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Die FDP Waadt schickt Nationalrätin Isabelle Moret ins Rennen um die Nachfolge des zurücktretenden Bundesrates Didier Burkhalter. Dies hat der Parteivorstand am Donnerstag entschieden.
Die 46-jährige Waadtländerin wäre die erste Bundesrätin mit schulpflichtigen Kindern. Sie bezeichnet sich als «liberal-progressiv» und kompromissfähig, sitzt seit elf Jahren im Nationalrat und seit acht Jahren im Vize-Präsidium der FDP Schweiz. Auch wenn sich die Waadtländerin bei einigen Dossiers entgegenkommend zeigt, kann sie auch äusserst kompromisslos sein, so beispielsweise bei der Altersvorsorge 2020.
Für die Bilateralen
Während der Debatten zur Rentenreform verteidigte Moret mit Zähnen und Klauen die Linie der FDP. Sie stellte sich hartnäckig gegen die Erhöhung der AHV-Renten und eine Rentenreform, die in ihren Augen ungerecht gegenüber den Frauen ist. Seit der Lancierung ihrer Kandidatur für die Nachfolge von Didier Burkhalter lässt Moret im Hinblick auf die Abstimmung vom 24. September aber andere den Kampf gegen die Rentenreform führen.
Die Waadtländerin bezeichnet ihre politische Ausrichtung zwar als «liberal-progressiv», in Fragen der Sicherheit, Finanzen und Wirtschaft positioniert sie sich aber klar rechts. Moret sitzt in der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit sowie in der staatspolitischen Kommission, wo sie sich etwa zusammen mit der SVP für beschleunigte Asylverfahren einsetzte. Im Europa-Dossier spricht sich Moret für den bilateralen Weg und die Personenfreizügigkeit aus. Ein Rahmenabkommen mit der EU hält sie zurzeit für nicht realistisch, da ein solches beim Volk keine Mehrheit finden würde.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Kompromissfähig zeigt sich die zweifache Mutter vor allem in sozialen Fragen. Zusammen mit der Linken arbeitete Moret an einem Gesetz über die Aufsicht über die Krankenversicherer. Ausserdem setzte sie sich stark dafür ein, dass die Einführung eines Steuerabzugs für die externe Kinderbetreuung in der Höhe von 10'000 Franken pro Kind durchkam.
Moret gilt in der FDP als Vorzeigebeispiel, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft. Sie wäre die erste Bundesrätin mit schulpflichtigen Kindern. Moret lebt von ihrem Mann getrennt. Die beiden haben zwei Kinder im Alter von elf und sieben Jahren. Der Vater kümmert sich trotz der Trennung immer noch um seine Kinder. Bevor sich Moret zur Bundesratskandidatur entschloss, klärte sie in ihrem Umfeld ab, ob sie genügend Unterstützung hat.
Durch EWR-Nein politisiert
Moret kam sehr jung zur Politik. Nach der Ablehnung des EWR 1992 trat sie der FDP bei. 1995 machte sie das Fürsprecher-Diplom in Bern. Mit 28 Jahren wurde Moret in den Waadtländer Grossen Rat gewählt. Seit 2006 sitzt Moret für die FDP Waadt im Nationalrat. Von 2008 bis 2016 war sie zudem Vizepräsidentin der FDP Schweiz.
Neben ihrer politischen Tätigkeit präsidiert Moret seit 2016 den Spitalverband H+. Ausserdem ist sie Präsidentin der Schweizerischen Nahrungsmittelindustrien und in dieser Funktion Mitglied des Vorstandes von Economiesuisse. Weiter ist die heutige Berufspolitikerin Verwaltungsratsmitglied der Swissgrid AG und der Retraites Populaires im Kanton Waadt.
Polemik um Rüstungslobbying
Zu einer Polemik kam es Anfang Woche wegen Morets Mitgliedschaft im Arbeitskreis für Sicherheit und Wehrtechnik (Asuw). Laut Moret lag ein Missverständnis vor.
Sie habe sich im Frühling 2016 beim Asuw angemeldet, um zu Informationen zu kommen. Dass sie dadurch gleich Mitglied geworden sei, sei ihr nicht bewusst gewesen. Daraufhin kündigte Moret ihre Mitgliedschaft beim Asuw per Mail, wie die Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» berichtet hatten.
(sda/ise)