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Nördlich des Tessiner Kantonshauptortes Bellinzona liegt die Gemeinde Arbedo-Castione. Das Gebiet von Castione erfährt eine divergierende Entwicklung: Im Osten befinden sich viele Einkaufsmöglichkeiten und Wohnzonen, während sich im Westen ein unausgelastetes und aufzuwertendes Industriegebiet von 370 000 Quadratmetern befindet. Um die Planung - basierend auf einem bestehenden Masterplan - zu aktualisieren, sah das Modellvorhaben «Castione, un polo di sviluppo per l‘agglomerato di Bellinzona» die Schaffung einer neuen Organisationsstruktur vor. Dieses Vorgehen sollte sich in den Dienst der übergeordneten Ziele stellen: rund um den Bahnhof dank eines Gewerbe- und Dienstleistungspols den haushälterischen Umgang mit Boden erreichen und die Verkaufsflächen konzentrieren, um Nutzungskonflikte mit den Wohnzonen zu vermeiden. Die im Modellvorhaben aufgestellte Organisationsform sollte die Beziehungen mit den Grundeigentümern erleichtern, um einen handfesten Vorschlag zu machen, wie die anfallenden Kosten und der Nutzen künftig aufgeteilt werden können. Dazu war konkret die Mitarbeit und Unterstützung des Bau- und Planungsdepartementes sowie des Finanz- und Wirtschaftsdepartementes des Kantons Tessin notwendig und hilfreich, die nebst der Gemeinde Arbedo-Castione das Modellvorhaben überhaupt erst ermöglichten. Dank dem Support durch die Neue Regionalpolitik kann eine nur selten erreichte vertikale und horizontale Abstimmung der Sektoralpolitiken ausgewiesen werden.
Wie alles begann
Im Rahmen des Modellvorhabens arbeiteten die auf kantonaler Ebene Zuständigen für die Agglomerationspolitik mit den Verantwortlichen für die Neue Regionalpolitik zusammen, immer in enger Abstimmung mit den lokalen Planungen. Basierend auf den Vereinbarungen von 2009 zwischen Gemeinde und Kanton und Bezug nehmend auf die Richtplanklassierung des Gebiets als strategisches Gebiet von kantonaler Bedeutung reichte die Gemeinde Arbedo-Castione im Jahr 2010 eine Richtplanvariante zur kantonalen Vorprüfung ein. Damit kam alles ins Rollen, und ein koordiniertes Vorgehen zwischen Gemeinde und Kanton konnte starten. Parallel dazu wurden im Jahr 2010 die Kontakte mit den Grundbesitzern intensiviert und mögliche Investoren gesucht - doch der erhoffte Erfolg in Bezug auf die Investoren blieb bisher aus. Die Interessen bezüglich der Arealentwicklung und -nutzung gingen stark auseinander und die Skepsis gegenüber dem Projekt war gestiegen. Die Gemeinde hat daraufhin die Planungsgrundlagen einer kritischen Begutachtung unterzogen und angepasst. Im Jahr 2012 nahm ein Advokat und Mediator die Arbeit auf und vertritt seither die Immobilienbesitzer bei den Verhandlungen rund um den Verkauf von Flächen. Mitte April 2013 hat die Stimmbevölkerung von Arbedo-Castione mit hauchdünner Mehrheit derjenigen Richtplanvariante grünes Licht erteilt, die auch die Erstellung eines neuen Fussballstadions ermöglichen würde. Nur ist dessen Realisierung aufgrund der schlechten finanziellen Lage des Fussballklubs AC Bellinzona sehr ungewiss. Trotzdem bestehen nun für das Gebiet Castione gültige Richtplanvorgaben, welche der weiteren Entwicklung den nötigen Rahmen geben.
Teilerfolg S-Bahn-Haltestelle
Auch wenn die erhoffte Dynamik in Bezug auf die Investoren noch nicht umfassend eingesetzt hat, gibt es doch Erfolge des Modellvorhabens zu vermelden. Die sich bietende Möglichkeit, rund um die Errichtung der S-Bahn-Haltestelle in Castione eine räumliche Perspektive für diesen Raum zu entwickeln, haben Kanton und Gemeinde beim Schopf gepackt. Die neue S-Bahn-Haltestelle bringt eine neue Dynamik und nützt auch der Verbindung der Wirtschafts- und Wohnzonen im Osten der Gemeinde mit dem beinahe ungenutzten Industriegebiet im Westen.