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Ein gebrechlicher König, der sich an den Kanten seines aus Schwertern geschmiedeten «Eisernen Throns» eins übers andere Mal verletzt; seine scharfsinnige Tochter, die eine ideale Nachfolgerin abgäbe, wenn da nicht die Vorurteile wegen ihres Geschlechts wären; sein Bruder, ebenfalls Thronanwärter, der aber ein paar grosse Schrauben locker hat und deshalb verhindert werden muss: Das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Gemengelage, die im Prequel zur legendären «Game of Thrones»-Saga personell in Stellung gebracht wird.
Wir sind im «House of the Dragon», knapp 200 Jahre vor «Game of Thrones», die Titelmelodie ist aber dieselbe geblieben, das weckt Erinnerungen und Erwartungen. Und genau wie die andere viel diskutierte HBO-Serie «Succession» handelt auch «House of the Dragon» von einem mit allen Mitteln ausgetragenen Nachfolgegerangel. Die Ambitionen richten sich auf den Posten des kränklichen, aber zähen Königs. Da es mangels eines männlichen Direkterben keinen klaren Thronfolger gibt, wird der Machtkampf mit Worten, prophetischen Träumen, roher Gewalt, einer Inzesthochzeit und zugerittenen Drachen geführt, wobei Letztere die Rolle von archaischen Atombomben innehaben.
Für Fantasyverächter:innen mag das kindisch klingen. Ihnen darf gesagt sein, dass sich «House of the Dragon» trotz feuerspeiender Viecher durchaus mit Shakespeares Königsdramen vergleichen lässt: Zwar nicht sprachlich, aber in der sorgfältigen Inszenierung mächtiger Intrigen und zwischenmenschlicher Schwächen. Geschlechterpolitisch ist das sogar interessanter als bei Shakespeare. Während die Männer bei jedem Disput sofort ihre Schwerter auspacken, müssen die Frauen diplomatisches Geschick walten lassen. Das wirkt souveräner, ist aber nicht immer zu ihrem Vorteil.
Eingerahmt ist diese erste Staffel von zwei furchtbaren Geburtsszenen. Und vom schaurigen Effort einer Tochter, sich entgegen den mütterlichen Prophezeiungen auch auf anderen todesnahen Schlachtfeldern als diesen weiblichen zu behaupten.
«House of the Dragon», 1. Staffel. Idee: George R. R. Martin, Ryan Condal. USA 2022. HBO, Deutsch auf Sky.