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Einkorn und Emmer bildeten während der Jungsteinzeit die Grundlage der Ernährung der damaligen Bevölkerung. Einkorn war auch in den mittelalterlichen Fundstellen häufig vertreten. Wegen des geringen Ertrages ging seit dem Mittelalter der Anbau von Einkorn stark zurück. Allerdings war Mitte des 19. Jh. im oberen Baselbiet noch reichlich Einkorn anzutreffen. Das anspruchslose Einkorn wurde vorwiegend als Winterfrucht gesät und diente als Notnagel, wenn andere Wintersaaten verdarben.
Die Bedeutung des Emmers ging bereits in der Bronzezeit zurück. In spätmittelalterlichen Funden in Laufen wurde Emmer nur noch spärlich nachgewiesen. Caspar Bauhin erwähnt den Emmer 1622 in Riehen, später sind Felder um die Farnsburg, bei Wittinsburg und noch 1906 in Ormalingen überliefert. In den 1950er-Jahren entdeckte man auf einem kleinen Bauernhof in Buus zwischen Mäusekot ein paar Emmerkörner. Daraus konnte eine alte Landsorte gezogen und in den Katalog von ProSpecieRara aufgenommen werden.
Im Mittelalter tauchte im Süden Deutschlands und in der Nord- und Zentralschweiz Dinkel auf. Er ist anspruchsloser als der Weizen und konnte gut auf kargen Böden und bei rauem Klima angebaut werden. Dinkel war bis ins 19. Jh. neben Hafer die wichtigste Getreideart in der Region und wurde oft einfach Korn genannt. Er wurde gerne als «Mischleten» zusammen mit andern Getreiden wie dem Emmer angebaut.
Obwohl der Weizen in der Region Basel bereits im Mittelalter nachgewiesen ist, wurde er bis ins 18. Jh. selten angebaut. Seine hervorragende Mehlqualität für Weissbrot und Semmeln waren allerdings bekannt. Weizen ist die anspruchsvollste Getreideart und war im 19. Jh. vorwiegend in den Gunstlagen des Birs- und Birsigtales zu finden. Die gute Verarbeitbarkeit beim Dreschen und die Düngung verhalfen dem Weizen im Laufe des 20. Jh. zum Durchbruch. Er wurde zum wichtigsten Getreide - regional und weltweit.
In der Region wurde die Gerste, die bezüglich Klima geringe Ansprüche stellt, stets angebaut, spielte aber im Vergleich zu anderen Getreidearten eher eine untergeordnete Rolle. Kettiger beschreibt 1857: «Auf den zwischen den Thälern liegenden, durchschnittlich 800-1000 über dieselben sich erhebenden Höhen endlich verschwinden Waizen und Roggen fast gänzlich und treten Korn, Einkorn, Gerste, Hafer vorzugsweise an deren Stelle.» Mit den Höhen von 800-1000 (Fuss, entspricht 240 bis 300 m ü. M.) über den Tälern sind die Hochflächen des Tafeljuras gemeint.
Roggen scheint gemäss archäologischen Funden zur Römerzeit und im Frühmittelalter bedeutend gewesen zu sein. Im Hoch- und Spätmittelalter sind dann allerdings regional nur noch wenige Nachweise vorhanden. In der Neuzeit, ab 1500, hat der Roggenanbau wieder zugenommen und Roggen galt als wichtiges Brotgetreide. In der Mitte des 19. Jh. wird er vor allem im unteren Ergolztal als häufig beschrieben. Im 20. Jh. ging der Roggenanbau gegenüber dem Weizen stark zurück.
Der Mutterkornpilz lebt parasitisch in den Roggenähren und wurde zusammen mit den Roggenkörnern zu Mehl vermahlen und zu Broten verarbeitet. Beim Verzehr des Roggenbrotes verursachte der Pilz die verheerende Seuche des Antoniusfeuers, auch Ergotismus genannt. Die überaus giftigen Mutterkorn-Alkaloide führten nach der Einnahme zu heftigen, schmerzhaften Symptomen mit Krampferscheinungen und mit der Zeit zu Verstümmelungen der Glieder. Mutterkornreste konnten zum Beispiel bei mittelalterlichen Grabungen in Laufen nachgewiesen werden.
Hafer wurde seit dem Mittelalter überall stetig angebaut und war zusammen mit dem Dinkel lange Zeit die wichtigste Getreideart in der Region. Während Dinkel als Brotgetreide diente, wurde Hafer zu Haferbrei verarbeitet und vorwiegend als kraftspendendes Frühstück verzehrt. Als Futtergetreide vor allem für Pferde spielte Hafer immer eine wichtige Rolle. Mit dem Siegeszug der Kartoffel in der zweiten Hälfte des 18. Jh. und mit zunehmender Motorisierung in der Landwirtschaft zu Beginn des 20. Jh., ging die Pferdehaltung zurück und damit auch der Haferanbau.
Als Hirsen werden mehrere Gräsergattungen bezeichnet, die relativ kleine, meist rundliche stärkereiche Körner liefern. Zwei Arten, die Rispen- und die Kolbenhirse, wurden vor allem im Mittelalter und in der frühen Neuzeit auch in der Region angebaut und dienten als Hirsebrei zur Ernährung der ärmeren Bevölkerung. Hirse ist punkto Klima und Boden anspruchslos. Besonders viel Hirse muss im grenznahen Elsass gepflanzt worden sein. Caspar Bauhin erwähnt Huningue, wo am meisten Hirse gepflanzt werde. Bei Hirsingue (Hirsingen, bei Altkirch) zeugt selbst der Name vom intensiven Anbau. Mit dem Aufkommen der Kartoffel verschwand die Hirse zunehmend und spielte im 20. Jh. keine Rolle mehr.
Buchweizen ist kein Getreide im eigentlichen Sinne, da die Pflanze nicht zu den Gräsern gehört. Die stärkehaltigen Samen dieses Knöterichgewächses werden aber ebenfalls gemahlen und zu Mehl verarbeitet. So zählt man den Buchweizen zu den Pseudocerealien. Buchweizen kam erst im Spätmittelalter aus Osteuropa in die Region. Er konnte auf mageren, sandigen Böden und auf Moor- und Heideböden angepflanzt werden, wo andere Getreidearten nicht mehr gediehen. Dies trug ihm vermutlich auch den Namen Heidenkorn ein. Mit dem Aufkommen der Düngemittel verlor der Buchweizen seine Bedeutung.
BE
*Kreuzung Weizen x Roggen
Quelle: Schweizerische Brotinformation SBI