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Im Januar 2021 wird eine Forschungsmission zur Bestimmung der Auswirkungen des riesigen Eisbergs A-68a auf die Insel South Georgia gestartet. Die Insel im südlichen Atlantik ist eines der wichtigsten Ökosysteme der Welt. Ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung des British Antarctic Survey (BAS) wird dafür mit dem Schiff des National Oceanography Centre (NOC) in Richtung der subantarktischen Insel aufbrechen. Dies ist aus einer Pressemitteilung des BAS zu entnehmen.
Der riesige Eisberg, der 2017 vom Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis abbrach, ist zurzeit 3.900 Quadratkilometer gross. Nachdem Satellitenbilder seinen Weg in Richtung Südgeorgien aufzeigten, stellte das Wissenschaftsteam einen Antrag an das NERC (Natural Environment Research Council) zur Finanzierung einer dringenden Mission nach Süden. Aktuelle Bilder, die das Verteidigungsministerium aus der Luft aufgenommen hat, zeigen, dass der Eisberg aufbricht. Bereits sind eine knapp 150 Quadratkilometer grosse Ecke des Kolosses abgebrochen und wird jetzt als eigener Eisberg A68d geführt. Das Team wird die Auswirkungen des Süßwassers aus dem schmelzenden Eis auf die Region des Ozeans untersuchen, die Kolonien von Pinguinen, Robben und Walen beherbergt. Diese Gewässer sind auch die Heimat einiger der am nachhaltigsten bewirtschafteten Fischereien der Welt.
Der Ozeanograph Dr. Povl Abrahamsen vom British Antarctic Survey leitet die Mission. Er sagt: „Wir haben eine einmalige Gelegenheit, den Eisberg zu besuchen. Normalerweise dauert es Jahre, die Logistik für Meeresforschungsfahrten zu planen, aber das NERC, das mit der Regierung von Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln und dem Blue Belt Programm der britischen Regierung zusammenarbeitet, erkannte die Dringlichkeit, schnell zu handeln. So können wir den Eisberg während einer bevorstehenden Expedition zur Überwachung des Ökosystems und des Klimas des Südlichen Ozeans untersuchen.“
Zu Messungen werden Tauchroboter eingesetzt
Die beiden 1,5 Meter langen Tauchroboter werden fast vier Monate damit verbringen, Messungen des Salzgehalts, der Temperatur und des Chlorophylls des Meerwassers von den gegenüberliegenden Seiten des Eisbergs zu sammeln, wobei sie über eine Satellitenverbindung von Mitarbeitern des NOC und BAS gesteuert werden. Das Team wird auch messen, wie viel Plankton sich im Wasser befindet und seine Ergebnisse mit langfristigen ozeanographischen und Tierstudien um Südgeorgien vergleichen.
Die Gewässer um Südgeorgien gelten als einer der biologisch reichsten Orte des Planeten mit mehr beschriebenen Meeresarten als die Galapagosinseln und sind eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt. Der Eisberg stellt, wenn er in der Nähe der Insel auf Grund läuft, eine Gefahr für Pinguine und Robben während der Brutzeit dar, zumindest nach Ansicht der Experten.
Der Eisberg A68a kann massive Schäden verursachen
Der Eisberg kann den Meeresboden verwüsten, indem er die Lebensgemeinschaften von Schwämmen, Schlangensternen, Würmern und Seeigeln abträgt und so die Artenvielfalt verringert. Diese Gemeinschaften tragen dazu bei, große Mengen an Kohlenstoff in ihrem Körpergewebe und dem umgebenden Sediment zu speichern. Die Zerstörung durch den Eisberg wird diesen gespeicherten Kohlenstoff wieder ins Wasser und möglicherweise in die Atmosphäre freisetzen, was eine weitere negative Auswirkung wäre.
Dazu meint der Professor Geraint Tarling, Ökologe beim BAS: „Während wir jedoch an den Auswirkungen der Ankunft von A-68a in Südgeorgien interessiert sind, sind nicht alle Auswirkungen entlang seines Weges negativ. Zum Beispiel verlieren Eisberge auf ihrer Reise durch den offenen Ozean enorme Mengen an Mineralstaub, der das Plankton um sie herum düngt und deren Wachstum fördert.“
Steve Woodward, der technische Leiter des NOC für Tauchroboter, der den Betrieb des National Marine Equipment Pool (NMEP) leiten wird, sagt: „Autonome Unterwassergleiter sind ein hervorragendes, kostengünstiges und nachhaltiges Mittel, um wichtige Meeresdaten zu sammeln und aufzuzeichnen. In diesem Fall werden wir die NMEP-Tauchroboter so programmieren, dass sie so nahe an die Kante des Eisbergs herankommen, wie wir es für sicher und praktikabel halten, und die Daten sammeln, die benötigt werden, damit das Team die Auswirkungen dessen, was mit A-68a passiert, verstehen kann.“
Dr. Mark Belchier, Direktor für Fischerei und Umwelt bei der Regierung von Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln (SGSSI), sagt: „Da vorhergesagt wird, dass solche Ereignisse immer häufiger auftreten werden, ist das Verständnis ihrer Auswirkungen auf das Ökosystem der SGSSI von entscheidender Bedeutung für die nachhaltige Bewirtschaftung des Territoriums durch die Regierung.“
Heiner Kubny, PolarJournal / British Antarctic Survey