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übernahm demzufolge der 15jährige Dom Pedro II. persönlich die Regierung. Die Brüder Andrada, welche diese Revolution veranlaßt hatten, wurden wieder zu Ministern ernannt. Sie hielten sich aber nur bis zum weil sie, dem Republikanismus zugeneigt, der Unterstützung der sog. portug. oder aristokratischen Partei entbehrten, in deren Händen vorzugsweise das Geld des Landes und somit das einzige Mittel lag, die Anhänglichkeit der Beamten und der Truppen zu sichern. Es gelang der Regierung nicht, die Sicherheit im Innern herzustellen und die immer wachsende Finanznot zu mildern.
Fortwährend hatte man mit Empörungen im Norden [* 2] und Süden des Reichs zu kämpfen, die erst 1845 ein Ende nahmen. Zwistigkeiten mit Nordamerika [* 3] und England, mit letzterm besonders wegen Erneuerung des 1845 erloschenen Vertrags über das Durchsuchungsrecht der brasil. Schiffe [* 4] sowie wegen Abschluß eines neuen Handelsvertrags, zogen sich durch die nächstfolgenden Jahre. Trotz des England vertragsmäßig zustehenden und mit der größten Strenge geübten Durchsuchungsrechts war es nämlich den Sklavenschiffen gelungen, jahraus jahrein 50000 Sklaven in den unzähligen Buchten einer 3700 km langen unbewachbaren Küste zu landen.
Diesem Zustande nun ein Ende zu machen war die vom engl. Parlament beschloßene Bill Aberdeen [* 5] bestimmt, indem sie für die engl. Kreuzer das Recht in Anspruch nahm, Sklavenschiffe bis in die brasil. Gerichtsbarkeit unterworfenen Küstengewässer zu verfolgen. Die brasil. Regierung nahm, um der Ausführung dieser Gewaltmaßregel vorzubeugen, nunmehr die Unterdrückung des Sklavenhandels selbst energisch in die Hand, [* 6] sodaß die Sklaveneinfuhr in wenigen Jahren ganz aufhörte. Zu gleicher Zeit machten die Bestrebungen des Diktators der Argentinischen Konföderation, Rosas (s. d.), die Beibehaltung einer kostspieligen Armee nötig.
Doch genoß Brasilien [* 7] im allgemeinen, einige Sklavenaufstände abgerechnet, mehrere Jahre der Ruhe. Infolge der europ. Februarrevolution von 1848 kam es dann im Juni in Pernambuco [* 8] zu einem Aufstand, der nur mit Mühe im Mai 1849 vorläufig unterdrückt wurde. Seit 1850 begannen die auswärtigen Angelegenheiten B.s immer schwieriger zu werden. Zwar kam im Juli 1850 eine Übereinkunft über die Durchsuchung der Schiffe mit England zu stande. Dagegen wurden die Zustände an der Südgrenze des Reichs immer mehr gefahrdrohend.
Rosas und dessen Parteimann General Oribe hatten Uruguay [* 9] verwüstet, Paraguay bedrängt und die Interessen B.s stark gefährdet. Von der Kammer ermächtigt, ausländische Truppen zu werben, sandte die Regierung den frühern Kriegsminister Barros als Kommissar nach Deutschland, [* 10] der aus den Trümmern der schlesw.-holstein. Armee im Frühjahr 1851 etwa 2000 Mann zusammenbrachte und als Deutsch-Brasilische Legion nach Brasilien überführte. General Caxias wurde an die Spitze der brasil. Armee gestellt, Admiral Grensell zum Befehlshaber der Flotte ernannt, und mit Urquiza, dem Gouverneur der argentin.
Provinz Entre-Rios, schloß man zu gemeinschaftlicher Operation gegen Rosas einen Vertrag. Im Juli 1851 wurde der brasil. Gesandte aus Buenos-Aires abberufen und durch den Übergang Urquizas über den Uruguay 20. Juli der Krieg gegen Buenos-Aires eröffnet. Urquiza wurde von den Landeseinwohnern freudig empfangen und sah sich bald durch den Übertritt zahlreicher Truppen verstärkt. Durch die geschickten Bewegungen Urquizas einerseits, der brasil. Flotte auf dem Parana andererseits sowie durch das Vorrücken der brasil. Hauptarmee in der Front und im Rücken bedroht, mußte der argentin.
General Oribe 2. Sept. die Belagerung von Montevideo [* 11] aufgeben und Anfang Oktober kapitulieren. Brasilien schloß jetzt mit Paraguay, Corrientes, Entre-Rios und Uruguay ein Schutz- und Trutzbündnis und schickte dem General Urquiza Verstärkungen zu. Dieser brach von Montevideo auf, rückte mit 23000 Mann in Eilmärschen gegen Buenos-Aires vor und trug in dessen Nähe, bei Monte-Caseros, über die Armee des Diktators einen Sieg davon, der den Krieg zu Gunsten B.s entschied und Rosas stürzte.
Nach dem Kriege nahm Brasilien einen gewissen Aufschwung. Der Handel hob sich, die Finanzlage verbesserte sich; mit Peru [* 12] wurde ein Schiffahrts- und Grenzberichtigungsvertrag geschlossen, die Regierung nahm einige dringend notwendige Straßenbauten in Angriff, es bildete sich eine Dampfschiffahrts-Gesellschaft für den Amazonenstrom, [* 13] und es wurden Anläufe zur Verbesserung des Volksschulunterrichts und der Armee-Einrichtungen gemacht. Vor allem aber wandte man der Herbeiziehung von Einwanderern und dem Gedeihen ihrer Ansiedelungen neue Aufmerksamkeit zu. Seit der 1825 erfolgten Gründung der deutschen Kolonie San Leopoldo in der Provinz Rio [* 14] Grande do Sul unweit Porto-Alegre war nämlich in der brasil. Kolonisation für längere Zeit ein Stillstand eingetreten.
Die Unterdrückung des Sklavenhandels, die einen empfindlichen Mangel an Arbeitskräften im Lande zur Folge hatte, rückte nun die Kolonisationsfrage wieder in den Vordergrund der Interessen B.s. Ein 1850 neu eingesetztes Generallandamt suchte die Kolonisation durch Unterstützung teils schon bestehender, teils neu zu gründender Ansiedelungsunternehmungen zu fördern, und zu den am besten gedeihenden gehörten die in dieser Zeit mit deutschen Auswanderern in der Provinz Sta. Catharina gegründeten Dona-Francisca (s. d.) und Blumenau (s. d.). 1853 wurde die Bank von Brasilien mit einem Stammkapital von 30 Mill. Milreïs gegründet und der Bau von Eisenbahnen begonnen, der jedoch einen äußerst langsamen Fortgang genommen hat.
Eine Meinungsverschiedenheit zwischen und Paraguay, die durch das vom Präsidenten dieser Republik ausgegangene Verbot der Schiffahrt fremder Handels- und Kriegsfahrzeuge auf dem Paraguay veranlaßt war, führte die Absendung eines brasil. Geschwaders unter Ferreira de Oliveira herbei, hatte aber keine kriegerische Verwicklung zur Folge. 1855 wurde der vom Ministerpräsidenten Parana vor die Kammern gebrachte Entwurf einer wichtigen Wahlgesetzänderung durch die Unterstützung der liberalen Partei angenommen.
Kurz nach Paranas Tode, im Frühjahr 1857, kam ein Koalitionsministerium unter dem Marquis de Olinda ans Ruder. In demselben Jahre wurde ein von der Regierung mit reichen Mitteln ausgestatteter Kolonisations-Centralverein in Rio de Janeiro gegründet. Die von ihm übernommene Verpflichtung, innerhalb 5 Jahren 50000 Kolonisten in Brasilien einzuführen, vermochte der Verein aber nicht zu erfüllen, weil eine immer zunehmende Abneigung gegen das auf den großen Gütern herrschende Halbpacht-(Parceria) System bei der für die Auswanderung in Betracht kommenden europäischen, namentlich deutschen und schweiz. Bevölkerung [* 15] Platz gegriffen hatte. Um die ¶
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Einwanderung zu befördern, wurde ein Gesetz erlassen, wonach die von nichtkath. Geistlichen nach dem Ritus ihres Glaubensbekenntnisses und unter ihren Glaubensgenossen in Brasilien geschlossenen Ehen alle bürgerlichen Wirkungen der kath. Ehen haben sollten. Nachdem Olinda einige Jahre von der Leitung der Staatsgeschäfte zurückgetreten war und während dieser Zeit mehrere Ministerien in rascher Folge gewechselt hatten, trat er abermals an die Spitze eines Kabinetts, das sich alsbald in einen schweren Konflikt mit England verwickelt sah.
Infolge der Verhaftung von 3 engl. Seeoffizieren, die sich am Lande ungebührlich betragen hatten, nahm der engl. Admiral Warren im Jan. 1863 fünf brasil. Kauffahrer auf der Reede von Rio in Beschlag und forderte Genugthuung von der brasil. Regierung. Das Ministerium Olinda verweigerte diese nicht nur, sondern verlangte seinerseits von der engl. Regierung eine Entschädigung und rief schließlich den König der Belgier als Schiedsrichter an, der im Juni die Erklärung abgab, daß durch die Verhaftung jener Offiziere eine Beleidigung Englands nicht stattgefunden habe.
Das engl. Kabinett weigerte sich jedoch, den Schiedsspruch anzuerkennen, was zur Folge hatte, daß von beiden Seiten die diplomat. Beziehungen abgebrochen wurden. Erst Dez. 1865 wurden sie durch Vermittelung Portugals wieder angeknüpft. In demselben Jahre wurde Brasilien durch Unruhen in den Nachbarrepubliken in einen mehrjährigen Krieg mit Paraguay verwickelt. Durch den Einfall des alten Führers der Colorados (s. Uruguay), des Generals Venancio Flores (s. d.), von der Argentinischen Republik aus wurde in Uruguay der Bürgerkrieg aufs neue angefacht und machte die bewaffnete Einmischung der Nachbarstaaten bald wieder nötig.
Der Präsident Lopez von Paraguay ergriff für die in Uruguay besiegte rechtmäßige Regierung Partei und schritt nach der Einmischung B.s in die Angelegenheiten Uruguays zu Feindseligkeiten gegen das Kaiserreich, indem er ohne Kriegserklärung in die brasil. Provinz Mato-Grosso einfiel. Durch einen geheimen Vertrag vom verpflichteten sich die Regierungen von Brasilien, der Argentinischen Republik und Uruguay, den Krieg nicht eher aufzugeben, als bis Lopez besiegt und gestürzt sein würde.
Durch den erfolgten Tod von Lopez erreichte der Krieg sein Ende, der Brasilien, das erst 2 Jahre vorher eine schwere Geldkrise hatte überstehen müssen, ungeheure Opfer an Geld und Menschen gekostet hatte. (S. Paraguay.) Dessenungeachtet war der Krieg im ganzen populär, da es galt, für Brasilien die ungestörte Schifffahrt auf dem Stromsystem des La-Plata sowie seine Großmachtstellung in Südamerika [* 17] zu sichern; denn auf jede Gebietsvergrößerung hatte es von vornherein verzichtet.
Als es mit der Zeit immer schwieriger wurde, das brasil. Heer in Paraguay zu vervollständigen, hatte Kaiser Pedro II. allen Sklaven auf den Domänen der Civilliste, die in das Heer eintreten wollten, für sich und ihre Familien die Freiheit gewährt Dies fand Nachahmung; es wurde Geld gesammelt, um Sklaven loszukaufen und sie dann als Rekruten einzustellen. Ein Gesetz vom erklärte die Staatssklaven und dann die Kinder von Sklavinnen, die vom Datum dieses Gesetzes an geboren würden, für frei; ferner wurden Bestimmungen in betreff der Erziehung und Verpflegung jener Kinder während ihrer Minderjährigkeit getroffen, und allen übrigen Sklaven der Erwerb von Vermögen und das Recht sich freizukaufen eingeräumt.
Außerdem wurde ein Staatsfonds gebildet, dessen Erträge ebenfalls zum Loskauf von Sklaven bestimmt waren. Als 1873 mehrere Bischöfe unter Berufung auf ein päpstl. Breve sich weigerten, an Freimaurern und deren Kindern religiöse Handlungen vorzunehmen, klagte die Freimaurerloge beim Ministerium; der Staatsrat entschied, daß kein Geistlicher das Recht zu einer in das Staatsrecht eingreifenden Verordnung habe, ohne das Placet der Regierung eingeholt zu haben, und daß keine gegen die Freimaurer ergriffene kirchliche Censur oder Strafmaßregel bürgerliche Gültigkeit habe.
Der Bischof d’Olindo von Pernambuco, der sich weigerte, die über die Freimaurer verhängte Exkommunikation zurückzunehmen, wurde 1874 zu 4 Jahren Zuchthaus wegen Ungehorsams gegen die Staatsgesetze verurteilt, doch vom Kaiser zu einfacher Gefängnishaft begnadigt. Als der päpstl. Nuntius und der Bischof von Para gegen das Vorgehen der Staatsgewalt protestierten, wurde auch dieser letztere verhaftet. Die Klerikalen schürten so lange, bis es in einigen Provinzen zu tumultuarischen Auftritten kam, wogegen die Regierung mit militär. Maßregeln einschritt. Äm wurde durch Beschluß beider Kammern den naturalisierten Nichtkatholiken die Wählbarkeit zum Reichsparlament und zu den Provinzialversammlungen zugestanden und gleichzeitig die Naturalisation erleichtert.
Die parlamentarische Geschichte B.s von 1865 bis 1889 mit ihren häufig wechselnden Ministerien weist keine wichtigern Ereignisse auf, ausgenommen die Verhandlungen über Abschaffung der Sklaverei, die 1884 wieder auf die Tagesordnung trat. Durch das gerade 14 Jahre nach der ersten Befreiung von 1871, erlassene Gesetz, während welcher Zeit die Zahl der Sklaven auf 1 350000 im ganzen Reich zurückgegangen war, wurde bestimmt, daß die Sklaverei allmählich ganz abgeschafft und diejenigen Sklaven, die über 60 J. alt waren, sofort für frei erklärt werden sollten.
Die übrigen Sklaven sollten, je nach ihrem Alter und Wert in verschiedene Klassen geteilt, spätestens nach 17 Jahren alle frei sein. Die Sklavenhalter sollten entschädigt und die hierfür nötigen Gelder durch Erhebung einer Steuer von 5 Proz. von allen öffentlichen Einkünften, mit Ausnahme der Ausfuhrsteuer, gewonnen werden. Nach der Freilassung sollten die Sklaven noch 3 Jahre bei ihren seitherigen Herren um geringen Lohn arbeiten, damit sie sich an die neuen Lebensverhältnisse gewöhnen könnten.
Die so sich allmählich vollziehende gänzliche Aufhebung der Sklaverei that den Heißspornen nicht genug. Durch Gesetz vom (unter dem Ministerium Oliveira) wurde die Sklaverei in Brasilien vom Datum des Gesetzes an für abgeschafft erklärt. Diese Maßregel rief namentlich bei den Pflanzern großes Mißvergnügen hervor, wie überhaupt die Aufhebung der Sklaverei im ganzen Reiche viel böses Blut machte. Die Gärung wuchs durch die Unzufriedenheit mit der straff centralisierten Verwaltung der Provinzen und durch den Hinblick auf die übrigen sämtlich republikanischen Staaten Südamerikas. Auch die Truppen wurden von der Mißstimmung ergriffen. Als nun Nov. 1889 Vorbereitungen getroffen wurden, einige Bataillone von Rio de Janeiro an die Grenze zu verlegen und die Nationalgarde zu reorganisieren, vermutlich in der Absicht, der unbeliebten Gräfin d’Eu, ¶