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Die letzten 50 Jahre waren durch eine Politik der Steuersenkungen geprägt. Die Steuergeschenke für hohe Einkommen sollten die Wirtschaft ankurbeln und zum sogenannten „Trickle down“-Effekt führen. Dieser besagt, dass am Ende auch Personen mit tieferen Einkommen von den Steuersenkungen für Reiche profitieren würde. Eine Studie der beiden britischen Forscher David Hope und Julian Limberg kommt nun aber zu einem ganz anderen Schluss. Die Autoren der Studie zeigen, dass Steuersenkungen für Top-Einkommen keine statistisch signifikanten Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum oder die Arbeitslosigkeit haben. Im Gegenteil: Sie führen sowohl kurz- als auch mittelfristig zu einer noch grösseren Einkommensungleichheit.
Im 20. Jahrhundert durchliefen die Steuersysteme westlicher Demokratie gleich zwei grosse Veränderungen. Zuerst etablierte sich nach dem zweiten Weltkrieg ein stark progressives Steuersystem, bei dem Spitzensteuersätze auf hohe Einkommen über 60% lagen und gleichzeitig Wirtschaft und Wohlstand für alle anstiegen. Das änderte in den 80er Jahren, als neoliberale Wirtschaftsideologien unter Reagan und Thatcher ihren Siegeszug antraten. Unter dem Schlagwort des «Trickle Down» wurden die Spitzensteuersätze in vielen Ländern massiv gesenkt. Dieser Trend hatte auch Einfluss auf Vermögens- und Unternehmenssteuern, die im gleichen Zeitraum ebenfalls stark gesenkt wurden.
Steuersenkungen führen zu mehr Ungleichheit
Die Autoren Hope und Limberg haben in ihrer Studie «The economic consequences of major tax cuts for the rich» die Effekte dieses Wandels in der Steuerpolitik untersucht. Um die Folgen zu verstehen haben sie für den Zeitraum von 1965 und 2015 in 18 OECD Ländern inklusive der Schweiz die Effekte der grossen Steuersenkungen betrachtet und unter die Lupe genommen, wie sich diese auf die relevanten makroökonomische Indikatoren auswirkten.
Insgesamt zeigt ihre Analyse deutlich, dass Steuersenkungen für die höchsten Einkommen sowohl kurz- wie auch mittelfristig die Einkommensungleichheit erhöhen. Gleichzeitig haben sie keine Auswirkungen auf Wachstum oder Arbeitslosigkeit. Über alle Länder und grössere Steuersenkungen betrachtet zeigt das statistische Modell den erheblichen Anstieg der Ungleichheit und seine Zunahme über die Zeit. Nach drei Jahre steigt der Anteil der obersten 1% am Einkommen um 0.6 Prozentpunkte. Über einen Zeitraum von fünf Jahren steigt der Anteil des Top 1% bei den Einkommen um mehr als 0.7 Prozentpunkte. Dieser Effekt ist statistisch hoch signifikant.
Damit stehen die Ergebnisse der im Socio-Economic Review publizierten Studie im klaren Widerspruch zur heute noch von vielen bürgerlichen Politiker:innen vertretenen wirtschaftspolitischen Vorstellung, dass Steuersenkungen für Reiche die Wirtschaft ankurbeln.