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Wenn Sie am Klavier sitzen und einen Ton um eine Oktave höher erklingen lassen wollen, müssen Sie Ihre Finger um zwölf Tasten nach rechts bewegen. Wandert man Taste für Taste nach rechts, könnte man meinen, dass sich die Tonfrequenz gleichmässig erhöht. Tatsächlich jedoch ist die Frequenzerhöhung in der Musik nicht kontinuierlich: Von einer Oktave zur nächsten findet jeweils eine Verdoppelung der Frequenz statt.
Die Evolution hat es eben sehr schön eingerichtet: Der Homo sapiens hört je nach Alter und Lautstärke beginnend bei einer Frequenz von etwa 20 Hz bis knapp 20 000 Hz. Das ist genau der Bereich, den man zum Überleben an Land früher brauchte, um Gefahr und Jagdmöglichkeit rechtzeitig zu erkennen. Ein grösserer Hörbereich brachte keine Vorteile und setzte sich nicht durch. (Dies ist nicht zu verwechseln mit der auch heute noch zu beobachtenden Fähigkeit gewisser Leute, generell nur das zu hören, was sie wollen.)
Wenn Sie selber nachrechnen und bei 20 Hz beginnend die Frequenzen verdoppeln (was jeweils einer Oktave entspricht), kommen Sie innert 10 Verdoppelungen von 20 Hz auf etwa 20 000 Hz. Wir können also knapp 10 Oktaven hören. Das Klavier hat etwa 7 Oktaven, und zwar im unteren Bereich der hörbaren Frequenzen: von gut 30 Hz bis rund 4000 Hz. Probieren Sie es selber aus: Sie merken, dass Sie bei den untersten Tasten kaum tiefer hören würden – oben hat es dagegen noch Platz für mehr als 2 Oktaven. Unsere Sprechhöhe ist in der Mitte des Klaviers angesiedelt.
Und wo ist der Ton, den Sie in der Oper nie wirklich geniessen können, weil ihn die Sängerin (auf die männliche Form wird verzichtet) entweder nicht trifft oder falls doch der nachfolgende Szenenapplaus der exaltierten Nouveau Riches jeden Genuss eines Connaisseurs verhindert? Das berühmte dreigestrichene f in der Rachearie aus Mozarts «Zauberflöte» ist physikalisch gesehen gar nicht so hoch: Es liegt bei 1397 Hz – also etwa 4 Oktaven vom höchsten hörbaren Ton entfernt.