Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03453.jsonl.gz/667

In der Nacht auf Samstag hatte die Tortur ein Ende. Nach 10 Tagen, 4 Stunden und 13 Minuten, während denen sie fast 5000 Kilometer und 55'000 Höhenmeter von der amerikanischen Westküste an die Ostküste zurückgelegt hatte, war Reist im Ziel.
Bis Donnerstag war das weltweit längste Extrem-Radrennen für die am Sonntag 38-jährig werdende Reist planmässig verlaufen, so gut, dass sie selbst vor allen männlichen Teilnehmern lag. Zwischenzeitlich hatte ihr Vorsprung über 100 Kilometer betragen.
Kurz vor Ende platzt der Traum
Doch gut 300 Kilometer vor dem Ziel war nicht nur der Traum von Gesamtsieg ausgeträumt, selbst die Beendigung des Rennens geriet in Gefahr. In den Appalachen, ihrem Lieblingsgebirge, stürzte Reist und klagte danach über extrem starke Schmerzen im Oberschenkel. Es dauerte rund vier Stunden, bis die Untersuchungen durch die Teamärztin beendet waren und die Athletin wieder fit genug war für die Weiterfahrt.
Gleichwohl übernahm Reist noch einmal die Gesamtführung, doch ein weiterer Sturz liess sie erneut hinter den schnellsten Mann, den Australier Allan Jefferson, zurückfallen. Sie war stillstehend zu Fall gekommen, weil sie wegen anhaltenden Schmerzen nicht rasch genug den Fuss aus dem einen Klickpedal brachte. Nach dem zweiten Zwischenfall konnte Reist das vorgesehene Tempo nicht mehr aufrechterhalten.
Kurz vor dem Ziel folgte sogar der komplette Einbruch, so dass Reist auch noch den Zweitplatzierten im Klassement der Männer, den Tschechen Svata Bozak, passieren lassen musste. Schmerzen an den Adduktoren und eine gebrochene Rippe hatten eine höhere Tretfrequenz unmöglich gemacht.
«Natürlich bin ich enttäuscht, dass der zum Greifen nahe Traum vom Gesamtsieg so kurz vor dem Ziel geplatzt ist», sagte die gezeichnete Reist nach den Strapazen. «Allerdings bin ich froh, dass ich es unter diesen Umständen überhaupt ins Ziel geschafft habe. Ich habe noch nie so gelitten wie auf diesen letzten gut zweihundert Meilen. Es war ein einziger Kampf, das härteste Rennen meines Lebens.»
Dass Reist, die das «Race Across America» in der Frauen-Kategorie bereits vor sechs und vier Jahren gewonnen hatte, die Müdigkeit als einen der Gründe für die Stürze nannte, verwunderte nicht. Während des Rennens legte sie lediglich neun Pausen ein, während denen sie insgesamt nur neun Stunden schlief.