Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03495.jsonl.gz/1952

«Wir sind bereit, über die Solidaritätsspuren fast alles zu exportieren, was die Ukraine braucht», sagte der Agrarkommissar am Dienstag in Brüssel. Nach Angaben der EU-Kommission wurden im April, Mai und Juni 2,1 Millionen Tonnen, 3,4 Millionen Tonnen beziehungsweise 3 Millionen Tonnen Getreide über diese Wege exportiert. Der bisherige Höchststand lag im November 2022 bei 4,2 Millionen Tonnen.
Russland hatte am Montag voriger Woche ein von der Türkei und den Vereinten Nationen vermitteltes Abkommen zur Verschiffung von ukrainischem Getreide über das Schwarze Meer aufgekündigt.
Angst vor Preisanstiegen
Es wird befürchtet, dass dadurch Lebensmittelpreise steigen und Versorgungsengpässe zunehmen könnten, da die Ukraine einer der weltweit wichtigsten Exporteure von Getreide ist.
Aktuelle Schätzungen gingen davon aus, dass in den nächsten zwölf Monaten etwa 50 bis 55 Millionen Tonnen ukrainisches Getreide für den Export zur Verfügung stünden, hiess es aus der EU-Kommission. Demnach müssten monatlich etwa 4,5 Millionen Tonnen Getreide exportiert werden.
Ausbau wird teuer
Die eigens von der EU und der Ukraine wegen des Kriegs ausgebauten Handelswege über Flüsse, Schienen und Strassen haben seit Beginn des Krieges EU-Angaben zufolge bereits 60 Prozent der ukrainischen Getreideexporte abgewickelt.
Es wird daran gearbeitet, diese Handelswege noch weiter auszubauen. Der Export über diese Solidaritätsspuren war in der Vergangenheit aber verhältnismässig teuer. Wojciechowski sagte, es sei günstiger von Russland Getreide zu kaufen, als ukrainisches Getreide, das etwa durch Polen zu Häfen im Baltikum an der Ostsee transportiert werde.
Konkurrenz für Landwirte
Probleme gibt es auch damit, dass die östliche EU-Länder Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Slowakei enorm gestiegene Getreideimporte aus der Ukraine beklagen. Die EU-Kommission hatte Anfang Juni beschlossen, Einschränkungen für Getreideimporte aus der Ukraine bis zum 15. September zu verlängern.
Länder wie Polen hatten zuvor eigenständig Massnahmen ergriffen und damit auch auf Proteste von Landwirten reagiert, die sich zu grosser Konkurrenz ausgesetzt sahen. Derzeit wird nach Wegen gesucht, wie sichergestellt wird, dass das Getreide nicht in den betroffenen Ländern verbleibt.