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Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln sind einzigartige Naturparadiese im Südatlantik, die Lebensraum für viele Seevogel- und Meeressäugerarten sind. Die Gewässer rund um die Inseln sind aufgrund ihrer Lage in der Antarktischen Konvergenzzone sehr nährstoffreich und bieten optimale Bedingungen für Albatrosse, Pinguine, Robben und Wale. Die Regierung von Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln (GSGSSI) stellte bereits im Jahr 2012 die gesamte maritime Zone um die Inseln unter Schutz — mit 1,24 Millionen Quadratkilometer weltweit das größte Meeresschutzgebiet. Gestern, am 24. Juni 2021, kündigte die Regierung an, auch die gesamte Landmasse der Inseln als Schutzgebiet auszuweisen, um sie für zukünftige Generationen zu erhalten.
Die Regeln im Meeresschutzgebiet sind streng mit einem kompletten Verbot der Grundschleppnetzfischerei und mit großen «No-take-zones», wo sämtliche Fischereiaktivitäten verboten sind. Die Langleinen- und Krill-Fischerei sind auf vier Wintermonate beschränkt, wenn Albatrosse und die Krill-fressenden Pinguine, Robben und Wale nicht oder in sehr viel geringerer Zahl in der Region sind. Zudem ist der Transport und die Verwendung von Schweröl untersagt ebenso wie die Ausbeutung von Rohstoffen. Dieses Modell funktioniert für die Natur und für die Gesellschaft und ist ein Beispiel dafür, wie erstklassiger Schutz mit nachhaltiger Nutzung in Einklang gebracht werden kann.
Für die ökologisch ebenso wertvolle 3.800 Quadratkilometer umfassende Landmasse sollen die bestehenden Schutzmaßnahmen und das sorgfältige Management mit ähnlich strengen Regeln wie im Meeresschutzgebiet konsolidiert und gesetzlich verankert werden. Mit dem neuen Programm «Pathway to Protection» («Weg zum Schutz») wird der im Januar 2021 veröffentlichte Stewardship Framework Protect, Sustain, Inspire verwirklicht. Dieser verpflichtet dazu, ein Schutzgebiet zu schaffen, das die atemberaubenden Landschaften und die Stätten von historischer und kultureller Bedeutung einschließt und das ein natürliches Labor für die Durchführung von Forschung von globaler Bedeutung und globalem Nutzen ist.
Der Regierung der Inseln ist besonders wichtig, dass die Artenvielfalt noch besser geschützt wird bei gleichzeitiger Öffnung des Schutzgebiets für Besucher. Die Menschen sollen die Möglichkeit haben, diese erstaunlichen Lebensräume zu erleben und kollektives Wissen über die biologische Vielfalt der Inseln zu entwickeln. Ziel der Regierung ist es, ein wirklich nachhaltiges Besuchererlebnis zu schaffen während die Inseln, von David Attenborough beschrieben als «globale Rarität, ein Ökosystem in der Erholungsphase», bestmöglich erhalten werden.
«Da Südgeorgien aufgrund der an Land und im Meer durchgeführten wissenschaftlichen Arbeiten zunehmend im Rampenlicht steht, ist es wichtig, dass Gebiete, die besonderen Schutz benötigen, diesen auch erhalten. Der British Antarctic Survey freut sich darauf, eng mit der Regierung zusammenzuarbeiten, während die Phase II Gestalt annimmt, um herauszufinden, wie die lokale Wissenschaft die Politik verbessern und eine globale Wirkung haben kann.»Professor Dame Jane Francis DCMG, Direktorin des British Antarctic Survey
Nachdem vergangene menschliche Aktivitäten vor allem der Umwelt auf Südgeorgien sehr geschadet haben, soll das Territorium nun so nachhaltig verwaltet werden, dass jeder Besucher die Chance hat, die Wildheit und Wunder von Südgeorgien zu erleben. Die frühere Einführung von Ratten, Rentieren und invasiven Pflanzenarten hatten das empfindliche ökologische Gleichgewicht gestört und brachte einige Arten an den Rand des Aussterben. Die Südlichen Sandwichinseln sind dank ihrer Unzugänglichkeit nahezu unberührt und von invasiven Arten verschont geblieben. Das neue Gesetz soll ihren inhärenten Schutz noch stärken.
Bereits im September 2020 veröffentlichte die GSGSSI einen neuen obligatorischen Besucherfilm, der von dem Naturforscher Sir David Attenborough erzählt wird und der die Besucher von eindrücklichen Bildern begleitet über die Schutzmaßnahmen und ihren eigenen notwendigen Beitrag zum Schutz der Inseln informiert. Unter folgendem Link kann man das Video anschauen: https://www.gov.gs/south-georgia-a-visitors-guide/ (auf Englisch).
Das Programm «Pathway to Protection» wird in zwei Phasen umgesetzt. In Phase I wird die Regierung in Absprache mit der weltweiten Gemeinschaft von Interessenvertretern den Managementplan vorbereiten, um die Gesetzgebung für die Schutzgebiete zu entwerfen. Phase 2 sieht die Durchführung weiterer Arbeiten vor, um Gebiete in Südgeorgien zu identifizieren, die zusätzliche Forschung, Überwachung und Management innerhalb des Schutzgebiets benötigen.
«Südgeorgien liegt der IAATO seit langem am Herzen, mit seiner reichhaltigen Tierwelt, seiner atemberaubenden Landschaft und seiner reichen Geschichte. Seit Jahrzehnten arbeiten wir eng mit der Regierung von Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln zusammen, um unseren Besuchern die Möglichkeit zu geben, die Magie der Inseln sensibel und verantwortungsvoll aus erster Hand zu erleben. Wir freuen uns darauf, zu dieser nächsten aufregenden Phase des Schutzgebietsmanagements beizutragen und die Erhaltung dieses wertvollen Ortes für viele kommende Generationen zu sichern.»Amanda Lynnes, IAATO-Direktorin für Umwelt & Wissenschaftskoordination
Die Regierung hofft auf eine rege Beteiligung von Interessenvertretern, um die ehrgeizigen Ziele zum Schutz der Landflächen voranzutreiben und wird in den kommenden Monaten ein Gremium mit Vertretern aus der Tourismusindustrie, dem wissenschaftlichen Komitee, der Regierungsverwaltung und Naturschutzgruppen einrichten. Laut der Pressemitteilung der GSGSSI wird erwartet, dass vor Ende 2022 eine Konsultation zu den Managementplänen für jedes Schutzgebiet stattfinden wird, so dass es ein gemeinsames Verständnis darüber gibt, was geschützt werden soll und warum.
Julia Hager, PolarJournal