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Welches Geschlecht haben Staaten?
Die meisten Staatennamen sind in der deutschen Sprache neutralen
Geschlechts und werden ohne Artikel gebraucht: Frankreich, Tschechien,
Schweden, Portugal, Albanien, China, Korea, Ghana, Brasilien, Venezuela,
Deutschland, Österreich … Im Genitiv Singular hängt man das bekannte -s
an den Ländernamen, die anderen Kasus bleiben endungslos. Dasselbe gilt
für die wenigen Länder, die sich einen zweigliedrigen, mit „und“
verbundenen Namen zugezogen haben: Antigua und Barbuda, Trinidad und
Tobago, St. Kitts und Nevis, St. Vincent und die Grenadinen. Der Genitiv
ist schwer zu bilden und wird meist vermieden, indem er umschrieben wird:
„Die Wirtschaftsdaten von Antigua und Barbuda“.
Einige Staatennamen behandeln wir in der deutschen Sprache als Feminina,
zum Beispiel die Schweiz, die Slowakei, die Türkei, die Ukraine, die
Elfenbeinküste. Die wenigen Staaten, die als Maskulina behandelt werden,
können meist zwischen Neutrum und Maskulinum wechseln. Ich kann von
politischen Spannungen zwischen Iran und Irak sprechen, aber auch von
politischen Spannungen zwischen dem Irak und dem Iran.
Sogenannte pluralische Staatennamen sind zum Beispiel die Bahamas, die
Philippinen, die USA, die Niederlande. Die Philippinen und die Bahamas
bleiben – so wie alle auf -n oder -s endenden Staatennamen – in allen
Kasus endungslos. Die Niederlande freilich erhalten im Dativ schon eine
Endung: „Ich lebe in den Niederlanden.“
Die grammatikalisch korrekte Formulierung der Staatennamen im
Satzzusammenhang bereitet nur bei komplexeren Gebilden wie „St. Vincent
und die Grenadinen“ Schwierigkeiten. Unsicherheiten findet man aber in den
Medien häufig dann, wenn zum Namen das Adjektiv gebildet werden soll oder
wenn die Staatsangehörigen zu bezeichnen sind. Man muss einräumen, dass
dies bisweilen nicht ganz einfach ist, weil die Wortbildung keiner
anwendbaren Regel folgt.
Die Bewohner von Kasachstan heißen Kasachen und die von Afghanistan Afghanen.
Dies scheint einer gewissen Logik zu entsprechen. Vertraut man ihr freilich
zu sehr, so könnte man meinen, dass die Bewohner des Sudans als Suden
bezeichnet werden, sie heißen aber Sudanesen, so wie die Bewohner Nepals
Nepalesen und die von Senegal Senegalesen heißen. Manchmal liest man auch
den Namen Ghanesen. Das ist falsch. Die Staatsangehörigen von Ghana heißen
nämlich laut Duden Ghanaer.
Bei zweigliedrigen Staatennamen ist es sowohl bei der Adjektivbildung als
auch bei der Benennung der Staatszugehörigkeit üblich, den zweiten Teil
wegzulassen. Die Verwaltung von St. Vincent und den Grenadinen ist
schlicht und einfach die vincentische Verwaltung und die Bewohner heißen
Vincentiner. Alles andere bedürfte wilder sprachakrobatischer Akte. Dass
die Bewohner Monacos Monegassen genannt werden, muss man erst einmal
wissen. Und wer sind die Ivorer? – Auch darauf käme man nicht ohne
Nachschlagewerk. Die Ivorer sind die Bewohner der Elfenbeinküste, die auf
Französisch Côte d“Ivoire heißt.
Oberösterreichische Nachrichten vom 18.Okt.2003. Bearbeitung SKD