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Der Entscheid der US-Notenbank, die Leitzinsen zu erhöhen, wurde weit herum als Zeichen für eine Verbesserung der globalen wirtschaftlichen Bedingungen begrüsst. In der Schweiz aber werden Export-Firmen und die Nationalbank nach Ansicht von Beobachtern positive Auswirkungen noch abwarten müssen.
Die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) erhöhte die Leitzinsen in den USA am 16. Dezember um 0,25 Prozentpunkte, womit der Zinsbereich für Gelder, die Banken einander leihen, auf 0,25 bis 0,5 Prozent steigt.
Es war die erste Zinserhöhung in den USA seit 2006, und der dritte in einer Reihe von Zentralbank-Entscheiden, die sich auf den Schweizer Franken auswirken könnten.
Am 3. Dezember hatte die Europäische Zentralbank nochmals eine leichte Zinssenkung verfügt, aber darauf verzichtet, das Volumen der monatlich gekauften Anleihen von 60 Mrd. Euro zur Stützung der Wirtschaft in der Eurozone zu erhöhen. Das gab der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ausreichend Spielraum, die Zinsen in der Schweiz eine Woche später unverändert zu halten.
Die Schweizer Grossbank UBS geht davon aus, dass der Dollar als Folge des Zinsentscheids der US-Notenbank innerhalb der nächsten drei Monate Parität zum Schweizer Franken erreichen wird. Thomas Flury, Devisenspezialist bei der UBS, rechnet aber nicht damit, dass der Dollar in den nächsten 12 Monaten viel mehr als über die Parität gegenüber dem Franken hinaus zulegen wird.
Zudem rechnet die UBS nicht damit, dass der Euro gegenüber dem Franken viel an Stärke zulegen, sondern bis Ende 2016 nur von heute 1,08 auf 1,10 Franken ansteigen wird. Der Grund liegt darin, dass die Fed entschlossen zu sein scheint, sehr vorsichtig vorzugehen, um mit ihrer Geldpolitik bewusst keine Schockwellen durch die globalen Märkte zu senden.
Im Kreuzfeuer
Flury erklärt jedoch, dass der schrittweise stärker werdende Dollar die EZB überzeugen könnte, ihr Programm zur Überflutung der Märkte mit Euros abzuschwächen, eine Politik, die weitgehend dafür verantwortlich gemacht wird, dass die SNB im Januar 2015 die Durchsetzung des Euro-Mindestkurses gegenüber dem Franken aufgegeben hatte.
"Die Ankündigung der Fed könnte Druck auf die EZB auslösen, die quantitative Lockerung (quantitative easing, QE) früher als geplant zu stoppen", sagt Flury gegenüber swissinfo.ch. Flury argumentiert, dass die wirtschaftliche Erholung in den USA dazu beitragen sollte, auch Europa wieder einen gesünderen Anschein zu geben. Gleichzeitig dürften höhere Zinsen in den USA mehr Investitionen in Dollar anlocken – und damit die US-Währung stärken.
Die SNB wird auch hoffen, dass die US-Zinserhöhung nach und nach die Lücke zwischen der divergierenden Geldpolitik der USA und jener Europas schliessen wird. SNB-Präsident Thomas Jordan warnte jüngst vor Problemen, zu denen es komme, wenn Europa die Zinsen senke und Geld drucke, während die USA das Gegenteil täten.
Eine solche Divergenz stelle "kleine, offene Volkswirtschaften wie insbesondere die Schweiz vor riesige Herausforderungen, da sie typischerweise erhebliche Wechselkursschwankungen auslösen und das Wirtschaftswachstum schwächen. Die Schweizer Wirtschaft durchläuft daher eine schwierige Phase", hatte Jordan am 10. Dezember erklärt.
Nur das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verwies auf einen potenziellen Nachteil der Politik der US-Notenbank. Ökonomen der Schweizer Regierung hoffen, dass die wirtschaftliche Erholung in den USA und die Stärkung der US-Währung Investoren nicht dazu verleiten werden, Geld aus aufstrebenden Volkswirtschaften wie Brasilien oder Südafrika abzuziehen, die unter Druck stehen.
"Wichtige Schwellenländer könnten, angesichts ihrer fragilen Verfassung, infolge der Zinswende in den USA von erheblichen Turbulenzen und Kapitalabflüssen betroffen sein", schrieb das Seco am 17. Dezember. Eine solche Entwicklung könnte auch Schweizer Exportfirmen, die mit aufstrebenden Volkswirtschaften Geschäfte machen, schaden, wird im Seco befürchtet.
Gegenwind und Rückenwind
Sogar eine langsame, allmähliche Stärkung des Dollars wäre für die Schweizer Wirtschaft eine gute Nachricht, meint Yngve Abrahamsen, Ökonom bei der KOF, der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). Man könne davon ausgehen, dass "der Druck auf den Franken als sicherer Hafen etwas abnimmt, wenn der Dollar an Wert zulegt", sagt er.
In der Folge würden Schweizer Exporte ihren aktuellen, preisbedingten Wettbewerbsnachteil verlieren, und für Touristen würde die Schweiz zu einer günstigeren Destination. Bevor es soweit ist, dürfte allerdings noch eine gewisse Zeit vergehen.
Das Schweizer Unternehmen Burckhardt Compression, das einen grossen Teil seines Geschäfts in den USA macht, erklärt gegenüber swissinfo.ch, die Firma erwarte nicht, dass die Zinserhöhung in den USA grosse Auswirkungen auf die Geschäfte haben werde, vor allem weil der Schritt allgemein erwartet worden sei.
Diese Ansicht wird zu einem grossen Teil auch von Swissmem geteilt, dem Dachverband der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie. "Es ist ein erster Schritt in Richtung Normalität. Und unsere Mitglieder hoffen, dass er eine Erstarkung des Dollars gegenüber dem Schweizer Franken nach sich ziehen wird", erklärt Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann. "Aber er kann die Nachteile nicht ausgleichen, mit denen wir im europäischen Markt aufgrund der Wechselkurse konfrontiert sind."
Schweizer Geschäfte mit den USA sollten nach Ansicht von Martin Naville, Direktor der Handelskammer Schweiz-USA, weiterhin positiv verlaufen. "Die Zinserhöhung hat ein positives Gefühl verstärkt, und es ist ein gutes Zeichen, dass die US-Wirtschaft in guter Verfassung ist", sagt Naville gegenüber swisssinfo.ch.
"Man sollte auch nicht vergessen, dass die Schweizer Exporte in den letzten 20 Jahren um durchschnittlich 6,5% gestiegen sind, trotz dem jüngsten Gegenwind mit den ungünstigen Wechselkursen. Mit dem Rückenwind eines stärkeren Dollars sollten sich die Schweizer Exporte [in die USA] weiterhin positiv entwickeln", so Naville.
swissinfo.ch