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GESCHICHTE
Jesuitengymnasium und Jesuitenkirche 1574-1773
Die Luzerner Jesuitenkirche ist für eine doppelte Bestimmung errichtet worden: als Schulkirche für das Jesuitengymnasium und als Kirche für die allgemeine Seelsorgetätigkeit der Jesuiten. Die Patres kamen 1574 nach Luzern und konnten 1576 den Schulbetrieb aufnehmen.
Bis zur Mitte des folgenden Jahrhunderts ist die Zahl der Studierenden ständig gewachsen. In der Blütezeit wurde die Schule von 300-400 Studenten – in einer Stadt mit weniger als 4000 Einwohnern – besucht. So wurde es notwendig, eine grössere Kirche zu bauen.
Am Gedenktag des hl. Franz Xaver (1506-1552), am 3. Dezember 1666, wurde der Grundstein gelegt; am 29. August 1677 wurde die neue Kirche durch den päpstlichen Nuntius Edoardo Cibo eingeweiht.
Die Jesuitenkirche bleibt Schulkirche 1774-1966
Die höhere Lernanstalt bestand nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 weiter und wurde später Kantonsschule. Im Jahre 1966 wurde die Kantonsschule aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Jesuitenkirche an den Alpenquai verlegt. Damit hatte die Jesuitenkirche ihre Jahrhunderte lang ausgeübte Funktion als Schulkirche verloren, blieb aber weiterhin – ohne Pfarrkirche zu sein – eine der meist besuchten Kirchen der Stadt.
Die Jesuitenkirche heute
Wie die beiden anderen grossen Kirchen im Zentrum, nämlich St. Leodegar im Hof und St. Maria zu Franziskanern, hat die Jesuitenkirche für die öffentliche Wahrnehmung der katholischen Kirche der Stadt Luzern eine herausragende Bedeutung. Einen speziellen Stellenwert hat sie auch für die Öffentlichkeitsarbeit der Theologischen Fakultät sowie für die kirchenmusikalischen Praxis der Musikhochschule Luzern.
Die vier Sonntagsgottesdienste in der Jesuitenkirche werden regelmässig von 500-600 Personen mitgefeiert. Seit 2006 ist wieder ein Jesuitenpater Präfekt der Jesuitenkirche.
Der Kirchenpatron Franz Xaver (1506-1552)
Franz Xaver, der erfolgreichste Missionar aus den Reihen der Jesuiten, wurde 1506 auf Schloss Xavier in Navarra geboren. Er begegnete in Paris zum ersten Mal Ignatius, der ihn 1534 endgültig für seine Idee gewinnt, eine neue Ordensgemeinschaft zu gründen, die „Gesellschaft Jesu“.
1540 schlägt für Franz Xaver die grosse Stunde. Der König von Portugal hat beim Papst erreicht, dass zwei aus dem Kreis um Ignatius in die Mission nach Indien entsandt werden. Franz Xaver wurde bestimmt, da ein anderer wegen Krankheit ausgefallen war. Ausgerüstet mit den Vollmachten eines päpstlichen Legaten landet er 1542 in Goa. Zehn Jahre missionarische Arbeit leistet er hier und wächst in dieser Zeit heran zum grössten Missionar der Christenheit seit Paulus. Nur wenige Helfer stehen ihm zur Verfügung. Von der südlichen Küste Indiens führt ihn sein Weg nach Osten, über Malakka bis zu den fernen Molukken. 1549 landet er in Kagoshima. In mühevoller Arbeit legt er hier die Fundamente der japanischen Kirche.
In Japan entdeckt er, dass dieses Volk an seiner Kultur vom „Reich der Mitte“, also von China, abhängt. Also fasst er, der stets strategisch denkt, den Plan, zur Missionierung Chinas aufzubrechen.
Keines seiner missionarischen Unternehmen hat er so gründlich vorbereitet, wie die Fahrt nach China – und keiner seiner Pläne ist so radikal gescheitert. Zuerst sperret ihm der Flottenkommandant von Malakka das Schiff. Dann bekommt es der chinesische Kaufmann, der ihn auf einer Dschunke aufs Festland bringen soll, mit der Angst zu tun und bleibt aus. Und schliesslich überfällt ihn eine todbringende Krankheit auf der keinen Insel Sanzian, wo er am 3. Dezember 1552 stirbt.
Franz Xaver wurde 1622 heilig gesprochen und 1927 zum Patron aller Missionare erklärt.
1654 wurde Franz Xaver vom Rat der Stadt zum Schutzpatron Luzerns erwählt.
Am 3. Dezember 1666 Grundsteinlegung der Jesuitenkirche Franz Xaver Luzern.