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Kampffische (Betta splendens) sind weltweit beliebte Aquarienfische und werden seit langem gezüchtet. Zwar wurden sie in jüngerer Zeit für die Haltung in Aquarien verstärkt auf äussere Merkmale wie Flossenlänge und Farben gezüchtet. Dennoch ist ihr aggressives Verhalten, auf das sie zuerst gezüchtet wurden (Verbeek et al. 2007), erhalten geblieben.
Üblicherweise werden männliche Kampffische ab dem Alter von zwei bis vier Monaten einzeln gehalten, weil sie dann ihr Aggressionsverhalten entwickeln und es zu Kämpfen und Verletzungen kommen kann. Die Weibchen werden normalerweise in Gruppen aufgezogen. In der lebenslangen Einzelhaltung wird dem Kampffisch jedoch verunmöglicht, einen wichtigen Teil seines arttypischen Verhaltens – sein Sozialverhalten – auszuleben.
Eine Möglichkeit wäre, so die Autoren der Studie, weniger aggressive Kampffische zu züchten. Ein anderer Weg wäre, das Aggressionsverhalten durch die Haltungsbedingungen bzw. die Einrichtung der Aquarien während der Aufzucht zu beeinflussen.
Studienaufbau und Resultate
In der vorliegenden Studie untersuchten die Autor:innen, wie sich das Verhalten junger Kampffische entwickelt, wenn sie in Gruppen und in strukturreichen Aquarien aufwachsen können. Dazu wurden Kampffische bis zum Alter von zwei Monaten in Gruppen aus Männchen und Weibchen in Aquarien gehalten, die mit Pflanzen, Steine und Verstecken angereichert waren.
Anschliessend wurden die Kampffische zwei verschiedenen Haltungsbedingungen zugeordnet: Die einen wurden weiterhin in angereicherten Aquarien in gemischtgeschlechtlicher Gruppenhaltung gehalten. Für die Vergleichsgruppe wurden die Kampffische allein in strukturarmen Aquarien gehalten. Die Entwicklung des Aggressionsverhalten beider Gruppen wurde in Spiegeltests analysiert, die in verschiedenen Altersstadien durchgeführt wurden.
Haltungsbedingungen beeinflussen Aggressionsverhalten
Die Resultate zeigten, dass sowohl männliche als auch weibliche Kampffische in der Gruppenhaltung kein übermässiges Aggressionsverhalten entwickelten. Die in Gruppen aufgezogenen Kampffische verhielten sich als erwachsene Tiere nicht aggressiver als im Jungfischstadium. Im Vergleich zu den isoliert aufgezogenen Individuen reagierten sie im Spiegeltest weniger aggressiv und hatten weniger Interesse an ihren Artgenossen. Dass sie eher mit Drohverhalten und weniger mit Kampfverhalten reagierten, scheint darauf hinzudeuten, dass sie bessere soziale Komptenzen entwickelt hatten. Eine Gruppenhaltung scheint also möglich, wenn Kampffische gleich nach dem Schlüpfen in Gruppen und unter angereicherten Haltungsbedingungen gehalten werden.
Die sozial isolierten Kampffische hingegen entwickelten ein stärkeres Aggressionsverhalten. In den Spiegeltests zeigten sie mehr Kampfverhalten wie Beissen, seitliches Kämpfen oder mit dem Schwanz schlagen. Und: Je früher in ihrer Entwicklung die Fische isoliert wurden, desto aggressiver reagierten sie später im Spiegeltest.
Die Gruppenhaltung verzögerte die Geschlechtsreife der Kampffische, was teilweise wohl das weniger stark ausgeprägte Aggressionsverhalten erklärt, da es in Zusammenhang mit der sexuellen Reife steht. Männliche Kampffische verteidigen während der Fortpflanzung ein Territorium gegen ihre Artgenossen. In der Gruppenhaltung können die Fische jedoch lernen, wie sie sich gegenüber ihren Artgenossen verhalten müssen; d.h. sie können ein angepasstes Sozialverhalten entwickeln.
Wie sich das Normalverhalten entwicklen kann
Aus vielen Studien weiss man, dass die Tiere von einer strukturreichen Umgebung profitieren. Dies wurde vielfach in Zoos und in der Nutztierhaltung untersucht. Auch bei Fischen wurden dazu bereits etliche Studien durchgeführt und positive Auswirkungen beobachtet. Unter anderem, dass eine komplexe Umgebung während der Aufzucht zu flexiblerem und reicherem Verhalten führt und die kognitiven Fähigkeiten verbessert (von Krogh et al 2010, Strand et al 2010, Ullah et al 2017; Kistler 2017).
Die Autoren weisen darauf hin, dass sie die beiden Faktoren "Soziale Anreicherung" und "Physische Anreicherung" nicht getrennt untersucht haben und daher nichts dazu aussagen können, ob einer der beiden Faktoren einen stärkeren Einfluss auf das Verhalten der Kampffische hatte. Daher müsste man in einem weiteren Schritt diese beiden Faktoren einzeln testen.
Dennoch kann man folgern, dass sowohl eine soziale als auch eine physische Anreicherung der Umwelt die Kampffische befähigt, auf aggressives Verhalten angepasst und verhältnismässig zu reagieren. Die Haltungsbedingungen während der Aufzucht spielen also eine zentrale Rolle in der normalen Entwicklung des Verhaltens.
Weiterführende Informationen
Deutsche Zusammenfassungen der zitierten Literatur in der Bibliothek:
Jungfische brauchen eine stimulierende Umgebung
(Ullah et al 2017
Besserer Lernerfolg durch reizreiche Umgebung
(Strand et al 2010)
Mehr Umgebungsstrukturen, mehr Hirn
(von Krogh et al 2010)
Fischwissen-Artikel:
Kistler C. 2017. Jungfische: Für eine gute Entwicklung brauchen sie eine reizvolle Umgebung. Schweizer Aquaristik 3/17.