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Historische Kälte
Der Nachweis mittelalterlicher Eiskeller wird unter Archäologen kontrovers diskutiert, da es für diese Art von Konstruktionen keine spezielle Typologie gibt. Zuweilen werden sie als Senkgruben, Müllabladeplätze, Silos oder gar Verliese bezeichnet, zumal dann, wenn keine schriftlichen Nachweise über die Existenz von Eisgrotten vorliegen.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren jedoch zahlreiche Schlösser in Europa mit speziellen Einrichtungen zur Aufbewahrung von Eis ausgestattet. Dabei handelte es sich um grosse, unterirdische Räume oder Gruben, in denen das im Winter an der Wasseroberfläche von Flüssen gesammelte Eis aufgehäuft wurde. Die Keller waren generell genau nach Norden ausgerichtet und mit Mauerwerk überdacht, das nach aussen hin mit Erdhaufen bedeckt wurde, um die Kälte im Inneren zu bewahren. In der Grube selbst isolierte man das Eis zum Boden und zur Umgebungsluft mit Stroh und Zweigen. Um die Luftzirkulation möglichst gering zu halten, wurde das Eis regelmässig mit Wasser aus Eimern übergossen, das in den Zwischenräumen gefror und somit vorhandene Öffnungen verschloss. Schmelzwasser wurde in einer Vertiefung am Boden der Grube aufgefangen, von wo aus es einfach entnommen werden konnte.
Der historische Eiskeller des Château de Vullierens wurde 2018 bei Arbeiten gefunden. Er ist vier Meter tief und drei Meter breit.