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Die Nukini gehören zu einer Volksgruppe der Pano-Sprachfamilie, deren Lebensraum die Talregion des Rio Juruá darstellt, und die einander in ihrer Lebensweise und ihrer Vision der Welt sehr ähnlich sind. Auch haben sie eine schreckliche historische Erfahrung der Enteignung und Gewalt seitens der Gummi-Barone gemeinsam, von denen sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts ausgenutzt wurden.
Heute gehört das Indio-Territorium Nukini (IT) zu einem der bedeutendsten Mosaiken geschützter Landschaften Brasiliens und der Welt, als Fortsetzung des Nationalparks “Serra do Divisor“. Aber die Nukini fordern eine Erweiterung des ihnen bisher offiziell zugestandenen Territoriums, wovon ein Teil des Nationalparks betroffen wäre.
Ob nun diese Forderung erfüllt werden wird oder nicht, es besteht eine der primären Herausforderungen dieses Volkes darin, ihre physische und kulturelle Reproduktion zu garantieren, indem sie qualifizierte Beziehungen zu Naturschützern und anderen Aktiven unterhalten, die im Park arbeiten, und deren Interessen nicht immer mit denen der Indios übereinstimmen, woraus eine Reihe von Konflikten entsteht, die den Dialog und gemeinsame Aktionen zum Schutz eines Gebiets erschweren, das kontinuierlich von Holzfällern, Jägern und anderen Illegalen bedroht wird.
Nukini

Andere Namen: Nuquini

Sprachfamilie: Pano
Population: 622 (2010)
Region: Bundesstaat Acre
|INHALTSVERZEICHNIS

Bevölkerung und Lebensraum
Der Rio Juruá und die Umwelt
Name und Sprache
Geschichte
Lebensweise
Produktive Aktivitäten
Die Familien der Nukini leben verteilt entlang der Flüsschen “Timbaúba, Meia Dúzia, República“ und “Capanawa“ sowie am linken Ufer des Rio Môa. Ihre Mehrheit befindet innerhalb des ITs Nukini, im Munizip von Mâncio Lima. Im Jahr 2003 lebten in diesem IT um die 553 Personen. Möglicherweise trifft man auch auf einige Mitglieder dieses Volkes in anderen Munizipien des Bundesstaates Acre, wie Cruzeiro do Sul, Rodrigues Alves und Rio Branco.
Das Indio-Territorium Nukini befindet sich innerhalb des Bundesstaates Acre, im extremen Südwesten des brasilianischen Teils von Amazonien. Der Bundessaat besitzt internationale Grenzen zu Peru und Bolivien, und nationale zu den Bundesstaaten Amazonas und Rondônia. Sein Relief besteht hauptsächlich aus sedimentärem Felsgestein, welches eine gleichmässige Plattform mit leichtem Gefälle bildet – mit etwa 300 Metern Höhe an den Grenzen und abfallend auf etwas mehr als 100 Meter an der Grenze zum Bundesstaat Amazonas. Im extremen Westen befindet sich die höchste Erhebung des Bundesstaates, wo die Struktur des Reliefs von der Serra do Divisor unterbrochen wird, einem Rahmengebirge der peruanischen Serra Contamana, mit einer maximalen Höhe von 600 Metern.
Die Böden des Bundesstaates Acre sind bedeckt von einer natürlichen Vegetation, die hauptsächlich aus dichtem tropischem Regenwald besteht, charakterisiert durch ihre floristische Heterogenität von hohem wirtschaftlichen Wert. Das Klima ist äquatorial, heiss und feucht, geprägt von hohen Temperaturen, häufigen Niederschlägen und hoher Luftfeuchtigkeit. Die hydrographische Versorgung geschieht durch die Becken des Rio Juruá und des Rio Purus, Nebenflüsse des Rio Solimões (Amazonas).
Das Becken des Rio Juruá erstreckt sich über eine weite Fläche von 250.000 Quadratkilometer. Seine Gesamtlänge beträgt 3.280 Kilometer – insgesamt mit einem Gefälle von 410 Metern. Der Fluss entspringt in Peru, auf einer Höhe von 453 Metern, dort heisst er Rio Paxiúba – später vereint er sich mit dem Rio Salambô und trägt ab dort den Namen Rio Juruá. Er durchquert den nordwestlichen Teil des Bundesstaates Acre – von Süden nach Norden – um schliesslich im Bundesstaat Amazonas in den Rio Solimões zu münden, der ab seiner Vereinigung mit dem Rio Negro als Amazonas weiterfliesst.
Der Rio Juruá wird auf seiner rechten Seite von neun bedeutenden Flüssen gespeist: “Breu, Caipora, São João, Acuriá, Tejo, Grajaú, Natal, Humaitá“ und “Valparaíso“. Von seiner linken Seite münden in ihn ebenfalls neun weitere Flüsse: “Amônea, Aparição, São Luiz, Paratati, Rio das Minas, Ouro Preto, Juruá-Mirim, Paraná dos Mouras“ und “Môa“. Das TI Nukini befindet sich am rechten Ufer des Oberen Rio Môa.
Dieses Indio-Territorium ist Teil eines “Mosaiks” aus 25 Ländereien der Regierung am Oberen Juruá, die zusammen ein weites Gebiet sozio-ambientaler Bedeutung für die indigenen und regionalen Populationen, in dem nationale und internationale Interessen zusammentreffen. Auf den Territorien der Landesregierung befinden sich ein Nationalpark, drei Reservate für Sammlertätigkeit und 21 Indio-Territorien (IT).
Die im “Parque Nacional da Serra do Divisor“ vorhandene Biodiversifikation gehört zu den wertvollsten, die man je im brasilianischen Teil Amazoniens entdeckt hat. Ihre ungeschmälerte Erhaltung ist unter anderem ein Verdienst der indigenen Bevölkerung die seit Jahrhunderten in dieser Region zuhause ist – inklusive der Nukini, deren Lebensraum einen Grossteil dieser Biovielfalt aufweist.
Die sich selbst gegenwärtig als “Nukini“ bezeichnenden Eingeborenen der linguistischen Pano-Familie hatten wahrscheinlich in ihrer historischen Vergangenheit einen anderen Namen, denn in einigen historischen Registern werden sie auch als “Inucuini, Nucuiny, Nukuini, Nucuini, Inocú-inins“ und “Remo“ bezeichnet.
Infolge ihres frühen Kontaktes mit der Expansionsfront der Latex-Sammler, sprechen heutzutage nur noch wenige Nukini ihre Muttersprache. Möglicherweise, weil sie in der Vergangenheit diskriminiert und verunglimpft wurden, wenn sie ihre eigene Sprache benutzten, haben sie sie ihren Kindern nicht mehr beigebracht, sondern Kinder grossgezogen, die nur noch in der portugiesischen Sprache unterrichtet wurden.
Angehörige der linguistischen Pano-Familie findet man in Peru, in Bolivien und in Brasilien. In diesem letzten Land befinden sich die indigenen Gesellschaften im Süden und im Westen des Bundesstaates Acre, von wo aus sie sich zum Osten hin ausgebreitet haben bis zum westlichen Teil Rondônias und in nördlicher Richtung dringen sie ein in den Bundesstaat Amazonas zwischen den Flüssen Juruá und Javari.
Referenzen bezüglich der Nukini finden sich in vielen Texten und Dokumenten, die auf die Eingeborenen in der Serra do Divisor Bezug nehmen. Wie schon erwähnt, hat man dieses Volk im Lauf der Geschichte mit verschiedenen Namen bezeichnet, darunter Variationen der Namen “Nukini“ und “Remo“. Informationen, welche die Bezeichnung “Remo“ betreffen, finden sich reichlich in der Geschichtsschreibung. Wie Coutinho schreibt, weisst alles darauf hin, dass die “Nukini“ eine der überlebenden Untergruppen der so genannten „Remo“ darstellen (Coutinho, 2001). Für Oppenheim war “Remo“ eine Bezeichnung, die einem Volk zugeordnet wurde, das sich selbst “Nukini“ nannte, wie aus dem folgenden Bericht hervorgeht:
Nach Braulino de Carvalho, von der Grenzkommission, fand er einige Rhemus-Familien am rechten Ufer des Rio Jaquirana, die sich selbst als “Nucuinis“ bezeichneten. Ob es sich dabei wohl um dieselben “Nucuinis“ vom Flüsschen Paraná da República und dem oberen Igarapá Ramon handelte? Oder gehörten sie zu einem anderen Stamm, der einst von den antiken Eroberern entdeckt wurde und sich “Rhemus“ nannte – inzwischen verschwunden oder absorbiert von den heutigen “Nucuinis“?
Man muss berücksichtigen, dass zu jener Zeit, als wir das Tal des Rio Tapiche erforschten, wir verschiedene Indios mit identischen Tätowierungen wie die der schon beschriebenen “Nucuinis“ antrafen, und die den Pano-Dialekt sprachen. Sie waren bekannt als “Rhemus“ und kamen vom Rio Jaquirana – selbst bezeichneten sie sich jedoch als “Nucuinis“. Wir müssen allerdings zugeben, dass es sich auch um zwei verschiedene Stämme handeln könnte – “Rhemus“ und “Nucuinis“.
Wegen der allgemein üblichen Praxis der Amazonas-Stämme, Frauen und Kinder zu rauben, und der Ermordung von Männern durch die konstanten Kriege zwischen benachbarten Stämmen, könnte das Phänomen der Absorption eines schwächeren Stammes durch einen stärkeren und zahlreicheren Nachbarn durchaus erklärt werden. Wie dem auch sei, es scheint sicher, dass eine grosse Gruppe der “Nucuini“ die Region zwischen dem Flüsschen Paraná dos Mouras und dem Rio Jaquirana bis in jüngste Zeit besetzt hielt, und dass die Bezeichnung “Rhemus“ nicht den in dieser Region als “Nucuinis“ bekannten Indios entspricht (Oppenheim 1936:151).
Ausgehend von der Annahme, dass es sich bei den “Nukini“ und “Remo“ um dasselbe Volk handeln könnte, sollte man sich daran erinnern, dass auf der ethno-historischen Karte von Curt Nimuendajú, von 1944, die Nukini und die Remo in benachbarten Gebieten leben und als zwei verschiedene Völker der linguistischen Pano-Familie eingetragen sind. Ihre Namen betreffend bestätigt Castello Branco:
Einige Stämme dieser Pano-Sprachfamilie waren bekannt unter von ihren eigentlichen Namen abschweifenden Bezeichnungen, die ihnen von Forschern oder Latex-Sammlern, einer besonderen Gestik, eines Körpermerkmals oder einem Schmuckgegenstand entsprechend, angehängt worden waren, wie zum Beispiel die “Remos“ (Paddel), “Araras“ (Aras), “Bocas-Pretas“ (Schwarzmäuler), “Espinhos“ (Stacheln), etc. oder sie waren von den Indios selbst “erfunden“ worden, um sich vor Feinden zu schützen, wegen der kontinuierlichen Kämpfe, in die sie verwickelt waren (Castello Branco 1950:28-29).
Weil die “Nukini“ eventuell identisch mit den “Remo“ sein könnten, kann es auch möglich sein, dass sie während des 19. Jahrhunderts östlich des Rio Ucayali ansässig waren – zwischen der Serra de Contamana und dem Rio Tamaya, vorwiegend im Tal der Flüsse Callaria und Abujao – ganz in der Nähe der Bergkette Canchahuaya. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden die “Remo“ in der Region des oberen Juruá Mirim erwähnt, am oberen Rio Jaquirana und am Rio Tapiche, Zufluss des unteren Rio Ucayali (Coutinho 2001).
Es gibt viele Informationen über die Lokalisierung der “Remo“ im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Peru, aber erst in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts deuten spezifische Referenzen auch auf die “Nukini“ hin – am oberen Rio Môa. Zu jener Zeit wurden einige Nukini, unter Führung des Indios Xáxá-Baca, von dem Peruaner D. Francisco Baría mit unhaltbaren Versprechungen auf peruanisches Territorium gelockt. Mit diesen “Sklaven“ wollte der Peruaner seine Schulden gegenüber seinem Patron begleichen – aber die Nukini witterten den Braten und flohen aus diesem Land zurück zu ihrer “Maloca“ im Latex-Sammellager Gibraltar, auf brasilianischem Boden.
Dazu schreibt Máximo Linhares, Inspektor des SPI, der sich 1911 in der Môa-Region aufhielt: “Nach seiner Rückkehr von der peruanischen Seite nahm sich der gefürchtete Xáxá-Baca vor, sich als Häuptling an die Spitze der “Inocu-inins“ zu stellen und forderte den amtierenden Häuptling Purivavô zu einem Duell mit Keulen auf. Purivavô, der unter den Zivilisierten als “Evaristo“ bekannt war – auch er ein starker Kämpfer – bot dem Provokateur Paroli. Das Ganze endete mit einer Teilung der Maloca in zwei Fraktionen, die fortan als Nachbarn existierten (Linhares 1913).
Nach Philippe Erikson zeichnet sich die ethno-linguistische Pano-Familie im Westen Amazoniens durch eine grosse territoriale, linguistische und kulturelle Gemeinsamkeit aus, aber deshalb sollte man ihre interne Verschiedenheit nicht aus dem Auge verlieren.
Durch den intensiven Kontakt mit Latexsammlern, Kleinbauern und Uferbewohnern in der Region des oberen Juruá, haben die Nukini viele Sitten und Gebräuche dieser Nachbarn übernommen, aber sie haben sich auch, besonders hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Organisation, viel von ihrer Einzigartigkeit bewahrt.
Diese Organisation der Nukini besteht aus verschiedenen Clans, und die Ältesten unter ihnen können die gesamte patrilineare Abstammung der Nukini-Familien genauestens definieren, indem sie ihre Mitglieder in Übereinstimmung mit den Clans definieren, denen sie angehören: “Inubakëvu“ (Leute des gefleckten Jaguars), “Panabakëvu“ (Leute der Açaí-Palme), “Itsãbakëvu“ (Leute der Burití-Palme) oder “Shãnumbakëvu“ (Leute der Schlange). Viele junge Nukini jedoch wissen nicht mehr, zu welchem Clan sie gehören, und sie beachten dieses Kriterium auch nicht mehr bei der Wahl ihres Ehepartners.
In der Regel beherbergen die Häuser der Nukini die Kernfamilien. In der Nähe einer Residenz können sich andere Häuser von Söhnen befinden, die geheiratet und ihre eigenen Kernfamilien gegründet haben. Die Grundordnung einer Residenz ist in den meisten Fällen verbunden mit den Regeln einer Eheschliessung – bei der ein Sohn in die Nähe seines Schwiegervaters umzieht. Jedoch wird diese traditionelle Regel nicht immer befolgt, denn nach einer Heirat kann das Paar auch einen Ort weit entfernt von ihren Familien als neue Wohnstätte wählen.
Diese Wohnstätten der Nukini werden in der Regel mit Materialien aus dem Regenwald konstruiert. Einige Häuser haben Wände und einen Boden aus “Paxiubão“ und das Dach gedeckt aus Palmblättern – vorzugsweise “Caranaí“. Andere Wohnungen haben Wände und Böden aus gesägten Brettern, im Allgemeinen aus Holz guter Qualität (“Amarelinho, Bacuri, Copaíba, Cedro-vermelho, Louro“ und “Angelim“). Auch gibt es Häuser mit Alu-Dächern, die besonders für Schulen und Erste-Hilfe-Posten zur Anwendung kommen.
Die verwandtschaftliche Abstammung ist patrilinear (in einem patrilinearem Verwandtschafts-system werden alle Beziehungen über die Vaterlinie gebildet), so wie beim grössten Teil der Pano-Völker – mit Trennung der Geschlechter und entsprechend definierter Arbeitsteilung. Die Männer widmen sich hauptsächlich des Aktivitäten der Jagd, dem Sammeln und dem Ackerbau. Die Frauen sind verantwortlich für die Aktivitäten im Haushalt, ausserdem sammeln sie Waldfrüchte, stellen Kunsthandwerk her und helfen bei der Feldarbeit.
Was die Politik betrifft, so bedienen sich die Nukini heutzutage eines Modells für freie Wahlen. Auf diese Weise werden die politischen Führer der Kommune gewählt, der Präsident ihres Produktionsvereins und der Repräsentant ihres Volkes im “Conselho Consultivo do PNSD“ (Rat des Nationalparks Serra do Divisor), gegründet im Jahr 2002.
Bezüglich ihrer Rituale tanzen die Nukini noch den “Mariri“ – so wie verschiedene Pano-Völker der Region auch – und sie singen unzählige Lieder, von denen einige von ihnen selbst komponiert worden sind, andere haben sie von ihren Ältesten gelernt.
Die Nukini haben keine kollektive Wirtschaft entwickelt – sie pflegen eine auf die Familie beschränkte Produktion. Der Fischfang, eine hauptsächlich für die Trockenperiode entwickelte Aktivität, wird mit Netz und Angelhaken praktiziert, als Köder werden kleine Fische verwendet. Wegen der geringen Ausbeute an Fischen ist diese Aktivität zweitrangig und wird als Ergänzung zur Feldarbeit und der Jagd betrachtet. Man fischt in den existenten Bächen und Seen innerhalb des Indio-Territoriums. Die meist konsumierten Fische sind: “Traíra, Cará, Piau, Piranha-roxa-pequena, Aruanã, Cachorra, Mandi, Surubim, Braço-de-moça, Cascudo, Mocinha, Tucunaré, Mapará, Cará-açu, Curimatã, Pacu, Jaú, Bodó, Casa-velha, Cachimbo, Bode-amarela, Bode-sapateiro, Pirarara, Bagre” und “Piramutaba“.
In den Senken der Flüsse, wo man der Fischerei nachgeht, gibt es auch die besten Gelegenheiten zur Jagd. Die bevorzugten Wildtiere sind: “Cateto (kleines Wildschwein), Queixada (grosses Wildschwein), Veado (Hirsch), Paca (Agouti), Jabuti (Landschildkröte), Cutia, Tatu-rabo-de-couro (Gürteltierart), Tatu-do-rabo-chato (Gürteltierart), Anta (Tapir), Jacu (Fasan), Mutum (Auerhahn)” und “Macaco“ (Affe).
Um ihren Proteinbedarf neben der Jagd zu decken, besitzen die Nukini auch einige Haustiere – viele davon im Umkreis ihrer Behausungen. Diese Haustiere sind: Schweine, Hühner, Enten, Schafe, Ziegen und Rinder – letztere in kleinerer Zahl, die auf den brach liegenden, in Weiden verwandelten Feldern grasen.
Sie sammeln auch verschiedene Waldprodukte in den oben erwähnten hydrografischen Becken – die bevorzugten, aus dem Wald gesammelten Nahrungsmittel sind: “Açaí, Bacaba, Buriti, Patuá“ und “Pupunha“ – alles Früchte verschiedener Palmenarten. Und es gibt zahlreiche Pflanzen, die von diesem Volk medizinisch angewendet werden, einige davon wollen wir als Beispiele nennen: Die bitteren Blätter des “Pau-amargoso“ werden gegen Insektenstiche angewendet. Die Rinde der Bäume “Jatobá“, des “Copaíba“ und des “Arranha-gato“ wird als Sud gegen allgemeine Schmerzen, Husten und Nervenentzündungen verabreicht. Ein Sud aus der Rinde des “Quina-quina“ bekämpft die Malaria. Der Saft des Stängels der “Jarina“ hilft gegen Insektenstiche. Der Saft aus der Liane “Guaribinha“ wird bei Grippe-Infektionen verwendet etc.
Einige Ressourcen aus der Natur finden auch als Körperschmuck und im Kunsthandwerk Verwendung. Die Samen der Urucum-Pflanze werden in Wasser ausgequetscht, bis sich eine Masse ergibt, deren (rote) Farbe zur Körperbemalung benutzt wird – und als Farbgebung für Nahrungsmittel. Die Jenipapo-Frucht wird in der Mitte durchgeschnitten und in warmes Wasser eingelegt, bis sich die blauschwarze Farbe entwickelt hat – wird ebenfalls zur Körperbemalung verwendet. Mit der Titica-Liane kann man haltbare Körbe flechten und sie auch für diversen Körperschmuck benutzen – die Artefakte werden mit Urucum und Genipapo bemalt. Die Asche der Caripé-Rinde wird in der Produktion von Keramik als Bindemittel in den Ton gemischt, aus dem die verschiedensten Objekte entstehen. Das Kunsthandwerk der Nukini besteht aus Keramiktöpfen, Ketten, Armbändern, Ohrgehängen, Besen und Körben – unter anderem.
Und es gibt eine ganze Reihe von Nutzpflanzen, die von den Nukini kultiviert werden. Unter den Früchten sind hervorzuheben: “Manga” (Mango), “Graviola”, “Coco-da-bahia” (Kokospalme), “Caju” (Cashew), “Jaca” (Jack-Frucht), “Abacaxi” (Ananas), “Limão“ (Limone), “Acerola“, “Goiabeira“, “Abacate“ (Avocado), “Pupunha“ (Palmfrucht), “Cupuaçu“ und “Mamão“ (Papaya) unter anderen. Auf den Feldern werden hauptsächlich folgende Pflanzen angebaut: “Milho“ (Mais), “Arroz“ (Reis), “Macaxeira“ (Maniok), “Feijão“ (Bohnen), “Cana-de-açúcar“ (Zuckerrohr), “Tabaco“ (Tabak) und “Inhame“ (essbare Wurzel).
Den Überschuss ihrer Produktion pflegen sie in dem Ort Mâncio Lima zu verkaufen. Das am meisten verkaufte Produkt ist das Maniokmehl, welches sie in den verschiedenen “Casas de farinha“ (Maniok-Verarbeitungsstätten) des IT produzieren. Das Mehl und die Jagdbeute sind die Grundlagen der Ernährung dieses Volkes, das praktisch keine Gemüse anbaut, es sei denn auf einigen brach liegenden Beeten.
Infolge ihres Kontakts mit den Weissen haben sich die Nukini nie richtig mit der Landwirtschaft beschäftigt, sondern die Jahre des Gummi-Booms mit der Extraktion von Latex verbracht. Und sie arbeiteten mit dem Fällen von Edelhölzern für Sägereien und andere Unternehmen. So wie viele andere Angehörige der indigenen Völker des Oberen Juruá waren sie Ruderer, Hilfsarbeiter, Latexsammler, Spurenleser, Waldarbeiter und professionelle Jäger, die von den Besitzern der Latex-Sammelstellen wie Sklaven gehalten wurden. Heutzutage jedoch ist ihre Nutzung der natürlichen Ressourcen verbunden mit produktiver Feldarbeit, der Extraktion von Waldprodukten, der Jagd, dem Fischfang und der Herstellung von Kunsthandwerk.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung Klaus D. Günther