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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VI.
22.
Die Grundlage für Platons Lehre im Timaios ist die Weisheit der Ägypter; von dorther hat nämlich Solon die ganze Lehre von der Entstehung und dem Untergang der Welt in einer alten und prophetischen Sage, wie Plato sagt, erhalten und die Griechen gelehrt, die (damals) kleine Kinder waren und keine ältere auf Gott bezügliche Kunde besaßen. Um den Lehren folgen zu können, die Valentinus zugrunde gelegt hat, will ich vorher auseinandersetzen, was Pythagoras aus Samos mit Hilfe jener bei den Griechen berühmten Sige sich ausgedacht hat, und dann weiterhin alles, was Valentinus von Pythagoras und Plato nimmt und mit großen Worten Christus zuschreibt und vor Christus dem Vater des Alls und der mit dem Vater verbundenen Sige.
23. Pythagoras also gab als ungezeugtes Prinzip des Alls die Monas (Einheit) an, die Dyas (Zweiheit) aber und alle übrigen Zahlen als gezeugt. Er sagt, der Vater der Dyas sei die Monas, aller Dinge aber, die erzeugt werden, Mutter die Dyas, der Gezeugten die Gezeugte. Und Zaratas, der Lehrer des Pythagoras, nennt das Eins Vater, die Zwei Mutter. Nach Pythagoras ist nämlich aus der Monas die Dyas erzeugt worden, und die Monas ist männlichen Geschlechts und das erste, die Dyas weiblich. Von der Dyas hinwiederum, wie Pythagoras sagt, (kommt) die Trias und hierauf die Zahlen bis zu den Zehn. Diese Zahl Zehn erkannte Pythagoras als die allein vollkommene; die Elf und Zwölf seien ein Anhängsel und eine Wiederholung der Dekade; das, was hinzugefügt werde, sei nicht die Erzeugung einer [S. 159] anderen Zahl. Die Dekade erzeugt alle festen Körper aus Körperlosem. Das Element und Prinzip der Körper und der körperlosen Dinge zugleich ist der Punkt, der ungeteilt ist; aus dem Punkt aber entsteht die Linie, aus der Linie die Fläche, die Fläche, die sich in die Tiefe senkte, bildete den festen Körper. Daher gilt bei den Pythagoreern der Zusammenklang der vier Elemente als Eidschwur; er lautet so:
„Wahrlich, bei dem, der gab die Vierzahl unserem Haupte,
Sie, die Quell', die umfaßt der Natur, der ewigen, Wurzeln.“
Die Vierzahl ist das Prinzip der physischen und festen Körper, wie die Monas das der gedanklichen. Daß auch die Vierzahl die vollkommene Zahl erzeugt, wie bei den gedanklichen Dingen die Monas, nämlich die Zehn, lehren sie auf folgende Weise. Wenn einer beim Beginn der Rechnung Eins sagt und zwei hinzuzählt, und dann wieder drei, so sind das sechs. Zu dem noch vier, so ist ebenso das ganze zehn. Eins, zwei, drei, vier wird zehn, die vollkommene Zahl. So hat die Vierzahl durchaus die gedankliche Monas nachgeahmt, die die vollkommene Zahl zu erzeugen imstande ist.