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«In der Schweiz war SAP relativ konkurrenzlos»
Kasten: 50 Jahre SAP
50 Jahre SAP
Fünf ehemalige IBM-Mitarbeiter gründeten am 1. April 1972 eine Software-Firma namens «Systemanalyse Programmentwicklung». Das damalige Start-up von Hans-Werner Hector, Dietmar Hopp, Hasso Plattner, Klaus Tschira und Claus Wellenreuther sollte bald unter dem Kürzel «SAP» bekannt werden.
Die fünf früheren Computerverkäufer waren bei IBM mit ihrer Idee abgeblitzt, eine eigene Software für betriebswirtschaftliche Anwendungen zu entwickeln. So gingen sie den Schritt in die Selbstständigkeit und fanden in dem britischen Chemiekonzern Imperial Chemical Industries (ICI) einen ersten Kunden. Im Rechenzentrum der deutschen Niederlassung wurde noch 1972 das erste SAP-Produkt entwickelt und implementiert: das Material-, Informations- und Abrechnungssystem (MIAS). Im Jahr darauf wurde die erste Finanzbuchhaltung fertiggestellt: RF (das R steht für «Real-time»). Es bildete den Grundstein für das spätere System SAP R/1. Mit dem System RM (Materialwirtschaft) baute sich SAP 1975 ein zweites Standbein auf. Im gleichen Jahr wurden Coop und Georg Fischer die ersten Kunden ausserhalb Deutschlands. Für den Landmaschinenhersteller John Deere übersetzte SAP 1978 die Bildschirmmasken ins Französische. Parallel wurde am Firmenstandort in Walldorf der erste Server in Betrieb genommen: ein Siemens 7738. Auf der Maschine wurde an der zweiten Generation der SAP-Software gearbeitet: R/2 wurde 1981 an der Messe «Systems» in München präsentiert.
Die Schweiz war 1984 wiederum Schauplatz einer wichtigen Geschäftsentwicklung von SAP: In Biel wurde die SAP International gegründet. Die Gesellschaft unter der Führung von Hans Schlegel war für die internationale Expansion des Software-Konzerns zuständig. Bis zum Ende des Jahrzehnts folgten Landesgesellschaften in Österreich, Frankreich, Spanien, Grossbritannien, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Italien, den USA, Singapur, Australien und Kanada. Für alle Märkte blieb aber Biel der erste Ansprechpartner. Mit dem Beginn der R/3-Ära Anfang der 1990er änderte SAP seine globale Strategie. 1992 wurde mit Schlegel der erste Ausländer in den SAP-Vorstand berufen. Er blieb für die internationalen Geschäfte zuständig, leitete diese fortan aber von Walldorf aus.
Der Wechsel vom Grossrechnersystem R/2 auf das plattformunabhängige R/3 in den frühen 1990ern markierte für SAP den Beginn des weltweiten Erfolgs. Insbesondere in den USA strebten die international tätigen Grosskonzerne nach einem kompatiblen System für Unix- (und Windows-)Maschinen, das auch ihre globalen Geschäfte abwickeln konnte. SAP kam zur rechten Zeit – und war bald gesetzt bei den Grossunternehmen. Dank der neuen Architektur hatten die Kunden auch noch bei den Systemkomponenten die Wahl, was den IT-Markt zusätzlich belebte. Gegen Ende des Jahrzehnts betrug der Auslandsanteil am Gesamtumsatz von SAP über 80 Prozent.
Das Platzen der Dotcom-Blase 2000 überstand SAP unter der Führung des langjährigen Entwicklungsleiters Henning Kagermann und dem Mitgründer Hasso Plattner glimpflich. Auch dank der Schweiz, wo das Software-Haus mit Nestlé seinen bis dato grössten Vertrag in der Firmenhistorie unterzeichnete. An kleine und mittelständische Unternehmen, bei denen SAP bis dahin kaum eine Rolle gespielt hatte, wandte sich 2007 Business ByDesign. Auch diese Lösung fand ihre Kunden, obgleich der Markt in diesem Segment wesentlich stärker umkämpft war. Das Kerngeschäft wurde 2013 mit der von Mitgründer Plattner initiierten In-Memory-Datenbank «Hana» neu belebt. Zwei Jahre später lancierte SAP die vierte und aktuelle Generation seiner Business-Software S/4Hana.
Heute zählt der Konzern über 460 000 Kunden in mehr als 140 Ländern. Wie das Unternehmen angibt, sind 99 der 100 grössten Firmen SAP-Kunden. Zudem arbeiten 85 der 100 grössten Unternehmen mit dem ERP-System S/4Hana.
Dieser Artikel ist im Rahmen der «Top 500»-Sonderausgabe von Computerworld erschienen. Das Heft einschliesslich Ranking lässt sich aufdieser Seite bestellen.