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Ende Oktober 2005 organisiert die Plattform Multiwatch, der auch Alliance Sud angehört, in Bern ein „Nestlé-Tribunal“. Der Konzern versucht vergeblich, es zu behindern. Seine Interventionen führen zu einem Dialog mit Alliance Sud, der im Frühling 2006 beginnt. Man einigt sich, ihn unter dem Siegel der Verschwiegenheit zu führen und sich den Fall Kolumbien genauer anzusehen.
Im April 2008 reist eine Delegation von Alliance Sud – auf eigene Rechnung – ein erstes Mal nach Kolumbien. Sie stösst auf einen sehr schwierigen Kontext, wo das Gewicht der Vergangenheit das Verhältnis zwischen Nestlé und ihrer wichtigsten Gewerkschaft Sinaltrainal extrem belastet. Unser Eindruck von Nestlé ist gemischt, wir entdecken Plus- und Minuspunkte. Die Delegation macht rund vierzig Empfehlungen, von denen Nestlé gut die Hälfte akzeptiert.
Im Juni 2010 reist die Delegation erneut nach Kolumbien. Zwar gibt es weiterhin Probleme. Aber Nestlé erscheint uns offener, zugänglicher und hat mit der Umsetzung der meisten Empfehlungen begonnen. Auch die meisten unserer Gesprächspartner anerkennen dies. Nicht aber Sinaltrainal: Zwischen Nestlé und der Gewerkschaft herrscht nach wie vor ein abgrundtiefes Misstrauen, das zu schwer handhabbaren Konfrontationen führt. Für die Delegation, die erneut Empfehlungen formuliert, bräuchte es hier dringend eine Mediation. Nestlé Kolumbien sollte zudem aufzeigen, wie es seine hochgesteckten ökonomischen Ziele mit einem beherzteren sozialen Engagement vereinbaren will.
Es ist das erste Mal, dass Nestlé einen so tiefgreifenden Dialog mit einer NGO führt. Der Dialog hat in Kolumbien zu Verbesserungen geführt und Nestlés Verhalten verändert. Bezüglich des Konflikts zwischen dem Multi und der Gewerkschaft hat er einen neuen Zugang ermöglicht und neue, auch kulturelle und psychologische Dimensionen, eröffnet.
Das vorliegende GLOBAL+ dokument fasst die wichtigsten Resultate des Prozesses zusammen. Nestlé hat den Bericht zur Kenntnis genommen und die meisten Empfehlungen akzeptiert.