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Einhaltung von Minergie- und SIA 180-Standards
Klassische Blower-Door-Tests werden üblicherweise durchgeführt, um die Luftdichtigkeit von Gebäudehüllen oder Wohnungen nachzuweisen, insbesondere im Kontext von Minergie-P-Bauten. Dabei ist es entscheidend, den vorgegebenen Anforderungswert des Minergie-Vereins für Minergie-P-Gebäude einzuhalten. Das Hauptziel besteht darin, den unkontrollierten Wärmeverlust durch Druckunterschiede in der Gebäudehülle zu begrenzen und gleichzeitig Geruchsübertragung in Wohnungen zu verhindern. Es ist wichtig zu beachten, dass Grenzwerte zur Luftdichtigkeit nicht nur von Minergie, sondern auch von der Norm SIA 180 festgelegt werden – ein Aspekt, der oft übersehen wird.
Anwendungen und Durchführung von Blower-Door-Messungen
Wie die Installation und Anwendung der Blower-Door Messutensilien funktioniert, wird durch das nachfolgende Video illustriert:
A-Wert Messung: Bestimmung der Luftwechselrate von Fenstern für präzise Analysen
Eine weitere Variante der Blower-Door-Anwendung ist die a-Wert Messung. Bei einer solchen Messung wird die Luftwechselrate von eingebauten Fenstern bestimmt, um diese dann mit Laborwerten vergleichen zu können.
Bei einer a-Wert Messung wird auf das zu untersuchende Fenster eine Folie mit Lochblende aufgebracht. Mit dem Ventilator wird eine Druckdifferenz erzeugt, die sich im Hohlraum zwischen Fenster und Folie fortsetzt- die Folie wölbt sich deshalb langsam nach innen.
Der Volumenstrom, der durch die Fensterfugen eindringt, wird mit Hilfe einer Lochblende mit definierter Öffnung und der Druckdifferenz vor und nach der Blende (Δp Blende) ermittelt.
In Gutachten werden a-Wert-Messungen oft verwendet, um bei Behaglichkeitsproblemen festzustellen, ob undichte Fenster vorliegen oder ob es sich um ein Problem mit Kaltluftabfall handelt. Obwohl die a-Wert-Messung ursprünglich für In-situ-Messungen von Fenstern entwickelt wurde, können auch Teilbereiche von Fassaden oder Gebäudeteile auf ihre Luftdichtigkeit überprüft und quantifiziert werden.
Luftdichtigkeitstests in Bauschadenanalysen: Über Grenzwerte hinaus denken
Die Einhaltung festgelegter Anforderungen und Grenzwerte der Luftdichtigkeit von Gebäudehüllen garantieren noch keine Bauschadensfreiheit. Aus diesem Grund werden bei Bauschadenanalysen, bzw. zur Sicherstellung der Bauschadensfreiheit, Luftdichtigkeitstests mittels Strömungsprüfröhrchen oder Disconebel angewandt. Für deren Beurteilung im Hinblick auf die Bauschadensanfälligkeit wird das langjährige Fachwissen und Know-how eines Bauphysikers benötigt.
Vorgehensweise und Zielsetzung bei einer Leckagen-Suche
Im Gegensatz zu Blower-Door-Messungen, aus welchen ein genauer Messwert zur Beurteilung der Luftdichtigkeit der Gebäudehülle resultiert, dienen Leckage-Suchen dazu, bauteilspezifische Luftundichtigkeiten in der Gebäudehülle, im vorliegenden Fall bei den raumumgebenden Wänden, zu finden.
Dazu wird im zu untersuchenden Raum mit dem Ventilator - analog den Blower-Door-Messungen - ein Unterdruck erstellt.
In einem ersten Schritt wird dann mittels Luftströmungsprüfröhrchen entlang den kritischen Stellen (Bauteilübergänge, Abklebungen, Leitungsdurchdringungen usw.) nach Luftundichtigkeiten (Leckagen) gesucht. Gefundene Leckagen werden markiert.
In einem zweiten Schritt wird der Raum komplett mit einem dichten langanhaltenden Nebel (analog Disco-Nebel) gefüllt. Durch den Überdruck im Raum wird der Nebel durch vorhandene Luftundichtigkeiten gedrückt und tritt dann ausserhalb des Raumes wieder auf.
Diese zwei Verfahren geben Rückmeldung auf mögliche Leckagen. Mit den Strömungsprüfröhrchen können die Luftundichtigkeiten punktgenau eruiert werden. Mit dem Nebelverfahren werden auch mögliche Luftundichtigkeiten sichtbar, die an unvermuteten, unzugänglichen und versteckten Stellen liegen oder solche, die mit den Luftströmungsprüfröhrchen übersehen wurden.
Unterstützende Massnahmen zur Leckagensuche bei Bauschäden
Für weitere Untersuchungen zu Bauschäden wird das Luftdichtigkeitsmessverfahren gerne in Kombination mit Wärmebildkameras eingesetzt.
Dazu gibt es das etwas kompliziert anzuwendende Differenzbildverfahren. Wir setzen deshalb gerne auf die nachfolgend beschriebene, vereinfachte Anwendung ein:
In einem ersten Schritt erstellen wir bei aussenliegenden Gebäudeteilen oder -anschlüssen, z.B. bei Fensteranschlüssen, einer Stelle mit Schimmelbildung oder sonst einem zu untersuchenden Bauteil mit der Infrarotthermographie Kamera ein Foto. Den genauen Aufnahmestandort und die Höhe der Kamera dokumentieren wir. Darauffolgend wird das Gebäude oder der entsprechende Raum während 15 Minuten in einen definierten Unterdruckzustand (z.B. -50 Pa) gesetzt. Die Aufnahmen mit der Infrarot-thermographie Kamera wiederholen wir nach besagten 15 Minuten am dokumentierten Standort mit denselben Einstellungen nun nochmals.
Im Büro können wir die beiden Fotos nun nebeneinanderlegen und die gemessenen Oberflächentemperaturen vergleichen. So wird schnell und einfach erkennbar, ob es sich an der betreffenden Stelle um eine Auskühlung durch Luftundichtigkeiten handelt oder ob eine Wärmebrücke zum Bauschaden führt.
Kurz zusammengefasst:
Blower-Door-Messungen dienen nicht nur zur Überprüfung der Luftdichtigkeit der Gebäudehülle, sondern stellen auch ein starkes, effizientes Tool bei Leckagensuchen zur Untersuchung und Eruierung sowie Vermeidung von Bauschäden dar.