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Paris, um 1680-1715, Stil Louis XIV
H: 67 cm x B: 41 cm x T: 14 cm
Uhrmacher: Ducoroy à Paris (Maître à Paris 19. Mai 1698)
Reich verziertes Gehäuse mit vielen Bronzebeschlägen und feiner Boulle-Marketerie, Pariser Werk, ½-Stundenschlag auf Glocke
Diese prunkvolle Religieuse besticht durch ihre reiche Verzierung und eine sehr schöne Bronze, die der Pendule ihren Namen «le lever du jour» verlieh. Unter dem Zifferblatt sieht man den Sonnenwagen mit dem Gott Apollo. Vor dem Wagen steigt eine Frauengestalt gen Himmel, gefolgt von einem Putti mit einer brennenden Fackel. Unter den Hufen der Pferde sind Wolken auszumachen. Diese Bronze zeigt, wie der Tag beginnt. Denn die Frau, die vorne emporsteigt, ist Aurora höchstpersönlich – die personifizierte Morgenröte. Durch diese Deutung wissen wir auch, dass hier Apollo als Sonnengott zu lesen ist.
Apollo oder Helios?
Als sich die Mythologie der Griechen änderte und die Titanen von den Olympiern verdrängt wurden, wurde Apollo zum neuen Sonnengott. Unter Zeus hatte Apollo aber viele Aufgaben und er wurde auch nicht mehr als reine Verkörperung der Sonne selbst gesehen. Diese blieb auf immer bei Helios. Apollo übernahm allerdings die Ikonographie des Helios und zog somit auch mit dem Sonnenwagen über den Himmel. Er wurde zum Gott des Lichtes, aber auch der Heilung, des Frühlings, der Kunst und der Prophezeiung. Berühmt war sein Orakel in Delphi.
Apollo ist durch sein jugendliches Äussere auffallend: goldenes lockiges Haar, jung und schön soll er sein. Als Attribute sind oft Pfeil, Bogen und Köcher zu sehen. Aber auch die Khitara oder eine Leier. In seinen Haaren trägt er manchmal eine Krone oder ein Lorbeerkranz.
Bei unserer Religieuse ist bei Apollo keinerlei Attribut erkennbar, ausser sein jugendliches und schönes Aussehen. Es könnte sich daher Strenggenommen auch um eine Darstellung des Helios handeln. Allerdings würde diese Unklarheit in der Interpretation keinen Unterschied machen. Schön zu sehen ist die Quadriga mit Eos / Aurora und dem Cherub / Putti mit der brennenden Fackel.
Vor allem in der Barockzeit stellt Apollo in Begleitung von Aurora, den Musen und den Horen, ein beliebtes allegorisches Programm dar. In mannigfaltiger Ausführung in der Deckenmalerei zu finden. Die Deckenfreskos zeigen Apollo oft als Symbol des ewigen Lichts in der aufsteigenden Quadriga. Hatte die Renaissance den Himmel auf Erden geholt, so geschieht im Barock das Gegenteil: Das Irdische erfährt seine Erhöhung durch die Entrückung in den Himmel.