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Wie verteidigen Defensive Backs?
Grundsatz:
In einer normalen Aufstellung spielen Teams mit 4 Defensive Backs. Diese stellen sich aus 2 Cornerbacks und 2 Safetys zusammen. Dabei sind diese Positionen in erster Linie für die Passverteidigung zuständig, nehmen aber auch in der Run-Defense eine grössere Rolle ein, als man denken könnte. Dabei werden zwei Arten von Deckung (Coverage) gespielt. Entweder spielen sie direkt gegen einen Mann oder sie sind für eine Zone verantwortlich
Pass-Verteidigung
In der Passverteidigung haben Defensive Backs zwei Möglichkeiten. Entweder spielen sie direkt gegen den Mann (hauptsächlich Cornerbacks) oder sie verteidigen eine bestimmte Zone auf dem Feld. Dies nennt sich Man-Coverage und Zone-Coverage. Dabei können sich die Spieler nicht einfach aussuchen, was sie spielen wollen. Es wird von den Coaches klar vorgegeben, welchen Spielzug die Defense spielt. Auch hier ist es, wie bei den 3-4/4-3 Systemen, entscheidend, was der Coach für Personal hat. Manche Spieler sind in einem 1:1 Duell stärker, während andere in der Zonenverteidigung ihre Stärken haben.
Man Coverage
Eine Man-Coverage ist relativ einfach erklärt. Bei der Man-Coverage folgt der Spieler seinem Gegenspieler während des gesamten Spielzuges über das ganze Feld. Jedoch wird nur in Ausnahmesituationen eine reine Man-Coverage gespielt, ohne nicht zumindest einen Safety eine tiefe Zone verteidigen zu lassen.
Zone Coverage
Die Zone-Coverage ist da schon komplizierter. Dabei hört man oft Begriffe wie "Cover 2" oder "Cover 3". Diese Zahlen geben an, wie viele Defensive Backs eine "tiefe Zone" spielen. Also den hinteren Bereich gegen tiefe Pässe verteidigen.
Die Zonen sind auch mit Namen benannt. Je höher die Spielklasse, desto detaillierter werden auch die Zonen nochmals unterteilt.
Die tiefen Zonen (hier im Bild Deep 1/2) werden je nach Anzahl tiefen Defensive Backs unterteilt. Spielen 2 tief (wie hier auf dem Bild) wird das Feld geteilt. Je ein Spieler ist dann für einen Bereich zuständig. Spielen drei Spieler tief, wird das Feld in drei gleiche Teile geteilt, wobei jeder dann eine dieser Zone spielt. Hier wird, anders als bei einem System wie in der Defensive Line, von Spielzug zu Spielzug durchgewechselt. Die Teams spielen natürlich mit einer Lieblings-Grundausrichtung (z.B. die 49ers spielen gerne Cover 3), aber auch diese können nicht nur dass spielen, da der Gegner sich sonst darauf einstellen kann.
Cover 0
Bei der Cover-0 geht es darum, maximalen Druck auf den gegnerischen Quarterback auszuüben. Kein Mann sichert tief ab. Da die Offensive immer aus fünf Offensive-Linemen plus Quarterback bestehen muss, können maximal fünf Spieler Pässe fangen.
Das erlaubt der Defense bei der Cover-0 mit mindestens sechs oder meistens sogar mit deutlich mehr Spielern auf Quarterback-Jagd zu gehen. In dieser Formation geht es der Verteidigung vor allem um Blitzes, also die schnelle, meist ungeblockte Attacke eines Defensive Backs oder Linebackers auf den Quarterback.
Der Nachteil: Gute Quarterbacks können die Cover-0 eiskalt ausnutzen. Die Verteidigung spielt, wenn überhaupt, Mann gegen Mann und legt alles auf einen schnellen QB-Sack oder einen schnellen Run-Stop aus. Nur ein Defensive Back muss überrumpelt werden und großer Raumgewinn ist so gut wie vorprogrammiert. Aus diesem Grund wird die Cover 0 nur in außergewöhnlichen Situationen gespielt
Cover 1
Die Cover 1 wird häufig als Man-Coverage gespielt. Der Free Safety deckt die tiefe Zone alleine ab, die Cornerbacks spielen im 1:1 gegen ihren Wide Receiver. Diese Formation ist nicht ganz so anfällig für tiefe Pässe wie die Cover 0. Die Cornerbacks spielen zwar Mann gegen Mann, haben aber im Notfall noch den Free Safety, der ihnen zu Hilfe eilt.
Um dieses System dauerhaft spielen zu können, sollte mindestens einer der Cornerbacks und am besten auch der Free Safety absolute Elite sein. Hat man einen Elitären Cornerback, kann der Free Safety mehr auf die Seite des schwächeren Cornerbacks verschieben und somit die Stärke ausgleichen. Hat man aber nur durchschnittliche Spieler, kann die Cover 1 immer noch anfällig gegen einen tiefen Pass sein. Denn wenn der Receiver seinen Mann geschlagen hat und der Safety nicht schnell genug dort ist, hat der Gegner ein freies Feld vor sich und kann zum Touchdown laufen.
Cover 2
Bei einer Cover 2 spielen zwei Safetys die tiefe Zone. Das Feld wird also sozusagen halbiert und jeder Safety ist für eine Hälfte verantwortlich. Er darf sich unter keinen Umständen tief schlagen lassen. Die Cornerbacks haben hier zwei Möglichkeiten. Bei einer Zone-Coverage sind sie für die Flat (siehe Bild oben) zuständig. Bei einer Man-Coverage ist alles wie gehabt. Nur dass sie hier die Hilfe der Safetys bekommen können und nicht alleine für einen Mann zuständig sind.
Der Nachteil einer Cover 2 liegt in der Run-Verteidigung. Da hier der Strong Safety eine tiefe Zone deckt, kann er an der Line of Scrimmage nicht helfen. Bei einer offensichtlichen Run-Situation wäre es also unsinnig, eine Cover 2 zu spielen.
Ein weiterer Nachteil sind die sogenannten Schnittstellen. Verlässt der Receiver zum Beispiel die Zone des einen Safetys und läuft in die Zone des anderen, muss dieser dass bemerken und übernehmen. Klappt hier die Kommunikation nicht oder der Safety bemerkt nicht, dass er hinter sich einen Mann stehen hat, ist dieser frei und kann ein Big Play generieren.
Cover 3
In der Cover-3 droppen beide Cornerbacks tief in die Zonen-Verteidigung und decken mit dem Free Safety den hinteren Teil des Feldes ab. Der Strong Safety rotiert nach vorne und sichert mit den Linebackern die sogenannten Underneath Zonen nahe der Line of Scrimmage ab.
Neben einer guten Verteidigung gegen lange Pässe ermöglicht die Cover-3 gleichzeitig eine gute Defense gegen das Laufspiel durch die Mitte, da hinter der D-Line mit dem Strong Safety und den Linebackern genügend Personal (acht Leute in der Box) für einen effektiven Run-Stop zur Verfügung stehen. Im Vergleich zur Man-Coverage sind dabei alle Augen auch wirklich auf die Box gerichtet und nicht auf den direkten Gegenspieler.
Die Schwächen der Cover-3 liegen in den mittleren Zonen zwischen den drei tiefen Defensive Backs und den acht Mann davor. Weil die Cornerbacks nicht direkt gegen den Mann spielen, sondern nach dem Snap sofort Tiefe aufnehmen, sind zudem die kurzen Außenseiten enorm anfällig.
Cover 4
Bei der Cover 4 verteidigen die beiden Safetys zusammen mit den beiden Cornerbacks die tiefen Zonen. Das Feld wird also sozusagen gevierteilt. Hier sind die Linebacker alleine für die kurzen Zonen zuständig.
Die Cover 4 wird vor allem dann gespielt, wenn mit einem tiefen Pass gerechnet werden muss. Also zum Beispiel gegen Ende des Spiels oder wenn sich die Offense mit fünf Wide Receivern aufstellt.
Mit nur drei Linebackern in den kurzen Zonen ist die Cover 4 natürlich anfällig gegen kurze Pässe und das Laufspiel. Aber wenn man diese Coverart spielt, nimmt man kurze Pässe auch in Kauf. Es ist einzig das Ziel, grossen Raumgewinn zu verhindern.
Sub Packages
Wer schon einmal das Videospiel "Madden" gespielt hat ist unumgänglich auf den Begriff "Sub-Package" gestossen. Mit diesem Wort wird nichts anderes ausgedrückt, als dass man von der normalen Routine, also von einer Front Seven und vier Defensive Backs, abweicht.
Lange Zeit galt im American Football nur das Laufspiel als richtiger Football. Teams, die den Ball oft geworfen haben, waren in Amerika verpönt und wurden als Aussenseiter behandelt. Einzig wenn es richtig geknallt hat, waren die Fans zufrieden.
Doch im Laufe der Jahre hat sich das Passspiel immer weiter ausgebreitet. Teams, die den Ball oft geworfen haben, haben viele Defenses, die ihre Stärken ja hauptsächlich in einer Run-Verteidigung hatten, vor grosse Probleme gestellt und immer öfter Meisterschaften gewonnen. In der heutigen Zeit wird die NFL häufig als "Passing-League" bezeichnet und Runningbacks als immer unwichtiger bezeichnet. Der Fullback (Vorblocker für den Runningback), einst eine Position mit grossem Ansehen und in jedem Team verbreitet, ist heutzutage fast ausgestorben. Nur noch wenige Teams wie z.B. die Patriots, die 49ers oder die Ravens haben überhaupt noch einen im Kader.
Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass in der Offense teilweise nun bis zu fünf Passempfängern aufgestellt werden. Wenn eine Defense da mit nur vier Defensive Backs rauskommt, kann dies oft sehr negativ für eine Defense ausgehen. Darum wird oft mit einem sogenannten Sub-Package gespielt. Dies bedeutet nichts anderes, als dass ein Linebacker den Platz verlässt und ein zusätzlicher Defensive Back ins Spiel kommt.
Bei fünf Defensive Back wird dies dann als "Nickel-Formation" bezeichnet. Diese Aufstellung wird mittlerweile von allen Teams der NFL fast häufiger gespielt als die übliche Aufstellung mit vier Defensive Backs. Der zusätzliche Cornerback wird dann als Nickel-Corner bezeichnet.
Will man sechs Defensive Backs aufs Feld schicken nimmt man entweder den letzten Linebacker auch von Platz oder spielt nur noch mit drei Leuten in der Defensive Line. Hier nennt sich die Aufstellung dann "Dime-Formation". Diese Formation wird hauptsächlich dann gespielt, wenn zu fast 100% mit einem Pass gerechnet werden muss. Zum Beispiel bei auslaufender Spieluhr, wenn die Offense mit ihrem letzten Spielzug eine lange Distanz überbrücken muss.