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Man hofft, dass die oft verträumt wirkende junge Frau, die im Sommer nach dem Abitur eine dreijährige militärische Ausbildung begonnen hat, sich als Erwachsene endgültig vom elterlichen Schutz lossagt, der in Spanien von Medien oft als «übertrieben» kritisiert wurde. Und dass man endlich mehr über Leonors Persönlichkeit erfährt.
«Bisher bestand die Hauptsorge des Königshauses und der Eltern darin, die Privatsphäre der Thronfolgerin in einem oft nicht vollziehbaren Ausmass zu schützen - aber das wird sich nun ändern», schrieb dieser Tage die viel gelesene Zeitschrift «Lecturas». Die Zeitung «La Voz de Galicia» stellte jüngst fest: «Es gab nur wenige spontane Momente, die wir im Leben der Prinzessin erlebt haben.» Und die renommierte Zeitung «El País» bezeichnete Leonor als «unbeschriebenes Blatt».
In der Tat: Während andere europäische Königshäuser den Thronfolgern und deren Geschwistern mehr Freiheiten einräumen und diese oft als normale Kinder und Jugendliche präsentieren, die wie jüngst Prinz Williams Sohn George (8) bei einem Spiel der Rugby-WM auch in der Öffentlichkeit in der Nase popeln und sich langweilen dürfen, schienen die öffentlichen Auftritte von Leonor und Sofía (16), der beiden Töchter von König Felipe (55) und Königin Letizia (51), bisher bis ins kleinste Detail geplant, ja fast perfekt «choreographiert».
«Leonor und Sofía sind ein Geheimnis», schreibt «Lecturas» - und fragt: «Wie sind sie im Alltag? Haben sie Freunde? Gehen sie ins Kino? Gehen sie essen?» Fragen über Fragen, auf die es bisher noch keine Antwort gibt. Ein wenig sickert aber doch durch. Die Zeitschrift «Hola!», die sich im Madrider Königshaus gut auskennt, versicherte, Leonor, die irgendwann Königin und Staatsoberhaupt von Spanien werden soll, sei zwar etwas schüchtern, gleichzeitig aber auch ein besonnenes, umsichtiges und gut organisiertes Mädchen sowie eine gute Schülerin. Zu ihren Hobbys gehören demnach Volleyball, Ballett und Reiten. Ausserdem spiele sie auch gern Cello, hiess es.
Für «El País» und andere Medien in Spanien, die sich weniger für die Freizeitaktivitäten der Kronprinzessin interessieren, steht derweil fest, dass das Königshaus in Madrid auf Leonor setzt, um die unter Felipe eingeleitete Modernisierung der spanischen Monarchie zu beschleunigen. Sie soll dafür sorgen, dass die vielen Politiker vor allem des linken Spektrums sowie die Medien und Beobachter, die den Untergang der Madrider Monarchie prophezeien, nicht recht behalten.
Die Chancen stehen nicht schlecht. Denn Leonor hat sich bisher als wahres royales Musterkind erwiesen. Anders als etwa ihr Opa, Altkönig Juan Carlos (85), der dem Image der «Casa Real» mit Skandalen und Affären schweren Schaden zufügte, folgte sie bisher dem Beispiel ihres Papas, der zwar als langweilig, aber als «Saubermann» gilt.
Bei allem elterlichen Schutz ist es nun nicht so, dass Leonor in ihrem noch kurzen Leben keine Bewährungsproben zu bestehen hatte. An ihrem 13. Geburtstag sprach sie zum 40. Jahrestag der spanischen Verfassung erstmals öffentlich. Es folgten dann weitere öffentliche Auftritte, bei denen sie stets eine gute Figur machte. Im Sommer 2021 verliess sie das königliche Nest im Zarzuela-Palast im Nordwesten Madrids, um am UWC Atlantic College in Wales das Abitur zu machen.
Die bisher grösste Herausforderung hatte sie aber wohl seit Mitte August mit der Grundausbildung an der Militärakademie in Saragossa zu absolvieren. Dort kroch sie mit dem Gesicht voller Tarnfarbe durch den Schlamm und unter Stacheldraht, hantierte mit Gewehren und anderen Waffen und lernte schiessen. Als sie Anfang Oktober den militärischen Fahneneid leistete, schwor sie, wenn nötig ihr Leben für Spanien zu geben. Vorige Woche präsentierte sie sich dann bei der Verleihung der nach ihr benannten Prinzessin-von-Asturien-Preise in Oviedo wieder im Kleid und sagte: «Ich bin mir meiner Pflicht bewusst». Spaniens Kronprinzessin wird erwachsen. Oder wie «El País» schrieb: «Ein unbeschriebenes Blatt, aber ein vielversprechendes.»