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Ruth (35), Mutter der 5-jährigen Tochter Leanne, ist von der Sozialhilfe abhängig. Die langjährige Beziehung zum Vater von Leanne ist leider in Brüche gegangen. Wegen gesundheitlicher Probleme, hatte sie Schwierigkeiten, eine Stelle auf ihrem Beruf zu finden. Doch in letzter Zeit geht es ihr besser und sie bereitet den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben vor: Weg von der Sozialhilfe und weg aus der engen Wohnung, in der sie das Schlafzimmer mit ihrer Tochter teilt. Und vor allem will sie kein zweites Kind, ohne nicht in einer festen Beziehung zum Kindsvater zu leben. Trotz dieser Vorsätze wird Ruth schwanger.
Und prompt: Der neue Mann will kein Kind. Selber in prekären finanziellen Verhältnissen lebend, ist er klar für die Abtreibung. Auch der Bruder von Ruth rät ihr eindringlich, sie solle abtreiben. Sie selbst ist auch dafür. Zu ihren Lebensplänen, mit denen ein weiteres Kind kollidiert, kommt bei ihr noch die Angst, wieder eine so schwierige Schwangerschaft mit monatelangem Liegen durchstehen zu müssen wie bei ihrem ersten Kind. So möchte Ruth die Bestätigung einer Hilfsorganisation für Mütter in Not erhalten, dass Abtreibung in ihrem Fall ein vertretbarer Weg sei. Sie wendet sich an die SHMK.
Nach diesem Gespräch meldet sich Ruth nicht mehr. Als sich die Beraterin ein paar Tage später nach ihr erkundigt, erfährt sie von der Schwangeren, dass sie einen Termin für die Abtreibung habe. Der Kindsvater setze sie massiv unter Druck und drohe, jegliche Unterstützung zu verweigern. Er wolle das Kind überhaupt nicht sehen. In diesem Gerangel habe die kleine Leanne erfahren, dass ein Geschwisterchen unterwegs sei. Sie sehne sich sehr danach und bedränge ihre Mutter mit Fragen, wann das Baby komme. Doch sie habe keine andere Wahl, als es abzutreiben.
Als es auf die Geburt zugeht, gibt die Stiftung Ruth Kinderwagen, Kinderbett, Hochstuhl und Babykleider. So ist alles parat, als ihre Tochter auf die Welt kommt. «Zum Glück habe ich sie behalten, diese herzige Bohne», sagt sie ihrer Beraterin.
Die Beraterin fragt die Schwangere, was sie ihrer Tochter sagen würde, wenn sie nach der Abtreibung nach dem Baby fragt. «Ich habe es zurückgeschickt!», antwortet Ruth. «Und wenn sie fragt, an wen?» Da wird Ruth nachdenklich und äussert, es sei eigentlich anmassend, über das Leben des Kindes zu entscheiden, und welche Enttäuschung es für ihre Tochter wäre, würde sie einmal die Wahrheit erfahren!
Seit der Geburt unterstützt die SHMK Ruth auch finanziell, solange sie darauf angewiesen ist. Die zweifache Mutter ist der Stiftung und Ihren Gönnern von Herzen dankbar. «Ich bin so froh, dass sich jemand Zeit für mich nimmt.»
Die Beraterin spricht mit Ruth über Frauen in ähnlichen Notlagen und legt ihr dar, wie ihnen die SHMK geholfen hat. Ihnen gehe es nun gut. Sie seien froh, ihr Baby behalten zu haben. Dann tritt auf einmal tagelange Funkstille ein. Was wird Ruth tun? Mit dieser Frage geht die Beraterin durch ihren Alltag. Endlich – nach Tagen intensiven Ringens teilt ihr Ruth mit, sie habe die Abtreibung abgesagt. Sie will dem Kind Mutter sein. Sofort nach dem Entscheid habe sie eine grosse seelische Erleichterung verspürt.
Schon im ersten Gespräch erklärt ihr die Beraterin, dass sie tagtäglich feststellt, dass nur ein Ja zum Kind wirklich glücklich macht. Sie kann Ruth zwar gut verstehen, dass sie sich als Alleinerziehende von der Mehrbelastung durch ein weiteres Kind fürchtet. Doch sei die SHMK bereit, ihr zu helfen und die Last mitzutragen.