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Die Behauptung des Bloggers mit dem Hang zu politischem Engagement zeigt einmal mehr deutlich, wie wichtig eine umfangreiche Recherche ist, damit man sich seine Meinung nicht aufgrund der "Beweisführungen" anderer Leute bildet.
Joh 14:14 – Beten zu Jesus?
In der NWÜ lautet der Vers Joh 14:14
Joh 14:14 (NWÜ deutsch): Wenn ihr um etwas in meinem Namen bittet, will ich es tun.
Joh 14:14 (NWÜ englisch):If YOU ask anything in my name, I will do it.
Derselbe Vers zum Vergleich aus der Elberfelder:
Joh 14:14 (Elberfelder): Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.
Ein erstaunlicher Unterschied. Nach der Elberfelder Übersetzung fordert Jesus seine Jünger auf, ihn anzurufen. In der NWÜ fehlt ein “mich”. Wer hat Recht? Schauen wir doch in den griechischen Originaltext.
Wie er herausfindet, wurde das mehr als fragliche „mich“ in die Textausgabe von Westcott and Hort übernommen.
In einer anderen Textausgabe des griechischen Grundtextes, dem „Textus Receptus“, wurde dieses nicht zum Kontext passende „mich“ jedoch nicht in den Text übernommen.
Der Begriff „Originaltext“, welchen Herr Evermann hier verwendet, ist allerdings in beiden Fällen unpassend, da es sich nicht einmal bei den alten Handschriften (auf welchen die Textausgaben basieren) um Originale der inspirierten Bibelschreiber handelt.
Wie aus einem anderen Kapitel seines Blogs hervorgeht, ist ihm diese Tatsache durchaus bewusst, denn der Begriff „Textkritik“ ist ihm nicht fremd. Nur eignet sich der Ausdruck „Originaltext“ halt besser, um einen scheinbaren "Beweis" vorzutäuschen.
Die Informationen welche seinen "Beweis" wieder relativieren würden verschweigt er absichtlich, denn er kennt die Fussnoten der NWÜ Studienausgabe, unter einem weiteren Thema seines Blogs verweist er nämlich auf deren Fussnote zu 1.Mose 1:2.
Was der Blogger hier ebenfalls verschweigt, ist die Fussnote der Elbefelder, die ebenfalls zu beachten ist, um sich eine Meinung bilden zu können. (Siehe unter: Dreieinigkeit – Jesus ist Gott? / Schriftstellen / Scheinbar dafür durch tendenziöse Übersetzung / Johannes 14:14)
Mit einer Schriftstelle, die oft falsch interpretiert wird, glaubt er einen Zusammhang schaffen zu können, welcher den Kontext, auf den die Fussnote der NWÜ hinweist, noch übertreffen kann.
Joh 14:14 mit dem “mich” entspricht dem, was auch an anderen Stellen in der Bibel steht: (Hervorhebungen von mir)
1. Kor 1:1+2 (NWÜ): Paulus, durch Gottes Willen zu einem Apostel Jesu Christi berufen, und So.sthenes, unser Bruder, 2 an die Versammlung Gottes, die in Korinth ist, an euch, die in Gemeinschaft mit Christus Jesus Geheiligten, zu Heiligen Berufenen, samt allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus, ihres Herrn und des unseren, überall anrufen:
Derselbe Interpretationsfehler wird von vielen gemacht, nicht nur in 1. Korinther 1:2 sondern auch an anderen Stellen (z.B. Apostelgeschichte 7:59,60).
Das griechische Wort „ἐπικαλέω / epikaleo“ (anrufen, rufen, herbeirufen, benennen, nennen) kann nicht einfach mit „προσεύχομαι / proseuchomai“ (beten) gleichgestellt werden. (Siehe dazu: Dreieinigkeit – Jesus ist Gott? / Schriftstellen / Scheinbar dafür durch tendenziöse Übersetzung / Apostelgeschichte 7:59,60)
Nach Paulus war es bei den ersten Christen also völlig üblich “den Namen des Herrn Jesus Christus anzurufen”. Interessanterweise steht hier nicht “die Gott im Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen”. Was bedeutet das?
Das bedeutet, dass dieser Herr hier den Kontext nicht erkennen kann, weil er zu sehr damit beschäftigt ist, seine voreingenommene Meinung beweisen zu wollen.
Wenn er 1. Korinther 1:2 beispielsweise mit Epheser 5:20 und Kolosser 3:17 verglichen hätte, hätte er seine ach so interessante Frage gar nicht erst gestellt. (Siehe hierzu: Das Gebet / Durch Jesus Christus zu Jahwe beten)
Weder in 1.Korinther 1:2 noch in Apostelgeschichte 7:59 wird das Wort „proseuchomai“ (beten) verwendet. Um zu verdeutlichen, wie „epikaleo“ (anrufen) hier zu verstehen ist, nimmt man am besten eine der anderen Übersetzungsmöglichkeiten:
1. Korinther 1:2 ...die den Namen unseres Herrn Jesus Christus, ihres Herrn und des unseren, überall nennen
Nachdem ich mich mit Herrn Evermann in Verbindung setzte und ihn auf die Problematik bezüglich seiner Argumentation hinwies, ist dies seine Reaktion:
Er hält trotz meiner Ausführungen an seiner falschen Darstellung fest, "dass es sich bei der NWÜ im Vers Johannes 14:14 um eine bewusste Fehlübersetzung handelt".
Mit einer ganzen Menge an Text versucht er diesen Vorwurf aufrecht zu erhalten, dies obwohl die diesbezügliche Fussnote der NWÜ-Studienausgabe seinen Vorwurf genauso eindeutig widerlegt wie meine Ausführungen zu Johannes 14:14.
Diese Erweiterung seiner falschen Anschuldigung, baut er einmal mehr nach demselben Prinzip auf, mit welchem er die Herausgeber der NWÜ immer diskreditiert, er zitiert nur Teile ihrer Literatur und verschweigt das Massgebende absichtlich. (Siehe als Beispiel hierzu: Bringt Glaube allein Rettung? / Behauptungen)
Da es keinen Sinn macht, die unendlich langen Abschweifungen Evermanns immer wieder zusammenzufassen, füge ich den - Link zu seiner Argumentation - hier ein. So hat jeder die Möglichkeit sich davon zu überzeugen, dass ich ihn nicht gegen den Sinn zitiere, während ich nun seine Vorgehensweise erläutere:
Hier wirft er den Herausgebern der „Kingdom Interlinear Translation“ vor, sie hätten den Text bei Johannes 14:14 verfälscht. Als Beweis hat er ein Bild von der besagten Stelle erstellt, mit dem Kommentar dazu, "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte."
Was sagt uns aber das Bild ganz eindeutig? Dass man beide Texte offen und völlig transparent zum Vergleich nebeneinander legte.
Antwort auf den Kernpunkt seiner Anklage:
Einen zusätzlichen Hinweis darauf in einer Fussnote hinzuzufügen hielt man daher auch für überflüssig. Es ist ja eigentlich offensichtlich, dass man das „mich“ nicht übernommen hat, die beiden Stellen liegen auf gleicher Höhe nebeneinander. Man schenkt dem ohnehin offensichtlichen Unterschied an dieser Stelle schlicht nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie Herr Evermann, der sein ganzes Glaubensgerüst auf der einen Variante dieses Verses aufbaut.
Evermann fügt dem Bild dann trotzdem noch "tausend" Worte hinzu, das Ganze eröffnet er mit der Bemerkung: "An sich könnte dieser Artikel an dieser Stelle zu Ende sein. Aber nachdem..."
Ja, nachdem ich ihn mit meinen Ausführungen zu seiner Argumentation öffentlich konfrontiert hatte blieb ihm fast nichts anderes mehr übrig als seine Leser nun doch noch auf die anderen "Originaltexte" aufmerksam zu machen, jene Handschriften ohne dieses „mich“, jene "Originaltexte" welche also seinem "Originaltext" widersprechen.
Selbstverständlich tat er dies nicht ohne gleich im Anschluss zu behaupten, dass nur die Handschriften mit dem nicht zum Kontext passenden „mich“ von Relevanz sind. Die detaillierten Informationen bezüglich der Handschriften, welche er der Fussnote der NWÜ-Studienausgabe scheinbar hinzufügen musste, sind auch in der Einführung von derselben zu finden (hier allerdings ohne die Einteilung der Handschriften in "gut" und "schlecht"). Dies verschweigt er jedoch, höchstwahrscheinlich mit Absicht, denn er liest die Einführungstexte immer, wie aus seinen Ausführungen deutlich hervorgeht.
Wer sich mit dem Thema Textkritik/Textforschung auskennt, sollte eigentlich wissen, dass sich die Handschriften nicht so einfach klassifizieren lassen, jede davon hat ihre speziellen Vorzüge und Schwachstellen. Weder die Anzahl noch das Alter der Handschriften bieten eine Garantie für Ursprünglichkeit. (Siehe dazu: Wissenswertes über die Bibel / Was ist Textforschung?)
Dann kommt er zum Kontext, auf welchen die Fussnote der NWÜ hinweist:
Die genannten Verse Joh 15:16 und 16:23 sind Parallelstellen von Vers 13. Vers 14 setzt mit dem “mich” noch eins drauf. Es ist die Einladung, sich direkt an Jesus zu wenden. Ohne das Wort “mich” ist der ganze Vers 14 überflüssig. Ich kann mir die Textvarianten nur dadurch erklären, dass sich einer der frühen Abschreiber an dem “mich” in Vers 14 gestört hat und es deshalb gestrichen hat. Jemand der den Bibeltext anders herum verfälschen wollte, hätte das nicht nur in 14:14 sondern auch in 14:13 und Joh 15:16 und in Joh 16:23 gemacht. Bei Vorsatz würde ich dieses Mindestmaß an Konsistenz erwarten.
Das Prinzip von Nachdruck durch Wiederholung scheint Herrn Evermann völlig fremd zu sein. Unserm Herrn Jesus Christus und den Bibelschreibern hingegen, war dies ganz und gar nicht fremd. Ein Prinzip, welches man in der Bibel häufig antrifft, eben gerade die wichtigen Dinge werden oftmals wiederholt. Das nächste Beispiel hierfür ist nicht weit:
EB, Johannes 14:15-21 15Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; ... .... 21Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt;
Gleich im Anschluss wiederholt Jesus denselben Gedanken ein drittes Mal, danach durch eine weitere Art der Wiederholung, dem Prinzip vom Umkehrschluss, sogar noch ein viertes Mal:
EB, Johannes 14:23,24 ...Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten ... ... Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht...
Sich im Namen Jesu an Jahwe zu wenden ist sogar ausgesprochen wichtig, denn ohne Jesus gibt es für uns keine Verbindung zum Vater:
SB, Johannes 14:6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!
Nehmen wir einmal an, dieses „mich“ hätte wirklich zu den Worten gehört, die unser Herr Jesus Christus in Johannes 14:14 sprach, so hätte er diese Aussage nur ein einziges mal gemacht, obwohl sie ja eigentlich enorm wichtig wäre.
Im Gegensatz dazu hat er seine Nachfolger mehrmals eindeutig dazu aufgefordert zu seinem Vater zu beten, was die Bibelschreiber auch mehrmals festhielten und immer wieder betonten. Übrigens gibt es bei keiner dieser Stellen Abweichungen unter den Handschriften.
Von einer vorsätzlichen Verfälschung dieses Verses durch einen frühen Abschreiber gehe ich im Gegensatz zu Evermann eher weniger aus. Die Tatsache, dass dieses „mich“ nur in Johannes 14:14 vorkommt und nicht auch in 14:13, 15:16 und 16:23, spricht eindeutig für einen unbeabsichtigten Abschreibefehler.
Seinen Gegenkontext, auf welchen ich bereits eingegangen bin, hat er noch um zwei Stellen erweitert, welche wieder nicht belegen, dass man zu Jesus beten soll. Auf eine davon will ich auch noch kurz eingehen: Mt 18:20 (NWÜ): Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“
Stützt dieser Text wirklich das Beten zu Jesus? Hier steht, dass wir uns in Jesu Namen versammeln sollen, damit er in unserer Mitte ist.
Die Gebete zu seinem Vater, welche an solchen Versammlungen nicht fehlen dürfen, werden dadurch automatisch in Jesu Namen vorgetragen.
Zum Schluss bezeichnet Herr Evermann jene Variante von Johannes 14:14 die nicht seinem "Originaltext" entspricht, für welche sich bei weitem nicht nur die Übersetzer der NWÜ entschieden, als merkwürdige Formulierung deren Motivation durch die Ablehnung der Dreieinigkeitslehre hervorgerufen werde.
Hierzu kann ich nur folgendes sagen:
Ausgerechnet auf Stellen wie Johannes 14:14 seinen ganzen Glauben aufzubauen, obwohl sie alleine gegen viele andere stehen und obendrein nicht einmal in allen alten Handschriften dieselbe Botschaft übermitteln, das ist merkwürdig.
Einmal mehr muss ich darauf aufmerksam machen: Der Kontext steht über all den trügerischen sprachlich fundierten Theorien.
Die Dreieinigkeitslehre ist das perfekte Beispiel:
Jene Stellen die vermeintlich dafür sprechen sollen, sorgen durch die dafür Notwendige, meist sprachlich fundierte Auslegung entgegen dem Kontext für eine Unmenge an Widersprüchen zu anderen Stellen.
Im Gegensatz dazu lösen jene Stellen die dagegen sprechen alle Widersprüche auf. (Siehe dazu: Dreieinigkeit – Jesus ist Gott? / Schriftstellen)
Herr Evermann sucht an der falschen Stelle. Anstatt jene Schriftstellen mit umstrittenem Wortlaut für sich auszulegen, sollte er einmal versuchen eine der eindeutigen Schriftstellen zu widerlegen.
Er soll doch einmal versuchen, die Dreieinigkeitslehre mit 1. Korinther 15:20-28 in Einklang zu bringen. Dort steht eindeutig und unwiderlegbar, dass der Sohn sich dem Vater unterwerfen wird, und zwar zu einem Zeitpunkt, welcher noch bevorsteht. Diese glasklare und eindeutige Rangordnung zwischen Vater und Sohn (welche der Dreieinigkeitslehre eindeutig widerspricht) ist also nicht mit der Menschwerdung des Sohnes wegzudiskutieren.
Hier gibt es auch keine Abweichungen zwischen den Handschriften.