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Als die moderne Schweiz 1848 gegründet wurde, hatte das Land keinen offiziellen Nationalfeiertag. Als Gründungstag der alten Eidgenossenschaft wurde gemeinhin der 8. November angesehen, da sich die Landsleute von Uri, Schwyz und Unterwalden gemäss der Überlieferung am “Mittwoch vor Martini” im Jahr 1307 auf dem Rütli zu ihrem Schwur getroffen haben sollen.
Erst in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts rückte langsam der 1. August als neuer “Geburtstag” in den Vordergrund, schreibt der Historiker Urs Altermatt in einem Artikel zum Bundesfeiertag. Das Datum verweist auf den Bundesbrief, der auf “Anfang August 1291” datiert ist.
“Der moderne Bundesstaat brauchte für die innere Stabilität eine patriotische Ideologie, die die liberale und konservative Schweiz miteinander versöhnte und dem noch nicht 50-jährigen modernen Bundesstaat historischen Glanz vermittelte”, schreibt Altermatt. Noch 1847 hatten sich Liberale und Konservative im Sonderbundeskrieg erbittert bekämpft.
Dass die Bundesfeier auf den 1. August und nicht auf den 8. November angesetzt wurde, hat mehrere Gründe. Als Geburtsstunde der Eidgenossenschaft habe man lieber “eine rechtlich vollzogene Staatsgründung als eine revolutionäre Verschwörung angenommen”, schreibt der Historiker Georg Kreis im Historischen Lexikon der Schweiz.
Zudem jährte sich die Unterzeichnung des Bundesbriefes im Jahr 1891 zum 600. Mal. Die Berner, die im selben Jahr ohnehin eine Feier zum 700-jährigen Bestehen der Stadt Bern planten und das Eidgenössische Sängerfest ausrichteten, brachten die Idee einer nationale Jubiläumsfeier in der Hauptstadt ins Spiel.
Doch sowohl Datum als auch Austragungsort sorgten für Kritik. Die Schwyzer Regierung forderte in einem Brief an den Bundesrat, die Hauptfeier “auf jenem Boden zu veranstalten, von dem die Schweiz Namen und Ursprung hat.” Schliesslich wurde Schwyz als Festort bestimmt, ein “mehr als symbolischer Akt”, wie Altermatt schreibt. Mit der Feier habe sich die liberale Schweiz in feierlicher Form mit der katholischen-konservativen Urschweiz versöhnt.
Gegen das Datum, den 1. August, sträubten sich vor allem die Urner. Diese “hielten noch lange trotzig an der für sie günstigeren Datierung fest”, schreibt Kreis in einem Artikel. Denn während die Geschichte vom Rütlischwur im Jahr 1307 auf Urner Boden spielt, nahm man vom Bundesbrief an, dass er auf Schwyzer Boden angefertigt wurde. Im Sockel des Tell-Denkmals in Altdorf liessen die Urner demonstrativ das Gründungsjahr 1307 einmeisseln, 1907 feierte der Kanton das gemäss seiner Berechnung 600-jährige Bestehen der Eidgenossenschaft.
Andernorts liess man sich die Laune zur Bundesfeier im Jahr 1891 nicht verderben. Neben dem Hauptfest in Schwyz wurde auch in den meisten anderen Schweizer Gemeinden am 1. August ausgiebig gefeiert – mit Böllerschüssen, Umzügen, patriotischen Ansprachen, Musik- und Gymnastikeinlagen, wie Altermatt beschreibt. Alle Landesteile hätten das Bundesfest mit der gleichen patriotischen Inbrunst gefeiert. “Die Welschen standen den Deutschschweizern in keiner Weise nach.”
Nach dem Fest zum runden Geburtstag der Schweiz war aber vorerst Schluss. Eine jährliche Wiederholung wurde erst sieben Jahre später festgelegt. Der Bundesrat forderte die Kantone ab dem Jahr 1899 auf, jeweils am Abend des 1. August die Glocken läuten zu lassen.
Die Landesregierung fällte den Entscheid nicht zuletzt auf Drängen von Auslandschweizerkolonien, die ebenfalls eine Art von “Quatorze Juillet” verlangten, schreibt Kreis. Die Franzosen hatten den 14. Juli bereits im Jahr 1880 zu ihrem Nationalfeiertag erkoren.
Vorerst blieb der 1. August aber ein normaler Arbeitstag. “Man verstand es als dem schweizerischen Charakter angemessen, dass auch an einem solchen Tag normal gearbeitet würde”, schreibt Kreis.
Erst durch eine Volksabstimmung im Jahr 1993 wurde der 1. August schweizweit zum arbeitsfreien Tag erklärt. Die Initiative der Schweizer Demokraten (SD) wurde mit 83,8 Prozent Ja-Stimmen angenommen – ein bisher ungebrochener Rekord.
(SDA)