Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03242.jsonl.gz/2757

Die Klimakonferenz in Paris ging, wie erwartet, in die Verlängerung. Am Ende resultierte ein Abkommen. Darum wird die Konferenz als Erfolg gewertet. Die Umwelt-Aktivisten und Aktivistinnen jubeln. Das Dokument „empfiehlt“ den Staaten, den CO2-Ausstoss bis 2035 drastisch zu senken und „verpflichtet“ sie, die Erderwärmung auf 2°C zu beschränken, wenn möglich auf 1,5°. So weit, so gut gemeint.
Fürst Grigorji A. Potemkin, der seiner Zarin Katharina blühende Dörfer vorgaukelte, indem er leere Fassaden baute, war ein Anfänger verglichen mit den Autoren des Abkommens. Es gaukelt Hoffnung vor, sonst bringt es gar nichts.
Wie können wir da so sicher sein?
Es gibt zwei entscheidende Gründe:
1. Das Abkommen musste einstimmig verabschiedet werden. Das heisst, Länder wie Saudiarabien, Qatar, Iran, Russland und Venezuela haben zugestimmt, also die wichtigsten Öl- und Gaslieferanten. Es versteht sich wohl von selbst, dass diese Länder niemals einem Abkommen zustimmen würden, das ihnen den Markt verdirbt. Welcher Metzger stimmt schon einem Vertrag zu, der seinen Kunden verbietet, Fleisch zu essen? Darum enthält das Abkommen auch keine verbindlichen Auflagen, sondern bloss „Empfehlungen“ und „Versprechungen“. Es ist ein Papiertiger.
2. Das Wort „nuclear“ kommt auf keiner der 32 Seiten vor. Den einzigen CO2-freien, realistischen Ersatz für die fossile Energie will man also nicht. Man will auf die dominierende Energiequelle der Weltwirtschaft, die fossile, innert kurzer Zeit verzichten, ohne sie zu ersetzen. Das erinnert an den Bauern, der sich beklagte sein Esel sei gestorben, gerade als er ihn endlich daran gewöhnt hatte, von Sägemehl zu leben.
„Sustainable“ kommt dagegen 24 Mal vor, meist in Verbindung mit „development“ oder „management“. Auch „renewable“ wird erwähnt. Klar können die Kohle- Öl- und Gasproduzenten dem zustimmen. Sie wissen ja, dass diese „erneuerbaren“ Energiequellen niemals in der Lage sein werden, die fossilen Energiequellen auch nur annähernd zu ersetzen. Dazu gibt es eine schöne historische Illustration: Als die militanten „Grünen“ dafür kämpften, dass das neugebaute Kernkraftwerk Shoreham auf Long Island stillgelegt werde, unterstützte sie der lokale Ölversorger mit einem erhellenden Flugblatt:
Das Flugblatt war nach eigenem Bekunden „Sponsored in the public interest by the Oil Heat Institute of Long Island“. „Im öffentlichen Interesse vom Heizölinstitut von Long Island finanziert“. Der Hintergedanke war natürlich – „vertraut auf Solar, ihr werdet dann schon sehen, dass das nicht genügt und dann kauft ihr gerne unser Öl.“ Das ist – realistisch gesehen – auch die Botschaft der Klimakonferenz von Paris. Sie hat nichts anderes hervorgebracht als eine globale Version dieses Flugblattes.
Zum einundzwanzigsten Mal sind jetzt also zehntausende Politiker, Bürokraten, Aktivisten und Ideologen aus aller Welt zusammengeströmt, um den drohenden Klimakollaps abzuwenden. Zum einundzwanzigsten Mal ist – wenn man ehrlich ist – nichts dabei herausgekommen. Warum eigentlich nicht?
Die Juristen haben dafür einen schönen Begriff: „Die normative Kraft des Faktischen.“ Will heissen, die Realität lässt sich weder wegdiskutieren noch wegregulieren. Übertragen auf unser Thema bedeutet es, dass die Weltwirtschaft, die sich immer noch zu über 80% von fossilen Energiequellen „ernährt“ ihre Diät unmöglich innert 20 Jahren auf unsichere und unzuverlässige Versorgung umstellen kann.
Wie es gehen könnte, zeigen die Chinesen. Sie stehen (zusammen mit den Indern) unter dem grössten Druck, von Kohle und Öl wegzukommen. Der Klimawandel ist dabei nicht die grösste Sorge, das ist für sie ein langfristiges Problem. Ganz unmittelbar leiden sie an einer Luftverschmutzung, die für manche Menschen tödlich ist. Trotzdem sind sie gezwungen, weiter Kohlekraftwerke zu bauen, um den Energiehunger der wachsenden Wirtschaft zu decken. Aber sie bauen auch Kernkraftwerke! Zur Zeit sind 21 im Bau und weitere 40 in Planung. Damit nicht genug: Ihre Ingenieure sind daran, alle denkbaren Typen von Kernkraftwerken der nächsten Generation zu entwickeln. In zwei Jahren dürfte das erste davon ans Netz gehen. Sie haben hier davon gelesen. In 15 Jahren wollen sie in der Lage sein, Kohlekraftwerke durch Kernkraftwerke zu ersetzen; dann beginnt die Luftverschmutzung abzunehmen und nebenbei auch der CO2-Ausstoss. Das ist realistischer Kampf gegen den Klimawandel!
Den Klimawandel werden nicht Politiker, Bürokraten und Diplomaten stoppen sondern Ingenieure und Ingenieurinnen. Leute, welche die nächste Generation von Kernkraftwerken entwickeln. Wir haben darüber berichtet: hier und hier. Kernkraftwerke, die noch sauberer, noch sicherer und noch wirtschaftlicher sind als sie eh schon waren. Wenn man sie nur machen liesse.
Was können wir in der Schweiz tun, um zum Kampf gegen den Klimawandel beizutragen? Die Energiestrategie 2050 versenken, dann könnten wir bei der Entwicklung dabei sein! Wenn unsere neugewählten Politiker nicht die Kraft dazu haben, dann haben wir sie – wir, das Volk.