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Der Name „Freudigen“ bezeichnet einen Weiler in der Gemeinde Oberburg BE, auf dem Ueli Egli wohnt. Er möchte gerne wissen, was genau der Name bedeutet. Auf den ersten Blick scheint der Name mit „Freude“ in Verbindung zu stehen. Handelt es sich dabei um eine Flur die grosse Freude bereitet oder ist diese Bezeichnung auf das sonnige Gemüt der Hofbesitzer zurück zu führen? Schauen wir mal nach, wie alt dieser Name eigentlich ist.
1389 erstmals verzeichnet
Im Berner Namenbuch finden wir den Namen im Jahr 1389 als „von Freidingen“ verzeichnet. Im Jahr 1529 wurde der Name in der Form „Fröidingen“ festgehalten. Erst im 18. Jahrhundert erscheint die heutige Schreibweise „Freudigen“. Der frühe Beleg „von Freidingen“ zeigt, dass es sich bei diesem Namen um einen sogenannten -ingen-Namen handelt.
Die Endung -ingen verweist auf eine Zugehörigkeit. Die Familienangehörigen und Gefolgsleute eines bestimmten Herrn, eines Anführers, wurden mit der -ingen-Endung als Mitglieder dieser bestimmten Menschengruppe bezeichnet. Solche Namen sind in der Schweiz zahlreich, etwa im Kanton Solothurn in den Gemeindenamen Egerkingen und Härkingen oder die in der Nähe von Burgdorf liegende Ortschaften Ittigen und Münchringen.
Völkerwanderung
Solche Namen mit der Endung –ingen erscheinen in Regionen, die durch die Völkerwanderung germanischer Stämme im 6. und 7. Jahrhundert besiedelt wurden. Andere Ortsnamen in der Schweiz enden beispielsweise auf -wil. Zum Beispiel Busswil, Mötschwil oder Heimiswil, die alle in der Nähe von Burgdorf liegen. Solche Namen sind im Zuge einer erweiterten Besiedlung entstanden, aber erst in einem Zeitraum zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert. Gemeindenamen mit der Endung -wil sind also jünger, als diejenigen Namen mit einer -ingen-Endung. So weit so gut. Was hat es aber mit dem ersten Teil des Wortes bei den -ingen-Namen auf sich?
Der erste Wortteil geht jeweils auf einen althochdeutschen Personennamen zurück. Egerkingen geht auf den althochdeutschen Personennamen „Egirich“ und Härkingen auf den Namen „Haricho“ zurück. Der Name Egerkingen bedeutet also „bei den Angehörigen des Egirich“ und Härkingen entsprechend „bei den Angehörigen des Haricho“. Die -ingen-Namen bezeichnen also primär eine Menschengruppe und verweisen sekundär auf eine Siedlung. Gleiches gilt für die Ortsnamen Ittigen, das „bei den Angehörigen des Ito“ und Münchringen, das „bei den Angehörigen des Mundarich“ bedeutet.
Auch ein Grund zur Freude
Nun aber zurück zum Namen Freudigen: Natürlich trifft dies auch auf dieses Beispiel zu. Hier handelt es sich um den althochdeutschen Personennamen „Fraido“, der der heutigen Schreibung „Freude“ zugrunde liegt. Auf diesem Weiler haben also die Angehörigen der Sippe eines Mannes namens „Fraido“ gesiedelt. Es handelt sich in diesem Fall um einen sehr alten Namen, der auf die Sippe Fraidos hinweist und in der heutigen Namensform „Freudige“ noch auf die damalige Siedlung hinweist. Auch ein Grund zur Freude würde ich meinen.
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin am aktuellen Band "Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu". Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.
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