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| Athanasius (295-373) - Brief an die Bischöfe in Afrika (Epistula ad Afros episcopos)

Brief der neunzig Bischöfe von Aegypten und Libyen, so wie des seligen Athanasius, gegen die Arianer, an die geehrtesten Bischöfe in Afrika.
8.
Ferner sollen sie sagen, ob die Geschöpft sagen können:1 „Alles, was der Vater hat, ist mein?" Es hat aber dieser die Eigenschaft, daß er Schöpfer, Hervorbringer, ewig, allmächtig, unveränderlich ist. Die Geschöpfe hingegen können nicht erschaffen, denn sie sind selbst geschaffen; nicht ewig seyn, denn sie haben einen Anfang des Seyns; nicht allmächtig und unveränderlich seyn, denn sie stehen unter einer Macht, und sind veränderlicher Natur, wie die Schriften sagen. Wenn also diese Eigenschaften der Sohn hat, so hat er sie, wie wir bemerkt haben, nicht in Folge der Tugend, sondern in Folge seiner Wesenheit, wie die Synode sagte; er ist aus keiner andern Wesenheit, sondern aus der Wesenheit des Vaters, welchem diese Eigenschaften eigen sind; was aber der Wesenheit des Vaters eigenthümlich und aus dieser geboren ist, was wird dieses anders seyn, oder wie wird es jemand anders nennen, als omoousian ( von gleicher Wesenheit)? Denn was Jemand im Vater sieht, dasselbe sieht er auch in dem Sohne, in dem Sohne aber nicht der Theilnahme zu Folge, sondern in Bezug auf die Wesenheit. Und dieses ist der Sinn der Worte: „Ich und der Vater sind Eins;" und: „Wer mich sieht, der sieht den Vater." Uebrigens ist es angemessen, auch hieraus wieder ihren Unverstand nachzuweisen: Ist nämlich in Folge der Tugend, welcher das Wollen und Nichtwollen und die Verbesserung der Sitten folgt, der Sohn dem Vater gleich, wie ihr meinet, und gehört dieses zur Qualität; so saget ihr, daß Gott zusammengesetzt sey aus Qualität und Substanz. Und wer wird euch, wenn ihr dieses behauptet, anhören können? Denn Gott ist nicht zusammengesetzt, der Alles zusammengesetzt hat, damit es sey, noch ist er so beschaffen, wie die Dinge, welche von ihm durch das Wort geschaffen worden sind; dieß sey fern! Denn einfach ist das Wesen, in welchem keine Qualität, und wie Jakobus sagt2, keine Veränderung und kein Schatten des Wechsels ist. Wenn es sich nun zeigt, daß er nicht in Folge der Tugend gleich ist, weil weder in Gott noch in dem Sohne eine Qualität Statt findet; so muß er offenbar der Wesenheit eigen seyn; und dieses müsset ihr durchaus zugeben, wenn der Verstand bei euch nicht ganz und gar verloren gegangen ist. Was aber der Wesenheit Gottes eigen und mit ihr dasselbe, und aus ihr der Natur nach gezeugt ist, wie wird dieses anders seyn, als wieder auch hiernach mit dem Erzeuger von gleicher Wesenheit? Denn dieß ist das Kennzeichen des Sohnes in Bezug auf den Vater; und wer dieses leugnet, der denkt nicht, daß das Wort der Natur nach und in Wahrheit Sohn sey.
1: Das. XVI, 15.
2: Jakob. l, 17.