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Politischen Umständen ist es zu verdanken, dass Joseph Joachim Raff seine Jugend in der Schweiz verbrachte. Sein Vater, Franz Josef Raff, verliess seinen Heimatort Wiesenstetten bei Empfingen im Schwarzwald, um sich der Zwangsrekrutierung in die Napoleonische Armee zu entziehen. Am 27. Mai 1822 kam in Lachen am Zürichsee Joseph Joachim zur Welt. Nach der Schulausbildung in Lachen, Rottenburg (D) und vier Jahren im Jesuitenkollegium in Schwyz wurde Raff zuerst Primarlehrer in Rapperswil. Nach vier Jahren Schuldienst und autodidaktischer Ausbildung in Klavier- Orgel- und Violinspiel wählte er den Musikerberuf.
Im Sommer 1845 engagierte der Klaviervirtuose und Komponist Franz Liszt den jungen Raff als Sekretär. Nach einem ersten Zerwürfnis mit Liszt suchte er 1847 in Stuttgart Fuss zu fassen, wo er auch seinen später wohl treusten Freund und Förderer seiner Werke, Hans von Bülow, zum ersten Mal begegnete. Nach kurzer Anstellung in einem Hamburger Verlagshaus lud Liszt ihn zum zweiten Mal ein, für ihn zu arbeiten (Korrespondenz, Ordnen von Manuskripten, Mithilfe bei Instrumentationen). In diese Zeit fallen auch erste grössere Aufführungen seiner Werke («König Alfred» am Weimarer Hoftheater). Auf die Dauer war aber Raffs eigenständiger Charakter mit dem Liszts nicht zu vereinbaren und der junge Komponist ging (auch stilistisch) seine eigenen Wege. 1856 verliess er Weimar und siedelte sich für 21 Jahre in Wiesbaden an, wo seine Braut, Doris Genast, seit 1853 am herzoglich-nassauischen Theater mit grossem Erfolg als Schauspielerin wirkte. Es folgte eine Zeit intensivster kompositorischer Tätigkeit neben seinem Wirken als Klavierlehrer und Dozent für Harmonielehre. Bald wurde er einer der gefragtesten Komponisten seiner Zeit, wobei ihn der langsam aufkommende Ruf als «Vielschreiber» sehr ärgerte.
1877 wurde Raff als erster Direktor des Hochschen Konservatoriums nach Frankfurt berufen. Das Institut gewann in den ersten Jahren einen internationalen Ruf, nicht zuletzt dank Raffs Anstellung vorzüglicher Musikerpersöhnlichkeiten (Julius Stockhausen, Clara Schumann…). Ein Zerwürfnis mit dem Kuratorium des Konservatoriums belastete seine Tätigkeit in den letzten Jahren sehr. Auch seine Gesundheit war angschlagen, er litt unter Erstickungsanfällen. Kurz nach seinem sechzigsten Geburtstag, in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1882, starb Raff in seiner Wohnung in Frankfurt an einem Herzinfarkt.
Wesentlich detailliertere Angaben über Leben und Werk des Komponisten sind auf der unübertroffenen, englischsprachigen Referenz-Seite zu Joachim Raff, www.raff.org, zu finden – und natürlich in der 2014 erschienenen Biographie von Res Marty.