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Die Verfügbarkeit von Medikamenten und anderem medizinischem Material ist in gewissen Weltregionen sehr dürftig, was in vielen Fällen über Leben oder Tod entscheidet. Als das kanadische Ärztepaar Ken und Denise Taylor vor 26 Jahren auf Kuba beobachtete, wie die dortigen Krankenschwestern praktisch ohne vernünftiges medizinisches Material auszukommen hatten, entschied es sich, bei der nächsten Reise einen zusätzlichen Koffer voll mit medizinischem Material mitzunehmen.
Da verschiedene Freunde der Taylors sich erkundigten, wie auch sie helfen könnten, und die Taylors ihnen jeweils einen Koffer mitgaben, entstand in den Folgejahren eine eigene Hilfsorganisation namens Not Just Tourists, mit Sitz in Toronto.
Geschäftsführer ist heute Avi d’Souza (Bild links), welcher vor ein paar Jahren in Honduras erlebte, wie ein Medizinkoffer von Not Just Tourists abgeliefert wurde – und wie dies die Arbeit der lokalen Krankenschwestern markant erleichterte. Travelnews.ch erreicht d’Souza, während er auf Tonga, mitten im Südpazifik, einen weiteren Medizinkoffer abliefert. Ihm zufolge hat Not Just Tourists weltweit bislang rund 500 Koffer in 82 Ländern abgeliefert, was ungefähr 5,5 Tonnen medizinisches Material ausmacht. Jeder Koffer ist nämlich rund 11 Kilo schwer und mit Materialien im Wert von 200-300 Dollar gefüllt.
Spenden werden zentral abgepackt und von Touristen ausgeliefert
D’Souza erklärt das Prinzip folgendermassen: «Wir erhalten von Spitälern, Ärzten oder auch Privatpersonen das ganze medizinische Material und packen dieses in die Koffer. Privatpersonen können bei uns beantragen, einen solchen Koffer in ein Gebiet auszuliefern, wohin sie reisen. Das koordinieren wir mit ihnen. Was den Koffer angeht: Der Teilnehmer muss das gesamte Material selber aus- und wieder einpacken, damit es beim Zoll keine Probleme gibt. Ausserdem liefern wir keine Medikamente, sondern nur Material wie Bandagen, Gaze, Masken, sterile Handschuhe, simple medizinische Arbeitsinstrumente und dergleichen. Beigefügt ist ein Brief in Englisch, Französisch oder Spanisch. Der Auslieferer und muss einen ärztlich unterschriebenen Quittungsbrief zu uns zurückbringen, damit sichergestellt ist, dass das Material auch ausgeliefert wurde.» Von der Auslieferung per privatem Koffer entstammt das Motto der Organisation: «Take a suitcase, change a life.»
Obwohl diese Art der Auslieferung administrativen Aufwand bedeute, so sei sie doch einerseits kostengünstig und andererseits werde durch die persönliche Übergabe auch ein Gefühl der Teilnahme und Mitverantwortung geschaffen. «Die Menschen in den Ländern mit medizinischer Unterversorgung sollen spüren, dass wir für sie da sind und aktiv helfen wollen», resümiert d’Souza, «und wir wollen Verbindungen zwischen den Einheimischen und den Reisenden schaffen, nicht einfach Hilfsgüter in Containern verschicken.»
Laut d'Souza sind sich viele Menschen zu wenig bewusst, wie viel medizinische Güter verschwendet werden: «Wenn beispielsweise jemand in der Familie stirbt, wird dessen Medizinkasten in der Regel mitsamt Inhalt weggeworfen, obwohl darin noch sehr viele brauchbare Dinge zu finden sind, welche andernorts dringend benötigt werden. Dieses Material kann man spenden.»
Der Traum von der globalen Expansion
Aktuell ist Not Just Tourists lediglich in Kanada aktiv. Doch d’Souza will die Hilfsaktion ausweiten: «Mein Traum ist, dass unsere Idee in anderen Ländern dieser Welt ebenfalls umgesetzt wird. Es wird so viel medizinisches Material zerstört, welches ganz simpel verteilt werden könnte! Gerade jetzt, wo sich Naturkatastrophen wie der Hurrikan Irma abspielen und zahlreiche Gemeinschaften auf medizinische Unterstützung angewiesen sind.»
D’Souza hofft, dass gerade in den deutschsprachigen Ländern Aufmerksamkeit generiert wird: «In meiner Erfahrung sind deutsche und Schweizer Reisende etwas abenteuerlicher als andere, und in diesen Ländern ist Hilfsarbeit schon jetzt gut verankert.» Soeben habe er auf Tonga einen deutschen Segler getroffen, welcher mit seinem privaten Segelboot medizinisches Material auf abgelegene Inseln bringt. «Wenn man ein Netzwerk mit solchen freiwilligen Helfern aufbauen kann, wird die Hilfeleistung bald global und sehr effektiv», schliesst d‘Souza.