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Die Abenteuer von Billy
Bones

(oder Reisen mit einem Skelett)
Es war im Jahr 1972, als Billy Bones zu uns kam - wenn man das so ausdrücken kann.
Wenn ein Student mit dem Medizinstudium beginnt, muss er als Erstes ein Skelett beschaffen, worauf sich seine anatomische Ausbildung basiert. Hundekenner sprechen sachkundig über die Bedeutung von Knochensubstanz, Wölbung der Rippen, Ellbogen, Kniegelenk, Sprunggelenk, usw., aber es war allzu klar, dass es sich nur um oberflächliche und nicht eingehende Kenntnisse handelte. Wenige hatten die zugrundeliegende Struktur eines Hundes studiert oder sogar gesehen, von der Struktur der Skelette bekannter Rassen ganz zu schweigen. Ich schlug daher vor, dass wir versuchen sollten, das Skelett eines Cardigans zu bekommen, und der Vorstand war damit einverstanden.
Das Museum der Universität in Oxford verwies mich an eine Firma, die auf die Präparation von biologischen Modellen spezialisiert war und diese war bereit, die Arbeit auszuführen. Mein Kontakt hatte sogar ein Skelett der von ihm bevorzugten Rasse präpariert. Wir mussten nur noch den Hund liefern. Und hier nahm die Komödie mit dem Skelett ihren Lauf. Was nun, wenn es ein Problem bei der Übergabe des Hundes gab. "Oh", sagten sie, gebt ihn in einen Plastiksack und legt ihn in die Gefriertruhe". Wir hofften, dass es nicht kurz vor Weihnachten sein würde!!
Wir gaben bekannt, dass wir einen Hund suchten, und schliesslich erfuhr ich von einem, der eingeschläfert werden sollte und den wir haben konnten. Geber und Hund sollten aber anonym bleiben. Ich holte den Hund am Tag darauf und fuhr ihn nach Littlehampton, um unsere schlimmsten Befürchtungen aus dem Weg zu räumen. Mehrere Wochen später konnte ich Billy Bones in Empfang nehmen.
Mr. Bones anlässlich der 60. Jubiläumsausstellung der CWCA in 1986
Sein erstes Abenteuer war der Auftritt auf der Crufts. Die CWCA hatte einen Klub-Stand und Billy war der Mittelpunkt der Auslage. Viele Leute waren interessiert, einige wollten ihn aber nicht anschauen - ich erinnere mich an eine Dame, die nichts mit unserer Rasse zu tun hatte. Sie meinte, sie wisse alles über Struktur und wolle nichts wissen. Dann war da auch ein amerikanischer Besucher, der fest entschlossen war, die Crufts zu geniessen, und alles filmte. Er fotografierte Billy während ganzen drei Minuten, aber Billy führte sich tadellos auf und bewegte sich kein einziges Mal.
Billy war sehr nützlich für unsere Studien. Nun konnten wir sehen, über was wir sprachen, aber das Interesse an ihm war begrenzt. Nach mehreren Jahren war sein Geber mit der Bekanntgabe seines Namens und der Identität des Hundes einverstanden. Dilys und Hywel Jones hatten die Zucht ihrer Hunde mit dem Zwingernamen Dilwel aufgegeben, und Dilys war inzwischen verstorben. Die meisten Leute wussten nun, dass Billy Dilwel Gwilym war, ein typischer Hund und ein bekannter Zuchtrüde, der einen grossen Einfluss auf unsere Rasse hatte.
Dilwel Gwilym, geb. 02.10.1963
Diese Bekanntmachung machte einen grossen Unterschied im Interesse an Billy. Die Nachfrage nach ihm stieg, er hatte mehr Auftritte und ich habe Leute gesehen, die ihn streichelten und betätschelten, zugegebenermassen mehr für das was er einmal war als was er ist. Jetzt dient Billy auch bei Vorträgen über andere Rassen als Modell. Er wurde von den Schipperke, Puli und Collie Klubs gebucht und zuletzt und vielleicht am bizarrsten als Bernhardiner-Ersatz!
Er reiste auch ins Ausland, nach Finnland und zweimal nach Amerika, was besondere Probleme verursacht. Es braucht keine Bewilligung um ihn aus dem Vereinigten Königreich auszuführen, aber es braucht eine Bewilligung, um ihn wieder einzuführen.
Knochen und Knochenprodukte dürfen nur mit einer Bewilligung vom Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel importiert werden, und Knochen können normalerweise nur durch einen Hafen eingeführt werden (sie sind an Lebensmittel, Dünger, Leim und Porzellanwaren, usw. gewohnt). Billy hat eine Bewilligung für jede Reise sowie eine Dispensation für die Einfuhr via Flughafen. Dann muss auch geprüft werden, ob er in das Zielland eingeführt werden darf - und er muss ja auch transportiert werden. Er reist jeweils in einem Kasten als Teil meines Handgepäcks - er ist so kostbar für uns wie die Juwelen einer Herzogin - und wird natürlich beim Sicherheitscheck durchleuchtet!
Das wiederum zeigt nationale Charakterzüge! Du teilst ihnen mit, was im Kasten ist und was sie sehen werden. In Finnland kriegst du ein höfliches "OK". Er musste auch durch den Zoll bei der Ein- und Ausreise und erntete ebenfalls ein "OK". In Amerika bedient in der Regel eine Frau die Maschine und schreit "Ums Himmelswillen!" oder "Nehmen Sie das weg". Sie sagen nicht "die Engländer sind sowieso verrückt", aber du kannst es in ihren Augen lesen. In Heathrow löst man einen Zwischenfall aus. Bei der Vorwarnung glauben sie dir nicht. Der Kasten ist isoliert und zwei Beamte fallen voller Argwohn über dich her und verlangen, den Inhalt zu sehen. Du sagst ihnen wieder, was im Kasten ist und dass du es für einen Vortrag brauchst. Ich frage sie sogar, was sie machen werden, wenn sie nachgeschaut haben. Das wissen sie nicht, schauen aber trotzdem nach, immer noch argwöhnisch, und lassen dich schliesslich gehen, anscheinend überzeugt, dass etwas Illegales vor sich geht, wenn sie nur wüssten was!
Wenn du die komischen Seiten des Lebens zu schätzen weisst, dann ist eine Reise mit Mr. Bones besser als jede Hundeausstellung!
Ken Linacre
CWCA Newsletter, Spring/Sommer 2010
Mr Bones heute
Langsam geriet Mr. Bones, alias Dilwel Gwilym, in Vergessenheit und verbrachte viele Jahre in Einzelteile zerlegt in einer Kartonschachtel. Aber dann wurde er Dank Peter Tomlinson, einem Corgi-Enthusiasten, Vorstandsmitglied und Tierarzt-Studenten zu neuem Leben erweckt. Er wurde gereinigt, neu zusammengesetzt und erhielt einen schönen neuen Schaukasten.
Mr. Bones, neu zusammengesetzt
Und zum ersten Mal nach vielen Jahren wurde Mr. Bones auf der CWCA Klubschau im September 2012 ausgestellt und am Abend zuvor im Hotel, wo Peter Tomlinson von der Rettung unseres alten Freundes erzählte. Leider konnte er aber nicht in seinem super neuen Schaukasten bewundert werden auf Grund von Problemen an der Universität in Liverpool, wo Peter T. studiert.
Aber Mr. Bones ist wieder da und Peter hat sich freundlicherweise bereit erklärt, sein Hüter zu sein zusammen mit Vater Nigel. Sie sind entschlossen, dass Mr. Bones viel öfter ausgestellt werden soll als in der Vergangenheit. Wenn seine Instandsetzung vollendet ist, wird er vermehrt Ausstellungen und Bildungsveranstaltungen zieren.
CWCA Newsletter Summer & Winter 2012