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Die Basler Fasnacht und die Schweiz
8 March 2022
Die Basler Fasnacht, dieses Jahr vom 7. bis 9. März, gehört seit 2017 zum UNESCO-Welterbe. Was macht ein solches Ereignis zu einem Kulturerbe und wie unterscheidet es sich von ähnlichen Traditionen?
Fasnacht
Die französische Übersetzung für Fasnacht lautet „le carneval“. In anderen Ländern, wie z. B. den Niederlanden und Deutschland, ist dieses Ereignis mit dem katholischen Kalender verbunden, der den Beginn der Fastenzeit von vierzig Tagen bis Ostern vorsieht.
Basel zeichnet sich bereits in dieser Hinsicht aus: Die Fasnacht findet eine Woche später statt. Dies beschloss das protestantische Basel 1529. In Luzern und anderen Orten findet die Fasnacht jedoch nach dem katholischen Kalender statt.
Die Tradition der Basler Fasnacht geht auf das 14. Jahrhundert zurück und ist damals eng mit der Fastenzeit in Verbindung mit der Präsentation der Waffen durch die Miliz verbunden. Sie marschierten am frühen Morgen durch die Stadt, begleitet von der Marschmusik.
Die heutige Form und die Aktivitäten der Fasnacht haben sich vor allem nach dem Ersten Weltkrieg zu dem entwickelt, was sie heute ist. Die Website des Fasnachtskomitees bietet einen gut dokumentierten Überblick (www.fasnachts-comite.ch).
Basel
Basel nimmt historisch und kulturell einen besonderen Platz in der Schweizerischen Eidgenossenschaft ein, der die Stadt seit 1501 als Kanton angehört.
Der Kanton Basel-Stadt (entstanden durch die Abspaltung von Basel-Landschaft im Jahr 1833) ist geprägt von den ökonomischen und kulturellen Beziehungen mit Frankreich und Deutschland. Bis 1501 nahm es eine neutrale Position in den Konflikten zwischen der Eidgenossenschaft und Habsburg und ihren Verbündeten ein.
Die Niederlage Habsburgs im Schwabenkrieg und der Frieden von Basel 1499 ebneten den Weg zum Beitritt. Die wirtschaftliche Ausrichtung Basels war jedoch immer auch stark auf die französischen und deutschen Regionen als auf das Innere der Eidgenossenschaft ausgerichtet. Der heutige Verein Regio Basiliensis (www.regbas.ch) ist ein Beispiel für diese enge Zusammenarbeit.
UNESCO kulturelles Welterbe
Aber was macht diese Fasnacht, diesen Karneval, so besonders, dass er zum Weltkulturerbe wird? Es ist die Kombination aus der musikalischen Begleitung, den oft phantastischen Kostümen, der Kreativität und dem Humor der Laternen, dem Fasnachtskabarett (den Schnitzelbänggi), den Theateraufführungen, dem Engagement hunderter formell eingetragener Cliquen (Fasnachtsvereine) mit zehntausenden musikalisch ausgebildeten Mitgliedern und zahlreichen informellen Gruppen.
Was jedoch am meisten beeindruckt, ist die Erfahrung dieses Ereignisses. Schätzungsweise 200.000 Menschen und Einheimische besuchen die Fasnacht, Zehntausende von Teilnehmern marschieren mit ihren Piccoloflöten, Tamburinen und Blasinstrumenten drei Tage lang durch die Stadt, von 4.00 Uhr am Montag (der Morgestraich) bis 4.00 Uhr am Donnerstagmorgen.
Die Fasnacht hat den Charakter eines Umzug oder eher einer Prozession. Die massvolle Atmosphäre, der Respekt voreinander und vor den anderen Cliquen (ermöglicht durch die interne Organisation, die Praxis, die Übung und die Disziplin), die sich in den überfüllten Gassen regelmässig über den Weg laufen, das Fehlen von Possen und Saufgelagen auf den öffentlichen Strassen, die Ironie und die milde Satire und vor allem die Beteiligung und das Engagement der Bürger.
Basel, Fasnacht und die Schweiz
Basel und seine Fasnacht sind typisch für die Schweiz. Eine gute Organisation, eine seriöse und professionelle Darstellung von hauptsächlich Amateuren, leichter Humor und Satire, ein hohes kulturelles Niveau, ein grosses Engagement für die Gemeinschaft und die Traditionen, aber offen für Veränderungen und Anpassungen, oft mit Interesse an anderen Gesellschaften und dem Ausland sowie Bescheidenheit und Respekt voreinander.
Die Basler Fasnacht ist ein dreitägiges Fest, genau wie Karnaval. Es zeichnet sich jedoch durch seinen lokalen Basler Traditionen in Verbindung mit seinem schweizerischen Charakter aus. Nichts verkörpert die Fasnacht mehr als zwei radelnde Fasnächtler(innen?) im Zentrum von Basel.