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(mittellat. Domanium, v. lat. Dominium, »Eigentum, Herrschaftsrecht, Herrengut«, Domanialgut, Kammergut), im engern
Sinne nur das fürstliche Kammer- und Krongut, die sogen. Staatsdomänen. Die Entstehung derselben ist meist verwischt;
sie ragt vielfach noch in Zeiten zurück, in denen staats- und privatwirtschaftliche Auffassungen praktisch miteinander vollständig
verquickt waren. Schon im alten fränkischen Reich ist von königlichen Kammergütern (terrae dominicae, villae regiae, curtes
fisci regii) und vom Camerarius als dem obersten, zur Verwaltung der königlichen Einkünfte bestellten
Palastbeamten die Rede.
Erst im 18. Jahrh. wird Bona domanalia, Domanien, Domänen der herrschende Ausdruck für fürstliches Kammergut. In der ältesten
Zeit hatte dasselbe mehr den Charakter eines Privatguts, über welches der Fürst nach Belieben verfügte.
Doch wurde schon frühzeitig die Befugnis der einseitigen Entäußerung bestritten, das Kammergut durch Hausgesetze und Verträge
mit den Landständen für unveräußerlich erklärt, und es bildete sich das Grundgesetz aus, daß der Ertrag derselben nicht
allein zum Unterhalt des Hofs, sondern auch für allgemeine Staatszwecke verwandt werde.
In der That sind denn auch bei der Einverleibung Hannovers, Kurhessens, Nassaus etc. in Preußen
[* 7] 1866 die Domänen mit den preußischen
Staatsgütern vereinigt worden. Insbesondere sind zu unterscheiden:
1) Die Schatullgüter, deren Erwerbstitel ein privatrechtlicher ist, und die im allgemeinen den
Bestimmungen des Privatrechts unterliegen, mit den Ausnahmen, daß sie unter anderm meist jura fisci genießen, daß sie,
wie z. B. in Preußen, Bayern,
[* 8] Sachsen,
[* 9] dem Staatseigentum einverleibt werden, wenn der Landesherr, welcher sie erwarb, nicht
unter Lebenden oder von Todes wegen über sie verfügt hat etc.; dieselben sind als Privateigentum
der fürstlichen Familie zu betrachten.
Doch werden nach dem Gesetz vom und nach Art. 59 der Verfassungsurkunde 2½ Mill. Thlr.,
die im Voranschlag der Staatsausgaben nicht aufgeführt sind, als Rente des »Kronfideikommißfonds« von dem Ertrag der Domänen
und Forsten für den Hof
[* 10] ausgeschieden. Ebenso ist in Bayern und Sachsen das Kammergut für Staatseigentum erklärt worden, während
die württembergische Verfassungsurkunde zwischen dem königlichen Kammergut, als einem von dem Königreich
unzertrennlichen Staatsgut, und dem Hofdomänenkammergut, als dem Privateigentum der königlichen Familie, unterscheidet.
Die Frage der Zweckmäßigkeit des Domanialbesitzes ist durchaus relativer Natur, da sie je nach der Art der Domänen, den
Bedürfnissen und Anforderungen der jeweiligen Kulturstufen und der Organisation und Verfassung des Staats verschieden zu beantworten
ist. Darum haben auch alle Gründe, die man für und gegen Beibehaltung der Domänen vorgebracht hat, nur eine relative Gültigkeit.
Als Vorteile der letztern hat man im wesentlichen angeführt, sie gewährten Schutz gegen Steuerüberbürdung
und Steuerprägravation; das aus ihnen zu ziehende Einkommen sei sicher und bestimmt und steige mit weiterer Kulturentwickelung.
Darum sei auch der Domanialbesitz als solide Grundlage des Staatsreichtums ein wichtiges Mittel für Aufrechthaltung und Erhöhung des
Staatskredits. In Notlagen sei er ein sicheres Unterpfand für unvermeidliche Anlehen und dabei kein toter,
sondern ein stets fruchtbringender Schatz. Dem gegenüber hat man eingewandt, durch die schwerfällige Staatsbeamtenwirtschaft
könnten die Domänen nicht so vorteilhaft ausgebeutet werden wie durch die vom Selbstinteresse getragene bewegliche und
darum den jeweiligen Konjunkturen anschmiegbare Privatwirtschaft.
Durch den Verkauf werde darum die Gesamtheit wie auch die Staatskasse gewinnen. Dazu kämen politische
Gefahren: die Regierung könne, auf die aus den Domänen erzielten Einnahmen gestützt, das Steuerbewilligungsrecht illusorisch
machen;
bei dem Domänenbesitz seien Kollisionen der Pflichten, welche der Staat zu erfüllen habe, unvermeidlich u. dgl.
Jedenfalls ist überall da, wo Beweglichkeit in der Technik und im merkantilen Vertrieb unbedingt erforderlich ist, der
Private der Beamtenwirtschaft überlegen und hier auch die Veräußerung von Domänen rätlich.
Dies gilt jedoch nicht für
einfachere Formen der Wirtschaft, welche bei gleichförmigem Gang
[* 16] wenig Anforderungen an die Arbeit stellen, ferner nicht für
solche Gebiete, in denen der Großbetrieb mit Beamtenleitung an und für sich schon am Platz ist. Außerdem
würde die Beibehaltung nötig sein, wenn die Domänen dazu dienen, allgemeine Staatszwecke, insbesondere aber solche zu
erfüllen, welchen der Private aus Mangel an Interesse oder ökonomischer Kraft
[* 17] nicht zu genügen vermag.
Von Wichtigkeit ist die Art der Verwaltung der Domänen. Bei solchen Gütern, wie bei vielen Feldgütern, welche größere
Fürsorge und möglichst wenig beschränkte Dispositionsbefugnis eines selbstinteressierten Betriebsleiters erheischen,
ist die Verpachtung der Selbstverwaltung vorzuziehen. Dagegen ist die eigne Administration am Platz, wenn dem Pachter kein genügender
Spielraum zum Gewinn geboten ist, wenn der Pachter keiner zureichenden Kontrolle unterstellt werden kann
und sein Interesse mit dem des Eigentümers in unauflöslicher Kollision sich befindet, sowie endlich, wenn allgemeinen Staatszwecken
zu genügen ist, deren Erfüllung von dem Pachter, selbst bei weit gehender Kontrolle, nicht zu erwarten ist. Darum dürften
z. B. Waldungen, Bergwerke etc. nicht verpachtet werden.