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Mit einer zweitägigen Staatstrauer hat die kapverdische Regierung Cesária Évora als «eine der wichtigsten Repräsentationsfiguren der kapverdischen Kultur» geehrt. Am letzten Samstag ist sie in ihrer Heimatstadt Mindelo auf der Insel São Vicente gestorben. Dort wurde «Cizé», wie die Sängerin von ihren Landsleuten liebevoll genannt wurde, 1941 geboren. Ihr Vater war Musiker und Grogue-Säufer, er starb, als sie sieben Jahre alt war.
Auf den Kapverden herrschte in den vierziger Jahren Hungersnot. Zehntausende verhungerten, andere wurden vom faschistischen portugiesischen Kolonialregime nach São Tomé e Príncipe zwangsexiliert, wo sie unter widrigsten Bedingungen auf den Zuckerrohrplantagen arbeiten mussten. Von diesem Exil erzählt Évoras erfolgreichstes Lied «Sodade», das der kapverdische Saxofonist Luis Morais für sie komponiert hat. Von Trennung, Heimweh und Sehnsucht ist die Rede, jenem existenziellen Gefühl, das die zurückgebliebenen Frauen und Kinder mit ihren in die Emigration entschwindenden Männern und Vätern verbindet. «Wenn du mir schreibst, werde ich dir schreiben, wenn du mich vergisst, dann werde ich dich vergessen. Bis zum Tag deiner Rückkehr.»
Auch die Väter von Cesária Évoras Kindern entschwinden, sie bleibt wie die meisten Kapverdierinnen als alleinerziehende Mutter zurück. Ab und zu singt sie in den Bars der Hafenstadt, kämpft immer wieder mit dem Alkohol und verstummt. Erst Mitte der achtziger Jahre – zehn Jahre nach der Befreiung Cabo Verdes – tritt sie wieder auf. Die sozialistische Frauenbewegung organisiert 1985 ein Festival «de voces femininas», wo Évoras einzigartige Stimme wiederentdeckt wird.
Im selben Jahr verlässt Cizé erstmals ihre Heimat – barfuss –, um in Lissabon an einem Konzert aufzutreten: Dies ist der Anfang ihrer späten, aber äusserst erfolgreichen Karriere. Catherine Silberschmidt