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Kaninchen wurden erst vor rund 1400 Jahren von französischen Mönchen auf der iberischen Halbinsel domestiziert. Es wird behauptet, dass sie die Tiere nicht als «Fleisch», sondern als «Fisch» deklariert hätten, um sie auch während der Fastenzeit essen zu dürfen. Bei uns verbreitete sich die Kaninchenhaltung zur Selbstversorgung nicht nur auf Bauernhöfen, sondern auch in Privathaushalten mit eigenem Garten und mancher Bub verdiente mit Kaninchenmast sein erstes Sackgeld. Das war meistens rentabel, denn das Futter bezahlte der Vater.
Geringer, aber konstanter Fleischkonsum
Bestandeszahlen oder der «Pro-Kopf-Konsum» von Kaninchenfleisch sind nicht verlässlich zu erheben. Gemäss Proviande liegt der Konsum bei 0,19 kg pro Person und Jahr, aber diese Zahl berücksichtigt nur die Schlachtungen der Grossverteiler. Viele Kaninchen, darunter die Tiere aus der Rassezucht, werden in kleineren Metzgereien geschlachtet und vermarktet. Gemäss Felix Näf, Kani-Swiss, liegt der geschätzte «Pro-Kopf-Konsum» von Kaninchenfleisch bei rund 0,5 kg pro Jahr.
Wussten Sie, dass…
… das Zuchtziel in der professionellen Kaninchenproduktion heute 60 abgesetzte Jungtiere pro Zippe und Jahr beträgt?
… der Schweizer Pro-Kopf-Konsum von Kaninchenfleisch bei nur rund 0,5 kg liegt? Dies obwohl Kaninchenfleisch sehr gesund ist. Es ist ein eiweissreiches, fett- und cholesterinarmes Fleisch.
… Kaninchen erst vor 1400 Jahren, lange nach Schwein, Schaf oder Rind domestiziert wurden?
Professioneller und intensiver
Früher wurden die Zippen einzeln und die Mastkaninchen in Grossmastbuchten gehalten. Um 1998 kam vereinzelt die Freilandhaltung auf. Im Jahr 2004 gründete der Pionier und Kaninchenfleischproduzent Felix Näf die Kani-Swiss. In dieser Integration werden nicht nur die Masttiere in Gruppen gehalten, sondern auch die Zuchtzippen. Heute leben 20 bis 25 Masttiere (früher rund 200) in einer Gruppe zusammen. Je weniger Tiere in einer Gruppe sind, desto tiefer ist der Krankheitsdruck. Zudem sind Kleingruppen übersichtlicher und können besser betreut werden.
Die heutige gewerbliche Kaninchenproduktion setzt auf die Zika-Hybridrasse. Diese zeichnet sich durch eine besonders hohe Fruchtbarkeit und gute Zuwächse aus. Zika wurden in über 40 Generationen aus den besten Mastrassentypen herausgezüchtet.
Die Kaninchenproduktion wurde mit den Jahren intensiviert. Die Anzahl Würfe pro Zippe und Jahr stieg von durchschnittlich fünf auf sieben, die Trächtigkeitsdauer (31 Tage) und die Säugezeit (28 Tage) der Zuchtzippen blieben konstant. Eine Zippe setzt heute durchschnittlich neun Jungtiere ab. Das Ziel der Zuchtbetriebe liegt bei 60 abgesetzten Jungtieren pro Zippe und Jahr. Die Mastdauer (Geburt bis Schlachtung) konnte von 90 auf ungefähr 84 Tage verkürzt werden, wodurch die verbesserte Futterverwertung sichtbar wird.
Kokzidiostatikafreie Kaninchenfutter
Kokzidiose ist eine unberechenbare, leider weit verbreitete Krankheit, weshalb die Futter früher generell und prophylaktisch Kokzidiostatika enthielten. Seit über 20 Jahren muss den Kaninchen fünf Tage vor dem Schlachten ein kokzidiostatikafreies Futter angeboten werden, damit keine Rückstände im Fleisch bleiben. Im Biolandbau ist der Einsatz von Kokzidiostatika generell verboten. UFA entwickelte 1996 das Kombifutter UFA 858 als kokzidiostatikafreies Kaninchenfutter. Später folgten das Alleinfutter UFA 854 für die Kaninchenmast und das Biofutter UFA 850 Kombi.
UFA 855 hat Tradition
1965 wurde das Kombifutter UFA 855 erstmals verkauft. Das Produkt wurde laufend weiterentwickelt und den neusten Erkenntnissen angepasst. Vor rund 20 Jahren wurde beispielsweise Fenchel als neue Komponente beigefügt. Fenchel erhöht die Schmackhaftigkeit und hat eine positive Wirkung auf die Verdauung der Kaninchen. Die Haupteigenschaften wie beispielsweise die Struktur, wurden jedoch nicht verändert. Das Kombifutter hat sich vorwiegend in den Stallungen der Hobbyhalter etabliert, wo nebenbei auch Heu, Karotten und saubere Gemüseresten verfüttert werden.
Kombifutter oder Würfel?
Früher wurden auf dem Versuchsbetrieb UFA-Bühl Fütterungsversuche mit Kaninchen durchgeführt. Beispielsweise 1986 als der Einsatz von Kombi- und Alleinfutter bezüglich Mastverlauf und Beliebtheit der Futter verglichen wurde. Spannende Erkenntnisse ergaben sich: Mit dem Würfelfutter UFA 856 wiesen die Kaninchen einen höheren Futterverzehr, sowie einen höheren Tageszuwachs auf. Beim Beliebtheitstest zwischen Würfel- und Kombifutter konnten keine Präferenzen der Kaninchen ausgemacht werden.
Heute setzen die Mastbetriebe in der Regel auf Würfelfutter, um das Selektionieren einzelner Komponenten zu verhindern und eine optimale Versorgung sicherzustellen.
Fütterungsversuche werden nicht mehr auf UFA-Bühl, sondern direkt auf den Mastbetrieben realisiert. Oft steht dabei das Reduzieren des Kokzidiostatikaverbrauchs im Fokus.
Ein weiterer Erfolg der UFA-Forschung war 2003 die Weiterentwicklung des Einstellfutters UFA 853. Es wird seither sehr breit als Problemlöser im ersten Drittel der Aufzucht eingesetzt.
Rassekaninchenhaltung
Heute sind im Standard 43 Rassen aufgelistet. Die Anzahl in der Schweiz anerkannten Rassen hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Rassekaninchenzucht unterscheidet sich deutlich von der Mastkaninchenzucht. Rassekaninchenzippen haben im Durchschnitt zwei Würfe pro Jahr. Die Jungtiere werden in der Regel nach über 56 Tagen abgesetzt. Nach dem Absetzen werden die Kleinen aufgezogen und zur gegebenen Zeit selektioniert. Die auserkorenen Tiere werden an den Ausstellungen präsentiert und die ausselektionierten Kaninchen werden in der Regel gemästet.
Die Fütterung der Tiere ist restriktiv. Die Kaninchen sollen nicht möglichst schnell schwer werden, sondern kontinuierlich bis zum Erreichen des Idealgewichts zunehmen und anschliessend im entsprechenden Gewichtsbereich bleiben.