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Das jahrzehntelange Rätseln um die Wurzeln eines 8500 Jahre alten Skeletts hat ein Ende: Der sogenannte «Kennewick Man» aus dem Norden der USA ist ein nordamerikanischer Ureinwohner. Seine Nachkommen leben noch heute in derselben Region.
Dies berichten Schweizer, dänische und US-amerikanische Forscher, die Schädel und Gene des Skeletts analysiert haben, im Fachjournal «Nature». Per Zufall wurde 1996 in der Nähe der Ortschaft Kennewick am Ufer des Columbia River im US-Bundesstaat Washington das gut erhaltene Skelett eines Mannes entdeckt, der dort vor langer Zeit begraben wurde.
Radiokarbon-Analysen ergaben ein Alter von mehr als 8000 Jahren, wie die Universität Zürich am Donnerstag mitteilte. Aufgrund von Schädelmerkmalen vermuteten Experten, dass «Kennewick Man» nicht mit den heutigen Ureinwohnern Amerikas verwandt ist, sondern von einer früheren Einwanderungswelle aus Japan oder Polynesien stammt.
Vertreter der lokalen Ureinwohner hingegen sind der Ansicht, dass «Kennewick Man» einer ihrer direkten Vorfahren war. Sie nennen ihn «The Ancient One», der Uralte. Sie verlangten deshalb eine sofortige Rückgabe und Wiederbestattung der sterblichen Überreste.
Im Jahr 2004 urteilte das Berufungsgericht, dass das Skelett nicht als «Native American» definiert werden könne. Deshalb liegen die Gebeine bis heute im Burke Museum in Seattle unter Verschluss, als Eigentum des Ingenieurskorps der US-Armee, dem die Fundstelle gehört. Eine wissenschaftliche Untersuchung wurde gestattet.
Diese beendet nun den Disput: Die Gene zeigen laut den Forschern zweifelsfrei, dass «Kennewick Man» mit den heute in der Nähe der Fundstelle lebenden Ureinwohnern am nächsten verwandt ist. Er ist hingegen nicht näher mit Populationen ausserhalb Amerikas verwandt als die jetzigen amerikanischen Ureinwohner.
Für die Studie haben Eske Willerslev und seine Kollegen am Zentrum für Geogenetik in Kopenhagen sein Genom sequenziert sowie Christoph Zollikofer und Marcia Ponce de León von der Universität Zürich seinen Schädel mit neuen Methoden analysiert.
Die Genetiker haben Tausende von Genom-Fragmenten des «Kennwick Man» mit weltweiten Genom-Datensätzen von heute lebenden Menschen und von archäologischen Skelettfunden verglichen. Damit ist klar, dass «Kennewick Man» ein früher Vertreter der ersten und wohl einzigen Einwanderungswelle nach Amerika ist.
Die Analysen der Zürcher Forscher zeigen ausserdem auf, warum frühere Untersuchungen des Kennewick-Skeletts zu falschen Schlussfolgerungen führten. Nur aufgrund von Skelettmerkmalen lassen sich die Verwandtschaftsbeziehungen von archäologischen Einzelfunden wie dem «Kennewick Man» prinzipiell nicht eindeutig rekonstruieren.
Das liegt an der enormen Komplexität des menschlichen Körpers, der das Resultat der Interaktion einer grossen Anzahl von Genen und Umwelteinflüssen ist. Somit sind die Unterschiede zwischen zwei Individuen derselben Population oft grösser als die zwischen Individuen verschiedener Populationen.
Während die Struktur von Tausenden von Genen unabhängig voneinander analysiert werden kann und damit klare Verwandtschaftshinweise liefert, bildet die Skelettstruktur eine Einheit, die sich nicht so einfach in ihre Faktoren zerlegen lässt. (dhr/sda)