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Gene Drives werden eingesetzt, um die klassischen Vererbungsregeln zu umgehen mit dem Ziel, die Verbreitung modifizierter Gene in Wildpopulationen zu beschleunigen. Während Gene üblicherweise nur mit einer Chance von 50% an die nächste Generation weitergegeben werden, steigern Gene Drives-Verfahren die Rate ihrer Verbreitung erheblich. Gene Drives können genutzt werden, um Wildpopulationen und Arten zu manipulieren oder sogar zu eliminieren.
Die Idee, in Arten nicht nur einzugreifen, sondern auch durch genetische Veränderung auszulöschen, ist an sich nicht neu, doch die technischen Möglichkeiten dazu gibt es erst jetzt. Mit neuen gentechnischen Verfahren, insbesondere der „Gen-Schere“ CRISPR/Cas9, könnte es bald möglich sein, ein bestimmtes Gen an alle Nachkommen ab der nächsten Generation zu vererben.
Der wissenschaftliche Durchbruch von Gene Drives gelang 2015 mit dem Versuchsorganismus Drosophila und der Vererbung der Augenfarbe. Die Wissenschaftler waren geradezu euphorisch angesichts dieser Technik, mit der die Verbreitung eines ausgewählten Gens auf zukünftige Fliegengenerationen sichergestellt werden kann, dass sie den Prozess als „Mutagene Kettenreaktion“ bezeichneten. Die dadurch entstandene Möglichkeit, nicht nur Eigenschaften wie die Augenfarbe, sondern auch weibliche (oder männliche) Sterilität zu „produzieren“ und diese Eigenschaften auf ganze Populationen oder Arten zu übertragen, lässt Forscher*innen hoffen, mit dieser Technik die Ausbreitung unerwünschter oder problematischer Arten zu stoppen oder sie ganz auszumerzen.
Die derzeitigen und geplanten Forschungsprojekte sind vielfältig. Sie zielen auf die Ausrottung oder Modifizierung von Krankheitsvektoren wie Moskitos (Malaria und Dengue-Fieber) sowie auf die Eliminierung schädlicher invasiver Arten oder landwirtschaftlicher Schädlinge ab.
Aber was passiert, wenn Populationen oder Arten durch Gene Drives ausgelöscht werden? Neben ökologischen Aspekten sind Gene Drives eine Technologie, die auch grundlegende soziale, ethische und rechtliche Fragen aufwirft.
Viele Wissenschaftler*innen und Forschungsgruppen warnen vor den weitreichenden Folgen der Nutzung von Gene Drives und fordern, dass einer Freigabe eine breite öffentliche und politische Debatte vorausgeht.
Um diese Debatte anzuregen, veröffentlichen wir auf dieser Website neueste Erkenntnisse zu Gene Drives. Darüber hinaus organisieren wir ein öffentliches und interdisziplinäres Symposium, das eine wissenschaftlich fundierte und kritische Auseinandersetzung mit vielen der für Gene Drives relevanten wissenschaftlichen und sozialen Fragen ermöglichen soll.