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Laut einer Umfrage unter 18- bis 39-jährigen Erwachsenen aus den USA gaben 23 Prozent an, sie glaubten, der Holocaust sei ein Mythos; er sei übertrieben oder sie seien sich nicht sicher. Zwei Drittel der Befragten wissen nicht, dass sechs Millionen Juden während des Holocaust getötet wurden.
Mehr als jeder Zehnte glaubt, dass der Holocaust von Juden verursacht worden sei. Fast die Hälfte der befragten jungen US-Erwachsenen konnte kein einziges Konzentrationslager oder Ghetto nennen, das während des Zweiten Weltkriegs errichtet wurde. Einer von acht Befragten gab an, definitiv nichts über den Holocaust gehört zu haben oder zumindest zu glauben, nichts davon gehört zu haben.
Nichtsdestotrotz gaben 56 Prozent der Befragten an, Nazi-Symbole auf ihren sozialen Medienplattformen oder in ihren Gemeinden gesehen zu haben. 49 Prozent sagten, sie hätten bereits Holocaust-Leugnungs- oder Verzerrungsbeiträge in sozialen Medien oder anderswo im Internet gesehen.
«Schockierende und traurige Ergebnisse»
Die schockierende Unwissenheit der US-amerikanischen jungen Erwachsenen über das grösste Verbrechen des 20. Jahrhunderts kam in einer Umfrage zu Tage, die von der «Claims Conference» in Auftrag gegeben wurde. Die «Claims Conference» vertritt Menschen jüdischen Glaubens, die direkt oder indirekt Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden. Sie verwaltet Entschädigungsfonds, holt nicht beanspruchtes jüdisches Eigentum zurück und vergibt Gelder an Institutionen, die Sozialleistungen für Holocaust-Überlebende erbringen und die Erinnerung an den Holocaust und die Lehren daraus bewahren.
Die «Claims Conference» richtete eine Taskforce ein, um die Umfrage zu überwachen. Ihr gehörten unter anderem Holocaust-Überlebende, Historiker und Experten des United States Holocaust Memorial Museum an. Die Daten, auf der die Studie beruht, wurden mithilfe von 1000 landesweit geführten Interviews und 200 Interviews pro Bundesstaat zusammengetragen. Die jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 39 Jahren wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.
«Die Ergebnisse sind sowohl schockierend als auch traurig, und sie unterstreichen, warum wir jetzt handeln müssen – solange noch Holocaust-Überlebende bei uns sind, um ihre Geschichte zu erzählen», sagte Gideon Taylor, Präsident der «Claims Conference» gegenüber «The Guardian». «Wir müssen verstehen, warum wir bei der Aufklärung über den Holocaust und die Lehren aus der Vergangenheit bei der jüngeren Generation nicht besser vorankommen. Dies muss als Weckruf für uns alle und als Fahrplan dafür dienen, wo Regierungsbeamte handeln müssen.»
Unterschiede zwischen Bundesstaaten
Die Umfrage, die als erste in den USA auf die Ebene der Bundesstaaten heruntergebrochen wurde, reiht die einzelnen Bundesstaaten nach einer Punktzahl ein, die auf drei Kriterien basiert: ob junge Menschen definitiv vom Holocaust gehört haben; ob sie ein Konzentrationslager, Todeslager oder Ghetto nennen können; und ob sie wissen, dass sechs Millionen Juden getötet wurden.
Der Bundesstaat mit der höchsten Punktzahl war Wisconsin, wo 42 Prozent der jungen Erwachsenen alle drei Kriterien erfüllten, gefolgt von Minnesota mit 37 Prozent und Massachusetts mit 35 Prozent. Die Staaten mit den niedrigsten Werten waren Florida mit 20 Prozent, Mississippi mit 18 Prozent und Arkansas mit 17 Prozent.
Auf nationaler Ebene wussten 63 Prozent der Befragten nicht, dass sechs Millionen Juden während des Holocaust ermordet wurden und mehr als jeder Dritte glaubte, dass zwei Millionen oder weniger ermordet worden seien. Elf Prozent der Befragten in den USA glaubten, dass Juden den Holocaust verursacht hätten – wobei der Anteil im Bundesstaat New York bei 19 Prozent lag, gefolgt von 16 Prozent in Louisiana, Tennessee und Montana sowie 15 Prozent in Arizona, Connecticut, Georgia, Nevada und New Mexico.
Auf nationaler Ebene waren 44 Prozent der Befragten in der Lage, Auschwitz-Birkenau zu identifizieren. Aber nur drei Prozent kannten Bergen-Belsen. Im Bundesstaat Texas konnten sechs von zehn Befragten kein einziges Konzentrationslager oder Ghetto nennen.
«Holocuast-Erziehung in Schulen muss obligatorisch sein»
Trotzdem sind 64 Prozent der befragten jungen Erwachsenen in den USA der Meinung, dass Holocaust-Erziehung in den Schulen obligatorisch sein sollte. Sieben von zehn Befragten sagten zudem, dass es nicht akzeptabel sei, wenn auch nur eine Einzelperson neonazistische Ansichten vertrete.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine