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Apple hat in seiner 40-jährigen Geschichte Höhen und Tiefen erlebt: Der Computer-Pionier stand 1997 sogar vor der Pleite. Unter Steve Jobs wurde Apple nicht nur gerettet, sondern erklomm den Thron.
Zwei Zufallsbegegnungen haben den Lauf der Computergeschichte entscheidend geprägt. Über einen gemeinsamen Freund lernten sich 1971 der Highschool-Schüler Steve Jobs und der fünf Jahre ältere College-Student Steve Wozniak kennen.
Die beiden «Steves» konnten sich für Elektronik begeistern, liebten derbe Spässe und wurden so trotz des Altersunterschieds enge Freunde.
Wozniak, den alle «Woz» nannten, war ein leidenschaftlicher Tüftler, der als technisches Genie unter den vielen anderen jungen Computer-Bastlern im Silicon Valley herausragte.
Jobs fehlte dieses Talent, er hatte aber schon als junger Mann – im Gegensatz zu «Woz» – eine konkrete Vorstellung davon, wie man mit Technologie die Welt verändern und auch Geld verdienen kann.
Auch eher zufällig traf 1977 der Wagniskapitalgeber Mike Markkula die beiden langhaarigen Jungs, die damals in der Garage von Jobs' Eltern in Los Altos ihre ersten Computer zusammenschraubten.
Einige Monate zuvor, am 1. April 1976, hatten Jobs und Wozniak bereits zusammen mit ihrem Bekannten Ronald Wayne die Firma Apple gegründet. Wayne verliess aber schon nach wenigen Wochen das Unternehmen wieder, weil er als Familienvater das persönliche Haftungsrisiko nicht mittragen wollte.
Um aus der Bastler-Nische rauszukommen, brauchte die junge Firma damals unbedingt frisches Geld. Markkula hatte sich mit 32 Jahren quasi schon in den Ruhestand verabschiedet, weil er in den Anfängen der Halbleiter-Industrie früh zu einem Millionen-Vermögen gekommen war. Und während andere Investoren den damals noch ungepflegt auftretenden Steve Jobs mit seinen visionären Geschäftsideen brüsk zurückwiesen, erkannte Markkula das Potenzial sofort.
Lange bevor IBM, Intel und Microsoft das Fundament für ihre Personal Computer legten, hatten Jobs und Wozniak bereits die Vision eines persönlich einsetzbaren Rechners in die Tat umgesetzt. 1978 setzten die Jungunternehmer 7,8 Millionen Dollar um, zwei Jahre später zum Börsengang von Apple war der Umsatz auf 117 Millionen angewachsen.
Um in die erste Liga der US-Unternehmen aufsteigen zu können, warb Jobs 1983 den bekannten Pepsico-Manager John Sculley ab. «Wollen Sie den Rest Ihres Lebens Zuckerwasser verkaufen, oder wollen Sie die Chance ergreifen und die Welt verändern?», lautete die legendäre Frage von Jobs, mit der er letztlich Sculley als Apple-Chef gewinnen konnte.
Doch unter dem «Traum-Duo» Jobs und Sculley lief es bei Apple nicht mehr rund. Die Einführung des Rechners Lisa erwies sich als Fehlschlag – und auch der von Jobs vorangetriebene Macintosh-Computer startete 1984 zunächst schwach. Das Verhältnis zwischen Jobs und Sculley wurde auf dieser Durststrecke zerrüttet.
1985 verliess Apple-Mitbegründer Jobs nach einem Showdown mit Sculley im Verwaltungsrat sein Unternehmen, gründete kurze Zeit später NeXT und kaufte das Trickfilmstudio Pixar.
Nach dem Weggang von Jobs konnte Apple zwar mit dem Mac insbesondere in der Publishing-Industrie einige Erfolge erzielen. Allerdings gelang es Sculley und seinem Team nicht, den Siegeslauf von Microsoft und seines Windows-Systems zu stoppen. Und Neuentwicklungen wie der persönliche digitale Assistent Newton floppten gewaltig.
Nach der Einführung von Windows 95 im August 1995 wurde es für Apple immer enger. Der Marktanteil der Macs war auf einen niedrigen einstelligen Prozentsatz geschrumpft. 1996 verbuchte Apple einen Jahresverlust von einer Milliarde Dollar, der Börsenkurs, der 1991 noch bei 70 Dollar lag, fiel auf 14 Dollar.
Versuche, das veraltete Betriebssystem durch Eigenentwicklungen abzulösen, scheiterten. Apple stand wenige Wochen vor der Pleite: Der damalige Apple-Chef Gilbert Amelio suchte den Ausweg bei Steve Jobs und bot an, seine Firma NeXT samt Betriebssystem zu kaufen und den einst geschassten Apple-Mitgründer als Berater zurückzuholen. Ein Jahr später verdrängte Jobs dann Amelio vom Posten des Apple-Geschäftsführers.
Zu den grossen Merkwürdigkeiten der Computergeschichte gehört, dass Jobs damals ausgerechnet einen Erzfeind, Microsoft-Chef Bill Gates, als Partner gewinnen konnte. Microsoft steckte 1997 nicht nur 150 Millionen Dollar in den notleidenden Konkurrenten, sondern verpflichtete sich auch, das wichtige «Microsoft Office» weiterhin für den Mac zu entwickeln.
Vermutlich wollte sich Gates mit der grosszügigen Geste die Kartellwächter vom Hals halten, die damals die rüden Geschäftsmethoden von Microsoft im «Browserkrieg» gegen Netscape im Visier hatten.
Jobs erneuerte nach seiner Rückkehr zunächst die Computer-Modelle von Apple. Der erste iMac (1998) war bereits konsequent auf das Internet ausgerichtet und fand auch durch sein aussergewöhnliches Design viele Käufer. 2001 krempelte Jobs mit seinem Team dann den Musikmarkt um.
Zwar gab es schon vor dem iPod mobile MP3-Player, doch nirgendwo war es so einfach, tausende Songs für unterwegs in die Tasche zu packen. Die Plattenlabels erkannten schnell, dass der Verkauf der Musik via iTunes eine echte Alternative zu den (in vielen Ländern, aber nicht in der Schweiz) illegalen Downloads bot – auch wenn viele später mit der neuen Vormachtstellung von Apple haderten.
Sein Meisterstück lieferte Jobs im Januar 2007 ab. In San Francisco präsentierte er in einer unvergessenen Keynote das erste iPhone, das die Mobilfunkbranche komplett auf den Kopf stellen sollte. Das iPhone deklassierte Platzhirsche wie Nokia und Blackberry.
Nur Google konnte mit seinem Android-System dagegenhalten und das iPhone bei den Stückzahlen dann sogar weit hinter sich lassen. Apple konnte dies auch durch Patent-Klagen gegen Google-Partner wie Samsung nicht stoppen. Allerdings können die Wettbewerber bis heute vom Umsatz und Gewinn, den Apple mit seinem Smartphone erzielt, nur träumen.
Mit dem iPad unternahm Jobs 2010 – schon schwer gekennzeichnet von einer Krebserkrankung – mit dem iPad seinen letzten Anlauf, einen etablierten Markt aufzumischen. Der Tablet-Computer legte ähnlich wie das iPhone die ersten Quartale ein enormes Wachstumstempo vor. Doch im Gegensatz zum iPhone ging dem iPad nach drei Jahren Gipfelsturm die Puste aus, der Absatz schrumpfte wieder. So ist Apple bis heute vor allem vom Erfolg des iPhones abhängig.
Steve Jobs starb am 5. Oktober 2011 im Kreis seiner Liebsten. Am Tag davor hatte Apple das iPhone 4S präsentiert.
Apple-Chef Tim Cook, der kurz vor dem Tod von Steve Jobs den Chefposten übernahm, hat in seiner Ära bislang andere Akzente gesetzt.
Der 55-jährige Manager mag nicht das charismatische Auftreten von Jobs haben – aber er hat dem Unternehmen seinen Stempel aufgedrückt. Der Konzern achtet mehr auf Umweltaspekte, Datenschutz sowie die Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern, kommuniziert offener als in der Jobs-Ära und schüttet Milliarden Dollar an Aktionäre aus. Zuletzt wagte Cook eine Konfrontation mit der US-Regierung um Verschlüsselung beim iPhone.
Cook hatte zum Start als Apple-Chef einige Skepsis entgegengeschlagen. Denn er war zwar schon zuvor für das Tagesgeschäft zuständig und hatte den Gründer immer wieder mal während der Auszeiten wegen dessen Krebserkrankung vertreten. Aber er galt eben nicht als ein Produkt-Visionär wie sein Vorgänger.
Doch Cook versuchte gar nicht erst, Jobs' Schuhe auszufüllen, sondern überliess viel Verantwortung Chefdesigner Jony Ive und anderen Top-Managern. Spätestens das iPhone 6 bewies, dass Apple auch unter Cook erfolgreiche Geräte bauen kann.
Jobs hatte den früheren Manager der Computerkonzerne IBM und Compaq 1998 zu Apple geholt, das damals ums Überleben kämpfte. Cook griff schnell durch: Er schloss eigene Produktionswerke und setzte auf Auftragsfertiger. Die Lagerbestände liess er von Monaten auf Tage schmelzen und verschlankte die Zulieferkette. Das US-Magazin «Fortune» würdigte Cook seinerzeit als «das Genie hinter Steve».
Privat war über Cook lange so gut wie gar nichts bekannt. Im Herbst 2014 offenbarte er dann seine Homosexualität, als erster Chef eines grossen US-Unternehmens. Der Apple-Chef kündigte ausserdem an, sein Vermögen zu spenden – bis auf Geld für die Ausbildung seines Neffen.
Nach einem bescheidenen Börsenjahr 2015 verlor Apple diesen Februar für einen Tag lang die Position des wertvollsten börsennotierten Unternehmens an die Google-Muttergesellschaft Alphabet – obwohl Apple in einem Quartal mehr Gewinn macht als der gesamte Google-Konzern in einem Jahr.
Ob und wie lange sich Apple an der Spitze behaupten kann, wird vor allem vom Absatzerfolg des iPhones abhängen. Ausserdem muss Apple eine Antwort auf die Frage liefern, ob es fast zehn Jahre nach der Einführung des iPhones noch einmal gelingen kann, einen neuen Markt komplett umzukrempeln, beispielsweise mit einem Apple-Auto.
(dsc/sda/dpa)