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Das «Chileli vo Wasse» ist seit der Eröffnung der Gotthardbahn 1882 eine bekannte Attraktion. Schon 1897 fragte der Nobelpreisträger Carl Spitteler in seinem Reiseführer «Der Gotthard» launisch, warum er die Kehrtunnels zum 1002. Mal beschreiben solle, wenn diese doch schon 1001 Mal beschrieben worden sei. Er widmete der «verwunschenen und verwünschten» Kirche und den Kehrtunnels trotzdem einen längeren Abschnitt: Die Kirche erscheine, winke Adieu – nur um kurze Zeit später wieder zu erscheinen. Damit sage sie spöttisch und triumphierend «Ich bin schon da!», wie der Igel im Märchen von Hase und Igel.
Schwierige Linienführung
Die Grundlage für das Stück sind die Kehrtunnel bei Wassen, mit denen die Bahn das Problem der grossen Steigung lösen konnte. Denn auf der Strecke von Erstfeld nach Göschenen sollte eine Steigung 26 o/oo nicht überstiegen werden, damit auch lange und schwere Züge über den Berg fahren können. Weil das obere Reusstal kurz und schmal ist, war eine direkte Streckenführung nicht möglich und verschiedene Möglichkeiten wurden diskutiert: etwa eine Zahnradbahn, welche eine direkte Linie ermöglicht hätte, oder Spitzkehren, mit denen die Strecke künstlich verlängert worden wäre. Die Ideen waren jedoch mit dem unkomplizierten Betrieb einer europäischen Eisenbahntransversale nicht vereinbar. Doch wie konnte die Strecke gebührend verlängert werden? Die Ingenieure entschieden sich für eine Konstruktion mit drei Tunnels und einer rund 9km langen, maximal steilen Strecke. Diese beginnt beim Pfaffensprung-Spiraltunnel nördlich von Wassen, in dem sich die Bahn in einer langen Drehung durch den Berg rund 40 Meter in die Höhe schraubt. Danach fährt sie auf dem Boden der höheren Talstufe ein erstes Mal unterhalb der Kirche durch zum Wattinger-Kehrtunnel. Dort dreht die Lokomotive die Fahrtrichtung und fährt – mittlerweile auf gleicher Höhe wie die Kirche - zurück zum Leggistein-Kehrtunnel. Nach einer neuerlichen Wendung geht es dann oberhalb der Kirche und 200m höher als vor den Tunnels wieder Richtung Süden. Diese Linienführung folgte der sicheren linken Talseite, wo viel weniger Lawinengalerien nötig waren als auf der anderen Talseite, wo die heutige Autobahn durch mehrere lange Galerien geführt werden muss. Dennoch erstellten die Gotthardbahn und später die SBB nur schon zwischen Gurtnellen und Göschenen mehr als ein halbes Dutzend Galerien, um die Züge vor Lawinen zu schützen. Das imposanteste ist die 1984 errichtete Betontunnel-Brücke, welche die Bahn vor der berüchtigten Rohrbachlawine schützt.
Erleben
Perspektivenwechsel
Es lohnt sich, die Kirche von Wassen statt dreimal von aussen auch einmal von innen zu sehen (Bus ab Erstfeld bis Haltestelle Wassen, Dorf).
Steinreiches Museum
Oberhalb des heute nicht mehr bedienten Bahnhofs Wassen liegt der ehemalige Steinbruch von Michele Antonini. Antonini, den es schon in seinen Lehr- und Wanderjahren bis nach St. Petersburg verschlagen hatte, baute dort ab 1899 Granit ab und lieferte diesen mit Bahn und Schiff bis nach Manila.
Das Chileli vo Wassen von aussen mit dem Treno Gottardo ansehen:
Text geschrieben von: Kilian T. Elsasser