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Design Thinking ist eine Problemlösungsmethode, die aus den USA stammt und auf die drei Professoren Terry Winograd, Larry Leifer und David Kelley der Stanford University in Kalifornien zurückgeht. Diese hatten in den 1990er Jahren die Idee, eine Innovationsmethode für kreative Prozesse zu nutzen, die ursprünglich für das Design von Produkten und Dienstleitungen entwickelt wurde. Das bekannte Beratungsunternehmen IDEO mit seinem CEO Tim Brown, sowie die verschiedenen d.Schools trugen dazu bei, diese Methode zu verbreiten. Tim Brown definiert Design Thinking wie folgt:
«Design Thinking ist ein menschenzentrierter Ansatz für Innovationen, der aus dem Werkzeugkasten des Designers schöpft, um die Bedürfnisse der Menschen, die Möglichkeiten der Technologie und die Anforderungen für den Geschäftserfolg zu integrieren.» (Tim Brown, CEO IDEO)
Beim Design Thinking geht es folglich nicht darum, möglichst schnell oder möglichst offensichtliche Lösung zu finden, sondern neue, kreative Lösungswege für komplexe Herausforderungen zu entdecken.
Ein Design Thinking Prozess ist multidisziplinär und stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Alles fängt damit an, das Problem oder die Herausforderung sowie die Bedürfnisse des späteren Nutzers besser zu verstehen. Diese Phase wird empathize genannt (siehe Abbildung 1). In einem zweiten Schritt werden die Informationen aus der ersten Phase organisiert und das Problem klar definiert. Anschliessend geht es darum, in Teamarbeit innovative Ideen zu kreieren. Diese Ideen werden anschliessend in Form von Prototypen in einem iterativen Prozess, getestet, angepasst und erneut getestet.
Abbildung 1. Ablauf eines typischen Design Thinking Prozesses
(Quelle: https://wissenimwandel.com/design-thinking-oder-wie-designer-denken)
Im Rahmen des Modellvorhabens «Landschaftsinterpretation in der Stadt Sitten» wird das Modell des doppelten Diamanten angewendet (Design Council), das den Designprozess abbildet und diesen durch die Dimensionen des divergierenden und konvergierenden Denkens ergänzt. Bei der Entdeckungsphase laufen die Linien des Diamanten auseinander, was das divergierende Denken symbolisiert und somit eine Erweiterung des Blickwinkels mit sich bringt. In Bezug auf das Modellvorhabens bedeutete dies, möglichst viele Akteure zur Landschaft von Sitten zu befragen, um herauszufinden, welche Landschaften besser in Wert gesetzt werden können und welche Themen von Interesse sein könnten. In der zweiten Phase ging es darum, die Informationsfülle zu strukturieren, um schlussendlich je ein Thema pro Zielgruppe (Bevölkerung, Besucherinnen und Besucher, Schulen) zu definieren, was dem konvergierenden Denken entspricht. Bei der anschliessenden Ideengenerierung sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, was durch das Auseinanderdriften der Linien des zweiten Diamanten illustriert wird. Aus den Ideen entstehen dann Prototypen, die direkt bei den Zielgruppen und hinsichtlich Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit getestet werden. Am Ende dieses Prozesses werden die angepassten Prototypen umgesetzt. Dies entspricht der letzten konvergierenden Phase des Double Diamond Modells.
(Inspiriert von https://interactiondesign17.wordpress.com/2017/02/09/week-4-double-diamond-framework)
Quelle: In Anlehung an: Grèzes, V., Ramseyer, R., Nanchen, B., Wilk, R., Grèzes, S., & Perruchoud, A. (2018, November). Service design thinking methodology for co-innovating the user experience. In II Smart Tourism Congress Barcelona CETT-UB (p. 17).
Die erste Phase des Design Thinking Ansatzes, d.h. die Entdeckungsphase hat sich in Zusammenhang mit dem Modellvorhaben in Sitten als besonders wertvoll erwiesen, da sich dadurch Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen (Stadtgärtner, Leute aus der Bevölkerung, Raumplanungsamt, Lehrpersonen etc.) zur Landschaft äussern konnten. Dies verhalf dem Projektteam zu einem breit gefächerten Einblick in die Bedürfnisse der verschiedenen Akteure und in die potenziell interessanten Themen rund um die Landschaften in Sitten. Die verschiedenen Akteure waren grösstenteils sehr motiviert. Weniger einfach war es allerdings, den verschiedenen Interviewpartnern das Projekt zu erklären, da es am Anfang – was für den Design Thinking Ansatz typisch ist – noch nicht ein bereits klar umrissenes Produkt gibt. Das führt dazu, dass das Projekt am Anfang als sehr abstrakt wahrgenommen wird.
Die wohl interessanteste Phase wird wohl diejenige der Ideengenerierung sein, bei welcher in multidisziplinären Teams Angebote für die drei Zielgruppen (Bevölkerung, Besucherinnen und Besucher, Schulen) kreiert werden. Die Co-Kreationsworkshops sind für die erste Jahreshälfte 2021 geplant und haben zum Ziel möglichst kreative und innovative Angebotsideen hervorzubringen.