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Weshalb lehnt Baumgartner das Kaufangebot der Behr Bircher Cellpack (BBC) ab?
Claude Romy: Der offerierte Preis von 460 Fr. ist zu niedrig. Es darf nicht vergessen werden, dass dieses Angebot brutto gilt: Wenn die GV nächsten Monat der Dividendenausschüttung von 10 Fr. zustimmt, dann wird der Angebotspreis um diesen Betrag reduziert. Wir haben durch PricewaterhouseCoopers (PWC) eine Fairness Opinion erstellen lassen, die einen fairen Wert zwischen 550 und 630 Fr. errechnet. Damit kommt klar zum Ausdruck, dass der Angebotspreis zu niedrig ist.
Der Aktienkurs der Baumgartner-Gruppe bewegte sich in den letzten Jahren aber meistens unter 400 Fr.
Romy: Richtig, der Aktienkurs ist tief, insbesondere heute, wo sämtliche Märkte unter Druck sind. Der Börsenkurs, vor allem bei kleineren Firmen, ist aber kein verlässlicher Indikator für den Wert einer Firma. Und man darf nicht vergessen, dass der Kurs der Baumgartner-Titel 2006 schon bei 499.75 Fr. lag.
Haben Sie in den letzten Jahren nicht einfach zu wenig für den Aktienkurs gemacht?
Romy: Vielleicht, obwohl wir unseren Aktionären letztes Jahr 30 Fr. zurückbezahlt haben. Daneben haben wir die Ende 2006 begonnene Expansionsstrategie fortgeführt und viel in diese Strategie investiert. Jetzt sind wir kurz vor dem Abschluss von zwei Akquisitionen, die nun durch dieses Übernahmeangebot gebremst werden. Trotzdem sehen wir die Möglichkeit, unsere Marktstellung auf dem europäischen Markt zu entwickeln.
Es handelt sich dabei um zwei kleine Akquisitionen.
Romy: Wir sind der Ansicht, dass kleinere Zukäufe für uns besser sind, weil wir selber eher klein sind. Wir müssen Firmen akquirieren, die unseren Möglichkeiten sowohl finanziell als auch von den Synergien her entsprechen.
Von der industriellen Logik her würde die Übernahme von Baumgartner durch Cellpack (BBC) gut passen.
Romy: Das ist die Argumentation von Giorgio Behr. Meiner Meinung nach wurden die beiden Firmen Cellpack/CFS bisher aber zu wenig genau analysiert. Behr hat zu unseren Aktivitäten keine Informationen, die über die allgemeinen Angaben im Geschäftsbericht hinausgehen. Ich weiss daher nicht, auf welche Grundlagen er seine industrielle Analyse abstützt. Er bemängelt einzig unsere grosse Holdingstruktur und die entsprechenden Kosten.
Werden Sie die Holdingstruktur, unabhängig vom Ausgang der Übernahme, anpassen?
Romy: Ja, absolut. Wir haben die Holdingstruktur bereits reduziert und werden dies auch weiter tun. Unsere Struktur ist für Behr aber immer noch zu kostspielig. Die Holding ist aber nicht alleine für die Überwachung der Compagnie Franco Suisse (CFS) zuständig, sondern hat neue Akquisitionsobjekte identifiziert und die Verhandlungen geführt, was zeitintensiv war. Diese ersten Objekte, und es sind noch zwei weitere in der Pipeline, zeigen, dass wir nicht Zeit verloren haben und dass unsere Strategie funktioniert. Innerhalb der nächsten zwölf Monate haben wir mit den heutigen finanziellen Mitteln die Möglichkeit, eine Gruppe von mehr als 120 Mio Fr. Umsatz zu schaffen. Dies ist eine valable Alternative zu einer Übernahme durch BBC zu einem tiefen Preis.
Wie ist der Kontakt zu BBC?
Romy: Sehr schwierig. Am Anfang hatten wir eine erste, angenehme Unterredung mit Herrn Behr. Er hatte mir auch die Leitung der neuen Cellpack/CFS-Gruppe vorgeschlagen. Aus berufsethischen Gründen, auch um meine Unabhängigkeit zu behalten, habe ich diesen Vorschlag abgelehnt.
Plant Baumgartner Abwehrmassnahmen?
Romy: Nein. Die Akquisitionen sind für unsere Aktionäre und für unsere industrielle Entwicklung interessant und keine Abwehrmassnahme.
Ist Baumgartner im Sommer noch eigenständig?
Romy: Der Entscheid liegt bei den Aktionären. Ich bin der Meinung, dass die Übernahme durch BBC, mindestens zu den heutigen Bedingungen, ein Misserfolg sein wird. Danach werden wir unsere Akquisitionen realisieren und zu einer Gruppe wachsen, die im Verpackungsmarkt eine wichtige Rolle spielen kann.