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Das Reh (Capreolus capreolus)
Das Reh, zur Unterscheidung vom Sibirischen Reh auch Europäisches Reh genannt, ist eine überwiegend auf dem europäischen Kontinent vorkommende Hirschart. In Mitteleuropa ist es der häufigste und gleichzeitig kleinste Vertreter der Hirsche.
Das Reh besiedelte ursprünglich Waldrandzonen und -lichtungen, es hat sich aber erfolgreich eine Reihe sehr unterschiedlicher Habitate erschlossen und kommt mittlerweile auch in offener, fast deckungsloser Agrarsteppe vor. Aufgeschreckte Rehe suchen gewöhnlich mit wenigen, schnellen Sprüngen Schutz in Dickichten, es wird deswegen und auf Grund einiger morphologischer Merkmale dem sogenannten „Schlüpfertypus“ zugerechnet. Als Wiederkäuer ist das Reh ein reiner Pflanzenfresser. Während des Sommerhalbjahrs lebt das Reh überwiegend einzeln oder in kleinen Gruppen, bestehend aus einer Ricke und ihren Kitzen, im Winter bilden sich Sprünge, die meist nicht mehr als drei oder vier Tiere umfassen. Rehe, die in der offenen Agrarlandschaft leben, bilden aber auch Sprünge von mehr als zwanzig Individuen.
Erscheinungsbild
- Gewicht: ausgewachsene Tiere bis zu 25 kg Lebendgewicht; in Osteuropa und Sibirien mehr.
- Sommerfell: gelblich-rot, Winterfell: graubraun, Haarwechsel April/Mai und September/Oktober.
- Rehe haben am Hinterteil einen weissen Fleck, Spiegel genannt. Frisch geborene Kitze gleichen sich mit einem gefleckten Tarnkleid ganz der Umgebung an.
- Der Rehbock wirft im Herbst sein Gehörn aus Knochensubstanz ab, das sofort wieder neu zu wachsen beginnt. Im Frühjahr reibt (fegt) der Bock an kleinen Bäumchen die Nährhaut (Bast) von seinem fertigen Gehörn, dient auch der Reviermarkierung. Winter: Zusammenschluss des Rehwildes zu Rehfamilien, Auflösung im März.
Lebensraum
- Lebensraum: Randzonen reich strukturierter Busch und Mischwälder (Heckenschlüpfer).
- Auch offene Feldflur (Feldrehe), in der Nähe von menschlichen Siedlungen, in Stadtparken.
- Als Kulturfolger ist das Reh sehr anpassungsfähig.
Verbreitung und Stellung im zoologischen System
- Das Reh besiedelt weite Teile Europas und Asiens.
- In Europa kommt es von der Küste bis ins Hochgebirge, von Flussauen bis hin zu Bergwäldern, in Agrarsteppen und Parklandschaften vor.
- Es gehört zu den Paarhufern und zur Familie der Hirsche.
Nahrung
- Als Wiederkäuer ist das Reh ein reiner Pflanzenfresser.
- Nahrung besteht aus: Kräutern, Gräsern, Blättern, Triebe, Knospen sowie Wald- und Feldfrüchten. Es bevorzugt nährstoff- und energiereiche Pflanzenteile (Konzentratselektierer).
Sinnesleistung und Lautäusserung
- Geruchs- und Gehörsinn sind hervorragend ausgebildet.
- Augen weniger leistungsfähig, Rehe sind farbenblind und können räumlich nicht wahrnehmen, sie registrieren Bewegungen sehr genau.
- In der Paarungszeit (Juli bis Anfang August), fiept die Geiss nach dem Bock. Auch die Kitze geben fiepende Laute von sich.
- Wenn sich Rehe erschrecken, geben sie einen bellenden Laut von sich.
Fortpflanzung
- Paarungszeit: Juli/August (Blattzeit)
- Tragezeit: 9 ½ Monate. Nach der Befruchtung tritt eine 4 ½-monatige Keimruhe (Eiruhe) ein, das heisst, die befruchteten Eizellen entwickeln sich verzögert.
- Im Mai/Juni werden meist 2 (selten 1 oder 3) Kitze mit etwa 1 kg Gewicht geboren.
- In den ersten Lebenstagen besucht die Mutter die Kitze nur zum Säugen, um nicht die natürlichen Feinde auf die Spur der Jungtiere zu locken. Die Kitze werden aus sicherer Entfernung von der Ricke beobachtet.
- Ricken legen die Kitze ab, d.h. die Kitze drücken sich reglos ins Gras, um vor Feinden sicher zu sein. In den ersten Lebenstagen haben sie noch keinen Eigengeruch. Kitze sind nicht verwaist, die Ricke kommt regelmässig zum Säubern und Säugen.
- Rehe können bis zu 15 Jahre alt werden. Das Gebiss ist dann so stark abgenutzt, dass die Tiere die Nahrung nicht mehr aufnehmen und wiederkäuen können.
Gefahren für das Reh
- Natürliche Feinde wie Wolf, Luchs, Bär, Steinadler fehlen. Feinde der Kitze: Fuchs und Wildschwein.
- Mähwerkzeuge bei Heu- und Grasernte.
- Strassenverkehr und wildernde Hunde.