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Obwohl die historische Zerstreuung von Jassen sich auf die alemannische Kultur beschränkt und geographisch in der Schweiz, in Lichtenstein, im Südwesten Deutschlands und im Elsass verbreitet ist, existieren tatsächlich eine Reihe von Kartenspielen in Europa, die mit Jassen verwandt sind. Man fasst diese unter den Schirm der Bézique-Spiele zusammen. Dazu zählen das Schnapsen und Sechsundsechzig aus dem deutschen, österreichischen und ungarischen Raum sowie das französisch-britische Bézique, der Namensgeber der Kartenfamilie, und dessen Vorfahre Marjolet aus West-Frankreich. Binokel wiederum stammt aus dem württembergischen Gebiet, das auch in den Vereinigten Staaten unter dem Namen Pinochle weit verbreitet ist.
Geschichte der Kartenspiele
Das zusammenhängende Verbreitungsgebiet der Bézique-Spiele im französischen, ungarischen und deutschsprachigen Raum deuten auf einen gemeinsamen Ursprung und eine Wechselwirkung zwischen Jassen und dessen Verwandten hin. Dennoch ist es ziemlich schwierig den Werdegang der Spiele miteinander zu vergleichen, da generell nicht genügend historische Hinterlassenschaften vorhanden sind, die die Verbreitung der Kartenspiele in Europa nachweisen können.
Auf der einen Seite schätzen Historiker, dass das Kartenspiel ein weit verbreiteter Zeitvertreib im Orient war und aufgrund kultureller Wechselwirkungen auch in Europa kontinuierlich Zustimmung fand. Auf der anderen Seite gibt es auch Vermutungen darüber, dass Marco Polo, der italienische Händler und Reisende, Spielkarten von China nach Venedig brachte. Von dort hielten sie dann Einzug in den europäischen Kontinent.
Doch aufgrund von mangelnden Beweisen leben diese Argumente als mögliche Annahmen weiter. Fakt ist, dass im Europa des 14. Jahrhunderts die Karten regional angepasst wurden. So waren die Farbzeichen in Mitteleuropa „Schellen“, „Hüte“, „Schilten“ und „Federn“. Später wurden die „Rosen“ und „Eicheln“ in das deutschschweizerischen Blatt eingeführt. Trotz fehlender Nachweise zeugen die Ähnlichkeiten der Bézique-Spiele dennoch von gemeinsamen Wurzeln.
Die Gemeinsamkeiten der Bézique-Spiele
Diese Kartenspiele gehören im weiteren Sinne zu den Stichspielen, die durch das Auflegen von Karten nacheinander gespielt werden. Ein Stich ist per Definition eine Kartenrunde, in der die Spieler nach bestimmten Regeln ihre Karten in der Mitte des Tisches zusammenlegen. Will man Bézique-Spiele noch enger definieren, zählen sie zu den Augenspielen, bei denen es auf den Wert der Karten, die im Stich eingesetzt wurden, ankommt. Dabei gibt es sowohl Spiele, bei denen der Gewinner durch die höchste Augenzahl bestimmt wird, als auch Spiele, bei denen man durch möglichst wenige Punkte gewinnt. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass Asse und Zehner-Karten besonders wertvoll im Spiel sind. Diese Eigenschaft wird jedoch durch verschiedene Kartenkombinationen ergänzt, wie die Zusammenstellung des Königs und der Dame. Schauen wir uns nun die Verwandten von Jassen genauer an.
Sechsundsechzig und Schnapsen
Schnapsen und Sechsundsechzig basieren auf derselben Grundidee. Ziel des Spiels ist 66 Kartenpunkte zu erreichen, indem man durch Stiche wertvolle Karten und Extrapunkte durch die Meldung von Hochzeiten erzielt. Eine Hochzeit ist dabei der Besitz von König und Dame in gleicher Farbe, was beim Ausspiel durch die Aussage des Spielers mit Punkten einkassiert werden kann. Sechsundsechzig unterscheidet sich nur in kleinen Details von Schnapsen. Ein Beispiel ist, dass Schnapsen mit 20 Karten und Sechsundsechzig mit 24 Karten gespielt wird.
Marjolet und Bézique
Marjolet kommt aus dem französischen Raum. Das Ziel ist es, eine Hand mit höchstmöglichen Punkten zu gewinnen und im gesamten Spiel 500 Punkte zu erreichen, was durch den Wert der Karten und durch die Meldung von verschiedenen Kartenkombinationen, wie vier Asse, möglich ist. Bézique ist die erweiterte Version von Marjolet, dessen Varianten mit komplexeren Kartenkombinationen die Spieler ins Schwitzen bringen. Ein einfaches Beispiel bezüglich der Unterschiede zwischen beiden Kartenspielen, ist, dass Marjolet das französische Deck mit 32 Karten nutzt, während Bézique je nach Variation mit mehreren Decks gespielt werden kann.
Binokel
Binokel oder Pinochle sind das gleiche Kartenspiel. Man kann vermuten, dass das Spiel aus dem württembergischen Gebiet durch deutsche Auswanderer in die Vereinigten Staaten gebracht wurde, wo es unter dem Namen Pinochle bekannt wurde. Das Spiel wird mit 48 Karten gespielt, wobei man in manchen Regionen 40 Karten bevorzugt. In diesem Fall melden die Spieler nach der Kartenverteilung die wertvollen Kartenkombinationen der Hand. Dann folgt die Phase des Steigerns oder Reizens, in der man die erreichbaren Punkte im Spiel versucht zu schätzen. Die Person, die den höchsten Wert schätzt, darf die Trumpffarbe im Spiel bestimmen. Erst dann wird das eigentliche Spiel gestartet, mit dem Ziel, insgesamt 1000 Punkte durch wertvolle Kartenkombinationen zu erreichen.