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Was ist Deaf Curling?
Deaf Curling ist einzig in der Kommunikation zwischen den Spielern anders. Anstelle von Zurufen bezüglich Länge und Wischarbeit benötigen die gehörlosen Curlerspieler*innen immer Blickkontakt, um die Kommandos in Gebärdensprache und eigens entwickelte Handzeichen vom Skip zu erhalten und umzusetzen. Die Schweizer Deaf Curler*innen haben – gerade im Hinblick auf die vergangenen Deaflympics 2019 und die bevorstehenden Weltmeisterschaften intensiv an der Kommunikation gearbeitet und viele Gebärden fürs Curling „erfunden“. Diese werden bereits in den Schnupperkursen angewendet, damit sie von Anfang an verinnerlicht werden. Um als gehörloser Curler*in zu gelten, muss ein gewisser Grad (55 dB) an Schwerhörigkeit oder totale Gehörlosigkeit attestiert sein.
Entwicklung Deaf Curling
Die Abteilung Deaf Curling von Swiss Deaf Sport SDS (früher Schweizerischer Gehörlosen Sportverband) wurde 2007 ins Leben gerufen. Dies, nachdem Curling vom International Committee of Sports for the Deaf, ICSD, als offizielle Sportart an Deaflympics und Weltmeisterschaften zugelassen wurde. Das Deaf-Curling wurde anfänglich nur von Männern, seit Ende 2018 erfreulicherweise auch von Frauen bestritten. International etabliert sich der Curlingsport immer stärker – waren es 2007 bei Frauen und Männer nur 7 Länder und 44 Curler*innen – so sind es 2019 13 Länder und 95 Curler*innen. Die Schweiz gehört zu einem der wenigen Ländern, welche während langer Zeit über nur über ein Männerteam verfügten. Die Abteilung hofft, ab 2022 mit einem Frauen- und Herrenteam an internationalen Wettkämpfen antreten zu können. Swiss Deaf Sport (SDS) unterstützt die Entwicklung durch Mitfinanzierung von eigenen Trainings, Coaching, Kommunikationslösungen (Übersetzungen Gebärdensprache in gesprochene Sprache und umgekehrt) und Teilnahme an internationalen Wettkämpfen (Deaflympics, WM und EM). Gehörlose und schwerhörige Curler*innen sind sowohl bei SDS als auch bei SwissCurling lizenziert.
Wo wird gespielt und trainiert?
Die Gehörlosen-Curling-Gemeinschaft organsiert vom SDS monatlich ein gemeinsames Training – Frauen und Männer gemischt. Das Frauenteam profitiert bei diesen gemeinsamen Trainingstagen von den Erfahrungen des Männerteams, welches international bereits tolle Erfolge erzielt hat. Neben dem monatlichen Treffen sind alle Mitglied in einem Curlingclub und trainieren dort zusammen mit Hörenden. Aktuell sind unsere Curler*innen Mitglieder bei Brig, Langenthal, Baden, Sihlsee, Wallisellen, Wetzikon, Schaffhausen, Weinfelden und Uzwil aktiv. Von Vorteil für Kommunikation und soziale Integration ist es, wenn mehrere Gehörlose und Schwerhörige in einem Club zusammen sind. An Turnieren treten sie als Deaf-Teams auf. Sollten sich weitere Curler*innen mit einer Hörbehinderung in Clubs befinden sind wir froh um diese Informationen und Kontaktaufnahme.
Wettkämpfe
Da es in der Schweiz wenige gehörlose Curlingspieler gibt, beteiligen sie sich an den ausgeschriebenen Turnieren und messen sich mit Hörenden. Einzig an internationalen Wettkämpfen
sind Menschen mit Hörbehinderung unter sich. Die Schweizer Männer hatten zu Beginn beachtliche Erfolge zu verzeichnen:
2007 4. Rang Deaflympics Salt Lake City
2009 2. Rang Gehörlosen WM Winnipeg, CAN
2013 3. Rang Gehörlosen WM Bern
2015 4. Rang Deaflympics Khanty-Mansiysk, RUS
2017 6. Rang Gehörlosen WM Sotschi, RUS
2018 4. Rang Europameisterschaft Schaffhausen
2019 11. Rang Deaflympics Madesimo, ITA
Gerade an den Deaflympics in Italien (2019) wurde klar aufgezeigt, dass sich die anderen Nationen deutlich verbessert haben und den Schweizern in Bezug auf Technik, Kommunikation, Fitness und Taktik weit voraus sind. Diese Erkenntnis motiviert die kleine Gehörlosenszene im Curling jedoch und alle sind bereit, für die nächsten internationalen Wettkämpfe noch mehr zu leisten. Verglichen mit der Spieleranzahl von beispielsweise Canada oder China ist in der Schweiz der Leistungsdruck tief – darauf hat die Abteilung Curling von Swiss Deaf Sport reagiert und diesen Druck nun künstlichen erzeugt. Mittels einem strengen Punktesystem müssen sich die Athleten nun auf diversen Ebenen beweisen: Technik, Taktik, Fitness und Spielresultate.