Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03228.jsonl.gz/94

Dieses ungemein atmosphärische Ölgemälde mit einem aussergewöhnlichen Motiv stammt vom bedeutenden deutsch-österreichischen Maler Christian Griepenkerl (1839-1916). Der Titel des Bildes wird je nach Quelle als "Abschied" oder "Der Tod als Reiter" angegeben. So lässt es Interpretationsspielraum.
Eine junge Frau hängt am Hals eines Soldaten mit skelettiertem Schädel. Ist es seine Geliebte oder seine Frau, die insgeheim ahnt, dass ihr Mann im Krieg fallen wird? So morbid die Ausstrahlung des Mannes, so düster ist sein Pferd dargestellt – welches vielleicht demnächst mit ihm in den Tod geht? Oder ist der Tod gekommen, um das Mädchen abzuholen? Das ihn herbeigesehnt hat?
Das Gemälde mutet wie eine Grisaille an. Die gräulich-bläulichen Töne sind in der Abstufung so meisterhaft gewählt, dass das Motiv ein Maximum an Ausstrahlung erreicht. Unten links hat der Maler mit seinen Initialen signiert und mit 1897 datiert.
Das eindrucksvolle Gemälde stammt aus der bekannten Sammlung des illustren Wieners Rudolf Schmutz (1933-2017). Der umtriebige Kunstsammler war eine Art Dreh- und Angelpunkt in der Wiener Kunstszene und galt als "bunter Hund". Nach Schmutz' Ableben entbrannte ein grosser Streit um das Erbe, da er in seinem Testament nicht festgehalten hat, was mit der Sammlung passieren soll. So kam vieles aus der hochkarätigen Sammlung Schmutz auf den Markt, darunter auch Werke des umstrittenen Malers Karl Sterrer.
Der 1839 in Oldenburg geborene Christian Griepenkerl ging bereits im Alter von 16 Jahren nach Wien, um bei Carl Rahl zu studieren. Von diesem war Griepenkerl stark beeinflusst. Er war an höchst prestigeträchtigen Aufträgen Rahls beteiligt, unter anderem bei den Fresken in der Stiegenhalle des heutigen Heeresgeschichtlichen Museums im Wiener Arsenal oder bei den Raummalereien in den Palais Todesco und Sina. Nach dem Tod Rahls führte Griepenkerl die Aufträge selbständig zu Ende.
Ab 1874 war Christian Griepenkerl Professor an der Akademie der bildenden Künste mit Fokus Historienmalerei. Er unterrichtete Studenten, die einst zu den einflussreichsten Künstlern Österreichs gehören sollten (Carl Moll, Egon Schiele, Anton Faistauer, Richard Gerstl...). Zu Griepenkerls wichtigsten Werken ausserhalb Wiens gehört die malerische Gestaltung des Oldenburger Augusteums. Ein weniger bekanntes, dafür umso bedeutenderes Detail in Griepenkerls Biografie ist die Tatsache, dass er derjenige war, der die Bewerbung Adolf Hitlers für eine Immatrikulation an der Wiener Akademie ablehnte. Christian Griepenkerl hatte somit unwissentlich das Schicksal der Welt in der Hand.
Das vorliegende Gemälde ist physisch in einem hervorragenden Zustand ohne sichtbare Mängel. Der Firnis ist je nach Lichteinfall stark glänzend. Der dazu gehörende, mit Sicherheit originale Rahmen mit Messingplakette ist aufwendig verarbeitet und ebenfalls in einem top Zustand. Verso auf dem Keilrahmen ein Stempel "A. Chramosta zur Stadt Düsseldorf – Wien I., Kärntnerstraße 48".
Lichtmasse: 71x55cm
Masse Rahmen: 102x86cm
top of page
CHF 3'900.00Preis
bottom of page