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Das Wort Video ist lateinisch und heißt: ich sehe. Bis zur Jahrtausendwende war es üblich, qualitativ hochwertige Filme als „Film“ und einfacher gemachte Filme als „Videos“ zu bezeichnen. Was ist ein Video? Die Unterscheidung hatte ihren Ursprung einst in der Technik. Heute ist das anders.
Die englische Bezeichnung Film (deutsch: Beschichtung) stammt aus der Zeit der Gründerjahre des Kinos, als erstmals Film-Negative aus Nitrozellulose mit einer lichtempfindlichen Foto-Emulsion beschichtet werden konnten.
Mit der Erfindung von Video entstand erstmals in der Geschichte des Filme machen eine technische Alternative zur Aufzeichnung bewegter Bilder auf Negativmaterial. Die Entwicklung latenter Negative im Labor wurde überflüssig. Aber das war nur der Anfang:
Videos stinken. Filme sind cool!
Im Auftragsfilm konnte sich Video aufgrund vergleichsweise tieferer Kosten zur Filmproduktion rasch seinen Platz erobern. Videofilm wurde darum auch schnell einmal zum Synonym für Auftragsfilme, während sich allerdings beim Imagefilm eine Zweiteilung etablierte: Auftragsfilme mit hohem qualitativem Anspruch wurden weiterhin als Imagefilm bezeichnet und auf demselben Niveau und mit vergleichbaren Mitteln wie Spielfilme und Werbefilme produziert, während einfachere Werke mit tieferem technischen und inhaltlichen Anspruch als Imagevideo bezeichnet wurden. Andere Genre, wie Testimonial oder CEO Videos, werden bis heute immer nur als Video betitelt.
Zuerst die technische Qualität…
Bis spät in die späten neunziger Jahre galt: wer es sich leisten kann, der dreht mit richtigem Film und nicht auf minderwertigem Video.
Videokameras lieferten jahrzehntelang einen bis zu Faktor 40 (!) kleineren Kontrastumfang im Vergleich zu Aufnahmen, die auf Film gedreht wurden – ein Qualitätsunterschied, der auch von weniger geschulten Augen schnell erkannt wurde.
Auch darum wurden den Videoproduzenten in der Hackordnung der Filmbranche weniger Wertigkeit als den Filmproduzenten zugesprochen. Mit dem Wechsel von analogem Video zu digitalem Video änderte sich die Wahrnehmung der Begriffe.
Filme haben Vergangenheit. Videos haben Zukunft.
Ralph H. Baer, 1994
Einerseits verschwand der physische Film definitiv aus dem Herstellungsprozess. Bis vor weniger als 10 Jahren war es üblich, Filme die höchsten Ansprüchen genügen mussten auf Film zu drehen (Kontrastumfang) und nach der Entwicklung für die weitere Bearbeitung zu digitalisieren. Für die Projektion in den Kinos (die anders als heute noch immer klassisch über einen Filmprojektor erfolgte) wurde dann das Videoband im Labor wieder auf physischen Film „ausbelichtet“.
Andererseits zwangen immer leistungsfähigere Chips in den Videokameras, zusammen mit neuen Playern im Bereich der Kamera-Hardware (beispielsweise RED), auch etablierte Hersteller von Kameras wie ARRI, komplett auf die neuen, besseren Technologien umzuschwenken. Filme konnten nun komplett digital hergestellt werden. Filme wurden damit aus technischer Sicht immer auch zu Videos – die Verwendung der Begriffe Film und Video zur Unterscheidung der technischen Qualität war damit ebenso wie die Aufrufe zur Differenzierung sinnlos geworden. Video und Film waren plötzlich dasselbe.
… dann der Inhalt
Interessanterweise aber bewegen sich die Begriffe Film und Video seit 2014 wieder verstärkt auseinander. Diesmal aber nicht mehr von der technische Qualität getrieben, sondern durch die inhaltliche Qualität (neudeutsch: durch den Content). Auch die Action Cam ist dafür mitverantwortlich.
Sowohl bei Auftraggebern wie auch in Markt der Bewegtbildproduzenten werden Film und Video mit neuer Wertigkeit aufgeladen: Videos werden von Videojournalisten abgefilmt, Filme bewusst inszeniert.
Videoproduktionen werden von kleinen Crews mit tiefer Arbeitsteilung hergestellt, Filme von hochspezialisierten Teams. Realisatoren von Videos sind Bewegtbild-Handwerker (und oftmals auch Kameramann und Produzent in Personalunion), Filmregisseure sind Talente, die einen Film einzigartig und unverwechselbar machen. Aufrufe für Videos erfolgen auf Youtube, für richtige Filme muss man sich bei iTunes oder Google Play anmelden.
Massenmedien sind Medienmassen gewichen. Auf Smartphones, Tablets, am POS und im Internet wird der Konsument von Videos richtiggehend geflutet. So treten die Trends Storytelling in Erscheinung. Schöner Fernsehen versprechen sie neu auf allen Kanälen, nicht nur am TV.
Kein Wunder, beträgt die durchschnittliche Dauer der Aufmerksamkeit des Zuschauers gemäß einer Studie aus 2015 in der Schweiz gerade noch 8 Sekunden. Das sind immerhin 3 Sekunden mehr als bei Pre-Roll Video im Online Video Advertising auf Youtube, aber auch 2 Sekunden weniger als das Erinnerungsvermögen eines Goldfisches…
Gelingt es in diesen 8 Sekunden nicht, Aufmerksamkeit und Motivation für das Weitersehen des Videos zu generieren, ist der Zuschauer weg. Es dürfte darum noch äußerst spannend werden, wie einzelne Verlagshäuser im Kampf um Aufmerksamkeit mit Videos und Bewegtbild bestehen wollen, ohne letzten Endes dann nicht doch die äußerst kostenintensiven redaktionellen und produktionellen Prozesse von Fernsehsendern kopieren zu müssen. Zumal deren Implementation dann zwar in einem gewissen Maß die Wirkungsqualität sicherstellen kann, gleichzeitig aber die notwendige Flexibilität verhindert, um mit den rasanten Entwicklungen der Online-Video-Kommunikation Schritt zu halten.
Was ist ein Video?
Wikipedia definiert Video als Film, der auf ein Magnetband oder Datenträger geladen wurde. Nach dieser Definition wäre alles, was auf Youtube Kanäle geladen ist, ungeachtet der Dauer, ob Vlog oder mit fiktivem Charakter, ein Film und Video. Das mag mit ein Grund sein, dass der Artikel (Stand April 2015) auf Wikipedia zur „Begriffsklärung“ im Quelltext markiert wurde. Korrekt ist, die Verbreitung von der Definition im Artikel auf Dauer wegzulassen, das melden die Leser im Quelltext korrekt an die Bearbeiter.
Auf Dauer ignoriert werden kann auch die Frage, wie ein Film oder Video verarbeitet wurde, wie Navigation, Abrufe und Aufrufe bei der Konsumation erfolgen, oder auf welches Medium er heute zur Distribution geladen wurde, weil dies heute ausnahmslos digital erfolgt. Filme und Videos sind keine Bücher, die mit einer ISBN Nummer klassifiziert werden können. Aber was bedeutet das nun? Was ist ein Video?
Die Antwort: aus technischer Sicht ist ein Video heute das selbe wie ein Film. Mit Bezug auf den Inhalt ist die Bezeichnung eine Frage der Wertigkeit. Wer möchte schon im Kino ein Video ansehen und dafür ein Ticket bezahlen? Hohe Production Value im Film werden, selbst unter Profis, einem Video weniger zugetraut.. Umgekehrt wird im Zusammenhang mit YouTube fast immer von Katzenvideos gesprochen, nicht von Katzenfilmen. Andere Genre bedienen sich bei beiden Begriffen ohne dass darunter die Wertigkeit leidet (ist ein Hochzeitsvideo besser als ein Hochzeitsfilm?)
Zusammengefasst
Die technische Gleichschaltung von Film und Video bildet eine ganz große Chance. Aber nur, wenn wir uns darauf besinnen, was auf Dauer die Aufgabe von Bewegtbild in Marketing und Kommunikation ist: Wirkung zu erzeugen.
Ungeachtet wie man das Kind benennen will und losgelöst von der Frage, was ist ein Video: Videos und Filme können das beide. Aber nur, wenn sie nicht als Kaugummi für die Augen missbraucht werden. In dieser Hinsicht kann der Auftragsfilm vom Spielfilm einiges lernen.
Spielfilme sind seit jeher inhaltsgetrieben. Dort wo Technik im Spielfilm entscheidend ist oder war (digitale Effekte etc.) dient sie seit jeher immer einem größeren Ganzen: dem Transport der Story und der Steigerung der Wirkung.
Überall dort, wo sich Dinge rasant verändern ist nicht nur die Frage was sich wie verändert überlebenswichtig, sondern auch diejenige danach, was bleibt.
Während die immer kürzer werdende Spanne der Aufmerksamkeit des Konsumenten von Bewegtbild im Internet die Werbewirtschaft in einen selbstverschuldeten Teufelskreis aus Ignoranz, ausbleibender Innovation und mangelnder Leadership zu führen droht, sind im amerikanischen Markt deutliche Aufrufe in eine neue Richtung feststellbar: Cinemagraphs machen sich als Vertreter einer Gegenbewegung auf den Siegeszug. Und 360-Filme, nicht zuletzt dank neuen technischen Mitteln wie der YI HALO 360-Grad-Kamera von Google, lassen die Grenze zwischen den Genre und Bezeichnungen weiter verschmelzen.
Was ist ein Video? Ob Cinemagraph als 10-Sekunden-Loop oder ob eine „echte“ Bewegtbildproduktion mit einer Länge von einigen Minuten: Filme und Videos folgen immer auch dem Grundsatz der Wirkungsäquivalenz.
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