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Lee Miller
Biografie und Ausstellung der
Fotografin
Eingefügt am 6. August 2007
Das Victoria & Albert Museum in London
wird vom 15. September 2007 bis am 6. Januar 2008 die Ausstellung The Art of
Lee Miller zeigen. Unter den 140 Arbeiten werden Zeichnungen, Collagen,
Filmauszüge, Zeitschriftenseiten und Fotografien der Fotografin zu sehen sein.
Neben Kriegs- und Dokumentarfotos werden auch Werbe-, Mode-, avantgardistische
Kunst- sowie Aktfotos ausgestellt sein. Neben ihren Portraits von Chaplin und
Picasso werden zum Beispiel auch einige ihrer Fotos der KZs Buchenwald und
Dachau sowie von Hitlers Wohnung zu sehen sein.
Artikel vom 21. Januar 2007
Noch bis am 4. Februar 2007 zeigt das
Kunstmuseum Wolfsburg die Ausstellung Lee Miller: Fotografien 1930 - 1970.
In Wolfsburg sind 170 Fotos der amerikanischen Fotografien zu sehen.
Dass die Ausstellung gerade in Wolfsburg stattfindet, macht Sinn. Nicht nur
historisch Interessierte wissen, dass die Stadt 1938 von Hitler zur Produktion
des Volkswagens geschaffen wurde (Wolfsburg - „Stadt des KdF-Wagens bei
Fallersleben“), wobei das Kraft-durch-Freude-Automobil allerdings erst die
Bürger der BRD als VW beglückte.
Die eindrücklichsten Fotografien von Lee Miller wiederum haben mit Hitler und
dem Nazi-Regime zu tun: 1940 wurde sie vom Magazin Vogue in London fest
angestellt, um später als Kriegskorrespondentin akkreditiert zu werden. Sie
begleitete für die britische und die amerikanische Vogue 1944/45
fotografisch die Schlacht um St. Malo, die Befreiung von Paris sowie der
Konzentrationslager in Buchenwald und Dachau. In Wolfsburg sind insbesondere
Fotos zu sehen, mit denen sie die Greuel in den KZs Buchenwald und Dachau
dokumentierte; die Breite ihrer Fotos über das befreite Deutschland wurde
allerdings erst nach ihrem Tod am 21. Juli 1977 bekannt.
Das bekannteste Foto der Kriegszeit im Zusammenhang mit Lee Miller schoss
allerdings nicht die Fotografien selbst, sondern ihr Kollege David Sherman im
Mai 1945 in München: Es zeigt die nackte Lee Miller in der Badewanne von Adolf
Hitler.
Die Kriegsfotos waren in der Londoner Ausstellung in der National Portrait
Gallery, die sich auf die Portraits konzentrierte, nicht zu sehen; siehe zu
diesem Thema das nebenstehende Buch Lee Miller's War.
Zurück an den Anfang der Biografie von Lee Miller: Die Amerikanerin wurde am 23.
April 1907 in Poughkeepsie, im Bundesstaat New York geboren. Bereits mit 18 ging
sie ein Jahr nach Paris, um Licht, Kostüm nd Theaterdesign zu lernen.
In den 1920er Jahren arbeitete sie im Big Apple als fashion model für die
amerikanische Vogue. Nachdem sie mit 19 vom Publizisten Condé Nast in
Manhattan entdeckt worden war, stand sie berühmten Fotografen wie
Edward Steichen
erfolgreich Modell. Rasch wurde sie jedoch der passiven Rolle überdrüssig und
wechselte auf die andere Seite der Linse.
Dazu reiste sie 1929 nach Paris, wo sie bei Man Ray das Metier der Fotografin
lernte. Zuerst allerdings musste sie den 1890 als Emmanuel Radnitzky in
Philadelphia Geborenen davon überzeugen, sie zu unterrichten, denn genau das tue
er nicht, hatte Man Ray ihr zuerst beschieden. Doch rasch wurde die hübsche und
ambitionierte Amerikanerin seine Assistentin, dann seine Geliebte, seine Muse
und sein Modell. Mit Man Ray zusammen entwickelte sie die Fototechnik der
solarization.
Zu Lee Millers frühen eigenen Arbeiten gehört der Akt mit Kettenhemd von
1930, das von ihrer Verbindung mit den Surrealisten zeugt. Zu ihren Freunden
zählten Man Ray, Pablo Picasso, Paul Eluard, Jean Cocteau, und Gertrude Stein
zeugt. In jenem Jahr, 1930, verkörperte die elegante Fotografin in Jean Cocteaus
erstem Film (Das Blut eines Dichters) eine Statue.
1932 kehrte Lee Miller bereits nach New York zurück und eröffnete dort zusammen
mit ihrem Bruder Erik ein Fotostudie, das sich auf Portraits und
Werbefotografien spezialisierte. Vanity Fair kürte sie rasch zu den
führenden zeitgenössischen Fotografen, da sie die amerikanische
Dokumentarfotografie (straight photography) mit der bei Man Ray erlernten
Kunstfotografie verband.
1934 heiratete Lee Miller den ägyptischen Geschäftsmann Aziz Eloui Bey. Sie
verliess ihr Fotostudie und zog nach Ägypten, wo sie nicht mehr als Fotografin
tätig war, doch surrealistisch inspirierte private Bilder schoss. Bei Ausbruch
des Zweiten Weltkriegs hatte sie ihren Mann längst verlassen - sie liessen sich
1947 scheiden - und lebte 1937 in Paris und besuchte Picasso in Mougins, später
in London (siehe oben).
Nach dem Krieg lebte Lee Miller mit dem britischen Kunsthistoriker,
Kunstsammler, Dichter und surrealistischen Maler Roland Penrose, dem
Mitbegründer des Institute of Contemporary Arts in London, den sie 1937 in Paris
kennengelernt hatte und mit dem sie in Mougins bei Picasso und Dora Maar zu Gast
gewesen war. Sie heirateten am 3. Mai 1947. Bereits im September kam ihr Sohn
Antony Penrose zur Welt.
1949 kaufte sich das Paar das Farley Farm House in Sussex, das in den 1950er und
1960er Jahren viele Künstler besuchten.
Die Fotografin kriegte ab den 1930er Jahren fast alle berühmten Künstler vor die
Linse, von Max Ernst
über Igor Strawinsky, Fred Astaire, Marlene Dietrich, Colette bis zu Pablo
Picasso, mit dem sie seit den Pariser Jahren befreundet war und den sie oft
portraitierte; das Kunstmuseum in Wolfsburg zeigt davon eine kleine Auswahl.
Im späteren Leben litt Lee Miller unter Alkoholproblemen. Sie sprach nicht über
den Zweiten Weltkrieg und kümmerte sich nicht mehr um die Bekanntmachung und
Verbreitung ihres fotografischen Werks. Sie starb 1970 im Farley Harm House an
Krebs. Erst ihr Sohn Antony Penrose machte ihr Lebenswerk wieder einer breiteren
Öffentlichkeit bekannt (Roland Penrose war 1984 verstorben).
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Richard Calvocoressi: Lee
Miller: Portraits from a Life.
Englische Ausgabe, Hardcover, Thames & Hudson, 2002,
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Robert Penrose: Lee Miller's
War: Photographer and Correspondent with the Allies in Europe 1944-45.
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