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Rund 5000 Hirsche müssen in Graubünden jedes Jahr geschossen werden – eine stattliche Zahl und die höchste in der ganzen Schweiz! Während des ersten Teils der Jagd, der traditionellen Hochjagd im September, wurden letztes Jahr rund zwei Drittel der notwendigen Tiere geschossen, bei der Sonderjagd im November und Dezember das restliche Drittel.
Geht es nach den Initianten der Sonderjagd-Initiative, könnte die Nachjagd abgeschafft werden. Sie sind überzeugt: Es sei möglich, während einer verlängerten, anders organisierten Hochjagd, die nötige Zahl der Hirsche zu schiessen. Dem widersprechen die Gegner vehement – die Hirsche seien im Oktober gar nicht da.
Was stimmt? Das «Regionaljournal Graubünden» von Radio SRF hat den Faktencheck gemacht.
1. Die Studie «Rothirsch im Rätikon»
Wenn es um die Frage der Hirschwanderungen geht, beziehen sich Befürworter und Gegner auf die gleiche Studie aus dem Jahr 2015, kommen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Die Studie «Rothirsch im Rätikon», Link öffnet in einem neuen Fenster hat die Hirschwanderungen im Dreiländereck Vorarlberg, Liechtenstein und Prättigau untersucht. Von den rund 2500 Hirschen in der Region wurden knapp 70 mit einem GPS-Sender versehen. Die qualitative Studie zeigt über mehrere Jahre anhand von Einzelfällen, wie die Wanderungen laufen, gibt jedoch keine quantitative Auskunft.
2. Die meisten Hirsche sind im Oktober zurück
Die grafische Auswertung (S. 47) gibt den Initianten recht. Sie zeigt, dass die allermeisten der mit einem Sender ausgestatteten Hirsche im Oktober ins Prättigau zurückwandern. Es gibt auch solche, die den Kanton nie verlassen. Die Behauptung, dass im Rätikon die Hirsche erst ab November zurückkehren, ist nicht zutreffend. Für die Initianten ist das der Beweis, dass es mit einer längeren Jagd im Oktober möglich wäre, die Wanderhirsche zu schiessen und so die Population auf den Winter hin zu verkleinern.
3. Zwar da, aber schwer jagdbar
Die gleiche Studie liefert auch Argumente für die Behauptung, dass es im November und Dezember eine Sonderjagd brauche, weil sich sonst nicht genügend Tiere schiessen lassen. Wenn im Oktober gejagt werde, würden die Tiere fliehen. Solange kein Schnee liege – so das Argument – könnten die Hirsche in höhere Lagen oder ins Ausland flüchten. Das sei bei der Sonderjagd später im Jahr anders. Wenn Schnee liegt, seien die Tiere tiefer im Tal und könnten geschossen werden.
4. Das Fazit des Faktenchecks
Laut der Studie «Rothirsch im Rätikon» (2015) sind die allermeisten Hirsche im Oktober zurück. Laut Beobachtungen gibt es auch Wanderungen später im Jahr. Hinzukommen weitere Faktoren, die eine Rolle spielen, ob man die Tiere schiessen kann.
Es lässt sich nicht pauschal sagen «so wandern die Hirsche» und «so muss die Jagd sein». Die Hirschwanderung und die Jagd beeinflussen sich gegenseitig – je nach Jagd passen die Hirsche ihr Wanderungsverhalten an. Eine Rolle spielt dabei auch die Jagd im benachbarten Ausland.
Wenn die Jagd anders organisiert wird, ist dies ein Experiment, dessen Auswirkungen im Vorfeld so gut wie möglich abgeschätzt werden müssen. Es braucht also eine Diskussion über die Möglichkeiten für die Bündner Jagd im 21. Jahrhundert. Dann ist eine politische Abwägung möglich bezüglich Sonderjagd Ja oder Nein.
SRF1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr