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Das Europa Institut der Universität Zürich führt am 19. September 2016 zum 70. Jahrestag der Europa-Rede von Winston S. Churchill eine Jubiläumsfeier durch und hat den Präsidenten der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, eingeladen. Wir bezweifeln, dass der EU-Kommissionspräsident ein glaubwürdiger Festredner ist. Churchill dürfte wohl kaum Gefallen finden an der Entwicklung in Europa, an der EU-Politik, an der Brüsseler Polit-Elite, am sturen Festhalten an EU-Zentralismus-Ideologien sowie am EU-Umgang mit seiner Heimat Grossbritannien.
Eine Analyse von Dr. Christoph Blocher,
AUNS-Gründungspräsident:
Zürcher Rede
Am 19. September 1946 sprach Winston S. Churchill in Zürich. Seine Rede wurde seither oft zitiert und noch öfter missverstanden. Unbestritten dürfte sein, dass Churchill darin Freiheit, Demokratie und Sicherheit für Europa forderte. Also Volksherrschaft im Innern und Selbstbestimmung nach aussen. Er verweist in seiner Ansprache ausdrücklich auf die vier Freiheiten Roosevelts aus dem Jahre 1941 und die Atlantik-Charta, worin der amerikanische Präsident und er selber ihre Grundsätze für die Nachkriegspolitik festhielten: Freiheit der Rede, das heisst freie Meinungsäusserung, Religionsfreiheit, freie Weltwirtschaft, freie Meere und das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Weitblickend führt er einen Satz an, der typischerweise selten zitiert wird: «Ich will nicht versuchen, ein detailliertes Programm für Hunderte von Millionen Menschen zu entwerfen, die jene vier Freiheiten geniessen wollen». Er warnt bereits davor, Politiker könnten einst versucht sein, unter Anrufung der Freiheit und eines «visionären» Europas diese Freiheit zu programmieren, zu legiferieren und so einzuschränken. Auch hier müssen wir heute anerkennen, wie klar der Brite die Zukunft erfasste.
«Europa»
Was meinte Churchill mit «Europa»? Es gilt zu bedenken, dass der Aristokrat und Politiker Churchill in seinem Denken immer ein Mann des 19. Jahrhunderts und insofern auch Anhänger des britischen Imperiums geblieben ist. Was er auch nach 1945 anstrebte, war ein von Grossbritannien tariertes Gleichgewicht zwischen den europäischen Kontinentalmächten. Folglich will er auch keine französische Dominanz, fordert schon 1946 einen «Akt des Vergessens» und Versöhnung mit Deutschland: «Ohne ein geistig grosses Frankreich und ein geistig grosses Deutschland kann Europa nicht wieder aufleben.» Vor allem wäre es zu wenig robust gegen die «fünften Kolonnen» Moskaus. Mit Europa meinte er den Kontinent: Frankreich, Deutschland, die Benelux-Staaten, Italien, wen auch immer nur nicht Grossbritannien. Sein Land, aber auch das «mächtige Amerika», sah er in der Rolle eines «Freundes und Förderers dieses neuen Europa». Die immer noch lebendigen imperialen Sehnsüchte stillte er woanders: «Wir Briten haben unser eigenes Commonwealth.»
Churchill wünschte sich hier in Zürich, dass Europa «so frei und glücklich» werde wie die Schweiz. Diese «freie und glückliche» Schweiz hat für sich entschieden, einen anderen, eigenständigen Weg in Europa zu gehen, anders als die meisten anderen Staaten. Das gilt es zu respektieren. Vor allem von denen, die an die gemeinsamen Ideale Churchills appellieren, für die er sich mit seiner ganzen Schaffenskraft politisch und schriftstellerisch eingesetzt hat. Sein Verhältnis zu Europa fasst er in seinen letzten Lebensjahren wie folgt zusammen: «But we have our own dream and our own task. We are with Europe, but not of it. We are linked, but not combined. We are interested and associated, But not absorbed.» (Winston Churchill)
England hat also seinen eigenen Traum, seine eigene Aufgabe: Es fühlt sich Europa zugetan. Nur vereinnahmen, aufsaugen lassen, muss es sich deswegen nicht. Auf diese Worte Churchills verweise ich als Schweizer gerne, besonders in Erinnerung an die Zürcher Freiheitsrede.