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Dafer Schiehan hat Zwangsferien. Das Restaurant, in dem er arbeitet, wird umgebaut, also verbringt er viel Zeit in seiner Küche, raucht, betrachtet die schneebedeckten Apfelbäume vor seiner Wohnung am Rand von Weinfelden und lässt sich von verschiedenen Objekten und Aktivitäten zurück in die Vergangenheit tragen. Der Küchentisch trägt ihn in seine Kindheit im Irak, wo der Erste Golfkrieg ausbrach, als er neun Jahre alt war; ein Post-it-Zettel zu seiner Grossmutter, deren Geschichten und Weisheiten ihn bis heute prägen. Und seine Winterwanderungen an Rhein und Aare bringen ihn zurück an den Tigris, in seine Studienzeit in Bagdad unter der Diktatur Saddam Husseins – eine Zeit, als Bücher als Schwarzkopien unter der Hand gekauft und nach der Lektüre sofort zerstört werden mussten, als jede neue Bekanntschaft ein potenzieller Spitzel und somit eine Gefahr sein konnte.
«Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt» heisst der dritte Roman, den Usama Al Shahmani auf Deutsch geschrieben hat. Wie sein Protagonist Dafer wurde der Autor aufgrund eines kritischen Theaterstücks vom irakischen Geheimdienst verfolgt. Nach seiner Flucht in die Schweiz lebt er nun als Übersetzer und Autor im Thurgau. In poetischer Sprache erzählt er vom Aufwachsen in einer Diktatur, von der Flucht nach Europa – und vom Ankommen im Schweizer Asylsystem, das einem das Ankommen fast unmöglich macht und Menschen wie Waren zwischen Lagern hin und her schiebt.