Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03413.jsonl.gz/740

Aussätzigenbild aus der Siechenkapelle in Zug
Auf der Bild ist die Geschichte von Christus und dem dankbaren Samariter (Lk 17, 11–19). Jesus begegnet auf seiner Reise nach Jerusalem (auf dem Bild wird Jesus von den Aposteln begleitet) zehn aussätzigen Männern, welche um Heilung bitten (Bildvordergrund). Die Heilung wird ihnen zuteil, doch nur einer von den Aussätzigen, ein Samariter, kehrt zu Jesus zurück und wirft sich vor ihm nieder und dankt Jesus für die heilung (im Hintergrund, in der Bildmitte). In der unteren linken Bildecke sind auf dem aufgemalten Pergament eine stark gekürzte Fassung des Bibeltextes sowie die Datierung zu lesen: «Christus mit einem wort allein / Macht zehen Aussetzigen reyn / Doch kompt nur einer widerumb / Der ihm gedancket hat darumb / 1675.». Die im Bildvordergrund auf der linken Seite nahenden Aussätzigen sind mit einem grauen Mantel und einer haar- und ohrenbedeckenden Kappe bekleidet. Der Aussätzige im Bildvordergrund ganz rechts hat zudem eine Ratsche in der rechten Hand (dient als Warnsignal für die Gesunden, um sich von der Siechengruppe fernzuhalten). Unterhalb des rechten Fusses von Christus befindet sich in gold-gelber Farbe die Künstlersignatur «TBB».
Das Aussätzigenbild stammt aus der 1883 abgebrochenen Siechenkapelle St. Nikolaus («Siechenchappeli») in Zug. Es handelte sich dabei um eine nicht betretbare Wegkapelle gegenüber dem städtischen Siechenhaus, welches sich wegen der Ansteckungsgefahr ausserhalb der Stadt Zug an der Landstrasse nach Cham befand (Chamerstrasse 33). Das Siechenhaus wurde um 1812 abgerissen und an gleicher Stelle wurde zwischen 1812 und 1814 das Armen- und Bürgerasyl errichtet. Weitere Informationen zur Geschichte der Siechenkapelle findet man im Buch «Eggenberger Peter, Glauser Thomas, Hofmann Toni: Mittelalterliche Kirchen und die Entstehung der Pfarreien im Kanton Zug, Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Direktion des Innern, Zug 2008, Seite 257».
Die Darstellung der Aussätzigen haben eine grosse Ähnlichkeit zu den vom niederländischen Maler Peter/Pieter Brueghel der Ältere (um 1525/1530–1569) dargestellten Bettlern und Bauern, den so genannten «Bauernbrueghel/Bauernbruegel». Es kann daher angenommen werden, dass der Zuger Maler Thomas Brandenberg (13.06.1620–07.05.1688) Kenntnis über die brueghelschen Werke hatte und sich von diesen auch inspirieren liess.
Der Maler Thomas Brandenberg war der Vater des bedeutenden Zuger Barockmalers Johannes Brandenberg (20.05.1661–26.09.1729). Thomas Brandenberg absolvierte eine Schneiderlehre bei seinem Vater. Danach soll er auf der Wanderschaft den Entschluss gefasst haben, Maler zu werden und in Deutschland bei einem Maler in die Lehre gegangen sein. Er bliebt stets ein Lokalmeister. Vermutlich war er dem Alkoholkonsum nicht abgeneigt, so wurde er in einer Quelle «der vertrunkene Mann» genannt.