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Geben Sie sich keine Mühe, geschätztes Publikum! Das durch seinen König bzw. durch Goethe bekannt gewordene Thule werden Sie in keinem Reisebüro der Welt im Katalog finden. Es existiert nämlich gar nicht. Wie viele nicht vorhandene Länder schon auf den Weltkarten aufgetaucht sind, das zeigt Edward Brooke-Hitching in seinem Atlas der erfundenen Orte.
Nach dem sagenumwobenen Land des Priesterkönigs Johannes wurde jahrhundertelang gesucht, zuerst in Asien, dann in Afrika. Der Hochstapler Gregor MacGregor (1786-1845) erregte 1821 Aufsehen mit Erzählungen von seinem angeblichen Fürstentum Poyais in Südamerika – es gab sogar Leute, die dorthin auswandern wollten, bei ihrer Ankunft jedoch eine unangenehme Überraschung erlebten. Keine Spur von dem versprochenen Paradies, für das sie so viel Geld ausgegeben hatten! Am Nordpol wurde ein grosser Magnetberg vermutet (deshalb, so glaubte man, zeigten ja auch alle Kompassnadeln nach Norden). Die Quelle des Nils wurde in den Mondbergen lokalisiert. Alexander der Grosse hatte vor, danach zu suchen, Julius Cäsar ebenfalls. Thomas J. Maslen fantasierte 1830 über ein riesiges Binnenmeer im Zentrum Australiens. Noch im Jahr 2009 suchten Wissenschaftler im Golf von Mexiko nach der seit dem 16. Jahrhundert bekannten Insel Bermeja und fanden nichts. Benjamin Morrell (1795-1839) bereicherte die Welt in seinen Reiseberichten um fiktive Inseln wie New South Greenland oder Byer’s Island. 1875 wurden insgesamt über 100 Inseln von den offiziellen Seekarten der britischen Kriegsmarine entfernt – weil die Admiralität dahinter gekommen war, dass es diese Inseln gar nicht gab.
Auch Orte wie Atlantis oder Eldorado sind auf alten Karten zu finden. Sogar über die geografische Lage des Irdischen Paradieses machte man sich Gedanken.