Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03181.jsonl.gz/4016

FV-34 | Bestimmungsfaktoren einer erfolgreichen Integration von Immigranten
Prof. Dr. Alois Stutzer, Michaela Slotwinski
Politische Ökonomie
Ziele des Projektes:
Generell soll das Projekt zu einem verbesserten Verständnis der Integration von Ausländern beitragen. In einem ersten Teilprojekt sollen dazu Einstellungen gegenüber Ausländern mit deren Wanderungsverhalten in Verbindung gebracht werden. Weichen Ausländer der sozialen Interaktion aus, wenn sie eine migrationskritische Einstellung der ansässigen Bevölkerung erwarten? Konkret untersuchen wir, ob sich die in Volksabstimmungen geäusserten Einstellungen gegenüber Ausländern auf deren Wohnortwahl auswirken. Hierbei nutzen wir die Abstimmung zur Minarettinitiative vom 29. November 2009 als natürliches Experiment zur Aufdeckung migrationskritischer Einstellungen seitens der Bürger. Wir argumentieren, dass allfällige beobachtete Reaktionen durch einen Verlust an Identitätsnutzen der ausländischen Individuen moderiert werden.
In einem zweiten Teil soll untersucht werden, ob die Gewährung von lokalen Ausländerstimmrechten der Integration von Immigranten förderlich ist. In vielen Schweizer Kantonen wird gegenwärtig über die Vor- und Nachteile dieser Massnahme diskutiert. Resultate unserer Analyse könnten entsprechend zu dieser Diskussion beitragen.
Im Laufe des Projekts hat sich ergeben, dass wir hierbei parallel zwei Strategien verfolgen: Aufgrund der vorteilhaften institutionellen Gegebenheiten und einer hervorragenden Datenlage, die eine Analyse mit Hilfe einer Regressionsdiskontinuität (RDD) erlaubt, basiert eine erste Anwendung auf dänischen Registerdaten. Dieses Projekt realisieren wir in Zusammenarbeit mit Cédric Gorinas, einem Wissenschaftler am SFI (The Danish National Centre for Social Research). Hierbei konzentrieren wir uns aus Gründen der Datenlage vor allem auf objektive Integrationsmasse. In einer zweiten Anwendung analysieren wir die Einführung des lokalen Ausländerstimmrechtes in Deutschland im Zuge der Verträge von Maastricht. Wir nutzen dabei die zeitlich gestaffelte effektive Umsetzung des Stimmrechtes mit einem doppelten Differenzenverfahren, um die Effekte auf subjektive Masse der Integration zu untersuchen.
Realisierte Schritte:
Durch die Ausdehnung des Projekts auf drei empirische Arbeiten konnte es per Ende 2014 noch nicht abgeschlossen werden. Im ersten Projektteil konnten wir jedoch wichtige Fortschritte erzielen. Wir haben Zugang zu den im Projektantrag erwähnten Registerdaten der ausländischen Schweizer Wohnbevölkerung erhalten. Des Weiteren nutzen wir eine innovative Methode, das RDD mit unbekanntem Diskontinuitätspunkt, um in diesem Rahmen kausale Effekte zu identifizieren. Wir haben die Methode implementiert und interpretierbare Resultate erarbeitet. Die Idee, die Minarettinitiative als natürliches Experiment zu nutzen, hat sich dabei als zielführend für die empirische Beantwortung unserer Fragestellung erwiesen.
Im Rahmen des zweiten Projektteils konnten wir ebenfalls erste wichtige Schritte realisieren. Die institutionellen Grundlagen, welche für die Analyse der Daten aus Deutschland und Dänemark relevant sind, wurden abgeklärt. Wir haben den Zugang zu den dänischen Registerdaten erhalten. Frau Slotwinski weilte im August für einige Wochen in Kopenhagen, um vor Ort in Zusammenarbeit mit Cédric Gorinas ersten Schritte der Datenanalyse zu realisieren. Auf der Grundlage der deutschen Daten bestehen erste Auswertungen.
Ergebnisse:
Wir finden Evidenz, dass die Ausländer bei ihrer Wohnortwahl auf geäusserte Einstellungen ihnen gegenüber reagieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ausländer in eine Gemeinde zieht, die in der Minarettinitiative einen Rechtsrutsch erlebt hat, bricht nach der Abstimmung um zirka 50 Prozent ein. Diese Reaktion ist nicht nur von Seiten muslimischer Individuen zu beobachten, sondern trifft insgesamt für die Gruppe der Zugewanderten zu.
Publikationen:
Zum Abschluss des Projekts sollen bis zum Sommer resp. Ende Jahr zwei Diskussionspapiere publiziert werden. Im Moment liegen diese als Entwürfe vor:
· Slotwinski, Michaela und Alois Stutzer (2015). The Deterrent Effect of Voting Against Minarets: Identity Utility and Foreigners’ Location Choice. Mimeo, Universität Basel.
· Slotwinski, Michaela und Alois Stutzer (2015). Voting Rights and Migrant Integration: Evidence from a Natural Experiment. Mimeo, Universität Basel.
Präsentationen und Konferenzen:
Erste Ergebnisse der Analyse der Auswirkungen von politischen Einstellungen auf die Wohnortwahl von Ausländern in der Schweiz konnten wir Mitte August 2014 an der „17th Nordic Migration Conference“ in Kopenhagen vorstellen. Des Weiteren trugen wir die Resultate im Rahmen der Assistentenkonferenz am Walter Eucken Institut in Freiburg und dem Bernoulli Workshop an der Universität Basel vor.