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Im Vietnam-Krieg setzten US-Truppen auf den strategischen Einsatz des chemischen Entlaubungsmittels „Agent Orange“. Ein Ziel des Einsatzes war, das dichte Blätterdach der vietnamesischen Wälder, unter dem der Gegner natürliche Deckung fand, zu lichten. Weitere Wirkungen waren eine grossflächige Zerstörung der Felder und die Einschüchterung der zivilen Bevölkerung. Neben den Umweltauswirkungen führte der Einsatz von „Agent Orange“ zu vielen Krebserkrankungen und Todesfällen. Damit sich eine solche Tragödie nicht wiederholt, wurde am 18. Mai 1977 das Übereinkommen über das Verbot der militärischen oder einer sonstigen feindseligen Nutzung umweltverändernder Techniken (Environmental Modification Convention, ENMOD) unterzeichnet. Angriffe auf die natürliche Umwelt sind seither verboten, die Konvention gilt als Völkerrecht.
Trotz des Verbots kommt es im Zuge von Kriegshandlungen immer wieder zu Umweltzerstörungen heftigen Ausmasses. Dabei werden die Luft, der Boden und das Wasser verseucht und die natürliche Umwelt langfristig geschädigt. Beispiele aus dem Irak-Krieg und dem momentanen Ukraine-Krieg zeigen, wie sich solche Katastrophen auswirken.
Grossflächige Ölverschmutzungen im Irak-Krieg
Im Irak-Krieg wurden aus taktischen Gründen mehr als 700 Ölquellen angezündet. Der dadurch entstandene Rauch verpestete die Luft. Der Qualm enthielt mehrere tausend Tonnen Schwefeldioxid, Stickstoffoxide und Kohlenmonoxid. Die riesige Rauchwolke schwächte ausserdem die Sonneneinstrahlung und verringerte den landwirtschaftlichen Ertrag. Das Öl brannte nicht nur, es lief auch aus und verschmutzte grossflächig den Boden, das Grundwasser und den marinen Lebensraum des Persischen Golfs. Die Wassertemperatur sank in der Folge der Bedeckung der Wasseroberfläche mit Ölschlieren um 2°C, was neben der direkten Einwirkung der Ölverschmutzung noch für weitere pflanzliche und tierische Meeresbewohner den Tod bedeutete.
Die natürliche Umwelt leidet unter dem Russischen Angriff
Munitions- und Waffenproduktionsstätten und -lager sind wichtige strategische Ziele im Ukraine-Krieg. Durch deren Bombardierung gelangen Schwermetalle in die Luft und in den Boden und führen zu weitreichenden Verschmutzungen der Luft, des Bodens und des Grundwassers. Durch die Verminung und Zerstörung grosser Landwirtschafts- und Artenschutzflächen wird vorerst einmal die Nahrungsmittelproduktion eingeschränkt; des Weiteren werden dadurch die Lebensräume vieler Pflanzen und Tiere zerstört. Während der 14. Konferenz zum Schutz von Feuchtgebieten wurde ersichtlich, dass in der Ukraine 16 Ramsar-Gebiete von internationaler Bedeutung stark vom Krieg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die fehlende Lebensmittelproduktion in der Kornkammer Europas hat Auswirkungen auf die ganze Welt. Lebensmittelpreise steigen und der Welthunger nimmt zu. Um dem entgegenzuwirken, scheiden Regierungen auch an Orten, die dem Artenschutz gewidmet waren, neue landwirtschaftliche Flächen aus. Das wiederum hat Konsequenzen für die biologische Vielfalt.
Das Militär als CO2-Schleuder
Ein Aspekt, der neben solchen offensichtlichen Umweltzerstörungen oft vergessen geht, ist die riesige Menge CO2, welche das Militär in die Atmosphäre schickt. Panzer, Fahrzeuge, Truppenverschiebungen, etc. benötigen enorm viel Kraftstoff und verursachen immense CO2-Emissionen. Sowohl während eines Krieges als auch im „Normalbetrieb“ ist das Militär einer der größten institutionellen Emittenten von Klimagasen. Neben der aktiven Zerstörung der Umwelt während Kriegshandlungen belastet dies das Klima zusätzlich.
Krieg und Klimakrise: Ein Teufelskreis
Bewaffnete Konflikte und die Klimakrise beeinflussen sich gegenseitig negativ. Einerseits kommt es aufgrund von Auswirkungen des Klimawandels häufiger zu Konflikten, die in Kriege ausarten können. Die Zerstörung der Umwelt während Kriegshandlungen wiederum trägt zum Klimawandel bei. Die Osteuropa- und Klimaexpertin Astrid Sahm beschreibt dieses Abhängigkeitsverhältnis wie folgt:
„Wir haben das Phänomen, dass die Klimakrise Konflikte verstärkt und zu deren Eskalation beiträgt. Gleichzeitig ist sie aber auch wieder Folge von bewaffneten Ausschreitungen und führt dann zu neuen Problemen.“ Astrid Sahm, Osteuropa- und Klimaexpertin
Eine Möglichkeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, wäre der Ausbau der Kreislaufwirtschaft. Durch eine verstärkte Selbstversorgung könnten die Länder ihre Abhängigkeit von Ressourcen aus den Exportländern mildern, das Konfliktpotenzial würde dadurch nachhaltig gesenkt.
Was passiert nach dem Krieg?
Die zerstörte Umwelt braucht viel Erholungszeit. Landschaften und Lebensräume, die zerbombt, verseucht und verschmutzt wurden, benötigen üblicherweise mehrere Jahrzehnte, um sich zu regenerieren. Die gute Nachricht dabei ist: Die Natur ist stark genug, um sich vollständig zu erholen. Bei aktiver Mithilfe gelingt ihr das noch besser. Bepflanzungen, Räumungen und Säuberungen sind daher ein wichtiger Teil der Aufräumarbeiten nach einer kriegerischen Auseinandersetzung. Davor, unsere diesbezüglichen Fertigkeiten zu trainieren, sollten wir uns dennoch hüten.
Quellen und weitere Informationen:
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz: Feuchtgebiete weltweit besser schützen und wiederherstellen
Greenpeace: Krieg gegen die Umwelt - Das Beispiel Irak
Science ORF.at: Wie der Krieg Umwelt und Klima schädigt
Inforadio.de: Wie sehr zerstört der Ukraine-Krieg die Umwelt?