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Juni 1949 ein erstes und bislang einziges Mal aus der höchsten Schweizer Fussball-Liga abstieg, kam einiges zusammen. Ein überraschender 4:1-Sieg der Young Fellows Zürich in Biel, ein verschossener Penalty von Fredy Bickel, der GC beim 1:1 gegen Locarno einen rettenden Punkt kostete, und ein ausgebliebener zweiter Penaltypfiff zu Gunsten der Grasshoppers nach einem Foul an Roger Quinche.
Diesmal ist der Gang in die Zweitklassigkeit auf logische Gründe zurückzuführen. Der Rekordmeister stellt mit lediglich 28 Toren die klar schwächste Offensive der Liga, 17 der bislang absolvierten 32 Runden lag der Zürcher Klub am Tabellenende. Und anders als vor 70 Jahren muss man sich heute grosse Sorgen um den Traditionsverein machen.
Bestenfalls wird die Challenge League für GC zur revitalisierenden Zwischenstation, schlimmstenfalls aber droht der nächste Schritt auf dem Niedergang der einst grössten Fussball-Marke der Schweiz. Denn bis vor 15 Jahren waren die Grasshoppers noch die Topadresse im hiesigen Fussballgeschäft.
Wo heute Nachwuchsspieler oder anderswo gescheiterte Fussballer ihre Karriere anzukurbeln versuchen, wollte bis zur Jahrtausendwende fast jeder Schweizer hin. Wer Titel und Trophäen gewinnen wollte, für den war GC der Weg. «Diese zwei Buchstaben, die waren etwas Besonderes, etwas Besseres», erzählte Ex-GC-Goalie Martin Brunner gegenüber dem Fachmagazin «Zwölf». Brunner errang in seiner Zeit bei GC von 1983 bis 1994 drei Schweizer Meistertitel und holte vier Mal die Cup-Trophäe, wenig später begann beim Rekordmeisters der Abstieg.
Am bedeutsamsten war die GC-Ära Ende der Siebzigerjahre. Der Zürcher Klub erreichte eine Strahlkraft, die weit über die Landesgrenzen hinaus ihre Spuren hinterliess. Etwa durch den Erfolg gegen das grosse Real Madrid 1978 im Meistercup-Achtelfinal oder das Erreichen des UEFA-Cup-Halbfinals in der Saison davor. «Damals hatte bei GC jeder dieses Sieger-Gen eingeimpft», sagte der frühere GC-Verteidiger Roger Wehrli. «Für mich gab es kein schöneres Gefühl, als das GC-Trikot überzuziehen.» Wehrli wechselte 1977 von Winterthur nach Zürich und spielte während acht Jahren für die Grasshoppers, mit denen er vier Meistertitel und einen Cupsieg feierte.
GC bastelte in dieser Zeit intensiv an seinem Image als mondäner Zürcher Fussballverein. Dazu passte etwa die Verpflichtung von Welt- und Europameister Günter Netzer, der im Sommer 1976 von Real Madrid in die Limmatstadt wechselte. Ausserdem wurden die Meisterteams dieser Jahre von Trainergrössen wie Hennes Weisweiler oder Timo Konietzka betreut. Früher hätten die Gegner die Grasshoppers beneidet oder gefürchtet, sagt Wehrli. «Heute wird der Klub nur noch bemitleidet».
Die Trendwende bei GC folgte im März 2003 mit dem Ausstieg der Geldgeber und Besitzer Rainer E. Gut und Fritz Gerber, plötzlich hiess es beim Nobelklub sparen statt kleckern. Den Grasshoppers, 1886 gegründet, wurde über 100 Jahre nach der Vereinsgründung eine neue Philosophie verordnet: vom Nobelklub zur «GC-Family». GC verlor seine finanzielle Stütze, es verlor aber auch seine Identität - und hat bis heute keine neue gefunden. Der letzte der 27 Meistertitel liegt 16 Jahre zurück, die letzte Trophäe stemmte GC 2013 nach dem Triumph im Cup.
Trotz der letzten Krisenjahre sitzt der Schock über den drohenden Abstieg des Rekordmeisters bei Anhängern wie Wehrli tief in den Knochen: «Mich schmerzt es extrem, diese Phase miterleben zu müssen, wahrscheinlich mehr als die derzeit aktiven GC-Spieler.» Er hoffe darauf, dass die Weichen richtig gestellt worden seien und GC schnellstmöglich wieder in die Super League zurückkehren könne. Hoffnung gibt einmal mehr der Blick zurück auf bessere Zeiten: Zwei Jahre nach dem Abstieg 1949 kehrte GC in die Erstklassigkeit zurück - und wurde Meister.