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Flussufer Brugnasco und Altanca am Weg von Airolo ins Val Piora, dann Ronco, Deggio, Catto und Lurenco, die unter sich und mit Airolo durch einen guten Weg verbunden sind. Den Uebergang zur zweiten Thalstufe, derjenigen von Faido, vermittelt die 3-4 km lange Schlucht von Dazio Grande, die aus dem das Thal quer abschliessenden Monte Piottino (deutsch Platifer) ausgewaschen ist. Sie ist mit ihren bizarr geformten und wild zerrissenen Felsgebilden eine der grossartigsten und wildesten Schluchten der Schweiz. An ihrer Ausmündung sieht man sich mit einem Schlag in die insubrische Region, die Vorhalle Italiens, versetzt.
Schon oberhalb des Dorfes Faido trifft man auf die ersten Kastanienbäume, die von da an die untern Thalhänge bekleiden, während weiter oben Buchen und Lärchen und darüber die Alpweiden folgen, die ihrerseits wieder von Felsgipfeln und einigen Schneegipfeln überragt werden. In der Thalsohle gedeihen Mais, Weinreben und Maulbeerbäume. Diese 8 km lange Thalstufe senkt sich von 700 bis 600 m und hat somit eine mittlere Sohlenhöhe von 650 m. Im obern Abschnitt steht Faido, der Hauptort des Bezirkes Leventina, in prachtvoller Landschaft kurz vor dem Ausgang der Schlucht von Dazio Grande, von Wasserfällen umrahmt, dessen schönsten die Piumogna bildet.
Der Flecken zeigt in seiner Bauart eine eigentümliche Mischung von schweizerischem Alpenstil mit italienischem Gepräge: braune Holzhäuser mit Gallerien und grossen überhängenden Dächern wechseln ab mit steinernen Häusern mit flachen Dächern, Balkonen, Wandmalereien und schön skulptierten Fenster- und Türrahmen. Wie die übrigen Ortschaften der Leventina gewinnt auch Faido als Sommerfrische von Jahr zu Jahr an Bedeutung. Tiefer unten liegen Chiggiogna mit der ältesten Kirche des Thals, dann gegen die Biaschina zu die zwischen Kastanienhainen versteckten und von schäumenden Kaskaden (z. B. derjenigen der Gribiasca) umgebenen kleinen Dörfer Lavorgo und Nivo.
Auch hier sind die Gehängeterrassen mit zahlreichen Siedelungen besetzt, deren Kirchen oder Kapellen weithin leuchten: am linksseitigen Gehänge Osco, Mairengo, Calpiogna, Primadengo, Figione, Rossura, Tengia und Calonico (fast alle in einer Höhe von 1000 bis 1100 m). Auch über der Schlucht des Monte Piottino finden sich Terrassen mit Dörfern: links Freggio und Vigera (1215 m), rechts Prato, Cornone und Dalpe (1200 m). Hoch über der Biaschinaschlucht endlich stehen links Anzonico (1000 m) und rechts Chironico (800 m). Unterhalb der Biaschina öffnet sich die unterste Thalstufe der Leventina, die gleich der obersten etwa 10 km lang ist; die 600-800 m breite Sohle senkt sich von 450-290 m und liegt schon von Giornico an tiefer als 400 m. Hier ist der italienische Charakter von Klima und Vegetation noch schärfer ausgeprägt als im Becken von Faido.
Die Kastanienwälder sind grösser und üppiger, sie steigen an den Hängen bis zu 900 m auf und scheuen weder Steilhänge noch Schutthalden. In der Thalsohle finden wir grosse Maisfelder und Weinrebenpflanzungen. Die Rebe klettert hier an den knorrigen Stämmen des Feldahorns auf und bildet, von Pfosten und Gneispfeilern gestützt, lange grüne Lauben, unter denen Gemüse, Mais, Buchweizen etc. gezogen werden. Zahlreich sind die verschiedenen Fruchtbäume, wie Nuss-, Maulbeer-, Feigenbäume und andere südliche Arten, die als wahrer Wald die Dörfer umrahmen.
Häuser und Sitten sind schon ganz italienisch. Die bedeutendste Ortschaft ist das durch die Schlacht vom zwischen Eidgenossen und Mailändern bekannte Giornico mit seiner schönen altertümlichen Kirche. Die beiden Wasserfälle der Baroglia und Cramosina tragen nicht wenig zum landschaftlichen Reiz des Ortes bei. Im Uebrigen treffen wir hier ebenso viele Kaskaden wie in den beiden obern Thalstufen. Unterhalb Giornico liegen Bodio, Personico und Pollegio, die alle mitten in Reben und Kastanienhainen versteckt sind. 600-700 m höher oben stehen über der Grenze der Kastanien Cavagnago (1021 m) und Sobrio (1095 m), die von einem Gürtel von Buchen- und Lärchenwald überragt werden. Diese beiden Ortschaften sind unter sich und mit den Terrassendörfern der beiden obern Thalstufen durch einen bis Airolo führenden, an Aussichtspunkten reichen Weg verbunden.
Die Leventina erfreute sich einst wahrscheinlich des Schmuckes mehrerer, heute verschwundener Seen, so z. B. eines durch den Bergsturz von Chironico aufgestauten Sees von Lavorgo und eines Sees von Quinto im ¶
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obersten Thalabschnitt. Auf dem Boden dieser verschwundenen Seen liegen heute die Dörfer Lavorgo, Quinto, Ambri und Piotta.