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Der letzte Weltmeistertitel eines US-Teams datiert von 1933 und aus einer anderen Epoche des internationalen Eishockeys. Seither machten die Amerikaner vor allem noch mit den zwei Olympiasiegen 1960 und 1980, aber auch mit einem Abstieg 1983 von sich reden. Seit 1996 ziehen sie die jeweils 17- und 18-Jährigen im National Team Development Center in Ann Arbor im US-Bundesstaat Michigan zusammen und feiern mit diesem Projekt erstaunliche Erfolge. In den letzten elf Jahren wurden sie siebenmal U-18- und dreimal U-20-Weltmeister, zuletzt vor vier Monaten in Ufa. Aus jenem Team sind in Helsinki der Goalie John Gibson, Jacob Trouba und Alex Galcheyuk dabei. Insgesamt zehn Spieler der gegenwärtigen Mannschaft gingen durch die Talentschmiede von Ann Arbor.
Die Erfolge der Amerikaner haben den Schweizerischen Eishockeyverband inspiriert, ein ähnliches Projekt voranzutreiben. Der Verbandsdirektor Ueli Schwarz reiste noch in seiner alten Funktion als Ausbildungsverantwortlicher nach Michigan und studierte das amerikanische Ausbildungscamp. Nach dessen Vorbild sollte in Winterthur die «Hockey Academy» entstehen, in der die besten Schweizer an die Spitze herangeführt werden sollten. Das Projekt wurde vor allem von Philippe Gaydoul getragen, der Bereitschaft signalisiert hatte, eigenes Geld zu investieren.
Seit Gaydoul aber das Verbandspräsidium niedergelegt hat und Besitzer der Kloten Flyers geworden ist, ruht das Projekt. Die Finanzierung der ambitiösen Pläne mit einem Investitionsvolumen von 70 Millionen Franken ist offensichtlich weiterhin nicht gesichert. Der Verbandspräsident Marc Furrer trifft sich in der kommenden Woche mit den Initianten. Furrer sagt, er erwarte verbindliche Zusagen für den Betrieb des künftigen Eishockeyzentrums – «sonst müssen wir das Ganze überdenken».
Dem Vernehmen nach geht es um einen jährlichen Beitrag von 800 000 Franken, den die Investoren dem Verband für den Betrieb der Anlage zusichern müssten. Dass sie diese Versprechen machen werden, ist unwahrscheinlich. Die «Hockey Academy», die auch schon als «Eishockey-Versailles» bezeichnet wurde, scheint damit zur Planungsruine zu verkommen.
Der Abbruch der Übung käme nicht wenigen Klubs entgegen. Der HC Davos hat sich von Anfang an kritisch zu den Plänen geäussert. Mittlerweile reihten sich mit dem SC Bern und den ZSC Lions zwei weitere einflussreiche Klubs in den Chor der Kritiker. Vor zwei Jahren hatte die Nationalliga Gaydouls Plänen vor allem deshalb zugestimmt, weil sie Teil der Strukturreform war, die der Liga mehr Kontrolle über den Verband gab. Die neue Organisation ist umgesetzt, und das Nationalteam feiert derzeit in Stockholm auch ohne Ausbildungszentrum Erfolge. Das nährt die Überzeugung bei den führenden Exponenten des Schweizer Eishockeys, dass man am besten macht, was man in solchen Momenten immer tut: nämlich alles so zu lassen, wie es ist.