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Fischfang: Calusa bauten Wasserbecken für reiche Beute
Worauf gründete der Reichtum der Calusa? Das Indianervolk in Florida betrieb Fischfang, dessen Erfolg auf ausgeklügelten Strukturen aus Dämmen beruhte. Diesen Schluss ziehen US-Forscher in einer Studie.
Quelle: Florida Museum / Merald Clark
Auf einem rund 10 Meter hohen künstlichen Hügel - oder Mound - hatten die Calusa einen Palast errichtet, der rund 2000 Leuten Platz geboten haben soll, dies berichten Überlieferungen der spanischen Eroberer.
Als der spanische Eroberer Juan Ponce de León im 16. Jahrhundert Florida entdeckte, befand sich das Reich der Calusa auf seinem Höhepunkt: Das Indianervolk lebte in grossangelegten Gemeinschaftshäusern und hatte es zu Macht und Reichtum gebracht. Die Calusa trieben Handel, sie hatten Verkehrswege und Kanäle angelegt. Bis heute zeugen auch sogenannte Mounds von ihrem Wirken: Mit „Mound“ werden im Südosten der Vereinigten Staaten von den Ureinwohnern künstlich angelegte Hügel bezeichnet.
Davon erzählt die Estero-Bucht im Westen des US-Bundesstaats, oder vielmehr der „Mound Key“, wo sich die Hauptsiedlung der Calusa befand. Lange war nicht klar, was ihren Wohlstand der ausmachte. Denn im Gegensatz zu vergleichbaren Kulturen wie jene der Maya oder Inka betrieben sie keinen Ackerbau.
Ausgeklügelte Fischfang-Technik
Doch nun hat ein amerikanisches Wissenschaftlerteam in einer Studie, unter anderem mit Beteiligung der Universität von Georgia und des Florida Museum of Natural History, die Antwort auf die Frage gefunden: Die Calusa lebten vom Fischfang, der auf einer ausgeklügelten Technik beruhte. Sie ermöglichte es, dass sich der reiche Ertrag so nutzen liess, dass er trotz des subtropischen Klimas nicht umgehend schlecht wurde und genug Zeit blieb um die Fische zu räuchern, zu trocknen und zu essen.
Quelle: Florida Museum / Merald Clark
Die Fische wurden jeweils in die Becken getrieben - und konnten auf diese Weise über ein paar Tage "gelagert" werden.
„Lange Zeit nahm man an, dass Kulturen, die vom Fischfang und von der Jagd lebten, weniger weit entwickelt sind, als solche die Ackerbau betrieben“, wird William Marquardt vom Florida Museum of Natural History in der Medienmitteilung des Museums zitiert. Doch die Studie zeige nun, dass eine politisch komplexe Gesellschaft mit einer hochentwickelten Architektur, mit Militär und Handel über weite Distanzen auch möglich sei, ohne dass es dafür Bauern brauche.
Wissen über die Gezeiten
Die Calusa legten dazu im Wasser rechteckige Damm-Strukturen mit einem Fundament aus Austernmuscheln an. Zwei davon befinden sich im „Mound Key“ und erstrecken sich jeweils über zirka 3300 Quadratmeter. In der Zeit als sie genutzt wurden, fungierten sie als Becken, die zur davorliegenden Meerestrasse hin Öffnungen aufwiesen. Letztere waren gross genug, um Fische in die Pools hineinzutreiben. War die Beute einmal drin, wurden die Öffnungen mit einem Netz oder Gatter wieder geschlossen.
Die Forscher untersuchten die Strukturen mittels Radiokarbon-Methoden und kamen Schluss, dass die beiden Anlagen in der Zeit zwischen 1300 bis 1400 errichtet worden sind. Sie weisen zudem darauf hin, dass diejenigen, die die sie gebaut haben, über eine umfassende Kenntnis von den Gezeiten gehabt haben mussten. Und zwar darüber wie Ebbe und Flut über den Tag und auch über die Jahrzeiten verlaufen. (mai)