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Beatmung
Invasive Beatmung
Was versteht man unter einer invasiven Beatmung?
Bei querschnittgelähmten Menschen mit Läsion auf Höhe C4 oder darüber ist die Atmung unzureichend oder fällt komplett aus. Daher sind sie auf eine invasive Beatmung angewiesen – invasiv, da die Beatmung über eine Trachealkanüle erfolgt, die durch den Hals direkt in die Luftröhre führt.
Unter Beatmung wird die teil- oder vollständige Übernahme der physiologischen Atmung durch externe Hilfe (Beatmungsgerät) verstanden. Man unterscheidet zwischen kontrollierter und assistierter Beatmung. Bei der kontrollierten Beatmung wird die Atemarbeit vollständig von der Beatmungsmaschine übernommen. Atemfrequenz, Atemtiefe und Atemzugvolumen werden durch Einstellungen in der Maschine gesteuert. Je nachdem, welche Parameter definiert werden, spricht man von einer druck- oder volumenkontrollierten Beatmung.
Kontrollierte Beatmung
Druckkontrollierte Beatmung
Dies ist die am häufigsten angewandte Beatmungsform. Sie ist im Gegensatz zur volumenkontrollierten Beatmung schonender, da keine hohen Drücke entstehen können. Eingestellt werden die beiden Druckniveaus:
- oberer Druck = Einatmungsdruck
- unterer Druck = Druck, welcher in der Lunge nach der Ausatmung verbleibt
Das Atem(zugs)volumen resultiert aus der Differenz der beiden Druckniveaus. Es verringert sich jedoch mit steigendem Atemwiderstand z. B. aufgrund von vorhandenem Sekret.
Volumenkontrollierte Beatmung
Bei dieser Beatmungsform wird innerhalb einer bestimmten, einstellbaren Zeit ein bestimmtes Atemvolumen in die Lunge appliziert. Bei dieser Form können sehr hohe Spitzendrücke entstehen, da der Respirator1 nur das zu applizierende Volumen überwacht. Früher wurde diese Form oft auf der Intensivstation eingesetzt, mittlerweile nur noch selten.
Assistierte Beatmung
Der natürliche Atemantrieb der betroffenen Person wird bei dieser Form berücksichtigt. Wenn sie anfängt zu atmen, wird der Atmungsvorgang unterstützt. Hat sie längere Atemaussetzer, wird sie kontrolliert zwischenbeatmet.
Nicht-invasive Beatmung
Was versteht man unter einer nicht-invasiven Beatmung?
Unter der nicht-invasiven Beatmung versteht man eine mechanische Unterstützung der Atmung ohne endotrachealen Zugang, d. h. ohne Trachealkanüle in der Luftröhre. Die Beatmung erfolgt durch Überdruck via Gesichts-, Mund-Nasen- oder Nasenmasken.
Die Anpassung und Einstellung einer nicht-invasiven Beatmung erfolgt durch erfahrenes Personal und erfordert anfangs eine kontinuierliche Überwachung.
Das Tragen einer Beatmungsmaske ist eine Gewöhnungssache und muss trainiert werden.
Wann wird eine nicht-invasive Beatmung angewendet?
Am bekanntesten ist die nicht-invasive Beatmung für Menschen, die unter nächtlicher Schlafapnoe leiden, d. h. sie machen im Schlaf lange Atempausen und leiden daher unter einer verminderten Sauerstoffversorgung.
Ein weitere Gruppe, für die sich eine nicht-invasive Beatmung eignet, sind Menschen mit einem geschwächten Zwerchfell. Gründe dafür können sein:
- hohe Querschnittlähmung
- ALS (Amyotrophe Lateralsklerose2)
- Critical-Illness-Polyneuropathie3
Wann ist eine nicht-invasive Beatmung nicht geeignet?
Wenn keine Spontanatmung4 vorhanden ist, ist die nicht-invasive Beatmung ungeeignet. Bei Menschen mit Bewusstseinsstörungen wie Somnolenz oder Koma wird sie wegen fehlender Schutzreflexe (z. B. fehlender Brechreiz) nicht angewendet. Auch bei Menschen mit Agitiertheit5 oder fehlendem Verständnis für die Massnahme ist eine Anwendung schwierig.
Weitere mögliche Gründe, die gegen eine nicht-invasive Beatmung sprechen (und somit eine invasive Beatmung erfordern):
- viel Bronchialsekret, in Kombination mit ungenügendem Abhusten
- Verlegung der Atemwege durch Tumore oder Fremdkörper
- Probleme mit dem Aufsetzen der Maske, z. B. aufgrund von Anatomie, Gesichtsverletzungen oder -verbrennungen
Was sind mögliche Komplikationen bei einer nicht-invasiven Beatmung?
- Gefahr der Aspiration6 und Magenblähung
- Konjunktivitis7, verursacht durch ausströmende Luft bei Leckage im Bereich der Nasenwurzel
- Druckstellen wegen zu fest sitzender Gesichtsmaske
Welche Vor- und Nachteile hat eine nicht-invasive Beatmung?
Für Menschen, die unter Schlafapnoe leiden, verbessert eine nicht-invasive Beatmung die Lebensqualität. Die Tagesmüdigkeit aufgrund der vielen nächtlichen Schlafunterbrüche, die durch den Sauerstoffmangel verursacht werden, nimmt deutlich ab.
Ein Nachteil ist, dass die Maske störend sein kann, vor allem, wenn man sich nachts im Bett dreht. Zudem muss man das Beatmungsgerät immer mitführen, wenn man es auch tagsüber braucht.
Allgemein sollte das Ziel einer Atemunterstützung immer eine nicht-invasive Form sein, weil dadurch die Komplikationsrisiken wie z. B. Infektionen reduziert werden.
Was mache ich, wenn die Atemmaske nicht gut sitzt?
Es gibt viele verschiedene Typen und Grössen von Masken. Das Herausfinden der optimalen Maske braucht Zeit. Es ist auch möglich, dass erst nach längerer Zeit ein Problem auftritt. Wenden Sie sich an Fachpersonen, z. B. an das RespiCare-Team. Eventuell muss eine neue Maske angepasst werden.
Kann ich mit dem Beatmungsgerät auf Reisen gehen?
Ja, das ist möglich. Denken Sie daran sich zu informieren, ob Sie einen Adapter für den Stecker benötigen, z. B. für den Anschluss an die Autobatterie.
1 Beatmungsgerät
2 degenerative Nervenerkrankung
3 Zustand nach Multiorganversagen
4 eigener Atemreiz
5 Unruhe
6 Eindringen von Material in die Atemwege
7 Augenbindehautentzündung