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Statt Treponemen jetzt Hepatitis C oder: Kollateralschäden früherer Behandlung von Tropenkrankheiten
Zentralafrika hat eine Hepatitis C- Prävalenz von 6% der Erwachsenen. Deutlich höher liegt die Quote in Kamerun mit einer Prävalenz von 13.8% bei Erwachsenen. Regional sind 40-50% der vor 1945 Geborenen HCV- positiv. Eine Studie zeigt die Ursachen auf.
Die Hepatitis C- Prävalenzen in Afrika sind erschreckend. Dabei zeigt Ägypten einen traurigen Rekord: dort sind in einigen Regionen > 35% der vor 1965 Geborenen mit Hepatitis C infiziert. Grund ist, dass die Bevölkerung Mitte des letzten Jahrhunderts im Rahmen von Massenbehandlungen der endemischen Schistosomiasis infiziert wurde. Dabei wurden Nadeln und Spritzen unzureichend aufbereitet (Quelle: Frank et al, Lancet 2000).
Nach Ägypten hat Zentralafrika die höchste Hepatitis C- Prävalenz. 6% der Erwachsenen sind betroffen. Daraus ragt Kamerun heraus: im ganzen Land sind 13.8% der Erwachsenen HCV positiv. In Yaoundé und einigen ländlichen Gegenden im Süden des Landes sind sogar 40-50% der vor 1945 Geborenen betroffen (im Jahr 1960 bzw. nach 1970 Geborene sind "nur noch" zu 15% bzw. 3-4% positiv).
Angesichts dieser regionalen Häufung kam die Frage auf, ob auch hier frühere medizinische Massnahmen (mit) ursächlich gewesen sein könnten. Ein kanadische Studie zeigt, dass die hohen Hepatitis C- Fallzahlen eine zahlenmässige und geographische Übereinstimmung mit der früheren Behandlung von zwei verwandten Treponemen- Erkrankungen aufweisen. Dabei handelt es sich um den Erreger der Frambösie, Treponema pertenue, sowie um den Erreger der Syphilis, Treponema pallidum. In den 30er bis 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden jährlich 3-5% der gesamten Bevölkerung gegen die Frambösie sowie 1-3% gegen die Syphilis behandelt. Dabei wurden verschiedene Medikamente abgegeben, die zumeist intravenös (sonst intramuskulär) injiziert wurden. Ähnlich wie in Ägypten, wurden dabei die hygienischen Massnahmen bei der Behandlung der Nadeln und Spritzen nicht korrekt durchgeführt. Daraus resultierte die Masseninfektion mit Hepatitis C.
Von der Ausbreitung der Hepatitis C ist es gedanklich nicht weit zur Ausbreitung von HIV. Bereits 2001 hatten Drucker et al (Lancet) den Gedanken geäussert, ob es einen Zusammenhang gebe zwischen der Ausbreitung von HIV und medizinischen Interventionen in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Auch die Autoren dieser Studie halten solche Zusammenhänge für möglich.
Noch ein kleiner Exkurs zur Frambösie:
in der Periode insbesondere vor 1965 entwickelte praktisch die gesamte Bevölkerung Kameruns innerhalb weniger Jahre Krankheitszeichen der Frambösie (auf englisch „yaws“, auf französisch „pian“). Diese Erkrankung, die durch direkten Kontakt von Haut zu Haut weitergegeben wird, betrifft die ärmeren Bevölkerungsschichten meist schon in der frühen Kindheit. Dabei zeigt sich als Primäraffekt eine schmerzlose „himbeerartige“ Papel, begleitet von einer regionalen Lymphknotenschwellung. Einige Wochen nach deren Abheilung treten generalisierte Papeln auf. Nach einer jahrelangen Latenz können sich gummaartige Veränderungen an den Knochen bilden und zur Zerstörung von Gelenken führen.
Nach guter Regredienz der Erkrankung nach breitflächigen WHO- Kampagnen nahm die Krankheit nach 1980 massiv ab, scheint aber seit einigen Jahren in Afrika, Lateinamerika und Asien wieder zuzunehmen. Unter Penicillintherapie sind die Heilungsaussichten gut.
Quelle: Pépin et al., 2008