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Viel Neuschnee, stürmischer Wind und die verbreitet zu wenig stabile Schneedecke führten zu einer dynamischen Wochenberichtsperiode mit hoher Lawinenaktivität (vgl. Abbildung 1). Dabei waren nicht nur die bis anhin üblichen „Altschneegebiete“ des Wallis und Graubündens betroffen, sondern auch Gebiete am Alpennordhang. Am Dienstag, 07.03. wurde die höchste Lawinenaktivität des laufenden Winters erreicht.
Am Freitag war es im Norden recht sonnig, mit dichteren Wolkenfeldern am Nachmittag. Im Süden war es stark bewölkt und im Sottoceneri setzte oberhalb von rund 1200 m schwacher Schneefall ein. Dieser intensivierte sich in der Nacht auf den Samstag und griff allmählich über den Alpenhauptkamm nach Norden über. Am Alpennordhang und in Nordbünden war es am Samstagvormittag meist sonnig, später trübte es ein und Niederschlag folgte nach. Der Südwind frischte im Laufe des Freitages deutlich auf und entwickelte sich in der Nacht auf Samstag zu einem Sturm, der im Norden als Föhn bis in die Täler hinunter griff (vgl. Abbildung 2).
Am Samstagnachmittag brach der Sturm mit dem Durchzug einer Kaltfront zusammen. Die Niederschläge intensivierten sich aber noch einmal. Kräftige Niederschlagszellen zogen vom Piemont über die oberen Maggiatäler bis in die Glarner Alpen und bescherten diesen Gebieten unerwartet viel Neuschnee (vgl. Abbildung 3). Im Bedrettotal wurden Niederschlagsintensitäten von ca. 10 cm pro Stunde über mehrere Stunden beobachtet. Die Schneefallgrenze sank von 1200 bis 1400 m auf rund 1000 m.
Am westlichen Alpennordhang und im Wallis war es bereits am Morgen ziemlich sonnig, während es am zentralen und östlichen Alpennordhang, in Graubünden und im nördlichen Tessin noch intensiv schneite. Um den Mittag hellte es dann auch in diesen Gebieten auf. Gleichzeitig trübte es aus Westen bereits wieder ein. Bis am Montagmorgen schneite es die in Abbildung 4 dargestellten Schneemengen. Erneut schneite es im nördlichen Tessin, in den Glarner Alpen, aber auch im westlichsten und nördlichen Unterwallis am meisten. Die Schneefallgrenze lag um 1000 m.
Der Wind frischte bereits ab Sonntagmittag wieder auf, und blies am Alpennordhang und im Wallis stark bis stürmisch aus West. Wie typisch bei dieser Windrichtung blieben das Tessin und Graubünden von der stärksten Strömung verschont (vgl. Abbildung 2). In der Nacht zum Montag wurde der Wind dann aber auch in diesen Gebieten mässig bis stark.
Tagsüber war es am Montag verbreitet trocken aber meist bedeckt. Bereits am späten Vormittag setzten im Westen neue Niederschläge ein. Nachdem der Westwind tagsüber abgeflaut hatte, frischte er wieder auf und drehte im Laufe des Abends auf Nordwest. Die stärkste Strömung etablierte sich über den zentralen und östlichen Teilen der Schweizer Alpen und erreichte Sturmstärke. Mit der Drehung des Windes auf Nordwest intensivierten sich die Stauniederschläge am Alpennordhang und erreichten die intensivste Phase in der Nacht auf Dienstag. Tagsüber nahm der Wind allgemein ab. Auch die Niederschlagsintensität ging zurück, die Niederschläge wurden schauerartig und endeten in der Nacht zum Mittwoch, 08.03. Bis zum Dienstagmorgen schneite es noch einmal bedeutende Schneemengen (vgl. Abbildung 5). Die Schneefallgrenze stieg am Montag vorübergehend bis gegen 1500 m, sank dann aber rasch bis in tiefe Lagen.
Im Süden war es am Dienstag mit starkem Nordwind meist sonnig und inneralpin gab es Aufhellungen.
Die Nacht auf Mittwoch war mehrheitlich klar. Nach einem sonnigen Morgen zogen zuerst im Westen, dann im Osten und zuletzt im Süden bereits wieder Wolken auf. Schon am Vormittag setzten im Westen Niederschläge ein, die sich rasch nach Osten ausdehnten. Nachdem am Morgen der Nordwind am Alpensüdhang zu Ende ging, blies tagsüber mässiger bis starker West- bis Südwestwind. Die Schneefallgrenze stieg gegen 1500 m an.
Am Donnerstag war es am zentralen Alpensüdhang meist sonnig. Sonst war es bedeckt und es schneite vor allem im Nordosten ergiebig. Die Schneefallgrenze lag verbreitet zwischen 1500 und 2000 m, wich aber lokal in beide Richtungen von dieser Bandbreite ab. Von Mittwoch- bis Donnerstagnachmittag fielen oberhalb von rund 2000 m folgende Schneemengen:
Der Wind blies in der Höhe mässig bis stark aus Nordwest, in den Voralpen mässig bis stark aus Südwest.
Die Lawinengefahr ging in dieser Wochenberichtsperiode vom Neu- und Triebschnee, und in zunehmendem Masse wieder vom Altschneeproblem aus, vor allem, aber nicht nur im südlichen Wallis und in Graubünden (in den „traditionellen Altschneegebieten“). Für Schneesport abseits gesicherter Pisten war die Situation in den meisten Gebieten anhaltend kritisch. Die bis anhin im laufenden Winter höchste Lawinenaktivität wurde am Dienstag, 07.03. erreicht. Es gingen spontane und künstlich ausgelöste Lawinen ab, vermehrt auch Grosse.
Mit dem Sturm und Neuschnee konnten Triebschneeansammlungen durch Personen sehr leicht ausgelöst werden. In den „Altschneegebieten“ des Wallis und Graubündens rissen diese teilweise in den schwachen Altschnee hinunter. Die Lawinengefahr wurde als erheblich (Stufe 3) eingestuft. Durch die Erwärmung mit dem Föhn waren im Norden unterhalb von 2400 m auch feuchte Lawinen möglich. Am Freitag wurde die Lawinengefahr in Teilen des Tessins sowie im Saastal und Simplongebiet noch als mässig (Stufe 2) eingeschätzt. Mit den Niederschlägen aus Süden stieg sie dann aber an, am Sonntag mit unerwartet intensiven Schneefällen in den oberen Maggiatälern auf die Stufe 4 (gross).
Am Freitag und am Wochenende wurden aus den „Altschneegebieten“ etliche Auslösungen durch Personen gemeldet, die glücklicherweise glimpflich ausgingen (vgl. Abbildung 6 bis 8).
Weitere, zum Teil intensive Niederschläge mit erneut stürmischem Wind führten zu vermehrter spontaner Lawinenaktivität, besonders in der Nacht zum Dienstag zum Teil auch mit grossen Lawinen. Am Mittwoch standen dann vor allem künstlich ausgelöste Lawinen im Vordergrund (vgl. Abb. 11 bis 13).
In Gebieten, wo bereits zuvor grosse Lawinenaktivität herrschte, wie zum Beispiel im westlichen Unterwallis (03.-09.02., 24.02.-02.03.), gingen erneut zum Teil grosse Lawinen ab. Auch am Alpennordhang, wo die schwachen Altschneeschichten schon recht mächtig überlagert waren, rissen Lawinen bis in bodennahe Schneeschichten (vgl. Abbildung 12). Damit erreichte am Dienstag die Lawinenaktivität für diesen Winter den bis anhin höchsten Wert (vgl. Abbildung 10) am Dienstag. Im Wallis und mindestens gebietsweise am Alpennordhang war die Prognose der Lawinengefahr zu tief und die Stufe 4 (gross) erreicht.
Auch im Versuchsgelände Vallée de la Sionne wurde eine Lawine ausgelöst - zu Forschungszwecken. Auch diese riss bis zum Boden und wurde so gross wie seit 11 Jahren nicht mehr. Film 1, Film 2 (Filme: SLF).
Mit der markanten Erwärmung und Regen am Donnerstag sowie dem zusätzlichen Schnee in der Höhe gingen Lawinen im Nassschnee ab, oder stiessen in mittleren Lagen in den nassen Schnee vor. Aufgrund der intensiveren Niederschläge wurde am Donnerstagmorgen die Stufe 4 (gross) vom Prättigau und nördlichen Unterengadin auf Teile Mittelbündens, sowie den Alpennordhang zwischen östlichem Berner Oberland und Lichtenstein ausgedehnt.
Auslösungen von Lawinen durch Personen verliefen glücklicherweise alle glimpflich.
Bis zum Redaktionsschluss wurden folgende Sachschadenlawinen bekannt:
Zwischen Amsteg und Gurtnellen (UR) wurde an einer Autobahnbaustelle (auf rund 600 m ü.M.) die Baustelleninstallation durch den Luftdruck einer spontanen Lawine leicht beschädigt. Die Lawine brach am Bristen (3073 m) an und stürzte über das Teiftal ab.
Es wurde die Frage gestellt, ob diese Lawine im Zusammenhang mit dem Erdbeben bei Linthal im Glarnerland vom Montag, 06.03. stehen könnte. Dieses erreichte eine Stärke von 4.6 und wurde verbreitet verspürt. Prinzipiell ist ein Zusammenhang zwischen Lawinenabgängen und Erdbeben denkbar, vor allem bei höheren Magnituden. Im konkreten Fall ist aber ein Zusammenhang nicht sichergestellt. Zudem gibt es keine Hinweise auf eine, durch dieses Erdbeben verursachte, erhöhte Lawinenaktivität.
Im Vallon de Van (westliches Unterwallis) löste sich am Nordhang der Pointe du Djoua (2276 m) eine grosse Lawine und zerstörte in Van d’en Haut (ca. 1390 m) einige Gebäude und Wald (vgl. Abb. 14).
Auf der Urner Seite des Oberalppasses (UR) verschüttete eine spontane Lawine in der Nacht zum Mittwoch die Bahnlinie der Matterhorn Gotthardbahn auf rund 100 m Länge. Die Fahrleitung der Bahn wurde beschädigt. Später wurde eine weitere Lawine künstlich ausgelöst, welche das Bahntrasse ebenfalls erreichte und über mehrere 100 m verschüttete (vgl. Abb. 15).
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.