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La Bohème im Stadttheater Bern
06-09-2009
Oper ist kompliziert und abstrakt! Ist sie das?
Ist es nicht gerade interessant, eine bekannte Geschichte durch die Regie, dem Bühnenbild und den Kostümen eine eigene Note zu geben und uns eintauchen zu lassen in eine fremde Welt? Und wo kann dies besser gelingen wie bei einem Stoff, der über hundert Jahre alt ist und (fast) jeder kennt?
Die Geschichte von La Bohème wird immer wieder aufgegriffen und für Film und Oper aufbereitet, ja selbst ein Musical nahm sich dem Stoff an( "Rent" von Jonathan Larson). Das Musical holte unter anderem den Tony Award für das Beste Musical und den Pulitzer-Preis für das Beste Drama und lief 12 Jahre ohne Unterbruch am Broadway. Im Jahre 2005 wurde das Musical verfilmt. Letztes Jahr hatte das Basler Theater La Boheme in einer sehr abstrakten Version in ihrem Spielplan. Nun bringt das Berner Stadttheater wie auch das Opernhaus in Zürich das Stück auf die Bühne und Ende September wird das schweizer Fernsehen die Oper in ein berner Hochhaus aufführen lassen und überträgt sie abendfüllend in die heimischen Stuben.
Ich bin kein Theater- oder Operkritiker und habe als Fotograf die Hauptprobe vom 4. September 2009 am Berner Stadttheater von "La Bohème" miterlebt. Als Fotograf achte ich weniger auf die Stimmen und Text wie mehr auf Licht und Bühnenbild. Ich hätte mir eine etwas modernisierte und aktualisierte Variante gewünscht. Es kommt sehr traditionell daher und enttäuscht sicherlich diejenigen nicht, welche den klassischen Stoff in einer ebensolchen Umgebung sehen wollen. Das Stück hatte am 9. September Premiere.
Die Oper von Giacomo Puccini (1858-1924) wurde 1886 in Turin Uraufgeführt und die Handlung ist in vier Bildern aufgeteilt.
Im Ersten Bild sieht man den Poeten Rodolfo (Tenor, Hoyoon Chung/Giorgio Caruso) und den Maler Marcello (Bariton, Robin Adams) an Weihnachten in ihrer Mansarde in Paris. Ohne Essen und Heizung opfert Rodolfo seine Manuskripte und verfeuert diese.
Kurz darauf betreten der Philosoph Colline (Bass, Carlos Esquivel), der Musiker Schaunard (Bariton, Gerardo Garciacano) sowie kurz darauf der Vermieter Benoît (Bass, Lionel Peintre/Claudio Ottino) die Bühne. Der Vermieter will seine Miete eintreiben, die armen Künstler versuchen sich in einer List und bringen Benoît dazu, die Mansarde unverrichteter Dinge zu verlassen. Während die Freunde ins nahe gelegene Cafe Weihnachten feiern gehen, bleibt Rodolfo zurück und kommt durch leisten von Nachbarschaftshilfe seiner Nachbarin Mimi (Sopran, Tamara Alexeeva) näher und verliebt sich.
Am Ende des Bildes werden die Beiden durch das Licht wunderschön hervorgehoben und die Requisiten entschweben an den Seilen langsam in die Höhe. Kurz darauf fällt die Rückwand der Mansarde auf den Bühnenboden.
Im Zweiten Bild im Quartier Latin herrscht eine ausgelassene Weihnachtsstimmung. Auf der Strasse vor dem Café werden Weihnachtsbäume gehandelt. Ein Weihnachtsmann mit Schlitten "fliegt" über die Szenerie hinweg und winkt. Derweil treffen sich im Café Momus Rodolfo und Mimi mit seinen Freunden.
Kurz darauf trifft auch Musetta (Sopran, Daniela Bruera/Agnieszka Slawinska), die frühere Geliebte von Marcello, im Café ein. Sie ist in Begleitung ihres reichen und reichlich älteren Verehrers Alcindoro (Bass, Lionel Peintre/Claudio Ottino). Marcello ist eifersüchtig und Musetta schickt Alcindoro mit einem Auftrag weg. Als dieser wiederkommt, sind alle verschwunden und er muss die Zeche im Cafe bezahlen. Dieses Bild vermag mich als einziges nicht zu überzeugen, zu überladen ist die Szenerie mit sich rhythmisch bewegendem Chor und marionettenhaftem Ensemble, zuwenig kommen die einzelnen Personen zur Geltung. Das Geschehen um die Hauptpersonen herum lenkt zu sehr ab, ohne wirklich zu fesseln oder eine weihnachtliche Stimmung aufkommen zu lassen.
Das Dritte Bild spielt in einem Lagerraum, wo Marcello etwas Geld verdient. Mimi holt sich bei Marcello Rat wegen ihrer Beziehung zu Rodolfo und belauscht ein Gespräch zwischen diesen beiden. Derweil zerstreiten sich Musetta und Marcello und gehen getrennte Wege. Während des Bildes schneit es im Hintergrund und die Kisten werden abgetragen, so dass am Ende die Bühne leer ist.
Das letzte Bild spielt etwa 6 Monate später wieder in der Mansarde. In Gedanken an Mimi und Musetta gelingt Rodolfo und Marcello nichts. Colline und Schaunard kommen hinzu und bringen etwas zu essen. Wenig später stossen die todkranke Mimi und Musetta hinzu, weil Mimi vor ihrem Tod Rodolfo nochmals wiedersehen möchte. Durch den Verkauf von Schmuck und Kleidung versuchen sie, für Mimi Medikamente zu kaufen, doch diese stirbt kurz darauf. Rodolfo realisiert als Letzter deren Tod und bringt seine unendliche Trauer mit dem Schrei ihres Namens zum Ausdruck.