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Akurat lackierte Fingernägel, die Schlauchbootlippen knallrot geschminkt und frisch und süss duftend, so empfing Amanda Lepore SI online bei ihrem Besuch in Zürich. Die wohl bekannteste und schillerndste Transsexuelle trug ein glitzerndes, hautfarbenes Swarowski-Kleid, mit passender Clutch und schwindelerregend hohen Schuhen.
SI online: Miss Lepore, Sie gestanden, dass Ihnen unser Mister Schweiz Jan Bühlmann besonders gefällt. Ist das Ihr Typ Mann?
Amanda Lepore: Ja, total. Ich mag grosse, dunkelhaarige und muskulöse Männer. Sie müssen mir Sicherheit vermitteln, ich will mich an ihrer Seite feminin fühlen. Das geht eigentlich auch bei blonden Männern (lacht). Hauptsache sie sind muskulös.
Gibt es denn zurzeit jemanden in Ihrem Leben?
Ich treffe mich mit einigen Männern in New York, aber das ist nichts Ernsthaftes.
Dann erwartet uns demnächst keine Hochzeit?
Nein, obwohl ich gerne wieder heiraten möchte. Bisher traf ich den Richtigen noch nicht, mit dem ich so weit gehen könnte. Ich brauche jemanden an meiner Seite, der mir auch finanzielle Sicherheit gibt. Und er muss mit meiner Karriere klar kommen. Es ist gar nicht so einfach, einen solchen Mann zu finden.
Wünschen Sie sich Kinder?
Während meiner ersten Ehe war ich bereit dazu, ein Kind zu adoptieren. Aber dann stieg ich ins Berufsleben ein, machte Karriere. Jetzt fehlt mir die Zeit, mich um jemanden zu kümmern. Treffe ich den richtigen Mann, hätte ich gerne Kinder. Natürlich müssten es Mädchen sein, ich liebe Mädchen. Dann könnte ich sie hübsch anziehen und schön machen. Sie hätte bestimmt Spass mit mir!
Als Transsexuelle müssten Sie dann allerdings adoptieren.
Mit diesem Gedanken komme ich klar. Solche Dinge zu akzeptieren, fällt mir leicht. Ich bin damit gesegnet, eine Frau zu sein. Auch ich kann nicht alles haben.
Sie modeln oft. Letztens schlüpften Sie in die Rolle grosser Topmodels wie Claudia Schiffer und Naomi Campell. Was unterscheidet sie von Ihnen?
Ein Vergleich ist nicht möglich. Die Topmodels sind natürliche Schönheiten, mein Körper ist ein Kunstwerk. Ich musste alles an mir machen lassen. Aber so ist das Leben. Die einen Mädchen sind nicht so hübsch wie die anderen. In diesem Fall müssen sie mehr Aufwand betreiben, um schön zu sein. Ich kann ihnen gut nachfühlen. Jene Mädchen sollten darauf achten, dass sie die Haare schön tragen, dass sie sich pflegen ...
... und dass sie sich vielleicht auch unters Messer legen?
Ich nahm diesen Weg, aber es gibt andere Möglichkeiten - wirklich! Ich fühle mich wohl so wie ich bin, mir blieb nichts anderes übrig, als mich operieren zu lassen. Natürlichen Frauen empfehle ich nicht unbedingt eine Operation, sie können auch sonst schön sein. Für mich ist eine Schönheitsoperation mittlerweile wie ein Zahnarztbesuch.
Mit der Ausnahme, dass solch ein Gang zum Doktor schmerzhafter ist.
Ja, aber ich konzentriere mich nur auf das Resultat.
Was ist noch echt an Ihnen?
Die Knochenstruktur im Gesicht blieb unverändert, abgesehen von der Nase. Seit sieben oder acht Jahren habe ich allerdings nichts mehr machen lassen! Ich will es nicht übertreiben, nur das Nötigste liess ich verändern.
Jetzt schminken Sie sich wohl lieber?
Ich liebe Make-up, das ist Glamour pur. Mein Motto dabei lautet: «Mehr ist mehr.» Das Künstliche zieht mich an, darum schminke ich mich am liebsten stark. Dafür wende ich täglich eine Stunde auf, wenn ich auf Partys gehe, gerne mal vier. Ins Fitness gehe ich allerdings ohne Make-up.
Sie haben offenbar ein gutes Verhältnis zu Ihrem Körper und Ihrem Aussehen. Ihr Freund und Fotograf David La Chapelle knipst sie am liebsten nackt, wie stehen Sie dazu?
Nackt in High Heels und mit Make-up – so fühle ich mich am schönsten. Ich bringe meine Brüste nicht mit Sexualität in Verbindung, für mich sind sie einfach wunderschön und weiblich. Wahrscheinlich gehe ich mit dem Körper selbstbewusster um als viele Frauen. Ich will zeigen, in was ich investiert habe. Um meine Brüste auf ein D-Cup zu bringen, musste ich viele weibliche Hormone nehmen und mich operieren lassen. Trotzdem war diese Grösse schwierig zu erreichen, da vorher überhaupt kein Busen vorhanden war.
Ich konnte nirgends Ihr Alter finden. Warum sprechen Sie nicht darüber?
So machen es wahre Ladys. Man spricht nie darüber. Ich lebe nach alter Schule.
Also schweigen Sie nicht deshalb, weil Sie Angst vor dem Altern haben.
Auf keinen Fall! Ich weiss, dass ich nicht mehr 15 Jahre alt bin. Trotzdem fühle ich mich jung und schön. Klar, der Körper altert, dagegen kann man fast nichts machen.
Sie nahmen sich die ewig jung gebliebene Comicfigur Jessica Rabbit als Vorbild für ihre Operationen.
Ihr Körper ist bezaubernd: Sie ist etwas zwischen Sexbombe und Pin-up-Girl, sie ist so weiblich. Schon als kleiner Junge träumte ich von einem solchen Aussehen. Das Gesicht war allerdings meine Idee, ich will nicht die Kopie von jemandem sein. Meine Frisur erinnert an den Look von Marylin Monroe, genauso wie mein Kleiderstil.
Nicht alle Leute wissen mit Ihnen umzugehen. Was sagen Sie Ihren Kritikern?
Es ist ganz normal, dass einen nicht alle mögen. Ich konzentriere mich auf die positiven Reaktionen. Und die überwältigen mich jedes Mal, das ehrt mich so sehr.
Gibt es ein Kompliment, dass Sie besonders stolz macht?
Die Kunstwelt sieht meinen Körper als ein Kunstwerk an. Diese Aussage kam so unerwartet. Als ich das hörte, wusste ich, ich hatte es geschafft.
Googeln Sie sich?
Sicher, aber ich lese keine Artikel über mich. Viel lieber betrachte ich meine Bilder und schaue, was ich das nächste Mal an meinem Haarstyling verbessern kann (lacht).
Erfüllte sich mit Ihrer Arbeit als Model, Mode-Ikone, Unterhalterin und Sängerin ein Kindheitstraum?
Als kleiner Junge wünschte ich mir nichts sehnlicher, als ein Mädchen zu werden. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich einmal ein solches Leben führen würde. Ich bin jeden Tag glücklich darüber und geniesse es einfach.
Trotzdem gibt es irgendeinen Traum, den Sie sich noch nicht erfüllt haben...
Ich will grössere Shows, grössere Konzerte und ich will eine eigene Kleiderlinie: Glamouröse und sexy Roben, Unterwäsche, Schuhe - von dem verstehe ich nämlich Einiges. Ich habe so viele Mode-Ideen und auch mein Appartement in New York dekorierte ich selbst. Es sieht aus wie ein Bordell, ich liebe es.
Was wollen Sie allen Menschen mit auf den Weg geben?
Seid tolerant, hasst nicht, seid freundlich. Das Wichtigste bei all dem ist: «Be pretty!» Du musst immer schön sein.