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- Kategorie: V1, V2 und HDP
- Erstellt: Mittwoch, 29. August 2018 19:22
- Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 29. April 2021 10:20
HDP (Hochdruckpumpe)
auch bekannt als Langrohrkanone oder V3
Einstieg
Anfangs 1943 bestand bei der obersten deutschen Führung vermehrt Bedarf nach «Rettungsankern» in Form von Wunderwaffen. Da stiess auch die Möglichkeit London mit einer weittragenden Kanone von Nordfrankreich aus beschiessen zu können auf offene Ohren.
Nach der erfolgreichen Vorführung des Konzepts mit einer verkleinerten Version vom Kaliber 2 cm durch Hermann Röchling und August Coenders bekamen sie grünes Licht für die Weiterentwicklung dieses Projekts.
So gut wie einerseits V1 und vor allem V2 erforscht und dokumentiert sind, so wenig Konkretes hat man andererseits über die HDP. Das rührt wohl daher, dass Originaldokumente über dieses Objekt und dessen Einsatz (ausser Kriegstagebüchern und Militärberichten) von den Deutschen weitgehend vernichtet wurden. Auch gibt es meines Wissens keine grösseren Originalteile der HDP mehr. Somit basiert in der Sekundärliteratur vieles auf Annahmen, was in der weitergehenden Rezeption zu starker Legendenbildung führte.
Hier wird versucht, so Vieles wie möglich zu konkretisieren und es wird auf Widersprüche in Publikationen hingewiesen.
Rund um die HDP dürfte weiterhin einiges unklar und spekulativ bleiben.
1. Bezeichnung
2. Beschreibung und technische Daten
2.1. Die Granate
3. Entwicklung und Erprobung
3.1. Hillersleben
3.2. Laatziger Ablage
4. Einsatz
4.1. Mimoyecques
4.2. Lampaden
4.3. Buhl/Guebwiller
5. Erkundete/geplante Stellungen
6. Das Ende
Die offizielle Bezeichnung der Mehrkammerkanone ist HDP (Hochdruckpumpe), später Langrohrkanone.
Tarnnamen waren Fleissiges Lieschen oder Tausendfüssler, sie wurde aber auch als Englandkanone bezeichnet.
Namensgebend war der intermittierende (pumpende) Druckverlauf in dem langen Rohr durch die seitlichen Zusatztreibladungen.
Der Begriff V3 für die HDP war weder vom Regime noch dessen Propaganda verwendet worden, obwohl die HDP als Vergeltungswaffe geplant war – und er findet sich auch nicht in Originaldokumenten. Trotzdem hat sich nach dem Krieg die Benennung V3 eingebürgert und weitgehend verbreitet.
Die HDP war ein geplantes Mehrkammergeschütz nach dem Prinzip von Louis-Guillaume Perreaux (1860) mit einem Kaliber von 15 cm, jedoch mit unterkalibrigen Treibspiegelgeschossen. Geplant war der Einsatz von einer unterirdischen Stellung im Raum Calais mit Ziel London.
Die Kanone sollte bei einer Rohrlänge von 130 m eine Schussweite von 160 km erreichen. Fünfzig solcher Kanonenrohre sollten London stündlich mit 300 bis 600 Geschossen [sic] eindecken. Für diese langen Rohre kam nur eine ortsfeste Montage in Frage die die erforderliche Erhöhung der Rohre ermöglichen musste.
Das Prinzip basierte darauf, das Geschoss in einem langen, glatten Rohr durch mehrere seitlich angebrachte Zusatztreibladungen zu beschleunigen. Diese zusätzlichen Treibladungen wurden durch die heissen Gase der vorherigen Ladungen gezündet, sobald das Geschoss die Öffnungen dieser Ladungen passiert hatte und freigab. Informationen, dass diese Zusatztreibladungen elektrisch gezündet werden sollten, gehören ins Reich der Fantasie!
Mit diesem Verfahren wurde eine Geschwindigkeitssteigerung erreicht, ohne dass eine zu starke Initialladung hohe Wandstärken der Rohre bedingte. Trotzdem war das Problem der Beschädigung von Rohrsegmenten und Kreuzstücken bis zum Schluss nicht befriedigend gelöst, was aber eher auf minderwertiges Material oder schlechte Verarbeitung zurückzuführen war.
Es erstaunt etwas, dass Coenders zuerst eine Bauweise mit rechtwinklig angesetzten Zusatztreibladungen verfolgte, obwohl die meisten historischen Vorschläge schon schräg angesetzte Treibladungen vorsahen.
Als Basis für das Geschütz wurde das Verschlussstück einer Feldhaubitze (sFH 18) verwendet. Darauf aufgesetzt wurden wechselweise Rohre und Kreuzstücke. An die wiederum wurden die Kammern mit den Zusatztreibladungen angeflanscht. Diese hatten Schraubverschlüsse. Das Ende des Kanonenrohrs bildeten Rohrsegmente, die mit einfachen Flanschen verbunden wurden.
Das ganze Geschütz war auf stählernen Tragelementen aufgesetzt, in denen das Rohr minimal justiert werden konnte. Der Unterbau dieser Konstruktion war für die geplante 130 m-Variante naturgemäss anders ausgelegt als für die noch zum Einsatz kommende kurze Version.
Technische Daten – zumindest schlüssige und belegte – sind zur HDP nur schwer zu finden. Auch hier sei auf die Literatur verwiesen, in der sich die Angaben leider oft widersprechen.
Kommt hinzu, dass zwischen der ursprünglich geplanten Grossanlage und der letztendlich noch zum Einsatz gekommenen verkürzten Einzelversion erhebliche Unterschiede bestanden. Diese sind in den entsprechenden Abschnitten beschrieben.
Verschossen werden sollte in der Glattrohrkanone mit Kaliber 15 cm ein unterkalibriges Geschoss mit Ø 10 cm und einer Länge von 1,82 m bis 3,25 m. Diese Granate wurde von mehreren Herstellern in verschiedenen Varianten hergestellt und getestet und in seiner Einsatzversion mit der Bezeichnung Sprenggranate 4481 produziert.
Zu Beginn machte Coenders Versuche mit Leitwerken aus Federstahl, die sich nach Verlassen des Rohrs und einer übergestreiften Hülse entfalteten. Dieses Prinzip hatte er schon für seine bunkerbrechenden Granaten grösseren Kalibers angewendet. Die Hülse war gleichzeitig Druckscheibe.
Dieses Prinzip brachte jedoch nicht die gewünschte Stabilität und so wurden die weiteren Versuche mit starren Führungsflügeln gemacht.
Im vorderen Bereich war zur Zentrierung ein zwei- resp. dreiteiliger Käfig (Stützring) mit bis zu 8 Führungselementen in verschiedenen Ausführungen angebracht. Am Ende, hinter den starren Führungsflügeln befand sich die Druckscheibe (Treibspiegel), die das Geschoss im Rohr abdichtete und so den Vortrieb ermöglichte. Druckscheibe und Käfig waren so ausgelegt, dass sie sich nach verlassen des Rohrs selbständig von der Granate trennten.
Abgebildet findet man die Granate meistens mit den genannten Führungselementen, zum Einsatz in Lampaden kam die Spr Gr 4481 allerdings mit einem 2-teiligen Führungskäfig mit 8 massiven Gleitelementen.
Ein wichtiges Detail zur Abtrennung der Druckscheibe war eine kleine Bohrung in dieser, die Treibgase in eine kleine Kammer zwischen Druckscheibe und dem Endstück mit den 6 starren Führungsflügeln leitete. Verliess das Geschoss das Rohr, stiessen die gespeicherten Treibgase die Druckscheibe ab. Auch dieses Detail eine Idee von Coenders.
Das Endstück der Granate mit den Führungsflügeln war zu diesem Zeitpunkt ein Gussstück aus Eisen. Die Druckscheibe, ebenfalls aus Gusseisen, war becherartig ausgebildet und wirkte somit gleichzeitig als Liderung.
Im Inneren trug das Geschoss mit einem Gesamtgewicht von 90 kg bis 140 kg eine Sprengladung von lediglich 7 … 9 kg für die kurze Geschützversion, 25 kg für die lange Ausführung. Die Sprengladung erhielt einen transportsicheren Aufschlagzünder AZ KM 20 ohne Verzögerung. Gemeinsam mit der sehr aufwendigen Abschussanlage war somit auch das Verhältnis Gesamtgewicht zum Gewicht der Sprengladung der Granate ineffizient.
Hergestellt wurden verschiedene Varianten der Granate unter anderem durch die Firmen Faserstoffwerke GmbH in Fürstenberg/Havel, die Eisenwerke Witkowitz in Tschechien, den Bochumer Verein in Bochum und die Röchling-Buderus AG in Wetzlar.
Galerie
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Entwickelt wurde diese Kanone und ihre Geschosse durch die Ingenieurgruppe der Stahlwerke Röchling-Buderus in Wetzlar unter der Leitung von August Coenders. Erste Schiessversuche fanden Anfang 1943 mit einer 2 cm-Versuchsversion in der Heeresversuchsanstalt Hillersleben nordwestlich von Magdeburg statt.
Ebenfalls in Hillersleben folgten ab Januar 1944 Tests mit dem Kaliber 15 cm auf flach liegenden Geschützaufbauten. Um realitätsnahe Reichweiten-Tests durchführen zu können, brauchte man jedoch ein Gelände mit natürlicher Neigung von mindestens 30°. Dieses fand man auf Wolin, südlich von Misdroy beim Ort Laatziger Ablage, dem heutigen Zalesie. Von dort konnte mit der angestrebten Distanz von 160 km über wenig bewohntes Gebiet nach Nordosten in den Zielraum vor der pommerschen Küste geschossen werden.
Erste Ausführungen hatten rechtwinklig angeordnete Zusatztreibladungen, getestet wurde in Hillersleben aber noch eine Weiterentwicklung mit unter 45° angeordneten Zusatztreibladungen. Diese sich an dem Entwurf von Perreaux orientierende Variante kam aber nicht über das Versuchsstadium hinaus und war nirgends im Einsatz oder dafür vorgesehen – auch nicht in Mimoyecques, wie oft fälschlicherweise publiziert wird!
Hergestellt wurden die wichtigen Komponenten in Wetzlar und Völklingen. Die Geschosse wurden bei Röchling und in Peenemünde weiterentwickelt. Am zweiten Standort entstand auch das Peenemünder-Pfeilgeschoss (PPG), das aber für andere Kaliber und in anderen Geschützen Anwendung fand.
Die stählernen Traggerüste für das lange Rohr wurden von der Berliner Stahlbau in Berlin-Lichtenberg gebaut.
Was die HDP angeht, ist zu den Installationen und Vorgängen in Hillersleben sehr wenig gesichert. Belegt sind zwei Versuchsgeschütze, eines mit rechtwinklig angeordneten Zusatztreibladungen und eines mit den unter 45° liegenden. Es gibt auch Bilder eines Geschützes mit lediglich fünf Zusatztreibladungen, diese zeigen die provisorisch montierten Rohre mit Kreuzstücken lediglich am Boden liegend, nicht in einem schussbereiten Aufbau.
Belegt ist die Installation der HDP-Einrichtungen auf dem I-Platz, der im nördlichen Abschnitt bei etwa 26'000 m des riesigen Geländes der Heeresversuchsanstalt lag, durch historische Fotos. Aufgrund historischer Luftaufnahmen ist sehr wahrscheinlich, dass die beiden Geschütze in der nordöstlichen Ecke des I-Platzes lagen und nach Süden gerichtet waren – diese Ausrichtung ist belegt.
Geschossen wurde in Hillersleben aber hauptsächlich vom südlichen Ende des Platzes nach Norden und von einer Feuerstellung bei 28'500 m nach Süden. Bei 27'000 m nennt eine Quelle einerseits eine Feuerstellung, andererseits eine Beschussanlage – was nun? Es gibt in diesem Bereich keine Überreste.
Bei 24'000 m lag eine der Beschussanlagen, zwischen dem A-Platz und dem I-Platz. Diese könnte das Ziel der HDP-Tests gewesen sein, Belege dazu waren jedoch nicht zu finden.
Ein Fragezeichen wäre dabei die sehr kurze Distanz von etwa 1800 m, weiter südlich gab es aber keine Beschussanlagen. War das nur für erste Funktionsversuche ohne die mögliche Reichweite kennen zu wollen? Natürlich, denn die HDP-Versuchsaufbauten lagen hier horizontal mit einer minimalen Rohrerhöhung (ca. 3°) und für die geplanten Schussweiten waren Reichweitentests in Hillersleben sowieso nicht durchführbar.
Durch historische Fotos belegt ist ebenfalls, dass erste Schiessversuche mit Anschussknüppeln gemacht wurden, die weder eine Sprengladung hatten, noch besonders aerodynamisch ausgelegt waren.
Sollten von den HDP-Geschützstellungen noch Reste vorhanden sein, so sind sie komplett überwachsen. Dazu kommt, dass das Gebiet nach wie vor teilweise militärisches Übungsgelände oder munitionsbelastet und somit nicht zugänglich ist.
Am Ostrand des I-Platzes sind im bewaldeten Bereich zwei parallele Geländeeinschnitte zu erkennen. Sie sind das einzige was im Vergleich mit Fotos von damals auf HDP-Schussbahnen hinweist.
Auch in einem alliierten Befragungsdokument sind die Ergebnisse zum Teil wenig klärend. Ingenieur Henning Teltz nennt für die 26'000 m-Marke zwei Geschütze (die anhand von Fotos belegbar sind) und ein weiteres (kurzes) auf dem H-Platz, der bei etwa 3000 m lag, also ganz im Süden. Umgekehrt aber für Laatziger Ablage nur ein Geschütz!
Für das Geschütz auf dem H-Platz liessen sich nur wenige schlüssige Belege finden. Nebenstehende alliierte Originaldokumente machen die Situation einer dritten HDP jedoch klarer.
Es kann angenommen werden, dass das Geschütz auf dem H-Platz das erste war das in Hillersleben getestet wurde, da der H-Platz für besonders geheime Waffen innerhalb der Heeresversuchsanstalt mit einer ihn umgebenden 2,4 m hohen Mauer aus Betonelementen zusätzlich geschützt war.
Galerie
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Das für die Reichweite-Tests benötigte Gelände fand man im Herbst 1943 südlich von Misdroy (Międzyzdroje) beim Ort Laatziger Ablage (Zalesie), nachdem man wegen der Bombardierung von Peenemünde mit solchen Vorhaben weiter nach Osten auswich. Der Hang hatte eine passende Neigung und annähernde Höhe, dazu nach Nordosten ein weitgehend schwach besiedeltes Gebiet. Und man konnte die schon vorhandenen Mess- und Überwachungsstellen entlang der Pommerschen Küste nutzen.
Die Ziele lagen zwischen 80 km vor Kolberg (Kołobrzeg) und 160 km vor Jershöft (Jarosławiec).
Beim Ort Laatziger Ablage wurden insgesamt drei Geschütze aufgebaut, über die Reihenfolge des Aufbaus herrscht Unklarheit. Naheliegend ist wegen der Bauweise, dass zuerst die GSt-Süd entstand und anschliessend die GSt-Mitte mit 124 m Länge1. Und erst nach Abbruch des Projekts «Wiese» (Mimoyecques) die GSt-Nord, wo man die verkürzte Version für Lampaden testete. Für diese Annahme gibt es jedoch keine Belege.
Die bekannten historischen Fotos zeigen beide die GSt-Mitte, wovon eines wahrscheinlich zur Annahme verführte, dass dieses Geschütz sehr steil angelegt war. Tatsächlich haben aber alle drei GSt eine Rohrerhöhung von etwas über 30°. Dies wurde mit einem Pendel-Neigungsmesser vor Ort auf mehreren noch vorhandenen Elementen der Unterbauten mit Messungen zwischen 30° und 35° nachgewiesen.
Ingenieur Henning Teltz nennt in einem alliierten Befragungsprotokoll den Wert 34°.
Von den drei Geschützen ist heute nichts mehr vorhanden, hingegen sind bei allen drei GSt noch deutliche Schneisen im Gelände sichtbar und von den Bodenkonstruktionen – vor allem den betonierten Stützen – ist noch einiges erhalten geblieben. Das Gelände ist frei zugänglich.
Im ehemaligen Muitionsbunker ist ein kleines Museum eingerichtet, das neben Informationen zum Schiessplatz auch andere Militaria zeigt.
Vermutet wurde verschiedentlich noch eine vierte GSt zwischen dem Munitionsbunker und der GSt Nord.
Diese kann aber nach Begehung des Geländes und Auswertung des Lidar-Bilds ausgeschlossen werden. Die Geländestruktur deutet zwar auf eine Bearbeitung hin, diese dürfte aber in einem anderen Zusammenhang stehen. Im oberen Bereich wurde eine Schneise geschlagen und damit wohl der untere Bereich aufgeschüttet. Allerdings verläuft diese Rampe-Schneise in Richtung über den nahen Ortsrand und ist somit ganz anders orientiert als die drei Geschützstellungen.
1) Die Länge 124 m wird in einem Originalbericht vom 26.5.44 von Dr. Athen genannt.
Galerie (Stellung Nord)
Galerie (Stellung Mitte)
Galerie (Stellung Süd)
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Zum Einsatz kommen sollte die HDP in der gigantischen unterirdischen Anlage von Mimoyecques im Département Pas-de-Calais in Nordfrankreich, von der aus London unter Dauerfeuer genommen werden sollte – bekanntlich kam es nicht so weit.
In der deutschen Rückzugsphase im Herbst 1944 wurden südlich von Lampaden noch zwei verkürzte Kanonen aufgebaut, mit denen die Stadt Luxemburg beschossen wurde. Dies waren die einzigen Geschützstellungen, welche erwiesenermassen gegen feindliche (zivile) Ziele zum Einsatz kamen.
Um weitere Einsatzstellungen ranken sich Legenden, vieles ist hypothetisch, weniges belegt. So wird z. B. die Vorbereitung einer Stellung im Raum Ahrweiler erwähnt, Details dazu findet man jedoch nirgends. Dabei dürfte es sich aber um die geplante Stellung bei Hellenthal/Hollerath handeln.
Nachweisbar ist nur, dass in Buhl bei Guebwiller im Elsass noch mit dem Aufbau von Stellungen für zwei Kanonen begonnen wurde, welche auf Belfort feuern sollten.
Wieviele Kanonen von welcher Länge gebaut wurden und welche Kanonen an welchen Standorten auf- resp. wieder abgebaut, verlegt oder eventuell umgebaut wurden, ist in den gesichteten Sekundär- und Primärquellen nicht schlüssig zu eruieren. Klar scheint nur, dass die Alliierten bei der Einnahme von Wetzlar in die Röchling-Werke zurückgeführte Elemente der HDP vorfanden, die sie in die USA verbrachten. Dasselbe geschah mit den in Hillersleben vorgefundenen zwei Versuchsgeschützen.
Wie schon in der V-Waffen-Übersicht erwähnt, stiess ich Ende der 1970er-Jahre bei einer Tour durch Frankreichs Norden zufällig auf Hinweise, die zur Anlage der V3 wiesen. Wenn man durch diese Region fährt, wird man ja auf Schritt und Tritt mit Beton konfrontiert, aber nicht zu jedem «Betonklotz» weist ausdrücklich ein grösseres Schild hin. Und «V» wirkte auf mich wie ein Magnet, also nichts wie hin.
Welche «Enttäuschung» dann vor Ort: keine monumentalen Betonhaufen, nur eine Baracke und im Hintergrund am Hügel eine Tunnelöffnung! Zu dieser Zeit wurde die museal zugängliche unterirdische Anlage noch vom Grundstücksbesitzer mit ein paar Enthusiasten betrieben. Eine gute Lampe bei sich zu haben, war damals unumgänglich.
Heute ist die Anlage offizielles Museum unter der Leitung von La Terre des 2 Caps und wohl der Ort, wo die psychologische Wirkung dieses wahnwitzigen Projekts am eindrücklichsten vermittelt wird.
Die Arbeiten an dieser HDP-Stellung (Codenamen Wiese oder Bauvorhaben 711) begannen im September 1943 mit dem Anlegen der Eisenbahntrassen unter der Leitung der Organisation Todt.
Ursprünglich geplant waren zwei Anlagen mit je 25 Rohren, von denen jedoch die westliche nach Aufklärung durch die Alliierten schon früh aufgegeben wurde. Es ist oft davon die Rede, dass dies nach Bombardierungen geschah die die Anlage unbrauchbar machten. Luftbilder von 1949 zeigen jedoch, dass der Bereich der westlichen Anlage relativ wenige Bombentreffer aufweist. Wahrscheinlicher ist deshalb, dass man eine Hälfte des Projekts mangels zur Verfügung stehender Ressourcen aufgab (eine Quelle nennt dazu einen Vortrag in diesem Sinn von General Buhle und Karl-Otto Sauer vom 6. April 1944 im Führerhauptquartier).
Sichtbar war von der Anlage-West lange Zeit nur noch der kaum begonnene südliche Zugang zum Tunnel, dieser ist aber mittlerweile auch verfüllt und wieder genutztes Ackerland. Angelegt waren aber schon die Trassen für die Gleise der südlichen wie der nördlichen Zufahrt.
Konkret gebaut wurde also nur an der Anlage-Ost. Diese Arbeiten erstreckten sich auf vier unterirdische Ebenen plus dem Austritt der Kanonenrohre auf dem Hügel. Nimmt man die Ebene mit dem quer durch den Hügel verlaufenden Haupttunnel von 640 m Länge als Null an (100 m ü. M.), so lag die Oberfläche der 5,5 m dicken Betonplatte die die Kanonenmündungen schützen sollte auf +31 m (131 m ü. M.). Die erste zusätzliche Untergrundebene lag auf -38 m, die zweite auf -53 m und die tiefste Sohle mit den Kanonen-Verschlussstücken auf -70 m (30 m ü. M.).
Die Erhöhung der Kanonenrohre war hier im Gegensatz zur Versuchsanordnung in Laatziger Ablage gemäss dem Sanders Report mit 50° vorgesehen. Dies liess sich 2019 anhand von Messungen der Öffnungen in den Deckplatten und im Schrägschacht III belegen.
Auch die Stellung Ost musste redimensioniert werden. Von den ursprünglich geplanten 5 Geschützgruppen I bis V liess man die nördlichen zwei (I und II) fallen und trieb die Arbeiten nur noch an den GSt III, IV und V voran. Obwohl die Erdarbeiten auf der Hügeloberseite schon ausgeführt waren, wurde die Betondecke nur noch für die GSt III bis V realisiert. Dasselbe gilt für die Schrägschächte, I und II sind nur noch teilweise ausgebrochen und die Arbeiten daran dann eingestellt worden.
Die Bombardierungen seit November 1943 durch die RAF und die USAF während mehrerer Raids waren massiv, zeigten jedoch nicht die erwartete Wirkung. Erst der Einsatz der neu entwickelten Tallboy-Bombe am 6. Juli 1944 brachte das gewünschte Resultat. Mehrere Tallboy trafen den Bereich der unterirdischen Anlage, eine Bombe beschädigte die Südostecke der Betondeckplatte schwer. Man liest auch, dass eine Tallboy durch einen der Schrägschächte nach unten gefallen und dort explodiert sei. Eine andere Version lässt die Tallboy in der Öffnung explodieren und den Schrägschacht einstürzen. Dafür lassen sich keine Belege finden und nebenstehende Aufklärungsfotos mit intakten Schachtöffnungen widerlegt solche Informationen. Andere Sekundärquellen erwähnen, dass eine «normale» Fliegerbombe die Öffnung des Schrägschachts IV traf und an dessen Grund detonierte – dies scheint plausibler.
Die Spuren einiger Tallboy-Einschläge lassen sich noch heute identifizieren.
Bei den alliierten Bombardierungen kamen in erster Linie Zwangsarbeiter in der unterirdischen Anlage ums Leben, vor allem bei dem Angriff vom 6. Juli 1944. Opferzahlen sind bis heute unbekannt geblieben. Durch die komplette Zerstörung der unteren Ebenen und das Volllaufen derselben mit Wasser konnten die meisten Opfer gar nie geborgen werden.
Ende Juli 1944 wurden sämtliche Bauarbeiten eingestellt und die Anlage verlassen, kurz bevor am 5. September kanadische Einheiten Mimoyecques erreichten.
Im Mai 1945 sprengten Pioniere der Royal Engineers wichtige Teile der Anlage auf Befehl Churchills, nachdem Spezialisten unter Leitung von Colonel T. R. B. Sanders alles untersucht und dokumentiert hatten.
Die Zerstörungen an der massiven Beton-Deckplatte stammen bis auf den Tallboy-Einschlag an der Südostecke ausschliesslich von den Sprengungen der britischen Pioniere. Die Briten befürchteten, dass diese Anlage zu einem späteren Zeitpunkt erneut ausgebaut und zum Einsatz gegen England kommen könnte. Um Diskussionen mit den Franzosen aus dem Weg zu gehen, schufen die britischen Pioniere mit den Sprengungen zu Kriegsende Fakten.
Heute museal zugänglich ist nur die Ebene Null, als Eingang dient der 1945 gesprengte Tunnelzugang Süd. Der Tunnel wurde dabei auf etwa 40 m verschüttet, der ursprüngliche Eingang lag da, wo heute das Empfangsgebäude steht. Zu besichtigen ist nur ein Teil der Stollenanlage, andere Teile sind eingestürzt oder zu stark einsturzgefährdet. So auch der nördliche Teil des Haupttunnels, dessen Zugang ebenfalls schon vor vielen Jahren zugeschüttet wurde und heute unter Ackerfläche liegt.
Die Ebenen -38 m und -53 m sind nicht mehr zugänglich, genauso wenig wie die Ebene -70 m, die schon 1944 durch Bombeneinwirkung zerstört wurde und mit Wasser voll lief. Diese Sohle blieb bis heute Grab für die damals verschütteten Zwangsarbeiter. Die zwei untersten Ebenen waren zwar durch deutsche Dokumente bestätigt, konnten aber schon von den Alliierten nicht mehr verifiziert werden, da alle Versuche die Schächte und Stollen leer zu pumpen fehlschlugen.
Entgegen der im Schrägschacht IV liegenden Rekonstruktion (keine Originalteile) eines HDP-Segments mit vier Kreuzstücken waren für Mimoyecques Kanonen mit rechtwinklig angeordneten Zusatztreibladungen vorgesehen. Installiert waren die Kanonen jedoch nie und weder Rohre noch Kreuzstücke waren vor Ort! Da lagerten erst 5-fach Halteelemente für die Rohre und weiteres Installationsmaterial.
Ähnliches gilt für die 20 cm dicken Stahlplatten für die Rohrmündungen. Einzelne sollen in Mimoyecques angekommen sein, installiert waren sie nicht. Etliche dieser tonnenschweren Elemente lagerten bis 2010 beim Dombunker im Steinbruch von Hydrequent, gut 4 km südlich von Mimoyecques. Heute ist ein Satz von vier dieser Platten – so wie sie einen Schacht abdecken sollten – beim Empfangsgebäude ausgestellt. Die Gesamtabmessung des Plattensatzes beträgt 7,97 m × 3,8 m.
Für die Begehung des Innenbereichs kann man sich an diesem Plan orientieren. Für Besucher zugänglich sind die grün markierten Bereiche. In dem Rundgang verteilt erklären Informationstafeln und ein Video den Besuchern die Geschichte und Funktion der HDP-Anlage.
Die Beschreibung einzelner Punkte findet sich bei den Bildern in der Galerie Innenbereich.
Der Übertagbereich der Anlage ist Privatgrund und Naturschutzgebiet, sollte also nicht betreten werden!
Ausser der gesprengten Deckplatte ist von den Aussenanlagen wenig Sichtbares verblieben. Das überwachsene Gleisfeld Mimoyecques ist in GE noch gut sichtbar, vom Gleisfeld Bainghen sieht man nichts mehr. Von der Gleisanlage Bois de l’Abbaye – die ebenfalls von Wald und Buschwerk überwachsen ist – sind noch Spuren der Bahntrassen erkennbar. Im Gehölz liegen massive Betonbrocken, was darauf hinweist, dass in diesem Bereich einige Bunker vorhanden waren die gesprengt worden sind. Einzig noch bestehendes Bauwerk ist der Bunker für die Notstromversorgung, darin die Sockel für das Aggregat – das wohl nie montiert war. Die massiven Tore sind verschwunden.
Die Trasse vom Bahnhof Landrethun-le-Nord her kann man an einzelnen Geländemerkmalen noch erkennen. Das separate Gleis das in einer engen Kurve zu der langen Geraden nach Moyecques führte, erschliesst heute nach der Kurve Industriegleise zu den bergmännischen Abbaugebieten zwischen Ferques und Leulinghen-Bernes. Südlich des Bahnhofs, wo der Chemin de Wissant auf einer Brücke die Gleise überquert, steht östlich des Geländeeinschnitts noch ein Bunker.
Auf dem Geländerücken le Mont nordwestlich der Anlage sind im Ackerland fünf Tobruks und zwei Wasserbecken vorhanden. Und nahe der A 16 liegt noch ein Bunker und ein Betonfundament unbekannter Funktion. Gleich daneben wurde direkt nach dem Krieg der kanadische Ehrenfriedhof angelegt – dieser ist von Hauteville her zugänglich.
Der Höhenzug weiter bis zum Mont de Couple war ebenfalls stark befestigt. Dies dürfte aber eher im Zusammenhang mit dem Flugplatz Saint-Inglevert gestanden haben.
Erschliessung
Eine Anlage diesen Ausmasses benötigte eine entsprechende Erschliessung, um schon beim Bau Material zu- und abführen zu können und um bei der riesigen geplanten Schussmenge den Nachschub zu gewährleisten. Dazu kam die Versorgung der Mannschaften.
Die Standortwahl in dem Höhenzug WNW von Landrethun-le-Nord erlaubte es, eine schon bestehende, gut ausgebaute Eisenbahnlinie «anzuzapfen». Ebenso war es möglich, für die benötigte hohe Energiemenge auf in der Nähe verlaufende Hochspannungsleitungen zuzugreifen.
Eine autarke Energieversorgung war aber durch ein leistungsstarkes Stromaggregat gewährleistet. Dieses war in einem Bunker nordöstlich der Anlage Ost untergebracht.
Ob die Haupt-Materialzu- und -abfuhr von Norden oder Süden erfolgte, ist nicht ganz klar. Allerdings deutet die starke Steigung in der Zufahrt Nordwest darauf hin, dass zumindest für die Anlage West der Südzugang Priorität gehabt hätte. Für die teilweise gebaute Anlage Ost hingegen ist auch am Nordende ein Gleisfeld angelegt worden.
Galerie Innenbereich
Galerie Gedenkstätten
Galerie Aussenbereich
Galerie Umgebung
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Ein paar Vorbemerkungen zu der Stellung bei Lampaden:
Auch über diese HDP-Anlage findet man in den Publikationen viele Ungereimtheiten und Vermutungen, die aber leider nicht als solche ausgewiesen sind. Vieles davon basiert auf einer Standortskizze aus dem Bestand des Heereswaffenamts im Militärarchiv Freiburg, deren Angaben nach dem Krieg bis in jüngere Zeit oft interpretiert wurden und so vor Ort kaum nachvollziehbar sind, selbst wenn man berücksichtigt, dass mittlerweile 76 Jahre vergangen sind – die seit 1945 unveränderten topografischen Gegebenheiten des Geländes setzen Grenzen.
Die in nebenstehender Skizze mit Bunker bezeichneten Bauwerke waren bis auf die Mannschaftsbunker kleine Unterstände, aus Rundholz errichtet und mit Brettern und Dachpappe abgedeckt. Die beiden Mannschaftsbunker in (möglicherweise erweiterten) Erdlöchern/Felsnischen eingebaute und mit Mauerwerk unterteilte Räume.
Dies lassen Begehungen in den 2000er-Jahren annehmen, als zumindest der nördliche Mannschaftsbunker noch nicht verschüttet und durch eine kleine Lücke zugänglich war.
Der Abfeuerungs- oder eher der Waffenmeisterbunker der Stellung Nord dürfte identisch mit dem gerne zitierten Zugang zu einem «früheren Bergwerksstollen» sein. Dieser ist allerdings nichts anderes als eine Felshöhle von ca. 3 × 3 m und ohne jegliche Bearbeitungsspuren. Sie ist heute zugemauert und soll als Unterschlupf für Fledermäuse dienen. Von Fledermäusen oder deren Exkrementen ist jedoch nichts zu sehen.
Entlang des Hangs führt ein Feldweg nach Norden, der nach etwa 200 m zwischen Hang und Ruwer eingeklemmt ist und somit bis über die Stellung Nord hinaus gar keine grösseren Bauwerke ermöglichte. Auf diesem Feldweg war hangseitig auch die schmalspurige Feldbahn von der K 43 bis zur Stellung Nord verlegt.
Nach dem Rückzug bis auf deutschen Boden scheint die Gruppe um Kammler das Bedürfnis gehabt zu haben, das in Frankreich schon vor dem Einsatz gescheiterte Projekt noch in reduzierter Form zum Einsatz bringen zu wollen. Anders ist nicht zu verstehen, weshalb man hier und in Buhl noch den grossen Aufwand für den Aufbau der immobilen Geschütze trieb, deren Ziele keinerlei militärischen Nutzen hatten!
Die Wahl dieses Standorts am Höllischberg wurde einerseits durch die geforderte Hanglage in einer Distanz von 42,5 km zum Ziel bestimmt, andererseits durch die Erschliessung mit der normalspurigen Hochwaldbahn von Trier her.
Am 28. Dezember 1944 war das 1. Geschütz LRK 15 F58 feuerbereit, schoss aber erste Granaten erst am 30. Dezember gegen Luxemburg. Das 2. Geschütz feuerte am 11. Januar 1945. Wegen Nachschubschwierigkeiten blieben die Schusszahlen sehr gering. Am 17. Februar wurden die letzten 6 von insgesamt 183 Granaten abgeschossen und bereits am 18. Februar begann man mit dem Abbau und der Rückführung der beiden Geschütze.
Am 23. Februar waren amerikanische Panzerspitzen bis auf 3 km an die HDP-Feuerstellung herangerückt.
Von den beiden Geschützstellungen ist heute ausser den Schneisen und den darüber liegenden Druck-Expansionsgruben der Rohrmündungen nichts mehr zu erkennen. Die hölzernen Bauten sind längst verschwunden, ebenso die hölzernen Verankerungen im Hang. Nach einer Sanierung des Forstwegs sind auch die Widerlager der beiden Geschütze überdeckt. Durch Rodungen im Hang zwischen den beiden GSt sind ebenfalls die Zugänge zu den «Mannschaftsbunkern» verschüttet. Einziges «Überbleibsel» ist die kleine Felshöhle südlich der 1. GSt.
Eine Begehung des Forstwegs macht aber deutlich, dass zwischen dem Weg inklusive Schmalspurgleis und dem Hang nur minimalste Bauwerke gestanden haben können, insbesondere im Bereich der 1. GSt, wo noch die Ruwer einengend wirkt.
Die 1. GSt (Nord) galt als «nicht mehr exakt lokalisierbar», GSt Süd war leichter an der markanten Schneise zu erkennen.
Im April 2010 war nach der Kurve bergseitig des Forstwegs ein kleiner Flecken Beton im Waldboden sichtbar, der sich als Oberfläche des Widerlagers des 1. Geschützes herausstellte. Das Widerlager des 2. Geschützes lag etwas tiefer und war weder zu sehen noch durch leichtes Schürfen zu entdecken. Erst nach dem Öffnen eines Stichgrabens in der Achse der Schneise wurde die Oberfläche des Widerlagers 40 cm unter dem derzeitigen Bodenniveau sichtbar.
Die unterschiedlichen Abmessungen der beiden Widerlager und deren identische Rohrerhöhung von 34…35° konnten 2011 verifiziert werden. Gemessen wurde mit einem Pendel-Neigungsmesser auf der Stirnseite der Widerlager und mit einem Laser-Winkelmesser direkt im Hang. Die Tiefe der Widerlager und damit deren Gesamtbauweise – wie z. B. die Geschützverankerung – bleibt unklar.
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Hinweis: In den Militärberichten wird als Örtlichkeit nur Gebweiler genannt. Allerdings befand sich die Stellung auf Gemeindegebiet von Bühl. Hier werden die aktuellen Bezeichnungen Buhl und Guebwiller verwendet.
Ende 1944 suchte man nach einem geeigneten Standort, um mit der HDP noch das «Unternehmen Nordwind» zu unterstützen. In Buhl, westlich von Guebwiller im Elsass, stimmten die Voraussetzungen für den Aufbau von zwei Kanonen ähnlich der Situation in Lampaden. Ziel war, von dort aus die 40 Kilometer südwestlich liegende Stadt Belfort zu beschiessen. Ein Hang mit der passenden Neigung und Ausrichtung zum Ziel innerhalb der von Lampaden her bekannten Schussdistanz und die Erschliessung der Stellung mit einem Gleisanschluss fand sich westlich des Orts am Demberg.
Anfangs Januar 1945 begann die 2. Batterie mit dem Aufbau. Für diese Stellung muss angenommen werden, dass noch eine verlängerte Version des Geschützes vorgesehen war (siehe Telefonbericht). Nach den dort genannten Angaben hätte sich eine Gesamtlänge von ca. 73 m ergeben.
Die 1969 stillgelegte Bahnlinie führte in den 1940er Jahren noch von Bollwiller bis nach Lautenbach. Somit konnte das Material auf der Schiene bis zum Bahnhof Buhl, nahe an den Industriebetrieb beidseitig der Lauch bei dem auch eine Brücke über den Bach zum Stellungshang führte, herangefahren werden. Dieser Betrieb steht noch heute, sogar umfangreich erweitert. In Google Maps ist der damalige Umfang der Bauten gut an den Sheddächern zu erkennen, die sich deutlich gegenüber den neueren Flachdächern abheben.
Im Gespräch mit älteren Einheimischen stellte sich heraus, dass auch da nur (noch) Halbwissen vorhanden ist. Erwiesen ist jedoch, dass die Deutschen dort zu Ende des Krieges umfangreiche Tätigkeiten entwickelten, welche unter grosser Geheimhaltung standen. So wurden z. B. bei den westlichsten Fabrikgebäuden, in denen weiterhin gearbeitet wurde, die gegen Südwesten gerichteten Toilettenfenster zugemauert und das ganze Gelände weiträumig abgesperrt und scharf bewacht.
Das Scheitern von «Nordwind» in der zweiten Januarhälfte führte zu einem vorzeitigen Abbruch der Arbeiten. Erkennbar sind heute (in der vegetationsarmen Zeit) nur noch vage die beiden Schneisen, welche für die Stellungen geschlagen und planiert wurden. Am Fuss der Stellung West ist noch eine Grube zu erkennen, welche in den engen Platzverhältnisse zwischen Hang und Lauch für das Widerlager ausgehoben wurde.
Das östliche Widerlager dürfte schon betoniert worden sein, ansonsten hätte man nicht mit dem Aufbau des Geschützunterbaus beginnen können. Bei der GSt West deutet aber die Grube darauf hin, dass da die Arbeiten noch nicht soweit fortgeschritten waren. Über den gesamten Baufortschritt dieser beiden Stellungen gibt es keine gesicherten Hinweise. Wahrscheinlich wurden die Aktivitäten jedoch vor dem finalen Aufbau der Kanonen gestoppt.
Eine Sekundärquelle erwähnt, dass am 1. Februar aus einer Kanone 20 Schuss abgefeuert worden seien, bevor beide Kanonen abgebaut und abtransportiert wurden. Auch das ist fraglich, da für Buhl nur der Aufbau einer Kanone belegt ist und man den Frontverlauf Ende Januar Anfang Februar in dieser Region berücksichtigt. Die alliierte Karte zeigt, dass per 20. Januar der Brückenkopf Elsass zwischen Kembs und Rhinau bis zum Rhein abgeschnitten war und per 5. Februar der Raum um Guebwiller und Rouffach eingekesselt, resp. die alliierte Front am 28. Januar schon bei Rouffach stand. Schwer vorstellbar, dass die 2. Batterie unter diesen Bedingungen weiter operativ war und anschliessend erst noch der Abbau und Rückzug zweier HDP über den Rhein erfolgen konnte.
Im Gegensatz zur Situation in Lampaden flacht der Hang im oberen Bereich der Geschütze leicht ab, es mussten also keine Expansionsgruben ausgehoben werden. Die Rohrmündungen wären frei gelegen und der obere Bereich von ca. 10 m hätte sogar auf ein zusätzliches Holzfachwerk aufgelegt werden müssen.
Im März 2019 konnte mit dem Laser-Winkelmesser die Hangneigung gemessen werden – soweit das anhand der aktuellen Geländemerkmale noch möglich war. Sie beträgt bei GSt West 41° und bei GSt Ost 42,7°.
GSt Ost war ja aufgebaut und es konnte auf eine längere Strecke gemessen werden. Die Erhöhung von rund 42° dürfte eine realistische Annahme sein. Damit bestätigt sich die Vermutung, dass die GSt in Buhl wesentlich steiler angelegt waren als diejenigen in Lampaden.
Südlich der Lauch ist abschnittsweise noch ein Weg erkennbar, dessen Breite weit über das hinausgeht, was westlich als Pfad weiterführt. Auch das ein Anzeichen dafür, dass in diesem Abschnitt Tätigkeiten stattfanden, die den Einsatz von Fahrzeugen erforderten. Zwei mögliche Relikte der Präsenz der «Kammler-Leute» fanden sich etwas abseits der Stellung West, einsam im Waldboden und ohne Bezug zu irgendeiner anderen logisch erscheinenden Bautätigkeit am Lauchufer oder eventueller Befestigungsarbeiten desselben: der Vermessungspunkt und eine 24 cm aus dem Boden ragende Gewindestange M 33 mit Mutter.
Nahe bei GSt Ost und mittig zwischen den beiden GSt erkennt man Ansätze von Stollengrabungen. Ob diese in irgendeinem Zusammenhang mit der HDP-Feuerstellung standen, konnte nicht eruiert werden. Sie könnten aber eher für eine früher erstellte Fassung eines kleinen Gewässers vom Demberg und einen möglichen Stollen zur industriellen Nutzung des gefassten Wassers gegraben worden sein.
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Zwei weitere Standorte befanden sich im Erkundungs- und Planungsstadium, zu baulichen Aktivitäten kam es dort aber nicht.
In Anbetracht der Lage Ende 44 – Anfang 45 war von deutscher Seite her nicht mehr an weitere Aktionen Richtung Westen zu denken. Auch die Versorgungslage war ja schon für Lampaden prekär, ein Aufbau von weiteren Stellungen also eher nicht mehr realistisch.
Hellenthal-Hollerath
Von der Stellung zwischen Hellenthal und Hollerath aus sollte Verviers (Velwisch) beschossen werden. Die für die «Verviers-Stellung» vorgesehenen Geschütze wurden dann aber wegen der von Westen her vorrückenden Alliierten schon für Buhl umdisponiert.
Ein Geschütz wurde in Buhl – zumindest teilweise – noch montiert, das zweite Geschütz verblieb nach verschiedenen Quellen immer östlich des Rheins.
Niederlosheim
Von Niederlosheim aus sollte Thionville (Diedenhofen) unter Beschuss genommen werden.
Dieser in Eisen und Stahl gegossene Wahnwitz fand sein unrühmliches Ende auf dem Aberdeen Proving Ground in den USA.
Zu Demonstrationszwecken wurde ein Geschütz aufgebaut, 1947 aber das auf einem Haufen liegende Restmaterial der HDPs verschrottet.
Literatur, Quellen
siehe Übersicht
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