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Um 1900 wars schlimm. Ein Winterthurer Zahnarzt damals: «98 Prozent unserer Schulkinder leiden an kranken Zähnen.» Viele Kinder litten so sehr, dass sie dem Unterricht nicht folgen könnten.
Luzern eröffnete 1905 die erste Schulzahnklinik, Zürich folgte 1908. Aber auch die Gratisbehandlung beseitigte die «Volksseuche Karies» nicht. Die Regeln der Zahnpflege seien zu wenig bekannt, den Eltern gehe das Verständnis ab, klagte 1921 der Chef des zahnärztlichen Instituts Zürich. So habe ihm ein Kind weinend erzählt, der Vater brauche die Zahnbürste, um die Schuhe zu putzen.
Da wurde die Prophylaxe generalstabsmässig aufgezogen. Zahntanten schwärmten aus, ab 1930 wurde an Schulen regelmässig gebürstet, und ab 1950 nahm die «Zahnverderbnis» tatsächlich ab. Dank dem Fluor ging die Karies bis 2000 um fast 90 Prozent zurück.
Wenn Zahnärzte heute kranke junge Gebisse sehen, dann meist von Migrationskindern, die noch nicht lange hiesiger Gründlichkeit ausgesetzt waren.