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access_time veröffentlicht 26.11.2019
Kurz und bündig Heft 49/50, Teil 2
Prof. Dr. med. Reto Krapf
Kurz und bündig Heft 49/50, Teil 2
26.11.2019
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Mechanismus der phytotherapeutischen Blutdrucksenkung
Einer Reihe von pflanzlichen Extrakten (in Europa namentlich Lavendel, Kamille, Basilikum, Oreganon, Majoran, Thymian, Fenchelsamen, Ingwerwurzeln) werden signifikante, blutdrucksenkende Effekte nachgesagt. Aus allen diesen «blutdrucksenkenden» Pflanzen, nicht aber aus Pflanzen ohne vermuteten hypotensiven Effekt, konnte eine kleinmolekulare Substanz, Aloperin, isoliert werden. Aloperin aktiviert in glatten Gefässmuskeln einen Kalium-transportierenden Kanal (KCNQ5). Dies führt zur Entspannung der Muskelzellen respektive zu einer Vasodilatation. Die Aktivierung dieses Kaliumkanals war spezifisch, andere molekulare Formen von Kaliumkanälen liessen sich durch Aloperin nicht modulieren. In der klassischen Medizin sind keine Aktivatoren dieses Kanals bekannt. Die Resultate könnten also Basis für eine entsprechende Herstellung und Testung von Aloperin oder Analoga in der Hypertoniebehandlung sein.
Verfasst am 22.10.2019.
Jünger werden wie Odysseus?
Bei einer einjährigen Studie mit zehn gesunden, etwa 55-jährigen Männern führte die Zufuhr/Einnahme eines Cocktails aus humanem Wachstumshormon, Metformin (500 mg/d) und Dehydroepiandrosteron nach Massgabe des Verlaufs einer Reihe epigenetischer Alterungsmarker zu einer epigenetischen Verjüngung. Diese betrug für das Einnahmejahr zwei Jahre im Vergleich zur chronologischen Alterung [1]!
Das epigenetisch bestimmte Alter wird allgemein als biologisch relevanter als das chronologische angesehen. Vielleicht etwas seriöser, aber mit der gleichen Stossrichtung entworfen, führte eine Tripeltherapie von Medikamenten, die in diverse Sensoren der zellulären Nährstoffversorgung eingreifen, bei der Drosophila-Fliege zu einer Lebensverlängerung um fast 50% [2]. Die Medikamente waren Lithium, Rapamycin und Trametinib*. Werden wir einmal oder unsere Nachkommen wie Zauberlehrlinge oder noch schlimmer dastehen?
* Diese Medikamente hemmen in der Reihenfolge ihrer Erwähnung die Glykogensynthase-Kinase 3 (GSK-3), den «mammalian target of rapamycin» (mTOR) und die mitogen-aktivierte Proteinkinase (MEK).
Abb.:Odysseus in freudiger Erwartung von Penelope, zu deren offensichtlichem Genuss er sich badenderweise verjüngen liess … (Mosaikszene aus Homers Odyssee im Bardo Museum in Tunis, Tunesien, © Fotokon | Dreamstime.com).
Verfasst am 22.10.2019.
Genotypisierung vor Verordnung einer dualen Plättchenhemmung lohnt sich!
Die weiter unten besprochenen Arbeiten («Etwas langweilig ...») suggerieren in der Einleitung, dass das billigere (seit einigen Jahren als Generikum erhältliche) und sehr wahrscheinlich mit weniger Blutungsnebenwirkungen behaftete Clopidogrel seine Indikation auf dem Gebiet des akuten Koronarsyndroms verloren hätte. Die schlechtere klinische Wirkung in nichtselektionierten Studienpopulationen beruht massgeblich auf sogenannten Langsam-Metabolisierern von Clopidogrel (eine sog. Pro-Drug, siehe Abbildung) wegen einer mit Funktionsverlust einhergehenden Mutation des CYP2C19. Die Mutationshäufigkeit ist enorm variabel: Bei Europäern 2,5%, bei Ostasiaten 14,5%.
Eine Studie aus den Niederlanden zeigt nun, dass Clopidogrel (für Patient[inn]en ohne Mutation) in den 12 Monaten nach Koronardilatation gleich wirksam wie Prasugrel/Ticagrelor war. Blutungen traten in der so selektionierten Clopidgrel-Gruppe weniger häufig, allerdings mit knapper Signifikanz (p = 0,04) auf.
Verfasst am 26.10.2019.
© Snowingg | Dreamstime.com
Etwas langweilig, aber trotzdem wichtig
Direkte Gegenüberstellungen von Medikamenten gleicher Wirkungsklassen zählen nicht zu den kurz und bündigen Literaturpräferenzen. Für die Patient(inn)en können sie aber doch relevant sein: Die sogenannten Adenosindiphosphat-Rezeptor-Antagonisten (P2Y12-Inhibitoren wie Clopidogrel, Ticagrelor und Prasugrel) sind zusammen mit Azetylsalizylsäure Bestandteile der dualen Plättchenhemmung beim akuten Koronarsyndrom. Während von Ticagrelor und Prasugrel Vorteile gegenüber Clopidrogel gezeigt wurden, war die relative Wirkung von Ticagrelor im Vergleich von Prasugrel unbekannt.
Mehr als 4100 Patient(inn)en mit akutem Koronarsyndrom (mit und ohne ST-Hebungen) und geplanter invasiver Intervention wurden prospektiv entweder in eine Ticagrelor- oder Prasugrel-Behandlungsgruppe randomisiert [1]. Nach 12 Monaten war ein gemeinsamer Endpunkt (Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall) in der Prasugrel-Gruppe mit 6,9% signifikant seltener aufgetreten als in der Ticagrelor-Gruppe (9,3%, p = 0,006). Grössere Blutungskomplikationen traten in beiden Gruppen bei etwa 5% auf. Ein Editorial empfiehlt für die verschiedenen Manifestationsformen des akuten Koronarsyndroms (auch abhängig von der gewählten Intervention) eine differenzierte Indikation für Prasugrel oder Ticagrelor ([2], siehe Figur 1).
Verfasst am 22.10.2019.
Wie hoch ist das Risiko nach einer Dengue-Impfung?
Das Dengue-Virus kommt in vier Serotypen daher und eine frühere Infektion kann bei einer Zweitinfektion mit einem anderen Serotypen ein bedrohliches hämorrhagisches Fieber auslösen. Das – noch nicht allseits akzeptierte – Phänomen ist unter dem Terminus «Antikörper-abhängige Stimulation» («antibody-dependent enhancement») bekannt. Auf den Philippinen wurden mehr als 1 Million Kinder mit dem von Sanofi hergestellten Dengvaxia™ geimpft. Falls diese Kinder bei der Impfung sogenannt seronegativ waren, führte die Impfung – die genaue Gefährdung ist umstritten – zu einer Häufung schwerer Dengue-Erkrankungen.
Die Impfung wird nun gemäss Sanofi und der Weltgesundheitsorganisation für seronegative Kinder nicht mehr empfohlen. Da sich die Impfstoff-induzierten Antikörper von jenen durch das Virus selbst induzierten unterscheiden, sollten die geimpften Kinder untersucht werden, ob sie jetzt seronegativ gegen das «Wildtyp»-Virus sind, oder sie sollten – im Falle der Positivität – bei febrilen Erkrankungen sofort in ärztliche Betreuung gelangen. Auf den Philippinen allenfalls nicht immer einfach möglich … Ein neuerer Impfstoff, der das Phänomen der «Antikörper-abhängigen Stimulation» nicht induzieren soll, ist in Evaluation.
Verfasst am 26.10.2019.
© Manjurul Haque | Dreamstime.com