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Wenn man die Falklandinseln besucht, hört man häufig, dass sich das Wetter schnell ändert und man vom Sonnenschein ganz schnell in Regen gerät. Ungefähr so muss sich die Verwaltung des britischen Überseegebietes zurzeit fühlen. Denn die Forderungen des britischen Überseegebietes, bei den gegenwärtigen Brexitverhandlungen Zölle auf Fischereiprodukte von den Inseln zu vermeiden, sind auf taube Ohren gestossen. Der Wirtschaft der Falklandinseln droht jetzt ein finanzielles Debakel, sollte nicht noch eine Lösung vor Ende des Jahres gefunden werden.
Nach einem Bericht der Lokalzeitung Penguin News, der einzigen Zeitung der Falklandinseln, habe die britische Regierung keinerlei Anstrengungen im Namen der Falklandinseln bei der EU unternommen. Ein Bericht des Abgeordneten MLA Roger Edwards bestätigte dies. «Als Grossbritannien versucht habe, im Namen seiner Überseegebiete zu sprechen, sei das Land informiert worden, dass dies nicht erlaubt sei, dass die EU auch nicht im Namen der Überseegebiete der anderen Nationen innerhalb Europas sprechen würde.» Damit sei der Versuch der Falklandinseln, drohenden Zollabgaben auf seine Produkte zu verhindern, überhaupt nicht zur Sprache gekommen, schreibt die Zeitung. Wenn nun nicht eine Lösung noch gefunden wird, werden ab dem 1. Januar alle Produkte der Falklandinseln, die im EU-Raum verkauft werden sollen, mit Zöllen belegt und strengen Kontrollen ausgesetzt.
Seit Monaten ringen die Verhandlungspartner Grossbritanniens und der EU um eine Lösung über die zukünftigen wirtschaftlichen Beziehungen. Einer der Streitpunkte ist die Fischerei, die für das Königreich ein zentraler und wirtschaftlich wichtiger Punkt ist. Und dies gilt auch für die Falklandinseln, die als britisches Überseegebiet bisher unter dem Schirm der britischen EU-Mitgliedschaft ihre Fischereiprodukte ohne Zölle in der EU verkaufen konnte. Die Fischerei macht rund 40 Prozent des BIP der Falklandinseln aus und knapp 60 Prozent der öffentlichen Einnahmen, erklärt die Falkland Island Fishing Companies Association FIFCA. Vor allem Kalmare und Seehecht sind auf dem europäischen Markt sehr beliebt. Die FIFCA schätzt, dass rund jeder zweite in Südeuropa verzehrte Kalmar von den Falklandinseln stammt. Um eine nachhaltige und sichere Fischerei zu gewährleisten, hat die Verwaltung in Port Stanley auch massive Investitionen in den vergangenen Jahren getätigt und in brandneue Schiffe investiert.
Die drohenden Zölle würden mittel- und langfristig schwere finanzielle Einbussen bedeuten. Experten gehen von bis zu 18 Prozent Zoll auf Fischereiprodukte aus. Damit würden die Produkte derart verteuert, dass eine wirtschaftliche Rentabilität nicht mehr gewährleistet ist. Die Verwaltung der Falklandinseln sieht sofortigen Handlungsbedarf und hat gefordert, dass Premierminister Boris Johnson sich der Sache annimmt. In einer Pressemitteilung erklärt sie, dass die Falklandinseln das am härtesten vom Brexit betroffene britische Überseegebiet ist, wenn es um den Handel geht. Sie schlagen fünf verschiedene Szenarien vor, um den drohenden Verlust von bis zu 11 Millionen Euro zu verhindern. Zu den Vorschlägen gehören u.a. «ein Antrag zu stellen für eine Fortsetzung des zoll- und quotenfreien Handels als Gegenleistung für die Ausweitung des Status quo des Fischereizuganges für die EU-Mitgliedsstaaten», «ein Einbezug der Falklandinseln in die Verhandlungen mit der REU im Jahr 2021» oder «eine neue Regelung für Überseegebiete der UK und der EU vorschlagen».
Gerade dieser letzte Vorschlag ist aber der umstrittenste Punkt, da er eine komplette Neuüberdenkung der Brexit-Auswirkungen auf alle Nationen beinhalte, wie die das Falkland Island Government schreibt. Gegenwärtig ist auch der britischen Regierung klar, dass ab kommendem Jahr die Würfel neu geworfen werden. Denn wie gestern (7. Dezember) bekannt wurde, will Premier Johnson sich direkt mit der EU-Präsidentin Ursula von der Leyen treffen, um die noch offenen Fragen zu lösen und einen Vertrag noch zu retten. Es bleibt zu hoffen, dass Johnson auch die Anliegen seiner südlichsten Einwohner nun gehört hat und die Falklandinseln nicht im Regen stehen lässt.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal