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In London kümmert sich Ronnie, 35-jährig, um benachteiligte Kinder. In seinem Heimatland Uganda hat er sich aber ursprünglich zum Bauingenieur ausbilden lassen.
Ronnie wurde mit neun Jahren ins Patenschaftsprogramm von Compassion aufgenommen. Eines Tages fragte seine Patin aus den USA in ihrem Brief: „Welchen Beruf möchtest du einmal lernen, wenn du gross bist?“
Gegenüber des Slums von Kampala, wo Ronnie lebte, sah er manchmal schick gekleidete junge Männer in ein Gebäude gehen, über dessen Eingang ein Schild hing: School of Engineering. So antwortete er seiner Patin: „Ich will Ingenieur werden“, ohne genau zu wissen, was dieser Beruf beinhaltet. Was Ronnie nicht wusste: Seine Patin nahm diese Antwort sehr ernst. Sie betete ab jetzt jeden Tag dafür, dass sich Ronnies Traum erfüllen möge, und ermutigte ihn in ihren Briefen, daran festzuhalten und hart zu arbeiten.
Von der Schule nach Hause geschickt
Nichts sprach dafür, dass Ronnie, das älteste von sechs Geschwistern, sich diesen Berufswunsch erfüllen könnte. Er wuchs nämlich in einer sehr armen Familie auf. „Zu essen gab es nicht jeden Tag. Und auch unser Schulgeld konnten die Eltern nicht regelmässig bezahlen.“
Ronnie ging einfach dann zur Schule, wenn der Vater das Schulgeld hatte bezahlen können. „In regelmässigen Abständen ging der Direktor der Schule durch alle Schulzimmer. Er rief einige von uns Kindern namentlich auf und schickte uns nach Hause, wenn unsere Eltern das Schulgeld nicht bezahlt hatten.“
Der Direktor aber hatte gute Neuigkeiten. Nie wieder würden sie den Unterricht wegen fehlender Schulgelder verpassen. In der Nachbarschaft war ein Compassion Kinderzentrum eröffnet worden. Sie würden Patenkinder werden und eine Schuluniform erhalten.
„Durch die Patenschaft habe ich ein Paar Schuhe bekommen, zum ersten Mal in meinem Leben. Da war ich neun Jahre alt. Ich zog sie nur an, wenn schönes Wetter war. Wenn es regnete, ging ich weiterhin barfuss, aus Angst, sie könnten schmutzig werden.“ Im Kinderzentrum konnte Ronnie sich auch jedes Mal richtig sattessen und bekam ausserdem Lebensmittel für zuhause.
Trotz dieser unverhofften Unterstützung für Ronnie und seine Familie wurde seinem Vater plötzlich alles zu viel. Die Scham, nicht für die Seinen sorgen zu können, nagte an ihm, und er verliess die Familie. So wurde Ronnie mit zwölf Jahren zum „Mann im Haus“.
„In dieser schwierigen Zeit hat Compassion auch meinen Bruder ins Patenschaftsprogramm aufgenommen. Wir wurden wirklich umfassend betreut und begleitet, sozial, materiell und spirituell. Dank der Hilfe durch Compassion hatten wir nun immer zu essen. Dafür bin ich dankbar“, sagt Ronnie.
Heute ist Ronnie mit einer Uganderin von Kampala verheiratet und hat eine Familie gegründet. Er hat aber nie vergessen, woher er kommt.
Er gibt etwas weiter durch seine soziale Arbeit.
Ausserdem ist er heute selber Pate von zwei Kindern. Wenn er ihnen Briefe schreibt, erinnert er sich zurück an die Briefe seiner Patin und was sie für ihn bedeutet haben. Er weiss, wie kraftvoll Worte sind und wie sie ein Kind beeinflussen können, dessen Horizont die Abfallberge eines Slums sind. Er hat die Seiten gewechselt. „Als ich die Fotos der Kinder auf den Dossiers sah, verstand ich plötzlich, dass MEIN Name und Bild einmal auf so einem Dossier standen!“