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Angst ist eine Emotion, die durch die Wahrnehmung eines als bedrohlich beurteilten Reizes ausgelöst wird. Ihre biologische Funktion ist somit, den Organismus vor Verletzung und Tod zu schützen. Die Verarbeitung findet in einem sehr alten Teil des Gehirns statt, der für die ursprünglichsten und lebensnotwendigsten Emotionen steht und den Informationen durchlaufen, noch bevor sie den Teil des Gehirns erreichen, der für das bewusste Denken verantwortlich ist.
Somit löst der Anblick eines stark angstauslösenden Reizes die dazugehörigen körperlichen Vorgänge direkt aus, ohne dass ein bewusster Denkprozess dahinter steht.
Diesen Vorgang, der unbewusst gleich nach der Wahrnehmung beginnt, nennt man die erste Angstreaktion, die nicht veränderbar und nicht therapierbar ist.
Für uns Menschen ist dieser Vorgang vergleichbar mit dem Gefühl des Erschreckens, wie es zum Beispiel Jemand erlebt, der Angst vor Spinnen hat, und plötzlich eine Spinne erblickt.
Nachdem sich der Körper nun unbewusst auf eine mögliche Reaktion vorbereitet hat, gelangt der wahrgenommene Reiz in das Bewusstsein des Hundes. Nun kann der Hund auf Grund seiner Erfahrung bewusst bewerten, ob die Situation wirklich gefährlich ist, oder ob nur ein „Fehlalarm“ vorliegt, ähnlich wie ein Erschrecken bei uns Menschen.
Wenn wir also mit einem Hund arbeiten, der an Ängsten leidet, müssen wir immer im Hinterkopf behalten, dass der Hund sich nicht bewusst oder sogar böswillig trotzig so verhält. Ist ein Reiz für ihn stark angstauslösend, kann er sein Verhalten nicht mehr steuern.
Es läuft ein uraltes evolutionäres Programm ab, dass er nicht unterbrechen kann und dem er schlussendlich ausgeliefert ist.
Die Auslöser dieses Programmes sind zum Teil bereits bei der Geburt vorhanden, einige sind aber auch durch prägende Erfahrungen erlernt.
Dies bedeutet, dass wir die erste Angstreaktion nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht beeinflussen können. Ein Angstauslöser wird die entsprechenden körperlichen Reaktionen immer auslösen.
Wir haben aber die Möglichkeit, die bewusste Bewertung, die auf die erste Angstreaktion folgt, zu beeinflussen und somit eine „Stoppreaktion“ zu trainieren, die das Verhaltensprogramm unterbricht.
Kämpfen, flüchten, erstarren oder flirten?
Nimmt ein Hund einen Reiz wahr, den er auch bewusst als angstauslösend beurteilt, muss er darauf reagieren.
Es stehen ihm vier Strategien zur Verfügung, die bekannt sind als die vier F`s. Dies sind: Fight, flight, freeze und flirt.
Welche dieser Strategien der Hund wählt, hängt davon ab, welche Erfahrungen der Hund in seinem bisherigen Leben gemacht hat. Hat der er bereits als Welpe gelernt, dass er sich einer bedrohlichen Situation entziehen kann, in dem er flüchtet, wird er diese Strategie wählen. Er könnte sich aber auch für den Kampf entscheiden, vor Schreck erstarren oder versuchen, durch eine Spielaufforderung und Beschwichtigungssignale zum gewünschten Erfolg zu kommen.
Die körperliche Bereitschaft zu der Strategie, die der Hund individuell bevorzugt, ist einerseits Teil der ersten Angstreaktion und somit nicht beeinflussbar. Es ist aber möglich, den Hund darin zu bestärken, eine andere Strategie zu wählen, in dem man die Situation so gestaltet, dass er damit schneller zum Erfolg kommt.
Quellen:
- Westedt, Heike (2013). Schreck lass nach! Edition cumcane.
- Hagemann, Wibke und Laser, Birgit (2013).
Leben will gelernt sein. Botelsdorf: Brigit Laser Verlag.
- Gröning, Pia (2013). Der Tierschutzhund. Zossen: MenschHund! Verlag.