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Die neue Trifthütte der Sektion Bern
Vorgeschichte.
Wie vielen Lesern bekannt sein wird, bestand schon im Jahre 1863 am südlichen Hange des Thältistockes eine kleine, primitiv gebaute Clubhütte, die nach wenigen Jahren von einer Lawine eingedrückt wurde. An deren Stelle, jedoch einige Meter tiefer gelegen, erbaute man im Sommer 1867 die bis 1906 bestehende Hütte, die für 10 Personen Platz bot. Sie wurde damals mit einem Aufwand von zirka 910 Fr. erstellt; an diese Kosten hatte das Zentralkomitee 500 Fr., die Sektion Basel 150 Fr. und die Sektion Bern den Rest beigetragen. Im Laufe der Jahre sind aber vielerlei Verbesserungen und Reparaturen ausgeführt worden. Insbesondere ist die Weganlage in den Thältiplatten so verbessert und markiert worden, daß die Hütte nun ohne Gefahr erreicht werden kann.
Wie bei sämtlichen andern Hütten hat auch bei dieser Hütte der Besuch im Laufe der letzten Jahre so zugenommen, daß Klagen über deren geringe Logierfähigkeit und Unwohnlichkeit laut wurden.
Die Erstellung eines Neubaues stand deshalb seit einiger Zeit auf dem Programm der Sektion Bern, und sie beabsichtigte, die Pläne zu demselben nach Fertigstellung der Bergli- und der Egon v. Steiger-Hütte vorzulegen. Durch die Schenkung des Herrn Hasler, in Verbindung mit derjenigen des Rev. W. A. B. Coolidge, wurde es unerwarteterweise möglich, die Frage der leidigen Unterkunftsverhältnisse im Triftgebiet noch im Jahre 1906 auf allgemein befriedigende Weise zu lösen.
Hier ist beizufügen, daß die Schenkung des Herrn G. Hasler aus einer genau nach den Plänen der neuen Berglihüttevon Herrn Zimmermeister F. Boß in Grindelwald angefertigten Clubhütte bestand. Es wurde vereinbart, daß sie die alte am Thältistock befindliche Hütte ersetzen solle und fernerhin mit Brennholz zu versehen sei.
Bau der neuen Hütte.
Nachdem am Ostermontag ( 16. April ) der in Grindelwald ( im Ofni ) aufgestellte, im Gerippe vollendete Bau und das übrige Holzmaterial von vier Vorstandsmitgliedern abgenommen war, und nach Bestimmung einiger Ergänzungsarbeiten, wurde sofort das Nötige für den Transport, die Erdarbeiten und den Ausbau veranlaßt.
Die Fuhre des etwa 10 Tonnen wiegenden Materials vom Zimmer-platz bis nach Nessenthal-Twirgi wurde den Herren Gebrüder Boß zum „ Bären " in Grindelwald übergeben. Dieselben haben Anfang Mai da- H. Wylemann.
mit begonnen und die Sache so gefördert, daß im Laufe der letzten Woche Juni das gesamte Material in Nessenthai bereit stand.
Der Hüttenwart der Trifthütte, Herr Andreas von Weißenfluh in Mühlestalden, übernahm den Transport von Nessenthai bis zur Baustelle, sowie die Erdarbeiten und das Rüsten von Sand und Steinen.
Dieser Transport ging leider nicht mit der gewünschten Prompt-heit von statten. Am Tage des ersten Besuches zweier Vorstandsmitglieder ( 30. Juni ), an welchem auch der endgültige Platz abgesteckt wurde, war nur ein ganz kleiner Teil des Materials oben, da und dort etwas unterwegs und fast sämtliche große Stücke noch im Twirgi.
Auf besondere Vorstellungen hin und nachdem ein größerer Preis-ansatz und eine Gratifikation für rechtzeitige Vollendung zugesagt worden war, ist dann die Arbeit so gefördert worden, daß bis Ende Juli sich alles Baumaterial an Ort und Stelle befand. Der Transport wurde in fünf verschiedenen Etappen von verschiedenen Gruppen ausgeführt.
Da der Hüttenwart von Weißenfluh und seine Leute mit dem Transport vollauf beschäftigt waren, mußte der Unternehmer der Zimmer-arbeit, Herr F. Boß, mit der Ausführung der Erdarbeiten beauftragt werden. Mit seinen Arbeitern und der Mithülfe der Gebrüder von Weißenfluh förderte er das Ganze derart, daß am B. August die Hütte, im Gerippe aufgestellt, abgenommen werden konnte. An diesem Tage wurden Die neue Trifthütte der Sektion Bern.
Triftlimmi und -firn Y Phot. Fr. Rohr ( Sektion Bern ).
noch weitere Anordnungen für die Erdarbeiten und die Vollendung der Hütte getroffen und gleichzeitig bestimmt, daß die alte Hütte vorläufig nicht abzubrechen, sondern nur um l,eo Meter zu verkürzen sei, ohne die Pritsche zu verkleinern.
Es sei noch bemerkt, daß die neue Hütte unmittelbar hinter der alten, und zwar in der gleichen Achse aufgestellt ist; deren Fußboden befindet sich ungefähr auf der Firsthöhe der alten Hütte. Sie ist auf zwei Seiten in die Zwischenmoräne vor dem Thältistock, zum Schutz gegen Lawinengefahr, eingebaut; dieser Schutz ist ferner durch Anbringen einer zirka zwei Meter hohen starken Mauer ( etwas oberhalb der Hütte befindlich ) erhöht worden. Ersteres bedingte ziemlich umfangreiche Erdbewegungen das Wegräumen von Steinen.
Dank dem anhaltend schönen Wetter und dem Eifer der Unternehmer gelang es, die Hütte gegen Ende August bezugsbereit zu machen. Die Einweihung fand denn auch am 1. September bei zahlreicher Beteiligung und prächtigstem Wetter statt.
Über das Nähere hierüber sei auf den Bericht in der „ Alpina ", Nr. 16, vom 15. September 1906, verwiesen. Einige Ergänzungsarbeiten, Anbringen von Tablaren und Sitzbänken oberhalb, bezw. vor der Pritsche im Dachboden, werden im kommenden Vorsommer noch besorgt, ebenso werden einige Ausrüstungsgegenstände zur Vervollständigung der vorhandenen noch zu beschaffen sein.
Die Auslagen für den Bau setzen sich wie folgt zusammen:
Holzbau und innerer Ausbau nach Ergänzung Erd- und Maurerarbeiten mit Mauer für Lawinenschutz. Transporte des Baumaterials bis zum Bauplatz
Akkordarbeit: Aufstellen und Einrichten
Diverse Arbeiten suppl. und Anschaffungen
Beschaffen des Inventars ( Bettwaren, Geräte u. s. w. ).
Transporte derselben zur Hütte
Diverse Unkosten ( Notariatsgebühren und Entschädigung für Inspektionen )
5 ,327 1 ,397 3 ,922 1 ,638 n 138 738; 192 n 105 Total Fr. 13,457 Das Gewicht des zur Baustelle gebrachten Materiales und des Inventars betrug:
Bauholz197,i3 Zentner à 50 Kilos Schreinerei1,75nMöbel2,13Eisenwaren5,26nZement und Dachpappe .17,ooInventar inkl. Stroh. .10,4Zusammen 233,67 Zentner à 50 Kilos An die oben erwähnten Kosten bezahlt Herr G. Hasler den Betrag des Baues zur Abnahme in Grindelwald bereit. Fr. 5,220 Die Zentralkasse wird laut Zusage leisten„ 3,500 Zusammen Fr. 8,720 Der Kest wird der Schenkung des Herrn Coolidge entnommen.
Die Auslagen für die Einweihung im Betrage von Fr. 237. 20 und das diesjährige Wartegeld von Fr. 30 wurden von der Sektionskasse übernommen.
Für das kommende Jahr sind einige Ergänzungsarbeiten und Änderungen im Hütteninnern, Ergänzungen des Inventars und der Wegmarkierungen, und Verbesserungen der Weganlage beabsichtigt, mit einem Kostenaufwand von Fr. 300, wovon Fr. 200 auf Kechnung des Bau-kontos vorgesehen sind.
Die Hütte wird fernerhin mit Brennholz versorgt sein.
H. Wylemann ( Sektion Bern ).