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Hermann Willy, Bilder mit spitzer Feder
Inhaltsverzeichnis
Hermann Willy[Bearbeiten]
Geboren wurde Willy Hermann am 11.8.1938 in Airolo, wo er auch die Grundschule besuchte. Der Vater stammte aus Sevelen und war Festungswächter, seine aus Speicher stammende Mutter plagte das Heimweh ins Appenzellerland.
Lawinenwinter 1951 - Umzug nach Speicher[Bearbeiten]
Vom 19. bis 22. Januar 1951 gingen im schweizerischen Alpenraum über 1’000 Schadlawinen ab. Dabei kamen 75 Menschen zu Tode. Zwischen dem 11. und 15. Februar starben weitere 16 Personen, als nochmals 300 Lawinen zu Tale donnerten und alles vernichtete, was ihnen in den Weg kam. Dieser extreme Lawinenwinter forderte seinen Tribut.
Auch Airolo wurde durch Zerstörung und Tod schwer getroffen:
Am 12. Februar um 0.45 Uhr zerstörte die berüchtigte Vallascia-Lawine 18 Häuser, 11 Ställe, 1 Sägerei, 10 ha Wald, 400 m³ Holz und eine Strasse mit Holzbrücke. Dazu wurden 10 Kühe, 164 Hühner und 7 Bienenvölker getötet. Es gab 15 Verschüttete und 10 Tote Einwohner.
Dieses traurige Unglück traf auch die Familie Hermann und zwang sie zu einem Umzug nach Speicher ins Elternhaus der Mutter. Während die Mutter mit dem 4 Jahre älteren Bruder Eric und Willy in Speicher wohnte, arbeitete der Vater weiterhin bei der Festungswacht in Airolo. Alle drei Wochen fuhr er für eine Woche nach Speicher zu seiner Familie.
1956 erkrankte der Vater an Krebs, was ihn bewog, definitiv zur Familie nach Speicher zu ziehen.
Ausbildung[Bearbeiten]
Nach dem Umzug besuchte der 13-jährige Willy die Sekundarschule in Speicher. Als italienisch Sprechender war für ihn die Herausforderung natürlich doppelt so gross.
Die Lehre zum Maschinenschlosserlehre machte er bei der Maschinenfabrik Steinemann in St.Gallen Winkeln.
Nach der Lehre besuchte er während vier Semestern das Abendtechnikum in St. Gallen, wo er Maschinenbau studierte. Gesundheitliche Probleme und ein ärztlicher Rat bewogen Willy, das Studium abbrechen. Arbeit und Studium waren zusammen nicht vereinbar.
Bereits während seiner Weiterbildung am Abendtechnikum hatte er ein Arbeits-Angebot von der Physikabteilung der EMPA in St. Gallen angenommen. Zu seinem Arbeitsgebiet gehörte die Entwicklung neuer Apparaturen, Prüfmethoden und Prüfarbeiten an Objekten für Armee und Privatfirmen. Diese spannende Arbeit gefiel ihm ausgezeichnet, so dass er 40 Jahre bis zu seiner Pensionierung der EMPA die Treue hielt.
Zeichnen fotografischer Art[Bearbeiten]
Professor Wälchli, Mykologe, der auf dem gleichen Stockwerk wie Willy arbeitete, beauftragte den jungen Mitarbeiter, Pilzsporen abzuzeichnen, welche unter einem Mikroskop 150-fach vergrössert dargestellt waren. Willy Hermann nahm diese Herausforderung an und brachte mit Feder und Tusche minutiös genau die Formen der verschiedenen Sporen auf Papier. Der Professor war vom Ergebnis begeistert und Willy hatte sein Hobby gefunden.
Bereits in der Schulzeit hatte er gerne gezeichnet und war oft in der Natur unterwegs gewesen. Formengefühl und Perspektive erlernte er während der Berufsausbildung. Nach und nach entwickelte er seine Technik der fotografischen Darstellung von Häusern, Bergen, Landschaften usw. Seine mit unzähligen feinen Tuschestrichen gezeichneten Objekte fand Willy Hermann in Speicher und Umgebung, St. Gallen oder im Alpstein.
Entstanden sind so rund 50 Werke.
Beispiele aus Speicher und Umgebung:
Beispiele aus St. Gallen und Alpstein:
Eines Tages arbeitete Willy auf dem Klosterplatz in St. Gallen an einem Bild, als sich ein neugieriger Zuschauer sich hinter ihn platzierte und immer wieder Kommentare von sich gab. Zu Hause musste er enttäuscht feststellen, dass er das Werk nicht mehr vollenden konnte. Der Zuschauer hatte beim Sprechen kleine Speicheltropfen auf das Bild gespritzt und dabei eine Weiterbearbeitung unmöglich gemacht. Die ganze Arbeit war umsonst gewesen. Wegen dieses ärgerlichen Zwischenfalls entschied sich Willy Hermann, den «finish» mit seiner feinen Stahlfeder ab sofort nur noch zu Hause zu machen.
Von nun an skizziert er die Objekte vor Ort mit Bleistift, bringt Schatten und Licht an und vollendet den Rest daheim. Ein Foto von Ort und Stelle hilft ihm zugleich, die empfundenen Eindrücke einzufrieren. Da die Fertigstellung eines Bildes während 2 – 3 Monaten unzählige Stunden benötigt, sei dies ein gutes Hilfsmittel. Willy sagt, die Arbeit an einem Bild sei oft eine «chogä Geegeletä».
Vor allem aber erfordert diese Art von Bildkunst seine volle Konzentration, denn der minimalste Fehler wie ein Zittern der Hand oder kleine Tuschetropfen führen zur Vernichtung des Bildes. Korrekturen sind nicht möglich.
Heute, mit 81 Jahren, zeichnet Willy Hermann immer noch Bilder, für welche die Betrachter oftmals eine Lupe benötigen, um die feinen Details erkennen zu können.
Das Gespräch mit dem Künstler zeigt, dass noch weitere interessante Objekte auf eine Umsetzung aufs Papier warten.
Familie[Bearbeiten]
1965 heiratet der nun 27-jährige Willy Hermann seinen Schatz Elisabeth Meier.
Elisabeth’s Verwandtschaft besteht aus namhaften Künstlern wie Ferdinand Gehr, Roswitha Dörig oder dem Kupferstecher Willi Hersche. Nun wird dieser professionelle Künsterkreis durch den talentierten Hobbyzeichner Willy Hermann erweitert.
1967 wird Tochter Patrizia, 1971 Sohn Ivo geboren.
Jetzt war Willy auch gefragt als Spielzeugkonstrukteur. Zur Überraschung des Vaters wollte die Tochter nicht wie andere Mädchen ihrer Zeit ein Puppenhaus, sondern einen funktionierenden Panzer.
Mit seiner Familie war Willy sehr viel in der Natur unterwegs. Wandern, Berge im Alpstein besteigen, vor allem aber seine gute Kameradschaft zeichnen den leutseligen und umgänglichen Willy Hermann aus.
Jetzt, nachdem seine geliebte Frau gestorben ist, schmeisst er den Haushalt selbst und findet noch Zeit, Holz für den Winter zu richten und Blumenbeete anzulegen. Dazwischen ist er gerne unterwegs und spricht, sobald es einen entsprechenden Gesprächspartner gibt, immer noch gern seine Jugendsprache Italienisch.
Und wenn er nebst den täglichen Haushaltsaufgaben dennoch etwas Zeit findet, wartet wieder die spitze Tuschfeder auf den Künstler.
Quelle: Willy Hermann
Photos: Paul Hollenstein
Text und Video: Paul Hollenstein 2019