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Die Sechzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts haben unseren Blick auf vorehelichen Geschlechtsverkehr verändert. Vor der sexuellen Revolution war es üblich, Sex
erst nach vollzogener Eheschliessung zu haben. Heutzutage ist es eher die Ausnahme, dass der erste Sexualpartner auch der zukünftige Ehepartner ist.
Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt auf, wie stark in der westlichen Welt die Anzahl der Menschen zurückgegangen ist, die in ihrem Leben nur einen einzigen Sexualpartner hatten. War dies bei den vor den Zwanzigerjahren-Geborenen noch über 80 Prozent bei den Frauen und nahezu 60 Prozent bei den Männern, so fiel diese Quote für die in den Siebzigerjahren Geborenen auf unter 25 Prozent (Männer) beziehungsweise 40 Prozent (Frauen) und stieg danach verblüffenderweise wieder leicht an.
Welche Auswirkungen hatte diese Tendenz auf die Ehen?
Die Forscher ermittelten, ob Zusammenhänge erkennbar sind zwischen der Anzahl vorehelicher Sexualpartner und der Scheidungsrate. Es ergab sich, dass diejenigen, die den ersten Sex
erst in der Ehe hatten, die niedrigste Scheidungsrate aufwiesen.
Darüber hinaus gab es keine erkennbaren Zusammenhänge mehr. Demnach gab es keine Verbindung zwischen der Anzahl vorehelicher Sexualpartner und der Scheidungsrate.
Dann sollte untersucht werden, ob es einen erkennbaren Zusammenhang gibt zwischen der Anzahl vorehelicher Sexualpartner und der Qualität der späteren Ehe. Hierzu musste erst einmal der Begriff "Eheglück
" definiert werden.
Was bedeutet Eheglück?
Diesen Begriff nur in umgekehrte Verbindung zur Scheidungsrate zu stellen, greift zu kurz. Denken Sie beispielsweise an die Zeit der Weltwirtschaftskrise.
Die weit verbreitete wirtschaftliche Not machte Ehen weniger glücklich. Dennoch sank die Scheidungsrate, da Ehescheidungen und alleinstehendes Leben wirtschaftlich für viele Menschen ausgeschlossen waren.
Andererseits ergab sich, dass eine konfliktreiche, aber bestehende Ehe der Eltern oder Schwiegereltern die Wahrscheinlichkeit einer mit Problemen belasteten Ehe erhöht, nicht aber die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung.
Also führte man eine Befragung in den USA durch, über die Anzahl der vorehelichen Sexualpartner und die von den Befragten selbst empfundene Ehequalität. Dies führt natürlich zu weiten Streuungen. So mag jemand seine Ehe schon dann für glücklich empfinden, wenn er oder sie wenigstens nicht misshandelt wird, andere Person aber weitaus höhere Anforderungen an Eheglück
stellen.
Das Umfrageergebnis war recht vielschichtig. Es stellte sich heraus, dass die Befragten, die vor ihrer Eheschliessung Sex
mit anderen Partnern hatten, von geringerem Eheglück berichteten als diejenigen, die Geschlechtsverkehr ausschliesslich mit ihrem (späteren) Ehepartner hatten. Hierbei berichteten überwiegend Frauen von einer verminderten Ehequalität, weniger taten dies die Männer.
Kritik an der Studie
Die Erklärungsversuche der Ergebnisse sind recht spekulativ. So wurde als Erklärungsversuch angeführt, dass vorehelicher Sex
in manchen Fällen zu vorehelichen Schwangerschaften führt und Ehen mit einem ausserehelichen Kind belasteter sind als ohne.
Weiterhin wurde angeführt, dass die Eheleute, die vor der Ehe andere Sexualpartner hatten, in der Lage sind, Vergleiche zu ziehen. Als Folge dessen leide das Eheglück
darunter, dass die Eheleute Vergleiche zu Alternativen ziehen können.
An dieser Untersuchung gibt es viele Kritikpunkte. Die Befragung wurde nur in den USA durchgeführt. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht verallgemeinern und auch auf andere Gesellschaften übertragen. Der Versuch, einen Zusammenhang herzustellen zwischen Eheglück und ausschliesslich der Anzahl vorehelicher Sexualpartner, lässt viele andere Einflussfaktoren unberücksichtigt.
Auch die Qualität des ehelichen Geschlechtsverkehrs ist sehr individuellen Vorlieben unterworfen und kann daher kaum beurteilt werden. Religion, Konfession und Besuch von Gottesdiensten beispielsweise hat sicherlich Auswirkungen auf die voreheliche Sexualität, vielleicht auch auf die subjektive Einschätzung der eigenen Ehequalität, wurde in der Studie aber nicht berücksichtigt.
Ebenso spielt das Elternhaus und die Erziehung gegebenenfalls eine grosse Rolle, bei der der Sex als etwas Sündhaftes angesehen wurde. Auch die Lebensumstände sind ein wichtiges Kriterium, wenn es darum geht, wie erfüllt das Sexualleben eines Paares letztendlich sein wird.
Auch die Genetik wurde komplett unberücksichtigt gelassen. Es ist seit Jahren bekannt, dass es Gene gibt, die in direktem Zusammenhang stehen mit Promiskuität und Untreue. Dass dies Auswirkungen haben muss auf das Eheglück, dürfte offensichtlich sein. Auch hier ist das elterliche Vorbild sicher richtungsweisend: ein Vater prägt den Sohn und die Mutter die Tochter.
Wie steht es mit dem Heiratsalter der Befragten? Dies wurde nicht erhoben, könnte aber ja auch Auswirkungen sowohl auf die Zahl der vorehelichen Sexualpartner als auch auf das empfundene Eheglück haben.
Im Ergebnis lässt sich aus der Studie lediglich der Schluss ziehen, dass die meisten der befragten Amerikaner in ihrer Ehe glücklich sind. Dies zurückführen zu wollen auf das Vorhandensein und die Anzahl vorehelicher Sexualpartner, erscheint sehr wenig substanziiert und daher wohl eher fragwürdig.
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