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Draw a distinction
Zweiteiligkeit des Zeichens.
Das Zeichen (the mark UB) hat bei Spencer Brown eine vertikale Linie, trennt also zwei Seiten, und eine horizontale Linie, einen Indikator, einen Weiser sozusagen, der auf die eine Seite und nicht auf die andere Seite zeigt. Es ist bewusst als ein Zeichen gedacht, aber es besteht aus zwei Komponenten.
Wenn man allerdings so anfängt, stellt sich die Frage, wer die eine und nicht die andere Komponente bezeichnet, ohne nicht auch schon ein Zeichen zur Verfügung zu haben, mit dem er das tut. Aber man muss es erst einmal so hinnehmen, den Haken als Einheit. Erst im weiteren Verlaufe des Kalküls kann sich herausstellen, dass es gar nicht so einfach war, wie der Anfang es sich gedacht hatte - wenn er schon denken konnte, was auch infrage steht.
Die ganze Überlegung beginnt mit Selbstreferenz. Es gibt, wie in ziemlich rätselhaften Formulierungen gesagt wird, keinen Unterschied zwischen Selbstreferenz und Differenz. Oder, und das ist eine Sprache, die ich erst später einführen kann: Es gibt keinen Unterschied zwischen Selbstreferenz und Beobachtung. Denn derjenige, der etwas beobachtet, muss sich selbst von dem, was er beobachtet, unterscheiden. Er muss zu sich selbst schon ein Verhältnis haben, um sich unterscheiden zu können.
73 Man fängt mit einer Unterscheidung an, die aber, weil das Resultat der Unterscheidung als Einheit fungieren muss, nicht bezeichnet und benannt werden kann, nur da ist. In der Logik, in der Mathematik oder wie immer man sagen will, im Calculus von Spencer Brown wird dies in die Form einer Weisung, einer Injunktion gebracht: Draw a distinction. Mach eine Unterscheidung, sonst geht gar nichts. Wenn du nicht bereit bist zu unterscheiden, passiert eben gar nichts.
Das hat interessante theologische Aspekte, die ich hier nicht ausarbeiten will, aber ich will den Hinweis geben, dass in der avancierten Theologie etwa eines Nikolaus von Cues gesagt wird: Gott hat es nicht nötig zu unterscheiden. Offenbar ist die Schöpfung nichts anderes als die Weisung: Draw a distinclion. Himmel und Erde, nachher Mensch und schließlich sogar Eva. Die Schöpfung ist also das Oktroi eines Unterscheidens, wenn Gott selbst jenseits aller Unterscheidungen ist.
Man kann hier Verbindungen sehen, die aber für die Analyse von Spencer Brown keine Bedeutung haben, denn er befindet sich auf der Erde, auf dem Boden, zumindest auf weißem Papier und geht von dort aus mit der Verschachtelung eines operativen Calculus von Zeichen in Richtung auf größere Komplexität.
Boe:...auf der Erde, auf dem Boden. vgl. Michael Schiltz: Space is the place
When we draw a distinction (e.g. a circle), then the distinction cannot be neglected; it has affected the space in which it is written, and we are, as such, ‘in’ the form. The first distinction literally is a first judgement, an Ur-teil, which determines everything coming after it. Once the distinction has been drawn, a ‘universe’ is there, and the gates to return to a state of nothingness are closed; that world is the mere ‘nameless origin of heaven and earth’ the phenomenology of which is lost. ( M. Schiltz Laws of Form and Social Systems)
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100 Frage der Selbstorganisation und der Autopoiesis.
Schlüsselbegriffe: Selbstorganisation - Autopoiesis - These operativer Geschlossenheit - operativen Systembegriff - Struktur - Gedächtnis - hohe strukturelle Komplexität mit Operationsfähigkeit zu verknüpfen - Übergang von trivialen zu nichttrivialen Maschinen.
Es steckt eine Absicht dahinter, auch dies von der These operativer Geschlossenheit her zu sehen. Ich glaube nach vielen Erfahrungen aus Diskussionen über Selbstorganisation und über Autopoiesis, dass die These der operativen Geschlossenheit der Ausgangspunkt ist, von dem aus man diese beiden Begriffe erklären sollte, und nicht umgekehrt. Und dies, obwohl die Theoriegeschichte in der wissenschaftlichen Genese dieser Diskussion umgekehrt gelaufen ist; man hat die operative Geschlossenheit auf dem Umweg über die Autopoiesis entdeckt und nicht umgekehrt.
101 Selbstorganisation:
Ich möchte erst einmal etwas über Selbstorganisation sagen. Vielleicht ist es am besten, sich zunächst klar zu machen, dass Strukturen bei einer operationalistischen, operativen Theorie nur in dem Moment wirksam sind, in dem das System operiert. Hier sehen Sie wieder eine Distanz zu klassischen Vorstellungen, denn dies widerspricht der Vorstellung, dass Strukturen das Beständige sind und Prozesse oder Operationen das Vergehende.
Boe: Präsduppositionen - assumptions
104 Das muss mit den Strukturbegriff erfasst werden. Darin besteht die eigentliche Leistung, hohe strukturelle Komplexität mit Operationsfähigkeit zu verknüpfen. Dann sehen Sie auch, weshalb der Übergang von trivialen zu nichttrivialen Maschinen wichtig ist.
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223 Der Sinnbegriff
Wenn man sich mit diesen Schwierigkeiten an die Philosophie wendet, die für solche Fragen ihre Zuständigkeit in Anspruch nimmt, dann ist, glaube ich, immer noch die dominante Auskunft, dass Sinn etwas ist, was sich auf ein Subjekt bezieht. Dass man also, wenn man die Frage stellen muss und auch stellen kann, für wen etwas Sinn macht, an ein Subjekt nicht in einem formalen Sinne, sondern im Sinne eines Individuums denkt, das lebt und über sich selbst nachdenkt und Sinn als Form der Orientierung überhaupt oder als Form einer befriedigenden Orientierung praktiziert.
Boe: Evan Thompson: Life = autopoiesis - Autopoiesis entails emergence of a self - Emergence of a self entails emergence of a world - Emergence of self and world = sense making.
vgl. Fuchs: Die Welt und ihr Sinn!
225 Medium und Form
Mein nächster Versuch, einen Sinnbegriff ohne eine bestimmte Systemreferenz, ohne eine bestimmte ontologische Referenz zu formulieren, liegt in der Benutzung der Unterscheidung von Medium und Form.
Dazu muss ich erst einmal einiges sagen, weil die Beziehung dieser Unterscheidung zur Systemtheorie nicht unproblematisch ist und weil ich gerade das ausnutzen möchte, um über Sinn im Sinne eines Verhältnisses von Medium und Form zu sprechen, und dabei noch nicht voraussetzen möchte, welches System operiert, um Sinn zu konstituieren, Sinn zu erleben, Sinn zu erfahren, Sinn zu reproduzieren usw.
229 Begriff des Sinns
Nachdem ich mithilfe dieser Begrifflichkeit eine Auswertungs- oder Anwendungs-möglichkeit charakterisiert habe, komme ich jetzt auf den Begriff des Sinns mit der Frage zurück, ob man sich vorstellen kann, dass Sinn nicht etwas Substanzielles oder Phänomenales, irgendeine qualitative Einheit, sondern eine bestimmte Art der Differenz von Medium und Form ist.
Boe: Sinn = Möglichkeitsraum (Möglichkeits-Raum - das ist ein unbrachbarer Begriff - Sprache ist und bleibt einer "fungierenden Ontologie" verhaftet, ist immer nur alltagstaugliche Beobachtung 1. Ordnung in einer Raumwelt.
Wie er-fassen, be-greifen wir den Sinn der Potentialität? ( Zero)
Ich bin nicht vollständig sicher, ob dieses Passen der Begriffe aufeinander wirklich gelingt, aber im Moment stelle ich mir vor, dass Sinn tatsächlich so etwas wie eine ständige Aufforderung zur Bildung spezifischer Formen ist, die sich immer noch dadurch auszeichnen, dass sie im Medium von Sinn gebildet sind, die aber nicht Sinn als Kategorie überhaupt repräsentieren, es sei denn wieder mit dem Wort "Sinn"
232 Ich denke, dass die Unterscheidung von Medium und Form eine Möglichkeit ist zu sehen, das Sinn immer eine Appräsentation - wieder ein Ausdruck Husserls - , eine Mitvergegenwärtigung von anderen Möglichkeiten in dem konkreten Akt erfordert. Das Wirkliche und das Mögliche sind also nicht separate Sphären. Man hätte es wieder mit einer Ontologie zu tun, wenn man so einteilen würde: Hier gibt es Mögliches, und da gibt es Wirkliches,und das Wirkliche ist nicht möglich, und das Mögliche ist nicht wirklich. So geht es sicherlich nicht, sondern der Raum der Potenzialitäten, die Gesamtheit der Verweisungen, die Horizont allen Sinns ist belebendes oder Sinn gebendes Moment in allem Spezifischen, in aller Identität, in allem, was man kommunikativ als Information bekannt gibt, und in allem auch, die man sich bewusst zu wenden und dass man thematisieren kann.
Boe: Sinn gebendes Moment vgl. Varela: Living is sense-making.
(Evan Thompson: Life and Mind, in "Emergence and Embodiment", ed. Bruce Clarke and Mark Hansen, Duke University, 2009), pg. 82