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Auf den Spuren des Hasen
An Hand von Spuren lassen sich in bestimmten Fällen Lebensabschnitte, Verhaltensweisen und Gewohnheiten von Tieren rekonstruieren. So geschah es, als ich einmal im Winter im Walde von Ardon nach Spuren von Wildkaninchen suchte, dass ich plötzlich einen lagernden Hasen aufstöberte. Um ihn nochmals zu sehen, folgte ich seinen Sprüngen. Meines Erfolges sicher, drang ich mit gesenktem Haupt in die verschneiten Reben ein; doch plötzlich - welche Überraschung — teilte sich die Spur nach links und rechts in zwei senkrecht zur bisherigen Spur verlaufende Zweige, wie die Arme eines T. Da ich rechts in eine Sackgasse lief, wählte ich die linke Seite und - neuerliche Überraschung: auch das war eine Sackgasse. Verwirrt, wie ich war, blieb mir nichts anderes übrig, als mit wachem Auge nochmals von vorne zu beginnen. Da entdeckte ich den Trick des Hasen: Er war offensichtlich dreimal umgekehrt und dann im rechten Winkel, mit einem Satz von nahezu vier Metern aus seiner Spur gesprungen, um sich an einem neuen Ort zu verstecken. Vielleicht tut er ein Gleiches im Sommer; wer aber könnte dieses Verhalten beobachten, wenn nicht der Jäger, der aufmerksam den Lauf seines Hundes verfolgt, der seinerseits aber auch oft getäuscht wird!
Tiere der Steppe
Der Feldhase ist ein Tier des offenen Geländes, der lichten Wälder und der Waldränder. Er erlebte seine Glanzzeit, als ihm die herkömmliche Landwirtschaft noch ideale Biotope mit Unterschlupfin Hecken, Gräben und Böschungen zwischen Feldern und mit ausserordentlich abwechslungsreichem Futter auf dem Schachbrett der Wiesen, Weiden und Kulturen bot.
Trotz den Veränderungen in der Landschaft ist der Feldhase im ganzen Kanton noch präsent, unterhalb 2000 bis 2200 m ü. M., von der Furka bis zum Genfersee, in wechselnder Anzahl je nach Orten und Jahren. Schöne Populationen wie jene im Pfynwald, der zweifellos die grösste Population in der Rhoneebene beherbergt, leben an den Hängen von Bergji-Platten bei Leuk. Auch die noch durchwegs traditionell bewirtschafteten Gebiete von Savièse, Chermignon-Lens, dem Eringtal und dem Entremont-Tal sind noch gut besiedelt.
Schweizerischer Rekord: Drei Hasenarten
Das Wallis beherbergt drei Hasenarten: das kleine Wildkaninchen, den Feldhasen und den Schneehasen. Mit ein wenig Übung kann man sie an ihren Spuren erkennen.
Das Wildkaninchen lebt in der Schweiz nur an fünf Orten, die sich durch ein eher warmes, trockenes Klima auszeichnen: in der Landschaft südlich von Genf, auf der Petersinsel, in der Region von Basel, in der Magadino-Ebene und im Wallis. In diesen Regionen ist es an leichte, sandige, unschwer aufzugrabende Böden gebunden. Bei uns bewohnt die Art nur ein ganz kleines Territorium zwischen der Lizerne und der Morge, auf dem rechten Rhoneufer, wo sie sich dank dem Gehölz an der Lizerne und am Rhoneufer gut zu halten scheint. Von der letzten Eiszeit war sie auf die Iberische Halbinsel abgedrängt worden. Seit 1100 v. Chr. hat der Mensch für eine neuerliche Verbreitung des Wildkaninchens gesorgt. Im Wallis wurde es aus Jagdgründen zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeführt. Der Winter bietet Gelegenheit, seine Spuren zu verfolgen, die eine Miniaturausgabe der Hasenspuren sind, und seine Losung zu entdecken. In dieser Jahreszeit benagt es oft die Rinde der Bäume am Rhoneufer, nämlich Weiden und Zitterpappeln und, wenn diese fehlen, auch der Obstbäume. Da es in der Helle des Tages sein Erdloch nicht verlässt, kann es nur von Nachtschwärmern beobachtet werden.
Der Feldhase ist viel weiter verbreitet, denn er bewohnt das ganze Wallis. In den Trockengebieten des Kantons, zum Beispiel in Tignousa ob St. Luc, dringen liebestolle Verfolgungsjagden auf 2000 m ü. M. ins Reich des Schneehasen vor. Die Zone, in der sich die Lebensräume der beiden Arten berühren oder überschneiden, liegt im Winter tiefer, im Sommer höher. Sie scheint durch klimatische Bedingungen bestimmt zu sein, welche die aufwendige und auffällige Überlebensstrategie des Feldhasen in kalten Höhenlagen verunmöglichen.
Der Schneehase, der ebenfalls im ganzen Kanton vorkommt, belegt ein Verbreitungsgebiet, welches dasjenige seines braunen Vetters ergänzt, lebt er doch vorwiegend in Räumen über der Baumgrenze. In der sich kaum verändernden Gebirgswelt scheint er stabile Bestände zu halten.
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