Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03186.jsonl.gz/2252

Etienne Jules Marey (1830 - 1904)
wurde in Frankreich geboren und studierte Medizin. 1868 schreibt er ein Buch mit dem Titel “Du movement dans les functions de la vie” und 1873 veröffentlicht er ein weiterers Buch mit dem Titel “La Machine animale”
E. J. Marey war das französische Pendant zu E. Muybridge. Als Wissenschaftler war er, wie wir oben gesehen haben, am genauen Studium der Bewegung interessiert. Marey und Muybridge kannten einander. 1878 las Marey in “La Natur” eine Veröffentlichung von Muybridge. Umgekehrt hatte Muybridge Kenntnis von Marey’s Buch “Le Movement”. Es entwickelte sich eine temporäre Zusammenarbeit mit gegenseitiger Inspiration.
Im Gegensatz zu Muybridge aber, war Marey an Aufnahmen interessiert, die er auch von beweglichen Objekten machen konnte, die nicht an eine fixe Bewegungsbahn gebunden waren, z.B. von fliegenden Vögeln. Um dieses Ziel zu erreichen, verbesserte Marey laufend und unermüdlich seine Aufnahmetechniken. Man muss sich vor Augen halten, was das damals bedeutete: Alles was für uns heute selbstverständlich ist – Kameratechnik, Bildmaterial etc. war damals inexistent und wurde von Marey erfunden,konstruiert oder weiterentwickelt.
Eine erste Neuerung, welche er 1881 konstruierte, war das sogenannte “Photographisches Gewehr – un fusil photographique“.
Mit diesem konnte er der Flugbahn der Vögel folgen und Bilder in Serie “schiessen”. Er schrieb 1882: “J’ai un fusil photographique … qui prend l’image d’un oiseau qui vole, ou d’un animal qui court en un temps moindre de 1/500 de seconde”. Die Bilder wurden auf eine rotierende Bildplatte belichtet, deren Einzelbilder durch Drehen als Bewegung wahrgenommen werden konnten.
Für Marey waren diese Aufnahmen aber noch nicht optimal, da er damit seine Zielvorstellung – die Darstellung des Zeit- und Raumaspektes einer Bewegung auf einer einzigen Bildplatte, nicht realisieren konnte. Er war zwar ortsunabhängig, aber ein unmittelbares Nebeneinander der Bildabfolge war mit diesen kleinen Bildern nicht möglich.
Zur Lösung dieses Problem kehrte Marey das Aufnahmeprinzip um: Nun war die Bildplatte ruhig und wurde durch einen beweglichen Verschluss belichtet. Auf diese Weise konnte der ganze Bewegungsablauf – der Bewegungsfluss – in einer Abbildung sichtbar gemacht werden. Dieses Verfahren nannte Marey “Chronophotographie” – die zeitliche Aufzeichnung von Bildern:
Da Marey’s Arbeiten immer umfangreicher wurden, wurde zu diesem Zwecke 1881 in Paris das “Physiologische Institut” gegründet, in welchem er seine Studien durchführte.
Die Kamera befand sich in einem speziellen Kamerawagen, der auf Schienen mobil war. Die Probanden oder Tiere mussten einen dunklen Hintergrund passieren um so kontrastreich photographiert werden zu können.
Auf diese Weise wurden die unterschiedlichsten menschlichen und tierischen Bewegungen dokumentiert und konnten so analysiert werden.
Die Bildsequenzen dieser Chronophotographien, die dabei entstanden sind, sind auch heute noch beeindruckend schön, lehrreich und höchst anschaulich. Die folgenden Bilder dienen der Illustration der Vielfältigkeit von Marey: