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Jacken oder Mäntel aus Pelz oder mit Pelzbesatz liegen wieder im Trend. Doch sind sich Konsumentinnen und Konsumenten bewusst über die oft haarsträubenden Bedingungen, unter denen die Tiere in den Zuchten gehalten werden? In der Schweiz setzt eine Deklarationspflicht auf Sensibilisierung durch Information. Aktivisten aber fordern ein Einfuhrverbot.
Es ist kalt in Bern, die Menschen sind warm gekleidet – mit Ausnahme einer Frau. Sie trägt nur Unterwäsche, ein Halstuch und Stiefel, sowie ein Plakat, auf dem steht: "Ich bin lieber (fast) nackt, als Pelz zu tragen." Sie sammelt Unterschriften für eine Petition, die ein Einfuhrverbot für Pelzartikel fordert, die aus tierquälerischer Produktion stammen.
"Es läuft sehr gut, ich erhielt viel Unterstützung. Ich habe so viele Unterschriften, dass ich mir weitere Formulare besorgen muss", sagt Daniela zu swissinfo.ch. Einen Moment später läuft eine Frau in einem Pelzmantel vorbei und wirft der Aktivistin einen giftigen Blick zu.
Die Petitionexterner Link, die von der Tierpartei Schweiz (TPS)externer Link lanciert wurde, argumentiert, dass die kommerzielle Pelzproduktion mit "erheblichem körperlichen und psychischen" Leiden von Tieren verbunden sei. In der Petition wird auf das Schweizer Tierschutzrecht verwiesen, und dass es in der Schweiz schon lange keine gewerbliche Pelztierzucht mehr gebe. Daher kommen die meisten Pelzprodukte, die man in der Schweiz auf der Strasse und in Geschäften sieht, aus dem Ausland. Und verglichen mit anderen Ländern scheint die Schweiz regelrecht besessen von Pelzen zu sein.
Da die Modebranche trotz Alternativen nicht auf Pelzprodukte verzichten wolle, würden Schweizer Tierschutzbestimmungen "durch den Import von Pelzprodukten umgangen: Diese Pelzerzeugnisse stammen grösstenteils aus tierquälerischen Zuchtbetrieben mit bis zu 100'000 Tieren oder aus tierschutzwidrigen Jagdformen", heisst es in der Petition, in der auf Fallen, Schlingen und Totschlaginstrumente verwiesen wird, die in der Schweiz klar gegen die Tierschutz-Gesetzgebung verstossen würden, welche Tiere vor Leiden, Angst, Schmerzen und Misshandlung schütze.
Rund ein Dutzend Schweizer Organisationen unterstützen die Petition, die bisher von rund 7000 Personen unterschrieben wurde. Der Vorstoss hat auch politische Verbündete, darunter die Berner Nationalrätin Andrea Geissbühler von der Schweizerischen Volkspartei (SVP).
"Kinder und Tiere brauchen unseren besonderen Schutz, weil sie sich nicht selber wehren können. Darum setze ich mich für gequälte Tiere ein", erklärte Geissbühler gegenüber swissinfo.ch.
Sie und die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer Wyss von der Sozialdemokratischen Partei (SP) forderten die Regierung (Bundesrat) jüngst unabhängig voneinander dazu auf, die Einführung eines Verbots für Pelzprodukte aus tierquälerischer Produktion zu überprüfen.
"Ich lehne tierquälerische Jagd- und Tötungsmethoden, welche den verfassungsmässig geschützten Tierschutzprinzipen der Schweizer Gesetzgebung diametral widersprechen, klar ab", erklärte Bruderer gegenüber swissinfo.ch. Und in den vergangenen Jahren seien "die Verkäufe an Textilien mit im Ausland produziertem Pelzbesatz erheblich gestiegen".
2014 importierte die Schweiz 431'000 Kilogramm Pelz in Form ganzer Felle oder als Bestandteil von fertigen Kleidern oder Accessoires. Der Grossteil kam aus China, wo schreckliche Videos gedreht wurden, die zeigen, wie Tiere misshandelt und gar bei lebendigem Leib gehäutet wurden. 1999 hatte der Gesamtimport 153'000 Kilogramm betragen; damals stammte der grösste Anteil aus Deutschland.
Deklarationspflicht
Die Schweiz ist das einzige Land mit einer Deklarationspflicht für Pelz. Der Winter 2014/2015 ist die erste volle Wintersaison, in der die neue rechtliche Regelung gilt, nach der bei allen Pelzen und Pelzprodukten Herkunftsort und Gewinnungsart deklariert werden müssen. In Kraft getreten war die Verordnung am 1. März 2013 – mit einer Übergangsfrist von einem Jahr.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat nun die bisherige Umsetzung der Deklarationspflicht überprüft, und die Ergebnisse zeigten noch deutliche Mängel auf. Das BLV kontrollierte seit März 2014 insgesamt 90 Läden, Websites und Versandkataloge im ganzen Land. Von den 48, die Pelzprodukte verkauften, hatten 41 ihre Ware nicht korrekt beschriftet.
Die Verordnung schreibt vor, dass jedes Produkt ein Etikett mit der folgenden Information aufweisen muss: Tierart, Herkunftsort und die Art und Weise, wie das Fell gewonnen wurde – oder anders gesagt: War es ein Tier aus freier Wildbahn, getötet von Jägern oder Trappern? Oder war es ein Tier aus einer Zucht, hatte dieses in einer Herde oder einem Rudel gelebt? Oder wurde es in einem Käfig gehalten, und falls ja, bestand der Boden des Käfigs aus Draht oder natürlichen Materialien?
Das Schweizer Fernsehen (SRF) besuchte kürzlich eine Nerzfarm in Dänemark. Die Tiere lebten in kleinen Drahtkäfigen mit sehr wenig Stroh. "Diese Art von Tierhaltung ist nicht angemessen", erklärte Kaspar Jörger vom BLV.
In seinem Bericht zur Umsetzung der Pelzdeklarations-Verordnungexterner Link schrieb das BLV, dass Pelzfachgeschäfte die Verordnung allgemein besser umgesetzt hatten als Modegeschäfte.
"Nachholbedarf besteht insbesondere noch bei den Angaben zur Herkunft und Gewinnungsart von Pelzen und Pelzprodukten", hiess es in dem Bericht, in dem auch darauf verwiesen wurde, dass es für die Geschäfte schwierig sein kann, diese Informationen zu erhalten; nicht zuletzt, weil ein Pelz mehrere Male gehandelt werden kann, und zwar sowohl bevor, wie auch nachdem er in einem Kleidungsstück oder Accessoire verarbeitet wird.
"Ethische" Alternativen oder nicht?
Der Kürschner Max Dössegger führt mit seiner Frau in Bern ein nobles Pelzgeschäft. Im Gespräch mit swissinfo.ch erklärt er, die Deklarations-Verordnung habe sich nicht auf ihre Arbeit ausgewirkt.
"Als SwissFur-Mitglied wenden wir als Fachbetrieb eine ähnliche Deklaration bereits seit 1996 auf freiwilliger Basis an", sagt Dössegger. Er bietet in seinem Geschäft Pelze aus aller Welt an, die meisten kommen aber aus Europa. Die Pelze stammen einerseits von Tieren, die in Zuchtfarmen aufgezogen wurden, andererseits von Tieren, die gejagt oder gefangen wurden.
Was hält der Pelzfachhändler vom Vorschlag, Pelzprodukte zu verbieten, die auf tierquälerische Methoden zurückgehen? "Grundsätzlich stellen wir uns auf den Standpunkt, dass Produkte, welche nach den geltenden Vorschriften eines Landes hergestellt werden, problemlos im Sinne eines offenen Warenverkehrs eingeführt werden sollen", sagt der Kürschner.
Dössegger hat in seinem Angebot auch lokale Produkte von "SwissRedFox", einem Label, dessen Pelze von den etwa 30'000 Füchsen stammen, die in der Schweiz pro Jahr im Rahmen des Programms zum Management des Wildtierbestandes erlegt werden. Das Label hat sich positioniert als "ethische" Alternative zu Pelzen aus Ländern, in denen die Tierschutz-Gesetzgebung lascher oder nicht-existent ist.
Viele Tierfreunde argumentieren allerdings, so etwas wie "ethische" Pelze gebe es nicht. Die Tierpartei Schweiz fordert auch ein Verbot der so genannten Baujagd auf Füchse und Dachse, bei denen die Tiere mit Hilfe von Hunden aus ihren unterirdischen Bauten getrieben werden.
Und wie steht es um überfahrene Tiere? In den USA bezieht ein Label mit dem Namen "Petite Mort" seine Pelze von Tieren, die dem Strassenverkehr zum Opfer fielen. Das Unternehmen spendet ein Prozent seiner Einnahmen für die Unterstützung der Einrichtung von sicheren Wildtier-Korridoren in New England.
Aber auch solche Pelze könnten problematisch sein, erklärte Frank Schmidt von People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) gegenüber swissinfo.ch. Der Anblick attraktiver Pelzmode könne das Interesse von Konsumenten und Konsumentinnen für Pelze, die oft mit inhumanen Methoden gewonnen würden, generell wecken.
"Allein aufgrund von dem, was sie in den Strassen sehen, können die Leute nicht sagen, ob ein Pelz von einer grausamen Tierfarm in China, aus den USA, der EU oder von einem tragischen Autounfall stammt", sagte er – und unterstrich, die Leute sollten beim Fahren über Land und durch Wälder vorsichtig sein.
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch), swissinfo.ch