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Die Vorstellung, der Kapitalismus basiere auf einem Menschenbild, bei dem der Profit in Geld das ausschlaggebende Motiv und Ziel aller Menschen sei, ist wirklichkeitsfremd. Sie hat den Begriff Kapitalismus derart diskreditiert, dass sich, mindestens auf Deutsch, niemand mehr als vorbehaltloser Befürworter des Kapitalismus bezeichnen mag.
Kapitalismus ist das Feindbild der Sozialisten; «die Überwindung des Kapitalismus» gehört immer noch zu den deklarierten politischen Fernzielen ihres Programms. Über einen allfälligen Ersatz darf spekuliert werden. Auch Bürgerliche meiden den Begriff. Man bekennt sich höchstens noch zur Idee möglichst freier und offener Märkte, von denen man aber erwartet, dass sie vom Staat oder von Staatengemeinschaften «gezähmt» und reguliert werden.
Seit das Geld, oder präziser «Gelder» erfunden oder entdeckt worden sind, ist der Austausch von Gütern und Dienstleistungen über grosse Distanzen und über längere Zeiträume hinweg überhaupt erst möglich geworden. Dies hat weltweit zum Aufschwung des Handels auf der Basis der Geldwirtschaft, kurz, zum Kapitalismus geführt. Der Kapitalismus ist aus dieser Sicht keine Doktrin und auch keine Ideologie, sondern das, was sich spontan ereignet, wenn Arbeitsteilung, Geld und Kredit erfunden oder entdeckt worden sind und ein prägendes Element menschlicher Kommunikation bilden.
Die Kritik am Geld- und Kreditwesen, dem eine verhängnisvolle Tendenz zur Gier und zum reinen Materialismus angelastet wird, ist ihrerseits ideologisch. Kapital hat keinen Selbstzweck. Es ist ein Mittel der Kommunikation, die Bedürfnisse befriedigen und Knappheiten überwinden will, und Wirtschaft ist ihrerseits ein Teilbereich der Kultur. Die Verknüpfung von Geldern, privaten und gemeinsamen Haushalten und gemeinsam tradierter und entwickelter Kultur ist hoch komplex.