Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03327.jsonl.gz/402

Der Auftakt der heissen Phase des britischen Wahlkampfes – die Briten wählen am 7. Mai ein neues Unterhaus – bildete eine TV-Debatte am Donnerstagabend. Diese war kein Debakel, niemand blamierte sich, niemand triumphierte, obwohl die Fragen des früheren BBC-Moderators Jeremy Paxman gnadenlos waren. Seine erste Frage bestimmte den Tonfall.
Massive Zunahme der Suppenküchen im Land
Ob er wisse, wie viele Suppenküchen es bei seinem Amtsantritt vor fast fünf Jahren gegeben habe? Der amtierende Premier, David Cameron von der konservativen Partei, verneinte. Aber er gab zu, dass mehr Leute karitative Verpflegung nutzten. Paxman hatte seine Aufgaben gemacht: Die Zahl der Verteilstellen stieg von 66 auf 421. Nacheinander wurde Cameron mit seinen eigenen Versprechungen konfrontiert, die er in den vergangenen knapp fünf Jahren nicht eingehalten hat. Er parierte, aber sein Unbehagen war unübersehbar.
Auch Labour-Chef Ed Miliband wurde nicht mit Samthandschuhen angefasst. Viele Leute bedauerten, dass nicht sein Bruder David die Labour-Partei führe, bemerkte Paxman. Tatsächlich hatte Ed Miliband 2010 seinen damals prominenteren Bruder geschlagen. Doch Miliband lenkte von den möglichen Unzulänglichkeiten seiner Person ab. Seine Politik beruhe auf Ideen, Prinzipien und Anstand, sagte Camerons Herausforderer.
Cameron laut Umfragen im Vorsprung
Paxton befragte die beiden Kandidaten jeweils einzeln. Blitzumfragen nach den gestaffelten Interviews und den Fragen aus dem Publikum gaben Cameron einen knappen Vorsprung, doch Miliband übertraf sämtliche Erwartungen. Sein Bewerbungsschreiben für das Amt des Premierministers mag Wechselwähler gewonnen haben; bei Cameron wussten die Wähler schon, was zu erwarten ist.