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Die Reussinsel hat viele Geschichten zu erzählen. Hier werden Bilder und Erzählungen aus dem Quartier publiziert. An dieser Stelle bereits ein Dankeschön an Herrn Xaver Weber als langjähriger Bewohner und Aktuar des Quartiervereins sowie dem Stadt Archiv des Kantons Luzern.
Die Fluhmühle, ein Nadelöhr für den Verkehr
Nach der Chronik von Melchior Russ (1450-1499) wurde die Felsnase bei der Krummfluh 1305 bearbeitet um eine neue stadtnahe Linienführung zu ermöglichen, denn die Reuss führte direkt entlang der Krummfluh. Bis dahin erfolgte der Weg über den Stollenberg-Udelboden-Zimmeregg-Ruopigen-Reussbühl-Zollhaus bz. Littau-Thorenberg-Hellbühl.
Mitte 1800 Beginn der Entwicklung in der Fluhmühle
An der Reuss wurde die Wasserkraft in erster Linie durch die Mühlen bei der Spreuerbrücke genutzt. Der Beginn der intensivierten Nutzung der Reuss war das Jahr 1832, als die Mechanische Werkstätte Meyer die Erlaubnis erhielt, die Sandbank unterhalb des St.-Karli-Gebietes zu befestigen und mit einem Kanal zu erweitern: Die Reussinsel war geboren.
Luzerner Industrie-Pioniere nehmen Insel in Beschlag
Als Erste entdeckten die Gebrüder von Moos die Insel. Um ihren Eigenbedarf abzudecken, erwarben sie 1842 den südlichen Teil der Reussinsel, richteten einen kleinen Drahtzug und eine Stifte- und Nagelschmiede ein. Die Firma von Moos arbeitete sehr erfolgreich. Der Platz auf der Insel wurde ihr schon bald zu knapp und sie expandierte auf die Emmenweid. Der Erfolg der Firma von Moos und die Wasserkraft zogen weitere Firmen auf die Reussinsel. 1874 gründeten Robert Schindler und Eduard Villiger eine mechanische Werkstätte auf der Reussinsel.
Industriestandort am Fluss
Hundert Jahre hatte diese Insel Bestand und bot verschiedenen kleineren und grösseren industriellen Betrieben eine Heimat. Im Jahr 1852 erhielt die Fluhmühle eine Postablage. Es war das erste Postbüro auf dem Platz Emmenbrücke. Postalter war Gottlieb Troller, Mitbesitzer der Mühle und Sägerei bei der Kummerfluh. Um die Jahrhundertwende 1900 wurde die Möbelschreinerei Aebi erbaut. Betriebsinhaber war Albert Aebi-Schindler (1881-1969). Seine Gattin stammte vom Liftbau-Unternehmen Schindler. Nach und nach entstanden an der Lindenstrasse Wohnbauten und Gewerbebetriebe. Davon zwei Restaurant mit dem Gartenhaus und Schlüssel welche heute noch Gäste begrüssen.
Die Reussinsel in einer idealisierenden Darstellung nach 1910. (Frobenius Basel. Staatsarchiv Luzern, STaLU, Signatur: PA 1264/527).
Wechselvolle Geschichte der Flussinsel
1912 stellte die Firma von Moos die Produktion auf der Reussinsel endgültig ein. 1927 wurden das Gelände und die alte Fabrik an Obrist Ladenbau verkauft. Mit Obrist wurde eine neue Zeit auf der Reussinsel eingeleitet, die Reussinsel verschwand endgültig. Als die SBB 1932 den Bahndamm auf drei Gleise erweiterten, packte Obrist die Gelegenheit und liess den Industriekanal zuschütten. Obrist gewann dadurch Platz und eine Insel ging verloren.
9. März 1932 - ein schwarzer Tag für die Familie Aebi
Morgens um 4 Uhr brannte das Fabrikgebäude. Die Feuerwehren von Reussbühl, Littau und Luzern hatten jedoch zu wenig Wasser vom Fluhmühleweiher. Bis die Notleitung unter den SBB-Geleisen gebaut wurde, brannte das dreistöckige Gebäude vollständig nieder. Ende der 1930er Jahre beendete Aebi den Schreinerei-Betrieb und vermietet die Lokalitäten an verschiedene Betriebsinhaber.
Wirtschaftlicher Hotspot von der Reuss umgeben
Weitere heute kaum mehr bekannte Firmen zog es auf die Reussinsel. So die Diamantschleiferei Eduard Drexler, der grösste Betrieb seiner Art in der Schweiz und die Holztypenfabrik Roman Scherer. Scherers Holztypen, das sind Buchstaben und Symbole aus Birnbaumholz, verkauften sich weltweit. Ebenso hatte der Schlossmeister Albert Wey seine Werkstatt an der Lindenstrasse.
Fluhmühle das Nadelöhr für Bahn- und Strassenverkehr
Seit 1856 ist die Bahnlinie Luzern-Emmenbrücke-Olten in Betrieb. 1901 wurde die Trambahn vom Kreuzstutz nach Emmenbrücke verlängert. Die Tramstrecke führte über die Lindenstrasse am Restaurant Schlüssel vorbei. Die wenigen Motorfahrzeuge hatten einen Bahnübergang beim Restaurant Fluhmühle bis 1929 die neue Kantonsstrasse gebaut wurde. Ab da war die Reussinsel nur noch für Fussgänger über ein Viadukt zugänglich.
Quelle: 70 Jahre QV Udelboden / Zentralplus vom 27.03.2020
"Gruss v/d. Fluhmühle bei Luzern" Tramhaltestelle, Bau- und Möbelschreinerei und Restaurant z. Fluhmühle (Prop. A. Aebei); ohne Datierung, zirka 1898 - 1916