Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03661.jsonl.gz/510

25 Jahre lang stand die teuerste Flasche unberührt im Regal der Whisky Bar des St. Moritzer Hotels, ehe ein Gast aus China sich letzten August zwei Centiliter davon gönnte. Für den angeblich 1878 destillierten Macallan zahlte der Mann sage und schreibe 9999 Franken.
Wie das Hotel "Waldhaus am See" nun mitteilte, kam kurz danach der Verdacht auf, das edle und hochprozentige Destillat könnte eine Fälschung sein. In Auftrag gegebene Labortests ergaben tatsächlich eine Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent, dass der Whisky erst 1970 destilliert wurde - also fast 100 Jahre später als das Label anpries.
Das "Waldhaus am See" habe beim Kauf keinen Grund gehabt, an der Echtheit der Flasche zu zweifeln, schrieb Hotelier Sandro Bernasconi. Nun aber erwägt der Engadiner, rechtliche Schritte gegen den Verkäufer der Flasche einzuleiten, um zu seinem Geld zu kommen. Einen hohen fünfstelligen Betrag habe er selber für die Flasche bezahlt, sagte Bernasconi zur sda.
Der Hotelier trat nach dem Vorliegen der Labortests zwecks Schadensbegrenzung umgehend eine lange Reise nach Asien an. Insgesamt 16'000 Kilometer legte er im Flugzeug zurück.
Er informierte den Gast, der den Whisky im Sommer bestellt und getrunken hatte, bei einem Nachtessen über das Testergebnis und erstattete ihm die 9999 Franken persönlich. Der Mann habe sich erfreut über die Ehrlichkeit gezeigt und sich bedankt, sagte Bernasconi.
Der chinesische Gast und Whisky-Liebhaber ist in seinem Heimatland kein unbekannter. Es handle sich um den am besten verdienenden Online-Schriftsteller, der mit Fantasie-Romanen grosse Erfolge habe, so Bernasconi.
Das St. Moritzer "Waldhaus am See" ist bekannt für seine "grösste Whisky Bar der Welt". 2500 Sorten stehen laut Angaben des Hotels zur Auswahl.
(SDA)