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14. Dezember 2017
CHARLES ATLAS
Seit knapp 50 Jahren zählt der US-amerikanische Künstler Charles Atlas (*1949 in St. Louis, Missouri) mit seinen komplexen Videoinstallationen und wegweisenden filmischen Dokumentationen von Tanz- und Performancekunst zu den wichtigsten Figuren im Bereich Film und Video. Bekanntheit erlangte Atlas im Zuge seiner Zusammenarbeit mit Choreografen wie Merce Cunningham (1919–2009) und Michael Clark (*1962) sowie dem Modedesigner und Performancekünstler Leigh Bowery (1961–1994). Sein künstlerisches Umfeld deckt sich dabei weitgehend mit dem sozialen: Die Arbeiten aus den 1980er und 1990er Jahren sind vielfach Porträts von Weggefährten aus dem New Yorker Underground- und Zeitmilieu, die sich im Kontext der Sub- und Popkultur mit Fragen nach Bio-, Körper- und Identitätspolitik auseinandersetzen. Atlas’ Bildsprache gilt bis heute als wichtige Referenz für jüngere Generationen von Filmemachern; so etwa seine Kameraarbeit für den fiktionalen Dokumentarfilm Hail the New Puritan (1986), in dem die Kamera zum aktiven Gegenüber wird. Bezeichnend für Atlas’ Schaffen ist die permanente Neuauslotung der Ausdrucksmöglichkeiten zeitbasierter Medien. Bereits in den späten 1970er Jahren experimentierte er mit Bildverfremdungsmomenten wie dem Chroma-Key-Verfahren. Die neueren, technisch oft sehr komplexen Videoinstallationen zeichnen sich durch ihren abstrakten Charakter aus und spielen mit einer Ikonografie geometrischer Formen oder Zahlenfolgen. Dabei geht Atlas ebenso Fragen zur Aufteilung und Strukturierung des Bildraums nach wie zeitgenössischen repräsentationspolitischen Überlegungen. Das Migros Museum für Gegenwartskunst zeigt nun die erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers in der Schweiz, welche Werke aus den letzten 20 Jahren vereint, darunter auch eine neue, eigens für die Ausstellung realisierte Arbeit.