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Kaum ein Ort auf der Welt wurde so selten durch menschliche Einflüsse gestört wie die Meere der Antarktis. Es gilt sogar als letztes intaktes Meeresökosystem der Erde. Das grosse Gebiet im südlichen Ozean vor der antarktischen Küste macht 10 Prozent der gesamten Weltmeere aus. Im Südpolarmeer leben ca. 10‘000 unterschiedliche Tierarten, darunter der Kaiserpinguin, der Adeliepinguin, die Antarktikskua (eine Raubmöwen-Art), der Schneesturmvogel, der Mink- und der Schwertwal sowie diverse Seerobben- und Fischarten. Davon ist ein grosser Teil nur in diesem Teil der Erde zu beobachten. Besonders wertvoll ist das Krebstier Krill. Er dient den meisten Tieren als Nahrungsgrundlage. Jene, die nicht auf ihn angewiesen sind, jagen wiederum Fische und Pinguine, die sich von Krill ernähren. Zudem wird in diesem Gebiet wissenschaftliche Forschung betrieben, unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels werden untersucht. Um diesen wertvollen natürlichen Raum zu bewahren, forderte die Antarctic Ocean Alliance, ein Zusammenschluss aus Umwelt- und Naturschutzorganisationen, den Schutz des Rossmeeres.
Ende Oktober trafen sich verschieden Staaten im Rahmen der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) in der Stadt Hobart in Australien. 24 Staaten und die EU einigten sich auf ein Meeresschutzgebiet vor der Küste der Antarktis Die Entscheidung konnte nur einstimmig getroffen werden. Lange Zeit stellte sich Russland dem Projekt quer, weil sie negative Auswirkungen für die eigene Fischerflotte befürchteten. Als Kompromiss wurde das Abkommen zeitlich befristet. In 72 Prozent des Gebietes ist nun jegliche kommerzielle Fischerei für mindestens 35 Jahre verboten. Natürlich hoffen Umweltschützer darauf, dass das Abkommen 2051 erneuert wird.
Hindernisse für ein grösseres Walschutzgebiet
Fast zeitgleich lief in Portorož (Slowenien) die 66. Verhandlung der Internationalen Walfangkommission (IWC). Dank dem seit 30 Jahren international geltenden Walfangmoratorium wurden hunderttausende von Walen vor Walfängern geschützt. Seither ist der Walfang nur noch für wissenschaftliche Zwecke sowie für die Selbstversorgung gewisser Urvölker erlaubt. Der Indische Ozean und die südlichen Meere der Antarktis wurden sogar als Schutzzone erklärt. Trotzdem sehen sich Island, Japan und vor allem, der zurzeit grösste kommerzielle Walfänger, Norwegen nicht gezwungen den Walfang einzustellen. Rund 1‘750 Zwerg- und Finnwale wurden in den vergangenen zwei Jahren von Island und Norwegen erlegt. Da die beiden Länder ein Vorbehalt gegen den Moratoriumbeschluss eingereicht haben, werden ihre grausamen Tätigkeiten nicht als illegal angesehen. Japan erlegte im vergangenen Jahr hunderte Wale, deklariert zu Forschungszwecken. Dies wurde durch die IWC jedoch stark angezweifelt. Auch ein Entscheid des Internationalen Gerichtshofs (IGH) aus dem Jahr 2014, erkennt den japanischen Walfang nicht als wissenschaftlich notwendig an, diese Problematik setzte auch einen Themenschwerpunkt der diesjährigen Verhandlung. Japan möchte den Walfang nun reduzieren. Leider wurde der eingereichte Antrag für eine 20 Millionen Quadratkilometer grosse Schutzzone im Südatlantik mit 38 Ja-Stimmen zu 24 Nein-Stimmen 38 (bei 2 Enthaltungen) abgelehnt. Für eine Annahme wäre eine Dreiviertelmehrheit nötig gewesen.
Das neue Schutzgebiet im Rossmeer ist ein wahrer Erfolg in der Geschichte des Meeresschutzes. Die Verweigerung der Schutzzone im Südatlantik ist eine unverständliche Niederlage. Trotzdem können die vermehrten Massnahmen zum Schutz der Wale positiv bewertet werden.
Weiterführende Informationen/Quellen
CCAMLR
Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen (Walfang)
Grösstes Meeresschutzgebiet der Erde wird Realität