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"Jetzt weiss ich, dass es einen Gott im Himmel gibt". Albert Einstein rief das 1929, als er den jungen Yehudi Menuhin in Berlin spielen hörte. Ja, es strahlte etwas Göttliches im Geigenspiel des am 22. April 1916 in New York geborenen Wunderkindes und früh zum Weltstar gewordenen Ausnahmekünstlers. Das ist nachzuhören in der prachtvoll ausgestatteten Edition "The Menuhin Century", mit der Warner Classics, Rechtsnachfolger der lebenslangen Menuhin-Plattenfirma EMI, den 100. Geburtstag zelebriert.
Die 80 CDs sind eingeteilt in Einzelsets: "Unpublished Recordings and Rarities" auf 22 (!) CDs mit etlichen bislang unveröffentlichten Kostbarkeiten, "Historic Recordings", wo auf 18 CDs Meilensteine zu hören sind, wie die Einspielung des Elgar-Violinkonzerts unter Leitung des Komponisten (1932), alle Aufnahmen mit dem deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler, für den sich der Jude Menuhin trotz dessen Verbleibs in Nazi-Deutschland einsetzte, oder die wahrhaft grenzüberschreitenden Kollaborationen mit dem indischen Sitarvirtuosen Ravi Shankar und dem Jazz-Geiger Stéphane Grappelli. "Live Performances and Festival Recordings" (7 CDs) und "The Virtuoso & His Landmark Recordings" spannen den Bogen vom blutjungen bis zum reifen Künstler, während "The Complete Recordings with Hephzibah Menuhin" eine wahre Schatzkiste öffnet: Alles, was Menuhin mit seiner jüngeren Schwester (1920–1981) und Pianistin aufgenommen hat, auf 20 CDs. Die technische Qualität vor allem bei den Schellack-Aufnahmen bewegt sich auf dem hervorragenden Niveau der etwas mickerig ausgestatten 12-CD-Box "The Early Recordings" (Warner 2013). Die geigerisch wertvollsten sind tatsächlich die frühen Aufnahmen, als Menuhin mit unfassbarer manueller Perfektion und musikalischer Intuition spielte. Man darf nicht leugnen, dass er in mittleren Jahren künstlerische Krisen durchmachte, und dass ihm im höheren Alter die Hände nicht mehr die Dienste leisteten wie dem Teenager und Twen.
Es sind auch hier nicht alle Tonträger-Produktionen Menuhins vertreten – es fehlen zum Beispiel die Stereo-Aufnahmen des Beethoven-Violinkonzerts mit Otto Klemperer (1966) oder mit Constantin Silvestri (1960). Und es ist auch nicht die umfangreichste Edition, die je einem Geiger gewidmet wurde – "The Album Collection" des grossen Antipoden Jascha Heifetz bei Sony umfasst 103 CDs und eine DVD.