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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Dritte Rede
3.
Hätte aber der Herr das sagen wollen, dann hätte er nicht sagen dürfen: "Ich im Vater und der Vater in mir", sondern: "Auch ich bin im Vater, und der Vater ist in mir", damit er auch nicht etwas Eigenes und Besonderes dem Vater gegenüber als Sohn hätte, vielmehr mit allen dieselbe Gnade teile. Doch so verhält es sich nicht, wie jene meinen. Denn da sie ihn nicht für den echten Sohn aus dem Vater halten, so lügen sie auf den echten, der allein mit Fug und Recht sagen kann: "Ich im Vater und der Vater in mir". Es ist nämlich wirklich der Sohn im Vater, wie sich ja begreifen läßt, da das ganze Sein des Sohnes der Substanz des Vaters eigen ist, als der Abglanz aus dem Lichte und der Fluß aus der Quelle, so daß, wer den Sohn sieht, auch das sieht, was dem Vater eigen ist, und begreift, daß die Existenz des Sohnes, wie aus dem Vater, so im Vater ist. Es ist aber auch der Vater im Sohne, weil das, was [S. 246] aus dem Vater stammt und ihm eigen ist, der Sohn ist, wie im Abglanz der Sonne, und im Wort der Geist und im Fluß die Quelle. Denn so schaut, wer den Sohn schaut, das, was der Substanz des Vaters eigen ist, und begreift, daß der Vater im Sohne ist. Denn da die Gestalt und Gottheit des Vaters das Sein des Sohnes ist, so ist folgerichtig der Sohn im Vater und der Vater im Sohne. Darum nämlich fügte er auch mit Recht den vorausgegangenen Worten: "Ich und der Vater sind Eins"1 hinzu: "Ich im Vater und der Vater in mir"2 um die Identität der Gottheit und die Einheit der Substanz zu erweisen3 .
1: Joh. 10,30.
2: Joh. 14,10.
3: Die Kapitel 3 und 4 sind eine klare Erläuterung zum ομοουσιος und belehren, daß man dem athanas. ομοουσιος nur mit der Übersetzung "wesenseins" vollauf gerecht wird.