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Interview
Master of Sound
Der britische Sänger Sting (67) erinnert sich, wie sein legendärer Hit «Roxanne» entstand, und erklärt, weshalb er den Brexit für einen Fehler hält.
Sting, viele Musiker haben ihre eigenen Hits irgendwann satt und spielen sie bewusst nicht mehr. Sie hingegen scheinen keine Berührungsängste zu haben, wie das neue Album «My Songs» beweist, auf dem Sie 15 alte Lieder neu aufnehmen.
Für mich sind diese Hits die Verbindung zu meinem früheren Leben. Sie erinnern mich an vieles, was ich erlebt habe. Auch bei meinen Fans ist das offenbar so. Vor ein paar Tagen sagte ein Typ zu mir: «Sting, weisst du, dass meine Frau und ich uns beim Song ‹Every Breath You Take› ineinander verliebt haben?»
Der Sound dieses Songs ist aber wirklich romantisch!
Meine Hits werden auch bei Begräbnissen gespielt. Jemand hat mir erzählt, dass «Fields Of Gold» an der Beerdigung seines Onkels zu hören gewesen sei. Mich berührt das. Diese Songs helfen den Menschen, in der Erinnerung an bestimmte Stationen in ihrem Leben zurückzukehren. Das ist mehr wert als jede Klassierung in den Hitlisten.
Ein Song für die Ewigkeit ist «Roxanne». Wie kam es dazu?
«Roxanne» war zugleich auch mein erster grosser Hit. 1977 schrieb ich ihn, als ich bei «Police» war. Wir übernachteten damals noch in einem wirklich billigen Hotel in Paris, das damals, so glaube ich, hinter dem Gare du Nord lag. Das Zimmer war sehr eng für die ganze Band, im selben Hotel waren auch die Schönen der Nacht untergebracht. Daraus entstand ein romantischer Song in einer nicht sehr romantischen Umgebung. Ich bin Roxanne heute noch sehr dankbar, sie hat mein Leben verändert.
Wie entstand das Album «My Songs»?
Die Idee dazu kam mir, als ich gebeten wurde, an Silvester auf dem Times Square in New York «Brand New Day» zum Besten zu geben. Für mich ist das eine Hymne des Optimismus, die ich mit einem zeitgenössischen Sound arrangieren wollte. Das ist uns gelungen, jedenfalls schnellte der Song in den Top Ten auf iTunes sofort nach oben. Also sagte ich mir, dass ich dasselbe mit anderen Liedern anstellen könnte, die ebenfalls vor langer Zeit entstanden sind. Meine Stimme hat sich verändert und verändert sich weiter. Sie ist heute facettenreicher und vermag die Geschichten besser zu erzählen.
Als Brite müssen Sie noch ein Wort zum Brexit sagen.
Ich bin dagegen. Die EU muss reformiert werden, keine Frage. Aber das geht nur, wenn alle am Tisch bleiben. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Projekt EU uns einen Frieden von 70 Jahren garantiert hat. Ich selber weiss nicht, was Krieg bedeutet. Mein Vater und mein Grossvater hingegen haben ihn noch am eigenen Leib erlebt. Nur zusammen ist man stark. Das zeigt sich, um ein Beispiel zu nennen, beim Klimawandel, der sicher eines der wichtigsten Themen unserer Zeit ist. Schaut jeder nur für sich, wird sich nichts verändern.