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deutscher Ingenieure.
ver
mit Sand zu bestimmen, und da es sich bald herausstellte, dass die zu diesem Zweck angefertigten Probekörper, je nach der angewendeten Wassermenge, der Beschaffenheit des Sandes und der Stärke des Einschlagens in die Formen, bei demselben Cement die allerverschiedenartigsten Festigkeiten zeigten, so wurde es notwendig, alle diese Punkte genau festzustellen. Der Cement und das Wasser zum Anrühren desselben werden gewogen; der Normalsand, aus reinem Quarz bestehend, wird an einer einzigen Stelle unter Aufsicht des Vorstandes des Cementfabrikanten-Vereines, durch zwei Siebe nach oben und nach unten hin in seiner Korngrösse begrenzt, dargestellt, die Zeit des Anrührens des Mörtels wird genau vorgeschrieben, und die Stärke des Einschlagens in die Formen wird der individuellen Willkür entzogen und durch eine Maschine, welche ein bestimmtes Gewicht aus normirter Fallhöhe in einer bestimmten Anzahl von Schlägen fallen lässt, bewirkt. Ich zeige Ihnen zwei hierzu bestimmte Maschinen, die eine erfunden von dem Vorsteher der königl. Prüfungsstation in Berlin, Hrn. Dr. Böhme, welche sich durch ihre Einfachheit und ihren wohlfeilen Preis auszeichnet, die andere von den Herren Nagel & Kaemp in Hamburg construirt, bei welcher die grösste Sorgfalt aufgewandt ist, um jede noch mögliche Fehlerquelle zu beseitigen. Mit diesen Maschinen beginnen in den nächsten Tagen Arbeiten mit den schiedensten deutschen Cementen, dem Handel entnommen, um ein neues vollkommeneres Untersuchungsverfahren festzustellen, als das in den bekannten Normen zur Untersuchung des Portland-Cements enthaltene.
Obgleich es zweifellos ist, dass ein Nachhärten des Cements oft auf Jahre hinaus und bei verschiedenen Cementen verschieden stattfindet, so musste man sich doch, um die Methode für die Praxis brauchbar zu behalten, auf eine bestimmte, nicht zu lang bemessene Prüfungszeit beschränken. Die erwähnten, in Preussen staatlich genehmigten Normen nehmen die Zugfestigkeit einer Mischung von 1 Teil Cement und 3 Teilen Normalsand nach 28 Tagen als malsgebend an. Man hat seiner Zeit Abstand genommen, die Zugprobe mit reinem Cement als die entscheidende zu betrachten, weil dieselbe nicht die der Sandprobe entsprechenden Festigkeiten giebt und die letztere doch um deswillen Ausschlag gebend ist, da der Cement fast nur mit Sand verarbeitet wird. Ob für den Vergleich des Portland - Cements mit anderen hydraulischen Bindemitteln nicht ausser der Sandprobe auch noch eine Prüfung des Cements ohne Sandzusatz notwendig wird, bleibt weiteren Untersuchungen vorbehalten. Der für die Ausführung der Zugprobe angewendete Apparat wird in seiner jetzigen Vollkommenheit dem Mechaniker H. Schickert in Dresden und unter Aufsicht des Vereines dentscher Cementfabrikanten gleichzeitig mit den anderen erforderlichen Geräten hergestellt. Der Apparat, mit welchem ich Ihnen jetzt einige Probesteine brechen werde, erhält seine Belastung durch Wasser, und man liest an der Scala nach erfolgtem Bruch sofort den Zug ab, welcher auf 19cm des Probekörpers ausgeübt worden ist, so dass jeder Irrtum der Rechnung oder der Wägung ausgeschlossen wird.
Wenn gleich man schon früher wusste, dass die Inanspruchnahme des Mörtels viel häufiger auf Druck als auf Zug beruht, so hielt man es doch bei Feststellung der Normen nicht für erforderlich, die zeitraubende und kostspielige Druckprobe neben der Zugprobe als massgebend festzustellen, da es sich zeigte, dass bei fast allen Portland-Cementen ein bestimmtes, wenig wechselndes Verhältnis zwischen Zug- und Druckfestigkeit bestand. Erst nachdem mit fremden Körpern gemischte sogenannte Portland-Cemente auf dem Markt erschienen sind, wurde es notwendig, die Druckprobe als die eigentlich malsgebende zur Beurteilung des Portland-Cements einzuführen, da es sich herausgestellt hat, dass diese mit Schlackenmehl und anderen minderwertigen Körpern vermischten Cemente des Handels eine im Verhältnis zur Zugfestigkeit viel geringere Druckfestigkeit haben, als die unvermischten Portland-Cemente.
Die Hebelpresse mit einer Uebersetzung von 1:500, welche ich Ihnen hier vorführe, ist ebenfalls von Schickert construirt, und vergleichende Proben, welche mit der hydraulischen Presse der königl. Prüfungsstation angestellt worden sind, haben eine überraschende Uebereinstimmung der Re
sultate ergeben. Wenn wir jetzt einige Körper zerdrücken, so bemerke ich hierzu noch, dass wir auch für diese Maschine die Wasserbelastung und das Ablesen nach Mass der sonst üblichen Belastung mit Schrot und der Wägung desselben vorgezogen haben.
Damit würde nun das Prüfungsverfahren abgeschlossen sein, wenn nicht der schon erwähnte Missbrauch der Vermischung des Cements es notwendig gemacht hätte, einmal Methoden zu erfinden, diese Zumischungen zu entdecken, zweitens aber durch weitere Versuche die Fehler klar zu stellen, welche der Cement durch die erwähnten Zumischungen noch fernerhin erleidet. Zur Erkenntnis der Reinheit eines Cements hat Geh. Rat Fresenius in Wiesbaden im Auftrage des Vereines deutscher Cementfabrikanten ein Verfahren angegeben, in welchem die Grenzwerte für den unverfälschten Cement festgestellt werden.
Ich muss es mir versagen, auf diese interessante Arbeit näher einzugehen, und verweise dieserhalb auf die Verbandlungen unseres Vereines von 1884 und 1885. Versuche, in wie weit diese Grenzwerte noch heute für die Feststellung, ob ein Cement rein oder vermischt sei, ein untrügliches Kennzeichen abgeben, sollen gleichzeitig mit der Revision der Normen zur Ausführung gelangen.
Bevor ich nun zum Schlusse noch einige Worte über das Mischverfabren spreche, mache ich darauf aufmerksam, dass eine Anzahl Kunststeinfabrikanten, der von uns an sie ergangenen Aufforderung Folge leistend, einige Proben ihrer Fabrikate zu einer kleinen Ausstellung hierhergesandt haben, welche Ihnen ein Bild geben sollen von der mannigfachen Verwendung des Portland-Cementes.
Als vor einigen Jahren mehrere Cementfabriken plötzlich ihre Production ganz bedeutend erhöhten, ohne dass scheinbar eine Vergrösserung der Fabrik stattgefunden hatte, und zu gleicher Zeit mit den Preisen bedeutend herabgingen, um die Ware auch verkaufen zu können, richtete sich die Aufmerksamkeit der benachbarten Fabriken hierauf, und eine Untersuchung ergab, dass diese billige Ware Zumischungen enthielt von geringwertigen Stoffen, namentlich von Schlackenmehl, welche zuweilen bis zu 40 und 50 pct. dem Cemente zugesetzt waren. Ursprünglich war wohl ein geringerer Zusatz in Aussicht genommen; aber der grosse Gewinn verleitete zu fortgesetzter Erhöhung desselben, weil man glaubte, diese geringere Ware ohne Prüfung, auf den alten guten Ruf hin, unterbringen zu können. Der Cementfabrikantenverein zwang die mischenden Fabriken, indem er ihr Geheimnis an das Tageslicht zog, eine Erklärung mit zu unterzeichnen, worin diese Zumischung für eine Täuschung des Publikums erklärt wurde, wenn dieselbe nicht auf den Etiketten der Verpackungen deklarirt wäre. Infolge dessen gaben einige Fabriken das Mischen auf, während andere unter Führung des Erfinders den Spiess umdrehten und mit der Behauptung hervortraten, diese Zumischungen seien nicht eine Verschlechterung, sondern eine Verbesserung des Cementes.
Es entspann sich nun zunächst ein heftiger Streit über diese Behauptung, in welchem namentlich auf Veranlassung des Ministers der öffentlichen Arbeiten die königliche Prüfungsstation für Baumaterialien in Berlin eine umfassende Untersuchung mit fast allen deutschen Cementen anstellte und feststellte, dass die behauptete Verbesserung mit den hierzu verwendeten Zusätzen nirgends einträte, sondern eine mit den Procenten des Zusatzes wachsende Verschlechterung sei.
Der Gegner trat nun mit neuen Stoffen auf und wies nach, dass gewisse äusserst fein zerteilte Körper bei der Zumischung zu nicht besonders fein gemahlenen Cementen und bei Anwendung des groben Normalsandes, dem alle feinen Teile durch Siebung entzogen waren, höhere Festigkeiten zu ergeben vermöchten. Das war aber eine seit Jahren bekannte Thatsache, die dadurch erklärt wird, dass diese äusserst feinen Teilchen die feinsten Zwischenräume ausfüllen, die Körper dichter machen und durch Molekularreaction eine erhöhte Festigkeit herbeiführen. Für die praktische Anwendung hat dies aber insofern wenig Bedeutung, weil einmal diese Zusatzstoffe bei genügend fein gemahlenen Cementen und bei Anwendung des gewöhnlichen Bausandes, welcher selbst diese feinsten Teile enthält, wirkungslos werden, und weil sie bei jeder stärkeren Zumischung alle Eigenschaften des Cementes verschlechtern.
von
Band XXIX. No. 37.
12. September 1885.
XXVI. Hauptversammlung des Vereines am 17., 18. und 19. August 1885 in Stettin.
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Wir fühlten uns aus diesem Grunde veranlasst, die gemischten Cemente auch noch nach anderer Richtung auf ihre Brauchbarkeit zu untersuchen, und zwar auf Abnutzung und auf Frostbeständigkeit. Hr. Dr. Böhme hat einen vortrefflichen Apparat construirt, den ich Ihnen hier vorführe, durch welchen überraschend und deutlich erkennbar nachgewiesen wird, dass die gemischten Cemente gegenüber den ungerischten, weit über das Verhältnis der Festigkeit hinaus, eine ausserordentlich starke Abnutzung erleiden, so dass also die Festigkeitsprobe keinen Schluss gestattet auf das Verhalten der Cemente bezüglich ihrer Abnutzung und Widerstandsfähigkeit gegen äussere Einflüsse. Ferner stellte es sich heraus, dass die gemischten Cemente den Einwirkungen des Frostes nicht zu widerstehen vermögen, während reine Cemente keinerlei Angriff erleiden. Der hier aufgestellte Apparat dient dazu, unabhängig von der Wintertemperatur Untersuchungen hierüber anstellen zu können, und ich werde Ihnen Proben zeigen, welche in demselben einer erniedrigten Temperatur ausgesetzt sind. Alle mit etwa 30 pct. Schlackenmehl gemischten Cemente sind zerstört, während die reinen Cemente unverletzt geblieben sind. Die Gegner können diese Thatsache nicht ableugnen, behaupten aber, nach längerer Erhärtungszeit würden auch die Mischcemente durch Frost nicht mehr zerstört. Untersuchungen hierüber werden angestellt werden; aber wenn man auch diese Thatsache zugeben wollte, so würde doch die Frage entstehen, ob irgend ein Baumeister einen Cement verwenden möchte, inbezug auf welchen der Fabrikant vorschreibt, er dürfe im Freien nur verarbeitet werden, nachdem die gestrengen Herren vorüber sind, und im Herbste nur so lange, bis erster Frost eintritt.
Indessen, wie heftig auch der Widerstreit sein mag über die Frage, ob der Cement den Zusatz eines fremden Körpers bedürfe oder durch ihn verbessert werden könne, so ist doch dies keineswegs der Kernpunkt der Sache.
Der Verein deutscher Cementfabrikanten ist fast einstimmig der Ansicht, dass es vor allem darauf ankomme, den Begriff des Portlandcementes festzustellen, möglichst genau zu umgrenzen und dagegen anzukämpfen, dass Körper, welche diesem Begriffe nicht entsprechen, gleichwohl diesen Namen für sich beanspruchen. Es ist zweifellos, dass Zumischungen, einmal zugelassen, aus Eigennutz in übermässigen Mengen zugesetzt werden würden, und dass der Consument, der unmöglich imstande ist, jedes Fass Cement auf dessen Eigenschaften zu prüfen, einmal der Täuschung bewusst geworden, überhaupt von einem Misstrauen gegen dieses Fabrikat ergriffen werden würde.
Mit Recht kann man wie Fresenius fragen, weshalb die Anhänger des Mischverfahrens für ihr nach ihrer Ansicht besseres Fabrikat nicht nach einem neuen unterscheidenden Namen suchen, sondern hartnäckig fortfahren, unter falscher Flagge zu segeln. Wir haben nichts dagegen einzuwenden, dass eine Cementfabrik ihre Ware, welcher sie einen fremden Stoff zugesetzt hat, verkauft mit der deutlichen Deklaration des Zusatzes auf dem Etikett. Dem Consumenten würde es dann überlassen bleiben, ob er dem neuen Product mit zunächst unbekannten Eigenschaften Vertrauen schenkt.
In neuester Zeit haben die Herren Bosse, Wolters & Hermann dem Cementfabrikanten den Erwerb eines Verfahrens angeboten, durch welches der Cement in seinen Eigenschaften, namentlich bezüglich der Adhäsion, Wasserdichtigkeit und Druckfestigkeit, gesteigert werden soll. Dem Anschein nach handelt es sich hierbei lediglich um ein Verfahren zur staubfeinen Zerkleinerung des Cementes. Dass hierdurch die obigen Eigenschaften desselben eine bedeutende Erhöhung erfahren können, ist nichts neues, und es fragt sich nur,
ob es den genannten Erfindern gelungen ist, eine Maschine zu construiren, welche diese kostspielige Verrichtung billiger, als dies mit den bisher bekannten Mahlgeräten möglich war, auszuführen imstande ist.
Insoweit wäre im Sinne der Erklärung der 55 Fabriken gegen dieses Verfahren nichts einzuwenden. Wenn aber nun die Erfinder vorschlagen, die Erhöhung der Herstellungskosten, welche durch diese staubfeine Zerkleinerung veranlasst wird, dadurch auszugleichen, dass der Fabrikant seiner Ware Kalkhydrat zusetzen soll, so müssen wir hiergegen eine ebenso kräftige Verwahrung einlegen, wie gegen die Zumischung der
früher erwähnten Stoffe. Wünscht der Consument, dem Cementmörtel für bestimmte Verwendungen Kalkhydrat hinzuzusetzen, so'muss dies bei der Verarbeitung geschehen. Es ist schon längst bekannt, dass man hierdurch treffliche Mörtel herstellen kann, und Hr. Dyckerhoff hat in neuerer Zeit wiederholt darauf hingewiesen und diese Mörtel auf Druck, Zugfestigkeit, Adhäsion und Wasserdichtigkeit geprüft. Da der Portlandcement in dieser Verbindung energischer wirkt, wenn der Consument geneigt ist, die dadurch bedingten höheren Herstellungskosten zu bewilligen, so werden die Fabrikanten gern bereit sein, ihm die feinere Ware zu liefern.
Da wir uns bewusst waren, dass alle unsere Bemühungen gegen das Mischverfahren wirkungslos bleiben müssten, wenn wir hierin nicht von den Consumenten selbst und namentlich nicht von dem grössten derselben, dem Staat, unterstützt würden, so haben wir uns mit der Bitte an denselben gewandt, die Verfügung ergehen zu lassen, dass bei allen öffentlichen Bauten, wo Portlandcement verwendet werden soll, die Lieferung von mit fremden Körpern gemischten Cementen ausgeschlossen werde. Wir haben nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, dass die so mühsam errungene Stellung auf dem ausländischen Markte der Cementindustrie verloren gehen müsse, wenn dem heimlichen Mischverfahren nicht gründlich Einhalt gethan werde. Schon sei das Ausland aufmerksam geworden auf diesen in Deutschland eingerissenen Missbrauch, und eine Fortdauer desselben müsse unweigerlich eine schwere Schädigung des deutschen Exportes herbeiführen.
Wir haben von neuem in diesem Jahr unseren Ministerien eine von 55 Cementfabriken unterschriebene Erklärung zugesandt, da Zweifel darüber erhoben waren, ob die Cementfabrikanten noch heute den früher angenommenen Standpunkt teilten; die Erklärung lautet:
»Die unterzeichneten Fabriken sehen sich veranlasst, gegenüber der Thatsache, dass bereits seit mehreren Jahren verschiedene Cementfabriken dem Portland-Cemente nach dem Brennen fremde Körper zumischen und diese Mischung trotzdem unter dem Namen »Portland - Cements in den Handel bringen, nachstehende Erklärung abzugeben: 1. Portland-Cement ist ein Product, entstanden durch innige
Mischung von kalk- und thonhaltigen Materialien als wesentlichsten Bestandteilen, darauf folgendem Brennen
bis zur Sinterung und Zerkleinerung bis zur Mehlfeinheit. 2. Jedes Product, welches auf andere Weise entstanden ist,
als ad 1. angegeben, oder welchem während oder nach dem Brennen fremde Körper beigemischt sind, ist nicht als Portland-Cement zu betrachten, und der Verkauf derartiger Producte unter der Bezeichnung »Portland
Cement« ist als eine Täuschung des Käufers anzusehen. 3. Die von anderer Seite behauptete Verbesserung der
Zug- und Druckfestigkeit von Cement durch Zuschläge,
Festigkeitssteigerungen durch Zusatz von Stoffen er-
gesetzten Stoffen identisch sind, b) die Procente der Zumischung bei den Versuchen ge
ringe Sätze nicht überstiegen haben, während die gemischten Cemente des Handels bis 50 pCt. fremde
Körper enthalten, c) die in Wirklichkeit bisher von den mischenden Fa
briken zugesetzten Körper, wie Hochofenschlacken, Thonschiefer, Porzellanerde, hydraulischer Kalk und dergl., thatsächlich den Cement in vielen Beziehungen
verschlechtern. 4. Das Verfahren der Mischung ist geeignet, das Vertrauen
des Publikums zu dem Portland-Cemente vollständig zu erschüttern, da dasselbe nicht imstande ist, den Grad der Zumischung und die Qualität des zugemischten Stoffes
zu erkennen und zu prüfen. 5. Die unterzeichneten Firmen verpflichten sich unter ein
ander und gegenüber ihren Abnehmern, nur solche Ware unter dem Namen »Portland - Cement« zu verkaufen, welche den Bestimmungen sub 1. entspricht.
deutscher Ingenieure.
Wir meinen, dass der Kampf, welchen die Cementindustrie hier kämpft, ein allgemeines Interesse in Anspruch nehmen muss, da ohne ein unverbrüchliches Festhalten an dem Grundsatze, dass die angebotene Ware auch wirklich das Product ist, für welches sie ausgegeben wird, keine Industrie zu einer blühenden Entwicklung gelangen kann.
Der Karlsruher Bezirksverein deutscher Ingenieure fasste in seiner Sitzung vom 18. Mai 1885 den nachfolgenden Beschluss:
» Der Karlsruher Bezirksverein deutscher Ingenieure spricht seine volle Anerkennung dem Vereine deutscher Cementfabrikanten für sein Vorgehen zur Bekämpfung des Mischverfahrens in der Cementfabrikation aus mit dem Wunsche, dass dieses Vorgehen zur Hebung des Ansehens deutscher Cementindustrie kräftig
beitrage.« Dieser uns zugesandte Ausdruck der Sympathie hat uns in hohem Mal's erfreut. Möge mein Vortrag dazu beigetragen haben, auch in diesen weiteren Kreisen die gleichen Gefühle hervorzurufen.« (Lebhafter Beifall.)
Vorsitzender. »M. H.! Sie haben soeben schon durch Ihren reichen Beifall den Dank ausgesprochen, der dem Herrn Vortragenden für seine schönen Ausführungen gebührt. Ich bin überzeugt, wenn ich vorhin sagte: wir streben dem Ideale der Treue, der Wahrheit nach, so hängt das eben mit unserer fachlichen Stellung zusammen.
Wir wollen produciren und wollen wahr und treu produciren, das nenne ich Ideale in die Wirklichkeit tragen. Das ist es auch, glaube ich, was Hr. Dr. Delbrück als Ausdruck der Empfindung des Vereines herbeigeführt wünscht.«
Hr. Dr. Böhme: »M. H., ich ergreife gern die Gelegenheit, den Wunsch des Herrn Vortragenden zu erfüllen und einige Worte über die Versuche zu sprechen, die in jüngster Zeit inbezug auf die Aboutzbarkeit der Cemente und Cementmörtel von mir ausgeführt wurden. Es lag in meiner Absicht, die in bekannter Weise für Pflasterungsmaterialien üblichen Abnutzungsversuche, welche so angestellt werden, dass man die betreffenden Producte auf einer rotirenden, mit Schmirgel besetzten Scheibe einer gewissen Beanspruchung aussetzt, auf die Erprobung der Eigenschaften verschiedener Cemente durch Abschleifen anzuwenden. Ich bediente mich hierzu des kleinen hier ausgestellten, vom Herrn Vorredner bereits besprochenen Apparates, welchen ich für diesen Zweck bauen liefs. Ich muss vorausschicken, dass es mir zunächst darauf ankam, einen recht lebhaften Unterschied inbezug auf das Intactsein verschiedener Cemente gegen diese Behandlung herauszufinden. Aus diesem Grunde benutzte ich eine Compositionsscheibe, welche aus einem weichen Materiale hergestellt ist, anstatt der bei dem ausgestellten Apparate jetzt angebrachten Gusseisenscheibe. Diese Compositionsscheibe hat insofern eine schärfere Wirkung, als das Schleifmaterial sich durch die Belastung in die Composition, also in die Scheibe selbst, hineindrückt und hierdurch natürlich eine viel intensivere Wirkung auf den beanspruchten Körper ausüben muss, als bei einer festen harten Gusseisenscheibe. Das war aber meine ganz bestimmte Absicht; ich wollte mit einer geringen Zahl von Umdrehungen eine scharfe Abnutzung hervorrufen, um das Wesen verschiedener, in durchaus gleicher Weise behandelter Cemente vergleichen zu können. Ich wählte in erster Linie eine Umdrehungszahl, die ich leider wieder habe verlassen müssen, weil ich zu der Ueberzeugung kam, dass der Fall oftmals eintreten würde, dass nicht alle Versuchskörper den sämmtlichen Drehungen gegenüber intact bleiben würden, und ich ging deshalb von dieser ursprünglich gedachten Umgangszahl, die 450 betrug, herab, immer festhaltend an der erstgedachten Compositionsscheibe. Ich wählte schliesslich 30 Umdrehungen, und zwar in der Weise, dass die Geschwindigkeit der Maschine 22 Umdrehungen in der Minute betrug, wohlerwogenermassen deshalb, damit die Herausschleuderung des trockenen Schmirgels – denn die Operation geschieht auf trockenem Wege – nicht erfolge. Ich gab beim Anfange der Operation 20% Schmirgel und liels die Scheibe 15 Umdrehungen machen, die durch ein einfaches Zählwerk gezählt wurden, und danach bekam die Scheibe noch einmal 208 Schmirgel, mit welchen sie bis zur Vollendung des dreissigsten Umganges lief. Da stellten sich nun bei 6 verschiedenen von mir unter
suchten Cementen, die ich wohlerwogenermassen sowohl nach 7 Tagen als auch nach 28 Tagen Erhärtung an der Luft probirte, viele interessante Werte heraus, von denen einige zu Ihrer Kenntnis zu bringen ich mir erlauben werde. Ein Cement Marke A gab nach 7 Tagen, als reiner Cement probirt ohne Zusatz von Sand, einen Verlust von 10,1%, und zwar bei einer Geschwindigkeit von 22 Umdrehungen in der Minute und 30 Umgängen Laufzeit bei Anwendung von je 208 Naxosschmirgel No. 3 für 15 Umgänge. Der Körper wurde vorher in dem Zustande gewogen, in dem er sich befand, als er zur Untersuchung gelangte, und wurde unmittelbar nach Vollendung des Schleifprocesses mit einem Pinsel abgebürstet und wieder gewogen. Man könnte diese Zahlen für den Gewichtsverlust im grossen noch dividiren durch das specifische Gewicht des untersuchten Körpers, um dann den Inhalt in cbcm für die Abnutzung zu erhalten. Die Angabe dieser Werte unterlasse ich behufs Vermeidung zu vieler Zahlen.
Derselbe Cement, welcher bei der besagten Beanspruchung als reiner Cement 10,18 verloren hatte, erlitt bei einer Mischung von 1 Gewichtsteil Cement und 3 Gewichtsteilen Normalsand 28,98 Verlust nach 7 Tagen. Dieser Zahl 10,1 für reinen Cement steht merkwürdigerweise für 28 Tage gegenüber 10,6; die Zahlen sind Mittelwerte; es kann deshalb angenommen werden, dass die Zahl 10,6 als grössere Zahl trotz der grösseren Erhärtung doch richtig ist. Ich erkläre mir diesen Umstand dadurch, dass der Cement bei Erhärtung an der Luft nicht die Eigenschaften hat, die er bei Erhärtung unter Wasser jedenfalls gehabt haben würde.
Ein anderer Cement ergab nach 7 Tagen ohne Sandzusatz 18,28 Verlust und mit Sandzusatz in 3 Teilen 217,88. Nach 28 Tagen Erhärtung stand der Abnutzung von 19,2 eine solche von 15,6 und der von 217,8 eine solche von 36,48 entgegen. Das spricht dafür, dass der Cement in der Verbindung mit Sand zu einer Härte sich etablirt hatte, die dieser starken Beanspruchung auf der Compositionsscheibe nun trotz dieser schärferen Beanspruchung ausserordentlich viel besser widerstand, als im ersteren Falle; denn 36,48 Abnutzung für 28 Tage statt 217,88 für 7 Tage ist ein ausserordentlicher Fortschritt in der Erhärtung und als günstiges Resultat zu bezeichnen. Es war also die feste Verbindung des Bindemittels mit dem scharfen Normalsande durch die verkittende Kraft des Cementes bis zu 28 Tagen in solcher Weise herangediehen, dass die aus kleinen Quarzteilchen hauptsächlich gebildeten Flächen so fest durch das Kittmittel verbunden waren, dass die Abnutzung nur eine gegen die 7-Tags-Abnutzung sehr geringe wurde.
Bei einem dritten Cemente stand einer Abnutzung ohne Sandzusatz von 27,88 eine solche von 112,48 bei Zusatz von 3 Teilen Sand gegenüber. Ein ähnliches Bild für die 28 tägige Prüfung gestaltet sich hier durch 16,0 gegenüber der ersteren von 27,8 und durch 26,6 gegenüber der ersteren von 112,4.
Ich will Sie nun mit dieser Last von Zahlen nicht weiter in Anspruch nehmen, aber hinzufügen möchte ich doch, dass die Anwendung einer Eisenscheibe, die ich unmittelbar nach den ersten Versuchen vollzog, zu anderen Resultaten führte, wie ich es ja von vornherein voraussetzen musste. Ich führe hier einen Cement an, der auch auf der Compositionsscheibe zuerst geprüft wurde und dort nach 7 Tagen eine Abnutzung von 34,4, nach 28 Tagen eine solche von 21,7 ergab. Für die Gusseisenscheibe steht gegenüber der Aboutzung von 34,4 im ersten Fall eine solche von 26,3 und der Abnutzung von 21,7 für 28 Tage eine solche von 7,6. Der Sandprobe mit 119,5 auf der Compositionsscheibe stehen 43,0 auf der Eisenscheibe für 7 Tage gegenüber und dem Verluste von 79,9 nach 28 Tagen auf der Compositionsscheibe für 3 Teile Sand ein Verlust von 12,i für die Eisenscheibe. Von hohem Interesse erschien mir eine Reihe von Versuchen, die für reinen Cement bei einer Marke, die sonst mit vorzüglichen Eigenschaften ausgestattet war, 18,7 gab auf der Metallscheibe, für einen Teil Sand 10,5, für zwei Teile Sand 13,2, für 3 Teile Sand 20,6 und für 4 Teile Sand 23,4. Es tritt hier, wenn man die Verluste in g als Curve darstellt, eine eigentümliche Einsenkung und ein Wiedererheben derselben ein. Der Wendepunkt liegt zwischen 1+0 und 1+1. Dies lässt sich nur dadurch erklären, dass der reine Cement in seiner Anwendung in der Luft der Beanspruchung nicht so zu widerstehen ver
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Körper
mochte wie der mit scharfem Quarzsande vermischte Cement, bei der sich durch Ueberlaufung der Schleifbahn eine Ebene gebildet, die durch die scharfen Quarzteile besser der Reibung zu widerstehen vermochte. Diese Form der Curve liegt hier allerdings zwischen 1+0 und 1 + 1 fest, aber das Bild fängt an, sich anders zu gestalten, sobald man zu 2 Teilen Sand schreitet, und dies bestätigt jene Auffassung; denn das Gemenge wird bei 2, 3, 4 Teilen Zusatz nicht mehr so innig sein, und die ganze Beschaffenheit des Körpers kann nicht so intact sein wie bei Zusatz von einem Teile Sand. Es ist nun, m. H., noch eine grosse Reihe von Zahlen ermittelt worden, die hier mitzuteilen das Mals des Erlaubten deshalb überschreiten dürfte, weil ich ja in unangemeldeter Form und anlehnend an einen anderen Vortrag berichte. Ich bin der Ansicht, dass diese eigentümlichen Zahlen, die vorzutragen ich die Ehre hatte, sich allerdings im Augenblicke ganz neu und eigentümlich in die Ordnung unseres alten Zahlenwesens für Zug- und Druckfestigkeit hinein mischen, dass sie auch vielleicht mit Rücksicht auf die ganze Individualität der Versuche selbst, mit Rücksicht auf viele Fragen inbezug auf die Belastung, inbezug auf das Schleifscheibenmaterial oder inbezug auf die Wahl des Schmirgels sich noch vielfach zwar discutiren lassen, aber doch mit Rücksicht auf die eigentümliche Form, die sie hier unter durchaus gleichen Bedingungen ergeben haben, immerhin Anspruch auf Beachtung, auf Erprobung und auf Untersuchung weiterer Fälle zu machen haben.« (Bravo!)
Hr. Schilling (Oberhausen): »Ich stehe auf einem anderen Boden als Hr. Dr. Delbrück, obwohl ich selbst kein Fabrikant von Portlandcement bin. Ich kann aber in dem Schlackenzusatz eine wesentliche Verschlechterung des Cementes nicht erblicken. Denn was ist Cement? Cement ist eine Verbindung von Thonerde, von Kalk und Kieselsäure, und Hochofenschlacke ist eine Verbindung von Kalk, von Kieselsäure und Thonerde, also denselben Bestandteilen, aus denen der Cement besteht. Die Hochofenschlacke enthält ausserdem 5 pct. Schwefelcalcium, welches der Erhärtung durchaus nicht schädlich ist, und etwas Mangan, vorausgesetzt, dass manganhaltige Eisensteine zur Herstellung des Eisens verwandt sind. Diejenige Hochofenschlacke, welche sich hauptsächlich zur Cementfabrikation eignet, ist eine sehr basische Schlacke; sie hat die Eigentümlichkeit, dass sie beim Erkalten zu feinem Mehle wird. Dieses Schlackenmehl erhärtet an der Luft ohne irgend einen anderen Zusatz, und ich habe nun seit 20 Jahren Gelegenheit gehabt, zu beobachten, dass, wo derartige Schlacke abgekippt und mit anderen festbleibenden Schlacken in Verbindung gekommen ist, dies ein Material giebt, das man überhaupt nicht entzwei bekommen kann. Wir haben, um neue Banten auszuführen, derartige Massen wegsprengen müssen und gefunden, dass dieselben eine Festigkeit hatten, die mindestens einem Bauwerk entspricht, welches aus bestem Cemente hergestellt wurde. Die Hochofenindustrie. hat ein Interesse daran, die Abfallproducte zu verwerten, und das Schlackenmehl hat da, wo es producirt wird, fast gar keinen Wert. Das Schlackenmehl ist, verglichen mit dem Portlandcement, weder ein fremder noch ein indifferenter Körper, da es dieselben Bestandteile enthält wie der Portlandcement, und ob durch eine innige vorherige Mischung der Portlandcement hergestellt wird, oder dadurch, dass man diese Körper durch Schmelzen so innig verbindet, dass nach dem Zerfallen jedes Partikelchen ganz genau dieselbe Zusammensetzung hat, ist meiner Ansicht nach ganz gleich.
Ich stehe auf dem Standpunkte, dass ich es stets mit Freuden begrüsse, wenn sich die Industrie der Abfallproducte bemächtigt, welche an und für sich gar keinen Wert haben, und ich halte die Zeit nicht mehr für fern, wo alle derartigen Hochofenschlacken zu Cement verarbeitet werden,
Hr. Dr. Delbrück: »Ich will hierauf nur ein Paar Worte erwidern. Zunächst bemerke ich, dass die Ausführungen des Ilerin Vorredners durchaus nicht den Punkt treffen, den ich (rwähnt liabe. Ich habe mich keineswegs irgendwie abfällig gegen den Schlackencement oder die Verbindung von Schlacke init Kalk 15W, usgesprochen. Es ist mir sehr wolil bekannt, dass Mörtel der verschiedensten Art auf diese Weise hergestellt sind, die grossen Anspruch auf Beachtung liaben. Ich habe mich nur dagegen erklärt, dass man einen fremden
und das ist das Schlackenmehl, Schlackenmehl ist kein Portlandcement dem Portlandcement zumischt, ohne das zu declariren. Ich füge aber noch einige Worte hinzu.
Portlandcement ist in Deutschland, wie ich vorhin ausgeführt habe, seit 30 Jahren und in England seit 50 Jahren bekannt. Man kennt ihn aus einer reichen Erfahrung in allen seinen Eigenschaften und in seiner Bewährung bei Bauwerken, aber diese neuen Mittel sollen sich erst bewähren, und ich muss gestehen, dass ich gegenüber der Vorsicht, mit welcher bei dem ersten Auftreten des deutschen Portlandcements unsere Bauwelt denselben aufnahm, wie man sich so schwer entschloss, denselben bei wichtigen Bauwerken anzuwenden, weil man sagte, wenngleich der Cement vor meinen Augen eine namhafte Härte erreicht, so weiss ich nicht, was später aus ihm wird und kann mich nicht dazu entschliessen, ihn zu grossen Bauwerken anzuwenden; ich sage, ich muss gestehen, dass ich mit Staunen sehe, wie man sich gegenüber dieser Vorsicht, die früher gewaltet hat, jetzt leichten Herzens entschliesst, eine Flut von neuen Bindemitteln, von zum Teil, wie sich erwiesen hat, höchst gefährlichen Eigenschaften, nur weil sie um einige Groschen billiger sind, ohne Bedenken zu den wichtigsten Bauwerken anzuwenden. Dagegen mussten wir Portlandcementfabrikanten uns erklären, und wir werden so lange, wie es uns finanziell möglich ist, dagegen ankämpfen, dem Cement Beimischungen zu geben, von deren Einflüssen auf die Dauer wir heutzutage noch nichts wissen. Das ist der Standpunkt, den wir zu der Frage haben. Mögen diejenigen, die neue Bindemittel in die Welt einführen wollen, dieselbe Mühe aufwenden, welche wir gehabt haben, um die Bauwelt zu überzeugen, dass ihre Fabrikate zuverlässig sind, und dass nicht später Schäden auftreten, die man heute noch gar nicht beurteilen kann.« (Bravo!)
Pause. Es folgt der Vortrag des Director Haack: Ueber die Entwicklung des Eisen- und Stahlschiffbaues in Deutschland im allgemeinen, sowie über den Schiffbau
Stettins im besonderen. » Hochgeehrte Versammlung! Wohl mancher der hier nach Stettin hergekommenen Herren Collegen, und besonders diejenigen Herren, welche aus dem Inlande kommen, um der Hauptversammlung unseres Vereines beizuwohnen, erwarten, hier etwas über einen Zweig der Eisen- und Stahlindustrie zu sehen und zu hören, über den im Bereich seines Wirkungskreises ihm wenig Gelegenheit zur Sammlung von Kenntnissen, besonders durch Anschauung, geboten wird. Ich meine über den Schiff bau aus Eisen und Stahl, der schon seit langen Jahren hier in Stettin betrieben wird und einen wesentlichen Teil der hiesigen Industrie ausmacht.
Die programmmässigen Ausflüge werden, so wie ich hoffe, den für diesen Teil der Technik sich interessirenden Herren Gelegenheit geben, bei Besuch der verschiedenen hiesigen Schiffswerften sich über die Leistungen derselben zu unterrichten und die Art der auf denselben gefertigten Arbeiten kennen zu lernen. Ich habe mir nun gedacht, dass zu dem, was Sie sehen werden, Ihnen einige Erläuterungen willkommen sein möchten, und will deshalb versuchen, Ihnen eine Uebersicht über die Entwickelung des Eisenschiffbaues in Deutschland, hauptsächlich des Schiffbaues hier in Stettin, zu geben, wozu die langen Jahre, während welcher mir das Glück zuteil geworden ist, hier in diesem Zweige der Technik zu arbeiten, mir mancherlei Anhaltspunkte geliefert haben.
Vor weniger denn dreissig Jahren war das Bild, welches
an den Ufern der grösseren Flüsse der preussischen Ostseeküste salt, belebt durch zahlreiche Schiffswerften, die init Neubauten von hölzernen Segelschiffen dicht besetzt waren, und wurde nicht allein in den eigentlichen Hafenstädten, sondern selbst in weiter nach dem Binnenlande zu gelegenen kleinen Städten, ja sogar in Dörfern, der Holzschiffbau recht lebhaft betrieben. Es war diese Industrie um deshalb eine lohnende, von welcher eine grosse Zahl der Küstenbewohner guten Nutzen hatte, weil die Schifffalırt mit solchen Segelschiffen grossen Verdienst gewährte und den Wohlstand, besonders in den Hafenstädten der Ostsee, wesentlich förderte.
Ganz anders ist das Bild, das sich heute in den grösseren Hafenplätzen der Ostsce dem Ange bietet!
deutscher Ingenieure.
aus
Die Schiffswerften, auf denen, wie bemerkt, zahlreiche hölzerne Schiffe gebaut wurden, stehen leer, wenn sie nicht schon zu anderen Zwecken benutzt werden; es werden auf denselben höchstens einige Reparaturen an Holzschiffen ausgeführt; nur auf den Uferplätzen, auf denen Eisen- und Stahlschiffbau betrieben wird, herrscht reges Leben, und sowie man jetzt in den Häfen und auf den Flüssen fast mehr eiserne Dampfschiffe als hölzerne Segelschiffe sieht, ist auch nur noch der Bau der ersteren als ein eigentlicher Industriezweig zu nennen, während die Unternehmer und Arbeiter, die sich früher mit dem Bau von hölzernen Segelschiffen beschäftigten, sich meistens haben andere Erwerbszweige suchen müssen.
In England hatte sich der Eisenschiffbau im Laufe der fünfziger Jahre schon sehr lebhaft entwickelt, und waren es hauptsächlich auch jetzt noch bestehende alte Firmen in London, Liverpool, Glasgow sowie an der Tyne, welche bereits grosse Dampfschiffe für Passagier- und Warenverkehr bauten. Auch hier in Deutschland begann sich die Industrie damals mehr und mehr mit dem Bau von eisernen Schiffen zu beschäftigen; doch waren diese Anfänge immer noch sehr kleine zu nennen gegenüber den grossen Bauten, welche die englischen Werke schon ausführten. Die Gutehoffnungshütte begann in Ruhrort a/Rh. hauptsächlich Flussdampfer aus Eisen zu bauen; auch wurden von derselben zwei eiserne Segelschiffe unter der Leitung des hier noch lebenden Ingenieurs Hrn. Seydell, die ersten Rheinseeschiffe, ausgeführt, welche ihre Reisen bis hier nach Stettin hin ausdehnten. In Buckau bei Magdeburg wurden auf der Werft der Elb-Dampfschifffahrts-Gesellschaft unter Leitung des Ingenieurs Tischbein Flussdampfschiffe Eisen gebaut, ja selbst eiserne Kanonenjollen zu Anfang der Gründung der preussischen Marine wurden dort gefertigt.
Im Jahre 1851 gründeten hier bei Stettin in Bredow die Herren Früchtenicht & Brock, zwei Ingenieure, welche aus Hamburg stammten und längere Zeit in der Fabrik von F. Wöhlert in Berlin thätig gewesen waren,
wo besonders der erstgenannte Herr Dampfmaschinen für hölzerne Schiffe construirt und ausgeführt hatte, eine kleine Werkstelle, deren Aufgabe hauptsächlich der Bau eiserner Dampfschiffe sein sollte. Schon 1852 wurde in derselben das erste eiserne Dampfschiff, das überhaupt an der Ostsee gebaut ist, »Die Dievenow« für Hrn. J. F. Bräunlich hier fertiggestellt, und ist dasselbe noch heute eines der beliebtesten Revierdampfschiffe auf der Oder. Aus dieser Werkstelle entstand später die Stettiner Maschinenbau-A.-G. »Vulcan«.
Wenige Jahre später begann die schon bestehende Fabrik von Moeller & Holberg in Grabow den Bau von eisernen Dampfschiffen, indem sie einen kleinen Dampfer »Prinzessin Carl« in ihren damals weit von der Oder entfernt liegenden Werkstellen baute und auf Wagen vollständig fertig bis zum Wasser transportirte. Demnächst wurde von derselben Firma eine Schiffswerft unmittelbar an der Oder eingerichtet, auf welcher der Bau von eisernen Schiffen sich immer lebhafter entwickelte.
Die Fabrik von Aron & Gollnow in Grabow, welche ebenfalls den Eisenschiffbau zu ihrem Hauptzweige gemacht hat, wurde von den beiden Herren, welche der Firma ihren Namen gaben und die als Ingenieure in der Fabrik von Möller & Holberg beschäftigt gewesen waren, gegründet und hat seit ihrem Bestehen eine grössere Zahl von Fluss- und Seedampfern hergestellt.
Inzwischen entstanden an der Nordsee in Bremen die jetzige Actiengesellschaft » Weser«, in Hamburg die Reiherstieg-Schiffswerft, der Firma Godefroy daselbst gehörig, später jedoch auch zur Actiengesellschaft umgewandelt, und in neuerer Zeit an der Weser die Schiffsbaugesellschaften Ulrich in Vegesack, Tecklenburg in Gestemünde, an der Elbe die Werften Blohm & Voss, sowie mehrer kleinere; ferner an der Ostsee begann die bereits längst bestehende Firma F. Schichau in Elbing sich mit dem Bau eiserner Schiffe zu beschäftigten, in Danzig legten die Schiffsbaumeister Klavitter und Devrient Werften für Eisenschiffsbau an, und in Rostock, wo schon der obengenannte Ingenieur Tischbein nach seinem Abgange aus Buckau längere Zeit Eisenschiffsbau betrieben, entstand eine zweite Werft, welche von einer Actiengesellschaft gegründet wurde.
Sehr lebhaft entwickelte sich der Eisenschiffsbau in Kiel, wo die jetzt der Actiengesellschaft »Germania« gehörige Norddeutsche Schiffswerft in grösserem Massstabe angelegt war, und wo später die der Firma Gebr. Howaldt gehörige Werft entstand. Ebenso wurde in Flensburg eine Schiffswerft gegründet, welche seit ihrem Bestehen eine grosse Zahl von eisernen Seedampf- und Segelschiffen gebaut hat. Ausser den genannten sind noch mehrere Schiffsbauanstalten auch an der Ostsee entstanden, und ist die Zahl derselben an der Nordund Ostsee zusammengenommen schon keine unbedeutende mehr; auch bilden die auf den deutschen Privatschiffswerften bisher geleisteten Eisenarbeiten keinen unbedeutenden Teil der gesammten deutschen Eisenindustrie.
Einen sehr grossen Einfluss auf die Entwickelung und das Gedeihen des deutschen Eisenschiffsbaues hat zweifellos die Entwickelung der deutschen Marine ausgeübt, und dies nicht allein durch die bedeutenden Aufträge, welche mehreren Privatwerften übertragen wurden, sondern auch durch diejenigen Arbeiten, welche auf den drei grossen, von der kaiserl. Admiralität selbst in Wilhelmshaven, Kiel und Danzig angelegten Werften ausgeführt wurden, deren Vollkommenheit in der Ausführung und Sorgfalt bei Auswahl der Materialien ganz besonders hervorgehoben zu werden verdient. Durch die mit dem zu verwendenden Material vorher vorzunehmenden Proben, welche seitens der kaiserl. Marine entsprechend den Vorschriften in der englischen Marine festgesetzt wurden, war es notwendig, für die Bauten derselben besseres Material zu verwenden, als dies früher bei Handelsschiffen geschehen, und es übertrug sich das Verfahren der Materialprüfungen nunmehr auch auf die Bauten für die Handelsmarine, so dass auch dort nicht mehr so dürftiges Material verwendet werden konnte, wie dies mitunter früher der Fall war,
Zur Vornahme dieser Materialprüfungen für Handelsschiffe waren naturgemäss die Classificationsgesellschaften, welche hauptsächlich im Interesse der Befrachter und Versicherer den Bau von Schiffen überwachen, am geeignetsten, und sind von denselben neuerdings Vorschriften für die Prüfung von Eisen und Stahl, die zum Bau von Handelsschiffen verwendet werden sollen, festgesetzt worden; doch ist leider die Prüfung dieser Materialien noch nicht obligatorisch gemacht, was jedenfalls bald geschehen muss. Auch haben die beiden Classificationsgesellschaften, welche hier in Deutschland hauptsächlich den Bau von Schiffen überwachen, der Germanische Lloyd und das Bureau Veritas, in Westfalen eigene Beamte angestellt, welche den auf den Eisenund Stahlwerken angestellen Materialprüfungen beiwohnen und über die Verwendbarkeit zum Schiff- und Schiffsmaschinenbau an Ort und Stelle entscheiden, wodurch Zeit und Transportkosten erspart werden. Die Vorschriften der Classificationsgesellschaften für Materialprüfungen auf absolute Festigkeit sind, mit denen der kaiserl. Admiralität zusammengestellt, folgende:
(Siehe die Tabelle auf Seite 719.) Die Vorschriften beziehen sich also hauptsächlich auf Prüfungen der absoluten Festigkeit sowie ausserdem auf Proben der Dehnbarkeit des Materials, ferner auf Biege- und Schmiedeund beim Stahl auf Härteproben und weichen nur wenig von einander ab.
Durch Anordnung dieser Proben sowie durch die von den Classificationsgesellschaften herausgegebenen und fortschreitend verbesserten Bauvorschriften, ferner durch die Baubeaufsichtigung von Seiten der Sachverständigen dieser Gesellschaften ist sicher ein grosser Einfluss auf den Schiffbau ausgeübt worden, und haben diese Institute einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Schiff baues aus Eisen und Stahl auch hier in Deutschland. Zu bedauern bleibt es nur, dass bis jetzt kaum ein Unterschied in den relativen Werten der Eisen- und Stablschiffe auf Grund besseren oder weniger guten Materiales gemacht wird; die verschiedenen Klassen, welche den Schiffen gegeben werden, beruhen meistens, ganz unabhängig von der Qualität, lediglich auf den Materialstärken, welche bei Schiffen der niedrigeren Klassen geringer wie bei denen der höheren Klassen genommen werden dürfen. Es ist deshalb nicht zu verwundern, wenn Rheder, welche Schiffe neu bauen lassen, Anstand nehmen, zu denselben Eisen oder
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