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Nach den vielen eindrucksvollen Erlebnissen, die ich während meiner sechswöchigen Expedition in die Antarktis erlebt habe, ist der Alltag wieder zurückgekehrt. Doch die wunderschönen Erinnerungen, die ich von der Reise mitgenommen habe, werde ich nie vergessen. Angefangen bei der Schiffsfahrt durch das beeindruckende Eispanorama in der „Paradise Bay“, über den Aufenthalt auf der Polnischen Forschungsstation „Arctowski“, bis hin zur Insel mit der Chilenischen Station GGV, wo ich einem Albino-Pinguin begegnet bin. Da ich aus der Antarktis nur unter erschwerten Bedingungen Blogbeiträge in die Schweiz übermitteln konnte, war es mir leider nicht möglich, das Schiff und meinen Alltag vorzustellen. Dies ist mein erster Beitrag dazu.
Bis vor wenigen Jahren war die „Aquiles“ als Kriegsschiff für die Chilenische Armee im Einsatz. Seit etwa zwei Jahren wird das 100 Meter lange Schiff regelmässig von der INACH (Instituto Antártico Chileno) für wissenschaftliche Zwecke gechartert und dient zudem als Versorgungsschiff für verschiedene Forschungsstationen. Während meiner Reise waren etwa 65 Forscher auf dem Schiff. Diese Zahl änderte sich jedoch laufend, da immer wieder Forscher für einige Tage das Schiff verliessen oder neue aufgenommen wurden. Auf dem Schiff gab es einen grossen Speisesaal, einen kleineren für VIP Gäste, in dem auch mein Team und ich essen durften, einen Aufenthaltsraum in dem Forscher und Passagiere ihrer Arbeit nachgehen konnten und natürlich die Kommandobrücke und eine grosse Küche. Am Heck vom Schiff gab es auch ein grosses Helikopterdeck, welches eine einzigartige Aussicht bot. Geschlafen habe ich in einer vierer Kabine, die sogar mit einer Dusche ausgestattet war. Diese teilte ich mit drei Chilenischen Forscherinnen, die Pflanzen in der Antarktis untersuchten. Für mich war das eine gute Möglichkeit, mit Forschern Kontakt aufzunehmen und wichtige Informationen für mein Projekt zu sammeln.
Gespräche mit Forschern und anderen Medienleuten halfen mir über die oft langen Schlechtwetterperioden, wenn wir das Schiff nicht verlassen durften.
Langweilig wurde mir auf dem Schiff nie. Teilweise führte ich sogar vor dem Frühstück Interviews mit Forschern, weil diese oft nur wenige Tage auf dem Schiff blieben. Im Normalfall stand ich um 8.00 Uhr morgens auf. Zum Frühstück gab es im nahegelegenen Speisesaal warme Brötchen, Tee und Orangensaft. Gestärkt startete ich in den Tag, von dem ich nur selten wusste, wie er aussehen wird. Oft war er durch kurzfristige Wetter- und daraus folgende Planänderungen bestimmt. Meine Kamera und ich waren allerdings immer bereit zum Filmen. Bei schlechtem Wetter, welches Anlandungen unmöglich machte, unterhielt ich mich mit Forschern oder führte Interviews für meinen Film. Zudem machte ich an solchen Tagen Innenaufnahmen des Schiffes oder begleitete das Personal des Schiffes bei ihrer Arbeit.
So durfte ich beispielsweise an einem Tag in der Schiffsküche vorbeischauen. Truthahn, Suppe und Chips wurden für den heutigen Tag zubereitet. Doch während meiner Arbeit hinter der Kamera wurde ich kurzfristig zur Protagonistin. So setzte mir der Chefkoch kurz entschlossen seine Kochmütze auf und ein weiterer Koch leihte mir seine Schürze. Und los ging es! Auf Anweisungen des Chefkoches zerteilte ich den Truthahn für das Abendessen und füllte die Suppe in Wärmebehälter um. Ich hatte einen riesen Spass in der Küche und fand es zugleich sehr spannend zu sehen, wie für 100 Personen Essen zubereitet wird. Nach diesem kleinen Abenteuer genoss ich die zuvor in der Küche zubereitete Suppe beim Essen im Speiseraum, wo ich mit vielen verschiedenen Passagieren des Schiffes sprechen konnte. Unter den Gästen lernte ich Vertreter der Malaisianischen Regierung kennen. Sie boten uns traditionelle Köstlichkeiten ihrer Heimat an, die ich gerne degustierte.
Nach dem Essen war ich oft sehr müde. Zusätzlich machte mich auch das Schaukeln des Schiffes müde. Es war nicht ungewöhnlich, dass auf dem Schiff nach dem Mittagessen nicht mehr viel los war. Siesta war angesagt. In dieser Zeit schrieb ich Blogeinträge, visionierte gedrehtes Material oder Fotos oder legte mich schlafen. Um 16.30 Uhr freute ich mich dann auf die von mir heiss geliebte „Tea-Time“. Heisser Tee und warme Brötchen standen auf dem Tisch. Einige Male kam es vor, dass mein Team und ich die Tea Time abbrechen mussten, da kurzfristig eine Anlandung möglich wurde. Auf diese Momente freute ich mich immer besonders. Nach Tagen auf dem Schiff konnte ich meine Kamera packen und an Land gehen! Schöne und eindrückliche Momente waren hier vorprogrammiert.
Die Anlandungen dauerten oft nur wenige Stunden. Um diese kurze Zeit möglich effizient nutzen zu können, teilten Charles und ich die Dreharbeiten auf. Während ich geduldig auf schöne Bilder mit Pinguinen wartete, drehte Charles allgemeine Bilder der Landschaft. Oft war natürlich auch ich sein Motiv. Mit dieser Arbeitsaufteilung gelang es uns in der knappen Zeit, viele schöne Aufnahmen zu machen. So sind wir im laufe der Reise zu einem guten Team zusammen gewachsen.
Zurück auf dem Schiff mussten wir unser Material und die Kleider vom Schmutz befreien. Danach haben wir die Daten doppelt gesichert und gemeinsam das gedrehte Material visioniert. Dabei habe ich von Charles viele hilfreich Tipps für meine weiteren Dreharbeiten erhalten.
Schon bald stand das Nachtessen auf dem Tisch. Die Passagiere und Forscher fanden sich im Speisesaal ein und es wurde gemeinsam gegessen. Es gab zum Beispiel Kartoffelstock, Hot Dogs, Suppe oder Hackfleisch. Zum Dessert gab es Wackelpudding in allen Farben.
Am Abend fanden sich die Passagiere in der Bar ein, wo teils Karaoke gesungen, teils getanzt wurde. An einigen Tischen wurden Kartenspiele gespielt. Ich genoss die Atmosphäre auf dem Schiff sehr und ging oftmals erst lange nach Mitternacht ins Bett.