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"... bis endlich der Erbarmer Tod eintrifft und die heimatliche und staatliche Fürsorge und Humanität überflüssig macht»
Der Friedhof der neuzeitlichen Korrektionsanstalt Cazis Realta, Graubünden/Schweiz
Bernd Heinzle, Christine Cooper & Thomas Reitmaier, Archäologischer Dienst Graubünden
In der Gemeinde Cazis wurde 1854 die “Kantonale Korrektionsanstalt Realta” eröffnet und für deren Insassen ein eigener Friedhof errichtet. Aus den Registern sind die Daten vieler Personen bekannt, die hier verstarben und beerdigt wurden. Neben Menschen, die als “liederlich” oder “arbeitsscheu” galten, finden sich auch solche, die als “Irre” bezeichnet wurden. Es sind Männer und Frauen, die nicht der damaligen moralischen Norm entsprachen oder finanziell zur Last fielen und deshalb – nicht freiwillig – in der Anstalt untergebracht wurden. Der gesamte Friedhof konnte 2016 archäologisch untersucht werden. Es wurden 103 gut erhaltene Körperbestattungen mit einfachen Holzsärgen geborgen. Archivalische und statistische Untersuchungen ermöglichten eine teilweise persönliche Identifizierung der Toten. Die anthropologischen Analysen offenbaren regelhaft einen schlechten Gebisszustand, ein grosses Ausmass arthrotischer Veränderungen und Krankheiten wie Tuberkulose. Daneben zeigen sich bei vielen Skeletten zahlreiche Knochenbrüche in unterschiedlichen Heilungsstadien. Mögliche Ursachen sind Unfälle, Krankheiten oder interpersonelle Gewalt. Die letzten Personen, die noch im Tod administrativ versorgt wurden, dürften in den 1910er Jahren verstorben sein. Der ausserordentliche Bestattungsort bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Quellen zu einem wichtigen und sensiblen Kapitel der jüngeren Schweizer Geschichte und zum behördlichen Umgang mit dem Tod miteinander zu verknüpfen.
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