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begrenzt, im W. durch die Maira von Chiavenna bis Colico, im S. durch das Veltlin bis zum Stilfserjoch 2797 m, im O. durch das Thal der Etsch und die Reschenscheideck 1524 m. Die Hauptkette erhebt sich schon im S.-W. im Monte della Disgrazia zu 3675 m. Von diesem aus gehen nach N. zwei grosse Gletscher, der Albigna- und der Fornogletscher; dazu kommen noch viele kleine. Östlich folgt ein Einschnitt, durch den der Murettopass, 2557 m, führt. Zwischen diesem und dem Berninapass 2334 m liegt die gewaltige Berninagruppe, deren Hauptgipfel, der Piz Bernina, 4052 m misst, während viele andre Gipfel wenig unter 4000 m bleiben, wie z. B. Piz Corvatsch 3458 m, Piz Roseg 3943 m, Piz Morteratsch 3754 m, Piz Zupô 3999 m, Pizzo di Palü 3912 m, Pizzo di Verona 3462 m etc. Hier erreichen auch die Gletscher eine grosse Ausdehnung. Man zählt 8 grosse Thalgletscher und ca 30 Hängegletscher; von den erstern fliessen u. a. nach N. ab der Roseggletscher mit 23,5 km2, der Morteratschgletscher mit 24 km2 Fläche.
Durch das Thal von Pontresina, den Berninapass und das Puschlav wird die Fortsetzung der Kette vom westlichen Teil getrennt. Gerade östlich von Pontresina erhebt sich, fast isoliert, der Piz Languard 3266 m, welcher deswegen eine wundervolle Rundsicht bietet. Weiter nach O. ist das Gebirge durch zahlreiche Thäler sehr stark durchfurcht, so dass zwischen dem Berninapass und dem Ofenpass 2155 m der Hauptkamm eigentlich durch das Val Viola und das Valle di Livigno in drei Kämme geteilt wird. Im südlichsten liegen Cima di Dosdé 3280 m, Cima di Colombana ^[Berichtigung: Piazzi] und Piz Umbrail 3034 m; im mittlern: Cima di Campo 3205 m ^[Berichtigung: Corno di Campo 3305 m] und Piz Murtaröl 3177 m. In der nördlichen Reihe endlich hat man ausser dem Piz Languard noch Piz Casana 3072 m und Piz Quater Vals 3157 m.
Zwischen dem Ofenpass und der Reschenscheideck liegt der letzte Abschnitt der Südengadineralpen; da treffen wir Piz Plafna 3174 m und Piz Sesvenna 3221 m.
6. Die Luganer-Alpen werden im N. durch die Linie Giubiasco-Joriopass, 1956 m, -Gravedona begrenzt, im W. durch den Langensee, im S. durch die Poebene und im O. durch den Comersee. Auch da lassen sich, getrennt durch den Luganersee und den westlichen Arm des Comersees wieder drei Gebirgsketten unterscheiden, die von S.-W. nach N.-O. streichen. Die nördlichste beginnt beim Joriopass mit dem Monte Camoghé 2226 m und zieht sich, unterbrochen durch den Einschnitt des Monte Cenere 553 m, zum Monte Tamaro 1961 m nach W. In die zweite Kette gehören der Monte Galbiga 1707 m, der Monte Generoso 1695 m, der Monte San Salvatore 909 m und der Monte Campo de Fiori 1227 m. In dem Winkel der beiden Arme des Comersees endlich liegt noch der Monte Palanzolo 1434 m. -
Die Höhen nehmen also nach S. rasch ab; aber auch hier zeigt sich, wie in der Sesia- und Maggiagruppe, dass die Bergformen der Südseite der Alpen im allgemeinen schroffer sind als im N. bei gleicher Höhe.
Ueberblicken wir zum Schlusse noch die Südalpen, so zeigt sich, dass sie nicht den geraden Kamm bilden, wie die Nordalpen. Zwar findet er sich vom Mont Blanc bis zum Monte Rosa und vom Piz Stella bis zum Fluchthorn; aber zwischen Monte Rosa und Piz Stella greifen die Querthäler von Tosa, Maggia, Tessin und Liro (S. Giacomothal) so weit nach N., dass die Wasserscheide im Gotthardgebiet bis fast an die Nordalpen zurückgedrängt wird. - Im allgemeinen sind die Südalpen höher als die Nordalpen: die Walliser Alpen übertreffen die Berner Alpen, die Bündner Alpen ebenso die Glarner Alpen um einige hundert Meter. Hingegen treffen wir sowohl bei den Nordalpen wie bei den Südalpen die längern Querkämme auf der Nordseite, die kürzern im S., weshalb überall der Südabfall der steilere ist.
Karten, die zum Studium der Orographie empfohlen werden können:
1) Uebersichtskarte der Schweiz mit ihren Grenzgebieten 1:1000000. (Topograph. Bureau).
2) Leuzingers Reisekarte der Schweiz 1:500000 (Bern; Schmid und Francke); genügt fast vollständig für die obige Uebersicht 3) Generalkarte der Schweiz 1:250000. 4 Bl. (Topograph. Bureau).
4) Topographische Karte der Schweiz, sog. «Dufourkarte», 1:100000. 25 Bl. (Topograph. Bureau).
5) Topographischer Atlas der Schweiz, sog. «Siegfriedatlas», im Jura und im Mittelland 1:25000, in den Alpen 1:50000. 591 Bl. (Topograph. Bureau).
Anhang. Ausser der hier aufgestellten Einteilung der Alpen gibt es in der Litteratur noch deren viele andre. Einzelne Namen davon werden oft gebraucht, aber mit sehr wechselndem Umfang. So z. B. Penninische Alpen (von Mons Penninus, der Grosse St. Bernhard). Der eine versteht darunter, was oben als Matterhorn-Gruppe bezeichnet ist, der andre die gesamten Walliseralpen. - Unter Lepontische Alpen werden meistens die Gebirge zwischen Simplonpass und Tessin verstanden, also die Monte Leone-Gruppe und Maggia-Gruppe zusammen. Sehr schwankend ist wieder der Begriff Rhätische Alpen. Einer fasst den Begriff als gleichbedeutend mit Bündner Alpen auf und nennt so die Ketten zu beiden Seiten des Engadin. Ein andrer versteht darunter nur die Kette südlich vom Engadin. - Geradezu unfassbar wird der Begriff Vierwaldstätter Alpen, der wohl nirgends bedeutet, was der Name sagt: Alpen der Vierwaldstätte; denn daneben findet man eventuell auf der gleichen Karte noch Schwyzer Alpen, Urner Alpen etc.
Gerade um Verwechslungen zu vermeiden, hält sich die obige Einteilung und Benennung an hervorragende Gipfel oder wichtige Flüsse; alte Namen mit wechselnder Bedeutung, sowie politische Namen sind möglichst vermieden.
B. GEOLOGIE.
Eine Geschichte der Alpengeologie spiegelt alle grossen Bewegungen, welche in der Geschichte der Geologie überhaupt aufgetreten sind. Wohl der erste, der eine Bergbesteigung zu wissenschaftlichen Zwecken unternahm, war Joh. Jakob Scheuchzer (1672-1733) in Zürich. Er war auch der erste, der eine Gebirgsfaltung sah, beschrieb und zeichnete und zwar am Urnersee. Andre befassten sich namentlich mit den Erscheinungen der Gletscher: Bernh. Friedr. Kuhn, helvetischer Minister, erklärte z. B. die Entstehung der jetzigen und frühern Moränen (1787); zum Durchbruch kam aber die Erkenntnis der einstigen grossen Ausdehnung der Gletscher erst durch die jahrelangen Untersuchungen von Perraudin (1815), Ignaz Venetz in Sitten (1826) und Joh. von Charpentier in Bex (1832). - Als Begründer der eigentlichen Alpengeologie darf wohl Horace Bén. de Saussure angesehen werden, der, ein Beobachter allerersten Ranges, 1779-96 seine wissenschaftlichen Expeditionen in die Alpen unternahm. - Von da ab wird die Reihe der Geologen immer zahlreicher; manche davon, wie z. B. Peter Merian von Basel (1795-1883), Thurmann, Gressly in Solothurn u. a. beschäftigten sich besonders mit der Erforschung des Jura, während für die Alpengeologie hauptsächlich Bernhard Studer in Bern (1794-1887) und Arnold Escher von der Linth in Zürich (1807-72) bahnbrechend gewesen sind.
Dem erstern verdankt man die Erforschung und Einteilung der Molasse und eine «Geologie der Schweiz»; der zweite, welcher entschieden der grösste Alpenforscher aller Zeiten gewesen ist, schuf die Einteilung der alpinen Kreideformation und die klassische Untersuchung des Säntisgebietes. Gemeinsam gaben die beiden 1857 die erste, 1868 die zweite Auflage einer geolog. Karte der Schweiz heraus, zu welcher die Beobachtungen Eschers allein die Hälfte des Materials lieferten.
Seit 1860 arbeiten unter der Führung der Schweiz, geolog. Kommission immer eine grössere Anzahl Geologen an der Publikation der «Geologischen Karte der Schweiz in 1:100000», welche in 25 Blättern bis 1887 vollständig erschienen ist. Seither wird an der Revision vergriffener Blätter und an Spezialuntersuchungen weiter gearbeitet. 1894 erschien eine geolog. Karte in 1:500000 von Heim und Schmidt. Was die richtige Auffassung der Geologie der Alpen lange hinderte, war die Vermengung zweier Vorgänge, welche scharf auseinander zu halten sind:
1) Alter und Entstehung der Gesteine.
2) Entstehung und Alter des Gebirges.
I. Alter und Entstehung der Gesteine.
Ein Blick auf die beigegebene geolog. Karte zeigt, dass die Gesteine verschiedenen Alters, wie es für Kettengebirge typisch ist, im allgemeinen in parallelen Streifen angeordnet sind, welche entsprechend dem Streichen der Zentralalpen von W.-S.-W. nach O.-N.-O. verlaufen. Die Südalpen bestehen fast ganz aus krystallinen Schiefern, denen sich nur im S.-O. (Luganer Alpen) noch eine Zone von Sedimenten ¶
Geologische Karte der Schweiz
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Lf. 4. ^[Karte: 6° O; 47° N; 100 km]
Verlag von Gebr. Attinger, Neuenburg
Erklärung:
▬ Grenzen der Gletscher der letzten Eiszeit
░ Quantär
▒ Miocän
▓ Eocän
▄ Kreide
█ Doggen u. Malm
█ Trias u. Lias
█ Paläozoisch (Silur, Devon, Carbon, Perm, Verrucano).
█ Archäisch (Krist. Gesteine, Gneiss, Granit, Eruptivgest).
M. B. nach Dr A. Heim u. Dr C. Schmidt
V. Attinger sc.
GEOLOGISCHE KARTE DER SCHWEIZ ¶
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anschliesst. Die Nordalpen dagegen bestehen zum grössten Teil aus Sedimenten, die im allgemeinen um so jünger sind, je mehr man nach N. vorschreitet. Mit scharfer, einheitlicher Grenze, die fast geradlinig vom Genfersee bis zum Bodensee verläuft, schliessen die alpinen Gesteine mit dem Eocän ab und beginnt das Mittelland mit dem Miocän.
Die einzelnen Systeme und Gesteine sind, nach dem Alter geordnet, folgende:
a) Archæisches Zeitalter (auf der beigegebenen Karte rosa). Die Gesteine, welche diesem Zeitalter zugeschrieben werden müssen, sind zum grössten Teil Gneisse in den verschiedensten Abänderungen, dazu kommen, der Menge nach untergeordnet, Glimmerschiefer. Diese beiden setzen z. B. fast das ganze Monte Rosa-Massiv und die Maggia-Gruppe zusammen. Vielfach sind mit den gewöhnlichen Gneissen wechsellagernd Hornblendegneisse und Hornblendeschiefer zu finden.
Ein grosser Zug solcher Gesteine geht z. B. im W. des Langensees durch, nördlich an demselben vorbei und setzt sich südlich vom Bergell bis gegen die Bernina fort. Ebenso finden sich Sericitgneisse und Sericitschiefer, so genannt nach dem Gehalt an Sericit, einem weissen feinschuppigen Glimmer, der sich fast seifig anfühlt. Die Sericitgneisse und -schiefer sind wohl meistens die jüngern Glieder des archäischen Systems, vielfach auch durch den ungeheuren Druck bei der Gebirgsbildung aus ächten Sedimenten des paläozoischen Zeitalters entstanden (z. B. der Zug vom Maienthal zum Maderanerthal). - Durch den gleichen Gebirgsdruck sind auch sehr alte Eruptivgesteine, die infolge ihres vulkanischen Ursprungs ursprünglich massig waren, mehr oder weniger schiefrig geworden. Dahin gehören vor allem der weitverbreitete Protogin oder Alpengranit, wie er sich am Mont Blanc, Grimsel, Gotthard etc. findet; dann auch verwandte Eruptivgesteine wie Hornblendegranit und Hornblendediorit am Piz Ner, im Puntaiglasthal, Berninagebiet u. s. w. - In manchen Fällen ist es bis jetzt nicht möglich gewesen, das Alter vieler krystallinen Schiefer sicher zu bestimmen, obschon sie entschieden jünger als archäolithisch sind; durch den Gebirgsdruck sind sie eben in ihrer mineralischen Zusammensetzung und in ihrer Struktur den ältern, ächten Gneissen und Glimmerschiefern fast vollkommen gleich geworden.
b) Palæozoisches Zeitalter (in der Karte orange). Die Schichtsysteme des Silur und Devon sind in den Zentralalpen bis jetzt noch nirgends nachgewiesen worden. Es ist zwar höchst wahrscheinlich, dass sie nicht ganz fehlen, aber sie sind, wie oben angedeutet, durch den Druck bei der Faltung der Alpen so metamorphosiert worden, dass krystalline Schiefer daraus entstanden sind.
1. Karbon. Wie fast überall, sind die Ablagerungen der Karbonzeit auch in der Schweiz vorwiegend Festlands- oder Uferbildungen. Es sind Konglomerate und dunkle Thonschiefer. In den letztern finden sich vielfach Pflanzenreste und, leider selten und in geringer Mächtigkeit, auch Kohle. Die Karbonschichten finden sich in einem schmalen Streifen nordwestlich vom Mont Blanc, von Argentières bis Vernayaz; etwas mächtiger sind sie südöstlich vom Mont Blanc; sie streichen hier von Morgex (Aostathal) am Grossen St. Bernhard vorbei über Chable (Val de Bagnes) bis Chandolin (Val d'Anniviers). Im letztern Teil enthalten die Karbonschichten abbauwürdige Kohle; immerhin beträgt die durch einen primitiven Raubbau gewonnene Menge doch nur 60-80000 Z. jährlich. Bezeichnend ist es, dass die Kohle als Anthrazit auftritt, obschon sie nicht älter ist als die gewöhnlichen Steinkohlen; die Kohlenpflanzen sind eben durch Gebirgsdruck viel ¶