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Auftrag Gabriel betreffend Überprüfung des Forstbetriebs der Gemeinde Ilanz/Glion

Ausgangslage

Auftrag Gabriel

An der Parlamentssitzung vom 17. Januar 2018 haben Gierina Gabriel und Mitunterzeichner folgenden Auftrag eingereicht: 

Der Gemeindevorstand wird beauftragt, zu überprüfen, ob mittels einer Reduktion des Forstbetriebs auf die unentbehrlichen Försterstellen und der damit einhergehenden Privatisierung Kosten eingespart werden können. Falls dem so ist, soll die Reduktion innert der nächsten fünf Jahre erfolgen. Der Forstbetrieb soll künftig ausschliesslich Aufgaben im Bereich Schutzwaldpflege wahrnehmen. Für Arbeitnehmende, deren Stellen gestrichen werden, ist eine entsprechende Lösung zu finden. Die Arbeiten seien weitestgehend an Unternehmen aus der Region Surselva zu vergeben.

Begründung

Mit einer schrittweisen Privatisierung des Forstbetriebs lassen sich insbesondere Lohnkosten einsparen, sowie die Anschaffung von Maschinen und der damit verbundene Unterhalt derselben. Es ist zu vermuten, dass sich daher die Kosten insgesamt verringern würden. Eine Überprüfung dieser Hypothese erscheint folglich wünschenswert. Ausserdem würden durch eine Privatisierung Unternehmen in der Region profitieren – die mithin auch Steuerzahler sind.

Überweisung an den Gemeindevorstand

An der Parlamentssitzung vom 11. April 2018 hat das Parlament den Auftrag betreffend Verminderung der Aufgaben des Forstbetriebs an den Gemeindevorstand überwiesen. Dieser unterbreitete dem Parlament an der Sitzung vom 20. Juni 2018 einen ersten Bericht, in welchem fünf Varianten der Reorganisation des Forstbetriebs aufgezeigt und analysiert wurden. Für die Analyse zog der Gemeindevorstand im Rahmen des AWN-Projekts «Optimale Betriebsstrukturen und Prozesse» eine externe Fachhilfe bei. Heinrich Mannhart, der im Auftrag des Amts für Wald und Naturgefahren Forstbetriebe berät, nahm die Analyse vor und untersuchte die fünf Varianten. Gestützt auf die Ergebnisse der Analyse kam der Gemeindevorstand damals zum Schluss, dass die Führung eines gemeindeeigenen Forstbetriebs richtig und sinnvoll sei. Einen vollständigen Verzicht auf eine Forstgruppe (Forstwarte und Lernende) und somit auf wald- und ortskundiges Personal, welches auch im Ereignisfall verfügbar ist, erachtete er als eine zu grosse Qualitätseinbusse und nicht als sinnvoll. Das Gemeindeparlament Ilanz/Glion beschloss mit 21 zu 3 Stimmen den Auftrag Gabriel nicht abzuschreiben.

Controlling Bericht 2022 Forstbetrieb Ilanz/Glion

Grundlage

Als Reaktion auf den Auftrag Gabriel wurde die Reorganisation des Forstbetriebs angestossen. Daneben fand zwischen 2018 und 2020 eine grössere Reorganisationsplanung über die gesamte Gemeinde statt, welche mittlerweile umgesetzt ist. Beide Vorgehen hatten potenziell grossen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des Forstbetriebs. Auch in der Forstmaschinengemeinschaft (FMG) Foppa fanden Reorganisationen und Umstrukturierungen statt. Die Leitung der FMG liegt momentan bei der Gemeinde Ilanz/Glion.

Der Gemeindevorstand entschied sich für eine forstliche Reorganisation mit folgenden Massnahmen: 

Arbeiten in der 1. Produktionsstufe (PS1 – Jungwaldpflege und weiteres) werden zu 100 % von der eigenen Regiegruppe ausgeführt. Diese Tätigkeit wird verstärkt angegangen. 

Die Arbeiten der 2. Produktionsstufe (PS2 - Holzernte und weiteres) werden zu 85 – 90 % durch Fremdleistungen und nur zu 10 – 15 % durch die eigene Regiegruppe erbracht. 

Die eigene Regiegruppe wird in der PS2 prioritär im Bodenzugbereich eingesetzt. Seilschläge werden entweder ganz fremdvergeben oder, wo vorteilhaft, in Zusammenarbeit zwischen Regiegruppe und Drittfirmen durchgeführt. 

Die eigene Regiegruppe übernimmt noch übrige Forsttätigkeiten und diverse Arbeiten für den kommunalen Bereich, insbesondere Schneeräumung, Mäharbeiten, Unterhalt Wanderwege, Wald- und Güterstrassen, Gartenpflege und Gartenholzerei. 

Nebst den Hoheitsaufgaben (Kernaufgaben) in ihren jeweiligen Revieren spezialisieren sich die Förster auf einige Spezialaufgaben, welche sie für den gesamten Betrieb wahrnehmen.

Ziele dieser Reorganisationsmassnahme sind: 

Die PS2 wird durch Auslagerung effizienter. 

Die Arbeiten der Regiegruppe sind vielfältiger und ermöglichen weiterhin attraktive Arbeits- und Ausbildungsplätze. 

Arbeiten in der PS1 werden durch die eigene Regiegruppe verstärkt angegangen. 

Die zusätzlichen Kapazitäten für übrige kommunale Bereiche werden mit folgender Zielsetzung ausgelastet 

Entlastung der Werkgruppe 

Verbesserte Zusammenarbeit zwischen Forst- und Werkbetrieb zur besseren Bewältigung von Notsituationen 

Verbesserung der Forstrechnung 

Steigerung der Akzeptanz der Forstgruppe bei den politischen Entscheidungsträgern und der Bevölkerung 

Der Forstbetrieb Ilanz/Glion orientierte sich im Rahmen der Umsetzungsplanung an den folgenden Meilensteinen: 

Rollende Planung der Holzschläge 1 – 3 Jahre im Voraus, ab 1. Februar 2019 

Investitionsplanung 2020 – 2024, am 5. Juli 2019

Überprüfung des Geschäftsplans aufgrund der Ergebnisse der vorangegangenen zwei Jahre, alle zwei Jahre 

Überprüfen des Försterpensums, Ende 2020 

Zusammenfassung der Erkenntnisse

Der Gesamtbetrieb 

Der Forstbetrieb Ilanz/Glion macht Gewinn. In den letzten Jahren ist ein Aufwärtstrend zu verzeichnen, welcher in den Jahren 2020 und 2021 zu einem Gewinn in der Betriebs- und Finanzbuchhaltung geführt hat. Der Aufwärtstrend ist dabei stärker ausgeprägt als bei anderen Bündner Forstbetrieben. Für den Erfolgszuwachs ist hauptsächlich die wachsende Wirtschaftlichkeit in der Waldbewirtschaftung verantwortlich. Bei ungefähr konstanter Nutzung der Hiebsatzmenge, konnten zwischen 2019 und 2021 die Personalkosten pro produktiver Waldfläche und pro Erntefestmeter in der Waldbewirtschaftung gesenkt werden. Auf der Erlösseite erhöhten sich einerseits der Holzerlös und andererseits die Beiträge. Auf den Anstieg der Holzerlöse hat sicherlich der insbesondere im Jahr 2021 gestiegene Holzpreis einen Einfluss.

Die Kostenrechnung in der Waldbewirtschaftung wird gemäss Aussage des Betriebsleiters laufend überprüft. Massnahmen zur Erreichung einer ausgeglichenen Kostenrechnung sind einerseits die geeignete Kombination von kostengünstigen und aufwändigen Holzschlägen und andererseits die Auslösung nur der jeweils notwendigen Beiträge. Bei schlechter Marktlage liegt der Fokus eher auf den kostengünstig auszuführenden Holzschlägen und bei guter Marktlage auf den aufwändigen Holzschlägen. 

Wirksamkeit der Reorganisationsmassnahme 

Das übergeordnete Ziel des Auftrags von G. Gabriel vom Januar 2018 war die Senkung der Kosten in der Waldbewirtschaftung. Dazu sieht die Umsetzungsplanung vor, die entsprechenden Kosten durch Fremdvergaben zu senken und die dadurch gewonnenen Kapazitäten gewinnbringend einzusetzen. Für die Zeit zwischen der Gemeindefusion und der Reorganisation (2014 – 2019) stehen keine verlässlichen Daten über den Forstbetrieb zur Verfügung, mit welchen diese Veränderungen gemessen werden könnten. Die momentane positive wirtschaftliche Lage des Forstbetriebs deutet jedoch darauf hin, dass die Probleme, welche zum Auftrag Gabriel geführt haben, behoben sind.

In der Zeit zwischen der Gemeindefusion im Jahr 2014 und heute haben sich rund um den Forstbetrieb diverse Veränderungen ereignet. Neben der forstlichen Reorganisation, fand ein Betriebsleiterwechsel, eine die ganze Gemeinde übergreifende Reorganisation sowie Veränderungen in der Forstmaschinengemeinschaft Foppa statt. Die Summe aller dieser Reorganisationen und Veränderungen hat zu einer Verbesserung der betrieblichen Lage geführt. Die Vielzahl an gleichzeitig stattfindenden Reorganisationen macht es aber auch schwierig die Wirksamkeit der forstlichen Reorganisationsmassnahmen einzuschätzen und unmöglich sie gesondert an betrieblichen Ergebnissen messen. 

Antrag

Der Gemeindevorstand beantragt dem Gemeindeparlament:

	-	die Kenntnisnahme des Berichts;

	-	die Abschreibung des Auftrags Gabriel.

	Ilanz/Glion, den 16. Mai 2023	Gemeindevorstand Ilanz/Glion

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