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Er ist schlecht gealtert, der Santo Cura de Ars, mit bürgerlichem Namen Jean-Marie Vianney. Das Andenklima hat seine Spuren hinterlassen. Überwachsen, ausgehölt und verwittert steht er in einer Ecke und wartet auf den Abtransport. Als eine von vielen Statuten auf den Spitzen und Erkern der mächtigen Betonkathedrale von Manizales wird er ausgetauscht. Er wird durch die Heilige Agnes ersetzt, die hier Inés heisst. Nicht eine Frauenquote ist der Grund, sondern die Restauration hin zum ursprünglichen Aussehen der Kirche. Inés war zuerst da.
Die Catedral Basílica Metropolitana Nuestra Señora del Rosario de Manizales wurde 1939 nach Plänen europäischer Architekten fertig gestellt, bietet 5000 Menschen Platz und ist mit 106 Metern die höchste Kirche Kolumbiens. Sie geniesst den Status als nationales Monument. Das bringt Ruhm, Geld – und unbeliebte Auflagen aus der Hauptstadt.
Noch sieht sie aus wie Dr. Jekyll and Mr. Hyde, eine Seite weiss und schön, die andere bemoost und finster. Tag für Tag seilen sich Arbeiter an neuen Orten ab, putzen die Fassade mit Hochdruckreinigern, entfernen Vegetation, armieren, betonieren und bohren Löcher für ein besseres System von Regenwasserrinnen. Noch diese Woche ist der „Corredor Polaco“, der Aufgang zur Turmspitze, zu. Im Café Tazzioli wird der Betrieb derweilen mit einem Unterbruch von nur drei Tagen trotz wiederholten Strom- und Wasserausfällen tapfer aufrecht erhalten.
Alle freuen sich auf die nächste Restaurationsetappe: Die Glasfenster. Endlich wieder Ruhe…