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Manchmal sind es simple Dinge, die wesentlich zur Lernmotivation beitragen - zum Beispiel die Wahl eines geeigneten Zeitpunkts.
Experimentieren Sie auch mit ungewöhnlichen Lösungen
Viele Eltern erwarten von ihrem Kind, dass es nach Hause kommen, sich eine halbe Stunde ausruht und dann die Hausaufgaben macht. Diese Regel wird in vielen Lernratgebern ausdrücklich empfohlen.
Es kann in der Tat sinnvoll und hilfreich sein, eine solche Regel einzuführen, um ständige Diskussionen rund um den Beginn der Hausaufgaben zu verhindern.
Aber: Während dieser Zeitpunkt für viele Kinder der richtige sein mag, fällt er bei anderen genau in ihr Leistungstief.
Manche Kinder sind nach der Schule zu müde, andere - beispielsweise Kinder mit ADHS - mussten sich bereits den ganzen Tag zusammenreissen, um still zu sitzen und würden sich nun gerne etwas bewegen.
Manchmal sind es gerade die etwas ungewöhnlicheren Lösungen, die die Lernmotivation eines Kindes positiv beeinflussen können.
Tanjas Eltern erzählten mir folgendes: "Tanja machte jeden Tag ein Theater, weil sie nicht mit den Hausaufgaben beginnen wollte. Auf ihre Frage, ob sie die Hausaufgaben nicht nach dem Abendessen erledigen könnte, sagte ich ihr jeweils, dass sie dann viel zu müde sei. Eines Tages war mir das "Gstürm" einfach zu viel und ich sagte ihr, dass sie es halt am Abend machen soll - sie würde dann schon selbst sehen, wie es ist, wenn sie sich um 19 Uhr noch dazu aufraffen muss. Allerdings war dann ich überrascht: Tanja blieb nach dem Abendessen am Esstisch, packte ihre Sachen aus und machte rasch und gründlich die Hausaufgaben. Seither lasse ich sie die Aufgaben immer nach dem Abendessen erledigen - sie ist motivierter und ich geniesse es, dass ich sie nicht ständig dazu ermahnen muss, endlich anzufangen."
Cesars Eltern kamen zu noch einer spezielleren Lösung, wie mir sein Vater erzählte: "Cesar bekommt wegen seines ADHS Ritalin, dessen Wirkung nach der Schule jedoch rasch nachlässt. Früher wollten wir, dass er die Hausaufgaben gleich nach der Schule macht. Er war dann aber so hibbelig, dass es ihm äusserst schwer fiel, sich auf die Hausaufgaben einzulassen. Meist musste jemand von uns bei ihm sitzen und ihn ständig ermahnen, endlich vorwärts zu machen. Er schlich sich aufs Klo, sah aus dem Fenster und brauchte oft bis zu drei Stunden für die Hausaufgaben. Da Cesar ein ausgeprägter Morgenmensch ist, haben wir ihn die Hausaufgaben eines Tages am morgen vor Schulbeginn machen lassen. Und siehe da: Weil er genau wusste, dass er nur 40 Minuten Zeit hatte, um alles zu erledigen, bevor er sich auf den Weg machen musste, war er bereits nach einer halben Stunde fertig. Nun achten wir darauf, dass er am morgen 45 Minuten Zeit hat, um die Hausaufgaben zu machen. Cesar geniesst es sehr, dass er nun nach der Schule nach Hause kommen kann und weiss, dass er den Rest des Tages frei hat."
Sie können Ihr Kind einladen, ein spannendes Experiment zu machen. Sprechen Sie mit ihm darüber, dass nicht jeder Mensch zur gleichen Zeit ein Leistungshoch hat - dass es beispielweise Morgen- und Abendmenschen gibt - und dass Sie mit ihm zusammen herausfinden möchten, wann seine "Hochleistungszeit" ist. Sie können dazu ein Blatt erstellen, auf dem Sie verschiedene Zeiten auflisten, beispielsweise:
Montag: 30 Minuten nach der Schule / Resultat:_________________
Dienstag: Vor dem Abendessen / Resultat:_________________
Mittwoch: Nach dem Abendessen / Resultat:_________________
In die Zeile "Resultat" schreiben Sie und Ihr Kind jeweils, wie gut es mit der Erledigung der Hausaufgaben geklappt hat und wie motiviert das Kind war. Vielleicht zeigt sich nach einigen Tagen ein deutliches Muster - und vielleicht sind Sie und Ihr Kind überrascht, wann sich die Hausaufgaben am besten erledigen lassen.
Lassen Sie Ihr Kind den Zeitpunkt bestimmen
Manchmal fragen mich Eltern, ob sie den Zeitpunkt bestimmen sollen, oder ob es besser ist, wenn das Kind selbst bestimmt, wann es die Hausaufgaben machen soll.
Dabei sind zwei Überlegungen wichtig:
- Einerseits kann mehr Freiheit und Selbstbestimmungsrecht die Motivation des Kindes positiv beeinflussen.
- Andererseits bringt mehr Freiheit auch mehr Verantwortung mit sich. Das Kind darf zwar selbstbestimmter mit den Hausaufgaben umgehen, benötigt dazu aber mehr Selbstdisziplin.
Aus diesem Grund fragen sich viele Eltern, ob es nicht zum Problem werden könnte, wenn sie ihr Kind selbst bestimmen lassen. Was ist, wenn das Kind mit der Verantwortung nicht umgehen kann?
Manche Eltern fragen mich, ab welchem Alter ein Kind die Verantwortung selbst übernehmen kann. Diese Frage lässt sich nicht beantworten. Es gibt Erstklässler, die wunderbar alleine zurecht kommen - und Kinder in der sechsten oder siebten Klasse, die noch viel Hilfe und Struktur von aussen benötigen.
Mit solchen Überlegungen dreht man sich meist im Kreis. Es ist hilfreicher, wenn Sie weniger nachdenken und mehr ausprobieren - zum Beispiel, indem Sie Ihrem Kind einen Vertrauensvorschuss gewähren und dann überprüfen, ob es in der Lage ist, die Verantwortung zu übernehmen. Dazu könnten Sie dem Kind beispielsweise folgendes vorschlagen:
"Ich habe mich gefragt, ob wir nicht ein Experiment machen wollen. Du möchtest doch gerne selbst bestimmen, wann du die Hausaufgaben machst. Wie du weisst, mache ich mir da immer ein wenig Sorgen, ob das klappt... Ich möchte es aber gerne ausprobieren. Ich mache dir folgenden Vorschlag: Du darfst eine Woche selbst bestimmen, wann du die Hausaufgaben machst. Wenn es klappt, darfst du eine weitere Woche bestimmen. Wenn es nicht klappt, bestimme bis Ende Monat wieder ich, wann du damit anfängst. Bist du damit einverstanden?"
Wichtig ist dabei, dass nicht erwartet wird, dass es jeden Tag gut klappt. Es reicht, wenn es meistens funktioniert (Mal im Ernst: Wenn Sie sich eine To-Do-Liste für den Tag erstellen - wie gross ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass Sie wirklich alles erledigen, was Sie sich vorgenommen haben? Ich bin in jedem Fall schon froh, wenn ich 60 Prozent schaffe. Wir sollten von Kindern nicht mehr erwarten, als von uns ;-). Zudem sollte das Kind nach einer bestimmten Zeit eine neue Chance erhalten. Sprechen Sie mit ihm darüber, wie es alleine sicherstellen könnte, dass es die Hausaufgaben rechtzeitig erledigt und fragen Sie es, was es bei einem neuen Versuch noch besser machen könnte als beim letzten.
Manche Kinder mögen es, wenn man mit ihnen ganz feierlich und förmlich eine Abmachung trifft - zum Beispiel mit einem Vertrag, auf dem die Regelung schwarz auf weiss festgehalten wird.
Tipp: Wenn Sie noch mehr darüber wissen möchten, wie Sie Ihr Kind beim Lernen sinnvoll begleiten können, empfehlen wir Ihnen gerne unser Elternseminar "Die besten Lernstrategien für Primarschulkinder"
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Die Psychologen Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler leiten zusammen die Akademie für Lerncoaching in Zürich. Sie gestalten Seminare für Eltern, Weiterbildungen für Fachpersonen und Bücher rund um das Lernen.
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