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PROST, AFFENTRANGER!
sitzt in seinem Stammlokal und sinniert über so wichtige Dinge wie den Ernst des Lebens oder ob er sich noch ein Bier bringen lassen soll. Er hat ein schlechtes Gewissen und entscheidet sich für den Ernst des Lebens, was in diesem Fall dasselbe bedeutet wie ein weiteres Bier.
«Grüezi, min Namme isch Affetranger, säged Si, sin Si für d Telefonie in Ihrem Betrieb zuschtändig?»
Er schaut sich in seinem Büro um und sieht - wenig überraschend - niemand, der für die Kommunikation zuständig sein könnte. Möglicherweise ist er selbst für die Kommunikation zuständig, schliesslich ist er Chef und Angestellter zugleich.
«Lieber Herr Affentranger» - in das «lieb» packt er soviel Süffisanz hinein wie möglich - «Lieber Herr Affentranger, ich bin eine Ein-Mann-Bude. Ein Klick auf meine Homepage hätte gereicht, und Sie hätten sich den Anruf sparen können. Meine monatlichen Festnetz-Telefoniegebühren bewegen sich im zweistelligen Rappenbereich. Was mein Handy betrifft, sind es kaum mal mehr als vier Franken im Monat. Was also fällt Ihnen ein, mir meine Zeit zu stehlen?»
Kaum hat er den Hörer auf die Gabel geknallt, geht ihm durch den Kopf: Affentranger kann nicht wissen, dass bereits ein Vertreter einer Leasinggesellschaft angerufen hat, der die Kosten seiner Autoflotte optimieren wollte. Dass ihn gestern eine energische Dame über die Rabatte bei Bestellungen von mehr als 100'000 Blatt Fotokopierpapier informiert hat, und dass ihm zu Beginn der Woche jemand Toilettenpapier palettweise liefern wollte.
Er denkt sich: Affentranger hat bestimmt nie davon geträumt, Telefonverkäufer zu werden. Vielleicht hat er nach 30 Jahren bei der gleichen Firma seine Stelle verloren und nun mit über 50 keine Chancen mehr auf dem Arbeitsmarkt. Seine Frau hat ihn verlassen und sein Sohn hält ihn für einen Versager. Nein, Affentranger mag diesen Job nicht, es kostet ihn jedes Mal viel Überwindung, einen Anruf zu machen. Nachts kann er nicht schlafen, weil er nicht weiss, wie er die Hypothekenzinsen für sein winziges Einfamilienhäuschen im Grünen begleichen soll.
Nein, denkt er, der Affentranger ist eine arme Sau und hat es nicht verdient, von ihm so abgeputzt zu werden. Das Bier kommt. «Zum Wohl», sagt die Kellnerin. «Danke», sagt er und «Proscht, Affetranger».