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Chemie | Biochemie | Medizin
Natalie Guggenbach, 1999 | Wilen, OW
Eine gesunde Atmung und ein leistungsfähiger Atemapparat ist von grosser Bedeutung für einen unbeschwerten Alltag. Nur durch eine ökonomische und tiefe Atmung erhalten unsere Körperzellen genügend lebenswichtigen Sauerstoff. Dies wirkt sich auf unsere physische Leistungsfähigkeit und unser körperliches Wohlbefinden aus. In dieser Arbeit wird analysiert, ob anhand eines kurzen Übungsprogrammes (15 Minuten 4x pro Woche) unsere Atmung und das damit zusammenhängende körperliche Wohlbefinden verbessert werden können. Hierzu führte eine Testgruppe während drei Monaten ein zusammengestelltes Übungsprogramm aus. Die Auswertung zeigte, dass sich die Vitalkapazität, die Ruheatemfrequenz und das körperliche Wohlbefinden durch das Programm verbesserten. Folglich reicht ein kurzes Übungsprogramm, um die Atmung wie auch die Lebensqualität zu verbessern.
Fragestellung
Die Funktion unseres Atemapparates ist durch unterschiedliche, messbare Grössen erfassbar. Zwei entscheidende Grössen sind die Vitalkapazität und die Ruheatemfrequenz. Eine gute Atmung zeichnet sich durch eine grosse Vitalkapazität und eine niedrige Ruheatemfrequenz aus.
Die Forschungsfrage lautete, ob die Vitalkapazität, die Ruheatemfrequenz pro Minute und das körperliche Wohlbefinden durch ein spezifisches Übungsprogramm innerhalb von drei Monaten positiv verändert werden können.
Methodik
Für die 12 Probanden wurde ein Übungsprogramm erstellt. Dieses beinhaltete Übungen zur Körperhaltung, Beweglichkeit des Atemapparates, Kräftigung der Atemmuskulatur, Atemtechnik und Entspannung. Das Übungsprogramm wurde von den Probanden während 12 Wochen vier Mal pro Woche absolviert. Vor und nach der Trainingsphase wurden die Vitalkapazitäten und Ruheatemfrequenzen aller Probanden gemessen. Diese Grössen konnten mit Hilfe eines Spirometers als Messsonde, dem Vernier Computer Interface und der Logger Pro Software erfasst werden. Zur Auswertung wurden die Daten vor und nach der Versuchszeit verglichen und die durchschnittliche Veränderung sowie die Standardabweichung berechnet. Den Einfluss des Übungsprogrammes auf das körperliche Wohlbefinden zeichnete ein Fragebogen auf, den die Probanden wöchentlich ausfüllten. Dieser beinhaltete Fragen zur Schlafqualität, muskulären Schmerzen und zur Leistungsfähigkeit im Alltag. Durch Vergleiche des ersten und letzten Fragebogens liessen sich Verbesserungen oder Verschlechterungen feststellen.
Ergebnisse
Alle Probanden wiesen nach der Versuchszeit eine grössere Vitalkapazität auf. Die prozentuale Vergrösserung der Vitalkapazität der Probanden umfasste Werte von 2.9% bis zu 25.4%. Im Durchschnitt steigerte sich die Vitalkapazität um 13%. 9 von 12 Probanden ist es gelungen, die Ruheatemfrequenz um bis zu 16.3 Atemzüge pro Minute zu senken und somit zu verbessern. Drei Probanden wiesen bei der Endmessung eine leicht höhere Ruheatemfrequenz von bis zu 1.8 Atemzüge pro Minute auf. Im Durchschnitt senkte sich die Ruheatemfrequenz um 3.4 Atemzüge pro Minute. Alle Probanden zeigten eine Verbesserung bezüglich des körperlichen Wohlbefindens. Ihre Leistungsfähigkeit im Alltag hat zugenommen, muskuläre Schmerzen verringerten sich oder sie spürten eine Steigerung in ihrer Konzentrationsfähigkeit. In welchen dieser Bereiche der grösste positive Effekt stattfand war sehr unterschiedlich. Auch die Ausprägungen der Verbesserungen variierten stark.
Diskussion
Die Steigerung der Vitalkapazität erfolgte möglicherweise durch die verbesserte Atemtechnik, bessere Brustkorbbeweglichkeit, aufrechtere Körperhaltung und verstärkte Atemmuskulatur. Dadurch wurde das Ausdehnungsvermögen von Brustkorb und Lunge erweitert. Zusätzlich verringerte sich das Residualvolumen, wodurch nun mehr Luft ein- und ausgeatmet werden kann. Die damit zusammenhängende mögliche Vertiefung der Ruheatmung und die verbesserte Entspannungsfähigkeit liessen die Ruheatemfrequenz pro Minute senken. Grund für die leichte Steigerung der Ruheatemfrequenz von drei Probanden könnten Stress oder Nervosität gewesen sein. Ein geringes Mass dieser beiden Emotionen lässt die Frequenz ansteigen. Die Übungen zur Verbesserung der Entspannungsfähigkeit beeinflussten auch das körperliche Wohlbefinden wesentlich. Somit zeigte sich eine Verbesserung bezüglich der Schlafqualität, muskulären Schmerzen und der subjektiven Leistungsfähigkeit.
Schlussfolgerungen
Die Resultate beweisen, dass ein kurzes Trainingsprogramm, welches vier Mal wöchentlich während drei Monaten durchgeführt wird, einen positiven Einfluss auf unsere Atmung hat. Die Auswirkungen zeigen sich in der Steigerung der Vitalkapazität, Senkung der Ruheatemfrequenz sowie Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens.
Würdigung durch den Experten
Mathias Guler
Mit viel Elan, grossem Durchhaltevermögen und Fleiss gelang es Natalie Guggenbach, nicht nur ein eine klinische Forschungsarbeit zu leiten, sondern die Resultate in einer logischen und professionellen Art zu präsentieren. Nathalie Guggenbach kreierte zudem ein Atemgymnastikprogramm, dass sich durch Fachlichkeit, Abwechslungsreichtum und Kreativität auszeichnet. Dabei übte sie sich in der Rolle der Gesundheitsförderung, Projektleitung und Autorin.
Prädikat:
sehr gut
Kantonsschule Musegg, Luzern
Lehrerin: Yvonne Henggeler