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Andrea Hunziker Heeb, Jahrgang 1966, ist seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin am IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie, ob sich der Übersetzungsaufwand von Profis unterscheidet, je nachdem, ob sie in ihre Erstsprache oder aus ihrer Erstsprache übersetzen. Sie erzählt von ihren vielen Stationen auf dem Weg an die ZHAW.
Nach der Schule habe ich das Übersetzerstudium an der damaligen Dolmetscherschule in Zürich absolviert und mich zunächst als freischaffende Übersetzerin versucht. Schnell merkte ich jedoch, wie schwer es mir fällt, Aufträge zu akquirieren, und das Gefühl, auf mich alleine gestellt zu sein, behagte mir nicht. Ich musste weitersuchen und habe in den darauffolgenden Jahren in ganz unterschiedlichen Bereichen gearbeitet: in der Finanzbranche, als Untertitlerin, als Assistentin an der ETH und als Co-Inhaberin eines feministischen Buchladens.
Aufbruch und Entdeckung der Forschung
Nach der Geburt unseres ersten Kindes entschlossen wir uns, auf eine längere Reise durch Australien und Neuseeland aufzubrechen. Als wir zurückkamen, im Jahr 2000, machte ich eine Ausbildung als Softwareentwicklerin. Ich arbeitete als Quereinsteigerin in diesem Bereich, bis meinen Mann und mich erneut das Fernweh packte – wir fuhren mit unseren Kindern nach England. Dort machte ich einen Master in Translation und merkte zum ersten Mal, dass es eine Übersetzungswissenschaft mit Theorie und Forschung gibt.
Start an der ZHAW
Nach unserer Rückkehr wusste ich, dass ich zur ZHAW wollte, weil ich mich hier mit Übersetzungsforschung beschäftigen könnte. Am Tag der offenen Tür drückte ich meine Bewerbungsunterlagen einem Dozenten in die Hand. Mir wurde darauf eine Assistenz in einem Forschungsprojekt angeboten, jedoch mit der Auflage, dass ich in dem Projekt doktoriere. Ich sagte zu und befand mich kurze Zeit später inmitten eines Projekts zur Übersetzungsprozessforschung, in einem dynamischen Team und konnte alles «on the job» lernen. Ich hatte auch das Glück, dass meine Chefin mich von Anfang an überallhin mitnahm, sodass ich mir ein Netzwerk aufbauen konnte. So lernte ich, wie man sich in der Welt der Übersetzungsprozessforschung bewegt.
Schwierig fand ich, dass man bei einer Dissertation sehr auf sich selbst gestellt ist. Innerhalb des Departements habe ich leider keinen «Buddy» gefunden, mit dem ich mich hätte austauschen können. Nun ist das Ende meines Doktorats in Sicht. Da mir das Aufschreiben der Ergebnisse Mühe bereitet, habe ich mich in einem Gemeinschaftsbüro in Zürich eingemietet. Dort gibt es nichts anderes als meine Dissertation – nicht einmal Internet. So muss es klappen!
Zukunft
Nach dem Doktorat kann ich mit einer Postdoc-Stelle starten, ebenfalls an der ZHAW. Ich freue mich sehr, dass ich weiter an der ZHAW bleiben kann, wo ich die Möglichkeit habe, Forschung und Lehre zu verknüpfen.
Toll fände ich, wenn es längerfristige Perspektiven in der Forschung geben würde. Momentan ist es so, dass die Weiterführung einer Forschungsstelle im Mittelbau von der Akquise von Drittmitteln abhängig ist. Eine gewisse Konstanz in den Forschungsteams fände ich wichtig, gerade weil die Erkenntnisse aus der Forschung ja in den Unterricht einfliessen sollen. Es gibt an der ZHAW ja auch Dozierende, die fest angestellt sind und ein wenig Forschung betreiben. Warum dann nicht auch die gespiegelte Variante: festangestellte Forschende, die auch ein wenig unterrichten? Im grossen Ganzen bin ich jedoch sehr zufrieden mit den Möglichkeiten, die mir an der ZHAW als Forscherin geboten werden.
Career Stories: Die Idee dazu entstand im Rahmen eines World Cafés des Mittelbaus L
(initiiert von der Mittelbaukommission L) im Oktober 2017. Sie zeigt die
Vielfalt von möglichen Karrierewegen am Departement und darüber hinaus auf. Es
soll wissenschaftliche Mitarbeitende und Assistierende zudem dazu motivieren,
einen kommunikativen Beitrag zur Profilierung und Entwicklung des Mittelbaus zu
leisten. Durch die Stories werden interdisziplinäre Einblicke in den
beruflichen Alltag und die professionelle Entwicklung von Mitarbeitenden
ermöglicht. Dies fördert einerseits die Vernetzung des Mittelbaus über
Instituts- und Zentrumsgrenzen hinweg und setzt andererseits Impulse für die
eigene Karriereorientierung am Departement und darüber hinaus.
Die Basis für die einzelnen Career Stories bilden narrative Interviews. Die Interviewten erzählen dabei ihre Biographie und können durch die eigene Perspektive feinere Zusammenhänge erfassen, die bei einer rein objektiven Befragung wegfallen würden.