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Am Freitag waren in zahlreichen Tageszeitungen grosse Todesanzeigen von Familie und Unternehmen erschienen. Demnach fand die Beisetzung von Berthold Albrecht bereits im November statt. Nachdem ihr Vater Theo im Sommer 2010 im Alter von 88 Jahren gestorben war, zählten Berthold und sein Bruder Theo jr. zu den reichsten Deutschen.
Über die näheren Umstände seines Todes ist nichts bekannt. In der Todesanzeige der Familie heisst es: «Berthold war eine Kämpfernatur, so dass er bis zuletzt noch hoffnungsvoll war.»
Berthold Albrecht arbeitete mehrere Jahrzehnte im Unternehmen, blieb aber stets im Hintergrund. Zuletzt war er vor allem für die Geschäfte des Discounters in Amerika verantwortlich gewesen. Er war Vorstandsmitglied einer der Familienstiftungen, welche die Anteile von Aldi Nord halten. Dem Gremium gehören auch seine Mutter Cäcilie und sein Bruder Theo an.
Aldi: Das deutsche Nachkriegswunder
Bertholds Onkel Karl und sein Vater Theo Albrecht gelten als Erfinder des Discount-Prinzips und haben damit Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Die damals revolutionäre Idee war, mit einem schmalen Sortiment und einfachen Betriebsabläufen die Kosten möglichst gering zu halten.
Damit konnte Aldi viel niedrigere Preise als die Konkurrenz anbieten. Die erste Aldi-Filiale wurde 1962 eröffnet. Heute ist Aldi mit 9800 Filialen in Europa, Nordamerika und Australien in insgesamt 17 Ländern vertreten.
Familienzwist sorgt für Firmenteilung
Weil die Geschwister nicht einer Meinung waren, teilten sie ihre Vertriebsgebiete in eine Nord- und eine Südregion. Im Süden des «Aldi-Landes» war man aufgeschlossener. Karl Albrecht investierte kräftig.
Anders sein Bruder Theo: Er war berüchtigt für sein zwanghaftes Sparverhalten. Als Mitte der 90er Jahre in Deutschland die Postleitzahlen von vier auf fünf Stellen geändert wurde, soll er – statt neue Briefbögen und Visitenkarten zu drucken – mehrere Mitarbeiter beschäftigt haben, welche die alte Postleitzahl handschriftlich ändern mussten.
Patriarchen folgt der Strategiewechsel
Erst mit dem Tod von Theo Albrecht wurden die Aldi-Filialen im Norden auf den neuesten Stand gebracht: Scanner-Kassen und Terminals für EC-Karten wurden installiert. Zudem erweiterte man auch das Sortiment. Der Billiganbieter rückte von der reinen Discountlehre ab.
Nach Schätzungen des Handelsinformationsdienstes Planet Retail kamen Aldi-Nord und Aldi-Süd 2011 zusammen auf einen Umsatz von 58 Milliarden Euro (70,2 Milliarden Franken). Damit sind sie der drittgrösste deutsche Händler nach Metro und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland).
Regelmässig führten die Albrechts die Rankings der reichsten Deutschen an. Ihr Vermögen wird auf 33,2 Milliarden Euro / 40,2 Milliarden Franken (Stand 2011) geschätzt.
Aldi in der Schweiz
Seit 2005 hat der Discounter in der Schweiz ca. 150 Filialen eröffnet. Sie gehören zu Aldi-Süd. Der Umsatz pro Verkaufsstelle soll bei zehn Millionen Franken pro Jahr liegen.
Aldi Suisse verhält passt sich dem Schweizer Preisniveau an. Die Angst vor Dumpinglöhnen der Angestellten und Lieferanten-Erpressung ist bisher unbegründet.