Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03369.jsonl.gz/2651

Den Rohstoff für Z. bildeten seit der Antike die Mergel-, Ton- und Kalkvorkommen des Jura und der Nordalpen. Der durch Verbrennung von Kalkstein gewonnene Kalk wurde für Bodendüngung und Maueranstriche benutzt und liess sich auf einfache Weise durch die Beimischung von Sand und Wasser zu Mörtel verarbeiten. Bereits in der galloröm. Schweiz wurden Steinmauern errichtet. Im MA und in der frühen Neuzeit waren für Kalköfen grundherrl. Abgaben zu entrichten. Aufgrund der grossen Zahl solcher Öfen ergriffen die Behörden Massnahmen zur Einschränkung von deren Holzverbrauch, z.B. Bern 1700. Bei der Verbrennung von Kalkstein entscheidet der Kalziumkarbonatanteil darüber, ob entweder Wasser- bzw. Schwerkalk entsteht oder aber Naturzement, d.h. schnellbindender Z. bzw. Romanzement oder langsam bindender Portlandzement (Portland). Das Bindemittel Gips wird durch die Härtung und das Mahlen von Naturgips gewonnen. Die Erfindung des künstl. Portlandzements aus einer Mischung von Kalk und Ton 1824 veränderte die Herstellung und Qualität des Z.s. Man ging dazu über, den Mischvorgang und die Qualität der Bestandteile Kalk, Silizium, Aluminium und Eisen besser zu kontrollieren. Die Zerkleinerung des Steins, die Härtung des Hauptbestandteils Klinker und dessen Vermahlung nach der Beigabe von Gips verlängerten das Verfahren. Aus diesen Gründen verlagerte sich die Produktion von den kleinen Gewerbebetrieben in die Fabriken.
Zwischen 1850 und dem Beginn des 20. Jh. wurde v.a. Wasserkalk hergestellt. Mit der Produktion von Portlandzement in der Schweiz begann 1871 die Firma Vigier in Luterbach. Auch die meisten anderen Zementunternehmen wurden vor 1914 gegründet, v.a. im Jura. 1895 bestanden bereits 26 Schweizer Betriebe mit einem jährl. Ausstoss von 3'000 bis 30'000 t pro Anlage. Ihre bescheidene Grösse sowie die dt. und franz. Konkurrenz veranlassten sie, ein Kartell zu gründen. Nach einem ersten Versuch 1895-1900 und einem zweiten 1901-09 schufen sie 1910 die EG Portland (Eingetragene Genossenschaft Portland). Als sich diese 1994 auflöste, beherrschte der 1992 entstandene Konzern Holderbank Cement und Beton AG (HCB, seit 2001 Holcim, Holderbank) die Hälfte des Inlandmarkts. Die Zahl der schweiz. Zementfabriken sank von 1959 bis 1988 von 35 auf elf; 2010 waren es noch sechs, drei davon gehörten Holcim (Eclépens, Siggenthal und Untervaz). Die Société des chaux et ciments de Suisse romande, die bei ihrer Gründung 1913 ein Dutzend Unternehmen umfasste, ging in der HCB auf. Nachdem 2000 das 1896 gegr. Zementwerk Roche (VD) geschlossen worden war, blieb einzig das seit 1953 bestehende in Eclépens übrig. Mehrere Werke wurden in Gipsfabriken und Mahlanlagen umgewandelt oder abgerissen. Die Gipshersteller sind seit 1905 in der Gyps-Union vereinigt. Die Zementfabriken schlossen von Beginn an vor- und nachgelagerte Betriebe wie Steinbrüche und Kiesgruben oder Betonwerke ein. Die schweiz. Zementhersteller verfügen auch über ausländ. Beteiligungen, z.B. die Fam. Schmidheiny seit 1926 in Ägypten.
1905 produzierte die Bindemittelindustrie mit über 3'000 Arbeitern 213'469 t Portlandzement, 29'625 t natürl. Romanzement, 191'067 t Wasserkalk, 10'700 t Hüttenzement und 84'685 t Gips. Die stark von der Konjunktur abhängige und an grosse Baustellen wie Dämme oder Autobahnen gebundene Zementproduktion erreichte ihren Höhepunkt mit ca. 6 Mio. t jährlich in der Blütezeit der Baubranche Anfang der 1970er Jahre und ging dann auf ca. 4 Mio. t zurück (2010 über 5 Mio. t). Mechanisierung und Automatisierung trugen zur Verringerung der Zahl der Beschäftigten bei, die im Mittel der Jahre 1966-70 2'100 und 1981-85 noch 1'410 betrug. Nach der Ölkrise 1973 stieg die energieintensive Zementindustrie auf Kohle um. Zu Beginn des 21. Jh. schonte sie die Umwelt durch Wärmerückgewinnung und die Verbrennung versch. Abfälle.
Literatur
– Geogr. Lex. der Schweiz 5, 1908, 288-290
– H. Rieben et al., Portraits de 250 entreprises vaudoises, 1980, 25-27
– Présentation de l'industrie suisse du ciment, 31988
– H.O. Staub, Von Schmidheiny zu Schmidheiny, 1994
Autorin/Autor: Lucienne Hubler / CBA