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ZWEI
MONTAG, 23. NOVEMBER, ABENDS
Marta klatschte den Tonklumpen auf die Drehscheibe und begann mit ihrer Arbeit. Der Elektromotor surrte, mit dem Fuß auf dem Pedal kontrollierte sie die Geschwindigkeit. Kalt und feucht schmiegte sich der Ton in ihre Handwölbung. Weich und erdig fühlte er sich an. Das erinnerte sie an ihre Kindheit, wenn sie an verregneten Nachmittagen durch Pfützen gesprungen war und selbstversunken im Matsch gespielt hatte.
Mit starkem Druck zwang sie das Material in eine gleichmäßig umlaufende Kegelform. Breitbeinig und vorgebeugt saß sie da, die Unterarme auf den Drehscheibenkasten gestützt. Nur manchmal ließ sie los, um die Fingerspitzen kurz in die bereitstehende Schale mit Wasser zu tauchen, um danach gleich wieder die Form zu umfassen. Tief atmend zentrierte sie den Ton, der sich kühl und glatt unter ihren Handflächen im Kreis bewegte.
Marta war ganz bei sich, sie nahm nur wenig von dem geschäftigen Treiben in der öffentlichen Töpferwerkstatt wahr. Die Gesprächsfetzen der Kursteilnehmer aus dem Nebenraum, die Frau, die den Ofen ausräumte, der junge Mann an der Drehscheibe links von ihr, der sich von einer Kursleiterin ein paar Kniffe erklären ließ, all das drang wie aus weiter Ferne zu ihr.
Die Kugel war nun gut zentriert. Marta bohrte mit den Fingern ein Loch in die Mitte. Allmählich entstand eine Höhlung, etwa so groß wie eine Kirsche. Sie setzte den Daumen senkrecht an und drückte ihn fest in das Material. Es war, als würde sie einen Korken in einen Flaschenhals zwängen. Sie presste den Daumen so tief in den rotierenden Ton, bis sie beinahe den Scheibenkopf berührte.
Der junge Mann neben ihr lachte über eine Bemerkung seiner Lehrerin, doch Marta ließ sich davon nicht irritieren. Sie war nun dabei, den Boden ihrer Vase auszugestalten. Eine hübsche, bauchige Blumenvase sollte es werden, die sie ihrer Mitbewohnerin Lea schenken wollte.
Marta lehnte sich noch weiter vor und drückte den Daumen im Innern des Gefäßes nach außen und weg von ihrem Körper. Sie arbeitete ruhig und stetig. Den Boden zu setzen war nicht ganz einfach, doch sie hatte einige Übung darin, und es glückte ihr.
Nun konnte sie die Wandung hochziehen, dazu nahm sie alle Finger zu Hilfe, die eine Hand innen, der gekrümmte Zeigefinger der anderen außen. Mal im Sitzen, mal halb im Stehen, bearbeitete sie die feuchte, sich drehende Form, und der Ton unter ihren Händen wuchs höher und höher.
Es war ein fantastisches Erlebnis, aus einem unscheinbaren Klumpen etwas Einzigartiges zu erschaffen, denn jedes Gefäß war ein bisschen anders. Oftmals war es gerade das Unvollkommene, kleine Dellen, eine nicht allzu perfekte Rundung, später winzige Schäden bei der Glasur, die den besonderen Reiz der Keramik ausmachten.
Vergnügt, mit einem Lächeln auf den Lippen, strich Marta dann und wann den Schlicker ab, diese schleimige Masse, die sich zwischen dem Ton und ihren