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Im Herzen von Flawil prägt die „Ameisen Apotheke“ aus dem Jahr 1900 als eigenständiger Solitär die städtische Struktur mit ihrem starken Charakter. Im Süden und im Westen wird sie durch andere bestehende Gebäuden in die städtische Struktur eingebunden. Der Neubau soll, wie die „Ameisen Apotheke“, einen eigenständigen starken Charakter bekommen. Im Osten des Grundstückes grenzt die „Ameisen Apotheke“ an die Magdenauerstrasse und bildet mit dem bestehenden Gebäude des Bauernverbandes und den darauf folgenden Gebäuden eine Städtebauliche Kante, die im Bestand jedoch durch den Garagenanbau verunklärt wurde. Mit dem Neubau wird die bestehende Kante weitergeführt und gestärkt.
Wie auch die „Ameisen Apotheke“ ist die Kubatur des Neubaus im Wesentlichen in drei Teile gegliedert. Sockelgeschoss, drei Vollgeschosse und das Attikageschoss. Jedes dieser Geschosse bekommt einen eigenständigen Charakter. Durch die Vorspringenden Obergeschosse im Süden vis-à-vis des Bauernverbandes und durch die Erker wird ein eindeutiges Sockelgeschoss ausgebildet. Der kompakte Neubau gliedert sich durch seine äussere Gestaltung sehr gut in die bestehende städtische Struktur ein. Der Erker als hervorstechendes Element der „Ameisen Apotheke“ wird auch beim Neubau zum Hauptgestaltungsmerkmal. Im Osten wird der Erker in den Obergeschossen zu einer Art „Schaufenster“. Der dahinter liegende Wohn- und Essbereich wird durch die grosszügige Verglasung optimal besonnt. Im Süden wird der Erker aufgelöst und besteht nur noch aus Brüstungen der hier tiefer liegenden Sonnenterrassen. Im Westen werden die Fensteröffnungen des Erkers über Eck gezogen und ermöglichen hiermit eine zweite Himmelsrichtung nach Süden.
Durch die geplante Gebäudehöhe des Neubaus wird die bestehende Geschossigkeit der „Ameisen Apotheke“ erreicht und ein Verspringen in der Fassade verhindert. Dadurch entsteht ein harmonisches Fassadenbild entlang der Magdenauerstrasse. Der Neubau wird durch eine bewusst gestaltete „Fuge“ mit dem Bestand verbunden und ermöglicht auch hier die räumliche Verbindung zwischen Alt- und Neubau. Die Fuge wird bewusst etwas zurückversetzt angeordnet damit Alt- und Neubau ihre eigenständige Kubatur behalten. Der Eingang zum Neubau an der Magdenauerstrasse ist in dieser Gebäudefuge angeordnet und bildet hier eine eigenständige Adresse.
Der Neubau nimmt die Geschossigkeit sowie die Kleinteiligkeit der Fassade der angrenzenden Gebäude auf und interpretiert diese auf eine neue Art und Weise. Geplant ist eine gröbere Putzstruktur die sich farblich an den umstehenden Gebäuden orientiert. Die Dreiteiligkeit in der Fassade wird auch in der Wahl der Fensteröffnungen ersichtlich. Das Sockelgeschoss wird, mit einem für den Ort typischen, grosszügigen Sockelbereich ausgeführt. Dieses schützt zum einen vor stehendem Wasser, zum anderen übernimmt diese die gebaute Kante des angrenzenden Bestandes. Die darüber liegenden grossformatigen Fensteröffnungen werden Fassadenbündig ausgeführt. Sie übernehmen den hier am Standort typischen Schaufenstercharakter und laden zum Flanieren ein. Die Fenster in den oberen Geschossen lehnen sich auch hier an die bestehenden Gebäude in direkter Nachbarschaft an. Die Sandsteinumfassungen und Fensterläden der bestehenden Gebäude werden hier zu modernen Umfassungen mit geprägten Betonelementen, die sich von der Materialität der restlichen Fassade abheben. Durch die Umfassungen bekommt der Neubau ein Gesicht, welches durch die Proportionierung in Längsrichtung und die einseitige Anordnung der Verdickung, dem Gebäude eine Richtung gibt.
Die Fuge soll klar als eine „trennende Verbindung“ verstanden werden. Verbunden wird der Neubau durch die Fuge an die bestehende „Ameisen Apotheke“. Diese Beinhaltet den Erschliessungskern fu?r den gesamten Neubau sowie die räumliche Verbindung zwischen dem 1. Obergeschoss im Neubau und dem 1. Obergeschossen des bestehenden Gebäudes. Getrennt werden Alt- und Neubau durch die metallische Materialität der Fuge und Funktion, als Zugang und Adresse an der Magdenauerstrasse. Im Norden des Neubaus wird durch die direkte Verbindung zum Altbau eine Brandwand ausgebildet.
Durch seine Feingliedrigkeit und das differenzierte Volumen gliedert sich das Bauvolumen städtebaulich sehr gut in die gebaute innerstädtische Umgebung und die unmittelbare Nachbarschaft ein und bildet einen Baustein der Stadtverdichtung.
privat
Direktauftrag
Ausführung 2018
Fotos: Bruno Helbling, Zürich
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