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Meyer Burger will keinen Sentis-Vertreter im Verwaltungsrat
Der Verwaltungsrat des Solarindustriezulieferers Meyer Burger bleibt gegenüber dem aktivistischen Aktionär Sentis hart: Er empfiehlt den Aktionären, die Wahl eines Sentis-Vertreters in den Verwaltungsrat abzulehnen.
Sentis hält 8 Prozent der Meyer-Burger-Aktien und ist damit der grösste Einzelaktionär. Die Gesellschaft gehört dem russischen Investor Petr Kondrashev. In den letzten Monaten hat sich der Grossaktionär mehrfach kritisch zur Strategie von Meyer Burger geäussert und auch schon den Rücktritt von Konzernchef Hans Brändle gefordert.
Nun wollen Sentis und einige weitere Aktionäre, die zusammen rund 11 Prozent des Aktienkapitals besitzen, an einer ausserordentlichen Generalversammlungnun mit Mark Kerekes einen eigenen Vertreter in den Verwaltungsrat wählen lassen. Die Generalversammlung findet Ende Oktober statt.
Meyer Burger sieht Umsetzung von neuer Strategie gefährdet
Der Meyer-Burger-Vewaltungsrat hält aber von einer Wahl Kerekes' nichts, wie er am Montag bekannt gab. Er lehnt die Zuwahl vom Kerekes ab und empfiehlt seinen Aktionären, das Gleiche zu tun. Für den Fall, dass Sentis-Kandidat Mark Kerekes an der ausserordentlichen Generalversammlung Ende Oktober dennoch gewählt würde, hat Meyer-Burger-Chef Hans Brändle sogar seinen Rücktritt angekündigt. Wenn Kerekes an der ausserordentlichen Generalversammlung im Oktober gewählt würde, dann würde dies die Umsetzung der neuen Strategie von Meyer Burger ernsthaft gefährden, hielt Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf an einer Telefonkonferenz fest.
Einerseits weil die neue Strategie stark mit Brändle verknüpft sei. Und anderseits wäre es laut Lütolf aber ohnehin ein unhaltbarer Zustand, wenn ein Vertreter einer Gruppe im Verwaltungsrat Einsitz nähme, die sich wiederholt ruf- und geschäftsschädigend für die Firma verhalten habe. Meyer Burger hat unlängst eine neue Strategie formuliert, wonach sich das Unternehmen aus dem Massengeschäft zurückziehen will und seine Technologie inskünftig nur noch exklusiven Partnern verkaufen will, um sie vor Kopien zu schützen.
Interessenskonflikte beim Sentis-Vertreter
Hauptgrund für die ablehnende Haltung zu Kerekes' Kandidatur sind - neben den gemäss Meyer Burger fehlenden Qualifikationen für den Posten - denn auch Interessenskonflikte. Als Mitglied des Gremiums bekäme Kerekes Zugang zu intimen Informationen der Gesellschaft, was zu unlösbaren Interessenskonflikten führen würde, hiess es in der Medienmitteilung von Meyer Burger. Gegenüber Medienvertretern sprach Lütolf insbesondere von derivativen Geschäften mit Meyer-Burger-Wertpapieren, die von Sentis respektive der Gesellschaft nahestehenden Personen getätigt worden seien.
Der Meyer-Burger-Verwaltungsrat verweist in der Begründung, weshalb kein Sentis-Mann in den Verwaltungsrat gewählt werden soll, im Weiteren auch auf das Aktienrecht. Mit der Zuwahl eines erklärten Interessensvertreters eines aktivistischen Aktionärs würde dieses verletzt, weil es vorsehe, dass jeder Verwaltungsrat sich allein für die Interessen des Unternehmens und nicht für Partikularinteressen einzusetzen habe.
Russischer Co-Gschäftsführer Petr Kondrashev auf der "Putin-Liste"
Zweifel gegenüber einer Zuwahl von Kerekes bestehen aber auch aus einem weiteren Grund: So gehört die Sentis-Gruppe, deren Co-Geschäftsführer Kerekes ist, dem russischen Investor Petr Kondrashev. Dieser steht gemäss Angaben von Meyer Burger auf der sogenannten Putin-Liste des US-Finanzministeriums, jener Liste von Personen also, gegen welche Sanktionen bestehen. Kerekes selbst steht laut Lütolf nicht auf der Liste, er werde jedoch dem „identifizierbaren Kandidatenkreis“ jener zugeordnet, die darauf landen könnten. (mai/sda)