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Hypothese der angegriffenen Epithelbarriere
Die Forschungen am Institut am Wolfgang führen zu aufregenden Vermutungen.
Diesen Monat publizierte die wissenschaftliche Fachzeitschrift «Nature Reviews Immunology» einen aufsehenerregenden Artikel von Cezmi Akdis. Der Leiter des Schweizerischen Instituts für Asthma- und Allergieforschung (SIAF) postuliert darin die Hypothese, dass die Entwicklung und Verschlimmerung von chronischen, nicht infektiösen Krankheiten durch Fehlfunktionen der Epithelbarriere (ein- oder mehrlagige Zellschichten, die alle inneren und äusseren Körperoberflächen bedecken) erklärbar sind. Neben dem Klimawandel und Virusinfektionspandemien – wie zum Beispiel gerade Covid-19 – betrachte die wissenschaftliche Gemeinschaft das Ausgesetztsein gegenüber einer Vielzahl von toxischen Stoffen in der Umwelt als eine der drei grössten Bedrohungen für die Menschheit, schreibt Akdis dazu.
Aus ihren Studien sei deutlich geworden, dass weltweit fast zwei Milliarden Patienten Substanzen ausgesetzt seien, welche die Epithelbarriere schädigen. Die Hypothese sieht einen Zusammenhang zwischen dem erhöhten Auftreten von allergischen sowie Autoimmunerkrankungen und Umweltveränderungen durch Industrialisierung, Urbanisierung sowie einem westlichen Lebensstil. Durch die toxischen Stoffe werde die Epithelbarriere der Haut, der Atemwege und der Darmschleimhaut beeinträchtigt, was wiederum zu einem Ungleichgewicht in der Darmflora führe, zur Umsiedlung von Bakterien sowie zur Entwicklung von Mikroinflammation des Gewebes. All dies würde nicht nur der Entwicklung von Allergien und Autoimmunerkrankungen zugrunde liegen, sondern auch bei einer Vielzahl anderer Krankheiten mitwirken.
Die Barriere-Hypothese legt die Notwendigkeit der Vermeidung von Umweltauslösern nahe und rechtfertigt weitere Studien über Unbedenklichkeitsgrenzen für potenziell schädliche Substanzen. Gemeint sind damit Waschmittel, Emulgatoren in verarbeiteten Lebensmitteln, Feinstaub, Dieselabgase, Mikroplastik und bestimmte Nanopartikel. Im Sinne des bekannten Schweizer Heilers Paracelsus, der 1493 feststellte «sola dosis facit venenum» (Alles ist Gift, nichts ist Gift, alleine auf die Dosis kommt es an), empfiehlt die Hypothese, den Kontakt mit solchen Substanzen zu vermeiden.
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