Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/267002

<h2>SubmittedText<h2><p>Legasthenie scheint alle Kriterien zu erfüllen, um in den Leistungskatalog der Invalidenversicherung (IV) aufgenommen zu werden: Es handelt sich um eine angeborene, vererbbare Entwicklungsstörung mit gravierenden Auswirkungen auf die Bildungsmöglichkeiten und die Arbeitsmarktintegration der Betroffenen. &nbsp;Es ist also notwendig, eine Definition zu bestimmen, konkrete Kriterien festzulegen und eine Behandlung anzubieten, die sich nicht auf den schulischen Rahmen beschränkt, sondern auch einen pluridisziplinären Ansatz verfolgt.</p><p>1. Die jüngsten Definitionen der WHO und des DSM-5 (5. Auflage des diagnostisch-statistischen Manuals psychischer Störungen) bestätigen, dass Legasthenie eine Verhaltensstörung ist. Ist der Bundesrat in diesem Kontext nicht der Ansicht, dass Legasthenie als eine angeborene, vererbbare und genetisch bedingte Entwicklungsstörung des Gehirns einzuordnen ist, so wie andere im IV-Leistungskatalog aufgeführte Störungen?</p><p>2. Bei Menschen mit Legasthenie liegt eine Veränderung in der Gehirnfunktion vor. Denkt der Bundesrat angesichts dessen nicht, dass diese Entwicklungsstörung nicht nur in der Schule eine Beeinträchtigung darstellt, sondern auch im späteren gesellschaftlichen und beruflichen Leben?</p><p>3. Legasthenie stellt für die Betroffenen ein grosses Hindernis in ihrer Schul- und Berufsbildung dar. Erachtet es der Bundesrat nicht als notwendig, die Arbeitsmarktintegration im Rahmen der IV zu fördern, und zwar mit allen verfügbaren Ressourcen? Konkret wären das zum Beispiel Logopädie, psychologische Unterstützung, Mentoring, heilpädagogische Angebote und Kontakte mit Schulen und Berufswelt.</p><p>4. Die Erkennung, Diagnose und Behandlung von Legasthenie erfolgt aufgrund der faktischen Einschränkung des Angebots in Folge der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) häufig zu spät. Ist der Bundesrat nicht der Ansicht, dass die Aufnahme der Legasthenie in den IV-Leistungskatalog die Früherkennung fördern und die erforderliche Behandlung der Betroffenen sicherstellen würde?</p><p>5. Derzeit fehlt es im privaten und schulischen Bereich an qualifiziertem Personal, das zudem teuer ist; die Erfolgsbilanz im Zusammenhang mit der Behandlung von Legasthenie ist also mager. Findet der Bundesrat nicht, dass eine Übernahme durch die IV wirksamer wäre – mit massgeschneiderten und multidisziplinären Behandlungsmethoden?&nbsp;</p><p>6. Legasthenie wird häufig mit Dysfunktionen wie ADHS oder der Autismus-Spektrum-Störung (ASS) in Verbindung gebracht. Ist der Bundesrat nicht der Ansicht, dass Legasthenie wie diese Dysfunktionen in den IV-Leistungskatalog aufgenommen werden sollte?&nbsp;</p>