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Die Schweizer Direktinvestitionen im Ausland haben sich seit 1985 mehr als verzehnfacht. Diese dienen der Erschliessung neuer Absatzmärkte, vermehrt aber auch dem Aufbau globaler Produktionsstrukturen. Die Schweiz ist weltweit die zwölftgrösste Direktinvestorin und bezogen auf die Grösse der Volkswirtschaft gar das Land, das diestärkste Vernetzung mit den Weltmärkten aufweist; der Kapitalbestand von Direktinvestitionen im Ausland betrug 2006 130% des Bruttoinlandprodukts (BIP). Zum Vergleich: In den Niederlanden lag dieser Wert bei 99%, in Irland bei 57%.
Überaus dynamische Branchenentwicklung
Der Dienstleistungssektor machte im Jahr 2006 über 45% der Schweizer Direktinvestitionsflüsse und 60% des Kapitalbestandes an Direktinvestitionen im Ausland aus. Damit weisen die Dienstleistungsunternehmen bei den grenzüberschreitenden Investitionen einen geringeren Anteil als am BIP der Schweiz auf (73%). Dies dürfte daran liegen, dass der Marktzugang in vielen Dienstleistungsbranchen erst vor relativ kurzer Zeit liberalisiert wurde, hauptsächlich im Rahmen des Dienstleistungsabkommens der WTO (Gats). Die stärkste Zunahme der Direktinvestitionen – besonders der Banken und Versicherungen – wurde denn auch in den Neunzigerjahren verzeichnet. So belief sich im Jahr 1990 der Kapitalbestand von Direktinvestitionen der Banken auf 6,5 Mrd. Franken und derjenige der Versicherungen auf 9,6 Mrd. Franken. Bis ins Jahr 2000 nahmen die Direktinvestitionen der Banken im Ausland auf 52 Mrd. Franken und diejenigen der Versicherungen auf 90 Mrd. Franken zu. Trotz dieses enormen Wachstums ist die Globalisierung der Finanz und Assekuranz noch nicht abgeschlossen, da in vielen wichtigen Schwellen- und Entwicklungsländern weiterhin Marktzutrittsbarrieren bestehen. Die starke Zunahme der Direktinvestitionen der Unternehmen in der Kategorie Chemie und Kunststoffe von 62 auf 120 Mrd. Franken in nur vier Jahren geht auf die Wachstumsdynamik der schweizerischen Pharmaunternehmen zurück (siehe Tabelle 1. Dadurch wurde diese Branche zur grössten Direktinvestorin der Schweizer Wirtschaft. Die Direktinvestitionen umfassen nicht nur Produktionsanlagen und Vertriebsgesellschaften, sondern vermehrt auch Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E). Ein Grossteil der privaten Forschungsausgaben in der Schweiz entfällt auf diese Branche, wobei rund die Hälfte im Ausland investiert wird (2004). Die Unternehmen der Metall- und Maschinenindustrie haben von 2002 bis 2006 ihre Direktinvestitionen um 75% erhöht. Zusammen mit den Unternehmen aus Elektronik, Energie, Optik und Uhren verfügt der Schweizer Wirtschaftsstandort über Industrien, die sich seit Jahrzehnten über Direktinvestitionen auf die Weltmärkte ausgerichtet haben. Bereits zu Beginn der Erfassung der Direktinvestitionen im Jahr 1985 betrug der Kapitalbestand 6,6 Mrd. Franken bei der Maschinen- und 3,5 Mrd. Franken bei der Elektronikindustrie. Auffallend ist auch die ausgeprägte Zunahme der Direktinvestitionen der schweizerischen Textil- und Bekleidungsindustrie. Hierbei handelt es sich bezogen auf den Zeitraum 2002 bis 2006 aber um einen statistischen Effekt, da im Jahr 2003 die Erhebung auf mehr Unternehmen dieser Branche ausgedehnt wurde (erfasster Kapitalbestand 2003 9,4 Mrd. Fr.). Somit hat die Zunahme der Direktinvestitionen bereits vor 2002 stattgefunden. Zudem hat eine relativ kleine Zahl von Unternehmen einen grossen Anteil an den Direktinvestitionen. Dennoch weisen die Zahlen auf eine erfolgreiche Integration der schweizerischen Textilbranche in den Weltmarkt hin. Mit dem Aufbau von Produktionsstätten im Ausland wurde nicht nur auf den Kostendruck im Textilmarkt reagiert, sondern es wurden dadurch auch neue Märkte erschlossen. Den in der Schweiz ansässigen Textilunternehmen erlaubte dies die Spezialisierung auf Bereiche mit hoher Wertschöpfung.
Zusammenhänge zwischen Technologiestandort und Direktinvestitionen
Auch der internationale Technologietransfer, der in den vergangenen Jahren immer bedeutender geworden ist, wird durch Direktinvestitionen stark geprägt. Da multinationale Unternehmen in der Lage sind, innovative Produkte weltweit zu vermarkten, haben sie hohe Anreize zu Investitionen in F&E. Diese Investitionen in neue Technologien erfolgen vermehrt grenzüberschreitend, was unabdingbar für die strategische Ausrichtung der Unternehmen ist. Die Schweiz wurde in den vergangenen Jahren zum Nettoimporteur von Technologie, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Wirtschaftsstandorts stärkt. Insgesamt beträgt der Überschuss in der Handelsbilanz 2006 bei den Hochtechnologieprodukten mehr als 10 Mrd. Franken. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die fünf grössten multinationalen Unternehmen der Schweiz schätzungsweise 60% der privaten Ausgaben für F&E tätigen. Offensichtlich sind neue Technologien eng mit den grössten Direktinvestoren der Schweizer Volkswirtschaft verbunden. Die Erträge vor Ort, die bei den Direktinvestitionen im Ausland erwirtschaftet werden, ermöglichen wiederum die Finanzierung neuer Investitionen in F&E. Wenn der Anteil technologieintensiver Güter und Dienstleistungen am Welthandel weiter zunehmen wird, dürften in der Folge strategische Direktinvestitionen in Hightech-Unternehmen im Ausland an Bedeutung gewinnen. Die Schweizer Exporte von Hochtechnologieprodukten haben sich zwischen 1997 und 2006 von 18,7 auf 40,1 Mrd. Franken erhöht.
Herausbildung eines Headquarter-Clusters in der Schweiz
Eine Besonderheit der Schweizer Direktinvestitionen ist die grosse Bedeutung der Finanz- und Holdinggesellschaften, welche mit einem Kapitalbestand von 150 Mrd. Franken 24% der Schweizer Direktinvestitionen im Ausland halten, mehr als jede andere Branche. Besonders stark haben sich die Direktinvestitionen ausländisch beherrschter Finanz- und Holdinggesellschaften entwickelt, die in nur vier Jahren von 77 auf 117 Mrd. Franken (+52%) zunahmen. Hierbei handelt es sich häufig um so genannte Zwischengesellschaften. Diese Holdinggesellschaften siedeln zunehmend weitere Konzernfunktionen in der Schweiz an und umfassen regionale oder gar globale Headquarters grösserer multinationaler Unternehmen. Sie beinhalten Bereiche wie Finanzen, Steuern, Marketing bis hin zum Management von Konzerndivisionen. Angesichts der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren ein derart starker Zustrom ausländischer Holdinggesellschaften stattfand, kann von der Entstehung eines eigentlichen Headquarter-Clusters in der Schweiz gesprochen werden. Diese Gesellschaften fallen als Arbeitgeber, Steuerzahler und Auftraggeber für Beratungs- und Finanzdienstleistungen ins Gewicht. Der Trend könnte sich fortsetzen, wenn die Schweiz weiterhin international kompetitive Rahmenbedingungen aufweist und Konzernstrukturen – beispielsweise von den schnell wachsenden Unternehmen aus Schwellenländern – anzuziehen vermag. Der volkswirtschaftliche Vorteil solcher Konzernstrukturen liegt in der Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze. Nicht nur der Bereich der reinen Konzernleitungsfunktionen, sondern auch der Bereich F&E wird vermehrt in der Schweiz angesiedelt.
Direktinvestitionen: Wachstumstreiber für die Schweizer Volkswirtschaft
Der konzerninterne Austausch von Waren und Dienstleistungen macht rund einen Drittel des gesamten Welthandels aus. Direktinvestitionen versorgen die Volkswirtschaften mit produktivem Kapital. Zusammen mit dem Kapital exportieren die multinationalen Konzerne Know-how in Form von Managementwissen und Technologie in Länder, in denen sie über Tochtergesellschaften und Betriebsstätten verfügen. Die Schlüsselgrössen für die volkswirtschaftliche Bedeutung der Direktinvestitionen der international tätigen Konzerne im Ausland für die Schweiz sprechen für sich: – Bedeutende Arbeitgeber: Die schweizerischen Unternehmen mit Direktinvestitionen im Ausland beschäftigen rund 805000 Personen in der Schweiz sowie 2,2 Mio. Personen in ihren ausländischen Tochtergesellschaften und Betriebstätten. In der Schweiz entfallen unter Einbezug der ausländischen Firmen mit Betrieben in der Schweiz rund 1 Mio. Arbeitsplätze auf international tätige Unternehmen. SNB, Entwicklung der Direktinvestitionen 2006, Dezember 2007, S. 11-12. – Führende Exporteure: Ein Drittel der gesamten schweizerischen Exporte entfällt auf konzerninterne Lieferungen und Leistungen. Werden die direkten Exporte an ausländische Kunden hinzugerechnet, erbringen international tätige Unternehmen rund zwei Drittel der Schweizer Exportleistung, d.h. rund 117 Mrd. Franken für das Jahr 2006. Angaben und Schätzungen der Eidg. Zollverwaltung. – Zufluss von namhaften Kapitalerträgen in die Schweiz: Aus den Schweizer Direktinvestitionen im Ausland resultierten im Jahr 2006 Kapitalerträge in der Höhe von 69 Mrd. Franken (2007 gar 83 Mrd. Fr.). Die Kapitalerträge aus den Schweizer Direktinvestitionen sind mit Abstand die wichtigste Komponente der Kapitaleinkommen aus dem Ausland (Anteil 47% 2006). Zum Vergleich: Die Einnahmen aus Portfolioinvestitionen betrugen 2006 31 Mrd. Fr. resp. 23%. – Starke ausländische Direktinvestitionen in Schweizer Unternehmen: Die Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in der Schweiz sind bedeutend. Die Investitionsflüsse erreichten im Jahr 2006 33 Mrd. Franken, im Jahr 2007 gar rekordhohe 39 Mrd. Franken. Dadurch wird die Schweizer Wirtschaft zusätzlich in die Weltmärkte integriert. – Ergiebige Steuererträge von multinationalen Konzernen: Schätzungsweise über ein Drittel der Gewinnsteuern von Bund, Kantonen und Gemeinden, d.h. für 2007 mindestens 5 Mrd. Franken, stammt von den international tätigen Unternehmen. Hinzu kommen sehr hohe weitere Steuereinnahmen von den Unternehmen und ihren Angestellten (Kapitalsteuern, Stempelabgaben, Verrechnungssteuer, Mehrwertsteuer sowie Einkommens- und Vermögenssteuern etc.). – Bedeutender Technologietransfer von der und in die Schweiz: Der Forschungsplatz Schweiz profitiert enorm von den hier angesiedelten international tätigen Unternehmen. Die privaten F&E-Ausgaben in der Schweiz belaufen sich auf annähernd 10 Mrd. Franken. Viele multinationale Unternehmen investieren ein Vielfaches ihres Umsatzes in der Schweiz in F&E und ermöglichen unserem Land einen Spitzenplatz bezüglich der Innovationskraft. Die Schweiz gehört zu den Ländern mit dem höchsten Forschungsanteil der Privatwirtschaft.
Grafik 1 «Schweizerische Direktinvestitionen im Ausland, 1985-2006»
Grafik 2 «Kapitalerträge aus Schweizer Direktinvestitionen, 1998-2007»
Tabelle 1 «Schweizerische Direktinvestitionen im Ausland»
Kasten 1: Direktinvestitionen
Gemäss Definition der SNB soll mit Direktinvestitionen ein dauerhafter und direkter Einfluss auf die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens im Ausland ausgeübt werden. In der Regel handelt es sich ab einer Beteiligung von mindestens 10% am stimmberechtigten Kapital einer Unternehmung im Ausland oder bei der Gründung einer Tochtergesellschaft um eine Direktinvestition. Somit sind Direktinvestitionen zu unterscheiden von Portfolioinvestitionen, die dem Anlagezweck dienen.Beim Vergleich der Branchen ist zu beachten, dass die Direktinvestitionen statistisch zu Buchwerten erfasst werden. Dies führt dazu, dass Direktinvestitionen, die vor Jahrzehnten getätigt wurden, relativ tief bewertet sind, während solche aus der jüngeren Vergangenheit – z.B. kürzlich erfolgte Übernahmen – zu höheren Marktwerten erfasst werden.