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Die Rendite auf 10-jährige US-Staatsanleihen (Treasuries) stieg im April zum ersten Mal seit Anfang 2014 wieder auf über 3 Prozent, was nach Meinung vieler ein Ende der Aktienmarkt-Rally signalisieren könnte. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass dieses Renditeniveau Anleger veranlassen wird, riskantere Aktien abzustossen und statt dessen die höheren und äusserst sicheren Renditen auf Treasuries zu kassieren, meint Daalder, Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions.
Doch die Anleger sollten ihren Blick besser auf den Abstand zwischen den Geldmarktzinsen und auf das Währungsrisiko zwischen den USA und Deutschland richten, das ebenfalls bei 3 Prozent liegt und eine bessere Orientierung zur tatsächlichen Höhe der risikoadjustierten Renditen gibt, so Daalder. „Sobald die Rendite über die magische 3-Prozent-Marke geklettert war, gingen die US-Aktien auf Talfahrt und am ersten Tag mit einem Minus von 1,7 Prozent gegenüber dem Tageshöchststand aus dem Handel."
Dies hat viele in der Überzeugung bestärkt, dass die Anleiherenditen zu einem wichtigen Indikator geworden sind, den es zu beobachten gilt und der über das weitere Schicksal der Aktienmärkte entscheidet. Zum Teil herrscht die Auffassung, dass bei 3 Prozent die Schmerzgrenze für Aktien zu hoch wird, um ihr derzeitiges Bewertungsniveau beibehalten zu können”, erläutert Daalder.
Die Legende von den 3 Prozent
Der Experte betrachtet die 3-Prozent-Marke kritisch: "Seit 1990 lag die Rendite auf Treasuries nur vier Mal über der 3-Prozent-Marke, und die Aktienkurse stiegen in den beiden folgenden Monaten im Durchschnitt jedes Mal um 6 Prozent.”
„Alternativ kann man sich auch ansehen, wie hoch die Renditen auf Treasuries waren, wenn eine Aktienmarkt-Rally ins Stocken geriet. In den Jahren 1998-2000 kletterte die Rendite auf 10-jährige Treasuries von einem Ausgangsniveau von ca. 4 Prozent auf über 6 Prozent, bevor die Aktienkurse nachgaben. 2008 bewegten sich die Renditen in einer Bandbreite von 4,5-5 Prozent, als die Korrektur am Aktienmarkt ernsthaft begann. Damals galt eine Rendite von 3 Prozent als unhaltbar niedrig und wurde sicher nicht als ein Hindernis für Aktien angesehen.”
Eine weitere irrige Annahme ist laut Daalder, dass die Inflation die nominalen Renditen in die Höhe treiben würde. „Das ist falsch, denn in den beiden zurückliegenden Fällen bewegte sich die Kerninflationsrate zwischen 2 und 2,5 Prozent, verglichen mit aktuell 2,1 Prozent”, macht Daalder deutlich.
Der Experte ist sich sicher: "Diese zurückliegenden Zeitabschnitte zeigen deutlich, dass es für Anleiherenditen keine fixe Höhe gibt, ab der sie die Aktienkurse nach unten ziehen. Die 3-Prozent-Marke ist anscheinend nicht viel mehr als eine schöne runde Zahl, von der keine besondere Gefahr für Aktien ausgeht.”
Der Fokus ist auf den falschen Teil des Markts gerichtet
Trotzdem sollten Anleger diese am Markt kursierende Legende nicht ignorieren. Der Fokus sollte jedoch auf den richtigen Teil des Rentenmarkts gerichtet werden”, sagt Daalder. „Während anscheinend alle stark auf die absolute Höhe der Rendite auf 10-jährige Treasuries (also die 3 Prozent) fokussiert sind, ist die wesentlich wichtigere Entwicklung die des Abstands zwischen den Geldmarktzinsen, der im Falle der USA und Deutschlands zurzeit ebenfalls ca. 3 Prozent beträgt.”
„Das ist deshalb von Bedeutung, weil von diesem Teil der Zinsstrukturkurve die Kosten und der Nutzen einer Absicherung von Währungsrisiken abhängen.
Das Währungsrisiko beträgt ebenfalls ca. 3 Prozent
„In den USA hat die Notenbank die Geldmarktzinsen kontinuierlich in die Höhe geschraubt, während die EZB mit ihrem Anleihekaufprogramm die kurzfristigen Renditen in der Eurozone in den negativen Bereich gedrückt und damit den Zinsabstand de facto auf seinen höchsten Stand seit dreissig Jahren getrieben hat. Für Anleger in Europa haben sich die Kosten einer Absicherung von Währungsrisiken dadurch auf Jahressicht auf ca. 3 Prozent erhöht”, so Daalder.
Der Experte hält fest: „Insgesamt haben wir den Eindruck, dass der Fokus am Rentenmarkt zurzeit auf die falschen 3 Prozent gerichtet ist; denn nicht die dreiprozentige Rendite auf Treasuries sollte die Schlagzeilen beherrschen, sondern die Absicherungskosten bzw. -prämien in gleicher Höhe, da sich diese an den Finanzmärkten allmählich ernsthaft bemerkbar machen.”