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Die wärmenden Sonnenstrahlen kitzeln Sommergefühle hervor, bezeugen, dass der Herbst noch nicht ausgebrochen ist.
Meine Mutter und ich stossen in einem Café mit Mineralwasser an.
Soeben erhielt sie auf der Gemeindeverwaltung zu Handen ihrer Pensionskasse schriftlich die Bestätigung, dass sie noch lebt.
Dies für bloss sechs Franken, ein Schnäppchen.
Wesentlich teurer war es für Jorge, den ältesten Cousin meiner Geliebten.
Er wohnt im Nordosten von Brasilien, geriet in massive Probleme mit Kriminellen.
Ein Attentat mit Schusswaffen auf ihn überlebte er knapp, ein längerer Aufenthalt im Spital war die Folge.
Am liebsten hätte er im Krankenhaus um Asyl nachgesucht, er litt Todesängste beim Gedanken an das nächste Treffen mit der Gang.
Not macht erfinderisch.
Auf wundersame Art und Weise erhielt ein im Spital verstorbener Mann, dem niemand nachtrauerte, die Personalien von Jorge.
Der offiziell Verstorbene musste nun untertauchen und seine Familie überzeugen, dass die Todesbestätigung nicht der Wahrheit entsprach.
Meine Frau kennt den neuen Namen und den neuen Wohnort ihres Cousins nicht.
Pepe King, ein Berner Künstler, sucht im fantastischen Song “Gebei” nach der Bestätigung seines Daseins.
Diese findet er im Telefonbuch auf der Seite 90, wo er seinen Namen entdeckt.
Das Covid-Zertifikat dokumentiert eine Covid-19-Impfung, eine durchgemachte Erkrankung oder ein negatives Testresultat.
Diese Bestätigung wird eventuell das Leben ihrer TrägerInnen in der Gesellschaft und das Reisen in andere Länder erleichtern.
Eine Bekannte, sie ist Therapeutin, akzeptiert ausschliesslich PatientInnen, welche bestätigen, keine Covid-19-Impfung erhalten zu haben.
Ich bestätige offiziell und bin mir sicher, dass dies der Wahrheit entspricht, dass ich mich auf morgen Abend freue, wenn ich mit meinen Kollegen spielen, schwitzen und mich gesellig erholen darf.
7. Juli 2021