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Mobbing reduzieren durch Sozialunterricht
Das Fördern der sozialen Verantwortung im Schulunterricht könnte Aggressionen und Mobbing unter Schulkindern reduzieren.
Zur sozialen Verantwortung gehört das Nachdenken über die Gruppe. Das bedeutet, Verantwortung für das Wohlergehen anderer zu übernehmen und Regeln für das Allgemeinwohl zu befolgen. Das Fördern der sozialen Verantwortung könnte ausschlaggebend sein, um Aggressionen und Mobbing unter Schulkindern zu reduzieren. Zu glauben, dass wir solche Verhaltensweisen komplett ausrotten können, ist unrealistisch. Doch wenn den Kindern gemeinschaftliche Werte beigebracht werden, kann das helfen, die Ausbreitung aggressiven Verhaltens zu stoppen.
Aggressive Verhaltensweisen an der Schule können physische Angriffe wie Schläge oder Schubsen sein oder auf Beziehungsebene passieren wie Gerüchte verbreiten oder andere Kinder aus der Gruppe ausschliessen. Diese Verhaltensweisen widerspiegeln Machtdynamiken, die in allen sozialen Gruppen vorkommen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, welche die Ausbreitung solcher aggressiven Verhaltensweisen stoppen und die Gruppe vor toxischem Mobbing schützen helfen.
Kinder aus Klassen mit einem eher positiven Klima hatten ein stärkeres Gefühl der sozialen Verantwortung.
Umfangreiche Forschungen zeigen, dass wenn Kinder in einem unterstützenden und strukturierten Schulumfeld explizit lernen, ihre Emotionen zu regulieren, die Verhaltensprobleme reduziert und prosoziales Verhalten unterstützt werden können. Es scheint, dass ein positives Schulumfeld die soziale Verantwortung unterstützen kann, indem den Kindern die zu verinnerlichenden Werte aufgezeigt werden. Wenn wir den Kindern beibringen, die Perspektive anderer zu berücksichtigen, und wenn wir ein vorhersehbares, sicheres und unterstützendes Umfeld fördern, können wir Kindern dabei helfen, den Wert sozialer Verantwortung zu verinnerlichen.
Zusammen mit anderen Forschenden habe ich kürzlich eine Studie über fast 2000 Kinder in 60 Schulen in Brasilien veröffentlicht. Auf die Frage zum Schulklima teilten uns die Kinder mit, was sie über die Unterstützung im Klassenzimmer, disziplinarische Strukturen (wie Regeln durchgesetzt werden) und sozio-emotionale Lernstrategien ihrer Lehrpersonen denken. Kinder aus Klassen mit einem eher positiven Klima hatten ein stärkeres Gefühl der sozialen Verantwortung. Ausserdem zeigten sozial verantwortlichere Kinder weniger aggressive Verhaltensweisen.
Viele glauben, dass eine striktere Durchsetzung der Regeln die Aggression in der Schule reduziert, doch unsere Forschung deutet in die andere Richtung. Mehr Unterstützung und emotionale Bildung fördern Eigenschaften, die es den Kindern ermöglichen, der Ausbreitung von Aggression zu widerstehen. So werden eher die Kinder befähigt und nicht die Schulleitungen, was eine nachhaltige Lösung darstellt, die nicht auf Angst baut. Wenn Lehrpersonen die Fähigkeiten zur Entwicklung von Emotionsregulation und Konfliktmanagement fördern und die Schulen ein Gefühl von Ordnung und Zusammenhalt bieten, internalisieren die Kinder soziale Verantwortung und werden dazu motiviert, auf das Wohl der Gruppe hinzuarbeiten.
Massnahmen zur Förderung der sozialen Verantwortung können Mobbing und aggressives Verhalten reduzieren.
Viele Kulturen verstehen soziale Verantwortung als Kernelement der Intelligenz. In der westlichen Welt wird diese Eigenschaft jedoch häufig übersehen. Wir müssen hohe zwischenmenschliche Anforderungen an unsere Kinder stellen, indem wir ein unterstützendes Schulumfeld und einen explizit sozio-emotionalen Unterricht bieten. Schulen werden aggressives Verhalten und Mobbing nie ganz auslöschen können. Jede Gruppe kann Machtdynamiken aufweisen, die solches Verhalten eskalieren lassen. Dennoch können Schulen Werthaltungen fördern, die mit Aggression nicht vereinbar sind. Massnahmen zur Förderung der sozialen Verantwortung können Mobbing und aggressives Verhalten reduzieren und Kinder so befähigen, für eine positive Veränderung einzustehen.
Der BOLD Blog, eine Initiative der Jacobs Foundation, hat sich zum Ziel gesetzt, einer weltweiten und breiten Leserschaft näherzubringen, wie Kinder und Jugendliche lernen. Spitzenforscherinnen wie auch Nachwuchswissenschaftler teilen ihr Expertenwissen und diskutieren mit einer wissbegierigen Leserschaft, wie sich Kinder und Jugendliche im 21. Jahrhundert entwickeln und entfalten, womit sie zu kämpfen haben, wie sie spielen und wie sie Technologien nutzen.
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