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Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis beginnt Nabeel Masih, im freien Leben wieder Fuss zu fassen. Der junge Christ absolviert eine Ausbildung als Coiffeur, lernt Englisch, Mathematik und Urdu. Doch die Verpflichtung, regelmässig vor Gericht zu erscheinen, setzt ihm zu. Zudem hat er Angst, sein Zuhause zu verlassen. CSI hat ihn in Pakistan getroffen.
Stolz präsentiert Nabeel Masih sein Motorrad, mit dem er täglich zur Arbeit fährt. csi
Nabeel Masih war erst 16 Jahre alt, als er der Blasphemie angeklagt wurde. Er wurde zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und sass über vier Jahre in Einzelhaft (CSI berichtete mehrmals darüber). Am 18. März 2021 wurde er auf Kaution freigelassen.
Es war nicht einfach, jemanden zu finden, der für seine Kaution bürgen würde. Ein wohlhabender Christ erklärte sich dazu bereit.
Die Auflagen nach seiner Entlassung sind keine leicht zu nehmende Hürde. Nabeel muss alle zwei Wochen vor Gericht erscheinen, um nachzuweisen, dass er das Land nicht verlassen hat. Das Gericht befindet sich in Bhattoki, nahe des Ortes, an dem Nabeel zuvor lebte.
Nabeels Anwalt, der einen Freispruch beantragt hat, setzt sich dafür ein, dass sein Mandant von dieser Pflicht entbunden wird. Denn wenn Nabeel vor Gericht erscheint, wird er jedes Mal mit einer grossen Menschenmasse konfrontiert, die ihn bedrängt und anklagt. Die CSI-Partner, die Nabeel jeweils begleiten, bringen zu ihrer eigenen Sicherheit immer einen Polizisten mit. Der Sicherheitsdienst des Gerichts unternimmt nichts, um sie zu schützen.
Nabeel hat von seinen Brüdern Motorradfahren gelernt. Seit Ende Januar 2022 fährt er mit einem von CSI finanzierten Motorrad zu einem christlichen Coiffeur, um bei ihm eine Ausbildung zu absolvieren. Danach soll er dort weiter beschäftigt werden. «Ausserdem lerne ich bei einem Privatlehrer jeden Tag zwei Stunden Englisch, Mathematik und Urdu. Ich lerne sehr gerne», betont er freudig.
Nabeel tut sich noch in einem ganz anderen Bereich schwer: «Ich fühle mich unsicher, wenn ich unser Haus verlasse. Ich habe Angst, dass mich vielleicht jemand erkennen könnte.» Doch selbst zu Hause bleibt er am liebsten allein in einem Zimmer. «Das gibt mir ein Gefühl der Sicherheit.»
Der Unterschied zu den letzten Jahren könnte nicht grösser sein: Im Gefängnis wollte er unbedingt ein menschliches Gesicht sehen. Doch mit der Zeit gewöhnte er sich an die Isolation in der Einzelzelle. Deshalb zieht er es jetzt vor, allein zu sein.
Nabeels Leben hat sich in den vier Jahren seiner Inhaftierung verändert. Er braucht Zeit, sich in der freien Welt zurechtzufinden. CSI wird ihn und seine Familie weiterhin unterstützen.
Reto Baliarda