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In der Schweiz werden ca. 1200 simulatane, bilaterale Kataraktoperationen (SBSC) pro Jahr gemacht. Das heisst, beide Augen werden unmittelbar nacheinander am gleichen Tag operiert. Nicht so viel, wenn man bedenkt, dass schätzungsweise 100'000 Kataraktoperationen pro Jahr durchgeführt werden. Die Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der bilateralen Katarakt Operationen über die letzten 10 Jahre (berücksichtigt sind nur Patienten, die bei der Helsana versichert sind). Es zeigt sich eine deutlicher Trend in Richtung bilaterale Operationen.
Abbildung 1. Anzahl der SBCS/Jahr (Quelle: Helsana Versicherungen)
Innovation in der Augenheilkunde hat in der Schweiz eine lange Tradition - einige weltbekannte Augenärzte kommen aus der Schweiz. Zum Beispiel Johann Friedrich Horner, der das Horner-Syndrom beschrieben hat. Otto Haab und Alfred Vogt, deren Beobachtungen zum Verständnis neuer Krankheitsbilder geführt hat und nicht zuletzt der berühmte Hans Goldmann, der wichtige Erfindungen auf dem Gebiet der Glaukomdiagnostik gemacht hat. Trotzdem bleibt die simultane, bilaterale Kataraktoperation umstritten und wird als solche nicht routinemässig durchgeführt. Doch warum eigentlich? Viele Chirurgen befürchten die Möglichkeit eines beidseitigen Sehverlustes aufgrund einer schwerwiegender Komplikationen, die beide Augen betreffen könnte (z. B. beidseitige Endophthalmitis= intraokulare Augeninfektion). Die Kataraktoperation ist in den allermeisten Fällen ein elektiver Eingriff, d.h. eine Wahloperation. Allgemeines Ziel eines Wahleingriffes ist es, das Risiko einer Komplikation auf ein Minimum zu reduzieren. Dennoch, bei richtiger Nutzen-Risiko-Abwägung kann diese Art der Kataraktoperation für die Patienten sehr zufriedenstellend sein (Abbildung 2).
Abbildung 2. Vor- und Nachteile von SBCS
Im Jahr 2014 führten wir eine retrospektive Studie aller simultanen, bilateralen Kataraktoperationen durch. 250 Patienten (156 Frauen, 94 Männer) mit einem Durchschnittsalter von 80,4 Jahren wurden eingeschlossen. Die Ergebnisse waren sehr ermutigend - praktische alle Patienten konnten davon profitieren. Weniger als 3% hatten einen Visusverlust und es traten keine sehbedrohende Komplikationen auf.
Zusammenfassend darf gesagt werden, dass aus unserer Erfahrung heraus die simultane, bilaterale Katarktoperation eine effektive und sichere Option sein kann. In der Schweiz gibt es eine wachsende Popularität, wie in Abbildung 2 deutlich gezeigt wird. Wir glauben, dass der Schlüsselfaktor für den Erfolg die richtige Patientenauswahl und -aufklärung ist. Vorraussetzung sind hohe Qualitätsstandards in der Kataraktchirurgie - nur unter Berücksichtigung all dessen kann der Nutzen eines bilateralen Vorgehens das theoretisch erhöhte Risiko ausgleichen.
Literatur: