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Werk
Nie hätte ich geahnt, was mir im Verlaufe der Jahre alles in den Sinn gekommen ist, was ich geschrieben und beschrieben, entworfen und verworfen, gestaltet, verwaltet, organisiert, initiiert, bewundert, verachtet und verarscht, akzeptiert, erlitten und genossen, verpasst und ignoriert habe - wenn nicht dieser Verrückte zu mir gesagt hätte: "Komm, wir machen eine Web Site über Dein Gesamtwerk."
Mein Tun
Ein Buchautor arbeitet zumeist mit der Schrift. Mein Vater auch; er war Schriftenmaler. Er hat eine Schrift gemalt und aufgestellt oder -geklebt.
Der Richter richtet, der Dichter dichtet.
Der Dramatiker macht Dramatisches, das nicht immer dramatisch heraus kommt.
Erfinden ist schön. Wer sucht, der findet; und wer findet, erkennt. Erkenntnis kann zur Erleuchtung führen, heisst es. Wieso eigentlich Er-Leuchtung und nicht Sie- oder Es-Leuchtung? Dann könnten wir alle leuchten, und es wäre heller.
Mein Vater hat sich Kunstmaler genannt. Was der konnte, kann ich allemal.
Gaukler
1973. Winter. Ich hatte genug getrunken, bezahlte meine Zeche und verliess die Hasenburg. An der Ecke vorne kaufte ich den STERN. Statt eines knackigen Girls war ein halb verhungertes Kleinkind auf dem Titelblatt: Hungersnot in Aethiopien.
Kurz nach Erscheinen meines ersten Buches engagierte mich ein Berliner Agent. Wir stellten gemeinsam ein Tournee-Programm mit Briefen, Episoden aus meinem Leben (Besuch bei Dalí, Bankbetrug, Knast in Mailand etc.) und ein paar Schwachsinnsnummern zusammen. Aber wie sollten wir die Chose nennen? Die Berliner Zeitung hatte mich den "Verrückten aus der Talk Show", das Hamburger Abendblatt den "grössten Clown" der Schweiz genannt. Das war's beides nicht. Wir dachten an "Spinner", "Narr" und dergleichen, einigten uns dann aber auf "Alpenphilosoph", weil es so schöne Fotos aus dem Sertigtal von mir gab und wir einen hoch begabten Plakatkünstler in Göttingen kannten. Kabarettist habe ich mich erst mit Claudia Federspiel zusammen genannt, da es ihr am angenehmsten war, weil es am seriösesten klang.
Eine Kolumne ist eine Säule. Ich produziere Säulen.
Vor meiner ersten Rede wusste ich, dass man die Leute nicht langweilen darf. Das verzeihen sie einem nicht. Deshalb habe ich mich an diese Devise gehalten. Geholfen hat auch, dass ich Schauspieler bin. Das verhindert die Monotonität.
In der Schule wollte mich der Singlehrer zur Teilnahme an der Sing-Elite überreden. Ich war aber schon damals zu faul und wollte lieber meine Freiheit im Wald mit Freunden ausleben. Meine Mutter war zwar als Sängerin ein Naturtalent und sang vom deutschen Schlager über Ave Maria bis zu tessiner Liedern alles - sie war in Locarno aufgewachsen und ein Sonnenschein. Ich sang immer gerne, sei es in der Schule, bei den Pfadfindern, in der Jungschar, in Schul- und Ferienlagern und manchmal mit der Mama. Aber zwingen lassen wollte ich mich nicht. Deshalb dauerte es auch so lange, bis es mich doch noch hinein zog und ich zum - kurzfristigen - Sänger wurde.
Alles ist Spiel. Das sagen alle Weisen. Wichtig ist, dass man auf der Bühne nicht meint, man müsse jetzt plötzlich zeigen, wer man wirklich ist.
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Alle Rechte © René Schweizer - Letzte Änderung: 09.12.2010