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Es muss nicht immer Extremsport sein. Wer neugierig reist, findet hinter jeder Ecke sein Abenteuer.
Just als ich die letzten Schritte nach oben nahm, passierte es. Auf einen Schlag erhellte sich die gruftige Rampe.
Die Frühlingssonne ballerte ihren hellsten Strahl durchs Gewölk, mitten in den Treppenschacht. Der Ausblick warf mich fast um.
Die unglaubliche Licht-Fanfare verlieh dem höchsten Treppenabsatz die Aura einer Himmelspforte. Was würde mich dort oben erwarten?
Eine Info-Veranstaltung zum Sinn des Lebens? Das jüngste Gericht? Oder mindestens ein Check-In-Angestellter, der mir alle Details zu Frühstückszeiten, Room-Service und WLAN-Code im Himmel mitteilen würde?
Valencia Serranos Türme: Welcher Thrill darfs sein?
Es war dann etwas banaler. Als ich zuoberst auf einem der Serranos-Türme in Valencia ankam, herrschte zwar gleissender Sonnenschein. Aber überirdisches Personal war nicht zugegen.
Dafür eine Gruppe junger Engländer, die darüber diskutierte, wie man dem 30 Meter hohen Turm einen gewissen Thrill abringen könnte. Man müsste, sagte einer, per Bungee-Seil runterspringen können. «Oder per Base-Jump runtersausen», meinte ein anderer.
Keiner der jungen Männer war über 34, da bin ich mir heute sicher.
Ab 34 ändert der Thrill
Die Episode kam mir dieser Tage in den Sinn, weil ich an einem Bericht über eine englische Studie vorbeikam. Darin heisst es, dass eine Mehrheit der Briten ab Alter 34 zunehmend die Lust verliere an Extremsportarten.
Aus Gründen wie Gesundheit, Familie oder Angst um die Karriere. Oder vielleicht sogar Vernunft? Ein Phänomen, das wohl nicht nur auf der Insel gilt.
Ich prüfte das kurz anhand des eigenen Extreme-Lebens. Ja, ich hing auch schon am Bungee-Seil, donnerte einst auf einem Skeleton-Schlitten einen Eiskanal runter, kämpfte mich durch einen eiskalten Fluss («Canyoning») und schipperte per River-Raft den Vorderrhein hinunter.
Alles vor 34.
Seither muss und will ich mich nicht mehr künstlich in einen Extrem-Zustand versetzen. Oder mich gemäss besagter Studie gefährlichsten Sportarten aussetzen Free Climbing, Cliff Jumping Base Jumping.
Weil ich auf Reisen den Thrill nicht mehr brauche? Nein. Den mag ich immer noch. Aber dafür muss ich nicht ungesichert überhängend hochklettern oder suizidös im Fledermauskostüm senkrecht runtersegeln.
Wo der Thrill hockt
Den wahren Nervenkitzel finde ich heute eher, wenn ich mich auf Reisen aus einer gewohnten Situation herausbegebe. Also das tue, was Management-Trainer «Verlassen der Komfortzone» nennen. Ich fahre mit dem Bus durch eine Stadt und marschiere ab Endhaltestelle los durch die urbane Terra Incognita. I
Ich trinke meinen Kaffee nicht in der Hipster-Bar im Stadtzentrum sondern dort, wo die Einheimischen hocken. Meist in ungeschmückten Räumen, wo der Fernseher plärrt und wo serviert wird, was der aktuelle Fang hergibt. Präpariert in der einzigen Pfanne auf der einzigen Herdplatte.
Ich buche mein Nachtessen nicht im Restaurant, das von Tripadvisor die besten Noten erhält. Sondern bei Eingeborenen, die ihre Wohnung auf Eatwith zur Kneipe umfunktionieren.
Weitere Möglichkeiten, den inneren touristischen Schweinehund auch nur ein bisschen zu überwinden: Auf Booking.com nicht nur nach Hotels Aussicht halten. Sondern auch nach Bed & Breakfasts. Überhaupt lohnt es sich immer, auf Booking.com die linke Spalte «Unterkunftstyp» zu studieren.
Wo Zielgebiete am Meer, am See oder einem Fluss liegen, werden oft auch Boote als Übernachtungsmöglichkeiten aufgelistet. Morgens früh raus, eine halbe Stunde lang joggen ab Unterkunft. Jeden Tag eine andere Richtung einschlagen.
Mehr Kitzel in Valencia
Das ist Ihnen zu wenig Action? Sie suchen nach dem Nervenkitzel, der ans Existenzielle geht? Okay, verstanden. Dann schlage ich jetzt zwei Dinge vor.
Sie suchen sich auf der einschlägigen Plattform den passenden Härtegrad raus. Auf Manawa by Adrenaline Hunter sind hunderte Thrills buchbar, von «A» wie Abseiling bis «Z» wie Zip Line.
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Oder aber Sie reisen nach Valencia. Studieren die Wetterkarte gut. Warten aufs Gewölk. Passen den ersten Sonnenstrahl ab. Und steigen dann die 140 Treppen auf den Serranos-Turm hoch.
Der Frühlings-Flash ist Ihnen gewiss. Noch flashiger: Dann baden gehen im Meer, wenn es allen anderen zu kalt ist.
Für alles andere kann ich leider nicht garantieren.