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Wie bewerten Sie die heute vorgelegten UBS-Quartalszahlen?
Rainer Skierka: Das Gesamtergebnis hat enttäuscht, es lag unter den Markterwartungen. Das ist vor allem auf das Investmentbanking zurückzuführen. Im Wealth Managment floss trotz abgeschwächtem Neugeldwachstum immerhin neues Geld und die Ertragslage war intakt. Beim Investmentbanking war das nicht der Fall.
Im Investmentbanking ist der Gewinn im Vergleich zum Vorquartal um mehr als die Hälfte eingebrochen. Was heisst das strategisch für die UBS?
Skierka: Die UBS hat angekündigt, dass sie Effizienzmassnahmen im Umfang von anderthalb bis zwei Milliarden Franken initiieren möchte über einen Zeitraum von zwei oder drei Jahren. Was das im Einzelnen beinhaltet, weiss man noch nicht. Aber man kann aufgrund der Geschäftslage vermuten, dass das schwerpunktmässig im Investmentbanking ansetzen wird.
Wäre es sinnvoll, das Investmentbanking ganz in Frage zu stellen?
Skierka: Nein, denn es macht Sinn, gewisse Teile des Investmentbankings zur Unterstützung anderer Geschäftseinheiten zu halten, namentlich des Wealth Managements. So etwa das Aktien- und das Beratungsgeschäft. Aber es gibt auch gewisse Teile, die man sicher nicht in diesem Umfang haben muss, weil dort die Produktivität stark leidet beziehungsweise gar nicht vorhanden ist, wie etwa Teile des festverzinslichen Geschäfts.
Das Geschäft in den USA ist ebenfalls keine Erfolgsgeschichte für die UBS. Dazu kommen die Steuerhinterziehungsklagen dort. Sollte die Bank überlegen, sich weniger in den Vereinigten Staaten zu engagieren?
Skierka: Man muss da differenzieren: Gegenstand der Steuerhinterziehungsdiskussion ist das sogenannte US-Offshore-Geschäft, also das Geschäft mit in den USA ansässigen Kunden ausserhalb der USA. Das hat die UBS aber bereits im Herbst 2008, spätestens 2009 eingestellt. Jetzt geht es um das US-Wealth-Management, also das US-Onshore-Geschäft mit vermögenden Privatkunden vor Ort in den USA. Und da gibt es Probleme mit der Werthaltigkeit. Ein Geschäft mit einem Aufwand-Ertrag-Verhältnis zwischen 89 und über 100 Prozent für den Aktionär zu führen, das macht nicht unbedingt Freude.
Den UBS-Mitarbeitern droht ein Stellenabbau. In welchem Rahmen könnte sich das Ihrer Einschätzung nach bewegen?
Skierka: Man hat nicht explizit von Personalabbau gesprochen, sondern von Kostenabbau und Effizienssteigerung. Und das kann sehr vielschichtig sein. Ausserdem hängt es zum Beispiel von der Fluktuationsrate ab, ob und wie viel Personal abgebaut wird. Da spielen viele Faktoren mit rein, die man als Aussenstehender bei diesem dünnen Informationsfluss nur schwer einschätzen kann.
Wie sehen Ihre Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr aus?
Skierka: Die Broker und Analysten werden die Gewinnschätzungen wohl nach unten anpassen. Aber auch das bleibt aufgrund der spärlichen Informationen zu den geplanten Kosteneinsparungen und einer Überarbeitung der mittelfristigen Finanzziele ein Stochern im Heuhaufen.
(laf)