Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03604.jsonl.gz/55

In diesen Tagen liest man in den Zeitungen, dass die Welt noch nie zuvor so vermögend war wie heute. Am meisten besitzen die Amerikaner pro Kopf, dicht gefolgt von den Schweizern, die die Liste zuvor jahrelang anführten. Danach kommt lange nichts, die drittplatzierten Japaner besitzen schon 40 Prozent weniger.
Dass die Welt zehn Jahre nach einer der schwersten Wirtschaftskrisen der Moderne so reich dasteht, ist intuitiv schwer nachvollziehbar, da die Schere zwischen Armen und Superreichen sich immer weiter und schneller auftut. Im Jahr 2000 besass das reichste Prozent der Weltbevölkerung 40 Prozent des Weltvermögens, im Jahr 2016 waren es 99 Prozent.
Heisst, 750’000 Personen besitzen quasi das ganze Weltvermögen – statistisch gesehen. Im Detail ist die Entwicklung noch viel dramatischer: Am Ende sind es nämlich wenige hundert Menschen die fast allen Besitz auf sich konzentrieren. Verwaltet werden diese Mega-Vermögen oft von sogenannten Family Offices.
Ein Family Office ist eine familieninterne Vermögensverwaltung, in der Hälfte der Fälle von einem gewählten Familienmitglied geführt, ansonsten von einem angestellten CEO. Das Office hat den Auftrag, das Vermögen mit geschickten Investments zu vermehren. Und oft wird mit dem Anlagegeschäft mehr verdient, als mit den ursprünglichen Einkommensquellen.
Man nehme die Familie Rockefeller, Erfinderin des Family Office-Konzepts: John D. Rockefeller wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert mit Ölförderung und -handel zum reichsten Amerikaner aller Zeiten. Nach seinem Tod haben die Nachfahren das Familienvermögen immer breiter angelegt. Inzwischen investieren die Rockefellers explizit nicht mehr in Öl und andere fossile Energieträger und immer öfter in grüne Zukunftstechnologien.
Der Teil des Geldes, den Family Offices in sozial und ökologisch nachhaltige Unternehmungen investieren, nimmt zwar zu, die Mehrzahl der Investments jedoch soll einfach eine möglichst hohe Rendite bringen. In den letzten zehn Jahren haben die meisten Reichen jedes Jahr leicht zugelegt, ausser im Krisenjahr 2008. Rekordrenditen hat das Jahr 2016 gebracht.
Bei einem investierten Vermögen von durchschnittlich einer Milliarde US-Dollar pro Family Office und einer Rendite von sieben Prozent, haben die Familienfonds im letzten Jahr im Schnitt 70 Millionen US-Dollar zugelegt. Das ist rund 21 mal mehr als im 2015. Nur vier Prozent der Family Offices haben ihr Geld nicht vermehrt oder gar Verluste eingefahren.
Profitiert haben die superreichen Familien von einer boomenden Weltwirtschaft im 2016. Verdient wurde das Geld mehrheitlich mit Börsen-gehandelten Aktien. Zu der hohen Durchschnittsrendite hätte aber auch eine erhöhte Risikobereitschaft bei den ansonsten langfristig orientierten Family Offices beigetragen.