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Wie sieht ein religiöses Ritual in einer Glaubenstradition aus, die das „äussere“ Verhalten klar dem „inneren“ Erleben unterordnet (und somit Ritualität grundsätzlich beargwöhnt)? Und: Wie sehen traditionelle religiöse Rituale in einem kulturellen Umfeld aus, in welchem sowohl Ritualität als auch religiöse Überzeugungen starken Veränderungen unterworfen sind?
In meiner Studie möchte ich den reformierten Gottesdienst als zeitgenössische rituelle Gattung untersuchen. Die reformierten Kirchen der Schweiz kennen keine verbindlichen Agenden und verwenden sehr unterschiedliche liturgische und profane Formate in ihren Gottesdiensten. Die Studie versucht, lokale Gemeindepraktiken im Umgang mit dieser liturgischen „Freiheit“ zu beschreiben. Konkret fragt sie, auf welche Weise reformierte Gemeinden Sonntag für Sonntag ihre zentralen Veranstaltungen zu religiösen Ritualen machen.
Die Studie versucht, im Gegensatz zur vorwiegend normativ-präskriptiv argumentierenden Liturgik, vorderhand eine empirische Beschreibung typischer reformierter Gottesdienste zu liefern. Dabei stützt sie sich auf Videoaufnahmen aus ausgewählten Gemeinden in unterschiedlichen Landesteilen, Beobachtungsnotizen und video-basierte Interviews mit am Gottesdienst Beteiligten. Sie entwickelt ihre Typologie im Gespräch mit sozialanthropologischen und mikrosoziologischen Ansätzen zu zeitgenössischen Ritualen (insbesondere R.L. Grimes und R. Collins).
Zuletzt erörtert sie in Auseinandersetzung mit liturgischen Entwürfen Möglichkeiten und Grenzen eines liturgischen Aufschwungs im landeskirchlich-reformierten Umfeld.