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Cat Stevens - Tell 'Em I'm Gone
Neuanfang in der Rückwendung zum Alten
Musik ist stärker als Religion! Das wäre vielleicht eine Schlussfolgerung, die man aus der neuen Veröffentlichung von Yusuf Islam ziehen kann. Yusuf Islam (oder auch nur Yusuf), der in den 1970er Jahren unter dem Namen Cat Stevens Welterfolge feierte, sich dann aber nach einer Konvertierung zum Islam Jahrzehnte vor der Öffentlichkeit verborgen hielt, bringt seine Musikerkarriere wieder in Schwung. Doch im Gegensatz zur vorletzten Veröffentlichung mit dem Titel Another Cup ist das jüngste Album überraschenderweise weniger vom milden Liedermacher-Stil der Cat Stevens-Jahre geprägt, als dass es sich mit Blues- und Folk-Titeln wie Big Boss Man oder You Are My Sunshine befasst. Auch die Eigenkompositionen von Yusuf Islam haben einen etwas eckigeren Charakter als frühere Aufnahmen, wobei über allem noch immer die engelsgleiche und doch so eindringliche Stimme des Engländers schwebt. Dies ist bei Weitem kein Blues-Album, aber es ist die Musik mit dem stärksten Roots- oder Blues-Charakter, die Cat Stevens oder Yusuf Islam jemals gesungen hat.
Zunächst als kurze Vormerkung zum Namenswechsel: Der 1948 in London geborene Mann heisst mit bürgerlichem Namen Steven Demetre Georgiou. Das heisst, sowohl Cat Stevens wie auch Yusuf Islam sind Künstlernamen. Und eine weitere Vormerkung zur Religion: Als Cat Stevens 1977 zum Islam übertrat, gab es die Iranische Revolution noch nicht, die Sowjetunion war noch nicht in Afghanistan einmarschiert und hatte dadurch die Mudhschaheddin erschaffen. Mit anderen Worten, Yusuf Islam hatte den Eindruck, mit dem Islam etwas völlig Neues zu entdecken, und er war von der Friedensbotschaft der Religion entzückt. Dass er als prominentester Konvertit Grossbritanniens in den 30 Jahren nach 1977 in die Rolle gedrängt wurde, jede religiöse Absurdität zu verteidigen, zu der sich islamische Fanatiker irgendwo auf der Welt befähigt oder sogar beauftragt wähnten, konnte er nicht voraus ahnen.
Nun liegt also ein Album vor, das Tell ‘em I’m Gone heisst, eine deutliche Abkehr seiner Rolle als prominenter Moslem. Das Album macht den Eindruck, als sei es eine Abkehr in beide Richtungen: Sowohl gegenüber dem Islam, dessen Poster-boy Yusuf nicht mehr sein möchte als auch gegenüber der islamkritischen westlichen Öffentlichkeit, deren hysterisches Keifen er ebenso wenig ertragen oder rechtfertigen möchte sagt der Albumtitel: «Ich bin dann mal weg!» Die Konzentration auf die Musik, und damit aufs Wesentliche, zeigt, dass seine Religion seine Privatsache ist, seine Musik aber von öffentlichem Interesse. Und so sollte es schliesslich sein.
Befreit, nun nicht mehr den Weltfrieden in drei Akkorden zu besingen, entwickelt Yusuf Kräfte und einen Schwung, den frühere Alben vermissen lassen. Cat Stevens, der ein Liebling pubertierender Mädchen war und mit seiner sanften Stimme und seinen sanften Augen unzählige erste Knutschereien in Teenager begleitet haben dürfte (und vielleicht noch immer begleitet), wird auf dem neuen Album zum Folk-Sänger, der sich auf das konzentriert, was er selbst singen möchte.
Dies ist mitnichten nur neues Material wie die Klassiker Big Boss Man oder You Are My Sunshine sondern auch obskurere Cover wie Edgar Winters Dying to Live, ein sehr starker Titel mit schöne sophistischen Wortdrehungen oder The Devil Came From Kansas, das einst der Band Procul Harum (das ist die mit Whiter Shade of Pale) einen Hit bescherte, als Yusuf noch Cat Stevens hiess. Neben dem anderen Material ist es insbesondere auch die Instrumentierung, die einen Neuanfang verheisst: Mit wechselnden Besetzungen begleitet Yusuf hier seine Lieder, und seine einst omnipräsente akustische Gitarre kriegt eine Pause. Das klingt frisch und neu und gepaart mit der noch immer samtweichen Stimme bietet diese Musik einen sehr interessanten neuen Hörgenuss.
Von den zehn Titeln sind sechs Eigenkompositionen, die sehr stimmig ins Gesamtkonzept passen. Obschon mit wechselnden Besetzungen aufgenommen klingt alles wie aus einem Guss und das Album ist für Fans des alten Cat Stevens attraktiv aber auch für Liebhaber schöner Stimmen und intensiven Gesangs.
Cat Stevens Tell 'Em I'm Gone (2014)
Yusuf Islam Gesang, Gitarren
Peter Adams Wurlitzer, Piano, Hammond B3
Adam MacDougall Piano
Neville Malcolm Bass
Jason Lader Bass
Trevor Barry Bass
Frank Tonto Schlagzeug
Chris Dave Schlagzeug
Ian Thomas Schlagzeug
Matt Sweeney elektrische Gitarre
Eric Appapoulay elektrische Gitarre
Lenny Castro Perkussion
Tinariwen Klatsch-Perkussion
Nick Ingrams Streicher Arrangements
Bonnie «Prince» Billy Backing Vocals
Abdallah Ag Alhouseyni Backing Vocals
South African Vocal Choir
|1.||I Was Raised in Babylon||3:53||Yusuf Islam|
|2.||Big Boss Man||3:11||Luther Dixon/Al Smith|
|3.||Dying to Live||3:47||Edgar Winter|
|4.||You Are My Sunshine||3:13||Jimmie Davis, Charles Mitchell|
|5.||Editing Floor Blues||3:43||Yusuf Islam|
|6.||Cat & the Dog Trap||3:23||Yusuf Islam|
|7.||Gold Digger||4:34||Yusuf Islam|
|8.||The Devil Came from Kansas||3:42||Gary Brooker, Keith Reid|
|9.||Tell 'Em I'm Gone||3:12||Yusuf Islam|
|10.||Doors||3:22||Yusuf Islam|