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Frauen machen unter den Pionieren einen verschwindend kleinen Anteil aus. Dies widerspiegelt die Rolle der Frau in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft über die Zeiten.
1894 gründet Susanna Orelli-Rinderknecht (1845–1939) → Bd. 26 mit einer Gruppe von Frauen den Zürcher Frauenverein für Mässigkeit und Volkswohl. Daraus hat sich ein bedeutendes Gastronomieunternehmen (heute ZFV-Unternehmungen) mit gut 1700 Mitarbeitenden entwickelt. Die Journalistin Else Züblin-Spiller (1881–1948) → Bd. 26 trifft zu Beginn des Ersten Weltkriegs wiederholt Grenzsoldaten. Namentlich will sie sich über die Truppenunterkünfte ein Bild machen. Um deren Wohl und Moral zu stärken, eröffnet sie Soldatenstuben mit Kaffee und Kuchen – jedoch ohne Alkoholausschank. Innerhalb weniger Jahre gibt es in der Schweiz gegen tausend solcher Soldatenstuben. Die daraus entstandene SV Group AG ist heute europaweit tätig und Schweizer Marktführerin für Gemeinschaftsgastronomie. Margit Weiss-Schaad (geb. 1916) → Bd. 93 gelingt es, sich als Frau in einem von Männern dominierten Technologieunternehmen zu behaupten. Die promovierte Mathematikerin übernimmt nach dem Tod ihres Mannes 1972 die Leitung der
NEFAG, eines Pionierunternehmens im Bereich elektrischer Automobile. Während im 19. Jahrhundert initiative Frauen häufig im Hintergrund wirken, wird die Lenzlinger Söhne AG heute von den Schwestern Annette Lenzlinger Vandebroek (geb. 1962) und Karin Lenzlinger Diedenhofen (geb. 1959) → Bd. 94 geführt.
Der Frauenanteil von 2% an den Pionieren bildet die heutige Realität der Schweizer Wirtschaft nicht mehr ab. Im Jahr 2009 liegt hierzulande der Frauenanteil an Führungspositionen von privatwirtschaftlichen Unternehmen bei 22%. Im Vergleich dazu kommen in der Europäischen Union 2010 lediglich drei Länder auf eine Quote von über 20%. Das Ungleichgewicht ist jedoch in den Blue-Chip-Unternehmen der Schweiz weiterhin feststellbar. 2011 beträgt der Frauenanteil bei den obersten Führungspersönlichkeiten der im Swiss Market Index (SMI) abgebildeten Firmen 7,4%.
Die markante Untervertretung der Frauen unter den Pionieren entspricht der Rolle, welche sie bis ins letzte Viertel des 20. Jahrhunderts in der Politik spielen. Erst 1971 wird den Frauen das eidgenössische Stimm- und Wahlrecht zugesprochen. Noch im selben Jahr ziehen elf Frauen ins nationale Parlament ein (eine Ständerätin und zehn Nationalrätinnen). 1977 wird Elisabeth Blunschy zur ersten Nationalratspräsidentin gewählt. 1984 erhält die Schweiz mit Elisabeth Kopp die erste Bundesrätin. 39 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts sitzen erstmals mehr Frauen als Männer in der Landesregierung.
Frauen machen unter den Pionieren einen verschwindend kleinen Anteil aus. Dies widerspiegelt die Rolle der Frau in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft über die Zeiten.