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Die Geschichte des Männerchors Bäretswil ist gut dokumentiert durch vollständig erhaltene Protokollbücher und drei Festschriften, eine zum 100. Jubiläum (1935)[1], eine zum 150-jährigen Jubiläum (1985)[2] und eine letzte zum Jubiläumskonzert «175 Jahre Männerchor Bäretswil» im Jahre 2010[3], wobei diejenige von 1985 mehr ein Programmheft ist und diejenige von 2010 vor allem ein Fotobuch.
Die Geschichte der ersten 100 Jahre ist aber sehr ausführlich beschrieben in der Jubiläumsschrift zur Jahrhundertfeier 1935, siehe dazu die Bildergalerie. Für weitere Infos stehen die Protokollbücher zur Verfügung, die alles andere als humorlos abgefasst sind.
Gründung der «Gesellschaft des Männergesanges»
Gegründet wurde die «Gesellschaft des Männergesanges in Bäretschweil» im Juni 1835 als erster Verein des Dorfes, später hiess es «Männergesangsverein Bäretsweil» und nochmals etwas später schlicht «Männerchor Bäretswil».
Gründungsprotokoll:
«Unterm 1ten Brachmonat 1835 setzten die Schulleiter Bossart von Bäretschweil, Meyer von Adetschweil, Kägi von Wappenschweil, Bachmann von Bettschweil, Stutz von der Tanne, Schulverweser Bossart im Hof, Egli von Fehrenwaltsberg – und an ihrer Spitze – Waser, Dekan – folgendes Einladungsschreiben in Circulation: „Unterzeichnete laden anmit sämtliche Gesangfreunde aus hiesiger Gemeinde, welche Lust haben, einen Männerchor bilden zu helfen, freundschaftlich ein, ihre Namen diesem Circular beizusetzen. Sobald eine hinreichende Anzahl Teilnehmer sich zeigt, werden Statuten entworfen und alle für das Gedeyen der Anstalt erforderlichen Einrichtungen sogleich getroffen werden.” Das Circular ward dann unterschrieben von Gemeindebewohnern in Bäretschweil (31), Adetschweil (22), Wappenschweil (8), Betschweil (8), Thal und Hof (6), und Berg (9).»
Die Mitglieder hatten dann 10 Schillinge als Einstand in den Gesellschaftsfond zu bezahlen. Bei Austritt aus der Gesellschaft waren 20 Schillinge in die Gesellschaftskasse zu zahlen. Die Vorsteherschaft bestand aus: Präsident (Dekan Waser, Bäretschweil), Vicepräsident (Kantonsrath und Gemeindeammann J. Walder, Bäretschweil), Capellmeister (Schullehrer Kägi, Wappenschweil), Quästor (Lieutenant Hs. Heinrich Stutz in Betschweil), Secretair (Gemeinderathschreiber und alt Friedensrichter Johannes Bürgi, Adetschweil) und zwey weiteren Gesellschaftern (Kaspar Bossart, Schulverweser im Hof und Johannes Stutz, Schullehrer in der Tanne).
Die ersten 100 Jahre
Nach diesem fulminanten Start ging es aber schnell bergab mit den Mitgliederzahlen und schon im Jahre 1838 gibt es auf dem Berg kein Mitglied mehr im Männerchor, im Hof noch 1, in Betschweil 2 und schon heisste es im Protokoll vom 26.5.1839: «Da bey den obwaltenden politisch-kirchlichen Bewegungen in unserm Canton (Anm: Züriputsch) die daherige Stimmung einzelner Gemeinden und ihrer Bürger offenbar auch auf die gesellschaftlichen Verbindungen jeder Art störend einwirkt – und von dieser Wirkung auch unser Gesangverein nicht frey zu bleiben scheint, auch offenbar seit einiger Zeit ein auffallendes Erkalten für die Zwecke des Gesanges sich eingestellt hat, so frägt es sich ob unter solchen Verhältnissen unsere Gesangsgesellschaft weiter fortdauern könne.» Am 5.09.1841 findet dann die letzte Zusammenkunft mit nur mehr 27 Mitgliedern statt wobei die Auflösung der Gesellschaft beschlossen wurde. Bis 1874 gibt es dann keinerlei Aufzeichnungen mehr.
Über das gleiche Thema lesen wir bei Julius Studer folgendes (1870)[4]: Erst im Jahre 1843, als auf Antrieb von Wetzikon der Sängerverein am Allmann gestiftet wurde, kam wieder neues Leben auch in unsere Gemeinde. Zu Bäretswil und Adetswil erstanden eigene Männerchöre, die schon im Sommer 1845 im Stande waren, mit vereinten Kräften das Sängerfest des Bezirksvereins zu übernehmen. Später, im Jahre 1857, verbanden sich beide Vereine zu gemeinsamen Übungen und zu doppelt erfreulichem Erfolg.
Das zu den Anfängen. Bis zum Jahr 1935 gibt die Jubiläums-Festschrift zum 100-jährigen genügend Auskunft über die Aktivitäten (siehe Jubiläums-Schrift zur Jahrhundertfeier 1835-1935), es lohnt sich aber einige Auszüge aus dem Protokollbuch anzuschauen, das nicht wenige interessante und auch amüsante Vorkommnisse enthält, vieles im Wortlaut der damaligen Protokolle wiedergegeben. Diese Episoden sollen einfach noch etwas den «Zeitgeist» dokumentieren und keinesfalls dem Motto entsprechen: «Ist Gras über eine Sache gewachsen, kommt sicher ein Esel und frisst es weg.»
Die Traktanden der Quartalsversammlungen setzten sich meistens wie folgt zusammen: I. Protokoll, II. Bezug der Monatsgelder und Bussen, III. Ein- und Austritte, IV. Allfälliges und im November kam noch das Winterprogramm dazu.
An der Generalversammlung vom Dezember 1905 ging es um folgendes: Traktandum 6, «Fahnenschrankangelegenheit, dieses schon mehrmals behandelte Traktandum wird nochmals an die Kommission verwiesen.» Um diesen Fahnenschrank gibt es noch mehrmals Diskussionen bis er endlich erstellt und im «Bären» platziert worden ist.
05. März 1906: Der diesjährige Fastnachtsbummel hatte die Mitglieder auf Mittag 2 Uhr in die Linde versammelt. Unter den Klängen der Vereinspauke mit Musik und Gesang wurde der beschlossene Rundgang durchs Dorf ausgeführt, wobei ein Mitglied des Vereins als Komiker sowie die Landmiliz von Blasewitz die Hauptrollen des Tages spielten.
Im Mai 1909 wird beschlossen dem Dirigenten Otto Honegger für seine Leistungen einen Jahreslohn von 150 Fr. zu entrichten.
Anschliessend an das Protokoll der Quartalsversammlung vom 10.11.1910 folgt noch eine Notiz: «Da ein Mitglied unseres Vereins auf dem Heimwege von dieser Versammlung sich, der herrschenden Dunkelheit wegen, derart verirrte, dass er erst nach längerem Umherirren in fremden Gärten wieder auf den richtigen Heimweg kam, erlaubt sich der Berichterstatter die Anfrage, ob es nicht angezeigt wäre, wenn sich der Verein einige Taschenlaternen beschaffen würde, um bei solchen Gelegenheiten diesen «kurzsichtigen» Personen damit aushelfen zu können.»
Quartalsversammlung 16.02.1911 Linde: Auszug aus dem Protokoll: «Herr Reinhold Walder stellt den Antrag, um den Mitgliedern die Mühe zu ersparen, die Entschuldigungen daheim zu schreiben, in den Gesangsstunden Entschuldigungs-Zettel aufzulegen, damit sich die Mitglieder in der Gesangsstunde für die vorhergehende versäumte schriftlich entschuldigen können. Zum Zeichen, dass die Mitglieder damit vollständig einverstanden sind, dies also Beschluss ist, hüllten sich alle in tiefes Stillschweigen!»
Weiter wurde im Anschluss an dieses Protokoll der anschliessend gemütliche Teil des Abends leicht philosophisch beschrieben: «Der zweite Teil nahm, wie in unserem Verein üblich, einen gemütlichen Verlauf; wollte doch keiner recht anfangen heimzugehen. Warum wollen wir lieber nicht untersuchen, vielleicht fürchtet sich dieser und jener von den daheim herumschwadernden Stiefelknechten und Pantoffeln oder sonstigen Utensilien , besonders da wir ja in der Zeit der Aviatik leben. Diese Furcht suchte man sich durch prächtige Lieder, welche mit der Produktion eines Feuerfressers abwechselten, zu vertreiben. Nach und nach begab sich aber doch einer nach dem anderen mehr oder weniger still vergnügt und in Gedanken vertieft nach dem heimatlichen – Bette! Bis zum Anbruch des Tages war denn auch die Versammlung aufgelöst.»
In einem anderen Protokoll wurden die Begebenheiten nach der Generalversammlung folgendermassen aufgezeichnet (Aktuar Lehrer W. Eberhard): «Hierauf erklärte der Präsident Schluss der Versammlung! Die «Rippli mit Sauerkraut» werden in Angriff genommen. Nachdem diese «Schweinerei» gegessen war, brechen einige Mitglieder auf um das Konzert der Obersteirer im Schweizerhof Wetzikon zu besuchen. Ich darf verraten, dass wir, die wir dort waren, die Obersteiner Burschen fast etwas beneideten, weniger wegen den Stimmen als wegen den Dirndln! Schlafen konnten wir aber doch noch!»
Und nach einer Quartalsversammlung: «Hierauf Schluss der Verhandlungen und der gemütliche Teil nimmt unter Grammophon und Flöten-Musik seinen Anfang!»
Mai 1911: «Der Antrag eine Reise auszuführen wird durch tiefstes Stillschweigen, unterbrochen durch geheimes Schlucken, genehmigt. Diese soll eine 2-tägige sein und zwischen Heuet und Emdet stattfinden.»
17.07.1912: Rigi-Reise.
1912 wirkte auch der Gemischte-Chor mit bei der Abendunterhaltung, zu den Proben steht im Protokoll folgendes: «Dass wir die Mitwirkung unserer Gemischten-Chörlerinnen beim Theatern richtig zu schätzen wussten, bewiesen wir – zwar nicht alle, s’isch aber au nüd nötig gsii – dadurch, dass wir den entfernten Wohnenden unseren Schutz angedeihen liessen, bei Briefträgers Schürli vorbei bis in die Kreuzstrasse. Aber am folgenden Morgen bereuten wir unsere Ritterlichkeit zuweilen, wenn uns dann die Haare so schwer auf dem Kopfe lagen.»
Bezirksgesangsfest in Hinwil am Sonntag 6. Juli 1913, die folgende Ansichtskarte zeigt den Festumzug anlässlich dieses Festes
Es machten 29 Verbandsvereine mit. In seiner Rede erinnert der Präsident des Bezirksgesangsverein Notar Lätsch daran, dass im Jahre 1843, also vor 70 Jahren, in Hinwil der Bezirksgesangsverein gegründet worden ist und sich im Laufe der Jahre (bis 1913) auf einen über 1000 Mitglieder starken Verband entwickelt hat. Aus dem Protokoll der Bäretswiler: «Mutig betraten auch wir als 12. Verein, 27 Mann stark, die Bühne um unser Lied vom Stapel zu lassen.» Am Nachmittag wurden die Liedervorträge fortgeführt in der Festhütte, die 2’700 Sitzplätze anbot. Später folgten auch die Lieder des Gesamtchors des Bezirksgesangsvereine unter der bewährten Leitung des Bezirksdirigenten Lehrer Küng (Sängervater Ferdinand Küng, Lehrer in Wald ZH). Danach ordneten sich die Vereine zum Festzug ein der durch den prächtig geschmückten Festort führte. Nach dem Festumzug traf man sich wieder in der Festhütte und so heisst es im Protokoll: «Inzwischen war in der Festhütte das ersehnte Bankett vorbereitet worden. Oh wie wohl das gute Essen tat nach dieser Arbeit und erst der Wein!» Danach war noch Zeit für einen Dorfrundgang bis dann das Festpiel «Des Bachtels Gruss aus alter und neuer Zeit» begann. Höhlenbewohner, Alemannen, Ritter, Sennen, Velofahrer und Schüler ernteten stürmischen Beifall. «Als dann beim Schlussbild die Mitspielenden der Mutter Helvetia huldigten, im Hintergrund das Winkelried und Telldenkmal sichtbar wurde, die Musik die Nationalhymne «Rufst du mein Vaterland» intonierte, erreichte die Begeisterung ihren Höhepunkt.» Die Bäretswiler fuhren dann nachts mit der «Choli» zurück in ihr Dorf und beschlossen den Tag noch bei Reinhold Walder in der Linde. Mit «Choli» war natürlich der Dampfzug der Uerikon-Bauma-Bahn gemeint.
Im Herbst desselben Jahres beabsichtigte der Männerchor einen Herbstausflug nach Wülflingen und Neftenbach zu machen: «Leider blieb es nur bei der Absicht, trotzdem das Mittagessen im Schloss Wülflingen schon bestellt war. Der 15. Oktober brachte der Gemeinde nämlich den ersten Fall der unheilvollen Maul- und Klauenseuche so dass man nicht ans ausreisen denken durften.»
Im Februar 1914 fand eine Generalversammlung im Bären statt, denkwürdig dabei war Trakt. 3, Wahlen: «Präsident F. Schärrer wird trotz Ablehnung des Amtes wiedergewählt, genau so erging es Vizepräsident Henri Oberholzer, er wird ohne Rücksicht auf sein Rücktrittsgesuch wiedergewählt. Aktuar wird wieder Lehrer W. Eberhard, aber R. Muggli verweigert die Annahme seiner Wiederwahl als Quästor und schlägt Herrn Wirz vor. Trotzdem dass auch dieser die Wahl ablehnt wird er gewählt. Nur der Dirigent Honegger nimmt seine Wiederwahl an! Herr Wirz lehnt darauf nochmals das Amt als Quästor klar ab. Als alles Bitten nichts fruchtet ist Aktuar W. Eberhard bereit das Amt als Quästor für die Dauer eines Jahres anzunehmen und R. Muggli ist einverstanden das Aktuariat zu übernehmen.»
Also gab es schon damals Probleme geeignete Leute zu motivieren ein Vorstandsamt in einem Verein zu übernehmen. Wir kennen das auch von heute, allerdings noch verstärkt dadurch, dass heute auch kaum mehr Leute in einem Verein mitmachen wollen (siehe Auflösung des Männerchors Bäretswil 2016).
19.-21.07.1914: 15-seitiger Reisebericht (Bern und Niesen).
05.11.1916: 3½ seitiger Bericht von Aktuar R. Muggli.
Aber nun ein Beispiel einer Ehrung im Jahre 1917: Der Männerchor feiert das 25. Sängerjubiläum des Aktivmitgliedes Gottfried Kunz, Schlossermeister, «der ¼ Jahrhundert ununterbrochen treu zur Fahne gestanden und Freud und Leid des Vereins stets mitgetragen hat.» Ihm wurde vom Präsidenten ein silberner Becher überreicht mit der Widmung «Männerchor Bäretswil 1891-1916». Danach wurde dem Jubilar noch ein Gedicht gewidmet mit dem Schluss: «Auf der Sänger Wohl!»
8. Sept. 1918: Orgelweihe in der Kirche Bäretswil.
An der Generalversammlung von 1925 wurde der neue Fahnenschrank eingeweiht: «Mit wenigen Worten aber mit einem Tropfen Roten ging die Weihe vom Stappel.»
An der Quartalsversammlung im November 1926 ist vom Präsidenten informiert worden, dass sich der Vorstand energisch mit der Werbung neuer Mitglieder befasst und sogar prüfen möchte, ob nicht eine Fusion mit dem Männerchor Bettswil möglich wäre. Diese Information löste eine lange Diskussion aus an deren Ende man sich lediglich auf die Zusammenarbeit mit Bettswil, Hof und der Gesangssektion des Turnvereins, im Falle eines Jubiläums, einigen konnte.
Auch Rücktritte aus dem Verein gab es immer wieder zu verzeichnen, die nicht immer in Minne verliefen, so auch im Sommer 1934: «Ein schriftlich vorliegender Austritt von Herrn J. W. der bedauerlicherweise gleichfalls auf Motiven beruht, die auf keinen Fall mit den Bestrebungen des Männerchors vereinbart werden können, wird ebenfalls genehmigt.»
Vom 100-Jahr zum 150-Jahr Jubiläumsfest 1985
Ein kurzer Abriss der Geschichte bis 1985 entnimmt man der Festschrift von 1985 (siehe 150 Jahre Männerchor). Aber auch für diese Zeitspanne wenden wir etwas genauer einzelnen Episoden zu:
1938 nähert sich Europa einem weiteren Krieg, der alle vorherigen übertreffen wird und in der Schweiz werden sog. Verdunkelungsübungen angeordnet. So ersucht die Schulpflege «diejenigen Vereine, die Schulräume als Übungslokale benutzen, für Verdunkelung derselben besorgt zu sein. Da jedoch eine Benützung des Schulzimmers von Seite des Männerchors sei es bei Verdunkelungsproben noch im Ernstfalle keineswegs in Frage kommt, soll diese Zuschrift in ablehnendem Sinn beantwortet werden.» Für die Kriegsjahre 1939-1945 siehe auch[5].
Landesausstellung 1939 Zürich: Das Landesausstellungskonzert des Bezirksgesangsverein Hinwil fand am 13. August statt und gestaltete sich zu einem Ehrentag für das Zürcher Oberland.[6]
Um anstehende Ausgaben wurde an den Quartalssitzungen immer wieder stark gerungen und selbst für heute als kaum erwähnenswerte Ausgaben belächelt, gab es lange Diskussionen. Aber grundsätzlich wurde der Vereinskasse immer in grossem Masse Sorge getragen. Das beweisen auch zwei Episoden, einerseits lehnt man einen etwas grösseren Beitrag an den Turnhallenfond ab und geht auch nicht auf den Wunsch ein, für den Besuch der Landesausstellung 1939 einen einheitlichen Hut zu kaufen. Nur ein neues Vereinsabzeichen wird ins Auge gefasst. Andererseits war man bei Ausgaben, bei denen es um das «Bauchgefühl» ging, wesentlich grosszügiger, im Bericht zur Vorbereitung des Besuchs der Landesausstellung 1939 in Zürich heisst es : «Da dieser Tag jedes Mitglied finanziell etwas belasten wird, beantragt der Vorstand die Kosten für die Bahnfahrt, inbegriffen mit Autobus bis Bahnhof Enge sowie die Eintrittskosten aus der Vereinskasse zu vergüten. Ein Mitglied beantragt auch noch die Kosten für ein gemeinschaftliches Mittagessen in diese Vergütung mit einzubeziehen, welchem Antrag die Versammlung schmunzelnd Zustimmung erteilt.»
Mit einem grossen Fest wurde am 6. Mai 1950 die Fahnenweihe begangen[7] [8], gemeinsam mit der Musikgesellschaft Adetswil-Bäretswil dessen Mitglieder ihre neuen Uniformen einweihten. Als Paten amtierten der Männerchor Kempten und für die Musikgesellschaft die Harmonie Bauma (siehe dazu Galerie Fahnenweihe 1950).
An der Bundesfeier vom 1. August 1952 wurde erstmals das Bäretswiler-Lied öffentlich aufgeführt. Die Musik entstammt der Feder des Lehrers Alfred Zeller, die Verse derjenigen von Albert Egli-Zollinger, Kleinbäretswil.
Im Jahre 1954 wird Heiri Hauser zum Präsidenten gewählt und hat gleich die Aufgabe, einen neuen Dirigenten zu suchen, da Otto Honegger nach 47 Jahren Vereinstätigkeit seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte. Für die Nachfolge wurden Otto Schaufelberger, Bäretswil und Christian Wolf, Lehrer in Adetswil, angefragt. Im Mai hatte sich auch noch Anton Bamert von Kempten brieflich um die Stelle beworben. Schlussendlich ist an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 2. Dezember im Restaurant Ochsen folgende geheime Wahl getroffen worden: 32 Stimmen für Otto Schaufelberger, 2 Stimmen für Anton Bamert. Christian Wolf war nicht mehr im Rennen, da seine Wahl als Lehrer in Adetswil nicht sicher war. Damit war Otto Schaufelberger gewählt, der dem Verein ab 1955 volle 28 Jahre die Treue hielt. Sein Vorgänger Otto Honegger wird zum Ehrendirigenten erkoren. Er erhielt eine Ehrenurkunde zusammen mit einem «essbaren» Geschenk. Wie spätere Protokolle zeigen, ist Otto Honegger hin und wieder mal eingesprungen, wenn Not am Manne bzw. Dirigenten war.
Im selben Jahr findet die Abendunterhaltung erstmals in der neuen Turnhalle statt. Bei einem Aufwand von rund 1’400 Fr. resultiert ein Reinerlös von lediglich 148 Franken. Den Grund dafür sucht der Vorstand im neuen Veranstaltungsort.
1971 Sängerfest Gossau: «Der Expertenbericht vom Sängerfest in Gossau wirkt etwas deprimierend. Josef Gerstl ist sicher nicht zu Unrecht der Meinung, dass der stürmische Applaus für die Liedervorträge so gewertet werden dürfe, dass wir bei der Zuhörerschaft gut angekommen sind. Und damit die Experten Lügen strafen.»
16.10.1975 Quartal: Der Präsident weist auf die 20-jährige Tätigkeit des Dirigenten Otto Schaufelberger hin und findet eine Ehrung wäre am Platz. Bescheiden wie immer möchte Otti lieber darauf verzichten. So stimmt Otto Schaufelberger das Lied «Bergvagabunden» an. Wie von Bienen gestochen verlässt der Grossteil der Männerchörler nach dem Lied den Saal, was von grosser Zusammengehörigkeit des Vereins zeugt (J. Gerstl, Aktuar).
Vom Eidgenössischen in Nyon ist 1977 der Verein mit der Wertung «Gold» heimgekehrt, auch am Sängerfest 1976 in Marthalen erreichte man den Goldpreis mit dem Lied «Wir Schweizer». Protokoll: «Ein grosses Fest mit Begeisterung die erst spät in der Nacht abzuklingen begann. Goldrausch einiger älterer Semester. Seit langen nicht mehr so viele Sänger zusammen gesessen nach einer Veranstaltung.»
1977: Aufführung «Ein Sommertag» grosser Erfolg wie auch das Bezirkssängerfest in Fischenthal, sehr gute Bewertung.
1977: Kirchenjubiläum Bäretswil, Singen Männerchor verdankt.
1979: 1.09. Schützenempfang vom Eidg. Schützenfest in Luzern zusammen mit Musikverein
1980: Reise. «Zuerst möchte der Vorsitzende Klarheit über das heiss umstrittene Thema ob mit oder ohne Frauen haben.» Mit 18 Stimmen ist die Mehrheit dafür, dass ohne Frauen gereist wird, schliesslich gehe der Frauenverein auch ohne die Männer auf Reisen.
15.06.1980 Bezirkssängerfest in Kempten.
Im November 1980 ist der amtierende Präsident Alois Spörri gestorben. An der GV 1981 wird darauf Ernst Gassmann zum Präsidenten gewählt. Im selben Jahr wirkt der Männerchor beim 100-jährigen Jubiläum des Turnvereins mit. Ernst Gassmann führte die Vorstandskasse ein, damit wurden mehrtägige Vorstands-Reisen gemacht nach München, Friaul, Burgenland, Südtirol und Tessin.
Jahresbericht 1981 vom Präsidenten Ernst Gassmann: «Der Aktivmitgliederstand am 1.1.1982 betrug 39 Sänger, Passivmitglieder sind 294. Man traf sich 49 mal zum Singen, wobei der Probenbesuch öfters wieder zu wünschen übrigliess. Nebst einigen Geburtstagsständchen feierten wir die Silber Hochzeiten von Ernst Heeb und Willy Kägi, sowie den 30-jährigen «Krieg» von Hans Linder.» Zudem ist dem Bericht ein Dokument über den Probenbesuch vom Jahre 1981 beigeheftet, daraus geht hervor, dass nur Rudolf Sütterlin und der Dirigent Otto Schaufelberger null Probe-Absenzen hatten, einigen gelang es bei 37 Proben auf 29-35 Absenzen zu kommen!
1982 April: Dirigent Adolf Köhler hat nach 2 Proben abgesagt. Otto Schaufelberger steht auch nicht zur Verfügung, da er schon ein festgesetztes Musikprogramm hat, daher Verein vorläufig ohne einen Dirigenten. Die Dirigentensuche geht aber weiter und in der Zwischenzeit sollen Höcks in verschiedenen Restaurants gehalten werden um den Kontakt nicht zu verlieren. An derselben Sitzung wird Otto Schaufelberger zum Ehrenmitglied ernannt.
1982 Jahresbericht: Auf Ende März 1982 ist Dirigent Otto Schaufelberger zurückgetreten nach 28-jähriger Vereinstätigkeit. Neuer Chorleiter wird Adolf Köhler. Im selben Jahr gab es ein neues Liederbüchlein in Taschenformat, zu erwerben für 16 Franken. Adolf Köhler blieb bis 1987.
1984 führt der Männerchor den Chilbi-Jass ein bis 2015. Zuerst an der Chilbi, nach dem Bau der neuen Turnhalle im Rest. Freihof.
Nach 1985
So zog sich das Sängerleben weiter dahin mit der Teilnahme an Bezirksgesangsfesten, am Schweizerischen Gesangsfest im Entlebuch (1991) und in Sion (2000), dem Chränzli 1991 zur 700-Jahres-Feier der Eidgenossenschaft und 1250 Jahre Bäretswil, Veranstaltungen anderer Vereine, deren Empfang Mitwirkung an der Weihnachtsausstellung, alle drei Jahre am Bezirkssängerfest, dann Bettagssingen, Auffahrtssingen, Maisingen, Silvestersingen, Chränzli, Geburtstagsständchen, Grabgesang, Muttertagsingen in der Kirche, Erntedankfest, Bundesfeier, Jungbürgerfeier und anderes mehr. Natürlich gehören dazu auch Vereins-Reisen und Ausflüge, Katerbummel, Chlausabende sowie einfach nur Fahrt ins Blaue.
Ein besonderes Erlebnis gab es 1990 mit einer Schallplattenaufnahme im Studio in Küsnacht für das Jubiläumsjahr 700 Jahre Eidgenossenschaft 1991.
Im selben Jahr schenkte der Männerchor dem Verkehrs Verein Bäretswil (VVB) zum 80-jährigen Jubiläum einen Arbeitseinsatz für den Unterhalt der Wanderwege. Dieser Einsatz fand mit 11 Personen im Juni 1990 statt mit Arbeiten im Bereich Steig-Gryffenberg-Hinterburg.
Im Jahre 1992 fand erstmals das Muttertagsingen in der Kirche statt. Im selben Jahr musste man den Rücktritt des langjährigen Präsidenten Ernst Gassmann entgegen nehmen.
Weiter aber ging es mit Chränzli, der Teilnahme am Bezirksgesangsfest in Wald mit dem Lied Sturmbeschwörung und 1994 einem Ständchen zum Jubiläum 75 Jahre Kinderheim Sunnemätteli. Ein Jahr darauf verstarb der ehemalige Dirigent Otto Schaufelberger, er hatte dem Verein von 1955 an volle 28 Jahre die Treue gehalten. 1997 wurde zur Lok-Taufe gesungen und am 4. Juli 1998 fand das Bezirkssängerfest wiederum in Bäretswil statt was einmal mehr einen sehr grossen Arbeitseinsatz bedeutete.
Immer wieder liest man in den Protokollen, dass die Probenbesuche öfters zu wünschen übrig liessen, mit einem Apell sich das zu Herzen zu nehmen, insbesondere auch als Wertschätzung des Dirigenten. 1978 heisst es: «Dirigent Otto Schaufelberger mahnt und stellt fest, dass nur beim besseren Probenbesuch eine Teilnahme am Westschweizerischen Sängerfest in Yverdon eine Teilnahme möglich ist. 1978: Zu Denken gab nicht nur dem Dirigenten, dass am ersten Donnerstag im neuen Jahr um 20:30 Uhr nur 7 Mitglieder zur Probe erschienen sind. Entschuldigungen sind keine eingegangen ausser den drei dispensierten. Nach Artikel 24 unserer Statuten gilt Bequemlichkeit nicht als begründete Entschuldigung!» 1981 heisst es: «Walter Glückler wünscht sich einen besseren Probenbesuch, es sei deprimierend für einen auswärtigen Sänger, wenn die Einheimischen so wenig Ausgang bekämen.» Dies etwas zu den Sängerproben, es wurden im Laufe der Zeit auch schon in Erwägung gezogen, Mitglieder aus dem Verein auszuschliessen auf Grund nicht mehr besuchter Proben. Meist wurde aber abgewartet bis diese Sänger selbst den Austritt gaben und so blieb die Kirche wieder im Dorf.[9]
Im Jahre 2001 ist wieder einmal ein drastischer Mitgliederschwund diagnostiziert worden und dieses Problem blieb auch in Zukunft bestehen. Schon 1998 hatte man die Zusammenlegung mit dem Männerchor Kempten diskutiert.
2010 erfolgte mit der Konzert zum 175-Jahr Jubiläum des Männerchores ein letztes Sich-Aufbäumen gegen den drohenden Niedergang.
Im Jahre 2013 fand das letzte Konzert statt, danach befasste man sich mit der Auflösung des Vereins, worauf im Jahre 2015 die Passivmitglieder eine Karte erhielten, mit der Mitteilung, dass der Verein Männerchor Bäretswil auf März 2016 aufgelöst wird. Zugleich erschien die Mitteilung in der Bäretswiler-Post:
Weitere Anlässe, Programme, Protokolle und Bilder, siehe Dokumentsuche.
Albert Egli, Nov. 2023
Einzelnachweise
[1]Walter Eberhard: Männerchor Bäretswil, Jubiläumsschrift zur Jahrhundertfeier 1835-1935. , Schrift
[2]Jubiläumsfest, 150 Jahre Männerchor Bäretswil, 1835-1958. , Schrift
[3]Jubiläumskonzert «175 Jahre» Männerchor Bäretswil. , Jubiläumskonzert
[4]Julius Studer: Die Geschichte der Kirchgemeinde Bäretswil. Zürich 1870, Digitalisat S. 270
[5]Albert Egli: Bewegte Zeiten. , Protokolle und Programme
[6]Landesausstellungskonzert des Bezirksgesangvereins. 13. Aug. 1939, Bericht
[7]Fahnenweihe 1950. 6. Mai 1950, Programm
[8]Fahnenweihe 1950. 6. Mai 1950, Bericht
[9]Albert Egli: Chränzli und Abendunterhaltungen. , Programme und Protokolle