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Wenn ein Besuch in Rio de Janeiro auf ihrem Brasilienprogramm stehen sollte, dann versäumen sie den Botanischen Garten dieser Stadt auf keinen Fall, er gehört nämlich unbedingt zu den Highlights von Rio de Janeiro – ich zähle ihn sogar zu den besonderen Highlights Brasiliens überhaupt! Auf einer der schönsten und gepflegtesten Grünflächen der Stadt – insgesamt 54 Hektar unter freiem Himmel – erlebt man hier rund 6.500 der verschiedensten Spezies aus der brasilianischen und ausländischen Flora – einige davon sind vom Aussterben bedroht. Und falls Sie nicht gerade vorhaben, den Regenwald Amazoniens vor Ort kennenzulernen, dann bietet Ihnen Rios Botanischer Garten auch einen interessanten ersten Eindruck von diesem Biom.
Der “Jardim Botânico“ befindet sich in Rios Südzone, im Stadtteil gleichen Namens, und ist mehr als nur eine Ausstellung von Pflanzen, Büschen und Bäumen: In ihm befindet sich auch eines der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Forschungszentren Brasiliens. Dieses Institut beherbergt, unter anderem, auch Monumente von historischem, künstlerischem und archäologischem Wert, sowie die umfassendste botanische Bibliothek des Landes, mit 32.000 Exemplaren, ausserdem das grösste Herbarium mit zirka 650.000 getrockneten Pflanzenexemplaren, alle fein säuberlich beschrieben und zur Einsicht der Öffentlichkeit auf den Internetseiten der Institution, die auch für die Koordination der Auflistung aller bekannten Floraspezies Brasiliens verantwortlich ist, sowie für die Beurteilung der Bedrohung der jeweiligen Arten.
Aus der Geschichte
Die Entstehung des Botanischen Gartens von Rio de Janeiro reicht zurück bis zur Verlegung des portugiesischen Königshofes nach Brasilien – zwischen 1808 und 1821. Der Hof richtete sich in der Stadt Rio de Janeiro ein, die seit 1763 Sitz des Brasilianischen Staates war, eine portugiesische Kolonie, die fortan zum Sitz des portugiesischen Imperiums aufstieg, was ihr verschiedene Möglichkeiten und Verbesserungen bescherte. Darunter auch die Errichtung einer Pulverfabrik im Besitz von Rodrigo de Freitas, deren Mauerruinen heute noch die Grenzen des Botanischen Gartens markieren.
Am 13. Juni 1808 befiehlt der Prinzregent Dom João de Bragança (der zukünftige König Dom João VI), im Namen seiner unfähigen Mutter, der Königin Dona Maria I., “das Territorium, welches Lagoa Rodrigo de Freitas genannt wird, in Besitz zu nehmen“, um auf ihm den “Jardim de Aclimação“ einzurichten, in der Absicht, dort die verschiedensten Gewürzpflanzen aus dem orientalischen Indien zu akklimatisieren: Muskatnüsse, Zimt und Schwarzen Pfeffer, zum Beispiel. Noch im gleichen Jahr, am 11. Oktober, bekam die Einrichtung den Namen “Real Horto“ (königlicher Garten), und am folgenden Tag (dem 12. Oktober) unterzeichnete der Prinzregent ein Dekret, mit dem er die Position eines Verwalters für jenen Garten schuf.
Die ersten Pflanzenexemplare, die in diesem Garten eingesetzt wurden, kamen aus dem “Jardim La Pamplemousse“, auf der Insel Mauritius, aus den Händen von Luiz de Abreu Vieira e Silva, der sie dem Prinzregenten zum Geschenk machte. Unter ihnen befanden sich auch die ersten Ableger der so genannten “Palma Mater“ (Roystonea oleracea) – sie wurden vom Prinzregenten persönlich gepflanzt. Heute säumen 140 dieser fast 40 Meter hohen Palmen, die 740 Meter der zentralen Allee des Botanischen Gartens – und die sind demnach mehr als 200 Jahre alt. Inzwischen ist diese Palmenspezies, der man den Namen “Palmeira Imperial“ (Königspalme) gegeben hat, über den gesamten tropischen Teil Brasiliens verbreitet.
Die Direktion des “Gartens“ wurde anfänglich (1808) dem General Carlos Antônio Napion übertragen und danach dem Brigadegeneral João Gomes da Silveira Mendonça, Marquis von Sabará, der ihn zwischen 1808 und 1819 leitete. 1810 verwandelte der Preusse Kancke den Garten in eine Experimentier-Station und erhielt in dieser Funktion mehr als 800.000 Reis pro Jahr. In den Gewächshäusern wuchsen inzwischen Ableger von Kampfer, Nussbäumen, Jackfrucht, Gewürznelken und anderen Gewächsen des Orients heran.
Im Jahr 1812 kamen im “Real Horto“ die ersten Tee-Ableger an (Camellia sinensis, einer Pflanze, die damals noch als Tea viridis bekannt war) – geschickt aus Macao, von Dom Rafael Botado de Almeida, dem Senator jener portugiesischen Kolonie des extremen Orients. In der Absicht, diese Teekultur voranzubringen, ordnet der Prinzregent 1814 an, eine Gruppe von 300 Chinesen herüber zu bringen, um im “Königlichen Garten“ zu arbeiten.
Die Periode des Imperiums
Nach der Unabhängigkeitserklärung Brasiliens (1822) wurde der “Horto Real“ noch im gleichen Jahr für den Besuch der Allgemeinheit geöffnet – jetzt allerdings unter dem Namen “Real Jardim Botânico“ (Königlicher Botanischer Garten). Etwas später, noch im gleichen Jahr, anlässlich der Gründung des Brasilianischen Imperiums (1822), wechselte er seinen Namen erneut in “Imperial Jardim Botânico“ (Imperialer Botanischer Garten).
Ab dieser Zeit gab es Foren des Botanischen Gartens, zumal seine Direktion inzwischen an den Karmelitermönch Frei Leandro do Santissimo Sacramento vergeben worden war (1824-1829), der war Professor der Botanik und genoss grosse Anerkennung wegen seiner Studien der brasilianischen Flora. Frei Leandro führte einige Verbesserungen ein und organisierte einen Katalog der im Garten kultivierten Pflanzen – er war der Orientator jener Alleen, die von Mango-, Jackfrucht-, Nuss- und anderen Bäumen gesäumt sind, sowie der Mauern aus Büschen von Myrten und Hibiskus. Ihm zu Ehren befindet sich eine Büste innerhalb der Gartenanlagen, und der kleine See im Zentrum erhielt ebenfalls seinen Namen.
Der Erlass Nummer 69, vom 21. März 1825, wurde verabschiedet als Antwort auf einen Antrag des Direktors des “Imperial Jardim Botânico“, in dem dieser um eine zügigere Behandlung der Institution ersuchte, besonders hinsichtlich des Tee-Anbaus. Zur selben Zeit fällt an diesem Ort die Stilllegung aller Aktivitäten der Pulverfabrik ins Gewicht (1826), die in das damalige Dorf “Vila Inhomirim“, am Fuss der Serra dos Orgãos, verlegt wurde.
Das Reglement Nummer 15, vom 1. April 1838, schuf auf der damaligen “Imperial Fazenda da Lagoa Rodrigo de Freitas” (in unmittelbarer Nachbarschaft des Botanischen Gartens) eine Landwirtschaftsschule für Theorie und Praxis – zu Verwirklichung kam es jedoch nicht, weil im selben Jahr, am 6. September 1838, ein kaiserliches Dekret dem Botanischen Garten auferlegte, sich sofort auf die Anpflanzung von Maulbeerbäumen (morus nigra) zu konzentrieren, um mit ihren Früchten Seidenraupen (Bombyx mori) füttern zu können – der Kaiser war entschlossen, selbst Seide zu produzieren.
1851 wird innerhalb des Geländes eine Fabrik für die Fertigung von so genannten “Panama-Hüten“ errichtet – das Rohmaterial dieser Strohhüte liefern die “Palmeiras-bombonaças“ (Carludovica palmata). Auch diese Einrichtung war kurzlebig – gerade mal drei Jahre. Im gleichen Jahr 1851 bekam der Botanische Garten ein neues, schmiedeeisernes Eingangstor und eine Wasserkanalisation für die gesamte Gartenfläche – ein Projekt, welches mit der Konstruktion des “Aquädukts von Levada“, im “Vale das Margaridas“ (Tal der Margariten) vollendet wurde (1853).
1860 präsentierte Frederico Leopoldo César Burlamaque, damals Direktor des “Imperial Instituto Fluminense de Agricultura” (Landwirtschafts-Institut) dem Hof einen Vorschlag, die Administration des “Imperial Jardim Botânico“ fortan seiner privaten Institution anzuvertrauen. So kam es, dass der Botanische Garten der Verantwortung des kaiserlichen Ministeriums entzogen und dem neu gegründeten “Ministerium für Landwirtschaft, Kommerz und Öffentlichkeitsarbeit“ unterstellt wurde, mittels eines Vertrages vom 17. August 1861.
Dort war man daran interessiert, innerhalb des Gartengeländes eine Schule für Agrartechnik einzurichten, unter dem Namen “Asilo Agrícola da Fazenda Normal“, sie sollte der praktischen Ausbildung und als Modell für die Fazendas zur Kultivierung von Gewürzpflanzen dienen – in ihr wurden die perfektioniertesten Prozesse der Landwirtschaft jener Epoche entwickelt. Die Direktion des Imperialen Botanischen Gartens wurde Frederico Burlamaque übertragen (der sie von Juli 1861 bis August 1862 innehatte) – die Direktion der Kulturen wurde dem Deutschen Hermann Herbster anvertraut. Das Landwirtschafts-Magazin “Revista Agrícola do Imperial Instituto Fluminense da Agricultura“ wird herausgegeben (im September 1869), dessen Publikationen bis zur Auflösung des Brasilianischen Imperiums (1889) erscheinen.
Mit der Einführung der Brasilianischen Republik (1889) nannte man den “Imperial Jardim Botânico“ um in den bescheidenen, volkstümlichen Namen “Jardim Botânico“. Von da an wurde er von zahlreichen illustren Persönlichkeiten besucht, wie zum Beispiel von Albert Einstein (im Mai 1925), der Königin Isabella II. von Spanien (im November 1968) und vielen anderen – der Botanische Garten wurde ein beliebtes Postkartenmotiv der Stadt Rio de Janeiro. Unter den Forschern, die mit ihm besonders verbunden waren, ist vor allem Manuel Pio Correia zu nennen.
Der Botanische Garten von Rio de Janeiro steht seit 1937 unter Denkmalschutz, verfügt vom brasilianischen “Instituto do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional“. 1991 hat dann die ONU (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) ihn zum “Reservat der Biosphäre“ erklärt – zu einem Zeitpunkt, als der Garten sich in Schwierigkeiten bezüglich seiner Instandhaltung befand. Da schlossen sich verschiedene öffentliche und private Unternehmen zu einer Gruppe zusammen, die bereit war, zu helfen.
Ergebnis dieser Partnerschaft war die Renovierung des Orchidariums und verschiedener Gewächshäuser (1992), ausserdem wurde der zentrale See einer Säuberung unterzogen. 1995 entstand dann der “Jardim Sensorial“ (Garten der Sinne), mit aromatischen Pflanzen und Hinweistafeln in Braille-Schrift, ein Entgegenkommen für sehbehinderte Besucher. Später wurde noch ein neues Gewächshaus für Bromelien gebaut. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat man die Mauer zwischen dem Garten und der Strasse Pacheco Leão abgerissen und sie durch ein Gitter ersetzt – so fügt er sich nun besser in das Landschaftsbild ein.
In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Bedeutung wurde der Botanische Garten im Jahr 1998 umgetauft in “Instituto de Pesquisas Jardim Botânico do Rio de Janeiro“ (Forschungsinstitut Jardim Botânico von Rio de Janeiro“) – angeschlossen an das Umweltministerium. Im Jahr 2002 verwandelte man ihn in eine föderative Autarkie.
Der Besuch
Rio de Janeiros Botanischer Garten ist für den Besuch der Öffentlichkeit auf bestimmte Öffnungszeiten beschränkt und es wird ein Eintrittsgeld erhoben. Der Garten kann mittels eines informativen Plans erwandert werden, in dem die einzelnen Routen verzeichnet sind, die anstelle von Strassen durch von Bäumen begrenzte “Alleen“ (Aleias) führen. Der Routenplan (Guia de Visitação) kann im Besucher-Zentrum (Centro de Visitantes) erworben werden. Dort im Besucher-Zentrum kann man auch eine biologisch versierte Führung durch den Garten beantragen und Informationen in verschiedenen Sprachen bekommen. Unter den sehenswerten Highlights empfehlen wir die folgenden:
Aleia Barbosa Rodrigues
Der Name dieser Allee wurde zu Ehren des brasilianischen Naturalisten João Barbosa Rodrigues gewählt, er war Direktor der Institution zwischen 1890 und 1909. Sie ist die Schlagader des Botanischen Gartens, seine Visitenkarte, begrenzt von gewaltigen Königspalmen (Roystonea oleracea).
Als der erste Ableger in Brasilien ankam, wurde er vom Prinzregenten Dom João persönlich gepflanzt (1809). Und um das Monopol dieser Spezies zu behalten, liess der damalige Direktor Bernardo José Serpa Brandão (1829-1851) alle Früchte dieser Palmen verbrennen. Die Sklaven erkletterten jedoch nachts die Palmen, ernteten einige dieser Früchte und verkauften sie heimlich. Ausgerechnet das erste, vom Prinzregenten gepflanzte Exemplar, wurde 1972 von einem Blitz getroffen und stand in 38,70 Metern Höhe in Flammen. Den Stamm dieser Palme hat man erhalten – er ist im Botanischen Museum ausgestellt. An Ihrer Stelle pflanzte man einen Ableger der zerstörten Mutterpalme. An derselben Stelle befindet sich heute eine Büste von Dom João VI., angefertigt von Rodolfo Bernardelli.
Der monumentale Gesamteindruck der Allee wird vom Eingangsportal abgerundet, das aus dem Abbruch (1938) eines Gebäudes stammt, in dem die „Imperiale Akademie der Schönen Künste“ einst untergebracht war – das Portal hat der französische Architekt Grandjean de Montigny entworfen.
Aleia Custódio Serrão
Diese Allee wurde zu Ehren des zweiten Administrators der Institution, des Mönchs Frei Custódio Serrão (1859-1861) benannt. Die Allee zeichnet sich aus durch gewaltige Exemplare des “Abrico-de-macaco“ (Couroupita guianensis), einer nativen Baum-Spezies aus Amazonien, und den “Sumaúmas“ (Ceiba pentandra), die zu den grössten Bäumen unseres Planeten gehören.
Aleia Pedro Gordilho
Benannt zu Ehren von Pedro Gordilho Pais Leme, Vorgänger von Barbosa Rodrigues, an der Front der Institution. Die Allee besitzt schöne Exemplare des “Pau-brasil“ (Caesalpinia echinata Lam.), dem Nationalsymbol Brasiliens, und erfreut die Besucher mit ihren Wasserkaskaden.
Chafariz Central
Der zentrale “Brunnen der Musen” ist eine der schönsten Einrichtungen des Gartens. Er wurde in England produziert und besteht aus zwei Becken. Im grösseren der beiden repräsentieren vier Figuren die Musik, die Poesie, die Wissenschaft und die Kunst. Dieser Brunnen befand sich ursprünglich im Stadtteil Lapa – nach einer verkehrstechnischen Neukonzeption (1905) stand er im Weg und wurde in den Botanischen Garten verlegt.
Solar da Imperatriz
Die Villa der Prinzessin ist ein übrig gebliebenes Gebäude von 1575, welches zu der ersten Zuckerfabrik der “Capitania do Rio de Janeiro“ gehörte, die den Namen “Engenho de Nossa Senhora da Conceição da Lagoa“ trug. Diese Villa und weitere 58 “Chácaras“ (Landgüter) gehörten zum riesigen Grundbesitz, auf dem sich heute die Stadtteile erstrecken, welche die Lagoa Rodrigo de Freitas einrahmen. Im Erdgeschoss der Villa gab es eine “Senzala“ (Sklavenquartier), in dem die Sklaven des Anwesens untergebracht waren.
Casa dos Pilões
Eine repräsentative, archäologische Anlage, welche die Aktivitäten der antiken Pulverfabrik demonstriert.
Aqueduto da Levada
Ein Aquädukt aus dem Jahr 1853 zur Sammlung des Regenwassers im “Tal der Margariten“, wo man eine Kultur der Panamahut-Palme (Carludovica palmata) angelegt hatte, aus deren Fasern man die begehrten Strohhüte anfertigte.
Seit 2005 unter Denkmalschutz gestellt – vom “Instituto do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional“ – erfuhr dieses antike Monument eine ausgiebige Restaurierung innerhalb eines weiteren Projekts zur Wiederherstellung seines gesamten natürlichen Umfeldes. Dazu wurde dieses Terrain, das bisher zur Aufnahme von Pflanzenabfällen zweckentfremdet worden war, gesäubert und landschaftsgestalterisch neu bearbeitet, um anschliessend mit botanischen Ergänzungen, als ein neues Areal für Besucher, wieder in das Gesamtbild des Botanischen Gartens integriert zu werden.
Caminho da Mata Atlântica
Beim so genannten “Weg durch den Atlantischen Regenwald” – der historische “Caminho de Boi“ (Ochsenpfad) – handelt es sich um einen offenen Pfad innerhalb eines erhaltenen Fragments von originalem Atlantischem Regenwald. Mit zirka 600 Metern Ausdehnung beginnt diese Parzelle an den Wasserkaskaden und endet gegenwärtig am “Aqueduto de Levada“ – seit 2005 für den Besucherverkehr geöffnet.
Memorial Mestre Valentim
Diese Gedenkstätte wurde 1997 geschaffen und ehrt den brasilianischen Künstler Valentim da Foseca e Silva (geboren in Serro, Minas Gerais 1745), der einer der bekanntesten Künstler des kolonialen Brasiliens war, als Bildhauer in Rio de Janeiro wirkte und erstmals in Brasilien Skulpturen aus gegossenem Metall anzufertigen verstand. Er ist der Autor der ausgestellten Bronze-Skulpturen “Aves Pernaltas“ (Stelzvögel) und der Statuen “Eco“ (Echo) und “Narciso“ (Narziss).
Lago Frei Leandro
Mit dem Namen des zentralen Sees wird der Mönch Frei Leandro do Santissimo Sacramento, von den Karmelitern, geehrt, der erste Direktor des Botanischen Gartens, von 1824 bis 1829.
Der See, mit seiner von der Victoria Regia und anderen dekorativen Wasserpflanzen bedeckten Oberfläche, ist ein beliebter Treff- und Sammelpunkt der Besucher und lädt mit Ruhebänken an seinen Ufern zum Verweilen ein. In seinem Wasser leben Karpfen und andere exotische Fische, die sich gerne von den Kindern mit Brotbröckchen füttern lassen.
Zwischen den Wasserpflanzen erhebt sich eine Metallskulptur der Göttin Thetis, ihr Autor ist der Franzose Louis Savageau.
Cômoro
Der Hügel neben dem See wurde mit seiner ausgehobenen Erde geschaffen. Beide, See und Hügel, wurden von Frei Leandro projektiert, der sich in den Schatten des Jack-Frucht-Baumes zu setzen pflegte, (der bis heute noch an diesem Platz steht), um von dort aus die Arbeit der Sklaven anzuleiten. Unter diesem Baum liess er einen grossen Tisch aus Granit platzieren, an dem zuerst der Kaiser Dom Pedro I. und später DOM Pedro II. einen Imbiss einnahmen. Ausserdem richtete er dort eine Sonnenuhr ein.
Orquidário
Das Orchideen-Gewächshaus wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, 1930 erstmals und 1998 zum zweiten Mal restauriert. Ausser seinen 700 verschiedenen Orchideenarten, beherbergt es weitere ornamentale Pflanzen, wie Anturien, Philodendron, Frauenhaar und Farne – insgesamt eine Gruppe von 2.000 Keramikvasen, die eine der schönsten Kollektionen des Botanischen Gartens präsentieren.
Bromeliário
Das grösste Gewächshaus für Bromelien von Rio de Janeiro. Es vereint zirka 1.700 Arten aus Süd- und Mittelamerika, viele von ihnen stammen aus Amazonien, aus dem Atlantischen Regenwald, aus Restingas und Caatingas.
Mit ihren ganz unterschiedlichen Farben und Formen werden Bromelien als dekorative Pflanzen sehr geschätzt, und weil sie sich auch leicht an ihr Ambiente anpassen. Hier im Botanischen Garten erlebt man sie auf Beeten und im Gewächshaus, das nach dem brasilianischen Landschaftsarchitekten Burle Marx benannt ist.
Insetívoras
Insektenfressende Pflanzen, die auch als “Fleischfresser” bekannt sind, sind in einem anderen Gewächshaus ausgestellt. Sie ziehen in der Regel besonders viele Besucher an und sind vor allem eine Attraktion für ihre Kinder.
Jardim Sensorial
Der “Garten der Sinne” wurde in der Absicht angelegt, den Besuchern einen direkten Kontakt mit seinen Pflanzen zu vermitteln, indem sie sie anfassen können – unter besonderer Berücksichtigung der sehbehinderten Besucher.
Die Gruppierung besteht aus wohlriechenden Pflanzen unterschiedlicher Oberflächen, der Besucher wird angeregt, durch seinen Tastsinn, und besonders anhand seines Geruchssinns, die einzelnen Pflanzen kennenzulernen. Ausserdem werden alle Spezies durch Schilder in Braille-Schrift erklärt.
Região Amazônica
Der Amazonien-Teil des Botanischen Gartens präsentiert die typische Dschungelvegetation dieses Bioms – ein komplettes Szenario mit einer Hütte aus Schilfrohr und einer Caboclo-Figur derselben Region, die angelnd vor der Hütte sitzt. In dieser Regenwald-Kopie findet man Exemplare der Seringueira (Heveia brasiliensis – Latex-Baum), Babaçu (Attalea speciosa – eine Palmenart), Andiroba (Carapa guianensis), Cacaueiro (Theobroma cacao – Kakaubaum) und Pau-mulato (Calycophyllum spruceanum) – dieser letzte Baum ist wegen seiner verschiedenen Farben besonders interessant, die er je nach Jahreszeit wechselt.
Jardim Japonês
Der Japanische Garten wurde 1935 geschaffen, aufgrund einer Spende von 65 typischen japanischen Pflanzenarten durch die Japanische Wirtschaftsmission, die zu jener Zeit Brasilien einen Besuch abstattete. Neu eröffnet 1995, präsentiert dieser Teil den Besuchern ein typisch nipponisches Szenario, mit einem Steingarten und Exemplaren von Bonsais, Bambus, Kirschbäumen, Braut-Buquées und Trauerweiden. Aus den beiden Teichen, in denen Karpfen schwimmen, erheben sich Lotusblüten. Zum japanischen Szenario gehört auch das kleine “Café Botânica“.
Arboreto
Der gemischte Baumbestand des Jardim Botânico besteht aus zirka 9.000 vegetativen Spezies, welche die brasilianischen Ökosysteme und jene verschiedener anderer Länder repräsentieren. Insgesamt stellt er ein Fragment von 57 Hektar des verbliebenen Atlantischen Regenwaldes dar, mit 197 Beeten gesammelter Pflanzen, vier Teichen mit Victoria-Regia-Wasserrosen, zirka 1.500 Spezies, die in den verschiedenen Gewächshäusern aufgezogen wurden, sowie sechs thematischen Gärten: einer mit Rosen, einer mit Heilkräutern, einer mit aromatischen Pflanzen, ein biblischer, ein japanischer und einer für Kolibris.
Am 30. September 2009 unterzeichnete die Unternehmensleitung der “Companhia Vale do Rio Doce“ eine Vereinbarung zur Erhaltung des Botanischen Gartens, mit einer Investition von 2.000.000 Reais im Verlauf der nächsten zwei Jahre. Vorgesehen sind Aktionen der Gartenpflege, Säuberung aller Areale, neue Wegweiser, Restaurierung der Ruhebänke, Auswechselung der ambientalen Technologie und vieles andere.
Die Grünfläche mit dem gemischten Baumbestand auf 57 Hektar produziert zwischen 400 und 500 Kubikmeter pflanzlichen Abfall jährlich, der nach seiner Kompostierung wieder als organischer Dünger für die neuen Pflanzen in den Kreislauf einbezogen wird.
Besuchszeiten:
Der Botanische Garten ist an jedem Tag des Jahres – von Montag bis Sonntag einschliesslich – für Besucher geöffnet, (mit Ausnahme des 25. Dezember und des 1. Januar). Montags von 12 bis 17 Uhr und zwischen Dienstag und Sonntag von 8 bis 17 Uhr – mit einer Verlängerung von 1 Stunde bis zur Schliessung des Kartenverkaufs während der Sommerzeit. Weitere Informationen im Besucher-Zentrum: Tel.: +55 (21)3874-1808 und 3874-1214.
Das Museum für Umwelt ist Montags von 12 bis 17 Uhr und zwischen Dienstag und Sonntag von 8 bis 17 Uhr geöffnet.
Eintrittspreis
Der Eintritt in den Botanischen Garten von Rio de Janeiro beträgt R$ 9,00 (zirka 2,5 Euro) – akzeptiert wird nur Bargeld (Reais).
Der Eintritt ist frei für: Kinder bis zu 7 Jahren – für Erwachsene ab 60 Jahren, die in Brasilien oder in anderen Ländern des MERCOSUL zuhause sind – für Studenten der lokalen Universitäten und Lehrern anlässlich Besuchen von Schülergruppen.
Eingänge
Haupteingang Rua Jardim Botânico, 1008 – Fahrradständer und Parkmöglichkeit exklusiv für Personen mit ernsten Behinderungen. Erlaubt ist die Einfahrt von Autos zum Bringen und Abholen von behinderten Personen (Rollstuhlfahrer, schwangere Frauen und alte Mitbürger).
Zweiteingang Rua Pacheco Leão, 101 – nur für Fussgänger.
Elektromobile
Exklusiv für Besucher, die älter sind als 60 Jahre, behinderte Personen in Begleitung und Schwangere, stehen Elektrisch betriebene Transportmittel zum Besuch des Botanischen Gartens zur Verfügung – die Verleihung ist gratis und kann im Besucher-Zentrum beantragt werden.
Kulturelle Einrichtungen des Botanischen Gartens
Museu do Meio Ambiente
Das Museum für Umwelt ist die erste Institution dieser Art, die sich einzig und allein mit der Thematik “Gesellschaft und Umwelt“ befasst – eine Pionier-Einrichtung für Ausstellungen, Erziehungs-Programme und Diskussionen, welche die aktive Beteiligung der Gesellschaft an einer gemeinschaftlichen Wissenserweiterung fördern möchte.
Das Umweltmuseum ist der Präsidentschaft des Botanischen Gartens von Rio de Janeiro unterstellt, verbunden mit dem Ministerium für Umwelt und internationale Referenz bezüglich seiner wissenschaftlichen Produktion. Mit einer Besucherzahl von zirka 600.000 Personen pro Jahr gehört der Botanische Garten zu den beliebtesten Orten für Freizeit und Kultur der Cariocas (Bürger von Rio).
Nach seiner Gründung im Jahr 2008 – dem zweihundertjährigen Bestehen des Botanischen Gartens – wurde das Museum 2010 und 2012 einer Generalreform unterzogen und wieder eröffnet mit modernen Einrichtungen, geeignet für Ausstellungen höchsten Niveaus und besten Konditionen für die Besucher.
Besuchszeiten
Montags von 12 bis 17 Uhr – Dienstags bis Sonntags von 9 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Weitere Einzelheiten können dem FACEBOOK unter “Museu do Meio Ambiente“ entnommen werden.
Espaço Tom Jobim
Die Gedenkstätte gehört zum kulturellen Korridor des Botanischen Gartens von Rio de Janeiro. Sie wurde im Jahr 2008 gegründet zu Ehren des weltberühmten brasilianischen Komponisten Antônio Carlos Jobim (1927-1994, der seine Liebe zu diesem Garten in zahlreichen Texten und Liedern ausgedrückt hat.
Die Gedenkstätte besteht aus dem “Teatro Tom Jobim“ (Theater), dem “Galpão das Artes“ (Schuppen der Kunst) und dem “Casa de Acervo“ (Haus des Nachlasses).
Im Theater, mit 378 Plätzen, finden Musik-, Tanz- und Theaterveranstaltungen statt, ausserdem bestimmte Events, wie Konferenzen und Simposien. 2013 wurde es von der Zeitschrift “Época“ als bestes Theater der Stadt bezeichnet.
Im “Galpáo das Artes“ veranstaltet man kleinere Events – sein Platz für Ausstellungen beträgt 342 Quadratmeter.
Im “Casa de Acervo” wird der gesamte Nachlass des Komponisten Tom Jobim aufbewahrt. Dort ist eine permanente Ausstellung mit Fotos, Original-Partituren, persönlichen Objekten und Videos einiger Shows des Komponisten zu sehen.
Die Besuchszeiten des “Espaço Tom Jobim“ richten sich in diesem Fall nach der Agenda der wechselnden Events und der unterschiedlichen Veranstaltungen. Einzelheiten erfahren sie am besten aus dem FACEBOOK unter “Espaço Tom Jobim“ – auch die jeweiligen Eintrittspreise sind dort angegeben.