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Meine lieben Mitbrüder,
beim Studium des Instrumentum laboris für die kommende Bischofssynode “Die Pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung” hat mir die folgende Feststellung zu Denken gegeben: „Es scheint, dass im Volk Gottes die Kenntnis der konziliaren und nachkonziliaren Dokumente des Lehramtes über die Familie eher spärlich ist … Einige der eingegangen Bemerkungen sehen die Verantwortung für die schwache Verbreitung dieser Kenntnis bei den Hirten selbst, die … selbst weder das Thema Ehe-Familie, wie es in den Dokumenten dargelegt wird, wirklich kennen, noch die Mittel zu haben scheinen, um dieses Thema zu behandeln … In einigen Antworten findet sich auch eine gewisse Unzufriedenheit bezüglich einiger Priester, die im Hinblick auf einige moralische Lehren indifferent erscheinen. Ihre mangelnde Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche bewirkt Konfusion im Volk Gottes. Es wird daher darum gebeten, dass die Priester bei der Erklärung des Wortes Gottes und in der Darstellung der Dokumente der Kirche im Hinblick auf Ehe und Familie besser vorbereitet und verantwortungsvoller sein sollen“ (11-12). Wir Hirten, wir Priester sind somit unmittelbar angesprochen.
Aus diesem Grund möchte ich an die entscheidenden Aussagen unseres Glaubens über das Sakrament der Ehe erinnern, damit wir für unsere anschließende Erörterung ein Fundament haben. Die erste grundlegende Wahrheit ist, dass die Ehe göttlichen Ursprungs ist. Die Ehe ist das Werk Gottes. Das kommt mit der Erschaffung von Mann und Frau zum Ausdruck. Sie ist durch den Segen, unter den Gott das erste Menschenpaar stellt, geheiligt. Sie bleibt geheiligt, auch wenn das Verhältnis von Mann und Frau durch die Ursünde getrübt und geschädigt ist. Daraus folgt, dass die Zuordnung von Mann und Frau in der Ehe, und der damit gegebene Gebrauch der Geschlechtlichkeit, nicht in der Verfügung des Menschen stehen. Im Gegenteil: der Mensch ist gehalten, die Ehe und seine Bestimmung als Mann oder Frau dem Schöpfungswillen und der Schöpfungsordnung gemäß zu leben. Das sollen wir lehren und als Teil der Frohen Botschaft weitergeben.
Die Ehe ist das Werk Gottes. Die Ehe ist auch das Werk Christi. Christus ist als Erlöser Mensch geworden, um zu heilen, was durch die Sünde verwundet ist, und um der Schöpfung ein neues Gesicht zu geben. Er hat auch die Zuordnung von Mann und Frau erneuert, indem er die Ehe zum Sakrament erhoben hat. Durch seine Menschwerdung, durch das Geheimnis der Vereinigung der zwei Naturen, der göttlichen und der menschlichen, hat der Herr der Ehe eine sakramentale Ausformung gegeben, so dass der heilige Paulus schreiben kann: Die Ehe „ist ein tiefes Geheimnis. Ich beziehe es auf Christus und die Kirche“ (Eph 5,32). Die Ehe ist damit nicht nur eine Schöpfungswirklichkeit, sie ist eine Wirklichkeit des Heilswaltens Gottes im Neuen Bund (der Heilsökonomie des Neuen Bundes). Deshalb sind Mann und Frau berufen, sich durch die formelle Eheschließung vor der Kirche, vor dem Diener der Kirche, zu heiligen und als Eheleute ein Leben im Sinne des Schöpfers und des Erlösers zu führen, das heißt, die Ehe im Heiligen Geist zu leben.
Und so setzt sich der Gedankengang fort: Die Ehe ist das Werk Gottes. Die Ehe ist das Werk Christi. Die Ehe ist das Werk des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist wirkt durch das Sakrament und führt durch das Sakrament das Werk Gottes und das Werk Christi zur Vollendung. Schließen Mann und Frau in ehrlicher, vom Glauben geleiteter Absicht und mit Blick auf den Schöpfer und Erlöser den Bund der Ehe, wie es im Buch Tobit heißt, „nicht aus reiner Lust … sondern aus wahrer Liebe“ (8,7), werden sie vom Heiligen Geist geleitet und für ihre neue Aufgabe durch die Gnade gestärkt. Diese Wirklichkeit der Ehe will die katholische Ehe-Lehre und Ehe-Spiritualität erschließen und den Eheleuten auf diese Weise helfen, ihre Ehe im Angesicht Gottes zu leben.
Die Kirche hat die Lehre über die Ehe und die Grundlage der ehelichen Spiritualität in der Darlegung der so genannten Zwecke der Ehe festgehalten. Die wesentlichen Zwecke der Ehe sind die Erzeugung und Erziehung von Nachkommenschaft, die gegenseitige Hilfe, welche sich die Eheleute schulden, und das sittlich geordnete Geschlechtsleben. Der heilige Paulus drückt sich mit diesen Worten aus: „Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine eigene Frau und jede ihren eigenen Mann haben. Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber ihrem Mann.“ (1 Kor 7,2-3).
Zusammenfassend hat die Pastoralkonstitution Gaudium et spes die katholische Glaubenslehre über die Ehe mit den folgenden Worten umschrieben: „Durch ihre natürliche Eigenart sind die Institutionen der Ehe und die eheliche Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hin geordnet und finden darin gleichsam ihre Krönung. Darum gewähren sich Mann und Frau, die im Ehebund nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch (Mt 19,6), in inniger Verbundenheit der Personen und ihres Tuns gegenseitige Hilfe und gegenseitigen Dienst, und erfahren und vollziehen dadurch immer mehr und voller das eigentliche Wesen ihrer Einheit. Diese innige Vereinigung als gegenseitiges Sichschenken zweier Personen wie auch das Wohl der Kinder verlangen die unbedingte Treue der Gatten und fordern ihre unauflösliche Einheit“ (48).
Ich wiederhole das Zitat aus dem vorhin angeführten Abschnitt aus dem Instrumentum laboris für die kommende außerordentliche Bischofssynode: „In einigen Antworten findet sich auch eine gewisse Unzufriedenheit bezüglich einiger Priester, die im Hinblick auf einige moralische Lehren indifferent erscheinen. Ihre mangelnde Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche bewirkt Konfusion im Volk Gottes. Es wird daher darum gebeten, dass die Priester bei der Erklärung des Wortes Gottes und in der Darstellung der Dokumente der Kirche im Hinblick auf Ehe und Familie besser vorbereitet und verantwortungsvoller sein sollen.“ Die Heilige Schrift, die ganze Tradition der kirchlichen Lehre und die im Dokument Gaudium et Spes kurz erörterte Theologie der Ehe geben uns eine hinreichende Leitlinie, um die Schönheit und die von Gott gewollte Absicht mit der Schöpfung der Ehe den Menschen vorzulegen und sie zu einer gläubig gelebten Gemeinschaft von Mann und Frau anzuleiten. Von unserer Verantwortung hängt so viel ab. Nehmen wir diese Verantwortung wahr – schon jetzt. Die Überlegungen der Synode können uns darin nur bestätigen. Auf eine andere Lehre bezüglich Ehe, Familie und Sexualität sollen wir nicht warten, das Bild und den Anspruch der Ehe hingegen aus den Quellen der Heiligen Schrift und der Überlieferung neu ins Bewusstsein rufen und vertiefen. Amen.
Meine lieben Mitbrüder,