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Alt Bundesrat Adolf Ogi steht wie immer am Adelbodner Riesenslalom mit seiner giftgrünen Jacke links vom Medieneingang. Sein Blick wird immer finsterer. Er schüttelt den Kopf: «Das verstehe ich nicht.» Ein Schweizer nach dem andern verpasst die Qualifikation für den zweiten Durchgang. Am Schluss stehen nur noch Carlo Janka (21.) und Gino Caviezel (23.) im Klassement. Damit egalisierte Swiss-Ski die schwächste Adelboden-Bilanz aus dem Jahr 2006, als Marc Berthod und Didier Cuche ex aequo den 21. Rang belegten.
Im letzten Riesenslalom vor den Weltmeisterschaften in Beaver Creek haben die Schweizer nach scheinbaren Fortschritten wieder den Rückwärtsgang eingeschaltet. Altmeister Pirmin Zurbriggen, Adelboden-Sieger 1983 und zweimal 1987, der das Chuenisbärgli aus dem Effeff kennt, nimmt die Athleten in Schutz: «Die Fahrer mit Nummern über 30 hatten keine Chance.» Unter ihnen befanden sich ausser Janka und Caviezel gestern die restlichen sieben Schweizer. «Der Schnee und die Ski rutschten mit ihnen weg», versucht Zurbriggen zu erklären: «Der oberste Belag der Piste war wie Schmierseife. Das hat nichts mit einer schlechten Piste zu tun, sondern mit dem starken Regen in der Samstagnacht. Die Organisatoren haben bei diesen schwierigen Bedingungen optimale Arbeit geleistet.»
Adolf Ogi sieht das Ganze wesentlich kritischer: «Jetzt darf man nicht alles beschönigen. An einem Schweizer Rennen sind bessere Resultate zwingend.» Er sagt es zwar nicht, lässt aber durchblicken, was beim damaligen Zeitgeist in den goldenen Jahren des Schweizer Skisports nach einem solchen Debakel passiert wäre: Das hätte kein Direktor überstanden.
Auch Altmeister Erwin Josi, ein Adelbodner Urgestein, erinnert an jene Zeiten: «Da starteten stets acht Mann in den ersten 30, je vier in der ersten und vier in der zweiten 15er-Gruppe. Und meistens waren ebenso viele im Klassement vorne.» Der Riesenslalom galt als Schweizer Parade-Disziplin. In der ewigen Rangliste steht die Schweiz mit 71 Weltcupsiegen hinter Österreich (91) und mit grossem Abstand auf Schweden (53) und Italien (49) auf dem zweiten Platz. Und die Schweiz stellte 21 verschiedene Sieger, mit Michael von Grünigen (23), Zurbriggen (7) und Joel Gaspoz (6) als erfolgreichsten Athleten.
Mit dem Rücktritt von «MvG» 2003 begann die kargere Zeit. Didier Cuche, Carlo Janka sowie die Ski-Zwillinge Daniel Albrecht und Marc Berthod, der auch der letzte Adelboden-Sieger (2007) ist, hielten die Fahne aufrecht. Aber das Team verfügte nicht mehr über jene Kompaktheit wie in den Neunzigerjahren, als die Schweizer mit Trainer Fritz Züger 23-mal hintereinander auf das Podest fuhren. Tempi passati.
Die Krise im Riesenslalom begann sich zu akzentuieren, als Swiss-Ski die Umstellung auf die weniger stark taillierten Ski verpasste und Carlo Janka, Weltmeister und Olympiasieger in dieser Disziplin, den Faden verlor. Seit seinem letzten Sieg im März 2011 in Kranjska Gora, unmittelbar nach seiner Herzoperation, schaffte es nie mehr einer aufs Podest, und Janka und Didier Défago nur noch je zweimal unter die ersten sechs.
So kann nicht plötzlich aus dem Nichts ein Exploit erwartet werden, erst recht nicht in Adelboden. Pirmin Zurbriggen sagt überzeugt: «Die Leistungen unserer Athleten sind besser als ihre Resultate. Es war heute einfach nicht mehr möglich: Wenn die Nummer 34 die letzte ist, die sich noch für das Finalfeld qualifiziert, sagt das alles.» Er wisse, was die Riesenslalomfahrer können: «Sie sind gut drauf. Ich habe sie im Europacup gesehen, als sich 7 unter den ersten 30 klassierten. Sie müssen einfach probieren, probieren, kämpfen und, wenn sich eine günstige Situation bietet, diese ausnützen.» Gestern Samstag war es keine solche.
Alpinchef Rudi Huber kommentiert die schwache Leistung ohne Schnörkel: «Es ist nicht das, was wir uns vorstellten: Das ist zu wenig, ein schlechtes Ergebnis. Für eine detaillierte Kritik muss ich aber alles nochmals analysieren. Wir hatten zwar schlechte Startnummern, aber Marcel Hirscher hat gezeigt, dass man auch mit der Nummer 30 noch gut fahren kann.» Aber selbst er fuhr nur noch die zehnbeste Zeit.
Und es gilt festzuhalten: Carlo Janka ist überhaupt noch der einzige Speed-Fahrer, der (in der Weltrangliste Nr. 13) mehr oder weniger mit den «Riesen»Spezialisten mithalten kann. Kjetil Jansrud schied aus, Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer verpasste den zweiten Lauf. Aus dem österreichischen Team ist neben Hirscher nur noch Benjamin Raich (bald 37) halbwegs konkurrenzfähig. Das ÖSV-WM-Team wird ergänzt durch Christoph Nösig (auch schon 30) und Philipp Schörghofer (32), die heuer noch nie über die Ränge 16 und 18 hinausgekommen sind.
So darf davon ausgegangen werden, dass Swiss-Ski neben Janka und Gino Caviezel, die die Kriterien erfüllten, auch zwei aus dem Trio Manuel Pleisch (ein 16. und ein 22. Rang), Justin Murisier (12.) und Elia Zurbriggen (13.) berücksichtigen wird.
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Seit dem Rücktritt von Mike von Grünigen ist der Riesenslalom die Schweizer Sorgendisziplin. Seit Carlo Jankas letztem Sieg 2011 in Kranjska Gora sind die Spitzenresultate im Riesen an einer Hand abzuzählen.
Alt Bundesrat Adolf Ogi steht wie immer am Adelbodner Riesenslalom mit seiner giftgrünen Jacke links vom Medieneingang. Sein Blick wird immer finsterer. Er schüttelt den Kopf: «Das verstehe ich nicht.» Ein Schweizer nach dem andern verpasst die Qualifikation für den zweiten Durchgang. Am Schluss stehen nur noch Carlo Janka (21.) und Gino Caviezel (23.) im Klassement. Damit egalisierte Swiss-Ski die schwächste Adelboden-Bilanz aus dem Jahr 2006, als Marc Berthod und Didier Cuche ex aequo den 21. Rang belegten.