Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03516.jsonl.gz/1190

Als Konsequenz fordert der EU-Bericht weitgehende Änderungen bei der Zucht. So sollte das Personal besser geschult werden und genaue Daten über ihre Tätigkeit und die Lage der Tiere erheben. Unabhängige Experten sollten mindestens einmal im Jahr die Pelzfarmen untersuchen, Tötungsarten sollten verbessert werden. Schließlich sollte "die Verstümmelung von Tieren etwa durch das Ziehen der Zähne verhindert werden".
Der Bericht des Expertengremiums stößt beim Bundesministerium für Verbraucherschutz auf großes Interesse. "Wir haben auf diese Studie gewartet, um unsere Richtlinien für die Pelzzucht festzulegen", erklärte eine Sprecherin gegenüber der taz. Erst im Dezember hatten die Bundesländer den Bund aufgefordert, eine solche Richtlinie zu erarbeiten. Im November war Schleswig-Holstein im Bundesrat nur knapp an einem generellen Verbot der Pelzzucht in Deutschland gescheitert. (taz, 28. Dezember 2001)
Die Sprache ist wissenschaftlich-neutral, doch sie enthüllt millionenfaches Leid: "Der typische Nerzkäfig behindert das Wohlergehen der Tiere, weil er wichtige Bedürfnisse verweigert. Auch der typische Fuchskäfig verweigert den Tieren wichtige Bedürfnisse." Und auch bei Chinchillafarmen sind "Schwierigkeiten offensichtlich". "Weil die momentanen Aufzuchtsysteme für alle Pelztiere schwere Probleme verursachen, sollten neue Käfige entworfen werden, die den Bedürfnissen der Tiere entsprechen." Das sind Schlussfolgerungen des Berichts über "Das Wohl von Tieren in der Pelzzucht", den der "Wissenschaftliche Ausschuss für Tiergesundheit und artgerechte Haltung" der EU-Kommission nun vorgelegt hat.
In dem detaillierten Report bestätigen die Experten der EU-Kommission Befürchtungen von Tierschützern. Demnach sterben etwa 20 Prozent der jungen Nerze kurz nach der Geburt. 31 bis 85 Prozent der Nerzweibchen in Pelzfarmen zeigen gestörtes Bewegungsverhalten, viele Tiere fügen sich selbst Bisswunden an Schwanz und Pelz zu. Bis zu 45 Prozent der Füchse werfen keine Jungen oder ziehen sie nicht auf, viele leiden unter "abnormem Verhalten", reagieren angstvoll, verstümmeln sich selbst, sind in ihren Bewegungen gestört oder töten ihren Nachwuchs. Die Experten fordern, die Züchter besser auszubilden und zu überwachen, keine wilden Tiere zu fangen, das Futter genau zu kontrollieren und die Käfige vor Hitze und Kälte zu schützen. Alle Tiere, mahnt der Bericht, "sollen Zugang zu Objekten haben, die normales Verhalten befördern."
Der Bericht kümmere sich nur um die wissenschaftlichen Fragen, betont der Ausschuss. Die Zucht werfe aber auch "ethische Fragen" auf. Die haben Tierschützer immer wieder laut gestellt. Nach Angaben der Organisation "Vier Pfoten" werden in Europa allein 30 Millionen Füchse und Nerze gehalten, um zu Pelzmänteln verarbeitet zu werden, 300.000 davon in Deutschland. Dabei würden die Tiere, die in der Wildnis viel laufen, graben und schwimmen, zu zweit, zu dritt oder sogar zu viert in Käfige gezwängt, die so groß wie fünf DIN A 4-Blätter seien, heißt es von "Vier Pfoten": "Das Streifgebiet des Nerzes beträgt das Zehnmillionenfache der Käfiggröße."
Ein Vorstoß zum generellen Verbot der Pelzfarmen in Deutschland durch Schleswig-Holstein scheiterte im November knapp. Die Länder beauftragten auf Vorschlag von Bayern den Bund, die Haltungsrichtlinien für die Pelzzucht schärfer zu fassen. Das will das Bundesverbraucherministerium jetzt aufGrundlage des EU-Berichts tun. (taz, 28. Dezember 2001)