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Neben Regenbogenfahnen und regierungskritischen Transparenten stachen auffällig viele Symbole aus der rechten Szene ins Auge. Erstaunlich ist: Vieles, was in Deutschland verboten wäre, ist in der Schweiz erlaubt.
22'000 Menschen in Berlin, gut 1000 in Zürich: Am Wochenende gingen Gegner der Coronamassnahmen in Deutschland und der Schweiz wieder auf die Strasse und machten ihrem Unmut über die geltenden Einschränkungen Luft.
Gesichtsmasken trugen die wenigsten. Dafür wurden auffällig viele Reichskriegsflaggen geschwenkt. Welches ist ihr historischer Hintergrund, und wo gibt es einen Bezug zur Nazi-Zeit? Eine kleine Flaggenkunde:
Die Reichskriegsflagge wurde anlässlich der Neugründung des Deutschen Reiches 1871 geschaffen und unter anderem als Kriegsflagge der deutschen Marine und später der gesamten deutschen Streitkräfte verwendet. Die Nazis ersetzten später den Adler in der Mitte der Flagge durch das Hakenkreuz. Die Reichskriegsflagge zu zeigen, ist in Deutschland und der Schweiz grundsätzlich erlaubt. Allerdings gilt sie spätestens seit der Zwischenkriegszeit als Symbol rechtsradikaler Kreise. 2013 sorgte der damalige Walliser SVP-Nationalrat Oskar Freysinger für Aufsehen, weil die Kameras des SRF in seinem Keller eine aufgehängte Reichskriegsflagge filmten.
Auch die schwarz-weiss-rote Reichsflagge erlebt an den Coronademos in Deutschland derzeit ein Revival. Die Farbkombination stammt aus dem Jahr 1866. Sie war die Nationalflagge des Deutschen Kaiserreichs (1871 bis 1918). Von 1933 bis 1935 verwendeten die Nationalsozialisten die Flagge als offizielle Farben des Dritten Reiches.
Erst nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg 1935 wurde sie durch die Hakenkreuzflagge ersetzt. Herman Göring, damals Chef der Nazi-Luftwaffe und Reichstagspräsident, erklärte in einer Rede am 15. September 1935 anlässlich der Ablösung der alten schwarz-weiss-roten Flagge: «Die alte Flagge, sie ist in Ehren eingerollt worden. Sie gehört einem vergangenen Deutschland der Ehre an.» Auch sie gilt als eindeutiges rechtsextremes Symbol. Sie ist aber weder in Deutschland noch in der Schweiz verboten.
Die Hakenkreuzflagge war von 1935 bis zum Untergang des Dritten Reiches 1945 die Nationalflagge. Zuvor schon wurde sie von den Nazis als Parteiflagge verwendet. In seinem Buch «Mein Kampf» schreibt Hitler, das Hakenkreuz stehe «für den Sieg des arischen Menschen». Die Verwendung und Verbreitung jeglicher Darstellungen des Hakenkreuzes ist in Deutschland verboten, ausser sie geschieht in klar historischem Kontext (z.B. im Rahmen einer historischen Theateraufführung).
In der Schweiz hingegen darf die Flagge theoretisch gezeigt werden, sofern man damit nur eine eigene politische Überzeugung zum Ausdruck bringen und nicht Propaganda betreiben will. Die Abgrenzung ist schwierig. Dennoch sind mehrere politische Vorstösse, die ein Hakenkreuz-Verbot zum Ziel hatten, in den vergangenen Jahren gescheitert.
Die nationalsozialistische Variante der Reichskriegsflagge, die an Stelle des deutschen Adlers ein Hakenkreuz (Swastika) setzte, wurde offenbar von Adolf Hitler persönlich entworfen und erstmals 1935 gehisst.
Teilweise wurde das Hakenkreuz zusätzlich auf die Rückseite der Flagge genäht, damit es von beiden Seiten betrachtet nach rechts deutete. Die Flagge wurde primär auf Kriegsschiffen, an Wehrmachtsgebäuden und zur Bedeckung der Särge gefallener Soldaten verwendet. Sie ist in Deutschland - wie alle Gegenstände mit Hakenkreuz - verboten, in der Schweiz hingegen nicht. (bzbasel.ch)
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