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Geschwollenes Bein
Geschwollenes Bein, tiefe Beinvenenthrombose, Lungenembolie
Geschwollenes Bein
Geschwollenes Bein, tiefe Beinvenenthrombose, Lungenembolie
Ein pötzlich angeschwollenes, schmerzhaftes und überwärmtes Bein muss schnellstmöglich untersucht werden, da es sich um eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT) handeln könnte. Eine TVT ist eine häufige und gefährliche Erkrankung, weil sie u.a. zu einer Lungenembolie (LE) führen könnte. In 50-60% derjenigen Patienten, die mit einem geschwollenen Bein notfallmässig untersucht werden und eine TVT auf Kniehöhe oder weiter oben am Oberschenkel und Becken aufweisen, besteht auch eine Lungenembolie, die längst nicht immer deutlich empfunden wird.
Was ist eine tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose? Was ist eine Lungenembolie?
Es handelt sich um eine Verstopfung der tiefen Leitvenen durch ein Blutgerinnsel. Ein Gerinnsel kann im Bereich einer Venenklappe oder Ausbuchtung einer Vene entstehen, wenn bestimmte Umstände (Risikofaktoren) eingetreten sind. Hierzu gehören verminderte Bewegung z.B. nach einer Operation, nach einem Knochen- oder Gelenkschaden der Hüfte oder der Beine, bei Bettlägerigkeit, bei chronischen entzündlichen Erkrankungen, bei gewissen Tumoren und bei angeborenen schweren Gerinnungsdefekten. Es gibt noch andere Risikofaktoren, welche die Entstehung einer TVT begünstigen können. Es muss für jeden Patienten in so einer Situation ein Risikofaktorenprofil erstellt werden.
Ist erstmal ein Gerinnsel in der Vene entstanden, wächst dieses auf der ganzen Länge der Vene nach oben und nach unten, sofern es nicht rechtzeitig entdeckt und mit Blutverdünner und Kompression behandelt wird. In der unbehandelten Phase kann sich ein Brösel des Gerinnsels lösen und mit dem Blutstrom herzwärts fliessen, wo es vom rechten Vorhof in die rechte Kammer und von dort in den Lungenkreislauf gelangen kann. Dort gibt es viele Gefässverzweigungen mit Strömungsturbulenzen, sodass der Gerinnselbrocken quasi verquirlt wird und dadurch in verschiedene kleinere und grössere Arterienäste der Lunge gelangt. Wenn die Gerinnselbrösel vom Durchmesser her nicht mehr weiterfliessen können, bleiben sie stecken und verstopfen akut (sofort, plötzlich) den betroffenen Arterienast. Das Lungengewebe dahinter kann dann nicht mehr mit Blut versorgt werden, sodass es abstirbt. Das ist eine Lungenembolie (LE). Kleinere LE sind weniger gefährlich. An grossen kann man sofort durch Kreislaufzusammenbruch und Herzstillstand sterben, und bei mittelgrossen kann man beträchtliche Kreislauf- und Atemprobleme bekommen. Deswegen muss ein Mensch mit Verdacht auf TVT und oder LE schnellstmöglich untersucht werden. Kann diese Untersuchung nicht gleichentags erfolgen, muss er bis zum Folgetag ein Blutverdünnungsmittel erhalten, bis die notwendige Untersuchung erfolgen konnte. Es handelt sich also um eine Notfallsituation die keine lange Verzögerung zulässt.
Die TVT wird nicht nur klinisch (körperliche Untersuchung) gesucht, sondern es bedarf einer Ultraschall- oder Duplexsonografieuntersuchung. Besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit seitens der Symptome und der Geschichte (Anamnese) kann auch ein D-Dimer Test im Blut durchgeführt werden. Das ist ein Wert, der eine aktivierte Gerinnung anzeigen kann. Ist dieser Wert nicht erhöht, kann eine TVT oder LE ausgeschlossen werden. Dann bedarf es dennoch einer Ultraschall-untersuchung, um die Ursache der Schwellung zu finden (Bluterguss, Zyste, Erysipel,u.a.); man hat dann aber mehr Zeit und kann das Bein, sofern kein Fieber besteht, einbinden bis zur Untersuchung. Ist der D-Dimer Wert erhöht, muss eine bildgebende Ultraschalluntersuchung umgehend erfolgen, denn es könnte sich um eine TVT handeln.
Wurde die Diagnose einer TVT gestellt, muss im Einzelfall entschieden werden, welche Therapie am besten ist. Grundsätzlich muss auf jeden Fall mit einer Blutverdünnung (Antikoagulation) begonnen werden. In Fällen einer sehr ausgedehnten TVT, die vermutlich nicht älter als 7-10 Tage ist, bei einem sonst gesunden Menschen, kann die TVT u.U. auch chirurgisch behandelt werden. Häufiger ist jedoch die sogenannte konservative Therapie, d.h. nicht invasiv mit Blutverdünnungsmittlen und Kompressionstherapie behandeln. Aehnliches gilt für die LE, wo anstelle einer Blutverdünnung in schweren Fällen eine kathetertechnische Therapie in Erwägung gezogen werden muss. Die meisten, leichten, Fälle jedoch werden auch hier mit Blutverdünner erfolgreich behandelt.
Nachdem der Patient rechtzeitig untersucht und korrekt für seine TVT mit oder ohne LE behandelt wurde, muss für den Einzelfall festgelegt werden, wie lange die Blutverdünnungstherapie fortgesetzt werden soll. Auch die Wahl des Mittels soll gut überlegt werden. Dies erfolgt in der Regel durch die erfahrene Thrombosespezialistin.
Prognose: Eine schnell entdeckte und früh korrekt behandelte TVT/LE erlaubt bei gut informiertem und begleitetem Patienten ein normales Leben mit gewissen Rücksichtsnahmen, die keine grossen Einschränkungen mit sich bringen. Ziel ist es, einen erneuten Vorfall mit einer TVT/LE zu verhindern. Der Arzt wird hier zu Ihrem unterstützenden Coach.