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Gubelmann Hanspeter, Baldasarre Cristina, Müller Philippe
mind2win.ch, Zürich
Abstract
Parents play a crucial role in the successful development and socialization of their children who are participating in Swiss sport [1]. They carry responsibility for the well-being of their protégés, take on many duties in the sporting environment and also provide support when the pressures of sport demands and requirements become intolerable for their child. These challenges seem to be particularly high when a performance peak is reached at young age and early in a career. The high degree of professionalization in youth sports has resulted in numerous Olympic victories in top young athletes competing in compositional sports. The downside of these medals becomes visible when the normal and healthy development of young althetes is subordinated to a primarily performance and success-oriented pursuit. This article deals with the developmental steps necessary for young athletes on their way to the Olympics, as well as the concominant responsibilities of their parents. The focus is on the process of autonomy-development in young athletes. This is first derived from a sports science and developmental psychology perspective. The main postulates of child- and youth-oriented autonomy development are then supplemented with the perspectives, beliefs and measures of selected sports parents, who recorded their experiences in short interviews. The conclusion deals with the findings and consequences – especially with regard to a more autonomy-promoting mentoring of young athletes.
Zusammenfassung
Eltern haben eine entscheidende Funktion für die gelingende Entwicklung und Sozialisierung ihrer Kinder im Schweizer Sport [1]. Sie tragen Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Schützlinge, übernehmen viele Verpflichtungen im sportlichen Umfeld und unterstützen auch dort, wo die gestellten Herausforderungen das Mass des Ertragbaren erreichen. Besonders gross scheinen diese dort zu sein, wo ein Leistungszenit sehr frühzeitig erreicht wird. Wohin der hohe Professionalisierungsgrad einer Jugendsportkarriere führen kann, zeigen zahlreiche Olympiasiege jugendlicher Spitzensportler*innen in kompositorischen Sportarten. Die Kehrseiten dieser Medaillen werden dort sichtbar, wo eine gesunde, entwicklungspsychologisch notwendige Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen einem primär leistungs- und erfolgsorientierten Streben untergeordnet werden. Dieser Beitrag handelt von den notwendigen Entwicklungsschritten junger Sportler*innen auf ihrem Weg nach Olympia, die auch in den Verantwortungsbereich der Eltern fallen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei auf dem Prozess der Autonomieentwicklung junger Sportler*innen. Dieser wird zunächst aus sportwissenschaftlicher und entwicklungspsychologischer Perspektive hergeleitet. Die Hauptpostulate einer kind- und jugendgerechten Autonomieentwicklung werden anschliessend mit Sichtweisen und Massnahmen von ausgewählten Sporteltern ergänzt, die ihre Erfahrungen in Kurzinterviews zu Protokoll gaben. Der abschliessende Teil befasst sich mit den Erkenntnissen und Konsequenzen – insbesondere im Hinblick auf eine Autonomie förderlichere Begleitung junger Sportler*innen.
In diesem vornehmlich praxisorientierten Beitrag geht es darum, die Elternrolle im Nachwuchsleistungssport inhaltlich darzulegen und in ihrer Bedeutung aus Sicht der Sportpsychologie zu positionieren. Am Beispiel schwerwiegender Betreuungsmissstände in kompositorischen Sportarten in der Schweiz (wie u.a. auch in Deutschland, Belgien, Grossbritannien, USA usw.) wird offenkundig, welche Bedeutung der elterlichen Unterstützung insbesondere im Umfeld des Nachwuchsleistungssports zukommt. Anhand wissenschaftlich etablierter Modelle werden zentrale psychologische Entwicklungsschritte beschrieben und im Kontext einer Karriereentwicklung im Nachwuchsleistungssport verortet. Anders als beim empirisch-wissenschaftlichen Vorgehen soll hier eine phänomenologische Betrachtungsweise im Vordergrund stehen. Primäres Anliegen des Beitrags ist, interessierten Ärzt*innen und Physiotherapeut*innen sportpsychologische Expertise im Umgang mit Sporteltern anzubieten, die auch einer vertieften, interdisziplinären Unterstützung im Nachwuchsbereich zugute kommen soll.
Speziell hervorzuheben gilt es ferner den bewusst gewählten, helvetischen Zugang zum Thema. Dieser legtimiert sich durch die Besonderheiten des nationalen Sportsystems, deren Bedeutung sich nicht an internationalen Standards messen lässt. Mit dieser vordringlichen Gewichtung des soziokulturellen Hintergrunds verbindet sich auch die explizite Orientierung an hiesigen Quellen und deutschsprachiger Literatur. Inhaltliche Vertiefungen aus englischsprachigen Studien ergänzen die inhaltliche Diskussion nur dort, wo weiterführende Gedanken thematisiert werden.
Im Rückblick auf eine erfolgreiche Karriere im Spitzensport verweisen Athlet*innen sehr häufig auf die zu Beginn ihrer Laufbahn entscheidende und unterstützende Rolle ihrer Eltern. Neben dem emotionalen Support investierten Eltern zumeist sehr viel Zeit und Geld in die Förderung ihrer Söhne und Töchter. Aber auch in schwierigen Zeiten, etwa nach Rückschlägen, Verletzungen oder einem frühzeitigen Ausscheiden aus der Sportkarriere, sind die Eltern wichtige Bezugspersonen [2]. Wylleman [3] bezeichnet die Eltern von Kindern im Jugend- und Leistungssport als primäre Sozialisationsagenten und betont deren unbedingte Unterstützung als notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung im Leistungssport.
Die Begleitung durch die Eltern fällt aber nicht in jedem Fall positiv aus. Die Ausübung von Druck oder Zwang werden als häufige Ursache für die Unzufriedenheit und Demotivation junger Sportler*innen angesehen. Straub [4] spricht in diesem Zusammenhang von übermotivierten, oftmals sehr ehrgeizigen Eltern, die ihre Kinder zu sehr antreiben. Dies kann bei den jungen Sportler*innen zu übermässigem Stress führen, das Selbstwertgefühl massiv verringern, Schuldgefühle verursachen und zu einem frühzeitigen Ausstieg aus dem Leistungssport führen. Grundlegend ist dabei die Annahme, dass «(…) es sich bei fehlangepasstem elterlichen Perfektionismus im Bereich Nachwuchsleistungssport um eine Form emotionalen Missbrauchs handelt» (S. 24).
Eine Literaturrecherche zum Thema «Eltern im Leistungssport» verdeutlicht, dass überraschend geringe Forschungsinteresse im deutschsprachigen Raum veröffentlicht wurden. So befindet sich in der Zeitschrift Leistungssport in der Zeitspanne von 2002 bis 2021 eine einzige Publikation. Deutlich mehr Beachtung widerfährt dem Thema «Parenting in sport» im angloamerikanischen Sprachraum, wobei insbesondere die positiven und negativen Auswirkungen des elterlichen Einflusses in verschiedenen Sportarten und unterschiedlichen Settings untersucht wurden [5,6]. Obwohl das Thema der Rolle der Eltern im Leistungssport insgesamt als hochaktuell bezeichnet wird, erscheint das wissenschaftliche Verständnis von Sporteltern in unterschiedlichen Kontexten, Sportarten und Kulturen relativ begrenzt [7]. In einem 2019 veröffentlichten Übersichtsartikel zur elterlichen Beteiligung (parental involvement) im Sport [8] gelangen die Autoren zum Schluss, dass die sportwissenschaftliche Forschung Eltern in ihrem potenziellen Einfluss auf die psychosoziale Einfluss von Sportlern weitgehend übersieht.
Elternrolle – ebenso vielfältig wie wandelbar
Um die Anforderungen der Elternrolle in einem breiteren Kontext zu verstehen, hilft eine Perspektivenerweiterung. Ausgehend von etablierten Modellen [9,10,11] soll zunächst der Frage nachgegangen werden, welches elterliche Rollenverständnis dazu beiträgt, Athleten*innen im Kindes- und Jugendalter angemessen zu begleiten.
Ein erster Orientierungspunkt bietet das Karriereverlaufsmodell von Wylleman & Lavallee [12]. Dieses beschreibt die idealtypische Laufbahn eines*r Athleten*in aus entwicklungstheoretischer Perspektive und unterscheidet dabei vier verschiedene Entwicklungsebenen: die athletische, die psychologische, die psychosoziale, die schulische und berufliche. Die Entwicklung auf den einzelnen Ebenen ist in verschiedene Phasen unterteilt und beinhaltet jeweils unterschiedliche Transitionen, welche die Übergänge von einer Phase zur nächsten markieren.
Die psychologische Ebene umfasst die Phasen der Kindheit, der Adoleszenz sowie des Erwachsenenalters mit den jeweils dazugehörigen Entwicklungsaufgaben, die sich leistungsfördernd auf die sportliche Karriere auswirken sollen. In der Kindheit gehört die Entwicklung einer kognitiven und motivationalen Bereitschaft («readiness») für die sportliche Wettkampftätigkeit, in der Adoleszenz die Entwicklung einer (athletischen) Identität zu den wichtigsten Entwicklungsaufgaben. Die psychosoziale Ebene repräsentiert die Entwicklung bzw. die Veränderungen des sozialen Umfelds eines*r Athleten*in. Im Zentrum stehen interpersonale Beziehungen zu den Eltern, Geschwistern, Freunden*innen, Teamkollegen*innen, Trainern*innen und Partnern*innen sowie die soziale Unterstützung, welche die Athleten*innen von diesen Personen erhalten.
Soll Leistungs- oder gar Spitzensport dem Ruf einer guten Lebensschule nachkommen [13], die dem Ziel einer ganzheitlichen Entwicklung des jungen Menschen folgt, muss das oben beschriebene Phasenmodell ergänzt werden. Eine passende motivationspsychologische Ergänzung zu diesem umfassenderen Ansatz bietet die Selbstbestimmungstheorie [11]. Motiviertes Handeln und menschliche Entwicklung hängen immer davon ab, inwieweit die drei Grundbedürfnisse nach Kompetenzerleben, sozialer Anerkennung und Autonomie (Selbstbestimmung) befriedigt werden können. Für die Herausbildung längerfristiger, persönlichkeitsbildender Verhaltensweisen spielt die Förderung der Eigeninitiative in Verbindung mit einer intrinsischen Motivationsgrundlage eine massgebliche Rolle. Die soziale Unterstützung durch die Sportgruppe sowie ein individuelles und – wenn immer auch möglich – selbstbestimmtes Trainingsprogramm bilden weitere Eckpfeiler in diesem Lernsetting.
Für eine gelingende Entwicklung im Sport ist das Autonomieerleben von zentraler Bedeutung. Dieses primäre Grundbedürfnis nimmt bis Erreichen des Erwachsenenalters stetig zu. Im Spitzensport kommt dieses Bedürfnis häufig zu kurz, da einerseits Eltern oft lange als Unterstützer «gebraucht» werden und sich andererseits den Jugendlichen im sportbetonten Alltag kaum Freiraum bietet.
Als altersunabhängig gelten dagegen die beiden anderen Bedürfnisse nach sozialer Anerkennung und Kompetenzerleben des Kindes. Eltern sind angehalten, stabile und verlässliche Beziehungen auch ausserhalb der Familie zu unterstützen, insbesondere zu aussersportlichen Peers. Positive Erfahrungen stärken vor allem dann das Selbstvertrauen der Jugendlichen, wenn es von den Erwachsenen entsprechend wahrgenommen und auch mit Lob und Anerkennung bestärkt wird. Erfreulich ist, dass in den letzten Jahren vermehrt sportartbezogene Guidelines für Sporteltern entwickelt wurden [14], um diesen Anliegen adäquat Rechnung zu tragen. Aus sportwissenschaftlicher Sicht sind es mindestens fünf primäre Handlungsfähigkeiten (vgl. Tabelle 1), die kompetentes und rücksichtsvolles elterliches Handeln umschreiben.
Elternrolle: Umfrage bei Sporteltern international erfolgreicher Kinder
Nach dem Modell von Fredricks und Eccles [15] sind es insbesondere drei Rollen, die Sporteltern im Umgang mit Kindern ausfüllen. Eltern mit einem persönlichen Bezug zum (Spitzen-)Sport sind sportliche Vorbilder und beeinflussen dadurch Einstellung und Verhalten massgeblich. Sie agieren hierbei häufig auch als Interpreten, indem sie aufgrund ihrer sportlichen Erfahrung das Handeln ihrer Kinder entsprechend wahrnehmen, beschreiben und beurteilen. Schliesslich treten Eltern auch in der Rolle eines Unterstützers auf, indem sie ihre Kinder in ihrem Tun bestärken, fördern und mitunter den (entscheidenden) finanziellen und menschlichen Support bieten. Im sportlichen Alltag greifen diese unterschiedlichen Elternrollen ineinander und können nicht getrennt voneinander betrachtet werden.
Im Rahmen einer explorativen, schriftlichen Kurzbefragung im Monat Februar 2021 wurden Sporteltern (n = 9) eingeladen, sechs offen gestellte Fragen im Kontext der drei oben beschriebenen Rollen (Vorbild, Interpret und Unterstützer) zu beantworten. Die Stichprobe umfasst neun sportnahe Elternteile (Rücklaufquote: 100%), die mehrheitlich selbst im Leistungs- oder Spitzensport aktiv waren. Das Sample der «vertretenen Kinder» – einige von ihnen sind heute nicht mehr aktiv – repräsentieren die Sportarten Tennis, Skispringen, Skilanglauf, Eiskunstlauf, Orientierungslauf und Mountainbike. Alle Sportler*innen zähl(t)en in Nachwuchs- und Elitekategorien zu den absolut weltbesten ihrer Sportarten, ihre internationalen Erfolge schliessen Medaillengewinne an Youth Olympic Games, U23-Weltmeisterschaften sowie zahlreiche Top-3-Plätze an internationalen Titelkämpfen (EM, WM und OS) ein. Die gewonnenen Daten erheben keinen Anspruch auf Repräsentativität. Die Exlusivität der Informationen hinsichtlich der Merkmalsausprägungen «Weltniveau/Medaillengewinne an Grossanlässen» sowie «Bedeutsamkeit der vertretenen Sportarten im Schweizer Spitzensport» verleihen dem Datensatz aber einen insgesamt hohen Aussagewert.
Aus den in Tabelle 2 dargelegten Handlungsweisen sportnaher Eltern lässt sich folgern, dass eine grundlegende Einigkeit darin besteht, den jungen Sportler*innen ein grösstmögliches Mass an Selbstbestimmung und Eigenständigkeit einzuräumen.
Der Vater eines Skispringers beschreibt diesen Standpunkt folgendermassen: «Ich war unseren Kindern nie ein sportliches Vorbild. Es war ihre Entscheidung, sich im Sport zu versuchen, dort ihren Weg zu gehen. Unser Sohn zeigte schon als Jugendlicher diese ausgeprägte Leidenschaft fürs Skispringen, dieses innere Feuer und die grosse Freude an seiner Sportart. Ich habe es einfach zugelassen und seine selbstbestimmte und motivierte Art immer auch sehr geschätzt.»
Ein weiteres Antwortbeispiel eines Vaters aus dieser Befragung zeigt zudem, dass besondere Anliegen auch im engen Familienkreis angesprochen und gemeinsam verhandelt werden müssen: «Wir versuchen in der Familie, unserer Tochter Rückhalt und einen gewissen Schutz zu bieten. Kürzlich wollte ein Boulevardmedium eine Homestory mit unserer Tochter lancieren, zusammen mit uns als Sportfamilie. Ich möchte da nicht in Erscheinung treten und ich finde es auch nicht notwendig, dass sie der Schweizer Bevölkerung ihre Intimsphäre preisgibt. Wir haben diese Anfrage deshalb abgelehnt.»
Die Eltern eines Tennisspielers beschreiben ihre Grundhaltung folgendermassen: «Wir versuchten im täglichen Leben als gutes Vorbild für unseren Sohn voranzugehen. Uns war wichtig, ihm Werte wie Anstand, Respekt, Fairness und Ehrlichkeit – auch auf dem Tennisplatz – mitzugeben. In kritischen Situationen verhielten wir uns immer positiv unterstützend, halfen beim Verarbeiten von Enttäuschungen und Niederlagen – einfach indem wir unsere Elternliebe spielen liessen. Andererseits mussten wir nicht immer dabei sein, wichtige Entscheide hat unser Sohn schon in frühen Jahren auch selbst getroffen. Wir freuen uns heute natürlich über seine Erfolge, seine Beliebtheit – vor allem aber schätzen wir seine Charakterstärke, etwa seine Fairness auf dem Spielfeld und seine Kameradschaft mit seinen sportlichen Rivalen.»
Eine letzte Frage hinsichtlich besonderer Unterstützungsmassnahmen im Fokus auf ein Karriereziel «Olympische Spiele» fördert einen interessanten Wesenszug sportnaher Eltern zutage. Völlig unaufgeregt meint die Mutter eines Weltmeisters und mehrfachen Olympiateilnehmers: «In diese Richtung habe ich eigentlich nichts Besonderes unternommen. Ich habe mich natürlich gefreut, dass es ein paar Mal geklappt hat.» Diesen zurückhaltenden, grundsätzlich positiven und unterstützenden Grundton findet man in allen Elternstatements.
Fazit: Wie Trainer*innen, Sportmediziner*innen, Eltern und Jugendliche am meisten voneinander profitieren können
Auch wenn für junge Menschen der Olympische Traum schon früh in Erfüllung gehen kann, letztlich steht immer die nachhaltige Befriedigung grundlegender psychosozialer Bedürfnisse im Vordergrund. Im Einklang mit den beschriebenen sportwissenschaftlichen und psychologischen Modellen und deren zentralen Postulaten zugunsten einer gesunden menschlichen Entwicklung beschreibt Sylvia Wigger-Honegger [16] in einen öffentlichen Newsletter-Interview des Sportamts Zürich den Kern einer «guten Sportmutter» folgendermassen: «Das Allerwichtigste ist, dass egal welchen Hintergrund man mitbringt, man dem Kind volle Aufmerksamkeit schenkt und es unabhängig von irgendwelchen Resultaten bedingungslos unterstützt. Im Zentrum steht das persönliche Wohl des Kindes und seine persönliche Entwicklung. Ob dabei grosse sportliche Erfolge Teil davon sind, ist zweitrangig.»
Eine massgebliche Einflussmöglichkeit, wie Eltern sich in der Begleitung ihrer Kinder verhalten sollen, kommt den Trainer*innen zu. Lafferty & Triggs [17] skizzieren in ihrem Modell «Working with Parents in Sport» ein interaktives Zusammengehen mit den Eltern. In einem ersten Schritt werden sachdienliche Informationen zur Mehrung des Fachwissens geboten. Aufgrund eines verbesserten Rollenverständnisses (Eltern, Ärzt*innen, Trainer*innen usw.) soll zudem die Vertrauensbasis gestärkt werden. In einer zweiten Phase thematisieren die involvierten Fachexpert*innen an aktuellen Beispielen den elterlichen Einfluss mit dem Ziel, die Eltern in ihrer Fähigkeit der Emotionsregulation oder anderer Bewältigungsstrategien zu unterstützen.
Schliesslich – aus Sicht der hauptbeteiligten Nachwuchssportler*innen – stellt sich die Schlüsselfrage folgendermassen: Welches ist das passende Mass an Autonomie, das mein erhöhtes Bedürfnis an Freiraum und Selbstbestimmung sowie den Ablösungsprozess vom Elternhaus zulässt? Zudem sind sie weiterhin auf die elterliche Unterstützung angewiesen, oft auch in finanziellen Belangen. Nicht erst seit Beginn der Covid-19-Pandemie finden die jungen Athleten*innen kaum Freiraum und selbstgewählte Freizeit. Hierauf eine passende, gesunde und entwicklungsförderliche Antwort zu finden, dürfte für die Eltern, die Trainer*innen und die Kinder die bedeutendste und zugleich auch grösste Herausforderung sein.
Hinweis zu den Elternzitaten: Für eine namentliche Kennzeichnung der geäusserten Elternaussagen liegen explizite (schriftliche) Zustimmungen der entsprechenden Personen vor. Aus berufsethischen Gründen wird auf die Nennung jedoch verzichtet.
Corresponding author
Hanspeter Gubelmann, Dr. phil.
Fachpsychologe für Sportpsychologie FSP
Institut für Verhaltenswissenschaften, ETH Zürich
Clausiusstrasse 59, CH-8092 Zürich
E-Mail: <email-pii>
References
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