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In der Schweiz müssen Landwirtschaftsbetriebe als Voraussetzung für den Erhalt von Direktzahlungen im Rahmen des Ökologischen Leistungsnachweises eine ausgeglichene Nährstoff-Bilanz («Suisse-Bilanz») vorweisen. Ab dem Jahr 2024 fällt der bisher geltende 10-%-Fehlerbereich weg (BLW 2022). Betriebe, die zu viel Hofdünger produzieren, müssen diesen Hofdünger an Betriebe mit freien Aufnahmekapazitäten oder an Kompostier- und Vergärungsanlagen abgeben. Der Bund verwaltet die Hofdüngerverschiebungen seit 2014 mit der Online-Plattform «HODUFLU» (DZV, Anhang 1, Ziffer 2.1.3). Der vorliegende Bericht liefert deskriptive Analysen zu den Strukturen und Betriebstypen der einzelnen Akteure des Hofdüngermarktes und zu den Netto-Nährstoffverschiebungen. Ergänzend wird eine Schätzung der bei der Hof- und Recyclingdüngerverschiebung zurückgelegten Transportdistanzen und der dafür anfallenden Transportkosten vorgenommen.
Mit einer Anzahl von 21 492 sind etwa 42 % aller im Agrarpolitischen Informationssystem des Bundes (AGIS) erfassten Betriebe im Hofdüngermarkt aktiv. Hiervon führen 65 % Hof- oder Recyclingdünger zu, ohne selbst Nährstoffe abzuführen, 24 % der Betriebe agieren ausschliesslich als Abgeber und 11 % führen Hofdünger ab und gleichzeitig Recyclingdünger zu. Für die Berechnung der Netto-Nährstoffverschiebung wurden die Zu- und Abfuhr-mengen auf Ebene Betrieb bilanziert. Alle Nährstoffmengen, die in einer Vergärungs- oder Kompostieranlage verarbeitet werden und in Form von Recyclingdünger wieder auf den Ursprungsbetrieb zurückgeführt werden, sind in der Netto-Nährstoffverschiebung nicht enthalten. Diese beläuft sich im Jahr 2020 bei Stickstoff auf knapp 13 000 Tonnen Gesamtstickstoff (Nges) und bei Phosphor auf gut 6400 Tonnen P2O5 mit einer leichten Zunahme von 3,8 % bei Stickstoff bzw. 5,7 % bei Phosphor zwischen 2015 und 2020.
Eine Tonne Recyclingdünger wird im Mittel 20 km transportiert. Die Transportdistanzen einer Tonne Mist und Gülle betragen durchschnittlich rund 9 km. Die transportierte Menge stieg im Zeitraum 2015 bis 2020 von zirka 3,63 Mio. Tonnen auf rund 4,98 Mio. Tonnen. Gemäss unseren Schätzungen bedeutet das eine Steigerung der Transportkosten des gesamtschweizerischen Hof- und Recyclingdüngertransports von 19,1 Mio. CHF im Jahr 2015 auf 27,5 Mio. CHF im 2020.
Die Relevanz der vorliegenden Arbeit ergibt sich einerseits aus der verbesserten Modellierbarkeit der Nährstoffverschiebungen in Modellen zur Politikevaluation, wie dem agentenbasierten Modell SWISSland. Andererseits trägt sie zum besseren Verständnis dieses speziellen Marktes bei, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen im Kontext von mehr Gewässer- und Klimaschutz bei knapper werdenden Ressourcen.