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Er ist der erfolgreichste Schweizer Motorradpilot und seit dem 1. Januar neuer ACS-Botschafter. Auf diese Saison hin hat Tom Lüthi den Aufstieg in die Königsklasse geschafft. Das erste Rennen der MotoGP geht am 18. März in Katar über den Asphalt.
Ein WM-Siegerpokal in der 125-ccm-Klasse im Jahr 2005 sowie zwei Vize-Weltmeistertitel in den letzten beiden Jahren sind die Höhepunkte in der Karriere des Emmentalers Thomas «Tom» Lüthi. Bei seinem Triumph in der Achtelliter-Kategorie avancierte Lüthi mit 19 Jahren zum sechstjüngsten Motorrad-Weltmeister aller Zeiten. Nach langem Warten und total 16 Grand-Prix-Siegen, davon elf in der Moto2-Klasse, erhält der 31-Jährige nun endlich seine Chance in der MotoGP. «Ich denke, mit meinen konstant guten Leistungen in den letzten beiden Jahren habe ich mir diesen Aufstieg verdient,» meint Lüthi. Der bodenständige Emmentaler pilotiert neu eine 260 PS starke Honda. «Das ist eine ganz andere Welt. Da gibt es ganz viel Neues zu erfahren und zu lernen für mich.» Tatsächlich ist sein neues Arbeitsgerät fast doppelt so stark wie sein bisheriges. Lüthi wird Teamkollege seines letztjährigen Konkurrenten und Moto2-Weltmeisters Franco Morbidelli. Mit 23 Jahren ist der Italiener deutlich jünger und unerfahrener als der Schweizer Sportler des Jahres 2005.
Die beiden bilden das Pilotenduo des Estrella Galicia 0,0 Marc VDS Teams, das vom belgischen Bier-Milliardär Marc van der Straten finanziert wird. Honda stellt dem Team den Weltmeister-Töff 2017 zur Verfügung. «Die Maschine ist technisch exakt auf dem Stand, wie sie die Werkspiloten Marc Marquez (der Weltmeister, Red.) und Dani Pedrosa im letzten Rennen der Saison 2017 gefahren haben,» weiss der Emmentaler. Für Lüthi ist es auch eine Rückkehr. Bei seinem Einstieg in die Motorrad-WM vor 13 Jahren pilotierte er ebenfalls eine Honda.
Obschon Tom Lüthi aufgrund seines Fussbruchs im Qualifying zum zweitletzten WM-Lauf von Malaysia am letzten Oktober-Wochenende gut drei Monate pausieren musste und so die ersten Testtage verpasste, nimmt er das Abenteuer MotoGP mit viel Zuversicht in Angriff: «Ich setzte mich nicht unter Druck, sondern taste mich Schritt um Schritt heran. Geduld ist angesagt. Ich muss noch viel lernen!» Gerade beim Fahrstil sei ein Umdenken angesagt. Im Gegensatz zur Moto2-Kategorie verfügen die Töffs in der Königsklasse über elektronische Assistenzsysteme. Dazu ist die Beschleunigung brachial. Den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 schaffen die bärenstarken Töffs in knapp zwei Sekunden. Diese Kraft gilt es zu bändigen und möglichst optimal auf den Asphalt zu bringen. Die Traktionskontrolle hilft dabei.
Die ersten MotoGP-Tests auf der Formel-1-Strecke von Malaysia in Sepang verliefen für Tom Lüthi zufriedenstellen. Täglich konnte sich der Emmentaler steigern und den Rückstand auf die Spitze verringern. Verlor Lüthi am Starttag noch über vier Sekunden, waren es am dritten Tag nur noch gut 2,3 Sekunden auf die Tagesbestzeit von Jorge Lorenzo auf Ducati. Dabei konnte ihn auch ein erstes Sturzerlebnis nicht verunsichern. In Kurve vier verlor Lüthi sein Vorderrad und knallte auf den Asphalt. «Alles halb so wild,» winkt Lüthi ab. So konnte er sein Testprogramm schnell wieder aufnehmen und weitere, wichtige Erfahrungen sammeln. Priorität arbeitete der neue ACS-Botschafter in Sepang an den Reifen, um besser zu verstehen, wie er die Honda gegen Ende eines Rennens fahren muss, wenn die Reifen zu rutschen beginnen. Teamchef Michael Bartholemy zog jedenfalls ein positives Fazit: «Tom hat aus unserer Sicht einen sehr guten Job gemacht. Schon jetzt können wir viele Dinge sehen, die er gut macht.» Bereits am 16. Februar absolvierte der 31-jährige Schweizer die nächste Testphase auf dem Chang International Circuit in Thailand. Und am 1. März standen schliesslich die finalen Tests auf dem Losail International Circuit in Katar auf dem Programm, wo am 18. März auch der erste WM-Lauf ausgetragen wird.
Im Vergleich zum Vorjahr, als für Tom Lüthi nur Siege und Podestplätze zählten, wird er als Neuling in der MotoGP-Klasse deutlich kleinere Brötchen backen müssen. Experten meinen, dass es mindestens die Erfahrung aus zwei bis drei Saisons braucht, ehe ein Fahrer in der Königsklasse um Siege mitfahren kann. «Deshalb ist es für mich schwierig, schon vor dem Saisonstart über Ziele zu sprechen,» relativiert Lüthi. Tatsächlich kann er noch nicht abschätzen, wo er im Vergleich mit der Konkurrenz steht. Und meint weiter: «Für mich ist es zuerst einmal wichtig, mindestens gleich schnell wie mein Teamkollege zu sein. Schliesslich fährt er auf dem gleichen Material und hat gleich viel, oder besser gesagt, gleich wenig Erfahrung auf diesem Niveau.».
Die Partnerschaft mit dem ACS macht für Tom Lüthi durchaus Sinn: «Wir bewegen uns in der gleichen Branche und der ACS ist ein starker Club!» Er benütze auch oft das Auto. Pro Jahr legt Lüthi mindestens 30’000 Kilometer zurück. «Zu den Rennen in der Nähe, zum Beispiel nach Le Mans oder nach Mugello, fahre ich meist alleine mit dem Auto. Dabei geniesse ich die Zeit und entspanne mich beim Musikhören.» Welchen Musikstil er bevorzuge, wollten wir wissen: «Eigentlich höre ich alles gerne – querbeet. Bevorzugt aber Rock.» Und welches ist seine Lieblingsgruppe? «Linkin Park mag ich besonders,» lässt sich der Emmentaler entlocken.
Bilder: Mario Gaccioli
Autor: Markus Rutishauser