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Frowin Durrer
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 27. September 1886
Priesterweihe: 14. Juli 1889
Primiz: 28. Juli 1889
Lehrer in der Stiftsschule: 1889–1919
Präfekt: 1899–1910
Rektor: 1910–1919
Spiritual in Wonnenstein: 1919–1932
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Franz Durrer und der Elise Odermatt.
Lebensbeschreibung[1]
P. Frowin Durrer erblickte am 10. März 1866 in Buochs das Licht der Welt als Sohn des Gerichtsschreibers Franz Durrer-Odermatt. Als Zwölfjähriger besuchte er die Lateinschule der Kapuziner in Stans, bei seinem Verwandten P. Benno Durrer, dem späteren Provinzial. Angesichts der dritten Klasse mit ihren vermehrten Studienanforderungen wollte der gesundheitlich nicht robuste Knabe den täglichen weiten Schulweg vermeiden und zog im Herbst 1880 als interner Zögling nach Engelberg. Die Philosophie absolvierte er als Externer in Schwyz, da sie in Engelberg noch nicht gelehrt wurde. Danach trat er in Engelberg ins Noviziat ein und absovierte darauf die damals dreijährige Theologie im Heimatkloster. Die Priesterweihe erhielt P. Frowin am 14. Juli 1889 durch Bischof Ehrler von Speier, der in jenen Jahren wiederholt seine Ferien in Engelberg verbrachte. Am 28. Juli, dem letzten Sonntag des Schuljahres, folgte seine Primiz.
Nach seiner Weihe trat er im neuen Schuljahr als Lehrer seinen Dienst an und zwar zuerst als Klassenlehrer der Grammatik und Syntax, später mehr für die mathematischen Fächer der Mittel- und Oberklassen des Gymnasiums. Nach Ablauf eines Jahrzehntes Lehrtätigkeit berief Abt Anselm Villiger den Präfekten P. Basil Fellmann ins Priorat und ernannte P. Frowin, der bereits von 1890 bis 1893 Subpräfekt gewesen war, zum Nachfolger in der Leitung von Konvikt und Schule. Sein Ziel war Ausbau der Schule zur Maturitätsanstalt, ein Plan, der freilich viele Herausforderungen in sich barg, aber damit eine tatkräftige Natur wie P. Frowin eher reizte als abschreckte. Als erster Schritt kam schon im ersten Präfekturjahr die Einführung der Physik in der sechsten Klasse. Man war sich noch nicht einig, ob die Anstalt zu einer sieben- oder achtklassigen ausgebaut werden solle. Ferner galt es, baulich die nötigen Schul- und Wohnräumlichkeiten zu schaffen, da die vorhandenen bei der stets wachsenden Schülerzahl auch bei bloss sechs Klassen bereits nicht mehr genügten. Im Frühjahr 1905 konnte man an die Verwirklichung der von Abt und Kapitel beschlossenen Baupläne gehen und die heutige Osthälfte des Gymnasiums ausführen, wodurch der verfügbare Raum für die Bedürfnisse des Internates und der Schule auf gut das Doppelte erweitert wurde. Während der verlängerten Sommerferien 1906 wurde dann der alte Teil des Kollegiums durch Erhöhung des Schlafsaales und Aufsetzen eines neuen Dachstuhles dem neuen angeglichen, die Kapelle um den Chor erweitert und am 28. Oktober 1906 der ganze Bau und besonders die Kapelle von Abt Leodegar Scherer eingeweiht.
Ein weiteres Stück Vorbereitung betraf die Erweiterung der zum Teil schon ansehnlichen, auf anderen Gebieten aber noch recht bescheidenen Sammlungen, für die nun ebenfalls Platz geschaffen wurde. Die Jahresberichte der folgenden Jahre berichten auch über bedeutende Anschaffungen für die Professorenbibliothek. Nebenher wurde über die Gestaltung des Lehrplanes und die akademische Ausbildung der Lehrer für das Lyzeum beraten. Gerade in letzterer Hinsicht war P. Frowins Energie eigentlich bahnbrechend. Alle diese Teilaufgaben auf dem Weg zum künftigen Lyzeum waren natürlich nicht das Werk von P. Frowin allein, doch war er als Präfekt ein Organ, dem wegen seiner Stellung beim Planen, Beraten und Beschliessen, wie auch in der tatkräftigen und nicht immer leichten Durchführung des Beschlossenen eine wichtige Rolle zufiel.
Als letztes Stück und Krönung der ganzen Arbeit galt es, das eidgenössische Maturitätsrecht zu erwerben. Die von P. Frowin in dieser Materie gesammelte Korrespondenz zeigt, dass die Lösung dieser Aufgabe viel Arbeit und Geduld kostete. Denn begreiflicherweise wünschte man die Berechtigung bereits zu besitzen im Moment, wo man die beiden Lyzealkurse eröffnete, um nicht auf gut Glück und in bloss blindem Vertrauen vorangehen zu müssen. Anderseits wollte die eidgenössische Maturitätskommission die Schule erst dann als Maturitätsanstalt autorisieren, wenn sie wirklich als solche fertig ausgebaut und von ihr in allen, besonders in den bisher noch nicht vorhandenen obersten Klassen inspiziert war. Ebenso wollte sie die Prüfungen erst anerkennen, wenn sie deren Resultate vorliegen sah.
Unglücklicherweise wurden die Verhandlungen für die Maturität durch interne und externe Umstände erschwert. Im Kloster selbst spielte ungünstig mit, dass gerade im Jahre vor der Eröffnung des Lyzeums und damit im Jahr der entscheiden den Verhandlungen über die Gestaltung des Lehrplanes sechs Mitglieder im Konvent starben. Daher befürwortete P. Frowin ein zunächst bloss einjähriges Lyzeum. Das erste Gesuch um die Maturitätsberechtigung ging auf dieser Grundlage an den Obwaldner Erziehungsrat ab. Gegenvorstellungen von aussen, besonders von Herrn Nationalrat Ming, wie auch erneute Besprechungen im Konvent selbst, veranlassten dann aber den Abt am 8. Januar 1907 zum Beschluss des zweijährigen Lyzeums. Dazu kam als äusseres Hemmnis, dass zur gleichen Zeit, als P. Frowin die Verhandlungen für die Engelberger Schule führte, auch das Regulativ für die eidgenössischen Maturitätsprüfungen selbst in Umbildung begriffen war. So zog sich die Korrespondenz von 1906 bis 1910 hin. Und die erste Maturität vom Juli 1909 musste aufs Geratewohl abgelegt werden und wurde vom eidgenössischen Departement des Innern erst am 3. Januar 1910 anerkannt, die Autorisierung der Schule selbst aber nochmals verschoben.
Unter P. Frowin nahm die Schülerzahl stetig zu Im ersten Präfekturjahr 1899/1900 waren es 87 Schüler, im folgenden 100, dann 105, 107, 108, 110, immer das überhaupt menschenmögliche Maximum an "Raumkunst" im alten Kollegium und in den benützbaren Klosterräumen. Nun kam mit dem Herbst 1905 die Verwendung des Neubaues und ein rasches Steigen der Schülerzahl von 120 in diesem ersten Jahr auf 132, 144, 151 im ersten Maturajahr, dann wieder 150, und im Jahr der Eröffnung der Realschule 166 und mit der zweiten Realklasse des Jahres 11/12 172, auf welcher Zahl die Frequenz nun blieb. Damit hatte aber P. Frowin dem Drängen der Bewerber entsprechend und vom Bestreben geleitet, möglichst vielen die Internatsschulung zu ermöglichen, nicht bloss das eigentlich auf 140 Plätze berechnete neue Kollegium voll besetzt, sondern wieder jeden verfügbaren Winkel ausgenützt und über kurz oder lang einer neuen baulichen Erweiterung gerufen, die dann in der Erstellung des Lyzeums ihre Verwirklichung fand. P. Frowin war ein unzweideutiger Vertreter von überlieferten Erziehungsmethoden. Autorität und Gehrosam waren ihm wichtige Erziehungsmittel.
Mit dem Ausbau der Schule zur Maturitätsanstalt und der baulichen Erweiterung des Kollegiums auf den doppelten Raum nahm der Leiter der Schule den Namen Rektor an. Ihm zur Seite stand nun ein ebenfalls im Kolleg wohnender Präfekt. Allein, seiner Neigung und vorwiegenden Begabung folgend, blieb P. Frowin auch unter dem neuen Namen vor allen Dingen der erzieherische und ökonomische Leiter des Internates, wie er es bereits ein Jahrzehnt als Präfekt gewesen war. Mit den Jahren stellten sich allerdings mancherlei Hemmungen seiner früheren Wirksamkeit ein, so dass, wer nur noch die letzten Jahre kannte, nicht mehr das volle Bild von der Glanzzeit des ersten Jahrzehntes bekam. Denn einmal war es auch für eine Arbeitskraft wie die P. Frowins einfach ein Ding der Unmöglichkeit, voller und unmittelbarer, mit allen täglichen Kleinigkeiten geplagter Internatsvorsteher für 170 und mehr Zöglinge und zu gleich Schulleiter einer Maturitätsschule mit all ihren wissenschaftlichen Bedürfnissen und Studienanliegen zu sein. Dazu kam aber noch, dass P. Frowin mehr und mehr auch nach aussen beachtet und damit auch beansprucht wurde. Als sich z.B. kurz vor Kriegsbeginn ein Aktionskomitee bildete für eine freie Vereinigung katholischer Mittelschullehrer, wurde P. Frowin mit dem Vorsitze betraut und nahm sich der Sache, wie es seine Art war, tatkräftig an. Während seiner Präsidentschaft wurden die ertragreichen Ferienkurse von Freiburg und Luzern abgehalten, von H. P. Veit Gadient 0MC unter Mitwirkung von H. P. Romuald Banz 0SB und H. Prof. Moser das zweibändige deutsche Lesebuch für Schweizer Gymnasien, Seminarien und Realschulen herausgegeben, und im Anschluss an den Freiburger Ferienkurs von 1914 die "Schweizerschule", als kath. pädagogische Wochenschrift der Schweiz ins Leben gerufen, der P. Frowins Hilfsbereitschaft in ihren Anfangsschwierigkeiten zugute kam.
Und begann infolge dieser Dauer- und Überbelastung seine Gesundheit zu leiden und zeitweise ganz zu versagen. P. Frowins Gesundheit war, wie er zu sagen pflegte, von Vater und Mutter an Lunge und Herz "erblich belastet". Hatten zuerst Kuraufenthalte während der Ferien noch ausgereicht, so fesselten ihn Schonungsbedürfnis und Krankheit bald auch während des Schuljahres an Zimmer und Bett oder entführten ihn gar zeitweise seinem Schaffensfeld. Leider erfüllte sich die Hoffnung auf Genesung bis Schulbeginn nicht. Ihm war es verhasst, nicht seinen Aufgaben nachkommen zu können, daher hatte er schon wiederholt um Entlassung von diesem Posten nachgesucht, dem er doch nicht mehr genügen konnte. Als seine Oberen sahen, dass seine Gesundheit nie mehr die alte Kraft erlangen werde, entsprachen sie seinen Bitten. Abt Basil Fellmann enthob ihn mit Schulschluss 1919 des Amtes und ernannte ihn zum Spiritual des Frauenklosters Wonnenstein. Gewiss war die Pflege dieses "Rosengartens Unserer Lieben Frau" leichter und in mancher Beziehung auch angenehmer als das Leben und Arbeiten mit der rauheren und wilderen Bubenschar; allein P. Frowin hätte, die alte Wirksamkeit und entsprechende Gesundheit vorausgesetzt, es anfangs wenigstens besser gefallen. Und seine wirklich unauslöschliche Liebe zeigte sich im regen Interesse an allem, was das Wohl der Schule betraf. Auch in Wonnenstein diente er seinem Konvent mit seinem praktischen Sinn auch gern in zeitlichen Sorgen, wo immer man seinen Rat undsein Urteil begehrte, so z.B. bei den Erweiterungsbauten des Klosters und beim Umbau der Kirche.
Der letzte Bericht aus Wonnenstein gibt Einblick in seine letzten Tage: "Besagte Angina brachte auch eine Anschwellung der Zunge mit sich, so dass dem lieben Kranken das Reden oft recht schwer ging und er auch nur flüssiges und weiche Speisen geniessen konnte. Der Arzt gab die Holfnung einer Wiederherstellung des Patienten noch nicht auf, wies aber doch auf die Gefahr hin, dass bei der Korpulenz des Kranken eine plötzliche Katastrophe eintreten könnte. P. Frowin war sofort bereit, die Sterbesakramente zu empfangen mit der Bemerkung: 'Die letzte Ölung ist ein wunderbares Sakrament.' Die Oberinnen sagten auch, P. Frowin habe immer ein auffallend grosses Vertrauen auf die hl. Ölung gehabt und habe immer sich grösste Mühe gegeben, dieselbe den kranken Schwestern rechtzeitig zu spenden. Als sein Beichtvater H. H. Pfarrer Beda Holenstein aus Haslen am Montag eintraf, empfing P. Frowin mit hohem Ernste das Sakrament der Busse und die hl. Ölung und war nachher sehr froh und getröstet. Herr Pfarrer Holenstein soll die Bemerkung gemacht haben, er sei recht erbaut gewesen, wie schön P. Frowin alles gemacht habe, und P. Frowin sagte: 'Jetzt kann der lb. Gott mit mir machen, was er will, ich bin zu allem bereit.' Am Dienstagmorgen spendete dann P. Martin dem Kranken die hl. Kommunion als Viaticum. Die folgenden Stunden und Tage trat keine auffallende Verschlimmerung ein. Zu allen Mahlzeiten stand P. Frowin auf und nahm sie im Lehnstuhl sitzend ein, es ging ihm so vielleicht besser. Nachher ging er wieder gern ins Bett, musste aber, wie der gute Bruder Nikolaus sagt, fast alle Viertelstunden wegen dem starken Schwitzen mutieren. Am Mittwoch war P. Ambros auf Mittag angemeldet. P. Frowin stand schon um 1/2 11 Uhr auf und machte sich allerlei Mühe, dass alles auf den Besuch schön geordnet sei, und war dann beim Mittagessen auch im Speisezimmer und das mit den Konfratres, wobei er freilich einige Male kurz einschlief. Um 2 Uhr ging er etwas zur Ruhe. Zum Kaffee und Nachtessen stand er wieder auf und nahm sie im Lehnstuhl ein. In der Nacht war der liebe Br. Nikolaus bei ihm. Vor Mitternacht nahm P. Frowin noch eine Tasse Kaffee, nachher nahm er nichts mehr ein, weil er sich gewohnt war, morgens die heilige Kommunion zu empfangen. Dem Br. Nikolaus fiel es auf, dass immer wieder kleine weisse Schäumchen sich auf dem Munde des Kranken zeigten. Gegen Morgen schien der Kranke oft eine halbe Minute das Atmen auszusetzen und dann auf einmal atmete er wieder ganz tief, erhob von Zeit zu Zeit die Arme und liess sie wieder auf die Decke fallen. Er redete nichts Verständliches mehr. Br. Nikolaus gab dem wiederholten Drängen P. Frowins nach und war ihm behilflich, in den Lehnstuhl zu sitzen, wo es dem Kranken etwas leichter war und er zugleich von allen Seiten besser bedient werden konnte. Als in früher Morgenstunde der Arzt benachrichtigt wurde, war er innerhalb zehn Minuten in Wonnenstein. Er machte dem Kranken eine Einspritzung und leitete ihm Sauerstoff ein, wodurch ihm ein ruhiges Atmen möglich gemacht wurde. Der Kranke hatte 140 Pulsschläge in der Minute. Er küsste oft das Sterbekreuzlein, das ihm in die Hand gegeben wurde und drückte es oft einige Male nach einander an die Lippen. Als er vor Schwäche das Kreuzlein nicht mehr halten konnte, drückte es Br. Nikolaus an dessen Lippen, und P. Frowin gab sich Mühe, es zu küssen. P. Martin spendete den Sterbeablass und sprach wiederholt die Absolution über den Sterbenden. Die heilige Kommunion konnte man ihm an diesem Morgen nicht mehr reichen, da er die heiligen Species nicht mehr hätte schlucken können. Um 1/2 9 Uhr hörte er ganz ruhig zu atmen auf. Der liebe Gott hat dem lieben Konfrater eine gute, gnadenreiche Sterbestunde verliehen." So starb P. Frowin am 25. Februar 1932 im Kloster Wonnenstein.
Professnummer
- Nr. 669
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 18, 1931/32, S. 28-34 und 74-78, übernommen.
Bibliographie
- Nachruf P. Frowin Durrer, in: Titlisgrüsse 18, 1931/32, S. 28-34 und 74-78.