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Erfolg am Lhotse für André Georges
Am 17. Mai 1998 stand der Walliser Bergführer André Georges auf dem Gipfel des Lhotse ( 8511 m ). Es war sein siebter Achttausender. Er erreichte ihn ohne künstlichen Sauerstoff und mit einem einzigen Hochlager auf 6500 m. Nach seiner Rückkehr am 31. Mai gab er in Les Haudères eine Pressekonferenz, an der er die Ergebnisse seines Unternehmens zusammenfasste.
Beim Ausstieg aus dem Eisfall; hinten der Nuptse ( 7879 m ) Am 29. April, nach einer Nacht im Lager II, erreichen die Alpinisten eine Höhe von 7400 m, steigen wieder ins Lager ab, verbringen dort eine weitere Nacht und kehren ins Basislager zurück. Am 5./6. Mai starten sie einen ersten Vorstoss zum Gipfel, scheitern aber wegen der Wärme!
Gefährlicher Eisbruch Am 1O. April 1998 hatte die Expedition der drei Walliser André Georges, Pierre-Alain Sierro und Christophe Berclaz die Schweiz verlassen und am 19. April auf 5350 m ihr Basislager aufgeschlagen. Fünf Tage später richteten sie das Lager II, das einzige Lager zwischen dem Basislager und dem Gipfel, auf 6500 m, oberhalb des Eisfalles, ein. Zum Eisfall notiert André Georges: « Wir haben ihn zehn Mal hin und zurück durchstiegen. Jedesmal ist man höchst aufmerksam, achtet auf jedes Geräusch, ein Auge beobachtet ständig die grossen überhängenden Eistürme. Eines Tages ist tatsächlich einer davon 10 m von uns entfernt in sich zusammengestürzt. » Zerstörtes Lager Schlechte Nachrichten am 1O. Mai: Zwei Sherpas berichten, Lager II sei vollständig vom Wind zerstört worden. « Wir machen uns Sorgen. Material im Wert von 10 000 Dollar einfach weg! Wir sind zu dritt, aber wir haben nur noch Material für eine einzige Person. Es bleibt uns nur eine Möglichkeit: Wir gehen einer nach dem andern an den Berg. Am 12. Mai haben wir endlich die Möglichkeit, den Schaden aufzunehmen. Die Zelte sind zwar völlig zu Boden gedrückt.
aber zum Glück finden wir praktisch das ganze Material wieder. Es gelingt uns, aus den zwei Zelten eins zu machen, und wir stellen es diesmal hinter einer Mauer mit grossen Schneeblöcken als Schutz gegen den Wind auf. » Auf dem Weg zum Gipfel Am 16. Mai steigen die drei Alpinisten in vier Stunden vom Basislager ins Lager II hoch. « Zu dritt in einem Zelt versuchen wir, uns vor der grossen Prüfung auszuruhen. Die Aufregung ist sehr gross. Es ist heiss. Wir legen die Schlafsäcke auf das Zeltdach, um uns vor der Hitze zu schützen: 35 Grad im Gletscherkessel der West Cwm! Wir trinken, soviel wir können, und essen. Um 18 Uhr 30 nehmen wir das Abenteuer in Angriff. » Wenig später gibt Pierre-Alain Sierro auf, obschon er in den Tagen zuvor sehr gut in Form war. Auch Christophe muss verzichten; er hat Erfrierungen an den Fussen.
Um 4 Uhr morgens ist André Georges im Südsattel auf 8000 m; mit ihm der Spanier Iniaki Ochoa, der ebenfalls auf dem Weg zum Gipfel ist. « Während der ganzen Nacht sind wir sehr konzentriert, wie Roboter, vorangekommen, haben ab und zu ein paar Tropfen Flüssigkeit zu uns genommen und zweimal ein Choc Ovo. Bei Tagesanbruch sind wir am Fuss des grossen Couloirs, das 500 Meter hoch zum Lhotse-Gipfel führt. Iniaki leistet unglaubliche Spurarbeit. Dann bin ich an der Reihe, die Führung zu André Georges im unteren Teil der West Cwm; im Hintergrund der Lhotse übernehmen, der Gipfel ist nah, jeder Zweifel verschwindet aus meinem Kopf. Ich gehe sehr langsam weiter. Iniaki ruft mir etwas zu, ein paar unverständliche Worte... er gibt auf. Ein Schock! So nah am Ziel! Am nächsten Tag erklärt er mir im Lager II, er sei urplötzlich praktisch blind geworden, wollte mir aber nichts sagen, damit ich nicht aufgebe. Er stieg tastend ab, sehr langsam, und der Preis für die enorme Anstrengung: ziemliche Erfrierungen an den Fussen.
Um 11 Uhr 30 bin ich auf dem Gipfel. Die Motivation hat mich meine Grenzen überschreiten lassen. Ich sinke zu Boden und schlafe auf der Stelle ein. Ich schlafe weiss der Herr wie lange. Plötzlich fahre ich auf: Ich muss absteigen. Eine Stunde länger, vielleicht, und ich wäre geblieben. » Irène Crausaz, Aigle1 ( ü ) o.