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Geburt: Tipps für richtiges Atmen
Wenn wir an eine Geburt denken, erinnern wir uns vielleicht an eine Szene aus einem Film, an eine Erzählung der Freundin, Schwester oder der Mutter. Meistens sind die Erzählungen der Frauen oder die Szenen im Film sehr dramatisch und die gebärende Frau schreit und leidet. Dabei muss dies so nicht sein. Eine Geburt kann ein wundervolles Erlebnis sein, bei der die Frau ihre eigene Urkraft erleben kann und dieses Wunder bewusst und mit sich und dem Kind verbunden erleben darf. Die Atmung spielt eine zentrale Rolle in der Verarbeitung der Wehen und unterstützt die Frau in einer selbstbestimmten, kraftvollen und schmerzreduzierten Geburt.
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Zusammenhang zwischen Atmung und Wehen
Eine Wehe ist eine rhythmische Spannung der Muskulatur, die sich im oberen Bereich der Gebärmutter aufbaut und sich dann wellenförmig nach unten zum Muttermund ausbreitet. Sobald die Wehen in regelmässigen Abständen wiederkehren, ist dies ein Anzeichen für den Beginn der Geburt.
Der Schlüssel zu einer guten, den Geburtsprozess unterstützenden Atmung ist die tiefe und langsame Beckenatmung, welche die Muskulatur in einem rhythmischen Prozess von An- und Entspannung begleitet. Viele Frauen wissen, dass sie "gut" atmen sollten während der Geburt - und verstärken dann ihre Einatmung. Es ist jedoch viel wirkungsvoller, die Aufmerksamkeit auf eine ruhige, vertiefe Ausatmung zu lenken, welche eine lösende und entspannende Wirkung hat. (Diese Atmung fühlt sich natürlich an und ist weit davon entfernt, die Länge des Atemrhythmus abzählen zu müssen oder zu hecheln).
Sehr unterstützend sind zwei Töne, welche während der gesamten Geburt genutzt werden können. Für die letzte Geburtsphase, die Presswehen, kommt eine Atemtechnik zum Tragen, welche das Herausschieben des Kindes begünstigt und den Damm schützt.
Übung für eine tiefe Geburtsatmung
- Setze dich auf einen Stuhl, wo du einen klaren und guten Kontakt zum Stuhl hast
- Sitz gerade ohne in ein „hohles Kreuz“ zu fallen, so kann das Zwerchfell gut mitschwingen
- Wo spürst du die Bewegung deines Einatmens, wo die deines Ausatmens? Lege dort eine Hand auf deinen Körper, wo du die Bewegung gut wahrnehmen kannst. Wie fühlt sich deine Atmung an?
- Lege nun beide Hände auf deinen Bauch
- Atme mit offenem, lockeren Mund aus – zu deinen Händen. Stell dir vor, wie deine Ausatmung zu deinen Händen fliesst, wie ein Wasserfall, ein Fluss, welcher tief ins Becken und zu deinem Baby fliesst
- Atme durch die Nase ein - die Aufmerksamkeit bleibt auch hier im Beckenbereich - und atme wieder mit offenem Mund aus
- Achte darauf, dass die Ausatmung etwas länger ist als die Einatmung
Diese Übung ist (wenn man keine Wehen hat) blutdrucksenkend. Falls du einen tiefen Blutdruck hast, übe dies nur 2-3 Atemzüge und mach dann eine Pause. In dieser Pause kannst du dehnen oder ein paar Schritte laufen, um den Blutdruck wieder zu aktivieren.
Vertiefung und Entspannung durch die HAA-Atmung
Jeder Ton hat eine Wirkung in unserem Körper, denn dieser schwingt wie ein Resonanzkörper. Die Atmung mit dem Ton HAA hat sich für die Geburt, während den Wehen, sehr bewährt, sie hat eine öffnende, lösende und weitende Qualität. Es ist kein Singen, sondern ein Ton, so wie du in ein warmes Bad hineinsteigst – dieses genüssliche HAA- wenn du in Kontakt mit dem angenehm warmen Wasser kommst und loslassen kannst. Oder wie wenn du einen schweren Rucksack ablegst. Du kannst nun die tiefe Beckenatmung mit der HAA-Atmung kombinieren: Während des Ausatmens tönst du gleichzeitig mit der HAA-Atmung. Vielleicht spürst du, wie dein Becken dabei ganz sanft mitschwingt.
Vorteile einer tiefen und langsamen Geburtsatmung
- Eine gute Sauerstoffversorgung für dich und dein Kind
- Die Wehen - auch starke - können als weniger schmerzvoll erlebt werden (grössere Ausschüttung von Beta-Endorphinen)
- Den Wehen nicht hilflos ausgeliefert sein, sondern die Geburt kraftvoll und bewusst mitgestalten können
- Weniger Dammschnitte und eine schnellere Erholung nach der Geburt
- Du spürst Vorfreude und Zuversicht, wenn du an die Geburt denkst
- Du kannst einen guten Kontakt zu deinem Baby bereits in der Schwangerschaft aufbauen
Persönlich abgestimmte Visualisierungen und positive Kraftsätze unterstützen dich zusätzlich darin, deine Ressourcen bewusst einzusetzen. Die Geburtsatmung, die Kraftsätze und Visualisierungen werden direkt in den verschiedenen Gebärhaltungen geübt, ab der 24./25. Schwangerschaftswoche. Auch bei einem harten Bauch, Rückenschmerzen, Senkungswehen kann dies sehr wohltuend sein. Selbstverständlich nicht bei vorzeitigen Wehen anwenden.
Ebenfalls wichtig ist die innere Einstellung zur Geburt: Dass die Wehen nicht als Kampf oder als Gegner gesehen werden, sondern als eine Kraft, welche hilft, das Kind zu gebären. Eine Geburt kann ein äusserst beglückendes, kostbares Erlebnis sein, welches dich, deinen Partner und euer Kind positiv miteinander verbindet.
Autorin: Caroline Emmer, dipl. Atemtherapeutin IKP, atemtherapie-winterthur.ch, Praxis für Atemtherapie & Geburtsvorbereitung, (Krankenkassen anerkannt): Sie gibt ihr umfangreiches Wissen zur Geburtsatmung schwangeren Frauen weiter, sodass diese die Geburt ihres Babys selbstbestimmt und positiv wahrnehmen können. Zudem hilft sie Frauen, die ein Geburtstrauma oder eine negative Geburtserfahrung erlebt haben.
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