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Lia Pale
Sopran
Julia Pallanch wird 1985 in Wels/Oberösterreich geboren und bekommt schon in früher Jugend Klavier- und Balletstunden. In der Blasmusik der Eisenbahner Musikkapelle Wels wird sie im Flötenspiel konditioniert. Ihre Leidenschaft galt jedoch ihr immer nur dem Singen. Nach der Matura im musisch orientierten Adalbert Stifter-Gymnasium in Linz zieht Julia 2004 nach Wien, wo sie ein Gesangstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst beginnt. Daneben unternimmt sie Ausflüge in die Elektropop-Szene mit einem eigenen Trio, in dem sie Keyboard spielt und singt. 2011 lernt sie in einer Pflichtvorlesung Mathias Rüegg kennen, dem sie sich mal vorerst als Suchende vorstellt. Kurz darauf verlässt sie Österreich um ein Auslandsjahr in Göteborg/Schweden zu verbringen, bleibt aber mit Rüegg in durchgehendem (Skype) Kontakt . Und da dieser gerade zwei Schubertnummern instrumental für den Big Apple Circus in New York bearbeiten soll – ähnliches hatte er bereits 1993 mit dem Vienna Art Orchestra für das Album European Songbook gemacht – entsteht die Idee, Lieder aus der Winterreise in einen anderen musikalischen Kontext zu transportieren und die Lieder ins Englische zu übersetzen.
So beginnt die Zusammenarbeit zwischen Julia Pallanch und ihrem Mentor Mathias Rüegg. Daraus entsteht das Album Gone Too Far mit elf Liedern aus der Winterreise, das 2013 bei Universal Austria erscheint, wobei die Premiere am 14. Februar im Porgy & Bess stattfindet. Aus Julia Pallanch wird Lia Pale (also die letzten drei Buchstaben des Vornamens und die ersten drei des Nachnamens), und diese singt sich sofort in die Herzen des Publikums und begeistert mit ihren vielseitigen Talenten und ihrem untrüglichen Sinn für Timing und Phrasierung auch die Fachwelt, sprich die Musiker. Noch immer in einer Phase der allgemeinen Verunsicherung beginnt sie sich, vehement für den Jazz zu interessieren und studiert alle Vorbilder von Billie Holiday über Chet Baker bis zu Miles Davis. Aber auch die klassische Musik gewinnt immer mehr an Bedeutung und mit Idolen wie Maria Callas oder Glenn Gould verbringt sie Wochen an Hören und Beobachten. Wobei ihr größter Hero Charlie Chaplin wird, den sie eingehend studiert und analysiert. Daneben interessiert sich Lia für das Steppen und Lindyhop, eine wieder aufkommende Form von Swing Dance, und übt sich in beidem.
Nach zahlreichen Auftritten im In-und Ausland beginnen Pale und Rüegg ihr zweites Programm, in dem sie Texte von Heinrich Heine und Rainer Maria Rilke übersetzen und vertonen. Unter dem Titel My Poet’s Love entsteht ein zweites Album für Universal Music Austria, dem insgesamt sechs verschiedene Trompeter, u.a. Thomas Gansch, Juraj Bartos und Newcomer Mario Rom ihre Stimme leihen, und das am 3. Februar 2015 wieder live im Porgy & Bess in Wien präsentiert wird.
Unterdessen hat sich das Programm Gone Too Far zur gesamten Winterreise mit allen vierundzwanzig Stücken erweitert und erhält mit den vielen Livekonzerten seinen Feinschliff und wird nach und nach aufgenommen. Nachdem A Winter’s Journey praktisch fertig aufgenommen ist – von den elf Liedern auf Gone Too Far wurden sechs nochmals komplett neu aufgenommen, beschliesst Lia im März 2016, den Jakobsweg von St. Jean Pied de Port bis Santiago de Compostela ganz alleine zu bestreiten und setzt sich fast sechs Wochen Wind, Wetter und Einsamkeit während des 800 km Fussmarsches aus. Zurückgekommen singt sie nochmals die meisten Takes neu ein und bringt ihre persönliche Reise damit zu Ende. Die talentierte Newcomerin hat sich in eine reife Stimme mit viel Tiefgang verwandelt, und fünf Jahre musikalische Arbeit und die damit verbundene Identitätssuche haben quasi zu einem Neuanfang geführt. Und sowohl das Klavier- wie auch das Flötenspiel haben sich entsprechend weiter entwickelt.
Im Herbst 2016 beginnen Pale/Rüegg mit der Idee eines Robert Schumann – Songbook und wählen aus seinen über dreihundert Lieder neunzehn aus, die sich besonders gut zum Bearbeiten eignen. Im Gegensatz zu den Bearbeitungen des Schubertschen Liedzyklus beschließen die zwei, auch in jedem Lied – und zwar immer anders, einen Teil des Originals einzubauen. The Schumann Songbook wurde am 3. November 2016 im Porgy & Bess uraufgeführt und im Juni 2017 eingespielt. Im Dezember 2017 erschien The Schumann Song Book auf Lotus Records. Schubert, Schumann…Brahms! So vollenden die beiden mit dem Brahms Song Book ihre Trilogie des romantischen Kunstliedes. Im November 2018 wird The Brahms Song Book erstmals live zu hören sein. Im Grunde macht das Duo Pale/rüegg einfach Jazz im besten Sinne: etwas bereits Vorhandenes nehmen und daraus etwas Anderes, Eigenes machen. Man muss die Welt nicht immer neu erfinden, aber neu interpretieren vielleicht : )…
Photo: Pawel Karnowski