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Argentinien und Grossbritannien erhalten die beiden Wildcards für den im kommenden Jahr erstmals im neuen Format ausgetragenen Davis Cup. Die Schweiz ist in der Qualifikation nun zwar gesetzt, doch ohne Roger Federer und Stan Wawrinka sind die Erfolgschancen gering.
Die Würfel sind gefallen: Der internationale Tennisverband ITF und die Kosmos-Gruppe vergeben die beiden Wildcards für die Davis-Cup-Finalwoche im kommenden Jahr an Grossbritannien Andy Murray) und Argentinien (Juan Martin Del Potro). Beide Nationen hätten eine reiche Geschichte im Traditionswettbewerb, schreibt das Steuerungskomitee. Argentinien gewann den Davis Cup 2016 erstmals, Grossbritannien feierte vor drei Jahren seinen zehnten Erfolg im mit 118 Jahren ältesten Teamwettbewerb im Tennis.
Dass die Schweiz bei der Vergabe leer ausgeht, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass mit Roger Federer der erfolgreichste Spieler der Tennisgeschichte bei der Premiere nach neuem Format fehlt. Zwar ist die Schweiz in der Qualifikations-Runde vom 1./2. Februar neu gesetzt, aber die Chance, dass Federer und Stan Wawrinka in der Woche nach dem Final der Australian Open teilnehmen, ist verschwindend klein. Ohne die beiden dürfte die Qualifikation kaum zu schaffen sein.
Roger Federer gilt als grosser Skeptiker des neuen Formats, zumal der Davis Cup und der neue Majesty Cup, ein in der Woche nach den US Open ausgetragenes Turnier mit 64 Teilnehmern und 10 Millionen Dollar Preisgeld für den Sieger nach dem Prinzip «The Winner Takes it All», den von ihm propagierten Laver Cup bedrohen. Seit dem Schweizer Sieg vor vier Jahren ist die Liebe zum Davis Cup ohnehin erkaltet. Der Baselbieter spielte seither nur noch einmal für die Schweiz
Ab 2019 wird der Davis Cup in einer Final-Woche im November durchgeführt: 18 Nationen ermitteln den Sieger. 12 Gewinner der Qualifikation mit Heim- und Auswärtsspielen, die vier Halbfinalisten des Vorjahrs und zwei Wildcard-Empfänger. Die Sieger der sechs Dreiergruppen und die zwei besten Zweiten erreichen die Viertelfinals. Gespielt werden jeweils zwei Einzel und ein Doppel auf zwei Gewinnsätze. Angestossen worden war die Reform von ihm: Gerard Piqué.
Der Verteidiger des FC Barcelona ist der Kopf der Kosmos-Gruppe, welche die radikale Davis-Cup-Reform durchgesetzt hat und über die nächsten 25 Jahre drei Milliarden Dollar ausschüttet. Das Problem: Ganz oben auf Piqués Agenda steht die Verschiebung des Termins vom November in den September. Diesen Wunsch hatten die Spieler bei einem Treffen im Sommer geäussert. Im September aber findet der Laver Cup statt, der Konflikt mit Federer ist programmiert.
Dieser sagte schon während der US Open: «Für uns Tennis-Spieler ist es schon komisch, einen Fussballer in unserer Welt zu haben.» Nun müssten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und ausdiskutieren, was für das Tennis am am Besten sei. «Jeder muss den Hut, den er trägt, ablegen und den Sport als Ganzes sehen. Der Davis Cup, die ITF, die ATP: Wir brauchen uns gegenseitig», zitierte ihn die «NZZ». Er sei keiner, der die Konfrontation suche.
Piqué offenbar schon. Als er über den Davis Cup der Zukunft sprach, betonte er, dass dieser wieder ein Wettbewerb für die Spieler werden solle. «Ich denke da an Rafael Nadal, Marin Cilic, Alexander Zverev oder Novak Djokovic.» Federer erwähnte er mit keiner Silbe. Und es darf durchaus als Affront verstanden werden, dass der Majesty Cup, hinter dem ebenfalls die Kosmos-Gruppe steht, an dem Wochenende lanciert wurde, an dem der Laver Cup ausgetragen wurde.
Mit dem Davis Cup hat Federer vielleicht ohnehin längst abgeschlossen. Der Schweizer Captain Severin Lüthi, der auch sein Trainer ist, sagte jüngst: «Ich habe keine Anzeichen dafür, dass Roger und Stan zurückkehren, wenn wir gegen Schweden gewinnen.» Zumindest in der Rolle das Davis-Cup-Captains dürfte er den Wildcards für Grossbritannien und Argentinien Postives abgewinnen: Die möglichen Gegner in der Qualifikation sind deutlich weniger hochkarätig.
Federer bemühte sich bisher um vornehme Zurückhaltung, machte aber klar, dass er den Termin im September für seinen Laver Cup als optimal betrachtet. Doch im Werben um den besten Platz im Kalender hat das Format gewichtige Nachteile: Im Gegensatz zum Davis Cup sind Punkte für die Weltrangliste wohl kein Thema. Und im Davis Cup gibt es wohl mehr Geld zu verdienen, wie auch im umstrittenen Majesty Cup – zumindest für den Sieger.
«Die Meinungen gehen zum Teil weit auseinander: Einige sind glücklich, andere traurig und wütend, oder erleichtert», sagte Federer in New York. «Und ich, ich stehe irgendwo dazwischen. Ich weiss nicht, was ich davon halten soll. Es ist, wie es ist.» Die Auslosung von heute hat ergeben, dass die Schweiz in der Qualifikations-Runde auf Russland trifft. Die Frage, ob Roger Federer und Stan Wawrinka aber je wieder im Davis Cup spielen, bleibt indes unbeantwortet.