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Zielrichtung aus Nachhaltigkeitssicht
Abwechslungsreiche Kulturlandschaften und naturnahe, unverbaute und grossflächige Erholungs- und Naturlandschaften tragen massgeblich zur Lebensqualität bei. Zerschnittene und verbaute Landschaften beeinträchtigen neben der Lebensqualität der Menschen auch die Überlebenschancen vieler Tier- und Pflanzenarten. Eine hohe Landschaftsqualität bedingt ein Netzwerk natürlicher und naturnaher Landschaften sowie ein Siedlungswachstum innerhalb der vorgesehenen Entwicklungsgebieten.
Die Qualität der Landschaft und Lebensräume wird anhand ihrer Zerschneidung durch Strassen, Bahnlinien und Siedlungen sowie anhand neu erstellter landschaftsrelevanter Bauten gemessen.
Stand Landschaft 2020
Der folgende Text beschreibt den Stand der Indikatoren U6.1 (2008–2020) und U6.2 (2000–2019)
Die effektive Maschenweite nahm 2020 im Aargau gesamthaft zu und damit die Zerschneidung der Landschaft ab. Strassen, die Eisenbahn, Bauzonen sowie verbaute oder kanalisierte Gewässer wirken zerschneidend, Wildtier- und Kleintierdurchlässe und -brücken verbindend. Der Anstieg der effektiven Maschenweite im Bezirk Lenzburg kann auf die Wildwarnanlage bei Schafisheim (2015) und den Neubau eines Kleintierdurchlasses in Seon (2016) zurückgeführt werden. Der Bezirk Laufenburg weist, aufgrund der vergleichsweise grossen zusammenhängenden Landschaften im Juraparkgebiet, die grösste effektive Maschenweite aller Bezirke auf. Die Detailauswertung nach Naturräumen zeigt, dass der Jura auf einem vergleichsweise hohen Niveau seit 2008 keine Veränderung mehr erfahren hat. Demgegenüber verbessern sich die Naturräume Flusstäler und Molasse-Hügelland kontinuierlich.
Der Aargau gehört zu den am stärksten zerschnittenen Kantonen der Schweiz mit entsprechender Wirkung auf die Fragmentierung der Lebensräume. Schweizweit liegen mehr als die Hälfte der Strassenverbindungen im dicht besiedelten Mittelland. Auf einen Quadratkilometer kommen Strassen mit einer Länge von rund 4 Kilometer (BAFU 2017). Mit einem Anteil von 18,0 Prozent ist im Mittelland die gesamte Siedlungsfläche mehr als doppelt so gross als im Landesdurchschnitt von 7,5 Prozent (BFS 2019). Um der Fragmentierung der Landschaft und dem Verlust der Biodiversität entgegenzuwirken, wird im Kanton Aargau eine Ökologische Infrastruktur, das heisst ein funktionsfähiges Vernetzungssystem von Kerngebieten mit einem hohen ökologischen Wert angestrebt und über eine strategische Planung schrittweise aufgebaut. Zur Förderung der Vernetzung setzt der Kanton Aargau unter anderem schrittweise ein gesamtkantonales Sanierungskonzept für Wildtierkorridore um (BVU 2010) und sichert Amphibienzugstellen.
Die Anzahl landschaftswirksamer Neubauten ausserhalb der Bauzonen hat seit 2016 wieder zugenommen und bleibt auf einem hohen Niveau. Schweizweit gibt es über 590'000 Bauten ausserhalb der Bauzone, dabei werden nicht mehr benötiget Bauten oft nicht entfernt (BPUK / LDK 2019). Seit 2010 kennt der Aargau, als einziger Kanton in der Schweiz, ein Beseitigungsrevers. Alle zonenkonformen An- und Neubauten im Ökonomiebereich werden mit dem im Grundbuch eingetragenen Beseitigungsrevers versehen und damit ihre Lebensdauer auf ihren zonenkonformen Gebrauch limitiert. Gemäss Schweizer Arealstatistik nehmen die landwirtschaftlichen Gebäudeflächen ausserhalb der Bauzone stetig zu. Im Vergleich zu den 1980er-Jahren und den 1990er-Jahren ist der Anstieg aktuell grösser (ARE 2019). Aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft nimmt zudem die Dimensionen von Ställen, Silos oder Gewächshäuser zu und die landschaftsverträgliche Einordnung der einzelnen Bauten wird schwieriger. Ein weiterer landschaftsrelevanter Aspekt ist die zunehmende Lichtemission. Sie stört Menschen beim Schlaf und vor allem nachaktive Tiere in ihrem normalen Verhalten (BAFU 2018). Das Erlebnis eines dunklen Nachthimmels ist kaum mehr möglich. So lässt sich im Mittelland seit 1996 auf Satellitenaufnahmen kein einziger Bildpunkt für absolute Nachtdunkelheit mehr ausmachen (BAFU 2017).
Indikator U6.1: Effektive Maschenweite (Mass für die Zerschneidung der Landschaft), Aargau
Der Indikator zeigt die Zerschneidung durch, bzw. die durchschnittliche Fläche zwischen Barrieren wie Strassen, Zugslinien und Siedlungen. Eine hohe Maschenweite deutet auf eine geringere Zerschneidung hin.
Die Flächengrösse unzerschnittener Räume im Verhältnis zur Gesamtfläche (Maschenweite) soll nicht sinken.
|langfristig (seit 2008)||positiv|
|kurzfristig (seit 2016)||positiv|
Effektive Maschenweite (Mass für die Zerschneidung der Landschaft), Aargau, 2008–2020
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Indikator U6.2: Landschaftsrelevante Neubauten, Aargau
Der Indikator beschreibt die landschaftsrelevanten Neubauten im Kulturland (ausserhalb Bauzone) pro Jahr. Dazu gehören nur grössere Bauobjekte.
Die Anzahl landschaftsrelevanter Neubauten soll sinken.
|langfristig (seit 2000)||positiv|
|kurzfristig (seit 2016)||negativ|
Landschaftsrelevante Neubauten, Aargau, 2000–2019
Herausforderungen für das Thema Landschaft
- Trotz zunehmender Innenentwicklung der Siedlungen geraten wertvolle Landschaften und Lebensräume weiter unter Druck. Dies aufgrund des Bevölkerungswachstums, der Zunahme des Erholungsdrucks, des Produktionsdrucks in der Landwirtschaft, aber auch durch Strassen, Zugslinien, landwirtschaftliche Bauen sowie weitere Infrastrukturbauten ausserhalb der Bauzonen.
- Das steigende Mobilitätsbedürfnis zusammen mit dem Bevölkerungswachstum bedingen mehr und dichter befahrene Transportwege. Die dadurch verursachten Auswirkungen drohen die Anstrengungen zugunsten einer Vernetzung laufend wieder zunichte zu machen.
- Aufgrund des landwirtschaftlichen Strukturwandels nimmt die Dimension von Neubauten ausserhalb der Bauzone laufend zu und ihre Einpassung in die Landschaft wird immer schwieriger.
- Mit der schleichenden Zersiedelung und der vermehrten Beleuchtung von Strassen und Bauten wird die Lichtverschmutzung weiter zunehmen. Die zunehmende Freizeitnutzung in Landschaftsräumen kann zudem insbesondere in der Nacht zu Licht- und Lärmemissionen und damit zu einer zur Störung der Fauna führen.
- Freizeitnutzungen werden immer häufiger in die Landwirtschaftszone verlagert. In Kombination mit dem landwirtschaftlichen Strukturwandel verstärkt sich der Druck auf das Gebiet ausserhalb der Bauzone um Bauten für nicht landwirtschaftliche Bedürfnisse umzunutzen. (BPUK / LDK 2019)
- Die Vorstellungen an einen idealen Wohnort inmitten einer hochwertigen, unüberbauten Landschaft steht im Widerspruch mit dem Bedürfnis auf eine möglichst gute Verkehrsanbindung (BAFU 2017).