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Die Geschichte der Schrift
Die Geschichte der Schrift umfasst viele unterschiedliche Schriften, die in verschiedenen Regionen der Welt erfunden wurden. Einige Schriften haben sich über Jahrtausende verändert und zu den in der Gegenwart verwendeten Schriften weiterentwickelt.
Die in Henan gefundenen chinesischen Zeichen, die auf ungefähr 6600 v. Chr. datiert und als Jiahu-Schrift gedeutet werden, werden von einigen Forschern als die älteste Schrift überhaupt angesehen. Dies ist jedoch recht umstritten, da diese Zeichen isoliert, d. h. angeblich ohne hochkulturellen Kontext existieren.
Ähnliches gilt für die Vinča-Schrift in Südosteuropa. Es handelt sich dabei um beschriftete Objekte aus Kulturstätten früher Siedlungen wie einerseits Skulpturen und Kulturgegenstände, die mit geometrischen Mustern verziert wurden. Eine eigene Gruppe von Gegenständen sind solche mit Sequenzen eingeritzter Zeichen, die als Inschriften erkennbar sind und nicht mit Ornamenten verwechselt werden können. Das würde bedeuten, dass die Verwendung der Schrift zeitlich betrachtet auf ca. 5500 v. Chr. datiert werden kann. Die Tontafeln von Tărtăria (Rumänien) können beispielsweise auf ca. 5300 v. Chr. datiert werden[1].
Dazu im vermeintlichen Gegensatz könnte die Annahme stehen, dass im Bereich des Fruchtbaren Halbmondes die ersten Schriftsysteme der Welt in einem Stadtstaat (ab dem 4. Jahrtausend v. Chr.) zu finden sind. Man nimmt heute an, dass die erste Schrift im alten Mesopotamien mit der Buchführung ihren Anfang nahm.
Der Ursprung des phönizischen Alphabets ist bis heute ungeklärt. Eine Hypothese führt diese Neuerung innerhalb der Schriften auf eine schrittweise umgewandelte Keilschrift zurück. Eine andere These besagt, dass sich die phönizischen Zeichen aus dem Demotischen abgeleitet haben. Es wurde auch versucht, das Alphabet auf ein babylonisches System von Tierkreiszeichen zurückzuführen. Wieder eine andere stark umstrittene Theorie leitet die phönikische Alphabetschrift von der alten Vinca-Schrift des Balkan ab, setzt also einen eigenen Zeichenvorrat, unabhängig von der Keilschrift und den ägyptischen Hieroglyphen voraus. Recht gut belegt dagegen ist die Ableitung der Phönikischen Schrift von den Sinaitischen Schriftzeichen. Weiterhin gibt es die These, dass das phönizische Alphabet von einer Person erfunden wurde. Für letzteres spricht die Tatsache (ganz unabhängig von der äußeren Form der Zeichen, die sich an bekannte Formen anschließen mögen), dass dieses Schriftsystem einen qualitativen Sprung darstellt.
Das Auffinden der Wadi-el-Hol-Schrift in der oberägyptischen Wüste in den 1990er Jahren hat der Theorie, dass die semitischen Konsonantenschriften unter ägyptischem Einfluss entstanden sind, neuen Auftrieb gegeben. Es handelt sich dabei um Inschriften auf Wüstenfelsen, die neben hunderten von ägyptischen Inschriften zu finden sind. Datiert werden sie auf etwa 1900 oder 1800 vor Christus. Urheber waren vermutlich semitische Einwanderer in ägyptischen Diensten.
Das phönizische Alphabet enthielt zunächst nur Konsonanten. Später wurden einige der Konsonanten (alef, he, wav, jod) auch als Vokalzeichen benutzt. Das hebräische und das arabische Alphabet wurde durch Punkte und Häkchen, die als Vokal- und Aussprachezeichen dienen, ergänzt. Die Griechen deuteten einige Laute als Vokale um (z. B. ajin zu o) und ergänzten das Alphabet mit fehlenden Buchstaben.
Ausgangspunkt der europäischen Schriften ist die griechische Schrift, von der sich die lateinische Schrift, die kyrillische Schrift und letzten Endes auch die Runen ableiten lassen. Bei der Übernahme der phönizischen Schrift durch die Griechen (vermutlich im 10. Jahrhundert vor Christus hauptsächlich über Kreta [2]) übernahmen die Griechen nicht nur die fallweise bereits von den Phöniziern verwendete Benutzung mancher Zeichen als Vokale, sondern fügten die Zeichen Phi, Chi und Psi dem Repertoire der Buchstaben hinzu. Sie verwendeten nahezu unverändert die semitischen Buchstabennamen (Alpha für phönizisch ʔalf, Beta für bēt, Gamma für gaml usw.). Bei der vorübergehend angewandten wechselnden Schreibrichtung (siehe Grafik rechts) wurde oft auch die Richtung der Zeichen umgedreht. Daher gibt es keine Buchstaben unterschiedlicher Bedeutung, die Spiegelbild eines anderen Buchstabens sind.
Durch Vermittlung über die Etrusker (siehe etruskische Schrift) erbten die Römer das griechische Alphabet, sie verwendeten allerdings kürzere Buchstabenamen (ā, bē, cē usw.). Im lateinischen Alphabet kam die Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinbuchstaben (Majuskeln und Minuskeln) erst mit der Renaissance auf, als die Humanisten die lateinischen Texte in karolingischen Minuskeln lasen und dabei wahrscheinlich die Inschriften auf den altrömischen Monumenten vor Augen hatten.