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Meeju
[Mähen]
Der Arbeitstag während der Heuernte begann früh. Die Mähder gingen sehr oft noch in der Nacht von zu Hause weg, um beim Morgengrauen auf der Wiese sein zu können.
War die Sense stumpf, so musste man sie dengeln;
Foto: Julen
Hier sehen wir Kronig Xaver beim dengeln, er war ein Mitarbeiter an diesem Museum und ist leider 2011 verstorben;
Foto: Kronig
Am Berg wurde bis Ende der 1950er Jahr alles mit der Sense von Hand gemäht
Meeju
Ein Arbeitsbeginn um vier Uhr war also keine Seltenheit. Es gab Bauern, die schon um drei Uhr im Mutt waren und warten mussten, bis die Dämmerung ein Mähen erlaubte. Man wusste, dass sich das vom Tau feuchte Gras leichter mähen liess, ausserdem war es angenehmer in der morgendlichen Frische zu mähen als in der Hitze der Sonne. Vor dem Mähen schritt man die Grenzen ab. Man ging z Mârch, um wirklich nur das eigene Gras zu mähen. Mit dem Mähen wurde jeweils auf der linken Seite begonnen, da von rechts nach links gemäht wurde. Mit der linken Hand umfasste der Mähder den Griff, ds Chriizholzje, am Ende des Wôrbs, während die rechte mit dem Griff in der Mitte, dem Girbi, die Sense führte. So schob er das gemähte Gras gleichzeitig in Maden auf eine regelmässig verlaufene Reihe zusammen. Gewöhnlich mähte er in einfachen Maden. Höchstens beim Emden führte er die Arbeit in einfachem Gelände in sogenannten Doppelmaden aus. Dabei mähte er bei einem Gang gegen das stehende Gras. Waren beim Mähen zwei Männer im Einsatz, begann der bessere Mähder mit dem ersten Maden, und der schwächere fing gleichzeitig den zweiten an und übergab dann an den besseren, der ihn nach Beendigung seiner Strecke ablöste. Wurde diese Reihenfolge nicht eingehalten, konnte es für den schwächeren Mähder unangenehm werden.
Den guten Mähder zeichnete es aus, dass er mit Leichtigkeit und nicht mit Kraft mähte. Die Leute sagten: äs howt mu güet. Ebenso war der Ausspruch: är ischt im beescha Meder eine Auszeichnung, vor ihm hatte das ganze Dorf Respekt.
Um immer eine scharfe Sense zu haben, wurde die Sense gewetzt. Das geschah mit dem Wetzstein, den man im mit Wasser gefüllten Schteifass aus Holz (später auch aus Leichtmetall oder Kunststoff) am Hosenbund mittrug. Beim Wetzen wurde die Sense hochgehoben, und man fuhr mit dem Wetzstein der Schnittfläche, des Sensenblattes entlang in Richtung Sensenspitze. Das wollte gekonnt sein, damit die Sense nicht durch fehlerhaftes Wetzen vorzeitig stumpf wurde. Schlug der Mähder die Klinge an einem Stein schartig, so musste sie ausgebessert werden, nötigenfalls musste er die Sense nochmals dengeln. Noch schlimmer waren die Folgen, wenn der Mähder mit der Sensenspitze auf einen im Land steckenden Stein traf. Die Sense konnte regelrecht zusammengestaucht werden. Die Schnittfläche wurde wellenförmig, sie war enttannti, wie der Fachausdruck in der Sprache der Mähder lautete. Im ungünstigsten Fall war die Sense nicht mehr zu gebrauchen. Hatte man mit dem Mähen zeitig begonnen und war die Wiese relativ klein, war man kurz nach Sonnenaufgang fertig. Andernfalls wurde nach dem Frühstück bis gegen zehn, halb elf Uhr weitergemäht. So blieb dann nur eine kurze Pause bis zum Eintragen des Heus auf einem anderen Grundstück.
Die Frauen oder die älteren Kinder brachten den Mähdern das Frühstück: Kaffee, Brot, Käse oder Speck. Ihre Aufgabe war das Zetten, das Verteilen des gemähten Grases auf der Wiese. Allerdings musste manchmal noch den Wasserleiten oder den Wiesenrändern entlang, wo die Sense nicht hinkam, kchrüttut werden, was die Frauen auf den Knien mit einer Sichel erledigten. Mit dem Zetten fing man jeweils dort an, wo die Mähder aufgehört hatten. Als Werkzeug brauchte man eine Zettgabel. Man musste darauf achten, die Mahd gut aufzunehmen, das Gras gleichmässig zu verteilen und keine Häufchen zu bilden.
Im Zusammenhang mit dem Mähen möchten wir eine eher lustige Geschichte einfügen, die sich wohl zur Zeit zugetragen hat, als vor allem Engländer ihren Urlaub in Zermatt verbrachten.
Allerdings waren auch nicht alle Mähder die gleichen Meister in ihrem Fach, wie
Nach dem Mähen bereitete der Bauer die Sense für den nächsten Tag vor. Er musste sie tängle. Manche erledigten es an Ort und Stelle direkt nach dem Mähen, andere erst am Abend nach dem Eintragen. Oft hing es davon ab, wo am folgenden Tag gemäht wurde. Zum Dengeln benutzte er den Tängelschtok und den Tängelhammer. Er setzte sich an einem geeigneten Platz nieder, steckte den Tängelschtok zwischen den Beinen in den Boden und legte die Klinge der Sense darauf. Mit dem Hammer schlug er nun auf die Schnittfläche. Sie wurde auf einer Breite von ca 3 mm dünner und schärfer. Es bildete sich die Tängli. Auch darin musste man eine grosse Fertigkeit besitzten: Die Schnittfläche musste flach und locker auf dem Tängelschtok aufliegen, es musste gleichmässig hart gedengelt werden, die Klinge durfte sich unter keinen Umständen spalten, sprizze, wie der Fachausdruck lautete. In späteren Jahren kam eine halbmechanische Tängelvorrichtung in Gebrauch, bei der die Sense gitrikkt wurde. Es war eine Holzbank, auf der, vereinfacht gesagt, zwei Metallstücke befestigt waren. Zwischen diese schob der Arbeiter die Schnittfläche der Sense. Durch eine Hebelwirkung wurden die beiden Metallstücke gegen einander gedrückt und dadurch die Sense geschärft. Diese Methode brachte den Vorteil, dass kaum etwas falsch gemacht werden konnte, wies aber auch den Nachteil auf, dass die Sense jeden Tag ins Dorf zurückgebracht werden musste. Die erfahrenen Mähder waren allerdings der Ansicht, eine gedengelte Sense schneide besser. Das Ideale wäre, sie nach dem Trikke noch kurz mit dem Hammer auf die herkömmliche Art und Weise zu dengeln.
Julen Klaus
Mähen und Dengeln: http://www.youtube.com/watch?v=KwdbCG2pph0
Bereits am Vorabend wurden die Sensen für den kommenden Morgen gedängelt (tängillu) (vorbereitet). Dazu benutzte man den Dängelstock (Tängilstock) und einen Dängelhammer (Tängilhammer). Der Dängelstock wurde mit der Spitze in den Boden gerammt, die Schnittfläche mit dem Dängelhammer schön gleichmässig auf einer Breite von ca. 3 mm ausgedünnt. Dängeln war eine richtige Kunst. Es musste darauf geachtet werden, dass die Schnittfläche schön flach und locker auf dem Dängelstock auflag. Ungleichmässige Hammerschläge oder eine zu breite Ausdünnung konnten dazu führen, dass die Sense praktisch unbrauchbar wurde. Die Schnittfläche wurde wellenförmig und entspannte sich. Dängeln musste also gelernt werden, etwas, was ich nie geschafft habe. Ich mag mich erinnern, dass mein Vater, mein jüngerer Bruder und ich in der Voralpe «Risegga» beim Mähen waren. Da wollte ich es wissen. Ich habe den Dängelstock eingeschlagen und losgedängelt. Wegen der Hitze trug ich mein Hemd vorne offen. Dies hatte zur Folge, dass sich mein ganzer Bauch mit kleinen Schnittwunden überzog, verursacht durch die wegspritzenden Metallpartikel der Sense. Für den Spott brauchte ich dann nicht zu sorgen. In Zukunft überliess ich das Dängeln stets dem Vater oder einem Bruder.
Mit dem Mähen (Meeju) wurde frühmorgens, meist gegen vier Uhr, begonnen. Aus guten Gründen. Die beiden ältern Brüder konnten so bis gegen 7 Uhr dem Vater beim Mähen helfen, bevor sie zur Arbeit gingen. Das taufeuchte Gras liess sich auch besser und leichter mähen. Abgesehen davon war diese Arbeit in der morgendlichen Frische angenehmer als in der Hitze des Tages. Nach Sonnenaufgang, spätestens aber gegen 9 Uhr, wurde das Mähen beendet und die Sensen für den Abend gedängelt. Vor dem Mähbeginn schritt man die Grenze zur Wiese des Nachbarn ab. Man ging z Maarch (Marke, Grenzstein). Dazu wurde auf dem Grenzstein, der March (Maarch), eine «Zettgabla» eingesteckt, dann ging man, mit den Füssen eine gut sichtbare Spur ziehend, von March zu March.
Gemäht wurde von rechts nach links. Der «Meder» hielt die linke Hand am Griff Chriizholz am untern Ende des Woorbs, während er mit der rechten Hand am Griff in der Mitte, dem Girbi, die Sense (Sägessa) führte.
Durch das Mähen wurde das Gras zu «Maaden» zusammen geschoben. Gemäht wurde meistens in einfachen «Maaden», seltener in «Doppilmade». Zum Mähen in «Doppelmanden» wurde in einem ersten Gang gegen das stehende Gras und in einem zweiten Gang in die Gegenrichtung gemäht. Mähten mehrere Mähder hintereinander, war es wichtig, dass der beste Mähder voraus mähte und die andern ihm folgten. Nur so konnte vermieden werden, dass man sich gegenseitig behinderte.
In regelmässigen Abständen musste die Sense wieder gwetzut (geschärft) werden. Dies geschah mittels des Wetzsteins (Wetzstei). Dieser steckte im hölzernen, mit Wasser gefüllten Steifass, das der Mähder am Hosenbund oder Gürtel hängen hatte. Vor dem Wetzen wurde die Schnittfläche der Sense mit der Hand von Grasresten gereinigt. Zum Wetzen legte man die Sense übers Knie und fuhr dann mit dem Wetzstein das Sensenblatt entlang von der breitem Seite zur Sensenspitze. Wetzen musste gelernt sein. Ein fehlerhaftes Wetzen machte die Sense vorzeitig stumpf. Eine leichte, feine Sensenführung zeichnete den guten Mäher aus. Ein solcher bin ich nie geworden. Als wir einmal im Unternesseltal beim Mähen waren, versuchte ich es mit Kraft - sozusagen - mit Gewalt. Nebst dem Gras trug ich dabei auch Unebenheiten im Gelände ab, was meinen Vater zu der schmunzelnden Frage veranlasste «Was haben dir die Hubla zuleide getan»? War die morgendliche Mahd beendet, musste das gemähte Gras von uns Buben oder von einer Schwester auf den Matten gleichmässig gezettut (verteilt) werdenJe besser gezettut wurde, desto leichter und schneller dörrte das Gras. Zum Zettu diente uns die dreizinkige «Zettgabla».