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Es war einmal eine arme Frau, die lebte ganz allein mit ihrem einzigen Kind in einer einfachen Hütte. Einmal wurde sie krank und war so schwach, dass sie zu ihrer Tochter sagte: «Geh in den Wald, Mädchen, und suche Beeren. Die kannst du dann auf dem Markt verkaufen.»
Das Mädchen nahm sein Weidenkörbchen und ging in den Wald hinein. Es kam immer tiefer in den dunklen Wald, bis es endlich eine grosse Menge schwarzer Heidelbeeren fand. «Wenn ich das Körbchen voll habe, kann ich der Mutter etwas Gutes zu essen kaufen», dachte es. An gar nichts anderes konnte es mehr denken. Es schaute weder auf den Weg noch auf die Sonne und als es dunkel wurde und heimgehen wollte, wusste es nicht mehr wohin. Es lief über Stock und Stein, doch der Wald wurde immer dichter, das Licht immer grauer.
Da stand auf einmal ein kleines Männlein vor ihm, das war ganz in graues Moos gekleidet. Es war das Berggeistl. Es sah, wie das Mädchen weinte und sagte: «Was fehlt dir denn, dass du weinst?»
«Ach», antwortete das Mädchen schluchzend, «ich habe Beeren gesucht, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Ich wollte doch der Mutter etwas kaufen, jetzt wo sie so krank ist. Doch nun finde ich den Weg nicht mehr, und meine kranke Mutter ist ganz allein.»
«Wenn es nur das ist», sagte das Männlein, «dann kann ich dir helfen. Komm, ich will dir den Weg aus dem Wald zeigen.»
Mit diesen Worten ging das Berggeistl voraus, und das Mädchen ging ihm hinterher. Das Männlein führte es auf guten Wegen, bis der Wald lichter wurde und sie auf einmal wieder im Freien standen. Das Mädchen dankte dem Männlein und sagte: «Jetzt kenne ich den Weg wieder», und wollte sich gleich auf den Heimweg machen.
«Warte», sagte da das Berggeistl. Es pflückte einige Kräuter, gab sie dem Mädchen und sprach: «Lege sie in siedendes Wasser und gib dieses dann deiner Mutter zu trinken. So wird sie gesund werden.» Dann lächelte es und war verschwunden.
Das Mädchen lief voll Freude heim. Es erzählte der Mutter, was im Wald geschehen war, dann machte es Feuer an und legte die Kräuter in das siedende Wasser. Kaum hatte die Mutter von dem Wasser getrunken, da fühlte sie sich wieder gesund.
Neben der Hütte der Armen wohnte ein neugieriger Nachbar. Der wunderte sich, dass die arme Frau, die so lange krank gewesen war, auf einmal wieder gesund und munter war. Er wartete nicht lange, sondern fragte das Mädchen aus, das alles erzählte, wie es gewesen war.
«Ich will auch solche Heilkräuter holen», dachte der Mann. «Die kann ich dann für teures Geld verkaufen.»
Am anderen Tag nahm er sich ein Körbchen und ging in den Wald. Er ass ein paar Beeren und begann schon bald laut zu jammern und zu klagen. Es dauerte nicht lange, da kam das Berggeistl und fragte: «Was machst du hier in meinem stillen Wald für einen Lärm?» «Ich habe mich verirrt und meine Frau ist krank zu Hause.»
«Da will ich dir helfen», sagte das Männlein. Es ging voran und führte den Mann viele Stunden durch den Wald, bis sie endlich im Freien ankamen. Das Berggeistl pflückte ein paar Kräuter und sprach: «Siede dir diese Kräuter. Sie werden heilsam für dich sein.»
Der Mann nahm die Kräuter und eilte nach Hause. Er wollte die Kräuter gleich ausprobieren und legte sie in siedendes Wasser. Kaum hatte er einen Schluck von dem Wasser getrunken, da fing es an zu rumoren in seinem Bauch, dass er aufsprang und sich windete, drehte und stöhnte. Die ganze Nacht wurde er geplagt, doch am nächsten Morgen war er sowohl von seinem Bauchweh wie von seiner Gier geheilt.
Das erste Monatsmärchen des neuen Jahres. Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich mit den Monatsmärchen ein weiteres Jahr weitermache. Aber Tatsache ist, dass ich mich sehr über diese Sammlung meiner liebsten Geschichten freue und darüber neue Märchen dafür zu finden. Deshalb freue ich mich auf ein weiteres Jahr mit 12 wunderbaren Märchen!
Das Märchen vom Berggeistl habe ich heute zum ersten Mal gelesen. Es hat mich irgendwie berührt und ich habe deshalb spontan entschieden, es als erstes Monatsmärchen des neuen Jahres in diese Sammlung aufnehmen.
Es eignet sich besonders, um:
- eine eigene Teemischung zu kreieren und geniessen
- den Zwergen/guten Wesen eine Kleinigkeit in den Garten zu legen (Käse, Brötchen, Schnaps...)
- zu entscheiden welche (Heil)-Kräuter man dieses Jahr im Garten anbauen möchte
- darüber nachzudenken, wann man selbst vielleicht wie der neu"gierige" Nachbar agiert ...und etwas ändern :-)