Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03174.jsonl.gz/2771

Als Utopie bezeichne ich einen Bericht in Form einer Erzählung von einer anderen Welt, in der ich - vielleicht - lieber leben möchte. Die Utopie ist mihin kein Wunsch(traum) und nichts Unmögliches oder Unwahrscheinliches, sondern eine Anleitung zur Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse, wobei insbesondere auch, welche Verhältnisse als gesellschaftliche betrachtet werden und wie diese erreicht werden können. Differenztheoretisch ist die Utopie die Differenz zwischen Verhältnissen und wie diese Verhältnisse besser sein könnten. Differenziel beschreibt jede Utopie, wie es jetzt gerade ist.
Der Ausdruck Utopie stammt aus dem Titel Utopia des 1516 erschienenen Romans Utopia von Thomas Morus, der darin seine ideale Gesellschaft beschreibt. Utopia liegt nicht in der Zukunft, sondern in einer fernen Gegend, das heisst, seine Utopie ist real. Utopia wird allerdings oft als Satire aufgefasst.
Gegensatzpaare:
Utopie/Dystopie
Die Utopie beschreibt immer subjektiv bessere Verhältnisse (etwa: Thomas Morus' Utopia, B. Skinner: Walden two, oder R. Todesco: Walden III, es gibt aber auch die Dystopien, sozusagen eine Negativ-Utopie, in welcher schlechte Welten beschrieben werden, die wir meiden sollten (etwa: George Orwell: 1984 oder Animal Farm oder Aldous Huxley: Brave New World). Die Utopie beschreibt nicht die Zukunft, sondern eine denkbare Möglichkeit. Auch dazu gibt es eine Alternative, Science Fiction beschreibt, was jetzt noch nicht denkbar ist, sondern erst noch denkbar werden könnte, wobei auch Scinece Fiction nicht an die Zukunft, sondern an andere Technologien gebunden ist. Die Utopie beschreibt einen Uebergangsprozess, während die Fantasie einen Zustand beschreibt, ohne sich um die Realisierung zu kümmern (vgl dazu (etwa: konkrete Utopie von E. Bloch). Die Satire kann als Utopie auftreten, indem sie eine bessere Welt beschreibt, die niemand möchte (etwa das Schlaraffenland). Und natürlich kann man jede Utopie als Satire abewehren, was schon seit Utopia gemacht wird.

Die als klassisch zu bezeichnenden Vorläufer der modernen utopischen Literatur sind neben Thomas Morus' Utopia (1516), Tommaso Campanella "Der Sonnenstaat" (1623), Christianopolis(1619) von Johann Valentin Andreae und Francis Bacons Neu-Atlantis (1626).
Die Utopie verwendet als Erzählmodus sehr oft eine "Insel", die als autopietische Zelle fungiert. Utopia und Atlantis waren as eigentliche Inseln gedacht, Walden two und Walden III sind quasi ökonomische Inseln. (Beispiele: Johann Gottfried Schnabels: Insel Felsenburg
Erewhon von Samuel Butler (1872), (handelt von einem Land, das hinter einem nahezu unüberwindlichen Gebirge auf Neuseeland liegt.
Mehr Beispiele von Utopien
Oft wird die Utopie als gute Vergangenheit erzählt: das Paradies, Atlantis usw. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Unglück, ein Ereignis, durch welches die Welt schlecht wurde. Adam hat den Apfel gegessen.
Eind Standardgeschichte ist das ursprünglich natürliche Leben, das durch die Erfindung von Getreide verloren ging. Dem Getreide folgten alle Übel (zB in BoloBolo von H. Widmer oder bei Y. Harari.