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Im Blickpunkt …
Und Dorothea, die Ehefrau? – Ein Drama
In einem juristischen Verfahren ist es wichtig, exakt zu benennen, um wen und um was es geht. Wenn angestrebt werden soll, dass Klaus von Flüe und seine Ehefrau offiziell als heiliges Ehepaar verehrt werden dürfen, so geht es in jedem Fall um eine rechtliche Aktion, eine ordentliche oder eine ausserordentliche. Wichtig ist da jedenfalls die Nennung korrekter Namen. Der Allianznamen «von-Flüe-Wyss» ist völlig unkorrekt, auch heute: Da wird in der Amtssprache bei der Ehefrau immer der angenommene Familienname allein genannt, dahinter steht dann aber «geborene …». Und im 15. Jahrhundert? Da sowieso. Bis zur Französischen Revolution (Eherecht im «Code Civil Français», 1804) behielten die Frauen auch nach der Eheschliessung den bisherigen Namen. Demnach heisst es korrekt: «Dorothea Wyss» (nebenbei als Beispiel: die Ehefrau des französischen Königs Ludwig XIV. hiess: «Anna von Österreich», obwohl sie aus Madrid nach Paris kam. Der Familienname «von Habsburg» war damals ungebräuchlich). Heute können – etwa in der Schweiz – beide Ehepartner je ihren Familiennamen wählen, in amtlichen Dokumenten braucht es dann jedoch noch einen Zusatz, dass sie verheiratet sind. So heisst die Bundespräsidentin der Schweiz «Doris [Dorothea] Leuthard», sie ist verheiratet mit Roland Hausin.
Kurz vor Ostern 1995 überbrachte Dr. iur. can. Erzbischof Josef Rauber, damals Apostolischer Nuntius in Bern, Papst Johannes Paul II. persönlich das Buch «DOROTHEA, Die Ehefrau des hl. Niklaus von Flüe». Dabei fragte er den Heiligen Vater, ob er es erlauben könne, dass Bruder Klaus und seine Ehefrau Dorothea gemeinsam als heiliges Ehepaar verehrt werden dürfe. Erzbischof Rauber tat dies sicher nicht in Unkenntnis der kirchenrechtlichen Möglichkeiten, ist er doch im Kanonischen Recht bestens ausgebildet. Der Papst antwortete mit wenigen Worten: «Nein, das kann ich nicht.» Als Privatmann konnte er dies so sagen. Hätte er gesagt: «Nein, das können WIR nicht.» hätte er als Pontifex Maximus gesprochen und dies hätte nicht den tatsächlichen Möglichkeiten entsprochen.
Erzbischof Rauber, Dr. iur. can., ging nach der Audienz zur Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse und sprach dort vorerst rein informativ, also nicht offiziell mit dem Sekretär, Erzbischof Edward Nowak. Nach dessen Meinung hätte ein ordentlicher Prozess eingeleitet werden müssen. Dafür wären jedoch einige Kriterien nicht erfüllt gewesen. Diese amtliche Institution befasst sich ausschliesslich mit dem «ordentlichen» Weg. Ihr im erwähnten Anliegen offiziell einen Antrag zu stellen wäre eine Sackgasse. Erzbischof Rauber wusste das und auch etliche Theologen und Kirchenrechtler in der Schweiz, etwa Dr. iur. can. Roland Trauffer OP, früherer Generalvikar des Bistums Basel: «… was die Durchführung des Verfahrens anbelangt vorzugsweise der sogenannte ‹ausserordentliche Weg› als das richtige Vorgehen anerkannt.» Die Bischofskonferenz hatte sich am 27. Juli 1994 nicht völlig klar zum tatsächlich möglichen Weg geäussert (Dorothea Hearing, PDF • Link).
Das heisst: In der Sache kann nur ein ausserordentlicher Weg zum Erfolg führen. Darüber entscheidet der Papst allein, also ohne vorherige Zustimmung der genannten Kongregation in Rom. Dieses Vorgehen ist nicht neu, bereits Bruder Klaus wurde vor der offiziellen Seligsprechung die Verehrbarkeit zugesprochen – Papst Clemens IX. (Quelle 309) erteilte am 8. März 1669 die Erlaubnis, dass Niklaus von Flüe liturgisch verehrt werden dürfe, eingeschränkt auf die Pfarrei Sachseln (allerdings räumte er der Kongregation ein Vetorecht ein). Diese Aktion, die dem Papst unmittelbar zusteht, wird «Beatificatio Aequipollens» genannt. Das Problem für den ordentlichen Weg bestand damals darin, dass sämtliche Heilungswunder, die das Sachsler Kirchenbuch (Quelle 053 – auch in Wölflins Biografie Quelle 072) festhält, nicht als voll glaubwürdig anerkannt wurden. Es fehlte also ein Wunder für eine ordentliche Seligsprechung. Nachdem die Ritenkongregation die «wunderbaren und fast zwanzigjährigen Nahrungslosigkeit» des Eremiten als das erforderliche Wunder anerkannt hatten, weitete am 26. September 1671 Papst Clemens X. die Seligsprechung offiziell aus auf die eidgenössischen Gebiete innerhalb des Bistums Konstanz sowie auf die Stadt Konstanz selbst (Quelle 309).
Auf diese Weise müsste auch angestrebt werden, dass der Papst per Dekret eine «Beatificatio Aequipollens» des Ehepaares ausspricht, also die Erlaubnis, das Ehepaar zu verehren. Der Inhalt der Bitte müsste in den Details absolut korrekt formuliert und begründet werden.
Der Weg beginnt nun mal unten. Wenn der Pfarrer von Sachseln seine Arbeit richtig machen würde, könnte schon noch etwas gehen. Zusammen mit Bruderklausenkaplan, Pater Joseph Oberwiler, setzte sich seinerzeit Pfarrer Josef Eberli wie kein Pfarrer vor und nach ihm ein für das Anliegen, trotz erheblicher Widerstände von Bischof Haas und seinem Rechtsgelehrten Dr. Walser. Der Nachfolger von Josef Eberli, Pfarrer Gasser, wollte nicht weitermachen: «Das passt nicht zu ihr.» Und dann wurde Daniel Durrer Papst im Dorf, noch arroganter als sein Vorgänger. Er setzte keine Zeichen in diese Richtung. Zudem scheint im «Frieden» ein Fremdwort zu sein. Wie kommt es denn, dass ich in der Kurie von Sachseln als Ketzer bezeichnet werde? Nun, ich hatte mich schon eingehender mit dem 15. Jahrhundert befasst. Das Wort «Ketzer» ist da trotz aller Tragik eher ein Ehrentitel. Welches Dogma sollte ich denn geleugnet haben. Ich kenne das «Credo in unum Deum» und behaupte nicht ständig, die drei Personen würden aus der einen Gottheit ausgehen, und ich dichte das auch nicht einem Heiligen an. Bruder Klaus hat es nicht nötig, dass man ihm etwas andichtet, nein, er ist gewiss dagegen. – Doch, wie dem auch sei, «Dissident» wäre eher eine passende Bezeichnung. Denn ich widerspreche ab und zu gerade dem Verhalten der Verantwortlichen im heutigen Umfeld von Bruder Klaus.
Inzwischen war auch Benedikt XVI. amtierender Papst. Noch als Kardinal hatte er in einem Brief an Robert Lebert am 15. Juli 1994 geschrieben: «Ihre Anregung, Klaus von der Flüe und seine Gattin Dorothea als heiliges Ehepaar der Kirche vorzustellen, finde ich einleuchtend und wichtig.» (Brief PDF • Link) – Doch während seines Pontifikats trat niemand mit dem besagten Anliegen an ihn heran, auch nicht der Diözesanbischof von Chur, Amadeus Grab. Alle verpassten sie die Chance. Von Sachseln her war auch völlige Funkstille in dieser Sache. Da ist man ständig mit der Selbstdarstellung beschäftigt.
Heute müsste eine hochrangige Person mit der erwähnten Bitte an Papst Franziskus herantreten. Es muss vielleicht nicht unbedingt der Bischof von Chur sein, aber es wäre schön, wenn er etwas unternehmen würde. Doch dann könnte auch die «Stimme des Volkes» (Vox Populi) wirksam sein: die verschiedenen Verbände und Vereine. Und wer könnte noch in diesem Jubiläumsjahr 2017 etwas unternehmen und dem Papst das Anliegen in die Hände legen? Wäre das nicht etwas für unsere Bundespräsidentin Doris [Dorothea] Leuthard? Der Obwaldner Landammann, Franz Enderli, könnte doch genau das in die Wege leiten.
Werner T. Huber, Dr. theol. 1981 Universiät Freiburg Schweiz
Bild: Dorothea und Niklaus II. (Kläusli), Broncestatue von Rolf Brem bei der Pfarrkirche in Sachseln
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