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Jeder Fotograf hat seinen eigenen, persönlichen Weg, der sich in seinen Werken abzeichnet. Deshalb findet Matt Kay es problematisch, wenn verschiedene Biografien unter dem Begriff «afrikanische Fotografie» zusammengefasst werden. Matt Kay beschreibt sich selbst treffend als «kräftigen Kerl mit einem grossen Bart, der nicht unbemerkt auf der Strasse fotografieren kann». Und der Weg, den er hinter sich hat, ist so atemlos und unterhaltsam, wie er ihn erzählt, und so unberechenbar wie seine vielen Flüche.
Nach einer «wunderbar wilden» Kindheit und Jugend in Nottingham Road, einer kleinen Stadt in den Midlands von KwaZulu-Natal, reist Matt als 18-Jähriger ins britische Southampton, wo er zu segeln lernt und auf Rennsegelbooten arbeitet. Er kehrt nach Südafrika zurück, beginnt ein Jurastudium, erhält das Angebot, einen Katamaran von Kapstadt in die Karibik zu segeln, denkt «zur Hölle mit Jus» und bleibt in der Karibik, kauft sich eine kleine Jacht und chartert Segelboote von Saint Martin nach New York, nach Trinidad und Venezuela. Er gibt sich als Bootsingenieur aus, fliegt auf, strandet in der Dominikanischen Republik, segelt nach Texas, trampt nach Austin, wo er ein Mädchen trifft, das ihm Arbeit auf einer Ranch verschafft.
An der Front
Für einen Zusatzverdienst assistiert Matt einem Typen namens Skeeter Hagler bei Hochzeitsaufnahmen. Der gibt ihm eine Kamera und bringt ihm das Fotografieren und die Arbeit in der Dunkelkammer bei: «Er war ein Dokumentarfotograf alter Schule, aber ungemein gut.» Nach drei Monaten findet Matt einen Bildband über eine Cowboyserie von Hagler und begreift, dass sein Mentor ein Pulitzer-Preisträger ist.
Matt arbeitet an seinem ersten Fotoprojekt auf dem Weg nach Kanada, als bei seiner Mutter Krebs diagnostiziert wird. Er reist nach Südafrika zurück, plant eine Ausbildung als Ergotherapeut, überbrückt die Wartezeit mit einem Kurs an der Market Photo Workshop und besiegelt damit seine berufliche Laufbahn in der Fotografie.
In Durban fotografierte Matt die Serie «The Front» über zwei Monate zwischen 2014 und 2015. «Durban ist wild, es ist ein verrückter Ort», sagt er über die Stadt, in der er bis vor kurzem gelebt hat. «Durban hat dieses beinahe absichtliche Niveau von raffiniertem Chaos. Der Strandbereich, die Beach Front, ist wie eine Bühne. Sie bleibt gleich, aber die Figuren kommen und gehen.
«Ich betrachte den Ort in drei Schichten: Es gibt die Promenade, den Strand und den Ozean. Und zwischen diesen Schichten spielen sich verschiedene Interaktionen ab. Auch darauf bezieht sich der Titel ‹The Front›. Politisch betrachtet, wird der Strand als Integrationszone vermarktet, aber das ist er nicht wirklich. Genutzt wird er getrennt nach einem indischen, einem schwarzen und einem weissen Abschnitt. Und die Lage dieser jeweiligen Abschnitte verschiebt sich, je nachdem, wer morgens zuerst aufkreuzt. Die Menschen ziehen auseinander, und sie tun es gänzlich selbst verwaltet.»
Wie alle seine Projekte hat Matt auch «The Front» analog fotografiert. Die Menschen reagieren anders, sagt er. «Wenn ich ein Bild mache, fragen sie: ‹Kann ich es sehen?› Und ich antworte: ‹Sorry, nein, das geht nicht.›» Das hat etwas Magisches. Menschen lassen ihre Vorbehalte fallen, wenn sie das eigene Abbild nicht sehen können, sie geben dir viel mehr Spielraum. Wenn wir mit moderner Technologie fotografiert werden, gibt sie unser Bild unmittelbar frei, und wir verlieren sofort den Anspruch. Das macht uns Angst.»
Wir zeigen hier eine Auswahl aus Matt Kays «The Front». Die Ausführungen des Fotografen zu seinen Bildern finden Sie in den Bildlegenden.
Zum Fotografen
Matt Kay (1985) wuchs in den Midlands von KwaZulu-Natal auf und lebt heute in Kapstadt, Südafrika. Er studierte und lehrte am Market Photo Workshop in Johannesburg und wurde ausgezeichnet mit dem Ithuba Arts Trust und dem Tierney Fellowship 2014. Matt Kay verdient seinen Lebensunterhalt als Hochzeitsfotograf und widmet viel Zeit seinen persönlichen Projekten, aus denen oft Bücher entstehen. Er wurde mehrfach für Preise nominiert und hat weltweit ausgestellt. Folgen Sie ihm auf Instagram.
Zu dieser Bildkolumne
Warum sollen wir gerade jetzt nach Afrika blicken? Falsche Frage, sagt Flurina Rothenberger. Die richtige laute: Warum erst jetzt? In ihrer wöchentlichen Kolumne «Ansichten aus Afrika» stellt Flurina Rothenberger junge Fotografie aus Afrika vor. Hier finden Sie den Podcast «Aus der Redaktion» zu dieser Kolumne.
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