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Längenveränderungen der Gletscherzunge
Dank seiner für einen Alpengletscher mittelgrossen Länge von rund vier Kilometern ist der Steigletscher besonders interessant für die Beobachtung der Reaktion einer Zunge auf Klimaveränderungen. Der Gletscher ist gross genug, um kurzfristige Temperaturschwankungen einzelner Jahre auszugleichen. Hingegen ist er auch klein genug, um auf Schwankungen im Bereich von Jahrzehnten klar zu reagieren. Die Vorstösse von 1911 bis 1923 und von 1970 bis 1989 waren Reaktionen auf eine leichte Abkühlung in den vorangegangenen Jahren. Diese beiden Vorstösse waren allerdings nur kleine Episoden innerhalb eines generellen und massiven Rückgangs seit dem Ende der Kleinen Eiszeit.
Flugbild 1982: Gut erkennbar ist die grosse Endmoräne von 1860 (Ende der Kleinen Eiszeit). Der alte Säumerweg auf den Sustenpass folgt ganz unten im Bild dieser Moräne. Bis 1912 erfolgte ein massiver Schwund der Zunge. Dann gab es einen kleinen Vorstoss, der die Endmoräne von 1920 bildete. Beim anschliessenden, weiteren Rückgang entstand der Steisee (Bildmitte). Der Rückgang dauerte an bis 1970 (ungefähre Zungenposition markiert), worauf der Gletscher wieder bis zum Steisee vorstiess. Bis 2006 bildete sich die Zunge wieder bis etwa zur Position von 1970 zurück.
Wiederholungsaufnahmen von der Sustenpassstrasse gegen das Zungenende, aus Richtung NE: 1981, 1983, 1987, 1991, 2003 und 2010 (von link soben nach rechts unten). Während der Vorstossphase schob die stark aufgewölbte Gletscherzunge eine kleine, aber ausgeprägte Stauchmoräne vor sich her. Von etwa 1988 bis 1994 stand ein Teil der Zunge in Kontakt mit dem Steisee. Dabei wurde die Stauchmoräne weit gehend zerstört. Anschliessend fand ein massiver Schwund statt. Beachte kleineren Bildmasstab rechts unten.
Blick von der orographisch linken Talseite auf das Zungenende des Steigletschers 1992. Im hinteren Bildteil ist gut das immer noch ziemlich steile Längsprofil der Gletscheroberfläche zu erkennen. Durch den Kontakt mit dem Seewasser, welches die Ablation verstärkt, bildete sich eine kleine Kalbungsfront aus: In den Steisee fallende Eistrümmer bildeten kleinere Eisberge.
Wiederholungsaufnahmen von der orographisch linken Talseite: 1984 bis 1987 ist die vorstossende Zunge tatzenförmig aufgewölbt. Während er Schwundphase ab 1991 wird sie immer flacher. Im Jahr 2006 war von der gleichen Position aus überhaupt kein aktiv fliessendes Gletschereis mehr zu sehen. Lediglich auf der orographisch rechten Talseite (hinten) gab es noch etwas Toteis, das durch eine mächtige Schuttbedeckung vor der Sonneneinstrahlung geschützt war.
|Fotos Jürg Alean|