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EAR Yoshino
Seit fast 50 Jahren werden die Produkte von EAR in Huntingdon England entwickelt und auch vor Ort von Hand gefertigt. Die Bauteile werden wenn möglich aus Grossbritannien bezogen.
Es gibt in der heutigen Zeit nur ganz wenige Entwickler im Audiobereich, die so viel Erfahrung und Know-how für sich beanspruchen können wie Tim de Paravicini. Der Engländer mit adliger italienischer Abstammung kannte alle Aspekte und alle Teile der Kette von Produktion und Reproduktion.
Die Karriere des Genius hinter den EAR-Yoshino-Produkten begann mit der Begeisterung für Musik, genauer: fürs Musikmachen. Anfang der 60er-Jahre entwarf und baute Tim de Paravicini PA-Anlagen für Folk- und Rock-Bands. Und weil er sowohl ein gutes Gehör wie auch ein grosses technisches Wissen hatte, verbesserte er gleich auch das Equipment einiger Aufnahmestudios.
Tim de Paravicini (1945-2020) als Gast von Ouïr Ton & Technik an der AdVance 04 im Hotel Seedamm Plaza in Pfäffikon SZ.
Seine Lehr- und Wanderjahre führten ihn zunächst nach Südafrika, wo er zum ersten Mal eine eigene Profi-Serie unter dem Namen de Paravicini auflegt. In Südafrika lernte er Vertreter des japanischen Lux-Konzerns kennen. Er folgte einer Einladung nach Osaka und nahm die Herausforderung an, für die Japaner als Audio-Designer zu arbeiten. Tim de Paravicini entwarf Solid-State-Teile wie die berühmte Luxman C1000/M6000-Kombi. Tim de Paravicini selber nannte die Designs der Monoblöcke 3045 als Höhepunkt seiner Arbeit für die Lux Corp. Nicht nur die Ausgangsübertrager sind allesamt Spezialentwicklungen, auch die Leistungsröhre 8045 ist ein echtes Paravicini-Design.
1976 kam er nach England zurück, arbeitete als Berater und entwickelte die Tangent-Lautsprecher. Später kamen Designs für Michealson & Austin dazu. Kenner wissen, dass die TVA10 und M200 aus seiner Hand stammen. 1977 entstand Esoteric Audio Research Ltd., kurz EAR. Sein Erstling, der 100-Watt-Monoblock 509, wies als Besonderheit die exklusive Schnittstelle zwischen Ausgangsübertrager und Endröhre auf, den "balanced bridging mode". Dass seine Konstruktionen ohne Feedback auskommen, ist ein weiteres Merkmal der Paravicini-Entwicklungen. Die 509 beweist, dass Röhren in jeder Beziehung den Transistoren die Stirn bieten konnten. Im Labor zeigten sie Messwerte z.B. eine Bandbreite von 9 bis 85000 Hz (-3 dB), die völlig jenseits des Retro-Sounds lagen. Die Profiendstufen 509 wurde immer wieder als Vergleichsreferenz in Fachzeitschriften herangezogen, um die Qualitäten von Top-Anlagen zu testen. Dass die 509 in allen diesen Vergleichen als Siegerin hervorging, erklärt, weshalb diese Endstufe noch heute gebaut wird.
Tim de Paravicini war ein ruheloser Entwickler: Neben seinen eigenen Produkten floss sein Know-how in unzähligen Aufnahmestudios ein. Er designte Mikrophone, Mikrophonverstärker, Equalizer, Schneidemaschinen, Vorverstärker, Endstufen, Master-Recorder und A/D-Konverter für den Profibereich. Alles natürlich auf Röhrenbasis. 1985 entstand sein neues Schallplatten-Schneidesystem, das in er Lage ist, breitere und tiefere Rillen zu schneiden als es bisher möglich war. Mit einem für Schallplatten sensationellen Rauschabstand von 65 dB und bisher ungeahnter Dynamik ist das Resultat ziemlich nah am originalen Mastertape. Dass Röhrendesigns bei Audiophilen wieder in Mode kommen, freute Tim de Paravicini. Allerdings, meinte er, verstehen nicht alle Hersteller, wie man die Technologie adäquat umsetzt. Viele Firmen setzten bloss auf alte Schaltungen und das Resultat sei aufgrund mangelnden Wissens poor sounding (muss man nicht übersetzen!) und unzuverlässig. Tim de Paravicini setzte dagegen auf Innovation gerade weil er die Röhrentechnik in- und auswendig kannte. Mit dem Single-Ended-Verstärker 859 brachte er den Enhanced Triode Mode ins Spiel - der 13 Watt starke Amp mit der 519-Röhre hat vor allem in Japan eine sehr grosse Fangemeinde und wurde mehrfach ausgezeichnet. Ein durchschlagender Erfolg wude auch sein Phono-Pre EAR 834P, den es in verschiedenen Ausführung zu kaufen gab und heute mit der Phonobos fortgesetzt wird. Und der für vergleichsweise wenig Geld Analogis ins Reich der Träume versetzt. Vorausgesetzt, das Frontend-Gerät hält mit der Qualität mit. Vinylisten kommen auch bei den MC-Stepup-Trafos ins Schwärmen.
Tim de Paravicini stellte aus Prinzip kein Low-Fi her. Aber seine Geräte sind auch heute mehr als preiswert, wenn man ihre tonalen Qualitäten in Relation stellt. Und auch Geräte wie der geniale V20, der bombastische M100, der CD-Player Acute, der Lautsprecher Primary Driver oder der Plattenspieler La Platine Discmaster zeugten vom unermüdlichen Schöpfergeist des Röhren-Gurus. Dabei ging es Tim de Paravicini immer nur um eines: Höchste Qualität mit möglichst einfachen Mitteln zu erreichen. Und dieser Geist steckt in allen EAR-Yoshino-Geräten. Egal, welcher Betrag auf dem Preisschild steht. Sein Vermächtnis wird von seiner Familie und seinem Sohn Nevin weitergeführt.