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Halbanschluss Grauholz
Beschreibung:
Der Bau einer zusätzlichen Ein- und Ausfahrt auf die Autobahn A1 geht auf Forderungen einiger Gemeinden zurück, die von der Regionalkonferenz Bern-Mittelland und vom Kanton Bern unterstützt wurden, vom zuständigen Bundesamt für Strassen (Astra) aber lange nicht aufgegriffen wurden. Denn das Astra befürchtet, dass der so genannte Halbanschluss Grauholz zusätzlichen Verkehr auf die stark belastete Grauholz-Autobahn brächte und das Risiko von Unfällen und Staus erhöhen könnte. So hat das Astra im Jahr 2012 wegen der Opposition von Stadt und Kanton Bern das Ausbauprojekt für den Felsenauviadukt gestoppt und sich wegen des dadurch verbleibenden Kapazitätsengpasses auch gegen einen Halbanschluss Grauholz entschieden.
2018 hat das Astra dem anhaltenden Druck vorläufig nachgegeben und eine vertiefte Prüfung des geforderten Halbanschlusses gestartet (Ausschreibung von Beratungs- und Planungsarbeiten auf simap.ch, Informationssystem über das öffentliche Beschaffungswesen). Auf der Website des Astra sind nur rudimentäre Informationen über das «separate Projekt» aufgeschaltet: Es «würde auf Höhe der Raststätte Grauholz eine Ausfahrt aus Richtung Bern sowie eine Einfahrt in Richtung Bern beinhalten.» Der Kanton und die Gemeinden wünschten den Halbanschluss «zur Entlastung der Ortsdurchfahrten von Zollikofen und Ittigen».
Gemäss Antwort des Berner Regierungsrates auf eine Interpellation aus dem Grossen Rat käme der Halbanschluss im Raum Länggasse-Raststätte Grauholz grossmehrheitlich auf das Gebiet der Gemeinde Ittigen zu liegen; eine Zufahrtsstrasse werde voraussichtlich auch über Gebiet der Gemeinde Zollikofen führen. Das Trassee für einen Teil der Zufahrt aus dem Raum Zollikofen ist im Rahmen der Ortsplanungsrevision 2016 in Zollikofen bereits in den Richtplan Siedlung aufgenommen worden (offiziell allerdings nur als «Sammelstrasse» für die Erschliessung einer Gewerbezone deklariert, die erst noch eingezont werden müsste; Kritiker dieses Vorhabens haben vor einem Präjudiz für eine Zufahrtsstrasse zur Autobahn gewarnt. Ein ähnliches Vorhaben ist in den 1990er Jahren durch den mittlerweile aufgelösten Verein Zollikofen ohne Entlastungsstrasse ZOE gestoppt worden).
Kosten:
Nicht bekannt, aufgrund des Bearbeitungsstandes auch keine Kostenschätzungen publik. Laut Antwort des Regierungsrates ist auch nicht bekannt, ob sich der Kanton oder die Gemeinden an den Kosten beteiligen müssten.
Zeitplan:
Die Prüfung des Halbanschlusses Grauholz soll laut Astra unabhängig und ausserhalb der Projektierung des 8-Spur-Ausbaus der Grauholz-Autobahn im betreffenden Gebiet erfolgen. Geprüft werden insbesondere politische Akzeptanz, Umweltverträglichkeit, Sicherheitsaspekte (Nähe Raststätte Grauholz) und Schnittstellenverträglichkeit (Abschnitt Wankdorf – Weyermannshaus, Kantonsstrassen). Geprüft wird auch eine Variante mit Ausbau des Worblentalviadukts, einem südlich gelegenen Bauwerks der A1.
Gemäss mündlicher Auskunft aus dem Astra (Dezember 2019) wurden die Arbeiten für das Projekt mittlerweile wieder gestoppt – aus Priorisierungsgründen. Bei der für 2021 geplanten Auflage des 8-Spur-Ausbaus werde der Halbanschluss Grauholz folglich noch nicht spruchreif sein. Damit das Projekte realisiert werden könnte, ist nach Einschätzung des Astra wenigstens der Ausbau des Knotens Wankdorf nötig, höchstwahrscheinlich auch der 8-Spur-Ausbau der Grauholz-Autobahn und möglicherweise sogar ein Ausbau des Felsenau-Viadukts.
Kritik Verein Spurwechsel:
Der Halbanschluss Grauholz wird unbestritten zu Mehrverkehr auf der A1 führen. Er setzt einen Kapazitätsausbau auf der A1 voraus, der vom Verein Spurwechsel grundsätzlich abgelehnt wird.
Ob der Halbanschluss wirklich zur angestrebten Entlastung der Ortsdurchfahrten in Zollikofen und Ittigen führen wird, ist mehr als zweifelhaft; viel eher ist zu erwarten, dass eine allfällige Entlastungswirkung in kurzer Zeit wieder durch zusätzlichen Verkehr zunichte gemacht wird.
Um die Ortsdurchfahrten zu entlasten, ist eine Reduktion des Verkehrs anzustreben. Das 2020/21 zu realisierende Projekt Verkehrsmanagement Bern Nord ist entsprechend auszugestalten.
Für den Halbanschluss und die dafür nötigen Zufahrtsstrassen müsste Kulturland (teilweise in Fruchtfolgeflächen-Qualität) geopfert werden.
Link auf die Seite vom ASTRA: www.a1-bern-nord.ch