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Es ist die unendliche Geschichte. Manche würden sagen das Fass ohne Boden. Bereits 2007 versuchte der italienische Staat, die nationale Airline Alitalia abzustossen, also privaten Investoren zu übergeben. Interessenten gab es genügend. Ein Übernahmeangebot von Air France-KLM scheiterte aber am inneritalienischen Widerstand über den «Ausverkauf der Heimat». Daraufhin ging Alitalia in Insolvenz, blieb aber dank Beteiligungen von Air France-KLM und CAI in der Luft. Die Probleme waren damit längst nicht gelöst und auch Reorganisationen sowie der Beitritt zur Skyteam-Allianz half nicht. Der Einstieg von Etihad Airways 2015 sorgte nochmals für Hoffnungsschimmer - sowie für das Ende der jahrelangen engen Bande mit Air France-KLM - aber zerschlug sich dann auch, als Etihad die Zahlungen einstellte.
Wo steht man jetzt? Im Mai 2017 ging Alitalia wieder in die Insolvenz (nachdem die Gewerkschaften einen weiteren Rettungsplan ablehnten). Der italienische Staat hat seitdem mit mehreren Überbrückungskrediten ausgeholfen, während Alitalia Bieter für eine Minderheitsbeteiligung suchte, fand und teils auch schon wieder vergraulte. Am gestrigen Montag (15. Juli) ist nun eine weitere Bieterfrist abgelaufen. Vier Unternehmen waren dabei am Ende im Rennen. Wie ist die Situation?
Toto, Lotito, Benetton und Avianca
Vier verschiedene Investoren zeigten also Interesse an einer Teilbesitzerschaft von Alitalia. Dies liess die mit dem Einholen von Offerten braute Mediobanca wissen. Es ging darum, wie schon früher eine neue Betreibergesellschaft für Alitalia, aktuell noch mit dem Arbeitstitel «NewCo» versehen, zu gründen. Als potenzielle Aktionäre der NewCo sind seit längerem die italienische Staatsbahn Ferrovie dello Stato (FdS) zu 35 Prozent, das italienischen Finanzministerium (zu 15 Prozent) und Delta Air Lines (zu 10 Prozent) bekannt. Es ging darum, die verbleibenden 40 Prozent noch zu holen.
Als Favorit unter den vier verbliebenen Interessenten zählte das römische Infrastrukturunternehmen Atlantia, welches unter anderem auch Betreiberin der römischen Flughäfen Fiumicino und Campino ist, also vom wichtigsten Hub Alitalias (Fiumicino). Die Firma geriet letztes Jahr beim Einsturz der Autobahnbrücke in Genua in die Schlagzeilen, war sie doch für den Unterhalt dieser Brücke zuständig. Wichtigster Aktionär von Atlantia ist die aus der Modebranche bekannte Benetton-Familie. Dem Vernehmen nach will Atlantia vor allem das Interkontinentalgeschäft von Alitalia ausbauen. Inzwischen hat das von FdS angeführte Konsortium sich bereits auf Atlantia als weiteren Partner geeinigt. Ob diese aber allein die 40 verbleibenden Prozent stemmt und damit grösster Aktionär wäre, ist noch nicht klar.
Der guten Ordnung halber: Ein weiteres Gebot kam von einer weiteren italienischen Infrastrukturgruppe, der Toto Holding, welche sich bereits 2007 erfolglos um Alitalia bemühte. Unternehmer Carlo Toto wollte sich laut italienischen Medien aber nur 20 Prozent sichern. Auch er wollte weniger auf Abbau und mehr auf Ausbau der Langstrecke und der Flotte setzen.
Dritter im Interessenten-Kreis war der südamerikanische Unternehmer German Efromovich, der aktuell Chef des industriellen Mischkonzerns Synergy Group ist und vor allem als langjähriger CEO der Avianca Group und als Mitglied im Board of Governors der International Air Transport Association (IATA) bekannt wurde. Er wollte 30 Prozent der neuen Gesellschaft.
Als Aussenseiter in diesem Rennen galt von Anfang an der vierte Kandidat, Claudio Lotito. Der italienische Unternehmer ist vor allem als Präsident der Fussballklubs Lazio Rom bekannt (und hat in dieser Rolle auch schon diverse Strafen wegen Schmiergeld- und Transferregelbruch-Skandalen verbüsst). Er hatte angegeben, 300 Millionen Euro Cash auf den Tisch zu legen, wollte dafür jedoch die Kontrolle über das Unternehmen. Diesem Vorschlag wurde, wie auch den Vorschlägen von Toto und Efromovich, also keine Folge geleistet.
700'000 Euro Minus pro Tag
Innerhalb der kommenden zwei Wochen soll das neue Konsortium mit Ferrovie dello Stato, dem italienischen Finanzministerium, Delta Air Lines, Atlantia und allenfalls noch kurzfristig hinzukommenden Investoren nun einen weiteren Rettungsplan vorlegen. Mehrere Versuche solcher Konsortiumsbildungen waren schon gescheitert, ebenso wie mehrere von diesen ausgearbeitete Rettungspläne. Bleibt zu hoffen, dass diesmal ein akzeptierter und umsetzbarer Rettungsplan ausgearbeitet wird.
Ein solcher ist nämlich dringend notwendig. Alitalia hat seit 2002 keine schwarzen Zahlen mehr geschrieben und soll aktuell rund 700'000 Euro Verlust pro Tag (!) einfahren. Kein Wunder, will der italienische Staat - der via FdS und Finanzministerium ja trotz allem eine Mehrheit behalten wird - möglichst bald andere Unternehmen beim Management der Airline einbinden will.