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Es existiert eine feine Trennlinie zwischen dem, was die Bibel Sünde nennt, und einem Bereich, den sie als Schwachheit bezeichnet. Zuweilen bringen wir die beiden in der Praxis durcheinander. Ein persönliches Beispiel: Ein Wesenszug meiner Persönlichkeit (die sicherlich durch meine Biografie mitgeprägt ist) ist die Fähigkeit sich über eine lange Zeit voll zu konzentrieren. So kann ich über mehrere Stunden einer anspruchsvollen Darlegung folgen ohne abzuhängen. Die Kehrseite dieser Fähigkeit ist die Unfähigkeit in gewissen Momenten abzuschalten. Gerade wenn ich mich so stark konzentriert habe, gelingt es mir kaum mehr, meine “Maschine” abzuschalten. So bekomme ich beispielsweise im Bus ganze Gespräche mit, die ich nachher lückenlos zusammenfassen könnte. Dies hat zur Folge, dass meine Maschine in Momenten, in denen ich schlafen sollte, weiter läuft. Das heisst: Während sich andere bereits im Bus entspannen konnten (oder gar während einer Sitzung oder Vorlesung), komme ich erst viel später zur Ruhe.
Während die Trennlinie zwischen Sünde und Schwachheit von Gott her wohl klar ist, fällt uns Menschen die Unterscheidung schwierig. Weil wir prinzipiell von uns selbst und unserer eigenen Erfahrung ausgehen, beurteilen wir die anderen aus unserem Verständnisrahmen heraus. Deshalb bringen wir Schwachheit und Sünde oft durcheinander. Wir entschuldigen uns unserer Sünden und beschuldigen einander bei Schwachheiten.