Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03339.jsonl.gz/1712

Selbstbestimmung statt Opferrolle
Selbstmitleid und Opfer-Mentalität ? Es mag leichter und bequemer sein, die Verantwortung abzuwälzen und die Schuld eigener Probleme auf andere oder äussere Umstände zu schieben und im Selbstmitleid zu versinken. Auch wird gerne das Schicksal als Entschuldigung missbraucht, wenn es darum geht, sich vor dem Reflektieren zu drücken. Aber: So kommst du nicht dahin, dein Leben selbstbestimmt und frei zu gestalten, geschweige denn gesetzte Ziele zu erreichen.
Woran du erkennst, dass du in die Opferrolle geraten bist
Um herauszufinden, ob du dazu neigst, es dir in der Opferrolle bequem zu machen, brauchst du etwas Selbstreflexion. Beobachte dich selbst, ob du dich in den folgenden Verhaltensweisen wiederfindest:
1. Schuldzuweisungen: Personen in der Opferrolle neigen dazu, andere Menschen oder äussere Umstände für ihre Probleme und Herausforderungen verantwortlich zu machen, anstatt die Verantwortung für ihr eigenes Handeln oder ihre eigenen Entscheidungen zu übernehmen.
2. Häufiges Jammern und Schimpfen: Sie neigen dazu, häufig zu klagen und sich über ihr Leben oder ihre Situation zu beschweren, ohne aktiv nach Lösungen zu suchen.
3. Mangelnde Selbstverantwortung: Menschen in der Opferrolle zeigen oft wenig Bereitschaft, Verantwortung für ihre Handlungen, Entscheidungen und die daraus resultierenden Konsequenzen zu übernehmen.
4. Passivität: Sie verhalten sich oft passiv und erwarten, dass andere für sie handeln oder Probleme lösen, anstatt selbst aktiv zu werden.
5. Selbstmitleid: Personen in der Opferrolle neigen dazu, viel Selbstmitleid zu empfinden und andere um Mitleid oder Unterstützung zu bitten.
6. Negative Denkmuster: Sie entwickeln negative Denkmuster wie Hilflosigkeit, Ohnmacht und Pessimismus.
7. Vermeidung von Veränderung: Menschen in der Opferrolle vermeiden Veränderungen oder Herausforderungen, da sie glauben, dass sie sowieso keinen Einfluss darauf haben.
Wie du aus der Opferrolle in die Verantwortung kommst
Dass der Begriff «Verantwortung» die «Antwort» bereits enthält, kommt nicht von ungefähr. Dies bezieht sich auf die Fähigkeit und Bereitschaft, für die eigenen Entscheidungen, Handlungen und Konsequenzen verantwortlich zu sein. Es bedeutet, dir bewusst zu sein, dass du die Kontrolle über dein eigenes Leben hast und die Konsequenzen deiner Handlungen akzeptierst.
Verantwortung für dich selbst beinhaltet auch die Pflege deines körperlichen, emotionalen und geistigen Wohlbefindens. Dies kann bedeuten, dich um die eigene Gesundheit, Ernährung, Bewegung und emotionale Gesundheit zu kümmern. In Beziehungen bedeutet Verantwortung, deine eigenen Handlungen und Reaktionen zu reflektieren und sicherzustellen, dass sie einfühlsam und unterstützend sind.
Ebenso bedeutet es, sich die Fähigkeit anzueignen, offen und ehrlich zu kommunizieren, Bedürfnisse und Erwartungen zu äussern und Konflikte auf konstruktive Weise anzugehen, anstatt sie zu vermeiden oder zu eskalieren. Wichtig ist, dass die Entwicklung der Fähigkeit zur Übernahme von Verantwortung ein lebenslanger Prozess ist
Woher kommt es, dass sich Menschen die Opferrolle aneignen?
Die Art und Weise, was Menschen in ihrer Kindheit erlebt haben und die soziale Umgebung, in der sie aufgewachsen sind, spielen eine entscheidende Rolle. Wenn du in einer Umgebung aufgewachsen bist, in der die Verantwortung für das eigene Leben wenig betont wurde, kannst du eher in diese Denkweise hineingewachsen sein.
Ein geringes Selbstbewusstsein kann ausserdem dazu führen, dass du dich als machtlos und hilflos fühlst, was es schwierig macht, Verantwortung für dein Leben zu übernehmen. Dann siehst du dich selbst nicht als Gestalter deines Schicksals und traust dir nicht zu, Verantwortung zu übernehmen.
Es kann auch sein, dass du in der Opferrolle verharrst, in der Hoffnung, Aufmerksamkeit und Mitgefühl von anderen zu erhalten. Du verwendest deine Probleme, um Unterstützung und Sympathie zu gewinnen. Die Opfer-Mentalität kann sich im Laufe der Zeit zu einer Gewohnheit entwickeln. Menschen, die wiederholt die Verantwortung auf andere schieben, ohne die Konsequenzen ihres Verhaltens zu spüren, können in diesem Denkmuster gefangen bleiben.
Verantwortung zu übernehmen, wird schon in der Kindheit erlernt
Verantwortung für sich selbst und sein Handeln zu übernehmen, ist eine wichtige soziale und persönliche Fertigkeit, die im Laufe des Lebens entwickelt wird. Hilfreich ist es, dies Kindern bereits mit auf den Weg zu geben. Das bedeutet, für die Kinder eine Bezugsperson zu sein, die reflektiert und bewusst spricht und handelt.
Wenn Eltern und Bezugspersonen ihren Kindern frühzeitig beibringen, Verantwortung zu übernehmen, und ein Umfeld schaffen, in dem diese Fertigkeiten gefördert werden, ist es wahrscheinlicher, dass Kinder diese Fähigkeiten entwickeln. Vorbilder in Form von Eltern, Lehrern oder anderen Autoritätspersonen können einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung dieser Fähigkeit haben.
4 Schritte in die Selbstverantwortung mit GFK
Mit der Gewaltfreien Kommunikation lernst du mehr und mehr, aus der Opferrolle herauszufinden und in die Selbstverantwortung zu gehen. Solche Sätze wie «Ich kann nichts dafür» und «Ich hatte von Anfang an keine andere Wahl» wirst du ablegen. Du übernimmst von nun an die Verantwortung und die Konsequenzen für all dein Tun, sowie auch für deine Unterlassungen. Aufgelistet kann das für das Einkommen, das Körpergewicht, den Gesundheitszustand und unsere Beziehungen folgendes bedeuten:
Indem du eine neutrale Beobachtung formulierst (Schritt 1), trennst du die Tatsachen von deiner eigenen Interpretation. Das ist wichtig, denn mit Hilfe deines Denkkonstrukts erschaffst du dir die Gefühle und Emotionen selbst (Schritt 2). Es ist also niemand anderes an deinen Gefühlen schuld! Vielmehr weist eben jeder Gemütszustand darauf hin, wie befriedigt oder unbefriedigt deine Bedürfnisse sind. Sie sind Zustandsanzeiger deiner Gefühle und Bedürfnisse, und nehmen – bewusst oder unbewusst – grossen Einfluss auf deine Handlungen. Mit ihnen schaffst du dir deine Lebensumstände.
Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit; das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen sich vor ihr fürchten.
Das Leben bedürfnisorientiert auszurichten (Schritt 3), bedeutet, dich dafür einzusetzen das zu tun, was du gernhast, zu wissen, was dir guttut und einen hilfreichen Ausgleich für belastungsschwere Zeiten zu finden. Das bedeutet, immer mehr das eigene Wohlbefinden an die erste Stelle zu setzen. Um sich schlussendlich die Kompetenz anzueignen, die eigenen Ansprüche über eine Bitte auch deutlich zu benennen (Schritt 4).
Mehr Energie für die Lebensgestaltung
Während des Zeitpunktes, an dem du dich entscheidest, die Selbstverantwortung zu übernehmen, setzt sich Energie frei für die Gestaltung eines neuen Lebensgefühls. Du gewinnst Energie, die du zuvor für Schuldzuweisungen und Ohnmacht verschwendet hattest. Hilfreich ist auch, auf das Wort «man» in der Sprache zu verzichten und aus der Ich-Perspektive heraus zu sprechen. Denn je unpersönlicher der Ausdruck, desto weniger Verantwortung steckt dahinter.
Verantwortung bedeutet, bewusst und achtsam zu handeln und zu sprechen, die Auswirkungen deines Verhaltens und deiner Worte zu erkennen und die Konsequenzen deiner Entscheidungen zu tragen. Es bedeutet auch, sich deiner eigenen Einflussmöglichkeiten bewusst zu sein und sich aktiv für positive Veränderungen in deinem eigenen Leben und in deinen Beziehungen einzusetzen.