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DIE ASTROLOGIE DES MONDES Teil 2
* Mikrokosmos-Makrokosmos * Analogie * Synchronizität * Resonanz *
© Therese Matiegka
Ein weiteres Merkmal der Tierkreise ist die unterschiedliche Berechnungsweise. Die westliche Astrologie (bzw. der tropische Tierkreis) bezieht sich auf den Frühjahrs-Fixpunkt, geht also in ihren Berechnungen davon aus, dass die Sonne zur Tag- und Nachtgleiche in 0° Widder steht. Damit war Jyotish (bzw. der siderische Tierkreis) vor etwa 2000 Jahren in Übereinstimmung.
Allerdings verschiebt sich aufgrund der schwankenden Kreiselbewegung der Erde (Präzession & Nutation) der Frühjahrs-Fixpunkt um einen Grad innerhalb von 72 Jahren. Das macht innerhalb von 2160 Jahren ein ganzes Tierkreiszeichen aus. Aktuell beträgt die Differenz zwischen den beiden Berechnungsweisen 23 – 24°. Man kann sagen, dass Jyotish davon ausgeht, wie die planetare Situation am Himmel jetzt, zur Geburt oder irgendeinem beliebigen Zeitpunkt tatsächlich ist. Aus der Verschiebung ergibt sich z.B., dass eine «westliche Waage» im Vedischen ihre Sonne erst in der Jungfrau stehen hat.
Weil sich aber alle Planetenpositionen um diese 23° verschieben, ändert sich das Gesamtbild. Eigenschaften, welche sich nach westlicher Deutung in uns widerspiegeln, werden im Indischen oft durch andere Faktoren als den Stand der Sonne bestätigt. Anders gesagt, die vedische Astrologie zeichnet schlicht ein anderes Profil eines Menschen, von einer anderen Perspektive aus beleuchtet. Unterschiedliche Facetten werden unterschiedlich stark herausgearbeitet und betont (vgl. Gudrun Lewis-Schellenbeck in Vedischer Astrologie 1-1).
Paracelsus, Schweizer Arzt, lebte vor etwa 500 Jahren. Seine Arbeit entwickelte sich dahingehend, dass er keinen Patienten behandelte, dessen Sternenkonstellation zum Zeitpunkt seiner Geburt er nicht kannte. Er war von einer kosmischen Melodie überzeugt, die sich aus der Schwingung oder Bewegung aller Himmelskörper ergibt, und die sich bei der Geburt tief ins Bewusstsein des Geborenen einprägt. Sie wird zur individuellen Grundharmonie eines Menschen. Lebt man damit im Einklang, spricht man von Gesundheit. Wird die Frequenz gestört, entstehen Ungleichgewicht und Krankheit. Aus dieser Sicht ist Heilung nicht möglich, wenn man sich auf ein Symptom fokussiert und dieses versucht wegzukriegen. Es geht um die Wiederherstellung der individuellen Grundharmonie. (vgl. Osho in «Astrologie – Wahrsagerei, Aberglaube oder Tor zur Essenz?») Hier ein Zitat von Paracelsus: „Denn der Mensch kann nur vom Makrokosmos aus erfasst werden, nicht aus sich selbst heraus. Erst das Wissen um diese Übereinstimmung vollendet den Arzt“ (aus Opus Paramirum – Principiile Artei Medicale).
Die medizinische Astrologie bildet die Verknüpfung zu Ayurveda, da sie uns unter anderem ermöglicht, die körperliche sowie mentale, feinstoffliche Konstitution eines Menschen mit Stärken und Anfälligkeiten, oder eben seine Grundmelodie, im Horoskop herauszulesen.
Ja, man kann die Astrologie verwenden, um Prognosen zu erstellen oder einen günstigen Zeitpunkt für ein Vorhaben zu erkennen. Ein Horoskop zu verstehen kann man damit vergleichen, einen Pflanzensamen zu erkennen. Im Apfelkern ist die Information des ganzen Apfelbaums vorhanden, also gewissermassen die Zukunft (bzw. die Vergangenheit). Im Kern liegt das Programm zur Entwicklung des Triebes, der Wurzeln, des Stammes, der Äste, Blüten und Früchte. In ihm steckt bereits die Beschaffenheit des Holzes, die Form der Blätter, der Geschmack der Früchte. Genauso ist im Menschen angelegt, welche Eigenschaften er entwickeln wird, welche Möglichkeiten sich ihm (wann etwa) in diesem Leben bieten, mit welchen «Schwächen» er zu kämpfen hat (vgl. ebenda).
Mich interessiert es vor allem – im Dienste der Selbst-Erkenntnis und -versöhnung - zu sehen, wie (ich oder) ein Mensch "gestrickt", also angelegt und geworden ist mit (meinen oder) seinen individuellen (Auf)Gaben, Spannungsfeldern, Hindernissen, Möglichkeiten und Potentialen im Leben. Mich interessiert es, die individuell wechselnden Lebensphasen mit ihren unterschiedlichen Qualitäten und den damit einhergehenden Wandel zu verstehen. Das ist der spirituell-psychologische Aspekt von Jyotish, und somit sein Verknüpfungspunkt zu Yoga, dessen Philosophie ja auch eine Psychologie, oder anders gesagt ein Verstehen der Wirkungsweisen des menschlichen Geistes ist. Es tut gut, wenn man sich erkannt fühlt.
Wenn du dein Mondzeichen oder dein Horoskop aus vedischer Sicht kennenlernen möchtest, freue ich mich auf deine Nachricht!