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PD Dr. habil. Dmitri Zakharine
Fachberatung: Prof. Dr. Barbara Flückiger
Laufzeit: 1.10.2007 bis 28.02.2010
Bereits kurz nach der Einführung der ersten experimentellen Tonfilme in die sowjetische Filmkultur (1929) wiesen westliche und russische Filminterpreten darauf hin, dass der sowjetische Tonfilm sich im Hinblick auf seinen Charakter und seine Aufgaben von den deutschen, französischen und amerikanischen Prototypen prinzipiell unterscheide. Während im Westen dem Sprechfilm und dem Musical eine herausragende Bedeutung zukomme, spezialisiere sich die Tonfilmkunst der Sowjetunion mehr auf die Abbildung der Geräuschkulisse des heroischen Industriealltags. Eine prominente Rolle spielen dabei industrielle Metallgeraeusche und gemeinschaftsstiftende Appellsignale, wie Massenapplaus, Fabriksirenen und Hupen. Bis in die späten 1980er Jahre hinein füllten Tonbilder mit Darstellungen von Hydraulikpressen, Dresch- und Dampfmaschinen, Gusseisenschienen und Eisenräderndie Programme von öffentlichen Nachrichtensendungen in der Sowjetunion. Die Frage nach der kollektiven Akzeptanz solcher Bilder bleibt heute noch weitgehend offen. Es ist zu bezweifeln, dass die bemerkenswerte Nachhaltigkeit in der medialen Abbildung industrieller Klanglandschaften mit einer politisch gerahmten Kritik an westlichen Unterhaltungsmedien produktiv erklärt werden kann. Am Beispiel von audio-visuellen Experimenten in der sowjetischen offiziellen Kultur untersucht man die Rolle von sozialen Selektionsmechanismen, die bestimmen, auf welche Art und Weise flüchtige Hörereignisse in der Gesellschaft abgefangen, mit Bedeutung gefüllt, mit Bildern montiert und danach filmisch vermittelt werden. Der Schwerpunkt der Untersuchung bezieht sich auf die Frage danach, inwiefern archaische (z.B. mythisch-religiöse) Interpretationsmuster im Bereich der Laut-und Stimmenwahrnehmung ihre Wiederkehr im Klangsymbolrepertoire des nationalen Mainstream-Films, der vertonten Dokumentarchronik", etc. erfahren können.
Das Projekt wurde gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung.