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Fotos | René Koster
Welche Prioritäten haben Sie sich gesetzt, als Sie letztes Jahr die Präsidentschaft des CCS übernommen haben?
Als ich vor 18 Monaten das Präsidentenamt des CCS nach einer zehnjährigen Pause erneut übernommen habe, sah ich mich mit zwei gegensätzlichen Visionen konfrontiert: der Professionalisierung der Strukturen einerseits und der Freiwilligenarbeit mit allfälliger Unterstützung durch das Generalsekretariat andererseits. Mit 7000 Mitgliedern ist der Club für eine Professionalisierung zu klein. In gewissen Bereichen stossen wir aber an die Grenzen des Freiwilligensystems. Da die Entscheidung schliesslich auf das in der Schweiz beliebte Milizsystem fiel, wurde die Einführung eines neuen Informatiksystems unumgänglich. Damit können wir die rund 220 bestehenden Prozesse vereinfachen und kodifizieren und das Generalsekretariat sowie die regionalen Gruppen und die zahlreichen Freiwilligen bei ihrer Arbeit unterstützen. Ausserdem wurde eine neue Clubleitung eingesetzt, deren Ziel es vor allem war, das Vertrauen bei den Mitgliedern wiederherzustellen und die für die Ausbildung wichtigen Beziehungen zum Schweizerischen Seeschifffahrtsamt, dem Bundesamt für Kommunikation und der Royal Yachting Association zu festigen. Man darf nicht vergessen, dass der CCS 1955 mit dem Ziel gegründet wurde, die Schweizer Segler dahingehend auszubilden, dass sie auch auf dem Meer sicher navigieren können, und Törns mit dem clubeigenen
Schiff zu organisieren. Der CCS führte damals zwar ohne gesetzliche Grundlage, aber sehr erfolgreich das Schiffsregister, stellte die amtlichen Dokumente und Hochseeausweise aus und war für die Flagge zuständig. Diese Situation bestand bis 1972, als die Eidgenossenschaft einschlägige Gesetze erliess und das Schweizerische Seeschifffahrtsamt offiziell mit diesen Aufgaben betraute.
Wie würden Sie den heutigen CCS in drei Sätzen beschreiben?
Heute gibt es in der Schweiz 14 Regional- und Interessensgruppen, die vor allem vereinswirtschaftlich tätig sind und Kurse zur Erlangung des Hochseeausweises sowie Weiterbildungsprogramme organisieren. Die Zentrale veranstaltet Törns, verwaltet die vereinseigenen oder gemieteten Boote und ist für die Ausbildung der Skipper und der Co-Skipper zuständig. Sie unterstützt die Regionalgruppen vor allem im Bereich Segelausbildung, führt die Prüfungen zur Erlangung des Hochseeausweises durch und kann diesen auch ausstellen.
Sie bieten auch eine Hochseeausbildung für Jugendliche an. Was ist an ihr Besonderes?
Die Prüfung zur Erlangung des Hochseeausweises kann frühestens mit 16 Jahren abgelegt werden. Wie jedem Club ohne eigene Juniorenabteilung ist es dem CCS besonders wichtig, trotzdem junge Mitglieder zu gewinnen und diese vor allem über längere Zeit zu behalten. Die Regionalgruppen bieten ihre Ausbildung zu günstigen finanziellen Konditionen an. Jugendliche in Ausbildung bezahlen einen reduzierten Mitgliederbeitrag und erhalten von der Zentrale 50 Prozent Rabatt auf die Segeltörns.
Ihre Flotte ist ziemlich heterogen und verfügt auch über ein Motorboot, nicht aber über ein Mehrrumpfschiff. Wie entwickeln Sie die Flotte weiter?
Die Flotte des CCS besteht aus fünf Segelschiffen und einer Motorjacht. Sie sind alle sehr gut ausgerüstet, können im Mittelmeer wie auch im Atlantik eingesetzt werden und ermöglichen einen praktischen Unterricht. Hingegen sind sie teilweise stark auf einen bestimmten Einsatzbereich ausgerichtet, also auf Regatten, Rallyes oder Törns. Da einige Skipper bestimmte Präferenzen haben und sich an ein Boot gewöhnen, verlegen wir die Boote regelmässig, damit die Segler andere Reviere kennenlernen. Obwohl mehrere unserer Mitglieder auch Katamarane segeln, ist das Interesse nicht gross genug, damit der Club ein solches Boot anschafft.
Wo sehen Sie den CCS im Jahr 2020?
Welche Zukunft steuert unser grosser Nationalclub an? Wie überall stellen auch wir ein generelles Desinteresse am Vereinsleben fest. Heute will man konsumieren, sich aber nicht auf längere Sicht verpflichten. Der CCS ist da keine Ausnahme. Aber im Gegensatz zu anderen grossen Vereinen steigt die Mitgliederzahl bei uns weiterhin an. Das beweist, dass die Binnensegler immer noch Interesse daran haben, auf dem Meer zu segeln. Sie suchen stärkere Winde als die Sommerbrisen auf unseren Seen und möchten entfernte Regionen kennenlernen. Als verantwortungsbewusste Segler wagen sie sich aber nicht ohne eine fachgerechte theoretische und praktische Ausbildung auf unbekannte Gewässer. Sie respektieren das Meer. Mit seinen über das ganze Land verteilten Regionalgruppen, kann der CCS alle Bedürfnisse abdecken. Dennoch muss er sich ständig hinterfragen und seinen Unterricht den neuen Ansprüchen und Wünschen der Jugend anpassen. Unser Schweizer Hochseeausweis, der in der ganzen Welt anerkannt ist, muss bei den Verwaltungen im Ausland und den Chartergesellschaften eine Referenz bleiben. Wir dürfen deshalb bei unseren Anforderungen keine Konzessionen machen. Das ist der Preis, den man für eine sorgenfreie Navigation zahlt.
Welche Synergien bestehen zwischen dem CCS und Swiss Sailing?
Eine Zusammenarbeitsvereinbarung mit Swiss Sailing beauftragt den CCS damit, die Schweiz an den Konferenzen der European Boating Association zu vertreten und berechtigt ihn von World Sailing anerkannte Sicherheitskurse durchzuführen. Beide Parteien sind sich bewusst, dass man andere Synergien nutzen könnte, aber da es sich bei Swiss Sailing um einen Verband und beim CCS um einen Club handelt, ist eine Zusammenarbeit nicht immer offensichtlich. Ideal wäre es, wenn die Mitglieder von Swiss Sailing auf unseren Booten Segeltörns auf dem Meer unternehmen könnten. Dafür muss aber noch eine passende Lösung gefunden werden.
Welche wesentlichen Entwicklungen konnten Sie bei den Schweizer Seglern und Motorbootfahrern in den letzten 20 Jahren beobachten?
In der Anfangszeit des CCS befuhr man das Meer, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Meer war den Fischern und der Handelsmarine vorbehalten. Man musste als Wassersportler etwas verrückt sein, um das Leben in einer schiefen, feuchten und ungemütlichen Umgebung zu schätzen. Vor zwanzig Jahren war es normal, zu sechst auf einer 36-Fuss- Jacht auf dem Meer zu kreuzen. Seither hat sich die Grösse der Boote stark verändert. Heute benötigt man einen 45- bis 50-Füsser, einrollbare Segel und einfache Beschläge für ein einfaches Handling. Und wenn der Wind etwas zu stark bläst, steigt man auf den Motor um. Aufgrund der günstigen Flüge sind Charter- Stützpunkte auf der ganzen Welt leicht zu erreichen. Diese Entwicklung ist schlussendlich positiv, denn Hauptsache, man hat Spass am Segeln.
Von welchem Törnrevier bekommen Sie nie genug?
Seit 1991 organisiere ich für den CCS Genf jedes Jahr einen Ferien-Segeltörn und nehme selbst auf Clubbooten daran teil. Diese Fahrten haben mich schon zum Nordkap, nach Polynesien, in die Antillen, zu den Jungferninseln, den Seychellen, den Scilly Inseln und zur amerikanischen Ostküste bis nach Neuschottland und den Mittelmeerländern Europas geführt. Auf meinem letzten Törn habe ich den Exumas- Archipel vor Nassau entdeckt. Aber am besten gefällt mir immer noch die Bretagne. Mit den Strömungen der Gezeiten seine Route optimieren, zum richtigen Zeitpunkt in den Hafen einfahren, im Slalom zwischen den Kieseln navigieren: So mag ich das Segeln am liebsten.