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Médard S. Kammermann hat bei Anlegern schon viel Schaden angerichtet. Zum Beispiel 2005, als er Aktien der Schweizer Firma Nicstic verkaufte, die lange vor dem E-Zigaretten-Boom rauchlose Zigaretten auf den Markt bringen wollte. Oder 2008 mit der Greenland Springwater AG. Sie wollte aus Grönland Gletscherwasser mit einem überdurchschnittlich hohen PH-Wert exportieren.
E-Zigaretten schon vor 15 Jahren oder Gletscherwasser in Flaschen klingt nach einem innovativen Geschäft. Meistens ködern Aktienverkäufer wie Kammermann potentielle Kunden dann mit einem «geplanten IPO», einem Börsengang, bei dem Aktienkurse in die Höhe schnellen und Anleger grossartige Gewinne erzielen würden.
Vermeintliche Top-Aktien waren Rohrkrepierer
Doch Nicstic war eine Betrugsfirma. 60 Millionen Franken Anlegergelder lösten sich in Rauch auf. Auch Greenland Springwater floppte und weitere Millionen Franken versickerten im Nirgendwo. Médard Kammermann schreibt, er habe «mit der Nicstic AG nie etwas zu tun» gehabt. Dem widerspricht allerdings Kammermanns Name auf der «Kassensturz» vorliegenden Provisionsabrechnung der Aktienverkäufer. Zu Greenland Springwater äussert sich Kammermann nicht. Nicstic und Springwater sind zwei von vielen schlechten Investment-Tipps von Kammermann.
Besonders fies: Der Finanzprofi war Hobby-Prediger der Freikirche New International Church (Nic) in Biel und unterstützte die Kirche in Geldfragen. Dabei missbrauchte er das Vertrauen innerhalb der Glaubensgemeinschaft, um Kunden zu akquirieren: Mehrere Kirchgänger kauften über Kammermann Aktien und verloren jeweils Hundertausende Franken. Die Freikirche schreibt, man habe nichts von Kammermanns Geschäften gewusst und es sei niemandem gestattet, Eigenwerbung zu betreiben.
Zuger Erdölfirma involviert
Inzwischen hat sich eine Geschädigten-Gruppe aus Deutschland und der Schweiz formiert und eine Strafanzeige gegen Médard Kammermann eingereicht. Damit könnte auch die Zuger Ölförderfirma Terraoil Swiss, die in Albanien ein Ölfeld betreibt, in Schwierigkeiten geraten. Kammermann war bei Terraoil Verwaltungsrat und ist fleissig im Aktienhandel involviert.
Suspekt: Im Aktien-Verkaufsprospekt rechnet Terraoil mit Einnahmen aus Ölfeldern, die sie gar nicht besitzt. Zudem verspricht die Firma seit Jahren den IPO, der aber immer wieder verschoben wird. 2018 behauptete ein Firmenvertreter, die Firma habe einen Wert von 600 Millionen Franken. Anhand der 2020 festgelegten Aktienpreise suggeriert die Firma jetzt einen Firmenwert von 200 bis 300 Millionen Franken. Was ist Terraoil tatsächlich wert?
Massiv überschätzter Aktienwert
«Kassensturz» fragte den unabhängigen Analytiker und Investor Christian Dreyer. Dreyer kann diese Werte nicht nachvollziehen. Gemäss dem momentanen Ölpreis und den zu erwartenden Förderkosten fürs Öl seien die Aktien der Firma momentan praktisch wertlos. Dreyer kritisiert auch, dass die Terraoil-Aktien nicht an einer öffentlichen Börse gehandelt werden. Nur so könnten Anleger die Aktien jederzeit zu einem fairen Preis wieder verkaufen: «Ohne die Börsenzulassung ist diese Voraussetzung bei Terraoil nicht erfüllt.»
Quelle: SRF / Kassensturz
10.6.2020