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Die echte Seide stammt vom Maulbeerseidenspinner,
einem unscheinbaren Schmetterling. Seine Heimat ist China, wo schon in der Mitte des 3. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung Seidenraupenzucht betrieben wurde. Das Geheimnis der Seidengewinnung gelangte aber erst vor etwa 1500 Jahren nach Europa. Kein Wunder also, dass sich um die edle Faser der Seide eine Reihe von Legenden gebildet haben, so u. a. die folgende:
Es war einmal ein Kaiser, der ungefähr 2600 Jahre v Chr. den Thron eines grossen Reiches bestieg. Huang Di war sein Name, «Gelber Kaiser». Nach der Überlieferung wurde er zum Begründer der chinesischen Kultur. Er war weise und soll das Rad, die Töpferei, das Boot wie auch andere nützliche Sachen erfunden haben.
Seine Gattin Lei Zu soll nicht weniger klug gewesen sein. Ihr verdanken wir die Entdeckung der Seide.
Eines Morgens, als sie im kaiserlichen Garten in der Ebene des Gelben Flusses spazierte, wurde sie von einer Schlange angegriffen. Sie flüchtete auf einen Maulbeerbaum, was ihr Leben rettete. Wie sie so auf einem Ast sass und auf das Weggehen der Schlange wartete, erregten kleine Eier, die an den Blättern klebten, ihre Aufmerksamkeit. In den folgenden Tagen beobachtete sie, wie aus den Eiern kleine Raupen schlüpften, wie sich diese von den Blättern ernährten, dicker wurden, von Zeit zu Zeit ihre Haut abstreiften und schliesslich damit begannen, um sich einen feinen Faden zu spinnen, bis sie völlig eingewickelt waren. Da kam die Kaiserin auf den genialen Gedanken, den Faden vom Kokon (so der Name für die Gespinsthülle um die Larve des Seidenspinners) abzuhaspeln und daraus Seidenfäden herzustellen, oder, wie es sich für eine Kaiserin gebührt, herstellen zu lassen. Der Herstellung wunderschöner Seidenstoffe stand nichts mehr im Wege.
Seide begann im wirtschaftlichen wie im sozialen Leben Chinas eine wichtige Stellung einzunehmen, und die Nachfrage nahm dauernd zu. Doch über Jahrhunderte hüteten die Chinesen das Geheimnis der Seidengewinnung. Eier der Seidenraupe ausser Landes zu bringen, war streng verboten.
Seidengarne und -stoffe gelangten bereits im Altertum über die grossen Seidenstrassen nach Europa.

Schwerfällige Karawanen transportierten die kostbare Fracht über Tausende von Kilometern durch Steppen, Wüsten, Sümpfe und Gebirge, dauernd bedroht von räuberischen Überfällen. Eine der «Strassen» führte an das Schwarze Meer und weiter über Byzanz (heute Istanbul) nach Rom, eine zweite durch Baktra und Mesopotamien nach den reichen Städten Syriens, die dritte zum Persischen Golf. Seide war Symbol und Namensgeber dieser Handelsstrassen, auf denen auch Gewürze, Tee, Papier, Glas, Weintrauben, Weihrauch u.a.m. transportiert wurde. Teile dieser historischen Karawanenwege sind heute wieder freigegraben.
Da Seidenstoffe besonders bei den Römern sehr beliebt waren, blieben Versuche nicht aus, dem Geheimnis der Seide auf die Spur zu kommen. Aber erst etwa 600 n. Chr. brachten Araber die Seidenraupeneier nach Spanien und Sizilien/Süditalien. Etwa zur gleichen Zeit soll die Seidenraupenzucht auch durch byzantinische Mönche bekannt geworden sein.
Der 4. Kreuzzug (1202-04), an dem die Venezianer wesentlich beteiligt waren, endete mit der Eroberung Konstantinopels (Byzanz). In der Folge dieses Sieges gelangten Seidenraupeneier in die mächtigen Stadtrepubliken Norditaliens. Sie bildeten die Grundlage für die Blüte der Seidenfabrikation in Venedig, Florenz und Lucca im 16.und 17 Jahrhundert.
Durch Einwanderer aus Genua und Lucca gelangte die hohe Kunst der Seidenweberei nach Lyon. In der Folge wurde Frankreich zum wichtigsten Produktionsland für Seidenstoffe.
In Deutschland begann die Haltung des Maulbeerseidenspinners erst im 18. Jahrhundert, also über 4000 Jahre nach dem Anfang der «Geschichte der Seide» in China.
Es werden zwei Seidenarten unterschieden:
- Gezüchtete Seide vom Maulbeerseidenspinner
- Wilde Seide von wild lebenden Seidenspinnern (z. B. Eichenseidenspinner ->Tussahseide)
Auszug aus Buch fadenflip Kantonaler Lehrmittelverlag Luzern
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