Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03594.jsonl.gz/159

«Unser Einsatz braucht sehr viel Demut»
Die Organisation «Bikers against child abuse» (B.A.C.A.) unterstützt… Weiterlesen
12. Januar 2022
13:11
«Im Gegensatz zum aktuellen Premierminister Boris Johnson war Winston Churchill ein stockseriöser Typ und Schwerarbeiter», sagt Werner Vogt, als wir ihn in seinem Büro in Zumikon nach den Eigenschaften fragen, die den Engländer zu einem der grössten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts machten. «Wenn Grossbritannien unter seiner Führung mit Corona konfrontiert worden wäre, hätte er sich tage- und nächtelang mit der Materie befasst, um sich eine qualifizierte Meinung zu bilden. Churchill ist immer zu Höchstform aufgelaufen, wenn die Probleme und Gefahren am grössten waren!»
Der gebürtige Brugger hat mit «Winston Churchill – Witz und Weisheit» (Weber Verlag) bereits sein drittes Buch über ihn veröffentlicht. Sein wissenschaftliches Interesse am «Retter Europas» wurde in einem Proseminar seines Geschichtsstudiums an der Universität Zürich geweckt. Er hat jedoch auch einen persönlichen Bezug zur Thematik. «Ich bin ein verspätetes Kriegskind. Ich wusste aus den Erzählungen meiner Eltern, die Jahrgang 1910 und 1914 hatten, welche Ängste sie in den zwölf Jahren des Dritten Reichs plagten. Wobei ich erst seit der Pandemie wirklich erahnen kann, was es für sie bedeutet hat, einer ständigen Bedrohung ausgesetzt zu sein. Gerade für meinen Vater, der in Schwaderloch, also in unmittelbarer Grenznähe, 700 Diensttage absolvierte.»
Den ersten Teil seiner Churchill-«Trilogie» verfasste Vogt mit seiner Dissertation über seine Darstellung in der «Neuen Zürcher Zeitung» zwischen 1938 und 1946. Er kämpfte sich dafür durch vier Laufmeter gebundene NZZ-Ausgaben. Später entwickelte Vogt seine Doktorarbeit zu seinem zweiten Buch «Winston Churchill und die Schweiz» (2015) weiter.
Vogt interessiert sich jedoch nicht nur für Politik, sondern auch für die Natur. In seiner Kindheit in Umiken begleitete er seinen Vater, wenn er in der nahen Aare fischen ging, und wurde auf kleinen Jura-Wanderungen mit ihm und seinem Götti ein passierter Fossiliensammler.
Fünf Jahre in Südafrika
Unvergessen sind auch die Tiere, die er in seinen fünf Jahren als Südafrika-Korrespondent der NZZ in der freien Wildbahn sah.» Sein schulischer und beruflicher Weg dorthin führte über die Bez Brugg, die neue Kanti Aarau, die Universität Zürich sowie das «Badener Tagblatt», wo er seine journalistischen Sporen abverdiente, und die Auslandsredaktion der «alten Dame».
Bei seiner Berichterstattung über Südafrika nach dem Ende der Apartheid und deren Aufarbeitung durch die Wahrheitskommission begegnete Vogt auch anderen «grossen Tieren» wie Frederik de Klerk, dem kürzlich verstorbenen Desmond Tutu und Nelson Mandela. Nachdem der Staatschef und Friedensnobelpreisträger 1997 angekündigt hatte, dass er nach Lausanne reisen würde, um am Hauptsitz des IOC für die Vergabe der Olympischen Spiele 2004 an Kapstadt zu werben, erkannte Vogt die Gelegenheit, im Vorfeld ein Interview mit ihm zu bekommen. «Drei Tage lang habe ich seine Medienleute mit meinen Anfragen genervt, bis sie endlich kapitulierten und mir einen Termin gaben – nicht exklusiv und nur eine halbe Stunde, aber immerhin», erzählt er – und er beschloss, alle Register zu ziehen, um mehr herauszuholen. Da Vogt wusste, dass Mandela Frauen und Kinder gern hatte, nahm er seine Frau und seine vierjährige Tochter in seine Privatresidenz mit. Und es funktionierte! «Zuerst wirkte Mandela noch mürrisch, weil er mit irgendwelchen Schweizer Journalisten sprechen musste, doch als er die kleine Luzia erblickte, ist er sofort aufgetaut. Er bestand darauf, dass sie neben ihm aufs Sofa sass, wo sie irgendwann während des nun völlig entspannten und letztlich anderthalb Stunden dauernden Gesprächs eingeschlafen ist.»
Buch über Doris Leuthard
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz machte Vogt ein Executive MBA an der Uni St. Gallen und arbeitete sieben Jahre als Pressechef der Schweizer Börse SIX. Seit 2011 ist er selbständiger Kommunikationsberater. Wenn er Reden für Politiker und Unternehmer schreibt, kann er auch das Know-how einbringen, das er bei der Beschäftigung mit dem begnadeten Redner Churchill erworben hat. So eignet sich eine humorvolle Anekdote zu Beginn, um unangenehme Spannungen abzubauen und Aufmerksamkeit zu gewinnen. Letztere war dem Buch «Doris Leuthard – Die Staatsfrau mit Charme und Charisma» gewiss. «Sie ist eine ausserordentliche Persönlichkeit mit einer ähnlichen Ausstrahlung wie Adolf Ogi», sagt Vogt. «Sie war auch als Bundesrätin immer eine vom Volk. Vielleicht blockte sie aus Bescheidenheit zuerst ab, als ich ihr vorschlug, eine Biografie über sie zu schreiben. Oder aus Furcht, dass dieser Kerl Unsinn über sie verbreiten könnte …»
Schliesslich konnte er sie doch noch vom Gegenteil überzeugen und musste Vollgas geben, als die Aargauerin im September den Rücktritt zum Jahresende ankündigte und der Verlag das Buch rechtzeitig in die Läden bringen wollte. «Das hat mich einige schlaflose Nächte gekostet», erinnert er sich lachend. Auch die kennt er von Churchill. «Seit er als junger Politiker bei einem Versuch, frei zu sprechen, stotternd untergegangen war, hat er jede Rede akribisch ausgearbeitet, auch seine berühmte Rede an die Jugend von Europa, die er 1946 in der Aula der Universität Zürich gehalten hat», erzählt Vogt. «Nachdem er im Grandhotel Dolder noch die ganze Nacht an ihr gefeilt hatte, traf er vorher verspätet im Rathaus ein und schlief nachher beim Mittagessen im Zunfthaus zur Meise ein.»
Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.