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Es kann sich lohnen, auf den Dachboden zu steigen und die alten Kisten aus vergangenen Jugendtagen hervorzukramen. Allenfalls findet sich dort ein altes Comic-Heft, das heute Tausende Franken oder sogar Millionen wert ist. Etwa eine gut erhaltene Erstausgabe von «Micky Maus» oder von «Asterix» oder die vollständige Reihe des ersten «Tim und Struppi».
«Alle paar Jahre wird in den Medien über eine spektakuläre Comicversteigerung berichtet. Aber eben: nur alle paar Jahre und irgendwo auf der Welt. Also bedeutend weniger oft, als es Lottomillionäre gibt», sagt Agi Schnyder, Inhaberin des Comic-Ladens Zappa Doing in Winterthur, der geschätzte 30'000 Comic-Hefte beherbergt. Der Laden füllt sich regelmässig mit fremden Kunden, die ihre alten Comics verkaufen wollen und enttäuscht sind, wenn Agi diese als Altpapier bezeichnet und keine fünf- oder sechsstelligen Summen dafür bietet.
Die Chancen, auf einem europäischen Dachboden einen millionenschweren Comic zu finden, sind grundsätzlich gering. Die ganz schweren Jungs sind Amerikaner wie «Batman», «Superman» oder «Captain America». US-Comics aus den 1930er Jahren sind heute die begehrtesten. Aber nur, wenn sie auch einen Helden gebären. So sind die 3,4 Millionen Dollar für das bislang teuerste je verkaufte Heft dem ersten Auftritt von Batman in Ausgabe 27 der Reihe der «Detective Comics» zu verdanken.
Für europäische Comics gelten andere Dimensionen. So ist etwa die deutsche Erstausgabe von «Micky Maus», ein dünnes Heft aus dem Jahr 1951, bei Comicguide.de für 6000 Euro gelistet. Wertvoll sind die deutschen «Superman»-Ausgaben aus dem Jahr 1950, die je nach Zustand für mehrere tausend Euro gehandelt werden. Solche Spitzenpreise erzielen allerdings nur Comics, die seit ihrem Druck in einem hervorragenden Zustand geblieben sind.
Kalkuliert reich werden mit Comics ist schwierig: «Schlagzeilen über horrende Verkaufspreise bei Comics schaffen ein Bild, demzufolge jeder Comic ein Diamant sein könnte. Sicherlich gibt es Käufer, die ganz genau den Markt kennen und richtige Sammlungen mit vielversprechenden Titeln aufbauen, doch die sind deutlich in der Unterzahl», erzählt Angela Heimberg, gelernte Buchhändlerin, seit 15 Jahren im Geschäft mit Comics und seit 2012 Inhaberin des Comix Shop in Basel.
«Aus Sammlergründen einzukaufen, fände ich einen schlechten Ratgeber.»Angela Heimberg, Inhaberin des Comix Shop in Basel
In ihrem Laden an der Theaterstrasse 7 finden sich unter den rund 10'000 Heften durchaus ein paar Trouvaillen wie beispielsweise ein Sammelschuber mit der deutschen Ausgabe der gebundenen «Spirou» und «Fantasio»-Alben, gezeichnet von André Franquin, für rund 270 Franken oder eine limitierte Luxusedition der französischen Ausgabe von «Thorgal 37» für rund 220 Franken.
Für Angela Heimberg steht aber nicht der Preis oder der Wert der Comics im Vordergrund, sondern die darin enthaltene Geschichte und die Zeichnung. «Aus Sammlergründen einzukaufen, fände ich einen schlechten Ratgeber, denn die mögliche Enttäuschung, auf Altpapier sitzen zu bleiben, ist gross. Aber natürlich haben wir zahlreiche Stammkunden, die über Jahrzehnte hinweg schöne Sammlungen aufgebaut haben. Aber immer mit der Leidenschaft für Comics und nicht aus Kalkül», erzählt Angela Heimberg.
Wertvolle Nüsse: Peanuts-Comics aus den siebziger Jahren
Einer davon ist Cuno Affolter. Er ist mehr als nur ein Sammler, er ist der «Cuno-Comic» der Schweiz – so genannt, weil er 1983 die Zuhörer von DRS3 mit seiner Passion für Comics begeisterte – und seit über zwanzig Jahren Kurator für die mittlerweile zweitgrösste Comic-Sammlung Europas in der Stadt Lausanne ist.
«Sehr viele der Comics, die heute sehr viel wert sind, werden künftig vermutlich wertlos sein.»Cuno Affolter, Kurator der Comic-Sammlung der Stadt Lausanne
«Die Preise für Comics sind in den letzten zehn, zwanzig Jahren explodiert», weiss der Experte, der seit über 45 Jahren professionell mit Comics zu tun hat. Er berichtet von Originalseiten der «Peanuts», den Geschichten des Charlie Brown aus den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die heute mehrere tausend Dollar wert sind.
Dennoch rät Cuno Affolter davon ab, solche Originale als neue Geldanlage anzusehen. «Sehr viele der Comics, die heute sehr viel wert sind, werden künftig vermutlich wertlos sein», sagt Affolter. Einfach, weil sowohl die Comic-Künstler als auch die Generation, die Comics wie die «Peanuts» oder «Tim und Struppi» noch kannte und schätzte, im wahrsten Sinne des Wortes aussterben.
Comics landen oft im Altpapier
«Anders als im Kunstmarkt, wo der Wert eines Künstlers nach seinem Ableben oft steigt, geraten Comic-Zeichner nach ihrem Tod meist in Vergessenheit», sagt er. Mit Ausnahme der amerikanischen Comics, denn die haben eine ganz andere gesellschaftliche Bedeutung, weil Helden wie Mickey Mouse, Supermann oder Scrooge (Dagobert Duck) viele Jahrgänge aus allen Schichten der amerikanischen Gesellschaft «infiltriert» hätten, so Affolter.
Bei amerikanischen und europäischen Comics gilt wie immer das ökonomische Gesetz der Knappheit: Was rar ist, ist teuer. Die heute begehrten Comics wurden zu ihrer Zeit in kleinen Auflagen gedruckt und die meisten Hefte landeten nach dem Gebrauch dort, wofür das Material, auf dem sie gedruckt waren, auch gedacht war: im Altpapier.
Die billigen Drucke auf dem dünnen, knisternden Papier waren gar nicht erst dafür konzipiert, lange zu halten, geschweige denn über mehrere Dekaden hinweg zu überleben. Um so schwieriger ist es heute, ein gut erhaltenes Original aus den frühen Jahren der Comickultur zu finden. Und wenn, dann gilt es, dieses möglichst gut zu konservieren und am besten hinter Hartplastikfolie zu verschweissen, sogenanntem Slabbing. Denn nur die richtig gut erhaltenen Exemplare erhalten den höchsten Qualitätsstandard, «mint», und nur mit diesem lassen sich am Markt Höchstpreise erzielen.
Wenn überhaupt, denn es muss sich auch ein Käufer finden. Zwar hat der Online-Handel über Ebay oder auf spezialisierten Websites einige Dynamik in den Comic-Handel gebracht, aber noch lange keine Transparenz. Zudem kann der Preis eines Comics ganz schnell zusammenbrechen, wenn zum Beispiel ein neueres, besser erhaltenes Heft auftaucht.
Die zehn teuersten Comics der Welt
«Heutzutage ist die Wertsteigerung meist sehr beschränkt oder nur sehr kurzfristig, wie zum Beispiel bei der Erstausgabe von ‹Batman Damned 1› aus 2019 in der ersten Auflage. Dort war auf einem Panel Batmans Penis zu sehen, was zu grossem Aufsehen und Empörung führte. In den Reprints ist dies nicht mehr der Fall. Der Comic wird wohl noch zwei oder drei Jahre ziemlich wertvoll sein, dann aber auch an Wert verlieren, da es heutzutage viel zu viele Sammler/Spekulanten gibt», erklärt Roland Steiner, Inhaber des Analph Comic Shop in Zürich.
Seiner Meinung nach gibt es nur sehr wenige amerikanische Comics, die sich längerfristig als Wertanlage eignen, ihren Wert behalten oder steigern, wie beispielsweise die eingangs erwähnten «Detective Comics» oder die Hefte aus der ersten Auflage der «Action Comics».
Allerdings geht es den Händlern und Fans der Comic-Welt auch gar nicht um den monetären Wert ihrer Schätze. «Comics als Wertanlage zu betrachten, ist ein ganz winziger und in meinen Augen abartiger Teil des Comic-Antiquariatshandels, der wiederum ein winziger Teil des Comic-Buchhandels ist, und geht – ausser, dass jeder durch puren Zufall viel Geld bekommen möchte – komplett an den Bedürfnissen meiner Kunden vorbei, die da nämlich einfach gute Geschichten erzählt bekommen wollen», empört sich Comic-Händlerin Agi Schnyder aus Winterthur.
Sie will ihren Kunden vor allem mit schönen Geschichten eine schöne Zeit bescheren, ebenso wie ihre Berufskollegin Angela Heimberg vom Comix Shop: «Wir in Basel beschäftigen uns nicht mit den monetären Millionen, sondern möchten unzählige gute Seiten Comics umsetzen», erzählt sie.
Comics: Vom Billigschund zur faszinierenden Kunstform
Für beide Händlerinnen haben sich Comics vom einstigen Billigschund zu einer faszinierenden Kunstform gemausert, die sich als solche auch die Akzeptanz in der Kunstwelt erarbeitet hat. «Comics sind populär und zugleich eine Nische. Die Vielseitigkeit der Themen und der künstlerischen Darstellung ist faszinierend», erklärt Angela Heimberg. Und Agi Schnyder pflichtet bei: «In den letzten 10 bis 15 Jahren hat der Comic merklich an Akzeptanz in der Gesellschaft gewonnen. Es ist nicht mehr Schund, aber nach wie vor ein Nischenprodukt.»
Ein Nischenprodukt mit einer festen und treuen Kundschaft, mit jungen und alten Lesern: solchen, die die Welt der Comics gerade erst für sich entdeckt haben, und jenen, die mit Superman, Spider-Man, Batman, Micky Maus und Dagobert Duck aufgewachsen sind und sich mit den bunten Seiten mit den grossen Sprechblasen ein kleines Stück ihrer Jugend konservieren.
Neue Serien kaufen – Tipps für Sammler
• Comics nur im Laden kaufen oder beim Online-Erwerb nur mit vorheriger persönlicher Inaugenscheinnahme.
• Der Zustand des Heftes entscheidet über seinen Wert.
• Vor allem Erstausgaben eines neuen Comic-Helden sind gefragt und dürften auch weiterhin gefragt bleiben.
• Sorgfältige Behandlung und Lagerung der Hefte.
• Wenn neue Serien auf den Markt kommen, lohnt es sich, ein paar Franken zu investieren.
• Auf den jährlichen Comic-Auktionstagen im deutschen Friedrichsdorf (Hessen) bekommt man einen Eindruck vom Markt und von seinen Akteuren.
• In der Schweiz an der Zürcher Comic-Börse im Volkshaus, die am 7. Juni stattfindet.
Comics: Wer, was, wo
Interessante Websites
• www.comicguide.de: Deutsche Comics von A bis Z mit Preisangaben.
• www.dersammler.eu: Marktplatz für neue und antiquarische Comics.
• www.micky-waue.de: Homepage der jährlichen Comic-Auktionstage im hessischen Friedrichsdorf.
• www.comic-boerse.ch: Website der Comic-Börse im Volkshaus in Zürich.
Die Portagonisten
• Zappa Doing, Obergasse 5, 8400 Winterthur, www.zappadoing.ch
• Comix Shop, Theaterstrasse 7, 4051 Basel, www.comix-shop.ch
• Analph Comic Shop, Strassburgstrasse 10, 8004 Zürich, www.analph.ch
• Centre BD, Place Chauderon 11, 1003 Lausanne, www.lausanne.ch