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Samstag, 10. September 2005, 23:21 Uhr
Carmina Quartett. Wolfgang Meyer, Klarinette
Schubert, Uzor, Mozart.
Die Interpretationen des Carmina Quartettes und des Klarinettisten Wolfgang Meyer haben beide weltweit Aufsehen erregt und Masstäbe gesetzt. So arbeitete das Quartett u.a. auch zusammen mit Dietrich Fischer-Dieskau, Barbara Hendricks, Mitsuko Uchida und Antonio Meneses. Meyer spielt mit Sabine Meyer im Trio di Clarone und mit dem Concentus Musicus und dem Quatuor Mosaiques.
Meyer und das Carmina Quartett verbindet ein erweitertes Interpretationsverständnis basierend auf ihrem Interesse an historischer Aufführungspraxis. Meyer spielt eine Bassetklarinette, eine A-Klarinette mit einem erweiterten Tonumfang. Sie ist ein Nachbau des Instrumentes, mit welchem Stadler Mozarts Solowerke für Klarinette uraufgeführt hat, und verfügt über einen in der Tiefe erweiterten Tonumfang.
In diesem Konzert verbinden sich Schuberts Quartett „Der Tod und das Mädchen“ und Mozarts Klarinettenquintett, zwei der grossartigsten Werke der Kammermusik, mit einem Werk des in St. Gallen beheimateten Komponisten Charles Uzor. Shakespeares sonnet 65 für Streichquartett und Tonband, dem (auch mystischen) Phänomen des innerlichen Zeiterlebens gewidmet.
Selten dürften diese Werke in einer berührenderen Atmosphäre zu hören sein.
Programm
Franz Schubert Quartett d-moll D 810 „Der Tod und das Mädchen“
Charles Uzor Shakespeares sonnet 65 für Streichquartett und Tonband
Pause
W.A, Mozart Klarinettenquintett KV 581 A-Dur
Charles Uzor wurde in Nigeria geboren. Mit sieben, während des Biafrakriegs, kam er in die Schweiz. Nach der Matura 1982 studierte er in Rom Musik, anschliessend Oboe und Komposition an den Konservatorien von Bern und Zürich. 1986 traf er in Assisi den Oboisten Gordon Hunt, der ihn zu einem Postgraduate-Studium an der Royal Academy of Music in London ermutigte. 1990 erhielt Charles Uzor das Rezital-Diplom sowie den Master in Komposition von der University of London. Er kehrte in die Schweiz zurück und begann eine Dissertation über Melodie und innerliches Zeitbewusstsein (Abschluss 2005).
Charles Uzors Schaffen umfasst Opern, Tanz-, Orchester- und Chorwerke, sein Hauptinteresse liegt jedoch auf Werken für kleinere Besetzung und Gesang. 1993-98 arbeitete er eng zusammen mit Daniel Beriger und dem Schweizer Ensemble La Notte, das sich auf seine Kompositionen spezialisierte, dann mit dem Gitarrenquartett quasi fantasia, dem Carmina Quartett und dem Klarinettisten Wolfgang Meyer.
Echnaton’s Hymnos to Aton aus dem Opernfragment Solar Eclipse wurde am Opernhaus Kairo aufgeführt. Seine Oper Black Tell wurde 2002 an der Schweizer Expo gespielt. Uzors Werke sind zum Teil auf CD eingespielt und wurden beim Rundfunk und Fernsehen ausgestrahlt. 2005 erfolgte die erste CD mit Orchesterwerken bei col legno.
Charles Uzor zu Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ d-moll D810
„Schuberts Streichquartett in d, vollendet im März 1824, war zusammen mit dem Rosamunde Quartett und dem Oktett eines der ersten kammermusikalischen Werke seit über drei Jahren, die Schubert 27jährig schrieb, nachdem er die Hoffnung auf einen markanten Bühnenerfolg aufschieben musste. Im langsamen Variationssatz greift Schubert das Lied Der Tod und das Mädchen auf. Das Quartett gehört zu Schuberts grossen Werken der Spätphase, in der die erschütternde Erkenntnis seiner Infektionskrankheit eine Tiefe der harmonischen Wendungen und eine leuchtende Klanglichkeit nicht zu hemmen vermochte.“…
Wolfgang Meyer zu Mozarts Klarinettenquintett KV 581:
„Das Klarinettenquintett KV 581, sowie viele andere Kompositionen von Mozart für Klarinettte oder Bassetthorn, verdanken wir der Freundschaft Mozarts mit Anton Stadler. Dieser Klarinettist bemühte sich um die Weiterentwicklung von Klarinette und Bassetthorn. In Gerbers „Lexikon der Tonkünstler“ von 1792 ist unter dem Stichwort „Stadler“ zu lesen, dass dieser „…sein Instrument an tiefen Tönen noch um eine Terz vermehrt habe, so dass er statt des sonst tiefsten E noch Dis, D, Cis und C mit besonderer Leichtigkeit hören lässt“.
Stadler und der Instrumentenbauer Theodor Lotz stellten im Februar 1788 ein Instrument her, welches wir heute Bassettklarinette nennen.“… „Zahlreiche Passagen in allen vier Sätzen des Quintetts“… „lassen für mich den Schluss zu, Mozart habe ursprünglich dieses Werk auch für die Bassettklarinette geschrieben.“
Carmina Quartett:
Matthias Enderle, Violine
Susanne Frank, Violine
Wendy Champney, Viola
Stephan Goerner, Violoncello
Grosse musikalische Intensität, selbstverständliche Perfektion und ein waches Interesse für stilistische Werktreue kennzeichnen das 1984 in der Schweiz gegründete Carmina Quartett. Schon früh sorgten spektakuläre Wettbewerbserfolge für Schlagzeilen in der internationalen Presse und ebneten den Weg auf die grossen Konzertpodien der Welt. Die Financial Times reihte das Carmina Quartett in die Gruppe der führenden Streichquartette dieser Zeit ein.
Zu den Mentoren des Quartetts gehören das Amadeus- und das La Salle Quartett, Sandor Végh und Nikolaus Harnoncourt. Insbesondere die Zusammenarbeit mit dieser grossen Persönlichkeit förderte ein Verständnis für die historische Spielweise, die seither undogmatisch und lebendig die Interpretationen des Carmina Quartetts prägt. Neben einem grossen Quartettrepertoire, das Raritäten aller Epochen einschliesst, pflegt das Quartett auch das Zusammenspiel mit Musikern wie Mitsuko Uchida, Elisabeth Leonskaja, Emanuel Pahud, Truls Mork, Wolfgang Meyer, Sabine Meyer, Antonio Menesses, Veronika Hagen, Olaf Bär und Wolfgang Holzmair.
Sämtliche bisher bei Denon erschienenen CD-Aufnahmen lösten bei Kritik und Publikum einhellige Bewunderung aus und wurden mit renommierten Auszeichnungen bedacht: Gramophone Award, Diapason dOr, Choc, Preis der deutschen Schallplatten-Kritik, Grammy-Award-Nominierung.
Wolfgang Meyer
Der Klarinettist Wolfgang Meyer, in Crailsheim geboren, studierte von 1966 bis 1978 bei Otto Hermann und Hans Deinzer. Er war Preisträger verschiedener Wettbewerbe; 1979 erhielt er einen Lehrauftrag an der Musikhochschule in Karlsruhe und seit 1989 eine Professur. Als Solist setzt sich Wolfgang Meyer insbesondere für zeitgenössische Werke ein. Im kammermusikalischen Bereich arbeitet er bevorzugt mit seiner Schwester Sabine im Trio di Clarone, dem Zemlinsky-Trio, dem Carmina Quartett und dem Quatuor Mosaiques. 1996 Beginn der Zusammenarbeit mit dem Concentus musicus Wien unter Nicolaus Harnoncourt.