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«Du bist jung, begabt und schwarz – und eine ganze Welt wartet auf dich», heisst es im Song «To Be Young, Gifted And Black». Ein Song, den Nina Simone selbst als Protestsong bezeichnet: Jungen Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern Mut zuzusprechen, war 1969 hochpolitisch.
Dabei ist es besonders glaubwürdig, dass das Empowerment von einer Ikone wie Nina Simone gesungen wird. Denn Nina Simone, geboren als Eunice Waymon, war das sechste Kind einer armen Familie aus North Carolina. In der rassistischen US-amerikanischen Gesellschaft der 1930er- und 1940er-Jahre keine guten Startbedingungen für eine Karriere als klassische Pianistin – ihr erster Berufswunsch.
Mitte der 1950er-Jahre fand Simone mit ihrer Mischung aus Jazz, klassischer Musik, Folk und Blues ein begeistertes Publikum. In «To Be Young, Gifted And Black» singt sie aber nicht über sich selbst. Der Song ist eine Hommage an die Dramatikerin Lorraine Hansberry, die erste Afroamerikanerin, von der ein Stück am Broadway aufgeführt wurde.
Schwarzes Selbstbewusstsein
Der Protestsong richtete sich an eine jüngere Generation von Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern, die zwar zur US-Gesellschaft gehören, deren sozialer Status aber nach wie vor tief war. «Diese mehrstimmige Hymne entwickelt eine starke Kraft, gerade weil Simone sie für eine mehrheitlich ignorierte Bevölkerungsgruppe gesungen hat», sagt die Zürcherin Brandy Butler.
Die afroamerikanische Sängerin und Songwriterin lebt seit 20 Jahren in der Schweiz und setzt sich für die Gleichberechtigung von People of Color ein. Nina Simone sei für sie ein grosses Vorbild, weil sie zwischen verschiedenen Gemeinschaften vermittelt und schwarzes Selbstbewusstsein gefeiert habe.
Klare Botschaft, klare Zielgruppe
«To Be Young Gifted and Black» sang Nina Simone auf der ganzen Welt vor einem gemischten Publikum. In den Zwischenmoderationen ihrer Konzerte sagte sie deutlich, dass sich der Song explizit nicht an Weisse richte, dass er sie als Adressierte sogar absichtlich ignoriere.
Diese Haltung sollte aber keineswegs als Ausschluss verstanden werden. Weisse seien eingeladen zuzuhören, die Ermächtigungsdusche für Schwarze mit ihrer Präsenz zu bezeugen.
«Das finde ich ein schönes Angebot: ‹Ich spiele dieses Lied hier an diesem Live-Konzert, an dem wir als Gemeinschaft zueinander finden. Ihr dürft zuhören, aber gemeint ist jemand anderes›», erklärt Brandy Butler.
Es geht nicht immer um Weisse
Unter dem Schlagwort «Wokeism» wird heute diskutiert, ob mit Bemühungen um diversere Institutionen und der vermehrten Repräsentation von marginalisierten Gruppen Weisse nicht ausgeschlossen würden. Mit Blick auf Simones Song und seine Rezeptionsgeschichte lässt sich vielleicht eine Haltung finden, die ganz ohne Polemik auskommt: Manchmal ist man in der Rolle der «Gemeinten», und manchmal eben in der Rolle der «nicht Gemeinten», der Zeuginnen und Zeugen.
Daran knüpft auch die Songwriterin Brandy Butler an: «Diese Praxis ist nicht negativ gemeint. Es ist das Verständnis dafür, dass es nicht immer um dich geht.» In dieser Hinsicht stellt «To Be Young Gifted and Black» eine Bewusstseinsübung bereit.
Nina Simone bleibt inspirierend – als Sängerin und Pianistin, aber auch als Aktivistin, die ihre Musik bewusst im Kampf um Gleichberechtigung einsetzte.
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