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Zwischen 1880 und 1900 wurde wie nie zuvor in der Reklamegeschichte mit Frauenfiguren für die Elektrizität geworben. Maria Osietzki schreibt über die "allegorischen Geschlechter der Energie": Nachdem die Dampfkraft meist männlich dargestellt wurde, zum Beispiel als Prometheus, wurde die Elektrizität von den Werbeschaffenden durch weibliche Figuren dargestellt. Diese Kreation geht auf die Figur der Wahrheit in einem Gemälde Botticellis zurück, das in zwei wesentlichen Schritten modifiziert wurde. Warm, weiblich, umfassend, sollte Strom gesehen werden. Denn im Gegensatz zur Dampfkraft liess sich Elektrizität als Energie teilen und - wenigstens theoretisch in dieser Zeit - demokratisieren, weit besser als es Dampfmaschinen und Gaswerke erlaubten. Parallel dazu brach an den Rändern die gesellschaftliche Wahrnehmung der Frau auf, die eine neue Darstellung erlaubte. Insgesamt ergab sich eine Tendenz, die sich die Elektrotechniker zunutze machten für ihre Ziele, ihr profanes Produkt dem Trend und der vorherrschenden Wahrnehmung anzupassen. Dabei konnte in der Werbung erstmals mit dem erotischen Kitzel gespielt werden, den die Künstler hier in Szene setzen durften. So, wie Frauen in künstlerischen Figuren mythologisch überhöht wurden, wie zum Beispiel auch bei Arnold Böcklin in dieser Zeit, desto realistischer durften die Abbildungen sein - aber nicht jedes Produkt durfte mit Frauen beworben werden! Die Zensur schritt gelegentlich ein wenn die Sinnfälligkeit fehlte.
Um die Jahrhundertwende verschwand die Elektra als Werbefigur von der Bildfläche. Im Hintergrund fand eine Debatte statt, die dem Wärmetod, der Entropie, die Entwicklung, die Ektropie, gegenüberstellte - ein Prozess, der als männlich gesehen werden sollte und der sich insbesondere bei der Elektrotechnik widergegeben fand. Elektrizität wurde so männliche Fortschrittstechnik - die Frau als Bannerträgerin verschwand aus der elektrisierenden Reklame.
Gerald Köhler geht in seinem Beitrag den frühen Bühnenbildern und Elektrobeleuchtungen in den Stadttheatern nach. Gerade auf der Bühne liess sich Modernität, Aufbruch und Elektrizität mehr als zufriedenstellend verschmelzen. Tatsächlich gehörten die Bühnen dort, wo früh elektrifiziert wurde, meist zu den ersten elektrisch beleuchteten Gebäuden, sie beleuchteten buchstäblich den technischen Fortschritt und leuchteten somit in den Alltag hinein. Davon abgesehen spielte der Sicherheitsaspekt eine enorme Rolle: offenes Licht hatte zu fürchterlichen Theaterbränden geführt. Wer als Landes- oder Stadtherr zählen wollte, bot eine sichere, elektrische Spielstätte.
Anne-Katrin Ziesak: "Am Vorabend des elektrischen Säkulum"
Die Phase der Weltausstellungen nutzte die Elektroindustrie für sich - die Weltausstellungen gewannen durch die Elektrifizierung an Interesse. Wie auch immer genau, die Ereignisausstellungen zwischen 1851 und 1900 gaben dieser Industrie massiven Schub und stellten die Kommunikation über den technischen Fortschritt rund um den Globus sicher, eine wichtige Marksteine:
Dieser schöne Band diente der gleichnamigen Ausstellung als Katalog. Seine Schrift- und Bildbeiträge, u.a. auch über die Elektro-Ausstellungen, Stadt, Stadtbeleuchtung und Industriedesign, lesen sich aber auch so prima.
€ 20 (plus Porto) beim Museum Industriekultur Osnabrück