Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03639.jsonl.gz/106

Das in Bezug auf Datenerhebung und Datenverarbeitung abgeschlossene Forschungsprojekt ist als neuartiger Baustein im Rahmen des übergeordneten Ziels einer historischen Grammatik des Tibetischen konzipiert und interdialektal-vergleichend ausgerichtet. Die Idee besteht darin, auf der Basis von ausgewählten tibetischen Dialekten grundlegende Beiträge zu einer vergleichenden Syntax des Tibetischen zu verfassen. Dieses Projekt baut auf einem ehemaligen SNF-Forschungsprojekt auf, das kurz vor der Publikation steht, dem Comparative Dictionary of Tibetan Dialects (CDTD), das den Grundstock für die historisch-vergleichende linguistische Erforschung des Tibetischen darstellt. Während das CDTD den historischen Lautwandel sowie den semantischen Wandel im gesamten linguistischen Tibet beschreibt, erfasst das neue Projekt den grammatischen Kernbereich jeder Sprache, das Verbalsystem, und führt zu einer komparativen Verbsyntax der tibetischen Dialekte und - unter Einschluss der klassischen tibetischen Sprache - des Tibetischen generell. Insgesamt stellen die Projektergebnisse die deskriptive und historisch-vergleichende Erforschung der tibetischen Verbalmorphologie auf eine neue empirische Grundlage, die durch die Dialekte gebildet wird. Dazu sind in erster Priorität einfache Aussagesätze mit Prädikaten der Verben aufgenommen worden, die laut dem CDTD in den jeweiligen Dialekten gebraucht werden. Diese sind gemäss einer für das CDTD neu entwickelten Verbalklassifikation und der Grundstruktur der primären Aktanten eingeordnet worden. Im Rahmen des Projekts sind knapp 20000 Sätze phonologisch transkribiert und einschliesslich englischer Inter-linearglossierung sowie englischer Übersetzung aus 18 Dialekten in einer Datenbank dokumentiert worden. Ausserdem sind alle Prädikatsverben auch etymologisch bestimmt worden, d. h. sie wurden ihren etymologisch verwandten Entsprechungen in der klassischen tibetischen Schriftsprache zugeordnet. Die materielle Grundlage der 20000 Sätze basiert zum einen auf Satzmaterial, das im Rahmen früherer Projekte zu den tibetischen Dialekten bereits gesammelt worden war und zum anderen auf neuem Satzmaterial, das durch drei laufende Dissertationsprojekte sowie durch Auswertung neuer relevanter Literatur eingebracht wurde. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist in Form einer Monographie zur vergleichenden Syntax des Tibetischen vorgesehen. Das Gesamtziel besteht in der Beschreibung der Geschichte der tibetischen Sprache auf empirisch-linguistischer Grundlage. Die jetzt gewonnenen Ergebnisse sind somit ein wesentlicher Beitrag zur Kulturgeschichte der tibetischen Sprache und des tibetischen Volkes.