Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03317.jsonl.gz/2537

Am 3. Juni 1973 eröffnete Herbert Witzenmann am Dornachweg 14 in Arlesheim - in Erweiterung seiner Aufgabe als Mitglied des „Goetheanum Freie Hochschule für Geisteswissenschaft“ - mit einem Gründungsvortrag den Seminarbetrieb. Auf den Tag genau dreissig Jahre zuvor hatte Marie Steiner am 3. Juni 1943 ohne Wissen ihrer Vorstandskollegen den Rudolf Steiner Nachlassverein begründet und ihm ihre Urheberrechte (frühere Verträge nannten an dieser Stelle jeweils die Vorstandsmitglieder Albert Steffen und Günther Wachsmuth) übertragen. Auf diese chronologische Koinzidenz, die bei der Seminarbegründung keine Erwähnung fand, weise ich hier erstmalig hin.
Sophie Rotmann hatte in ihrem Hause das Erdgeschoss den Bedürfnissen des Seminars entsprechend baulich abgeändert und ihm kostenlos zur Verfügung gestellt. - Im November 1974 begegnete ich zum ersten Mal Herbert Witzenmann in jenen Räumen. Er hielt drei Vorträge über "Kunst- und Kunsterkenntnis". Bei den fünf in jenen Jahren jeweils im Sommer in Gsteig bei Gstaad stattfindenden, historisch gewordenen Tagungen 1972-1976 war ich noch nicht dabei. Sie übten auf das Verständnis für eine geistsoziale Gemeinschaftsbildung unter den Anwesenden einen grossen Einfluss aus, wie man noch nach Jahrzehnten feststellen konnte.
Sieben Jahre nach der Begründung stellte er seine Tätigkeit innerhalb des Seminars über mehrere Monate ein, nachdem es zu einem Bruch mit seinem damals aktivsten Mitarbeiter in der Frage gekommen war, wie die weitere Ausgestaltung des Seminars erfolgen solle. Er informierte mich auf meine dringlichen Anfragen hin in mehreren Briefen in jener schwierigen
Zeit über die inneren und äusseren Bedingungen eines Wiederaufgreifens seiner Seminartätigkeit. So begann er im Sommer 1981 mit einer anzahl-mässig geschrumpften Trägerschaft von Neuem und dies auch an einem neuen Ort in unmittelbarer Nähe des Goetheanums. Das Haus am Juraweg 14 oberhalb des Goetheanumbaues war ihm von der Alanus-Stiftung und ihrer ein Jahr zuvor verstorbenen Begründerin Betty Lipin testamentarisch zur Verfügung gestellt worden.
Von jenem Zeitpunkt an war ich dann auch vollberuflich für das Seminar und als Handlungs-bevollmächtigter des Gideon Spicker Verlages/Dornach in der Zeit seines Aufbaues (1981-1988) tätig. Der Gideon-Spicker-Verlag veröffentlichte Witzenmann erkenntniswissenschaft-liche und anthroposophisch-geisteswissenschaftliche Schriften in rascher Abfolge, sodass bis zu seinem Tode sieben Jahre später über dreissig Titel greifbar waren. Zuvor hatte ich bereits den Satz seines Werkes Die Philosophie der Freiheit als Grundlage künstlerischen Schaffens eingeschrie-ben. Zu jenem Zeitpunkt lagen von ihm lediglich erst zwei Schriften gedruckt vor (es waren diesVererbung und Wiederverkörperung des Geistes und Die Tugenden).
Der weitaus grösste und bedeutendste Teil seines wissenschaftlichen Werkes ist somit zwischen seinem 76. und 83.Lebensjahr entstanden. Eine erstaunliche Tatsache! (Die beiden letzten, vor seinem Tod erschienenen Schriften waren Goethes universalästhetischer Impuls und Der Urgedanke. Sein erkenntniswissenschaftliches Hauptwerk Sinn und Sein, an dem er in den letzten Lebenstagen noch gearbeitet hatte, erschien posthum im Verlag Freies Geistesleben.)
Einige Zeit nach seinem Tod wurde die Zusammenarbeit seiner früheren Mitarbeiter und Schüler von Krisen belastet. Sie brachen innerhalb des Vorstandes des Gideon Spicker Vereins aus, dessen Begründung auf eine meiner Initiativen zur Sicherung des Seminars und des Verlages im Zusammenhang mit den testamentarischen Verfügungen von Herbert Witzenmann zurückging und deren Gründungsversammlung im Dezember 1984 ich in Anwesenheit von Herbert Witzenmann zu leiten hatte. Mir war damals wie fast allen Teilnehmenden die Tatsache unbekannt, dass ein weitreichendes, Frau Jutta Knobel-Weitz betreffendes Testament, seine Urheberrechte betreffend, bereits vorlag. Kurz vor seinem Tode unterzeich-nete Herbert Witzenmann überdies die Stiftungsurkunde für eine "Herbert Witzenmann-Stiftung", dessen (nach dem Tod von H.Witzenmann) erster Vorsitzender Ernst Reinl von Witzenmann als Nachlassverwalter des erwähnten, personenbezogenen Testamentes eingesetzt worden war. Die Verbindung dieser beiden testamentarischen Verfügungen, wie sie Herbert Witzenmann veranlagt hatte, kam nicht zustande, da der Stiftungsrat der Herbert-Witzenmann-Stiftung, wohl auch unter dem Einfluss der bald darauf in die Stiftung Einsitz nehmenden Mitglieder der Familie Witzenmann, dem ausführlichen,auf Jutta Knobel-Weitz lautenden Testament von 1981 keine Gültigkeit mehr zuschrieben. Auch die Lösung der anderen Hauptaufgabe - sie tritt in vielen kulturellenEinrichtungen des Geisteslebens auf -, die Initiati-ven, die von den nachfolgenden Schülern ausgehen, mit der Bereitstellung und Erarbeitung der im Druck niedergelegten Forschungsergebnissedes Gründers über den Tod hinaus im Bewusstsein der gemeinsamen Aufgabe von Lebenden und Verstorbenen zu pflegen, misslang gründlich.
Gleichwohl gelang es zum hundertsten Geburtstag von Herbert Witzen-mann im Jahre 2005, drei Bände seines selbstbiographischen Schaffens innerhalb des Seminar-Verlags zu veröffentlichen. Es handelte sich dabei um die Lebenserinnerungen in Briefen unter dem Titel Lichtmaschen, den auto-biographischen Roman Silberlöffelchen und die Gedichtbände Lyrische Biographie. - Die Veröffentlichungen besorgte Jutta Knobel-Weitz mit der finanziellen Unterstützung des I.M.Rotmannfonds, Arlesheim. Überdies bestätigte Arno Mehlin, der zweite Testamentvollstrecker Witzenmanns nach dem Tod von Ernst Reinl, die Annahme seines Testaments durch Jutta Knobel-Weitz und bestätigte damit erneut seine Rechtsgültigkeit.
Um die Jahres- und Jahrtausendwende 1999/2000 traten auf verschiede-nen Ebenen Brüche auf, als die Alanus-Stiftung und die Herbert-Witzen-mann-Stiftung sich zum Kauf eines grossen Wohnhauses in unmittelbarer Sichtnähe des Goetheanumbaues entschlossen und dafür das von der Begründerin der Alanus-Stiftung zur Verfügung gestellte Haus verkauft wurde. Ich hatte meine Zustimmung hierfür von der vorherigen Klärung der "Seminarfrage" abhängig gemacht. - Dieses Wohnhaus wurde unter dem Namen "Herbert Witzenmann-Zentrum" in einem "Stil" eröffnet, mit dem ich mich nicht einverstanden erklären konnte, da in ihm die sozialwissenschaft- liche Grundintention Herbert Witzenmanns keine Berücksichtigung fand. Mit ihm habe ich in letzten vier Lebensjahren verschiedene Grundstücke und Bauprojekte geprüft, die für den weiteren Ausbau des Seminars in Frage kommen könnten. Witzenmann hatte hierfür verschiedene programmatische Darstellungen wie auch eine Skizze für das bauliche Aussenmodell angefertigt. Das Konzept einer "sozialästhetischen Schulungsstätte" oder eines "sozialästhetisches Institut", wie wir es unter uns nannten, unterschied sich wesentlich von dem Seminar-Betrieb des späteren „Herber-Witzenmann-Zentrum“.
Auch der Maler Beppe Assenza war willens, seine Malschule zusam-men mit der Übereignung einer repräsentativen Sammlung seiner Bilder mit unserem Vorhaben zu verbinden. Bei der Eröffnung des „Herbert-Witzen-mann-Zentrums“ wurde von ihren drei Initiatoren Ende 1999 der einzigen, von Herbert Witzenmann persönlich begründeten Einrichtung, dem Seminar für freie Jugendarbeit, der räumliche Einzug verwehrt, indem hierfür uner-füllbare Forderungen nach Mietzinsbeiträgen und den Verzicht auf die weitere Führung des Seminarnamens erhoben wurden.
In den Jahren 2000 bis 2003 verzeichnete das Seminar einen gewis-sen Aufschwung, der mit grossen Anstrengungen verbunden war. Es traten einige neue Menschen an die Arbeit heran, andere, die das Seminarleben in seiner Begründungszeit kennengelernt hatten, fanden erneuten Zugang. Regelmässige Studientreffen und öffentliche Wochenendtagungen fanden wiederum statt (durchgeführt in der Münchensteiner Rudolf-Steiner-Schule).
Sie widmeten sich über längere Zeit jeweils einem Thema und führten bei den Teilnehmern zu wichtigen Vertiefungen ihrer Anschauungen. Zwei Themenkreise standen im Vordergrund. Der erste betraf das Verständnis der Stufenabfolge im geistigen Prozess der Erdevolution, der zweite die gedank-lichen und stimmungsmässigen Faktoren möglicher Weltanschauungen. - Jene Zeit war durch zwei grössere Tagungsprojekte eingerahmt: den Beginn markierte die Tagung Die kosmische Evolution der Erde und der künstleri-sche Prozess, die über die Jahrtausendwende in Oriago/Venedig veranstal-tet wurde, das Ende die aus Anlass des 30-jährigen Bestehens des Seminars wiederum inmitten der Berner Alpenwelt in Gsteig durchgeführte Tagung mit dem Thema Die Bildung einer allgemeinen anthroposophischen
Gesell-schaft als sozialästhetische Aufgabe (19.-26.Juli 2003). - Doch war auch jene Zeit nicht frei von Spannungen. Sie traten unter anderem in Verbindung mit den wiederholt gemachten Vorschlägen zur Änderung des Seminarnamens auf, wobei besonders die "freie Jugendarbeit“ (ein gewiss antiquiert wirkender Ausdruck) für Unbehagen sorgte. - Ich war zunächst mit einer Namensänderung einverstanden, musste dann aber mein Einverständ-nis, das auch andere Mitarbeiter nicht zu erbringen willens waren, wiede-rum zurückziehen, nachdem festzustellen war, dass die Kritik der am entschiedensten Änderungs-willigen sich ganz allgemein auf Person und Werk des Seminarbegründers zu übertragen begann. Auch hier kam es zu Rücktritten.
Am 17. Dezember 2004 kam es im Haus der ursprünglichen Seminar-begründung am Dornachweg in Arlesheim zur Begründung der Seminar-TrägerVereinigung (im Sinne eines Vereins lt.Schweiz. Zivilgesetzbuch §60ff). Anwesend waren acht Personen. Bestätigt als Vereinsvorsitzender wurde R.A.Savoldelli. Das Protokoll schrieb Stephan Seidel, der sowohl zum Erscheinen der Schriften Witzenmanns im SeminarVerlag wie zur Vorberei-tung der Vereinsbegründung initiativ beigetragen hat.
Die letzten Jahre wurden durch die Unterstützungsbereitschaft der von Sophie Rotmann begründeten Stiftung erleichert, die mit der finanziellen Hilfe für die Gsteiger Tagung begann. Sie hatte den Umzug des Seminar-büros an die Erstadresse in Arlesheim zur Folge. Zu einem weiteren, wichtigen Faktor wurde die Tatsache, dass Jutta Knobel- Weitz, die in den sechziger Jahren mit Herbert Witzenmann und der von ihm geleiteten Jugendsektion am Goetheanum Bekanntschaft schloss, dem Seminar wiederum näher trat. Das führte 2005 und 2006 im Zusammenhang mit den an verschiedenen Orten begange- nen Feiern zum hundertsten Geburtstag von Herbert Witzenmann zur Herausgabe dreier bedeutender Werke aus seinem bislang noch wenig bekannten literarischen Werk.
In einer dunklen Neumondnacht, sitzend an der antiken Mole unterhalb des Tempelbezirks Samothrakes, dort, wo erstmals Paulus den Fuss auf europäi-schen Boden gesetzt hatte (das Titelfoto habe ich damals gemacht), sah ich mich nicht mehr im Stande, mich weiterhin innerhalb eines historisch erwachsenen, bedeutungsvollen Aufgabenbereichs, innerhalb eines so schwer aufrecht zu erhaltenden Freien Geisteslebens für eine so gefährdete, von Nahestehenden auch juristisch angegriffene Einrichtung einzusetzen. Ich schrieb somit einen „Abschiedsbrief“ (von dem noch einige Exemplare vorhanden sind), worin zu lesen war:
» Um diese Herausgabe durch einen personell definierten sozialen Träger zu unterstützen, begründete die Mehrheit der Seminarmitarbeiter im Dezember 2004 die Seminarvereinigung, für die ich die Leitungsverant-wortung übernahm. Von dieser Verantwortung trete ich hiermit zurück, da keine gemeinsamen, wirkkräftigen Ziele mehr beobachtbar sind, die eine Fortführung der Seminarvereinigung in Übereinstimmung mit seiner Begründung notwendig erscheinen lassen. Ich erkläre somit die Arbeit in dem nun historisch gewor- denen «Seminar für freie Jugendarbeit, Kunst und Sozialorganik» als geschlossen. Davon ist der Seminar-Bücherdienst, für den eine Neuregelung gefunden werden muss, und die Kooperation der in ihm und für ihn weiterhin Zusammenarbeitenden nicht betroffen.«
(Anm. 2023: Jene Neuregelung trat Ende Juni 2007 mit der Umbenennung in «der SeminarVerlag» und der geänder-ten Seminarbezeichnung wie auch seiner Übersiedlung nach Basel in Kraft. - Dem Empfinden, dass während eines längeren Aufenthalts in Samothrake etwas in meinem Verhältnis zum Seminarimpuls an ein Ende gekommen war, lagen gewiss keine „esoteri-schen Überlegungen“ zu Grunde. Erst einige Jahre später machte ich mir den Zeitraum bewusst, der seit der Begründung im Juni 1973 und meinem „Schlussbrief“ im Okt. 2006 verstrichen war: 33 ein Drittel Jahre!)
Es wäre gewiss lohnenswert, wenn einmal eine ausführliche Geschichte des Seminars als eines historischen Beispiels für die Gestaltung einer modernen Erkenntnisgemeinschaft geschrieben würde. Die nötigen Dokumente hierzu stehen bereit. Dabei würde eine Aufgabe erlebbar, die heute für alle guten Willens Gültigkeit hat. Sie hat sich dem Begründer des Seminars gestellt wie allen anderen, welche das Seminarprojekt in Gang hielten. Sie betrifft die Ausübung der seelischen Beobachtung beim Verstehen der individuellen Entwicklungswege und ihrer dabei sich abzeichnenden Hemmnisse und Krisen sowie die Neigung, die eigene Entwicklung an der Fähigkeit zu messen, diejenige der mit mir Verbundenen unterstützen zu können. Je entwickelter die Fähigkeit zur Ideenschau, umso grösser das Opfer, das in der angedeuteten moralischen Vervollkommnung liegt.)
Ich will einige Menschen nennen, die mit diesem Licht und mit dieser Auf-gabe sich zu irgendeinem Zeitpunkt über eine kürzere oder längere Zeit in Verbindung gebracht haben, um danach ihren eigenen Weg weiterzu-schreiten. Diese Nennung ist selbstverständlich unvollständig. Viele, die heute in wichtiger Stellung im geistigen und wirtschaftlichen Leben stehen, haben entscheidende Stärkung ihrer Selbsterkenntnis durch die Begegnung mit dem Seminar und seinem Leiter gewonnen. Ich beginne mit Prof. Dr. Götz Rehn, dem Begründer und Geschäftsführer des deutschen Handelsun-ternehmens AlnaturA. Als ganz junger Mann hatte er seine wohl erste Buchführungserfahrung im Seminarzusammenhang gemacht. Als ich 1981 die Buchhaltung für das Seminar übernahm, trugen die Buchungshefte in ihren ersten Teilen die Handschrift von Götz Rehn. - Seine 1979 publizierte Dissertation Modelle der Organisationsentwicklung behandelt an zentraler Stelle das sogenannten „Gegenstrommodell“ aus der Sozialorganik Herbert Witzenmanns, der das Geleitwort als Leiter des Seminars für freie Jugend-arbeit zeichnete. - In weiterem Zusammenhang dazu steht Prof. Dr. Götz Werner zu nennen, dem Begründer der dm-Kette in Deutschland und Oester-reich, der heute mit seinen Vorschlägen eines bedingungslosen Grundein-kommens in Presse und Fernsehen grosses Aufsehen erregt hat. Ich erinnere mich an ein Treffen eines wirtschaftswissenschaftlichen Arbeitskreises, zu dem Herbert Witzenmann eingeladen hatte und der im Hause der dm-Direktion in Karlsruhe stattfand. - Götz Werner erhielt daraufhin wie alle übrigen Teilnehmer das Manuskript Witzenmanns mit der Bitte um Durch-sicht und Kritik zugestellt, das später von Götz Rehn im Gideon Spicker Verlag unter dem Titel Geld als Bewusstseinsfrage herausgegeben wurde.
Aus dem Kreis der Gsteiger Tagungen nenne ich Ulf Waltz, des späteren Geschäftsführers einer Münchner Rudolf-Steiner-Schule, Werner Jordan, der eine grosse Arbeit bei der Vorbereitung und Administration der Tagungen leistete (und mit einer grösseren Bücherschenkung für den Grundstock der Seminarbibliothek sorgte), der später als Vorsitzender der Vereinigung "Gelebte Weihnachtstagung" für Schlagzeilen sorgte, Udo Herrmannstorfer, des aktivsten Seminarmitarbeiters im ersten Jahrsiebt, der später sein das "Dornacher Institut für Wirtschafts- und Sozialgestaltung" begründete und mit seinen Publikationen und Schulungskursen in zahllosen Einrichtungen des wirtschaftlichen und pädagogischen Lebens vertreten ist, die niederlän-dischen Brüder Bergsma, von denen heute einer in der Heilpädagogik arbeitet, der andere ein Musikgeschäft in Arlesheim führt, Ernst Reinl, des vor kurzem verstorbenen Dornacher Schauspielers, Testamentsvollstrecker Witzenmanns (seinen schriftlichen Nachlass betreffend) und Vorsitzenden der Herbert-Witzenmann-Stiftung, Sophia Walsh, ebenfalls Schauspielerin am Goetheanum und Lehrerin an der Sprachschule. Sie war für einige eindrückliche Inszenierungen von Dramen Albert Steffens in Gsteig ver-antwortlich. Sie lernte Witzenmann schon früh nach seinem Eintritt ins Goetheanum kennen, übersetzte mehrere seiner Schriften ins Englische und organisierte in späteren Jahren die Vortragsreisen Witzenmanns nach Kalifornien und New York. Sie war nach seinem Tod lange eine tragende Stütze des Seminarkollegiums, bevor sie innerhalb des "Herbert-Witzen-mann- Zentrums" mit Christina Moratschke das "Herbert-Witzenmann-Seminar" begründete, das im Zusammenhang der anthroposophischen Geselllschaft undefiniert blieb. Dann ist Christa Knapp, ebenfalls Schauspie-lerin am Goetheanum, zu erwähnen, welche aus dem Hintergrund selbstlos mitwirkte und dabei immer wieder das soziale Klima zu stärken verstand, wie auch der frühere Goetheanum- Schauspieler und Regisseur Michael Knapp, der die Seminargeschichte durch eine Inszenierung von Steffens "Hieram und Salomo" im Jahre 1980 mitschrieb wie auch durch die Vorbereitung einer Sprachschule, die im Zusammenhang mit dem Seminar stehen sollte, doch nicht verwirklicht wurde. In Gsteig waren waren die Eurythmistinnen Jutta Knobel-Weitz, Margarethe Eckinger, Rosemarie Mehlin sowie der Goldschmied und Kleinodien-künstler Arno Mehlin aktiv. - Dann ist der Norweger Torodd Lien zu nennen, der später in Oslo den Vidar-Verlag leitete und danach jahrelang für das Projekt BioSophia arbeitete. Er erkannte früh die Bedeutung schriftlicher Publikationen für das Seminar und leistete mit mir zusammen die wichtigste Arbeit in der Aufbauphase des Gideon-Spicker-Verlages in Abstimmung mit Herbert Witzenmann von Pforzheim aus.- Torodd Lien war auch Mitorganisator der Reise Witzen-manns nach Dänemark und Norwegen im Sommer 1985 und begleitete ihn bei seinen Vorträgen und Kursen in Kopenhagen und Oslo. - Ebenso Richard Weinberg, der später als Heileurythmist und Lehrer tätig wurde und der die letzten Jahre vor dem Tod von Herbert Witzenmann (und einige sogar darüber hinaus) in den Räumen der Witzenmann GmbH in Pforzheim als sein Sekretär arbeitete.
1977 begrüsste Witzenmann auch Pierre Tabouret als neuen Seminar-mitarbeiter. Er hat später verschiedentlich, wenn er in örtlicher Nähe lebte, durch grundsätzliche methodische Vorschläge das Seminarleben bereichert und in seinem Rahmen verschiedene Tagungen durchgeführt und Vorträge gehalten. Für die anwesenden Franzosen hat er anlässlich der von ihm in Zusammenarbeit mit dem Seminar organisierten Pfingsttagung 1987 in Colmar Herbert Witzenmanns Vorträge übersetzt, wie er auch sonst einige Schriften in französischer Übersetzung veröffentlichte. Er war mit den Statuten der 2004 begründeten Seminarvereinigung nicht einverstanden und blieb daraufhin den Zusammenkünften fern. Heute arbeitet er als Logopäde in der heilpädagogischen Einrichtung Sonnhalde in Gempen und als Lehrer an der von ihm 2010 mitbegründeten Schauspielschule-Basel. (Seit der Pfingsttagung 2019 des Seminars, die in den Räumen jener Schauspielschule stattfand, gehört er wieder zu den tragenden Mitarbeitern des Seminars, Anm.2023).
Im zweiten Seminarjahrsiebt waren es die Studenten um den Professor an der Dortmunder Ruhruniversität Dr. Lothar Udert (der selbst an einigen Seminarveranstaltungen mitwirkte), welche die Seminartagungen besuchten und dabei bald auch mit eigenen Vorträgen auftraten. Zu Lebzeiten von Herbert Witzenmann arbeiteten sie nicht am Seminar mit, da sie ganz durch den Aufbau des eigenen "Initiativkreises zur Bildung eines zeit-gemässen Hochschulbewusstseins" in Dortmund, der sich später zum "Novalis-Hochschulverein" in Kamp Lintfort wandelte, in Anspruch genom-men waren. Sie veranstalteten mehrere Kurse und Vorträge von Herbert Witzenmann in verschiedenen Universitäten des Ruhrgebietes. Zwischen ihnen traten die Brüche und Austritte aus dem gemeinsam Begonnenen relativ früh ein, sodass heute von dem ursprünglichen Menschenkreis nur Dr. Klaus Hartmann (er betreut heute für die Herbert-Witzenmann-Stiftung des-sen schriftlichen Nachlass) und Christina Moratschke für das Hochschul-projekt in Kamp Lintfort übrigblieben. Letztere arbeitete nach dem Bruch des Seminars mit der Alanus-Stiftung für etwa ein Jahr im Seminar mit, bevor sie ins Herbert-Witzenmann-Zentrum wechselte, um ihre Lehrtätigkeit in seinem Rahmen fortzusetzen.
Jenem zu Beginn mit starker Zusammengehörigkeit auftretenden Studen-tenkreis gehörte auch Dr. Marcelo da Veiga-Cron, der heutige Rektor der Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn, an (die später als die erwähnte Alanus-Stiftung begründete Einrichtung hat nichts mit dieser zu tun). Seine Dissertation erschien im Gideon Spicker Verlag, wie auch diejenige von Dr. Jens Heisterkamp, des heutigen Chefredaktors und Herausgebers der Zeit-schrift Info3, der in jenen Jahren immer wieder mit Vorträgen und Kurses an Seminarveranstaltungen mitwirkte. Zu jenem Kreis gehörte ebenso Ralf Lilienthal, heute Gärtnermeister und Autor von beliebten Kinderbüchern (Verlag Freies Geistesleben), Dr. Ralf Vanscheidt, Mathematiker und Astro-nom, heute Dozent an der Academia Engiadina in Samedan, Prof. Dr. Jost Schieren, Dekan der Abteilung Pädagogik an der Alanus-Hochschule und Redaktor der Mitteilungen der anthroposophischen Gesellschaft in Deutsch-land (auch gehörte er nach dem Tode von Herbert Witzenmann einige Zeit dem Seminar-Kollegium an).
Aus Berlin war über viele Jahre Peter Witt zugegen, der mit dem Semi-nar zusammen in Berlin die letzte Tagung, die mit Herbert Witzenmann stattfinden konnte, vorbereitete. Er hat während vieler Jahre erkenntniswis-senschaftliche Kurse geleitet und die sie begleitenden wertvollen Berliner Hefte herausgegeben und selbst einige Schriften zur Bewusstseinsphäno-menologie verfasst.
In Dornach traten in jener Zeit Andreas Durrer und Greet Helsen dem Seminar bei und halfen immer wiederum mit, wenn ausserordentliche Organisationsarbeiten anstanden. Andreas Durrer, auch er Schüler von Beppe Assenza, trat später dem Vorstand des Novalis-Hochschulvereins bei, um in seinem Rahmen zusammen mit Greet Helsen eine Malschule aufzubauen. Auch bei ihnen kam es zum Bruch mit der Leitung des Novalis-Hochschulprojekts, was sie wiederum zurück in die Assenza-Malschule (heute in Münchenstein) führte. Eine zeitlang nahmen sie auch weiterhin an den Seminarveranstaltungen teil.
Andreas Durrer ist heute Präsident der Alanus-Stiftung. - Einige der Dozenten der Assenza-Malschule, unter denen ich Lasse Legind nenne, gestalteten über Jahre das Seminarleben aktiv mit. - In derselben Zeit lernte auch Haiggi Baumgartner das Seminar und seinen Leiter kennen. Nach seinem Tod wurde er ins Seminarkollegium gerufen und gab im Rahmen der sozialästhetischen Studienjahre wiederholt Geometrie- und Plastizierkurse. Er war 2004 unter den Gründern der Seminarvereinigung und unterstützt heute den Neuaufbau des SeminarVerlags. Haiggi Baumgartner ist Mitar-beiter der Basler Münsterbauhütte, leitet in Basel das Skulpturenatelier, welches viele der plastischen und architektonischen Arbeiten Rudolf Steiners restauriert und konserviert hat, ist freier Bildhauer und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Stilwandel des ersten zum zweiten Dornacher Goetheanumbau.
Dann soll auch der holländische Kanadier Robert Kelder nicht vergessen werden, der schon früh die Seminartagungen in den regionalen Zeitschrif-ten bekannt machte und Berichte für sie schrieb. Er übersetzte viele der gesellschafts-bezogenen Schriften ins Englische und Holländische. Er pflegte den Kontakt zu einem Redaktor der Basler Zeitung, in deren Rahmen ein Dutzend vielbeachteter Artikel von Herbert Witzenmann, meist aus Anlass der christlichen Feste geschrieben, erscheinen konnten. Er begründete 1985 in Arlesheim das "Willehalm-Institut", das ein Jahr danach nach Amsterdam verlegte. Siehe http://willehalm.nl/.
Nach dem Tod von Herbert Witzenmann waren es Elisabeth und Johan-nes Reiter, die an die Seminararbeit herantraten und mit einer eigenen Aufgabenstellung in Bezug auf die Spiritualisierung der Erdenpflege die Seminararbeit bereicherten. Johannes Reiter unterrichtete im Studienjahr und schrieb mehrere Artikel für das Seminar bis in die jüngste Zeit. - In der Phase 2003-2006 unterstützte Roland Neff, Begründer der J. Kreyenbühl-Stiftung, das Seminar durch seine inhaltlichen Beiträge wie organisatorische Mitarbeit.
Ebenso nahm gelegentlich Erich Klein, Oberrichter im Ruhestand aus Osnabrück und Mitglied des Gideon-Spicker-Vereinsvorstandes, an den Tagungen teil. So hat die Seminararbeit vielen Menschen über kürzere oder längere Zeit bei ihrer Suche nach geistiger Orientierung geholfen. Das Seminar bildete all die Jahre über für ganz unterschiedliche Menschen einen Ideen- und Sozialraum, in dem Schulung und Übung möglich war. Dies soll in veränderter, dem Fortschreiten der Zeit abgelauschten Formen auch für die Zukunft gelten.