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Irak – Baghdeda (Qaraqosh): Ein Rückkehrer will sein einstiges Fastfood-Restaurant neu eröffnen
„Ich möchte wirklich wieder in meine Geburtsstadt, Bagdad (Qaraqosh) zurück,“ sagt Majid Shaba. Der Fünfundvierzigjährige betreibt ein Fastfood-Restaurant in Erbil. „Als der IS in Baghdeda einmarschierte, musste ich die Stadt verlassen – nicht aus freiem Willen. Und dabei musste ich das Fastfood-Restaurant „Chefcity“, das ich leitete, aufgeben.
Mein neues Restaurant in Erbil lief einigermassen gut, aber man kann das Leben in Erbil einfach nicht mit dem Leben in Baghdeda vergleichen. Deshalb möchte ich dorthin zurück – in die Ninive Ebene: Ich wurde dort geboren, ich möchte dort leben und sterben. Baghdeda ist meine Stadt.“
Den Boden schrubben
Majid ist seit drei Tagen in seiner Geburtsstadt, um sein Haus in Ordnung zu bringen und darin leben zu können. Heute ist auch seine Frau Asmaa Alias mit ihren jüngeren Kindern aus Erbil angekommen: Dima ist zehn, Shaban vier Jahre alt. Der vierzehjährige Sohn Yousifist ist in ihrem provisorischen Haus in Erbils christlichem Viertel Ankawa geblieben. „Ich sehne mich danach, wieder in Baghdeda zu leben“, sagt Asmaa lächelnd.
Bruder Samir Alias Polis und seine Frau Thaira Alias Karromi helfen zusammen mit ihren drei Kindern, das Haus zu reinigen. Samir arbeitet als Reinigungskraft in Erbil. Dort fand er vorübergehend Zuflucht in einer Wohnung der Kirche. „Die Milizen sind stark,“ seufzt er, während er den Boden scheuert. „Ich weiss nicht, ob wir in Sicherheit sind.“ Er teilt nicht den Enthusiasmus Majids über die Rückkehr und denkt manchmal darüber nach, ins Ausland auszuwandern.
Vor der Besetzung wurde das Gebäude für Hochzeiten genutzt
Majid hat noch immer viel Arbeit in seinem Fastfood-Restaurant „Chefcity“, in dem noch viel Unordnung herrscht. Im Nachbarhaus arbeiten Raafat Foufael und sein Onkel Badry Sloulaka hart daran, Ordnung in das Chaos zu bringen, das die Dschihadisten hinterlassen haben. Vor der Besetzung wurde das Gebäude für Veranstaltungen genutzt. Paare stiessen dort auf ihre Hochzeit an und tanzten im Saal. Raafat zeigt uns die spezielle Bank für das Brautpaar. „Glücklicherweise wurde sie verschont,“ sagt er. „Die Toiletten wurden auch nicht beschädigt, sondern sind nur mit viel Staub bedeckt. Leider wurden die Halle und die Treppe in Brand gesteckt“.
Die Klimaanlage in der Halle ist geschwärzt und an der Decke sind miserable Stahlrohre. Die Bar mit dem Wasserhahn im ersten Stock, wurde beschädigt und muss repariert werden. Raafat hat Arbeiter eingestellt, um alles schneller renovieren und reinigen zu können.
Majid ist entschlossen, die Türen seines Fastfood-Restaurants so schnell wie möglich zu öffnen. „Ich erhalte keinerlei Unterstützung bei der Renovierung von „Chefcity“. Aber das wird mich nicht davon abhalten, die Ehre meines Restaurants wiederherzustellen,“ erklärt Majid mit Bestimmtheit. „Chefcity in Baghdeda wird seine Türen wieder öffnen.“
Ein gutes Gefühl für die Zukunft
Nachdenklich fügt er hinzu: „Ich freue mich nicht darüber, dass Christen die Ninive-Ebene verlassen.“ Majid findet, man solle weder Geburtsort noch Heimat aufgeben. „Die Menschen müssen dieses Gebiet, der Sicherheit wegen, nicht verlassen – die IS gehört der Vergangenheit an. Wir haben jetzt eine eigene Armee, die uns beschützen kann – Christen. Ich habe ein gutes Gefühl für die Zukunft. Das Leben ist gut hier, ich fühle mich willkommen!“
Von 2014 bis September 2017 hat «Kirche in Not» über CHF 38 Mio. für Projekte im Irak bereitgestellt: CHF 8 Mio. für Wohnkosten, CHF 12.5 Mio. für Nahrungsmittel und andere Grundbedürfnisse für Binnenvertriebene in Erbil, sowie CHF 2 Mio. für den Wiederaufbau für Häuser und Kirchen in der Ninive-Ebene. Das Hilfswerk hat bereits dazu beigetragen 188 zu renovieren und zugesichert, noch weitere 404 Häuser in Baghdeda und 150 in Bartella zu erneuern.
Spendencode für den Irak: 319-00-00
Fotos:
1) Majid Shaba mit seiner Familie in Baghdeda, Irak (Bild: «Kirche in Not»)
2) Das zerstörte Fastfood-Restaurant „Chefcity“ in Baghdeda, Irak (Bild: «Kirche in Not»)
3) Majid Shaba mit seiner Tochter Dima beim Schruppen des Lokals (Bild: «Kirche in Not»)