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Du konntest bereits mit deinen Mixtapes einen ordentlichen Hype generieren bevor du einen Deal unterzeichnet hast. Hat sich alles, was du als Independent-Künstler aufgebaut hast, nun auch ausbezahlt, jetzt wo dein erstes Album erschienen ist?
Nicht vollumfänglich, ich denke die Verkäufe hätten schon noch ein wenig besser sein können. Aber das kann ich nicht kontrollieren.
Als du auf Labelsuche warst, hast du den Song „The Meeting“ aufgenommen, in dem du dich vorstellst, aber auch sagst, was du von den Labels erwartest. Sind diese Erwartungen erfüllt worden?
Grösstenteils bin ich damit zufrieden was Interscope für mich gemacht hat. Einige Dinge hätten aber sicher anders gemacht werden können.
Als erste Single hast du den Song „Chillin“ mit Lady Gaga ausgekoppelt. Dies ist ein Partysong, während das Album den Fokus eher auf den Inhalt legt. War es die richtige Wahl als Single, obwohl der Song nicht repräsentativ ist für das Album?
Auch auf „Chillin“ gibt es Inhalt – es ist der Feel-Good-Song für den Sommer. Es war der Sommerhit für 2009. Mit diesem Song habe ich mich den Leuten vorgestellt: My name Wale and I came to get it. Das war mein Leitspruch.
Du denkst also nicht, dass die Leute aufgrund des Songs falsche Erwartungen an das Album hatten?
Nicht unbedingt, denn wie gesagt wollte ich mich mit dem Song vorstellen, da ich bislang vor allem im Untergrund meine Fangemeinde hatte.
Einer der herausstechenden Songs der Platte ist „Shades“. Wenn ich mir den Song anhöre bekomme ich den Eindruck, als ob die Hautfarbe in der amerikanischen Gesellschaft immer noch eine grosse Rolle spielte. Du stellst sogar in Frage, ob Obama Präsident geworden wäre, wenn seine Haut dunkler wäre.
Ich denke nicht, dass er dann gewonnen hätte. Aber ich bin natürlich sehr froh, dass er Präsident geworden ist. Es war ein langer Weg, aber es wäre wohl noch viel schwieriger gewesen, wenn er dunkler wäre. Das macht ihn aber natürlich nicht zu einem schlechteren Präsidenten. Er ist trotzdem ein schwarzer Mann und es ist wichtig, dass er Präsident wurde.
Das Cover und der Albumtitel „Attention Deficite“ sind eine Referenz an die Informationsflut in der heutigen Gesellschaft. Was unternimmst du dagegen, dass die Leute nicht nur einen oder zwei Songs deiner Platte anhören, sondern sich Zeit nehmen für das ganze Album?
Viele Leute verfügen nur über eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne. Ich kann nicht mehr dagegen tun, als konstant gute Musik zu veröffentlichen. Ich werde nicht beim ersten Mal die Aufmerksamkeit von allen erhalten, aber es werden noch viele weitere Chancen kommen.
Würdest zu zustimmen, dass „Attention Deficit“ ein Versuch war, alle deine musikalischen Einflüsse zu vereinen, wie auch die HipHop-Heads und das Mainstream-Publikum gleichzeitig zu bedienen?
So tief denke ich gar nicht darüber nach. Ich gehe einfach mit den Produzenten ins Studio und picke die Beats, die mir gefallen, ohne mir grossartig Gedanken zu machen.
Du hast Remixes gemacht von Justice oder The Verve, was nicht alltäglich ist. Wie würdest du deinen Musikgeschmack beschreiben?
Ich mag alle möglichen Arten von Musik, es gibt keinen Stil, den ich hervorheben möchte. Ich höre mir Billy Joel an oder The Monkeys, auch wenn die nicht Mal eine richtige Band waren. Dann mag ich natürlich auch Jay-Z, AZ oder Nas. Es muss einfach gut klingen.
Dann habe ich gehört, du seiest ein grosser Camp Lo-Fan. Konntest du schon mit ihnen arbeiten?
Noch nicht, aber das wird bald der Fall sein.
Wie würdest du den Einfluss von Mark Ronson auf dein Soloalbum beschreiben?
Er ist wie ein Offizier in seinem Studio. Man kann mit ihm Stunden im Lab verbringen. Das ist gut, kann aber auch anstrengend sein, wenn man noch etwas anderes machen will. Wenn du mit ihm im Studio bist, kannst du es vergessen, danach noch in einen Club zu gehen.
Du hast gesagt, dass Jay-Z eine grosse Inspiration für dich war, auch um ein eigenes Label zu gründen. Welche Ziele verfolgst du mit deinem Label?
Ich will meine Künstler einfach dabei unterstützen, so weit als möglich zu kommen. Wenn möglich auch erfolgreicher zu werden, als ich es bin. Ich gebe ihnen meine Hilfe und alle Ratschläge, die sie dafür benötigen.
Du bist ein Teil des All City Chess Club (Anmerkung: Lupe Fiasco, The Cool Kids, Wale, B.O.B., Charles Hamilton, Blu, Diggy, J. Cole und Skateboard P) Was versteckt sich dahinter?
Alle diese Künstler sind auf dem Remix zu Lupe’s „I’m Beamin“ zu hören. Wir wollen damit einfach Einheit symbolisieren.
Es ist aber nicht geplant, ein ganzes Album oder ähnliches aufzunehmen?
Das wäre grossartig. Aber ich habe keine Ahnung, was Lupe’s Pläne sind abgesehen von dem Remix zu „I’m Beamin“.
Die meisten der Mitglieder von All City Chess Club wurden als Hipster Rap bezeichnet.
Der Begriff Hipster Rap ist so was von 2007 und schon lange wieder vorbei. Viele dieser sogenannten Hipster sind längst wieder weg und diejenigen, die wirklich gute Rapmusik machen, sind immer noch hier.
Du bist der erste Rap-Künstler aus Washington D.C. der weltweit erfolgreich ist. Wieso hat es so lange gedauert, bis jemand D.C. auf die Karte setzen konnte?
Rap ist nicht das bedeutendste Genre in D.C., R&B und Go-Go sind um Welten beliebter. Es braucht einfach noch etwas Zeit.
Wie würdest du denn die Musikszene oder die Rapszene in deiner Heimat beschreiben?
Es ist sehr konkurrenzbetont und viele Künstler sind am Start. Es ist auf jeden Fall eine gute Szene, die sich nicht zu verstecken braucht.
Hast du bereits neue Projekte in der Pipeline?
Am 3. August wird mein Mixtape „More About Nothing“ erscheinen, haltet danach Ausschau.