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Walliserhüüs
[Walliserhaus]
Ausserhalb der Städte, in denen seit dem Ende des Mittelalters die Steinbauten häufiger wurden, und ausserhalb einiger linksufriger Seitentäler mit stark italienisch beeinflusster Bauweise (Entremont und Bagnes, Simplon) besteht das häufigste Walliserhaus aus Stein und Holz. Das Ausmass der Bauten und ihr Verhältnis zueinander wird gewissermassen von der in der betreffenden Gegend erhältlichen Balkenlänge bestimmt. Die Bauformen und -regeln hängen so letztlich von der Länge der Baumstämme ab.
Wegenerhaus in Geschinen (VS, CH)
Dorfgasse in Niedergesteln (VS,CH)
Charakteristisches Wohnhaus des Mittelwallis: a) Grundriss des ersten Geschosses, b) Kellergrundriss, c) Querschnitt, d) Langschnitt; Massstab 1:100 (Quelle: Zeugen)
Charakteristisches Wohnhaus des Mittelwallis: a) von vorne, b) von hinten, c) linke Traufseite, d) rechte Traufseite; Massstab 1:100 (Quelle: Zeugen)
Walliserhaus in Ernen (VS,CH)
Walliserhaus in Unterwassern (Goms, VS,CH)
Walliserhaus in Evolène (VS,CH)
Walliserhaus im Val-d'Illiez (VS,CH)
Walliserhaus in Savièse(VS,CH)
Doppelstadel mit Saal
Stadel mit Saal aus Ammern (Goms, VS, CH);
Foto: Peter Salzman mit der ausdrückliche Bewilligung von Helmut Kienzler und Caroline Wirtner
Balkeninschrift
Binneninschrift;
Visperterminen (Wohnen in Visperterminen S. 20)
Walliserhüüs
Die Verbindung von Holz- und Steinbau und namentlich das Verhältnis zwischen den beiden Bauweisen können sehr unterschiedlich sein. Wir können hier nicht festlegen, in welchem Masse diese Unterschiede durch örtliche Gewohnheiten oder durch die jahrhundertelange technische Entwicklung bestimmt wurden, da bis heute die notwendigen umfassenden Unterlagen fehlen. Wir beschränken uns darauf, vom einfachsten, früher verbreitetsten Typus zu sprechen und dann einige Abweichungen zu betrachten, ohne daraus endgültige Schlüsse ziehen zu wollen.
Das Haus, das man im mittleren Wallis als typisch bezeichnen könnte, besteht aus einem meist talwärts gerichteten gemauerten Unterbau, der den Keller beherbergt, und dem daraufliegenden Blockgehäuse mit der heizbaren Stube und dem dahinter befindlichen, hangwärts gebauten Steinbau der Küche. Das Satteldach weist einen von der vorderen Holzfassade zur hinteren gemauerten Küchenfassade laufenden Längsfirst auf. Das Pfettendach ruht auf den hochgezogenen Giebelwänden und ist je nach Entstehungszeit und Gegend mit Schindeln oder Steinplatten gedeckt.
Es kann interessant sein zu wissen, wie der Hausbau üblicherweise vor sich ging. Auf den Grundmauern errichte man das hölzerne Blockgehäuse, und erst nachdem sich die Blockwände gehörig gesetzt hatten, baute man den gemauerten Küchenteil auf.
Ursprünglich ist die Raumeinteilung äusserst einfach. Der kleine ebenerdige Keller besteht aus einem einzigen Raum mit Eingang an der talwärts gerichteten Fassade ; ausser bei später vorgenommenen Umbauten muss man immer ins Freie treten, um von der Küche in den Keller zu gelangen. Im eigentlichen Erdgeschoss sind zwei Räume auf gleicher Ebene angeordnet : die als Eingang dienende Küche und die nur durch die Küche zu betretende Stube. Der Schornstein, der den Rauchabzug des Herdfeuers der Küche und des steinernen Stubenofens gewährleistet, befindet sich an der dem Blockbau anliegenden Mauerwand. Der Estrich über der Stube ist durch winzige Fenster in der hölzernen Giebelfassade dürftig beleuchtet. Eine traufseitige, durch eine Aussentreppe zugängliche Laube findet sich oft dicht unter dem Dach. Eine aus der Küche heraufführende Treppe steigt manchmal in ein zusätzliches Obergeschoss über der Stube, das oft von einer traufseitigen Laube begleitet wird. Wohnen zwei Familien unter dem gleichen Dach, so wird in jedem Stockwert derselbe Grundriss wiederholt, wobei die obere Küche durch eine Aussentreppe zugänglich ist (oder im Goms durch eine Innentreppe von Küche zu Küche); die Laube kann je nach Gegend von der oberen Küche oder über die Aussentreppe betreten werden. Treppentürmchen mit Wendeltreppen kommen nur in gewissen, wohlhabenden, städtisch beeinflussten Gegenden vor. Gehört ein Wohnhaus mehreren Besitzern, so ist Stockwerkeigentum üblich. Die senkrechte Aufteilung der Firstlinie entlang ist aber ebenfalls bekannt, nicht zu sprechen von den aus Erbteilungen entstandenen komplizierten und manchmal winzigen Besitznteilen.
Der Grundriss dieses « typischen » Hauses kann durch Innenwände verändert werden : vom Küchenraum können ein oder mehrere kleine Räume abgetrennt werden, und ebenso kann die Stube unterteilt werden. Der ursprüngliche Bau kann aber auch durch Anbauten erweitert werden.
Abarten dieses «typischen» Hauses entstanden aus unterschiedlichen Beziehungen des Steinbaus zum Blockbau. Sie sind leicht von aussen her als solche zu erkennen. Gewisse Wohnhäuser bestehen fast gänzlich aus einem hölzernen Blockgehäuse, wobei nur der Sockel und die Herdstelle gemauert sind. Eine ganze Reihe von Zwischenformen liegen zwischen dem beinahe reinen Blockbau und dem « typischen » Hause. Sie können eine einzige Steinwand aufweisen, nur eine Mauerecke, oder zwei oder auch drei gemauerte Wände. Die Grundmauern können bis zum Erdgeschoss reichen, bis zum Estrichboden oder gar bis zum First. Blockbauten wurden aber auch teilweise oder ganz von Mauerwerk eingehüllt ; bei der Untersuchung der Beziehungen zwischen Block- und Steinbau sollte man diese Mauermäntel beachten. Im Pfarrhaus von Naters zum Beispiel wurde der aus dem Jahre 1461 stammende Blockbau ungefähr zwei Jahrhunderte später mit Mauerwerk umgeben.
Der heutige Zustand unseres architektonischen Erbes und vor allem die verschiedensten örtlichen Einflüsse erlauben es uns nicht, alle vorkommenden Konstruktionen in zeitoder ortsgebundene Typen aufzugliedern. Wir möchten aber immerhin erwähnen, dass im Goms der Maueranteil am Wohnhaus Rotten (Rhone) aufwärts immer geringer wird.
In mehreren Gegenden des Wallis beobachtet man sogenannte Saalhäuser, bei denen über dem Kellergeschoss ein weiteres gemauertes, kaum beleuchtetes Saalgeschoss unter dem Blockbau liegt. Der «Saal» ist ursprünglich ein Vorratsraum für die Bedürfnisse der Familie. Er ist durch schmale, oft schiesschartenähnliche Fensteröffnungen gut durchlüftet und ist traufseitig zugänglich über eine primitive Treppe, bestehend aus in der Mauer steckenden Steinplatten (um die Nagetiere fernzuhalten).
Die Schönheit des Wohnhauses beruht weitgehend auf den durch die Balken gegebenen Massen und im spannungsvollen Wechsel von Holz- und Mauerpartien. Oft kommt eigentlicher Hausschmuck dazu. Der Mauerverputz kann Malereien aufweisen: Fenster- und Türeinfassungen mit geometrischen oder floralen Motiven, seltener mit Gestalten oder Inschriften. An den Wänden wurden durchlaufende Friese, an den Fenstern, Pfetten und Pfettenträgern mannigfache Schmuckformen angebracht.
Obwohl seit dem Ende des Mittelalters auch das Innere des Hauses häufiger geschmückt wurde, blieb dieser Schmuck meistens auf die Stube beschränkt, wo die Deckenbalken Schnitzereien und Inschriften, meist mit Angabe des Namens und der Stellung der Erbauers, sowie das Baudatum aufweisen, wo die Wände schön getäfert wurden und die Stubentüren einen gediegenen Abschluss bildeten.
Grundsätzlich waren alle bisher besprochenen Bauten reine Wohnhäuser, in denen nur ein Bruchteil der Räume als Vorratsräume für den Familienbedarf dient (Keller, ev. « Saal » und ein kleiner über der Küche gelegener Raum).
Quelle:
- Zeugen der Vergangenheit im Wallis von heute. (Maiarbeiter der französischen Originalfassung Dr. Roae-Claire Schüle und Dr. Walter Ruppen übertrugen den Text ins Deutsche). Staat Wallis (DEKS), Sitten, 1975, S. 28 f.
- Kurztitat: Zeugen