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die Erbauung der Turmwohnung des Schlosses wurde von dem Abt der Reichenau mit dem Grafen von Kiburg, dem damaligen Schirmvogt des Klosters, gemeinsam vorgenommen. Es war die Zeit der grossen Parteiung im Reiche, wo es galt, aus dem Stützpunkt an der Murg eine möglichst feste Stellung zu machen. Die Anlage einer eigentlichen befestigten Stadt rührt aber erst aus der Zeit um 1260 her, da Graf Hartmann der Aeltere von Kiburg Inhaber der Landgrafschaft Thurgau und Schutzvogt der Reichenau war.
Die gefahrvollen Zeiten des Interregnums veranlassten viele Hörige und Edelleute der Umgebung (so z. B. die Edeln von Wellenberg, von Strass, von Bonstetten, von Wiesendangen, von Gachnang), der Einladung des Grafen von Kiburg zu folgen und sich in der Stadt niederzulassen, wo sie eine Bürgerwehr einrichteten. Daraufhin ordneten der Abt und die Kiburger die Angelegenheiten der neuen Stadt und teilten sich in die Rechte. Dem Abt verblieben die Grundherrschaft und die Rechte der Hörigkeit und Leibeigenschaft über die unfreien Bürger, während dem Grafen die Vogtei und die Verfügung über die feldtüchtige Mannschaft zukamen. Schon vom Jahre 1100 an hatten die Kiburger das Schloss als ihr unbeschränktes Eigentum betrachtet.
Diese bestallten in Frauenfeld einen Untervogt als Vorstand des Gerichtes und der Stadtverwaltung und als Anführer der Mannschaft, sowie einen Hofmeister als Verwalter der Lehen. So kam es, dass im Wappenschilde von Frauenfeld sich der Löwe von Kiburg und die Frau von Reichenau vereinigten. Diese führt den Löwen an goldener Kette. Es ist diese Erklärung des Wappens wahrscheinlicher als die von der Sage überlieferte, wonach die Gründung von Schloss und Stadt Frauenfeld dem Liebesabenteuer eines Ritters von Sehen (Seen bei Winterthur) mit einer Tochter aus dem Hause Kiburg zuzuschreiben wäre. Man begegnet den einzelnen Episoden dieser Liebesgeschichte vielfach auf gemalten Fensterscheiben.
Als die Grafschaft Kiburg sich an den Grafen Rudolf von Habsburg vererbte, liess dieser den Thurgau durch Hermann von Bonstetten als Vizelandgraf verwalten (1275), während er auf der Burg in Frauenfeld als Untervogt und Hofmeister Jakob von Frauenfeld, seinen tapfern Mitkämpfer gegen den Abt von St. Gallen und gegen Wil, einsetzte. Rudolfs Sohn Albrecht von Oesterreich verlieh der Stadt Frauenfeld grosse Freiheiten, weshalb auch ihre Bürger treu zu Oesterreich hielten und auf dessen Seite bei Sempach, Näfels und am Stoss tapfer gegen die Eidgenossen kämpften.
Bei Näfels verloren sie 40 Mann und ihr Panner, das in der Kirche von Schwyz aufgehängt wurde. 1407 belagerten die Appenzeller die Stadt ohne Erfolg. Als Herzog Friedrich von Oesterreich 1415 zusammen mit dem Papst Johannes vom Konzil zu Konstanz und dem von diesem erwählten Papst Martin V. in Acht und Bann erklärt wurde, blieben ihm Rat und Bürger Frauenfelds treu, bis sie - von Oesterreich im Stich gelassen - sich gezwungen sahen, dem Reich unter Zusicherung ihrer städtischen Freiheiten und Rechte den Treueid zu leisten.
Schon zwei Jahre später (1417) verpfändete der allezeit geldbedürftige König Sigmund die Vogtei über Frauenfeld um 1500 Gulden an die Stadt Konstanz, welchen Anlass die Bürgerschaft benutzte, um sich noch mehr Freiheiten und Rechte zu sichern. 1442 trat Konstanz die Vogtei über Frauenfeld wieder an Oesterreich ab. Nun folgt die Zeit des alten Zürichkrieges, während welcher Erzherzog Albrecht von Oesterreich die Stadt Frauenfeld noch stärker befestigte und 1445 den Ansassen gleiche Rechte mit den Stadtbürgern verlieh.
Als die Frauenfelder sich der Mannschaft des eifrigen österreichischen Parteigängers Hans v. Rechberg angeschlossen und mit dieser zusammen mehrere Streifzüge gegen das den Eidgenossen gewogene Städtchen Wil unternommen hatten, zogen 800 Eidgenossen in den Thurgau und gegen Frauenfeld, verbrannten die Dörfer in dessen Umgebung, schlugen die sich ihnen entgegenstellenden Frauenfelder zurück und nahmen ihnen neuerdings ihr Panner ab, das in der Kirche von Schwyz, dem bei Näfels schon erbeuteten zur Seite niedergelegt wurde.
Nach dem Frieden von 1446 besuchte Herzog Albrecht mit seiner Gemahlin 1449 die ihm treu gebliebene Stadt Frauenfeld in Begleitung eines glänzenden Gefolges (800 Pferde). Er teilte den Bürgern mit, dass er diese Lande seinem Vetter Herzog Sigmund abgetreten habe. 1458 verschrieb Sigmund die Stadt seiner aus dem Geschlechte der Stuart stammenden Gemahlin Eleonore zum lebenslänglichen Eigentum. Im folgenden Jahr versuchte eine unter der Führung von Albert von Sax stehende Schar aus Rapperswil vergeblich, Frauenfeld mit List zu nehmen.
Als 1460 Sigmund mit dem Papst Pius II. in Zerwürfnis geriet, forderte dieser die Eidgenossen zum Kampfe gegen den Herzog auf, die die Gelegenheit zur Ausdehnung der Grenze ihres Gebietes bis zum Rhein und Bodensee benutzten. Die ganze Landgrafschaft Thurgau und die Stadt Frauenfeld gingen für Oesterreich verloren; Frauenfeld ergab sich und Schwur den Eidgenossen Treue und Gehorsam unter der Bedingung, dass ihm seine alten Freiheiten, Satzungen und Gewohnheiten (vorbehalten die Rechte des Gotteshauses Reichenau) durch Brief und Siegel zugesichert bleiben sollten. So war der Thurgau zum Untertanenland der VII alten Orte Zürich, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarus und Zug geworden, die eine Landvogtei-Regierung mit einem alle zwei Jahre wechselnden Vogt an der Spitze einsetzten. Längere Zeit hindurch hatten diese Landvögte keinen festen Sitz im Thurgau; sie reisten nur hinaus beim Amtsantritt zur Abnahme der Huldigungen und wann die Unterbeamten Rechnung ablegen mussten. Wichtige Angelegenheiten wurden von den Landvögten vor die Tagsatzung gebracht.
Im Februar 1499 versammelten sich die eidgenössischen Sendboten in Frauenfeld, um von da aus den aus Anlass des Schwabenkrieges im Felde stehenden Hauptleuten ihre Befehle zukommen zu lassen. Das unter Jakob Fehr stehende Fähnlein von Frauenfeld stand zusammen mit der übrigen Mannschaft des Thurgaus bei Schwaderloo und bei anderen Gelegenheiten derart treu zur Seite der Eidgenossen, dass die Tagsatzung nachher der Stadt Frauenfeld zwei der eroberten Kanonen schenkte. Bei Marignano stritten die Frauenfelder unter Hans von Gryffenberg, ¶
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genannt Wehrli, und erhielten als Anerkennung von Kardinal Schinner, dem päpstlichen Legaten in der Schweiz, die Erlaubnis, neben ihrem gewöhnlichen Wappen noch das Bild des Gekreuzigten in der Fahne zu führen. Zur Zeit der Reformation trat die Mehrzahl der Frauenfelder trotz strenger Drohungen von Seiten der katholischen Orte auf Seite Zürichs und nahm den neuen Glauben an. 1530 grosse Kirchensynode in Frauenfeld unter Zwinglis Leitung. 1531 verlor Frauenfeld in der Schlacht bei Kappel den Sohn seines Schultheissen, den hochgeachteten Abt von Kappel Wolfgang Joner, genannt Rüepplin.
Durch den Landfrieden von 1712 erhielten die Anhänger beider Konfessionen gleiche Rechte und freie Religionsausübung. Im selben Jahre wurde Frauenfeld an Stelle von Baden zum ständigen Sitz der Tagsatzung bestimmt. So sah nun die Stadt alljährlich für einige Zeit ein buntes und bewegtes Treiben in ihren Mauern, wie jeweils auch beim Aufzug der Landvögte, die seit etwa 1554 ihre Residenz in dem (von den Eidgenossen um 526 Gulden den Herren von Landenberg abgekauften) Schlosse zu Frauenfeld hatten.
Im Zeitraum von 17 Jahren wurde die Ortschaft zweimal schrecklich durch Feuer heimgesucht. Der Brand vom zerstörte 64 Wohnhäuser nebst der katholischen Kirche (blos 12 Häuser blieben verschont), und am brannten 33 Häuser nebst dem Rathaus nieder. Tatkräftige Beweise der Teilnahme aus der ganzen Schweiz und dem Auslande linderten die Not der unglücklichen Bewohner. Jetzt erhielt die Stadt ihre gegenwärtige Bauart und Gestalt.
Nun folgen die grossen Ereignisse in der Geschichte von Frauenfeld. Das Jahr 1798 brachte mit der französischen Invasion in der Schweiz, mit der Einheitsverfassung und den Revolutionsbewegungen dem Thurgau die Befreiung von dem Joche der Untertanenschaft und die Abschaffung der landvögtlichen Regierung. Um Hauptort des neuen Kantons zu werden bezw. zu bleiben, hatte Frauenfeld bei den französischen Machthabern gegenüber Weinfelden bedeutende Anstrengungen zu machen. Am schlugen die französischen Truppen unter Oudinot und Soult unter Mithilfe der vom Generaladjutanten Weber gerührten 6000 Schweizer der helvetischen Legion die vereinigten österreichischen Armeen des Erzherzogs Karl und des Generals Hotze bei Frauenfeld in Flucht, bei welcher Gelegenheit General Weber, von einer Kartätschenkugel getroffen, fiel (die Stelle heute durch ein einfaches Denkmal aus Granit an der Strasse nach Huben bezeichnet).
Als aber die Oesterreicher schon am folgenden Tage mit neuen Kräften wieder anrückten, fanden es die französischen Führer für gut, die Stadt Frauenfeld in der Nacht auf den 25. Mai zu räumen und sich in ihre frühere Stellung bei Zürich zurückzuziehen. Da die Oesterreicher Frauenfeld im Verdacht hatten, die Franzosen unterstützt zu haben, drohten sie mit Zusammenschiessen der Stadt, liessen es aber bei etwa 20 hineingeworfenen Kugeln bewenden. Zur Erinnerung an diesen verhängnisvollen 25. Mai hat man später einige dieser Kanonenkugeln in die Mauern der beiden Kirchen eingesetzt. Hierauf folgten Einquartierung und Brandschatzung durch die Oesterreicher und nach der zweiten Schlacht bei Zürich wieder Besetzung durch die Franzosen. Frauenfeld und Umgebung hatte in der Zeit von 1799-1801 mehr als 320000 Einquartierungstage für Truppen, mehr als 100000 solcher für Pferde und unzählige Rationen von Lebensmitteln zu leisten.
Die Mediationsakte erhob im Jahre 1803 den Thurgau zum 17. Kanton der Eidgenossenschaft und gab ihm seine eigene Verfassung. Am 14. April dieses Jahres versammelte sich in Frauenfeld zum erstenmal der Grosse Rat des neuen Kantons, der neben anderen Geschäften auch die Wahl der Regierung, des Kleinen Rates (Morell, Anderwert, Freienmuth) vornahm. Frauenfeld verlor alle Vorrechte gegenüber der Landschaft, und seine Einwohnergemeinde wurde denjenigen aller andern Orte des Kantons gleichgestellt. 1830 sah dann Frauenfeld einen grossen Zudrang von Volk in drohender Haltung, weil die Behörde der vom Volke gewünschten Reform der Verfassung nicht günstig gestimmt war.
1853: Einweihung und Eröffnung der Kantonsschule;
1855: Eröffnung der Eisenbahnlinie Winterthur-Frauenfeld-Romanshorn;
1863: Bau der Kaserne durch die Bürgergemeinde;
1864: Vollendung des Regierungsgebäudes;
1884: Eröffnung der Badanstalt;
1885: Einweihung der Wasserversorgung;
1886: nach langen Unterhandlungen Verkauf der unrentabeln Kaserne an den Bund mit einem Verlust von 60000 Fr.;
1887: Eröffnung der Strassenbahn Frauenfeld-Wil;
1890: eidgenössisches Schützenfest;
1893: Umwandlung der 1882 gegründeten städtischen Sparkasse in eine Filiale der Kantonalbank (sie wurde vom Grossen Rat um die Summe von 675000 Fr. für den Kanton angekauft). - 1810: Stiftung des Konstablerfonds für den Gesellschaftstrunk an Stelle der 1424 und 1440 gegründeten Herrentrinkstube und Trinkstube zum Wilden Mann.
Bibliographie.
Pupikofer, J. A. Gesch. der Stadt Frauenfeld. Frauenfeld 1871. - Pupikofer, J. A. Der Pfahlbau bei Frauenfeld zwischen Niederwyl u. Strass. Frauenfeld 1862. - Wirz, J. J. Das erschreckl. Unglück über die Stadt Frauenfeld. Schaffh. 1771. - Deggeller, G. J. Wahrhafte Beschr. des fürchterl. Brandes zu Frauenfeld den - Truppendurchmärsche durch Frauenf. während der Kriegsjahre 1799-1803 (in den ¶