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Tiertransporte
Tierexporte per Schiff
Drittlandexporte per Schiff
Um sich der Überproduktion von Tieren zu entledigen, exportieren die Mitgliedstaaten der Europäischen Union über drei Millionen Tiere pro Jahr in Länder außerhalb der Europäischen Union, vor allem Rinder und Schafe. Die Nachfrage nach lebenden Tieren für die Milchproduktion und Schlachtung ist in Ägypten, dem Libanon, in Libyen, Israel, Syrien und in den Maghreb-Staaten groß. In LKWs werden sie aus der gesamten Europäischen Union in die EU-Verladehäfen transportiert und von dort verschifft.
Für die Mehrheit der Tiere bedeutet dies tage- und wochenlange Transporte auf Fähren und in Schiffen, oftmals unter katastrophalen Bedingungen. Früher oder später werden die Tiere in den genannten Ländern geschächtet, d.h. betäubungslos geschlachtet. Die Methoden zur Fixierung der Tiere sind oft jenseits der Vorstellungskraft und weit entfernt von EU Gesetzen zum Tierschutz bei der Schlachtung.
Probleme bei Schiffexporten
Seit 2015 führen unsere Teams Einsätze in den Häfen Rasa (Kroatien), Koper (Slovenien), Tarragona und Cartagena (Spanien) durch und konnten sogar Tiere auf einem Schiff von Kroatien bis nach Ägypten begleiten. Die Ergebnisse unserer Recherchen sind dramatisch. In den untersuchten Häfen wurden die Tiertransporte weder ausreichend kontrolliert, noch sanktioniert. Die Probleme sind systembedingt und haben für die Tiere oft katastrophale Folgen:
- fehlende behördliche Kontrollen der Tiere und der Verladevorgänge in vielen Häfen (u.a. brutaler Umgang mit den Tieren bei der Beladung, Transport verletzter Tiere),
- stundenlange Wartezeiten der Tiere in den LKWs bis zur Verladung aufs Schiff,
- mangelhafte Infrastruktur in den Verlade- und Bestimmungshäfen (fehlende Stallungen, ungeeignete Verladevorrichtungen etc.),
- ungeeignete, veraltete Schiffe (u.a. Verletzungsgefahren, schlechte Belüftung, Tiere müssen in ihren eigenen Exkrementen liegen)
- fehlende medizinische Behandlung kranker Tiere auf den Schiffen,
- fehlende behördliche Überwachungsmöglichkeit für den Transportabschnitt auf See und bis zur Ankunft (u.a. Anzahl kranker, verletzter, toter Tiere)
- Entsorgung toter Tiere und Gülle ins Mittelmeer
Was wir tun
2017 legt die internationale und auf EU-Recht spezialisierte Anwaltskanzlei Conte & Giacomini in unserem Auftrag eine umfangreiche Beschwerde zu Schiffstransporten bei der EU Kommission ein und fordert sie auf, Vertragsverletzungsverfahren gegen verschiedene Mitgliedstaaten einzuleiten. Die Verfahren dauern noch an.
Die EU-Kommission hat daraufhin 2018 und 2019 erstmals Inspektionsbesuche in den EU-Häfen durchgeführt und viele der oben genannten Probleme bestätigt. Das erhöht die Chancen auf Vertragsverletzungsverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof.
Wir werden weiterhin die Missstände bei Tiertransporten per Schiff dokumentieren und dass, obwohl es für unsere Teams immer schwieriger wird, in die Häfen und in die Nähe der Tiere zu kommen.
Wir lehnen den Export lebender Tiere in Drittländer ab und fordern eine Begrenzung der Transportdauer bei Tiertransporten.
Gemeinsam mit unserem europäischen Dachverband, der Eurogroup for Animals, werden wir weiterhin Druck auf die Politik ausüben, um Verbesserungen für die Tiere zu erreichen.
Weitere Informationen
Positionspapier:
Lange Tiertransporte
Dossier:
Animal Welfare Overboard
Entschliessung Europa Parlament:
Schutz von Tieren beim Transport inner- und ausserhalb der EU
Tierschutztransportverordnung:
(EG) Nr. 1/2005 über den Schutz von Tieren beim Transport