Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03344.jsonl.gz/2946

In den beiden kulturhistorischen Essays über die Templer und die Albigenser nimmt uns Zbigniew Herbert auf eine ausserordentlich spannende Reise der Geschichtslesung. Er interpretiert die überlieferten geschichtlichen Fakten in faszinierender Weise und zieht dabei auch immer Schlussfolgerungen, die noch weit in unsere Zeit ausstrahlen. So sieht er in der Ausrottung der ketzerischen Katharer in der Grafschaft Languedoc des 13. Jahrhunderts weniger einen religiösen Krieg als die systematische Kolonialisierung der vormals eigenständigen Region und die Vernichtung der provenzalischen Kultur. Sogfältig zeichnet er die verschiedenen historischen Ereignisse nach und belegt mit ihnen seine Interpretation – eine Interpretation, die auch von anderen Historikern inzwischen geteilt wird. Für die Kolonisierung des Südens werden Instrumente entwickelt, wie die Inquisition, die Menschen in Angst versetzt und auf Denunziation aufbaut, die auf Generationen hinaus das Zusammenleben der Menschen vergiften und Misstrauen säen. Die Parallelen zu Überwachungs- und Säuberungsaktionen in den modernen totalitären Staaten zwingen sich auch.
Auch der Prozess gegen die Templer, dieses zu mächtig und zu reich gewordenen Ritterordens, den der französische König Philipp der IX. im 14. Jahrhundert anzettelte, zeigt für Herbert exemplarisch die Einführung verschiedener Mittel und Instrumente – wie Verleumdung, Propaganda, Folter, Falschaussagen –, deren sich bis heute totalitäre Staaten bedienen, um ihre Macht zu erhalten. Faszinierend und lesenswert! cnKlappentext:
Im Jahr 1996 erschienen zwei kulturhistorische Essays unter dem Titel Opfer der Könige: Albigenser, Inquisitoren und Troubadoure und Verteidigung der Templer. Zbigniew Herbert zeigt nun auch hier wieder, was seine Meisterschaft zu leisten vermag: Wie er sich zum Verteidiger der unterdrückten Minderheiten im mittelalterlichen Frankreich macht, wie er die Arroganz der Mächtigen anprangert. Albigenser aus dem Gebiet der Languedoc und ritterliche Templer werden zu Opfern der Geld- und Machtgier der Herrscher in Paris. Die Grausamkeit jener Bürgerkriege des 13. und 14. Jahrhunderts und die Vernichtung der Kulturlandschaft Süd- und Südwest-Frankreichs sowie die Hinrichtung einer breiten Schicht des dortigen Adels auf den Scheiterhaufen der Ketzerverfolgungen und die Zerstörung der Burgen zeigen, daß unser Jahrhundert mit seinen Grässlichkeiten kein Monopol hat. Ein Berufshistoriker sei er nicht, sondern Erzähler. Das entbindet ihn von wissenschaftlicher Objektivität, das lässt Sympathie und Leidenschaft zu. So übergeht er die emotionale Komponente nicht und zeigt uns, wie hell die Scheiterhaufen brannten.Über die Autorin / über den Autor:
Zbigniew Herbert, geboren 1924 in Lemberg, erlebte als Schüler die sowjetische, dann die deutsche Okkupation und schloss sich 1943 dem polnischen Widerstand an. Seit 1956 veröffentlichte er Gedichte und Essays. Jahrelang bereiste er Italien, Frankreich und Griechenland. Herbert, der 1998 in Warschau starb, zählt zu den grossen europäischen Dichtern des 20. Jahrhunderts.Preis: CHF 25.90