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Eine meiner Klientinnen spürte in den späten Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts das Bedürfnis, sich beruflich neu zu orientieren. Ich beurteile ihre Typologie als introvertierten Gefühlstypus im Sinne C.G. Jungs, und sie verwirklichte diese Anlage als professionelle Musikerin.
Um sich entscheiden zu können, welche Ausbildung für sie die richtige sein könnte, besuchte sie verschiedene psychotherapeutische Ausbildungsstätten, unter anderem auch das C.G. Jung-Institut in Küsnacht-Zürich. Als sie den Garten der Liegenschaft betrat, beschlich sie ein ganz tiefes Gefühl, dass an diesem Ort etwas völlig falsch sei. Es waren Gefühle der Unaufrichtigkeit, der emotionalen Kälte und der Leblosigkeit. Es war ihr nicht möglich, das Haus zu betreten. Fluchtartig verliess sie das Gelände wieder.
Sie fühlte, dass dieser kurze Besuch ihren Körper und ihre Seele derart beengt hatte, dass sie diese wieder befreien müsse. Kurzentschlossen entledigte sie sich am nahe gelegenen, menschenleeren Horn von Küsnacht ihrer Kleider und sprang splitternackt ins Wasser. Sie schwamm weit in den See hinaus. Das Bad beruhigte sie, und sie fühlte sich danach wieder frei und konnte durchatmen.
Als sie zurück geschwommen kam, sass eine Frau mit zwei Kindern am See. Scheu und etwas verlegen hielt die Schwimmerin im Wasser inne. Da lächelte die Frau und reichte ihr ein Badetuch zur Bedeckung ihrer Blösse und zum Trocknen. Als die Schwimmerin sich abgetrocknet hatte, sagte die fremde Frau, ob die Frage erlaubt sei, warum sie so splitternackt in den See gesprungen war. Die Schwimmerin erklärte ihr den obigen Sachverhalt, dass es sie geschüttelt habe bei ihrem kurzen Besuch auf dem Gelände des C.G. Jung-Institutes. Sie hätte instinktiv gespürt, dass sie ihre Abneigung bezüglich dieses Instituts abwaschen musste. Die Frau lächelte wieder und entgegnete ihr: Ich hatte vor einiger Zeit eine Ausbildung an diesem Institut begonnen, doch ich hielt es gerade mal zwei Wochen aus …
Diese von mir völlig unabhängig erlebte Synchronizität – ich kannte meine Klientin damals noch nicht – bestätigte mir meine Emotionen, die ich als introvertierter Gefühls/Intuitionstyp – Marie-Louise von Franz wörtlich: „Typologisch bist du irgendwo zwischen Gefühl und Intuition angesiedelt“ – in Bezug auf dieses Institut schon in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre gehabt hatte.
Ich überlasse es dem Leser, und vor allem der Leserin, diese Synchronizität zu deuten.