinnen den Wettbewerb für den Umbau des Kantonsratssaals in Solothurn. Guido Kummer wählt für Hochparterre zwei Pläne und eine Modellaufnahme aus und beantwortet unsere drei Fragen.
Guido Kummer + Partner Architekten gewinnen den Planungswettbewerb für den Umbau des Kantonsratssaals in Solothurn. Guido Kummer wählt für Hochparterre zwei Pläne und eine Modellaufnahme aus und beantwortet unsere drei Fragen.
Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Guido Kummer: Wir waren daran interessiert, den Wettbewerb als Anlass zu nehmen, uns grundsätzlich mit der Typologie des Parlaments auseinanderzusetzen. Das Parlament – als räumliches Phänomen verstanden – sollte immer auch ein Abbild der politischen Realität sein, die sich letztlich darin repräsentiert. Wenn Menschen in einer ideellen Demokratie zusammenkommen, um eine Lösung zu erarbeiten, dann tun sie dies, indem sie sich in einem Kreis zusammenfinden. Der Grundgedanke unseres Entwurfs geht deshalb vom Bild eines «runden Tisches» aus. Dieser symbolisiert einerseits eine übergeordnete Einheit, in dem sowohl die Ratsmitglieder wie auch die Regierung Teil eines Ganzen sind. Andererseits ermöglicht der runde Tisch den direkten Diskurs und fördert dadurch eine konstruktive politische Auseinandersetzung.
Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Der Kantonsratssaal von Solothurn befindet sich im mittelalterlichen Rathaus und geht in seiner heutigen Form auf einen Ausbau aus dem 16. Jahrhundert zurück. Innerhalb dieses Kontextes war es uns wichtig, eine Lösung zu erarbeiten, die sich produktiv in das bestehende Konglomerat des Rathauses integriert, sich aber gleichzeitig nicht davor scheut, eine eigenständige Position zu beziehen. Der trapezförmige Grundriss zusammen mit der gewölbten Decke ist für den Raumeindruck und die Geometrie des Ratssaales prägend. Dieser Grundfigur folgend verformt sich die Sitzordnung zu einem Oval, wodurch eine optimale Ausnutzung des Saales ermöglicht wird, ohne ihm aber den Raum zur eigenen Entfaltung zu rauben.
Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Wie bei jedem Umbauprojekt ist das Einfügen einer Idealvorstellung in einen gewachsenen, bestehenden Kontext eine grosse Herausforderung. Einerseits galt es, das Bodenniveau, das zu den Zuschauernischen hin ansteigt, sinnvoll in den Entwurf zu integrieren. Andererseits mussten vor allem die technischen Anforderungen, die an einen zeitgemässen Rats- und Konferenzsaal gestellt werden, in einer Art und Weise in den Entwurf einfliessen, ohne dabei die ursprüngliche Idee zu entwerten. Wir entwickelten dazu einen von der Decke gehängten Ring, der sämtliche technische Installationen aufnimmt und sich dabei räumlich aus der gleichen Grundform ableitet wie der gesamte Entwurf.
Umbau und Sanierung Kantonsratssaal Solothurn
Planungswettbewerb im selektiven Verfahren mit acht Architekturbüros für den Kanton Solothurn.
- 1. Rang/Weiterbearbeitung: Guido Kummer + Partner Architekten, Solothurn.
- 2. Rang: FLURYundRUDOLF Architekten, Solothurn.
- 3. Rang: Dische Architekten, Basel.
- Ankauf: Stefan Zwicky, Architekt, Zürich.