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ab. Am Rande des diesjährigen WEF soll der mexikanische Landwirtschaftsminister Francisco Mayorga die desolate landwirtschaftliche Situation in der nördlichen Provinz Mexikos, dem Gliedstaat Chihuahua, angesprochen haben. Eine zweijährige Dürreperiode hat zu Hungersnot geführt, unter der besonders die indigene Bevölkerung zu leiden hat – wie in anderen Teilen dieser neoliberalen Welt auch. Man könnte meinen, die Finanz- und Wirtschaftsführer hätten sich Jean-Christophe Rufins «Globalia» zum Vorbild genommen.
Die Ursachen sind, laut Minister Mayorga: die Ejidos, Grundstücke, deren Eigentum und Nutzung kollektiv verfasst sind und die nach der Revolution zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Schutz der ärmeren Bevölkerung in der Verfassung verankert wurden.
Die Parallele dazu wäre bei uns die Allmend, die bei der Entstehung der Schweiz eine grosse Bedeutung hatte, und die analog bewirtschafteten Alpen. Mayorga will nun die Ejidos abschaffen und hoffte wohl, in Davos bereits Investoren und Agrarmultis für industrielle Landwirtschaft zu finden. Das hiesse, die Gebiete gewaltsam zu räumen: Nutz- und Wildtiere vertreiben? Dörfer mit Bulldozern niederwalzen? Und die Menschen? Militärisch vertreiben oder niederschiessen? Das machen dann mexikanische Soldaten? Oder wird es ein Auftrag für Blackwater, den ein Investor selber erteilen wird?
Gewaltaktionen, um grosse Flächen Landes an Investoren übergeben zu können? Im Werk von Tschingis Aitmatow gibt es zwei Bücher, die nicht gern gelesen werden, weil sie der Gegenwart an den Lebensnerv rücken und eine neue Grundlage für politisches und wirtschaftliches Handeln einfordern. Es ist das «Kassandramal» und «Der Richtplatz». «Der Richtplatz» beginnt mit einem Kapitel, in dem das gewaltsame landwirtschaftliche Vorgehen zur Erfüllung von Plansoll-Vorgaben geschildert wird und die verrohende Auswirkung auf die ausführenden Menschen. Von der Einstellung zur Pflanzen- und Tierwelt ganz zu schweigen.
Der Weltagrarbericht hat die Behauptung widerlegt, dass solche Eingriffe zusätzlich zu den jetzt bereits bestehenden Grossflächen nötig seien. Die kleinräumige Landwirtschaft ist sehr ertragreich, wenn sie um wissenschaftliches Know-how angereichert wird. Es wäre nicht nötig, dass Minister und Mitarbeiter, die sich «gut ausgebildete Ökonomen» nennen, Beispiele einseitig auslegen, nur um das niederträchtige Hardin-Papier von 1968 am Leben zu erhalten.
Man sagt, dass es gut betuchte und intelligente Persönlichkeiten seien, die sich am WEF besammeln, um Wege für die Gegenwartsprobleme zu finden. Könnten Sie, sehr geehrter Herr Professor Schwab, unter diesen Teilnehmern nicht einige Sponsoren finden, die für den Gliedstaat Chihuahua eine landwirtschaftliche Schule ermöglichen? Es könnten daselbst im Sinne von «Pro Specie Rara» (Schweiz und Deutschland) und dem «Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. – VEN» beziehungsweise der «Vielfältigen Initiative zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen – VIEH» (Deutschland) die traditionellen Pflanzenarten geschützt und ertragreich angebaut werden, und es könnten die vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen durch moderne Zucht und veterinärmässig gute Versorgung die Ernährungsgrundlage bilden wie bei uns. Das «FIBL», das «Forschungsinstitut für biologischen Landbau» der Schweiz, das immerhin bereits unzählige Länder bei Anbau- und Hungerproblemen beraten konnte, würde sicherlich auch bei diesem Projekt mitwirken und der Schweiz einiges Vertrauen zurückgewinnen. Eine solche landwirtschaftliche Schule kostet nicht viel – gemessen an dem, was zu Kriegszwecken in der heutigen Welt verschleudert wird. Ausserdem würde die Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom sicherlich im Patronatskomitee, in dem auch die Deza und die FAO und einige Mitarbeiter des Weltagrarberichtes Einsitz haben könnten, mitarbeiten. Dies wäre schon allein deshalb nötig, damit die Sponsorenseite nicht verdeckt für die Chicago-Boys arbeitet und damit den Beweis für die Niedertracht der Behauptung Hardins liefern will. Die Campesinos und die ganze indigene Bevölkerung würden ihre Würde zurückgewinnen und zu Experten in eigener Sache heranwachsen wie bei uns in der Schweiz die Biobauern auch. «Organic Food» ist auch in China bereits sehr beliebt. Es behaupte niemand, dass die Bevölkerung Mexikos nicht fähig sei, ihre eigenen Ressourcen mit den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Ökologie, dem Bioanbau zu verbinden, wenn ihnen das in einer landwirtschaftlichen Schule gezeigt und erklärt wird! Gerade die Schweiz hat darin Erfahrung. Was in Nepal gelang – warum soll es in Mexiko nicht gelingen? Man muss es nur wollen. Wäre eine solche landwirtschaftliche Schule nicht auch für das WEF eine «nachhaltige» Tat, die einen neuen Weg in die Zukunft weist?
Lisz Hirn schildert auf der folgenden Seite Mexiko als ein Land voller Leben und Bewegung – eine Bevölkerung, die nicht begriffsstutzig ist, wenn es um die eigene Gestaltung ihrer eigenen Zukunft geht. •
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