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Es war im Jahr 1995 als Basil, damals 24-jährig, snowboarden geht. Leidenschaftlich brettert er die Piste runter. Nach einem erfolgreich gestandenen Trick fühlt sich Basil bestens und versucht kurz darauf einen weiteren. Dieser misslingt aber, Basil verkantet und überschlägt sich. Ein stechender Schmerz durchfährt seinen Körper «Ich merkte sofort: Jetzt ist etwas nicht mehr gut». Im Spital die Diagnose: Vierfacher Wirbelbruch. Basil erhält einen Gips und Schmerzmittel.
Jetzt ist etwas kaputt.
Basil klagt anfänglich über Verstopfungsprobleme. Die Ärzte sagen aber, dass dies ein normaler Nebeneffekt des Morphiums sei. Aber auch nach dem Absetzen der Schmerzmedikamente bleibt ein bedrückenedes Gefühl bei Basil, dass er seinen Darm nicht komplett entleeren kann.
Nach dem Morgenessen treibt es ihn jeweils regelrecht aufs WC. Dort verharrt er jeweils eineinhalb Stunden, bis er sich besser fühlt.
Von den Ärzten nicht ernst genommen
Seine Darmprobleme verhindern es zunehmend, dass Basil eine regelmässige Tätigkeit ausführen kann. Der gelernte Maschinenmechaniker und heutige Tätowierer schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, ist aber auch lange beim Sozialamt angemeldet. In den darauffolgenden Jahren werden seine Darmprobleme immer schlimmer. Auf einmal muss er bis zu 4 Stunden auf dem WC ausharren, bis er seinen Alltag meistern kann.
Darmprobleme sind nicht nur für normale Menschen ein Tabuthema, sondern auch für viele Ärzte.
Er vertraut sein Problem mehreren Ärzten an, fühlt sich aber von diesen nicht ernst genommen und erhält lediglich psychologische Ratschläge. «Mit der Zeit war ich einfach der komische Typ, der mit seinen Darmproblemen kommt.»
Für Basil ist es eine enorme Belastung. Die chronische Krankheit zwingt ihn mehrmals in die Knie, er erleidet mehrere Zusammenbrüche. Termine einzuhalten ist enorm schwierig für ihn, da diese innerlichen Stress bei ihm erzeugen, was den Zustand wiederum verschlimmert. Er fühle sich von der Gesellschaft in eine Rolle gezwungen, welche mit seinem Darmproblem nicht vereinbar ist.
Eine Diagnose nach 15 Jahren
2008 entschied sich Basil, er wolle sich das Leben nehmen. Doch nicht bevor er ein letztes Mal versucht, die Ursachen für seine Erkrankung zu ergründen. Es dauerte weitere zwei Jahre, bis ein Gastroenterologe mit einer Defäkographie, Link öffnet in einem neuen Fenster eine endgültige Diagnose stellen konnte. «Ich habe ihm mit Selbstmord gedroht, wenn er nicht herausfindet, was ich habe», erinnert sich Basil.
Mein Körper hat keine Freude an irgendwelchen Terminen.
Was sind Entero- und Rektozelen?
Enterozelen und Rektozelen sind medizinische Fachbegriffe, die Ausbuchtungen in der Enddarmwand (Rektozele) oder das Vorstülpen des Dünndarmes aus dem Bauchraum ins kleine Becken (Enterozele) bezeichnen. Durch das Verschieben der Organe kann eine Defäkationsstörung hervorgerufen werden. Diese Verschiebungen entstehen meistens durch Risse im Bindegewebe.
Konkret bedeutete dies für Basil, dass sein Dünndarm auf seinen Enddarm drückte, was bei ihm das permanente Gefühl hervorrief, dass er nicht richtig entleert sei. Somit verspürte er nonstop den Drang, auf die Toilette zu gehen müssen, ohne dass er wirklich musste.
Durch die Defäkographie wurde ersichtlich, dass sich im Darmtrakt Entero- und Rektozelen gebildet hatten, welche wahrscheinlich durch seinen Sturz entstanden sind. Zwei Operationen waren nötig, um diese zu entfernen. Das physische Problem war damit behoben. Da er aber 15 Jahre lang chronische Darmprobleme hatte, entwickelte sich auch eine psychische Komponente, welche ihn auch heute noch beeinflusst. Stress hat daher einen destruktiven Effekt auf seinen Alltag. Er führt auch heute noch zu starken Darmkrämpfen. Aufgrund dieser Krämpfe musste Basil zudem sein Tattoo-Studio aufgeben.
Basil bleibt zuversichtlich
Momentan macht Basil eine Abklärung, ob er IV-berechtigt ist. Es ist nicht absehbar ob er berechtigt ist, denn laut der Invalidenversicherung leidet Basil an einem Syndrom, welches per Definition heilbar sei.
Das Leben ist lebenswert!
Basil blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft. Denn die Hoffnung, eine Heilung zu finden, stirbt zuletzt.
S.O.S. – Sick of Silence
Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner Sendung mit Betroffenen.
Jeden Dienstag, 19-20 Uhr bei SRF Virus oder hier als Podcast.