Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03287.jsonl.gz/80

Edward Franklin Albee, Schriftsteller
Der Vietnamkrieg ist für viele Amerikaner erst dadurch unmoralisch geworden, dass er verloren ging.
Damian Sidler, Rekrut
Der André-Corvisier-Preis für die weltweit beste militärhistorische Dissertation wird jährlich von der internationalen Kommission für Militärgeschichte, einem Gremium der UNESCO, vergeben. Dieses Jahr hat sie den Preis an Marcel Berni, wissenschaftlicher Assistent der Dozentur Strategische Studien, vergeben für seine Dissertation über den Vietnamkrieg.
Beinahe ein Jahrzehnt kämpften amerikanische, südvietnamesische und alliierte Soldaten im Vietnamkrieg gegen den «Vietcong» und die nordvietnamesische Armee. Gefangene Kämpfer des «Vietcong» sowie Soldaten der nordvietnamesischen Armee wurden von den Amerikanern und Südvietnamesen verhört, um dann in Gefängnissen und Kriegsgefangenenlagern interniert zu werden. Die Doktorarbeit von Marcel Berni geht anhand von bisher geheimen Quellen zum ersten Mal dem Schicksal dieser «kommunistischen» Gefangenen nach und deutet die an ihnen verübten Kriegsverbrechen. Solche Delikte wurden nicht nur in Kampfsituationen begangen, sondern auch im rückwärtigen Raum.
Die Kommission für Militärgeschichte würdigte die Dissertation von Marcel Berni mit dem André-Corvisier-Preis für die beste diesjährige Dissertation in Militärgeschichte. Die Kommission schrieb in ihrer Würdigung, dass «Bernis Werk nicht nur zu einem kritischen Kommentar der aktuellen amerikanischen Politik wird, sondern auch die Frage aufwirft, ob es einen kulturell verwurzelten, spezifisch amerikanischen Umgang mit Gefangenen in asymmetrischen Konflikten gibt. Marcel Berni ist es zu verdanken, dass dieses Forschungsfeld durch seine hervorragende Arbeit wesentlich vorangetrieben wurde.»
Perspektivenwechsel für mehr Verständnis
Die exzellente wissenschaftliche Arbeit ermöglicht ein vertieftes Verständnis des Umgangs mit Gefangenen in irregulären Konfliktkonstellationen. Die Schrift zeigt auf, wie militärstrategische Entscheide, operative Kriegsführung und das Verhalten von Miliztruppen gegenüber gegnerischen Gefangenen miteinander interagieren. Bei der Rekonstruktion dieser Praxis werden die Grenzen des Völker- und Militärrechts deutlich. Diese Erkenntnisse sensibilisieren das Bewusstsein, dass es in asymmetrischen Kriegssituationen zu toleriertem Machtmissbrauch kommen kann. Die Dissertation wird als Buch im Herbst veröffentlicht und kann käuflich erworben werden.
Nach dem Credo «akademisch exzellent und praktisch relevant» verbindet die Militärakademie an der ETH Zürich in ihren sechs militärwissenschaftlichen Dozenturen die Wissenschaft mit der Praxis. Die Ergebnisse aus der Forschung fliessen dabei direkt in die Ausbildung der angehenden Berufsoffiziere ein. So wird die Qualität und die Aktualität der Ausbildung gesichert.
Quelle: Schweizer Armee
1.8.2020