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Cartographica Helvetica
Zusammenfassung
Franz Wawrik:
Die Darstellung Amerikas in den Kosmographien des 16. Jahrhunderts
Cartographica Helvetica 28 (2003) 33–41
Zusammenfassung:
Während des 16. Jahrhunderts verstand man unter dem Begriff «Kosmographie» sowohl astronomisch-geographische als auch kartographische Texte. Beispiele dafür sind etwa einerseits Martin Waldseemüllers Weltkarte Universalis Cosmographia sowie andererseits der von Matthias Ringmann dazu verfasste knappe Kommentar Cosmographiae Introductio (beide 1507). In diesen beiden Werken erhielt Amerika seinen Namen und wurde – wenn auch nur äusserst kurz – vorgestellt.
Johannes Schöner verfasste der Introductio ähnliche, aber bereits umfangreichere Begleittexte zu seinen Erdgloben von 1515 und 1533. Seinem Vorbild folgte unter anderem Peter Apian und diesem wiederum Rainer Gemma Frisius.
Eine Kosmographie im Sinne einer geographisch-ethnographisch- historischen Erdbeschreibung schuf Lorenz Fries, der 1525 seine Mercarthe mit der deutschsprachigen Begleitschrift Yslegung versah, die überwiegend aus kurzen geographisch-ethnographischen Informationen zu den wichtigsten Regionen der gesamten Erde besteht. Amerika wird darin in fünf, allerdings noch reichlich phantasievollen Kapiteln vorgestellt.
Den eigentlichen Siegeszug dieser neu konzipierten Kosmographie begründete der Basler Gelehrte Sebastian Münster. Von seiner Cosmographia erschienen zwischen 1544 und 1628 unzählige, immer umfangreichere Auflagen in etlichen Sprachen. Auch die Neue Welt wurde darin von Mal zu Mal ausführlicher behandelt, wobei die Aktualität von Texten, Abbildungen und Karten mit den rasch fortschreitenden geographischen, ethnographischen und historischen Erkenntnissen allerdings nicht Schritt halten konnte. Die in Münsters Werk ursprünglich enthaltenen Karten – auch die Weltkarte und jene Amerikas – wurden nur ein einziges Mal, 1588, durch neue Darstellungen ersetzt. Nach dem letzten Erscheinen von Münsters Kosmographie, 1628, verlor die ganze Literaturgattung rasch an Bedeutung.