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Wie schon so oft habe ich gestaunt, mit welcher Leichtigkeit die schweizerischen Zeitungen vollkommen falsche Berichte über Frankreich geben. So soll der Staatschef bereits in Deutschland, Laval verschwunden sein, die Deutschen mitten dran sein, den Südwesten und den Süden von Frankreich zu räumen und sich in aller Eile auf die Siegfriedlinie zurückzuziehen etc. In Wirklichkeit ist die Lage folgende: [..]2
Ich ziehe für mich selber deshalb folgende Konklusionen:
In kurzer Zeit schon, es kann sich um Tage oder um wenige Wochen handeln, wird voraussichtlich das Regime Pétain-Laval nicht mehr bestehen und meine hiesige Mission ihr Ende gefunden haben. Ich bereite deshalb die Abreise des gesamten Gesandtschaftspersonals, auch der Sektion für fremde Interessen, vor. Es ist ausgeschlossen, dass wir, beim vollständigen Fehlen von Eisenbahnverbindungen, unser gesamtes Material mitnehmen könnten. Das Haus, in welchem die fremden Interessen untergebracht sind, die «Villa Ica», ist bis Ende des Jahres von uns fest gemietet. Wir würden alles nicht transportable Material dort unterbringen und ich würde zu dessen Beaufsichtigung zwei Beamte nicht diplomatischen Charakters hier lassen, einen aus meiner Kanzlei, den ändern aus der Kanzlei der Sektion für fremde Interessen. Die Konsulate in Lyon, Grenoble, Montélimar und Toulouse würden selbstverständlich ihre Tätigkeit weiter ausüben. Denjenigen von Grenoble und Montélimar gebe ich Weisung nach Nizza, beziehungsweise Marseille zurückzukehren, so bald dies praktisch möglich ist. Das hier frei werdende Personal gedenke ich teilweise zur Verstärkung der genannten Konsulate zu verwenden. Alle übrigen Personen würden in unseren Automobilen, der Treibstoff ist sichergestellt, nach der Schweiz zurückkehren. Natürlich hätten wir die gegenwärtig notwendigen deutschen Visa nicht. Allein ich rechne damit, dass wir auch ohne solche in einem Moment allgemeiner Unordnung und Aufregung durchkommen werden.
Anders würde sich die Sache verhalten, wenn der Staatschef, aus den anfangs angeführten Gründen, nach Paris gehen wollte und auch könnte, d.h. nicht nur hiezu die deutsche Zustimmung erhielte, sondern auch freien Weg vorfände. Dies ist zum Beispiel heute nicht der Fall, da die Stadt Montargis in Flammen steht und die ganze Strecke zwischen der Loire und Paris einem fast unausgesetzten Luftbombardement ausgesetzt ist. Auch betrachte ich es als sozusagen ausgeschlossen, dass Deutschland zu einer Sitzverlegung zustimmen würde. Sollte eine solche trotz allem Tatsache werden, die Wahrscheinlichkeit ist meines Erachtens geringer als 5 %, so würde ich es als meine Pflicht betrachten, mit einem oder zwei Mitarbeitern dem Marschall nach Paris zu folgen. Der Rest des Personals würde vorläufig in Vichy bleiben, [...]3Endlich vernehme ich auch, dass Pétain an Hitler die dringende Bitte gerichtet hat, Paris als offene Stadt zu erklären und dass er beabsichtige, wahrscheinlich über uns, eine gleiche Bitte an die Alliierten zu richten4.
- 1
- E 2300 Paris/97. Pilet-Golaz a visé ce document le 11 août et l’a communiqué au Conseil fédéral le 16 août 1944. Lors de la séance du 9 août, il avait transmis à ses collègues un télégramme (non reproduit) de W. Stucki du 8 août. Plusieurs télégrammes et lettres sont échangés entre Vichy et Berne en août 1944 (Cf. E 2300Paris/97 et J 1.131/ 49, 51, 53 et 69).↩
- 2
- Stucki expose les intentions de Pétain et Lavalface à l’avance des troupes alliées et il envisage la fin prochaine du régime de Vichy.↩
- 3
- Stucki expose ses discussions avec les diplomates en poste à Vichy et transmet des copies d’un projet de proclamation du maréchal au peuple français et une lettre de Pétain à Laval.↩
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