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Geschichte
Die Wiederherstellung der Zürcher Stadtzünfte und die Einführung von Landzünften während der Napoleonzeit sowie deren Entwicklung bis heute
Historischer Hintergrund
In der von Napoleon 1803 verfügten Mediationsverfassung („Napoleonzeit“, 1803-1814) wurden die 13 Zürcher Stadtzünfte, die 1798 in der Helvetischen Republik aufgehoben worden waren, wieder hergestellt, jedoch lediglich als Wahlkreise für den Grossen Rat. Es blieb also keinerlei inhaltlicher Zusammenhang mit den ehemaligen ständischen Handwerkerorganisationen. Der übrige Kanton wurde in 52 Wahlkreise eingeteilt, die ebenfalls „Zünfte“ genannt wurden. Es gab deren total also 65: in der Stadt die 13 alten, in den vier neu geschaffenen Bezirken je 13 neue, die man als „Landzünfte“ bezeichnete. Diese umfassten mehrere Politische Gemeinden.
Die Gemeinde Regensdorf, zu der auch Watt und Adlikon gehörten, wurde zur „Zunft Dällikon“ geschlagen, zu der auch die Furttalgemeinden sowie Affoltern und Oetwil gehörten. Den Gemeinden stand ein Gemeindeammann vor, der auch als Stellvertreter des Zunftpräsidenten in der Gemeinde und somit als Vollzugsbeamter der Oberbehörde fungierte.
In der Restauration (1815-1830) änderte sich wenig. Regensdorf gehörte weiterhin zum Wahlkreis Zunft Dällikon. Immerhin wurde der Regensdorfer Gemeindepräsident Johann Rudolf Zollinger 1830 direkt in den Grossen Rat gewählt.
Neue Verhältnisse schuf die Zeit der Regeneration (1831-1848) mit der grundlegend neuen, liberalen Kantonsverfassung vom 10. März 1831. Regensdorf wurde nun anstelle von Dällikon Zunfthauptort. Es gab nun von 1831-1838, d.h. sieben Jahre lang, eine Landzunft Regensdorf, denn diese „Zünfte“ wurden bereits 1838 offiziell in „Wahlkreise“ umbenannt.
Gründungsgeschichte der heutigen Landzunft
Die Idee
Im Herbst 1961 unternahm eine Gemeinschaft von ehemaligen Regensdorfer Sekundarschülern, die sich „Alte Fründe z’Rägisdorf“ nannte, eine Herbstrundfahrt in den Kanton Bern. Beim Nachtessen in recht angeregter Stimmung kam der Wunsch auf, dass die Kontakte häufiger stattfinden sollten, um Geselligkeit und Kameradschaft stärker zu pflegen. Als weitere inhaltliche Ziele wurden die Schaffung eines Ortsmuseums und die Erhaltung bodenständiger Traditionen genannt. Dazu musste eine festere Organisationsform für die Gemeinschaft gefunden werden. Albert Kuhn, einer der Teilnehmer, schlug vor, die Vereinigung „Landzunft Regensdorf“ zu nennen. Er erinnerte daran, dass 1803 in der Mediationsverfassung der Kanton Zürich für die Wahl des Grossen Rates in 65 Wahlkreise eingeteilt worden war, die „Zünfte“ genannt wurden. Im Unterschied zu den Wahlkreisen in der Stadt wurden diejenigen auf der Landschaft „Landzünfte“ genannt. Regensdorf gehörte daraufhin zur „Landzunft Dällikon“. 1831 wurde dann Regensdorf zum Hauptort dieses Wahlkreises bestimmt. In den folgenden Jahren gab es also eine „Landzunft Regensdorf“, bis man 1838 die Bezeichnung „Wahlkreise“ einführte!
Die Gründung mit Nebengeräuschen
Kuhns Vorschlag fand gefallen. Am 2. Januar 1962 trafen sich die „alte Fründe“ und weitere Eingeladene zum „Bächtelen“ im „Hirschen“ und entschieden, dass sie eine „Zunft“ gründen wollten, und bald darauf wurde zum „Gründungsbott“ eingeladen. („Bott“ wird die Jahresversammlung der Zünfte genannt). Mit der Auswahl der Eingeladenen wurden Turbulenzen ausgelöst, welche die junge Zunft noch einige Zeit belasten sollten, wurden doch Watter und Adliker dabei „vergessen“. Auch Befürworter der genau damals vollzogenen Aufhebung der Zivilgemeinde Regensdorf wurden von der Liste gestrichen. Am Gründungsbott am 26.Mai 1962 im „Hirschen“ wurde die Gründung einer Landzunft beschlossen und die von einer Studienkommission vorgeschlagenen Zunftsatzungen abgesegnet.
Der Zunftname
Ausgiebig diskutierte man verschiedene Varianten des Zunftnamens. Schliesslich fand der Vorschlag, der den Namen des legendären Stammvaters der Gemeinde Regensdorf, den Alemannen „Regan“, hinzufügte, am meisten Zustimmung. Darum wurde die Zunft „Land-Zunft Regan“ getauft, der zu Beginn 24 Zünfter angehörten. Ihren Namen behielt sie bis zum Hauptbott 2006, an dem er dem historischen Bezug angepasst und auf „Landzunft Regensdorf“ geändert wurde.
Der Name von Stammvater „Regan“ bleibt aber im Zunftbrief und im Titel des Zunftblattes weiterhin erwähnt.
Engagement
Mit der Herausgabe des Regan Zunftblattes wird die Zunft diesem Anspruch seit der Gründung gerecht. Als eigentliches Neujahrsblatt der Gemeinde Regensdorf erbringt es mit seinen Beiträgen verschiedenster Autoren zur Regensdorfer Heimatkunde über Geschichte und Gegenwart eine nachhaltige Leistung im Dienste der Öffentlichkeit.
Einen bedeutenden Beitrag leistete die Zunft bei der Gründung und dem Aufbau des Gemeindemuseums. Schon vor der Zunftgründung hatte der Wunsch nach einem Ortsmuseum einige der späteren Zünfter beschäftigt. Als die Idee aufkam, den alten Spiicher an der Mühlestrasse zum Museum umzunutzen, übernahm die Zunft von der Gemeinde die Aufgabe, diese Idee umzusetzen. Eine „Museumskommission“ unter der Leitung von Zünfter Dr. Lucas Wüthrich erarbeitete eine Museumsverordnung, die vorsah, dass die Kommission das Museum im Auftrag der Gemeinde führen solle, wobei die Mehrheit der Kommission immer aus Zünftern zu bestehen habe (heute: die Hälfte). Trägerin des Museums sollte ausdrücklich die Gemeinde bleiben, weshalb es „Gemeindemuseum“ genannt wird.
Der Spiicher wurde unter der Führung von Baumeister und Zünfter Josef Knuser umgebaut, wobei viele Zünfter in Frondiensteinsätzen mithalfen. Das bereits vorhandene Sammelgut ins Museum gezügelt und die Ausstellung von Lucas Wüthrich und Hansulrich Mauer eingerichtet.
1977 wurde das Museum eröffnet. Seither wurde die Sammlung stetig weiterentwickelt und ausgebaut. Der zöiftige Kommissionspräsidente Lucas Wüthrich (1973 – 2004, Zünfter Ruedi Ebeling als Präsident (2004-2012) und Kurator und weitere Zünfter in der Kommission waren daran massgeblich beteiligt.
1972 führte die Landzunft einen Zehnten ein, der in Anlehnung an die historische Zehntensteuer, die am Martinstag abgeliefert werden musste, am Martinimahl eingezogen wird. Mit der Abgabe, deren Höhe jeder Zünfter selbst bestimmt, unterstützt die Zunft kulturelle oder gemeinnützige Institutionen der Region oder bedürftige Einzelpersonen.
Vorsteherschaft
Die aktuelle Vorsteherschaft setzt sich zusammen aus sechs Ämtern
Zunftmeister
Matthias Knuser / Zirkel
Er leitet die Zunft, insbesondere die Hauptbotte und die Sitzungen der Vorsteherschaft, und vertritt die Zunft nach aussen.
Statthalter
Christian Gantenbein / Marathönler
Er ist Stellvertreter des Zunftmeisters; er unterstützt ihn in allen Funktionen und übernimmt von ihm fallweise spezielle Aufgaben.
Zunftschryber
Raphael Knuser / Triton
Er besorgt die Schreibarbeiten, sammelt alle Unterlagen und Einladungen und versendet sie.
Säckelmeister
Christian Gantenbein / Marathönler
Er führt das gesamte Rechnungswesen, besorgt den Geldverkehr und verwaltet das Zunftvermögen.
Stubenmeister
Markus Schürch / Bäumli
Er verwaltet die Zunftgegenstände, die sich nicht im Archiv befinden, organisiert die Zunftanlässe, wählt „Spys und Trank“ und sorgt für die Ausschmückung.
Chronist
Bruno Neeser / Chnüübli
Er führt die Zunftchronik und den Zunftrodel laufend nach und verwaltet das Archiv. Er führt ausserdem das Inventar über geschenkte oder erworbene Gegenstände. Er sorgt für einen aktuellen Stand der Wappentafeln in der Zunftstube.
Anlässe
„Geselligkeit, das ist eine wunderbare Tradition!“
Im Frühling findet der jährliche Hauptbott statt. An dieser obligatorischen Jahresversammlung, die der Generalversammlung von Vereinen entspricht, wählen die Zünfter die Vorsteherschaft und ihren Zunftmeister und regeln die Geschäfte ihrer Körperschaft.
Seit 1972 nimmt die Landzunft mit einer grossen Schar von Kindern aus dem Furttal regelmässig als Gast am Sechseläuten-Kinderumzug teil. Die als Burgfräulein und Knappen kostümierten Kinder werden von Zünfterfrauen, den sogenannten „Chäfern“, eingekleidet und beim Umzug begleitet, bei dem sie hinter dem Zunftwagen mit einer stilisierten Burg „Alt-Regenberg“ am Sechseläutensonntag durch die Stadt ziehen.
Die Blueschtfahrt ist seit 1964 bei der Landzunft eine hochgeschätzte Tradition. Die Fahrt der Zünfter mit ihren Partner:innen in offenen Landauern durch das Unterland im Blust der Obstbäume ist zu einem Markenzeichen der Zunft geworden. Sie bietet auch Gelegenheit, mit Gästen Kontakte zu Stadtzünften herzustellen.
Am Samstag, der dem Martinstag am nächsten liegt, treffen sich die Zünfter und ihre Frauen und Partner:innen im „Hirschen“ Regensdorf zum festlichen Martinimahl. Es gilt als Höhepunkt des Zunftjahres, an dem der Zunftmeister traditionsgemäss eine besinnliche Rede hält und seit 1972 der Säckelmeister das Ergebnis der Zehntenabgabe bekanntgibt, die wohltätigen oder kulturellen Zwecken zugeführt wird.
Mit dem Bächtelistreff am 2. Januar wird ein alter Brauch weitergepflegt, bei dem die Zunftfamilie auf ein gutes neues Jahr anstösst.
Mit Vorträgen, Exkursionen, Besichtigungen und Ausflügen wird das Zunftleben kulturell bereichert und an Chlaushock und Metzgete bei bodenständiger Kost Freundschaft und Zusammengehörigkeit gepflegt.
Zunftlokal
Ein Traum, der 53 Jahre dauerte, bis er in Erfüllung ging.
Das Restaurant „Hirschen“
Im „Gasthof zum Hirschen“ fand 1962 der Gründungsbott statt, und er blieb bis 2015 das offizielle Zunftlokal. Und das passte gut zur geschichtsbewussten Landzunft, denn der „Hirschen“, der 1383 als Taverne erstmals erwähnt wurde, war und bleibt die älteste Wirtschaft in Regensdorf. Mit dem „Zunftstübli“ und dem grossen Saal entsprach er auch den Raumbedürfnissen der Zunft.
Der Bau wurde 1996 abgebrochen und äusserlich identisch wieder aufgebaut. Vom Altbau stammen die Eingangstür, der Kachelofen im rekonstruierten „Stübli“ und das Wirtshausschild von 1915.
Der lange Weg zum eigenen Zunftlokal
„Sobald die Zunft über eine eigene Zunftstube verfügt, lässt jeder Zünfter einen eigenen Stuhl anfertigen“ steht in den ersten Zunftsatzungen von 1962. Bis dahin wolle man sich mit dem Gasthof „Hirschen“ begnügen. 1965 stand in den revidierten Satzungen nur noch: „Die Vorsteherschaft bemüht sich um eine eigene Zunftstube“ In der 2. Revision hiess es nur noch „die Zunftstühle werden zu gegebener Zeit vom Hauptbott beschlossen und eingeführt“ – man hatte sich mit dem „Hirschen“ als Lokal abgefunden. Der dort als Zunftstube genutzte kleine Saal blieb aber immer als „Derby-Stübli“ angeschrieben, und im grossen Hirschensaal hatte die Zunft auch keine Vorrechte gegenüber anderen Ortsvereinen.
1991 wurde ein Umbauprojekt für den „Hirschen“ publik, das keinen grossen Saal mehr vorsah. Im gleichen Jahr bot Sepp Knuser der Zunft in einem Neubau auf dem alten Sägereiareal bei der Mühle eine Beteiligung im Stockwerkeigentum an. So nahm der Traum vom eigenen Zunftlokal plötzlich konkrete Formen an.
Nach zweijähriger Planung stimmten die Zünfter am 27.11.1993 über eine Satzungsrevision und eine Genossenschaftsgründung ab zur Beteiligung an einer Zunftstube im neuen „Sagihuus“. Es war vorgesehen, dass sich jeder Zünfter mit 5 Anteilen à Fr. 1000.- beteiligen müsse. Dem vorher von allen unterstützen Projekt sollten nun plötzlich Änderungen bei der Finanzierung auferlegt werden. Auch die früher übereuphorischen Urzünfter hatten plötzlich kalte Füsse bekommen! Vier von ihnen traten auch gleich vorsorglich aus der Zunft aus.
Am Hauptbott wurde heftig diskutiert und so kamen auch neue Ideen für ein neues Zunftlokal auf, welche noch zu prüfen seien. Ein Rückweisungsantrag zum Projekt Sagihuus“ wurde dann mit 28 zu 17 Stimmen angenommen und das Projekt beerdigt, bevor noch über den Genossenschaftsbeitrag diskutiert werden konnte. Die Enttäuschung der Vorsteherschaft war gross und das Projekt Zunftlokal wurde nicht mehr weiterverfolgt.
1994 machte der Pächter des „Hirschen“ Konkurs, der Gasthof wurde geschlossen und die Zunft musste mit ihrem Martinimahl ins „Mövenpick“ ausweichen. 1996 wurde der „Hirschen“ abgebrochen und 1997 mit einem sehr ähnlichen äusseren Erscheinungsbild, jedoch ohne Saal, wieder eröffnet, und die Zunft erhielt hier wieder Gastrecht. Im März 1998 fand erstmals ein Hauptbott im Kellerlokal des neuen „Hirschen“ statt, und das Martinimal konnte bis heute in der neuen Gaststube nach bekannter Manier abgehalten werden. In den neuen Satzungen von 2006 war nicht mehr von einem eigenen Zunftlokal die Rede.
Das Zunftlokal „Sagihuus“
Nach der Revision der Regensdorfer Bau- und Zonenordnung wurde im August 2012 von der Familie Knuser ein Projektwettbewerb über das Sagiareal ausgeschrieben. Das Siegerprojekt vom Büro „Phalt Architekten“ wurde weiterverfolgt und Ende 2013 die Baueingabe eingereicht. Im neuen Projekt waren 14 altersgerechte Wohnungen, ein Gewerberaum und ein Mehrzwecksaal vorgesehen. Die Zunft erhielt nun nochmals die Möglichkeit, darin ein eigenes Zunftlokal zu realisieren. Diesmal nicht im Stockwerkeigentum, sondern mit einer Langzeitmiete von 10 Jahren und mit der Option auf mindestens weitere 10 Jahre. Zunftintern wurde das Projekt Zunftlokal „Sagihuus“ nochmals neu aufgenommen und eine Vorlage für einen Hauptbott im April 2015 erarbeitet. An diesem wurde der Beitritt der Zunft zur neu zu gründenden Genossenschaft „Zunftlokal Sagihuus“ beschlossen. Damit wurde der Traum von einem eigenen Zunftlokal nach über 53 Jahre doch noch wahr. Bereits im März 2015 wurde die alte Sagi abgebrochen, und anschliessend erfolgte der Baubeginn.
Am 27. Mai 2015 wurde an der Gründungsversammlung in der Zunftstube im „Hirschen“ die Bildung der „Genossenschaft Zunftlokal Sagihuus“ mit dem Beitritt von 33 Zünftern und der Landzunft als Genossenschafterin besiegelt. Am 1.Oktober 2016 trat der Mietvertrag für die ersten 10 Jahre in Kraft und seither kann die Zunft im eigenen Zunftsaal ihre Anlässe durchführen. In den Nebenräumen konnte zudem das ganze Zunftinventar und das Archiv eingelagert werden.
Die „Sagistube“ kann auch von externen Personen und Organisationen gemietet werden.
(Adresse: Sagihuus, Mühleweg 27, 8105 Regensdorf, www.sagihuus.ch)
Zunftwein
„Für Sorgen sorgt das liebe Leben. Und Sorgenbrecher sind die Reben.“
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Einer Gemeinschaft, welche die Pflege von Geselligkeit und Kameradschaft zuoberst auf ihre Fahne geschrieben hat, steht demnach die jährliche Kür eines eigenen Weines gut an. Unsere Landzunft würdigt diese Tradition sein Langem, denn bereits am Hauptbott 1965 wurde festgehalten: „Der Hauptbott kann für die Dauer eines Jahres jeweils einen Zunftwein bestimmen.“ Die Zunft erfüllt mit Stolz die Tatsache, dass der edle Tropfen von Mitzöifter Fritz Huber, alias Bacchus, angebaut wird. Somit kann die Zunft vom eigenen Wein sprechen.
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