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Der in Bern aufgewachsene Hansjörg Wyss kritisiert die Schweiz. Sie solle aufhören, Skilifte und tote Dörfer zu bauen.
Elf Wörter, maximale Aufmerksamkeit. «Wir müssen den Planeten retten, darum spende ich eine Milliarde Dollar.» So war ein Meinungsbeitrag überschrieben, der am Mittwoch in der «New York Times» erschien. Verfasst hat ihn der in Bern aufgewachsene Selfmade-Milliardär Hansjörg Wyss (83).
Jetzt diskutiert ganz Amerika über sein ambitioniertes Ziel: Bis 2030 sollen 30 Prozent der Erdoberfläche im Naturzustand belassen und geschützt werden! Nur so lasse sich die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen erhalten. Mit seiner Megaspende will er dazu beitragen, dass diese Flächen aufgekauft und gesichert werden.
Wyss meidet die Öffentlichkeit, er ist extrem medienscheu. Gegenüber SonntagsBlick aber kritisiert er jetzt: «Die Schweiz tut nicht genug, um ihre einzigartige Landschaft zu erhalten.» Genauer: «Wir sollten aufhören, mehr Skilifte und tote Dörfer mit Zweitwohnungen zu bauen.» Dabei geht es ihm nicht nur um die Berge. «Es braucht auch mehr geschützte Gebiete im Flachland.»
Erste Priorität hat für Wyss dennoch nicht die Schweiz. Den grössten Handlungsbedarf sieht der milliardenschwere Naturschützer in den Quellgebieten des Amazonas: Peru, Argentinien, Kolumbien, Bolivien und Brasilien. Sowie in den Regenwäldern von Afrika, Indonesien und Papua-Neuguinea.
Wyss machte sein Vermögen mit dem Medizinaltechnik-Unternehmen Synthes. 2011 verkaufte er an den US-Multi Johnson & Johnson. Umfang des Deals: 21 Milliarden Dollar! Auf seinem Vermögen sitzen bleiben mag Wyss allerdings nicht.
Er ist einer von 184 Mitunterzeichnern des sogenannten Giving Pledge – einer Initiative der Milliardäre Bill Gates (63) und Warren Buffett (88). Sie animiert wohlhabende Personen, grosse Teile ihres Vermögens zu spenden.
Wyss kennt man daher inzwischen mehr als Philanthropen denn als Unternehmer. Seine Stiftung Wyss Foundation gibt es seit 1992.
Die am Mittwoch angekündigte Spende sei die grösste, die er je gemacht habe, sagt er zu SonntagsBlick. Er sei zuversichtlich. «In den letzten 20 Jahren ist es uns gelungen, rund 160'000 Quadratkilometer Land zu schützen.»
Er hofft, die Fläche mindestens zu verdoppeln. «Wenn sich die Länder verpflichten, 30 Prozent ihres Gebietes zu schützen, sollten wir das locker schaffen.» Auch die Universität seiner Geburtsstadt Bern profitiert von Wyss’ Naturschutz-Milliarde. Sie soll erforschen, wie man Landschaft am effektivsten schützt.
Wyss lebt seit Jahrzehnten in den USA. Der Schweiz und Bern im Besonderen blieb er stets verbunden. In einem Buch über ihren Bruder spekulierte Hedi Wyss (78), dass seine Faszination für die Natur in den Schweizer Bergen wurzle. Eine Faszination, die er mit seinem Milliardenvermögen um jeden Preis erhalten will.