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Urheberrecht
Werke - seien es nun Programme, Bücher, Fotografien etc. - sind grundsätzlich durch ein Urheberrecht geschützt. Dieses sichert den Autor/innen das Recht, über die Verwendung (Publikation, Verkauf etc.) dieser Werke zu bestimmen und, je nach Verwendungszweck, dafür Lizenzgebühren zu verlangen. Herausgeber von Werken (z.B. Verlage, eShops) verfügen ihrerseits über Urheberrechte am Produkt (Buch, eBook) und können die Weiterverwendung desselben einschränken und Lizengebühren verlangen.
Die Verwendung eines Werkes benötigt somit gemäss Urheberrecht die Zustimmung des/r Rechteinhaber/s. Allerdings ist das Urheberrecht zeitlich beschränkt und erlischt nach einer Zeitspanne, die Regelschutzfrist genannt wird.
Regelschutzfrist
Die Regelschutzfrist definiert den Zeitraum, in welchem ein Werk durch das Urheberrecht geschützt ist. Die Regelschutzfrist für Bücher betrug in der Vergangenheit 30, 50 oder 70 Jahre (je nach Epoche) und liegt heute bei mindestens 50 Jahren (gemäss Berner Übereinkunft), 70 Jahren (im Regelfall) bzw. 100 Jahren (in wenigen Ausnahmefällen).
Für die Schweiz, Deutschland und die meistens Industriestaaten kann von einer Schutzfrist von 70 Jahren ausgegangen werden. Diese gilt ab dem Todeszeitpunkt des/der Autors/in bzw. ab dem Publikationsdatum (Verlage).
eBooks
Bücher, deren Urheberrecht abgelaufen ist, werden auf verschiedenen Online-Portalen gratis zum Download angeboten. Obwohl die Originalwerke frei von Urheberrecht sind, bedeutet dies nicht, dass es die elektronischen Versionen ebenfalls sind, da eBooks digitalisiert und herausgegeben werden müssen. Beide - der/die Autor/in, welcher die elektronische Version erstellt hat, und der Herausgeber, welcher das eBook aufbereitet hat (z.B. Layout) und vertreibt - haben sich, durch ihre Arbeit am Werke, neue Urheberrechte erworben, die ihnen wiederum gemäss einem bestimmten Zeitraum (Regelschutzfrist) zustehen.
Die Tatsache, dass ein eBook gratis zum Download angeboten wird, bedeutet somit nur, dass das Buch gratis gelesen werden kann. Jede weitere Verwendung (z.B. insbesondere Neuaufbereitung und die Herausgabe als Stenoversion) muss zusätzlich mit dem/der Rechteinhaber/n geklärt werden.
Beispiele
Da das Urheberrecht zum Teil etwas kompliziert und schwierig zu verstehen ist, hier zwei konkrete Beispiele
- Project Gutenberg: Hierbei handelt es sich um freie eBooks, die gemäss der Project Gutenberg License verwendet werden können. Diese Lizenz erlaubt z.B. eine nicht-kommerzielle Weiterverbreitung der Texte unter klaren Bedingungen (z.B. muss eine Klausel/Verweis auf die Gutenberg License angebracht werden). Die Bücher dürfen auch kommerziell verwendet werden, in diesem Fall werden allerdings Tantiemen fällig, konkret müssen 20% des Gewinns an das Project Gutenberg überwiesen werden.
- Projekt Gutenberg: Dieses deutsche Projekt darf nicht mit dem amerikanischen Project Gutenberg verwechselt werden! Im Unterschied zum amerikanischen Projekt dürfen die hier publizierten Texte nur zum nicht-kommerziellen, nicht-öffentlichen (privaten) Gebrauch verwendet werden. Für jede andere Verwendung (öffentlich, kommerziell) muss eine Vereinbarung mit dem Projekt Gutenberg (bzw. den Autor/innen der digitalen Versionen der Texte) getroffen werden.
Streitfälle
Aufgrund unterschiedlicher Urheberrechtsregelungen in den Vereinigten Staaten können Streitfälle entstehen. Beispielsweise stellte das Project Gutenberg bereits vor Ablauf der Schutzfristen in Deutschland Texte von Thomas Mann (1875-1954), Heinrich Mann (1871-1950) und Alfred Döblin (1878-1957) zur Verfügung. Dies führte 2018 zu einem Gerichtsverfahren zwischen dem Springer Verlag (Inhaber der Rechte) und dem Project Gutenberg. Das Gericht entschied, dass das Project Gutenberg die Texte zwar weiterhin anbieten darf (weil dies in den USA legal ist), allerdings sicherstellen muss (durch Blockierung der IP-Adressen), dass diese Texte Deutschland nicht heruntergeladen werden können.
Obwohl die Schweiz in diesem Gerichtsurteil nicht erwähnt wird, ergibt sich hier vermutlich eine ähnliche Situation, von der auch andere, im Project Gutenberg vorhandene Autoren betroffen sind (z.B. Robert Walser 1878-1956).
Grundsatzerklärung
Auf der Seite www.vsteno.ch werden nur Texte veröffentlicht, die nach bestem Wissen und Gewissen rechtefrei (gemeinfrei) sind. Bestehen Zweifel über die rechtliche Situation eines Textes, wird er nicht veröffentlicht.
Im Sinne der GPL, unter der das Programm VSTENO steht, erfolgt die Publikation der Texte grundsätzlich unentgeltlich (nicht-kommerziell). Sollte, aufgrund der Spenden, die VSTENO zufliessen, ein "Gewinn" entstehen, so werden aus diesem "Überchuss" allfällige Lizenzgebühren überwiesen (z.B. 20% zuhanden des Project Gutenberg). Weitere Infos hierzu auf der Spenden-Seite.