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Erste WM-Medaille in der zweiten Heimat?
Ab heute kämpfen im schwedischen Idre Fjäll die Snowboard- und Skicrosser um die WM-Medaillen. Dem Schweizer Skicross-Team kommt der Standortwechsel aufgrund der Absage aus China nicht ungelegen.
Die Hiobsbotschaft für die Wintersport-Elite kam Anfang Dezember in Form mehrerer kurzer Communiqués des internationalen Skiverbandes (FIS). Der Inhalt der fatalen Schreiben war für jede Disziplin praktisch identisch: Die FIS teilte mit, dass sämtliche Events der Saison in China aufgrund strikter Coronavirus-Regeln nicht würden stattfinden können und die Olympia-Hauptproben vorerst gestrichen wären. Die Freestyle-Sektion, zu der auch die Ski- und Snowboardcrosser gehören, traf die Absage besonders hart, weil Zhangjiakou Standort der geplanten Kollektiv-Weltmeisterschaften war.
Die Suche nach Ersatz-Austragungsorten - nicht mehr für eine gemeinsame Freestyle-WM, sondern unterteilt nach Disziplinen - wurde zum Wettlauf gegen die Zeit. Dass die Cross-Titelkämpfe schliesslich in das schwedische Idre Fjäll verlegt wurden, kommt dem Schweizer Tross um Skicross-Cheftrainer Ralph Pfäffli entgegen. Der Kurs in West-Schweden ist der längste und anspruchsvollste im Weltcup, anders als andernorts entscheidet sich der Ausgang des Rennens nicht schon am Start. Bei den Swiss-Ski-Athleten findet das Anklang.
Wie gut die Strecke ihnen liegt, haben die Schweizer vor gut zwei Wochen im Weltcup bewiesen, wo sie in sechs Rennen sieben Podiumsplätze feierten. Nun greift ein Schweizer Septett (Fanny Smith, Talina Gantenbein, Sanna Lüdi, Ryan Regez, Jonas Lenherr, Marc Bischofberger und Alex Fiva) auf der leicht zugunsten der Snowboardcrosser modifizierten Strecke nach den WM-Medaillen.
Bei den Männern wäre es die erste überhaupt. Seit 2005 werden im Zweijahres-Rhythmus die Skicross-Weltmeister gekürt. Die Swiss-Ski-Athleten zählten stets zu den Favoriten, es setzte jedoch immer Enttäuschungen ab. Vor zwei Jahren in Solitude Mountain schaffte es mit Alex Fiva endlich ein Schweizer in den grossen Final, er kam aber nicht über den 4. Platz hinaus. «Weltmeisterschaften sind im Männer-Team etwas ein rotes Tuch», sagt Chefcoach Pfäffli.
Es wäre für ihn und sein Team die verdiente Pointe in dieser Saison, in der ohnehin fast nichts so ist, wie es immer war, wenn einer aus dem Herren-Quartett den WM-Fluch beenden würde. Die erste Schweizer Medaille bei den Männern würde auch zu diesem Ort im schwedischen Nirgendwo passen. Dieser ist für die Schweizer Skicrosser viel mehr als nur eine Weltcup-Station. «Idre Fjäll ist für uns ein bisschen eine zweite Heimat geworden», sagt Pfäffli, der für Land und Leute schwärmt. Vor zwei Jahren bauten die Schweizer in der Saisonvorbereitung sogar ihre Zelte dort auf, ohne Corona hätten sie dies im Hinblick auf diese Saison wiederholt.
Während dem Trainerstab um Pfäffli die Selektion des Männer-Teams wie vor jedem Grossanlass einige unruhige Nächte bescherte, stellte sich das Trio bei den Frauen wie von selbst zusammen. Neben der grossen Favoritin und Qualifikationssiegerin Smith - die Waadtländerin ging aus den letzten vier Weltmeisterschaften stets als Medaillen-Gewinnerin hervor - gehen mit Gantenbein und Lüdi zwei Schweizerinnen an den Start, die beide für eine Überraschung gut sind.
Snowboardcrosser als Aussenseiter
Mit weit weniger Druck in die WM-Rennen starten die Schweizer Snowboardcrosser. Nick Watter ist mit 25 Jahren der erfahrenste des Schweizer Trios, das sich für die Einzel-Finals vom Donnerstag qualifiziert hat. Bei den Frauen überstand aus dem Trio einzig Lara Casanova die Qualifikation.
Am ehesten eine Überraschung zuzutrauen ist dem Winterthurer Kalle Koblet. Der 23-Jährige, der im Weltcup als Bestresultat einen 4. Rang auszuweisen hat, überzeugte in der Qualifikation mit der fünftbesten Zeit. Eine Medaille wird von ihm keine erwartet, nur fährt bei Cross-Wettbewerben immer auch etwas der Zufall mit - so wäre es in China gewesen, so wird es auch in Schweden sein.
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