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Volksschüler im Gestrüpp der Bildungsbürokratie
Eine Chronik
Was in dieser Chronik berichtet wird, fusst ausnahmslos auf tatsächlich Geschehenem. Die vorkommenden Personen – Schüler, Eltern, Lehrer, Schulleiter usw. – sind dem Bildungs-Kompass bekannt, werden für diese Chronik aber mit von der Redaktion erfundenen Namen präsentiert.
7. November 2016
Cédric
Bei Cédric, dem Sohn eines geschätzten Freundes, stellten die Psychologen Disgrammatismus (eine «Sprachentwicklungsstörung») und Dyskalkulie (behandelbares «Verständnisproblem im arithmetischen Grundlagenbereich») fest.
Hier den Bericht im PDF-Dokument herunterladen: Chronik «Cédric» – Volksschüler im Gestrüpp der Bildungsbürokratie
Die schulpsychologische Abklärungsstelle seines Wohnorts taxierte Cédric daher bei der Lehrstellensuche als «nicht fähig», eine Lehre als Mechaniker zu absolvieren. Damit seine Erfolgsaussichten auf dem Arbeitsmarkt trotzdem intakt blieben, unterstützten ihn seine Eltern rührend, damit er so viele genügende Noten wie möglich nach Hause brachte. Vor allem die Mutter setzte sich mit grossem zeitlichem Aufwand für Cédric ein.
Väterliche Tipps
Am Ende seines zweiten Realschuljahres (heute Sek 3) hatte Cédric in Mathe ein Examen über die binomischen Formeln zu absolvieren. Diese werden als Merkformeln verwendet, die das Ausmultiplizieren von Klammerausdrücken erleichtern. Ein Beispiel dafür: (a + b)2 = a2 + 2ab + b2. Binomische Formeln sind gewiss ein interessanter und nützlicher Bestandteil der mathematischen Algebra – bieten aber für etliche Schüler so ihre Fallstricke.
Cédric hatte grosse Mühe, die binomischen Formeln zu begreifen – generell war Algebra gar nicht sein Ding. Also hatte ihm sein Vater ein paar einfache Regeln zur Behandlung der Grundformeln beigebracht – wohlwissend, dass diese nicht zu hundert Prozent «verheben». Er brachte Cédric mehrere einfache Faustregeln bei, nach denen er die Klammerausdrücke ausrechnen sollte.
Cédric befolgte die Tipps seines Vaters an der Prüfung konsequent – ohne genau zu wissen, worum es bei den binomischen Formeln eigentlich geht. Das Resultat: Bei der erwähnten Prüfung erhielt Cédric eine 5+. Der Lehrer staunte Bauklötze und war voll des Lobes für ihn. Mit solchen Tipps seiner engagierten Eltern schaffte es Cédric, genügende Noten zu erzielen – während ihn die Betreuung durch die schulischen Sprachheilpädagogen kein Stück weiter gebracht hatte, ja seine Entwicklung sogar behinderte.
Sprachheil-Irrsinn
Heute arbeitet Cédric zufrieden in verantwortungsvoller beruflicher Position; er verhandelt über und kontrolliert unter anderem Arbeiten – dank einer inzwischen mit Erfolg abgeschlossenen höheren Fachprüfung. Seine Eltern sind rückwirkend froh, ihrem Kind selber aktiv unter die Arme gegriffen zu haben, nachdem ihr anfängliches Vertrauen in die Institutionen bald dahinschwand. Sie gelangten zur Überzeugung: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Sie lösten sich aus dem Sprachheilfrau- bzw. Sprachheilmann-Irrsinn und ebneten ihrem Kind seinen Weg.
Die Cédric zuvor aufgezwungene Therapeutitis bewirkte ausser den hohen Kosten nichts. Das Kind erlitt sogar einen Rückschritt, wurde zum Bettnässer. Der Irrsinn erreichte die Spitze. Die Eltern mussten aufgrund einer Aussage des Kindes annehmen, dass die Sprachheilfachfrau ungeachtet der Probleme des Kindes einfach ihr angelerntes Programm abspulte. Nach einem Besuch bei der Sprachheilfrau fragte Cédric seinen Vater einmal ganz irritiert: «Warum muss ich Wattebäuschlein blasen, wie der andere, der nicht richtig sprechen kann?». Er könne ja schliesslich sprechen, nur eben manchmal verkehrte Sätze.
Fehlgeleitetes Volksschulwesen
Aus Sicht von Cédrics Eltern ist das schweizerische Volksschulwesen viel zu stark darauf ausgerichtet, sich schnell etwas in den Kopf zu drücken, es an Prüfungen fehlerfrei wiederzugeben, um es danach wieder zu vergessen. Diejenigen, die das können, gehören zu den Gewinnern. Die «Hinterfrager» und «Nicht-Genormten» haben hintenan zu stehen.
Zum Glück hatten die Eltern von Cédric ein gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Kind, hinterfragten Veränderungen und kontrollierten, was mit ihrem Kind geschah.
Der Autor ist der Redaktion bekannt.
Aktion Bildungs-Kompass

Wenn auch Ihnen, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, das Schicksal einer Schülerin oder eines Schülers bekannt ist, die ins Gestrüpp kaum mehr durchdringbarer Bildungsbürokratie geraten sind, und wenn Sie glauben, dass deren Erleben der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden sollte, dann setzen Sie sich doch bitte mit dem Bildungs-Kompass in Verbindung. Wir prüfen dann die Veröffentlichung Ihrer Geschichte im Rahmen der Chronik «Volksschüler im Gestrüpp der Bildungsbürokratie».
Tel.: 052 301 31 00 Fax: 052 301 31 03 Mail: <email-pii>