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Bevor die Langstrasse zur Partymeile wurde, machte die berüchtigtste Strasse Zürichs schon einiges durch. Schon je her waren die Langstrassen-nahen Quartiere ein Brennpunkt für soziale Spannungen. Was keinen Platz in Zürich fand, wurde in das damalige Quartier Aussersihl verschoben, welches seit 1787 das Gebiet der heutigen Stadtkreise 4, 5 und Teile des Kreises 3 beinhaltete. Mit der rasanten Zunahme von 558 Bewohnern im Jahr 1787 auf 19'916 hundert Jahre später, lebten in Aussersihl weit mehr Menschen als in der eigentlichen Stadt zu dieser Zeit. Da die Zuzüger meist Handwerker, welche der Arbeit auf dem Bau nachgingen, waren und zu den sozial Schwächeren gehörten, stiegen die Sozialausgaben und verursachten mit zunehmend wachsenden Infrastrukturkosten, ein Loch in der Gemeindekasse. Dies führte zum Entscheid, die Gemeinde Aussersihl in die Stadt zu integrieren.
Wiedikon, das Industriequartier und Aussersihl bildeten zusammen ein Stadtkreis. 1912 teilte man das Gebiet dann in die heute bekannten Kreise 3, 4 und 5 auf. Während all diesen Veränderungen über die Jahrhunderte war die Langstrasse stets eine pulsierende Ader, die sich durch das Quartier zog. "Die Bahnhofstrasse des kleinen Mannes" wurde vor allem zwischen 1920 und 1930 bekannt durch das Vergnügungsangebot mit vielen Restaurants, Varietés und Kinos. Die vielen alleinstehenden Arbeiter und die nahe gelegene Kaserne prägten das Angebot massgeblich. Mit der Rezession in den Jahren 1960/70 begann dann der Niedergang. Die Arbeiter aus Spanien und Italien reisten wieder zurück und liessen viel Wohnraum zurück. Die günstigen Wohnungen zogen schnell sozial Schwächere in das Quartier und wurde so zum Auffangbecken für Ausländer und Randständige.
In den 1990er, als die Drogenszene in Zürich aktiv wahr, schloss die Stadt den Letten, was direkte Folgen auf die Langstrasse und die umliegenden Quartiere hatte. Die Szene zog um und hielt Einzug im Kreis 4. In den letzten 20 Jahren hat sich jedoch einiges getan. Mit Projekten wie LangstrassePLUS begann die Stadt mit der Aufwertung beziehungsweise der Verschönerung des Quartiers. Wo im 18. Jahrhundert noch Menschen geköpft, Tierkadaver und Abwasser entsorgt wurde, und später für den Bau der Eisenbahn Tausende Arbeiter wohnten, bewohnen heute Künstler und Studenten die Wohnungen um die Langstrasse.
Die Geschichte der Langstrasse ist so spannend wie lang und lebt durch viele Geschichten, die zumeist hinter den Türen und Vorhängen passiert sind. Der 1972 erschienene Dokumentarfilm Langstrasse Zwischen 12 Und 12 behandelt das Dauerthema Langstrasse auf seine ganz eigene Weise. Der Film ist schwer aufzutreiben, jedoch kann man die Filmmusik von Bruno Spoerri in neuer Auflage anhören. Spoerri experimentierte mit elektronischen Klängen, welche er in seine Stücke einfliessen liess. Entstanden ist eine für diese Zeit sehr untypische Filmmusik, die mit den verarbeiteten Einflüssen aus früher elektronischer Musik, gemischt mit Rock Rhythmen und griechischem Volk wohl bis heute einzigartig ist.