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Freunde
Liebe Freunde, es freut mich ausserordentlich, auf dieser Seite Beiträge und Bilder -verfasst von Thonetfreunden und Bugholzkennern- präsentieren zu dürfen! Doch vorab eine kleine Biografie über Michael Thonet:
KURZBIOGRAFIE zu THONET:
Michael Thonet (1796-1871) absolvierte eine Lehre als Kunsttischler und gründete mit 23 Jahren seine eigene Möbeltischlerei in Boppard am Rhein. Mit 34 gelang es ihm, Möbelteile aus verleimten Furnierstreifen herzustellen. Wer oder was ihn zu dieser Inspiration verholfen haben mag, ist unbekannt. Die Idee begünstigte eine rationalere Herstellung beispielsweise immer gleicher, zunächst noch 2-dimensionaler Formenteile, welche er auf Holzformen bog und diese einige Tage trocknen liess. Die nun entstandenen flexiblen Teile waren wesentlich stabiler als gesägte Stuhlteile und man konnte dadurch erst noch sehr viel Holzabfall ersparen. Diese neue Technik eröffnete ausserdem plötzlich viele Möglichkeiten, den Möbeln gestalterisch neue Formengebungen zu verleihen. Dies geschah allerdings zunächst -wie auf dem Bild zu sehen ist- in der Gestaltung des bekannten Biedermeier-Stils. Schliesslich fertigte Thonet ganze Stühle in dieser Technik an und erwirkte Patente in England, Frankreich, Belgien und Österreich. Doch in Boppard am Rhein hatte Thonet mit seiner Erfindung und seinen Ideen kein Glück und geriet sogar dadurch in finanzielle Schwierigkeiten. An einer Möbelausstellung im am Rhein gegenüberliegenden Städtchen Koblenz, wo Thonet teilnahm, kommt die segenreiche Wendung, denn dort lernte Thonet den österreichischen Staatskanzler und Fürsten von Metternich kennen, der die Messe auch besuchte und auf dessen Rat hin Thonet 1841 mit Kutsche und Pferd und etlichen Möbelerzeugnissen nach Richtung Wien abreiste. Der Grund dafür ist sehr umstritten, denn Metternich war durch und durch ein Kriegsherr und hatte wohl eher wenig Interesse an einem Messestand mit ein paar gebogenen Möbeln im Biedermeierstil. Wie es zu dem Kontakt kam und was Thonet mit Metternich dort abgesprochen hatte, ist bis heute nicht geklärt oder nachgewiesen, aber es gibt natürlich Thesen. Jedenfalls genoss Thonet -in Wien angekommen- durch die Protektion Metternichs auch gleich noch jegliche Gewerbefreiheit auf seine Arbeiten. Kurz darauf übersiedelte die restliche Familie Thonet von Boppard nach Wien. Thonet war mittlerweile 45 jährig, der jüngste der 5 Söhne, Jacob, war damals erst einige Monate alt. Thonet arbeitete zunächst als Subunternehmer für Tischler oder Parkettenhersteller, entwickelte und verfeinerte aber seine Möbelidee nebenher ununterbrochen, allerdings immer noch im kantigen Biedermeierstil. Entscheidende Impulse erhielt Thonet wohl durch den englischen Architekten Hubert Desvignes, welcher 1843-46 in Wien das Palais Lichtenstein umbaute und Thonet mit der Ausführung einfacher Laufsessel aus Holz in einfachen Kurvenformen sub-beauftragte, denn Thonet hatte dort auch mit Parkettenarbeiten bereits als Subunternehmer zu tun. Ob Desvignes mit seinen Ideen Thonet beflügelt haben könnte, von den Biedermeierformen auf die Fertigung von dreiminensionalen leichten und gebogenenen Stühlen zu kommen, ist zu vermuten, bleibt aber im Dunkeln. Für das Palais entstanden jedenfalls erstmals wunderbare feine solche gebogenen Sessel. 1850 erhielt Thonet den Auftrag, das Kaffeehaus Daum in Wien mit seinen Sesseln Nr. 4 auszustatten. Weitere Folgeaufträge als mittlerweile wieder selbständiger Unternehmer folgten Schlag auf Schlag. Die Firma wuchs rasant, die laufend verfeinerte Schichtholztechnik, die Biegeverfahren und die Ausreifung formenschöner, leichter und eleganter Stühle trug dies dazu bei. 1853 übertrug der mittlerweile 57 jährige Michael Thonet sein Geschäft seinen 5 Söhnen, die Firma Gebrüder Thonet entstand. Selbstverständlich arbeitete Thonet im Hintergund weiter eifrig mit. In einer Chronik heisst es, dass Besucher den älteren Mann fragten, ob und wo Herr Thonet zu sprechen sei, worauf dieser sagte "dahinten sind meine Söhne, fragt die!" 1859 entwickelte die Firma Thonet den Stuhl Nr. 14 aus komplett massivgebogenem Buchenholz, erfolgreichstes Sitzmöbel aller Zeiten. Thonet brauchte also beinahe 30 Jahre, um aus Schichtholzmöbeln massivgebogene kurvenreiche und massenserientaugliche Möbel zu fertigen. "Auf Biegen oder Brechen" ist heute noch ein bekannter Ausspruch und zeigt sehr deutlich auf, wie revolutionär diese Enwicklung war. Auch für diese neuartige Technik des Massivholzbiegens liess Thonet natürlich Patente registrieren. Der Stuhl Nr.14, bestehend aus nur 6 miteinander verschraubten Teilen wurde bald in Millionenstückzahlen produziert. Thonet erhielt im Laufe dieser Entwicklungsjahrzehnte Unmengen von Auszeichnungen. An der Weltausstellung in Paris 1867 sogar die höchste Auszeichnung in diesem Genre. Nur wenige Jahre später beschäftigten die Thonets 4500 Arbeiter in ihren Fabriken. Täglich wurden bis zu 2000 Möbelstücke fabriziert. Man stelle sich diese Logistik vor, die Möbelerzeugnisse wurden bereits weltweit vertrieben, es entstanden Verkaufsfilialen in allen Grossstadtmetropolen an bester Lage, die sehr sozial eingestellte Firma baute sogar unter anderem Sozialversicherungen für ihre Mitarbeiter in den Fabriken um Wien auf, eigene Betriebsfeuerwehren oder Krankenhäuser etc. Vor allem der erste Weltkrieg rüttelte am Imperium Thonet, Österreich verlor den Krieg, es kam zu Fusionen kleinerer und mittlerer Bugholzunternehmen, welcher der triebkräftige Unternehmer Leopold Pilzer vorantrieb (auch Thonet kam später dazu), aber auch zu Fabrikauflösungen und schliesslich in den Kriegswehen zur Teilung Thonet Deutschland (Frankenberg) und Thonet Wien (Vienna). Die Firma Thonet in D-Frankenberg existiert heute noch und produziert eine ansehnliche Palette an Möbeln, unter anderem auch das klassische Stuhlmodell Nummer 14 und die Stahlrohrklassiker der 20er Jahre. Der Erfinder selbst, Michael Thonet Senior, hatte übrigens nie mehr einen Fuss in seine Heimatstadt Boppard gesetzt (die Söhne vereinzelt schon und liessen dort ansehnliche Villen errichten). Thonet starb im Kreise seiner Familie und engsten Mitarbeitern in Wien 1871.
HEINZ KÄHNE
Niemand kann uns die Spuren Michael Thonets besser aufzeigen, als der passionierte Thonetsammler und Kenner Heinz Kähne aus Boppard. Er erzählt auf spannendste Weise und wie kein anderer, wie und wo Thonet in seiner Heimatstätte Boppard einst gelebt hat. Im Bild Heinz Kähne (auf einem Thonet-Raucherstuhl) vor einer Darstellung der Stadt Boppard um 1900.
Das Anwesen links vorne im Bild zeigt die Villa von Michael Thonet JUNIOR, der nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Firmenleitung von Wien in seine Heimatstadt nach Boppard zurückgekehrt ist und im Rheinbogen (Ortsausgang Richtung Koblenz) 1882/84 ein prachtvolles Schlösschen errichten liess. Die Grundsteinlegung erfolgte am Samstag, 02. September 1882. Durch zwei grosse Hochwasser im gleichen Jahr wurde das Haus erst 1884 bezugsfertig. Der Abriss erfolgte im Jahr 1935.
Heinz Kähne ist der Faszination gebogener Möbel etwa 1994 erlegen. Nach ersten Fundstücken auf dem Flohmarkt hat er eine kleine Bugholzmöbel-Sammlung zusammengetragen. Heinz Kähne restauriert seine Möbel selbst. Zudem kümmert er sich um das Aufstöbern und Auswerten von Dokumenten zum Thema. Sein 1999 erschienenes Taschenbuch „Thonet. Bugholz-Klassiker“ ist mittlerweile längst vergriffen. Es folgte die Publikation eines Museumsführers durch die Thonet-Abteilung des Museums in Boppard und weitere Aufsätze.
Aktuell hat Heinz Kähne ein weiteres Taschenbuch mit dem Titel „Die Thonets in Boppard“ im Sutton-Verlag auf den Markt gebracht. Erstmals wird hier explizit die Familien-geschichte der Thonets aus regional-geschichtlichem Blickwinkel vorgestellt. Das Buch will informieren und unterhalten und ist daher in einer gut lesbaren Sprache abgefasst. Zahlreiche Dokumente – wie eine unglückliche Liebes-geschichte um Thonets Sohn Michael junior – werden hier erstmals der Öffentlichkeit bekanntgemacht und so erfahren auch etablierte Kenner in diesem Buch eine ganze Menge Neuigkeiten aus dem Familienleben der Thonets.
Heinz Kähne bietet auch Führungen durch die Thonet-Abteilung des Bopparder Museums an. Kontakt: <email-pii>
PETER ELLENBERG D - KLÜTZ / OSTSEE
Es ist mir eine grosse Ehre, Peter Ellenberg für meine Seite "Freunde" gewinnen zu dürfen. Er ist für uns Thonetologen, Historiker, Forscher, Sammler und Thonet-Freunde allgemein, die wohl meist gefragte Persönlichkeit und "Kapazität" schlecht hin. Vielen Dank Peter an dieser Stelle für Deine interessanten und zahlreichen Hinweise zu Thonet-Fragen.
Es begann alles mit der Suche nach einem Stuhl, der zu meinem antiken englischen Sekretär passen sollte, ohne so dominant zu sein, dass das alte Stück dahinter verschwindet. Nach langer Suche fand ich einen genial konstruierten, schlichten und bequemen Sessel, der ideal für diesen Zweck erschien. Es war der "Corbusier" von Thonet, dort als Modell B 9 bezeichnet. Der Zustand allerdings war "ruinös", eine komplette Restaurierung dringend erforderlich. Nachdem mir als gelerntem Holzwurm dies bestens gelungen ist, war das Feuer entfacht, das Interesse an Thonet Möbeln nicht mehr zu bremsen. Das war 1978. Von da an war kein Weg zu weit, um auf Flohmärkten in Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz nach Schätzen zu suchen. Je schlechter der Zustand, um so größer der Ehrgeiz, "daraus wieder was zu machen". Auf diese Weise entstand in annähernd 25 Jahren die wohl umfassendste und interessanteste Thonet–Sammlung, beginnend mit dem "Bopparder Stuhl", bis zu den Modellen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Sie steht heute in der "Pinakothek der Moderne", dem 2002 eröffneten Design – Museum in München.
Viele meiner Erkenntnisse und praktischen Erfahrungen habe ich publizieren können, Vieles harrt noch der Bearbeitung. Mit dem Buch "THONET MÖBEL Ein Handbuch für Liebhaber und Sammler" ist meinem Mitautor Albrecht Bangert und mir 1993 das gelungen, was wir nicht zu hoffen wagten: es besitzt fast jeder Sammler und Händler, ein wirkliches Handbuch also.
Nach wie vor bin ich ein begeisterter Thonet – Sammler, jedoch weniger der Möbel, sondern besonders aller gedruckten Sachen, die meine Forschungen voranbringen können: historische Berichte, Fotos, Kataloge, Anzeigen und dergleichen. Dies nicht nur von Thonet, sondern von und über alle Firmen, die sich je mit Bugholzmöbeln befasst haben.
Auch bin ich gern bereit, meine Erfahrungen und Erkenntnisse an Interessierte weiter zu geben.
Kontakt:
Peter Ellenberg, D – 23948 Klütz-Grundshagen, Dorfstrasse 23, Tel: 038825 24303, Fax: 37495 e-Mail: <email-pii>
JULIO VIVES CHILLIDA / BARCELONA
Julio Vives Chillida, mein Freund aus Barcelona, passionierter Bugholzkenner, Restaurator und Buchautor.
e-mail: <email-pii>
ULRICH FRIES / D-BERLIN
Ulrich Fries finden Sie an der Bleibtreustrasse 53 in 10623 Berlin. Er sammelt Bugholzstühle seit 1967 und kennt sich mit der Geschichte Thonets aus, wie kaum ein anderer. Ulrich Fries denkt aber weit über den Rahmen hinaus. Die Einzigartigkeit seiner Philosophie und Denkweise über die Möbel aus an Dampf gebogenem Holz kann man nicht beschreiben. Ulrich Fries muss man persönlich kennengelernt haben, um einen ganz anderen Blickwinkel zur Thonetgeschichte zu erhalten. Vielen Dank an dieser Stelle, Ulrich! Und einen lieben Gruss nach Berlin. Adresse: Ulrich Fries, Bleibtreustrasse 53, 10623 Berlin, Telefon 0049 30 313 46 05, 12 - 18.30 Uhr, e-mail: <email-pii>
www.thonetantik.de
"Thonet und ... Re-Design, Gedanken zum Ausschuss-Problem in der Bugholzindustrie", geschrieben von Ulrich Fries anlässlich des Thonetologenforums in Klütz 2003. Herausragendes hochinteressantes und humorvolles Heft in der sonst sehr einschlägigen Fachliteratur.
Im Jahr 2000 fing ich bei Ulrich Fries, Thonet-Antik, als Restaurator an zu arbeiten.
Mich faszinierte sofort die spannende Geschichte der Bugholzmöbel-Industrie.
Ich blieb dabei und habe seitdem unzählige Möbel restauriert.
Seit April 2016 führe ich meinen eigenen Laden unter dem Namen
Biegen-oder-Brechen
in Berlin.
Ich freue mich über Ihren Besuch!
Nils Ahner
Bleibtreustrasse 53
D-10623 Berlin
Tel.: 0049 30 313 46 05
Mo-Fr : 12.00-18.30
Sa : 11.00-14.00
DIETER STAEDELI / CH-BASEL
Thonetsammler und Bugholz-Restaurator seit 1991. 1998 habe ich Studien über Möbelinserate aus Schweizer Zeitungen des 19.Jh verfasst. Sie beinhalten zahlreiche Dokumente mit historischen Möbel-Abbildungen, Schwerpunkt "Möbel aus gebogenem Holz" und "Möbel aus gebogenen Eisenstäben". Fachvortrag über "Neyger-Möbel" am Thonet-Tag in Boppard im Juni 2005. Bis Ende Jahr 2012 habe ich schätzungsweise 2'500 Stühle restauriert.
Über Hinweise oder Kennzeichen der angeblich aus Wien stammenden sogenannten "Neyger Möbel" (Josef Neyger) bin ich äusserst interessiert. Bitte rufen Sie mich an unter 0041 61 273 13 51 oder schreiben Sie eine e-mail an <email-pii> . Eine Vielzahl dieser aufwändig getischlerten und im Schichtholzverfahren verleimten Möbelgattungen wurde in der Schweiz, ja sogar in Basel gefunden.