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Kardiovaskuläre Risikofaktoren
Die Blutgefässe (Arterien) des Menschen sind einem Alterungsprozess unterworfen (Arteriosklerose). Dies gilt nicht nur für die Blutgefässe am Herzen, sondern auch für jene in den Beinen und die, die zum Gehirn führen (z.B. die Halsschlagader).
Die Arteriosklerose ist eine chronische Erkrankung, welche bereits ab dem 20.-25. Lebensjahr beginnen kann und langsam fortschreitet. Am Anfang kommt es zu Ablagerungen von Cholesterin in der Blutgefässwand, was zu einer Entzündungsreaktion führen kann. Im weiteren Verlauf kann es zu Gefässverengungen oder gar einem Gefässverschluss kommen – einem Herzinfarkt!
Bei Patienten, welche Verengungen an den Gefässen in den Beinen haben, finden sich auch häufig Verengungen an den Herz- und Hirn zuführenden Gefässen. Somit betrifft die Arteriosklerose häufig die Blutgefässe des gesamten Körpers und tritt nicht nur isoliert z.B. am Herzen auf.
Warum bekommen manche Menschen einen Herzinfarkt, andere nicht?
Der oben beschriebene Alterungsprozess wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, den sogenannten kardiovaskulären Risikofaktoren. Manche Risikofaktoren kann man durch Medikamente (z.B. Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes) oder eine Änderung des Lebensstils (z.B. Übergewicht und Bewegungsmangel, Rauchen) beeinflussen, andere (z.B. genetische Vorbelastung) hingegen nicht. Je mehr dieser Risikofaktoren vorhanden sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Arteriosklerose rascher voranschreitet und Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder die periphere arterielle Verschlusskrankheit (=“Schaufensterkrankheit“) verursacht.
Der Blutdruck wird in der Regel mit einer Blutdruckmanschette am linken oder rechten Oberarm gemessen (Abb 1). Es stehen sowohl computergesteuerte (empfohlen!) als auch rein manuelle Blutdruckmessgeräte zur Verfügung. Idealerweise beträgt der Blutdruck in Ruhe 120/80 mmHg. Der erste Wert („120“) wird auch systolischer Blutdruckwert genannt, welcher in jener Phase des Herzzyklus gemessen wird, in welcher das Herz maximal Blut aus der linken Herzkammer in die Hauptschlagader auspumpt. Der zweite Wert („80“) wird auch als diastolischer Blutdruckwert bezeichnet. Dieser Wert wird während der „Ruhephase“ des Herzens gemessen, also wenn kein Blut aus der linken Herzkammer ausgepumpt wird, weil sich das Herz erst wieder neu mit Blut füllen muss, bevor die nächste Auswurfphase beginnt.
Abbildung 1. Das automatische Blutdruckmessgerät in dieser Abbildung zeigt einen systolischen
(108mmHg) und diastolischen (66mmHg) Blutdruck an, sowie die Herzfrequenz (66/min).
Der Blutdruck wird durch unterschiedliche Faktoren stark beeinflusst: Bei körperlicher Betätigung oder emotionalem Stress steigt der Blutdruck deutlich an, im Schlaf sinkt er ab. Der Blutdruck kann auch alleine dadurch ansteigen, dass z.B. der Hausarzt den Blutdruck misst und der Patient dabei etwas nervös ist. Misst der gleiche Patient den Blutdruck zu Hause in ruhiger Umgebung selbst, kann der Blutdruck wieder normal sein. Dieses Phänomen nennt man auch „Weisskitteleffekt“. Deshalb sind Blutdruckmessungen durch den Patient häufig aussagekräftiger, als die, die der Arzt misst.
Die genaueste Methode, um den Blutdruck zu messen, stellt die 24-Stunden Blutdruckmessung bei Ihrem Hausarzt oder Herzspezialisten dar. Hierbei kann vor allem ermittelt werden, zu welcher Tageszeit der Blutdruck besonders hoch oder tief ist und die Medikamente können dementsprechend angepasst werden. Zudem kann auch ein Gesamtdurchschnitt des Blutdrucks über 24h ermittelt werden, welcher nicht über 130/80mmHg liegen sollte.
Es gibt eine Vielzahl an Medikamenten die den Blutdruck senken können, z.B. Calciumantagonisten, ACE-Hemmer, AT-II Blocker[u1] , Beta-Blocker oder Diuretika. Häufig müssen auch mehrere Medikamente miteinander kombiniert werden bis die optimale Blutdruckeinstellung erreicht ist. Dies dauert in der Regel mehrere Wochen oder sogar Monate. Fragen Sie zur genauen Beratung für Ihre Blutdruckeinstellung bitte Ihren Herzspezialisten.
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Erhöhte Blutfettwerte
Wie eingangs bereits beschrieben, sind erhöhte Blutfettwerte von grösster Bedeutung für das Voranschreiten der Arteriosklerose. Eines der wichtigsten Bestandteile der Blutfette ist das Cholesterin. Dieses kann sich in der Gefässwand ablagern und zu sogenannten „Plaques“ führen. Diese Plaques können entweder immer weiter wachsen und das Gefäss einengen, oder einreissen, sodass es an dieser Rissstelle zur Bildung eines Blutgerinnsels kommt, welches das Gefäss dann sofort verschliesst – dies führt zum Herzinfarkt.
Cholesterin wird nur zu 20-35% mit der Nahrung zugeführt! Der Rest wird durch die Leber selbst gebildet, da Cholesterin auch ein wichtiger Bestandteil jeder Körperzelle ist. Im Wesentlichen unterscheidet man ein „gutes“ Cholesterin (= HDL), welches das Cholesterin aus dem Körper zurück in die Leber transportiert, von einem „schlechten“ Cholesterin (= LDL), welches das Cholesterin aus der Leber in den Körper – und damit auch in die Gefässwände befördert.
Da der Cholesterinspiegel oftmals nur unzureichend mit einer Diät eingestellt werden kann, sind häufig Cholesterin-senkende Medikamente, allen voran sogenannte „Statine“ erforderlich. Seit Kurzem gibt es noch eine neue sehr wirksame Substanzklasse zur Cholesterin-Senkung – die sogenannten PCSK 9 Hemmer.
Die optimale Einstellung des Cholesterinspiegels ist von grösster Bedeutung, um ein Fortschreiten der Arteriosklerose zu verhindern.
Neben dem Cholesterin gibt es noch weitere Blutfette, wie zum Beispiel die Triglyceride oder das Lipoprotein a, welche das Herzinfarktrisiko ebenfalls erhöhen können. Zu all diesen Spezialfragen berät Sie Ihr Herzspezialist im Detail!
Diabetes (Zuckerkrankheit)
Der Blutzucker wird durch körpereigene Hormone (z.B. Insulin) in engen Grenzen gehalten. Wird dieses Gleichgewicht zum Beispiel durch einen Ausfall der Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse gestört, so kommt es zu einem Anstieg der Blutzuckerwerte.
Man unterscheidet den jugendlichen Diabetes Typ 1, der häufig bereits in jungen Jahren durch einen Produktionsausfall des Insulins verursacht wird vom „Altersdiabetes“ Typ 2. Beim letzteren wird zwar Insulin von der Bauchspeicheldrüse produziert, aber das Insulin wirkt an den Körperzellen nicht mehr richtig. Die Zellen nehmen den Blutzucker nur noch in geringem Ausmass auf. Man nennt dies auch „Insulinresistenz“.
Der Blutzucker kann entweder direkt im Blut gemessen werden, oder man kann auch einen „Langzeitblutzucker“-Wert, den sogenannten „HbA1c“ ermitteln, welcher die Blutzuckereinstellung über mehrere Wochen widerspiegelt.
Bei beiden Diabetes Formen können schwere Folgeerkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Netzhautschäden am Auge, offene Stellen an den Beinen…) auftreten, wenn der Blutzucker nicht medikamentös wieder auf Normalwerte abgesenkt wird.
Während beim Typ 1 Diabetiker vorwiegend Insulin zur Behandlung gebraucht wird, kommen beim Typ 2 Diabetiker viele unterschiedliche Medikamente zum Einsatz (z.B. Metformin, Sulfonylharnstoffe, SGLT-2 Hemmer und viele mehr).
Ihr Arzt berät Sie hierzu gerne im Detail.
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Übergewicht und Bewegungsmangel
Besonders beim Typ 2 Diabetes („Altersdiabetes“) gibt es einen direkten Zusammenhang mit Übergewicht. Schafft es ein Patient mit Typ 2 Diabetes ausreichend Gewicht zu verlieren, so können häufig die Medikamente zur Blutzuckereinstellung stark reduziert oder sogar ganz wieder gestoppt werden.
Einen besonders grossen und positiven Einfluss auf das Übergewicht hat eine regelmässige körperliche Betätigung, welche auch deutlich positive Effekte auf den Blutdruck aufweist. Bei einer entsprechenden Diät kann natürlich auch der Cholesterinspiegel absinken - wie oben beschrieben.
Besonders bei vorbestehenden Herzerkrankungen sollten Sie sich ein eigens auf Ihre Bedürfnisse abgestimmtes Trainings- und Ernährungsprogramm von Ihrem Arzt und/oder Ernährungsberater erstellen lassen.
Rauchen
Im Zigarettenrauch genauso wie bei anderem Tabakkonsum sind viele schädliche Inhaltsstoffe enthalten, welche nicht nur direkt die Lunge schädigen, sondern auch die Blutgefässe, u.a. auch an Ihrem Herzen.
So wird vor allem die innerste Gefässschicht (Endothelzellen) durch das Rauchen angegriffen und dadurch verwundbar.
Das Rauchen ist somit ein wesentlicher Risikofaktor sowohl für Schlaganfälle als auch Herzinfarkte. Durch grosse Studien konnte zum Beispiel belegt werden, dass das generelle Rauchverbot in öffentlichen Lokalen in Italien oder auch England das Herzinfarktrisiko deutlich reduzieren konnte.
Genetische Vorbelastung
Eine familiäre Vorbelastung spielt eine grosse Rolle bei der Entstehung von Herzinfarkten. Hatte beispielsweise der Vater eines Patienten im Alter von 55<Jahren oder die Mutter im Alter 65<Jahren bereits einen Herzinfarkt, so ist das Risiko selbst einen Herzinfarkt zu bekommen deutlich erhöht.
Es gibt auch eine vererbbare Neigung zu deutlich erhöhten Cholesterinspiegeln, welche so hoch sind, dass sie mit herkömmlichen Medikamenten kaum eingestellt werden können.
Gegen eine genetische Vorbelastung kann man zwar nicht wirklich eine Therapie beginnen, allerdings sollte man alle anderen Risikofaktoren, welche man beeinflussen kann, gut in den Griff bekommen, z.B. den Blutdruck optimal einstellen und das Rauchen aufzugeben.
Denn je mehr Risikofaktoren vorhanden sind, umso höher ist das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. Zudem ist es auch ratsam bei entsprechender genetischer Vorbelastung häufiger Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen.
Hierzu berät Sie Ihr Herzspezialist gerne!