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Der Kirchturm, der aus dem Reschen-Stausee ragt, gilt als Wahrzeichen des Vinschgau. Die Geschichte hinter dem touristischen Fotomotiv ist keine idyllische: Die Region wurde von der österreichischen Monarchie an Italien abgegeben, dann kam der Faschismus und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das arg gebeutelte Tal gestaut.
Der Mailänder Marco Balzano nimmt sich dem Schicksal des Tals an und erzählt die Geschichte dieser Vernichtung und Zerstörung. Er gibt seine Stimme einer Frau, der jungen Deutschlehrerin Trina. Die Berglerin erzählt ihre Familiengeschichte (-tragödie) und die Geschichte ihres Dorfes Graun und richtet ihre dreiteilige Ich-Erzählung an ihre Tochter Marica, die sie verloren hatte, bzw. die von Verwandten "mitgenommen" wurde und ihr ganzes Leben verschwunden bleibt. Trina wird sich im Laufe ihres Lebens mehrfach entscheiden zu bleiben, kämpft für ihr Zuhause, wird aber am Ende von der grossen Baufirma Montecatini vom Land, Haus und Hof vertrieben und um ihre Existenzgrundlage beraubt.
Die Geschichte des Südtirols - so nahe an der Schweizer Grenze - ist komplex und brutal. Es wurde überrollt von politischen und ökonomischen Interessen, ohne dass die Bevölkerung etwas dagegen ausrichten konnte.
Der historische Roman ist lehrreich, spannend und dicht erzählt.
Susanne Bühler