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Die erste Publikation der Dadaisten erschien Ende Mai anlässlich einer Soirée. Als Sammlung künstlerischer und literarischer Beiträge dokumentiert sie die Aktivitäten in der frühen Phase des Cabaret Voltaire. Im einleitenden Text positioniert Hugo Ball das Cabaret als unabhängigen Ort jenseits von Krieg und nationalistischen Vaterländern und betont diesen offenen Charakter auch in den redaktionellen Notizen. Das Wort Dada taucht in diesem Heft erstmals in gedruckter Form auf, weshalb das Lokal als offizieller Geburtsort des Dadaismus gilt. Hugo Ball kündigt in der Einleitung eine internationale Zeitschrift mit dem Titel Dada an; Tristan Tzara und Richard Huelsenbeck legen in ihrem Dialog spielerisch erste Spuren des Dada Mythos: «Olululu Olululu Dada ist gross Dada ist schön».
Das heterogene Wesen des Cabaret Voltaire lässt sich bereits der Banderole der Publikation entnehmen: «Futurisme Cubisme Expressionisme». Auch die im Cabaret Voltaire gezeigte Ausstellung, zu der im Heft ein «Katalog» abgedruckt ist, ist den diversen neuen Strömungen verpflichtet. Verschiedene Beiträge belegen die direkten Verbindungen der Dadaisten zur Moderne in Frankreich und Italien. Zu den im Heft abgedruckten bzw. abgebildeten dadaspezifischen Inhalten gehören das dreisprachige Simultangedicht «L'amiral cherche une maison à louer» (das Schlussergebnis unisono: «L'amiral n'a rien trouvé»), Arbeiten von Otto van Rees und Hans Arp (Papierbild, Teppich) sowie Referenzen an die «Negerkunst» (Affiche pour le Chant nègre von Marcel Janco). Das Augenmerk auf die Umschlaggestaltung und die damit häufig verbundene Herausgabe von Variant- bzw. Luxusausgaben wird zu einem Merkmal der Zürcher Dada-Publikationen.
Das Cabaret bot 50 Sitzplätze an rotgedeckten Tischen, am Rande einige Bänke, die Wände waren blau gestrichen, die Decke schwarz, vermutlich erstrahlten rote und grüne Lampenschirme, die Bühne war klein, «viel zu klein, um noch für irgendwelche Langeweile Raum zu bieten» (Züricher Post) und in einer Ecke stand ein schwarzes Klavier «wie ein lauerndes Tier» (Han Coray). Das Schwarzweiss-Foto des seit 1925 verschollenen Ölgemäldes Cabaret Voltaire von Marcel Janco und spätere Repliken bleiben der einzige visuelle Beleg für die dortige Ausstattung und Ambiance.
Auflage: Cabaret Voltaire erschien in einer Auflage von 500 Exemplaren, in einer französischen und auflageschwächeren deutschen Ausgabe (in deutscher Sprache der einleitende Text von Hugo Ball), geheftet (sFr. 1.–/2.–) und kartoniert (sFr. 2.–/3.–). Die angekündigte nummerierte Sonderausgabe von 50 Exemplaren ist vermutlich nicht erschienen. Der Umschlag, entworfen von Hans Arp, besteht aus festem, weissem Papier mit rot eingefärbter Aussen¬seite und aufgezogenem Goldfolienstreifen, darauf kli¬schierte, schwarz gedruckte Zeichnung von Arp. Es existieren auch Exemplare mit Silberfolie und blau eingefärbter Aussenseite. Im Kunsthaus Zürich befindet sich die deutsche Ausgabe ohne Banderole. Provenienz: Cabaret Voltaire wurde 1968 in der Auktion «Teile der Bibliothek und Sammlung Tristan Tzara (Kornfeld und Klipstein, Dokumentations-Bibliothek III, Bern)» vom Kunsthaus Zürich erworben.
→ Marcel Slodki, Plakat zur Eröffnung der Künstlerkneipe Voltaire, Gr.Inv. 1992/39
→ Karl Schlegel, Einladungskarte zur Eröffnung der Künstler-Kneipe Voltaire, DADA V:49
→ Marcel Janco, Plakatentwurf zu Chant nègre, DADA V:47
→ Bergmann & Co., Inserate «Dada Haarwasser» und «Dada Kopfwasser», DADA V:64:1, V:64:2
→ Emmy Hennings, Brief an Reinhold Rudolf Junghanns, DADA II:27
→ Emmy Hennings, Gedichte, DADA II:1
→ Hugo Ball, Ein Krippenspiel, DADA II:5
→ Hans Richter, Kaiser Wilhelm als Befehlshaber des Todes, Z.Inv. 1977/44