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Nirgends im Fairtrade-System waren die Folgen der Corona-Pandemie grösser als auf den Blumenplantagen Afrikas mit ihren 59’000 Angestellten. Noch vor kurzem stand hier für Fairtrade die Anhebung des Mindestlohns im Zentrum. 2020 aber dominierte ein anderes Thema, das man längst bewältigt glaubte: Hunger! Es ging ums Überleben: Wegen den massiven Absatzeinbrüchen im Frühling 2020 (bis minus 90%) kämpften viele Farmen ums wirtschaftliche Überleben. Ihre Angestellten konnten sie nur noch zur Hälfte beschäftigen oder mussten diese gar entlassen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter erhielten nur noch die Hälfte ihres Lohnes oder gar nichts mehr, gleichzeitig aber mussten sie ihre Kinder ernähren, da die Schulen (und mit ihnen der Mittagstisch) geschlossen waren. Die Blumenfarmen konnten keine staatliche Unterstützung erwarten.
Fairtrade International hat sehr schnell reagiert. Eine Woche nach dem Lockdown wurden die Richtlinien für die Verwendung von Prämien so gelockert, dass diese zu 100% für Nahrungsmittel und für den Schutz vor der Ansteckung des Virus für die Arbeiterinnen und Arbeiter verwendet werden konnte. Zudem hat Fairtrade International einen Nothilfefonds geäufnet, um die Blumenfarmarbeiter zusätzlich zu unterstützen und sie langfristig für solche Ereignisse resilienter zu machen. Es werden nun z.B. auf den Blumenfarmgeländen Gemüsegärten angelegt.
Eine der Betroffenen war Caroline Shikuku. Sie arbeitet auf der Blumenfarm Tulaga in Kenia: «Wir waren auf die Auswirkungen der Pandemie nicht vorbereitet. Für zwei Monate wechselten wir in uns zwei Gruppen ab: Während die eine Gruppe arbeitete, blieb die andere zuhause – bei halbem Gehalt. Mit so wenig Lohn zu leben, war eine grosse Herausforderung. Ich war gezwungen, wo immer möglich zu sparen. Priorität hatten die Ausgaben für Miete und Lebensmittel. Doch irgendwann wurde es zu einem Kampf. Zum Glück erhielten wir Unterstützung von Fairtrade.»
"Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmassnahmen." So steht es seit 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Erfahre hier, wie wir uns für das Recht auf eine menschenwürdige Existenz engagieren: Ein Einkommen, das zum Leben und nicht bloss zum Überleben reicht.