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Beim Begrüßungskuss machte sein Duft seine Präsenz bemerkbar. Ich ahnte eine schöne Duftmischung: erfrischend, natürlich und anziehend. Er sagte zu mir, dass ich so hübsch sei. Ich erwiderte ihm, dass er wunderbar duftete. Das machte Hubert leicht verlegen. Der Duft sei aus einer individuellen Parfümerie aus Paris, sonderbar und kostbar. Den Duft findet wohl sein Partner auch als sonderbar und rar. Das Gespräch zum Frühstück im Theater Cafe fing beim Duft an.
Durch meinen Beruf und meine komische Nase vertrage ich kein Parfüm auf meine Haut, nicht einmal normale Creme mit Düften. Sie irritieren mich so stark, dass ich nicht mit Tee arbeiten kann und darunter leide. Duft auf dem Körper ist ein Thema, das mich an einen Film (Hold you tight 1998) Stanley Kwan erinnert. Es handelte sich um einen jungen Mann, der sich in einem Mann verliebte und ein Verhältnis mit dessen Frau anfing, um den Duft dieses Mannes zu erfahren, um das Gefühl zu erhalten, nah an ihm zu sein. Es war eine Aufrührung im Filmfestival Rotterdam 1999. Es erinnert mich ebenfalls an dem mitgereisten Stefan, an seine Studentinnen vor seiner Sprechstunde, sein Duftwolken im Büro und sein schweigendes Gesicht, wenn ich mich darüber beschwerte.
Hubert liebt Paris. Eine Stadt für Verliebte und unglücklich Verliebte. Er erinnert sich immer an den Duft des frisch gebackenen Brots und an den Duft des Metals, wenn er an diese Stadt denkt. Paris bin ich immer nur im Transit, kurz und eilig. Es war allerdings immer im frühen Sommer, im schönen Wetter zwischen den Menschenmenge. Für mich duftet Paris nach Flieder! Insofern schmeckt diese Stadt nach Sijichun! Oder Anji Baipian. Blumig, duftend und in einer Eleganz verpackte französischen Aggression.
London? „Oh, es ist schon lange her, als ich in London war.“ Er suchte seine Bilder im Speicher. Eine Stadt mit Parks und Squares. Eine Stadt meiner ersten nicht asiatischen Erfahrungen. Als ich 18 war, brachte bzw. zwang mein Vater mich nach London für eine kurze Zeit zu verbringen. Sein indischer Freund Mr. Khan sollte sich um mich kümmern. Der alte strenge indische Gentleman immer im Oxford-Hemd und Anzug rief mich am jeden Sonntag an und brachte mich zum Essen. Das Essen glich einer Erfahrung von 1001 Nacht! Der Himmel war oft grau und ich war allein. Trotzdem liebe ich das Englische und die Gentlemen. Als ich zum ersten Mal Deutschland besuchte, war ich zu triefst enttäuscht von der Kölner Vorstadt. Für mich duftet London nach Pfingstenrose. Fein und zugleich herausfordernd. Ähnlich wie beim Lapsang Souchung! Er kann schwer sein, kann beflügelnd und zugleich stechend.
Was ist dann mit Zürich? Wir lachten. „Die Stadt ist klein und fein.“ „ Ja, wie Maiglockchen.“ Die Düfte von Maiglockchen schmecken intensiv, zitrusartig und süß – wie der Jadeoolong, den ich neulich mitbrachte. Intensiv, blumig und fruchtig zugleich! Klein – nicht spektakulär, aber fein. Ich fange nun an, diese Stadt zu mögen. Morgens aus dem Dojo von Neumarkt aus, mache ich den Sparziergang durch den Gemüsebrücke, zur Stehlgasse, dann Rennweg zur Löwestrasse. Ich fange an, mit dieser Stadt zu „befreunden“ – aus dem kleinen Mosaik-Stein: mein Restaurant, meine Atelier, meinen Bäcker, meinen Markt und mein Schuhgeschäft. Reine materialistische Anhaftung.
Hubert plant mit seinem Freund ein Event am kommenden Samstag nachmittags: „Die Kunst und der Esel“. Die Galerie seines Freundes sei „die Kunst“ und sein Laden sei „der Esel“. Es sollte Prosecco ausgeschenkt werden und ich mache aus diesem charmanten Getränk zu einem richtigen Hexen-Trank: Matcha im Prosecco!
Eine Einladung zum Frühlingserwachen! Grün und prickelnd.
Von
Spiegelgasse 22
8001 Zürich