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Seit der kognitiven Wende besteht eine enge Verbindung der Psychologie mit den Fortschritten der Computertechnologie, insbesondere mit der Forschung zur künstlichen Intelligenz (KI). Der "computationalistische" Ansatz der Symbolverarbeitung dominiert hier wie dort die Kognitionsforschung. Kognition besteht danach in einer sequentiellen Abfolge von Verarbeitungsschritten. Zwischen Wahrnehmung und Handlung werden Umweltreize durch höhere kognitive Prozesse wie Kategorisierung, Gedächtnis und Planung verarbeitet. Der Fokus der vom symbolischen Informationsverarbeitungsparadigma dominierten Kognitionsforschung liegt auf diesen höheren kognitiven Funktionen, die als relativ eigenständige Module ohne direkte Schnittstelle zur Umwelt gedacht werden. Dieser Ansatz wird wegen der ihm inhärenten fundamentalen Probleme kontrovers diskutiert. Alternative Forschungsprogramme wie die embodied cognitive science fordern eine Hinwendung zur Verkörperung von Kognition: Kognition wird auf der Grundlage von sensomotorischen Schleifen definiert, und kann daher nicht computationalistisch, also unabhängig von der Umwelt und dem Verhalten eines Agenten verstanden werden. Bevorzugte Methode dieser "neuen KI" sind Roboter bzw. autonome Agenten. Konsequenzen für die Psychologie werden herausgearbeitet. Eine theoretische Konzeptualisierung autonomer Agenten auf der Basis der Theorie dynamischer Systeme und der Synergetik wird umrissen. Darin wird das kognitive System als ein komplexes System vieler sensomotorischer Schleifen konzipiert; kohärente und adaptive Wahrnehmungs-Handlungsprozesse werden durch das Einwirken von Affordanzen hervorgerufen. Anhand von Beispielen aus der angewandten Psychologie wird gezeigt, dass diese Perspektive zu neuen Forschungsfragen und Erklärungsansätzen für empirische Befunde führt.
Veröffentlichung in revidierter Form:
Tschacher W & Scheier C (2003). Der interaktionelle Ansatz in der Kognitionswissenschaft: Eine Positionsarbeit zu Konzepten, Methoden und Implikationen für die Psychologie. Zeitschrift für Psychologie, 211, 2-16.
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