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Strafen und Bußen im spätmittelalterlichen Südwesten des Reichs. Soziale Folgen für Delinquenten und ihr Lebensumfeld
Bisherige Untersuchungen zur Strafjustiz im Mittelalter fokussieren sich meist auf andere Aspekte als auf die Auswirkungen, die strafrechtliche Sanktionen für das soziale Umfeld hatten. Dieser Thematik möchte sich der Vortrag widmen.
Das soziale Ausmaß der Strafen wird in den Quellen nur selten erwähnt. Doch in manchen Fällen mussten Frau und Kinder des Delinquenten mit ihm die Stadt verlassen, in anderen führte der Stadtverweis zu einer Trennung der Familie. Neben sozialen Aspekten dürfte dies auch zu finanziellen Einbußen, bis hin zum vollkommenen Verlust der Existenzgrundlage geführt haben. Hohe Geldstrafen konnten ebenfalls die Existenz gefährden: Manche mussten all ihr Hab und Gut aufgrund einer Geldbuße verpfänden.
Die meisten finanziellen Strafen bewegten sich allerdings in einem für die Beschuldigten, sofern sie einheimisch waren, zahlbaren Rahmen. Von Auswärtigen wurde hingegen häufig die doppelte Buße gefordert, und ein Stadtverweis drohte ihnen schneller. Zugleich sind Einzelfälle überliefert, in denen die Strafen so hoch ausfielen, dass sie das Stellen von Bürgen und/oder Pfändern nötig machten.
Als Bürgen traten Freunde, Verwandte, adlige und geistliche Fürbitter auf. Diese baten um Strafmilderung oder Gnade für den Beschuldigten und erklärten sich bereit, im Zweifelsfall das geforderte Geld zu bezahlen oder sich gar, anstelle des Täters, in Beugehaft zu begeben. Auch intervenierten sie im Interesse unmündiger Kinder des Delinquenten, worauf der Rat sich häufig zur Strafmilderung bereit erklärte. Der Vortrag wird der Frage nach der Motivation der Bürgen sowie der nach dem Zusammenhang von sozialer Stellung des Schuldners und des Bürgen nachgehen. Schließlich entschieden die Ehrbarkeit und die soziale Einbindung des Beschuldigten sowie Anzahl und Status seiner Bürgen, darüber, wie das Strafmaß ausfiel.