Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03382.jsonl.gz/721

Die Wirtschaft Landhus an der Baslerstrasse 4 liegt im Zentrum des alten Dorfkerns von Allschwil unmittelbar hinter der Tramhaltestelle auf dem Dorfplatz. Das Fachwerkhaus steht giebelständig zur Strasse und besitzt zwei Geschosse unter einem steilen Satteldach mit westseitigem Aufschiebling und Kniestock. Es ist geschossweise abgebunden konstruiert und besitzt einen liegenden Dachstuhl. Zur Strassenseite hin befindet sich der ehemalige Wohnteil mit der Wirtschaft im Erdgeschoss. Der Ökonomieteil des Hauses, sowie eine grosse und im rechten Winkel dazu stehende Scheune, bilden den rückwärtigen Teil eines Hofraumes, welcher, als Bestandteil typisch für die Sundgauer Hofgruppe, dem Landwirtschaftsbetrieb diente.
Nachdem die Fassaden des Gebäudes jahrzehntelang mit einer dicken Putzschicht versehen waren, um einen reicheren Steinbau vorzutäuschen, kam die Fachwerkkonstruktion des Gebäudes bei der äusseren Instandstellung im Jahr 1955 wieder zum Vorschein. Wie überall in Allschwil finden wir auch hier ausser einem originalen Andreaskreuz an der strassenseitigen Giebelwand nur wenig Zierelemente. Hingegen finden sich im Giebelfeld im Innern des Dachstockes noch zahlreiche Lehmgefache mit dekorativen Rautenornamenten. Zahlreiche im Gebäude verbaute Spolien, wie die im Ostfundament als Konsolsteine eingebauten Gewändeteile mit gotisch gekehlten Rippen samt Rundstab, verweisen auf die ökonomische Zweitverwendung zur Verfügung stehender Materialien. Das schöne Wirtshausschild von 1945 trägt die Initialen des einstigen Besitzers Hans Vogt-Rieder.
Aufgrund einer dendrochronologischen Untersuchung des Hauses konnte festgestellt werden, dass der älteste Gebäudeteil im Jahre 1721 erbaut worden ist. Als ein „Wohnhaus samt zwey Stallungen theils mit Stein theils von Riegel gebauen" ist das Gebäude mit den dazugehörigen Ökonomiebauten im ersten Brandlagerverzeichnis von 1816 eingetragen. Im Jahre 1879 fanden grössere bauliche Veränderungen statt. So wurde der ans Wohnhaus anschliessende Stall und der Raum darüber zu einer Wohnung mit fünf Zimmern, Küche, Keller und separatem Eingang mit Treppenhaus umgebaut - ein Vorgang der typisch ist für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und die damals einsetzende Bevölkerungszunahme. Zur selben Zeit entstand das rückwärtige Waschhaus mit Holzschopf sowie auch das querstehende Ökonomiegebäude, welches hinter dem Landhaus die ganze Parzellenbreite ausfüllt.
Erstmals wird die Wirtschaft in diesem Haus im Brandlagerverzeichnis von 1911 erwähnt, obschon die Weinstube bereits vorher bestand. In den Fünfzigerjahren wurde die „Weinstube" in „Landhus" umbenannt und ist seither als beliebter Treffpunkt aus dem Dorfkern nicht mehr wegzudenken. Das Landhus wird heute durch die Genossenschaft „Freunde des Landhus" als Besitzerin getragen, welche sich den Erhalt des alten Restaurants im traditionellen Sinn und Geist als Gaststätte und Treffpunkt mit typischem Dorfcharakter zugunsten der gesamten Allschwiler Bevölkerung zum Ziele gemacht hat.
Dieser Genossenschaft ist es zu verdanken, dass das Landhus mit seiner intakten Bausubstanz des frühen 18. Jahrhunderts erhalten blieb und als Dorfwirtschaft den Dorfkern damit substanziell und ideell bereichert. Aus diesem Grunde wurde das Landhus auch durch die Schweizerische Stiftung PRO PATRIA finanziell namhaft unterstützt. Die Aufnahme ins Inventar der geschützten Kulturdenkmäler soll nebst dem Ziel von Schutz und Erhalt dieses wertvollen Denkmals auch in dankenswerter Weise das Engagement der Initiantinnen und Initianten der Genossenschaft unterstreichen.