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Ihan Gero ist franko-flämischer Herkunft. Sein Geburtsjahr wird mit 1518 angegeben, ein sicherer Beleg scheint es aber nicht zu existieren. Wo und von wem Gero seine musikalische Ausbildung erfährt, wissen wir nicht. Ab 1540 taucht sein Name in verschiedenen Drucken mit Motetten, Madrigali und Chansons in Italien auf. Offensichtlich ist Gero einer der vielen franko-flämischen Musiker, die durch ihre mustergültige Beherrschung der Satzkunst in Italien zu großem Erfolg kommen. Zur gleichen Zeit wie Gero machen sich seine Landsleute Jakob Arcadelt, Adrian Willaert und Cipriano de Rore in Italien einen Namen. Ihan Gero stirbt vermutlich 1553.
Sein Werk Il Primo Libro de Madregali et Canzon Francese A due voci erscheint erstmalig 1540 in Venedig. Enthalten sind zu gleichen Teilen zweistimmig gesetzte Madrigale und Chansons. Bei einem großen Teil der Chansons lässt sich nachverfolgen, dass Gero Bearbeitungen bereits bestehender und wohl überaus beliebter, vierstimmiger Chansons erstellt. Dazu nimmt er die Oberstimme, zerrt ein wenig an ihrer rhythmischen Struktur und schmückt sie mit Diminutionen aus. Darunter legt er eine Stimme, die zugleich Imitation und harmonisches Fundament ist. Sind Bizinien sonst als didaktisches Material für die Ausbildung der Sänger gänzlich ernsthafter Natur, versprechen Geros zweistimmige Chansons vergnügliche Kurzweil für Sänger und Zuhörer. Die Texte künden von Liebesfreud und Liebesleid, daneben findet man Trinklieder (La la Maistre Pierre und Quant je boy du vin claret) und derbe Erotik (Ung jour coulin la collet‘ acolla). Geros Rezept ist so erfolgreich, dass von diesem Werk zwischen 1540 bis 1687 insgesamt 25 Drucke erfolgen! Es ist sehr wahrscheinlich, dass Thomas Morley für seine zweistimmigen Stücke in seinem 1595
erscheinenden First Booke of Canzonets to Two Voyces Geros Werk zum Vorbild nimmt.
(Textquelle: Viola-da-Gamba-Gesellschaft)
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