Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03371.jsonl.gz/474

Pünktlich zur Fastenzeit hat ein Londoner Pfarrer in seiner Kirche ein Kruzifix enthüllt. Darauf ist aber nicht Jesus zu sehen, sondern ein lebensgrosses Abbild von Skandalrocker Pete Doherty.
Pete Doherty trinkt, nimmt Drogen, muss ins Gefängnis: Die Schlagzeilen, mit denen sich der Musiker in den vergangenen Jahren einen Namen machte, waren alles andere als ruhmreich. Das hat einen Londoner Pfarrer nun aber nicht davon abgehalten, in seiner Kirche ein lebensgrosses Kruzifix mit dem Abbild des Skandalrockers zu enthüllen. Dort, wo normalerweise ein gekreuzigter Christus hängt, ist nun das Antlitz des 35-Jährigen zu sehen.
Der Musiker habe es nach seinem Entzug in Thailand geschafft, ein neues Leben zu beginnen – frei von den Dingen, die ihn vorher zerstört hätten, begründete Stephen Evans, der Pfarrer der St.Marylebone Parish Church, seine Entscheidung. Er hoffe, dass die Besucher seines Gotteshauses durch das Kunstwerk nicht nur an die Passion Christi erinnert werden, sondern auch «reflektieren, was in ihren eigenen Leben zu Tod oder Leben führt».
Das Kruzifix war bereits im Jahr 2008 von Dohertys Freund Nick Reynolds angefertigt worden. Es trägt den Titel «Um Petes' Willen». «Als ich dieses Werk kreiert habe, sah ich Pete gekreuzigt von den Medien und das bot die Basis für meine Inspiration, dieses Stück zu machen», schreibt Reynolds in einer Mitteilung.
Doherty hatte in den vergangenen Jahren wegen Alkohol- und Drogeneskapaden wiederholt Ärger mit der Justiz und sass auch schon im Gefängnis. Sein Name fiel etwa im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Drogentod seiner Freundin Robyn Whitehead und des Schauspielers Mark Blanco. Der 30-Jährige war im Dezember 2006 während einer Party in London unter ungeklärten Umständen von einem Balkon gestürzt, kurz nachdem sich Doherty mit ihm gestritten hatte.
Nach Angaben von Pfarrer Evans hat Doherty seine Drogensucht inzwischen im Griff. Das Kruzifix in seiner Kirche hat auch einen ernsten Hintergrund: Es ist Teil Ausstellung «Die Stationen des Kreuzes» in London. Die Schau wurde von Ben Moore ins Leben gerufen, dessen Bruder 2003 spurlos verschwand. «Ich begrüsse Kunst, die eine Debatte auslöst und schlussendlich dazu beiträgt, dass mein Bruder Tom gefunden wird», sagte Moore, der Geld für Suchaktionen sammelt. Nach der Ausstellung soll das Doherty-Kreuz für 33'000 Pfund verkauft werden. (jbe)