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Grundsätzlich kann gesagt werden, dass historische Seilbahnen nur dann erhalten werden können, wenn der Betreiber selbst das Ziel hat, seine Anlage möglichst ihrem historischen Wert entsprechend zu erhalten und bereit ist, dafür auch einen erhöhten planerischen Aufwand sowie technisch anspruchsvollere Lösungen und unkonventionelle Betriebsbedingungen auf sich zu nehmen. Dies lässt sich exemplarisch anhand zweier konkreter Beispiele aus der Belle Epoque verdeutlichen, wo es gelungen ist die historische Bahn zu retten.
Die Giessbachbahn am Brienzersee wurde – als eine der ersten Standseilbahnen überhaupt – 1879 in Betrieb genommen. Neben dem Umbau von Ausweiche, Fahrgestellen und Wagenkasten fanden die wesentlichsten Veränderungen im Bereich des Antriebs statt: Der ursprüngliche Wasserübergewichtsantrieb wurde 1912 durch eine Zwillingsturbine in der Bergstation ersetzt. Erst 1948 wurde die Bahn elektrifiziert und halbautomatisiert. Im Rahmen der Überholung 1998/99 wurde die Antriebseinheit erneuert: Die Hauptkomponenten und die gesamte Steuerung wurden ersetzt, erhalten blieben die Antriebs- und Gegenscheiben von 1912.
Die zwanzig Jahre später in Betrieb genommene Drahtseilbahn zum Reichenbachfall in Schattenhalb wurde dank einem betriebseigenen Wasserkraftwerk von Anfang an über eine elektrische Antriebseinheit in der Bergstation betrieben. Dieser erste Antrieb wurde 1930/31 vollständig ersetzt und später automatisiert. Nach einer technischen Inspektion im Sommer 1998 wurden durch das Bundesamt für Verkehr BAV technische Anpassungen im Bereich des Brems- und Steuerungssystems verlangt. Diese Auflagen wollte man auf Betreiberseite unter grösstmöglicher Erhaltung der historischen Substanz erfüllen. Dass wirkt sich auf den täglichen Betrieb aus: Die nach wie vor in Betrieb stehenden «alten» mechanischen Komponenten erfordern einen erhöhten Arbeitsaufwand.
Bild: Thomas Hurschler