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Beurteilung der rumpfstabilisierenden Muskulatur bei Rückenschmerzpatienten mittels Ultraschall

PD Dr. Anne Mannion, Schulthess Klinik Zürich; PD Dr. Haiko Sprott, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, Universitätsspital Zürich
Die neue Methode des Gewebedopplers macht es möglich, das Verhalten der Rumpfmuskulatur schmerzlos und detailliert zu erfassen. Allerdings konnten die Forschenden mit dieser Methode keine Unterschiede in der Funktion der Rumpfmuskulatur zwischen den untersuchten gesunden Menschen und Patienten mit chronischen Rückenschmer-zen zeigen.
ThemaDie Rumpfmuskulatur besteht aus verschiedenen Muskelschichten und stabilisiert unsere Wirbelsäule, insbesondere die Lendenwirbelsäule. Die tiefliegenden Muskeln, welche direkt an der Wirbelsäule ansetzen, sind bei Rumpfbewegungen vorsorglich aktiviert, um der Wirbelsäule zusätzlichen Halt zu geben. Aufgrund verschiedener Untersuchungen vermutet man heute, dass die Rumpfmuskulatur bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen in ihrer Funktion gestört ist. Da die für diese Untersuchungen genutzte Technik (Ableitung der Muskelströme durch kleine Drähte in der Muskulatur) sehr aufwändig und schmerzhaft für die Patienten ist, ist es bisher noch nicht gelungen, grössere klinische Therapiestudien zu dieser Problematik durchzuführen.
Vorliegende Studie untersucht die Zuverlässigkeit einer neuen, schmerzfreien, auf Ultraschall basierenden Analysemethode.
VorgehenDer Ultraschall-Gewebedoppler ermöglicht es, kleinste Gewebebewegungen im Millisekundenbereich zu messen. Die Forscherinnen und Forscher überprüften, wie zuverlässig die Methode ist. Zudem untersuchten sie, ob sie mit dem Gewebedoppler Unterschiede in der Funktion der Rumpfmuskeln zwischen gesunden Menschen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen feststellen können.
Die Patientinnen und Patienten absolvierten ein Physiotherapieprogramm für die Wirbelsäule. Damit trainierten sie die Koordination und Stabilisationsfähigkeit der tiefliegenden Rumpf-Muskulatur.
Die wichtigsten ResultateDie Forschenden konnten die neue Methode erfolgreich testen: Der Gewebedoppler konnte die Rumpfmuskulatur in aktiviertem Zustand messen. Die Ergebnisse der Messungen mit dem schmerzlosen Gewebedoppler waren vergleichbar mit der früheren schmerzhaften Methode. Somit konnten die Forschenden die Methode bei Patienten mit unspezifischen Rückenschmerzen versuchsweise anwenden. Die neue Methode zeigte aber auch, dass die Rumpfmuskelaktivierung bei gesunden Menschen und Patienten etwa gleich ist. Patientinnen und Patienten aktivierten ihre Rumpfmuskulatur jedoch tendenziell früher als die Gesunden, und zwar unabhängig davon, welcher Art ihre Symptome waren. Die Hypothese der Forschenden ist, dass «erfahrene» Rückenschmerzpatienten die rumpfstabilisierende Muskulatur bereits vor der geplanten Bewegung unbewusst aktivieren, um mögliche Schmerzen zu verringern oder gar zu vermeiden. Diese Erkenntnis steht im Gegensatz zum bisherigen Stand des Wissens und ist ein weiteres Ergebnis des Projektes.
Das Koordinationstraining der tiefliegenden Rumpfmuskulatur reduziert die Rückenschmerzen, ändert jedoch wie erwartet das Aktivierungsmuster der Muskeln nicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Gewebedoppler-Untersuchung der Rumpfmuskelaktivierung nicht geeignet ist, um die Muskelfunktion Gesunder und chronischer Rückenschmerzpatienten zu unterscheiden bzw. therapeutische Erfolge zu kontrollieren.
Die für die Wirbelsäule durchgeführten Stabilisationsübungen bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen verbessern deren Situation. Wie das genau funktioniert, ist nicht bekannt.
Schlussfolgerung für Forschung und PraxisChronische, unspezifische Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem in unserer Gesellschaft. Therapeutische Massnahmen sind häufig sowohl für den Patienten als auch für den behandelnden Arzt/Physiotherapeut zu allgemein und frustrierend. Auch wenn die Wirkmechanismen segmentaler Stabilisationsübungen nicht abschliessend beurteilt werden können, zeigte sich bei den untersuchten Patientinnen und Patienten ein deutlicher Behandlungserfolg.
Projektdauer: 51 Monate
Bewilligtes Budget: 743'987 CHF
Auskunft:
Wissenschaftliche Publikationen (peer-reviewed Journals):