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- Bewertet: Einband: Taschenbuch
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Niklaus Flütsch kam 1964 in Zürich als Bettina zur Welt – das Kind war äusserlich ein Mädchen, aber innerlich fühlte es sich sehr früh als Junge. Im zarten Alter von vier Jahren bat es seine Mutter, die langen Haare abzuschneiden, denn dann wäre es endlich ein Junge (das fehlende... Niklaus Flütsch kam 1964 in Zürich als Bettina zur Welt – das Kind war äusserlich ein Mädchen, aber innerlich fühlte es sich sehr früh als Junge. Im zarten Alter von vier Jahren bat es seine Mutter, die langen Haare abzuschneiden, denn dann wäre es endlich ein Junge (das fehlende „Teil“ würde ihm logischerweise wachsen). Die Enttäuschung war immens. Die Jahre vergehen, aber Bettina kann sich nicht mit ihrer Rolle als Frau aussöhnen. Mit 20 Jahren das Coming-out als Lesbe, 25 Jahre später das Coming-out als transident. Hier erzählt Niklaus Flütsch mit Hilfe von Ursula Eichenberger seine Geschichte vor, während und nach der Transition. Erster Eindruck: Ein sympathischer Mann auf dem Cover, ein interessanter Titel – gefällt mir sehr gut. Hinten im Buch hat es eine Zeittafel, weiterführende Informationen und ein Glossar. Die Geschichte ist nicht chronologisch aufgebaut. Zuerst habe ich gedacht, dass diese Art des „Tagebuch-Hüpfens“ (also mal Vergangenheit, mal Gegenwart) schwierig sein könnte, aber dem war dann nicht so. Es macht mich betroffen, wenn ich von einem vierjährigen Mädchen höre, dass es lieber ein Bub sein möchte. Die „Flucht“ als Teenager in die Magersucht muss schlimm gewesen sein, quasi die Weiblichkeit weghungern – funktioniert nicht. Später studiert Bettina Medizin und spezialisiert sich auf Gynäkologie. Ich kann nicht mal ansatzweise nachfühlen, wie das Leben mit diesem jahrzehntelangen Kampf gewesen sein muss. Das Buch hält sehr viele emotionale Momente fest, wie z.B. diese hier: - Als Bettina ihrer Mutter gesteht, dass sie transident sei und sie die Umwandlung vornehmen wolle. Eigentlich wollte sie warten, bis die Mutter gestorben sei. Die Mutter hat ganz toll reagiert! - Der Brief von Bettina-Nik an den Vater: ein sehr emotionaler Moment, als dieser anruft und sagt, dass er nicht schockiert sei und es keine Rolle spiele – er habe ihn einfach gern. - Ein witziger Moment, als eine frühere Patientin Nik sieht und sagt „Ach, das war ja meine ehemalige Gynäkologin – Mensch, sieht der gut aus!“ Alltagstest, Häufigkeit von Transidentität, Beziehungen, Kinderwunsch, Suche nach einem neuen Namen – dies sind nur einige der behandelten Themen. Im ganzen Buch ist der innere Kampf, die Verzweiflung, sehr gut spürbar. Schlimm, dass früher transidente Menschen als psychisch krank abgestempelt wurden. Das Traurige ist, dass auch jetzt noch etliche Menschen so denken. „Nicht die Seele muss sich dem Körper anpassen, sondern der Körper der Seele.“ Nik scheint endlich angekommen zu sein. Schön, dass er seine grosse Liebe gefunden und geheiratet hat. Sein Ehemann, der übrigens hofft, dass sich Nik nie genitalmässig operieren lassen wird, erzählt von ihrem Kennenlernen. Von mir gibt es 5 Sterne und meinen herzlichen Dank an Nik Flütsch für seine Offenheit und an Ursula Eichenberger, dass sie seine Geschichte aufgeschrieben hat.