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Montag 15-Juni-2015
Mit einer Lebenserwartung von fast 80 Jahren gehört der Mensch zu den am längsten lebenden Säugetieren. Aus evolutionärer Sicht ist bemerkenswert: Menschen erzeugen nach ihrem fünfzigsten Lebensjahr kaum noch Nachwuchs. Warum werden wir trotzdem so alt? David van Bodegom, inzwischen promovierter Mitarbeiter an der Leyden Academy on Vitality and Ageing, untersucht diese Frage in seiner Dissertation.
Einen Link zu dieser Dissertation finden Sie weiter unten.
David Bodegom erforschte den selektiven Vorteil eines langen post-reproduktiven Lebens in einer polygamen Gesellschaft in Ghana. Dabei untersuchte er den Einfluss auf die Anzahl von Nachkommen und auf deren Überlebensrate, wenn Männer oder Frauen über fünfzig in den Haushalten anwesend waren.
Frauen über fünfzig führten zu 2,3 % mehr Nachkommen, hatten jedoch keinen Einfluss auf die Überlebensrate. Auch Männer über fünfzig hatten keinen Einfluss auf die Überlebensrate. Jedoch konnten die Männer in der polygamen Gesellschaft bis ins hohe Alter Kinder zeugen. Beachtliche 18,4 % der Kinder wurden von Männern über 50 Jahren gezeugt. Dies bedeutet einen deutlichen Selektionsvorteil.
„Der Selektionsdruck von alten Männern [...] kann nur dann eine Rolle bei der Entwicklung unserer Langlebigkeit gespielt haben, wenn die Menschen bis in die jüngste evolutionäre Vergangenheit in polygamen Gesellschaften gelebt haben. Ein erstes Indiz hierfür stammt aus anthropologischen Untersuchungen, die zeigen, dass die Mehrheit der Gesellschaften, die wir kennen, in der Tat polygam ist“, erläutert David Bodegom. Auch Erkenntnisse aus der DNA-Forschung unterstützen diesen Befund.
Das wirft jedoch sofort eine weitere Frage auf: Wenn Männer für die lange post-reproduktive Lebensspanne verantwortlich sind, warum leben dann Frauen in unserer Gesellschaft länger?
„Die Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen sahen früher anders aus als heute, da früher viel mehr Frauen im Kindbett starben als heute. Den heutigen Unterschieden in der Lebenserwartung können sehr unterschiedliche Mechanismen zugrunde liegen: biologische, die im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt stehen, sowie neuere kulturelle und soziale Unterschiede.“