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Welche Situation herrschte vor dem ersten Weltkrieg?
Kaiser und Herrscher, die keinen oder wenig Bezug hatten zu der Bevölkerung regierten die Staaten:
– Kaiser Willhelm II im deutschen Reich
– Franz Joseph I in Österreich-Ungarn (geboren 1830, 1914 war er 84 jährig)
Die Folgen des Deutsch-Französischen Krieges (1870-1871)
Die Franzosen haben den Deutsch-Französischen Krieg verloren. Sie wurden gezwungen, Teile von Elsass-Lothringen an Deutschland abzugeben und eine 5 Milliarden Francs hohe Kriegsentschädigung an Deutschland zu zahlen. Darüber hinaus wurden sie durch Otto von Bismarck durch europäische Bündnisse geschwächt.
Daraus vergrösserte sich die Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich weiter.
Imperialismus, Hegemoniestreben und Aufrüstung
Unter Imperialismus wird das Streben der (europäischen) Grossmächte nach einer militärischen, politischen und wirtschaftlichen Vormachtstellung, das mit rücksichtsloser Politik durchgesetzt wird. Dazu kommt ein Run auf Kolonien, in der Belle Epoque vor allem auch in Afrika.
Jedes Land möchte das grösste sein! Folgende Buchtitel oder Redensarten veranschaulichen das:
Charles Dilkes (1869) Greater Britain
Paul Rohrbach (1915) Das grössere Deutschland
Redensart in Frankreich (ab 1880) „la Plus Grande France“
Das Hegemoniestreben (=Streben nach Vormacht) wurde politisch aber auch militärisch vollzogen. Vor allem Deutschland strebte durch seine Wirtschaftsstärke eine ungeahnte Vergrösserung seiner Armee und militärischen Ausrüstung an.
Kolonialismus – Der Kampf um Afrika
Am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts vollzog sich ein regelrechter Run auf Koloniegewinne in Afrika und Übersee.
Frankreich besass Grossteile von Zentral- und Westafrika.
Grossbritannien: Äegypten, Sudan, Kenya und Grossteile des Südens.
Italien: Libyen, Aethiopien und Somalia
Deutschland: Kamerun, Tansania und Namibia
Belgien: DR Kongo
Die Kolonien wurden mit unterschiedlicher Härte ausgebeutet. Vor allem aus der belgischen Kolonie DR Kongo sind unwahrscheinlich brutale und menschenverachtende Praktiken beim Kautschuk-Gewinn bekannt geworden (Kongo-Gräuel).
Koalitionen und Bündnisse
Dass das ständige Vormachtsstreben nicht zu Krieg führe, wurden mannigfältige Koalitionen und Bündnisse geschmiedet.
Mittelmächte: Deutschland war verbündet mit Österreich-Ungarn und Italien.
Entente Cordiale (Triple-Entente): Frankreich war verbündet mit Russland und Grossbritannien.
Belle Epoque (1884 – 1914)
Stefan Zweig bezeichnete sie in seinem rückblickenden Buch Die Welt von Gestern (1944) als “Zeit der Sicherheit” (3. Kapitel). Für das Bürgertum der Städte war Wohlstand und Gesundheit die Regel. Trotz politischer Spannungen war eine Sorglosigkeit und Lebensfreude allgegenwärtig.
Für die Zeit der Belle Epoque ist auch der Begriff Fin de Siècle (Ende des Jahrhunderts) gebräuchlich.
Wirtschaftliche Ungleichheit, Soziale Ideen und Kommunismus
Die blühende Wirtschaft und die Grossstädte hatten zwar Wohlstand herbeigeführt, aber das nur für das Bürgertum. Den Arbeitern ging es oft immer noch schlecht. Immer noch herrschte Elend, Krankheit und Hunger.
Soziale, wirtschaftliche und politische Spannungen haben sich 1848 in ganz Europa in Revolutionen entladen. Daraus entstanden vor allem nationale Bewegungen und das Bedürfnis nach Selbstbestimmung.
Die Revolutionen von 1848 aber haben die Ungleichheit nicht aufgehoben.
Die industrielle Revolution hat zu einem grossen Bevölkerungswachstum gefunden, das bis ins 20. Jahrhundert anhielt. Noch 1750 gab es nur 5,9 Millionen Engländer (ohne Schottland), um 1900 war die Bevölkerung Grossbritanniens auf 37 Millionen Menschen angewachsen.
Mehr Menschen müssen immer härter um die vorhandenen Ressourcen kämpfen.
Marx und Engels verfassten 1848 einen Aufruf, der als Kommunistisches Manifest eine enorme historische Reichweite erlangen sollte: „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.“ Und weiter: “Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.“
Mit dem Werk “Das Kapital” (1867, erster Band) hat Marx ein Grundlagenwerk geschaffen, das 50 Jahre später in Russland umgesetzt werden sollte: In der Russischen Revolution.
Das sozialistische Gedankengut von Marx verbreitete sich innerhalb der Arbeiterschaft schrittweise. Es bildeten sich gewerkschaftliche Vereine und dann Arbeiterorganisationen, woraus sich dann 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei hervorging.
Allgemeine Stimmung
Spannungen führten dazu, dass man einen Krieg wie ein reinigendes Gewitter erwartete, ja herbeiwünschte.
Als er dann losging, der erste Weltkrieg, brach bei vielen ein erlösender Jubel aus.