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Die Ausstellung «Sodeli, d’Kuttlebutzer» im Museum Tinguely bietet einen Einblick in die Geschichte einer Fasnachtsclique, die unter anderem mit Jean Tinguely zusammen Fasnachtsgeschichte geschrieben hat.
1974 war es. Erstmals in ihrer Geschichte hatte sich die «wilde» Fasnachtsclique Kuttlebutzer beim Comité hochoffiziell für den Cortège angemeldet. Kann sein, dass sich ein Teil der Comité-Mitglieder darüber gefreut hat, dass sich der nonkonformistische Haufen nun endlich nach den Regeln der organisierten Fasnacht richten werde. Die Mehrheit dürfte dieser Annäherung mit Skepsis gegenübergestanden haben. Und dies völlig zurecht. Denn statt einer bunt kostümierten Clique erschien ein schwarz gekleideter Trauerzug, der hinter einem grossen Sarg hermarschierte, der die Aufschrift «Sodeli, d‘ Kuttlebutzer» trug. Just vor dem Comité-Standort auf dem Marktplatz kam es zur grossen Explosion, und der halbe Platz versank in einer Wolke aus Rauch, schwarzen Räppli und Federn. Der Titel der Aktion lautete ganz einfach «Bumm».
Sprengmeister bei dieser Aktion, die in der Öffentlichkeit für happige Diskussionen sorgen sollte, war Jean Tinguely. Es war die erste Fasnacht, die der Künstler in den Reihen der Kuttlebutzer beging. Er blieb bis zu seinem Tode 1991 Mitglied der 1957 gegründeten Clique, die sich 1999 auflöste. Als aktiver Vorträbler sowie als Gestalter mehrerer Fasnachtszüge. 1976 machte er mit den «Stadtindianer» den Anfang, 1985 folgte die «Atompolizei» und 1988 schliesslich in Zusammenarbeit mit dem Künstler Christoph Gloor der «Pleitegeier- und Phönixzug». Auf der anderen Seite integrierte Tinguely auch Larven und Requisitenteile der Kuttlebutzer in einen Teil seiner Werke. Augenfälligstes Beispiel hierfür ist das Werk «L’Avant-Garde» von 1988.
Kreatives Kollektiv
Tinguelys Mitgliedschaft in und Engagement für die Clique ist Ausgangspunkt der aktuellen Ausstellung im Museum Tinguely, die in Anlehnung an die oben beschriebene Aktion den Titel «Sodeli, d’Kuttlebutzer» trägt. Die Ausstellung beschränkt sich aber keineswegs auf die Spuren, die der Hauskünstler Tinguely hinterlassen hat. Zahlreiche Dokumente, Laternenseiten, Kostümentwürfen und einer ganzen Wand voller prächtiger Larven geben Zeugnis dafür ab, dass sich die fasnächtliche Kreativität der Clique keineswegs auf ihr bekanntestes Mitglied beschränkte. Auch andere Künstler und Grafiker, wie Ferdi Afflerbach, Robi Hiltbrand oder Hanspeter Hort, haben ihre Spuren hinterlassen. Und natürlich der Basler Künstler Max Kämpf (1912-1982), der zwar nie aktives Kuttlebutzer-Mitglied war, der Clique aber mit dem von ihm entworfenen «Geisterzug» aus dem Jahre 1965 zu einem kreativen Höhepunkt verholfen hat.
Insbesondere bei den zahlreichen Larven zeigt sich, dass auch nicht namentlich genannte Cliquenmitglieder ein hohes Mass an Kreativität an den Tag legten. Ein Markenzeichen der Kuttlebutzer war nämlich, dass sie keine Einheitskostüme trugen, die sie in einem Schneider- oder Larvenatelier in Auftrag gaben, sondern dass mit wenigen Ausnahmen (dazu gehörten die von Tinguely gestalteten Züge) letztlich jedes Mitglied für seinen Auftritt an der Fasnacht selber verantwortlich war. Zu den herausragenden Beispielen gehören mehrere Larven, die für den erwähnten Geisterzug entstanden und ein eindrücklich bösartiger Hitler-Kopf, der 1996 im Rahmen des Sujets «1000 Joor Österreich» durch die Strassen wandelte.
Oral History
Wie der zuständige Konservator Andres Pardey an der Vorbesichtigung der Ausstellung zurecht bemerkte, können Objekte und Dokumente aber nur einen Teil des wirklichen Wesens der Basler Fasnacht wiedergeben. Wer mehr in das Innere des fasnächtlichen Geistes eintauchen möchte, kann dies an einem der Videobildschirme tun. Die Ausstellungsmacher haben über 30 Interviews geführt, die eine Hälfte mit ehemaligen Cliquenmitgliedern (zwei davon Gründungsmitglieder) und die andere Hälfte mit einer Reihe von weiteren Persönlichkeiten, die Geschichten aus der Geschichte der Kuttlebutzer zu erzählen haben.
Und wenn es um die Fasnacht geht, darf natürlich auch das Trommeln und Pfeifen nicht fehlen. So findet Anfang Februar als eine Art Rahmenprogramm zur Ausstellung eine «Veranstaltung vor der Fasnacht» statt. «Kuttlete» heisst sie, und im Untertitel liest man dazu in holprigem Baseldeutsch: «Vyylfältige Schaabernagg im Däägeli-Museum». Verantwortlich für diese Veranstaltung ist das Trio mit den beiden Kabarettisten Daniel Buser und Roland Suter («Touche ma Bouche») sowie Walo Niedermann, die in den vergangenen Jahren mit der kleinen, aber herrlich anarchistischen Vorfasnachtsveranstaltung «Wirrlete» im Tabourettli für einen wohltuenden Kontrapunkt in der Riesenmasse an Vorfasnachtsveranstaltungen gesorgt hatten. Mit von der Partie sind neben Spitzentambouren und –pfeiferinnen auch die vier Jazz-Saxophonisten des Arte Quartetts, der Frauenchor «Ensemble Singvoll» und einige Tinguely-Maschinen.
«Sodeli, d’Kuttlebutzer» 23. Januar bis 14. April 2013 im Museum Tinguely
«Kuttlete» am 2. und 3. Februar, ebenfalls im Museum Tinguely. Vorverkauf an der Museumskasse