Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03179.jsonl.gz/1051

Die Namen: Um die Kommunikation über Wetterereignisse zu vereinfachen, hat der US-Wetterdienst im Zweiten Weltkrieg damit begonnen, für Taifune im Pazifik weibliche Vornamen in alphabetischer Reihenfolge zu verwenden. 1954 übernahm das Meteorologische Institut der Freien Universität Berlin (FUB) diese Gewohnheit und benannte fortan Tiefdruckgebiete mit weiblichen und Hochdruckgebiete mit männlichen Vornamen.
Weil aber Tiefdruckgebiete in der Regel schlechteres Wetter bringen, kam es in der Folge zu Diskussionen um Frauendiskriminierung. Seit 1998 tragen deshalb Hochs und Tiefs abwechselnd weibliche und männliche Namen. In geraden Jahren haben Tiefdruckgebiete weibliche und Hochdruckgebiete männliche Vornamen, in ungeraden Jahren ist es umgekehrt. Sind alle Buchstaben des Alphabets vergeben, beginnt man wieder von vorne.
Die Namen des deutschen Wetterdienstes werden im deutschsprachigen Raum übernommen, so auch in der Schweiz. In Skandinavien und in Grossbritannien werden die Wetterereignisse dagegen anders benannt. Deshalb kursierte etwa beim Sturmtief «Burglind» auch der Name «Eleanor».
Seit 2002 gibt es die Aktion Wetterpate, Link öffnet in einem neuen Fenster: Jeder kann sich ein Hoch oder ein Tief kaufen. Das jüngste Tief ist nach Friederike Hesse benannt.
Der Preis: Ein Hoch kostet auf www.wetterpate.de umgerechnet etwa 419 Franken, ein Tief ist mit rund 278 Franken billiger zu haben. Buchstaben für Hochs oder Tiefs, die keine Paten finden, werden bei Ebay versteigert. Jährlich kommen so umgerechnet mehr als 60'000 Franken zusammen. Mit dem Geld kann laut dem FUB die studentische Wetterbeobachtung an der Station Berlin-Dahlem fortgesetzt werden – 24 Stunden am Tag. 2002 stand das Projekt vor dem Aus. Seit der Einführung der käuflichen Namensvergabe haben bereits über 2500 Menschen aus 15 europäischen Ländern sowie aus Brasilien, Japan, den USA und Südafrika eine Wetterpatenschaft übernommen.
Hoch vs. Tief: Jedes Jahr werden etwa 50 bis 60 Hochs und an die 150 Tiefs getauft. Den Preisunterschied begründet das Institut für Meteorologie mit der deutlich längeren Lebensdauer von Hochdruckgebieten. Tiefdruckgebiete seien allerdings – trotz geringerem Preis – meteorologisch interessanter, lässt das Institut verlauten.
Bei einem Hoch sei das Wetter eher langweilig – trocken, gleichförmich und gut vorherzusagen. Das FUB empfiehlt sogar: Wer einen Wetter-Interessierten beschenken will, sollte ein Tief wählen. Schäden infolge von Unwettern gebe es nur bei einem relativ kleinen Prozentsatz. Eine Patenschaft gilt als beliebtes und originelles Geschenk zu Weihnachten, Geburtstagen oder zu besonderen Anlässen. Und offenbar rangieren Hochs nicht vor Tiefs auf der Beliebtheitsskala. Das Interesse sei ganz ausgeglichen, sagt Stephanie Meier vom FUB.