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Allgemeine Situation
Die vergangenen Monate hatte Delta das epidemiologische Geschehen bestimmt. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde die neue Variante Omikron am 26.11.2021 als besorgniserregend deklariert. In der Schweiz ist diese Variante das erste Mal in einer Probe vom 22.11.2021 nachgewiesen worden und hat sich in den vergangenen fünf Wochen sehr rasch ausgebreitet, so dass sie inzwischen die Mehrzahl der neuen Infektionen ausmacht. Seit dieser Woche sehen wir weiter einen Anstieg der Fallzahlen und der R-Wert ist in drei Grossregionen signifikant über 1.
Wenn die Kontakthäufigkeit gleich bleibt, werden durch die Zunahme von Omikron die absoluten Fallzahlen zunehmend schneller ansteigen. In diesem Szenario erwartet man, dass sich die Fallzahlen im Januar 2022 pro Woche mehr als verdoppeln. Die Zunahme der Fälle wäre deutlich schneller als bei bisherigen Varianten und würde zu vielen Krankheitsfällen und damit auch Arbeitsausfällen in kritischen Bereichen wie dem Gesundheitsssytem führen und Testkapazitäten überlasten. Wenn Kontakte reduziert werden, kann dieser absolute Anstieg der Fallzahlen gebremst werden. Eine Bereitstellung von Selbsttests können sicherstellen, dass sich alle Menschen weiter testen können und so notwendige Kontakt sicherer gemacht werden.
Weiter reduziert konsequentes dauerhaftes Maskentragen in Innenräumen die Zahl der neuen Infektionen sehr effektiv. Eine Labor-Studie zeigte ein Risiko einer SARS-CoV-2-Übertragung innerhalb von 20 Minuten in einer bestimmten Expositionssituation von mehr als 90% ohne Masken, von 10% mit korrekt getragenen medizinischen Masken und von 0.14% mit korrekt getragenen FFP2-Masken[1]. Die Autoren gehen davon aus, dass im täglichen Leben – ausserhalb des Labors – die Infektionswahrscheinlichkeiten nochmals 10-100 mal tiefer sind[2]. FFP2 Masken reduzieren also das verbleibende Risiko von 0.1-1% einer Infektion bei medizinischen Masken auf 0.001-0.014% und geben so insbesondere in Situationen mit erhöhter Exposition einen zusätzlichen Schutz. Da das Atmen durch eine korrekt getragene FFP2-Maske stärker beeinträchtigt wird als durch eine korrekt getragene medizinische Maske[3], bieten sich FFP2-Masken insbesondere in Situationen ohne oder mit nur leichter körperliche Betätigung an (im öffentlichen Verkehr, bei Publikumsanlässen, etc.). Gleichzeitig sollte für eine gute Belüftung gesorgt werden.
Zusätzlich zur Kontaktreduktion kann ein rasches Ausrollen der dritten Impfungen den individuellen Schutz vor Infektion von rund 20-30% auf, zumindest kurzfristig, rund 70-80% erhöhen. Somit sind dritte Impfungen ein weiteres effektives Werkzeug, um den Anstieg der Fallzahlen zu bremsen. Aktuell sind 22% der Schweizer Bevölkerung zum 3. Mal geimpft worden. Nachdem darunter vorwiegend ältere Menschen sind, hilft dies, um Spitaleinweisungen zu verhindern. Soll die Ausbreitung von Omikron mit Hilfe der dritten Dosis gebremst werden, braucht es rasch weitere dritte Impfungen in der breiten Bevölkerung.
Dynamik
Seit Ende Oktober 2021 war bis Anfang Dezember 2021 die Schätzung der Reproduktionszahl signifikant über 1. Nach einem kurzzeitigen Abfall letzte Woche unter 1 ist die Reproduktionszahl diese Woche wieder über 1. In den Grossregionen Genf, Tessin und Zürich ist sie signifikant über 1.
Der 7-Tageschnitt der schweizweiten Reproduktionszahl ist bei 1,08 (95% Unsicherheitsintervall, UI: 1-1,16); dies reflektiert das Infektionsgeschehen vom 11.12. – 17.12.2021[4].
Tagesbasierte Schätzungen der effektiven Reproduktionszahl Re für die Schweiz betragen:
- 1,1 (95% UI: 1,02-1,18) aufgrund der bestätigten Fälle, per 17.12.2021.
- 0,86 (95% UI: 0,76-0,97) aufgrund der Hospitalisationen, per 11.12.2021. Zum Vergleich aufgrund der bestätigten Fälle wird Re für den selben Tag auf 0,99 (95% UI: 0,92-1,05) geschätzt.
- 0,8 (95% UI: 0,59-1,02) aufgrund der Todesfälle, per 05.12.2021. Zum Vergleich aufgrund der Hospitalisationen wird Re für den selben Tag auf 0,89 (95% UI: 0,8-1) geschätzt. Aufgrund der bestätigten Fälle wird Re für den selben Tag auf 0,97 (95% UI: 0,86-1,07) geschätzt.
Wegen Meldeverzögerungen und Fluktuationen in den Daten könnten die Schätzwerte nachkorrigiert werden. Insbesondere waren Spitalmeldungen in den letzten Wochen unvollständig und die Zahlen werden daher wohl noch nach oben korrigiert werden. Wir weisen darauf hin, dass die Re Werte das Infektionsgeschehen nur verzögert widerspiegeln, weil eine gewisse Zeit vergeht zwischen der Infektion und dem Testresultat oder dem etwaigen Tod. Für Re Werte, die auf Fallzahlen basieren, beträgt diese Verzögerung mindestens 10 Tage, für Todesfälle bis zu 23 Tagen.
Parallel bestimmen wir die Änderungsraten der bestätigten Fälle, Hospitalisationen und Todesfälle über die letzten 14 Tage[5]. Die bestätigten Fälle nahmen mit einer Rate von -2% (UI: 10% bis -13%) pro Woche ab, die Hospitalisationen mit einer Rate von -16% (UI: -8% bis -23%) pro Woche und die Todesfälle mit -18% (UI: -1% bis -32%) pro Woche. Diese Werte spiegeln das Infektionsgeschehen vor mehreren Wochen wider.
Die Entwicklung der Fallzahlen, Hospitalisierungen und Todesfällen stratifiziert nach Alter kann auf unserem Dashboard verfolgt werden[6]. Die Zahl der Fälle nahm die letzten 14 Tage in den Altersgruppen der 0-9, 10-19, 70-79 und über 80-Jährigen signifikant ab und stieg in den 20-29-Jährigen signifikant an. Die Hospitalisierungen nehmen nur in der Altersgruppe der über 80-Jährigen signifikant ab. Die Anzahl der Hospitalisierungen könnte, wie auch letzte Woche, unterschätzt sein[7].
Absolute Zahlen
Die kumulierte Anzahl der bestätigten Fälle über die letzten 14 Tage liegt bei 1456 pro 100’000 Einwohner:innen. Die Positivität liegt bei 19% (Stand 24.12.2021, das ist der letzte Tag für welchen nur noch wenige Nachmeldungen erwartet werden).
Die Anzahl der COVID-19-Patient:innen auf Intensivstationen lag über die letzten 14 Tage im Bereich von 292-330[8] Personen (die Änderung war 6% (UI: 11% bis 0%) pro Woche).
Die Zahl der täglichen laborbestätigten Todesfälle lag über die letzten 14 Tage zwischen 16 und 32[9].
Varianten
Delta
Ab Kalenderwoche 26 war Delta die dominante Variante in der Schweiz. Diese Variante hatte von Kalenderwoche 38, 2021, bis Kalenderwoche 46 eine Häufigkeit von 100% unter den sequenzierten Fällen. Seit Kalenderwoche 47 sehen wir jetzt vermehrt auch Sequenzen der Omikron-Variante[10].
Die Impfung wirkt sehr gut gegen schwere Verläufe bei Delta (80% in Älteren, 95% in Jüngeren; je 6 Monate nach der zweiten Impfdosis; [11]) und bietet gewissen Schutz gegen Infektion (rund 50% nach 6 Monaten). Eine dritte Impfdosis erhöht den Schutz gegen Infektion und Hospitalisierung wieder auf mindestens 95%. Weitere Darlegungen finden sich in dem Epi. Update vom 7.12.2021[12].
Omikron
Am 23. November 2021 wurde erstmalig eine neue SARS-CoV-2 Variante in Südafrika und Botswana beschrieben, die sich durch eine starke Häufung von Veränderungen im Stachelprotein („spike protein“) auszeichnet. Diese Variante ist genetisch am engsten verwandt mit den Varianten, die im ersten Halbjahr 2020 zirkulierten, und ist nicht direkt aus einer anderen besorgniserregenden Variante entstanden[13]. Diese neue Variante unterscheidet sich durch rund 30 Mutationen im Stachelprotein von den ursprünglich zirkulierenden Varianten[14]. Diese Mutationen haben wichtige Teile des Stachelproteins deutlich verändert.
Am 26. November 2021 stufte die Weltgesundheitsorganisation diese Variante als Besorgnis erregend ein und bezeichnete sie mit dem Namen „Omikron“ [15].
Epidemiologische Verbreitung
Mittlerweile wurde die Variante in 89 Ländern nachgewiesen (Stand 16. Dezember 2021) [16],[17],[18], anfänglich meist verknüpft mit Einreise von Ländern aus dem Süden Afrikas. In der Schweiz wurde die Variante bislang 469-mal nachgewiesen und hatte in der Kalenderwoche 50 einen Anteil von 24.5% unter allen sequenzierten Proben und 8% unter den sequenzierten Proben, die auf GISAID als Teil des Surveillance Programms deklariert sind[19]. Sogenannte «S gene target failure» Daten aus Laboren in Genf[20], Zürich und dem Tessin deuten darauf hin, dass ab Weihnachten in diesen Regionen mehr als 50% der Fälle auf Omikron zurückgehen. Nachdem Omikron um das 2-3 fache pro Woche zunimmt sind die Häufigkeiten aus der Sequenzierung und den Laboren kompatibel.
Aus diesen Häufigkeiten von Omikron kann die relative logistische Wachstumsrate von Omikron im Vergleich zu Delta geschätzt werden[21]. Das relative Wachstum in der Schweiz wird auf 0.19 (0.18-0.21) pro Tag geschätzt basierend auf allen verfügbaren Sequenz-Daten. Unabhängige Schätzungen basierend auf «S gene target failure» Daten aus Genf kommen auf 0.26-0.32[22]. Schätzungen basierend auf Abwasserproben kommen auf 0.23 (0.19 – 0.28) für Zürich und 0.27 (0.20-0.34) für Genf [23].
In Grossbritannien [24] und in Dänemark[25] stieg der Anteil an Omikron sehr schnell an (Verdopplung alle 2-4 Tage), was einen Wachstumsvorteil in mehrheitlich geimpften Populationen nahelegt. Daten aus Südafrika erlauben eine Schätzung der logistischen Wachstumsrate von Omikron gegenüber Delta von 0,32 (95% UI: 0,09-0,55) pro Tag[26], was einer Verdopplung des Anteils von Omikron an neuen Infektionen ungefähr alle 2-8 Tage entspricht. Ein Bericht des Imperial College[27] schätzt die exponentielle Wachstumsrate des Anteils von Omikron in England auf 0,34 pro Tag (95% UI: 0,33-0,35), was einer Verdopplungszeit von 2 Tagen entspricht.
Für die Schweiz sind die geschätzten Werte der Wachstumsrate im Bereich der Werte aus Südafrika[28]. Das relative Wachstum in der Schweiz scheint etwas langsamer als in Grossbritannien zu sein, was möglicherweise auf eine vermehrte Verimpfung von Moderna und keinerlei Verimpfung von Oxford/AstraZeneca in der Schweiz zurückzuführen ist.
Szenario zur epidemiologischen Ausbreitung in der Schweiz
Mit der für die Schweiz momentan geschätzten Wachstumsrate basierend auf sequenzierten Proben aus dem Zeitraum 24.11.2021-27.12.2021 können Szenarien für die zukünftige Entwicklung der Fallzahlen berechnet werden basierend auf einem R-Wert = 0.9 von Delta bis zum 20.12.2021, der Häufigkeit von Omikron Anfang Dezember und der relativen Wachstumsrate von Omikron im Vergleich zu Delta (Abb. 1). In diesen Szenarien wird erwartet, dass die Fallzahlen in der zweiten Dezember-Hälfte wieder ansteigen. In der Tat steigen die Fallzahlen seit wenigen Tagen wieder (Abb. 1, schwarze Linie).
Mit einer Reduzierung der Kontakte und schnellem Ausrollen der dritten Impfungen kann die Dynamik verlangsamt und die Zunahme von Omikron verzögert werden. Ab 20.12.2021 wurden neue Massnahmen eingeführt. Wir machen drei verschiedene Annahmen für den R-Wert von Delta nach dem 20.12.2021: Szenario 1: der R-Wert für Delta bleibt bei 0.9; Szenario 2: der R-Wert für Delta sinkt auf 0.7; Szenario 2: der R-Wert für Delta sinkt auf 0.5. In diesen Szenarien sind Fallzahlen von über 20’000 pro Tag in der ersten Januarhälfte 2022 plausibel.
Das gezeigte Szenario ignoriert Unsicherheiten im R-Wert der Delta-Variante und in der Häufigkeit von Omikron in Kalenderwoche 49, 2021. Die Unsicherheit in der logistischen Wachstumsrate von Omikron im Vergleich zu Delta ist durch die dunklere orange Fläche markiert. Wir nehmen, basierend auf den sequenzierten klinischen Proben, ein Wachstum von Omikron relativ zu Delta von 0.19 (0.18-0.21) pro Tag an. Insgesamt ist diese geschätzte Wachstumsrate in der Schweiz tiefer als die Schätzungen aus Grossbritannien und Südafrika (siehe oben). Falls wir die Wachstumsrate basierend auf den vorliegenden Schweizer Datenpunkten momentan unterschätzen, dann ist auch die Schnelligkeit der Ausbreitung von Omikron in Abb. 1 und die Geschwindigkeit, mit der die absoluten Fallzahlen zunehmen, eine Unterschätzung.
Abbildung 1. Szenarien zur Entwicklung der Fallzahlen bis zum 09.01.2022. Wir nehmen an, dass mit Start von KW 49, 2021 der R-Wert von Delta bei 0.9 lag und sich bis 20.12.2021 nicht veränderte. In Szenario 1 ist nach 20.12.2021 der R-Wert für Delta weiter bei 0.9, in Szenario 2 bei 0.7 und in Szenario 3 bei 0.5. Die damit erwarteten Fallzahlen für Delta sind in Abb. 1 in blau dargelegt. Weiter nehmen wir an, dass die Häufigkeit von Omikron in den bestätigten Fällen zum Start von KW 49 bei rund 4% lag. Die logistische Wachstumsrate von Omikron im Vergleich zu Delta wird auf 0.19 (0.18-0.21) pro Tag geschätzt. Die damit erwarteten Omikron Fallzahlen sind in orange dargestellt (durchgezogen mit Wachstum von 0.19 pro Tag; gestrichelte Linien mit Wachstum von 0.18 und 0.21 pro Tag).
Schutzwirkung der Impfung
Laboruntersuchungen der letzten zwei Wochen (z.B. [31],[32],[33],[34],[35]) zeigen eine starke Verringerung der Neutralisation von Omikron mit Seren von Geimpften und Genesenen. Die Studien zur Neutralisation von Omikron werden in einem ständig aktualisierten Dokument[36] zusammengetragen und in Zusammenhang gesetzt. Allgemein ergibt sich das Bild, dass Seren von Personen, welche sowohl genesen als auch geimpft sind, starker neutralisieren als die Seren doppelt Geimpfter. Eine dritte Impfdosis führt zu einer starken Erhöhung der Neutralisation.
Ein Preprint[37] hat auf Grund epidemiologischer Daten aus England die Wirksamkeit der Impfstoffe von Oxford/AstraSeneca und BioNTech/Pfizer gegen eine symptomatische Infektion mit Omikron geschätzt: der Schutz von BioNTech/Pfizer fiel von 88% 2-9 Wochen nach der zweiten Impfung auf rund 35% (95% UI: 10-50%) nach 4 Monaten. Auch in dieser Studie führt eine dritte Impfdosis zu einer starken Erhöhung des Schutzes, nämlich, zumindest kurzfristig, auf 60-85%. Zu ähnlichen Schätzungen zur Wirksamkeit des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer kommt eine andere Studie des Imperial College[38]: durch eine dritte Impfung wird der Schutz gegen symptomatische Infektion mit Omikron von 19% (95% UI: 13-24%) auf 77% (72-80%) erhöht. Dies entspricht in etwa dem Schutz von doppelt Geimpften bei Delta. Die langfristige Wirkung kann noch nicht beurteilt werden.
Die aktuelle Datenlage legt also nahe, dass eine dritte Impfdosis die zu erwartete Krankheitslast durch Infektionen mit Omikron reduzieren kann. Hierbei ist wichtig, dass die dritte Impfdosis allen Menschen, bei denen die zweite Impfung 4 Monate zurückliegt, sehr schnell verabreicht wird, sodass der Schutz aufgebaut ist, bevor sie sich mit Omikron anstecken.
Zur Schutzwirkung der Impfung gegen schwere Verläufe bei Infektion mit Omikron liegen noch nicht viele Daten vor. Eine Studie basierend auf Daten einer der grössten Krankenversicherungen in Südafrika[39] schätzt, dass Personen, die zwei Dosen des Impfstoffs von mit BioNTech/Pfizer erhalten haben, zu 70% gegen schwere Verläufe nach Infektion mit Omikron geschützt sind.
Schwere der Infektion
Die Beurteilung, ob eine Infektion mit Omikron schwerer verläuft als eine mit einer früheren Variante, wird dadurch erschwert, dass Omikron mehr Ansteckungen in Geimpften oder Genesen verursacht, die durch ihre Immunität, zumindest teilweise, gegen schwere Krankheitsverläufe geschützt sind. Die intrinsische von der beobachtbaren Virulenz statistisch zu trennen, stellt vor allem in Ländern eine besondere Herausforderung dar, in denen viele Menschen durch eine Infektion immunisiert wurden, wie zum Beispiel Südafrika. Immunität durch eine Infektion ist nämlich oft nicht erfasst.
Wenn man nicht für den Impfstatus korrigiert, kommt man zum Schluss, dass Infektionen mit Omikron seltener zu einer Hospitalisation führen. In einer Studie aus Südafrika[40] ist die Odds Ratio (bereinigt bezüglich demographischer und klinischer Kofaktoren und dokumentierter Genesung, aber nicht Impfstatus) der Hospitalisation nach einer wahrscheinlichen Omikron-Infektion (basierend auf «S gene target failure» Daten; verglichen mit Delta-Infektionen) 0.2 (95% UI: 0.1-0.3).
Nach einer Korrektur bezüglich des Impfstatus schätzt die oben erwähnte Versicherungs-Studie aus Südafrika[41] die Hospitalisierungsrate nach Infektionen mit Omikron 29% niedriger als in der ersten Welle im Jahr 2020, bei Kindern aber 20% höher. Einer Studie des UK HSA zufolge [42] ist die Hazard Ratio einer Hospitalisierung nach einer Infektion mit Omikron verglichen mit Delta 0.62 (95% UI: 0.55 to 0.69), was einer 38% niedrigeren Hospitalisationsrate entspricht. Gemäss einer Studie[43] des Imperial College (beruhend auf ähnlichen Datenquellen[44]) ist die Hazard Ratio 0.8 (95% UI 0.75-0.85). Diese Schätzungen sind nicht korrigiert für nicht-diagnostizierte Infektionen. Man erwartet, dass durch eine solche Korrektur die Unterschiede zwischen Delta und Omikron kleiner ausfallen werden.
Diese Daten und Analysen sind alle noch vorläufig. Auch sind die geschätzten Hazard Ratios sensitiv bezüglich der genauen Definition einer Hospitalisierung[45],[46]. Es ist wichtig zu betonen, dass die potentiell niedrigere Hospitalisationsrate von Omikron auf der Populationsebene schnell durch die stark erhöhte Ausbreitung aufgewogen werden wird. Weitere, detailliertere Studien mit grösseren Stichproben zu der Schwere der Infektion mit Omikron werden in den nächsten Wochen erwartet.
In Anhang A diskutieren wir Szenarien zur Entwicklung der Omikron Epidemie im Winter 2021/22. Dieses Dokument wurde am 11.12.2021 finalisiert und mit den Mandatsgebern geteilt. Die oben aufgeführten Daten deuten darauf hin, dass Szenario 1 und 2 plausibler sind als Szenario 3. Daher sollte auf Szenario 1 und 2 fokussiert werden.
Anhang A
Im Folgenden diskutieren wir die momentanen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Omikron (Stand 11.12.2021) und die daraus ableitbaren Szenarien für die kommenden Wochen. Der Informationsstand ändert sich momentan (Anfang Dezember 2021) sehr schnell, und die Einschätzung kann sich möglicherweise schnell und stark ändern.
Daten zeigen eine Immunevasion von Omikron in Bezug auf Infektion. Die Ausbreitung von Omikron in Südafrika[47],[48], Grossbritannien[49] und Dänemark[50] erfolgt sehr rasch mit einer Verdopplungszeit von 2-5 Tagen. Zur schnellen Ausbreitung kann eine mögliche Erhöhung der Übertragungsrate führen wie auch ein schlechterer Schutz vor Infektionen nach Impfung oder Genesung. Die Neutralisationsdaten deuten darauf hin, dass die Impfung gegen Infektion nur bedingt schützt [51],[52],[53]. Zwei Impfdosen scheinen weniger als 60% vor symptomatischer Infektion zu schützen, was signifikant tiefer ist als der Schutz gegen Delta[54]. Eine dritte Impfdosis schützt kurzfristig zu rund 70% vor Infektion ([55]; die Unsicherheitsintervalle sind aufgrund der dünnen Datenlage sehr gross). Dies ist deutlich reduziert gegenüber Delta, wo der Schutz über 90% liegt.
Zur Höhe der Übertragbarkeit im Vergleich zu Delta gibt es noch keine Daten. Ebenso gibt es noch keine Daten zur Schwere der Verläufe in Ungeimpften (siehe auch Anhang A2) und zur Wirksamkeit der Impfung gegen schwere Verläufe.
Implikationen der Immunevasion von Omikron in Bezug auf Infektion und der raschen Ausbreitung von Omikron in anderen Ländern
Wir rechnen damit, dass Omikron in rund 2-3 Wochen dominant sein wird. Ohne zusätzliche Reduktion der Kontakte erwarten wir, dass der R-Wert dann auf 2-3 steigt und die Fallzahlen sich entsprechend alle 2-5 Tage verdoppeln. Einen derart rasanten Anstieg haben wir bislang nur Anfang März 2020 gesehen. Das wird dazu führen, dass es auch eine grosse Zahl Erkrankungen innerhalb kurzer Zeit geben wird. Dies würde zu einer hohen Spitzenbelastung im Gesundheitswesen führen, und zu einer Beeinträchtigung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens und des Schulbetriebs.
Zentral ist die Frage, ob die Impfung oder Genesung weniger gut vor einer schweren Erkrankung schützt bei Infektion mit Omikron im Vergleich zu Infektion mit Delta. Wir unterteilen in drei Szenarien: Szenario 1: unverändert guter Schutz der Impfung vor schweren Verläufen, Szenario 2: reduzierter Schutz der Impfung vor schweren Verläufen und Szenario 3: kein Schutz oder tiefer Schutz der Impfung vor schweren Verläufen. Es erscheint plausibel, dass Impfungen nach wie vor durch die zelluläre Antwort ein Teil der schweren Verläufe verhindert. Es ist momentan unklar, in welchem Umfang die schweren Verläufe verhindert werden. Daher können wir momentan nicht sagen, ob Szenario 1, Szenario 2 oder Szenario 3 eintreten wird und diskutieren alle drei Szenarien.
Wir gehen im Folgenden davon aus, dass in den Nicht-Immunen (d.h. weder Geimpft noch Genesen) die Schwere der Omikron-Krankheitsverläufe der Schwere der Delta-Krankheitsverläufe entspricht. Basierend auf den bislang verfügbaren Daten kann zu der Schwere der Verläufe in den Nicht-Immunen keine Aussage gemacht werden. Falls die Schwere der Omikron-Infektionen in Ungeimpften tiefer (resp. höher) sein sollte im Vergleich mit Delta-Infektionen, dann wird die Belastung in den Spitälern in den folgenden Szenarien 1- 3 entsprechend tiefer (resp. Höher) ausfallen. Siehe dazu auch Anhang A2.
Ziele
I) den Menschen die Gelegenheit zu geben, sich mit einer Impfung gegen eine COVID-19 Erkrankung zu schützen, bevor sie infiziert werden;
II) eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden;
III) die pandemie-bedingte Belastung der 0-12-Jährigen zu minimieren;
IV) die Personen über 12 Jahren zu schützen, die nicht geimpft werden können oder bei denen die Impfung vor Hospitalisierung oder Long Covid schlecht schützt.
Epidemiologische Entwicklungen, Ziele und Massnahmen für Szenarien 1-3
Szenario 1): Impfung schützt unverändert gut gegen schweren Verlauf nach Infektion mit Omikron.
Erwartung epidemiologische Entwicklung In diesem Szenario erwarten wir eine grosse Zahl von Infektionen innerhalb von kurzer Zeit, und eine daraus folgende Überlastung der Testkapazitäten. Es wird zu vielen Krankheits- und Quarantäne-bedingten Ausfälle im Gesundheitssektor kommen. Die gesamte potentielle Krankheitslast wäre weitgehend unverändert gegenüber einer von Delta dominierten Situation. Durch die rasche Ausbreitung kommt das Gesundheitssystem jedoch schnell an die Grenzen. Wenn die allermeisten Menschen infiziert werden, bevor die Impfabdeckung weiter erhöht werden kann, erwartet man in der Summe rund 20’000-40’000 Hospitalisierungen[58] (Berechnungen von November 2021).
Ziele In diesem Szenario wäre Ziel I) von oben weiterhin weitgehend erfüllt. Es bräuchte aber grössere Anstrengungen, um Ziele II-IV zu erreichen, weil wir mehr Ansteckungen und Erkrankungen innerhalb einer kurzen Zeit erwartet würden.
Massnahmen Um die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, müsste die Geschwindigkeit der Ansteckungen reduziert werden. Dazu bräuchte es eine stärkere Reduktion der Kontakte als gegen Delta.
Neben aktiver Kommunikation zur Sensibilisierung der Risiken wirken folgende Massnahmen stark bremsend:
Impfen:
- Eine massive Erhöhung der Geschwindigkeit, mit der die dritte Impfdosis verabreicht wird. Eine dritte Impfdosis 3-4 Monate nach Grundimmunisierung bietet kurzfristigen Schutz gegen Infektion mit Omikron[59] [60] (siehe auch[61]), zum langfristigen Schutz gibt es noch keine Daten. Aktuell erhalten pro Tag weniger als 50’000 Menschen in der Schweiz die dritte Impfdosis. Eine massive Erhöhung der Impfgeschwindigkeit würde erlauben, dass ein grösserer Teil der Geimpften ihre dritte Dosis erhalten könnten, bevor sie sich mit Omikron anstecken.
- Die Impfung schnell und grossflächig den unter-12-jährigen zur Verfügung stellen. Diese Altersklasse weisst schon im Moment – in einer von Delta dominierten Situation – die zweithöchste Inzidenz auf. Ein schnelles Ausrollen der Impfung erlaubt es den Kindern, die das wünschen, sich vor einer Ansteckung impfen zu lassen.
Testen:
- Ein massiver und schneller Ausbau der Kapazität für Selbsttests. Eine sehr schnelle und hohe epidemische Welle kann die Kapazität des Testsystems (und auch der Kontaktverfolgung) schnell übersteigen. Ein massiver und schneller Ausbau der Kapazität für Schnelltests kann dazu beitragen, dass Ansteckungen schnell identifiziert werden können und durch Selbstisolation Ansteckungen vermieden werden können.
Verordnete Massnahmen:
- Masken in allen Innenräumen; Schliessung aller Lokationen, wo keine Maske getragen werden kann.
- Zertifikats-Anlässe als 2G mit Maske
- Kapazitätsbeschränkungen
- Homeoffice
- Online-Unterricht im Tertiärbereich
- Schulen: 2x wöchentlich testen, Masken für alle Schüler:innen, CO2 Sensoren
- Einschränkung der privaten Kontakte auf maximal zwei Haushalte
Diese Massnahmen gehen wegen der schnellen Ausbreitung von Omikron stark über die für Delta vorgeschlagenen Massnahmen hinaus (Anhang A1).
Szenario 2) der Schutz der Impfung vor schweren Verläufen ist leicht reduziert.
Erwartung epidemiologische Entwicklung In diesem Szenario erwarten wir eine grosse Zahl von Infektionen innerhalb von kurzer Zeit, und eine daraus folgende Überlastung der Testkapazitäten. Es wird zu vielen Krankheits- und Quarantäne-bedingten Ausfälle im Gesundheitssektor kommen. Die gesamte potentielle Krankheitslast wäre erhöht gegenüber einer von Delta dominierten Situation, weil mehr Ansteckungen von Geimpften zu einer Hospitalisation führen. Durch die rasche Ausbreitung kommt das Gesundheitssystem schnell an die Grenzen. Wenn die allermeisten Menschen infiziert werden vor einer weiteren Erhöhung der Impfabdeckung, würde man mehr als 20’000-40’000 Hospitalisierungen[62] erwarten wegen der leichten Reduktion des Impfschutzes vor schweren Verläufen.
Ziele In diesem Szenario wäre Ziel I) (von oben) ohne weitere Anstrengungen nur noch teilweise erfüllt. Es bräuchte auch deutlich grössere Anstrengungen, um Ziele II-IV zu erreichen, weil zusätzlich zur Konzentrierung der Ansteckungen auf einen kürzeren Zeitraum auch ein grösserer Teil der Ansteckungen zu einer Hospitalisation führen würde.
Massnahmen Siehe Szenario 1. Hier ist besonders hervorzuheben, dass eine grosse Beschleunigung der Drittimpfung für alle Altersgruppen bei gleichzeitiger Reduktion der Ansteckungen dazu führt, dass sich die Menschen besser schützen können. Somit wäre Ziel I wieder besser erreicht.
Szenario 3) der Schutz der Impfung vor schweren Verläufen ist stark reduziert.
Erwartung epidemiologische Entwicklung In diesem Szenario erwarten wir eine grosse Zahl von Infektionen innerhalb von kurzer Zeit, und eine daraus folgende Überlastung der Testkapazitäten. Es wird zu vielen Krankheits- und Quarantäne-bedingten Ausfälle im Gesundheitssektor kommen. Wenn die allermeisten Menschen infiziert würden bevor sie durch eine angepasste Impfung wieder gut geschützt wären vor einem schweren Verlauf, würde man viel mehr als 20’000-40’000 Hospitalisierungen[63] erwarten.
Ziele In diesem Szenario müsste Omikron stark und schnell eingedämmt werden, damit sich die Menschen durch eine (angepasste) Impfung schützen können, bevor sie ohne Immunität gegen Omikron infiziert würden (Ziel I). Eine schnelle und starke Eindämmung wäre auch nötig, um Ziele II-IV zu erreichen.
Massnahmen Wenn die Impfung nicht mehr gut gegen schwere Verläufe schützt, kann Omikron nur durch sehr starke kontaktreduzierende Massnahmen (Massnahmen von Szenario 1; zusätzlich komplette Schliessungen anstelle von 2G mit Maske) eingedämmt werden, bis ein angepasster Impfstoff zur Verfügung steht. Wir erwarten schon im Laufe des Dezembers eine grosse Zahl an Omikron-Infektionen; mit angepassten Impfstoffen wird aber erst im Frühjahr gerechnet. Es gälte also, in einer Zeitspanne von Monaten das Virus einzudämmen und zu verhindern, dass es zu einer grossen Zahl von schweren Infektionen in kurzer Zeit kommen würde welche die Menschen ungeschützt dem Risiko eines schweren Verlaufs aussetzen und das Gesundheitssystem überlasten würden.
Mögliches Vorgehen angesichts der Unsicherheiten bezüglich Omikron
Viele zentrale Fragen über die Eigenschaften von Omikron sind momentan ungeklärt. Wie oben dargelegt, ist die zentrale Frage noch offen, wie gut Impfung oder Genesung vor schweren Verläufen nach der Ansteckung durch Omikron schützt (Szenarien 1-3). Momentan liegt auch keine Information darüber vor, ob Omikron grundsätzlich – also auch in Ungeimpften – zu schwereren, gleichen oder leichteren Krankeitsverläufen führt. Zudem ist das Ausmass von Long COVID in geimpften Menschen nach Infektion durch Omikron unklar.
Alle Szenarien erfordern eine Verlangsamung der Ausbreitung von Omikron aus folgenden Gründen. Erstens kann nur so eine Überlastung des Gesundheitssystem abgewendet werden: selbst im optimistischen Szenario 1 werden die schweren Erkrankungen sehr stark zunehmen. Zweitens gewinnt man dadurch Zeit, um die Eigenschaften von Omikron besser zu verstehen. Wie oben dargelegt, hängt die naheliegende Mittelfrist-Strategie stark davon ab, wie gut die Impfung schützt vor schweren Verläufen nach Ansteckung mit Omikron. Wenn die Ausbreitung von Omikron deutlich verlangsamt werden kann (verglichen mit der aktuellen in Grossbritannien und Dänemark beobachteten Dynamik) gewinnt man dadurch Zeit, um adäquater reagieren zu können. Drittens können durch ein Verlangsamen, mehr Menschen durch Impfung (inklusive dritter Dosis und Impfungen bei Kindern) ihre Immunität erhöhen, bevor sie mit Omikron in Kontakt kommen. Viertens erlaubt ein Verlangsamen, die Testkapazität und -strategie anzupassen an die neue Situation, wie oben dargelegt wird.
Um die Ausbreitung von Omikron aufzuhalten, müssten die Kontakte um einen Faktor von etwa drei reduziert werden. Dänemark und Grossbritannien zeigen aktuell ungefähr konstante Fallzahlen von Delta über die Zeit (ein R-Wert nahe bei 1, [64]), aber im Hintergrund verdoppelt sich die Häufigkeit von Omikron ungefähr alle zwei bis drei Tage [65],[66] (es wird erwartet, dass innert weniger Tage dann auch die Gesamtzahl der bestätigten Fälle ansteigen wird). Das bedeutet, ganz grob abgeschätzt, dass eine mit Omikron infizierte Person in diesen Ländern im Moment im Durchschnitt rund drei weitere Personen ansteckt (ein R-Wert von 3 ergibt eine Verdopplungszeit von 2.7 Tagen). Um die Ausbreitung von Omikron aufzuhalten, müssten also im Durchschnitt die Zahl der infektiösen Kontakte um etwa einen Faktor 3 reduziert werden.
Wenn sich Omikron in der Schweiz ähnlich schnell ausbreitet wie in Grossbritannien und Dänemark (was zu erwarten ist), und wenn die Ausbreitungsgeschwindigkeit über längere Zeit anhält, dann erwartet man eine schnelle und hohe epidemische Welle in der Schweiz in den kommenden Wochen. Selbst mit dem optimistischen Szenario 1 braucht es deutlich verstärkte Anstrengungen um die Virus-Zirkulation zu Bremsen (Massnahmen unter Szenario 1). Die stärkeren Massnahmen unter Szenario 3 verschaffen mehr Zeit zu agieren und den Worst-Case vorzubereiten.
Anhang A1: Massnahmen, die wir als wirksame Möglichkeiten gegen Delta sehen (Stand 23.11.2021)
Impfen
- Drittimpfung so schnell wie möglich
- Rasch Kinder impfen
- Entscheidung ob Impfobligatorium
Kommunikation
- Verstärkt auf Masken tragen, gute Durchlüftung, Abstand und das Meiden von Menschenversammlungen in Innenräumen sensibilisieren.
- Empfehlung von reduzierten Treffen im privaten Rahmen (z.B. max. 2 Haushalte).
Verordnete Massnahmen
- Öffentlicher Raum ohne Zertifikat: Masken überall in Innenräumen.
- Zertifikate: 2G mit Maske bzw. 2G plus (d.h. Test oder Booster) [am 23.11 hatten wir als weitere Option noch 3G mit Maske bzw. 2G, welche wir darauffolgend basierend auf der Entwicklung in den Spitälern als zu schwach eingestuft haben]. Alternativen sind Schliessungen.
- Kapazitätsbeschränkungen
- Homeoffice
- Schulen: regelmässig testen, Masken für alle Schüler:innen, CO2 Sensoren
Anhang A2. Überlegungen falls sich die Virulenz von Omikron ändern würde
Es gibt aktuell keine Evidenz, dass mögliche Änderungen in der Virulenz (d.h. Schwere der Verläufe) von Omikron die zu erwartende Krankheitslast reduzieren könnte. Mögliche Änderungen in der Virulenz von Omikron werden aktuell in verschiedenen Medien diskutiert. Manche Medien werfen die Frage auf, ob Infektionen mit Omikron tendenziell milder verlaufen könnten (z.B. [67],[68],[69]) als Infektionen mit Delta. Bei der Interpretation solcher Berichte ist Vorsicht geboten, weil die Befunde stark von den Charakteristika der infizierten Menschen abhängen.
Die zu erwartende Krankheitslast bei einer starken epidemischen Welle mit Omikron hängt von den Krankheitsverläufen in Ungeimpften und Geimpften ab. Bislang gibt es keine Information darüber, ob Infektionen mit Omikron in ungeimpften Menschen zu milderen Verläufen führen als Infektionen mit Delta. Aber selbst wenn das so wäre, würde das für die Schweiz nicht bedeuten, dass eine Ausbreitung von Omikron die potenzielle Krankheitslast reduzieren würde: In der Schweiz sind etwa 66% der Menschen doppelt oder dreifach geimpft[70]. Bei geimpften Menschen ist es bei partieller Immunevasion möglich, dass Infektionen mit Omikron häufiger zu Hospitalisationen führten als Infektionen mit Delta (wie oben diskutiert). Sogar falls Omikron in Ungeimpften tendenziell zu milderen Verläufen führen würde (wozu es noch keine Daten gibt), ist es also möglich, dass die gesamte zu erwartende Krankheitslast in einer mehrheitlich durchimpften Bevölkerung wie der Schweiz durch eine Ausbreitung durch Omikron trotzdem zunehmen würde. Aktuell (am 11.12.2021) liegen also noch keine Hinweise vor, die erlauben würden, die Auswirkungen einer Ausbreitung von Omikron auf die potenzielle Krankheitslast und die zu erwartende Belastung des Gesundheitssystems genau abzuschätzen. Die Abschätzungen im Haupttext nehmen an, dass die Virulenz unverändert ist.
Quellen:
[4] https://sciencetaskforce.ch/reproduktionszahl/ und https://ibz-shiny.ethz.ch/covid-19-re-international/: Die Schätzungen von Re über die letzten Tage können leichten Schwankungen unterliegen. Diese Schwankungen treten insbesondere in kleinen Regionen, bei sich ändernder Dynamik und bei niederen Fallzahlen auf.
[5] https://ibz-shiny.ethz.ch/covidDashboard/trends: Aufgrund von Melderverzögerungen werden die letzten 3 respektive 5 Tage für bestätigte Fälle und Hospitalisationen/Todesfälle nicht berücksichtigt.
[15] https://www.who.int/news/item/26-11-2021-classification-of-omicron-(b.1.1.529)-sars-cov-2-variant-of-concern
[18] https://www.who.int/publications/m/item/enhancing-readiness-for-omicron-(b.1.1.529)-technical-brief-and-priority-actions-for-member-states