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Nachruf zum Tod von Hans W. Britschgi
Hans Britschgi wurde am 8. Juli 1926 in New York geboren, wo sein Vater für die Bally-Schuh-Fabriken tätig war. Nach der Rückkehr der Familie in die Schweiz im Jahr 1927 übernahm sein Vater die Geschäftsleitung der Firma seines Schwiegervaters, der Hans Hassler AG in Aarau, ein Unternehmen der Boden- und Vorhangbranche. 1950 trat Sohn Hans in die Firma ein und übernahm 1966 den Vorsitz der Geschäftsleitung, ein Amt, das er noch in weiteren Firmen innehatte.
Hans Britschgis Vater Werner R. Britschgi war Präsident des Aargauischen Rennvereins und Initiant des Rennplatzes Schachen in Aarau. Er war Besitzer des in den 1960er-Jahren auf Schweizer Rennbahnen erfolgreichen Lorenzaccio. Erstmals 1951, dann von 1953 bis 1957 präsidierte Werner R. Britschgi die Abteilung Rennen des Schweizerischen Verbands für Pferdesport.
Der Sohn Hans Britschgi absolvierte 1946 die Kavallerie-Rekrutenschule. 1951 wurde er für sechs Wochen nach Fontainebleau in Frankreich abkommandiert. 1952 und 1953 gehörte Hans Britschgi zur Schweizer Springreiter-Equipe. 1953 bestritt er in Dublin, Le Zoute und Rotterdam drei Nationenpreise. 1958 qualifizierte er sich für den Pferdewechselfinal der Schweizermeisterschaft, die in jenem Jahr in Colombier (NE) ausgetragen wurde. Hinter dem Überraschungssieger Samuel Bürki wurde Hans Britschgi SM-Zweiter. 1947, brevetiert als Kavallerie-Leutnant, verliess er die Armee als Oberstleutnant im Generalstab.
Von 1977 bis 1978 hatte Hans Britschgi das Amt des Präsidenten des SVP inne und amtete danach, nach der Reorganisation, bis 1984 als Präsident des neu benannten Schweizerischen Zentralverbands für Pferdesport (SZP). Von 1976 bis 1984 war er Mitglied der FEI-Spring-Kommission und richtete 1988 die Springprüfungen an den Olympischen Spielen im südkoreanischen Seoul. Ab 1960 war er Mitglied der Technischen Kommission Springen (damals Experte) der Abteilung Concours des SVP, die er ab 1964 präsidierte.
Hans Britschgi war verheiratet mit der Portugiesin Ignez de Penha Garcia. Sie starb 2017. Das Ehepaar hatte zwei Töchter.
Sowohl als SVP- bzw. SZP-Präsident wie auch als geachtetes Mitglied von FEI-Gremien machte sich Hans Britschgi Gedanken über den Stellenwert des Sports im Allgemeinen und die Rolle des Pferdesports und des Pferdes im Speziellen. Er erkannte und förderte die Wichtigkeit des Reitens als Breitensport, setzte sich ein für verbesserte Dopingkontrollen und brachte Ordnung in Doppelspurigkeiten im administrativen Veterinärwesen.
Hans Britschgi machte sich Gedanken über die Stellung der FEI. Er wies auf die fortgeschrittene Professionalisierung des Pferdesports hin und erkannte, dass die damaligen Strukturen der FEI einem modernen Sportmanagement mit Marketing, Kommunikation und PR nicht mehr genügten.
Als es Anfang der 1980er-Jahre um die Nachfolge des seit 1964 amtierenden FEI-Präsidenten Prinz Philip ging, wurde Hans Britschgi Mitglied der Kommission, die einen Nachfolger finden sollte. Als Übergangslösung überzeugte die «Kommission der 4» Prinz Philip, zwei weitere Jahre im Amt zu bleiben, bevor seine Tochter Prinzessin Anne übernahm.
Mit Hans Britschgi verliert der Schweizer Pferdesport eine initiative und einsatzfreudige Führungspersönlichkeit, die, das sei beigefügt, auf Reisen und an von ihm geleiteten Seminaren im Ausland die Teilnehmer stets an seinem Wissen über die Geschichte und Kultur des Landes teilhaben liess.
Max E. Ammann
Hans W. Britschgi Richter bei Championaten Elite
Olympische Spiele
1988 Seoul
WM Springen
1982 Dublin
1986 Aachen
1990 Stockholm
EM Springen
1975 München
1977 Wien
1983 Hickstead
1985 Dinard
1987 St. Gallen
1991 La Baule
Weltcupfinal
1981 Birmingham
1987 Paris
1989 Göteborg
1996 Genf
Sein erstes Championat richtete Hans Britschgi 1974 in Luzern, die EM der Junioren-Springreiter.