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Ist das wirklich so, dass die heutigen Zinsen in der Schweiz rekordtief sind?
Möchte man die frühere Entwicklung der Zinsen in der Schweiz betrachten, so fokussiert man sich am besten auf den Diskont- und den Lombardzinssatz bis ins Jahr 2000 bzw. 2005 sowie den 3-Monats-LIBOR in jüngster Vergangenheit. Der LIBOR ist übrigens derjenige Satz, der zur Vergabe von Krediten ohne Sicherheiten zwischen Banken zur Anwendung gelangt. Bei der Analyse dieser Zahlen lässt sich unschwer erkennen, dass die Leitzinsen in den letzten 100 Jahren effektiv noch nie so tief waren wie zum jetzigen Zeitpunkt – der eingangs skizzierte Eindruck scheint sich also zu bestätigen.
Im Wesentlichen lassen sich bzgl. Zinsentwicklung je zwei lokale Hochs und Tiefs lokalisieren:
- Tief 1 von 1929 – 1933: Die Jahre der Grossen Depression.
- Tief 2 von 1939 – 1956: Das war die Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg, in der ähnlich wie heute, der sichere Hafen des Schweizer Frankens die Zinsen in die Tiefe drückte.
- Hoch 1a und 1b im Jahr 1973 bzw. 1979: Die starken Anstiege des Ölpreises in den Jahren 1973 und 1979/1980 hinterliessen ihre Spuren. In beiden Fällen lässt sich ein signifikanter Zinsanstieg feststellen. Die damalige Benzinkrise ist legendär – man denke nur an die Sonntagsfahrverbote zurück sowie auch an die aus dieser Zeit stammenden Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Autobahnen und Überlandstrassen, die bis heute geblieben sind.
- Hoch 2 von 1989 – 1991: Der starke Anstieg zwischen 1989 bis 1991 ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen: Einerseits war die Schweizer Wirtschaft überhitzt, es entstand eine spekulative Immobilienblase, die übrigens auch heutzutage vermutet wird. Ebenfalls befand sich die Inflation auf einem hohen Niveau. Und zudem waren die USA von 1987 bis 1990 von einem Klima der Börsencrashes geprägt.
Aber wie geht die Zinsentwicklung nun weiter?
Angesichts des historisch tiefen Zinsniveaus, auf dem wir uns befinden, mag man ja denken, wenn der Zins so weit unten ist, kann er ja nur noch wieder steigen. In einer bestimmten späteren Zeit wird das wohl so sein nur wann? Wir erinnern uns: Schon vor zwei, drei Jahren wurden wir gewarnt, nun müsse es doch wieder aufwärts gehen – man mag es meinen, wenn man die Kurven und Graphen anschaut, die Wirtschaft sieht das anders, warum auch immer. Die Probleme rund um die Schweiz herum lassen aber eher vermuten, dass die Zinskurve zumindest noch einige Zeit flach bleibt und somit Kapital günstig bleibt – ob allerdings zum Nutzen aller, das ist eine ganz andere Frage. Aus Sicht des Controlling dürfte also kein Weg daran vorbei führen, die aktuelle Datenlage in die Planungen zu integrieren und frühere Gewohnheiten und Durchschnittszinsen temporär zu vergessen.
Zum Schluss hier noch ein abschliessender Hinweis
Zinsen gibt es übrigens, wie wenig bekannt ist, schon länger als Banken: Eine buchmässige Verrechnung von Forderungen wurde schon im zweiten Jahrhundert vor Christus praktiziert, d.h. schon lange bevor die ersten Banken in den Geschichtsbüchern auftauchten. Zinsen sind eigentlich so alt wie das Eigentum – wer Geld verleiht, verzichtet für eine gewisse Zeit auf sein Eigentum und möchte dafür entschädigt werden.