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Der Spritzdekor gehört zu den einfachsten und am schnellsten herzustellenden Dekoren überhaupt. Eine Unterscheidung von eher getropften Varianten, die also mit geringerer Intensität aufgebracht wurden, ist in der Regel nicht eindeutig möglich. Auch gibt es ein weites Übergangsfeld zu stark verlaufenen, schlierigen Dekoren, bei denen nicht klar ist, ob sie intentionell so hergestellt wurden oder ein Ergebnis der Glasurschmelze sind. Es gibt zwei grundsätzliche Unterscheide in der Herstellung. Im ersten Fall wird farbige Engobe auf den lederharten oder geschrühten Scherben, der auch engobiert sein kann, gespritzt und anschliessend wird farblos oder farbig glasiert. Im zweiten Fall wird farbige oder farblose Glasur auf eine bereits glasierte, aber noch sehr feuchte Oberfläche gespritzt, was wesentlich stärker verlaufende, diffuse Muster erzeugt.
Spritzdekor ist bei Geschirr ohne oder mit weisser bzw. roter Grundengobe sowie auf heller Irdenware sehr häufig. Gelbe oder grüne Glasur kann das Bild zusätzlich variieren. Ein grober Pinsel, eine Gänsefeder, ein Strohwisch oder ein Reisigbesen werden in eine farblich vom Gefässuntergrund oder der Glasurfarbe abweichende Mal- oder Grundengobe oder Glasur getaucht und dann auf die engobierte oder bereits glasierte Oberfläche nebeneinander aufgestellter Gefässe gespritzt. Oft werden auch mehrere Farben nacheinander verwendet (z. B. weiss und schwarzbraun, grün und schwarzbraun). War die verwendete Grundengobe oder die Glasur noch sehr feucht, so liessen sich durch ruckartiges Schütteln Marmorierungen und vielfältige Verläufe erzeugen (Nass-in-Nass-Technik).
Spritzte man farblose Glasur auf eine bereits aufgetragene grüne oder manganviolette/dunkelbraune Glasur auf weisser Grundengobe, so ergaben sich hell gefleckte Geschirre.
Spritzdekor, hergestellt mit Hilfe einer Spritzpistole und Schablonen.
Sprachlich wird bei der Verwendung des Begriffs „Spritzdekor“ nicht eindeutig differenziert, ob der oben beschriebene einfache Spritzdekor gemeint ist oder ob es sich um mechanisiert, d.h. mit Hilfe einer Spritzpistole (Aerograph) aufgetragenen Spritzdekor handelt. Dieser kommt erst seit der Zeit um 1900 allmählich auf und ergibt optisch deutlich abweichende Motive, die vor allem in der Zeit zwischen 1918 und 1933 sehr beliebt waren (vgl. Anthonioz 2019). Oft wird dieser aufgesprühte Dekor mit Hilfe von Schablonen hergestellt (siehe Schablonendekor).
Frz.: décor tacheté, décor moucheté, décor pommelé, céramique engobée à taches brunes ou vertes. Si le décor tacheté est réalisé avec un instrument mécanique (p. ex. vaporisateur, pulvérisateur, aérographe, pinctographe, aérostyle, chromographe), on parle alors d’un décor par pulvérisation ou d’un décor par insufflation ou encore d’un décor pointillé, poudré, tamponné, soufflé, fouetté, tapoté, chiné ou vaporisé
Engl.: splash decoration
Bibliographie:
Anthonioz 2019
Stanislas Anthonioz, À la table de lárt moderne. Céramique de la République de Weimar (1919-1933), Genf 2019.
Blondel 2001
Nicole Blondel, Céramique, vocabulaire technique, Paris 2014, 308, 344.
Heege 2016
Andreas Heege, Die Ausgrabungen auf dem Kirchhügel von Bendern, Gemeinde Gamprin, Fürstentum Liechtenstein. Bd. 2: Geschirrkeramik 12. bis 20. Jahrhundert, Vaduz 2016, bes. 88-89.