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Eine Dienstleistung von FOCAL zur Unterstützung junger Regisseurinnen und Regisseure, die sich bei ausländischen Filmemachern weiterbilden wollen.
Wenn ein junger Regisseur* den ersten bedeutenden Kurzfilm abgeschlossen hat, fasst er meist ein Stage auf einem abendfüllenden Spielfilm ins Auge, wo er sich mit den Mechanismen der professionellen Filmproduktion vertraut machen will. Wenn er sich mit diesem Anliegen an eine Produktionsfirma oder einen Filmemacher wendet, schlägt man ihm vermutlich einen Job als Regie-Stagiaire oder als dritter Regieassistent vor.
In dieser Stellung hat er jedoch keine Chance, den gewünschten Durchblick zu erhalten, denn in der Praxis ist er dort der ersten oder zweiten Regieassistenz unterstellt, und nicht der Regie selbst. Er hat somit mehr mit Statisten zu tun als mit der Regie.
Natürlich ist auch diese Erfahrung nützlich und manchmal spannend, je nach Komplexität der Szenen und den Personen, die daran arbeiten; sie bringt ihn in seinem Verständnis des Métiers des Regisseurs jedoch kaum weiter.
Es gibt jedoch eine Stellung, in der er den ganzen künstlerischen Prozess an der Seite des Regisseurs mit verfolgen, sämtliche Herausforderungen beobachten und aktiv mitmachen kann: die des Personal Assistant.
Der Personal Assistant ist eine in der Schweizer Produktionslandschaft inexistente Stellung und rechtfertigt sich auch sonst nur bei grösseren Budgets (ab ca. 3 Mio. Euro).
Wie aus der Bezeichnung hervor geht, ist der "persönliche Assistent" direkt dem Regisseur unterstellt. Sein Pflichtenheft variiert stark, je nach Regisseur und Filmprojekt. Mögliche Aufgaben sind:
- Begleitung des Regisseurs während der Vorbereitungsphase, des Drehs und manchmal auch bei der Postproduktion. Dadurch erhält der PA einen Überblick über das gesamte Projekt.
- Administrative Aufgaben, Verwaltung der Korrespondenz des Regisseurs und seines Terminplans; fungiert manchmal auch als sein persönlicher Chauffeur. Dadurch gewinnt der PA Einblick in die einzelnen Aufgaben des Regisseurs.
- Anwesenheit an allen Vorbereitungssitzungen mit den verschiedenen Abteilungsleitern, an denen die meisten künstlerischen Entscheidungen gefällt werden. So kann der PA mitverfolgen, wie eine Vision in der Gruppe entwickelt wird.
- Beisein beim Casting, bei der Reko und den technischen Versuchen. Der Film nimmt so vor seinen Augen Form an.
- Enger Kontakt mit der Regieassistenz und der Produktionsleitung, manchmal auch mit dem Produzent selbst. Der PA erlebt dadurch die Zwänge, denen ein Filmprojekt unterworfen ist, aus nächster Nähe mit.
Diese (unvollständige) Liste zeigt, dass sich der Personal Assistant genau am richtigen Platz befindet um zu verstehen, wie ein Regisseur arbeitet. Es ist die einzige Stelle, an der er sich mit Sicherheit "mitten drin" befindet und lernen kann, was er für seine berufliche Laufbahn braucht.
Mit dem Personal Assistant-Stipendium will FOCAL jungen Regieanwärtern helfen, Zugang zu einem solchen Posten auf einer ausländischen Produktion zu erlangen. Die Stiftung stellt für die Anstellung 8'000 Euro zur Verfügung.
Die Stipendien werden in zwei Raten ausbezahlt: 80% zu Beginn des Praktikums und 20% bei Abgabe des jeweiligen Praktikumsberichts.
Die EmpfängerInnen der bisherigen Personal Assistant Stipendien waren:
2010: Gilles Monnat, Absolvent der Ecole cantonale d'art de Lausanne (ECAL), für seine Mitarbeit am französischen Film La permission de minuit von Delphine Gleize, mit Vincent Lindon und Emmanuelle Devos. Lesen Sie seinen Bericht (PDF, Französisch) er liest sich wie ein Drehbuch;
2011: Ivana Lalovic, Diplomandin der ZDHK, für ihre Mitarbeit am schwedischen Film A Pigeon Sat on a Branch Reflecting on Existence von Roy Andersson. Lesen Sie ihren Bericht (PDF, English).
2013: Boris Kish für seine Mitarbeit an der Vorproduktion des belgischen Films through love Through love von Harry Cleven. Das Projekt wurde anschliessend abgebrochen. Lesen Sie seinen Bericht Bericht (PDF).
2014: Camille Morend für ihre Mitarbeit am chilinischen Film una mujer fantastica von Sébastiàn Lelio. Lesen Sie ihren Bericht (PDF, Französisch).
2015: Adrien Kuenzy für ihrer Mitarbeit am französischen Film madame hyde von Serge Bozon, mit Isabelle Huppert, Romain Duris und José Garcia. Lesen Sie seinen Bericht (PDF).
2016: Mauro Mueller für seine Mitarbeit am amerikanischen Film KODACHROME von Mark Raso, mit Ed Harris. Lesen Sie seinen Bericht (PDF) über die Dreharbeiten in Toronto.
Modalitäten der Bewerbung für ein Personal Assistant-Stipendium
- Der Kandidat muss Schweizer oder in der Schweiz wohnhaft sein.
- Er muss mindestens einen kurzen Spielfilm unter professionellen Bedingungen realisiert und unabhängig oder im Rahmen einer Filmschule produziert haben (bitte DVD beilegen).
- Der Kandidaten nimmt mit der Regie oder der Produktion selbst Kontakt auf, um sich als Personal Assistant für eine Anstellung von mindestens vier Monaten vorzustellen.
- Grundsätzlich müssen Regie und Produktion ausländisch sein. Minoritäre Schweizer Koproduktionen mit ausländischem Regisseur sin möglich.
- Der Regisseur, für den der Kandidat arbeiten will, muss zuvor mindestens einen langen Spielfilm realisiert haben.
- Der Film, auf dem der Kandidat arbeiten will, muss fürs Kino bestimmt sein.
- Der Kandidat reicht seine Bewerbung selbst ein.
- Das Bewerbungsdossier muss Folgendes enthalten:
- Synopsis des Films
- Daten und Etappen der Filmproduktion, bei denen der Kandidat als Personal Assistant mitwirken will (mindestens vier Monate)
- Pflichtenheft des Personal Assistant
- Motivationsschreiben des Kandidaten
- Curriculum Vitae des Kandidaten
- Schriftliche Erklärung des Regisseurs, welche die Stellung des Personal Assistant bestätigt
- Filmographie oder Curriculum Vitae des Regisseurs
- Schriftliche Bestätigung der Produktionsfirma, dass sie sich verpflichtet, den Kandidaten als Personal Assistant des Regisseurs ins Filmteam aufzunehmen, wenn er das Stipendium von FOCAL zugesprochen erhält. Diese Erklärung muss erläutern, wie der Kandidat und die Produktion das Stipendium (Lohn und Spesen) verwenden wollen und ob die Produktion einen zusätzlichen Beitrag leistet. Der Produzent muss ausserdem die Haftpflichtversicherungskosten für den Kandidaten während seiner Mitwirkung beim Film übernehmen.
- Filmographie der Produktionsfirma
- Den oder die Filme des Kandidaten auf DVD.
- FOCAL behält sich das Recht vor, sich beim jeweiligen Produzenten danach zu erkundigen, ob das Praktikum des Laureaten tatsächlich gemäss den getroffenen Vereinbarungen und dem Bewerbungsdossier verläuft.
- Am Ende der Anstellung muss der Personal Assistant einen Bericht abliefern, der über alle ausgeführten Tätigkeiten Auskunft gibt.
Die Bewerbungen für das Personal Assistant-Stipendium können bis zum 1. Dezember (Eingangsdatum) eingereicht werden.
Bitte senden Sie Ihre Bewerbung (in drei Exemplaren) an FOCAL, Av. de la Rasude 2, CH-1006 Lausanne
Für weitere Fragen zu diesem Stipendium schreiben Sie uns an: <email-pii>
*Der Lesbarkeit zuliebe verwenden wir die männliche Form. Selbstverständlich sind damit immer Frauen und Männer gemeint.