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Zeckenbulletin 2008
Zecken: Bulletin 2008
Was ist eine Zecke?
Zecken zählen nicht zu den Insekten (6 Beine) , sondern zu den Spinnentieren (8 Beine). Die häufigsten Zeckenart unter den Schildzecken ist in Europa der Holzbock Ixodes ricinus.
Welche Erreger werden übertragen?
Zecken, in Europa vor allem der Holzbock, können zwei verschiedene Erreger übertragen und damit zwei unterschiedliche Krankheiten verursachen: Die Borreliose (Lyme Disease) und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Bei der Borreliose wird ein Bakterium (Borrelia Burgdorferi, benannt nach dem amerikanischen Professor Burgdorfer ... und nicht etwa nach dem schönen Emmentaler Ort Burgdorf), bei der FSME ein Virus übertragen.
Definition
Die Borreliose (Lyme Disease) ist eine durch Zecken oder Bremsen übertragene bakterielle Entzündungserkrankung bei der primär die Haut und sekundär andere Organe befallen werden können.
Ordnung: Spirochaetales
Zwei Familien: Leptospiraceae und Spirochaetaceae
Gattung Treponema und Gattung Borreiia
Es besteht eine Verwandtschaft und strukturelle Aehnlichkeit zwischen allen Spirochaeten (deswegen Kreuzreaktionen und falsch positive Resultate mittels Serologie möglich und Diagnostik sehr komplex).Lyme-Disease SpirochaetenBorrellia burgdorferi sensu lato, unterteilt in drei separate Spezies:
B. burgdorferi sensu stricto, B. garinii, B. afzelii
Die Krankheit kommt praktisch in allen europäischen Ländern vor. Die Häufigkeit ist von Region zu Region unterschiedlich. Untersuchungen haben gezeigt, dass 5 bis 35%, in bestimmten Gegenden sogar 100% der Zecken den Erreger in sich tragen. Jede Zecke, egal aus welcher Gegend, muss deshalt als mögliche Trägerin des Erregers betrachtet werden. Je mehr man sich in Zeckengebieten aufhält, desto grösser ist das Risiko der Infektion.
- In der Schweiz ist jede dritte Zecke infiziert, und zwar mit einer oder mehreren Borrellia-Arten
- Am häufigsten wird Borrellia burgdorferi übertragen. FSME, Rickettsia, Ehrlichia, Babesia und Borrellia recurrentis können auch übertragen werden (eine von 100 Zecken in der Schweiz ist mit FSME infiziert). Uebertragungswahrscheinlichkeit ist mit der Kontakt-Dauer proportional Uebertragungswahrscheinlichkeit ist mit der Kontakt-Dauer proportional.in Amerika ist Lyme-Borreliose hauptsächlich durch B. burgdorferi sensu stricto verursachtIn der Schweiz sind alle drei Borrelien Arten vertreten, so dass B. burgdorferi ss. hauptsächlich Arthritis, B. garinii Neuorborreliose, und B. afzelii Acrodermatitis verursacht.Nur 30% der Lyme-Borreliose-Patienten bemerken den Kontakt mit ZeckenInfektionen sind im Frühling und Herbst am häufigsten, Komplikationen können auch im Winter (unabhängig von Zeckenaktivität) auftreten
- Man muss auch an importierte Infekte denken, die sich klinisch anders manifestieren können, als die einheimischen Infektionen.
Charakterisitik
Das Bakterium hat besondere Affinität
für die Haut, Gelenke (Muskeln, Bänder), das Herz und Nervensystem
und der Befall dieser Organe bzw. Organsysteme kann durch drei Stadien
verlaufen.
Bei der Lyme Borreliose können somit die Haut, die Gelenke, das Nervensystem, die Muskeln und/oder gar das Herz erkranken Dies hängt im wesentlichen vom zeitlichen Ablauf der Krankheit ab. Das Spektrum reicht von einer leichten Grippe oder einem leichten Hautausschlag bis, in seltenen Fällen, zu chronischen Gelenk- und Nervenleiden. Insbesondere die frühe Hautbeteiligung löst eine typische Hauteffloreszenz am Ort des Zeckenbisses aus: Eine primaer runde flaechige Roetung, welche mit der Zeit sich nach aussen ringfoermig vergroessert und zentral wieder abheilt, langsam zentrifugal chronisch weiter waechst und wandert - ein sogenanntes Erythema chronicum migrans (Lipschütz) (ECM).
Stadium I
(tritt an der Zeckenstichstelle lokal auf) Erythema chronicum migrans in USA >80% Patienten in der Schweiz nur 20-30%. Deswegen können bei uns, 70% der Infektionen unbemerkt zum Stadium 2 verlaufen.
Stadium II (akut-entzündliche Prozesse)
|Haut

Stadien I und II sind mit Antibiotika (s.' Therapie) gut therapierbar und es entsteht an den Organen kein bleibender Schaden.
Stadium III (chronisch-atrophische Prozesse)
|Haut

Stadium III muss durch frühzeitige Diagnose und adäquate Therapie der Stadien I und II vermieden werden, weil im Stadium III bleibende Organschäden entstehen, die dann trotz erfolgreicher Therapie nicht mehr geheilt werden können.
Reinfektionen oder multiple Infektionen sind möglich, weil nach der Krankheit keine Immunität besteht.
Serologie (Antikörper Nachweis)
Die Antikörper-Bildung verläuft anders als bei Infektionen mit anderen Mikroorganismen. Alle Spirochaeten, auch die Borrelien können die Oberflächestrukturen verändern und das Immunsystem braucht lange Zeit, um diese Strukturen richtig zu erkennen. Deswegen begegnet die serologische Diagnostik (die häufigste Labordiagnostik bei Borreliosen) folgenden Problemen:
- Lange Zeit keine spezifischen (hochavide) Antikörper nachweisbar
- IgM Antikörper können längere Zeit persistieren (somit kein absoluter Marker für eine akute Infektion), auch ohne IgG Antikörper Nachweis
- IgG Antikörper Nachweis sind ohne nachweisbare IgM Antikörper möglich
- Antibiotische Therapie kann Antikörper-Bildung stark beeinflussen (Verzögerung bis keine Bildung)
- Kreuzreaktionen mit anderen Spirochaeten (Treponema pallidum, pertenue und carateum, Borrelia recurrentis, Leptospiren etc.) sind bekannt
- Nur Serologisch ist Stadium-Bestimmung nicht möglich
Serologische Tests kann man in folgende Gruppen unterteilen:
- 1. Suchtests: EIA, Schnelltest
müssen hochempindlich sein, deswegen falsch positive Resultate möglich; werden in den Routine-Laboratorien bzw. Arztpraxis durchgeführt
- 2. Bestätigungstests: Western
Blot
hohe Spezifizität (neben hohe Empfindlichkeit) ist gewünscht werden in hochspezialisierten Labors durchgführt
- 3. Therapieüberwachung:
erste vielversprechende Resultate nur mit Komplementbindungsreaktion, wird in Routine-Labors und spezialisierten Labors durchgeführt
Antigen Nachweis bzw. Borrelien Isolation
PCR (Polymerase Chain Reation)
Indikation zur Zeit nur aus Liquor und Gelenkpunktat (anderes Material wie zB. Urin: Empfindlichkeit zu gering!).
Isolation
aus Erythema migrans möglich, hat sich aber nicht als praktische und zuverlässige Methode etabliert
Die Krankheit kann in drei Stadien eingeteilt werden. In jeder Phase der Krankheit können eindrückliche Allgemeinbeschwerden auftreten. Eine Impfung gibt es nicht. Die Krankheit kann mit Antibiotika therapiert werden.
Therapie grundsätzliches:
- Stadium I perorale Antibiotika während ca. 2 Wochen (s. Tabelle)
- Stadium II und III antibiotische Infusionstherapie während 2-4 Wochen
- Stadien I und II keine Organschäden (nach entsprechender Therapie)
- Stadium III kann nur noch Progredienz verhindert werden
Algorithmus zur Diagnostik und Therapie der Borreliosen:

Reisen oder Aufenthalt in endemischen Gebieten in den letzten Monaten oder Zeckenbisse speziell innerhalb der letzten 2 Wochen oder Frühsommer und Sommer
|Grippe artige Symptome||Erythema migrans||Keine Symptome|

Rash

|Gebiet mit Borreliosen Inzidenz > 1.5%||Gebiet
mit Borreliosen Inzidenz < 1.5%

Follow-up Untersuchungen
|Ja||Nein||Antimikrobielle Therapie zwischen 10 bis 21 Tagen|
|Zeckenbiss?||Zeckenbiss?|
|Ja||Ja

Ja/Nein
|Penicillin-Allergie||Nein||

|Kein Labortest, keine antimikrobielle Therapie||Ja|
|Labortest mit ELISA und confirmation durch Western Blot||Anaphylaktisch||Nein||

|negativ||positiv||Ja|
|Follow-up Untersuchungen||Antimikrobielle Therapie zwischen 10 bis 21 Tagen||

Nach Loewen et al. aus Drugs Feb 1999
Die FSME ist eine virale Entzündungserkrankung, von der Gehirn, Hirnhäute und Rückenmark betroffen sein können. Die Abkürzung steht für FrühSommer-MeningoEnzephalitis. Dieser Name deutet darauf hin, dass die FSME häufig im Frühsommer beobachtet wird. Erkrankungsfälle treten jedoch zu allen Jahreszeiten, in denen Zecken aktiv sind, auf.
Bei weitem nicht alle Zecken sind allerdings mit dem FSME-Virus infiziert. FSME-Endemiegebiete siehe untenstehende Aufstellung.
Verbreitungsbebiete der FSME in der Schweiz
2006 BAG
Bekannte FSME-Naturherde
|ZH: Unteres Glattal, Eglisau, Ellikon a. R./Rheinau, Ossingen, Horgen||SH: Hallau, Osterfingen, Stein a. Rhein||GR: Grüsch, Seewis, Landquart|
|BE: Erlenbach i. S., Thun/Spiez, Steffisburg, Grosses Moos, Belp||LU: Dagmersellen, Nebikon, Egolzwil (Santenberg)||FL:

Vaduz
Mögliche FSME-Naturherde
|ZH:Andelfingen, Bülach, Thalheim/Altikon/Ellikon a.d.Th., Effretikon/Bassersdorf, Weisslingen/Fehraltorf/Zell, Eglisau/Rafz, Ellikon a.R./Rheinau, Flaach, Kloten, Neerach/Bachs, Rümlang /Opfikon /Wallisellen /Dübendorf, Ossingen Stammheim, Schottikon/Zünikon/EIgg, Unteres Glatttal, Region Winterthur; zudem Horgen, Rüti/Jona/Wagen, Sihltal, Thalwil, Uster/Greifensee, Küsnacht/Zollikon/Zollikerberg/Pfannenstiel sowie in Knonau/Steinhausen)||SH: Neuhausen, Beringen, Schaffhausen||TG: Diessenhofen, Basadingen, Frauenfeld|
|SG: Wagen, Rüti, Jona, Sargans, Vilters||GR: Fläsch||BE: Lyss, Gampelen|
|AG: Birr, Brugg, Würenlingen, Koblenz, Döttingen, Zurzach, Rheinfelden, Möhlin, Wallbach|
Krankheitsverlauf
2 bis 28 Tage nach dem Stich einer infizierten Zecke kommt es zu einer ersten Erkrankungsphase mit grippeähnlichen Symptomen (Prodroamlstadium). Bei vielen Infizierten ist damit die Erkrankung ausgestanden.
Bei einem Drittel der Erkrankten kommt es jedoch zu einer zweiten Phase, in der Lähmungen der Augen, des Gesichts, der Brustmuskulatur (Atmung), der Blasenmuskulatur und/oder der Beine und Arme auftreten können. Bei schweren Verlaufsformen können Restschäden verbleiben. Auch Todesfälle sind in 1 bis 2% der Erkrankungen beschrieben worden.
Therapie
Symptomatisch, die kausale Behandlung der Krankheit ist derzeit nicht möglich.
Prophylaxe
Ein Weg, einer FSME-Erkrankung vorzubeugen, besteht darin, jeden Kontakt mit Zecken zu vermeiden (Expositionsprophylaxe). Der Aufenthalt in Waldgebieten, das Wandern über Wiesen und sogar der Kontakt mi der Vegetation an Wegesrändern (z.B. beim Joggen) müsste verhindert werden. Ein anderer Weg ist das Tragen geeigneter Kleidung, die möglichst grosse Teile des Körpers bedeckt. Diese Art der Vorbeugung ist aber häufig nicht praktikabel.
Daher ist die FSME-Schutzimpfung, vor allem bei häufigeren Aufenthalten in Verbreitungsgebieten der FSME, die einzig praktikable Lösung.
Impfschutz
Zunächst ist eine Grundimmunisierung erforderlich. Der Langzeitschutz erfordert drei Injekionen. Immunität besteht aber in den meisten Fällen bereits nach zwei Impfungen.
Schnellschema:
Die ersten beiden Impfungen werden im Abstand von zwei Wochen verabreicht. Dieses Schema ist sinnvoll, wenn während der Zeckenaktivität schnell ein Impfschutz aufgebaut werden soll.
Standardschema:
Die ersten beiden Impfungen werden im Abstand von 1 bis 3 Monaten verabreicht. Dieses Standardschema ist anzuwenden, wenn genügend Zeit für die ersten beiden Impungen bleibt.
Langzeitschutz:
Die dritte Impfung gewährt Langzeitschutz (3 Jahre) und erfolgt nach 9 bis 12 Monaten.
Was tun bei Zeckenstich, wenn man nicht geimpft ist?
Sind Sie in einem Endemiegebiet gestochen worden, kann ein FSME- Immunglobulin helfen. Kontaktieren Sie sofort Ihren Arzt, denn es kann nur innerhalb einer begrentzen Zeitraumes nach Zeckenstiche verabreicht werden.
Impfung vergessen oder nicht mehr genügend Zeit?
Wer so kurzfristig eine Reise in ein Endemiegebiet plant, dass keine Zeit mehr für eine Impfung bleibt, kann mit FSME-Immunglobulin vorbeugen. Die Wirkung tritt innerhalb von 24 Stunden ein und hält ca. 4 Wochen an.
Wie wird der Schutz verlängert?
Nach Abschluss der Grundimmunisierung ist eine Auffrischung alle 3 Jahre nötig. Das heisst: Nach der Grundimmunisierung wird alle drei Jahre eine erneute Injektion verabreicht.
Wann sollte geimpft werden?
Idealerweise sollte in der kalten Jahreszeit mit dem Impfen begonnen werden, damit zu Beginn der Zeckenaktivität bereits ein Schutz besteht. Sollte dies nicht möglich sein, kann das ganze Jahr über geimpft werden, wobei dann mit Vorteil das Schnellschema gewählt wird, damit baldmöglichst ein Schutz besteht.
Wie ist der FSME-Impfstoff beschaffen?
Der Impfstoff ist ein sogenannter Totimpfstoff. Er besteht aus abgetöteten, d.h. nicht vermehrungsfähigen, FSME-Viren. Diese werden unter sterilen Bedingungen aus kultivierten Hühnerzellen gewonnen.
Wer sollte sich schützen?
Die FSME ist auf Natuherde beschränkt. In diesen Gebieten ist die Impfung für Risikogruppen angezeigt. Zu den Risikogruppen gehören Menschen, welche sich, bedingt durch Beruf (Förster, Forst- und Waldarbeiter) oder Freizeitakitvitäten (Jogger, Pilz-& Beeren-sammler, Militär, Pfadfinder, etc.) häufig exponiern. Schützen sollten sich auch Menschen, die in einem Endemiegebiet leben oder dort ihren Urlaub verbringen wollen.
Impfung ja oder nein?
Besprechen Si mit Ihrem Arzt, ob eine Impfung für Sie sinnvoll ist. Er entscheidet aufgrund Ihres Gesundheitszustandes und Ihrer Gefährdungssituation. Nicht immer ist eine FSME-Impfung angebracht. Für Ihr Arztgespräch sollten Sie wissen:
-Die FSME ist auf bestimmte Verbreitungsgebiete beschränkt.
-Wer in einem Verbreitungsgebiet nicht mit Zecken in Kontakt kommt (Aufenthalt in städtischen Zonen ohne entsprechenden Pflanzenwuchs), ist keiner Infektionsgefahr ausgesetzt.
Vorsicht ist jedoch angebracht, denn ...
- -Etwa die Hälfte der Zeckenstiche bleibt unbemerkt.
- -Bei einem Drittel der Erkrankten kommt es zu einem schweren Verlauf.
- -Bei 1 bis 2% der Erkrankten kommt es zu Todesfällen.
Was ist zu tun ...
... wenn die Zeit vor einer Reise nicht mehr für die Impfung reicht, kann anstelle des Impfstoffes ein FSME-Immunglobulin verabreicht werden. Seine Wirkung tirtt innerhalb von 24 Stunden ein, hält aber nur 4 Wochen. Dahier ist diese Vorgehenseise immer die zweitbeste Wahl.
... wenn die Impfabstände überschritten wurden, muss die Impfserie nicht in allen Fällen erneut durchgeführt werden. Ihr Arzt oder Apotheker gibt Ihnen gerne genau auskunft.
... wenn ein Zeckenstich im Endemiegebiet erfolgte, ohne dass ein Impfschutz vorlag, kann eine FSME-Immunglobulin helfen. Kontaktieren Sie sofort Ihren Arzt, denn das Medikament kann nur innerhalb eines begrenzten Zeitraumes nach Zeckenstrich verabreicht werden. Ein solches Präparat ist nie so wirksam wie eine Impfung.
... wenn Sie den Urlaub in einem eruopäischen Land planen, sollten Sie Ihren Arzt auch nach Zeckenkrankheiten fragen.
... wenn man in ein Endemiegebiet möchte, sich aber nicht impfen lassen will, biete geschlossene Kleiding einen gewissen Schutz vor Zeckenstichen. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden, damit sie entfernt werden können. Allerdings bleibt etwa die Hälfte der Zeckenstiche unbemerkt.
Wie entfernt man Zecken?
Die Zecke sollte möglichst rasch entfernt werden. Mit der Länge des Saugaktes nimmt die Gefahr der Erregerübertragung zu. Die Zecke soll nicht vorbehandelt werden (kein Oel, Nagellack, Haarspray, etc.). Durch die Reizung von aussen besteht die Gefahr, dass die Zecke vermehrt Speichel bildet oder erbricht und damit Erreger ins Blut überträgt. Die Zecke mit einer Pinzette, Zeckenzange oder den Fingernägel nache an der Haut greifen und unter gleichmässigem Zug aus der Haut ziehen. Stichstelle danach desinfizieren.
Wenn der Kopf oder andere Zeckenteile in der Haut bleiben, sollten diese vom Arzt entfernt werden, da sie Hautinfektionen verursachen können. Den Arzt sollte man auch dann aufsuchen, wenn in den nächsten 2 bis 3 Wochen grippale Symptome, Kopfschmerzen, Fieber, Hautveränderungen, Gelenkbeschwerden oder Störungen des Nervensystems auftreten.
Wo kann man mit dem FSME-Virus infiziert werden?
Bisher bekannte FSME-Endemiegebiete gibt es in folgenden Ländern:
Albanien, Deutschland, Estland/Lettland/Litauen, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, ehem. Jugoslawien, Oesterreich, Polen, Russland (europ. Teil)/Weissrussland/Ukraine, Russland (asiat. Teil)/Nordchina/Japan, Schweden, Schweiz/Liechtenstein, Slowakische Republik, Tschechische Republik, Ungarn.
Verbreitungsbebiete der FSME Central-Europa
|Kartenausschnitt aus der

Informationsbroschuere ueber
FMSE
(Firma Immuno®)
Wie ist die FSME-Situation in der Schweiz?
In der Schweiz werden jährlich zwischen 15 und 100 FSME-Infektionen beim Menschen serologisch nachgewiesen. Der Grossteil der Infektionen wurde aus den Kantonen Schaffhausen, Zürich Bern und Aargau gemeldet. Weiter Naturherden in anderen Kantonen sind bekannt. Vor allem die Herde entlang des Rheins und am Bodensee, sowie im Grossraum Zürich scheinen hochaktiv zu sein.
Die Zeckenenzephalitis - auch Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
genannt - ist eine Virusinfektion des Zentralnervensystems (Erreger: FSME-Virus). Die
Lyme-Krankheit ist eine durch eine Spirochäte {Borrelia burgdorferi), d.h.
durch ein Bakterium verursachte Infektionskrankheit. Die Erreger der
Zeckenenzephalitis wie der Lyme-Krankheit werden durch den Stich infizierter
Zecken auf den Menschen übertragen, die B.burgdorferi möglicherweise
auch durch andere blutsaugende Parasiten. Die nachfolgenden Ausführungen
fassen den heutigen Stand des Wissens zusammen und informieren über
mögliche Schutzmassnahmen.
1. Wo werden diese
Krankheiten übertragen?
Der Erreger der Lyme-Krankheit kann in der ganzen Schweiz unterhalb von 1000-1200 m.ü. M. von Zecken auf den Menschen übertragen werden. Zecken, die das FSME-Virus beherbergen, finden sich in sogenannten Naturherden in allen Regionen des Kantons Zürich (so insbesondere Andelfingen, Bülach, Thalheim/Altikon/Ellikon a.d.Th., Effretikon/Bassersdorf, Weisslingen/Fehraltorf/Zell, Eglisau/Rafz, Ellikon a.R./Rheinau, Flaach, Kloten, Neerach/Bachs, Rümlang /Opfikon /Wallisellen /Dübendorf, Ossingen Stammheim, Schottikon/Zünikon/EIgg, Unteres Glatttal, Region Winterthur; zudem Horgen, Rüti/Jona/Wagen, Sihltal, Thalwil, Uster/Greifensee, Küsnacht/Zollikon/Zollikerberg/Pfannenstiel sowie in Knonau/Steinhausen) aber auch in anderen Regionen der Schweiz (siehe auch http://www.bag.admin.ch/infekt/krank/d/encephalite).
2. Wie
gross ist das Risiko, an der Lyme-Krankheit zu erkranken?
5- 30% (- 50%) der Zecken sind Träger der für die Lyme-Krankheit verantwortlichen Spirochäten (Bakterien). Etwa ein Drittel der von Zecken Gestochenen zeigt denn auch im Blut nachweisbare Spuren der Infektion in Form von Abwehrstoffen (spezifische Antikörper). Nur etwa jeder Zehnte von einer infizierten Zecke Gestochene entwickelt Symptome, d.h , dass ca. 3000 Personen jährlich in der Schweiz an der sogenannten Lyme-Borreliose erkranken.
Welches sind die Symptome?
Die Lyme-Krankheit bewirkt unterschiedliche Symptome. Bei einigen Personen ( ca. 30 % ) kommt es an der Stichstelle nach wenigen Tagen zu einer langsam sich ausbreitenden, ringförmigen, starken Hautrötung, die bis zu mehreren Wochen bestehen kann. Gleichzeitig tritt oft Müdigkeit auf. Wochen bis wenige Jahre nach Auftreten dieser Hautveränderung kann es zu Gelenkschmerzen, bei einer Minderheit der Patienten zur Hirnhautentzündung, zu Lähmungen (vor allem der Gesichtsmuskeln), oder bei uns sehr selten zu Störungen der Herzfunktion kommen. Rund die Hälfte der Betroffenen mag sich nicht an einen Zeckenstich erinnern.
3. Wie
gross ist das Risiko, an der Zeckenenzephalitis zu erkranken?
Im Schnitt etwa 1 % (0,5 - 3 %) der Zecken in Naturherden beherbergen das FSME-Virus. Bei einer Mehrheit der von einer FSME-infizierten Zecke gestochenen Menschen kommt es zu einer sogenannten "stillen Feiung". Sie entwickeln ohne oder mit nur geringfügigen Symptomen Antikörper. Eine Minderheit erkrankt jedoch.
Welches sind die Symptome?
Nach ca. 7-14 Tagen (2 - 28 Tage) treten bei den Betroffenen Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen auf. Diese Symptome verschwinden innert Tagen ohne weitere Folgen. Bei nur 5 - 15 % der so erkrankten Personen kann es nach weiteren 4-6 Tagen zu einer -Hirnhautenzündung kommen. Diese kann in seltenen Fällen auf das Gehirn übergreifen (Meningo-Enzephalitis). Die damit einhergehenden Symptome (Nackensteifigkeit, Bewusstseins-trübung, Lähmungen) können längere Zeit andauern, bilden sich jedoch meistens wieder zurück. In der Regel erkranken Kleinkinder seltener und weniger schwer als ältere Personen. Bleibende schwerwiegende Schädigungen sind eher selten, Todesfälle sind sehr selten ca. 1%.
4. Empfehlungen zur Vorbeugung
4.1 Allgemeine
Schutzmassnahmen
Die Zahl der gemeldeten Fälle von FSME hat in den letzten beiden Jahren stark zugenommen. Dennoch muss auf Ausflüge in die Wälder nicht verzichtet werden. Vorsicht ist aber geboten, wenn das Unterholz durchstreift wird. Bei Wanderungen sind deshalb einige einfache Schutzmassnahmen zu beachten. Ein guter Schutz vor Zeckenstichen wird durch das Tragen entsprechender Kleidung erreicht. Zu empfehlen sind an Hals und Handgelenken gut abschliessende Hemden oder Jacken, geschlossene Schuhe sowie bis auf die Schuhe hinunterreichende Hosen. Auch die korrekte Anwendung von Schutzmitteln (Repellentien) kann gegen Zecken einen wirksamen Schutz bieten. Diese können sowohl auf die Haut als auch auf die Kleidung aufgetragen werden. Auf das Durchstreifen des Unterholzes ist wenn möglich zu verzichten.
Nach Abschluss der Wanderung in einem zeckenbewohnten Gebiet soll der Körper - einschliesslich der Knie- und Achselhöhlen, der Ellbeugen und der Schamgegend - auf Zeckenbefall inspiziert werden. Allfällig vorhandene Zecken sind so rasch als möglich mittels einer Pinzette zu entfernen. Dabei soll die Zecke direkt über der Haut erfasst und nach hinten oben aus dem Stichkanal herausgezogen werden. Fehlt eine Pinzette, kann die Zecke auch zwischen Daumen- und Zeigfingernagel eingeklemmt und langsam herausgezogen werden. Stichstellen und Finger sind mit einem der üblichen Desinfektionsmittel zu desinfizieren. Treten nach einem Zeckenstich Symptome auf, soll ein Arzt aufgesucht werden.
4.2 Im speziellen gegen FSME
Gegen die FSME stehen Impfstoffe zur Verfügung. Zu empfehlen ist die Impfung für Erwachsene und Kinder im Allgemeinen ab 6 Jahren, die in den Endemiegebieten wohnen oder sich dort zeitweise aufhalten (Freizeit oder Beruf). Da sich in allen Regionen des Kantons Zürich Naturherde befinden, gilt die Empfehlung für den ganzen Kanton. Die Impfkosten werden bei Erfüllung dieser Voraussetzungen (siehe unter http://www.bag.admin.ch/infekt/krank/d/encephalite) von der Krankenkasse übernommen. Bei einer beruflichen Indikation ist es Sache des Arbeitgebers. Wird vorgängig eine durch einen folgenlosen früheren Zeckenstich erworbene Immunität im Blut festgestellt, kann von einer Impfung abgesehen werden. Zum Aufbau einer genügenden Menge schützender Abwehrstoffe (Antikörper) sind 3 Impfdosen notwendig. Die ersten zwei Injektionen erfolgen im Abstand von ungefähr einem Monat. Damit wird bereits ein guter Impfschutz gewährleistet. Nach 9-12 Monaten ist ein drittes Mal zu impfen. Eine Auffrischimpfung ist nach 10 Jahren sinnvoll. Ist ein noch rascherer Impfschutz notwendig, so ist mit den angebotenen Impfstoffen auch eine Schnellimmunisierung möglich. Das entsprechende Impfschema ist je nach Impfstoff verschieden (siehe Produkteinformation). Die Impfung kann leichtere, vorübergehende Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Fieber oder Muskelschmerzen verursachen. Bei Kindern unter sechs Jahren verläuft eine Infektion deutlich milder und rechtfertigt eine Impfempfehlung auch bei einer Exposition nicht (Ausnahme: Waldkindergärten erfordern eine lokale Beurteilung).
4.3 Im speziellen gegen
die Lyme-Krankheit
Gegen die Lyme-Krankheit steht keine Impfung zur Verfügung. Die vorbeugende Verabreichung von Antibiotika ist nicht empfehlenswert. Tritt nach einem Zeckenstich eine langsam sich ausdehnende Hautrötung auf, sollte so rasch als möglich der Hausarzt aufgesucht werden, damit die Behandlung mit einem Antibiotikum rechtzeitig eingeleitet und somit die Ausbreitung des Erregers auf andere Organe verhindert werden kann.