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Seit Jacques Cornus letztem Triumph im Sommer 1989 war die Schweizer Nationalhymne bei einer Siegerehrung an einem Motorrad-GP nicht mehr zu hören gewesen. Fast 16 Jahre später, am 15. Mai 2005 in Le Mans, änderte sich dies dank Tom Lüthis überlegenem Sieg.
Der Sieg war deshalb eine Überraschung, weil der Emmentaler Teenager 2004 eine miserable Saison hingelegt hatte und sein Elit-Rennstall im Vergleich zur Konkurrenz ein Low-Budget-Team war.
Reifen-Poker zum Sieg
Ein Erfolg mit Ankündigung war es hingegen, weil Lüthi im 4. Saison-GP zum 4. Mal von der ersten Reihe startete – in Le Mans sogar erstmals von der Pole-Position. Auf dem Traditions-Circuit war gegen den Berner kein Kraut gewachsen, ab der zweiten von 24 Runden lag er immer an der Spitze.
Lüthi erinnert sich noch erstaunlich detailliert an das Rennen: «Wir haben damals bei der Wahl des Hinterreifens gepokert und eine weichere Mischung als die anderen Fahrer gewählt.» Der Poker ging auf, weil auf abtrocknendem Asphalt der Reifenabrieb geringer ist.
Späte Freude
Bei der Siegerehrung hielt sich Lüthis Freude allerdings sichtlich in Grenzen. Der Youngster machte sogar eher einen etwas zerknirschten Eindruck. Dies, weil seine 125er-Honda auf der Ehrenrunde nach dem Rennen ohne Benzin stehen geblieben war.
Der Schweizer fürchtete deshalb um seinen Premieren-Sieg: «Im Reglement steht, dass das Motorrad zu einem bestimmten Zeitpunkt nach Ende des Rennens im sogenannten ‹Parc fermé› stehen muss. Auch muss noch eine Benzinprobe entnommen werden können. Ich hatte also Angst, dass mein Sieg nicht zählt.»
Kurz nach der Zeremonie kam dann aber die Bestätigung: Der Sieg zählte. Damit katapultierte sich Lüthi endgültig in den engeren Kreis der Anwärter auf den Titel.
«Ich fuhr damals ohne gross nachzudenken. Ich hatte ganz einfach Spass, auf dem Töff schnell zu fahren. Das hat irgendwie gut funktioniert», erinnert er sich. Knapp 6 Monate nach dem Sieg in Le Mans stand Lüthi als Weltmeister fest.