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"Wo Phantasie sich kühn erquickt,
Wo weinend hin die Hoffnung blickt."
— Eliza Wille: Das Editionsprojekt —
Eliza Wille wurde 1809 als Tochter des Hamburger Reeders Robert M. Sloman sen. und seiner Frau Gundalena Brarens in Itzehoe, Schleswig Holstein, geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Hamburg, wo sie 1835 im Alter von 26 Jahren ihre ersten Gedichte veröffentlichte. 1845 heiratete sie den Schweizer Journalisten François Wille und verliess mit ihm in Folge der erfolglosen Revolution von 1848 ihre Heimat, um auf dem Gut Mariafeld bei Meilen am Zürchersee ein neues Zuhause zu finden. Schon bald pflegten sie dort regen Kontakt mit hervorragenden Kulturschaffenden ihrer Zeit. Zu den Zahlreichen Gästen des Hauses zählten bald u.a. Georg Herwegh, Conrad Ferdinand Meyer, Richard Wagner und Mathilde Wesendonck, Gottfried Semper, Gottfried Keller sowie das Ehepaar Wladyslaw Plater und Karoline Bauer.
Ihre bereits in Hamburg geknüpften Verbindungen zu Heinrich Heine, Karl Gutzkow, Ludolf Wienbarg und Ludwig Börne rücken ihr Werk in unmittelbare Nähe der Bewegung des Jungen Deutschland, als deren einzige weibliche Vertreterin sie gesehen werden mag. Noch unter ihrem Mädchennamen Eliza Sloman erschienenen der Gedichtzyklus Sang des fremden Sängers (Hamburg, 1835) und Dichtungen (Hamburg, 1836) im Verlag von Julius Campe. Unter dem Namen Eliza Wille folgten später die Entwicklungsromane Felicitas (Leipzig, 1850, 2 Bände) und Johannes Olaf (Leipzig, 1871, 3 Bände) sowie die autobiographische Novellensammlung Stillleben in bewegter Zeit (Leipzig 1878, 3 Bände) im Verlag F. A. Brockhaus. Ihr Spätwerk, der Erinnerungsband Fünfzehn Briefe Richard Wagners (1887), zählt bis heute zu den zentralen Quellen der Wagnerforschung.
"Es ist eine merkwürdige literaturhistorische Erscheinung, daß eine Gestalt von der Bedeutung Eliza Willes aus dem Erzählergesamtbilde des neunzehnten Jahrhunderts gestrichen ist."
Heinrich Spiero: Geschichte der deutschen Frauendichtung seit 1800, B. G. Teubner, 1913. | Mehr Zeitzeugen.
Fanden sich der Name Eliza Wille sowie ihre Werke noch bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts in zahlreichen populären Darstellungen zur deutschen Kultur-, Geistes- und Literaturgeschichte, so sind sie heute nahezu völlig vergessen. Nur ihre Fünfzehn Briefe Richard Wagners genießen als unverzichtbare Quelle zur Biographie des großen Komponisten fortwährend Aufmerksamkeit. Ihre Romane und Gedichte dagegen sind nur noch vereinzelt in Bibliotheken verzeichnet und lassen sich lediglich sporadisch als antiquarische Preziosen auffinden.
Die Edition Wille will das Gesamtwerk der Autorin Eliza Wille neu erschließen und ihre Bücher mit einem modernisierten Schriftbild und einer zeitgemäßen Gestaltung wieder einem breiten Publikum zugänglich machen. Darüber hinaus wird die Edition eine Lücke zwischen den Werkausgaben ihrer Weggefährten, insb. Conrad Ferdinand Meyers und Georg Herweghs, schließen und helfen das Bild der Autorin der wohlbekannten Fünfzehn Briefe Richard Wagners historisch rechtweisend zu differenzieren.
Über den literaturhistorischen Kontext hinaus schlägt das Werk Eliza Willes eine Brücke vom Hamburger Hafen an den Zürcher See; von der weltläufigen Reederei Rob. M. Sloman zur intimen „Tafelrunde zu Mariafeld“. Mit der Neuauflage ihres Gesamtwerkes unterstreicht die Edition Wille ihre differenten biographischen Bezüge und ermöglicht eine Gesamtschau auf das Werk einer deutschen Autorin zwischen hanseatischem Großbürgertum im Vormärz und schweizer Literaturbetrieb zum Ausklang des 19. Jahrhunderts.