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Meistens fliegen sie an der Erde vorbei
Zwischen den Planeten kreist eine fast unermessliche Zahl kleiner Körper; von Felsbrocken bis zu 1000 Kilometer Durchmesser «dicken» Ungetümen.
Bis heute sind einige 10 000 dieser Asteroiden katalogisiert, aber die in jüngster Zeit beobachteten und neu entdeckten Planetoiden übersteigen die 100 000er-Grenze. Vermutlich gibt es mehr als 300 000 dieser kleinen Planeten.
Der erste Planetoid wurde von Guiseppe Piazzi (1746-1826) in der Neujahrsnacht von 1801 entdeckt. Er erhielt nach der römischen Göttin der Feldfrüchte den Namen Ceres. Doch er war nur der erste kleine Himmelskörper im Sonnensystem, dem schon bald viele Entdeckungen folgten, z. B. Pallas, Juno und Astrea. Durch den Einsatz der Fotographie durch Max Wolf ab 1890 gab es einen sprunghaften Anstieg der Entdeckungen von Kleinplaneten. Max Wolf selber hat 246 Kleinplaneten entdeckt. Ein weiterer Meilenstein war hundert Jahre später der Einsatz der CCD-Kameras, die einen wahren Entdeckungsboom ermöglichten. Heute vermutet man, die Zahl der Kleinplaneten übersteige 300 000.
Die Zahl der Asteroiden, die gegen einen Kilometer oder grösser sind und der Erde nahe kommen können, geht in die Tausende. Nach wie vor wird die Erde von kleinen Körpern aus dem Sonnensystem getroffen. Kleine Steinchen verglühen in der Erdatmosphäre als Sternschnuppen (Meteore), einige als spektakuläre Feuerbälle. Ein paar Mal pro Jahrtausend trifft uns aber auch ein Brocken, der in der Lage ist, ganze Landstriche zu verwüsten. Zum letzten Mal war dies 1908 in Sibirien der Fall.
In unserer Zeit beginnt man nun systematisch nach möglicherweise für die Erde gefährlichen Asteroiden zu suchen und ist auch schon fündig geworden. Einige müssen genau beobachtet werden, um die Zuverlässigkeit der Trefferwahrscheinlichkeit zu verbessern. Für die nächsten Jahrhunderte scheinen alle bekannten Asteroiden in genügendem Abstand an der Erde vorbeizufliegen. Aber noch lange sind nicht alle potenziell gefährlichen Objekte gefunden worden. bz
Computergesteuerte Beobachtung
Peter Kocher erklärt den Vorgang der Sternbeobachtung
Teleskop und Kamera arbeiten heute bei der Sternbeobachtung computergesteuert und selbständig. Ausgewertet werden die Daten allerdings noch manuell.
Mit PETER KOCHER
sprach BERNHARD ZURBRIGGEN
Wie haben Sie die Bestätigung der Neuentdeckung von vier Kleinplaneten erlebt?
Von dem Dutzend «Neuentdeckungen» wurden schliesslich vier endgültig der Sternwarte Ependes zugeschrieben. Das war eine grosse Genugtuung nach über 2000 eingesandten Messungen. Den Champagner genoss ich mit meiner Frau. Sie musste mich ja auch nächtelang entbehren. Von Deutschland her bekam ich dann die ersten Gratulationen.
Wie gehen Sie bei der Suche nach solchen kleinen Himmelskörpern vor? Wie läuft eine Beobachtungsnacht ab? Letztes Jahr waren es für Sie immerhin 113 Nächte.
Gesteuert wird der ganze Vorgang von einem geheizten Zimmer aus. Ich brauche also nicht übermässig zu frieren. Ein grosser Computer steuert das Teleskop über zwei Motoren. Das Notebook richtet es auf die gewünschten Objekte aus, macht programmiert CCD-Aufnahmen mit Belichtungen von einer Minute. Gleichzeitig kann über das Internet überprüft werden, ob die gefundenen Objekte bekannt sind oder nicht.
Spielen Amateur-Astronomen bei der Planetoidenforschung heute noch eine Rolle?
Ziel einer Beobachtung von Planetoiden ist die genaue Ermittlung ihrer Position am Sternenhimmel. Schon der Mathematiker und Astronom C. F. Gauss (1777-1855) zeigte, dass drei Beobachtungen, zwischen denen etliche Wochen liegen, notwendig sind. Je mehr Beobachtungen über einen möglichst langen Zeitraum gemacht werden, desto genauer lässt sich die Bahn bestimmen und in die Zukunft extrapolieren.
Besonders wichtig sind die Positionen von nicht nummerierten, also nur provisorisch bezeichneten Kleinplaneten. Mit deren Hilfe ist es möglich, die so genannten Bahnelemente schrittweise zu verbessern, bis sie schliesslich vom Minor Planet Center als gesichert eingestuft und nummeriert werden.
Welches sind Ihre Projekte in der Zukunft?
Ich werde natürlich weiterhin den Himmel nach bewegten Objekten absuchen. Mit einer neuen Methode überstreicht von nun an die Kamera programmiert bestimmte Himmelsbereiche. Mehrere Stunden arbeiten Teleskop und Kamera selbständig. Ausgewertet wird allerdings noch manuell am Tag darauf. Vielleicht erhält die Sternwarte einmal eine eigene Kamera. Mein grösster Wunsch ist allerdings, dass ich in meiner eigenen Sternwarte auch einmal eine Neuentdeckung machen kann.