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„Machet zu Jüngern alle Völker“, hat Jesus Christus seinen Gefolgsleuten befohlen, als er sie nach seinem Tod und seiner Auferstehung um sich versammelt und ihnen den Auftrag gegeben hat, der die Weltgeschichte verändert hat wie keine andere Initiative (Matthäus 28,16-20).
Jesus hat sich bei seinem Lehren auf die Heiligen Schriften seines Volkes bezogen. Diese waren (zum grössten Teil) hebräisch verfasst. Die Schriften, die dann verfasst wurden, um von den Taten, Reden und vom Leiden von Jesus zu erzählen, waren in einem damals weit verbreiteten Griechisch formuliert. Damit sie von den verschiedenen Völkern gelesen und verstanden werden konnten, mussten diese Schriften übersetzt werden.
Während Jahrhunderten geschah das mit grossem Respekt vor dem Inhalt und der Form dieser Heiligen Schriften. Die Übersetzer spannten ihre Kräfte an, um die Formulierungen in den Urtexten möglichst präzise, möglichst verständlich – und möglichst schön in die neue Sprache zu übertragen. In Wittenberg und in Zürich waren viele hoch begabten Menschen während vielen Jahren damit beschäftigt, die biblischen Schriften in ein gutes Deutsch zu übertragen. Tausende von Menschen haben daraus in guten und in bösen Zeiten Trost, Hoffnung und den Mut zu geduldigen Werkender Liebe geschöpft.
Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich in dieser Tradition ein revolutionärer Bruch vollzogen. Er wurde initiiert von der amerikanischen Bibelgesellschaft und wurde sehr rasch von allen Bibelgesellschaften nachvollzogen: Die Übersetzer sollten sich in erster Linie nicht am Ursprungstext ausrichten, sondern an der zu erwartenden Wirkung. Nicht die Formulierungen in den hebräischen und griechischen Urtexten sollten wegweisend sein, sondern das, was diese Texte bei den ersten Leser ausgelöst haben. Als Vorbild dienten Gebrauchsanleitungen: Wenn ich einen Radio in Gebrauch nehme, spielt es keine Rolle, wie die Anweisungen ausformuliert sind. Wichtig ist nur, dass ich sofort verstehe, welche Handgriffe ich in welcher Reihenfolge vollziehen muss, damit der Apparat dann funktioniert. Auch die modernen Bibelübersetzungen zielen darauf, einen funktionierenden Glauben zu bewirken.
Das ermöglicht kurzfritig rasche Erfolge. Es lassen sich schnell und kostengünstig neue Bibelausgaben anfertigen, die sich kommerziell lohnen. Im Bibelkreis und im Gottesdienst lassen sich die Worte dieser Bibelausgaben schnell verstehen.
Die langfristigen Folgen sind schrecklich. Die getauften Völker streben auch im Glauben nach dem raschen Erfolg. Sie verlieren den Respekt vor dem, was ihnen vorgegeben ist, geheimnisvoller, mächtiger und besser, als sie verstehen. Das Vertrauen auf Gott wird ersetzt durch das Vertrauen auf das eigene Verstehen. Bald einmal gilt auch unter den Getauften die Regel, dass derjenige Recht hat, der sich durchsetzen kann.
Wie es zu diesem radikalen Umbruch im Verständnis der Grundlagen gekommen ist, und was sie bewirken, will diese Homepage dokumentieren.