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Im ersten Wahlgang letztes Wochenende schaffte es kein Kandidierender direkt in die Freiburger Kantonsregierung. Vor allem bei der Mitte, die ihre drei Sitze im siebenköpfigen Staatsrat verteidigen wollte, kam es zu einer Überraschung. Nur der bisherige Volkswirtschaftsdirektor Olivier Curty schaffte es unter die ersten fünf. Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen aber wurde auf den neunten Platz abgestraft und die neue Kandidatin Luana Menoud-Baldi schaffte es sogar nur auf Platz zehn. Eine Schlappe.
Mitte erstmals mit weniger als drei Sitzen
Die grosse Frage: verzichtet die Mitte auf einen ihrer drei Sitze, um eine bürgerliche Liste zu ermöglichen? Eine solche Allianz wird seit dem ersten Wahlgang als Lösung gesehen, um dem starken linken Bündnis entgegenzuhalten.
Tatsächlich entschied die Mitte-Partei, Luana Menoud-Baldi nicht mehr als Kandidatin aufzustellen. Das ist bemerkenswert, weil die Mitte (früher CVP) noch nie in ihrer Geschichte weniger als drei Sitze im Freiburger Staatsrat hatte.
Für Luana Menoud-Baldi war der Rückzug nicht einfach. Damit scheiterte das Vorhaben, eine bürgerliche Frau aufzustellen. Nun kommt es nach den Wahlen 2016 erneut zu einer bürgerlichen Allianz, die mit fünf Kandidaten in den zweiten Wahlgang steigt.
Neben den bisherigen Mitte-Staatsräten Curty und Siggen werden zwei FDP-Kandidaten aufgeführt: Der bisherige Staatsrat Didier Castella, der beim ersten Wahlgang den dritten Platz holte sowie der neue Romain Collaud, der mit Platz sieben ebenfalls ein gutes Resultat schaffte.
Der fünfte Listenplatz geht an die SVP, die seit 25 Jahren nicht mehr im Staatsrat vertreten ist. Sie entschied sich für Philippe Demierre, der von den vier Kandidierenden im ersten Wahlgang die meisten Stimmen holte und auf Platz 11 landete.
SP verzichtet für CSP
Die Linken hatten mit ihrer gemeinsamen Liste im ersten Wahlgang grossen Erfolg. Der bisherige SP-Staatsrat Jean-François Steiert holte am meisten Stimmen und die neuen Kandidatinnen, Sylvie Bonvin-Sansonnens (Grünen) und Valérie Piller Carrard (SP), schafften es auf Anhieb auf den zweiten und vierten Platz. Auch die zwei weiteren neuen Kandidatinnen, Alizée Rey und Sophie Tritten, schafften es unter die besten acht.
Auch wenn die linke Allianz mit allen Kandidierenden gute Resultate erzielte, wird sie nur noch mit vier Kandidierenden antreten und versuchen, die Mehrheit zu erobern oder zumindest zur Situation von 2012 bis 2018 zurückzukehren, in der die SP zwei und die Grünen einen Sitz hatten.
Alizée Rey, Kantonalpräsidentin der SP verzichtet auf ihre Kandidatur, damit die Mitte Links-CSP mit Sophie Tritten auf der gemeinsamen Liste bleiben kann: «Ich ziehe mich zurück, um die in ihrer Vielfalt geeinte Linke zu stärken und die Reihen zu schliessen», sagt Rey.
Neue Verteilung
Nicht mehr dabei sind die Grünliberalen. Damit treten 9 Kandidierende auf zwei Listen bei den Staatsratswahlen vom 28. November an. «Am wahrscheinlichsten ist, dass sich die beiden Blöcke wie bei den letzten Wahlen vor fünf Jahren aufteilen: Rot-Grün mit drei, die Bürgerlichen mit vier Sitzen», sagt Oliver Kempa, SRF-Korrespondent in Freiburg. Die Grünen dürften ihren Sitz, den sie bei der Ersatzwahl von Marie Garnier 2018 an Didier Castella von der FDP verloren hatte, also wieder zurückholen.
Bei den Bürgerlichen hat die Mitte und FDP die besten Chancen: «Für die SVP wird es schwierig, denn erfahrungsgemäss wählen auch viele Mitte-Wählenden in Freiburg keine Kandidaten der SVP – auch nicht mit einer Allianz», so Kempa.
Wahlen Oberamt
Am 28. November findet in drei Bezirken zudem der zweite Wahlgang der Oberamtmänner und -frauen statt.
Im Saanebezirk treten Lise-Maire Graden (SP) und Christian Clément (Mitte) erneut an.
Im Seebezirk kommt es zur Wahl zwischen Christoph Wieland (FDP) und Julia Senti (SP).
Und im Greyerzbezirk tritt Vincent Bosson (FDP) gegen Grégoire Kubsky (Linke) an.