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Jeremiah Johnson ist ein wunderbar fotografierter, poetischer Western mit Robert Redford in der Hauptrolle, der zu jener Zeit zu den gefragtesten (und teuersten) Schauspielern Hollywoods zählte. Inszeniert wurde der Film von Sydney Pollack, mit dem Redford noch weitere Filme drehen sollte: The Way We Were, Three Days of the Condor, Out of Africa und Havana. Er handelt vom titelgebenden Aussteiger Jeremah Johnson, der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Rocky Mountains in der Abgeschiedenheit sein Glück und Ruhe sucht, zum Überlebenskünstler und schliesslich zum rachedürstenden Killer wird. Die Story von John Milius basiert teilweise auf tatsächlichen Ereignissen.
Auf Seiten der Musik kommen wei Namen zu stehen, die den Filmmusiksammlern kein grosser Begriff sind: John Rubinstein und Tim McIntire. Rubinstein ist der Sohn des weltberühmten Pianisten Arthur Rubinstein (nicht Arthur B.!), der zuvor die Musik zu Paddy und dem empfehlenswerten Politfilm The Candidate (ebenfalls mit Robert Redford) schrieb. Seit 1991 ruht Rubinsteins Filmmusikkarriere. Wie er im Booklet sagt, vor allem auch auf Grund dessen, dass er ein Komponist sei, der noch mit Notenblatt und Füllfeder arbeitet, was heute nicht mehr gefragt sei: „People want to come to your studio and have you demo everything now and they want all kinds of input into it they never had before; that’s one reason there aren’t as many real musicians doing this anymore.“ Bis heute arbeitet Rubinstein als Schauspieler in unzähligen TV-Produktionen.
Tim McIntire, der 1986 42jährig verstarb, war für die Songseite bei Jeremiah Johnson zuständig. Rubinstein und McIntire arbeiteten noch bei zwei weiteren Projekten zusammen: Kid Blue und The Killer Inside Me. Auch McIntire verfolgte eine Schauspielerkarriere.
Jeremiah Johnson wurde zur Zeit des Kinoreleases nicht mit einer Score-LP bedacht, erst 1976 wurde ein 33minütiger Auszug auf einer Warner LP veröffentlicht, auf der neben Musik auch Dialoge zu hören sind, nicht ungewöhnlich für jene Zeit. Auch bei der FSM CD sind die Dialoge zu hören, allerdings in einem gesonderten Programm auf der CD. Das heisst allerdings nicht, dass die chronologisch gestaltete Sequenzierung der Musik von Track 1 – 14 (insgesamt 36 Minuten) frei von Stimmen wären, denn McIntires Songs und die kurzen gesprochenen Einführungen sind Teil des Ganzen, wiefolgt zu lesen ist.
Der beginnende Track Overture wurde in dieser Form in der US-Kinofassung damals nicht verwendet, bei der DVD-Restaurierung jedoch hinzugefügt. Sie beginnt mit einem von der Fiddel gespielten Thema für Johnson (von denen es zwei gibt, die gleich zu Beginn des Tracks zu hören sind), das dann vom Orchester übernommen wird, gefolgt von einem fröhlich lockeren, knackigen Americanateil und einem kurzen Abstecher in indianisches Gefilde, ehe McIntires Epilog über dem Jeremiah Johnson Thema zu hören ist, schliesslich in den Titelsong mündend und von einem herrlichen, auf „The Way that You Wander“ basierenden Trompetensolo eingeleitet zum orchestralen Ende führt. Dieser 7:42 Min. dauernde Eröffnungstrack beinhaltet vieles, was den Score ausmacht: Abenteuergeist, Bodenständigkeit und die Liebe zu den Rocky Mountains.
Was folgt ist ein im ersten Teil lebhafter, fast fröhlicher und melodischer Score. Erst mit Track 8, Who Won? flackern erste Anzeichen von Gefahr und Schwere auf, die dann in Ride Home/The Wake zu Johnsons traurigem Fund, als er seine indianische Ehefrau und seinen Sohn tot auffindet, führen. Nun herrscht eine nachdenklich, manchmal traurige Stimmung vor (To Qualens, „He’s Never Been Known to be Wrong“).
Da die Songs in Jeremiah Johnson thematisch Verwendung finden und dramaturgisch im Film ihren Platz haben, fügen sie sich auch auf der CD sehr gut ein. Ein gutes Beispiel eines durchdachten und wunderbar funktionerenden Zusammenspiels.
Als interessante Besonderheit hat FSM neben zusätzlichen Albumtracks das Demo (21, Spirits Landing/Jeremiah Johnson) beigefügt, das Rubinstein speziell einspielen liess um Pollack und insbesondere die skeptischen Ausführenden von Warner zu überzeugen, dass er den Job würde händeln können. Es folgen sieben Stücke, die mit „working tapes“ betitelt sind, mit Rubinstein am Piano und McIntire an der Fiddle, Gitarre und beim Gesang, die noch vor dem Demo aufgenommen wurden sowie drei weitere Versionen der Songs. Interessant mitzuerleben wie sich das Ganze schliesslich zur Endform entwickelt hat.
Ein wirklich tolles Release von Film Score Monthly, das mit viel Hingabe musikalischerseits und auch was die tollen Liner Notes von Alexander Kaplan und Nick Redman anbelangt, produziert wurde.
JEREMIAH JOHNSON John Rubinstein, Tim McIntire Film Score Monthly FSM Vol. 12 No.15 72:20 Min. / 31 Tracks Limitiert auf 3000 Stk.