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Was ist das Ziel bei der Behandlung des Glaukoms
Bei dem Glaukom handelt es sich um den beschleunigten Verlust von Nervenfasern der Papillen. Das Kammerwasser ist für den Augeninnendruck verantwortlich. Wenn der Abfluss des Kammerwassers behindert ist, steigt der Augeninnendruck an und kann zu der Entwicklung eines Glaukoms führen. Das Prinzip der Glaukombehandlung ist die Augendrucksenkung sowohl bei erhöhten Augendruckwerten als auch beim Normaldruckglaukom. Das Normaldruckglaukom ist eine Form des Glaukoms, bei der kein erhöhter Augeninnendruck vorliegt, es aber dennoch zu Schäden am Sehnerv kommt.
Die irreversiblen Folgen der Krankheit lassen sich bei rechtzeitiger Einleitung einer geeigneten Therapie leicht verhindern. Zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entwicklung eines Glaukoms gehören:
• Alter: Mit zunehmendem Alter besteht ein höheres Risiko.
• Rasse: Afroamerikaner und Asiaten sind einem höheren Risiko ausgesetzt als Weisse.
• Genetische Veranlagung: Bei Vorliegen einer familiären Veranlagung steigt das Risiko um mehr als 25 %.
• Augenkrankheiten: Ein erhöhtes Risiko besteht bei Traumata am Auge, verschiedenen Neubildungen in diesem Bereich, Netzhautablösung, Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit.
• Verlängerte Kortikosteroidtherapie
Die Krankheit wird im Allgemeinen in primäres Glaukom (tritt zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr ohne Anzeichen einer anderen zugrunde liegenden Augenerkrankung auf), sekundäres Glaukom (entwickelt sich als Komplikation einer anderen Augenerkrankung oder eines Traumas) und angeborenes Glaukom (genetischer Defekt, der zu einer unvollständigen Entwicklung des Entwässerungssystems des Auges führt) unterteilt.
Am häufigsten tritt die primäre Form der Erkrankung auf, die wiederum in Abhängigkeit von der Durchlässigkeit des Kammerwinkels in offener und geschlossener Form unterteilt wird. Beim Offenwinkelglaukom ist der Abfluss des Kammerwassers behindert. Die Behandlung zielt auf die Senkung des Augeninnendrucks mit verschiedenen Mitteln ab, vor allem mit topischen Mitteln in Form von Augentropfen, oraler Arzneimitteltherapie, Laserverfahren und chirurgischen Eingriffen. Der erste Schritt nach der Entdeckung dieser Form der Krankheit ist die Anwendung geeigneter topischer Präparate, die zu einer Verringerung der Augenflüssigkeit führen.
Welche Medikamentengruppen setzen bei der medikamentösen Therapie des Glaukoms ein?
Zu Beginn wird immer eine medikamentöse Therapie des Glaukoms eingeleitet, auch bei einem akuten Glaukomanfall. Es werden verschiedene Gruppen von Medikamenten eingesetzt, die den Abfluss von Augenflüssigkeit verbessern oder die Produktion von Augenflüssigkeit unterdrücken sollen und die meist in Kombination wirken. Die Medikamente können topisch in Form von Augentropfen oder systemisch verabreicht werden. Die Auswahl ist gross, je nach Zustand des Patienten werden einige der folgenden Präparate gewählt:
Prostaglandin-Analoga
Lokal angewendet, in Form von Tropfen, führen Präparate dieser Gruppe zu einer Erhöhung des uveoskleralen Ödems der intraokularen Flüssigkeit und damit zu einer Senkung des erhöhten intraokularen Drucks. Latanoprost und Bimatoprost sind sehr beliebt und weit verbreitet und können in Kombination mit anderen Glaukombehandlungen wirksam eingesetzt werden. Zu den wichtigsten Nebenwirkungen der Therapie gehören eine leichte Rötung des Auges, eine Verdunkelung der Iris, eine veränderte Pigmentierung der Haut der Augenlider und ein Verschwimmen der Sicht. Ihre Verwendung wird nicht empfohlen bei Patienten mit einer schweren Form von Asthma, bei schwangeren Frauen und stillenden Müttern sowie vor chirurgischen Eingriffen am Auge.
Betablocker
Medikamente aus dieser Gruppe reduzieren die Produktion von Augenflüssigkeit durch den Ziliarkörper und senken so den Augeninnendruck. In der Praxis werden häufig Timolol und Betaxolol verwendet. Mögliche unerwünschte Wirkungen dieser Mittel sind Augenrötung und Verschwommensehen, und wenn sie bei empfindlichen Patienten in den Körperkreislauf gelangen, führen sie auch zu Bronchospasmus, Bradykardie und Hypotonie. Betablocker können Müdigkeit, Schläfrigkeit und depressive Episoden verursachen. Diese Arzneimittel sind nicht geeignet für Patienten mit mehr oder weniger starken Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmungsorgane sowie für Patienten, die allergisch auf die Inhaltsstoffe reagieren.
Alpha-Agonisten (Sympatomimetika)
Sie senken den Augeninnendruck, indem sie die Bildung von Augenflüssigkeit verringern. Brimonidin und Apraclonidin werden (weniger häufig) eingesetzt und führen zu einer Senkung des Augeninnendrucks um bis zu 30 %. Mögliche lokale Nebenwirkungen sind Rötung, Brennen oder Jucken im Auge, Bindehautentzündung, Fremdkörpergefühl im Auge. Sie können auch systemische Erscheinungen wie Blutdruckanstieg, Herzrhythmusstörungen, Mundtrockenheit und allergische Erscheinungen hervorrufen. Die gleichzeitige Einnahme mit bestimmten Arten von Antidepressiva wird während der Therapie nicht empfohlen.
Carboanhydrasehemmer
Präparate dieser Gruppe werden relativ selten eingesetzt. Die bekanntesten unter ihnen sind Dorzolamid und Brinzolamid. Sie hemmen das Enzym Carboanhydrase im Ziliarkörper, die essenziell für den Erhalt der physiologischen Funktionen der Hornhaut ist, und verringern so die Produktion von Augenflüssigkeit. Carboanhydrasehemmer zeigen im Vergleich zu anderen Medikamentengruppen eine geringere Wirksamkeit und eine kürzere Wirkungsdauer, weshalb sie vor allem bei einem akuten Glaukomanfall eingesetzt werden, wenn sie systemisch und nicht topisch angewendet werden. Ihre Verwendung ist mit unterschiedlich schweren Nebenwirkungen verbunden, die von Trockenheit und Rötung der Augen bis hin zu Dermatitis, Parästhesien und Depressionen reichen.
Rho-Kinase-Inhibitoren
Rho-Kinase-Inhibotoren werden seit dem Jahr 2018 eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine neue Klasse von Medikamenten in Form von Augentropfen, die zur Senkung des Augeninnendrucks bei erwachsenen Patienten mit Offenwinkelglaukom oder okulärer Hypertension eingesetzt werden. So zum Beispiel Rhokiinsa-Augentropfen, deren Wirkstoff Netarsudil ein Hemmstoff der Rho-Kinase ist. Netarsudil blockiert die Wirkung eines Enzyms namens Rho-Kinase, das an der Kontrolle des Flüssigkeitsflusses aus dem Auge beteiligt ist. Durch die Hemmung dieses Enzyms fördert Rhokiinsa den Abfluss von Flüssigkeit aus dem Augapfel und senkt so den Augeninnendruck. Es wird auch angenommen, dass Rhokiinsa den Augendruck senkt, indem es den Druck in den Venen um die Augen verringert. Die am häufigsten beobachtete unerwünschte Augenreaktion ist eine Hyperämie der Bindehaut. Andere Nebenwirkungen sind Hornhautverkrümmung, Schmerzen beim Eintropfen, verschwommenes Sehen.
Clofazolin
Dieses Medikament hat eine gute Wirkung, insbesondere bei Patienten mit hohem arteriellem Druck. Durch die Senkung des systemischen Blutdrucks senkt das Präparat auch den intraokularen Druck.
Kombinierte medikamentöse Therapie des Glaukoms
Im Allgemeinen wird eine Monotherapie (mit nur einem Präparat) bevorzugt, aber bei fehlender Wirkung wird eine Kombination mehrerer Wirkstoffe aus verschiedenen Gruppen eingesetzt. Häufig werden Kombinationspräparate verwendet, um die Patienten zu entlasten und eine optimale Wirkung zu erzielen. Kombi-Augentropfen enthalten zwei Wirkstoffe.
Diese beiden Inhaltsstoffe senken den Augendruck durch sich ergänzende Wirkmechanismen, und die kombinierte Wirkung führt zu einer Verringerung des Augendrucks im Vergleich zu einem der beiden Stoffe allein. Die Anwendung ist so einfach wie möglich – ein Tropfen pro Tag, morgens oder abends. Mit den neuen Kombinationspräparaten werden die therapeutischen Möglichkeiten erweitert, was wiederum dazu führen wird, den gewünschten Augeninnendruck zu erreichen und das Sehvermögen vor Schäden zu schützen.
Das Präparat Simbrinza zum Beispiel enthält zwei Wirkstoffe, Brinzolamid und Brimonidintartrat. Brinzolamid gehört zu der Gruppe der Carboanhydrase-Hemmer, und Brimonidintartrat gehört zu der Gruppe der Alpha2-Adrenorezeptor-Agonisten. Die beiden Substanzen wirken zusammen, um den Augendruck zu senken. Ganfort enthält zwei verschiedene Wirkstoffe (Bimatoprost und Timolol), die beide den Druck im Auge senken. Bimatoprost gehört zu einer Gruppe von Arzneimitteln, den so genannten Prostamiden, einem Prostaglandin-Analogon. Timolol gehört zur Gruppe der Betablocker.
Medikamentöse Therapie des Glaukomanfalls
Bei einem akuten Glaukomanfall steigt der Augeninnendruck auf über 35 mmHg, in schweren Fällen auf bis zu 50-60 mmHg. Innerhalb weniger Stunden zeigt sich ein typisches einseitiges Krankheitsbild: verschwommenes Sehen, Rötung des Auges, Tränenreflex, Schwellung des Hornhautepithels, das durchscheinend wird, wie „beschlagenes Glas“. Wenn der Patient auf eine Lichtquelle blickt, sieht er um sie herum farbige Kreise oder einen Heiligenschein in den Farben des Regenbogens. Bei einem schweren Glaukomanfall kann es zu einem Sehverlust kommen.
Ein Glaukomanfall ist ein Notfall, der sofort vom Augenarzt behandelt werden muss. Es wird eine konservative Behandlung durchgeführt. Ziel der Behandlung ist es, den Augeninnendruck zu senken, indem der Kammerwinkel geöffnet und der Abfluss der Augenflüssigkeit wiederhergestellt wird. Die Behandlung wird mit einer 1%igen Pilocarpin-Lösung begonnen, die eine halbe Stunde lang alle 5 Minuten getropft wird, danach einmal pro Stunde, bis der Augeninnendruck sinkt. Acetazolamid 1-2 Tabletten werden gleichzeitig verabreicht. Falls erforderlich, kann Glyzerin oral zugeführt werden. Beruhigungsmittel und Schmerzmittel sind angebracht.
Bei dem Verdacht auf einen Glaukomanfall können Sie uns gerne kontaktieren, um schwere Schädigung des Sehnervs zu vermeiden. Unsere Notfall Augenärzte stellen die Diagnose schnell und leiten die Therapie umgehend ein.
Konservierungsmittelfreie Glaukompräparate – warum sind sie wichtig?
Sehr häufig haben Augentropfen zur Behandlung des Glaukoms Nebenwirkungen – Rötung des Auges, Reizung, Brennen, das Gefühl, „Sand im Auge“ zu haben. Um die Nebenwirkungen auf die Augenstrukturen zu verringern, haben viele Pharmaunternehmen Tropfen ohne Konservierungsstoffe entwickelt. Ein Beispiel für solche Tropfen ist das Präparat Duokopt, das sich bei der Bekämpfung des Glaukoms als wirksam erwiesen hat, die beiden Wirkstoffe Dorzolamid und Timolol enthält, aber 0 % Konservierungsstoffe aufweist.
Bei nachgewiesenem Glaukom ist eine häufige ärztliche Nachsorge erforderlich
Das Glaukom ist eine ernste Krankheit. Und sehr heimtückisch – еine der häufigsten Ursachen für Erblindung. Das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern, ist eine Herausforderung für jede Gesellschaft. Das Glaukom führt unabhängig von seiner Form zu einem irreversiblen Sehverlust. Aus diesem Grund sind Vorsorgeuntersuchungen und Screening die Grundlage für eine frühzeitige Therapie der Krankheit und die Kontrolle des Augeninnendrucks, um eine schwere Schäden am Sehnerv zu verhindern.
Quellen
- Jordan, Jens F./Dietlein, Thomas S./Krieglstein, Günter K: Medikamentöse Glaukom-Therapie, o.D. Unter: https://www.arzneimitteltherapie.de/heftarchiv/2007/02/medikamentose-glaukom-therapie.html.