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Il Decameron
Regie: Pier Paolo Pasolini
Darst.: Franco Citti, Ninetto Davoli, Angela Luce, Patrizia Capparelli, Jovan Jovanović, Gianni Rizzo, Pier Paolo Pasolini, Silvana Mangano, Vincenzo Amato u.a.
Um das Jahr 1350 kommt ein Schüler des berühmten florentinischen Malers Giotto nach Neapel, um die Wände der Kirche der Heiligen Chiara zu bemalen. Diese Geschichte bildet den Rahmen für acht tragische und groteske Episoden über körperliche Liebe. Als Vorlage dazu diente Pasolini das gleichnamige Werk Giovanni Boccaccios, eine Sammlung von 100 Novellen, die zwischen 1349 und 1353 entstanden sind. Zu den Beweggründen, sich nach «Medea» dieses Stoffes anzunehmen, sagte Pasolini: «Auf Grund von so verschiedenen Werken, die mich bis anhin inspirierten, begriff ich, dass ich eine notwendige Wandlung vollzog, dass ich zu einfacheren, populäreren Quellen zurückkehren musste.» Er selbst verkörpert die zentrale Figur des Schülers von Giotto und spielt hier erstmals in einem seiner Filme als Schauspieler mit. «Il Decameron» ist der erste Teil seiner «Trilogie des Lebens», die mit «I racconti di Canterbury» und «Il fiore delle mille e una notte» ihren Abschluss fand. In diesen drei Verfilmungen erotischer Weltliteratur wollte Pasolini Sexualität nicht nur andeutungsweise zeigen, sondern zum zentralen dramaturgischen Moment der Inszenierung werden lassen. Carlos Corbelle schreibt auf filmreporter.de: «Neben dem Vorwurf der Pornografie bemängelten zeitgenössische Kritiker an ‹Il Decameron› den Verlust gesellschaftspolitischer Relevanz. Dagegen steht hier aber ein anderes Anliegen Pasolinis: Der Regisseur verortet ab den 1960ern eine kulturelle und anthropologische Krise, die mit der zunehmenden Präsenz der Massenmedien einhergeht. Mit Boccaccios Werk als künstlerischer Blaupause und Symbol abendländischer Kulturtradition zeichnet Pasolini einen heiteren Gegenentwurf zum befürchteten Verschwinden der Realität. Aus diesen Aspekten bezieht der Film seine gesellschaftspolitische Relevanz, die angesichts der Kommerzialisierung von Sexualität heute aktueller ist denn je. Der nackte Körper wird hier nicht zur Ware der Konsumgesellschaft degradiert, wie Pasolini in seinem letzten Werk ‹Salò› impliziert. Stattdessen steht Sinnlichkeit, das Ausleben einer freien, natürlichen Sexualität im Vordergrund. Der Eros wird zur vielleicht letzten Utopie, auf die man hoffen darf.»