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oder Nackenstarre, die krampfartige Zusammenziehung der Nackenmuskeln mit Rückwärtsbeugung des Kopfes,
sodaß dieser sich in die unterliegenden Kissen einbohrt, findet sich beim Starrkrampf und bei gewissen Gehirnkrankheiten,
insbesondere solchen, welche die Gehirnbasis betreffen, und ist in den meisten Fällen als ein höchst ungünstiges Symptom
zu betrachten.
Der epidemische Genickkrampf oder Kopfgenickkampf, die epidemische Cerebrospinalmeningitis (Meningitis cerebro-spinalis epidemica),
ist eine bald in epidemischer Verbreitung, bald in mehr vereinzelten Fällen auftretende, in neuerer Zeit auch in Deutschland
[* 4] häufiger beobachtete Krankheit, die in der Hauptsache als eine akute eiterige Entzündung der weichen
Gehirn- und Rückenmarkshäute sich darstellt, wegen ihres epidemischen Auftretens aber, der Art und Weise ihrer Ausbreitung
und wegen der Eigentümlichkeiten ihres Verlaufs zu den Infektionskrankheiten gezählt werden muß.
Die Krankheit befällt vorwiegend gesunde und kräftige Personen, das männliche Geschlecht häufiger als
das weibliche; Kinder und junge Männer erkranken bei weitem am häufigsten, bei Leuten nach dem 40. Lebensjahre ist die Krankheit
selten. Das Wohnen in feuchten Räumen, schlechten Kasernen, überfüllten engen Arbeitshäusern, sowie körperliche Überanstrengungen
scheinen dem Ausbruch der Krankheit Vorschub zu leisten. Sowohl der epidemische Charakter wie der gesamte
Verlauf des epidemischen Genickkrampf sprechen unzweideutig für die infektiöse Natur der Krankheit; als eigentlichen Erreger derselben
glaubt man einen Mikroorganismus entdeckt zu haben.
Bei der Leichenöffnung findet man die weichen Häute des Gehirns und Rückenmarks außerordentlich blutreich,
eiterig infiltriert und gedunsen, die Hirn- und Rückenmarkssubstanz blutreich, ödematös und auf ihrer Oberfläche mit
Eiter bedeckt. In sehr schweren Fällen verläuft die Krankheit schon nach ein bis zwei Tagen tödlich, ja bisweilen schon nach
Stunden (sog. Méningite fondroyante). Nimmt die Krankheit einen günstigen Verlauf, so erfordert die Genesung
gewöhnlich längere Zeit; gar nicht selten bleiben Schwächezustände, Gedächtnisschwäche, dauernde Seh- und Hörstörungen
zurück.
Die Behandlung des epidemischen Genickkrampf gleicht im wesentlichen derjenigen der Gehirnhautentzündung (s. d.); im Beginn der Erkrankungen
erweisen sich örtliche Blutentziehungen, große Eisbeutel auf den Kopf und die Wirbelsäule sowie drastische
Abführmittel, im spätern Verlauf gegen die Schmerzen laue Bäder und Einspritzungen von Morphium nützlich. Besondere Schutzmaßregeln
gegen die weitere Ausbreitung des epidemischen Genickkrampf sind nicht bekannt. -
Vgl. Niemeyer, Die epidemische Cerebrospinalmeningitis
(Berl. 1865);
Hirsch,
[* 6] Die Meningitis cerebrospinalis epidemica (ebd. 1866).