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Um was geht es?
Die Mumins sind eine finnische Trollfamilie, welche in einem beschaulichen Tal lebt und dort die unterschiedlichsten Abenteuer erlebt. Schnupferich, Mü und Filifjonka, Hemule, Hatifnatten und ein gefrässiger Ameisenbär sind nur eine Auswahl an Figuren, welche ihre fantastische Welt bevölkern. Und obwohl die Trolle sehr harmlos und gemütlich aussehen, kann es dort ziemlich gefährlich zu- und hergehen. Da können schon mal Überschwemmungen und Kometen die Idylle bedrohen und den Zusammenhalt der Familie auf die Probe stellen.
Während es in den ersten Büchern meistens um die gemeinsame Bewältigung von äusseren Bedrohungen geht, konzentriert sich «Winter im Mumintal» ganz auf den pubertierenden Mumin, der als Einziger aus dem Winterschlaf erwacht und das erste Mal mit der Kälte und der Einsamkeit des Winters konfrontiert wird. Er muss, ganz auf sich allein gestellt, lernen, sich zu behaupten und sich seinen Ängsten zu stellen. Fast beiläufig wird aus dem Jugendlichen ein Erwachsener.
Das Ende der Geschichte ist bezeichnend: Mumin findet im Schnee einen Krokus. Als seine Freundin, das Snorkfräulein, die Blume mit einem Glas vor der Kälte schützen will, sagt er: «Lass ihn selbst irgendwie zurechtkommen. Es wird ihm bloss gut tun, wenn nicht alles ganz glatt geht, glaube ich.»
Entstehung
Die Autorin Tove Jansson wurde 1914 in Helsinki geboren und wuchs in einer Künstlerfamilie auf. Der Vater ein Bildhauer, die Mutter eine bekannte Grafikerin, war ihr Lebensweg schon früh vorgezeichnet: Sie arbeitete als Grafikerin, Malerin und Illustratorin, bevor sie zu schreiben begann. 1945 erschien ihr erstes Muminbuch: «Mumins lange Reise». Ihm folgten bis 1970 weitere acht Bände.
Die darin agierende Hauptfigur zeichnete sie schon als Kind, den Namen soll sie nur wenig später erhalten haben: Als sie in den Dreissigerjahren als junge Studentin bei einer verwandten Familie lebte, hatte sie angeblich die Angewohnheit, sich nachts in die Speisekammer zu schleichen. Um sie zu necken, habe ihr Onkel ein Gespenst erfunden, welches dort leben und sie erschrecken würde. Sein Name? Mumin.
Tove Jansson wurde für ihr Werk mit mehreren Dutzend Preisen aus aller Welt ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie 1953 die Nils-Holgersson-Plakette und 1966 den Hans-Christian-Andersen-Preis für Kinder- und Jugendliteratur.
Weitere Infos
Anfang der Fünfzigerjahre begann Tove Jansson, die Abenteuer ihrer Trollfamilie auch als Comicstrips zu veröffentlichen. Die Strips wurden später in 120 Zeitungen in 40 Ländern veröffentlicht und bilden damit bis heute die erfolgreichste finnische Comic-Serie.
Die Geschichten der Mumins wurden, teilweise in Zusammenarbeit mit der Autorin, mehrfach verfilmt und für die Bühne adaptiert. Nicht immer fand die Umsetzung dabei ihre Zustimmung.
1987 wurde im finnischen Tampere ein Museum eröffnet, das sich ganz den Trollen widmet, seit 1993 gibt es mit «Muumimaailma» gar einen Themenpark in Naantali. Daneben existiert kaum ein Gegenstand, auf dem die Mumins nicht sind, sie werden gar auf die finnischen Briefmarken gedruckt.
Zu guter Letzt
Die Mumin-Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Soeben hat der deutsche Arena Verlag die neun Bücher von Brigitta Kicherer neu übersetzen lassen und als Taschenbuch-Serie herausgegeben.
Die einzelnen Bände können unabhängig voneinander gelesen werden. Sowohl inhaltlich als auch grafisch unterscheiden sich die Bücher stark voneinander, hat doch Tove Jansson ihren Stil kontinuierlich weiterentwickelt. Je nach Übersetzung, Verlag und Auflage können weitere Unterschiede dazukommen, es lohnt sich also zu vergleichen.
Die Mumins eignen sich zum Selberlesen ab sieben Jahren, zum Vorlesen für Kinder ab fünf Jahren, werden aber auch gern von Erwachsenen gelesen.
Die Mumin-Klassiker können Sie beim Arena Verlag (www.arena-verlag.de) bestellen.
Der Kommentar der Expertinnen
Astrid Lindgren und Tove Jansson begründeten die moderne Kinderliteratur in Schweden. Sie trauten Kindern etwas zu, standen dafür ein, Kinder Kinder sein zu lassen, und erzählten ganz aus der Kinderperspektive heraus. Die ersten Mumin-Bücher auf Deutsch erschienen Anfang der Fünzigerjahre beim christlichen Benziger-Verlag. Dieser strich zahlreiche Textstellen und ergänzte nach eigenem Gutdünken. Auch die folgenden Übersetzungen kamen nicht an die Originale heran. Ähnlich erging es Tove Janssons Zeichnungen, die ein wichtiger Bestandteil aller Mumin-Bücher sind: Sie wurden weggelassen, ausgetauscht oder retouchiert, weil die deutschsprachigen Verlage das Gefühl hatten, die Muminbücher so kindgerechter machen zu können.
Erst die ab dem Jahr 2000 im Arena-Verlag erscheinenden Neuübersetzungen kommen dem Original wirklich nahe. Die Übersetzerin Birgitta Kicherer schafft es, die Vielschichtigkeit der Bücher – ihre kindliche und philosophische Ebene – auch im Deutschen aufleben zu lassen. Diese existenzielle Perspektive, die in allen Mumin-Büchern steckt, macht den Reiz der Lektüre auch für Erwachsene aus. Janssons Texte sind sperriger als die von Astrid Lindgren: Sie bauen keinen Gegensatz zwischen Kindheit und Erwachsensein auf, in den Mumintrollen stecken immer beide Seiten zugleich. Dazu kommt die zentrale Verbindung von Text und Bild. Die Bilder illustrieren nicht bloss das im Text Erzählte, sie eröffnen durch die Art, wie Tove Jansson ihre Figuren zeichnet (keine offensichtlichen Grössenunterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen; rundliche, keinem Geschlecht zuzuordnende Figuren), andere Sichtweisen.
Tove Janssons Mumin-Bücher sind hierzulande immer noch ein Geheimtipp. Ihre grosse Qualität ist es, dass sie von Kindern und Erwachsenen gelesen und auf ganz unterschiedliche Weise erfahren werden können: von der niedlichen Trollgeschichte bis zum tiefenpsychologisch fundierten Entwicklungsroman. Das macht die Mumins zeitlos und definitiv zum Klassiker.
Bewertung: *****
Bewertungsschema:
***** = Ein echter Klassiker!
**** = sehr empfehlenswert
*** = empfehlenswert
** = Zeitverschwendung
* = Ab in die Brockenstube damit!
Unsere Expertinnen
Barbara Jakob ist Projektleiterin in der Abteilung Literale Förderung des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien SIKJM; Christine Tresch leitet die Abteilung Literale Förderung und ist Mitglied der Geschäftsleitung des SIKJM.
Schweizerisches Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM
Zeltweg 11, 8032 Zürich
Tel. 043 268 39 00
www.sikjm.ch
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