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Aquariengrösse: Wichtiger als die Höhe ist die Fläche des Aquariums, da die Siamesischen Kampffische in eher flachen Gewässern heimisch sind. Kampffische sind zwar nicht überaus schwimmfreudig, trotzdem sollte das Aquarium grösser sein als die Mini-Aquarien, die üblicherweise im Angebot stehen. Denn die sind meist für die Einzelhaltung gedacht. In einem grösseren Aquarium kann man auch einfacher eine gute Wasserqualität bieten.
Angaben für ein Art-Aquarium
Zucht: Haltung von einem Paar. Das Weibchen muss dem Männchen ausweichen können, da das Männchen die Brut vehement verteidigt. Es braucht also Versteckmöglichkeiten.
Gruppenhaltung: Die Gruppenhaltung von Weibchen oder gemischt-geschlechtliche Gruppen ist möglich. Diese muss aber sorgfältig geplant werden (siehe Argumente für Gruppenhaltung).
Ein Gesellschaftsaquarium ist möglich, aber nicht mit anderen territorialen Arten und Arten, die gerne an den Flossen anderer Fische zupfen, eher mit ruhigen Fischen vergesellschaften.
Einrichtung:
- Reiche Bepflanzung (schnell wachsende Pflanzen, Schwimmpflanzen) und viele Verstecke (Sichtbarrieren bis zur Wasseroberfläche) anbieten.
- Freier Zugang zur Oberfläche: Genügend Platz nach oben frei lassen, damit die Fische Luft schöpfen können (Luftatmung), v.a. bei abgedeckten Aquarien.
- Bepflanzung: Pflanzen an Wasseroberfläche werden für Schaumnester genutzt.
- Bodengrund dunkel.
- Keine kalkhaltigen Steine.
- Nicht zu helle Beleuchtung, aber genügend für gutes Pflanzenwachstum.
Fütterung: Als Abwechslung ist Lebendfutter (Mückenlarven, Wasserflöhe) zu empfehlen.
Wasserwerte: Gesamthärte 2–25 °dGH, Temperatur 24–30 °C, pH 6–8. Dem Wasser kann man getrocknete Seemandelbaumblätter, Eichenlaub oder Erlenzapfen zugeben.
Vergesellschaftung: Kampffische können gemeinsam mit anderen ruhigen Fischen gehalten werden, beispielsweise mit Fünfgürtelbarben, Rotflossenrasbora oder Keilfleckbärblingen. Mit anderen territorialen Labyrinthfischen wie dem Zwergfadenfisch sollten sie nur in grossen, gut strukturierten Aquarien gehalten werden. Sie sollten nicht mit Arten gehalten werden, die gerne an den Flossen anderer Fische zupfen.
Eine Gruppenhaltung ist möglich, aber anspruchsvoll
In der Regel werden siamesische Kampffischmännchen alleine in kleinen Aquarien gehalten. Die Gründe, warum das nicht artgerecht ist, werden im Folgenden ausgeführt.
Das Verhalten und die Färbung dieser Art ist auf intensive soziale Interaktionen ausgerichtet, vor allem während der Fortpflanzungszeit. Bei einer Haltung ohne jeglichen Sozialkontakt besteht die Gefahr, dass ein Tier verkümmert. Auslöser für Verhalten sind zum einen äussere Reize, zum anderen aber auch die innere Bereitschaft oder Motivation.
Eine Gruppenhaltung von Siamesischen Kampffischen in grossen, naturnah eingerichteten Aquarien wurde verschiedentlich näher untersucht (Gruppenhaltung von Siamesischen Kampffischen, Goldstein, 1975; Aggressionsverhalten von Kampffischen verstehen, Bronstein, 1981). Damit eine solche Haltung gelingt, müssen eine Reihe von Aspekten berücksichtigt werden. Wichtig ist vor allem, dass genügend Platz, Verstecke, Sichtbarrieren sowie eine dichte Bepflanzung vorhanden sind. Können die Fische einander ausweichen, bleibt es meist bei Drohgebärden. Der unterlegene Fisch kann sich zurückziehen und so aggressive Kämpfe mit Verletzungsfolgen vermeiden.
In einem Wahlversuch zu den sozialen Vorlieben der Kampffische zeigte sich, dass sowohl die Männchen als auch die Weibchen die Nähe von Sozialpartnern suchen. Kampffische sind wohl keine Gruppen- oder Schwarmfische, sie zeigen aber ein gewisses Mass an Geselligkeit (Kampffische haben ein Bedürfnis nach Artgenossen, Snekser 2006). Zudem sind sie fähig, Artgenossen individuell zu erkennen (siehe Abschnitt Aggressionsverhalten). Eine Einzelhaltung wäre also dem Wohl der Kampffischmännchen abträglich.
Taxonomie
Der Kampffisch gehört zur Familie der Osphronemidae, die zur Unterordnung der Labyrinthfische (Anabantoidei) zugeordnet wird.
Merkmale
Im Vergleich zu den farbenprächtigen domestizierten Formen sind wilde Kampffische kleiner und unauffälliger. Ihre Körperfarbe ist matt braun oder grün. Mit ca. 2.5 cm sind die Weibchen kleiner und leichter als die Männchen, die knapp 3 cm gross werden. Zudem sind die Weibchen meist matter gefärbt als die Männchen. Siamesische Kampffische können 2 Jahre alt werden. In einer Untersuchung, in der die Fische unter kontrollierten, sehr stabilen Bedinungen gehalten wurden, erreichten die Weibchen ein Alter von 30 Monaten (Woodhead, 1975).
Verbreitung
Der wilde Vorfahr des gezüchteten Siamesischen Kampffischs stammt aus Südost-Asien, Thailand. Er ist auf der Roten Liste der IUCN als verletzlich eingestuft, weil sein natürlicher Lebensraum zunehmend zerstört wird (Landwirtschaft, Verschmutzung, Siedlungsdruck). Allerdings ist zu seiner natürlichen Verbreitung relativ wenig bekannt.
Siamesische Kampffische leben in kleinen, warmen Gewässern wie Tümpel, Teiche, Seen, in Reisfeldern sowie in Überschwemmungsgebieten und Lagunen. Hier nutzen sie die dichte aquatische Vegetation, die ihnen als Deckung und Schutz vor Fressfeinden dient. Während der Fortpflanzungszeit wandern die Kampffische von kleinen Fliessgewässern und Teichen in seichtere, langsamfliessende oder stehende Gewässer. In Reisfeldern bevorzugen sie zu dieser Zeit die flachen Randbereiche.
Dank des Labyrinthorgans können sie atmosphärischen Sauerstoff veratmen und in sauerstoffarmen Gewässern überleben, sind aber darauf angewiesen, an der Wasseroberfläche nach Luft schnappen zu können.
Fressfeinde sind Reiher, Eisvögel, Wasserschlangen, Schildkröten und andere Fischarten.
Siamesische Kampffische ernähren sich von kleinen Organismen wie Wasserflöhen oder Mückenlarven. Eine Untersuchung zum Fressverhalten hat gezeigt, dass sie auch grössere und härtere Beute wie zum Beispiel Guppylarven fressen können. Sie setzen dabei ein spezielles Verhalten ein: Sie bewegen den Kopf mit vorgestülptem Maul wiederholt ruckartig nach oben, so dass sie die gepackte Beute in den Rachen schieben und dort zerkleinern können (Konow et al. 2013).
Über das Sozialleben von wild lebenden Siamesischen Kampffischen ist ausserhalb der Fortpflanzungszeit nicht viel bekannt. Die Fortpflanzung beginnt mit dem einsetzenden Monsun. Ab diesem Zeitpunkt werden vor allem die Männchen aggressiv, da sie territorial werden.
Fortpflanzungsverhalten
Für die Fortpflanzung suchen Siamesische Kampffische die flachen, dicht bewachsenen Bereiche von Gewässern auf. Ein Vorteil dieser oft Sauerstoff-armen Bereiche ist, dass sich hier weniger Feinde aufhalten. Hier etablieren die Männchen kleine Territorien, in die sie in der Vegetation nahe der Wasseroberfläche Schaumnester bauen und die sie vehement verteidigen. In einer der wenigen Arbeiten*, die sich mit wild lebenden Siamesischen Kampffischen befasste, war die Dichte im untersuchten Gebiet knapp 2 Individuen pro m2 (1.7 / m2). Die Schaumnester befanden sich jeweils gut 1m voneinander entfernt.
Zwar sind die Männchen untereinander aggressiver, aber auch gegen Weibchen wird der Laich im Schaumnest verteidigt. Das warme Wasser (bis zu 30 Grad) begünstigt den Nestbau durch die Männchen und das Ablaichen der Weibchen, die durch die Ansammlung von Schaumnestern angezogen werden.
Brutpflege
Nach intensivem Werben sammelt das Männchen die befruchteten Eier ein und bläst sie ins Nest. Dabei umhüllt es die Eier mit einem Maulsekret und Luft. Das Männchen verjagt das Weibchen aus dem Bereich des Nests, da Weibchen die Tendenz haben, die Eier zu kannibalisieren. Das Männchen übernimmt allein die Pflege der Eier und der Larven, die nach ca. 28 bis 36 Stunden schlüpfen. Sowohl die befruchteten Eier, die im Schaumnest haften, als auch die Larven müssen vom Männchen durch Fächeln belüftet werden. Lösen sich Eier aus dem Nest, werden sie vom Männchen zurück ins Nest transportiert.
Grössere Männchen bauen die grösseren Schaumnester. Der Reproduktionserfolg hängt aber wahrscheinlich weniger davon ab, dass grössere Nester mehr Eier aufnehmen können, sondern dass grössere Männchen besser fächeln können, was mehr Sauerstoff für die Eier und somit eine bessere Embryoentwicklung bedeutet. Erfolgreiche Männchen können 2 bis 3 Bruten pro Saison aufziehen (Jaroensutasinee 2001a).
Verteidigen und kämpfen
Für eine erfolgreiche Fortpflanzung müssen sich die Männchen zum einen gegen andere Männchen wehren, zum anderen müssen sie sich den Weibchen präsentieren. Daher zeigen die Männchen ein intensives Aggressions- und Präsentierverhalten, das verschiedene Verhalten wie Beissen, mit dem Schwanz schlagen, Attackieren und Jagen beinhaltet, aber auch das Aufstellen der Kiemendeckel und das Auffächern der Flossen. Diese Verhalten sowie die intensiven Farben sind für die Weibchen wichtig, damit sie die Männchen beurteilen können.
Beobachten und einschätzen
Auch Männchen schätzen sich bei den Kämpfen gegenseitig ein. Beobachtet ein Männchen zwei kämpfende Männchen, dann reagiert es in der anschliessenden Begegnung gegenüber dem Gewinner des Kampfes zurückhaltender als gegenüber dem Verlierer, gegen den es eher gewillt ist, anzutreten. Dieses interessante Verhalten nennt man „Belauschen“ (eavesdropping) und zeugt von hohen kognitiven Fähigkeiten. Es zeigt auch, dass die innerartliche Kommunikation eher wie ein Netzwerk funktioniert und nicht nur zwischen zwei Individuen stattfindet (Oliverira et al. 1998).
Energie tanken und sparen
Das Kämpfen ist für die Männchen sehr energieaufwändig, da sie dabei sehr viel Sauerstoff verbrauchen. Weil sie unter Wasser den zusätzlichen Sauerstoffbedarf durch die Kiemenatmung nicht decken können, vermutet man, dass sich das ritualisierte, stereotype Luftholen an der Wasseroberfläche entwickelt hat (Castro 2006, Alton 2013).
Eine Untersuchung zeigte zudem, dass die bei der Verteidigung gezeigten Verhalten die Männchen unterschiedlich viel Energie kosten. Das Aufstellen der Kiemen ist energieäufwändiger als das Spreizen der Flossen. Um Energie zu sparen, verteidigen die Männchen dementsprechend bei einer akuten Bedrohung eher mit aufgestellten Kiemen, bei einer länger andauernden Bedrohung eher mit gespreizten Flossen (Forsatkar 2016).
Auch für die Forschung ist der Kampffisch vor allem wegen seines Kampfverhaltens interessant. Dementsprechend viele Studien findet man zu diesem Thema, während andere Verhaltensaspekte weniger gut erforscht wurden. Häufig ist bei Fischen, die für die Forschung eingesetzt werden, auch wenig über das natürliche Verhalten und den natürlichen Lebensraum bekannt. Das trifft leider auch auf den Kampffisch zu. Zudem wurden viele der Studien mit Zuchtformen des Kampffisches und nicht mit der Wildform gemacht.
In Thailand hat die Zucht von Kampffischen für Kampfwettbewerbe lange Tradition. Für diese Zwecke wird auf besonders aggressive, grosse Männchen mit harten Schuppen und kleineren Flossen gezüchtet. In der Zucht für die Aquarienhaltung von Kampffischen sind dagegen intensive Farben, Farbmuster, schillernde Schuppen, Körper- und Flossenform wichtig.
Die Zucht und die Haltung von Kampffischen bringen auch Probleme mit sich:
- Aggressivität: Das zwar arttypische, aber durch die Zucht gesteigerte Aggressionsverhalten erschwert die Haltung von mehreren Individuen in einem Aquarium. Erreichen die Männchen das Alter von vier Monaten, werden sie meist getrennt. Eine Haltung von Männchen alleine ohne Sozialkontakte ist jedoch wenig artgerecht, zumal sie meist in sehr kleinen Behältern gehalten werden.
- Ungleichgewicht: Vor allem die schön gefärbten Männchen sind gefragt, die Weibchen sind hingegen weniger begehrt. Daraus ergibt sich ein Überschuss an Weibchen, den man nur mit Mühe platzieren kann.
- Extremzucht: Die extremen Flossenformen erschweren den Männchen zum einen das Schwimmen und zum anderen kann es während der Kämpfe zu Verletzungen kommen.
- Gesundheit: Das Kämpfen kostet die Männchen viel Energie, was sich längerfristig auf ihre Fitness auswirken kann (siehe Abschnitt oben Aggressionsverhalten).
Trotz dieser Schwierigkeiten ist eine artgerechte Haltung von Kampffischen möglich (siehe Abschnitt Argumente für Gruppenhaltung). Mit der Haltung von Weibchen oder der Harems-Haltung mit mehreren Weibchen trägt man zudem dazu bei, dass die Weibchen nicht mehr als Überschuss behandelt werden.
Oft werden Männchen mit extrem verlängerten Flossen gezüchtet. Dies erschwert den Männchen zum einen das Schwimmen und zum anderen kann es während der Kämpfe zu Verletzungen kommen.
Weibchen sind farblich auch sehr attraktiv. Sie können in Gruppen gehalten werden. Auch im Bannerbild oben ist ein Weibchen abgebildet.
Natürlicher Lebensraum von Betta splendens in Thailand.
Ein Männchen der Wildform von Betta splendens aus Thailand.
Die Weibchen des Siamesischen Kampffischs sind wenig auffällig gefärbt. Fundort Thailand.