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Wirbelgleiten (Olisthese)
Das Verschieben von zwei Wirbelkörpern gegeneinander wird als Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) bezeichnet. Mögliche Ursachen für ein Wirbelgleiten sind Fehlbildungen der Wirbelsäule, Spaltbildungen in den Wirbelbögen (Spondylolyse), degenerativer Verschleiss der Wirbelsäule und Unfälle. Gleitet der Wirbel nach vorne, spricht man von einer Anterolisthese, gleitet er nach hinten, von einer Retrolisthese.
Wenn sich die beiden Wirbelkörper aktiv um mehrere Millimeter beim Beugen und Strecken bewegen, spricht man von einer Instabilität. Durch das Gleiten der Wirbelkörper werden die angrenzenden anatomischen Strukturen übermassig belastet und es kommt zur schnelleren Abnutzung.
Die zwischen den beiden Wirbelkörpern liegende Bandscheibe verliert schneller an Höhe, es kann zu einem Bandscheibenvorfall kommen und das Wirbelgleiten wird durch die fehlende Pufferung verstärkt. Die kleinen Wirbelgelenke destruieren schneller und es können sich Synovialzysten bilden.
Das Ausmass des Wirbelgleitens wird in 4 Grade unterteilt, wobei Grad 1 und 2 am häufigsten auftritt und vor allem bei degenerativer Erkrankungsursache zu erkennen ist. Durch das Gleiten der Wirbelkörper kommt es zu einer Einengung des dahinter liegenden Spinalkanals und der Nervenwurzeln.
Wirbelgleiten (Olisthese)
Symptome und Diagnostik
In knapp der Hälfte der Fälle können über einen längeren Zeitraum keine Beschwerden auftreten, gefolgt von wiederkehrenden Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine. Durch das Gleiten und die Überbeweglichkeit der Wirbelkörper werden die kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) überbelastet.
Dies kann in dem erkrankten Segment zu einer schmerzhaften Arthrose (Spondylarthrose) führen und mit Rückenschmerzen einhergehen. Die Rückenschmerzen treten vor allem bei Belastung (Laufen, Stehen, Sitzen) auf und reduzieren sich bei flachem Liegen wieder. Durch das Gleiten kommt es zu einer Einengung des Spinalkanals und der Nervenwurzeln.
Das Abquetschen der Nervenwurzeln führt zu Funktionsausfällen und Schmerzen, welche in die Hüfte und typischerweise in beide Beine ausstrahlen. Zusätzlich kann es zu Missempfindungen (Kribbeln, Taubheit, Brennen) und Muskelschwäche in den Beinen kommen.
Das Gangbild kann sich durch die Schmerzen und häufig einsetzenden Schonhaltung sowie durch die Muskelschwäche verändern und es kommt zu einem Hinken. In sehr seltenen, aber schweren Fällen verliert der Patient die Funktion der Blase und des Darms.
Konservative Therapie
Eine konservative Therapie kann bei fehlender Nervenschädigung und bei milden Beschwerden durchgeführt werden. Daher werden zur Linderung der Beschwerden vor allem eine medikamentöse Schmerztherapie sowie Physiotherapie zur Stabilisation der Rumpfmuskulatur durchgeführt. Das selbstständige und regelmässige Fortführen der Rückengymnastik durch die Patienten ist essentiell.
Eine kräftige Rumpfmuskulatur kann das Voranschreiten des Gleitens bis zu einem gewissen Grad kompensieren. In vielen Fällen ist die konservative Therapie langfristig erfolgreich. Bei einer Instabilität (aktivem Gleiten der Wirbelkörper) der Wirbelsäule kann eine Reduktion der Beschwerden praktisch nur erreicht werden, wenn man sich nicht belastet und bewegt.
Wirbelgleiten der Lendenwirbelsäule (LWS)
Operative Therapie
Bei Versagen der konservativen Therapie und bei akuten Nervenschädigungen sollte eine operative Therapie herangezogen werden. Die operative Therapie sollte für den Patienten individuell zugeschnitten werden und ist von Alter und Aktivität des Patienten sowie vom Zustand der angrenzenden Bandscheiben und Wirbelkörper beeinflusst.
Das primäre Ziel ist es, die Rückenschmerzen und Beinschmerzen zu reduzieren sowie neurologische Symptome (Missempfindungen und Lähmungen) zu verbessern.
Dabei werden die gequetschten Nervenwurzeln dekomprimiert und die beiden verschobenen Wirbelkörper wieder in ihrer physiologischen Stellung positioniert und anschliessend ruhiggestellt. Zum Ruhigstellen der beiden Wirbelkörper müssen diese miteinander verwachsen (Fusion), was durch eine Versteifungsoperation erreicht wird.
In den meisten Fällen kann die komplette Operation in Bauchlage durchgeführt werden. Das erkrankte Segment wird dargestellt, es werden spezielle Schrauben in die beiden gleitenden Wirbelkörper eingebracht und die eingeengten Nervenwurzeln werden unter mikroskopischer Sicht freigelegt (Dekompression). Die erkrankten Wirbelgelenke werden reseziert und die Bandscheibe wird entfernt.
Nachdem ein Platzhalter/Cage in den Zwischenwirbelraum eingebracht und die Wirbel in physiologischer Position (Reposition) stehen werden die Schrauben mit Stäben verbunden und fixiert (Stabilisation). Durch die Versteifung wird die schmerzauslösende Bewegung der Wirbelsäule verhindert.
Wirbelgleiten der Lendenwirbelsäule (LWS)
Erfolgschancen und Nachbehandlung
In internationalen Studien konnte gezeigt werden, dass die operative Therapie des Wirbelgleitens der konservativen Therapie überlegen ist. Patienten haben weniger Einschränkungen im alltäglichen Leben aufgrund von Beschwerden im Rücken und erreichen eine bessere Funktionalität des gesamten Körpers. Dieser Effekt hält über 10 Jahre hinweg an. Innerhalb eines Zeitraums von 8-10 Jahren entwickelt jeder fünfte Patienten mit einem Wirbelgleiten in den vormals nicht operierten Segmenten neue Verschleisserkrankungen, die einer erneuten Operation bedürfen. Auch die Patienten mit einer erneuten Operation innerhalb von 10 Jahren erzielen ein besseres funktionelles Ergebnis als Patienten, die sich einer konservativen Therapie unterzogen haben.
Der Patient wird unter Anleitung der hauseigenen Physiotherapie am ersten postoperativen Tag mobilisiert. Wenige Tage nach der Operation sollte der Patient das Treppensteigen geübt haben und auf Stationsebene eigenständig mobil sein. Bei regelrechter Wundheilung und regelrechtem neurologischem Status kann der Patient ab dem 7. postoperativen Tag den Austritt planen. Mit dem Arzt wird ein Konzept erarbeitet bzgl. der möglichen Belastung im Alltag. Innerhalb der ersten 12 Monate nach der Operation werden ambulant wiederholt klinische und bildgebende Kontrollen durchgeführt, um den Heilungsprozess zu überwachen.