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Allgemeines über Bor
Bor kommt in der Natur nur in sauerstoffgebundenem Zustand (Oxide), in Form von Borsäure B(OH)3 und zahlreichen Mineralien, z. B. Natriumsalz von Borsäure vor.2 Borverbindungen sind überwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln wie Früchten, Gemüse und Nüssen zu finden. Tierische Lebensmittel enthalten dagegen nur sehr kleine Mengen Bor.5
Der Gehalt von Bor im Körper beträgt etwa 0,7 ppm Bor: Eine 70 kg schwere Person hat somit einen Körperbestand an Bor von ca. 49 mg.2 Es wird davon ausgegangen, dass Bor aus der Nahrung und auch aus Nahrungsergänzungsmitteln gut aufgenommen wird (Resorption > 80 %). Bor wird in den Geweben praktisch nicht angereichert und der Hauptteil des oral aufgenommenen Bors wird in relativ kurzer Zeit mit dem Urin wieder ausgeschieden.1
Bor zählt zu den Ultraspurenelementen. Für diese Spurenelemente konnten im Tierversuch unter Extrembedingungen Mangel-erscheinungen provoziert werden; die genauen biochemischen Zusammenhänge sind jedoch weitgehend ungeklärt.
Bor im Trinkwasser
Eine Untersuchung im Aargau zeigte, dass der Borgehalt im Trinkwasser bei allen Proben bei unter 0,1 mg Bor pro Liter lag.2 Gemäss der schweizerischen Trinkwasserverordnung darf ein Wert von 1 mg Bor pro Liter nicht überschritten werden – dies gilt auch für Mineralwasser. Die tägliche Boraufnahme wird auf 1 bis 2 mg geschätzt.2 Auch wenn es noch keine offizielle Zufuhr-Empfehlung für Bor gibt, so sollte die tägliche Boraufnahme 1 mg nicht unterschreiten.10
Funktionen von Bor
Die genaue Funktion von Bor ist noch wenig untersucht. Es deuten jedoch einige Untersuchungen darauf hin, dass Bor eine wichtige Rolle im Stoffwechsel des Menschen spielt:
- Bor ist beteiligt an der Regulation des Stoffwechsels von Calcium, Magnesium, Phosphor und Vitamin D, sowie an der Regulation der Steroidhormone.5
- Auch der Stoffwechsel von Schilddrüsenhormonen und Insulin scheint durch Bor beeinflusst zu werden.10
- Bor hat zudem einen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten, das Erinnerungsvermögen und die Koordination.
- Die antientzündlichen Eigenschaften von Bor werden durch die Hemmung der Cyclooxygenase und der Lipoxygenase begründet.5
Anwendungsgebiete von Bor
Ergebnisse aus Studien deuten darauf hin, dass Bor insbesondere in der Prävention und Therapie von Arthrose und Osteoporose von Bedeutung sein könnte.5
Arthrose, Arthritis
Wichtige Hinweise über die Bedeutung von Bor für die Gesundheit der Gelenke stammen aus epidemiologischen Studien: So konnte gezeigt werden, dass in Gebieten mit einer Boraufnahme < 1 mg/Tag 20 bis 70 % der Bevölkerung an Arthrose litten, während in Gebieten, in denen die Boraufnahme im Bereich von 3 bis 10 mg lag, die Häufigkeit von Arthrose 0 bis 10 % betrug.8
Bor reduziert die Symptome von Arthrose
In einer kleinen Placebo-kontrollierten Studie erhielten 20 Arthrose-Patienten 8 Wochen lang 6 mg Bor (Natrium Tetraborat Decahydrat) oder ein Placebo. Am Ende der Studie wiesen 50 % der Probanden in der Bor-Gruppe eine Reduktion der Krankheitssymptome auf, während es in der Kontrollgruppe nur 10 % waren (Newnham 1994).8
Gut untersucht sind die Calciumfructoborate, die in der Schweiz aber nicht in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden dürfen. In verschiedenen Placebo-kontrollierten Studien erhielten Personen, die von einer Kniearthrose betroffen waren, 6 bis 12 mg Bor pro Tag in Form von Calciumfructoborat für 2 bis 12 Wochen. Die Studien zeigten eine signifikante Verbesserung der Arthrose-Symptome (WOMAC-Scores).6
Osteoporose
Tierversuche belegen, dass Bor in physiologischer Dosierung das Wachstum und den Knochenstoffwechsel verbessert. Auch auf den humanen Knochenstoffwechsel scheint Bor einen positiven Effekt zu haben, in dem es zur Regulation des Stoffwechsels von Calcium, Magnesium, Phosphor, Vitamin D, Estradiol und Testosteron beiträgt.5
In einer humanen Interventionsstudie erhielten postmenopausale Frauen 3 mg Bor zu einer Bor-armen Ernährung (0,25 mg Bor / 2000 kcal). Unter Bor-Supplemen-tierung sank die renale Ausscheidung von Magnesium und Calcium. Ebenfalls zeigte sich ein Anstieg von Estradiol und Testosteron.9
Auch in einer Studie mit Männern erhöhte eine tägliche Supplementierung mit 10 mg Bor den Testosteronspiegel und reduzierte die hsCRP- und TNF-alpha-Spiegel.7
Weitere mögliche Indikationen
- Gehirn
Tierexperimentelle und humane Studien zeigen, dass ein diätetischer Borentzug die Gehirnfunktion negativ beeinflusst. So waren Aufmerksamkeit, Langzeitgedächtnis und die Lernfähigkeit signifikant schlechter.5
- Zellen / Krebserkrankungen
Verschiedene Zellstudien deuten darauf hin, dass Bor antiproliferative und wachstumshemmende Effekte hat.
In einer epidemiologischen Studie mit Männern konnte gezeigt werden, dass eine höhere Boraufnahme (≥1,36 bis 1,54 mg Bor pro Tag) im Vergleich zu einer geringen Boraufnahme (0,52 bis 0,62 mg Bor pro Tag) tendenziell mit einem geringeren Risiko einherging, an einem Prostatakarzinom zu erkranken.3
- Blutzucker
Schliesslich scheint Bor auch den Glucose- und Insulinstoffwechsel positiv beeinflussen zu können. So wird möglicherweise die Adipogenese (Bildung von Fettzellen) durch die Regulation von bestimmten Wachstumsfaktoren unterdrückt. Durch die Eliminierung von reaktiven Sauerstoffspezies werden zudem die Beta-Zellen im Pankreas geschützt.4
Kann Bor überdosiert werden?
Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat festgelegt, dass auch bei einer langfristigen täglichen Zufuhr von 10 mg Bor die Gesundheit nicht gefährdet wird (UL, tolerable upper intake level). Die FDA (Food and Drug Administration, USA) hat den UL-Wert auf 20 mg Bor pro Tag festgelegt.1
Bei sehr hohen Dosierungen (25 bis 76 mg Bor/kg Körpergewicht (KG) / Tag) können Symptome einer Überdosierung auftreten wie Appetitlosigkeit, gastrointestinale Störungen, Ödeme und Konfusion.1
Reproduktionstoxikologische Tierstudien deuten darauf hin, dass es ab Dosierungen von 26 mg Bor/kg/Tag auch zu einer verminderten Spermienfreisetzung kommen kann. Humanstudien an Beschäftigten im Borax-Abbau in den USA,sowie Untersuchungen an türkischen Bevölkerungsgruppen in Regionen mit einem Borgehalt im Trinkwasser von bis zu 29 mg pro Liter, gaben keine Hinweise auf Fertilitätsbeeinträchtigungen durch Bor-Expositionen.1
In der Schweiz wird die Bor-Exposition am Arbeitsplatz und auch über das Trinkwasser überwacht. Die Gefahr, dass der EFSA-Wert von 10 mg Bor pro Tag überschritten wird, ist sehr gering.
Fazit
Obwohl Bor bisher nicht als essenzielles Spurenelement für den Menschen anerkannt ist, scheint doch eine gute Versorgung für zahlreiche Stoffwechselprozesse von Bedeutung zu sein. Insbesondere in der Prophylaxe und Therapie von Osteoporose und Arthrose spielt Bor eine Rolle. Mit dem 1 mg Bor, das neu in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden darf, kann der vermutete Tagesbedarf sichergestellt werden ohne das Risiko einer Überdosierung.
Literatur
- BfR, Bundesinstitut für Risikobewertung. (Institut fédéral allemand pour l’évaluation des risques) Zusatz von Borsäure oder Borax in Nahrungsergänzungsmitteln. Évaluation sanitaire n° 005/2006 du BfR du 16 novembre 2005.
- BMG Engineering AG (Kanton Aargau).
- Cui Y et al. Dietary boron intake and prostate cancer risk. Oncol Rep 2004;11(4):887-92.
- Dubey P et al. Role of minerals and trace elements in diabetes and insulin resistance. Nutrients 2020;12:1864.
- Grober U & Kisters K. Das Ultraspurenelement Bor. Zs f Orthomol Med 2015:4:9-15.
- Hunter JM et al. The fructoborates: part of a family of naturally occurring sugar-borate complexes – biochemistry, physiology, and impact on human health: a review. Biol Trace Elem Res 2019;188:11-25.
- Naghii MR et al. Comparative effects of daily and weekly boron supplementation on plasma steroid hormones and proinflammatory cytokines. J Trace Elem Med Biol 2011;25(1):54-8.
- Newnham RE. Essentiality of boron for healthy bones and joints. Environ Health Perspect 1994;102(Suppl 7):83-5.
- Nielsen FH et al. Effect of dietary boron on mineral, estrogen, and testosterone metabolism in postmenopausal women. FASEB J 1987;1(5):394-7.
- Nielsen FH & Meacham L. Growing evidence for human health benefits of boron. Journal of Evidence-Based Complementary & Alternative Medicine (JEBCAM) 2011;16(3):169-80.
- Pizzorno L. Nothing boring about boron. Intergrative Medicine 2015;14(4).