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artenreiche Mähwiese auf, in der das transalpine Polygonum alpinum mit seinen gelblichweissen Blütensträussen physiognomisch stark hervortritt. In der eigentlich alpinen Region fehlen die Fettwiesen; die an ihrer Stelle auftretende Lägerflora ist von derjenigen nördl. der Alpen spezifisch kaum verschieden. - b) Magermatten. Die Grosszahl der Charakterpflanzen der Tessinerflora gehört den Magermatten an. Die Mannigfaltigkeit dieser Flora ist begründet in der verschiedenen Höhenlage, in der Verschiedenheit der Bodenbeschaffenheit und vor allem in den Belichtungsunterschieden und den damit verbundenen Differenzen in der Bodenfeuchtigkeit.
Man denke einerseits an die sonnverbrannten Abhänge der untern Thalstufen und andrerseits an die Schattenwiesen als Begleiter des Kastanienwaldes. So wechseln nicht nur die Leitpflanzen, sondern mit ihnen der grösste Teil des Gesamtflorenbestandes. Da eine Erörterung der verschiedenen Magermattentypen eine genauere systematische Kenntnis der südalpinen Phanerogamenflora voraussetzt, müssen wir auf deren nähere Charakterisierung verzichten. Interessenten verweisen wir auf die am Schluss des Artikels aufgeführte Literatur. Die vier wichtigsten Typen sind: Burstwiese, Schattenwiesen der Kastanienselven, das Brachypodietum und die Festuca rubra-fallax- Wiese. - c) Weiden und Wildheuplanggen.
Der weitaus verbreitetste Weidetypus der ausgedehnten Gebirgslandschaften des nördl. Tessin ist leider die sehr minderwertige Borstgras- oder Nardusweide, eine Weide von sehr trivialem Charakter, in der das harte und vom Vieh verschmähte Borstgras (Nardus stricta) vorwiegt. Diese Weiden sind z. T. wasserzügig; andere wiederum sind steinig-felsig und können daher im Verhältnis zu ihrer Grösse nicht stark bestossen werden. Gegenüber diesen ausgedehnten tessinischen Narduswüsten treten alle übrigen Weidetypen sehr zurück. Es sind dies Vergesellschaftungen, wie sie auch den N.-Alpen eigentümlich sind. Die Zahl speziell südalpiner Typen, die sich diesen Weiden beimengen, ist nicht gross.
D. Geröll- und Felsflora.
Soweit der Fels nicht im Waldesschatten liegt oder nicht beständig durchfeuchtet ist, sind diese Standorte einer intensiven Besonnung bei gleichzeitigem Wassermangel ausgesetzt. Die Flora umfasst daher fast ausschliesslich Thermophyten, bezw. Xerophyten und ist ausserordentlich artenreich. Viele dieser Felspflanzen erreichen im Tessin ihr Massenzentrum oder sind in der Schweiz sogar nur im Kanton Tessin vorhanden. Nach der chemisch-physikalischen Bodenbeschaffenheit unterscheidet man als besondere Fazies die Felsenflur, die Felsschuttflora, die eigentliche Felsenflora, die Schutt- und Geröllflora, die Grat- und Gipfelflora.
E. Sumpf- und Wasserflora.
Seit der Tessinkorrektion sind die Sumpfgebiete im Kanton Tessin nicht mehr häufig und beschränken sich auf einige Sumpfwiesen im Mündungsgebiet des Tessin, im Vedeggiothal zwischen Lamone und Agno, auf eine Reihe kleinerer Sümpfe im Mendrisiotto, sowie auf eine grössere Zahl kleiner sumpfiger Thalwiesen und Hängemoore im Alpenland. Einige seltene, in der N.-Schweiz entweder fehlende oder nur sporadisch auftretende Sumpfpflanzen des Tessin sind: Cyperus longus und C. serotinus, Thalictrum exaltatum, Fimbristylis annua, Oenanthe peucedanifolia, Holoschoenus vulgaris, Juncus tenagea etc. Sehr reich an seltenen Arten von oft sehr sporadischer Verbreitung ist endlich die Hydrophytenflora.
Wir verstehen darunter die beständig submers vegetierenden Arten, besonders stehender Gewässer, und die periodisch überschwemmten Schlamm- und Sanduferpflanzen der grossen Seen. Ganz hervorragend reich sind das N.-Ende des Langensees bei Locarno, die Bucht von Agno des Luganersees und der kleine Lago di Muzzano. Wir nennen: Vallisneria spiralis, Isoëtes echinospora, Callitriche autumnalis, die drei Elatine- Arten, Trapa natans in ihren verschiedenen, oft auf einzelne Wasserbecken lokalisierten Varietäten, Linderniapyxidaria, Schoenoplectus supinus, Juncus supinus, Heleocharis ovata, Montia rivularis und M. minor.
Im Tessin unterscheiden wir folgende Regionen:
1) Kulturregion oder kolline Region
von 200-1000 m, d. h. bis zur oberen Grenze der grossen Kastanienselven. Für diese Region sind von den natürlichen Formationen folgende bezeichnend: Eichenniederwaldungen, Buschwälder, in den Thalfurchen die Auenwälder. Vorwiegen der Fettmatten gegenüber den Magermatten, die besonders durch die Burstwiesen und als Begleiter des Kastanienwaldes durch den Schattenwiesentypus der Festuca ovina var. capillata und der Festuca heterophylla vertreten sind.
Auf steinig-buschigen Abhängen ist die Felsenflur mit ihrem starken Kontingent südalpin-montaner und mediterraner Einstrahlungen entwickelt. Die Sumpfwiesenflora ist zum grössten Teil, die Hydrophytenflora fast ausschliesslich auf diese Region beschränkt. Sehr oft wird die obere Grenze der Kulturregion durch eine Klus oder Thalstufe gebildet. Ganz besonders bezeichnend für die kolline Region ist intensive Bebauung des Bodens. Die Zahl der angebauten Kulturgewächse ist sehr gross. Es sind:
a) Der Weinstock. Die Art seiner Pflege als Liane an toten oder lebenden Stützen oder an Pergolas (Reblauben) und Guirlanden gibt der transalpinen Landschaft einen poetischen Gehalt (Christ). Der kleinblättrige Feldahorn wird meist an Stelle unserer Rebstickel verwendet. Diese Kulturarten ermöglichen im Rebberg im Schatten des Weinstockes den Anbau von Gartengewächsen; besonders Leguminosen, aber auch Mais und Gerste, gelegentlich selbst Hirse werden angepflanzt. Im Kanton Tessin wird fast nur Rotwein gebaut.
Der geringe Säuregehalt und der starke Erdgeschmack verraten den Einfluss des Südens. Im Grossen wird besonders die widerstandsfähige amerikanische Rebe (Vitis labrusca) angepflanzt. Am höchsten geht die Rebe bei Arvigo im bündnerischen Val Calanca, wo sie einzeln bis 850 m ansteigt, während jedoch eigentliche Rebberge nur etwa 750 m Höhe erreichen. Das Rebenareal ist in den letzten Dezennien stark zurückgegangen. 1876 war der Kanton Tessin mit 7488 ha Rebareal bei weitem das grösste Weinland der Schweiz, 1888 betrug das Rebareal des Kantons nur noch 6610 ha, 1897 nur noch 5643 ha und 1906 noch 5180 ha.
b) Die weisse Maulbeere (Morus alba) wurde längs den Flurwegen, aber auch in langen Reihen auf den Wiesen und Feldern angepflanzt. Zweige und Blätter liefern das Material für die Seidenraupenzucht. Die Bäume stehen immer weit auseinander. Das saftige Grün des glänzenden Laubes gibt der Kulturzone des Tessin einen geradezu üppigen Charakter. Höhengrenzen: Val Maggia bis Broglio 750 m, im Bleniothal zwischen Aquila und Olivone bei 840 m. Die Hauptkulturzentren des Maulbeerbaums sind der Mendrisiotto, die untern Teile des Val Colla und das Val Vedeggio, die Riviera von Bellinzona über ¶
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Locarno nach Brissago, sowie das Val Maggia unterhalb Cevio.
c) Der Mais (Zea mays) liefert die Nationalspeise des Tessiner Bauern (Polenta). Er gedeiht in den warmen Tessinerthälern in üppigster Fülle.
d) Zu diesen drei Hauptkulturpflanzen kommt dann noch eine grössere Zahl anderer, deren Anbau, obwohl z. T. weit verbreitet, doch keine so grossen Flächen in Anspruch nimmt. Es ist meist Obst- und Gemüsebau, der sich gewöhnlich auf die nähere Umgebung der Ortschaften beschränkt, so Pfirsichbäume, Kirschen, Tafelobst, Mandeln, Feigen. Im insubrischen Gebiet, besonders um Lugano, bei Gandria und bei Locarno, wird mehr als eine seltene Zierde, ein Kulturrelikt, denn als wirkliche Nutz- und Nährpflanze auch noch der Oelbaum (Olea europaea) vereinzelt angetroffen.
Noch in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts ist die Kultur der Olive im südl. Tessin offenbar recht verbreitet gewesen. Fäsi sagt noch 1772, dass der Oelbaum um Lugano stark angebaut war, besonders auch zur Gewinnung von Zweigen für die kirchlichen Feste am Palmsonntag. Nach der Roggenernte wird öfters als zweite Frucht Buchweizen gehalten, aus dessen Körnern man eine schwarze Polenta zubereitet. Die Ernte erfolgt im Oktober. Seltener sind die uralten Kornpflanzen Hirse und Fennich geworden, wichtiger dagegen ist der Anbau des Tabak.
Zur Charakteristik der Kulturregion gehört endlich noch die Erwähnung der exotischen Pflanzenwelt, wie sie in den zahlreichen Gärten und Parkanlagen des südl. Tessin in so üppiger Fülle entwickelt ist. Ihre schönste Entfaltung erreicht sie allerdings erst ausserhalb der Landesgrenze; es sei nur an die Villa Carlotta in der Tremezzina (Comersee) und an die Borromäischen Inseln bei Pallanza erinnert. In diesen Parkanlagen und Gärten ist eine grosse Zahl subtropischer Gewächse beider Hemisphären vertreten, so das Mittelmeergebiet (Oleander, Pinie, Aleppokiefer, Zypresse), Japan (Kamelien, Goldlärche, Jezzokiefer, japanischer Flieder, Spindelbaum, Mispel etc.), Südchina und Indien (Cunninghamia, Kampherbaum, Theestrauch, Azaleen), der Himalaja (Pinus excelsa, Cupressus torulosa), Australien (Fieberbäume, mehrere Akazien), die Norfolkinsel (Araucaria excelsa), Kalifornien (Mammutbaum), die südl. Staaten der Union (Magnolien, virginische Sumpfzypresse oder Taxodium distichum), das mexikanische Hochland (Agave americana, Pinus religiosa), ja selbst Chile (Araucaria imbricata, und Jubaea spectabilis, die chilenische Kokospalme) fehlt nicht.
2) Die montane Region,
Laubwald- oder Bergregion, nach ihrem Charakterbaum wohl auch als Buchenregion bezeichnet, von etwa 1000-1500 m. Neben den Buchenwäldern ist diese Höhenzone durch Birkenwälder, sowie die Grauerlen- und Haselstrauchformation ausgezeichnet. Stellenweise spielen auch die Farnheiden eine bedeutende Rolle. Auf alten Bergsturzgebieten und auf den Schuttkegeln siedelt sich die Felsschuttflora an. Letzte Spuren des Getreidebaus; intensiver Wiesenbau, schwach gedüngt, besonders als Festuca rubra-fallax- oder Trisetum flavescens- Typus. Flora reich an südalpin-montanen Elementen.
3) Die subalpine Region.
Koniferen- oder Nadelwaldgürtel; reicht von der Buchengrenze bis zur mittleren Baumgrenze, d. h. rund 1500-2000 m. Diese Region zerfällt in zwei Unterabteilungen: a) Subregion der Fichte von 1500-1750 m und b) Subregion der Lärche von 1750-2000 m. Fettmatten zurücktretend, verbreitet das Agrostetum; Magermatten häufiger, besonders das Brachypodietum. An feuchtwaldigen Stellen und in Schluchten finden sich oft mehr oder weniger ausgedehnte Hochstaudenfluren. In Lawinenzügen gedeihen Alpenerlen und Alpenrosen. Die subalpine Region fällt schon beinahe vollständig auf den N.-Abschnitt des Kantons und ist südl. Bellinzona nur noch im Gebiet des Camoghè vertreten. Auftreten der Arve in vier kleinen Inseln. Die Flora ist arm und erscheint als eine Mengung subalpiner, montaner und alpiner Pflanzen, die meist Arten von weiter Verbreitung angehören. Hauptnutzung: Holzwirtschaft; Uebergangsgebiet vom Wiesenbau zur Alpwirtschaft.
4) Die alpine Region
umfasst alle Gebiete über 2000 m. Letzte spärliche Reste des Pionierwaldes (Lärche, Arve). Holzwuchs sonst nur noch durch Alpenerlen und Alpenrosengestrüpp, in den höchsten Lagen durch die Zwergstrauchheide vertreten. Hauptformation: Weide vom Typus der Borstgras- oder Nardus weide. Auf besseren Böden: Milchkrautweide und Alpenkleematten; an steilen Hängen Wildheuplanggen, bald als Horstseggenrasen, bald als Krummseggenrasen ausgebildet.
Die alpine Region lässt sich einteilen in a) die eigentliche Alpenregion, zwischen Baumgrenze und Schneegrenze, mit seltenen ost- und westalpinen Einstrahlungen; b) die nivale Subregion, oberhalb der ¶