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Vermutlich ist Jogurt auf die gleiche Weise entstanden wie die meisten Dinge, die uns heute das Leben erleichtern. Aus reinem Zufall nämlich. An einem warmen Sommertag hat jemand die Milch etwas lange stehen lassen, sie wurde sauer und dick. Und als die Menschen davon probierten, merkten sie, dass dieses cremige Etwas gar nicht mal so schlecht schmeckte. Das Jogurt war geboren. Gut möglich also, dass das Jogurt an verschiedenen Orten der Welt unabhängig voneinander «erfunden» wurde. In den Anfängen machte man es aber nicht aus Kuhmilch, sondern aus der Milch von Ziegen, Schafen und Büffeln. Die Sauermilch bot einige Vorteile. Da gewisse Keime durch die Säuerung absterben, war sie länger haltbar als frische Milch. Zudem war die Milch in Jogurtform besser verdaulich, weil sich ihre Bestandteile veränderten.
Schon 500 Jahre vor Christus soll im altpersischen Reich ein Jogurtgetränk namens Dugh verbreitet gewesen sein. Und auch die Nomadenvölker in der zentralasiatischen Steppe kennen seit Urzeiten ein Getränk aus vergorener Stutenmilch, das sie Kumis nannten. In eine ähnliche Kategorie gehören das türkische Jogurtgetränk Ayran oder das indische Lassi.
Manche Theorien vermuten den Ursprung der Jogurtherstellung allerdings bei den Thrakern. Dieses kriegerische Volk lebte im 6. bis 4. Jahrhundert vor Christus auf der Balkanhalbinsel, dem heutigen Bulgarien. Die Thraker hätten die Milch in einem Lammfellsack am Gürtel getragen, während sie über die Ebenen ritten. Durch die Körpertemperatur der Reiter und das Durchschütteln sei dann das Jogurt entstanden, so erzählt man sich heute.
Der weltweite Eroberungsfeldzug des Jogurts begann aber erst im 20. Jahrhundert. Dafür verantwortlich waren zwei Ärzte. Der eine, ein Bulgare namens Stamen Grigorov, entdeckte 1905 im Jogurt ein spezielles Bakterium. Er nannte es Lactobacillus bulgaricus.
Dieses Bakterium würde Giftstoffe im Magen-Darm-System neutralisieren und somit die Gesundheit fördern. Sein russischer Berufskollege Elie Metchnikoff vermutete daraufhin, dass die bulgarischen Bauern so aussergewöhnlich alt wurden, weil sie so viel Jogurt löffelten.
Seitdem man weiss, dass da Bakterien am Werk sind, lässt man die Milch auch nicht mehr einfach so stehen und spontan sauer werden. Stattdessen wird die Milch mit verschiedenen Bakterien «geimpft». Diese bauen den Milchzucker zu Milchsäure ab. Das Eiweiss gerinnt und es entsteht die typisch dickliche Konsistenz von Jogurt.
Ja, und seither ging es nur noch aufwärts mit dem Jogurt. In den 1970er-Jahren erfanden die Amerikaner das Frozen Yoghurt, eine gesündere Variante der Rahmglace. Und in der Schweiz gehört Jogurt mit Moccageschmack seit Jahren zu den meistverkauften Produkten in den Supermärkten. Dies, obwohl ständig neue Sorten hinzukommen. Seit Mitte der 1990er-Jahre kennen wir auch die sogenannten probiotischen Jogurts. Von ihnen sagt man, sie sollen die körpereigenen Darmbakterien unterstützen und sie zum Wachstum anregen. Und wenn man den Werbefilmchen glaubt, hat man nach dem Konsum von Jogurt sogar Lust, im Winter in der Nordsee baden zu gehen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.