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Der Magen-Darm-Trakt ist das wichtigste Immunorgan unseres Körpers und steht über die Mikrovilli, die die Darmoberfläche stark vergrößern, ständig in Kontakt mit der Außenwelt. Im Darmtrakt leben 10-mal mehr Bakterien als unser Körper Zellen besitzt. Die Gesundheit des Darms hängt vom Ausgang des ständigen Kampfes zwischen den im Magen-Darm-Trakt befindlichen probiotischen Bakterien und pathogenen Organismen ab, die sich um die verfügbare Nahrung und um den Raum streiten, der zur Verfügung steht, um sich auf der Darmwand anzusiedeln. Die Gesamtgesundheit des Menschen wird maßgeblich durch den Grad des Gleichgewichts der Darmflora bestimmt.
Manchmal verursacht eine deregulierte Darmflora jedoch Probleme. Mehr als 80.000 Menschen in den Niederlanden leiden an einer chronischen Darmerkrankung. Außerdem hat sich gezeigt, dass der Einsatz von Antibiotika beispielsweise zu einer Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile führen kann. Neuere Untersuchungen zeigen, dass bei Patienten, die zum Beispiel unter Autismus und Depressionen leiden, oft gleichzeitig eine ungesunde Darmflora vorliegt. Einige Darmbakterien können sogar die Gesundheit des Gehirns beeinflussen. Neuere Studien deuten darauf hin, dass diese Bakterien auch bei der Multiplen Sklerose (MS) eine Rolle spielen könnten.
Eine Fäzestransplantation, die zurzeit jedoch nur bei einer Infektion durch das Bakterium Clostridium difficile angewendet wird, kann die Darmflora mit einem Schlag verändern. Durch die Nase wird eine Sonde bis in den Dünndarm eingeführt, über die dann der in einer Kochsalzlösung aufgelöste Stuhl einer anderen Person verabreicht wird. Dieser Eingriff dient der Verbesserung der Darmflora. Könnte die Fäzestransplantation in Zukunft auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt werden?
Im medizinischen Zentrum der Universität Amsterdam wird zurzeit der Einfluss von Darmbakterien auf die Funktionen von Bauchspeicheldrüse, Leber und Muskeln erforscht. Dabei sollen insbesondere die Auswirkungen auf Diabetes und Morbus Crohn gezeigt werden. Das medizinische Zentrum der Region Den Haag wird demnächst eine Studie über die Wirkung von Fäzestransplantation bei MS-Patienten durchführen. Im Norden der Niederlande nehmen bereits seit 30 Jahren mehr als 165.000 Teilnehmer an der Lifelines-Kohorte teil, bei der unter anderem die bakterielle Zusammensetzung der Darmflora von Menschen mit und ohne MS verglichen wird. Darüber hinaus werden Blut- und Urinproben gesammelt und Fragen zum Lebensstil gestellt.
Ein neues Mikrobiom durch eine Transplantation – ein radikaler Eingriff, der für viele Menschen zweifellos eine äußerst unappetitliche Vorstellung sein dürfte. Aber wenn es hilft? Dann könnte dies vor allem bei so schwerwiegenden Erkrankungen wie MS einen neuen Hoffnungsschimmer bedeuten. Allerdings ist eine solche Behandlung in den Niederlanden derzeit noch nicht verfügbar.
Doch abgesehen davon geht es auch anders. Die Darmflora kann auch durch eine Umstellung des Lebensstils wieder ins Lot gebracht werden. Weniger verarbeitete Lebensmittel, viele Ballaststoffe, so viel Bewegung an der frischen Luft wie möglich. Das ist ein bewährtes Rezept für ein gesünderes Leben. Ballaststoffe enthalten Präbiotika, die dabei helfen, eine gestörte Darmflora wiederherzustellen. Weiterhin können dies auch Probiotika zum Beispiel aus fermentierten Lebensmitteln und Joghurt. Und wenn die Umstellung der Ernährung alleine nicht ausreicht, steht die orthomolekulare Supplementierung mit Prä- und Probiotika ganz obenan auf der Liste.
Letztlich geht es natürlich immer um eine dauerhafte Veränderung des Lebensstils. Und wir wollen uns doch nichts vormachen: Auch nach einer Fäzestransplantation ist diese Umstellung notwendig, will man nicht nach kürzester Zeit wieder am Ausgangspunkt landen.
Zu den positiven Auswirkungen einer gesunden Darmflora auf alle Arten von Krankheiten wird zurzeit reichlich geforscht. Dies kann durch eine Änderung des Lebensstils erreicht werden. In Zukunft könnte einer solchen Änderung vielleicht eine Fäzestransplantation vorausgehen: Ein guter Start auf dem Weg zu einem besseren Lebensstil mit einem gesünderen Leben als Endpunkt. Aber danach ist es – wie immer – wichtig, motiviert zu bleiben und gesunde Entscheidungen zu treffen. Und auch hier kommt dem orthomolekularen Therapeuten auch in Zukunft eine wichtige Rolle zu.