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Nur einige Kilometer von Lausanne, kurz nach Mézery und vor Cossonay hat das Dorf von Mex das Privileg, zwei Schlösser sein Eigen zu nennen. Und da beide Schlösser in Mex liegen, unterscheidet man sie nur, indem man über das obere und untere Schloss spricht. Das letztere ist zweifellos das eleganteste, auch das älteste, da man über das befestigte Haus von Mex schon im 14. Jahrhundert sprach. Das obere Schloss dagegen, datiert aus dem 18. Jahrhundert.
Auf der Strasse von Cossonay bemerkt man kaum das untere Schloss, das von hohen Mauern und Vegetation verborgen ist. Mex ist eines der erfolgreichsten und vollständigsten Zusammenschlusses aus dem Beginn der Renaissance im 17. Jahrhundert im Waadtland. Die Arkadebalkone, die die Fassade bedecken, von einem Turm zum anderen, geben dem Schloss eine gewisse Eleganz, einen fast italienischen Charakter. Ein Datum ist auf einem Fensterbrett eingeritzt, das vermuten lässt, dass die Fassade in 1656 erneuert wurde. Die zwei Balkone könnten also gut aus dieser Zeit stammen.
Das obere Schloss dagegen scheint fast schmucklos mit seinen architektonischen Verzierungen. Streng in seiner Konstruktion behält es jedoch den sperrigen Charakter, mit breiten Fenster durchzogen, eines Schlosses.
Wie das untere Schloss, gehörte das obere Schloss der Familie Charrière. Diese Familie spielte "eine wichtige Rolle in Cossonay, ein Dorf im Waadtland, und in der benachbarten Gegend, wo sie seit dem 16. Jahrhundert mehrere Herrschaften besass ... ", schrieben Herr und Frau William de Sévery zu Beginn unseres Jahrhunderts. In der Tat wurde unter dem Einfluss der Charrière von Sévery das kleine Dorf von Mex eines der Anziehungszentren für die "gute Gesellschaft" von damals.
Eines der interessantesten Schlossherren von Mex war ohne Zweifel Salomon de Charrière de Sévery, geboren in Lausanne am 4. Juni 1724. Der letztere führte eine glänzende Karriere in Europa unter anderem als Erzieher der Söhne des Prinzen von Hessen-Kassel und der königlichen Prinzessin, die Tochter des Königs von England, in 1750. Als Salomon de Charrière de Sévery am 17. März 1766 zurück ins Land kehrte, heiratete er die Tochter des Schlossherren von Isle. Als er die Mitregentenschaft der Herrschaft von Mex in 1780 erbte, liess er sich im oberen Schloss nieder, und liess dort eine schöne Zweitwohnung einrichten.
Salomon Charrière hatte einen abgehärteten Charakter. Als brillanter, schöner Mann, übte er auf seiner Umgebung eine gewisse Faszination aus. Allerdings vor seiner Ehe schien er besonders unter seiner Stellung als ledige Person zu leiden und beklagte sich manches Mal darüber. In der Tat hatte unser schöner Erzieher von Prinzen und Prinzessinnen für das weibliche Volk eine göttliche Anziehung: "Ich glaube, dass ich Mädchen besser verstehe als die Erziehung, ich sterbe von Verlangen, eines für das andere aufzugeben, diese Mädchen-Teufelinnen gehen mir durch den Kopf in der schönen Mitte der pathetischsten Rede und Ermahnung, die ich meinen Schülern mitteile", schrieb er seiner Mutter in 1754. Trotz allem, musste Salomon Charrière den Forderungen seines Standes entsprechen, indem er einen gewissen Humor behielt: "Ich bin an diesen Abend zu zwei Abendessen eingeladen, das eine, das den Prinzen wichtig ist, das andere, bei welchem eine schöne und reizende Gesellschaft anwesend sein wird. An welchen der beiden glauben Sie werde ich gehen?... Na gut, Sie irren sich, ich werde zu den Prinzen gehen und die andere Einladung bereuen".
Mit 39 Jahren musste Salomon, der sich alt fühlte, an ernsthaftere Sachen denken, und so bemühte er sich mehr um die Nachfolgerfrage, als aus seiner Lage als ledige Person herauszukommen: "Wenn Sie mir einen Vetter gegeben hätten, wäre er mein Erbe gewesen, und ich hätte ihn als meinen Sohn angenommen; da es nicht so ist, muss ich wohl oder übel meine Blutslinie selbst fortzusetzen. Ich glaube, dass ich mich damit ein wenig spät befasse; in allen Fällen wird es immer genug Leute haben, die uns vertreten und sich unsere Angelegenheiten annehmen wollen, die Gelegenheit wird es bestimmen ". Die Gelegenheit, so weiss man, war Fräulein Catherine de Chandieu "eine Person, die durch ihre Schönheit, ihren Geist, ihren Charakter und ihre Geburt hervorstach". Die letztere gab ihm einen Sohn und eine Tochter. Alles war besser.
Als das Paar das Schloss Mex zu seinem Sommerwohnsitz machte, wurden unermessliche Umbauten unternommen. Wenn man die Korrespondenz von Frau de Sévery jedenfalls glaubt, gingen die Arbeiten gut voran, trotz der aufgetretenen Schwierigkeiten. "Burnand ist hier, der die Pläne des Hauses aufhebt. Sie sind mit so aussergewöhnlich gewaltigen Fehlern gefüllt, die nichts Erträgliches daraus machen werden; ich weiss nicht, wofür man sich entscheiden wird, für mich, ich gestehe, dass ich es vom Grund bis zum Dach wiedermachen lassen werde, als Unterbringung. Mex verdient viel Rücksicht; auf der anderen Seite ist Lausanne ein kümmerlicher Ort. Es ist als würde man nur zur Hälfte leben, jetzt in Lausanne". Die Wünsche der Schlossherrin verwirklichten sich, da sie einige Monate später schreiben konnte: "Mex rückt nach unglaublichen Peinlichkeiten und viel ausgegebenen Geld vor, wir gehen endlich in die Richtung zur Erhöhung des Wohlstandes und der Ruhe, es ist Zeit. Morgen wird das Dach fertig, und das Innere schreitet vor; wir werden gut untergebracht, und man wird viele Bäume jedes Jahr pflanzen, wir wollen uns mit Grün umgeben und im Dickicht alle möglichen Pflanzen in diesem Land ansammeln. Es gibt bereits mehr als sechzig Sorten von Bäumen, Sträuchern und Pflanzen. Wir haben einen Garten, gegenüber dem Haus, einrichten lassen, dem wir im nächsten Jahr Form geben werden. Man wird eine Menge Spaliere von jeglichen guten Früchte entlang der Rebe anpflanzen... " Als der Wohnsitz eingerichtet wurde, empfing Catherine de Sévery dort eine Menge Freunde, unter welche, den ledigen Gibbon, der sich dort gerne aufhielt. Im Sommer gab die Madame manche Empfänge, an welche die beste Gesellschaft erschienen.
Das obere Schloss hat sich seit der Zeit von Catherine de Sévery kaum geändert. Umgeben von Grün behält es all seinen Charme.
Architektonisch gesprochen ist das untere Schloss das interessanteste. Mit seinen beiden viereckigen Türmen, wurde es zum richtigen Schloss "gemacht". In der Tat diente der kleinste der Türme, der von oben nach unten von einer Leitung durchquert wird, nur als Ort der Erleichterung, während der Breitere die Eingangstreppe schützte, die den Zugang zu den bekannten Balkons und auch den Stockwerken gewährt. Das Land, das das Schloss umgibt, ist grossartig; so weit man blickt, nicht ein Mauerwerk, nicht eine Konstruktion, die die natürliche Harmonie bricht.
Ab 1377 war das befestigte Haus von Mex abhängig vom Schloss Cossonay. Dieser vorgelagerte ort, der das kleine Venoge-Tal schützt, spielte nie eine wichtige Rolle in der Geschichte der Region. Immer, so scheint es, wurde das Schloss in die Rolle des Vergnügenwohnsitzes verwiesen, wo man sich gerne im Sommer zurückzog.
Am 18. Februar 1585 kaufte Georges-Francois Charrière das untere Schloss für "4800 Gold-Ecu ausser den Weinen". Die grossen in 1656 unternommenen Restaurierungen wurden von Jean-François Charrière, der zehn Jahre später starb, veranlasst. Schliesslich verkaufte August Charrière in 1773 die Mitregentenschaft von Mex an Philippe Plantamour. Dieser liess sich im unteren Schloss nieder und die sehr schönen landwirtschaftlichen Gebäude bauen, die den Hof seines Wohnsitzes umgeben. Später wurden die Geschichte des oberen Schlosses mit dem des unteren Schlosses verwechselt, da beide an Charrière von Sévery zurückkamen.

Die Flieger im Schloss de Mex
Am 31. August 1948 erhielt Anton Eric Scotoni vom Eidgenössischen Luftfahrtsamt in Bern die Genehmigung, das Luftfahrtgelände zu benutzen, das er auf dem Land der Familie beim Schloss Mex eingerichtet hatte, für seinen eigenen Gebrauch. Die Dimensionen der Landebahn im Gras betrugen 400 auf 30 Meter.
So fremd es sich auch anhört, das Gebiet des unteren Schlosses wurde dank dieser Landebahn gerettet. Zu dieser Zeit steuerte die Schlossherrin von Mex kleine Flugzeuge und lud gerne ihre Freunde ein. "Ich musste oft von Zürich nach Mex reisen und manchmal unter schwierigen Bedingungen". Aber in den siebziger Jahren war es vorgesehen, dass die Autobahn Lausanne-Yverdon am Schloss vorbeifahren sollte. Das hätte definitiv diese wunderbare Stelle zerstört. Durch Glück intervenierte das Eidgenössische Luftfahrtsamt, indem es sich solchen Plänen widersetzte, da diese private Landebahn als Hilfsgelände diente.
Die Landebahn wurde Ende der siebziger Jahre geschlossen.
Bibliographie