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«Vor langer, langer Zeit gab es einmal einen Tag, an dem nichts geschah. Rein gar nichts. In der Nacht herrschte Ruhe, eine gespenstische Ruhe – ganz, wie wenn man in einem Raum sitzt, der rundum, inklusive Boden und Decke mit dickem Filz eingekleidet ist, so still.
Nach dieser schier unendlich langen Nacht gab es kein Morgengrauen, die Sonne ging nicht auf, es zogen keine Wolken über den Himmel, der weder blau, noch grau, noch schwarz, noch orange, noch blutrot war, nichts dergleichen.
Es wurde von niemandem ein Frühstück zubereitet, kein Kaffee eingeschenkt, kein Tee, keine heisse Schokolade wurde umgerührt, auch keine kalte. Nicht zuhause, nicht in Kaffeehäusern, nicht in Restaurants oder im Bett. Es wurden keine Stullen geschmiert, keiner mischte sich oder jemand anderem Früchte und Flocken in ein Joghurt, Mütter sassen nicht mit ihren Kleinen am Küchentisch, die Väter stiegen nicht in ihre Wagen, die Schüler und Studenten nicht in Züge, nicht in Busse, niemand begegnete Freunden, Kollegen, Nachbarn – noch nicht mal Unbekannte wurden angetroffen.
Man ging nicht zur Schule, nicht zur Arbeit, nicht zum Einkaufen, nicht ins Fitnesstraining, nicht auf Ausflüge, geschweige denn auf Reisen. Es lag niemand an einem Strand, niemand bestieg Gipfel, Häuser, Bäume oder Türme – es war aussichtslos.
Zur Mittagszeit wurde nirgends ein Mittagessen gekocht, geschöpft, serviert, spendiert, geteilt, verspiesen, keine Reste weggeworfen. Nicht draussen, nicht drinnen, nicht hier, nicht dort, nicht auf dem Land, nicht in einem Ort.
Niemand machte Siesta, kein Baby einen Mittagsschlaf, keiner lag in einer Hängematte, keine auf einer Luftmatratze, niemand steckte mit jemandem im Nest, den Federn oder unter einer Decke. Es ist auch niemand gestorben an diesem Tag, kein Prominenter, kein Unbekannter, kein Verwandter, und es hatte auch niemand Geburtstag, noch nicht einmal ein Säugling. Niemand sang, niemand spielte eine Rolle, weder auf der Bühne, noch auf sonstigen Brettern. Keiner erbrachte eine sportliche Leistung, keiner gewann ein Spiel, und niemand verlor eines. Nicht auf dem Brett, nicht auf dem Rasen, in der Halle oder auf einem Eisfeld. Keine Streitereien wurden ausgetragen, niemand versöhnte sich, es gab keine Kriege, keine Schlachten, auch nicht am Buffet. Es wurde nichts erobert, auch kein Herz. Niemand wurde enttäuscht, niemand verraten, keine betrogen, keiner hintergangen, keine Möglichkeiten eröffnet, nichts erfunden oder komponiert, keine Türen geschlossen und keine Freundschaften.
Selbst als es Abend wurde, ereignete sich nichts. Kein Sonnenuntergang, kein Feierabendbier, keine Erleichterung, keine Bedrückung, keine Angst, aber auch kein Mut. Keine Gefühle, nichts, rein gar nichts. Bis es wieder Nacht wurde, dunkel und still, ganz still.»
«Grossvater, das ist ja schrecklich, ganz furchtbar und kaum zu ertragen! Wie kann man sich denn bloss an einen solch fürchterlichen Tag erinnern, weshalb wurde nicht auch alle Gedanken an diese Stunden verschluckt? Und sag, wann hat sich dieses Ereignis zugetragen, oder eben nicht?»
«Das war vor langer, langer Zeit, man schrieb das Jahr 2016. Der Tag ist in die Geschichtsbücher eingetragen: Man nannte ihn #facebookdown.»