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Muttermilch – und sie ist doch wichtig
Immer wieder hören wir von Gynäkologen und auch Pädiatern, dass Stillen gar nicht so wichtig sei für das Kind. Autoren einer Studie im Pediatric Infectious Diseases sind anderer Meinung.Säuglinge erkranken of an viralen Erkrankungen der Luftwege. Diese können in den ersten Lebensmonaten sehr schwer verlaufen. In dieser Studie der Vanderbilt University in Nashville, Tenessee wurden 629 am Termin geborene Säuglinge prospektiv eingeschlossen, welche wegen einer akuten, viralen Infektion der Luftwege hospitalisiert wurden. Dabei wurde unterschieden zwischen Kindern mit Infektionen der oberen und der unteren Luftwege.
Bronchiolitis – Schwere Erkrankung
Allgemein gehen wir davon aus, dass sich virale Infektionen der oberen Luftwege auf die unteren Luftwege ausbreiten können und dort bei Kindern die gefürchteten Fälle von Bronchiolitis auslösen können. Daher wurden diese beiden Krankheitsbilder als zwei unterschiedlich schwere Ausdrucksformen einer viralen Infektion angesehen.
Stillen – keine Selbstverständlichkeit mehr!
Neben zahlreichen anderen mögichen Risikofaktoren wurde auch das Stillen nach der Geburt in die Analysen einbezogen. Erfasst wurde, ob die Kinder je oder gar nie gestillt wurden. Tatsächlich wurden nur noch gerade 57% der Kinder gestillt und dies im Mittel für 6 Wochen. Stillen war häufiger bei älteren, weissen Frauen mit besseren Einkommensverhältnissen aber auch weniger Rauchern in der Familie. Alles Faktoren, die mit einer besseren Gesundheit einhergehen.
Multivariate Analyse zeigt schützende Wirkung des Stillens
In einer Situation, wo so viele Einflussfaktoren zusammenspielen, wählt der Statistiker eine sogenannte multivariate Analyse, um die einzelne Bedeutung der vielen EInflussfaktoren auseinander zu halten. In dieser Multivaraten Analyse zeigte sich dass die Chance, eine Infektion der unteren Luftwege zu erleiden bei gestillten Kindern rund 1/3 (36%) geringer ausfiel. Die Autoren diskutieren in dieser Arbeit auch mögliche Einschränkunen dieser Arbeit, betonen aber doch, dass dies die erste Arbeit sei, die auch für eine relativ kurze Stillperiode (schon ab 1 Woche!) eine schützende Wirkung zeigt.
Auch bei HIV positiven Müttern ein Thema
Immer wieder wird bei der Beratung von HIV-positiven Müttern gesagt, sie sollten auf Stillen verzichten, so wichtig sein nun das Stillen auch wieder nicht. Die Studie erinnert uns daran, dass Stillen keineswegs eine Luxusvariante der Natur ist, sondern tatsächlich relevante Folgen für unser Immunsystem hat.
Angesichts des nun gut dokumentierten Nachweises eines fehlenden Übertragungsrisiko für Neugeborene, deren Mütter eine gut wirksame HIV-Therapie hatten, scheint es uns an der Zeit, dass wir die Mütter wieder dazu anhalten, zu stillen. Auch das immer wieder erwähnte Risiko der Restmenge von HIV-Medikamenten in der Muttermilch ist vernachlässigbar angesichts der Tatsache, dass viele Neonatologen und Pädiater die Kinder von HIV-positiven Müttern immer noch während 4 Wochen mit einer voll dosierten HIV-Dreierkombination behandeln.