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Der chinesische Staatschef Xi Jinping wirft ein Auge auf die Heim-Olympia in Peking. Mit einem chinesischen Eishockeyteam will er 2022 für Furore sorgen.
Institutionalisierung soll China auch auf der Sport-Weltkarte zu einer Grossmacht wachsen lassen. Im Jahr 2016 setzt das Reich der Mitte neu auf die in China bisher exotische Sportart Eishockey, da 2022 in Peking die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden.
Noch weist China in der Eishockey-Weltrangliste einen riesigen Rückstand auf, figuriert es doch hinter Mexiko und Australien auf Platz 37. «In zehn bis 15 Jahren könnte die chinesische Nationalmannschaft sich für die Weltmeisterschaften in der A-Gruppe qualifizieren», traut René Fasel, Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes, dem bevölkerungsreichen Land einen kometenhaften Aufstieg im bis dato in China unbekannten Sport zu.
Wie die «China Daily» berichtete, sollen zur Förderung von Wintersportarten in einem Fünfjahresplan 10'000 Teenager von kostenlosem Eishockeytraining profitieren.
Das jüngste Projekt zur Popularisierung vom Spiel mit dem Puck wurde mittels staatlichem Akt besiegelt. Es ist ein Beispiel für die Effizienz des politischen Apparates Chinas. Denn binnen weniger Monate erfolgte über die politische Hand die Implementierung einer chinesischen Eishockeymannschaft auf der globalen Eishockey-Landkarte. Noch im März 2016 wurde das in Peking angesiedelte Projekt mit dem Namen «Kunlun Redstars» mittels Absichtserklärung zwischen dem russischen Eishockeyverband und der russischen KHL – der zweitbesten Liga der Welt – in die Wege geleitet – Ende Juni wurde bereits der Meilenstein gelegt.
Anlässlich eines Staatstreffens unterzeichneten die beiden Staatspräsidenten Vladimir Putin und Xi Jinping eine Vereinbarung, welche die unmittelbare Integration des Pekinger Eishockeyteams beschloss.
Bloss zwei Monate später war das Gerüst der Mannschaft von Kunlun Redstar aus dem Boden gestampft. Rekrutiert wurden dazu mehrheitlich finnische und russische Eishockeyprofis. 13 chinesisch stämmige Spieler reisten zudem zur Vorbereitung nach Finnland an. In Peking wurde kurzerhand eine Siedlung inklusive Restaurant und Trainingszentrum errichtet, wo die Spieler mit ihren Familien leben.
Ende Oktober verbleiben nur noch fünf Chinesen im Kader von Kunlun Redstar, was wenig überraschend dem von der Liga vorgeschriebenen Minimalkontingent entspricht. Unter ihnen befindet sich Torhüter Nummer drei Shengrong Xia, der in der Asia League (13/14) durchschnittlich 13 Gegentreffer pro Spiel kassierte, oder Stürmer Tianxiang Xia, der im selben Jahr eine Bilanz von Minus 83 aufwies. Zu den Hoffnungsträgern gehören vielmehr Rudi Ying und Zach Yuen. Der in Vancouver geborene Yuen war im Oktober für die ersten KHL-Skorerpunkte eines Chinesen besorgt.
Obwohl die chinesischen Exponenten noch nicht die Hauptrollen einnehmen, scheint die mythologische Kraft, die mit der im Tibet gelegenen Gebirgskette Kunlun in Verbindung gebracht wird, den KHL-Neuling zu beflügeln. Denn unter der russischen Führung von Cheftrainer Vladimir Jursinow junior und Sportchef Vladimir Krechin mischt Kunlun eher überraschend im Mittelfeld der KHL-Ostdivision mit.
Doch als Publikumsmagnet hat sich das chinesische Hockeyprojekt bisher nicht erwiesen. Hatte das Heimdebüt in Peking immerhin knapp 8000 Personen angezogen, spielte Kunlun zuletzt bei den Heimspielen in Schanghai stets vor rund 1000 Zuschauern. Chinas politischer Wille ist noch nicht mit dem kulturellen Usus in Einklang gebracht worden.