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In zwölf bulgarischen Städten haben am Wochenende Tausende gegen geplante Schiefergasprojekte protestiert – offenbar erfolgreich. Bulgarien wollte mit der Förderung von sogenannten unkonventionellen Gasvorkommen seine Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen verringern. Bereits wurden im Nordosten des Landes entsprechende Probebohrungen angestellt.
Schiefergas ist im Gestein gebunden und muss mit einer aufwendigen Methode extrahiert werden. Die Förderung von Schiefergas ist besonders umstritten, weil dazu unter hohem Druck nicht nur Wasser und Sand, sondern auch Chemikalien in eine Gesteinsschicht gepumpt werden. Viele BulgarInnen zeigten sich besorgt, weil so die Grundwasservorkommen des Landes vergiftet werden könnten. Zudem besteht die Befürchtung, dass das Aufbrechen der Gesteinsschichten Erdbeben auslösen könnte. Die Förderung von Schiefergas wird auch von KlimaforscherInnen kritisiert. Gemäss einer im Jahr 2011 publizierten Studie gelangen bei der Förderung von Schiefergas grosse Mengen Methan in die Atmosphäre. Methan baut sich zwar viel schneller ab als CO2, gilt aber auch als wesentlich stärkeres Treibhausgas.
Die GegnerInnen der Gasförderung in Bulgarien forderten eine Mitbestimmung der Bevölkerung bei den geplanten Projekten und hatten dazu innerhalb eines Monats über 25 000 Unterschriften gesammelt. Am Mittwoch dieser Woche hat das bulgarische Parlament nun die Schiefergasförderung verboten. Die Mitte-rechts-Regierung Bulgariens hatte im Juni 2011 dem US-Energiekonzern Chevron eine erste Lizenz für Probebohrungen erteilt, die sie jetzt auf Druck der Strasse zurückziehen muss.
Gegen die Förderung von unkonventionellem Gas gibt es weltweit immer wieder Proteste. Die USA sind führend in der Schiefergasförderung, vor allem auch wegen ihrer schwachen Umweltgesetze. Der Bundesstaat New York hat allerdings 2009 ein Moratorium über alle Schiefergasprojekte verhängt. Noch dieses Jahr soll entschieden werden, wie es weitergeht. Frankreich hat die Förderung von Schiefergas hingegen gänzlich verboten.
Daniel Stern