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Auf dem linken Hang des Rheintales sieht man die Festung von Rhäzüns, die ihren Namen vom Dorf erhalten hat, das in seiner Umgebung angesiedelt ist. Es wurde ursprünglich auf einem steilen Felsen, der sich dem Rhein zuneigt, errichtet. Das Schloss steht auf einer Fläche in verlängerter Form, das von Vorland durch einen breiten und tiefen Graben, zweifellos künstlich vergrössert, getrennt wurde. Heute gelangt man ins Schloss durch ein Tor im Südwestwinkel. Der ursprüngliche Eingang führte wahrscheinlich über eine Brücke oder eine Rampe, die vom Grund des Grabens aufstieg.
Noch Heute umfasst dieser Komplex viele mittelalterliche Elemente besonders in den Hauptmauern und den Grundmauern. Jedoch stammt sein grundsätzliches Aussehen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Man findet andere mittelalterliche Überreste in dem Verteidigungstor und dem Eingang in der dicken Umfriedungsmauer, wie auch in bestimmten architektonischen Einzelheiten wie die Wappen von Rhäzüns, die über dem Türbogen geschnitzt wurden, und den verschiedenen Fensteröffnungen.
Die Dekoration der Fassaden und die im Inneren geben dem Schloss aus künstlerische wie auch aus historischer und kultureller Sicht einen ganz besonderen Glanz. Einige der Säle und der Zimmer verbergen Malereien des 16. und 17. Jahrhunderts.
Als die Festung von Rhäzüns im 16. und 17. Jahrhundert wichtige Umgestaltungen erfährt, wurden mehrere vom Zusammenbruch bedrohte Gebäude wahrscheinlich abgerissen. Das Schloss wurde nämlich nicht auf einem festen Felsen, sondern auf einem Moränengelände gebaut. Es scheint ausserdem, dass mehrmalige Erdrutsche verursacht wurden durch den schroffen Abhang, der sich Richtung Rhein neigt. Die Topographie des Hügels, auf dem das Schloss steht und dessen Grundriss, zeigen eindeutig, dass die Festung anfangs viel grösser war. Alles, was sich im Osten befand, ist vermutlich gegen Ende des Mittelalters eingestürzt; im 16. Jahrhundert musste man den runden Wachtturm abreissen, bevor dieser zusammenbrach und andere Konstruktionen beschädigen konnte.
Obwohl die derzeitigen Gebäude vermutlich nicht späteren Datums als das 13. oder eventuell sogar das 12. Jahrhundert sind, kann man anzunehmen, dass die Festung von Rhäzüns ein Schloss oder eine Verteidigungskonstruktion ersetzt hat. Das Schloss, das anfangs des Mittelalters entstanden ist, hat man vermutlich gegen das Jahr 1000 in ein feudales Schloss umgewandelt. Waren seine Erbauer die Herrschaften von Rhäzüns? Dies scheint möglich, da sie bereits in 1137-39 in den Texten dieser Epoche erwähnt wurden und man weiss, dass sie eine leitende Position unter der rhätischen Noblesse innehatten. Das Schloss selbst, das erst ab 1282 erwähnt wird, bildete das Zentrum des ausgedehnten Komplexes der Ländereien und der Herrschaften der Rhäzüns. Mehrmals unterstrichen die Herrschaften von Rhäzüns die Bedeutung des Schlosses als zentrale Verwaltungsstelle. Zum Beispiel wurde im Vorderschloss von Rhäzüns in 1343 der Friedensvertrag zwischen dem Kloster Disentis und dem Vogt von Glaris unterzeichnet.
Im 14. und 15. Jahrhundert zählten die Herrschaften von Rhäzüns zu den einflussreichsten der rhätischen Familien. Rodungen, Käufe und Hinterlassenschaften ermöglichten eine Ausdehnung ihrer Ländereien. Doch dies zog allerdings oft Streitigkeiten mit den Herrschaften ihrer Nachbarschaft mit sich. Unter Ulrich II erreichte die Linie den Gipfel ihrer Macht gegen 1400. Mit dem Abt von Disentis spielten die Söhne von Ulrich eine entscheidende Rolle an der Gründung des Oberen Bundes oder Grauen Bundes. Georges Brun von Rhäzüns gehörte als letzte Vertreter seine Linie gegen 1450 zum Schwarzen Bund, die Allianz der edlen Herrschaften, was beim privaten Krieg von Schams in 1452 zur Folge hatte, dass der Zorn der Bevölkerung sich gegen ihn richtete.
Gemäss einer berühmten Legende, die später von mehreren Chronisten wiedergegeben wurde, wurde Georges zu Valendas mitgenommen, um dort exekutiert zu werden. Jedoch gelang es ihm dort einen gigantisches Festessen zu veranstalten und so gewann er die Gunst der Bevölkerung erneut. Das Ganze endete mit einem fröhlichen Verbrüderungsfest.
Dem Tod von Georges in 1458 folgte ein langer Erbrechtsstreit zwischen den Grafen von Zollern und jenen von Werdenberg-Sargans. Jede Partei glaubte, Anspruch auf das Erbe zu haben. Erst in 1461, wurde ein richterliches Urteil gesprochen, welches den Zollern die Herrschaft von Rhäzüns zuteilte. Diese liessen es in 1473 an Conradin von Marmels verpfänden.
Während des 16. Jahrhunderts lösten sich die Inhaber des Pfandes ab. Sie gaben dem Schloss seine endgültige Form. Im 17. Jahrhundert befand sich der Pfand in den Händen der Planta-Wildenberg. Die Überlegenheit Österreichs verhinderte eine Integration der Herrschaft von Rhäzüns in der Republik der Drei Bünde. 1695 beanspruchte Österreich die Herrschaft für sich, die bis dahin verpflichtet und vertraut war mit der Verwaltung der Beamten. Erneut erhielt Österreich somit ein direktes Interventionsrecht innerhalb des Grauen Bundes.
Gegen 1800 während der konsekutiven Verwirrung der Revolution konnte Österreich zunächst Rhäzüns bewahren; doch mussten sie auf die Herrschaft in 1809 zugunsten Napoleon verzichten. Rhäzüns ging also zu Frankreich über. In 1814 beim Zerfall des Imperiums von Napoleon, gelangte die Herrschaft wieder in die Hände der Österreicher. Doch ein Jahr später teilte der Kongress von Wien es dem Kanton von Graubünden zu. Die formelle Übertragung fand in 1819 statt. Die herrschaftlichen Rechte wurden dem Kanton delegiert, während das Schloss und seine Ländereien zu Privateigentum wurden; wo sie bis heute geblieben sind.
Bibliographie