Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03411.jsonl.gz/1921

Der polnische Regisseur Roman Polanski hat seine Teilnahme am Festival del film Locarno abgesagt, wie die Festivalleitung am Dienstag mitteilte. In einem Brief an die Organisatoren begründete der Regisseur seine Absage mit den Kontroversen, die seine Einladung hervorgerufen haben.
Er habe festgestellt, dass sein geplantes Erscheinen bei «gewissen Personen, deren Haltung ich respektiere, zu Spannungen und Kontroversen führt», erklärte Polanski in seinem Brief, wie die Organisatoren am Dienstag in einem Communiqué schrieben. Er bedauere seine Absage, so der Regisseur («Rosemary's Baby»).
Es sei sein schwärzester Tag, seit er vor zwei Jahren die Leitung des Festival del film übernommen habe, sagte der künstlerische Direktor Carlo Chatrian in einer Videobotschaft vom Dienstag. Es seien Grenzen überschritten und verbale Gewalt ausgeübt worden. Die Festivalleitung fand in ihrer Mitteilung drastische Worte: «Wiederholte inakzeptable Einmischungen in künstlerische Entscheidungen des Festivals» hätten zu Polanskis Absage geführt. Im Video sagte Chatrian, er respektiere jedoch Polanskis Entscheidung.
Der Regisseur hätte am Donnerstagabend und am Freitagnachmittag in Locarno auftreten sollen. Er sollte ein Seminar abhalten und mit einem Spezialpreis geehrt werden. Zudem sollte Polanski mit seiner Frau Emanuelle Seigner den gemeinsamen Film «La Vénus à la fourrure» präsentieren.
Die CVP wehrte sich gegen den Besuch des Regisseurs. In einem offenen Brief des Chefs der CVP-Fraktion im Kantonsparlament, Fiorenzo Dadò, an die Zeitung «La Regione» anerkennt der Grossrat die künstlerischen Verdienste Polanskis. Doch indem er sich «kleinmütig dem Gesetz und dem Gefängnis dank seinem Geld und mächtigen Freunden entzogen hat», verkörpere er die Ungerechtigkeit der Justiz.
Man müsse Polanski wieder ausladen – oder er solle sich in Locarno offiziell bei allen Pädophilie-Opfern entschuldigen, die er mit seiner «Feigheit» beleidigt habe. Parteikollegen Dadòs riefen zudem dazu auf, den offiziellen Festival-Empfang der Tessiner Grossräte zu boykottieren, wie die NZZ berichtete.
Polanski wird in den USA zur Last gelegt, 1977 Sex mit einer Minderjährigen gehabt zu haben. Wegen eines internationalen Haftbefehls wurde er 2009 bei der Anreise ans Zurich Film Festival am Flughafen Zürich festgenommen. Die Schweizer Behörden lehnten einige Monate später den Auslieferungsantrag der USA jedoch ab. Polanski lebt in Frankreich.
(whr/aeg/sda)