Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03153.jsonl.gz/1186

Sonneberg (Thüringen/D), um 1840
Holz, Papiermaché; bemalt
H. 17,5 cm, L. 20,4 cm
Inv. 2000.276.
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich in Sonneberg, am Rande des Thüringer Waldes gelegen, die Verarbeitung von Papiermaché für Spielzeugfiguren verbreitet. Dieses Material ist recht einfach zu verarbeiten, und es erlaubt durch die Verwendung von Modeln die serielle Herstellung von Puppenköpfen, Aufstellfiguren und Spielzeuggruppen. Die Produktion fand in Heimarbeit statt, an der jeweils die ganze Familie beteiligt war. Im Jahr 1840 wurden im Sonneberger Raum 111 Familien gezählt, die Papiermaché bearbeiteten.
Musterbücher und Spielwarenkataloge der Sonneberger Verleger aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen, dass es zahlreiche vergleichbare Gruppen gegeben hat. Viele von ihnen bezogen einen Wagen oder eine Schiebkarre in die Gruppe ein; so steigerte die Beweglichkeit des Spielzeug seinen Reiz. Neben reinem Kinderspielzeug wurden in Sonneberg auch Figuren und Gruppen mit karikierendem Charakter hergestellt. Daran erinnert ein wenig der übergrosse Kopf des Mannes in dieser Gruppe, und auch das Thema hat einen gewissen humoristischen Aspekt.
Die Datierung wird ermöglicht durch die Kleidung der Dame. Die sehr weit gebauschten Ärmel ihres Kleides weisen in die Zeit um 1835740, als diese sog. Keulen- oder Schinkenärmel in Mode waren. Der blaue Schutenhut und der zarte Spitzenkragen runden die biedermeierliche Kleidung der jungen Dame ab.