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Hintergrund Vor rund einem Jahr wurden die Ergebnisse von PISA 2009 für die Schweiz publiziert. Nun liegen auch die sprachregionalen und kantonalen Ergebnisse vor. 13 Kantone haben sich mit einer Zusatzstichprobe an der Erhebung 2009 beteiligt: der Kanton Tessin, alle Kantone der französischsprachigen Schweiz (Genf, Jura, Neuenburg und Waadt), die zweisprachigen Kantone Wallis, Freiburg und Bern sowie die deutschsprachigen Kantone Aargau, Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen, Schaffhausen und Zürich. Präsentiert werden auch die Ergebnisse des Fürstentums Liechtenstein, das im Bildungsbereich eng mit den Kantonen der Schweiz zusammenarbeitet.
Gute Ergebnisse im internationalen Vergleich
Rückblick
PISA misst die Leistungen von 15-jährigen Jugendlichen im Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften. Die im Dezember 2010 publizierten Ergebnisse erlauben eine Positionierung der Schweiz im internationalen Vergleich: Die 15-Jährigen in der Schweiz erreichen in PISA 2009 im internationalen Vergleich, wie bereits in den vorangehenden Erhebungen (2000, 2003, 2006), gute bis sehr gute Ergebnisse. Sie liegen in allen getesteten Fachbereichen - Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften - statistisch signifikant über dem Mittelwert der OECD-Länder.
In der Mathematik gehören die Schweizer 15-Jährigen zu den Besten. In den Naturwissenschaften ist das Ergebnis gut. Auch im Lesen liegt die Schweiz signifikant über dem OECD-Mittelwert.Mathematik-Leistungen in allen Kantonen am besten Ergebnisse PISA 2009: Zwischen den Kantonen bestehen - wie bereits in den früheren PISA-Erhebungen - teilweise deutliche Unterschiede in Bezug auf die erreichten Leistungen und auch die Einflussstärke der Schülermerkmale (Geschlecht, soziale Herkunft, Migrationshintergrund) auf die Leistungen unterscheidet sich.
Wie bei den früheren PISA-Erhebungen wird in Mathematik das beste Ergebnis erreicht, gefolgt von Naturwissenschaften und Lesen. Dieses typische Muster gilt für die Schweiz ebenso wie für die Sprachregionen und Kantone. Einzig in der französischsprachigen Schweiz ist der Mittelwert in den Naturwissenschaften leicht tiefer als jener im Lesen.Rankings sind nicht möglich Für den Vergleich zwischen den Kantonen werden zumeist die Mittelwerte beigezogen, also die durchschnittlichen Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler in einem Kanton oder einer Sprachregion. Es ist allerdings nicht vertretbar, aus diesen Daten Ranglisten ableiten zu wollen. Die Mittelwerte liegen oft so nah beisammen, dass Unterschiede in der Rangierung zufällig sind.
In den Darstellungen wird hingegen ein Bezug zum schweizerischen Mittelwert hergestellt und man kann daraus ablesen, ob der Mittelwert eines Kantons statistisch signifikant über dem schweizerischen Mittelwert liegt, ob er sich nicht vom schweizerischen Mittelwert unterscheidet oder ob er statis-tisch signifikant darunter liegt.Wallis, Schaffhausen und Freiburg mit sehr guten Leseergebnissen
Im Lesen erreichen die Kantone Wallis (französischsprachiger Kantonsteil), Schaffhausen und Freiburg (französischsprachiger Kantonsteil) Mittelwerte, die statistisch signifikant über dem Schweizer Mittelwert liegen. In diesen drei Kantonen ist ebenfalls der Anteil leseschwacher Schülerinnen und Schüler (unter Niveau 2) am kleinsten und liegt zwischen 7% im Kanton Freiburg (französischsprachiger Kantonsteil) und 9% im Kanton Schaffhausen.Weniger leseschwache Schülerinnen und Schüler 2000 und 2009 wurde Lesen als Schwerpunkt getestet. PISA 2009 ermöglicht einen umfassenden Vergleich der Leseleistungen an diesen beiden Messzeitpunkten. Dieser Vergleich ist in der Schweiz zwischen den Sprachregionen möglich sowie für die 10 Kantone, die sich seit 2000 mit Zusatzstichproben an PISA beteiligen. Das sind die Kantone Tessin, Genf, Jura, Neuenburg, Waadt, Wallis, Freiburg, Bern, St. Gallen und Zürich.
Beim Vergleich über die Jahre darf nicht erwartet werden, dass ein Land/Kanton seinen Mittelwert konstant und deutlich steigern kann. Das zeigt der im Dezember 2010 publizierte internationale Bericht: Zwischen 2000 und 2009 konnte kein einziges europäisches Land, das sich 2000 in der oberen oder mittleren Ländergruppe befand, seinen Mittelwert signifikant verbessern. Dagegen sind in verschiedenen Ländern signifikante Verschlechterungen beim Mittelwert feststellbar (z.B. Österreich, Schweden, Irland).In der Schweiz haben sich die durchschnittlichen Leseleistungen seit PISA 2000 von 497 Punkten auf 502 Punkte erhöht1. Das ist statistisch gesehen nicht signifikant. Das gleiche Bild ergibt sich für die Sprachregionen und die meisten Kantone. Einzig die französischsprachigen Kantone Genf (+ 21) und Jura (+14) erreichen eine statistisch signifikante Verbesserung beim Mittelwert. Dabei handelt es sich allerdings um zwei Kantone, die in PISA 2000 die tiefsten Leistungen aufwiesen.
Erfreulich ist die Reduktion beim Anteil der leseschwachen Schülerinnen und Schüler (unter Niveau 2). Ihr Anteil ist in der Schweiz seit PISA 2000 statistisch signifikant um 3.5% zurückgegangen (von 18.3% auf 14.8%). Die Veränderung ist besonders für die Deutschschweiz deutlich und hier statistisch signifikant (-5%). Im internationalen Vergleich gehört die Schweiz zu den wenigen OECD-Ländern, die zwischen 2000 und 2009 den Anteil der schwachen Leserinnen und Leser statistisch signifikant reduzieren und dabei den Anteil der leistungsstarken Leserinnen und Leser halten konnten.
In der Schweiz ist der Leistungsunterschied zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund seit PISA 2000 um 23 Punkte auf 67 Punkte zurückgegangen - ein Ergebnis, das sich nicht auf die vermehrte Zuwanderung aus Ländern, in denen eine Schweizer Landessprache gesprochen wird, zurückführen lässt. Die Veränderung ist besonders für die Deutschschweiz (-23 Punkte) und die italienischsprachige Schweiz (-38 Punkte) deutlich und hier statistisch signifikant.
1 Im 2. nationalen Bericht werden die Ergebnisse der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler beschrieben.
Der 1. nationale Bericht bezog sich hingegen auf die Ergebnisse der 15-Jährigen. Das erklärt die teilweise - wenn auch geringfügig - abweichenden Zahlen.Geschlecht, soziale Herkunft, Migration - bereits bekannte Ergebnisse wiederholen sich Es zeigt sich - wie bereits aus den früheren Erhebungen bekannt -, dass die soziale Herkunft, das Geschlecht, der Migrationshintergrund und die zu Hause gesprochene Sprache der Schülerinnen und Schüler mit den Leistungen in den drei getesteten Bereichen zusammenhängen. Mädchen erreichen beispielsweise tendenziell bessere Leseleistungen, Knaben tendenziell bessere Mathematikleistungen. Diese Effekte zeigen sich für alle Regionen und Kantone, wenn auch teilweise mit verschiedener Stärke. So ist beispielsweise die Bedeutung der sozialen Herkunft und des Migrationshintergrundes für die Leseleistungen in der Deutschschweiz und in der Westschweiz grösser als in der italienischsprachigen Schweiz. In der italienischsprachigen Schweiz sind auch die Geschlechterunterschiede beim Lesen am kleinsten. Zwischen 2000 und 2009 hat sich für das Lesen die Einflussstärke von Geschlecht und sozialem Hintergrund nicht verändert. Abgenommen hat hingegen die Bedeutung des Migrationshintergrunds (siehe oben «Weniger leseschwache Schülerinnen und Schüler»).
Sehr gute Ergebnisse in Mathematik
In Mathematik liegt die Schweiz international an der Spitze. Fast jede vierte Schülerin bzw. jeder vier-te Schüler kann in der Schweiz als hochkompetent in Mathematik erachtet werden. Beim Kantonsvergleich liegen die Mittelwerte der Kantone Appenzell Ausserrhoden, Freiburg (französischsprachiger Kantonsteil), Schaffhausen, Jura, Wallis (französisch-und deutschsprachiger Kantonsteil) und St. Gallen statistisch signifikant über dem Schweizer Mittelwert. In diesen Kantonen ist auch der Anteil der schwachen Schülerinnen und Schüler (Niveau 2 und tiefer) am kleinsten und liegt zwischen 4% im Kanton Jura und 8% im Kanton Schaffhausen.
In Naturwissenschaften liegen die Mittelwerte der Kantone Schaffhausen, Aargau und Appenzell Ausserrhoden signifikant über dem Schweizer Mittelwert.Verfügbarkeit neuer Informationstechnologien Zwischen 2000 und 2009 ist die Verfügbarkeit neuer Informationstechnologien stark angestiegen. Rund 99 Prozent der Schülerinnen und Schüler besitzen zu Hause einen Computer, im Jahr 2000 waren es 88 Prozent; rund 98 Prozent verfügen über den Zugang zum Internet, im Jahr 2000 waren es noch 52 Prozent.
Bei der Nutzung neuer Informationstechnologien gibt es sprachregionale und kantonale Unterschiede. In der französischsprachigen Schweiz wird der Computer in der Schule deutlich weniger genutzt als zu Hause. In der Deutschschweiz ist es genau umgekehrt.
Ausbildungspläne am Ende der obligatorischen Schule
Die Jugendlichen, die im Anschluss an die obligatorische Schule einen Schultypus mit hohen Anfor-derungen anstreben, erreichen bei den PISA-Tests die höchsten Mittelwerte. So schneiden die Jugendlichen, welche eine gymnasiale Maturität anstreben, in den drei getesteten Kompetenzbereichen am besten ab. Es folgen die Jugendlichen, welche eine Berufsmaturität anstreben, sowie - in dieser Reihenfolge - die Jugendlichen mit folgenden Ausbildungsplänen: Vollzeitberufsschule, berufliche Grundbildung, Zwischenjahr und Attestlehre.
PISA
PISA (Programme for International Student Assessment) ist ein internationaler Schulleistungs-vergleich der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung/Organisation for Economic Cooperation and Development). PISA wird seit 2000 alle drei Jahre durchgeführt. Mit dem Programm werden weltweit die Leistungen von 15-Jährigen im Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften getestet und international verglichen.
Beteiligte Kantone
PISA bietet den beteiligten Ländern die Möglichkeit, ihre nationale Stichprobe zu erweitern.
An PISA 2009 beteiligten sich in der Schweiz 13 Kantone mit einer Zusatzstichprobe: der Kanton Tessin, alle Kantone der französischsprachigen Schweiz (Genf, Jura, Neuenburg und Waadt), die zweisprachigen Kantone Wallis, Freiburg und Bern sowie die deutschsprachigen Kantone Aargau, Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen, Schaffhausen, Zürich. Im 2. nationalen Bericht finden sich auch die Ergebnisse des Fürstentums Liechtenstein, das im Bildungsbereich eng mit den Kantonen der Schweiz zusammenarbeitet.Zehn Kantone beteiligen sich bereits seit Beginn des Programms im Jahr 2000 mit kantonalen Stichproben an PISA. Es sind dies die Kantone Tessin, Genf, Jura, Neuenburg, Waadt, Wallis, Freiburg, Bern, St. Gallen und Zürich.
Stichproben
Weltweit beteiligten sich im April/Mai 2009 rund 470’000 Jugendliche an den PISA-Tests. In der Schweiz füllten rund 20’000 Jugendliche die PISA-Testhefte aus. Darin enthalten ist auch die Stichprobe, welche es für den Vergleich zwischen den Sprachregionen und den Kantonen braucht: Rund 15’000 Neuntklässlerinnen und Neuntklässler haben für den binnenschweizerischen Vergleich an der Erhebung 2009 teilgenommen.Der internationale Vergleich bezieht sich auf die Leistungen der 15-Jährigen. Der nationale Vergleich findet dagegen bei den Schülerinnen und Schüler im 9. Schuljahr statt. Da sich diese Stichproben aber grösstenteils überschneiden (ein grosser Teil der 15-Jährigen besucht die 9. Klasse), kommen die beiden Gruppen zu ähnlichen Ergebnissen und unterscheiden sich, was die Mittelwerte in den Fachbereichen betrifft, statistisch nicht signifikant.
Auftraggeber
In der Schweiz ist PISA ein gemeinsames Projekt von Bund und Kantonen. Die Kantone sind durch die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) vertreten.
Der Bund ist durch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) und das Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) vertreten. Die Durchführung von PISA wird von Bund und Kantonen gemeinsam finanziert (nationale und sprachregionale Erhebung), die kantonalen Zusatzstich-proben werden von den jeweiligen Kantonen finanziert.
Das «Konsortium PISA.ch» ist mit der Durchführung der PISA-Erhebung in der Schweiz und der Publikation der nationalen Ergebnisse beauftragt. Es setzt sich aus verschiedenen Forschungsinstitutionen der verschiedenen Sprachregionen zusammen.