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Rheuma und SARS-CoV-2
Covid-19: Impfung schützt auch immunsupprimierte Rheuma-Patienten
Schützen Covid-19-Impfstoffe immunsupprimierte Patienten genauso gut wie die Allgemeinbevölkerung? Erste Daten machen Hoffnung.
Am ACR Convergence 2021 präsentierten kanadische Forscher brandaktuelle Daten zu dieser Frage (1). Eine der wichtigsten Untersuchungen ist eine aktuelle prospektive, nicht randomisierte Vergleichsstudie. Darin untersuchten die Forscher in zwei Zentren im kanadischen Québec, welche Nebenwirkungen eine Corona-Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Moderna innerhalb von sieben bzw. 28 Tagen bei immunsuppremierten Patienten hatte. Zudem analysierten sie, wie sich das Alter und die antirheumatische Therapie auf die Bildung von Antikörpern gegen das SARS-CoV-2-Spike-Protein (IgG-S) und seine Rezeptor-Bindungsdomäne (IgG-RBD) auswirkte.
Impfung erhöht Krankheitsaktivität nicht
Von den 220 Teilnehmern hatten 131 eine medikamentös behandelte rheumatoide Arthritis (RA), 23 einen systemischen Lupus erythematodes (SLE) unter Therapie mit Mycophenolatmofetil (MMF) und acht eine andere rheumatische Erkrankung, gegen die sie täglich mindestens 10 mg Prednison einnahmen. Die Kontrollgruppe umfasste 58 nach Alter und Geschlecht gematchte Teilnehmer ohne rheumatische Erkrankung. Das mittlere Alter betrug 60,4 Jahre, etwa zwei Drittel der Teilnehmer waren weiblich.
Unerwünschte Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen häufiger nach der zweiten Impfung auf. Am häufigsten wurden dabei Schmerzen an der Injektionsstelle angegeben. Gelenkschwellungen traten nach beiden Dosen häufiger bei den Teilnehmern mit einer Rheuma-Erkrankung auf. Allerdings fand sich nach den Impfungen kein klarer Anstieg der Krankheitsaktivitäts-Scores. In beiden Gruppen gab es keine schwerwiegenden Nebenwirkungen.
Guter Schutz nach zweiter Impfung
Alle Teilnehmer der Kontrollgruppe entwickelten bereits nach der ersten Impfung Antikörper und waren sowohl für IgG-S als auch IgG-RBD seropositiv. Dagegen waren es bei den Patienten mit RA nur 67,7 Prozent, und bei denen mit SLE sogar nur 34,8 Prozent. Von den acht mit einer anderen rheumatischen Erkrankung waren 87,5 Prozent seropositiv. Nach der zweiten Dosis stieg die Rate der Seropositiven bei den Patienten mit RA auf 88,5 Prozent, bei denen mit SLE auf 78,3 Prozent, während sie sich bei den anderen nicht weiter erhöhte.
Das Alter beeinflusste die Bildung der Antikörper nicht, jedoch hatten RA-Patienten unter Therapie mit Rituximab und Patienten mit SLE, die mit MMF behandelt wurden, im Vergleich mit den anderen Patienten eine schwächere Immunantwort. Allerdings bedeutet die Tatsache, dass ein Patient nach einer Impfung keine Antikörper entwickelt, nicht unbedingt, dass er keinen Schutz entwickelt, erläuterte die Hauptautorin der Studie, Professor Dr. Ines Colmegna, McGill University, Montreal.
ACR-Guidelines bestätigt
Die Ergebnisse bestärken die ACR-Guidelines zur Covid-Impfung bei Rheuma-Patienten. Personen, die mit Rituximab behandelt werden, sollten mit ihrem Rheumatologen den geeigneten Zeitpunkt für die Impfung besprechen, heisst es dort. Allerdings liefert auch die aktuelle Studie keine Antwort auf die Frage, wann der optimale Zeitpunkt für die Impfung ist und ob es sinnvoll ist, die Impfung einen Monat vor der nächsten Gabe von Rituximab durchzuführen, so Prof. Colmegna. Der mittlere Abstand zwischen der Gabe von Rituximab und der Impfung betrug in der Studie 4,5 Monate.
Der Leiter der ACR Covid-19 Vaccine Guidance Task Force, Professor Dr. Jeffrey Curtis, University of Alabama, sieht durch die neuen Daten die Empfehlung der Task Force bekräftigt, dass sich immunsupprimierte Patienten impfen lassen sollen. Denn auch sie entwickeln eine, wenn auch vielleicht etwas abgeschwächte, Immunantwort.
Referenzen
Colmegna I et al. COVID-19 Vaccine in Immunosuppressed Adults with Autoimmune Diseases. Arthritis Rheumatol. 2021; 73 (Suppl 10): Abstract L02.