Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/3359

Schweiz - Argentinien 1 : 3 (0:1)
Schweizer Fussball Nationalmannschaft
1 - 3
1 - 3
Argentinien
mehr anzeigen »
Freundschafts-Länderspiel
Schweiz - Argentinien 1 : 3 (0:1)
Stadion: Stade de Suisse (Bern)
Zuschauer: 30'250
Schiedsrichter: Meyer (GER)
Tore: 20. Messi (Agüero) 0:1. 50. Shaqiri (Xhaka) 1:1. 88. Messi 1:2. 91. Messi (Foulpenalty) 1:3.
Gelbe Karte: 74. Inler (Foul).
Schweiz:
Benaglio (46. Wölfli); Lichtsteiner (58. Ziegler), Senderos, Affolter, Rodriguez; Dzemaili (66. Stocker), Inler; Shaqiri, Xhaka, Frei (46. Derdiyok/87. Vitkieviez); Mehmedi (82. Emeghara).
Argentinien:
Romero; Campagnaro, Fernandez, Garay, Zabaleta; Maxi Rodriguez (71. Salvio), Braña (46. Gago), Mascherano, Sosa (82. Higuain); Messi, Agüero.
Bemerkungen: Schweiz ohne Djourou, Behrami, Barnetta und Von Bergen (alle verletzt), Argentinien ohne Di Maria (verletzt). Schweizer Ersatzspieler: Sommer, Fernandes, Nef.
Lionel Messi besiegte die Schweizer Fussballer im Alleingang: Mit drei Treffern führte die "Barça"-Ikone Argentinien in Bern zum 3:1-Erfolg. Der deutliche Erfolg trügt indes.
Am bitteren Ende stürzten sich die Schweizer vor allem selber ins Unglück. Oder schärfer formuliert: Bremens Verteidiger François Affolter rollte Messi mit zwei kapitalen Fehlern den roten Teppich zur späten Solo-Einlage aus. Bis zur 88. Minute hielten die Einheimischen mit den Südamerikanern ausgezeichnet mit, ehe Affolter einen fatalen Querpass zu viel leistete.
Zumindest beim Penalty, den Messi in der Nachspielzeit souverän verwertete, war Affolter nicht der Alleinschuldige - sein Foul gegen Reals Higuain war nur das bittere Ende einer langen Fehlerkette. Aber eben: Die höchst unschöne Schlussphase trügt. Bis zum ersten Blackout Affolters wehrten sich die Schweizer nicht nur gegen eine Niederlage, sie forderten den prominenten Gegner und trugen beim Comeback im Stade de Suisse zur guten Unterhaltung
einiges bei.
Shaqiris Tor und Dynamik
Dass die Schweizer gewillt waren, mehr als die undankbare Aufgabe des Sparring-Partners zu spielen, deuteten sie früh an. Nach elf Sekunden zwang Granit Xhaka den Keeper der Südamerikaner zur ersten Parade. Dem forschen Auftakt folgte zwar eine längere passive Phase. Aber kurz vor der Pause verschafften sich die Aussenseiter mit einer wundbaren Kombination über Shaqiri, Mehmedi und Xhaka
eine weitere gute Chance.
Speziell die beiden FCB-Jungstars Xhaka und Shaqiri mochten die Show zur Primetime nicht nur der Ikone Lionel Messi überlassen. Das Duo, das auf Klubebene seit Monaten internationale Schlagzeilen produziert, implantierte der Schweizer Equipe ein Stück des Basler Selbstbewusstseins. Shaqiri drehte nach der Pause von Minute zu Minute mehr auf.
Mit seiner Dynamik und Raffinesse stellte er die Prominenz aus Argentinien gleich mehrfach vor kaum zu lösende Probleme. Sein persönlicher Glücksmoment zeichnete sich regelrecht ab. Spätestens in der 50. Minute war sein Name auch den zahlreichen Reportern Argentiniens bekannt: Als Derdiyok den perfekten Querpass Xhakas verfehlte, markierte Shaqiri mit einem wuchtigen Schuss unter die Latte das 1:1.
Messi - Messi - Messi
Für Hitzfeld ist Messi auf dem Platz ein Phänomen, andere nahmen die grandiose Nummer 10 der Gauchos neben dem Terrain nur als Phantom war. Der Star von "Barça" führte in Bern nicht das grosse Wort, sondern ausschliesslich Regie. In seiner Kernkompetenz zog er das Publikum sofort in den Bann - und die Schweizer Kontrahenten mehrfach an den Rand der Überforderung.
Der dreifache Champions-League-Sieger prägte die erste Hälfte wie kein anderer. Praktische jede gefährliche Aktion löste Messi aus.
Sechsmal stand er im Zentrum. Fünf jener Szenen überstanden die Einheimischen mit Glück und dank bedingungslosem Einsatz ohne Konsequenzen. In der 20. Minute hingegen düpierte Agüero mit einem smarten Absatztrick die gesamte Defensive der SFV-Auswahl - Messi schob die Vorlage mit der Technik des dreifachen Weltfussballers präzise in die rechte Ecke.
Für den zweiten Teil seines Spektakels liess sich der Superstar dann aber lange Zeit. Erst in der 88. Minute trat der vorübergehend diskrete Magier wieder unvermittelt ins Scheinwerferlicht. Innert Minuten erhöhte er auf 3:0 und widerlegte für einmal alle Kritiker, die ihm vorwerfen, nur in seiner katalanischen Kunstwerkstatt zu brillieren.
Spuren verwischt - trotz Einbruch
Am Tag vor dem Rendez-vous mit dem zweifachen Weltmeister hatte sich Hitzfeld nach dem Umbruch den Aufbruch in eine "erfolgreiche Zukunft" gewünscht. Das Verhalten in Ballbesitz wollte er studieren. In den ersten 45 Minuten lieferten ihm die Schweizer wenig Erkenntnisse, weil Messi und Co. zu dominant auftraten.
Das Bild veränderte sich im zweiten Teil indes erheblich - trotz der Blackouts von Affolter. Mit Xhaka im linken Couloir (für den einflusslosen Fabian Frei) und Mehmedi neu im Zentrum hinter dem Stürmer-Joker Derdiyok riskierten die Gastgeber mehr. In der Zentrale senkte Captain Inler seine Fehlerquote auf ein akzeptables Mass. Das Bestreben zur konsequenten Vorwärtsbewegung war nun erkennbar, der Mut, etwas zu kreiern ebenfalls.
Mit ihrem zeitweise attraktiven Spiel demonstrierten die Schweizer vor über 30'000 Zuschauern, wie viel Potenzial eigentlich in ihrer Equipe stecken würde. Als sie ohne Zurückhaltung und mit offenem Visier auftraten, reagierte das Publikum begeistert. Mit ihrer beherzten Spielweise verwischten die erfrischenden Schweizer die Spuren der missratenen EM-Kampagne für ein paar erste Momente. Vor diesem Hintergrund ist selbst der an sich unverzeihliche Fehlpass Affolters in seiner Bedeutung zu relativieren.
Die viel zu deutliche Niederlage sollte die Wahrnehmung nicht vollends verzerren. Die Abwehrkette überzeugte in ihrer Besetzung mit Lichtsteiner, Senderos, Affolter und Rodriguez bis zum finalen Einbruch des Werder-Verteidigers. Vom Basler Block fiel nur Fabian Frei ab.
Lediglich der in der 46. Minute eingetretene Derdiyok warf wohl noch mehr Fragen als Affolter auf. Er wirkte im flexiblen 4-2-3-1-System wie ein Fremdkörper. Dass er in der 86. Minute sogar noch verletzt ausschied, war sein Pech, aber irgendwie symptomatisch für seinen zwiespältigen Auftritt.