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Geschichte der Schweizer Schwimmbäder
Die ersten «Freibäder»
1822 liess Philipp Emanuel v. Fellenberg auf dem Landgut Hofwil ein künstliches Schwimmbad mit Sprungturm erbauen. Dies nachdem einer der Zöglinge der dortigen «Erziehungsanstalt für Söhne höherer Stände» beim Baden im Moossee ertrunken war. Fellenbergs Schwimmbad und die unten beschriebene «Akademische Badeanstalt» sind vermutlich die ersten künstlich erbauten Freibäder der Schweiz, und die zweiten resp. dritten von Europa.
Folgende Informationen wurden von Frau Susanna Ruchti-Bolli freundlicherweise zugestellt:
Das Römerbädli, wie es bei den Hofwilern heisst, wurde 1971 trocken gelegt, weil der Sandstein undicht geworden war. Aus Kostengründen hat man die Sandsteinstufen durch Betonstufen ersetzt. Heute ist das Römerbädli ein stiller Platz zum Ausspannen für die Studenten des Gymnasiums, und wird auch für Feste, Theateraufführungen und Gottesdienste genutzt. Die hohe Mauer geht fast rund um die Anlage. Mit dem malerischen Dach diente sie als Garderobe und war Windschutz - es ist oft recht zugig in der Gegend.
Im Unterschied vielleicht zum Geiselweid (das vielfach fälschlicherweise als erstes Schweizer Becken-Freibad bezeichnet wird - Anm.) hatte der Schwimmweiher eine eigene Quelle - oder hat man früher das Wasser der Eulach gebraucht, um das grosse Geisi-Becken zu füllen?
Übrigens: Das bekannte Lied Luegit vo Bärg und Tal stammt auch aus Hofwil - neben der Erziehungsanstalt für Söhne aus besserem Haus gab es auch eine Armenschule - die Wehrliknaben, und das Lied war das Abendlied der Wehrliknaben. Dies nur nebenbei...
1822 wird die «Akademische Badeanstalt» unterhalb des Bundeshauses mit einem von der Aare gespeisten Badebecken eröffnet. Es existieren noch andere Namen wie «Schwimmschule», «Badweiher», «Kaltbadanstalt» und «Fröschenweiher».
Seit es Menschen gibt, zieht es sie ans Wasser. Lange begnügen sie sich, im Freien die Kleider abzustreifen und ins Wasser zu steigen. Mal ist es aber verpönt oder gar verboten, nackt zu baden, und bald sollen gar Männlein und Weiblein nur noch getrennt ins kühle Nass tauchen dürfen.
Die Zeit der Kastenbäder beginnt...
Im 19. Jhd. (das genaue Baudatum fehlt noch) entstand das «Bains des Dames» in Neuenburg/Neuchâtel. Der Bau des Frauenbades mit direkt über dem See liegenden Terrassen wurde ermöglicht durch den Chocolatier Suchard (1797–1884). Der Architekt hiess Léo Châtelain.
1831 wird das «Pfalzbadhysli» zu Füssen des Basler Münsters eröffnet. Bereits in der ersten Saison üben sich 75 Schüler im Schwimmen. Für die Basler Frauen baut die GGG - die «Gesellschaft zur Förderung des Guten und Gemeinnützigen» - 1847 nebenan eine Frauen-Badeanstalt.
1837 wird beim Bauschänzli an der Limmat in Zürich ein «Badehaus für Frauenzimmer» eingerichtet (wird 1888 durch das heutige Frauenbad Stadthausquai ersetzt). Bis 1900 entstehen am unteren Zürichseebecken weitere neun Kastenbäder aus Holz mit strikter Trennung nach Geschlechtern.
1983 entsteht am Zürcher Bürkliplatz ein Männer- und Knabenbad mit zwei Becken und einem Sprungbrett zum See.
... und die der ersten Hallenschwimmbäder...
1842: Liverpool, 1845: London und 1854: Hamburg: Die ersten öffentlichen (baulich geschlossenen) Badeanstalten Europas werden eröffnet.
1864 zieht mit Winterthur die erste Schweizer Stadt mit der vom Stadtbaumeister Bareiss erstellten "Bad- und Waschanstalt" im maurischen Stil nach. Das 8x12m grosse Schwimmbad wird jährlich von rund 10 000 Personen besucht. 1872 kostet ein Eintritt 15 bis 30 Rappen, je nach Alter, Geschlecht und Badezeit.(84)
1864 lehnt sich das Kastenbad des Männerbades Schanzengraben an die alte Zürcher Stadtmauer.
1869/70 wird das Flussbad Schwäbis in Thun in Schweizer Holzstil erbaut. Es gilt als zeittypisches Beispiel für die Berner Oberländer Badehaus- und Tourismusarchitektur.
1870 erstellt der Stadtbaumeister Joh. Gottfried Meyer das Rheinbad Schaffhausen. Wie ein grosses Schiff steht es in der Strömung, gestreifte Vorhänge flattern vor den Garderobenkabinen im «Spitz». Die Geschlechtertrennung wird streng eingehalten, zwei separate Stege führen zu den beiden Anlagehälften.
1872 entsteht an der Hafenmole von Genf ein Bau aus Holz auf Stelzen: «Les Bains Pâquis».
Um 1873 werden in Rorschach am Bodensee von einer Aktiengesellschaft eine Mädchen- und eine Knabenbadeanstalt gegründet (abgebrochen 1923/24).
1880 wird am Caumasee eine Badeanstalt gebaut. Bereits 1835 war eine Badehütte erstellt worden, das türkisgrüne Wasser des Lag la Cauma galt als heilkräftig.
Bereits 1882 sind auch im Hafen von Weesen (Walensee) Badehäuschen aufgestellt.(zi)
1882 wird die "Badanstalt Zug an der Seelikon" als erstes Zuger Seebad eröffnet. Die Architektur besteht aus einem auf Pfählen stehenden Holzbau mit einem Frauen- und einem Männerabteil, Badezellen mit Duschen sowie einem Bureau für die Aufsicht. Über Leitern und Treppen steigt man in die Seewasser gefüllten Badezellen hinunter. Die für 12'500 Franken erbaute Anlage dient vorwiegend der Körperhygiene.
1884-85 wird die Seebadeanstalt Luzern gebaut: Ein Kastenbad, ein Pfahlbau im Cottagestil mit nach Geschlechtern getrennten Bassins, deren Tiefe sich mit verstellbaren Holzrosten regulieren lässt. Während die Männer in den See hinaus schwimmen können, müssen die Frauen innerhalb der «Anstalt» verweilen.
1885 wird durch Niklaus Morgenthaler in Ursenbach ein Badeverein geründet, dieser baute noch im selben Jahr einen "Badeweiher" in den Massen 12x6 Meter und nahm diesen in Betrieb. Der Badeweiher wird 1903 an die Gemeinde verschenkt. 1947/48 wird die Badi ausgebaut und mit dem noch heutigen Becken 25x12 Meter versehen.
1886 erbaut, erinnert das Rheinbad St. Johann an ein Schiff. Die Badeanstalt ist (damals noch) mit Holzwänden umschlossen, im Innern befindet sich das Schwimmer- und das mit einem Hubboden versehene Nichtschwimmerbecken.
1886 ist das Baujahr eines Männerbad beim Arboretum am Zürcher Mythenquai.(94)
1888 entsteht das Frauenbad Stadthausquai in Zürich, ein «Laubsägeli-Bad» mit orientalisch geschwungenen Ecktürmchen. Das eingelassene Becken wird mit einem geflochtenen Dach überdeckt, um noble Blässe zu bewahren. Die geschlossene Bauform schirmt (neu)gierige Blicke ab...
1890 kommt das Seebad Utoquai am Zürichsee dazu. Das zweiteilige Kastenbad an der vielbegangenen Strandpromenade ist bis heute Kult. (Das Bild ist von ca. 1920.)
1892 wird das kleine Lorrainebad an der Aare in Bern erstellt.
1896 wird im Limmatkanal vor dem Kraftwerk Letten eine geschlossene Flussbadeanlage errichtet. Der auf Stützen stehende Holzbau wird über den Damm erreicht, und ist in eine Frauen- und Männerseite zweigeteilt.
1896 erbaut Stadtbaumeisters Albert Pfeiffer das Frauenbad Kreuzweiher / Dreilinden in St. Gallen: Für das männliche Geschlecht standen schon einfache Badehäuschen am Knabenweiher zur Verfügung, nun können auch die Frauen schwimmen gehen.
1898 wird das Rheinbad Breite in Basel erstellt. In der hochbeinigen Metallkonstruktion wird bis 1929 nach Geschlechtern getrennt gebadet. Der Badebetrieb findet innerhalb der Anlage in eingelassenen Becken mit Hubböden statt. Später kommt ein mit Schwimmbalken markiertes Badeareal ausserhalb des Gebäudes dazu, in dem die Schulen ihren Schwimmunterricht durchführen.
1903 öffnet in Binningen das Luft- Licht und Sonnenbad St. Margarethen des «Naturheil-Vereins Basel». Hohe Wände trennen Mädchen von Knaben, Frauen von den Männern.
1905 wird im Robenhauser Ried bei Wetzikon eine hölzerne Badeanstalt am Aabach errichtet. Die Badezeiten sind streng nach Geschlechtern geregelt.
1906 ist das Geburtsjahr vom Volksbad St. Gallen. Es wird die zweite geschlossene Badeanstalt der Schweiz, 44 Jahre nach derjenigen in Winterthur. Es wird im Stil eines stattlichen Bürgerhauses mit vielerlei Verzierungen vom damaligen Stadtbaumeister Albert Pfeiffer erbaut. Mit Wannenbädern und Duschen ist das Volksbad auch "öffentliches Badezimmer" der Stadt (bei weitem nicht jedes Haus hat ein eigenes Badezimmer), es wird aber bald als Vorbote der Wellness-Tempel betrachtet.
1909 erbaut der «Naturheilverein» auf dem Zürichberg ein Luft- und Sonnenbad vom Typus der Kastenbäder.
1910: Das Flussbad Unterer Letten in Zürich wird erstellt. Stil des Männerbades (das «Frauenbad» mit Schwimmbecken kommt später dazu; heute ist das Bad gemischt) ist ein übliches Kastenbad aus Holz. Geschwommen wird in der Strömung eines Seitenkanals der Limmat.
1911 wird das Freibad Geiselweid in Winterthur (Planung: Robert Rittmeyer und Walter Furrer) fertiggestellt. Die Fortschritte im Bauen mit Eisenbeton haben es leichter gemacht, fernab von natürlichen Gewässern in künstlich gebauten Becken zu schwimmen. Die Sonnendecks sind geschlechtergetrennt. Das Becken bleibt lange das grösste der Schweiz.
1911 ersetzt das Bad «Egliseeholz» das «Badhysli am Riehenteich», das 1906/7 dem Badischen Bahnhof weichen musste(45, 46). In dem 80 Meter langen Schwimmbassin wird nach Geschlechtern getrennt gebadet. Das Bad ist dafür aber nicht eingerichtet, so werden separate Frauen- resp. Männer-Badestunden abgehalten.
1919 entsteht das Strandbad Weggis Lido. Es ist eines der ersten Schweizer Freibäder, in denen nicht nach Geschlechtern getrennt gebadet wird.
1920 kauft Paul Odermatt-Mosmann – der Hotelier des 1910 eröffneten Kurhotels Fürigen über dem Vierwaldstättersee – die Harissenbucht und lässt eine Badeanlage bauen. Ab 1924 können Hotelgäste das Strandbad Fürigen mit einer extra erstellten Standseilbahn erreichen.
1920 wird das Strandbad Weesen eröffnet. Ganze Völkerscharen ziehen an schönen Wochenenden zu der Badeanlage.
1922 : Eröffnung des ersten Lachenbades in Thun. Es gibt einen "Badeplan", nach dem Männer und Frauen abwechslungsweise Baden dürfen. Der Wechsel wird jeweils mit einer Glocke "eingeläutet".
1922 ist der Jahrgang des kleinen Seebades Zollikon. Noch zeigt das Holzbad am Zürichsee den typischen symmetrischen Aufbau, der sich durch die Geschlechtertrennung ergibt.
1922 wird das nach Plänen von Walther Sulser erbaute Freibad Sand in Chur fertiggestellt. Die geschlossene Form mit den das zentrale Becken umgebenden Garderobe-Gebäuden aus gestrichenem Holz erinnert noch stark an die alten Kastenbäder, und auch im Schwimmbad Chur wird erst strikt nach Geschlechtern getrennt gebadet. Da man aus finanziellen Gründen auf den Bau einer zweigeteilten Badeanlage verzichtet hat, gibt es Frauen- und Männer-Schwimmstunden.
1923-24 entsteht die Badhütte Rorschach, die Seebadeanstalt nach Plänen des Architekten Karl Köpplin. Die Form richtet sich noch nach den geschlossenen Kastenbädern des 19. Jahrhunderts, allerdings grenzen gegen den See hin nicht mehr Kabinenreihen den Blick ein: breite Liegeflächen laden ein zum Sonnenbaden.
1923 gesellt sich das Seebad Wädenswil zu den Badeanstalten am Zürichsee. Die Trennung in zwei Hälften ist strikt, es existieren gar zwei Innenhöfe, in denen Schwimmunterricht geschlechtergetrennt durchgeführt werden kann.
1924 bewilligt das Bundesgericht der Gemeinde Moosseedorf BE zwei Badeplätze, die daraufhin am Moossee eine offizielle Badestelle mit Strand herrichtet.
1924: «Bains de la Motta» in Fribourg ist der erste Schwimmbadbau des Ingenieurs und Architekten Beda Hefti (1897–1981), einem Pionier des Sport- und Schwimmbadbaus. «Motta» wird eine symmetrische Anlage im klassizistischen Stil.
1925 verkehrt das Zürcher Volk im neuen Strandbad Mythenquai. Eine wuchtige Bretterwand trennt die Geschlechter, sie wird aber nach Protesten abgerissen, und die bald erweiterte Anlage wird ein stark frequentiertes Familienbad. Das grosse Seebad bietet vielen Berufen einen Arbeitsplatz, wie die folgenden Inserate aus der Zeitschrift «Für die Körperkultur, Werbeschrift für Körperkultur, Strandbad-Verein Zürich, I. Jahrgang, Sommer 1925»(60) zeigen:
1927: Direkt an der Aare entsteht das Freibad Solothurn, eine geschlossene Badeanlage mit Geschlechtertrennung. (1962 erweitert, die historische Anlage existiert – etwas umgebaut – noch heute.)
1927 wird das Strandbad des Verkehrsvereins Flüelen eröffnet: "...ein ordentliches Bad, wie man es in einem gesitteten Land zu treffen wünscht."
1927 ist das Baujahr des Schwimmbades Zweisimmen mit einem in die Landschaft modellierten 50-m-Becken. Das «Alpine Schwimm- & Sonnenbad» wird zum Vorbild für die Tourismusgemeinden im Berner Oberland.
1928 wird das Luxus-Hotel Gstaad Palace ergänzt durch das Palace-Freibad. Das Bad verfügt über ein Olympiabecken und einen Sprungturm, und es ist öffentlich zugänglich.
1928 wird das Lido di Lugano am Ufer des Luganersees fertiggestellt. Die Pläne stammen von Americo Marazzi. Das Lido zeigt den stilistischen Übergang von den Badehütten zu den modernen Strandbädern.
1929: Das Schwimmbad Burgdorf ist ebenso im klassizistischen Stil errichtet wie das Piscine de Motta in Fribourg. Beda Hefti ist auch hier verantwortlich für die Planung.
1929 ensteht auch das Lido Luzern. Ein Jahr nach Eröffnung findet in dem Strandbad die erste Schweizer Bademoden-Schau statt.
1929: Otto Zollingers Konzept von Vevey-Corseaux-Plage ist ein frühes Beispiel der modernen Freizeitarchitektur (66). Die Möglichkeiten des Bauens mit Eisenbetons wird ausgereizt mit kühnen Dach- und Terrassenformen.
1930: Mit dem Schwimmbad Vulpera entsteht in den Bündner Bergen das dritte Hotel-Freibad der Schweiz.
Die 1930er - der Boom der grossen Volksbäder
1931 wird das Basler Gartenbad Eglisee eröffnet. Verantwortlich für die Planung sind J. Maurizio und Beda Hefti. Wie z.B. das im gleichen Jahr eröffnete Bödelibad Interlaken zeigt es sich im Stil des Neuen Bauens.
1931 entsteht auch die «Badeanstalt des Fluss- und Sonnen-Bades Aarburg», das erste Schwimmbad im Kanton Aargau. Geplant wurde die Anlage von Hermann Lüscher, und ist im Aufbau ähnlich wie die Bäder in Burgdorf und Fribourg: das Becken ist eng umrahmt durch die Garderobengebäude.
1931 wird das Panorama-Schwimmbad Adelboden erbaut, initiert und finanziert von den ansässigen Hoteliers. Beda Heftis Projekt beinhaltet ein 50-m-Becken mit Sprungturm und ... einem Musikpavillon! Zutritt haben vorerst nur Gäste, Einheimische müssen draussen bleiben.
1931 Das Strandbad Diepoldsau erregt im In- und Ausland Aufsehen. Frauen und Männer gehen im Alten Rheinlauf miteinander baden - ohne trennende Abschrankungen!
1932 öffnet das Strandbad Biel seine Pforten. Die Architektur des «Neuen Bauens» zeigt sich z.B. in den kubischen Formen (Flachdächer) und der konsequenten Verwendung der neuen Materialien Glas, Stahl, Beton und Backstein. Die Bewegung hatte aber auch soziale Ziele: Dekorationen und aufwendige Baustile werden vermieden, um die Anlage kostengünstig zu erstellen. Das Strandbad Biel wird - mit tiefen Eintrittspreisen - zu einem typischen Volksbad.
1932 Strenge Funktionalität zeigt auch das neue Genfer Seebad von Henry Roche: «Bains des Pâquis». Die Anlage wird geschickt an die Hafenmauer des Genfer Beckens angepasst, die Bauten sind zurückhaltend gestaltet und lassen den Blick frei auf die Weite des Genfersees(66). Gebadet wird nach Geschlechtern getrennt (ein Frauenbad besteht noch heute).
1932 ist auch Baubeginn für das grosse Terrassen-Schwimmbad in Baden. Wie andere Bäder auch entstand das Freibad im Verlauf von Arbeitsbeschaffungsmassnahmen für Arbeitslose während der 1930er-Jahre.
1933: Das Strandbad Genève-Plage zieht bei der Eröffnung viele Besucher an. Die Entstehungsgeschichte des Bades ist eng verbunden mit dem 1916 gegründeten «Les Bains de soleil et du lac».
1933: Im Strandbad Thun nutzen Jacques Wipf und Edgar Schweizer für die sehenswerte Architektur den modernen armierten Beton. Mit 50'000 m2 ist es vermutlich das drittgrösste Freibad der Schweiz (nach Bellerive-Plage in Lausanne und Bachgraben BS). Mit der Lage an der Alpenkette ist es für manche Besucher das schönstgelegene Bad Europas...
1933 wird mit dem Freibad Heiden das modernste Schwimmbad der Schweiz eröffnet. Die zweckorientierten Formen repräsentieren die Architektur des «Neuen Bauens». Die «Häädler Badi» ist bekannt wegen ihrer einmaligen Architektur und steht heute unter Denkmalschutz. Konzept: Beda Hefti.
1993 ist Einweihungstermin für das kleine Bergbad Schwändi. Das alpine Bad entstand durch Fronarbeit der Einwohner.
1932-34 wird das Ka-We-De - Kunsteisbahn und Wellenbad Dählhölzli in Bern gebaut. Der Baustil folgt dem damaligen Sinne einer modernen Sport- und Freizeitanlage. Konzipiert wurde sie für «die anspruchsvolle Körperkultur der oberen Bevölkerungsschichten»(66). Das Wellenbad ist ein Renner.
1934 haben auch die Zürcher ihr Wellenbad: Das Bad Dolder startet erstmals seine Wellenmaschine.
1928-1933 wird mit Hilfe von Vereinen und Freiwilligen das Strandbad Buchhorn am Bodensee erbaut. Der Architekt Edwin Bosshardt plante eine moderne Anlage mit Gestaltungsformen, die stark vom «Bauhaus» beeinflusst wurden (schlichte, klare Formgebung und transparente, leichte Bauweise).
1932-34 wird das Terrassenbad Baden erbaut, und zwar - wie andere zeitgleich errichtete Bäder auch - im Zuge von Arbeitsbeschaffungsmassnahmen für die Arbeitslosen in der Wirtschaftskrise. Die Pläne stammen von Alfred Gantner.
1934 kann mit dem Hallenbad Rialto das erste Hallenbad der Stadt Basel seine Tore öffnen.
Vor dem 2. Weltkrieg wird vermutlich auch die Rheinbadi Eglisau gebaut (das Erstellungsjahr ist mir nicht bekannt). Geschwommen wird in einem Becken mit Hubboden im kühlen Rheinwasser.
1935 kann das grosszügig angelegte Freibad Ledi in Walzenhausen eingeweiht werden.
1936: Vermögende nehmen nach und nach die Hänge am Hallwilersee in Besitz. Das Arbeiterstrandbad Tennwil wird gegründet mit dem Ziel, der Arbeiterschaft den Zugang zum See zu sichern.
1936: Mit dem Bellerive-Plage in Lausanne entsteht eine der eindrücklichsten Badeanlagen. Der Architekt Marc Piccard verwendet viel Glas, und die Elemente aus Beton überzeugen mit leichten, geschwungenen Formen.
1937 geht das Strandbad Olten in Betrieb. Hermann Frey und Ernst Schindler planten die Anlage zwischen Altstadt und Aareufer.
1939 wird das Freibad Allenmoos in Zürich eröffnet, ein grosses Parkbad. Haefeli, Moser und der Gartengestalter Gustav Amman schufen eines der schönsten Werken des Landistils. Erwähnenswert ist die Leichtigkeit der Eisenbetonbauten. Das «Möösli» bleibt die grösste Badeanlage in Zürich. (› Geschichten aus dem Badealltag, das Bad wird 1997/98 saniert)
1939 lässt der Inhaber des Restaurants auf dem Zürcher Waidberg ein Freibad erbauen. Das «Waidbad» oder «Waldbad» verfügt über ein 50-m-Becken, mehrere Sprungbretter und eine Unterwasserbeleuchtung für den nächtlichen Schwimmbetrieb.
1903 stand auf der Lichtung auf dem waldbestandenen Waidberg ein Luftheilbad und Kurhaus. Ab 1926 wurde das Jägerhaus Waidberg als Restaurant genutzt.
Der Inhaber des Restaurants - d'Altry - liess das Freibad erbauen, ging aber 1943 Konkurs. Das Bad wechselte den Besitzer, und wurde 1969 sanierungsbedürftig geschlossen. 1972 übernahm die Stadt das Gelände.(45)
Das Schwimmbecken wurde 1983 teilweise abgebrochen und zugeschüttet. Heute befindet sich an dem Ort ein Spielplatz, nebenan ein bekanntes Ausflugsrestaurant.
Die 2009 diskutierte Option, das Waidbad wieder zu aktivieren und als ein umfassendes Gesundheitsbad anzubieten, kam wegen fehlenden finanziellen Mitteln für den Stadtrat nicht in Frage.(67) An das Freibad erinnert heute nur noch die Strasse zum Tessin Grotto - die Waidbadstrasse...
1940: Nach Plänen von Robert Walcher entsteht das Seebad Rapperswil. Walcher hält sich noch an die Form der alten, geschlossenen Kastenbäder, öffnet die hufeisenförmige Seebadi aber gegen die Seeseite hin.
1941 baut der Stadtbaumeister Hermann Herter das Hallenbad City in Zürich nach dem Vorbild des Schwimmbads Gartenstrasse in Berlin-Mitte. Wie dieses besitzt das Hallenbad City eine Hallendecke aus Glas, die das Schwimmbad mit Tageslicht erfüllt.
1948 wird das Schwimmbad im Moos das erste Freibad im Limmattal.
1952 wird die Betonkonstruktion des Flussbades Oberer Letten in Zürich auf dem Limmatdeich erstellt (Architektin: Elsa Burckhardt-Blum). Der Stil verkörpert (anschaulich) die Richtung des hygienischen Modernismus. Der Bau ist funktionell und verzichtet auf Schnörkel und Spielereien.
1954 wird das Strandbad Tiefenbrunnen von den Architekten Josef Schütz, Otto Dürr und Hans Nussbaumer angelegt. Es ist Teil der für die Landesausstellung 1939 fertig gestellten Uferaufschüttung am Zürichsee, und zeigt die Pavillon-Architektur der 50er Jahre.
1949 wird das Letzigraben-Bad in Zürich eröffnet. Architekt ist der später als Schriftsteller arbeitende Max Frisch. Das Volksbad hat grossflächige Bassins, angelegt auf einer hügelig-geschwungenen Landschaft. Angebaut ist ein Sportbad mit Oympiabecken und 10-m-Sprunganlage, in dem zusätzlichen Lernschwimmbecken machen viele Zürcher Schülerinnen und Schüler ihre ersten Schwimmversuche.
1955: Das Gartenbad St. Jakob in Basel zeigt Grösse: Ein Areal mit 45'150 m2 und immensen Wasserflächen, ein Familien- inkl. Sportbad.
1960 entsteht am Zürichsee mit dem Seebad Enge ein neues Kastenbad; eine schwimmende Anlage, unterteilt in Frauen- und Männerabteile. Konzept: Robert Landolt.
Weiterführende Links
sonnenbad.ch/geschichte/ – Geschichte des 1903 eröffneten Luft- Licht- und Sonnenbades in Binningen

Weitere Infos
Ado Trautmann, 26.12.2020: Freibäder Heiden und Adelboden, Baustil
Als ich vor etwa 10 Jahren das erste Mal das Schwimmbad Heiden besuchte, fiel mir der Baustil (Bauhaus) auf und erinnerte mich an das Freibad in Adelboden, das ich aus meiner Kindheit Ende 30er Jahre her kannte, allerdings nur im Winter, aber der Baustil und die Farbgebung waren zumindest sehr ähnlich. Auf einer Tafel mit der Geschichte des Heidener Bades wurde ich darin bestätigt. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber es soll der gleiche Architekt gewesen sein. Wenn ich die Farbgebung heute betrachte, so ist die Ähnlichkeit immer noch vorhanden, der Stil sowieso. Ich glaube, das wäre einer Erwähnung wert.
Obige Zusammenstellung ist unvollständig — ich bin dankbar für jede weitere Information: