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Milchverzehr bei Laktoseintoleranz mit weniger Diabetes assoziiert
Menschen mit einer Laktoseintoleranz könnten von der Aufnahme kleiner Mengen Laktose profitieren, so das Ergebnis einer Studie im Journal Nature Metabolism. Denn der Milchzucker ernährt bei ihnen möglicherweise Darmbakterien, die den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflussen.
In der Untersuchung hatten nicht Laktase-persistente (LNP) Menschen (siehe Kasten), die trotzdem Milch zu sich nahmen, ein geringeres Typ-2-Diabetesrisiko als LNP-Personen ohne Milchkonsum.
Eine erhöhte Milchaufnahme ging ausserdem mit einer Veränderung des Darmmikrobioms und im Blut zirkulierender Metaboliten einher, die laut den Autoren für den verringerten Typ-2-Diabetes verantwortlich sein könnten.
Laktaseproduktion und Laktosetoleranz
Das Enzym Laktase wird im Bürstensaum des Dünndarms produziert, und dient vor allem im Säuglingsalter dazu, Milchzucker zu verdauen. Durch die Enzymfunktion wird die Laktose in seine zwei Einzelzucker Glukose und Galaktose gespalten.
Viele Menschen produzieren im Darm auch im Erwachsenenalter weiterhin Laktase. Sie verdauen Laktose damit weiterhin effizient und absorbieren die entstehenden Galaktose- und Glukosemoleküle im Dünndarm.
Bei Personen ohne Laktase-Persistenz (lactase non persistant, LNP) bildet sich die Laktaseproduktion bis ins Erwachsenenalter jedoch zurück, wodurch sich bei Milchkonsum Laktase-Moleküle im Darm ansammeln.
Bei manchen Menschen kommt es dadurch zu typischen Symptomen einer Nahrungsmittelintoleranz, wie Blähungen, Darmgeräuschen oder Durchfall. Nicht-laktasepersistent zu sein, schliesst dabei aber nicht notwendigerweise die Fähigkeit aus, eine gewisse Menge an Laktose konsumieren zu können. Bis zu 12 Gramm pro Tag konnten Personen ohne Laktasepersistenz in Studien tolerieren. Die vorliegende Studie zeigt, dass einige Personen von Milchkonsum einen Vorteil haben könnten, obwohl sie Milchzucker eigentlich nicht verdauen können.
Milchkonsum bei Laktoseintoleranten senkte Risiko für Diabetes um 30 Prozent
Die US-amerikanischen Wissenschaftler rund um Erstautor Dr. Kai Luo vom Department of Epidemiology and Population Health des New Yorker Albert Einstein College of Medicine, untersuchten 12.653 Teilnehmer der Hispanic Community Health Study/Study of Latinos (HCHS/SOL) genetisch auf ihre Laktase-Persistenz. Ausserdem befragten sie diese, wie häufig sie Milch zu sich nahmen. Anschliessend untersuchten sie über einen mittleren Nachbeobachtungszeitraum das Darmmikrobiom und die Blutmetabolitenwerte der Probanden.
Dabei sahen sie, dass ein höherer Milchkonsum bei Menschen ohne Laktasepersistenz – nicht aber bei laktosetoleranten Probanden – mit einem um rund 30 Prozent verringerten Risiko für Typ-2-Diabetes einhergeht. Korrigiert wurden diese Ergebnisse um sozioökonomische, demografische und Verhaltensfaktoren. Die Studienautoren konnten dieses Ergebnis auch in einer zweiten Kohorte aus der UK Biobank reproduzieren.
Sind die Darmbakterien der «Missing Link» zur Milch beim Diabetes?
Ein grösserer Milchkonsum ging bei den LNP-Teilnehmern mit einer Veränderung der Darm-Mikrobiota einher. So nahmen unter anderem die laktose-verstoffwechselnden Bifidobakterien im Darm mit steigendem Milchkonsum zu. Auch im Blut zirkulierende Stoffwechselprodukte der Darmbakterien unterschieden sich bei Personen ohne Laktaseproduktion, die Milch zu sich nahmen, signifikant von solchen ohne Milchkonsum.
Diese könnten laut den Forschern die Verbindung zwischen dem Verzehr von Milchprodukten und der Entstehung von Typ-2-Diabetes darstellen. Denn zuletzt hatten Ernährungsstudien zu den Effekten von Milchkonsum unter anderem auf Diabetes in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt.
Eine Ursache könnte sein, dass in Asien die Mehrheit der Menschen (60 bis 100 %) laktoseintolerant ist, wohingegen in Europa nur bis zu 40 Prozent der Bevölkerung betroffen sind.
Mangelnde Laktasepersistenz nicht immer mit Laktoseintoleranz gleichzusetzen
Bei den nicht Laktase-persistenten Personen würde die Laktose, im Gegensatz zu Menschen mit Laktosetoleranz, möglicherweise nützliche Darmbakterien ernähren. Denn bei Laktose-Toleranten wird bereits der Grossteil der Laktose im Dünndarm durch das dort produzierte Enzym Laktase verdaut.
«Da die Laktose aus der Milch im Dünndarm von Personen ohne Laktasepersistenz unverdaut bleibt, dient sie als Energiequelle für das Darmmikrobiom» fasst die holländische Ernährungsforscherin Dr. Lonneke Janssen Duijghuijsen von der Universität Wageningen zusammen.
Ernährungsempfehlungen wollen die Forscher mit ihrer Arbeit zwar keine abgeben. Nicht laktasepersistent zu sein sei bei Erwachsenen jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Laktoseintoleranz und Magen-Darm-Beschwerden, erinnert Dr. Jannssen Duijghuijsen. «Untersuchungen zeigen, dass viele Personen, die nicht laktasepersistent sind, dennoch bis zu 12 Gramm Laktose pro Tag vertragen. Das entspricht der Menge der Laktose in einem grossen Glas Milch.»
Darüber hinaus würden laut der Expertin Magen-Darm-Beschwerden, die häufig mit Laktoseintoleranz einhergehen, eventuell durch Veränderungen des Darmmikrobioms gemildert werden. Die Darmbakterien würden eine Laktoseverdauung ohne die Produktion von Gasen ermöglichen, die zu Intoleranzsymptomen führen.