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Die aktuelle Rezession in den USA könnte sich als die längste seit 1933 herausstellen. Das erklärt auch, warum es für Anleger derzeit so schwer ist, den Aktienmarkt einzuschätzen. Frühere Beurteilungsmodelle, wie etwa künftige Unternehmensgewinne oder das Zinsumfeld, haben sich in der aktuellen wirtschaftlichen Ausnahmesituation als verfehlt und ungeeignet erwiesen. Viele hatten angezeigt, dass Aktien billig seien und es Zeit sei zu kaufen, aber die Aktien fielen trotzdem weiter.
Seit der Grossen Depression währten nur zwei Rezessionen länger, die erste endete 1975, die andere 1982. Jede dauerte 16 Monate. Die aktuelle hält bereits seit Dezember 2007 an. Wenn sie, wie Experten vermuten, auch nach März noch anhält, wäre sie die längste seit der 43 Monate währenden, die 1933 endete. Der Dow Jones Industrial Average ist seit seinem Novembertief um rund 20% gestiegen, der Standard & Poors-500-Aktienindex ebenso. Anleger hoffen, das Schlimmste sei überstanden. Aber andere vertrauen den Standardmodellen nicht mehr. Sie überlegen sich, was zu tun ist, wenn Märkte und Wirtschaft unruhig bleiben.
Moderate Gewinne sind möglich
«Nach dem, was wir in den letzten sechs Monaten erlebt haben, gibt es eine gute Chance, dass die Wirtschaft in der Lage ist, in der nahen Zukunft ein gutes, moderates Wachstum zu produzieren», meint Gordon Fowler, Investmentchef beim Vermögensverwalter Glenmede Trust. Fowler und seine Kollegen rückten von bisherigen Bewertungsmodellen ab, stellen vielmehr fünf mögliche Szenarien für die Zukunft zusammen und stufen diese nach Wahrscheinlichkeit ein. Als am wahrscheinlichsten schätzten sie anfangs eine moderate Erholung ein - gut für Aktien. Doch da sich die Wirtschaft stärker verschlechterte als angenommen, veränderten sie ihren Ausblick. Sie gehen nun von einem schleppenden Wachstum für eine längere Periode aus, was nicht gut für Aktien wäre. «Es ist gut möglich, dass man ein bis zwei Jahre warten muss, bis es bei Wertpapieren wieder nachhaltige Gewinne gibt», so Fowler.
Der Erfolg liegt in der Geduld
Die meisten Geldmanager lernten ihren Beruf in den 80er und 90er Jahren, als sich Aktien von einem Abschwung immer schnell erholten. Anleger entwarfen Modelle, die ihnen halfen, während solcher Perioden Aktien auszuwählen. Heute scheint der Erfolg im Markt eher mit Geduld verbunden zu sein als mit einem schnellen Aufschwung. Wenn man die Aktienkurse mit jenen von in die Höhe geschossenen Schatzanweisungen vergleicht, sind Aktien so billig wie 1974, sagt Michael Darda, Chefökonom beim Broker MKM Partners. Aber die panikartige Einschätzung von Bonds ist sicher nicht die beste Grundlage, um die künftige Aktienkursentwicklung abzusehen.
Auch beim Blick auf die Unternehmensgewinne befinden sich Aktien auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Problem: Aktien wurden während fast der ganzen Zeitspanne über ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt. Nur weil sie jetzt darunter liegen, heisst das nicht, dass sie bald wieder darüber liegen werden: «Die Vorstellung, dass jetzt ein einzigartiger Kaufzeitpunkt ist, stimmt nicht mit den historischen Daten überein», sagt Darda.