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Es gehörte zum Programm der fünften Klasse, dass wir am Ende des Schuljahres eine Woche in einem Klassenlager verbrachten. Weil ich wusste, dass die Kinder später eher die grosse und weite Welt entdecken wollten und die Bergwelt weniger eine Rolle für sie spielen würde, machte ich das Lager immer in Elm in einem der Lagerhäuser auf Ämpächli. Weil ich in dieser Bergwelt aufgewachsen bin, kannte ich mich ein wenig aus.
Mit der Zeit stellte sich heraus, dass das Berghaus "Vorab" der Sportbahnen für einen guten Verlauf des Lagers am besten geeignet war. Zwei grosse Aufenthaltsräume, ein grosser Spielraum, Dusch- und Waschräume wie in einer Turnhalle und eine gut eingerichtete Küche trugen viel dazu bei, dass die Kinder und die Leitung für die Stunden an der Arbeit und in der Freizeit gute Bedingungen hatten.
Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass meine Frau und ich allein mit über zwanzig Kindern für eine Schulwoche in einem Berghaus weilten, Bergtouren machten, im Freien spielten und im Haus Schule hielten. In den ersten Jahren gab es noch keine Handys. Telefonieren konnten die Kinder nur von der Telefonkabine aus, die es im Berghaus gab oder von derjenigen im nahen Restaurant Ämpächli, das aber ab fünf Uhr geschlossen war.
Da wir mit unseren gut zwanzig Nasen einen Lagerteil mit fast sechzig Plätzen besetzten, war es verständlich, dass die Hausbesitzer, als sie eine Anfrage für die Belegung aller Plätze erhielten, uns das Haus nicht mehr geben wollten. Sie machten uns aber das Angebot, die fünf Appartements im dritten Stock des Hauses zum gleichen Preis zur Verfügung zu stellen. Dies musste ich mit meiner Frau besprechen, denn sie war im Klassenlager Köchin, Klagemauer, Trösterin bei Heimweh, Schlussfrau auf Wanderungen, Samariterin und, und, und…, gewissermassen die wichtigste Person im Lager. Sie musste nun von einer Hotelküche auf eine Küche mit zwei Herdplatten, von denen in jedem Appartement eine zur Verfügung stand, umstellen.
Wir trafen eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als Highlight des Lagers entpuppte. Die Menüs besprachen wir mit den Kindern vor dem Lager. Sie wählten das Übliche: Tomaten-Spaghetti, Gehacktes, Höreli und Apfelmus, Geschnetzeltes, Kartoffelstock, Erbsen und Rüebli, Brätkügelchen und Reis. Bei den meisten Menüs waren Suppe und Salat dabei. Ein Dessert durfte auch nicht fehlen. So starteten wir den Versuch mit den Appartements, indem meine Frau das Fleisch und die Saucen zuhause zubereitete, sie in Portionen für jedes Appartement abfüllte, einfror und im Lagerhaus bis zum Gebrauch in den Tiefkühler legte.
Das Appartement in der Mitte, war dasjenige meiner Frau und mir. In den beiden Wohnungen links von uns hausten die Knaben, während die Mädchen die Appartements rechts von uns bewohnten. Vor dem Essen wurden die Kinder von meiner Frau informiert, wie sie die Suppe kochen, die Zutaten zubereiten und den Salat rüsten mussten. Meine Frau und ich zirkulierten dann im Gang und halfen dort, wo es nötig war. Auch die Essensregeln hatten wir vorher mit den Kindern festgelegt. Mit dem Essen konnte begonnen werden, wenn alle etwas auf dem Teller hatten. Jedes Kind schöpfte selbst und musste seinen Teller leer essen. Erst wenn alle fertig gegessen hatten, wurden die Teller zusammengestellt. Wie sich die Zimmergruppen organisierten, überliess ich ihnen und staunte, wie die Organisation funktionierte. Sie bestimmten, wer den Tisch deckte, wer kochte und wer den Abwasch machte. Jeden Tag wechselten die Ämtchen. Ein weiterer positiver Aspekt beim Kochen durch die Kinder zeigte sich: Wir hörten kaum einmal, dass jemand etwas nicht essen wollte.
Nach dem Essen machte meine Frau die Runde und fragte in jedem Zimmer, ob das Essen geschmeckt hätte. In einem Mädchenzimmer merkte sie, dass nicht alles in Ordnung gewesen war. Als sie nachhakte, gestanden die Kinder, dass dasjenige, das den Kartoffelstock zu würzen hatte, statt des Salzes Zucker genommen hatte. Statt zu uns zu kommen – wir hätten noch genug ungesüssten Kartoffelstock gehabt – assen sie den süssen Stock.
In den schriftlichen Rückmeldungen nach dem Lager konnte ich immer wieder lesen, dass das Kochen und Essen in der Gruppe das Beste gewesen sei und grossen Spass gemacht habe.
Diese Lagerwochen zeigten mir immer wieder, dass sie für das Zusammenleben, das Austragen von Konflikten und das Rücksichtnehmen aufeinander für die Kinder viel wichtiger waren als das Auswendiglernen von Schulstoff, den sie zwei Wochen nach der Prüfung wieder vergessen hatten.