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Kommunikation in der Partnerschaft
Ein junges Paar sitzt nebeneinander in der U-Bahn. Beide tippen unablässig in ihr Smartphone. Außer ein paar Küsschen, die sie zwischendurch austauschen, kommunizieren sie nicht miteinander. Finden Sie sich so langweilig, dass sie sich nicht unterhalten können? Eine langjährige Beziehung beendet er mit einer banalen SMS: „Tut mir leid, es ist aus.“ Ist er zu feige, um die Beziehungsprobleme in einem persönlichen Gespräch zu klären? Gott sei Dank gibt es genügend Gegenbeispiele. In einer Beziehung wird durchaus noch miteinander geredet, denn mangelnde Kommunikation kann das Ende einer Partnerschaft bedeuten.
Kommunikation in der Partnerschaft – der Motor für eine Beziehung
Reden Paare durchschnittlich nur zehn Minuten miteinander? Es gibt Studien, die das belegen. Das wäre allerdings tödlich für eine funktionierende Partnerschaft. Neuere Untersuchungen kamen jedoch zu anderen Ergebnissen. So wies eine aktuelle Studie der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) nach, dass Paare im Durchschnitt durchaus eine Stunde am Tag miteinander kommunizieren. Die Studie des Partnerinstituts „PARSHIP“ und des Marktforschungsinstituts INNOFACT AG aus dem Jahre 2010 erbrachte sogar noch höhere Ergebnisse. So unterhielten sich unverheiratete Paare 114 Minuten täglich, während Eheleute etwa 93 Minuten miteinander kommunizierten. In dieser Studie wurden verschiedene Kommunikationswege wie direkte Kommunikation, Telefongespräche und Nachrichten durch Neue Medien wie E-Mails, SMS, Instant Messaging und Skype berücksichtigt. Die persönlichen Gespräche unter vier Augen überwogen mit täglich 75 Minuten. Junge Paare hatten sich mit 113 Minuten mehr zu sagen als über 60-jährige Ehepaare, die durchschnittlich 89 Minuten miteinander redeten. Diese Statistiken sagen jedoch nichts über die Art und die Qualität der Gespräche aus.
Was sind die Inhalte der Kommunikation in der Partnerschaft?
Während Paare, die sich gerade kennengelernt haben, möglichst viel voneinander wissen möchten und nächtelange Gespräche über „Gott und die Welt“ führen können, reduzieren sich die Gesprächsinhalte in einer langjährigen Partnerschaft auf alltägliche Themen wie Haushalt, Einkaufen und auch den Job. Viel zu selten gehören persönliche Probleme, Kindererziehung und Sexualität zu den Gesprächsinhalten. Hier liegen die größten Hindernisse für ein konstruktives Miteinander, hier entstehen die meisten Missverständnisse, die vermieden werden könnten, wenn sich Partner einander vertrauensvoll öffnen würden. Das gelingt den Frauen allerdings öfter als den Männern. Wichtige Probleme werden zu selten angesprochen. Eine repräsentative Studie der Universität Göttingen aus dem Jahre 2011 deckt auf, dass rund 82 Prozent der Befragten Problemdiskussionen auswichen. Hier überwog das männliche Geschlecht. Dabei ist es für eine funktionierende Partnerschaft außerordentlich wichtig, die persönlichen Schwierigkeiten, die Probleme mit dem Partner und den Kindern nicht auszuklammern.
Zufriedenstellende Kommunikation in der Partnerschaft – Wie gelingt das?
Sie: „Schatz, gut, dass du da bist. Ben hat wieder einmal seine Mathearbeit verhauen. Er bleibt wahrscheinlich sitzen. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll.“ Er: „Ich habe einen schweren Tag hinter mir. Verschone mich mit deinen Problemen.“ Er stellt den Fernseher an, schmeißt sich auf das Sofa und ist ab sofort geistig abwesend. Sie verschwindet resigniert in der Küche. Hat der Familienvater vielleicht nicht zugehört? Ist Ben nicht auch sein Sohn? Oder verkennt die Ehefrau, dass ihr Mann tatsächlich gerade schwere berufliche Probleme hat? Die Tatsache ist, dass beide aneinander vorbeireden, dass sie sich nicht in den anderen hineinversetzen können.
Wie könnte die Kommunikation zufriedenstellender verlaufen? Beide setzen sich zusammen und berichten einander über die Erfolge und Schwierigkeiten des Tages. So erfährt sie, dass ihr Mann bei einem wichtigen Projekt nicht berücksichtigt wurde und er sehr darunter leidet. Er wiederum nimmt wahr, dass sie sehr unter den Schulschwierigkeiten ihres gemeinsamen Sohnes leidet. Sie hatte von Bens Klassenlehrerin erfahren, dass sein Realschlussabschluss wahrscheinlich gefährdet ist. Das belastet sie sehr. Jetzt, da sich beide ausgesprochen haben, können sie gemeinsam nach Lösungen suchen.
Wichtig ist vor allem, dass die Partner einander ernst nehmen. Gegenseitiges Vertrauen befähigt sie, auch heikle Themen anzusprechen. Ebenso gehört Streit zur Partnerschaft, auch wenn mal die „Fetzen fliegen“ sollten. Wie ein reinigendes Gewitter wirkt ein gelegentliches, gegenseitiges Anschreien, wenn anschließend ein ruhiges Gespräch die Wogen glättet.
Goldene Regeln für eine gelungene Kommunikation in der Partnerschaft:
- Nehmen Sie sich die Zeit für ein intensives Gespräch.
- Hören Sie Ihrem Partner, Ihrer Partnerin wirklich zu.
- Unterbrechen Sie Ihren Partner, Ihre Partnerin nicht, sondern lassen Sie ihn/sie ausreden.
- Denken Sie daran, dass zu einem Gespräch immer mindestens zwei Gesprächspartner gehören.
- Führen Sie also keine Monologe, die Ihr Gegenüber mundtot werden lässt.
- Teilen Sie Ihrem Gesprächspartner, Ihrer Gesprächspartnerin Ihre Gedanken, Wünsche und Vorstellungen mit.
- Vermeiden Sie Schuldzuweisungen und Vorwürfe.
- Reden Sie in der Ich-Form.
- Vermeiden Sie Streit über Kleinigkeiten.
- Streiten Sie konstruktiv. Positive Lösungen sollten das Ziel sein.
- Vermitteln Sie Ihrem Partner, Ihrer Partnerin, dass Sie sie trotz der Kritik lieben und schätzen.
Eine konstruktive Kommunikation in der Partnerschaft beruht also auf gegenseitiger Wertschätzung. Die Gespräche vollziehen sich auf Augenhöhe. Auch wenn sich die Partner überwiegend über „banale“ Alltagsprobleme unterhalten, sollten jedoch persönliche Schwierigkeiten immer angesprochen werden. Das betrifft auch die Sexualität. Wie oft scheitert das Liebesleben an unausgesprochenen Wünschen. Viele Missverständnisse lassen sich durch ein klärendes Gespräch aus dem Weg räumen.
Auch wenn wir nicht mit unserem Partner, unserer Partnerin reden, verraten nonverbale Signale wie unsere Gestik, unsere Mimik und unsere Körperhaltung viel über uns und unsere Beziehung. Sehen wir unserem Gegenüber in die Augen oder vermeiden wir den Blickkontakt? Hilfreicher ist auf jeden Fall die verbale Kommunikation. Hier können wir deutlich aussprechen, was wir von unserem Partner, unserer Partnerin erwarten, was uns nicht gefällt und was wir noch miteinander erleben möchten.
Fazit: Kommunikation in der Partnerschaft will gelernt sein. Nahezu sprachlos nebeneinander herzuleben kann nur zum Scheitern verurteilt sein. Also reden Sie miteinander nicht nur über Alltagsprobleme wie über die Haushaltsführung, den Job und die Finanzen, sondern tauschen Sie sich auch regelmäßig über die Probleme mit ihren Kindern, über persönliche Sorgen und Nöte aus. Ständige Vorwürfe und Dauermonologe vergiften nur die Atmosphäre. Eine fruchtbare Kommunikation beruht auf gegenseitiger Wertschätzung. Das bedeutet: Hören Sie Ihrem Partner, Ihrer Partnerin zu, reden Sie nicht ständig dazwischen. Signalisieren Sie nicht, dass Sie ohnehin alles besser wissen. Suchen Sie nach gemeinsamen Lösungen.
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