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Der Wald der Selbstmörder
Der Aokigahara-Wald am Fusse des Fuji ist für viele Japaner gleichbedeutend mit Selbstmord. Der Wald mit einer Fläche von über 3000 Hektaren ist auf Lava erblüht. Hier ist ein Dickicht entstanden, das von Menschen fast unberührt ist. Entsprechend anziehend ist diese Naturgebiet für Leute mit Suizidgedanken.
Alleine im Jahr 2009 wurden 45 Leichen im Aokigahara-Wald entdeckt. Sie alle hatten Selbstmord verübt. 195 Menschen mussten von der Polizei aus dem Wald geholt werden, um sie vor dem Tod zu bewahren, schreibt die Asahi Shimbun. Fast täglich erhalten die Behörden der Präfektur Yamanashi Telefonanrufe, in denen vor möglichen Suizidfällen gewarnt werden.
Die Präfektur hat seit Jahren die höchste Suizidrate pro 100’000-Einwohner. 2009 lag diese Zahl bei 41,9, der nationale Durchschnitt liegt bei 25,8. Betrachtet man die Gesamtzahl der Suizidfall liegt die Präfektur Yamanashi im landesweiten Vergleich an 17. Stelle, doch mit Aokigahara besitzt sie eine der berühmtesten Destinationen für Menschen, die mit dem Leben abschliessen wollen.
Gegenmassnahmen eingeläutet
Bekannt wurde der Wald 1960, als der Schriftsteller Seicho Matsumoto in seinem Roman «Nami no to» Aokigahara als einen Ort beschrieb, an dem man alles beenden könne. Das Internet hat den Ruf des Waldes weiter mystifiziert. Die Behörden der Präfektur wollen diesem Treiben nun ihr persönliches Ende bereiten.
In Zusammenarbeit mit Tokio soll die Selbstmordrate im Aokigahara-Wald massiv reduziert und das Image des Naturgebietes aufpoliert werden. Dafür stellen die Präfektur und die Landesregierung laut Asahi Shimbun 53 Millionen Yen (611’000 Dollar) zur Verfügung.
Lokale Bemühungen
Vier Sicherheitsleute patrouillieren seit letztem Jahr rund um den Wald, in der Hoffnung potentielle Selbstmörder vor dem Gang in den Wald aufzuhalten. Das Projekt trage bereits Früchte, sagt der 39-jährige Yasuhiko Kawamura, einer der Sicherheitsleute, gegenüber der Asahi Shimbun. In den letzten sechs Monaten konnte er rund 30 Menschen den Behörden zur Betreuung übergeben. Man bekomme mit der Zeit ein Gespür für potentielle Selbstmordfälle, fügt Kawamura an.
Ausserdem hat die Präfektur Yamanashi 350 Einwohner der Region im Umgang mit Suizidgefährdeten geschult. Sie sollen bei freiwilligen Patrouillengängen das Gespräch mit den Betroffenen suchen und ihnen Hilfe anbieten. In einem weiteren Schritt wollen Polizei, Regierung, Reisbüros, Taxiunternehmen und medizinische Institutionen künftig effizienter zusammenarbeiten.
Ein nationales Problem
Yasuyuki Shimizu von der Nonprofitorganisation Lifelink zur Prävention von Selbstmorden begrüsst die Massnahmen von Yamanashi. Aokigahara gehöre zusammen mit den Tojinboklippen in der Präfektur Fukui und den Sandanbeki-Felsen in der Präfektur Wakayama zu den grössten Anziehungspunkten für Suizidwillige in Japan. Aus diesem Grund handle es sich hier um ein nationales Problem, das auch eine entsprechend Beachtung verdiene.
Japan hat mithin die höchste Selbstmordrate in der Welt. Die jährlichen Suizidfälle haben in den letzten 11 Jahren stets die Marke von 30’000 Fällen überschritten. Die schlechte Wirtschaftslage wird als ein Hauptgrund für die steigende Tendenz.
Die Schönheit der Natur
Die Präfektur Yamanashi verfolgt derweil noch einen weiteren Ansatz zur Bekämpfung des schlechten Rufes der Gegend. Mit Führungen in das Dickicht von Aokigahara soll die Schönheit des Waldes und die vielfältige Natur gezeigt werden. «Ich möchte das Bild des dunklen und angsterregenden Ortes von Aokigahra aus der Welt schaffen», sagt Yutaka Nukui, einer der Führungen in den Wald anbietet, der Asahi Shimbun. ja.
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