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Diphenylimid, organische
Verbindung, ^[img], die sich im
Roh-Anthracen vorfindet und
als Nebenprodukt bei der Anilinfabrikation erhalten wird. Es krystallisiert in farblosen Blättchen, schmilzt bei 238° und
siedet bei 351°. Durch Erhitzen von Carbazol mit
Oxalsäure entsteht ein dem Diphenylaminblau analoger Farbstoff.
Man benutzt diese Bezeichnung
auch bei der Benennung der übrigen
Alkohole, indem man dieselben als
Derivate des Carbinol auffaßt, in welchen die mit dem
Kohlenstoff
direkt verbundenen Wasserstoffatome durch organische Radikale vertreten sind. So würde der gewöhnliche
Äthylalkohol, CH₃·CH₂OH,
als
Methylcarbinol, der sekundäre oder Isopropylalkohol, (CH₃)₂CHOH, als Dimethylcarbinol zu bezeichnen
sein u. s. w.
oder
Carbolmull, ein häufig angewandter
Verbandstoff, der aus ungebleichter gewöhnlicher Baumwollgaze
durch Zusatz von Harz, Paraffin
[* 2] und krystallinischer
Carbolsäure dargestellt wird und
bei
Listers antiseptischer
Wundbehandlung zum Bedecken und Verschließen der Wunde dient (s.
Carbolsäure).
ist der noch jetzt im
Handel sowie in der Heilkunde gebräuchliche
Name für
Phenol (s. d.). Für
Pflanzen,
Tiere und
Menschen ist die Carbolsäure ein heftiges
Gift (s.
Carbolvergiftung), wirkt aber fäulniswidrig auf Fleisch
und andere tierische
Stoffe, indem sie die Fäulniskeime tötet. Sie ist deshalb ein ausgezeichnetes Antiseptikum z. B.
beim
Einbalsamieren, in den Leimfabriken, ein vortreffliches Desinfektionsmittel für
Schlachtfelder,
Aborte, Stallungen, Käfige
und zum Räuchern von
Krankenzimmern und Schiffsräumen, endlich ein gutes Konservationsmittel für Holz
[* 4] (Bauholz und Eisenbahnschwellen).
Für Desinfektionszwecke ist die Verwendung der reinen Säure in den seltensten Fällen nötig, meistens genügt dazu die
rohe Säure. Die Desinfektionspulver sind meist nur Mischungen von Carbolsäure mit
Gips,
[* 5]
Kieselgur, Korkabfällen, Pulvern, Sägespänen
u. dgl.; sie heißen dann im
Handel gewöhnlich
Phenolith. (S.
Desinfektion.)
[* 6] Die wichtigste Anwendung hat
die reine Carbolsäure in der
Chirurgie nach dem Vorgange vonLister gefunden. Bei diesem
Verfahren werden die
Operationen so ausgeführt,
daß das ganze Gebiet des
Eingriffs während der
Operation mit einem Nebel von fein zerstäubter Carbolsäurelösung (2‒3
Proz.) umgeben und die Wunde mit carbolsäurehaltigem Material (s.
Carbolgaze) bedeckt wird.
Hierdurch werden alle Krankheitserreger, die in der Luft verbreitet sind, vernichtet, und infolgedessen heilt die Wunde ohne
Entzündung, ohne Eiterbildung in kürzester Zeit. (S. Wunde.) Doch erfordert auch die äußerliche Anwendung der Carbolsäure auf
Wunden gewisse Vorsichtsmaßregeln, weil ohne Beachtung der letztern unter Umständen leicht Vergiftungserscheinungen auftreten
können. Sie ist deswegen neuerdings vielfach durch aseptische Vorsichtsmaßregeln ersetzt worden. (S.
Chirurgie.) Carbolsäure sollte aber in keinem Wochenzimmer mehr fehlen, da durch ihre Anwendung der Eintritt
des
Kindbettfiebers verhütet werden kann.
Auch gegen chronische
Hautkrankheiten
[* 7] hat sich die Carbolsäure vorzüglich bewährt. Das aus Steinkohlenteeröl dargestellte
Kreosot
ist nichts anderes als Carbolsäure. Dieses ist von dem Buchenteerkreosot (s.
Kreosot) wesentlich verschieden. – Verflüssigte Carbolsäure
(Acidum carbolicum liquefactum) ist nach dem
Arzneibuch für das
Deutsche Reich
[* 8] eine Mischung aus 100
Teilen Carbolsäure und 10
Teilen Wasser. Der flüssigen Form halber ist die Verwendung bequemer als die der festen
Carbolsäure. Es ist eine ätzende Flüssigkeit.
^[Artikel, die man unter Carbolvergiftung vermißt, sind unter K aufzusuchen.]
¶
mehr
Carbolsäure (s. d. und Phenol) öfters beobachtet; sie kann sowohl bei Einführung der letztern in den Magen
[* 10] wie bei äußerer
Anwendung (Einreibungen und Umschlägen auf offene Wunden und große eiternde Flächen, bei Klystieren und Ausspülungen) zu
stande kommen, wenn die hierzu verwandten Lösungen zu stark und oder zu lange Zeit hindurch oder in
unvorsichtiger Weise benutzt werden. Als Verbandwasser soll im allgemeinen nur eine ein-, höchstens zweiprozentige Carbollösung
Verwendung finden; bei kleinen Kindern sowie bei umfangreichen Wundflächen, namentlich Brandwunden, ist besondere Vorsicht
geraten, da in beiden Fällen die Möglichkeit einer Resorption der Carbolsäure und damit die Gefahr einer Vergiftung besonders
nahe liegt.