Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03612.jsonl.gz/2634

WALDSTANDORT
Vom Boden zum Himmel, von den Wurzeln zu den Blättern
Warum wächst dieser Baum gerade hier?
Ein Baum benötigt drei Elemente, um wachsen zu können:
- Feuchtigkeit, die vom Bodentyp, von der Topographie und den Niederschlägen abhängt;
- Angebot an Nährstoffen, das sich je nach Boden, Untergrund und der Topographie ändert;
- Wärme, die von der Höhenlage und der Exposition abhängt.
Je nach Baumart benötigt ein Baum mehr oder weniger von einem dieser Elemente. Deswegen wachsen auch nicht alle Baumarten an den gleichen Standorten.
Ist dieser Wald natürlich?
Ein«naturnaher» Wald sieht so aus, wie er ohne menschliche Eingriffe wachsen würde. Um zu erfahren, was natürlicherweise wachsen würde, muss der „Standort“ oder die Pflanzengesellschaft (Gruppe von Pflanzen, die miteinander wachsen) beobachtet werden. Jeder Standort ist das Ergebnis von speziellen Bedingungen.
Er ist abhängig:
- vom Bodentyp
- vom Klima
- von der Höhenlage
- von der Exposition
- und von der Vegetation
Unsere Wälder werden seit mehreren Jahrhunderten genutzt, und der Mensch hat immer diejenigen Arten begünstigt, die ihm nützlich waren. Die Fichte, auch Rottanne genannt, wurde deshalb im Mittelland stark favorisiert, obwohl sich diese Baumart früher nur sehr selten unterhalb von 1000 m. ü. M. fand. Hier befinden wir uns in der Waldgesellschaft „Buchenwald mit Lungenkraut“. Der Baumbestand würde zu 90% aus Buchen und 10% anderen Laubbaumarten bestehen. In der Krautschicht würden das Lungenkraut, das Bingelkraut und das Leberblümchen vorkommen. Jetzt können Sie den umgebenden Wald genau anschauen und versuchen, die natürlichen Abschnitte von denjenigen zu unterscheiden, die aus Pflanzungen entstanden sind.
-
Leberblümchen (Hepatica nobilis)
-
Buche (Fagus sylvatica)
-
Bingelkraut (Mercurialis perennis)
-
Lungenkraut (Pulmonaria obscura)
Querschnitt der Umgebung des Perolles-Sees. Je mehr man sich der Felswand von oben nähert, umso trockener und saurer wird der Boden. Am Fuss derselben sind die Böden dagegen nährstoffreich und feucht. Man gelangt sehr schnell vom sehr trockenen zum sehr feuchten Boden.
Vom ganz trockenen bis zum ganz feuchten Boden:
die Rutschbahn der Standorte
Auf dieser Höhe von 650 m ü. M. kommen hauptsächlich folgende Waldgesellschaften vor:
- Buchenwälder auf normalen Böden;
- Eschenwälder an feuchten Stellen;
- Weiden- und Erlenwälder, wo man die Füsse im Wasser hat.
- Kleine Eichenwälder oder sogar Föhrenwälder an den trockensten Stellen.
Wegen der Topographie, finden sich fast alle dieser Waldstandorte im Reservat des Perolles-Sees. Dies zeigt die Einzigartigkeit dieses Gebiets auf.
Frage 1
Würde der Wald ohne die Existenz des Menschen das ganze Schweizer Mittelland bedecken? Wieso?
Ohne die Anwesenheit des Menschen würde der Wald den grössten Teil des Mittellandes bedecken. Verschiedene Waldtypen hätten sich entsprechend der herrschenden Bedingungen (Klima, Boden und Geologie) entwickelt. Nur die nässesten Gebiete wären waldfrei geblieben (Hoch- und Flachmoore).
Frage 2
Welcher Baum erträgt sehr trockene und sehr feuchte Bedingungen?
- die Buche
- die Eiche
- die Föhre
- die Weide
Die Föhre erträgt sehr gut sehr trockene oder sehr feuchte Böden. Dies sind denn auch die einzigen Stellen, wo diese Baumart natürlicherweise dominiert. Auf produktiveren (weniger extremen) Standorten kann die Föhre eine Pionierrolle einnehmen, aber sie wird anschliessend schnell von anderen Arten konkurrenziert und verdrängt.
Texte: Anne-Laure Besson
Fotos: Anne-Laure Besson und Robert Jenni
Illustration: rmgdesign