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Vermentino Rebe
Die Herkunft des Vermentino: Für Mario Fregoni, Ordinarius für Weinbau an der Universität Piacenza, ist der Vermentino eine autochthone Rebsorte eines bestimmten Teils des Mittelmeerraums. Ausser auf Sardinien und Korsika wächst Vermentino an der Küste Südfrankreichs, in Ligurien und entlang der toskanischen Küste. Fregoni: „Die erste namhafte Erwähnung des Vermentino auf Sardinien stammt aus dem 14.Jahrhundert. Jüngste DNA-Untersuchungen haben eine enge Verwandtschaft mit dem Furmint in ungarn ergeben. Die weit verbreitete Meinung, der Vermentino stamme ursprünglich aus Spanien, ist dagegen nicht haltbar.“
Von den insgesamt 4000 Hektar, die in Italien mit Vermentino bepflanzt sind, befinden sich 3000 Hektar auf Sardinien, wo die rebsorte über die ganze Insel verbreitet ist. (Merum 12/05)
Cannonau Rebe
Die rote Rebsorte Cannonau ist mit über 10.000 Hektar Rebfläche die auf Sardinien die wichtigste rote Sorte. Aus ihr wird auf der Insel sortenrein der DOC-Rotwein Cannonau di Sardegna gekeltert. Die Rebe ist identisch mit der französischen Grenache Noir bzw. spanischen Garnacha Tinta. Der Dichter Gabriele D´Annunzio (1863–1938) gab dem Wein aus Oliena den Namen „Nepente“ nach dem opiumähnlichen Rauschmittel der alten Griechen. Die DOC Zone Cannonau di Sardegna umfasst die gesamte Insel in hunderten von Gemeinden. Weine aus der Gemeinde Oliena und einem Teil der Gemeinde Orgosolo in der Provinz Nuoro dürfen zusätzlich „Oliena“ oder „Nepente die Oliena“ auf dem Etikett anführen. Weine aus Muravera, San Vito, Villaputzo und Villasimius in der Provinz Cagliari dürfen „Capo Ferrato“ und Weine aus den Gemeinden Cardedu und Jerzu in der Provinz Nuoro dürfen „Jerzu“ verwenden. Rosso darf nach zwei Jahren Lagerung als Riserva bezeichnet werden.
Carignano Rebe (Carignan)
Die aus Spanien stammende rote Rebsorte wird auf Sardinien kultiviert, dort wird der DOC-Wein Carignano del Sulcis aus ihr gekeltert. Sie ist identisch mit der Carignan und auch Uva di Spagna genannt.
Produktive Rotweintraube (Frankreich, Nordafrika). Sie ist mit knapp 250.000 Hektar Rebfläche weltweit an fünfter Stelle. In Spanien/Katalonien ist sie geringer Bestandteil des Rioja. Im französischen Languedoc-Roussillon macht sie die Hälfte der Rebfläche aus. In Südamerika wird sie in Mexiko, Argentinien, Chile und Uruguay kultiviert. Auch eine weisse Mutation namens Carignan Blanc ist bekannt.
Zur Weinbaugeschichte Sardiniens
Die italienische Region mit der Hauptstadt Cagliari hat eine Rebfläche von 43.331 Hektar. Geologisch gesehen ist die Insel der älteste Teil Italiens und war einmal mit dem Festland verbunden. Sie gliedert sich in die vier Provinzen Sassari im Nordwesten, Oristano im Westen, Cagliari im Süden und Nuoro im Osten. Vor mehr als 3.000 Jahren schleppten die Ur-Sarden riesige Steine zu ihren Lebensorten, bearbeiteten sie mit primitiven Werkzeugen und schichteten sie übereinander. Diese über die ganze Insel verstreuten «Nuraghi» sind das sardische Wahrzeichen und gaben auch der autochthonen weissen Rebsorte Nuragus den Namen. Schon im 9. Jahrhundert v. Chr. bauten die Sarden Wein an, diese Kunst erlernten sie von den Phöniziern.
Als die Karthager auf der Insel einfielen, beschädigten sie – sowohl als Repressalie als auch zum Schutz der Weine ihrer Heimat – eine Vielzahl der mit Weinstöcken angebauten Felder und sie legten eine rigorose Beschränkung auf. Mit der Zeit jedoch förderten dieselben Eindringlinge für den eigenen Bedarf den Anbau der Trauben.
Während des Römischen Reiches bestand seitens der Besetzer ein gewisses Interesse am lokalen Wein; trotzdem privilegierten sie den Anbau von Weizen – zum Nachteil des Weinstocks, der nichtsdestotrotz weiterhin präsent war, dank der Qualität seiner Erzeugnisse sogar mehr als in anderen Provinzen und Regionen.
Mit den Einfällen der Barbaren erlitt er einen Zusammenbruch, um in den begrenzten Inseln der Klöster wieder zu erscheinen und später dann von den Seerepubliken Genua und Pisa bis zum 14. Jh. erneut lanciert zu werden. So stellte man im Hinterland von Cagliari und Alghero und im Tirso-Tal bis zum 16. Jh. ausgezeichnete Weine her, die nicht nur vor Ort, sondern auch in anderen Gebieten der Insel und auf dem Festland getrunken wurden.
In Andrea Baccis (Arzt und Naturforscher, lebte im 16. Jh.) Werk Trattato De naturalis vinorum historia ist den Weinen Sardiniens ein interessantes Kapitel gewidmet, das diesem Landstrich eine lange Tradition der Qualität bei Weinbau und Weinerzeugung attestiert. Bacci schreibt: «Strabo erwähnt Sardinien als ein glückliches Land in allen Dingen, besonders aufgrund der Fruchtbarkeit von Weizen und Getreide jeder Art; und die Schriftsteller unserer Zeit sagen, dass seine Felder sehr üppig sind, so dass es fast ein zweites Sizilien ist, und dass es wegen der Beschaffenheit seines Bodens überfliesst an ausgezeichneten Weinen, besonders an Weissweinen und an nicht abgelagerten Weinen. Zwei Dinge jedoch stehen dort im Wege: erstens, dass die Insel, was das ausserordentlich fruchtbare Land anbelangt, seuchengefährdet ist (wie auch Strabo sich erinnert), besonders während der Sommerhitze; zweitens (die guten Bewohner Sardiniens mögen mir vergeben), dass jene Völker von einer allgemeinen Trägheit befallen sind, denn sie lassen zu, dass die besäten Felder gemeinsam mit ihnen Musse tun, und vernachlässigen sie zum grossen Teil, ohne sie zu bestellen, bis zum Sommer. Da sie sich meistens der Jagd widmen, besuchen sie die Wälder, die fruchtbar an herrlichen Bäumen sind, und pflanzen sie an, um aus ihnen Holz für den Schiffsbau und für das Gebälk ihrer Gebäude zu gewinnen, und sie senden grosse Schiffsladungen davon bis nach Rom und anderen Orten. Da sie keinen grossen Gebrauch vom Wein machen, weil ihr Geschmackssinn spärlich entwickelt ist (obgleich sie dabei sind, zivile Sitten zu assimilieren), und sich damit zufrieden geben, Wasser zu trinken, ist es nicht verwunderlich, dass sie keine Weinberge anlegen und auch keine Weinstöcke kultivieren, und dass sie, mit Ausnahme der Baum-Weinstöcke, die sich an bestimmten Orten finden, meistens daran gewöhnt sind, einen bäuerlichen Wein aus Lambrusco-Trauben zu pressen […]»
Mit der spanischen Invasion fiel wieder Dunkelheit über den Weinbau der Insel, allerdings brachten die Spanier die Sorte «Garnacha» (Frankreich Grenache) die auf Sardinien als Cannonau weiterwächst. Auch Carignano stammt aus Spanien und ist dort als Carignan ein Bestandteil des Rioja. Erst mit der piemontesischen Herrschaft blühte der Weinbau wieder auf (daher ist die Sorte Nebbiolo auf Sardinen verbreitet), um später, gegen Ende des 19. Jh., wieder vollkommenen aufgegeben zu werden, und zwar aufgrund der Reblaus-Invasion, die auch weite Teile der Insel betraf. Der Weinbau der heutigen Zeit ist von den Genossenschaftskellereien geprägt. Die kleinstrukturierte Landwirtschaft konnte auf diese Weise zu vernünftigen Bedingungen produzieren und ihre Produkte auch ausserhalb der Insel absetzen. Sardinien ist ein Fundus autochthoner Traubensorten und wird mit zunehmendem Erkennen dieses Schatzes an Bedeutung gewinnen.