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Die Kapuze, an den Pullover, die Jacke oder den Mantel genäht, ist jederzeit zur Hand, und sie schützt zuverlässig vor Regen und vor Kälte. Weil eine Kapuze aber nicht nur das Wetter abhält, sondern auch Blicke, hat sie immer etwas Unheimliches.
Wer dem Kloster geht vorbei
Mitternächtlich, sieht die Fenster
Hell erleuchtet. Ihren Umgang
Halten dorten die Gespenster.
Eine düstre Prozession
Toter Ursulinerinnen;
Junge, hübsche Angesichter
Lauschen aus Kapuz‘ und Linnen.
So dichtete 1851 Heinrich Heine. Bis heute wird der Tod meist mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze dargestellt.
Nüchtern betrachtet, kommt das Wort vom lateinischen caputium, wörtlich «das, was den Kopf bedeckt». Italienisch capuccio, französisch capuce, spanisch capucha – die Kapuze ist ziemlich universell. Mönche und Soldaten schätzten sie gleichermassen. Weil der dunkelbraune Habit des franziskanischen Bettelordens mit einer besonders markanten Kapuze geschmückt ist, nannte man die Brüder bald einfach «Kapuziner». Und der schwere Filzmantel der Schweizer Armee mit seiner ausladenden Kapuze war jahrzehntelang Teil der Militärausrüstung. Bei Kälte geschätzt, doch seines Gewichts wegen verwünscht, hiess er in der Soldatensprache ganz einfach «Kaputt».
Übrigens: Ein «Kapuziner» ist in Wien ein Mokka mit Schlagrahm, dessen Dunkelbraun an die Mönchskutte erinnert. Der cappuccino, ein mit geschäumter Milch aufgegossener Espresso, ist daher nichts anderes als ein Kaffee mit Kapuze.