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| Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)

Neunte Unterredung, welche die erste des Abtes Isaak ist, über das Gebet.
31. Ausspruch des Abtes Antonius über den Zustand des Gebetes:
Damit ihr nun den Geist des wahren Gebetes erfasset, will ich euch nicht meine, sondern des hl. Antonius Lehre vortragen. Wir wissen, daß dieser oft so sehr im Gebete verharrte, daß er häufig, wie wir hören, in seiner Gebetsverzückung, wenn die aufgehende Sonne sich auszugießen anfieng, voll Glut des Geistes ihr zurief: „Was hinderst du mich, o Sonne, die du nur dazu aufgehst, um mich von der Klarheit dieses wahren Lichtes abzuziehen?“ Von ihm stammt nun auch diese himmlische, mehr als menschliche [S. 571] Lehre über das Ziel des Gebetes, indem er sagt: „Es ist kein vollkommenes Gebet, solange der Mönch noch ein Bewußtsein von sich oder von dem Gegenstande seines Bittens hat.“ Damit nun auch wir nach der Schwäche unseres Geistes dieser wunderbaren Lehre Etwas zuzufügen wagen, wollen wir die Kennzeichen des Gebetes, das vom Herrn erhört wird, nach unserer Erfahrung, darstellen.