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Impfung: Haben Sie Ihr Billet?
Ungefähr 5% der Fahrgäste, die öffentliche Verkehrsmittel benutzen, reisen ohne gültiges Billet. Diese Leute setzen sich in Züge und Busse, reisen wie die anderen und erreichen ihr Ziel, ohne zu bezahlen. Manchmal erwischt man sie und belegt sie mit einer Geldbusse, manchmal nicht. Glücklicherweise bezahlen 95% der Fahrgäste ihr Billet und tragen so zur Deckung der Lohnkosten des Fahrers und der Unterhaltung der Fahrzeugflotte bei. Auf diese Weise kann die Dienstleistung garantiert werden. Solange der Prozentsatz der Zahler hoch genug ist, fahren die Verkehrsmittel weiterhin normal. Steigt jedoch der Anteil der Personen, die nicht bezahlen, werden die Einnahmen aus den Billets nach einiger Zeit nicht mehr ausreichen, um die Kosten zu decken, und das Beförderungsunternehmen muss seine Pforten schliessen und kann seine für alle nützliche Dienstleistung nicht mehr anbieten.
Der Bevölkerungsschutz einer Impfung funktioniert nach dem gleichen einfachen Prinzip. Wie bei den Fahrscheinen gilt auch hier: Wenn 95% der Bevölkerung geimpft sind, profitieren die nicht geimpften Personen ebenfalls von einem Schutz vor bestimmten Infektionskrankheiten. Dies hat einen einfachen Grund: Mit einer so hohen Zahl von geimpften Personen hat der Krankheitserreger kein ausreichendes Reservoir, um sich zu vermehren und sich auszubreiten. Seine Ausbreitung wird folglich blockiert. Dieses Phänomen wird «Herdenimmunität» genannt.
Herdenimmunität
Die Herdenimmunität bietet zwei interessante Aspekte. Der erste ist der Schutz der Schwächsten. Es gibt Personen in der Bevölkerung, die aus verschiedenen Gründen ein schwaches Immunsystem haben oder nicht geimpft werden können: Sie sind deshalb anfälliger für Krankheitserreger als andere. Babys sind ebenfalls anfälliger, denn ihr Immunsystem muss sich noch entwickeln. Vollständige Impfungen, die den besten Schutz bieten, werden dagegen erst etwa im Alter von 2 Jahren erreicht. Wenn Babys und Personen mit geschwächtem Immunsystem jedoch von geimpften Personen umgeben sind, werden sie dank der Impfung der anderen Personen geschützt. Mit anderen Worten: Denen, die nicht zahlen können, bieten wir das Busticket kostenlos an.
Der zweite Vorteil ist die Ausrottung der Infektionskrankheiten. Wenn die Durchimpfungsrate 95% erreicht, verschwindet das Virus oder das Bakterium, weil es sich nicht ausbreiten kann. Konkretes Beispiel: Die Durchimpfungsrate gegen Masern (zwei Impfdosen) bei Erwachsenen hat 2012 in der Schweiz 77% betragen. Das es zu viele «Nichtzahler» im öffentlichen Verkehrssystem gegeben hat, konnten die Vorteile der Durchimpfungsrate nicht auf alle ausgeweitet werden. Deshalb erkranken Erwachsene und Kinder (die noch nicht gegen Masern geimpft sind) weiterhin und die Krankheit breitet sich weiter aus. Man darf nicht vergessen, dass Masern noch immer die Ursache zahlreicher Todesfälle weltweit sind. Während vor der Einführung der Masern-Impfung fast 90 Millionen Menschen an den Folgen dieser Krankheit starben, konnte diese Zahl durch die Impfung auf 2,6 Millionen gesenkt werden. Die Durchimpfungsrate und die Herdenimmunität waren entscheidend für diesen starken Rückgang. Heute sind Masern relativ selten oder in einigen Ländern, wie Finnland, Slowenien oder Ungarn, sogar verschwunden. Diese Länder führen nationale Impfkampagnen durch und haben eine Durchimpfungsrate von 95% in der Bevölkerung überschritten.
Masern beseitigen?
Die Schweiz – ebenso wie die Länder der EU – verfolgt eine ähnliche Strategie: Sie will die Masern im Land vollständig beseitigen. Im Jahr 2018 ist die Durchimpfungsrate (zwei Impfdosen) bei Jugendlichen im Alter von 16 Jahren auf 93% gestiegen. Es besteht die Hoffnung, dass sie in den kommenden Jahren 95% erreichen wird. Menschen, die an Masern leiden, werden der Vergangenheit angehören, und Busse und Bahnen werden weiterhin für alle fahren. Auch für die Schwächsten, die dank des Schutzes und der Solidarität der anderen mitfahren können.