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In Le Châtelard, einem Ort im Wallis an der Grenze zu Frankreich, beginnt die elektrisch betriebene Standseilbahn nach Les Montuires. Die 1919/20 errichtete Bahn entstand im Rahmen des Baus der Barberine-Staumauer (1920-1926) durch die SBB. Sie wurde für den Transport von Arbeitern und Material zum 1'822 m ü. M. gelegenen Wasserschloss und zu der parallel zur Bahn angelegten Druckleitung eingesetzt. Die einspurige, im oberen Bereich leicht gekurvt verlaufende Standseilbahn mit Abt'scher Ausweiche erstellte die Firma Von Roll. Nach der Fertigstellung der Kraftwerksanlage diente sie zum Unterhalt der Druckleitung und seit 1935 wird sie auch zur Beförderung von Touristen eingesetzt.
Die in Beton und Stahl errichtete, unüberdachte Talstation der Standseilbahn besitzt lediglich ein schlichtes Nebengebäude mit Billettschalter, Kiosk und Bürocontainer. Sie befindet sich hinter der mächtigen Kraftwerkszentrale in der Nähe der Haltestelle der Schmalspurbahn Martigny-Le Châtelard. Die gemauerten Einstiegstellen der Zwischenstation Giétroz und der Bergstation Les Montuires sind ebenfalls offen. Das in rustikalem Bruchsteinmauerwerk errichtete Gebäude bei der Bergstation enthält neben dem Maschinenraum eine kleine Wohnung sowie spätere Erweiterungen mit Buffet, Kiosk etc.
Die weitgehend durch Lärchenwald führende Linie mit massivem Unterbau beginnt auf einem kurzen Viadukt, danach folgen verschiedene kleinere Brücken. Die Strecke mit einer maximalen Steigung von 87% besitzt im unteren Teil einen Tunnel von 40 m Länge und nach der Zwischenstation eine zweiten von 18 m Länge. Bei Streckenabschnitten mit grossen vertikalen Ausrundungen in Wannenform wird das Zugseil durch Niederhalterstützen mit Führungsrollen nach unten gedrückt.
Die beiden zweiachsigen Von Roll-Fahrgestelle stammen aus der Bauzeit und sind mit der üblichen Hand- und der automatisch wirkenden Zangenbremse ausgerüstet. Zudem sind die Fahrgestelle mit Seilrollen versehen, die das Gegenseil in den Wannen unter den Wagen halten und führen. Die 1935 von den Ateliers de Construction Mécanique de Vevey (ACMV) erstellten Wagenkasten aus Aluminium können je 60 Personen aufnehmen. Nach dem Zurücklegen von etwa zwei Dritteln der Streckenlänge nimmt der bergwärts fahrende Wagen einen auf dem Geleise stehenden Ballastwagen von 3'500 kg Gewicht mit. Der Ballastwagen dient als Gewichtsausgleich zum lang und schwer gewordenen Drahtseil der Gegenkabine.
Der im Gebäude bei der Bergstation untergebrachte Antrieb (Motor und Getriebe) inklusive der Betriebs- und Sicherheitsbremsen wurden 1995 ersetzt. Das gleiche gilt für die Steuerung, das Kopierwerk und die Fernüberwachungsanlage.
Nach dem Bau der Staumauer Emosson 1969-1973 und dem damit verbunden Ersatz der alten Druckleitung hatten die SBB keinen Bedarf für die Bahn mehr und wollten sie deshalb 1973 abbrechen. Eine Gruppe von Freiwilligen unter der Führung von Bernhard Philippin setzten sich für den Erhalt der Bahn ein. Die Gesellschaft Parc d'Attraction du Châtelard VS betreibt seit 1975 neben der Standseilbahn, die zu diesem Zeitpunkt neu in Betreib genommene Schmalspur-Panoramabahn und das 1991 fertig gestellte Minifunic zur Emosson-Staumauer.
Die 1975 vor der Stilllegung gerettete Standseilbahn steht heute als Touristenattraktion zur Verfügung. Sie gilt mit einer maximalen Steigung von 87% als die steilste Standseilbahn mit Zweiwagenbetrieb der Welt. Die einspurige Standseilbahn mit Abt'scher Ausweiche verfügt bezüglich Linienführung, Streckenbauwerke und Unterbau über einen aussagekräftigen Anteil aus der Ursprungszeit. Zudem erfordert die für Standseilbahnen aussergewöhnlich anspruchsvolle Linienführung mit grossen Steigungsunterschieden und vertikalen Ausrundungen einzigartige technische Ansätze und spezielle Einrichtungen: So wird bei den Wannen das gespannte Zugseil mittels Jochkonstruktionen unten gehalten und ein Ballastwagen im oberen Streckenabschnitt gleicht die Gewichtsdifferenzen der unterschiedlichen Seillängen aus. Die beiden im originalen Zustand erhalten Von Roll-Fahrgestelle wurden 1935 mit Aluminiumkabinen ausgerüstet. Der Antrieb und die elektrotechnischen Einrichtungen wurden 1995 vollständig erneuert.
|Konzeption|
|Erschliessungsidee (Vision)||Erschliessung des Wasserschlosses für das Speicherkraftwerk Barberine, ausgehend vom Maschinenhaus in Châtelard-Village für die Schwertransporte u. zur Montage der Rohrleitung|
|Linienführung: Planung, Umsetzung||parallel zur Druckleitung angelegte, im oberen Bereich leicht gekurvte Linie mit sorgfältig gefügtem Mauerwerks- bzw. Betonschwellenunterbau; für Standseilbahn sehr anspruchsvolle Topografie: mehrere Abschnitte mit grossen vertikalen Ausrundungen (Wannenform)|
|Seilbahntechnik|
|besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||einspurige, elektrisch betriebene Standseilbahn im Pendelverkehr mit Abt'scher Ausweiche; Ballastwagen (3'550 kg) für bergwärts fahrende Kabine zum Ausgleich des grossen, durch das Eigengewicht des Zugseils bewirkten Gewichtsunterschied; Seil-Niederhalter-Joche u. Seilniederhalter-Rollen für das Gegenseil unter den Fahrgestellen (Wannenform)|
|seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Hersteller||einzigartige, zum Transport von Rohren u. Baumaterialien erstellte u. ein bemerkenswertes Alter aufweisende Kraftwerksbahn im Pendelbetrieb mit eindrücklicher Maximalneigung von 87%|
|Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten|
|Ingenieurbau||sorgfältig ausgeführte Streckenbauwerke: ein aus Natursteinen gefügter Viadukt, zwei Tunnel|
|Architektur||Teil der imposanten u. würdevollen Kraftwerksarchitektur; Hochbauten mit Buffet, Kiosk etc. für touristische Nutzung ergänzt|
|besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||rohe, steinsichtige u. der Umgebung angepasste Materialisierung|
|bautypologische Bedeutung||integraler Bestandteil der Kraftwerksanlage Barberine-Emosson|
|Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung|
|Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponenten||Linienführung, Unterbau u. Streckenbauwerke aus der Erstellungszeit erhalten; Wagenkasten für den Transport von Angestellten u. Touristen von 1935 über ursprüngliches Fahrgestell mit originalen Fangbremsen|
|Qualität der Nachrüstungen||Leistungssteigerung: Antriebs- u. Bremswerk sowie Steuerungs- u. Überwachungskomponenten erneuert (1995)|
|funktionale Unversehrtheit||sowohl als Kraftwerks- als auch als Touristenbahn (öffentliche Erschliessung) in Betrieb|
|Kulturgeschichte|
|Personen, Firmen, Institutionen||SBB-Kraftwerksbau im Rahmen der Elektrifizierung des Kreises 1|
|Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militär||Kraftwerksunterhalt; wesentlicher Teil der touristischen Gesamtanlage Parc d'attractions du Châtelard|
|Räumliche Situation|
|Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontexts||Orientierung am Druckleitungssystem der Kraftwerksinstallation; Bestandteil der als Kontrapunkt zur Landschaft erstellten technischen Anlage|
|Infrastruktur|
|touristische/betriebliche Infrastruktur||Parc d'attractions du Châtelard: Bergbahn- u. Kraftwerkszentrum|
|Verkehrsnetze||Zufahrt: Strasse (nordwestl. Col de la Forclaz), Mont Blanc-Express der TMR Transports de Martigny et Régions (Adhäsions- u. Zahnrad, nach F mit SNCF), Weiterfahrt: Schmalspur-Panoramabahn (Wasserschloss Emosson-Staumauer Barberine), zweispurige "Minifunic" (Endstation Panorama-Bahn-Krone Staumauer)|
|Bundesinventare|
|-||IVS (national)||VS 51.2: Martigny - Frontière nationale, Chemin de muletier de Tête Noire|
|Quellen|
|-||Anonym: Die Barberine Bahn, VTP Mitteilungen Nr. 34, p. 23|
|-||Philippin, Guy-Bernard: Remise du Prix de la Fondation pou le Patrimoine culturel, 22.11.2000|
|-||Philippin, Guy-Bernard: Funiculaire historique du Châtelard, 20.06.2009 |
|-||Philippin, Guy-Bernard: Lettre pour OFT, 31.07.2009|
|-||Philippin, Guy-Bernard: Lettre pou Conseil communal de Finhaut, 21.08.2009|
|Literatur|
|-||Oehler, Alfred: Die Transportanlagen zum Bau der Staumauer für das Barberine-Kraftwerk der S.B.B., in: Schweizerische Bauzeitung SBZ, vol. 81/82(1923), p. 61-64, 77-80, 91-93|
|-||Parc d'Attractions du Châtelard. 30 ans d'histoire, Le Châtelard 2005|
|-||Schweizer Heimatschutz (Hg.): Die schönsten Verkehrsmittel der Schweiz, Zürich, 2007, p. 16f.|
|e-docs|
|-||http://www.emosson.ch |
|-||http://www.funimag.com/suisse/chatelar01.htm |
|-||http://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=54&t=35599&start=0 |