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Die Geschichte der Synode
Von der Theologen-Versammlung zum Kirchenparlament
Wie viele Begriffe der kirchlichen Sprache kommt das Wort "Synode" aus dem Griechischen. "Synodos" heisst: Zusammenkunft, Vereinigung - auch im Sinne von Versammlung. Man kommt zusammen, um einen gemeinsamen Weg zu gehen oder allenfalls zu suchen. Das steckt auch in der Thurgauer "Synode": das Bemühen um Wege, die für alle gangbar sind und von allen gegangen werden sollen.
Biblisches Vorbild
Solche Zusammenkünfte gibt es seit den frühesten Zeiten der christlichen Kirche. Bereits in der Apostelgeschichte ist uns eine "Synode" bezeugt, die einen solchen gangbaren Weg zu suchen hatte (Apostelgeschichte 15). Die Frage, die zu entscheiden war, lautete: Können Heiden (das heisst Nicht-Juden) Christen werden, ohne auf das ganze jüdische Gesetz verpflichtet zu werden? An einer Zusammenkunft in Jerusalem haben die Apostel diese Frage beraten. Dabei setzte sich die Auffassung durch: Nicht durch das Halten des Gesetzes, sondern durch die Gnade des Herrn wird der Mensch gerettet. Darum müssen sich Nichtjuden, die Christen werden wollen, nicht zuerst dem jüdischen Gesetz unterziehen. Dieser Weg ist für alle gangbar und hat seither Geltung behalten.
Synoden für Lehrentscheide
In den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche gab es immer wieder wichtige Fragen zu entscheiden. Sie betrafen in erster Linie den Glauben und die Lehre. Die Kirche hatte dabei deutlich zu machen, wie sie denkt und worin sie sich von anderen Religionen oder von philosophischen Strömungen unterscheidet. Die altkirchlichen Synoden (auch Konzilien genannt) dienten einerseits der Standortbestimmung in einer nichtchristlichen Umwelt; andererseits wurden auch innerkirchliche theologische Streitfragen geklärt und geregelt. Diese Aufgabe behielten die Synoden oder Konzilien bis in die Reformationszeit und darüber hinaus, in der römisch-katholischen Kirche sogar bis heute. Sie waren Zusammenkünfte der kirchenleitenden Amtsträger (Bischöfe, d.h. Gemeindeleiter, nach reformiertem Verständnis also Gemeindepfarrer), welche als Theologen in theologischen und geistlichen Fragen Beschlüsse fassten.
Die Synode im Thurgau
Auch die erste Synode, die in der Reformationszeit im Thurgau stattfand, diente der Standortbestimmung und der Suche nach einem für alle gangbaren Weg. Man war damals auch unter den Evangelischen überzeugt, dass in einem Gebiet (Fürstentum, Stand, Gemeine Herrschaft) eine Gleichförmigkeit des Glaubens und Lebens herrschen müsse. Nicht jede einzelne Gemeinde und nicht jeder einzelne Gläubige sollte nach Gutdünken beliebig entscheiden und verfahren können. Die Einheit der Lehre war ein dringendes Erfordernis, da die Altgläubigen auseinandergehende Auffassungen als Beweis dafür werteten, dass der "neue Glaube" nicht der Wahrheit entspreche. Zur Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse in der Gemeinen Herrschaft Thurgau wurde am 4. Dezember 1529 zur ersten Synode nach Frauenfeld eingeladen. Aufgeboten waren alle Priester- und Prädikanten sowie aus jeder Gemeinde zwei oder drei Männer nicht-geistlichen Standes. Die erste Thurgauer Synode war also keine reine Pfarrersynode. Ziel war die Einführung der Reformation im ganzen Gebiet. Prominentester Teilnehmer war der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli. Zur Verhandlung kamen unter anderem die Abendmahlsfrage (um das rechte Verständnis der Einsetzungsworte und also des Abendmahls überhaupt) und die unterschiedlichen Lehrmeinungen der Täufer. Die erste Thurgauer Synode erreichte eine Übereinstimmung der Lehre mit Zürich und eine Abgrenzung gegenüber den Täufern. An den folgenden beiden Synoden von 1530 und 1531 wurden keine grossen grundlegenden Lehrfragen mehr entschieden, sondern innere Angelegenheiten geregelt. Nach der Niederlage der Evangelischen in der Schlacht bei Kappel 1531 verlor die evangelische Kirche im Thurgau ihre kurze Selbständigkeit. Die evangelischen Thurgauer Pfarrer wurden den Synoden von Zürich und St.Gallen zugeteilt. Erst 1798 mit der Entlassung des Thurgaus aus dem Untertanenverhältnis und 1803 mit der Gründung eines eigenen Kantons begann auch die Entwicklung einer eigenständigen Thurgauer Landeskirche. Die Synode der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau tagte erstmals im Mai 1813 in Frauenfeld.
Synode als kirchliches Parlament
In den reformierten Kirchen der Schweiz blieben die Synoden bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts Theologen-Versammlungen. (In der Bündner Kirche ist die Synode heute noch eine Pfarrer-Synode.) Unter den Kirchenleitungen des 17. und 18. Jahrhunderts erlangten sie jedoch keine grosse Bedeutung. Unter dem Einfluss der Französischen Revolution wandelten sich die politischen Verhältnisse sehr stark. Demokratisches Gedankengut hatte sich weit verbreitet und bestimmte zunehmend die politischen Ordnungen. Prinzipien wie Gewaltentrennung und Volksvertretung fanden auch in die Kirche Eingang. So wurden mit der Zeit die Synoden zu Parlamenten der Landeskirchen. Die verfassungsmässig gewährleistete Glaubens- und Gewissensfreiheit führte dazu, dass sich die Synoden immer weniger mit Fragen der rechten Lehre befassten. Sie entwickelten sich in Parallele zum Staat zu obersten gesetzgebenden Behörden.