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Arktischer Brennpunkt: Zwischen Russland und der NATO brodelt es
Die schmelzenden Eismassen der Arktis eröffnen nicht nur neue Schifffahrtsrouten, sondern auch eine neue Arena geopolitischer Spannungen. Was Wissenschaftler als „arktische Verstärkung“ im Kontext der globalen Erwärmung bezeichnen, kann metaphorisch auch auf die wachsenden geopolitischen Spannungen in der Region angewendet werden. Michail Gorbatschows Vision von einer friedlichen und konfliktfreien Arktis aus dem Jahr 1987 scheint sich immer mehr zu verflüchtigen.
Der beschleunigte Klimawandel und die geopolitischen Spannungen, hervorgehoben durch die russische Invasion der Ukraine, machen die Arktis zu einem potenziellen Epizentrum künftiger Auseinandersetzungen. Der Arktische Rat, bestehend aus acht Mitgliedstaaten – darunter Russland und die USA – steht zunehmend unter Druck von externen Akteuren wie China und Indien, die ein wirtschaftliches Interesse an der Region zeigen.
China bezeichnet sich selbst als „arktisnahen“ Staat und plant, seine eigene „nördliche Seidenstraße“ zu entwickeln, während Indien bereits mit russischen Partnern Möglichkeiten zur Zusammenarbeit in der Arktis auslotet.
Russland, das fast 53% der Arktisküste kontrolliert, intensiviert seine Bemühungen, die Nordseeroute auszubauen, und plant bis 2024 eine ganzjährige kommerzielle Schifffahrt durch die Arktis. Die USA reagieren ihrerseits mit einer verstärkten Präsenz in der Region, einschließlich der Eröffnung eines Konsulats in Norwegen.
Das militärische Wettrüsten in der Region intensiviert sich. Russland hat seine Atomstreitkräfte in der Arktis aufgestockt, alte Stützpunkte aus der Zeit des Kalten Krieges reaktiviert und eine beeindruckende Nordflotte, bestehend aus Atom-U-Booten und Überwasserschiffen, aufgebaut. Gleichzeitig patrouillieren britische und amerikanische U-Boote in den Gewässern der Arktis.
Die riesigen natürlichen Ressourcen der Arktis – geschätzte 20% der unentdeckten Öl- und Gasreserven der Welt sowie bedeutende Vorkommen von Gold, Nickel und Zink – sind ein weiterer Zündstoff. Souveränitätsansprüche im zentralen Arktischen Ozean, die von Russland, Dänemark und Kanada bestritten werden, und exklusive Fischereirechte erhöhen das Konfliktpotenzial.
Viele Experten identifizieren den Spitzbergen-Archipel als potenziellen Brennpunkt. Gemäß einem 1920 geschlossenen Vertrag dürfen zahlreiche Länder, darunter China und Russland, wirtschaftliche Aktivitäten in der Region ausüben. Moskau betreibt bereits Kohleminen auf Spitzbergen, und in vielen Siedlungen wie Barentsburg dominiert die russische Kultur.
Einige Beobachter glauben, dass Russland die NATO in der Arktis testen wird. Es ist unbestreitbar, dass die Arktis nicht mehr nur als wilde und unberührte Region betrachtet wird, sondern als zentraler Schauplatz im Großmächtespiel um globale Dominanz.