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Bänkli am Predigtweg
Weg (Rundweg) Neben dem Friedhof Haslifeld auf der Freimettigenstrasse bis zur Gemeindegrenze auf der Anhöhe gehen (links: Wohnhaus, rechts Grenzstein). Dort rechts hinauf der Gemeindegrenze entlang bis zum Predigtweg am Waldrand hinaufsteigen. Dann dem Predigtweg entlang in Richtung Oberdiessbach bis zum gelben Bänkli am Waldrand spazieren (= Wegpunkt). Fortsetzung: Weiter dem Predigtweg entlang in Richtung Oberdiessbach bis zum Wegweiser gehen, dort rechts hinunter bis zum Friedhof Haslifeld spazieren.
Wir befinden uns am Schlusspunkt der Infowege Oberdiessbach. Die erste Siedlung, die frühestens vor 2300 Jahren (La Tène-Funde) am Diessbach entstand, hat sich zu einem regionalen Wirtschaftszentrum mit 3500 Einwohnern und 1200 Arbeitsplätzen entwickelt. Während die Kelten und Alemannen jeden Quadratmeter dem damaligen Urwald abringen mussten, gehören heute von der Gesamtfläche des Dorfes (1304 ha) immerhin noch 603 ha zum Wald. Während 1261 – kurz nach der historisch ersten Nennung Diessbachs – ausser dem Burgherrn, dem Priester, dem Betreiber der Mühle und einigen Handwerkern die meisten Bewohner Bauern waren, arbeiten heute noch etwa 6,5% der Bevölkerung in der Land-und Forstwirtschaft, 33% im Bereich Handel und Gewerbe und ungefähr 60,5% in Dienstleistungsbetrieben. Dazwischen gab es viele Entwicklungsschritte.
Dorfentwicklung
Historisch gesehen ist die Kirche Oberdiessbach (vielleicht 11. Jh.) älter als der kyburgische Weiler Diessbach. Oberdiessbach hat von daher gesehen, so könnte man sagen, einen geistlichen Grund. Kirchen lösten damals auch wirtschaftliche Impulse aus. Im Ehevertrag von 1218 zwischen dem Grafen Ulrich von Kyburg für seinen Sohn Hartmann IV. und dem Grafen Thomas I. von Savoyen zu Handen seiner Tochter Margaretha war der Hof Diessbach Teil der kyburgischen Ehesteuer. Die Hochzeit fand zwar statt, die beiden Eheleute haben sich aber wohl nie hier niedergelassen. Somit blieb der Hof Diessbach in einheimischer Hand.
Die Burg auf dem Diessenberg (12. Jh.) war strategisch wichtig – sowohl für Thun wie auch für Bern. Für die weitere Entwicklung entscheidend war aber der Einfluss der beiden Patrizierfamilien v. Diesbach und v. Wattenwyl. Beide mischten an vorderster Front bei den Regierungsgeschäften des aufstrebenden Staates Bern mit, holten sich weit über die Eidgenossenschaft hinaus militärische Verdienste und verschafften so der Herrschaft Diessbach eine wichtige Stellung. Die Sympathie der Familie v. Wattenwyl für die Reformation und der Einsatz für den Pietismus gab der
Dorfgemeinschaft geistliche und bildungspolitische Impulse. Das Dorf entwickelte sich zuerst an den Ufern des Diessbaches mit der Kirche und der Speisewirtschaft Löwen als Eingangstore. Die historische Hauptgasse ist deshalb die Kirchstrasse mit ihren dicht nebeneinander stehenden Wohn-und Gewerbehäusern vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die erste Kirchenuhr (Ende des 16. Jh.) zeigte die Zeit dementsprechend vorerst in dieser Richtung an. Anschliessend wuchs das Dorf vorwiegend in Richtung Süden, der Strasse entlang, die von Konolfingen via Haslifeld und Kirche über das Helisbühl nach Thun führte. Der Bau der befestigten Strasse am rechten Ufer der Kiesen von Konolfingen nach Diessbach leitete den nächsten Entwicklungsschritt ein. Nun wurden in der «Lorraine» entlang der heutigen Burgdorfstrasse Gewerbe-und Wohnbauten sowie weitere Speisewirtschaften gebaut. Somit war die heutige Hauptachse geschaffen – mit Wohn-und Gewerbehäusern aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Gewerbesiedlungen entwickelten sich v.a. dank der Mühlen und Wasserräder zuerst am Diessbach und dann an der Kiesen. Oberdiessbach erhielt im Gebiet des nördlichen Dorfeingangs schliesslich eine eigentliche Industriezone mit mittleren und grösseren Betrieben.
Einen starken Impuls gab 1899 naturgemäss der Bau der ersten elektriﬁzierten Eisenbahn der Schweiz, der Burgdorf-Thun-Bahn mit einer Station in Oberdiessbach. Nun waren der Entwicklung vom Bauerndorf zum Gewerbe-, Industrie-und Dienstleistungsort mit teilweise kleinstädtischen Zügen sozusagen keine Grenzen mehr gesetzt. Dem Dorfkern wurden nun Wohnquartiere angegliedert. Aus dem Ende des 19. und dem ersten Drittel des 20. Jh. stammt eine Gruppe grosszügiger Wohnhäuser im Gebiet zwischen der Schloss-Strasse und der Lindenstrasse (darunter die «Neuenschwander-Villen»). Später kamen die Überbauungen westlich der Burgdorfstrasse (Rain), die «Hube» und östlich das Quartier Kirchbühl dazu. In jüngerer Zeit wurden und werden nur noch Lücken oder Randgebiete verbaut, etwa der Hang oberhalb des Diessenhofes (Hohlenhaus). Als regionales Zentrum verfügte Oberdiessbach lange über zahlreiche Einkaufsläden und Speisewirtschaften. Sie spüren zunehmend den Sog der städtischen Zentren in der Umgebung oder – im Fall der Läden – auch die Anziehungskraft des Internets als Möglichkeit, digital einzukaufen. In verschiedenen Bereichen ist Oberdiessbach zu einem regionalen Zentrum geworden. Die Oberstufe der Schule wird auch von den Schülern aus Linden, Herbligen und Brenzikofen besucht. Auch im Bereich des Sozialdienstes und der Feuerwehr gibt es eine Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden. Die Kirchgemeinde umfasst heute neben dem Dorf (inkl. Aeschlen und Bleiken) auch die Gemeinden Herbligen, Brenzikofen und Freimettigen. Sie hat zunehmend auch eine regionale Ausstrahlung. Für die Dorfentwicklung wichtig waren und sind weiter die heute rund 35 Vereine und vier Parteien. Ein zukunftsweisendes Beispiel für die Vernetzung ist zudem der Holz-Wärmeverbund Hewo mit seiner leicht erhöhten Heizzentrale nördlich des Dorfes. Daran sind mehrere grössere Firmen und viele Privathaushalte im Dorf angeschlossen.
Oberdiessbach ist über die Jahrhunderte eine lebens-und liebenswerte Gemeinde geblieben. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ob dies auch in Zukunft so bleiben wird, entscheidet sich an der Initiative jedes Einzelnen.