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Laproskopie
Prostatektomie
Damals und Heute
Die endoskopische Technik wurde im 19. Jahrhundert mit der Erfindung des Zystoskops (Blasenspiegel) uraufgeführt. 1876 hatte sich Max Nitze Gedanken über die "Beleuchtung tief gelegener, mit der Aussenfläche durch lange und enge Kanäle verbundener Hohlorgane" (Harntrakt) gemacht und sie trotz technischer Schwierigkeiten und Widerstände der damaligen Zeit in die Tat umgesetzt. 1877 demonstrierte er dem königlichen sächsischen Landes-Medizinal-Kollegium sein erstes Zystoskop. 20 Jahre später wurde er in Wien von der Gesellschaft der Ärzte nach der Vorfüh-rung des Blasenspiegels mit Ehren überhäuft. Der Jubel verhallte recht schnell, weil die Handhabung für die damaligen Fachärzte so umständlich und zeitraubend war, dass sie sich mit dieser neuen Erfindung trotz Erfolgsaussicht nicht abfinden konnten. Heutzutage kann die Zystoskopie mittels flexiblen Instrumenten nahezu schmerzfrei durchgeführt werden.
Dank der hochentwickelten endoskopischen Technik ist die radikale Entfernung einer Prostata (operative Entfernung der nicht organüberschreitend, krebsartig veränderten Prostata) videogesteuert über durch die Bauchdecke eingeführte Arbeitshülsen möglich. Das Operationsfeld wird dabei bis 20 fach vergrössert auf einem Fernseh-monitor dargestellt.
Prostatakrebs
Beim Prostatakrebs handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Prostata, der unbehandelt, vor allem beim 50-70 jährigen Mann, meist einen die Lebensqualität beeinträchtigenden Verlauf zeigt. Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden beim organbegrenzten Prostatakrebs verschiedene Therapieformen entwickelt und bestehende Techniken optimiert. Die Evaluierung und Etablierung neuer, innovativer Behandlungsmethoden messen sich an dem seit Jahrzehnten angewendeten offenen chirurgischen Verfahren, das ebenfalls operationstechnisch dauernd verbessert wurde.
Nachdem Schuessler und seine Mitarbeiter 1991 - 1995 in den USA nach 9 durchgeführten laparoskopischen Operationen wegen erheblichen technischen Schwierigkeiten keine weiteren Eingriffe planten wurde die Operationstechnik 1998 in Frankreich von Guillonneau und Vallancien und Abou und Mitarbeiter wieder aufgegriffen und perfektioniert. Seither wird in Europa in zahlreichen Kliniken die laparoskopische Prostataentfernung routienemässig als minimal invasives Verfahren erfolgreich durchgeführt. Den Nachteilen dieser Technik, wie teure Investitionen und eine anspruchsvolle Lernphase, steht eine Vielzahl von Vorteilen gegenüber.
In der Klinik Lindberg wurden seit dem August 2000 bis Ende 2006 > 200 radikale Prostataoperationen laparoskopisch durchgeführt. 95 Prozent der Patienten waren nach 6 Monaten normal kontient.
Operationstechnik
Bei der laparoskopischen Prostataentfernung befindet sich der Patient in entspannter Rückenlage. Für den operativen Eingriff werden fünf 5-Arbeitshülsen (Trokare) durch die Bauchdecke in die Bauchhöhle eingeführt. Durch die erste, offen operativ einge-führte Hülse kann nach dem Auffüllen der Bauchhöhle mit Kohlensäuregas über ein optisches Instrument, das mit einer 3-Chip-Kamera verbunden ist, die Bauchhöhle betrachtet werden. Die übrigen vier Arbeitshülsen können so unter Sicht (via Fern-sehmonitor) installiert werden. Bei exzellenter Sicht (HD-Technik) bei bis 20 facher Vergrösserung kann nun der operative Eingriff erfolgen. Der operierende Arzt wird von einem Assistenten unterstützt. Der allgemein narkotisierte Patient wird während dem normalerweise drei- bis fünfstündigen Eingriff von einem Anästhesieteam be-treut. Nach der Operation wird der Patient während 24 Stunden in der überwa-chungsstation weiter betreut und anschliessend auf die Bettenstation verlegt. Falls keine Komplikationen auftreten, kann der Patient vier bis fünf Tage nach der Opera-tion nach Hause entlassen werden.
Vorteile der laparoskopischen Methode sind für den Operateur die exzellente intrao-perative Übersicht und Detailerkennung. Für den Patienten sind bei der laparoskopi-schen Methode der geringe Schmerzmittelbedarf, der minimale Blutverlust, die ver-minderte Operationsbelastung sowie die kurze Hospitalisations- und Rekonvales-zenzzeit vorteilhaft.
Zystektomie
Zystektomie an der Klinik Lindberg
Seit dem August 2000 sind in der Klinik Lindberg urologische Eingriffe mit minimal-invasiven Operationstechniken möglich. Seither werden Erkrankungen von Niere, Harnleiter, Blase und Prostata routinemässig mittels Laparoskopie (Bauchspiegelung) ohne Schnitt durchgeführt. Voraussetzung dafür ist die Ausstattung mit modernstem Instrumentarium.
Am 01.02.2007 wurde in der Klinik Lindberg erstmals eine komplette Entfernung der Blase und Prostata (radikale Cystoprostatektomie) und ebenfalls erstmals komplett laparoskopisch die Anastomosierung (Anschluss) der Ureter (Harnleiter) und der Urethra (Harnröhre) an den Pouch (Ersatzblase) durchgeführt. Lediglich die Komplementierung des Pouch erfolgte über eine 5cm lange Minilaparotomie (Bauchschnitt), die selbst für die Entfernung des Operationspraeparates (Blase und Prostata) notwendig war.
Der Patient war nach 24 Stunden ohne Medikamente schmerzfrei. Die Harnleiterschienen konnten am 10. postoperativen Tag bei radiologisch dokumentierter intakter Anastomose (Ureter-Pouch) und der Pouchkatheter am 11. postoperativen Tag entfernt werden. Der Patient konnte am 14. postoperativen Tage in gutem Allgemeinzustande nach Hause entlassen werden.
Technik
- Einbringen von 5 Arbeitshülsen durch die Bauchdecke. Auffüllen des Bauchraumes mit CO2 Gas.
- Operatives Darstellen der Samenleiter, der Samenblasen und der Prostatarückfläche über eine Eröffnung des Bauchfells unterhalb der Harnblase. Entfernung der iliakalen Lymphknoten.
- Darstellen der Ureter, der Prostata und Durchtrennen der Prostatapfeiler und Blasenpfeiler. Die zuführenden Blasengefässe werden geklippt und durchtrennt. Die Ureter werden geklippt und durchtrennt. Schnellschnittuntersuchung der Ureter.
- Inzision der endopelvinen Faszien und Praeparation der lateralen Blase und der Prostata.
- Dissektion der Blase von der Bauchdecke, inclusive Urachus und Umbilikalligamenten.
- Ligatur und Durchtrennung des Santorini plexus und der Urethra.
- Das Zystoprostatektomiepraeparat wird in einem Lap Sac im Oberbauch parkiert.
- Der linke Ureter wird unter dem Sigmamesenterium nach rechts geführt.
- Separation von 60 cm Ileum, Seit-zu-Seit-Anastomose des Ileum zur Wiederherstellung der Dünndarmkontinuität mit Endo-GIA.
- Implantation der Ureter an den afferenten Schenkels des ausgeschalteten Ileums nach Wallace.
- Entfernung des Operationspraeparates über eine 5 cm lange mediane Laparotomie. Bildung des Studer Ileumpouchs nach extrakorporal.
- Verschluss der Laparotomie nach Rückverlegung des Pouchs.
- Intrakorporale Anastomose des Pouch zur Urethra mit einer fortlaufenden Naht.
Der Eingriff wurde mit der 5 mm Harmonic Shears Ultracision Ethicon und mit dem 5 mm Endo-LigaSure Tyco Healthcare Switzerland Ltd durchgeführt.