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Schneeflocken werden also nur indirekt vermessen?
Nein, es gibt auch Instrumente, welche Bilder von den Flocken selbst machen. Das sogenannte MASC (multi-angle snowflake camera) beispielsweise enthält einen Infrarot-Detektor, der die Fallgeschwindigkeit misst, und drei Kameras, die Fotos aus drei verschiedenen Winkeln aufnehmen. Dies ist eine der wenigen Methoden, mit der man die Flocken studieren und ihren Fall aufzeichnen kann, ohne sie zu berühren.
Wozu dient dies?
Die MASC-Aufnahmen brauchen wir vor allem als Bestätigung für die Radarbeobachtungen. Mit Hilfe der Radardaten teilen wir die Niederschläge in verschiedene Typen ein. Das MASC zeigt uns, ob das, was tatsächlich am Boden ankommt, übereinstimmt mit dem, was das Radar gemessen hat.
Was machst du mit deinen Felddaten?
Das Ziel ist letztlich zu verstehen, welchen Einfluss die Berge auf die Niederschläge haben. Ich studiere ihren Einfluss auf das Wachstum von verschiedenen Schneeflockentypen, und wie turbulente Luftströmungen in der Nähe der Berggipfel zu heftigeren Niederschlägen führen. Mit dem Radar konnte ich in Martigny sowie am Fuss der Berge in Südkorea, wo ich ebenfalls eine Messkampagne durchgeführt habe, Daten gewinnen. Jetzt werte ich diese Daten aus, um sie zu verstehen und die Phänomene zu beschreiben. Das Ergebnis meiner Analysen wird später vielleicht anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern helfen, meteorologische Modelle zu verbessern.
Wie geht es für dich in den nächsten Jahren weiter?
Ich bin jetzt sozusagen an einem Wendepunkt in meinem Doktorat angekommen. Die ersten beiden Jahre habe ich vor allem Daten gesammelt, und nun muss ich sie auswerten und Papers schreiben. Später würde ich auf jeden Fall gern im Bereich der Meteorologie bleiben. Es würde mich sehr interessieren, auf Projekten an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und angewandter Wissenschaft zu arbeiten, zum Beispiel bei MeteoSchweiz. Ich mache sehr gern Messkampagnen im Feld, und auch die Lehre an der Universität gefällt mir.
Herzlichen Dank, Josué, für dieses Gespräch!