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Dass Hurrikan Ian, welcher letzte Woche als Sturm der Kategorie 4 in Westflorida auf Land traf (Travelnews berichtete), schwere Verwüstungen verursachen würde, war klar. Inzwischen wird das Ausmass der Katastrophe deutlich.
Der Himmel über Florida ist wieder blau. Die meisten grösseren Attraktionen haben wieder geöffnet. In der Region Orlando begannen Disney World und Universal Orlando schon am Freitag (30.09.) mit der schrittweisen Wiedereröffnung. Die Parks Busch Gardens Tampa Bay, Adventure Island, SeaWorld Orlando, Aquatica Orlando und Discovery Cove wurden am Samstag (1. Oktober) wiedereröffnet. Die bei Schweizern besonders beliebte Region Tampa wurde weitgehend verschont.
Anders sieht es in der etwas weiter südlich liegenden Lee County, in welcher Fort Myers und die vorgelagerten Inseln Sanibel und Captiva liegen. Diese Inseln hat es mit voller Wucht erwischt. Der Hurrikan hat den Sanibel Causeway, die fast sechs Kilometer lange Verbindung zwischen der Insel und dem Festland Floridas, schwer beschädigt und den Zugang zu der 6300 Einwohner zählenden Gemeinde abgeschnitten. Carol Dover, die Präsidentin der Florida Restaurant & Lodging Association, erklärte: «Sanibel Island ist so gut wie verschwunden. Alle unsere Hotels und Restaurants sind entweder komplett verschwunden oder haben einen langen Weg vor sich, um wieder auf die Beine zu kommen.» Diese Aussage wird von Twitter-Bildern bestätigt (siehe unten) sowie - besonders eindrücklich, von einem Artikel mit nebeneinandergestellten Bildern in der «New York Times».
Nun ist es ja nicht so, dass Florida nicht gewohnt wäre, mit solchen Situationen umzugehen. Auch Sanibel oder das ebenfalls schwer verwüstete Fort Myers Beach werden wieder aufgebaut werden. Aber die Situation vor Ort ist schwierig, viele Menschen haben ihr Zuhause verloren, viele Firmen haben schwere Beschädigungen zu ertragen, und nun im Nachgang des Hurrikans natürlich auch Ertragsausfälle.
Die physischen Schäden an der touristischen Infrastruktur Floridas, vor allem an den Hotels, könnten sich laut aktuellen Schätzungen auf bis zu 5 Milliarden Dollar belaufen. Die entgangenen Einnahmen durch Touristen, die jetzt keine Boote mieten, keine Fahrten in Freizeitparks unternehmen oder keine Getränke am Pool kaufen können, könnten sich auf über 2 Milliarden Dollar belaufen. Die aktuellen Sperrungen dürften noch eine Woche bestehen bleiben; der Wiederaufbau zahlreicher Häuser und Einrichtungen wird noch viel länger dauern. Auch heute noch, fünf Tage nach Hurrikan Ian, sind fast eine halbe Million Haushalte in Florida ohne Strom. In Fort Myers Beach könnte es einen Monat dauern, bis wieder Strom verfügbar ist. Inzwischen hat auch die offizielle Opferzahl die 100er-Marke überschritten; über die Hälfte der Opfer kommen aus der Lee County. Und während nicht ganz alle Hotels und touristischen Unternehmen gleich betroffen sind, so wird das Durchziehen des Sturms doch zahlreiche der fast 70'000 touristischen Arbeitsplätze allein in der Lee County zumindest bis auf Weiteres vernichtet haben,
An dieser Stelle wichtig zu bemerken: Man kann Florida bereisen, an der Ostküste ist alles normal, die nördliche Westküste auch weitestgehend, der Südwesten des Bundesstaates braucht wohl noch etwas Zeit. Die Beschädigungen sind die Schlimmsten seit 2017, als Hurrikan Irma die Schliessung von Themenparks, das Umrouten von Kreuzfahrten und grosse Schäden auf den Keys verursachte (Travelnews berichtete mehrfach). Probleme, die inzwischen schon fast vergessen waren. Hoffen wir, dass auch die Lee County und die daran angrenzenden Regionen bald wieder auf Vordermann kommen.