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20 Jahre Moorschutz – Erste Erfolgskontrolle (Letzte Änderung 11.01.2008)
Bern, 22.11.2007 - Ohne die Annahme der Rothenthurm-Initiative vor 20 Jahren wären heute viele Schweizer Moore unwiederbringlich verloren. Dank des Moorschutzes ist in einer Beobachtungsperiode von 5 Jahren die Fläche der Moore von nationaler Bedeutung um lediglich 1 Prozent zurückgegangen. Stärker abgenommen hat hingegen die Qualität der Moore. Regeneration und weniger Nährstoffeintrag soll die Situation wieder verbessern.
Die Moore machen bloss 0,5 Prozent der Landesfläche aus, beherbergen aber rund einen Viertel der bedrohten Pflanzenarten der Schweiz (siehe Kasten). Die Annahme der Rothenthurm-Initiative am 6. Dezember 1987 löste eine markante Verstärkung im schweizerischen Moor- und Biotopschutz aus. Heute sind Moore (Hoch- sowie Flachmoore) und Moorlandschaften von nationaler Bedeutung in entsprechenden Bundesinventaren festgehalten.
Zum 20. Jahrestag der Volksabstimmung über die Rothenthurm-Initiative publiziert das Bundesamt für Umwelt BAFU die Ergebnisse der seit 1997 durchgeführten Erfolgskontrolle Moorschutz (siehe Faktenblatt 1). Die Erfolgskontrolle liefert erstmals wissenschaftlich fundierte Aussagen zum Zustand und zur Entwicklung der Moore und Moorlandschaften von nationaler Bedeutung. Die Beobachtung erstreckte sich über 10 Jahre. Jedes Objekt wurde in dieser Zeit zweimal untersucht und zwar im Abstand von fünf Jahren (erste Erhebung zwischen 1997 und 2001, zweite Erhebung zwischen 2002 und 2006).Quantitativer Schutz erfolgreich, aber qualitativer Rückgang
Heute sind bereits 91 Prozent der Hochmoore und 87 Prozent der Flachmoore kantonalrechtlich geschützt, und der Schutz von Moorlandschaften ist inzwischen bei 85 Prozent der Objekte umgesetzt oder weit vorangeschritten. Damit ist ein wesentlicher erster Schritt zum Schutz getan. Dank dieses Schutzes hat die Fläche der Hoch- und Flachmoore von nationaler Bedeutung in der Beobachtungsperiode lediglich um 1 Prozent abgenommen.
Die Qualität der geschützten Moore hat sich jedoch im untersuchten Zeitraum wesentlich verschlechtert (siehe Faktenblatt 1). Konkret heisst das: Über ein Viertel der Moore ist trockener geworden, in einem Viertel der Moore hat die Nährstoffversorgung zugenommen und fast ein Drittel der Objekte ist von der Verbuschung und Einwaldung betroffen, weil die Biotope nicht mehr genutzt werden oder austrocknen.Moore regenerieren und Zusammenarbeit fördern
Um der Austrocknung und der Verbuschung zu begegnen, will das BAFU einen Schwerpunkt auf die Regeneration der Moore legen (siehe Faktenblatt 2). Regenerationsmassnahmen vermögen die Entwässerung der Moore zu stoppen. Indem alte Drainagegräben und -röhren dicht gemacht werden, kann der ursprüngliche Wasserhaushalt wieder hergestellt werden. Der Regenerationsprozess kann zwar mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen, aber die Erfolgskontrolle konnte nachweisen, dass Hochmoore nach einer Regeneration wieder wachsen können.
Um das Problem des Nährstoffeintrags in Moore - besonders in Flachmoore - zu lösen, ist die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft zentral. Der Nährstoffeintrag in Moore kann nämlich durch ausreichend breite Pufferzonen wirksam verhindert werden.
Die wichtigsten Partner des BAFU sind die Kantone, die für Umsetzung und Vollzug des Moorschutzes verantwortlich sind: Das BAFU bietet ihnen nebst finanzieller Unterstützung auch Wissenstransfer und Beratung, und es hilft mit bei der Koordination unter Behörden und Interessenverbänden.
KASTEN
Schutz von wertvollen Lebensräumen
Mit der Annahme der Rothenthurm-Initiative hat sich die Schweizer Stimmbevölkerung dafür ausgesprochen, die verbliebenen Moore und Moorlandschaften der Schweiz zu erhalten. Vor 200 Jahren bedeckten Moore noch 6% der Schweizer Landesfläche. Zum Zeitpunkt der Annahme der Rothenthurm-Initiative am 6. Dezember 1987 waren es nur noch rund 0,5%. Die Hauptursachen für den flächenmässigen Rückgang der Moore waren Abtorfung und Trockenlegung. Erst die Unterschutzstellung der Moore beendete deren direkte Zerstörung.
Moore sind wertvolle Lebensräume. Hochmoore gehören zu den letzten Resten der Schweizer Urlandschaft; Flachmoore sind lebendige Zeugen der traditionellen Kulturlandschaft. Moore tragen damit entscheidend zur Landschaftsqualität bei. Sie sind von zentraler Bedeutung für die Erhaltung der Artenvielfalt: Auf nur 0,5% der Landesfläche beherbergen sie einen Viertel aller bedrohten Pflanzenarten der Schweiz. Intakte Moore sind zudem wichtige Kohlenstoffsenken.
Adresse für Rückfragen
Willy Geiger, Vizedirektor Bundesamt für Umwelt BAFU, Tel. 031 322 24 96
Evelyne Marendaz Guignet, Abteilungschefin Artenmanagement, BAFU,
Tel. 031 325 53 42
Carole Gonet, Sektion Arten und Biotope, BAFU, Tel. 031 322 93 65
Rolf Waldis, Sektion Arten und Biotope, BAFU, Tel. 031 322 93 61 (ab 26.11.07)
Dokumente
- Photo 1: Hochmoor Chaltenbrunnen / Le haut-marais de Chaltenbrunnen / Torbiera alta Chaltenbrunnen (JPG, 117 kB)
- Photo 2: Hochmoor in Glaubenberg / Haut-marais de Glaubenberg / Torbiera alta a Glaubenberg (JPG, 317 kB)
- Photo 3: Alpines Flachmoor mit Wollgräsern / Bas-marais alpin à linaigrettes / Palude alpina con Eriophorum (JPG, 211 kB)
- Photo 4: Streuemahd in einem Flachmoor / Fenaison dans un bas-marais / Fienagione in una palude (JPG, 354 kB)
- Photo 5: Moorlandschaft Lac de Lussy / Site marécageux du lac de Lussy / Zona palustre Lac de Lussy (JPG, 340 kB)
Herausgeber
Bundesamt für Umwelt BAFU
http://www.bafu.admin.ch
Letzte Änderung 20.04.2018