Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03200.jsonl.gz/2291

Meldung
SCB auf Twitter
4 oder 6 Ausländer?
In seiner regelmässig erscheinenden Kolumne äussert sich SCB-CEO Marc Lüthi zu aktuellen Themen rund um den Klub.
Liebe Leserinnen und Leser,
Es gibt Argumente für sechs und es gibt Argumente für vier Ausländer. Kein Argument ist es, einfach «blabla» dazu zu sagen.
Aber lassen Sie uns anders beginnen. Wenn wir im normalen Alltag beispielsweise etwas bauen möchten, lassen wir uns Offerten machen und am Schluss engagieren wir denjenigen Unternehmer, der die beste Offerte unterbreitet hat und von dem wir der Meinung sind, dass er am besten zu uns passt.
Wenn wir im schweizerischen Eishockey einen Spieler suchen, der auf dem linken Flügel spielen, der Rechtsschütze und mindestens 180 cm gross sein und vorgegebene Skills mitbringen sollte, dann finden wir, wenn Glück haben, einen Spieler, der die Kriterien erfüllt. Aber die Chance, dass wir Pech haben, und kein Spieler dieser Art verfügbar ist, ist mindestens so gross, wenn nicht grösser. Warum? Ganz einfach: Wir haben zu wenige Spieler in unserem Markt, als dass es eine echte Auswahl gäbe.
Warum? Zwölf Mannschaften in der National League sind für unser Land eigentlich zwei zu viel. Aber eine neue Struktur der Liga mit nur zehn Teams lässt sich auf keinen Fall realisieren. Wir würden kurzfristig zwei Organisationen zum Abstieg verdonnern, die eigentlich in die NL gehören. Zwar würden etwa 48 Spieler auf den Markt kommen, aber daneben würden neben dem Eis diverse Arbeitsplätze vernichtet.
Anderseits sind zurzeit rund 25 Spieler, die locker in unserer Liga mitspielen könnten, in Nordamerika tätig. Als wir damals vier Ausländer eingeführt haben, waren es 0 – in Worten «Null».
Mit der Schaffung von 24 zusätzlichen Möglichkeiten für Ausländer würde der Markt ein kleines bisschen geöffnet und man könnte je nach Bedürfnis auch mal einen ausländischen Spieler für die dritte oder vierte Linie engagieren. Wir müssen in unserem Denken davon wegkommen, dass die Ausländer nur für die erste und zweite Linie verpflichtet werden sollten. Gibt es nämlich für die gesuchte Positionen einen Schweizer, der alle Anforderungen (inkl. Budgetvorgaben) erfüllt, würde zumindest ich immer lieber einen einheimischen Spieler unter Vertrag nehmen.
Mehr Markt hat noch in keinem Business zu höheren Preisen geführt. Oder wurden etwa mit Markteintritt von Aldi und Lidl die Preise bei Migros und anderen schweizerischen Grossverteilern angehoben?
Also der wichtigste Grund ist die Schaffung eines kleinen zusätzlichen Marktes. Das hat auch positive Wirkung auf die Budgets.
Nachfolgend noch einige Punkte die zurzeit diskutiert werden:
1. Der SCB will nur sechs Ausländer, weil er im Hinblick auf die kommende Saison seinen Torhüter ersetzen muss.
Wir wurden 2016 mit einem ausländischen Torhüter Meister. Vielmehr gäbe es dazu nicht zu sagen. Ach ja, wenn wir auf sechs Ausländer erhöhen, ändert sich an der Ausgangslage nichts. Alle anderen Teams könnten ja ebenfalls sechs Ausländer verpflichten. Zudem führen wir intern die Diskussion schon seit einigen Jahren. Und glauben Sie wirklich, dass wir beim SCB so kurzfristig denken und eine solch grundsätzliche Änderung unterstützen, weil wir im Hinblick auf die kommende Saison einen Spieler ersetzen müssen?
2. Man kann ja Junioren einsetzen.
Ja, das stimmt, kann man. Wenn aber die Junioren noch nicht dort sind, wo sie sein müssen, um in einem kompetitiven Team mithalten zu können, ist es schlicht nicht möglich. Unsere sportliche Führung ist absolut in der Lage, die eigenen Junioren langsam, aber sicher an die erste Mannschaft heranzuführen. Zudem wachsen Talente nicht an den Bäumen. Auch wenn einzelne Eltern bei ihren Jungs schon im Alter von 14 Jahren einen Agenten engagieren, weil sie denken, dass es dann einfacher ist, in die NHL zu kommen. Wenn ich zudem lese, wir würden die Juniorenförderung vernachlässigen, dann ist es eine impertinente Unterstellung von einem Journalisten, der wahrscheinlich noch nie einen Blick hinter die Kulissen gemacht hat. Fact ist, dass talentierte, willige und hart arbeitende junge Männer den Sprung in den Profisport schaffen. Auch bei uns. Denn der eigene Junior ist immer die beste Wahl.
3. Die Schweden machen es besser.
Richtig, die Schweden machen es in der Nachwuchsförderung besser. Sie nehmen weniger Rücksichten auf die politische Befindlichkeit und haben eine starke Juniorenliga. Unsere Junioren Elite A-Liga ist zu gross und entsprechend spielen zu viele Mannschaften mit Junioren, die es nie in die Profiliga schaffen werden. Nichts, aber gar nichts gegen diese Spieler, die sollen ganz viel Freude am Sport haben. Aber wir sprechen hier vom Nachwuchs für die Profiliga und der wird bei uns viel zu wenig gefordert.
Die Schweden machen gleichzeitig auch anderes anders: Sie haben keine Ausländerbeschränkung. Es gibt Teams, die spielen mit ganz wenigen, und es gibt Teams, die spielen mit bis zu elf Ausländern. Die Ausländerfrage ist in Schweden kein Thema.
Zum Schluss noch eine politische Bemerkung. Das Thema wurde von Genf, Lausanne, Davos und Bern aufgebracht. Notabene nach einem Antrag aus der Präsidentenkonferenz, die beschlossen hat, dass jetzt gespart werden muss. Es war also ein ganz demokratischer Prozess. So wird auch abgestimmt. Wird die Erhöhung der Ausländerzahl angenommen, sehr gut. Wird sie abgelehnt, müssen wir andere Wege suchen, damit in der Liga gespart werden kann.
Aber so oder so gilt es, den demokratischen Entscheid zu akzeptieren. Nicht cool finde ich, wenn man in einer Diskussion der einen Partei den Mund zuklebt – das Thema mit Ausreden abtut oder es mit «blabla» kommentiert.