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Die Ankündigung eines Friedensabkommens zwischen Israel und Bahrain lässt vermuten, dass das Golfinsel-Königreich die Gefahr einer Opposition sowohl seiner mehrheitlich schiitischen Bevölkerung als auch seiner sunnitischen Gemeinschaft neu eingeschätzt hat.
von Simon Henderson
Bahrain ist der einzige arabische Golfstaat mit einer einheimischen jüdischen Gemeinde. Die einst mehrere Tausend Einwohner zählende Gemeinde ist im Laufe der Jahre durch Auswanderung geschrumpft, insbesondere nach der Gründung des Staates Israel. Gegenwärtig zählt die Gruppe weniger als vierzig Mitglieder; dennoch gehören ihr ein ernanntes Mitglied der Nationalversammlung und ein ehemaliger Botschafter in Washington an.
Die Juden Bahrains waren und sind stets auf Zurückhaltung bedacht. Bis vor kurzem haben sie Gottesdienste zu Hause abgehalten anstatt in dem kleinen Synagogengebäude im alten Teil der Hauptstadt Manama. Ihr Beschützer war König Hamad bin Isa al-Khalifa, der sich persönlich für eine Politik des interreligiösen Dialogs und der friedlichen Koexistenz eingesetzt und sich mit anderen interreligiösen Gruppen auf der ganzen Welt ausgetauscht hat. (Der Monarch mag durchaus den Eindruck haben, das „Abraham-Abkommen“ der Vereinigten Arabischen Emirate mit Israel ahme seine eigenen Bemühungen nach).
Eine solche Politik, verbunden mit dem Engagement im Umgang mit internationalen jüdischen Persönlichkeiten, hat dazu geführt, dass Bahrains politisches Bekenntnis zu Israel nur eine Frage der Zeit war. Im vergangenen Jahr gab es sowohl Fortschritte als auch Rückschläge. Die Hoffnungen einer israelischen Delegation auf einer Wirtschaftskonferenz in Bahrain im April 2019 wurden nach wochenlangem öffentlichem Aufschrei arabischer Gruppen, die gegen die geplante Teilnahme der Israelis protestierten, zunichte gemacht. (Die Israelis nahmen in der Folge zwar teil, aber als Einzelpersonen, die es vermieden, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken). Im Juni 2019 konnten die Israelis jedoch an einem Wirtschaftsseminar in Bahrain teilnehmen, das von den Vereinigten Staaten als Teil ihres Nahost-Friedensplans unterstützt wurde. Darüber hinaus beteten israelische Offizielle und Journalisten in der Synagoge in Manama, die kürzlich renoviert worden war.
Angesichts seiner Nähe zu Saudi-Arabien (mit dem es durch eine kombinierte Brücke und einen Damm verbunden ist) und seines angespannten Verhältnisses zum Iran (der einst sein Territorium beanspruchte) ist die Öffnung Bahrains gegenüber Israel riskanter als der Schritt der Vereinigten Arabischen Emirate. Riad, früher eher ein Bremser, scheint die Entwicklung gefördert zu haben. Teheran wird dies sicher missbilligen. Mitglieder der bahrainischen Zivilgesellschaft, sowohl Schiiten als auch Sunniten, sprachen sich gegen eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den VAE aus und werden die Entscheidung daher wahrscheinlich ebenfalls missbilligen.
Die zentrale Frage ist, ob die iranische Feindseligkeit eine neue Welle von Strassenprotesten schiitischer militanter Jugendlicher auslösen wird. Die sunnitische Gemeinschaft wird stärker von der herrschenden Familie al-Khalifa beeinflusst werden, darunter befinden sich auch einige Hardliner in Bezug auf die iranische Bedrohung. Sie könnten den diplomatischen Wechsel möglicherweise als verfrüht einstufen.
Der Einfluss Washingtons in Bahrain ist beträchtlich, da sich dort das Hauptquartier der Fünften Flotte der US-Marine befindet. Wegen der wirtschaftlichen Vorteile, welche dieser Stützpunkt mit sich bringt, ist er lokalpolitisch nicht umstritten. Der diplomatische Schritt Bahrains ist berechenbar, aber auch mutig. Mehr noch als die Normalisierung der VAE muss Bahrains künftiges Verhältnis zu Israel vor einer Reihe von Gefahren geschützt werden.
Simon Henderson ist Baker Fellow und Direktor des Bernstein-Programms zur Golf- und Energiepolitik am Washington Institute. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Washington Institute for Near East Policy. Übersetzung Audiatur-Online.