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Spital statt Hollywood-Erinnerungen
Wir wohnten 405, North Orange Drive in Hollywood: zwei Schlafzimmer, Küche und Esszimmer, Salon, Bad, zwei Toiletten und nach hinten hinaus ein Garten mit einem schattenspendenden Baum.
Ich hatte meinen ersten Laptop gekauft, einen Tandy von Radio Shack, und versuchte dessen Tücken zu ergründen. Wenn der Schatten grösser wurde, packte ich meine Sachen zusammen, brachte sie ins Haus und setzte mich vor den Fernseher, ein Miller Lite in der Hand, einen Zettel plus Schreibstift auf dem Tisch.
Während die Trickfiguren auf dem Bildschirm herum quäkten, überlegte ich, was wir zu Abend essen könnten. Markus war gerade von der entzückenden ToniAn, Sylvester Stallones jüngerer Stiefschwester, geschieden worden und arbeitete bei Paramount im Schneideraum. Wenn er nach Hause kam, hatte ich den Salat gewaschen, die Zwiebeln und den Knoblauch geschält und den Tisch gedeckt. Zu mehr hatte ich kein Talent. Markus war ein begabter Koch, er konnte im Nu etwas Schmackhaftes herbei zaubern.
Dann sassen wir bisweilen da, genossen Wein aus dem Nappa Valley und unterhielten uns zum Beispiel über die sechziger Jahre, als er bei den legendären Red Devils die Gitarre gezupft und die aktuellen Hits geträllert hatte. Wir lachten Tränen über Rämpädäng Brunner, der sein Schlagzeug in die Zuschauer geschmissen und sie als Lahmärsche beschimpft hatte.
Vor kurzem war Markus in Basel. Wir wollten uns treffen, aber es kam nicht dazu. Ich lag mit einer Lungenentzündung im Spital und dachte über die diktatorische Unverschämtheit des Daseins nach, das ungefragt Dinge tut, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.
Kolumne im Baslerstab vom 30.04.2002