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Sowas sieht man selten im Tennis-Sport. Schiedsrichter-Entscheide werden zwar immer wieder diskutiert, aber dass sie spielentscheidend sind, kommt kaum je vor.
Anders gestern Abend. Serena Williams wurde wegen wiederholten Regelverstössen ein Game abgezogen. Und das im Finale des US Open, in einem der wichtigsten Matches überhaupt.
Am Ende verlor die 23-fache Grandslam-Siegerin mit 2:6, 4:6 und verpasste somit den Major-Rekord. Siegerin wurde Naomi Osaka. Ob der japanische Youngster auch ohne den Game-Abzug triumphiert hätte, wird für immer unbeantwortet bleiben.
Serena Williams ist für ihr Fehlverhalten im Final vom US Open mit einer Busse von 17'000 Dollar bestraft worden. Die 36-jährige Amerikanerin hatte während der Zweisatz-Niederlage gegen die Japanerin Naomi Osaka drei Verwarnungen kassiert: für das Coaching ihres Trainers auf der Tribüne (4000 Dollar), für das Zertrümmern ihres Rackets (3000 Dollar) und für die Beleidigung von Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos (10'000 Dollar). (abu/sda)
Sicher ist: Die erst 20-Jährige spielte überragend und liess sich auch durch die hitzige Stimmung im Arthur-Ashe-Stadion nicht aus der Ruhe bringen.
Fest steht auch: Die unterlegene Serena Williams verhielt sich gegenüber der 16 Jahre jüngeren Kontrahentin stets fair und bewies bei der Siegerehrung grosse Klasse.
Dafür erhielt Williams auch nach der Partie von der WTA-Präsidentin grosses Lob.
Was sich die US-Amerikanerin aber während der Partie erlaubte, war mehr als nur streitbar.
Zunächst erhielt Williams eine Verwarnung wegen Coachings. Die Trainer dürfen im Tennis keine taktische Anweisungen geben, auch keine Handzeichen machen. Doch genau das tat ihr Coach Patrick Mouratoglou, wie wir in folgendem Video-Ausschnitt sehen können:
Der Trainer räumte später gegenüber «ESPN» denn auch ein, dass er versucht habe, Zeichen zu geben. Serena Williams habe diese aber nicht gesehen. Zudem sei das eigentlich ganz normal, er sei noch nie für das bestraft worden.
The star of the show has been once again the chair umpire. Second time in this US Open and third time for Serena in a US Open Final. Should they be allowed have an influence on the result of a match ? When do we decide that this should never happen again ?— PMo (@pmouratoglou) 8. September 2018
Fakt ist: Der Schiedsrichter hatte mit der Verwarnung recht. Dass Williams die Anweisungen nicht gesehen hat, ist aber ebenfalls sehr gut möglich.
Die 37-Jährige legte sich immer wieder mit dem Unparteiischen an und sagte diesem, dass sie nie betrügen würde. «Ich habe eine Tochter. Ich cheate nicht.» Sie verlange eine Entschuldigung.
Indiskutabel ist die zweite Verwarnung. Diese erhielt Williams, weil sie ihr Racket zertrümmerte. Die Bilder sprechen eine eindeutige Sprache:
Als der Schiedsrichter Carlos Ramos ihr darauf einen Punkt abzog, brannten bei Williams die Sicherungen durch. Sie ging erneut auf Ramos zu und schimpfte: «Du bist nicht nur ein Lügner, sondern auch noch ein Dieb.»
Der Schiedsrichter reagierte erneut, sprach die dritte Verwarnung aus und zog der Amerikanerin ein ganzes Aufschlagspiel ab. Plötzlich stand es nicht mehr 3:4 im zweiten Satz, sondern 3:5. Das Publikum und Serena Williams kochten.
Doch der Schiedsrichter handelte bei allen drei Entscheidungen gemäss dem Reglement.
Dennoch ist die Sache nicht ausgegessen. Denn Serena Williams legte an der Pressekonferenz nach. Sie beschuldigte den Schiedsrichter des Sexismus. Einem Mann hätte er nie ein Game abgezogen, wenn er ihn als «Dieb» bezeichnet hätte:
Unterstützung erhielt Serena Williams nach der Partie etwa vom ehemaligen Top-10-Spieler James Blake. Er schrieb auf Twitter, dass er bereits schlimmere Sachen gesagt habe und dafür nicht bestraft worden sei.
I will admit I have said worse and not gotten penalized. And I’ve also been given a “soft warning” by the ump where they tell you knock it off or I will have to give you a violation. He should have at least given her that courtesy. Sad to mar a well played final that way. https://t.co/xhBzFZX8Wq— James Blake (@JRBlake) 9. September 2018
Bei Williams schien sich in den letzten Wochen viel Frust angestaut zu haben, der nun rausplatzte. So wurde ihr zum Beispiel verboten, an den kommenden French Open den Catsuit zu tragen, weil sie mit diesem Outfit den Sport nicht respektiere. Auch die Verwarnung gegen Alizé Cornet, weil diese kurz ihr Shirt drehte während des Spiels, konnte Williams nicht verstehen, wie sie gestern zu Protokoll gab.
(cma)
Mit einem überzeugenden 6:2-6:3-Sieg gegen den Österreicher Dominic Thiem wahrte Roger Federer an den ATP Finals in London seine Chancen auf die Halbfinalqualifikation.
Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Trat Federer am Sonntag gegen den Japaner Kei Nishikori noch unsicher und äusserst fehlerhaft auf, ergriff er gegen Thiem sofort die Initiative, fand schnell seinen Rhythmus, schaffte früh ein Break und liess den Österreicher in der Folge nie mehr ins Spiel kommen.
Je zwei Breaks pro Satz waren klarer Ausdruck der deutlichen Überlegenheit des 37-jährigen Schweizers. Nach nur 66 Minuten nutzte er seinen zweiten Matchball und wahrte so seine Chancen auf …