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So, endlich habe ich wieder etwas. Zeit. 😃
Vielleicht hätte ich erwähnen sollen, dass eine 1:1 Übersetzung nie möglich ist (und deshalb auch von einer Lokalisierung gesprochen wird).
Wortspiele z.B. gehen meist auch nicht, weshalb man da "improvisieren" muss. Hier sehe ich auch kein Problem.
Jedoch bin ich der Meinung, dass insbesondere japanische kulturelle und gesellschaftliche Gepflogenheiten doch übernommen werden sollten, wenn sich die Handlung in Japan stattfindet. Wenn ein Zuschauer (z.B. ein Anime-Neuling) Probleme hat, dass in Japan die Gepflogenheiten anders sind, dann ist Manga/Anime vielleicht auch nicht das Richtige für diese Leute.
Aber zuerst zu den genannten Kategorien:
Reihenfolge Vor- und Nachname:
Bei Untertiteln finde ich, dass man dies in der gesagten (bzw. z.B. Briefkasten der geschriebenen) Variante gezeigt werden sollte. Gerade wenn man etwas anderes hört als man liest. Dies verwirrt aus meiner Sicht nur.
Und sind wie ehrlich: was ist denn dabei so schlimm? Auf meiner ID wird zuerst der Nachname genannt (und im deutschen Personalausweis auch). Ich denke, selbst einem Anime-Neuling (sofern er dann auch in OmU schaut) ist es zumutbar, dass zuerst der Nachname im Untertitel geschrieben steht.
Bei der deutschen Synchro könnte man noch den Vornamen zuerst nennen, da dort wohl eher Neulinge sind. Aber wie gesagt denke ich nicht, dass ein Anime hierbei "weniger Anfängerfreundlich" ist, wenn der Nachname zuerst genannt wird.
Verwendung Vor- oder Nachnamen:
Bei den Untertiteln würde ich klar sagen, dass man es auch hier schreibt, wie es gesagt wird. Es verwirrt einfach viel mehr, wenn man einen anderen Namen hört als man liest, wenn man nicht gut Japanisch versteht (was die Mehrheit wohl betrifft) und auf Untertitel angewiesen ist. Und ja! Man hört Namen gut heraus, auch wenn man nicht gut (bzw. gar nicht) Japanisch kann.
Bei der deutschen Synchro bin ich der Meinung, dass man ein bisschen abwägen muss. Bei Fantasy-Titeln (die meist gar nicht in Japan sondern in einer Fatansiewelt sind) kann man ohne Probleme auch die Vornamen verwenden und damit "verwestlichen".
Bei "Alltags-Anime" (die auch in Japan sind) sollte man besser doch die japanische Art in der Synchro verwenden. Denn zu oft kommt bei solchen Anime (z.B. bei RomComs etc.) das Thema im Original, dass man dann abmacht, sich mit Vornamen anzsprechen (weil man vorher sich mit Nachnamen ansprach). Da wird es in der deutschen Synchro schwierig, weil man sich bereits mit den Vornamen ansprach.
Dies führte in der Vergangenheit öfters zu seltsamen Situationen. So löste man dies in "Pretty Cure" so, dass in Folge 3 sich die beiden Hauptcharaktere plötzlich mit dem Nachnamen ansprachen, nur um am Ende abzumachen, dass man sich von nun an mit den Vornamen anspricht. Dies verwirrt nur und es ist aus meiner Sicht unnötig, wenn man bereits die ersten 2 Folgen die Charaktere mit dem Nachnamen ansprechen liess (wie im Original).
Denn ich denke auch hier, dass dies auch für Anime-Neulinge zumutbar ist. In Harry Potter war dies auch kein Problem und ich denke, die Mehrheit der Harry Potter-Fans im DACH-Raum wissen nicht sofort, wie die Vornamen von Crabbe und Goyle sind. Trotzdem kein Problem für die Leser/Zuschauer.
Verwendung von Suffixen:
In Einzelfällen sind auch diese wichtig (z.B. in "Nicht schon wieder Takagi-san!" -> dort hat man die Suffixe jedoch in UT und im Dub verwendet, weshalb es keine seltsame Situation gab).
Hier verstehe ich, dass dies doch sehr verwirren kann. Denn es gibt doch sehr viele unterschiedliche Suffixe und diese Feinheiten kann man wirklich nie 1:1 übersetzen. Aber wie genau ist dies nötig?
Meine Erfahrung zu den "Anfangszeiten" war: da kommt irgendein neuer Suffix, den ich nicht kenne (z.B. "-dono"), aber es war egal. Für die Story war es meist nicht relevant und in etwa konnte man ohne zu googeln gut abschätzen, was der Suffix bedeutet (für mich war z.B. sofort klar, dass "-chan" irgendwie eine Verniedlichungsform war).
Persönlich finde ich, dass ein Eindeutschen in "Hiromilein" bei den Untertiteln nicht so gut finde. Inhaltlich ist dies natürlich korrekt und in einer Masterarbeit völlig OK. Beim Lesen von Unteriteln habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Lösung nicht so gut geeignet ist. Denn der Bindestrich bei Suffixen hilft beim Lesen von Untertiteln. Die Untertitel muss man rasch lesen können (im Gegensatz zu einer Masterarbeit) und dies geht mit den Suffixen besser als mit einer "Eindeutschung".
Bei der deutschen Synchro denke ich, dass man auf Suffixe verzichten kann; sicherlich auch ein wenig abhängig vom Titel (Fantasy wie bereits erwähnt kein Problem; bei "Alltags-Anime" müsste man eher von Fall zu Fall entscheiden). Lösungen wie "Hiromilein" finde ich hingegen etwas befremdlich. So spricht doch eigentlich niemand; oder ist dies in Deutschland anders als in der Schweiz?
Auf der anderen Seite spricht auch niemand "Mr. Smith" und dies wird in deutschen Synchros bei Hollywood-Blockbustern auch so lokalisiert (wobei man dann auch -san etc. benutzen könnte). Interessant btw.: in "James Bond - you only live twice" wird der Hauptcharakter oft mit "Bond-san" angsprochen (von einer japanischen Agentin). War also vor über 50 Jahren in den USA kein Problem (ohne Google!).
Verwendung von "Rangnamen":
Hier denke ich, dass es recht schwierig wird.
Noch bevor ich wirklich mit Anime Kontakt hatte (ausser natürlich Biene Maya, etc.), wusste ich bereits, was "sensei" bedeutet. Denn in der Schule gab es immer den einen oder anderen Mitschüler, der Kampfsport (Judo, Karate, etc.) machten und diese sprachen immer von "sensei", wenn sie ihren Coach meinten. Ensprechend war der Ausdruck für einen Ausbilder bei mir bereits geläufig.
Diese Erfahrung ist aber sehr individuell, weshalb ich dies nicht auf andere übertragen kann (müssten also eher mehr Leute über ihre Erfahrung darüber sprechen.
Grundsätzlich denke ich deshalb, dass man auf Rangnamen meist verzichten kann. Höchstens "sensei" wäre noch eine Möglichkeit, jedoch dies eher nur bei Untertiteln (meine Annahme: Neulinge schauen zuerst nur deutsche Synchro; jene Neulinge, die OmU schauen, sind über "Neues" genug offen, dass dies trotzdem möglich ist).
Bei anderen Rangnamen wie "senpai" wird es sehr schwierig. Da denke ich auch, dass man grundsätzlich darauf verzichten sollte; auch in Untertiteln. Da würde ich nur Ausnahmen machen, wenn dies wirklich sinnvoll wäre. So würde ich bei "Uzaki-chan" im Untertitel (nicht zwingend in der Synchro) "sepnai" ausnahmsweise verwenden. Denn dies ruft sie ständig und wirkt sehr nervig, so dass dies so etwas wie ein "signature move" von ihr ist (und es deshalb seltsam ist, wenn statt "senpai" der Name steht).
Verwendung von japanischen Gerichten:
Hier muss ich sagen, dass ich grundsätzlich meine Mühe habe, wenn ein Gericht nicht orginalgetreu ist. Dies betrifft also nicht spezielle Anime.
Dass z.B. Deutsche "Rösti" falsch aussprechen, ist zwar etwas nervig, aber dass dann nur "Kartoffel-Medallions" gemacht werden, finde ich ein No-Go. Als Halbitaliener gilt dies auch, wenn für Spaghetti Carbonara Rahm/Sahne verwendet wird (weitere Beispiele: Spaghetti mit Bolognese, Raclette, etc.). Ich koche gerne, deshalb bin ich hier sicherlich etwas "spezieller".
Wenn es einen deutschen Ausdruck gibt wie z.B. "Reisbällchen" für "Onigiri", ist dies natürlich kein Problem. "Nikuman" hätte man noch irgendwie mit "Teigtasche" lokalisieren können (keine Ahnung, warum man stattdessen auf "Ballon" kam).
Bei "Karaage" ist aber "Chicken Nuggets" kein anderer Ausdruck, sondern doch ein anderes Gericht. Da hätte man es belassen sollen. Denn was wäre es schon, wenn man nicht weiss, was es ist? Ähnlich wie bei noch unbekannten Suffixen (siehe mein Beispiel bei "-dono") wird man keine wirkliche Auswirkungen haben, wenn es man anfangs nicht ganz versteht.
Bei diesem Beispiel (aus "Kakushigoto") fand ich jedoch zusätzlich, dass die Änderung in "Chicken Nuggets" (obwohl man klar "Karaage" raushört im Simulcast) auch "out-of-character" wurde. Denn die ca. 10jährigen Mädchen kannten eigentlich nicht einmal, was ein "Starbucks" ist (sie werden offenbar recht traditionell erzogen), aber möchten dann "Chicken Nuggets"? Klingt für mich ehrlich gesagt etwas seltsam.
Hätte man "Karaage" hier genommen, hätten vielleicht einige Zuschauer nicht gewusst, was es ist. Aber sie wären davon ausgegangen, dass es ein japanisches Gericht ist, was offenbar bei Kindern sehr beliebt ist.
Vielleicht liegt es daran, dass ich auch gerne Dokus schaue (auch über andere Länder und Kulturen), weshalb ich auch offener zu anderen Gepflogenheiten bin (bzw. als Hobbykoch auch bezüglich den Gerichten strenger bin).
Ich denke jedoch, dass kaum jemand mit Anime anfängt, der nicht offen für Neues ist (gerade weil der DACH-Raum keine allzu grosse Comic-Historie hat im Vergleich zu anderen westlichen Ländern wie USA, Frankreich, Italien, etc.).
Hinzu kommt:
So oder so wird man bei "Alltags-Anime" mit Kontakt der japanischen Kultur geraten. Dinge wie "Schuhe wechseln in der Schule", "Putzdienst in der Schule" oder "Hausaufgaben über den Sommerferien" ist für uns ja nicht üblich; kommt aber immer wieder in solchen Anime-Titeln vor. Und dies sind nur die harmlosen Dinger (von den aufgezählten Themen sind alle auch harmlos und deshalb zumutbar). Da gibt es doch einiges, was für mich - als ich das erste Mal davon hörte - mich mehr irritierte (aber wegen der Story nicht verändert werden konnte). Hier meine Top 3:
- Platz 3: Händchenhalten in der Öffentlichkeit gilt als «mutig»
- Platz 2: Die Existenz von «indirekten Küssen»
- Platz 1: Frauen, die als Karriereplan «Ich möchte eine Braut werden» sagen
Man wird also so oder so als Anime-Konsument mit kulturellen und gesellschaftlichen Unterschieden Kontakt haben und muss diese verarbeiten. Und diese sind sicherlich erheblich schwierigere Themen also wenn z.B. Schüler sich mit Nachnamen ansprechen oder ob man nun ein lokales Gericht nun kennt oder nicht.
Bei den genannten Themen denke ich, dass dies sehr wohl für Neulinge auch zumutbar ist (auch aus eigener Erfahrung).
Da Neulingen (zumindest jene, die nicht so offen für Neues sind und dies nicht so gut verarbeiten könnten), könnte man in vielen Fällen (gerade bei Fantasy etc.) bei der Synchro vieles "verwestlichen", während man bei OmU (z.B. Simulcasts) - was vermeindlich eher erfahrenere Anime-Schauer konsumieren - man näher am Original sein kann (z.B. Ansprech-Regeln, Gerichte, etc.); gerade weil man vieles selbst ohne Japanisch-Kenntnisse auch raushört, wenn etwas geändert wird, was unnnötig ist.