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Das Quartett, bestehend aus dem Gewerkschaftsbund UGTT, dem Arbeitgeberverband Utica, der Menschenrechtsliga LTDH und der Anwaltskammer, war nach grossen sozialen Unruhen im Sommer 2013 gegründet worden und hatte einen friedlichen politischen Prozess in Gang gebracht.
Das norwegische Nobelpreiskomitee lobte Tunesien mit Blick auf die Flüchtlingskrise als gutes Vorbild. “Im Sommer 2013 stand Tunesien am Rand eines Bürgerkriegs”, sagte Jurychefin Kaci Kullmann Five bei der Verleihung im Rathaus.
“Das resolute Eingreifen des Quartetts hat dazu beigetragen, die Spirale der Gewalt zu stoppen und die Entwicklung in eine friedliche Spur zu bringen.” Ihre Vielfalt habe den Organisationen ermöglicht, die treibende Kraft hinter der Demokratisierung des Landes zu werden.
Der norwegische Aussenminister Børge Brende sagte: “Ich hoffe, dass das, was man in Tunesien geschafft hat, andere Länder im Mittleren Osten inspiriert, die sich weiter entwickeln wollen.”
Von Tunesien war vor knapp fünf Jahren der sogenannte Arabische Frühling ausgegangen. In der jüngeren Vergangenheit wurde das Land von mehreren Anschlägen erschüttert.
Bei einem Anschlag auf das Bardo-Nationalmuseum in der Hauptstadt Tunis wurden am 18. März ein Polizist und 20 Touristen getötet. UGTT-Generalsekretär Houcine Abassi kündigte an, dass die Medaille des Friedensnobelpreises im Bardo-Museum ausgestellt werden solle.
“Der Preis wird nicht nur an das Quartett verliehen”, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Auszeichnung gebühre den Opfern des Aufstands und der Anschläge, den Frauen und der Jugend Tunesiens, den politischen Parteien und dem gesamten Volk.
Abassi verurteilte im Weiteren “barbarische und boshafte Terrorakte” in der ganzen Welt – in Frankreich, im Libanon, in Ägypten und in Mali. “Wir werden weiter für unser Land arbeiten und auf Dialog und Konsens als einen Weg setzen, um Schwierigkeiten zu überwinden”, schlossen die Preisträger ihre Rede.
Seit der Zuerkennung des Preises Mitte Oktober hat der Friedensprozess in Tunesien nicht zuletzt durch Terroranschläge Rückschläge erlitten. Ein Selbstmordangriff auf die Präsidentengarde führte Ende November dazu, dass der Ausnahmezustand ausgerufen wurde.
Tunesien kämpft zudem mit grossen wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Wegen eines seit Wochen schwelenden Tarifkonflikts reisten die tunesischen Gewerkschafter und der Arbeitgeberverband sogar zerstritten zur Nobelpreisverleihung an.
Dieser Herausforderungen sei sich die Jury bewusst, sagte Kullmann Five. Aber: “Wir hoffen, dass der Friedensnobelpreis dazu beiträgt, dass es keine Rückkehr zu dem Tunesien gibt, das vor der Demokratisierung existiert hat.” Die internationale Gemeinschaft trage einen Teil der Verantwortung und müsse in Tunesien investieren.
Am Nachmittag werden in Schwedens Hauptstadt Stockholm auch die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaft verliehen werden. Bis auf den Wirtschaftspreis gehen alle Auszeichnungen direkt auf das Testament Nobels zurück.
Der Wirtschaftspreis wurde im Jahr 1968 von der Schwedischen Reichsbank zum Gedenken an Nobel ins Leben gerufen und ein Jahr später erstmals verliehen.
(SDA)