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Mit der Eröffnung des Bodmanhauses wurde in Gottlieben eine Gedenkstätte für den Schriftsteller Emanuel von Bodman geschaffen, der Anfang des 20. Jahrhunderts die Bodenseeregion wählte, um hier sein Leben der Schrift zu widmen. Sein Werk umfasst eine Reihe von Dramen, viele Erzählungen, Hunderte von Gedichten sowie Aufsätze zu Kunst und Literatur seiner Zeit.
Geboren wurde Emanuel von Bodman am 23. Januar 1874 in Friedrichshafen. Seine Mutter hat er nie kennen gelernt, sie starb drei Monate nach seiner Geburt. Der Besuch einer höheren Schule machte 1892 einen Ortswechsel nötig. Die Familie zog nach Kreuzlingen, von wo aus Bodman das Gymnasium in Konstanz besuchen konnte. Nach dem Studium in München, Berlin und Zürich kehrte er in die Bodenseeregion zurück, die Schweiz wurde seine Wahlheimat.
Die 1897 geschlossene erste Ehe von Bodman mit Clara Czolbe wurde bereits nach fünf Jahren geschieden. Von 1092 bis 1909 war Bodman mit Blanche de Fabrice verheiratet, deren Eltern im Schloss Gottlieben lebten. Bodman wohnte zunächst im „Weißen Haus” in Tägerwilen, nach der Trennung von Blanche zog er für einige Jahre nach Kilchberg bei Zürich. 1914 heiratete Bodman Clara Herzog aus St. Gallen. Mit ihr zusammen bezog er im Jahr 1920 das Haus am Dorfplatz von Gottlieben, in dem beide bis zu ihrem Tod wohnten.
„Soviel ist sicher, will ich mein poetisches Innenreich retten vor der Intellektualisierung, an der ich zuletzt in den Städten litt, muss ich hierher, und zwar für immer. Es ist eintönig, oft langweilig, aber das ist die Vorbedingung der Sammlung und Erhebung; (...) Es ist eine wunderbare Gegend. Ich genieße die großen Horizonte. Das Rauschen der Ebene kann ich nimmer entbehren”, so kündigte er seine Rückkehr von Kilchberg bei Zürich an den Bodensee an. Emanuel von Bodman starb am 21. Mai 1946 in Gottlieben. <<< nach oben
Emanuel von Bodman war in seinem schriftstellerischen Schaffen sehr vielseitig. Frühe Erfolge verzeichnete er mit der Lyrik. Bereits 1894, Bodman war gerade zwanzig Jahre alt, veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband „Stufen”, zwei Jahre später erschien der Band „Erde”, mit dem er sich literarisch zu etablieren begann. Bodmans produktivste Phase fällt in die Zeit zwischen 1900 und 1920, in der er ein breites Oeuvre schuf. Während seine Lyrik vom romantischen Naturgedicht über satirische Verse bis zum klassischen Sonett reicht, ist bei vielen Novellen und Erzählungen die Nähe zu Gottfried Keller unverkennbar. Beeindruckt war Bodman auch von Außenseitern der Gesellschaft: von Zirkusleuten und Artisten, deren Welt er im erzählerischen Werk wiederholt thematisierte.
Obwohl Lyrik und Prosa im Werk von Bodman einen hohen Stellenwert einnehmen, waren sie für ihn nicht „erste Disziplin”. Seine eigentliche Berufung sah er als Dramatiker. Im Jahr 1907 – er ist 33 Jahre alt – zeigt er sich fest entschlossen, sein Leben gegen alle Zweifel ganz auf die dramatischen Arbeiten auszurichten. In einem Aufsatz zu seinem Stück ’Die heimliche Krone’ bekennt er: „Mein Streben, an der Tragödie zu schaffen und auf diese Karte mein Leben zu setzen, ist – ich weiß es wohl – ein Wagnis, zumal beim heutigen Stand der Dinge.” Mit seinen Schauspielen blieb ihm jedoch der erhoffte große Erfolg versagt.
Es ist bezeichnend, dass das von Bodman fast beiläufig erwähnte „Epische” die Zeiten am längsten überdauert hat. Hier bewies er eine Souveränität im Umgang mit erzählerischen Formen, die nach wie vor überzeugt: was Bodman – wie er die Arbeit an den Novellen nannte – mit „kleiner Stimme” erzählte, kann sich auch heute noch Gehör verschaffen. <<< nach oben
Freunde und Kollegen
Seit Beginn seiner literarischen Laufbahn stand Emanuel von Bodman in Verbindung mit bedeutenden Autoren. Viele von ihnen schätzten vor allem sein lyrisches Werk. Hermann Hesse, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Gaienhofen lebte und mit dem Bodman während dieser Zeit freundschaftlich-nachbarschaftliche Beziehung pflegte, urteilte über den 1907 erschienen Band „Der Wandrer und der Weg”, dass kein anderes Gedichtbuch der letzten Jahre ihm einen „so reinen und innigen Eindruck gemacht hat”. Bodman stand mit Hesse noch viele Jahre nach dessen Wegzug vom Bodensee in Verbindung.
Sehr wohlwollende Briefe sind auch von Rainer Maria Rilke, Richard Dehmel, Gustav Landauer, Paul Ernst und Stefan Zweig erhalten. Und Korrespondenzen finden sich mit all jenen Autoren, mit denen sich zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts das literarische Leben am See zu etablieren begann, zum Beispiel mit Fritz Mauthner, Wilhelm von Scholz, Ludwig Finckh und Heinrich Ernst Kromer.
Einen wichtigen Stellenwert in Bodmans Vita nimmt Wilhelm Schäfer ein. Schäfer war Herausgeber der Kunstzeitschrift „Die Rheinlande”, in der Bodman regelmäßig publizierte. Im brieflichen Kontakt wie in der persönlichen Auseinandersetzung war er für Bodman ein oft gesuchter Diskussionspartner in ästhetischen Fragen. Clara von Bodman nennt ihn für diese Zeit sogar seinen „besten Freund”. Dass Schäfer Bodman als Dramatiker nicht die erhoffte Wertschätzung entgegenbrachte, kühlte das Verhältnis nach und nach ab, bis es schließlich durch die Verbindung von Schäfer mit Bodmans Frau Blanche völlig zerbrach.
Schließlich sind noch etliche bildende Künstler zu nennen, mit denen Bodman in Kontakt stand: Willi Hummel, Emil Thoma und Karl Einhart zum Beispiel, die einige Jahre in Gottlieben wohnten, und auch die Brüder Ernst und Karlmax Würtenberger, die Bodman schon seit seiner Schulzeit in Konstanz kannte. <<< nach oben
„... und heute frage ich mich, ob ich ihm nicht viel mehr hätte sein und geben können, wenn ich Clärle Herzog geblieben wäre” äußerte Clara von Bodman in einem Gespräch im hohen Alter, als sie ihrem Tod entgegensah, und einen Moment lang darüber sinnierte, ob sie sich ihrem Mann nicht zu sehr angepasst habe. Es ist bezeichnend, dass sie selbst noch hier, wo es um die Frage der eigenen Lebenslinien geht, alles in Beziehung zu Emanuel von Bodman setzt: Sie hat ihr Leben in den Dienst des seinen gestellt, auch noch in den Jahren, als er längst gestorben war.
Clara von Bodman wurde am 9. Januar 1890 als Tochter des Reallehrers Jakob Herzog und seiner Frau Bertha in St. Gallen geboren. Sie besuchte das Lehrerseminar in Rorschach und erlangte das Diplom als Französischlehrerin. Für kurze Zeit war sie in Belfast (Irland) in einer Mädchenschule tätig. Sie lernte Emanuel von Bodman 1909 kennen und heiratete ihn 1914.
Nach Bodmans Tod widmete sie sich mit großer Energie der Aufgabe, seine Schriften in einer großen Werkausgabe heraus zu bringen. Es gelang ihr, den Reclam-Verlag in Stuttgart für das aufwändige Projekt zu gewinnen. In Zusammenarbeit mit dem Herausgeber Professor Karl Preisendanz erschien in den 50er Jahren eine Auswahl des Oeuvres Emanuels von Bodman, das als „Gesammelte Werke” zehn Bände umfasst.
Dass im Bodman-Haus eine Gedenkstätte eingerichtet werden konnte, ist ebenfalls auf die frühen Weichenstellungen zurück zu führen, die Clara von Bodman weit vorausschauend vorgenommen hat. Sie starb am 31. Juli 1982 in Gottlieben. <<< nach oben
Die Wurzeln der Familie von Emanuel von Bodman führen zurück in den gleichnamigen Ort Bodman am westlichen Ende des Bodensees. Hier war der Großvater des Dichters geboren, der später auswanderte und württembergischer Kammerherr und Regierungsrat wurde. Johann Franz von Bodman, Emanuels Vater, war königlich württembergischer Hauptmann. Er heiratete 1860 Sophie Witz-Thurneysen aus Basel. Emanuel war das jüngste von drei Geschwistern. Seine beiden Schwestern Johanna und Franziska heirateten königlich preussische Offiziere.
Die Geschichte der Familie von Bodman reicht weit in die Vergangenheit zurück. Im Bodenseegebiet ist sie seit dem 12. Jahrhundert unter diesem Namen nachgewiesen. Spätestens seit der Regentschaft der Staufferkaiser waren ihre Angehörigen mit der Verwaltung der Kaiserpfalz Bodman vertraut, von der sie den Namen angenommen haben und von der auch der Name des Bodensees her rührt. Der Stammsitz der Familie bildete lange Zeit die Burg Altbodman, die im Dreissigjährigen Krieg zerstört wurde. Heute lebt die Familie im Ort Bodman in einem Landhaus, das sie 1757 erbauen liessen.
Die Verbindung Emanuels von Bodman mit seinen Verwandten am Überlinger See war nicht sehr ausgeprägt. Die Lebensgewohnheiten waren zu unterschiedlich und das Verwandtschafts-Verhältnis zu weit. Intensivere Kontakte unterhielt der Dichter dagegen mit seinem in Freiburg lebenden Vetter Heinrich von Bodman (1851–1929), der von 1907 bis 1918 badischer Innenminister und von 1917 bis 1918 Staatsminister war.
Zur Unterstützung bedürftiger Familienmitglieder wurde im Jahr 1906 die „von Bodman’sche Familienstiftung” gegründet. An diese übergab Clara von Bodman zunächst ihr Haus in Gottlieben. Von der Bodman’schen Familienstiftung ging es dann an die Thurgauische Bodman-Stiftung über. <<< nach oben