Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03096.jsonl.gz/50

Ada Lovelace war Mathematikerin, Sophie Scholl Widerstandskämpferin, Jessica Watson (Bild) ist Seglerin und Sonita Alizadeh Rapperin. Im verdienstvollen Buch «Good Night Stories for Rebel Girls» (2016) von Elena Favilli und Francesca Cavallo erhalten diese Frauen und mit ihnen 96 weitere eine Seite, auf der ihre Biografie erzählt wird, und ein einseitiges Porträt, allesamt von weiblichen Illustratorinnen gezeichnet. Die meisten Texte beginnen mit dem an Märchen angelehnten Satz «Es war einmal ein Mädchen».
Was folgt, ist aber keine Geschichte von starken Prinzen und folgsamen Prinzessinnen. Das im Original auf Englisch erschienen Werk, herausgegeben von zwei in den USA lebenden Italienerinnen, versammelt weltberühmte Frauen wie Frida Kahlo neben weniger bekannten wie der Jazzposaunistin Elba Liston, die erste Tätowierkünstlerin neben der Bürgerrechtlerin Rosa Parks. Ikonen wie Maria Callas oder Coco Chanel erhalten genauso einen Platz wie die Grundschülerin Coy Mathis: Das Transgendermädchen löste eine Debatte aus mit der Forderung, dass es in der Schule die Mädchentoilette benutzen durfte.
Die Widmung auf der ersten Seite des via Crowdfunding finanzierten Buches gibt den Ton an: «An alle rebellischen Mädchen dieser Welt: Träumt grösser. Zielt höher. Kämpft entschlossener. Und im Zweifelsfall merkt euch: Ihr habt recht.» Jedes Porträt ist mit einem Zitat versehen: «Im Leben muss man nichts fürchten, man kann alles begreifen» (Marie Curie), oder: «Solange ich lebe, werde ich die Gewalt über mich haben» (Artemisia Gentileschi).
Es ist bezeichnend für unsere grösstenteils immer noch von männlichen Protagonisten dominierte Zeit, dass meiner 4-jährigen Tochter sofort auffällt, dass gar keine Männer in diesem Buch vorkommen – wäre es ihr im umgekehrten Fall auch aufgefallen? «Good Night Stories for Rebel Girls» kommt genau zum richtigen Zeitpunkt – soeben ist der zweite Band auf Englisch erschienen – und ermutigt junge Mädchen dazu, an sich zu glauben. Die letzten beiden Seiten sind leer und mit der Aufforderung versehen, hier seine eigene Geschichte aufschreiben und ein Selbstporträt zu zeichnen.
Das wunderschön illustrierte und in einfach verständlicher Sprache geschriebene Vorlese- oder Lesebuch richtet sich natürlich auch an Buben. Die Autorinnen betonen, es sei essenziell, dass Jungs so früh wie möglich lernen würden, sich auch mit weiblichen Heldinnen zu identifizieren. Oder um es in den Worten der porträtierten kenianischen Aktivistin Wangari Maathai zu sagen: «Die Zeit ist reif.»
Wer ein Exemplar von «Good Night Stories for Rebel Girls» (deutsch) gewinnen möchte, schreibt bis 25. Februar 2018, 23:59 Uhr hier einen Kommentar. Die Gewinnerin/der Gewinner wird ausgelost, benachrichtigt und muss das Buch persönlich im Chinderbuechlade an der Gerechtigkeitsgasse 26 in Bern abholen.
* Sarah Sartorius ist Redaktionsleiterin der Berner Kulturagenda. Sie freut sich, dank ihrer Tochter wieder in die Bücher ihrer Kindheit einzutauchen. Unter dem Titel «Eselsohren» stellt sie Lieblingsbilderbücher vor. Diese Rubrik wird unterstützt vom Chinderbuechlade Bern.