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Abstracts
Das Gewissen bei Freud und Jung
Mit einer philosophisch-anthropologischen Grundlegung. Juris Zürich 1964
Die ersten zwei Kapitel dieser Dissertation sind der Darstellung der Gewissensauffassungen Freuds und Jungs gewidmet, wobei sich ein markanter Unterschied findet: Freud kennt nur das heteronome Gewissen in der Form des Überichs (anerzogene Kollektivnormen), während Jung zusätzlich das autonome Gewissen beschreibt (im Sinne einer individuellen inneren Kundgebung). Im dritten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Lehren Freuds und Jungs erarbeitet und vergleichend gegenübergestellt, was zugleich die Diskussion des Kausal- und des Finalnexus erfordert. Das letzte Kapitel gilt einer philosophisch-anthropologischen Sicht des Gewissens. Hierfür erweist sich das naturwissenschaftlich-technizistische Denken als ungenügende Basis; vielmehr muss ein ontologisch fundiertes Menschenbild als Grundlage dienen. Dann lässt sich das Gewissen erkennen als Leitfunktion zum Selbstsein, der spezifisch menschlichen Seinsform.
CG Jungs Religionspsychologie
in Bd XV, Die Psychologie des 20. Jahrhunderts, Kindler Zürich 1979 1964
Unheimliche, fremdartige religiöse Erfahrungen veränderten das traditionelle Gottesbild beim Pfarrerssohn Carl Gustav Jung schon in seiner Kindheit und nötigten ihn später zu jahrzehntelanger Erforschung der psychischen Eigenart des religiösen Erlebens. Ausgehend von solchen Erfahrungen – also nicht vom kirchenoffiziell verlangten Glauben – erkennt Jung die psychische Natur des Gottesbildes bzw des Numinosen schlechthin; jede Aussage über „Gott“ bleibt in den Grenzen menschlichen Erkennens. Das synkretistische Gottesbild des neuen Testaments zeigt schon Veränderungen gegenüber dem alttestamentlichen Jahwe. Jung stellt im historischen Verlauf eine Tendenz fest, die vom Vollkommenheitsideal des mittelalterlichen summum bonum (des absolut Guten) zum Strebensziel der Vollständigkeit hin verläuft, was die Re-Integration des in der Figur des Teufels abgespaltenen Bösen ins Gottesbild erfordert. Eine solche „Vereinigung der Gegensätze“ – die sich oft auch im psychischen Lebensprozess aufdrängt – scheint auch die Einbeziehung des Weiblichen in das bis anhin rein männliche trinitäre Gottesbild zu umfassen, was ein quaternäres Ganzheitssymbol ergibt, wie es sich seit einigen Jahrhunderten vermehrt zeigt. Auch wenn der moderne Mensch meist nicht mehr so in tief in religiösen Bindungen lebt wie seine Vorfahren und die verfestigten alten religiösen Symbole immer mehr als sinnentleert erlebt werden, ist die religiöse Dynamik der menschlichen Psyche keineswegs verschwunden; die Leere wird oft mit „Ismen“ aller Art gefüllt, in denen dann der höchste Wert gesehen wird. Für die Psychotherapie ist Jungs Feststellung von Bedeutung, dass das Bezogensein auf die inneren Numinositätssymbole („religio“) für das seelische Gleichgewicht als entscheidend erscheint. Jungs Religionspsychologie ermöglicht ein vertieftes Verständnis religiöser Phänomene auf allen Entwicklungsstufen. Sie hat eine grosse Anzahl publizistischer Reaktionen ausgelöst, auch bei prominenten Theologen.
Psychotherapie und das Bild vom Menschen
Ontologie, Erkenntnistheorie und wissenschaftliche „Objektivität“, Daimon Einsiedeln 2001
Eine Einführung in die philosophische Anthropologie erhellt die ontologische Charakteristik des Menschseins als Selbstsein sowie die fundamentale Dialektik zwischen Sein und Seiendem. Sie bildet die Basis für jegliches Erkennen, auch für wissenschaftliches. Der Mainstream der Hochschulpsychologie um die Jahrtausendwende sucht naturwissenschaftliche Anerkennung durch Anpassung an messende und zählende Methoden, um so „objektive“ Erkenntnis zu gewinnen. Dem selben Muster folgt die bisherige Psychotherapieforschung. Es muss aber endlich eine praxisgerechte Forschung aufgebaut werden, welche nicht bloss statistisch-quantitativ vorgeht, sondern auch qualitative Fakten erforscht, also auch nicht wiederholbare, einmalige Vorgänge einbezieht, wie sie typisch sind in der Psychotherapie und für menschliches Sein überhaupt. Die modernen Naturwissenschaften sind seit einiger Zeit im Begriff, einen einschneidenden Paradigmenwandel zu vollziehen, wobei die sogenannte „Chaostheorie“ Methoden eröffnet, um komplexe Systeme probabilistisch zu erfassen. Damit muss von vermeintlich sicheren kausalen „Naturgesetzen“ abgesehen werden. Die neuere Hirnforschung gelangt zur Einsicht, dass „Wirklichkeit“ ein „Konstrukt unseres Gehirns“ sei, und nähert sich so frappant der erkenntnistheoretischen Position der transzendentalen Phänomenologie, wie sie von Edmund Husserl entwickelt worden ist. Letztere ist die Untersuchungsart der im Bewusstsein gegebenen Konstitution möglicher Gegenstände. Auf dieser Grundlage wird ein Menschenbild bzw eine Anthropologie entworfen, welche die Phänomene des menschlichen Seins erstmals direkt aus diesem offenlegt und sie nicht mehr mittels Überstülpen von Modellen und Theorien aus Bereichen von sachhaft oder animalisch Seiendem verfälscht. Nach der Beschreibung der menschlichen Expansivität als Ausdruck der Gerichtetheit des Seins sind nun die geistigen Phänomene adäquater verstehbar. Vom Bild eines (hypothetischen) optimalen Seins her können weniger optimale und „gestörte“ Seinsweisen unterschieden werden. Damit wird eine für die Psychotherapie wichtige Sicht für realistische Therapieziele ermöglicht. Praktisch-therapeutische Erörterungen runden die Arbeit ab, die unter anderem den Wert der Jungschen Psychotherapie bzw ihres Menschenbildes im Rahmen einer erneuerten Wissenschaftlichkeit belegt.
Das Menschenbild in der Psychotherapie CG Jungs
Integrative Therapie 3/2005, Zeitschrift für vergleichende Psychotherapie und Methodenintegration, Junfermann Paderborn, ferner in Petzold H (Hg), Die Menschenbilder in der Psychotherapie, Krammer Wien 2012
Jede Psychotherapie fusst – explizit oder unreflektiert – auf einer Theorie (Sicht) des menschlichen Seins. Diese soll nicht länger verfälschende Modelle aus fremden Domänen (etwa eine animalistische Trieblehre, welche kein adäquates Verständnis geistiger Phänomene ermöglichen kann) benützen, sondern aus der menschlichen Seinsstruktur selber hervorgehen. Für die Jungsche Psychotherapie bietet sich als ontologisches Fundament die philosophische Anthropologie an, welche das menschliche Sein als Selbstsein charakterisiert. Dieses erweist sich als Sein, das sich selber Aufgabe ist. Neben der (offenen) Kausalität ist die Finalität (als Grundlage aller Intentionalität) nötig, um die menschlichen Seinsvollzüge zu verstehen; die Diskussion dieser Erkenntniswerkzeuge fördert erhebliche Mängel der traditionellen Auffassungen zutage. In der Psychotherapie Jungs ist der Therapeut weniger der „Handelnde“ als ein Miterlebender eines individuellen Entwicklungsprozesses in einem dialektischen Prozess, in dem es immer wieder darum geht, das psychische Gleichgewicht anzustreben. Weder die Bewusstwerdung noch die allmähliche „Integration“ von bisher kaum bewussten seelischen Inhalten können an den Therapeuten oder an eine Methode delegiert werden; sie sind Aufgaben des Individuums. Jung hat typische Symbole der individuellen menschlichen Entwicklung empirisch festgestellt und erforscht, welche in verschiedenen Lebensphasen auftreten und deren bewusste Verarbeitung den Selbstwerdungsprozess voranbringen kann. Sie entsprechen der natürliche Kreativität der Psyche; diese freizulegen und auszugestalten vermittelt Halt im Vertrauen auf die eigenen Ressourcen und Sinn für die Lebensgestaltung.
Each psychotherpy is – explicitely or unreflected – based on a theory of human being. Such a theory should no longer use misleading models (e g an animal-based drive system that allows no adequate understanding of mental phenomena). It is to gain from the structure of human being itself. As an ontological fundament for Jungian Psychotherapy may serve anthropological philosophy that characterises human being as self being. Human being is its own assignment. Besides of causality we need finality (the basis of all intentionality) to understand the acts of human being. The discussion of those epistemological tools shows considerable flaw in traditional interpretation.
The Jungian therapist is less an „actor“ than a companion to the individual development in a dialectic process that cares for psychic balance. Neither becoming aware of psychic contents nor their gradual „integration“ can be subject of delegation to the therapist or to a method. Jung empiricly ascertained some typical symbols of individual human development that occur in various life situations. Those symbols arise from the natural creativity of the psyche. To uncover and form it leads to stability based on trusting one’s own resources, and it provides meaning for life structure.