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Er ist mehrfacher Schweizer Meister, zweifacher Europameister und Vize-Weltmeister im Judo. Nun strebt Sergei Aschwanden nach olympischem Gold.
Er sagt im Gespräch mit swissinfo, er wolle damit seine Schmach von Sydney vor vier Jahren vergessen, als er bereits in der ersten Runde ausgeschieden war.
Das Geschehene vergessen, die guten wie die schlechten Momente zurückstecken, um sich nur auf eine Sache zu konzentrieren: Olympisches Gold in der Kategorie unter 81 Kilo.
Seit sieben Jahren bereitet sich Sergei Aschwanden auf sein griechisches Rendezvous mit Olympia vor. Das grosse Ziel seiner Karriere, seines Lebens. Denn Aschwanden ist überzeugt, dass er fähig ist, in diesem August auf die oberste Stufe des olympischen Podests zu steigen.
Als Favorit ist ihm aber auch klar, dass vor den Spielen noch nichts gewonnen ist. Seine Niederlagen in der ersten Runde der Olympischen Spiele in Sydney 2000 und im Final der letzten Weltmeisterschaft in Osaka 2003 erinnern ihn schmerzlich an diese Tatsache.
Was zu einem Sieg nötig ist, ist der hundertprozentige Einsatz am Tag X. Für ihn ist dies der 17. August, auf der Matte in der olympischen Halle Ano Liossia in Athen.
Obwohl Aschwanden von Nationaltrainer Leo Held abgeschirmt wird - wie auch Lena Göldi, die einzige andere Schweizer Judoka in Athen -, hat er sich die Zeit genommen, die Fragen von swissinfo zu beantworten.
swissinfo: Sergei Aschwanden, welche Bedeutung haben die Olympischen Spiele für Sie?
Sergei Aschwanden: Die Olympischen Spiele sind für viele Leute ein Ideal. Für mich stellen sie ein Problem dar, mit dem ich konfrontiert werde und das ich lösen muss. Ich sehe das sehr pragmatisch.
Es ist ein Wettkampf, der nur alle vier Jahre stattfindet. Darum herum wird ein regelrechtes Brimborium veranstaltet, das eine eigene Dynamik erhält. Der Druck der Medien, des Umfelds und der Kollegen steigert sich in ungeahnte Höhen.
Kommt dazu, dass an Olympischen Spielen nur die Besten der Welt dabei sind. Auf diese Extremsituation kann nur mit einem hundertprozentigen Einsatz reagiert werden.
Auch wenn ich in Sydney unten durch musste, so hat mir dies sehr viel gebracht. Ich hatte anschliessend immer bessere Resultate. So gesehen machte mich die Neiderlage reifer.
swissinfo: Sie werden regelmässig als Gold-Anwärter in Athen gehandelt. Wäre alles andere für Sie eine Enttäuschung?
S.A.: Nein! Ich habe immer gesagt, mein Ziel sei eine Medaille, ich dachte nicht ausdrücklich an Gold.
Auch Bronze oder Silber wären für mich schon die Kirsche auf dem Kuchen. Gold wäre dann einfach noch die Kerze obendrauf.
swissinfo: Während der Vorbereitungen für Olympia scheinen Sie sehr abgeschottet zu sein.
S.A.: Ich habe mich absichtlich zurückgezogen, weil ich einen sehr vollen Trainingsplan habe. Ein Element in diesem Plan sind auch Erholungs-Phasen, damit ein derart intensives Training überhaupt durchgezogen werden kann.
Heute bin ich hundertprozentig bereit. Das Training dient nur noch dazu, die Zeit bis zu den Wettkämpfen totzuschlagen. Alle Details sind ausgefeilt. Ich muss nur noch ein Kilo abnehmen, um Top zu sein. So hoffe ich wenigstens.
swissinfo-Interview: Mathias Froidevaux und Raphaël Donzel
(Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub)
Fakten
Sergei Aschwanden wurde zwischen 1993 und 2003 acht Mal Schweizer Meister im Judo.
2000 und 2003 Europameister.
2001 Dritter an der Weltmeisterschaft.
2003 Vize-Weltmeister.
In Kürze
Nur zwei Judokas kämpfen an den Olympischen Spielen in Athen: Lena Göldi bei den Frauen unter 57 Kilo, Sergei Aschwanden bei den Männern unter 81 Kilo.
Falls Aschwanden eine Medaille holt, wäre er der erste Schweizer Judoka mit einer Auszeichnung an allen drei grossen Meisterschaften (EM, WM, Olympische Spiele).
Vor vier Jahren war Aschwanden in der ersten Runde der Olympischen Spiele ausgeschieden.