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Geschichte des Wakesurfens
Das Wakesurfen kann nicht auf ein Entstehungsdatum festgelegt werden, da es sich stetig entwickelt hat. In den 1950er und 1960er Jahren surften einige Surfer mit einem Longboard hinten in der Welle eines normalen Motorbootes. Sie hatten viel Spaß dabei und dachten nicht viel darüber nach, was sie alles beachten sollten oder nicht. Es funktionierte relativ gut, nur war es ein wenig gefährlich, da sich bei einem normalen Motorboot die Schrauben viel näher beim Surfenden befinden, als bei einem speziellen Wakesurfboot.
Es gab damals viele Surfer, welche z.B. auf dem Longboard einen Kopfstand vollbrachten oder zu zweit auf dem Board surften. Da die Surfer jedoch nicht mehr wollten, dass es nur als Akrobatenschauspiel galt, kamen sie auf die Idee, ein sicheres und richtig optimiertes Material zu erschaffen, welches auch nicht mehr als Akrobatenspielzeug galt. Es gab also schon lange Zeit die Idee des Wakesurfings, jedoch hatte es bis zu diesem Zeitpunkt keiner vollständig umgesetzt. Da einem beim Wakesurfen ein See, ein Wakeboard-Boot und ein Wakesurf-Board genügen, muss nicht extra ans Meer gefahren werden, damit gesurft werden kann. (1)
Ausserdem muss man auch nicht ewig auf die perfekte Welle warten, wie beim richtigen Wellenreiten. Es ist immer eine Welle vorhanden, auch wenn es natürlich keine richtigen Wellen sind. Verschiedene spezielle Wakesurfboards wurden entwickelt. Diese waren nicht so lang und schwer. Sie fuhren viel schneller, als normale Surfboards, da diese extra für starken Wellengang hergestellt wurden. Für das schnellere Gleiten wurde ein kleiner Rocker (Aufschwung des Surfboards, siehe Illustration unten) in die Backhand (hinterer Teil) des Wakesurfboards integriert. Nach dem Rocker probierten sie aus, wie sie hinten stehen mussten und schliffen das Board vorne runder, als bei normalen Surfboard. (2)
In den frühen 90er Jahren kam das erste Waksurfboot „Wave“ auf den Markt. Dieses erzeugte eine größere Welle, als die anderen Boote und man konnte bei diesem näher am Boot surfen. Viele Bootsmarken wollten kein Wakesurfboot produzieren, da sie Angst hatten, weil so nahe am Boot gesurft wird.
Im Jahre 1996 wurde die World Wake Surf Championships von einer kleinen Gruppe in Mission Bay ins Leben gerufen. Anschließend schwappte der Sport nach Kalifornien hinüber. Zu Beginn wurde der Sport nur von wenigen Surfern betrieben, was sich mit den Jahren jedoch stark änderte.
Material
Beim Wakesurfen wird auf einem speziellen Wakesurfboard gesurft. Ich selbst surfte auf einem Inland Surfer Board 4’6” x 20” x 1” - 8 lbs. Dies ist ein Anfänger Board und gut zu handhaben. Es gibt viele andere Boards, wie z.B. die Wakeskate Boards, welche das Aussehen von Skateboards auf dem Wasser haben. Es gibt auch Boards, die sich aggressiver und kompromissloser fahren oder dann gibt es die drehfreudigen, schnellen, leichten, aber auch gut kontrollierbaren Boards. Die Boards können zwischen 40 und 100 kg schwer und zwischen 130 cm und 150 cm lang sein. Ihre Breite ist immer um die 50 cm.
Daneben gibt es auch Wakeboards, die den Kitesurfboards ähnlich sind, da es bei einem Wakeboard auch zwei Laschen und sogar Stiefel gibt, wo die Füße platziert werden, damit der Surfer nicht gleich vom Board fällt. Mit diesen kann ein Surfer schnellere und höhere Sprünge und Tricks durchführen, als mit einem Wakesurfboard.
Zudem braucht man eine Polypropylen/Spectra Leine (ca. 70’/21 m (1 x 55’ + 3 x 5’)), an dessen Ende ein Handle (Gummi Grip) befestigt ist, der ca. 35 bis 40 cm breit ist. Zudem ist eine Wakesurf-Schwimmweste obligatorisch.
Es braucht natürlich auch ein Wakesurf-Boot, um zu surfen. Die bekanntesten Marken sind Malibu, Centurion und Axis. Ich selbst war mit einem Axis-Boot auf dem Wasser.
Ein Wakesurf-Boot produziert im Gegensatz zu einem normalen Boot, eine dominante, konstante Welle von der einen Seite des Bootes zur anderen. Ob rechts vorne oder links vorne, die Welle wird beiden Surftypen gerecht. Bei der Welle wird speziell geschaut, dass sie von der Seite und vom unteren Teil herkommt, damit sich eine saubere und energiereiche Weisswasser-Welle ergibt.
Technik
Auf dem Boot wird das Seil mit dem Handle montiert, welches anschließend ins Wasser geworfen wird. Dieses nimmt dann der Surfer zu sich. Der Surfer springt mit Board ins Wasser und packt sich das Handle. Der größte Unterschied zum Surfen ist, dass man nicht paddeln muss, sondern ein Handle hat, mit dem sich der Surfer hochzieht und sich daran festhalten kann.
Der Surfer packt sich das Board, dreht sich zum Boot, hält mit der rechten Hand das Handle und mit der linken Hand das Board fest. Mit dem Kopf schaut der Surfende immer Richtung Boot. Nun platziert er das Board flach zwischen dem Boot und sich selber. Anschließend platziert der Surfer seine Fersen auf der unteren Hälfte des Boards und legt sich zurück. Keine Sorge, die Schwimmweste hält einen über Wasser. Die Zehen schauen gegen den Himmel. Wenn der Surfer bereit ist, gibt er dem Bootsführer ein Zeichen. Dabei müssen beide Hände das Handle umfassen und die Arme müssen gestreckt sein. Wenn das Boot beschleunigt, zieht der Surfer die Knie zu sich, lehnt sich zurück und drückt die Fersen gegen das Brett. In diesem Moment muss der Bootsführer die Geschwindigkeit weiter erhöhen, damit der Surfer langsam aufstehen kann. Diese Stellung erinnert an eine Squat-Position. Wenn nun der Surfer steht, sollte dieser immer ein wenig nach hinten liegen und die jeweils hintere Ferse leicht auf das Brett pressen. Auf den vorderen Fuß darf kein Gewicht gelegt werden! Fixiere dir bei dieser Position mit den Augen einen Punkt über dem Boot. Auch müssen die Knie leicht gebeugt und die Arme gestreckt sein. Das wichtigste ist die Fußposition. Wenn diese nicht stimmt, fällt man vom Board. Wenn der Surfer sein Gewicht auf die hintere Ferse verlagert, kann das Board bewegt werden. Wenn der Surfer bei dem sehr wellenreichen Teil angelangt ist, kann sich der Surfer langsam am Seil nach vorne ziehen, sodass der Surfer den vorderen Teil der Welle, welcher sich direkt hinter dem Boot befindet, surfen kann. Mit dem vorderen Fuß gibt der Surfer sozusagen Gas und mit dem hinteren wird gebremst und gesteuert. Wenn der Surfer genug sicher ist, kann er die Leine loslassen, auf das Boot werfen und so ohne Handle weiter surfen. (3)
Orte
Das Wakesurfen kann auf nahezu jedem größeren Schweizer See ausgeführt werden. Es braucht lediglich eine Verleihfirma, die Wakesurf-Boote vermietet. Wenn du natürlich selbst ein stolzer Besitzer eines solchen Bootes bist, kannst du dich glücklich schätzen. Immer, wenn du Lust hast, kannst Du auf den See hinaus. Wenn sich dir diese Möglichkeit nicht bietet, gibt es sehr viele Boots-Vermietungen, bei welchen du auch gleich einen Bootsführer und das ganze Material mitmieten kannst. Man kann aber auch nur ein Boot mieten, wenn man selbst den Führerschein dazu hat.
Murtensee
Auf dem Murtensee kann bei www.vullymarine.ch oder www.doubleup.ch bequem per Internet eine Session gebucht werden, bei welcher nur die Minuten gezahlt werden müssen, in denen effektiv auf dem Wasser gesurft wird. Während dieser Sessions sind auch noch andere Personen auf dem Boot. Es ist auch möglich eine private Session zu buchen, bei welcher man alleine auf dem Boot ist.
Der Murtensee ist für das Wakesurfing ideal. Platz ist genügend vorhanden, da es nie sehr viele Boote auf dem See hat. Normalerweise ist der Murtensee auch ein eher ruhiges Gewässer mit wenig Wind und somit kleinen Wellen. Ich würde sagen, der Murtensee ist der perfekte Ort für das Wakesurfing, geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene.
Bielersee
Unter anderem gibt es am oberen Ende des Bielersees, in Erlach, eine Wakesurfboot Vermietung, wo unter waterway ein Boot reserviert werden kann.
Neuenburgersee
Neben diversen Bootsvermietungen rund um den Neuenburgersee gibt es in Estavayer-Le-Lac sogar einen Wasserskilift, welcher auch mit dem bereits oben erwähnten Wakeboard befahren werden kann. Dieser Wasserskilift ist rund 800 m lang. Auf dieser Strecke gibt es auch verschiedene Rampen, um Sprünge und Tricks zu üben. Von einer Rampe aus wird gestartet und da man am Lift angemacht ist, braucht es logischerweise kein Boot, welches einen zieht. (4)
Zürichsee
Auf dem Zürichsee ist Wakesurfen auch eine weit verbreitete Sportart. Es ist immer viel los auf dem Zürichsee. Vor allem an schönen Tagen gehen alle mit dem Wakeboard-Boot ins Wasser und surfen, was das Zeug hält.
Am oberen Zürichsee, bei Wangen, befindet sich der Wassersportverein Shoreline Watersports. Mit ihrem Axis A24 Boot kann man Wakeboarden, Wakesurfen, Wakeskaten (!), Waterskiing, Foilsurfing/Hydrofoil-Surfing oder Watertuben. Das Boot kann online, entweder als private trip, open session oder business trip (Veranstaltungen und Events möglich) reserviert werden. Es kann auch "nur" das Boot gemietet werden, um den See und seine Inseln zu entdecken, zu erkunden oder um an einem ruhigen Ort zu baden.
Bei einer der bekanntesten Wakeboard-Schulen am Zürichsee in Stäfa kann alles gemietet werden, was das Herz begehrt. Von Wakesurf, Wakeskate, Wakeboard über SUP und Pedalos, hat es bei Ceccotorenas alles was man benötigt, um auf dem Wasser Spaß zu haben.
Bei „Wake and Ski“ können noch zusätzlich Skis gemietet werden. Unter www.wakeandski.ch können online, verschiedene Sessions gebucht werden.
Bei Wakeboarding&fun können zusätzlich zu den Wakesurf/Wakeboard Ausrüstungen, Fun Tubes, wie Wasserbananen und Tubes gemietet werden.
Vierwaldstättersee
Auf dem Vierwaldstättersee werden ebenfalls Wakesurf Sessions angeboten und Material vermietet. Ein Link zu den Anbietern ist ein wenig weiter unten zu finden.
Genfersee
Auf dem Genfersee wird auch fleißig mit dem Wakboard gefahren. Ein Anbieter direkt in Genf ist z.B. das „Wake Sport Center“.
Meine persönlichen Erfahrungen
Trotz einiger Absagen konnten wir doch noch am 2. August 2017 ein Wakesurf-Boot auf dem Murtensee mieten. Das Boot holte uns um 16.00 Uhr am Schiffssteg in Môtier-Vully (FR) ab. Das Anlegen war kein leichtes Unterfangen, da der Schiffsteg natürlich nicht für ein Wakesurf-Boot geeignet ist. Ein Zusammenstoß am Steg mit dem Kursschiff konnten wir gerade noch verhindern. Nach einem aufregenden Einstieg haben wir es doch noch alle ins Boot geschafft. Als erstes wollten wir das Wakesurfen ausprobieren. Die Bootsführerin erklärte uns zuerst einige Regeln, bevor wir loslegen konnten. Zuerst war er an der Reihe, schnallte sich die Schwimmweste um, packte sich das Handle und das Brett und sprang ins Wasser. Nach zwei Anläufen stand er schon recht schnell auf dem Wakesurfboard und konnte sogar direkt hinter dem Boot surfen. Er behielt das Handle sicherheitshalber noch in der Hand.
Dann war ich an der Reihe. Ich schnallte mir die Schwimmweste um und sprang mit Brett und Handle ins Wasser. Ich suchte die bestmögliche Position auf dem Brett und gab der Bootsführerin ein Zeichen, dass sie losfahren könne. Einfacher gesagt, als getan. Ich wurde durch die plötzliche Wucht des Bootes nach vorne vom Board gezogen. Auch beim zweiten und dritten Anlauf war es mir unmöglich auf diesem verflixten Wakesurfboard zu stehen.
Ich wurde die ganze Zeit nach vorne gerissen. Nach einigen Versuchen gab ich das Handle wieder an ihn zurück. Ich nahm wieder im Boot Platz und schaute ihm zu, wie er surfte. Er konnte diese Mal sogar das Handle für kurze Zeit loslassen und frei surfen, was ich sehr beneidete. Nach einigen Minuten war ich wieder an der Reihe. Dieses Mal dachte ich, muss ich es einfach auf die Reihe kriegen, auf dem Brett zu stehen. Und ich probierte und probierte, bis ich einmal ein kleines Glücksgefühl empfand, als ich auf dem Brett für einige Sekunden stehen konnte. Das war echt cool! Aber leider dauerte dieser Höhenflug nicht lange und ich verlor das Gleichgewicht und fiel wieder ins Wasser.
Zusammenfassend muss ich sagen: Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig sein ist auf einem Wakesurfboard zu stehen. Da ich schon oft gesurft bin, dachte ich, es sei einfacher. Der Start hat mir am meisten Mühe gemacht. Wenn man aber einmal auf der Welle steht, dann kann es richtig abgehen. Nun ja, ich verließ das Boot nach zwei Stunden mit gemischten Gefühlen. Wie auch immer, ich empfehle es allen Personen einmal auszuprobieren, da es echt Spaß machen kann. Auch wenn man nur vom Boot aus zusehen darf, wie einer die Wellen auf und ab surft.