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Warum Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind
Von einer Kinderkrankheit sprechen wir gerne, weil viele Infektionskrankheiten wie beispielsweise die Masern, Mumps oder Röteln meist schon beim ersten Kontakt mit den Erregern zur Erkrankung führen. In der Vorimpfära (1960er-Jahre) manifestierten sich diese Krankheiten deswegen in der Regel bei Kindern. Da heute ein grosser Teil der Bevölkerung durch eine Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Impfung geschützt ist, ist die Wahrscheinlichkeit, in Kontakt zu Masern zu kommen, deutlich geringer für ungeimpfte Personen und deswegen ist das Durchschnittsalter der an Masern Erkrankten heute deutlich angestiegen. Heisst: Wer kein Kind mehr ist und weder geimpft wurde noch die Erkrankung einmal durchgestanden hat, kann in jedem Alter daran erkranken.
Alarmierender Anstieg der Masernfälle
Nachdem die Erkrankung seit der Einführung der Impfungen in vielen Weltregionen zum Verschwinden gebracht werden konnte, steigt in den letzten Jahren die Zahl der weltweit gemeldeten Masernfälle wieder alarmierend an. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 die Zahl der gemeldeten Fälle auf 112 000 angestiegen (im Vergleich zu 28 000 Fällen im selben Zeitraum des Vorjahrs). Wobei die WHO davon ausgeht, dass nur jeder zehnte Fall gemeldet wird. Die Gründe für den Anstieg sind vielfältig, aber die Impfmüdigkeit ist einer von vielen. Dabei könnte jede Erkrankung durch eine einfache und günstige Impfung vermieden werden
Die Folgen einer Masernerkrankung
Die Masern sind eine durch Viren verursachte Erkrankung. Klassisch verläuft die Erkrankung in zwei Phasen: Die erste beginnt ein bis zwei Wochen nach der Infektion mit allgemeinem Krankheitsgefühl, Fieber, Müdigkeit, Konjunktivitis, Entzündung der Schleimhaut im Mund und ist oft begleitet von Husten, Schnupfen und Halsschmerzen. In der zweiten Phase kommt ein Hautausschlag hinzu, beginnend im Gesicht und hinter den Ohren, der sich im Verlauf über den ganzen Körper ausbreitet. Die Erkrankung hinterlässt eine lebenslange Immunität. Auch wenn die allermeisten Erkrankungen, v. a. bei Kindern, unkompliziert verlaufen, kommt es aber relativ häufig zu Komplikationen wie Lungenentzündungen (10–60 Fälle/1000 Erkrankte) oder Mittelohrentzündungen (70–90 Fälle/1000 Erkrankte). Eine von 10 000 Erkrankten verstirbt statistisch an den Komplikationen einer Masernerkrankung. Eine Person von 1000 Erkrankten entwickelt eine akute postinfektiöse Encephalitis (Hirnentzündung), wobei die Wahrscheinlichkeit dafür mit dem Alter der Infizierten ansteigt. 10–20% der Betroffenen versterben daran, bei 20–30% bleiben dauerhafte Schädigungen. Sehr selten (ca. 5 Fälle/100 000 Erkrankte), v. a. bei Kindern unter 5 Jahren, kommt es Monate bis Jahre nach der Maserninfektion zu einer schweren neurologischen Erkrankung (SSPE), die tödlich endet.
Die Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Impfung
Seit Jahrzehnten werden Impfstoffe gegen die Masern eingesetzt. Die Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Impfung ist eine sogenannte Lebendimpfung, d. h. die Impfung enthält abgeschwächte, aber vermehrungsfähige Viren. Diese ahmen eine Infektion nach, ohne jedoch die schweren Komplikationen der drei Krankheiten zu verursachen.
Schwangere sowie immunsupprimierte Personen dürfen keine Lebendimpfstoffe erhalten. Auch Säuglinge erhalten erst nach 9 Monaten ihre erste MMR-Impfung. Das heisst, diese Personen sind potenziell ansteckungsgefährdet. Für sie ist es wichtig, dass möglichst alle Kontaktpersonen geschützt sind, denn nur so kann verhindert werden, dass die Krankheiten übertragen werden können, auch wenn sie selbst ungeschützt sind. Diesen Effekt bezeichnet man als Herdenimmunität. Als Spitalmitarbeitende mit Patientenkontakt stehen wir deswegen in einer besonderen Verantwortung zu verhindern, dass sich unsere Patientinnen und Patienten bei uns anstecken.
Wer sollte sich impfen lassen?
Jede Person im Alter ab 2 Jahren sollte 2 MMR-Impfungen erhalten haben. Zu den Ausnahmen zählen Personen, bei denen serologisch ein Schutz dokumentiert ist, sowie solche mit Jahrgang 1963 oder älter. Bei ihnen geht man davon aus, dass sie die Masern durchgemacht haben. Nach einer MMR-Impfung sollte während einem Monat eine Schwangerschaft vermieden werden. Unerwünschte Nebenwirkungen der Impfung sind häufig Lokalreaktionen und leichtgradige systemische Reaktionen wie Fieber oder Impfausschläge. Schwere Impferscheinungen sind um ein Vielfaches seltener als schwere Komplikationen bei den drei Erkrankungen.