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| Hieronymus († 420)

Über die beständige Jungfrauschaft Mariens
(Adversus Helvidius de perpetua virginitate b. Mariae)
1.
Neulich wurde ich von den Brüdern gebeten, auf die Schrift eines gewissen Helvidius zu antworten. Doch habe ich die Angelegenheit hinausgeschoben, nicht als ob es zu schwer wäre, einem ungebildeten und kaum mit den Anfangsgründen der Wissenschaft vertrauten Menschen zu erwidern, wo es gilt, die Wahrheit festzustellen. Vielmehr hielt ich ihn überhaupt nicht für würdig, durch eine Gegenschrift widerlegt zu werden. Dazu kam, daß dieser wirre Kopf, der allein in der ganzen Welt sich als Laie und Priester dünkt, nach einem bekannten Worte Geschwätzigkeit für Beredsamkeit und Schmähsucht gegen alle anderen für das Zeichen eines guten Gewissens ansieht. Außerdem fürchtete ich, er möchte, wenn ihm Anlaß zum Streiten gegeben würde, in seinen Gotteslästerungen fortfahren und von erhabener Stätte aus seine Lehre in der ganzen Welt verbreiten. Auch möchte er über mich, da ihm der Wahrheitsbeweis nicht gelingen wird, mit Schimpfereien herfallen. Doch alle diese triftigen Gründe für mein Stillschweigen mußten vor einem Grunde von noch größerer Berechtigung zurücktreten, vor dem Ärgernisse der Brüder, die wegen seiner wahnsinnigen Behauptungen in Unruhe geraten waren. Deshalb mußte das Beil des Evangeliums an die Wurzeln dieses unfruchtbaren Baumes gelegt1 und sein wertloses Laubwerk den Flammen übergeben werden, damit er, der niemals gelernt hat zu reden, endlich einmal zu schweigen lerne.
1: Matth. 3, 10.