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Drei Schicksale am Wendepunkt
Mia March: „Sommerblau“ (Roman)
Mia March hält sich an die bewährten Zutaten und kreiert mit attraktiven Männern, leckeren Kuchen und Familiendramen ein warmes und leichtes Frauenbuch, das Stereotype einflicht und darüber hinausschaut.
Von Noemi Jenni.
Es ist Sommer im Touristenort Boothbay. Die Leute sitzen in den Eisdielen oder geniessen Fish and Chips am Wasser. An diesem Idyllischen Ort soll der neue Film mit dem Schauspieler Colin Firth gedreht werden. Hoffentlich kennen Sie den britischen Schauspieler Colin Firth und seine Darstellung des Mister Darcy in der BBC Verfilmung von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“. Sollte dies nicht zutreffen, so sollten Sie dies noch schleunigst nachholen, um dieses Buch in all seinen Facetten zu verstehen. Alle drei Protagonistinnen in „Sommerblau“ lieben ihn und das spontane potentielle Auftreten von Colin Firth ist eine Art Running-Gag des Buches, denn die meisten Frauen im Ort möchten ihn unbedingt treffen.
Die Vergangenheit ist stetiger Begleiter
Veronica Russo wurde während der Highschool schwanger und deshalb von ihrer Familie in das „Heim der Guten Hoffnung“, ein Heim für schwangere Teenager, geschickt. Veronica gibt das Baby zur Adoption frei, lässt aber über die Jahre immer ihre Adresse im Archiv aktualisieren, damit das Kind sie auf Wunsch kontaktieren kann.
Als Bea zweiundzwanzig wird, stirbt ihre Mutter und sie findet heraus, dass sie adoptiert wurde. Nun muss sie entscheiden, ob sie die leibliche Mutter kennen lernen will. Die Mutter ist Veronica Russo. Bea geht nach Boothbay, wo Veronica als Kellnerin in einem Diner arbeitet, um einen Blick auf die Mutter zu werfen und mehr zu ihrer Adoption zu erfahren.
Während Bea noch zögert, ihre Mutter anzusprechen, taucht Gemma in ihrem Leben auf. Gemma ist schwanger, seit kurzem arbeitslos und hat grosse Angst, dass ihr Freund mit ihr des Kindes wegen in einen schmucken, langweiligen Vorort in die Nähe seiner Familie ziehen und die fleissige Journalistin zu einer unglücklichen Vollzeitmutter machen möchte. Nun ist sie in Boothbay um Freundinnen zu besuchen und über ihre Zukunftsvorstellungen ins Klare zu kommen. In Boothbay bekommt sie die Möglichkeit wieder zu arbeiten und für die Boothbay Regional Gazette einen Artikel über das „Heim der Guten Hoffnung“ und Porträts von aktuellen und früheren Bewohnerinnen zum fünfzigsten Jubiläum zu schreiben. Im Heim trifft sie auf Bea und sie kommen ins Gespräch. Gemma motiviert Bea, Veronica zu treffen. Doch das Treffen verläuft anders als von Mutter und Tochter erhofft, denn die Feuerwerke, das plötzliche Gefühl der Vertrautheit und die warmen Muttergefühle bleiben aus. Sie sind schliesslich zwei fremde Frauen.
Während Bea mit dem zweiter Regieassistenten des Colin Firth Films ausgeht und Veronica Russo dem Polizisten Nick näher kommt, hadert Gemma mit ihrer neuen Rolle als werdende Mutter.
Plötzlich schwanger, plötzlich Waise, plötzlich Mama
Mia March schafft es ein Gleichgewicht zwischen dramatischen Entscheidungen im Leben und lustigen, herzerwärmenden Liebesmomenten zu kreieren. Dadurch wirkt das Buch nicht so oberflächlich, wie es beginnt. Die Sprache ist einfach und steht auch nicht im Vordergrund – vielmehr geht es um Gefühle, um die Entwicklung von Beziehungen und die Veränderungen von Konstanten im Leben, die eben doch keine sind. Anstelle kitschiger Hollywoodmomente hält sich die Autorin an eine realistische Version des Wiedersehens zwischen Mutter und Tochter, ein vorsichtiges Abtasten, Zögern und Zweifeln. Die Kulisse dafür ist ein malerisches Städtchen, ein Filmset mit Colin Firth und die warme Küche von Veronica, in welcher sie ihre schmackhaften Seelenkuchen backt.
„Sommerblau“ beschreibt die Suche nach Frieden und Vollständigkeit und eine liebevolle, erlebnisnahe Beschreibung von Frauen in Krisensituationen.
Titel: Sommerblau
Autorin: Mia March
Übersetzerinnen: Juliane Pahnke und Katharina Naumann
Verlag: Rowolt Taschenbuch
Seiten: 384
Richtpreis: CHF 15.90