Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03499.jsonl.gz/332

Es war ein bitterer Abend für Thomas Bäumle gegen die SCRJ Lakers. Bis zu seiner Auswechslung in der 25. Minute erreichte er eine Fangquote von 66,67 Prozent.
Zuerst war er unterbeschäftigt und erst nach genau 15 Minuten musste er den ersten Schuss halten. Dann aber in der 19. Minute wurde er innerhalb von 14 Sekunden gleich zweimal bezwungen. Und nach 24:05 musste er seinen Kasten räumen - Fangquote von 66,67 Prozent - und wurde durch Remo Giovannini ersetzt. Beide Torhüter haben eine Davos-Vergangenheit. Bäumle spielte in Davos und wurde 2005 sogar Meister mit den Bündnern. Danach aber zog es ihn nach Ambri. Bäumle ist am 25. September 1984 geboren und er galt lange Zeit als potentieller Nachfolger von Marco Bührer beim SC Bern. Dies auch deswegen, weil er in seinen jungen Jahren bei den SCB-Junioren spielte. Aber irgendwie ist Bäumle zerbrechlich und mental zu schwach. «In Bern ist der Druck auf einen Torhüter gross», sagt sein Trainer Andy Jorns. Er kennt die Verhältnisse in Bern, denn er hat selber beim SCB das Tor gehütet und er hat auch grossen Einfluss auf die Karriere von Marco Bührer. Er war lange Zeit sein Trainer. Jorns sagte einmal in einer geselligen Runde, dass der Nachfolger von Bührer nur Martin Gerber heissen könne. Bührer spielt immer noch beim SCB, Bäumle beim Tiger und Gerber in Schweden.
Doch kommen wir auf die Partie vom Donnerstag zurück. Bäumle steht von Anfang an im Tor. Er hat wenig bis fast gar nichts zu tun. Er ist motiviert, nachdem ihm sein Ersatztorhüter beim ersten Spiel mit dem Sieg den Erfolg genommen hat. Die Entscheidung der Trainer, dass nun Bäumle anstelle von Giovannini das Tor hüten wird, ist logisch. Der Bündner ist nach seiner glorreichen Leistung in der ersten Partie immer noch mit Adrenalin gefüllt. Er kann 25 Minuten lang an der Bande herunterfahren und muss zusehen, wie die Tigers mit 0:3 in Rückstand geraten. Dann aber wird er ins kalte Wasser geworfen und er überzeugt wiederum mit herrlichen Paraden. Er zeigte ein paar Saves und sofort kommt die Stabilität in die Mannschaft zurück. Man kann Bäumle bei den drei Toren nicht vorwerfen, dass er schwach gehalten hätte. Aber mit zwei grossen Saves hätte es nach 20 Minuten immer noch 0:0 geheissen.
Am Samstag wird wiederum Giovannini das Tor hüten – keine Frage. Doch was bedeutet das für die Zukunft der Tigers? Sportchef Köbi Kölliker muss nun den Vertrag mit dem Bündner verlängern. Er bekommt keine bessere Nummer 2. Dann aber hat er eine Nummer 2 die eigentlich eine Nummer 1 ist. Bäumle steckt nach dem Donnerstagspiel in einer tiefen Krise. Doch diese Krise ist auch eine Chance für die Tigers. Die St. Galler sind so schwach, dass die Emmentaler mit einem vermeintlich schwächeren Torhüter die Playout-Finalserie als Sieger überstehen werden. Wenn die Tigers nun mit Giovannini den Vertrag um zwei Jahre verlängern, dann haben sie ein Goalitandem, das seinesgleichen in der höchsten Spielklasse sucht. Bäumle kann an Giovannini wachsen und Giovannini an Bäumle. Eine Konstellation, die kein anderer Klub hat. Doch wer weiss, was Kölliker noch im Schilde führt. Er ist ein schlauer Fuchs. Vielleicht hat er Martin Gerber bereits im Visier. Sollte Gerber doch noch nach Langnau zurückkehren, dann hat Kölliker viele Optionen. Ein Golietandem Gerber/Giovannini oder Bäumle/Gerber. Kölliker lässt sich noch nicht in Karten schauen, denn er weiss, Priorität hat der Ligaerhalt.