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Drei Jahre hat es gedauert bis Rebecca Gablé ihrem Erstling und Überraschungserfolg "Das Lächeln der Fortuna" einen weiteren historischen Roman folgen ließ. Zeit, die sie unter anderem darauf verwandt hat, genaueste Recherchen über die englische Geschichte zu betreiben, um ihrem zweiten Werk noch mehr Authentizität und historische Tiefe zu verleihen.
Nach Beendigung der Lektüre von "Das zweite Königreich" kann man wohl reinen Gewissens behaupten: Die Wartezeit für den Leser hat sich mehr als gelohnt. Nicht nur, dass Rebecca Gablé sich nun wesentlich kürzer fasst und den Handlungsrahmen strafft (ihr Vorgänger wirkt streckenweise aufgrund arg langatmiger Passagen etwas überladen), auch die Figuren sind um einiges vielschichtiger geworden und haben an Facettenreichtum gewonnen. War Robin of Waringham doch Zeit seines Lebens zielstrebig, tugend- und ehrenhaft, wartet die diesmalige Hauptfigur Caedmon of Helmsby auch mit einigen charakterlichen Schwächen auf. (Welche das im Einzelnen sind, soll der Leser selbst herausfinden).
Im Jahre 1064 wird dieser bei einem Überfall der Dänen so schwer verletzt, dass er fortan hinkt und dadurch in den Augen seines Vaters zur Belastung wird. Als der Earl of Wessex, Harold Godwinson, für seine Reise in die Normandie einen Übersetzer sucht, wird Caedmon von seinem Vater kurzerhand mitgeschickt. Nach Umwegen am Hof des Herzogs William angekommen, bleibt er auch nach der Abreise Harold Godwinsons als Geisel dort und wird, wie alle Jungen seines Alters, im Kampf ausgebildet. Zwei Jahre gehen ins Land, in denen Caedmon nicht nur einige Freunde sondern auch seine große Liebe unter den Normannen findet. Als dann "Edward der Bekenner", der König von England, ohne Nachfolger stirbt, lässt sich Harold Godwinson kurzerhand selbst krönen, obwohl er zuvor unter Eid geschworen hatte, Williams eigenen Thronanspruch anzuerkennen.
Außer sich vor Zorn ordnet William den Bau einer gewaltigen Flotte an, welche ihm zum Recht verhelfen soll. Als der Herzog an der englischen Küste landet und in der Schlacht bei Hastings die Armee von Harold Godwinson vernichtend schlägt, ist er plötzlich König eines ihm unbekannten Landes, dessen Sprache, Kultur und Lebensart er nicht versteht. Nun findet sich Caedmon unversehens in der Rolle des Vermittlers wieder, der den Eroberten die Angst vor den Normannen nehmen und eine Verständigung zwischen den Kulturen herbeiführen soll.
Gablés Portrait von William, dem Eroberer, ist ohnehin das Glanzstück dieses Romans und gehört zum Besten, was ich in diesem Genre bisher gelesen habe. Wie nah sie damit der wahren geschichtlichen Figur gekommen ist, darf gerne bezweifelt werden. Fakt ist aber: Gerade dieser vielschichtige (furchterregend und doch gleichzeitig majestätisch beeindruckend) Charakter, macht "Das zweite Königreich" so einzigartig. Eine starke Persönlichkeit, wie überhaupt der Großteil der von ihr beschriebenen Personen, die so vielschichtig und komplex wie die Geschichte selbst sind. Hinzu kommen die vielen Wendungen in der Story, die überraschen und nicht selten emotional berühren.
Insgesamt ist "Das zweite Königreich" ein mitreißendes Meisterwerk, das bis zur letzten Seite für Lesevergnügen auf allerhöchstem Niveau sorgt. Fesselnd, atemberaubend und hervorragend recherchiert. Fans historischer Romane kommen an diesem Titel nicht vorbei.
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