Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03119.jsonl.gz/2234

Der "Grand Old Man" des Schweizer Kabaretts ist am Sonntag im Alter von 82 Jahren gestorben, wie sein Sohn, Lorenz Keiser, am Montag mitteilte.
Keiser war Mitglied des Cabaret "Federal" und trat später während fast 45 Jahren mit Margrit Läubli auf.
Die wohl bekannteste Nummer Keisers war das Telefonat mit der Auskunft "Hallo! Do isch Kuenz in Bünze" aus dem Jahr 1962. Eine Adaption des Karl Valentin Klassikers "Buchbinder Wanninger".
Cés Keiser gehört aber nicht nur deswegen zu den bekanntesten Kabarettisten der Schweiz. Zusammen mit seiner Frau Margrit Läubli brachte er in den vergangenen 45 Jahren rund 20 "Opus"-Programme auf die Bühne und veröffentlichte etwa 30 Tonträger und mehrere Bücher.
Für seine Programme wurde das Duo mehrfach ausgezeichnet, so 1990 anlässlich der Oltener Cabaret-Tage mit dem "grossen Cornichon Preis" und 1999 in Leipzig mit dem "Salzburger Ehrenstier".
Mann der Perfektion
Kabarett-Kollege Emil Steinberger bezeichnete Keisers zeitkritisches Kabarett als Inbegriff der Perfektion.
Dies gelte für den Text, die Kostüme, die Inszenierung und auch für die Zusammenarbeit mit Läubli, sagte Emil.
Es sei für ihn als junger Mann jeweils ein Ereignis gewesen, nach Zürich ins Hechtplatztheater zu fahren und dort Keiser und Läubli zu sehen. Wer einen Nerv für dieses Metier gehabt habe, sei durch solche Highlights animiert worden, selber tätig zu werden.
Monatelang Theater gefüllt
"César Keiser war einer der grossen Kabarettisten der Schweiz, und das bis ins hohe Alter", sagt Dominik Flaschka, Leiter des Zürcher Hechtplatz-Theaters, wo Keiser seit Jahrzehnten regelmässig auftrat.
Noch vor drei Jahren füllten Keiser und Margrit Läubli monatelang das Hechtplatztheater mit ihrem Programm "Frisch geliftet", erinnert sich Flaschka. Darin nahmen sie - durchaus selbstironisch - die Gebresten des Alterns auf die Schippe.
Gerade diesen ironischen Blick auch auf die eigene Situation findet Flaschka bewundernswert. Bei den jüngsten Auftritten im vergangenen Herbst habe man allerdings bemerkt, dass es ihm gesundheitlich nicht mehr so gut gegangen sei, sagte Flaschka.
Sinn fürs Skurrile
Eine langjährige persönliche Freundschaft verband den Kabarettisten Franz Hohler mit dem fast 20 Jahre älteren Keiser. Sie besuchten gegenseitig ihre Programme und tauschten ihre Ansichten dazu aus.
Keiser sei ein Sprachakrobat mit starkem Sinn für das Skurrile gewesen, ein Komiker und Komödiant, ein Satiriker, Moralist und Poet, sagte Hohler.
"Ich bin schockiert", sagte eine merklich bewegte Stephanie Glaser, die in ihrer Trauer nicht gross Auskunft geben mag. Die Schaupsielerin, die zurzeit mit dem Film "Die Herbstzeitlosen" Triumphe feiert, kannte Keiser seit Jahrzehnten: "Wir haben schon im Cabaret 'Fédéral' zusammen gearbeitet."
Nicht verzweifeln, wenn sich nichts bewegt
Bundesrat Moritz Leuenberger hat den verstorbenen Ces Keiser für sein engagiertes Schaffen gewürdigt und ihn als lieben Freund verabschiedet.
Keiser habe zwei Dinge vorgelebt, die vielen - auch ihm - Mut gemacht hätten, schrieb Leuenberger am Montag.
Er habe sich zusammen mit Margrit Läubli für öffentliche Belange eingesetzt. Dabei habe er den Humor genutzt und seinen schauspielerischen Professionalismus als politisches Mittel eingesetzt, um die Öffentlichkeit zu bewegen.
Gleichzeitig habe er die Kunst vorgelebt, nicht zu verzweifeln, wenn sich dennoch nichts bewege.
"Altmeister seines Fachs"
Der Appenzeller Simon Enzler, Vertreter der jungen Generation von Kabarettisten, bewundert nach eigenen Angaben vor allem die "poetisch-spielerische" Art, wie Keiser mit der Sprache umgegangen sei.
Ihn selbst und sein persönliches Schaffen habe Keiser nicht direkt beeinflusst, aber "man hat ihn von frühester Jugend an gekannt".
Ein "Kabarettist mit Stil" war Keiser in den Worten von Marc Wehrlin, Vizedirektor des Bundesamtes für Kultur. Der "Altmeister seines Fachs" habe Kultur und Kunst in ihrer höchsten Form gepflegt.
Die Erinnerung an ihn werde bei allen, die ihn gekannt hätten, auch nach seinem Tod "ein heiteres Lächeln" hervorrufen.
swissinfo und Agenturen
Lebensdaten
César Keiser wurde als Hanspeter Keiser am 4. April 1925 in Basel geboren.
1951 holte ihn das Cabaret "Fédéral" nach Zürich. Dort lernte er seine Partnerin Margrit Läubli kennen, die er später heiratete.
Das Ehepaar hat zwei Söhne: Lorenz und Mathis.
Seit 1962 treten Keiser und Läubli gemeinsam auf.
Sie erhielten ehrere Auszeichnungen der Literaturkommissionen der Stadt und des Kantons Zürich.
1990 wurden Läubli und Keiser mit dem grossen "Cornichon-Preis" der Oltener Cabarettage ausgezeichnet und 1999 mit dem "Salzburger Ehrenstier" in Leipzig.
2004 erhielten sie den Ehren-Prix Walo der Show-Szene Schweiz für ihr Lebenswerk.