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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

X. Rede
1.
X. Rede.
In eigener Sache, in Gegenwart seines Vaters und Basilius des Großen gehalten nach der Rückkehr von der Flucht.
Nichts ist unwiderstehlicher als das Alter, nichts ist ehrwürdiger als die Freundschaft. Alter und Freundschaft haben mich zu euch geführt als einen Gefesselten in Christus, nicht in eisernen Ketten, sondern in den unlösbaren Banden des Geistes. Bisher glaubte ich stark und unbesiegbar zu sein. Ich Tor, ich kümmerte mich nicht einmal um diese meine besten Freunde und Brüder. Ich wollte frei sein und in Ruhe leben und überließ alle Ämter denen, die darnach strebten, weil ich nur mit mir und dem Geiste verkehren wollte. Ich dachte [S. 255] an Elias auf dem Karmel, an Johannes in der Wüste und an die, welche gleich diesen der Betrachtung des Überirdischen lebten. Mir ist das Leben ein Sturm, vor dem ich mich auf einem Felsen, einem Abhange, hinter einem Damme zu schützen suchte. Andere mögen ― so sagte ich mir ― die Ehren und Mühen haben, andere die Kämpfe und Siege. Ich will den Kampf fliehen und auf mich achten und mich mit dem begnügen, was mir möglich ist: Auf leichtem Nachen will ich ein kleines Gewässer befahren, durch armseliges Erdenleben will ich mir eine kleine Wohnung im Jenseits erobern! Es ist wohl nicht geistreich, so zu denken; aber es ist vorteilhaft, sich in gleicher Weise vor Erhöhung und vor Erniedrigung zu hüten.