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Die Spur der Grossen Göttin im Märchen
Die grosse Mutter in ihrem dritten Aspekt
Frau Holle entspricht der grossen Mutter, der weiblichen Gottheit in ihrem dritten Aspekt (s. Weibliche Ganzheit – die Göttin, Weiss / Rot / Schwarz). Als diese steht sie für die Kraft in der Natur (Materie) und für das Schicksal. Sie bestimmt über die Natur und über das Wetter. Sie beurteilt auch die Menschen nach ihren Taten und gibt ihnen ihren gerechten Lohn (in Form ihres Schicksals, welches in Gold oder Pech zum Ausdruck kommt).
Huld, hell, freundlich
Der Name «Holle» ist eine der wenigen Spuren der großen Göttin, die in Märchen noch zu finden ist. Ihr Name kann mit der germanischen Göttin Hel – Halia – Huld oder heil, whole (englisch), hel (schwedisch) in Verbindung gebracht werden, welche den Bereich des Verborgenen, des Unbewussten, nämlich die Unterwelt, innehat.
Im Namen „Holle“ und „Hel“ klingt aber auch das deutsche Wort „Hölle“ an, und auch das englische Wort für Hölle: hell. Dass dieses Wort ursprünglich positiv konnotiert war, zeigt wiederum das deutsche Adjektiv „hell“, das mit Licht assoziiert ist und „heil“, das mit Ganzheit assoziiert ist.
Von der hulden, «hellen» Göttin, Frau Holle, zur Hölle – Was ist geschehen?
Auflehnung gegen die Härte des Schicksals und die Verteufelung starker Weiblichkeit begann schon in Babylon (s. Einführung ins babylonische Gilgamesh-Epos). Sie führte zur Verurteilung der jungen Frau („Göttin der Liebe“) als Hure und zur Bekämpfung der reifen Frau als furchterregendes Monstrum (Stier) oder als Hexe.
Die westliche Kultur hat eben erst begonnen, sich aus solchen Denkmustern zu befreien.