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Der fruchtbare und gut angebaute Boden erzeugt namentlich an der S.-Flanke des
Seerückens Weine, die sich weithin
eines guten
Rufes erfreuen. An den Berghängen und auf den Höhen des
Seerückens dehnen sich grosse Waldungen aus. Der überwiegende
Teil der Bevölkerung beschäftigt sich denn auch mit Landwirtschaft: Acker-,
Wiesen-, Obst- und Weinbau, Bienenzucht.
Holz-,
Getreide- und Weinhandel. Fischfang. Eine 1890 aufgenommene Bodenstatistik ergab:
Schon 1884 zählte man an Obstbäumen aller Art 130276 Stück.
Die Viehzählungen haben folgende Resultate ergeben:
1886
1896
1901
1906
Rindvieh
5710
6786
6307
7925
Pferde
276
365
448
563
Schweine
1726
2109
2349
2439
Schafe
233
75
52
61
Ziegen
1276
1528
1262
1029
Bienenstöcke
1106
1193
1008
-
Aber auch die Industrie hat im Bezirk ihre Stätte gefunden. Die Stickerei allerdings ist schwächer vertreten als in den
andern Bezirken. 3 Stickfabriken mit 108 Maschinen und 200 Arbeitern, eine
Spinnerei mit 5400 Spindeln, eine
mechanische Weberei mit 350
Stühlen, eine Wirkerei mit 35 Maschinen, drei mechanische Werkstätten und Giessereien mit 200 Arbeitern.
Fabrikation von Maschinen, Werkzeug und Möbeln. Kaltwasserheilanstalt
Mammern.
Spar- und Leihkassen in
Eschenz und
¶
Die zum Bezirk gehörende Landschaft war von uralten Zeiten her besiedelt. Am Untersee finden sich Reste von Pfahlbauten in
Eschenz und Steckborn. Die römischen Legionen hatten Standlager in Tasgetium am Ausfluss des Untersees (dem heutigen Eschenz
und Burg bei Stein),
sowie diesseits des Seerückens in Pfin (Ad fines). Im Mittelalter gehörte ein beträchtlicher
Teil der Landschaft dem Kloster Reichenau, das ihn durch seine Amtleute verwalten liess. Daneben hatten hier auch die von
Liebenfels, von Gemmingen, von Landenberg, von Steinegg, von Roll und von Beroldingen, sowie andere adelige Geschlechter ihre
Besitzungen.
Stadt Steckborn
(mit Feldbach und Weier): 276 Häuser, 1733 Ew. (wovon 1272 Reformierte und 460 Katholiken).
Reform. und kathol. Kirchgemeinde.
Sekundar- und Gewerbeschule. Badanstalt. Restauriertes Schloss «Turmhof» mit 7 Türmen. Gasthöfe und Pensionen. Geschützte
Lage mit mildem Klima. Beliebte Sommerfrische in Glarisegg. Zahlreiche Obstbaumgärten; Gemüsebau. GrosserRebberg.
Viehzucht. Mechanische Stickerei, Motoren- und Automobilfabrik mit Giesserei, Werkzeugfabrik mit Giesserei, Nähmaschinen-
und Kinderwagenfabrik. Bierbrauerei, Gerberei, Buchdruckerei.
Spar- und Leihkasse. Wein- und Kornhandel. Die nähere Umgebung ist ein grosser Rebberg, weiter folgen Wald und Wiesen. Verschiedene
Schlösser (z. B. Glarisegg). Haidenhaus (mit meteorologischer Station) ist ein beliebtes Ausflugsziel mit sehr schöner
Aussicht auf See (InselReichenau) und Berge. Dass Steckborn schon in römischer Zeit eine Niederlassung gewesen, ist nicht zu
erweisen, wenn auch einzelne Flur- und Ortsnamen darauf hinzudeuten scheinen. Im Jahr 845 vergabte ein
gewisser Sello den
Ort an die Reichenau.
Ursprünglich gehörte die Herrschaft den Rittern von Steckborn. Der Ort, wo ihre Burg gestanden, ist nicht
mehr mit Sicherheit zu ermitteln. 1271 überliess Ritter Eberhard seine Rechte der Reichenau, nachdem schon 1267 Abt Albrecht
alle Vogtei- und Lehenrechte erworben hatte. Grosse Verdienste um Steckborn erwarb sich Abt Diethelm, der sich mit Vorliebe
hier aufhielt. Er baute den festen Turmam See, der noch besteht, gab der Stadt Wall und Graben und erwirkte
für sie 1313 von Kaiser Heinrich das Marktrecht.
Auch Abt Mangold hielt sich viel und gern im Turm von Steckborn auf. 1383 liess sich Steckborn in das Burgrecht von Konstanz
und damit in den schwäbischen Städtebund aufnehmen. Vor der Schlacht bei Schwaderloh 1499 (Schwabenkrieg)
lagen die Fähnlein von Uri,
Schwyz
und Unterwalden in Steckborn, das von Luzern
in Mannenbach. Während der Zeit der Reformation stellte sich
Steckborn ganz auf die Seite der neuen Lehre, doch stellte Landvogt Sonnenberg 1535 die Messe und damit die Parität wieder
her.
Bei Errichtung des Defensionale von 1619 zählte Steckborn 242 waffenfähige Männer. In jener Zeit ward die Stadt von einem
schweren Gewitter heimgesucht (1630): sie hatte von Zürich
Munition bezogen und sollte sie bezahlen;
da entschuldigt sie die Verzögerung
der Bezahlung damit, dass ein Wolkenbruch die Güter geschädigt, die Stadtmauer teilweise zerstört,
die Schmiede weggeführt und Wege und Stege zerrissen habe.
Während des 30jährigen Krieges blieb Steckborn vor schwerern Schädigungen
bewahrt. 1673 und 1674 hatte der Ort vom katholischen Landvogt Göldi viel Anfechtung zu erfahren wegen eines in Stein gehauenen
Prälatenkopfes über dem Stadttor, den die Stadtväter hatten entfernen lassen, weil er verwittert war.
Die immer wiederkehrenden konfessionellen Streitigkeiten wurden 1644 durch einen Vertrag geordnet und beigelegt. 1766 ward
die beiden Konfessionen dienende Kirche neu erbaut. Steckborn besass (neben 7 andern Orten im Thurgau)
bis 1798 sein eigenes Mass
und Gewicht. Neolithische Pfahlbauten bei der Schanz und im Turgi; Grab aus der Steinzeit; Einzelfunde
aus der Römerzeit; Alemannengräber längs der Eisenbahnlinie; Münzen aus der Karolingerzeit im Jakobsthal. 843:
¶
mehr
Stecheboron; vom althochdeutschen steccho = Pfahl, Stecken und bur = Wohnung, Haus herzuleiten. Eine Letzi wird noch 1457 erwähnt.
Heimat des Geschlechtes Hanhart, dem mehrere verdiente Geistliche angehört haben, des Juristen J. M. Gräflein (1807-1849),
der seinem Kanton grosse Dienste geleistet und ihn an der Tagsatzung vertreten hat, sowie des Juristen
und Obersten Labhardt († 1869), der in der thurgauischen Politik eine hervorragende Rolle spielte.