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Wasser ist der Ursprung allen Lebens. Es ist ein unersetzbares Lebensmittel, bildet Lebensraum für Pflanzen und Tiere und beeinflusst Klima und Vegetation. Die Erdoberfläche ist zu 71 Prozent mit Wasser bedeckt. Man schätzt das gesamte Wasservolumen auf der Erde auf 1,4 Milliarden Kubikkilometer. Von dieser weltweiten Wassermenge ist nur ein Prozent als Süsswasser verfügbar. Der Rest ist Salzwasser oder befindet sich in Gletschern und tiefen Grundwässern.
Sechs Meter hoch Wasser für die ganze Schweiz
In der Schweiz wird das gesamte Wasservolumen auf 260’000 Millionen Kubikmeter geschätzt. Würde dieses Volumen gleichmässig auf die Erdoberfläche der Schweiz verteilt, ergäbe dies eine Wassertiefe von sechs Metern. Rund die Hälfte dieser Wassermenge lagert in Seen, ein Viertel in Gletschern und ein Fünftel im Grundwasser.
Wo viel Wasser ist, gibts viel Regen: in der Schweiz fallen fast doppelt so viele Niederschläge wie im Mittel der übrigen europäischen Länder. Auf einem Landwirtschaftsbetrieb im Schweizer Mittelland von 20 Hektaren (200’000 Quadratmeter) gehen jährlich 120 Zentimeter Niederschlag nieder, das sind auf dieser Fläche 240 Millionen Liter Wasser. Auf einem vergleichbaren Betrieb in den Voralpen und im Jura sind es sogar 170 Zentimeter Niederschlag oder 340 Millionen Liter.
Von 100 Liter Regenwasser versickern etwa 30 Liter durch den Boden ins Grundwasser, ebensoviel fliessen in Bäche, Flüsse und Seen und 40 Liter werden von den Pflanzen aufgenommen.
Die Landwirtschaft veredelt Wasser zu wertvollen Nahrungsmitteln
Wasser hat als "Lebenssaft" der Pflanzen wichtige Funktionen: Als Transportmittel leitet Wasser Nährstoffe von den Wurzeln zu den oberirdischen Pflanzenteilen, Wasser ist Baustein für den Aufbau pflanzlicher Stoffe wie Stärke und Zucker und in warmen Jahreszeiten dient Wasser der Pflanze als Kühlmittel. Einen Grossteil des aufgenommenen Wassers gibt die Pflanze wieder an die Luft ab. Dieser Vorgang wird Transpiration genannt.
Damit eine Kartoffelpflanze ein Kilogramm Knollen produzieren kann, muss sie von der Pflanzung bis zur Ernte etwa 200 Liter Wasser aufnehmen, für die Bildung von einem Kilogramm Weizenkörner nehmen Weizenpflanzen gar 900 Liter Wasser auf. Zur Produktion von einem Kilogramm Zucker braucht es 10 Kilogramm Zuckerrüben, welche ihrerseits 1’000 Liter Wasser umsetzen. Für jeden Liter Milch, der den Bauernhof verlässt, wird für die Produktion des dafür notwendigen Futters und zum Tränken der Kühe 600 Liter Wasser umgesetzt. Wasser wird auf dem Bauernhof durch Pflanzen und Tiere zu Nahrungsmitteln veredelt.
"Aqua Agricultura" auf dem Berner Bundesplatz
hö. Am Freitag, 21. März, einen Tag vor dem Internationalen Tag des Wassers, fällt auf dem Berner Bundesplatz der offizielle Schweizer Startschuss zum Internationalen Jahr des Wassers. Neben dem offiziellen Eröffnungsakt durch Bundesrat Moritz Leuenberger finden Konzerte statt und verschiedene Attraktionen rund um das Thema Wasser sind zu sehen.
Eine der Attraktionen ist das Wasserspiel "Aqua Agricultura", das der Schweizerische Bauernverband zusammen mit verschiedenen Partnern lanciert. Auf einer vier Meter grossen Wand ist – eingebettet in eine Landschaft – ein Bauernbetrieb farbenfroh gezeichnet. Die Wand steht senkrecht über dem "Meer", gebildet aus einer langen Wasserwanne. Darin schwimmen rund 3’000 blaue Pingpong-Bälle als Wassertropfen, welche Kinder mit einer Kurbel nach oben in eine Wolke befördern können. Beim Hinunterfallen lösen diese verschiedene Signale aus, beispielsweise Wasserfall-Geräusche, das Gurgeln des Grundwassers, das Muhen einer Kuh, das Grunzen eines Schweins oder das Summen der Bienen. Damit sollen die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern im Wasserkreislauf aufgezeigt werden.
Die Landwirtschaft sichert sauberes Trinkwasser
Gesunder Boden besteht zur Hälfte aus Hohlräumen. Durch dieses Porensystem kann Regenwasser in den Boden eindringen. Boden saugt Wasser wie ein Schwamm auf, speichert es in den Poren und stellt es den Pflanzen für das Wachstum zur Verfügung. Mit einer sorgfältigen Bodenbewirtschaftung sorgt der Landwirt dafür, dass diese natürliche Speicherfunktion des Bodens erhalten bleibt.
Regenwürmer und Pflanzenwurzeln durchdringen den Boden bis in Tiefen von einem Meter und legen ein Grobporensystem an. Dadurch wird der Boden luftig und wasserdurchlässig. Nach intensiven Regenfällen ist das Hohlraumsystem eines Bodens fast gänzlich mit Wasser gefüllt. Innerhalb weniger Stunden sickert Regenwasser durch senkrechte Grobporen in tiefere Bodenschichten. Auf seiner Reise durch den Boden wird Wasser gereinigt und mit Mineralien angereichert, bis es sich in der Tiefe auf wasserundurchlässigen Horizonten als Grundwasser sammelt.
Ein Grossteil des Trinkwassers wird durch landwirtschaftlich genutzte Böden gefiltert und von Schadstoffen gereinigt. So entsteht auf einer Hektare Landwirtschaftsland jährlich Trinkwasser im Wert von rund 5’000 Franken. Der Landwirtschaft kommt die wichtige Aufgabe zu, die Böden gesund und funktionsfähig zu halten. Eine auf das Wetter abgestimmte Arbeitsplanung und eine angepasste Mechanisierung ist Voraussetzung dafür.
Die Landwirtschaft hat in den letzten Jahren Massnahmen getroffen, damit nicht unnötig Nährstoffe wie Nitrat oder Phosphat ins Trinkwasser gelangen. Neben der Umstellung auf integrierte und biologische Produktion wurden die Tierbestände reduziert und die Düngemittel werden heute gezielter eingesetzt.
Wasser als Ausstellungsobjekt
hö. Im Internationalen Jahr des Wassers 2003 bildet Wasser ein Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit. Für Sonderschauen, Aktionen und Events stehen Gemeinden, Institutionen und Firmen folgende Ausstellungsmodule zur Ausleihe bereit.
Modul "Aqua Agricultura"
Dieses Modul des Schweizerischen Bauernverbandes und Partnern zeigt interaktiv und spielerisch die Rolle der Bäuerinnen und Bauern im Wasserkreislauf und die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, gesunden Nahrungsmitteln, erholsamer Landschaft und sauberem Trinkwasser.
Modul "Wasserturm"
Dieses Modul zeigt interaktiv und anschaulich den Wasserbrauch von 162 Litern Wasser pro Person und Tag im Haushalt, aufgeteilt nach Nutzungsart.
Modul "FreshWaterBar"
An dieser attraktiv gestalteten Wasserbar kann Hahnenburger, mit oder ohne Sprudel ausgeschenkt werden.
Die "FreshWaterBAr" und "Aqua Agricultura" sind vom 25. April bis zum 4. Mai 2003 auch an der BEA 2003 in Bern zu sehen – in der Sonderschau "Wasser – das blaue Wunder". Diese zeigt spielerisch den Weg vom Regenwasser bis zum sprudelnden Wasserhahn.
Information und Ausleihe:
Büro naturnah, Hansjürg Hörler, Seestrasse 2, 3600 Thun, Tel. 033 222 87 25; E-mail: <email-pii>
SOM Consulting, Christoph W. Meyer, Zulligerstrasse 19, 3063 Ittigen, Tel. 031 921 80 00, E-mail: <email-pii>
Die Landwirtschaft prägt und schützt die Landschaft
Wasser hat in den letzten Jahrtausenden unsere Landschaft mit Tälern, Hügeln und Ebenen geformt. Eine Begrünung des Bodens mit Pflanzen schützt wie eine Haut. Im Berggebiet sind es Wiesen, Wälder und Hecken, welche den Boden vor Erosion schützen. Im Ackerbau wird dieses Ziel mit einer geregelten Fruchtfolge erreicht, die eine permanente Durchwurzelung und Bedeckung gewährleistet sowie mit Direkt- und Mulchsaaten. Mit der Einsaat von Gräsern und Kräutern wird im Rebbau der Boden geschützt. Die möglichst permanente Begrünung der Böden sorgt unter anderem dafür, dass Oberflächengewässer wie Bäche, Flüsse und Seen klar und sauber bleiben. Zudem prägen die Bauern mit der Bewirtschaftung eine vielfältige Landschaft, in der wir uns täglich erholen können. Diese Landschaft mit Bächen und Seen, Wiesen und Äckern, Wälder und Hecken bildet eine bedeutende Grundlage für den Tourismus.
Weltweit grosse Wassermengen für die Bewässerung
In der Schweiz reichen die Niederschläge in der Regel, um die Kulturpflanzen ausreichend mit Wasser zu versorgen. Eine Bewässerung ist in Trockenzeiten vor allem im Gemüsebau notwendig. Weltweit hingegen wird etwa ein Sechstel der globalen Ackerfläche bewässert. Zur Steigerung der Nahrungsmittelproduktion werden vor allem in Asien, wo 60 Prozent der Menschheit leben, immer mehr Felder künstlich bewässert. Für den Nahrungsmittelanbau und die Baumwollproduktion fliessen 70 Prozent der globalen Wasserentnahme in die Landwirtschaft (siehe Info-Grafik).
Im natürlichen Wasserkreislauf kommt der Erhaltung und Pflege der Pflanzendecke insbesondere in Quellgebieten eine grosse Bedeutung zu. Immer noch verschwindet weltweit jährlich ein Prozent der Bergwälder. Damit werden vor allem in Asien wichtige Quelleinzugsgebiete zerstört und die Wasserversorgung zusätzlich beeinträchtigt. Zu einer nachhaltigen Wassernutzung gehört als wirksamste und billigste Massnahme der Schutz der natürlichen Ökosysteme mit Wäldern und Feuchtgebieten im Bereich der Quellgebiete, ein Sachverhalt, den auch die Schweizer Delegation am laufenden Weltwasserforum in Kyoto betont.
Ein Bild zu diesem Artikel ("Aqua Agricultura") kann bestellt werden beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID, Weststr. 10, 3000 Bern 6
* Hansjürg Hörler betreibt in Thun das Büro "naturnah"