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Eine grasbasierte Rindfleischerzeugung ist deutlich weniger produktiv als eine intensive Ganzjahresstallhaltung. Agroscope-Fachleute erforschten deshalb, wie grasbasierte Betriebe sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch produzieren können.
Weidetiere gelten im Grünland des Schweizer Berg- und Talgebiets als Landschaftsgärtner. Ohne sie würde der Wald die Weiden überwuchern. Die Artenvielfalt würde schwinden. Neben der Milchwirtschaft ist Fleischerzeugung zudem eine der wenigen Möglichkeiten der Landbewirtschaftung in Gebieten, wo Acker-, Gemüse- und Obstbau aus klimatischen oder topografischen Gründen nicht mehr möglich sind. Doch wie lässt sich in Grünlandgebieten nachhaltig und wirtschaftlich zugleich Rindfleisch produzieren? Agroscope-Forschende gingen der Frage auf den Grund.
Mehr Kälber pro Mutterkuh als Ziel
Fünfunddreissig Mutterkuhbetriebe wurden untersucht, die für zwei verschiedene Labels produzieren: Natura-Veal (Schlachtalter der Kälber fünf Monate) und Natura-Beef (Schlachtalter der Kälber zehn Monate). Diese Betriebe wurden in vier Produktionssysteme an zwei Standorten in der Schweiz eingeteilt: Natura-Veal, Berggebiet, extensiv; Natura-Beef, Berggebiet; Natura-Veal, Hügelregion, intensiv und Natura-Beef, Flachland. Der Schwerpunkt für eine Effizienzsteigerung lag vor allem darauf, mehr Schlachttiere pro Mutterkuh zu verkaufen, das heisst: geringere Tierverluste zu haben und eine höhere Fruchtbarkeit zu erzielen oder Kälber dazuzukaufen, die von einer Mutter- bzw. Ammenkuh gesäugt werden.
Produktionssysteme gut an den Standort anpassen
Die untersuchten Bergbetriebe wiesen mit 31 % bis 45 % einen signifikant höheren Anteil an Biodiversitäts-Förderflächen (BFF) auf, während Betriebe in Gebieten mit besserem Graswachstum weniger BFF, aber eine höhere Produktivität hatten. Daher galt es, die Massnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit gut auszutarieren, um die Artenvielfalt nicht zu schmälern. Statt eine Erhöhung der Tierbesatzdichte führte in günstigen Futteranbaugebieten die Effizienzsteigerung bei den Mutterkühen durch Zukauf von Kälbern zu einer höheren Rentabilität (Hügel- und Tal-Region). In Berggebieten war das Optimierungspotenzial geringer. Standortangepasste, also kleinere und robustere Kuhrassen führten zu einer besseren Effizienz der Mutterkühe, die auch in einer extensiven Produktion Rentabilität und Artenvielfalt gleichermassen hoch zu halten vermögen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Einkommen im Berggebiet aufgrund der tiefen Produktivität stärker von den Direktzahlungen bestimmt sind (Berggebiet).
Insgesamt zeigt sich: Sowohl das Einkommen als auch die Artenvielfalt können optimiert werden, wenn die Effizienz der Mutterkühe erhöht wird und zugleich die Produktionssysteme möglichst gut an den Standort angepasst werden.
Fazit
- Das Schweizer Grünland ist sehr heterogen. Deshalb können sowohl das Einkommen als auch die Artenvielfalt optimiert werden, wenn die Produktion an den jeweiligen Standort angepasst wird.
- Betriebe in höheren Lagen können wirtschaftlich optimieren, wenn sie extensiv wirtschaften, kleinere und robustere Kuhrassen halten und Biodiversitätsförderflächen anlegen, die Direktzahlungen generieren.
- In günstigen Futteranbaugebieten der Tal- und Hügelregion ist es ein Vorteil, die Produktivität der Mutterkühe u.a. durch Zukauf von Kälbern zu erhöhen. Leistungsfähige, robuste Kuhrassen mit höherer Milchleistung und Fruchtbarkeit können Erfolg bringen. Bei besserem Einkommen besteht das Potential, mehr Biodiversitätsförderflächen anzulegen.
- Beratungsdienste und Agrarpolitik sollten geeignete Anreize schaffen, um eine standortgerechte, nachhaltige Intensivierung zu fördern.