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Nicolas Galeazzi: Puppen einer Aufführung – Leonce und Lena

Nicolas Galeazzi “Leonce und Lena” ( Die Wetten von Zürich)
Zürich 1836:
Despotie einer kleinen Clique von Aristrokraten. – Die Opposition kämpft gegen „ungerechte Centralisationslust“ ! Kulturelle Desorientierung. Massive soziale Spannungen.
Anfang 1835 weiteten sich die polizeilichen Nachforschungen immer mehr aus, so dass ständig die Gefahr drohte, dass sie auch auf Büchners Spur führen würden; im Januar 1835 wurde Büchner zweimal als Zeuge vor den Untersuchungsrichter des Kriminalgerichtes nach Offenbach geladen. Von intensiven philosophischen Studien zeugen umfangreiche Exzerpte und Notizen; die naturwissenschaftlichen Studien führten zu einerDissertation ‘Über das Nervensystem der Barben’ , für die ihn die Straßburger naturwissenschaftliche Gesellschaft zum korrespondierenden Mitglied machte und für die er im Herbst 1836 von der Universität
Zürich die Doktorwürde erhielt.
Die Universität Zürich bot ihm auch eine Dozentenstelle. Bei der Übersiedlung in die Schweiz hatte der passlose Emigrant Büchner einige Schwierigkeiten.
Im Oktober 1836 konnte er nach einer Probevorlesung ‘Über Schädelnerven’ seine Tätigkeit in Zürich aufnehmen; er las im Wintersemester über vergleichende Anatomie der Fische und Amphibien und plante für den Sommer eine Philosophie -Vorlesung.
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Wie konnte Büchner in Zürich lebend nur in dieser Zeit so ein Stück schreiben ?
Was diese Leute nicht alles aus Langeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie verlieben, verheiraten und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich aus Langeweile, und das ist der Humor davon – alles mit den wichtigsten Gesichtern, ohne zu merken, warum, und meinen Gott weiß was dazu.
Leonce & Lena Zürich 2000 Mit dem Mittel der Provokation und Irritation will sich Nicolas Galeazzi den Forderungen und Erwartungen der breiten Gesellschaft widersetzen. Dies wiederum erwartet Offenheit von Seiten der Gesellschaft.
Mit der Produktion „Leonce & Lena“ nach Georg Büchner zum Beispiel, installiert und aufgeführt im Februar/März 2000 in Zürich, Winterthur und St. Gallen, in dem er Regie führte, hat er provoziert und irritiert. Wer von den Betrachtenden das Lustspiel Leonce und Lena kannte und mit etwas ähnlichem rechnete, musste ein grosses Abstraktionsvermögen an den Tag legen, um mit dem Vorgehen im Raum und der eigenen Vorstellung den Einklang zu finden oder gar die Personen Leonce, Lena, König Peter Rosetta, Valerio und die Gouvernante im Stück zu erkennen. Es war nicht der Originaltext von Büchner, der gesprochen wurde. Nicolas Galeazzi hat ihn als Vorlage genommen und mit den mitwirkenden SchauspielerInnen und weiteren Beteiligten verfremdet. Wenn Büchner Leonce sagen liess: „Mein Leben gähnt mich an wie ein grosser weisser Bogen Papier, den ich vollschreiben soll, aber ich bringe keinen Buchstaben heraus.“, gab Nicolas Galeazzi in seiner theatralen Ausstellung dem Motiv Langeweile die Form von immer wiederkehrenden, scheinbar gleichmässigen Tagesabläufen. Diese waren eine unendliche Gleichzeitigkeit von Ton, Bild und Spiel, die an die Betrachtenden hohe Anforderungen stellte; Musik, bildende Kunst, Video, Schauspiel und Publikum waren in einem Raum. Manch ein/e Zuschauer/in hatte Mühe, sich im Raum zurechtzufinden, Anschluss zu finden, denn es war unmöglich, das gesamte Geschehen verfolgen zu können. Wer es schaffte, den Anspruch von geordneter zeitlicher Abfolge an Theater aufzulösen, begegnete vielleicht sich selbst oder aus dem Leben gegriffenen Situationen und begann folglich über die Trägheit der Gesellschaft nachzudenken.
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Szenario eins: Nicolas Galeazzi , der Regisseur einer frei zusammengestellten Theatergruppe, hat während den Vorbereitungen zu einem Theaterstück, das gleichzeitig eine Rauminstallation werden soll, ziemliche Geldsorgen. Es finden sich nur sehr schwer Geldgeber, denn oft verlangen diese Spielbestätigungen. Wie Spielbestätigung angeben, wenn die Räume, oft zu teuer fürs vorgesehene Budget, noch nicht gemietet sind?
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Szenario zwei: Während der Entstehung eines Stückes, in dem vier SchauspielerInnen gegenseitig Regie führen, bekommt der Schauspieler U. das sensationelle Angebot, unverzüglich nach Wien zu reisen, um in einem Stück am Burgtheater mitzuwirken. Ratlosigkeit, aber Verständnis der anderen Drei und er geht.
Szenario drei: Der Raum, den die Choreographin für das Projekt mit Musikerinnen, Tänzern und der Videokünstlerin versprochen bekommen hat, wird kurzfristig („lukrativeres Geschäft“) anderweitig vermietet. Die Suche beginnt von Neuem, alle anderen Räume sind zu teuer, die ihr bekannten Geldgeber ausgeschöpft.
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Nicolas Galeazzi’s Biographie findest Du hier