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Die Gartenstadt war ursprünglich ein Modell einer planmässigen Entwicklung einer Stadt. Dieses wurde 1898 vom Briten Ebenezer Howard in England entworfen. Eine Gartenstadt sollte im Umland oder auf Grünflächen am Rande grosser Städte auf bisherigem Agrarland neu gegründet werden. Von hoher Bedeutung war die Integration von Grünflächen zwischen den Wohneinheiten. Durch die Idee der Gartenstadt sollten das übermässige Wachstum der Städte einerseits und die einsetzende Landflucht andererseits verhindert werden. Die Bewegung war eine Reaktion auf die schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse sowie die steigenden Bodenpreise in den stark gewachsenen Grossstädten.
In Basel beschränkte sich die Bautätigkeit bis zum Ende des 19. Jh. im Wesentlichen auf das Gebiet innerhalb der Grenzen des Stadtkantons. Erst im Laufe des 20. Jh. dehnte sich die Agglomeration auf die Landgemeinden aus. Bis zum Zweiten Weltkrieg erlebte vor allem das weite, ebene Gelände entlang des linken Ufers der Birs, zwischen Basel und Münchenstein, eine besonders intensive Bautätigkeit. Als Reaktion auf die unhaltbaren hygienischen und sozialen Verhältnisse in den Mietskasernen der Stadt, aber auch auf die prekäre Wohnungsnot, wollte man durch die Neubesiedlung auch soziale und ethische Ziele verfolgen. Die Forderung nach «Licht und Luft» als auch der Wunsch nach «Ruhe im Grünen» konnte sich der Mittelstand durch ein kleines, von einem Garten umgebenes Einfamilienhaus erfüllen. So entstanden anfangs des 20. Jh. neben individuellen Einfamilienhausquartieren vier geplante Gartenstädte um Basel.
Die Gartenstadtbewegung in der Region begann mit der Gründung der Bau-Genossenschaft «Neu-Mönchenstein» am 15. Juni 1912. Auf dem rund 112 000 Quadratmeter grossen Areal zwischen Ruchfeld und Reinach waren ursprünglich vom Architekten Emil Dettwiler aus Bretzwil rund 250 Wohnhäuser geplant. Ab 1913 bis 1920 – unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg – entstanden nur im nördlichsten Abschnitt mit sechs Zeilen insgesamt 36 Wohnhäuser. Sie bilden die erste genossenschaftliche Gartenstadt-Siedlung der Schweiz.
Jedes der Häuser im Grünen besteht aus einer geräumigen Wohnküche, einem Bad, vier bis fünf Zimmern sowie einer oder zwei Mansarden. Auf der Rückseite der Häuser befindet sich ein grösserer Obst- und Gemüsegarten. Die Strassen sind nicht geradlinig, sondern bewusst geschwungen angelegt. Die fünf Gruppen von Ein- und Mehrfamilien-Reihenhäusern sind architektonisch unterschiedlich gestaltet, was sich in verschiedenen Dachformen, Grundrisslösungen und Fassadendetails zeigt. Eine ganz wichtige Voraussetzung für den Bau auf freiem Felde war, dass die Siedlung ans Tram angeschlossen war. Die Tramlinie Basel–Reinach war schon 1906 eröffnet worden.
Kollektive Selbsthilfe als Antwort auf die Wohnungsmisere in Basel führte den SP-Politiker und Präsidenten des Aufsichtsrates des VSK (Verband Schweizerischer Konsumverein in Basel, heute COOP) Bernhard Jaeggi zum Bau des Freidorfs in Muttenz. Anhänger der Wohnreform sahen darin eine Alternative zum Kapitalismus sowie eine Chance zur Erneuerung der Gesellschaft. Der später am Bauhaus Dresden tätige Hannes Meyer interpretierte dazu passend die Architektur: «Verdutzt und ratlos steht der Fremde mitunter beim erstmaligen Besuch im Freidorf: Er erwartet eine romantisch-idyllische Dorfanlage, und er findet ein Gebilde, halb Kloster und Anstalt, halb Gartenstadt und Juranest.»
1919 begann das Bauprojekt, welches durch den VSK finanziert wurde. Die Siedlung wurde auf freiem Feld in Dreiecksform angelegt. Voraussetzung war, dass die Nutzgartenfläche pro Familie mindestens 200 Quadratmeter betrug. 62% der Anlagen umfassten Grünflächen inklusive Baumalleen. Neu an dieser Gartenstadt Freidorf war, dass der Garten eine Art Wohnraum im Freien darstellte. Damit war der private Garten nicht mehr länger ein Privileg des reichen Bürgertums. Zusätzlich hatte er die wichtige Funktion als Gemüsegarten für eine möglichst grosse Selbstversorgung der Bewohner. Die Siedlung Freidorf wurde zum nationalen Symbol einerseits für ein besseres Leben und für ein gehobenes Selbstbewusstsein der Arbeiterklasse und andererseits für eine solidarische und demokratische Gesellschaft.
In seinen 1921 erschienen Richtlinien legt Jaeggi seine Kernideen für das Projekt Freidorf fest: «Der [...] Grundgedanke in der konsumgenossenschaftlichen Organisation liegt in der Form der kleineren, in sich geschlossenen Wirtschaftsgemeinde, die sich unter Umgehung aller vermeidbaren Unkosten in der einfachsten Weise selbst verwaltet und im Anschluss an föderalistische Verbandsorgane eine möglichst umfassende Selbstversorgung betreibt, so dass der ganze Wirtschaftskreis als ein erweiterter, in allen seinen Teilen aber durchaus übersichtlicher genossenschaftlicher Haushalt erscheint, durch den der einzelnen Familienökonomie die Energien und Vorteile der Grosswirtschaft erschlossen werden. Dieser Gedanke muss in der Genossenschaftsbewegung neu aufleben, wenn das Ziel erreicht werden soll.» (aus: Bernhard Jaeggi und Karl Munding). Auf diesem Hintergrund gepaart mit der erzieherischen Philosophie von Heinrich Pestalozzi wurde die «Siedelungsgenossenschaft Freidorf» 1919 gegründet.
Die Siedlung Wasserhaus in der Neuewelt, Münchenstein, wurde in den Jahren 1920/21 erbaut. Der Name stammt von einem Wärterhaus für das um 1625 errichtete Stauwehr, von wo aus der «Neue Welten-Teich», der heutige St. Alban-Teich, abgeleitet wurde. Im Gegensatz zu den organisch gerundeten Formen in der Gartenstadt in Münchenstein entstand die streng ausgerichtete Genossenschaftssiedlung «Beim Wasserhaus».
Sie stellte eine privatwirtschaftliche Alternative zur gleichzeitig realisierten, aber genossenschaftlich finanzierten Siedlung «Freidorf» bei Muttenz dar. Obwohl genossenschaftlich organisiert, wurden die Kosten vor allem von industriellen Unternehmungen finanziert. Da die Genossenschaft keine Subventionen vom Bund erhielt, wurde nur ein Teil der Häuser gebaut. Auf dem Pflanzland, auf welchem 1920/21 der zusätzlich geplante Teil der Siedlung nicht errichtet werden konnte, wurde 1995–98 eine Ergänzung der ursprünglichen Siedlung mit neuen Stilmitteln errichtet. Bis ins Jahr 2001 wurde die Siedlung «Wasserhaus» genossenschaftlich verwaltet. Anschliessend wurden die einzelnen Reiheneinfamilienhäuser an Einzelpersonen verkauft.
Die Gartenstadt Leopoldshöhe wurde als Eisenbahnersiedlung der deutschen Reichsbahnverwaltung 1922–1926 erbaut und in den 1930er-Jahren erweitert.Mit der Errichtung des Rangierbahnhofs Weil zwischen den Jahren 1905 und 1913 sowie der Inbetriebnahme des Bahnbetriebswerks 1912 entstand die Notwendigkeit, Wohnraum für die zahlreichen Eisenbahner in der Nähe ihres Arbeitsplatzes zu schaffen.In drei Bauetappen und somit mit drei Siedlungsteilen jeweils mit eigenem Zentrum wurde die Siedlung gebaut. Verbunden wurden die drei Siedlungsteile durch eine Bauordnung, die Haushöhen und -abstände sowie Vorgarten- und Nutzgartentiefen regelte.Sinn des Konzeptes war es, den schwer arbeitenden, sozial schwachen Bevölkerungsschichten zu erschwinglichen Preisen, in Verbindung mit der Natur, freundliche, helle Wohnungen zu bauen.
HPM