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Sozialer Wandel, Industrialisierung, Städtewachstum und eine damit verbundene Bevölkerungszunahme führten dazu, dass sich auch in Zürich die sozialen Verhältnisse der Arbeiterschicht derart verschlechterten, dass ihre Not nicht mehr allein durch die Mittel der damaligen Armenpolitik gelindert werden konnte. Zur Lösung der "sozialen Frage" wurden neue Ansätze gesucht und es bildeten sich verschiedene gesellschaftliche und politische Organisationen, die einen Beitrag an den erst sich im Entstehen befindlichen Sozialstaat leisten wollten.
In diesem Zusammenhang ist auch die Gründung des Gemeinnützigen Frauenvereins Zürich (GFZ) als Sektion des Schweizerischen Frauenverbandes im Jahr 1885 zu sehen. Der von engagierten bürgerlichen Frauen gegründete Verein setzte sich in seinen Statuten zum Ziel, das "Wohl des weiblichen Geschlechts" zu fördern und sich an den Lösungen zu Fragen über Erziehung, Gesundheitslehre, Berufsbildung und Armenunterstützung zu beteiligen.
Dementsprechend vielfältig waren auch die Aktivitäten des GFZ. Zum einen gründete der GFZ 1906 die erste Krippe in der Stadt Zürich, der im Laufe der Jahre eine Vielzahl weiterer Krippen folgte. Zum anderen sollte mit der Einrichtung einer Haushaltungsschule die Ausbildung der Frauen gefördert werden, wenn auch nur in Berufen, die "ihrer weiblichen Wesensart" entsprachen. An der Haushaltungsschule wurden zu Beginn Haushaltungslehrerinnen für den hauswirtschaftlichen Unterricht in der Volksschule ausgebildet, später kam die Ausbildung für Hausbeamtinnen hinzu. Zusätzlich vermittelten zahlreiche Kurse Wissen und Können auf dem Gebiet des Haushaltes.
Neben den Krippen und der Haushaltungsschule richtete der GFZ 1903 eine freiwillige Armenpflege in Form einer Hilfskolonne ein, die bis 1929 bestand. Nähnachmittage ab 1904 und eine Fürsorgestelle für Lungenkranke (ging 1911 an die Stadt) waren weitere Aktivitäten des GFZ. Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges betrieb der GFZ ausserdem eine Kriegswäscherei. 1940 wurde an der Reinhardstrasse ein Wohnheim für ältere Hausangestellte und 1948 ein Wohnheim für alleinstehende Frauen an der Reinacherstrasse eingerichtet.
Der vom GFZ im August 2010 als Dauerleihgabe an das Sozialarchiv übergebene Bestand dokumentiert die unterschiedlichen Tätigkeiten des Vereins von seinen Anfängen bis in die heutige Zeit und bildet in beispielhafter Weise den gesellschaftlichen Wandel insgesamt und den Wandel der Stellung der Frau im Besonderen ab. Speziell für Forschungsinteressen im Bereich "Kinderbetreuung" und "Berufsausbildung für Frauen" stellt der Bestand des GFZ eine ergiebige Quelle dar.
Neben den Protokollen der Vereinsgremien und den Unterlagen zu den wichtigsten Betätigungsfeldern wie den Krippen und der Haushaltschule enthält der Bestand auch aussagekräftige Fotodokumente zu diesen Einrichtungen.