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Spiele im Freien
Allgemeines
Edwin Pfaffen (Historiker aus Ausserber, VS, CH) hat anlässlich der Heimanttagung im Jahre 2003 das Spielverhalten der Jugendlichen in Ausserberg untersucht und hat dabei festgestellt, dass viele Spiele, die man noch in den 1950er und 60er Jahren gespielt hatte, heute verloren sind. Darum hat er einige davon gesammelt und hat sich dabei über das Enstehen un Vegehen von Spielen Gedanken gemacht. vgl. Edwin Pfaffen: <email-pii>
Spiele im Freien
AUFKOMMEN UND NIEDERGANG VON SPIELEN
Fangspiele wie «Tschäggolöüffu» oder Versteckspiele wie «Totschkaaltu» vermochten sich in Ausserberg durch das ganze 20. Jh. hindurch bis heute zu erhalten.
Andere Spiele für Kinder und Erwachsene verschwanden ganz und wurden durch neue abgelöst.
Ein Mann mit Jahrgang 1928 erinnert sich vom Hörensagen daran, wie im Haus seiner Grosseltern von Erwachsenen noch «gitroggot» worden sei (Spiel mit Tarock-Karten, die den Jasskarten ähnlich sind). Die Regeln des Spiels seien ihm aber unbekannt. Ein anderer Mann, der in den 191Oer Jahren geboren wurde, kann sich noch erinnern, wie sein Grossvater die Troggu-Karten zum Burgertrunk mitnahm; auch er kann über den Spielablauf nichts Näheres sagen. Ganz offensichtlich geriet das «Troggu» in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Ausserberg ausser Gebrauch, so dass heute sogar ältere Leute die Spielregeln nicht mehr wiedergeben können.
Grosserer Beliebtheit unter Jugendlichen erfreute sich das Eggballu, später auch Standballu genannt. Bei einer der Varianten wurden zwei Gruppen (mit meistens je 4 Personen) gebildet, wobei eine Gruppe ihre Spieler auf die Eckpunkte Platzes verteilte und sich jene der anderen Gruppe auf dem Platz aufstellten. Die Eckspieler versuchten, die Spieler auf dem Platz mit einem Ball zu treffen. Wer getroffen wurde, schied aus. Nach dem Ausscheiden aller Platzspieler tauschten die Gruppen ihre Standorte und das Spiel begann von Neuem. Eggballu oder Standballu kam ungefähr in den 1920erJahren auf und verschwand in den 1960er Jahren.
Bis ca. in die 1950er Jahre wurde von Kindern und Jugendlichen auch das Sautreiben, Suwwtriibu gespielt. Bei einer der verschiedenen Spielvarianten befand sich in der Mitte des Spielfeldes eine kleine Grube, um die sich die eine der Spielerinnen als Abwehr postierte. Die restlichen Spielenden mussten ersuchen, die Sau – z.B. eine zerdrückte Blechdose – mit Stecken an den Abwehrspielern vorbei in die Grube zu schlagen.
Einzelne Spiele waren auch sehr lokal oder auf einen kleinen Personenkreis begrenzt. In Fischersbiel (Weiler von Ausserberg) spielten in den 1930er Jahren zwei Kinder Schneeschmelzen, Schneeschmelzu. Dabei wurde Schnee auf die Mäuseplatten eines Stadels gehäuft und darunter verschiedene Gefässe aufgestellt. Wer am Schluss mehr Wasser in seinem Behältern hatte, war Sieger.
Beim Puppenspielen waren einfache Materialien gebräuchlich. Eine Frau, die Mitte der 1920er Jahre geboren wurde, erwähnt, wie sie Steine als Puppen benutzt und diesen Tücher oder Lumpen als Kleider umgelegt habe. An Puppen aus Breitwegerich erinnert sich eine Frau mit Jahrgang 1949: Breitwegerich herausziehen und verwundert feststellen, welches ,Püppchen' die längsten Haare hat. Die Wurzeln waren die Haare. Die wurden gwaschehen und gekämmt und zu verschiedenen Frisuren geschnitten. Die Seitblätter bildeten Arme und Beine. Aus Baumblättern machten wir Kleider für die Püppchen.
Auch Spielzeugautos wurden auf einfache Weise hergestellt. Ein Mann, geboren 1954, berichtet, wie ihm ein grob zugeschnitzter Holzklotz mit Biltschardbüchse (einer Sardinenbüchse ähnlich, aber grösser) als Jeep mit Anhänger diente. Derselbe Mann erinnert sich auch an sein erstes Spritzgussauto, einen Range Rover.
Im Wechsel vom handgefertigten Jeep zum Spritzgussauto widerspiegelt sich auf anschauliche Weise die Verdrängung der traditionellen Spiele und Spielzeuge durch moderne Konsumware. Diese gewann besonders seit den 1960er Jahren immer mehr an Bedeutung in der Welt der Kinder und Jugendlichen in Ausserberg. Vor allem Spielwaren aus Kunststoff wie Kunststoffautos, -figuren, -eimer, -sandkuchenformen fanden Einzug in Kinderzimmer und Sandkästen - Einrichtungen, die sich im Zuge neuer Wohnbauten ebenfalls in den 1960er Jahren stark auszubreiten begannen.
Verschiedene Veränderungen, die sich bereits während der 1950er Jahre ankündigten, erfuhren in den 1960er Jahren ihren Durchbruch. Angesprochen wurden bereits die zunehmende Freizeit der Kinder sowie die vermehrten Freizeitgestaltungsmöglichkeiten durch die Eröffnung der Talstrasse. Durch die Ausbreitung der Lohnarbeit in Gewerbe, Industrie etc. anstelle der bäuerlichen Betätigung kam aber auch mehr Bargeld in Umlauf. Der Kauf von Spielsachen wurde selbstverständlicher und durch die Strassenverbindung mit Visp (Einkaufsmöglichkeiten) auch einfacher.
Die veränderten Rahmenbedingungen konkurrenzierten die traditionellen Spiele immer mehr und verdrängten diese dann nach und nach und nach.