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Eine ¨Asthetik der Armut” und “Hiroshima-Chic” wurde die Mode der japanischen Designerin Rei Kawakubo damals genannt, als die ersten Prêt-à-porter-Kollektionen 1981 in Paris gezeigt wurden. Die mit Löchern übersäten Kleider und Röcke aus zerfetzten Stoffstreifen lösten einen Skandal aus. Bereits in der Folgesaison nahmen andere Designer jedoch einige der eingesetzten Stilmittel auf und Comme des Garçons prägte den Stil der späteren 1980er-Jahre massgeblich.
Mittlerweile werden unter der Marke Comme des Garçons weit über 20 Kollektionen von verschiedenen Designern geführt. Ziel der Gründerin Kawakubo bleibt es, „jede Saison radikal neue Kleidungsstücke [zu] schaffen, Formen, die noch nie jemand gesehen hat.“ Wiederkehrende Motive bei Comme des Garçons sind die Farbe schwarz, absichtlich alt und gebraucht wirkende Stoffe, asymmetrische Hemd- und Jackenlängen, mehrere aufeinander folgende Stofflagen und auch Pünktchenmuster. Comme des Garçons Play ist die jugendliche Sportswear-Kollektion mit dem auffälligen rotem Herzlogo des New Yorker Grafik-Künstlers Filip Pagowski.
Comme des garçons heisst “so wie Jungen” uns bezieht sich mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die beabsichtigte Androgynie der Entwürfe Kawakubos. Bereits zu Beginn der 80er Jahre brachten die Kollektionen komplett neue Formen in die Mode und lösten sich von der weiblichen Silhouette. Kawakubo widersprach somit bewusst dem damals herrschenden Schönheitsideal und liess das bestehende Bild der Frau als künstlich erscheinen. Es wird auch vermutet, dass der Name vom Lied Tous les garçons et les filles (1962) von Françoise Hardy entlehnt wurde. Erst 1978 wurde eine Männerlinie eingeführt.
Rei Kawakubos Vater war Universitätsprofessor und sie studierte Kunst an der Universität in Tokio. Nach drei Jahren in der Werbeabteilung eines Chemiekonzerns wurde sie 1967 freie Stylistin in Tokio. Mit dieser Berufswahl und dem Schritt in die Selbständigkeit brach sie bereits das erste Mal mit den Traditionen Japans. Da ihr neben den Traditionen auch die japanische Mode damals nicht gefiel, brach sie auch hier mit den bestehenden Normen und entwarf ab 1969 ihre eigene Mode. Die mündete 1973 in die Gründung von Comme des Garçons. Kawakubo führt das Unternehmen bis heute alleine und ist seit 1992 mit dem Briten Adrian Joffe verheiratet.
Kawakubo gilt heute als “Hohepriestern der Avantgarde-Mode” oder als “Mona Lisa der Mode”, da ihre ausgefallenen und als intellektuell geltenden Kreationen viele Interpretationen erlauben. Obwohl vermutet wird, dass die Marke einen so grossen wirtschaftlichen Erfolg wie Gucci haben könnte, wehrt sich Comme des Garçons gegen die Kommerzialisierung ihrer Mode. Kawakubos Ziel bleibe es, die „Kontaktzone zwischen Körperform und Kleidung“ zu verwischen und die Betrachter immer wieder aufs Neue zu fordern.
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