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Trotz steigendem Reichtum werden die Menschen nicht entsprechend glücklicher. Das erklärt sich daraus, dass die Menschen ihr Glück vom Vergleich mit anderen abhängig machen. Der Wettbewerb um den Status führt zu einer massiven Verschwendung in der Gesellschaft. In den USA kostet eine durchschnittliche Hochzeitsfeier 30'000 USD. Im Jahr 1980 waren es inflationsbereinigt nur 11'000 USD. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass die Paare heute glücklicher sind als damals. Die Leute an der Einkommensspitze geben mehr aus, weil sie reicher sind. Das hat zur Folge, dass jene mit leicht weniger Einkommen sich an ihnen orientieren und auch mehr ausgeben. Das führt dann zu einer Kaskade bis zu den unteren Einkommen.
Als Lösung dagegen schlägt der Ökonom Robert H. Frank eine progressive Konsumsteuer anstelle der Einkommenssteuer vor. Wie schon heute sollte man die Einkommen den Steuerbehörden angeben, aber separat auch die Bildung von Ersparnissen. Die wird dann vom Einkommen abgezogen. Zusätzlich soll ein weiterer grosser Abzug standardmässig erfolgen – in den USA etwa 30'000 USD, für eine Familie vielleicht 10'000 USD mehr. Was übrig bleibt, ist dann der steuerbare Konsum. Die Steuerraten sollten anfänglich tief sein. Bei einem hohen Konsumniveau soll der zusätzliche Konsum zu sehr hohen Sätzen besteuert werden. Leute mit Topeinkommen, die keine grössere Villa brauchen und jetzt nur eine kaufen, weil andere in ihrem Umfeld auch eine haben, werden sich das dann neu überlegen. Sie werden eher eine kleine Ergänzung zu ihrer bestehenden Villa bauen. Die durch den Kauf der grösseren Villa ausgelösten mentalen Nachteile auf andere haben mit der Steuer einen hohen Preis.
Es ist aber auch moralisch stossend, dass die einen unvorstellbaren Luxus haben, während anderen gleichzeitig die nötigsten Dinge zum Leben fehlen. Aber wir kommen nicht weiter, wenn wir bloss in engen moralischen Kategorien darüber debattieren. Die Strategie ist, gegen exzessive Ungleichheit das Argument ins Feld zu führen, dass sie nicht effizient ist, das heisst zu Verschwendung führt.
Die zusätzlichen Dinge, die die reichsten Leute kaufen, haben für sie nur einen geringen Wert. Die Mittel, die für diese Dinge ausgegeben werden, hätten für andere einen sehr viel grösseren Wert.
Den exzessiven Konsum zu bremsen, wäre aber auch im Interesse der Reichsten selber. Die Reichsten haben jedes Jahr mehr Geld, und sie geben jedes Jahr mehr Geld für politische Kampagnen aus, die sich für geringere Steuern und weniger Regulierungen einsetzen. So nehmen die Steuerraten und die Regulierungen immer mehr ab. Das Resultat ist aber, dass dem Land die Steuereinnahmen fehlen. Wenn aber die wichtigsten Staatsaufgaben (Infrastruktur, Bildung, Gesundheit, Sicherheit) nicht mehr erfüllt werden können, haben auch die Reichsten darunter zu leiden. Es ist für die Leute klar, dass die Regierung vor allem auf die Reichsten Rücksicht nimmt. Das ist nicht nachhaltig. An einem Punkt könnten sie sich sagen: Warum soll ich das akzeptieren und mitspielen? (Aus dem Interview des Tages-Anzeigers mit dem Verhaltensökonomen Robert H. Frank, 15. Dezember 2014, Seite 35).