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Wer das nötige Kleingeld besitzt, konnte am vergangenen Mittwoch in London eines der Werke des berühmten William Turner erstehen. Ein Gemälde, das einen Teil des Vierwaldstättersees zeigt, ging deutlich über dem geschätzten Wert unter den Hammer.
Am vergangenen Mittwoch wechselte das Aquarell «The Lake of Lucerne from Brunnen», für rund 2 Millionen Pfund (umgerechnet zirka 2,7 Millionen Franken) an einer Auktion in London nach 50 Jahren seinen Besitzer. Der Künstler des Gemäldes, William Turner, gilt als der bedeutendste bildende Künstler Englands in der Epoche der Romantik. Die Sotheby’s Gallery in London schätzte den Auktionspreis zwischen 1,2 und 1,8 Millionen Pfund, also deutlich weniger als die erzielten rund 2 Millionen Pfund. Turner hatte das Bild Mitte des 19. Jahrhunderts bei seiner letzten Reise durch die Schweiz gemalt. Das 30,8 auf 46,9 Zentimeter grosse Gemälde zeigt den Blick von Brunnen Richtung Uri.
Aufnahme in exklusive Gesellschaft
Turner malte das Bild in den Jahren vor seinem Tod. Er war derart fasziniert von derSchweiz,dassersiezwischen1802und 1844 sechs Mal besuchte. Turner wurde zeitgleich mit seiner ersten Schweiz-Reise mit der Mitgliedschaft in die «Royal Academy of Arts» geehrt. Diese Ehre wurde seinerzeit lediglich 40 Personen zuteil. Seit 1991 ist die Anzahl Mitglieder auf 90 Personen angehoben worden.
Schöne Bilder, schwieriger Charakter
Sobald ein Mitglied stirbt oder seine Mitgliedschaft kündigt, kann ein neues Mitglied in den auserwählten Kreis aufgenommen werden. Vorausgesetzt, er ist Maler, Bildhauer oder Architekt. Wer sich der Schönheit der Bilder Turners hingibt, wird sich möglicherweise nur schwer damit abfinden können, dass ihr Schöpfer ein mürrischer, gar etwas abstossender Mensch gewesen sein soll. Turners Bekanntheit und umstrittener Charakter verleitete den Regisseur und Drehbuchautor Mike Leigh vor vier Jahren dazu, den Spielfilm «Mr. Turner» über die letzten Jahre des Künstlers zu drehen. Timothy Spall verkörpert ihn hierbei. Der Spielfilm wurde 2015 für vier Oscars nominiert; darunter für «beste Filmmusik» (Gary Yershon) oder «beste Kamera» (Dick Pope).
In 40 Jahren über 400 Schweiz-Bilder
Nicht nur die Sicht auf den Uri-Rotstock regte den Künstler zu weiteren Werken an. Inspiriert durch den Mix aus Städten, Seen und Bergen der gesamten Schweiz malte Turner während seiner letzten Schweiz-Reise 25Bilder. Das ist nur ein Klacks im Vergleich zu Turners erster Schweiz-Reise 1802: Aus dessen Eindrücken entstanden 400 Zeichnungen, darunter auch ein Motiv der wilden Gotthardschlucht. Die Bergwelt mit den elementaren Naturgewalten beeindruckten ihn scheinbar tief. In «The Blue Rigi, Sunrise» hielt Turner einen weiteren Teil der Zentralschweizer Landschaft fest. Das Bild zeigt die Rigi in einem Mantel aus Wolken. Die Farben blau und gelb dominieren das Gemälde. Auch die Stadt Luzern schien Turner fasziniert zu haben. Sein Gemälde «Lucerne by Moonlight» aus den Jahren 1842/1843 zeigt die berühmte Kapellbrücke. Das Pendant dazu erschien schon Jahre zuvor. Ungefähr im Zeitraum zwischen 1807 und 1819 erschienen unter dem Namen «Lucerne: Moonrise over the Kapellbrücke».
Gemälde wieder in Privatbesitz
Turner vermachte seine Werke dem britischen Staat, da er den Verkauf seiner Kunstwerke an einen reichen Bürger ablehnte. Nur die Bilder, welche Turner zu Lebzeiten verkaufte, waren in Privatbesitz. Wer der neue Besitzer des 2 Millionen Pfund teuren Gemäldes «The Lake of Lucerne» ist, ist unbekannt. Nur so viel: Das Bild ist erneut in Privatbesitz übergegangen.
Jubiläumsjahr 2019
Im nächsten Jahr feiert die Kunstgesellschaft Luzern ihr 200-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums möchte der Verein zusammen mit der Stadt, dem Kanton, der Schweiz und vielen Touristen feiern. Zu diesem Anlass findet vom 6. Juli bis zum 13. Oktober 2019 zusätzlich zu den Feierlichkeiten der Kunstgesellschaft im Kunsthaus Luzern die Ausstellung «William Turner. Das Meer und die Alpen» statt.
Bote der Urschweiz / Chiara Zgraggen
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Kunst & Design
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/5xUbpk