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"Was kommt als Nächstes" fragt man sich nach der öden Lektüre des Romans "Next".
Crichtons Roman "Beute" (Dezember 2002) war im Grunde genommen ein klassisches Horrorszenario, bei dem die wild gewordenen Bienen, Fledermäuse oder Ameisen durch Nanomaschinen ersetzt wurden. Sowohl der Protagonist, ein arbeitsloser Biotechnologe namens Jack, als auch der Handlungsverlauf wusste zu fesseln.
Im Nachfolger "Welt in Angst" (Januar 2005) beschwor er eine durch Umweltorganisationen herbeigeführte Klimakatastrophe herauf. Mehrere Protagonisten mussten die Story tragen, was auch weitestgehend gelang. Lies man sich auf das hypothetische Szenario ein, wurde man gut unterhalten. Etwas nervig war in diesem Roman der ständig im Hintergrund mahnende Zeigefinger des Autors. In "Next" geht er noch einen gewaltigen Schritt weiter, sehr zum Unwillen des Lesers.
Gefahren der Gentechnik … zum Gähnen
Seinem Roman schickt Crichton o. g. Sinnschrift voraus: der Leser hat also keine Möglichkeit zu erkennen, was bereits gentechnisch möglich ist und was nicht. Nun soll Fiktion in erster Linie unterhalten. Der Wahrheitsgehalt spielt in der Regel, sofern die Geschichte einen logischen Handlungsverlauf hat, keine Rolle. Hier haben wir es mit einer Ausnahme zu tun, weil Crichton schon im Roman durch die Auswahl der Beispiele manipulativ vorgeht: positive Entwicklungen, die sich durch die Gentechnik ergeben könnten, kann man mit der Lupe suchen. Stattdessen fährt er alles auf, was man vereinzelt schon in nach Aufmerksamkeit heischenden Massenmedien, meistens während des "Sommerlochs", gelesen hat. Gentests wegen Vaterschaftsklagen, zur Überführung von Verbrechern, unerlaubte Menschenversuche durch Gabe eines "Reifegens", Mord durch Gabe eines Biologikas, Diebstahl und Verkauf Leichenteilen für Knochenmarkspenden durch korrupte Bestattungsunternehmer, Verkauf von Gewebeproben für Milliardenbeträge, ohne Information des "Spenders" durch geldgeile Forscher, Flucht von genmanipulierten Labortieren in "die freie Natur" usw. All dies und mehr bringt Crichton auf knapp 510 Seiten unter - und vergisst dabei zwei wichtige Dinge, die für den Leser elementar sind: lebendige Figuren und einen spannenden Handlungsverlauf. Jedem Problem ist mehr oder weniger eine Person zugeordnet. Da bleibt keine Zeit mehr für Personenentwicklung. Und so springt Crichton von einem Protagonisten zum nächsten, ohne dass der Leser ein System erkennen kann.
In den Roman eingebaut sind zahlreiche "Zeitungsartikel", statistische Daten, Zitate von Wissenschaftler etc., welche den Eindruck erwecken könnten, Crichtons Behauptungen seien wissenschaftlich beweisbar. Um diesen Eindruck zu verstärken, verweist er im Anhang auf eine Vielzahl von Quellen (in Englisch). Einmal davon abgesehen, dass es sich häufig um englischsprachige Quellen in medizinischen Fachzeitschriften handelt, auf welche die wenigsten Leser Zugriff haben dürften, handelt es sich bei "Next" um einen Roman und nicht um eine Streitschrift pro oder contra Gentechnologie. Deswegen sucht man vergeblich im Text nach Marginalien, welche auf die entsprechende "Quelle" verweist.
Ein manipulatives, als Roman getarntes populärwissenschaftliches Buch ohne erkennbare Handlung, roten Faden (außer der Verteufelung der Gentechnik) und mit schlecht ausgearbeiteten Charakteren.