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Es fing hoffnungsvoll an. 2010 begann Dubai eine Aufforstungsinitiative und pflanzte mehr als eine Million Bäume. Der Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate und Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed bin Rashid al-Maktoum pflanzte den ersten Baum.
In einer grossen Baumschule sollten die Bäume heranwachsen, bevor sie über das ganze Land verteilt würden. Ein Unternehmen namens Green Land tat sich mit einer Umweltorganisation zusammen, um sie zu pflegen, bis sie zum Umpflanzen bereit sein würden.
Ambitionierter Plan gegen Hitze und Verwüstung
Das Land stellte die Polizeiakademie Dubai zur Verfügung, die sich auch sonst für die Begrünung Dubais einsetzt. Auf einer Fläche von 13 Hektaren wurden mehr als 30 Baumarten gesetzt, darunter Olivenbäume, Palmen und Ghaf-Bäume, die Nationalpflanze der Emirate.
«Das ist unser Versuch, die Wüstenbildung zu stoppen und die Ästhetik Dubais zu verbessern», sagte der stellvertretende Leiter der Polizei- und Sicherheitsabteilung von Dubai, Generalleutnant Dhahi Khalfan 2010. Bewässert wurde die Baumschule mit recycelten Abwässern und entsalztem Meerwasser.
Sechs Jahre lang ging alles gut
Der ambitionierte Plan funktionierte vier Jahre lang, bis er das erste Mal vom schnellen Wachstum Dubais bedroht wurde. Zunächst in Form der «Mall of the World». Das weltgrösste Shoppingcenter mit kilometerlangen überdachten Promenaden, einem Indoor-Vergnügungspark und einer riesigen Glaskuppel sollte Milliarden kosten und dort gebaut werden, wo die Baumschule von «One Million Trees» stand.
2014 übernahm eine Gesellschaft namens Dubai Holding das Grundstück von der Polizeiakademie. Ein unkomplizierter Vorgang, nach Angabe des «Guardian», gehört die Dubai Holding zum Portfolio von Scheich Mohammed. 2016 wurde das Projekt verschoben, stattdessen kündigte die Gesellschaft die Megastadt «Jumeirah Central» an und gab das Gelände an Tochtergesellschaften weiter.
Der Kampf um Wasser und gegen die Zeit
Im Dezember 2016 wurde Green Land erstmals aufgefordert, das Gelände zu räumen. Dessen Gründer Hamza Nazzal und die Umweltorganisation Greenpeace wehrten sich. Für eine Verlegung sei es zu früh – bis die Bäume gefahrlos verpflanzt werden könnten, vergingen noch mindestens drei Jahre.
Dann begann ein nach den Angaben des «Guardian» chaotischer Rechtsstreit. Bagger rückten an, der Zugang zum Gelände wurde mit Toren versehen. Einige der für die Pflege der Bäume zuständigen Arbeiter gruben Zugänge unter den Toren, um die Bäume trotzdem zu bewässern. 2017 besetzten einzelne Arbeiter Teile des Geländes, um den Abbruch zu verhindern. Wasser und Strom wurden nach Angaben von Green Land streckenweise abgestellt. Versuche, die Setzlinge zu verkaufen, gab es nicht.
Gescheitert zehn Jahre nach dem ersten Baum
Gebaut wurde am Ende nichts. Im Oktober 2017 kündigte die Dubai Holding eine «Neubewertung» des Projekts an. Bis dahin war mehr als die Hälfte der Bäume vertrocknet. Eine Besichtigung der Baumschule im März 2018 fand noch 600‘000 unbeschädigte Bäume. Im Dezember 2020 berichteten Arbeiter, dass etwa 80 Prozent der Pflanzen abgestorben seien. «Ein echtes Umweltverbrechen», findet Nazzal.
Die Dubai Holding bestreitet, den Zugang zum Gelände verhindert oder Wasser und Strom abgestellt zu haben. Das Medienbüro der Regierung und die Polizei Dubais antworteten nicht auf Medienanfragen.
Aufforstung vs. Stadtentwicklung
Die Vereinigen Arabischen Emirate betreiben auch andere Aufforstungsprojekte, aus gutem Grund. Nach Prognosen des Stockholm Environment Institute wird der steigende Meeresspiegel das Land bis zum Ende des Jahrhunderts etwa sechs Prozent der bebauten Küstenlinie kosten. Hitzewellen, Sandstürme und Starkregen werden zunehmen.
Mehr Bäume in der Golfregion zu pflanzen sei eine ausgezeichnete Idee, sagt Mohammad al-Saidi, ausserordentlicher Professor am Zentrum für nachhaltige Entwicklung der Universität Katar, vor allem in Städten, die durch die steigenden Temperaturen am meisten leiden werden. Die UAE wollen ihren hohen Treibhausgasausstoss reduzieren. Die grösste Herausforderung dabei ist, nachhaltige Energie zur Entsalzung von Meerwasser bereitzustellen.
Andererseits betreibt die Golfregion Megaprojekte wie die «Mall of the World» oder «Jumeirah Central», die Prestige vermitteln und wohlhabende Einwohner anziehen sollen. Nachhaltigkeit sei dabei nachrangig und oft Mittel zum Zweck, kritisiert Ahmed El Droubi, Aktivist von Greenpeace Middle East and North Africa. Viele Ankündigungen nachhaltiger Projekte hätten ihren Zweck erfüllt, sobald die Schlagzeilen geschrieben seien.
Medienwirksam einen Baum zu pflanzen, reicht nicht aus
Bis ein Baum zu einer effektiven CO2-Senke wird, vergehen aber etwa 20 Jahre. Medienwirksam einen Baum zu pflanzen, sei einer nachhaltigen Entwicklung meist wenig dienlich, schreibt auch die Seite «Green Matters», die sich mit den Vor- und Nachteilen von Wiederaufforstungsinitiativen auseinandergesetzt hat. Bäume senken zwar nachweislich die Temperatur in Städten, verhindern Bodenerosion und erhalten die Biodiversität.
Wenn Pflanzungen aber nicht überwacht und gepflegt würden, bringe das wenig, schreibt Lizzy Rosenberg auf «Green Matters». Falls ortsfremde Pflanzen ausgewählt würden, müsste dem eine sorgfältige Evaluation vorausgehen, Studien hätten gezeigt, dass diese unter Umständen mehr CO2 abgeben als einheimische. Sie weist auf die Gefahren invasiver Arten hin. Weniger aufwendig sei es oft, bestehende Wälder zu schützen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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