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Bereits in einem früheren Artikel wurde gezeigt, dass die Chancen der Suche nach Ausserirdischer Intelligenz (SETI) auf Erfolg äusserst klein sind. In diesem Artikel soll eine Strategie entworfen werden, die langfristig mehr Aussicht auf Erfolg hat.
Der Erfolg bei der Suche nach Ausserirdischer Intelligenz ist nicht schnell zu haben. Die Chancen, dass wir ihn noch erleben, sind äusserst klein. Das Hauptproblem von SETI ist, dass dabei nach zufällig oder absichtlich ausgesandten Signalen ausserirdischer Zivilisationen gesucht wird, die ihren Weg zu uns gefunden haben: „normale“ Signale wie unsere TV-Sendungen legen aber nur wenige dutzend Lichtjahre zurück, bevor sie so schwach geworden sind, dass sie im normalen Hintergrundrauschen verschwinden. Verstärkte Signale haben den Nachteil, dass sie enorm viel Energie verbrauchen: ein Signal, das stark genug ist, um alle Sterne der Galaxis zu erreichen, würde rund 10000 mal mehr Energie verbrauchen, als die gesamte Menschheit heute verbraucht. Die Frage ist nicht nur, ob eine Zivilisation die Fähigkeit erlangen würde, so viel Energie für ein solches Projekt zur Verfügung zu stellen, sondern auch, ob sie dies denn auch wirklich wollen würde – denn welchen Vorteil hätte sie davon, anderen Zivilisationen, die im Vergleich zu ihr selbst unglaublich unterentwickelt wären, mitzuteilen, dass es da noch andere gibt? Weiter müsste das Projekt des galaktischen Rundumsenders über Jahrzehntausende aufrecht erhalten werden, um überhaupt Aussicht auf Erfolg zu haben.
Kürzlich wurde vorgeschlagen, ausserirdische Zivilisationen könnten ihr Wissen über das Universum nutzen, um nur ganz spezifische, „lebensfreundliche“ Systeme anzufunken und dadurch Enerige zu sparen. Doch damit wird das ganze auch nicht besser: wonach beurteilt man „lebensfreundliche“ Systeme? Nach den eigenen Kriterien? Und das Hauptproblem bleibt bestehen: Es wird eine gewaltige Menge Energie für ein Projekt verschwendet, dessen Aussichten auf Erfolg äusserst begrenzt sind. Denn selbst wenn das Signal von einer Zivilisation aufgefangen wird, ist das noch lange keine Garantie dafür, dass diese auch antwortet, oder dass diese, wenn die Antwort eintrifft, überhaupt noch existiert.
Einen viel effektiveren Weg zur Kontaktaufnahme mit fremden Zivilisationen dachte sich der ungarisch-deutsch-amerikanische Mathematiker und Physiker John von Neumann aus (obwohl es ihm weniger um die Kontaktaufnahme als viel mehr um die Erforschung der Galaxis ging). Seine später nach ihm benannten „Von-Neumann-Sonden“ sind kleine, unbemannte Raumschiffe, die in der Lage sind, aus typischen Rohstoffen, die man in Sternsystemen findet, Kopien ihrer selbst zu erstellen. Diese Raumsonden könnten natürlich fast beliebig gross sein (zumindest so gross, wie nötig ist, um ihre Replikationsfähigkeit sicherzustellen), sie sind idealerweise aber sehr klein. Eine erste solche Sonde würde zu einem nahe gelegenen Stern geschickt, wo sie mindestens zwei (idealerweise mehr) Kopien ihrer selbst erstellt und diese wiederum zu den nächsten Sternen schickt. Danach erforscht sie das Sternsystem und schickt alle Daten zur Erde zurück. Später wäre es auch möglich, mit Hilfe dieser Sonden ein interstellares Datennetzwerk aufzubauen. Diese Raumsonden würden natürlich relativ langsam unterwegs sein – aber mit zunehmender Zeit würde ihre Anzahl stetig zunehmen. Aus zwei Sonden würden vier, dann acht, dann sechzehn… Nach Jahrtausenden könnte die Menschheit mit den Signalen von Tausenden von Raumsonden in Tausenden von Sternsystemen rechnen. Der Aufwand, eine erste Sonde zu bauen, mag gross sein, von den Erträge daraus würden unsere Nachfahren aber noch Jahrtausende oder Jahrmillionen lang ernten können.
Welches sind nun die Vorteile eines solchen Netzwerkes? Erst einmal würden wir über die einströmenden Informationen ein gewaltiges Wissen über das Universum anhäufen, ohne jemals ein bemanntes Raumschiff aussenden zu müssen (was ohnehin vermutlich nie geschehen wird). Weiter wäre es natürlich denkbar, eines Tages künstliche Intelligenzen oder „Uploads“ (selbstlaufende Simulationen von menschlichen Gehirnen) in solche Systeme zu schicken. Diese könnten dann vor Ort in neue Körper eingelesen werden und dann das System besiedeln – ohne jemals den Fuss in ein interstellares Raumschiff setzen zu müssen.
Doch das Netzwerk aus Von-Neumann-Sonden würde sich auch zur Suche nach ausserirdischer Intelligenz eigenen. Erst einmal, ganz trivial, weil jeder lebensfreundliche Planet von Anfang an auffallen würde und beobachtet werden könnte – lange bevor sich Intelligenzen oder Zivilisationen entwickeln. Weiter könnte jede Von-Neumann-Sonde ein kleines SETI-Radioteleskop bauen, das die Sterne im Umkreis von einigen Dutzend Lichtjahren (der Reichweite von „normalen“ Kommunikationssignalen ausseriridischer Zivilisationen) absuchen – eine Entdeckung könnte dann auf jeden Fall mit Lichtgeschwindigkeit nach Hause gemeldet werden. Wird tatsächlich einmal eine ausserirdische Zivilisation entdeckt, so kann mit ihr Kontakt aufgenommen werden – ohne dabei den Heimatplaneten zu „verraten“ (Ich glaube zwar nicht, dass fremde Zivilisationen sich den Aufwand machen würden, einen weit entfernten Planeten zu erobern (wozu auch?), aber diese Vorsichtsmassnahme kann später immer noch aufgehoben werden – ein Luxus, der bei der herkömmlichen Funkerei a la SETI nicht gegeben ist). Die Existenz einer ausserirdischen Zivilisation würde nach einer Zeit bekannt, die dem Abstand der Zivilisation zur der Erde in Lichtjahren entspricht – im Gegensatz zur doppelten Zeit, die die Zweiwegkommunikation bei SETI brauchen würde.
Tatsächlich könnte es natürlich umgekehrt auch sein, dass unser eigenes Sonnensystem tausende von ausserirdischen Raumsonden enthält, die ihren Weg von anderen, möglicherweise längst vergangenen ausseriridischen Zivilisationen hierher gefunden haben. Nehmen wir an, dass alle ausserirdischen Zivilisationen, die seit dem Anfang des Universums in unserer Galaxis existiert haben, die Effizienz von Von-Neumann-Sonden erkannt haben (und solche Sonden auch tatsächlich möglich sind, wovon ich ausgehe), dann dürften wir in unserem Sonnensystem ebensoviele Von-Neumann-Sonden finden wie Zivilisationen existiert haben. Im schlechtesten Fall sind das keine oder einzelne, im besten Fall Tausende oder Millionen. Die Suche nach ihnen (mit welchen Mitteln?) könnte uns die Frage nach der Existenz früher beantworten als das Jahrtausendelange horchen in den galaktischen Radiohimmel.