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FN-Serie über Freiburger Teilnehmer am Concours Eurovision
Auf den ersten Blick hat die wohl bekannteste und erfolgreichste Sängerin der Gegenwart nichts mit dem Kanton Freiburg zu tun. Doch um Parallelen zu finden, müssen wir in den Geschichtsbüchern des Concours 12 Jahre zurückblättern. Ende April 1988 gewann letztmals die Schweiz den Wettbewerb. Die Sängerin Céline Dion war damals in unseren Breitengraden unbekannt. Die in Mon-tréal/Kanada geborene Lerche, wie sie auch liebevoll genannt wird, hatte damals in Dublin in einem unvergesslichen Endspurt den Briten Scott Fitzgerald auf den zweiten Platz verwiesen. Nur dank der Wertung der Jugoslawen konnte die Schweiz mit einem Punkt Vorsprung den Grand Prix nach 1956 zum zweiten Mal gewinnen.
«Ne partez pas sans moi»
Getextet wurde das Siegerlied von 1988 von Nella Martinetti. Sie hatte ihrerseits zwei Jahre zuvor den Grand Prix der Volksmusik mit dem Lied «Bella Musica» für die Schweiz gewonnen. Da der Concours Eurovision de la Chanson seit jeher ein Komponistenwettbewerb ist, ist eigentlich nicht Céline Dion die wahre Siegerin, sondern der Komponist. Und der ist ein Freiburger, nämlich Atilla Sereftug. Der Berufsmusiker und Komponist war 1982 bereits sehr bekannt und beliebt, damals mit der Showgruppe Dorados. Unvergesslich sind die Songs «Mary ven con migo» oder «Tu mi hai lasciato». Viele Titel der Dorados wurden übrigens auch von Nella Martinetti getextet. Nach der Auflösung der Gruppe 1984 arrangierte und komponierte Atilla Sereftug für verschiedene Künstler im In- und Ausland. 1986 komponierte er für seine Ehefrau Daniela Simmons den Song «Pas pour moi», welcher am Grand Prix in Norwegen auf den zweiten Rang kam. (Daniela Simmons wird im nächsten Artikel dieser Serie porträtiert).
Erfolgreiches Zufallsprodukt
Die Kombination Atilla Sereftug und Céline Dion war eigentlich nur ein Zufallsprodukt. Der Freiburger schrieb das Lied «Ne partez pas sans moi» nur nach der Stimme von Céline Dion, obwohl er sie nie gesehen hatte. So wurden Sereftug-Dion die Erfolgreichsten in der Schweizer Grand-Prix-Geschichte.
In den frühen 80er Jahren hatte die blutjunge Céline Dion ihre ersten Plattenaufnahmen. 1982 konnte sie für Kanada am World Popular Song Festival in Tokio die Goldmedaille gewinnen. Im selben Jahr folgte einer ihrer grössten Hits: «D’amour ou d’amitié». Nach einigen Tourneen in Frankreich und ihrem Heimatland Kanada war sie im frankophonen Gebiet eine Berühmtheit. Umso mehr erstaunt die Tatsache, dass Céline Dion das Risiko einer Teilnahme am Grand Prix eingegangen war. Denn bekannte und bereits etablierte Sänger und Sängerinnen scheuen die Teilnahme am Grand Prix wie der Teufel das Weihwasser. Doch das Risiko lohnte sich für Céline Dion. Sie wurde durch den Gewinn des Concours Eurovision im europäischen Raum bekannt, und nur so konnte sie die Titelmusik zum Film «Die Schöne und das Biest» aufnehmen und damit auch noch einen Oscar einheimsen. Das war der Startschuss zu einer unvergleichlichen Karriere, die seinesgleichen sucht. Vom Techno-Freak bis hin zum Jodelliebhaber mögen alle die Musik von Céline Dion. Mit dem Titelsong zum besten Film aller Zeiten, «Titanic», hat sich Céline ein Monument geschaffen.
Der 1988er Concours Eurovision de la Chanson hatte nicht nur die Entdeckung von Céline Dion zur Folge, die Luxemburgerin Lara Fabian, welche damals den vierten Platz belegte, ist heute ebenfalls sehr erfolgreich.
Freiburger an
der Eurovision
Am 13. Mai 2000 findet in Stockholm der Concours d’Eurovision de la Chanson statt. Als Vertreterin der Schweiz wird die 32-jährige Solothurnerin Jane Bogaert in den hohen Norden reisen.
Der Concours hat auch im Kanton Freiburg eine gewisse Bedeutung, durften doch in der Vergangenheit einheimische Künstlerinnen und Künstler an diesem bekannten Wettbewerb teilnehmen. Ausserdem hat der Eurovisionsclub der Schweiz seinen Sitz in Plaffeien. In loser Folge bringen die FN bis Anfang Mai Interviews und Porträts von einigen dieser Künstler.