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Lockerungsübungen: Bald, hoffentlich bald, können wir wieder das haben, was uns Corona genommen hat. Wunderbar wird das. Ach was.
Wow, wie erholsam wäre es jetzt, nach dem Velotürli in der Gartenbeiz ein Glas Weissen zu trinken. Oh, wie wohl täte es, im Café die Zeitung zu lesen. Jesses, wie gemütlich wäre es, im Garten mit Nachbarn eine Wurst zu grillen. Ach wie schön wäre es, im Theater eine Verdi-Oper zu hören. Oder der Fussballmatch, das Ausflugsrestaurant, das Museum, die Schifffahrt, oder, oder, oder.
Jetzt bröckeln die Corona-Einschränkungen. Der Weisswein im Gartenrestaurant rückt näher, die Zeitungen im Café, der Grill-Abend vor dem Haus werden denkbar. Rückkehr ins Paradies also?
Herrjesses, das Ballönli kostet 8 Franken, acht Franken! Im Café hat die blöde Tante alle Zeitungen annektiert, das Grillfleisch ist verbrannt, die Verdi-Oper langweilig, die Fussball-Hooligans sind blöd, im Ausflugsrestaurant und auf dem Schiff sind alle Plätze besetzt.
Das Problem ist corona-unabhängig. Nämlich: Wir wollen immer das, was wir nicht haben können. Und wenn wir das haben, was wir wollen, ist es längst nicht so toll, wie wir uns das vorgestellt haben.
Zum Beispiel die Frühlingsferien. Dieses Jahr waren sie so realistisch wie der Osterhase. Ohne Corona wären wir ins Tessin gefahren. Und hätten dort Lagerhallen, Tankstellen, XXL-Einkaufszentren erlebt. Genau gleich wie in der Deutschschweiz. Dort, im Tessin, hätten wir ein Schaufenster gesehen, mit dem ein Reisebüro den Tessinern Frühlingsferien in Mallorca angepriesen hätte.
Was hätten die Tessiner in Mallorca erlebt? Lagerhallen, Tankstellen, XXL-Einkaufszentren wie im Tessin. Und ein Reisebüro, das bei den Malloquinern für Ferien in Dubai geworben hätte. In Dubai hätten die Mallorquiner Lagerhallen, Tankstellen und XXL-Einkaufszentren wie in Mallorca erlebt. Und ein Reisebüro, das bei den Bewohnern von Dubai, Emiratis heissen sie, für Ferien in der Deutschschweiz geworben hätte. Die Emiratis hätten dann in der Deutschschweiz … aber das hatten wir schon.
Jetzt ist halt Corona. Deshalb schwärmen die Deutschschweizer vom Tessin, die Tessiner von Mallorca, die Mallorquiner von Dubai, die Emiratis von der Deutschschweiz. Obwohl das, was wir wollen, längst nicht so toll ist, wie wir uns das vorgestellt haben.
Wow, wie schön wäre es jetzt in der Gartenbeiz ein Glas Wein zu trinken.
Unser Autor Peter Steiger zeichnet neu als Redaktor von Seniorweb. Peter Steiger, 1946 in Zürich geboren, lebt und arbeitet in Bern. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Stiefsöhne, machte eine Lehre als Schriftsetzer in einem Zeitungsbetrieb und arbeitete dann als Grafiker im gleichen Unternehmen. Danach absolvierte er eine zweijährige Vollzeitausbildung an der Kunstgewerbeschule Zürich. Nach Abstechern zu einem Buchverlag und einer Werbeagentur kehrte er zum Journalismus zurück, war bis zu seiner Pensionierung Redaktor beim Bieler Tagblatt und vor allem bei der Berner Zeitung (Lokales, Kultur, Politik), unterbrochen durch mehrere Jahre als Öffentlichkeitsarbeiter für das Rote Kreuz. Wir heissen Peter Steiger herzlich willkommen im Redaktionskreis von Seniorweb und wünschen ihm und uns eine erfreuliche und erspriessliche Zusammenarbeit. (Red.)
In loser Folge schildern unsere Redaktionsmitglieder, wie sie wegen der Corona-Krise das zu Hause sein erleben und wie sie damit umgehen. Hier die Links zu bereits erschienenen Beiträgen:
- Linus Baur: An die Zeit nach Corona denken
- Ruth Vuilleumier: Addio Milano
- Eva Caflisch: Angebote für die Eingeschlossenen
- Judith Stamm: Rire c’est bon pour la santé
- Josef Ritler: Guten Morgen
- Bernadette Reichlin: Und plötzlich sind wir alt
- Joseph Auchter: Einsichten und Aussichten
- Maja Petzold: Der Mensch in Krisenzeiten
- Fritz Vollenweider: Bücher und kleine Sorgen