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Befestigter Kirchhof Schönenberg
Quelle: Archiv Peter Ziegler
Während des Ersten Villmergerkrieges drangen Schwyzer Truppen am 11. Februar 1656 brandschatzend und plündernd in die zürcherische Landvogtei Wädenswil ein und zerstörten in Hütten die Kapelle St. Jakob sowie 15 Häuser. Die Sternenschanze in der Richterswiler Allmend und die Bellenschanze beim Hüttnersee, die beiden einzigen Festungen an der rund 7 km langen Zürcher Grenze, hatten zur Abwehr des Feindes nicht genügt.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts befasste sich der Zürcher Kriegsrat eingehender mit der Verteidigung der Herrschaft Wädenswil. Er plante zwischen Zürichsee und Sihl fünf grenznahe, mit Palisaden und Gräben bewehrte Erdwerke: den Ausbau der Sternenschanze, das Eichschänzli bei der Station Samstagern, die Erneuerung der Bellenschanze, die Hüttnerschanze zwischen Hütten und Sihl sowie eine Befestigung bei der Finsterseebrücke. Hinter diesen Frontwerken bildete man einen rückwärtigen Verteidigungsraum mit dem Hügel Wolfbüel, dem Kirchhof Schönenberg und dem Landvogteischloss Wädenswil als wichtigsten Stützpunkten.
Der Bau der Kirche Schönenberg in den Jahren 1702/03 gab Zürich die Gelegenheit, einen Teil des Befestigungskonzepts umzusetzen. Die Regierung bewilligte damals die Abtrennung des Wädenswiler Bergs zur Bildung der Kirchgemeinde Schönenberg. Der Friedhof wurde von einem starken Mauergeviert umschlossen, mit Kirche und Pfarrhaus in zwei gegenüberliegenden Ecken. So entstand eine Wehranlage für die Aufgabe, durchgebrochenen Feind aufzuhalten, der sich vom Weiler Segel her näherte. Noch erinnert bei der Kirche Schönenberg ein rund 3 m hoher Mauerzug an diese Verteidigungsmassnahme: Er schliesst ans Pfarrhaus an und begrenzt das einstige Friedhofareal gegen Norden.
Im Dezember 1709 liess Zürich Balken und anderes Material in die Schanze führen. Eigentliche Abwehrbereitschaft erstellte man angesichts grosser Bedrohung ab April 1712. Am 18. April rückte eine Kompanie Infanterie ein und verstärkte in den folgenden Tagen die Friedhofmauern mit hölzernen Palisaden. Am 24. April postierte die Artillerie ihre Geschütze in die Schanze: das Zollikofer Geschütz Nr. 12, das Geschütz Schwan und das Falkonett «Hindin», einen Mörser. Für jedes der beiden Geschütz lagerte man 50 Eisenkugeln von 6 bzw. 1,5 Pfund Gewicht und für den Mörser Kartätschen, d.h. zylindrische Büchsen, die Bleikugeln enthielten.
Im Juli 1712 standen in der Herrschaft Wädenswil 20 Kompanien Infanterie (4000 Mann), 2 Kompanien Kavallerie (155 Reiter) und 1 Kompanie Artillerie (70 Mann mit 16 Geschützen) bereit, um einen Einfall der Schwyzer und Zuger abzuwehren.
In der Morgenfrühe des 22. Juli 1712 griffen die Schwyzer an. Es kam zu Kämpfen bei der Bellen- und der Hüttnerschanze. Drei feindlichen Kompanien gelang der Durchbruch über den Weiler Segel in Richtung Schönenberg. Eine Kriegslist des Rittmeisters Johann Jakob Eschmann, des Landschreibers zu Wädenswil, veranlasste den Hauptharst indessen zum vorzeitigen Rückzug: Zwei Reiter mussten ihre Hüte schwenken und sich so gebärden, als würden sie in aller Eile eine nachkommende Truppe Reiterei zu Hilfe rufen. Dennoch kam es auch beim befestigten Kirchhof Schönenberg zu Kämpfen. Jedenfalls musste später der Glaser von Horgen im dortigen Pfarrhaus und in der Kirche 174 Scheiben ersetzen, «die im Krieg zerbrochen wurden».
In achtstündiger Abwehr konnte der Angriff auf die Landvogtei Wädenswil zurückgeschlagen werden. Die kriegsentscheidende Schlacht fand am 25. Juli 1712 bei Villmergen im Freiamt statt. Sie brachte Zürich und Bern den Sieg und führte zum in Aarau geschlossenen Vierten Landfrieden. Die zürcherischen Schanzwerke und die Gegenschanze der Schwyzer bei Itlismoos zerfielen. Einzig die Sternenschanze diente während des Sonderbundkrieges von 1847 nochmals der Verteidigung. Sie ist heute am besten erhalten. Eine Wehrmauer bei der Kirche Schönenberg brach man 1835 zur Erweiterung des Friedhofs ab, die drei andern Mauern wurden in der Höhe stark reduziert.