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Akron und sein Templum Baphomae
In den letzten Jahren hat Carl-Friedrich Frey aus St. Gallen, besser bekannt unter seinem Pseudonym Akron, zunehmend die Aufmerksamkeit der Medien gefunden. Für dieses Interesse ist nicht nur Akrons beachtlicher Erfolg auf dem Buchmarkt verantwortlich. Es sind vielmehr seine Gewandtheit im Umgang und seine in esoterischen Kreisen leider nicht selbstverständliche historische und philologische Bildung, die ihn zum gefragten Gesprächspartner in Medienproduktionen zu okkulten Themen machen. Carl-Friedrich Frey wurde am 1. Mai 1948 in Münsterlingen als Sohn eines Zollbeamten geboren. Nach Abschluss der Sekundarschule strebte er eine Laufbahn in der Wirtschaft an und machte eine kaufmännische Ausbildung, allerdings gewann die musische Richtung schliesslich die Oberhand. Frey wurde mit 19 Jahren Schlagzeuger in der Band Amondüül, die durch die Nähe zum Okkultismus von sich reden machte. Daneben stieg er in den Journalismus ein und schrieb in verschiedenen Ostschweizer-Tageszeitungen über kulturelle Ereignisse, mit einigem Erfolg, nicht zuletzt wegen seiner hohen sprachlichen Begabung. In den 80er Jahren eröffnete sich Akron ein neues Feld: der Esoterik-Buchmarkt. Akron legte verschiedene Bücher zur Astrologie und zum Tarot vor. Sein meistverkauftes Buch, das Werk über den Crowley-Tarot, erreichte bis heute eine Auflage von 200 000 Exemplaren. Die Liegenschaft, auf der er sein astrologisch-okkultistisches Zentrum einrichtete, nannte Frey «Akron». Ein Versehen des Verlegers beförderte bei der Edition eines Buches diesen Namen an die Position des Autors. Seither trägt Frey diesen Namen selbst. Etymologisch leitet Akron seinen Namen von «achronos» = zeitlos ab. Der Zeitlose, Unzeitgemässe oder Überzeitliche zu sein, dies ist es, was Akron in seinem Namen programmatisch vorgegeben sieht. Akron ist ein Autodidakt. Sein beachtliches philosophisches, psychologisches und historisches Wissen hat er sich angelesen. Dies gilt auch für den Bereich des Okkultismus: Akron ist nirgendwo spirituell «in die Schule gegangen», er kennt keinen Lehrer oder Vorläufer. Wahrheit ist, so wurde Akron klar, relativ. Sie hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Der Beobachter projiziert sich und seine Voraussetzungen in die Welt hinaus. Was er dort sieht, ist somit nur das Spiegelbild dessen, was er in sich selber trägt. Damit wird objektive Wahrheit unmöglich. Akrons eigener Orden, das Templum Baphomae, der Tempel der Baphoma, entsprang der Idee, Leser seiner Werke an ihren jeweiligen Wohnorten zusammenzuführen, damit diese sich gegenseitig kostenlos unterstützen können, statt auf u.U. lange Anreisen und kostenpflichtige Beratung Akrons angewiesen zu sein. Der Name Baphoma geht zurück auf Baphomet, das angebliche Kultobjekt der mittelalterlichen Tempelritter, Akrons liebstes Schatten-Symbol. Baphoma stellt eine feminine Wendung des zwar androgyn gedachten, aber doch grammatikalisch maskulin bezeichneten Baphomet dar. Das Publikum des Templum Baphomae besteht zu einem grossen Teil aus Akademikern, mit einem deutlichen Schwergewicht bei in therapeutischen Berufen Tätigen. Junge Menschen sind nur spärlich vertreten, was Akron auch nicht allzu sehr bedauert. Tatsächlich passt Akrons binnenpsychisches Verständnis des Bösen nicht zum typischen jugendlichen Satanisten, und der theoretische Hintergrund seiner Schattenarbeit mögen ihm zu komplex sein.