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Es hätte Michael Jacksons intimstes Konzert werden können – vor 1′500 Gästen im New Yorker Beacon Theatre.
Michael Jackson One Night Only
just the Man, just the Moves, just the Music, just for HBO!
Der amerikanische Fernsehsender HBO wollte das Konzert am 10. Dezember 1995 in alle Welt übertragen. Spekuliert wurde auf 250 Millionen TV-Zuschauer rund um den Erdball. «One Night Only» sollte den King of Pop zeigen, wie ihn die Welt noch nie erlebt hat.
Das Programm: In knapp zwei Stunden wollte Michael Jackson 25 Songs singen, darunter seine grössten Hits sowie brandneue Songs vom «HIStory» Album. Zwei Auftritte wurden angesetzt: Am 8. und am 9. Dezember. Einen Tag später wäre ein Zusammenschnitt auf HBO ausgestrahlt worden, so, wie die Besucher eines der Konzerte im Theater erlebt hätten. Der Regisseur Jeff Margolis erklärte, dass die Konzertaufzeichnungen nur falls ein Mikrofon ausfalle oder eine andere technische Panne auftrete, für die TV Ausstrahlung geändert würden. Auch eine Veröffentlichung auf Video war geplant.
Mitwirkende: 32 Tänzer, ein 40 köpfiges Orchester, Michaels eigene Band und der französiche Mime Marcel Mareau, der mit Michael den Song «Childhood» einstudierte.
Producer/Regisseur: Jeff Margolis
Executive Producer: Michael Jackson, Sandy Gallin (MJs damaliger Manager)
Writers: Buz Kohan
HBO mietete das Beacon Theater in New York für zwei Wochen. Genug Zeit für Umbauarbeiten und die Hauptproben. Die Bühne wurde um etwa sechs Meter vergrössert, weshalb einige dutzend Sitzplätze im geschichtsträchtigen Theater entfernt werden mussten.
An einer Pressekonferenz wurde das Konzert am 4. Dezember 1995 angekündigt:
Die Ereignisse der Reihe nach:
Während Michael Jackson und sein Crew Anfang Dezember 1995 unter Hochdruck proben, kündigen Werbekampagnen das Ereignis an: Am 10. Dezember auf HBO. «Michael Jackson One Night Only.» Neun Choreografen, darunter Kareem Cook, Barry Lather und Morleigh Steinberg, haben extra einige Tanznummern neu inszeniert. Regisseur Jeff Margolis verspricht in einer Medienkonferenz:
«Michaels Vorstellung wird sich erheblich von seinen bisherigen Konzerten unterscheiden. Er wird sich anders zeigen, so wie das Publikum ihn noch nicht kennt. Auch wenn Michel bislang viel Erfolg mit seinen Shows hatte, so kennt man seinen Drang nach neuen Kreationen, jetzt ist für ihn der Moment gekommen, das in die Tat umzusetzen. Er wird sein bisher persönlichstes Konzert geben und das Publikum dabei bewusst mehr an sich rankommen lassen.»
Weiter erklärt Margolis: «Es ist schon gut zu wissen, dass unsere Vorbereitungszeit am 8. Dezember ausläuft, sonst wäre Michael fähig, mehrere Monate weiter zu proben; er ist sehr perfektionistisch. Michael Jackson arbeitet unermüdlich – er will sich von seiner besten Seite zeigen.»
6. Dezember 1995
Zwei Tage vor Konzert-Aufzeichnung, kurz vor fünf Uhr Abends, passiert, womit niemand gerechnet hat. Während den Proben zu «Black Or White» erleidet Michael einen Kreislaufkollaps und bricht bewusstlos zusammen.
Die umgehend alarmierte Ambulanz ist vier Minuten später vor Ort. Die Sanitäter stellen einen viel zu tiefen Blutdruck fest – 70 zu 40 (normal wäre ungefähr 120 zu 80). Der Puls ist regelmässig und Michael wieder einigermassen bei Bewusstsein. Auf der Fahrt ins Spital wird Michaels Kreislauf mithilfe von Sauerstoff und einer Infusion stabilisiert – zwei Behälter mit Wasser und Mineralsalzen werden ihm zugeführt. Auf Wunsch von Michaels Team wird er in das Beth Israel Medical Center in die Notaufnahme gefahren.
Michael Jacksons Zustand ist stabil, aber kritisch, und er landet nachdem ihn ein Ärzteteam unter der Leitung von William Alleyne stabilisiert hat, in der Intensivstation.
Vor dem Spital versammeln sich tausende Fans und bangen um Michael.
«Ich schaute aus dem Fenster, und die Menge stand Schulter an Schulter, riesig, weit mehr als wenn im Haus des Bürgermeisters gegenüber der Papst, der Präsident oder Nelson Mandela beherbergt wurde», erinnert sich Dr. William Alleyne später. Auch auf der Intensivstation sei die Hölle los gewesen.
Michael Jacksons Begleiter richten sich ebenfalls in der Intensivstation ein und schützten Michael vor ungebetenen Reportern und anderen Eindringlingen. Beinahe wäre auch er selbst nicht mehr zu seinem weltberühmten Patient gelassen worden, berichtet William Alleyne.
Janet Jackson kommt als erste auf Besuch. Bald darauf auch Lisa Marie Presley. Nur etwas mehr als einen Monat später wird sie die Scheidung einreichen.
«Michael Jackson war in kritischem Zustand. Er war dehydriert. Er hatte einen tiefen Blutdruck. Er hatte eine schnelle Herzfrequenz. Er war nah am Tod», sagt Dr. William Alleyne 14 Jahre später. Nach dem tatsächlichen Tod von Michael Jackson holen ihn die Erinnerungen an jene Dezembernacht ein.
Michael fehlt an der Billboard-Preisverleihung
Am selben Abend an dem Michael kollabiert ist, am 6. Dezember 1995, wird Michael Jackson während den Billboard Music Awards in New York für «You Are Not Alone» ausgezeichnet. Es war die erste Single, die direkt auf dem ersten Platz der Billboard Charts einstieg. Stellvertretend nimmt Tina Turner den „Billboard Hot 100 Achievement Award“ entgegen und wünscht dem King of Pop eine schnelle Genesung.
Die Proben gehen mit MJ-Doubles weiter. Das Produktionsteam hofft, Michael Jackson könne das Konzert doch noch geben.
«Michael Jackson war der am leise sprechendste und der am wenigsten fordernde Typ, den man treffen konnte», sagt Alleyne. «Alles was er sagte, war ein Flüstern. Seine grösste Sorge war, ob er auftreten könne.»
Doch Dr. William Alleyne muss seinem Patienten erklären: Auf keinen Fall wirst du in nächster Zeit auftreten können!
Etwa drei Tage nach dem Vorfall bereiten William Alleyne und Michael Jacksons Team eine Pressekonferenz vor. Wie nur soll die schlechte Nachricht von der Konzertabsage überbracht werden? Als der Arzt zu den Medien spricht, entkräftet er Gerüchte, wonach Michael an Aids erkrankt sei. Nein, Michael hat keine Probleme mit seinem Immunsystem, und nein, Michael Jackson hatte keine Drogen im Blut.
Im Februar 1996 gibt der Mime Marcel Marceau ein Interview, das in den Fan-Magazinen «Black + White» und «HIStory» gedruckt wird.
«Die Proben für das Konzert liefen eigentlich bemerkenswert gut. Ich war bei allen dabei: Es gab etwa 20 Tänzer, die diese wirklich rowdyhaften Bewegungen machten. Michael Jackson war von einer Reihe von Tänzern umgeben, schwarzen Tänzern, die man im Wesentlichen als Straßentänzer bezeichnen könnte. Diese Tanznummern zu sehen, machte einen echten Eindruck auf mich: Sie waren ein Ausdruck von Angst durch das Medium der Gewalt und der Rowdytum. Michael entschied sich, die Poesie von ‘Childhood’ in diese Tänze einzubinden.»
«Von Anfang an wollte er, dass ich in diesem Lied die Sehnsucht nach seiner Jugend darstelle. Es gibt insbesondere eine Passage, in der er von Piraten, von Eroberung und Königen spricht. Um die Verwandlung von einem Piraten zu einem König auf der Bühne zu machen, gibt es nur Pantomime. Dafür gibt es verschiedene Darbietungselemente; Pantomime ist schließlich eine Kunst der Verwandlung. Für einen Tänzer ist das schwer zu bewerkstelligen. Ein Mime würde es durch Haltung machen.»
«Wenn ‘Childhood’ beginnt, ist Michael auf der linken Seite der Bühne und ich bin auf der rechten Seite. Er beginnt zu singen, und dann schwenkt die Kamera auf mich. Ich mime die Themen des Songs. Wenn er singt, dass er auf der Suche nach seiner Kindheit ist, laufe ich an Ort und Stelle. Die Bilder kommen sehr kraftvoll rüber; Pantomime ist eine Art, um Konzepte und Bilder zu komprimieren…»
LaVelle Smith Jr. gibt dem «Black + White» Magazin während der HIStory Tour 1997 ein Interview. Als er von der «Dangerous»-Choreographie erzählt, die er mitkreiert hat, sagt LaVelle:
«Wir haben dieses Stück auf unterschiedliche Art bearbeitet. Die erste Inszenierung des Songs ist bekannt, wir haben gerade darüber gesprochen. Es gibt allerdings noch eine andere gänzlich unbekannte. Im Dezember 1995 hatten wir eine neue Version von Dangerous vorbereitet. Wir wollten sie während des HBO-Konzerts im Beacon Theatre von New York präsentieren. Es handelte sich um eine einzigartige Nummer, wirklich unglaublich. Michael und alle anderen waren begeistert. Sie wäre zu einem Klassiker geworden. Die Musik, das Konzept, alles war anders. Eines Tages werden wir sie zeigen… Die Vorbereitung zu dem HBO-Konzert hat viel Zeit in Anspruch genommen, und wir haben viel Spass daran gehabt.»
Leider wurde das Konzert nie nachgeholt.
Quelle: jackson.ch, Black + White Magazine, imdb.com, nytimes.com, heraldonline.com, Michael Jackson: A Visual Documentary (Adrian Grant)
Diverse TV-Beiträge zu den Ereignissen, Tina Turners Auftritt bei den Billboard Music Awards und mehr, gibt es hier: