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|ANNE WANNER'S Textiles in History / books|
|Mit
spitzer Nadel und flinkem Schiffchen, Paramentikwerkstatt
und Klosterarbeiten, von Ursula Karbacher, S. 119-137

in: 400 Jahre Kloster St. Klara, 1615-2015 Kapuzinerinnen in Stans, Histor. Verein Nidwalden Stans, 2015
www.hvn.ch
|Short
summary in english language:

In the convent of Sta Clara in Stans, Switzerland, there were 492 sisters living since its foundation in 1615. The jubilee publication celebrates this past with many coloured pictures of the daily live of to-days sisters. Seven articles are showing caracteristics of this house and 23 biografies of the sisters point to their special qualities.
In one of the articles Ursula Karbacher is dealing with the workshop of vestments and with other textile and paper work executed in the convent.
In a first part the life and vestment work of Sister Augustina Flueler (1899-1992) is presented. Before entering the convent in 1919 she was trained as a schoolteacher of textile techniques . In 1928 some of her student's works were shown in the national exhibition SAFFA (Swiss Exhibition of women's works). The work attracted attention of the society of St. Lucas (Societas Sancti Lucae - SSL). They were promoting contemporary art in the catholic church as well as a renewal of vestments. This SSL convinced Sr. Augustina to work on new vestments. In den convent she first opened a course of embroidery on vestments but very soon begun do moderate the vestments in itselves. In 1949 she published her ideas, it was translated in several languages and Sr. Augustina became quite famous. In 1968 she left the convent to live outside the strict enclosure, but she kept her name and carried on living a life in poverty and chastity. In this time (1978-80) she restored the figure of the holy Prosper which was brought to Stans from a pilgrimage to Rome in 1675.
In a second part Ursula Karbacher deals with other textile and paper works, produced in the convent. Unfortunately most of it was lost when french troups sacked the canton of Nidwalden in 1798. But in the necrologs of the sisters these art works are often mentioned.
see also: Ursula Karbacher, Sticken und Weben im Bergkloster, p. 243 - 271, in: Das Benediktinerinnen Kloster Maria-Rickenbach, Stans, 2007. 312 pages, Verlag Historischer Verein Nidwalden, Stans.
Klosterarbeiten in der Schweiz, Priestergewänder in Glattburg, Oberbüren,
Firma Fraefel 1, Firma Fraefel 2, Musterbücher von Fraefel
|Inhaltsangaben
in deutscher Sprache:

Seit seiner Gründung um 1615 lebten im Kloster St. Klara in Stans 492 Schwestern. Die Jubiläumspublikation geht auf diese Vergangenheit ein. Mit reichem, farbigem Photomaterial werden die heutigen Schwestern bei ihren täglichen Beschäftigungen im Jahresverlauf vorgestellt, 23 von ihnen, die sich im Verlaufe der Zeit durch besondere Eigenschaften hervorhoben, sind einzeln portraitiert und sieben Aufsätze gehern näher auf einzelne Tätigkeiten ein:
- Marita Haller-Dirr befasst sich mit der Klostergemeinschaft in den vergangenen 400 Jahren.
- Marlies Betschart schreibt über die pädagogischen Tätikgeiten der Schwestern: etwa 6000 Kinder besuchten hier die Primarschule, gegen 4500 Töchter erhielten im Pensionat Weiterbildung. Hierher gehört auch die von 150 Frauen besuchte Fachklasse Handarbeit.
- Christian Schweizer beschreibt die den Frauen vorstehenden Geistlichen.
- Bruder Raphael Grolimund duntersuchte das musikalische Leben.
- Hansjakob Achermann's Thema sind die baulichen Veränderungen der Klostergebäulichkeiten.
- Frau Mutter, Schwester Sabine Lustenberger beschreibt das heutige Klosterleben.
- Etwas näher sei hier nun auf den Aufsatz von Ursula Karbacher eingegangen. Sie schreibt über die Paramentikwerkstatt und über Klosterarbeiten. Es sind besonders die textilen Tätigkeiten wie Nähen, Sticken, Weben, auch Spinnen, die innerhalb der Klostermauern von den Nonnen geübt wurden.
|In
einem ersten Teil befasst sich Ursula Karbacher mit dem Lebenswerk
von Schwester Augustina Flüeler (22. Sept. 1899
- 1. Juni 1992), die auf textilem Gebiet und vor allem in
der Herstellung von Priestergewändern internationale
Bekanntheit erlangte. Die Ausbildung zur
Handarbeitslehrerin in St.Gallen schloss sie mit
Bestnoten ab und trat 1919 als Novizin ins Kloster in
Stans ein. In ihren ersten Klosterjahren baute sie eine
Fachklasse für Handarbeit auf und konnte 1928 mit
Arbeiten von Schülerinnen an der Saffa in Bern
teilnehmen.

|An
der Saffa fiel sie der 1924 gegründeten "Societas
Sancti Lucae SSL" auf. Diese St.Lucasgesellschaft
setzte sich mit zeitgenössischer Kunst auseinander, mit
dem Ziel, diese in der katholischen Kirche zu fördern.
Eine Neubelebung der Paramentik wurde als besonders
wichtig angesehen. Und so wurde Sr. Augustina von SSL
dazu bewogen, sich der Herstellung zeitgemässer
Kirchengewänder zu widmen.

1929 eröffnete Augustina im Kloster die Fachklasse für Paramentikstickerei, dachte aber bald mehr an eine Aenderung der Form des Messgewandes. Im Atelier der Textilkünstlerin und Weberin Regina Amstad (1897-1986) lernte sie den neuen 120 breiten schwedischen Webstuhl kennen und konnte diesen für das Kloster erwerben. Auch Regina Amstad befasste sich mit der Herstellung von Priestergewändern. Diese Webstühle mit Breiten von z.T. über 2 m waren für beide Frauen entscheidend, denn darauf liessen sich Messgewänder aus einem einzigen Stück Stoff weben.
Im Kloster entstand nun 1929 eine Paramentikwerkstatt, die sich bald zur international führender Werkstatt für kirchliche Kunst entwickelte. Mehrere Mitschwestern setzten Sr. Augustinas Vorlagen und Anweisungen um und auch Fachkräfte aus dem Ausland arbeiteten hier, bis zu 8 Frauen blieben manchmal 3-4 Jahre.
Ihre Ideen legte sie 1949 in einem Buch fest. Eine Neuauflage und weitere Publikationen, ja Uebersetzungen in mehrere Sprachen folgten und brachten ihr Bekanntheit.

|Die
neuen in Material, Form und Schnitt übereinstimmenden
Gewänder, sollten nicht mehr panzerartige Hülle
darstellen, sondern ein sich dem Körper anpassenden
Faltenwurf bilden. Mit ihre klassische Einfachheit,
Zweckdienlichkeit, Stil betonten sie die Würde des
Priesters.

Die im Kloster entstandenen Priestergewänder wurden an Ausstellungen gezeigt, so z.B. an der Wiener Secession an der internationalen Aussstellung moderner christlicher Kunst (20. Oktober - 14. November 1954). Hier erhielt Sr. Augustina für ihre Arbeit eine Goldmedaille. Neben Bestellungen gab es Anfragen aus dem In- und Ausland. Für das Kloster bildeten diese Ausstellungen, wie auch die Ausleihen und die Verkäufe grosse Herausforderungen.
Anfragen für Vorträge, Studienreisen im In- und Ausland gelangten an Sr. Augustina. 1961 erhielt sie Besuch vom späteren Papst Paul 6., am 25. August 1961 folgte ihre Audienz beim Papst. Am 15. Juni 1963 durfte sie nach Schweden fliegen.
Die Mitschweistern akzeptierten die Freiheiten nur schwer, die das Kloster Sr. Augustina als Folge ihrer Berühmtheit zugestand. Und im Sommer 1968 ersuchte Augustina um teilweise Loslösung vom Kloster. Nun lebte sie ausserhalb der Klausur und trug selbstentworfene Kleidung. Den Klosternamen behielt sie und lebte auch weiterhin in Armut und Keuschheit. Ihre letzte Stola webte sie im Jahre 1974 und erhielt in diesem Jahr im Rathaus von Stans den Kulturpreis der Schindler Kulturstiftung. Mit ihrer Pensionierung wurde auch das Paramentikatelier aufgelöst.

|Restaurierungstätigkeit

Traditionellerweise beschäftigten sich die Klosterfrauen seit Jahrhunderten auch mit der Instandstellung älterer Priestergewänder und Klosterbestände. Bereits 1933 hatte sich Sr. Augustina mit Restaurierung befasst und dem Heiligen Remigius in der Pfarrkirche von Stans ein neues Gewand geschaffen. Von 1978 bis 1980 arbeitete sie an der Wiederherstellung des Heiligen Prospers. Joh. Kaspar Achermann brachte diese Reliquien 1675 von einer Pilgerreise nach Rom ins Kloster von Stans. Die Klosterschwestern statteten ihn damals als stehenden Heiligen aus und verzierten Schauflächen mit kostbaren Stickereien. Laut der Klosterchronik schreibt man diese Einkleidung Sr. Franziska Seraphina Vöhlin zu. Der Heilige erfuhr im 18. und 19. Jh. Erneuerungen durch zusätzlichen Schmuck und Stickereien. Bis ins 19. Jh. übten sich die Schwestern auch im Fassen von Reliquienkästchen, in den Rechnungsbüchern des Klosters sind sie bezeichnet als "Heiltumstruckli oder Heiltumsdeubli".
Sr. Agustina trennte nun die seit dem 18. Jh. beim Heiligen Prosper angebrachten Zusätze, wieder weg. Ursula Karbacher bemerkt dazu, die Restaurierungsarbeit sei etwas allzu gründlich geschehen, auch würde man sich heute wünschen, eine eingehendere Dokumentation der vorgenommenen Veränderungen vorzufinden.

|Klosterarbeiten

Ein letzter Abschnitt des Aufsatzes ist den im Kloster verfertigten Stickereien und Klosterarbeiten gewidmet. Die Klosterfrauen suchten immer wieder durch die Herstellung von Andachtsgegenständen und deren Verkauf einen Beitrag an die Lebenskosten der Gemeinschaft zu leisten. Allerdings ging Vieles verloren als im Jahre 1798 französische Truppen Nidwalden plünderten.
Noch im Kloster erhalten sind eine Kelchdecke und 2 fast identische mit Stickerei verzierte Pallae aus dem ausgehenden 17. Jh., und in ihren Stickereien mit dem Gewand des Heiligen Prospers verwandt. Ein weiteres Velum ist dem gegenüber etwas später, im frühen 18. Jh. entstanden. Erhalten sind auch Agnus Dei, die man datiert kann, denn die hier angebrachten Wachstafeln mit dem Osterlann wurden in Rom geweiht und gefertigt. Der Papst weihte sie im 1. Jahr seines Pontifikates und dann wieder alle 7 Jahre in der Osteroktav.
Im Kloster entstanden auch Fastenkrippen, Fatschen-. und Loretokinder, Haar- und Papierarbeiten. Sie finden oftmals in Nekrologen der Schwestern Erwähnung, doch im Kloster selber werden sie nicht mehr aufbewahrt.
|home content||Last revised 30 November 2015|