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Im Fussball geniesst die Champions League bei den besten Teams Europas oberste Priorität. Eher werden in der Meisterschaft Spieler geschont, damit sie für die Partien in der Königsklasse fit sind, als umgekehrt. Im Eishockey ist dies unvorstellbar. Denn im Gegensatz zum Fussball oder auch anderen Mannschaftssportarten wie etwa dem Handball, dem Basketball oder auch dem Volleyball hat die Champions League im Eishockey einen äusserst schweren Stand. «Vielleicht hat man zu lange das Potenzial eines solchen Wettkampfs unterschätzt und den richtigen Moment verpasst, um einen solchen Wettbewerb zu etablieren», versucht Gottéron-Trainer Hans Kossmann eine Erklärung dafür zu finden. «Und jetzt merkt man, dass es halt doch interessant wäre. Aber mittlerweile gibt es so viel Sport am TV, dass es schwierig ist, noch die richtige Zeit und den richtigen Tag für die Spiele zu finden.»
Skepsis ist angebracht
Dass sie es nicht versucht haben, kann man den europäischen Eishockey-Teams jedoch eigentlich nicht vorwerfen. Immer wieder wurden neue Varianten erprobt–ohne Erfolg. In den vergangenen 50 Jahren schafften weder ein herkömmlicher Meistercup (1965–96) noch die European Hockey League (1996–2000), der IIHF European Champions Cup (2005–08) oder die erste Auflage der Champions Hockey League (2008/09) den Durchbruch bei den Klubs und Fans.
Fünf Jahre nach der letzten Ausgabe, die damals die ZSC Lions gewonnen hatten, wird heute nun der nächste Versuch gestartet. Und wiederum ist dem Wettbewerb mit Skepsis zu begegnen. Allein schon deshalb, weil kein einziges Team aus der russischen KHL–der wohl besten Liga Europas–mitmacht. Hinzu kommt das doch ziemlich willkürlich zusammengestellte Teilnehmerfeld. Weil die Champions Hockey League aus der in den letzten Jahren ohne Zutun des internationalen Eishockeyverbandes von einem Zirkel europäischer Clubs organisierten European Trophy entstanden ist, haben die Gründerclubs dieses Privatturniers, zu denen auch Freiburg gehört, ein automatisches Teilnahmerecht für die Champions League. Dies, weil sie in den letzten Jahren jeweils 30 000 Franken Startgeld in die Trophy investiert hatten. So spielen in dieser Saison beispielsweise auch der SC Bern und der EV Zug in der Champions League–obwohl sie letzte Saison die Playoffs verpassten. Gottérons heutiger Gegner Djurgarden Stockholm spielte letzte Saison gar bloss in Schwedens zweithöchster Spielklasse.
Zuversichtlicher Berger
«Ich finde es fair, dass die Clubs, die in den letzten Jahren investiert haben, nun auch etwas zurückerhalten», sagt Gottérons Generaldirektor Raphaël Berger. Die Gründerklubs, die 63 Prozent des Aktienkapitals besitzen, durften für fast 100 000 Franken ein Aktienpaket der neuen Liga erwerben und haben das Startrecht mindestens für drei Jahre auf sicher. «Danach werden die Teilnehmer nur noch nach sportlichen Kriterien ermittelt. Aber bereits in dieser Saison ist das Niveau hoch. Da sind die besten Teams dabei, auch wenn die Schweiz vielleicht ein bisschen ein schlechtes Beispiel ist, da mit Bern und Zug zwei letztjährige Playoutteilnehmer dabei sind», so Berger. «Ich bin zuversichtlich, dass die Bedeutung des Wettbewerbs zunehmen wird.»
Gottéron rechnet mit einer schwarzen Null
Finanziell ist die diesjährige Ausgabe der Champions League für die Clubs uninteressant. Gottérons tschechischer Gruppengegner Zlin wollte aus diesem Grund zunächst gar nicht mitmachen, hat sich dann aber vom Verband überreden lassen.
Das Preisgeld ist bescheiden. 25 000 Euro gibt es pro Team als Antrittsprämie, weitere Prämien für das Erreichen der Achtelfinals (11 000), Viertelfinals (12 000), Halbfinals (16 000) und des Finals (30 000). Der Sieger erhält noch einmal 60 000 Euro dazu.
Bei der letzten Ausgabe 2009 betrug das Antrittsgeld noch beachtliche 300 000 Euro, die siegreichen ZSC Lions verdienten während der Kampagne fast zwei Millionen Franken. Möglich war das damals dank horrenden Geldern aus Russland (Gazprom). Ziel war es, die Überlegenheit der KHL zu demonstrieren. Dass Magnitogorsk im Rückspiel des Finals von den ZSC Lions mit 5:0 regelrecht deklassiert wurde, bedeutete damals deshalb das unerwartet schnelle, vorübergehende Aus für die Champions League. Trotz der Launenhaftigkeit der russischen Geldgeber hofft der internationale Eishockeyverband, in Zukunft auch die KHL-Teams wieder zum Mitmachen bewegen zu können. Sowohl aus sportlichen als auch finanziellen Gründen dürfte dies von entscheidender Bedeutung sein.
Vorerst aber werden kleinere Brötchen gebacken. «Es ist nicht viel anders als zuletzt bei der European Trophy», sagt Berger. «Am Ende soll eine schwarze Null stehen. Einnahmen wie Startgelder und Ticketingerlöse sollten sich mit Ausgaben wie Reisekosten oder Matchorganisation die Waage halten.» Dies gelte zumindest für die Gruppenspiele. «In der K.o.-Phase könnte es dann für uns durchaus interessant werden.»
3000 Zuschauer erwartet
Letztlich steht und fällt ein sportlicher Wettbewerb mit dem Interesse des Publikums. Dass Teleclub sämtliche Spiele live überträgt, ist dem Interesse in der Schweiz sicher zuträglich. Wie viele Zuschauer die Spiele im Stadion verfolgen werden, bleibt abzuwarten. Die Nachfrage ist sicher nicht mit derjenigen in der Meisterschaft zu vergleichen–die Ticketpreise sind dementsprechend tiefer. «Wir rechnen ungefähr mit 3000 Zuschauern», sagt Berger im Hinblick auf Samstag, wenn Gottéron gegen die Eisbären Berlin erstmals im St. Leonhard spielen wird. «Bereits hat sich auch eine Gruppe von rund 200 Fans aus Berlin angekündigt.»
Für die Freiburger ist zu hoffen, dass die Nachfrage nach Logen nicht ein Indikator für das Publikumsinteresse ist. Diese Logen hat der Klub jüngst nämlich auf verschiedenen Kanälen angeboten–mit wenig Erfolg. «Für den Samstag haben wir nicht so viele Logen verkauft, ich glaube drei», so Berger. «Aber wir hoffen, dass das Interesse mit guten Leistungen auf dem Eis steigt.»
«Die Meisterschaft hat natürlich Priorität»
Dafür zuständig sind Trainer Hans Kossmann und seine Mannschaft. «Es ist ein grosses Turnier mit 44 Teams, da geht es schon auch um Prestige», sagt Kossmann. Sind die Partien für ihn also mehr als bloss gute Testspiele? «In der Vorrunde haben die Spiele tatsächlich Testspielcharakter. Aber wenn man weiterkommt, steigt natürlich das Interesse.» Um jeden Preis wird dieses Weiterkommen jedoch nicht angestrebt. Auf die Frage, ob ein angeschlagener Spieler im Zweifelsfall eher geschont wird oder auf die Zähne beisst, antwortet Kossmann: «Wir gehen sicher keine unnötigen Risiken ein. Die Meisterschaft hat natürlich Priorität.»
Kann gegen Djurgarden nicht spielen: Andrei Bykow. Bild ae/a
Spielplan
Erstes Heimspiel am Samstag
Modus
Nur Gruppensieger sicher weiter
Gruppeneinteilung
Gleich sechs Schweizer Teams
Champions Hockey League (CHL). Gruppenphase. Die Gruppen der Schweizer. Gruppe B:ZSC Lions, Vienna Capitals, Färjestad Karlstad, Valerenga Oslo.Gruppe C:Genève-Servette, Frölunda Gothenburg, Villach SV, Briançon Diables Rouges (Fr).Gruppe D:Freiburg-Gottéron, PSG Zlin (Tsch), Eisbären Berlin, Djurgarden Stockholm.Gruppe E:Bern, Tappara Tampere (Fi), Ocelari Trinec (Tsch), Stavanger Oilers (No).Gruppe H:Zug, Ingolstadt, SaiPa Lappeenranta (Fi), Vitkovice Ostrava (Tsch).Gruppe I:Kloten Flyers, Red Bull Salzburg, JYP Jyväskylä (Fi), HV71 Jönköping (Sd).
Heutiges Spiel: Ohne Tambellini und Bykow gegen den Wiederaufsteiger
Das Champions-League-Abenteuer beginnt für Gottéron heute Abend (20.05 Uhr, Live auf Teleclub) in der schwedischen Hauptstadt. Freiburgs Gegner ist der Traditionsverein Djurgarden Stockholm. Der sechzehnfache schwedische Meister hat keine leichten Jahre hinter sich. Nach zuvor 35 Jahren in der obersten schwedischen Liga stieg Djurgarden 2012 in die zweite Spielklasse ab. Mit dem Wiederaufstieg in die Topliga hat sich der Club im Frühling jedoch neuen Schwung geholt.
Geschafft hat dies die Mannschaft von Trainer Hans Särkijärvi vor allem mit jungen Talenten. Auf diese Saison hin hat Djurgarden acht neue Spieler verpflichtet, die meisten davon aus der zweiten Liga. Auf der Torhüterposition setzt Stockholm seit dieser Saison jedoch auf einen äusserst erfahrenen Mann. Der bald 35-jährige Mikael Tellqvist hat 113 NHL-Spiele absolviert und spielte zuletzt drei Saisons mit Dynamo Riga in der KHL. Mit Mikael Johansson hat Djurgarden auch im Sturm einen Routinier verpflichtet. Der 37-Jährige, der letzte Saison noch das Trikot der Detroit Red Wings trug, hat 803 NHL-Spiele (406 Skorerpunkte) in den Knochen.
Schlechte Erinnerungen
Gottéron ist vor dem heutigen Gegner gewarnt, nicht nur wegen Stockholms prominenten Neuzugängen. Im Rahmen der European Trophy traf Freiburg letztes Jahr zweimal auf Djurgarden. In beiden Spielen ging das Team von Hans Kossmann knapp als Verlierer vom Eis. Die Schweden gewannen beide Partien 1:0.
Fehlen werden auf Freiburger Seite heute die drei verletzten Stürmer Jeff Tambellini, Andrei Bykow und John Fritsche. fm