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Nach dem Untergang des Römischen Reiches haben nur die Rosen überlebt, die besonderts wiederstandsfähig waren. Erst zur Zeit Karls des Großen (um 800 n. Chr.) erlangten die Rosen als Heilpflanzen in den Klostergärten wieder eine gewisse Bedeutung. Nach 1200 brachten Mönche die Rosen bis nach Skandinavien. Im 13. Jahrhundert kamen in Frankreich geflochtene Kränze mit Rosen auf. Es entstand der Beruf des
Blumenbinders. Ihm war erlaubt, auch am Sonntag zu arbeiten und zu verkaufen. An unzähligen Kirchenbauten wurden Rosen gepflanzt, z. B. am Dom zu Hildesheim. Gelegentlich benutzte man Rosenwasser als Weihwasser. Ritter und Minnesänger verehrten die Rose als Symbol der Liebe. Um 1250 beschäftigte sich Albertus Magnus, der „doctor magnificus" mit Rosa gallica, aber auch mit „Stacheln" und „Dornen" bei Rosengewächsen. Um 1270 brachten die Kreuzritter die Rosa X damascena aus dem Orient nach Westeuropa.
Im Mittelalter wird die antike gärtnerische Tradition vor allem in den Klöstern bewahrt. Neben Kräuter- und Arzneigärten gibt es Anlagen, die allein der Kontemplation dienen. Diese "Paradiesgärtlein" liegen meist in dem vom Kreuzgang umschlossenen Innenhof. Charakteristisch ist der kreuzförmige Grundriss, der den Garten in vier Abschnitte unterteilt. In der Mitte befindet sich ein Brunnen, der die Lebensquell symbolisiert. Viele Darstellungen mittelalterlicher Gartenkultur finden sich auf Gemälden und in Buchillustrationen. Im weltlichen Bereich spielt der Garten als Ort des Vergnügens eine wichtige Rolle in der höfischen Dichtung
Die frühen Christen lehnten deshalb zunächst die "Blume des Exzesses" kategorisch ab. Mit der spezifischen Verehrung Marias im 11. Jhdt. kehrte die Rose jedoch in einem Siegeszug zurück in Kirchen und Sakralkunst. Maria im Rosenhag, die herrlichen Rosetten gotischer Kathedralen und der Rosenkranz sind aus der katholischen Kirche nicht mehr wegzudenken. Umgedeutet in ein Symbol der Reinheit und Jungfräulichkeit, der Mutterschaft, Wiedergeburt und Fruchtbarkeit, blieb doch immer auch der ursprüngliche Aspekt der Symbolik erhalten: Die Rose galt als sexuelles Symbol der Frau, der alten Göttinnen, als Born des ewigen Lebens und der Liebe.
Mit der Völkerwanderung verliert sich das Wissen um die Rose. In der Landgüterverordnung Karls des Großen (capitulare de villis) taucht sie dann wieder auf. Alle Höfe des Kaisers wurden verpflichtet, bestimmte Pflanzen, vor allem Heilpflanzen, anzubauen. An Nummer 2 der Liste (von 72) stand die Rose. Die Kreuzritter brachten dann Rosa damascena aus Syrien mit, die mit ihrem intensiven Duft und dem aus ihren Blütenblättern gepressten Öl ganz Europa verzauberte. Sicherlich kam auch die Apothekerrose (Rosa Gallica officinalis), die als Heilpflanze den Magen kräftigt, verdauungsfördernd wirkt und trockenen Husten heilt, aber auch Alba Maxima, aus der ein Augenwasser gewonnen wurde im Gepäck der Kreuzritter nach Europa. Ansonsten rankten sich viele Mythen um die Rose und sie tauchte im Wappen vieler Adelfamilien auf.
Im 16. Jahrhundert taucht dann eine neue Art auf, die Zentifolie. Angeblich soll Thomas Cromwell, Kanzler des englischen Königs Heinrich VIII., eine Kletterrose (Rosa Moschata) nach England gebracht haben. Aufsehen erregte die um 1600 nach Europa gekommene Rosa foetida, die "Gelbe Rose von Asien", die eine neue Farbe brachte. Bis dahin kannte man nur Rosatöne und weiße bis cremefarbige Rosen. Mit dem zunehmenden Eindringen asiatischer Rosen begann man Rosen ernsthaft zu züchten, und es entstanden unzählige neue Gattungen, von denen ein Teil wieder verschwunden ist.
In der Zeit der Renaissance (16. Jh.) entstanden in den Städten Rosensammlungen mit den damals bekannten Sorten. Mit diesen Rosen beschäftigten sich die Väter der Botanik (Otto Brunfels, Hieronymus Bock, Leonhard Fuchs). Ihr Interesse an der Rose galt aber mehr der Arzeney als der Zierpflanze. 1580 wurde die gelb blühende Fuchs-Rose (Rosa lutea = Rosa foetida) aus Kleinasien eingeführt. Die Moschusrose (R. moschata) aus dem Himalaja tauchte in Europa auf. Ab Mitte des 17. Jh. gelang es auch in Europa Rosenöl herzustellen. Rosenhonig und Rosenessig kamen auf den Markt. 1713 gibt Basilius Besler in seinem Hortus Eystettensis die zu jener Zeit kultivierten Rosen in seinen Kupferstichen wieder. Um 1700 entwickelte sich Holland zum Mittelpunkt der europäischen Rosenzüchtung. Dort entstand z. B. durch Mutation (= plötzliche, nicht durch den Menschen beeinflusste Veränderung der Erbanlagen) die Moosrose (R. centifolia muscosa). Sie trägt „moosartige Ausstülpungen" am Blütenkelch und den Kelchblättern.
Während sich die Christen mit der Rose zunächst schwer taten, galt sie den Muslimen seit jeher als heilige Blume und wurde von ihnen gleichzeitig mit der Verbreitung des Islam nach Indien, Nordafrika und Spanien gebracht. Die Damascener Rose, die beste Duftrose überhaupt, soll aus den Schweisstropfen des Propheten entstanden sein, die zur Erde tropften, als er sich auf der Flucht ins Paradies befand. Vor allem die Sufis verehrten die Rose als Symbol in Literatur und Dichtung, sie fand einen wichtigen Platz in der erotischen Dichtung des mittelalterlichen Orients. Unter jenem Einfluß dürfte auch der mittelalterliche Text "Der Name der Rose" gestanden haben, den Umberto Eco Jahrhunderte später als Zitat im Roman benutzte.
Die Rose setzte sich als Gartenpflanze in Europa allerdings erst unter Kaiserin Joséphine (1763-1814) richtig durch. Die Gattin Napoleons liebte Rosen leidenschaftlich, ließ seltene Exemplare aus Bengalen und China importieren und sammelte die berühmtesten Züchter und Botaniker um sich, um in ihrem Garten Malmaison die Rosen zu züchten, auf die viele der heutigen Arten zurück gehen. Dank ihr gibt es frostfeste Rosen aus chinesischen Kreuzungen und die Farbe Gelb. Gelbe Rosen kannten die Perser zwar bereits, doch stanken die Blumen unangenehm. Ein arabischer Gelehrter soll es gewesen sein, der im Mittelalter die einzige nicht existente Rosenfarbe herstellte. Indem er ab Frühjahr seine weißen Rosen mit Jodtinktur goß, erhielt er blaue Blüten.