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Die erste Kirche in Schöftland stammt aus der Zeit um 650. Bei Ausgrabungen im Jahr 1964 wurden Mauern einer kleinen Saalkirche mit eingezogenem, quadratischem Chor entdeckt. Kirche und Chor waren damals durch einen Triumphbogen getrennt, der etwa einen halben Meter weit ins Kirchenschiff hineinragte. Interessant sind auch die verschiedenen Gräber, die in den Mauern dieser Kirche entdeckt worden sind. Sie enthielten verschiedenste Grabbeigaben wie Waffen, Kleider oder Alltagsgegenstände, welche ins 7. Jahrhundert datiert werden konnten.
Eine erste Erweiterung erfuhr die Kirche um 800. Damals wurde der Chor der Kirche auf die Breite des Kirchenschiffs hin erweitert. Etwa im Jahr 1050 wagte man einen vollständigen Neubau, zu dem erstmals einen Turm südlich des Chors gehörte. Dieser Bau hielt aber nur etwa 100 Jahre lang, denn bereits im Jahr 1150 riss man die Kirche wieder ab und errichtete eine neue mit grösserem Umfang und halbrundem Chor. Eine Spezialität dieser Bauphase ist ein unterirdischer Gang, der vom Kirchenschiff unter der Südmauer hindurch in den heutigen Friedhof führt. Eventuell stand dort ein Vorgängerbau des heutigen Schlosses.
Erstmals urkundlich erwähnt wird die Kirche Schöftland im 13. Jahrhundert. Damals war die Kirchgemeinde flächenmässig grösser als heute. So gehörten vor dem Jahr 1000 Bottenwil, Hirschthal, Holziken, Kölliken, Moosleerau, Muhen, Reitnau, Rued, Staffelbach, Uerkheim und Wittwil dazu. Bis 1159 hatten sich Kölliken, Reitnau, Rued und Uerkheim abgespalten. Die Kirche Schöftland gehörte bis zur Reformation zum Bistum Konstanz und war unter dem Patrozinium des Apostels Petrus und dem Nebenpatrozinium des Apostels Paulus. Das geistliche Amt wurde jeweils an einen Kirchenherrn übertragen, der das Pfarramt jedoch selten selber ausübte, sondern einen «Leutpriester» als Stellvertreter einstellte. Den Kirchensatz (Herrschaftsrechte über die Kirche und Einsetzungsrecht für die Geistlichen) hatten im 12. und 13. Jahrhundert die Herren von Liebegg inne. Im 14. Jahrhundert starben diese jedoch in der männlichen Linie aus und der Kirchensatz ging durch einen Erbgang an die Herren von Luternau über. 1516 wurden der heutige spätgotische Chor und der heutige Turm gebaut. In diese Zeit fällt auch die Beschaffung von einigen Kabinettscheiben, von denen die beiden Standesscheiben aus Bern noch erhalten sind.
Mit der Reformation kamen diverse Veränderungen. Schöftland kam bereits früh in den Einflussbereich des neuen Glaubens, da der Schöftler Pfarrer Gingi (1526-1530) ein engagierter Werber für die Reformation war. Zudem stand Schöftland seit 1415 unter der Oberherrschaft Berns, das 1528 offiziell zur reformierten Konfession übertrat und diese allen seinen Untertanen vorschrieb. Der reformatorische Kern, die Orientierung am Wort Gottes in Jesus Christus, bezeugt durch die Bibel, schlug sich in Kirche, Kultur und Politik nieder. Geistliche wurde nun nicht mehr Priester (Orientierung am Kult), sondern Prädikanten (Prediger) genannt. Sie durften heiraten und sollten mit ihrer Familie zusammen ein Beispiel für das christliche Leben abgeben. Predigten fanden sonntags wie werktags statt. Der Sonntagsgottesdienst wurde zur Pflicht, denn alle Bürger sollten das Wort Gottes hören. Versäumnisse und Zuwiderhandlungen gegen die christlichen Sitten wurden vor dem Chorgericht – der Vorgängerinstitution der Kirchenpflege, bestehend aus dem Pfarrer und lokalen Autoritäten – verhandelt. Die angestrebte Orientierung an der Bibel hatte auch eine Bildungsrevolution zur Folge, denn um sich an der Bibel orientieren zu können, muss man lesen und schreiben können sowie letztlich auch die biblischen Inhalte kennen. So wurden Dorfschulen eingerichtet und der Konfirmandenunterricht etabliert.
Ende des 16. Jahrhunderts wurde nördlich der Kirche das Pfarrhaus neu gebaut. Der Bau wurde 1587 vollendet, dazu wurde wahrscheinlich das Fundament eines Burgturms verwendet.
Das 17. Jahrhundert war geprägt von der Konfessionalisierung. Der Dreissigjährige Krieg traf das Gebiet der Eidgenossenschaft zwar wenig, doch die Geschehnisse der Zeit waren auch in Schöftland bekannt. Politisch vollzog sich ein Herrschaftswechsel. In der 1670er Jahren gingen die obrigkeitlichen Rechte (inklusive Kirchensatz) von der Familie von Luternau zur Familie von May über. Diese Familie sollte im Jahr 1683 eine wichtige Rolle spielen. Ein Brand zerstörte das Kirchenschiff. Junker Bartholomä von May und seine Ehefrau Margaretha von May (geborene von Büren) und seine Mutter Margaretha von May (geborene von Mülinen) stifteten zusammen mit der Regierung in Bern den heute noch vorhandenen Kirchenbau im Barockstil. Dazu finanzierten sie die Kirchengeräte, Taufstein, Kanzel und Wappenscheiben. Es kamen noch Wappenscheiben des damaligen Pfarrers Herport sowie der Gemeinden Hirschthal, Holziken, Moosleerau und Muhen sowie des Kapitels Aarau hinzu. Der Kirchenbau fand unter der Beteiligung von Abraham Dünz statt.
Das frühe 18. Jahrhundert war geprägt von der Sorge um die protestantischen Flüchtlinge aus Frankreich und Italien. Immer wieder kamen Hugenotten und Waldenser in die Region und suchten Schutz vor Verfolgungen, welchen sie in Schöftland zumindest temporär fanden. 1731 wurde das Pfarrhaus neu gebaut. Daran erinnern die Wappen über der Tür (Familienwappen Karls von May seiner Ehefrau Elisabeth von Werdt und des Pfarrers Christoph Castenhofer).
Die Wirren der Französischen Revolution und die turbulenten Zustände in der Zeit der Helvetik gingen auch an Schöftland nicht spurlos vorbei. Bald besetzten die Franzosen das Dorf, bald führten lokale Autoritäten wie die Familie von May einen Aufstand gegen die neue Regierung in Aarau. Pfarrer Rytz (1795-1817) versuchte die Kirchgemeinde möglichst heil durch die Wirren der Zeit zu manövrieren und engagierte sich im Schul- und Armenwesen. Er konzipierte 1799 eine Volksschule für das Land und nannte sein Konzept «Bezirksschule». Die Aargauer Sekundarstufe war geboren. 1810 fanden Reparaturen an der Kirche statt und 1812 wurde erstmals eine Orgel beschafft, die bis 1912 in Betrieb war. Das Engagement der Kirche in Bildung und Sozialwesen blieb das ganze 19. Jahrhundert hindurch eine wichtige Aufgabe, war es doch politisch und wirtschaftlich von Umbrüchen wie der Industrialisierung und der nicht immer friedlichen Ausbildung des säkularen, demokratischen Staates geprägt. Die einst rein bäuerliche und reformierte Gesellschaft differenzierte sich in verschiedene Berufsgattungen und Gesinnungsgruppen aus. Aus der reformierten Staatskirche wurde in der Zeit von 1866 bis 1927 eine öffentlich-rechtliche Institution, bei der die Zugehörigkeit nicht mehr erzwungen werden konnte. Die Kirchen mussten ihr Vermögen zunehmend selber verwalten und wurden sukzessive vom Staat abgelöst.
Auch das Kirchengebäude veränderte sich in dieser Zeit. 1887 wurde die erste Heizung in die Kirche eingebaut. 1904-1908 wurden Kirche und Turm renoviert. Dabei wurde der Turmhelm um etwa 2,5 Meter erhöht und erhielt seine heutige Form. Im Jahr 1912 folgte die Beschaffung einer neuen Orgel und im Jahr darauf die Renovation des Pfarrhauses.
Mit dem Ersten Weltkrieg kamen weitere soziale Herausforderungen dazu. Teuerung und Aktivdienst sowie die Spanische Grippe belasteten die Kirchgemeinde sehr. Hier tat sich v.a. Pfr. Robert Epprecht (1912-1918) hervor, der als Feldprediger und Verfasser des Schweizer Soldatenbüchleins sowie einiger religiöser Anleitungen wirkte. Bauliche Massnahmen erfolgten erst nach dem Krieg wieder. So folgten 1921 Innenrenovationen mit dem Einbau einer Elektroheizung sowie einer elektrischen Läutemaschine. Das Geläut war aber so sehr in die Jahre gekommen, dass es 1932 ganz ersetzt werden musste. Sowohl der Dachstock als auch die Läutemaschine und die Glocken wurden ausgewechselt. Dazu wurden fünf neue Glocken aus der Giesserei Rüetschi in Aarau gekauft, die noch heute ihren Dienst verrichten.
Das Kirchenareal erfuhr 1936 eine grosse Erweiterung mit dem Bau des Kirchgemeindehauses, das vorerst nur aus dem Westflügel bestand. Zudem wurde das Pfarrhaus total saniert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sagte sich Muhen von Schöftland los, baute eine eigene Kirche und wurde 1948 zu einer selbständigen Kirchgemeinde. Trotzdem war die Kirchgemeinde Schöftland sehr umfangreich geworden. Sie hatte bereits seit 1924 zwei Pfarrstellen. Für die zweite Pfarrperson musste nun eine Unterkunft besorgt werden, sodass in der Zeit von 1947-1952 das zweite Pfarrhaus am Weingartenacker entstand. 1954 erfuhr die Kirche noch einmal eine Bereicherung. Otto Fehlmann-Knoblauch schenkte der Kirchgemeinde die Glasmalerei «Noli me tangere» des Aargauer Kunstmalers Felix Hoffmann. Sie ist bis heute im Chor der Kirche zu betrachten.
Das heutige Aussehen der Kirche ist wesentlich durch die Renovation von 1964 geprägt. Darin enthalten waren einerseits archäologische Untersuchungen, welche die Grundmauern der Vorgängerkirchen und die oben erwähnten Grabstätten zum Vorschein brachten, andererseits die Wiederherstellung des Aussehens von 1683. Dabei wurden die bestehenden Masswerke und Wände restauriert, die Sitzbänke ersetzt, und die Kanzel, der Taufstein sowie die Epitaphen einer Restauration unterzogen. Zusätzlich wurden eine neue Orgel und ein neuer Abendmahlstisch beschafft.
In den 70er-Jahren kamen Umbauten im Kirchgemeindehaus sowie der Einbau einer Lautsprecheranlage in der Kirche zustande. 1987 fand noch einmal eine grosse Kirchenrestauration statt.
Der letzte grosse bauliche Eingriff war die Erweiterung des Kirchgemeindehauses in den Jahren 1999 und 2000. Dabei entstand der heutige Nordflügel.
Im Jahr 2014 erfolgte eine Deckenrestauration. Es ging darum, die Farbabblätterung an der Decke zu verhindern. 2015 ist eine Erweiterung des Stuhlmagazins, des Raumes zwischen dem Kirchgemeindesaal und dem Pfarrhaus, geplant.