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Für Menschen sind sie laute und wenig ordentliche Nachbarn, aber sie kommen aus einem bestimmten Grund. Aufgrund stärkerer Stürme und wilderem Wetter an der Küste haben sie weniger überlebende Küken in ihrem natürlichen Lebensraum an den Vogelfelsen.
Es ist Ende März und die ersten Dreizehenmöwen haben begonnen, nach geeigneten Nistplätzen zu suchen, wobei es die stimmkräftigen Seevögel immer häufiger in die Städte Nordnorwegens treibt.
„Die Dreizehenmöwen leiden stark unter dem Klimawandel“, erklärt Tone Kristin Reiertsen, eine Forscherin des Norwegischen Instituts für Naturforschung (NINA). Ihre Abteilung in Tromsø ist Teil des Fram High North Forschungszentrums für Klima und Umwelt.
Wie Dreizehenmöwen versuchen, sich an den Klimawandel anzupassen, kann Tone Kristin Reiertsen buchstäblich aus den Fenstern des Fram-Zentrums sehen. Ein öffentliches Bürogebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat sich als ideal für die Kükenzucht erwiesen. „Um zu sehen, wie die zunehmende Einwanderung der Dreizehenmöwen in die Städte mit dem Klimawandel zusammenhängt, haben wir die Anzahl der brütenden Vögel und den Bruterfolg in Nestern auf Gebäuden in Tromsø und in Vardø beobachtet“, erzählt Reiertsen.
„Die Vogelfelsen an der Küste Nordnorwegens sind Stürmen vom offenen Meer her sehr ausgesetzt. Bei stärkerem Wind überleben deshalb weniger Eier und Küken.”
Die Forscher vom NINA verweisen auf Berechnungen aus Populationsmodellierungen, die zeigen, dass Dreizehenmöwen innerhalb der nächsten 40 Jahre von der norwegischen Küste verschwinden könnten. Um zu überleben, so Reiertsen, haben Arten, die große Umweltveränderungen wie die anhaltende Klimakrise erfahren, zwei Möglichkeiten, um nicht auszusterben. „Sie können sich anpassen, wo sie sind oder ihr Verbreitungsgebiet ändern.“
Die Untersuchung der zunehmenden Zahl brütender Dreizehenmöwen in Vardø, einer Fischerstadt nahe der norwegischen Grenze zu Russland an der Küste der Barentssee, gab einen klaren Hinweis. Eine der spektakulärsten Vogelklippen Europas ist die Insel Hornøya, Vardø unmittelbar vorgelagert.
Der Bruterfolg der Vögel innerhalb der Stadt erwies sich als mittelmäßig und war somit wesentlich besser als bei den auf Hornøya nistenden Vögeln, wo ihr Brutgeschäft in 2019 ein Totalausfall war.
Für die Dreizehenmöwen sind Städte und von Menschen gebaute Strukturen ideal. Dächer und kleine vorstehende architektonische Strukturen sind wie sichere Zufluchtsorte, geschützt vor den in der Natur vorkommenden Raubvögeln.
Tone Kristin Reiertsen und ihre Kolleginnen und Kollegen vom NINA bereiten sich jetzt auf die Feldarbeit vor, um mehr Daten über Veränderungen in der Anzahl der brütenden Vögel zu sammeln und, um zu sehen, aus wie vielen Eiern Küken schlüpfen und wie viele Küken überleben.
„All dies zusammen mit Klimadaten wird ein besseres Verständnis dafür liefern, wie die Dreizehenmöwen ihre Biologie im Zusammenhang mit Umweltveränderungen anpassen“, erklärt Reiertsen. „Die Ergebnisse unserer Arbeit können dazu beitragen, die biologische Vielfalt in unserer Küstenlandschaft zu erhalten.”
Die gestiegenen Meerestemperaturen wirken sich indirekt auch auf die Seevögel aus. Fische wie die Lodde zum Beispiel, die auf der Speisekarte der Dreizehenmöwen ganz oben steht, bevorzugen kaltes Wasser. Mit dem verstärkten Zufluss wärmeren Atlantikwassers in die Barentssee entfernt sich die Lodde natürlich weiter von der Küste in Richtung Norden.
Und wenn in der Nähe der Brutfelsen kein Futter mehr verfügbar ist, wirkt sich das negativ auf den Nachwuchs aus – die Elterntiere können nicht so viel in die Brutpflege investieren und die Küken haben eine geringere Wahrscheinlichkeit erwachsen zu werden.
Wenn das Wasser wärmer wird, müssen die Dreizehenmöwen weiter von der Küste wegfliegen, um die Lodde zu finden. Die Eiproduktion und die Nahrungssuche verlangt den Vögeln viel Energie ab und mit weniger Nahrung haben sie auch weniger Eier.
Auch in den Städten ist das Leben für die Klimaflüchtlinge nicht so einfach. Man bemühe sich, den Vögeln mit Stacheln das Nisten zu verbieten, sagt Reiertsen, fügt aber hinzu: „Dreizehenmöwen tendieren zu einer gewissen Entschlossenheit und geben nicht so leicht auf. Daher ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Arbeit, Lösungen für das Zusammenleben von Menschen und Dreizehenmöwen im städtischen Raum zu finden.”
Die ersten nistenden Paare kamen vor etwa 5-6 Jahren nach Tromsø. Im Jahr 2018 nisteten 42 Dreizehenmöwenpaare im Stadtzentrum und im Jahr 2019 war die Zahl auf 115 Paare gestiegen. Bald kann die diesjährige Zählung beginnen.
Quelle: The Independent Barents Observer