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«Ich weiss schon, dass fliegen nicht gut ist. Aber dieses Jahr habe ich so viel gearbeitet. Da darf ich mir doch auch mal etwas gönnen.» Solche oder ähnliche Äusserungen habe ich in letzter Zeit immer wieder gehört. Corona hat zwar gezeigt, dass eine Welt mit viel weniger Flugverkehr möglich ist. Aber die Passagierzahlen sind bereits über das Vor-Corona-Niveau gestiegen.
CO2-Zertifikate beruhigen nur das schlechte Gewissen der Passagiere, verkleinern aber nicht den CO2-Ausstoß.
(Bild von pxhere)
Leute, die sich vorgaukeln, man könne ohne schlechtes Gewissen fliegen, zahlen einen Aufpreis, um den CO2-Ausstoß zu «kompensieren». Eine Firma, die das Geld dieser Aufschläge erhält, ist die Firma Blue Carbon mit Sitz in Dubai. Diese Firma pachtet mit dem Geld riesige Flächen Regenwald im westafrikanischen Land Liberia. Dort lebt Matthew, ein Kleinbauer, Jäger und Fischer von dem, was der Wald hergibt. Aber sobald der Wald verpachtet ist, darf Matthew weder einen Baum roden noch Reis für sich anbauen, denn sonst würde der Staat Liberia von der Firma Blue Carbon kein Geld mehr erhalten.
Was ursprünglich nach dem Gedanken des Verursacherprinzips zu einem Ausgleich hätte führen sollen, zieht ein neues Übel nach sich und wird zu einer Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit: Tatsächlich zahlen nämlich nicht die Vielflieger für ihr klimaschädigendes Verhalten, sondern Matthew, dessen ökologischer Fußabdruck mit Sicherheit kleiner ist als derjenige dieser Egoisten, der aber seine Lebensgrundlage verliert.
Die Fakten zum Handel mit CO2-Zertifikaten habe ich einem NZZ-Artikel von Samuel Misteli vom 13.11.2023 entnommen.