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Wer in den siebziger oder achtziger Jahren studierte und irgendwie mit Bertolt Brecht zu tun hatte, kam kaum an ihm vorbei. Man kannte seine berühmte Biografie über den Dichter und schätzte später seine akribischen Kommentare in der «Grossen kommentierten Ausgabe», die Werner Mittenzwei zusammen mit einem Ost-West-Kollegium auf den Weg brachte. Das war 1988, als noch niemand daran dachte, dass es mit seinem Land zu Ende gehen könnte. Angesichts des Gegenstands ein wissenschaftliches Wagnis, das ich bei einem seiner drei Mitherausgeber im Westen eine Weile verfolgen durfte.
Mittenzwei, 1927 geboren, gehörte jener Generation an, die vom Krieg geprägt war und die Literatur – insbesondere die Exilliteratur, der er sich verschrieben hatte – als Möglichkeit verstand, Gegenwart und Geschichte zu verstehen. Er war als Leitungsmitglied des Berliner Ensembles aber auch ein Theatermann, der zum Beispiel über die Kriegszeit des Schauspielhauses Zürich eine Monografie verfasst hat.
In seiner 2001 erschienenen Studie «Die Intellektuellen» und in seiner Autobiografie «Zwielicht» geht er der Anfälligkeit von Intellektuellen gegenüber der Macht nach. Die beiden Werke lassen sich durchaus als selbstkritische Auseinandersetzung mit der eigenen Person lesen. Nun ist Werner Mittenzwei am vergangenen Dienstag gestorben.