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1954/55 erlebten einige Buben von Gersau in der Schwyzer Jugendgruppe „Waldbuben“ ein paar herrliche Gruppenstunden. Mit der Idee zur Gründung von etwas Aehnlichem kamen sie zu Herrn Pfarrer Britschgi. Der schickte sie zu Herrn Pfarrhelfer Dietrich. Dieser war von der Idee begeistert, doch glaubte er, dass für Gersau eine Jungwacht, wie er sie von Moutathall her kannte, eher in Frage komme als eine Pfadi. Er bat Manuel und Beppi Camenzind, sich der Sache anzunehmen. Mäni, der zu dieser Zeit in Küssnacht in der Lehre war, setzte sich mit der dortigen Schar in Verbindung und sah den ganzen Betrieb einmal aus der Nähe an. Als am Christkönigsfest 1956 die Jungwacht Gersau offiziell gegründet wurde, übernahm er das Amt des ersten Scharleiters.
Im ersten Viertel unseres Jahrhunderts existierten in den meisten schweizerischen Ortschaften Jugendgruppen verschiedenster religiöser und politischer Prägung. Eine davon war auch die Birsfelder Knabenkongregation. Ihre Arbeit orientierte sich stark an der kath. Kirche. Aus der Knabengruppe entwickelte sich die erste schweizer JW-Schar. Die Buben wählten sich Don Bosco als Patron, nähten sich das weisse Chi-Rho (Christus) Zeichen auf ein grünes Hemd und schufen damit die Kluft, die bis Anfangs der 70er Jahre ihre Geltung behalten sollte. Der 26. Juni 1932 gilt als das eigentliche Gründungsdatum der JW. Aehnlich wie in Birsfelden existierten auch in St. Gallen (Tarzisius-Bund), Basel (Philipp Neri Bund), Schwyz (Waldbuben), Luzern (St. Paul) und anderen Orten Bubengruppen mit der gleichen Gesinnung. Noch im Gründungsjahre wurde beschlossen, alle pfarreilich organisierten Bubengruppen zu Jungwachtscharen zusammenzufassen. Unter dem Patronat des schweizerischen katholischen Jungmannschaftsverbandes (SKJV) entstand die erste Bundesleitung mit Eugen Vogt als Leiter. Bereits 1935 erscheint die erste Zeitschrift, die “JUNGWACHT”. Die JW=-Bewegung bleibt vorerst auf die Zentralschweiz, Basel und St. Gallen beschränkt. Ihr kirchliches Engagement trug den Mitgliedern bald den Uebernamen “Weihwasserfrösche” ein. Tätsächlich rekrutierten sich damals sehr viele Ministranten aus der JW. Auch grenzte man sich gegenüber den Pfadfinder gerne durch die Betonung des religiösen Aspektes ab. Keineswegs wurde aber die körperliche. Ertüchtigung, das Erlebnis in der Gruppe und das Erlernen von Morse-, Seil- und ähnlichen Techniken vernachlässigt.
Mit dem Anwachsen der Mitgliederzahl (1940 zählte man bereits über 6000 Jungwächter) entstanden die ersten Kantons- und Kreisleitungen. Die ersten Bundestreffen wurden organisiert. Die erste Wallfahrt nach Turin zu unserem Bundespatron Don Bosco fand statt. Zu dieser Zeit erschien auch erstmals das Handbuch “Der Jungwächter”, das bis 1972 die stolze Auflage von fast 100’000 Exemplaren erreichte. 1951, kurz vor der 20-Jahr Feier, entstehen die ersten Clairongarden. Im Gründungsjahr unserer Schar findet in Misox das erste Führerausbildungslager statt. Der JW-Bund zählt mittlerweilen 230 Scharen mit mehr als 11’000 Buben.
Das Sommerlager ist, soweit es das nicht früher schon war, zu einem festen Bestandteil des Jungwachtjahres geworden. An der Grundeinstellung zur Kirche hat sich zwar nichts geändert, aber die Fertigkeit in der sogenannten JWTechnik, wird nun bedeutend höher eingestuft, als das ursprünglich der Fall war. Diese Tendenz schlägt sich 1963 im Technikbuch “Kennen und Können” nieder, das weit über die JW hinaus Beachtung und Anerkennung findet.
Mitte der 60er Jahre beginnt der grosse Umbruch in der JW. Man will zwar das kirchliche Element unter allen Umständen beibehalten, findet aber, das gewisse Aeusserlichkeiten und Formulierungen von der Zeit überholt sind. Obwohl noch nicht offiziell auf gehoben, fallen das Versprechen und unsere Gesetze langsam in Vergessenheit. Die JW macht während und nach dem Konzil die Wandlungen der Kirche mit. Aber auch in pädagogischer Hinsicht tut sich Einiges. Der Führer – als Titel autoritär – wird zum Leiter, zum Berater der Gruppe. Es tauchen Schwierigkeiten auf im Zeitalter von Fernsehen, Kino und anderen Massenmedien als kirchliche Jugendgruppe noch aktuell zu sein. War das Kind früher noch auf den Ansporn der Jugendgruppe zur aktiven Freizeitgestaltung angewiesen, bieten sich ihm heute so viele Möglichkeiten an, dass es sich vor der Qual der Wahl vielfach in eine ungesunde Passivität zurückzieht. Dem Kinde eine sinnvolle, zum Mitmachen und Mitdenken anregende Freizeitgestaltung anzubieten, ist heute sicher eine der vornehmsten Aufgaben unserer Jugendorganisation. Dabei bleibt unser Ziel immer: aus dem Glauben an Jesus Christus und aus der Sendung der Kirche junge Menschen in der Welt von heute zeitgemäss und entwicklungsgerecht zu fördern.
Zum Schluss noch ein Wort des Dankes an die Leiter. Eine Organisation von 22’000 Mitgliedern wäre ohne die aufopfernde Arbeit von 3’000 Idealisten, die sich als Leiter zur Verfügung stellen, gar nicht denkbar. Mit der Entwicklung des JW-Bundes sind die Anforderungen an die Leiter in einem Masse gestiegen, dass sie vom Einzelnen trotz guter Aus- und Weiterbildungskursen ohne persönliches Engagement kaum mehr bewältigt werden können. Es ist nicht selbstverständlich, dass 17 – 25 Jährige ihre Freizeit und ihre Ferien in den Dienst der Jugend stellen. Ein Dienst, der selten richtig gewürdigt wird. Deshalb möchten wir dieses Jubiläum, das wir nun feiern, zum Anlass’ nehmen, allen Leitern aufrichtig Dankeschön zu sagen.