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Der russische Multimilliardär Roman Abramowitsch ist am Freitag erneut vor der Freiburger Justiz angetreten. Am dritten Tag des Prozesses zu Rückzahlungsforderungen der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) wurde Abramowitsch während Stunden befragt.
Nebst dem 52-jährigen Oligarchen und seinem Geschäftspartner Jewgeni Markowitsch Schwidler hat die EBWE auch das Unternehmen Gazprom im Visier. Verlangt wird die Rückzahlung einer Schuld der Gesellschaft Runicom in zweistelliger Millionenhöhe.
Am Prozess vor dem Freiburger Zivilgericht geht es darum zu ermitteln, ob Abramowitsch als Besitzer von Runicom in die Geschäftsführung der Gesellschaft und der fraglichen EBWE-Anleihe verwickelt war. Die Firma mit Sitz in Freiburg vermarktete Öl der Sibneft-Gruppe, die wiederum Abramowitsch gehörte, bevor Gazprom den Ölriesen übernahm.
Auf die zahlreichen Fragen des Gerichtsvorsitzenden oder der EBWE-Anwälte antwortete Abramowitsch meist mit «Nein», «Ich weiss nicht» oder «Ich erinnere mich nicht».
Die Sibneft-Gruppe habe mehr als 50 Gesellschaften mit mehr als 65'000 Angestellten umfasst. «Deshalb kenne ich nicht alle Details der Geschäfte», rechtfertigte sich der Multimilliardär, dem auch der britische Fussballklub Chelsea gehört.
Als Moskauer Runicom-Direktor nur «Botschafter»
Während der Anhörung wurden dem Russen zahlreiche Dokumente zur Gesellschaft Runicom vorgelegt, insbesondere ein Jahresbericht. Abramowitsch erkannte zwar seine Unterschrift auf den Dokumenten, erklärte aber, sich nicht an den Inhalt und den damit verbundenen Kontext zu erinnern.
Er verneinte zudem, dem Geschäftsführer Instruktionen erteilt zu haben und sagte, er wisse nicht, wer Anweisungen erteilen konnte. Der Richter und die Klägeranwälte wollten zudem erfahren, ob der Oligarch beim Abschluss gewisser Verträge oder dem Transfer der Aktiven der Runicom AG aus der Schweiz zur Runicom Ltd in Gibralter eine Rolle gespielt hatte. «Nein», lautete auch hier die Antwort.
Was denn seine Aufgabe als Direktor der Niederlassung von Runicom in Moskau gewesen sein, fragte ein EBWE-Anwalt den Oligarchen. «Ich war eine Art Botschafter», sagte Abramowitsch dazu und erklärte, er habe weder gewusst, wo sich die Geschäftsräume befänden noch wer ihn nominiert habe.
(sda/tdr)