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Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Schweiz keine eigentliche Aussenpolitik. Der Kleinstaat war vor allem darauf bedacht, gute Bedingungen für den wachsenden Aussenhandel sicherzustellen. Dass sich das änderte, ist wesentlich auf Numa Droz zurückzuführen, wie die Historiker Urs Kramer und Thomas Zaugg in ihrer Biografie schreiben. 1844 in La Chaux-de-Fonds geboren, bildete sich der gelernte Uhrengraveur im Selbststudium zum Lehrer aus, bevor er mit 20 Jahren in den Journalismus wechselte. Der junge Radikale wurde Neuenburger Grossrat, bald darauf Staatsrat und Ständerat. Als der 31jährige Droz 1875 in den Bundesrat gewählt wurde, war er der jüngste Magistrat der Schweizer Geschichte. 1881 wurde er zum ersten Mal Bundespräsident und übernahm für ein Jahr das Aussenministerium. Den erstarkten Protektionismus bekämpfte Droz gegen aussen wie gegen innen. In der Asylpolitik befürwortete er ein schärferes Vorgehen gegen anarchistische Aktivisten, die in der Schweiz Unterschlupf fanden. 1887 initiierte er eine Reorganisation des Bundesrats, im Zuge derer das Aussendepartement einen festen Vorsteher erhielt. Das Amt übernahm er gleich selber und behielt es bis zu seinem Rücktritt 1892.
Interessant ist nicht nur der Einblick in die damaligen diplomatischen Querelen, sondern auch die alltäglichen Sorgen der Magistraten. Droz kämpfte aufgrund seiner privaten Situation – seine kranke Frau musste sich immer wieder Behandlungen unterziehen – mit finanziellen Problemen. Er überlegte sich deshalb einen Wechsel in die Diplomatie oder in die Privatwirtschaft, was heute undenkbar wäre. Schliesslich blieb er seinem Amt jedoch aus Rücksicht auf das Landesinteresse treu, wie er betonte.
Die Faszination der Autoren für Numa Droz ist bei der Lektüre des aufwendig recherchierten Buches spürbar. Zuweilen wirken die detailreichen Nachzeichnungen der damaligen Ereignisse allerdings etwas langatmig, ein etwas klarerer Fokus wäre wünschenswert gewesen. Nichtsdestotrotz ziehen einen die damaligen Konflikte und Entwicklungen in ihren Bann. Kramer und Zaugg geben einer prägenden Figur der Schweizer Politik eine verdiente Würdigung.
Urs Kramer und Thomas Zaugg: Der erste Schweizer Aussenminister. Basel: NZZ Libro, 2021.