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Produzenten gibt es von dem Moment an, als Aufnahmestudios mit Tonbandgeräten ausgerüstet sind. 1948 ist es so weit – zeitgleich mit der Einführung von Vinyl. Die Tonbandtechnologie (siehe deren Geschichte bei www.used dlt.com (Deutsch) oder bei bbc.co.uk (english)), die vor dem zweiten Weltkrieg in Deutschland entwickelt worden ist, wird in Amerika durch die Firma Ampex zu einem Produkt, das die Aufnahmetechnik für immer verändern wird. Vor dem Tonbandgerät kann Musik nicht zwischengespeichert, nur auf Schallplatte aufgezeichnet werden – zuerst auf Wachszylinder, später auf Schellack. Im Unterschied zu diesen Träger- und Vertriebsmedien ist ein Magnettonband das, was wir heute «Editor» nennen – eine Apparatur, die dazu dienen kann, aufgezeichnete Töne und Klänge zu manipulieren, bevor man sie auf Schallplatten presst. Ein Tonband kann geschnitten werden (Montage), es kann Klang verzögern (Hall, Echo), es kann eine Aufnahme Schicht um Schicht aufbauen (Multitracking / Overdub), es tut dies ab den späten 50er Jahren, indem es mehrere Spuren hat. Last but not least kann ein Tonband gelöscht und neu aufgezeichnet werden.
Die Einführung von Magnettonbandgeräten bei der Musikaufzeichnung ist die Folge einer Kriegsbeute: Jack Mullin war Ingenieur, der zwei Tonbandgeräte und 50 Spulen Band aus einer Radiostation in Bad Neuheim als Kriegsbeute mit nach Hause schiffte. in Amerika demonstrierte Mullin die Technologie einem durch die Klangqualität überwältigten Publikum. In diesem staunenden Publikum sass der technische Leiter, der für Bing Crosbys Radio-Show arbeitete. Crosby hat sich in der Folge von der Firma Ampex ein Tonbandgerät bauen lassen, um seine Radiosendung vorproduzieren zu können – was nichts anderes heisst, als sie auf Band aufzuzeichnen und zur Sendezeit abzuspielen. Dieses Gerät wurde 1948 in Betrieb genommen. Der erste Musiker, der 1947 mit einem Tonbandgerät arbeitete, war Les Paul. Dieser erfand das Mulktitracking. Sein Stück «Lover (When You’re Near Me)» von 1947 hat acht (!) elektrische Gitarren aufgenommen, alle von Les Paul selbst gespielt.
Die ersten schöpferischen Produzenten, Zauberer an der Tonbandmaschine, waren neben Les Paul, Joe Meek, Phil Spector, Brian Wilson, Jack Nitzsche und George Martin. Die Wall Of Sound von Phil Spector wurde durch die Innovation des Mehrspurtonbandgeräts möglich, das ab 1956 in Studios eingerichtet wurde. Diese Vierspurmaschinen erleichterten das Overdub-Verfahren. Allerdings ist es dennoch erstaunlich, was Phil Spector soundmässig schuf, wenn man bedenkt dass die Geräte der Zeit nur gerade vier Spuren hatten. In den 60er Jahren differenzierten sich dann verschiedene Produktionstechniken heraus, geschliffene wie bei den Beatles, dreckige wie bei den Rolling Stones oder bei Velvet Underground (siehe Artikel von Ralf von Appen: «The Rougher The Better» in Pop Sounds (2003, S. 101)). Eine neue Revolution kam gegen Ende der 80er Jahre auf und kulminierte im Listening-Techno der 90er. Produktionsequipment wurde erschwinglich und war schliesslich in jedem PersonalComputer zu haben. Musik-Produzenten mussten nun nicht mehr in teure Studios, um CDs zu produzieren. Sie taten dies zu Hause, im Schlafzimmer und wurden daher «bedroom producer» genannt. Der berühmteste von ihnen dürfte Aphex Twin sein.