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Die Coronakrise hat für eine gewisse Eiszeit zwischen China und den afrikanischen Staaten gesorgt. Peking geht nun in die diplomatische Offensive. Doch gelingt diese Public-Relations-Aktion? China-Afrika-Experte Cobus van Staden vom South African Institute of International Affairs beurteilt diese politische Aktion.
Cobus van Staden
Cobus van Staden erforscht die Beziehungen zwischen China und Afrika. Er ist am South African Institute of International Affairs (SAIIA) in Johannesburg tätig. Zudem führt er die Website «The China Africa Project, Link öffnet in einem neuen Fenster», wo er mit dem Journalisten Eric Olander einen wöchentlichen Podcast publiziert.
SRF News: In Chinas Staatsmedien sieht man chinesische Ärzte mit roten Flaggen auf den Rucksäcken, die in der Demokratischen Republik Kongo eintreffen, um im Kampf gegen das Coronavirus zu helfen. Ist das nur Public Relations oder doch mehr?
Cobus van Staden : Es ist beides. China schickt schon lange Ärzte nach Afrika, das gehörte bereits in den 1960er-Jahren zum antikolonialen Kampf Chinas. Andererseits versucht sich China, jetzt in der Krise als starker Führer zu positionieren.
In den letzten zwei Jahren haben chinesische Diplomaten und Botschaften ihre Präsenz auf Twitter stark erhöht.
Unterstützt China in der Coronakrise Afrika stärker als dies der Westen tut?
Schwer zu sagen, die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar. Aber China generiert sicher mehr Medienaufmerksamkeit als etwa die Hilfe der USA.
Wie kommt das?
Chinesische Medien haben eine grosse Präsenz in Afrika. Sie begleiten die medizinischen Helfer. Und in den letzten zwei Jahren haben chinesische Diplomaten und Botschaften ihre Präsenz auf Twitter stark erhöht.
Als im April in der chinesischen Stadt Guangzhou gezielt Afrikaner auf das Coronavirus getestet und in Quarantäne gesteckt wurden, führte dies zu einem Aufschrei in Afrika. Nutzt China nun die Krise als Chance?
China versucht tatsächlich, den entstandenen Schaden zu reparieren. Doch das wird länger dauern. In Nigeria etwa wollen Politiker nun die Chinesen im Land stärker kontrollieren. Dies zeigt, dass sich die Beziehungen noch nicht erholt haben.
Die Coronakrise trifft Staaten in Afrika auch wirtschaftlich hart. China ist Afrikas grösster Kreditgeber. Da könnte China mit einem Schuldenerlass punkten?
China ist bereits am G20-Schuldenabkommen beteiligt, das vorsieht, Rückzahlungen bis Ende Jahr auszusetzen. Doch damit wird das Problem armer Staaten in Afrika nicht gelöst: Sie müssten jetzt das Gesundheitssystem ausbauen, mitten in einer wirtschaftlichen Krise.
China präsentiert sich als Süd-Süd-Partner.
Wäre das nicht der perfekte Zeitpunkt für den Westen, sich als verlässlicher Partner Afrikas zu positionieren?
Das würde sich Afrika sicher wünschen – je mehr Partner, desto besser. Doch meines Erachtens fehlt Europa und den USA dafür im Moment die Kapazität. Zudem ist es für den Westen schwerer, eine Partnerschaft auf Augenhöhe einzugehen. China hingegen präsentiert sich als Süd-Süd-Partner.
Die PR-Offensive Chinas geht so weit, dass sich Diplomaten auf Twitter mit ihren «afrikanischen Freunden» solidarisierten, als in den USA Polizisten auf «Black Lives Matter»-Demonstrierende losgingen.
Ja. Wir sehen ähnliche Muster von China und den USA in den sozialen Medien. Es wäre besser, auf ständige gegenseitige Beschuldigungen zu verzichten – das bringt doch nicht viel.
Wie wird die Beziehung zwischen Afrika und China in Zukunft aussehen?
Es ist noch etwas zu früh, das zu sagen. Die Beziehung hat sich in den letzten Jahrzehnten stetig verändert. Ich glaube, sie wird reifen. Es wird etwas weniger China-Euphorie geben in Afrika. Und die Chinesen haben erkannt, dass die Afrikaner gleichwertige Partner sind.
Das Gespräch führte Samuel Burri.