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Sämtliche Ausführungen sind Peter Stünzis kleiner Publikation "Basel und die Weinschenke zum alten Stöckli" von 1983 entnommen.
Woher der Name "zum Stöcklin" oder "hinter dem Stöcklin" genau kommt, ist nicht ganz geklärt. Vermutungen gehen dahin, dass damit die Häuser unter/hinter der Mauer des damaligen Barfüsserplatzes gemeint sind. Im Mittelalter verwendete man für einen solchen Mauerabsatz gerne die Bezeichnung "Stock". Diese Vermutung wird erhärtet durch die Tatsache, dass auch für die Nachbarliegenschaften dieselbe Bezeichnung verwendet wurde. Doch das Haus am Birsigfall hatte in der Geschichte mehr denn einen Namen.
Vor exakt 700 Jahren wird das Stöckli erstmals urkundlich erwähnt, und mit ihm seine vermutlich ersten Bewohner. Da war zum einen der Priester Burchard, genannt Rechzagel, und zum anderen ein gewisser Heinricus, genannt Sigelin, zusammen mit seiner Frau Hedwig und seiner Tochter Elsina. Diese Familie gab dem Haus für mehrere Jahrhunderte seinen Namen - Sigelinshus. Sie hatte der Leonhardskirche und dem alten Spital an den Schwellen Zinsen abzugeben, das Haus musste also der Kirchgemeinde gehören. 1403 wird die Lage des Hauses in einer Urkunde eines Besitzerwechsels beschrieben: "Das Ortshuse und Hofstat vor und hinder genannt Sigelins Hus, gelegen bi den Barfüssern zwischent dem Birsich und Johans von Costentz Huse des Kaufmanns, das ir lidig eygen ist." und ebenso 1447: "Haus und Hofstat, von alters her Sigelinshus genannt, mit dem Vorhöflein, das bei der Mauer beim Birsigsteg gelegen ist, mit dem Steg zur neuen Schol, an dem Ort, bei dem Birsig und gegen das Gotzenhuse (Barfüsserkirche) über, und neben dem Haus zer Schär."
Verschiedene Handwerker bewohnten in den kommenden Jahrhunderten das Haus am Birsigfall, darunter Weber, Schuhmacher, Kannengiesser, Wagner, Korbmacher, Kürschner und viele weitere. Ein gewisser Scherenmacher Wilhelm Schorr hatte beim Spital grosse Schulden, weil er den Zins nicht zahlen konnte, und so wurde das Haus im Jahre 1500 versteigert, und der Vorbesitzer Wolfgang Eder hatte die finanziellen Mittel, um das Haus zu erwerben. Leider verstarb der neue Besitzer bald, und seine Witwe bekam Ärger mit der Obrigkeit: Der Spitalmeister machte Anzeige beim Fünfergericht, weil das Haus offenbar am Verfallen war. Ein späterer Besitzer nahm beim Spital ein Darlehen von 80 Gulden auf, um das Haus instandzustellen.
1517 legte der Müller Hannsen Beckel dem Fünfergericht einen Kaufbrief von 1447 vor, der seine Besitzverhältnisse auf den Anbau bestätigte. Dieser Anbau stand vor dem heutigen Stöckli und wird als "zu einer Mühly erbauen" beschrieben. Der Nachbar des Müllers, der Steinmetz, verkaufte diesem seinen Hausteil 1519. Nun wurde das Haus eine Einheit und wurde Barfüssermühle genannt. Leider lernte der Müller den Birsig nicht nur als willkommene Antriebskraft seiner Mühle kennen. So wird 1530 bei der grossen Überschwemmung überliefert, dass die Räder der Mühle am Barfüsserplatz vollständig im sandigen Geschiebe steckten. Die Schuld für das Hochwasser wurde auf die Anwohner des Birsig und die Behörden geschoben (unbewilligte Uferverbauungen und Berge von Abfällen im Flussbett). Schon 1540 wurde aus der lustigen Mühle ein Stallung für Pferde, 1590 jedoch baute sich der Wollweber Christoffel Wüesten daraus eine Wohnbehausung.
Die wohl grösste Handänderung, die bis in die Gegenwart reicht, vollzog sich wohl 1644, als Ulrich Rosenmundt ins Sigelinshaus kam. Er eröffnete hier eine Weinschenke und wurde Weinmann (Wirt) genannt. Das bedeutete auch das Ende des Hausnamens aus dem Jahr 1314. Rosenmundt wünschte sich für seine Weinschenke einen klangvolleren Namen, und so wurde es das Sterneneck. Weder ihm noch seinem Nachfolger war jedoch das Glück beschieden, und beide gingen pleite - vermutlich weil genau gegenüber das Gasthaus Schiff lag, das für die kleine Weinschenke eine zu grosse Konkurrenz darstellte. Infolgedessen übernahm die Stadt, vertreten durch den Bürgermeister, 1656 das Haus, womit der kleinen Weinschenke die Tage vorerst gezählt waren. Nach einigen weiteren Handänderungen und Pleitegeschichten ist in einem Gutachten aus dem Jahr 1759 zu lesen, das Haus sei derart baufällig, dass es einzustürzen drohe. Der Besitzer wurde aufgefordert, das Vorgebäude sofort zu reparieren. Er tat dies und beantragte einige Jahre später auch, eine "Kellerstege" bauen zu dürfen.
Erst 1776 ist wieder eine Weinschenke im Sterneneck bezeugt, und zwar, als der Pastetenbeck Daniel Scholer die Liegenschaft übernahm. Zwar konnte er die Summe Geldes nicht alleine aufbringen, und er borgte sich 600 Thaler beim Almosenamt. Leider konnten er und seine Frau das Geld bis 1792 nicht an das Almosenamt zurückzahlen, so dass sie froh waren, als sich der Metzger Johann Jacob Ritter für das Haus interessierte. Sein Sohn reichte in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts ein Gesuch ein für einen Umbau der Liegenschaft. Dieser bestand in einem kleinen Angebäude mit einem Zimmer. Es wurde als drittes Häuschen vor die zwei anderen Teile des Sternenecks gebaut, so dass diese nun treppenförmig verbunden waren. Man erkennt dies schön im Aquarell von J.J. Schneider (vgl. Abbildung). Auch in der Küche, die damals nur einen kleinen Teil des heutigen Ausmasses hatte, waren Verbesserungen nötig, die der kluge Bauherr sofort erledigen liess. Anliegend an den neusten, kleinsten Hausteil begann damals die drei Meter hohe Mauer, die bis zum Gasthof Schiff auf der anderen Birsigseite führte und die Passanten vor den üblen Gerüchen aus dem Rinnsal zu schützen versuchte. Leider ist das alte Wirtshausschild, das damals vom mittleren Hausteil in die Gerbergasse ragte, verschwunden.
Nachdem 1855 eine Choleraepidemie in Basel wütete und daher Stimmen laut wurden, die eine Überdeckung des Birsig forderten, gab es 1867 einen weiteren wichtigen Wechsel im Sterneneck. Ludwig David Ritter und seine Ehefrau Fanny dürften die ersten Wirtsleute gewesen sein, die dem Wirtshaus den Namen "zum alten Stöckli" gaben. Ein späterer Besitzer, Oberbrauer und Wirt Martin Haller, nannte das Haus 1886 kurzerhand "Café Restaurant Martin Haller". Er musste grosse bauliche Veränderungen in Kauf nehmen, beginnend mit einem vom Regierungsratspräsidenten unterschriebenen Brief im Mai 1887. Darin war dargelegt: "Aus Anlass der geplanten Birsigkorrektion auf der Strecke Barfüsserplatz-Rüdengasse wird der Eigentümer des Barfüsserplatzes 2 (Haus Stöckli) aufgefordert, seine Lauben über der Aalend zu entfernen." Das war eine kostspielige Sache, waren doch diese Lauben fest als Zimmer ausgebaut und hatten Fenster. Aus diesem Grund befahl die Regierung zugleich, auch die beiden auf der Allmend stehenden Vorgebäude zu entfernen. Der Hauseigentümer erhielt 18'000 Franken Entschädigung. Jetzt zeigte das Stöckli ein neues Gesicht, an das man sich erst gewöhnen musste.
Quellen
- Stünzi 1983, ohne Seitenzahlen