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Die Prioratskirche
Drei Bauperioden
Die heutige Kirche entstand im Wesentlichen in 3 Bauetappen. Die erste Bauperiode stammt wohl aus dem 12. Jh., die zweite Bauperiode aus dem 15. Jh. und die dritte Bauperiode aus dem 19. Jh.
Burgkirche aus dem 12. Jh.
In seinen ursprünglichen Teilen stammt die Burgkirche sogar aus dem 12. Jahrhundert. Hiervon zeugen der Seitenausgang von der Sakristei nach Norden gegen die Burg hin, die Fundamente und die zugeschüttete Krypta unter dem Chor. Es handelt sich offenbar um ein Gotteshaus, älter als die Pfarrei.
1282 Mutterkirche
Im Jahr 1282 wurde die Kirche als „Kath. Pfarrkirche St. Maria, Mutterkirche des westlichen Drittels des Zenden Raron“ erwähnt.
16. Jh. Turmbau
Eines der Wahrzeichen von Niedergesteln ist der Kirchturm, welchen anfangs des 16. Jahrhunderts Ulrich Ruffiner erbaute. Es ist ein dreigeschossiger Bau mit Masswerkschallfenstern und Satteldach in Firstrichtung der Kirche. Der sogenannte Käsbissenturm ist einzigartig in seiner Art im Wallis. Er hat kleine gotische Fensterluken in den unteren Geschossen und grössere in den der Glockenstube.
1833/35 Schiff und Chor
Der einschiffige Bau blieb vom 16. bis 19. Jh. ohne wesentliche Veränderungen. Schiff und Chor erhielten in den Jahren 1833 bis 1835 ihre heutige Gestalt. Der klassische nach Süden gerichtete Längsbau mit gefluchtetem, dreiseitig geschlossenem Chor wird vom kraftvollen Chorfrontturm beherrscht.
18. – 19. Jh. Haupt- und Seitenaltäre
Schlanker, zweigeschossiger Hochaltar Mitte des 18. Jh. mit Gemälde der Muttergottes, 1857 von Lorenz Justin Ritz.
Linker Seitenalter mit Gemälde des hl. Nikolaus und elegantem Rokoko-Aufsatz, 3. V. 18. Jh.
Rechter Seitenaltar etwas älter, aber umgebaut, mit Gemälde der hl. Katharina, Mitte des 19. Jh.
Friedhofkapelle
Die Friedhofskapelle, zwischen Friedhof und Kirche, ist ein tonnengewölbter Rechteckbau. Sie dient heute als Aufbahrungskapelle.
Kirchenplünderung
Die frühere Hauskirche der Freiherren von Turn beherbergte manche Kostbarkeiten. Leider sind die meisten dieser sehr wertvollen Stücke im Verlaufe des 19. teilw. 20. Jahrhunderts teils auf geheimnisvolle Weise verschwunden. Hans Anton von Roten sagt mit Schmerz, wohl keine Kirche im Wallis sei so ausgeplündert worden wie die Kirche von Niedergesteln!
Archäologische Untersuchungen
Bei Renovationsarbeiten im Jahre 1976 wurden an der Kirche archäologische Untersuchungen durchgeführt und dokumentiert.
Bei Umgebungsarbeiten im Jahre 1985 wurde das Gelände entlang der Kirchenwestmauer im östlichen Schiff- und im Chorbereich bis auf die Fundamentsohle abgetragen. Dabei kam der Eingang zum ehemaligen Beinhaus zum Vorschein. Auf drei Stufen gelangt man in einen Raum von 3.05 x 2.85 m und einer Raumhöhe von 1.85 m. Im Beinhaus befinden sich zwei kleine Nischen.
Das nachträglich in die Südwestecke des Beinhauses eingefügte Mauermassiv gehört zum Fundament des nach Norden verschobenen Triumphbogens der dritten Bauperiode.
Gleichzeitig mit dem Bau des gotischen Rechteckchores aus der zweiten Bauperiode wurde in dessen Westfassade eine 2.0 m breite, 0.8 m tiefe und 2.25 m höhe rundbogige, profillose Grabnische (arcosolium) ausgespart. In der Grabfüllung wurden einzelne Fussknochen und ein Fragment eines Wadenbeines einer Erstbestattung gefunden. Die Zweitbestattung wurde komplett vorgefunden. Es handelt sich um ein wahrscheinlich männliches Individuum von weniger als 1.70 m Grösse.
Kirchenbauplatz (Augustin Imboden) Es hiess, man wollte die Kirche von Niedergesteln zuerst gemeinsam mit Eischoll jenseits des Rottens bauen. Da begann man auch mit den Fundamenten. Aber in der Nacht verschwanden dort immer die Instrumente, drei Mal hintereinander. Weil sie jeweils am Standort der heutigen Kirche wieder gefunden wurden, betrachtete man das als Vorboten Gottes, denn man hatte in der Nacht Wachen aufgestellt und nichts gesehen. So baute man die Kirche am heutigen Standort unter dem Burgfelsen.