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Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper war eines der zentralen Anliegen der Neuen Frauenbewegung – prominentestes Beispiel ist wohl der Kampf für den straffreien Schwangerschaftsabbruch. Ausdruck der feministischen Auseinandersetzung mit weiblicher Sexualität und Gesundheitsversorgung waren etwa die Initiativen für die Selbstbestimmung der Frauen über Schwangerschaft und Geburt, d.h. für Geburtsmöglichkeiten in einem nicht-klinischen Umfeld, wie den neu gegründeten Geburtshäusern oder zu Hause. Diese Initiativen führten interessanterweise zu einer Aufwertung des Berufs der Hebamme, deren Zahl sich in den 1970er Jahren auch in ländlichen Regionen auf einem historischen Tiefstand befand. Zugleich war die Anzahl von in der Gynäkologie tätigen Frauen damals noch sehr gering. Die Befreiung des Frauenkörpers aus dem Zugriff und der Deutungshoheit von männlichen Experten und zugleich aus einer kapitalistischen Logik der Medikalisierung bildet den Hintergrund für verschiedene lokale Gruppierungen, die v.a. in den 1980er Jahren entstanden. Bald ergaben sich auch Initiativen zum überregionalen Austausch, etwa die «IG der Geburtshäuser Schweiz» (seit 1992) sowie als Nachfolgeorganisation das «Forum Geburt» (seit 1995) – und auch grenzübergreifend gab es im deutschsprachigen Raum Vernetzungsanlässen der Geburtshausbewegung.
Quelle: Selbstdarstellung «Forum Geburt», ca. 1995, in AFGO.021
In ihrer konkreten Arbeit setzten die Initiativen zunächst beim lokalen Bedarf an. So setzte sich etwa die «Interessengemeinschaft Natürliche Geburten» in St. Gallen seit 1988 für die Gründung eines Geburtshauses sowie für die Entrichtung eines Hebammenwartgeldes durch die Gemeinden ein. Der Verein organisierte Beratungen und Kurse, die nicht nur praktische Hilfe boten, sondern auch den feministischen Anspruch des Vereins erkennen liessen.
Quelle: Flyer Heidi Witzig «Die Fruchtbarkeit der Frauen: Von der magischen Kraft zur Manipulation im Reagenzglas», 1993, in AFGO.021
Im Vergleich dazu war der «Verein Nabelschnur» in Heiden (AR) weniger offensichtlich politisch ausgerichtet, was etwa die Selbstbezeichnung «Verein für Eltern und Kinder» nahelegt. Nachdem 1994 schliesslich das Geburtshaus Artemis in Steinach (s. Quellenbestand) realisiert werden konnte, löste sich der Verband im Jahr 1997 auf.
Quelle: Flyer Artemis Geburtshaus, 1998, in AFGO.055
(jg)
Selbstdarstellung «Forum Geburt», ca. 1995, in AFGO.021
Quelle: Flyer Heidi Witzig «Die Fruchtbarkeit der Frauen: Von der magischen Kraft zur Manipulation im Reagenzglas», 1993, in AFGO.021
Quelle: Flyer Artemis Geburtshaus, 1998, in AFGO.055
Archivbestände:
Sozialarchiv:
Frauen-/Lesbenarchiv Zürich, Dossier Geburt und Stillen, 1945-2003, Ar 437.76.4
Aktuell: Das Magazin Bajour produziert einen Geburtspodcast, in dem Baslerinnen ihre Geburtserfahrungen teilen.