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Ballett von Stijn Celis mit der Musik von Pjotr I. Tschaikowski nach dem Märchen von Charles Perrault.Das Märchen ist bekannt, das Ballett auch. Es ist eines der populärsten Ballette, uraufgeführt 1890 in St. Petersburg, in der klassischen Version mit bis zu 150 Tänzern auf der Bühne und einer Spieldauer von 3 ½ Stunden, einem aufwändigen Bühnenbild und opulenten Kostümen.
Craig Davidson, Luca Signoretti, Chiara Dal Borgo, Davidson Farias, Samuel Déniz Falcón
Auf der Bühne in Luzern stehen gerade mal 13 Tänzerinnen und Tänzer, Passagen wurden gestrichen und die Geschichte wird in einem Kammerspiel in zwei Stunden erzählt. Jan Messerlis Bühnenbild ist in Weiss, Grau und Schwarz gehalten, mit Türen, Öffnungen, und Schrägen die David Hedinger meisterhaft ausleuchtet und auf welche er zeitweise märchenhafte Schattenspiele projiziert. Die teils skurrilen, bunten Kostüme von Catherine Voeffray sind aus dem Stoff, aus dem die Träume sind: die Feen farbenfrohe Puppen in witzigen Kreationen, die Königin in elegantem Brokat-Gold, der König in strahlendem Weiss, Dornröschen in einem schlichten Spitzen-durchbrochenen Kleid, welches ihre Unschuld unterstreicht, sich aber im Laufe der Geschichte vom Saum her rot einzufärben beginnt.
Der belgische Chroeograf Stijn Celis hat Dornröschens Geschichte aktualisiert und in die Gegenwart gesetzt, dabei konzentriert er sich auf die Thematik des Erwachsenwerdens und der aufkeimenden erotischen Gefühle. Die Tänzer setzen diese Choreografie meisterhaft um: Chiara del Borgo brilliert als anfänglich unschuldiges Mädchen, leichtfüssig, unbeschwert und verspielt. Verwirrt und doch geschmeichelt lässt sie sich umgarnen von den vier Freiern, die um sie werben. Herrlich und amüsant, wie diese in Verrenkungen mit Breakdance-ähnlichen Zügen posieren und paradieren in ihren weissen Anzügen mit Zebra- und Leopardenprint Shirts, Schals oder Hosen, trendigen Sonnenbrillen und Hüten. Junge Wilde, gesteuert von ihren Hormonen, überzeugt von ihrer Wirkung aufs andere Geschlecht. Als neu-erwachte Schönheit überzeugt Dornröschen später zusammen mit Jim de Block als Prinz Désiré in poetischem Pas-de-deux durch dieselbe Leichtigkeit, jetzt selbstsicher, in fliessenden Bewegungen, verschmelzend mit ihrem Geliebten.
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Eine Klasse für sich ist die Spanierin Sandra Maria Garcia als böse Fee Carabosse. Jeder ihrer Auftritte ist ein Ereignis, ihre Bewegungen so präzise wie faszinierend, ihre Mimik umwerfend, die Häme beinahe greifbar. In ihrem schwarzen Hexenkostüm ist sie der Inbegriff der bösen Märchenfigur. Später mimt sie genauso überzeugend die Verzweiflung über den verlorenen Sohn in krampfähnlichen Zuckungen, mit schmerzverzerrtem Blick. Sie war der absolute Publikumsliebling dieser Aufführung.
Das Orchester unter Michael Wendeberg begleitete die Tänzer subtil, mit viel Schwung und romantischen Solis. Ein wahrhaft märchenhafter Abend, poetisch, verspielt, witzig und unterhaltsam, den sich Ballettliebhaber auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Das Dörnröschen des Luzerner Ensembles zwar klein, aber sehr fein!
Fotos: Luzerner Theater, www.luzernertheater.ch
Ida Zenna www.zenna.de