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Das Piccolo - historische Quellen
12. Jahrhundert: Herkunft aus dem Osten • 1511: Sebastian Virdung • 1528 und 1545: Martin Agricola • 1555: Clément Janequin • 1588: Thoinot Arbeau • 16. Jahrhundert: Militärflöte • 1619/20: Michael Praetorius • 1636: Marin Mersenne • 18. Jahrhundert: Änderung der Quellenlage • 18. Jh.: Piccolo im deutschen Raum • Ende 19. Jh.: Piccolo an der Fasnacht • Trommeln im Historischen Museum Basel
18. Jahrhundert: Änderung der Quellenlage
Die bisherigen Quellen haben uns gezeigt, dass sowohl fifre oder Querpfeife als auch Trommel zwar einzeln beschrieben, aber doch immer in irgendeiner Weise aufeinander bezogen und gleichsam als zusammengehörig betrachtet werden. Dies ändert sich im 18.Jahrhundert insofern, als die Trommel im musiktheoretischen Bereich nur noch spärlich auftaucht - eine Durchsicht der Militärliteratur ergäbe vermutlich mehr Informationen - und für die Flöte instrumentenspezifische Schulen und Anweisungen herangezogen werden müssen.
Piccolo
Mit den baulichen Veränderungen, denen die Querflöte seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unterworfen wird und die zur barocken Querflöte (Flauto traverso) mit konischer Bohrung, mehrteiliger Röhre und Klappen für weitere Grifflöcher führen, ist die Trennung zum fifre bzw. zur Militärpfeife (Querpfeife) vollzogen, die ihre ursprüngliche Gestalt, eine zylindrisch gebohrte, einteilige und klappenlose Röhre, bewahrt. Erst 1772 - zunächst nur für Frankreich geltend - wird davon berichtet, dass der fifre durch die bessere, reinere Oktavflöte (= Piccolo) mit einer Klappe ersetzt würde: Depuis quelque temps, dans les musiques des régimens on a substitué la petite flûte au fifre, parce qu'ayant une clé, elle est moins sujette a être fausse que le fifre qui n'en a point. Dieser Zusatz fehlt noch in der Encyclopédie von Diderot-d'Alembert; die Ablösung dürfte sich also erst etwa von den späten 1760er-Jahren an angebahnt haben.
Abbildung: Das Piccolo von Felchlin à Berne
Piccolo bei Michel Corrette
In der Zwischenzeit muss also die Piccolo-Querflöte, die eine Oktave über der «normalen» steht, entstanden sein. Die früheste Quelle dafür stammt aus Frankreich und ist 1735 in Paris erschienen: Michel Corrette, Méthode pour apprendre aisément de la Flûte Traversiere; dort lesen wir: On fait présentement a Paris de petites Flutes Traversieres a l'Octave qui font un effet charmant. Dass dieses Datum auch durch andere Kriterien untermauert werden kann, hat Lenz Meierott ausführlich nachgewiesen. Auch der fifre fehlt bei Corrette nicht; und dazu heisst es, dass das Instrument vor allem von den Schweizern sehr geschätzt werde: Les Suisses aiment beaucoup cet instrument, doch erfahren wir leider nichts über die Stimmlage des Instruments. Zur Frage der Stimmtonhöhe finden sich widersprüchliche Informationen. Einerseits können wir aufgrund der erhaltenen Instrumente (siehe dazu die Abbildung mit den beiden Militärpfeifen) und der Tatsache, dass die Pfeife durch das Piccolo ersetzt wird, mit einiger Sicherheit von der hohen Lage ausgehen; anderseits schreibt noch Johann Gottfried Walther in seinem Musicalischen Lexicon (Leipzig 1732), dass die ... Fistula minor Helvetica, die gemeine vor die Soldaten. ..6 Löcher [hat], und ... vom d1 bis d''' [gehet] ... Johann Joachim Quantz hingegen teilt 1752 folgendes mit: In den alten Zeiten bestund die Flöte traversiere nur aus einem Stücke, wie die noch heut zu Tage übliche Schweitzerpfeiffe, oder die sogenannte Querpfeiffe der Soldaten; nur war sie eine Octave tiefer als die letztere.