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Wenn man durch das Steinentor die Stadt betrat, erblickte man gleich zur Rechten das hübsche Haus, das nur durch den Rondenweg - heute Bollwerkgasse - von der Wehranlage getrennt war. Es blickte auf eine respektable Geschichte zurück. Urkundlich erwähnt wird das ursprüngliche Handwerkerhaus bereits zehn Jahre vor der Schlacht bei St. Jakob, als "des Hans Basler Hus by dem Herthor". Fünfzig Jahre später geht es von seiner Witwe an die Bruderschaft "Sant Johanns Capell uff Burg" über. 1526 kauft es wiederum ein Webermeister, Hans Ruch, Glied einer Familie, die lange Jahrzehnte hindurch den Torwart des Steinentors stellte. Nachdem 1569 Margretha Ludwig, die Witwe des Leinenwebers Heinrich Ruch, "Hus und Hofstatt samt einem Gärtchen" zum Preis von 115 Pfund dem Steinentorwächter Jacob Ruch verkauft hatte, bewohnten vornehmlich Ruchs das Haus. Noch im Jahr 1655 gehört es einem Ruch, Daniel mit Vornamen, seines Zeichens ebenfalls Torwart und Weber. Dieser verkauft es dem Weinschenken Jacob Früschmann. Auf diesen Besitzer folgen die "Weissbecken" Johannes Stromeyer (1668) und Johann Salathé (1686). Letzterer ersucht um die Baubewilligung für einen Schweinestall, den er an die Trennungsmauer gegen das Haus "Zum Träubel" nebenan anbauen will - vergeblich, denn der Nachbar Hans Jacob Lindenmeyer erhebt energisch Einspruch. Schliesslich hatte man damals auch schon empfindliche Nasen!
Von da an wechselt die Liegenschaft noch oft die Hand. Unter den Besitzern figurieren an erster Stelle die Bäckermeister (so ist 1686 Johann Salathé, 1749 Jacob Glässer und 1784 Karl Friedrich Fuchs erlaubt worden, "einen Bachofen zu machen"), dann ein "Weinmann" (im Garten zur Wallstrasse hoch gab es einige Reben), ein "Mehlknecht", ein "Pfrundzoller", ab 1764 der Weinschenk und "Lieutenant" Peter Fuchs, der mehrmals Hypotheken aufnehmen muss (die Zinse betrugen 2,5 bis 3%). Nach dessen Tod verkauft seine Frau Jacobea die Liegenschaft ihrem Sohn Karl Friedrich um die beachtliche Summe von 4000 Pfund mit der Auflage, die Mutter lebenslänglich "in gesunden und kranken Tagen bei sich zu behalten und zu verpflegen".
Zu diesem Zeitpunkt umfasst das Anwesen das eigentliche Haus, einen dahinter gelegenen, gegen die Elisabethenschanze offenen Hof, noch weiter bergwärts eine Stallung (nicht den erwähnten Schweinestall), gegen die Wallstrasse hinauf einen hübschen Garten und (1761) ein "dartzu gehöriges Mättlein an der Schantz". Früher scheint ausserdem noch ein Stück Rebland vor dem Tor dazu gehört zu haben.
Bauliche Veränderungen wurden immer wieder vorgenommen, vor allem im baufreudigen 18. Jahrhundert. Immerhin schimmerte durch die barocken Elemente (Dach und Fassadenteile) wie bei so vielen anderen Basler Gebäuden die spätgotische Struktur hindurch. Die Tür auf der Giebelseite mit der vorgelagerten Treppe liess 1736 der Bäckermeister Bernhard Sulger durchbrechen. Peter Fuchs schliesslich liess 1764 die Mauer zwischen Vorder- und Hinterhaus mit der auf unserem alten Bild sichtbaren Einfahrt ausführen. Das Hinterhaus wurde wohl im 17. Jahrhundert erbaut; jedenfalls ist es auf dem Merianschen Stadtplan von 1615 noch nicht zu sehen. 1794 wurde im Hof ein neues Waschhaus errichtet, nachdem schon 30 Jahre zuvor Peter Fuchs um eine "Bauchöfenbewilligung" nachgesucht hatte. 1828, als die Liegenschaft an Bäckermeister Rudolf Glaser überging, erwähnt die Kaufurkunde neben Hof, Garten, Bäckerei, Stallung und Remise mit Wohnung darauf auch einen Ziehbrunnen. Die Liegenschaft war damals mit einem Gesamtwert von Fr. 14'400,- im Brandlagerbuch verzeichnet.
Die ganze, zwar lückenhafte Baugeschichte mag als ein Beispiel für viele illustrieren, wie sehr die meisten Häuser unserer Stadt seit dem Mittelalter ständig verändert und erweitert wurden. Sie zeigt auch, dass früher ein Hauseigentümer keineswegs drauflos bauen konnte, wie er wollte, sondern dass es wie heutzutage eine staatliche Baubewilligung selbst für kleine Änderungen brauchte und erst noch mit der Einsprache von guten Nachbarn rechnen musste.
Im Jahr 1835 verkaufte Wiessbäckermeister Glaser Haus und Hof mit Hinterland, das sich bis zur Bollwerksgasse erstreckte, seinem Kollegen Emanuel Martin-Hug. Dieser Mann entstammte wie so viele andere Basler einem Hugenottengeschlecht und führte im "äusseren Träubel" ein Wirtshaus, in dem "Trunkenbolden seelenruhig ein Glas Wasser vorgesetzt wurde". In den 1890er Jahren ging die Liegenschaft dann über an Hans Abt und später an seinen gleichnamigen Sohn. Zur "Weinstube Abt" mit dem heimeligen "Dézaley" im ersten Stock gehörte, wie seit alters, eine Feinbäckerei, deren Bauernbrot und Zwiebelwähen stadtbekannt waren.
Nachdem 1966 die Nachbarschaftshäuser Nr. 39-43 von der PTT im Hinblick auf eine neue Telefonzentrale abgebrochen worden war, stand der "äussere Träubel" als letzter Mohikaner am Ausgang der Steinentorstrasse. Das Haus erinnerte als einziges an die Zeit, da in der "hinderen Steinen" Weiss- und Pastetenbäcker, Specierer und Metzger, Weinbauern und Güter-Fuhrhalter ihrem Tagewerk nachgingen, sich des Lebens freuten und manchmal auch stritten. Im Oktober 1971 wurde die gastfreundliche Begegnungsstätte bei der Elisabethenschanze mit über 500-jähriger Geschichte abgebrochen und durch einen von Architekt Arnold Gfeller ausgeführten Neubau ersetzt worden. Mit einem schlichten Abschiedsfestchen bei Kerzen- und Petrollampenlicht nahm die Familie Abt am Freitagabend Abschied von ihrem Haus. Es war verständlicherweise ein Abschied, der niemandem sonderlich leicht fiel.
Quellen:
- Meier 1995: 141
- Nationalzeitung vom 4. Oktober 1971
- Nationalzeitung vom 24. August 1966
- Basler Nachrichten vom 2. August 1953