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Warum hat Russland Alaska verkauft?
Nach dem verlorenen Krim-Krieg brauchte Russland dringend Geld. Zar Alexander II. war auch klar: In einem zukünftigen Seekrieg gegen Grossbritannien wäre das russische Überseeterritorium nicht mehr zu halten. Zudem war Alaska schlicht zu abgelegen. Da die Nordwestpassage über das Nordpolarmeer noch nicht entdeckt war führte der Seeweg von der damaligen russischen Hauptstadt St. Petersburg rund um Südamerika. Das dauerte ein halbes Jahr.
Es gab auch ständig Konflikte mit den einheimischen Völkern, während es galt, die immer mehr an Einfluss gewinnenden Engländer und Amerikaner zurückzudrängen. Hinzu kam, dass die Seeotter und Pelzrobben nach Jahren intensiver Bejagung fast ausgerottet waren.
Was sollen wir mit dieser Eistruhe anfangen? Und mit 50‘000 wilden Eskimos, die Fischöl zum Frühstück trinken?
Wie lief der Handel ab? Eduard von Stoeckel, der Gesandte des russischen Zaren in den USA, und US-Aussenminister William Seward handelten den Verkauf aus. Am 30. März 1867 unterzeichneten sie den Kaufvertrag. Von Stoeckel hatte die Anweisung, als Minimum einen Preis von fünf Millionen Dollar zu akzeptieren. Schliesslich einigte man sich auf 7,2 Millionen – heute wären dies rund 120 Millionen Dollar. Pro Quadratkilometer zahlten die Amerikaner somit weniger als 5 Dollar.
Wie sahen die Amerikaner den Kauf? Viele US-Bürger sahen den Kauf kritisch. Aus ihrer Sicht war die weit vom Kerngebiet der USA entfernte Gegend eine nutzlose Wildnis. Alaska wurde als «Sewards Kühlschrank» oder als «gefrorene Wildnis» bezeichnet.
Ein Kommentator schrieb gar: «Was sollen wir mit dieser Eistruhe anfangen? Und mit 50‘000 wilden Eskimos, die Fischöl zum Frühstück trinken?» Der Diplomat von Stoeckel versuchte die Amerikaner mit Geld zu überzeugen und spendete 200'000 Dollar seines Privatvermögens an Politiker und Journalisten. Schliesslich gab der Senat dem Vertrag mit nur einzigen Stimme Mehrheit seinen Segen.
Was hielten die Russen von dem Handel? Ebenfalls kritisch wurde der Deal in Russland gesehen. Kommentatoren in russischen Zeitungen waren der Ansicht, dass man Alaska nicht verkaufen sollte, habe man doch viel Mühe und Zeit für dessen Erschliessung aufgewendet. Spätestens zwanzig Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrags dürften die Russen den Handel definitiv bereut haben: Am Fluss Klondike stiessen Trapper auf Gold und in der Folge setzte ein beispielloser Goldrausch ein.
In den 1960er-Jahren wurde zudem ein weiterer Bodenschatz entdeckt: Erdöl. Heute werden jeden Tag knapp zwei Millionen Barrel gefördert. Auch Erdgas ist reichlich vorhanden. Zudem ist Alaska der grösste Lachsproduzent der Welt und das Rückgrat der US-Holzindustrie. Kein Wunder forderte der russische Politiker Alexei Dagatow 1997, den Handel rückgängig zu machen. Sein Argument: Alaska sei an die USA nicht verkauft, sondern verpachtet worden.
HeuteMorgen, 30.4.2017
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