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Interpellation von Pascale Bruderer
Interpellation von Pascale Bruderer bezüglich Europäische Erklärung und Aktionsplan zur psychischen Gesundheit
Nationalrätin Pascale Bruderer hat beim Bundesrat folgende Interpellation eingereicht:
Eine Europäische Ministerielle WHO-Konferenz, die vom 12. - 15. Januar 2005 in Helsinki stattfand, verabschiedete eine Europäische Erklärung sowie einen Aktionsplan zur psychischen Gesundheit. In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:
- Neuropsychiatrische Störungen machen laut Schätzungen der WHO beinahe ein Fünftel der Krankheitslast (burden of disease) in der Region Europa aus. Sind für die Schweiz entsprechende Zahlen verfügbar? Welche Kosten werden in der Schweiz durch psychische Krankheiten insgesamt verursacht?
- Welche Massnahmen sind in der Schweiz vorgesehen, um die Empfehlungen der Erklärung zur psychischen Gesundheit umzusetzen?
- Wer übernimmt die gesundheitspolitische Koordination zwischen Bund, Kantonen und weiteren Akteuren, um bei der Umsetzung ein zielgerichtetes Vorgehen zu gewährleisten?
- Welche Kompetenzen stehen dem Bund zum Zweck des Schutzes, der Förderung, der Erhaltung und Wiederherstellung psychischer Gesundheit zu?
- Welche Anstrengungen unternimmt der Bund, um die Bevölkerung über die Gefährdungen der psychischen Gesundheit und über die häufigsten psychischen Krankheiten sachgemäss zu informieren?
6. Wie lassen sich die europäischen Leitlinien mit den vorgeschlagenen Neuregelungen für die Vergütung der Psychotherapie vereinbaren?
Nationalrätin Pascale Bruderer, Präsidentin von Pro Mente Sana hat ihre Interpellation wie folgt begründet:
Psychische Krankheiten sind weit verbreitet. Nationale und internationale Studien zeigen, dass fast jede zweite Person im Verlaufe ihres Lebens einmal an einer psychischen Krankheit leidet. Neuropsychiatrische Störungen verursachen laut Schätzungen der WHO in der Region Europa 19,5% der Krankheitslast. Die jährlich zur Verfügung stehenden Mittel für die psychische Gesundheit betragen durchschnittlich jedoch nur 5,8% der gesamten Gesundheitsausgaben der Mitgliedstaaten der europäischen WHO-Region. Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Problemen sind in ganz Europa weit verbreitet.
Ziel der Konferenz von Helsinki war es, der psychischen Gesundheit einen höheren Stellenwert in der Politik einzuräumen und die psychische Gesundheit als wichtigen und integralen Teil der öffentlichen Gesundheit zu etablieren. Den Ländern wird empfohlen für die kommenden zehn Jahre folgende Prioritäten zu setzen:
- das Bewusstsein von der Bedeutung des psychischen Wohlbefindens zu fördern;
- gemeinsam gegen Stigma, Diskriminierung und Ungleichheit anzugehen, Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen und ihre Angehörigen zu stärken und zu unterstützen, damit sie sich an diesem Prozess aktiv beteiligen können;
- umfassende, integrierte und effiziente psychosoziale Versorgungssysteme zu entwerfen und zu implementieren, die Förderung, Prävention, Behandlung und Rehabilitation, Pflege und Genesung vorsehen;
- dem Bedürfnis nach kompetenten und in all diesen Bereichen leistungsfähigen Mitarbeitenden zu entsprechen;
- die Erfahrung und das Wissen der Betroffenen und Betreuenden als wichtige Grundlage für die Planung und Entwicklung von psychosozialen Diensten anzuerkennen.
Ohne eine wirksame Gesamtstrategie können die genannten Ziele nicht erreicht werden. Bund und Kantone haben im April 2005 im Rahmen ihres gesundheitspolitischen Dialoges den interessierten Kreisen den Referenzrahmen Psychische Gesundheit zur Umsetzung empfohlen. Es fehlen jedoch eine verbindliche Strategie und ein konkreter Massnahmenplan.
3. Juli 2006
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