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Es ist das Schicksal der Söhne erfolgreicher Musiker, dass deren Namen ein Leben lang an ihnen haftet. Eddie Taylor Jr.s Vater gehörte noch zur Generation der Bluesmusiker, die vom Delta nach Chicago auswanderten. Dort hatte er Erfolg und wurde ein Teil der Chicagoer Bluesszene während deren Blütezeit in den Fünfzigern. Sein ältester Sohn und sein Stiefsohn waren Blues Schlagzeuger, seine Tochter Bluessängerin, aber der 1972 geborene Eddie Taylor Jr. hatte zunächst mit Blues nichts am Hut, sondern rappte und war als DJ unterwegs.
Gleich zu Beginn des Jahres erreicht uns eine traurige Nachricht. Mike Ledbetter ist im Alter von erst 33 Jahren überraschend gestorben. Seine Karriere war gerade so richtig in Fahrt gekommen. Nach sieben erfolgreichen Jahren als Frontmann in der Nick Moss Band, wo er so etwas wie Partner und Lehrling zugleich war, lernte er «Monster» Mike Welch kennen. Es war für beide eine Art Sternstunde, denn sie verstanden sich persönlich und musikalisch sofort. Eine Sternstunde war es auch für den Blues, denn hier hatten sich zwei gefunden, die füreinander bestimmt waren. Am Montag, dem 22. Januar 2019 starb er an einem medizinischen Notfall.
Ein weiterer Vertreter des Chicago Blues der 50er Jahre ist gestorben. Joseph Leon Williams, der sich Jody Williams nannte, kam am 3. Februar 1935 in Mobile, AL zur Welt, kam jedoch schon als Fünfjähriger nach Chicago. Es war Bo Diddley, sein Schulfreund, der ihn dazu brachte, die Harmonika gegen die Gitarre zu tauschen. Mit ihm und Roosevelt Jackson zusammen spielte war anfangs der Fünfzigerjahre als Strassenmusikant unterwegs. Später wurde man auf sein aussergewöhnliches Gitarrenspiel aufmerksam und er wurde zu einem der begehrtesten Studiomusiker Chicagos, der mit allen Grössen jener Blütezeit des Chicago Blues zusammenarbeitete.
Er erzählte immer wieder gerne die Geschichte seiner ersten Begegnung mit Tina Turner, die ihn für einen Schwarzen gehalten hatte, bevor sie ihn zum ersten Mal traf. Immerhin coverte sie gleich vier seiner Titel auf ihrem 1990 erschienenen Album Foreign Affair, nämlich neben dem titelgebenden Song Foreign Affair die Titel Undercover Agent of the Blues, You Know Who und Steamy Windows. Ausserdem ist er auf dem Album mit Gitarre und Harp zu hören. Aus seinem reichhaltigen Oeuvre stammen auch Rainy Night In Georgia und der Smash Hit Polk Salad Annie, der ebenfalls zahlreiche Musiker zu Covers anregte, vor allem aber durch Elvis Presleys Version bekannt wurde. Der Song war lange Zeit ein Teil von Presleys Standard Konzertrepertoire in seinem Programm. Polk Salad Annie war authentisch, weil White wusste, wovon er sprach. Er wuchs im Milieu der armen Leute auf, die man in den USA «White Trash» nennt.
Am Samstag, 29.9.2018 ist Otis Rush an den Spätfolgen eines Schlaganfalls verstorben, den er 2003 erlitten hatte. Damit endete das Leben eines grossartigen Bluesman und einer in bedeutendem Mass prägenden Person in der Chicago Bluesszene. Seine feurige, aber dennoch spärliche Gitarre und sein emotionsgeladener Gesang waren über Jahrzehnte eine stete Grösse im Blues, wenn in erster Linie auf der Live-Bühne, weniger im Studio. Der Mann schrieb Songs, die rauf und runter gecovert wurden und beeindruckte Mike Bloomfield nachhaltig. Stevie Ray Vaughan nannte sein Trio nach einem seiner Songs, aber Rush blieb dennoch aufgrund einer Menge Pech und vielleicht ignoranten Musikverlagen weit unter seinen Möglichkeiten. Der Mann, der aufgrund seiner Qualitäten ebenso wie seine Kollegen aus der West Side Szene, Buddy Guy oder Luther Allison, relativ grosse Berühmtheit hätte erlangen sollen, blieb ein Geheimtipp, und seine Veröffentlichungen waren allzu wenige. Bluesnews.ch erinnert an sein Schaffen.
Geboren wurde der R&B Saxophonist Cecil James (Big Jay) McNeely am 29. April 1927 in Los Angeles. Seine grosse Zeit begann in den Vierzigerjahren. Es war die Zeit, als afroamerikanische Musik noch race music genannt wurde und bevor die elektrische Gitarre die Bühnen erobert hatte und das Saxophon das dominierende Instrument war. McNeely entwickelte den Saxophonstil, den man «Honking» nannte und war massgeblich an der Entwicklung des Rock’n’Rolls aus dem R&B beteiligt. Bei seinen theatralischen Auftritten spielte er auf dem Rücken, auf den Tischen, oder führte eine Prozession durch das Lokal und prägte damit einen Showstil, der bis heute Musiker beeinflusst. Man nannte ihn deswegen auch «The Wild Man of the Saxophone».