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Besuch aus Zürich, März 2015
Besuch bei den Kindern von Fundevida in Cartagena
Die Kinder von Fundevida sind im vielseitigen und schönen Land Kolumbien zu Hause. Die Stadt Cartagena an der Karibik zeugt von der bewegten Geschichte des Landes. Sind hier doch einst hunderttausende Sklaven angekommen, von denen viele für die Arbeit als Haussklaven auf dem Lande oder in den städtischen Haushalten der Oberschicht verkauft wurden. Heute sieht man hier die unterschiedlichsten Menschen: die Nachkommen ehemaliger Sklaven oder der Spanier, Weisse, Mestizen. Die Schere zwischen Arm und Reich ist gross. Von Fundevida werden grösstenteils Kinder aufgenommen, deren Familien sich die notwendige medizinische Versorgung nicht leisten können. Staatliche Hilfe bleibt diesen Kindern mehrheitlich verwehrt.
Im vergangenen Februar habe ich die Kinder zum vierten Mal besucht. Die casa hogar – das Hauptdomizil von Fundevida – wird zu dieser Zeit gerade renoviert, gestrichen, Leitungen werden neu gelegt und repariert. Die Kinder halten sich als Übergangslösung in einem kleineren, bescheidenen Haus in einem anderen Stadtviertel auf. Meine Mutter und ich besuchen die Mädchen und Buben dort. Wir werden sehr herzlich empfangen: mit einem Willkommensplakat, einem selbstgemachten Stoffherz und vielen Dankesbriefen. Die Torte für den gemeinsamen Zvieri steht bereits parat. Die Kinder können krankheitshalber nicht alles essen. Diese Leckerei ist jedoch erlaubt und schmeckt ihnen ausgezeichnet. Die meisten Kinder sind anfänglich distanziert, obschon sie mich kennen. Ich besuche sie bereits zum vierten Mal. Meine Mutter äussert später ihre Wahrnehmung: «Diese Kinder wirken trauriger und zurückhaltender als andere Kinder.» Ja, diese Feststellung ist wahrscheinlich richtig. Der 7-jährige Victor Manuel – der auf meinem Schoss sitzt – kam gerade erst von einer Chemotherapie zurück und ist noch sehr geschwächt. Sein ganzes bisheriges Leben war von der Krebserkrankung und den damit verbundenen Umständen dominiert. Es dünkt mich gut verständlich, dass darum auch einem Kind das Lachen vergehen kann. Der kleine Maurizio hingegen ist quietschfidel.
Er ist der jüngste von insgesamt fünf Geschwistern. Einer seiner älteren Brüder und seine zwei älteren Schwestern haben alle eine krebsartige Bluterkrankung. Zwei der Martinez Kinder – Yhon und Yaira – unterstütze ich mit einer Patenschaft. Daher habe ich ihre Entwicklung und das Wohlergehen der Familie in den letzten zwei Jahren etwas näher mitverfolgen können. Manchmal wunderte ich mich, warum diese Eltern noch mehr Kinder auf die Welt setzen. Dass Maurizio gesund ist, macht mich dankbar. Gracias a Dios! Gott sei Dank! Wer die Kinder von Fundevida besucht, bringt ihnen ein willkommenes Stück Leben mit. Denn das wollen sie doch alle: leben statt bald sterben, gesund und nicht krank sein, heranwachsen und lachen. Die Mädchen und Buben brauchen am Anfang Zeit, bis sie Vertrauen gefasst haben. Wenn dann aber eine erste Verbindung hergestellt ist, wollen sie einen nicht mehr gehen lassen. Von einem einfachen Spiel mit den Händen können einige kaum genug bekommen. Als wir uns verabschieden müssen, stehen manchen Kindern die Tränen in den Augen. Wahrscheinlich spüren sie stärker als andere Kinder, dass diese Begegnung die letzte gewesen sein könnte. Zurück von diesem Besuch bei den Mädchen und Buben von Fundevida bin ich einmal mehr davon überzeugt, dass sich die Hilfe aus der Schweiz lohnt. Dass unsere Hände, unsere Gedanken, unsere finanzielle Unterstützung dort am richtigen Ort sind.
Der Direktkontakt mit den Betreuenden an Ort ist uns sehr wichtig. Wir lernen so die Bedürfnisse in Cartagena aus erster Hand kennen. Wir erhalten alle nötigen Auskünfte und Unterlagen die wir verlangen und können so auch mit Genugtuung feststellen, dass unser Spenden zielgerecht den Bedürfnissen der Kinder und ihren Familien zugutekommen.
Für diese Reisen eines Vorstandsmitglieds werden keine Spesen aus der Vereinskasse vergütet.