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In einer Sonderausstellung des „Museums im Zeughaus“ in Schaffhausen findet zur Zeit eine Ausstellung Ăśber die Radfahrer in der Schweizer Armee statt. Den Artikel habe ich heute in der NZZ gefunden. Weil ich selber in jungen Jahren einmal dieser Truppe angehörte, sei mir verziehen, wenn ich heute einfach so aus der Zeitung zitiere:
Nebst dem militärischen Sinn und Zweck der Radfahrer im Militär interessierte mich vor allem die Geschichte des Fahrrades:
Die ersten Velofahrer der Schweizer Armee waren leicht ausgerĂĽstet. Und zu dieser Leichtigkeit des militärischen Seins gehörte, dass man sein Velo gleich selbst mitbrachte. Fahrräder waren technisch der letzte Schrei und entsprechend teuer. Moderne Niedrigräder mit Kettenantrieb zum Hinterrad gab es nämlich erst wenige Jahre, und bis sich der 1888 vom Engländer J. B. Dunlop erfundene Luftreifen durchsetzte, dauerte es noch eine ganze Weile. Die ersten Armee-Radfahrer, von denen eine „kräftig gebaute Lunge und ein gesundes Herz“ gefordert waren, rollten noch auf Vollgummireifen. Schnell waren sie trotzdem, und deshalb setzte man sie als Meldefahrer ein und gab ihnen sogar Brieftauben mit auf die ungeteerten Wege. – Im Lauf der Zeit mutierten die Radfahrer zu einer Kampftruppe mit zunehmend schwererer Bewaffnung. Sie dienten anfänglich in der Infanterie, wurden 1936 der Kavallerie und später den mechanisierten Verbänden zugeteilt. 1905 wurde das Ordonnanzfahrrad eingefĂĽhrt, das 90 Jahre in kaum veränderter Form im Einsatz war. Erst ein Jahrzehnt vor der Auflösung der Radfahrertruppe im Jahr 2003 wurde dieses legendäre schwarze Stahlross von einem neuen Modell abgelöst. Es war längst zum Lastesel mutiert, transportierte statt Brieftauben und Revolver schwere FunkausrĂĽstungen und Panzerabwehr-Lenkwaffen.
Zu meiner Zeit, mitte der 70er Jahre bis zur militärischen Frühpensionierung als Radfahrer, immerhin noch im zarten Alter von 32 Jahren, und angeblich um Probleme mit Herz und Lunge zu vermeiden, ritten wir das erwähnte Stahlross. Wobei nie ganz klar ist, wer wen mehr geplagt hat, Sicher hat uns das Rad mit seinem Gewicht und seiner aufgebürdeten Last manchmal ganz schön leiden lassen, andererseits aber haben auch wir wieder zurückgeschlagen. Denn es gab kaum einen Weg, eine Wiese, Passstrasse, oder gar Treppe, wo man nicht hinunterfahren konnte. Kein Fully, ungefedert immer voll auf die Handgelenke und in die Knie. Als Ordonanzfahrrad hatte es natürlich auch eine ordonanzmässige Übersetzung. Vorne 50 hinten 20 Zähne. Dies wurde beispielsweise vor Radrennen geprüft.
Bremsen waren auch ein Thema. Vorne ein Gummiklötzchen, welches auf den Reifen gedrĂĽckt wurde und fĂĽrchterliche Pfeifgeräusche von sich geben konnte. Damit wurde man in NachtĂĽbungen immer besonders beliebt. Hinten ein RĂĽcktritt und eine Trommelbremse. Beide hatten so ihre TĂĽcken. Bei längeren Bergabfahrten konnte es passieren, dass die Trommelbremse „verglaste“ und ihre Wirkung nach Null zustrebte. Der RĂĽcktritt konnte sich bei entsprechender Reibungshitze entweder so mit dem Rad verschweissen, dass er zum Starrlauf wurde, oder regelrecht aus der Radnabe sprang. In beiden Fällen wurde es fĂĽr den Radfahrer meist sehr ungemĂĽtlich und endete in der Regel mit einem Sturz. Das Stahlross landete daraufhin beim Velomech und der Fahrer im Sanitäts-Pinzgauer.
Radfernfahrten (No Suggestions) machten wir immer mit dem Rad. Meist ging es in die Berge. Persönlich bin ich mit dem Militärrad einige Pässe im Jura gefahren, dann aber auch den Jaunpass, ein paar Übergänge in der Ostschweiz, mehrmals den Glaubenberg, auch den San Bernardino und einmal sogar bei Schnee und Regen auf die Iffigenalp, oberhalb Lenk.
Die richtige RadfahrerprĂĽfung, der Tag an dem der Rekrut zum Radfahrer wurde, bestand damals aus einem sogenannten Radmarsch ĂĽber gut 100 Kilometer. Da ich in der Sommer-RS unterwegs war konnten wir im Tenue Blau fahren (glaub’s), mussten aber die ganze Bewaffnung mit uns herumschleppen, wenigstens ĂĽber den grĂĽssten Teil der Strecke. Weil wir eine sportliche Truppe waren (sagte man uns wenigstens immer wieder), mussten wir jeweils am Samstagmorgen noch vor dem Abtreten fĂĽr das Wochenende, ein Radrennen hinlegen. Manchmal mit so besonderen Ăśberraschungen wie Gas-Alarm und anschliessend mit Schutzmaske im Gesicht die letzten paar Kilometer zur Kaserne hinauffahren. Velorennen nach Art der Steher gab es auch. Statt des Motorrades hatten wir allerdings zuvorderst an der Einerkolonne der Radfahrer den Opel des Kommandanten. Alles angeblich als Vorbereitung fĂĽr das ulimative 100KIM – Militärradrennen von St. Gallen nach ZĂĽrich, welches man ja als richtigen Militärradfahrer mindestens einmal gefahren haben muss.