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Die Kaplanei wurde im Jahr 1776 erstellt und bis 1952 als Pfarrhaus genutzt. Seither steht sie grösstenteils leer und verfällt zusehends.
Projektstatus
beschreibung & geschichte
Die Kaplanei wurde im Jahr 1776 anstelle eines Vorgängerbaus erstellt. Aus den benachbarten Gemeinden Mühlebach und aus Niederernen wurden damals Steine und Platten mit 224 Schlittenladungen herantransportiert. Ausser Speis und Trank erhielten die Träger nur Gotteslohn, hiess es. Der erste Bewohner des Hauses war Bartholomäus Jost (1773 – 1818). 1824 und 1825 wurden die schmucke Stube und die Kammer bemalt, 1938 fand die letzte Instandstellung statt. Bis 1952 wurde die Kaplanei als solche genutzt und bis 1952 diente auch als Wohnhaus des alt Pfarrers und Ehrendomherren A. Biderbost, der dort im hohen Alter von 93 Jahren verstarb.
Heute befindet sich im Erdgeschoss ein Jugendlokal, das erste Obergeschoss wird als Musikproberaum vermietet und der Garten von einem Nachbarn gepachtet. Trotz der Nutzung befindet sich das Haus in einem sehr schlechten baulichen Zustand und sollte möglichst bald instand gestellt werden. Schon im Jahr 2000 schrieb Anton Carlen, Pfarrer in Ernen: „Jetzt ist das ehrwürdige Kaplaneihaus unbewohnt und schaut träumend, mit Alterserscheinungen und ungepflegt auf den Friedhof, den Künder der Vergänglichkeit“.
Ein neues Kapitel der Kaplanei soll geschrieben werden, nachdem die Stiftung Ferien im Baudenkmal das Gebäude Ende 2018 im Baurecht übernehmen konnte.
Durch den langen Leerstand hat die Kaplanei gelitten. Es gibt keinerlei moderne Sanitär-, Küchen- und Heizungsinstallationen. Die Eigentümerschaft hat in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege die Außenfassade samt Fenster und das Dach sorgfältig restauriert.
Geplant ist, sich bei den umfangreichen Sanierungsarbeiten (Instandstellung Innenräume) auf die Erhaltung der bestehenden Substanz zu konzentrieren. Einzig die Einbauten für Küche und Bad sollen zurückhaltend in einer zeitgenössischen Formensprache ausgeführt werden. Nach der Renovation wird in der Kaplanei eine Ferienwohnung zu mieten sein.
baukulturelle besonderheiten
Das wohlproportionierte Vorschutz-Haus besticht insbesondere durch den Wechsel von Holz und Stein an seinen Traufseiten und durch die reizvollen, mit rotem Tuffstein gerahmten Türen und Fenster, die Reichtum und Würde ausstrahlen. Der hintere Hausteil mit Küche, wurde charakteristisch für den Bautyp aus Stein erstellt. Im Innern mag vor allem die eigene Hauskapelle erstaunen.
Beim Betreten des Empfangszimmers, der Pfründstube, fällt das sauber bearbeitete, stark geschweifte Täfer mit den tief gebuchten Fasen auf, von denen es heute nicht mehr viele gibt. Der würfelförmige Ofen zeigt den Heiligen Georg auf dem Ross, den Patron der Kirche und der Pfarrei, sowie die Heilige Katharina mit dem Rad.
Auf den Dielbäumen im ersten und im zweiten Stock, findet man fromme Inschriften auf Lateinisch, mit denen man den Bewohnern wohl praktische Lebensanweisungen geben wollte. Ein Raum im oberen Stock hat eine gewölbte Gipsdecke mit einem Gemälde in der Mitte. Gemalte tulpenförmige Passifloreien an den Konsolen und die rundbogenartigen Portale zum Keller geben dem Haus seinen herrschaftlichen Charakter.
Zeitplan & finanzierung
Termine
2018
Dezember – Überschreibung des Baurechts
2019
Sommer – Sofortmassnahmen zur Erhaltung des Baudenkmals sowie Bestandsaufnahme und -dokumentation
2020
Studienauftrag
Planung und Eingabe
2021
Beginn Renovation
Beginn Vermietung
Finanzierung
Eine erste grobe Kostenschätzung geht von rund CHF 600’000 für die Renovation der Kaplanei aus. Die Finanzierung des Betriebs der Ferienwohnung wird über die Mieteinnahmen erfolgen, welche die Kosten für Unterhalt, Reparaturen, Administration, usw. decken.
Dank dem Modell Ferien im Baudenkmal können die historischen Häuser langfristig erhalten bleiben. Für die Restaurierung der Baudenkmäler sind wir auf Spenden und Beiträge angewiesen. Helfen Sie mit, die Baukultur des Wallis erlebbar zu machen.
lage
Lage
Ernen liegt auf 1196 m ü. M. im Walliser Bezirk Goms, auf der linken Seite des oberen Rhonetals. Mit seinen knapp 400 Einwohnern ist das Dorf Teil des regionalen Naturparks Binntal.
Geschichte
Erstmals urkundlich erwähnt wird Ernen 1214 als Aragnon. Der Ursprung des Namens könnte auf das Land oder den Besitz des Aranius zurückzuführen sein. Durch seine wirtschaftlich gute Lage zwischen den Pässen Albrun, Gries, Furka und Grimsel war Ernen über Jahrhunderte hinweg Warenumschlagplatz.
Diese Position verlor die Region durch den Bau der Furkastrasse Ende des 19. Jahrhunderts sowie der Furkabahn Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Sommer 1974 begann der ungarische Pianist György Sebök Meisterkurse und Kammermusik in Ernen anzubieten, wodurch das Dorf seine heutige Bekanntheit als Musikdorf erlangte.
dank
Wir danken allen, die uns dabei helfen, Baukultur für die kommenden Generationen zu erhalten und die Geschichten historischer Häuser erlebbar zu machen. Jeder noch so kleine Baustein hilft, ein Bauwerk zu erhalten: