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«Der Mann, der so genial Klavier spielt, heisst Vadim Neselovskyi. Er hat einen deutschen und einen ukrainischen Pass. Er ist Professor am Berklee College of Music in Boston, der besten Musikschule der Welt. Er spielt mit den Grössten des Jazz. Hierzulande kennt kaum einer den 44-Jährigen. Das sollte sich ändern – jetzt mit seinem Album „Odesa“. Gemeint ist Odessa, die Millionenstadt am Schwarzen Meer, in der zurzeit Raketen einschlagen. Neselovskyi ahnte davon nichts beim Aufnehmen, er hat zwei Jahre an dem Album gearbeitet, kurz vor Kriegsausbruch war es fertig.
Egal, ob man Klassik liebt oder Jazz oder Chanson oder Ragtime – all das wird hier eins. Manch eine Passage erinnert ein wenig an die Stücke von Charlie Chaplin, der ja auch komponierte, oder an George Gershwin, vor allem an den „Amerikaner in Paris“ – kraftvolle Musik, sehr intellektuell, aber immer noch voller Swing. Und dann kommt ein Solo, eine so markante und klare Improvisation, die mühelos das oberste Niveau des aktuellen Jazz erreicht.» (FAZ)
Der ukrainischer Pianist und Komponist, der in New York City lebt, ist Professor für Jazzklavier am Berklee College of Music in Boston, Massachusetts. Neselovskyi schloss sich 2004 dem Generations Quintet des sechsfachen Grammy-Preisträgers Gary Burton an, das aus zukünftigen All-Stars wie Julian Lage, Luques Curtis und James Williams besteht, und arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Pianist und Arrangeur für Gary Burton, mit dem er durch die USA, Europa und Japan tourt. Zu seinen jüngsten Auftritten mit Burton gehören das Newport Jazz Festival (mit Marcus Gilmore am Schlagzeug), das Chicago Jazz Festival und das Detroit Jazz Festival. Seine Arbeit ist auf drei Aufnahmen von Gary Burton zu hören: Next Generation (Concord) als Pianist, Komponist und Arrangeur, If You Love Me (Cam Jazz) als Arrangeur und auf Common Ground (Mack Avenue) als Komponist. Die „Next Generation“-CD erreichte am 27. April 2005 Platz 1 der Jazzweek-Charts in den USA.
«Als er diese Suite komponierte und einspielte, konnte er noch nichts vom Krieg in der Ukraine wissen: Der Pianist Vadim Neselovskyi, der in Odessa geboren und aufgewachsen ist, hat sein 13-teiliges, knapp einstündiges Werk «Odesa», das er im Untertitel «A Musical Walk Through a Legendary City» nennt, bereits 2020/21 in Bremen und Köln eingespielt. Es erinnert in seiner programmmusikalischen Anlage an Modest Mussorgskys «Bilder einer Ausstellung».
In melodischen Klangbildern, die Elemente von der deutschen Romantik über den Swing bis zum zeitgenössischen Jazz verarbeiten, schildert es etwa den Winter in der Stadt am Schwarzen Meer, den Bahnhof, die berühmte Potemkin-Treppe, aber auch das erste Rockkonzert, das der junge Mann hier erlebte.
Neselovsky, der 1977 in eine jüdische Familie geboren wurde, kam 1995 als sogenannter Kontingentflüchtling nach Deutschland. Später studierte er an der Berklee School of Music in Boston, wo er inzwischen selbst Professor ist. Zehn Jahre lang hat er mit dem Vibrafonisten Gary Burton zusammengearbeitet, auch mit Herbie Hancock und Lee Konitz war er unterwegs.
Er ist ein vorzüglicher Techniker und versierter Komponist. Die Hommage an seine Heimatstadt hören wir heute auf völlig andere Weise, als wir es vor dem 24. Februar 2022 getan hätten. Auch Vadim Neselovskyi kann, wie er in einem Interview mit der «FAZ» gesagt hat, nur noch an die Verheerungen des Krieges denken. (Sunnyside Records)» (Manfred Papst, NZZ Magazin vom 24.5.2022)