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Die 1865 gegründete Musikgesellschaft Suhr (Suhrer Musig) ist ein Harmonie-Blasorchester mit rund 40 Musikerinnen und Musiker. Nach dem Zweckartikel der ersten Statuten von 1902, den Kunstsinn der Mitglieder zu fördern und gesellschaftliche Unterhaltung zu pflegen, fördert die Musikgesellschaft ihre Mitglieder und trägt zum kulturellen Leben in der Gemeinde Suhr bei. Dazu gehört neben dem grossen Unterhaltungskonzert im Frühling, verschiedene Ständli im Sommer oder das Kirchenkonzert Ende Jahr auch die Teilnahme am Jugendfest mit der Organisation und dem Betrieb der Tetris-Bar.
In der Suhrer Musig spielen Musikantinnen und Musikanten jeglichen Alters zusammen. Unsere Proben finden jeweils am Donnerstag (20:15 Uhr) im Vereinssaal unter dem Gemeindehaus statt.
Wer wir sind - und was uns ausmacht.
Die Vereinsgeschichte
1865
Gründung des Vereins
2015
Jubiläum 150 Jahre MG Suhr
2025
Neuuniformierung
Im Jahr 1902 haben die neun Männer, welche damals die Feldmusikgesellschaft Suhr bildeten (Frauen sind erst Jahrzehnte später mitgemeint) den Zweck ihres Vereines in den Vereinsstatuten so formuliert:
§ I Zweck des Vereins
„Unter dem Namen Feldmusikgesellschaft Suhr besteht mit Sitz in Suhr eine Gesellschaft welche durch fleissiges Streben den Kunstsinn seiner Mitglieder in musikalischer Weise zu fördern, sowie gesellschaftliche Unterhaltung zu pflegen bezweckt.“
Diese doppelte Zwecksetzung konnte sicher in den Unterhaltungsabenden zusammengebracht werden. Diese haben fast ausnahmslos jedes Vereinsjahr geprägt, hiessen manchmal Vereins- manchmal Unterhaltungsabend oder trugen noch andere Namen.
So lesen wir auch schon auf den ersten Seiten des Protokollbuches: „Im Ferneren wurde beschlossen Anfangs oder Mitte März eine Abendunterhaltung zu veranstalten um den löblichen Passivmitgliedern wieder einige genussreiche Stunden zu bieten...“ (7. Januar 1903) Ob diese Unterhaltung wirklich stattgefunden hat, lässt sich aus den Unterlagen nicht herauslesen.
Was der Verein unter einer Abendunterhaltung verstanden hat, zeigen Programm und Bemerkungen zur Abendunterhaltung von 1910:
· Konzert Teil 1
· Theater (z.B. der Bauer als König Herodes)
· Tombola
· Konzert Teil 2
· Aufspielen zum Tanz von 6 Mitgliedern
„Die älteren Leute entfernen sich nach und nach; es gibt Platz und nun beginnt das Tanzen bis Morgens in der Frühe.“
Nach der grossen Anspannung und Arbeit für diesen Abend folgte am anderen Tag auch ein ausführlicher Katerbummel:
„Besammlung 1 Uhr im Kreuz, Freude über den gut gelungenen Abend. Bummel nach Oberentfelden ins Sängerstübli, dann geht’s nach Unterentfelden zum Zobig, unter Trommelklang nach Aarau ins Tivoli. Überall Humor und Freude. Rückkehr um 7 Uhr, wo die Gesellschaft in der Wirtschaft Harrer entlassen wird.“ (Abendunterhaltung vom 10. Dezember 1910) Der Verein weist immer noch einen Bestand von nur 10 Aktivmitgliedern auf.
„Zwei Chorstücke, Ende Juni erhalten, die aber für unseren kleinen Verein ziemlich schwierig waren, ferner war eine solche Schreibweise in den Stücken, dass man die Noten kaum lesen konnte.
Das Vierwochenstück war eine nicht so sehr schwere Komposition.“
Der im Voraus als Experte beigezogene Musikdirektor der Stadtmusik Aarau gab der Gesellschaft ein nicht ungünstiges Urteil. Es wurden ab dem 1. Mai als Vorbereitung 30 Gesamtproben und 15 Spezialproben abgehalten. Die Kosten für das dreitägige Fest betrugen für jedes Mitglied 12 Fr. Lohnentschädigungen wurden keine entrichtet, zumal die Reise auf Vevey für jedes Mitglied ein grosses Vergnügen war. Am Fest selber hatte die Gesellschaft dann auch das Primavistastück zu spielen, ein Stück, das ab Blatt gespielt werden muss und damit nicht im Voraus geübt werden kann.
Abfahrt, Samstag, 3. August 10 ½ Uhr (Extrazug); Rückkehr Montag, den August um 11.00 Uhr nachts.
Die Tage in Vevey waren intensiv. Das zeigt das Tagesprogramm vom Montag, dem 5. August 1912
4.00 Tagwache
5.00 Morgenessen
5 ½ Vorprobe
6.00 Antreten zum Wettkampf
6 ¼ Wettkampf im Casino du Rivage mit dem Wettkampfstück: Ascanio in Alba, Ouverture zur Oper von Mozart
7.00 Ausflug der Gesellschaft mit dem Dampfschiff nach Villeneuf, Besichtigung des Schlosses Chillon
1.00 Bankett
2 ½ Antreten zum grossen Festumzug durch die Stadt
4.00 Chorstücke auf dem Marktplatz
5.00 Kranzverteilung
6.00 Abfahrt in Vevey
11.00 Ankunft in Suhr, empfangen vom Männerchor und Turnverein
„Nicht in den vordersten Reihen konnten wir uns sehen lassen, da das Primavistastück nicht gelungen ist, dennoch gleichwohl in einer für uns kleine Gesellschaft guter Stellung. Wir erhielten in der 2. Kategorie, 1. Division mit 102 von 150 Punkten den 8. Lorbeerkranz mit Silberfransen, ferner einen kleinen Becher.“ Zur späteren Erinnerung werden alle Mitglieder aufgeführt: 22 Spielende, davon 6 Zuzüger unter dem Dirigenten Emil Hofer.
„Dirigent Kuhn ist aus verschiedenen Gründen in letzter Zeit unseren Proben weggeblieben und hat erklärt, er könne nicht mehr. Es kann nur aus Mitteilungen von Mitgliedern, die mit Kuhn geredet haben, festgestellt werden, dass er in der Hauptsache wegen der „Säuornig“, die in unserer Gesellschaft herrsche, uns nicht mehr leiten wolle. Sei diese Unordnung einmal beseitigt, so werde er sich wieder für uns hergeben.“ (9. Januar 1913)
„Präsident Zehnder gibt bekannt, dass letzter Tage von unserem Aktivmitglied Otto Widmer die Entlassung eingegangen ist, weil ihm an einer Probe die Stimme entzogen worden sei.“ (11. August 1927)
„Der Präsident betont ausdrücklich, in Zukunft unangebrachte Vereins- und Familienangelegenheiten nicht in Wirtschaften auszufechten, denn gewöhnlich wird dadurch nicht nur die betreffende Person, sondern auch der ganze Verein in Mitleidenschaft gezogen.“ (9. Februar 1935)
Da im verflossenen Jahr die Bussen für unentschuldigte Versäumnisse von Proben und Anlässen teilweise gar nicht einbezahlt wurden, wird beschlossen von solchen Umgang (Abstand) zu nehmen. Man möchte doch in Zukunft den fleissigsten Probebesuchern am Jahresende eine kleine Anerkennung zukommen lassen, etwa in Form eines Musikkalenders.“ (28. Dezember 1935)
„Die Kassarevision konnte nicht durchgeführt werden, da der Kassier Gebel an den abgemachten Terminen nicht zuhause war.“ An der Sitzung vom 28. Januar wurde dann klar, was der Grund für die Abwesenheit des Kassiers war: „Der Vorsitzende orientiert über den Verbleib unseres Kassiers. Wie er am Montag vernommen habe, habe sich unser Kassier am Montag Vormittag der Polizei in Aarau gestellt und ihr erklärt, er habe unserer Gesellschaft 500 – 600 Fr. unterschlagen. Wir haben aber natürlich nichts davon, wenn der Kassier bestraft wird, die Hauptsache wäre für uns, wenn er wieder frei würde und uns dann das Geld durch Bürgen sicher stellen und succesive abzahlen könnte. Es ist deshalb die heutige Sitzung anberaumt worden, um darüber zu beraten, wie man unsern Kassier auslösen könnte. Circa 6 Mann der Gesellschaft verbürgen den fehlenden Betrag und der Kassier verpflichtet sich denselben succesive abzuzahlen. Wir geben dann dem zufolge die Erklärung ab, dass wir auf die Bestrafung verzichten und wir mit dessen Freilassung einverstanden seien.“
Irgendwie war es den Betroffenen dann aber doch nicht so ganz wohl und es folgte die Bemerkung:
„Nachtrag. Es wurde abgemacht, dass die Bürgen des Kassiers nichts zu bezahlen hätten, falls er ihnen nichts abzahlen würde. Die Bürgschaft wäre dann nur zum Schein geschlossen worden.“
„Der Verein wird von dem Konsum Verein Suhr angefragt, als musikalische Begleitung ihrer Vereinsreise nach Basel mitzukommen. Wenn der Probenbesuch besser gewesen wäre und der Verein besser vorbereitet gewesen wäre, hätten wir wahrscheinlich noch mehr derartige Engagemente erhalten.“ (1933)
„Austritt des Dirigenten aus dem Verein während des Jahres. An seiner Stelle wählte man heute Kuhn Emil. Dieser rügte aber, dass er noch nicht fähig genug sei um diesen Platz zu vertreten. Man beschloss hierauf 30 Fr. zu geben, damit er bei Herrn Jom in Aarau Stunden nehmen könne.“ (25. Dezember 1905)
„Gottlieb Wassmer stellt den Antrag, es sei ein Gesuch an den Gemeinderat zu stellen, dieser möchte an noch zu bestimmenden Telegrafenstangen Stecker anbringen lassen zur Abhaltung von Platzkonzerten.“ (26. Oktober 1924)
„Wie bereits bekannt unternimmt die Arbeiterunion Bern alljährlich grössere Auslandreisen. Die nächstjährige führt über Marseille und dauert 4 Tage. Da nun unser Verein auf nächstes Jahr ebenfalls die Ausführung einer grösseren Reise im Sinne hat, wäre es event. möglich sich dieser Reisegesellschaft anzuschliessen. Infolge der grossen Reisekosten wäre es jedoch nicht allen Mitgliedern möglich, daran teilzunehmen, und Präsident Zehnder ist deshalb der Meinung, an den Vorstand der Arbeiterunion Bern ein Gesuch einzureichen, mit dem Antrage, es sei die Frage zu prüfen, ob vielleicht sämtliche Reiseteilnehmer sich einverstanden erklären würden, einen Extrabeitrag zu Gunsten der Musik zu entrichten. Dadurch wäre für die ganze Dauer der Reise für musikalische Unterhaltung gesorgt.“