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Sonntag, 17. April 2011
Titelbild einer Ausgabe von Ringiers Blatt für Alle (gegründet 1930, eingestellt 1974). Dargestellt ist ein unbekannter Instrumentenbauer in seiner Werkstatt. Jahrgang und Nr. der Ausgabe unbekannt.
Samstag, 16. April 2011
Foto: Georg-Anton Langengger, genannt Egg-Basch (links) mit Toni Stofer, Neuenkirch. (Quelle: Schweizer Familie, Jan. 1983)
Der Bergbauer auf der Egg (Haselbach, Muotathal SZ, *1.10.1904 +27.3.1990) spielte eine 3-chörige (!), achtbässige Eichhorn-Orgel in B-Es. Viele seiner teilweise archaisch anmutenden Tänze hat er von seinem Vater (Melchior Anton Langenegger *19.7.1872 +12.5.1938) übernommen.
Die Musik von Egg-Basch war eine der Inspirationsquellen von Rees Gwerder (Eigeler). Mehrere seiner Tänze beruhen auf musikalischen Motiven, wie sie Egg-Basch gespielt hat. Rees hat diese Musikelemente neu arrangiert oder um Teile ergänzt (z.B. 3. Teil Echo vom Geisshimmel). So ist beispielsweise der Hundener-Schottisch das Ergebnis einer Fusion von je einem 2- und einem 3-teiligen Tanz, wie sie von Egg-Basch gespielt wurden. Dieses Vorgehen war unter den Musikanten weit verbreitet. Es kommt auch sprachlich zum Ausdruck, wenn manche alten Musikanten von Musik "kombinieren" und nicht von "komponieren" sprechen.
Es wird erzählt: Um Ende der 30er-Jahre seine neue 8-bässige Schwyzerorgel abzuholen, fuhren der Egg-Baschä Jörätönäl und sein Vater Melk nach Schwyz zu den Eichhorn-Brüdern. Nachdem der Kauf getätigt war, fragte Jörätönäl seinen Vater, wann sie denn zurück ins Tal fahren würden. Der Vater war nun allerdings der Ansicht, dass für heute genug Geld ausgegeben war und entschied, dass sie die 15 km zu Fuss zurück gehen werden. Der Tag war flätt heiss und daher wurde in jedem Gasthaus unterwegs ein Halt eingelegt. Natürlich musste auch das neue Instrument vorgeführt werden. Wenn man nun weiss, wie viele Wirtschaften das Tal heute noch hat, und früher seien es noch einige mehr gewesen , kann man sich vorstellen, dass die beiden erst spät in der Nacht in vermutlich fragwürdigem Zustand auf der Egg angelangt sind und es ist davon auszugehen, dass die Kostenfolgen der zahlreichen Einkehren um einiges höher waren, als die einer Rückfahrt mit einem Fahrzeug. (Quelle MB)
Nachtrag zur Namensverwirrung: Für die älteren Talbewohner ist Egg-Basch eigentlich der hier geschilderte Melchior Anton Langenegger. Georg-Anton wurde dann "s Egg-Baschä Jörätönel" genannt. So hat auch Rees Gwerder in einem Interview die Namen verwendet. Diejenigen, die den alten Egg-Basch nicht mehr gekannt haben, verwenden jedoch im Allgemeinen den Übernamen Egg-Basch für Georg-Anton.
|Totehelgeli am Grab von Georg-Anton Langenegger, Muotathal.|
Link zu Musikbeispiel (mp3, Download):
Egg-Basch solo (MC-Aufnahme 28.4.1985)
Dieser Blog ist Teil eines Projektes, in dem die Geschichte der Schwyzer Handharmonika und ihrer Musikanten aufgearbeitet werden soll. Ziel des Projektes ist eine umfassende und systematische Dokumentation in Text, Bild und Ton mit u.a. folgenden Schwerpunkten:
- Bautechnische Entwicklung des Instrumentes
- Instrumentvarianten und ihr Einfluss auf Spieltechnik und Musikstil
- Datierung und Bestimmung der Urheberschaft historischer Instrumente
- Bedeutende Musikanten und ihre Instrumente