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Bevor Ende des 14. Jahrhunderts das Spalentor gebaut wurde, öffnete der Spalenschwibbogen die Landstrasse in Richtung Sundgau. Das erste Mal ist der Schwibbogen 1230 erwähnt, etwa zur gleichen Zeit, da sich die Spalenvorstadt herauszubilden. Das frühe Tor verfügte über eine Zugbrücke, die wahrscheinlich nach dem Bau des äusseren Mauerrings durch eine feste Steinbrücke ersetzt wurde. Diese kleine Brücke kann man auch auf dem Merianplan von 1615 erkennen kann. Das Tor selber war ein massiver viereckiger Turm, der aus Hausteinen gemauert war und nicht auf allen Seiten glatt verputzt war. Der massive, 1428 von Meister Lawelin und 1528 von Hans Frank bemalte Torbogen mit Pyramidendach und Glockentürmchen schloss den Spalenberg gegen den Leonhardsgraben und den Petersgraben ab. In seinem Schutz betrieben Kürschner, Hutmacher, Zirkelschmiede, Strählmacher und Barbiere ihr Gewerbe in kleinen, an das Tor und an die innere Stadtmauer gelehnten Häusern. Die Passage im Stadtgraben wurde dadurch so eng, dass an Markttagen der lebhafte Wagenverkehr behindert wurde.
Mit seinen insgesamt sechs "Gefängniszellen" lieferte der malerische Spalenturm, wie er auch genannt wurde, der Bürgerschaft ziemlich oft willkommenen Gesprächsstoff. Beispielsweise war die nur durch ein Loch zugängliche, mit Eichenstämmen ausgelegte Gefangenschaft "Eichwald" bestimmt. Auch der "Hexenkefig" und der dumpfe, gut gesicherte, mit schweren Ketten und einem "eingemauerten Leibstuhl" versehene Saal diente zum Gewahrsam gefährlicher Häftlinge. "Diese beyden Gefangenschaften sind sehr peinigend und beynahe zum Ersticken eingerichtet, obschon sie in einem offenen Gang zu oberst auf dem Thurm, wo sich noch einige Tortur Materialien [Foltergeräte] befinden, gelegen sind." Die übrigen drei Räumlichkeiten waren für die nur mit leichter Haft Bestraften vorgesehen: das "Gewahrsam Stüblin", ein anständiges, gemauertes und gegipstes Zimmer mit einem kleinen Ofen; das "Herren Küfer Stüblin" mit Gittern, Riegeln und Schlössern und ebenfalls mit einem kleinen Ofen ausgestattet; das "Hurenkämmerlein", ein "sehr ungesundes Gemach". Letzteres diente wohl eher zur Inhaftierung von Damen dieses Standes als dass es ein Lokal für Vergnügungen war. Den Gefangenen wurde, nebst zwei Ballen Stroh und zwei Decken, täglich ein Pfund Brot, des Mittags eine Suppe mit Gemüse und des Abends eine Wassersuppe verabreicht.
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Der eine oder andere Häftling zog durch spektakuläres oder durch Nachsichtigkeit des Turmwächters erleichtertes Ausbrechen einige Aufmerksamkeit auf sich. 1741 zwängte sich Rudy Bürgy durch das unverschlossene schmale "Essloch" und glitt an einem "wasch- oder plunderseyl" in die Freiheit. 1816 entwich Gottlieb Megert, der wegen Diebstahls durch den Scharfrichter an den Pranger gestellt, zur öffentlichen Arbeit ausgeführt und dann auf 10 Jahre des Kantons hätte verwiesen werden sollen. 1822 hob man die Gefängnisräume im Schwibbogen auf, zum ähnlichen Zeitpunkt wie beim St. Albanschwibbogen also. Am 9. Oktober 1837 wurde der Spalenschwibbogen, der "mehr als irgend ein anderer Schwibbogen einen hässlichen und entstellenden Anblick darbietet", als Abbruchgut zur Versteigerung ausgerufen. Es wurde aber kein Liebhaber gefunden, erst bei einer zweiten Versteigerung kaufte Maurermeister Remigius Merian den Torbogen für 7200 Franken. Im Folgejahr machte er "das Ungetüm" dem Erboden gleich. Die Zifferblätter der Uhr liess man abmontieren und am Spalentor anbringen. Der Spalenschwibbogen war das erste Tor, das Opfer der aufkommenden Abrisswut wurde.