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Vierkampf
Laut den Meinungsumfragen haben alle vier Spitzenkandidaten noch Chancen, die Wahlen zu gewinnen. Sie sind in den letzten Tagen zusammengerückt; nur wenige Prozentpunkte trennen sie voneinander. Kein Meinungsforscher wagt eine Prognose.
Dies auch deshalb nicht, weil die Umfragen eine Fehlerquote von bis zu minus/plus drei Prozent beinhalten. Ferner ist die Zahl der Unentschiedenen wenige Tage vor dem ersten Wahlgang am kommenden Sonntag offenbar noch immer hoch.
Emmanuel Macron („En Marche!“) hat in den letzten Tagen Boden gutgemacht und Marine Le Pen so deutlich überholt wie noch nie. Er kommt jetzt laut der letzten Erhebung vom Fernsehsender BFMTV auf 25 Prozent der Stimmen.
Marine Le Pen („Front National“) hat erneut leicht an Zuspruch verloren. 22,0 Prozent der Französinnen und Franzosen würden jetzt laut BFMTV für sie stimmen.
François Fillon („Les Républicains“), der durch die Affäre mit der Beschäftigung seiner Frau und seiner Kinder schwer belastet war, hat sich wieder aufgerappelt. Er kommt auf 19,0 % Prozent der Stimmen.
Der einzige der vier Spitzenkandidaten, der in den letzten Tagen Stimmen verloren hat, ist der sehr links stehende Jean-Luc Mélenchon („La France insoumise“). Er fiel von 20 auf 19,0 Prozent zurück.
Benoît Hamon („Parti Socialiste“) fällt weiter zurück und wird mit 7,5 Prozent taxiert.
Die publizierten Werte sind ein vom Fernsehsender BFMTV ermittelten Mittelwert von Umfragen von zehn Instituten. Sie decken sich weitgehend mit einer am Mittwochabend veröffentlichen Umfrage des Instituts Ifop-Fiducial.
Viele Unbekannte
Seit Wochen werden in Frankreich täglich Meinungsumfragen veröffentlicht. In den letzten Tagen decken sie sich immer mehr. Dennoch stellt sich die Frage: Fallen die französischen Meinungsforscher ebenso auf die Nase wie die britischen, die amerikanischen und jene im Saarland? Französinnen und Franzosen sind bekannt dafür, Meinungsforscher an der Nase herumzuführen.
Erschwert werden Prognosen auch deshalb, weil Unklarheit über die Zahl der Unentschiedenen herrscht. Drei Wochen vor dem ersten Wahlgang am kommenden Sonntag waren laut dem Institut BVA noch ganze 38 Prozent unsicher, wem sie die Stimme geben sollen. Jetzt sollen es immer noch etwa 18 Prozent sein. Vor allem die Wähler, die eigentlich Macron oder Mélenchon zuneigen, sind am ehesten unsicher, wie sie wählen sollen.
Jean-Yves Dormagen, ein Politologe aus Montpellier, glaubt, die Meinungsforschungsinstitute sprechen gerne von „vielen“ Unentschiedenen. So könnten sie später ihre eventuell falschen Prognosen rechtfertigen.
Unklar ist auch, wie viele Französinnen und Franzosen gar nicht an der Wahl teilnehmen. Viele möchten keinen der Kandidaten als Präsidenten sehen: Marine Le Pen ist ihnen zu rechtsextrem, Jean-Luc Mélenchon zu linksextrem, Emmanuel Macron zu schwach und unfassbar und François Fillon zu unehrlich und allzu systemverankert.
(J21/hh)
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