Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/230457

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Schweizer Bevölkerung konsumiert ca. 110 g Zucker pro Tag. Das ist mehr als das Doppelte der 50 g, die die WHO als maximale Tagesdosis empfiehlt. Ein zu hoher Konsum von Zucker, insbesondere in Form von zuckerhaltigen Getränken, hat Auswirkungen auf die Gesundheit, da er Übergewicht und Adipositas sowie Karies begünstigt.</p><p>Der Bund hat in Zusammenarbeit mit Lebensmittelproduzenten und Vertreterinnen und Vertretern des Detailhandels mit der Erklärung von Mailand ein Projekt initiiert, dessen Ziel es ist, den Zucker in Joghurts und Frühstückscerealien - diese beiden Produkte enthalten oft eine grosse Menge an zugesetztem Zucker - schrittweise zu reduzieren. </p><p>Die Unternehmen scheinen 2019 die im Jahr 2017 festgelegten Reduktionsziele erreicht zu haben: Zwischen 2016 und 2018 wurde der zugesetzte Zucker in Joghurts um 3,5 Prozent und in Frühstückscerealien um 13 Prozent reduziert. Mit der Unterzeichnung der Erklärung von Mailand haben sich die Unternehmen verpflichtet, den zugesetzten Zucker bis 2024 in Joghurts um 10 Prozent und in Frühstückscerealien um 15 Prozent zu senken. </p><p>Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><p>1. Dass der Zuckergehalt bei einer Auswahl von Produkten reduziert werden konnte, ist positiv. Doch wie gross ist der Anteil des Zuckerkonsums bei diesen Produkten am Zuckerkonsum insgesamt? Werden diese Produkte schlicht durch andere, stärker gesüsste Produkte ersetzt?</p><p>2. Hat die Erklärung von Mailand dazu geführt, dass die Schweizer Bevölkerung weniger Zucker konsumiert?</p><p>3. Eine der Zielgruppen von zuckerhaltigen Produkten sind insbesondere Kinder und Jugendliche; direkte Werbung ist oft an sie gerichtet (Marketing für Kinder). Hat die Erklärung von Mailand hier eine Veränderung bewirkt? Wenn nicht, ist der Bundesrat der Meinung, dass andere Massnahmen nötig sind, um die Kinder und Jugendlichen zu schützen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist sich des Problems des übermässigen Zuckerkonsums und dessen gesundheitlicher Folgen bewusst. Daher messen das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und die Kantone diesem Thema bei der Umsetzung der Schweizer Ernährungsstrategie 2017-2024 bzw. der kantonalen Programme besondere Bedeutung zu. Auch die Schweizer Ernährungsscheibe, die auf die 4- bis 12-Jährigen ausgerichtet ist, und die App MySwissFoodPyramid für Jugendliche und Erwachsene seien in diesem Zusammenhang erwähnt.</p><p>1-2) Bei der Lancierung der Erklärung von Mailand 2015 lag der Akzent auf Lebensmittelgruppen, die zu einer ausgewogenen Ernährung gehören, von der Bevölkerung als gesund wahrgenommen werden und zu den Hauptzuckerlieferanten zählen. So werden etwa mit dem Verzehr eines Joghurts und einer Portion Cerealien 22 Gramm Zucker aufgenommen (vgl. Punkt 3). Unabhängig von der Erklärung von Mailand lässt sich seit einigen Jahren feststellen, dass das Angebot an Produkten ohne Zuckerzusatz wächst, was die Kaufentscheide der Konsumentinnen und Konsumenten erleichtert.</p><p>Das BLV verfügt weder über neue Daten zum Zuckerkonsum in der Schweiz noch über Zahlen zum Anteil von Joghurt und Cerealien am Gesamtzuckerkonsum. Inwiefern die Konsumentinnen und Konsumenten Produkten mit reduziertem Zuckergehalt gegenüber stärker gezuckerten Produkten den Vorrang geben, ist demnach nicht bekannt.</p><p>Die 2018 vom BLV durchgeführte Untersuchung zeigte, dass Joghurts für Kinder im Vergleich zu den nicht speziell für Kinder bestimmten Joghurts im Schnitt deutlich weniger gezuckert waren. Untersuchungen aus den Jahren 2016-2018 ergaben, dass die Menge an zugesetztem Zucker in Joghurts für Kinder tendenziell abnimmt. Bei den Frühstückscerealien sind die Produkte für Kinder hingegen deutlich zuckerhaltiger. Im Zuge der Umsetzung der Erklärung von Mailand ging der Zuckergehalt in Joghurts und Frühstückscerealien um die in der Interpellation genannten Mengen zurück, und die Hersteller haben sich verpflichtet, den Anteil an Zucker bis 2024 weiter zu reduzieren.</p><p>3) Kinder sind für Marketing sehr empfänglich und benötigen daher einen besonderen Schutz. Deshalb hat das BLV die Kriterien der WHO übernommen, die darauf abzielen, das auf Kinder ausgerichtete Marketing von Lebensmitteln mit einem zu hohen Salz- und Zuckergehalt freiwillig zu reduzieren. Die Gespräche mit der Industrie zur Begrenzung der an Kinder gerichteten Lebensmittelvermarktung verliefen bisher ergebnislos, da weder bei den Auswahlkriterien für die Produkte noch bei den Zielen eine Einigung erzielt werden konnte. Die Gespräche werden 2022 weitergeführt. Parallel dazu findet ein neues Monitoring statt, dessen Ergebnisse Anfang 2023 vorliegen werden. Um die Erklärung von Mailand zu stärken, will das BLV deren Ausweitung auf Getränke auf Milchbasis, Quarkprodukte und Süssgetränke vorschlagen. Ein Monitoring des Zuckergehalts in Süssgetränken wird durchgeführt. Gestützt auf dessen Ergebnisse sollen Reduktionsziele formuliert und mit der Lebensmittelindustrie diskutiert werden.</p><p>Schliesslich hat der Bundesrat am 23. Juni 2021 die Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 verabschiedet. Eines der dort definierten Ziele lautet, dass der Anteil der Bevölkerung, der sich entsprechend den Ernährungsempfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide gesund, ausgewogen und nachhaltig ernährt, auf einen Drittel steigen soll.</p>  Antwort des Bundesrates.