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10. Todestag von Siegfried Palm
Zu Ehren des grossen Cellisten und bedeutenden Interpreten moderner Musik treten namhafte Interpretinnen und Interpreten in Bern auf, wo Palm während vielen Jahren am Konservatorium Kammermusikkurse gegeben hat. Organisiert wird das Konzert vom ehemaligen Palm-Schüler Werner Schmitt.
«Man darf alles, nur nicht das Instrument beschädigen». Dies sei Palms Devise im Unterricht gewesen, erinnert sich Werner Schmitt, der bei ihm studiert hatte. Die packende Art, wie Siegfried Palm (1927-2005) an die Neue Musik heranging, habe sich auf seine Schüler übertragen. Er habe jeden einzelnen Ton eines neuen Werkes so ernst genommen, wie andere dies nur mit solchen in klassischer und romantischer Musik getan hätten.
Heinz von Loesch schätzt denn auch Palms Bedeutung wie folgt ein: «Palms Bedeutung für den kompositionsgeschichtlichen Aufstieg des Cellos im Zeitalter der Klangkomposition und der Aktionskunst ist kaum zu überschätzen». Er habe die seltene Gabe besessen, «in den tatsächlich unspielbaren Partien das kompositorisch Gemeinte so weit wie möglich zu erfassen und zu realisieren» (Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, Band 13, Spalte 55, Stuttgart 2005).
Wie Schmitt berichtet, fanden am Konservatorium in Bern während vielen Jahren sechsmal pro Jahr ein- bis zweiwöchige Kammermusikkurse mit Siegfried Palm statt, den der damalige Direktor Urs Frauchiger nach Bern geholt hatte. Jean-Luc Darbellay, der selber oft an diesen Kursen als Dirigent oder später als Komponist teilgenommen hatte, datiert die Kurse auf die Jahre 1983 bis 2001. Die Kurse seien jeweils mit einem kleinen Konzert abgeschlossen worden, an denen die neu einstudierten Stücke, nur zeitgenössisches und klassisch-modernes Repertoire, vorgestellt und von Siegfried Palm kommentiert wurden. Darbellay schätzt diese Arbeit als spannend ein, «zumal die Einstudierungen auch im Beisein der Kompositionslehrer (Cristóbal Halffter und Dimitri Terzakis) stattfanden. Im Februar 1990 wurde mit Radio-France ein Portrait realisiert über unsere gemeinsame Arbeit und der WDR drehte einen Film Palm in Bern, anlässlich seines 60. Geburtstages.» Aus dieser Periode stammen von Darbellay sieben Cello-Stücke (Solo, mit Ensemble oder mit Orchester) für Siegfried Palm, die dieser in der Schweiz und in Deutschland aufführte.
Julius Berger und Thomas Demenga, keine direkten Schüler von Palm, jedoch von ihm inspiriert, spielen am 6. Juni im Berner Yehudi Menhuin Forum grosse Werke der Celloliteratur: Die vierte Cellosonate von Max Reger bedarf im 21. Jahrhundert einer ästhetischen Neuentdeckung, während Bernd Alois Zimmermanns Sonate für Violoncello solo Palm 1960 enorm herausforderte. Weiter sind neben dem Pianisten Oliver Kern Cellistinnen und Cellisten der jüngeren Generation zu hören: Gunta Abele eröffnet das Konzert mit Jean-Luc Darbellays S für Siegfried Palm aus dem Jahr 2003 für Violoncello solo, während Alessio Pianelli, Moritz Kolb, Clara Rada Gomez , Gaëlle Lefebvre und Alicia Rieckhoff im Ensemble zusammen mit Thomas Demenga Samuel Barbers Adagio for strings op. 11 in der Version für sechs Celli interpretieren.
Gedenkkonzert für Siegfried Palm
Samstag, 6. Juni 2015, 10.30 Uhr
Yehudi Menuhin Forum Bern, Helvetiaplatz 6
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