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Von der Urnenfeldkultur bis zu den Kelten
Die Urnenfeldkultur
Um die Jahrtausendwende, in der späten Bronzezeit, war das Gebiet der Schweiz Kulturprovinz der grossen, weite Teile Europas umfassenden Urnenfeldkultur, deren Angehörige, wie der Name es sagt, ihre Toten verbrannten und die Asche in einer Urne bestatteten. Diese Urnengräber bildeten mancherorts eigentliche Friedhöfe, wahre Fundgruben für die Archäologen, denn man gab den Toten auch ihre persönliche Habe wie Schmuck und Waffen mit ins Grab. Allerdings war die Bestattungsart nicht überall einheitlich. Oft wurde die Asche auch in eine Gruppe gestreut, man spricht dann von einem Brandschüttungsgrab. Grosse Urnenfeldfriedhöfe sind vor allem aus Deutschland und Italien bekannt.
Der grosse Teil der schweizerischen Funde aus der späten Bronzezeit stammt aus Siedlungen. In dieser Periode, ab etwa 1100 v. Chr., waren die Ufer der meisten Mittellandseen bewohnt, wobei Bautechniken angewandt wurden, die schon in der Frühbronzezeit bekannt waren. Vom Genfer-, Neuenburger- und Murtensee bis zum Zürich- und Bodensee, aber auch im Tessin, sind über 70 Ufersiedlungen bekannt.
Die Eisenzeit
Der frühe Abschnitt der Eisenzeit wird in Mitteleuropa als «Hallstattzeit» bezeichnet, benannt nach einem eisenzeitlichen Dorf mit zugehörigen Gräberfeld in Österreich, dessen Bewohner durch den Salzbergbau und dem Handel mit dem «weissen Gold» zu grossem Reichtum gekommen waren. Die dort zu Hunderten ausgehobenen Gräber lieferten Funde mit dem für diese Zeit charakteristischen Formengut. Der Gebrauch des Eisens tritt aber nicht überall zur gleichen Zeit auf.
Die kulturellen Eigenheiten der späten Bronzezeit gehen zum Teil nahtlos in die Hallstattzeit über. Die Siedlungsart änderte sich jedoch schlagartig. Infolge eines Klima-Umschwungs, der eine niederschlagsreiche Periode mit sich brachte, wurden die Seeufer überflutet und die Ufersiedlungen aufgegeben. Die nun folgende Zeit brachte eine andere Art von Siedlung mit sich. Anhöhen und Kuppen, die nicht selten befestigt wurden, waren nun die neuen Siedlungspunkte. Die Anlagen von Châtillon-sur-Glâne im Kanton Freiburg mit ihren Wall-Konstruktionen und mit Funden, die vom Wohlstand ihrer Bewohner zeugen, war zweifellos der Sitz eines fürstlichen Oberhauptes.
Die als keltisch zu bezeichnenden Fürsten und wohlhabenden Familien zeigten einen Hang zum Luxus, der alle Lebensbereiche durchdrang. Voraussetzung für ihren Reichtum war eine solide wirtschaftliche Grundlage, die vor allem durch den Abbau und die Verarbeitung von Eisen, in gewissen Gegenden durch den Salzbergbau und durch einen intensiven Handelsaustausch mit den Mittelmeerländern gewährleistet wurde. Das Eisen war zum beherrschenden Metall in der Waffen- und Werkzeugproduktion geworden.
Ein hochspezialisiertes Gewerbe befriedigte die Nachfrage nach eisernen Waffen und Geräten. Die Waffenschmiede waren grosse Könner ihres Handwerks. Ein Beispiel für ihr handwerkliches Geschick ist der Dolch von Estavayer-le-Lac (FR), der aus insgesamt 18 in Hartlötung miteinander verbundenen Eisenteilen besteht: Dolchklinge, verzierter Griff, Scheide und Ortband sowie verschiedene Dekorelemente. Die messerscharfe Klinge beweist, dass das Stählen des Eisens durch nachträgliches Aufglühen im Holzkohlefeuer bereits bekannt war.
Nicht nur Waffen spielten eine wichtige Rolle. Vollendet geformt und verzierte Gefässe aus getriebenem Bronzeblech gehörten in den Haushalt einer reichen keltischen Familie. Männer wie Frauen trugen Schmuck. Die bronzenen Gewandnadeln wurden im späteren Abschnitt der Hallstattzeit von Fibeln abgelöst. Ketten aus Bernsteinperlen, Arm- und Beinschmuck aus gegossener oder getriebener Bronze, ziselierter (meisseln und feilen) oder in feinster Filigrantechnik verzierter Goldschmuck gehörten zum Besitz der wohlhabenden Leute. Der goldene Halsreif hingegen war den Fürsten vorbehalten. Selbst Gefässe aus reinem Goldblech wurden hergestellt: Die Goldschale von Altstetten (ZH) ist mit feinsten getriebenen Buckelchen versehen, die die Umrisse von Sonne, Mond, Hirschen und Hunden aussparen.
Dem prunkvollen Lebensstil der Oberschicht entsprachen pompöse Begräbnisse und Grabdenkmäler. Begleitet von ganz bestimmten Riten, wurden die Toten bekleidet und geschmückt in einer hölzernen Grabkammer bestattet. Ihnen zur Seite gab man Speise und Trank in bronzenen oder tönernen Gefässen, der Mann erhielt seine Waffen – das eiserne Langschwert, später den Dolch – mit ins Grab. Oft kam es vor, dass auch der Totenwagen, auf welchem der Leichnam zum Bestattungsort gefahren wurde, zerlegt und mit in die Erde gegeben wurde. Ebenso das bronzene Pferdegeschirr. Zum Schluss wurde die Kammer zugedeckt und mit Erde zugeschüttet, der Grabhügel mit einer Steinstelle gekennzeichnet. Solche zentralen Bestattungen unter einem Grabhügel waren für die Angehörigen reicher Familien bestimmt. Wagengräber dieser Art kamen unter anderem in Ins (BE) zum Vorschein. Ärmere Familien bestatteten ihre Toten in Nebengräbern und gaben ihnen ihren Schmuck und ein Tongefäss mit ins Grab.
Die ersten Kelten
Um etwa 400 v. Chr. finden sich die ersten Spuren von Kelten, Räter und Lepontier im Gebiet zwischen Bodensee, Rhein, Genfersee, der Rhône und den Alpen. Diese Zeitepoche wird in Wissenschaftskreisen auch «La-Tène-Zeit» (Untiefe), nach dem Namen der Bucht am Ostufer des Neuenburgersees, benannt. Die Bucht war seit uralter Zeit besiedelt. Spuren steinzeitlicher und bronzezeitlicher Siedlungen sind dort erschlossen worden. Wichtig und berühmt für die Vorgeschichte ist der Ort durch den Fund einer Niederlassung aus der jüngeren Eisenzeit geworden, nach der man diesen ganzen Abschnitt als La-Tène-Zeit bezeichnet, die man im Allgemeinen auf den Zeitraum von 500 v. Chr. bis zum Beginn der üblichen Zeitrechnung, also bis zum Jahre 1, festlegt. Rund 800 Waffen (Schwerter, Lanzen für Fusskämpfer, Piken für Reiter, Wurfspiesse und etwa 90 Teile von Pferdegeschirr) hat man hier gefunden. Wahrscheinlich bestand an diesem Ort eine Art Umschlagplatz, denn die Waffen müssten grösstenteils neu gewesen sein, zum Teil fand man sie noch in grobes Leinen verpackt, ausserdem waren sie sortiert. Die Lage der Niederlassung war ein natürlicher und auch hervorragender Verkehrsknotenpunkt, da dort bis heute noch drei Seen zusammenfliessen. Übrigens war der Platz befestigt, wie die Spuren von Palisaden beweisen. Ferner ist beachtenswert, dass hier anscheinend keine Familien gewohnt haben, denn man hat keinerlei Funde gemacht, die das Wohnen einer Familie kennzeichnen.
Epoche der La-Tène-Kultur
- Periode I – Früh-La-Téne, Stufe A: 500/450 bis 400 v. Chr.
Früh-La-Tène, Stufe B: 450 bis 270 v. Chr.
- Periode II – Mittel-La-Tène, Stufe C: 270 bis 100 v. Chr.
- Periode III – Spät-La-Tène, Stufe D: 100 bis 15 v. Chr.
Kelten-Zeit
Die keltischen Stämme bestanden aus zahlreichen autonomen Gruppen. Neben Helvetiern waren das auch Rauriker, Allobroger und Sequarner. Innerhalb dieser Stämme gab es auch sogenannte Teilstämme (Gaue), so zum Beispiel einer der vier Teilstämme der Helvetier, die Tiguriner. Die Grundlagen der keltischen Gesellschaft waren die Sippen. Dazu gehörten die Blutsverwandten und zugeordneten Verwandten sowie die Hörigen und Leibeigenen.
Ein wichtiges Wahrzeichen der keltischen Kultur war eine einheitliche Sprache und Religion. Als Träger der Religion spielten die Druiden – die weisen Männer – eine entscheidende Rolle im Volksleben. Um die Götter gnädig zu stimmen, opferten die Kelten an bestimmten heiligen Weiheplätzen (Kultplätze) ihren Göttern meist Tiere, aber auch Menschen, vor allem Kriegsgefangene. Beliebte Opfertiere waren Pferde, dies lag nahe wegen ihrer keltischen Göttin Epona, der Göttin der Pferde, welche einen hohen Stellenwert innehatte. Die Druiden waren vom Waffendienst befreit. Ihre Fähigkeiten wurden durch eine besondere Erziehung und Anleitung älterer Druiden ausgebildet.
Eine wesentliche Grundlage der eigenständigen Entwicklung der Kelten war in ihrer Landwirtschaft begründet: die Erfindung des schweren Pfluges und der Sense sowie der Handel mit den Völkern des Mittelmeerraums. Neben dem friedlichen Aussenhandel tritt jedoch auch die militärische Expansion in den Vordergrund. Um 390 v. Chr. erobern die keltischen Bojer das etruskische Felsina und bauen es als Bonoia (Bologna) zur Residenzstadt aus.
Im Tessin siedelten die Lepontier nördlich des Monte Ceneri. Ihre Kultur ist beeinflusst von der italienischen Vorbevölkerung, die durch die Einwanderung dieses ursprünglich keltischen Volksstammes zum Teil aus ihren Siedlungsgebieten vertrieben wurden oder sich mit ihnen vermischten. Das Unterwallis wurde von drei keltischen Stämmen besiedelt: die Seduner (bei Sitten), die Veragrer (bei Martigny, VS) und die Nantuates, die an der Rhône-Mündung siedelten. Rätische Stämme – ihre Herkunft wird sowohl auf die Urbevölkerung Italiens, die Etrusker, als auch auf Einflüsse der indogermanischen Völkergruppen der Illyrer und auf semnitische Einwanderung zurückgeführt – siedeln im Engadin und in Tirol.
Laténium-Museum
Zum Schluss noch für jene, die der Geschichte der Ur-Zeit und der Kelten etwas mehr auf den Grund gehen wollen, ein kleiner Ausflugstipp. In Neuenburg gibt es das Laténium-Museum. Es ist das grösste Museum über Archäologie und Frühgeschichte der Schweiz. Es wurde im September 2001 am Seeufer in Hauterive eröffnet, in unmittelbarer Nachbarschaft einer wichtigen Ausgrabungsstätte der Vorgeschichte. Das Museum ist das ganze Jahr hindurch geöffnet und mit einem Eintrittspreis von 9 Franken auf jeden Fall eine Reise wert. Weitere Informationen dazu unter: www.latenium.ch