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Wer ist Iron Man?
Es gibt im Kosmos der Superhelden auch solche, die (allzu) menschliche Eigenschaften zeigen, diese aber mit überlegener Technologie kompensieren können. Dazu gehört zuvorderst Iron Man, der Mann aus Eisen. Erschaffen wurde die Figur 1963 in den USA von Stan Lee und Larry Lieber sowie den Zeichnern Don Heck und Jack Kirby.
Iron Man gehört zu den wenigen Superheld:innen, die man als «Selfmade» definieren könnte. Die Fähigkeiten des Iron Man sind laut Herkunftserzählung nicht genetisch oder durch Radioaktivität bedingt, sondern technologisch erschaffen und durch solides Family Backup, er stammt aus einer steinreichen Familiendynastie, begünstigt.
Iron Musk
Iron Man ist das Alter Ego des Multimilliardärs Anthony Edward «Tony» Stark. Dieser übernimmt den Familienbetrieb Stark Industries, nachdem seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Stark Industries ist ein Technologiekonzern, der im Auftrag der US-Regierung und der Rüstungsindustrie Waffensysteme entwickelt.
Tony Stark ist ein Macher und hält die Zügel seines Lebens in den Händen. Wo ein Problem ist, findet er eine technische Lösung.
Elon Musk hat es als Unternehmer binnen weniger Jahre zu gigantischem Ansehen und Reichtum gebracht. Er ist eine Ausnahmefigur, der heute Vieles zugetraut wird und die auch reichen Stoff für Skepsis und Misstrauen bietet. Und er leidet nicht an einem Mangel an Sendungsbewusstsein und Selbstvertrauen.
Die transhumanistischen Heilsversprechen
Neben den bekannteren Projekten, die Elon Musk mitinitiiert hat, wie zum Beispiel das Bezahlsystem PayPal, das Weltraumprogramm SpaceX und den Elektroautokonzern Tesla, beteiligt sich der Multimilliardär auch an einer Reihe anderer Unternehmen, wie z.B. Neuralink, das Möglichkeiten zur Vernetzung des menschlichen Gehirns mit Maschinen anvisiert.
In Interviews spricht der Unternehmer von der Erwartung, den Tod überwinden und das menschliche Bewusstsein digitalisieren zu können.
Der Homo Sapiens sei nur eine Zwischenstation zum posthumanen Wesen: Eine Verbindung von Mensch und Maschine, die Fähigkeiten von künstlicher und menschlicher Intelligenz verbindet.
Den Kampf gegen den russischen Aggressor hat Elon Musk mit seinem Satellitensystem Starlink in der Ukraine direkt mitbestimmt. Dass Geld für ihn keine grosse Rolle spielt, wenn es um die Umsetzung von Plänen gehen, bewies er mit dem überteuerten Twitter-Kauf.
Mit all seinen Schattenseiten, wie dem katastrophalen Umgang mit seinen Angestellten, gehört Musk dennoch zu den Tech-Visionären unserer Zeit. Er bestimmt das Leben vieler Menschen mit und hat im Fall von Tesla eine ganze Industrie verändert.
Elon Man
Mit Tony Stark verbindet den technisch versierten und erfinderischen Geschäftsmann, dass er auch durchaus menschliche Schwächen an den Tag legt, etwa vom Narzissmus getrieben ist. Das sich allmächtig Wähnen, also der Gottkomplex, spricht gerade nicht für ein selbstbewusstes und gefestigtes Inneres, sondern eher für das Verdrängen von Schwächen.
Wir können aber nicht wissen, welche Motive ihn antreiben.
Immerhin spricht Musk offen über sein Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus. Beim Asperger-Syndrom ist insbesondere die nonverbale Kommunikationsfähigkeit (über Gestik, Mimik und Blickkontakt) und aus diesem Grund auch die soziale Interaktion beeinträchtigt. Gleichzeitig sind oft Fähigkeiten in Feldern wie Mathematik, Physik, Biologie oder Astronomie überdurchschnittlich.
Die Comic-Figur des Iron Man ist unverkennbar beeinflusst vom Kalten Krieg, dem Systemkampf zwischen kapitalistischer und kommunistischer Welt und der technologischen und militärischen Hochrüstung. Der Sputnikschock und die anschliessende Wissenschaftseuphorie beflügelten neue technologische Ideen. Diese Geschichten waren nicht mehr (nur) für Kinder gedacht, sondern sprachen auch ältere Lesergruppen an. (*Vgl. S. 24)
Der Superheld war als Verteidiger Amerikas und der westlichen Lebenswelt unterwegs und eiserner Kämpfer gegen die kommunistische Ideologie und Welt. Die Nähe seines Namens zur Bezeichnung Iron Curtain (eiserner Vorhang) ist wohl nicht zufällig. (Vgl. S. 160)
Wofür kämpft aber Elon (Man) Musk?
«A Human Superhero»
- Du musst nicht sterben bzw. könntest mit der richtigen Technologie ewig leben.
- Was du jetzt nicht selbst (er)schaffen kannst, ist dank technologischem Fortschritt bald möglich.
- Deine menschlichen Begrenzungen können technologisch überwunden werden.
Dies sind einige Versprechen des sogenannten Transhumanismus, denen Musk verpflichtet erscheint und die bereits in den Comics von Iron Man vor 50 Jahren anklingen.
Das Verb «trasumanar» stammt aus dem ersten Gesang des «Paradiso» von Dante Alighieris «Göttlichen Komödie». Bei Dante steht allerdings nicht die Technologie im Vordergrund, sondern das Überschreiten menschlicher Grenzen, um eine mystische Verbindung zu Gott zu erlangen.
Für Tony Stark alias Iron Man ist die Technologie eher ein Hilfsmittel, um länger im Diesseits zu verweilen. Sein Herz würde ohne technische Hilfsmittel längst stillstehen. Der Mini-Reaktor in seiner Brust hält die Granatsplitter von seinem Herzen fern, die aus einem Einsatz mit einer Bombenexplosion stammen.
Gleichzeitig aber sorgt der Reaktor auch für gesundheitliche Schäden durch eine fortlaufende Palladiumvergiftung. Die Technologie ist für ihn Rettung und Gefährdung gleichzeitig.
«Bedingt durch eine Vielzahl existenzieller Krisen entwickelt sich Iron Man von einem »großen Kind«, das ein Leben als »verantwortungsloser Hedonist« geführt hat, über fünf aufeinander aufbauende Kinofilme zu einem charakterstarken Kämpfer für eine universelle Gerechtigkeit.» (*S. 24).
Wir werden sehen, was aus Elon Musk wird.
*Wissenschaftliche Literatur zu Superheld:innen und ihren Antagonisten ist im deutschsprachigen Raum dünn gesät. Es gibt bei Reclam eine Zusammenfassung von Dietmar Dath zu den wichtigsten «Superhelden». Die Zitate des Blogbeitrags basieren auf der Dissertationsschrift «Superheld*innen – Gottheiten der Gegenwart?» von Nicolaus Wilder (2022), die eine umfassende historisch-philosophische Übersicht bietet.