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VNS ist ein Verfahren, bei dem der linke Vagusnerv, ein Hirnnerv, der auf Höhe des Halses in wenigen Zentimeter Tiefe verläuft, über eine Elektrode mit einem «Schrittmacher» zur Behandlung von therapieresistenten Depressionen stimuliert wird. Das Verfahren stammt ursprünglich aus der Epilepsiebehandlung. Die VNS ist ein sogenanntes invasives Verfahren und erfordert die Implantation einer Elektrode und eines «Schrittmacher» oder Neurostimulators. Dieser stimuliert den Vagusnerv mit schwachen Strömen. Die Implantation der Elektrode und des Neurostimulators erfolgt unter Vollnarkose und dauert zwischen einer und zwei Stunden. Der komplikationsarme Eingriff wird üblicherweise von Neurochirurgen durchgeführt. Die Elektrode wird um den Vagusnerv geschlungen und durch ein Kabel mit dem Neurostimulator verbunden, welcher unter der Haut im Brustbereich implantiert wird. Der Stimulator kann ohne Verbindung von aussen mittels eines Computers programmiert werden (Intensität, Pulsweite, Frequenz, Häufigkeit der Stimulation), was wir in unserer Praxisgemeinschaft durchführen können (Dr. med. Bruno Kägi).
Der Vagusnerv hat Verbindungen zu einer Vielzahl von Hirnarealen (limbisches System, Hormonsysteme, Kerngebieten von wichtigen Hirnbotenstoffsystemen), die an der Regulation von Gefühlen bei gesunden und depressiven Menschen beteiligt sind. Tierstudien und Studien am Menschen haben gezeigt, dass durch Vagusnervstimulation die Konzentration von Hirnbotenstoffen, Neurotransmittern bzw. deren Abbauprodukte in der Hirnflüssigkeit (Liquor) erhöht wird.
Die VNS wird insgesamt gut vertragen. Die häufigsten Beschwerden sind Heiserkeit, Hustenreiz, Atemnot, Schluckbeschwerden, Nackenschmerz, Gefühlsstörungen, Erbrechen, saures Aufstossen, Wundinfektion und Herzklopfen.
VNS zeigt eine langfristige Wirkung und ist möglicherweise geeignet für die Rückfallprophylaxe bei therapieresistenten Patientinnen und Patienten mit unipolarer Depression oder bipolarer Depression. Die Wirkung setzt meistens erst nach Wochen bis Monaten ein.