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(grch.) oder Folgestücke, die einzelnen Segmente gegliederter tierischer
Körper.
Ursprünglich sind sich dieselben gleich, werden aber durch Arbeitsteilung verändert (bei Gliederwürmern immer Mund-
und Aftersegmente, bisweilen auch andere) oder gruppenweise zu Folgestücken zweiter Ordnung (Somiten,
z. B. Kopf, Bruststück und Hinterleib der Insekten)
[* 2] vereinigt.
Alle irgendwie zweifelhafte Formen sind hiernach ausgeschlossen, und mit dieser Einschränkung ist die oben gegebene Erklärung
des Wortes Tier haltbar. Sie trifft auch auf den Menschen zu, den als echtes Tier zu bezeichnen erst die letzten Jahrzehnte angefangen
haben. Jedes für sich eine abgeschlossene Einheit darstellende Tier bezeichnet man als Individuum, hat aber
deren von verschiedener Ordnung. So sind bei manchen niedern Tieren, z. B. den Korallen,
[* 5] eine Anzahl von Einzeltieren (Personen
genannt) zu einem sogen. Stock (Kolonie) vereinigt, ähnlich wie an einem Baum die Zweige. Ein solcher Tierstock ist ein Individuum
höherer Ordnung. Bei jeder »Person« unterscheidet man als niedere Individuen die Organe, d. h. Körperteile, die zwar bis zu
einem gewissen Grad selbständig sind, aber bestimmte Leistungen für den Gesamtorganismus zu verrichten haben. Die Organe
finden sich in einfacher oder mehrfacher Anzahl vor (z. B. jede »Person« hat nur einen Darm,
[* 6] kann aber
viele Beine besitzen) und
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mehr
zeigen im letztern Fall eine bestimmte Anordnung, je nachdem das Tier strahlig, zweiseitig oder gegliedert ist. Im Körper der
höhern Tiere liegen nämlich die mehrfach vorhandenen Organe in der Regel so, daß man nur durch Einen Längsschnitt zwei
einander gleiche Hälften, die rechte und linke, gewinnen kann, während jeder andre Längsschnitt (also
z. B. der, welcher Bauch- und Rückenteil sondern würde) ungleiche Teile ergibt. Ein solches zweiseitiges (bilateralsymmetrisches)
Tier besitzt also nur zwei gleiche (genauer: spiegelbildlich gleiche) Teile (Gegenstücke, Antimeren); ein strahlig gebautes,
wie die meisten Quallen etc., hat dagegen einen solchen Bau, daß man durch mehrere Schnittebenen je zwei gleiche
Teile gewinnen kann, und zerfällt so in mehrere Antimeren.
Bis zu einem gewissen Grad führen die Zellen noch ein selbständiges Leben, sind jedoch, je höher ein
Tier steht, um so abhängiger von ihren Nachbarn; für den Gesamtorganismus haben sie, obwohl in andrer Weise als die Organe,
gewisse Leistungen (Funktionen) zu verrichten. Man vergleicht so in passender Weise das Tier mit einem Staat, in
welchem die einzelnen Bürger durch die Zellen dargestellt sind, während als Organe bestimmte Gruppen von Bürgern (Handwerker,
Soldaten etc.) bestimmte Funktionen auszuüben haben und ihre verschiedene Verteilung in den Städten und auf dem Land einigermaßen
die Gewebebildung veranschaulicht. Die einzelnen Organe und Funktionen beim Tier lassen sich in zwei Hauptgruppen
vereinigen: sogen. pflanzliche (vegetative) und tierische (animale);
Bei vielen niedern Tieren besteht der ganze Körper nur aus zwei Zellschichten, einer äußern, der Hautschicht (Ektoderm),
und einer innern, der Darmwandung (Entoderm). Von
letzterer wird ein zur Nahrungsaufnahme und Verdauung
dienender Hohlraum, der Magen
[* 14] oder die Darmhöhle, umschlossen, welche durch nur eine Öffnung, den Mund, mit der Außenwelt
in Verbindung zu stehen braucht. Auch bei sehr vielen höhern Tieren tritt während der Entwickelung im Ei ein Stadium auf, in
welchem der ganze Embryo nur diese einfache Form besitzt (sogen. Gastrula).
Die vegetativen Organe umfassen im weitesten Sinn die Vorgänge der Ernährung; die durch den Mund aufgenommenen Nahrungsstoffe
werden verdaut, und die durch diesen Prozeß gebildeten löslichen Stoffe werden zu einer ernährenden, den Körper durchdringenden
Flüssigkeit, welche in mehr oder minder bestimmten Bahnen zu sämtlichen Organen gelangt und an dieselben
Bestandteile abgibt, aber auch von ihnen die unbrauchbar gewordenen Zersetzungsstoffe aufnimmt und bis zu ihrer Unschädlichmachung
(s. unten) weiterführt.
Die ungelösten Nahrungsbestandteile werden durch den Mund oder meist durch eine besondere Öffnung, den After, ausgestoßen.
Gewöhnlich zerfällt dann die Verdauungshöhle, auch Darmkanal genannt, in drei Abschnitte: Vorder- oder
Munddarm (Speiseröhre), Mittel- oder Magendarm (Magen) und Hinter- oder Afterdarm (Darm im engern Sinn). Von diesen Abschnitten
gehört nur der mittlere zum Entoderm, während Vorder- und Hinterdarm Einstülpungen der Hautschicht sind und bei manchen
Tieren sich auch der äußern Haut gleich verhalten.
Unter den animalen Verrichtungen fällt zunächst am meisten die Ortsbewegung
[* 23] in die Augen. MancheProtozoen gelangen ohne besondere
Organe lediglich durch Zusammenziehung und Ausdehnung
[* 24] ihres ganzen Körpers von der Stelle, andre sind mit Wimpern, d. h. feinen,
hin und her schlagenden Härchen, besetzt und bedienen sich nur dieser als Bewegungsorgane. Wo bei den
eigentlichen Tieren Muskeln, d. h. kontraktile Gewebsteile, vorhanden sind, legen sich diese im einfachsten
Fall dicht unter die Haut und bilden mit ihr einen sogen. Hautmuskelschlauch, dessen abwechselnde Verkürzung und Verlängerung
[* 25] den Körper weiterschiebt.
Wenn ferner vom Körper ungegliederte oder gegliederte Anhänge (Gliedmaßen) ausgehen, so zweigen sich besondere Muskeln
zu diesen hin ab und befestigen sich entweder an deren Hautoder an ein inneres, dem Mesoderm angehöriges und mehr oder minder
starres Skelett.
[* 26] Der ursprünglich rings geschlossene Hautmuskelschlauch reduziert sich alsdann zuweilen so sehr, daß er
für die Bewegung kaum noch in Betracht kommt. Die Gliedmaßen selber sind zuweilen ungegliederte, meist
jedoch gegliederte, d. h. in bewegliche Abschnitte zerfallende, Anhänge des Kopfes oder Rumpfes. Je nach Bau und Thätigkeit
werden sie als Fühler (Antennen),
[* 27] Kiefer (Kauwerkzeuge), Geh- und Schwimmbeine sowie als Flügel bezeichnet und sind in den einzelnen
Tiergruppen äußerst verschieden gebaut. Es kann zwar an jedem Segment eines gegliederten Tiers auch
ein PaarGliedmaßen vorhanden sein, doch ist das bei weitem nicht immer der Fall. Als Empfindungsorgane sind
Nervensystem und
Sinneswerkzeuge anzusehen.
Ersteres ist entweder strahlig oder zweiseitig gebaut, geht aus der Hautschicht hervor, liegt jedoch meist in seinem größern
Teil tiefer im Innern des Körpers an möglichst geschützter Stelle und besteht aus einem oder mehreren
Zentralorganen (Ganglien, Nervenknoten) nebst den davon ausstrahlenden Nerven.
[* 28] Gewöhnlich unterscheidet man ein im Vorderende
des Körpers befindliches, aus mehreren Ganglien verschmolzenes sogen. Gehirn
[* 29] (wegen seiner Lage dicht über dem Schlund auch
Oberschlundganglion genannt) u. eine sich daran knüpfende Ganglienkette, die je nach ihrem
Verlauf als Bauch- oder als Rückenmark bezeichnet wird.
Als Ausgangspunkt des sich entwickelnden Organismus hat man die einfache Zelle zu betrachten; der Inhalt derselben erleidet
eine Reihe von Veränderungen, deren Endresultat die Anlage und Ausbildung des Embryonalleibes ist. Diese
Vorgänge sind durch große Mannigfaltigkeit ausgezeichnet und schließen nicht immer die Entwickelung des Individuums ab,
sondern liefern vielfach zunächst eine Larve, welche erst durch Metamorphose dem geschlechtsreifen Tier ähnlich wird.
Die entwickelungsgeschichtlichen Arbeiten der neuern Zeit haben die zuerst von Cuvier aufgestellte Lehre,
[* 32] nach der es im Tierreich mehrere Hauptzweige oder Typen gebe, gewissermaßen allgemeine »Baupläne«, nach denen die zugehörigen
Tiere modelliert zu sein scheinen, im allgemeinen bestätigt. Während aber Cuvier vier Typen (Wirbeltiere, Weichtiere, Gliedertiere,
Radiärtiere) annahm, ist die Zahl derselben jetzt auf sieben oder noch mehr erhöht (s.
Tierreich), auch hat man die Vorstellung von der Isolierung eines jeden »Bauplans« aufgegeben, da sich Verbindungsglieder und
Verknüpfungen verschiedener Typen nach mehrfachen Richtungen hin nachweisen ließen. Überhaupt ist man auf Grund der darwinistischen
Prinzipien über die Inkonstanz der Art und ihre allmähliche Abänderung zur Ansicht gekommen, daß die sämtlichen
Typen oder, wie sie jetzt richtiger heißen, Tierstämme gemeinsamen Ursprungs sind.
Wie hiernach das Tierreich als ein sich allmählich entwickelndes erscheint, so liegt auch bei
einem Überblick über die geographische Verbreitung der Tiere auf der Erde derselbe Gedanke nahe. Danach ist die heutige Verteilung
der Tiere (auch des Menschen) auf der Oberfläche unsers Planeten
[* 33] nicht von jeher dieselbe gewesen, sondern
hat sich durch das Zusammentreffen von vielen Umständen gerade so und nicht anders gestaltet. Zu berücksichtigen sind,
wenn man zu einem Verständnis derselben gelangen will, die geologischen Veränderungen (Senkungen und Hebungen von Land, so
daß Halbinseln zu Inseln werden oder Inseln mit dem Festland in Verbindung treten etc.) und die paläontologischen
Funde, um aus der frühern Verteilung die jetzige erklären zu können, und um in besonders klaren Fällen auch wohl Rückschlüsse
auf die
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