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bk Gefäss 2
Der Beamte achtete darauf, dass der geleitete Mann keine aufstiess.
Abtötend, den Geist abtötend, war der Gang durch diesen Gang. Kabar Extas kam es vor, als ob in der Lautlosigkeit, die zumeist ausschliesslich durch das Aufschlagen von zwei Schuhpaaren auf dem Boden gestört wurde, nur die Wände in einer nicht zu hörende Frequenz Zwiegespräch führten. Der Takt, den die Schuhe schlugen, wiederholte sich in einem steten Rhythmus, Schritt für Schritt, und brach sich an den Mauern. Der Ton schlug zurück wie von Felswällen, von kahlem Granit.
Dennoch kam bei Kabar Extas der Eindruck überhaupt nicht auf, er befände sich in Bergtälern und wandere durch Schluchten. Vielmehr sah er sich durch einen Sandkasten streichen, in dem ein Kind überdimensionierte Berge aufschichtete und umschichtete, um immer neue Wege anzulegen. Diese legten sich kreuz und quer über den Orientierungssinn des Geführten. Der sah sich ausser Stande, Gefallen an dem Wegnetz zu finden, das so gar nicht zur Sachlichkeit eines Schachspiels passte. Das Ganze war nicht anders als ein Irrgarten, der auch all jene, die hier arbeiteten, verwirrte.
Man sah es den wenigen Personen an, welche die beiden kreuzten, welchen Stress das labyrinthische Zerrbild eines ordentlich und durchdacht angelegten Koordinatensystems auslöste. Ernst, konzentriert und geschäftig bewegten sie sich, als ob ihnen das unwegsame Amt die ganze Zeit auf den Versen wäre, um dafür zu sorgen, dass sie sich nicht einem Müssiggang hingaben. Sie mussten wahrscheinlich ganze Sandhaufen von Hausdurchsuchungsbefehlen und Verhaftungsanträgen von einem Büro in das nächste schieben, darum durch die Gänge gehen, so dass sie Kabar Extas und seinem Begleiter im Wege standen. Zu fragen gab es in diesen Gängen nichts. Alle wussten, wohin sie mussten. Sie hatten es eilig.
Kaber Extas wurde den Eindruck nicht los, das Gebäude sei geschaffen worden, um jene, die gegen ihren Willen in dieses hinein geführt wurden, zu verstören, so dass sie nach einiger Zeit nicht mehr wussten, wo ihnen der Verstand stand. Die Gänge echoten im Kopf. Die Gänge erwiesen sich als ein Knäuel von Windungen, ein fremdes Gehirn, das sich um die eigenen Hirnwindungen schlang und den Sieg über das eigene Denken errang. Die Gänge stachen durch den Verstand und entleerten den Sand, der durch sie hindurch getragen wurde, in die grauen Zellen, die noch nicht mit diesem gefüllt waren. Die Zellen wussten nicht mehr, wo oben und wo unten war. Die Zellen, sandgefüllt, wurden schwer und drückten den Kopf hinunter. Das Miteinander aller Möglichkeiten, das nicht auseinander genommen werden kann, um in seine Einzelteile zerlegt zu werden, so dass das einzelne Korn befruchtend auf die Inspiration wirkt, sondern als Gesamtheit einer unverdaubaren Masse jedem Antrieb die Kraft nimmt, fand seine Entsprechung in der Vielzahl der Sandkörner, die das Hirn verstopften. Kabar Extas war der Überzeugung, ihm wurde ein Sandkasten über den Kopf geleert. Und dumpf vernahm er den Takt:
Der Gang führte im Augenblick geradeaus.
Der Beamte schob jenen, über den er Verantwortung trug, ungeduldig vorwärts.
Der Gang füllte sich mit Geräuschen.
Der Beamte schritt sehr dicht auf den Bewachten.
Der Gang nahm den Signalton eines Telefons auf.
Der Beamte schloss dicht auf den Bewachten auf.
Der Gang war wieder ohne Signalton.
Der Beamte schloss im Vorbeigehen eine Türe zur Linken.
Der Gang vertrug auf einmal etwas mehr Personen als bisher.
Der Beamte hiess den Betreuten, bei der nächsten Weggabelung rechts gehen.
Der Gang führte an einer Tür vorbei, hinter der Stimmen zu hören waren.
Der Beamte hiess den vor ihm Schreitenden, an dieser Tür vorbei gehen.
Der Gang war Zeuge eines Wortwechsels in einem Büro.
Der Beamte mischte sich nicht ein.
Da fiel Kabar Extas die weisse Schatulle ein, welche er in der Hosentasche trug. Vielleicht liess sich auf dem Posten in dieser Sache etwas unternehmen. Der Posten beherbergte mit Sicherheit jene Stelle, die Fundgegenstände entgegennahm und sie dem ursprünglichen Besitzer zurück erstattete. Kabar Extas brauchte sich nur umzudrehen und den ihn begleitenden Beamten zu fragen.
Der Beamte hiess den Begleiteten weitergehen.
Der Gang verriet nicht, in welcher Abteilung sich Kabar Extas befand.
Der Beamte drängte weiter.
Der Gang trug aus einem fernen Raum den Ton einer Schreibmaschine heran.
Der Beamte bremste den immer schneller Gehenden etwas ab.
Der Gang ging links, der Begleitete geradeaus.
Der Beamte hiess ihn zurückkommen und nach links gehen
Der Gang liess die Geräusche eines Menschen heran kommen, der, unsichtbar, sich durch einen anderen Gang hindurch bewegte.
Der Beamte forderte den Begleiteten auf, in einen Gang rechts einzubiegen, ohne dass das Ende des ebenen begangenen Ganges erreicht worden war.
Kabar Extas versuchte erneut einen Einwand. Ihm fiel ein, dass das Amt ihm bei der Suche nach dem Namen der Frau weiterhelfen konnte, mit welcher er am folgenden Abend ein Schachspiel verabredet hatte. Denn ein solches Amt musste etwas wie eine Computer-Seite sein, eine Homepage, auf welcher man sich mit Mausklicks oder Fingern über den Tuch-Screen bewegte und Informationen heraus holte. Eine Frau, die mit einem Schachbrett unter dem Arm über die Strasse ging, war keine Allerweltserscheinung. So eine Frau musste auf den Bildschirmen der Behörden, denen jede Unregelmässigkeit suspekt war, an prominenter Stelle erscheinen. Aber bei all den Türen, welche die Gänge zierten, war es nicht ganz einfach, genau jene zu treffen, welche die Informationen über die Schachbrett tragende Frau heraus gab. Es gab keine andere Möglichkeit als durch die richtige Tür in diesen Moloch allen Wissens, das die Behörden bildeten, einzudringen,
Der Gang machte eine scharfe Biegung.
Der Beamte wies den Begleiteten an, besser auf den Weg acht zu geben.
Der Gang mündete in einen weiteren Gang, was anders gar nicht zu erwarten war.
Der Beamte sorgte dafür, dass die beiden jeweils die richtige Abzweigung nahmen, von denen immer mehr wurden.