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Ich erkenne
Zitat: Denn nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, wie es in der Bibel steht, sondern der Mensch schuf, wie ich im »Wesen des Christentums« zeigte, Gott nach seinem Bilde.
Ludwig Feuerbach
In Anlehnung an Friedrich Dürrenmatt "Der Verdacht"
Ich erkenne eine unvorstellbare Schöpfung, eine Materie die gleichzeitig aus Information und Schwingung besteht, und eine Erde die man umschreiten kann, abtasten wie einen Kinderball, auf der wir leben und mit der wir durch die abenteuerliche Leere des Raums fahren.
Ich erkenne das die Schöpfung keinen Gott braucht und deren einziges unbegreifliches Mysterium ihr Sein ist.
Und ich erkenne, dass ich bin und dass mir meine Existenz die Möglichkeit gibt, zu tun was ich will. Wir besitzen alle einen freien Willen. Ich bin als Teil aber nur ein Augenblick, nur ein Zufall, wie das Leben in dieser ungeheuren Schöpfung nur eine ihrer unermesslichen Möglichkeiten ist. Ebenso ein Zufall wie ich (die Erde etwas näher bei der Sonne und es wäre kein Leben möglich). Der Mensch existiert aber nicht um seiner selbst willen, sondern um der Schöpfung willen.
Der Mensch, das Tier, die Pflanze, der Mond, die Milchstrasse, was immer ich auch sehe, sind zufällige Gruppierungen, Unwesentlichkeiten, wie der Schaum oder die Welle des Wassers etwas Unwesentliches sind. Es ist gleichgültig, ob die Dinge sind oder nicht sind; sie sind austauschbar. Wenn sie nicht sind, gibt es etwas anderes. Wenn auf diesem Planeten das Leben erlischt, kommt es, irgendwo im Weltall, auf einem anderen Planeten hervor: wie das grosse Los immer einmal kommt, zufällig, durch das Gesetz der großen Zahl.
Es ist unsinnig, in einer Welt, die ihrer Struktur nach eine Lotterie ist, nach dem Wohl der Menschen zu trachten, als ob es einen Sinn hätte, wenn jedes Los einen Rappen gewinnt und nicht die meisten nichts. Wie wenn es eine andere Sehnsucht gäbe als nur die, einmal dieser einzelne zu sein, der das grosse Los gewinnt.
Es ist Unsinn, an die Materie zu glauben und zugleich an einen Humanismus. Man kann nur an die Materie glauben und an das Ich. Es gibt keine Gerechtigkeit (wie könnte die Materie gerecht sein), es gibt nur die Freiheit, die nicht verdient werden kann (da müsste es eine Gerechtigkeit geben), die nicht gegeben werden kann (wer könnte sie geben), sondern die man sich nehmen muss.