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Seit 2015 bieten immer mehr Android-Telefone die Möglichkeit, das Telefon per Gesichtserkennung zu entsperren und andere Aktionen durchzuführen, für die ursprünglich ein Passwort erforderlich war. Auch an öffentlichen Plätzen, wie z. B. Flughäfen, wird die Gesichtserkennung in zunehmendem Maße eingesetzt. Wie sich dies auf Ihre Reise auswirkt und ob Sie noch ein Visum benötigen, erfahren Sie im Folgenden.
Eine kurze Geschichte der Gesichtserkennung
Die Gesichtserkennung hat ihren Ursprung in den 1960er Jahren, als Woodrow Wilson Bledsoe ein System entwickelte, mit dem Fotos von Gesichtern klassifiziert werden konnten. Bald interessierten sich auch die Strafverfolgungsbehörden für das Konzept. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Konzept zu einem automatisierten digitalen System, das sehr schnell und effizient arbeitet.
Bis 2010 wurde Gesichtserkennungssoftware bei Großveranstaltungen wie zum Beispiel dem Super Bowl gelegentlich eingesetzt, was vielfach als Verstoß gegen den vierten Zusatzartikel der US-Verfassung kritisiert wurde. In Illinois wurde sogar ein Gesetz eingeführt (Biometric Information Privacy Act), das die Verwendung solcher Software und den Aufbau einer Gesichtsdatenbank reguliert.
Nach 2010 hielt die Software Einzug in persönliche Geräte wie Laptops, Telefone und seit kurzem auch in Smartwatches. Im Jahr 2017 erließ der damalige Präsident Trump eine exekutive Anordnung, um den Einsatz der Gesichtserkennung an den US-Grenzen zu beschleunigen. Der Prozess zur Verbesserung der US-Grenzüberwachung hatte 2002 nach den Terroranschlägen auf die Twin Towers begonnen. Der Einsatz von Gesichtserkennungssoftware an Flughäfen ist der neueste Schritt in diesem Prozess.
Grenzkontrolle
Die US Customs and Border Patrol (CBP) baut seit 2018 eine Kamera-Infrastruktur auf, die den Einsatz von Gesichtserkennungssoftware unterstützen kann. Der Einsatz der Software auf Flughäfen verspricht mehr Sicherheit und in Zukunft eine reibungslosere Reise mit kürzeren Wartezeiten, da die Kamera die Reisenden sofort erkennt und sie durchlassen kann, ohne dass ein Beamter bei jedem Passagier die Pässe kontrollieren muss. Derzeit wird die Software in Kombination mit der herkömmlichen Kontrolle durch Fingerabdrücke und Iris-Scans getestet.
Viele Fluggesellschaften verwenden auch biometrische Verifikationssoftware, um Reisende zu identifizieren und das Einsteigen der Passagiere zu beschleunigen. In Zukunft könnten alle Systeme mit Gesichtserkennungssoftware an allen Flughäfen miteinander verbunden werden, so dass die Reisenden nicht mehr warten müssen. Sie können sofort in das Flugzeug einsteigen, und alle Kontrollen werden durchgeführt, während der Reisende durch den Flughafen geht, so dass der Reisende nicht auf mehrere Kontrollen warten muss. Wenn Reisende dies nicht wünschen, können sie die Weitergabe ihrer biometrischen Daten verweigern, indem sie dies z. B. beim Kauf eines Flugtickets oder bei der Beantragung eines ESTA oder Visums angeben. Sie müssten dann die traditionellen Kontrollen durchlaufen. Wie genau das alles funktionieren soll, ist noch nicht klar, denn die USA arbeiten derzeit noch an einem Rechtsrahmen.
Das Recht auf Schutz der Privatsphäre
Die Verwendung dieser Software ist, wie bereits erwähnt, ein heikles Thema. Das Recht auf den Schutz der Privatsphäre von Reisenden und Nutzern von Geräten mit Gesichtserkennungssoftware könnte gefährdet sein, wenn die Agenturen keine oder nur unzureichende Regulierungsmaßnahmen ergreifen. Das CBP gibt an, dass es derzeit bereits über interne Protokolle verfügt, die sicherstellen, dass die Daten von US-Bürgern bereits 12 Stunden nach der Reise gelöscht werden. Bilder und Daten von ausländischen Reisenden werden vom Heimatschutzministerium gesammelt. Wofür diese Daten verwendet werden und wie lange sie aufbewahrt werden, ist derzeit ein Geheimnis.
Auswirkungen auf das ESTA und das Visum USA
Reisende, die sich länger als 90 Tage in den USA aufhalten, dort studieren oder für ein US-Unternehmen arbeiten möchten, benötigen ein Visum USA. Dieses Visum muss bei einer US-Botschaft oder einem Konsulat beantragt werden, was sehr lange dauern kann. Für einen Urlaub oder eine Geschäftsreise in die USA benötigen Ausländern ein ESTA USA. Das ist eine digitale Reisegenehmigung, die dem Reisepass beigefügt wird. Ein ESTA erlaubt Ihnen den Aufenthalt in den USA für bis zu 90 aufeinanderfolgende Tage. Das ESTA ist zwei Jahre lang gültig, so dass Sie mehrmals im Jahr sicher in die USA reisen können.