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Die Zahl der in Städten lebenden Indios schrumpft, während gleichzeitig die Bevölkerungszahl in den indigenen Territorien wächst. Das geht aus einer Studie des brasilianischen Statistikamtes IBGE hervor, die Teil des “Atlas Digital do Brasil 2016“ ist. Sie zeigt ebenso die kulturelle Vielfalt der Ureinwohner Brasiliens auf.
Die Daten beruhen auf den Mikrozensus aus dem Jahr 2010. Danach zählen die Ureinwohner Brasiliens knapp 900.000 Erwachsene und Kinder. Von ihnen leben 57,8 Prozent in Indio-Territorien, 33,3 Prozent in städtischen Siedlungen und 8,9 Prozent auf dem Land oder in Gebieten, die von der Indio-Behörde Funai noch nicht anerkannt sind.
Allerdings gilt das nicht für alle Regionen Brasiliens. So sind im Norden etwa 73,5 Prozent der Indigenen auf ausgewiesene Territorien verteilt, während es im Süden des Landes wesentlich weniger sind. In dem im Norden gelegenen Bundesstaat Roraima etwa leben 83,2 Prozent in demarkierten Gebieten. Im Bundesstaat Rio de Janeiro sind es hingegen gerade einmal 2,8 Prozent.
Bei den Städten führt das im Nordwesten der Amazonasregion gelegene Munizip São Gabriel da Cachoeira das Ranking an. Sie ist Heimat von 29.000 Indigenen. São Gabriel da Cachoeira war die erste Stadt Brasiliens, in der neben der offiziellen Landessprache, dem Portugiesisch, ebenso drei indigene Sprachen offiziell anerkannt wurden, tukano, baniwa und nheengatu. Damit ist es ein viersprachiges Munizip.
Die Megametropole São Paulo steht an vierter Stelle. In ihrem Stadtgebiet wurden 13.000 Ureinwohner Brasiliens gezählt.
Die Studie zum Atlas Digital gibt aber auch Auskunft über soziale Hintergründe und darüber, wie die Umgebung die Kultur beeinflusst. So sprechen wesentlich weniger der in den Städten lebenden Indios (9,7 Prozent) die Sprache ihrer Vorfahren, als es die Bewohner der Territorien tun (57,3 Prozent).
Ähnlich sieht es bei der Geburtenrate aus. Sie liegt bei den städtischen Indios bei 1,6 Kindern pro Frau und damit sogar noch unter dem brasilianischen Durchschnitt von 1,9. Während auf hundert indigene Frauen der urbanen Zentren damit nur 20 Kinder von bis zu vier Jahren kommen, sind es in den demarkierten Gebieten hingegen 54.
Deutlich wird ebenso das Migrationsverhalten. Immer mehr Indios verlassen urbane Siedlungen und ziehen in die ausgewiesenen Territorien zurück. Bei der restlichen Bevölkerung Brasiliens ist der Trend hingegen genau gegenläufig, findet nach wie vor eine Landflucht hin zu den Städten statt.
Zwischen 2000 und 2010 wurde zudem eine Abnhame der indigenen Bevölkerungszahl im Süden und Südosten Brasiliens registriert. Die meisten brasilianischen Ureinwohner leben indes im Norden des Landes (37,4 Prozent), in der Amazonas-Region.
Auf den Nordosten kommen 25,5 Prozent, den zentralen Westen 16 Prozent und dem Südosten zwölf Prozent. Schlußlicht ist der brasilianische Süden, auf den lediglich 9,2 Prozent der Indigenen entfallen.
Auch über die Zahl der Bevölkerungsstärke der verschiedenen Ethnien und wie diese sich verteilen gibt der Atlas Digital Auskunft. Eins der stärksten Völker ist das der Xavantes, die in allen Bundesstaaten der Region des zentralen Westens vertreten sind. Das Volk der Guarani Kaiowá ist hingegen auf den Süden verteilt und teilweise ebenso auf den Südosten und den zentralen Westen.
Die knapp 900.000 in Brasilien lebenden Indios gehören 305 verschiedenen Ethnien an. So vielfältig wie ihre Kulturen sind auch ihre Sprachen. Laut IBGE werden noch 274 indigene Sprachen gesprochen. Damit ist Brasiliens eins der Länder mit der größten soziokulturellen Vielfalt der Welt.
Der “Atlas Nacional Digital do Brasil 2016“ stellt über das Internet auf interaktive Weise die verschiedensten Informationen zur Verfügung. Abgerufen werden können die Daten ebenso mit Hilfe einer App. Durch sie kann auf 780 verschiedene thematische Karten zugegriffen werden.