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Geschichte
Die Angewandte Psychologie in der Schweiz kann auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurückblicken. Dies gilt auch für die Angewandte Psychologie in Zürich.
Praktische Anwendung der Psychologie
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war die Anwendung psychologischer Erkenntnisse auf praktische Aufgaben in der Schweiz noch nahezu unbekannt. 1914 veröffentlichte der deutsch-amerikanische Psychologe und Philosoph Hugo Münsterberg das wegweisende Standardwerk «Grundzüge der Psychotechnik». Darin propagierte er die praktische Anwendung der Psychologie im Dienste der Gesundheit, der Wirtschaft, in der Erziehung sowie in Kunst und Wissenschaft. Münsterberg gilt damit als einer der Gründer der angewandten Psychologie.
Der Schweizer Schuhfabrikant Iwan Bally interessierte sich für Münsterbergs Psychotechnik und reiste eigens in die USA, um mehr darüber zu erfahren. Nach seiner Rückkehr wollte er die neuen Methoden eingehend testen und in seiner Fabrik einführen. Er wandte sich mit seinem Anliegen an die Universität Zürich. Diese beauftragte Dr. Jules Suter, Privatdozent an der Universität Zürich, in einigen Bally-Betrieben arbeitspsychologische Versuche durchzuführen. Die Erfolge liessen nicht auf sich warten.
Auch andere innovative Arbeitgeber erkannten zu dieser Zeit den praktischen Nutzen von psychologischen Dienstleistungen wie Eignungsprüfungen, Arbeitsanalysen oder lernpsychologisch fundierter Weiterbildung. In der Berufs- und Laufbahnberatung wurde der Wert wissenschaftlicher Potenzial- und Neigungsabklärungen erkannt. Da die Nachfrage nach psychologischen Dienstleistungen schnell anstieg, gründete Jules Suter 1923 schliesslich das «Psychotechnische Institut Zürich». Hauptaufgaben waren gemäss Suter die Durchführung von Intelligenz-, Begabungs- und Berufseignungsprüfungen für Betriebe, psychologisch-pädagogische Untersuchungen der Lehr-, Lern- und Arbeitsmethoden sowie psychotechnische Prüfungen von Arbeitsmitteln und Produkten (vgl. Kälin 2011, S. 34). Jules Suter legte mit der Gründung den Grundstein für das spätere IAP Institut für Angewandte Psychologie. Das IAP war damit von Beginn an Pionier auf diesem Gebiet und hat seither die Angewandte Psychologie in der Schweiz nachhaltig geprägt.
Die Tätigkeit des Instituts war Mitte der Dreissigerjahre so vielfältig geworden, dass der Name «Psychotechnisches Institut» als ungenügend und missverständlich empfunden wurde. Deshalb wurde es 1935 in IAP Institut für Angewandte Psychologie umbenannt. Damit kam besser zum Ausdruck, dass es sich nicht um ein technisches, sondern um ein psychologisches Institut handelt.
Mit der stetig steigenden Nachfrage nach psychologischen Dienstleistungen stieg auch der Bedarf an seriös und praktisch ausgebildeten Psychologinnen und Psychologen. Abgesehen von Genf gab es an den Schweizer Universitäten zu dieser Zeit kaum Möglichkeiten, das Werkzeug für die praktische Berufsausübung zu lernen. Auch die Universität Zürich vermittelte damals vorwiegend theoretische Grundlagen der Psychologie.
Dieser Mangel an psychologischen Fachkräften veranlasste 1937 den Psychologen und Teilhaber des Instituts, Hans Biäsch, als private Abteilung innerhalb des Instituts das Seminar für Angewandte Psychologie zu gründen. Das Seminar hatte zum Ziel, praktische Psychologinnen und Psychologen für berufliche, erzieherische und charakterologische Beratungen auszubilden. Die anfangs ein- bis zweijährige Ausbildung entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem 8-10-semestrigen generalistischen Psychologiestudium, das heute gleichzeitig zu einer praktischen Qualifikation in einem Teilgebiet der Angewandten Psychologie führt. Damit realisierte Hans Biäsch die Idee einer psychologischen Fachhochschulausbildung lange bevor der Begriff «Fachhochschule» in der Bildungslandschaft Schweiz einen Platz hatte.
Meilenstein in der Führungsausbildung: Das Vorgesetzten-Seminar am IAP
Biäsch, der unterdessen Direktor des IAP und Seminarleiter war, engagierte sich zeitlebens für die Vermittlung von praktischem Psychologie-Wissen an Nichtpsychologen. Vor allem Fragen der Arbeits-, Betriebs- und Führungspsychologie hatten es ihm angetan. Er erkannte, dass Führungskräfte bei menschlichen Fragen, in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen oder dem Team oft anstanden. Um der gängigen Meinung, dass Führung nicht lernbar sei, entgegenzutreten, lancierte er 1947 am IAP das Vorgesetzten-Seminar. Es sollte den Führungspersonen Einsichten in den Menschen, die Gesellschaft und auch Selbsterfahrung ermöglichen. Das Vorgesetzten-Seminar war ein Meilenstein und wegweisend in der Führungsausbildung in der Schweiz. Es wurde 2007 im Zuge der Bologna-Reform vom Weiterbildungs-Masterstudiengang Master of Advanced Studies ZFH in Leadership & Management abgelöst. Die innovative Führungsausbildung verbindet heute noch Psychologie- und Management-Wissen in einer modularen berufsbegleitenden Weiterbildung. 2004 wurde das Vorgesetzten-Seminar bzw. der Nachdiplomkurs Leadership und Management zum 100. Mal durchgeführt. Ab 1970 entstanden am IAP dann die Nachdiplomstudiengänge (heute Master of Advanced Studies) für Personalmanagement sowie Supervision und Coaching.
Gründung der HAP und Fusion mit der ZHAW
1999 wurde das Seminar für Angewandte Psychologie mit der Gründung der HAP Hochschule für Angewandte Psychologie zu einer der Universität gleich gestellten fachlichen Hochschule. Das IAP Institut für Angewandte Psychologie wurde 2004 zum Hochschulinstitut der HAP Hochschule für Angewandte Psychologie. Trägerin der Hochschule HAP und des Instituts IAP war zu dieser Zeit die Stiftung Institut für Angewandte Psychologie.
2007 schlossen sich die HAP Hochschule für Angewandte Psychologie und das IAP zusammen mit der Hochschule für Soziale Arbeit HSSAZ, der Hochschule Wädenswil (HSW) und der Zürcher Hochschule Winterthur ZHW zur ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zusammen. Die HAP und das IAP wurden damit kantonalisiert und zum Departement Angewandte Psychologie der ZHAW umbenannt.
Quelle: Kälin, Karl (2011): Hans Biäsch (1901 – 1975). Ein Pionier der angewandten Psychologie. Chronos Verlag, Zürich.