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Am 13. Dezember 1902 in Heimenschwand geboren, musste Gottlieb Wittwer schon bald sein Zuhause verlassen um als Verdingbub seinen Lebensunterhalt selber zu verdienen.
Als junger Mann von 24 Jahren erhielt er eine Arbeit in Spiez als Karrer. Das heisst, er war mit Ross und Wagen für die Baufirma Glivio unterwegs.
Seine schmutzigen Hemden wurden in Spiezwiler bei der Familie Luginbühl gewaschen und gebügelt. Dort verliebte sich Gottlieb in die hübsche Tochter Hedwig Luginbühl.
Die am 17. Mai 1909 in Spiezwiler geborene Hedi folgte nach ihrer Hochzeit 1929 ihrem Mann nach Sundlauenen, wo Gottlieb durch Zufall eine Stelle in den Steinbrüchen Balmholz als Maschinist gefunden hatte. Seine Aufgabe bestand darin, seinen Chef, Ingenieur Fritz Frutiger, als Privatchauffeur auf Abruf zu fahren und in der übrigen Zeit seiner Arbeit im Steinbruch nachzugehen.
1930 mietete Gottlieb und seine Frau die bestehenden Reparaturräumlichkeiten an der Hauptstrasse in Merligen. Im selben Jahr wurde der erste Sohn Kurt in Spiezwiler geboren und im Alter von
nur 7 Tagen mit dem Schiff über den See gebracht und seinem Vater vorgestellt.
Der technisch interessierte Gottlieb bewältigte die harte Zeit der dreissiger Jahre, indem er mit seiner Vielfältigkeit und seinem Fleiss die wenigen Automobile so gut wie möglich betreute und hauptsächlich das Velo- und Töffreparatur-Gewerbe pflegte.
Ausflüge über die Pässe mit Hotelgästen, Taxifahrten und Rundfahrten mit dem Motorboot gehörten zum jungen Unternehmen. Ebenso die regelmässigen Einsätze als Privatchauffeur für Fritz Frutiger, dem Gottlieb Wittwer 38 Jahre lang die Treue hielt.
Die tüchtige Hedi Wittwer unterstützte ihren Mann tatkräftig im Betrieb und führte gleichzeitig 48 Jahre einen Mercerie-Laden. Die Beschreibung Wundertüte für Hedis Lädeli ist bei weitem untertrieben. Konnte man doch ausser Lebensmittel wohl alles kaufen. Musikboxen, Wolle, Büstenhalter, Ansichtskarten, Totenhemden, Batterien, Arbeitskleider, Bleistifte, «Frauenfürze», um nur einiges zu nennen.
Im Jahr 1933 wurde der zweite Sohn Fredi geboren und somit das Arbeitspensum von Hedi Wittwer voll ausgeschöpft.
1938, ein Jahr vor Kriegsausbruch, konnten die beiden Häuser mit den Geschäftsräumlichkeiten ersteigert werden. Was damals ein grosses Wagnis war.
Der Ausbruch des Krieges änderte vieles.
Gottlieb war, wie viele andere auch oft im Aktivdienst.
Das Benzin war rationiert, die Fahrzeuge zum Teil eingestellt. Hedi musste während dieser Zeit «ihre Frau stellen».
Der Bau der Panzersperre war voll im Gang und einige Male musste sie verunfallte Arbeiter ins Spital transportieren.
Junge Schweine mussten in Thun abgeholt werden, weil der Tramfahrer sich weigerte, diese nach Merligen mitzunehmen.
Auch Gottlieb war nicht untätig und jede noch mögliche Arbeit wurde ausgeführt. Unter anderem konstruierte Gottlieb Wittwer eine fahrende Holzfräse, mit der er von Haus zu Haus fuhr und das Spaltenholz zu Brennholz sägte.
Kohlen- und Briketthandel sowie ein Gas-Depot waren weitere Erwerbszweige.
Nach dem Krieg begann eine gewaltige Zunahme der Motorisierung. Arbeit auf dem Automobilsektor war reichlich vorhanden.
Auch die Touristik florierte bereits wieder, wo vor allem mit englischen Gästen neue Kontakte entstanden. So freundete man sich auch mit einer englischen Garagisten-Familie an. Diese ermöglichte dem älteren Sohn Kurt nach seiner Lehrzeit und Absolvierung der Mot.-Mech-RS einen einjährigen Arbeitsaufenthalt in England als «Stud. Automech».
In dieser Garage wurde die Nobelmarke «Lagonda» (Aston Martin) nach dem kriegsbedingten Stillstand aufbereitet, zum Teil total zerlegt und neu aufgebaut.
Es wurde ein Zimmer organisiert, wo er versuchte, zu wohnen. Der Geiz der Zimmervermieter, wo selbst das Heizen im Januar nicht erlaubt war und die «Längiziti» nach der Schweiz machten den
jungen Mann sehr unglücklich.
Doch auf seinem Arbeitsplatz in der Garage fühlte er sich wohl und so freundete er sich mit seinen Arbeitskameraden schnell an. Sein Arbeitskollege Winter Pattinson hatte es ihm besonders angetan und so vertraute er seinem neuen Freund die misslichen Umstände der Wohnsituation an.
Winter Pattinson, erst seit drei Monaten mit Joyce verheiratet, reagierte schnell und holte den jungen Schweizer zu sich nach Hause. Bei Winter, Joyce und Mutter Pattinson fand er eine herzliche Aufnahme und verbrachte eine glückliche Zeit in England. Diese Freundschaft blieb bis zum Tod von Winter Pattinson im Jahr 2002 bestehen.
Die attraktive Margrit Steinmann aus Olten arbeitete in Merligen bei der Familie Frey als Kindermädchen. Nach unzähligen Abendspaziergängen mit seinem Schatz Margrit, Dackel Waldeli und Boxer
Zar merkte Kurt bald, dass diese intelligente junge Frau aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken war. 1952 gaben sich die beiden in der Kirche Merligen das Jawort.
1953,1955,1958 und 1962 wurden den beiden «NUR» vier Mädchen geschenkt.
1959, zwei Jahre nach seiner Meisterprüfung, übernahmen Kurt und Margrit Wittwer den Betrieb von den Eltern.
Zur gleichen Zeit konnten die heute noch betreuten Vertretungen von Citroën und SAAB übernommen werden.
Der Bau der Seetankstelle förderte den schon lange vorher betriebenen Motorbootservice. Nebst der grossen Familie besorgte Margrit Wittwer die gesamte Administration und ist bis heute die gute Seele der Firma.
Der jüngere Bruder Fredi Wittwer erbaute in Burgdorf seine eigene Garage.
1967 kurz nach der Eröffnung verunglückte Fredi mit dem Auto tödlich.
Seine Frau Helga mit zwei kleinen Töchtern musste sich alleine durchkämpfen.
1964 ersteigerten Margrit und Kurt Wittwer das Nachbargrundstück und ein Jahr später konnten sie in die neuen Geschäftsräume umziehen. Die Zeiten waren gut und mit viel Einsatz aller
Beteiligten konnte Geld verdient werden.
Dieses verdiente Geld wurde ständig investiert und 1974 konnte der Erweiterungsbau fertiggestellt werden. Die Herausforderung, mit bestmöglicher Raumausnutzung eine moderne Werkstatt zu gestalten, war gelungen.
Auch Ausstellfläche und Büroräume, auch durch Druck der Importeure, waren gefragt. So entstanden 1979 und 1997 die jetzt bestehenden attraktiven Räumlichkeiten.
So weit so gut!
Wer aber möchte und könnte das aufgebaute Lebenswerk einmal weiterführen?
Kurt und Margrit Wittwer mussten sich darüber eigentlich nie grosse Sorgen machen. Schon sehr früh zeigte sich, dass die dritte Tochter Edith sich für Mechanik wesentlich mehr interessierte als für sonst typische «weibliche Arbeiten». Sie war daher auch, wenn immer möglich, in der Werkstatt anzutreffen und versuchte jeglicher Hausarbeit aus dem Weg zu gehen. Dies spiegelte sich leider auch im Schulzeugnis der 6. Klasse nieder, wo die Note 2.5 für das Fach Handarbeiten ausgewiesen wurde. Das Zeugnis wurde von Vater Kurt mit dem Vermerk «mit Vorbehalt » unterschrieben.