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Liberales Institut
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Perspektiven für das freie Unternehmertum
Die LI-Konferenz vom 31. Oktober beleuchtete die Stärken und Herausforderungen des Standorts Schweiz.
Die Schweiz zeichnet sich im internationalen Vergleich durch hohen Wohlstand auf breiter Basis aus — und durch wirtschaftliche Freiheit. Dass diese Faktoren Hand in Hand gehen, lässt sich besonders gut verstehen, wenn die Rolle des freien Unternehmertums in einer Volkswirtschaft betrachtet wird. In seiner Eröffnung der LI-Konferenz «Perspektiven für das freie Unternehmertum» stellte LI-Direktor Pierre Bessard fest, dass herkömmliche ökonomische Modelle dazu neigen, die kreative Leistung des Unternehmertums zu übersehen. Der Markt könne jedoch nur funktionieren, wenn unternehmerische Entdecker die Freiheit hätten, Neues und Anderes zu probieren und so Fortschritt und Wachstum zu generieren. Das scheinbare Chaos, das aus dem unternehmerischen Entdeckungsverfahren entsteht, erkläre die weitgehend reibungslose Ordnung der Marktwirtschaft, wo Verträge und die Arbeitsteilung dank der unternehmerischen Innovation und Koordination das Getriebe der marktwirtschaftlichen Wohlstandsmehrung vorantreiben.
Bernhard Ruetz, Geschäftsführer des Vereins für wirtschaftshistorische Studien, bot im Anschluss eine historische Analyse der Bedeutung unternehmerischer Pioniere für den Schweizer Wohlstand. Ruetz stellte fest, dass die Schweiz nach der Gründung des Bundesstaats eine unternehmerische Blütezeit erlebte, ein kurzes «liberales Fenster», in der ein gemeinsamer Binnenmarkt verbunden mit einem schwachen Zentralstaat und einer geringen Regulierungsdichte unternehmerische Potentiale entfesselte. Schon 1870 gehörte die Schweiz zu den am stärksten industrialisierten Ländern der Welt, um 1900 errang sie Platz 2 in der Rangliste der Patentanmeldungen, und schon 1914 wurde sie zum reichsten Land Europas. Unternehmerische Pioniere legten in dieser Zeit Grundsteine, die heute noch mit Namen wie Escher, Sandoz, Sulzer, Sprüngli, Hoffmann-La Roche und anderen verbunden seien. Ruetz wies darauf hin, dass in dieser Zeit durchaus erhebliche Ungleichheiten in der Verteilung von Einkommen und Vermögen entstanden, die jedoch durch den breiten gesellschaftlichen Aufschwung in den Folgejahren wieder relativiert wurden. Verteilungs- und Neiddiskussionen seien daher ein schlechter Ratgeber, wenn es darum ginge, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen für die Zukunft zu gestalten.
Martin Eichler, Chefökonom von BAK Basel Economics, richtete daraufhin den Blick auf die Gegenwart und die aktuelle Entwicklung der Schweizer Standortbedingungen. Auf Basis aktueller Erhebungen stellte Eichler fest, dass die Schweiz die jüngsten Finanz- und Währungskrisen bisher besser gemeistert habe, als vergleichbare Industriestaaten. Alle internationalen Analysen stellten der Schweiz derzeit ein gutes Zeugnis aus, wenn es um die Innovationskraft und Standortattraktivität ginge. Dabei zeige sich auch, dass der Schweizer Föderalismus, der institutionelle Wettbewerb alle Regionen der Schweiz dazu anhalte, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu pflegen. Dennoch könne festgestellt werden, dass die Schweiz in den vergangenen Jahren ihre Position nicht ausgebaut habe — im Gegenteil seien in einigen Bereichen Rückschritte zu verzeichnen. So seien etwa Unternehmensgründungen heute in der Schweiz relativ schwierig. In der Standortfreundlichkeit für neue Unternehmen schneide die Schweiz international nur mittelmässig ab. Es sei daher sehr bedenklich, dass eine Reihe politischer Initiativen derzeit weitere Einschränkungen der unternehmerischen Freiheit zum Ziel hätten.
Präsentation von Martin Eichler:
«Aktuelle Herausforderungen der Standortqualität»
Zum Abschluss berichtete Jobst Wagner, Präsident des Verwaltungsrates der Rehau-Gruppe, aus der Sicht der Praxis über die Verantwortung von Unternehmern zu gesellschaftlichem Engagement. Wagner berichtete, dass ein Engagement in den Bereichen Kunst und Kultur oft zum guten Ton auch in unternehmerischen Kreisen gehöre, politisches Engagement jedoch dramatisch abgenommen habe. So entstehe eine Spaltung zwischen den ökonomischen Verantwortungsträgern und den politischen Entscheidungsträgern. Wagner kritisierte dabei eine zunehmende Realitäts- und Praxisferne der Politik, wie sie sich an Initiativen zeige, die tiefgreifend in die Wirtschaftsordnung eingriffen. Die öffentliche Debatte sei zunehmend von Scheinproblemen dominiert, die den statistischen Fakten wiedersprächen — wie etwa im Fall einer vermeintlichen Spaltung zwischen arm und reich, die empirisch gar nicht festzustellen sei. Wagner rief Verantwortungsträger der Wirtschaft dazu auf, sich gerade jetzt in die politische Debatte einzubringen, um Standortvorteile der Schweiz nicht zu verspielen. Er selbst habe zu diesem Zweck einen «StrategieDialog 21» in Leben gerufen, der das zivilgesellschaftliche Engagement von Unternehmerinnen und Unternehmern kanalisieren solle. Verbände und Parteien seien immer weniger in der Lage, die Interessen der Unternehmer glaubhaft zu verteidigen.
1. November 2013