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Es war eine seltsame Partie, die sich auf dem zweitgrössten Court von Roland Garros abspielte. Dass sie Federer mit 3:6, 6:7 (4:7), 6:2, 6:0, 6:3 gewinnen würde, hätte nach 100 gespielten Minuten kaum ein Beobachter gedacht. Der Schweizer steigerte sich nach einem schlechten Start im Verlauf der Partie in gleichem Masse wie Del Potro nachliess. Der Match bestand aus drei unterschiedlichen Phasen. Eine erste mit einem schwachen Federer, ein zweite mit zwei grossartigen Spielern und eine dritte mit einem starken Federer gegen einen müden Del Potro.
Anfangs von der Rolle
Bis Mitte des zweiten Satzes spielte Federer so, wie er es in den letzten Tagen in Roland Garros zwischenzeitlich immer wieder getan hatte. Er leistete sich grobe Fehlschläge, wirkte hilflos und ohne klares Konzept. Die Versuche, den fast zwei Meter grossen Del Potro zum Rennen zu bringen, misslangen oftmals. Im fünften Game des ersten Satzes produzierte er bei eigenem Service drei Fehler, darunter einen Stoppball, der in der unteren Hälfte des Netzes landete.
Eine Weile lang machte Federer gute Miene zum schlechten Spiel, so wie er es eigentlich immer tut. Doch nachdem er im zweiten Satz einen Breakvorsprung bei erster Gelegenheit und mit einem katastrophalen Servicegame wieder hergegeben hatte, platzte ihm der Kragen. Wutentbrannt schoss er einen Ball gegen das Netz. Solche emotionalen Ausbrüche sind bei Federer eine Seltenheit, gestern war es eine Art Weckruf.
Das Knie von Del Potro
Federer steigerte sich, und eine Weile lang zeigten er und Del Porto in ihrem 14. Duell hochklassiges Tennis. Mit beeindruckender Länge und Geschwindigkeit jagten sie den Ball übers Netz. Federer vergab bei 4:4 drei Chancen, wahrscheinlich entscheidend davonzuziehen. Im Tiebreak behielt der Argentinier die Oberhand. Es war das letzte Mal an diesem wolkenbehangenen, regnerischen Tag, dass der «Turm aus Tandil», wie Del Potro genannt wird, überragte.
Womöglich von Federer zermürbt, schaffte es Del Potro nicht mehr, mit der gleichen Intensität zu spielen wie zuvor. Er versicherte, dass seine Verletzung am linken Knie – er spielte mit einer dicken Bandage – keinen Einfluss auf das Resultat gehabt hätte: «Es lag einfach an Federer.» Ob Del Potro damit einfach sportlich sein wollte oder seine Aussage der Wahrheit entsprach, ist nicht abzuschätzen. Federer hatte auf jeden Fall eine andere Sicht der Dinge: «Del Potro war offensichtlich handicapiert. Er war eine grosse Leistung, dass er bis zum Schluss durchhielt.»
Wie auch immer: Die letzten drei Sätze waren eine klare Angelegenheit. Federer spielte hervorragend. Er gewann die drei Umgänge in 95 Minuten, zeigte wunderschöne Schläge und kaum mehr Fehler. Seinen Aufschlag musste er nicht mehr abgeben. Darauf lässt sich aufbauen, fand auch Federer. «Ich habe bewiesen, dass ich fünf Sätze lang konzentriert durchspielen kann.» Er habe zu Beginn des Matches einige Dinge ausprobieren müssen, weil die Bedingungen extrem langsam gewesen seien.
Wiedersehen mit Djokovic
Zum siebten Mal in seiner Karriere schaffte es Federer einen Zweisatzrückstand wettzumachen, in Roland Garros war ihm das zuvor bereits zweimal gelungen, zuletzt im Achtelfinal gegen Tommy Haas 2009, also im Jahr seines bislang einzigen Titelgewinns. Damals hatte er allerdings im Halbfinal und Final mit Del Potro und Robin Söderling zwei Überraschungsleute schlagen müssen. Diesmal ist es anderes. Novak Djokovic heisst der Gegner bei Federers 31. Grand-Slam-Halbfinal und Rafael Nadal dürfte in einem eventuellen Final warten.
Djokovic setzte sich im Viertelfinal in fünf Sätzen und nach vier abgewehrten Matchbällen gegen den Lokalmatador Jo-Wilfried Tsonga (ATP 5) 6:1, 5:7, 5:7, 7:6 (8:6), 6:1 durch. Tsonga führte mit 2:1-Sätzen und hatte im vierten Umgang bei 5:4 und 6:5 Matchbälle.Si
Ärgerte sich vor allem über sich selber: Roger Federer.Bild Keystone