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Felix Blöchlinger v/o Jenatsch, 27.06.1920 – 07.10.2013
07.10.2013 - Felix Blöchlinger v/o Jenatsch
Nachruf
lic. rer. publ. HSG
Felix Blöchlinger v/o Jenatsch
Rauracia, Bodania, Kyburger
27.06.1920 – 07.10.2013
Vorwort
Um dem armen Kerl, der bei meinem Heimgang an der studentischen Abschiedsfeier meine – vor allem studentische – Würdigung vornehmen muss, ein paar Unterlagen zu geben, will ich ihm ein wenig unter die Arme greifen.
Das war mein Leben
Meine Mutter hat mir am 27. Juni 1920, einem Sonntag, das Leben geschenkt. Mein Vater – als Mitbegründer (Fuxe) der Kyburger - führte eine Arztpraxis in Wädenswil. Ich hatte bereits einen zwei Jahre älteren Bruder. Nach mir folgten noch meine Schwester Vreni und mein Bruder Alex. Als Robert, der Älteste, an Tuberkulose erkrankte, verkaufte Vater die Praxis und wir alle zogen nach Arosa um, wo der älteste Bruder in einem Kinderheim kurte. Mit neun Jahren verstarb er aber leider.
Vater baute eine neue Arztpraxis auf und wurde Chefarzt im Sanatorium Florentinum, das auf seine Initiative hin von den Ingenbohler Schwestern erbaut und geführt wurde.
Ich war grade sieben Jahre alt und wurde in Arosa eingeschult. Aus der sechsten Klasse heraus kann ich mit zwölf Jahren in das Kolleg Stella Matutina der Jesuiten in Feldkirch. Während dieser Zeit bekam ich noch drei Geschwister: Albert, Doris und Ruth. Nach der Besetzung Österreichs durch die Nazis 1938 durfte das Kolleg nicht mehr weiter geführt werden. Da die österreichische Matura in der Schweiz nicht anerkannt wurde, bestand schon einige Zeit eine Vereinbarung mit dem Kolleg Spiritus Sanctus in Brig, das von weltlichen Geistlichen geführt wurde, dass die Schweizer die achte Klasse dort besuchten und so die schweizerische Matura machen konnten. So kam ich nach Brig, wo ich die beiden letzten Klassen besuchte und im Mai 1940 das Gymnasium mit einer Kriegs-Matura abschloss.
An den Universitäten war das Sommersemester schon angelaufen, das Wintersemester stand erst bevor. Einzig an der Universität Basel wurde das Semester noch angerechnet. So zog ich halt nach Basel, um mich möglichst schnell mit drei Freunden als „stud.med.“ einzuschreiben. Rückblickend muss ich sagen, dass ich wohl besser in dieser Zeit ein Praktikum oder einen Sprachaufenthalt besucht hätte.
Im Sommer 1940 machte ich die Sanitäts-Rekrutenschule, anschliessend die Unteroffiziers-Schule. Und später natürlich kam auch der Aktivdienst dazu. Das Studium war also von Anfang an bereits immer wieder unterbrochen. Da mein Vater ja auch in einer studentischen Verbindung war (als Fuxe Gründungsmitglied der Kyburger), war das für mich eigentlich selbstverständlich, dass ich es ihm gleich tue. So trat ich der akademischen Komment Verbindung Rauracia bei. An der GV des Schweizerischen Studentenvereins in Schwyz 1941 wurde ich in den Gesamtverein aufgenommen.
Nach dem ersten Propädeutikum wechselte ich an die Universität Zürich. Dort lebten meine Grosseltern mütterlicherseits zusammen mit meiner verwitweten Tante. Was lag da näher? In Zürich trat ich dann der akademischen Komment Verbindung Kyburger bei. Ich absolvierte dort nochmals ein Fuxen-Semester bis ich dann burschifiziert wurde. Natürlich kam immer beim Studium und selbst in den Ferien der Aktivdienst dazu. Ich war bei der Mot.Mitr.Kp.12 eingeteilt und somit auch beim Grenzschutz. Mit meinen knappen medizinischen Kenntnissen habe ich an die hundert Mann betreut. Zum Glück habe ich immer recht gehandelt. So kamen dann die Prüfungen für das zweite Propädeutikum. Und es hat dann halt nicht gereicht. Ich hätte nochmals wiederholen können, aber mir fehlten Mut und Elan.
So wechselte ich an die Höhere Handelsschule Dr. Raeber. Aber das befriedigte mich nicht ganz. Nach all den Jahren sollte ich doch einen akademischen Abschluss haben. Meine damalige Freundin arbeitete im Politischen Departement in Bern. Das legte mir den Gedanken nahe, dass der diplomatische Dienst mir eigentlich auch liegen würde. Die damalige Handelshochschule St. Gallen (heute Universität HSG St. Gallen) bot einen Lehrgang Aussenhandel und Konsulardienst an.
So immatrikulierte ich mich auf das Wintersemester 1945/46 hin an der Handelshochschule in St. Gallen. Es war das erste Semester in meiner Studienlaufbahn, das ich gleich von Anfang an voll besuchen konnte. Natürlich trat ich dann als reifer Bursche der akademischen Blockverbindung Bodania bei. Sie ist meine „Stamm“-Verbindung geworden. Als Fuxmajor versuchte ich 1948, den jungen Bürschchen den Komment und Anstand beizubringen.
Im Studienplan war ein halbjähriges Praktikum obligatorisch vor-gesehen. Und da machte ich den zweiten grossen Fehler. Anstatt mich beim Politischen Departement oder bei einem Konsulat um ein Praktikum zu bewerben, nahm ich, was ich bekam. Ein zwei-monatiges Praktikum bei einer Steinbruchfirma in Buchs, im Austausch mit einem Jugendlichen zwei Monate in einer Matratzenfabrik in Bruxelles und ebenfalls zwei Monate in einer Maschinenvertretung in Zürich.
Als ich im Wintersemester 1948/49 endlich mein Studium erfolgreich abgeschlossen hatte, stellte sich die Frage, wo bekomme ich eine Anstellung. Ich schrieb Bewerbungen um Bewerbungen, aber offenbar an die falschen Adressaten. Beim Bund war Personalsperre. (Später war ich zu alt.)
Durch Vermittlung der Freundin und späteren Gattin eines Bodaner Freundes bekam ich endlich eine Anstellung bei der Firma Christian Fischbacher Co. in St. Gallen als rechte Hand eines Abteilungsleiters. So kam ich in die Textilbranche. Als ich ein Angebot als Bürochef im Damenmodehaus Feldpausch in Zürich erhielt, zog ich auf den 1. September 1949 dorthin. Das Einkommen reichte endlich auch zur Heirat. Am 5. November 1949 vermählte ich mich mit Elsi Pfister, der filia hospitalis aus St. Gallen. Wir nahmen Wohnsitz in Wallisellen. Am 29. September 1950 schenkt mir Elsi eine gesunde, liebe Tochter, Elisabeth (Lisabeth, Eliza). Nach 7 Jahren bei Feldpausch machte ich einen einjährigen Abstecher in ein Warenhaus in Zürich als Chef der Damenabteilung. Das war eine hektische Zeit! Es zog uns zurück nach St. Gallen. Aber es war nicht das, was wir erwarteten. Etliche Wechsel im Bereich Textil brachten nicht den erwarteten Erfolg. Eher zufällig und mit ziemlich viel Skepsis nahm ich am 26. Oktober 1959 eine Stelle im Aussendienst der Generalagentur St. Gallen der Winterthur Leben an. Dank einem guten Chef und eigener Initiative kam ich bald zu Erfolg. Ich gehörte während der ganzen Aussendienstzeit zu den besten Produzenten. Anstatt Versicherungen zu „verkaufen“, versuchte ich durch Koordination und gute Beratung dem Kunden Sicherheit zu geben. Das führte mich schon früh zur heute üblichen Gesamtberatung. Auf den 1. Januar 1974 wechselte ich daher in die Abteilung Weitebildung, vor allem für Gesamtberatung der Aussendienst Mitarbeiter Leben auf die Generaldirektion in Winterthur (natürlich mit einer grossen Einkommensreduktion). Aber mir war der Job lieber ich, konnte recht davon leben. Am 1. Juli 1985 ging ich in Pension.
Die Zeit bei der Winterthur, besonders im Aussendienst, war meine beste Zeit. Das hat sich auch mit dem Verhältnis zur der Bodania bemerkbar gemacht. 1960 bis 1963 (?) war ich AHP. Ich habe dann jeweils das neue Komitee der Aktivitas zu einer Komitee Sitzung nach Hause eingeladen. Gemäss meinem Gästebuch war die erste Sitzung am 10.Juni 1956. Meine letzte Aufzeichnung stammt vom Wintersemester 1969/70. Wer dabei war, kann allerhand erzählen! Für mich war es der Kontakt mit der Jugend, der mich selber jung erhielt. Leider unterbrach dann dieser Kontakt mit der Aktivitas - und den AHAH - mit dem Wechsel der Arbeitsstelle nach Winterthur. Um 06.30 h aufstehen widersprach meiner Natur und am Abend um 18.30 h war ich zu müde, um noch auszugehen. So zerbrach mit der Zeit auch die engere Verbindung mit der Bodania. Ich war ja weder in Winterthur noch in St. Gallen richtig zu Hause. Ein Pendler zwischen zwei Städten.
Am 16. August 1999 traten meine Frau und ich in das Altersheim Rotmonten in St. Gallen Rotmonten ein. Noch hatten wir eine Anzahl gemeinsamer guter Jahre vor uns. Am 27. April 2009 wurde sie von ihren Schmerzen erlöst. Von da an war ich allein im Altersheim und versuchte, den Kontakt mit dem AH-Stamm im Papagei nach Möglichkeit zu pflegen.
Was ich nicht mehr kann ist, Allen zu danken, die mir in Freundschaft und Toleranz begegnet sind. Ich hole es aus der Ewigkeit nach.
Und nun trauert nicht, sondern freut Euch
mit mir, dass ich das letzte Ziel erreicht habe.
Ich warte auf Euch!
Nachwort
Dieses „Dokument“ darf verkürzt, verändert, ergänzt, (wohl lieber nicht verlängert,) werden. Es soll dem Trauerredner helfen, sich ein Bild von einem Menschen zu machen, der weder in der Politik, oder einer Partei, noch in der Wirtschaft eine grosse Rolle gespielt hat. Ich habe meine Arbeit seriös getan, hatte eine liebe Familie, die mir alles war und ich hatte am Schluss einen Job, der mir wirklich Freude bereitete.