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Mother! ist Horror in einer Endlosschleife. Das verbrannte Gesicht einer Frau, ein verbranntes Haus, ein Mann mit einem Kristall, ein Lächeln. Die Asche hebt sich, der Morgen ist da, die Frau erwacht im Bett. Damit fängt es an.
Die Figuren haben keine Namen. Sie heisst im Abspann einfach «Mother». Jennifer Lawrence (geboren 1990) spielt die junge Frau des von Javier Bardem (geboren 1969) verkörperten wesentlich älteren Dichters. Sie renoviert liebevoll das einsam in einer grossen Lichtung gelegene ausgebrannte Haus des Mannes. Er, im Abspann nur als «him» geführt, quält sich (und sie) mit seiner Schreibblockade.
Die Idylle wird gestört, als ein Mann (Ed Harris) auf der Suche nach Bed & Breakfast auftaucht. Er gibt sich als Arzt aus, hustet viel und raucht zum Entsetzen der jungen Frau auch im Haus. Der Dichter lädt ihn zum Übernachten ein. Am nächsten Tag steht dann auch noch seine Frau (Michelle Pfeiffer) vor der Tür.
Der Dichter freut sich über die Besucher, erst recht, als sich herausstellt, dass der Mann ein heimlicher Fan ist, ein Bewunderer, der beschlossen hat, vor seinem baldigen Tod sein Idol aufzusuchen.
Erzählt wird das alles aus der Perspektive der jungen Frau, die parallel dazu im alten Haus auch diverse unheimliche und zunehmend grausliche Veränderungen wahr nimmt.
Mother! funktioniert nach dem Schema von Polanskis Rosemary’s Baby (1968). Der Mann schlägt sich auf die Seite der ungebetenen Gäste, geht einen Pakt ein mit seinen Fans und Bewunderern und missbraucht seine Frau als Inspirationsquelle, Teilzeit-Muse und schliesslich Gebär-Mutter.
Dass da auch Elemente von «Haunted House»-Thrillern und «Home Invasion»-Movies integriert sind, sowie reine Ekelmomente, die an Polanskis Repulsion mit Catherine Deneuve erinnern, hat für einmal herzlich wenig mit Genre-Kino zu tun. Abgerufen wird, was den Horror illustrieren kann.
Und der Horror? Das ist, in der einfachsten, direktesten Interpretation dieses Films, der Schöpfungsneid des Mannes auf die Frau. Der Mann, der Dichter, braucht die Frau, um seine Kreativität in Gang zu setzen. Er braucht sein Publikum und dessen Bewunderung. Er liebt es, geliebt zu werden.
Sie dagegen schafft direkt. Ein Heim für sich und den Mann und allfällige Kinder. Sie wird schwanger und das Kind wird wieder zu einem Pfand für die Kreativität des Mannes, des Dichters. Und schliesslich ist die Zerstörung der Frau die Kraftquelle des Mannes – weil ihre Liebe zu ihm die Zerstörung überdauert.
Ausgedacht hat sich das Darren Aronofsky (geboren 1969), seit einiger Zeit Lebens- und Schaffenspartner von Jennifer Lawrence. Aronofskys Filmografie ist durchsetzt von Filmen, in denen gelitten wird. Von Männern auch, vornehmlich aber von Frauen, direkt oder indirekt malträtiert von Männern. Etwa Jennifer Connelly in Requiem for a Dream (2000) oder Rachel Weisz in The Fountain (2006).
Am erfolgreichsten gequält hat Aronofsky Natalie Portman als besessene Ballettänzerin in Black Swan vor sieben Jahren. Die Rolle hat Natalie Portman den Oscar als beste Darstellerin eingebracht. Auch in diesem Film quält sich die Frau in ihrem Ehrgeiz selber, kräftig unterstützt vom berechnenden Choreographen, der seine Balletteusen gegeneinander ausspielt.
Man kann Aronofsky zugute halten, dass er diese destruktive Kreativität, diese unauflösbare Spannung zwischen Frauen und Männern, jeweils mit den Frauen zusammen erkundet. Bei den meisten seiner Filmprojekte hat er mit seinen jeweiligen Lebens-Partnerinnen zusammen gearbeitet.
Natalie Portman hat nach den Dreharbeiten zu Black Swan den Mann geheiratet, der die Filmchoreographien überwacht hat. Der Qual-Pakt zwischen dem besessenen Künstler und der Frau, die sich seiner Vision und seinen Zielen unterordnet und ergibt, ist ein ewiges Thema der Kunst, mithin auch im Kino.
Der Künstler und sein gequältes Modell in La belle noiseuse von Jacques Rivette ist die vielleicht direkteste und künstlerisch ehrlichste Kino-Umsetzung, Rosemary’s Baby von Polanski die am geschicktesten und effizientesten metaphorisierte.
Dass der Horror funktioniert und eine weibliche Perspektive so simpel suggeriert werden kann, hat allerdings auch mit dem fiesen Kniff zu tun, dass jede dieser Inszenierungen auf das inhärente Gefühl jeder Mutter (jeder Frau? jedes Menschen?) rekurriert, den eigenen und den anderen Ansprüchen nicht genügen zu können.
Michelle Pfeiffers bösartig verhärmte Schmerzensmutter spricht es mitten im Film deutlich aus: «Du gibst und gibst und gibst, und nie ist es genug…»
Mother! macht beides. Aronofsky zeigt den Mann als selbstsüchtigen Ausnützer, als ewiges Kind an der Brust und am Rockzipfel der Mutter. Und die Frau als unvollendetes Suchtwesen, das sich selber über seine Funktionalität im Dienste des Mannes zu verwirklichen sucht.
Das ist, alles in allem, ziemlich platt und reduziert und streckenweise etwas langweilig. Aber es ist Horror.