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Als Chef von Terra Firma Capital Partners kontrolliert Guy Hands Unternehmen, die Düsenflugzeuge vermieten, Erdgaspipelines betreiben und – seit kurzem – Musik verkaufen.
Der grosse Unterschied zwischen diesen Geschäftszweigen liegt darin, dass Hands sich keine Sorgen darüber machen muss, ob es den Flugzeugen oder dem Gas gut geht. Aber die Musiker, die bei der EMI Group unter Vertrag stehen, sind da etwas anderes – und sie waren alles andere als erfreut über den britischen Private-Equity-Mogul.
«Er ist entweder sehr dumm oder sehr clever», sagt Jazz Summers, der als Chairman einer Organisation mit dem Namen Musik Managers Forum einige Äusserungen von Hands als «nicht sehr künstlerfreundlich» empfunden hat, es ihm aber anrechnet, dass er mit EMI ein grosses Risiko eingeht.
Terra Firma kaufte im vergangenen Sommer das 77 Jahre alte britische Musikunternehmen für 3,2 Mrd Pfund und übernahm damit die Kontrolle über den schwächsten der verbliebenen grossen Musikkonzerne. Die Übernahme warf die Frage auf, ob kompromisslose Private-Equity-Geschäftemacher bessere Arbeit leisten bei der Lösung der Probleme des Unternehmens als die angestammten Führungskräfte aus der Musikindustrie, unter deren Aufsicht das Geschäft zurückging.
«Man muss die Leute dazu bringen, das zu kaufen, was man macht», sagt Hands. «Wir glauben an eine Struktur, in der die Leute die Verantwortlichkeit teilen.» Er fügt hinzu: «Jeder in dem Unternehmen wird Firmenkapital haben. Die Leute werden dem Erfolg des ganzen Unternehmens gemäss bezahlt.»
Mit dem Rückgang der CD-Verkäufe und der Tatsache, dass bekannte Künstler, anstatt traditionelle Plattenverträge abzuschliessen, lieber lukrative neue Arrangements mit Einzelhändlern, Konzertveranstaltern oder den Konsumenten direkt eingehen, könnten den Labels, die einst das Musikbusiness dominierten, schon bald die Talente fehlen. Nirgendwo ist der Prozess so weit fortgeschritten wie bei EMI, wo die Rolling Stones ebenso wie Paul McCartney und Radiohead darüber nachdenken, EMI den Rücken zu kehren.
Massnahmen ecken an
Leute, die mit dem Unternehmen geschäftlich verbunden sind, sagen, dass Hands ungewollt in hohem Mass zu der Abwanderung der Künstler und ihrer Repräsentanten beigetragen habe. Eine Reihe von Schreiben und Bemerkungen von Hands hat vielen der Künstler den Eindruck vermittelt, dass er zu vielen tatsächlichen Gegebenheiten des Musikbusiness den Kontakt verloren habe – einschliesslich der Notwendigkeit, die Künstler, die Erfolg haben, bei der Stange zu halten.
Darüber hinaus, beklagen viele, werde Musik in den Schlüsselteilen des vergangene Woche bekannt gegebenen Restrukturierungsplans von Hands, der auch die Kürzung von 2000 Stellen umfasst, wie ein alltägliches Konsumprodukt behandelt, das in unterschiedlichen Territorien vermarktet und verkauft werden könne wie Seife.
«Jeder muss verstehen, besonders die Medien in Grossbritannien, dass es nicht eine riesige Vereinigung von Künstlern und Managern gibt, sondern verschiedene Gruppen von Einzelpersonen mit unterschiedlichen Zielen und Bedürfnissen», beschwert sich Hands. «95% stimmen mit dem, was ich gesagt habe, überein. In den meisten Unternehmen ist eine Mehrheit von 95% gross genug, aber im Musiksektor reicht schon die Opposition von 5%, um Schlagzeilen zu machen.»
Aus diesem Grund haben sich EMIs Probleme unter dem neuen Besitzer vorerst verschlimmert, und das trotz der anhaltenden Stärke der riesigen Abteilung «Musikveröffentlichung», die weiter gedeiht, da sie eine der grössten in einem nach wie vor profitablen Geschäftszweig ist. Die grössere Frage ist, ob EMI nur der erste der grossen Musikkonzerne ist, die mit die harten Realität in einem zunehmend schwieriger werdenden Musikmarkt weltweit konfrontiert werden.
In einem Interview sagte Hands, dass die Musikindustrie zu viel Zeit damit verbracht habe, die Piraterie mit Klagen und anderen Taktiken zu bekämpfen, statt mit der Situation umzugehen. «Anstatt Millionen auszugeben, um Napster stillzulegen, hätte härter daran gearbeitet werden müssen», neue Wege zu finden, die Menschen davon zu überzeugen, für Musik zu zahlen, sagte er.
Hands hatte im Oktober einen schlechten Start mit einem internen Memo, das ausserhalb des Unternehmens bekannt wurde. Darin schrieb er, dass EMI «selektiver» dabei vorgehen sollte, welche Künstler das Unternehmen unter Vertrag nimmt, da viele nicht hart genug daran arbeiteten, ihre Musik zu promoten.
Diese Künstler, monierte er, seien darauf «fokussiert, für sich den grössten Gewinn auszuhandeln. Summen, die oft niemals wiedereingespielt werden.» Viele Künstler und Manager fühlten sich von diesem Kommentar, der innerhalb der Musikindustrie ausgiebig diskutiert wurde, beleidigt.
Als Hands versuchte, die Scharte bei einigen Abendessen mit prominenten Künstleragenten wieder auszuwetzen, wurde er sehr frostig empfangen. In einem Londoner Restaurant erzählte er einigen Managern die Erfolgsgeschichte von Terra Firma, einschliesslich der Verwaltung der britischen Kinokette Odeon Cinemas. Dabei sagte er, dass das «Kinogeschäft nicht das Filmgeschäft ist, sondern das Popcorngeschäft», erinnert sich Summers von der Managergruppe. Summers, der unter anderem die EMI-Künstler Badly Drawn Boy und Verve vertritt, fand die Bemerkung für Musiker beleidigend: «Ich sagte ihm, dass er es hier mit Künstlern zu tun habe, nicht mit Popcorn.»
Kommen und Gehen der Chefs
Es war auch nicht hilfreich, dass Hands, nachdem er das alte Management von EMI ausgebootet hat, keinen neuen Chef ernannt hat, sondern beschloss, das Unternehmen auf einer Interimsbasis selbst zu leiten. Zudem hat er Schlüsselpositionen mit Managern besetzt, die bisher nichts mit der Musikindustrie zu tun hatten. Zum gleichen Zeitpunkt wurde einigen Industrieveteranen die Tür gewiesen, unter anderem Tony Wadsworth, ein respektierter Geschäftsführer, der 20 Jahre lang für die Geschäfte des Unternehmens in Grossbritannien verantwortlich war – auch während der langen, beständigen Erosion des Marktanteils des Unternehmens auf dem Heimatmarkt. Hands holte unter anderem Mike Clasper zu EMI, den ehemaligen Chef von British Airports Authority.
«Sie bringen viele Führungskräfte aus anderen Industriebereiche zu EMI», sagte Dave Holmes, Manager von Coldplay, einer der grössten bei EMI verbliebenen Bands. «Ich würde sagen, das ist besorgniserregend. Für mich ist das nicht sehr beruhigend.»
Die Geschäfte von EMI in Nordamerika laufen laut dem Unternehmen nahe stehenden Personen schon viele Jahre unprofitabel, und das, obwohl die USA bei weitem der weltgrösste Musikmarkt sind und die wichtigste Quelle für Künstler, die im Ausland vermarktet werden können. Laut einigen mit den Vorgängen vertrauten Personen sind die Dinge so schlecht geworden, dass ein Restrukturierungsplan von Roger Ames, der EMIs nordamerikanische Geschäfte leitet, vorsieht, dass der Vertrieb in dieser Region in einem Joint Venture mit Vivendis Universal Music Group verschmolzen wird. Hands entschied sich schliesslich für einen anderen Plan, der das US-Geschäft von EMI unberührt lässt. Ames war wegen eines Kommentars nicht zu erreichen.
Sogar einige der aufgebrachtetsten Manager erkennen, dass in den Finanzen von EMI ein Durcheinander herrscht, in das Ordnung gebracht werden muss. Sie fragen sich nur, ob die Methode von Hands dabei helfen oder das Schlamassel noch verschlimmern wird.
«Guy entschied in seiner Weisheit, etwas zu kaufen, das sich massiv im Wandel befand», sagt Bryce Edge, einer der beiden Manager der Band Radiohead, die EMI kürzlich verliess. «Es hat schon viele Leute gegeben, die versucht haben, das zu tun, was er nun auch probiert.» Edges Partner Chris Huffort fügt hinzu: «Er betrachtet es als ein erfahrener und sehr erfolgreicher Geschäftsmann und sagt: Das ergibt keinen Sinn. Und wir auf unserer Seite des Business haben immer gesagt: Das ergibt für viele Jahre keinen Sinn.»
Ein anderer der Klienten von Edge und Hufford, die Band Supergrass, ist nach wie vor bei EMI unter Vertrag.
Hands erklärt seine Strategie bei Konferenzen. Mindestens 2000 der 6000 bei EMI Beschäftigten werden ihre Arbeit verlieren. Demnach will Hands eine zentralisierte Marketing- und Vertriebsabteilung aufbauen. Diese Idee hat er sich von den grossen Konsumartikelkonzernen wie Unilever und Procter & Gamble ausgeliehen.
EMI wird der einzige der vier grossen Musikkonzerne sein, der diesen Schritt vollzieht. Bei Universal Music, Warner Music Group und Sony BMG Music Entertainment, dem Joint Venture von Sony und Bertelsmann, werden Marketing und Vertrieb von den einzelnen Plattenlabels, die zu den Unternehmen gehören, kontrolliert.
Gegenwärtig haben die Künstler der Labels und die Repertoire-Executives bei fast allen Aspekten bei der Herstellung eines Albums ein Wörtchen mitzureden, einschliesslich Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Verträge, wie viele CD an die Geschäfte gehen und wie viel der Künstler bekommt. Bei EMIs neuem System werden sich Führungskräfte darauf konzentrieren, neue Künstler zu entdecken, und als deren Bindeglied zur Plattenfirma fungieren. Aber ihr Einfluss auf die Marketingstrategie und die Budgets wird begrenzt sein.
«Ich kann mir keinen Industriezweig vorstellen, in dem die Leute, die für das Produkt verantwortlich sind, den Verkauf und das Marketing kontrollieren», sagte Hands während des Interviews.