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Branding: Brandzeichen als Körperschmuck
Ursprünglich war das Branding eine Kennzeichnung von Herdenvieh gewesen. Mit einem heissen Brandeisen wurde dem Vieh ein Zeichen des Besitzers auf die Haut gebrannt. Solche Brandzeichen vernarben und sind damit stets erkennbar.
In ähnlicher Weise wird dies heute als Körperschmuck gewünscht. Dabei werden mit heissem (selten auch mit tiefgekühltem) Metall, Muster in die Haut gebrannt. Die entstehenden Narben haben für manche Menschen, ähnlich wie Tattoos oder Piercings, den Stellenwert von Körperschmuck.
Beim Branding (engl.: to brand = einbrennen, brandmarken, mit einem Brandmal versehen) spricht man ebenfalls von Scarifikation. In vielen Kulturen der Welt (v.a. in Afrika und Amazonien) ist das Branding fester Bestandteil von Initiationsriten oder wird als Stigma-Zeichen eingesetzt, z.B. als Zeichen des Ausgeschlossenseins oder als Zeichen der Unterwerfung.
Je nach Technik bleibt so ein Branding bis zu 7 Jahren sichtbar und kann – im Gegensatz zu einer Tätowierung – nicht, auch nicht mit Laser, entfernt werden, ohne dass grössere Narben hinterlassen werden.
Branding heiss – mit Brandeisen
Um die ca. 2 bis 4 mm breiten Schmucknarben zu erzeugen, verwendet man heute zumeist Metallstreifen (vorzugsweise aus Implantatstahl), die in die gewünschte Form gebogen werden, oder Brandeisen. Gebrannt wird mit der Kante, nicht mit der Fläche. Die späteren Brandnarben werden ca. drei- bis sechsmal breiter als das Eisen.
Komplexe Muster werden zumeist mit mehreren Blechstreifen nacheinander gebrannt (Strikebranding). Das erhitzte Metall wird für den Bruchteil einer Sekunde auf die Haut gedrückt und verbrennt dabei die oberstenzwei Hautschichten. Beim heissen Branding wird mit ca. 900°C – 1200°C gearbeitet (Stahl glüht dann dunkelrot bis hellorange).
Diese Art des Brandings kann nur an Körperstellen ausgeführt werden, an denen das Eisen gleichmässig und vollständig aufgesetzt werden kann. Starke Rundungen (wie zB am Unterarm) sind schwierig zu brennen. Unter der Brandingstelle sollten keine wichtigen Nerven, Blutgefässe oder Sehnen verlaufen. Das Brennen mit Blechen erfordert Präzision und Erfahrung, da bei zuviel Druck oder zu langem Brennen schwerwiegende Verbrennungen mit Folgeschäden möglich sind.
Branding kalt – mit metallenem Brennstempel
Beim kalten Branding werden die Brennstempel nicht erhitzt sondern auf unter –100° gekühlt. Dies geschieht durch flüssigen Stickstoff (-196°) oder durch Kältemischungen. Der Umgang mit flüssigem Stickstoff ist äusserst schwierig und braucht enorm viel Erfahrung. Kalt-Brandings werden deshalb von den meisten professionellen Studios abgelehnt.
Im Gegensatz zu Heiss-Brandings besteht bei Kalt-Brandings eine höhere Infektions-Gefahr. Grosse Hitze tötet die meisten Krankheitserreger ab, Kälte hingegen nicht.
HF-Branding oder Kautery-Branding
Für diese Methode, die mit einem Hochfrequenz-Chirurgie-Gerät (HF) durchgeführt wird, braucht es eine spezielle Ausbildung zur Durchführung.
Resultate mit HF oder Kautery-Branding
- Relativ feine und detailreiche Narbenlinien auf der Haut.
- Durch die feinen Skalpelle werden komplexe Motive möglich.
- Geringere Brenntiefe; dadurch ist die Auswahl der geeigneten Stellen am Körper grösser als mit dem Brandeisen.
- Dauerhaftere und wulstigere Narben als mit Brandeisen.
Branding – mit Thermokauter
Theramokauter sind batteriebetriebene Lötpistolen. Dabei wird ein Draht elektrisch erhitzt und auf die Haut gedrückt. Im Gegensatz zu HF-Branding strahlt die Wärme auch auf das umgebende Gewebe aus. Die Linienführung und der Heilungsverlauf sind dadurch nur begrenzt kontrollierbar.
Nachteile und Risiken mit Thermokauter
- Thermokauter können nicht sterilisiert werden = problematische Hygiene.
- Der Brandingprozess ist langwierig und und muss sehr präzise geführt werden und braucht viel Erfahrung seitens des Branders.
- Thermokauter-Brandings verschwinden bereits nach ein paar Wochen wieder, weil sie nur sehr oberflächlich gemacht werden können.
- Oft muss ein Branding wiederholt werden.
Wie schmerzhaft ist ein Brandeisen-Branding?
Wie der Name selbst sagt (Branding) handelt es sich um eine Verbrennung. Der Schmerz wird beim Branden sehr unterschiedlich stark empfunden.
Grösser seien die Schmerzen beim Heilungsprozess, sagen Experten. Nach zwei bis drei Tagen bildet sich eine Schorfschicht, nach zwei oder mehr Wochen ist die Wunde narbig abgeheilt. Der Heilungsverlauf hängt von verschiedenen Faktoren wie Hauttypus oder körpereigenem Heilungsverlauf ab (z.B. neigen dunkelhäutige Menschen generell zu stärkerer Narbenbildung).
Pflege der Branding-Narbe
Wie jede frische Wunde muss auch das Branding gut gepflegt werden. Meist braucht es keinen Verband und soll an der Luft abheilen. Enge Kleidungsstücke sind zu vermeiden. Nach Abschluss der Krustenbildung kann mit einer Wundcreme die Narbe elastisch gehalten werden, so dass sie nicht „ausreisst“.
Juckende, stark gerötete, schmerzende, heisse oder pochende Wunden gehören unbedingt zur ärztlichen Abklärung. Die Beschwerden können auf eine Infektion hindeuten.
Ist Branding legal?
Beide – Kunden und Brander – bewegen sich in einem Graubereich. Bei einer Klage kommt der Paragraph der Körperverletzung zum Zuge. Körperverletzungen, die unter gegenseitigem Einverständnis erfolgen, können nur gerichtlich verfolgt werden, wenn geklagt wird. Piercings und Tattoos verstossen nicht gegen die „guten Sitten“, beim Branding existiert – soviel bekannt – noch kein Präzedenzurteil.
Branden ist generell nicht ungefährlich. Auf der einen Seite besteht die Gefahr von Fehlern in der Ausführung oder bei der Nachsorge. Zum anderen bestimmt die eigene Narbenentwicklung schlussendlich den Heilungsverlauf und das Aussehen, so die Experten.

|Wikipedia, pets-de, Branding-Studio, Matthias T. J. Grimme, Hamburg (Stahl Stich) 1997/2006), Mediscope|

|22.11.2006 - dzu|