Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03644.jsonl.gz/1977

James Brown war ein Orkan. Am Mikrofon, wenn er sang. Auf der Bühne, wenn er tanzte. In späten Jahren hatte man oft den Eindruck, dass eine ungeheure Energie durch den alten Körper pulste, der diese Energie nicht mehr in Aktionen umsetzen konnte. «Get on Up» ist so wild und unberechenbar wie der junge James Brown. Auf Chronologie wird in dieser filmischen Biografie weitgehend verzichtet. Die Erzählung hüpft scheinbar willkürlich durch die verschiedenen Lebensphasen des Ausnahmekünstlers.
Zeitsprünge
Der Film beginnt 1988: James Brown, ein menschliches Wrack im grünen Trainingsanzug. Er hat ein kleines Büro. Das Klo teilt er sich mit der Firma nebenan. Als jemand das Klo benutzt, den er nicht kennt, rastet Brown aus. Er holt ein Gewehr aus dem Wagen. Schnitt: Der dynamische Superstar voll im Saft. Auf der Bühne in den 1970er-Jahren. Dann Rücksprung in die späten 1930er-Jahre: Der Sänger als Kind, das im Alter von vier von seiner Mutter verlassen wird. Wieder ein paar Schnitte später: der Zuschauer sieht, wie Brown 1949 wegen Diebstahl im Knast landet.
Zeitsprung folgt auf Zeitsprung. Der Zuschauer landet irgendwann in den 1950er-Jahren, bei Browns Anfängen mit der Band «The Famous Flames». Wieder ein paar Zeitsprünge später sitzt man 1962 in der ersten Reihe des legendären Auftritts von James Brown im Apollo-Theater. Das Konzert wurde aufgezeichnet und veröffentlicht. Das «Rolling Stone»-Musikmagazin betitelte es einmal als das beste Live-Album aller Zeiten.
Momente statt Szenen
Das Tempo von «Get on Up» ist anfangs so schnell, wie Browns Gesang in seinem bis heute vielleicht populärsten Song «Get Up, I Feel Like Being a, Sex Machine». Der Zuschauer sieht keine kunstvoll aufgebauten Szenen, sondern kurze Augenblicke im Leben des Urvaters des Funks. Die Abfolge erscheint manchmal willkürlich, aber das passt zu James Brown, der die Reihenfolge der Lieder bei einem Konzert erst während des Auftritts festlegte. So erklärt Regisseur Tate Taylor die Struktur des Films im Interview.
Temporeich statt tiefgründig
«Get on Up» erzählt keine tiefgründige Geschichte, verzichtet auf komplexe Charaktere. James Brown ist ein Egomane, der von sich und seinem Talent hundertprozentig überzeugt ist. Frauen sind Beiwerk. Die Karriere hat Vorrang. Schon nach einer Minute wird das im Film deutlich gemacht und dann wieder und wieder belegt. Diese Redundanz und Oberflächlichkeit verzeiht man dem Film. Wegen des Tempos, den oft pointierten Dialogen, dem überragenden Hauptdarsteller Chadwick Boseman und natürlich wegen der Musik. Der Soundtrack ist quasi ein Best of Album von James Brown.
Fazit: «Get on Up» – ein bunter, temporeicher Reigen, der einfach Spass macht. Nach dem Kinobesuch bleibt nur eines zu tun: Die Musik des «Godfather of Soul» hören.