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altsächs. makôn (engl. make) zu althochd. machôn, neuhochd.
machen.
Standen dagegen die germanischen Tenues im Anlaut oder im Inlaut nach Konsonanten, resp. in Verschärfungen, so wurde
t zu z (= ts), p zu pf (ph), k zu kch, doch dieses letztere nur im Alemannischen und im Bayrischen, während in den nördlichern
Teilen des hochdeutschen Gebiets das ursprüngliche k bestehen blieb. So wurde got. tiuhan zu
althochd. ziohan, neuhochd. ziehen;
got. swarts (altsächs. swart) zu althochd. swarz,
neuhochd. schwarz;
altsächs. plegan zu althochd. pflegan, neuhochd. pflegen;
altsächs. skeppian zu althochd. scephan, neuhochd.
schöpfen;
got. kaurn (sächs. korn) zu alemann.
kchorn (geschrieben meist chorn), aber gemeinhochd. korn;
got. vakjan zu alemann. wekchan (wecchan), gemeinhochd. wecken.
Diese altoberdeutsche Wandlung des k ist noch heute in Süddeutschland in Kraft;
[* 11]
in der Schweiz
[* 12] z. B. ist
aus dem alten kch jetzt ein vollständiges ch geworden, man sagt dort chind, chorn etc. Außer
diesen Wandlungen der germanischen Tenues im Althochdeutschen wurde besonders noch die germanische Media d verändert, welche
in t überging;
Das Altniederfränkische kennen wir nur aus dem Fragment einer Psalmenübersetzung des 9. Jahrh.; im 13. Jahrh.
dagegen entwickelte sich unter dem Namen Mittelniederländisch eine reiche niederfränkische Litteratur,
und heute ist die holländische (und vlämische) Schriftsprache daraus entstanden. Östlich an das Nieder- und Mittelfränkische
grenzt nun das Sächsische. In seiner ältesten Form (Altsächsisch) kennen wir es hauptsächlich aus dem in Westfalen
[* 19] entstandenen
»Heliand«. Vom 13. Jahrh. an wird dann die sächsische Sprache häufig in Schriftwerken gebraucht; man
nennt sie in dieser Form gewöhnlich Mittelniederdeutsch. Eine so reiche poetische Litteratur allerdings
¶
mehr
wie das Hochdeutsche derselben Zeit hat das Mittelniederdeutsche nicht entwickelt, doch ist es die in der Schrift der betreffenden
Gegenden herrschende Sprache. Das bedeutendste hierher gehörige Gedicht ist der »ReinekeVos« (ca. 1490), der aber auch nur
Übersetzung aus dem Niederländischen ist. Noch im 16. Jahrh. wurden in niederdeutscher SpracheBücher
gedruckt, im 17. verdrängte dann die neuhochdeutsche Schriftsprache dieselbe endgültig aus der Litteratur. Die letzte niederdeutsche
Bibel
[* 21] erschien 1621.
Die Geschichte der hochdeutschen Sprache beginnt mit dem Althochdeutschen. Man rechnet diese Periode von der Zeit der ältesten
Denkmäler (8. Jahrh.) bis ungefähr in den Anfang des 12. Jahrh.
Charakteristisch für das Althochdeutsche, im Vergleich zur folgenden mittelhochdeutschen Periode, sind die
noch unversehrten vollen Vokale in den Flexionsendungen. So lautet z. B. das Präsens des Verbs althochd. gibu, gibis, gibit.
Plur. gebamês, gebat, gebant, dagegen mittelhochd. gibe,
gibest, gibet, geben, gebet, gebent; das Substantiv hano (Hahn)
[* 22] flektiert: Gen. hanin, Dat. hanin, Akk. hanun,
Plur. hanun, hanôno, hanôm, hanun, mittelhochd. hane, hanen,
hanen, hanen, Plur. hanen, hanen, hanen, hanen.
Die nationale Götter- und Heldendichtung in der allgemein deutschen allitterierenden (stabreimenden) Form ist bis auf wenige
Fragmente untergegangen. Auch gibt die uns noch vorliegende althochdeutsche Litteratur nicht sowohl Kunde von einer eigentlichen
Litteraturperiode als vielmehr nur von einer Zeit des Überganges. Erst als sich nationaldeutsches Wesen
mit dem Christentum innig verschmolzen hatte, beginnt eine neue Periode der deutschen Nationallitteratur, die mittelhochdeutsche.
Der Übergang der althochdeutschen Sprache in die mittelhochdeutsche vollzieht sich durch die durchgreifende Abschwächung
der auf die Stammsilbe folgenden Vokale in ein unterschiedloses e. Die Vokale der Stammsilbe bleiben hierbei
im wesentlichen dieselben wie im Althochdeutschen, und dasselbe gilt von den Konsonanten. Die mittelhochdeutsche Periode der
hochdeutschen Sprache rechnen wir bis zu der Zeit, wo, von dem Kanzleischreibgebrauch ausgehend, sich eine allgemeine deutsche
Schriftsprache zu bilden begann.
Wir können dafür ungefähr die zweite Hälfte des 15. Jahrh. ansetzen. Auch
in der mittelhochdeutschen Zeit müssen wir mehrere Mundarten unterscheiden, nämlich (ganz wie in der frühern Periode) die
oberdeutschen (Alemannisch, Schwäbisch, Bayrisch) und die mitteldeutschen. Die letztern entsprechen im ganzen dem Oberfränkischen
der althochdeutschen Zeit; doch kommen noch die sprachlich diesem naheliegenden hessischen, thüringischen und rheinischen
Dialekte hinzu, welche aus der mittelhochdeutschen Zeit uns durch zahlreiche Denkmäler bekannt sind, während
hierher gehörige althochdeutsche Denkmäler mangeln; endlich das Schlesische und
die Sprache des Deutschordenslandes.
Die in den mitteldeutschen Dialekten vom 12. bis 15. Jahrh. geschriebenen Litteraturwerke sind sehr zahlreich; doch
hat man sich erst neuerdings (ein Hauptverdienst FranzPfeiffers) dem grammatischen Studium derselben gewidmet.
Bei weitem zahlreicher aber und zugleich dem Inhalt nach wichtiger sind die in den oberdeutschen Mundarten verfaßten Dichtungen;
die hervorragendsten Meisterwerke der höfischen Poesie, die Dichtungen eines Wolfram, Gottfried von Straßburg, Hartmann v. Aue,
sowie die in den »Nibelungen« und der »Gudrun« so herrlich erblühte epische Volkspoesie gehören Oberdeutschland
an. Man nimmt nun gewöhnlich an, daß eine der oberdeutschen Mundarten, die schwäbische, als Sprache der Litteratur und des
Umganges in den höfischen Kreisen allgemeinere Geltung erhalten und sich demzufolge zu einer höfischen Sprache ausgebildet
habe, die nach und nach auch da Eingang gefunden, wo ursprünglich eine andre Mundart herrschend war.
In dieser höfischen Sprache sollen denn auch alle Hauptwerke der mittelhochdeutschen Poesie verfaßt worden sein. Gegen diese
Annahme hat sich jedoch in neuerer Zeit von verschiedenen Seiten Widerspruch erhoben, und es kann dieselbe wenigstens bis jetzt
noch nicht als erwiesene Wahrheit gelten.
Der wesentlichste formale Unterschied des Neuhochdeutschen und des Mittelhochdeutschen besteht darin,
daß im Neuhochdeutschen eine sehr große Zahl von langen Silben vorhanden ist, die im Mittelhochdeutschenkurz waren, z. B.
neuhochdeutsch: Weg, Grab, mittelhochdeutsch: wĕc, grăp (wie noch jetzt manche niederdeutsche Dialekte sprechen). Ein weiterer
die neuhochdeutsche Sprache charakterisierender Zug
ist aber der, daß, während in der alt- und mittelhochdeutschen
Zeit die Mundarten vorherrschten und an sie sich die litterarische Thätigkeit anknüpfte, das Neuhochdeutsche gar keine Mundart
ist, insofern kein deutscher Stamm dasselbe spricht und unsre Schriftsprache nirgends Sprache des Volkes ist.
Diese ist »kein am lebendigen Baum der deutschen Sprache unbewußt und naturgemäß hervorgesproßtes Reis, sondern
vielmehr etwas in vielen Stücken durch Einfluß des menschlichen Willens absichtlich Gebildetes und Zusammengewürfeltes«.
Aber eben, weil das Neuhochdeutsche keine Mundart eines einzelnen Stammes ist, ist es geeignet, als gemeinsames Band
[* 23] alle deutschen
Stämme, hochdeutsche wie niederdeutsche, zu umschlingen. Die Mundart eines einzelnen Stammes würde schwerlich ein solches
Übergewicht über die übrigen Mundarten erhalten haben, wie es die deutsche Schriftsprache jetzt hat,
und es wäre die politische Zersplitterung der deutschen Stämme wahrscheinlich auch eine sprachliche geworden.
Dem ist aber dadurch vorgebeugt worden, daß die keinem Stamm ausschließlich angehörige Schriftsprache Eigentum aller deutschen
Stämme und, wenn auch mehr oder weniger mundartlich nüanciert; Sprache des höhern geselligen Umganges
aller Orten in Deutschland, Österreich,
[* 24] der deutschen Schweiz, kurz überall, wo man die deutsche Sprache spricht, mit Ausschluß nur des
holländischen und vlämischen Sprachgebiets, geworden ist. Während wir demnach für die neuhochdeutsche Schriftsprache
erst einen Ausgangspunkt zu suchen haben, geben sich die neuhochdeutschen, neben der Schriftsprache bestehenden
Volksmundarten als direkte Fortsetzungen der ältern Schwestern zu erkennen.
sie noch im wesentlichen dieselbe, in der Luther schrieb. Luther ist aber nicht Schöpfer dieser Sprache, welcher er durch seine
Schriften, namentlich die Bibelübersetzung, eine immer allgemeinere Geltung verschafft hat, und die sogar in das Gebiet des
Niederdeutschen eingedrungen ist; er sagt selbst ausdrücklich, daß er sich nicht einer »gewissen
sonderlichen, eignen Sprache im Deutschen«, also nicht einer speziellen Mundart, sondern der Sprache der »sächsischen Kanzlei«
bediene, »welcher nachfolgen alle Fürsten und Könige inDeutschland«, und welche als »die gemeine deutsche Sprache« geeignet
sei, »von Ober- und Niederländern« verstanden zu werden.
Entstanden ist aber diese Sprache »auf dem Papier«, d. h. nach und nach durch den schriftlichen Gebrauch
selbst, welcher einer Sprache stets einen gewissen Typus zu verleihen pflegt, und durch Vermischung von Mundarten, unter denen
selbst das Niederdeutsche nicht ganz unvertreten ist, das Österreichische aber, das schon in frühern Jahrhunderten durch
die Diphthongierung des î und û zu ei und au diese Laute den ganz verschiedenen alten ei und ou näher
gerückt hatte, eine Hauptrolle spielt.
Aus dieser Vermischung von Mundarten, die besonders in der kaiserlichen Kanzlei stattfand, ging die deutsche Reichssprache
hervor, die dann, durch den offiziellen Gebrauch bevorzugt und durch Luthers reformatorische Wirksamkeit gehoben, nach und
nach die oberdeutschen Mundarten sowie das Plattdeutsche als Schriftsprache verdrängte und in Kirche, Schule
und Gerichtsstube eindrang, sich als allein berechtigte in die höhern Gesellschaftskreise und von da in Familie und Haus verbreitete
und ihr Gebiet von Tag zu Tag so gewaltig erweitert, daß vor ihrer Alleinherrschaft die Dialekte in den Städten
bereits zu verschwinden beginnen und hier nur noch in den untersten Schichten der Gesellschaft sowie vornehmlich bei der ländlichen
Bevölkerung
[* 27] in ungetrübter Reinheit zu finden sind.
Was das Oberdeutsche am meisten charakterisiert, ist die Aussprache der Gaumenbuchstaben und die der Vorsilben
be und ge. Die im Mitteldeutschen noch erhaltene Tenuis geht am Ende der Stammsilbe nach l, n, r im Oberdeutschen in die Spirans
über, z. B. Kalk, oberdeutsch Kalch; Mark, oberdeutschMarch. Am Oberrhein und westlich vom Lech lautet k auch im Anfang und
in der Mitte der Wörter aspiriert, z. B. kalt wie kchalt, Acker wie Ackcher, Rock wie Rockch; ch wird im Donaugebiet am Ende
gar nicht ausgesprochen, z. B. euch = eu', ich - i', lich = li'.
Das e der Vorsilbe be wird im Oberdeutschen nur in gewissen Fällen, besonders vor den Schlaglauten (b,
p, g, k, d, t, z), und zwar wie ê, é oder i ausgesprochen, in andern ganz übergangen;
das e der Vorsilbe ge wird in Substantiven
und Adjektiven oder Adverbien vor den Schlaglauten ebenfalls wie ê;
é oder i ausgesprochen, außerdem aber gar nicht gehört;
bleibt das e vor den Schlaglauten unausgesprochen, so fällt auch das g weg, z. B.
'Biet für Gebiet.