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Aus der Drehvorlage des Projekts mit dem Arbeitstitel «Unstillbares Feuer» für den Film «Gute Tage». (Nicht in dieser Form realisiert.)
Filmmusik.
In den Sequenzen des Unterwegsseins.
Renate Flury spielt Klavier, Boris Mlosch spielt Sopransaxophon und wenn er sein nächstes Bild verkauft, kann er sich vielleicht sogar ein Tenorsaxophon kaufen, andere hören Musik. Neben dieser Musik im Originalton der Innenräume wird Jürg Frey für die Aussenräume des Unterwegsseins eine Filmmusik komponieren – ruhig harmonische Klänge von Streichern, vorwiegend liegende Klänge in leicht rau-geräuschhafter Spielweise, die sich organisch mit dem Originalton der Aussenräume verbindet. Im Vordergrund die Bratsche, die von Helen Geissberger gespielt wird.
Die Musik wird nie dominierend eingesetzt, sodass sie auch kaum zurückgenommen werden muss, wenn Off-Sprache einsetzt.
Die Filmmusik geht jeweils von den Emotionen aus, die in der Situation eines Protagonisten aufkommen und sie leitet in die darauf folgende Aussen-Sequenz über oder (selten) sie fasst eine Folge von Innenraum-Sequenzen zu einer kurzen thematischen Einheit zusammen.
Während die Bildmontage weitgehend mit harten Schnitten arbeitet, schafft die Filmmusik immer wieder Verbindungen zwischen den verschiedenen Bildebenen und Erzählsträngen – hat eher die Tendenz, das Gemeinsame zu betonen.
Die Bratschistin Helen Geissberger wird überraschend zur Protagonistin.
Nach zwei bis drei Einsätzen der Filmmusik – wenn dem Publikum die Filmmusik selbstverständlich geworden ist – wird es damit überrascht, dass es die spielende Bratschistin zu sehen bekommt. Anders als man es erwartet, hält sie ihr Instrument jedoch nicht zwischen Kinn und Schulter, sondern spielt es senkrecht.
(Helen Geissberger, 83-jährig, spielte zuerst Geige, dann Bratsche – Musik von Rameau, Corelli, Bach, Beethoven, Mozart, Bartok, Schostakowitsch sowie zeitgenössische Kompositionen von Wolff und zuletzt von Sciarrino; seit 1980 auch improvisierte Musik in verschiedenen Ensembles.)
Sie sagt, sie hätte in den letzten Jahren vom Spielen starke Nacken-Schmerzen bekommen. Um die Halswirbelsäule nicht mehr zu belasten, habe sie versucht, die Bratsche in improvisierenden Ensembles senkrecht zu spielen. So hat sie, nach 65 Jahren des Spielens, eine ganz neue Musik entdeckt. Sie zeigt mit dem Instrument, wovon sie spricht: Wenn der Bogen nicht wie üblich auf den Saiten liegt, sondern bewusst damit Druck ausgeübt werden muss, können andere, faszinierend fremdartige Klänge entstehen. Manchmal führt sie den Bogen mit beiden Händen – mit besonders leichtem oder besonders starkem Druck, bis zu Scratch-Effekten.
Sie sagt, ihr Spiel sei jetzt weniger von der Vorstellung bestimmt, wie etwas zu klingen habe, wie es den Konzertraum zu füllen habe. Ihre Spielweise sei anders geworden, suchend, hinhörend, ständig neue Klangmöglichkeiten erkundend – sie mache immer wieder neue Entdeckungen, was Musik auch noch sein könne.
(Und vielleicht spricht sie auch noch davon, dass es für sie ein ganz anderes Hörerlebnis ergibt, wenn das Instrument nicht mehr direkt am linken Ohr, sondern in einer grösseren Distanz ertönt – es entsteht der Eindruck einer anderen Klangfarbe, aber auch ein distanzierteres Verhältnis zum eigenen Spiel. Schon allein dies lässt eine andere Musik entstehen.)
Die Musik dieser Protagonistin (und des Quartetts 'bunte hörschlaufen') habe ich in Bild und Ton aufgenommen, und ich mag sie sehr, doch bei der Montage des Films zeigte sich, dass ich sie keinesfalls als Filmmusik einsetzen kann.
Im Kapitel 'Filmmusik' schildere ich, wie es danach weiterging.