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Schaut man sich die Landkarte der Stadt Zürich an, so kann man gut an ihrer westlich gelegenen Seite den Schanzengraben erkennen, eine Verteidigungsanlage, die ab 1642 bis in die Mitte des 18.Jahrunderts errichtet wurde. Der Bau dieser Anlage verschlang Unsummen und ruinierte nahezu den Etat der Stadt Zürich, noch nicht einmal hundert Jahre später wurde der grösste Teil der Anlagen bereits wieder zurück gebaut oder ganz entfernt, denn erstens hatten sie keinen realen militärischen Wert, zweitens konnte die Stadt sich durch diese Begrenzungen nicht weiter ausdehnen (ein Problem, welches bis zum heutigen Tage fort besteht, allerdings nicht durch alte Bollwerke bedingt…) und drittens wurden 1830 die städtischen Vorrechte gegenüber dem umgebenden Land (Kanton) abgeschafft, die Stadt Zürich verlor also eine Vormachtstellung, die ihren deutlich sichtbaren Ausdruck in der „Schleifung“ jener Verteidigungsanlagen und Bollwerke fand. In und um Zürich herum gab es sehr viele Schanzen, Bollwerke, Tore und Türme (insbesondere letztere waren Ausdruck von politischem Einfluss und Macht einzelner Adels- und Ritterfamilien in der Stadt Zürich), heute ist von alledem nur noch sehr wenig zu sehen. Im Rahmen des Rückbaus der Verteidigungsanlagen sollte der Schanzengraben ursprünglich zugeschüttet werden, jedoch sah man von diesem Vorhaben ab, denn dieser Graben funktioniert bis zum heutigen Tag wie ein „Überlaufventil“, wenn der Zürichsee zu viel Wasser führt. Einst begann der Schanzengraben in der Höhe des Tonhauses beim See und führte bis zum Papierwerd (also dort, wo heute der Bahnhofplatz und das Coop-Provisorium stehen), anlässlich des Baus der Bahnhofbrücke leitete man den Graben in Höhe der Gessnerallee in die Sihl um, welche wiederum hinterm Platzspitz mit der Limit zusammenfliesst. Von 1974 bis 1985 wurden entlang des Schützengrabens verschiedene Promenaden errichtet. Von den drei Wegen, die einem Besucher der Stadt vom Hauptbahnhof bis zum See zur Verfügung stehen, ist der Schanzengraben meiner Meinung nach der schönste. Ja, Bahnhofstrasse und Niederdörfli mögen touristische Magneten sein, aber weil man hier fast ausschliesslich nur auf Menschen und nicht auf Trams und überlaut röhrende Testosteronschleudern mit Namen Lamborghini oder Maserati trifft, ist es auch der lauschigste. Hinter jeder Ecke des im gebogenen Zickzack verlaufenden Grabens finden sich zahlreiche Plätze zum Verweilen. Hier komme ich immer mal wieder gerne hin, sei es, um Ruhe zu finden oder aber den Eitelkeiten derer zu lauschen, die hinter dem Graben im Innern der Stadt wie auch immer aktiv sind. Manchmal möchte man gar nicht glauben, dass man sich hier mitten in jener ausgesprochen quirligen Stadt befindet, erst recht möchte man nicht glauben, dass man hier von Bauwerken umgeben ist, die so ganz und gar nicht friedlichen Charakters waren und sind.
Am Schanzengraben sind zwei weitere Institutionen von besonderer Bedeutung. Die eine ist das „Männerbad“. 1863 wurde auf den Einrichtungen der „Männer- und Knabenbadeanstalt“, welche ihrerseits bereits 1859 errichtet wurde, Zürichs älteste Badeanstalt erbaut, die sich bis zum heutigen Tage grosser Beliebtheit erfreut (ich war da aber noch nie drin). Auf Höhe dieser Badeanstalt befinden sich auch die verschiedenen Wehranlagen, die den Ablauf des Zürichsees regulieren, hier strömt das Wasser manchmal deutlich hör- und sichtbar in Richtung Sihl, ansonsten ist der Schanzengraben ein recht gemächlich fliessendes Gewässer. Dieses Bad liegt direkt an der zweiten Institution, dem „alten botanischen Garten“, welcher seinerseits auf der grössten Schanzenanlage der alten Verteidigungslinie errichtet wurde. Die Atmosphäre in jenem Teil des Schanzengrabens ist ausgesprochen reizvoll, so schön und informativ der neue botanische Garten auf der anderen Seite der Stadt auch sein mag: Der alte ist weitaus schöner! Kleiner als der neue, das ja, aber genau das richtige, wenn man im Herzen von Zürich auf der Suche nach einem kleinen Flecken zur Tiefenentspannung ist. Ich übertreibe nicht wenn ich fest halte, dass insbesondere dieser Abschnitt des Grabens wirklich eine Oase ist!
Als ich mir die Hintergrundinformationen zum Schanzengraben zu Gemüte führte, stolperte ich über eine ältere, wenngleich auch in einem anderen Zusammenhang derzeit top-aktuelle Begebenheit. 1956 forderte der Zürcher Verkehrsverein von der Stadtregierung, den Schanzengraben schiffbar zu machen, insbesondere für Touristenboote. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, wie das heute aussehen würde, wäre seinerzeit dieses Vorhaben umgesetzt worden. Ich will mir das gar nicht vorstellen! Als Berliner bin ich etwas „verwöhnt“ wenn es um „Grün“ und „Erholungsbereiche“ mitten in einer Stadt geht, von beidem hat Zürich leider viel zu wenig (vor allem von dem Grün!). Der Schanzengraben ist für mich einer der wichtigsten grünen Orte in der Stadt, sehr zentral gelegen, unproblematisch zu erreichen, ruhig, fast schon eine innerstädtische Lunge. Nun stelle sich das mal anders herum vor: Tag für Tag endlose Kolonnen von Touristenbooten! Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich das jetzt hier so schreibe, aber das wäre meiner Meinung nach ein touristischer Ausverkauf der Stadt Zürich und ganz abgesehen davon in Zeiten grassierender Viren (Stichwort: „Corona-Virus“) alles andere als förderlich. Seinerzeit scheiterte das Vorhaben an technischen und finanziellen Problemen. Heute denken gewisse Institutionen darüber nach, eine Seilbahn über den See zu bauen – auch aus rein touristischen Gründen (auch wenn gewisse vermeintlich „historische“ Aspekte immer mal wieder gerne in den Vordergrund geschoben werden). An den finanziellen Mitteln dürfte das Vorhaben wohl kaum scheitern, die Zürcher Kantonalbank hat offensichtlich die entsprechenden Reserven (man erinnere sich: Einst wurde die Stadt zugunsten des Landes entmachtet. Offensichtlich will die „Landesbank“ von Zürich, eben jene Kantonalbank, nochmal ein überdeutlich sichtbares Zeichen für jene Entmachtung von damals setzen – zu rein touristischen Zwecken). Ich hoffe sehr, dass diese Seilbahn nicht gebaut wird! Sie würde die Hauptattraktion der Stadt – den Ausblick über den See bis hin zu den Hochalpen – schlichtweg ruinieren. Den See mit einer an einen Vergnügungspark erinnernden Installation noch mehr touristisch zu erschliessen, als jener ohnehin schon erschlossen ist, nein, das ist meiner Meinung nach zu viel und dient nicht der Stadt, sondern allein jener Bank und vor allem den Viren, die mit bewundernswerter Gleichmässigkeit von Asien aus hier dank solcher Konstrukte in Europa verteilt werden. Die würden sich dann auch im Schanzengraben faszinierend schnell verteilen…Zürich