Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03661.jsonl.gz/1050

in neuerer Zeit entstanden außerdem auch unter Laien sogen. Vereine zur Verbreitung
des Glaubens, deren Mitglieder sich zu einem bestimmten Beitrag an Geld und einem täglichen Gebet für die Missionäre verpflichten;
die verbreitetsten sind: die 1805 von Coudrin gegründete, 1817 vom Papst bestätigte Picpusgenossenschaft
in Paris
[* 12] und der Xaverius-Verein, gegründet 1822 in Lyon
[* 13] (der Erfinder der fruchtbaren Souskollekte);
Die Missionsgesellschaften mehrten sich fortan von Jahr zu Jahr, zersplitterten sich aber auch in demselben Maß unter dem
Einfluß des Kirchen- und Sektengeistes. Den ersten Platz nimmt immer noch England ein; ihm reiht sich
Nordamerika, dann Deutschland
[* 21] an. Die beiden schottischen Kirchen sehen (seit 1824 und 1843) die Mission geradezu als Kirchensache
an. Verhältnismäßig weitherzig trat die große Amerikanische Missionsgesellschaft zu Boston
[* 22] seit 1810 (Board of foreign missions)
auf, neben welcher aber alsbald baptistische, methodistische, bischöfliche und andre Missionsgesellschaften
ins Leben traten.
Gegenwärtig existieren im ganzen etwa 107 Missionsgesellschaften, welche jährlich etwa 31 Mill. Mk.
(über viermal soviel wie die römische Kirche) aufbringen; davon sind 13 deutsche, 28 englische, 29 nordamerikanische, 11 holländische, 2 französische,
je 1 dänische, norwegische, schwedische und finnländische Gesellschaft; die meisten von ihnen suchen auch im Inland religiöse
Bestrebungen zu fördern, wozu Traktate, Missionspredigten und Missionsfeste dienen. Was ihre äußere
Wirksamkeit betrifft, so geht das Streben der meisten protestantischen Missionsanstalten auf die Bekehrung von Individuen (Seelenrettungen),
während den Katholiken vielfach zum Vorwurf gemacht wird, daß sie auf Massenbekehrungen ausgehen und ihre Missionsthätigkeit
mit dem Vollzug der Taufe als beendet ansehen.
Der gegenwärtige Stand der protestantischen Missionssache erhellt zunächst aus der Missionsstatistik,
welche Grundemann 1885 (auch separat erschienen) in der »Allgemeinen Missionszeitschrift«
zusammengestellt hat. Nach diesen Mitteilungen sind auf 2147 Stationen 2690 Missionäre mit 23,346 Gehilfen thätig; Kommunikanten
werden 600,231 gezählt, Christen überhaupt 2,024,701, Schüler 645,886. Die jährliche Gesamtausgabe ist auf 30,151,698
Mk. veranschlagt.
Diese Erfolge stehen nun allerdings in keinem Verhältnis zu der enormen Zahl von Arbeitskräften und Geldmitteln, die darauf
verwendet werden. Insonderheit stellen das mohammedanische Asien und Amerika einen ziemlich unfruchtbaren
Boden dar; sogar in Ostindien,
[* 36] wo alle möglichen Missionen sich in Bekämpfung einer uralten Kulturreligion den Rang ablaufen
wollen, sind die Erfolge bis jetzt noch fraglos klein. Wohlthätig hat die Mission fast überall da gewirkt, wo sie
tiefer stehenden Völkern zugleich mit einer überlegenen Bildung nahen konnte, so besonders bei den Negern,
Hottentoten und Kaffern.
Auf Madagaskar hat die Mission trotz mehrfacher Verfolgungen immer wieder festen Fuß gefaßt. Auf der Westküste Afrikas ist der
Erfolg der englischen, amerikanischen und deutschen Missionen fortwährend im Steigen begriffen. Ebenso hat die Mission auf
den nordöstlichen Inseln, besonders den Gesellschafts-, Sandwich-, Freundschafts- und Markesasinseln, namhafte Erfolge errungen.
Nur dürftige Erfolge weist dagegen die Mission unter den Juden auf, welche in neuerer Zeit besonders von England aus betrieben
wird.