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Augsburger
Religionsfriede, der Vertrag, welcher auf dem am vom König Ferdinand, Bruder Kaiser Karls V., eröffneten Reichstag in Augsburg [* 2] über die kirchlichen Verhältnisse Deutschlands [* 3] abgeschlossen ward. Darin wurde ein dauernder Reichsfriede dadurch hergestellt, daß den Reichsständen das jus reformandi zugestanden wurde, wie es schon 1526 auf dem ersten Reichstag von Speier [* 4] geschehen war, und bestimmt, daß niemand wegen der Augsburgischen Konfession feindlich angegriffen werden sollte.
Die Territorien der evangelischen Stände wurden der Amtsgewalt und Jurisdiktion des Episkopats entzogen und die bis zum Passauer Vertrag erfolgte Einziehung und Säkularisation von Kirchengütern anerkannt. Die Frage über die Stellung der geistlichen Reichsstände und ihrer Unterthanen verursachte einen langen und heftigen Streit. Die Protestanten verlangten, es solle allen geistlichen und weltlichen Reichsständen freistehen, samt ihren Unterthanen entweder in der alten Kirche zu verbleiben, oder in die der Augsburgischen Konfessionsverwandten sich zu begeben.
Die Mehrzahl der Katholiken trat aber dem auf das entschiedenste entgegen und verlangte, daß jeder geistliche Fürst, der die alte Kirche verlasse, seines Standes und Amtes verlustig werde. Man nannte dies den geistlichen Vorbehalt (reservatum ecclesiasticum). Derselbe ward zwar schließlich in den Vertrag aufgenommen und als Reichsgesetz ausgesprochen, aber mit der ausdrücklichen Erklärung, daß die evangelischen Stände demselben nicht zugestimmt hätten. In ganz ähnlicher Weise wurde ein zweiter Hauptpunkt erledigt, der im Passauer Vertrag noch unentschieden geblieben war: ob die geistlichen Fürsten ihre bereits damals protestantisch gewordenen Unterthanen zwingen dürften, zum Katholizismus zurückzukehren.
Die Katholiken verlangten dies durchaus und verwarfen jede Festsetzung darüber als eine Beschränkung der Regierungsgewalt. Man kam auch hier nur zu einer königlichen Deklaration, die unter ausdrücklichem Protest der katholischen Fürsten erlassen wurde. Diese beiden Hauptfragen blieben also unentschieden, und der Religionsfriede enthielt in ihnen den Keim künftiger Zwistigkeiten. Der Religionsfriede war überhaupt keine endgültige Lösung der kirchlichen Frage, sondern nur ein aus dem allgemeinen Friedensbedürfnis hervorgegangenes Kompromiß.
Allerdings ward die bisher allmächtige kirchliche
Autorität für einen Teil
Deutschlands vernichtet, und die
Protestanten
erhielten eine durch
Reichsgesetz anerkannte Rechtsstellung. Dagegen ward dieselbe nur den
Augsburgischen
Konfessionsverwandten, nicht den Sektierern, auch nicht den
Reformierten gewährt; ferner galt die gewährte
Religionsfreiheit
nur für die
Reichsstände, nicht für die
Unterthanen; diese sollten bloß das
Recht der
Auswanderung haben. Beide Religionsparteien
behielten sich die schließliche Erledigung der Streitfrage zu ihren gunsten vor; trotz des geistlichen Vorbehalts wurden
kirchliche
Stifter evangelisch. Wesentlich trug der
augsburger Religionsfriede zur
Ausbildung und Mehrung der fürstlichen Territorialgewalt
bei.
Vgl. Lehmann, Acta publica de pace religionis (Frankf. 1631 u. 1707-11, 3 Bde);
Ranke, Zur deutschen Geschichte (2. Aufl., Leipz. 1874).