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Das kleine Dorf Karang befindet sich auf 4000 Metern, hoch oben im Himalayagebirge. Erreichbar ist es nur mit einem kleinen Flugzeug und einem zehntägigen Fussmarsch. Ein schmaler Weg führt entlang hoher Felswände und über steile Berghänge an einer Passhöhe vorbei. Hier in Dolpa, einem Grenzgebiet in Nepal, leben viele Tibeter. So auch Pemas Eltern.
Fünf Geschwister über die Kontinente verteilt
Der 19-jährige Pema wohnt nicht mehr bei ihnen. Krankheit und Armut zwangen die Bergleute, ihre Kinder früh wegzugeben. Der Junge und zwei seiner Schwestern landeten im Kinderheim von Katmandu. Sumchog, eine weitere Schwester, wurde von Holländern adoptiert, eine andere von Amerikanern. Nur die fünfte Schwester lebt im Nachbardorf von Karang in einer arrangierten Ehe mit einem Bauern. Pema wohnt mittlerweile bei Sumchog und ihren Adoptiveltern in Holland. Dort geht er auf die Hotelfachschule. Nun besuchen Pema und Sumchong mit Dolma, die in den USA lebt, ihre Eltern in Nepal.
Pemas Eltern, ein tibetischer Heiler und seine Frau, wollen, dass ihr Sohn zurück ins Dorf kommt und heiratet. Der beschwerliche Alltag ist zu viel geworden für die gealterten Eltern. Die Mutter muss die Felder alleine bewirtschaften. Als einziger Stammhalter soll Pema das weitläufige Stück Land erben, das in seiner Familie über Generationen weitergegeben wurde. Zusammen mit einer zukünftigen Frau soll er die Mutter bei ihren Arbeiten unterstützen.
Stille Beobachterin
Die Regisseurin Simonka de Jong hat Pemas Reise als stille Beobachterin filmisch begleitet. Ihr Porträt wurde dieses Jahr am Internationalen Dokumentarfilmfestival in Amsterdam für den besten holländischen Dokumentarfilm nominiert. Im Film spricht sich Pema in der Ich-Form über seine Gedanken und Gefühle aus.
Für den Teenager ist der Besuch ein schwieriger Schritt. Eine grosse Last ruht auf seinen Schultern: «Ich weiss, dass ich meinen Eltern diese Woche die Wahrheit sagen muss.» Denn Pema will nicht zurück. Er möchte sich in Holland seinen Traum verwirklichen und Fotograf werden. Doch wie soll er das seinen Eltern beibringen – ihnen, die nichts anderes als das Leben im kleinen Bergdorf kennen?
Generationenkonflikt und Clash der Kulturen
De Jong porträtiert nicht bloss die Ablösung eines Jungen von seinen Eltern. Auch zeigt sie die Folgen, die sich aus Globalisierung und Migration ergeben können. Es sind lang bewahrte Traditionen, Bräuche und unterschiedliche Wertvorstellungen, die in ihrer Dokumentation aufeinanderprallen. Pema ist weder vertraut mit den Sitten und Gebräuchen seines Heimatdorfes, noch kann er sich ein Leben abseits der Zivilisation vorstellen. Zu fest hat er sich an seine neue Heimat gewöhnt.
Was für die Eltern Inhalt ihres Lebens darstellt, gleicht in Pemas Augen einem Sargdeckel: «Ich habe keine Bücher, keinen Computer, kein Papier. Ich wäre wie tot», sagt er.
Innere Abgründe vor der weiten Kulisse des Himalaya
In den gezeigten Auseinandersetzungen mit den Eltern kommt auch der Stellenwert, den ein männlicher Nachkomme in ihrer Kultur innehat, zum Ausdruck: «Du bist unser einziger Sohn und deshalb das wichtigste von allen Kindern», sagt der Vater, während Pemas Mutter weiter Druck erzeugt: «Du wirst Schande über uns bringen, wenn du unsere Wünsche missachtest.»
Die Spannung des Films wird nicht durch den Kontrast zwischen den beiden Welten aufgebaut, in denen der Sohn lebt. De Jongs Fokus bleibt auf dem Leben in der idyllischen und überwältigenden, weiten Landschaft der Himalayaregion. Pemas Leben in Holland spart die Regisseurin gänzlich aus. Vielmehr steht die friedliche und unendliche Weite der Landschaft im Gegensatz zur inneren Zerrissenheit des Sohnes und seinen Schuldgefühlen. Ein Ausweg aus der Situation scheint kaum sichtbar, weder geographisch noch emotional.