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Anfangs September 2023 reiste ich für zwei Wochen nach Ladakh mit dem Ziel, die Aufnahme einer neuen Region ins Erwachsenen-Bildungsprojekt zu prüfen. Nawang Palden, der neue Projektleiter, besuchte bereits im Frühjahr 2023 einzelne Dörfer und befragte die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner nach deren Bedürfnisse und Interesse für Erwachsenenbildung. Aufgrund der positiven Rückmeldung und dem grossen Interesse wurde die Region Zansksar zum Hauptreiseziel der diesjährigen Reise.
Zanskar, ein ehemaliges buddhistisches Königreich
Das abgelegene Hochtal liegt 320 km westlich vom geografischen Zentrum Leh auf durchschnittlich 3’500 m. ü. M. Das Gebiet hat eine Fläche von rund 7’000 km². Die Bevölkerungszahl wird etwa auf 20’000 Einwohner:innen geschätzt. Padum, mit beinahe 2’000 Einwohnenden ist der grösste Ort im Tal und das Verwaltungszentrum der Region.
Das an die Region Senge La angrenzende Zanskartal ist über die neu erschlossene Verbindungsstrasse «Wanla-Lingshed-Padum» sowie über die Anbindungstrasse von Kargil erreichbar. In den Wintermonaten ist die Bevölkerung von der Aussenwelt abgeschnitten und nur über den «Chaddar-Trek», den gleichnamigen gefrorenen Fluss, erreichbar.
Start mit dem Bildungsprojekt im Lungnaktal
Eines der definierten Ziele des Vereins EAL ist der Zugang zu Erwachsenenbildung in weiteren Regionen im Ladakh zu erschliessen. Eine Bekannte vermittelte uns im Winter 2023 den Kontakt von Nawang Palden. Er wohnt mit seiner Familie in Sheela, ein Bergbauerndorf im Lungnaktal, Zanskar. Nach mehreren Telefonaten mit ihm beschloss der Vorstand von EAL ihn als neuen Projektleiter für Erwachsenenbildung zu engagieren.
Wir freuen uns, mit Nawang Palden einen kompetenten und erfahrenen Partner gewonnen zu haben, dessen langjährige Erfahrungen als Sekretär einer NGO einen wichtigen Beitrag zur weiteren Entwicklung des Erwachsenen-Bildungsprojektes im Zanskar bedeutet.
Das Lungnaktal ist ein 80 km langes Seitental vom Zanskar und verläuft südöstlich von Padum Richtung Darcha. Das Gebiet umfasst 18 Dörfer. Es leben rund 1’400 Menschen in dieser Region. Dank der Vorarbeit von Nawang Palden waren die Dorfgemeinschaften bereits über den Verein EAL informiert. Bei den persönlichen Treffen mit den Dorfbewohner:innen wurde der Verein EAL und deren Philosophie und Ziele nochmals vorgestellt.
Im September 2023 sind die Gemeinden Sheela, Pipcha, Mune, Raru und Anmu ins Erwachsenenbildungsprojekt aufgenommen worden. Im kommenden Winter nehmen 96 Frauen aus diesen Dörfern am Unterricht teil. Dabei hat der Vorstand von EAL neun Lehrpersonen angestellt.
Die zukünftigen Schülerinnen haben alle einen gemeinsamen Wunsch: die ladakhische Sprache Bhoti, lesen und schreiben zu können. Geschrieben wird Bothi in tibetischer Schrift. Die Schriftsprache Bhoti steht dem klassischen Tibetisch nahe.
Organisatorisches
Im Ladakh ist es Tradition, dass bei einer Heirat das vermählte Ehepaar ins Elternhaus des Bräutigams einzieht. Vereinzelt haben Frauen ein Studium absolviert, doch aufgrund der abgeschiedenen Lage der Dörfer ist es für sie beinahe unmöglich in der Umgebung eine Arbeit zu finden. Nawang und ich haben beschlossen, bei der Lehrkraftrekrutierung Frauen mit einem Studienabschlusss den Vorrang zu geben. Bei Anfrage als Lehrperson haben fünf Frauen spontan zugesagt.
Der Winterunterricht startet am 1. Januar 2024 und dauert zwei Monate. Der Unterricht findet an sechs Tage pro Woche mit jeweils zwei bis drei Stunden pro Tag statt. Der Verein EAL stellt für jede neu ins Projekt aufgenommene Teilnehmerin ein Heft und ein Stift zur Verfügung. Für die Lehrpersonen wurde nebst dem Anstellungsvertrag ein Bildungsplan sowie ein Pflichtenheft erarbeitet. Mit der Aufnahme am Winterunterricht verpflichten sich die Teilnehmenden zur Anwesenheit während der ganzen Unterrichtszeit.
Start Winterunterricht 2023/2024 für Erwachsene in fünf Dörfern
Anmu
Anmu liegt auf einer von Gerstenfelder umgebenen Anhöhe im mittleren Teil des Lungnaktals. Durch die Abgeschiedenheit des Dorfes leben die 50 Einwohner:innen weitgehend unabhängig. Die Kinder besuchen die öffentliche Schule im Dorf. Der vom Staat angestellte Lehrer Stanzin Sampel unterrichtet die Schulkinder während dem Sommerhalbjahr. Wir konnten Stanzin als Lehrperson für das Bildungsprojekt gewinnen. Am Winterunterricht nehmen 7 Frauen teil.
Sheela
Sheela liegt in der Talsohle am Anfang des Lungnaktals. Das Dorf ist üppig grün und steht in völligem Kontrast zu der kargen Landschaft von Zanskar. Im Dorf leben 27 Familien mit durchschnittlich drei Kindern. Am Winterunterricht nehmen 15 Frauen teil.
Raru
Das Bergdorf Raru ist die grösste Gemeinde im Lungnaktal und liegt auf 3’800 m. ü. M. Eine Ansammlung von Häusern im Sinne eines Dorfkerns umgibt die Gebetsmühle. Annähernd 180 Menschen leben in Raru. Drei Lehrerinnen unterrichten die 34 Teilnehmerinnen.
Pipcha
Das Dorf Pipcha ist terrassenförmig in den steilen Abhang hinein gebaut. Es besteht aus 24 Häuser mit rund 145 Einwohner:innen. Für den Unterricht konnten wir einen Mönch aus dem benachbarten Kloster Bardan als Lehrperson gewinnen. Überdies hat sich ein ehemaliger staatlicher Lehrer zur Verfügung gestellt. 20 Frauen nehmen am Unterricht teil.
Mune
Das Dorf Mune umfasst 22 Haushalte und zählt 120 Einwohner:innen. Am Unterricht nehmen 20 Teilnehmerinnen teil.
Region Senge La
Winterunterricht 2023/2024 für Erwachsene in den Dörfern der Regio Senge La
Auf der Rückreise nach Leh verweilte ich drei Tage in den Dörfern des Senge La. In Gesprächen mit den Teilnehmerinnen wurde eindeutig der Wunsch geäussert, ein weiteres Jahr den Winterunterricht besuchen zu dürfen. Sechs Nonnen aus dem Kloster Lingshed stehen weiterhin als Lehrerinnen zur Verfügung. In Skiumpata und Yulchung sind die Stellen derzeit vakant. Rund 78 Frauen profitieren von diesem Angebot in der Region Senge La.
Winterunterricht für Studierende der Region Senge La
Während der Wintersaison bleiben die staatlichen Schulen für drei Monate, von Dezember 2023 bis Februar 2024, geschlossen. Der Winterunterricht wird organisiert, um die schulische Entwicklung zu stärken und zu verbessern und die Schülerinnen und Schüler in ihren Studien besser vorankommen.
Überdies hat das staatliche Bildungsministerium die Hindi Sprache von der 1. bis zur 8. Klasse als Pflichtfach eingeführt. Für den Übertritt in die 9. Klasse müssen die Schüler:innen Prüfungen in Hindi ablegen. Nur wer erfolgreich die Prüfungen absolviert, ist für die 9. Klasse zugelassen.
Für den Winter 2023/2024 organisiert der Projektleiter Sonam Dorje das zusätzliche Lernangebot in sieben Dörfern.
Der Bildungsplan beinhaltet nebst Hindi auch Unterrichtsfächer wie Mathematik, Englisch, Bothi und Wissenschaft. 145 Jugendliche profieren von der Förderung. Insgesamt unterrichten 24 Lehrkräfte.
Der Verein EAL leistet für sechs Lehrpersonen finanzielle Unterstützung.
Hockey Camp auf 4’000 m. ü. M.
Der Verein EAL unterstützt seit 2019 die Sportaktivität für Kinder und Studierende. Mittels der Sammelaktion «Hockey-Ausrüstung für Ladakh» überreichte der Verein EAL-Schlittschuhe, Helme, Handschuhe sowie Schläger und Schoner an den örtlichen Projektleiter Lobzang Rinchen. Schuh- und Sporthaus Joos aus Schiers überreichte letzten Winter 20 kg Hockeyausrüstung an den Verein EAL.
Ein herzliches Dankeschön an Schuh- und Sporthaus Joos Schiers!
Die in Leh ansässige SINGELA PARTNERS WELFARE ASSOCIATION wurde am 5. Januar 2020 gegründet. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den Eishockeysport auch in unzugänglichen Gebieten unter den Jugendlichen zu fördern und zu verbreiten.
In der Wintersaison 2022/2023 organisierte Lobzang Tsultim, der Präsident von SINGELA PARTNERS, in Zusammenarbeit mit Lobzang Rinchen, das erste Hockey Camp für Kinder.
Ein Bericht des Präsidenten Lobzang Tsultim:
Wir haben acht Teilnehmer im Dorf Neyraks. Für all diese Kinder war es die erste Erfahrung mit dem Schlittschuhlaufen. Auch die Kinder und ihre Eltern waren sehr erfreut über die Möglichkeit, eine neue Sportart kennen zu lernen. Das Camp wurde von den Organisatoren sieben Tage lang durchgeführt. Danach haben wir den Kindern Schlittschuhe und andere Ausrüstung zur Verfügung gestellt, damit sie einen Monat lang selbst üben können.