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Wikipedia, die freie virtuelle Enzyklopädie im Internet, definiert Kaugummi wie folgt: „Der bzw. das Kaugummi ist eine leicht verformbare, meist süsse, manchmal auch sauer schmeckende Masse, auf der man einige Stunden lang kauen kann, ohne dass sie zerfällt. Meist enthält der Kaugummi Aromastoffe.“ Viele Menschen mögen Kaugummis: besonders Kinder benutzen ihn zum Blasenmachen, andere zur Zahnpflege oder um Mundgeruch zu bekämpfen. Ehemalige Raucher kauen spezielle Kaugummis, welche beim Nikotinentzug helfen können. Was aber wissen Sie über die Erfindung des Kaugummis? Lassen Sie uns gemeinsam die Geschichte entdecken!
1. John Curtis: Fichtenharz oder Paraffin?
Es ist schwierig, das genaue Datum der Erscheinung von Kaugummis zu benennen. Aus archäologischen Funden weiss man, dass schon in der Steinzeit bestimmte Baumharze gekaut wurden. Die Urmenschen versuchten sogar, nicht essbare Sachen zu kauen, um ihre Kiefer zu trainieren. In Südschweden wurde von Archäologen bei der Ausgrabung einer 9000 Jahre alten Siedlung ein Kaugummi aus Birkenpech gefunden. Dieses Material schmeckte ziemlich übel und wurde vermutlich nur gekaut, um es weich zu machen. Kaugummis fanden ihre Verwendung auch bei Riten im alten Ägypten, bei Römern (das war das Harz des Mastixbaumes, welches auch im osmanischen Reich beliebt war und heute noch als Lokum verwendet wird) sowie bei Mayas und Azteken in Zentralamerika.
Im Jahre 1848 begann der Amerikaner John Curtis Jackson seine Kaugummis zu produzieren. Als Grundstoff verwendete er nach einem indianischen Rezept Fichtenharz. Das hatte aber einen wesentlichen Nachteil: die Fremdstoffe, welche man aus dem Kaugummi kaum entfernen konnte. Infolgedessen kam er zu einer Entscheidung: anstatt des Fichtenharzes benutzte er Paraffin. Seine Initiative war erfolgreich und John gründete in Kürze seine eigene Kaugummifabrik. Diese bestand aus 3 Abteilungen, wo etwa 200 Menschen arbeiteten.
2. Thomas Adams: geschnittener Kautschuk
Einen grossen Durchbruch erreichte aber erst ein Fotograf und Erfinder aus New York namens Thomas Adams. Er kaufte 1869 von dem mexikanischen Ex-General Antonio López de Santa Anna Chicle für seine Experimente. Zuerst versuchte Adams erfolglos, aus dem Grundstoff preiswerten, synthetischen Kautschuk herzustellen. Schliesslich stiess er auf die Idee, Latex als Alternative zu den damals beliebten Kauriegeln aus Paraffinwachs einzuführen.
Die ersten Kugeln aus Chicle wurden 1871 in einem Drugstore in Hoboken, New Jersey, verkauft. Sie kosteten einen Penny und waren geschmacklos. Um den Geschmack seiner Erfindung zu verbessern, begann Thomas Adams dem Kautschuk Aromastoffe beizumischen. Der erste schmackhafte Kaugummi hiess „Black Jack“ und wurde in den USA bis zu den 70er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts hergestellt. Nach kurzer Zeit verbreitete die Familie Adams ihre Kaugummis auch an der Ostküste. Bald erschien eine weitere Kaugummi-Art von Thomas Adams mit dem Tutti Frutti Aroma. 1871 patentierte der amerikanische Erfinder einen Automaten, der Kaugummis verkaufte. Aus der Firma von Thomas Adams entstand die heutige Warner Lambert Company, ein bedeutender Kaugummihersteller in den USA.
3. John Colgan: Kampf um stabilen Geschmack
Viele Menschen schätzen es, wenn der Kaugummi-Geschmack lange während des Kauprozesses erhalten bleibt. Wissen Sie, wann sich zum ersten Mal jemand mit der Stabilität vom Kaugummigeschmack beschäftigte? 1875 verwendete John Colgan, ein Apotheker aus Louisville, Kentucky, den medizinischen Tolubalsam, um den Geschmack von Kaugummis zu verbessern. Das war das Harz des südamerikanischen Balsambaums (Myroxylon), welches gegen Husten wirkt. Der Kaugummi hiess „Taffy-Tolu“ und hatte auf dem Markt grossen Erfolg.
4. William White: Pfefferminzkaugummis für den König
Der Popcornverkäufer William White aus Cleveland, Ohio, erfand 1880 erstmals einen Kaugummi mit Pfefferminzgeschmack. Seine Erfindung hiess „Yucatan“. Interessanterweise avancierte William bald zu einem erfolgreichen Politiker. Als er in England zu Besuch war, schenkte er dem englischen König Edward VII. ein Paket von seiner Produktion. Der König fand den erfrischenden Kaugummigeschmack sehr schmackhaft.
5. William Wrigley Jr.:
Kaugummistreifen per Post
Der erfolgreichste Kaugummifabrikant der Welt war William Wrigley Jr. Er übernahm von seinem Vater eine Seifenfirma und beherrschte die Verkaufskunst seit seiner Jugendzeit. Um seine Produktion besser zu verkaufen, begann er, jeder Seifenpackung ein kostenloses Päckchen Mehl beizulegen. Die Seife aber hatte weniger Erfolg als das Mehl. Also beschloss er, sich mit der Mehlherstellung zu beschäftigen. Eines Tages hatte er die zündende Idee, seinen Kunden zwei Stück Kaugummi zu schenken. Kaugummis waren damals ziemlich gesucht und viele Menschen kauften fortan das Mehl bei Wrigley nur wegen dieser Geschenke. William bemerkte dies bald und entschied sich, mit dem Kaugummigeschäft zu beginnen. 1891 gründete er die berühmte Wrigley Jr. Company. Im Jahre 1915 führte der findige Unternehmer eine unglaubliche Werbekampagne durch. Er kaufte ein Telefonbuch von den USA und sandte jedem Teilnehmer per Post drei Kaugummis im Umschlag. Dazu musste man die Kaugummikugeln in Streifen umformen. Insgesamt wurden so 1,5 Millionen Menschen mit diesen kostenlosen Produktproben beliefert. Nach vier Jahren wiederholte er seine Aktion - zu diesem Zeitpunkt gab es schon mehr als 7 Millionen Telefonbesitzer. Die Produktion war immer erfolgreicher. Heute ist Wrigley’s die grösste Kaugummi-Marke der Welt.
6. Walter Diemer: pink gefärbte Blasenkaugummis
Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts versuchte der Amerikaner Frank Fleer einen Blasenkaugummi zu entwickeln. Der Kaugummi war aber zu zäh und klebrig für Kaugummiblasen, sodass er nie vermarktet wurde. Man konnte die Kaugummiblasen kaum mehr vom Gesicht entfernen.
1928 arbeitete Walter E. Diemer, ein 23-jähriger Buchhalter, im Kaugummi-Unternehmen Fleer Chewing Gum Company in Philadelphia und war auch selbst ein begeisterter Kaugummi-Kauer. Schon lange suchte seine Firma nach der richtigen Mischung für einen Blasenkaugummi. Der Chef der Fleer Company experimentierte mit neuen Kaugummi-Zusammensetzungen in einem Raum, direkt neben dem Büro von Walter Diemer. Der junge Buchhalter begeisterte sich ebenfalls dafür und versuchte, selbst das Rezept zu finden. Eines Tages kochte er die Masse ein bisschen länger - und war sehr verwundert zu entdecken, dass sie nun nicht mehr klebrig war und sich ganz gut zum Blasenmachen eignete. Er mischte dazu noch rosa farbigen Farbstoff, weil er keinen anderen hatte. Seit dieser Zeit ist die Farbe für den Bubblegum traditionell rosa.
Der Erfinder ging persönlich zu den Verkäufern, zeigte seine Erfindung und erklärte, wie man daraus die Blasen machte. Bald wurde er zum Vizepräsident der Firma. Sein ganzes Leben war Walter E. Diemer sehr stolz darauf, dass er den Kindern aller Welt mit seiner Erfindung soviel Freude geschenkt hatte.
Übrigens…

• 1889 patentierte Kristopher Robertson ein Medaillon zum Kaugummitragen. Der Erfinder behauptete, es sei unglaublich bequem, denn damit könne man den Kaugummi immer dabei haben und dieser werde weder schmutzig, noch ginge er verloren.
• 1911 wurde ein Flugzeugunglück mit Hilfe von Kaugummi verhindert: britische Piloten verschlossen mit der Kaugummimasse ein Leck im Kühlsystem des Motors.
• 1941 bis 1945 produzierte die von William Wrigley Jr. gegründete Fabrik Kaugummis nur für Militärpersonen, weil der Kauprozess es den Soldaten ermöglichte, sich zu entspannen und gleichzeitig auf der Hut zu sein. Kaugummis wurden zum unverzichtbaren Bestandteil der „Barras“. Es war während des Zweiten Weltkrieges sehr schwierig, die notwendige Quantität von Qualitätsrohstoff zu besorgen, darum gelangte man zur Entscheidung, die Kaugummiproduktion für die Zivilbevölkerung auszusetzen.
• 1954 fand der erste Fernsehwettbewerb im Kaugummiblasen-Machen statt.
• 1976 wurden zum ersten Mal braune Kaugummis produziert.
• 1983 setzte man bei der Herstellung von Kaugummis anstatt Zucker Aspartam ein. Fortan kamen auch Diabetiker in den Genuss dieser Köstlichkeit.
• 1984 wurden Kaugummis in der Form von Zigaretten erfunden.
• 2002 positionierte man in der deutschen Stadt Bocholt drei künstlichen Bäume mit einer Aufschrift, welche die Passanten ermahnte, benutzte Kaugummis nicht auf den Bürgersteig zu werfen, sondern an den Stamm zu kleben. Die Idee war so erfolgreich, dass die Baumzweige in kurzer Zeit mit Bierdosen geschmückt wurden.
• Die grösste Kaugummisammlung der Welt gehört den Brüdern Volker und Thomas Martins. Sie besitzen mehr als 2.600 unterschiedliche Päckchen Kaugummi mit einem gesamten Gewicht von etwa 55 Kilogramm.
• Die grösste Sammlung von leeren Kaugummiverpackungen hat der Engländer Steve Fletcher. Den offiziellen Rekord dafür hält er seit 1999. Seine Sammlung besteht aus 5.300 Verpackungen aus der ganzen Welt, die sammelt er seit 1980.
• Kaugummi wird schon lange nicht nur auf der Erde, sondern auch im Kosmos verwendet. 1965 nahmen die Astronauten der Gemini IV-Mission Kaugummis zum ersten Mal mit auf den Flug ins Weltall.
• In Helsinki entwickelten Wissenschaftler einen Krebs vorbeugenden Kaugummi. Die Substanz Acetaldehyd spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Mundhöhlen-, Rachen- oder Speiseröhrentumor, welcher durch Rauchen und Alkoholkonsum entsteht. Der finnische Kaugummi verleiht nicht nur guten Atem, sondern neutralisiert mit der Aminosäure Cystein die krebserregende Substanz.