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Die COVID-19-Stundung steht jeder Einzelunternehmung, Personengesellschaft und juristischen Person offen, wenn sie Ende 2019 nicht überschuldet war oder wenn heute Rangrücktritte im Sinne von Artikel 725 Absatz 2 OR im vollem Umfang der damaligen Überschuldung vorliegen. Publikumsgesellschaften und grosse Unternehmen können dagegen keine COVID-19-Stundung beantragen, ihnen steht ausschliesslich die Nachlassstundung zur Verfügung.
Anders als die Nachlassstundung schliesst die COVID-19-Stundung nicht aus, dass der Schuldner ein Darlehen nach der COVID-19-Solidarbürgschaftsverordnung aufnimmt.
Um insbesondere das Gericht davon zu überzeugen, dass er am 31. Dezember 2019 nicht überschuldet war, hat der Schuldner diejenigen Unterlagen, die er verfügbar machen kann, beim Nachlassgericht einzureichen. In der Regel werden dies eine Bilanz und die Erfolgsrechnung für das Jahr 2019 sein. Diese können provisorisch sein und müssen nicht revidiert sein. Verfügt der Schuldner (noch) nicht über diese Unterlagen, steht ihm die COVID-19-Stundung dennoch grundsätzlich offen. Er muss in diesem Fall dem Gericht anderweitig seine Vermögenslage darlegen. Ist der Schuldner überschuldet, aber liegen heute im Umfang der Überschuldung Rangrücktritte i.S.v. Art. 725 Absatz 2 OR vor, so muss der Schuldner dem Nachlassgericht diese darlegen.
Anders als bei der Nachlassstundung ist bei der COVID-19-Stundung grundsätzlich auf die Bestellung eines Sachwalters zu verzichten. Nur in qualifizierten Fällen, etwa bei grossen Unternehmen oder bei komplizierten Verhältnissen, ist ein Sachwalter zu bestellen. Auf diese Weise werden der Natur der COVID-19-Stundung als Massengeschäft Rechnung getragen und der administrative Aufwand für alle Beteiligten sowie die Kosten gering gehalten.
Der Stundung unterliegen nur diejenigen Forderungen, die vor der Stundung entstanden sind. Nach der Stundung entstandene Forderungen sind dagegen nicht erfasst. Dies erlaubt es dem Schuldner, seinen Geschäftsbetrieb nach Bewilligung der Stundung weiterzuführen. Ausgenommen von der Stundung sind die Forderungen der ersten Klasse (Art. 219 Abs. 4 SchKG). Damit werden insbesondere Lohn- und Alimentenforderungen von der Stundung ausgenommen. Diese Forderungen sollen jedoch nicht auf dem Weg der Konkursbetreibung, sondern nur über eine Betreibung auf Pfändung oder auf Pfandverwertung fortgesetzt werden können. Der Schuldner muss seine Gläubiger aktiv über die Stundung sowie deren Verlängerung in Kenntnis setzen. Damit werden insbesondere unnötige Betreibungen von Gläubigern vermieden, welche die Publikation der Stundung nicht mitbekommen haben.