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Der Walliser Joseph S. Blatter hat während vierzig Jahren den Weltfussballverband FIFA zu einem Weltkonzern aufgebaut, und fast niemand in der Schweiz hat dies zur Kenntnis genommen. Jetzt ist die FIFA in einer Wachstumskrise, wo auch der Kopf von Sepp Blatter gefordert wird; und niemand versteht, was dieser Mann für den Weltfussball und die Schweiz geleistet hat.
Die Medienwölfe von Tagesanzeiger und NZZ verlangen seinen Rücktritt; Ringier und SRG haben die Tonalität bereits gemässigt. Die Schweizer Regionalmedien blicken nicht mehr durch und folgen dem Mainstream. Das Volk wütet und verlangt den Kopf des Wallisers, ganz wie zur Zeit der Französischen Revolution, wo „Brulez les infâmes“ zum Schlachtruf wurde.
Ich bin anderer Auffassung: Sepp Blatter ist der Vater des Weltfussballs, den es vor ihm nicht gab. Er hat in vierzig Jahren eine Organisation aufgebaut mit 1,6 Milliarden Fans, 300 Millionen aktiven Spielern, 209 Ländergesellschaften mit einem Weltumsatz von über 300 Milliarden Franken. Während in Europa und den USA die Wölfe heulen, strömen die Fans in die Stadien; auch 2015 beträgt das Wachstum der Fussball-Branche global über 20 Prozent.
Sepp Blatter hat die FIFA aufgebaut mit sechs Regionalgesellschaften, die ihre Delegierten in das Executive Committee entsenden. Der Schweizer hat keinen Einfluss darauf, wer diese Delegierten sind. Er hat auch keinen Einfluss darauf, welche Geschäfte diese in ihren Regionen betreiben.
Der Weltfussball, vertreten durch die FIFA, hat in den letzten zehn Jahren ein explosives Wachstum erlebt. Aus der armen FIFA ist eine reiche FIFA geworden, die jährlich rund 1,5 Milliarden Franken einsetzen kann, um den Weltfussball zu fördern. Sepp Blatter hat diese Entwicklung gesteuert: Täglich 600’000 Franken für nationale Fussballverbände, die es aufzubauen galt, der Aufbau des Frauenfussballs, der soeben die Weltmedien erobert, die Schaffung global gültiger Regeln für „das schönste Spiel der Welt“, dem sich niemand entziehen will.
Wo derart viel Geld umgesetzt wird, braucht es ethische Regeln, damit nicht Räuberbarone sich des Spiels bemächtigen. Sepp Blatter war der erste, der vor zehn Jahren neue Spielregeln verlangte, um das Wachstum des Weltfussballs und der FIFA in Bahnen zu lenken. Wer stellte sich ihm in den Weg? UEFA-Präsident Michel Platini und viele europäische Landesverbände, vor allem aus Deutschland und Frankreich. Der Erneuerungswille des Schweizers wurde von den grossen europäischen Fussballnationen gebremst.
Sepp Blatter, überzeugt davon, dass jedermann in der Welt das Recht habe, Fussball zu spielen, trug die Botschaft über alle Kontinente. Die Lateinamerikaner haben ihn deshalb verehrt, mehr noch die Afrikaner, die er auf Weltniveau erhob, und ebenso die Asiaten und Ozeaner aus dem Pazifik, die ihn zum „Vater des Fussballs“ erkürten.
Die Europäer sahen ihre Felle davon schwimmen. Die reichsten Clubs der Welt mussten anerkennen, dass ihr Spiel, das sie beherrschen, auch von anderen entwickelt wird. Ganz voran China, das Millionen in die Entwicklung des Fussballsport steckt.
Sepp Blatter, der Walliser und Schweizer, hat die Geister geweckt, „das Monster“, wie es João Havelange, sein Vorgänger, nannte. Blatter rief Kommissionen in die Welt, darunter die jetzt bekannt gewordene Ethik-Kommission der FIFA, die das Monster zähmen sollten. Der Reichtum der FIFA rief viele Herausforderer in den Ring; auch die US-Justizministerin Loretta Lynch aus der Obama-Regierung, die nur noch wenige Monate Zeit hat, ihren „Power“ unter Beweis zu stellen.
Lynch griff, mediengerecht, nicht nur die FIFA, sondern auch den VW-Konzern gleichzeitig an. Bundesanwalt Michael Lauber, unter Beizug einer PR-Agentur, inszenierte einen eigenen Angriff gegen die FIFA, die US-Amerikaner unterstützend. Die FIFA-Ethik-Kommission wollte nicht nachstehen und verurteilte Blatter wie Platini.
Es geht um sehr viel Geld.
Die UEFA vertritt die reichsten Clubs der Welt und möchte den Weltfussball mit Hilfe von Michel Platini unter Kontrolle behalten.
Die Asiaten, Afrikaner und Araber sehen die einmalige Chance, kraft der Mehrheitsverhältnisse innerhalb der FIFA den Weltfussball unter ihre Kontrolle zu bringen.
Die USA, angesichts eines stagnierenden „Footballs“, sehen, wie ihre Latinos und Asiaten den „Soccer“ wollen, den Fussball europäischer Art mit märchenhaften Wachstumsraten.
Unser Schweizer Sepp Blatter hat dieses Weltmodell aufgebaut, es geliebt und verteidigt. Nun sieht es so aus, als würden wir Schweizer alles tun, damit es in fremde Hände gerät. Die Welt giert nach diesem echt Schweizer Produkt, aber die offizielle Schweiz wie die Schweizer Medien haben vergessen, was es für unser Land bedeutet.
Man mag Sepp Blatter Walliser Bescheidenheit vorwerfen, aber es ist an der Schweiz, seine Leistung für uns alle zu erhalten. Die FIFA ist ein Schweizer Weltkonzern, das FIFA-Museum, welches im kommenden Frühjahr in Zürich eröffnet wird, eine nationale Attraktion. Ich verlange Respekt für Sepp Blatter.
Klaus Stöhlker hat Joseph Blatter beraten bis zu dessen erfolgreicher Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten im Mai 2015. Er steht Sepp Blatter weiterhin nahe und ist von ihm befugt, sich zu ihm und seinen Leistungen öffentlich zu äussern.