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Der Erste Weltkrieg hat in der Schweiz gravierende Auswirkungen auf die Versorgung und führt zu einem Mangel an Arbeitskräften. Es ist zu einem grossen Teil dem Einsatz der Frauen zu verdanken, dass das Land auch während der Kriegszeit weiterfunktioniert. Auf dieser Tatsache gründen später ihre Forderungen und ihre stärkere Einbindung in die Wirtschaft.
Mit der Mobilmachung von 1914 werden die Rollen in den verschiedenen Wirtschaftssektoren neu verteilt. Während der Abwesenheit ihrer Ehemänner und Söhne sind die Frauen gezwungen, die Männer wo nötig zu ersetzen. Die bezahlte Arbeit der Frauen wird auch deshalb überlebenswichtig, weil der Sold der aufgebotenen Männer und ihre spärlichen Entschädigungen kaum ausreichen, um die Lebenskosten der Haushalte zu decken.
Der Einsatz der Frauen ist nicht neu
Nicht in allen Sektoren werden die Frauen gleich stark eingebunden. Der Aktivdienst leistende Bauer kann sich darauf verlassen, dass seine Frau oder seine Eltern den Hof weiterführen. In einem Betrieb mit Angestellten ist dies nicht immer der Fall. In den Fabriken, vor allem in der Uhrenindustrie, werden die Frauen bereits als Arbeitskräfte eingesetzt und machen um 1910 ungefähr ein Drittel der Belegschaften aus. In der Zwischenkriegszeit steigt ihr Anteil auf fast 40 Prozent.
Die beiden SAFFA
SAFFA ist die Abkürzung der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit. Frauenorganisationen führen zwei solche Ausstellungen durch: 1928 in Bern und 1958 in Zürich. In der ersten Ausgabe stehen die schwierigen Arbeitsbedingungen der Schweizer Frauen nach dem Krieg und die Vorteile der Erwerbstätigkeit von Frauen für die Wirtschaft im Zentrum der Ausstellung. Schon damals wird das Stimm- und Wahlrecht für Frauen gefordert. Die zweite Ausstellung befasst sich mit den Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten der Frauen sowie allgemein mit dem Konsum. Der Beitrag der Frauen wird als Bedingung für das Funktionieren des Landes aufgezeigt.
Drei wichtige Aktivistinnen
Margarethe Hardegger, Dora Staudinger und Else Züblin-Spiller haben in dieser Zeit auf unterschiedliche Art und Weise zur Anerkennung der Frauenrechte beigetragen.
Margarethe Hardegger setzt sich ihr Leben lang für die Frauenrechte ein. 1904 gründet sie ihre erste Gewerkschaft und wird zwei Jahre später die erste Sekretärin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB). Sie kämpft gegen soziale Ungleichheiten und ausbeuterische Arbeitsbedingungen, unter denen vor allem die Frauen zu leiden haben. Ihre Ideen sind für die damalige Zeit aussergewöhnlich: Sie verteidigt die sexuelle Freiheit und das Recht auf Verhütung und Abtreibung. Als Pazifistin befürwortet sie auch die Abschaffung der Armee. Sie gründet landwirtschaftliche Genossenschaften und engagiert sich im Kampf für das Frauenstimmrecht.
Else Züblin-Spiller ist zuerst als politische Journalistin aktiv und setzt sich danach im Kampf gegen die Armut ein. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, gründet sie den Schweizer Verband Soldatenwohl, der in sogenannten Soldatenstuben zu günstigen Preisen ausgewogene Mahlzeiten und alkoholfreie Getränke anbietet. Nach dem gleichen Modell richtet sie auch Betriebskantinen ein. Ab 1916 baut sie die Wehrmannsvorsorge auf. Sie setzt sich für die Frauenbewegung ein, ermutigt Frauen, berufstätig zu sein, und nimmt an der SAFFA teil.
Die deutsche Aktivistin Dora Staudinger lässt sich 1912 in Zürich nieder. Sie ist eine der wenigen Frauen, die in der Schweiz eine wichtige Rolle bei der Wohnungsreform spielen. Insbesondere ist sie Teil der 1916 gegründeten Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ). 1913 gründet sie innerhalb des Lebensmittelvereins Zürich die erste Frauengenossenschaft. Sie tritt 1914 der Sozialdemokratischen Partei bei und ruft 1915 zusammen mit Clara Ragaz den Schweizer Zweig der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit ins Leben. Ausserdem setzt sie sich für die Anerkennung der Bedürfnisse der Hausfrauen ein.
Literatur und Quellen
Über Margarethe Hardegger
Über Else Züblin-Spiller
Über Dora Staudinger
Letzte Änderung 18.11.2021