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Stück
Die Frauen sind frustiert, weil sie fortan ohne «Nidel» auskommen müssen. Ehrbare Angebote von Käsehändlern werden ausgeschlagen, damit man mit dem «Käsefürst» von Langnau ins Geschäft kommen kann. Doch wie dieser schliesslich den Käse prüft, findet er ihn von zweifelhafter Qualität und lässt die geldgierigen Verkäufer abblitzen.
Die Lehre ist hart, aber wirksam. Langsam kommt man im Dorf wieder zu vernünftigen An- und Einsichten. Und sogar die zarte Liebesgeschichte zwischen Felix, dem Sohn des Gemeindeammanns, und dem Verdingkind Änneli nimmt ein gutes Ende.
Anmerkungen
- Gehört zu Gotthelfs Spätwerken, ist aber im Gegensatz zu den meisten anderen Werken dieser Zeit nicht von politischer Sorge geprägt, sondern sehr humorvoll.
- Gotthelf hatte die Vehfreude 1849 geschrieben, ein Jahr nach dem Sieg der Radikalen, dem er äusserst kritisch gegenüber stand. Einige Figuren (Eglihannes) scheinen Porträts radikaler Politiker zu sein. Seine Darstellung des Dorfes ist im Ganzen schonungslos, zeigt aber auch Positives. Aberglauben spielt in der Vehfreude eine grosse Rolle (Dürluft Eisi versucht die Nägelibodenbäuerin totzubeten und verschreit sie als Hexe, etc.).
- Die Frauen kommen nicht gut weg. Die Amännin, Bethi (Nägeliboden) und Änneli sind die Kontrapunkte dazu.
- Die Frauen lehnten die Käserei ab, weil sie wussten, dass sie ihnen die Macht über die Milch nehmen würde. Der Kampf und die Käserei wird so zu einem Kampf zwischen den Geschlechtern und die Käserei zum Sinnbild des politischen Treibens.
- Käserei in der Vehfreude steht als schwankhafte Chronik in der Nachfolge der Schildbürger.
Verfilmung
Franz Schnyder drehte 1958 die Gotthelf-Verfilmung «Die Käserei in der Vehfreude». Der Film kostete die damals enorme Summe von einer Million Franken.
Die Darsteller sind ebenso populär wie profiliert. Margrit Rainer und Ruedi Walter spielen mit, Emil Hegetschweiler, Heinrich Gretler, Max Haufler und Margrit Winter.
Das Publikum strömte zu den Vorführungen. Drei von vier Schweizern sahen den Film - ein Ergebnis, das nicht einmal «Vom Winde verweht» erreichte. Das eigenwillige ländliche Epos schaffte seinen Weg sogar in die deutschen Kinos. Dort lief der Film unter dem eher befremdlichen Titel «Wildwest im Emmental».
Jeremias Gotthelf
eigentlich: Albert Bitzius, geboren am 4. Oktober 1797 in Murten/Katon Freiburg, gestorben am 22. Oktober 1854 in Lützelflüh/Kanton Bern.
Gotthelf stammte aus einer alten Berner Beamten- und Pfarrersfamilie. Nach Besuch des dortigen Gymnasiums (1812-1814) erhielt er eine theologische Ausbildung auf der Berner Akademie (bis 1820). 1821 verbrachte er ein Semester in Göttingen und machte anschließend eine Reise durch Norddeutschland - seine einzige »Auslandserfahrung«. Danach war er zunächst Vikar beim Vater in Utzenstorf, dann in Herzogenbuchsee/Kanton Bern. Der Eintritt ins geistliche Amt ist zugleich der Beginn einer starken pädagogischen Tätigkeit, besonders auf dem Gebiet der Schulbetreuung und Lehrerausbildung, wobei sich Gotthelf, der sich politisch am (nicht radikalen) liberalen Flügel exponierte, bald in einen Streit mit den Behörden verwickelte. 1824 wurde er als Vikar an die "Kirche zum Heiligen Geist" in Bern berufen, 1831 auf die gleiche Stelle in Lützelflüh im Emmental, wo er ab 1832 als Pfarrer wirkte. 1833 heiratete er (drei Kinder).
Durch die Verfassung von 1831, die für Geistliche das Verbot politische Betätigung aussprach, wurde seinem Engagement ein abruptes Ende gesetzt. Als eine Art Kompensation war Gotthelf zunächst auf der Ebene des Erziehungs- und Armenwesens energisch bemüht, die allgemeine Volksschule durchzusetzen; als großes Vorbild wirkte Pestalozzi . In die Zeit nach 1834 fallen seine schriftstellerisch-publizistischen Anfänge. Aus einer volkspädagogischen Aktion gegen den Alkoholismus gingen Gotthelfs erste Versuche in der Kurzerzählung hervor. 1841-1844 übernahm er die Redaktion des »Neuen Berner Kalenders«. Nach der Amtsenthebung als Schulkommissär 1845 infolge seiner Kritik am bernischen Erziehungsdepartement und überhaupt seiner zunehmend kritischen und konservativen Einstellung zu Staat und Gesellschaft wegen wurde Gotthelf zu einem immer unbequemeren Zeitgenossen; in seinen späteren Werken ist ein satirischer oder düsterer Grundton unüberhörbar.