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Durch einen Artikel des früheren Chefredakteurs der «Jerusalem Post», Amotz Asa-El, wurde ich an eines der grössten Wunder in der Geschichte der Menschheit erinnert – die Wiedergeburt der hebräischen Sprache. Sie begann im 19. Jahrhundert, wie einem geheimnisvollen Plan folgend, zeitgleich mit der Sammlung des jüdischen Volkes nach Israel. Hier, im Sprachengewirr der Einwanderer, wurde es zum wohlklingenden, einigenden Band. Hebräisch war nie gestorben, seit die Römer Jerusalem zerstört hatten. Auf Hebräisch wurden die Bibel gelesen und gebetet, auch bedeutende Werke geschrieben. Aber es war nicht mehr die Sprache, die im Alltag der Menschen erklang.
Hebräisch war wie ein glimmender Docht, dem das gleiche Schicksal drohte wie vielen hundert Sprachen zuvor, bei denen es irgendwann den Tag gab, an dem der Letzte, der die Sprache noch beherrschte, sein Leben aushauchte. Hebräisch war wie ein geknickter Halm, der jederzeit durch eine Windböe vollends abgerissen werden kann, unbemerkt von der Welt.
«Für wen plage ich mich ab?», zitiert Ase-El den litauischen Dichter Jehuda Leib Gordon (1830–1892, der seine Texte sorgfältig auf Hebräisch zu Papier brachte. Als Eliezer Ben-Jehuda (1858–1922), der als kleiner, schwächlicher Mann mit Brille beschrieben wird, sich anschickte, Hebräisch wieder zur Alltagssprache zu machen, da musste das als ein unmögliches Unterfangen gelten. Spötter gab es genug. Aber er studierte unbeirrt und unablässig die Sprache und schrieb ein Wörterbuch. Asa-El schreibt: «An einem örtlichen Gymnasium, wo er als Lehrer tätig war, begann er, mit seinen Schülern Hebräisch zu sprechen. Bald hallte in Jerusalem zum ersten Mal, seitdem römische Truppen es dem Erdboden gleichgemacht hatten, wieder Hebräisch durch die Strassen.»
Bald entstanden hebräische Kindergärten und Schulen und heute ist Hebräisch wohl eine der vitalsten Sprachen der Welt, während noch immer andere Sprachen in der Vergessenheit verschwinden. Der UNO zufolge ist die Hälfte der 6000 Sprachen der Welt vom Aussterben bedroht. Nie wurde eine Sprache, die unter den Level einer Alltagssprache gerutscht ist, wiederbelebt. Anders beim Hebräisch. «Die Geschwindigkeit, Intensität und Reichweite der Wiederbelebung des Hebräischen zeigen die Lächerlichkeit gelegentlicher Anschuldigungen auf, der jüdische Staat sei aus dem Nichts auf das Land anderer gefallen», so Asa-El, «das Hebräische ist so reibungslos in sein Heimatland zurückgekehrt, dass Jesaja, Jeremia oder Batseba, wenn sie heute Abend ins Wohnzimmer einer israelischen Familie marschiert kämen und anfingen zu reden, von den Kindern verstanden würden.»
Wie die harte Hülle des Samenkorns seiner Bestimmung folgend aufbricht, dem Licht entgegenstrebt und wächst, so geschah es mit der Sprache der Bibel. Gott lässt es nicht zu, dass sein Wort und die Sprache, in der er es den Menschen geschenkt hat, vergeht wie so viele Sprachen. Gott wacht über den glimmenden Docht und über den geknickten Halm (vgl. Jes. 42,3 und Matth. 12,20) – auch in deinem und meinem Leben.
Dank sei dem, der in der Heiligen Schrift mit einem glimmenden Docht, mit einem geknickten Halm verglichen wird – und der auferstanden ist: Jesus Christus.
Artikel aus factum 08/2018.