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"Seneca und der Tyrann: Die Kunst des Mordens an Neros Hof" von James Romm
Lesetipp von Klaus Egli
"Nicht wer zu wenig hat, sondern wer mehr begehrt, ist arm", schrieb der Philosoph Seneca, der sich als Stoiker der Bescheidenheit verpflichtet fühlte. Gleichzeitig führte er aber ein Leben in Saus und Braus und nutzte seinen politischen Einfluss am Kaiserhof Neros skrupellos, um sich zu bereichern. Der Hof Neros (37-68 n. Chr.) glich einem Haifischbecken, in dem niemand seines Lebens sicher war. Senecas Aufgabe war es, Nero auf dessen künftige Rolle als Kaiser vorzubereiten und mäßigend auf dessen schwierigen Charakter einzuwirken. James Romm beschreibt packend ein kaiserliches Familiendrama und deckt die widersprüchliche Persönlichkeit Senecas auf. Der Stoiker war tiefer in Neros Terrorregime verstrickt als bisher angenommen. Welchen Stellenwert haben die moralischen Schriften Senecas angesichts dieser Erkenntnisse? Müssen wir sie als Propaganda und als Rechtfertigungen lesen oder sind Texte unabhängig vom Leben und Charakter eines Autors? Eine durchaus zeitgemässe Fragestellung.