Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03201.jsonl.gz/3040

Schyn
rätoromanisch
Müras (Kt. Graubünden,
Bez.
Heinzenberg und Albula).
888-696 m. Der
Schyn oder Schynpass verbindet als spaltenartiges,
von der
Albula durchrauschtes Schluchtenthal
Tiefenkastel mit
Sils-Thusis im
Domleschg und durch seine Strasse
die
Julier-,
Albula- und Landwasserroute
(Davos) mit der
Splügen-, Bernhardin- und Oberalproute. Bis zum Strassenbau von 1869 bildete
das einzige Verkehrsmittel zwischen dem
Domleschg und dem Albulathal ein auf der
N.-Seite hoch am rechten Abhang der Albulaschlucht
über
Obervaz führender Weg.
Die Verbindung zwischen
Alvaschein und
Obervaz mit den
Dörfern der linken Thalseite
(Solis,
Stürvis,
Mutten)
vermittelte bis 1868 eine gedeckte hölzerne
Brücke in der
Schlucht von
Solis. Der alte
Schynweg, ein blosser Saumpfad, wand
sich von
Obervaz her mühsam durch
Wald und die
Schluchten und Klüfte des Schiefergesteins. Restauriert und mit Markierung
versehen, leitet er heute von
Obervaz her unter Felswänden hoch über der
Albula zu dem Punkte hin, wo
sich die
Wege nach
Sils im
Domleschg und
Scharans trennen.
Nach dem Urteil von Kennern gehört diese
Route zu den grossartigsten in Graubünden.
Der
Schynpass wurde schon mit dem Ausbau der
Via Mala
(1473) benutzt und 1496 als ein in die
Felsen gehauener, durch einen ungeheuern
Schlund führender gefährlicher
Weg geschildert. Die
Schynstrasse zweigt bei
Thusis von der Splügenstrasse ab, überschreitet den
Hinterrhein und tritt hinter
Sils in die
Schluchten der
Albula ein, um bei
Tiefenkastel sich mit der Julierstrasse zu vereinigen. Sie
ist 14,5 km lang, führt durch
¶
mehr
mehrere Schluchten und Galerien und bietet malerische und grossartige Landschaftsbilder, so namentlich zu ihrem Beginn im W. (Rückblick auf das Domleschg und den Heinzenberg), bei der Burgruine Campi, vor Passmal (Tunnels), im Muttnertobel, bei Unter Solis (Tunnelausgang vor der Solisbrücke mit Blick auf Piz Michèl, Lenzerhorn, Obervaz mit seinen verschiedenen Dorfgruppen und Höfen) und bei der 76,5 m hoch über dem Spiegel der Albula sich spannenden Solisbrücke.
Dann führt die Strasse, in Windungen ansteigend, nach Alvaschein hinauf und nachher abwärts bis Tiefenkastel. In der ersten
Hälfte ist die
Schynstrasse in vielfach unsicherm, rutschigem Terrain angelegt, was viele Nacharbeiten und
Verlegungen zur Folge hatte. 1903 wurde die Albulabahn (Thusis-Ober Engadin) eröffnet, die auf der Strecke Thusis-Tiefenkastel
bedeutend tiefer als die
Schynstrasse angelegt ist und wie diese in der vordern Partie einen prachtvollen Ueberblick über
die sanften und romantischen Schönheiten des Domleschg und Heinzenbergs bietet, während weiter hinten die Grösse und
ernste Pracht der Alpennatur waltet.
Die schönsten Ausblicke von der Bahn sind Sils, die Gegend der malerischen Burgruine Campi, die Muttnertobelbrücke, Solis, Solis-Viadukt (164 m lang und 85 m über dem Spiegel der Albula), die Partien vor und unterhalb Alvaschein (Stürviserbach), sowie unter und hinter Müstail mit seiner Kirche. Die wichtigsten Tunnels und Viadukte der Bahn bis Tiefenkastel sind: Campell und Campi, Runplanas, Cugnieler, Versasca (694,5 m langer Tunnel), Pflanzengarten 1 und 2, Passmal, Muttnertobelbrücke, Solis (Tunnel von 986 m), Solis-Viadukt, Alvaschein, Nisellas, Salons und Müstail (Tunnel und Bogenbrücke).
Auf den Höhen zu beiden Seiten der
Schynschlucht liegen zahlreiche Höfe, Weiler und Dörfer, so auf der
N.-Seite
(bei Sils-Scharans angefangen): Parnegl, Brün, Muldain-Lain-Zorten, Nivaigl (Obervaz 1214 m), Alvaschein (1015 m);
auf der S.-Seite Campi, Runplanas, Passmal, Mutten (1473 und 1874 m), Solis (1138 m), Unter Solis, Stürvis (1378 m).
Burgen sind: Ehrenfels, Schloss Baldenstein (restauriert und bewohnt) und Campi (Campell) bei Sils, sowie die Reste des Stammschlosses der Freiherren von Vaz bei Nivaigl.
Der
Schyn ist in graue bis dunkle Kalk- und Kalktonschiefer, Kalksandsteine und Tonschiefer des oligozänen Flysch eingeschnitten.
Die dickbankigen, kalkig-sandigen Schichten von braunrötlicher Verwitterungsfarbe oberhalb Sils und vor Alvaschein geben sehr
gute Bausteine; sie wechseln vorn und hinten in der Schluchtenserie mit Kalkton- und reinen Tonschiefern
ab. Die Tonschiefer von Obervaz, auf der Lenzerheide und bei Alvaschein enthalten Abdrücke von Fukoiden (Chondrites intricatus
mit der Varietät Fischeri, Ch. Targioni mit der Varietät arbuscula, Palaeodictyum textum) und verschiedene Helminthoiden.
Namentlich die sandigen Kalkschiefer führen massenhaft kleine Einsprenglinge von Pyritkristallen, von
deren Auswitterung die rostige Farbe ihrer Oberflächen sich herleitet. In der Nähe der Solisbrücke tritt im Schiefer ein
Riff von hellem Rötidolomit der Trias mit etwas Gips auf; Gips findet sich weiter in der Schlucht von Müstail im Tobel Val Mala
und bei Tiefenkastel vor. Die Flora des
Schyngebietes ist reich und mannigfaltig. Unter den Blütenpflanzen
gibt es verschiedene Seltenheiten oder interessante Standortsverhältnisse, und die Moosflora der Gegend ist berühmt. Bei
Tiefelkastel kommt noch der Edelhirsch vor, der sich in der neuesten Zeit stärker auszubreiten scheint, indem ein solcher
z. B. 1903 bei Passmal im
Schyn erlegt worden ist.
¶
Schyn
(Kt. Uri). 2820 m. Südöstl.
Vorgipfel der das Voralpthal von der Göscheneralp trennenden Kleinen Sustenhörner.
Kann von der Voralphütte her in 3 oder von der Göscheneralp aus in 2½ Stunden bestiegen werden.