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208000 Franken pro Jahr. So viel soll der Direktor des Nuithonie und Equilibre, Thierry Loup, seit der Eröffnung des Gastspielhauses im Freiburger Stadtzentrum verdienen. Diese Zahl, die die Zeitung «La Liberté» Mitte Februar veröffentlicht hat, ist seither weder von der Stiftung Equilibre-Nuithonie noch vom Gemeindeverband Coriolis Infrastruktur bestätigt worden.
Dennoch hat der Betrag, der höher wäre als das Gehalt eines kantonalen Dienstchefs, für Unmut und Fragen im Grossraum Freiburg gesorgt. Allein im Freiburger Stadtparlament stellten zwei Generalräte eine Anfrage, ein weiterer hat dazu ein Postulat eingereicht. Claude Schenker, Fraktionspräsident der CVP/Grünliberalen, verlangt vom Gemeinderat, dass er für Institutionen, die mehrheitlich mit öffentlichen Geldern wirtschaften und in denen der Gemeinderat auf die eine oder andere Weise vertreten ist, die gleiche Gehaltspolitik wie für Stellen in der Verwaltung durchsetzt. «Es ist undenkbar», so Schenker am Montagabend während der Generalratssitzung, «dass solche Institutionen eigene und undurchsichtige Regeln aufstellen.» Der Generalrat hat das Postulat mit grosser Mehrheit an den Gemeinderat überwiesen.
«Im Mittelmass»
Bereits am Montag antwortete Jean Bourgknecht (CVP) auf die Frage, welche Kriterien ein solches Gehalt rechtfertigten. Der Stiftungsrat habe 2010 die Gehaltspolitik anderer Kulturhäuser untersucht, so der Vize-Syndic. «Aus der Studie ist hervorgegangen, dass sich Thierry Loup in der Westschweiz an der oberen Lohngrenze, im Vergleich zur Deutschschweiz aber im Mittelmass befindet.»
Tatsächlich verdienen die Direktoren der Theaterhäuser in Neuenburg, La Tour-de-Trême und Morges weniger als Loup, der Genfer Theaterdirektor laut der Zeitung «Le Matin» hingegen ebenso viel (siehe Kasten). Eine Anfrage der FN beim Theater Biel Solothurn zeigt aber, dass auch hier das Gehalt von Loup als überzeichnet empfunden wird. «Ich verdiene deutlich weniger als der Freiburger Direktor», so Beat Wyrsch, ohne genaue Angaben machen zu wollen. Auch er ist für zwei Häuser und über ein Dutzend Eigenproduktionen verantwortlich. Beim Berner Stadttheater soll der Lohn des Direktors bei etwa 250000 Franken liegen.
Keine Finanzkommission
Der SVP-Generalrat Pierre Marchioni wollte zudem wissen, ob nicht eine Art Finanzkommission den Gebrauch der öffentlichen Gelder durch die Stiftung überwachen könne. «Wir haben bereits genug Einfluss in den bestehenden Gremien», sagte dazu Finanzdirektorin Madeleine Genoud-Page. Der Freiburger Gemeinderat sieht demnach keinen Grund, beim Stiftungsrat zu intervenieren: «Die Coriolis-Gemeinden haben sich nicht einzumischen.»
Zahlen und Fakten
Direktorenlöhne im Vergleich
• Equilibre-Nuithonie: drei Säle (678, 495 und 108 Plätze). Jahreslohn:208000 Fr. • Neuenburg, Théâtre du Passage: zwei Säle (520 und 150 Plätze). Jahreslohn:107770 bis 161785 Fr.
• La Tour-de-Trême, CO2: 785 Plätze. Jahreslohn:130000 Fr. (100 Prozent).
• Genf, Grand Théâtre: 1500 Plätze. Jahreslohn:rund 200000 Fr.
• Stadttheater Bern: zwei Säle (952 und 284 Plätze). Jahreslohn:250000 Fr.
• Theater Biel Solothurn: zwei Säle à 280 Plätze. Jahreslohn:keine Angaben. njb