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Gibt es finanzielle Gründe, die für eine Kinderehe sprechen?
Ja, und zwar werden Mädchen mehrheitlich aus finanziellen Gründen verheiratet. Denn für viele Familien geht es in der aktuellen Situation ums nackte Überleben. Vor allem Menschen, die von der Hand im Mund leben und nun von der wirtschaftlichen Situation hart getroffen sind, haben meist keine andere Wahl, als ihre Töchter zu verheiraten. Oftmals erhalten die Familien durch die Verheiratung ihrer Töchter Geld oder Vieh, wovon sie leben und die restliche Familie ernähren können – und man hat anschliessend eine Person weniger, für die man Essen auftreiben muss. Es passiert also auch aus der Verzweiflung.
Gerade in Südostasiatischen Ländern steigt das Risiko für Kinderehen stark an. Warum ist das so? Inwiefern begünstigen die dortigen Strukturen Kinderehen?
Ein Grossteil dieser Kinderehen entfällt auf bevölkerungsreiche Länder wie Indien, Bangladesch oder Pakistan, wo mehr als 1,5 Milliarden Menschen leben. In diesen Ländern ist es hauptsächlich in ländlichen Gebieten Teil der Kultur, dass Kinder verheiratet werden. Da nun viele Tagelöhner und Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, in ihre Dörfer zurückkehren, befürchten wir da eine Häufung von Kinderheirat. Unter diesen Rückkehrern sind auch viele Mädchen oder Frauen, die in der Textilverarbeitung arbeiten (v.a. in Bangladesch) und die aufgrund geschlossener Fabriken nun keine andere Alternative sehen, um über die Runden zu kommen oder ihre Familien zu ernähren.
Was wir abgesehen von Südostasien ebenfalls beobachten, ist, dass speziell in krisengeschüttelten Regionen der Anteil von Kinderehen enorm hoch ist. Neun von zehn Staaten mit den höchsten Raten an Kinderehen sind fragile Staaten, die meisten davon in Sub-Sahara Afrika. Dabei spielen Konflikte und humanitäre Krisen eine Rolle, denn sie sind Ursachen, dass mehr Kinderehen geschlossen werden.