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Seit einigen Jahren wächst der Bergbausektor in Tansania rasant. In den Goldregionen Mwanza und Arusha im Norden des Landes wimmelt es von kleinen und mittelgrossen, handwerklich betriebenen Minen. Fast eineinhalb Millionen Menschen sind vom Goldabbau abhängig. Eine staatliche Regulierung dieses Sektors fehlt weitgehend, meist werden die Minen durch Familien oder ungeschulte Verantwortliche informell betrieben. Ergebnis: Veraltete Infrastrukturen, grosse Ungleichheiten und schwierige und gefährliche Arbeitsbedingungen schaden den Arbeitern und der umliegenden Bevölkerung.
Elend der modernen Zeit
Die ersten Opfer dieser fehlenden Regulierung sind die Minenarbeiter, die Frauen und die Kinder. Céline Krebs, Mitglied von SWISSAID Genève, hat vier Minen besucht und ist erschüttert über die «moderne Form der Sklaverei», die sie dort gesehen hat. «Männer lagen erschöpft auf dem nackten Boden, nachdem sie stundenlang in engen und stickigen Gängen nach Gold gegraben hatten, um einige Gramm zu gewinnen.» Etwas weiter weg, am Rande der Minen, kaufen junge Frauen den Minenarbeitern Erzreste ab, die sie mit blossen Händen in riesige, mit Quecksilber gefüllte Gruben tauchen. Eine Gefahr für Gesundheit und Umwelt.
Ein verantwortungsvoller Bergbau ist im Entstehen
Trotz des Ressourcenmangels sind die schlechten Bedingungen im Bergbausektor vermeidbar. Die Nsangano-Goldmine gehört zu den ersten Minen in Tansania, die nach Fair-Trade-Standards betrieben werden. Hier tragen die Arbeiter Arbeitskleidung, Handschuhe und Schutzmasken, die Infrastruktur ist robust, Kinderarbeit verbannt und die Löhne sind besser. SWISSAID will die Entwicklung von verantwortungsbewusst geführten Minen wie Nsangano unterstützen und so zu einem besseren Leben der Menschen in und um die Minen beitragen.
Dies ist Teil eines neuen Projekts von SWISSAID für einen verantwortungsvolleren Bergbau in Tansania. 2017 trafen sich dafür Aktivisten, Experten, Parlamentarier, Mitglieder von Regierung und Zivilgesellschaft und Vertreter der grossen Bergbauunternehmen an zwei Tagungen. Die Teilnehmer einigten sich auf verschiedene grundlegende Reformen. Es wurde auch eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der wichtigsten staatlichen und zivilen Institutionen im Bergbaubereich eingerichtet, welche diese Reformen ausarbeitet, sie der Regierung unterbreitet und ihnen Geltung verschaffen soll.