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Emmanuel Veillon leitete von 1909 bis 1943 als Chefarzt das Diakonissenspital in Riehen, für das er seit 1903 tätig war. Er galt als Kapazität in der Kropfchirurgie und engagierte sich in der Pflegeausbildung, wozu er mehrfach aufgelegte Wörterbücher publizierte.
Sohn des Otto Frédéric Veillon (1833–1920, Schappefabrikant) und der Antoine, geborene Fabre (1836–1911). Heirat mit Helena Stückelberg (1878–1957). Zwei Söhne und eine Tochter.
Emmanuel Veillon wurde am 2. August 1871 als zweiter Sohn des aus dem Waadtland stammenden Schappefabrikanten Otto Veillon und dessen Frau Antoine geborene Fabre in Grellingen im Laufental geboren. Sein Vater unterrichtete Emmanuel bis ins zehnte Lebensjahr persönlich. Nachdem seine Eltern nach Basel umgezogen waren, besuchte Veillon dort das Humanistische Gymnasium. Nach der Matura studierte er Medizin in Basel, Heidelberg und Tübingen und legte in Basel sein medizinisches Staatsexamen ab. Nach beruflichen Weiterbildungen in Wien und Berlin kehrte er nach Basel zurück, wo er am Kinderspital tätig wurde.
1902 heiratete Veillon Helena Stückelberg, Tochter des Kunstmalers Ernst Stückelberg. Er nahm einen Arztposten im Sanatorium Erzberg in Langenbruck an, wurde aber bereits 1903 als Hausarzt ans Diakonissenspital in Riehen berufen. Unter der kundigen Leitung von Ludwig Georg Courvoisier entwickelte er sich rasch zum geschickten Chirurgen. Er schuf sich vor allem in der Kropfchirurgie einen internationalen Ruf. Spitalintern galt er als ruhig und beherrscht selbst in schwierigen Situationen. Zudem unterhielt Veillon eine stets wachsende Privatpraxis, die auch von Patienten aus dem Badischen und aus dem Elsass aufgesucht wurde, und bis 1911 zusätzlich eine private Apotheke.
Von 1909 bis 1943 leitete Veillon das Diakonissenspital als Nachfolger von Ludwig Georg Courvoisier als Chefarzt. Seine wachsenden Aufgaben im Spital liessen ihn seine Privatpraxis nach und nach an jüngere Kollegen abgeben.
Der Beginn von Veillons Tätigkeit im Spital fiel mit dem zweiten Neubau, dem heutigen Altbau am Spitalweg, zusammen. In Veillons Amtszeit fielen auch die Planung und Durchführung des Anbaus am Spitalweg, der 1939 in Betrieb genommen werden konnte. Die Anzahl der im Diakonissenspital durchgeführten Operationen stieg von 181 im Jahr 1903 auf 1022 im Berichtsjahr 1941/42. Zudem setzte sich Veillon für die Aus- und Weiterbildung der Riehener Diakonissen in der Krankenpflege ein und erteilte persönlich in den Vormittagsstunden regelmässigen Unterricht.
Veillon sah im Diakonissenspital ein als Fachschule organisiertes modernes Krankenhaus. Zentral war für ihn die zweckmässige Vereinigung von Schul- und Spitalbetrieb, solange man darauf achte, dass beide Bereiche überschaubar blieben.
Noch während seiner aktiven Tätigkeit als Chirurg am Diakonissenspital stellte Veillon zur Erleichterung der Arbeit der Krankenschwestern ein medizinisches Wörterbuch zusammen, das mehrfach neu aufgelegt wurde. Nach dem Ausscheiden als Arzt am Diakonissenspital erarbeitete er noch ein mehrsprachiges Lexikon medizinischer Fachausdrücke sowie ein Lehrbuch für Krankenschwestern, in dem er seine Erfahrungen bei deren Ausbildung niederschrieb.
Veillon war in den ersten Jahren seiner Tätigkeit Chirurg, Geburtshelfer und Internist in einer Person. Er verzichtete jedoch schon früh auf die Ausübung der Geburtshilfe. 1933 wurde Johannes Karcher als Spezialist für innere Medizin ans Diakonissenspital berufen. Karcher übernahm gleichzeitig auch die Betreuung der Schwesternschaft. Veillon widmete sich in den letzten Jahren seiner Tätigkeit am Diakonissenspital vor allem der operativen Tätigkeit.
Emmanuel Veillon bekleidete auch verschiedene Ämter. 1933 wählte ihn die Basler Medizinische Gesellschaft zu ihrem Präsidenten. Von 1921 bis 1938 gehörte er der Aufsichtskommission des Basler Frauenspitals an, ab 1928 als deren Präsident. Zudem wirkte er in der Kommission für Krankenpflege des Schweizerischen Roten Kreuzes mit.
Daneben engagierte sich Veillon auch in Riehen, wo er von 1903 bis 1923 mit seiner Familie im Ärztehaus der Diakonissenanstalt an der Bahnhofstrasse 1, dann an der Äusseren Baselstrasse 194 wohnte. Er gehörte dem Verkehrsverein an, den er von 1921 bis 1947 präsidierte. Dabei setzte er sich für ein schönes und wohnliches Riehen ein: Viele Errungenschaften, wie die elektrische Beleuchtung, der Unterhalt einer Eisbahn, gute Tramverbindungen, das Aufstellen von Telefonkabinen und von Ruhebänken sowie die Anbringung von Plakaten ‹z’Rieche isch’s schön› in den Tramwagen gingen auf seine Initiative zurück. Überdies war er 1923 bei der ‹vierhundertjährigen Vereinigungsfeier von Riehen und Basel› zweiter Vizepräsident des Organisationskomitees und bis zu seinem Tod Mitglied des Komitees der Diakonissenanstalt.
Emmanuel Veillon-Stückelberg verstarb am 14. November 1953 nach schwerer Krankheit. Von 1991 bis 1999 war eine Stichstrasse an der Gehrhalde in Riehen nach ihm benannt.
Autorin / Autor: Peter Nussberger | Zuletzt aktualisiert am 26.10.2023
Der Fleischl-Miescher’sche Haemometer und die Prüfung seiner Leistungsfähigkeit. In: Die histochemischen und physiologischen Arbeiten von Friedrich Miescher. Gesammelt und hg. von seinen Freunden. Bd. 2. Leipzig 1897. S. 423–463.
Fremdwörter und medizinische Fachausdrücke. Ein Nachschlagebuch für Schwestern. Basel 1917.
Prof. Dr. med. L. G. Courvoisier. In: Basler Jahrbuch 1920. S. 1–13.
Ärztliche Mitteilungen, In: Stückelberger, Karl: Neues «Eben Ezer». Das Diakonissenhaus Riehen in seinem Werden und Wirken 1852–1927. Riehen 1927. S. 210–221.
Zur gastrokopischen Technik. In: Archiv für Klinische Chirurgie 145 (1927).
Medizinisches Wörterbuch = Medical Dictionary = Dictionnaire médical. Bern 1950 (6. Aufl. 1977).
Unser Diakonissenspital und seine Krankenpflegeschule. In: Hoch, Fritz: Hundert Jahre Diakonissenanstalt 1852–1952. Riehen o.J. [1952]. S. 49–58.
Hoch, Fritz: Diakonissenanstalt in Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1963. S. 81–93.
Osswald, Franz: Neue Namen für alte Wege. In: Jahrbuch z’Rieche 2008. S. 111–117, hier S. 111.
Schär, Werner: Dr. med. Emmanuel Veillon-Stückelberg (1871–1953). In: Jahrbuch z’Rieche 1967. S. 22–26.
F.S. / E.V.: Dr Emmanuel Veillon 1871–1953, ancien médecin-chef de la Maison des diaconesses de Riehen (Bâle). In: Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft 134 (1954). S. 365–368.
Suter, F[ritz]: Dr. Emanuel Veillon (1871–1953), ehemals Chefarzt am Spital der Diakonissenanstalt Riehen. In: Schweizerische Medizinische Wochenschrift 84 (1954), S. 422–426.