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Ursprünglich sollte die Entscheidung bereits am Samstag fallen. Das Welterbekomitee hatte seine Sitzung aber wegen des Putschversuchs in der Türkei unterbrochen.
Der internationale Antrag für die Aufnahme der Le Corbusier-Bauten war zuvor zweimal abgelehnt worden. Bei den jeweils darauffolgenden Korrekturen des Dossiers fielen zwei Schweizer Gebäude von Le Corbusier dem Rotstift zum Opfer: die Villa Schwob und das Maison Blanche, beide in La Chaux-de-Fonds. Ins Welterbe aufgenommen wurden nun die Clarté in Genf und das Petite Maison in Corseaux.
Die UNESCO nahm folgende 17 Objekte ins Welterbe auf:
1923: Maisons La Roche et Jeanneret / Paris, France
1923: Petite villa au bord du Lac Léman / Corseaux, Suisse
1924: Cité Frugès / Pessac, France
1926: Maison Guiette / Anvers, Belgique
1927: Häuser der Weissenhof-Siedlung / Stuttgart, Deutschland
1928: Villa Savoye et loge du jardinier / Poissy, France
1930: Immeuble Clarté / Genf, Schweiz
1931: Immeuble locatif à la Porte Molitor / Boulogne-Billancourt, Frankreich
1945: Unité d’habitation / Marseille, Frankreich
1946: Manufacture à Saint-Dié / Saint-Dié-des-Vosges, Frankreich
1949: Maison du Docteur Curutchet / La Plata, Argentinien
1950: Chapelle Notre-Dame-du-Haut / Ronchamp, Frankreich
1951: Cabanon du Corbusier / Roquebrune–Cap-Martin, Frankreich
1952: Complexe du Capitole / Chandigarh, Indien
1953: Couvent Sainte-Marie-de-la-Tourette / Éveux, Frankreich
1955: Musée National des Beaux-Arts de l’Occident / Tokyo, Japan
1953: Maison de la Culture de Firminy / Firminy, Frankreich
Käfigförmige Treppenhäuser
Die Aufnahme der Clarté auf die Welterbe-Liste sei für Genf auch Zeichen der Wertschätzung für die denkmalschützerischen Aktivitäten der Stadt, sagte Rémy Pagani, Vizestadtpräsident von Genf. «Die Stadt hat das Gebäude Clarté schon vor 30 Jahren als schützenswertes historisches Denkmal klassifiziert.»
Die 1930 nach Plänen von Le Corbusier und seinem Cousin Pierre Jeanneret erbaute Clarté ist ein Mietshaus mit 50 Wohnungen, gruppiert um zwei käfigförmige Treppenhäuser. Diese Form des Stahlgerüsts war damals im Städtebau noch etwas ganz Neues. Ihre Struktur erlaubte eine Vielzahl verschiedener Wohnungstypen in ein und demselben Gebäude.
Le Corbusier führte in der Clarté erstmals auch Duplex-Wohnungen ein, ‹schwebende Villen› gleichsam.
Langer Weg zum Welterbe
Dem Entscheid ging ein längeres Tauziehen voraus: 2008 trug Frankreich 14 Gebäude und Anlagen von Le Corbusier in die französische Tentativliste zur Anmeldung bei der UNESCO ein. Dem schlossen sich sechs weitere Mitgliedsstaaten der UNESCO an.
Neun Werke Le Corbusiers aus Argentinien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Indien, Japan und der Schweiz wurden als Kandidaten nominiert.
2009 entschied das Welterbekomitee, die Behandlung des Dossiers zu verschieben und empfahl eine Überarbeitung bis 2012. Ein erneuter Antrag mit nur noch neunzehn Bauwerken und Anlagen wurde 2011 eingereicht, er wurde ebenfalls abgelehnt.
«Ikonen der Architektur des 20. Jahrhunderts»
Le Corbusier wurde 1887 als Charles-Edouard Jeanneret in La Chaux-de-Fonds geboren. Ab 1917 wohnte und arbeitete er in Pairs. Sein Pseudonym, Le Corbusier, nahm er 1920 an. Er machte sich einen Namen als einer der wichtigsten und einflussreichsten Vertreter der modernen Architektur. «Seine Bauten waren umstritten, wurden gleichzeitig aber auch verherrlicht und zu Ikonen der Architektur des 20. Jahrhunderts erklärt», wie das Bundesamt für Kultur mitteilt. Le Corbusier verstarb im Alter von 77 Jahren in Roquebrune-Cap-Martin, Frankreich.
13 Weltkulturerbe-Stätten in der Schweiz
Nach Annahme des revidierten Dossiers gibt es in der Schweiz nun 13 Weltkulturerbe-Stätten. Als letzte erhielten 2011 die Pfahlbauten im Alpenraum sowie 2009 die Uhrmacher-Städte La Chaux-de-Fonds und Le Locle das vor allem für den Tourismus wertvolle Gütesiegel.
(sda dpa/jw)