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| Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Elftes Buch
21. Wie läßt sich die Zeit messen?
Ich habe vorhin gesagt: Wir messen die Zeit, indem [S. 289] sie vorübergeht, so daß wir zum Beispiel sagen können, dieser Zeitabschnitt ist im Vergleich zu jenem doppelt oder gerade so lang, und was wir sonst noch über die Teile der Zeit durch Messung bestimmen können. Deshalb, wie gesagt, messen wir die Zeit, indem sie vorübergeht. Und wenn mich jemand fragt: "Woher weißt du das?" so antworte ich ihm: "Ich weiß, daß wir sie messen; was aber nicht ist, können wir auch nicht messen, und Vergangenheit und Zukunft sind nicht". Wie aber messen wir die Gegenwart, da sie keine Ausdehnung hat? Wir messen sie also, wenn sie vorübergeht; ist sie aber vorübergegangen, so messen wir sie nicht, weil dann nichts mehr da ist, was gemessen werden könnte. Aber woher, auf welchem Wege und wohin geht sie vorüber, wenn sie gemessen wird? Woher anders als aus der Zukunft? Auf welchem Wege, wenn nicht durch die Gegenwart? Wohin, wenn nicht in die Vergangenheit? Aus dem also, was noch nicht ist, über das, was keine Dauer hat, zu dem, was nicht mehr ist. Was anderes aber messen wir, wenn nicht die Zeit in irgendeiner Ausdehnung? Denn wenn wir sagen: das einfache, das doppelte, das dreifache und ähnliches, so sagen wir das nur von der Zeit in ihrer Ausdehnung und Dauer. Mit welchem Zeitmaße messen wir also die vorübergehende Zeit? Etwa in der Zukunft, woher sie vorübergeht? Aber was noch nicht ist, können wir nicht messen. Oder in der Gegenwart, über die sie vorüberzieht? Aber was keine Dauer hat, messen wir nicht. Oder in der Vergangenheit, wohin sie vorübergeht? Aber was nicht mehr ist, können wir nicht messen.