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KULTUR > Berge
Spannortgruppe
Eingebettet im mächtigen Gletscher des Glatt Firn liegt im oberen Dreieck: Erstfeldertal - Engelbergertal - Meiental, die bizarre, wildverzackte und formschöne Spannortgruppe.
Sie ist die höchste Erhebung im Gebiet des Erstfeldertales und teilt sich, getrennt durch das tief eingeschnittene Spannortjoch, in verschiedene Gipfel auf.
Formenvielfalt
Erhaben trohnt das Gross Spannort mit seiner Adlerspitze über dem mächtigen Gletscher das Glatt Firns. Bei Gorezmettlen im Meiental ragt sie wie eine Zitadelle senkrecht in den Himmel. Dem Talabschluss von Engelberg drückt die Familie der ruinenartienartigen Spannorte den eindrücklichen und prägenden Stempel auf. Südlich vom Spannortjoch trägt der Obelisk des Kleinen Spannort eine weisse Firnhaube, dessen nach Osten geneigtes Schneedach nach allen Seiten in die Tiefe fällt. Die unterschiedlichen Blickwinkel auf die Spannortgruppe veranschaulichen deren unverwechselbare Formenenvielfalt.
Erstbesteigung Gross Spannort 3198 m
1867 wurde das Grosse Spannort vom seinem Joch aus, erstmals erstiegen. Die britischen Alpinisten Rev. John Sowerby, und dessen Landsleute Waldemar Mansell, F. E. Thomphson und Robert Spankie erreichten mit den Urner Bergführern Josef Maria Tresch- Exer (1818- 1886) und Ambros Zgraggen, dem Karli- Breseler, (1825- 1904), den Gipfel über den leichtesten Anstieg von Süden.
Der weit schwierigere Westgipfel fiel erst 1903 durch die Engelberger Führer K. Hess und J. Kuster. Engagiert wurden sie vom Alpinisten Dr. H. Biely vom akademischen Alpenclub Zürich.
Adlerspitze
3021m
Am 11. August 1888 geleiteten die Engelberger Bergführer Placidus Hess, C. Amrein sowie Hurschler und Kuster von Süden her Baron de Stael und Le Grand zur eleganten Adlerpitze, die auch als Nordgipfel des Gross Spannort bezeichnet wurde.
Klein Spannort 3140 m
Das Kleine Spannort besteht aus einem, nach allen Seiten in steilen Wänden abfallenden, langgestreckten, mächtigen Kalk-steinklotz, der mit einer Schneehaube gekrönt ist. Die Süd- und Westwände, die nahezu senkrecht und von tiefen Kaminen durchzogen sind, sind nur schwer zu durchklettern. Auf der Nordseite hingegen ist der Fels gestuft und von Bändern durchzogen und weist einige begehbare Couloirs auf. Das Schmelzwasser der Firnkuppe scheidet sich fast auf allen Seiten des Berges aus und bewirkt oft starke Vereisung. Alle Routen bieten bei aperem Fels ziemlich schwierige Kletterei in teilweise brüchigem Fels. Am leichtesten ist der Anstieg über die Bänder der Nordwand. Der Abstieg führt über den Ostgrat, wo am Abbruch ein solider Eisenring das Abseilen erleichtert. Im Spätsommer ist die Randkluft an der Nordseite sehr breit und manchmal nicht überschreitbar. Clubführer Urner Alpen West 1966
Ein instabiler Kalkschieferturm, das
Kleinstes Spannort, in Analogie zur Adlerspitze auch Falkenturm genannt
Das Kleinste Spannort wurde 1907 durch Siegfried Behn mit den zwei Engelberger Bergführern Carl und Hermann Hess, erstmals betreten. Von der Scharte zwischen Chli Spannort und Falkenturm tramversierten sie zuächst eine zirka 30 Meter breite Fluh. „Siegfried Behn in Kletterfinken, die Führer barfuss“. Die Fluh reichte hinauf bis in die Nordflanke des Gipfels. Von dort aus wies ein Kamin den weiteren Routenverzur Spitze des Falkenturms.
Spannort
Herrlichster Gipfel des Tales, du zwiefach getürmter
Mächtig gegründet im breiten Gefüge des grauen Gesteins.
Kraftvoll gegliedert mit Schatten und Lichtern zur Höhe strebend
Gotisch verjüngend die Bauten der prächtig sich zackenden Pfeiler
bis zu den krönenden Helmen die einsame Wolken noch tragen.
Glühst du im Feuer des Abends so bist du den Menschen gegeben
da du uns Quader um Quader an Streben und Mauern erleuchtest.
Aber im Schimmer des Morgens, im Osten zum glühenden Tage
Zaghaft sich zeigend, erhellt dem Einen nur der dich erdachte.
Dämmer noch hüllet dem Auge des Menschen dich,
Dombau des Höchsten. Ihm aber dienest du einzig.
Du lobest mit Wänden und Klüften schweigend
und betend zugleich. Ihn, dessen Zeichen du trägst.
E. Amberg
Deutung des Namens Spannort
Zur Erklärung des Namens Spannort bietet sich an:
SPAN (N) mittelhochdeutsch Streit, an. Nicht ganz auszuschliessen ist aber auch
SPAN, Holzspan, wegen des zerklüfteten, wildverzackten, spanartigen Aussehens des Massivs. UNB
Span z.B. den Span theilen, die Misshelligkeit ausgleichen, so das jeder Theil etwas nachgibt.
Span(zedel) Bestallungsbrief, welcher die Rechte und Pflichten eines bepfründeten Geistlichen enthält und alljährlich erneuert wird.
Spannen Die Höhe, Breite und Länge eines Gebäudes mit Latten bezeichnen, ehe der Bau angefangen wird“.
(Schweizerisches Idiotikum, Franz J. Stalder 1832).
Sepp Huber