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Unsere Genossenschaft ist der Hüter des Schweizer Holstein-Herdebuchs. Mit der Führung des Herdebuchs, der Leistungskontrolle und der Zuchtwertschätzung unternimmt er alles, um sichere und zuverlässige Selektionsinstrumente gemäss Tierzuchtverordnung (TZV 916.310) zur Verfügung zu stellen. Als Dienstleistungsbetrieb bietet die Genossenschaft seinen Mitgliedern zahlreiche andere geeignete und nützliche Dienstleistungen für das Herdenmanagement zum besten Preis-Leistungs-Verhältnis an. Ein von Vertrauen und Nähe geprägter Kontakt zu den Mitgliedern ist eine Priorität für die Mitarbeitenden der Genossenschaft.
Die erste Schwarzfleckviehzuchtgenossenschaft wurde 1890 in Treyvaux (FR) gegründet. Zum diesem Zeitpunkt begann das Konzept der Rasse eine wichtige Rolle zu spielen, und die Idee kam auf, sich zusammenzuschliessen, um einen qualitativ hochstehenden Stier zu kaufen oder eine Alp für die Sömmerung zu mieten oder zu kaufen. Zwischen 1891 und 1899 wurden rasch andere Genossenschaften gegründet. Das Schwarzfleckvieh war zu diesem Zeitpunkt ausserhalb des Kantons Freiburg kaum verbreitet. Im Neuenburger Jura und viel später im Kanton Basel wurden ebenfalls Zuchtgenossenschaften für diese Rasse von Züchtern gegründet. Der schweizerische Verband wurde 1899 gegründet. Am Anfang bestanden seine Hauptaufgaben darin, den jährlichen Stiermarkt in Bulle zu organisieren und den Viehexport zu koordinieren. Erst später übernahm er die Führung des Herdebuchs vom Bund.
Anfang der 1940er-Jahre war die Situation des Schwarzfleckviehs beunruhigend. Gemäss Bundesbeschluss von 1944 über die Abgrenzung der Rassengebiete musste eine Rasse mindestens 20% des gesamten Bestandes oder mindestens 1’000 Tiere zählen, um in einer Region anerkannt zu werden. Genossenschaften konnten nur gegründet werden, wenn diese Bedingungen eingehalten wurden, und ohne Genossenschaften war die Anerkennung der Stiere für das Herdebuch nicht möglich. Es mussten nämlich alle Stiere anerkannt werden, auch diejenigen, die auf Betrieben standen, die dem Herdebuch nicht angeschlossen waren. Zu diesem Zeitpunkt fand man Schwarzfleckviehherden nur noch in einigen Regionen der Kantone Freiburg, Neuenburg und Basel. Das Überleben der Rasse war gefährdet, da keine neuen Genossenschaften mehr gegründet werden konnten. Ein paar einzelne Herden waren noch in der restlichen Schweiz verstreut. Der Schwarzfleckviehbestand nahm weiterhin ab. In den 1950er-Jahr waren nur noch 8‘000 Kühe im Herdebuch registriert. Als Folge der Bestandsabnahme nahm der Blutverwandtschaftsgrad stark zu. So kam der Erbfehler der sogenannten Schlittenkälber, der auf den Stier Mouton aus Sâles (FR) zurückging, immer häufiger vor, und die Lage der Rasse war mehr als prekär.
Anfang der 1950er-Jahre wurden erste Kreuzungsversuche mit zwei aus Deutschland importierten Friesischen Stieren gemacht. Die ersten Samendosen von Friesischen Stieren wurden dann zu Beginn der 1960er-Jahre importiert. Es wurden auch Friesische Kälber und Kühe aus Deutschland und Frankreich über die Grenze geschmuggelt. 1966 hob der Bundesrat die Rassenzonen auf. Die Situation verbesserte sich für das Schwarzfleckvieh. Gleichzeitig wurde die Besamung liberalisiert, und der Samenimport wurde unter gewissen Bedingungen zugelassen.
1966 importierte der Schweizerische Schwarzfleckviehzuchtverband zum ersten Mal 1‘000 Holstein-Samendosen aus Kanada. Eine Züchterreise nach Kanada und die Qualität der Kreuzungen mit der Holstein in der Schweiz bestätigten den gewählten Weg. Nach einem vorsichtigen Start nahmen die Samenimporte explosionsartig zu. 1973 wurden 29’000 weibliche Tiere mit Holstein-Sperma besamt. Der Bund hemmte jedoch erneut die Entwicklung in Richtung einer produktiven Kuh durch eine Einschränkung des Samenimportes. Der Anteil der Besamungen mit importiertem Samen auf den Herdebuchbetrieben wurde 1981 auf 33% festgelegt. Die nicht angeschlossenen Betriebe hatten bereits seit 1975 nicht mehr Anrecht darauf. Die sanitären Anforderungen schränkten später den Zugang zu interessanten Stieren nochmals ein.
Die Entwicklung setzte sich trotzdem fort. Die elegante Holsteinkuh ersetzte immer mehr das als Zweinutzungsrasse verwendete Freiburger Schwarzfleckvieh. Die hohen und zuverlässigen Leistungen, das gut aufgehängte Euter, das einfache Melken, die Grösse und die Tiefe ermöglichen den Bauern eine wirtschaftliche Milchproduktion. Dank ihrer sehr überzeugenden Eigenschaften etablierte sich die Holstein in den 1970er- und 1980er-Jahren in der ganzen Schweiz. Der Bestand wuchs rasch von 2 auf 10% des Milchviehbestands (heute: über 14%). Zu diesem Zeitpunkt wurden auch Holstein-Zuchtgenossenschaften in der Deutschschweiz gegründet. Heute gibt es 86 Holstein-Zuchtgenossenschaften und –Züchtervereinigungen in 25 Kantonen. Die Genossenschaft zählt mehr als 2’250 Mitglieder und 115’000 weibliche Holsteintiere.