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«Was wäre passiert, wenn 1963 jemand von der Voguing Ballroom Szene in Harlem nach downtown gefahren wäre, um dort zusammen mit den frühen postmodernen Tänzerinnen und Tänzer der Judson Church zu performen?» (Trajal Harrell)
Trajal Harrell wurde mit Twenty Looks or Paris is Burning at The Judson Church bekannt. In dieser Serie von Performances stellte er die Tradition des Voguings neben den stilbildenden postmodernen Tanz, wie ihn das Judson Dance Theater zur gleichen Zeit im Greenwich Village entwickelt hatte. In seinen Aufführungen spekuliert Harrell immer wieder mit der Frage von «Was wäre, wenn…?». Dies erlaubt ihm, Geschichte und Tradition des Tanzes neu zu denken und umzudeuten. Er gehört heute zu den einflussreichsten Tänzer*innen und Choreograph*innen seiner Generation.
Dancer of the Year (2018)
Ausgangspunkt von Dancer of the Year ist Harrells Auszeichnung zum «Tänzer des Jahres» 2018 durch die deutsche Zeitschrift Tanz. Die Performance besteht aus einem Tanzsolo, in welchem Harrell Repräsentation, Ehrung und Selbstdarstellung hinterfragt. In welchem Verhältnis stehen diese zum Tanz allgemein und im Speziellen zu ihm persönlich? Dancer of the Year ist eine Selbstbefragung und öffnet gleichzeitig einen Raum für eine alternative Tanzgeschichte.
Dancer of The Year Shop #3 (2020)
In Dancer of The Year Shop #3 verkauft Harrell Gegenstände aus seinem persönlichen Besitz und dem seiner Familie. Mit diesen Objekten stellt er die Frage nach Herkunft, Erinnerung und Erbe in den Raum, nach Wert, Verkäuflichkeit und Kunst, aber auch – als performative Schau – nach Tanz, Theater und Ausstellung. Dancer of The Year Shop #3 ist Teil von Harrells Ausstellung in der Kunsthalle Zürich und ist zu den gewohnten Öffnungszeiten zugänglich.
The Deathbed of Katherine Dunham (2020)
Seine gross angelegte Trilogie Porca Miseria bringt drei Frauen der Literatur- und Zeitgeschichte zusammen, die alle verachtet und angegriffen wurden, jedoch in einer eigenwilligen Mischung aus Stolz und Kampfgeist den heftigen Angriffen Paroli boten. Es sind dies Medea, die Ausgestossene und Mörderin der eigenen Kinder, Maggie, die unnahbare und explosive Protagonistin aus Tennessee Williams’ Katze auf dem heissen Blechdach, sowie die bahnbrechende Choreografin Katherine Dunham. Letztere war nicht nur die Lehrerin von Eartha Kitt, James Dean und Marlon Brando, sondern auch eine Bürgerrechtsaktivistin, die für die Rechte von Flüchtlingen in den Hungerstreik trat. Trajal Harrell besuchte Katherine Dunham 2006 in New York an ihrem Sterbebett. Aus dieser ersten und einzigen Begegnung sowie aus den Fragen, die Harrell bei dieser Gelegenheit versäumt hatte zu stellen, wird er nun eine Tanz-Performance-Installation für die Kunsthalle Zürich entwickeln. The Deathbed of Katherine Dunham entsteht als letzter Teil von Porca Miseria und wird nach der Weltpremiere in Zürich zusammen mit O Medea, das am Onassis Cultural Center in Athen seine Premiere feierte, und mit Maggie the Cat, das am Manchester International Festival uraufgeführt wird, um die Welt reisen.
Trajal Harrells Arbeit wurde an zahlreichen Theatern und Festivals gezeigt, u.a. in The Kitchen (New York), Walker Arts Center (Minneapolis), Festival d’Automne (Paris), Festival d’Avignon und am Panorama Festival (Rio de Janeiro). Seine Performances wurden auch im Kontext der bildenden Kunst aufgeführt, so u.a. im MoMA und MoMA PS1 (New York), an der Perfoma Biennial, in der Fondation Cartier (Paris), im The New Museum (New York), im Stedelijk Museum (Amsterdam), im Serralves Museum (Porto), im The Barbican Centre (London), im Centre Pompidou Metz (Paris) und im ICA Boston.