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... lässt einem das Gesicht einschlafen!
«Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann», sagt ein deutsches Sprichwort.
Online-Kommentarspalten beweisen: Man tritt, egal was man schreibt, von Facebook-Posts über Berichterstattung bis zu Meinungsausdruck, immer jemandem auf die Füsse. Immer. Da werden Verstösse gegen die political Correctness gefunden, die nicht einmal ein Trüffelschwein auf Speed ausfindig machen könnte. Das passiert zugegeben auch mir selber immer wieder.
Und so drehen sich traurigerweise die Kommentare oft um die Struktur, die Kommasetzung und Details des Texts anstatt um dessen tatsächliches Thema.
Also fragte ich mich heute Morgen: Wie müsste denn ein Text ausschauen, der keinen Anlass zu Spitzfindigkeiten bietet?
Hier ein Versuch:
Es war einmal ein Mensch (geschlechtsneutral), der/die hatte einen Hund/eine Hündin. Der Mensch wollte damit aber nicht sagen, dass Hunde oder Hündinnen in irgendeiner Form besser sind als Katzen bzw. Kater oder alle anderen Tiere, er/sie hatte einfach einen Hund/eine Hündin. Kein Tierrassismus.
Der Mensch wohnte in einem Reihenhaus, fand aber auch Wohnungen total okay. Die Stadt, in welcher der Mensch lebte, war mittelgross (dort wohnte er/sie der Arbeit wegen, er/sie fand auch das Land und kleine und ganz grosse Städte cool), sein/ihr Einkommen war durchschnittlich und er/sie war weder links noch rechts.
Der Mensch hatte eine/n PartnerIn, fand aber Singles deswegen nicht uninteressant, seien sie hetero, homo oder beides. Sie führten eine komplett gleichberechtigte Beziehung und hatten deshalb, damit keine Verwirrung entstand, beide immer identische Hosen an.
Der Hund/die Hündin hatte keinen Namen – den sollte er/sie sich selber aussuchen, wenn schon. Kinder hatte das Paar (noch) keine, sie hatten aber vollstes Verständnis, sowohl für die brüllenden Nachbarskinder, die nun einmal halt Kinder waren, als auch für den/die verzweifelte/n kinderlose/n NachbarIn, der/die ganze Nächte nicht schlafen konnte.
Passieren tat eigentlich immer ein bisschen etwas, nicht viel und nicht wenig und manchmal freute sich der Mensch und manchmal war er/sie traurig. Seine/ihre Lieblingsfarbe war «hautfarben», damit meinte er/sie jedoch jeglichen Hautton, von hell bis ganz dunkel, weil er/sie alle Menschen irgendwie schön fand und keine/n bevorzugte.
Jedes Jahr ging der Mensch einmal in die Ferien (selbstverständlich im Bewusstsein, dass das nicht alle können), dann, wenn alle anderen auch gingen, und er/sie nutzte nie persönliche Connections, um gute Angebote zu bekommen, weil das unfair gewesen wäre. Er/sie achtete darauf, dass er/sie immer in ein neues Land fuhr, damit er/sie keins bevorzugte und er/sie nutzte dafür den Flug- und Schienenverkehr gleich oft wie das Auto. Das Trinkgeld passte er/sie der jeweiligen Wirtschaftslage im Land an.
Und so lebte der Mensch mit seinem/ihrer PartnerIn und seinem Hund/ihrer Hündin dahin, weitestgehend meinungslos, höflich distanziert und stets mittelfröhlich.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute (P.S. Es ist aber auch okay, wenn sie bereits gestorben sind und heute nicht mehr leben).
Ich bin überzeugt, auch in diesem Text wird sich etwas finden lassen – und sei es denn, dass sich nichts finden lässt. Es zeigt sich jedoch sehr klar: Komplett auf Neutralität ausgerichtete Texte sind so boring as hell («Immer diese Anglizismen»), dass einem beim Lesen das Gesicht einschläft – und glaubt mir, beim Schreiben auch.
Ein Hoch also auf Texte, die nerven und aufregen! Solange man sich denn über den Inhalt nervt und aufregt und nicht darüber, ob das Katzen-Hunde-Verhältnis ausgeglichen ist oder ob die eine Schweizer Stadt öfter erwähnt wurde als die andere.
Um den Inhalt soll's gehen! Oder eben die Inhalterin. Ihr wisst schon.
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