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Eine einfache Lösung ist nicht in Sicht: Seit die Wissenschaft die Zahlen der VOX-Analyse in Frage gestellt hat, grübeln Politologen und Politiker, wie künftig zuverlässige Abstimmungsanalysen durchgeführt werden könnten. So soll die Stimmbeteiligung in den nächsten VOX-Analysen anders berechnet werden. Dieser Meinung ist Politologe Pascal Sciarini von der Universität Genf, der die fragliche VOX-Analyse zu der Abstimmung vom 9. Februar mitverfasst hat.
Die Wissenschaftler sollten die Ergebnisse der jungen Leute weniger nach unten korrigieren, «weil diese eher zugeben, nicht abgestimmt zu haben», sagt Sciarini. Umgekehrt würden die älteren Leute eher angeben abgestimmt zu haben,« obwohl sie in Tat und Wahrheit der Urne ferngeblieben sind.»
Die Verankerung, ein guter Bürger zu sein und deshalb regelmässig abstimmen zu müssen, sei bei der älteren Generation stärker vorhanden, sagt Sciarini. Dies führe dazu, dass die Stimmbeteiligung der Jüngeren unterschätzt und jene der Älteren überschätzt werde. «Deshalb müssen die Ergebnisse künftig anders gewichtet werden.» Um die Diskrepanz zwischen den Befragungsergebnissen und der Realität zu verkleinern, brauche es aber offizielle Daten zur Stimmbeteiligung.
Auch Politologe Kushtrim Veseli von der Universität Zürich zweifelt an der angeblich ausserordentlich tiefen Stimmbeteiligung der jungen Generation bei der Abstimmung zur SVP-Zuwanderungsinitiative. Nur 17 Prozent der unter 30-Jährigen sollen laut der VOX-Analyse im vergangenen Februar abgestimmt haben. Selbst Claude Longchamp, der die Resultate berechnet hat, räumt eine mögliche Unsicherheit der Werte ein.
Die Wissenschaftler suchen nun nach einer Lösung des Problems. «Ich habe Herrn Longchamp vorgeschlagen, das Messinstrument anhand echter Daten aus Genf, St. Gallen und, wenn möglich, anderen Kantonen zu validieren», hielt Veseli am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA fest. Er und sein Professor, Marco Steenbergen, seien sich sicher, dass dadurch ein besseres Ergebnis erzielt würde.
Die Forscher begründen ihre Aussagen mit Auswertungen der tatsächlichen Stimmdaten in einigen wenigen Kantonen und Städten – diese weisen auf eine Beteiligung der Jungen von teilweise über 40 Prozent hin. Allerdings stammen diese Daten aus eher städtischen Gebieten: Genf, Neuenburg und St. Gallen.
«Eine andere Methode wäre, das Messinstrument anhand von alten Daten zu validieren», sagt Veseli. «Das heisst, wir konstruieren das Messinstrument so, dass es so gut wie möglich die Ergebnisse aus der Vergangenheit vorhersagt.» Veseli räumt aber gleichzeitig ein, dass es schwierig sei, eine Patentlösung zu finden.
Ein Problem liege auch darin, dass die Universitäten keinen Zugang zu den Trendstudien im Vorfeld der Abstimmung hätten. «Wenn wir keinen Zugang zu diesen Daten haben, können wir beispielsweise auch nicht wissen, wie die Gewichtung zustande gekommen ist», hält Veseli fest. Falls da nichts unternommen werde, würden auch bei der nächsten VOX-Analyse die gleichen Probleme auftreten. «Das ist klar.»
Fakt ist: Für vollkommen zuverlässige Resultate über die Stimmbeteiligung einzelner Gruppen müsste eine nationale Statistik geschaffen werden. Heute ist der Umgang mit den Stimmrechtsausweisen kantonal unterschiedlich geregelt. Die Grünen-Nationalrätin Aline Trede (BE) möchte dies ändern. Sie will an der Sondersession im Mai einen entsprechenden Vorstoss einreichen.
Unterstützt wird sie dabei von SP-Nationalrätin Cesla Amarelle (VD), der Präsidentin der Staatspolitischen Kommission. «Alle Kantone sollen die Stimmbeteiligung nach Alter und Geschlecht veröffentlichen», sagt sie der SDA. «Der Kanton Genf zeigt, dass dies geht.»
Doch um an die dafür nötigen Angaben zu kommen, bräuchte es eine gesetzliche Grundlage - und der Aufwand wäre wohl höher als bei der VOX-Analyse. Ständerat Hannes Germann (SVP/SH), Präsident des Schweizerischen Gemeindeverbandes, ist skeptisch: «Eine nationale Statistik wäre mit einem grossen Mehraufwand verbunden. Es fragt sich, ob der Nutzen diesen dann rechtfertigen würde.»
«Wenn der Bund eine solche Statistik will, habe ich nichts dagegen», sagte Germann auf Anfrage. «Er müsste aber auch für die Kosten aufkommen.» Ins gleiche Horn stösst Jean-Michel Cina, Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen: «Der Aufwand wäre wohl zu gross.» (dwi/sda)