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1945 setzt die Gräfin Carolina Maraini-Sommaruga (1869-1959), Witwe des Tessiner Industriellen und Mäzens Emilio Maraini (1853-1916), den Bund über ihre Absicht in Kenntnis, der Eidgenossenschaft ihre Villa auf dem Pincio in Rom zu vermachen. Im Zeichen der wissenschaftlichen und künstlerischen Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Italien soll aus ihr ein Kulturzentrum entstehen. Die Bundesbehörden nehmen das Angebot der Gräfin dankbar an und arbeiten ein Akademie-Projekt aus – das Schweizerische Institut in Rom –, dessen definitive Organisation 1947 in Form einer privatrechtlichen Stiftung festgelegt wird. Die feierliche Eröffnung des Instituts findet am 19. April 1949 statt.
Mit ihrem kulturellen Erbe und ihrer reichen Vergangenheit hat sich die Stadt Rom im Verlauf der Geschichte ihren Platz als Ort der Begegnung und des Austauschs gesichert. Sie zählt heute mehr als zwanzig ausländische Akademien und Institute, die zusammen mit den zahlreichen italienischen Instituten ein in der Welt einzigartiges Netzwerk bilden. Bereits 1666 verfügen die französischen Künstler über eine von Ludwig XVI. gegründete Akademie. Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehen zahlreiche nationale Akademien, zu denen l’Académie de France à Rome in der Villa Medici (1803), das Deutsche Archäologische Institut (1871), die École française (1873), das Österreichische Historische Institut (1881), die British School at Rome (1901), die American School of Architecture in Rome (1894) und die American School of Classical Studies in Rome (1895) gehören. Letztere beiden fusionieren 1913 zur American Academy in Rome.
Die späte Präsenz der Schweiz in diesem kosmopolitischen Netzwerk zeugt vom Rückstand der Schweizer Aussenpolitik im kulturellen Bereich. Die 1947 erfolgte Gründung des Schweizerischen Instituts in Rom materialisiert einen seit langem sowohl von schweizerischen als auch ausländischen Kreisen in der italienischen Hauptstadt geäusserten Wunsch. Der Zweite Weltkrieg und dessen Folgen für die deutschen Institute in Italien verstärken das Bewusstsein der kulturellen Eigenständigkeit der Schweiz und die Notwendigkeit, in Rom ein eigenes Institut zu gründen.
Seit seiner Eröffnung spielt das Schweizerische Institut in Rom als Ort der Bildung, der Repräsentation und der intellektuellen Sozialisierung eine wichtige Rolle in den Kulturbeziehungen zwischen der Schweiz und Italien. Insbesondere bietet es dem künstlerischen und wissenschaftlichen Nachwuchs die Gelegenheit, seine Kenntnisse in Rom, dem Zentrum der klassischen Kultur, zu vertiefen. Zum Mandat des Instituts gehört es auch,
die intellektuellen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien durch die Organisation kultureller und künstlerischer Veranstaltungen und die Zusammenarbeit mit italienischen und ausländischen kulturellen Institutionen weiterzuentwickeln.
Seit mehr als sechzig Jahren empfängt das Schweizerische Institut in Rom Wissenschaftler und Künstler, die in ihrer Rolle als Kulturvermittler die Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien stärken. Zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und andere Veranstaltungen ermöglichen es dem internationalen Publikum, die unterschiedlichen Facetten der Schweizer Kunst und der wissenschaftlichen Forschung kennenzulernen. Neben seinem Hauptsitz in Rom betreibt das Institut seit der Jahrtausendwende zwei Zweigstellen in Mailand und Venedig, die ebenfalls im Zeichen dieser Zusammenarbeit stehen. Seit 2007 wird sein Kulturprogramm grösstenteils von Pro Helvetia finanziert, das wissenschaftliche vom Staatssekretariat für Bildung und Forschung.
Zahlreiche junge Künstler und Wissenschaftler, die am Institut gearbeitet haben, führten ihre Tätigkeiten erfolgreich weiter, an den Hochschulen, in den Universitäten, oder als Ausstellungskommissare, Kuratoren, Journalisten und Schriftsteller. In der langen Liste der ehemaligen Membri des Instituts finden sich unter anderem Luc Boissonnas (1952-1953), ehemaliger Direktor von Pro Helvetia, Paul Nizon, Jacqueline Burckhardt, André Hurst und Werner Oechslin. (nlp)