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Therapieplan für den Mastdarmkrebs
Therapie Der Mastdarmkrebs entsteht bei den meisten Patienten durch eine sogenannte spontane Mutation; aus diesem Grund benötigt er eine ausgedehnte Diagnostik und fachgerechte interdisziplinäre Behandlung.
Der Dickdarmkrebs, zu dem der Mastdarmkrebs gehört, ist momentan nach dem Prostatakrebs beziehungsweise Brustkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung beim Mann beziehungsweise bei der Frau.
«Die meisten Patienten werden abgeklärt, weil sie Blut im Stuhl finden oder weil sich die Stuhlgewohnheiten ändern», erklärt der Facharzt PD Dr. Urs Zingg. Weitere Symptome können ein Druckgefühl am Damm, ein Leistungsknick oder der ungewollte Gewichtsverlust sein. Die überwiegende Zahl der Patienten hat keine Schmerzen.
Ausführlicher Diagnostikablauf
Verschiedene Ursachen des Mastdarmkrebses wie spezielle Nahrungsgewohnheiten (rotes Fleisch, gesättigte tierische Fette, wenig Ballaststoffe) werden diskutiert. Ein erhöhtes Risiko sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie die Colitis ulcerosa sowie die Folgen von Bestrahlungen im Becken.
«Bei den meisten Patienten handelt es sich um einen sporadischen Krebs, der nicht genetisch verursacht wird», erläutert Zingg. Für die Diagnose wird normalerweise eine Darmspiegelung mit Entnahme von Proben gemacht. Der definitive Krebsbefund erfolgt durch den Pathologen.
Nach der Diagnose beginnt ein ausführlicher Diagnostikablauf. «Während dieser oft belastenden Phase ist es für die Patienten enorm wichtig, einen Ansprechpartner zu haben, der ihn begleitet und die Befunde bündelt», betont Zingg. Idealerweise ist dies eine ärztliche Fachperson, die eng in die Therapie von Mastdarmkrebs eingebunden ist.
Wichtig ist auch die klinische Untersuchung des Enddarmes durch den Chirurgen, um den Abstand zum Schliessmuskel zu beurteilen. Die weiterführenden Abklärungen wie Computertomographie, Magnet-Resonanz-Tomographie und endoskopischer Ultraschall haben zum Ziel, ein möglichst präzises Bild der Tumorerkrankung zu geben.
Dieses umfasst Angaben über die genaue Grösse des Tumors, das Ausmass des Eindringens in tiefere Schichten, den Befall von Lymphknoten, das Vorhandensein von Fernablegern sowie den Bezug zu den für eine Operation relevanten Strukturen. «Zwingend ist nach Durchführung der Untersuchungen eine Besprechung an einem interdisziplinären Tumorboard. Dort wird die Therapie festgelegt», erklärt Zingg.
OP bei kleinen Tumoren
Kernpunkt der Therapie ist die radikale Entfernung des Tumors. Je nach Grösse und der Nähe zu relevanten Strukturen wie dem Schliessmuskel und dem Vorhandensein von vergrösserten regionalen Lymphknoten wird entweder eine Vorbehandlung mittels kombinierter Strahlen- und Chemotherapie durchgeführt, gefolgt von der Operation, oder es wird ohne Vorbehandlung operiert.
Eine direkte Operation ist möglich bei kleinen Tumoren, nicht vergrösserten Lymphknoten sowie einem ausreichenden Abstand zum Schliessmuskel. Gemäss Zingg spielt zudem der Patientenwunsch oftmals eine wichtige Rolle.
Meist mit Schlüssellochtechnik
Die eigentliche Operation umfasst die Entfernung des Mastdarmes mit dem zugehörigen Fettgewebe, das Anfertigen einer Darmnaht sowie allenfalls das Anlegen eines vorgeschalteten künstlichen Schutzausganges (protektives Stoma). Letzteres wird nach 6 bis 8 Wochen, sobald die Hauptdarmnaht verheilt ist, wieder zurückoperiert. Die Operation kann entweder mit der Schlüssellochtechnik oder durch einen grossen Bauchschnitt durchgeführt werden.
«Am Spital Limmattal operieren wir die meisten Patienten mit der Schlüssellochtechnik», sagt Zingg. Bei Patienten mit Beteiligung des Schliessmuskels muss unter Umständen eine Rektumamputation durchgeführt werden, das heisst der gesamte After wird mitentfernt und ein definitiver künstlicher Ausgang angelegt.
Langfristige Nachkontrolle
Die am meisten gefürchtete Komplikation ist die Leckage der Darmnaht. Diese ist umso häufiger, je näher die Darmnaht am Schliessmuskel liegt. «Deshalb wird nach der Vorbehandlung oder bei sehr tiefen Darmnähten ein temporärer künstlicher Ausgang angelegt», erklärt Zingg.
Weitere Risiken der Behandlung sind Infektionen, Nachblutungen, Blasenentleerungsstörungen sowie Probleme mit der Erektion beziehungsweise Ejakulation bei Männern. Sobald die definitiven Untersuchungsresultate vorliegen, erfolgt wieder eine Besprechung am Tumorboard. «Die Nachbehandlung kann eine erneute Chemotherapie beinhalten. Sämtliche Patienten werden zudem über Jahre hinweg eng nachkontrolliert», betont Zingg.