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Ausbleibende Exportaufträge bedeuten im Billiglohnland China, wo rund 40 Mio Menschen für Textil-, Elektronik-, Schuh- oder Spielzeugindustrien arbeiten, sofort das Aus für tausende von Betrieben. Mit einem gigantischen Konjunkturprogramm soll die Wirtschaft jetzt gestützt werden. Chinas grösste Import- und Exportmesse in Kanton gilt als Konjunkturbarometer.
Als die 104. Ausgabe vergangene Woche zu Ende ging, war die Stimmung schlecht wie selten. Die Ergebnisse der Herbstmesse lagen mit Abschlüssen für 31,5 Mrd Dollar um 17,5% unter dem Wert der Frühjahrsmesse und um 15,8% unter der Herbstmesse 2007.
Küstenfabriken leeren sich
Von Kantons Bahnhöfen fahren nach Angaben der «Guangzhou-Tagseszeitung» täglich derzeit 30% mehr Passagiere als sonst ins Landesinnere. Massen von Arbeitern sind darunter, die um sechs Wochen verfrüht in chinesische Neujahrsferien aufs Land nach Hause fahren, weil sie in den Küstenfabriken nichts mehr zu tun haben. Die Bezirksregierungen entlang der Küste zahlen mit Staatsgeldern, wenn bankrotte Unternehmen ihren Arbeitern den Lohn schuldig bleiben. Damit soll verhindert werden, dass die Arbeiter auf die Strasse gehen. Dort, wo die Werkbänke der Welt stehen, passiert das derzeit ständig. Bei mancher Firma rannten die Besitzer einfach über Nacht weg.
Peking ist zum Handeln gezwungen. Am Wochenende legte die Zentralregierung ein gigantisches Konjunkturprogramm auf. Bis 2010, innerhalb von nur zwei Jahren, will Peking etwa 4000 Mrd Yuan (458 Mrd Euro) auf zehn Bereiche verteilen. Die Staatsratsabteilungen erhöhten und verbanden geplante Infrastrukturinvestitionen, trieben die Pläne für den Wiederaufbau des Erdbebengebiets voran, für die nun rund 45 Mrd Euro bereitstehen. Der Ausbau der Eisenbahnen von derzeit 85000 km Schienennetz auf 100000 km im Jahr 2010 und auf 120000 km bis 2020 ist der wesentlichste Bestandteil. Ähnlich ging Peking nach der Asienkrise 1997 vor, als der Autobahn- und Strassenbau extrem gefördert wurde.
Hilfe für 3486 Ausfuhrgüter
Die staatliche Wirtschaftspolitik hat zehn Massnahmen beschlossen, darunter eine Lockerung der Kreditaufnahme, die leichtere Finanzierung von Wohnungen oder die erhöhte Rückzahlung von Exportsteuern für 3486 Ausfuhrgüter. Hinzu kommen eine aktive Finanz- und Geldpolitik und der Ausbau des Sozialnetzes, um die Massen vom Angstsparen abzubringen.
Lob kommt nun von überall, sogar von den Finanzministern der G20, der Weltbank und vom IMF, dessen Direktor Dominique Strauss-Kahn in Englisch «Good News» zu «Chinas New Deal» sagte. Einige chinesische Ökonomen befürchten zwar, dass Korruption, Finanzierungs-, Effizienz- und Verteilungsprobleme den dauerhaften Erfolg der Massnahmen verhindern. Ein gewünschter Effekt aber zeigte sich zumindest schon am Montag, als Asien und vor allem die Börse von Schanghai, die innerhalb eines Jahres um katastrophale 70% abgestürzt ist, wieder mit neuer Zuversicht reagierten. Schanghai legte über 7% zu.