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Länger arbeiten, mehr Einwanderung: Die Anhebung des Rentenalters und eine verstärkte Einwanderung könnten das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den kommenden zwei Jahrzehnten deutlich steigen lassen.
Das ist das Ergebnis eines neuen Reports des International Longevity Centre UK (ILC), der der "Welt" vorab vorlag. Im Jahr 2037 soll das BIP so bis zu zwölf Prozent höher sein, verglichen mit einem Szenario mit gleichbleibender Zuwanderung und einem gleichbleibenden Anteil an Über-65-Jährigen am Arbeitsmarkt.
Schon heute arbeiten deutlich mehr Briten als Deutsche nach Erreichen des 65. Lebensjahres weiter. Während sich Deutschlandvon der Rente mit 67 verabschiedet und damit langfristig wirtschaftliche Verluste hinnimmt, setzt das Vereinigte Königreich auf eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit - mit positiven Folgen für die britische Wirtschaft.
"Es ist ganz offensichtlich", sagt Ben Franklin, Research Fellow am ILC und Autor der Studie, "der Anteil der über 65-jährigen Arbeitnehmer muss deutlich steigen".
Ihm zufolge macht die britische Wirtschaft dadurch das wett, was sie seit 2008 in der langanhaltenden Rezession an Bruttoinlandsprodukt verloren hat.
Selbst wenn die Produktivität wie zuletzt im Schnitt nur um 0,8 Prozent pro Jahr steigt - damit liegt Grossbritannien im Europa-Vergleich weit zurück - so haben die stärkere Beschäftigung älterer Arbeiternehmer und die gestiegenen Migrationen einen "dramatischen Effekt" auf das BIP, vor allem ab dem Jahr 2030.
"Das führt zu einem Produktionsschub von 322 Milliarden Pfund allein im Jahr 2037", sagt Franklin gegenüber der "Welt". Umgerechnet sind das rund 390 Milliarden Euro.
Für den Zeitraum von heute bis zum Jahr 2037 rechnet Franklin mit einem BIP-Zuwachs von 3,3 Billionen Pfund (fast vier Billionen Euro), verglichen mit einem Szenario, bei dem der Anteil der Über-65-Jährigen und die Migrationsrate unverändert bleiben.
Wie die deutsche, so altert natürlich auch die britische Bevölkerung. Dem nationalen Statistikamt ONS zufolge wird die Zahl der 15- bis 64-Jährigen von heute bis 2037 im Jahr nur um rund ein Prozent zunehmen.
Die Gruppe der Über-65-Jährigen dagegen wächst jedes Jahr um 278.000. Wegen der Einwanderung ist jedoch die Prognose für die Gesamtbevölkerung positiv.
Anders als in Deutschland schrumpft die Bevölkerung nicht, sondern wächst. Zuletzt war die Zahl der Zuwanderer von 167.000 pro Jahr auf 182.000 pro Jahr gestiegen, berechnete das ONS.
Die Regierung von Premier David Cameron wird das Ergebnis der Studie des International Centre for Longevity, die noch in dieser Woche offiziell vorgestellt wird, allerdings nur in Teilen gefallen.
Sie sprach sich für eine Reduzierung der Einwanderungaus, nachdem der "British Social Attitudes Survey" vor wenigen Wochen erneut gezeigt hatte, dass die Mehrheit der Briten weniger Zuwanderung ins Vereinigte Königreich will.
"Weniger Migration bedeutet aber auch, dass die Briten länger arbeiten müssen", sagt Ben Franklin vom ICL. "Das wird in der Debatte leider nicht beachtet."
David Cameron hatte versprochen, die Zahl der Zuwanderer bis zur Parlamentswahl im Jahr 2015 auf unter 100.000 pro Jahr zu begrenzen. Dass die Briten in Zukunft länger arbeiten müssen, ist für die Regierung dagegen klar.
Ab dem Jahr 2020 wird das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre angehoben, 2028 sollen die Briten bis 67 arbeiten. 500 Milliarden Pfund (605 Milliarden Euro) soll der britische Staat so über die kommenden 50 Jahre sparen.
Im "Autumn Statement" Anfang Dezember hatte Schatzkanzler George Osborne dann eine weitere Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre angekündigt.
Aufgrund der steigenden Lebenserwartung sollen Briten, die in den 90er-Jahren geboren wurden, bis ungefähr 2060 arbeiten. Schon heute arbeiten mehr ältere Briten als Deutsche.
Der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sind 22 Prozent der 65-bis 69-Jährigen in Grossbritannien berufstätig, verglichen mit zehn Prozent in Deutschland und sechs Prozent in Frankreich.
Damit liegt das Vereinigte Königreich jedoch nur im Mittelfeld: In Japan arbeiten knapp 50 Prozent der 65-bis 69-Jährigen, in den USA sind es 36 Prozent.
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