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Nach dem «Super Tuesday» am 5. März 2024 steht nun fest, dass das Rennen um das Weisse Haus eine Neuauflage von 2020 wird. So tritt der amtierende Präsident Joe Biden für die Demokraten gegen den ehemaligen republikanischen Präsidenten Donald Trump an. Die US-Präsidentschaftswahlen am 5. November 2024 dürften somit ohne Zweifel Einfluss auf die Wirtschaft haben. Dies nicht zuletzt, da die Demokraten und die Republikaner verschiedene politische Richtungen vertreten, die die Wirtschaft auf unterschiedliche Arten beeinflussen können. Nun stellt sich die Frage, welche potenziellen Auswirkungen der Ausgang der Präsidentschaftswahlen 2024 auf die Finanzmärkte haben könnte und welche Branchen von welchem Kandidaten eher profitieren beziehungsweise eher unter ihm leiden dürften.
Kann sich Joe Biden für eine zweite Amtszeit durchsetzen, so bleiben die Demokraten im Weissen Haus. Die Demokratische Partei wurde in der Vergangenheit oft mit einer Politik in Verbindung gebracht, die sich grundsätzlich stärker für Sozialprogramme, Klimapolitik, eine stärkere Regulierung, höhere Steuern für Unternehmen und Reiche oder die Förderung des Gesundheitswesens einsetzt.
Joe Biden hat beispielsweise eine Ausweitung der unter Barack Obama eingeleiteten Gesundheitsreform «Affordable Care Act» und eine Verschärfung der Gesundheitsvorschriften vorgeschlagen. Der Gesundheitssektor könnte durch höhere Staatsausgaben für Gesundheitsprogramme und die Ausweitung erschwinglicher Gesundheitsversorgungsoptionen Auftrieb erhalten. Diese Gesetzesvorlage dürfte Unternehmen im Gesundheitssektor wie beispielsweise Pharmaunternehmen, Biotech-Unternehmen, aber auch Gesundheitsdienstleistern zugutekommen. Auch im Energiesektor dürfte unter Joe Biden mehr Transformation stattfinden. So hat Joe Biden mit dem «Inflation Reduction Act» einen seiner Schwerpunkte auf Initiativen für saubere Energie und Klimapolitik beziehungsweise Klimaschutz gelegt. Verbleibt er im Amt, dürfte dies zu erhöhten Investitionen in erneuerbare Energiequellen und Infrastruktur führen, was Unternehmen unterstützen dürfte, die im Bereich erneuerbare Energien und Bau tätig sind. Doch während saubere Energieunternehmen möglicherweise davon profitieren, könnten die zum jetzigen Zeitpunkt immer noch stärker vertretenen, traditionellen Energieunternehmen aufgrund potenzieller Vorschriften und Beschränkungen für fossile Brennstoffe vor grossen Herausforderungen stehen. Weiter könnte Bidens Unterstützung für die Erhöhung des Mindestlohns und die Ausweitung von Sozialprogrammen die Konsumausgaben ankurbeln, was schliesslich Einzelhändlern, Restaurants und Unterhaltungsunternehmen zugutekommen würde. Und nicht zuletzt hat Joe Biden seine Unterstützung für Technologie und Innovation gezeigt. So dürfte er sich weiterhin auf die Weiterentwicklung der Infrastruktur und der Innovation von Technologie fokussieren. Dadurch dürften Technologieunternehmen auch zukünftig weiter aufblühen. Dazu gehören Unternehmen, die Dienstleistungen rund um Cloud Computing, Künstliche Intelligenz, IT-Infrastruktur aber auch Cybersicherheit anbieten. Aufgrund des regelrechten KI-Booms und der damit einhergehenden, erhöhten Sicherheitsrisiken in Hinblick auf digitale Angriffe und digitale Sicherheit dürfte diese Thematik jedoch unabhängig des zukünftigen Präsidenten an Wichtigkeit dazugewinnen.
Andererseits gibt es auch Branchen, die weniger stark von einer zweiten Amtszeit Joe Bidens profitieren könnten. So beispielsweise Finanzinstitute. Bidens Vorschlag, die Steuern für Unternehmen und Vermögende zu erhöhen und den Finanzsektor strenger zu regulieren, könnte Banken, Versicherungen und andere Finanzintermediäre vor Herausforderungen stellen. Ausserdem könnten Verteidigungsunternehmen unter Druck geraten, wenn beispielsweise die Militärausgaben zur Finanzierung sozialer Programme gekürzt werden. Weiter könnte Bidens Schwerpunkt auf ökologische Nachhaltigkeit mit erneuerbaren Energiequellen und mögliche Beschränkungen bei der Öl- und Gasexploration zu höheren Kosten für Industrieunternehmen führen, was sich natürlich auf deren Rentabilität auswirkt. Richtlinien, die den Übergang zu saubereren Energiequellen begünstigen, könnten sich folglich negativ auf traditionelle Energieunternehmen auswirken, die auf fossile Brennstoffe angewiesen sind. Zu energieintensiven Unternehmen gehören beispielsweise Chemie-, Pharma- oder Metallunternehmen. Auch der Immobiliensektor könnte verstärkt leiden. Bidens Vorschläge, Initiativen für bezahlbaren Wohnraum zu verstärken und strengere Vorschriften auf dem Immobilienmarkt einzuführen, könnten sich auf Immobilienentwickler und Real Estate Investment Trusts (REITs) auswirken und so die Margen schmälern.
Gewinnt hingegen der ehemalige republikanische Präsident Donald Trump die Wahl im November, könnte dies andere Auswirkungen auf die Wirtschaft haben als der Sieg des Demokraten. Eine republikanische Regierung wird typischerweise mit einer wirtschaftsfreundlichen Politik, grösserem Schutz der eigenen Wirtschaft, Steuersenkungen und Deregulierung in Verbindung gebracht. Dies kann das Wachstum in bestimmten Sektoren ebenfalls fördern, während es in anderen Branchen zu Herausforderungen kommen kann.
Zu den Profiteuren dürfte bei einem Sieg Trumps der Finanzsektor gehören. Trumps wirtschaftsfreundliche Haltung zu Deregulierung und Steuersenkungen könnte für Banken, Investmentfirmen und andere Finanzinstitute oder Grosskonzerne von Vorteil sein. Unter einer möglichen zweiten Trump-Regierung kann mit einer Deregulierung des Markts und Steuersenkungen für Unternehmen gerechnet werden. Auch profitieren dürften – dank Trumps Unterstützung für die Industrie, fossile Brennstoffe und reduzierte Umweltvorschriften – traditionelle Energieunternehmen wie beispielsweise Öl- und Gasproduzenten. Dies dürfte dazu führen, dass die Kosten von Industrieunternehmen dank tieferer Energiekosten grundsätzlich sinken. Der Fokus des ehemaligen Präsidenten auf Infrastrukturausgaben und Handelspolitik, wie beispielsweise mit seinem «America First»-Ansatz oder der Umsetzung von Einfuhrzöllen, könnte ebenfalls Industrieunternehmen in den Bau-, Fertigungs- und Transportbereichen zugutekommen und die Produktion in den USA stärker ankurbeln, was wiederum die US-Wirtschaft stützen dürfte. Und nicht zuletzt dürfte Trumps Schwerpunkt auf der Reduzierung von Vorschriften und der Förderung von Freihandelsabkommen Unternehmen in der Basiskonsumgüter-Branche zugutekommen, die in den Bereichen Lebensmittel, Getränke und Haushaltsprodukte tätig sind.
Auf der anderen Seite gäbe es bei einem Sieg Trumps auch Sektoren, die voraussichtlich auf mehr Gegenwind stossen dürften. So beispielsweise das Gesundheitswesen. Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem «Affordable Care Act» und eine mögliche Reduktion der Gesundheitsausgaben könnten für Herausforderungen bei Gesundheitsunternehmen und -versicherern sorgen. Weiter dürften Unternehmen, die erneuerbare Energien bereitstellen, weniger von einer Präsidentschaft Trumps profitieren, da Trump diesen Sektor weniger stark unterstützt als sein Konkurrent Biden. Aber auch der Technologiesektor könnte vor Schwierigkeiten stehen. Trumps protektionistische Handelspolitik und mögliche Beschränkungen für Technologieimporte könnten sich auf Unternehmen im Technologiesektor auswirken, insbesondere auf solche mit internationalen Aktivitäten. Auch für Versorgungsunternehmen könnten unter Trumps Deregulierungsbemühungen und seinem Fokus auf die Reduktion staatlicher Eingriffe Herausforderungen entstehen, da der Versorgungssektor auf regulierte Preise und Infrastrukturinvestitionen angewiesen ist. Und zuletzt könnte Trumps Ansatz zur Regulierung von Social-Media-Unternehmen und Telekommunikationsanbietern Unternehmen im Kommunikationsdienstleistungssektor vor neue Hürden stellen.
Das Resultat der US-Präsidentschaftswahlen 2024 stellt folglich gegensätzliche Szenarien und Auswirkungen für die Wirtschaft dar. Je nachdem, ob Joe Biden oder Donald Trump als Sieger hervorgeht, werden unterschiedliche Branchen davon profitieren oder eben vor Herausforderungen gestellt. Nichtsdestotrotz könnte Bidens Sieg aufgrund eines vorhersehbareren politischen Ansatzes im Vergleich zu seinem Vorgänger Donald Trump mehr Marktstabilität schaffen, während andererseits ein Sieg von Donald Trump zu kurzfristigen Marktgewinnen führen könnte. Letztlich werden die langfristigen Auswirkungen des Wahlergebnisses auf die Wirtschaft und auf die Finanzmärkte von einer Kombination aus politischen Initiativen, den globalen Wirtschaftsbedingungen und der Marktstimmung abhängen. Für Anleger ist es folglich das Beste, an einer langfristigen Strategie festzuhalten, denn Unternehmens- und Wirtschaftszyklen dauern typischerweise länger als die Amtszeit eines Präsidenten.
Obwohl das Ergebnis bedeutende Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik und die Märkte haben kann, raten wir davon ab, Veränderungen am Portfolio basierend auf politischen Einschätzungen vorzunehmen. Eine klar definierte Anlagestrategie kombiniert mit einem gut diversifizierten Portfolio und einem entsprechenden Anlagehorizont sind die wichtigsten Pfeiler beim Anlegen. Wie immer sollten Anleger daher jede Anlagemöglichkeit sorgfältig prüfen und ihre eigenen Anlageziele und Risikotoleranz berücksichtigen, bevor sie Entscheidungen treffen.