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Die Olympischen Spiele werden seit 1896 ausgetragen. In Tokio werden zum 32. Mal Olympische Sommerspiele stattfinden. Auch wenn der olympische Gedanke gerne mit «dabei sein ist alles» gepflegt wird; spätestens seit professionelle Sportler zugelassen sind, heisst es für viele auch einfach: Es zählt nur Gold. Oder zumindest eine Medaille.
Doch wohin gingen eigentlich bisher die meisten Medaillen? Welche Länder warten noch immer auf Olympiagold? Und in welchen acht aktuellen Disziplinen konnten sich bisher immer nur Vertreter aus der gleichen Nation durchsetzen? Wir haben die grosse Übersicht in 17 Karten.
Wir fangen logisch an. Welches Land gewann bisher am meisten Olympiamedaillen? Das Gefühl sagt: die USA. Und das Gefühl täuscht nicht. 2523-mal stand bisher ein US-Amerikaner auf einem Olympiapodest. Das ist mehr als doppelt so oft wie von der zweiterfolgreichsten Nation. Die ehemalige Sowjetunion durfte sich über insgesamt 1010 Medaillen freuen. Der grösste Nachfolgestaat des Riesenreichs, Russland, kommt immerhin noch auf bisher 426 Medaillen.
Die Schweiz liegt mit bisher 192 gewonnenen Medaillen auf Rang 25 des ewigen Medaillenspiegels der Olympischen Sommerspiele.
In den Top 10 sind überraschenderweise auch Schweden oder Ungarn vertreten. Beide Nationen gewannen vor allem in den Anfangszeiten oder als noch keine Profis zugelassen waren viele Medaillen. In den Spielen seit der Jahrtausendwende nahm die Ausbeute deutlich ab.
Auffallend ist: In Sachen Goldmedaillen macht China einen Sprung von Rang 7 auf Platz 4. Unerreicht vorne weg bleiben aber die USA. Die Schweiz hat im internationalen Vergleich bisher auch ziemlich abgeräumt. Nur 23 Länder holten öfters Gold als wir.
Aber klar: In absoluten Zahlen sind natürlich bevölkerungsstarke Nationen bevorteilt. Darum brechen wir die seit 1896 gewonnen Medaillen auf die aktuelle Einwohnerzahl der Nationen herunter, um zu sehen, wie viele Einwohner es für eine Medaille benötigt. Da sieht das Resultat dann nämlich ziemlich anders aus:
Hier schwingt Finnland oben aus. Würden wir alle bisher gewonnen Olympiamedaillen auf die momentan rund 5,5 Millionen Einwohner verteilen, würde rund jeder 18'000. Finne eine Medaille erhalten. Ähnlich starke Quoten präsentieren Ungarn (knapp 20'000) und Schweden (rund 20'500).
Die Schweiz kratzt mit Rang 11 an den Top 10. Bei uns würde rund jeder 44'000. aktuelle Einwohner eine Medaille erhalten.
Blicken wir auch hier nur auf die Goldmedaillen, zeigt sich eine ähnliche Reihenfolge. In Finnland würde rund jeder 55'000. Einwohner eine Goldmedaille erhalten, was knapp vor Ungarn für die beste Quote reicht. Auf Rang 3 mausern sich die Bahamas. Total sechsmal Gold würden sich auf jeden 64'000. Einwohner des Inselstaates verteilen.
In der Schweiz gäbe es für jeden 170'000. aktuellen Einwohner eine der bisher 50 Goldmedaillen, während in den USA nur jeder 320'000. eine erhalten würde.
Aber sind wir mal ehrlich: Am Ende zählen einzig die Goldmedaillen. Darum haben wir uns gefragt, welches Land den höchsten Goldanteil in seiner Medaillensammlung ausweisen kann.
Nur drei Nationen weisen bisher eine 100-prozentige Goldquote aus. Allerdings gewannen sie alle auch erst eine Medaille: Fidschi (7er-Rugby, 2016), Jordanien (Ahmad Abughaush, Taekwando, 2016) und der Kosovo (Majlinda Kelmendi, Judo, 2016).
Sobald ein Land mehr als eine Medaille gewann, sinkt die Goldquote meist massiv. Bei über zehn Podestplätzen können sich nur die Türkei, die Bahamas (je 42,86%), China (41,03%), Äthiopien (40,74%) und die USA (40,51%) über eine Quote von mindestens 2 von 5 freuen.
Die Schweiz benötigte für ihre bisher 50 Goldmedaillen total 192 Medaillen, was eine Quote von 26,04% bedeutet. Das heisst in Sachen «Killerinstinkt» nur Rang 70 aller Länder, die mindestens einmal Gold gewannen.
Die schlechteste Quote – von den Ländern, die immerhin mindestens einmal Gold holten, weist die Mongolei aus: 26 Medaillen und nur zwei davon goldig. Auch Israel und Puerto Rico kommen zwar immer wieder mal auf das Podest, aber nur rund jeder zehnte Podiumsplatz ist derjenige ganz oben.
So viel zu den Siegern. Doch es gibt auch Verlierer. 103 drei Länder durften sich noch nie über olympisches Gold freuen. 68 von ihnen gar noch nie über irgendeine olympische Medaille an Sommerspielen. Dazu gehört unter anderem auch Liechtenstein. Das übrigens als einziges Land zwar im Winter schon Olympiapodestplätze vorweisen kann, im Sommer aber noch nie.
Das bevölkerungsreichste Land ohne olympische Medaille ist Bangladesch (aktuell rund 163 Millionen Einwohner), dahinter folgen Myanmar und Angola.
Immerhin schon einen zweiten oder dritten Platz, aber noch nie Gold gab es für die Philippinen (rund 106 Millionen Einwohner), Tansania und den Sudan.
In Europa warten abgesehen von den Kleinstaaten nur Albanien sowie Bosnien und Herzegowina noch auf eine erste Sommer-Medaille, Island, Montenegro, Nordmazedonien, Moldawien und Zypern gewannen noch nie Gold.
Zurück zu den Siegern – und gar zu den Seriensiegern. In acht Disziplinen, welche aktuell ausgetragen werden und mindestens schon dreimal olympisch waren, gewann bisher nur ein einziges Land. Sechsmal war dies bei den Frauen der Fall, zweimal bei den Männern:
Seit 1988 werden im Bogenschiessen bei den Frauen Team-Medaillen vergeben. Alle acht Goldmedaillen gingen dabei nach Südkorea.
Im Tischtennis der Frauen gibt es kein Vorbeikommen an China. Seit 1988 werden Medaillen vergeben. Alle acht Olympiasiegerinnen kommen aus dem Land der Mitte, sechsmal ging zudem Silber nach China, dreimal Bronze. Von den insgesamt 25 Medaillen (einmal gab es zweimal Bronze) blieben den übrigen Ländern nur deren acht übrig. Müssig zu erwähnen, dass die Chinesinnen auch alle bisherigen Teammedaillen einheimsten.
Im Freistil-Ringen sind die Japanerinnen im Fliegen- und Mittelgewicht bisher unbesiegt bei Olympia. Seit 2004 werden Medaillen in den beiden Kategorien vergeben, alle acht Austragungen gewannen die Japanerinnen.
Wir haben hier stellvertretend die Mittelgewichts-Kategorie genommen für die Karte. Bronzemedaillen wurden mit Ausnahme von 2004 jeweils zwei vergeben:
Von der 10-Meter-Plattform sind die Chinesinnen im Synchronspringen noch unbezwungen. Fünfmal wurde der Wettbewerb bei Olympia ausgetragen, fünfmal ging Gold nach China – und die letzten dreimal in Serie an Chen Ruolin. Sie trat 2016 zurück.
Übrigens fast noch eindrücklicher: Vom 3-Meter-Sprungbrett gab es seit 1988 nur noch chinesische Olympiasiegerinnen und dazu fünf Silbermedaillen. Dafür gingen die kompletten Medaillensätze von 1920 bis 1948 an sechs Spielen in Serie in die USA.
In der 4x100m-Lagen-Staffel ist im Normalfall gegen die USA kein Kraut gewachsen. Die Amerikaner traten 14-mal an und räumten 14-mal Gold ab. Einzig 1980 boykottierte die USA – wie andere Länder auch – die Olympischen Spiele in Moskau. Doch statt den Favoriten Sowjetunion, Grossbritannien oder Schweden profitierte das überraschende Australien vom Fehlen der Seriensieger. Unbesiegt seit 1960: Eine längere Serie gibt es bei den Olympischen Sommerspielen sonst nirgends.
Teammedaillen werden im Tischtennis seit 2008 vergeben. Wie bei den Frauen gab es auch bei den Männern bisher nur eine Siegernation: China. Ebenfalls auch immerhin dreimal auf dem Podest: Deutschland.
Zum Abschluss noch fünf Disziplinen, welche seit Jahren in der Hand einer Nation sind, obwohl mittlerweile auch andere Länder zumindest einmal Gold gewinnen konnten.
Der 100-Meter-Sprint war lange Zeit keine Disziplin, bei welcher Jamaika brillierte. Bei den Frauen gelang 1984 mit Merlene Ottey erstmals einer Teilnehmerin der Karibikinsel eine Medaille (Bronze). 1988 ging die Nation leer aus, seither gab es auf der kürzesten Sprintstrecke 7-mal in Serie Edelmetall.
Bei den letzten drei Austragungen gar neben Gold auch mindestens jeweils eine weitere Medaille, insgesamt sieben von neun Medaillen. Bei 19 vergebenen Medaillen gingen seit 1992 deren zwölf nach Jamaika.
Bei den Männern ist Jamaika übrigens deutlich weniger dominant in den letzten Jahren. Zwar hiess der Olympiasieger seit 2008 immer Usain Bolt, daneben ging aber nur 2012 noch Silber an einen Landsmann (Yohan Blake).
Gefühlt räumen bei Langdistanzrennen immer die Afrikanerinnen ab. Allerdings sind mit Äthiopien und Kenia meist eher zwei Nationen ähnlich stark, als dass eine total dominieren könnte.
Eindrücklich ist die Bilanz bei den Frauen insbesondere über 5000 Meter. Seit die Disziplin 1996 olympisch wurde, gingen nur vier der 24 Medaillen an ein anderes Land als Äthiopien und Kenia. Seit 2004 stehen Vertreterinnen der beiden Nationen gar immer zusammen auf dem Podest und überlassen der Konkurrenz nichts mehr.
3000m Steeple, das ist seit Jahrzehnten die Stärke der Kenianer. Seit 1968 gab es nur zweimal einen nicht-kenianischen Olympiasieger (1976: Anders Gärderud, Schweden, 1980: Bronislaw Malinowski, Polen). Damals nahmen aber auch keine Kenianer teil. 1976 verzichtete Kenia zusammen mit den afrikanischen Ländern aus Protest gegen die neuseeländische Rugby-Tour durch Südafrika, 1980 aus Solidarität mit den USA und dem Westen.
Wenn also seit 1968 Kenianer über 3000m Steeple am Start standen, gab es immer Gold (11-mal). Mit Ausnahme von 2016 auch noch mindestens eine weitere Medaille (2016 wurde der drittplatzierte Kemboi im Nachhinein für das kurze Verlassen der Bahn disqualifiziert). Für die Karte hier haben wir uns für die Medaillenverteilung seit 1984 entschieden, wobei die Kenianer 22 von 31 Medaillen mit nach Hause brachten:
Bei der 110m-Hürden-Konkurrenz dominierte die USA lange nach Belieben. Bis 1960 gab es neunmal den gesamten Medaillensatz für die Amerikaner. Von 41 Medaillen gingen zwischen 1896 und 1960 sagenhafte 34 Auszeichnungen in die USA. Bei den 14 Austragungen seit 1964 liess die Dominanz etwas nach. Aber noch immer jubelte die USA über 22 von 42 Medaillen und freute sich über 19 der 28 Olympiasieger.
Nur zweimal ging über die 110m Hürden keine einzige Medaille an die USA: Logischerweise bei den boykottierten Spielen 1980 und – das dürfte die USA gar nicht freuen – bei der letzten Ausgabe 2016 in Rio.
Blicken wir nur auf die Spiele seit 1984, räumten die USA zwar 15 von 27 110m-Hürden-Medaillen ab, stellten in der Zeit aber «nur» vier Olympiasieger. In Tokio wollen Grant Holloway (Weltjahresbestleistung), Devon Allen und Daniel Roberts die Schmach von 2016 vergessen machen. Holloway nimmt sogar den Weltrekord ins Visier, sagte aber auch: «Solange die Medaille goldig ist, ist mir die Zeit egal.»
Basketball müsste eigentlich auch in die Kategorie, in der bisher nur eine Nation Gold gewann. «Besondere Umstände» sorgten aber dafür, dass die USA «nur» 15 von 19 Austragungen für sich entschieden.
1972 traten die USA im Final gegen die Sowjetunion an. Bis zum Finalspiel stand die amerikanische Basketball-Olympia-Bilanz bei sieben Goldmedaillen und 63:0 Siegen. In einem an Kontroversen reichen Endspiel siegte die Sowjetunion 51:50. Anzumerken gilt: Bei der Sowjetunion spielten Profis, bei den USA waren nur Amateure erlaubt.
1980 boykottierte die USA die Olympischen Spiele und 1988 stand letztmals eine Amateurtruppe den sowjetischen Profis gegenüber und verlor. Seit 1992 treten auch die NBA-Stars für die USA an, meist gab es überlegene Siege und sechs Olympia-Titel. Einzig 2004, als nicht so viele NBA-Stars wie normal antraten, gewann man nur Bronze.