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Aus: Die Jüdische Zeitung - Nr. 6 / 14. Schwat 5777 / 10. Februar 2017
Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann
Entnommen aus dem Sefer ‚Mekorei Hatefilla‘, das vor einigen Jahren von Raw Efrajim Slotnik schlit’a aus Jeruschalajim herausgegeben wurde. Das Sefer erhielt die Haskamot von Raw Eljaschiw sz’l, und von jbl“ch Raw Awraham Hakohen Kook, dem Rosch Jeschiwat Me’or Hatalmud, Rechowot und von Raw David Kohen, dem Rosch Jeschiwat Chewron
Schelo Assani Nochri (Goi)
In der Gemara (Menachot 43b) und in der Tossefta (Berachot 6:18) steht, dass ein Mensch Haschem täglich dafür danken muss, dass Haschem ihn nicht als Nochri (Nichtjude), als Unwissenden und als Frau erschaffen hat.
Es werden drei Erklärungen angegeben, worauf sich das Lob der Beracha «Schelo Assani Nochri (Goi)» bezieht.
Eine Meinung ist, dass man HKB“H für Sein Werk bei der Welterschaffung dankt. Damals hatte HKB“H auch alle Neschamot (Seelen) erschaffen und zeigte Adam Harischon (dem ersten Menschen) alle Generationen und seine Führer, etc.
Andere sind der Meinung, dass wir dafür danken, dass wir für unsere Mühe (der 613 Gebote) einen Lohn erhalten haben, während die anderen Völker für ihre (weltlichen) Mühen keinen Lohn erhalten.
Wieder andere erklären, dass wir HKB“H danken, dass Er uns von allen anderen Völker als ‚Benej Jisrael‘ auserwählt hat und uns Seinem Dienst und Seine Mitzwot nähergebracht hat. Im Arisa’l wird gebracht, dass man damit den Dank dafür ausdrückt, dass unsere Neschama nicht durch die Neschama eines Nochri ausgewechselt wurde.
Nussach
In der Tossefta (Berachot 6:18) wird der Nussach dieser Beracha in negativer Form ‚Schelo Assani Goi‘, wie wir es kennen, gebracht. Die Gemara (Menachot 43b) bringt hingegen den Nussach von ‚Sche’assani Jisrael‘ (der mich als Jehudi erschaffen hat) und so wird es von einigen Posskim gebracht.
Als Grund dafür, dass wir die Beracha in negativer Form sagen, wird in den Achronim gebracht, dass wir dabei den Ausspruch von Chasal (Traktat Ejruwin 13a) in Erinnerung rufen, wonach es für eine Neschama besser gewesen wäre, nicht auf diese Welt kommen zu müssen. Nachdem die Neschama schliesslich dennoch auf diese Welt gekommen ist, sagen wir, besser wäre es gewesen gar nicht erschaffen zu werden, jetzt aber, da ich dennoch erschaffen wurde, danke ich dafür, dass ich nicht als Nochri, etc. erschaffen wurde. Deshalb drücken wir es mit ‚Schelo Assani…‘ – ‚dass Du mich nicht gemacht hast…‘ aus.
Andere erklären, dass man HKB“H nur dafür danken kann, ihn nicht als Nochri beschaffen zu haben. Der Vater des Menschen machte hingegen den nächsten Schritt, ihn ins jüdische Volk zu führen, indem er bei ihm die Brit Mila durchführen liess. Der Mensch hat auch persönlich einen Anteil an seinem ‚Jisrael-Sein‘, weil er das jüdische Gesetz auf sich genommen hat und sich daran hält.
Desweitern bezieht sich der Begriff ‚Jisrael‘ auch eher auf die Zaddikim, während alle Jehudim unter den Begriff von ‚Nicht-Nochri‘ gehen.
Einige, die der Meinung sind, dass ‚Sche’assani Jisrael‘ gesagt werden soll, geben als Grund dafür an, dass es möglich ist, dass man an diesem Tag gar keinen Nochri antreffen wird.
Der Ma’asse Rokeach schreibt, dass diese drei Berachot angeordnet wurden, weil ein Mensch normalerweise täglich mit diesen Leuten in Kontakt kommt und deshalb vermehrt angewiesen werden muss, eine gewissen Abstand zu ihnen zu halten.
‘Goi‘
Einige wundern sich über diejenigen, die ‚Schelo Assani Goi‘ sagen, da dieses Wort mit ‚Volk‘ übersetzt wird und oft auch für das jüdische Volk angewendet wird (rund 60 mal in Tenach). Auch ist es merkwürdig, wenn ein einzelner Mensch dafür dankt, nicht ‚ein Volk‘ zu sein. Einige ändern deshalb den Nussach auf ‚Owdej Kochawim uMasalot‘ (kein Götzendiener zu sein). Andere sind jedoch der Meinung, dass kein Grund für eine Änderung besteht, da wohl die gesamte jüdische Nation auch ‘Goi‘ genannt wird, jedoch nicht eine einzelne Person, hingegen bei den Nichtjuden wird auch ein einzelner ‘Goi‘ genannt.
Wie wird diese Beracha von einer Frau gesagt?
Einige sind der Meinung, dass eine Frau diese Beracha in weiblicher Form ‚Schelo Assani Goja, bzw. Nochrija‘ sprechen soll. Laut dieser Meinung soll diese Beracha von einer Frau jedoch nicht mit Haschems Namen gesagt werden, nachdem in der Gemara kein solcher Nussach erwähnt wird. Raw Wosner sz’l schreibt jedoch, dass eine Frau diese Beracha mit dem gewöhnlichen Nussach spricht, da diese Form, die männliche wie auch die weibliche Form beinhaltet.
Ger Zedek (Konvertit)
Der Rema (Schulchan Aruch 46,4) bringt im Namen des Abudraham, dass ein Ger diese Beracha nicht sagen soll, da sich diese Beracha auf die Erschaffung des Menschen bezieht und der Ger anfänglich nicht als Jehudi erschaffen wurde. Der Ba’er Hetew (46,8) bringt jedoch, dass auch ein Ger dafür danken kann, dass er das Verdienst hatte, kein Nichtjude geblieben zu sein. Es werden auch verschiedene andere Nusscha’ot für einen Ger gebracht, wie zum Beispiel ‚Sche’hichnissani Tachat Kanfej HaSchechina‘.
Wann werden diese drei Berachot gesagt?
Es gibt zwei Meinungen darüber, an welcher Stelle diese drei Berachot gesagt werden. Laut einer Meinung gehören sie unmittelbar nach die Beracha ‚Ascher Natan Lassechwi‘, da die Reihenfolge bei der Erschaffung des Menschen so ist und man bei diesen Berachot auch wie bei der ersten Beracha (bei der für die Weisheit gedankt wird) den Dank über die Weisheit der Tora, die wir erhalten haben, zum Ausdruck bringt. Andere sagen diese Beracha hingegen erst vor der letzten Beracha ‚Hama’awir Schjina…‘
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