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Mit der zunehmenden Industrialisierung erschienen in der Schweiz im 19. Jahrhundert erste Wirtschaftskarten, die Auskunft über die „Geographische Vertheilung der landwirthschaftlichen Bevölkerung und der wichtigsten Fabriketablissements“ gaben.
Abb.: Kartenlegende zur ‚Wandkarte des Cantons Zürich‘ von Heinrich Keller, Zürich, 1833
Abb.: ‚Wandkarte des Cantons Zürich‘, Blatt Südost
(Durch Anklicken wird die zoombare Karte in e-rara angezeigt)
Abb.: ‚Wandkarte des Cantons Zürich‘, Blatt Südwest
Der Zürcher Kartograf Heinrich Keller (1778 – 1862) zeichnet 1833 in einer Wandkarte des Kantons Zürich Sehenswürdigkeiten, Armenhäuser, Industriestandorte, Orte mit Produktion landwirtschaftlicher Güter und Fundstellen von Rohstoffen ein. Die Karte ist damit ein einzigartiges kartografisches Zeugnis der Wirtschaftstätigkeit im Kanton Zürich der damaligen Zeit. Die Hintergrundkarte umfasst Gewässer, Siedlungen, Verkehrswege und Höheninformationen. Die Geländeform ist mit Schraffen dargestellt. Das Konzept der Höhenlinien war 1833 noch nicht bekannt.
Aus der Karte erfährt man, dass im Girenbad von 1833 tatsächlich Bäder genommen wurden und dass die Energiequelle Wasserkraft im Zürcher Oberland zur Ansiedlung zahlreicher Spinnereien und Tuchfabriken geführt hatte. In tieferen Lagen des Kantons Zürich wurden Weinreben angebaut. Der vorzügliche Wein aber wurde nur in Meilen und an den Südhängen des Altberges bei Weiningen produziert.
Viele Begriffe aus der Kartenlegende sind heute nicht mehr bekannt, obwohl sie wichtige Wirtschaftszweige des 19. Jahrhunderts bezeichnen. An den Gewässern des ganzen Kantons siedelten sich Industrien an, die viel Wasser oder Wasserkraft benötigten. In den Cattundruckereien in Wipkingen und der Hard wurden Baumwollstoffe bedruckt und beim heutigen Dynamo in Rothfärbereien rot eingefärbt. In Fayencefabriken wurden rohe Tonwaren mit einer Glasur überzogen und bemalt und der Kupferhammer war ein Hammerwerk zur Bearbeitung von Kupfer. Nicht verraten wird an dieser Stelle, wo der beste Käse hergestellt wurde und wo die besten Kirschen wuchsen. Durch mehrfaches Anklicken können die zwei Kartenblätter jedoch im Detail betrachtet werden. Zur Einstellung des Zoomfaktors kann das Mausrädchen bei gleichzeitigem Drücken der CTRL-Taste verwendet werden.
Der einfarbige Druck in 4 Teilen ist 118 x 94 cm gross und hat die Signatur K 802156: 1-4 und kann in e-rara, der Präsentationsplattform für alte Schweizer Drucke, vergrössert angeschaut werden. Die farbigen Signaturen wurden nachträglich von Hand eingetragen und bezeichnen vermutlich Spuren der eiszeitlichen Vergletscherung. Die Karten kann ebenso wie weitere Wirtschaftskarten der Schweiz des 19. Jahrhunderts im Lesesaal der ETH-Bibliothek im Original eingesehen werden.
Weitere Quellen:
Geographische Karte der schweizerischen Gewerbsthätigkeit, Jakob Melchior Ziegler, 1857
Atlas über die Entwicklung von Industrie und Handel der Schweiz in dem Zeitraume vom Jahr 1770 bis zum Jahr 1870, Hermann Wartmann, 1873
Geographische Vertheilung der landwirthschaftlichen Bevölkerung und der wichtigsten Fabriketablissements : nach der Zählung v. 1. Dez. 1870, Caspar Karl Müller, 1871
Geographische Vertheilung der Seidenindustrie, der mechanischen Seidenzwirnereien, Windereien, Seidenwebereien, Kattundruckereien, Seiden- & Baumwollfärbereien : nach der Zählung vom 1. Dez. 1870, Caspar Karl Müller, 1871