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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

2. Buch
16. Hätten sich die Götter um die Gerechtigkeit auch nur einen Deut gekümmert, so hätten die Römer von ihnen Vorschriften über Lebensführung erhalten sollen, statt von anderen Völkern Gesetze herübernehmen zu müssen.
Wenn aber die Römer Lebensregeln von ihren Göttern hätten erlangen können, so würden sie nicht einige Jahre nach der Gründung Roms die Gesetze Solons, die sie indes nicht in der übernommenen Form beibehielten, sondern zu verbessern suchten, den Athenern abgeborgt haben, obgleich Lykurg den Lacedämoniern Gesetze auf Apollos Geheiß gegeben haben wollte, was die Römer klüglich nicht glaubten, weshalb sie sie auch nicht von dorther nahmen. Numa Pompilius, der Nachfolger des Romulus im Königtum, soll einige Gesetze erlassen haben, die jedoch zur Leitung eines Staates völlig ungenügend waren; er hat bei den Römern auch viele gottesdienstliche Einrichtungen getroffen; daß er aber jene Gesetze von den Göttern erhalten hätte, darüber verlautet nichts. Also haben sich die Götter nicht im mindesten angelegen sein lassen, von ihren Verehrern Schäden der Seele, des Wandels und der Sitten fernzuhalten, Schäden, die so sehr von Belang sind, daß daran nach der Versicherung der gelehrtesten Männer die Staatswesen zugrunde gehen, mögen auch die Städte äußerlich im besten Stande sein; im Gegenteil, sie haben sich in jeder Weise angelegen sein lassen, daß diese Schäden überhandnehmen, wie oben ausgeführt worden ist.