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Aufgrund des schlechten Zustands der Aarebrücke beziehungsweise Kettenbrücke musste die Abteilung Tiefbau entscheiden, wie es mit dem Aareübergang weitergehen soll. Im Vordergrund standen drei Möglichkeiten: Instandsetzung der bestehenden Brücke, Ersatz des Oberbaus oder Neubau.
Geschichtliches
In der Entwicklung der Stadt Aarau spielten Flussübergänge eine wichtige Rolle. Bereits zur Römerzeit waren Brücken im Bereich der heutigen Verbindung von Wyberg im Norden in Richtung Zollrain im Süden bekannt. Allerdings wurden die Holzbrücken mehrmals durch Hochwasser beschädigt und führten zu einer schweren finanziellen Belastung für die Stadt.
Eine wesentliche Besserung gab es 1848 mit dem Bau der Kettenbrücke. Dabei handelte es sich um eine Hängebrücke mit monumentalen Triumphtoren an beiden Ufern, die als Pylonen für die Ketten dienten. Nach 100 Jahren wurde die baufällige Kettenbrücke zwischen 1948 und 1951 durch die heutige Stahlbetonbrücke mit drei Feldern und kurzen Auskragungen zu den Widerlagern über den Uferwegen ersetzt. Besondere Eigenschaft der neuen Aarebrücke bildet ein eingehängtes Brückenteilstück, der Gerberträger. Trotz des Baus der Stahlbetonbrücke lebt die Kettenbrücke, wenigstens dem Namen nach, bis heute weiter.
Sanierung oder Neubau
Nach dem Abwägen der Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten wurde entschieden, den Oberbau der Brücke zu ersetzen, da sich eine Sanierung der Brückenplatte sowie des Gerberträgers oder ein Komplettneubau als zu teuer erwies.
Projektwettbewerb
In Gesprächen mit der Stadt Aarau über den Brückenersatz wurden die Bedürfnisse hinsichtlich der Gestaltung des Uferraums und der städtebaulichen Integration des zukünftigen Bauwerks ins Stadtbild angesprochen. Die weitreichenden Bedürfnisse und Wünsche ebneten den Weg zu einem Projektwettbewerb. Dieser Entscheid bedeutete aber auch, dass einige einschränkende Randbedingungen gemacht werden mussten. Von diesem offenen, anonymen Projektwettbewerb erhofften sich Stadt und Kanton ein grösseres Variantenspektrum. Eingereicht wurden 21 Projekte, die sowohl architektonisch als auch in der Bearbeitungstiefe der einzelnen Wettbewerbsbeiträge unterschiedlich waren.
Siegerprojekt "Pont Neuf"
Die Bewertung der eingereichten Projekte löste bei der zehnköpfigen Jury Diskussionen aus. Schliesslich setzte sich "Pont Neuf" als Siegerprojekt durch. "Pont Neuf" nimmt eindrücklich Bezug auf die spezifische Situation mit dem Zollrain und der Altstadt sowie den beiden Flussufern. Sie erfüllt die Anforderungen, die im Rahmen des Wettbewerbs an sie gestellt wurden, am besten. Damit erhalten die Stadt Aarau und der Kanton Aargau eine neue, sehr markante Brücke, auf die sie sich bereits jetzt freuen können.
Die neue Aarebrücke setzt ein identitätsstiftendes Zeichen für Aarau, ist bautechnisch robust und durchdacht. Zudem greift sie die Formensprache früherer Steinbrücken auf und ist mit dem eingesetzten Beton zeitgemäss. Kurzum: Die neue Brücke über die Aare in Aarau ist eine Chance für Stadt und Kanton, der Hauptstadt ein neues Wahrzeichen zu geben. Nichtsdestotrotz wird die neue Aarebrücke sicher noch einige ingenieurtechnische Herausforderungen an die Planer und später auch an die Baumeister stellen.