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Erfindung und Verbreitung des Schachspiels
Das Schachbrett
Das Brett war schon vor der Erfindung des Schachspiels bekannt. Die abwechselnd gefärbten Felder sind seit dem 6.Jahrhundert üblich. Warum ist das rechte Eckfeld weiss? Bereits bei vielen Brettspielen des Altertums - wie Petteia oder Ludus latruncolorum - war ein weisses rechtes Eckfeld vereinbart, und hieraus ergibt sich ein kulturhistorischer Anhaltspunkt für eine mögliche Deutung dieses Brauchs. Im antiken Vogelflug-Orakel stieg nämlich bei glücklicher Bedeutung rechts ein weisser Vogel auf, während das Erscheinen eines schwarzen Vogels auf der anderen Seite Unglück brachte. Die Spieler versuchten vermutlich den guten Orakel-ausgang zu übertragen, indem sie das Eckfeld zur Rechten weiss wählten. Das stellte für quadratische Bretter kein Problem dar, weil jeder Spieler ein weisses Eckfeld bekam. Möglicherweise hat sich auch im Schachspiel dieser Brauch eingebürgert.
Die besondere Gattungsart des Schachbrettes, seine äusserst charakterische Erscheinung wurde in allen Kultursprachen Ausdruck für die Bezeichnung einer der Felderaufteilung des Brettes entsprechenden Musterung. Die altdeutsche Heraldik bezeichnete sie mit "underschakieret" oder "schach-zabeleht". Aufgrund eines mit Schachbrettmustern versehenen Bodens oder Tisches nannten die Normannen in England und Frankreich den Obersten Gerichtshof "sacaritum" (französisch: eschequier oder eschiquir).
Spielbretter waren schon immer das besondere Zentrum menschlicher Begegnungen. Der berühmte Dominikanerprediger Jacopo da Cessole (geboren in Cessole d'Asti) schrieb an einer bedeutenden Stelle seines Traktats "Liber de moribus hominum et officiis nobilium super ludo scachrum" über das Schachbrett: "Es sei die Stadt Babel un die Ränger des Brettes wären die mächtigen Stadtmauern." Im weitern: "Das Schachbrett mag die Stadt, wie wir vorher nannten, darstellen; aber es bedeutet zudem das ganze Reich und sogar das Weltall…"
Auszüge aus "1889-1989 100 Jahre Schweizerischer Schachverband", geschrieben von Alex Crisovan, erschienen 1989, Zürcher AG (Zug)