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Astrud Gilberto ist international bekannt als “The Girl from Ipanema” (obwohl sie nur das Lied bekannt gemacht hat – die “Garota de Ipanema” ist eine Andere) – Musikfans nennen sie auch die “The Queen of Bossa Nova“ – eine Sängerin deren Wurzeln in der brasilianischen Musik fest verhaftet sind. Ihre Musik hat sich zu einer interessanten Kombination von gefühlvollen brasilianischen Rhythmen, amerikanischem Pop und Jazz entwickelt.
Geboren im brasilianischen Nordosten, im Bundesstaat Bahia, als eine von drei Töchtern eines deutschen Vaters und einer brasilianischen Mutter, wuchs Astrud in Rio de Janeiro auf. Dann emmigrierte sie in die USA in den frühen 60er Jahren, wo sie seither zuhause ist.
Astrud wurde der Welt zum ersten Mal durch das Lied “The Girl from Ipanema“ vorgestellt (1964), einer Aufnahme mit Stan Getz und ihrem damaligen Ehemann João Gilberto (dem Vater des Bossa Nova), die einen Grammy gewann. Die Tatsache, dass Astrud nur selten Interviews gibt, leistete vielen unwahren Versionen über ihre Teilnahme an diesem Album Vorschub: zum Beispiel, dass sie von Creed Taylor “entdeckt“ worden sei, oder von Stan Getz oder von Tom Jobim – die einzige Wahrheit ist, dass sie von João Gilberto eingeladen wurde, an diesem Album teilzunehmen, denn der bewunderte ihr Gesangstalent sehr.
Astruds Aufnahmen stellten den Nationen dieser Welt die Sensualität der brasilianischen Musik vor, aber auch ihre einmaligen vokalen Interpretationen amerikanischer Musik, wie zum Beispiel “The Shadow of your Smile“, “It might as well be Spring“, “Fly Me to the Moon”, “Look to the Rainbow” (aus ihrem Album mit demselben Titel, mit Gil Evans), “Love Story”, etc…
Nach dem Hit “Ipanema“ entwickelte sich ihre Karriere schnell. Ihre erste Arbeit als Solistin, “The Astrud Gilberto Album“ wurde sofort ein Bestseller und wurde zum Album des Jahres gekürt. Ihre nächsten Alben wurden alle “Chart-Toppers“ und erschienen im Abstand von jeweils einem Jahr. Auch auf anderen Gebieten bewies sie grosses Talent – sie erschien zum Beispiel in zwei Kinofilmen: “The Hanged Man“ und “Get Yourself a College Girl“ – und sie wirkte mit beim Soundtrack “The Deadly Affar“, arrangiert von Quincy Jones. Sie trat in fast allen populären US-Fernsehshows jener Zeit auf, und sie war Mittelpunkt von TV-Shows in Europa, Japan und Afrika. Über viele Jahre hinweg war sie die Stimme von Eastern Airlines, mit zahlreichen Werbespots, die Preise gewannen.
Anfang der 70er Jahre präsentierte Astrud eine andere Facette ihres Talents – sie schrieb Songs, die in den Alben “Astrud Gilberto Now“ (1972) und “That Girl From Ipanema“ (1977) vorgestellt wurden. Im “That Girl from Ipanema“ Album nahm sie einen ihrer Songs “Far Away” (mit Texten von Hal Shaper) auf, den sie im Duett mit dem legendären Chet Baker sang. Wie sie in einem Interview bestätigte, war dies eins der schönsten Treffen in ihrer gesamten Karriere, denn Chet war eins ihrer Idole aus der Teenager-Zeit. 1976 erhielt eine ihrer Kompositionen (“Live Today“ – in Kooperationgeschrieben mit Jerome Schur) einen Preis beim Musik-Festival von Tokio.
Anfang der 80er Jahre gründete Astrud Gilberto eine Band – ein Sextett, das sich aus Piano, Bass, Trommeln, Posaune, Guitarre und Schlagzeug zusammensetzte. Ihr Sohn, Marcelo Gilberto, spielte in ihrer Gruppe den Bass. Mit dieser Gruppe tourte sie durch Europa, Japan, Kanada und die USA. Mit Hilfe von Marcelos wertvollem musikalischen Feeling polierte sie die Arrangements der Gruppe neu auf und trat in eine neue Phase ihrer Karriere ein: ihre Musik hatte jetzt eine grössere Variationsbreite und die Songschreiberei blühte. Ihre Shows waren – vom Anfang ihrer Karriere an, bis zu ihrem letzten Auftritt vor ihrem Publikum (2001) – stets ausverkauft, und in vielen Veranstaltungs-Sälen hat sie sogar den Hausrekord hinsichtlich der Publikumszahlen gebrochen.
Sie suchte nach einem Mittel, ihr Lampenfieber zu überwinden, das sie manchmal überkam, und frequentierte deshalb die “Stella Adler School of Acting“ während einer Reihe von Jahren – Anfang der 80er. Diese Erfahrung half ihr. Obwohl danach immer noch scheu, lernte Astrud ihr Lampenfieber soweit zu beherrschen, dass sie “damit leben konnte“.
Ihr Album “Astrud Gilberto Plus The James Last Orchestra“, herausgebracht 1987, festigte ihre Karriere auch als Song-Schreiberin. Das Album enthält ein paar ihrer eigenen Original-Kompositionen, von denen “Champagne & Caviar“, “Amor e Som“ und “I’m nothing without you“ (Astruds Texte zu A.C. Jobim’s Melodie) die bekanntesten sind. Die Ausgabe dieses Albums, zusammen mit Neuauflagen früherer Platten als CDs, hat ein ganz neue Generation von Astrud-Gilberto-Fans in der ganzen Welt geschaffen – und die schon sehr grosse Zahl von “alten Fans“ wollen wir dabei auch nicht vergessen! Das “Astrud Gilberto Plus the James Last Orchestra“ Album wurde aussergewöhnlich gut von der Kritik aufgenommen, ebenso von allen Mitwirkenden.
Im Jahr 1990 gründete Astrud Gilberto, zusammen mit ihren Söhnen Marcelo Gilberto und Gregory Lasorsa, die “Gregmar Productions Incorporated“. In den Folgejahren ging Astrud viel auf Tournee, entwickelte ihre Live-Shows und schrieb an neuen Songs. 1992 erhielt sie den “Latin Jazz USA Award for Lifetime Achievement“ für ihren aussergewöhnlichen Beitrag zur Latin Jazz Music.
1995 erschien das erste Projekt der Gregmar Studios, ein Album zu Ehren von Tom Jobim – auf dem Titel Ps Flag/BMG (“Heirs To Jobim“). Der Song “Forever Green“, eine von Jobims letzten Kompositionen bevor er starb, stellt den Saxophonisten Michael Brecker vor. In diesem gleichen Jahr – während einer ausverkauften Donnerstagnacht – qualifizierte sich Astrud Gilberto zum ersten Mal als “Jazz-Singer“ in dem Trendlokal “House of Blues“, in Los Angeles, in dem bis dato nur Blues und Rock präsentiert worden waren. Und sie brach einen Haus-Rekord im populären “Jazz Cafe“ Club von London!
Anfang 1996 kam eins der ersten Alben von Gregmar auf den asiatischen Markt – inklusive in Japan – unter dem Pony Canyon Label. Es enthält verschiedene Live-Auftritte von New York City (1989), deshalb träg es den Titel “Astrud Gilberto – Live in New York“.
Das “Desafinado“-Duett mit George Michael, enthalten im “Red Hot & Rio“ Album, errang internationale Beachtung und präsentierte den Bossa Nova Stil einer grossen Zahl von Fans der Pop-Musik. “Desafinado“ wurde ebenfalls auf einer Platte von George Michael mit aufgenommen, die 1999 herauskam unter dem Titel “Ladies and Gentlemen, The Best of George Michael“. Ebenfalls 1996 nahm Astrud ein Duett mit dem berühmten europäischen Sänger und französischen Pop-Star Ettienne Daho auf. Der Song “Les Bordes de Seine“, welcher auf Dahos “Eden“ Album erscheint, wurde von Daho und Gilberto co-geschrieben und begeisterte besonders alle “Hip-Hop“ Fans.
Gegen Ende 1997 kam ein Studio-Album (auch von Gregmar Productions) heraus, produziert von Astrud und Sohn Marcelo, das unter dem Pony Canyon Label in den asiatischen Ländern vertrieben wurde. Es enthält nur original Astrud Gilberto Kompositionen (mit Ausnahme eines einzigen amerikanischen Standards), sein Titel heisst “Temperance“. Nicht für den Markt ausserhalb Asiens gedacht, stellt dieses Album Gäste wie Michael Franks und die “New York Voices“ u.a. vor. Astrud ist ganz besonders stolz auf diese Arbeit, denn es ist ein mit viel Liebe gemachtes Album. Ihre beiden Söhne, Marcelo und Greg sind auf ihm zu hören.
Astrud Gilbertos ausverkaufte Shows im “House of Blues“ und ihre legendären Shows in NYC’s SOB’s gingen als “Musical Happenings“ für ihre Fans weiter bis ins Jahr 2001, bis sie sich entschied, sich für unbestimmte Zeit “off the road“ zu begeben – sie wollte mehr Zeit für ihre Familie haben, mehr schreiben und vor allem malen (sie ist eine sehr begabte Malerin – mit einem Klick können Sie ihre Werke betrachten).
Astruds Gesangsstil hatte einen starken Einfluss auf die zeitgenössische Musik. Viele Künstler haben zugegeben, dass sie von ihrem musikalischen Stil beeinflusst worden sind – unter ihnen: Basia (sie hat Astrud ein Lied mit dem Titel “Astrud“ gewidmet), Sade, Sinead O’Connor, Michael Franks, Pat Metheney und Suzanne Vega. Verschiedene Avantguarde-Gruppen sehen Astrud Gilberto als ihre “Inspirative Muse“ an.
Astruds Arbeit als Song-Schreiberin hat sich langsam aber stetig von einem “Nebenprodukt“, am Anfang ihrer Karriere, zu einem integralen Teil von ihr, in den späteren Jahren, entwickelt. Seit Mitte der 80er Jahre wurden ihre Live-Shows durch eine grosse Zahl von eigenen Kompositionen bereichert – die vom Publikum mit der gleichen Begeisterung aufgenommen wurden, wie ihre alten Standards, das “Girl from Ipanema“ – “One Note Samba“ oder “Quiet Nights“.
Astrud Gilberto’s Album “Jungle“ von 2002 ist ein Schaufenster ihrer selbstgeschriebenen Songs – es enthält zehn originale Eigenkompositionen. Im April 2002 wurde Astrud Gilberto in der “International Latin Music Hall of Fame“ verewigt.
Diskographie Astrud Gilberto
- JUNGLE (2002)
- THE GIRL FROM IPANEMA (1997)
- LIVE IN NEW YORK (1996)
- SO & SO: MUKAI MEETS GILBERTO (1994)
- JAMES LAST PLUS ASTRUD GILBERTO (1987)
- ASTRUD GILBERTO WITH TURRENTINE (1973)
- I HAVEN’T GOT ANYTHING BETTER TO DO (1969)
- SEPTEMBER 17, 1969 (1969)
- WINDY (1968)
- BEACH SAMBA (1967)
- A CERTAIN SMILE, A CERTAIN SADNESS
- ASTRUD GILBERTO AND WALTER WANDERLEY TRIO (1966)
- LOOK TO THE RAINBOW (1966)