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Hochgeehrter Herr
Nachdem ich gestern die Herrn Straub1 und Küenzli2 gesprochen bin ich im Falle Ihnen folgende Mittheilungen zu machen. Ich glaube Ihnen schon gesagt zu haben, dass ich die von Aargau angeregte Conferenz nicht billigte und Schritte that um dieselbe zu verhindern; es gelang mir aber das so wenig als der Versuch vor der Conferenz mit Herrn Straub oder K. eine Besprechung zu halten welche in der letzten Stunde wegen Abwesenheit des erstern abgelehnt wurde. Ich habe daher erst gestern erfahren, dass letzten Dienstag an der Conferenz die Cantone Neuenburg, Bern, Solothurn, Basel| land, Aargau und Zürich vertreten waren und dass beschlossen wurde eine offizielle Conferenz der sämmtlichen Gotthardcantone (incl. Bern, Neuenburg und Thurgau) zu berufen um dort die Frage der Stellung des Bundes und der Cantone zu der Gotthardbahn zu besprechen. Aargau soll einladen u ein Programm aufstellen.
Ich insistirte nun sehr von dem Gedanken einer besondern Cantonsconferenz abzugehen und dafür die Einberufung der Gotthardvereinigung zu verlangen. Die beiden Herrn erklärten mir dass gegenüber dem Beschluss vom letzten Dienstag ein solches Vorgehen | nicht mehr möglich sei. Unter diesen Umständen wurde nun folgendes verabredet:
Sobald die Proposition der beiden Bahnen bezüglich ihrer Actien u Subventionsbetheiligung den Cantonen mitgetheilt sein wird, verlangt Aargau die Zusammenberufung der Gotthardvereinigung und zwar zu dem Zweck um 1) Die Subventionsfrage der Cantone und der Bahnen u 2) die Frage der Stellung des Bundes zu dem Unternehmen zur Sprache zu bringen. Von diesem Schritte wird Aargau den Cantonen, sowie dem Gotthardcomité Kenntniss geben und das letztere ersuchen die Frage der Stellung des Bundes resp. der Abänderung des | Eisenbahngesetzes ebenfalls in Berathung zu ziehen und allfällige Anträge der Gotthardvereinigung vorzulegen.
Um dem Beschlusse der Dienstagsconferenz gerecht zu werden, soll der Präsident der Gotthardvereinigung angegangen werden, den Beginn der Sitzung so anzusetzen, dass sich vorher die Cantone über die drei ihnen von den Bahnen gemachten Propositionen in einer besondern Zusammenkunft (die also am gleichen Tage stattfinden würde) besprechen und wenn möglich vereinigen können; ein anderes Tractandum soll in dieser Separatsitzung gar nicht zur Besprechung kommen. Von Aargau wird sodann noch der Wunsch ausgesprochen dass zu der Gotthardvereinigung | auch die ehmaligen Theilnehmer, Neuenburg, Bern und Thurgau eingeladen werden möchten.
Diess in Kürze das Resultat unserer Besprechung bei der mir wesentlich daran gelegen war alles zu verhindern, was den Schein des Zwiespaltes aufkommen lassen könnte. Bei der ganzen Besprechung ist mir übrigens klar geworden dass ein solcher Zwiespalt factisch nicht besteht und dass auch von Seite des Herrn Scherer3 (der von Zürich eingeladen war) eine Haltung nicht zu gewärtigen ist, welche irgendwie als feindselig bezeichnet werden könnte. Ich hoffe meine Mittheilungen werden Sie in den Stand setzen | Ihre Anordnungen so zu treffen dass alles mit möglichst geringer Störung vor sich geht.
Einen Entwurf über Änderung des Eisenbahngesetzes habe ich redigirt und schicke Ihnen morgen denselben zu4 nachdem ich ihn heute noch mit Herrn Schenk werde besprochen haben.
Über die Verhandlungen in Genua war ich offen gestanden etwas erschrocken und zwar sowohl wegen der Aenderung des Programmes u Finanzplanes als namentlich auch wegen der Art u Weise wie bereits über die deutschen Subsidien verfügt wird. Ich weiss dass | sich Herr v. Röder darüber sehr missbeliebig ausgesprochen hat (zwar nicht mir gegenüber).
Herr Melegari5 glaubt es werde die Antwort Italiens gegen das Ende der Parlamentssession (Ende dieses Monats) einlangen;6 Menabrea7 wolle nicht eine neue Interpellation hervorrufen. Hinter Bonfadini8 stand letzthin der Prefect von Venedig Torelli.
Mit bekannter Hochachtung
Ihr ergebenster
E Welti
Bern
7. Juni 1869.