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Chinesisch-Test für Chinesen
Wie das Erziehungsministerium meldet, eröffnen nach 3-jähriger Entwicklung im Oktober die ersten Prüfungsorte, wo Chinesen einen «Test zur Sprachkompetenz» (chin. Hanyu nengli ceshi) ablegen können. Dieser soll in Shanghai, der Provinz Jiangsu, Yunnan und der Inneren Mongolei erstmals stattfinden. Die Teilnahme ist vorerst freiwillig und wurde explizit für Muttersprachler entwickelt. Doch ob diese Prüfung überhaupt Anklang in der Bevölkerung findet, bleibt abzuwarten.
Die Prüfung der Sprachkompetenz beabsichtigt, eine Orientierungshilfe für die eigene sprachliche Einstufung zu bieten. Zudem soll sie das Standardkriterium für Berufe werden, die hohe Anforderungen an die Sprachkompetenz stellen. Dazu gehören Medienschaffende, Lehrpersonen und andere, die in ähnlichen Berufen arbeiten, wo exakter Ausdruck und umfangreiche Zeichenkenntnisse wichtig sind. Das Kernziel der neuen Prüfung besteht vor allem darin, die durchschnittliche Kenntnis von Standardchinesisch (chin. Putonghua) in der Bevölkerung zu verbessern. Viele, insbesondere auf dem Land, sprechen nur ihren eigenen Dialekt und haben Mühe, sich in Putonghua auszudrücken, das in den Medien, in der Regierung und in der Schule gesprochen wird.
Bisherige Prüfungen für Schrift und Schreiben waren nur für die praktische Anwendung von Chinesisch ausgerichtet. Die neue Version ist nun in 6 Schwierigkeitsstufen gegliedert und enthält die 4 Testbereiche Hörverstehen, Sprachausdruck, Lesevermögen und schriftlicher Ausdruck. Abgesehen von letzterem können alle Bereiche am Computer gelöst werden. Als Ergebnis wird zudem nicht nur die erreichte Punktzahl vermittelt, sondern auch eine Evaluation und genaue Situierung des Sprachvermögens.
Notwendig oder nutzlos?
Ob ein solcher Test wirklich notwendig ist, bleibt umstritten. Eine Journalistin der Jinghua shibao wagte den Selbsttest als Medienschaffende und erreiche Stufe 5. Die Prüfung bewegt sich dabei im bekannten Rahmen einer Sprachprüfung, wie sie in China auch für Englisch und Chinesisch als Fremdsprache existiert: Multiple- oder Singlechoice-Prüfungselemente dominieren. Eine Userin auf Sina Weibo bezeugt die Notwendigkeit einer solchen Prüfung. Sie stärke die Wurzeln der eigenen Kultur, die sich in ihrer Generation langsam abschwächten, wohingegen immer mehr Ausländer besser Chinesisch als sie sprechen würden. Ein anderer User bekräftigt den Sinn einer solcher Prüfung: Die heutige Jugend schaue nur japanische und koreanische Serien und Comics, so dass sie die Kompetenz der eigenen Muttersprache verlören.
Es gibt auch kritische Stimmen. «China ist so gross, ein ganzer Haufen an lokalen Dialekten, und dann das Volk zum Sprechen von Putonghua bringen? Das ist realitätsfern», so ein User. «Sogar die eigene Muttersprache prüfen, das ist einfach zu ironisch … sinnlos», moniert ein anderer.
Ein weiterer User bringt die Nutzlosigkeit eines solchen Tests auf den Punkt: Es gäbe schon zu viele, die mit Englischlernen beschäftigt seien, «soll die Prüfung doch für die Ausländer konstruiert werden».
Diese gibt es zwar, die Hanyu shuiping kaoshi, kurz HSK und tritt seit kurzem in neuem Gewand auf. Doch dessen Neugestaltung wurde beispielsweise bereits vom Fachverband Chinesisch (FaCh) stark kritisiert. Vielleicht sollen tatsächlich die Ausländer doch besser den Test für Muttersprachler anstreben.