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In einem armen chinesischen Dorf lebte einst ein Bauer, der als wohlhabend galt, denn er besass ein Pferd, mit dem er die Felder pflügte und Lasten transportierte. Eines Tages lief ihm das Pferd davon. Seine Nachbarn riefen: „Was für ein Unglück!“ Der Bauer aber meinte nur: „Wir werden sehen.“ Kaum eine Woche später kehrte das Pferd zurück in den Stall, und zwei Wildpferde waren ihm gefolgt. Da staunten die Dorfbewohner und priesen das Glück des Bauern. Dieser antwortete: „Wir werden sehen.“
Der Sohn des Bauern versuchte am nächsten Tag, die Wildpferde zuzureiten. Dabei stürzte er so unglücklich, dass er sich beide Beine brach. Die Nachbarn beklagten das Missgeschick des jungen Mannes, der Bauer indes sagte auch hier: „Wir werden sehen.“ Kurze Zeit nach dem Unfall kamen Vertreter des Militärs in das Dorf, um die wehrfähigen Männer zu rekrutieren. Denn inzwischen war ein Krieg ausgebrochen. Nur den Sohn des Bauern liessen sie wegen seiner gebrochenen Beine zurück. Die Dorfbewohner sagten: „Deine Familie ist wirklich vom Glück gesegnet!“ Der Bauer allerdings antwortete auch dieses Mal: „Wir werden sehen.“
Die durchaus wichtige Fähigkeit, Dinge zu beurteilen, sie einzuteilen in gut oder schlecht, zuträglich oder schädlich, kann den äusseren Umständen grosse Macht über unser Befinden geben. Das Urteilen loslassen und mehr auf die göttliche Fügung vertrauen, schafft inneren Frieden. Was uns im Leben widerfährt, enthüllt seinen Sinn meistens erst im Rückblick.