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Die Feste in Bahia sind sehr zahlreich und alle sehenswert, exotisch bunt und sehr ausgelassen, die meisten entstanden aus der Tradition afrikanischer Sitten und Gebräuche, herübergebracht mit den Sklaven vor mehr als 400 Jahren.
Einige dieser Feste sind religiös, mit ihrer „profanen Seite“ neben der Prozession: dem „Samba-de-roda“, oder dem „Capoeira“, vor den Kirchen. Andere explodieren in Farben, Musik und Rhythmus, wie zum Beispiel der Karneval: fünf Tage voller Verrücktheiten, die sich auf allen Strassen und Plätzen ausbreiten und alle Menschen anstecken, wie ein Virus.
KARNEVAL
In Brasilien gehört der Karneval zu den beiden grössten Manifesten der Bevölkerung – an der Seite des Fussballs. Er ist eine Mischung aus vergnügtem Spiel, Fest und theatralischem Spektakel, welches Kunst und Folklore involviert. Er entstand ursprünglich auf der Strasse, hat sich aber heute in den meisten Grossstädten, aus verkehrstechnischen Gründen, in geschlossene Bereiche zurückziehen müssen, wie „Clubs oder “ Sambodrome“.
1950 präsentierte sich die Frevo-Akademie von Recife, genannt „Vassourinhas“, – bevor sie nach Rio de Janeiro weiterreiste – dem bahianischen Publikum. Die beiden Musiker „Dodô und Osmar“, inspiriert vom Jubel der Baianos, mieteten einen alten Ford-Lastwagen von 1929, montierten zwei riesige Lautsprecher auf der Ladefläche und entzückten das Volk am Strassenrand mit ihren elektrisch verstärkten Rhythmen. Ein Riesenerfolg, der ihnen den Spitznamen „Dupla elétrica“ (Elektrisches Duo) einbrachte. Im folgenden Jahr, 1951, verbesserten sie die Qualität ihres Sounds, vor allem der elektrischen Verstärkung, wesentlich und mit dem Auftauchen eines dritten Musikers, „Temístocles Aragão“, formierten sie sich zum „Trio Elétrico“.
Das Trio Elétrico machte Schule. Seine Erfinder sind gestorben, aber der Sohn von Osmar, „Armandinho“, gründete das Trio Elétrico Tapajós, welches bereits seit 20 Jahren den Karneval von Bahia animiert und im Lauf dieser Zeit zweimal Dreifachsieger wurde. Was da auf die Ladeflächen von Lastwagen montiert wird, sind rollende Showbühnen mit perfektem Sound, Beleuchtung, Farben und Spezialeffekten.
Der Karneval von Salvador ist zu Recht weltberühmt. Er beginnt hier in der Donnerstagnacht und dauert bis zum darauf folgenden Montag. In diesen Tagen geht alles und jeder auf die Strasse und bleibt auch dort, bis er umfällt. Die beschriebenen „Trios Elétricos“ – die auf Lastwagen spielen und sich mit ihnen, umgeben von einer ekstatisch wirbelnden Menge, langsam vorwärts bewegen, sind die Anheizer einer Welle der Ausgelassenheit, die alles mitreisst. Ein Strassenkarneval, der auch von vielen Brasilianern der „veredelten Version in Rio“ vorgezogen wird.
Ausführliche Beschreibung des Carnaval von Bahia finden Sie »»» hier
Der „Capoeira-Fusskampf“ ist eine teuflisch rasante Art der Selbstverteidigung. Entstanden unter den afrikanischen Sklaven, mit gezielten Fussschlägen als einzige Waffe, denn die Hände waren ihnen zusammengekettet. Um den Argwohn der Obrigkeit zu zerstreuen, wurde Capoeira (Unterholz) auf den Plantagen wie ein Tanz geübt – zum rhythmischen Klang des Berimbáu – wurden entflohene Sklaven von den Kopfgeldjägern gestellt, endete manch eine dieser Begegnungen mit dem Tod der Jäger, die von einem gezielten Fusstritt auf ihren Halsknorpel überrascht wurden.
Bei der männlichen Jugend sind Capoeira-Wettkämpfe heute fast so beliebt, wie Fussball. Und allenthalben kann man bei einem Spaziergang durch Salvador den Jungen beim Training auf öffentlichen Plätzen oder am Strand zuschauen, wie sie die Angriffs- und Abwehrschläge in einem akrobatischen Ballett äusserster Körperbeherrschung abblocken, um ihren Gegner in diesem Fall nicht zu verletzen. Eine bewundernswerte Leistung von faszinierender Ästhetik und Anmut, unterstützt durch die musikalische Untermalung des „Berimbáu“: eines Flitzebogens mit einer Drahtbespannung, der mit einer Münze rhythmisch gezupft und geschlagen wird, und dem eine Kalebasse den Klangkörper verleiht.
Lernen können Sie Capoeira bei verschiedenen Meistern in Salvador. Sie müssten allerdings dafür schon einige Wochen zur Verfügung haben. Apropos lernen: wie wäre es mit einem „Trommel-Kurs“ in Salvador? In diesem Metier haben wir bereits verschiedenen Interessenten ihren Wunsch erfüllt, von einem afrikanischen Meister unterrichtet zu werden – in der Regel haben 5 x 2 Stunden ausgereicht, um ein gutes Ergebnis zu erzielen (bitte anfragen).
Ausführliche Beschreibung über den Capoeira finden Sie »»» hier
FESTAS JUNINAS
Der Monat Juni ist Mittelpunkt der Freude und vieler Festlichkeiten im gesamten Interior von Bahia, zu Ehren der katholischen Heiligen „Santo Antônio (Sankt Anton), São João (Sankt Johannes) und São Pedro (Sankt Peter)“. Die Festlichkeiten beginnen am 1. Juni, mit einer Messe zu Ehren des Santo Antônio, dem Stifter von Hochzeiten und Beschützer der Ehen, sein grosses Fest hat er dann am 13. Juni. Es folgt das Fest für São João, am 24. Juni, das sich bis zum 29. Juni hinzieht, an dem man den Beschützer der Fischer und der Witwen, São Pedro, feiert.
Wer schon mal den Karneval in Bahia mitgemacht hat, wird eine überraschende Parallele bei den Festlichkeiten im Juni feststellen. Wie beim Karneval, ist die gesamte Bevölkerung beteiligt, Gross und Klein, in jeder Stadt, gekleidet in bunte Trachten der bäuerischen Landbevölkerung, tanzt um die Sonnenwendfeuer herum, zum Klang einer sehr rhythmischen Volksmusik, die von Vätern und Söhnen mit der „Sanfona“ (eine Art Ziehharmonika), dem „Zabumba“ (grosse Bauchtrommel) und dem „Triângulo“ (Triangel) produziert wird.
Man trinkt „Quentão“, ein typisches, glühendheisses Getränk aus Schnaps und Ingwer, probiert die zu diesem Anlass von den Hausfrauen produzierten „Guloseimas“ (Naschereien) wie zum Beispiel: „Licor de Genipapo“ (Fruchtlikör), „Canjica de Milho“ (Brei aus süssem Mais), „Bolo de Aipim“ (Maniok-Kuchen), „Bolo de Coco“ (Kokos-Kuchen), „Bolos de Fubá“ (Mais-Kuchen), „Tapioca“ (gebackene Fladen aus Maniok-Stärke) und andere. Die Tradition erfordert, in allen Orten, dass man von Haus zu Haus geht und alle dargereichten Leckereien probiert!
Im Allgemeinen investieren die Stadtväter, je nach jährlich anreisendem Publikum von aussen, eine schöne Summe in diese Feste, verpflichten Musiker und Shows von nationalem und manchmal sogar internationalem Prestige. Festzelte, Buden und Kioske werden auf einem bestimmten Platz der Stadt aufgebaut, mit viel gutem und typischen Essen und Trinken.
Die berühmtesten und beliebtesten FESTAS JUNINAS finden in Bahia in folgenden Städten statt:
Im „Reconcavo Baiano“ in Cachoeira, Cruz das Almas, Maragogipe und auf der Insel Itaparica, im „Sertão“ in Senhor de Bonfim und Juazeiro, in der „Chapada Diamantina“ in Lençois und Mucugê, und in Caravelas, dem extremen Süden, wo Sant Antônio der Schutzheilige der Stadt ist.
Salvador selbst steht da allerdings kaum zurück: die Landesregierung veranstaltet ihr Fest auf dem „Pelourinho-Platz“, in der historischen Oberstadt und offen für das Publikum.
Hier präsentieren sich die besten Showbands mit den beliebtesten Junirhythmen, wie Forró, Xaxado, Maxixe und Baião, zu denen das Publikum auf der Strasse tanzt. Essen und Trinken steht jedem Zuschauer auf dem „Pelourinho“ frei zur Verfügung.
Das ländliche Mekka von Bahia, am rechten Ufer des Rio São Francisco, empfängt alljährlich, zwischen Juli und September, den Besuch von mehr als 700.000 Pilgern, die im „Santuário Bom Jesus da Lapa“ beten, um eine Gnade bitten oder ihren Dank abstatten, für eine schon erhaltene.
Das so viel besuchte Heiligtum befindet sich in einer der 15 Grotten und Höhlen des „Morro da Lapa“, einem Felsmassiv, in das sich, im 17. Jahrhundert, der portugiesische Staatsbeamte aus Salvador, „Francisco de Mendonça Mar“, zurückzog, um ein Leben als Einsiedler zu führen. Er änderte seinen Namen in „Francisco da Soledade“, predigte, nur mit einer Mönchskutte bekleidet, den Indianern und zufällig Vorbeikommenden das Wort Gottes und zog sich zur Ruhe und Besinnung in eine der von ihm entdeckten Höhlen zurück.
Der Ruf des Einsiedlers breitete sich aus. Vom Erzbischof nach Salvador zitiert, absolvierte Francisco ein theologisches Studium und kehrt danach in seine Höhle als geweihter Priester zurück. Er liegt begraben im selben Komplex, an einer Stelle, die man „Cova do Monge“ (Grab des Mönchs) nennt.
Um seine Einsiedelei herum – also um die 15 Grotten und Höhlen – haben die weitsichtigen klerikalen und profanen Geschäftemacher eine vollständige Via Sacra auf- und eingebaut, mit Heiligenfiguren und –bildern, Podesten und Balustraden, Treppen und Engelsübersäten Säulen und Bögen, durch die man einen Blick auf den sich durch das Tal windenden Fluss, den „Velho Chico“ werfen kann.
Die meistbesuchte Grotte ist die des „Senhor Bom Jesus“ – mit 50 m Länge, 15 m Breite und 7 m Höhe. An ihrem Eingang die lebensgrosse Statue des Mönchs “ Francisco“ in Bronze. Nach dem Eintreten bemerkt man auf der linken Seite ein Becken mit Weihwasser, welches aus einem der mächtigen Stalagmiten herausgearbeitet wurde und über dem Becken trägt ein ebenso mächtiger Stalagmit die Figur des Heiligen Geistes.
Hinter dem Becken befindet sich die „Schlangengrube“ als Repräsentation des Teufels, der mit der Taufe gebannt ist. Die im grossen Ganzen naturbelassene Grotte ist in ihrem lateralen Teil mit einer Reihe verschiedener Altäre bestückt, die in die Felswand eingelassen sind und Heiligenbilder tragen. Auf dem zentralen Altar das Kruzifix des „Bom Jesus da Lapa“ und über allem ein riesiges Deckengemälde, das die Verwandlung des „Nosso Senhor do Monte Tabor“ darstellt.
Am Eingang zur Sakristei gibt es zwei Steine, die bei eukaristischen Messen mit einem Metallstab zum Klingen gebracht werden – durch eine natürliche Fensterhöhlung im Fels kann man von hier aus über das Tal des Rio São Francisco schauen.
Auch die anderen Grotten hat man geschäftstüchtig in den Rummel miteinbezogen und sie den meistverehrten Volksheiligen gewidmet und jeweils mit den ihnen zugeordneten Utensilien, figurativen und bildlichen Darstellungen und bevorzugten Farben ausgestattet.
Die jährlichen Pilgerströme folgen einem Zyklus: Der erste, der Pilgerzug der „Terra e das Missões“ beginnt im Juli, bestehend aus den Pilgern der näheren Umgebung. Der Pilgerzug „Ao Bom Jesus“, der grösste von ihnen, bewegt Tausende und beginnt am 20. Juli.
Die „Novena“ ein Fest zu Ehren des Schutzpatrons der Stadt, beginnt am 28, Juli und hat ihren Höhepunkt am 6. August erreicht. Das Fest ist eine Mischung aus profanen und religiösen Elementen mit einem immens grossen Markt, der sich über die Strassen und Plätze der Stadt verteilt.
Blinde Bänkelsänger mit Gitarre oder „Sanfona“, volkstümliche Poeten, die die Verse ihrer Heftchen-Literatur darbieten, und geschäftstüchtige Händler, die Grotten-Souvenirs in Form von Figuren, Bändchen, Hüten oder Grotten-Replicas feilhalten. Der Markt ist auf jeden Fall sehens- und erlebenswert. Am 17. September schliesst sich das Fest der „Nossa Senhora de Soledade“ an und beendet gleichzeitig jenen Pilgerzyklus.
Die Geschichte der Stadt „Bom Jesus da Lapa“ ist direkt mit dem Heiligtum in ihrem Bereich verbunden, welches auch den Grund für ihre wirtschaftliche Entwicklung darstellt. Bis zum heutigen Tag wächst die Stadt um die Felsen mit den Grotten herum. In den Monaten der Pilger verwandelt sich die kleine Stadt, mit nur 70.000 Einwohnern, in eine Metropole der Religion von mehr als 800.000 Menschen. Die Pilger kommen aus allen Ecken Brasiliens. Durch einen Strohhut mit schwarzem Band identifiziert man sie. Sie übernehmen das Kommando in der Stadt, die jetzt einem Ameisenhaufen gleicht.
Innerhalb der ersten 14 Tage des August feiert die kleine historische Stadt „Cachoeira“, die schwärzeste und mystische Bahias, ihr Fest der „Nossa Senhora da Boa Morte“ (der Heiligen des schönen Todes).
Hinter dieser etwas makaber erscheinenden Bezeichnung verbirgt sich eines der sehenswertesten kulturellen Manifeste Bahias – entstanden zur Zeit der Sklavenbefreiung – das bis heute seine charakteristischen Elemente beibehalten hat, die sich im Schmerz einer Rasse ausdrücken, und in ihrer Befreiung gipfeln.
Genau das ist auch das Thema der Zelebrierung – die Danksagung an die Schutzheilige für die Befreiung, die so viele Opfer forderte – ein synkretistisches Manifest afrikanischer Kulthandlungen und dem Katholizismus.
Die so genannte „Irmandade da Boa Morte“ (Schwesternschaft des schönen Todes) setzt sich nur aus schwarzen Frauen zusammen – in der Mehrheit ältere – die jene Sklavenmütter repräsentieren, welche damals die Heilige Jungfrau um Schutz für ihre geflohenen Söhne anflehten und so die Rituale für deren Errettung einleiteten.
Während der (mindestens) 4 Festtage, präsentieren die Frauen und Mädchen stolz ihren ganzen Schatz an wertvollem Silber- und Goldschmuck. Von Jahr zu Jahr nehmen mehr afroamerikanische Touristen an dem originellen Fest teil. Zwischen Gebeten und Messen, Prozessionen und geheimen Ritualen, die den religiösen Teil der Festlichkeiten ausmachen, präsentieren sich auch unzählige Folklore- und Musik-Gruppen.
Mit ihr beginnt das christliche Jahr in Salvador, einer maritimen Prozession durch die Allerheiligen-Bucht, an der hunderte von kleinen und grossen Booten und Schiffen teilnehmen. Das Fest beginnt am 31. Dezember, nachmittags – die Statue des „Senhor dos Navegantes“ (dem Schutzheiligen der Seefahrer und Fischer) wird von der Kirche „da Boa Viagem“ abgeholt und, einer bestimmten Route folgend, bis zur 4. Speicherhalle der Docks, und von dort aus weiter zur kleinen, an den Felsen gelehnten Kirche „Nossa Senhora da Conceiçâo da Praia“, gegenüber vom „Elevador Lacerda“, transportiert. Am folgenden Tag, gegen 10 Uhr – nach einer Messe – wird die Figur auf der gleichen Route wieder zu ihrem ursprüngliche Standplatz, in der „Igreja de Boa Viagem“ zurückgebracht. Wieder begleitet von einer solchen Menge verschiedener Boote, dass man das Wasser der Bucht kaum noch erkennen kann.
Das Fest, deren Mittelpunkt die Prozession ist, beginnt bereits am 28. Dezember und endet am 1. Januar – an dem sich der Platz vor der Kirche von Boa Viagem in ein riesiges Neujahrs-Volksfest verwandelt.
Dies ist das Fest der Schutzheiligen des Bundesstaates Bahia! Und es beginnt am 29. November in der schon erwähnten kleinen Kirche gegenüber dem grossen Aufzug „Lacerda“– der „Nossa Senhora da Conceição da Praia“, in Salvador – mit einer Messe.
In den folgenden ersten Dezembertagen sind die schmalen Gassen, rund um die Kirche, verstopft mit Ständen und Verkaufsbuden, die den Rahmen für ein Volksfest bilden, welches zu den fröhlichsten Festen in Salvador zählt: mit viel „Samba-de-Roda“ und typischen Speisen und Getränken.
Am 8. Dezember werden alle halbe Stunde Messen abgehalten, mit einer Fest-Messe um 10 Uhr. Danach begibt man sich zur so genannten „Säkular-Prozession“, welche den religiösen Teil des Festes beschliesst.
Die Geschichte dieses Festes ist eine der ältesten überhaupt, denn sie geht zurück auf das Jahr 1147, also noch weit vor der Entdeckung Brasiliens, als am 8. Dezember Dom Afonso I, Gründer der portugiesischen Nation, den Mauren die Stadt Lissabon wieder entrissen hatte und zum Dank eine Messe für die heilige „Conceição da Enfermaria“ lesen liess. Und von da an wurde sie die erste Schutzheilige Portugals und besonders seiner Armada von Schiffen.
Als der erste Gouverneur von Brasilien, Tomé de Sousa, 1549 mit seinem Führungs-Schiff „N.S. da Conceição“ in Bahia anlegte, gab er sofort Befehl, direkt am Hafen die kleine, an die Felsen geschmiegte Kapelle zu Ehren der „Nossa Senhora da Conceição“ zu errichten und mit ihr begannen auch die religiösen Aktivitäten in der um sie herum wachsenden Stadt.
Dies ist ein Fest zu Ehren der heiligen Zwillinge „Cosme“ und „Damião“, die einst als Araber in Kleinasien geboren wurden – am 27. September, 287 n. Chr. Sie wurden beide Ärzte, behandelten aber die Kranken kostenlos. Und sie predigten das Christentum – deshalb wurden sie vom römischen Diktator Diokletian verfolgt und hingerichtet. Der Kult um diese Märtyrer verbreitete sich zuerst in Europa – Italien, Frankreich, Spanien und Portugal – um dann 1530 auch Brasilien zu erreichen.
In Bahia hat man daraus ein Volksfest mit markanten synkretistischen Charakteristika gemacht, das haus- und Familienbezogenen Kulthandlungen der Adepten des Candomblé und des Katholizismus ineinander fliessen lässt. In Bahia gibt es viele Familien, die auf einer kleinen Konsole eine Abbildung der heiligen Zwillinge stehen haben, mit zwei brennenden Kerzen davor: so ist die Familie geschützt vor Epidemien und Krankheiten aller Art, vor Hexerei und dem bösen Blick, vor Sterilität und sogar vor Rückenschmerzen. Die Zwillinge haben auch ein hilfreiches Händchen, wenn es um eine Heirat geht, helfen bei der Suche nach verlorenen Objekten und öffnen die Wege der Gläubigen, das soll heissen: sie räumen Schwierigkeiten beiseite!
Das offizielle Fest zu Ehren des hilfreichen Duos beginnt am 27. September, ein Tag der jährlichen Hochzeitsrekorde wegen der erwarteten Fruchtbarkeit. Dessen ungeachtet kann aber jede Familie ihren besonderen Festtag zwischen dem 17. und 27. September frei wählen – unter Beachtung gewisser traditioneller Auflagen.
Dieses Fest heisst „Caruru dos Meninos„, damit ist eine bestimmte Speise für Kinder gemeint, deren Ingredienzien aus „Quiabos“ (Schoten-Gemüse) mit geräucherten Shrimps, Erdnüssen, Paranüssen und Dendé-Palmöl bestehen. Das Gericht muss dann mindestens 7 Kindern von der Strasse serviert werden. Am Tag des Festes geht man ausserdem zu einer „Messe für die Kinder“.
Pilger aus allen Teilen Bahias, die einst vor dem grossen Fest des „Senhor de Bonfim“ in Salvador anreisten, entzündeten ihre Feuer in den Strassen, sangen und tanzten, und begossen sich reichlich mit Wein und Schnaps. Und am nächsten Morgen füllten sie ein paar Eimer mit dem Wasser eines Brunnens in der Nähe und begannen den Boden des Kirchenschiffs zu waschen.
Die traditionellen Waschungen der katholischen Tempel mit einem Duftwasser stammen ursprünglich aus Europa. In Bahia gehörte diese Arbeit zu den Pflichten der schwarzen Sklaven, die, angeleitet von den Damen der Gesellschaft Salvadors, den Kirchenboden schrubben mussten. Diese Säuberungen wurden im Jahr 1889 von der erzbischöflichen Diözese Salvador verboten und erst 1950 wieder aufgenommen, unter der Beteiligung der Adepten des Candomblé.
Die Bahianerinnen benutzen ihre Rückentücher, einen ihrer Reifröcke oder sonst ein körpereigenes Utensil oder Kleidungsstück für die heilige Arbeit, alles in weisser Farbe, der Farbe ihres Gottes „Oxalá“ (dem Allvater) der sich im Synkretismus hinter dem „Senhor de Bonfim“ verbarg (siehe „Katholizismus und Candomblé“). In einem Behälter (Talha) bringen sie das Duftwasser mit, welches jede von ihnen zuhause aus einer persönlichen Mixtur von Pflanzenextrakten vorbereitet. In die Eimer und das Duftwasser haben sie weisse Lilien und andere weisse Blumen gestellt, wahrscheinlich, damit sie nicht wie gewöhnliche Putzfrauen aussehen. Während der Waschung des Kirchenschiffs singen sie die Hymne des “ Senhor de Bonfim“ und verteilen ihre mitgebrachten Blumen unters Volk, wenn sie fertig sind.
Der 2. Februar ist der Ehrentag der Meeresgöttin „Iemanjá“, der man in Bahia zu Land und zu Wasser huldigt. Jedes Jahr finden sich zu diesem sehr beliebten und auch im Ausland inzwischen bekannten Fest, Bahianer und Touristen im Stadtteil „Rio Vermelho“ ein, dem Stadtteil der Bohemiens von Salvador, um an der Geschenkübergabe an die Göttin des Wassers teilzunehmen. Schon in den frühesten Morgenstunden beginnen die Gläubigen mit ihren Vorbereitungen und bilden kilometerlange Warteschlangen, um ihre Opfergaben und aufgeschriebenen Bitten in den grossen Körben unterzubringen, welche bis zum Moment der Boots-Prozession in einer Art Tempel aufbewahrt werden.
Diese Geschenke bestehen zum grössten Teil aus Kämmen, Spiegeln, Seifen, Puder, Parfums und sehr vielen Blumen, alles Dinge, die einer eitlen Frau gefallen könnten. Die älteren Fischer berichten, dass es einmal eine Zeit gegeben habe, in der die Gläubigen sogar Schmucksachen, zum Dank für eine erlangte Gnade, als Geschenk für die eitle Wassernixe geopfert hätten!
Endlich, am späten Nachmittag, kommt der Höhepunkt: die Prozession der rund 500 Barkassen, Motor- und Segelboote, die jene, mit Geschenken prall gefüllten Körbe aufs offene Meer hinaustransportieren, um sie dort aufs Wasser zu setzen.
Indessen verteilt sich die Menge der Gläubigen, wie der Zuschauer, entlang des Strandes und auf den Felsen rundherum. Und dann wird plötzlich von wenigen Stimmen ein Singsang im alten afrikanischen Yoruba-Dialekt intoniert, den die Menge erst zögernd aufnimmt, um ihn dann in tausendfachem Chor, stark und ausdrucksvoll, hinter den Schiffen herzuschicken. Ein paar Trommeln geben diesem Chor der Gläubigen einen zusätzlichen, starken Effekt: die Menge ruft Iemanjá – sie bittet die schöne Dame – die sie in der Regel mit weisser Hautfarbe!, blondem Haar, üppigen Brüsten und ausladendem Becken darstellen – um gnädige Annahme der Geschenke.
Von verschiedenen erhöhten Stellen des Rio-Vermelho-Strandes kann man die gesamte Zeremonie gut überblicken, die ein Schauspiel von unvergleichlicher Schönheit bietet. Im „Saveiro“ (alte bahianische Segelboot-Konstruktion), der die Boots-Prozession anführt, befindet sich das Geschenk der lokalen Fischer, die um guten Fang und ruhige Wellen bitten, hinter diesem, in langer Reihe und genau in seinem Kielwasser, all die anderen Boote, beladen mit bunten Körben, gefüllt mit unzähligen Geschenken. Endlich schwenkt das Führungsboot ein zu einem Bogen, parallel zum Strand, sodass die Zuschauer nunmehr die lange Reihe der Schiffe einsehen können, wo die Mannschaften die Geschenkkörbe aufs Wasser setzen – das ist der Moment, in dem alle den Atem anhalten – ein Moment der tatsächlichen Spannung aller Beteiligten, denn, so erzählt die Legende:
wenn die „Mutter des Wassers“ die Opfer der Menschen nicht annimmt, dann treiben sie auf der Wasseroberfläche, ohne zu versinken und das, so sagen die Fischer, ist ein böses Omen! Aber natürlich versinken sie immer und unter dem jubelnden Beifall aller Beteiligten. Die Göttin hat bisher stets das Opfer der Gläubigen gnädig angenommen.
Wie bei den meisten religiösen Festen, gibt es auch in diesem Fall eine eher profane Parallele dazu, die sich zwischen den Buden, Bars und Freiluft-Ständen auf dem „Largo Santana“ und seiner Umgebung abspielt, mit viel Amüsement, typischen Leckereien und Drinks, bis zum nächsten Morgen.
Und wenn man dann, in aller Herrgottsfrühe und noch ein bisschen vom Alkohol benebelt, den Strand von Rio Vermelho entlang trottet, dann wundert man sich vielleicht über die vielen bunten Blumen, die von den Wellen auf den Sand gespült worden sind…