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Im Alltag geht kaum etwas ohne Mobilität – oft befindet sich der Arbeitsplatz nicht an demselben Ort wie der Wohnort. Auch für Freizeitaktivitäten wechseln wir gerne den Standort. Dies ist nicht nur gesellschaftlich vorgegeben, sondern auch in uns verankert: Unterwegs zu sein hilft uns, unsere Identität zu finden.
Mit Tieren fing es an
Die Geschichte der Mobilität hängt stark mit der menschlichen Kulturgeschichte zusammen. Nachdem die Menschen als Jäger und Sammler gelebt hatten, begann ab ca. 11‘500 v.Chr. die Jungsteinzeit. Die Menschen wurden sesshaft und begannen, Ackerbau zu betreiben sowie Tiere und Pflanzen zu domestizieren. Diese Entwicklung startete im östlichen Mittelmeerraum. Ab 5‘600 v.Chr. fand die sogenannte Neolithische (jungsteinzeitliche) Revolution auch in Mitteleuropa statt und breitete sich langsam weiter nach Westen und Norden aus. Zunächst dienten vor allem Ochsen, Schweine, Schafe und Ziegen als Haustiere. Wann das Pferd erstmals domestiziert wurde, ist unklar. Schätzungen zufolge wurde um ca. 3‘500 v.Chr. der Wert von Pferden als Last-, Zug- und Reittiere erkannt. Ab da gab es kein Halten mehr; Pferde trugen massgeblich zur Mobilität des Menschen bei. Sie kamen auch als Reit- und Lasttiere während Kriegen zum Einsatz.
Eine weitere bedeutende Rolle kam Pferden als Zugtiere mit der Verbreitung von Kutschen zu. Die Mobilität an Land erlangte dadurch eine neue Dimension. Bereits die Römer kannten ab dem 2.Jh. n.Chr. gefederte Reisewagen. Besonders ab dem 15. Jh. entwickelten sich Kutschen stetig weiter. Sie wurden zu einem Statussymbol und waren in Europa das wichtigste Transportmittel bis Ende des 19. Jahrhunderts. Es wurde möglich, für längere Zeit bequem zu reisen. Kutschen waren aber nicht nur private Reisewagen: Ab dem 17. Jh. konnten Fahrgäste in Postkutschen mitreisen. Somit war es eine erste Form des öffentlichen Verkehrsmittels.
Vom Pferd zum Auto
Automobile lösten die von Nutztieren gezogenen Fuhrwerke schliesslich weitestgehend ab – sie sind leistungsfähiger und schneller. Damit lag der deutsche Ingenieur Gottlieb Daimler, der den ersten Personenwagen mit Benzinantrieb auf den Markt brachte, mit seiner Annahme falsch:
„Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten - allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.“
Gottlieb Wilhelm Daimler
Die ersten Fahrzeuge, die nicht mit Muskelkraft angetrieben wurden, waren jedoch Dampfwagen. Im Jahr 1769 stellte der Franzose Nicholas Cugnot sein Fahrzeug mit Wasserdampf-Antrieb vor. Es war allerdings schwer zu lenken und hatte keine Bremsen. An den Dampfgefährten wurde bis ins 19. Jh. weitergetüftelt. Den Dampfwagen machten bald zwei weitere Antriebssysteme Konkurrenz: Elektro- und Verbrennungsmotoren.
Die erste Blüte der Elektroautos
Noch vor den ersten Automobilen mit Verbrennungsmotor gab es Elektroautos. Der Schotte Robert Anderson baute in den 1830er-Jahren das vermutlich erste Elektrofahrzeug - im Wesentlichen ein Karren mit Motor und Batterie. Schon etwas näher an unserer heutigen Vorstellung eines Personenkraftwagens war dann jener des deutschen Autohersteller Andreas Flocken, der sein elektrisch betriebenes Automobil 1888 auf den Markt brachte. Elektroautos waren besonders wegen ihrer geringen Lärmproduktion und ihrer einfachen Handhabung beliebt.
Verdrängung durch Verbrennungsmotoren
Vergleichsweise spät wurden Automobile entwickelt, die durch Verbrennung angetrieben werden. Gottlieb Daimler erfand den ersten schnelllaufenden Benzinmotor und baute 1886 eine durch Benzin angetriebene Motorkutsche. Ein weiterer deutscher Autopionier war Carl Friedrich Benz. Sein Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 war dreirädrig und gilt als Vorläufer des Automobils. Nach und nach wurden die Autos in Serie hergestellt. Anfangs galten sie als zu laut und stinkend, doch sie schafften es ab 1910, Dampf- und Elektrofahrzeuge grösstenteils vom Markt zu verdrängen. Mit der Weiterentwicklung der Fahrzeuge überwogen die Vorteile: Der Treibstoff war billig, sie waren einfacher zu bedienen und hatten eine grosse Reichweite. Das Tankstellennetz wurde Anfang des 20. Jh. grossflächig ausgebaut – Autos mit Verbrennungsmotoren eroberten die Welt.
Wie sieht die Situation heute aus?
In den 90er-Jahren wurde wieder vermehrt an Elektromotoren geforscht, weil der ökologische Nachteil des Benzinantriebs und die Erdölknappheit erkannt wurden. Seitdem haben Elektroautos wieder eine grössere Bedeutung im Personenverkehr: Auf Schweizer Strassen fuhren 2017 wieder über 14‘500 Elektroautos – 19 Mal mehr als noch im Jahr 2000. Zudem waren letztes Jahr über 67‘000 Hybridfahrzeuge im Einsatz. Autos mit reinen Verbrennungsmotoren dominieren aber noch immer den Markt: Über 3,1 Millionen Benzinfahrzeuge und rund 1,3 Millionen Dieselautos gibt es in der Schweiz.