Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03390.jsonl.gz/2071

Schneller, stärker, gewaltiger: die Waffen des Deutsch-Französischen Krieges
Unübersehbar stehen im Bourbaki Panorama Eisenbahn und Telegrafenmast stellvertretend für die enorme Beschleunigung und die erhöhte Effizienz des 19. Jahrhunderts. Diese machten sich nicht nur im Alltag bemerkbar. Der technische Fortschritt der Industrialisierung zeigte sich auch in der Waffenproduktion. Der Einsatz modernster Waffen wie Maschinengewehre und weitreichende «Hinterlader» übertraf die bisher bekannte kriegerische Gewaltkraft.
Neue Waffen
Um 1840 entstand in Preussen mit dem Zündnadelgewehr von Johann Nikolaus von Dreyse eine Schusswaffe mit einem praktischen Vorteil: Die Munition konnte in der Mitte des Gewehrs, also von hinten in den Lauf eingeführt werden. Beim «Hinterlader», war es für den Schützen nicht mehr nötig, sich aus der Deckung zu erheben, um von vorn eine Kugel in den Lauf zu rammen. Durch die gesparte Zeit konnte die Schussfolge erhöht werden. Der französische Konstrukteur Antoine Alphonse Chassepot behob noch bestehende Mängel am Zündnadelgewehr und entwickelte zwanzig Jahre später eine Waffe mit doppelter Reichweite – nun konnte auf eine Distanz von 1200 Metern zielsicher gefeuert werden. Kurz vor dem Deutsch-Französischen Krieg war die gesamte französische Armee mit dem Chassepot ausgerüstet. Auch die Mitrailleuse beeinflusste das Kampfgeschehen: Trotz der gewichtsbedingten Trägheit des fast tonnenschweren Objekts erlaubte sie eine Feuergeschwindigkeit von bis zu 90 Schuss pro Minute (bei 30 Läufen). Ihre Schusskraft reicht bis zu 3000 Meter. Sie ist gewissermassen ein Vorläufer des Maschinengewehrs.
Veränderte Taktik
Aufgrund technischer Neuerungen veränderte sich auch die Kriegsführung – und gleichzeitig das Ausmass der Zerstörung. Die Stärke der neuen Waffen mit hoher Feuergeschwindigkeit lag inbesondere in der Verteidigung. Sie veränderten die bisherige Taktik der Europäischen Armeen: geschlossene Linien und Formationen und der nahe Zweikampf hatten ausgedient. Man musste das feindliche Feuer irgendwie durchlaufen.
Immense Lager
Trotz technisch überragender Waffen scheiterte die schlecht ausgebildete französische Ostarmee an den neuen Voraussetzungen, welche sich insbesondere hinsichtlich der Organisation als Herausforderung zeigte. Nach der Entwaffnung lagerten in der Schweiz 284 Geschütze und Mitrailleusen, 1'158 Kriegsfuhrwerke, 64'800 blanke Waffen und 63'400 Gewehre. Nur schon für die Gewehre benötigte der Abtransport in die Lager mehrere Hundert Fuhren. Die beschlagnahmnten Waffen gelangten nach der raschen Bezahlung der Internierungskosten gemäss Vertragsregelung zurück nach Frankreich.