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Gut zwanzig Besucher bestaunten in der Loge Pius Strassmanns Blockflötensammlung, sein musikalisches Können und seine Texte. Im ersten Teil stellte der Flötist seine vierundzwanzig Instrumente vor, nach einer Pause lauschten die Zuhörer harmonischen und hin und wieder ambivalenten Klängen.
Von Tiziana Bonetti
Auf der Bühne lagen vierundzwanzig verschiedene Flöten. Der leger gekleidete und ebenso ungezwungene Pius Strassmann legte zu Beginn den Ablauf des Abends dar. Er erklärte, er wolle die Vielschichtigkeit und Komplexität der Flöte aufzeigen, da sie unter Verdacht stehe, ein eintöniges und einfaches Instrument zu sein. Diese Behauptung versuchte er zu widerlegen, indem er die verschiedenen Flötenmodelle – eher unterhaltsam und gewitzt als fachmännisch – vorstellte und sie mit einer damit einhergehenden Geschichte aus seinem Leben abrundete.
Zur Degustation spielte er jeweils eine kurze Melodie vor und hob die nächste Flöte vom Boden empor. Der begeisterte Musiker war eindeutig in seinem Element: Seine Augen glitzerten und sprühten vor Freude an seinen Instrumenten. Es war, als ob er seine vierundzwanzig Ehemänner auf dem roten Teppich spazieren führte und sie der Reihe nach vortanzen liess. Obwohl der erste Teil auch langatmig war und es sich fast ein bisschen anfühlte, wie Schulbank drücken in einer Geschichtslektion über die Flötenwelt, brachte der Musiker mit auflockernden Erzählungen Frische in seinen Vortrag.
Im zweiten Part, dem Hauptteil seines Auftritts, las Pius Strassmann aus seinen kurzen Texten vor und vertonte diese abschliessend musikalisch, indem er sie in Form eines kurzen Liedes verpackte. Jedoch fiel es schwer, die assoziative Verbindung zwischen musikalischem Inhalt und dem Vorgelesenen zu deuten oder gar zu entschlüsseln. Strassmanns Texte handelten unter anderem von den Spiegeln der Vergangenheit, von menschlichen Gefühlen wie Liebe und Hoffnung und von der Einsamkeit, die sich in Form eines grauen Tiers bemerkbar macht.
Andere Texte schilderten eine stille Landschaft oder die zwiespältige Gestalt der Nacht. Ebenso abwechslungsreich, wie sich die Lebensweisheiten der Themeninhalte offenbarten, erzeugte er mannigfaltige Klänge auf der Flöte: Das Klangspektrum reichte von trüb, einsam und melancholisch bis hin zu frohlockend, spielerisch und tänzerisch. Die spannungsgeladene musikalische Darbietung war in jedem Fall das Highlight des Auftritts. Dank der kurzen Pausen zwischen den Vorträgen, blieb den Zuhörern viel Zeit und Raum, das Gehörte von zu verarbeiten.
Die Zahl Vierundzwanzig hatte es gestern Abend in sich: Nach vierundzwanzig Texten und vierundzwanzig Liedern erntete Pius Strassmann mit seinen vierundzwanzig Flöten grossen Applaus. Es fühlte sich an wie eine beabsichtigte Zugabe, als er nach dem Applaus gestand, dass er vergessen hatte, die vierundzwanzigste Flöte vorzustellen. Also entschied er sich kurzerhand, als Abschluss auf der letzten Flöte zu spielen.