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Unsere ersten Forschungsmassnahmen auf den kanarischen Inseln waren von Vorurteilen und Zweifeln begleitet, ob wir dort abgesehen von den üblichen Phänomenen im Gefolge einer geschmacklosen Ausbreitung des Massentourismus irgendetwas Interessantes finden würden. Wir wollten feststellen, ob sich hier das komplexe Thema der Urbanisierung im 21. Jahrhundert beleuchten liesse. Die treibende wirtschaftliche Kraft in diesem Urbanisierungsprozess ist der Tourismus, der nicht nur – ausgehend von der intensivierten Landwirtschaft – die früheren Gebietsstrukturen neu gestaltet und abschafft, sondern auch eine neue soziale und räumliche Differenzierung auf den Inseln auslöst.
Als vorläufiges Forschungskonzept können wir nun folgende Thesen aufstellen: Die Kanaren sind seit jeher durch Monokulturen geprägt, die ihnen von ausserhalb aufgezwungen wurden. Diese haben Wirtschaft, Gesellschaft und Urbanisierung auf den Inseln geprägt. Nach Jahrhunderten der landwirtschaftlichen Monokulturen, konkret für die Produktion von Farbstoffen oder Wein oder Bananen, ist es heute die europäische – vor allem englische und deutsche – Tourismusindustrie, die die Inseln tiefgreifend verändert. Die terrassierten Landschaften, die durch die landwirtschaftliche Nutzung des Gebiets entstanden, sind mittlerweile weitgehend zerstört, verlassen oder erodiert.
Nun versuchen zunehmend touristische urbane Zentren die «ursprüngliche» lokale Stadt nachzuahmen, indem sie historische Architektur und einen „lokalen“ Stil oder öffentliche Räume simulieren. Ebenso übernehmen die «lokalen Städte» Modelle und Freizeitinfrastrukturen von der «Touristenstadt» und integrieren diese in den öffentlichen Raum – wie geschehen mit der Umwandlung von industriellen Häfen in Marinas und Parks sowie mit der Errichtung bedeutender Kultureinrichtungen. Aus diesen Feststellungen liesse sich eine Formel für den anhaltenden doppelten Trend der urbanen Entwicklung ableiten: Die Tourismusanlage will zur Stadt und die Stadt zur Tourismusanlage werden.
Status
Abgeschlossenes Projekt