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1. Die Gründungszeit
Am 26. Januar 1952 beschliesst die Konferenz der Hauptlehrer an gewerblichen Berufsschulen (KAGB) bei 20 anwesenden Kollegen, eine neue Organisation für Hauptlehrer ins Leben zu rufen mit der Möglichkeit, sich später einem anderen Verband (ALV, VPOD, Angestelltenkartell) anschliessen zu können. Dieser Schritt hat sich aufgedrängt, weil die KAGB keine Möglichkeit hat, für die Lehrer im Hauptamt Hilfe in Lohn- oder anderen Konfliktsfragen zu bieten. Fünf Kollegen werden mit der Ausarbeitung eines Organisationsstatutes beauftragt.
Anlässlich der KAGB – Versammlung vom 16. Januar 1953 wird das vorgelegte Organisationsstatut mit wenigen Änderungen gutgeheissen und die „Vereinigung der Lehrer im Hauptamt an aargauischen gewerblichen Berufsschulen“ gegründet.
Dem ersten Ausschuss gehören Eugen Flury, Aarau, als Präsident, Ernst Schneider, Zofingen, als Aktuar, und Hans Schweri, Aarau, als Kassier an. Als erstes soll ein Verzeichnis der Besoldungen an den aarg. gewerblichen Berufsschulen erstellt und die Mitgliederwerbung vorangetrieben werden.
An der ersten Mitgliederversammlung im Juni 1954 wird mit Befriedigung festgestellt, dass von 34 Lehrern im Hauptamt sich 25 der neuen Vereinigung angeschlossen haben. Die Besoldungsumfrage hat gezeigt, dass die Gehälter der hauptamtlichen Lehrer sehr verschiedenen und vor allem recht niedrig sind. Es wird beschlossen, mit einer Eingabe an den Regierungsrat zu gelangen, die Besoldungen aller hauptamtlichen Gewerbelehrer im Kanton einheitlich zu regeln und diese auf der Höhe der Lehrer am Gewerbemuseum Aarau anzusetzen. Mit dem Anschluss an eine grössere Organisation wird noch zugewartet. Man will „das Glück auf eigene Faust versuchen“.
2. Der erste Erfolg
Das Gesuch um Besoldungsanpassung wird noch vor den Sommerferien 1954 beim Regierungsrat eingereicht, und es finden bis im Frühjahr 1955 mehrere Sitzungen mit den Spitzen der Erziehungsdirektion statt. Am 6. Februar 1956 kann die junge Gewerbelehrervereinigung ihren ersten Erfolg buchen: In einem Kreisschreiben anerkennt die Regierung als angemessene Besoldung der Gewerbelehrer im ganzen Kanton diejenige Besoldung, welche vom Grossen Rat für die Hauptlehrer am Gewerbemuseum beschlossen wird, und die Schulortsgemeinden werden aufgefordert, diese Besoldung zu entrichten. Nach dieser Besoldungserhöhung zeigt sich die Besoldungsstruktur im Kanton Aargau im Jahre 1956 wie folgt:
[Tabelle folgt …]
Im gleichen Kreisschreiben wird leider die Besoldung der Hilfslehrer sehr unterschiedlich geregelt. So erhält
- ein nebenamtlicher ABU-Lehrer 52 % der Hauptlehrerbesoldung
- ein nebenamtlicher Berufskundelehrer 62 % der Hauptlehrerbesoldung
- ein hauptamtlicher Hilfslehrer 83 % der Hauptlehrerbesoldung
Die Pflichtstundenzahl beträgt zu dieser Zeit 30 Lektionen für einen vollamtlichen Lehrer.
Der standespolitische Erfolg wird an der zweiten Mitgliederversammlung im Juni 1956 gebührend gewürdigt. Am Schluss des Jahresberichtes ist zu lesen: „Unsere Eingabe an den Regierungsrat wegen der Besoldung ist die erste Tat, die wir gemeinsam vollbracht haben. Sie ist gelungen, wenn auch mit viel Mühe und Zeitaufwand.“
3. Der Kampf um Stundenreduktionen und Gehaltserhöhungen
In der aargauischen Anschlussgesetzgebung zum neuen Berufsbildungsgesetz wird Mitte der 60er Jahre die Pflichtstundenzahl von 30 auf 28 reduziert. Mit Erfolg hat sich der VLBA in seiner Eingabe vom 29. Mai 1965 für eine Altersentlastung eingesetzt, und zwar für zwei Stunden ab dem 45. und 4 Stunden ab dem 55. Altersjahr.
Ebenfalls erfolgreich sind die Bemühungen um Angleichung der Löhne an die Bezirksschullehrkräfte. Hingegen findet die Forderung, der Staat solle die Gehälter der Lehrerschaft übernehmen, kein Gehör.
Der nächste Kampf um Besserstellung dauert allerdings etwas länger. Ausgelöst durch die Revisionsbestrebungen zum neuen Bundesgesetz über die Berufsbildung, wo die Berufsschulen aufgewertet und die Anforderungen an die Ausbildung der Berufsschullehrkräfte erhöht werden sollten, fordert der VLBA ab 1972 immer wieder eine Angleichung der Besoldungen der Hauptlehrer an die Besoldung der Lehrpersonen für Sprach- und Handelsfächer an kaufmännischen Berufsschulen, welche den Wahlanforderungen für Mittelschulen nicht entsprechen.
Am 11. März 1981 beantragt der VLBA zusammen mit der Rektorenkonferenz eine Reduktion der Pflichtlektionen von 28 auf 26. Leider wird die Lehrerschaft auf die bevorstehende Änderung der kantonalen Berufsbildungsverordnung vertröstet.
Obwohl das Stundenreduktion- als auch das Lohnerhöhungsbegehren im Frühjahr 1986 zwei Regierungsräten persönlich vorgetragen werden kann, werden die berechtigten Anliegen in der neuen Berufsbildungsverordnung vom Februar 1987 nicht berücksichtigt. Diesmal heisst es, die Begehren müssten im Rahmen einer generellen Revision des Besoldungsdekretes angegangen werden, um die Relationen zu anderen Lehrerberufen berücksichtigen zu können.
Im Jahre 1989 macht der VLBA weiter Druck. Nach einer Umfrage bei den Berufsschullehrpersonen, einer Resolution an der Generalversammlung, entsprechender Öffentlichkeitsarbeit, einem eigenen Video über das Berufsbild des Berufsschullehrers sowie Support durch den aargauischen Gewerbeverband folgt am 26. Oktober 1989 eine weitere Eingabe an den Regierungsrat. Zur Forderung nach der Lohngleichstellung mit den KV-Lehrpersonen 2. Stufe und einer Pflichtstundenreduktion von zwei Lektionen pro Woche kommt neu eine generelle Reallohnerhöhung von 4 % hinzu. Auch diese geballte Ladung bringt leider nicht den gewünschten Erfolg.
1992 wird im Zuge der Arbeitszeitreduktion bei den Staatsangestellten auch eine Pensenreduktion von einer Stunde bei der Volksschullehrerschaft diskutiert. Und plötzlich läuft alles wie „geschmiert“. Mit einer andern Taktik, nämlich ohne öffentliche Verlautbarungen, aber mit dem Einsatz aller politischen Einflussmöglichkeiten im Hintergrund, kann der VLBA im Schatten der Diskussion um die Stundenreduktion bei der Volksschullehrerschaft seine Ziele endlich erreichen. Noch bevor der Grosse Rat darüber verhandelt, hat der Regierungsrat in eigener Kompetenz dem langen Begehren um eine Reduktion von zwei Wochenstunden stattgegeben. Zusätzlich wird der Berufsschullehrerschaft auch noch die generelle Reduktion von einer Wochenstunde zugestanden wie der übrigen Lehrerschaft, so dass ab dem 1. Februar 1993 ein Pensum von 25 Lektionen pro Woche Tatsache ist.
In die gleichen Kanäle wird auch die längst fällige Angleichung der Besoldungen mit den KV-Lehrpersonen 2. Stufe eingegeben, und siehe da: Ohne grosses Aufhebens wird diesmal die Berufsbildungsverordnung im Sinne des VLBA abgeändert.
Dieser doppelte Erfolg wird im Nachhinein als kleines politisches Wunder bezeichnet. So unauffällig diese sprunghafte Verbesserungen zustande gekommen sind, so dankbar ruhig hat die aarg. Berufsschullehrerschaft diesen Erfolg gefeiert, um ja keine unnötigen Wellen aufzuwerfen.
4. Verhältnis VLBA – KAGB
Immer wieder gab das Verhältnis zwischen der Hauptlehrerorganisation und der Kantonalkonferenz zu Grundsatzdiskussionen und zu Reglements- bzw. Statutenänderungen Anlass. Die Diskussion um 1970 hatte dazu geführt, dass die Verbindung Hauptlehrer – KAGB verbessert wurde, indem der VLBA-Präsident fortan automatisch dem KAGB-Vorstand angehörte. Nach einer umfassenden Statutenrevision der KAGB am 24. Mai 1972 erhielt die Kantonalkonferenz mehr Gewicht, zumal sich viele Lehrkräfte wegen der vereinsähnlichen Organisation der KAGB und der Zwangsmitgliedschaft als „genügend organisiert“ betrachteten. Diese Entwicklung wurde auch dadurch begünstigt, als die Konferenz in den 70er Jahren eine wichtige Aufgabe bei der Umsetzung des neuen Berufsbildungsrechtes und der neuen Lehrpläne zu erfüllen hatte.
Weil die KAGB allerdings die sozialen und wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder nicht wahrnehmen konnte, brach um 1980 erneut eine heftige Diskussion um das Verhältnis Hauptlehrer – KAGB aus. Mit einer Totalrevision der VLBA-Statuten am 19. August 1980 wurde das gewerkschaftliche Moment verstärkt und der leidigen Diskussion um die Zwangsmitgliedschaft beim SVBU eine Ende bereitet. In den nachfolgenden Jahren konzentrierte sich der VLBA (sehr erfolgreich) auf die standesrechtlichen Hauptfragen wie Lohn und Arbeitszeit.
Der nun einsetzende Bedeutungsverlust der Kantonalkonferenz war und ist nicht allein auf die Stärkung des VLBA zurückzuführen. Vielmehr hängt dies mit dem strukturellen Wandel im Berufsbildungswesen und der einhergehenden Änderung der gesetzlichen Grundlagen zusammen. Denn an der Aufgabenstellung hat sich seit dem ersten KAGB-Reglement aus dem Jahre 1942 (!) nichts geändert. Noch heute legt die Berufsbildungsverordnung fest, dass die Berufsschullehrkräfte eine kantonale Konferenz zu bilden haben, um dem Kanton als Vernehmlassungspartner für Berufsbildungsfragen zu dienen und um Weiterbildungskurse anzubieten.
Inzwischen sind aber Berufsbildungs- und Lehrplanfragen in die Regelungskompetenz des Bundes gefallen, und dem Kanton sind vorwiegend schulorganisatorische und anstellungsrechtliche Regelungen übriggeblieben. Auch ist der kantonale Weiterbildungsauftrag mit der Gründung des SIBP und dem zunehmenden Weiterbildungsangebot durch die Fachverbände weitgehend überflüssig geworden. Mit dieser Entwicklung sind der Kantonalkonferenz die Aufgaben faktisch entzogen worden: Anstellungsrechtliche Probleme werden vom VLBA angegangen, Schulorganisatorisches wird von der Rektorenkonferenz begutachtet, für die Weiterbildung zeichnen SIBP und Fachverbände verantwortlich und für allfällig zu behandelnde Vernehmlassungen fehlt der KAGB die „Kompetenz“, weil sie isoliert ist und ihr die direkten Verbindungen zu übergeordneten Gremien (BCH, LCH, BIGA usw.) fehlen.
Änderung KAGB-Statut von 2001!
Die Diskussion zu diesem Thema ist noch nicht abgeschlossen. So muss geklärt sein, weshalb es aus der Sicht der Berufsschulen oder des Gesetzgebers notwendig ist oder sein kann, die Berufsschullehrkräfte einmal jährlich zu einer obligatorischen kantonalen Konferenz aufzubieten.
5. Mitgliedschaft in der Vereinigung der Aarg. Angestelltenverbände (VAA)
Bereits im Entwurf der ersten Satzungen war vorgesehen, dass sich die Hauptlehrervereinigung später einem anderen Verband (ALV, VPOD oder Angestelltenkartell) anschliessen könnte. Bei der Gründungsversammlung wird dieser Passus allerdings gestrichen, weil sich der neue Verein selbständig entwickeln bzw. etablieren soll. Erst mit der Satzungsänderung vom 9. November 1959 entschliesst sich die Vereinigung, Mitglied des Kartells der Aarg. Angestelltenverbände zu werden.
Ab 1960 sind folgenden Kollegen im Vorstand der VAA vertreten:
|1960 – 1974||Jost Köchli||BS Aarau|
|1974 – 1985||Ruedi Rösti||BS Wohlen|
|1985 – 1995||Alfred Friedli||BS Zofingen|
|1995 – 2002||Erich Schnyder||BS Zofingen|
|2002 –||René Frick||BS Brugg|
6. Entwicklung des Jahresbeitrages und der Mitgliederzahl
Obwohl die Gründungsversammlung einen Jahresbeitrag von Fr. 4.00 beschlossen hatte, wurden die Mitgliederbeiträge von der Vereinsgründung an bis 1967 nicht jährlich, sondern „nach Bedarf“ eingezogen.
Die Mitgliederzahlen wurden mit Hilfe der Kassabücher anhand der bezahlten Beiträge erhoben.
|Jahr||Beitrag||Mitglieder|
|1953/54||4||26|
|1954/56||4||29|
|1956/60||4||27|
|1960/64||4||40|
|1964/67||4||58|
|1967/69||4||69|
|1969/70||4||70|
|1970/71||4||70|
|1971/72||4||80|
|1972/73||4||91|
|1973/74||4||94|
|1974/75||4||89|
|1975/76||4||104|
|1976/77||4||110|
|1977/78||4||121|
|1978/79||4||108|
|1979/80||4||108|
|1980/81||4||107|
|1981/82||12||115|
|1982/83||12||127|
|1983/84||12||139|
|1984/85||12||149|
|1985/86||18||156|
|1986/87||18||163|
|1987/88||18||163|
|1988/89||18||160|
|1989/90||18||163|
|1990/91||20||166|
|1991/92||20||166|
|1992/93||20||170|
|1993/94||20||169|
|1994/95||20||169|
|1995/96||20||169|
|1996/97||20||176|
|1997/98||20||177|
|1998/99||20||188|
|1999/2000||20||190|
|2000/2001||20||191|
|2001/2002||20||195|
7. Vorstandsmitglieder
|Präsidenten:||1953 – 1960||Eugen Flury||BS Aarau|
|1960 – 1965||Paul Sommerhalder||BS Aarau|
|1965 – 1970||Otto E. Plüss||BS Zofingen|
|1970 – 1980||Otto Weber||BS Wohlen|
|1980 – 1986||Carlo Nardo||BS Wohlen|
|1986 – 1990||Hans Bleiker||BS Zofingen|
|1990 – 2003||Erich Schnyder||BS Zofingen|
|2003 –||Christoph Gerber||BB Baden|
|Aktuare:||1953 – 1959||Ernst Schneider||BS Zofingen|
|1959 – 1960||Gerold Hofmann||BS Wohlen|
|1960 – 1964||Ernst Lanz||BS Zofingen|
|1964 – 1969||André Vonder Mühll||BS Brugg|
|1969 – 1979||Ernst Lanz||BS Zofingen|
|1969 – 1985||Alfred Friedli||BS Zofingen|
|1985 – 1990||René Bürki||BS Lenzburg|
|1990 – 2000||Balz Burch||BS Aarau|
|2000 – 2002||Thomas Pfann||BS Aarau|
|2002 – 2003||Christoph Gerber||BS Baden|
|Kassiere:||1953 – 1960||Hans Schwere||BS Aarau|
|1960 – 1964||Gerold Hofmann||BS Wohlen|
|1964 – 1980||Ruedi Rösti||BS Wohlen|
|1980 – 1984||Kurt Umiker||BS Brugg|
|1984 – 1995||Fritz Kalt||BS Baden ABB|
|1995 – 2002||Marianne Wyssmann||BS Rheinfelden|
|2002 – 2006||Julius Blunschi||BS Wohlen|