Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03253.jsonl.gz/1361

So ruhig spazierte Roger Federer noch selten durch eine erste Wimbledonwoche. Bei allem Respekt gibt er zu, dass die ersten drei Gegner nicht die schwerstmöglichen waren. Inklusive des letzten Jahres, als er den Titel ohne Satzverlust gewonnen hatte, steht er nun bei 29 siegreichen Sätzen ohne Unterbruch in Wimbledon. Erst einmal, 2005/2006, reihte er eine noch längere Serie aneinander. Am Donnerstag gegen den aufschlagstarken Deutschen Jan-Lennard Struff brauchte er erneut nur 1:34 Stunden für den 6:3, 7:5, 6:2-Sieg.
Uns so stehen vorerst andere Themen im Mittelpunkt. Am Donnerstagabend freute sich Federer zum Beispiel nach dem Spiel auf einen Grillabend im Familien- und Freundeskreis im gemieteten Haus. "Wir haben dafür extra Würste aus der Schweiz mitgebracht", erzählte er voller Vorfreude. Er kann sich den kulinarischen Exkurs leisten, hat er doch nun zwei spielfreie Tage vor sich, ehe es am Montag gegen den als Nummer 22 gesetzten Franzosen Adrian Mannarino weitergeht.
Struff konnte ihn wie bei den ersten zwei Duellen der beiden nie gefährden. Wohl auch, weil er in den ersten zwei Runden zweimal weit über drei Stunden und insgesamt zehn Sätze auf dem Platz gestanden und am Mittwoch auch noch Doppel gespielt hatte. In den ersten beiden Sätzen reichte dem Titelverteidiger jeweils ein Break - zum 4:2 respektive zum 6:5. Im dritten Durchgang bog er schon früh auf die Zielgeraden ein und liess schliesslich zum 5:2 noch ein weiteres Break folgen. Der 1,96 m grosse Deutsche liess Federer bei seinem Aufschlag nicht viele Chancen, doch diese nutzte der Schweizer zunächst konsequent. Erst im dritten Satz liess er einige Möglichkeiten verstreichen, da war die Partie aber im Prinzip bereits entschieden.
"Ich bin sehr zufrieden mit der ersten Woche", konnte er deshalb getrost bilanzieren. Gefordert wurde er noch nicht, und er konnte jedes Mal auf dem Centre Court spielen. "Ich geniesse jeden Match hier", schwärmte er. "Der Centre Court hier ist der speziellste Tennisplatz der Welt." Ob er auch am Montag wieder in diesen Genuss kommt, ist jedoch nicht sicher. Dann stehen sämtliche Achtelfinals im Programm, also auch die Tableauhälfte mit Rafael Nadal und Novak Djokovic, die bis jetzt nie am gleichen Tag wie Federer spielten. Druck machen will dieser keinen. "Ich bin einfach froh, wenn ich auf dem Centre Court oder dem Court 1 spielen kann."
Er erwartet dann ein engeres Spiel. Die Bilanz gegen den Linkshänder Mannarino spricht ganz klar für den 36-jährigen Basler. In fünf Partien - darunter einmal in der 2. Runde in Wimbledon - hat er nur einmal einen Satz abgegeben. Das war im vergangenen Herbst auf dem Weg zum Turniersieg an den Swiss Indoors. "Da war er nahe dran, mich zu schlagen", warnt Federer. In Wimbledon fühlt er sich aber höchstwahrscheinlich noch wohler als in der heimischen St. Jakobshalle.
(sda)