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Essay on constructed space
ESSAY ON CONSTRUCTED SPACE markiert die dritte Einzelausstellung von Miriam Sturzenegger in der Galerie Bob Gysin. Zu sehen sind vor allem neue Werkgruppen, die während eines sechsmonatigen Aufenthaltes in Paris entstanden sind.
Auf ihren Spaziergängen durch die Stadt trug die Künstlerin Überresten von unterschiedlichsten Baustoffen aus dem öffentlichen Raum zusammen.
Durch Zerschlagen und Zerkleinern des Fundmaterials löste sie dessen Sinnzusammenhang auf. Das so gewonnene Granulat wurde mit Zement zu einem variantenreichen Recyclingbeton gebunden. Entstanden sind acht geometrische Objekte: Zwei unterschiedliche Materialien charakterisieren deren Seitenflächen, nämlich Graukarton sowie der selbst hergestellte, geschliffene Betonstein. Die Formkörper mit starkem Architekturbezug sind definiert durch die präzise gebauten Schalungen aus Karton. Die Musterung und zufällige Farbigkeit der Figures archéosphériques oszilliert zwischen Mikro- und Makrokosmos. Dabei thematisieren die Werke Materialverschiebung, das Auseinanderfallen der Ordnung und die Möglichkeit, eine Neuordnung des Materials in Konglomeraten und Volumen zu denken. Die Information, die im Material gespeichert ist, wird dabei fragmentiert, geht teilweise verloren oder wird in einen neuen Zusammenhang gestellt.
Ausgehend vom Steinstaub, der feinsten Zerfallsform des Materials, entstanden weitere Werke, die sich als dünne Materialformationen zwischen Fläche und Raum ansiedeln.
Die organisierende Struktur der Installation Essay on Constructed Space bilden weisse, zylindrische Elemente in drei verschiedenen Höhen, die in einem Raster auf der Bodenfläche angeordnet sind. Innerhalb dieses minimalen, modellhaften, architektonischen Settings sind gefundene Fragmente von Baustoffteilen frei platziert, die in ihrer höchst individuellen Form von einer je eigenen Vorgeschichte geprägt sind.
Die modellhaften Säulenelemente und spezifischen Fundstücke stehen stellvertretend für Form und Material, für Verortung und Verschiebung als untrennbare Aspekte des gebauten Raumes, die sich in der Bodenfläche spiegeln: Aus dem Boden wird das Material gewonnen, das in die Höhe verschoben wird. Als „manufactured ground“ ist der Boden zudem ein Produkt aus dem, was im Laufe der Zeit vom Gebauten übrig bleibt. Er ist die Materialschicht und Oberfläche, in die sich das Bauen als permanente skulpturale Umformung, als ein Prozess vertikaler und horizontaler Ordnung und Umordnung einschreibt.
Der profilartige Eingriff an der kürzeren Längsseite der Galerie ergänzt die Überlegungen zum gebauten Raum mit einer diskreten Behauptung zum „White Space“ der Galerie.