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Roboter stammen aus Geschichten
Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Roboter denken? Vielleicht eine menschenartige Maschine wie der glänzende C-3PO aus «Star Wars» oder auch sein kleiner Freund R2-D2? Oder eher Robocop oder die Killermaschinen aus «Transformers»? Es ist kein Zufall, dass wir zuerst an Filme denken. Roboter sind in Romanen erfunden worden, das gilt sogar für das Wort selbst. Die Realität hat die Fiktion zuweilen aber erstaunlich rasch eingeholt und sogar überholt. Um die Roboter in der Realität zu verstehen, lohnt sich deshalb ein Blick in die Science Fiction.
Der knuffelige R2D2 oder auch Aufräumroboter Wall-E aus dem gleichnamigen Disney-Film lassen uns vergessen, dass die Herkunft des Begriffs «Roboter» viel düsterer ist: Erfunden hat den Begriff nämlich der tschechische Maler und Schriftsteller Josef Čapek in den 1920er-Jahren. Das Wort geht auf das tschechische Wort robota zurück – übersetzt bedeutet das «Frondienst» oder «Zwangsarbeit». In den Geschichten von Čapek waren Roboter menschenähnliche, künstliche Arbeiter, die dafür geschaffen waren, niedere Arbeiten zu übernehmen. Noch heute erinnert die geläufige Definition des Worts «Roboter» daran: Der Duden definiert Roboter als «Apparatur, die bestimmte Funktionen eines Menschen ausführen kann» und «Maschinenmensch».
Der nächste Schriftsteller, der den Roboterbegriff von heute stark geprägt hat, ist Isaac Asimov. Bis er seine Robotergeschichten geschrieben hat, waren Roboter entweder abgrundtief böse oder überirdisch gut. Isaac Asimov änderte das. Er begann, von Robotern als industriellen Produkten zu
denken, gebaut von sachlichen und nüchternen Ingenieuren. «Die Roboter waren mit
Sicherheitsschaltung konstruiert, damit sie keine Ungeheuer werden konnten, und sie waren
für ganz bestimmte Arbeiten und Aufgaben entwickelt», schreibt er selbst. Asimov erfand auch das Wort für die Wissenschaft von den Robotern: Robotik. Bevor es sie in der realen Welt gab, existierte die Robotik also bereisten den Büchern von Isaac Asimov.
Die Fiktion in Literatur und Film hat den Roboterbegriff also stark geprägt. In der Realität sind die Roboter heute aber wohl vielfältiger als alles, was sich Drehbuchautoren ausgedacht haben. Einarmige Industrieroboter gehören ebenso dazu wie die Roboter, die in einer Hotellobby die Gäste begrüssen. Das selbstfahrende Mars-Mobil ist ebenso ein Roboter wie die Killerdrohne, die in Jemen eingesetzt wird oder die Roboter-Tiere der Firma Boston Dynamics. Gemeinsam ist den Gerätschaften, dass sie einem mehr oder weniger selbsttätigen Computer einen Körper verschaffen und den Computer damit in die Lage versetzen, den Raum zu erkunden.
In der Fiktion spielen Roboter nicht nur als Arbeitskräfte und als Krieger eine grosse Rolle, sondern auch als Verführer von Menschen. Schon die allererste Geschichte in der deutschen Literatur, die von einem menschlichen Automaten handelt, ist die Geschichte einer Verführung: in «Der Sandmann» verliebt sich der Held in Olimpia, die sich als Automatin herausstellt. Eine moderne Version davon ist «Her» aus dem Jahr 2013: Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) verliebt sich in Samantha (Scarlett Johansson), ein intelligentes Computer-Betriebssystem mit einer weiblichen Stimme. Theodore stürzt in abgrundtiefe Verzweiflung, als er erfährt, dass Samantha gleichzeitig mit Tausenden anderen Menschen spricht und Hunderte andere sich ebenfalls in sie verliebt haben. Auch in «Ex Machina» (2014) verliebt sich der Protagonist Caleb Smith (Domhnall Gleeson) in ein Maschinenwesen. Anders als Olimpia ist Ava (Alicia Vikander) deutlich sichtbar als Roboter zu erkennen. Obwohl er weiss, dass sie künstlich ist, verliebt sich Caleb in sie und befreit sie aus dem Labor – und stürzt sich damit ins Verderben.
In der Realität gibt es heute zwar Sexpuppen mit Roboterstimme, sie sind aber weit von der Perfektion entfernt, welche die Roboter im Film aufweisen. Am nächsten kommt der Realität wohl «Her»: Es ist vorstellbar, dass sich der eine oder andere Mann in die Stimme von Alexa (Amazon) oder Siri (Apple) verliebt, auch wenn der Inhalt ihrer Äusserungen einen immer wieder die Haare raufen lässt.
Basel, 19. November 2021, <email-pii>
Matthias Zehnders «Leben digital» hilft Powerusern, Selbstständigen und KMUs, mit konkreten Tipps und Tricks das digitale Leben besser zu bewältigen, damit sie mehr Zeit und Energie für jene Dinge (und Menschen) aufwenden können, die ihnen lieb und wichtig sind.
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