Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03583.jsonl.gz/1538

Am 9. Mai 1950 hat der damalige französische Aussenminister Robert Schuman seinen Vorschlag für eine engere Zusammenarbeit der europäischen Staaten zur Prävention zukünftiger Konflikte vorgestellt. Diese Schuman-Deklaration gilt als Grundstein der Europäischen Union. Auch in Serbien wird am 9. Mai nicht nur der sowjetische Sieg über den Faschismus, das Ende des zweiten Weltkrieges, sondern auch der Europatag gefeiert.
In Belgrad verwandelt sich die gesamte Fussgägerzone der Knez Mihailova-Strasse in eine „Europastrasse“. Jede Botschaft eines Mitgliedstaates der EU betreibt einen Stand. In Subotica, der Stadt der Autorin, wird der „Dan Evrope“ in kleinerem Rahmen begangen. Für einen „Europastand“ auf dem Korso, der wichtigsten Spazierstrasse im Stadtzentrum, haben zwanzig Botschaften sowie die Europäische Kommission Info-und Werbematerial zur Verfügung gestellt. Rund 15 junge Freiwillige verteilen an Passanten Broschüren wie „Deutschland in Zahlen“, „Facts about Slovenia“, „Label France“, „100 Questions and answers about the United Kingdom“ und „Study in Europe“. Einige bleiben interesstiert stehen, stellen Fragen zum YIA-Jugendaustauschprogramm oder den Möglichkeiten in Frankreich zu studieren.
Europa als fernes Ideal
Andere aber reagieren mit spottendem Lachen. „Europa,….ja, was wollen wir mit Europa?! Und was wollen die mit uns?!“. So heisst es beispielsweise: „Von uns werden hundert Regelungen zum Schutz von ethnischen und sprachlichen Minderheiten gefordert, Frankreich aber muss okzitanisch (galloromanische Sprache, die im Süden Frankreichs gesprochen wird, Anm. d. Red.) nicht als offizielle Sprache anerkennen!“. Oder: „Da werden von uns demokratische Standards ersucht, aber dass die NATO wegen eines einzigen unfähigen Politikers, das ganze Land bombardiert, das ist in Ordnung.“ Frustriert sind Viele auch über die eigenen Politiker, die hohe Korruption und ihr Bildungssystem, das meilenweit hinter Westeuropa zurück stehe. „Serbien wird nie so weit wie Europa sein“, sagen sie. Selten versteht jemand Serbien als Teil Europas. Für viele ist Europa eher ein fernes Ideal als ein reales geographisches oder kulturelles Gebilde.
Die EU-Landkarte der Europäischen Kommission ist bei den Jugendlichen besonders beliebt. Da kann man sich ausmalen, wohin man überall reisen wird, wenn denn Serbien endlich auf der weissen Liste für das Schengen-Visa (Visumfreies Reisen in der Schengenzone) steht. Einige sind optimistisch, dass dies ab nächstem Jahr der Fall sein wird. Andere winken desillusioniert ab. Seit Jahren werde dies versprochen und nie geschehe etwas. Kaum ein serbischer Jugendlicher hat viel von Europa gesehen. Ohne offizielle Einladung einer Organisation oder Universität ist es für Jugendliche so gut wie unmöglich, ein Schengenvisum zu erhalten. Neben dem Infostand schreiben sie ihre Wünsche in Zusammenhang mit Europa auf. Sie schneiden Sterne aus gelbem Papier aus und pinnen diese an ein grosses blaues Tuch. Auf diesen Sternen stehen Wünsche wie: „Weniger Gedankenlosigkeit“, „Dass wir ein wenig besser leben“, und „Offene Grenzen“.
Mehr zur Autorin und zu „Jugend in Aktion“
Noemi Anne Helfenstein (23 Jahre), wohnt in der Schweiz und hat an den Unis Neuchatel Fribourg und Bern einen Bachelor-Abschluss in Geschichte und Slavistik gemacht. Seit März 2009 ist sie mit dem European Volunteer Service (Eine Aktion des Programms "Jugend in Aktion") in Subotica, wo sie für die Local Democracy Agency arbeitet. Ab September diesen Jahres kehrt sie vermutlich wieder in die Schweiz zurück, um in Genf ihren Master in Internationaler Geschichte und Politik zu machen.
Willst auch du an einem Seminar, Trainingskurs oder einer Jugendbegegnung teilnehmen oder selber ein Projekt durchführen? Mehr Infos dazu findest du auf der Homepage der Schweizerischen Koordinationsstelle Jugend für Europa unter www.jugendfuereuropa.ch oder <email-pii>.