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Selam Resom spricht von Haus aus Amharisch. Vor bald zwölf Jahren floh sie alleine aus Äthiopien in die Schweiz. Schritt für Schritt baute sich die damals Fünfzehnjährige hier ein neues Leben auf, lernte Deutsch, besuchte die Schule und absolvierte im Liestaler Altersheim Frenkenbündten eine Lehre als Hotellerieangestellte. Dann lernte sie ihren Mann Erimias kennen. Er stammt aus Eritrea. Seine Muttersprache ist Tigrinya, das Selam zwar versteht, aber nicht gut spricht. «Als Batos zur Welt kam, mussten wir uns entscheiden. Wir wollten nicht, dass er von uns schlechtes Deutsch oder von mir schlechtes Tigrinya lernt. Mein Mann spricht Amharisch wie ein Muttersprachler.» Deshalb reden Resoms zuhause nun Amharisch, hauptsächlich jedenfalls. Ab und zu bringt Batos aus dem Kindergarten einen Brocken Baseldytsch heim und testet dann mit Vorliebe seinen Vater. «Manchmal weiss mein Mann, was es bedeutet, manchmal rät er auch falsch», lacht Selam Resom, die den Dialekt selber recht gut versteht.
Nach sieben Jahren in der Schweiz hatte Selam Resom erstmals wieder die Möglichkeit, ihre Heimat zu besuchen. Auf dieser Reise sah sie endlich ihre Mutter wieder. Nach all den Jahren, in denen kein Kontakt möglich war, konnte sie sehen, wie es ihrer Mutter geht, und ihr den ersten Enkel vorstellen. Als Selam Resom mir von dieser Zeit in Addis Abeba erzählt, steht ihr die Trauer ins Gesicht geschrieben, denn ihre Mutter starb wenige Monate danach.