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Hepatologie
Beat Müllhaupt
Fettlebererkrankungen
Zur Langzeitprognose der Fettlebererkrankung ergab eine dänische Studie mit 215 Patienten, dass das Überleben bei Frauen und Männern mit einer alkoholtoxischen Erkrankung im Vergleich zu Personen mit einer nicht-alkoholtoxischen Erkrankung signifikant verkürzt ist. Demgegenüber war die Mortalität bei Frauen und Männern mit einer nicht-alkoholtoxischen Fettlebererkrankung gegenüber der normalen dänischen Bevölkerung nicht erhöht, was auf einen benignen Verlauf der nicht-alkoholtoxischen Form dieser Erkrankung hinweist [1]. Bezüglich des Einflusses von Übergewicht auf den Verlauf einer nicht-alkoholtoxischen Fettlebererkrankung ergab eine australische Studie, dass bei stark adipösen Personen die durch ein Magenband erzielte Gewichtsreduktion mit einer deutlichen Verbesserung der Transaminasewerte und einem Rückgang der Fibrose einherging [2]. Im Einklang mit diesem Ergebnis wurde in einer weiteren australischen Studie bei einer heterogenen Gruppe von übergewichtigen Patienten mit einer Steatose, die durch Diät und körperliche Aktivität eine dauerhafte Gewichtsreduktion erreichten, eine signifikante und anhaltende Abnahme der Alanin-Aminotransferasewerte verzeichnet [3].
Virale Hepatitiden
Die wirksamste zur Zeit verfügbare Behandlung der chronischen Hepatitis C ist die Kombinationstherapie mit pegyliertem Interferon-alfa-2a und Ribavirin, die nun auf spezielle Patientengruppen angepasst werden muss. In diesem Zusammenhang zeigt eine randomisierte prospektive Studie mit 868 Patienten mit einer chronischen Hepatitis C und einer HIV-Infektion, dass die Kombinationstherapie mit pegyliertem Interferon-alfa-2a und Ribavirin eine signifikant höhere Ansprechrate als die alleinige Behandlung mit pegyliertem Interferon-alfa-2a oder die Kombinationstherapie mit Interferon-alfa-2a und Ribavirin ergibt [4]. Ausserdem wurde in einer weiteren randomisierten Studie bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis C, die auf eine vorgängige Therapie mit Interferon-alfa-2a mit oder ohne Ribavirin nicht angesprochen hatten, durch die nachfolgende Behandlung mit pegyliertem Interferon-alfa-2a und Ribavirin in ungefähr einem Fünftel der Fälle eine anhaltende Viruselimination erreicht [5].
Bei Patienten mit einer HBe-Ag-negativen chronischen Hepatitis B führte die 48-wöchige Behandlung mit pegyliertem Interferon-alfa-2a in einer randomisierten Studie bei 43 Prozent der Patienten zu einer dauerhaften Normalisierung der Alanin-Aminotransferasewerte sowie zu einem Abfall der Viruskonzentration unter 40'000 Kopien pro Milliliter, weshalb das pegylierte Interferon-alfa-2a bei dieser schwierig behandelbaren Form der Hepatitis B eine interessante Behandlungsoption darstellt [6]. Ausserdem zeigen zwei randomisierte klinische Studien bei Patienten mit einer gegenüber Lamivudin resistenten chronischen Hepatitis B mit einer YMDD-Mutation, dass Adefovir sowohl als Monotherapie als auch als Kombinationstherapie wesentlich wirksamer ist als die alleinige Behandlung mit Lamivudin [7, 8].
Cholestatische Lebererkrankungen
Zur Prognose der primären biliären Zirrhose ergab eine grosse Studie bei den anfänglich symptomatischen Patienten eine deutlich höhere leberspezifische Mortalität als bei den zu Beginn asymptomatischen Patienten, wogegen die Gesamtmortalität in beiden Gruppen ähnlich war [9]. Eine französische Fallkontrollstudie zeigte, dass die zur Langzeitbehandlung der primären biliären Zirrhose eingesetzte Ursodeoxycholsäure die Wahrscheinlichkeit von Rezidivadenomen nach einer endoskopischen Polypektomie im Vergleich zu einem Kontrollkollektiv signifikant zu reduzieren vermag [10].
Lebertumoren
Bei der Diagnose des hepatozellulären Karzinoms zeichnet sich die Magnetresonanztomographie gegenüber der Computertomographie durch eine höhere diagnostische Zuverlässigkeit aus, wobei aber die Sensitivität und Spezifität beider Methoden bei einer Tumorgrösse unterhalb 2 Zentimetern stark abnimmt [11]. Gemäss einer italienischen Langzeitstudie, in welcher bei 417 Patienten mit einer kompensierten Leberzirrhose der Nutzen einer regelmässigen Überwachung ermittelt wurde, lag die jährliche Inzidenz des hepatozellulären Karzinoms bei 3,4 Prozent. Dank der Fortschritte bei der Behandlung des hepatozellulären Karzinoms konnte die Prognose dieser Erkrankung im Verlauf der Zeit kontinuierlich verbessert werden, wobei die jährliche Mortalitätsrate von 45 Prozent in den Jahren 1987 bis 1991 auf 10 Prozent in den Jahren 1997 bis 2001 gesenkt werden konnte [12].
Leberzirrhose und portale Hypertonie
In einer randomisierten Studie, an der 100 Patienten mit einer Leberzirrhose und mittelschwerem Aszites teilnahmen, führte die Behandlung mit Aldactone zu einem ähnlich schnellen Rückgang des Aszites wie die Kombinationstherapie mit Aldactone und Furosemid. Darüber hinaus lag auch der Anteil der Patienten mit refraktärem Aszites sowie die Häufigkeit von Komplikationen in beiden Gruppen im selben Bereich, weshalb die Monotherapie mit Aldactone der Kombinationstherapie mit Aldactone und Furosemid überlegen scheint [13]. Bei Patienten mit einer Zirrhose und unkontrollierten Varizenblutungen zeigen zwei klinische Studien, dass die Stenoserate durch die Implantation eines beschichteten transjugulären intrahepatischen portosystemischen Stents (TIPS) anstelle eines konventionellen Stents signifikant gesenkt werden kann [14, 15].
Lebertransplantation
Die bei Patienten mit einer HIV-Infektion lange Zeit als kontraindiziert betrachtete Lebertransplantation geht mit ähnlichen Überlebensraten einher wie bei Patienten ohne HIV-Infektion, wobei aber für eine zuverlässige Beurteilung der Prognose dieser Operation noch Langzeitdaten benötigt werden [16]. Die Behandlung mit pegyliertem Interferon-alfa-2a und Ribavirin führt bei Patienten mit einer Hepatitis-C-Infektion, die nach einer Lebertransplantation ein Rezidiv erlitten haben, in rund einem Drittel der Fälle zu einer anhaltenden Viruselimination [17].
PD
Dr. med. Beat Müllhaupt
Literatur