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Die Casa Palü ist ein Zeuge des ehemaligen Gewerbegebiets bei Palü in Stampa. Über lange Zeit wurde es als Gerberei und Wohnhaus genutzt. Ab 1964 diente es als Ferien- und Gästehaus des bekannten Kunstmalers Varlin.
Verfügbarkeit
Beschreibung & Geschichte
Das Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert, Teile sind auch älter. Aus dem Jahre 1817 stammt vermutlich die Erweiterung durch den Strickbau. Die beiden Bauetappen sind heute noch gut erkennbar. Die Casa Palü ist ein Zeuge des ehemaligen Gewerbegebiets bei Palü in Stampa. Über lange Zeit wurde es als Gerberei genützt. An der Rückseite des Hauses verlief ein Kanal, dessen Wasser sich in die Maira ergoss. Weiter oben am Kanal gab es Sägereien und Mühlen. Das bezeugen die Mühlsteine, die auf dem Gelände gefunden wurden. Ein Teil des Wassers wurde vermutlich durch den Keller des Hauses geleitet, in dem die Bottiche standen und in denen die Häute gegerbt wurden.
Ab dem 18. Jahrhundert ist eine Familie Stampa in Palü bezeugt. Besonders zu erwähnen ist Antonio Stampa «Tunin da la Palü», der Urgrossvater von Alberto Giacometti, der zusammen mit seinen fünf Töchtern die Gerberei betrieb, sowie sein Enkel Enrico Giacometti «Enrico da la Palü». Beim Hochwasser 1927, das im ganzen Bergell schwere Schäden verursachte und auch die Brücke zum Palazzo Castelmur mitriss, soll er sich geweigert haben, das Haus zu verlassen. Selbst als das Wasser durch den Keller strömte und die Steine gegen die Hauswand polterten. Nach seinem Tod im Jahr 1954 blieb das Haus längere Zeit unbewohnt, bis es 1964 vom bekannten Kunstmaler Varlin gekauft wurde. Er benutze es als Ferien- und Gästehaus. Der Schriftsteller Hugo Loetscher arbeitete in der Casa Palü längere Zeit an seinem Roman «Der Imune». Auch der Fotograf und Verleger Ernst Scheidegger verbrachte oft seine Ferien in diesem Haus.
Von 1954 bis 1964 war das Haus unbewohnt. Da das Dach undicht war, war es in einem schlechten Zustand, als Varlin es übernahm. In den 60er und 70er Jahren wurde es im Stil der Zeit instand gesetzt, ohne aber stark in die Bausubstanz einzugreifen. In den Jahren 2016 und 2017 wurde das Haus umfassend renoviert. Als erstes wurden die Eingriffe aus den 60er und 70er Jahren rückgängig gemacht. Der Dachstock wurde geöffnet, um mehr Licht in das Gebäude zu bringen. Das Dach und die Kellerdecke erhielten eine Wärmedämmung. Küche und Bad wurden vollständig erneuert. Die Aussenfassade wurde sorgfältig restauriert und die Haustüre aus den 80er Jahren ersetzt. Konzept, Bauleitung und Ausstattung erfolgten durch die Besitzer Tobias Eichelberg und Patrizia Guggenheim. Die Arbeiten wurden hauptsächlich von lokalen Handwerkern ausgeführt.
Die Casa Palü befindet sich in Privatbesitz und wird über die Stiftung Ferien im Baudenkmal vermietet.
- Die fünf Stampa Schwestern
- Der Kunstmaler Varlin in Palü
Baukulturelle Besonderheiten
Die Casa Palü wurde zwischen grossen Felsen am Ufer der Maira errichtet. Die Felsen wurden zum Teil ins Gebäude integriert, so lehnt sich das Haus zur Strasse hin an einen grossen Felsen und zum Bach hin dient ein weiterer Felsen als Fundament. Dies ist möglicherweise auch der Grund dafür, dass das Haus die Jahrhunderte überdauert hat, denn der Wasserspiegel reicht bei Hochwasser bis an die Mauern heran. Der älteste Teil des Gebäudes besteht aus drei Stockwerken aus dickem Mauerwerk, die ursprünglich alles Aussenmauern waren.
Im Keller befindet sich heute noch ein grosser Steintisch, der wohl als Arbeitstisch diente, zu Zeiten als das Haus als Gerberei genutzt wurde. Über dem Keller befindet sich im heutigen Erdgeschoss die grosse Stüa, ein grosser mit Fichtenholz getäferter Raum mit dem gemauerten Ofen, der von einem Nebenraum aus angefeuert wird. Die Fenstereinfassungen, die Türe und andere Zierelemente sind aus Arvenholz, der Fussboden aus breiten Lärchenholz-Brettern. Gegenüber des Ofens befindet sich ein in die Wand eingebauter Sekretär aus Nussbaumholz.
Die ursprünglich schmale Treppe hinter dem Ofen, die durch ein Klappe in das darüberliegende ebenfalls getäferte Schlafzimmer führt, ist noch vorhanden. Der jüngere Teil des Hauses stammt vermutlich aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Er besitzt ein weniger massives Mauerwerk und besteht grössten Teils aus einer Holzkonstruktion in Strickbauweise, die ummauert wurde. Diese Holzkonstruktion ist in der kleinen Stüa und im darüber liegenden Zimmer heute noch zu sehen. Die beiden Bauetappen sind an der der Aussenfassade gut erkennbar.
- Aufnahme der Casa Palü aus dem Jahr 1962
Informationen zum Ferienhaus
- Grundriss Erdgeschoss
- Grundriss Obergeschoss
Die Casa Palü befindet sich direkt am Ufer des Flusses Mera, mit Blick auf das Palazzo Castelmur. Das Baudenkmal bietet in je einem Doppel- und Einzelzimmer sowie einem Zimmer mit einem Einzel- und Doppelbett (auf der Galerie) Platz für bis zu 6 Personen.
Ein gemütliches Wohnzimmer mit grossem Stubenofen und Sitzecke sowie eine moderne Küche bieten alle Annehmlichkeiten. In der Küche kann man heute noch auf dem historische Holzkochherd über dem Feuer kochen.
Die Casa Palü ist ein historisches Haus, ein Baudenkmal. Obwohl im Übrigen technisch zeitgemäss ausgestattet, möchten wir Sie darauf hinweisen, dass gewisse funktionelle Details wie Fenster- und Türöffner, Treppenhandläufe und Stufenhöhen nicht der gängigen Norm entsprechen und eine eventuelle Gefahrenquelle bergen können.
Personen: 6 (plus 1 Baby bis 2 Jahre)
Zimmer: 1 Doppelzimmer, 1 Zimmer mit einem Doppel- und Einzelbett, 1 Einzelzimmer (Bettsofa), Babybett auf Anfrage.
Saison: Ganzjährig
Kurzferien: Ostern, Pfingsten und Auffahrt (mindestens 3 Nächte)
Höhe: 994 m ü. M.
Haustiere: Auf Anfrage erlaubt
ÖV: Mit dem Zug bis Landquart, umsteigen nach St.Moritz. In St.Moritz umsteigen auf das Postauto 4 Richtung Chiavenna. Postautohaltestelle Stampa-Palü.
Parkplatz: Vor dem Haus stehen den Gästen zwei private Parkplätze zur Verfügung.
Aussenbereich: Garten mit Gartenmöbel
WLAN: Ist nicht vorhanden
Heizung: Das Haus wird mit dem Stubenofen, dem Holzkochherd und mobilen Elektroöfen beheizt.
Ofen / Cheminée: Stubenofen
Küche: Mokkakanne
Extras: Die Böden bestehen aus Holz und Stein, weshalb wir gute Hausschuhe empfehlen.
Lage
Lage
Stampa ist ein kleines Bergdorf im Bergell, dem Tal, das das Engadin mit Chiavenna in Italien verbindet. Es liegt auf knapp 1000 Meter, im Talboden, direkt am linken Ufer der Maira, rund 35 Kilometer südwestlich von St. Moritz und 17 Kilometer östlich von Chiavenna. Die steilen Berghänge im Süden verhindern, dass die Sonne im Winter den Talboden erreicht. Aber die nahe gelegenen Orte Soglio und Maloja profitieren von dem oft schönen Winterwetter. Der Flurname Palü bedeutet Sumpf, nasse Wiese und ist ein Hinweis auf die Lage nahe am Fluss.
Geschichte
Bei Grabungen in Stampa wurden Siedlungsreste aus der Römerzeit gefunden, darunter ein spätrömisches Wannengrab in einem Felsen im Dorfteil Palü. Im Jahre 960 kam das Bergell zum Bistum Chur, seither ist es politisch mit der Alpennordseite verbunden. Im 12. Jahrhundert war das Tal bereits gut erschlossen und besiedelt. Im 16. Jahrhundert übernahm das Bergell den protestantischen Glauben, und führte das Italienische als Amtssprache ein. Es ist so die einzige italienischsprachige und protestantisch geprägte Region der Schweiz. Der Septimerpass, der das Bergell mit dem Oberhalbstein verbindet, war lange Zeit einer der wichtigsten Alpenübergänge. Diese Lage als Durchgangstal hatte eine prägenden Einfluss auf das Bergell und bot Erwerbsmöglichkeiten im Transport- und Säumerwesen. Mit dem Ausbau des Gotthardpasses verlagerte sich der Verkehr, und der Septimerpass verlor seine Bedeutung. Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte das Bergell mit dem Bau der Wasserkraftwerke durch die Elektrizitätswerke der Stadt Zürich in den 1950er Jahren. Bis 2010, als sich die fünf Gemeinden des Bergells zur Gemeinde Bregalia zusammenschlossen, bildete Stampa zusammen mit den Ortschaften Coltura, Montaccio, Borgonovo und Maloja eine eigene Gemeinde. Stampa ist die Heimat des Künstlers Alberto Giacometti (1901-1966) und seiner Familie.
Ausflüge
Der Palazzo Castelmur, in maursisch-gotischem Stil, liegt gleich gegenüber der Casa Palü. In der permanenten Ausstellung erfährt man viel über die Bergeller Auswanderer, die in ganz Europa Karriere als Zuckerbäcker machten. Ebenfalls gut zu sehen ist die Kirche San Pietro, die ein Gemälde von Augusto Giacometti beherbergt. Das Talmuseum Ciäsa Granda in Stampa zeigt seine Sammlungen zur Geologie und Fauna, zur Urgeschichte und lokalem Handwerk. In einem eigenen Sal werden Werke der Künstler der Familie Giacometti und von Varlin gezeigt. Auf Anfrage kann das Atelier der Familie Giacometti besucht werden. Sehenswert sind auch die 36 Gletschertöpfe, bei Maloja und vom Turm des Castello Belvedere bietet sich ein atemberaubender Ausblick ins Bergell sowie die Oberengadiner Seelandschaft. Einen Besuch wert sind auch die Dörfer Bondo, Castasegna und Soglio.