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Die meisten der Fragen des Gastkolumnisten kann man googeln. Manche Leute wollen aber gar nicht wissen oder gar verstehen, sonst müssten sie die höchst unangenehmen Antworten zur Kenntnis nehmen und ihr Verhalten ändern. Sie stellen lieber Fragen, die schon längstens zuverlässig und nachvollziehbar beantwortet worden sind, um damit den Klimaleugnern weiteres Verdrängungsfutter zu liefern. Gleichwohl sei versucht, auf einige «Fragen» anschaulich zu antworten:
Wann ist etwas wissenschaftlich erwiesen? Hat es je wissenschaftliche Prognosen gegeben, die dann tatsächlich 1:1 eingetroffen sind? Antwort: Die Wissenschaft macht Aussagen über die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von Ereignissen. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass am 12. Dezember 2019 Vollmond ist, sehr nahe bei 1 (eins) – aber wissenschaftlich absolut sicher kann man nicht oder nie sein. Es könnte ja ein unbekanntes Ereignis eintreten, das den Mond von seiner Bahn abbringt. Die Voraussagen der Physik betreffend menschengemachter Klimaerwärmung sind nicht so sicher wie der Vollmond vom 12. 12. 19, aber doch sehr nahe bei 1, das heisst sehr, sehr wahrscheinlich. Sollen wir uns nun auf den wahrscheinlichsten Fall einstellen und weltweit die nötigen Massnahmen ergreifen oder sollen wir uns auf den äusserst unwahrscheinlichen Fall einstellen, ein Wunder, das uns aller Klimasorgen entheben würde? Wunschdenken statt Vernunft?
Ist wissenschaftliche Wahrheit eine Frage von Mehrheiten? Antwort: Wer die Grundlagen der menschengemachten Klimaerwärmung verstanden hat, braucht keine Mehrheiten, eben weil er physikalisch versteht. Aber es ist sehr erfreulich, wenn dieses Wissen ins allgemeine Bewusstsein tritt (Greta Thunberg) und wenn möglichst viele Menschen das Geschehen auch rational verstehen. Wissenschaftliche Wahrheit ist keine Frage von Mehrheiten, aber Mehrheiten widerlegen auch nicht wissenschaftliche Wahrheiten. Schliesslich wird die Erkenntnis von Galilei nicht deshalb falsch, weil jetzt alle Menschen akzeptiert haben, dass sich die Erde um die Sonne dreht.
Vorhersagen zu Wetter und Klima? Antwort: Das Klima befasst sich mit dem Grossräumigen, der Atmosphäre als Ganzem, dem globalen Geschehen, den wichtigen Einflussfaktoren, zum Beispiel auch dem Einfluss der Treibhausgase wie CO2. Die schon vor Jahrzehnten erfolgten Berechnungen werden durch die heutigen Messungen bestätigt. Das Wetter befasst sich mit den lokalen Schwankungen, die sowohl vom Klima als auch von den lokalen Gegebenheiten wie Topografie und Verdunstung abhängen. Diese in Raum und Zeit gut zu kennen ist schwierig, und jede lokale Ungenauigkeit kann deshalb schnell zu grossen Ungenauigkeiten bis zum Umkippen führen. Die Statistik aller ungenauen Wetter der Erde führt zu genauen Aussagen über das Klima.
Zum Schluss: Wer verstehen will, der kann und muss keine Scheinfragen stellen, um den Eindruck zu vermitteln, es sei noch nicht alles genügend geklärt. Jetzt heisst es Handeln, jeder Einzelne gemäss seinen Möglichkeiten, privat und in der Gesellschaft.
Markus Gasser, Freiburg
«Es ist sehr erfreulich, wenn das Wissen über das Klima in das allgemeine Bewusstsein tritt und viele Menschen das Geschehen auch rational verstehen.»