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Rougemont,
deutsch Retschmund (Kt. Waadt, Bez. Pays d'Enhaut). 1010 m. Gem. und Pfarrdorf im obersten Saanethal. Station der elektrischen Montreux-Oberlandbahn. Postbureau, Telegraph, Telephon. Die Gemeinde liegt zwischen der SO.-Flanke der Gruppe des Rubli (wo ihr noch die Alpen Rubloz, Pré Cluens und ¶
forlaufend
Comborsin gehören), dem Kamm Pointe de la Combaz-Rocher Pourri, Flendruz, dem Ruisseau de Flendruz, den Vanils des Bimis, der Weide
La Verdaz, dem Pertet à Bovey, dem Kamm Pertet à Bovey-Dent de Ruth und dem Wildbach von Les Fenils. Sie umfasst neben dem Dorf
Rougemont selbst noch die Dörfer und Weiler Flendruz, Le Plan, Le Crêt, Le Borgeaud, Les Siernes Picats, Les
Allamans und die Hütten von La Manche. Zusammen: 283 Häuser, 1189 reform. Ew.; Dorf: 69 Häuser, 299 Ew. Gasthöfe und Pensionen.
Fast lauter Holzhäuser, von denen mehrere durch ihr Alter und ihre Bauart bemerkenswert sind. Das Dorf ist
nie durch Brandunglück heimgesucht worden wie solche z. B. Château d'Œx und Rossinière betroffen haben. Zu nennen sind
das Pfarrhaus, das Schloss, dessen Geschichte mit derjenigen der Ortschaft zusammenfällt, und der alte Burgturm Le Vanel am
linken Ufer des Ruisseau des Fenils. Hauptort des Kreises
Rougemont, dem auch noch Rossinière angehört
und der 1961 Ew. zählt.
Flysch und obere Kreide. Der Ueberlieferung nach soll die Gegend durch Leute aus dem Greierz urbar gemacht worden sein, die
unter Anführung eines Ritters hierhergezogen wären. Die älteste Urkunde stammt aus 1115 und trägt das Siegel des Bischofs
Giraldus von Lausanne. Sie bezieht sich auf eine noch um 30-40 Jahre ältere Schenkung, durch welche der
Graf Willermus alle seine Rechte auf das Oedland (désert) zwischen den beiden Bächen Flandru (d. h. dem Wildbach von Flendruz
und dem Ruisseau des Fenils) an den Propst von
Rougemont abgetreten hatte.
Dieser sog. désert war schon damals besiedelt und zum Teil urbar gemacht (Alpweiden La Mocausaz und von
Rublo). Die Propstei
Rougemont wurde 1080 gegründet und hatte ihren Sitz im heute noch stehenden Schloss oder einem Gebäude,
das an dessen Stelle gestanden hatte. Sie befand sich also nicht in Flendruz, wie es der Dictionnaire von Martignier und de
Crousaz behauptet. Diese dem Orden der Kluniazenser angehörige Propstei wurde bald der Mittelpunkt der
ganzen Gegend.
Schon 1340 bildeten die Pfarrgenossen dieses Klosters eine bürgerliche Gemeinschaft mit verschiedenen Rechten auf die umliegenden
Alpweiden. 1396 erhielten sie nach unablässigen Bemühungen verschiedene andere Freiheiten und Rechte. Landesherren waren
die Grafen von Greierz, bis deren letzter, Michel, 1554 seinen ganzen Besitz an seine beiden Hauptgläubiger,
die Städte Bern
und Freiburg,
abtreten musste, die diesen zunächst gemeinsam verwalteten und dann am derart unter sich aufteilten,
dass Bern
das Saanenland,
Rougemont, Château d'Œx und Rossinière und Freiburg
den Rest der Grafschaft erhielt.
Bern führte alsbald die Reformation ein, worauf Mönche und Priester das Land verliessen. Unter dem vierten bernischen Landvogt wurde zwischen 1569 und 1578 die ehemalige Propstei zum Schloss und Amtssitz des Vogtes umgestaltet, dann 1658 und 1756 zum Teil umgebaut, am durch eine Feuersbrunst beschädigt und nachher von Grund aus restauriert. Hungersnot 1587; Pestseuchen 1579 und besonders 1612, in welchem Jahr in der Landvogtei an die 2500 Menschen starben. Da die Herrschaft der Landvögte keine sehr harte gewesen war, wurde die Angliederung der Vogtei an den Kanton Leman im März 1798 von den Bewohnern keineswegs freudig begrüsst. Das Schloss wurde als Staatseigentum erklärt und der über dessen Eingang gemalte Berner Mutz sorgfältig weggekratzt. Es hat niemals eine Buchdruckerei beherbergt, obwohl dies oft behauptet worden ist. Heute ist es Privateigentum. 1104: Rubeus Mons; 1270: Rojomont.