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Mit ein paar zusätzlichen Cell-Chips will IBM den Mainframe zur idealen Heimat für virtuelle Realitäten aufmotzen.
"Mainframe" ist für viele eher ein Ausdruck aus der Vergangenheit der Computerei und wird nicht unbedingt mit den allerneusten Trends und Hypes im Internet in Zusammenhang gebracht. IBM verdient aber mit seinen Mainframes immer noch schönes Geld bei den traditionellen Kunden wie Banken, Fluggesellschaften und anderen Grossunternehmen und sieht sich auch dauernd nach möglichen neuen Einsatzgebieten für seine heute "System z" genannten Grossrechner um.
Nun hat Big Blue potentielle Kunden in einer auf den ersten Blick unerwarteten Ecke erspäht: Die Betreiber von Online-3D-Spielen und -Welten à la Second Life, World of Warcraft und anderen "virtuellen Realitäten" im Internet. Diese verwenden heute eher grosse Cluster von meist billigen Servern als IT-Infrastruktur für ihre Services.
IBM arbeitet daran, einen System z-Server mit zusätzlichen "Cell"-Chips auszurüsten und so eine Art "Super-Gameserver" herzustellen – IBM selbst nennt das Ding intern "Gameframe". Ein Mainframe, so argumentiert IBM, eigne sich aufgrund einiger seiner althergebrachten Qualitäten hervorragend für den Betrieb von 3D-Internet-Welten. Diese stellen eine besondere Kombination von Anforderungen an ihre IT-Infrastruktur:
Wenn sich viele User in einer 3D-Welt bewegen, sich "begegnen", Dinge aufnehmen, tauschen und verändern (oder miteinander kämpfen), bedeutet das eine hohe Zahl von gleichzeitigen Datenbanktransaktionen auf dem Server – eine traditionelle Stärke der Mainframes, die immer noch Spitzenmarken zum Beispiel bei Core Banking-Aufgaben erreichen.
Wenn User interagieren, können zudem Verzögerungen entstehen, wenn sie sich gerade auf verschiedenen, durch Netzwerkkabel verbundenen Servern befinden. Auf Mainframes, auf denen die 3D-Welten in virtuellen Servern betrieben würden, wäre die Verzögerung durch die Kommunikation über die "Hipersockets"-Technology minimal.
Weitere Rechenaufgaben, welche der Mainframe selbst nicht so gut beherrscht, sollen von den zusätzlichen Cell-Chips übernommen werden, die ja für Gamezwecke konzipiert wurden
und darum spezielle Stärken haben. Dazu würde in den Gameframes insbesondere die Simulation der natürlichen Bewegung von Objekten unter dem Einfluss der Schwerkraft gehören. Die Mainframe-Architektur, wurde im Gegensatz zur Architektur der anderen heute gebräuchlichen Server, schon von Anfang an dafür konzipiert, dass für spezielle Aufgaben spezielle Zusatzprozessoren integriert werden können. (Dazu gehören zum Beispiel die RISC-Chips, welche I/O-Prozesse beschleunigen). Dies,. so IBM, sollte es relativ einfach machen, die Cell-Chips in einen Mainframe zu integrieren.
Komplettpaket für Betreiber
Von graphischen Berechnungen – eigentlich eine Domäne der "Cell-Chips" – erwähnt IBM übrigens nichts. Anzunehmen ist, dass die graphischen Berechnungen bei Anwendungen mit relativ wenigen gleichzeitigen Usern, oder bei denen die Grafik einfach sein darf (3D-Konferenzräume, 3D-Shops, 3D-"Archive") auf dem Server laufen und von den Cell-Chips übernommen werden würden. Bei anspruchsvolleren Online-3D-Welten dürfte die Grafikdarstellung aber auch weiterhin über Clients auf die CPUs und Grafikkarten der User "abgeschoben" werden.
IBM entwickelt den "Gameframe" zusammen mit der brasilianischen Softwarefirma Hoplon, die sich auf "Massively Multiplayer Online Games" spezialisiert hat. Zusammen wollen die beiden Unternehmen eine Art Komplettlösung, inklusive "Virtual Reality Middleware" für Betreiber solcher Angebote entwickeln, bei dem auch gleich noch die Userverwaltung, Rechnungsstellung und andere Verwaltungsaufgaben auf dem gleichen Mainframe laufen würden. (Hans Jörg Maron)
(Bild: Die beim Bau der "Gameframes" beteiligte Ingenieurin Tami Vogel mit einem Multi-Chip-Modull eines Mainframes und einem Cell-Chip. Foto: IBM (echt))