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Theaterregisseur Werner Düggelin ist tot. Der 90-Jährige starb in der Nacht auf Donnerstag in Basel an einem Krebsleiden, wie ein enger Freund des Künstlers auch gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bestätigte. «Dügg» hatte über Jahrzehnte das deutschsprachige Theater geprägt.
Der gebürtige Schwyzer gründete mit 23 Jahren seine erste Theaterkompanie im Pariser Vorstadttheater Ansières. Danach war er Gastregisseur an vielen grossen deutschsprachigen Bühnen. Legendär ist seine Intendanz von 1968 bis 1975 am Theater Basel. Zu seinem Spätwerk gehörten auch Inszenierungen am Zürcher Schauspielhaus.
1987 erhielt Düggelin den Hans-Reinhart-Ring – die höchste Auszeichnung im Theaterleben der Schweiz. 1995 wurde er mit dem Basler Kulturpreis ausgezeichnet. 2014 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Zürich.
Das Theater Basel reagierte in einer Stellungnahme «mit grossem Bedauern» auf den Tod des ehemaligen Intendanten. Er sei ein «Grandseigneur des Theaters in Basel» gewesen, wird der neue Intendant Benedikt von Peter in der Mitteilung zitiert. «Ich bedaure es zutiefst, dass Basel und die Schweizer Theaterwelt Werner Düggelin verloren hat.»
Studium fürs Theater aufgegeben
Für den Entscheid, Theaterregisseur zu werden, gab Düggelin sein Studium an der Universität auf. Er heuerte am Schauspielhaus Zürich als gelegentlicher Statist und Beleuchter an. Als er das erste Mal – er war etwa 20 – im Schauspielhaus Zürich «oben in der rechten Loge» sass, habe es gefunkt, erzählte er der Publizistin Beatrice von Matt in einem 2006 veröffentlichten Gespräch über diesen Entscheid.
Das Theater sollte sein Beruf werden, das wusste er sofort. «Stellen Sie sich vor, ich war nie in einem Theater und fasste diesen Entschluss.» Schauspieler wollte er nicht werden, aber Regisseur.
Anfang der 1950er Jahre zog es Düggelin nach Paris, wo er das Theater der Avantgarde und Roger Blin kennen lernte. Dieser war derjenige Regisseur und Schauspieler, der 1953 Samuel Becketts epochalem Stück «Warten auf Godot» zum Durchbruch verhalf.
Avantgardist in Zürich
Zurück in Zürich warb Düggelin für Becketts «Warten auf Godot». Und tatsächlich: Ende 1954 war das Stück als deutschsprachige Inszenierung von Blin auf der Pfauenbühne zu sehen. Düggelin hatte den Text übersetzt und assistierte Blin. Für die Avantgarde war Zürich allerdings noch nicht bereit. Das Stück wurde «miserabel» aufgenommen.
Intendant war Düggelin dann in Basel, von 1968 bis 1975. Diese «Ära Düggelin» wurde legendär. Er holte Schweizer Schriftsteller an das dortige Theater und sorgte immer wieder für Kontroversen.
Nach der Intendanz arbeitete er als freier Regisseur in der Schweiz, in Deutschland und Österreich. Seine letzte Arbeit, die Bühnenfassung von Georg Büchners «Lenz», war im September 2018 am Schauspielhaus Zürich zu sehen.