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Der Staat bezahlt, die Pharmaindustrie macht Kasse
Hohe Medikamenten-Preise werden oft mit hohen Forschungskosten begründet. Wer aber bezahlt eigentlich die Forschung?
Der Vorgang ist bekannt: Mit staatlichen Forschungsgeldern wird ein medizinischer Durchbruch erreicht, die Lizenz aber geht an einen privatwirtschaftlich betriebenen Pharmakonzern. Dieser macht das Medikament für normalverdienende Leute durch (zu) hohe Preise unerschwinglich – und verdient seinerseits Milliarden.
Der jüngste solche, noch hängige Fall betrifft, wie das US-amerikanische Magazin The Nation berichtet, einen neu entwickelten Impfstoff gegen das Zika-Virus. Wird eine schwangere Frau mit diesem Virus infiziert, kann das erwartete Kind mit Mikrozephalie, blind, gehörlos und andern Behinderungen zur Welt kommen.Obwohl noch im Versuchsstadium, ist der neue Impfstoff vielversprechend. Entwickelt wurde er im Walter-Reed-Armeeforschungsinstitut, finanziert wurde die Entwicklung vom «Department of the Army». Und nun plant die Armee, die Exklusivrechte zur Verwertung dieses möglicherweise bahnbrechenden Medikaments dem französischen Pharmakonzern Sanofi Pasteur zu übertragen – begleitet mit bis zu 173 Millionen Dollars an Mitteln des Gesundheitsministeriums. Sanofi ist ein global tätiger Pharmakonzern, sieht sich zurzeit aber auch etlichen Anschuldigungen wegen überhöhter Preise und Betrug gegenüber. Falls das neue Medikament sich als wirksam erweist, kann der Sanofi-Konzern dafür in den Vereinigten Staaten und in vielen andern Ländern praktisch verlangen, was er will. Letztlich könnte der Impfstoff so ausgerechnet für die verwundbarsten Bevölkerungsschichten unerschwinglich werden, ebenso wie für jene Staaten, die am knappsten bei Kasse sind. Die vor dem Senat liegende Revision der Krankenkassengesetzgebung verschärft die Aussicht: Die Vorlage würde die Bundesmittel an die Medicaid-Krankenkasse für die Minderbemittelten drastisch kürzen und die Bundesstaaten vor die Wahl stellen, Leistungen abzubauen oder die Lücke durch Steuererhöhungen aufzufangen.