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«Jede Nacht hat mich der Schlaf umgangen»: James Middleton, 31, macht in einem offenen Brief in der «Daily Mail» deutlich, wie sehr er mit Depressionen zu kämpfen hatte. «Am Tag schleppte ich mich zur Arbeit, wo ich mit glasigen Augen auf meinen Computer starrte und darauf wartete, dass die Stunden vorbeigingen, damit ich wieder nach Hause gehen konnte.»
James kämpfte gegen die Einsamkeit
Er habe nicht kommunizieren können, nicht mal mit denen, die er am meisten liebte: seine Familie, zu der auch seine Schwestern Pippa Matthews, 35, und Herzogin Catherine, 37, gehören, und die engen Freunde. «Ihre ängstlichen Texte wurden beharrlicher durch den Tag, doch sie blieben unbeantwortet, weil ich kontinuierlich in einem Sumpf der Verzweiflung versank.» Alle Farben und Emotionen hätten ihn verlassen. «Alles war grau und monoton.»
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Happy Birthday, Pippa Middleton!
Mit diesem Bild wird Pippa Middleton weltberühmt: An der Hochzeit ihrer Schwester Kate im April 2011 zeigt sie ihren durchtrainierten Po und wird gefeiert.Getty Images
Er wisse, er sei «reich gesegnet» und lebe eine «privilegiertes Leben», fährt Middleton fort. «Aber es hat mich nicht immun gemacht gegen die Depression. Es ist schwierig, die Umstände zu beschreiben. Es ist nicht nur Traurigkeit. Es ist eine Krankheit, Verstandskrebs.» Und ergänzt: «Es ist kein Gefühl, sondern eine Abwesenheit von Gefühlen. Du existierst ohne Absicht, ohne Richtung. Ich konnte keine Freude fühlen, keine Aufregung oder Vorfreude.»
Alles war grau und monoton
Er habe sich auch falsch verstanden gefühlt, hält James fest. «Ein kompletter Versager. Ich wünsche dieses Gefühl von Wertlosigkeit und Verzweiflung, die Isolation und Einsamkeit nicht mal meinem ärgsten Feind. Ich habe mich gefühlt, als würde ich verrückt werden.»
Der Auslöser liegt weit zurück
Seine Schwierigkeiten reichen viele Jahre zurück; bereits in der Schule bekundete Middleton Mühe mit dem Lernstoff. Und als er dann in der Oberstufe ans Marlborough College ging, wo auch Catherine und Pippa die Schulbank drückten, habe er «schreckliches Heimweh» gehabt. «Catherine war schon an der Uni, als ich ans Marlborough College kam. Aber Pippa um mich rum zu haben, war toll. Doch auch so habe ich nicht reingepasst.»
2017 sei in einem Rausch vorübergegangen, erzählt James. Er habe kaum funktioniert, habe aufgehört, mit seinen Freunden zu sprechen. «Trotzdem versuchte ich mich zu überzeugen, dass alles in Ordnung ist. Ich habe alles auf den Stress bei der Arbeit geschoben. Währenddessen konnte meine Familie - die bis zur Verzweiflung besorgt war - die Barriere der Stille nicht durchbrechen.»
Dann kam die Erkenntnis
Im Dezember 2017 dann packte James Middleton seine Hunde und fuhr in ein Landhaus. Nach über einem Jahr der stetigen Verschlechterung seines Zustandes hatte er eingesehen: «Ich konnte nicht mehr damit umgehen. Mir ging es nicht gut. Ich brauchte Hilfe.» Diese Erkenntnis habe zu einer Art Ruhe geführt. «Ich wusste, dass da Hoffnung sein würde, sobald ich Hilfe akzeptieren würde.»
Mittlerweile hat er mit professioneller Hilfe Strategien erlernt, um zurechtzukommen. «Heute fühle ich ein neues Ziel fürs und eine Lust aufs Leben.» Einmal pro Woche geht er zu seinem Psychiater.
Vor allem aus einem Grund hat er sich nun dafür entschieden, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. «Ich fühle mich verpflichtet, offen darüber zu sprechen, weil das exakt ist, wofür mein Schwager Prinz William, meine Schwester Catherine und Prinz Harry mit ihrem Projekt ‹Heads Together› eintreten.» Sie drei würden glauben, dass «wir das Stigma hinsichtlich mentaler Krankheit nur bewältigen können, wenn wir den Mut haben, die nationale Konversation zu verändern», sagt James. «Es wäre nicht ehrlich, meine Geschichte zu unterdrücken. Ich will darüber reden, und sie [William, Catherine und Harry] sind meine Motivation dafür».
Middleton leidet an einer Aufmerksamkeitsstörung
Vor einem Jahr dann wurde bei Middleton eine Aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert. «Es war eine Offenbarung, als ich die Diagnose erhielt. Es erklärte so viel. Die Aufmerksamkeitsstörung ist der Grund, weshalb ich Mühe habe, mich zu fokussieren; weshalb meine Gedanken zu extravaganten Tagträumen werden; warum einfache Aufgaben wie das Bettmachen die gleiche Ungeheuerlichkeit auf mich auswirken wie das Ausfüllen meiner Steuererklärung.» Gleichwohl sieht er die Krankheit auch als Geschenk. «Sie trägt zu meiner Kreativität und zu meiner emotionalen Intensität bei.»
Die Familie wusste lange nicht Bescheid
Er habe in der Zwischenzeit seinem Hausarzt die Erlaubnis erteilt, mit seiner Familie zu sprechen, fügt James Middleton an. «Meine Familie war verzweifelt und machte sich grosse Sorgen um mich, über Monate hinweg. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht mit ihnen sprechen und wollte von einem unabhängigen und objektiven Fachmann hören, was falsch war.» Dass er seine Familie nicht ins Boot geholt hatte, hat einen Grund. «Es ist am schwierigsten, mit denen zu sprechen, die dir am nächsten sind. Es war unmöglich, meine Liebsten von der Tortur in meinem Kopf wissen zu lassen. Gleichzeitig hätte ich alles, was sie mir gesagt hätten, zurückgewiesen.» Deshalb habe er sich zunächst von seiner Familie zurückgezogen, habe den gutgemeinten Rat abgewiesen und schliesslich sogar aufgehört, ihre Nachrichten und Anrufe zu beantworten.
Leute hätten ihn gefragt, ob sein öffentlicher Status das Ganze erschwert habe. «Wäre ich so depressiv geworden, wenn ich nicht unter solch prüfenden Blick gestellt worden wäre, der wegen meiner Verbindung zur royalen Familie zustande kommt?», habe er sich gefragt. «Die Antwort ist: Ich glaube, ja. Aber ich hätte keine Gelegenheit fürs Öffentlichmachen meiner Geschichte gefunden, falls ich es nicht für die Menschen getan hätte, mit denen ich verwandt bin.»
Wäre ich so depressiv geworden, wenn ich nicht unter solch prüfenden Blick gestellt worden wäre, der wegen meiner Verbindung zur royalen Familie zustande kommt?
Seine Krankheit hat Middleton vieles gelehrt. So auch das Lebensmotto, nach welchem er heute lebt. «Falls ich etwas beibringen kann, dann ist es folgender Gedanke: ‹Es ist okay, nicht okay zu sein›.»