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Das Fürstentum Liechtenstein verfügte als Kleinstaat über beschränkte Ressourcen. Für die Justiz bedeutete dies, dass österreichisches und schweizerisches Recht rezipiert und neben eigenen auch Juristen aus beiden Nachbarländern ins liechtensteinische Richteramt gewählt wurden. Hatte sich diese Praxis in Friedenszeiten bewährt, so war sie in der Zeit des Nationalsozialismus prekär und mit dem Problem des potenziellen nationalsozialistischen Einflusses auf die Richterwahl und die Rechtspraxis verbunden. Nach dem Anschluss Österreichs an das «Dritte Reich» wurden die in Liechtenstein tätigen österreichischen Richter zu «deutschen» Richtern, die in ihrer Heimat nach NS-Gesetzen, im Fürstentum nach liechtensteinischen Gesetzen Recht sprachen.
Lässt sich ein politischer Einfluss dieser Richter in der liechtensteinischen Judikatur feststellen? Wehte nationalsozialistischer Geist in die liechtensteinische Rechtsprechung und die damals erlassene Gesetzgebung des Landes hinein? Wie situierten sich die schweizerischen Richter? Wer waren diese ausländischen Richter, die im Fürstentum amtierten? Das vorliegende Buch erörtert die Besonderheiten der liechtensteinischen Justiz zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, wobei die eng miteinander verflochtenen Aspekte des Rechts – Gesetzgebung, Rechtsprechung und Richter – untersucht werden.
I Einleitung 1 Untersuchungsthema
2 Forschungsstand
3 Fragestellungen und Aufbau
II Das Fürstentum Liechtenstein in den 1930er und 1940er Jahren 1 Das politische System
2 Innenpolitische Lage
3 Kriegsende
III Rechtssystem und Richterwahl im Fürstentum Liechtenstein 1 Die Rechtspflege des Fürstentums Liechtenstein
2 Instanzen
3 Die Richterwahlen 1939–1945
4 Vermittler
5 Laienrichter
6 Staatsanwaltschaft
7 Richtereid
8 Kompetenzen des Fürsten in Gesetzgebung, Richterwahl und Rechtsprechung
IV Die Schweiz und Österreich in den 1930er und 1940er Jahren 1 Geschichtlicher Hintergrund der Schweiz
2 Österreich in den 1930er und 1940er Jahren
3 Recht und Justiz im Dritten Reich und in der «Ostmark»
V Die liechtensteinische Gesetzgebung: Grundlagen, Herkunft, Rezeption und NS-Einfluss 1 Gesetzgebung und Rechtsrezeption
2 Nationalsozialistische Elemente in der liechtensteinischen Gesetzgebung?
3 Fazit: Keine NS-Gesetzgebung im Fürstentum Liechtenstein
VI Biografien der ausländischen Richter in Liechtenstein 1 Methodische Aspekte
2 Biografien des Landrichters und seines Stellvertreters
3 Biografien der Kriminalrichter
4 Biografien der ausländischen Richter am Fürstlich liechtensteinischen Obergericht
5 Biografien der ausländischen Richter am Fürstlich liechtensteinischen Obersten Gerichtshof
6 Biografien der ausländischen Richter am Fürstlich liechtensteinischen Staatsgerichtshof
7 Biografien der ausländischen Richter an der Fürstlich liechtensteinischen Verwaltungsbeschwerdeinstanz
8 Biografien der vorgeschlagenen, aber nicht gewählten deutsch-österreichischen Richter
9 Biografie des ausserordentlichen Staatsanwalts Karl Eberle
VII Herkunft und Vernetzung 1 Theoretische Aspekte: Die sozialen Felder nach Pierre Bourdieu
2 Bildung
3 Recht
4 Politik
5 Militär und Wehrdienst
6 Religion
7 Aktivitäten im lokalen und regionalen Bereich
8 Fazit: Die entscheidende Rolle der Herkunft
VIII Rechtsprechung 1 Allgemeine Feststellungen
2 Hatte der biografische Hintergrund der Richter einen Einfluss auf die Rechtsprechung?
3 Einfluss fremder Richter auf die Rechtsprechung Liechtensteins?
4 Fazit: Vollzog sich die Rechtsprechung im gesetzlichen Rahmen?
IX Liechtensteinische Gerichte, eine politische Bühne der Nachbarstaaten? 1 Gesetze und Verordnungen: Waren liechtensteinische Gesetze in den Jahren 1938–1945 nationalsozialistisch beeinflusst?
2 Richter: Wer waren sie? Aus welchen sozialpolitischen Kontexten stammten sie?
3 Rechtsprechung: Lässt die Spruchpraxis die Felder der Richter erkennen?
4 Besonderheiten und Grenzen der Untersuchung
Schlusswort