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Mähnenwolf
Chrysocyon brachyurus
© 1990 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Hunde»)
Kopfrumpflänge: ca. 11O cm
Schulterhöhe: ca. 85 cm
Gewicht: 20 - 25 kg
Der Mähnenwolf bewohnt die weiten Hochgras und Trockenbuschsavannen des zentralen Südamerikas. Den ersten Teil seines Namens verdankt er seiner dunklen Schultermähne, die er bei Auseinandersetzungen mit Rivalen drohend aufrichtet. Der zweite Namensteil ist weniger glücklich gewählt: Mit dem Wolf ist der Mähnenwolf nämlich nicht näher verwandt, und mit seinem grossohrigen, spitzschnauzigen Gesicht ähnelt er eher einem Fuchs als einem Wolf. Treffender ist da sein paraguayischer Name «aguara guazu» - zu deutsch «grosser Fuchs».
Das auffälligste Körpermerkmal des Mähnenwolfs sind zweifellos seine überlangen, schwarz «gestiefelten» Beine. Früher glaubte man, dass er wegen seiner langen Gliedmassen ein besonders schneller Läufer sei. In Wirklichkeit sind die «Stelzenbeine» aber eine Anpassung an das Leben im hohen Gras. So ausgerüstet, hat der Mähnenwolf immer einen guten Überblick über das «Grasmeer». Und zudem kann er von oben her seine Beutetiere zwischen den Gräsern leichter aufspüren.
Der Mähnenwolf schreitet mit seinen hohen Beinen merkwürdigerweise im Passgang. Das ist für ein Raubtier - und überhaupt im Tierreich - sehr ungewöhnlich. Bei dieser Gangart werden jeweils Vorder- und Hinterbein derselben Körperseite angehoben und nach vorne bewegt - und nicht «über Kreuz». Um dabei nicht umzukippen, ist bei jedem Schritt eine Gewichtsverlagerung erforderlich. Dies ergibt dann jenes eigenartig schaukelnde «Schlendern», das wir etwa vom Kamel her kennen.
Im Gegensatz zu den «echten» Wölfen sind die Mähnenwölfe keine Rudeltiere: Sie wohnen paarweise in etwa 25 Quadratkilometer grossen Revieren, streifen aber ausserhalb der Paarungszeit und der Zeit der Kinderbetreuung als Einzelgänger umher. Sie sind auch keine Hetzjäger wie diese, sondern stille Pirschgänger, die vor allem kleinere Tiere wie wilde Meerschweinchen, Tinamus (Steisshühner) oder Teju-Echsen erwischen. Vogeleier, Insekten, Schnecken, Früchte und Wurzeln sind ihnen als «Zwischenverpflegung» aber ebenso willkommen.
Mähnenwölfe sind sehr scheue Tiere, welche die Nähe des Menschen nach Möglichkeit meiden. Das gelingt ihnen allerdings immer weniger. Denn der Mensch gestaltet die Grasländer des zentralen Südamerikas Stück für Stück nach seinen Wünschen um und zerstört dadurch den Lebensraum der stelzenbeinigen Wildhunde. Wo vor kurzem noch unberührte Gras- und Buschlandschaften waren, da befinden sich heute ausgedehnte Pflanzungen, umzäunte Viehweiden und umfangreiche Dörfer. So werden die Mähnenwölfe leider immer weiter zurückgedrängt. Zwar sind sie in Brasilien und Argentinien gesetzlich geschützt, aber das hilft ihnen wenig, wenn ihnen nach und nach die Lebensgrundlage entzogen wird. Der Maehnenwolf steht heute auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten.
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