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Prostatahyperplasie: Gutartige Prostatavergrösserung im Alter
Die Prostata – oder auch Vorsteherdrüse – liegt im Becken unterhalb der Harnblase, umschliesst die Harnröhre und reicht hinab bis in die Nähe des Harnröhrenschliessmuskels. Damit befindet sie sich im Zentrum des männlichen Harn- und Geschlechtstraktes. Hier treffen Harn- und Samenwege zusammen. Das kastaniengrosse Organ besteht hauptsächlich aus Drüsen, die das Prostatasekret bilden, welches den grössten Anteil an der Samenflüssigkeit bildet.
Im Alter kann es zu einer sogenannten „Benignen Prostatahyperplasie“ (BPH) kommen. Der Begriff bezeichnet eine gutartige Prostatavergrösserung, bei der sich die Prostata vergrössert und dadurch auf die Harnröhre und die Blase drückt. Erschwerte Blasenentleerung und Inkontinenz können die Folge sein.
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Gutartige Prostatavergrösserung – Ursachen und Symptome
Das Wichtigste vorab: Die Benigne Prostatahyperplasie (BPH) und Prostatakrebs sind nicht das gleiche! Für die BPH wird in der Literatur und in der Medizin auch manchmal der Anglizismus „Benign Prostatic Hyperplasia“ verwendet. Benign (gutartig) bedeutet, dass es zwar zu einer Prostatavergrösserung durch die übermässige Zunahme der Prostata-Zellen kommt, diese allerdings nicht aggressiv abläuft wie beim Prostatakrebs.
Von einer Krebs-Erkrankung unterscheidet sich die gutartige Prostatavergrösserung wie folgt:
- Das Gewebe der Prostata wuchert nicht unkontrolliert, wächst nicht in andere Strukturen hinein, streut nicht und kann keine Tochtergeschwülste bilden.
- Eine Prostatahyperplasie betrifft die innere Prostata-Zone, die direkt die Harnröhre umgibt, während eine Krebs-Erkrankung bevorzugt die äussere Zone (periphere Zone) befällt.
Ursachen für eine Hyperplasie der Prostata
Die genauen Ursachen für eine benigne Prostatahyperplasie sind noch nicht ausreichend erforscht. Klar ist aber, dass bestimmte Faktoren das Entstehen einer vergrösserten Prostata begünstigen. Die häufigste Ursache ist wahrscheinlich die Umstellung des Hormonhaushalts im Alter. Mit zunehmenden Alter nimmt die Androgen-Produktion ab, in der Folge fällt der Androgen-Spiegel im Blut. Androgene umfassen männliche Geschlechtshormone wie Testosteron. Gleichzeitig steigen die Konzentration von Sexualhormon-bindenden Eiweiss-Stoffen im Blut, die das Testosteron zu seinen Zielzellen bringen. Die Konzentration von Östrogen, das auch bei Männern in geringer Menge vorkommt, bleibt allerdings gleich – dieser Östrogenüberschuss kann dazu führen, dass weniger Prostatazellen absterben. Kombiniert mit einer erhöhten Aktivität des Enzyms 5-alpha-Reduktase, das Testosteron in der Prostata zum biologisch aktiven Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt, wächst das Prostatagewebe folglich stärker.
Neben dem Alter können weitere Faktoren das Risiko für eine BPH erhöhen. Dazu zählen erbliche Veranlagung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Prostatitis (chronische Prostataentzündung) und Diabetes mellitus.
Die gutartig vergrösserte Prostata betrifft beinahe jeden Mann. Tatsächlich sind etwa die Hälfte aller Männer zwischen 51 und 60 Jahren von einer vergrösserten Prostata betroffen, mit 65 Jahren sind es schon 65 Prozent. Bei über 80-jährigen Männern liegt die Zahl der Betroffenen sogar bei 90 Prozent.
Normale (a) und
vergrößerte (b) Prostata:
Verengung der Harnröhre bei vergrösserter Prostata
(1) Harnblase,
(2) Prostata,
(3) Harnröhre,
(4) Mündung der Harnleiter,
(5) Mündung der Samenleiter
Symptome: Daran erkennen Sie eine vergrößerte Prostata
Wie erkennen Sie nun eine gutartige Prostatavergrösserung? Es gibt in der Regel nicht das eine Symptom, das plötzlich auftritt und auf eine grösser werdende Prostata hinweist. Da das Wachstum der Prostata langsam vonstatten geht, sind auch die Symptome zu Beginn kaum auffällig und entwickeln sich schleichend. Der Mann bemerkt eventuell eine Abschwächung des Harnstrahls oder dass er allmählich länger auf der Toilette bleibt als noch vor ein paar Jahren. Dies hängt mit der Einengung der Harnröhre und dem steigenden Druck auf die Blase zusammen. Häufiger Harndrang in der Nacht, ein verstärkter Harndrang und ein Nachträufeln von Harn nach der Blasenentleerung sind typische Anzeichen einer beginnenden Prostatahyperplasie.
Wächst die Prostata weiter, ruft sie zunehmend stärkere Beschwerden hervor. Die Symptome der Prostatahyperplasie unterscheiden sich folgendermassen:
- Obstruktive Beschwerden, die durch die Einengung der Ausflussbahn hervorgerufen werden. Beispiele sind ein schwacher Harnstrahl oder im fortgeschrittenem Stadium sogar ein Harnverhalt, ein verzögert einsetzender und unterbrochener Harnstrahl, Nachträufeln von Harn und Restharngefühl (Grund dafür kann eine unvollständige Blasenentleerung sein).
- Irritative Beschwerden, die durch eine Beeinträchtigung oder Reizung des Gesamtsystems von Blase und Prostata hervorgerufen werden. Diese Beschwerden werden umgangssprachlich oft als Blasenschwäche bezeichnet. Beispiele sind häufiger Harndrang in kleinen Mengen, häufiges Wasserlassen in der Nacht sowie starker und manchmal plötzlicher Harndrang, der nicht zurückgehalten werden kann (Inkontinenz).
Verursacht die gutartige Vergrösserung der Prostata entsprechende Beschwerden bzw. Symptome bei der Harnblasenentleerung, so wird dies als Benignes Prostata Syndrom (BPS) bezeichnet. Die Abkürzung BPS bzw. die Bezeichnung „Prostatasyndrom“ wird daher häufig auch als Synonym für die Prostatahyperplasie verwendet.
Manchmal treten bei einer Prostatavergrösserung auch Schmerzen beim Wasserlassen auf. Durch die zu grosse Belastung der Venen am Blasenausgang befindet sich manchmal auch Blut im Urin. Bei manchen Männern ist durch die BPH auch die Erektionsfähigkeit eingeschränkt oder es kommt zu einem verminderten Samenerguss bei der Ejakulation.
Mögliche Risiken, wenn die Prostata vergrössert ist
Besteht die Einengung der Harnröhre durch die angewachsene Prostata über einen längeren Zeitraum, steigt das Risiko, dass auch die Blase selbst Schaden nimmt. Muss sie einen immer höheren Widerstand überwinden, um den Urin nach draussen zu befördern, wächst der Blasenmuskel, während die Blasenwand an Elastizität verliert. Es bilden sich kleine Aussackungen in der Wand. Mit der Zeit lässt die Kraft des Blasenmuskels nach, die Blase entleert sich nicht mehr vollständig. Der nun nach dem Wasserlösen in der Blase zurückbleibende Restharn kann Ursache von Blasenentzündungen sein. Die entzündungsverursachenden Bakterien können über die Harnleiter bis in die Nieren aufsteigen und schwere Infekte auslösen. Wird die Ursache nicht behandelt, können Harnwegsinfekte, Blasensteine und ernste Komplikationen wie Nierenstau oder Harnverhalt die Folge sein. Ein kompletter Harnverhalt ist ein Notfall und muss schnell behandelt werden!
Um das Risiko von Schäden an der Harnblase, Blasenentzündungen und Harnwegsinfekten zu minimieren, sollten Männer ab dem 50. Lebensjahr regelmässig für Vorsorge-Untersuchungen ihren Urologen aufsuchen.
Benigne Prostatahyperplasie behandeln – Welche Möglichkeiten gibt es?
Prävention durch regelmässige Vorsorgeuntersuchungen
Sollte die gutartige Prostatavergrösserung keine Beschwerden auslösen, d. h. wenn in der Blase kein Restharn bleibt, ist vorerst keine Behandlung notwendig. Doch selbst wenn kein Benignes Prostata Syndrom (BPS) vorliegt, ist es trotzdem wichtig, dass Sie Ihre Symptome wiederholt vom Arzt kontrollieren lassen. Für Männer ab 50 Jahren ist generell eine jährliche Vorsorge-Untersuchung beim Urologen ratsam, auch wenn noch keine Symptome einer Hyperplasie vorliegen. Bei einer familiären Vorbelastung durch Prostatakrebsfälle in der Familie wird eine jährliche Vorsorge-Untersuchung bereits ab 45 Jahren empfohlen. Treten erste Beschwerden auf, die darauf hindeuten, dass sich die Prostata vergrössert hat, ist eine engmaschigere Kontrolle angeraten. Mehr Informationen dazu finden Sie auf unserer Kompetenzen-Seite Männergesundheit und Vorsorge.
Untersuchung und Diagnose einer Prostatavergrösserung
Der Urologe setzt bei einer mutmasslichen Prostatahyperplasie verschiedene Diagnose-Massnahmen zur Abklärung ein:
- Abtastung der Prostatavergrösserung über dem Mastdarm (rektale Untersuchung)
- Ultraschalluntersuchung
- Messung von Restharn und Harnstrahl (Uroflowmetrie)
Darüber hinaus muss eine gutartige von einer bösartigen Prostatahyperplasie unterschieden werden. Üblicherweise wird dafür das prostataspezifische Antigen (PSA) im Blut bestimmt, ein sogenannter Tumormarker. Ist dieser PSA in erhöhter Konzentration vorhanden, oder steigt er innerhalb eines Jahres um mehr als 20 Prozent, deutet dies auf einen Turmor hin.
Kommt bei diesen Untersuchungen auch nur den geringste Verdacht auf eine bösartige Prostatavergrösserung auf, wird eine Gewebeprobe entnommen, um nach der Untersuchung eindeutig feststellen zu können, um welche Art von Prostatahyperplasie es sich handelt. Ist die Prostatavergrösserung gutartig, stehen eine Reihe bewährter Therapiemethoden zur Verfügung.
Wenn die Behandlung einer Prostatahyperplasie mit Medikamenten nicht möglich ist
Zeigt die pflanzliche Therapie nicht die gewünschte Wirkung oder lassen sich die Beschwerden durch eine medikamentöse Behandlung nicht ausreichend kontrollieren, kann eine Prostata-Operation erwogen werden. Die OP kann auch in Betracht gezogen werden, wenn der Patient das Medikament nicht verträgt, beispielsweise durch Allergien oder Nebenwirkungen wie Schwindel oder Sehstörungen.
Wahl der geeigneten Operationsmethode
Das seit Jahrzehnten bei einer solchen Operation bewährte Standard-Verfahren ist die Ausschabung der Prostata durch die Harnröhre mit Hilfe einer elektrischen Schlinge – die sogenannte Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P). In den letzten Jahren wurden neue Verfahren zur Behandlung der beningnen Prostatahyperplasie mit Erfolg getestet. Beispielsweise existiert eine Methode zur Behandlung mittels Laser. Auch die Vaporisation (Verdampfung) des Prostatagewebes kann bei einer Ausschälung der vergrösserten Prostata zur Anwendung kommen.
Auf Wunsch des Patienten kann die sogenannte ejakulationsprotektive transurethrale Resektion der Prostata zum Erhalt der Ejakulationsfähigkeit durchgeführt werden. Der Arzt wird dazu im Vorfeld eine ausführliche Beratung auf Grundlage der Befunde durchführen:
- Mit welchem Ablauf ist zu rechnen?
- Welche Komplikationen könnten auftreten?
- Welche Nachkontrollen stehen an?
Für Männer in höherem Lebensalter oder mit die Operationsfähigkeit einschränkenden Erkrankungen kommt die Embolisation der Prostatablutgefässe in Betracht. Mit Hilfe eines durch die Blutgefässe in der Leiste eingeführten Katheters können die Blutgefässe der Prostata verschlossen werden. Die Prostatahyperplasie wird wirksam bekämpft: Die Vorsteherdrüse schrumpft und die Blasenentleerung ist für den Patienten wieder leichter möglich.
Viele Prostata Operationen kann der Arzt mithilfe der modernen Da Vinci Methode durchführen. Die Roboter-assistierte Operation ermöglicht besonders präzise chirurgische Eingriffe. Dabei überträgt das System die Handbewegungen des Operateurs äusserst exakt auf die Operationsinstrumente. Eine hochauflösende 3D-Kamera gewährt dem Chirurgen eine verbesserte Tiefenwahrnehmung. So werden sehr viel kleinere und genauere Schnitte möglich – das Gewebe und die Nervenbahnen der Patienten werden bestmöglich geschont. Die Da-Vinci-OP kann sowohl bei der Behandlung einer benignen Prostatahyperplasie zum Einsatz kommen als auch bei der vollständigen Entfernung der Prostata infolge einer Krebserkrankung.
Operation der gutartigen Prostatavergrösserung (TURP-transurethrale Resektion der Prostata)
Das vergrößerte Drüsengewebe wird mit einer elektrischen Schlinge, die durch die Harnröhre eingeführt wird, nach und nach abgetragen. Die äußere Zone der Prostata bleibt erhalten.
Tipps und Tricks für Männer mit gutartiger Prostatavergrösserung
- Achten Sie bewusst auf Ihre Blase. So registrieren Sie Veränderungen, die auf eine vergrösserte Prostata hindeuten.
- Trinken Sie ausreichend. Vermeiden Sie die Aufnahme grosser Flüssigkeitsmengen auf einmal, vor allem am späten Abend. Trinken Sie besser gleichmässig über den Tag verteilt.
- Eine grosse Flüssigkeitszufuhr am Abend begünstigt das vermehrte nächtliche Wasserlassen!
- Entleeren Sie Ihre Blase regelmässig und vermeiden Sie eine Überfüllung der Blase.
- Vermeiden Sie eine Unterkühlung der Becken- und Dammregion.
- Längeres Sitzen in Verbindung mit Unterkühlung und Alkohol kann eine Harnsperre auslösen – denken Sie beim nächsten Besuch im Biergarten daran.
- Längere Touren mit Fahrrad oder Motorrad können bei vergrösserter Prostata Beschwerden beim Sitzen verursachen.
- Regelmässige warme Bäder erhöhen das allgemeine Wohlbefinden und können nebenbei auch Harntrakt, Prostata und Beckenboden entspannen.
- Beugen Sie einer Verstopfung durch eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Bewegung vor.
- Die Prostata sollte ab dem 50. Lebensjahr auch unabhängig von Beschwerden jährlich von einem Urologen untersucht werden, um eine benigne Prostatahyperplasie (BPH) frühzeitig zu erkennen.
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