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Von Charlotte Wood
Belletristik Erwachsene
(Wie) ist es möglich, dass eine Frau in ihren Fünfzigern einfach so in ein Kloster übersiedelt, obwohl sie nicht gläubig ist, und obwohl der Ort gar keinen sonderlich einladenden Eindruck macht?
«Tage mit mir» setzt ein mit dem Bericht einer namenlosen Ich-Erzählerin, die sich für einige Tage in ein Kloster zurückzieht, müde geworden von einer Ehekrise und ernüchtert von ihrem jahrelangen, erfolglosen Kampf für den Erhalt bedrohter Tierarten. Nur beiläufig erwähnt sie anschliessend, dass sie inzwischen schon seit mehreren Jahren in diesem Kloster in den Monaro Plains lebt, nachdem sie ihr Leben in Sidney aufgegeben hat.
Es passiert nicht viel in diesem Roman – zumindest nicht im Aussen. Die Ich-Erzählerin bestellt den Garten, unterhält zuverlässig Haus und Hof, und nimmt am Alltag der Nonnen teil. Währenddessen erinnert sie sich an ihre Kindheit in einer ländlichen Kleinstadt, denkt über den frühen Tod ihrer Eltern nach, und trauert insbesondere um ihre Mutter, die sich durch Nächstenliebe, Unvoreingenommenheit, aber auch durch ein rätselhaftes Einzelgängertum ausgezeichnet hat. Schicht für Schicht legt die namen- und konturenlose Ich-Erzählerin frei, wie sehr sie selbst sich letztlich in ihrer Mutter wiederfindet: durch die Bereitschaft, still einer Gemeinschaft zu dienen im Rhythmus der Jahreszeiten und alltägliche (manchmal auch banale) Dinge mit Hingabe zu verrichten. In ihrer Innenschau aufgestört wird sie jedoch durch eine grauenhafte Mäuseplage, die infolge anhaltender Hitze wochenlang grassiert, und durch die Begegnung mit Helen Parry, einer unbequemen Nonne und berühmt-berüchtigten Klimaschutzaktivistin. Die Ich-Erzählerin wird dabei nicht nur daran erinnert, dass sie mit ihrem gesellschaftlichen Rückzug auch ihren Idealismus zurückgestellt hat, sondern auch daran, wie sie während ihrer Schulzeit Helen grausam behandelt hatte, so dass sie letztlich auch über Schuld und Machtlosigkeit, über Verzweiflung und das Gefühl des Nicht-Genügens reflektiert.