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Ist scharfes Essen gesund? Eine Studie aus China kommt zum Schluss: Menschen, die oft scharf Gewürztes speisen, leben länger. Also mehr Chili ans Essen tun?
Frische Chilis, getrocknete Chilis, Chilisosse, Chili-Öl: Nicht nur in der chinesischen Küche haben scharfe Paprikaschoten ihren festen Platz. Das sogenannte Capsaicin und andere Pflanzenstoffe sorgen dafür, dass mit Chili Gewürztes auf der Zunge brennt und den Esser schon mal in Schweiss ausbrechen lässt.
Kleinere Studien deuten darauf hin, dass Capsaicin auch länger anhaltende Effekte hat – und zwar wünschenswerte. Forscher berichten, dass es vermutlich der Entstehung von Krebs entgegenwirkt sowie dazu beiträgt, Herzkreislauf- und Verdauungssystem gesund zu halten.
Ein internationales Forscherteam ist nun der Frage nachgegangen, ob Menschen, die häufig scharf gewürztes Essen verspeisen, länger leben. Im British Medical Journal (BMJ) berichten sie, dass die Freunde der Schärfe tatsächlich ein geringeres Risiko hatten, im Verlauf der gut siebenjährigen Studie zu sterben. Ihr Risiko war um etwa 14 Prozent gesunken, schreiben Jun Lv von der Uniklinik in Peking und Kollegen. Dies machte sich auch einzeln betrachtet bei den Todesfällen durch Herzkreislauferkrankungen, Krebs und Atemwegsleiden bemerkbar.
Dass Gewürze antibakterielle Eigenschaften haben, ist auch bekannt. Die Zahl der Todesfälle durch Infektionen war in der Studie jedoch so gering, dass die Forscher keine Aussage darüber treffen können, ob dieses Risiko möglicherweise durch den Konsum von scharfem Essen beeinflusst wird.
Fast eine halbe Million Menschen, die in zehn unterschiedlichen Städten beziehungsweise ländlichen Regionen Chinas lebten, hatten für die Untersuchung unter anderem über ihre Ernährung Auskunft gegeben. 20'224 Teilnehmer starben innerhalb des Studienzeitraums. (Details zur Studie findest du in der Infobox am Ende des Textes.)
Die Mehrheit – rund 57 Prozent – ass seltener als einmal pro Woche scharfe Speisen. Rund 31 Prozent taten dies an sechs bis sieben Tagen pro Woche. Die restlichen zwölf Prozent gaben an ein- bis zweimal oder drei- bis fünfmal pro Woche scharf zu essen. Die verschiedenen Chilivarianten wurden besonders oft als Gewürz verwendet.
Der Zusammenhang zwischen scharfem Essen und Sterberisiko war bei Männern und Frauen gleichermassen ausgeprägt, berichten die Forscher. Allerdings war er bei jenen Teilnehmern deutlich schwächer, die regelmässig Alkohol tranken.
Das bedeutet nicht unbedingt, dass Capsaicin und andere scharf schmeckende Stoffe das Leben verlängern. Ebenso ist es möglich, dass die Chinesen, die scharfes Essen besonders schätzen, von Natur aus eine bessere Konstitution haben. Oder die Lebensumstände der Gruppen variieren in anderen, nicht genau untersuchten Punkten, die den Unterschied erklären. So lebten etwa die Scharf-Esser deutlich häufiger auf dem Land.
In einem begleitenden Kommentar im BMJ beschreibt die Epidemiologin Nita Forouhi von der University of Cambridge (Grossbritannien) eine mögliche andere Erklärung zu dem beobachteten Zusammenhang: Es könnte eben auch an den Trinkgewohnheiten liegen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass Menschen mit einem überdurchschnittlichen Chilikonsum auch grössere Mengen Wasser oder Tee trinken, schreibt sie. Und es gebe Hinweise darauf, dass Teekonsum die Lebensdauer beeinflussen könnte.
Jedenfalls ist es aus ihrer Sicht zu früh, um generell scharfes Essen zu empfehlen. Aber wer's mag, kann nun natürlich mit besonders gutem Gefühl bei den Penne all'arrabbiata grosszügig nachwürzen.
Zusammengefasst: Eine grosse chinesische Studie kommt zum Ergebnis, dass Menschen, die täglich oder nahezu täglich scharfe Speisen verzehren, länger leben. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich daraus nicht schlussfolgern, dass Chilis und andere Scharfmacher das Leben verlängern.