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Wenn man ein Wörterbuch konsultiert, so liest man „Rennen ist die Aktivität, sich schnell zu Fuß fortzubewegen, besonders als Sport“. Aber wieso müssen die Menschen überhaupt rennen oder sich schnell von einem Ort zum anderen bewegen? Laufen erscheint in der Menschheitsgeschichte gewöhnlich als Mittel zum Zweck. So wurde zum Beispiel die Ausdauerjagd schon vom Urmenschen verwendet, um Wild über hunderte von Kilometern zu jagen und zu stellen.
Sind wir zum Laufen geboren?
Wir halten es für selbstverständlich, dass wir Menschen uns einst von Vierbeinern zum Homo Erectus entwickelten, um aufrecht durch die Welt gehen zu können. Es gibt bestimmte Eigenschaften unseres Körpers, die auf die Tatsache hindeuten, dass wir uns auch zum Ausdauerlauf entwickelt haben. Und das war nicht nur ein Nebenprodukt des Gehens, sondern eine bewusste Anpassung. Der aufrecht gehende Mensch entwickelte die Fähigkeit zu schwitzen und dabei die Körpertemperatur zu regulieren. Dazu kam ein großer „Musculus glutaeus maximus“ (der Gesäßmuskel), der es dem Bein ermöglichte, beim Laufen zu kontrahieren – ein kleinerer Muskel hätte es auch getan. Die Beine haben kurze, elastische Sehnen, Bänder und kurzfaserige Muskeln, die für den Lauf unerlässlich sind. Kurze Zehen, die besser zum Laufen als zum Gehen geeignet sind, ersetzten die längeren Zehen des Australopithecus. Dazu kam ein sehr wirksames Nackenband, das sich an der Schädelbasis entwickelte und den Kopf beim Laufen stabilisierte. All dies, zusammen mit Knochenfunden aus der Homo-Erectus-Periode, die eine Veränderung des Proteinspiegels in unserer Ernährung aufzeigten, bedeutet, dass etwas Erstaunliches in der menschlichen Evolution passierte.
Vom vegetarischen Waldbewohner zum Jäger und Sammler
Klimaveränderungen vor etwa 2 bis 3 Millionen Jahren führten dazu, dass die üppigen Regenwälder Afrikas durch riesige Trockensavannen zurückgedrängt wurden, sodass für die Hominidae unter den Waldbewohnern Nahrung schwerer zu finden war. Es war daher an der Zeit, von den Bäumen herunterzuklettern, zum Zweibeiner zu werden und das Angebot in der Savanne zu erkunden. Homo Erectus wurde geboren und er hat dabei nicht nur seine Skelett- und Muskelstrukturen verändert, sondern auch die Ernährung drastisch angepasst. Knochenfunde aus dieser Epoche deuten darauf hin, dass die Menge an Eiweiß, die verzehrt wurde, signifikant angestiegen war. Dies konnte nicht von Obst und Blättern stammen. Der Urmensch musste begonnen haben, nach Beutetieren zu jagen. An diesem Punkt in der menschlichen Evolution hatten wir noch nicht die Fähigkeiten entwickelt, Waffen zu bauen. Es waren große Stöcke, Keulen und Steine, die zur Jagd verwendet wurden. Speere mit Steinspitzen kamen erst vor 200.000 Jahren zum menschlichen Repertoire hinzu – Pfeil und Bogen sogar erst vor rund 50.000 Jahren.
Wie kann man Tiere ohne Schleuderwaffen erlegen?
Eine Theorie dreht sich um eine bestimmte Art der Jagd, die als Ausdauerjagd oder Hetzjagd bekannt ist. Bei dieser Jagd wird ein Tier über lange Strecken verfolgt, bis es wegen Erschöpfung aufgibt oder stirbt. In der Tat wird die Hetzjagd heute noch in Afrika, Australien und im Nordwesten Mexikos praktiziert. Wenn man die Hetzjagd mit dem Skelett- und Muskelaufbau des Homo Erectus kombiniert, so kann man daraus schließen, dass der Mensch sich als Langstreckenläufer entwickelt hat, um für sein Überleben zu jagen.