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Titelbild:
Jan Thomas van Yperen (1617–1678)
Infantin Margarita Teresa (1651–1673),
im Theaterkostüm
Kunsthistorisches Museum Wien
KONZERT 4/2019
Mittwoch, 27. November 2019, 20 Uhr, Kartäuserkirche
Ojos, pues me desdeñais
Nationalsprache in der Monodie Spaniens und Frankreich des 17. Jahrhunderts
Lina Marcela Lopez Sopran
Maria Ferré Laute und Barockgitarre
Lina Manrique Viola da Gamba
Tiago Oliveira Tenor und Leitung
Eintritt frei, Kollekte

Programm
Étienne Moulinié (1599–1676)
Por la verde orilla del claro Tormes
Jeunes amours
José Marin (1619?–1699)
Que bién canta un Ruiseñor
Marin Marais (1656–1728)
Sarabande en Fá Majeur
Piéces de Viole, Cinquiéme Livre (Paris 1725)
Juan Hidalgo (1614–1685)
Dulce Ruiseñor
Juan Hidalgo (1614–1685)
Solo a nuestra Señora
Étienne Moulinié (1599–1676)
Beaux yeaux!
Jeune Merveille
Marin Marais (1656–1728)
Prélude en Lá Mineur
Piéces de Viole, Troisiéme Livre (Paris 1711)
Juan Hidalgo (1614–1685)
Con tanto respecto adoro
José Marin (1619?–1699)
Yo la vi que por mí lloraba
Ojos, pues me desdeñais
Étienne Moulinié (1599–1676)
Souffrez beaux yeux
Marin Marais (1656–1728)
Petit Rondeau en Ré Majeur
Piéces de Viole, Troisiéme Livre (Paris 1711)
José Marin (1619?–1699)
Desengañemos ya
Juan Hidalgo (1614–1685)
Rompa el aire en suspirosn.

Die Musikerinnen und Musiker
Geboren in Medellín, Kolombien, studierte LINA MARCELA LÓPEZ zuerst für ihren Bachelor in Komposition und Gesang an der EAFIT Universität in Medellín. Es folgte eine Spezialisierung in Alte Musik in der Schola Cantorum Basiliensis, in der Schweiz, unter Rosa Dominguez.
Sie ist eine begeisterte Liebhaberin des Polyphonischen Repertoires aus Renaissance- und Barockzeit. Im Solistischen Ensemble singt sie mit Ensembles wie La Fenice (Jean Tubery), Musica Temprana (Adrian Van der Spoel), Ensemble Elyma (Gabriel Garrido), La Grande Chapelle (Albert Recasens), La Chapelle Harmonique (Valentin Tournet), Daimonion Ensemble (Anaïs Chen-Maria Gonzalez), Melpomen (Conrad Steinmman) und Studio31 (Johannes Keller).
MARIA FERRÉ schloss zunächst ihr Gitarrenstudium an der Musikhochschule Barcelona (Spanien) ab. Danach studierte sie Laute und andere historische Zupfinstrumente bei Rolf Lislevand an der Musikhochschule Trossingen (De) und bei Hopkinson Smith an der Schola Cantorum Basiliensis (Basel). Heute unterrichtet Maria Ferré an der Musikschule Birsfelden (BL) und konzertiert in vielen Ländern Europas und den USA mit verschiedenen Ensembles und Orchestern wie dem Ensemble L’Art du Bois, Ensemble La Traditora, Duo M&M mit Dominique Vellard, A Corte Musical, Quadrifoglio, La Cetra Barockorchester, Venice baroque orchestra, Freiburger Barockorchester, Concerto Köln. Maria Ferré ist inzwischen auf zahlreichen CD Einspielungen zu hören.
LINA MANRIQUE ist in Bogotá, Kolombien geboren. Sie studierte zunächst Barockgeige unter Chiara Banchini und Amandine Beyer in der Schola Cantorum Basiliensis. Während dieser Zeit wurde in ihr das Interesse an der Viola da Gamba geweckt, welcher sie sich mit einem Masterstudium unter Paolo Pandolfo widmete und das sie mit Cum Laude abschliesst.
An der Musikhochschule in Strasbourg studierte sie anschließend unter Martin Gester Kammermusik in einem Aufbaustudium.
Sie hat auf renommierten Festivals musiziert, wie Utrecht Oude Muziek, Festival d’Ambronay, Bach Biennale Weimar, Ciclo de Música Sacra Maestro de la Roza und der Festival Bach in Lausanne. Regelmässig spielt sie mit Gli Incogniti, Les Musiciens du Louvre, Ensemble Elyma, Le Parlement de Musique, Il Divino Sospiro, Capriccio Barockorchester Basel, La Cetra Barockorchester Basel, Bremer Barockorchester, Scherzi Musicali und der Theatro dei Cervelli.
TIAGO OLIVEIRA wurde geboren in Porto, Portugal, erhielt in seiner Heimatstadt seinen ersten Unterricht in den Fächern Gesang, Trompete und Komposition. Nach seinem Abschluss für Musik auf Lehramt in Portugal studierte er an der Karlsruher Musikhochschule Chordirigieren bei Prof. Martin Schmidt und Orchesterleitung bei Prof. Andreas Weiss. Danach folgte ein Gesangstudium mit Rosa Dominguez an der Schola Cantorum Basiliensis, das er 2013 abschloss.
Als Solist und Ensemblesänger wirkte er europaweit unter anderem unter der Leitung von Andrea Marcon, Thomas Hengelbrock und Jean Tubéry (La Fenice). Vergangene Engagements führten ihn unter anderem an das Concertgebouw in Amsterdam und im Rahmen der Münchner Opernfestspiele an das Prinzregententheater.
Zum Programm
Die grösste Entwicklung in der abendländlischen Musik im siebzehnten Jahrhundert war die Enstehung der Oper in Norditalien. Wie wurde diese Entwicklung in anderen Ländern wahrgenommen und wie wurde dieser Einfluss angenommen?
Tanz- und Hofmusik wurden beeinflusst und haben in der Oper ihren Platz gefunden: es entstanden neue Formen, wie die Zarzuelain Spanien, die Tragédie Lyrique und die Opéra-Ballet in Frankreich.
In Spanien gab es José Marin und Juan Hidalgo, der letztere der Vater der Zarzuela. Zwar schreiben beide auch im alten spanischen Stil Seguidillas, Pasacalles undFolías, tanzartige Lieder auf der Gitarre begleitet, meistens mit einfachen Texten, die von volkstümlichen Themen handeln, beeinflusst vom italienischen Stil schrieben sie aber auch sogenannte Lamentos,mit reichen Harmonien, Texten mythologischen Ursprungs und von hochpoetischer Qualität.
In Spanien wird in der Zeit unterschieden zwischen geistlichen und weltlichen Liedern. Die Vilancicos, oft mit Texten die zwar weltlich scheinen, aber durchzogen von symbolischen Andeutungen zu geistlichen Figuren sind (z. B. Juan Hidalgo, Solo a nuestra Señora), und auf der anderen Seite die Tonos Humanos und die Cantadas Humanas (italienisch beeinflusst), die beide von weltlichem Charakter sind. Dieser Unterschied ist stärker am Text als am musikalischen Stil zu erkennen.
Die Musik von José Marin hat wenig Einfluss auf die Bühnenmusik in Spanien gehabt. Nur einige von seinen Vilancicossind in Zarzuelasund Comediasvon anderen Komponisten mit anderen Texte zu finden.
Juan Hidalgo hat neben seinen geistlichen Werken, die leider komplett verschollen sind, circa 20 Zarzuelas, Comedia Pastoralund zwei Operngeschrieben.
Die Partnerschaft zwischen Hidalgo und dem Dichter und Dramaturg, Pedro Calderón de la Barca, ist 1660 der Anfang der spanischen Oper. Das erste Werk ist Celos aun del aire matan.
Etiénne Moulinié versucht sich auch im spanischen und italienischen Stil, er ist einer der wichtigsten Komponisten der französiche Monodie, der Airs de cours und derAirs à boire. Wie in Spanien sind auch hier grosse Unterschiede zwischen dem musikalischen Charakter und der poetischen Qualität im Vergleich von der Air de Cours undAir à Boire zu sehen. Inhaltlich widmen sich die Airs de Cours überwiegend mythologischen Themen oder der romantischen Liebe, während in den Airs à Boiremeist das Hofleben und die Politik kommentiert werden, oft mit grossem Humor und Ironie (z. B. Soufrez beaux yeux, einem Dialog zwischen einem armen spanischen Ritter und einer französischen Hofdame in Paris).
Auch mit Kompositionen im spanischer und italienischer Sprache bringt Etiénne Moulinié, dem Hof von Gaston d’Orléans, wo er lebenslang tätig war, die Musik en Vogueder ausländischen Höfe bei. Por la verde orilla del claro tormesein Beispiel hierfür.
In den Instrumentaltänzen von Marin Marais werden alle diese Klänge und Sprachwelten verflochten. Marais, Schüler von Sainte-Colombe und Lully, ist eine zentrale Figur für die französichen Oper und der Musik seines Instrumentes, der Viola da Gamba. Er war von spanischer Musik fasziniert und schrieb die Folies d´Espagne.
Titelbild:
Jan Thomas van Yperen (1617–1678)
Infantin Margarita Teresa (1651–1673),
im Theaterkostüm
Kunsthistorisches Museum Wien