Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/200399

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den medizinischen Fachgesellschaften dafür zu sorgen, dass dem Handlungsbedarf im Bereich der geschlechtsspezifischen Medizin in Diagnose, Indikation, Therapie und Forschung wie auch in der Prävention nachweislich Rechnung getragen wird.</p><p>Die BAG-Analyse "Chancengleichheit und Gesundheit" zeigt in Zahlen die Unterschiede der Krankheitsrisiken nach sozioökonomischen Gegebenheiten wie nach Geschlecht. Sie illustriert den von Fachleuten seit Jahren monierten Handlungsbedarf, in der medizinischen Forschung und Lehre die geschlechtsspezifischen Unterschiede anzugehen und in Diagnose und Therapie zu beachten. Noch werden Medikamente vornehmlich an Männern getestet. In der Folge kommt es zu Fehldosierungen bei Frauen, oder man stellt fest, dass z. B. Aspirin bei Männern dem Herzinfarkt vorbeugen kann, nicht aber bei Frauen. "Im Zeitalter der personalisierten Medizin, wozu Gendermedizin gehört, ist es nicht mehr zu rechtfertigen, dass in der Pharmaforschung die Hälfte der Menschheit ignoriert wird", sagt Prof. C. Gebhard vom Center for Molecular Cardiology des Universitätsspitals Zürich. Würden Wirkung und Risiken von Medikamenten und Verfahren sowohl bei Frauen als auch bei Männern geprüft, liessen sich vermeidbare Gesundheitskosten einsparen; dasselbe gilt für medizinische Richtlinien, die meist auf Studien ohne Probandinnen basieren. Eine evidenzbasierte Medizin hat geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Forschung, aber auch in Diagnose und Therapie Rechnung zu tragen. So führen hormonaktive industrielle Chemikalien bei Frau und Mann zu unterschiedlichen Krankheitsbildern. Die Symptome eines Herzinfarktes können bei Frau und Mann so verschieden sein, dass sie bei Frauen heute oft zu spät erkannt werden und diese darum bei einem Infarkt ein signifikant höheres Todesrisiko haben. Auch in der Vorsorge ist den Unterschiedlichkeiten Rechnung zu tragen. Aufgrund der Meldungen über die Spermienschäden bei der männlichen Bevölkerung plant der Bundesrat zu Recht, mit einem Biomonitoring den möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen. Ein solches wäre schon vor 10 Jahren angezeigt gewesen, als die pharmakologische Forschung auf die hohe Schadstoffbelastung der Muttermilch aufmerksam machte. Vermutlich wüsste man heute einiges mehr auch über mögliche Zusammenhänge, welche für Spermienschäden mitverantwortlich sein könnten.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Ein chancengleiches Gesundheitssystem, welches allen Bevölkerungsgruppen adäquate Leistungen bietet, ist dem Bundesrat ein wichtiges Anliegen. Es gibt Hinweise darauf, dass den geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Medizin nicht ausreichend Rechnung getragen wird. </p><p>Die Kompetenz für die Umsetzung allfälliger Massnahmen liegt jedoch grösstenteils nicht beim Bund, sondern primär in der Verantwortung der medizinischen Fachgesellschaften und der Forschung. Insofern kann der Bundesrat der Motion nicht Folge leisten. Er ist jedoch bereit, einen Bericht zu erarbeiten, der als Grundlage für die Ausarbeitung konkreter Massnahmen mit verschiedenen Akteuren dienen soll. Der Bundesrat beantragt daher das Postulat Fehlmann Rielle 19.3910, "Gesundheit der Frauen. Bessere Berücksichtigung ihrer Eigenheiten", zur Annahme. Im Rahmen der Beantwortung dieses Postulates sollen ebenfalls die Anliegen der vorliegenden Motion aufgenommen werden. </p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.