Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03520.jsonl.gz/2619

Eine sexuelle Ansprechbarkeit auf das kindliche oder jugendliche Körperschema - "Pädophilie" oder "Hebephilie" - ist Schicksal, nicht Wahl. Sexuelles Verhalten kann man kontrollieren.
Im dritten Zyklus der Optimusstudie (2012, 2018) stellten 351 Einrichtungen des Kindesschutzes Informationen über die von ihnen betreuten Fälle zur Verfügung.
Im Erhebungszeitraum von drei Monaten erfassten sie demnach über 10000 neue Fälle. Pro Jahr entspricht dies zwischen 30000 und 50000 Kindern, die neu oder erneut an eine Kindesschutzorganisation gelangen, weil sie Hilfe brauchen.
Überraschend hoch verglichen mit anderen Studien ist hingegen der Anteil der Fälle von sexueller Gewalt. Bei 15 % von allen erfassten Misshandlungen handelt es sich um sexuelle Misshandlungen, das Durchschnittsalter der betroffenen Kinder liegt bei 9 Jahren. Möglicherweise hat in diesem Bereich in den letzten Jahren eine Sensibilisierung stattgefunden, die sich auf das Meldeverhalten auswirkt und den hohen Anteil in der Optimusstudie erklärt.
Darüber hinaus schätzen Fachleute laut Studie, dass zwischen 20 und 30 Prozent aller Kinder und Jugendlichen einmal im Leben Opfer sexueller Ausbeutung wurden.
In einer neueren Studie1 gaben 24 % der Mädchen und 18 % der Jungen an, dass sie bereits online nach sexuellen Informationen gefragt wurden, obwohl sie darüber keine Auskunft geben wollten. Dieser Anteil steigt mit dem Alter deutlich an und beträgt bei den 15- und 16-Jährigen 41 %.
Der Anteil der Taten im Dunkelfeld ist um ein Vielfaches höher, Schätzungen zufolge mindestens achtmal so hoch, als der Anteil justizbekannter Taten, die als Taten im so genannten Hellfeld bezeichnet werden.
Wissenschaftlichen Studien zufolge sind ungefähr 40 Prozent der Taten sexueller Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen auf einen pädophilen Motivationshintergrund zurückzuführen. Etwa 60 Prozent der sexuellen Übergriffe sind sogenannte Ersatzhandlungen. Das heisst, die Täter sind eigentlich sexuell auf erwachsene Sexualpartner ausgerichtet, begehen aber sexuelle Delikte aus anderen Motiven, beispielsweise aufgrund eines Macht- und Dominanzstrebens oder einer psychischen Erkrankung
Nicht jeder Mensch mit einer Präferenzbesonderheit begeht sexuelle Delikte an Kindern und nicht jeder Kindsmissbraucher ist pädophil.
1Hermida M. 2019. Für die Studie wurden 67 Schulklassen in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz mit total 1026 Schülerinnen und Schülern im Alter von 9 bis 16 Jahren zu ihrem Umgang mit dem Internet und den erlebten Risiken befragt.