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Da unser Gehirn massgeblich am Prozess des Hörens und Verstehens beteiligt ist, sind dort die Folgen einer Schwerhörigkeit spürbar und nun auch messbar. Frank Lin, HNO-Arzt und Professor an der Johns Hopkins School of Medicine in den USA, begleitete in einer Studie 126 Teilnehmer über zehn Jahre mit regelmässigen MRT-Untersuchungen, um Veränderungen im Gehirn sichtbar zu machen.
Zu Beginn der Studie waren 51 Personen von einer Schwerhörigkeit betroffen. Durch den MRT-Vergleich konnte festgestellt werden, dass die schwerhörigen Teilnehmer einen sich schneller entwickelten Gehirnschwund aufweisen als die Normalhörenden – und zwar mehr als einen zusätzlichen Kubikzentimeter des Hirngewebes pro Jahr. Besonders betroffen: die Bereiche, die für die Verarbeitung von Klang und Sprache verantwortlich sind. Das eingeschränkte Hören führte in der Konsequenz zu einem Abbau dieser Regionen, da sie nicht mehr ausreichend stimuliert wurden.
Professorin Anu Sharma von der Universität in Colorado konnte zudem zeigen, wie sich das Gehirn genau unter Schwerhörigkeit verändert. Der Bereich für die Hörverarbeitung wird inaktiver und stattdessen wird der Bereich für die visuelle Verarbeitung aktiver. Das Gehirn der untersuchten Schwerhörigen versucht dadurch die abgebaute Leistungsfähigkeit des Hören und Verstehens durch eine grössere Anstrengung in anderen Hirnbereichen zu kompensieren. Das Sprachverstehen der Probanden sei dennoch schlecht gewesen. Um diesen komplexen Bedürfnissen unseres Gehörs besser gerecht zu werden, sind neue therapeutische Ansätze vielversprechend, welche das Gehirn als wichtigen Bestandteil miteinbeziehen – etwa ein audiologisches Training, das gerade Schwerhörigen dabei hilft, die Verarbeitung von akustischen Reizen im Gehirn gezielt zu fördern, um so das Verstehen zu verbessern.