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Edition Tempéraments
„Als das Magnifikat gesungen war, spielte er (Balbatre) zwischen jedem Verse Fugen, Imitationen und allerlei andere Stücke, sogar Jagdstücke und Giquen, ohne dass die Versammlung, soviel ich merken konnte, im geringsten dadurch befremdet oder beleidigt ward.“ (Charles Burney 1770 über Claude Balbatre)
Claude Balbatre (1724-1799) muss ein regelrechter „Orgel-Star“ gewesen sein, dessen Orgelspiel im Gottesdienst von Kirchenvolk, gehobenem Bürgertum und Adel geschätzt, und dessen Auftreten in den Salons der feinen Gesellschaft die höheren Damen und Herren in Verzückung vesetzte. Was sonst hätte den Erzbischof von Paris dazu bewegen mögen, Balbatre 1762 das Konzertieren von Noëls vor dem Weihnachtsgottesdienst zu untersagen, da es im Vorfeld zu tumultartigen Szenen kam, da das Volk die Plätze nach dem Konzert nicht für die Messe freiräumen wollte.
Der vielseitig begabte Claude Baumont spielt die vier Noël-Suiten an der famosen Moucherel-Montbrun-Orgel (1741) von Cintegabelle, sowie an zwei historischen „Clavierinstrumenten“: einem Cembalo von 1750 und einem Hammerflügel aus dem Jahre 1798.
Dabei kann man sich wunderbar auch ein Bild davon machen, wie der virtuose Organist und Cembalist Balbatre nicht nur an den Orgeln von St. Roch oder Notre-Dame die Cornette singen, die Trompettes, Clairons und Cromornes ihre „Hellebarden“ schmettern, die Plein-jeux leuchten und ihre Voix humaines und Flûtes sehnsuchtsvoll klagen liess, sondern man sieht im Geiste auch in den Salons der adligen oder bürgerlichen Gesellschaft die edlen Damen fächerschwingend um Balbatres Cembalo und Fortepiano herumstehen und dessen Clavierkunst bestaunen und bewundern.
Die barocke Orgel von Cintegabelle ist natürlich das ideale Medium für diese – ehrlicherweise nicht besonders tiefgründige – aber damit nicht umso weniger unterhaltsame, humorvolle, charmante und lebendige Musik, die damals wie heute ihre Wirkung beim Publikum nicht verfehlen dürfte. Baumont spielt mit Vevre und Esprit und macht diese abwechslungsreiche Weihnachts-CD zu einem erfreulichen „Plaisir“ – fehlen nur noch der Glühwein und die Weihnachtsplätzchen…
Thomas Haubrich, im Dezember 2022
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