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Ralph Benatzky (* 5. Juni 1884 in Mährisch Budwitz; † 16. Oktober 1957 in Zürich), gebürtig Rudolph Josef František Benatzky, war ein österreichischer Komponist.
Wie ich den Komponisten Ralph Benatzky kennenlernte (Im weissen Rössl am Wolfgangsee)
In jener Zeit, als das Trio Schmid für 5 Jahre in den USA weilte, habe ich als Organist im Zürcher Kino Apollo, das heute nicht mehr existiert, die grosse Kinoorgel gespielt und bekam dafür pro Abend 20 Franken. Diese Kinoorgel war damals die grösste in der Schweiz. In Zürich gab es noch zwei weitere, eine im Scala und eine dritte im Capitol. Auf allen dreien habe ich gelegentlich gespielt, täglich vor dem Film, in der Pause sowie an der Filmenden beim Ausgang der Leute. Im Apollo waren viele Filmpremieren, an denen sich die Stars persönlich auf der Bühne zeigten. So zum Bespiel Maurice Chevalier, Brigitte Bardot, Gina Lollobrigida, Josephine Baker etc. Ich musste natürlich immer die passende Musik spielen. Passend zum jeweiligen Film.
Oft kam mittags Ralph Benatzky an die Kinokasse. Auf meinem Spieltisch hatte ich ein Telefon, das mich stets mit der Kasse verbunden hatte und mich auch benachrichtigte, wenn irgendeine berühmte Persönlichkeit ins Kino wollte. Oft erhielt ich die telefonische Nachricht, dass Herr Benatzky anwesend sei. Da begann ich sogleich die Hauptmelodien vom „Weissen Rössl“ zu spielen. Dies freute den Komponisten, und er kam an die Orgel und bedankte sich. Ich sagte ihm aber auch, dass er den Film ja bereits zwei- bis dreimal gesehen habe. Er lachte und sagte: „Mein lieber Kollege, ich möchte hier ja während dem der Film läuft lediglich mein Mittagsschläfchen machen“. Er setzte sich gemütlich in einen entlegenen Polsterstuhl, wo er möglichst seine Ruhe hatte und ungestört sein Nickerchen machen konnte. Als der Film zu Ende und der Kinosaal leer waren, weckte ich ihn behutsam und spielte für ihn noch einen seiner Welthits. Dann ging er heim ins „Rote Schloss“, wo er mit seiner Frau wohnte. Diese war als junges Mädchen Balletttänzerin an der Wiener Staatsoper. Frau Benatzky war stets chic gekleidet und zurechtgemacht, als müsste sie zu einer Premiere ihres Mannes gehen.
Nach dem Tod von Ralph Benatzky waren meine Frau Pat und ich von ihr einige Male ins Hotel Dolder zum Essen eingeladen. Ich schrieb damals über das Theaterstück „Im weissen Rössl“ und Frau Benatzky war sehr bemüht, dass ja nichts Falsches gesagt und geschrieben wurde.
Einige bekannte Lieder aus dieser Operette hat ja Robert Stolz komponiert und sie, nichtsahnend von dem grossen Erfolg, an Herrn Benatzky verkauft. Die Robert Stolz-Titel mussten urheberrechtlich in den Notenheften mit dem Namen „Robert Stolz“ gedruckt werden. Die Operette selber musste aber nur den Namen von Ralph Benatzky tragen. So kamen wir zusammen überein (Robert Stolz-Lieder: „Die ganze Welt ist himmelblau“ und „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“. „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“: Text und Musik von Robert Gilbert. „Zuschau’n kann i net“ hat Bruno Granichstaedten komponiert. Es sind also schlussendlich nur zwei Lieder von Benatzky in dieser Operette: „Im weissen Rössl am Wolfgangsee“ und „Im Salzkammergut“).
Das kleine Theaterstück von einst hat Erik Charell, der bekannte Theatermacher, mit all diesen Melodien zum Welterfolg verholfen.
Dies sind meine Erinnerungen an Ralph Benatzky. Ich glaube er hatte keine Kinder und so viel ich weiss, war auch die Familie Stolz kinderlos. Nun sind alle gestorben, die Komponisten und deren streitsüchtige Frauen, die sich sehr für die Musik ihrer Männer eingesetzt haben. Geblieben aber sind die unsterblichen Melodien der Operette „Im weissen Rössl am Wolfgangsee“. Ich hoffe, man hat Ralph Benatzky im Himmel einen guten und ruhigen Schlafplatz bereitgestellt, wie einst im damaligen grössten Zürcher Kino Apollo…
© 04/2008 Artur Beul, Zollikon.
Lieber Artur,
Ich bewundere immer wieder Deinen wachen Geist und Dein Erinnerungsvermögen. Solche Detailinformationen über Persönlichkeiten welche Du persönlich gekannt hast, helfen immer wieder die Zusammenhänge besser zu verstehen.
Mit herzlichen Grüssen
Guschti
Sehr geehrter Herr Beul
Sehr geehrter Herr Aebi
Mit Interesse bin ich auf Ihre Homepage gestossen und habe mich darin umgesehen. Die Aufmachung und Informationsinhalt, hat mich beeindruckt. Dazu gratuliere ich Ihnen herzlich.
Mit Interesse habe ich den Artikel zu Ralph Benatzky gelesen und er hat mir ein Lächeln entlockt. Die Reduktion auf nur zwei von ihm stammende Lieder, in der Operette “Im weissen Rössl am Wolfgangsee”, ist aber sehr oberflächlich und ungenau ausgefallen. Zur Information nenne ich Ihnen einige Stücke, die ebenfalls von Ralph Benatzky stammen:
Aber meine Herrschaften, Es muss was Wunderbares sein, Das ist der Zauber der Saison, Eine Kuh so wie du, Rechtes Bein und linkes Bein, Es ist einmal im Leben so, Es ist doch nicht das letzte Mal, etc.
Benatzky empfand es auch bemühend, dass er als Künstler nur auf diese eine Operette reduziert wurde. Der zweite Weltkrieg zerstörte als Emigrant in den USA, denn auch sein musikalisches Wirken. Nach seiner Rückkehr, war er ein gebrochener Mann, der leider nicht mehr an seine Vorkriegs-Erfolge anknüpfen konnte.
Da hatten wir als Schweizer, das Glück etwas mehr auf unserer Seite und dürfen dankbar sein.
Ich bin dabei, Ralph Benatzky, eine Heimat in der Schweiz zu geben, die er sich so gewünscht hatte.
Gerne würde ich mich mit Ihnen unterhalten und bin auch bereit etwas von Ihren wunderschönen Musikstücken als Erinnerung an Ihre Schöpfungen, zu kaufen.
Ich freue mich, von Ihnen zu hören.
Mit freundlichen Grüssen
Marcel Meier