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Lawinenschutz für Gebäude
Lawinengefahrenkarten zeigen auf, ob in einem Gebiet ohne Einschränkungen, mit Auflagen oder gar nicht gebaut werden darf. Mögliche Massnahmen sind z.B. verstärkte bergseitige Wände.
(mas) Die Gebäudeschäden durch Lawinen und Schneedruck variieren stark von Jahr zu Jahr. 12'400 Schadenfälle und eine Schadensumme von Fr. 75 Millionen verzeichnete die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen im Extremjahr 1999. Aber auch in normalen Jahren treten einige hundert bis über tausend Schadenfälle auf.
Von allen Naturgefahren werden Lawinen schon am längsten mittels Karten erfasst, die aufgrund von Ereigniskatastern, Feldbeobachtungen und Computersimulationen erstellt werden. Etwa ein Fünftel der Schweizer Gemeinden benötigt eine Naturgefahrenkarte, wobei 20 % der betroffenen Gemeinden noch keine besitzen.
Lawinengefahrenkarten
Ob sich eine Bauparzelle in einer lawinengefährdeten Zone befindet, lässt sich bei der kommunalen Bauverwaltung oder beim kantonalen Umweltschutzamt in Erfahrung bringen. Die eidgenössische Waldverordnung (WaV, SR 921.01) verpflichtet die Kantone, Gefahrenkarten und -kataster für die verschiedenen Naturereignisse auszuarbeiten, wozu auch die Lawinen zählen. Jedes Mal, wenn in einem Gebiet eine grössere Lawine nieder geht, müssen die Karten überprüft und angepasst werden.
Die gefährdeten Gebiete werden in die drei Stufen rot (stark gefährdet), blau (mittel gefährdet) und gelb (gering gefährdet) eingeteilt. In «roten» Gebieten darf gar kein Gebäude neu gebaut oder wieder aufgebaut werden, in «blauen» Gebieten nur unter Auflagen. Aus der Gefahrenkarte werden die Bestimmungen für die kommunalen Nutzungspläne abgeleitet, die für die Bauherrschaft rechtsverbindlich sind. In der Regel sind Architekten über allfällige Lawinengefahren informiert, es empfiehlt sich aber trotzdem, vor dem Bau den Punkt anzusprechen.
Die einzelnen Kantone gestalten ihren Umgang mit Lawinengefahren unterschiedlich. Der Kanton Bern führt beispielsweise seit den 1960er Jahren einen Lawinenkataster und seit 1998 eine Gefahrenhinweiskarte im Massstab 1:25'000 (GHK25). Aus dieser leiten sich detailliertere Gefahrenkarten als Arbeitsinstrument für die jeweiligen Gemeinden ab. Im Kanton Bern sind die gefährdeten Gebiete meistens unbewohnt, doch immerhin 8 % aller bewohnten Häuser grenzen an die Gefahrengebiete an und gelten deshalb als potentielle Konfliktstellen und Risikostellen.
Die Gefahrenkarten sind nicht zu verwechseln mit der Europäischen Lawinengefahrenskala, die von 1 bis 5 reicht. Diese Werte beziehen sich auf die saisonale Gefährdung und sind vor allem für den Wintersport relevant.
Auflagen und Massnahmen
Welche Auflagen in gefährdeten Baugebieten gelten, schreibt der Bund in seinen «Richtlinien zur Berücksichtigung der Lawinengefahr bei raumwirksamen Tätigkeiten» (1984, vergriffen) vor. Darauf baut auch die Empfehlung «Raumplanung und Naturgefahren» (2005) auf. Wird ein Baugesuch eingereicht, prüft die Baubewilligungsbehörde, ob Hinweise auf eine Gefährdung bestehen und ordnet allenfalls die notwendigen Auflagen an
Mögliche Massnahmen an Gebäuden sind:
- verstärkte bergseitige Wände gegen Lawinendruck
- keine bergseitigen Gebäudeöffnungen
- Dammkonstruktionen oder Spaltkeil zur Abschirmung
- spezielle Ausgestaltung von Tür- und Fensteröffnungen
- spezielle Ausrichtung und Situierung des Bauwerks
- keine Wohnnutzung in gefährdeten Hausteilen (Nutzungseinschränkung im Grundbuch)
Weitere Massnahmen und Tipps für Bauherren, Architekten und Ingenieure finden sich in der «Richtlinie Objektschutz gegen Naturgefahren» (Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen VKF, 2005), die auf einer gleichnamigen Publikation der Gebäudeversicherung St. Gallen (1999) basiert. Schutzmassnahmen sind auch in der Norm SIA 261/1, Ziffer 5 definiert.
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ImagePoint (Jo Montana), zvg Artikel drucken