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Nach fast 27 Profi-Jahren und weit über 1000 Matches (Einzel und Doppel kombiniert) hängt Serena Williams ihren Tennisschläger an den Nagel. Und dies in ihrem eigenen «Wohnzimmer». Bei den US Open in New York konnte die US-Amerikanerin zum letzten Mal aufschlagen, zum letzten Mal ihre Klasse unter Beweis stellen, zum letzten Mal die Fans zum Stauen bringen. Wie sie es fast drei Jahrzehnte lang getan hat.
In dieser Periode hat Williams die Grenzen von dem, was im Frauensport als möglich schien, verschoben. Sie hat 39 Major-Titel gewonnen (23 im Einzel, 16 im (Mixed)-Doppel). Zweimal in ihrer Karriere (2002/03 und 2014/15) war sie Titelhalterin aller 4 Grand-Slam-Turniere. Auch Olympia-Gold gehört zu ihrem prallgefüllten Palmarès: 2000 in Sydney (im Doppel), 2008 in Peking (im Doppel), 2012 in London (im Einzel und im Doppel) war sie unschlagbar.
Williams lässt die Kassen klingeln
Aber nicht nur sportlich war Williams eine Klasse für sich, sondern auch finanziell. Auf ihrem Preisgeld-Konto haben sich knapp 95 Millionen Dollar angehäuft. Dank weiteren Einnahmen wie lukrativen Werbeverträgen ist sie die bestverdienende Athletin des Planeten. Im Jahr 2021 sahnten laut Forbes nur 27 Sportler mehr ab als Williams.
«Sie war eine Kassenschlagerin», sagt der ehemalige britische Weltranglistenerste Greg Rusedski (48). «Sie hat das Frauentennis in den letzten 2 Jahrzehnten zusammen mit ihrer Schwester Venus angeführt. Natürlich gab es noch andere grossartige Spielerinnen um sie herum, aber sie bringt auch den Nicht-Tennis-Fan zum Sport.»
Legenden schwärmen: «Eine Ikone»
Auch die einstige Weltranglistenerste Billie Jean King (78) gerät beim Namen Serena Williams ins Schwärmen: «Sie wird als die grösste Spielerin des Sports gehen. Nach einer Karriere, die eine neue Generation von Spielerinnen und Fans inspiriert hat, wird sie für immer als Champion bekannt sein, der auf dem Platz gewonnen und das globale Profil des Sports abseits des Platzes erhöht hat.»
Für John McEnroe (63), siebenfacher Grand-Slam-Sieger, gehört Williams auf eine Stufe mit Michael Jordan, LeBron James und Tom Brady. «Sie ist einer der grössten Athleten aller Zeiten in der Geschichte jeder Sportart – ob männlich oder weiblich. Sie ist eine Ikone.»
Zuerst der Durchbruch, dann der Absturz
Um die Jahrtausendwende spielte sich Williams immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. 1999 holte sie sich den ersten Grand-Slam-Titel bei den US Open. Im Final setzte sie sich gegen Martina Hingis durch.
Im Doppel mit ihrer Schwester konnte sie in New York nachdoppeln, zuvor hatten die beiden bereits bei den French Open triumphiert. Bis sie erstmals den Thron der Weltrangliste besteigen konnte, musste sich Williams aber gedulden: Am 8. Juli 2002 war es dank Turniererfolgen in Roland Garros und Wimbledon so weit.
Mit 6 Major-Titeln im Trophäenschrank machten Williams 2003 Verletzungen zu schaffen. Eine Knieoperation warf sie zurück, 2006 litt sie unter Depressionen – lange war unklar, ob sie jemals auf den Tennisplatz zurückkehren würde. In der Weltrangliste rutschte sie auf Position 139 ab.
Die Rückkehr
Aber Williams wäre nicht Williams, hätte sie den Kopf in den Sand gesteckt. Vielmehr kämpfte sie sich zurück – auch wenn sie nach wie vor Rückschläge und bittere Niederlagen zu verkraften hatte. Was folgte, war der zweite Frühling Williams': Sie triumphierte bei 11 weiteren Grand-Slam-Turnieren (5 im Einzel, 6 im Doppel). Dank den Erfolgen in den Jahren 2012, 2015 und 2016 wurde Wimbledon zu ihrem Lieblingsturnier.
Die verflixte Nummer 24
Seit 2017 steht Williams bei 23 Grand-Slam-Titeln. Mit der Nummer 24 wäre sie zur Rekordhalterin Margaret Court (heute 80-jährig) aufgeschlossen. Doch diese Marke wollte partout nicht mehr fallen. 12 Mal hatte sich Williams angeschickt, das zweite Dutzend vollzumachen, jedes Mal ist sie gescheitert, 4 Mal erst im Endspiel.
Bei den diesjährigen US Open gehörte Williams nicht mehr zu den Favoritinnen. Und doch wurde es ihre grosse Bühne. Ein allerletztes Mal in der 3. Runde gegen Ajla Tomljanovic.