Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03309.jsonl.gz/1214

Aber der Reihe nach: Um 1957 wurden in der Stadt Bern die ersten Hochhäuser gebaut, nämlich im Wylerquartier, im Fischermätteli die drei markanten roten Backsteinbauten beim Könizbergwald sowie die drei Hochhäuser an der Bahnstrasse auf dem Steigerhubel. Hochhäuser dürfen laut Bauordnung nicht zu dicht nebeneinander gebaut werden und um die Zwischenräume zwischen den Hochhäusern an der Bahnstrasse auszunutzen, errichtete die Bauherrschaft dort zweistöckige Flachbauten mit kleinen Wohneinheiten, welche als Alterswohnungen gedacht waren (Bahnstrasse 69 und 89). In den 80er-Jahren übernahm der Verein Bettwärme diese zum Immobilienportfolio der Stadt Bern gehörenden Flachbauten als Mieterin. Der Verein Bettwärme war Teil der vom Zürcher Pfarrer Ernst Sieber ins Leben gerufenen Hilfswerke und die im Volksmund «Chüngeliställe» genannten Wohnungen wurden fortan an Menschen untervermietet, welche von Obdachlosigkeit bedroht waren und sind. Der Verein Bettwärme fusionierte vor 10 Jahren mit dem ähnliche Ziele verfolgenden Verein Obdach und ist heute unter dem Namen WOhnenbern tätig. Mit der Stadt Bern besteht seit der Fusion ein Leistungsvertrag.
Modulare Neubauten
Vor rund einem Jahr beschloss die Stadt Bern, die in die Jahre gekommenen «Chüngeliställe» abzureissen und durch Neubauten zu ersetzen. Der Ersatz für die beiden Häuser ist jeweils dreigeschossig und besteht aus je 27 vorgefertigten Modulen, die während weniger Wochen mittels Kran auf dem Fundament platziert und zusammen verankert werden. Zusammen mit der Montage der Balkone und Treppenhäuser, weiterer Detailarbeiten und der Umgebungsgestaltung beträgt die gesamte Bauzeit für ein solches Haus weniger als ein halbes Jahr. So schafft man heute guten und günstigen Wohnungsbau. Die Module erlauben diverse Kombinationen und somit Flexibilität. So können im Neubau neben Einzimmerwohnungen auch Zwei- und einzelne Familienwohnungen angeboten werden. Mieterin bleibt weiterhin der Verein WOhnenbern, welcher die Wohnungen untervermietet und an der Bahnstrasse 69 auch ein Büro und ein kleines Café betreiben wird. Es soll auch der Nachbarschaft als Treffpunkt und Anlaufstelle dienen. Der Neubau an der Bahnstrasse 69 wurde teilweise bereits bezogen. Das alte Haus Nr. 89 wird gegenwärtig abgerissen.
Problematisch war die Übergangszeit zwischen alt und neu, weil erstens die Mieterinnen und Mieter während der Bauzeit eine Übergangsunterkunft brauchten. Dieses Problem war lösbar. Die meisten konnten im Obergeschoss des ehemaligen Zieglerspitals untergebracht werden. Aber zweitens war weder WOhnenbern noch die Stadt Bern darauf gefasst, dass die vor dem Abbruch leerstehenden Wohnungen des alten Hauses Nr. 69 besetzt würden, was in der Folge ziemliche Unruhe ins Quartier brachte, da einzelne dieser Besetzer durch schwieriges Verhalten auffielen. Es kam auch zu diversen Polizeieinsätzen. Einzelne Bewohnerinnen und Bewohner der Hochhäuser trauten sich laut eigenen Angaben des Nachts fast nicht mehr aus ihren Wohnungen. Beim Haus Nr. 89 hatte man dann aus der Erfahrung gelernt und leerstehende Wohnungen bis zum Abriss an Künstlerinnen und Künstler als Ateliers zwischenvermietet.
Echogruppe und soziale Durchmischung
Robert Mäder, Sozialarbeiter und Mitglied des Leitungsteams von WOhnenbern zeigt sich zuversichtlich, dass wieder Ruhe ins Quartier einziehen wird. Der Verein habe eine Echogruppe mit den Nachbarn gebildet, deren Gespräche bereits sehr viele konstruktive Ergebnisse erzielt hätten. Auch zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner sollen Teil dieser Echogruppe sein. Auch sei die als Hauswart vorgesehene Person in der Nachbarschaft wohnhaft und dort gut vernetzt. WOhnenbern strebt für die Häuser zudem eine ausgewogenere soziale Durchmischung als bisher an. Es sollen neu auch Personen Wohnungen mieten können, die nicht zur Klientschaft des Vereins gehören. «Wir haben eine solche Durchmischung bereits in einem unserer anderen Häuser realisiert und das hat zu einer enormen Stärkung der Nachbarschaftshilfe geführt», erklärt Robert Mäder. Dafür bestehe WOhnenbern auf ein striktes Hundeverbot in den neuen Liegenschaften. Zu gross seien die Probleme gewesen, welche in den alten Häusern durch Hunde haltende Kunden verursacht worden seien.
Im Büro an der Bahnstrasse 69 sollen, gemeinsam mit einem Stützpunkt der PFAPP, Praxis für ambulante psychiatrische Pflege, vier Teilzeitarbeitsplätze eingerichtet werden. Für das Café werden reguläre Öffnungszeiten angestrebt.
Quelle: Quartiermagazin Stadtteil 3 Bern Dez. 2018-Feb 2019