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Die Schweiz importiert 80 Prozent der Hauptexportprodukte Burkina Fasos: Baumwolle und Gold. Deren An- und Abbau ist von Kinderarbeit geprägt. Solidar Suisse setzt sich vor Ort gegen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit und für einen verantwortungsvollen Goldabbau ein.
«Nach dem Tod meiner Eltern musste ich die Schule verlassen, damit ich und meine Geschwister etwas zu essen hatten. Dafür gehe ich oft auf Baumwollfeldern arbeiten, manchmal auch in Goldminen», erzählt die 15-jährige Aminata. Auf den Feldern wie in den Minen leiden Kinder unter Ausbeutung. Baumwolle und Gold sind zentral für die Wirtschaft von Burkina Faso. Die zwei wichtigsten Exportprodukte werden hauptsächlich in die Schweiz geliefert. Unser Land ist mit 80 Prozent des entsprechenden Volumens – rund sechseinhalb Milliarden Dollar im Jahr 2020 – Hauptexportpartnerin von Burkina Faso. Gleichzeitig könnten die Alltagsrealitäten der beiden Länder nicht unterschiedlicher sein: Die Schweiz befindet sich auf dem ersten Rang des Human Development Index, der das Bruttonationaleinkommen pro Kopf, die Lebenserwartung und die Dauer der Ausbildung berücksichtigt. Burkina Faso hingegen nimmt Platz 184 von 191 erfassten Ländern ein.
Gefährliche Kinderarbeit auf den Baumwollfeldern … Vom Reichtum an Gold und Baumwolle hat die burkinische Bevölkerung wenig. Die Einkünfte der Baumwollproduzent*innen sind oftmals so tief, dass sie es sich nicht leisten können, während der Erntezeit erwachsene Hilfskräfte zu beschäftigen. «Die Kinder müssen zum Familieneinkommen beitragen», sagt Bauer Dibatan Ilboudo. Ein weiteres Problem sind die Folgen des Pestizideinsatzes für die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiter*innen. Seit 2018 setzt sich Solidar Suisse gegen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit ein, indem die Bäuer*innen erfahren, wie gefährlich Pestizide sind und wie wertvoll die Schule für ihre Kinder ist. Wir informieren auch die Kinder über ihre Rechte und die Gefahren. Ausserdem lernen die Produzent*innen, wie sie biologische Alternativen zu chemischen Pestiziden herstellen können, etwa den sehr effektiven Bokashi-Kompost. Sie werden auch dabei unterstützt, mit dem Anbau von Sesam eine zusätzliche Einkommensquelle zu erschliessen. So können sie erwachsene Hilfskräfte beschäftigen und schicken ihre Kinder zur Schule anstatt aufs Feld.
… und in den Goldminen In ländlichen Gebieten Burkina Fasos bietet der Kleinbergbau zur Gewinnung von Gold mehr als eineinhalb Millionen Menschen Arbeit. Wegen der seit 2015 anhaltenden Sicherheitskrise hat der Staat nicht mehr das ganze Land unter Kontrolle. Einige Goldabbaugebiete werden von terroristischen oder kriminellen Gruppen kontrolliert. Auch hier ist Kinderarbeit weit verbreitet, weil viele Jugendliche aufgrund mangelnder Perspektiven die Schule oder Ausbildung vorzeitig abbrechen, um in Minen zu arbeiten. Die Goldgewinnung gefährdet ihre Gesundheit, da umwelt- und gesundheitsschädliche Produkte wie Quecksilber verwendet werden.
Die Schweiz nimmt ihre Verantwortung nicht wahr
Die Gefahren des Baumwollanbaus und Goldabbaus in Burkina Faso sind massgeblich vom Preis der Waren diktiert. Deshalb braucht es in den Ländern, die Gold und Baumwolle aus Burkina Faso importieren – allen voran die Schweiz als grösste Goldimporteurin der Welt – verbindliche Regelungen, um die Verletzung der Menschen-rechte und Umweltschäden zu verhindern. Dass solche fehlen, hat der Uno-Sonderberichterstatter für toxische Substanzen Marcos Orellana in seinem jüngsten Bericht von Ende September ebenfalls festgehalten: «Die Schweiz verfügt über kein angemessenes Rückverfolgbarkeitssystem, das von den Raffinerien verlangt zu wissen, woher das Gold kommt und wie es abgebaut wurde.»
Solidar Suisse engagiert sich vor Ort für einen verantwortungsvollen Goldabbau. Gemeinsam mit Caritas und dem kanadischen Artisanal Gold Council zeigen wir im Rahmen eines DEZA-Mandats umweltverträglichere Alternativen zur traditionellen Goldgewinnung auf. Der Einfluss der lokalen Behörden wird gestärkt, damit die Erträge besteuert werden und die Bevölkerung profitiert. Ausserdem informiert Solidar die Eltern über die Gefahren, die es mit sich bringt, wenn sie ihre Kinder in die Minen mitnehmen, und bietet mit Kindertagesstätten eine Alternative dazu.
«Die Schweiz verfügt über kein angemessenes Rückverfolgbarkeitssystem, das von den Raffinerien verlangt zu wissen, woher das Gold kommt und wie es abgebaut wurde.»