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Cet obscur objet du désir
Cet obscur objet du désir
Frankreich / Spanien 1977, 103', Digital HD, F/d. Regie Luis Buñuel. Drehbuch Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière, nach einem Roman von Pierre Louÿs. Mit Fernando Rey, Carole Bouquet, Angela Molina, Julien Bertheau, André Weber.
Im Zug von Sevilla nach Paris erzählt ein älterer Herr namens Mathieu einer merkwürdig zusammengewürfelten Gesellschaft Mitreisender von seiner unerfüllten Leidenschaft zu Conchita, einer jungen Tänzerin.
«Eigentlich sollte es diesen Film gar nicht geben. 1974, nach Le fantôme de la liberté, wollte sich Luis Bunuel, damals 74-jährig, zur Ruhe setzen. Sein Freund und Produzent Serge Silberman aber liess nicht locker und drängte ihn, einen weiteren Film zu drehen. So griff Bunuel 1977 auf ein altes Projekt zurück, die Verfilmung des Romans «La femme et le pantin» von Pierre Louÿs aus dem Jahr 1898. Dieser hatte schon als Vorlage für Josef von Sternbergs The Devil is a woman (1935) und Julien Duviviers Brigitte-Bardot-Vehikel La femme et le pantin (1959) gedient.
Aus «La femme et le pantin» wurde bei Bunuel Cet obscur objet du désir. Allein dieser Titel mit seinem dunkel lockenden Versprechen ist ein kleines Meisterwerk – und erst der Film: Im Gegensatz zu andern Regisseuren war der «Atheist von Gottes Gnaden» auch im hohen Alter auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Cet obscur objet du désir ist sein letzter und zugleich einer seiner besten Filme. Er handle davon, «wie jemand vergeblich versucht, in den Besitz des Körpers einer Frau zu gelangen», schrieb Bunuel in seiner Autobiografie «Mein letzter Seufzer».
Tatsächlich könnte man den Film als eine Übung in Frustration charakterisieren: Don Mateo, gespielt von Fernando Rey, stellt der feurigen Conchita nach, die sich ihm immer wieder entzieht. Verkörpert wird Conchita von zwei Schauspielerinnen, Angela Molina und Carole Bouquet. Die Doppelbesetzung, die den Phantomcharakter der Femme fatale unterstreicht und betont, dass es hier nicht eigentlich um eine Frau, sondern ums Begehren geht, war übrigens nicht kalkuliert, sondern Resultat eines Zufalls.
Fünfzig Jahre zuvor hatte Bunuel zusammen mit Salvador Dali den Surrealismus-Klassiker Un chien andalou realisiert und mit dem Bild vom Schnitt durchs Auge Kinogeschichte geschrieben. Cet obscur objet du désir endet mit dem Bild einer alten Spitzenklöpplerin, die den Riss in einer Decke näht – damit schliesst sich der Kreis in einem Œuvre, das seinesgleichen sucht. Es ist dies die letzte Einstellung, die der 1983 gestorbene Bunuel gedreht hat. Sie berühre ihn, «ohne dass ich sagen könnte, warum: Sie bewahrt ihr Geheimnis», schriebt er in seiner Autobiografie.» (all)