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(spr. kang-röbähr), François Certain, franz. Marschall, geb. 27. Juni 1809 zu St.-Ceré
(Lot), wurde in der Militärschule zu St.-Cyr gebildet und 1828 Unterleutnant, zeichnete sich seit 1835 in Algerien aus und
nahm 1837 als Hauptmann an der Erstürmung von Konstantine teil. 1839 kehrte er nach Frankreich zurück, um aus versprengten
Karlisten ein Bataillon für die Fremdenlegion zu bilden. Zu den Chasseurs zu Fuß versetzt, ging er 1841 wieder
nach Algerien, wo er unter Cavaignac und Saint-Arnaud, seit 1847 als Oberst und Kommandant des Zuavenregiments, viele Kämpfe
mitmachte, besonders 1849 bei der Expedition nach der Zaadscha. 1850 als Brigadegeneral nach Paris berufen, ward er Adjutant
des Prinz-Präsidenten, dem er sich nach längerm Schwanken entschieden anschloß.
Beim Staatsstreich 1851 wirkte er als einer der thätigsten Gehilfen Ludwig Napoleons mit, stellte in Paris die Ruhe her und wurde 1852 zum
Divisionsgeneral befördert. Im Krimkrieg kommandierte er zuerst unter Saint-Arnaud und wurde nach dessen Tod zum Oberbefehlshaber
ernannt, legte aber, da er trotz aller Anstrengungen keine entscheidenden Erfolge erringen und sich mit
den Engländern nicht verständigen konnte, im Mai 1855 diese Stelle nieder, um Pélissier Platz zu machen, und übernahm wieder
das Kommando des 1. Korps. Im August 1855 nach Frankreich zurückberufen, erhielt er eine Mission nach Stockholm,
um den Anschluß Schwedens an die Alliierten zu vermitteln. Am 18. März 1856 ward er Marschall und im Januar 1858 Chef der Militärdivision
des Ostens (zu Nancy). Im italienischen Krieg 1859 befehligte er das 3. Armeekorps und zeichnete sich in der Schlacht bei Magenta
aus, konnte aber bei Solferino, beauftragt, die aus Mantua anrückenden feindlichen Truppen zurückzuwerfen,
dem bedrängten General Niel nicht rechtzeitige und genügende Unterstützung leisten. 1861 erhielt er das Generalkommando in
Lyon. 1870 wurde er zuerst an die Spitze der Mobilgarden im Lager von Châlons gestellt, übernahm aber, da er der zügellosen
Menge wegen seiner Unpopularität nicht Herr werden konnte, unter Bazaines Oberbefehl das Kommando des 6. Korps
der Rheinarmee und kämpfte 16. Aug. bei Vionville und 18. Aug. bei St.-Privat, das ihm entrissen wurde. In Metz eingeschlossen und
bei der Kapitulation mit gefangen, begab er sich nach Kassel zum Kaiser und kehrte erst nach dem Friedensschluß nach
Frankreich zurück. Er war bis zum Tode des kaiserlichen Prinzen einer der Führer der bonapartistischen Partei. Seit 1879 ist er
Mitglied des Senats.
(spr. kangrobähr), Francois Certain de, Marschall von Frankreich, geb. 27. Juni 1809 zu
St. Cerré in der Auvergne, trat 1826 in die Militärschule von St. Cyr und 1828 als Unterlieutenant in die Infanterie, kam 1835 als
Freiwilliger nach Afrika und diente dort gegen
Abd el-Kader. 1839 nach Frankreich zurückgekehrt, bildete er aus übergetretenen
Karlisten ein Fremdenbataillon, wurde bei der Organisation der Chasseurs d'Orléans in diese Truppe versetzt
und kehrte 1841 nach Afrika zurück, wo er 1845 zum Oberstlieutenant und 1847 zum Obersten und Kommandanten des Zuavenregiments
befördert wurde. In dieser Stellung schlug er den Aufstand in der Oase Zaadscha Nov. 1849 nieder, wurde 1850 zum Brigadegeneral
befördert und erhielt eine Brigade der Armee von Paris.
Bei dem Staatsstreiche vom 2. Dez. 1851 leitete er als Adjutant Napoleons die militär. Maßregeln in der Hauptstadt und wurde
zum Divisionsgeneral befördert. Im Orientkrieg nahm er teil an der Schlacht an der Alma und übernahm 26. Sept. im Lager an der
Tschernaja den Oberbefehl, als Saint-Arnaud die Armee verließ. Zerwürfnisse mit Lord Raglan veranlaßten ihn während der
Belagerung von Sewastopol seine Entlassung einzureichen, doch blieb er in der Krim und übernahm 19. Mai wieder den Befehl über
seine Division.
Aug. 1855 wurde er zurückberufen, 18. März 1856 zum Marschall ernannt und in vertraulicher Mission nach
Stockholm gesendet, um ein Bündnis mit Schweden abzuschließen. Als Jan. 1858 die Militärdivisionen Frankreichs unter fünf
Generalkommandos gestellt wurden, erhielt Canrobert das dritte in Nancy. Im Italienischen Kriege von 1859 befehligte er das 3. Korps.
Zur Schlacht von Magenta kam nur ein Teil desselben. Bei Solferino war Canrobert bestimmt, die aus Mantua ausrückenden
Truppen des Feindes zu beobachten, und leistete dem Marschall Niel nicht rasch genug Unterstützung, worüber es später zwischen
beiden Generalen zu bittern Erörterungen kam.
Nach dem Kriege kehrte Canrobert nach Nancy zurück, erhielt aber 1861 das 4. Armeekorps in Lyon und 1865 das Generalkommando
von Paris. Canrobert hatte schon damals erkannt, daß das franz. Heerwesen einer gründlichen Reform bedürfe, weshalb er die auf dieses
Ziel gerichteten Bestrebungen des Kriegsministers Marschall Niel thunlichst unterstützte und namentlich für möglichste
Beschleunigung der neuen Infanteriebewaffnung eintrat. Als der Deutsch-Französische Krieg von 1870 ausbrach, befehligte er
das 6. Armeekorps.
Nach den ersten Niederlagen erhielt Canrobert 9. Aug. Befehl, sich mit der Rheinarmee bei Metz zu vereinigen, was ihm indes nur noch
mit einem Teile seines Korps gelang. Canrobert führte sein Korps in der Schlacht bei Vionville (16. Aug.), verteidigte 18. Aug. St. Privat
und wurde sodann in Metz eingeschlossen, wodurch er 27. Okt. in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet. Bei
Abschluß des Präliminarfriedens von Versailles kehrte Canrobert nach Frankreich zurück und nahm an der Neuformation des franz.
Heers Anteil. Später wurde er Mitglied des obersten Kriegsrats, legte aber diese Stelle Juni 1873 nieder. In den Verhandlungen
des Prozesses Bazaine trat er 1873 als Belastungszeuge gegen den Angeklagten auf. Canrobert war seit 1879 Mitglied
des franz. Senats, bewarb sich aber bei den Neuwahlen 1894 nicht wieder um ein Mandat.