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Prof. Inge Strauch, was haben Sie letzte Nacht geträumt?
Ich weiss es nicht mehr. Das ist ja auch das Typische am Träumen, man vergisst sie so schnell.
Gibt es einen Trick, wie man sich besser daran erinnern kann?
Am einfachsten ist es, wenn neben dem Bett ein Aufnahmegerät bereitliegt und man in der Nacht während einer kurzen Wachphase seine Träume kurz nacherzählt. Zudem hilft es, wenn man am Morgen nicht gleich aus dem Bett springt, sondern etwas liegen bleibt, sich möglichst nicht bewegt und sich das soeben Geträumte rückwärts in Erinnerung ruft.
Haben Sie einen Traum, der immer wieder zurückkehrt?
Ja, das hatte ich als Kind. Meistens waren das unangenehme Träume, zum Beispiel, dass der Teufel die Treppe runterkam. Aber in den letzten Jahrzehnten kam das eigentlich nicht mehr vor.
Dann haben Kinder vermehrt Albträume?
Ja, bei Kindern und Jugendlichen kommen sie öfter vor. Das zeigt auch, dass sich das Träumen mit den Jahren verändert.
Wie entwickeln sich Träume?
In einer meiner Studien haben wir Kinder über mehrere Jahre hinweg im Schlaflabor untersucht. Da konnten wir sehr schön sehen, wie sich das Träumen der einzelnen Jungen und Mädchen mit den Jahren veränderte. Am Anfang träumen Kindern noch sehr unbewegt, zum Beispiel von einem Laden oder von einem Bagger. Erst wenn sie älter werden, tauchen auch sie selber im Traum auf. Sie werden aktiv und übernehmen die Aktion. Die Entwicklung des Ichs spiegelt sich ganz deutlich im Traum. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Träume mit Tieren. Je älter ein Kind wird, desto weniger träumt es davon. Und ganz interessant: Jungen träumen mehr von Jungen, während Mädchen gleich oft von Mädchen und Jungen träumen.
Und das verändert sich auch?
Nein, auch bei der älteren Generation nicht. Männer träumen eher von Männern. Eine Erklärung ist, dass man von dem träumt, was einem wichtig ist. Männer müssen sich anscheinend eher unter ihresgleichen behaupten und sich mit sich selber auseinandersetzen, als das Frauen tun.
Zurzeit untersuchen Sie die Träume älterer Menschen, gibt es schon Ergebnisse?
Ja, ich vergleiche momentan die Träume von 150 Seniorinnen und Senioren mit denen von 150 jungen Erwachsenen. Sie alle haben mir die Aufzeichnung eines ihrer Träume geschickt. Es gibt drei Ergebnisse, die interessant sind. Erstens träumen ältere Menschen mehr von der Vergangenheit, junge Erwachsene hingegen kaum von der Kindheit. Interessant sind natürlich auch die Inhalte. Die Männer sind wieder im alten Beruf, die Frauen träumen von ihren Kindern, als diese noch kleiner waren. Oft kommt auch der verstorbene Partner in den Träumen vor. Zweitens träumen ältere Menschen eher von fremden Umgebungen, sie befinden sich beispielsweise in einem unbekannten Haus. Und drittens träumen sie mehr von unbekannten Gesichtern, während junge Leute häufiger von bekannten Personen träumen.
Was bedeutet das?
Man könnte es so verstehen, dass die wachsende Vereinsamung alter Menschen der Grund ist. Alte Menschen sind auch im Traum einsamer als junge Menschen. Viele ihrer Freunde gibt es nicht mehr, und die Umwelt wird für sie fremder. Für die Forschung zeigt das, dass der Traum auf einer anderen Ebene die Wachsituation spiegelt, also weniger eine Art von Wunschdenken ist.
Dann verarbeiten wir im Traum die Realität?
Ja, wir träumen, um das Leben kontinuierlich weiterzuleben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Mensch beim Schlafen plötzlich alle geistigen und seelischen Vorgänge abschaltet. Das würde ja bedeuten, dass man psychisch tot wäre. Aber ich erzähle in diesem Zusammenhang auch immer gerne, was mir einmal ein Kind auf die Frage antwortete, warum wir denn träumen. Es sagte, damit es uns nicht langweilig ist, dies ist für mich eine schlichte Wahrheit zum Traumerleben