Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/1937

Während das
Niveau des
NeuenburgerSees 432 m ü. M. liegt, steigt schon das von der
Areuse durchflossene
Val de
Travers von 719 zu 933 m
(Verrières) an, und der Thalkessel des
Val de
Ruz, das Gebiet des
Seyon, liegt bei Vallengin,
seinem untersten
Punkt, 655 m ü. M., während andre Ortschaften noch 100-200 m höher liegen,
Les
Hauts Geneveys sogar 956 m hoch.
Noch höher liegen die übrigen Jurathäler mit Brévine-Bémond (1062
m),
Chaux du Milieu (1077 m), La Sagne (1025 m),
La Chaux de Fonds (1034 m), Le
[* 8]
Locle (921 m), von welch letzterm die Paßstraße
des
Col des
Roches und neuerdings auch die
Eisenbahn zu dem vom
Doubs gebildeten
Lac des
Brenets (740 m) hinunterführt.
Diese Mischung vollzieht sich auch mehr und mehr auf konfessionellem Gebiet, denn während das durch
Farel (s. d.) reformierte Ländchen nur 3 kath.
Gemeinden mit etwa 1600 Einw. enthielt, ist jetzt der Gesamtanteil der Katholiken (11,651)
auf 11,2 Proz. gestiegen. Nur die
BezirkeBoudry und
Val de
Ruz sind noch immer fast rein protestantisch. Außerdem gibt es 689
Juden.
An dem
Wechsel der politischen Gestaltung haben die
Montagnards, die sich durch rascheres
Wesen und tief eidgenössischen
Sinn
wie durch Betriebsamkeit auszeichnen, den meisten
Anteil. Die Seeanwohner des Vignoble sind von kälterm, reservierterm
Charakter
und zählen die meisten Aristokraten. Überall aber erscheint die
Bevölkerung ausgezeichnet durch schönen, kräftigen Körperbau,
treffliche Geistesbegabung und
Bildung, sehr arbeitsam und geschickt, solid und bieder und im
Durchschnitt von großem Wohlstand
sowie von feiner, geselliger
Sitte.
Auch die Fabrikation von Chronometern hat eine ansehnliche Stellung errungen. Seit einigen Jahren befindet
sich aber die Neuenburger Uhrmacherei, wie andre schweizerische Industriezweige, in einer Krisis, die hauptsächlich durch
die in den Vereinigten Staaten
[* 16] von Nordamerika,
[* 17] dem Hauptabsatzland, eingetretenen Veränderungen bedingt ist. Während die
Stadt Neuchâtel durch den Export von Wein und Käse zu einer nach schweizerischem Maßstab
[* 18] beträchtlichen u. reichen Handelsstadt
geworden ist, gibt es in den Hochthälern, besonders in La Chaux de Fonds und Le Locle, aber auch in Le
Pont, La Sagne, La Brévine etc. und selbst noch in dem abgelegenen Dorf Les Brenets, Firmen, die sich denjenigen der ersten
schweizerischen Verkehrsplätze an die Seite stellen dürfen.
Jede religiöse Genossenschaft bedarf zu ihrer Niederlassung die ausdrückliche und immer widerrufliche Erlaubnis des GroßenRats. Die dem rein demokratischen Wesen zusteuernde Revisionsbewegung, welche sich seit 1863 in einer Reihe
der fortgeschrittenern KantoneBahn brach, hat Neuenburg erst 1879 erobert; die Volksabstimmung vom 28. und 29. Juni hat die Einführung
des fakultativen Referendums angenommen und dasselbe an den Willensausdruck von 3000 Wählern geknüpft.
Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft, in der offiziellen Reihenfolge deren einundzwanzigster. Lage;Orographie und Geologie. Der Kanton Neuenburg
liegt im westl. Abschnitt der Schweiz zwischen 46° 52' 16" und 47° 9' 58" NBr., sowie
6° 26' 01" und 7° 05' 21" OL. von Greenwich. Er grenzt an Frankreich, den Kanton Waadt,
den Neuenburgersee und den Kanton Bern
und erstreckt sich
quer über das hier von SW. nach NO. streichende Faltengebirge des Jura vom Neuenburgersee (430 m) bis zum Ufer des Doubs (750
m). Höchster Punkt im Innern des Kantons 1442 m. Ist mit 808 km2 der vierzehnte der 22 Kantone der
Schweiz.
Als jurassischer Kanton weist Neuenburg
einen im Aufriss stark gegliederten Bau auf. In den Montagnes finden wir grosse Längsthäler
zwischen einförmigen Kämmen, die an den Hängen mit grossen Tannenwaldungen bekleidet sind und auf den
Rücken Weideflächen (Sennberge) tragen. Wie im ganzen mittleren Jura haben auch hier die Gewölberücken meist sanft gerundete
Formen,
die hie und da durch die Arbeit einer rezenten Erosion abwechslungsreicher modelliert worden sind.
Der höchste Punkt mit 1550 m findet sich aber auf der Grenze des Kantons Bern
in dem zum Chasseral ansteigenden Grat. Die übrigen den
Kanton durchstreichenden Ketten halten sich meist zwischen 1100 und 1300 m. Mehrere der nahezu 1000 m
hoch gelegenen Längsthäler sind trotz dieser bedeutenden Höhe ständig bewohnt, ja es bilden sogar gerade die Thäler von
La Chaux de Fonds und Le Locle das am dichtesten bevölkerte Gebiet des Kantons. Die einzelnen Längsketten
nehmen in der Richtung von O. nach W. an Höhe langsam aber stetig ab.
Die Ketten des NeuenburgerJura sind in der Hauptsache aus den Schichten der Juraperiode aufgebaut und zwar von oben nach unten
aus oberem Malmkalk (Portland, Kimeridge, Sequan), mergeligem unterem Malm (Argovien und Oxford) und
dem die Gewölbekerne bildenden Dogger (Callovien, Bathonien, Bajocien). Den Lias hat man bis jetzt nur an zwei Stellen anstehend
gefunden, nämlich am untern Ende der Combe desAuges (bei Convers) und bei Les Quignets, d. h. in der am schärfsten hervortretenden
Falte des ganzen Gebietes. An den tiefern Gehängen der Gewölbe und in der Sohle der Mulden finden sich
in der Regel auch noch die der Untern Kreide angehörenden Neocomstufen des Valangien, Hauterivien und Urgon. In der Mitte
der grossen Muldenthäler endlich liegt noch tertiäre Süsswassermolasse (Aquitanische und Langhische Stufe) und Meeresmolasse
(Burdigalische Stufe).
Dieses Tertiär zieht sich auch als schmales Band der Senke des Neuenburgersees entlang, ist hier aber
vielfach unterbrochen, da das ganze Thal des Neuenburgersees, der Zihlebene und des Bielersees gerade in die Kontaktzone zwischen
Neocom und Tertiär eingesenkt ist. Eine bedeutende Rolle spielen ferner die glazialen Ablagerungen, die zwar das Bodenrelief
wenig beeinflussen, dafür aber durch ihr Retentionsvermögen die meteorischen Wasser zurückhalten und
so einen für die Pflanzenwelt günstigen, feuchten Humusboden bilden.
Dieses vom ehemaligen Rhonegletscher abgelagerte Moränenmaterial ist am reichlichsten längs dem Jurarand vertreten, findet
sich aber auch im Val de Travers und Val de Ruz, wo ihm noch solche glazialen Geschiebe beigemengt sind, die aus
dem Jura selbst stammen und von lokalen Gletschern zurückgelassen wurden. Der Moränenschutt in den höhern Regionen (Les Verrières,
Les Ponts, Le Locle, La Chaux de Fonds,
La Brévine) verdankt sein Vorhandensein dagegen fast ausschliesslich diesen lokalen
Eis- und Firndecken.
Auf diesen zum Teil lehmigen Schuttböden haben sich dann später die namentlich in der Gegend von Les Ponts
und La Brévine so ausgedehnten Torfmoore entwickelt. Zahlreiche nasse oder vertorfte Thalböden sind jetzt durch künstliche
Entwässerung trocken gelegt (Val de Ruz, Perreux, La Brévine), während andere auf diese Urbarmachung noch warten müssen.
Stellenweise kann das lokale jurassische, d. h. nicht alpine Moränenmaterial aber auch im Bodenrelief
stark hervortreten, wie dies z. B. bei der nachträglich noch von Bergsturzmaterial überschütteten Moräne vor dem Creux du Van,
bei der grossen Lokalmoräne von Les Bayards und bei den Moränen am SO.-Hang des Plateaus von Les Ponts und bei Prépunel der
Fall ist.
Nach dem Rückzug der Gletscher gingen an manchen Orten Bergstürze und Erdschlipfe nieder, so besonders
in den Gorges de l'Areuse unterhalb des Champ du Moulin und bei der Clusette, wo die jurassische Moräne einem bedeutenden
Glazialschutthaufen alpinen Ursprunges aufsitzt. Die Sturz- und Moränenschuttbarren haben ferner die fliessenden Wasser oft
zu temporären Seen aufgestaut, die z. B. den Champ du Moulin und das ganze Val de Travers von Noiraigue
bis Buttes und Saint Sulpice überfluteten. Zu nennen sind endlich noch die an Quellen oft vorkommenden Tuffbildungen, die
am Fuss von Steilhängen liegenden Sturzschuttkegel und die besonders über dem heutigen Ufer des Neuenburgersees bemerkenswerten
lakustren Ablagerungen und alten Deltabildungen. Im ganzen Kanton spielen in orographischer, geologischer
und hydrographischer Beziehung die Gebilde der Jura- und Kreideperiode die wichtigste Rolle, da sie es sind, die die Berge des
Landes aufbauen.
allmählig oder plötzlich ausstreichen und von einem anderen Gewölbe oder Mulde abgelöst werden kann. Deshalb sind die
vier Gewölbe und drei Mulden im s. NeuenburgerJura nicht immer die direkte Fortsetzung der schon genannten tektonischen Einheiten.
So ist die Mulde von Verrières nicht die Verlängerung sondern nur das Aequivalent derjenigen von La Brévine,
die ihrerseits wieder die Synklinale von Le Locle ablöst; so erlischt auch die Mulde von Les Ponts bei Les Emposieux und wird
erst weiterhin von einer Verzweigung des synklinalen Val de Travers, nämlich der Mulde von La Côte aux Fées, abgelöst.
Einzig die Mulde Val de Ruz-RochefortVal de Travers zieht ununterbrochen von ihrem Beginn (bei Clémesin
nahe der Grenze gegen den Kanton Bern)
bis zur Waadtländer Grenze, wo sie mit derjenigen von Noirvaux verschmilzt. Dementsprechend gehen
auch einzig die Falten des Creux duVan-Chaumont und des Malmont-Sommartel ohne Ablösung durch den ganzen Kanton. (Vergl. die
tektonische Karte und die geologischen Profile).
Der Kanton Neuenburg
hat im Val de Travers und bei Saint Aubin asphaltführende Schichten, die an beiden Orten dem Obern Neocom (Urgon; Kalke
mit Requienia Ammonia) angehören. Der Asphalt findet sich in diesen porösen kreidigen Kalken als mehr oder
weniger gleichmässig verteilte Imprägnation. Die weniger als 7% Asphalt (Erdpech) enthaltenden Schichten («trappe»
genannt) werden nicht abgebaut; die abbauwürdigen Bänke enthalten bis zu 15% von diesem Material.
Die Asphaltlager im Val de Travers gehören zu den bedeutendsten in Europa und liefern jährlich mehr als 30000 Tonnen dieses
Rohstoffes. Es werden Stollen in die meist 2-4, hie und da aber auch 6-8 m mächtigen Bänke getrieben,
wobei man die an Asphalt weniger reichhaltigen Schichten, d. h. eben die «crappe»,
als Decke der Gänge stehen lässt, da die darüber lagernden Mergel des Aptien, Albien und Tertiär als solche nicht genügend
Festigkeit hätten. Da die stehen gelassenen Pfeiler bei der geringen
¶
Das Neuenburger Rebgelände schrumpft immer mehr zusammen. Im Jahre 1908 war sein Flächeninhalt nur noch 1115,54 ha. Doch
sind gegenwärtig 350-400 ha. Weinberge wieder hergestellt. Der Getreidebau wird nur in beschränktem Masse
betrieben und liefert nur einen geringen Teil des zur Ernährung der Bevölkerung nötigen Quantums. Die
¶
mehr
Kultur der Runkelrüben wird ohne Zweifel in Stillstand geraten, wenn die Zuckerfabrik in Aarberg ihren Betrieb einstellt.
Des Verbot der Fabrikation und des Verkaufs von Absinth für das ganze Gebiet der Schweiz wird wohl das Verschwinden des Anbaus
der Absinthpflanze im Val de Travers zur Folge haben.
Die Viehzucht hat sich in den Thälern von Le Locle und La Brévine weiter zu Gunsten der rot-weissen Fleckrasse
entwickelt. Die kantonale Statistik von 1908 gibt 3812 Pferde, wovon 10 Zuchthengste und 78 Zuchtstuten, 5 Maultiere und 122 Esel
an. Diese Gesamtheit von 3939 Tieren verteilte sich auf ungefähr 2300 Besitzer. Das Rindviehgeschlecht
zählte 27480 Haupt, die rund 3000 Eigentümern gehören, darunter 266 Stiere und 17571 Kühe. An Schweinen waren 11851 Stück,
an Schafen 852, an Ziegen 2242 vorhanden, die das Eigentum von etwa 3000 Besitzern sind. Die Zahl der Bienenstöcke betrug 4598.
Die Liegenschaft der kantonalen landwirtschaftlichen Schule hat sich stetig vergrössert; sie umfasst
heute 41 ha Land, das der Schule selbst gehört, 15 ha, die aus dem «Fonds des élèves» und 5 ha, die vom Staate Neuenburg
gepachtet
wurden. Diese Schule hat ausserdem noch 2 Besitzungen an der Montagne de Cernier von 32 ha. Fläche, die aus Wiesen und bestockten
Weiden bestehen. Die Schule züchtet das Yorkshireschwein (eine grosse, weisse englische Race) rein. Der Pensionspreis
für Schüler schweizerischer Herkunft beträgt Fr. 300 per Jahr.
Seit 1905 hat die Schule Winterkurse eingeführt, zu denen alle, wenigstens 16 Jahre alten Söhne von Landwirten eingeladen
sind. Diese Winterkurse erstrecken sich über 2 Semester. Das gesellschaftliche Leben, das im Kanton Neuenburg
so entwickelt
ist, hat auch die Landwirte zu sechs landwirtschaftlichen Bezirksvereinen zusammengeschlossen, die mit einander wieder die
«Société cantonale neuchâteloise d’agriculture et de viticulture»
bilden. Diese Gesellschaft, die 2500 Mitglieder zählt, gibt als Organ das Bulletin agricole neuchâtelois heraus, das monatlich
einmal erscheint und jedem Vereinsmitglied gratis geliefert wird.
Wälder.
Die Waldfläche des Kantons nahm im Jahre 1907 22968 ha ein, somit 28,43% der gesamten Oberfläche des Kantons. Die Staatswaldungen
messen 1933 ha., die Gemeindewaldungen 11097 ha und die Privatwaldungen 9938 ha.
Fauna.
Die am Anfang des Artikels Fauna des Lexikons angeführten Spezies sind alle mehr oder weniger selten.
Die Geschichte des im Jahre 1855 auf dem Berg von Boudry wahrgenommenen Bären scheint erfunden zu sein. Dagegen setzte man
früher Prämien aus für die Erlegung von Wölfen, Wildkatzen und Bären im Kanton. Das Musée neuchâtelois hat die Rechnungen
der Bourserie de Neuchâtel von 1550-1665 veröffentlicht, wobei freilich 50 Jahre fehlen, so dass es
sich um einen Zeitraum von 65 Jahren handelt. Daraus
ersieht man, dass Prämien verabfolgt wurden für:
Nach Fatio wäre einmal im Val de Ruz ein Alpenhase geschossen worden; der Verfasser hat jedoch das Tier nicht selbst gesehen.
Einige Flüge Lachmöven verbringen den ganzen Sommer im Kanton. Die Blindschleiche ist in den Wäldern nicht selten. Von
Mollusken trifft man 139 Spezies im NeuenburgerJura.
Bevœlkerung.
Im Jahre 1905 betrug die gesamte Bevölkerung des Kantons 131073 Personen, 1906 stieg sie auf 132019, 1907 auf 134014, 1908 auf
134768; 1909 betrug sie 133781, wovon 62611 Neuenburger, 56551 Schweizer anderer Kantone und 14619 Ausländer. Die Hauptursache
der Bevölkerungsabnahme ist eine intensive Krisis in der Uhrmacherei, die den Kanton in den letzten
Jahren heimgesucht hat. Alle Bezirke weisen eine Verminderung auf, mit Ausnahme von Neuenburg
und Boudry. Nach der Herkunft verteilt
sich die Bevölkerung folgendermassen:
Die Fabrik champagnerartiger Weine in Neuenburg
ist die erste in Europa, ausserhalb der Champagne, die «Champagnerweine» hergestellt
hat. Der Ursprung dieses Hauses datiert von 1736; er hat sich besonders von 1811 an entwickelt und beschäftigt 45-50 Arbeiter.
Fleurier zählt (1909) 17 Uhrmacherwerkstätten, von denen mehrere allerdings nur 2 oder 3 Arbeiter
beschäftigen. Im Val de Travers gibt es 1754 Uhrmacher, diejenigen mitgerechnet, die in den Fournitürenfabriken zu Fleurier
und Saint Sulpice arbeiten.
Travers und Noiraigue haben sehr grosse Fabriken zur Herstellung metallener und silberner Uhrschalen. Drei Fabriken in Fleurier
liefern mehr als die Hälfte aller in der Schweiz hergestellter Uhrzeiger. Diese Ortschaft besitzt zudem zwei Fabriken für
Uhrgläser, sowie zwei andere für Spiralen; zwei grosse Ateliers zum Schleifen der Edelsteine bestehen in Couvet; Môtiers
hat eine Schraubenfabrik. Die acht mechanischen Werkstätten von Couvet beschäftigen 50-60 Arbeiter. Im Jahr 1909
¶
mehr
waren 880 Arbeiter in der Strickmaschinenfabrik und in der Schraubenfabrik von Couvet angestellt, welch’ letztere hauptsächlich
Bestandteile für Automobile liefert (etwa 5000 Stück jährlich). Les Verrières besitzt eine Fabrik für automatische Schneidmaschinen,
Röhrenpressen und Kröpfmaschinen. Die 13 Absinthbrennereien sind infolge des letzhin vom Schweizervolk angenommenen Gesetzes
über das Verbot dieses Getränkes zum Untergang oder zur Umwandlung gezwungen, zu welch’ letzterer
mehrere schon Schritte getan haben.
Travers hat eine Möbelfabrik mit 80 Arbeitern. Die Zündholzfabrik in Fleurier ist die zweite der Schweiz; sie produziert jährlich 13 Millionen
Schachteln, die 800 Millionen Zündhölzchen enthalten. Eine Fabrik für konfektionnierte Kleider, in der 70 Arbeiter
und Arbeiterinnen betätigt sind, wurde 1907 in Fleurier gegründet; eine andere für Maschinenstrickwaren besteht seit kurzem
in Les Verrières. Die einzige Fabrik elektrischer Batterien die in der Schweiz existiert, befindet sich in Fleurier.
Im Jahre 1908 haben die Kontrollbureaux gestempelt:
Von den Kreditanstalten des Kantons waren bis zur Gründung der schweizerischen Nationalbank zwei, nämlich die Kantonalbank
und die Handelsbank, zur Ausgabe von Noten berechtigt und zwar jede für Fr. 8000000. Seither ist die Handelsbank
von der Bildfläche verschwunden und seit dem durch eine Filiale der Nationalbank ersetzt worden. Das Recht der
Kantonalbank, Noten auszugeben, wird mit dem zu Ende gehen. Diese letztere Bank hatte am ein Dotationskapital
von Fr. 10000000 und eine statutarische Reserve von Fr. 1439750. Der Geschäftsumsatz erreichte im Laufe
des Jahres 1908 die Summe von Fr. 1955759826,20. Die Banknoten-Emission stand auf Fr. 3965000. Der Hypothekarverkehr repräsentiert
eine Summe von Fr. 39485021. Am 31. Dezember waren 23242 Sparhefte mit einem Guthaben von Fr. 19845769 vorhanden.
Der Crédit Foncier Neuchâtelois mit einem Kapital von Fr. 4000000 und einem Reserve- und Sicherungsfonds
von Fr. 752000 hatte im gleichen Zeitraum Hypothekardarleihen für Fr. 29086803 und Grundobligationen für Fr. 21856000 zum
durchschnittlichen Zinsfuss von 3,98% ausgegeben. Die Ersparnisabteilung dieser Anstalt, die 1905 gegründet wurde, wies 3702 Einleger
auf, mit einem Guthaben von Fr. 3674785.
Die Sparkasse, die 1812 als philanthropisches Werk gegründet wurde, um den kleinen Sparern aufzuhelfen,
hat kein Kapital, wohl aber einen Reservefonds von Fr. 2475000. Dieselbe Person darf im Verlauf eines Jahres nicht mehr als
Fr. 2000 einlegen, gewisse Ausnahmen vorbehalten, über welche die Direktion entscheidet, und kein Sparheft darf den Betrag
von
Fr. 5000 übersteigen. Ende 1908 verfügte sie über Fr. 56093472 Einlagen, die 70497 Gläubigern
gehörten.
In demselben Jahre erhielt die Sparkasse 78426 Einlagen in einem Betrage von Fr. 8467067.
Die allgemeine Situation der Filiale Neuenburg
der schweizerischen Nationalbank erhellt aus folgenden Zahlen:
Neuenburg
ist vorwiegend Industriekanton, weist aber doch noch eine beträchtliche Zahl von Landwirtschaftsbetrieben auf. Die Ergebnisse
der Betriebszählung dieses Kantons weisen viel Aehnlichkeit mit den Resultaten des Kantons Glarus
auf. Die Zahlen
pro 1905 sind folgende:
Betriebsgruppen
Betriebe
%
Dagegen Schweizer. Betriebe
Männl.
weibl.
Total
%
Urproduktion
4140
23.9
45.4
8657
3846
12503
21.4
Industrie
9079
52.5
35.1
23589
10239
33828
58.0
Handel
2931
16.9
14.5
4049
3430
7479
12.8
Verkehr
499
2.9
2.5
2538
519
3057
5.2
Verwaltung, Wissenschaft und Künste
664
3.8
2.5
756
769
1525
2.6
Total
17313
100.0
100.0
39589
18803
58392
100.0
%
67.8
32.2
100.0
.
Urproduktion.
Als Spezialität ist die Torf- und Asphaltgewinnung zu nennen, in der 254 Personen beschäftigt waren
(Torf 70 Betriebe und 112 Personen, Asphalt 1 Betrieb mit 142 Personen). Ferner gab es in der
¶