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Kürzlich hab ich mal wieder so einen Aufkleber hinten an einem Auto gesehen. «Destiny Zahara an Bord». Ich hätte fast die Tunnelwand gerammt. Was wollen die Eltern ihrer Tochter mit diesem Namen sagen? Dass es ihr Schicksal ist, eines Tages in die Wüste geschickt zu werden? («Destiny» bedeutet Schicksal). Eigentlich hat das Kind mit dem Namen nur eine Chance: Berühmt werden. Dann ists entweder cool, oder sie kann ihn ändern (die amerikanische Sängerin und Schauspielerin Miley Cyrus wurde auf den Namen Destiny Hope getauft).
Dass Destiny Zahara bei Weitem keine Ausnahme ist, zeigt nicht nur ein Blick auf die Kleber an diversen Autohecks, sondern auch einer in die Geburtsanzeigen in lokalen Zeitungen. Meine Lieblinge der letzten paar Monate: «Rocket Oscar» (wenn der nicht Filmstar wird, hat er verloren). «Luke Sky Walker» (Die Macht sei mit dir, Luke. Bete, dass «Star Wars» nur noch eine ferne Erinnerung ist, wenn du das Schulalter erreichst.) «Oceana-Electra» (da denke ich unweigerlich an einen Stromschlag). «Danny-Rambo» (wen wunderts, wenn der irgendwann Amok läuft?). Auch auf dem Spielplatz habe ich mich schon gefragt, ob der Vater, der nach «Bobby» ruft, nun seinen Hund oder seinen Sohn meint. Bei «Kiaaaaanu» (Keanu) oder «Schaaaaailoooo» (Shiloh) ist wenigstens das einigermassen ersichtlich. Auch wenn für normale Schweizer Ohren nicht wirklich klar ist, ob es sich bei den offensichtlich nach Promis benannten Kindern um Mädchen oder Jungen handelt.
A propos Promis: Hätte ich die und ihre Namensgebung bereits während meiner Schwangerschaften ausgiebig studiert, hätte ich gewusst, dass man es sich auch ganz leicht machen kann. (Dann hätte ich mir auch nicht anhören müssen, mein Sohn werde bestimmt schwul, wenn ich ihm meinen Wunschnamen verpasse, und meine Tochter ganz sicher ein Pornostar...) Wir hätten die Kinder also nach ihrem Entstehungsort benennen können, wie Victoria und David Beckham ihren Sohn Brooklyn. Das Problem wäre, dass dann wohl beide «Keineahnung» heissen würden. Oder im besten Fall «Daheim» oder «Schlafzimmer». Dann gibts noch die Möglichkeit, seinen Nachwuchs gemäss den liebsten Filmfiguren zu taufen, wie die Sängerin Ashlee Simpson. Ihr Sohn heisst Bronx Mowgli. Aber auch da kriege ich wieder ein Problem. Ist «Lassie» ein Junge oder ein Mädchen? Und «Flipper»? (Und an meinen Enkel mag ich noch gar nicht denken in dem Zusammenhang, der würde dann nämlich «Spongebob» heissen.) Auch beliebt bei Stars und Sternchen betreffend der Namensgebung ihres Nachwuchses: Lieblingsfarben, Pflanzen oder Früchte, wahlweise miteinander kombinierbar. So heisst Popstar Beyoncés Tochter Blue Ivy (blauer Efeu), die von Schauspielerin Gwyneth Paltrow heisst Apple (Apfel) und die von Sängerin Pink Willow Sage (Weide Salbei). Daraus hätte sich doch einiges machen lassen. Wenn man bedenkt, dass ich während der ersten drei Monate in der Schwangerschaft mit meiner Tochter Heisshunger auf Bananen hatte, wäre doch «Blue Banana» eine ganz hübsche Kombination gewesen. Oder lieber «Banana Blue»? Mein Sohn käme da weitaus schlechter weg, fiel es mir doch während der Schwangerschaft mit ihm aus undefinierbaren Gründen nicht ganz so leicht, auf Alkohol zu verzichten (ich tat es natürlich trotzdem!). Den Promi-Beispielen folgend, würde er dann zum Beispiel auf den Namen «Gin Tonic» hören, da «Aperol Spritz» vor gut sieben Jahren noch nicht so bekannt war. Oder «Wodka Red Bull», dann hätten wir auch noch eine Farbe und ein Tier drin, das kommt gut. Ah ja, Haustiere (vorzugsweise verstorbene) sollen auch beliebte Namensgeber sein unter Prominenten und Nicht-Promis. Dass dies bei meinem Nachwuchs gescheitert ist, daran sind meine Eltern Schuld. (Warum musstet ihr unseren Wellensittichen so doofe Namen wie «Joggeli» und «Giri» geben?) Und dann hätten wir da noch US-Superstar Mariah Carey, die ihre Zwillinge Monroe und Moroccan nennt. Monroe nach Marilyn Monroe, Moroccan bedeutet «Marokkaner». Dazu fällt mir schlicht kein Pendant ein, das sich auf meine Welt übertragen liesse. Oder doch: Barbie und Ken! Barbie nach Barbra Streisand und Ken als Abkürzung für «Kenianer».
Aber eben, da ich mir all diese Gedanken Jahre zu spät mache, haben wir uns in tage- und nächtelangen Diskussionen für Kindernamen entschieden, die weder mit ihrem Entstehungsort, noch mit irgendwelchen Farben, Pflanzen oder Tieren zu tun haben. Aber so einen Aufkleber fürs Autoheck will ich mir trotzdem besorgen. Was da draufsteht? «Kein Kind mit bescheuertem Namen an Bord»!