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Hochgeachteter Herr & Freund!
In höflicher Erwiederung Ihres geschätzten Schreibens von letzthin kann ich mich mit dem Verfahren, welches Sie in Betreff des geologischen Gutachtens über eine Gotthardtbahn eingeschlagen, nur einverstanden erklären.
Mit diesen Zeilen bezwecke ich hauptsächlich, darauf zu dringen, daß die in der letzten Sitzung des Gotthardt ausschusses beschlossenen Maaßregeln betreffend Erhältlichmachung eines auf der Höhe der Aufgabe stehenden Gutachtens über den Gotthardt vom technischen Standpuncte aus ohne Verzug in's Werk gesetzt werden. Die Verhältnisse scheinen mir dazu angethan zu sein, daß | Sie in Ihrer Stellung als Präsident des Ausschusses die betreffende Commission zu beförderlicher Lösung der von ihr übernommenen Aufgabe anhalten sollten. Hr. Peyer im Hof, der in Privatangelegenheiten in Turin war & dort mit den sämmtlichen Ministern, mit Jacini, mit Pioda u. s. f. über die Alpenbahnangelegenheit Rücksprache genommen hat, sagt mir nämlich, daß sich zwar die Chancen für den Gotthardt wesentlich verbessert zu haben scheinen, daß aber allgemein & von denen, die es mit dem Gotthardt am besten meinen, am meisten über das fortgesetzte Ausbleiben von Plänen, Gutachten u. s. f. betreffend dieses Alpenbahnproject geklagt werde. Peyer fügte bei, daß | man sich allem Anscheine nach in Italien viel bälder mit der Alpenbahnfrage beschäftigen dürfte, als es dießseits der Alpen angenommen werde. Peyer empfahl deshalb dringend, das Erscheinen des technischen Gutachtens möglichst zu beschleunigen. Dabei bemerkte er mir, Hr. Pioda habe ihm für den Fall, daß wir die Mitwirkung eines Italienischen Ingenieurs für das technische Gotthardtgutachten wünschen sollten, den Hrn. Tarducci, Ingenieur du chemin de fer de Siena à Rome empfohlen. Es wäre vielleicht sehr zweckmäßig, diesen Mann noch in Mitwirkung zu ziehen, wie wir es uns von Anfang an gegenüber den Experten vorbehalten haben, auch einen Italienischen Ingeni| eur dem Expertencollegium beizugesellen. Vielleicht daß durch denselben manche Vervollständigungen des Expertengutachtens, die wir wünschen, herbeigeführt werden könnten.
Obgleich ich durch das eher sich verschlimmernde Befinden meiner Frau in eine Stimmung versetzt bin, welche der Behandlung von Geschäften Vorschub zu leisten nicht geeignet ist, wollte ich gleichwol nicht verfehlen, Sie auf die Situation in Italien, wie sie nach den authentischen Berichten des Hrn. Peyer beschaffen ist, aufmerksam zu machen.
In ausgezeichneter Hochachtung
Ihr freundschaftlich ergebener
Dr A Escher
Belvoir
12 Juni 1864.