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Fünf Tonnen Kokain, aber «alles wird besser»: Irgendwo liegt da ein Widerspruch.
«Alles wird besser» – unter diesem Label publizierte eine Schweizer Zeitung eine Sommerserie, die nachweisen soll, dass die Schweiz an einer Wahrnehmungsstörung leide. Gemeint ist damit die offenbar weitverbreitete Meinung, dass alles immer schlechter würde und die Welt aus einer endlosen Abfolge von Katastrophen, Konflikten und Krisen bestehe.
In der Folge wurde eine Reihe von Artikeln publiziert, die über den Fortschritt der letzten Jahre berichtete, so im Bereich des Wohlstandes, der Freizeit, der Wissenschaft, der Bildung, der Medizin, ja auch der Luftverschmutzung und des Gewässerschutzes. So weit so gut, diese Aussagen und die dazugehörenden Zahlen sind sicher richtig. Dass sich aber viele Ängste auf Ereignisse im Ausland beziehen oder beispielsweise auf dem Klimawandel, wurde ausser Acht gelassen.
Die gleiche Zeitung veröffentlichte wenige Tage zuvor einen Artikel mit dem Titel «Schweizer schnupfen fünf Tonnen Kokain». Nebst Kokain werden auch grosse Mengen an anderen Drogen konsumiert: Heroin, Cannabis sowie viele synthetische Drogen. Hinzu kommt die Unmenge an jenen Medikamenten, die täglich geschluckt wird, um Angst, Stress, Unruhe, Schlaflosigkeit oder psychosomatische Störungen zu bekämpfen oder um die eigene körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu steigern.
Damit manifestiert sich zwischen diesen beiden Befunden ein Widerspruch: Alles wird besser – und doch konsumieren wir so viel Kokain und Medikamente wie nie zuvor. Und zwar in fast allen Kreisen, vor allem aber unter so genannten Erfolgsmenschen. Der Widerspruch ist aber nur scheinbar, weil in dieser Sommerserie fast nur der materielle Fortschritt aufgeführt wird. Ausgeklammert werden die menschlichen Werte, die Gefühle, das Seelische, das Psychische, die innere Zufriedenheit, also Bereiche, die zwar äusserst wichtig, aber nicht messbar sind.
Versucht man nun den materiellen Fortschritt in direkte Relation zum Drogenkonsum zu setzen, aber auch zur erschreckend hohen und zunehmenden Anzahl von Menschen, die an Depressionen, psychischen Störungen und Ängsten leiden oder am Rande eines Burnouts stehen, so könnte sich die Euphorie rasch verflüchtigen: Was ist mit diesen vielen «Drogenkonsumenten» los? Realisieren sie denn nicht, dass alles besser wird?
Oder könnte am Ende dieser andere – düstere – Befund einfach die Kehrseite der Fortschrittsmedaille zeigen, das Preisschild für die Kosten, die wir als Gesellschaft für den enormen materiellen Fortschritt bezahlen? Zum Beispiel für den mit dem Fortschrittstreben verbundenen Leistungsdruck und Dauerstress?
Der Mensch hat noch ganz andere Bedürfnisse und Sehnsüchte als nur materielle, zum Beispiel spirituelle und geistige, soziale und psychische, die sich nicht so einfach messen lassen wie Einkommen und Konsumgüter. Es ist deshalb Zeit, darüber nachzudenken, was Fortschritt eigentlich ist wie man ihn messen müsste.
Lilienberg setzt sich für eine ganzheitliche Betrachtungsweise ein, für die gleiche Gewichtung der menschlichen, sachlichen und wirtschaftlichen Aspekte. Dafür brauchen wir keine Aufputschmittel, runden aber unsere Gespräche gerne mit einem Glas Wein ab!