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Das Triptychon Menetekel entstand in Bernhards gesundheitlichem Krisenjahr 1991, als er im Spätherbst dieses Jahres einen schweren Herzinfarkt erlitt. Er muss schon länger an diesem Oelbild gearbeitet haben, als er es anfangs November vollendete. Bernhard sagte dazu, dass es das fast einzige Oelbild des Jahres 1991 war, das er schaffen konnte. Das Menetekel sah Bernhard als sein malerisches Festhalten des Golfkriegs ab August 1990 bis ins Frühjahr 1991, ein Ereignis, das ihn sehr beschäftigt hatte. In Kuweit brannten als Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen massenhaft Oelquellen.
Im Herbst 1994 verbrachten wir drei herrliche Wochen Veloferien in Friedrichskoog am Wattenmeer. Später ist dieses Oelbild entstanden. Bernhard hat diesen Ort während Dreharbeiten (1980, Herbert Brödl: Signorina Mafalda) in Hamburg kennen gelernt. An einem drehfreien Tag fuhr er mit ein paar Filmkollegen nach F., das damals winterlich stark vereist war. Die Landschaft mit dem grossen Himmel war bei Bernhard nachhaltig hängen geblieben, weshalb er diesen Ort Jahre später für Ferien vorschlug.
Dieses Oelbild entstand zusammen mit weiteren Oelbildern sowie Aquarellen, Gouachen und Radierungen nach Bernhards letzter Filmarbeit, einer Serie für das Schweizer Fernsehen (1986, Toni Flaadt: Lornac ist überall). Der Film wurde im Finisterre, am westlichsten Ende der Bretagne, gedreht, eine archaische Landschaft, die Bernhard stark beeindruckt hat.
Aargauer Landschaften
Bernhard schuf auch anfangs der 1990er Jahre noch viele Aargauer Landschaften, die expressiver wurden, wie seine Bilder überhaupt. (Siehe auch mein Kommentar zu den Aargauer Landschaften der 1980er Jahre.)
Doppelbild mit Vorder- und Rückseite:
Verschiedene Themen
Für Bernhard waren das sicher die erfolgreichsten Jahre seines Künstlerlebens: Er hatte 1981 eine grosse Ausstellung im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen, er war 1983 für einen Werkaufenthalt von sechs Monaten im Atelier der Stadt Zürich in Genua, und 1987 konnte er für drei Monate das Atelier des Kantons Zürich in Paris belegen. Die Bilder aus diesem Jahrzehnt widerspiegeln denn auch immer wieder die neuen Eindrücke:
Oelbilder zum Atelieraufenthalt in Genua 1983
Dies ist eines der ganz wenigen erhaltenen Oelbilder aus der Atelierzeit in Genua. Bernhard hat später fast alle Oelbilder (es müssen um die 60 gewesen sein) wieder übermalt, weil er nicht zufrieden war mit seiner Arbeit. Auch das Thema dieses Bildes ist ungewöhnlich, da es einen Mann mit Cello zeigt.
Zwei weitere Oelbilder, wie sie in Genua entstanden sind. Als ich Ende März 1983 in Genua eintraf, wo ich mit Bernhard vier herrliche Wochen verbringen sollte, leuchteten von den Wänden des Ateliers eine grosse Zahl dieser hellen Bilder in Pastelltönen. Sie widerspiegelten das mediterrane Klima und die Leichtigkeit des Seins in dieser schönen Stadt.
Bernhard erzählte, dass in der Altstadt von Genua täglich eine ältere Frau sass, die mit dem Verkauf von Zigaretten an die Passanten ihr Dasein fristete.
Die Cantina Moretti in der Genueser Altstadt war abends ein Treffpunkt der Werktätigen, die hier nach getaner Arbeit ein Glas Wein tranken. Man sah fast nur Männer; manchmal kam eine Frau herein, um ihren Mann zum Abendessen heimzuholen.
Oelbilder zum Atelieraufenthalt in Paris 1987
Von anfangs April bis Ende Juni 1987 durfte Bernhard das Atelier des Kantons Zürich in der Cité Internationale des Arts belegen. Beim ersten Telefon sagte er mir, dass es wohl unmöglich sei, da zu arbeiten, denn der Verkehr der 16spurigen Stadtautobahn brause direkt unter den Fenstern seines Ateliers vorbei, und das rund um die Uhr. An Konzentration sei nicht zu denken. Nichts desto trotz kam Bernhard Ende Juni mit vielen Oelbildern und Fettkreidezeichnungen, Stadtlandschaften von Paris darstellend, nachhause. In der Folge entstanden später auch Radierungen zu Paris. Nachfolgend sehen Sie drei Beispiele für die in Paris entstandenen Oelbilder.
Oelbilder mit Bretagne-Landschaften
Bernhard war ab Ende Februar bis Ende Mai 1986 für seinen letzten Film - einen Serienfilm des Schweizer Fernsehens von Toni Flaadt (Lornac ist überall) - in Porsall im Finisterre in der Bretagne tätig. Er erlebte schwere Stürme vom Altantik, aber auch milde Tage, wie das Meer an die Felsen brandet, der Wind an den Häusern rüttelt. Ungezählte Abers (wie kleine Fjorde) splittern die Küste auf und reichen ins Land hinein. Die Häuser sind geduckt gebaut, Gebüsche schützen sie und kleine Gärten. Eine ganz eindrückliche und auch archaische Landschaft. Nach Rückkehr von dieser letzten Filmarbeit entstanden in den folgenden Monaten und Jahren Oelbilder, Aquarelle und Radierungen, die an diesen Aufenthalt erinnern.
Oelbilder mit Aargauer Landschaften
Im Frühling 1988 sind wir nach Mülligen, zwischen Reuss, Eiteberg und Birrfeld gelegen, umgezogen. Die nahe und weitere Umgebung, die wir zu Fuss oder mit dem Velo erkundeten, inspirierte Bernhard zu vielen Landschaftsbildern.
Verschiedene Oelbilder
Bernhard liebte es, in Antiquariaten zu stöbern. Dabei fiel ihm eine Broschüre aus dem Jahre 1733 in die Hände mit dem Titel "Jauner= und Diebs=Lista oder Ausführliche Beschreibung einiger in dem Schwabenland und in der Schweitz vagirenden Mördern / Kirchen= und Strassen=Rauberen / Beutelschneideren / Tag= und Nacht=Markt= auch Herberg=Dieben". Aus einer grossen Anzahl Porträts verfolgter Menschen suchte er deren zwei aus, um diese gemäss Beschreibung malerisch festzuhalten.
Peter sonsten der Dicke / oder Aschen Peter genannt bey 28. Jahr alt / gibt aber nunmehro sich mit dem Nahmen Jacob an / und ziehet mit der zu Salmanssveyl justificirten Elisabetha Frommerin / Schwester Cäther mit Nahmen herumb / ist ein kurtz=besetzter dicker Kerl / hat dicke Waden / ein breith=feistes schwarzlächt etwas Rossmückiges Angesicht / braune Augen / schwarz=braune Haar / und gleichfärbigen nicht gar dicken Barth / trette gantz stärrig und auffrecht daher / traget mehristen theils braune Kleyder / und gibet sich bissweilen für einen Metzger / und zu Zeiten für einen Knopfmacher auss / ist ein Strass= und Kirchen=Rauber / Leuth=Uberfaller / Verbo ein Dieb in allem / sey im Allgey gebürthig / rede aber gut Italienisch / und wo man ihne nicht kenne / gebe er vor in Welschland gebürthig zu seyn / hat in der Vorstadt zu Liechtensteeg in der Schweitz vor einem Jahr um Jacobi ein Kramm=Laden blindern helffen / und solle vor circa 4. Jahren bey dem Kirchen=Raub auf dem Bussen in Schwaben gewesen sein / hat mit obigem Schweizer Caspar ohnweith (Name nicht lesbar) nächtlicher Weil einen Bauren überfallen / und 200. Fl. stehlen helffen / vor z.Jahren solle er zu Spaichingen dreyvierdtl Jahr lang gefangen gesessen seyn / habe aber daselbsten mit Beyhilff eines Bruchschneiders aussgebrochen / zu Bregentz aber seye er vor 9. oder 10. Jahren auf die Galeen condemnirt worden / hat sein rechtes Weib die geschorene Stasel genannt verlassen / und ziehet mit obiger Cäther im Schweitzerland / Schwartzwald / und im Preyssgau herumb.
Nun hören wir noch vom Schicksal der Lebensgefährtin des dicken Peters:
XXIX. Diese Cäther oder Catharina Frommin / sonsten auf dem Land dess Gschwanders Cäther genannt / dess vorigen dicken Peters s.v. Hur / etlich und 40. Jahr alt / hat graue Haar / mager langes Angesicht / von langer magerer / rahner Statur / traget zu Zeiten ein schwartzes Courset / bissweilen ein Mieder und Rock / wie man in Schwaben traget / gehet bey der Nacht mit auff das Stehlen auss / und ist mit ihrer Tochtet Agatha zu Speichingen gefangen gesessen.
Verschiedene Themen
24 heures ist eine französischsprachige Schweizer Tageszeitung. Es ist ein eigentliches Erzählbild, wie sie in den 70er Jahren immer wieder entstanden sind. In den späten Schaffensjahren gibt es viele Aquarelle, die wiederum zu Erzählbildern geworden sind. Und wie auch hier kombiniert mit Schriften.
Schriften haben Bernhard fasziniert. Täglich übte er sich in Kalligraphie, von alten Schönschriften bis zu chinesichen Schriftzeichen.
Diese drei Oelbilder entstanden noch in Bernhards zweitem Schaffhauser Atelier bei Frau Klausner an der Stadthausgasse. Er war damals sehr von Matisse beeinflusst. Anno dazumal hat Bernhard seine Bilder mit einer symbolisierten offenen Hand signiert. Jahrzehnte später hat Bernhard der "Liegenden mit Blumenstrauss" eine Werknummer gegeben, womit er ausdrückte, dass dieses Oelbild einen speziellen Platz im Rahmen seines Frühwerkes einnimmt.
Auch dieses Oelbild hat eine spezielle Geschichte. Es war einst viel grösser, etwa 80 breit und 120 cm hoch. Bernhard hat das Bild später auf die heutige Grösse zurückgeschnitten. Das Lindli ist eine beliebte Promenade am Schaffhauser Rheinufer.
© Copyright: Bilder + Werke Bernhard Sauter / Fotos + Texte Eva Sauter Lemmenmeier