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Aber blicken wir zunächst in die Vergangenheit. Das alte Bad von Bad Schauenburg, am Ende des Röserentals unterhalb der Schauenburgerfluh, erhielt bereits 1649 ein Baderecht und damit verbunden die Erlaubnis auf Tavernenwirtschaft. Es wurde von Wasser gespiesen, das mit der salpetrigen Kalkerde vermengt war. Der erste Badewirt 1644 hiess Samuel Hodel. Eigentümer war der Ratsherr Hans Jacob Keller, Stadtschreiber zu Liestal, der das Bad eingerichtet haben soll. Infolge Zahlungsunfähigkeit wurde sein mit 16 Betten ausgestattete Badehaus 1672 versteigert und vom Frenkendörfer Lenz Erni für 511 Pfund erworben.
Das Heilwasser
Das eigentliche Heilwasser des Bades Neu Schauenburg entdeckte 1691 Anna Margarita Dräs-von Rotberg beim ehemaligen Benediktiner Klösterlein. Deren Gatte bewarb sich umgehend um die Badeerlaubnis – und erhielt sie schliesslich auch. Anfangs badeten die Gäste noch in Holzbütten einer Scheune, später dann in Badekästen. Noch heute verfügt Bad Schauenburg über eine eigene Trinkwasserversorgung: Das Quellwasser wird von der Schauenburgerfluh durch verschiedene Brunnstuben gefasst und ins Hotel geführt. Seit 1995 bereiten die Besitzer das Abwasser auf und führen es dem Weiherbiotop unterhalb des Hotels zu.
Sitten und Gebräuche beim Bade- und Kurbetrieb im 18. und 19. Jahrhundert
Die Sitten und Gebräuche wurden in den «Baad und Aufführungsregeln des Gesund- und Heil-Baads Schauenburg» anschaulich beschrieben. Trotz den strengen Regeln mussten die Gäste nicht auf leibliche Genüsse verzichten: Dass es in Bad Schauenburg tolerant zu- und herging, wusste die vor der protestantischen Sittenstrenge Basels flüchtende «Haute Volée» sehr zu schätzen. Die Badeordnung wurde 1764 von der sogenannten Ehren-Gesellschaft genehmigt, deren Gremium aus der Mitte der im Bad weilenden Herrschaften gewählt wurde und deshalb für die Zeit nicht allzu streng ausfiel.
Ein Neubeginn unter Felix Platter
Ende des 17. Jahrhunderts kaufte der Arzt und Oberstleutnant in französischen Diensten, Felix Platter, das Anwesen. Da er 1697 auf Gut Gundeldingen übersiedeln wollte, liess er eine Meyenwirtschaft eröffnen. Diese Bitte wurde ihm, obwohl in der Winterzeit niemand im Badehaus wirtete, jedoch abgeschlagen. Anders erging es einige Jahre später dem Badewirt Johann Philipp Roschet. Damit er kein Weinumgeld entrichten musste, wurde ihm erlaubt, das Wirtshausschild im Winter jeweils abzuhängen.
Nach zwei weiteren Handwechseln musste Bad Schauenburg 1767 erneut öffentlich ausgerufen werden. Mangels weiterer Interessenten erhielt das Waisenamt in Liestal für 13’000 Franken den Zuschlag.
Familie Flury und J.R. Geigy AG
Nach ständigen weiteren Handwechseln gelangte das Gut 1818 schliesslich in den Besitz von Rudolf Wassermann-Flury, dessen Nachfolger, die Familie Flury bis Ende der 1950er-Jahre stolze Besitzer blieben. 1958 erwarb die J.R. Geigy AG die Bad Schauenburg AG, baute es schrittweise und grosszügig in ein modernes Erholungs- und Tageshotel um. Ursprünglich sollte auf den rund 187’200 Quadratmetern eine Villensiedlung für Direktionsmitglieder gebaut werden. Es zeigte sich jedoch, dass das Landwirtschaftsgesetzt eine entsprechende Umzonung der Parzellen zu Bauland nicht zuliess.
Historischer Beschluss auf Bad Schauenburg: Von Ciba zu Ciba-Geigy, heute Novartis
Am 7. März 1969 stimmte der geschäftsleitende Ausschuss der Geigy in einer geschichtsträchtigen, folgenreichen Klausursitzung auf Schauenburg zu, Verhandlungen zur Fusion mit CIBA aufzunehmen. 1970 fusionieren CIBA und J.R. Geigy AG. Seither wurden die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude schrittweise saniert und renoviert. Eine umfassende Sanierung folgte 1979. Mit der grossen Firmenfusion von 1997 gelangten die Aktien der Bad Schauenburg AG schliesslich zwangsläufig in den Besitz der Novartis AG.
Bad Schauenburg heute
1984 übernahmen Fredi und Pauline Häring die unternehmerische Verantwortung für die Bewirtschaftung des historischen Hauses. Unterstützt werden sie von Tochter Stéphanie, die 2016 die Geschäftsführung übernahm. Fredi Häring hat zeitgleich sein Mandat als Verwaltungsrat der Hotel Bad Schauenburg AG angetreten. Unter der bis heute andauernde 34-jährigen Leitung der Familie Häring wurde das ehemalige Badehaus zur «bezaubernden Oase des Baselbiets».
Der Baselbieter Unternehmer Peter Grogg, Gründer der Chemiefirma Bachem, erkannte die Perle und erwarb 2015 Bad Schauenburg. Sogleich wurde mit den notwendigen Sanierungen und Neubauten begonnen. Als erstes entstand ein neues Personalhaus im Minergie-Standard.
Vor kurzem stellte man auch das Ökonomiegebäude fertig, denn die einstige Viehscheune aus dem Jahr 1794 unterliegt ebenfalls dem Denkmalschutz. Entstanden ist ein einmaliges Gebäude heimischer Handwerkskunst, kombiniert mit zeitgenössischen Architektur. Die einzelnen Räume sind für Workshops eingerichtet und können ebenfalls – wie der Eremitage Saal – zum Beispiel für eine romantische Hochzeit reserviert werden. «Zum Schauenegg - la cuisine régionale spontanée» ist zudem das neue charmante Landbeizli des Hauses. Die nach Süden gerichtete Sonnenterrasse lädt schon heute zum Geniessen ein.
Derzeit wird hinter dem Mutterhaus ein weiteres Hotelgebäude erstellt. In der bestehenden bereits sehr vornehmen Herberge werden ab Oktober dieses Jahres die Zimmer renoviert und vergrössert. Die Restaurants (Veranda, Baselbieter Gaststube, Basler Stübli) bleiben hingegen unverändert und sollen der kulinarischen Leistung in Küche und Service keinen Abbruch tun. Ganz im Gegenteil, sagt Fredi Häring: «Im ‹Zum Schauenegg› werden die Gäste nach wie vor nach allen Regeln der Kunst von den langjährigen Mitarbeitern das Bad Schauenburgs bewirtet.» Und auch das bereits bestehende Seminargebäude «Remise», der ehemalige Pferdestall, steht für Anlässe zur Verfügung. Die jahrhundertealte Bade-Tradition lebt also weiter, dort hinten, im kalksteingeschützten Nest ob Liestal – wenn auch vor allem als Ausflugsziel, romantisches Rückzugsort oder Seminarstätte. Das züchtiges Entspannen im Bottich gehört wohl für immer der Vergangenheit an.
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Weitere Informationen zur Geschichte rund um die Bäder der Landschaft finden sich im Band «Von alten Bädern in der Stadt und der Landschaft Basel», 1964 von Eugen A. Meier, Verlag Helbing & Lichtenhahn und in der Hotelbroschüre «Bad Schauenburg» von E. Itin, ©Alfred Häring.
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