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Können Sie sich vorstellen, dass ein landesweit gefeierter Ski-Held seinen Job mit einem mehr schlecht als recht bezahlten «Büezer» tauschen will? Undenkbar? Die Geschichte des Österreichers Erwin Resch beweist das Gegenteil.
«Es war auf einer Anreise nach Kitzbühel. Die Streif präsentierte sich damals in einem furchterregenden Zustand. Auf dem Weg ins Hotel ist mir ein Strassenarbeiter begegnet. Am liebsten hätte ich ihm meine Rennski gegeben, damit er für mich auf die Piste geht und ich dafür die Strasse sauber mache…»
Geteilter Rekord mit Feuz
Dass der Salzburger seine Furcht vor der gefährlichsten Abfahrt der Welt irgendwann doch noch in den Griff bekommen hat, ist auch auf einen ganz besonderen Film zurückzuführen. «Es war an einem verregneten Sommertag, als ich von meinem damaligen Trainer Charly Kahr den Befehl erhielt, den Formel-1-Film «Grand Prix» anzuschauen. In diesem Streifen hat ein Teamkollege von einem tödlich verunfallten Rennfahrer gesagt, dass man die Angst besiegen kann, indem man noch mehr Gas gibt. Diesen Satz habe ich mir ganz besonders eingeprägt.»
Und deshalb ist Resch zwischen 1984 und 1987 auf der «Streif» vier Mal in Serie auf das Podest gefahren. Für den Sieg hat es ihm aber nie gereicht. Der Bronze-Gewinner der WM-Abfahrt 1982 teilt sich stattdessen mit Beat Feuz den Rekord für die meisten zweiten Plätze.
Wie sehr schmerzt den mittlerweile 59-Jährigen die Tatsache, dass die goldene Gams in seiner Sammlung fehlt? «Natürlich will man als Rennfahrer immer gewinnen. Aber je älter ich werde, umso mehr kann ich mich auch an zweiten Rängen erfreuen.» Im selben Atemzug gibt er aber zu, «dass ich die vier zweiten Plätze gegen einen einzigen Hahnenkamm-Sieg tauschen würde, wenn das möglich wäre».
Vor lauter Wut die Ski weggeworfen
Resch gibt auch zu, dass er nach einem seiner zweiten Ränge vor lauter Wut die Ski weggeworfen habe. «Diese Geste hat mir damals sehr viel Kritik eingebracht. Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen und bin in der Folge souveräner mit zweiten Rängen umgegangen.»
Dann verrät Resch, warum er einmal sauer auf Bernhard Russi war: «Irgendein Reporter hat mir erzählt, dass der Bernhard behauptet hätte, dass ich zum Lachen in den Keller gehe. Das hat mich damals getroffen, obwohl ich tatsächlich ziemlich böse schaue, wenn ich konzentriert bin.»
Doch diese Ungereimtheit haben Resch und Russi in der Zwischenzeit aus der Welt geschafft. Bernhard hat Erwin versichert, dass er nie so etwas gesagt hat. «Zwischen Bernhard und mir ist alles in bester Ordnung. Wir haben uns ausgetauscht und ich weiss jetzt, dass Russi ein sehr netter Kerl ist.»
Resch, der am Katschberg ein Sportzentrum führt, betreibt wie Russi immer noch viel Sport. Mit dem Rennrad spult er im Jahr bis zu 15'000 Kilometer ab.