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Bei einem Drittel der Patienten wird die Diagnose Blasenkarzinom durch einen zweiten Pathologen anders interpretiert. Dies berichtet eine Untersuchungsgruppe der Cleveland Clinic.
Transurethral gewonnenes Untersuchungsmaterial scheint schwierig zu untersuchen. Die Cleveland Clinic wollte deshalb herausfinden, was eine Zweitmeinung an einem anderen Referenzzentrum bringt. (J Urol 2010; 183: 921-928). Wird die Diagnose Blasenkarzinom so sicherer?
Präparate transurethraler Resektate von Blasentumoren von 2002 und 2004 wurden retrospektiv analysiert. Die zwei Jahre wurden genommen, da 2003 eine Subspezialisierung in Urogenital Pathologie begonnen wurde. Die Zweitmeinungen des Referenzzentrums wurden mit den ursprünglichen Pathologieberichten verglichen. Bei unterschiedlichen Beurteilungen wurde deren Auswirkung auf die Klinik analysiert.
- 2002 wurden 78 Präparate, 2004 wurden 116 Präparate untersucht.
- 2002 wurden 33% und 2004 27% Präparate substantiell neu interpretiert.
- 2002 hätte dies bei 28%, 2004 bei 23% zu Änderungen in der Behandlung geführt.
- 2002 und 2004 wurden je 4 Fälle als Blasenkarzinom diagnostiziert, bei denen ursprünglich keine Malignomdiagnose gestellt werden konnte.
Bei ca. 30 % der erneut durchgesehenen Pathologiepräparate ergab sich eine nicht banale andere Beurteilung. Dies ist ein auffällig grosser Anteil. Überraschend ist, dass die Zahlen praktisch identisch waren, auch nachdem eine Abteilung sich auf urogenitale Karzinome spezialisierte .
Hauptprobleme für die Pathologen sind die Unterscheidung zwischen Carcinoma in situ und invasivem Karzinom und die Schwierigkeit zwischen Muscularis Mucosa und Muscularis Propria zu unterscheiden. Präparate der transurethralen Resektion sind schwierig zu beurteilen:
- kleine Gewebebröckel
- Kauter Artefakte
- fehlendes Muskelgewebe.
Der Zweite Pathologe hatte mehrere Vorteile:
- Er hatte den Bericht des ersten Pathologen
- Meist waren mehrere Pathologen in die Zweitbeurteilung involviert.
Abschliessend
Die Interpretation transurethraler Resektate von Blasentumoren scheint oft keine exakte Wissenschaft zu sein. Ganz generell sehen mehrere Pathologen mehr als ein einzelner. Ich würde mit den Autoren übereinstimmen, dass die Diagnose einer Krebserkrankung wenn möglich durch einen zweiten Pathologen bestätigt werden sollte.
Die Arbeit weckt auch Verständnis dafür, dass in den Tumorboards, oder auch bei hämatologischen Diagnosen immer das Untersuchungsmaterial präsentiert wird und nicht einfach Pathologie- oder Hämatologieberichte übernommen werden.
Wie wird dies bei Euch gehandhabt?