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Um mit den Topnationen mithalten zu können, brauche die Schweiz mehr Spieler vom Format eines Mark Streit oder Martin Plüss. Diese Aussage hat Reijo Ruotsalainen an der Eishockey Weltmeisterschaft 2009 in Bern gemacht. Der Weltklasse-Verteidiger weiss wovon er spricht, der finnische Internationale hat mit dem SC Bern zwischen 1988 und 1992 drei Meistertitel geholt. Nach einer kurzen Rückkehr für 18 Spiele beim damaligen Zürcher SC beendete der hervorragende Schlittschuhläufer 1996 seine Schweizer Karriere. In der National-Hockey-League (NHL) bestritt der in Oulu geborene Finne zwischen 1981 und 1990, 532 Spiele (84 Tore, 75 Assists) für die New York Rangers, Edmonton Oilers und die New Jersey Devils. 1987 und 1990 gewann er mit den Oilers den Stanley-Cup, 1986 spielte er nach Jari Kurri als zweiter Finne an einem NHL All-Star-Game.
Im gleichen Jahr als Ruotsalainen 1977 als 17-Jähriger in der SM-liiga debütierte, erblickten die beiden von Ruotsalainen gelobten Schweizer Martin Plüss (5. April) und Mark Streit (11. Dezember) das Licht der Welt. Plüss und Streit gehören heute zu den weltbesten Spieler ihres Jahrgangs. Doch dies war nicht immer so.
Als Nachwuchsspieler nie erste Wahl
Ab 1995 wurde in der Schweiz ein inoffizielles Ranking mit den besten Nachwuchsspielern des Landes geführt. Plüss wurde damals noch nicht einmal unter den Top 21 Stürmer berücksichtigt. Ein Jahr später lag der Dielsdorfer immerhin auf Rang 14. Mark Streit wurde 1995 als 9. und 1996 als 7. Verteidiger, hinter Spielern wie Jerry Zuurmond oder Daniel Aegerter geführt.
An der U20 Weltmeisterschaft 1996 in Boston gehörten die beiden zwar zum berühmten Juniorenteam welches erstmals mit den ganz grossen (1:2 gegen Kanada) mitspielen konnte, die beiden waren (Jahrgänge 1976 und jünger) aber erst Ergänzungsspieler. Streit schoss in fünf Partien ein Tor, Plüss blieb blieb in sechs Spielen punktelos. Punktbester Schweizer mit Jahrgang 1977 war Grasshoppers-Stürmer André Baumann. Baumann beendete seine Karriere 1999 in der NLB bei Lausanne.
1997 erstmals im Rampenlicht
Ein Jahr später an der Junioren Heim-WM 1997 in Genf und Morges erreichten die beiden mit dem 7. Platz das bis damals beste Ergebnis einer Schweizer U20-Nationalmannschaft. Plüss lag hinter dem um zwei Jahre jüngeren damaligen Supertalent Michel Riesen schon an zweiter Stelle der internen Skorerliste. Streit schoss das erste Tor für die Schweiz beim wichtigen 1:1 gegen Tschechien und spielte sich als erst zweiter Schweizer, nach Pauli Jaks 1991, in ein U20 WM All-Star-Team.
Den Titel holten sich die Kanadier. Unter Headcoach Mike Babcock standen unter anderem Christian Dubé, Daniel Brière und der erst 18-jährige Joe Thornton im Weltmeisterteam von Genf. Im 22-Mann Kader des Weltmeisters standen 17 Spieler mit Jahrgang 1977, davon spielten 14 später in der NHL. Heute noch aktiv in der besten Liga der Welt ist aber nur noch, mehr schlecht als recht, Daniel Brière (Colorado Avalanche). Der zweite heute noch aktive Weltmeister ist Kanadas Junior des Jahres 1996, Christian Dubé (Fribourg-Gottéron). Die beiden Jahrhundert-Talente der 90er Jahre stehen heute in ihren Ligen nur noch im Schatten ihrer Altersgenossen Streit und Plüss.
Nur noch neun Spieler mit Jahrgang 1977 spielen in der NHL, in der Schweiz sind es nur noch fünf.
In der NHL sind heute (Stand März 2015) nur noch neun Spieler mit Jahrgang 1977 unter Vertrag. Die Verteidiger Zdeno Chara (Boston), Willie Mitchell (Florida), Stéphane Robidas (Toronto), Marek Zidlicky (New Jersey) und Mark Streit, sowie die Stürmer Kevyn Adams (Pittsburgh), Daniel Brière, Jarome Iginla (beide Colorado) und Shawn Thornton (Florida). Ausser vielleicht Jarome Iginla hat heute keiner nur annähernd eine so tragende Rolle wie Streit in Philadelphia. Dasselbe gilt für Martin Plüss in der Schweiz. Auch da ist die einzige Ausnahme ZSC-Lions-Captain Mathias Seger. Die weiteren 77er Dubé (wird er Sportchef in Fribourg?), Joël Kwiatkowski und Byron Ritchie haben ihren Zenit längst überschritten.
Dauerbrenner Streit und Plüss
SCB-Captain Plüss spielt mit 37 Jahren vielleicht so gut wie nie zuvor und erreicht seine zweithöchste Punktzahl (45 Punkte) in der Skorerwertung seiner ganzen NLA-Karriere. Nur 2001 war er noch besser (Nicht berücksichtigt sind die 50 Punkte aus der Saison 2006/07 in der schwedischen Elitserien bei Frölunda Göteborg). Der SCB-Teilzeit Captain und Topskorer ist auf und neben dem Eis immer noch der absolute Leader und wurde, nach 2001 und 2013, zum dritten Mal in seiner Karriere zum wertvollsten Spieler (MVP) der NLA gewählt.
Philadelphia-Assistenz-Captain Streit steht mit 37 Jahren unter den Top-12 aller NHL-Verteidigern und liegt aktuell nur drei Zähler hinter seinem Altersgenossen und Mittelstürmer Iginla in der Gesamt-Skorerwertung. Aktuell ist Streit der weltbeste Verteidiger in seinem Jahrgang und er gehört auf und neben den Eis zu den Führungspersönlichkeiten des Teams von Headcoach Craig Berube. Selbst die NHL-Werte Ruotsalainens hat Streit, mit Ausnahme des Stanley-Cup-Gewinns, längst geknackt – und aktiv ist er mindestens noch bis 2017 und steht dann in seinem 40. Lebensjahr.
Weitere 77er Jahrgänge in obersten Spielklassen
Jiri Burger (HC Vitkovice)
Ilya Gorokhov (Lokomotiv Yaroslavl)
Jochen Hecht (Adler Mannheim)
David Hruska (HC Karlovy Vary)
Petr Kadlec (HC Plzen)
Tomi Kallio (Växjö Lakers)
Alexei Kalyuzhny (Dinamo Minsk)
Ondrej Kratena (HC Plzen)
Ville Nieminen (Lukko Rauma)
Marcus Nilson (Djurgardens IF Stockholm)
Esa Pirnes (Kärpät Oulu)
Ales Pisa (HC Pardubice)
Jaroslav Roubik (HC Pardubice)
Radovan Somik (HC Pardubice)
Alexei Vasilyev (Lokomotiv Yaroslavl)
Lukas Zib (HC Vitkovice)