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Die 800-m-Läuferin Selina Rutz-Büchel erkrankte an Corona. Trotz mildem Verlauf ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio unsicher.
In weniger als zwei Monaten finden die Olympischen Sommerspiele in Tokio statt. Auch Selina Rutz-Büchel will dorthin reisen. Die 800-m-Läuferin startete 2016 bereits in Rio de Janeiro und stellte im vergangenen Sommer mit 1:58.37 Minuten die drittschnellste Zeit des Jahres auf.
Damit war sie nach gesundheitlichen Problemen zurück in der Weltspitze. Doch nun sagt sie: «Wahrscheinlich muss ein kleines Wunder geschehen, damit ich in Tokio dabei sein kann.»
Angefangen hat es am 1. April. Rutz-Büchel machte einen Coronatest. Dieser war positiv. Die 29-jährige St.Gallerin war erkältet und hustete. «Insgesamt hatte ich jedoch einen milden Verlauf», sagt sie. Nur einen Tag habe sie sich richtig krank gefühlt. Rutz-Büchel wäre damals nicht auf die Idee gekommen, dass die Erkrankung ihre Olympiateilnahme gefährden würde. Sie war zuversichtlich, fühlte sich bald wieder fit. So reiste sie nach der zehntägigen Isolation nach Tenero ins Trainingslager.
Der Wiedereinstieg lief überraschend gut. «Deshalb habe ich vielleicht auch etwas zu viel gemacht – auch wenn ich vorsichtig war», sagt sie rückblickend. Erst verzögert, ein paar Tage später, reagierte der Körper mit starker Müdigkeit und Schwindel. «Dieser Rückschlag war am schwierigsten für mich.»
Rutz-Büchel musste zuerst herausfinden, was sie so anstrengt und woher der Schwindel kommt. Zuerst dachte sie, sie sei einfach müde. Doch dann merkte sie, dass ihr Nervensystem überfordert ist und Regeneration benötigt. Seither erlebt Rutz-Büchel ein stetes Auf und Ab. Es gab bessere Zeiten und solche, in denen ihr permanent schwindlig war.
Deshalb reduzierte sie die körperliche Betätigung Mitte Mai nochmals auf ein Minimum und erholte sich gut. Sie war in dieser Zeit meist zu Hause, hörte Podcasts. «Damals wurde mir bewusst, dass es sehr schwierig wird mit den Olympischen Spielen», sagt Rutz-Büchel. «Ich brauchte einen Moment, um das zu akzeptieren.» Geholfen haben ihr die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren.
Immer wieder kämpfte sie mit gesundheitlichen Problemen. Auch in diesem Winter hatte sie Asthmaanfälle, konnte nur eingeschränkt trainieren. «Es besteht die Gefahr, dass man sich nur über den Sport definiert und man das Gefühl hat, nur etwas wert zu sein, wenn man gut ist», sagt Rutz-Büchel. Von diesen Gedanken hat sie sich mittlerweile gelöst. Klar, sie würde gerne an die Olympischen Spiele reisen. Sie sagt: «Doch wenn es nicht geht, ändert das nichts an mir als Person.»
Sie vertraue nun darauf, dass es so kommt, wie es kommen muss. Seit kurzem geht es ihr etwas besser, auch wenn der Schwindel noch nicht ganz verschwunden ist. Sie kann einmal pro Tag joggen. Manchmal ist sie dabei schneller unterwegs, manchmal rennt sie ganz langsam. Der Körper gibt das Tempo vor. Daneben macht sie Yoga und Übungen zur Rumpfkräftigung. «Ich hoffe, ich kann mein Grundniveau halten», sagt Rutz-Büchel. Im Vordergrund steht jedoch die Gesundheit. Sie will wieder fit sein, alles machen können. Im Alltag ist sie wieder aktiver. Und doch ist es noch nicht ganz überstanden.
Wenn sie am Laptop arbeitet oder joggen geht, wird der Schwindel mehr. Pausen sind immer wieder nötig. Auch rennt sie derzeit lieber alleine als in der Gruppe, weil Sprechen eine zusätzliche Anstrengung für sie ist. «Ich versuche immer wieder, die richtige Balance zu finden», sagt Rutz-Büchel. Über mögliche Wettkämpfe macht sie sich aktuell keine Gedanken. Sie liegen noch weit in der Zukunft.
Doch ganz ausblenden kann sie die Sommerspiele in Tokio nicht. Zu gross sind sie, zu fest überstrahlen sie alles. «Eine kleine Hoffnung bleibt, dass es klappt», sagt Büchel. «Ich bin immer noch optimistisch.» Nur dabei sein reicht ihr jedoch nicht. Wenn sie nach Japan fliegt, will sie auch wieder mitlaufen können.