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Das Spital Walenstadt wurde zu einer Zeit gegründet, als aufgrund wichtiger medizinischer Fortschritte ein neues Zeitalter anbrach. Doch auch in der jüngeren Zeit hat sich vieles verändert, sowohl bei den Behandlungsmethoden als auch bei der technischen Ausstattung.
136 Operationen und 216 Patienten werden im ersten Jahresbericht des Spitals Walenstadt aufgelistet. Die häufigsten Operationen waren Leistenhernienoperationen, Abszesseröffnungen und Amputationen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug zu dieser Zeit 44,2 Tage.
Wenig Personal, aber viele Aufgaben
Auch die Personalausstattung ist mit einem modernen Krankenhaus nicht zu vergleichen, sie bestand aus einem Chefarzt, einem Verwalter, einer Oberschwester, einer Kandidatin, einem Wärter und einer Schwester für die Küche. Schon bald wurden eine zweite Schwester und eine Magd für die Küche angestellt. Die Aufgaben waren vielfältig. So war der Wärter nicht nur für die Männerabteilung zuständig, sondern auch für die Heizöfen, die Beleuchtung mit Petrollampen, für den Leichendienst und alle Botengänge.
Steigende Patientenzahlen
In den ersten zehn Jahren waren laufend steigende Patientenzahlen zu beobachten. Von 216 PatientInnen im Gründungsjahr 1891 stieg die Zahl auf 370 im Jahr 1900. Drei Jahre später waren es bereits 566 PatientInnen und 382 Operationen. 1918 wurde mit 1088 Aufnahmen ein vorläufiger Höchststand erreicht. In den zwanziger Jahren war ein Patientenrückgang festzustellen. So wurden 1922 743 Patienteneintritte dokumentiert.
Leistungsangebot wird grösser
Die erste grosse technische Neuerung war das erste «Röntgenkabniett», das 1901 für 2'000 CHF gekauft wurde. Auch das Spektrum an Operationen wurde grösser. 1906 wurden bereits 40 Appendektomien durchgeführt und sogar eine Thorakotomie sowie zwei Prostataoperationen. Auch Kropfoperationen wurden häufiger. Bis 1916 stieg die Zahl auf 61. Die grösste Erweiterung des Leistungsangebotes in dieser Zeit fand 1929 mit der Einweihung der Geburtshilfeabteilung statt.
Erweiterung der Operationsabteilung
1925 wurde die Operationsabteilung für 620'000 CHF erweitert. Sie umfasste nun einen aseptischen und einen septischen Operationssaal mit Waschraum, Sterilisier- und Instrumentenraum, Verbandsstoffzimmer und Vorbereitungsraum. Die neuen Sterilisierapparate wurden elektrisch betrieben.
Patientenzunahme in den Kriegsjahren
Nach geringen Schwankungen bei Patientenzahlen und Operationen in den dreissiger Jahren war während der Kriegsjahre eine deutliche Zunahme festzustellen. So wurde 1941 mit 1029 Operationen erstmals die Tausendergrenze überschritten. Grosse medizinische Fortschritte bei der Behandlung von septischen und infektiösen Krankheiten wurden in den vierziger Jahren durch die Einführung der Chemo- und Antibiotikatherapie erzielt. Dies führte unter anderem dazu, dass die bis dahin oft tödlich verlaufende perforierte Appendicits ihren Schrecken verlor. Auch banale Infekte, die früher oft eine Sepsis zur Folge hatten, konnten nun erfolgreich behandelt werden. Dadurch wurde die Durchführung von grösseren und riskanteren Operationen möglich.
Vermehrt Skifahrer als PatientInnen
In den fünfziger Jahren ermöglichte die Anschaffung moderner Narkoseapparate die Durchführung von Lungenoperationen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Lungensanatorium Walenstadtberg wurde in dieser Zeit intensiviert. So hielt der Chefarzt von Walenstadtberg, Dr. Steiger, eine regelmässige Tuberkulosesprechstunde im Spital ab. Deutliche Veränderungen brachte die zunehmende Popularität des Skisports. Durch die nahen Skigebiete Flumserberg und Pizolgebiet wurden vermehrt operative und konservative Frakturbehandlungen bei verletzten SkifahrerInnen durchgeführt.
Steigende Patientenzahlen
Nach dem Bezug des Neubaus im Jahr 1960 waren steigende Patientenzahlen zu verzeichnen, die auch mit der vermehrten Tätigkeit von Konsiliarärzten in den Fachrichtungen ORL, Augenkrankheiten, Kieferchirurgie sowie psychiatrische Probleme, spezielle gynäkologische Fragestellungen und Innere Medizin zusammenhingen. Im Jahr 1966 wurden 3719 PatientInnen und 3627 Operationen sowie 547 Geburten im Jahresbericht vermerkt.
Verkehrsunfälle nehmen zu
Ende der sechziger Jahre nahm die Zahl der Verkehrsunfälle, und damit auch die Behandlung polyblessierter PatientInnen, deutlich zu. Dieser Trend setzte sich in den Siebziger Jahren fort, weshalb 1971 eine Intensivstation in Walenstadt in Betrieb genommen wurde. In diesem Jahr wurden 4'885 PatientInnen behandelt. Eine Zahl, die erst nach der Jahrtausendwende übertroffen wurde. Zwischen 2008 und 2015 wurden konstant Patientenzahlen zwischen 5000 und 5500 erreicht.
Dreiteilung der Kliniken
Auch organisatorisch passte sich das Spital Walenstadt an die veränderten Gegebenheiten an. Als letztes Spital im Kanton vollzog es 1980 die Dreiteilung in die Kliniken Chirurgie, Medizin und Gynäkologie / Geburtshilfe. Gleichzeitig schritt die Spezialisierung in den einzelnen Fachgebieten weiter voran. In den letzten 25 Jahren wurde dabei die Gefässmedizin zu einem wichtigen interdisziplinären Spezialgebiet. Die Behandlungen erfolgen in Kooperation mit dem Universitätsspital Zürich und dem Kantonsspital St. Gallen.
PatientInnen werden älter
In den achtziger und neunziger Jahren ging die Aufenthaltsdauer zurück, gleichzeitig zeigte sich jedoch ein Trend zu immer älteren PatientInnen. Durch die gleichzeitig fortschreitende Verlagerung von stationären zu ambulanten Behandlungen nahm die Aufenthaltsdauer dennoch weiter ab. Von 10.2 Tagen im Jahr 1990 ging sie bis 2000 auf 8.1 Tage und bis 2015 auf 5.1 Tage zurück. Als Folge des zunehmenden Alters der PatientInnen wurde 2013 im Spital Walenstadt die akutgeriatrische Station mit 20 Betten eröffnet.
Moderne Geburtenstation
Mitte der Neunziger Jahre wurde die Geburtenstation modernisiert, um den Standard zu bieten, den werdende Mütter erwarteten. Unter anderem stand nun eine Gebär-Badewanne zur Verfügung. Eine weitere Modernisierung im Jahr 2006 sorgte erneut für beste Bedingungen. Zudem wurde die Frauenklinik 2008 erstmals von UNICEF als stillfreundliches Spital zertifiziert. Nach stetig fallenden Geburtenzahlen konnte 2014 mit 359 Geburten ein Geburtenrekord in Walenstadt erreicht werden. Seit 2014 ist das Spital Walenstadt zudem Netzwerkpartner des Brustzentrums St. Gallen.