Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03409.jsonl.gz/1044

Was macht eigentlich ein Caddie? Es ist eine der meistgestellten Fragen von Nicht-Golfern. Fakt ist: Ein Caddie, der seinen Job gut erledigt, kann mit seiner Arbeit stinkreich werden. Der Caddie des besten Golfer des Jahres verdiente an Turnieren vier Mal mehr als Superstar Tiger Woods.
Wie viel verdient ein Kofferträger? Wohl kaum so viel, dass er sich eine schicke Villa und einen Ferrari leisten könnte. Es sei denn, der Träger heisst Michael Greller. Der ist Caddie von Jordan Spieth, dem aktuell erfolgreichsten Golfer der Welt und in dieser Funktion partizipiert Greller an Spieths Preisgeld.
Der Amerikaner spielte in diesem Jahr die Summe von 23,5 Millionen Dollar ein. Greller dürfte davon rund zehn Prozent erhalten, also mehr als zwei Millionen Dollar. Eine genaue Zahl gibt es indes nicht. Dafür jene von Tiger Woods: Die Ikone des Golf-Sports verdiente 2015 mit Preisgeld vergleichsweise bescheidene 450'000 Dollar.
Viel Geld für einen Taschenträger? Nun, ein Caddie macht weit mehr, als die 14 Schläger von Loch zu Loch zu befördern und zwischendurch die Arbeitsgeräte seines Chefs zu putzen. Der Caddie hilft dem Golfer insbesondere dabei, das Grün zu lesen und er berät ihn bei der Wahl des richtigen Schlägers. Er studiert das Wetter, macht sich eifrig Notizen zur Beschaffenheit des Platzes und weiss stets, wie weit entfernt das Loch, ein Wasserhindernis oder ein Sandbunker ist.
Natürlich hilft es, dass der Caddie in aller Regel selber sehr gut Golf spielen kann. Es ist, wie wenn sich ein Challenge-League-Fussballer dazu entscheidet, künftig lieber Lionel Messi die Schuhe zu putzen, als selber zu spielen.
Aber vielleicht am wichtigsten ist seine Funktion als Psychologe. Ein guter Caddie kann seinen Chef nach einem Fehlschlag wieder aufbauen und er kann dafür sorgen, dass er nach einem Zauberschlag fokussiert bleibt. «Unser Job ist es, bei den letzten neun Löchern, wenn der Spieler nervös ist und nicht nachdenkt, den Unterschied zu machen», beschreibt es Christian Donald, der als Caddie für seinen Bruders Luke Donald, die Ex-Weltnummer 1, und für den Deutschen Martin Kaymer gearbeitet hat.
Das Verhältnis zwischen Golfer und Caddie ist manchmal eher eine nüchterne Geschäftsbeziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Im Fall von Jordan Spieth und Michael Greller ist dies anders. «Er ist ein Freund», sagt der Weltranglisten-Erste Spieth über seinen Caddie, den er kennen lernte, als er noch als Junior unterwegs war.
Greller liess sich zunächst davon überzeugen, eine einjährige Auszeit von seinem Job als Mathelehrer zu nehmen. Die beendete er 2013 – seither ist der 38-Jährige Vollzeit-Caddie von Jordan Spieth. Greller empfindet ihr Verhältnis als «wie eines unter Brüdern.»
2015 hat Jordan Spieth mit erst 22 Jahren den Gipfel erklommen. Der Golfer weiss, dass er dies ohne seinen «Sherpa» Michael Greller vielleicht nicht geschafft hätte.