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Der Ursprung des Cashmere war bis ins späte Mittelalter sagenumwoben. Bekannt war einzig die Quelle für Fertigprodukte, das Kaschmir-Tal. Erst als im Jahr 1664 der französische Arzt Bernier in Begleitung des Grossmoguls Tibet besuchte wurde klar, dass die äusserst feinen Gewebe aus der Unterwolle von Ziegen versponnen und gewoben werden. Vor zweihundert Jahren wurden in einer aufwändigen Aktion die ersten Tiere nach Europa importiert.
Die Kaschmirziege (Capra hircus laniger) ist keine Art sondern ein Phänotyp, definiert durch die feine Unterwolle mit einer mittleren Dicke von weniger als 19 Micrometern. Die Kaschmirziegen sind tendenziell eher klein und von gedrungenem Wuchs. Typisch sind Hängeohren und kräftige Hörner. Ein oft langes und schlichtes Granen-Haar überdeckt das relativ kurze, ausserordentlich feine, weiche und flaumartige Cashmere. Einzig Gesicht und Ohren sind immer kurz behaart. Die Färbung wechselt von weiss bis gegen Schwarz.
Der Ursprung der Kaschmirziegen liegt in den ariden Hochgebirgssteppen Zentralasiens. Vor gut 200 Jahren wurden erste Tiere in Europa eingeführt. Die meisten Kaschmirziegen leben heute in der Volksrepublik China und der Mongolei.
Ab 1970 wurden in Australien und Neuseeland grosse Kaschmirziegen-Farmen aufgebaut. Im Jahre 1989 zogen die USA nach. In Europa fanden sich Kaschmirziegen bis 2006 hauptsächlich in Schottland. Die grösste europäische Herde lebt unseres Wissens heute in Devon, Grossbritannien. Die wenigen Kaschmirziegen-Zuchtbetriebe in der Schweiz sind zwar meist klein, verfügen aber im internationalen Vergleich über einen ausgewiesen hohen Zuchtstandard und bieten damit Zuchtinteressierten eine solide Basis. Seit 2009 haben sie sich im Dachverband der Alpine Cashmere Association zusammen geschlossen.
Kaschmirziegen lassen sich grundsätzlich wie andere Ziegen halten. Sie haben vergleichbare Vorlieben und Abneigungen. Ihre Wolle verleiht ihnen über die Wintermonate eine bemerkenswerte Robustheit gegenüber Kälte.
Kaschmirziegen wachsen langsam und junge Ziegen sollten deshalb erst mit zwei Jahren zum ersten Mal gedeckt werden. Das ermöglicht ihnen eine ungestörte Entwicklung.
Kaschmirziegen sind auf keinen Stall angewiesen. Ein windgeschützter, trockener Unterstand genügt in vielen Fällen. Wichtig ist ihnen genügend Raufutter mit hohem Faseranteil zur Verfügung zu stellen.
Bei uns übernachten die Tiere im Stall mit freiem Zugang zum Laufhof. Futterraufe und Tablare für den Rückzug strukturieren den Raum. Die einzelnen Etagen sind so niedrig konzipieren, dass ein erwachsenes Tier zwischen den Tablaren nicht stehen kann. Das ermöglichen auch rangniedrigen Tieren sich in einen geschützten Bereich zurückzuziehen.
Neben normalem Viehsalz (Natriumchlorid)ist den Kaschmirziegen auch Mineralsalz zur freien Verfügung zu stellen. Die genaue Zusammensetzung hängt von der Bodenbeschaffung ab. Der lokale Tierarzt kann dazu Auskunft geben. Wir haben gute Erfahrungen gemacht mit ??? von Künzle Farma und dem 858 Mineralblock Ziegen von Kroni, was wir parallel zur Verfügung stellen. Die Ziegen merken selber am Besten wo sie zuschlagen müssen um gesund zu bleiben.
Der von Andrea gebaute Klauenstand erleichtert uns die Pflege der Ziegen und die Gewinnung ihres Cashmeres. Das mit etwas Kraftfutter gefüllte Futterbrett bietet der Ziege Ablenkung. Die Vorderräder erleichtern das Verschieben des Standes.
Im Frühjahr stossen die Tiere ihre Winterwolle ab, die gesuchten feinen Cashmere-Fasern. Eine Ziege liefert dann 100 bis 400 Gramm Roh-Cashmere.
Vor dem Auskämmen des Cashmeres mit dem Metall-Kamm bürsten wir die Deckhaare der Ziegen mit einer gewöhnlichen Bürste durch, um die Haare zu entknoten und das Cashmere von Heu und Staub zu befreien.
Wir kämmen die Unterwolle unserer Kaschmirziegen mit einen grossen Kamm aus. Die meisten Deckhaare verbleiben am Tier und schützen es weiterhin gut vor der Witterung.
Das Melken der Kaschmirziegen geht auf einem Melkstand deutlich einfacher als am Boden. Die Tiere gewöhnen sich schnell daran und stehen dann der Rangordnung entsprechend an. Die Milchausbeute liegt im Bereich von 0.6 Liter bis 1.8 Liter pro Tag. Beim Käsen erreichen wir eine Ausbeute von fast 20%.
Ohne penible Hygiene gibt es keine überzeugenden Milchprodukte. Gerade die Ziegenmilch bindet besonders gerne das in der Stallluft verbreitete Amoniak an sich. Die Milch muss deshalb möglichst schnell aus dem Stall heraus gebracht und gekühlt werden. Eine baldige Weiterverarbeitung ist vorteilhaft.
Wir machten gute Erfahrungen die Kitz nur über Nacht von der Mutter zu trennen un über Tag in der Herde zu belassen, wie das immer häufiger auf Demeter Höfen praktiziert wird. Klar leidet darunter der Ertrag, doch die Beziehung der Kitz zur Mutter und zur Herde wird gefestigt. Die Tiere leben stressfreier und damit gesünder.
Ziegen im Arbeitseinsatz haben eine lange Tradition. Erst die Mechanisierung der Landwirtschaft machte die Ziege als Arbeitsgehilfe überflüssig. Kastrierte Böcke eignen sich besonders gut zur Packtier ausgebildet zu werden. Sie sind in der Tendenz gross, stark und ruhig, ohne Leuten mit wenig Übung im Umgang mit Tieren schon Angst einzuflössen. Wer eine Packziege ausbilden möchte oder selber mal an einem Trecking teilnehmen möchte, der findet wertvolle Hinweise auf der Website der Packgeissen vom Ricken.
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