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Instrumentierung und Repertoire
Wie eine Guggenmusik genau, d.h. wie "falsch" sie zu spielen hat, ist eine Frage, bei der die Meinungen nicht nur zwischen Basel und den andern "Guggenhochburgen" unseres Landes, sondern auch in Basel seit langem auseinandergehen. Da lesen wir die Klage, dass in einer Guggenmusik zehn bis fünfzehn Mann überhaupt kein Instrument spielen und deshalb nicht mehr an die Fasnacht gehören, dort wird gemeldet, dass die Guggenmusiken zum Teil fast zu gut gewesen sind. Es waren weit mehr Musikvereine als Guggemuusigen. Häufig begegnet man auch dem Hinweis, dass die Guggenmusiken noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg oft sehr kleine Formationen waren. Etwa in folgender Impression über "Bubenzüglein" am Dienstagnachmittag: "Die fidelsten 'Kinder' waren - Grosse: Ein paar Männer, die sich in älteste Fetzen gehüllt hatten und zu einem Blechbüchsen-Getschätter, zu den mysteriösen Klängen zweier Zithern und einer Trompete das Kleinbasel zum Lachen brachten". Ich habe oben schon auf die improvisierte Instrumentierung hingewiesen, die aus den verschiedensten Dingen bestehen kann. Gewisse Musiken richten bis heute ihr besonderes Augenmerk auf ein Überwiegen von selbstgebastelten oder immerhin verbeulten Musikinstrumenten. Gerade für letztere besteht seit langem ein besonderer Markt. Schon für die dreissiger Jahre sind Musikalienhändler bekannt, die alte Instrumente für die Fasnacht ausleihen. Zum Repertoire haben wir für die Zeit vor dem 2. Weltkrieg leider nichts Konkretes, wenn wir vom früher erwähnten Chopin-Trauermarsch und dem Zapfenstreich absehen. Aufgrund der Gruppenbezeichnungen und der Sujetangaben darf aber für die zwanziger und dreissiger Jahre angenommen werden, dass auch Jazz-Musik zur Darbietung kam. Aus dem Jazz und aus der Schlagerwelt stammen auch viele Stücke, welche die Guggenmusiken seit 1946 spielen, wie "When the saints go marchin' in","Sam-Sam, Tam-Tam", "Ein Schiff wird kommen" oder "Annemarie", um einige ältere Titel zu nennen. Auch aus dem Volksliedschatz wird geschöpft: "Z Basel am mym Rhy", "Alle Vögel sind schon da" und "Im Aargau sind zwei Liebi". 1967 umfasste das Repertoire ca. 30 bis 35 Titel, und zwar französische Fanfarenmärsche, sonstige Märsche und Schlager, aber ausdrücklich keine Kirchen- und Vaterlandslieder. "Gute" Guggenmusiken, das sind Gruppen, die anspruchsvolle Stücke "gekonnt falsch" spielen, haben heute gegen 70 Titel im Repertoire, wobei ein Schlager wie "Mir sinn mit em Velo do/Glorylands als eher bescheidenes Stück von einer Guggenmusik höchstens einmal "zum Ausruhen" gespielt werden.