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Heute sei Kaiserwetter angesagt, sagte mein Vater heute früh. Kaiserwetter? Ein Wort, das wir in der republikanischen Schweiz nicht kennen. Mein Vater aber kennt es wahrscheinlich von meiner Mutter, die grösstenteils in Österreich und Deutschland aufwuchs.
Ich konnte mir zwar vorstellen, was Kaiserwetter ist, wusste aber nicht warum sonniges Wetter bei tiefblauem, wolkenlosem Himmel mitunter als Kaiserwetter bezeichnet wird. Auf die Sprünge half mir wieder einmal Wikipedia: Die Redensart gehe auf die Kaiserzeit zurück. Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941) sei bekannt dafür gewesen, dass er sich (fast) nur bei Sonnenschein an öffentlichen Anlässen zeigte. Der erste deutsche Medienstar war sich wohl bewusst, dass die begrenzten technischen Möglichkeiten der damaligen Foto- und Filmkameras es nur bei Sonnenschein und klarem Wetter erlaubten, gute Aufnahmen von ihm zu machen. Kaiserwetter herrscht also dann, wenn Kaiser Wilhelm in gutem Licht erscheint.
Am Morgen um 8 Uhr war jedoch noch kein Kaiserwetter, vielmehr war aus unserer Dachwohnung ein Mini-Nebelmeer zu beobachten, das man wohl besser als Nebelsee bezeichnen sollte und sich schon eine Stunde später aufgelöst hatte: