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Der Amtsstatthalter von Thun bezeichnete 1834 den Zustand in der Gemeindeschule «in mehrerer Hinsicht» als «sehr traurig». Obwohl im Sommer nur die Hälfte der Hintersässenkinder zur Schule ging, waren die Klassen im Bällizschulhaus viel zu gross. 1834 unterrichteten zwei Lehrer 250 Kinder. Für den Handarbeitsunterricht war zusätzlich eine Lehrerin angestellt. Geschuldet war dieser Missstand unter anderem den knappen Finanzen der jungen Einwohnergemeinde. Weil sie noch keine Steuern erheben durfte – dies sollte sich erst mit dem Gemeindegesetz von 1852 ändern –, vermochte sie das Geld für neue Schulzimmer und die Besoldung zusätzlicher Lehrer kaum aufzubringen. In den Stadtschulen dagegen gab es Klassen mit nur 15–20 Kindern. Die Zusammenlegung von Stadt- und Gemeindeschule kam für die Burger damals aber noch nicht infrage. Zwar bewilligte die Einwohnergemeinde weitere Klassen und Lehrer an ihrer Schule, so erstmals 1835, doch die Raumnot blieb bestehen.19
Schülerinnen und Schüler des Platzschulhauses nutzten den Rathausplatz als Pausenareal. Lärm und Gestank aus den Altstadtgassen und den im Erdgeschoss eingemieteten Gewerbebetrieben drangen zuweilen bis in die Schulstuben und beeinträchtigten den Unterricht. Postkarte, um 1920.
Auch im Platzschulhaus wurde es nach der Eröffnung des burgerlichen Progymnasiums 1838 zu eng. Die Burgergemeinde liess deshalb das alte Schlossbergschulhaus abreissen und an dessen Stelle 1845/46 ein neues Mädchen- schulhaus errichten. Damit wollte sie nicht nur dem Platzproblem abhelfen, sondern auch dem «Übel», dass Mädchen und Buben dasselbe Schulgebäude nutzten. Die Knabenklassen verblieben im Platzschulhaus.20
In den 1870er-Jahren beschloss der Gemeinderat den Bau eines neuen Primarschulhauses auf dem Aarefeld. Doch schon bald war das 1877 bezogene Gebäude wieder zu klein geworden. 1900 gab es an allen Primarschulen zusammen 22 Klassen mit bis zu 50 Schülerinnen und Schülern pro Klasse. 1909 zog daher ein Teil der Primarschülerinnen und -schüler in das neue Pestalozzischulhaus um. Die rege Bautätigkeit und der Zuzug von Familien waren der Grund dafür, dass nach 1950 allein auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Strättligen fünf neue Schulhäuser (Gotthelf, Obermatt, Neufeld, Talacker, Buchholz) entstanden, obwohl Strättligen zum Zeitpunkt der Eingemeindung 1920 bereits über fünf Schulhäuser in den Ortsteilen Schoren, Allmendingen und Dürrenast verfügt hatte. Zählten die Primarschulen in Strättligen 1954 noch 29 Klassen, waren es 1964 schon 49. Der obere Teil der Gemeinde Goldiwil mit dem 1844/45 erbauten Schulhaus im Melli bildete nach der Eingemein- dung 1913 eine eigene Schulgemeinde, während für die Schule in Hofstetten die Schulkommission der Stadt Thun zuständig war. 1946/47 entstand im Schulkreis Goldiwil an neuem Standort ein grösseres Schulhaus mit Turnhalle.21
Ab 1978/79 nahm die Zahl der Thuner Schülerinnen und Schüler gesamthaft ab, und Klassen mussten geschlossen werden. In den 1990er-Jahren stagnierten die Schülerzahlen. Die durchschnittliche Klassengrösse war während des 20. Jahrhunderts langsam, aber kontinuierlich gesunken und lag ab der Mitte der 1980er-Jahre bei 20 Schülerinnen und Schülern. Trotzdem wurden die Raumverhältnisse in einigen Schulhäusern 2015 wieder prekär, weil Schulkinder vermehrt die Tagesschulen besuchten.22
Das 1876/77 nach Plänen von Architekt und Baumeister Josef Merz (1836–1898) erbaute Aarefeldschulhaus, 1999. Es bot Raum für neun Primarklassen mit je 50 bis 60 Schülerinnen und Schülern. 1991 stimmten die Thunerinnen und Thuner dem Überbauungsplan Aarefeld zu, der vorsah, den Stadtkern bis zum Bahnhof zu erweitern.
Nach dem Abbruch des Schulhauses 1999 wurden an seiner Stelle der Aarefeldplatz sowie Geschäfts- und Bürobauten errichtet. Fotografie von Hans Altmann (1924–2009).