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Uniformen der Schweizer Armee / Landesstreik 1918
Im November dieses Jahres jährt sich der Landesstreik vom 12. - 14. November 1918 zum 100. mal.
Verschiedene Medien wie auch Film und Theater zeigen in unterschiedlichen Produktionen jene Tage, die die Schweiz nahe an einen Bürgerkrieg gebracht hatte.
In unserem folgenden Beitrag möchten wir einen kleinen Einblick in das "bunte" Potpourri der Schweizer Uniformen um 1918 werfen.
Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Soldaten der Mitrailleur-Kp. III/31 im März 1918 als Besipiel des "bunten" Potpourri der Schweizer Uniformen vor und während dem Schweizer Landesstreik. Die Soldaten tragen den Waffenrock und Beinkleid der Ordonnanz 1898 mit der Kopfbedeklcung (Schiffchen), den Rangabzeichen und den Wickelgamaschen der Ordonnanz 1914. Ein Teil der Soldaten trägt die spezielle Fassonierten Ärmelpatten mit drei Garniturknöpfen, ebenfalls der Ord. 1914.
Aus "Blau" wird "Grau"
Zu Beginn des 1. Weltkrieges war das Schweizer Heer, wie die meisten anderen Armeen noch in farbige Uniformen gekleidet. Eine grosse Ausnahme war dabei die Armee des vereinigten Königreichs England. Aus den Erfahrungen in der Burenkriegen 1880-81 und 1899-1902 hatte Grossbritannien seinen Truppen 1901 khaki-Uniformen verpasst.
Diese sogenannte letzte "farbige" Uniform der Schweizer Armee wurde am 11. Januar 1898 eingeführt und mit ihr verschiedene andere Änderungen im Erscheinungsbild des Schweizer Soldaten. Bis auf Schützen und Kavalleristen (grünes Tuch) trug der Soldat weiterhin blaues Tuch mit der dementsprechenden Besatzfarbe an Kragen und Vorstössen an Jacke und Hose der jeweiligen Truppengattung.
Schweizer Armeeuniformen der Ordonnanz 1898. Der Soldat im Vordergrund (sitzend) trägt die blauen Farben der Truppensanitäter. Jene hinter ihm sind allesamt Füsiliere. Die grauen Überzüge ihrer Käppi wurden 1914 im Zuge erster Verbesserungen zum Schutz der Truppen ausgegeben. Diese sollten die glänzenden Garnituren abdecken.
Wie schon erwähnt, trugen die Schützen und Kavalleristen mit der Ordonnanz 1898 im Gegensatz zu allen anderen Einheiten Waffenröcken aus grünem Tuch, änderte sich dies mit der Einführung der Feldgrauen Uniform. Links: Guide (Kavallerie) mit grünem Waffenrock der Ordonnanz 1898. Rechts: Feldgrauer Waffenrock mit gelben Aufschläggen und Batten.
Der Waffenrock hatte analog ihres Vorgängers weiterhin einen Stehkragen, ausser jene der Radfahrer, wurde mit der Ord. 1898 nun etwas kürzer und mehr in die Taille geschnitten. Anders als die Feldbluse wurden die Beinkleider nicht aus dem selben feinen dunkelblauen Tuch hergestellt, sondern aus dunkelblau meliertem Tuch, der sich farblich von jenem des Waffenrockes absetzte.
Weiter gab es für die Mannschaften einen Kaput (Mantel) ebenfalls aus blauem Tuch, der nochmals eine andere Nuance aufwies als jene des Waffenrockes und der Hose.
Kaput der Ordonnanz 1898
Kaput Ordonnanz 1914 mit goldenen Knöpfen. Der Schnitt sowie die Eingrifftaschen im hinteren Teil wurden vom Vorgängermodell der Ordonnanz 1898 übernommen.
Für die Arbeit und das Exerzieren gab die Armee zudem als Korpsmaterial einfache Blusen, welche ebenfalls einen Stehkragen aufwiesen aus. Diese war aus dunkelblauem meliertem Tuch (Ausnahme wiederum Kavallerie und Schützen - grünes Tuch) und wies keine bunten Garnituren auf.
Blusen aus grünem und blauem Tuch für Arbeiten und Exerzierübungen.
Die Kopfbedeckung wurde ebenfalls angepasst, wenn auch nur minimal. Der Schweizer Soldat trug auch weiterhin einen Tschako (Käppi) aus Leder und Filz mit der Waffengattung angepasster Garnitur in Silber oder Gold.
Auch wenn die ersten Feldgrauen Uniformen erst mit der Ordonnanz 1914 zum Einsatz kamen, dachte man schon vor 1900 über eine Änderung der Farbe nach. Erste Versuche wurden jedoch erst ab 1904 bei der Infanterie gemacht. Aus jenen Tagen gibt es eine Vielzahl von Postkarten unterschiedlicher Einheiten die jene Uniformen und Ausrüstungen im Feldeinsatz getestet hatten. Auch erste Stahlhelmmodelle wurden Tests unterzogen.
Füsliere des Basler Füs.Bat I/59 im Biwak 1909. Die Soldaten trugen allesamt Blusen mit angeknöpftem Patronenbanoulier, welches als Versuch in diesem Fall zum Einsatz kam. Als spezielles Extra sind die Füsiliere noch mit dem Repetiergewehr Modell 1889 ausgerüstet, welches ab 1891 an die Truppe abgegeben wurde. Übrigens kann man auf diesem Bild sehr gut erkennen, weshalb es auf allen alten Schweizer Waffenröcken unter den Schulterklappen eine Schlaufe hat. Die Schulterklappe wurde von innen nach aussen darin engerollt. Die Wullst verhinderte damit das dauernde herunterrutschen des Gewehrriemens.
Gruppenbild der Kavallerieschwadron 15 aus dem Jahr 1915. Ausser den Käppibezügen für ihre glänzenden Kopfbedeckungen hat diese Truppe noch keine Anpassungen an das neue Regement erhalten.
Am 28. Oktober 1914 beschloss der Bundesrat verschiedene Neuerungen Betreff der militärischen Kleidung und Gradabzeichen. Eine davon war das zur Anfertigung militärischer Kleidung nur noch feldgraues Tuch verwendet und die Waffenröcke einreihig geschlossen werden sollten. Auch bei der Kopfbedeckung gab es Anpassungen. So wurde zwar der Tschako beibehalten, aber anstatt einer Mütze gab es neu ein Schiffchen ohne Schirm, welche auch als Ohrenkappe dienen soll.
Um die unterschiedlichen Truppengattungen weiter auseinanderhalten zu können, werden die Waffenröcke, Beinkleider und Mützen weiterhin mit farbigen, dementsprechenden Besatzfarbe an Kragen und Vorstössen bestückt werden. Auch die Gradabzeichen für Unteroffiziere wurden angepasst.
Links: Soldat des Füs.Bat 90 in einer Ordonnanz 1914/15 Uniform der Schweizer Armee. Rechts: Füsilier des Basler Füs. Bat. 99 nach der absolvierten Rekrutenschule im Herbst 1917. Er trägt ebenflalls schon die neue Feldgraue Ordonnanz und auf dem Rücken den aus Blachenstoff hergestellten und ab 1917 an die Truppen abgegebenen Blachenstofftornister 1914/17.
Da die Änderungen mitten im ersten Weltkrieg durchgeführt wurden, gab es natürlich eine ganze Fülle von Problemen, aber auch Heiterkeit. Alleine schon im Zusammenhang mit den neuen Rangabzeichen und dem neuen Erscheinungsbild der Armee. So kam es vor, dass normale Soldaten plötzlich gegrüsst wurden, weil jener gegenüber keine Ahnung von der aktuellen Funktion desjenigen hatte.
Ein weiteres Besipiel für die vermischung unterschiedlicher Ordonnanzen. Die im Biwak befindlichen Soldaten tragen Blusen mit und ohne verdeckter Knopfleiste der Ordonnanz 1914/15 sowie aus blauem Tuch gefertigte Quartiermützen der Ordonnanz 1898. Ausgenommen die beiden Soldaten ganz Links und Rechts. Das Biwak wurde zudem aus den noch grauen Blachen 01 gebaut.
Der Bundesratsbeschluss vom 4. Juni 1917 zur Anpassung der Ordonnanz 1914/15 ergab vor allem, dass in Zukunft die Passepoilierung der Uniformen marengo farbig (schwarz) sein sollte. Es hatte sich gezeigt, dass das herstellen und vor allem das Lagern grosser Mengen an unterschiedlichen Uniformen mit verschiedenen Waffenfarben auf Vorstössen ein logistisches Ungetüm war. Fortan sollten nur noch die Ärmelaufschläge, sowie die Kragenspiegel die Farbe der Waffengattung aufweisen. Diese konnte bei Abgabe an den Soldaten im Zeughaus passend aufgenäht werden.
Trotzdem dauerte es natürlich eine Weile bis ein Heer komplett umgerüstet wurde. Zumal es während des Krieges an Rohstoffen fehlte. Man kann aber davon ausgehen dass im Herbst 1918 noch nicht sehr viele Truppenteile mit der Ordonannz 1917 ausgerüstet waren und deshalb hauptsächlich Uniformen der Ordonnanz 1914/15 im Einsatz waren.
Zur selben Zeit im Einsatz. Offiziersmützen der Ordonannzen 1898, 1914/15 und 1917.
Quartiermützen der Ordonannz 1898: Links: Mit kurzem Lederschirm und rotem Passpoile. Rechts: Mit Stoffschirm und grünem Passpoile Verpflegungstruppen.
Policemützen der Ordonnanzen 1914/15 und 1917. Bei der ersten Links handelt es sich nicht um eine Luftschutzmütze der 40er Jahre, sondern um eine nicht reglementierte Policemütze für den Kasernenhof. (Das Tuch ist viel dunkler als der Stoff des Luftschutzuniformen) Diese wurde an Rekruten und Soldaten abgebene, um ein einheitliches Bild auf dem Kasernenhof zu ereichen, als die Policemützen in Feldgrau abgegeben wurden. V.l.n.r. Policemütze aus blauem Tuch, Policemütze Infanterie, Policemütze Artillerie.
V.l.n.r. Policemütze ab 1915 Kavallerie, Policemütze Ordonnanz 1917 mit goldenen Knöpfen, Policemütze Ordonnanz 1917 mit silbernen Knöpfen.
Die neue Ordonnanz 1914/15, sowie eine kleine Übersicht über die neuen Ränge und Farben, sowie Truppengattungen auf zwei Postkarten der Firma Kaiser & Cie aus Bern aus dem Jahr 1918.
Nach längerer Evaluation bekam 1918 der Schweizer Soldat dann auch endlich doch noch einen Stahlhelm verpasst. Das Modell 18 war von Generalsoberstleutnant Paul Boesch und Dr. E.A. Gessler entworfen worden. Da der Helm in mehreren Produktionschritten hergestellt werden musste, wurden zu Beginn täglich nur 250 Stück des in grüner Farbe lackiertem Helm produziert.
Und wie wir das ja alle aus unserer Zeit in der Armee kennen, wird zum einen nichts weggeworfen und zum anderen dauert es natürlich immer eine Weile, bis auch der hinterst und letzte die aktuelle Version der neuen Ordonnanz-Uniform gefasst hat. Und so war es auch im November 1918 als der Krieg endlich zu Ende war.
Sondernummer der Schweizer Illustrierten vom 16. November 1918. In den letzten Tagen des Krieges herrschte in Europa Anarchie und in vielen Städten gingen die Leute auf die Strasse. Viele Herrscher wurden dabei gestürtzt und abgesetzt.
Soldaten vor dem Bundhaus als man noch Bundespalast sagte. Die Truppen tragen allesamt schon den neuen Helm Modell 18, sowie grösstenteils den feldgrauen Kaput. Oben Links: Der stehende Offizier trägt weiterhin sein Käppi. Quelle: Schweizer Illustrirte 23.11.1918
Auch vor dem Gebäude der "Neuen Zürcher Zeitung" standen Soldaten mit dem neuen Helm Modell 18. Die "NZZ" wurde während der Streiktage als Bürgerliche Presse Zürich gedruckt. Auch andere Zeitungen wie die Natianal zeitung in Basel konnte während des Streikes nicht ausgeliefert werden. Quelle: Schweizer Illustrirte 16.11.18
Bürgerliche Presse Zürich vom 12. November 1918, dem ersten Streiktag.
Erklärungen der NZZ und der National Zeitung vom 15.11.2018.
Damit die Post ausgeliefert werden konnte, wurden den Pöstler wie hier in Zürich Soldaten zur Seite gestellt. In diesem Fall ein Landsturmsoldat in einer blauen Uniform. Diese hier trägt sogar noch die vorletzte Uniform der Ordonnanz 1875/88 mit einem Gewehr Modell Vetterli und dazugehöriger Patronentasche, sowie wahrscheinlich einem Käppi aus der selben Odronnanz. Quelle: Schweizer Illustrirte 16.11.18
Eine Patrouille in der Zürcher Bahnhofsstrasse angeführt von einem Oberleutnant mit gezogenem Säbel. Gleich hinter ihm kann man auf den ärmeln die Rangabzeichen eines Wachtmeisters erkennen. Quelle: Schweizer Illustrirte 16.11.18
Dass nicht alle eingesetzten Truppenteile schon über den neuen Helm Modell 18 verfügt haben, zeigt dieses Bild vom Zürcher Paradeplatz. Die 9. Kavallerie Schwadron, wie auch die Infanteristen im Vorder- und Hintergrund tragen allesamt noch das Käppi (Tschako). Quelle: Schweizer Illustrirte 23.11.1918
Auch in Bern trafen Truppen in unterschidlichen Uniformen und Ausrüstungen aufeinander. Der Soldat links im Vordergrund trägt zu seiner Feldgrauen Uniform Zusatzpatronentaschen über den Schultern, welche nie über das Versuchstadium hinausgekommen sind. Gleich dahinter steh ein weiterer Soldat in der alten "farbigen" Ordonnanz 1898. Quelle: Schweizer Illustrirte 23.11.1918
Es gab wahrscheinlich fast keine Uniformkombination der drei Ordonanzen 1898, 1914/15 und 1917 sies es nicht gab. Es wurde benutzt was verfügbar war. Selbst noch bei der Generalmobilmachung am 2. September 1939 rückten Landsturmsoldaten in blauen Uniformen der letzten farbigen Ordonannz ein.
Da in der Schweizer Armee nicht weggeworfen wurde zeigt auch der Umstand, dass in der Nachkriegszeit bis in die 70er Jahre die farbig passpoilierten Uniformen als Exerzierkleidung weiterhin zum Einsatz kamen.