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|Marktdaten||
02.02.2023 21:16:00

Wende an der Wall Street? US-Aktien verzeichnen seltenes Bullenmarktsignal
Zum ersten Mal seit fast drei Jahren wurde am US-Aktienmarkt ein seltenes Bullensignal ausgelöst. Experten sind sich jedoch nicht sicher, ob dieser Indikator überhaupt noch zuverlässig ist.
• Wall Street-Analysten hegen Zweifel: "Trust but verify" statt "trust the thrust"
• Tauziehen zwischen überkauftem Markt und Breitenschub
Am 12. Januar wurde der "Breadth-Thrust-Indikator" ausgelöst - das geschah zuvor zuletzt am 3. Juni 2020 - und sorgte unter Analysten für Aufsehen. In der Vergangenheit wurde in 23 von 24 Fällen durch den Indikator ein "Breakaway-Momentum" aufgezeigt, und der S&P 500 konnte eine positive Gesamtjahresrendite erzielen.
Bullenmarkt in Sicht? Technischer Indikator zeigt Aufwärtssignal für Aktien
Der von Walter Deemer 1973 entwickelte "Breadth-Thrust-Indikator" setzt die Anzahl der Aktien an der New York Stock Exchange (NYSE), die an zehn Handelstagen infolge gestiegen sind, ins Verhältnis zu der Anzahl der gesunkenen Aktien im selben Zeitraum. Daraus lässt sich eine "Breitenschub"-Indikation ablesen. Der Wert, ab dem ein neuer Bullenmarkt entstehen könnte, liegt bei 1,97 oder darüber. Um dieses Verhältnis zu erreichen, müssen etwa zwei Drittel der Aktien im genannten Zeitraum steigen und nur ein Drittel darf an Wert verlieren.
"Der eigentliche Trick, um einen Ausbruchsmoment zu erzeugen? Es geht nicht um viele Anstiege, sondern um einen Mangel an Rückgängen. Wenn der Markt z. B. einen starken zweitägigen Anstieg verzeichnet, muss er danach einige Tage lang sehr positiv bleiben, um die zehntägigen Rückgänge auf ein Minimum zu beschränken", erklärte Walter Deemer seinen Indikator laut TheStreet. "Auch während der 'normalen' Korrektur in der Mitte des Zehn-Tages-Zeitraums MÜSSEN Rückgänge auf ein Minimum beschränkt werden; Rückgänge können während dieser beiden Tage die Fortschritte übersteigen, aber nicht wesentlich, da es dem Markt sonst unmöglich ist, die beiden Fortschritte zu erzielen, die zum Ausgleich eines jeden Rückgangs erforderlich sind".
Da sich der Indikator in der Vergangenheit zunehmender Beliebtheit erfreute, sind auch zahlreiche Weiterentwicklungen entstanden, die einen detaillierteren Einblick in die Entwicklung einzelner Aktien und deren Auswirkung auf den Gesamtmarkt geben sollen. Der ursprüngliche Breitenindikator bildet jedoch sowohl Stammaktien als auch Vorzugsaktien, ETFs und andere Börsenpapiere ab, so der Entwickler.
Unterschiedliche Signale: "Trust but verify"
Frühindikatoren wie der Breadth-Trust-Indikator hätten in den letzten Jahren ihre Aussagekraft für eine sich verbessernde Aussicht in der Marktbreite allerdings teilweise eingebüsst, sagte der US-Chefstratege bei Ned Davis Research, Ed Clissold, gegenüber MarketWatch. Aufgrund der Marktturbulenzen in den letzten Jahren seien verschiedene Frühindikatoren zuletzt häufiger ausgelöst worden. Dies schliesse nicht aus, dass das frühere Motto der Wall Street "trust the thrust" - also "vertraue dem Schub" - ungültig sei, es müsse aber modifiziert werden. "Da diese Schub-Indikatoren aber immer häufiger auftreten, heisst es jetzt 'trust but verify' [deutsch: 'vertraue aber überprüfe', Anm. d. Red.]. Und diese Überprüfung erfolgt durch mittelfristige Breiten-Indikatoren", gibt Ed Clissold zu bedenken. Die Marktstimmung würde sich erst dauerhaft drehen, wenn ein grösserer Anteil der Aktien über ihrem gleitenden 50- und 200-Tages-Durchschnitt lägen, ist der Ned Davis-Stratege überzeugt.
Auf NYSE-Advance-Decline-Daten basierende Indikatoren deuten jedoch derzeit eher darauf hin, dass der Markt überkauft sei, zitiert MarketWatch die technische Analystin Katie Stockton von Fairlead Strategies. So etwa der "McClellan Oscillator", der auf dem Niveau der kurzfristigen Höchststände des letzten Jahres liegt. Dies zeige die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierung, ist auch Guy Ortmann in seinem Artikel mit dem eindeutigen Titel "Don't Chase Prices Now: Market Data Say to Wait" auf TheStreet sicher. Die Marktdaten sprächen eher dafür abzuwarten, da einige Warnsignale rot aufleuchten würden. "Während die Charts noch keine Verkaufssignale aussenden, haben die Daten die Warnsignale auf ein Niveau verstärkt, dass eine Jagd auf den Preis als unangemessen erscheinen lässt", schreibt er.
Auch ein langjähriger Kollege von Walter Deemer, Doug Kass, zeigte sich weniger optimistisch: "Diese Woche erleben wir aus erster Hand ein Tauziehen zwischen einem sich entwickelnden überkauften Markt und einem beeindruckenden Breitenschub", schrieb er laut The Street in einer Notiz.
Redaktion finanzen.ch
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