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Was ist Stress?
Der Ausdruck „Stress“ wird heute viel gebraucht. Er stammt aus dem Englischen und bedeutet Beanspruchung, Belastung, Druck und Anspannung. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird mit „Stress“ eine unangenehm empfundene Situation bezeichnet. Eine Person erlebt Stress, wenn sie sich nicht in der Lage fühlt, erfolgreich auf die Anforderungen, die an sie gestellt werden, zu reagieren.
- Findet jemand keinen angemessenen Umgang mit seinem emotionalen Erleben von Stress, kann sich das schädigend auf das psychische und physische Wohlbefinden auswirken. Dieser Stress wird als Distress bezeichnet.
- Man kann eine stressige Situation aber auch als positive Herausforderung wahrnehmen, z.B. eine erfolgreich gemeisterte Prüfungssituation. Die dabei entstehenden positiven Emotionen geben dann ein zuversichtliches Gefühl, das Leben meistern zu können. Dieses emotionale Befinden nennt man auch Eustress.
Die drei Ebenen des Stressgeschehens und der Stresskompetenz
Das Drei-Säulen-Konzept von Gert Kaluza ist ein gut überschaubares Rahmenkonzept, um aufzuzeigen und zu analysieren, wie bei einer Person Stress entsteht. Kaluza geht von drei sich gegenseitig beeinflussenden Ebenen aus:
- Die erste Ebene fragt, wann jemand in Stress gerät. Sie befasst sich mit den Auslösern von Stress, den Stressoren. Die entsprechende Kompetenz ist die instrumentelle Stresskompetenz, die Fähigkeit, Anforderungen aktiv anzugehen. Auf dieser Ebene ist zu klären, wie jemand mit Leistungsanforderungen, mit zu viel Arbeit, mit sozialen Konflikten, mit Zeitdruck und mit Störungen umgeht.
- Die zweite Ebene fragt, wie sich jemand selbst unter Stress setzt. Sie befasst sich den den persönlichen Stressverstärkern. Die entsprechende Kompetenz ist die mentale Stresskompetenz, die Fähigkeit, förderliche Einstellungen zu entwickeln. Auf dieser Ebene ist zu klären, wie sich jemand einschätzt: ungeduldig, perfektionistisch, kontrollierend, „lieber mache ich alles selbst, dann ist es auch richtig“, „ich fordere von mir selbst sehr viel“.
- Die dritte Ebene fragt, wie sich der Stress langfristig auswirkt. Sie befasst sich mit der Stressreaktion. Die entsprechende Kompetenz ist die regenerative Stresskompetenz, die Fähigkeit, sich zu erholen und zu entspannen. Auf dieser Ebene ist zu klären, wie sich Stress bei jemandem zeigt, über körperliche Aktivierung, über emotionale Aktivierung, über mentale Aktivierung oder über Verhaltensaktivierung. Eine mögliche Folge der Stressreaktion sind Erschöpfung und Krankheit.
Stressreaktionen
Stress bei einer Person aktiviert sowohl körperliche Funktionen, das kognitiv-emotionale Erleben als auch das Verhalten. Es werden alle wichtigen Organsysteme und Organfunktionen beeinflusst. Dieses biologisch ablaufende Urprogramm, die Kampf- oder Fluchtreaktion, bereitet den Körper auf die Stressreaktion vor.
Entspannungsverfahren
Die medizinischen Entspannungsverfahren „Progressive Muskelentspannung“ (PME) und „Autogenes Training“ (AT) werden erfolgreich zur Regeneration von Stresserleben eingesetzt. Sie helfen zur Prävention von Stress, zur Linderung von Anspannungen (z.B. bei Schlafstörungen, Burnout, Angststörungen wie Prüfungsangst, posttraumatischen Belastungsstörungen, Affektregulationsstörungen, Depressionen, psychosomatischen Erkrankungen, arterieller Hypertonie, chronischen Kopfschmerzen, chronischen Schmerzen) und zur Stärkung der Selbstbestimmung und Selbstkontrolle.
Nutzen der Entspannungsverfahren
In meiner Diplomarbeit im Rahmen der Ausbildung zur „dipl. Entspannungsfachfrau med. Autogenes Training und med. Progressive Muskelentspannung“ konnte ich mit Hilfe von Teiltests der Trainingsbegleitenden Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik (TOP) von Julius Kuhl, welche auf der Theorie der Persönlichkeits-System-Interkationen (PSI-Theorie) beruht, in einer Untersuchung mit 17 Probanden nachweisen, dass sich die beiden Entspannungsverfahren PME und AT positiv auf das Selbstmanagement einer Person auswirken. Die TOP-Resultate sind sehr differenziert und zeigen auf, wie eine Person die Stressbelastung kognitiv und emotional wahrnimmt. Der Vergleich der TOP-Resultate vor und nach dem Training der Entspannungsverfahren zeigt deren Wirksamkeit gut auf.