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Es ist heute noch nicht klar, wie die Strohflechterei in den Kt. Freiburg kam. Sie war zuerst in allen Bezirken verbreitet, später jedoch vor allem im Voralpengebiet des Sense- und Greyerzbezirks heimisch. Es handelte sich vorwiegend um eine Heimindustrie. Die Produkte wurden mehrheitlich ins Ausland oder in den Aargau ausgeführt.
18. Jahrhundert
Anton Hartmann, Hütler aus dem Elsass lässt sich 1769 in Freiburg nieder. Offensichtlich ist in dieser Zeit die Hutmacherei und nicht die Flechterei vorherrschend.
Um 1800
Die Freiburger befassen sich nun vermehrt mit dem Flechten von Strohtressen, die der Hutfabrikation dienen. Sie verarbeiten dazu besondere Sorten von Weizenstroh, welche dank ihrer Qualität je länger je mehr beliebt sind.
1805
Erster Erlass der Freiburger Regierung über Massvorschriften zu den Strohgeflechtbändern (Strohtressen). Gemäss Georges Hartmann gibt es in der Stadt Freiburg bereits einige kleine Strohhut-Fabrikanten.
1803–1815
Die napoleonischen Kriege mit der Kontinentalsperre begünstigen den Export in die Nachbarländer der Schweiz. Nach dieser Zeit werden vermehrt nur noch Halbfabrikate, wie Strohtressen hergestellt. Teilweise werden sogar unverarbeitete Strohhalme als Rohmaterial nach Frankreich exportiert.
1815
Die Aargauer Strohfabrikanten entdecken das Freiburger Weizenstroh. Somit liefern die Freiburger ihre sehr begehrten Produkte nun auch an die Aargauer Händler und Fabrikanten. Die Halbfabrikate werden an Krämer und Zwischenhändler, im Aargau auch Fergger genannt, verkauft. Diese wiederum treten die Ware an Hutfabrikanten oder Händler ab, die sich auch um den Export in die europäischen Länder und später nach Amerika kümmern.
1816
Gemäss Georges Hartmann gründen die Behörden im Geyerzerland Flechtschulen für junge Leute.
1821
Der Historiker Franz Kuenlin stellt fest, dass sich in der Gegend von Plaffeien viele Frauen und Kinder mit der Strohflechterei beschäftigen. Plaffeien gilt hier bereits als wichtiges Zentrum der Strohindustrie.
1850er Jahre
Vor dem Sezessionskrieg in den USA erreicht die Produktion einen Höhepunkt. Das Greyerzerland liefert rund 50%, der Sense- und der Saanebezirk zeitweise je rund 20% der Strohprodukte des Kantons. In mehr als hundert Ortschaften des Kantons wird Stroh geflochten.
1857
Pierre Sciobéret veröffentlicht den Roman «Marie la Tresseuse», der das Schicksal einer jungen Greyerzer Strohflechterin beschreibt.
1860
Rund 40% der Industrie-Beschäftigten des Kantons arbeiten in der Strohindustrie. Um 1880 sind es sogar 45%.
1867
Die Freiburger Strohfabrikanten beteiligen sich mit Erfolg an der Pariser Weltausstellung. Man rechnet zu dieser Zeit mit 6–8 Strohhut-Fabrikanten und 8–10 Handelshäusern im Kanton. Keiner dieser Betriebe befindet sich im Sensebezirk. Wir finden sie in den Zentren Bulle und Freiburg. Bekannte Namen sind: Hartmann, Gremion, Thédy, Pugin, Ayer, Bourguet, Jordan, Romanens, Girard, Schaerly, Claraz, Rémy. Die Aargauer Fabrikanten eröffnen nun auch eigene Niederlassungen in Bulle (Isler, Weber und Fischer).
1870
Der Niedergang der Strohindustrie zeichnet sich bereits ab. Durch die Globalisierung der Produktion über China bis nach Japan wird der Markt mit billigen Waren überschwemmt. Dazu kommt die europäische Konkurrenz aus Belgien, England, Frankreich und Italien.
Ab 1880
Obwohl immer noch viel geflochten wird, geht der Verdienst zurück. Der Tagesverdienst einer Flechterin geht von früher Fr. 1.– auf Fr. –.35 zurück. Im Sensebezirk werden je länger je mehr Strohdrehtli (Schnürli) gezwirnt. Der Preis für ein Tagewerk von tausend Stück variert zwischen Fr. – .80 bis Fr. 1.20. Die Regierung beginnt sich einzuschalten durch die Förderung von Fertigprodukten und Ausstellungen, die u.a. durch Léon Genoud vom Industrie-Museum organisiert werden.
1883
Schweiz. Landesausstellung in Zürich. Cornaz-Vuillet schreibt einen Aufsatz über die Freiburger Strohindustrie in der offiziellen Zeitung.
1889
Weltausstellung in Paris mit Schweizer Pavillon.
1892
Johann Zbinden, Handelsmann vom Sahli/Plaffeien erhält an der Freiburger Gewerbeausstellung als ersten Preis die Vermeil-Medaille.
1896
Landesausstellung in Genf Die Freiburger versuchen es nun auch mit den Fantasie-Geflechten.
1898
In Broc eröffnet die Schokoladen-Fabrik Cailler ihren Betrieb. Die industrielle Milchverarbeitung hält im Greyerz Einzug. Weil hier bessere Verdienstmöglichkeiten geboten werden, steigen viele Handwerker, aber auch Unternehmer auf diesen Erwerbszweig um.
1916
Sidonie Romanens, Manufacture de paille, Marsens kauft von Ottilia Bäriswyl, Plaffeien 170'000 Strohdrehtli zu Fr. –.55 pro 1000 Stück.
1917
Das letzte Strohhandelshaus in Bulle schliesst seinen Betrieb.
1920
Die 1919 als letzter Rettungsversuch gegründete SA des Tresses de paille de Fribourg, in Bulle, muss liquidiert werden.
1924
30 Frauen aus der Region Plaffeien lernen durch die Firma Fischer & Co, Dottikon, den Röhrlihut herzustellen. Der Chevalier-Hut (Canotier) erlebt einen neuen
Aufschwung. Damit gewinnt Stroh ein letztes Mal an Bedeutung in der Hutfabrikation.
Quellen: Moritz Boschung, Georges Hartmann, Roland Ruffieux
Hubert Boschung, September 1999
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