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Es ist ein happiger Vorwurf. Die Überraschungseier von Ferrero sollen nicht nur für Kinder gemacht, sondern womöglich auch von Kindern produziert sein. Das jedenfalls berichtete die britische Zeitung «The Sun». Viele europäische und Schweizer Medien griffen die Geschichte auf - auch BLICK.
Reporter der Zeitung porträtierten in Carei, im Norden von Rumänien, die Geschwister Hannah (6) und Patrick (11), die bis zu 13 Stunden am Tag in Heimarbeit Spielzeug in die kleinen gelben Plastikdöschen im Inneren der Überraschungseier packen.
Die Empörung war gross. Die Staatsanwaltschaft hat sogar Ermittlungen wegen Kinderhandels gegen die rumänische Firma, welche von Ferrero beauftragt wurde, eingeleitet.
Journalisten gaben sich als Ferrero-Mitarbeiter aus
Doch nun meldet sich die Mutter zu Wort: «Ich arbeite zwar zu Hause für einen Zulieferer der Überraschungseier, aber meine Kinder nicht», sagt sie zur rumänischen Nachrichtenagentur Agerpres. Die britischen Journalisten hätten die Spielzeuge selber mitgebracht und alles inszeniert. Sogar ein Job in England sei ihr angeboten worden. Ob das stimmt, ist unklar.
Die Schuldirektorin von Patricks Schule bezeichnet die Fotos als arrangiert. «Aus Aussagen der Mutter geht hervor, dass sie von einem Journalisten und einem Dolmetscher besucht wurden, die sich als Ferrero-Mitarbeiter ausgewiesen hätten und Werbung für die Produkte machen wollten. Die Fotos wurden unter der Anleitung des Journalisten gemacht.»
Patrick (11) geht aufs Gymnasium
Das Jugendamt des Landkreises Satu Mare, das für Carei zuständig ist, sagt der deutschen Zeitung «Die Welt»: «Die Eltern haben sich aktiv an der Erziehung der Kinder beteiligt. Auch wenn der Vater in einem anderen Dorf lebt, kam er häufig vorbei und hat die Mutter unterstützt.» Der Junge gehe auf das Gymnasium Vasile Lucaciu in Carei und besuche dort die fünfte Klasse. Und das Mädchen sei regelmässig in der Kindertagesstätte.
Gemäss dieser Darstellung wäre es gar nicht möglich, dass die Kinder 13 Stunden Spielzeuge bastelten. Laut dem Jugendamt wollen die Eltern nun gegen «The Sun» klagen.
Beim italienischen Mega-Konzern Ferrero gibt man sich zurückhaltend: «Wir nehmen diese Angelegenheit äusserst ernst und haben sofortige umfassende Ermittlungen initiiert.» Man kooperiere mit den rumänischen Behörden in vollem Umfang und verfüge über strenge Regelungen für Lieferanten, die Kinderarbeit zwingend ausschlössen: «Ein solches Fehlverhalten verstösst absolut gegen unseren Ethikkodex.»
Auch bei rumänischen Medien sorgt die Geschichte natürlich für Wirbel. «Es kam immer wieder vor, das britische Journalisten Hoax-Geschichten über Rumänien verbreiteten», sagt Catalin Alistari, Chefredaktor der Zeitung «Libertatea» zu BLICK. «Sie erzählten etwa, bei uns könne man an jeder Ecke Kalaschnikows kaufen.»
Bei der Kinder-Ei-Story liege die Wahrheit irgendwo dazwischen. «Die Mutter liess sich laut unseren Informationen krankheitshalber frühpensionieren und bezieht eine kleine Rente. Wahrscheinlich hat sie schwarz für einen Ferrero-Zulieferer gearbeitet.» Inwiefern die Kinder der Mutter mitgeholfen haben, sei offen. «Jedenfalls haben die rumänischen Behörden nun eine Untersuchung gestartet.»
Welche der Versionen jetzt wirklich stimmt, ist weiterhin unklar. Die britische Zeitung «The Sun» hat noch keine Stellung zu der Angelegenheit genommen.Publiziert am 25.11.2016 | Aktualisiert am 02.12.2016