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Am 10. Januar 1798 erobern Patrioten der Städte Vevey und Montreux das Schloss Chillon von den Berner Landvögten, die keinen Widerstand leisten und es sang- und klanglos aufgeben. Am 24. Januar verkünden sie zusammen mit Bürgern von Lausanne die Unabhängigkeit des Waadtlands. Chillon wird in dieser Waadtländer Revolution zum Staatsbesitz und gehört ab 1803 dem neuen Kanton Waadt, der in der Meditationsakte von Napoleon zusammen mit 18 anderen Kantonen gegründet wird. Das alte Bauwerk wird als Waffen- und Munitionslager sowie als Kantonsgefängnis genutzt. Die ersten Besuchenden treffen also auf Gefängnisinsassen… unter der Aufsicht eines Hauswarts und zweier Gendarmen. Mit der aufkommenden Romantik wächst auch die Anziehungskraft der mittelalterlichen Festung und immer mehr Personen besuchen Chillon, darunter der englische Dichter Lord Byron. Er besucht das Schloss 1816 und schreibt, inspiriert von der Geschichte des Gefangenen François Bonivard (1493-1570), das Gedicht Der Gefangene von Chillon, welches das Schloss auf der ganzen Welt bekannt macht – das Gedicht wird in rund zwanzig Sprachen übersetzt. In dieser romantisierten Erzählung über die Leiden von Bonivard, des Probstes von Saint-Victor in Genf, der wegen seiner anti-savoyischen Haltung in Chillon gefangen gehalten und schliesslich von den Bernern befreit wurde, wird die historische Persönlichkeit zu einem Freiheitssymbol und das Gefängnis erhält eine mystische Aura.
Die Romantikerinnen und Romantiker schauen enthusiastisch auf das Mittelalter zurück und entdecken Chillon neu für sich. 1762 hat Jean-Jacques Rousseau in seinem Roman Julie oder Die neue Heloise schon eine Szene in der Nähe von Chillon spielen lassen und die Gefangenschaft Bonivards erwähnt.
Zahlreiche andere Kunstschaffende sind vom Schloss und seiner Umgebung fasziniert und widmen ihm Werke, darunter Victor Hugo, Joseph Mallord William Turner, Lew Tolstoi, Gustave Courbet, Salvador Dalí und Joseph Hornung.
Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wird das Schloss unter der Leitung des Kantonsarchäologen Albert Naef restauriert. Bis heute finden regelmässig Unterhaltsarbeiten statt.