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"Wir werden diesen Konflikt nie lösen. Unsere Bedürfnisse sind zu unterschiedlich!"
Bei meiner Arbeit bei paarseminare.ch höre ich regelmässig solche und ähnliche Aussagen und mittlerweile freue ich mich auf die Arbeit, die darauf folgt.
I𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗚𝗲𝘄𝗮𝗹𝘁𝗳𝗿𝗲𝗶𝗲𝗻 𝗞𝗼𝗺𝗺𝘂𝗻𝗶𝗸𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻 𝘀𝘁𝗲𝗵𝗲𝗻 𝗕𝗲𝗱ü𝗿𝗳𝗻𝗶𝘀𝘀𝗲 𝗻𝗶𝗲𝗺𝗮𝗹𝘀 𝗶𝗻 𝗞𝗼𝗻𝗳𝗹𝗶𝗸𝘁 𝘇𝘂𝗲𝗶𝗻𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿, 𝗲𝗴𝗮𝗹 𝘄𝗶𝗲 𝘂𝗻𝘁𝗲𝗿𝘀𝗰𝗵𝗶𝗲𝗱𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗼𝗱𝗲𝗿 ä𝗵𝗻𝗹𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗶𝗲 𝘀𝗶𝗻𝗱. 𝗘𝘀 𝘀𝗶𝗻𝗱 𝗶𝗺𝗺𝗲𝗿 𝗱𝗶𝗲 𝗦𝘁𝗿𝗮𝘁𝗲𝗴𝗶𝗲𝗻, 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗲𝗻𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝘂𝗻𝘀𝗲𝗿𝗲 𝗕𝗲𝗱ü𝗿𝗳𝗻𝗶𝘀𝘀𝗲 𝗲𝗿𝗳ü𝗹𝗹𝗲𝗻 𝘄𝗼𝗹𝗹𝗲𝗻, 𝗱𝗶𝗲 𝘇𝘂𝗺 𝗞𝗼𝗻𝗳𝗹𝗶𝗸𝘁 𝗳ü𝗵𝗿𝗲𝗻. Nämlich dann, wenn ich z.B. denke, dass meine Lieblingsstrategie die einzig mögliche ist und mein Partner denkt das selbe von seiner Lieblingsstrategie; und diese beiden Strategien sind nicht vereinbar.
Als Beispiel für die Lösungsarbeit ein Thema, das mir in Variationen auch jedes Mal bei Paaren begegnet:
Der Geschirrspüler
z.B. hat der Mann ein starkes 𝗕𝗲𝗱ü𝗿𝗳𝗻𝗶𝘀 𝗻𝗮𝗰𝗵 𝗢𝗿𝗱𝗻𝘂𝗻𝗴 𝘂𝗻𝗱 𝗛𝗮𝗿𝗺𝗼𝗻𝗶𝗲. Dies erfüllt er sich, indem er den Geschirrspüler nach seinem System auffüllt: Die grossen Teller hinten, die kleineren vorne, schön ordentlich und regelmässig. Das ist seine 𝗦𝘁𝗿𝗮𝘁𝗲𝗴𝗶𝗲. Er ist entrüstet darüber, wie seine Frau den Geschirrspüler einräumt, weil dadurch viel weniger Geschirr hineinpasst und er dadurch öfter läuft (𝗕𝗲𝗱ü𝗿𝗳𝗻𝗶𝘀 𝗻𝗮𝗰𝗵 𝗡𝗮𝗰𝗵𝗵𝗮𝗹𝘁𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁). Er versteht auch nicht, warum (𝗕𝗲𝗱ü𝗿𝗳𝗻𝗶𝘀 𝗻𝗮𝗰𝗵 𝗞𝗹𝗮𝗿𝗵𝗲𝗶𝘁) sie, obwohl er es ihr schon so oft erklärt hat, an ihrem System festhält.
Die Frau ihrerseits kümmert sich seit Jahren grösstenteils allein um das Haushaltsmanagement. Es geht ihr unglaublich auf die Nerven, dass er sie in Bezug auf den Geschirrspüler korrigiert, ja, ihn sogar ausräumt und neu einräumt, wenn ihr System (𝗶𝗵𝗿𝗲 𝗦𝘁𝗿𝗮𝘁𝗲𝗴𝗶𝗲) ihm nicht gefällt. Ihre Bedürfnisse nach 𝗪𝗲𝗿𝘁𝘀𝗰𝗵ä𝘁𝘇𝘂𝗻𝗴, 𝗔𝘂𝘁𝗼𝗻𝗼𝗺𝗶𝗲 𝘂𝗻𝗱 𝗲𝗿𝗻𝘀𝘁𝗴𝗲𝗻𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲𝗻 kommen zu kurz.
So streiten die beiden seit Jahren um die Art, wie der Geschirrspüler eingeräumt werden soll. Im Streit geht es weiter darum, wie er sich in ihre Arbeit einmischt und wie sie nicht offen für seine Mitwirkung ist. Die Themen scheinen oberflächlich, doch es geht eigentlich sehr tief. Und weil sie nie zu einer Lösung gekommen sind, sind beide frustriert und resigniert.
Lösungsarbeit mit der Gewaltfreien Kommunikation
Der 𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲 𝗦𝗰𝗵𝗿𝗶𝘁𝘁 ist jener, 𝗕𝗲𝗱ü𝗿𝗳𝗻𝗶𝘀𝘀𝗲 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗶𝗲 𝗦𝘁𝗿𝗮𝘁𝗲𝗴𝗶𝗲𝗻 𝘃𝗼𝗻𝗲𝗶𝗻𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿 𝘇𝘂 𝘁𝗿𝗲𝗻𝗻𝗲𝗻.
Der 𝘇𝘄𝗲𝗶𝘁𝗲 𝗦𝗰𝗵𝗿𝗶𝘁𝘁: beide können 𝗱𝗮𝘀 𝗕𝗲𝗱ü𝗿𝗳𝗻𝗶𝘀 𝗱𝗲𝘀/𝗱𝗲𝗿 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲𝗻 𝗵ö𝗿𝗲𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝘄𝗶𝗲𝗱𝗲𝗿𝗵𝗼𝗹𝗲𝗻. Ohne "aber". Das kann etwas Zeit in Anspruch nehmen. Im Grunde kennen doch beide das Bedürfnis nach Ordnung, Harmonie, Nachhaltigkeit, Klarheit, Wertschätzung, Autonomie oder ernst genommen werden. Nur das Bedürfnis, ganz ohne die Geschichte darum herum. Die Bedürfnisse verbinden. Die gewählten Strategien trennen.
𝗗𝗲𝗿 𝗱𝗿𝗶𝘁t𝗲 𝗦𝗰𝗵𝗿𝗶𝘁𝘁, nachdem das Paar sich gegenseitig Gehör für die unerfüllten Bedürfnisse und die damit zusammenhängenden Gefühle (Frust, Resignation, Ratlosigkeit, Ärger, Trauer) gegeben hat: 𝗡𝗲𝘂𝗲 𝗦𝘁𝗿𝗮𝘁𝗲𝗴𝗶𝗲𝗻 𝘀𝘂𝗰𝗵𝗲𝗻. Jedes Bedürfnis kann durch eine Vielzahl von Strategien erfüllt werden. Zu zweit kann ein Brainstorming gemacht werden. Es ist möglich und willkommen zu verhandeln, zu lachen, ganz neue Ideen zu suchen oder alte anzupassen. Wichtig: Die gewählte neue Strategie berücksichtigt die Bedürfnisse beider. Leitfragen:
- Wie können die Bedürfnisse beider Seiten erfüllt werden?
- Wie könnten sie den Prozess des Geschirrspüler einräumens neu aufgleisen?
- Wie könnte neu reagiert werden, wenn es diesbezüglich zu Spannungen kommt?
Die erarbeiteten, z.T. so einfachen, z.T. sehr kreativen Lösungen haben uns Trainer und die Paare schon oft überrascht.
Der vierte Schritt: Neue Strategien im Alltag ausprobieren. Einen Zeitraum dafür festlegen.
Fünfter Schritt: Wieder zusammenkommen, Erfahrungen mit den neuen Strategien besprechen, gegebenenfalls ajustieren. Im Austausch bleiben. Nichts ist in Stein gemeisselt und kann weiter angepasst werden bei Bedarf.
Haben Sie eine Idee wie das obige Geschirrspüler-Beispiel gelöst werden könnte?