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Wolfenschiessen
Die Gemeinde Wolfenschiessen ist bekannt durch die ritterliche Familie gleichen Namens, der das Dorf Wappen und Namen verdankt. Sie erlangte seit dem 13. Jahrhundert geschichtliche Bedeutung und vermochte mit der Zeit die höchsten Ämter zu besetzen. Auch spielte sie bei der Gründung einer Pfarrei und beim Bau der Kirche eine entscheidende Rolle.[1] Wolfenschiessen gehörte kirchlich bis 1277 als Filiale zu Stans. Eine förmlich Gründungsurkunde über eine erste Kirche in Wolfenschiessen ist nicht bekannt. Das Datum lässt sich aber indirekt erschliessen. Laut dem Jahrzeitbuch von Wolfenschiessen von 1596, das aber sicher auf frühere Fassunge zurückgeht, nahm der Weihbischof von Konstanz, Tolimei von Sardes, im Herbst 1277 die Krichweihe vor. Als weitere Nahmen sind uns überliefert: Abt Arnold von Wil von Engelberg (1267–1296), dem Stans als Patronatskirche unterstand, sowie die Brüder Konrad und Walter von Wolfenschiessen, die in enger Verbindung mit Engelberg standen. Der Weihbischof war eben auf einer Reise unterwegs in die Innschweiz, vermutlich auf Visitation.[2] Am 19. Januar 1328 urkundet der Ammann von Wolfenschiessen, Johann, dass ihm Abt und Kloster von Engelberg das Vidum, d.h. die Einkünfte der Kirche von Wolfenschiessen auf zwanzig Jahre verliehen habe unter der Bedingung, dass wenn die Kirchgenossen von Wolfenschiessen innert dieser Zeit eine eigene Pfarrei errichten wollten, der Leutpriester der neuen Kirche diese Erträge erhalten sollte.[3] Es dauerte aber noch mehr als hundert Jahre, bis Wolfenschiessen eine selbständige Pfarrei wurde. Erst am 14. September 1438 konnte die "Universa villae Wolfenschiessen" dem Bischof von Konstanz berichten, dass sie mit Zustimmung ihres Kollaturherren, des Abtes von Engelberg und seines Konvents, sowie des Pfarrers von Stans, eine Leutpriesterpfründe stiften konnte. (Bischof von Konstanz war Heinrich von Höwen (1438–1462), der spätere Administrator des Bistums Chur. Über den Pfarrer von Stans, Johann Thoub (Thob) sind zwei Johannes Thoub zum 9. April eingetragen, der zweite mit der Beifügung: "eines Schülers". Chronologisch wäre es möglich, dass damit der spätere Stanser Pfarrer als Engelberger Klosterschüler gemeint war. Als Begründung für die Errichtung einer eigenen Pfarrpfründe in Wolfenschiessen wurde erklärt, dass die Einkünfte der zwei Stanser Nebenpfründen für zwei Geistliche nicht mehr ausreichten, von denen der eine die Gläubigen in Wolfenschiessen zu betreuen habe. Zudem seien sie an Festtagen wegen der Menge der Leute zu stark beschäftigt. Zudem sei der Kirchweg der Wolfenschiesser oft durch Überschwemmungen gefährdet. So hätten die Wolfenschiesser beschlossen, mit den ihnen zustehenden Mitteln, einen eigenen Pfarrer für diese Kirche anzustellen.
Die Ernennung des ersten Pfarrers von Wolfenschiessen erfolgte durch den Pfarrer von Stans. Später sollten dafür Abt udd Konvent von Engelberg zuständig sein. Sie Abhängigkeit Wolfenschiessens von Stans als Filiale blieb noch bestehen, wenn auch nicht mehr lange.[4] Unter den Bedingungen, welche in Zukunft einzhalten seien, sind im besondern die Festtage erwähnt, an denen der Pfarrer von Wolfenschiessen in der Prfarrkirche von Stans aushelfen sollte, sowie, dass er den Pfarrer von Stans während eventueller Abwesenheit zu vertreten habe. Die Erträgnisse aus den Jahrzeiten und anderen Zuwendungen sollen durch die Kirchenpfleger eingesammelt und für kirchliche Zwecke verwendet werden. Der Abt von Engelberg verpflichtet sich, aus den Einkiinften der Kirche von Wolfenschiessen sechs Scheffel Spelt und fünf Pfund an Geld zu zahlen, aber nicht mehr. Überdies haben die dortigen Kirchgenossen wie bisher ihren Anteil an den Unterhalt der Kirche in Stans beizutragen. Schesslich wird in der Urkunde auch gesagt, was der Pfarrer für seinen Unterhalt beanspruchen kann, vor allem das Pfarrhaus, in dem er für gewöhnlich seine Wohnung nehmen soll. Er hat für die Gläubigen den Gottesdienst zu besorgen, so wie er es vor Gott verantworten kann. Als Gehalt bekommt er jährlich auf das Fest des heiligen Martin 40 Florin in Geld aus den Zinsen und Erträgnissen des Kirchengutes, ebenso soll er die Kirchenopfer und Vergabungen für sich behalten können. Die Urkunde wird feierlich besiegelt von Abt und Pfarrer, sowie vom Landammann von Nidwalden, Ulrich Zumbühl, einem Wolfenschiesser. Wie oben erwähnt, löste sich die Pfarrei Stans im Juli 1462 nach einem Schiedsspruch der Schirmorte vom Kloster Engelberg los und lehnte ihre Verpflichtungen ab. Dieses Beispiel wirkte offensichtlich auch auf die Kirchgenossen von Wolfenschiessen ein, die nun am 31. August 1465 ihre Verpflichtungen, die sie vor kaum dreissig Jahren dem Kloster gemacht hatten, als nicht geschehen hinstellten und die Pfarrwahl als ihr Recht erklärten, ja sotar von ewigen Rechten sprachen und sogar auf die Leistunten verzichteten, die ihnen der Abt an die Pfarrei versprochen hatte. Auch hinter diesem Ablösungsprozess stand ein Schiedsgericht, das ganz von Nidwaldnern besetzt war.[5] So verblieb dem Abt von Engelberg nur mehr das Präsentationsrecht für die Geistlichen, die die Kirchgenossen von Wolfenschiessen wählten und vom Bischof bestätigen liessen. Als weitere Konsequenz ergab sich, dass sich Wolfenschiessen am 20. Februar 1469 auch von seiner Mutterpfarrei Stans lossagte.[6] Konventualen von Engelberg als Seelsorger in Wolfenschiessen waren nicht zahlreich, da von den KirchKgenossen ausdrücklich gewünscht wurde, dass nur Weltpriester ihre Seelsorger sein sollten. Trotzdem war man offenbar auch gelegentlich um Patres froh.
- vor 1519: Egolf Fry
- 1604: Stephan Gehrig (Pfarrverweser)
- 1625: Augustin Lang
- 1634–1636: Nikolaus Halter
- 1627: Konstantin von Flüe, Roman von Flüe
P. Benedikt Pfyffer von Luzern, zusammen oder abwechslungsweise mit P. Engelbert zur Zeit der Pest. Er führte am 2. April 1627 die Rosenkranzbruderschaft ein und wird offiziell als Pfarrer von Wolfenschiessen bezeichnet. Bei der Bestätiglmg der Wahl von P. Nikolaus Halter bemerkt der Generalvikar des Bischofs von Konstanz ausdrücklich, durch diese Wahl solle den Rechten der Pfarrei nicht vorgegriffen werden, wonach nur ein Weltpriester dort als Pfarrer zugelassen sei.[7] In einem weiteren Sinn kann auch Kaspar Frey von Baden zu den "Engelbergern" gerechnet werden, der im Pestjahr 1639 als Kaplan oder Pfarrhelfer genannt wird, von dort aus aber auch die Pfarrei Engelberg besorgte.[8]
In der Folgezeit sind nur noch Engelberger Patres als Aushilfen in Wolfenschiessen bekannt, nämlich:
- P. Dominik Mazugh (Jakob), Pfarrer 1637–1639. Er war damals noch Weltpriester und trat 1639 ins Kloster Engelberg ein.
- P. Stephan Gehrig als Pfarrhelfer 1604, einige Monate.
- P. Adelhelm Frei 1855 als Frühmesser.
- P. Leodegar Scherer von Inwil. Im Juni 1890 lag Pfarrer Zumbühl krank darnieder, Pfarrhelfer Odermatt war plötzlich gestorben, so wünschte man in Wolfenschiessen P. Leodegar als Pfarrer. Doch war er von seinem Abt Anselm bereits als Beichtiger für Wonnenstein bestimmt und blieb nur zu kurzer Aushilfe.
Einzelnachweise
- Nähreres bei Graf, Die Ritter von Wolfenschiessen, in: Beiträge zur Geschichte Nidwaldens, Heft 28, 1963, S. 30ff. Durrer, HBL CII, 1934, S. 709.
- Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 1031. Über Abt Arnold vgl. Heer, Aus der Vergangenheit, S. 67ff, und Graf, Die Ritter von Wolfenschiessen, S. 40.
- Vgl. Geschichtsfreund 52, Nr. 245.
- Die Kopie des verlorenen Originals in StiArEbg Cod. 239, S. 317. Teildruck bei Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 1023, A.2.
- Stiftsarchiv Engelberg, Cod. 239, S. 389.
- Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 1032.
- Vgl. Straumeyer, Annales 4, StiArEbg cod. 224, S. 388.
- Heer, Aus der Vergangenheit, S. 222. Dazu W. März, Wappenbuch der Stadt Basel 1920, S. 95.
Bibliographie
- StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von P. Gall Heer.