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Die Längrüti – oder auch bekannt als Mühle – in Mitlödi ist ein schöner Fleck. Hier hat sich die Linth über Tausende von Jahren einen Weg durch die Ablagerungen der Bergstürze vom Vorderglärnisch gegraben. Hier weist die Linth den letzten, noch nicht vollständig kanalisierten Flussabschnitt zwischen Linthal und dem Walensee auf.
Hochwasserprobleme im Mühleareal
Zwischen der Linth und einem steilen Erosionsbord steht die alte Mühle. Zum Schutz der Mühle und deren Umgebung wurden bereits vor über 100 Jahren hohe Wuhrmauern erstellt. Und doch ist es immer wieder zu Überschwemmungen des ganzen Areals gekommen. So letztmals im August 2005, als das Wasser rund einen Meter hoch stand. Auch traten immer wieder Schäden an den Wuhren auf, als möchte sich die Linth das ihr abgerungene Land wieder zurückholen.
Die Mühle selbst wird seit mehreren Jahren nur noch als Wohnhaus genutzt. Das Wasser aus den verschiedenen Quellaufstössen, welches früher vermutlich das Mühlenrad angetrieben hat, wurde in den letzten Jahren für eine Fischzuchtanlage genutzt. Ehemals natürliche Quellbäche wurden kanalisiert und in ein Betonkorsett gezwängt.
Wegen der Hochwassergefährdung, dem Gewässerraum aber auch der Grundwasserschutzzone des nahen Trinkwasserpumpwerks kann sich das Mühleareal als Wohngebiet nicht mehr weiterentwickeln. Grössere Aus- und Umbauten der zum Teil baufälligen Gebäude sind nicht bewilligungsfähig. Zudem befindet sich die Längrüti in einem möglichen Revitalisierungsperimeter des Kantons.
Kantonale Revitalisierungs-Bestrebungen
In der Schweiz sind rund 14 000 km der Fliessgewässer in einem schlechten morphologischen Zustand. Gemäss den Vorgaben des Bundes sollen rund ein Viertel dieser Gewässer (knapp 4000 km) in den nächsten 80 Jahren, ein Viertel davon (knapp 1000 km) in den nächsten 20 Jahren, revitalisiert werden. Aufgrund der gesamtschweizerischen Vorgaben ergibt sich für den Kanton Glarus in den nächsten 80 Jahren ein Revitalisierungsbedarf von 40 – 45 km Gewässerlänge. In den ersten 20 Jahren der Planung muss der Kanton Glarus Gewässerabschnitte mit einer Länge von 10 – 12 km revitalisieren. Die Umsetzung der Bundesvorgaben bilden für den Kanton Glarus eine grosse Herausforderung. Konflikte mit den Interessen der Landwirtschaft sind absehbar. Bei der Mühle in Mitlödi ergibt sich für den Kanton Glarus und die Gemeinde Glarus Süd nun die einmalige Chance, eine erste Revitalisierungsetappe an der Linth vorzunehmen, ohne dass eine grössere Landwirtschaftsfläche betroffen ist.
Revitalisierungsprojekt Längrüti, Mitlödi
Eine Revitalisierung der Mühle stösst auf grosse Akzeptanz. Das Aufwertungspotenzial ist gross und das Vorhaben kann zu einem grossen Teil mit Beiträgen des Bundes und des Kantons finanziert werden.
Heute befindet sich die Liegenschaft in Privatbesitz. Die Gemeinde Glarus Süd kann – sofern die Gemeindeversammlung dem Vorhaben zustimmt – die Liegenschaft käuflich erwerben. Anschliessend kann die Gemeinde die Bauherrschaft für die Umsetzung des Revitalisierungsprojektes übernehmen.
Das Revitalisierungsprojekt sieht verschiedene Massnahmen vor. Sämtliche bestehenden Gebäude sollen abgebrochen und das Abbruchmaterial fachgerecht entsorgt werden. Weitgehend zurückgebaut werden auch die bestehenden Wuhre an der Linth. Einzig im oberen Bereich des Areals muss zum Schutz des Abwasserkanals, welcher im Bereich des Mühleareals die Linth quert, und zum Schutz des Auslaufkanals der beiden Kraftwerke Seidendruckerei und Doppelpower der bestehende Uferverbau durch einen natürlicheren Blockwurf ersetzt werden. Der neue Blockwurf wird so eingebaut, dass der Linth mehr Platz gegeben werden kann. Unterhalb der Abwasserkanalquerung soll die Linth sich nun ungehindert auf die rechte Seite ausweiten können.
Aufwertung Längrüti
Eine grosse Chance bildet v.a. die Revitalisierung des Quellbaches. Alle Betoneinbauten und Fischzuchtbecken werden zurückgebaut. Die Ufer des Quellbaches werden abgeflacht und revitalisiert. Der Bach soll als natürliches Fischrückzugs- und Laichgewässer dienen. Weitere Quellaufstösse sollen als Amphibienlaichgewässer aufgewertet werden.
Die Gemeinde Glarus Süd möchte die Längrüti aber nicht nur für die Natur aufwerten, sondern auch für die Bevölkerung zugänglich machen. Hierfür wird ein neuer Wanderweg zwischen der Linth und dem Fischrückzugsgewässer angelegt werden und ein Rastplatz mit Feuerstelle, Tischen und Bänken direkt an der Linth soll zum Verweilen und Ausruhen einladen.
Finanzierung des Projekts
Die Kosten für den Landerwerb, den Rückbau aller Anlagen und Bauten, die Schutzmassnahmen für den Schmutzwasserkanal des Abwasserverbandes, die Revitalisierung der Linth-Ufer und der Quellaufstösse sowie die Einrichtung des Rastplatzes und der Neuanlage des Wanderweges werden auf rund 1,2 Mio. Franken geschätzt. Bund und Kanton tragen voraussichtlich 80 – 85% der Kosten. Weiter wurden der Gemeinde aus dem naturamade star-Fonds des EWZ rund Fr. 100 000.– zugesichert. Die Restkosten werden von der Gemeinde und dem Abwasserverband Glarnerland getragen.