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Die internat. Konferenz von E. fand vom 6.7. bis zum 15.7.1938 im franz. Ort Evian am Genfersee statt. Vertreter von 32 Regierungen, v.a. aus Nord- und Südamerika sowie Westeuropa, nahmen daran teil. Gegenstand der vom amerikan. Präs. Franklin D. Roosevelt initiierten Konferenz war die Frage, wie den immer grösser werdenden Strömen von Juden und anderen Flüchtlingen aus dem nationalsozialist. Deutschland zu begegnen sei. Man wollte die Fluchtbewegung aus Deutschland und Österreich in eine geordnete Emigration lenken und die teilnehmenden Regierungen zur Aufnahme von Flüchtlingen gemäss der Grösse ihrer Länder veranlassen. Schon vor der Konferenz wurde aber festgelegt, dass kein teilnehmendes Land zur Änderung seiner Einwanderungsgesetzgebung verpflichtet werde. Selbst die USA behielten ihre Einwanderungsquoten bei. Die Konferenz endete ohne konkreten Beschluss. Stattdessen wurde das Intergovernmental Committee on political refugees (IGC) gebildet. Dieses Komitee hielt bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs drei Sitzungen ab und führte ohne grosses Engagement ergebnislose Verhandlungen mit potentiellen Aufnahmeländern und mit Deutschland. Gravierend hingegen waren die indirekten Folgen der Konferenz von E.: Erstens benutzten die Regierungen und das IGC sie als Alibi, zweitens realisierten viele Länder erst an der Konferenz den Umfang des Flüchtlingsstroms, was sie ihre Einwanderungsgesetzgebung verschärfen liess, und drittens durften die Machthaber im nationalsozialist. Deutschland zur Kenntnis nehmen, dass es weltweit an der Bereitschaft zur Rettung der in Deutschland, Österreich und später in ganz Europa verfolgten jüd. Menschen fehlte.
Die Schweiz begegnete der amerikan. Initiative von Anfang an mit grösster Zurückhaltung. Sie lehnte es ab, für die Konferenz Tagungsort zu sein. Sie befürchtete, ihre Strategie, den Flüchtlingen nur Transitland zu sein, aufgeben und ein bestimmtes Kontigent aufnehmen zu müssen. Vertreten durch den Chef der Fremdenpolizei, Heinrich Rothmund, lehnte sie als einziges europ. Land die weitere Mitarbeit ab. Ihr Ziel bestand darin, das Land für Flüchtlinge abzuschliessen, wie die Verhandlungen um den J-Stempel zeigen, und die bereits anwesenden Flüchtlinge zur Weiterreise zu bewegen (Antisemitismus). Nur aus Furcht, sich dieser Möglichkeiten zu berauben, nahm sie 1939 an der dritten und letzten Tagung des IGC teil. Ähnlich wie im Völkerbund war die Schweiz auch im IGC nicht an einer internat. Lösung der Flüchtlingsfrage interessiert.
Literatur
– R. Weingarten, Die Hilfeleistung der westl. Welt bei der Endlösung der dt. Judenfrage, 1981
Autorin/Autor: Ralph Weingarten