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Italien setzt seinen «Goldrausch» in der Leichtathletik fort und triumphiert dank einer winzigen Hundertstel in der 4x100-Meter-Staffel. Weniger Glück hatten die Schweizerinnen – ihnen fehlten am Ende zwei Zehntel zur Medaille. Noch schlimmer traf es allerdings eine Deutsche und die schwedischen Fussballerinnen.
Italiens Sprinter sorgten für einen nächsten Olympia-Coup. Nach Gold im Einzel in der Königsdisziplin von Lamont Marcell Jacobs sicherte sich auch die Sprint-Staffel über 4x100 m Gold. Angeführt von Einzel-Olympiasieger Jacobs setzten sich Lorenzo Patta, Eseosa Desalu und Filippo Tortu in einem Herzschlagfinale gegen die britische Staffel durch.
Eine Hundertstelsekunde sorgte im Ziel für das nächste italienische Sprint-Wunder von Tokio, wobei Schlussläufer Tortu zum Helden avancierte. Auf den letzten Metern fing der 23-jährige Wirtschaftsstudent den bei der Übergabe noch führenden Nethaneel Mitchell-Blake noch ab.
Der junge Sprinter aus Mailand, der mit vier Jahren mit dem Laufsport begonnen hat, löste mit dem Olympiasieg in der Staffel ein Versprechen ein. Er tritt in die Fussstapfen von seinem Vorbild Livio Berutti, der 1960 in Rom über 200 m Gold gewann. «Ich hoffe, dass ich früher oder später auch in einer Dokumentation vorkomme, die junge Sportler inspiriert», sagte Tortu vor seiner Reise nach Tokio. Diese Rolle dürfte ihm nun sicher sein.
Eine grosse Enttäuschung setzte es für die Sprint-Nation Jamaika ab, die sich im Final nach einem grossen Fehler mit dem 5. Platz begnügen musste. Bronze hinter Italien und Grossbritannien sicherte sich in 37,70 Sekunden das kanadische Sprint-Quartett um 200-m-Olympiasieger und Schlussläufer Andre de Grasse.
Die Schweizer 4x100-m-Staffel verpasst in Tokio einen Exploit und die erhofften Olympia-Medaillen. Zum dritten Mal bleibt dem Schweizer Quartett der undankbare 4. Rang. Nach der WM in Doha 2019 und der EM in Berlin im Jahr davor geht die Schweizer Frauenstaffel auch in Tokio in Sachen Medaillen leer aus.
In 42,08 Sekunden mussten sich Riccarda Dietsche, Ajla Del Ponte, Mujinga Kambundji und Salomé Kora dem britischen Staffel-Quartett im Kampf um Bronze um zwei Zehntel geschlagen geben. Den Schweizer Rekord, den Dietsche, Del Ponte, Kambundji und Kora im Vorlauf am Donnerstag aufgestellt hatten, verpassten sie im Final um drei Hundertstel.
Die Schweizerinnen waren nach dem enttäuschenden Olympia-Abschluss untröstlich. Allen voran Salomé Kora haderte mit der verpassten Chance und verdrückte ein paar Tränen. Der letzte Wechsel von Kambundji zu ihr klappte nicht wunschgemäss und so mussten die Schweizerinnen die Britinnen vorbeiziehen lassen. «Im Gegensatz zu Doha, als wir uns über den 4. Platz freuten, ist die Stimmung jetzt eine andere», sagte Kora.
«Es war ein schwieriger Wechsel», sagte Kambundji, die womöglich auf den letzten Metern etwas verkrampfte. Schlussläuferin Kora musste das Tempo drosseln und konnte nicht voll beschleunigen.
17 Jahre nach Patrick Heuscher und Stefan Kobel gewinnt die Schweiz an Olympischen Spielen zum zweiten Mal eine Medaille im Beachvolleyball. Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré holen sich ebenfalls Bronze. Es ist die 13. Medaille für die Schweizer Delegation, die erste in der zweiten Olympia-Woche.
25 Stunden nach der Ernüchterung im Halbfinal gegen die starken Amerikanerinnen präsentierten sich Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich wieder in gewohnter Stärke. Die Lettinnen fanden gegen die Schweizerinnen kein Rezept. Nur ganz zu Beginn des Spiels gerieten Heidrich/Vergé-Dépré 0:2 in Rückstand. Mit drei Punkten in Serie rissen die Schweizerinnen erstmals die Führung an sich – und gerieten daraufhin nie mehr ins Hintertreffen.
Die Vorentscheidung fiel zu Beginn des zweiten Satzes, als die Schweizerinnen zuerst einen 5:1-Vorsprung fast verspielten (6:5), dann aber bei zwei umstrittenen Bällen jeweils nach «Challenges» den Punkt gewannen. Daraufhin resignierten die Lettinnen. Vom 6:5 bis zum 15:7 gewannen Heidrich und Vergé-Dépré neun von elf Punkten.
Der Goldtraum der deutschen Modernen Fünfkämpferin Annika Schleu ist heute jäh geplatzt. Nach dem Fechten und dem Schwimmen lag die 31-Jährige noch an der Spitze der Wertung, nur noch das Springreiten und der Laser-Run, einer Kombination aus Laufen und Schiessen, standen an. Doch ihr Versuch beim Springreiten wurde zum Drama.
Noch bevor der Durchgang anfing, bockte ihr Pferd «Saint Boy». Die Athletinnen und die ihnen zugelosten Tiere haben nur 20 Minuten, um sich kennenzulernen. Doch diese Zeit reichte offenbar nicht aus. Bei Schleu flossen daher schon früh die Tränen. Völlig aufgelöst versuchte sie, das Pferd zum Laufen zu bekommen. Und plötzlich klappte es auch wieder – zumindest vier Hindernisse lang.
Denn danach machte «Saint Boy» erneut nicht das, was sie wollte. Erneut brach Schleu in Tränen aus. Nach der vierten Verweigerung wurde die Deutsche schliesslich disqualifiziert und erhielt 0 von 300 möglichen Punkten. Die Goldmedaille war dahin, am Ende gab es nur Rang 31. Zuvor verweigerte der Wallach beim Ritt der Russin Gulnaz Gubaydullina bereits mehrfach.
Hinzu kommt bei Schleu jetzt auch noch der Vorwurf der Tierquälerei: «Hau mal richtig drauf! Hau drauf!», rief die deutsche Bundestrainerin Schleu zu, wie in der TV-Übertragung zu hören war. Doch auch damit konnte sie «Saint Boy» nicht zügeln.
Die Equipe der Schweizer Springreiter nimmt die Qualifikationshürde in Tokio ohne Probleme und darf morgen auf eine Medaille hoffen. Martin Fuchs, Bryan Balsiger und Steve Guerdat beenden den Wettkampf auf Platz 4 und stehen somit im Final.
Der Neuling Bryan Balsiger im Sattel von Twentytwo des Biches überzeugte mit einem Blankoritt. Er stand mit den Weltnummern 2 (Fuchs) und 3 (Guerdat) als Teamkollegen mächtig unter Druck, zumal er im Einzel nicht eingesetzt worden war und somit lange auf den Ernstkampf hatte warten müssen. «Ich bin total froh über diese Runde. Ich bin sehr glücklich», sagte der Neuenburger, der nach dem Ritt die Faust in Höhe streckte.
Martin Fuchs im Sattel von Clooney hatte als Startreiter Ruhe ins Team gebracht. Den einen Zeitfehler nahm er bewusst in Kauf. Bei Schlussreiter Steve Guerdat mit Venard de Cerisy fielen zwar zwei Stangen. Dennoch reichte dies den Schweizern problemlos zum Finaleinzug.
Kanada ist kein weisser Fleck mehr auf der Fussball-Landkarte – zumindest nicht im Frauen-Fussball. Im Olympia-Final in Yokohama setzten sich die Nordamerikanerinnen gegen Schweden im Penaltyschiessen 3:2 durch. In der finalen Entscheidung zeigten beide Teams Nerven: Nur fünf von zwölf Schützinnen trafen.
Lange sah alles nach einem schwedischen Triumph aus. Die fünfte skandinavische Schützin, die 36-jährige Caroline Seger, hatte beim insgesamt neunten Versuch den Matchball auf dem Fuss, schoss aber über das Tor. Wenig später machte Kanadas Starstürmerin Christine Sinclair alles klar und versenkte ihrerseits den entscheidenden Versuch.
Für die Schwedinnen ist die Final-Niederlage unfassbar ärgerlich. Die 1:0-Pausenführung verspielten die Skandinavierinnen, weil es nach VAR-Intervention einen Penalty für Kanada gab. Danach hatten die Schwedinnen sowohl in der regulären Spielzeit als auch in der Verlängerung deutlich mehr vom Spiel und auch mehr Torchancen.
Gestohlen hat die «Ahornblatt-Auswahl» Olympia-Gold aber nicht; in der K.o.-Phase des olympischen Turniers hatte sie vor dem Final die Schwergewichte Brasilien und USA ausschalten müssen. Zum Kreis der Spitzenteams hatten die Kanadierinnen schon vor dem Coup in Japan gehört. An den Olympischen Spielen 2012 und 2016 holten sie jeweils Bronze. Im Final war Kanada das glücklichere, aber sicher nicht das bessere Team.
Bis zum olympischen Tischtennis-Final hatten die Chinesen um Olympiasieger Ma Long kein einziges Spiel verloren – jede Partie endete 3:0. Trotzdem rechnete sich Final-Gegner Deutschland Chancen gegen den absoluten Goldfavoriten aus.
Doch Deutschlands Gold-Hoffnungen wurden jäh zerstört, erneut siegte China mit 3:0. Der gebürtige Ukrainer Dimitrij Ovcharov brachte Fan Zhedong zwar an der Rand einer Niederlage. Der Bronze-Gewinner im Einzel lag mit 1:0 und 2:1 Sätzen vorne, bevor er sich der Weltnummer 1 im fünften Satz geschlagen geben musste.
Aber auch wenn Ovcharov die spektakuläre Partie gewonnen hätte, wäre gegen die Chinesen kaum etwas auszurichten gewesen. Ma Long, der alte und neue Olympiasieger im Einzel, bezwang Deutschlands alternden Weltklassespieler Timo Boll souverän mit 3:1 und auch im Doppel war es eine klare Sache. In drei Sätzen holten die Deutschen nur 19 Punkte.
Die Slowenin Janja Garnbret ist die erste Olympiasiegerin im Sportklettern. Die mit Abstand stärkste Athletin der Gegenwart ist in Tokio wie erwartet nicht zu schlagen.
Die erst 22-jährige Garnbret dominiert das Wettkampf-Klettern seit Jahren und ist mehrfache Weltmeisterin. In dem für die Medaillen bei Olympia entscheidenden Dreikampf war sie in den Teildisziplinen Bouldern und Lead, also dem klassischen Seilklettern, nicht zu schlagen. Ein fünfter Platz zu Beginn im Speed war verschmerzbar.
Dort kletterte Aleksandra Miroslaw zu einem neuen Weltrekord. Die 27-jährige Polin schlug nach 6,84 Sekunden auf den Buzzer und unterbot die bisherige Bestmarke zum 12 Hundertstel. Zu einer Medaille reichte es ihr aber dennoch nicht, punktgleich mit der drittplatzierten Japanerin Akiyo Noguchi belegte sie aufgrund der Klassierungen im Bouldern und Lead den 4. Rang.
Allyson Felix hat über 400 Meter ihre zehnte olympische Medaille, womit sie mit Carl Lewis gleichzieht. Die 35-jährige Amerikanerin bewies auf den letzten Metern mehr Stehvermögen als die Jamaikanerin Stephenie Ann McPherson und holte an ihren fünften Olympischen Spielen in Folge mindestens eine Medaille. 2004 in Athen war sie als 18-Jährige erstmals bei Olympia am Start.
Mit sechs Olympiasiegen, fünf davon mit der Staffel, und zehn Mal Edelmetall ist Felix die meistdekorierte Leichtathletin aller Zeiten. Erstmals holte sie nun eine bronzene Auszeichnung, welche für sie aber eine besondere Bedeutung haben wird. Im November 2018 kam ihre Tochter Camryn acht Wochen zu früh zur Welt, da Felix an einer Präeklampsie litt.
Überlegen zu Gold lief Shaunae Miller-Uibo von den Bahamas, die ihren Erfolg von 2016 in Rio wiederholte. Mit 48,36 Sekunden verbesserte die Nummer 6 der ewigen Bestenliste ihre eigene Bestleistung um einen Hundertstel. Silber ging an Marileidy Paulino aus der Dominikanischen Republik.
Es ist vollbracht: Tom Daley hat seinen fertigen selbstgestrickten Olympia-Pullover präsentiert. Der Goldmedaillengewinner im Turmspringen war während der Spiele auf der Tribüne mit seinem Hobby aufgefallen.
Olympiasieger Tom Daley hat seinen Fans den Pullover präsentiert, den er in den vergangene Tage bei den Spielen in Tokio gestrickt hatte. Der Brite, der im Wasserspringen vom 10-m-Turm Gold holte, war während des Synchronspringen-Wettkampfs vom 3-m-Brett von TV-Kameras beim Nachgehen seines Hobbys eingefangen worden.
Auf der seiner Strickkunst gewidmeten Instagramseite @madewithlovebytomdaley (Deutsch: Mit Liebe gemacht von Tom Daley) posiert der Athlet stolz mit seinem Olympia-Werk. Dazu schreibt er: «Als ich nach Tokio kam, entschied ich mich, etwas zu machen, das mich in der Zukunft an dieses Olympia erinnern lassen wird. Ich designte ein Farbmuster, das alles Wesentliche dieser Spiele ausdrückt.»
(pre/sda)