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Meine lieben Kollegen,
Als Einwohner Gazas, als Mitarbeiter im humanitären Sektor und Mitglied der grossen Organisation, die Islamic Relief ist, möchte ich einige Neuigkeiten und meine aktuelle Gefühlslage mit euch teilen.
Den letzten Zahlen des Büros der Vereinten Nationen zur Koordinierung der humanitären Hilfe (UNOCHA) zufolg genügen die bereitgestellten Gelder gerade einmal zur Deckung von 9% des Bedarfes an Schutzunterkünften, von 3% des Bedarfes im Bereich der Abwasserentsorgung und von einem Fünftel der Gesamtbedürfnisse. Der Sprecher der UNOCHA zeigte sich angesichts der Lage im Gaza-Streifen sehr besorgt.
Schon bald werden 35000 Familien nicht mehr vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen versorgt werden, und das während paradoxerweise die Anzahl der Familien, die von dieser Hilfe abhängig sind, stetig weiter ansteigt.
Die Internationale Gemeinschaft hat es satt, Gaza immer und immer wieder neu aufbauen zu müssen, immer den Zerstörungen folgend.
Die Internationale Gemeinschaft möchte nicht mehr die Kosten einer humanitären Unterstützung für eine stetig wachsende Anzahl von bedürftigen Familien finanzieren, wo sich doch am Horizont keinerlei Lösung abzuzeichnen scheint.
Es wurde also beschlossen, die humanitären Bemühungen auf andere Katastrophengebiete der Welt zu lenken, und Gaza seinem trüben Schicksal zu überlassen.
Tatsächlich schafft es Gaza nicht mehr auf die Titelseiten der Medien und ja, es ist auch wahr, dass es zunehmend schwieriger wird, unsere humanitären Projekte in Gaza erfolgreich durchzuführen.
Weitab aller Blicke stirbt Gaza einen leisen Tod.
Die Informationen, die uns täglich von dort erreichen, zeugen von dem schrecklichen Druck, der auf den Einwohnern lastet. Es ist vor allem ein psychologischer Druck.
Was für ein Verbrechen hat die Bevölkerung Gazas verbrochen, wenn nicht nur, dort geboren zu sein, wo es nicht ratsam ist? Welches Kind kann verstehen, warum es nicht normal leben und sich frei bewegen darf?
Welcher von Krankheit geplagte Mensch kann nachvollziehen, warum gerade er keinen Zugang zu grundlegenden Gesundheitsleistungen haben soll oder nicht einmal ins Ausland reisen kann, um sich dort behandeln zu lassen?
Es ist so schwer, liebe Kollegen, Zeuge des Leids und der Erwartungen eines Volkes zu werden, ohne ihnen helfen zu können!
Es ist so schwer, den Menschen, die im Ausland leben, verständlich zu machen, wie gravierend unsere Lage ist, ohne dabei von objektiver Medienberichterstattung unterstützt zu werden.
Islamic Relief trägt in Palästina durch die durchgeführten Projekte dazu bei, das Leid zu lindern und die Lebensumstände von tausenden Menschen in Not zu verbessern.
Islamic Relief wirkt in Palästina an der Instandhaltung von noch intakter Infrastruktur mit.
Islamic Relief engagiert sich in Palästina auch im Bereich von Bildung und Sozialem, dessen Schwierigkeiten drohen, die Lage in Zukunft noch kritischer werden zu lassen, wenn sie nicht bereits heute angegangen werden.
Zuletzt beschäftigt Islamic Relief in Palästina etwa einhundert Menschen und versorgt zahlreiche Firmen hier in Gaza mit Arbeit.
Ich wollte meine Gefühle mit euch teilen, geschätzte Kollegen…
Allein Allah swt kennt die Realität, die die zwei Millionen Menschen, Frauen und Kinder, die hier leben, tagtäglich erleben, als Gefangene in Gaza.
Euer Bruder,
Abou-Ghazaleh, Gaza, Palästina
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