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Als Flinte (auch Schrotflinte) wird eine Handfeuerwaffe mit glatter Laufbohrung bezeichnet, die in erster Linie für das Verfeuern von Schrotkugeln ausgelegt ist. Flinten kommen als Jagd-, Sport- und Dienstgewehre zum Einsatz. Sie sind zum Schießen auf kurze Distanzen ausgelegt. Je nach Munition ergeben sich realistische Einsatzreichweiten von 10 bis 50 Metern. Ein Überschreiten dieser Reichweiten ist mit dafür ausgelegten Patronen möglich. Neben Schrot können auch massive Flintenlaufgeschosse verschossen werden.
Ursprünglich wurden mit Flinte die um 1620 entwickelten und bis ins frühe 19. Jahrhundert verwendeten Steinschlossgewehre bezeichnet.
Begriffsentstehung
Der Begriff Flinte stammt vom Flintschloss (Feuersteinschloss) her und ist dem althochdeutschen Begriff flins (Steinsplitter) entlehnt. Das wahrscheinlich zwischen 1620 und 1630 in Frankreich entwickelte Steinschloss nutzt einen Feuerstein zur Erzeugung von Funken. Dabei ist der Stein im Hahn befestigt und schlägt bei Betätigung des Abzugs gegen den Pfannendeckel der Batterie. Dieser öffnet sich dadurch und der Funke entzündet das darunter liegende „Zündkraut“ (Schwarzpulver), welches über eine Bohrung im Lauf die Treibladung entzündet.
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts unterschied man zwischen den schweren Infanterieflinten mit glattem Lauf der Linieninfanterie, welche im Verband in der Lineartaktik in großer Zahl auf kurze Distanz eingesetzt wurden sowie den leichten, zivil verwendeten Jagdflinten, und andererseits den mit Gewehren mit gezogenem Lauf ausgerüsteten Scharfschützen und Voltigeuren der leichten Infanterie, welche den Feind auf große Distanz bekämpften.
Varianten
Einschüssige Flinten, Doppel- und Bockflinten
Einläufige, einschüssige Flinten sind günstig, leicht und robust. In der Regel handelt es sich um Waffen mit Kipplaufverschluss, Modelle mit Zylinderverschluss sind eher selten. Doppelflinten (mit zwei nebeneinander liegenden Läufen, auch Querflinten genannt) und Bockflinten (mit zwei übereinander liegenden Läufen) sind schwerer, haben jedoch den Vorteil, ohne Verzug einen zweiten Schuss abgeben zu können.
Mehrläufige Gewehre, oft Drillinge, bei denen glatte und gezogene Läufe installiert sind, nennt man kombinierte Waffen.
Die häufig verwendete Bezeichnung „Bockdoppelflinte“ stellt eigentlich eine Art Pleonasmus dar. Die Bezeichnung „Bock…“ beschreibt die übereinander liegende (aufgebockte) Anordnung der Läufe. Die Bezeichnung „Bockdoppelflinte“ für zwei übereinander liegende Schrotläufe wird aber verwendet, um eine Verwechslung mit „Bockbüchsflinte“, also einen über einem Kugellauf liegenden Schrotlauf, zu verhindern. Als Abkürzung in Kleinanzeigen wird jedoch fast immer „BDF“ (Bockdoppelflinte) verwendet.
Auch zwischen den Querflinten und Bockflinten gibt es wichtige Unterschiede. So bietet die Bockflinte zu den Seiten ein besseres Gesichtsfeld. Durch die über und nicht zwischen den Läufen liegende Visierschiene wird bei heißgeschossenen Läufen die Sicht auf das Ziel weniger durch aufsteigende Warmluftschlieren beeinträchtigt. Ebenso wird der Rückstoß des unteren Laufs als geringer empfunden, da er geradliniger in die Schulter geleitet wird. Bei beiden Waffen hebt der Rückstoß die Mündung an, bei der Querflinte wird sie jedoch auch zur Seite bewegt, da hier die Achse der Waffe zwischen den Laufachsen liegt.
Repetierflinten
Vorderschaftrepetierer
Vorderschaftrepetierflinten, im englischen Sprachgebrauch auch als Slide Action Guns oder Pumpguns bezeichnet, eignen sich besonders für die Selbstverteidigung und den Einsatz im polizeilichen Bereich. Die US-amerikanische Polizei setzt sie auch an Stelle von Maschinenpistolen ein. Ihre Vorteile sind ein geringer Preis und durch den hohen Querschnitt der Geschosse eine sehr hohe zielballistische Wirkung, bei einer Magazinkapazität zwischen vier und acht Patronen. Anders als halbautomatische Flinten funktionieren sie unabhängig von der verwendeten Munition.
Bei Vorderschaftrepetierflinten befindet sich das röhrenförmige Magazin unter dem Lauf. Der Vorderschaft ist in der Längsachse beweglich und gleitet auf dem Magazin. Wird er nach hinten gezogen, wird der Verschluss geöffnet und die leere Patronenhülse ausgeworfen. Bei der Vorwärtsbewegung wird eine neue Patrone aus dem Magazin in den Lauf (Patronenlager) eingeführt. Wird also nach einer Schussabgabe nicht repetiert, ist die Waffe entspannt (die leere Hülse befindet sich jedoch noch im Patronenlager) und es kann sich nicht versehentlich ein Schuss lösen. Das Gleiche gilt, wenn nach dem Laden von Patronen in das Röhrenmagazin nicht die erste Patrone in den Lauf (Patronenlager) repetiert wird.
Eine Besonderheit bilden in diesem Segment die Truvelo-Neostead-Flinte. Sie unterscheidet sich von anderen Vorderschaftrepetierern auf dem Markt dadurch, dass sie über zwei Magazinröhren verfügt, welche zudem über dem Lauf liegen. Während des Repetiervorganges wird der Lauf nach vorne gezogen. Zudem kann man die Magazine getrennt anwählen und so verschiedenartige Munition nach Bedarf abrufen.
Unterhebelrepetierer
Flinten in der Form von Unteraltenbernheimern wurden Ende des 19. Jahrhunderts von John Moses Browning erfunden und von der Winchester Repeating Arms Company als Modelle Winchester M1887 und Winchester M1901 auf den Markt gebracht.
Dabei handelte es sich bei dem Modell 1887 noch um eine Waffe für Schwarzpulverpatronen, während das Modell 1901 stärker ausgelegt war, um raucharme Patronen aufzunehmen. Bis zur Produktionseinstellung um das Jahr 1920 wurden rund 144.000 Waffen beider Modelle gefertigt.
Mit dem von Browning gegenüber der Firmenleitung schon vor der Konstruktion des Modells 1887 favorisierten Vorderschaftrepetierer, eingeführt als Winchester M1893, schuf man sich ein Konkurrenzprodukt, welches sich schließlich am Markt durchsetzte.
Derzeit werden Unterhebelrepetierer im Design der Winchester-Flinten unter anderem von Australian Defence Industries und der chinesischen Norinco gebaut.
Repetierflinten mit Zylinderverschluss
Es gibt auch Zylinderverschluss- oder Kammerstängel-Repetierflinten. Sie sind jedoch selten. Ein Beispiel dafür ist die Marlin Model 55.
Selbstladeflinte
Selbstlade- bzw. halbautomatische Flinten unterteilen sich in Rückstoßlader und Gasdrucklader.
Der erste erfolgreiche Rückstoßlader war die 1900 patentierte Browning Auto 5, die 1903 auf den Markt kam. Bei dieser Flinte laufen, im Gegensatz zu Pistolen mit Browning-Verriegelung, Lauf und Verschluss gemeinsam um mehr als eine Patronenlänge zurück, spannen dabei das Schloss und werden entriegelt. Der Lauf wird durch die Vorholfeder nach vorne gebracht, dabei wird die leere Hülse ausgeworfen. Im Vorlauf des Verschlusses wird mit Hilfe des Zubringers eine neue Patrone aus dem unter dem Lauf liegenden Röhrenmagazin zugeführt.
Gasdrucklader nutzen den entstehenden Gasdruck zum Auswerfen der Hülse und Zuführen einer neuen Patrone aus dem Magazin. Dabei wird über eine Öffnung im Lauf Gas auf einen Kolben umgeleitet, der den Verschluss betätigt.
Da durch diese Funktionsweise der Rückstoß vermindert wird, sind Gasdrucklader im jagdlichen Bereich als Damenwaffen beliebt.
Vollautomatische Flinten
Für den militärischen Bereich wurden einige vollautomatische Flinten, wie die Daewoo USAS-12, die Jackhammer und die Atchisson Assault Shotgun entwickelt. Diese verfügen meist über Trommelmagazine mit einem Inhalt zwischen acht und 40 Patronen. Bei der Atchisson Assault Shotgun wird der Rückstoß der Waffe auf ein beherrschbares Maß vermindert, indem der Rücklauf des Verschlusses auf ein Maximum verlängert wird.