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"Alle Arten von Luxus sind überflüssig und doch so wichtig." Dieses Zitat stammt von der 1971 verstorbenen Coco Chanel, der französischen Modedesignerin und Begründerin des gleichnamigen Modeimperiums. Mit dem Verlangen nach Luxus lässt sich denn auch gut Geld verdienen - "wenn man auf die richtigen Marken setzt", sagt Scilla Huang Sun, Managerin eines Luxusgüterfonds bei Swiss & Global Asset Management.
Die in der Schweiz aufgewachsene, gebürtige Chinesin analysiert tagtäglich die Luxusmarken dieser Welt. Mit dem Ziel, die "Wachstumstitel im Portefeuille zu haben". Sie durchleuchtet die Bilanzen, berechnet Eckwerte wie Verschuldungsgrad oder Bruttogewinnmarge. "Number Crunching" nennt Huang Sun, die zuvor mehrere Jahre als Finanzanalystin gearbeitet hatte, diese Tätigkeit. Heute schaut die Fondsmanagerin ihren ehemaligen Berufskollegen selber auf die Finger.
Überragend nicht bloss bei der Körpergrösse
Speziell "Sell-Side"-Analysten haben oft eher zu positive Einschätzungen. "Sell-Side"-Analysten erstellen Researchberichte über Gesellschaften für professionelle Investoren. Diese Berichte müssen somit interpretiert werden. Angenommen, zwei von elf Analysten bewerten eine Aktie mit "Kaufen", fünf mit "Halten" und vier mit "Verkaufen", dann ist dies "ein schlechtes Bild" für eine Aktie, sagt Huang Sun. "Gewisse 'Sell-Side'-Analysten meinen mit 'Halten' in Wahrheit 'Verkaufen'."
Die seit 2008 für Swiss & Gobal Asset Management tätige Fondsmanagerin zapft diverse Informationsquellen an. Sie führt zum Beispiel Gespräche mit Chefs nichtkotierter Luxusgüter-Hersteller. Diese seien oft unbefangener in ihrer Meinung.
Huang Sun überragt nicht nur bezüglich ihrer Körpergrösse - sie misst fast 1,80 Meter - so manchen Konkurrenten, sondern auch bei der Performance. Der Luxusgüterfonds, den sie 2008 lanciert hat und für den sie die Anlageentscheide trifft, legte in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt 25 Prozent pro Jahr zu. Damit übertraf sie seit 2008 den MSCI-Weltindex um 10 Prozent pro Jahr. In den rund vierzehn Jahren als Managerin von Luxusgüterfonds weiss Huang Sun, worauf es im Job ankommt.
Die richtige «Mannschaft» zusammenstellen
"Es braucht eine gewisse Stabilität in dem, was man denkt und umsetzt, man darf aber nicht stur sein. Man muss von den eigenen Investments überzeugt sein, gleichzeitig aber flexibel bleiben und handeln, falls man falsch liegt." Wichtig sei auch, so Huang Sun, Herr über seine Emotionen zu sein - gerade in volatilen Börsenzeiten. "Es dient weder der Sache, bei hohen Gewinnen überschwängliche Freudentänze zu veranstalten, noch bei Kurseinbussen in Depressionen zu verfallen", sagt sie.
Zusammen mit der Co-Managerin Andrea Gerst analysiert Huang Sun ganz nüchtern, "wo wir besser als der Markt waren und wo wir darunter lagen". Da kommt es auch vor, dass sie einen Underperformer durch eine neue Aktie ersetzt. "Ich agiere wie eine Fussballtrainerin. Das primäre Ziel ist nicht, den besten Stürmer zu finden, sondern die beste Mannschaft zusammenzustellen, die allen Umständen trotzen kann und so den Einzug ins Finale schafft."
Das Shopping und die Recherche verbinden
Huang Sun nutzt bei der Informationsbeschaffung auch unkonventionelle Quellen. Beim Frisör liest sie Modemagazine wie zum Beispiel das Männermagazin "GQ", die "Vogue" oder "Elle". Auch Automobilzeitschriften blättert sie durch, obwohl sie keine grosse Affinität zu den PS-Boliden pflege. Zudem sei ihr Fahrstil katastrophal, sagt sie mit einem Schmunzeln. Doch in ihrem Portfolio, das zwischen 25 und 40 Titel umfassen kann, befinden sich auch Premium-Automarken wie BMW. "Ich schaue mir an, wie die Luxus-Labels Werbung machen und mit welchen Produkten. Zudem schärft das Durchsehen von Magazinen das Gespür für Trends", sagt Huang Sun.
Auch in den Ferien "arbeitet" Huang Sun. "Ich klappere jeweils die Markenshops im In- und Ausland ab und schlüpfe auch mal gerne in ein Kleid." Dasselbe macht ihre Kollegin. Diese Art von "Feldforschung" sei gerade in Krisenzeiten ein zusätzlicher Indikator für die Titelauswahl, so Huang Sun. Es spricht für die Marke, wenn sich in Flagship-Stores auch in Krisenzeiten viele Konsumenten tummeln.Die gesamte Luxusindustrie hängt stark vom Konsum in den Schwellenländern, insbesondere in China, ab. China ist mit einem Anteil am Luxusmarkt von 30 Prozent der grösste Player. In den USA beträgt der Anteil 16 und in Westeuropa 18 Prozent.
Ein Drittel der Uhrenexporte geht nach China
Vor allem Luxusuhren haben es den Chinesen angetan. So geht laut dem Verband der schweizerischen Uhrenindustrie ein Drittel der Uhrenexporte in den chinesischen Markt. Chinesen erwerben Luxusgüter vermehrt auch auf Reisen und greifen dafür tief in die Tasche. Schätzungen zufolge geben sie pro Reise nach Europa gut 13 000 Franken aus, Tendenz steigend.
Hintergrund ist auch der Lohnanstieg in China. Schätzungen zufolge beträgt dieser 10 bis 15 Prozent pro Jahr. Die Beratungsfirma McKinsey glaubt, dass 2020 etwa die Hälfte der Chinesen der Mittelklasse angehören werden. Diese werden zu potenziellen Käufern von Luxusgütern aufsteigen. Der langfristige Trend ist somit "intakt", sagt Huang Sun (siehe Interview unten).

Auf diese Luxus-Aktien setzt die Fondsmanagerin

Swatch
Bild: Bloomberg

Richemont
Bild: Bloomberg

Salvatore Ferragamo
Bild: Bloomberg
cash: Das Wachstum in China verlangsamt sich stetig. Wie geht es weiter?
Scilla Huang Sun: Das Land befindet sich in einer Transformationsphase, die zuweilen auch mal holprig verlaufen wird. Wachstumsraten von über acht Prozent und mehr wird es nicht mehr geben. Ich rechne mit Zuwachsraten um rund sieben Prozent.
Wie ist die Lage von Chinas Banken?
China hat die Kraft, den Bankensektor falls nötig komplett zu verstaatlichen. Chinas Wirtschaft wird nach wie vor stark von der Regierung kontrolliert. Die Schulden sind deutlich tiefer als in manch anderen Staaten. Die Devisenreserven betragen etwa 50 Prozent des Bruttosozialprodukts. Im Gegensatz zu den meisten europäischen Staaten hat das Land eine eigene Währung. Es kann also unlimitiert Geld drucken.
Viele Anleger fürchten ein Platzen der Immobilienblase. Zu Recht?
Die Gefahr im Immobiliensektor wird hochgespielt. So werden in den Medien immer dieselben Bilder von menschenleeren Geisterstädten gezeigt. Ich bin überzeugt, dass all die Investitionen in die Infrastruktur dem Land helfen werden. Man darf nicht vergessen: China ist von einem Industrieland-Status noch weit entfernt.