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Vier Jahre nach seinem Roman «Unterwerfung» über ein Frankreich unter der Scharia meldet sich der französische Autor Michel Houellebecq mit einem neuen Werk zurück, das diesmal die Revolte der «Gelbwesten» vorwegzunehmen scheint. Am Freitag kam «Serotonin» in die französischen Buchläden.
Houellebecqs siebter Roman führt den Leser mitten in das ländliche Frankreich. Er beschreibt die Hoffnungslosigkeit der von Globalisierung und EU-Agrarpolitik schwer getroffenen Bauern und arbeitslosen Fabrikarbeitern, die «so gut wie tot sind» und doch zur Rebellion bereit. Obwohl der 62-jährige Autor «Serotonin» schon Monate vor der Protestbewegung der «Gelbwesten» geschrieben hat, scheint sein Roman den Aufruhr zu beschreiben, von dem die Politik völlig überrascht wurde.
Bislang hat sich Houellebecq selbst nicht zu seinem neuen Werk geäussert. Nach Angaben seines Verlags hat er sich eine «strikte mediale Diät» verschrieben.
Doch auch ohne seine oftmals provokanten Auftritte war klar, dass «Serotonin» für Aufsehen sorgen würde – und für einen hohen Absatz: Der Verlag Flammarion startet mit einer Auflage von 320'000 Exemplaren.
Vor vier Jahren, als sein Roman «Unterwerfung» erschien, wurden am selben Tag bei einem islamistischen Anschlag auf die französische Satire-Zeitung «Charlie Hebdo» zwölf Menschen getötet, darunter ein enger Freund Houellebecqs. Das Buch gelangte sofort an die Spitze der Bestsellerlisten. In Frankreich verkaufte es sich rund 800'000 Mal.
Das Magazin «L'Obs» bezeichnete «Serotonin» – eine Anspielung auf das Antidepressivum des Erzählers – als Houellebecqs bestes Buch, «ein wunderschönes Werk von unendlicher Traurigkeit». Laut dem britischen «Telegraph» sagt das «Enfant terrible der französischen Literatur» mit seinem Roman «das tragische Schicksal der westlichen Zivilisation vorher». «Die Zeit» schrieb, lange seien Houellebecqs antiliberale Meinungen «als Spielereien eines Literaten» durchgegangen und fügte hinzu: «Diesmal sollte man ihm glauben.»
Frankreichs im Ausland meistgelesener zeitgenössischer Autor gefällt sich in der Rolle des Provokateurs – und das vor allem auch in seinen Auftritten. Bei der Verleihung des Oswald-Spengler-Preises im Oktober forderte er, Frankreich solle aus dem Euro austreten, befand, dass «Muslime ein Problem» in Europa seien und wünschte sich eine Renaissance der katholischen Kirche.
In einem Essay für das in New York erscheinende «Harper's Magazine» lobte er Donald Trump ausdrücklich für seinen Handelsprotektionismus und nannte ihn «einen der besten amerikanischen Präsidenten». Im September heiratete der Autor, der einmal geschrieben hatte, dass Liebe schwach macht, zum dritten Mal. (aeg/sda/afp)