Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03565.jsonl.gz/2577

Im April 2009 sind kurz nacheinander Emil Schärer und Ljubo Zeljkovic gestorben. Während einigen Jahren gehörten beide zur Versandequipe des Friedensrates. Damals waren wir eine Gruppe von fünf bis sieben Leuten, die ich jeweils zwei- bis dreimal pro Jahr aufgeboten habe.
Emil war immer einer der ersten, der am Gartenhof erschienen ist, und oft auch einer der letzten, die ihn verliessen. Meistens führte Emil das grosse Wort; er liebte es sehr mit den Damen aus dem Säuliamt (Annemarie Gossweiler und Trudi Zeljkovic) über Frauenfragen zu streiten, wobei sich Annemarie und Trudi jedes Mal sehr geschickt verteidigten. Nach getaner Arbeit bei einem Bier hat mir Emil oft gesagt, wie er diese beiden Frauen schätze, weil sie sich gewehrt hätten. Er liebte es auch, den Geschäftsführer des Friedensrates herauszufordern. Etwa wenn er ihm jeweils erklärte, er solle doch die grossen Versände dem Behindertenwerk St. Jakob übergeben (was Peter Weishaupt inzwischen auch macht). Emil konnte aber auch innehalten und geniessen, wenn es in der Pause Tee und Trudi Weinhandls Kuchen gab. Emil Schärer trug zur guten Stimmung bei und hatte die Gabe, ein Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln.
Ljubo Zeljkovic kam weniger häufig, er sprang vor allem dann ein, wenn wir nur wenige waren. Im Unterschied zu Emil machte sich Ljubo kaum bemerkbar, er sass meistens am unteren Ende des grossen Tisches und arbeitete ruhig vor sich hin. Wenn die Rede auf Jugoslawien, seine ursprüngliche Heimat, kam, dann meldete er sich zu Wort und hatte dann und wann auch eine hitzige Auseinandersetzung mit Emil. Mich hat es aber oft gewundert, weshalb er in unserer Gruppe meistens so schweigsam geblieben ist, da ich ihn in seinem Hause im Säuliamt ganz anders erlebt habe. Dort diskutierten wir oft stundenlang über Gott und die Welt, wobei er seine Meinung vehement vertrat. Irgendwie spürte ich, dass er sich in einer Gruppe, wo sich ausser ihm nur Schweizerinnen und Schweizer zusammenfanden, fremd vorgekommen sein muss.
Trotzdem gehörte er zu unserer Versandequipe, ich habe ihn vermisst, wenn er nicht dabei war.
Die Versandgruppe des Friedensrates besteht seit wenigen Jahren nicht mehr. Ich habe Emil und Ljubo aber immer wieder privat getroffen und habe mit beiden noch viele schöne und interessante Stunden verbracht.
Mit Emil verbindet mich die kritische Haltung gegenüber den Linken in Zürich; und unvergesslich bleibt mir sein gewaltiger Einsatz für seine Ideen bis zu seinem Lebensende. Ljubo Zeljkovic habe ich als Aussenseiter unserer Konsumgesellschaft, die er anprangerte, wahrgenommen und fühlte mich ihm deshalb sehr nahe.
Jenny Heeb ist Vorstandsmitglied des Schweizerischen Friedensrates.
|Inhaltsübersicht||nächster Artikel|