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daher »Ultimogeschäft«) rechnet, mithin à la baisse spekuliert, verkauft à découvert (ungedeckt) oder in blanco, er »fixt«, d. h. er verkauft Objekte, die er noch gar nicht besitzt, und der Käufer spekuliert umgekehrt à la hausse, will die Differenz zwischen dem niedrigen Abschluß und dem gestiegenen Stichtagkurs gewinnen.
Von den gewöhnlichen Zeit- oder Lieferungsgeschäften unterscheiden sich die an der Börse geschlossenen Zeitgeschäfte oder sogen. Fixgeschäfte zunächst durch eine juristische Eigentümlichkeit, indem auch das formelle Recht bei letztern die Differenz als das Punctum saliens des gesamten Börsenverkehrs anerkennt (vgl. Art. 354-357 des Reichshandelsgesetzbuchs). Um die Differenz drehen sich alle Lieferungsgeschäfte, und wenn die Bestimmungen des Art. 357, Abschn. 3 des Reichshandelsgesetzbuchs zur Anwendung kommen, dann wird schon nach diesen nicht mehr und nicht weniger als die Kursdifferenz bezahlt.
Diese bloße Zahlung der Differenz statt des vollen Kaufpreises kann aber auch die Folge der an den Börsen eingeführten Form der Abwickelung sein. Da nämlich die Spekulanten am Erfüllungstag meist bereits ihre Spekulation wieder realisiert haben, so lassen sie ihre Verpflichtung durch denjenigen erfüllen, der durch das Realisationsgeschäft an ihre Stelle getreten, und treten selbst nur so weit ein, als die Preisdifferenz zwischen den beiden Abschlüssen in Betracht kommt.
Wenn jemand von A zu 100 gekauft und dem B zu 105 verkauft hat, so kann er den B anweisen, von A in Empfang zu nehmen, und da A nur 100 zu bekommen hat, kann er den Überschuß 5 an sich zahlen lassen. Auch derjenige, mit dem das Realisationsgeschäft gemacht wurde, kann dieses seinerseits als Spekulations- oder Realisationsgeschäft gemacht haben und durch die weitere Person, mit der er noch außerdem kontrahiert hat, erfüllen lassen. So finden die Ablieferungen zwischen ganz andern Personen statt als zwischen den Kontrahenten, indem den Empfangsberechtigten immer neue Firmen genannt (wie der übliche Ausdruck lautet: »Adressen gegeben«) werden, mit welchen sie abzuwickeln haben.
Die Abwickelungen zwischen diesen Parteien aber, die ja unter sich gar nicht abgeschlossen, also auch keinen Preis vereinbart haben, finden der Bequemlichkeit halber zu einem gleichmäßigen, am Erfüllungstag vom Börsenvorstand festgesetzten Kurse statt (sogen. Kompensationskurs). Die eigentlichen Kontrahenten haben dann untereinander nochmals abzurechnen wegen der Differenz, die zwischen dem von ihnen ursprünglich vereinbarten Kurs und dem Ablieferungskurs sich ergeben hat.
Wenn A von B zu 102 gekauft und an C zu 104 verkauft hat, und am Erfüllungstag wird der Kompensationskurs auf 100 festgesetzt, so liefert B an C zu 100, hat aber noch 2 von A zu bekommen, während C noch 4 an A zahlen muß. So kann jedes Zeitgeschäft, ja sogar auch ein Kontantgeschäft teilweise oder ausschließlich durch Zahlung einer Differenz ausgeglichen werden. Man nennt nun aber gewöhnlich speziell Differenzgeschäfte diejenigen Spekulationsgeschäfte, bei denen es nur auf den Gewinn der Differenz abgesehen ist, zu deren Abschluß keinerlei Motiv treibt außer der Hoffnung auf diesen Gewinn.
Der Sache nach nähert sich das Differenzgeschäft in diesem Sinn sehr stark dem Hasardspiel und der Wette. Man könnte nur dann dasselbe günstiger beurteilen, wenn sich zeigen ließe, daß dasselbe notwendig ist, damit künftige Ereignisse schon im voraus bei der Preisgestaltung Berücksichtigung finden und somit übermäßige Preisschwankungen verhindert werden. Allein einerseits könnte wohl meistens diese Funktion von dem reellen, des wirklichen Ankaufs, resp. Verkaufs wegen unternommenen Geschäft mit besorgt werden, anderseits sind die Bestimmungsgründe der Preise oft solche, daß sie gar nicht durch Nachdenken und Erfahrung vorher zu berechnen sind, das Erraten daher nur Sache des Zufalls ist.
Trotzdem kann es nicht wundernehmen, daß gerade in unsern Tagen so außerordentlich viel in Differenzen spekuliert wird (nach G. Cohn, »Die und die Spekulation«, Berl. 1868, verhalten sich im Getreidehandel der Berliner [* 2] Börse die Differenzgeschäfte zu dem effektiven Warenumsatz jährlich wie 20:1, 2 Mill. Wispel Roggen zu 100,000 Wispel effektiv). Man streitet nun viel über Rechtsbeständigkeit und Wirksamkeit dieser Geschäfte und über die Frage ihrer gesetzlichen Regelung.
Man hat auch wohl ein allgemeines Verbot der Differenzspekulation verlangt; doch hatten die gegen dieselbe in einzelnen Staaten ergriffenen Maßregeln wenig Erfolg, weil das effektive Umsatzgeschäft und das Differenzgeschäft praktisch nicht voneinander zu scheiden, denn reelles Geschäft und Differenzgeschäft bewegen sich genau in denselben Formen. Die zwischen beiden Kontrahenten abgeschlossene Vereinbarung enthält keineswegs immer etwas Unmögliches oder etwas Unsittliches.
Weiter ist zu erwägen, daß dasselbe Geschäft für den einen der Kontrahenten ein Spiel, für den andern Teil eine reelle Anlage oder Realisierung des Besitzes sein kann. Ist auch nicht zu leugnen, daß das reine Differenzgeschäft den Charakter der Wette und des Spiels trägt und vielfach auch ganz die gleichen Folgen hat wie diese, so gehen doch die Angriffe gegen dasselbe oft zu weit und werden ungerecht. Auch die Gesetzgebung hat neuerdings darauf verzichtet, die Differenzgeschäfte ganz zu unterdrücken; ja, in Frankreich, wo dieselben bisher nicht klagbar waren, ist man gerade nach der Börsenkrisis vom Januar 1882 zu dem Entschluß gekommen, sie als bindende Verträge zu behandeln, um auf diesem Weg zu größerer Vorsicht beim Eingehen derselben zu veranlassen.
Denn allerdings müssen dieselben als durchaus bedenklich und unratsam bezeichnet werden. Namentlich der Kleinkapitalist ist in der That aufs dringendste vor der Differenzspekulation zu warnen; die Vorteile, welche der große Verkehr von den Differenzgeschäften zieht, sind nicht selten den Nachteilen zu danken, die der Kleinspekulant erfährt. Wenn das bloße Differenzspiel überwuchert, so artet die Spekulation aus in Börsenspiel oder, wie man es auch bezeichnet, in Agiotage und Börsenschwindel (vgl. hierüber wie über Börsenkrisis den Art. »Handelskrisis«).
Weit weniger gefährlich als die Differenzgeschäfte sind die Prämiengeschäfte. Hat jemand Papiere, sei es effektiv, sei es nur als Differenzobjekt gemeint, zu liefern versprochen, und ist deren Kurs am Stichtag (statt, wie er kalkulierte, gefallen) um 3 gestiegen, so wäre er wohl froh, wenn er sich mit Zahlung von 1 oder 1½ der ganzen Differenzzahlung entschlagen, oder einen Aufschub oder das Recht zur Lieferung einer geringern Quantität erlangen, oder das verabredete durch ein ganz andres Geschäft ersetzen könnte. Das Prämiengeschäft gestattet ihm dies; laut vorgängiger Vereinbarung (am Abschlußtag) ist dem einen der Kontrahenten, dem Prämiengeber, ein Wahlrecht eingeräumt, das er am Stichtag auszuüben hat; der andre Kontrahent räumt dieses Wahlrecht ein, weil er die Prämie erhält und ¶
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darin einen allerdings hinter der möglicherweise ihm günstigern Kursdifferenz zurückbleibenden kleinern, aber in diesem Minimum ganz sichern Gewinn hat. Das Juristische des Prämiengeschäfts liegt einfach im folgenden: jedes Prämiengeschäft ist ein Vertrag, in welchem von einem Kontrahenten dem andern gegen Versprechen einer bestimmten Summe, Prämie genannt, ein Wahlrecht zugestanden wird, welches Bezug hat auf das Zustandekommen oder die Ausführung eines andern Vertrags (Fixgeschäft überhaupt oder Differenzgeschäft). Es ist unrichtig, das Prämiengeschäft als bedingtes Geschäft aufzufassen; das Prämiengeschäft ist unbedingt, nur jenes andre Geschäft, welches in seinem Zustandekommen oder in seinem Vollzug von dem Prämiengeschäft, von der Wahl abhängt, kann als bedingtes Geschäft bezeichnet werden (bedingtes Zeitgeschäft).
Die Prämie ist das Äquivalent für das vom Prämienzieher eingeräumte Wahlrecht. Im einfachen Prämiengeschäft wird die Prämie bezahlt nach Vereinbarung entweder für den gewählten Rücktritt, oder für den nicht gewählten Rücktritt, oder für das Recht der Wahl an sich, ohne Rücksicht darauf, ob oder wie es ausgeübt wurde. Im Wandelgeschäft zahlt der Prämiengeber die Prämie für Wahlrecht darüber, ob er die Erfüllung des Lieferungs- oder Differenzgeschäfts an diesem oder an jenem Zeitpunkt (innerhalb einer vereinbarten Frist) wolle.
Während demnach in den einfachen Prämiengeschäften die Wahl zwischen Wollen und einem konkreten, entgegengesetzten Nichtwollen charakteristisch ist, räumt das Wandelgeschäft keinen Rücktritt, kein Nichtwollen ein, sondern die Wahl zwischen einem So- und einem Anderswollen. Das letztere ist dem Wandelgeschäft gemeinsam mit dem Noch- (oder Nach-) Geschäft, dem Schluß auf fest und offen und dem Stellgeschäft. Im Nochgeschäft hat der Prämienzahler die Wahl, ob er die ursprünglich vereinbarte Menge oder mehr als diese liefern, bez. fordern will.
Umgekehrt räumt der Schluß auf fest und offen dem Prämiengeber die Befugnis ein, nur einen Teil der gehandelten Effekten zu nehmen, bez. zu liefern. Die Menge der Effekten, auf deren Lieferung oder Bezug am Stichtag vertragsmäßig verzichtet werden kann, ist stets nur ein Bruchteil der überhaupt in Rede stehenden Papiere und heißt »offen« bezogene Partie, oder man spricht von »in Option gegebenen Papieren«, ein Ausdruck, der übrigens auch im Nochgeschäft gang und gäbe ist.
Überhaupt unterscheidet sich das »Nochgeschäft« von dem Geschäft auf »fest und offen« nur durch die Ausdrucksweise des geschlossenen Vertrags, ob man nämlich die kleinere Quantität als das Normale und die größere als das Ergebnis eines besonders auszuübenden Wahlrechts auffaßt oder umgekehrt. Das Stellgeschäft (die Stellage) ist ein Prämiengeschäft, bei welchem dem Prämienzahler (Wähler, Stellageinhaber) das Recht eingeräumt ist, die behandelte Quantität Fonds nach seiner am Stichtag zu treffenden Wahl entweder von dem andern Kontrahenten (Steller) zu einem höhern Kurs zu empfangen, oder zu einem niedrigern Kurs zu liefern (Schluß auf geben und nehmen).
Das zweischneidige Prämiengeschäft gibt dem Prämienzahler außer dem Rechte der Wahl zwischen Beziehen und Liefern auch noch das Recht des vollständigen Rücktritts vom Vertrag, mithin ein Wahlrecht zwischen So-, Anders- und Nichtwollen. Das Zweiprämiengeschäft ist die Kombination zweier einfacher Prämiengeschäfte, welche jemand mit zwei verschiedenen Personen abschließt, indem er in beiden Fällen sich das Recht des Rücktritts vorbehält, in dem einen Fall von einem Kauf, den er abschließt, in dem andern von einem Verkauf. (Vgl. Moser, Zeitgeschäfte, Berl. 1875.) In allen Prämiengeschäften ist auf einer Seite der Verlust auf ein Minimum, die Prämie, beschränkt, auf der andern Seite aber auch der Gewinn aus dieselbe.
Für die rechtliche Natur dieser Geschäfte ist es gleichgültig, ob die Prämie besonders ausgesprochen oder nur im Lieferungskurs ausgedrückt, ob sie vorher oder nachher bezahlt wird, oder in Reduktion oder Erhöhung des Bezugspreises liegt etc. Die Usancen der Börsen, in Bezug auf die Prämiengeschäfte die einzigen besondern Rechtsquellen, weichen hierin voneinander ab. Hat der Verkäufer die Prämie zu zahlen (Rückprämie), so läßt sie sich in einer Verminderung des Kaufpreises ausdrücken, die vom Käufer zu zahlende (Vorprämie) in einer Erhöhung desselben.
An den deutschen Börsen wird sie gesondert berechnet und bezahlt, an den meisten andern Börsen Europas in den Kurs gerechnet. Die Spekulation in den Prämiengeschäften stützt sich auf Kursschwankungen;
Prämienzahler und Prämienempfänger müssen sich verschiedenen Anschauungen in Bezug auf Richtung oder Intensität der Kursänderung hingeben. So hofft der Wähler im Stellgeschäft, daß eine sehr bedeutende Kursänderung nach oben oder nach unten eintreten werde;
er gewinnt erst, wenn die Kursänderung über den (vereinbarten höchsten) Empfangskurs hinaus oder unter den (vereinbarten niedrigsten) Lieferungskurs herab vor sich gegangen ist;
der Steller (Prämienempfänger) rechnet umgekehrt darauf, daß keine so bedeutende Preisschwankung eintreten werde, etc. Es kann sein, daß am Stichtag (Prämienerklärungstag, gewöhnlich ein Ultimo) die Spekulation sich als ungünstig für den einen der Kontrahenten darstellt, während er von den bevorstehenden nächsten Kursänderungen Vorteil hofft und der andre Kontrahent die Fortdauer der ihm günstigen Geschäftslage voraussetzen zu dürfen glaubt;
so kommen beide Kontrahenten dazu, das Zielgeschäft (Fixgeschäft, Differenz- oder Prämiengeschäft) zu prolongieren: Prolongation der Fondsgeschäfte (Prolongations- oder Kostgeschäfte).
Die Fortsetzung der Spekulation bei vermuteter Fortdauer, resp. Verbesserung der Chance kommt, abgesehen von den bankmäßigen Prolongationen im Wechsel-, Lombard- und Darlehnsgeschäft, im Fondsverkehr in doppelter Weise vor: als sogen. verdeckte (einfache) Prolongation und als Reportgeschäft. Die verdeckte Prolongation besteht in der Abschließung eines neuen Geschäfts unter Beibehaltung der gleichen Spekulationsrichtung nach Abwickelung des ersten (»prolongierten«) Geschäfts; gleichgültig ist dabei, ob das zweite (prolongierende) Geschäft mit einem und demselben Kontrahenten oder mit einem neuen abgeschlossen wird.
Der prolongierende Haussespekulant verkauft demnach am Stichtag per Kassa, zahlt Kaufpreis, resp. Differenz an seinen frühern Verkäufer und setzt die Haussespekulation in derselben Weise wie bisher dadurch fort, daß er die nämliche Quantität derselben Effekten von einem Dritten oder wiederum vom Verkäufer auf Lieferung per nächsten Ultimo kauft. Entsprechend werden die Verkäufe vom prolongierten Baissespekulanten fortgesetzt. Die Prolongation setzt also im ersten Fall voraus: Verkauf per Kassa und Kauf per Ultimo, im letztern: Kauf per Kassa und Verkauf per Ultimo. Dies Geschäft trägt die Natur des gewöhnlichen Lieferungsgeschäfts an sich. Der Zusammenhang mit dem dadurch prolongierten Geschäft ist juristisch ¶