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1997 ist die erste Deutsche Ausgabe von Sol Seins Buch "Über das Schreiben" herausgegeben worden (Amerikanische Erstausgabe 1995). Sol Stein war Jahrzehnte als Autor, Lektor und Verleger tätig.
Eigentlich bin ich überhaupt kein Fan von Büchern, welche als Ratgeber für das Schreiben dienen sollen. Alle, die trotzdem ein Buch lesen wollen, sollen es mit Sol Stein versuchen. "Über das Schreiben" ist kein oberflächliches Buch, das empfiehlt, sich in ein Café zu setzen und dort zu schreiben, wie das anscheinend all die grossen Schriftsteller in Paris getan haben.
Sol Steins Buch ist vielschichtiger, er führt uns buchstäblich vom Ersten Satz über die Ausarbeitung der Charaktere und des Spannungsbogens bis hin zum zur Titelgestaltung. Und zwar ohne Brimborium.
Allerdings hat man mit dem Lesen eines Buches noch keines geschrieben...
Ich habe früher viele Kurz-Geschichten geschrieben, manche waren nur eine Seite lang oder sogar noch kürzer. Neben der Schule hatte ich schlicht keine Kapazität frei, um nebenher eine längere Geschichte zu verfolgen, dagegen hatte ich Freude daran, an meinen kurzen Geschichten so lange zu feilen, bis kein Wort zuviel mehr dastand. Die Lesenden wurden in ein Geschehen geworfen, aus dem sie atemlos wieder auftauchen sollten.
Interessant ist es auch, sich an Schreib-Wettbewerben zu beteiligen - falls sich die Gelgenheit dazu bietet. In jungen Jahren ist es - à la Schulaufsatz - fast einfacher, über ein vorbestimmtes Thema oder zu dem vorgelegten Titel eine Geschichte zu schreiben. In der Schule ist ja die eigene Phantasie nur wenig gefragt, da werden die Kinder eher darauf getrimmt, das zu tun, was ihnen gesagt wird, auch bei Schulaufsätzen hat man sich gefälligst an eine bestimmtes Schema zu halten. Wer sich nicht daran hält, wird mit einer schlechten Note bestraft.
Also müssen wir erst wieder frei schreiben lernen. Und das braucht Zeit. Und Geduld. Man muss Abstand gewinnen zum Schreiben in der Schule. Ab jetzt sitzt da niemand, der bestimmt, ob ein vollständiger Satz mindestens aus dem Subjekt und dem Verb zu bestehen hat. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Trotzdem hat eine Sache, die man in der Schule gelernt hat, Bestand. Sie sollte sogar vertieft werden: Grammatik und Orthographie. Wer schon über diese Begriffe stöhnt, sollte sich vielleicht nach einem anderen Tätigkeitsfeld umsehen. Es gibt wohl nichts Ärgerlicheres für Lesende, als in jedem dritten Satz über Wörter mit kurioser Schreibweise zu stolpern oder durch fehlende Kommata aus dem Lesefluss zu geraten.
Der Elektriker, der sich nicht mit Elektrizität auskennt, hat ein kurzes Leben. Und Autoren, für welche Grammatik und Ortographie Fremdwörter sind, sind genauso fehl an ihrem Platz.