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Schweizer Alpen im Winter, Teil 3: Vom Lötschental über den Furkapass nach St. Moritz
Um vom Lötschental aus den Kanton Graubünden zu erreichen, muss man 300 Kilometer Richtung Osten zurücklegen. Auf diesem Weg kann man einen Zwischenstopp machen und dem Furkapass einen hohen (2´431 Meter) Besuch abstatten. Seit 1982 durchquert ein Eisenbahntunnel den Furkapass unter der Erde, aber eine Autostrasse erlaubt, dem Gletscher nahe zu kommen, in dem der Fluss Rhône geboren wird, einen Spaziergang neben dem historischen Hotel Belvedere zu machen oder einen Abstecher zum Gotthardpass zu machen, der den Kanton Uri mit dem italienischsprachigen Kanton Tessin verbindet.
Der Furkatunnel wurde 1925 fertiggestellt und ist mit seinen 2´160 Metern Seehöhe der höchstgelegene Alpendurchstich der Schweiz. Bis Anfang der 80er Jahre überquerte man den Tunnel auf einer Zahnradstrecke, die jedoch als nicht wintersicher galt. Im Sommer 1982 wurde der 15,35 Kilometer lange Furka-Basistunnel eröffnet, und auf der gesamten alten Bahnstrecke wird heute die Museumsbahn betrieben. Die Besucher können eine absolut aussergewöhnliche Fahrt mit einem historischen Dampflock aus dem Jahre 1913 über den Furkapass von Realp nach Gletsch unternehmen.
Dies ist ein Bericht über Schweiyer Alpen im Winter in mehreren Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:
Da der Rhônegletscher an der Furkapassstrasse liegt, ist er von allen Schweizer Gletschern am leichtesten zugänglich. Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert zog der Rhônegletscher massenhaft Touristen an, weil seine Zunge sehr weit ins Tal Gletsch hinunterreichte. Heute ist der 10 Kilometer lange Gletscher immer noch ein Erlebnis, aber auch eine traurige Gegenstandslektion der Naturkunde: Es ist erschreckend, wie stark die Klimaveränderungen an dem Rhônegletscher sichtbar werden. Reichte der Gletscher in der Vergangenheit fast bis zu den Hotels in der Talebene von Gletsch, schmolz er ab der Mitte des 19. Jahrhunderts und bildete sich kontinuierlich zurück. Die Wissenschaftler rechnen, dass der Rhônegletscher gegen das Jahr 2100 fast komplett verschwunden sein wird.
Im Sommer kann man den Gletscher ausserdem hautnah erleben, denn jedes Jahr wird mit dem Einbruch der warmen Jahreszeit ein 100 Meter langer Eistunnel in den Gletscher geschlagen. Da die Passstrasse im Mai, wann mit dem Bau angefangen wird, noch geschlossen ist, bringt ein Hubschrauber das Equipment hinauf. Sieben Männer benötigen rund einen Monat Zeit, um die Grotte ins Eis zu hauen und den einzigen Ort in Europa zu schaffen, wo man so nahe an einen Gletscher kommen kann.
Chur, der Hauptort von Graubünden, gilt als die älteste Stadt der Schweiz mit der längsten ununterbrochenen Siedlungsgeschichte. Spuren aus der Bronze- und Eisenzeit sind hier entdeckt worden. Später stand die Siedlung unter römischer, ostgotischer und fränkischer Herrschaft. Ab der Neuzeit galt Chur als Wirtschafts- und Machtzentrum der Drei Bünde.
Heutzutage ist die Stadt mit ihren knapp 40´000 Einwohnern immer noch klein und genau so belebt wie während seiner Jahrhunderte langen Geschichte. Theater, Museen, eine quirlige Musikszene – sogar die anspruchsvollsten Besucher werden auf ihre Kosten kommen. Das Theater Chur ist das grösste Schauspielhaus im Kanton Graubünden, das seit 1876 besteht.
Vom Parkplatz, dem Herzen der Stadt, erreicht man über die Poststrasse das Rathaus von Chur aus dem 15. Jahrhundert. Im Churer Kunstmuseum werden die Werke der Bündner Maler ausgestellt.
Aber besonders bekannt ist die Stadt für ihre in der Schweiz einmalige Dichte an Ausgehlokalen. Vom Kornplatz durch die Untere Gasse ins Ausgangsviertel Welschdörfli erstreckt sich eine einzige Ausgansmeile. Restaurants, Bars, Cafés und Kneipen reihen sich hier buchstäblich aneinander. Die Treffpunkte wie die Kulturbar Werkstatt, die Selig Tanzbar oder das Palazzo bieten Raum für Alternativ- und Jugendkulturszene.
Ein paar himmlische Stunden lassen sich in der aussergewöhnlichen Giger Bar verbringen, deren galaktisches Design vom R. H. Giger, einem gebürtiger Churer und Erschaffer der Figur des Ausserirdischen im Film „Alien“ stammt.
In Chur kann man die Berninabahn besteigen, die von Süden nach Norden die italienische Stadt Tirano und den mondänen Kurort St. Moritz im schweizerischen Kanton Graubünden über den Berninapass verbindet. Die Geschichte der Berninabahn und die Strecke, auf der sie fährt sind so spektakulär, dass die Bahn 2008 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde.
Dieser Paradekonvoi von roten, mit riesigen Fensterscheiben versehenen Waggons ermöglicht eine unvergessliche Panoramafahrt durch eine der schönsten Gegenden weltweit. Die Reise dauert ca. vier Stunden und führt durch 55 Tunnels, 196 schwindelerregende Brücken und Viadukte und erreicht die Höhe von bis 2´330 Metern.
Die Endstation von Berninabahn ist das weltberühmte St. Moritz, das zu den ersten für den Tourismus entdeckten Ferienorten der Schweiz zählt und als Durchführungsort der Olympischen Winterspiele 1928 und 1948 gewählt wurde. Gelegen am malerischen See und umgeben von majestätischen Bergen zog der schweizerische Kurort seit jeher Künstler, Adelige und Intellektuelle an, die auf der Suche nach besten Aussichten, herrlichem Wetter und schicksten Hotels nach St. Moritz kamen.
Oberstes Bild: Die Quelle der Rhone liegt am Rhônegletscher (Bild: Pegasus2, Wikimedia)