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Erleidet man einen Knochenbruch, geht dies nicht nur mit einer Schädigung des Knochens, sondern auch mit einer Verletzung der umliegenden Weichteile einher, wie zum Beispiel der Haut, des Unterhautfettgewebes, der Muskeln und der Sehnen.
Sobald eine Durchtrennung der Haut bei einem Bruch vorliegt, besteht eine offene Verbindung zwischen Knochen und der Außenwelt, das Risiko einer Entzündung durch das Eindringen von Hautkeimen oder Bakterien (Schmutz) von der „Strasse“ erhöht sich. Eine solche Entzündung kann die sogenannten Weichteile betreffen, aber schlimmstenfalls auch auf die Knochen eines Bruches übergreifen. In dem Fall sprechen wir von einer Knochenentzündung. Eine Knochenentzündung ist in der Regel schwierig zu behandeln, da sie sehr hartnäckig sein kann und immer wieder zu einem späteren Zeitpunkt erneut aktiv werden kann. In der Regel gilt, je grösser die Weichteilverletzung und eine offene Wunde bei einem offenen Bruch ist, umso höher steigt das Risiko an, eine Weichteil- oder Knochenentzündung zu erleiden [1]. Je dünner die Schicht von Haut und Muskeln um den offenen Bruch herum ist, umso grösser wird das Risiko, ggf. eine wiederkehrende Knochenentzündung zu bekommen.
Wenn nach einem Unfall eine Knochenentzündung eingetreten ist, sind bei der Behandlung gewisse Prinzipien einzuhalten. Zuerst sollte im Falle eines frischen offenen Knochenbruches eine ausreichende Stabilisierung der Fraktur gewährleistet sein. Ziel ist dabei, möglichst wenig “Fremdmaterialien“ (Metallteile) zu verwenden, da Bakterien sich gerne bei einer Knochenentzündung an diesen Metallteilen heften und sich eine schwer zu entfernende Schleimschicht bilden. Ein äusserer Spanner (Fixateur externe) mit Knochenpins und (Quer) Verstrebungsgestänge wird deswegen öfters zur Stabilisierung genommen, da dann relativ wenig Metallteile zur Fixierung der Knochenteile notwendig sind.
Eine Knochenentzündung braucht zur Behandlung und Säuberung der Entzündungsstelle neben wiederholten chirurgischen Operationen eine unterstützende antibiotische Therapie. Die regelmässige chirurgische Reinigung ist notwendig, damit der schleimige Belag (ein sogenannter Biofilm), gebildet durch die Bakterien bei einer Knochenentzündung, in der Menge reduziert wird und in Folge dann auch besser angegangen werden kann von bakterienhemmenden Medikamenten (sogenannten Antibiotika).
Ende der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde eine innovative Vakuumverbandstechnik zur Behandlung von infizierten (Defekt-)Wunden von Morykwas und Argenta vorgestellt [2]. Grundlage dieser Technik war, neben der Durchführung von chirurgischen Wundsäuberungen, die Anwendung von sogenannten Spezialschwämmen in Kombination mit einer Versiegelungsfolie und einer Unterdruckpumpe, womit eine infizierte Wunde in ein semi-geschlossenes Wundsystem verwandelt wurde. Dies war eine Erneuerung in der Behandlung, da bisherig solche infizierten Wunden regulär mit „offenem“ Verband verbunden wurden. Vorteil dieser neuen Verbandstechnik war, dass eine Wundinfektion jetzt besser behandelt werden konnte. Fleischmann und Jukema [3] entwickelten dieses System weiter, indem sie eine aktive Spülphase der Schwämme mit einer desinfizierenden Lösung wiederkehrend hinzufügten. Erstmals wurde diese spezielle Vakuumverbandsanwendung mit sogenannter Instillations- oder Spültechnik bei Knochenentzündungen erfolgreich angewandt. Es stellte sich heraus, dass mit dieser sogenannten Vakuumverband-Instillationstechnik in Ergänzung zu wiederholten chirurgischen Operationen zur Säuberung der Wunde und der Knochenentzündungsstelle, eine Knochenentzündung sehr effektiv behandelt werden kann. Nicht allein die Behandlungsdauer einer Knochenentzündung kann durch diese Technik zurückgebracht werden, sondern auch das Risiko, dass im späteren Verlauf erneut die Infektion nochmals wieder aufflammt und behandlungsbedürftig wird, kann eindeutig erfolgreich reduziert werden.
Diese spezielle Vakuumverband-Instillationstechnik wird zur Behandlung von Knochenentzündungen in der Klinik für Traumatologie im Unispital Zürich weiterhin erforscht, entwickelt und erfolgreich bei Patienten mit Knochenentzündungen angewandt.
Leitender Arzt / Stv. Klinikdirektor, Klinik für Traumatologie
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