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Erinnern Sie sich an den Song «Rocketman»? Ist schon eine Weile her, als Elton John damit einen Hit landete. Der Engländer war damals zarte 25, aber international bereits eine grosse Nummer. Ein Senkrechtstarter, der mit extravaganten Outfits und poppigen Ohrwürmern die Bühnen rockte.
«Rocketman» heisst passenderweise der erste Kinofilm über das Leben von Elton John. Und der ist mindestens so schrill wie der britische Popstar selbst. Das Musical erzählt dessen Geschichte in knalligen Bildern, die bisweilen gar ins Fantastische abdriften: Mit Konzertbesuchern die wortwörtlich abheben, befeuert von Elton Johns übermenschlichem Klavierspiel.
Fantasy-Elemente für eine fantastische Karriere
Regisseur Dexter Fletcher legt Wert darauf, dass «Rocketman» kein gewöhnliches Biopic ist. Er stellt vor allem die Unterschiede zu Filmen wie «Bohemian Rhapsody» ins Zentrum: «Wir wollten es einfach anders machen. Origineller und aufregender. Klassische Künstler-Biografien gibt es schon genug.»
Zu «Bohemian Rhapsody» gibt es allerdings recht viele Parallelen. Kein Wunder: Ursprünglich wollte Dexter Fletcher diesen Film inszenieren. Seine Version hätte sich stärker auf Freddie Mercurys Homosexualität konzentriert und wäre dunkler gewesen. Das gefiel den Produzenten nicht, worauf sich Fletcher auf ein anderes Projekt stürzte: «Rocketman».
Mr. Fletcher, übernehmen Sie!
Abgeschlossen war das Kapitel «Bohemian Rhapsody» für Fletcher damit noch nicht. Nachdem Regisseur Bryan Singer wegen «Unzumutbarkeit» gefeuert wurde, drehte Fletcher den Film zu Ende. Auf persönlichen Wunsch von Hauptdarsteller Rami Malek.
Dessen Hilfeschrei an Dexter Fletcher wurde im «Hollywood Reporter» so zitiert: «Selbst wenn Sie auf den Boden scheissen würden, wäre das immer noch besser, als das, was dieser Typ auf dem Set leistet.» Fletcher baute keinen Mist. Im Gegenteil: Dank seiner Hilfe wurde «Bohemian Rhapsody» zum Oscar-prämierten Kassenhit.
Von Freddie Mercury zu Elton John
Dennoch taxiert Fletcher «Bohemian Rhapsody» rückblickend nicht als eigene Regiearbeit. Eher als gutes Training für «Rocketman»: «In dieses Projekt habe ich Herz und Seele investiert.» Bleibt zu hoffen, dass Fletchers kreatives Engagement auch vom Publikum honoriert wird.
Bei der Weltpremiere in Cannes gab es schon mal stehende Ovationen. Das fachkundige Publikum zeigte sich vor allem von Hauptdarsteller Taron Egerton begeistert, der in «Rocketman» sämtliche Lieder selbst singt. Der grösste Trumpf ist aber das Sujet des Films: Superstar Elton John.
Überhöhungen stehen dem Raketenmann
Für Nebendarstellerin Bryce Dallas Howard ist der Brite das beste Verkaufsargument: «Die Leute lieben Elton John nicht nur, weil seine Musik aussergewöhnlich ist. Sondern auch, weil er ein Unikum ist. Er drückt sich aus und verbirgt dabei nichts. Es ist diese Freiheit und die Unschuld, die darin steckt, die uns alle anspricht.»
«Rocketman» ist – passend zum Porträtierten – kein realistischer Film. Sondern einer, der wie der Popstar selbst, mit Überhöhungen arbeitet, um besonders zu wirken. Fantastischer lässt sich das Phänomen Elton John nicht erklären.
Kinostart: 30.5.2019