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Abgefahren!
Per Zufall
Der kleine kurzgeschorene Mann im Nebenabteil weckt meine Aufmerksamkeit, als er auf seinem Handy während mindestens einer Minute in voller Lautstärke Balkan-Sound trällern lässt. Seltsam, denke ich. Seltsam auch, dass er mich regelmässig mustert, während ich am Laptop arbeite.
In Winterthur muss er raus. Ich bleibe im Zug – und sehe aus dem Augenwinkel, wie ihm etwas zu Boden fällt. Ich will ihm noch hinterherrufen, kann aber nicht genau erkennen, ob es sich um Abfall oder etwas Wichtiges handelt. Ein silbrig verpackter Kaffee-Pad? Ein portioniertes Gömfeli? Take-Away-Güsel? Während ich noch überlege, ist er schon weg. Ich lese das ominöse Stück auf und staune: ein verpacktes Kondom – Werbung für eine Callboy-Agentur.
Ob der Mann vom Nebenabteil das Ding absichtlich hat fallen lassen, im Sinne von «beiläufiger Akquise»? Netter Trick, denke ich und tue, was ich in solchen Situationen immer tue: Ich google. Den Kurzgeschorenen erkenne ich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit wieder unter den «gutaussehenden, seriösen und intelligenten» Callboys. Dafür entdecke ich etwas anderes: Ich weiss jetzt, warum der graumelierte Frauenversteher aus meinem Yogakurs nicht jede Woche auftaucht.