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Lebensraum
Der Kaiserpinguin lebt und brütet ausschliesslich am Rand der Antarktis zwischen dem 66. und 78. Breitengrad. In ihrer «ozeanischen Phase» wandern Kaiserpinguine im Bereich des Packeisgürtels. Beim Fischfang können sie unter dem Eis bis zu 500 Meter tief tauchen und mehr als eine Viertelstunde unter Wasser bleiben.
Brutverhalten
Im Alter von 3 bis 6 Jahren pflanzen sich Kaiserpinguine erstmals fort. Es gehört zu den ausgefallensten Kuriositäten der Natur, dass die Kaiserpinguine nicht nur im kältesten Gebiet der Erde brüten, sondern dies auch noch im Winter statt im Sommer tun. Anfang April wandern die Kaiserpinguine landeinwärts, nachdem sie sich noch unter dem Packeis tauchend satt gefressen haben. Nun beginnt die Paarungszeit, und im Mai/Juni, mitten im antarktischen Winter, beginnen sie mit der Brut.
Das Kaiserpinguinweibchen legt nur ein weisses Ei, das etwa 450 Gramm wiegt. Nach der Ablage übergibt das Weibchen ihr Ei dem Männchen. Die Weibchen verlassen nun die Brutkolonie und kehren ins Meer zurück, um sich für die Ablösung bei der Brutpflege genügend Speck anzulegen und die erste Mahlzeit für die Jungen zu sammeln. Die grossen Distanzen werden meistens auf dem Bauch rutschend zurückgelegt. Der Weg zum Meer kann zu diesem Zeitpunkt mehrere hundert Kilometer betragen.
Während sich die Weibchen mit der Futtersuche beschäftigen, brüten die Männchen das Ei in ihrer wärmenden Bauchfalte aus. Die Kolonie der brütenden Männchen kann von einigen Dutzend bis zu einigen tausend Tieren gross sein. Weil die Kaiserpinguinmännchen während der zweimonatigen Brutphase keine Nahrung zu sich nehmen, verlieren sie in dieser Zeit bis zur Hälfte ihres Körpergewichtes. Um sich warm zu halten, drängen sich die Tiere in der Brutkolonie eng aneinander und wechseln regelmässig ihre Position, so dass jedes Tier mal am Rand und mal im wärmeren Inneren der Kolonie steht. Es herrscht Polarnacht, die höchstens von etwas Polarlicht aufgehellt wird. Die Temperatur beträgt minus 60 bis minus 70 Grad, teilweise fegen fürchterliche Schneestürme über das Eis.
Nach 64 Tagen schlüpft das Junge und wird vom Vater fürs erste mit einem ausgewürgten Kropfsekret ernährt. Nun kehrt endlich auch die Mutter zurück, die den langen «Landweg» erneut zurückgelegt hat. Die wohlgenährte Mutter, sie hat rund 3 Kilogramm vorverdauten Fisch im Magen, kann das Junge zwei bis drei Wochen lang füttern. Der Vater wandert derweil seinerseits mit all den übrigen abgemagerten Männchen zum Meer, um zur Jagd unter das Packeis zu tauchen.
Jetzt beginnt die Zeit der gemeinsamen Fütterung. Während das eine Elterntier jagt, ist das andere mit dem Füttern des Jungen beschäftigt. Im Durchschnitt wandert jedes Elterntier acht Mal zum Meer und wieder zurück, so dass das Küken 16 Mal gefüttert wird. Die Fütterung erfolgt in mehreren Etappen, verteilt auf zwei bis drei Tage. Im Alter von fünf bis sieben Wochen beginnen sich die Küken im so genannten Kindergarten zu sammeln. Alle Küken stehen dicht beisammen, um sich vor Kälte und Sturm zu schützen. Durch den langen Weg der Eltern zum Meer und zurück ergeben sich für die Küken immer wieder drei bis vier futterfreie Tage.
Selbstständige Nahrungssuche
So aufwändig die Nahrungsbeschaffung für die Eltern ist, für die Jungen bringt sie einen entscheidenden Vorteil: Im November, wenn der dreimonatige antarktische Sommer beginnt, übersteigt der Hunger der Jungen bei weitem die Menge an Fisch, die die Eltern herbeischaffen können. Doch durch die Sonne ist das Eis über weite Strecken aufgebrochen, der Weg zum Meer also nicht mehr weit. Für die Eltern wird die Distanz über das Eis immer kürzer.
Wenn der Sommer beginnt, beenden die jugendlichen Kaiser ihre Mauser und verlassen die Kolonie, um ihre Wanderjahre anzutreten. Drei bis sechs Jahre später werden sie an ihren Geburtsort zurückkehren und selber das erste Mal brüten.
Die Kaiserpinguine schaffen es mit diesem Rhythmus, jedes Jahr zu brüten. Ihre nächsten Verwandten, die Königspinguine haben nur zwei Brutphasen in drei Jahren.
Energiespar-Weltmeister
Die Pinguine haben in ihrer Unterhaut eine dicke Fettschicht, den Blubber, durch den der Wärmeverlust auf ein Minimum reduziert wird. Was das bedeutet, wird am Beispiel der Kaiserpinguine klar. Wenn sie während des antarktischen Winters brüten, herrschen bei stürmischen Winden Temperaturen von minus 60 Grad. Aber in ihrem Körper können die Pinguine plus 39 Grad Celsius aufrechterhalten. Der Temperaturunterschied zwischen innen und aussen beträgt also sage und schreibe 100 Grad Celsius. Kaiserpinguine sind wahre Energiespar-Weltmeister!
Heiner Kubny, PolarJournal (Text + Bilder)