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Nicht alles, was gegen Erkältungen empfohlen wird, nutzt auch wirklich. Manche traditionellen Hausmittel halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Doch einige Heilpflanzen-Präparate wirken nachweislich, etwa Extrakte aus Pelargonium sidoides (Umckaloabo).
Die Inhalation von Wasserdampf beispielsweise fiel in einer Analyse von 6 Studien durch. Zwar wurde der Wasserdampf in einigen der Untersuchungen als symptomatisch hilfreich eingestuft. Doch insgesamt besteht zuwenig Klarheit, um diese schon von Großmutter angewandte Behandlung zu empfehlen.
Beim Skifahren schützt Vitamin C die Nase – möglicherweise…
Das vielfach propagierte Vitamin C schnitt bei der Prävention oder Heilung von Erkältungen zwar ein bisschen, aber nicht viel besser ab. Eine Arbeitsgruppe erfasste in einer Metaanalyse Studien, in denen die Teilnehmenden täglich mindestens 0,2 g Ascorbinsäure einnahmen. Der reguläre Vitamin-C-Konsum verkürzte demnach zwar ein wenig die Dauer von Erkältungen. Klinisch bewerten die Forscher diesen Effekt jedoch als „zweifelhaft“. Die Anzahl der Neuerkrankungen an grippalen Infekten wurde bei „normalen“ Teilnehmern nicht reduziert. Bei Personen allerdings, die kurzzeitig extremer Kälte und/oder physischer Belastung ausgesetzt waren, beispielsweise bei Ski- oder Marathonläufern, halbierte die Vitamin-Einnahme das Erkältungsrisiko.
Knoblauchgeruch als Virenschreck?
Auch Knoblauch taugt offenbar nicht als zuverlässige Geheimwaffe gegen „common cold“. Ein australisches Team fand nur eine einzige Knoblauch-Studie mit 146 Teilnehmern, die den Einschlusskriterien für eine Metaanalyse entsprach. Zwar berichteten die Teilnehmenden in 12 Wochen seltener über Erkältungen als Probanden der Placebogruppe. Auch dauerten Husten, Schnupfen und Heiserkeit ein wenig kürzer. Aber insgesamt erscheint die Beweisbarkeit den Forschenden zu dürftig, um daraus eine Empfehlung für regelmäßigen Knoblauchkonsum ableiten zu können. Auch weil die knollentypischen olfaktorischen Nebenwirkungen (Geruch) nicht ausblieben.
Zubereitungen aus anderen Pflanzen allerdings haben nachweislich einen großen Stellenwert in der Behandlung von Atemweginfekten. Das gilt ganz speziell bei erkälteten Kindern, erklärte der Pädiater Privatdozent Dr. Wolfgang Kamin vom Evangelischen Krankenhaus Hamm auf dem Phytotherapie-Kongress in Berlin. Im Gegensatz zu vielen anderen Medikamenten, gibt es mit einigen der bei Erkältung indizierten Naturheilmittel jahrhundertelange Erfahrung, stellte Wolfgang Kamin fest. Und diese Erfahrung lässt sich heute vielfach durch kontrollierte Studien bestätigen.
Umckaloabo wirkt auch bei Kindern
Dr. Kamin nannte als Beispiel drei Studien, in denen der Effekt des Pelargonium-sidoides-Extraktes bei akut an Bronchitis erkrankten Kindern erforscht wurde. In zwei Studien mit insgesamt 420 Patienten wurde das Präparat in Form von Tropfen eingesetzt, in der dritten Studie mit 399 Kindern in Tabletten-Form. Alle drei Untersuchungen brachten gemessen am Symptomenscore im Vergleich zu Placebo deutlich positive Resultate für den Pelargonien-Auszug, erklärte der Pädiater. Wenn bei Kindern keine zwingende Indikation für ein Antibiotikum bestehe, sei der Pelargonium-Extrakt daher eine wirksame und außerdem auch gut verträgliche Alternative zur Behandlung einer akuten Bronchitis.
Wie bei Kindern wurde auch bei erwachsenen Patienten mit akuter Bronchitis in verschiedenen kontrollierten Studien ein Nutzen des Heilpflanzen-Präparates nachgewiesen.
Quellen:
http://www.medical-tribune.de/patienten/magazin/25710/ MTD, Ausgabe 5 / 2010 S.14,
Meenu Singh, Cochrane Database Syst Rev 2006, 3: CD001728,
Harri Hemilä et al., Cochrane Database Syst Rev 2007, 3: CD000980;
Elizabeth Lissiman et al., Cochrane Database Syst Rev 2009, 3: CD0062206;
Antje Timmer et al., Cochrane Database Syst Rev 2008, 3: CD006323
Kommentar & Ergänzung:
Dieser Text scheint mir ein bisschen „Umckaloabo-lastig“. Jedenfalls tönt er wie ein PR-Text eines Herstellers von Umckaloabo-Präparaten. Umckaloabo gehört zweifellos zu den interessanten Heilpflanzen.
Bei Bronchitis gibt es aber eine ganze Anzahl von wirksamen Heilpflanzen wie zum Beispiel Efeu-Extrakt, Thymian bzw. Thymianöl, Eukalyptus bzw. Eukalyptusöl, Meerrettich…..
P.S.: Das Tagesseminar „Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten & grippalen Infekten“ bietet einen fundierten Überblick über die Wirkungen der Heilpflanzen bei Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Fieber, Heiserkeit etc., – und über die Möglichkeiten aber auch Grenzen pflanzlicher Immunstimulation.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch