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Die Kompetenzen der FINMA im Bereich Recovery- und Resolution in den verschiedenen Aufsichtsbereichen gehen unterschiedlich weit. Sie umfassen die präventiv wirkende Aufsichtstätigkeit, die Intervention im akuten Krisenfall und auch die Abwicklung von solventen und insolventen Unternehmen. Die FINMA kann Recovery- und Resolution-Massnahmen bei bewilligten und nicht bewilligten Instituten ergreifen sowie bei Konzernobergesellschaften und wesentlichen Gruppengesellschaften von Finanz- und Versicherungsgruppen.
Die FINMA entwickelt und unterhält generelle Interventionskonzepte zur Bewältigung akuter Krisensituationen bei Unternehmen des Finanzmarktes. Überdies steuert und überwacht sie komplexe Verfahren zur Reorganisation oder – soweit dies gesetzlich vorgesehen ist – zur Sanierung von akut gefährdeten Unternehmen. Vorrangiges Ziel der Anstrengungen der FINMA ist es, im Krisenfall die Weiterführung von bewilligungspflichtigen Tätigkeiten des gefährdeten Instituts als Ganzes oder in Teilen soweit als möglich zu gewährleisten. Ein Sanierungsverfahren kann für Banken, Effektenhändler, Pfandbriefzentralen und Finanzmarktinfrastrukturen in Betracht gezogen werden. Auch bei Versicherungen verfügt die FINMA über gewisse Sanierungskompetenzen. Ausgeschlossen sind Sanierungsverfahren dagegen, wenn einem Institut die Bewilligung bereits entzogen wurde oder bei ohne Bewilligung tätigen Gesellschaften, denen auch nachträglich keine Bewilligung erteilt werden kann.
Eine besondere Bedeutung haben die Prävention und Stabilisierung bei systemrelevanten Banken und Finanzmarktinfrastrukturen. Deren Ausfall würde die Schweizer Volkswirtschaft und das schweizerische Finanzsystem besonders schädigen. Solche Institute sind verpflichtet, präventiv unternehmensspezifische Stabilisierungs- und Notfall- bzw. "orderly wind-down"-Pläne zu erstellen. Diese Pläne werden von der FINMA geprüft. Gleichzeitig erarbeitet die FINMA für die systemrelevanten Unternehmen und Gruppen Abwicklungspläne. Ziel ist, die Unternehmen nötigenfalls mit Hilfe dieser Pläne im Rahmen eines nationalen oder internationalen Verfahrens entweder zu sanieren oder geordnet abzuwickeln.
Schutzmassnahmen sind vorsorgliche Massnahmen, welche die FINMA separat oder in Verbindung mit einer Sanierung oder im Vorfeld einer möglichen (Konkurs-)Liquidation anordnen kann. Ziel ist es dabei, die drohende Gefahr für Gläubiger abzuwenden, deren Gleichbehandlung im Rahmen der anwendbaren Privilegienordnung sicherzustellen sowie die Fortführung der bewilligungspflichtigen Tätigkeiten des gefährdeten Unternehmens zu ermöglichen. Die Anordnung von Schutzmassnahmen ist möglich bei Banken, Effektenhändlern, Pfandbriefzentralen, Finanzmarktinfrastrukturen und Versicherungen. Bei Banken sowie Finanzmarktinfrastrukturen kann die FINMA Schutzmassnahmen bei drohender Überschuldungsgefahr, ernsthaften Liquiditätsproblemen oder andauernder Nichterfüllung der Eigenmittelvorschriften anordnen. Bei Versicherungsunternehmen steht der FINMA diese Möglichkeit offen, wenn die Interessen der Versicherten gefährdet sind.
Die FINMA kann in fast allen Aufsichtsbereichen Konkursverfahren einleiten, wenn ein Konkursgrund gegeben ist und keine Aussicht auf Sanierung besteht oder ein Sanierungsversuch gescheitert ist. Bei beaufsichtigten Unternehmen entzieht die FINMA dabei die Bewilligung. Bei Instituten, die ihre Tätigkeit ohne eine erforderliche Bewilligung ausüben, leitet die FINMA direkt die (Konkurs-)Liquidation ein. Einleger, Versicherungsnehmer und Anleger in kollektiven Kapitalanlagen und in Schweizer Pfandbriefen profitieren dabei von besonderen Schutzbestimmungen:
Die FINMA ist auch zuständig für Recovery- und Resolution-Massnahmen bei Konzernobergesellschaften und wesentlichen Gruppengesellschaften von Banken, Finanzmarkt-infrastrukturen und Versicherungen. Die Anordnung von Schutzmassnahmen sowie die Durchführung von Sanierungs- und Konkursverfahren bei Konzernobergesellschaften und wesentlichen Gruppen-gesellschaften von Banken und Finanzmarktinfrastrukturen richtetet sich im Wesentlichen nach den insolvenzrechtlichen Bestimmungen für Banken und Finanzmarktinfrastrukturen. Bei wesentlichen Gesellschaften von beaufsichtigten Versicherungsgruppen und -konglomeraten greifen die konkursrechtlichen Bestimmungen für Versicherungen.
Zur Durchführung von Sanierungen, Liquidations- oder Konkursverfahren setzt die FINMA regelmässig Beauftragte ein. Nur bei Vorliegen besonderer Gründe nimmt sie deren Aufgaben selbst wahr. Dadurch kann sich die FINMA auf die Koordination und Überwachung der Verfahrensabwicklung konzentrieren sowie auf ihre Rolle als entscheidende Instanz, die sie anstelle der kantonalen Konkurs- und Nachlassgerichte innehat.
Zur Information von betroffenen Gläubigern veröffentlicht die FINMA Mitteilungen über die von ihr eingeleiteten und beaufsichtigten ordentlichen Liquidationen sowie Sanierungs- und Konkursverfahren. Zudem publiziert sie die Namen der wesentlichen Gruppen- und Konglomeratsgesellschaften in Verzeichnissen:
Die FINMA behält sich vor, jederzeit weitere wesentliche Gruppengesellschaften zu bezeichnen.