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Angesichts der Rekordgewinne vieler Schweizer Unternehmen verlangt die Gewerkschaft Unia, dass nun auch die Mehrheit der Arbeitnehmenden vom Erfolg profitieren müsse.
Unia kritisiert, dass über dem Kader das Füllhorn ausgeschüttet werde, gleichzeitig aber fast 700'000 mit Löhnen von unter 4'000 Franken auskommen müssten.
"Alle verfolgen gespannt das Spiel an der Spitze der Lohnpyramide. Ein ebenso grosser Skandal ist die Tieflohnsituation von hunderttausenden von Beschäftigten", stellte Andreas Rieger, Co-Präsident der Unia, am Dienstag vor den Medien fest.
Der Aufschwung müsse jetzt genutzt werden, um die tiefsten Löhne zu erhöhen. Die letztjährige Lohnrunde werde nahtlos weitergeführt.
670'000 Menschen könnten in der Schweiz als "working poor" nur mit Hilfe der Fürsorge überleben, kritisiert die Gewerkschaft. Sie fordert daher die sofortige Aufhebung der Löhne unter 3000 Fr. und die schnelle Aufhebung der Löhne unter 3500 Franken.
Als weitere Massnahme sieht Rieger die Erhöhung der Mindestlöhne in einigen Gesamtarbeits-Verträgen (GAV), so im Gast- und im Coiffure-Gewerbe.
Ausserdem sollten Mindestlöhne für Gelernte von mindestens 4000 Fr. festgelegt werden. Für Branchen, die keine GAV-Mindestlöhne haben, prüft die Gewerkschaft die Einführung eines subsidiären gesetzlichen Mindestlohnes.
Lohnschere immer grösser
Nach Ansicht der Gewerkschaft öffnet sich die Lohnschere immer weiter. Die Bezüge des Top-Managements seien 2006 erneut um 15% gestiegen, stellte Unia-Co-Präsident Renzo Ambrosetti fest.
Die Lohndifferenz zwischen den untersten und den obersten Bezügen sei 2006 auf einen Wert von 67 zu 1 gestiegen. Das bedeute, dass eine Arbeiterin mit Mindestlohn heute 67 Jahre arbeiten müsste, um auf den durchschnittlichen Jahreslohn eines Konzernleitungs-Mitglieds zu kommen.
Eine Auswertung der ersten Geschäftsberichte für das Jahr 2006 zeige, dass bei den börsenkotierten Firmen ein Gewinnwachstum von 30 bis 40% wahrscheinlich sei. Möglich gemacht hätten diese Gewinne auch die Arbeitnehmenden, stellt die Gewerkschaft fest.
Die gesamtwirtschaftliche Produktivität in der Schweiz sei 2006 um 1,7% gestiegen. Die Löhne der Beschäftigten hätten aber nur um 0,6% zugenommen.
Arbeitgeberverband gegen Mindestlöhne
"Es ist ein wenig seltsam, Mitte März schon Lohnforderungen zu stellen. Und seltsam ist, dass die Aussagen zu Teil auf Zahlen aus dem Jahr 2004 basieren", sagte Thomas Daum, Direktor des Arbeitgeberverbandes.
Der Verband sei klar gegen die Einführung von gesetzlichen Mindestlöhnen. "Wir müssen es den Branchen überlassen, die Verhandlungen zu führen, ob mit oder ohne Mindestlöhne", so Daum weiter. Es sei einseitig, nur von der Lohnseite zu reden, ohne zu fragen, ob die Branchen die Mindestlöhne auch zahlen könnten.
Bei der Produktivitäts-Entwicklung müsse berücksichtigt werden, dass ein Teil der Produktivität durch Kapital beeinflusst sei, und ein Teil der Produktivitäts-Gewinne auch an die Kunden gehe, sagte Daum.
swissinfo und Agenturen
Lohnentwicklung
Zunahme der durchschnittlichen Reallöhne (Lohnerhöhung minus Teuerung)
2000: -0,3%
2001: +1,5%
2002: +1,1%
2003: +0,8%
2004: +0,1%
2005: -0,2%
Streik im Tessin
Rund 1500 Arbeitnehmende der Baubranche haben am Dienstag im Tessin gestreikt. In Lugano fand eine Demonstration statt.
Die Bauarbeiter verlangten eine monatliche Lohnerhöhung von 100 Franken. Die Arbeitgeber haben 75 Franken angeboten.
Vom Streik nicht betroffen waren die Baustellen der NEAT in Faido in Bodio. Dort ist den Arbeitnehmenden eine Lohnerhöhung von 100 Franken zugesichert worden.