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Der amerikanische Startup-Gründer Bryan Johnson ordnet sein komplettes Leben dem Ziel unter, nicht zu sterben. Im Gespräch erzählt er, was hinter der Idee steckt, und gibt einen Einblick in seinen Alltag.
Bryan Johnson, 46, hat ein ambitioniertes Ziel, für das ihn viele für verrückt erklären: «Don’t die» – er will dem Tod ein Schnippchen schlagen. Nicht mit einem teuflischen Pakt, sondern mit gutem Schlaf, viel Sport, der richtigen Ernährung und allem, was der Stand der Wissenschaft hergibt.
Pro Jahr lässt sich Johnson das mehrere Millionen Dollar kosten. Das Geld für das Projekt stammt aus dem Verkauf seines Startups, Braintree Venmo, das er 2013 für 800 Millionen Dollar an Paypal verkauft hat. Den Fortschritt kann man auf der Website seines Projekts Blueprint nachverfolgen. Laut eigenen Angaben altert Johnson derzeit mit einem Tempo von 0,69. Das heisst, für 365 Tage wird sein Körper 251 Tage älter.
Johnson empfängt die NZZ in seinem Haus in Venice Beach, in dem auch eine private Arztpraxis untergebracht ist, zum Gespräch. Im ruhigen, von klassischen amerikanischen Vorortsbauten geprägten Quartier sticht sein schwarzes, rechteckiges Gebäude deutlich hervor. Nach 15 Minuten Wartezeit – er entschuldigt sich für die Verspätung – lässt sich Johnson im Schneidersitz auf dem rostroten Sofa im Wohnzimmer nieder.
Herr Johnson, wann sind Sie zu dem Schluss gekommen, dass Sie nicht sterben wollen?
Die Reise begann, als ich 21 Jahre alt war. Ich wollte etwas tun, was die Menschheit weiterbringt. Doch ich hatte keine besonderen Fähigkeiten. Daher wurde ich Unternehmer. Ich wollte einen Haufen Geld verdienen und damit etwas Positives tun. Als ich Braintree Venmo verkauft hatte, stellte ich mir die Frage: Was jetzt? Ich brauchte einige Jahre, um das herauszufinden.
Ein Gedankenexperiment wies mich in die richtige Richtung: Ich stellte mir vor, dass ich den Leuten im 25. Jahrhundert zuhöre, wie sie auf unsere Zeit zurückblicken und überlegen, was wir im 21. Jahrhundert Herausragendes geleistet haben. Und für mich war klar, dass die Leute auf unsere Zeit zurückblicken und sehen werden, wie wir dank Fortschritten in Biologie und Intelligenz den Tod überwunden haben. Und anstatt nur darüber zu reden, dachte ich, ich mache es einfach.
Vor drei Jahren sind Sie mit Blueprint gestartet. Dabei können alle Ihren Weg und Ihren Fortschritt mitverfolgen. Warum diese Öffentlichkeit?
Nun ja, wenn man einem Kind das Schwimmen beibringen möchte, gibt es verschiedene Wege. Man kann das Kind einfach ins Wasser schubsen und sagen: Mach mal. Oder man geht behutsam vor und redet dem Kind gut zu, wenn es Angst hat, ins Wasser zu gehen. Die mächtigste Variante ist jedoch, dem Kind zu zeigen, dass sein Freund schwimmen kann. Und ich möchte den Leuten zeigen, dass man den Alterungsprozess verlangsamen kann.
Wie genau kamen Sie zu dem Schluss: Das ist der richtige Weg und kein anderer?
Ich und mein Team haben jede wissenschaftliche Publikation angeschaut, die zu Gesundheit und Lebensspanne gemacht wurde. Dann haben wir sie nach ihrer Effektivität sortiert und versucht, die wirkungsvollsten Dinge zu finden. Anhand von statistischen Kriterien haben wir die Publikationen bewertet, um zu sehen, welche besonders evidenzbasiert sind. Das haben wir dann systematisch umgesetzt.
Was waren die wichtigsten Erkenntnisse?
Zum Beispiel, nicht zu rauchen. Das ist wohl etwas vom Wirkungsvollsten, was jemand tun kann für seine Langlebigkeit. Das Nächste ist Sport, dann das Essen und dann auf den BMI schauen. Und dann sollte man auch schauen, dass man nicht zu viel Alkohol trinkt. Das sind die Grundlagen. Wenn man das umsetzt, bekommt man fast dreissig zusätzliche Jahre. Will man auf das nächste Level, gibt es eine Reihe von Dingen, die man weiter beachten sollte, etwa den Schlaf zu optimieren oder tief in die Ernährung einzutauchen. Noch eine Stufe höher gibt es Dinge wie Gentherapie, der ich mich unterzogen habe. Wir sind von den Grundlagen ausgegangen und versuchen Schritt für Schritt, meine Lebensspanne zu verlängern.
Sie wollen ein Vorbild für andere sein. Doch jede Person ist anders. Warum sind Sie so sicher, dass Blueprint für alle funktioniert?
Die Studien, auf die wir uns für mein Protokoll beziehen, wurden auf Bevölkerungsebene durchgeführt, es handelt sich also um Daten zur Gesamtbevölkerung. Brokkoli zum Beispiel ist gut für die Fitness von Männern und Frauen, von Alten und Jungen. Unser Ansatz ist so universell wie nur möglich. Klar, es gibt bei der individuellen Anwendung kleine Unterschiede, aber das darunter liegende Prinzip greift für alle.
Ab wann ist Blueprint ein Erfolg? Das ultimative Ziel ist, nicht zu sterben. Doch gibt es auch Zwischenziele?
Öffentlich haben wir gesagt, dass ich wieder 18 Jahre alt werden will. Das Herz eines 18-Jährigen etwa sieht anatomisch betrachtet spezifisch aus und funktioniert auf eine spezifische Weise. Die Frage ist nun, wie viel meines Körpers wieder funktionieren und aussehen kann wie bei einem 18-Jährigen. Klar, das Ziel ist sehr ambitioniert. Meine Herz-Kreislauf-Kapazität zum Beispiel liegt bei den obersten 1,5 Prozent der 18-Jährigen, hier war ich erfolgreich. Doch die Technologie ist derzeit noch nicht so weit, um mein Herz wieder komplett wie mit 18 funktionieren zu lassen. Wir schauen nun: Wie alt bin ich chronologisch, wie alt sind meine Organe, und wie schauen diese bei einem 18-Jährigen aus? Und wie weit sind wir davon entfernt?
Anders formuliert: Wenn Sie mit 90 Jahren sterben, ist Blueprint dann gescheitert?
(Lacht.) Egal, was mit mir passiert, es wäre ein Erfolg. Ich wurde zur am meisten vermessenen Person der Geschichte. Ich habe gezeigt, dass man den Altersprozess verlangsamen kann. Und ich habe einen neuen Standard dafür geschaffen, wie man das messen kann. Oft, wenn man Gesundheitstipps erhält, sind sie nicht mit Daten gekoppelt, daher ist es nicht relevant. Wenn ich also morgen von einem Bus überfahren werde, wäre das egal. Das Projekt wäre ein Erfolg gewesen.
Es gibt Dinge, auf die man selbst keinen Einfluss hat, zum Beispiel Infektionskrankheiten oder die eigenen Gene. Wie denken Sie über solche externe Risiken?
Blueprint ist der Versuch, sich nicht mit Dingen zu befassen, die nicht wichtig sind, und sich auf das zu konzentrieren, was wichtig ist. Vor allem auf die Dinge, die man kontrollieren kann.
Und was ist mit jenen Dingen, die man nicht kontrollieren kann?
Nun, sprechen wir zum Beispiel über die Schlafenszeit. Wenn wir ein Meeting haben, erscheinen wir jeweils innerhalb von drei Minuten um die abgemachte Zeit. Sonst entschuldigen wir uns. Doch die eigene Schlafenszeit ist uns egal. Wir bringen uns selbst nicht denselben Respekt entgegen wie anderen Personen. Ich gehe jeden Tag pünktlich ins Bett. Laster wie Rauchen, Trinken, Junk-Food oder eine Schwäche für eine bestimmte Glacesorte liegen alle in unserem Einflussbereich. Viele schauen auf Blueprint und sagen: «Das ist einfach ein verrückter Millionär.» Doch in Wahrheit haben wir viel mehr selbst in der Hand, als wir uns bewusst sind.
Wie schaut ein typischer Tag für Sie aus?
Ich wache um 4 Uhr 30 auf. Dann arbeite ich eine Stunde und nehme dann 60 Pillen zu mir, weitere 40 später über den Tag verteilt. Mein Frühstück ist ein Mix aus Brokkoli, Blumenkohl, Pilzen und Knoblauch, am Vormittag nehme ich einen Pudding aus Nüssen und Beeren zu mir. Im Anschluss mache ich eine Stunde Sport, dann Rotlichttherapie. Meine letzte Mahlzeit, ein Mix aus Gemüse, Nüssen, Beeren und Samen, nehme ich um 11 Uhr zu mir. Normalerweise arbeite ich dann weiter. Am Nachmittag mache ich einige Stunden Sport und habe Arzttermine. Dort schauen wir meine Werte an und diskutieren über neue Therapien. Das machen wir jeden Tag. Ich arbeite erneut einige Stunden. Am Abend habe ich eine fixe Routine, unterziehe mich weiteren Therapien und gehe dann jeden Tag um 20 Uhr 30 ins Bett.
Was genau bewirkt die Rotlichttherapie?
Eine Reihe von Dingen. Sie erhöht meine Blutzirkulation, verbessert die Qualität meiner Haut und die Produktion von Kollagen. Es hilft auch gegen Stirnvertiefungen. Der ganze Körper profitiert.
Ihre Diät ist sehr strikt. Davon weichen Sie nie ab? Auch nicht an Weihnachten?
Nein. Ich kann nicht bescheissen, sonst taucht es sofort in meinen Blutwerten auf. Es ist alles transparent. Ich kann kein Doppelleben führen. (Lacht.)
Zur Diät gehört auch dunkle Schokolade. Warum?
Es sind die darin enthaltenen Flavanole. Ich nutze die Schokolade mit dem höchsten Anteil pro Milligramm. Das ist vor allem gut für die Herz- und Gehirnfunktionen.
Gilt das auch für Schweizer Milchschokolade?
Nun ja, man müsste das natürlich messen. Wie auch bei anderen Lebensmitteln wie zum Beispiel Olivenöl: Wenn man es nicht misst und beobachtet, was im Körper passiert, hat man die Wirkung verpasst. Das haben wir gemacht. Jede Kalorie meiner Diät wird nachverfolgt, damit wir wissen, was passieren sollte. Sehen wir keine Wirkung, ist sie raus. Das ist der Punkt, den viele übersehen.
Blueprint wird auch kritisiert. Ein häufig geäusserter Einwand ist etwa, dass der Tod nicht optional sei und unsere Lebensspanne in unseren Genen festgelegt sei. Was sagen Sie zu Leuten, die Ihr Projekt kritisch sehen?
Nichts. (Lacht.)
Aber Sie registrieren die Kritik und denken darüber nach?
Gesundheit und Wohlbefinden sind wie Religion. Es gibt die Bibel, und diese unterstützt fünfzig verschiedene Auslegungsarten – und alle hassen sich. Alle sagen, die anderen lägen falsch. Was macht man da? Wir haben uns entschieden, alles zu messen. Ich bin der Einzige auf der ganzen Welt, der das macht. Andere können gerne Kritik üben. Doch teilen sie auch ihre Daten? Nein. Alles, was sie also zu bieten haben, ist ihre Meinung. Und was ich habe, sind Beweise.
Andere kritisieren, dass Sie für das Ziel, nicht zu sterben, gar nicht richtig leben. Wie steht es um Ihr Sozialleben?
(Lacht.) Es gibt viele falsche Vorstellungen über mich und mein Leben. Die Leute denken, ich würde in einem Kerker leben und nie aus dem Haus gehen. Das ist einfach nicht die Realität. Ich habe ein robustes Sozialleben. Vor zwei Wochen ging ich an einen Rave. Ich und mein Sohn reisen die ganze Zeit. Ich würde also sagen, ich bin sozial so aktiv wie alle anderen auch.
Beim Rave haben Sie sich auch an Ihre Schlafenszeit gehalten?
Nein, in jener Nacht bin ich 2 Stunden und 30 Minuten zu spät ins Bett gegangen.
Ist das auch in Ihren Werten aufgetaucht?
(Lacht.) Ja, ist es tatsächlich. Doch ich habe einen Mittagsschlaf gemacht, damit die totale Schlafenszeit nicht kleiner wurde. Ich versuche, etwas flexibler zu sein. Der Hinweis auf das Sozialleben ist für viele einfach eine Ausrede, damit sie nicht auf ihre Gesundheit achten müssen. Man kann sozial aktiv sein und gesund leben.
In unserer Kultur ist ein lebenswertes Leben oft mit Exzess verknüpft. Ausgehen, Alkohol trinken, lange aufbleiben und einmal etwas Gewagtes und Aufregendes tun. Das vermissen Sie nicht?
Nun, das sind alles Dinge, die einem im 20. Jahrhundert verankerten Denken entspringen. Da galt der Tod noch als unumgänglich. Wieso also nicht einige Lebensjahre im späteren Leben opfern, um jetzt etwas Aufregendes zu erleben? Doch noch nie in der Geschichte des Homo sapiens konnte jemand ernsthaft sagen, dass der Tod nicht unumgänglich ist. Wir wissen schlicht nicht, wie lange wir leben können. Hat man das erst einmal verinnerlicht, ändert sich die Lebenseinstellung von «Live fast and die young» zur Philosophie des «Don’t die». Die Leute realisieren nicht, dass die Zukunft schon hier ist. Darum ist «Don’t die» so revolutionär. Was ich vorschlage, ist, diese Idee gleich ernst zu nehmen wie die Entdeckung der Bakterien. Die Leute werden sagen: «Ich wünschte, ich hätte das früher gewusst. Ich hätte nicht sterben müssen.»
Ist nicht zu sterben nicht einfach ein Luxus, den Sie sich leisten können? Viele Leute haben nicht die Mittel für einen solchen Lebensstil.
«Don’t die» ist ein Spiel, das wir alle, überall auf der Welt zu jedem Zeitpunkt spielen. Wir beide spielen es gerade jetzt. Wir atmen, damit wir nicht sterben. Und wenn etwas unser Leben bedrohen würde, würden wir dieses Gespräch sofort unterbrechen und nicht sterben. Und unsere Spezies wird immer besser darin, nicht zu sterben. Wir sind sehr, sehr gut darin geworden. Es ist ein Spiel, das alle spielen. Wir sehen es nur nicht, weil wir nach einer Norm aus dem 20. Jahrhundert leben. Und in Zukunft werden wir einfach noch viel, viel besser darin werden, nicht zu sterben.
Ein Bauarbeiter, der vielleicht in einer Umgebung mit Asbest arbeiten muss, weiss womöglich sogar, dass es gefährlich ist. Auch er will nicht sterben. Dennoch arbeitet er weiter, weil er Geld verdienen muss. Er kann nicht einfach aufhören.
Das Argument höre ich häufig. Es ist aber unmöglich, als Einzelperson die Gesellschaft zu retten. Keiner hat die Fähigkeit, das Problem der Ungleichheit für alle acht Milliarden Menschen zu lösen. Es ist daher einfach keine relevante Frage. Wir alle tun unser Bestes, über verschiedene Gemeinschaften und Nationen hinweg allen Menschen zu helfen. Was ich tue, ist, Blueprint allen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Eine Person hat einmal zu mir gesagt, das sei das ambitionierteste philanthropische Programm der Menschheit.
Würden Sie sagen, dass Sie ein glückliches Leben führen?
Ja, das tue ich. Ich war noch nie glücklicher in meinem Leben. Leute, die gut schlafen und essen, sind in der Regel glücklicher als Leute, die das nicht tun. Das sieht man auch bei Freunden und Familie.
Wie die Wissenschaft versucht, unser Leben zu verlängern
«Longevity» – Langlebigkeit: Der englische Begriff für die Forschung, die sich mit dem Altern befasst, tönt nicht nur positiver als das deutsche «Altersforschung». Vielmehr trifft «Langlebigkeit» auch genau das, worum es eigentlich geht: das Leben zu verlängern. Und dabei möglichst lange gesund und munter zu sein.
Trotz einer erheblich gestiegenen Lebenserwartung fühlen sich die meisten Menschen nach wie vor nur in der ersten Hälfte ihres Lebens richtig gesund. Viele leben also Jahrzehnte ohne, aber eben auch ähnlich lange mit körperlichen Problemen.
Durch intensive Forschung in den letzten rund zwanzig Jahren wissen wir heutzutage sehr gut, was alles im Körper passiert, während die Jahre vorbeiziehen. Im Erbgut sammeln sich schädliche Veränderungen an. In den Zellen entstehen kaputte Eiweissmoleküle, die von der zellulären Müllabfuhr nicht mehr fachgerecht entsorgt werden. Zellen funktionieren nicht mehr richtig. Dummerweise werden neue, frische Zellen immer weniger gebildet.
Auch die Verarbeitung der Nährstoffe klappt nicht mehr wie früher, was ebenfalls zu zellulärem Müll oder Entzündungen führt. Überhaupt lösen eine Vielzahl von Prozessen kleine, im Gewebe schwelende Entzündungen aus, die unser Immunsystem nicht mehr beseitigen kann. Und das sind nur die Hauptprobleme. Kurzum, der Schlamassel im Gewebe wird immer grösser.
In folgenden Bereichen erwarten Longevity-Forscher am ehesten Ergebnisse, die uns länger gesund leben lassen:
Die Top 3 der Longevity-Forschung
- Gestörte Nährstoffsensitivität: Ein komplexes Netzwerk reguliert im Körper die Nährstoffverwertung. Einer der Hauptakteure in den Zellen ist der mTOR-Proteinkomplex. Er ist die Spinne im Netz, die fast alles erfasst und die Mitarbeiter dirigiert. Läuft hier etwas schief, sammeln sich schädliche Moleküle an, es kommt zu unnötigem Organwachstum oder Entzündungen. In Tierversuchen hat sich gezeigt, dass eine Blockade von mTOR viele Alterungsprozesse aufhält oder verlangsamt. Man kennt mittlerweile diverse Substanzen wie zum Beispiel das Krebsmedikament Rapamycin, die mTOR blockieren.
- Entzündungen: Unabhängig davon, warum es im Gewebe dazu kommt, will man die Schwelbrände schnellstmöglich löschen. Moleküle wie zum Beispiel das Diabetesmedikament Metformin, aber auch Stoffe aus Pflanzen wie Quercetin konnten in der Zellkultur und Tierversuchen Entzündungen dämpfen.
- Verjüngung: Es klingt wie Science-Fiction, ist aber in Mäusen bereits erfolgreich. Durch die kurzfristige Einwirkung von vier bestimmten Regulationsproteinen werden Zellen jünger und dadurch Organe leistungsfähiger.
Die Longevity-Forschung muss nun zeigen, ob und wie die in Tierversuchen erfolgreichen Substanzen auch im Menschen wirken. Völlig unklar ist derzeit, welche Menge einer Substanz jemand einnehmen sollte, wann im Leben man mit den Mitteln starten sollte und ob alle Menschen gleichermassen profitieren. Eine der wichtigsten offenen Fragen ist zudem, welche schädlichen Nebenwirkungen eine über Jahre andauernde Einnahme auslöst.
Um die klinischen Studien effizienter gestalten zu können, plädieren viele Experten seit längerem dafür, die Altersprozesse an sich zur Krankheit zu erklären. Und nicht erst die davon verursachten Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes Typ 2, Krebs oder Demenz. Derzeit werden nämlich fast ausschliesslich Therapien gegen bereits ausgebrochene Erkrankungen klinisch getestet. (Stephanie Lahrtz)
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»