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Autor: Pascale Hofmeier
Freiburg Reste von Luftschlangen liegen auf dem Boden im Staub. Die Luft ist feuchtkalt und abgestanden. 20 Treppenstufen tief unter der Samaritergasse, im Keller des Hauses Nummer 19, beträgt die Temperatur etwa 20 Grad. Ohne Pulli wird es einem mit der Zeit ein wenig kühl, dafür warm ums Herz. Denn es ist nicht irgendein Keller. «Das Gebäude ist eines der ältesten der Stadt», sagt Gilles Bourgarel. Er ist als Archäologe beim Kanton Freiburg für das Mittelalter zuständig und kennt das Gebäude in- und auswendig. «Viele Leute denken, Kirchen seien die ältesten Gebäude in den Städten», sagt Bourgarel, «doch das ist ein Irrtum.»
Sünden aus Beton
Erbaut und erweitert wurde das Haus an der Samaritergasse in mehreren Etappen. Die ersten Mauern und wohl auch der Keller wurden kurz nach der Gründung der Stadt Freiburg 1157 gebaut.
Mitten im Raum, dessen Mauern ein Flickwerk aus altem und neuerem Gestein sind, steht eine kunstvoll ornamentierte Säule. Genau datieren könne er diese nicht, sagt Gilles Bourgarel: «Bis in die 1940er-Jahre wäre das noch möglich gewesen.» Damals wurden die Deckenbalken, die eine genaue Altersbestimmung ermöglicht hätten, durch eine Betondecke ersetzt. Bourgarel zuckt mit den Schultern: «Es fehlte das Bewusstsein für historisch wertvolle Gebäude.» Einen Hinweis auf das Alter gebe eine identische Säule aus dem Jahr 1251, die in der Hauptgasse steht.
«Sicher ist aber, dass die Leute reich waren, die das bauen liessen.» In den Mauern sind die Überreste eines Kamins sichtbar. Daraus und aus den Beleuchtungsnischen lasse sich schliessen, dass der Keller als Repräsentationsraum verwendet worden sei. «Wahrscheinlich waren die Besitzer Händler, die ihre Ware nicht nur lagerten, sondern hier auch präsentierten», so Bourgarel. In der Zwischenzeit wurde allerdings der direkte Zugang auf die Strasse verschlossen. Ähnlich sorgfältig gebaute Keller wie dieses Prachtexemplar im Auquartier gebe es in der Stadt Freiburg gar nicht so wenige, sagt der Archäologe. «So gut erhalten sind aber die wenigsten.»
Nach 20 Minuten stellt sich langsam Hühnerhaut ein. Die Augen haben sich an das schummrige Licht gewöhnt und sehen mehr und mehr Details. Auch solche nicht historischer Herkunft. Spinnweben kleben in den Ecken, manche mit, manche ohne Bewohnerin. Es ist Zeit für frische Luft. Zurück auf der Strasse, brennt die Sonne auf den Asphalt und auf den Scheitel. Leider ist die Türe zum Keller jetzt zu. Denn öffentlich zugänglich ist der kühle Keller vor allem im Winter – während der Fasnacht.
Im Rahmen derSommerserie «Kühle Plätze an heissen Tagen» besuchen die FN unterschiedlichste Orte und Plätze, die bei Hitze für Abkühlung sorgen.
Bei Hitze bietet dieser mittelalterliche Keller in Freiburg eine willkommene Abkühlung.Bild Aldo Ellena