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Eigene Pfarrkirche; Trennung von Pfarrei Leuk
Aus dem Gründungsakt vom 12. Januar 1710 für eine eigene Pfarrkirche
Bekanntlich wurde die Pfarrkirche in Erschmatt in den Jahren 1710 bis 1713 erbaut. Vorher waren die Bewohner von Erschmatt, Bratsch und Engersch Pfarrkinder der Mutterpfarrei Leuk. In Erschmatt wie in Bratsch standen aber schon vor 1710 Kapellen. Die Bevölkerung beklage sich: „Wie schade, dass wir so oft während des Winters bei Kälte und Schnee vom Opfer und den Altären fernbleiben müssen. Wie oft waren wir ohne Sakramente und Priester, nicht wegen eurer Sorglosigkeit in Leuk drunten sondern wegen der grossen Entfernung oder wegen der Ungunst des Wetters!“
Im Gründungsakt werden die Verpflichtungen der Gemeinden sowie jene des Seelsorgers erwähnt. Die ersten drei Paragraphen haben folgenden Wortlaut:
1. Die Pfarrei Erschmatt ist Tochterpfarrei der Mutterpfarrei Leuk und zahlt eine einmalige Loslösungssumme von 50 Kronen.
2. Das festgesetzte Benefizium ist dem Pfarrer auszuhändigen.
3. Die Gemeinden sind verpflichtet, ein geziemendes Pfarrhaus zu bauen.
Als man eines Tages zum Bau der Pfarrkirche schreiten wollte, wusste man nicht recht, ob man sie in Erschmatt oder vielleicht in Bratsch erbauen sollte. Der gescheite Kali machte dem Rätselraten ein Ende, wie nachstehend aufgezeichnet ist.
Der gescheite Kali
Bezüglich des Standortes herrschte unter den Gemeindebürgern von Erschmatt und Bratsch bedeutende Meinungsverschiedenheit, denn jede der beiden Ortschaften wollte das Gotteshaus beherbergen.
Die Gemeinde Bratsch soll damals mehr Einwohner gezählt haben als Erschmatt, was für die Brader Grund genug war, die Kirche für das eigene Territorium zu fordern. Die Erscher suchten ihre Begehren durch die geeignetere Lage und Beschaffenheit des Standortes zu begründen, was durchaus vernünftig war. Allein die guten Leute konnten sich wohl nicht einigen, sodass ein unvernünftiges Tier die Sache entscheiden sollte.
Es besteht eine Legende über einen gewissen Josef Locher, der den grössere Teil des Jahres in Engersch und Bratsch verträumte, ein Pferd namens Kali besass. Als unser Josef von Riedgarten aus, allwo man den Kalk zum Kirchenbau brannte, das Pferd mit einer Kalklast abgehen liess, soll er diesem, einen sanften Streich auf den Rücken gebend, gesagt haben: »Hü!, Kali , gehe mit deiner Ladung, wohin sie gehört!« Und das Tier stapfte allein davon und kam zum Scheidewege, von wo aus man nach Bratsch wie nach Erschmatt gehen konnte . Statt erwartungs- und instinktgemäss nach Bratsch abzubiegen , denn hier war es heimischer als in Erschmatt, trabte es rasch diesem letzteren Orte zu . Hier angekommen, soll das Pferd an jener Stelle stillgestanden und gewiehert haben, allwo heute die Pfarrkirche steht. Von da an hatten die entzweiten Erscher und Brader sich über den Standort der neuen Pfarrkirche nicht mehr gezankt, und so stund nur mehr Erschmatt im Vordergrund. Der gescheite Kali hatte damit wohl einen guten Napf Hafer verdient.
Bau und Einsegnung der Kirche
Zwei Jahre arbeitete man am Bau der Pfarrkirche. Wie ein Dokument, eigenhändig vom ersten Pfarrer geschrieben, hervorhebt, war die Kirche schon im Jahre 1711 erbaut, vielleicht eben nur der Rohbau ohne jeglichen Verputz. Nach mühevoll beendigtem Werk kam es zwar erst am 2. ]uni 1713 zur feierlichen Einsegnung der Kirche. Von jetzt an konnte in der Pfarrkirche von Erschmatt das hl. Messopfer dargebracht und durften die hl. Sakramente gespendet werden. Die Einsegnung nahm man zu Ehren des hl. Erzengels Michael vor, und bald begab sich der erste Pfarrer, Johannes Christianus Bellwald von Turtmann, nach Erschmatt. Bis zum Jahre 1721 war das Notwendigste für die Kirche angeschafft, und so konnte der hochwürdigste Bischof Franz Josef Supersaxo am Feste des hl. Apostels Matthäus, am 21. Sept. 1721, die Kirchweihe feierlich vornehmen.
Hauptaltar
Nach der Vollendung des Kirchenbaues errichtete man nur provisorische Altäre. Erst im Jahre 1774 schloss man mit dem ehrenwerten Mann Christian Imhoff einen Vertrag zur Erstellung des neuen und endgültigen Altares. Dieser Vertrag erwähnt noch immer die drei ehrenwerten Gemeinden: Ersch, Bratsch und Engersch. Man schrieb dem Bildhauer genau vor, was er zu schnitzen hatte. Im Jahre 1777 war Imhoff seiner Verpflichtung nachgekommen. Josef Augustin Steffen von Viesch (Fiesch) hatte den Auftrag, den Hochaltar zu versilbern und zu vergolden. Die Gegenleistung für seine Arbeiten bestand in Fr. 1644.-, dazu Verköstigung zur Zeit der Arbeit und täglich 1½ Mass Milch. Alles in allem, in Geld nach damaliger Währung umgerechnet, machte das die Summer von Fr. 2104.- aus. Auch die Kanzel wurde damals erbaut, denn auf dem Kanzelüberbau steht die Jahreszahl 1777.
Quelle
Jossen, Peter (1960). Nach 250 Jahren. Pfarreigeschichte von Erschmatt, Bratsch, Niedergampel, verfasst von Peter Jossen, Pfarrer in Erschmatt. Visp: Neue Buchdruckerei.