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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

23. Vortrag.
7.
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von sich selbst tun, als was er den Vater tun sieht; denn was immer jener macht, das macht auch der Sohn auf gleiche Weise“: den Himmel, die Erde, das Meer, was am Himmel ist, was auf Erden ist, was im Meer ist; das Sichtbare, das Unsichtbare, die Tiere auf Erden, die Gesträuche auf den Feldern, die Fische im Wasser, die Vögel in der Luft, die Sterne am Himmel; außer all diesem die Engel, die Kräfte, die Throne, die Herrschaften, die Fürstentümer, die Mächte: „alles ist durch ihn geworden“1. Hat Gott etwa dies alles gemacht und, nachdem es gemacht war, dem Sohne gezeigt, damit auch er eine zweite Welt, angefüllt mit all diesem, mache? Sicher nicht. Aber was hat er dann gemacht? „Denn, was immer jener macht, das“ ― nicht anderes, sondern „das macht auch der Sohn“, und nicht auf andere Weise, sondern „auf dieselbe Weise. Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst macht“. Der Vater zeigt dem Sohne, daß die Seelen auferweckt werden, weil die Seelen durch den Vater und den Sohn auferweckt werden und die Seelen nicht leben können, wenn ihr Leben nicht Gott ist. Wenn also die Seelen nicht leben können, wenn ihr Leben nicht Gott ist, wie sie selbst das Leben der Leiber sind, dann macht der Vater, was er dem Sohne zeigt, d. h. was er macht, durch den Sohn. Denn nicht dadurch, daß er es macht, zeigt er es dem Sohne, sondern dadurch, daß er es zeigt, macht er es durch den Sohn. Es sieht nämlich der Sohn, wie der Vater es zeigt, noch bevor etwas geschieht, und durch das Zeigen des Vaters und das Sehen des Sohnes geschieht das, was vom Vater durch den Sohn geschieht. So werden die Seelen auferweckt, wenn sie dieses Band der Einheit sehen können, wie nämlich der Vater zeigt und der Sohn sieht, und wie durch das Zeigen des Vaters und das Sehen des Sohnes dies geschieht, was weder der Vater noch der Sohn ist, sondern unter [S. 397] dem Vater und dem Sohne ist, was immer vom Vater durch den Sohn geschieht. Wer sieht das?
1: Joh. 1, 3.