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Immer wieder gibt es Gerüchte, das Corona-Virus sei absichtlich in einem Labor entwickelt worden, um als Biowaffe eingesetzt zu werden. Wahlweise von einer der Grossmächte, von einem Oligarchen oder einem Milliardär mit kommerziellen Interessen.
Wissenschaftler aus Grossbritannien, den USA und Australien haben sich dieser Behauptungen angenommen und bewiesen, dass der Erreger von COVID-19 nicht im Labor konstruiert wurde.
Das Forscherteam am Scripps Institute in La Jolla, Kalifornien, schaute sich dazu das Genom des Virus genau an und verglich es mit dem Erbgut anderer Viren aus der Corona-Familie. Die meisten Varianten kommen bei Menschen nicht vor oder lösen nur harmlose Krankheiten aus.
Forscher verglichen den viralen Werkzeugkasten
Am nächsten kommen der neuen Variante SARS-CoV-2, das die Krankheit COVID-19 auslöst, SARS-CoV, der Erreger der Lungenkrankheit SARS, und MERS-CoV (Erreger von MERS) sowie eine knappe Handvoll Viren, die nur erkältungsähnliche Krankheiten auslösen. Ein Schurke würde aus dieser Auswahl eine bereits möglichst tödliche Variante auswählen, um sie weiterzuentwickeln.
Der Immunologe Kristian G. Andersen und seine Kollegen Andrew Rambaut, Ian Lipkin, Edward Holmes und Robert Garry konzentrierten sich bei ihren Untersuchungen auf die Gen-Abschnitte, auf denen die für Corona-Viren charakteristischen «Spikes» codiert sind.
Diese «Viren-Stacheln» docken an der Wirtszelle an und brechen sie anschliessend auf, um das Erbgut des Virus einzubringen. Dazu nutzt das Virus zwei verschiedene Proteine. Wie gut der «Einbruch» klappt, ist ein Gradmesser dafür, wie schnell sich ein Virus vermehrt.
Sowohl das «Grabber-Protein» wie auch das Spaltprotein sind bei Sars-CoV-2 jedoch an mehreren Stellen anders aufgebaut als bei den Verwandten. Dass das neue Virus aus den bekannten Corona-Viren entstanden ist, sei es durch Evolution oder gezielte Manipulation, ist quasi ausgeschlossen. «Unsere Analyse zeigt klar auf, dass SARS-CoV-2 kein Laborkonstrukt oder ein absichtlich manipuliertes Virus ist», schliessen Andersen und Kollegen.
SARS-CoV-2 ist zu unperfekt, um künstlich zu sein
Viel wahrscheinlicher ist es, dass sich das Virus aus einem Vorgänger entwickelt hat, wie er in Fledermäusen und dem Schuppentier Pangolin nachgewiesen wurde. Diese potentiellen Vorgänger sind dem aktuellen Virus viel ähnlicher, zeigen die Forscher auf. Der Vergleich ist unter anderem auf dem Fakten-Checker-Portal «Mimikama» ausführlich erklärt.
Dazu ist die Bauart der Bindestelle bei Sars-CoV-2 nicht optimal auf den Menschen eingestellt. Der SARS-Erreger ist viel besser darin, an menschliche Zellen anzudocken. Auch das sei «ein starkes Indiz dafür, dass SARS-CoV-2 nicht das Produkt von absichtlicher Manipulation ist». Der Erreger von COVID-19 sei das Resultat natürlicher Selektion, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Medicine». Jemand, der eine biologische Waffe herstellen will, hätte die effizientere Variante bevorzugt.
Es ist wahrscheinlich, dass SARS-CoV und SARS-CoV-2 einen gemeinsamen Ahnen haben, der lediglich Tiere befällt. Ob der erste Infizierte sich direkt bei einem Tier angesteckt hat oder ob sich ein vorher ungefährliches Virus erst im menschlichen Körper angepasst hat, wissen die Forscher noch nicht. Die Klärung dieser Frage ist wichtig in Hinsicht auf zukünftige Risiken. Sollte es einen unbekannten Vorläufer geben, der nur Tiere befällt, könnten daraus weitere gefährliche Viren entstehen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine