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Sie forderte die Chefs der Migros heraus
Ursula Brunner ist Meisterin des Gesprächs. In ihrem Buch «Bananenfrauen», das dokumentiert, wie es einem Frauennetzwerk gelang, einen Grundstein für den fairen Handel zu legen, kommen unzählige Gespräche vor. Unterredungen, die Mut brauchten. Denn kaum ein Regierungsvertreter, Plantagenchef oder Fruchthändler hatte auf eine Pfarrfrau aus dem Thurgau gewartet, die für einen gerechteren Bananenhandel kämpfte. Trotzdem erreichten Ursula Brunner und ihre Mitstreiterinnen das schier Unmögliche. Sie öffneten Kanäle, in denen die Südfrüchte «wenigstens ein Stück weit gerechter» gehandelt wurden: Ein Teil vom Gewinn ging an diejenigen, die dafür schufteten.
Am Anfang stand eine Frage
«Am Anfang waren wir einfach Konsumentinnen, die sich Fragen stellten», erinnert sich Ursula Brunner: «Warum sind Bananen so billig, wenn es denen, die sie produzieren, so miserabel geht?» Der Versuch, die Chefetage der Migros dazu zu bewegen, den Preis anzuheben und den Zusatzgewinn den Produzenten zurückzugeben, schlug fehl. Also kauften die Frauen Bananen auf. Mit einem Aufpreis von 15 Rappen verkauften sie sie weiter, zugunsten von Entwicklungsprojekten. Die Aktion machte die «Bananenfrauen» in der ganzen Schweiz bekannt. Bei diesen Symbolhandlungen blieb es nicht. Ursula Brunner recherchierte vor Ort, wie der Bananenhandel funktioniert. Der Weltmarkt, erkannte sie, wurde von drei transnationalen Unternehmen kontrolliert, die die Produzenten ausbeuteten.
Es klingt wie eine Fügung: Während Ursula Brunners erstem Besuch in Zentralamerika 1976 fand in Panama ein Seminar statt. Delegierte der Bananen produzierenden Länder gründeten eine eigene Handels- und Vermarktungsfirma, um dem Diktat der Konzerne die Stirn zu bieten. Brunner sah die Möglichkeit, die Bestrebungen in der Schweiz und in Lateinamerika in Verbindung zu bringen. Dank ihrem Mut zum Gespräch konnte sie auf der Geschäftsstelle der neu gegründeten «Comunbana» ein und aus gehen, besuchte Plantagen und knüpfte Freundschaften mit Arbeiterinnen.
Und sie lernte, wie schwierig es ist, die Strukturen aufzubrechen. Sodass sie heute sagt: «Gerechte Produkte gibt es nicht, wir reden von solidarischen oder alternativen.» Immer wieder gebe es einzelne faire Bereiche, aber diese könnten jederzeit wieder einbrechen. Brunner erlebte Rückschläge mit: ein Hurrikan oder ein Regierungswechsel. «Mit der Nica-Banane kam 1985 unser Eintritt in den Markt», erzählt sie noch heute mit Stolz. Ein Höhepunkt sei gewesen, als die Bananenfrauen Produzenten, Händler und Verkäufer an einen Tisch zusammenbrachten, um über die Preise zu diskutieren: Volg war bereit, Costa-Rica-Bananen zu verkaufen.
Paradoxerweise war es der Einzug von Max-Havelaar-Produkten in die Grossverteiler, der für die Bananen der Bananenfrauen das Aus bedeutete. «Havelaar wollte unsere Bananen nicht labeln», so Brunner. Gegenüber Havelaars Strategie ist sie skeptisch: Sie funktioniere wie jeder andere Wirtschaftszweig nach der Wachstumslogik. «So ändert sich leider nichts Grundsätzliches.»
Mit über 80 Jahren hat sich Ursula Brunner von gebana AG, der Handelsfirma, welche der Verein «Arbeitsgemeinschaft gerechter Bananenhandel/gebana» 1998 gegründet hat, zurückgezogen. Noch immer bleibt sie aber beim Thema fair Trade am Ball. Denn was sie antreibe, sei der Wunsch nach einer gerechteren Welt. «Dafür müssen wir bereit sein, die Strukturen des Welthandels tief greifend zu verändern. Da tragen auch wir als Konsumentinnen und Konsumenten eine Verantwortung.
Barbara Helg