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«Es geht um die Sache - nicht um Personen!»
Wann immer man diesen Satz hört, ist es gut, anzunehmen, dass es mindestens so sehr um persönliche Interessen geht wie um die Sache.
Es ist nicht einfach, im Sinne der Sache von persönlichen Interessen zu abstrahieren. Wie soll etwas so verteilt werden, dass nicht einseitig die persönlichen Interessen im Vordergrund stehen, sondern dass es um die Sache geht. Der Philosoph John Rawls (1921-2002) hat für solche Situation das Gedankenexperiment „Schleier des Nichtwissens“ formuliert. Der Erbgang durch Losbildung kann die Theorie von John Rawls veranschaulichen: der „Schleier des Nichtwissens“ kann hilfreich sein.
Gleichberechtigte Erben können das Erbe in gleichwertige Anteile aufteilen, ohne zu wissen, wer einen bestimmten Teil erhalten wird. Alle werden sich dabei um die Bildung wertgleicher „Posten“ bemühen. Die umschriebenen Anteile (im ZGB „Lose“ genannt) können nun durch Losentscheid den Erben zugeteilt werden.
Auf das Jahr 2018 steht in Luzern eine Verwaltungsreform an. Sie betrifft auch die Direktionen. Aus dem Stadthaus hört man, es gehe dabei um die Sache, nicht um Personen. Da blinkt ein Warnlicht! Es ist zu verhindern, dass die Reform von persönlichen Interessen gesteuert wird. Sie soll vielmehr die Abläufe optimieren, die Schnittstellen klären und so der Stadt dienen. Bei der Neu-Definition der Direktionen kann es sinnvoll sein, dies unter dem „Schleier des Nichtwissens“ zu tun, also ohne zu wissen, welches Exekutivmitglied welcher Partei welche Direktion später übernehmen wird. So können Interessenvertreter die Direktionen nicht in Rücksicht auf bestimmte Personen und Parteien umschreiben; niemand kann ein Departement nach seinen Wünschen massschneidern.
Liegt das Ergebnis der Reform vor, soll die Zuteilung der Direktionen durch das Los erfolgen. Jedes Stadtratsmitglied ist fähig und bereit, die ihm zugefallene Direktion zu übernehmen.
Bei der Vergabe der Maroni-Häuschen-Konzessionen war Luzern noch nicht reif für einen Losentscheid. Nun reifen neue Kastanien und es reift hoffentlich die Einsicht: der „Schleier des Nichtwissens“ kann gute (Los-)Entscheide möglich machen.