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Santi Visalli / Archive Photos / Getty
Zahlen, Fakten, Kuriositäten: Um den Oscar, der am Sonntag vergeben wird, ranken sich viele Geschichten. Wir präsentieren die besten.
Die Oscar-Gala am kommenden Sonntag in Los Angeles verspricht eine Preisverleihung der Rekorde zu werden: Mit 13 Nominierungen ist «Oppenheimer» der klare Favorit, vor «Poor Things» mit 11, «Killers of the Flower Moon» mit 10 und «Barbie» mit 8 Nominierungen.
Die Schauspielerin Lily Gladstone könnte die erste indigene Person sein, die einen Oscar erhält; sie ist für ihre Rolle in «Killers of the Flower Moon» als beste Hauptdarstellerin nominiert.
Sandra Hüller geht mit ihrer Rolle in dem Ehedrama «Anatomie d’une chute» ins Rennen. Sollte sie gewinnen, wäre sie seit den 1930er Jahren die erste Deutsche, die als beste Hauptdarstellerin geehrt wird. Als bester internationaler Film sind zwei Werke von deutschen Regisseuren nominiert: «Das Lehrerzimmer» von İlker Çatak und die japanische Produktion «Perfect Days» von Wim Wenders.
Die Geschichte der Oscars ist voller eindrücklicher Momente. Wir blicken zurück auf Tränen, Wut und Kurioses – und beantworten die Frage, ob man seinen Oscar auf Ebay verkaufen darf.
Die ersten Oscars wurden 1929 verliehen. Die Zeremonie fand am 16. Mai im Hollywood-Roosevelt-Hotel in Los Angeles statt und dauerte nur 15 Minuten. Ein Ticket kostete 5 Dollar. Allzu spannend war der Abend nicht. Schon drei Monate zuvor waren die Preisträger in der «Los Angeles Times» bekanntgegeben worden.
Mit dem Oscar sollte die Filmindustrie gefördert werden. 1927 wurde die Academy of Motion Picture Arts and Sciences gegründet, eine Organisation, die die Interessen der Filmschaffenden vertritt. Sie vergibt auch die Oscars. Heute bestimmen fast 9500 Mitglieder aus 93 Ländern, wer gewinnt.
Die Oscar-Statuette ist 34 Zentimeter hoch und 3,8 Kilogramm schwer, aus Bronze gefertigt und mit 24-karätigem Gold überzogen. Ihr materieller Wert liegt zwischen 300 und 400 Dollar.
Der Oscar stellt einen Ritter dar, der auf einer Filmrolle mit fünf Speichen steht. Sie repräsentieren die fünf Branchen, die die Filmakademie ursprünglich vertrat: Schauspiel, Drehbuch, Regie, Produktion und Technik.
Für den Oscar soll der mexikanische Schauspieler und Regisseur Emilio Fernández nackt Modell gesessen haben, zumindest erzählt man sich das. Er war in den 1920er Jahren Statist in Hollywood.
Warum der Filmpreis Oscar heisst, lässt sich nicht genau sagen. Mehrere Personen nehmen für sich in Anspruch, als Erste die Idee für den Namen gehabt zu haben. Als gesichert gilt, dass die Statuette etwa seit 1934 Oscar genannt wird. 1933 tauchte der Name erstmals in einem Zeitungstext auf.
Hollywood gilt als Traumfabrik, doch es ist nur ein Spiegel der Gesellschaft. Noch heute sind die Machtpositionen der amerikanischen Filmbranche überwiegend mit Weissen besetzt. Vor allem in der Anfangszeit hatten es schwarze Schauspieler oder Themen, die Belange von Afroamerikanern behandeln, schwer. Im Januar 2015 machte der Hashtag #OscarsSoWhite in den sozialen Netzwerken auf das Ungleichgewicht aufmerksam. Kurz zuvor waren die Nominierten für die anstehende Oscar-Gala bekanntgegeben worden. Im Bereich Schauspiel waren es nur Weisse.
Die erste afroamerikanische Person, die einen Oscar erhalten hat, ist Hattie McDaniel. Sie wurde 1940 für ihre Nebenrolle als Sklavin Mammy in dem Film «Gone with the Wind» ausgezeichnet.
Hattie McDaniel 1940 bei der Oscar-Gala, rechts als die Sklavin Mammy in dem Südstaaten-Epos «Gone with the Wind».
Das Epos über den Amerikanischen Bürgerkrieg ist der erfolgreichste Film der Geschichte, zugleich gilt es aber auch als rassistisch, da es die Sklaverei beschönigt. Da 1940 noch Rassentrennung herrschte, musste McDaniel bei der Gala getrennt von den anderen Nominierten an einem eigenen Tisch sitzen.
Halle Berry ist die erste Afroamerikanerin, die als beste Hauptdarstellerin mit einem Oscar ausgezeichnet wurde – und bis jetzt ist sie auch die einzige. Sie wurde 2002 für ihre Rolle in «Monster’s Ball» ausgezeichnet. 1963 bekam Sidney Poitier als erster männlicher afroamerikanischer Hauptdarsteller den Oscar.
1945 schwänzt Joan Crawford die Gala und gibt vor, an einer Lungenentzündung erkrankt zu sein. Crawford ist für ihre Hauptrolle in dem Film «Mildred Pierce» nominiert; es ist ihre erste Rolle nach zweijähriger Abwesenheit von der Leinwand.
Crawford fürchtet, bei der Verleihung leer auszugehen. Doch ihre Angst ist unbegründet. Als Crawford von ihrem Gewinn erfährt, legt sie sofort Make-up auf und lädt Vertreter von der Presse ein. Den Oscar nimmt sie im Bett entgegen.
1969 erhält Barbra Streisand den Oscar für ihre Hauptrolle in «Funny Girl». Ihr transparenter Anzug gefällt nicht jedem.
In der Geschichte der Oscars ist es bisher sechs Mal vorgekommen, dass in einer Kategorie zwei Nominierte geehrt wurden. So 1969: Als die schwedische Schauspielerin Ingrid Bergman die Siegerin in der Kategorie «Beste Hauptdarstellerin» bekanntgeben will, stockt sie. «It’s a tie!», ruft sie, «es ist ein Unentschieden!»
Ausgezeichnet werden Katharine Hepburn und Barbra Streisand, beide hatten von der Jury gleich viele Stimmen erhalten. Streisand nimmt die Trophäe in einem transparenten, mit Pailletten besetzten Anzug entgegen – damals ein Modeskandal.
Und wenn einem der Oscar im Regal nicht mehr gefällt? Dann kann man ihn der Filmakademie für einen Dollar anbieten. Man darf ihn nur nicht verschenken oder verkaufen. Diese Regel trat 1950 in Kraft, weil damals mehrere Statuetten auf dem Schwarzmarkt für teures Geld gehandelt wurden.
Diesen Rekord teilen sich drei Filme. Jeweils 11 Oscars erhielten «The Lord of the Rings: The Return of the King» (2004), «Titanic» (1998) und «Ben Hur» (1960).
In diesem Jahr ist «Oppenheimer» der Film mit den meisten Nominierungen. 13 Mal könnte die Lebensgeschichte des Physikers Robert Oppenheimer, des Erbauers der ersten Atombombe, den Preis erhalten. Nominiert ist das Epos des Regisseurs Christopher Nolan unter anderem in den Kategorien «Bester Film», «Beste Regie» und «Bester Hauptdarsteller».
«The Godfather» von Francis Ford Coppola gilt als einer der besten Filme aller Zeiten. 1973 überrascht es daher niemanden, dass Marlon Brando für seine Rolle des Mafiabosses Don Vito Corleone den Oscar erhalten soll. Brando lehnt aber ab; er kommt nicht einmal zur Gala. Damit will Brando gegen die stereotype Darstellung von Native Americans in Hollywood-Filmen protestieren.
Als seine Vertretung schickt er die indigene Schauspielerin und Aktivistin Sacheen Littlefeather auf die Bühne. Brando könne «diesen sehr grosszügigen Preis leider nicht annehmen», sagt sie. Das Publikum reagiert vereinzelt mit Applaus, aber auch mit Buhrufen. Kurz nach ihrem Tod 2022 wurde Littlefeather übrigens vorgeworfen, dass sie gar keine Native American gewesen sei. Laut jüngsten Nachforschungen soll sie mexikanische Wurzeln haben.
Dieses Jahr könnte nun erstmals eine Nachfahrin einer First Nation einen Oscar erhalten. Lily Gladstone wuchs im Blackfeet-Reservat in Montana auf, kämpfte sich als Schauspielerin durch und ist nun für ihre Rolle in «Killers of the Flower Moon» als beste Hauptdarstellerin nominiert.
Der True-Crime-Western erzählt von einer Mordserie beim Volk der Osage in den 1920er Jahren. Die Mitglieder des Stammes in Oklahoma waren durch riesige Erdölfunde in ihrem Reservat plötzlich reich geworden. Das lockte viele Weisse an, die von den Naturschätzen profitieren wollten, unter ihnen auch Ernest Burkhart (Leonardo DiCaprio). Er verliebt sich in die Indigene Mollie Kyle (Lily Gladstone), entpuppt sich später aber als Betrüger.
Auch Michael Moore nutzt seinen Oscar-Gewinn für ein politisches Statement. Als er 2003 für seinen Film «Bowling for Columbine» geehrt wird, greift er den damaligen Präsidenten der USA, George W. Bush, wegen des Irakkriegs an. «We are against this war, Mr. Bush. Shame on you, Mr. Bush. Shame on you!»
Ab dem folgenden Jahr wird die Oscar-Gala um fünf Sekunden verzögert im Fernsehen übertragen. Der Sender ABC bestreitet, dass es darum gehe, politisch unliebsame Inhalte auszublenden.
Für die Oscar-Gala haben sich schon einige Stars im Kleiderschrank vergriffen. Zu den modischen Flops zählte zunächst auch das Kleid, das die isländische Sängerin Björk 2001 trug, als sie für ihr Lied «I’ve seen it all» in Lars von Triers Film «Dancer in the Dark» nominiert war.
Björk hatte sich einen Schwan aus Federn und Tüll um den Hals gewickelt, dessen Kopf auf ihrer Brust ruhte. Ausserdem hatte sie sechs Strausseneier dabei, die sie «legte», als sie über den roten Teppich lief.
Ein Fauxpas, urteilte die Presse. Björk sah das natürlich anders. Sie habe gewusst, dass dies vermutlich ihr erster und auch letzter Hollywood-Auftritt sein werde, sagte sie. Daher habe sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen wollen.
Was macht das Kleid so besonders? «Es gibt diese Erwartungen an weiblichen Glamour, weibliche Berühmtheiten und Begierde, die auf dem roten Teppich und in den wunderschönen Kleidern zum Ausdruck kommen», sagte Caroline Stevenson vom London College of Fashion der BBC.
Björk habe mit diesen Konventionen gebrochen. Plötzlich sei es um Natur, Weiblichkeit und Fruchtbarkeit gegangen – Themen, die die Zuschauer nicht mit dem roten Teppich hätten in Verbindung bringen wollen, sagte Stevenson. Heute zählt Björks Kleid zu den bekanntesten der Modegeschichte.
Auch an dieses Kleid erinnert man sich noch: Zur Oscar-Verleihung 2012 kam Angelina Jolie in einem Kleid mit langem Schlitz, der ihr rechtes Bein besonders gut zur Geltung brachte.
Das Kleid zählt heute zu den Ikonen der Modegeschichte, doch damals brachte es Jolie viel Spott ein: Ihre Pose wurde vielfach imitiert, und ihr nacktes Bein wurde in unzählige Internet-Memes montiert: an die Freiheitsstatue, in das Gemälde einer Frau aus dem 19. Jahrhundert, in das Foto der Mondlandung.
Zu den legendärsten Momenten in der Geschichte der Oscars zählt der Auftritt eines Flitzers im Jahr 1974. Als der Schauspieler David Niven gerade Elizabeth Taylor ankündigt, läuft hinter ihm der 33 Jahre alte Robert Opel auf die Bühne – mit Schnurrbart und Mähne, aber sonst splitternackt. Immerhin zeigt er ein Peace-Zeichen.
Opel ist ein bekannter Künstler und Fotograf, der sich häufiger auszieht. «Die Leute sollten sich nicht schämen, in der Öffentlichkeit nackt zu sein», so rechtfertigt er seinen Auftritt.
22 Oscars, 4 Ehren-Oscars, 59 Nominierungen – niemand wurde von der Filmakademie häufiger ausgezeichnet als der Trickfilmzeichner und Produzent Walt Disney.
1939 erhielt er einen Ehren-Oscar für «Snow White and the Seven Dwarfs»: eine normale Statuette und sieben Mini-Oscars. Überreicht wurden sie ihm von einer Vertreterin des Publikums, an das sich Disneys Filme vor allem richteten: dem Kinderstar Shirley Temple.
Das gab es in der Geschichte der Oscars noch nie: 2017 verkünden die beiden Hollywood-Legenden Faye Dunaway und Warren Beatty den falschen Gewinner. Bester Film sei das Retro-Musical «La La Land», sagt Dunaway. Applaus brandet auf, die Filmcrew stürmt auf die Bühne.
Doch noch während die Dankesreden gehalten werden, wird es im Hintergrund unruhig. Schliesslich klärt der «La La Land»-Produzent Jordan Horowitz den Irrtum auf: «Moonlight» sei der rechtmässige Gewinner.
Was ist geschehen? Seit mehr als 80 Jahren zählt das Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) die Ergebnisse der Filmjury aus. Zwei Mitarbeiter bringen dann die versiegelten Umschläge mit den Namen der Preisträger direkt zur Oscar-Gala. 2017 hat offenbar einer der Mitarbeiter Warren Beatty den falschen Umschlag gegeben.
Eine Oscar-Gala dauert etwa vier Stunden, und natürlich wollen auch Hollywood-Stars irgendwann nach Hause. Plaudertaschen haben daher keine Chance: Etwa 45 Sekunden lang dürfen sich die Preisträger bei ihrem Team und ihren Liebsten bedanken, dann setzt das Orchester ein. Nur wenige Stars bekommen zwei Minuten Zeit.
Diese Regel wurde 1943 eingeführt, nachdem ein Jahr zuvor die Schauspielerin Greer Garson volle fünfeinhalb Minuten gesprochen hatte. Manche Preisträger halten sich dagegen von selbst kurz und sagen einfach «Thank you», etwa Clark Gable oder Alfred Hitchcock.
Als Gwyneth Paltrow 1999 ihren ersten Oscar erhält, bedankt sie sich unter Tränen bei 24 Personen – es ist eine der emotionalsten Reden der Oscar-Geschichte. Paltrow ist 26 Jahre alt, als sie für ihre Rolle in «Shakespeare in Love» als beste Hauptdarstellerin geehrt wird.
Später sagt Paltrow, sie sei von dem Preis so überwältigt gewesen, dass sie sich anschliessend für drei Wochen im Haus ihrer Eltern in Santa Monica versteckt habe.
Der italienische Regisseur und Schauspieler Roberto Benigni zeigt seine Oscar-Freude in XXL-Manier. Als sein Film «La vita è bella» 1999 als bester fremdsprachiger Film geehrt wird, springt er vor Begeisterung auf die Stühle. Insgesamt war der Film in sieben Kategorien nominiert. Benigni wurde auch als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.
«La vita è bella» spielt im Zweiten Weltkrieg. In dem Film werden ein jüdischer Vater und sein Sohn in ein Konzentrationslager deportiert. Dort versucht der Vater, das Leid für sein Kind durch Humor und Phantasie erträglicher zu machen.
Die Oscar-Gala 2022 wird vor allem wegen eines Gewaltausbruchs in Erinnerung bleiben. Der Schauspieler Will Smith läuft auf die Bühne und schlägt den Moderator Chris Rock ins Gesicht. Der hatte zuvor einen Witz über die Frisur von Jada Pinkett gemacht. Smiths Frau Jada leidet wegen einer Krankheit an Haarausfall.
Als Smith wieder auf seinem Platz sitzt, ruft er Rock noch zweimal zu: «Keep my wife’s name out of your fucking mouth» – «Nimm den Namen meiner Frau nicht in deinen verdammten Mund».
War das inszeniert? Vieles spricht dafür, dass Smith spontan reagiert hat. Am folgenden Tag entschuldigt er sich bei Rock und der Filmakademie; um einem möglichen Ausschluss zuvorzukommen, kündigt er dort auch seine Mitgliedschaft.
Im Jahr 2000 herrscht vor der Oscar-Gala Panik: Aus einem Lagerhaus in einem Vorort von Los Angeles sind 55 Statuetten spurlos verschwunden. Sie waren von Chicago, ihrem damaligen Herstellungsort, nach Kalifornien transportiert worden.
52 Figuren tauchen kurz vor der Gala wieder auf: Der Schrotthändler William Fulgear findet sie in einem Abfallcontainer in Los Angeles, eingewickelt in Styropor und Plastik. Fulgear bekommt 50 000 Dollar Finderlohn und wird zur Preisverleihung eingeladen.
Auch ein Verdächtiger wird bald verhaftet, er ist ein Angestellter des Transportunternehmens. Die restlichen 3 Oscars bleiben verschwunden.
2006 war «Brokeback Mountain» für 8 Oscars nominiert. Der Film, der die Liebesgeschichte zweier Cowboys erzählt, gewann 3 Preise – doch keinen aus einer der wichtigen Kategorien wie «Bester Film» oder «Bester Hauptdarsteller». Manche Fans fragten sich daher: Ist die Filmakademie homophob?
Anhaltspunkte für diese Theorie gibt es. So sollen sich Tony Curtis und Ernest Borgnine, zwei Mitglieder der Filmakademie, geweigert haben, den Film anzuschauen. Curtis sagte, die Menschen interessierten sich nur deshalb für «Brokeback Mountain», weil er von «schwulen Cowboys» handle. Borgnine legte nach: «Ich habe den Film nicht gesehen, und es ist mir auch egal. Lebte John Wayne noch, würde er sich im Grab umdrehen.»
«Brokeback Mountain» ging als klarer Favorit ins Rennen. Er bekam den Oscar für die beste Regie (Ang Lee), das beste adaptierte Drehbuch und die beste Filmmusik. Bester Film wurde «L. A. Crash», ein Film über Rassismus.
Kurz vor dem Ziel kommt der Fall: Als Jennifer Lawrence 2013 auf die Bühne geht, um ihren Oscar entgegenzunehmen, stolpert sie über den Saum ihrer voluminösen Robe. Die 22-Jährige richtet sich wieder auf und geht zum Rednerpult: «Ihr steht alle nur, weil ich hingefallen bin und ihr Mitleid habt», sagt sie mit Blick auf die stehenden Ovationen. «Das ist wirklich peinlich.» Wer braucht in so einer Situation schon Mitleid?
Der Sturz habe die Erwartungen an Stars verändert, schreibt die «Vogue». Lawrence habe für viele Menschen plötzlich nahbar gewirkt, normal, wie eine von ihnen. Von nun an sei im Promi-Business ein Kult um Authentizität entstanden, so das Modemagazin: Schauspielerinnen müssen seitdem nicht nur toll aussehen, sondern auch Fotos ihrer chaotischen Wohnung zeigen oder gestehen, dass sie an schlechten Tagen Tonnen von Glace verdrückten. Das Publikum liebt dieses Unvollkommene. Aber ist es wirklich echt? Wohl eher sorgfältig kuratiert.
Vier Stunden dauert die Oscar-Verleihung im Dolby Theatre; davor stehen die Stars noch ewig auf dem roten Teppich und auf «Pre-Shows» herum. Die Stars müssen sich auf den Abend also nicht nur modisch vorbereiten.
Was passiert etwa, wenn man aufs WC muss? In diesem Fall setzen sich Statisten auf den freien Platz. So wird verhindert, dass im Publikum peinliche Lücken klaffen. Und wenn man hungrig wird?
2014 bestellt die Moderatorin Ellen DeGeneres 20 Pizzen. Anschliessend sammelt sie für den Boten Trinkgeld ein: «Ich hab kein Geld. Sandy?», fragt sie Sandra Bullock. «Du hast viel Geld. Du gibst ihm Trinkgeld, ja?» Dann richtet sich DeGeneres an Harvey Weinstein. «Fühle dich nicht unter Druck gesetzt, es sehen nur eine Milliarde Menschen zu, gib, so viel du magst», sagt sie.
Es war eine der letzten Oscar-Verleihungen, an denen Weinstein willkommen war. Drei Jahre später wurde bekannt, dass der Produzent über Jahrzehnte zahlreiche Frauen sexuell belästigt, genötigt und vergewaltigt hatte.
Und warum stand 2018 eigentlich ein Jetski auf der Bühne? Der Moderator Jimmy Kimmel hatte einen Preis für die Person mit der kürzesten Dankesrede ausgelobt. Denn wie gesagt: Irgendwann wollen auch Stars nach Hause. Gewinner war der Kostümbildner Mark Bridges. Die Länge seiner Rede: 36 Sekunden.
Kimmels Plan, die Gala nicht ausufern zu lassen, ging natürlich nicht auf. Denn weil er immer wieder den Jetski anpreisen musste, dauerte sie länger als geplant.