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Der reformierte Kirchenchor liess gemeinsam mit Orchester, Organist und Solistinnen das Oratorium «Stabat Mater» von Giovanni Battista Pergolesi erklingen. Pfarrerin Anne-Marie Müller las die Worte.
Im mittelalterlichen Gedicht «Stabat Mater» wird der Abschied Marias von ihrem Sohn und ihre Fassungslosigkeit am Kreuz beschrieben. Dazu komponierte Pergolesi 1736 die Musik. In der Aufführung am Gründonnerstag interpretierten die beiden Solistinnen Franziska Wigger, Sopran, und Alexandra Forster, Alt, und der reformierte Kirchenchor die Gesangspartien gekonnt. Die helle Stimme des Soprans wurde durch die warme des Alts gut ergänzt. Dies kam besonders in den Duett-Passagen zum Ausdruck. In der Eingangs-Arie «Stabat Mater dolorosa» etwa wurde so die ganze Hoffnungslosigkeit ergreifend schön dargestellt. Der Bitte «Fac, ut ardeat cor meum in amando Christum», «Mach, dass mein Herz brenne in der Liebe zu Christus», widmet Pergolesi im zweitletzten Satz eine fünfseitige, recht anspruchsvolle Fuge. Der Chor sang sie überzeugend und setzte mit ihr und mit dem abschliessenden schnellen und fröhlichen «Amen», das an die Glocken englischer Dorfkirchen erinnert, einen Höhepunkt. Das Kammerorchester Aceras begleitete sicher und differenziert.
Das «Stabat Mater» ist das letzte Werk Pergolesis. Er schrieb es im Auftrag der Bruderschaft der Kirche Santa Maria della Salute, die ihn an Stelle von Scarlatti engagiert hatte. Er war bereits an Tuberkulose erkrankt und starb bald nach der Vollendung der Komposition, mit 26 Jahren. Die Tonschöpfung wurde so gleichsam zu seinem eigenen Requiem.
Pergolesi komponierte das «Stabat Mater» im Original für Sopran, Alt, Streicher und Basso continuo. Das Werk wurde oft kopiert, umgeschrieben und gefälscht. Bach war von ihm so beeindruckt, dass er der Musik mit «Tilge, Höchster, meine Sünden» einen neuen, deutschen Text unterlegte. Chorleiter Peter Aregger wählte für die Aufführung eine Variante der Wiener-Fassung, in welcher die Komposition Pergolesis mit einem vierstimmigen Chorsatz von Antonio Salieri ergänzt wird. Von der Original-Version gibt es einige Einspielungen auf CDs, von der Wiener-Fassung sind praktisch keine Tonträger erhältlich.
Zwischen den Arien und Chorpartien trug Anne-Marie Müller die Worte vor, beispielsweise von Mascha Kaléko nach dem Tode ihres 18-jährigen Sohnes verfasste Gedichte, Verse zum Tod Jesu aus dem 23. Kapitel des Lukas Evangeliums, das Gedicht «Golgatha» von Kurt Marti und ein jüdisches Gebet.
Eingesandt von Eveline Baer-AnkerZurück