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Einersessellift Sedrun - Cungieri
Betrieb der Sesselbahn seit 16. Oktober 2005 eingestellt.
Im Gegensatz beispielsweise zu Österreich war die Schweiz nie das klassische Land der Einersessellifte (Sessellifte mit Sesseln, die nur einer einzigen Person Platz bieten), hier setzte man nach dem Krieg vor allem auf die leistungsfähigeren kuppelbaren Umlaufbahnen. Fix geklemmte Einersesselbahnen entstanden zuerst nur dort, wo ein bereits bestehender Skilift zum Sessellift erweitert wurde, so dass die Anlage im Winter als Skilift und im Sommer als Sessellift betrieben werden konnte. Typische Vertreter dieser sog. Kombilifte waren der Jochpasslift von Engelberg, der Ski- und Sessellift Alp Languard von Pontresina, der Fronalpstocklift auf Stoos oder der Ski- und Sessellift Alp Sellamatt im Obertoggenburg.
Reine Einersessellifte wurden nur gebaut, wo das zu erwartende, eher geringe Fahrgastaufkommen eine teure, leistungsfähige Bahn nicht rechtfertigen liess und das Gelände für einen Skilift ungünstig war. So entstanden in der Schweiz während den 50er- und 60er-Jahren nur etwas mehr als ein Dutzend Einersessellifte, gebaut von bekannten Firmen wie Brändle, Müller oder Habegger.
Die letzte in der Schweiz übriggebliebene, erwähnenswerte Einersesselbahn aus den 50er-Jahren, die somit auch einen gewissen historischen Wert aufweisen kann, ist der Sessellift Sedrun-Cungieri im bündnerischen Val Tujetsch. Abgesehen von einer überdimensioniert wirkenden, neuen Niederhaltestütze bei der Talstation und den Seilabhebejochen auf den Masten präsentiert sich diese nostalgische Sesselbahn noch wie zur Zeit ihrer Eröffnung im Jahre 1956.*
Nachdem im Jahre 1955 die Gemeinde Tujetsch einer neu ins Leben gerufenen Trägerschaft einer Sesselbahn das erforderliche Land abgetreten hatte, konnte Anfangs 1956, unter etlichen Schwierigkeiten zwar, die Aktiengesellschaft Sutgèra SA Sedrun-Cungieri, gegründet werden. Schwierigkeiten ergaben sich deshalb, weil nur gerade 19% des Aktienkapitals von der Gemeinde Tujetsch gezeichnet werden konnte, der grosse Rest musste von auswärtigen Gästen aufgebracht werden. Der Bau des Sesselliftes erfolgte in den Sommermonaten des gleichen Jahres, und bereits im September konnte der Betrieb aufgenommen werden. Die Baukosten des Liftes und des kleinen Bergrestaurantes beliefen sich zusammen auf die heutzutage unglaublich erscheinende Summe von gerade mal 235'000.- Franken!
Im Jahre 1967 wurde der Sessellift Sedrun-Cungieri von den Bergbahnen Sedrun AG übernommen, welche die Anlage laufend auf dem von den Behörden geforderten technischen Stand hielten. Auf Ende 2005 läuft aber die Betriebsbewilligung der Sesselbahn aus, und von den Bergbahnen Sedrun AG wurde die Absicht laut, danach das Gebiet von Cungieri ersatzlos aufzugeben. Dieses Ansinnen aber löste grossen Widerstand unter Einheimischen und Gästen aus, und so wurde Anfang 2004 die IG Pro Cungieri gegründet, mit dem Ziel, das Gebiet von Cungieri auch nach 2005 weiter zu erhalten. Dazu müsste die bestehende Sesselbahn grundlegend modernisiert oder gar ganz ersetzt werden. Eine weitere Option wäre auch die Verlängerung des Sesselliftes über Cungieri hinaus, damit eine Verbindung zum Skigebiet von Disentis hergestellt werden könnte. Was auch immer einmal auf Cungieri verwirklicht wird, Tatsache ist, dass die nostalgische Einersesselbahn ihren Betrieb im Oktober 2005 einstellen musste und damit bereits Geschichte ist. Die letzten Reste der einstigen Anlage werden im Frühjahr 2006 rückgebaut.
* Eine in ihrer Bauart ähnliche Anlage existiert noch in Willerzell in der Nähe von Einsiedeln im Kanton Schwyz. Diese Einersesselbahn wurde ebenfalls von der Firma Müller erbaut, befindet sich in Privatbesitz und unterliegt wegen ihrer geringen Kapazität nicht den eidgenössischen Seilbahnverordnungen.
Technische Daten der Sesselbahn Sedrun - Cungieri:
|Inbetriebnahme||21. Sept. 1956|
|Ausserbetriebsetzung||16. Okt. 2005|
|Erbaut durch||Gerhard Müller, Dietlikon|
|Fahrbahnlänge||1102 m|
|Höhe Talstation||1454 m.ü.M.|
|Höhe Bergstation||1840 m.ü.M.|
|Höhendifferenz||386 m|
|Grösste Neigung||47,5 %|
|Anzahl Stützen||9|
|Grösstes Spannfeld||221 m|
|ø Förderseil||22 mm|
|Sessel||55 à 1 Pers.|
|Leergewicht eines Sessels||20 kg|
|Fahrgeschwindigkeit||1,5 - 2,0 m/Sek.|
|Förderleistung||180 Pers./h|
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Abb.1: Ansicht des Geländes mit der Talstation und des ersten Drittels der Strecke. Abb.2: Das schmucke Häuschen der Talstation strahlt die pure Nostalgie aus. Interessant die Werbung in Form einer Wandmalerei. "Sutgera Sedrun" ist romanisch und bedeutet soviel wie Sesselbahn Sedrun. Abb.3: Die wuchtige Niederhaltestütze in Rohrbauweise neueren Datums mag nicht so recht zur zierlichen Talstation passen. Abb.4: Die Antriebseinheit der Talstation wirkt gleichzeitig auch als Spannvorrichtung. Dazu ist die gesamte Einrichtung auf Schienen gelagert und gegen die Rückwand durch ein Spanngewicht belastet. Vorne im schwarzen Gehäuse befindet sich der Benzinmotor für den Notantrieb. Abb.5: Ein Bild aus früheren Zeiten, aufgenommen aus dem Sessel während der Talfahrt. Hier sieht man auch, wie der Niederhaltemast vor der Talstation einmal ausgesehen hat. Abb.6+7: Interessanterweise ist der erste Mast auf der Strecke als Portalstütze ausgebildet, alle anderen Stützen sind in T-Form gehalten.
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Abb.8: Sesselbahn mit Blick auf Sedrun. Abb.9: Das Streckenstück nach der Talstation. Abb.10: Sesselbahn mit dem Medelgletscher im Hintergrund. Abb.11: Typisch für Müller-Umlaufbahnen sind die senkrecht stehenden, T-förmigen Fachwerkstützen. Abb.12: Blick gegen das Val Nalps.
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Abb.13: Bereits hier in der Hälfte der Strecke geniesst man einen herrlichen Ausblick ins Tujetsch mit den Dörfern Sedrun und Rueras. Abb.14+15: Zwischen den Bildern 14 und 15 liegen fast 50 Jahre. Von der Scheune im Vordergrund von Bild 15 sind heute nur noch Reste der Grundmauern erkennbar. Abb.16: Nochmals die gleiche Alp aus anderer Perspektive, im Hintergrund der Chrüzlistock. Abb.17-19: Die Stützen wurden erst nachträglich mit Seilabhebejochen und Wartungsplattformen ausgerüstet. Da die Firma WSO diesen Umbau ausführte, sind die Masten nun mit Nummernschildern dieser Firma bestückt.
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Abb.20: Nochmals einen Blick zurück ins Tujetsch. Abb.21: Sogar der Hund findet noch Platz auf dem Einersessel, wenn auch nur auf Herrchens Knien. Abb.22: Blick aus dem Sessel gegen die Bergstation. Abb.23-27: Die letzten Meter vor der Bergstation. Hier öffnet man den Schliessbügel und macht sich bereit zum Absteigen. Abb.28+29: Die Anordnung der Bergstation. Nach der letzten Stütze verläuft das Förderseil horizontal und die Sessel befinden sich in nur noch geringer Höhe über der Plattform, so dass die Fahrgäste bequem ab- oder zusteigen können.
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Abb.30: Detailaufnahme des Stützenkopfes mit 8er-Rollenbatterie bei der Bergstation. Abb.31: Einfaches, aber hübsches und zweckmässiges Stationsgebäude mit der fest gelagerten Umlenkscheibe. Da sich der Antrieb wie auch die Spannvorrichtung in der Talstation befinden, konnte hier die Konstruktion sehr einfach gehalten werden. Abb.32: Für fixe Sesselbahnen liess Müller eine Doppelklemme patentieren, die aus zwei in einem Gehäuse gelagerten Einzelklemmen besteht, wobei eine Klemme fest, die andere dagegen in einem Gleitstein beweglich eingebaut ist. Durch diese Anordnung wird beim Umfahren der Endscheiben das Seil geschont, da sich die Klemmen strahlenförmig auseinanderbewegen können. Ausserdem sorgen Druckfedern im Klemmenschaft für eine konstant bleibende Klemmkraft. Abb.33: Zeichnung der Doppelklemme aus der Patentschrift von 1955. Abb.34: Plakat der Sesselbahn Sedrun-Cungieri aus dem Jahre 1956.
Alle Fotos, ausser Nr. 5, 15, 34: C. Gentil
Eine umfangreiche Sammlung an Bildern und Infos über die Sesselbahn Sedrun-Cungieri gibt es auch auf der Homepage von Andi Jacomet: http://www.jacomet.ch/themen/skilift/album/index.php?cat=6
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