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«Arena» zum Thema «Frauen am Herd?» beanstandet (I)
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Mit Ihrem Brief vom 23. Juni 2016 haben Sie die Arena zum Thema „Frauen am Herd?“ beanstandet, namentlich wegen Diskriminierung, Nichtsachgerechtigkeit sowie Ausstrahlung nur in der Deutschschweiz. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
- Diskriminierung der Frauen, welche die notwendige und unverzichtbare Haushaltarbeit tun, durch Tradierung eines stereotypen Frauenbildes im Titel, das so schon längst nicht mehr stimmt. RTVG Art. 4.1
- Nichtsachgerechtigkeit wegen Auslassung wichtiger Elemente, die zum Thema „Frauen am Herd?“ und die zur freien Meinungsbildung gehört und dem Verständnis und Austausch.... hätte dienen können. RTVG Art. 4.2
- Ausserdem stellt sich die Frage, ob es dem Programmauftrag gemäss (a. und b.) nicht notwendig gewesen wäre, eine entsprechende Sendung in den anderen Landesteilen (Sprachen) zu senden. Dieses Thema geht alle Frauen und Männer in der ganzen Schweiz an, um die politischen Forderungen, die daraus entstehen, durchsetzen zu können. Deshalb beanstande ich auch die Nichteinhaltung dieses Punktes des Programmauftrags.
Diese Sendung war ein Beispiel mehr, dass SRF seinen im verfassungsrechtlichen Auftrag (Programmauftrag) gegenüber dem weiblichen Teil der Bevölkerung nicht erfüllt:
Die Bestimmung lautet: Die SRG erfüllt den verfassungsrechtlichen Auftrag im Bereich von Radio und Fernsehen (Programmauftrag). Insbesondere:
a. versorgt sie die gesamte Bevölkerung inhaltlich umfassend mit gleichwertigen Radio- und Fernsehprogrammen in den drei Amtssprachen;
b. fördert sie das Verständnis, den Zusammenhalt und den Austausch unter den Landesteilen, Sprachgemeinschaften, Kulturen und gesellschaftlichen Gruppierungen und berücksichtigt sie die Eigenheiten des Landes und die Bedürfnisse der Kantone.
Begründungen:
Zu 1) Ich beanstande den Titel, der sich in reisserischer Form eines alten Klischees bedient: als Diskriminierung der Frauen, die Haushalttätigkeiten ausführen - das sind praktisch alle. Das im alten Klischee aufgeworfene Thema diskriminiert auch alle die Frauen, die in der Vergangenheit diese Tätigkeiten als bedeutenden Anteil am Erhalt und der Entwicklung der Gesellschaft ausgeführt haben. Sie waren bis vor kurzem durch das Gesetz dazu verpflichtet und hatten kaum Alternativen. Das angesagte Thema wurde nie ernsthaft aufgegriffen und thematisiert, die Diskussion war auf die Erwerbsarbeit der Frauen fokussiert. Der Titel erwies sich somit auch als irreführend und wird den inhaltlichen Erwartungen nicht gerecht.
Zu 2) Ich beanstande die Sendung als nicht sachgerecht. Deshalb hat sie nicht zur freien Meinungsbildung (Programmauftrag) beigetragen. Mit dem reisserischen Titel war die Meinungsbildung „vorprogrammiert“ (Priming).
Wenn unter Beitrag zur freien Meinungsbildung eine umfassende, vielfältige und sachgerechte Information, insbesondere über politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge gemeint ist, waren gerade die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und sozialen Belangen nicht ausgewogen dargestellt. Die sozialen Zusammenhänge wurden kaum erwähnt und vor allem nicht sichtbar gemacht, eben was es bedeutet „Frau am Herd zu sein“ und welche Bedeutung „Frauen am Herd“ volkswirtschaftlich haben (siehe Ina Praetorius, Wirtschaft ist Care, 2015). Haushalte sind ein äusserst wichtiger Teil der Volkswirtschaft. Der Wert dieser unbezahlten und nicht einberechneten Arbeit verändert sich je nach Wirtschaftslage und wird sich wohl dann als sehr wichtig erweisen, wenn die Mittel und Ressourcen knapp werden. Diesen Mechanismus kennen Frauen zur Genüge, auch der wurde nie erwähnt (Manipulierbarkeit). Die „Herd-„ oder Care-Arbeit ist unverzichtbar dafür, was als Wirtschaft verstanden wird.
„Am Herd“ erbringen meist Frauen, die für die Entstehung und Bildung einer neuen Generation grundlegenden Aufgaben. Dass sie dazu auch noch viele andere, in diesem Zusammenhang stehenden Aufgaben und unbezahlten Dienstleistungen erbringen, wurde nie erwähnt. Um nur einige davon hier zu nennen, es geht um die Reproduktionsarbeit an „geforderten“ Arbeitskräften, die Betreuung von Angehörigen und sozial Benachteiligten (Integrationsarbeit z.B.), um Einsatz in kulturellen Angelegenheiten und vieles weiteres mehr. Die meisten Frauen leisten damit einen grossen Beitrag an Prävention. Ein Wegfallen davon würde den Staat sehr teuer zu stehen kommen, der Wirtschaft notabene auch. Bei den vielen Zahlen, die die Teilnehmenden ins Feld führten, wurden die in der Statistik sehr wohl aufgeführten errechneten Werte dieser Arbeit nicht genannt. Unwidersprochen durfte einmal mehr gesagt werden: „ Frauen am Herd“ würden zu Hause bleiben und „nid schaffe“ (Philip Gut).
Bei dieser Arena wurden mit alten Klischees in Stereotypen festgefahrene Frauen- und Rollenbilder präsentiert. Sie verschärfte deshalb Missverständnisse zwischen den Frauen und war keineswegs geeignet Verständnis und Zusammenhalt unter den Frauen zu fördern.
zu 3) Obschon es für diese Sendung besser ist, dass sie nicht alle Frauen in der Schweiz zu Gesicht bekamen, wenn ein alle Frauen in der Schweiz angehendes Thema im Deutsch-schweizer Programm aufgegriffen wird, müsste es dem Programmauftrag gemäss doch auch in den andern Landesteilen geschehen (b). Die Frage stellt sich, ob dies geschehen ist?
Weitere Kritikpunkte:
Für viele, sich nicht bewusst mit diesen Fragen beschäftigenden Zuschauerinnen und Zuschauer, war die Sendung zu wenig gut strukturiert, um sich eine Meinung bilden zu können. Der Teil über Frauen und die Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit ist durch den nicht geschilderten Teil der Familienarbeit nicht sachgerecht dargestellt worden. Es schien so, wie wenn eine sog. „Herdfrau“ sich nur um Krippenplätze zu kümmern hätte. Von den heranwachsenden Kindern, die ebenfalls Betreuung und nicht nur Freizeitbeschäftigung brauchen, war nie die Rede. Ein Durcheinander von angerissenen Themen und Voten und eine sich ständig durchsetzende Stimme von Philip Gut, der zum Glück mit Frau Rosmarie Zapfl und Frau Tiana Angelina Moser ebenso durchsetzungs-gewiefte Gegnerinnen hatte, war durch die Besetzung vorprogrammiert! Es war eine SRF übliche Besetzung vor der sich die meisten Frauen fürchten, redete der eingeladene Mann doch nur in stereotypen Bildern, die Fragestellungen von Herrn Projer waren es zum Teil auch. Es erstaunt deshalb nicht, dass SRF Mühe hat, seine prominenten „Tele“- Plätze mit Frauen zu besetzen, die Expertinnen- Wissen haben. In vielen Sendungen müssen sich diese vor allem gegen überholte Bilder in den Köpfen von Männern (oft auch der eingeladenen Frauen) und den damit verbundenen Fragestellungen wehren. Sie haben dann kaum Gelegenheit sich der Entwicklung der eigenen widmen und diese dem Publikum unterbreiten zu können.
Doch nicht nur Herr Gut schien mir eine Fehlbesetzung, auch Frau Weiermann, die sich gut geschlagen hat, war kein geeignetes Beispiel, um in dieser Runde die „Herdfrau“ angemessen vertreten zu können. Dies, weil sie ihre Karriere schon beendet hatte, als sie die Kinder bekam, als Läuferin dann wieder anzufangen, wäre eh nicht möglich.
Wenn ein Thema im Titel mit „Frauen“ angekündigt wird, ein Thema also aus der Sicht von Frauen behandelt werden sollte, ist es eine Zumutung für die Zuschauerinnen, wenn ein Mann eingesetzt wird, der mit männlicher Rhetorik und seinen männlichen Erfahrungen, die Szene bestimmt und dann dazu Frauen ausgesucht werden, die dem entgegenhalten können. Ich weiss aus Gesprächen, dass die Auswahl von Frauen diesem Kriterium standhalten muss. Die Klage, die ich immer wieder zu hören bekomme, die Expertinnen würden sich ungerne im Fernsehen exponieren, ist damit wohl einmal mehr erklärt.
Positiv an der Sendung fiel auf: das eigentliche „Herd“ Thema konnten die Wortmeldungen der Zuschauerinnen und Zuschauer doch noch einbringen und auch die Beiträge von Herrn Valentin Vogt kamen sachlich begründet an.
Es ist mir bewusst, dass ich einmal mehr Schwierigkeiten haben werde, eine faire, gute, sachliche und meinungsbildende Sendung auch für Frauen und ihre Anliegen zu fordern. Dass da ein grosser Handlungsbedarf besteht, hat die sehr angeheizte Diskussion gezeigt.
Anregungen:
SRF sollte endlich sein Frauenbild überprüfen, wir sind nicht mehr im Themenmonat “die Schweizer - woher sie kommen - wer sie sind und wohin sie gehen“. Frauen sind auch nicht in einem „veralteten Märchen“ wie Herr Gut das sagt und auch nicht nur eine „unter ferner liefen Randgruppe“ in der Gesellschaft, wie das Bundesgericht, in seinem Urteil zur Sendung der Arena vom 22.4.2012 zum bedingungslosen Grundeinkommen, meinte.
Es wird Zeit, dass sich das Fernsehen dem Thema Frauen so intensiv und ausgiebig zuwendet wie dem „Fussball“. Die Schlussfrage mit Zusammenstellung der gegebenen „Fussball Mannschaft gemischt“, hat gezeigt, dass SRF sehr wohl in der Lage wäre, in Metaphern zu denken, scheinbar jedoch nur stereotyp in Vergleich mit Fussball, der eh das Programm dominiert. Man hätte deshalb die Sendung genauso mit „Herdenfrauen?“ betiteln können.
Es besteht nach wie vor dringender Handlungsbedarf. In CEDAW Bericht, der vor kurzem öffentlich vorgestellt worden ist, steht dazu:
„Medien und Werbung haben Geschlechterstereotype zu brechen und sexistische Werbung zu unterlassen.
„Dazu benötigt es weiterführende institutionelle Instrumente als die bestehende Kommission. Sowohl in den Programmen, den Bildern wie der Sprache von Fernsehen und Radio ist darauf zu achten, dass sie aus beiden Geschlechterperspektiven be- und verhandelt werden, damit Stereotypen bewusst und eher vermieden werden können.
Genderkompetenz und die Sensibilisierung für Geschlechterfragen sind dringend obligatorisch in die Aus- und Weiterbildung der Medien- und Werbeschaffenden – insbesondere auch der Bildredaktorinnen und -redaktoren – einzubeziehen“.
Die Frage stellt sich, wie und wo, wenn nicht in den Medien, könnte eine Kultur geschaffen werden, die gleichgestellt denkt, spricht und handelt und damit der in der Verfassung verankerten Gleichstellung von Mann und Frau Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Schön wäre es wenn Frauen ungeeignete Ware an den Absender zurückzusenden und dafür einen Ersatz oder wenigstens eine Gebühren-Ermässigung verlangen könnten. Dies an einen „Service Publik“-Sender, der sie sehr oft ignoriert, weniger oft stereotyp, manchmal diskriminierend, manchmal neue Stereotypen (lange Haare z.B.) kreierend und hie und da doch vorkommend darstellt.
D.h. diese Sendung war nicht geeignet den gesellschaftlichen Wandel im Dasein der Frauen (Familienarbeit – Berufsarbeit) mit und ohne Familie aufzuzeigen, damit er reflektiert werden und damit für die demokratische Aufarbeitung bewusst gemacht werden kann. Eine Meinungsbildung war damit weder für Frauen noch Männer möglich.
Ich weiss um die Programmgestaltungsfreiheit des SRF, aber ich bin immer noch davon überzeugt, sie ist dem Programmauftrag untergeordnet ist und ich bitte Sie, dem in Ihrer Beurteilung auch Rechnung zu tragen.
B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Herr Jonas Projer, Redaktionsleiter der Arena, schrieb:
Frau X nennt in ihrer umfangreichen und facettenreichen Beanstandung viele verschiedene Kritikpunkte. Wir haben versucht, diese in drei zentralen Stossrichtungen zusammenzufassen:
- Kritik 1: Der Online-Titel der Sendung («Frauen am Herd?») vermittelt ein überholtes Frauenbild. Ausserdem suggeriert er, dass Hausarbeit und Erziehungsarbeit weniger wertvoll seien als bezahlte Erwerbsarbeit.
- Kritik 2: Einzelne Gäste (insb. Philipp Gut) vertraten ein stereotypes Frauenbild, Philipp Gut dominierte die Diskussion mit „männlicher Rhetorik“.
- Kritische Frage: Hätte die genannte «Arena» gemäss Programmauftrag nicht in allen vier Landesteilen ausgestrahlt werden müssen?
Gerne nehmen wir zu diesen drei Punkten wie folgt Stellung.
Zur Kritik am Titel:
Der gewählte Titel vermittelt in keinerlei Hinsicht ein überholtes Frauenbild. Er beinhaltet keine Forderung («Frauen an den Herd»), sondern eine Feststellung («Frauen am Herd»), die wegen ihres pauschalen Charakters durch das Fragezeichen in Frage gestellt wird («Frauen am Herd?»). Natürlich ist uns die provokative Wirkung der Wortkombination «Frau»/«Herd» bewusst – sie war hier sogar beabsichtigt, da ein im Voraus veröffentlichter Online-Titel den Auftakt liefern kann für eine produktive Debatte im Vorfeld einer Sendung, was in diesem Fall tatsächlich gelang. Doch: Wir hätten den genannten Titel im vorliegenden Fall nicht gewählt, wenn er nicht solide durch Fakten abgestützt gewesen wäre.
Im Rahmen einer sehr lebhaften und konstruktiv geführten Debatte in den sozialen Medien argumentierten wir zur Frage des Titels mit Zahlen des Bundesamtes für Statistik, auf die wir auch hier gerne verweisen.[1] Die Zahlen des BFS zeigen in überraschender Klarheit: Der Löwenanteil aller Haushalts- und Erziehungsarbeit in Familien mit Kindern wird auch heute noch von Frauen geleistet. Ein Beispiel: In Familien mit kleinen Kindern arbeiten gerade mal 13.7 % der Mütter Vollzeit – aber 85,3 % der Väter. Dies ist die Realität in der Gesamtbevölkerung, ungeachtet der individuell verschiedenen Idealvorstellungen und individuell gelebten Familienmodelle. Mit anderen Worten: Wie stark sich die Frauen- und Familienbilder in der Schweiz bereits gewandelt haben, können wir nicht im Detail beurteilen. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik aber zeigen, dass es auch heute noch vor allem Frauen sind, welche in den Familien Erziehungs- und Haushaltsarbeit leisten. Zugespitzt: Frauen (genauer: Mütter) sind (auch heute noch) (mehrheitlich) am Herd. Dies ist keine Forderung der «Arena», sondern eine aus unserer Sicht sachlich korrekte Feststellung, die zudem wegen ihres pauschalisierenden Charakters als Frage formuliert wurde. Wir sind aus all diesen Gründen der Ansicht, dass der Titel – ungeachtet der etwas provokativen Wortkombination – sachlich vollständig gerechtfertigt war.
Zur von der Beanstanderin vermuteten Wertung der verschiedenen Formen von Arbeit: Inwiefern der genannte Titel oder die Debatte in der «Arena» die Haushalts-, Erziehungs- und Care-Arbeit abwerten soll, erschliesst sich uns nicht. Ganz im Gegenteil dazu schien uns im gesamten Studio und über alle Gräben hinweg ein Konsens zu bestehen, dass auch diese unbezahlte Arbeit äusserst wertvoll sei.
Überhaupt und grundsätzlich möchten wir an dieser Stelle daran erinnern, dass der Titel einer Sendung aus unserer Sicht auch provokative, zugespitzte Fragen aufwerfen darf – solange diese Fragen in der Sendung ausgewogen und sachgerecht diskutiert werden. Ebenso kann ein Titel unmöglich bereits alle zu diskutierenden Themen lancieren, er hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Entscheidend ist aus unserer Sicht die Gesamtsendung. In Bezug auf den vorliegenden Fall sind wir aber wie bereits erwähnt zusätzlich der Ansicht, dass der Titel aus den genannten Gründen auch inhaltlich bestens abgestützt war und viele Grundthemen der Sendung bereits lancierte (ideologische Vorstellungen vs. gesellschaftliche Realität, „traditionelle“ vs. „neue“ Familienbilder, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Lastenverteilung in der Kindererziehung etc.).
Zur Kritik an der Gästeauswahl, insbesondere an der Auswahl von Philipp Gut:
Die Beanstanderin hält Herrn Philipp Gut für eine „Fehlbesetzung“. Herr Gut habe nur in „stereotypen Bildern“ geredet. Es liegt nicht an uns, diese Unterstellung zu belegen, zu falsifizieren oder zu bewerten. Wir möchten vielmehr daran erinnern, dass die «Arena» eine kontroverse Diskussionssendung ist, in der zu jedem Thema unterschiedliche Meinungen vertreten sind und vertreten sein müssen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Zuschauerinnen und Zuschauer aufgrund ihrer persönlichen Ansichten nicht mit allen Gästen einverstanden sind; entscheidend ist aus unserer Sicht nur, dass die Diskussion ausgewogen und sachgerecht verläuft. Deshalb wäre es einzig problematisch, wenn bspw. Philipp Gut die Gegenseite im Gespräch unangemessen dominiert hätte, ohne dass der Moderator intervenierte. Dies war hier jedoch keineswegs der Fall. Dieser Ansicht ist auch die Beanstanderin: Sie betont in ihrem Schreiben, dass Philipp Gut „zum Glück mit Frau Rosmarie Zapfl und Frau Tiana Angelina Moser ebenso durchsetzungs-gewiefte Gegnerinnen hatte“.
Wir erinnern an dieser Stelle ausserdem daran, dass drei von vier Gästen in der Hauptrunde weiblich waren – ein bewusster und aus unserer Sicht durch das Thema gerechtfertigter Entscheid.
Zur kritischen Frage, ob die betreffende «Arena» nicht in allen vier Landesteilen bzw. in allen vier Landessprachen hätte ausgestrahlt werden müssen:
Der Programmauftrag, auf den sich die Beanstanderin bei diesem Kritikpunkt bezieht, ist an die SRG gerichtet. In Artikel 24.1 litt. b) RTVG bekommt die SRG den Auftrag, „das Verständnis, den Zusammenhalt und den Austausch unter den Landesteilen, Sprachgemeinschaften, Kulturen und gesellschaftlichen Gruppierungen“ zu fördern – unter Berücksichtigung der Eigenheiten des Landes und der Bedürfnisse der Kantone.
Wir sind generell der Ansicht, dass auch die «Arena» zur Erfüllung dieses wichtigen Auftrags ihren Beitrag leistet (z.B. mit Sendungen zu Fremdsprachunterricht, Finanzausgleich, Randregionen, aber auch mit Gästen aus den anderen Sprachregionen). Im konkreten Fall können wir jedoch nicht nachvollziehen, inwiefern sich aus dem genannten Programmauftrag eine Verpflichtung ableitet, die «Arena» vom 10. Juni 2016 auch in den anderen Sprachregionen auszustrahlen. Ausserdem erinnern wir daran, dass die Sendung – hochdeutsch untertitelt – auf SRF auch von Bewohnerinnen und Bewohnern der italienisch- und französischsprachigen Schweiz empfangen werden konnte und auf unserer Website immer noch empfangen werden kann.
Wir hoffen, Ihnen mit diesen Ausführungen gedient zu haben. Für weitere Auskünfte stehen wir jederzeit zur Verfügung.
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Beurteilung der Sendung.
Ich verstehe das Anliegen hinter Ihrer Kritik gut, gleichzeitig überzeugen mich auch die Ausführungen von Jonas Projer. Rollenbilder, Lebensformen, Gesellschaftswerte sind und bleiben aktuelle Themen in unserer Kultur. Über sie wird debattiert, verhandelt, gestritten, manchmal sachlich, manchmal emotional bis polemisch. Sie sind herausfordernd für die Politik, die Wirtschaft, für Kultur und Gesellschaft und für uns als Individuen.
Dies hat sich an der von Ihnen kritisierten Arena deutlich gezeigt. Sie war in vielen Teilen eine Auseinandersetzung über Werte, die oft ziemlich absolut verteidigt wurden.
Damit komme ich zu Ihrem ersten Kritikpunkt, der Diskriminierung von Frauen.
Im RTVG Art 4 Absatz heisst es: „Alle Sendungen eines Radio- oder Fernsehprogramms müssen die Grundrechte beachten. Die Sendungen haben insbesondere die Menschenwürde zu achten, dürfen weder diskriminierend sein noch zu Rassenhass beitragen noch die öffentliche Sittlichkeit gefährden noch Gewalt verherrlichen oder verharmlosen.“
Sie kritisieren namentlich den Titel „Frauen am Herd?“ Ich stimme Ihnen zu, dass er klischiert ist und ein früheres Rollenbild evoziert, zumal der Herd heute meist nicht mehr DAS Zentrum im familiären Alltag ist. Der Herd ist weitgehend abgelöst von der Betreuung und Begleitung der Kinder und weiterer care-Arbeit. Ein Klischee aber ist noch keine Diskriminierung. Diese definiert sich laut humanrights.ch wie folgt: „Diskriminierung ist eine qualifizierte Art von Ungleichbehandlung und liegt vor, wenn die drei folgenden Elemente gegeben sind: a) eine Ungleichbehandlung von Personen in vergleichbaren Situationen, die b) eine ungerechtfertigte Herabwürdigung einschliesst und c) an ein verpöntes Unterscheidungsmerkmal anknüpft.“ Der Frage-Titel „Frauen am Herd?“ ist auf dieser Grundlage betrachtet keine Diskriminierung. Anzumerken ist zudem, dass Medientitel bewusst pointiert gesetzt werden, um Aufmerksamkeit zu erwecken, hier für ein gesellschaftliches Phänomen, das durchaus diskutiert werden kann und soll.
Ihr zweiter Kritikpunkt betrifft das Gebot der Sachgerechtigkeit. Ich stimme Ihnen zu, dass in der Arena etliche auch noch relevante Themen nicht angesprochen bzw. nicht wirklich diskutiert wurden. Es war weitgehend – und teils sehr redundant, eine Werte-Diskussion mit schwer zu vereinenden Gewichtungen, bei denen Lebensmodelle gegeneinander ausgespielt wurden. Allerdings schienen grundsätzliche wirtschaftliche und politische Aspekte immer wieder auf – so ging es um Themen wie Besteuerung, Altersvorsorge, Lohngleichheit, Quoten, Vaterschaftsurlaub, Jahresarbeitszeit. Für mich zu kurz kamen aber vor allem Überlegungen zu Frauen, die nicht arbeiten WOLLEN, sondern MÜSSEN. Dass Philip Gut allerdings, wie Sie schreiben, unwidersprochen Familienarbeit als „nid schaffe“ bezeichnen konnte, ist nicht korrekt. Rosmarie Zapfl widersprach vehement.
In rund 5/4 Stunden können nie alle Facetten eines Themas behandelt werden. Die Zusammensetzung der eingeladenen Gäste bestimmt eine gewisse Richtung, wie Sie ja auch schreiben. Die drei Frauen und der eine Mann in der innersten Runde diskutierten lebhaft und vertraten ihre doch recht unterschiedlichen Auffassungen dezidiert bis redundant. Dass mit Valentin Vogt - einem erfahrenen und klaren Votanten – die Sicht der Arbeitgeber und damit der Wirtschaft verstärkt wurde, war richtig und wichtig und erweiterte die Diskussion. Die Zuschauenden konnten sich über die Voten der Eingeladenen und die eingespielten Fakten durchaus eine eigene Meinung bilden, deshalb sehe ich das Gebot der Sachgerechtigkeit nicht verletzt.
Ihr dritter Punkt betrifft die Ausstrahlung nur in der Deutschschweiz. Im Programmauftrag der SRG steht u.a. Sie versorgt „die gesamte Bevölkerung inhaltlich umfassend mit gleichwertigen Radio- und Fernsehprogrammen in den drei Amtssprachen“. Dies heisst indes nicht, dass dies gleichzeitig geschehen muss. Zudem sind Fragen der Gesellschaftsordnung auch in den anderen Sprachregionen Thema. Insgesamt also wurde der Programmauftrag nicht verletzt.
Schliesslich kritisieren Sie die Struktur, die Gesprächsführung und die Zusammensetzung. Diese Arena war auch für mich nicht die beste, weniger Polemik und Redundanz hätte ihr gut getan. Der Moderator bemühte sich immer wieder, die Diskussion voranzubringen, eine an diesem Abend schwierige Aufgabe. Doch das ist kein Indiz, dass die Sendung diskriminierend und unsachgerecht war.
Damit komme ich zu Ihren Anregungen: Sie haben offenbar den Eindruck, dass SRF keine oder zumindest nicht ausreichend „faire, gute, sachliche und meinungsbildende Sendung auch für Frauen und ihre Anliegen“ produziert und sein Frauenbild überprüfen sollte.
Tatsächlich können die Medien Einiges beitragen zum Thema Gender. Der SRG kommt hier eine bedeutende Rolle zu. Auch deshalb haben die journalistischen Berufsverbände gemeinsam einen Leitfaden dazu erarbeitet. http://www.impressum.ch/fileadmin/user_upload/Dateien/Merkblaetter_Statuten_etc/d_Gender_Leitfaden_korr_web.pdf. Auch in der Ausbildung wird darüber debattiert, auch und gerade, wie Sie wünschen, im Bildbereich.
Gesellschaftlich sehe ich aber eher einen backlash, vor allem was die gendergerechte Sprache betrifft. Medien können dies thematisieren und selbst als Vorbild agieren, verändern aber können sie Trends in der Bevölkerung kaum.
Die Arena „Frauen am Herd?“ hat zumindest versucht, Rollenbilder in den Köpfen von Frauen und Männern zu thematisieren. Die Diskussion muss und wird weiter gehen, sachlich und systemisch. Dafür sorgen glücklicherweise gerade auch engagierte Frauen wie Sie. Ich danke Ihnen dafür.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Sylvia Egli von Matt, stv. Ombudsfrau
[1] http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/20/05/blank/key/Vereinbarkeit/01.html
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