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Geologie
Damals dehnte sich im Gebiet der heutigen Alpen und über Norditalien ein Ozean aus. Er reichte bis in den Raum nördlich des Bodensees. Dort befand sich der Südrand des damaligen europäischen Festlandes. Die Nordküste des afrikanischen Kontinents lag in der Gegend des heutigen Rom. Sowohl vor den Küsten Europas (in der heutigen Gegend des Säntismassivs) als auch Afrikas dehnten sich flache, nur wenig tiefe Schelfmeere aus, ähnlich der heutigen Nordsee. Über Jahrmillionen sedimentierte Kalk und auch Kalkschalen von Meerestieren in diesem Meerwasser.
Wenn sich zwei tektonische Platten, in unserem Fall vor 135 Millionen Jahren, die afrikanische und die europäische, gegeneinander bewegen und zusammenstossen, dann wirken unvorstellbar gewaltige Kräfte. So wurde der Meeresboden über Hunderte von Kilometern Distanz übereinander geschoben, ein Teil der Erdkruste in die Tiefe gepresst, die oberen Schichten in Falten gelegt und schliesslich ganze Gesteinsdecken über- bzw. ineinandergeschoben. Die Alpen und das Säntismassiv entstanden: Die Gesteinsserien wurden schräg gestellt, in Pakete zerlegt, übereinander aufgeschichtet und gefaltet. Die Eiszeiten mit ihren dicken Eispanzern gaben der Landschaft um den Säntis dann wortwörtlich den „letzten Schliff“, indem selbst das harte Gestein rund um den Säntis abgeschliffen wurde.
Diese unterschiedlichen Gesteinsschichten und vor allem die eindrücklichen Gesteinsfalten sind heute am Säntismassiv, selbst für Laien, einfach zu erkennen.
Das Aufschieben dieser mächtigen Gesteinsschichten, welche einmal Meeresboden waren, führte dazu, dass heute im Kalkgestein des Säntismassivs eine grosse Vielfalt an Fossilien zu finden ist. Im Bereich der zweiten Stütze der Säntis-Schwebebahn oder im Raum des Öhrlis sind Fossilien unmittelbar neben dem Bergweg überall sichtbar.
Zu Beginn der Zeit intensiver Erosion in den Alpen lagen grosse Teile des heutigen Mittellandes unter den Resten des Tethysmeeres, welches sich zurückzog. Die darin abgelagerten Gesteine werden als Meeresmolasse bezeichnet. Die Molasse (Nagelfluh) wurde gegen Ende der Gebirgsbildung von den aus Süden her drückenden, mächtigen Gesteinspakete der Alpen verformt und schräg gestellt. Die heute sanften Hügel des Appenzellerlandes entstanden.
Der NaturErlebnispark Schwägalp/Säntis ist also genau auf der Grenze zwischen dem mächtigen Säntismassiv als nördlichstes Frontgebirge der Alpen und der Molasselandschaft des Appenzellerlandes mit Gipfeln wie Stockberg, Kronberg oder Speer, dem mit 1’950 m höchsten Molasseberg.
Dem Millionen Jahre alten Geheimnis kann auf die Spur gegangen werden:
- Im Geologie-Steinpark, direkt beim Berghotel Schwägalp, wird dem Besucher auf einem schneckenförmigen Weg auf engstem Raum die Erdgeschichte des Säntismassivs vor Augen geführt. So wird die Geologie sozusagen lebendig.
- Die Informationstafeln „Landschaftsgeschichte“, platziert im NaturErlebnispark an den Orten des Geschehens, illustrieren und erläutern das dort jeweils sichtbare geologische Phänomen.
- Der riesengrosse, fast 50 cm Durchmesser umfassende Ammonit auf dem Säntisgipfel deutet darauf hin, dass sich dieses Gestein vor Millionen von Jahren tief unter der Meeresoberfläche befand.
Der weltberühmte Schweizer Geologe Albert Heim hat das Säntismassiv einmal als „das geologisch schönste Gebirge der Welt“ bezeichnet.