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Zusammenfassung der 150jährigen Geschichte des OVE
Das ist die von Hand gestaltete Titelseite des zweiten Protokollbuches (Format 24 cm x 36 cm). Die Protokollbücher sind anfänglich in schönster Deutscher Kurrentschrift verfasst.
Jahre vor der Gründung – Mönche im Exil
Vor der Französischen Revolution geschah die Pflege der Musik weitgehend im Kloster und beschränkte sich auf die Kirchenmusik. Da in der Revolutionszeit die Mönche geflohen waren und im Exil lebten, wurde die Kirchenmusik von den Einsiedler Dorfbewohnern besorgt. Nach Abzug der Franzosen lag sie wieder in den Händen der Klosterleute.
Musikfreunde des Dorfes trafen sich manchmal zu kleinen Kammeraufführungen, zu Vorträgen in einer Gaststube (z.B. im „Pfauen“ oder in der „Krone“). Manchmal spielten sie auch die Zwischenaktmusik bei Theatern von auswärtigen Gruppen im Kernenhaus. Doch dies geschah nur gelegentlich und bald wieder kamen „Viola, Bass und Geigen zu langem, langem Schweigen“.
Zwei Anlässe gaben den Anstoss zur Gründung des Orchestervereins im Jahr 1866
Einsiedler Musikfreunde gaben am Silvesterabend 1865 zu Gunsten der Brandgeschädigten in Malix und Travers ein Benefizkonzert. Mit Erfolg, die Veranstaltung brachte eine Summe von Fr. 250.- ein.
Einige Wochen später kam der „lustige und fidele“ Theaterdirektor Sailer mit seiner Truppe nach Einsiedeln und benötigte Spieler für musikalische Einlagen. Er schaffte es, ein kleines Orchester auf die Beine zu stellen.
Die mitwirkenden Musikanten beschlossen in der Folge, einen Orchesterverein zu gründen, dem man eine straffe Ordnung geben wollte. Von den Mitgliedern verlangte man „Eifer, Fleiss und Thätigkeit“ und erwartete, dass sie über „die nöthigen Kenntnisse verfügten“. Es wurden Statuten ausgearbeitet und Musikalien und Instrumente beschafft. Man einigte sich auf wöchentliche Proben. Am 27. Juni 1866 traten 11 Männer zur Gründungsversammlung zusammen. Im Protokollbuch ist zu lesen: „Die Unterzeichneten vereinen sich zur Bildung eines Orchestervereins unter dem Namen Cäcilienverein. Derselbe hat den Zweck: Übung und Pflege der Orchester- und Vokalmusik für Kirche und gesellschaftliches Leben, sowie Heranbildung jüngerer Kräfte für dieselbe.“
Präsident
Anton Kälin, zum Bären
Direktor
Anton Staub
Kassier
Prof. Ad. Ochsner
Aktuar
Al. Kälin – Bucher zum Raben
Repräsentant der Ehrenmitglieder Kriminalrichter Mathä Lienhardt
Zu den Gründern stiessen wenige Tage später vier weitere Mitglieder.
Die Bestimmungen des Vereins waren sehr streng: Wer zu spät an einer Probe erschien oder diese zu früh verliess, zahlte eine Busse von 20 cts. Ausbleiben an Proben wurde mit 50 cts. bestraft und Abwesenheit bei Hauptaufführungen ohne triftigen Grund zog eine Busse von 10 bis 50 Franken nach sich.
Der grösste Teil der Musiker spielte ein Blasinstrument. Die Streichinstrumente waren anfänglich spärlich vertreten. Noch 1896 musste man sich mit zwei ersten Violinen begnügen. Von Bratschisten und Cellisten war bis 1896 nie die Rede.
Schwierigkeiten im Vereinsleben – leere Seiten im Protokollbuch
Schon im Sommer 1866 wurde eifrig geprobt. Zum einen übte man zwei Requiems für verstorbene Mitglieder, zum andern war ein Konzert im „Pfauen“ geplant.
Nach der Gründungsbegeisterung hatte der Verein manche Krise zu bewältigen. Über gewisse Jahre erfährt man nichts, im Protokollbuch finden sich nur leere Seiten! Wechsel in der Vereinsleitung, Schulden, Mitgliederschwund, mangelhafte Disziplin und schlechter Probenbesuch führten nach einem kurzen Unterbruch 1878 gar zu einer Neugründung des Vereins. Eine erneute Reorganisation erfolgte im Oktober 1896. Doch das gemeinsame Musizieren wurde nie gänzlich aufgegeben. Immer wieder kamen neue Mitglieder dazu, es wurden Konzerte mit dem Gesangverein gegeben und man hatte am Kantonalen Schützenfest 1889 einen Auftritt.
Das Lebensflämmchen des Vereins flackerte zeitweilig bedrohlich, zum Auslöschen kam es jedoch nie.
Der Verein wollte sich anfänglich in Richtung Kirchenmusik betätigen, doch mit der Zeit wandten sich die Musiker ausschliesslich der leichteren Muse zu.
Man spielte einfachere Konzertstücke, Märsche, Gavotten, Walzer, Stücke aus Opern und Operetten, kurz, sogenannte Salonmusik.
Das damalige Publikum war mit Sicherheit weniger kritisch als das heutige. Das Grammophon hielt erst anfangs des 20. Jahrhunderts Einzug in die Wohnstuben, von Radio und Fernsehen ganz zu schweigen. Wer nicht auswärts Konzerte besuchte, hatte keine Vergleichsmöglichkeiten.
Jedes Jahr wurden ein bis zwei Konzerte veranstaltet, gewöhnlich unter der freundlichen Mitwirkung der Musikgesellschaft Konkordia und des Gesangvereins. Und wenn es galt, bei irgendwelchen Aufführungen zu musizieren, so war der Orchesterverein stets dazu bereit.
Die ersten Direktoren
Anton Staub war der erste Direktor (heute würde man sagen Dirigent). Er und auch sein Nachfolger, Anton Kälin, leiteten den Verein unentgeltlich. Erst der dritte Direktor, Karl Grätzer, erhielt im Jahre 1899 eine Gratifikation von hundert Franken zugesprochen. Grätzer hatte auch die Leitung des neu gegründeten Gemischten Chors. Dadurch kamen sich die beiden Vereine sehr nahe und zusammen mit den Sängern veranstaltete man viele Konzerte und mehrere Theateraufführungen.
Im Jahr 1908 übernahm Viktor Eberle die Direktion des Orchestervereins und bekleidete dieses Amt – sage und schreibe – 42 Jahre lang. Er war ein ausgezeichneter Violinist und arbeitete als Geigen- und Klavierlehrer an der Stiftsschule. Das musikalische Leben im Klosterdorf lag weitgehend in seinen Händen. Neben dem Orchesterverein leitete er den Gemischten Chor, den Gesangsverein und den Männerchor. Zudem studierte er die Chöre ein beim „Grossen Welttheater“ von Calderon. Übrigens wirkten bei den Aufführungen des „Welttheaters“ meistens Musiker des Orchestervereins mit.
Im Juli 1950 widmete der Einsiedler Anzeiger Viktor Eberle einen seitenlangen Nekrolog. Dies zeigt, um was für eine herausragende Persönlichkeit es sich bei dem Verstorbenen gehandelt hatte.
Schulden: darum fleissig geblasen, gepfiffen, gegeigt
Trotz Einnahmen beim guten Besuch der Konzerte und Theateraufführungen hatte der Verein oft mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Davon zeugt das folgende Gedicht des Aktuars:
„Die Schulden sinds, die müssen wir schlagen,
Und müssen sie fort zum Teufel jagen;
Drum fleissig geblasen, gepfiffen, gegeigt,
Bis uns der Feind den Rücken zeigt.“
Anfangs 1878 sind im Protokoll Schulden von 450 Franken erwähnt. Im selben Jahr erbrachten Konzert- und Theateraufführungen zusammen mit dem Gesangsverein Einnahmen von 953 Franken. Statt eine Reserve für zukünftige Auslagen anzulegen, verbrauchte man den grössten Teil des Erlöses für ein gemeinsames Nachtessen, an dem auch Ehrenmitglieder und Veteranen der beiden Vereine eingeladen waren.
Geselligkeit
Festfreude und die Geselligkeit hatten einen hohen Stellenwert. Anfangs Winter veranstaltete man jeweils zusammen mit einem oder beiden Gesangsvereinen eine Cäcilienfeier. Da wurde gemeinsam musiziert und gesungen, aber auch getafelt und getrunken. Später kam in der Fastnachtszeit der Bockabend dazu. Bei diesem Anlass feierten die Mitglieder samt Anhang bis in die frühen Morgenstunden. Getränke und Essen (meistens Rippli mit Kraut) gingen zu Lasten des Vereins.
Auch bei den Konzerten scheint häufig eine ausgelassene Stimmung geherrscht zu haben. Im Protokoll zum Gartenkonzert in der oberen Brauerei Juli 1902 steht folgende Anmerkung:
„Letztes Piece konnte nicht mehr executiert werden, da um 11h sich urplötzlich ein Windsturm erhob, welcher die Lichter auslöschte, Notenblätter, Pulte, Gläser etc. über den Haufen warf, kurz kannibalisch hauste und die ganze fidele Biergemeinde auseinanderfegte – ein grandioses Finale.“
Der Orchesterverein unternahm etliche Reisen, zum Beispiel nach Zug, ins Höfnerland, über den St. Gotthard oder man fuhr 1901 an eine Opernaufführung nach Zürich.
Der Verein vor, während und nach den Kriegsjahren – die erste Frau im Orchesterverein
Anfangs des 20. Jahrhunderts sind in den Programmen des Orchestervereins auch anspruchsvollere Werke zu finden, beispielsweise eine Sinfonie von Joseph Haydn, Ouvertüren von Rossini, Mozart usw. Da nun konservatorisch gebildete Musiklehrer in Einsiedeln tätig waren, fanden die Direktoren Karl Grätzer und Viktor Eberle gute Voraussetzungen vor.
Innerhalb des Vereins hatte sich zudem ein Septett gebildet, das während drei Jahrzehnten als qualitativ hochstehende Kleinformation Konzerte des Gesamtorchesters bereicherte, aber auch selbständig auftrat.
Ein Höhepunkt im Vereins- und Dorfleben war die Aufführung der Märchenoper „Das Zauberschloss“ im Jahre 1903 zusammen mit dem Gesangsverein und dem Gemischten Chor unter dem Dirigenten Adolf Zäh. Es gab fünf Vorstellungen. In der Folge führte man weitere Opern („Arnold von Melchtal“), Operetten und Singspiele auf.
Der Orchesterverein war 1905 auch beteiligt am Konzert zur Eröffnung der Festhütte vom Zentralschweizerischen Turnfest.
Im Protokollbuch heisst es, die Vereinstätigkeit sei im Jahre 1914 durch die eingetretenen Kriegswirren sehr gehemmt worden.
Louise Hensler war 1915 das erste weibliche Orchestermitglied. Im selben Jahr trat sie schon solistisch auf. Ein Jahr später wurde das 50jährige Vereinsjubiläum mit einem Konzert begangen. Neben der Militärsinfonie von J. Haydn ertönte der von Viktor Eberle eigens komponierte Jubiläumsmarsch.
In den kommenden 20 Jahren befand sich der Orchesterverein qualitativ auf einem hohen Stand. Die Konzerttätigkeit war sehr rege und der Verein hatte ausserdem Engagements bei Theateraufführungen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde nur wenig geprobt. Entweder weilten die Leute im Militärdienst oder im Übungslokal waren Truppen einquartiert und man hatte generell andere Sorgen. Das Vereinsleben zwischen 1940 und 1944 ist im Protokollbuch sehr lückenhaft dokumentiert und die kurzen Kassaberichte sprechen von „misslichen Kassaverhältnissen“. Das 75jährige Jubiläum wurde nicht begangen.
Nach einem mühsamen Wiederbeginn am Kriegsende feierte man das 80jährige Vereinsjubiläum mit einem ansprechenden Programm. 1950, nach dem Tod des langjährigen Dirigenten Viktor Eberle, hatte der Verein während zehn Jahren vier verschiedene Dirigenten. Es wurden dennoch jedes Jahr 1–2 Konzerte abgehalten.
Erwachen aus dem etwas langen „Winterschlaf“
Der im Jahr 1960 neu gewählte Dirigent, Emil Kälin, leitete eine positive Weiterentwicklung des Orchestervereins ein. Er verlangte von den Spielern vollsten Einsatz und wählte die Werke für die Konzerte geschickt aus. Oftmals bekamen Solisten Gelegenheit zum Auftreten, so auch der Pianist Franz Hensler im Klavierkonzert in D-Dur von Joseph Haydn. Dieser vielseitige Musiker wurde in der Folge zum Dirigenten des Vereins gewählt, ein Jahr nach dem hundertjährigen Vereinsjubiläum (Foto).
Hensler stand bereits den einheimischen Gesangsvereinen vor. In Sachen Wagnissen stand er seinem Vorgänger nicht nach und er setzte auch in der Programmgestaltung neue Akzente. Unter ihm wurden vermehrt Werke aus dem Barock aufgeführt. Die Zusammenarbeit mit den einheimischen Chören wurde weiter gepflegt und man führte regelmässig Orchestermessen mit Kirchenchören der Umgebung auf. Als Franz Hensler 1976 demissionierte, geschah dies nicht aus Resignation: ein junger fähiger Musiker in der Person von Meinrad Küchler war bereit, in seine Fussstapfen zu treten.
Die Ära Küchler
Meinrad Küchler war bereits 10 Jahre Mitglied im Verein und spielte erste Violine. Der neue Dirigent bildete in intensiver Kleinarbeit einen guten Streicherkörper im Orchester heran. Er konfrontierte die Spieler immer wieder mit Neuem und nahm auch moderne Stücke von Hindemith, Bartok oder Britten in Angriff. Küchler war der Überzeugung, dass jedes Jahr „eine Knacknuss“ im Programm sein sollte, nur dies könne den Verein weiter bringen. Als hervorragender Geiger trat er öfters solistisch auf. Auch andere Solisten kamen zum Zug und erfreuten das Publikum mit ihren Auftritten. So Franz Nussbaumer von Altendorf, der noch heute als Konzertmeister im Einsiedler Orchester spielt.
Die schon traditionelle Zusammenarbeit mit verschiedenen Chören aus dem Dorf, aber auch von ausserhalb wurde unter der Direktion von Meinrad Küchler gepflegt. 1984 fand beispielsweise ein Adventskonzert mit dem Frauen- und Männerchor in der Klosterkirche statt, sechs Jahre später gaben die gleichen Musiker ein Opernkonzert zum Besten.
Besonders erwähnt seien die Jubiläumskonzerte „125 Jahre Orchesterverein“. Im Frühjahr lud der Verein mit Wiener Salonmusik zum Tanz ein, im Winter wurden unter anderem das Brandenburgische Konzert Nr. 3 und die Geburtstagskantate von J. S. Bach dargeboten. Die Darbietungen erhielten grosses Lob: Die lange Aufbauarbeit von Meinrad Küchler hatte sich gelohnt!
Bläser
Die intensive Arbeit mit den Streichern liess die Bläser zeitweise zu kurz kommen. Josef Theiler (Flöte), Pater Lorenz Moser (Oboe), Felix Ochsner (Klarinette), August Lienert, später Josef Hensler (Horn) und Josef Hutzmann (Fagott) gründeten das Einsiedler Bläserquintett. Sie machten sich mit eigenen Konzerten und Programmnummern in den Aufführungen des Gesamtorchesters einen Namen und brachten willkommene Abwechslung ins Programm.
Zurzeit haben wir im Orchesterverein einige ausgezeichnete Bläser. Wenn jedoch Werke in grösserer Besetzungen aufgeführt werden, sind wir für die Mithilfe (vor allem von Musikern, die Horn spielen) sehr dankbar.
Der Orchesterverein in den letzten 20 Jahren
Seit 1998 steht der Orchesterverein unter der Leitung von Lucia Canonica. Die Dirigentin ist sehr engagiert und versteht es, die Musiker auf eine angenehme professionelle Art zu führen. Sie hat ein gutes Gefühl dafür, welche Werke für ein Laienorchester machbar sind. Die Einsiedler Musikliebhaber – und wir haben ein wundervolles Stammpublikum – können in der Regel pro Jahr zwei Konzerte des Orchestervereins besuchen. In zahlreichen dieser Konzerte traten Solisten auf, unter anderem auch die drei Söhne von Helen und Meinrad Küchler, alles sehr begabte Streicher.
Es besteht überdies eine erfreuliche Zusammenarbeit mit dem Kloster und dem Musikverantwortlichen Pater Lukas. Zusammen mit dem Stiftschor und anderen Chören wurden in der Adventszeit festliche Orchestermessen in der Klosterkirche aufgeführt und das Mitwirken von Mitgliedern zu Ostern, Auffahrt, Engelweihe und Weihnachten mit der „Lebchüelimesse“ hat Tradition.
Mitglieder
Auf ein Problem wird in den Protokollen von der Gründung bis heute immer wieder hingewiesen: der Nachwuchsmangel. Es gab anfänglich im Klosterdorf sehr wenige Personen, die das Spielen auf einem Instrument, insbesondere einem Streichinstrument, beherrschten. Dies ist die Voraussetzung, um in einer Gruppe zu musizieren. Zuwachs gab es meistens, wenn im Klosterdorf Geigenunterricht erteilt wurde. Auch der Beitritt von Frauen wirkte sich positiv auf die Mitgliederzahlen aus (ab 1915). In den 30er-Jahren konnte ein Höchststand von 35 Mitgliedern erreicht werden. Die fortschreitende Motorisierung kam dem Verein ebenfalls zugute. Zuerst traten aus der Gegend vom oberen Zürichsee, dann auch von andern benachbarten Orten Spieler in den Verein ein. Rund ein Drittel der Spieler kommen heute von auswärts. Auf der andern Seite waren und sind immer wieder Wegzüge zu verzeichnen oder Spieler hören altershalber auf.
Das Erlernen von Streichinstrumenten hat erfreulicherweise in letzter Zeit unter Kindern und Jugendlichen zahlreiche Anhänger gefunden. Der Orchesterverein hat Konkurrenz bekommen durch die „Wood + Metal Connection“, die sich auf Musicals und Filmmusik spezialisiert und das „soks“ (Sinfonieorchester Kanton Schwyz).
Ein weiterer Faktor ist, dass sich heutzutage die jungen Leute, engagierte Eltern oder Berufstätige nicht so ohne weiteres verpflichten wollen in einem Verein. Diesem Umstand trägt der Orchesterverein Rechnung: Bei uns sind auch Musiker willkommen, die nur während einer gewissen Zeit für ein Projekt proben möchten. Wir sind optimistisch, dass wir weiterhin Zuwachs erhalten von musizierfreudigen Spielerinnen und Spielern, die Freude an der klassischen Musik haben.
Während anderthalb Jahrhunderten war der Orchesterverein ein wichtiger Kulturträger unserer Region. Die Lebensumstände haben sich seit den Anfängen stark gewandelt. Im Gegensatz zu damals, wo das Konsumieren von Musik ein rares Gut gewesen sein muss, besteht heute ein riesiges Angebot, man könnte fast sagen ein Überangebot. Im Dorf oder in der Umgebung werden regelmässig Konzerte veranstaltet. Übertragungsmusik kann jederzeit und überall gehört werden und zwar in bester Qualität. Das Niveau unseres Orchesters kann keinesfalls mit dem eines professionellen Ensembles verglichen werden. Und so stellt sich die Frage: Hat ein Laienorchester in diesem Umfeld überhaupt noch Platz?
Wer selber Musik macht oder gemacht hat, weiss, wieviel innere Befriedigung diese Tätigkeit vermittelt. Der Wert des aktiven Musizierens kann nicht genug hoch eingeschätzt werden. Dies gilt vor allem für Kinder und Jugendliche. Unser Verein bietet Gelegenheit, diesem bereichernden Hobby in einer harmonischen Gemeinschaft nachzugehen.
Wir stellen auch fest, dass für viele Leute der Besuch unserer Konzerte Tradition hat und spüren, dass ihnen die familiäre Atmosphäre zusagt, wo sie beispielsweise ihrem Nachbarn, der Tochter oder dem Ehemann beim engagierten Musizieren zuhören können.
In der Chronik zum 125jährigen Bestehen des Vereins hat der langjährige – nunmehr verstorbene – Präsident, Meinrad Lienert, geschrieben: „Wir musizieren vor allem deshalb, weil wir es gerne tun und weil es unser eigenes Leben bereichert; wenn wir darüber hinaus gelegentlich auch andern Freude bereiten können – umso besser.“
Dezember 2015
Ruth Thalmann, Präsidentin
Diese Zusammenfassung stützt sich auf die Protokollbücher des Vereins und die folgenden Chroniken:
Publikationen 1916, 1966 und 1991 im Einsiedler Anzeiger, Jubiläumsschrift 1991 von Meinrad Lienert-Kälin und Maturaarbeit von Emil Reichmuth.