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An der US-amerikanischen Antarktis-Station McMurdo wurden gleich 67 Forschungsprojekte abgesagt oder eingeschränkt, denn das US Antarctic Program steht vor logistischen Herausforderungen. Ein Hauptgrund ist der Wohnungsmangel, der durch die Pandemie verschärft wurde und Renovierungs-Projekte nur teilweise oder gar nicht ausgeführt werden konnten. Es fehlt zurzeit einfach an Unterbringungsmöglichkeiten für Forschende.
Die National Science Foundation NSF, verantwortlich für die Finanzierung des Antarktisprogrammes, hat 67 der 131 für den antarktischen Sommer 2023–2024 finanzierten Projekte abgesagt oder gekürzt. Die Kürzungen und Verschiebungen werden sich unweigerlich auf die Forschung auswirken, insbesondere bei Projekten, die kontinuierliche Datensätze oder zeitlich präzise Beobachtungen erfordern.
Von den Massnahmen überrascht wurde die Meeresbiologin Michelle Shero. Im Jahr 2019 bewilligte der NSF ein fünfjähriges Stipendium in Höhe von 1,1 Millionen US-Dollar zur Untersuchung des Fortpflanzungserfolgs von Weddellrobben im McMurdo Sound. Daraufhin wurde Michelle Shero und ihr Team für eine verkürzte Saison nach McMurdo geschickt.
Im Januar 2023 versicherte der NSF der Forscherin, dass ihr Team im Oktober für volle vier Monate in McMurdo im Einsatz sein würde. Im Hinblick auf die Forschungsarbeiten wurden im Juni Ausrüstung und Vorräte im Wert von rund 200’000 US-Dollar eingepackt und verschickt.
Im Juli kam überraschend die Wende. Shero wurde mitgeteilt, dass in der McMurdo-Station nicht genügend Betten vorhanden seien, um ihr fünfköpfiges Team unterzubringen. Diese Zahl ist aber mindestens nötig um einen sicheren Umgang mit den Tieren, die bis zu 500 Kilogramm wiegen können, gewährleisten zu können.
Michelle Shero, die seit ihrem ersten Besuch als Doktorandin im Jahr 2011 zehnmal in die Antarktis gereist ist, ist bestens damit vertraut, wie die Dinge funktionieren sollen. Sobald das NSF einem Forschungsvorschlag grünes Licht gibt, stellt ein privater Auftragnehmer die Logistik für die Umsetzung bereit. Der Logistiker «Leidos» hat seit 2016 im Rahmen eines Logistikunterstützungs-Vertrags fast 2,7 Milliarden US-Dollar erhalten. Der Vertrag mit «Leidos» läuft im März 2025 aus.
Jennifer Burns, Meeresbiologin von der Texas Tech University meint: „Früher war es der schwierigste Teil, ein NSF-Stipendium für die Arbeit in der Antarktis zu erhalten, und sobald man das Stipendium bekam, wusste man, dass man wirklich coole Wissenschaft betreiben konnte. Aber etwas hat sich geändert. Und solange wir nicht genau verstehen, warum es so schiefgelaufen ist, wäre ich sehr vorsichtig, wenn ich jemandem sagen würde, dass er eine Karriere rund um die Forschung in der Antarktis aufbauen sollte“.
COVID hat den Bau neuer Einrichtungen verzögert
Die COVID-19-Pandemie führte dazu, dass die meisten Bauarbeiten, sowie Forschungsprojekte zwei Jahre lang verzögert wurden. Als die Pandemie-Fälle in der Saison 2022–23 anstiegen, kamen die Arbeiten praktisch zum Erliegen. So wurde das 500-Millionen-Dollar-Renovierungsprojekt bei McMurdo in die Länge gezogen und die Anzahl der verfügbaren Betten sowohl für Forschende als auch für technisches Personal verringert.
Zu den vielen Verbesserungen, die das Renovierungsprojekt bei McMurdo umfasst, gehört auch ein neues Wohnheim. Um die Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren, wird das neue Wohnheim mit 285 Betten am gleichen Ort der alten Gebäude errichtet.
Das Timing des NSF hätte nicht schlechter sein können. Innerhalb weniger Monate nach dem Abriss hatte die Pandemie fast alle Aktivitäten der USAP zum Erliegen gebracht, einschliesslich der Arbeiten am neuen Wohnheim. Das neue Gebäude soll nun für die Saison 2025–26 fertig sein, drei Jahre später als ursprünglich geplant.
Heiner Kubny, PolarJournal