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Lehnswesen.
Das
Lehnsrecht wurde teils durch die Gesetze der deutschen
Kaiser, teils autonomisch durch Vereinbarung
der
Lehnsherren mit ihren
Vasallen festgestellt und durch
Übung in den
Lehnsgerichten weiter entwickelt. Die aus verschiedenen,
teils wissenschaftlichen, teils gesetzlichen
Bestandteilen gegen Ende des 12. Jahrh. in der
Lombardei kompilierten
libri feudorum wurden, obgleich sie Privatarbeit waren, durch Gewohnheitsrecht Grundlage des gemeinen
Lehnsrechts. Auch die
Verfasser des Sachsenspiegels,
Deutschenspiegels, Schwabenspiegels haben das
Lehnsrecht dargestellt, jedoch haben, soweit
Abweichungen
stattfanden, vielfach die langobard. Rechtssätze die Oberhand gewonnen.
Das Lehnsverhältnis hat eine dingliche und eine persönliche Seite. In ersterer Richtung ist es Hingabe eines Grundstückes oder auch anderer dauernder Nutzung fähiger Vermögensgegenstände zu vererblichem (s. Lehnsfolge), aber ohne Zustimmung des Lehnsherrn und der Agnaten nicht veräußerlichem, selbst nicht verpfändbarem Nutzungsrecht mit Heimfallsrecht des Verleihenden (Lehn im engern Sinn; s. Belehnung und Lehnserneuerung). Das persönliche Verhältnis ist die Vasallität, d. h. ein Dienst- und Treuverhältnis des Vasallen zu dem Lehnsherrn und ein Schutz- und Treuverhältnis des Lehnsherrn zum Vasallen (s. Felonie).
Die dingliche, also vermögensrechtliche Seite wurde in Frankreich durch die Revolution beseitigt, diese Beseitigung erstreckte sich infolge der franz. Occupation auf einen Teil von Deutschland, [* 2] und es fand nach Aufhören der Occupation nur teilweise eine Wiederherstellung statt. Eine neue Anregung brachte §. 39 der Grundrechte von 1848: «Aller Lehnsverband ist aufzuheben.» Wenn derselbe auch bald seine formelle Gültigkeit verlor, so haben doch die meisten Staaten die Lehnsherrlichkeit beseitigt, besonders für solche Lehn, welche nicht von Landesherren verliehen waren (Privatlehn).
Aber auch die landesherrliche Lehnsherrlichkeit ist meistens gefallen; bald ist sie aufgehoben, bald gegen Zahlung eines Prozentsatzes vom Werte des Lehns für ablösbar erklärt; öfter werden noch die Lehn ausgenommen, bei denen ein baldiger Heimfall zu erwarten steht (auf zwei oder vier Augen). Manche Gesetze heben auch die Rechte der Agnaten und Mitbelehnten auf und beseitigen die Beschränkungen des Besitzers in der Disposition über sein Gut; andere Gesetze machen aus den Lehnsgütern eine Art von Familienstammgütern, für welche die lehnsrechtlichen Principien über die Succession, die Rechte der Agnaten und Mitbelehnten, die Behandlung der Lehnschulden, die Trennung des Allods vom Lehn bestehen geblieben sind. (S. auch Feudalismus.)
Vgl. Weber, Handbuch des Lehnrechts (4 Tle., Lpz. 1807‒11);
Pätz, Lehrbuch des Lehnrechts (Gött. 1832): Stobbe, Handbuch des deutschen Privatrechts (Berl. 1882‒85), §§. 117 fg.; Schröder, Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte (2. Aufl., Lpz. 1894), §. 40.