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«Dritte Spur»
Alfons Barth und Hans Zaugg haben die Schule Auen in Frauenfeld gebaut. Jetzt gewinnen Anna Jessen und Ingemar Vollenweider den Wettbewerb für die Erweiterung. Sie beantworten unsere drei Fragen.
Alfons Barth und Hans Zaugg haben 1969 und 1992 die Schule Auen in Frauenfeld gebaut. Nun gewinnt das Büro jessenvollenweider architektur den Wettbewerb für die Erweiterung und Sanierung der Oberstufe. Anna Jessen und Ingemar Vollenweider beantworten unsere drei Fragen.
Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Anna Jessen und Ingemar Vollenweider: Mit dem Begriff der Erfindung tun wir uns schwer, besonders bei einer Aufgabenstellung des Weiterbauens. Vielleicht geht es eher um das Finden einer neuen Lesart für das Vorhandene. Den Zwischenraum der bestehenden Gebäude als Achse für drei niedrige Neubauten zu interpretieren, die Jury spricht von einer «dritten Spur», ist sicher der wesentliche konzeptionelle Gedanke des Projekts. Mit unserer Fotomontage «1969 revisited» legen wir nahe, dass der substantielle Eingriff paradoxerweise eine Situation schafft, die auch von Anfang an schon so hätte gedacht sein können.
Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Der innere Kontext des Ensembles erfährt eine räumliche Verdichtung, durch die Setzung und die architektonische Ausbildung der drei Neubauten bleibt aber die ursprüngliche Komposition der Anlage weiterhin erlebbar. Die beiden peripheren Gebäuden der «dritten Spur», der Pavillon für die Aula mit dem Zugang in die erweiterte Turnhalle im Westen und das Veloparking im Osten, sind jeweils Auftakt für die Schulanlage und leiten über nach aussen in die angrenzenden Strassenräume des Quartiers. Die charakteristische Ansicht des gestaffelten Ensembles von Norden, aus der Ferne der Sportfelder der «Kleinen Allmend», wird durch die eingeschobene Reihe von niedrigen Bauten horizontal erweitert und sanft dramatisiert.
Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Dialektisches oder dialogisches Verhältnis von Alt zu Neu? Oder die Frage, wie nähert man sich einem Ensemble der «Solothurner Schule», über deren Architekten Ulrike Jehle-Schulte Strathaus einst geschrieben hat, dass sie sich einig waren, dass das Bauen im historischen Kontext ein Problem des 19. Jahrhunderts gewesen sei und für sie keine spezielle Aufgabe darstelle. Funktional anspruchsvoll war die neu anzulegende Erschliessung der Dreifachturnhalle, die auch für externe Veranstaltungen dienen soll. Die Ausformulierung der neuen Pavillons, die sich als Dacharchitekturen von den kubisch gefassten Volumen des Bestands absetzen, ist eine architektonisch konstruktive Herausforderung.
Schulanlage Auen, Frauenfeld
Projektwettbewerb im selektiven Verfahren mit 12 Teilnehmern für die Sekundarschulgemeinde Frauenfeld
Fachpreisgericht: Markus Friedli, Rolf Mühlethaler, Franz Romero, Jürg Spreyermann (Ersatz)
1. Rang
jessenvollenweider architektur, Basel; Mitarbeit: Lukas Back, Steffen Böhm, Sascha Gsell, Anna Leischner, Christina Leibundgut, Veronika Neurohr; Bauingenieur: ZPF Ingenieure, Basel; Landschaft: August + Margrith Künzel Landschaftsarchitekten, Binningen
2. Rang
Armin Benz Martin Engeler Architekten, St. Gallen
3. Rang
Graser Architekten, Zürich
Weitere Teilnehmer
Bünzli & Courvoisier Architekten, Zürich
Meletta Strebel Architekten, Zürich
Burkard Meyer Architekten, Baden
Weber Hofer Partner Architekten, Zürich
Waeber/Dickenmann Partner, Lachen
Stutz Bolt Partner, Winterthur
Suter + Partner Architekten, Bern
Felber Keller Lehmann Architekten, Zürich
Andy Senn, St. Gallen
Ausstellung noch bis Freitag, 11. Juli 2014 (10–16 Uhr), in der Schulanlage Reutenen, Marktstrasse 14, Frauenfeld