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Als Lager bezeichnet man im Maschinen- und Gerätebau ein Element (Maschinenelement) zum Führen gegeneinander beweglicher Bauteile. Es zählt zusammen mit dem technischen Gelenk zu den Führungselementen.
Am häufigsten werden einfache Drehlager (Radiallager) und Linearlager eingesetzt. In beiden Fällen gibt es genau einen () erwünschten Freiheitsgrad. Beim Radiallager ist nur die Rotation, beim Linearlager nur die Translation möglich (frei). Manche Radiallager lassen zusätzlich die Translation in Richtung der Drehachse zu, haben somit (Beispiel: radiales Gleitlager). Radiallager, die diese Translation nicht erlauben, werden auch als Radial-Axial-Lager (Radiaxlager) bezeichnet. Ein Drehlager, das drei Rotationen zulässt, ist das sogenannte Kugelgelenk mit . (Zwei der drei Rotationen sind in der Praxis in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt, d. h. der mögliche Drehwinkel ist deutlich kleiner als 360°.)
Je nach Bauform bzw. angewandtem Wirkprinzip werden Gleit- und Wälzlager unterschieden. Beim Gleitlager berühren sich die gegeneinander beweglichen Teile oder sind mehr oder weniger durch einen Schmierfilm (flüssig, seltener gasförmig) voneinander getrennt. Beim Wälzlager befinden sich Wälzkörper (Kugeln oder Rollen), die eine Wälzbewegung durchführen, zwischen den Teilen.
Unterscheidung nach Freiheitsgrad
Die meisten gängigen Lagernamen deuten nicht auf die vorhandenen Freiheiten hin, sondern auf die unterbundenen Freiheiten in der relativen Bewegung zwischen den beiden Lagerteilen.
Radiallager
Ein Radiallager ist ein Drehlager, wobei das drehende Teil in der Regel eine axial ausgedehnte Welle ist. Es unterbindet zwei Freiheiten in radialer Richtung ihres kreisförmigen Querschnitts oder quer zur Wellenachse und wird deshalb auch Querlager genannt. Die Anzahl gewünschter Freiheitsgrade ist drei weitere Freiheiten sind zu verhindern. In der Regel werden der Welle nur die beiden anderen Rotationen verwehrt, indem das Lager deutlich axial ausgedehnt gestaltet wird. Die entsprechende Kipp-Beanspruchung wird aber vermieden, wenn die Welle an beiden Enden mit je einem Lager ausgestattet wird. Die dritte Translation in Richtung der Drehachse ist üblicherweise nur beim Rillenkugellager deutlich belastbar unterbunden. Ein Dreh-Gleitlager hat Freiheitsgrade, wenn es nicht als Radiaxlager ausgebildet wird.
Eine weitere gängige Bezeichnung ist Traglager. Damit wird darauf eingegangen, dass Betriebskräfte in der Regel nur radial über das Lager auf das Maschinengestell wirken, das heißt, abzutragen sind. Selbst das Eigengewicht der Welle wirkt im Lager nur radial, wenn diese horizontal angeordnet ist.
Axiallager
Auch wenn keine axialen Kräfte vorhanden sind, muss eine Welle daran gehindert werden, axiale Bewegungen ausführen zu können. Diese eine Freiheit ist ihr zu verwehren. Wenn deutliche axiale Kräfte aus Betrieb oder Gewicht vorhanden sind, ist ein besonderes Axiallager nötig, das für diese Kräfte ausgelegt ist.
Andere gängige Bezeichnungen sind Längslager, Drucklager und Spurlager. Es heißt Drucklager, weil zwischen den beiden gepaarten Gleitlagerteilen nur Druckkräfte übertragbar sind. Im Wälzlager ist die Art der Paarung gleich, nur die Zahl der Paarungen ist infolge der dazukommenden Wälzkörper größer als eins. Bei axialer Lagerung wird damit darauf hingewiesen, dass zwei axiale Paarungen/Lager nötig sind.
Radiaxlager
Ein Radiaxlager einer Welle hat nur die oft ausschließlich gewünschte Bewegungsfreiheit in Umfangsrichtung (). Es ist zum Beispiel als Gleitlager ein einfach wirkendes Radiallager, das mit zwei axial wirkenden Lagerpaarungen ergänzt ist (jedes wirkt als „Anschlag“ in nur je eine Richtung). Zwei Spitzenlager (auch Körnerlager) an den Enden einer Welle bilden zusammen auch ein Radiaxlager mit In den Spitzen sind sowohl das radial als auch das axial wirkende Formelement enthalten. Zwei Spitzenlager sind nötig, weil eine einzelne Spitze keine Kraft in Gegenrichtung aufnimmt.
Linearlager
Ein Linearlager wird zum Führen einer geradlinigen Bewegung zwischen zwei Körpern benutzt. Der Anzahl der Freiheitsgrade ist Es ist das einzige Lager, aus dessen Namen erkennbar ist, was es erlaubt (nicht, was es verhindert).
Unterscheidung nach Wirkprinzip
Gleitlager
Im Gleitlager haben die beiden sich gegeneinander bewegenden Teile direkten Kontakt. Sie gleiten aufeinander gegen den durch Gleitreibung verursachten Widerstand. Dieser kann niedrig gehalten werden durch Wahl einer reibungsarmen Materialpaarung, durch Schmierung oder durch Erzeugen eines Schmierfilms, der die beiden Kontaktflächen voneinander trennt.
Wenn sich die beiden Teile berühren, was bei den meisten verwendeten Gleitlagern der Fall ist, entsteht in den Kontaktflächen Verschleiß, der die Lebensdauer begrenzt. Als trennender Film kommt neben Flüssigkeiten (meistens Öl, seltener Wasser) auch Luft (Luftlager) vor. Die Erzeugung eines Films bei sogenannter Vollschmierung verlangt einen Zusatzaufwand und besondere Betriebsbedingungen.
Wälzlager
Beim Wälzlager stützen sich die relativ zueinander bewegten Teile über mitlaufende Wälzkörper aufeinander. An den wandernden Berührungsstellen verformen sich die Laufflächen und die Wälzkörper elastisch, was zu einem Rollwiderstand infolge innerer Reibung führt. In den meisten Lagern werden die Wälzkörper auf gleichmäßigen Abstand untereinander mit Hilfe eines Käfigs gehalten, gegen den sie reiben. In der Summe haben Wälzlager dennoch einen deutlich kleineren Bewegungswiderstand als Gleitlager.
Die relative Geschwindigkeit der Wälzkörper (im Schwerpunkt und des Käfigs) ist gegen die beiden Teile, auf denen sie rollen, je die Hälfte derer relativen Geschwindigkeit: Sie und der Käfig werden mit halber Geschwindigkeit mitgenommen.
In einem für kleine hin und her drehende Bewegungen verwendeten Schneidenlager findet auch eine Wälzbewegung statt. Es laufen keine Wälzkörper um, sondern die beiden aufeinander zu lagernden Teile machen eine gegenseitige kleine hin- und hergehende Wälzbewegung. Die Wälzflächen sind sehr klein (die Schneide des Lagers ist spitz gerundet). Anwendungen gibt es in Waagen, Pendeluhren und anderen Messgeräten mit beweglichen Teilen.
Lagerung einer Welle
Eine rotierende Welle bedarf zweier Radiallager und eines Axiallagers zur statisch bestimmten Positionierung.
Sind zwei gegeneinander gerichtete Axiallager vorhanden, so sind besondere Maßnahmen erforderlich, um die thermische Längsdehnung der Welle nicht zu behindern.
Die häufig verwendeten Rillenkugellager sind nicht nur radial, sondern zusätzlich auch axial belastbar. Um die thermische Dehnung nicht zu behindern, wird nur ein Lager im Gestell und auf der Welle axial fixiert, das „Festlager“. Alle weiteren Lager werden als „Loslager“ entweder im Gestell oder auf der Welle axial verschieblich verbaut. Als Loslager kann beispielsweise auch ein Gleitlager oder ein Rollenlager als ein in sich axial verschiebliches Lager verwendet werden.
Andere Lagerarten
- Magnetlager ermöglichen die Übertragung von Lagerkräften, ohne dass beide Teile Kontakt miteinander haben.
- Für hin und her drehende Bewegungen von geringem Umfang können beide Teile auch über einen elastischen dritten Teil (einer Feder) miteinander verbunden werden: Federgelenk eines Uhrenpendels, Torsionspendel in der Drehpendeluhr, Spannband in Drehspulmesswerken und anderes. Bei diesen Beispielen ist der elastische Widerstand Teil der Funktion. Er wird aber gelegentlich in Kauf genommen zu Gunsten der prinzipiellen Spielfreiheit, die mit einem Federgelenk erreichbar ist.
- Es ist außerdem möglich, Gelenke aus dem Grundwerkstoff des Bauteils, durch eine gezielte Schwächung an definierten Stellen zu realisieren, die eine Biegung und somit eine Relativbewegung an diesem Festkörpergelenk ermöglichen. Dieses Prinzip findet bei hoch präzisen Positionieraufgaben in der Mikrosystemtechnik genauso seinen Einsatz, wie bei der Herstellung von günstigen Produkten aus Kunststoff.
- Lager im Bauwesen sind in der Regel keine Führungselemente. Sie tragen Lasten ab, „lagern“ Bauteile auf anderen, zum Beispiel Brücken auf Fundamenten. Nur zum Ausgleich von Dehnungen kommen entsprechende, gering bewegliche Loslager vor. Zur spannungsfreien thermischen Dehnung von Brücken beispielsweise werden Loslager mit einer Gleitschicht aus PTFE oder einer Rolle eingesetzt, die zwischen Brückenkörper und Auflager liegt.
Einzelnachweise
- Siegfried Hildebrand: Feinmechanische Bauelemente. Hanser, 1968, S. 667.
Literatur
- Kurt Milowiz u. a.: Die Verbrennungskraftmaschine. Bd. 8: Lager und Schmierung. Springer, Wien / New York 1962.
- Frank Stopa: Wartungsfreie Kunststoffgleitlager. Ein Beitrag zum Einsatz in nicht umlaufenden Kreuzgelenken. VDI-Verlag, Düsseldorf 2003, ISBN 3-18-336501-4.