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Dakar, Place de l'Indépendance
«Alors, ça va mon ami? War das Essen gut? Hast du eine kleine Gazelle getrunken? Erinnerst du dich, wir haben uns schon heute morgen gesehen.» Aus der Dunkelheit schoss eine schwarze Pranke auf Maille zu – mechanisch schüttelte er die fremde Hand.
«C'est bien, wenigstens bist du kein Rassist.» Maille seufzte – wie oft hatte er den Satz seit seiner Ankunft in Dakar gehört, wie viele Hände schon geschüttelt. Was mit dieser fast schon brüderlichen Geste begann, entpuppte sich in hundert Prozent aller Fälle als der Auftakt zu einem Verkaufsgespräch – ein Spiel, das er unter anderen Umständen wohl gerne mitgespielt hätte. Nach drei verlorenen Stunden und mit einer senegalesischen Bolognese im Bauch aber war ihm nicht danach.
«Weisst du, welcher Tag der nächste Sonntag ist? Der 11. Mai! Für uns ist das ein ganz besonderer Tag. Am 11. Mai ist Bob Marley gestorben. Du weisst doch, wer Bob Marley war?»
«Bob? Klar – lang lebe Bob.»
«Wir feiern das heute schon, das letzte Konzert, aujourd'hui, ça boume – ab Mitternacht im ‹Café des Arts›.»
«Mitternacht, klar, ça boume – ich werde da sein.» Der junge Riese mit der Zipfelmütze kam Maille wie ein düsteres Gebirge vor, das sich aus unerklärlichen Gründen mit ihm quer über die Place de l'Indépendance verschob – wobei er das Gefühl hatte als flögen die Hände des Mannes wie zwei lästige Rieseninsekten andauernd vor seinem Gesicht herum.
«Ich bin Rastafari. Ich mache Musik. Trommelmusik, gute Musik. Ich bin Künstler. Willst du hören, was für Musik ich mache?» Aus der Höhe streckte ihm der Mann eine CD entgegen, auf deren Cover Maille vage eine rot-gelb-grüne Fahne erkannte. Matt flüsterte er, dass er für heute schon genug Musik gehört habe.
«C'est l'Afrique, tu sais. Magst du Afrika nicht? Die Brassband hat dir doch auch gefallen.» Brassband? Maille fühlte sich müde. Das Hotel war noch ziemlich weit weg und also beschloss er, zum Schein auf Verhandlungen einzutreten, sich das Rasta-Gebirge als Begleitschutz für den Rückweg mitzunehmen – denn zum Glück hatte man in Dakar immer nur mit einem Verkäufer aufs Mal zu tun.
Vor dem Hotel streckte Maille dem Riesen ein paar Banknoten hin. Eigentlich wollte er keine Rasta-CD, doch der Mann insistierte, Geschäft war Geschäft, und also steckte er die Scheibe schliesslich ein.