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Thomas erzählt weiter:
Die Königstochter
Linda bestellte mich heute in ihr Büro und sagte: «Es gibt allen Grund zur Annahme, dass du etwas mit der positiven Wendung in unserem Geschäft zu tun hast“. Was sollte ich dazu sagen? Indem ich mit den Schultern zuckte meinte ich kurz: „Ich tat nur, was ich konnte.“ – Aber Linda liess nicht locker: „Du hast offenbar einiges drauf, mehr als gewisse Leute denken …“.
Der rote und der weisse Ritter
Als ich schwieg, fuhr sie fort: „Ich habe mich umgehört, bei Mitarbeitern und bei Kunden: Du bist hilfsbereit und packst an, wo es etwas zu tun gibt (rot). Auch siehst du die Bedürfnisse der Kunden. Dabei bist entgegenkommend und engagiert, aber ohne dich aufzudrängen (weiss). Manch einer könnte da wohl von dir etwas lernen.“ Erwartungsvoll blickte sie mich an. Ich hielt ihrem Blick stand.
Drei Tage Festlichkeiten und drei goldene Äpfel
Sie lächelte und sagte: „Du wartest wohl, bis man dir den roten Teppich ausrollt? – Bitte: Was hältst du von einem gemeinsamen Abendessen? In drei Tagen, am 28.? Da könnten wir so einiges besprechen.“ In meinem Kopf stürmten Gedanken auf mich ein. Linda beeindruckte mich. Sie war so stark, aber auch achtsam. Aber ich wollte mich nicht auf Spiele einlassen. Zudem arbeiteten wir in derselben Firma.
Der schwarze Ritter
Geduldig wartete sie, bis ich antwortete: „Ich würde dir gerne zusagen. Aber es ist für mich jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Es gibt da so einiges, das ich noch klären muss …, zum Beispiel die Beziehung zu meiner Frau. Zu diesem Zweck, ich meine zur Selbstklärung, hatte ich mich vorübergehend von ihr getrennt“.
Linda lächelte mich warm an, nickte und sagte nach einer Weile: „Verstehe … Lass mich wissen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.“
Der Eisenhans und die Verwundung durch die Männer des Königs
Kurz darauf traf ich mich mit Anna zum Essen. Sie war kühl und abweisend. Ich merkte, dass sie mir nicht gleichgültig ist und dass ihre Ablehnung mich schmerzte. Sachlich erkundigte sie sich sachlich nach meiner neuen Stelle. Nachdem ich ein bisschen erzählt hatte, platzte sie heraus: „Ich habe eine neue Bekanntschaft, Leo heisst er.“ – „Mein Teamleiter? ??“, wollte ich erstaunt wissen. „Genau.“ Dabei blickte sie mich forschend an, um gleich ohne Umschweife fortzufahren: „Er hat mir gesagt, dass du beim Konkurrenten rumgeschnüffelt hast, um dir eine bessere Position zu verschaffen.“ Ich erschrak, widerstand aber der Versuchung, mich zu rechtfertigen, sondern nickte wage. Anna fuhr in einem gereizten Ton fort: „Und von mir musstest du dich wohl trennen, um mit Lilo ins Bett zu gehen?“ – Ach! Wo hatte sie denn das erfahren? Bestimmt nicht von Lilo!
Die Wunde des Königs
Nach ein paar Sekunden Nachdenken sagte ich gedämpft: „Es ist wahr. Ich will nichts verharmlosen und in diesem Sinn hilft es wohl auch nichts, wenn ich dir sage, dass es nichts Ernstes war.“
Anna sass mit verschränkten Armen da und blickte auf den Teller. Also fuhr ich fort: „Anna! Es tut mir leid, was ich dir zugemutet habe. Ich weiss, dass es schwer für dich war. Aber ich brauchte diese Zeit. Ich wollte innere Klarheit erlangen …“ – „Und hast du diese jetzt gewonnen?“ Nun blickte sie mich an. War da eine Träne in ihren Augen?
Die wahre Identität des Helden
Darum nahm ich nun meinen ganzen Mut zusammen, ergriff ihre Hände und sagte: „Hör zu: Ja! Ich hatte Zeit nachzudenken. – Anna! Ich liebe dich! Du bist die Frau meines Lebens! Das ist mir jetzt klar geworden. Wir haben so viel zusammen erlebt und so viel zusammen aufgebaut. Bitte vergib mir. Lass uns wieder zusammenkommen! Lass uns neu anfangen!“
– „Ich weiss nicht …“, sagte sie steif. Sie faltete ihre Serviette zusammen, legte sie auf den Tisch und stand auf: „Ich muss darüber nachdenken“, sagte sie. Dann ging sie.
Alles verloren?
Danach fühlte ich mich zerschlagen, als würde alles zerfallen, was ich jemals war und hatte. Auch die Arbeit machte mir keinen Spass mehr. Zudem kam es mir vor, als wäre Leo mir gegenüber feindseliger als zuvor. Er hielt mir zudem die interessanten Arbeiten vor und gab mir stattdessen die Routine-Jobs. Dabei war ich doch ihm gegenüber stets loyal gewesen und hatte niemandem erzählt, dass ich seinen Namen auf den Unterlagen in Richards Büro gesehen hatte.