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Kuba: Auf den Spuren der Revolution durch die Sierra Maestra
Die Sierra Maestra im äussersten Südosten Kubas ist mehr als ein Ort, der geschichtsträchtige Ereignisse gesehen hat. Kubas mächtiger Gebirgszug hat selbst Geschichte geschrieben, denn die zerklüfteten und unzugänglichen Berge trugen in den 1950er Jahren einen wesentlichen Teil zum Gelingen der Kubanischen Revolution bei.
Überzogen von lauschigen grünen Wipfeln und überragt von Kubas höchstem Berg, dem 1974 m hohen Pico Turquino, diente die Sierra Maestra einst Fidel Castro und seinen Mitstreitern als Hauptquartier und Rückzugsort. In einfachen Hütten und Bauernhäusern wurden damals strategische Züge geplant, immer mit der festen Unterstützung der örtlichen Bevölkerung, die in Kuba bis heute legendär ist. Was immer man von der Kubanischen Revolution und der darauf folgenden politischen Entwicklung in Kuba halten mag: Der Faszination der majestätischen Sierra Maestra kann sich kaum ein Besucher entziehen.
Die Kubanische Revolution auf einen Blick
Was heute als Kubanische Revolution bekannt ist, war eigentlich schon die zweite Revolution auf der Karibikinsel. Bereits 1933 wurde der damalige Diktator Gerardo Machado durch einen Militärputsch gestürzt, an dem unter anderem Fulgencio Batista beteiligt war – der Mann, der sich selbst knapp 20 Jahre später an die Macht putschte und sich zu einem nicht weniger autoritären Machthaber entwickelte als Machado. Aus dem Unmut und Widerstand gegen Batista erwuchsen verschiedene revolutionäre Gruppierungen, die den Sturz des zum Diktator gewandelten Machthabers anstrebten.
Die wichtigste dieser Gruppierungen, die Bewegung des 26. Juli, wurde von einem eher unbedeutenden Rechtsanwalt gegründet. Damals konnte noch niemand ahnen, dass der gerade erst 25-jährige Fidel Castro einmal fünf Jahrzehnte lang die Insel Kuba regieren würde. Die Bewegung des 26. Juli unter Fidel Castro war es auch, die die Widerstandsbewegung gegen Batista 1956 in den bewaffneten Guerillakrieg trieb. Zu diesem Zweck baute Castro im mexikanischen Exil eine Armee aus Exilkubanern auf, die Kuba Ende 1956 in der heutigen Provinz Granma erreichte, nur wenige Kilometer von den Ausläufern der Sierra Maestra entfernt.
Die Sierra diente den Guerillakämpfern von Beginn an als sicherer Rückzugsort, in dessen unwirtlichen Gebirgslandschaften die Truppen des Batista-Regimes sich vergeblich bemühten, das Hauptquartier Fidel Castros und seiner Mitstreiter ausfindig zu machen. Nach zwei Jahren Guerillakrieg, in denen die Aufständischen immer mehr Zulauf erfuhren, siegten die Truppen von Fidel Castro Ende 1958 in einer entscheidenden Schlacht bei Santa Clara. Am 1. Januar 1959 verkündete Castro den Sieg der Revolution.
Besuch in Castros Hauptquartier
Die Sierra Maestra hat in zweierlei Hinsicht zum Gelingen der Revolution in Kuba beigetragen: einerseits durch ihre unzugängliche Geografie, die es den Truppen Batistas unmöglich machte, die Rebellen um Fidel Castro in den Bergen ausfindig zu machen. Andererseits aber vor allem durch den Rückhalt, den die Guerillakämpfer in der Landbevölkerung der Sierra Maestra erfuhren. Die örtlichen Bauern trugen einen entscheidenden Teil dazu bei, dass historische Orte wie Fidel Castros einstiges Hauptquartier bis heute erhalten sind und Reisenden zur Besichtigung offenstehen.
Das legendäre Hauptquartier, in denen einst die Brüder Fidel und Raúl Castro mit Che Guevara, Camilo Cienfuegos und Juan Almeida die Köpfe zusammensteckten, kann heute im Nationalpark Turquino in der Gemeinde Bartolomé Masó besichtigt werden. Wer die schlichten Holzhütten auf dem mühsamen dreistündigen Aufstieg von Santo Domingo quer durch undurchdringliche Wälder erreicht hat, kann Fidel Castro und seinen Männern nur nachträglich zu der strategischen Wahl ihres Rückzugsortes gratulieren. Nicht weit vom Gipfel des Turquino entfernt zeugen 16 Holzbauten von der kriegerischen Geschichte der heute so friedlich wirkenden Sierra Maestra.
Neben dem Haus Fidel Castros, einem Kriegsgericht und der Sendestation des Rebellen-Radiosenders Radio Rebelde umfasst das kleine Lager auch das Hospital von Che Guevara, der sich 1955 in Mexiko der Revolution anschloss. Die Comandancia General de La Plata, wie das Hauptquartier der Rebellen in Kuba heisst, ist heute Nationalmonument und kann von Santo Domingo aus auf geführten Touren besucht werden.
Die Sierra Maestra heute
Die Sierra Maestra wurde 1979 zum Nationalpark erklärt, ebenso wie im Jahr 1980 die Region um den Pico Turquino. Der einheimischen Bevölkerung hat die Kubanische Revolution bereits kurz nach ihrem Sieg zu einem beträchtlichen Fortschritt verholfen, als Fidel Castro aus Dankbarkeit für die Unterstützung der örtlichen Bauern die Infrastruktur grossflächig ausbauen liess. Noch heute geniessen die Bewohner der Sierra Maestra in Kuba ein hohes Ansehen, wo die Geschehnisse der Revolution fester Bestandteil aller Lehrpläne sind und den beteiligten Persönlichkeiten ein Respekt gezollt wird, der für Aussenstehende mal bewundernswert, mal doch eher etwas gezwungen wirken mag.
Die Sierra Maestra ist heute eine der meistbesuchten und aussergewöhnlichsten Touristenattraktionen des Landes, und das nicht nur aufgrund ihrer Rolle während der Revolution. Auch landschaftlich zählt das „Grosse Gebirge“ mit seinen zerklüfteten Gipfeln und undurchdringlichen Wäldern zu den spektakulärsten Reisezielen des Landes. Wer die Sierra Maestra auf einer Kubarundreise besucht, sollte sich auch einen Besuch im beschaulichen Bergdörfchen Santo Domingo nicht entgehen lassen – mit etwas Glück trifft man hier heute noch auf den einen oder anderen Einwohner, der Fidel Castro und Che Guevara in den Jahren der Revolution einmal persönlich begegnet ist.
Oberstes Bild: Anagoria / pt.wikipedia / Lizenz: CC