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Aus Anlass des 100. Geburtstages von Professor Gottfried Bombach hat mich die Lessing-Stadt Kamenz zu einem Festvortrag eingeladen. Als Vorbereitung habe ich mir wieder einmal die Publikationen von Bombach angeschaut und bin da auf eine Kritik am ersten Weltuntergangsmodell des Club of Rome vor fast 50 Jahren gestossen. Dieses Weltmodell hat mich vor einem halben Jahrhundert endgültig zum Ökonomen gemacht, weil in «Die Grenzen des Wachstums» zentrale Elemente der Wirtschaftstheorie ausgeblendet wurden.
Für diese auch für ihn zentrale Kritik beruft sich Bombach auf seinen «Schüler» Bruno S. Frey, der schon 1972 festgestellt habe, «dass der technische Fortschritt, der gegen Grenzen des Wachstums führt, nicht auch für die Bewältigung der Umweltprobleme unterstellt wird, obwohl er dort besonders gross ist». Die entscheidende Wachstumsgrenze im Weltmodell des Club of Rome sind die absolut begrenzten Rohstoffressourcen, deren Marktpreise eben die wahre Knappheit nicht widerspiegelten und so Verschwendung bedingten. Bombach schreibt dazu, dass sich die Preise angebotsbegrenzter Güter nicht so verhalten müssen, wie es in den Weltmodellen pessimistisch unterstellt wird. In einer Fussnote erwähnt er die Energieversorgung. «Von der Knappheit hat sich die Argumentation zunehmend auf die Umweltproblematik verlagert.»
Geradezu prophetisch wird Bombach bereits 1976 für die aktuellen Klimamodelle. «Jeglicher Einwand gegen die zugrunde liegenden Strukturgleichungen wird sehr rasch mit entsprechenden Modifikationen oder Verfeinerungen beantwortet. Der Versuch konstruktiver Kritik wird so zur Jagd nach einem Irrlicht.» Früh erkannte er auch die Bereitschaft einer breiten Öffentlichkeit, den Untergangspredigern bereitwillig Glauben zu schenken. Dabei prognostiziert er, dass die schwere Krise der 70er-Jahre das schnell korrigieren werde, was auch der Fall war. Das wird sich wiederholen, weil Greta und ihre Klimapanik doch eher Luxusprobleme als Notstände verkörpern.
Bombach war der Meinung, dass ein Wachstumsverzicht der reichen Länder den Entwicklungsländern nicht helfen, sondern schaden würde. Obwohl selber ein Modelltheoretiker - oder vielleicht gerade deswegen - hat er auch klar vorausgesehen, dass, «wenn im Modell irgendwelche Obergrenzen im Sinne von Plafonds vorgegeben werden, jede Entwicklung zwangsläufig im Kollaps enden muss». Er geht aber noch einen wichtigen Schritt weiter: «Das Plädoyer für administrative Kontrollen kommt natürlich auch den Systemkritikern entgegen oder all jenen, die an Stärkung der staatlichen Macht interessiert sind.»
Das ist Wort für Wort auf die heutige Klimahysterie übertragbar. Bombach beklagt «die Kühnheit und Leichtfertigkeit beim Umgang mit dynamischen Modellen» und stellte schon vor fast 50 Jahren die Frage: «Kann es legitim sein, dass der Wissenschaftler vor gefährlichen Entwicklungen warnt, und zwar betont als Wissenschaftler unter Berufung auf wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse, auch wenn diese sichere Basis noch gar nicht vorhanden ist?» Bombach kritisiert den Wissenschaftler, der versuche, «mit seinen Erkenntnisse auf propagandistische Wirkung abzuzielen, die Massen zu mobilisieren, und zwar selbst dann, wenn er sich der Fundamente noch nicht vollkommen sicher ist». Wer heute so denkt, ist ein «Klimaleugner».
publiziert in der Basler Zeitung vom 8. Oktober 2019