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Tja, ist doch komisch...
Laut SBB nimmt die Zuverlässigkeit ab.
Laut Bombardier nimmt die Zuverlässigkeit zu.
Wem glauben wir nun mehr?
Ob da doch einer von beiden die Zahlen geschönt hat?
Es gibt keine Beweise für Zahlenmanipulation.
Gumikueh hat es weiter oben sehr schön auf den Punkt gebracht:
Das Problem an Statistiken ist nicht so sehr die Fälschung des Zahlenmaterials, sondern die Interpretation des Resultats.
Es ist kein Problem, die Statistik so zu interpretieren, dass beide Seiten Recht haben, ohne dass man einem der beiden Lügnerei oder Zahlenmanipulation nachweisen kann:
- Bombardier sagt, die Zuverlässigkeit hat zugenommen. Das ist richtig: Vor einem Jahr lag der Kilometerwert bei 2000 Kilometer pro Störung, aktuell ist er im Bereich von ca. 6000 Kilometern. Ergibt eine Verdreifachung des Wertes innert eines Jahres.
- SBB sagt, die Zuverlässigkeit hat abgenommen. Das ist auch richtig: Im Oktober 7100 Kilometer, im November 6600 Kilometer, im Dezember 5219 Kilometer. Heisst eine Abnahme von 2000 Kilometer innert drei Monaten.
Es gibt den bekannten Spruch; "Trau keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast". Der Spruch meint damit nicht, dass man Statistiken fälschen soll, sondern er meint, dass jede Statistik so interpretiert werden kann, dass es der eigenen voreingenommenen Meinung entspricht.
Es interpretiert jeder die Zahlen so, dass es für ihn stimmt und der eigenen Sichtweise Pro/Contra Bombardier entspricht. Kann man machen und dass die Geduld der Boulevardpresse und der Bevölkerung zehn (!!) Jahre nach Bestellung am Ende ist, ist auch klar.
Was unterschlagen wird, ist die Tatsache, dass die Menge der Störungen einen Zusammenhang mit der Menge der eingesetzten Züge hat. Es ist zwar richtig, dass der Wert gesunken ist. Aber die SBB setzen ab Fahrplanwechsel viel mehr Züge ein und lassen diese wiederum viel mehr in Doppeltraktion fahren, inkl. An- und Abkuppeln, ergo nimmt auch die Menge der Störungen zu.
Es ist darum etwas einfach, wenn man den Rückgang der Zuverlässigkeit nur auf das "Versagen" des verhassten Herstellers schiebt.
Nicht falsch verstehen:
Ich bin kein Bombardieranhänger und bin genauso frustriert und wütend darüber, dass die Züge nun auch im 2020 immer noch nicht zufriedenstellend funktionieren; alleine die Wasserschäden im Speisewagen sind peinlich. Aber mir fehlt bisweilen ein gewisser Respekt ggü. dem Hersteller, erreichten Fortschritten und auch eine Berücksichtigung aller Rahmebedingungen, die in die Zuverlässigkeit hineinspielen.