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| Cyrill von Jerusalem († 387) - Katechesen an die Täuflinge (Procatechesis et Catecheses ad illuminandos)

XVIII. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem.
Über die Worte: „und an eine heilige, katholische Kirche, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben".
8.
Die Heiden verlangen jedoch ein noch deutlicheres Beispiel für die Auferstehung von den Toten. Sie erklären: Jene Geschöpfe werden wohl zum Leben erweckt, ohne jedoch vollständig verfault zu sein. Sie wollen daher, daß man ihnen ein Tier zeige, das wirklich vollständig verfault und doch wieder aufersteht. Gott kannte den Unglauben der Menschen und schuf daher einen Vogel, den sogenannten Phönix. Dieser existiert, wie Clemens1 schreibt und noch mehrere Schriftsteller berichten, nur in einem einzigen Exemplar. Er kommt alle fünfhundert Jahre nach Ägypten, und damit das Wunderbare nicht verborgen bleibe, tut er seine Auferstehung nicht an einsamen Orten kund; vielmehr erscheint er in offener Stadt2, auf daß man das Unglaubliche mit den Händen greife. Wenn der Phönix sich aus Weihrauch, Myrrhen und anderen Gewürzen ein Nest gebaut hat, legt er sich, sobald seine Zeit gekommen ist, in dasselbe und stirbt vor aller Augen und verfault. Aus dem verfaulten Fleisch des verendeten Vogels entsteht ein Wurm, der, wenn er größer [S. 342] geworden ist, sich zum Vogel verwandelt. Halte dies nicht für unglaublich! Du siehst ja auch die Bienen sich aus Würmern entwickeln und, daß aus den ganz flüssigen Eiern die Federn, Knochen und das Fleisch der Vögel wird. Wenn der erwähnte Phönix Flügel bekommt und vollständig die frühere Gestalt angenommen hat, dann fliegt er — derselbe, der gestorben war — in die Luft empor, nachdem er die Menschen klar und deutlich die Auferstehung der Toten gelehrt hat. Der Phönix ist ein wunderbarer Vogel, aber es fehlt ihm die Vernunft, und noch nie hat er Gott ein Loblied gesungen. Er fliegt in der Luft umher, doch weiß er nicht, wer der eingeborene Sohn Gottes ist. Wenn nun dem unvernünftigen Tiere, das seinen Schöpfer nicht kennt, eine Auferstehung von den Toten verliehen wird, soll dann uns, die wir Gott preisen und seine Gebote beobachten, keine Auferstehung geschenkt werden?
1: Clemens von Rom 1 Kor. 25. Vgl. u. a. Origenes Gegen Celsus IV. 98; Tertullian Über die Auferstehung 13; Eusebius Leben Konstantins IV. 72; Lactantius Über den Vogel Phönix. Über die Fabel vom Phönix berichten bereits heidnische Schriftsteller wie Herodot (II. 73), Plinius (Naturgesch. X. 2). Vgl. Cassel, Der Phönix und seine Ära (1879).
2: φανερὰ πόλις [phanera polis] ═ Heliopolis.