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Berlin ist ja eigentlich immer eine Reise wert. Aus veganer Sicht sowieso. Aber erst Recht, wenn sich dort über 300 Menschen aus aller Welt einfinden, um zwei ganze Tage ernst- und gewissenhaft an der Sentience Conference in Berlin über nichts weniger als die Leidminimierung auf der Welt zu sinnieren.
Dies ohne Scheuklappen, ohne Angst vor den grossen Fragen.
Darunter auch solche Fragen wie:
- Leiden wilde Tiere? (und wie, sogar um ein Vielfaches mehr als Nutztiere)
- Können Insekten leiden? (ja, es ist zu befürchten)
- Sollten wir zuerst das Verhalten oder die Denkweise zu ändern versuchen? (oder umgekehrt?)
- Gibt es Parallelen vom Kampf für die Befreiung der Tiere zum Kampf gegen die Sklaverei, dem Geschlechterkampf, anderen sozialen Bewegungen (nur teilweise)
- Was machen andere Organisationen? (PETA, Vebu, ASS, Animal Equality, VGÖ/VGT)
- Wie fühlt es sich an, inmitten eines Schlachthofes zu stehen, in einer Mastanlage? (iAnimal) und wie sollen wir mit diesen Gefühlen umgehen?
- Welche Organisationen sind am effektivsten? Wie wird das gemessen und macht das überhaupt Sinn? (und wie, siehe www.veganadvocacy.org)
- Was sind Meta-Charities und braucht es die überhaupt? (Effektivitäts-Ranking)
- Wieso werden Projekte gegen Käfig-Haltung als sinnvoll angesehen?
- Welche Sprache sollten wir sprechen, um unsere Anliegen besser vermitteln zu können? (siehe Center for Effective Vegan Outreach www.veganadvocacy.org)
- Leiden zukünftige Generationen noch in viel grösserem Ausmass als alle Lebewesen bisher? (auch hier ein deutliches Ja)
- Hat die Entwicklung künstlicher Intelligenz grosses Potential, das Leiden noch zu erhöhen. (Es scheint so)
- Wie ist das Leiden einer Legehenne mit dem eines Schweins zu vergleichen oder mit einem wild lebenden Tier?
- Welchen philosophischen Grundsätze bieten sich an? (am besten eine Kombination)
Die einzelnen Vorträge wurden alle aufgenommen und sind hier abrufbar. Es lohnt sich sich dafür etwas Zeit zu nehmen!
Schön war auch aus Sicht einer Organisation die die vegane Lebensweise fördern will, wie die Vegane Gesellschaft Schweiz, dass dies zwar nicht im Zentrum des Kongresses steht aber als quasi Standard gelebt und verstanden wird. Es nimmt nicht die zentrale Rolle ein. D.h.auch wenn wir eine vegane Welt hätten, wären nicht alle Probleme gelöst aber als Grundlage für das eigene und zu empfehlende Handeln hat es seine Berechtigung. Organisationen wie die unsere erfüllen eine wichtige Rolle, diesen Lebensstil zu ermöglichen, zugänglicher zu gestalten und eine Vorzeige-Funktion für den vermehrt pflanzenbasierten Konsum wahrzunehmen.
Die Einsicht, dass wir noch am Beginn dieser Bewegung, geschweige den bei Lösungen, sind und noch ein unvorstellbares Ausmass an Leiden auf diesem Planeten stattfinden wird, lässt einem der Atem stocken. Beim nächsten Atemzug kommen aber schon wieder die Gedanken an das nächste Projekt, an die Priorisierung der eigenen Aktivitäten mit dem Ziel den grösstmöglichen Beitrag leisten zu können. Der Blick in diese Runde in Berlin gab Mut, angesichts der ganzen Motivation und ein fantastisches Gemeinsamkeits-Gefühl, dass wir nicht alleine sind angesichts solch grossen Fragen und der schier unvorstellbaren Aufgabe, die der Menschheit obliegt.
Es findet keine Besserwisserei statt aber vielmehr das Streben nach besserem Wissen um Entscheide sicherer treffen zu können. Auch Skeptiker und langjährige Aktivisten sind dabei, kommen zu Wort. Von TierrechtsvertrerInnen, Hedonisten, negativen Utlitaristen und vor allem effektiven AltruistInnen aus allen Regionen und Zugängen wird der Austausch ermöglicht.
Was Sentience Politics hier auf die Beine stellen konnte ist denkwürdig. Ich weiss nicht, ob es in der Geschichte der Menschheit jemals eine solche Zusammenkunft von jungen, engagierten und involvierten DenkerInnen gegeben hat, die alles unter einem offenen, rationalen Dach daran setzen wollen, das Leiden auf der Welt systematisch und strategisch anzugehen. Wenn wir heute einen Beitrag für eine Entwicklung leisten können und die Bewegung mitgestalten können, ist nichts minderes als die Verhinderung von unsäglichem zukünftigen Leid der Lohn und die Existenzberechtigung.
Wenn wir uns heute dafür entscheiden, eine Entwicklung voranzutreiben und die Bewegung mitzugestalten, ist nichts weniger der Lohn, als die Verhinderung von unsäglichem zukünftigen Leid.
Hier einige Impressionen der Konferenz: