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Eine der populärsten Werkgruppen des Berner Künstlers Peter von Wattenwyl stand lange Zeit in einem Einkaufszentrum in Schönbühl. Als Auftragsarbeit im Grenzgebiet zwischen Kunst und Kommerz zeugen die rund 30 grellbunten, bizarren Vogelskulpturen, die heute die Räume eines Murtener Hotels schmücken, von den verschlungenen Lebenswegen eines eigenwilligen Künstlers.
Peter von Wattenwyl wuchs als Sohn einer alten Berner
Patrizierfamilie auf. Nach dem frühen Tod des Vaters brach er das Gymnasium vor
der Matura ab und begann zu malen. Mit Anfang zwanzig lebte er eine Zeit lang
auf Kreta. Er reiste ausgiebig und verbrachte schon damals viel Zeit in der
Camargue – gern mit Künstlerfreunden wie Walter Vögeli. Er liebte die Musik der
südfranzösischen Gitanes und besuchte regelmässig deren Fest der heiligen Sara
in Saintes-Maries-de-la-Mer.
Seine ersten Arbeiten stellte von Wattenwyl 1966 in Bern aus, zusammen mit Meret Oppenheim, die wie Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle und Bernhard Luginbühl seit Ende der 1950er-Jahre zu seinem engeren Freundeskreis gehörte. Jean-Christophe Ammann lud ihn 1969 zu der wegweisenden Gruppenschau Die Kunst der Abseitigen im Kunstmuseum Luzern ein. Eine Empfehlung Tinguelys für ein Projekt am Moderna Museet in Stockholm schlug er jedoch aus, ebenso zahlreiche andere Angebote. Statt an den Erfolg einer vielversprechenden Einzelausstellung in Paris anzuknüpfen, reiste er mit seiner zweiten Frau Marlise nach Ibiza und arbeitete in seinem Haus in Portinatx an diversen Aufträgen, danach lebte er einige Jahre mit seiner Familie in Carona, Tessin. In dieser Zeit hatte er mehrere Ausstellungen, insbesondere in Bern. Ein paar Jahre lebte er mit Frau und beiden Töchtern auf Moorea/Tahiti, wo zahlreiche Bilder entstanden. Mitte der 80er-Jahre liess sich Peter von Wattenwyl im südfranzösischen Le-Grau-du Roi nieder. Bevor er wieder nach Bern übersiedelte, lebte er in Camedo/Tessin in einem ausrangierten Bahnhof.
Zurück in Bern lernte er seine dritte Frau Therese kennen. Ihr widmete er 1993 eine Skulptur, die sich in der Sammlung der Mobiliar befindet. Das kleinteilig bemalte Objekt unter einer Acrylglashaube stellt einen Kuss zwischen zwei nixenartigen Fabelwesen bei turbulenter Bootsfahrt dar, behütet von einem Grüppchen skurriler Meerungeheuer. Im gleichen Jahr erwarb die Mobiliar zudem die Gouache Die Verhandlung (1993). Wie viele seiner malerischen Arbeiten seit den 1980er-Jahren hat von Wattenwyl auch diese als Wimmelbild voller Anspielungen auf lokale Ereignisse, Gruppen und Personen angelegt, mit ihm selbst im Zentrum in der Rolle des Narren, der den anderen den Spiegel vorhält, ohne sich über sie zu erheben. Peter von Wattenwyl war ein Geschichtenerzähler mit überbordender Fantasie. Sein Ziel war es, die Betrachterinnen und Betrachter seiner Werke mit seinen Geschichten einzunehmen und sie dazu zu animieren, nach dem ersten Schmunzeln ein zweites Mal genauer hinzusehen und die tiefergehende Botschaft zu lesen.
Peter von Wattenwyl setzte im Lauf der Jahre einige Auftragsarbeiten um, darunter Porträts, aber auch öffentliche Aufträge wie beispielsweise für das Schulhaus Kleefeld Bern, die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) oder das bereits genannte Einkaufszentrum in Schönbühl.
Zu seinem näheren Umfeld zählten die Galeristen Martin Krebs und Maxe Sommer, bei denen er über Jahrzehnte regelmässig ausstellte, und Bernhard Luginbühl, für den er diverse Auftragswerke fertigte. Zudem realisierte er mehrere Werke in Zusammenarbeit mit anderen Kunstschaffenden wie Reinhard Rühlin und Tim Timmermahn.
Peter von Wattenwyl, 1942 geboren in Bern (CHE), starb 2014 in Murten (CHE).
Tätigkeitsbereiche: Skulptur, Plastik, Malerei, Druckgrafik, Zeichnung