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Dieter Fortes Basel
«Der Kerl sah aus wie ein aus der Hölle verstoßener Teufel, wirres Haar, Augen wie glühende Kohlen, ein verrußtes Gesicht, Hände voller Wagenschmiere, immer in einem dunklen Overall, in dem er feierte, arbeitete, aß und schlief. Auffallend war ein buntes Seidentüchlein, das er sich lachend jeden Morgen um den Hals band, ehe er in sein Maschinenlabyrinth kletterte und darin verschwand. (…) Irgendwie war alles mit allem verbunden, bewegte sich, auf der Stelle stehend, in einem komplizierten Ablauf und Neuanfang. Später einmal, so erklärte J.T., werde die Maschine pflügen, säen und ernten, um den Menschen zu ernähren, spinnen und weben, um ihn zu kleiden.»
In teils traktathaften Überlegungen, teils anekdotenhaften Szenen, entwirft Dieter Forte eine Kulturgeschichte der Stadt. Die Vorlage dafür ist Basel, seit über 40 Jahren Wahlheimat des Schriftstellers. Forte, der sich zunächst als Theaterautor, dann als Romancier einen Namen gemacht hat, hat Basel gewählt, da diese Stadt «nie die Hauptstadt eines Reiches wurde, […] nie die revolutionären und umstürzlerischen Menschheitsideen [erlebte].» Nicht harte Brüche interessieren den Autoren nämlich, sondern die Überlagerungen der Zeiten und Kulturen. «Für einen Geschichtenerzähler also der ideale Ort», findet Forte – und Anlass für eine ganz eigene Stadtchronik. Denn er lässt sich zwar von Verbürgtem inspirieren, das Resultat ist aber eine Sammlung von frei Fabuliertem. Im Zentrum stehen dabei immer wieder schreibende, malende und bastelnde Sonderlinge; passend zu Basel, so Forte, denn wo sonst «wurden so viele Bücher über die Narrheit geschrieben und gedruckt wie in dieser Stadt?» Sebastian Brandts «Narrenschiff» (1494) wurde in Basel geschrieben. Und auch Erasmus von Rotterdams berühmte Satire «Lob der Torheit» wurde in Basel gedruckt, illustriert von dem damals ebenfalls ortsansässigen Hans Holbein (d. J.). Und schliesslich der J.T. aus dem Zitat: Hinter ihm steht sich der Installationskünstler Jean Tinguely, der das Basler Kulturleben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entschieden beeinflusst hat. Ihm ist das Basler Tinguely-Museum gewidmet, aber ein Kunstwerk Tinguelys prägt auch das alltägliche Stadtbild: Der Tinguely-Brunnen auf dem Theaterplatz (Bild), wo zehn ganz unterschiedliche Eisenfiguren das Brunnenwasser vor sich hinspritzen und -schieben. Jean Tingely hat sie Mitte der 1970er Jahre anlässlich des Neubaus des Basler Theaters aus Teilen der alten Requisiten und Bühnenmechanik angefertigt.(NP)
Basel ist die kleine Weltstadt der Schweiz. Halb so gross wie Zürich und knapp kleiner als Genf, fungiert die Stadt an der Rheinbiegung im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz als «Tor zur Welt»: Über die Rheinhäfen bei Basel werden 10 Prozent des schweizerischen Aussenhandels abgewickelt. Basel ist die grösste Messestadt der Schweiz, beherbergt zwei der grössten globalen Pharma-Konzerne (Novartis und Sandoz) und hat die älteste Universität und die grösste Museumsdichte (40 Museen) des Landes. Das Basler Theater gehört zu den führenden deutschsprachigen Bühnen, das Stadion St. Jakob ist die grösste Sportstätte der Schweiz. Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als ein Konflikt zwischen der konservativen Stadt und der liberalen Landschaft durch eine Kantonstrennung abgewendet wurde, ist Basel-Stadt als Stadtstaat ein Halbkanton mit nur einer Standesstimme im nationalen Parlament. Basel lebt und pflegt eine Andersartigkeit von der übrigen Deutschschweiz, die vom Dialekt (nahe am badischen Alemannisch) über das Verhalten in politischen Abstimmungen bis zum Brauchtum der Basler Fasnacht reicht, die am Montag nach Aschermittwoch mit dem «Morgeschtraich» um 0400 Uhr beginnt und die Stadt drei Tage in Beschlag nimmt. Kulinarischer Geheimtipp: Das «Läggerli», ein nur in Basel hergestelltes Lebkuchengebäck.