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Die hohen Gebirge der Innerschweiz boten gegen feindliche Einfälle einen natürlichen Schutz. Im Gegensatz zu Uri blieben in Schwyz, Glarus und Nidwalden einige taktisch wichtige Stellen, die bereits im Mittelalter mit Wällen, Türmen und an den Seeurfern mit Palisaden künstlich befestigt werden mussten. Von diesen Talsperren haben sich im Kanton Schwyz die Letzinen von Art, Brunnen, Morgarten und Rothenthurm erhalten, während die Talsperren im Alptal, Altendorf und bei Morschach vollständig verschwunden sind.
Die Letzi von Morgarten bildete einen ungefähr zwei Kilometer langen Querriegel durch das Tal. Eine bereits in dieser Richtung verlaufende Felsrippe, die gegen Norden steil abfällt, erleichterten den Bau der Sperre. Elf natürliche Durchlässe mussten künstlich verfestigt werden. Die Mauern waren mehrere Meter hoch aufgeführt. Am tiefsten Punkt der Sperrmauer steht auf einem Felssporn der Letziturm, der die Strasse vom Aegerisee nach Sattel zu kontrollieren hatte. Der Wehrturm ragt noch elf Meter in die Höhe und weist eine Grundfläche von 6.1 auf 6.3 Meter auf. Der südwärts, also freundwärts gerichtete Hocheingang befindet sich hoch oben im Mauerwerk. Die Mauerstärke beträgt beim Hocheingang 1.1 Meter. Fenster sind keine vorhanden. Drei schmale Luftschlitze garantierten eine minimale Belüftung. Das Mauerwerk besteht aus grösseren, an den Ecken zurechtgehauenen Bruch- und Sandsteinen sowie aus Nagelfluhbrocken. Balkenlöcher im oberen Mauerabschnitt lassen vermuten, ein vorkragender Obergaden aus Holz habe den oberen Abschluss des Bauwerks gebildet. Heute ist der Turm mit einem Zeltdach bedeckt. Um 1850 ist beim Bau der Strasse ein Tor mit rechteckigem Durchlass abgebrochen worden.
Eine Urkunde von 1322 weist erstmals auf die Letzimauer von Morgarten hin. Landleute verkauften nach dieser Quelle gemeinsames Gut, Land oder Allmend an Einwohner der betreffenden Gegend und verwendeten den Erlös für den Bau der Letzi zu Morgarten. Es fällt auf, dass diese erste schriftliche Erwähnung der Letzi von Morgarten aus der Zeit nach der Schlacht von Morgarten stammt. Dies hat zur Überlegung geführt, die Mauer sei erst nach der Schlacht errichtet worden. In zeitgenössischen berichten über den Kampf wird die Letzi auch nie erwähnt. Die Notiz von 1322 gibt aber auch nicht mit endgültiger Klarheit das Erbauungsdatum der Sperrmauer an. Das Geld könnte auch für Verstärkungs- und Sicherungsarbeiten verwendet worden sein.
Von der einstigen Letzi bei Rothenthurm haben sich keine Reste mehr erhalten. Lediglich in der Talmitte glaubt man noch auf einer Länge von ungefähr 150 Metern die Senke eines Grabens zu erkennen. Dafür ist der Letziturm von Rothenthurm am südlichen Gegenhang bestens erhalten. Das Bauwerk bildet im Grundriss ein Quadrat von 6.8 Metern Seitenlänge. Das Mauerwerk ist an den ecken mit sorgfältig behauenen Steinen ausgeführt, teils mit schwachen Spuren von Kantenschlag. Der Hocheingang liegt im zweiten Stock auf der Westseite. An der Südseite liegen drei schmale Luftscharten übereinander. Ein weit ausladendes Zeltdach schloss früher den hölzernen Wehrgang ab. Nach der Entfernung des Wehrgangs wurde dem Turm ein neues Dach mit rot gestrichenen Schindeln aufgesetzt. Dieser neue Dachaufbau gab 1665 der alten Besiedlung Altmatt den Namen Rothenthurm. Zum Turm gehörte von altersher eine Toranlage. Durch sie hindurch führte die alte Strasse von Schwyz gegen den Zürichsee. Der jetzige Torbau ist ein Bauteil aus dem Jahr 1827. ähnlich wie bei Morgarten ist uns für die Letzi von Rothenthurm eine frühe schriftliche Erwähnung der Anlage bekannt. 1310 verkauften Landleute von Schwyz Genossenschaftsland, um mit dem Erlös die Mauer von Altmatt, das heisst von Rothenthurm, zu errichten. Diese Wehrmauer steht im Zusammenhang mit den Grenzstreitigkeiten der Schwyzer mit dem Kloster Einsiedeln. Einen weiteren Hinweis erhalten wir aus dem Heldengedicht des Rudolf von Ragegg, der den Überfall der Schwyzer aufs Kloster in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar 1314 selbst miterlebte und in die Gefangenschaft der Schwyzer geriet. Auf dem Rückmarsch kamen die Schwyzer mit ihren Gefangenen durch ein Gebiet, das mit einer Mauer geschützt war. Es kann sich hier nur um die unter dem „Katzenstrick“ liegende Mauer von Altmatt, dem späteren Rothenthurm, gehandelt haben. Gemäss der schriftlichen Überlieferung wurde die Letzimauer von Rothenthurm vor 1314 errichtet. Es galt, sich gegen die Vergeltungsabsichten des Klosters und dessen Beschützer, der Österreicher, zu sichern, denn die Marchenstreitigkeiten hatten eine solche Ausweitung erfahren, dass mit einem Einfall der habsburgischen Kastvögte und ihres Ritterheeres jederzeit zu rechnen war.
Archäologische Untersuchungen im Bereich der Toranlage von Rothenthurm ergaben folgende neue Resultate: Von der heutigen Toranlage, die erst aus dem Jahr 1827 stammt, lief die Letzimauer einst, zur inneren Seite der Toranlage bezogen, in spitzem Winkel weg und führte gegen Westen. Das heute sichtbare Letzimauerstück wurde 1827 wesentlich mächtiger als das ursprüngliche aufgeführt. Der weitere Verlauf der Mauer wurde aus finanziellen Gründen nicht weiter verfolgt. Nur der Turm kann als ursprüngliches Mauerwerk aus dem 14. Jahrhundert angesehen werden. Weitere archäologische Abklärungen wären hier höchst aufschlussreich.
Verschiedene archäologische Untersuchungen an Letzimauern haben gezeigt, dass diese Sperren nicht wie die gleichzeitig erbauten Burg-, Ring- oder Stadtmauern für längerfristige Abwehrkämpfe errichtet worden waren. Keine der Letzimauern verfügt über ein Fundament oder gar Vorfundament. Sie sind lediglich auf den Erdboden gestellt. Die Mauern von Arth, Oberarth, Rothenthurm und Näfels beweisen diese Vermutung, die Anlagen von Brunnen und Morgarten sind noch nicht untersucht. Es wäre ein leichtes gewesen, die Letzimauern zu untergraben und so wirkungslos zu machen. Wir müssen deshalb bei den Letzimauern auch nach anderen Funktionen und Aufgaben suchen als der blossen militärischen Sperrung eines Gebietes. Die geringen Grundrisse und das Fehlen der Fenster bei den die Einfallswege beherrschenden Letzitürmen schliessen eine Dauerbewohnung der Bauwerke aus. Eine Bemannung dieser Bauten fand nur bei drohender Gefahr statt. Hugo Schneider hat in seiner Abhandlung über die Letzinen überzeugend nachweisen können, dass die Mauern der Letzinen vor allem dazu gedient haben, feindlichen Heeren durch ein künstliches Engnis den Durchmarsch und das Wegführen von Beute zu erschweren. Für den Schutz vor Raubzügen sprechen die schlecht fundierten Mauern, welche ein freies Austreiben einer Viehherde verunmöglichten. Hier ist an die spezielle mittelalterliche Kriegsführung zu denken, die bestrebt war, den Gegner durch die Zerstörung seiner Lebensgrundlagen zu bezwingen. Dazu gehörte es, den feindlichen Viehbestand zu rauben und gespeicherte Vorräte an Heu und Käse zu vernichten. Die schriftlichen Quellen, vor allem jene, die den Marchenstreit betreffen, sind voll solcher Hinweise auf gegenseitige Beraubungen, und die Bildchroniken des 15. und 16. Jahrhunderts zeigen das Wegführen der geraubten Viehherden und das Schwingen der dazu benötigten Stricke.
Der Grossteil der Letzinen von Schwyz war im 14. Jahrhundert errichtet worden. Sie sollten vor allem vor dem Eindringen und vor Raubzügen schützen und besassen einen ähnlichen Symbolcharakter wie andere aus Stein gefügte Wehrbauten.
Bibliographie