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„Glaube nicht alles, was du über Dich denkst.“
Byron Katie
Wenn Sie ein Gefühl von Unzulänglichkeit verspüren, denken, zu hoch gepokert zu haben oder gar demnächst dabei erwischt zu werden, dass Sie nicht beherrschen, was Sie seit Jahren vorgeben zu können, dann kann es gut sein, dass Sie Opfer des „imposter syndrome“, zu Deutsch „Hochstapler-Syndrom“, geworden sind.
Das Hochstapler-Syndrom beschreibt ein psychologisches Phänomen, bei dem Betroffene ihre Erfolge nicht annehmen können, überzeugt sind, sich diese erschlichen zu haben und todsicher irgendwann auffliegen werden. Leistungen werden als Folge glücklicher Umstände und Zufälle erlebt und jede noch so kleine Wissenslücke könnte darauf hinweisen, dass das erworbene Diplom unverdient ist.
Frauen und Männer können gleichermassen von diesem Syndrom betroffen sein, bei Frauen tritt es jedoch ungleich häufiger auf und wird auch eher nach aussen getragen. Es beeinflusst Selbstmarketing, Auftritt und Networking negativ und führt zudem dazu, dass Betroffene sich nicht einmal getrauen, sich auf ihrem Bildungs- und Erfahrungsstand angemessene Positionen zu bewerben.
Frauen bewerben sich auf eine Stelle, wenn sie mindestens 100% des ausgeschriebenen Jobprofils erfüllen, Männer fühlen sich oft schon bei Erreichen von 60% bereit für eine Stellenbewerbung. Selbst die Unsicheren unter ihnen legen ihren Fokus während des Interviews auf die erfüllten Anforderungen, während Frauen, selbst wenn sie nicht danach gefragt werden, alle ihre Ausbildungs-und Erfahrungslücken aufzählen. Sie denken, so vermeiden zu können, dass ihnen jemand auf die Schliche kommt und Mängel aufgedeckt werden. „Also so richtig Erfahrung in Projektmanagement habe ich eigentlich nicht“ tönt es von einer Frau mit gleicher Qualifikation wie der Mann, der das Thema nur auf Rückfrage der Interviewerin anspricht und meint „doch, ich war schon an unterschiedlichen Projekten beteiligt und würde mich freuen, die Leitung eines grösseren Projekts übernehmen zu dürfen“.
Das Hochstapler-Syndrom wirkt sich auch auf Gesprächsbeteiligung und Redezeit in Sitzungen aus. Wer immer das Gefühl hat, sein Fachgebiet oder irgendein Thema auf der Traktandenliste nicht genügend zu beherrschen – genügend heisst hier mindestens zu hundert Prozent! -, die oder der äussert sich nur selten und nur bei vollständig abgesichertem Wissen. So werden Redebeiträge nun überwiegend von denjenigen beigesteuert, die locker mit ungefähren Kenntnissen umgehen können und die zudem erkannt haben, dass Redezeit nicht in erster Linie genutzt wird, um Inhalte zu transportieren, sondern um Raum einzunehmen und sich zu positionieren. Dies führt nun dazu, dass bestvorbereitete Frauen während Sitzungen schweigend dasitzen und ihren weniger fleissigen Kollegen die Bühnen überlassen. Dies wiederum ist Gift für ein erfolgreiches Selbstmarketing, da die guten Leistungen nicht gesehen und nicht gehört werden. Und weshalb leidet nun auch noch die Networkingtätigkeit darunter? Wer bis zur Sitzung hin mit Vorbereitungen und Perfektionieren der Unterlagen beschäftigt ist, ist bei den wichtigen, informellen Gesprächen vor Sitzungsbeginn nicht präsent und verpasst meist gleich auch die nicht minder wichtigen Unter-vier-Augen-Abmachungen danach.
Wenn Sie bei sich also einen Anflug von vermeintlicher Hochstapelei entdecken, tun Sie gut daran, dies kritisch zu hinterfragen und sich beispielsweise durch Einholen qualifizierten Feedbacks eine Eigenbildkorrektur zu beschaffen. Es steht zu viel auf dem Spiel!