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Er ist gebürtiger Tscheche, heute 92 Jahre alt, Überlebender des Holocaust, erfolgreicher Künstler und Professor für Grafik, bescheiden und optimistisch.
Manfred Lütz, ein deutscher Psychologe und Theologe führte mit Jehuda Bacon in Jerusalem Gespräche und publizierte sie unter dem Titel “Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden”.
Die Lektüre berührt mich tief und motiviert mich mehr über diese jüdische Persönlichkeit zu erfahren. Im Bayrischen Rundfunk entdecke ich die Dokumentation “Yehuda Bacon – Glück ist eine Möglichkeit”.
Ich sehe einen älteren Herrn mit weissem Haar, leuchtenden Augen, einem sanften Lächeln, welcher sich genau auszudrücken vermag und seine mündlichen Informationen mit lebhafter Körpersprache bereichert.
Er verlor seine Eltern und eine Schwester im Konzentrationslager, selber überlebte er drei Jahre Todeslager.
Sachlich schildert er im Gespräch dort Erlebtes und Beobachtetes. Sehr auffällig ist das Fehlen von negativen oder belastenden Emotionen in seinen Schilderungen des Schreckens.
Yehuda Bacon ist durchdrungen von der Überzeugung, dass in jeder Person ein positiver Funke vorhanden ist, dieser in Grenzsituationen auflodern kann.
Bewegend sind seine Beschreibungen, wie Kinder und Jugendliche einander in den anspruchsvollsten Momenten Hilfe leisteten, ohne von Erwachsenen angeleitet zu werden.
Schlussendlich geht es seiner Meinung nach um Herzensbildung, eine angeborene Güte, welche für ihn unabhängig von Bildung und Status funktioniert.
Nach dem Krieg fand der sechzehnjährige Jehuda Halt und Unterstützung bei Premysl Pitter, welcher in der Nähe von Prag sich um Waisenkinder kümmerte.
Beim Lesen dieser Textabschnitte kommt mir Johann Heinrich Pestalozzi in den Sinn.
Die Menschlichkeit und das liebevolle Wesen von Premysl Pitter halfen Yehuda langsam wieder Vertrauen in die Spezie homo sapiens aufzubauen und zu erkennen, dass es gute Menschen gibt und es lohnenswert ist diese Erkenntnis weiter zu geben.
Für Yehuda kam vor allem die Ausdrucksform des bildnerischen Gestaltens in Frage.
Sein Talent fiel seinen Lehrpersonen auf, er erhielt kostenlosen Privatunterricht und konnte ab 1946 an der Bezalel Kunst Akademie in Jerusalem studieren.
In seinen Bildern, welche weltweit Beachtung fanden, thematisierte er auch immer wieder seine Erlebnisse im Konzentrationslager.
Seine Grundhaltung drückt sich für mich in seiner Aussage “lebe dafür, solange du kannst, bei den anderen noch ein Lächeln zustande zu bringen” wunderbar aus.
Auf der Rückseite seines Buchs schreibt Manfred Lütz: “Seit ich Jehuda Bacon begegnet bin, lebe ich anders, mein Leben ist heller geworden”.
Ich verstehe Herrn Lütz.
26. März 2021