Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03212.jsonl.gz/354

Formen von Krampfadern: Besenreiservarizen, Retikuläre Varizen, Stammvarizen, Seitenastvarizen, Perforansvarizen
Unsere Venen, mit Ausnahme der Lungenvenen, nehmen das sauerstoffarme Blut aus den Gefäßen auf und transportieren jeden Tag etwa 7000 Liter Blut zum Herzen zurück. Dabei haben besonders die Beinvenen
schwere Arbeit zu leisten, denn das Blut muss gegen die Schwerkraft zum Herzen befördert werden. Als natürliche Pumpen für den Blutfluss in den Venen dienen die Atmung, das Herz und die Fuss- und Beinmuskulatur. Die tiefen Venen nehmen das Blut aus den oberflächlichen Venen auf. Mit jeder Anspannung
der Beinmuskulatur werden die Beinvenen zusammengedrückt und damit das Blut gegen die Schwerkraft von unten in Richtung Herz gepresst. Zahlreiche Venenklappen sorgen wie ein Rückschlagventil dafür, dass das Blut bei der Entspannung der Muskulatur nicht wieder nach unten zurück fliesst. Die Bewegung der Füsse und Beine ist deshalb sehr wichtig für die Venengesundheit. Treppensteigen, Gehen, Wandern, Radfahren oder Schwimmen halten die Muskelpumpen aktiv und verbessern damit die Durchblutung. Wenn dieses ausgeklügelte Beförderungssystem nicht mehr richtig funktioniert, etwa aufgrund der abnehmenden Spannkraft der Venenwände, führt das zu Aussackungen in den oberflächlichen Venen: Krampfadern können das Ergebnis sein.
Etwa 3, 5 Millionen Schweizer haben leichte Venenbeschwerden. Darunter sind Krampfadern die häufigste Venenerkrankung: Jede zweite Frau und jeder vierte Mann sind davon betroffen. Krampfadern sind erweiterte, oberflächlich gelegene Venen, die sich wie ein bläulicher, ausgebeulter Strang unter der Haut sichtbar schlängeln. Meist treten sie an den Beinen auf. Die medizinische Bezeichnung lautet „Varizen“ (lateinisch: varis = Knoten). Mit einem Krampf haben Krampfadern nichts zu tun. Ein Blick in das Mittelhochdeutsche zeigt, dass die Bezeichnung vom Wort „Krumpadern“ stammt, also „Krummadern“ oder gekrümmte Venen. Im Lauf der Zeit entwickelte sich aus „Krummader“ das Wort „Krampfader“.
Krampfadern machen sich häufig durch ein Spannungs- und Schweregefühl in den Beinen bemerkbar. Nach langem Stehen oder Sitzen können die Beine schmerzen. Abends und bei warmen Temperaturen verstärken
sich die Beschwerden, bei Frauen auch kurz vor der Menstruation. Werden die Beine hoch gelagert oder gekühlt, mindert das die Beschwerden.
Krampfadern unterteilt man je nach ihrer Ausprägung und dem Ort, an dem sie auftreten, in fünf Formen:
Besenreiservarizen
Besenreiser sind kleinste erweiterte Venen, die sich wie ein Fächer ausbreiten und bläulich durch die Haut schimmern.
Ihr Ausbreitungsmuster ähnelt einem Reisigbesen. Sie können gelegentlich auch auf eine tiefer liegende Venenerkrankung hinweisen. Häufiger aber sind sie vor allem ein störendes kosmetisches Problem für
die Betroffenen.
Retikuläre Varizen
Bei netzartigen, oberflächlichen Venenerweiterungen, deren Durchmesser etwa 3 Millimeter beträgt, handelt es sich um retikuläre Varizen (lateinisch: reticulum = kleines Netz). Sie verteilen sich unregelmäßig und sind leicht geschlängelt. Auch diese Form ist meist medizinisch unbedenklich. Sie kann jedoch ebenfalls auf Krampfadern unter der Haut hinweisen, die behandelt werden müssen.
Stammvarizen
Stammvarizen sind Krampfadern der Stammvenen. Stammvenen sind die Hauptvenen des oberflächlichen Venensystems der Beine. An der Innenseite der Beine verläuft die grosse Rosenvene (Vena saphena magna) und an der Rückseite des Unterschenkels die kleine Rosenvene (Vena saphena parva).
Seitenastvarizen
Die Seitenäste sind Verzweigungen der Stammvenen. Wenn diese sich erweitern, schlängeln sie sich deutlich und treten häufig unter der Haut gut sichtbar hervor.
Perforansvarizen
Perforansvenen verbinden die oberflächlichen mit den tiefen Venen. Die wichtigsten sind die sogenannten Cockettschen Perforansvenen oberhalb der Innenknöchel. Krankhaft erweitere Perforansvenen wölben
sich manchmal im Stehen wie eine Beule sichtbar hervor. Im Liegen kann der Arzt an dieser Stelle ein Loch in der Muskelfaszie („Faszienlücke“) mit dem Zeigefinger ertasten. Muskelfaszien bestehen aus Bindegewebe
und umschliessen die Muskeln wie eine Hülle.
In den meisten Fällen ist eine Venenwandschwäche für die Entstehung von Krampfadern verantwortlich: Das heisst, dass viele Menschen durch eine zugrundeliegende Bindegewebs- oder Venenschwäche zu Krampfadern neigen. Dabei spricht man von einer primären Krampfadererkrankung (Varikose). Bei einer Bindegewebsschwäche erschlaffen die Venenwände mit der Zeit. Somit schließen die Venenklappen
nicht mehr richtig. Das Blut versackt in den oberflächlichen Venen, aus denen es eigentlich in das tiefe Venensystem abfliessen sollte. Dadurch staut sich zu viel Blut, wodurch sich die oberflächlichen Venen erweitern und verformen. Nachdem anfangs nur die oberflächlichen Venen betroffen sind, setzt sich der Blutrückstau über die Verbindungsvenen zwischen Oberfläche und Tiefe (Perforansvenen) fort und betrifft später auch die tiefen Venen. Seltener tritt eine sekundäre Varikose auf. Sie entsteht als Folge einer tiefen
Venenthrombose.
Bei einer tiefen Beinvenenthrombose verschliesst ein Blutgerinnsel tiefer liegende Venen. Durch den Verschluss
wird das Blut gestaut. Der zunehmende Druck schädigt die Venenklappen oftmals langfristig, so dass diese nicht mehr dicht schließen. Durch den Verschluss muss sich das Blut neue Wege suchen. Diese führen durch das oberflächliche Venensystem, das durch die lange und starke Beanspruchung überlastet wird. Die Entstehung von Krampfadern wird von verschiedenen Faktoren gefördert, die nur zum Teil beeinflussbar sind.
1. Genetsche Veranlagung. Leidet ein Elternteil an Krampfadern, dann besteht ein zweifach erhöhtes Risiko selbst Krampfadern zu bekommen. Sind beide Eltern betroffen, ist das Risiko um das Drei- bis Vierfache erhöht.
2. Weiblicher Geschlecht. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
3. Zunehmender Alter. Fast jeder Mensch über 70 Jahre hat Krampfadern. Verglichen mit 18-bis 29-Jährigen ist das Risiko von 70- bis 79-Jährigenmindestens zwölfmal so hoch.
4. Schwangerschaft. Das Schwangerschaftshormon Progesteron weitet die Blutgefässe, wodurch die Venenwände weniger elastisch werden. Zusätzlich transportiert das Gefässsystem einer Schwangeren mehr Blut, was eine weitere Belastung der Venen bedeutet
1. Bewegungsmangel. Wer häufig und lange steht oder sitzt, begünstigt die Entstehung von Krampfadern, denn dabei erhöht sich der Druck auf die Venen. Erst durch Bewegung werden die Muskelpumpen am Bein aktiviert und das Blut mit Unterstützung von Atmung und Herzaktion Richtung Herz transportiert.
2. Übergewicht. Zuviel Gewicht belastet die Beine und damit auch die Beinvenen.
3. Enge Kleidung. Einschnürende Sockenbündchen oder enge Hose behindern die Blutzirkulation.
4. Einahme von Pillen. Die Pille zur Empfängnisverhütung setzt Hormone frei, die eine Bindegewebsschwäche begünstigen können.