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Villen und Gärten des Veneto
Orto botanico Padova
Am 29. Juni erliess der Senat von Padua ein Dekret, nach dem ein botanischer Garten in der Stadt angelegt werden sollte. Er hatte in erster Linie der Ausbildung der Studenten zu dienen, denen die Pflanzen eines Theophrastes, eines Dioscorides, eines Plinius und anderen historischen Grössen welche diese in etlichen Büchern beschrieben haben, gezeigt werden sollten. Im Vordergrund standen die Medizinalpflanzen, aber auch Gewürze und weitere Nutzpflanzen sollten ihren Platz bekommen. Es ging aber auch darum, mit den
Erkenntnissen, die man zu gewinnen hoffte, diese Pflanzen in der Gegend später auch kultivieren zu können, um die Abhängigkeit der Arznei- und Apothekerpflanzen von den Kreten und Cyprioten zu brechen. Die Universität trat in Folge rund zwei Hektaren ihres Landes ab und stellte es zur Verfügung. Nur kurze Zeit später fand der Garten Nachfolger in etlichen weiteren Städten in Italien und auch nördlich der Alpen.
Bereits in der Gründungsurkunde wurde die Form des Gartens und der Einteilung festgelegt: die Anlage sei in Beete einzuteilen, umgeben von einfacheren Bereichen. In der Folge entschied man sich für eine runde Anlage, in deren Mitte vier Quadrate angeordnet wurden. Diese wurden nach antiken, aber auch nach modischen Mustern ausgebildet mit je einer kreuzförmigen Grundform und vier verschiedenen Musterformen. Diese Quadrate im Kreis hatten durchaus auch mythologischen Charakter. Der Garten hatte aber nicht nur der Wissenschaft zu dienen, sondern sollte auch schön sein. So wurden von Anfang an Statuen, Brunnen und Zierbauten vorgesehen. Mit der grossen Umfassungsmauer hatte der Part beinahe ein theatralisches Aussehen.
Es ist nicht klar, nach welchen Gesichtspunkten die Pflanzen ursprünglich in dieses künstlerische Konzept integriert wurden. Es scheint, dass die einzelnen Professoren einen gewissen Freiraum hatten und die Pflanzen ihres Interessens einbrachten.
Prato della Valle, Padova
Dieser gewaltige Platz, an der östlichen Peripherie der Altstadt von Padua gelegen, entgeht keinem, der diese Stadt aufsucht. Er sprengt alle Dimensionen und man könnte meinen, er sei für die Lösung der Verkehrsprobleme des 21. Jh. geschaffen worden. In Wirklichkeit entstand die Idee auf den Ruinen eines römischen Theaters, eines Amphitheaters und eines Tempelbezirkes. Beinahe über Jahrhunderte blieb der riesige Raum, genannt Prato, umschlossen von prächtigen Häuserzeilen, leer. Allerdings fanden bereits bis jetzt darauf verschiedentlich Aktivitäten statt, angefangen von Jahrmärkten bis hin zu politischen Versammlungen. Immer wieder hatte man mit Wasserprobleme, Überschwemmungen zu kämpfen und nach einer dramatischen Situation 1772 entschloss man sich, das Problem wissenschaftlich anzugehen. Der venezianische Noble Andrea Memmo schloss sich mit dem Ingenieur Carlo Lodoli zusammen, der die Principi di architettura lodoliana verfasste und auf dessen Grundlage die beiden ein Projekt für den Prato entwarfen. Sie bedienten sich dabei Grundlagen, die zur selben Zeit von Domenico Cerato entwickelt wurden. Man entschied sich, einen grossen Weiher vorzuschlagen, der in die Mitte des ungefähr dreieckigen Areals zu liegen käme und plante in dessen Mitte eine kleine, ekliptische Insel. Diese erwies sich in der Folge als ziemlich gross und der See rund herum eher als mittelgrosser Kanal. Vier Brücken führten darüber. Diese waren von Bedutung, denn es bestand die Absicht, an der Peripherie der Insel Boutiquen in der Form eines säulengeschmücken Porticus aufzustellen. Diese dienten den Kaufleuten aus Padua als Verkaufsstände und mit dem Mietertrag wollte man zumindest teilweise die Erstellungskosten für die Anlage amortisieren. Das Ganze hätte nach dem Modell der plesure gardens der Engländer realisiert werden sollen, also mit diversen anderen Vergnügungseinrichtungen.
Teil der Dekoration dieses neuen Raumes bildeten auch vier Berceaux in chinesischem Geschmack, zwei Kaffeehäuser, zwei Lust- oder Erholungshäuschen, zwölf Vasen in antiker Art und eben die vier Brücken. Unzählige Statuen wurden entlang des Sees geplant und irgendwo war auch ein Ehrentempel zu Gunsten von paduaner Grössen vorgesehen. Nein, dieser war nicht nötig, wurden doch die Figuren entlang des Kanals nach leiblichen Vorbildern erstellt und so glich der ganze Platz bald einmal einem solchen Tempel. Man konnte sich auch in den folgenden Jahren eine Statue aufstellen lassen, was reichlich genutzt wurde.
Das Projekt wurde in der Folge auch umgesetzt, Memmo musste die Stadt allerdings um 1776 verlassen, da die Kosten erheblich höher ausfielen als vorgesehen und die Idee der Boutiquen am Widerstand der paduaner Kaufleute scheiterte.
Noch heute präsentiert sich dieser Park in vorzüglicher Weise, wobei der Verkehr auf den umliegenden Flächen sich zum Nachteil des gesamten Ensembles stark ausgedehnt hat.
Villa Barbaro, Maser
Lassen wir uns hier nicht ein auf eine vielgestaltige Analyse der Architektur des Baues, eine Untersuchung, die schon vielfältig getätigt wurde, sondern konzentrieren wir uns auf den Garten. Erwähnt muss allerdings werden, dass die Villa nicht die üblichen Formen aufweist, wie wir sie normalerweise von ventetischen Villen gewohnt sind. Die zweiflüglige Form mit vorspringendem Zentralbau soll auf den Beschreibungen Plinius‘ gründen. Am Fusse eines bewaldeten Abhang gelegen eröffnet sich von hier aus eine wahrhaft prachtvolle Perspektive, der sich auch der Garten unterordnet. Es ist leider nirgends dokumentiert, wie sie das Parterre zunächst entwickelt hat. Die Villa erhebt sich über eine sockelartige Terrasse über das Gelände und daran schliesst sich ein axial ausgerichteter Garten an, der weit in die Gegend hinein reicht. In der Mitte zwischen Haus und Strasse sind zwei einfache Wasserbecken plaziert, die den Eindruck hinterlassen, als wären sie immer so geplant gewesen, was aber kaum der Fall sein dürfte. Heute ist dieser Park von einer Strasse durchschnitten und jenseits dieser ist vom Garten praktisch nichts mehr zu spüren. Die Versuchung liegt nahe, hier eine Vorwegnahme der französischen Idee des Mittelachsgartens zu vermuten, was für die Jahre 1558 - 1560, in welchem die Anlage ungefähr entstand, sehr früh wäre. Immerhin wird diese Mittelachse heute von einem Neptunbrunnen abgeschlossen, der vermutlich aber erst nach dem Bau der Strasse hierher verlegt wurde.
Von zentraler Bedeutung ist allerdings das Nymphäum, das sich in der Mitte des cortile segretos (eine Art Ehrenhof zur privaten Nutzung) öffnet. Dieser Hof befindet sich auf der Rückseite des Hauptgebäudes sozusagen im ersten Stock (das langgezogene Hauptgebäude dient gleichzeitig als Futtermauer, axial auf das Corps de logis ausgerichtet. Es ist ein Gesamtkomplex, der sich hier exedra- oder halbkreisartig entwickelt und wundervoll ausgearbeitet ist. Das Nymphäum ist in überreicher und trotzdem vorzüglicher Art ausgeschmückt mit Stuckornamenten und Malereien und Gottheiten des Olymps postieren in Nischen, umgeben von Verzierungen dem Wald, dem Wasser und dem Feld nachempfunden. In der Grotte, eingefügt wie ein Gewölbeschlusstein, wird das Wasser gefasst, das die Brunnen der übrigen Anlage speist - sorgfältig bewacht, wie könnte es anders sein, von Flussgöttern. Sie ist überaus reich dekoriert, Allegorien, Malereien, Vasen, Stukaturen, Stalaktiten usw.
Gerade auch was die Wasserführung im Garten betrifft, hat man sich von einem Romaufenthalt inspirieren lassen. Das drückt sich in vielen Brunnen und raffinierten Wasserspielen aus, wobei Palladio sich auf seine hydraulische Erfahrung verlassen konnte. Wie es sich für ein nobles Haus gehörte, wurde das Wasser auch in die Küche geführt.
Villa Trento Da Schio
Unvermittelt erreichen wir diesen Garten, der sich so hübsch den Gegebenheiten des Ortes und des Geländes anpasst. Überrascht sind wir aber auch von der ingeniösen Lieblichkeit der Anlage, ist es doch den Architekten gelungen, diese Hanglage aufs trefflichste zu meistern.
Der Familie Morlini di Trenta, vor allem unter der Führung von Camillo und Francesco gelang es am Ende des 16. Jh. zu einem regionalen Mittelpunkt von Kultur und Oekonomie zu werden. Landwirtschaftlich war das Gut führend, entsprechend grosszügig musste die Casa rustica präsentieren. Im Zentrum der Betrachtungen steht die Villa Eolia, deren rechteckiger Zentralraum im Innern um 1570 mit kosmologisch-mythologisch inspierierten Figuren freskiert wurde. Im darunterliegenden Geschoss befindet sich ein grottenartig ausgestalteter Raum, der im Sommer angenehm kühl und im Winter nicht zu kalt war. In typisch renaissancer Manier wurde er ausgeschmückt. In seinen Testament, das Francesco Trento hinterlassen hat, beschreibt er, welche Intensionen er im Garten unternahm. Ich habe die Gegend verschönert, habe die Kühle ins Haus hineingeführt, habe zwei Fischteiche angelegt, Gärten, und so den ganzen Parnass verwirklicht und habe das Land in schönster Ordnung bepflanzt.....
Der Garten, den wir heute sehen, ist auf einem langgezogenen Stück Land angelegt, das sich den Hügel hinaufzieht, mehr oder weniger rechteckig, ca. 130 x 60m. Rechterhand ist er begrenzt durch den unregelmässigen Grundriss des Hauses, zuoberst verschmilzt er mit dieser in einem offenen Hof, abgeschlossen durch eine Loggia. Der Garten ist in fünf Terrassen von unterschiedlicher Tiefe und Höhen von 1 - 3 m eingeteilt. Durch die Mitte führt eine recht gewaltige, figurengeschmückte
Treppenanlage, deren Eingangsbereich scenographisch dem Weiler Garzadori nachempfunden wurde, ausgeführt 1686 von Alberto Garzadori. Der heutige Besitzer hat diesen Bereich in eine kleine englische Anlage umgewandelt, wie sie bereits 1770 von Antonio Trecco auf Anregung von Ottavio Trento vorgesehen war.
Die Treppen, welche die ersten drei Terrassen erschliessen, begleitet von auf Pilastern sitzenden Statuen, axial ausgerichtet, enden zunächst im einem Venus gewidmeten Brunnen und gleich dahinter in Neptuns Brunnen, der grottenartig ausgebildet ist. Diese Statuen, wie auch die Zwerge, welche die Treppe zum Haus begleiten, sind raffinierte Werke von Orazio Marinali. Von ihm besteht ein Selbstporträt in der sog. ‚Grotta del Marinali‘ im Dörfchen Garzadori. Es ist dort von zwei Puten begleitet und mit den Fresken von Dorigny ergibt sich dort ein sehr gelungenes Ensemble.
Mobile Glashäuser auf der obersten Terrasse beherbergen Citrusfrüchte und Gewürze und vermitteln zusammen mit dem gesamten Garten einen hesperidischen Hauch.
Villa Trissino
Die Geschichte dieses vielgestaltigen Ensembles reicht weit in die Vergangenheit zurück. Die Lage auf dem Sporn, der weit ins Tal hineinreicht, ist geradezu prädestiniert für eine Burg. Die Befestigungsanlagen verlieren allerdings ihren Wert, als die Gegend in den Besitz der Venetier kommt und eine langandauernde Friedesperiode anbricht. Um 1593 wird in der Folge auch die obere feudale Villa errichtet.
Mitte des 18. Jh. haben unter der Leitung des Luganeser Architekten Francesco Muttoni begonnen, weitergeführt von Frigimelica und von Dal Pozzo beendet. Die obere Villa wurde vermutlich Ende des 16. Jh. gebaut, die Jahrzahl 1593 ist im Eingangsportal eingelassen und im 18. Jh. wurde sie umfassend umgebaut. Von Muttoni wird gesagt, dass er sich von Borromini hat inspirieren lassen. Er hat bei seinem Entwurf den Raum für den Garten genutzt, so ergaben sich eine Reihe von Passagen, z.T. gedeckt, z.T. offen, die auf die verschiedenen Ebenen führen. Der Garten gilt als ein Leitgarten des Barocks und aufkommenden Rokokos in Norditalien. Man darf, wenn man den Garten gesehen hat, dem füglich zustimmen. Auch wenn gleich angefügt werden muss, dass gewisse Zerfallserscheinungen heute schon zu sehen sind. Doch begeben wir uns auf einen kleinen Spaziergang durch den Garten. Zuoberst und nicht durch das prächtige Tor der unteren Villa wird man eingelassen. Womit auch gleich gesagt ist, dass es sich um einen Komplex von zwei Villen handelt, eine obere und eine untere. Die untere ist seit mehr als einem Jahrhundert nur noch Ruine, nachdem sie wiederholt niedergebrannt war. Der Rundgang führt einen zunächst der oberen Villa, einem heute noch zu Verwaltungszwecken genutzten, stattlichen und schlichten Gebäude, entlang. Dieser piazzaähnliche langgezogene Hof wird abgeschlossen von einem kunstvollen, aus mehreren Pilastren bestehenden Dreifachtores, deren mittlere Öffnung in einen langen, zur Talseite hin mit geschnittenem Buchs begrenzte und auf der Gartenseite mit Rosenpflanzungen verzierten Korridor führt. Am Ende dieses früher wohl als Allee ausgebildeten Ganges bildet ein achteckiges Belvedère, von wo aus man einen prachtvollen Ausblick in die Umgebung geniessen kann. Die sich hier befindlichen Broderien sind mit profilierten Steinbordüren sehr kunstvoll ausgebildet und formen sehr zierliche Muster. Durch ein romantisches Wäldchen gelangt man in den unteren Bereich, wo die Ruine den Blick auf den Parterregarten noch verdeckt. Stolz steht sie auf einer gewaltigen Futtermauer, wo links und rechts zwei
grosszügige Treppenläufe in den Garten führen. Dieser ist nun in der Tat imposant, wobei die unzähligen Statuen entlang der Umfassungs-Stützmauern das Ihrige beitragen. Wie ein Filter brechen sie den Blick, der sonst ungebremst und massstabslos in die Weite schweifen würde. So bleibt das
Auge an den Figuren, die Orazio Marinali und Giacomo Cassetti zugeschrieben werden, haften und sie erzählen uns eine geheimnisvolle, noch zu entschlüsselnde Geschichte. Mehr als zweihundert soll es haben. Die Wasserspiele im grossen Weiher beleben die geheimnisvolle Zeremonie aufs vorzüglichste. Kaum kann man sich von diesem Ort losreissen, in dem man stundenlang verweilen möchte. Der Weg führt zurück durchs Wäldchen und nun auf die rückseitige Terrasse, mit mächtigen Zypressen umsäumt und kaum einen Blick ins Gebirge erlaubend. Ein grosses Tor in den ehemaligen Stallungen oder sonstigen Anexbauten lädt ein in den gewaltigen Rasenhof. Dieses grosse Rechteck ist auf der einen Längsseite begrenzt durch die Villa, auf der anderen durch eine mit rosenbewachsene Nischen ausgebildete Futtermauer, auf deren Oberseite früher die Pferde galoppieren konnten. Dieser Hof hat es nun aber in sich. Er herrscht hier eine Akustik, wie sie kaum in einem Festsaal zu erzeugen ist. So sollen hier bereits die bedeutensten Orchester aufgetreten sein. Die beiden Schmalseiten sind mit verschiedenen Durchbrüchen versehen, in denen Vasen stehen, umrankt von Kletterrosen.
Dann wollen wir noch einen Blick ins Innere des Schlosses riskieren. Aber über das, was uns dort empfängt, wollen wir noch das Geheimnis wahren, so wunderbar ist es.
Dieser Garten wurde 1783 dem Arch. Luigi Trezza (1752-1823) vom Grafen Antonio Rizzardi (1742-l808) in Auftrag gegeben. (Die Originalzeichnungen befinden sich in der Biblioteca Civica von Verona). Als Ehemann einer venetischen Adligen, Claudia Venier, hatte Antonio Rizzardi die Leidenschaft für Gärten von seinen Vorfahren geerbt. Bevor die Familie das Gut Poiega im Jahre 1678 kaufte - damals noch ein einfaches Stück Land mit Wein-bergen, Olivenhainen und einem Haus - war diese in Maderno ansässig und bewohnte dort eine Villa, mit einem auf den See blickenden terrassenförmigen Garten mit Wasserspielen und wohlduftenden Blumen und Pflanzen. Antonio Rizzardi wollte einen Garten erschaffen nach den Regeln des Polifilo und Francesco di Giorgio Martini, in dem geheime Winkel enthalten sein sollten, so wie es schon Poeten und Philosophen erträumt hatten. Sein Mittelpunkt sollte die "Sehnsucht des Herzens" darstellen und wurde in Poiega in Form eines runden Springbrunnens, umschlos-sen von einer Kulisse aus Zypressen, Myrte und Lorbeer, realisiert. Antonio Rizzardi vereinte seine humanistische und archaische Inspiration mit einem tiefen Sinn für Szenerie und Landschaft, um in Poiega so den Triumph der Perspektive zu erreichen. Auf diese Weise gelang es Luigi Trezza. den großartigen und förmlichen Italienischen Garten mit dem Romantischen Garten zu verbinden. Dies war die Zeit in der die typischen Italienischen Gärten abgeschafft wurden, um dem sogenannten Englischen Garten, eine Mischung aus Wald und Wiese, Platz zu machen und gerade dadurch erhält Poiega als letzter Garten seiner Art in Italien somit eine große Bedeutung. Die ursprüngli-che Anlage des Gartens ist im Laufe der Jahrhunderte und auch heutzutage beibehalten worden. Die Villa hingegen wurde gegen 1850 nach dem Projekt des Arch. Messedaglia (1823-1901) neu erbaut.
Der Garten dehnt sich über 54.000 qm aus und
ist auf drei verschiedenen parallelen Ebenen angelegt, wobei ein Teil dieser
Fläche von einem einzigartigen Theater eingenommen wird.
Die Allee endet in einem grünen Rondell, in dem sich eine Statuettengruppe befindet. Der Rundgang setzt sich rechts fort, mit einem Blick von oben über die Schönheit des Gartens und die ihn umgebende Landschaft.
Durch das kleine Hainbuchengehölz eintretend, geht es gleich links hinunter und durch das aus dem 18. Jahrhundert stammende Buchsbaumparterre gelangt man zwischen Lorbeerbäumen und Zypressen zum kleinen See, in dessen Mitte eine Statuettengruppe aus Tuffstein (aus Vicenza), Triton darstellend, die bewundernden Blicke anzieht. Mit dem Blick auf der Treppe, die zu den Zederngewächsen führt, die himmelwärts die Zypressenallee umrahmen, auf der mittleren Ebene, geht es hinunter ins Parterre vor der Villa. Das Geräusch der Wasserstrahlen - Springbrunnen- vermengt sich harmonisch mit dem Gesang der Nachtigall im grünen Landschaftsbild der Umgebung Vor des Villa, nach dem Buchsbaumparterre, öffnet sich die Hainbuchenallee. Diese grüne Galerie weist ein unglaubliches Schattenspiel vor, wobei sich ein Lochstreifen des Himmels über die gesamte Länge auf dem mittleren Grasteppich widerspiegelt. Die für diese Allee angepflanzte Hainbuche trägt den lateinischen Namen Ostrya carpinifolia.
Das
"Grüne Theater"- zur Linken, mit einer Buchsbaum- und Zypressenhecke,
Nischen, welche in die Steinbuchen geschnitten sind und mythologische Figuren
aus griechischen Tragödien und Komödien beherbergen hat sieben Stufenreihen
aus Buchsbaum mit drei Unterteilungen für Treppen. Die Statuen sind von
P. Muttoni (1749-1813).
Vom Theater aus erreicht man entlang einer kurzgehaltenen Zypressenallee die Gewächshäuser, von denen man auf ein Parterre aus Buchsbaum im Stil des 18 Jh. schaut; von dort kommt man über eine, von hohen Zypressenhecken
eingeschlossene Treppe, zum runden Springbrunnen.
Auf dem Rückweg zur höchsten Ebene des Gartens kommen wir durch eine kleine Galerie aus Steinbuche zum "Wäldchen", in dem sich Tiere aus Stein von P. Muttoni befinden, und wo sich der Geist nach so viel ästhetischer Bezauberung ausruhen kann: Hier wachsen in üppiger Natürlichkeit Hainbuchen, Steineichen, Eiben, Ahorn und im Unterwald Trachycarpus Fortunei (Palmenart), die ihre zwergenhafte Größe dem geringen Lichteinfall verdanken. Hier und dort wachsen, je nach Jahreszeit, auch Cyclamen europaeum, Hepatica Nobilis, Lamium album, Lathyras vernus. Plötzlich entdeckt man zwischen den Bäumen einen kleinen Tempel, dessen Dach aus Steinbuchen besteht, die sich aneinander gegen den Himmel abstützen. Im Inneren des Tempels, zwischen den vielen Ausgängen, befinden sich einige Nischen mit Statuen von Herkules, Diana und anderen mythologischen Figuren.
Diese Gartenanlage ist gleichsam in die Weingärten, die seit Jahrhunderten das Leben von Valpolicella darstellen, "hineinkonstruiert" und erscheint uns jetzt mit seinen großartigen, kontrastreichen dunklen Grüntönen wie ein Kissen auf kostbarem Brokat aus hellem Grün, gold-und kupferfarben, je nach dem Wandel der ]ahreszeiten und begleitet so das Leben von Poiega.
Aus: ‚Italienische Gärten und Villen‘ von Marella Agnelli
Anfang des 14. Jh. waren die Giusti, ein reiches, in der Toskana ansässiges Geschlecht, den Parteienkämpfen zwischen Guelfen und Ghibellinen ins Exil nach Verona ausgewichen und waren in dieser blühenden, sicheren ghibellinischen Stadt dank des Erfolges ihrer Mühlen zu einer der wohlhabendsten Familien aufgestiegen. Agostino Giusto, vom Grossherzog der Toskana in den Adelsstand und von der Republik Venedig zum Ritter erhoben, ein ebenso gebildeter wie mächtiger Mann, der sich als Kunstmäzen und Sammler betätigte und mit leidenschaftlicher Hingabe der Accademia Filarmonica angehörte, schuf in der Zeit vor 1570 diesen grandiosen Garten.
Bei der Gestaltung des Gartens wurde Rücksicht genommen auf die spezielle Topografie des Areales. Die ebenen Flächen wurden eingeteilt in rechteckige Felder, die Hänge in eine Folge von Aufschüttungen und Terrassierungen, brüsk unterbrochen von steilen Felsen. Darüber erstrecken sich wieder langgezogene, schmale, leicht gewellte Terrassen. So strukturiert eignete sich das Gebiet ideal für szenische Treppenläufe, wie sie in Italien Mode waren, wohingegen die ebenen Flächen al italiano, also mit Broderien den orientalischen Teppichen nachgeahmt, verziert wurden. Das grosse, fast plane Gelände steigt in Richtung San Zeno in Monte allmählich an und endet am Steilhang des Hügels von San Pietro. Ein langer, von Zypressen gesäumter Hauptweg schafft eine strenge, perspektivische Ordnung. Er zerlegt das Parterre in zwei Teile, die ihrerseits durch sich überschneidende Querwege in rechteckige Abschnitte gegliedert sind. Jeder dieser Abschnitte war ursprünglich von hohen Zypressen umschlossen, wodurch sich eine Reihe mit Buchshecken, Springbrunnen und Statuen geschmückter Räume ergab.
Der Besucher konnte diese Räume nacheinander erkunden und dabei in aller Musse Agostinos Sammlung römischer Inschriften, eine der bedeutendsten ihrer Art in der Region Veneto, in Augenschein nehmen. Wie im Cesarini-Gartenmuseum in Rom oder dem Palazzo Corsini in Florenz stellen diese Texte zwischen der klassisch-antiken Geisteshaltung, wie sie sich in den regelmässigen, weiträumigen Ansichten des Giardino Giusti spiegelt, und dem Zauber eines "dem Genius der Heiterkeit, den Musen und Flora geweihten" Gartens einen schönen Einklang her.
Doch dieses Inbild der Vernunft wird vom Rumoren des wilden und widersetzlichen Geists der Spätrenaissance durchkreuzt: Von einem auf halber Höhe des Felshang gelegenen Punkt fällt ein Schatten einer riesigen steinernen Maske unheimlich und drohend über die Klarheit und Symmetrie des italienischen Gartens. Unterhalb der Maske ist eine künstliche Grotte in den Tuff gehauen, und in dieser Höhle, die bis ins tiefste, geheimste Innere der Erde zu reichen scheint, sah sich der Besucher durch ein raffiniertes Spiel von Spiegeln seinen beunruhigend verzerrten Konterfei gegenüber. Die Grotte mündete in ein langgezogens unterirdisches Gewölbe, das sich durch das Echo der von Wand zu Wand hallenden Stimmen in den orakelhaften Schlupfwinkel heidnischer Gottheiten zu verwandeln schien. In dieser Nachwelt der Renaissance erschütterten die Geheimnisse und Schrecken einer feindlichen Natur den festen Glauben an die Vernunft, hier war die Sicherheit dem Fatum anheimgestellt. An dieses blinde Geschick soll auch das im rechten Teil des Giardinos angelegte Labyrinth erinnern, ein Sinnbild für die Lage des Menschen, der sich physisch und im übertragenen Sinn in einer ausweglosen Zeit verloren weiss.
In seiner heutigen Form geht das Labyrinth auf einen Plan des Architekten Luigi Trezza aus dem 18.Jh. zurück. Damals wurde auch das Parterre durch Beseitigung der sich kreuzenden Zypressenzeilen freigelegt und der Garten mit eleganten asymmetrischen Beeten im französischen Stil und Figuren von Lorenzo Muttoni geschmückt.
Der Giradino Giusti blieb vom romantischen Spleen des 19. Jh. zwar nicht gänzlich verschont, doch die damals vorgenommenen landschaftsgärtnerischen Veränderungen mussten schon bald dem klassizistischen Geschmack der dreissiger Jahre unseres Jahrhunderts weichen, der die strenge Gliederung des unteren Teils in ihrer ursprünglichen Form wiederherstellt.
Villa Emo in Monselice
Auszug aus: Günter Mader, Laila Neubert-Mader: Italienische Gärten; 1987
Es ist heute nicht anders als vor zweihundert Jahren, zu Zeiten von Goethes Italienischer Reise Wer die Provinz Venetien bereist, besucht die berühmten Villen des Renaissancearchitekten Andrea Palladio. In ihrer klassischen Architektursprache, ihren harmonischen Proportionen und rhythmisch gegliederten Fassaden sind sie heute so faszinierend wie damals. Wer jedoch hofft, beim Besuch der Palladio-Villen auch schöne alte Gärten kennenlernen zu können, wird enttäuscht sein, denn keine der Villen besitzt noch einen Garten, der es wert wäre, als Italienischer Garten bezeichnet zu werden. Im besten Falle findet man eine kurzgeschorene Rasenfläche und einige bunte Beetchen am Rande. Das war nicht immer so. Auch die Provinz Venetien kannte einmal eine hochentwickelte Gartenkunst, boten doch gerade hier das feuchtwarme Klima und das reichlich vorhandene Wasser besonders günstige Voraussetzungen. Und noch Goethe, im Jahre 1786 mit dem Schiff auf der Brenta von Padua nach Venedig unterwegs, schwärmte davon, dass in dieser >Welt voll Fruchtbarkeit< die Ufer mit >Gärten und Lusthäusern geschmückt< waren". Doch von den beschriebenen >herrlichen Gärten< ist kaum etwas, von den >herrlichen Palästen< nur wenig geblieben. Venetien gehört heute zu den hochindustrialisierten Provinzen Italiens. Gerade das geschichtsträchtige alte Kernland Venetiens, der Raum Verona, Padua und Venedig ist sehr stark verstädtert: verwahrloste Stadtränder, zersiedelte, von verkehrsreichen Schnellstraße und Autobahnen durchzogene Landschaft, daneben Obstbaumplantagen, Gemüsefelder und Weinberge, die freilich immer noch von der Fruchtbarkeit dieses Landstriches künden. Nur auf einigen Nebenstrecken findet man noch etwas vom alten Bild Venetiens Wären nicht die Berge im Hintergrund, man fühlte sich ein wenig wie in Holland oder Flandern Das fruchtbare flache Land, die langen Pappelreihen, die vielen Kanäle und das diffuse Licht erinnern an Polderlandschaften. Auch in Monselice, einige Kilometer südlich des Kurortes Abano Terme, nahe den Colli Euganei, den Euganeischen Bergen, sind noch Reste dieses Landschaftsbildes erhalten. In der kleinen Ortschaft Rivella liegt die Villa Emo Capodilista, deren Garten für all das entschädigt, was man bei den Palladio-Villen vermisst Schon der Blick durch das schmiedeeiserne Tor ist von bezaubernder Schönheit. Jenseits eines äußerst gepflegten Parterres erhebt sich der kompakte, im Stile Palladios gestaltete Baukörper, der seitlich in girlandenartig geformten Mauern ausschwingt. Die Villa stammt aus dem Jahre 1588 und wurde von dem Architekten Vincenzo Scamozzi, einem Zeitgenossen Palladio", entworfen. Doch der Garten in seiner heutigen Form ist eine Neuanlage. Er entstand im Jahr l966 nach den Plänen der Besitzerin, Contessa Giuseppina Emo, einer begnadeten Gärtnerin. Geht man auf die Villa zu und hat das frische grüne Parterre etwa zur Hälfte durchschritten, steht man vor einem kleinen Wasserbecken und wird innehalten, um diesen herrlichen Gartenraum ganz zu erfassen: In Blickrichtung erhebt sich die Villa mit ihrer stolzen Hauptfassade. Gegenüber schließt eine endlos lange Pappelreihe den Raum. Rechts und links, am Rande des Parterres, sind zwei großzügige Rosenbeete angelegt. Beide werden durch grasbewachsene Böschungen begrenzt, die zu langgestreckten Teichen hin abfallen. Ursprünglich waren es Karpfenteiche, wie einem alten Lageplan zu entnehmen, bestanden sie schon im 17. Jahrhundert. In ihrer klaren linearen Form haben sie eine starke ordnende Wirkung, und die zartfarbenen Seerosen mit ihren glänzend- grünen Blättern auf dem dunklen Wasser haben einen außerordentlich dekorativen Reiz. Jenseits der Teiche umschießet eine halbhohe Hecke den Garten. Dahinter sieht man das frische Grün eines Maisfeldes und, weit in der Ferne, die im Dunst blaugrau erscheinenden Höhenrücken der Euganeischen Berge. Unwillkürlich fühlt man sich durch diese Perspektive angezogen und strebt dem Tor in der so schön geschwungenen Mauer zu. Tritt man dort hindurch, eröffnet sich ein Gartenraum, der ganz von der Pracht edler Rosen erfüllt ist Hier möchte man die Verantwortlichen hinführen, die jenen städtischen Rosengarten von Rom einrichteten, den Giardino delle rose, wo auf einer etwa zwei Hektar großen Rasenfläche einige tausend unterschiedlicher Rosensorten > hingekleckst< sind. Nein! wenn so viele Rosen nebeneinander gepflanzt werden, muß man sich zugunsten der Gesamtwirkung in Farbe und Sorte beschränken. Der Garten der Villa Emo ist eine Lektion im gestalterischen Umgang mit Rosen. Es gibt ein riesiges Beet nur mit weissen Rosen, gegenüber ein anderes, wo sie von weiss über rosa bis dunkelrot reihenweise farblich abgestuft sind. Nebenan bei dem Wirtschaftsgebäude ist eine Mauer von einer zinnoberfarbenen Rose völlig zugerankt, und an anderer Stelle erobert sich eine weisse Kletterrose das Rankgerüst eines Pavillons. Immer sind sie gezielt und mit sicherem Farbempfinden eingesetzt. Einmal werden raffinierte Kontraste durch die Farbtöne von benachbarten Stauden, etwa Iris, Lavendel oder Ziersalbei, geschaffen, ein andermal setzt das Hellgrau einer Mauer oder das Graugrün einer Blattpflanze einen gezielten Kontrast. Der Freund sogenannter alter Rosen wird hier allerdings kaum beglückt werden. Alle Rosen sind sogenannte Teehybriden, die vielleicht eine Spur zu perfekt sind und strenggenommen zu einer Renaissancevilla nicht passen, da sie doch erst im 19. Jahrhundert gezüchtet worden sind, doch bestechen sie nun einmal durch ihren fast ein halbes Jahr währenden üppigen Flor.
Hinter der Villa erstreckt sich eine grosse Rasenfläche, die durch halbhohe Hecken und die in Reihen aufgestellten riesigen steinernen Amphoren gefasst wird. In der Mitte dieser Rasenfläche liegt ein rechteckiges, mit Seerosen bepflanztes Wasserbecken. Wie man meint. In Wirklichkeit ist es ein ganz mit Bergenien bepflanztes Becken, das in überzeugender Weise einen mit Seerosen zugewachsenen Teich vorgibt. Die Besitzerin wählte diese Täuschung, weil der Unterhalt eines Wasserbeckens ihr zu aufwendig erschien. Der angestrebte Kontrasteffekt kommt jedoch auch so aufgrund des unterschiedlichen Pflanzencharakters hervorragend zur Geltung. Jenseits der Hecken verlaufen auf beiden Seiten breite Kieswege, die von gepflegten Staudenrabatten begleitet werden. Und tatsächlich, da wachsen sie alle, die Blumen, die Francesco Colonna in der Hypnerotomachia Pololiphili auf gezählt hat: Iris, Akelei, Jungfer im Grünen, Malven, Nelken. Daneben noch viele andere: Rittersporn, Eisenhut, Phlox, Lupinen, Pfingstrosen, Mohn und Lavendel. Doch diese, vorne von einem breiten Streifen Bergenien und hinten durch eine Ligusterhecke eingefassten, Staudenrabatten sind in der Konzeption dem ornamentalen Pflanzplan der Hypnerotomachia Poliphili kaum vergleichbar. Sie sind nach dem Vorbild der englischen mixed borders angelegt, in denen die Pflanzen nach wohlüberlegten, malerisch-kompositorischen Gesichtspunkten gruppiert werden. Den Endpunkt der Staudenrabatten bilden ein Rosenpavillon zur einen Seite und zur anderen ein Glyzinienpavillon. Von dort geht der Ziergarten nahtlos über in einen Nutzgarten und eine Obstbaumpflanzung. Weingärten und Felder schliessen sich an.
Die Villa Emo wird noch heute als ein Landgut bewirtschaftet, ist eine azi enda agricola, wie es hier in Venetien heisst. Sie produziert vor allem Mais, Wein und Apfel. Einer der besonderen Reize dieses Gartens liegt darin, dass er mit dem umgebenden Landschaftsraum so eng verknüpft ist. Hier in der weiten venezianischen Ebene waren die über Terrassen hergestellten Blickbezüge als Mittel der Verbindung nicht möglich. Die Verknüpfung von Garten und Landschaft wurde hier durch die Iangen Baumreihen und Alleen erreicht, die bis in den Garten hin- eingeführt werden. Die noch weit in der Ferne sichtbaren Pappelreihen wirken wie ein Nachklang des Gartens. Man spürt, daß die Gartenanlage nicht Fremdkörper, sondern lediglich ein feineres und edleres Muster im Gewebe des Landschaftsbildes ist.
Wie schon in der Antike zu einem wahren locus amoenus immer auch hübsch anzusehende, singende Vögel gehörten, fehlt dem Garten der Villa Emo Capodilista auch in dieser Beziehung nichts an Vollkommenheit. In den hohen Pappeln zwitschern Tausende von Vögeln, und auf den Kieswegen vor den Staudenrabatten stolziert eine Schar schöngefiederter Perlhühner.
Es wird sich die Frage stellen, inwieweit dieser Garten denn nun >italienisch< ist. Diese Frage ist mehr als berechtigt, denn ganz offensichtlich orientierte man sich bei der Gestaltung nicht allein am Modell des Italienischen Gartens, sondern bediente sich vielfältiger Stilanleihen, ohne daß dadurch der harmonische Gesamteindruck beeinträchtigt wäre. Der nahtlose Übergang in die Landschaft entspricht eher barockem Gartenstil, die fein komponierten Staudenrabatten einem erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts in England ent- standenen Stilverständnis. Etliche Charakteristika des Italienischen Gartens fehlen, so die Terrassen, die Freitreppen, die Wasserspiele und Grotten. Nun, darin unterschieden sich die venezianischen Gärten – bedingt durch die ebene Landschaft – schon immer von denen des übrigen Italien Deshalb widmete man der Flächengestaltung und auch den Blumen die grössere Aufmerksamkeit. So wundert es nicht, wenn in den venezianischen Gartenteil die im 17. Jahrhundert in Frankreich entstandene Mode des ornamentalen Broderieparterres aufgenommen wurde.
>Italienisch< am Garten der Villa Emo ist die architektonische Auffassung der Anlage: die klare geometrische Grundrissbildung und die deutliche Ausformierung von räumlichen Einheiten. In italienischer Tradition steht natürlich auch die Verknüpfung von Herrenhaus und Landwirtschaft. Und so fühlt man sich schließlich auch beim Gang durch diesen Gartenteil in die von Giusto Utens gemalten Villengarten der Medici zurückversetzt.
VALSANZIBIO, einer der bedeutendsten noch erhaltenen historischen Gärten, wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu der wundervollen Anlage, die wir heute kennen. Wir verdanken dies dem Adeligen Zuane Francesco Barbarigo aus Venedig, der dabei tatkräftig von seinem Sohn Antonio unterstützt wurde. Der erstgeborene Gregorio, Kardinal und zukünftiger Heiliger, inspirierte die mystische Symbolik des Proiektes, das Luigi Bernini, der Architekt der Päpste und Gestalter zahlreicher berühmter Brunnen, entwarf.Siebzig Statuen, zum Großteil Merengo zugeschrieben, und noch einmal so viele kleinere Skulpturen verschmelzen auf einer Gesamtfläche von über l 5 Hektar unter unzählbaren Bäumen und Büschen zu kunstvollen Bauwerken, Bächen, Wasserfällen, Brunnen, Wasserspielen, Fischteichen. Die gesamte Anlage wurde konzipiert und verwirklicht, um den Weg zu symbolisieren, der den Menschen zu seiner Erlösung führt. Der Weg beginnt beim Monumentaleingang wo einmal Boote anlegten, die durch das Fischtal von Sankt Eusebius kamen (SanZibio steht für Sankt Eusebius), das sich damals noch über die ganze Ebene erstreckte.
Heute ist nur noch der Teich erhalten, in dem sich der elegante Bau widerspiegelt. Der Bau ist überreich mit Brunnen, Tiefenreliefs und Statuen ausgeschmückt. Über alles herrscht Diana-Mond, die Göttin der Natur und der wilden Tiere, der Verhandlungen und der Wunder. Nachdem man durch den Silen-Bogen den Garten "'betreten hat, geht man entlang dem Dianabad, dem Irisbrunnen und dem Fischteich der Winde. Dann kommt das Labyrinth, das sch am Leben des heiligen Gregorio Barbarigo inspiriert. Nachdem man den Beckenbrunnen erreicht hat, biegt man nach rechts und kommt in Hie Hauptallee, an der die Kanincheninsel liegt. Das Kaninchengehege - das einzige erhaltene in den wenigen noch bestehenden historischen Gärten - gilt hier als Symbol der Immanenz. Kein Lebewesen kann die Grenzen von Raum und Zeit überschreiten. Jenseits der Allee und der Insel symmetrisch gegenüber gestellt, steht eine monumentale Statue, die die Zeit darstellt. Sie hat ihren Flug durch den Raum unterbrochen und symbolisiert die Transzendenz, dieser einmalige Zustand, der dem Menschen erlaubt, über die gewöhnlichen Schranken von Raum und Zeit zu schweben. Man setzt den Weg zwischen Immanenz und Traszendenz und zwischen den Statuen und den Brunnen fort, die auch sinnbildlich die Insel und die Zeit einrahmen. So erreicht man die Stufen mit den Panthertieren, die die Verse von Dante ins Gedächtnis rufen. Die Inschrift eines Sonetts verziert die Stufen und erklärt auf verschiedenen Ebenen die Bedeutungen des Gartens. Man befindet sich so vor dem weiten Platz vor der Villa, wo die acht Allegorien der Tugenden des Herrn und des Gartens den Brunnen der Offenbarung umgeben. An diesem Ort wird das Endziel des symbolischen Weges erreicht.
Die außergewöhnlich Integrität jeder architektonische bildhauerischen und sogar pflanzlichen Gestaltung der Anlage wurde durch die großzügigen Bemühungen von sechs Generationen der Familie Barbarigo bewahrt. 1804 starb deren Geschlecht aus und der Adelige Marco Antonio Michiel wurde als Erbe bestimmt. Ab 1835 folgten die Grafen Martinengo da Barco und Donh Delle Rose, und ab 1929 die Adeligen Pizzoni Ardemani, die mit ebenso Leidenschaft wie Begeisterung den Garten hegten und pflegten. Besitzer seit drei Generationen, haben sie den Garten, der während der militärischen Besatzung im letzten Krieg große Schäden erlitten hat, liebevoll restauriert. Sie haben kürzlich die völlige Instandsetzung der 33 Wasseranlagen des Gartens wieder hergestellt (l6 Brunnen, 5 Fischteiche, 3 Wasserspiele usw.), die in den letzten 80 Jahren durch ein zunehmendes Versiegen der Quellen gefährdet waren. Dank ihrer Bemühungen ist heute Valsanzibio ein seltenes Beispiel für einen lesbaren symbolischen Garten, einen perfekt funktionierenden großartige Wassergarten und einen völlig intakten Italienischen Garten aus dem 17. Jahrhundert
Der Blick auf die Villa Allegri Arvedi und ihre Umgebung gehört zu den signifikantesten Ausblicken auf eine italienische Agrarlandschaft. Inmitten einer beinahe lieblich anmutenden Kulturlandschaft, geprägt vom Wein und von Obstbäumen erhebt sich die breite, wohlproportionierte klassische Villa mit dem davor liegenden prächtigen Topyary-Garten. Dahinter erheben sich olivenbestandene, sanfte Hügel. Giovanni Battista Bianchi hat das Schloss um 1656 umgebaut, die Annexbauten hinzugefügt und die ganze vorhandene Anlage wesentlich vergrössert. Wir haben eine frühbarocke, eigentlich noch klassich anmutende Architektur vor uns, die sich an französischen Vorbildern orientiert. Noch wird das Schlichte der palladischen Gestaltung übernommen, aber das ist fast das einzige, was an den grossen Architekten erinnert. Aus der Mitte des breiten Prospektes tritt im Parterre eine fünfteilige Loggia hervor, das erste Geschoss ist mit dorischen Semikolonnen gegliedert. Das Attikageschoss wird mit einer Balustrade und Statuen abgeschlossen. Beide Seiten werden durch eingeschossige Corpi verlängert auf denen sich Terrassen befinden. Abgeschlossen wird das Gebäude links und rechts durch zwei alte, turmartige Taubenschläge, abgeschlossen durch Turmspitzen. Im linken Turm befinden sich die Wintergemächer, im rechten die viel prächtigeren Sommerzimmer, an die eine dreifache Grotte anschliesst, die zum Teil in den Berg hineingetrieben ist und sich zum Garten hin öffnet. Der Cryptoporticus der Grotte ist mit hängenden Muschelmosaiken verziert und die Nischen sind mit Stalaktiten gearbeitet. Die mittlere Nische enthält einen muschelartigen Brunnen und die seitlichen zieren die Statuen von Herkules mit Hydra und Herkules mit Cerberus. An der westlichen Seite des kleineren Flügels öffnet sich die Volière, die von Giuseppe Falezza mit einer Phantasie aus Vögeln und Laubwerk verziert wurde. Nach oben ist der Himmel durch ein zeltartiges Gitterwerk sichtbar, das bis zur oberen Terrasse reicht. Wie in der römischen Tradition üblich eignete sich der Cryptoportico als Sommerfestsaal für Bankette und man erfreute sich am Murmeln des Brunnens und am Vogelgezwitscher. Die Villa ist aber vor allem berühmt wegen ihres italienischen Gartens, der unten abgeschlossen wird durch eine tiefe Einfassungsmauer, der ganze Garten erstreckt sich terrassenartig über die ganze Hausfront und öffnet sich zum Tal hin.
(Die Reihe wird fortgesetzt)
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