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Claude Rohrbasser lehrte von 1975 bis 2009 an der HTA-FR Chemie. Für sein Projekt Pharmelp ist er auf der ganzen Welt unterwegs. Dennoch hat er zwischen zwei Flügen Zeit für ein Gespräch mit uns gefunden.
Wie sah Ihre berufliche Laufbahn aus, bevor Sie an die Ingenieurschule in Freiburg gekommen sind?
Nach der Matura am Kollegium St. Michael habe ich an der Universität Freiburg ein Chemiestudium begonnen. Diese Wissenschaft hat mich schon immer begeistert. Als ich klein war, verbrachte ich Stunden damit, Flüssigkeiten von einem Behälter in einen anderen umzufüllen. Ich habe Mehl hinzugefügt, um sie trüb oder fest zu machen. Das hat mich immer fasziniert.
An der Universität habe ich auch mein Doktorat gemacht. Nachdem ich einige Monate in der Industrie gearbeitet habe, kam ich schliesslich auf Vorschlag des Leiters der Chemieabteilung, Joseph Portmann, an die Ingenieurschule in Freiburg, die heutige HTA-FR.
Die Chemieabteilung wurde 1974 gegründet. Sie kamen ein Jahr später an die Schule. Wie sah die Abteilung damals aus?
Bevor ich und weitere Kollegen an der Schule arbeiteten, war Joseph Portmann für sämtliche Kurse verantwortlich. Es gab nur eine Klasse. Als die Abteilung grösser wurde, konnte Portmann Mitarbeiter einstellen.
Ich wurde als Professor für analytische Chemie eingestellt. Nach seinem Tod 1993 habe ich die Abteilung übernommen.
Bereits bei der Gründung der Schule Ende des 19. Jahrhunderts wurde von der Notwendigkeit einer Chemieabteilung gesprochen. Und doch wurde sie erst 1974 gegründet. Weshalb?
Das hat mit der Beschaffenheit der Freiburger Wirtschaftsstruktur zu tun. In den 1960er- und 1970er-Jahren siedelten sich Chemieunternehmen im Kanton an. Mit der Niederlassung von Ciba-Geigy in Marly hat sich wirklich etwas geändert. Es brauchte ausgebildete Chemiker, die in der Lage waren, in dieser aufstrebenden Industrie zu arbeiten und Aufgaben zu übernehmen, die zwischen jenen eines Laboranten EFZ und jenen eines Hochschulchemikers, der sich hauptsächlich mit Forschung befasste, angesiedelt waren.
Welches ist das Spezialgebiet der HTA-FR auf dem Gebiet der Chemie?
In Freiburg liegt der Schwerpunkt auf der industriellen Chemie: vom Gramm bis zur Tonne, was heute als Scale-up bezeichnet wird. Basierend auf einer kleinen Laborsynthese gilt es, die optimalen Bedingungen für die Herstellung grosser Produktmengen zu finden.
Dies hat die Chemie in Freiburg gerettet. Als 2003 die HES-SO gegründet wurde, drohte der Chemieabteilung fast dreissig Jahre nach ihrer Gründung die Schliessung. Aus politischen Gründen wurde entschieden, dass in der Westschweiz eine Chemieabteilung geschlossen werden musste. Diejenige von Freiburg konnte gerettet werden, weil sie über industrielle Labors verfügte, die für eine Berufsschule einzigartig waren. Die HTA-FR ist heute immer noch die einzige Schule in der Schweiz, die über derartige Infrastrukturen verfügt. Dies ist unserem Freund Joseph Portmann zu verdanken, der sich für die Einführung dieser Labors eingesetzt hat. Zudem haben diese Labors die Zusammenarbeit der Schule mit den umliegenden Unternehmen gefördert. Dies ist noch heute der Fall und mit der Niederlassung eines Unternehmens wie UCB Farchim im Kanton erst recht sinnvoll!
Sie haben die Chemieabteilung von Anfang an begleitet, wie beurteilen Sie ihre Entwicklung?
Sie hat sich rasant entwickelt, indem sie neue Strukturen eingebunden und die Kontakte, insbesondere zur Universität, intensiviert hat! Obwohl sich die Forschung an den beiden Institutionen erheblich unterscheidet, findet innerhalb der Labors vermehrt eine Kooperation und ein Austausch statt. Ich selbst habe eine Zeit lang an der Universität unterrichtet.
Die engen Kontakte mit der Freiburger Wirtschaft haben die Entwicklung der Abteilung ebenfalls vorangetrieben. Die Ankunft von Ciba-Geigy in Marly hat die Entwicklung der Abteilung stark beeinflusst. Nach dem Wegzug des Unternehmens hat die Schule die Ausbildung der Laboranten EFZ übernommen. Zu Beginn haben wir zwei bis drei Lernende pro Jahr ausgebildet. Dieses Jahr sind es etwa ein Dutzend.
Vor allem aber hat die HTA-FR ab 1995 die ersten Schritte im Bereich der angewandten Forschung gewagt, was zwangsläufig zur Zusammenarbeit mit den umliegenden Unternehmen führte. In den Anfangsjahren war diese Forschung noch ziemlich empirisch. Die Entwicklung der Forschung nahm erst mit Jacques Bersier als stellvertretender Direktor so richtig Fahrt auf. Dieser erkannte das Potenzial der Schule sofort und koordinierte das WTZ-FR (Wissenschafts- und Technologiezentrum des Kantons Freiburg) in diesem Sinn. Erst 2010 wurde jedoch ein richtiges Institut für Chemie geschaffen. Davor war die Chemie Teil des Instituts für industrielle Technologien, in dem Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie zusammengefasst waren.
Welches sind Ihre aktuellen Projekte?
In den letzten Jahren habe ich mich mit einem spannenden Projekt namens Pharmelp beschäftigt. Dabei handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, den wir im Anschluss an ein Forschungsprojekt der Schule gegründet haben und dessen Ziel es ist, die Qualitätskontrolle und das Erkennen von Arzneimittelfälschungen in Entwicklungsländern zu unterstützen. Dieses Jahr feiern wir unser 12-jähriges Bestehen.
Chronologie
1896: Gründung der Schule, erste Überlegungen rund um eine Chemieabteilung
1965: Niederlassung von Ciba-Geigy in Marly
1968: Joseph Portmann beginnt mit dem Chemieunterricht
1974: Eröffnung der Chemieabteilung
1976: Anstellung von Claude Rohrbasser, Jean-Marc Bourgeois und Kurt Kaeser
Pharmelp: Kapillarelektrophorese zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen
In den Entwicklungsländern ist die Fälschung von Arzneimitteln eine Plage, das in einigen Fällen zu erheblicher Morbidität und Mortalität führt. Pharmelp, ein an der HTA-FR entstandenes Projekt, bekämpft es durch den Einsatz seines Messgeräts in verschiedenen Ländern.
2007 gründet Claude Rohrbasser, Chemieprofessor an der HTA-FR, die NGO Pharmelp. Der gemeinnützige Verein bezweckt die Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen in Entwicklungsländern, indem die Qualitätskontrolle und das Erkennen dieser Fälschungen unterstützt werden. Der Verein verfolgt drei Ziele: Fundraising, um die Bereitstellung eines Analysegeräts zu finanzieren, die theoretische und praktische Ausbildung von Studierenden und Laborpersonal sowie eine wissenschaftliche und technische Unterstützung (Entwicklung und Validierung von Methoden, präventive und korrektive Instandhaltung).
Das vom Verein entwickelte Gerät basiert auf dem Prinzip der Kapillarelektrophorese. Mit diesem Verfahren ist es in der Lage, die im analysierten Medikament vorhandenen Wirkstoffe zu erkennen und festzustellen, ob es sich um eine Fälschung handelt oder nicht.
Seit seiner Gründung war der Verein bereits in Mali (2009), Kambodscha (2011), Senegal (2012 und 2016), der Demokratischen Republik Kongo (2012), Madagaskar (2015), Ruanda (2015) und im Sudan (2017) tätig. Aufgrund der Covid-19-Pandemie sind seine Auslandsaktivitäten derzeit ausgesetzt.
Ursprünglich als einfaches Forschungsprojekt lanciert, zeugt Pharmelp von der grossen Bedeutung von Kooperationen innerhalb der HTA-FR. Das erste Analysegerät ist zwischen 2006 und 2007 im Rahmen einer Zusammenarbeit der Bereiche Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie entstanden. «Wir wollten unbedingt ein Projekt entwickeln, bei dem die drei Forschungsbereiche unseres Instituts für Industrielle Technologien zusammenarbeiten», sagt Claude Rohrbasser.
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