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Professionalisierung
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- Erstellt: Dienstag, 25. Oktober 2022 11:41
Der Beitrag zur Kritik des Professionalisierens überschreitet an Umfang das auf dieser Website Übliche. Deshalb beschränke ich mich hier darauf, jeweils ein paar Stichworte zum Inhalt der zehn Abschnitte des Aufsatzes zusammenzustellen und den Aufsatz selbst als PDF zu verlinken.
- Beruflichkeit und Professionalität. Professionen (Ärzte, Anwälte, Sozialarbeiter, Vermögensverwalter) berühren drei Bereiche: Als erklärtermassen wissenschaftsbasierte Berufe wollen sie (1) enge Beziehungen zum Wissenschafts-/Erkenntnisbereich pflegen; sie betätigen sich (im Idealfall) weisungsungebunden, benötigen dazu aber eine (2) staatliche Anerkennung; diese verschaffen ihnen Schutz und damit auch (3) ökonomische Vorteile.
- Als «Berufsschneidung» wird der Vorgang bezeichnet, der aus dem Universum möglicher Tätigkeiten heraus zur Bündelung derjenigen «Cluster» geführt hat, die wir allgemein als Berufe bezeichnen.
- Profession und Beruf. Als «Professionalisierung» wird das Bemühen bezeichnet, einen Beruf den Status einer Profession zu geben. Dozenten an Fachhochschule für Soziale Arbeit sind besonders fleissige Autorinnen und Autoren zum Thema – weil sie immer noch damit beschäftigt sind, Beziehungsleistungen aus der Freiwilligkeit in die Professionalität zu führen.
- Professionalisierung: Regelhaftes Handeln und Qualitätssicherung sind zentrale Aspekte einer Profession. Handeln ist (u.a.) dann professionell, «wenn alle Professionellen diese Regeln und Methoden in identischer Weise zur Anwendung bringen.»
- Professionalisierung und Macht: Professionen bilden Körperschaften, welche die erwähnten Regeln entwickeln und den Zugang zur Profession regeln. Weil die entsprechenden Tätigkeiten ihnen vorbehalten sind, kann man von Berufskartellen sprechen.
- Professionalisierung als Standardisierung – Ethik eingeschlossen. Regeln und Standards der Berufsausübung reduzieren die Vielfalt von Optionen in der Berufsausübung. Das Berufsbild mit seinen Regeln dispensiert den/die Einzelnen von weitergehenden Gedanken zur ethischen Fundierung der angewendeten Konzepte (z.B.im Kapitalanlage-Bereich).
- Konformitätsdruck und Entlastungswirkungen. Die Standardisierung bietet Halt und ist entlastend, weil die Verantwortlichkeit nicht auf die einzelne Handlung, sondern auf die richtig angewendeten Regeln fokussiert.
- Beruf, Profession und Sprache als Masken. Professionelle sind an ihrem kontrollierten Auftreten zu erkennen, Sprache bzw. Wortwahl eingeschlossen. Der Professionelle sagt: Ich stehe vor einer Herausforderung. Er sagt nicht: Ich habe ein Problem. Die Oberfläche ist ohne Kanten und Sprünge, was dahinter geschieht, ist wenig fassbar.
- Erstarrung oder Bewegung? Regeln und Masken gewähren Sicherheit – und verbauen Kreativität, Improvisation, Innovation. Form (professionelle Regeln) und Bewegung (etwa unprofessionelle Spontaneität) stehen sich gegenüber. In einer Welt, in der niemand diskriminiert werden und (sprachlich) herabgesetzt werden darf (was allenfalls Klagen nach sich ziehen könnte), wird die sichere Sprechformel der spontanen, authentischen vorgezogen.
- Verfahren, nicht Regeln. Regeln bieten Sicherheit, aber keine Erkenntnis. Regeln sind Struktur, Form. Bewegung wird ermöglicht, wenn die Involvierten selbst und nicht aussenstehende Regel-Experten anhand von Kriterien urteilen. Stichwort Selbstverwaltung. Allzu starre Regel- und Kriterienkataloge können von (allenfalls begleiteter) Rechenschaftslegung abgelöst werden.
Zusammenfassend:
Nicht nur die Regel-basierte Professionalisierung, sondern auch Corporate Governance und Political Correctness sind Entwicklungen, welche soziale Lebensprozesse stark mit «rechtlichen» Regel-, Struktur- und Verhaltensgrundsätzen durchziehen – selbst in den Lebensfeldern, die ohne kreative, «regelmissachtende» Individualitäten oder Teams nicht existieren könnten. Der Vorteil von Regeln: Sie entlasten, namentlich auch von Verantwortungsübernahme. Aber sie führen zur Erstickung, wenn damit Risiken vermieden werden soll. «Die schleichende Verlagerung vom Qualitätsurteil zu formellen, quantifizierbaren Kriterien zeigt sich als Folge der Bürokratie im breit ausgebauten, politisch gesteuerten Förderwesen» ist der Filmer und Publizist Mathias Knauer im Aufsatz zitiert. Gab es da nicht auch einmal einen anderen Impuls, als an der Betonwand der aufgesprühte Satz stand: No risk – no fun.