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Ein kleiner Bahnhof mittem im Westen. Drei Männer in langen Mänteln tauchen auf, bringen sich in Position und warten. Warten auf jemanden, der mit dem nächsten Zug anreisen soll. Der Zug kommt und als er die Station wieder verlässt, ertönen Töne aus einer Mundharmonika. Ein einzelner Mann steht den Dreien gegenüber und nach kurzem Geplänkel liegen diese tot am Boden. "Harmonica" (Charles Bronson) hingegen macht sich mit den Pferden seiner Gegner auf. Er hat noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen.
Der Farmer McBain (Frank Wolff) bereitet seinen Hof auf die Ankunft seiner künftigen Frau vor. Die Kinder decken den Tisch, damit Jill (Claudia Cardinale) einen guten Eindruck ihrer neuen Familie bekommt. Da plötzlich fallen Schüsse. Erst die Tochter, dann der Vater und die beiden Söhne. Der kaltblütige Killer Frank (Henry Fonda) hat zugeschlagen und will diese Tat dem Bandenchef Cheyenne (Jason Robards) in die Schuhe schieben.
Frank arbeitet für den kranken Mr. Morton (Gabriele Ferzetti), der mit seinen Plänen, eine Eisenbahnlinie durch den Westen zu ziehen, vor dem ganz grossen Geld steht. Um diesen Plan allerdings verwirklichen zu können, muss das Land der McBains in seine Hände fallen. Das jetzt dort aber die schöne Witwe einzieht, passt den beiden Halunken gar nicht. So wird Frank erneut auf den Hof geschickt, um dieses Problem zu lösen.
Inzwischen hat Jill die Bekanntschaft von Cheyenne und "Harmonica" gemacht. Die beiden unterschiedlichen Männer treffen immer wieder aufeinander und merken bald, dass sie zwar das gleiche Ziel haben, aber dies aus verschiedenen Gründen. Denn während Cheyenne der Witwe schöne Augen macht und ihr hilft, den Traum ihres verstorbenen Mannes zu verwirklichen, hat "Harmonica" den Killer Frank im Auge. Diese beiden Männer verbindet eine Geschichte, die den Fremden dazu antreibt, nicht eher zu ruhen, bis er seine Vergeltung gefunden hat.
Sergio Leone hatte seine Western (unter anderem The Good the Bad and the Ugly) gedreht und wollte das Genre abschliessen. Keine Filme mehr mit staubigen Helden, flitzenden Kugeln und Sonnenuntergängen. Trotzdem liess er sich nochmals für einen einzigen Film erweichen und machte sich auf, den ultimativen Westernklassiker zu drehen. Anfangs hatte er sogar geplant, Clint Eastwood, Eli Wallach und Lee Van Cleef in Once upon a time in the West einzusetzen. In der Startsequenz wären sie die drei Cowboys gewesen, die auf den Mundharmonikaspieler gewartet hätten. Da aber Clint Eastwood unabkömmlich war, fiel diese Variante ins Wasser.
Once upon a time in the West ist wohl der bekannteste Westernfilm in der Geschichte des Genres. Sergio Leone hat mit der Geschichte um einen Mundharmonikaspieler und dessen Rache ein Epos verfilmt, das man so kaum mehr wieder zu Gesicht bekam. Unterstützt von der herrlichen Musik des Ennio Morricone werden einzelne Szenen zu göttlichen Momenten und sobald die bekannte Harmonika-Melodie erklingt, stellts einem automatisch die Nackenhaare hoch.
"I saw three of these dusters a short time ago, they were waiting for a train. Inside the dusters, there were three men." - "So?" - "Inside the men, there were three bullets."
Die Darsteller wurden perfekt gewählt. Charles Bronson gibt den mysteriösen Fremden mit der Mundharmonika, der anfänglich so gar nicht in die Geschichte zu passen scheint. Er taucht überall auf, wo Not am Mann ist, aber die Absichten des Charakters bleiben lange Zeit im Dunkeln. Ein genialer Schachzug gelang den Machern mit der Besetzung von Henry Fonda. Dieser war bislang meist in Heldenrollen zu sehen und schien so überhaupt nicht in die Rolle eines kaltblütigen Killers zu passen. Man arbeitete mit dem Überraschungseffekt, der vollständig glückte, als die ganz in schwarz gekleidete Figur des Killers Frank zum ersten Mal die Leinwand betritt, eine Familie (und somit auch wehrlose Kinder) erschiesst und die Kamera dann langsam seinem Körper nach in Richtung Gesicht fährt und man die steinerne Visage des Henry Fonda zu sehen kriegt. Toll gemacht.
Claudia Cardinale, eine der berühmten italienischen Diven, wandelt sich glaubwürdigt von der Hure zur "ehrlichen" Frau und hat eine intensiv gespielte Szene mit Henry Fonda, als Killer Frank sie in ihrem Haus besucht. Jason Robards macht als Cheyenne eine zwiespältige Figur. Sein Charakter soll ein ganz Böser sein (er wird immer wieder verhaftet), wandelt sich allerdings während der Filmdauer ebenfalls zu einem besseren Mann, der sich schlussendlich sogar für den Traum eines Anderen einsetzt.
Wer sich noch an die TV-Serie Hart aber herzlich erinnern mag, der wird den Barkeeper, der von New Orleans erzählt, auch erkennen. Das ist natürlich niemand anderes als der inzwischen leider verstorbene Lionel Stander, der in der Serie den "Diener" Max gab.
"Did you bring a horse for me?" - "Well, looks like we're shy one horse" - "You brought two too many."
Was ebenfalls auffällt, und zum Markenzeichen eines Sergio Leone geworden ist, sind die langen Szenen, in denen die Kamera hauptsächlich auf den vernarbten und ausgetrockneten Gesichtern der Protagonisten weilt. Stahlblaue Augen (Henry Fonda mit Kontaktlinsen), Grossaufnahmen und die dazu passende musikalische Untermalung. So haben viele der Figuren eigene Melodien, die dann erklingen, wenn die entsprechende Figur auftritt. Ausserdem gibt dieser Soundtrack so viele schöne und passende Songs preis, die man alle irgendwo schon gehört hat und nun überrascht feststellt, dass die tatsächlich in diesem Film gebraucht wurden. Der Gang zum nächsten CD-Shop scheint nach der Ansicht dieses Filmes unumgänglich.
Fazit: Once upon a time in the West ist einer der besten und grössten Westernfilme. Wenn nicht sogar der Ultimative. Die lange Spieldauer von fast drei Stunden lässt der Geschichte genügend Zeit zur Entwicklung, die Figuren haben Tiefe und Charakter (auch wenn es bei einigen ein bisschen dauert, bis man ihre Vorgehensweise versteht) und die Macher arbeiteten herrlich mit allen möglichen Facetten des Genres, die hervorragend zu den jeweiligen Szenen passen. Dazu gibts die wohl bekannteste Szene der Westerngeschichte, als klar wird, warum der Mundharmonikaspieler auf Rache sinnt.
Also, lasst die Rolläden runter, schnappt euch eine (grosse) Portion Popcorn, zieht das Telefon aus und schraubt die Lautstärke in die Höhe. Once upon a time in the West wird jeden in seinen Bann ziehen und für 160 Minuten nicht mehr loslassen.
Während auf der Haupt-Disc Audiokommentare von Machern , Filmhistorikern und der Crew von damals zu hören sind, bestimmen viele Fotogalerien die Ausstattung der zweiten Disc dieser wunderschön aufgemachten "Special Collectors Edition". Bilder, welche die Drehorte von damals mit Aufnahmen von Heute vergleichen. Texttafeln über Darsteller, die Geschichte hinter dem Film und eine schöne Doku über den Einfluss der Eisenbahn auf die Welt des alten, wilden Westens sind ebenfalls abrufbar. Das Herz dieser DVD sind natürlich die Dokumentationen über den Film an sich. Angereichert mit exklusiven Interviews der Stars und Macher von heute und damals unterstützen die Berichte über die verschiedenen Gewaltszenen, die Schiessereien, den Einfluss des Filmes auf kommende Geschichten und natürlich der Stil des Regisseurs. Sie alle werden mit eigenen Reportagen versehen und sind sehr interessant anzuschauen. Wer sich also für die Geschichte dieses Meisterwerks interessiert, kommt hier definitiv auf seine Kosten.
Dass dieser Film inzwischen 40 Jahre auf dem Buckel hat, sieht man dieser überarbeiteten und fürs 16:9-Format angepassten Version nicht an. Die Bilder sind glasklar und auch der Ton lässt keine Wünsche übrig. Da heisst es definitiv einfach zurücklehnen und den Film geniessen.
Dani Maurer [muri]
Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!
Fonda fragte zuerst, ob er nicht grüne Linsen tragen soll, *jedoch meinte Sergio Leone, dass er Henry Fonda genau WEGEN seinen **blauen Augen für die Rolle wollte (*sagt auf jeden Fall die Legende, **natürlich auch wegen seinem allgemeinen Good-Guy-Image).
(jetzt habe ich nämlich auch High Noon gesehen, der wird mehrmals zitiert)
Und mit lachhaften 4 Sternen bewertet.
Zitat El Chupanebrey (2008-09-08 11:47:41)
Gestern habe ich mir C'era una volta il west zum zweiten Mal angesehen und bin noch begeisterter als vorher (Geht das?).
Und wie dass das geht. Ich habe den Film mittlerweilen schon sicher über vier Mal gesehen und er gefällt mir doch tatsächlich bei jedem Mal noch besser. Einer jener Gründe halt, weshalb es für mich der beste Film aller Zeiten ist.
Zitat El Chupanebrey (2008-09-08 11:47:41)
Schade, dass es nirgendwo mehr Reprisen zu geben scheint, denn der Film würde die Rückkehr auf die Grossleinwand sowas von verdienen!