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Mentale Modelle für die Suche verfestigen sich
Die Nutzer haben jetzt präzise Erwartungen an das Verhalten der Suche. Designs, die dieses mentale Modell abrufen, aber anders funktionieren, stiften Verwirrung.
by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 09.05.2005
Die Suche spielt eine derart prominente Rolle im Web-Nutzererlebnis, dass die Nutzer ein festes mentales Modell dafür entwickelt haben, wie sie zu funktionieren hat. Die Nutzer erwarten, dass eine Suche aus drei Elementen besteht:
- einem Eingabefeld, in das sie Wörter hineintippen können,
- einem Knopf mit der Aufschrift "Suche" (engl. "Search"), den sie anklicken müssen, um die Suche zu starten,
- einer Liste von Suchergebnissen, die linear und nach Rang geordnet auf einer neuen Seite erscheint - der Suchmaschinen-Ergebnisseite (engl. SERP für "search engine results page").
Bei Nutzertests sagen uns die Leute, sie wollen, dass die Suche auf Websites und in Intranets funktioniert wie bei X, wobei X für ihre Lieblingssuchmaschine steht. Zum Glück funktionieren alle drei grossen Suchmaschinen (Google, Yahoo und MSN) in gleicher Weise: genau so, wie oben in der Liste beschrieben.
Abweichungen von diesem erwarteten Design verursachen fast immer Usability-Probleme. Sites, die einige Suchergebnisse herausgreifen und in Extra-Kästen präsentieren, riskieren, dass gerade diese Ergebnisse übersehen werden, weil man sie für Werbung hält. Stattdessen sollten solche "besten Treffer" als oberste Punkte in der linearen Liste erscheinen. (Normalerweise kümmern die Nutzer sich nicht darum, ob solche Treffer einen editorischen oder algorithmischen Ursprung haben.) Auch Bereichssuchen, die nur eine aktuelle Unter-Site abdecken, führen Nutzer oft in die Irre, da sie es nicht gewohnt sind darüber nachzudenken, welche Bereiche durchsucht werden sollen.
Die früheren Richtlinien zur Such-Usability bleiben gültig und werden durch das neue mentale Modell sogar noch wichtiger. Die derzeit dominierenden Suchmaschinen halten diese Usability-Hauptrichtlinien ein, was offensichtlich der Hauptgrund dafür ist, dass sie an der Spitze stehen. Heutzutage beschreiben die Richtlinien nicht bloss die gute Suche; sie beschreiben die Suche, die man erwartet.
Wann ist eine Suche eine "Suche"?
Gerade weil es so tief verwurzelt ist, ist es entscheidend, dass Sie das mentale Modell für die Suche nicht bei anderen Interaktionen abrufen. Verwenden Sie den "Suche"-Knopf nicht für Parameter-Suchen. Solche Suchen sind zwar oft sinnvoll, aber sie passen nicht ins Muster einer Suche. Um Verwirrung zu vermeiden, sollten Sie solche Vorgänge anders nennen.
Ein klassisches Beispiel für eine Parameter-Suche ist z.B. , wenn Sie eine Website für Schuhe durchsuchen können, indem Sie Ihre Schuhgrösse, eine Farbe, eine Marke und eine Stilrichtung auswählen. Das ist ein grossartiger Weg, um Schuhe für den Kauf zu bestimmen, und sicher viel nützlicher als eine Suche nach Schlüsselwörtern. Dennoch gibt es Probleme, wenn auf dem Aktivierungsknopf dafür das Wort "Suche" ("Search") steht.
Nach unserer Erfahrung neigen Nutzer beim Anblick eines fetten "Suche"-Knopfs dazu, hektisch nach dem Eingabefeld zu suchen, "wo ich meine Wörter reinschreiben kann". Das mentale Modell ist so stark, dass die Bezeichnung "Suche" ("Search") mit der Schlüsselwortsuche gleichgesetzt wird - und nicht mit anderen Arten der Suche.
Die meisten Datenbank-Programmierer betrachten Parameter-Suchen und andere Abfrageformen als eine Art der Suche. - Schön: Bloss nennen Sie sie in der Nutzeroberfläche einfach irgendwie anders.
Derzeit hat sich noch keine einzelne Bezeichnung für Nicht-Schlüsselwortsuchen durchgesetzt, aber [auf englischsprachigen Seiten] scheinen "Find" ("Finden") und "Retrieve" ("Abfrage") gut zu funktionieren. Zum Aussortieren können Sie Bezeichnungen wie "Refine Results" ("Ergebnisse verfeinern" bzw. "Suche verfeinern") verwenden. Aber nutzen Sie solche Bezeichnungen nicht für Schlüsselwortsuchen - wenn es ein Eingabefeld gibt, in das die Nutzer Wörter hineinschreiben können, müssen Sie den Aktivierungsknopf mit "Suche" ("Search") beschriften.
Schliesslich können erweiterte Suchen hilfreich sein, die die Schlüsselwortsuche mit anderen Suchformen kombinieren, aber das sollte eine sekundäre Option sein, die nur dann angezeigt wird, wenn Nutzer danach verlangen.
Die Nutzer bilden jetzt mentale Modelle aus, von denen sie erwarten, dass sie im ganzen Web und sogar in ihren Intranets angewandt werden. - Das ist gut so: Wenn Vorwissen über Interaktionstechniken vorhanden ist, können sich die Nutzer auf ihre Ziele konzentrieren statt auf die Bedienungsmechaniken der Oberfläche. Doch all' das bricht zusammen, wenn Ihr Design mit den mentalen Modellen in Konflikt gerät, die die Nutzer im Kopf haben.
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