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Im 18. Jahrhundert war die Textilwirtschaft die führende Arbeitgeberin in der Schweiz und in vielen Ländern. Fast jede Familie war in die Produktion von Rohstoffen und Geweben, dem Besticken oder Vernähen, involviert.
Das erklärt, weshalb unzählige Begriffe und Redewendungen aus der Welt des Textilen zu sprachlichem Allgemeingut geworden und noch heute im Gebrauch sind.
Zwei mögliche Ursprünge:
– Der Ariadnefaden war der griechischen Mythologie zufolge ein Geschenk der Prinzessin Ariadne, Tochter des kretischen Königs Minos, an Theseus. Mit Hilfe des Fadens fand Theseus den Weg durch das Labyrinth, in dem sich der Minotauros befand. Nachdem Theseus den Minotauros getötet hatte, konnte er entlang des Fadens das Labyrinth wieder verlassen. Der Hinweis für die Verwendung des Fadens stammte von Daidalos (deutsch: Dädalus), der auch das Labyrinth entworfen hatte.
Wenn man einen Irrgarten betritt und von Beginn an einen Faden abrollt, um so seine zurückgelegte Strecke zu markieren, kann man jederzeit ohne Probleme zum Eingang zurückfinden, indem man einfach den Faden zurückverfolgt. Praktisch wird dies bei der Erforschung von Höhlen, vor allem beim Höhlentauchen angewendet. Auch die Rückzugsicherung der bei Bränden vorgehenden Feuerwehrleute beruht auf diesem Prinzip.
– Goethe dachte in „Die Wahlverwandtschaften“ an das Tauwerk der britischen Marine, das als Erkennungszeichen und Diebstahlsicherung einen roten Faden eingearbeitet hatte:
Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören. Ebenso zieht sich der Ottilies Tagebuch ein Faden der Neigung und Anhänglichkeit, der alles verbindet und das Ganze bezeichnet.
Seither ist das Bild des roten Faden als Grundthema nicht nur im Deutschen, sondern u.a. auch im Niederländischen, Französischen und Schwedischen bekannt. Dafür fehlt in der englischen Sprache ein red thread – stattdessen kann man dort aber leitmotif sagen.
Unter einem „roten Faden“ versteht man eine Spur, einen Weg oder auch eine Richtlinie. Etwas zieht sich wie ein roter Faden durch etwas.
Die Schnellbleiche ist ein Begriff aus der frühen Textilindustrie. Früher musste man die von Natur aus gelbliche bis graue Baumwolle oder Leinen bis zu vier Wochen an der Sonne bleichen, um sie veredeln oder färben zu können. In den grossen Textilzentren fehlte es aber zusehends an leeren Wiesen, wo man die grossen Tücher liegen lassen oder aufspannen konnte. 1784 entdeckte man das Chlor als Bleichmittel, der langwierige Bleichprozess verkürzte sich auf 8 Tage – die Schnellbleiche war geboren.
Im heutigen Sprachgebrauch durchläuft man eine «Schnellbleiche», wenn man wenig Zeit hat, etwas zu lernen.
Flausen, Flusen, Fusseln und Flausch sind sprachlich verwandt und meinen lose Fadenenden oder flockige Wolle. Wer Flausen im Kopf hat, dem fliegen also allerhand lose Dinge im Kopf herum.
In der Internetsprache wird ein Kuschelverhalten augenzwinkernd *flausch* genannt. Wer in sozialen Netzwerken Flausch weitergibt, der dankt, lobt, beglückwünscht oder will trösten.
Für die Gewinnung von Leinengarn müssen die Fasern ins aufwendiger Arbeit aus den Flachsstängeln herausgelöst, also vom holzigen Teil der Pflanze getrennt werden (rosten, brechen, hecheln etc.).
Die holzigen Stücke, die im gesponnen Garn verbleiben, heissen «Schäben». Gab es viele davon, war der gewobene Stoff «schäbig».
Im Mittelalter wurden zu Beginn der Fastenzeit die Altäre verhängt, damit den sündigen Menschen und den Heiligenbildern der gegenseitige Anblick erspart blieb. Die Bevölkerung nannte diese Abdeckungen ›Hungertücher‹, vermutlich weil die Fastenzeit eine Zeit des Hungerns war. Nach der Reformation hielt sich der Brauch nur noch regional und die ursprüngliche Bedeutung des Hungertuchs als Fastentuch ist heute vergessen.
Allerdings hat zu keiner Zeit ein Mensch wirklich in diese Hungertücher hinein gebissen. Wer am Hungertuch nagt, der näht in Wirklichkeit. Seit dem 16. Jahrhundert gab es die Wendungen ›am Hungertuch nähen oder flicken‹ für jemanden, der sich kümmerlich behelfen musste. Aus näjen (nähen) wurde dann irgendwann nagen und der ursprünglich kirchliche Bezug ging verloren.
Sie ist gut im Schuss.
Er ist spindeldürr.
Doppelt genäht hält besser.
Da ist er aus den Pantoffeln gekippt.
Pass auf, das wird in die Hosen gehen.
Ihm ist der Kragen geplatzt.
Ich sitze wie auf Nadeln.
So, jetzt kremple endlich die Ärmel hoch.
Sie versuchen es unter den Teppich zu kehren.
Es regnet Bindfäden.