Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03536.jsonl.gz/2027

Der Treuhänder im Konkursfall Madoff strengt eine Betrugsklage an. Sein Vorwurf: Madoffs Schema hätte ohne die UBS nicht vollzogen werden können.
Konkret fordert Picard für die Gläubiger der Madoff-Konstrukte die Rückzahlung von 2 Milliarden Dollar. Die Klage wurde heute Mittwoch beim Bundeskonkursgericht in Manhattan eingereicht (→ zur Mitteilung von Irving Picard).
Die Vorwürfe lauten unter anderem auf «Betrug und Fehlverhalten» («fraud and misconduct»).
Die Schweizer Bank sei gemeinsam mit der ebenfalls angeklagten Hedge-Fund-Firma Access International Advisors mitverantwortlich gewesen, Madoffs Schneeballsystem nach Europa zu bringen und hier zu verbreiten. Sie habe mitgeholfen – so die Anklageschrift –, Zuträgerfonds zu gründen, welche Gelder in das Madoff-System führten; auf der anderen Seite hätten diese Fonds kurz vor Madoffs Konkurs mehrere hundert Millionen abgezogen.
«Madoffs Schema hätte nicht errichtet werden können, wäre die UBS nicht bereit gewesen, in die andere Richtung zu blicken und obendrein so zu tun, als ob sie die Existenz von Vermögenswerten und Handelsabschlüssen ehrlich sicherstellte, was sie aber nicht tat», sagt David J. Sheehan, ein Mitarbeiter von Irving Picard und Partner in dessen Kanzlei Baker & Hostetler.
Die Bank habe wissentlich ein Konstrukt errichtet, das Madoff bediente. Die UBS sei sich der Betrugsindizien sehr bewusst («well aware») gewesen, sagt Sheehan weiter.
Die konkrete Geldforderung gegen die UBS gründet einerseits auf 796 Millionen Dollar, welche die Fonds Luxalpha und Groupement Financier weniger als 90 Tage vor Madoffs Bankrott abgezogen hätten. Hinzu kommen 1,12 Milliarden, welche in den sechs Jahren zuvor abgezogen worden seien.
80 Millionen Kommissionen für UBS
Alleine durch ihre Kommissionen bei Madoff-Konstrukten habe die UBS 80 Millionen verdient, so Irving Picard. Insgesamt bringt er 23 Anklagepunkte gegen die UBS AG sowie «related entities and individuals» vor.
Die UBS war Depositärin des Fonds Luxalpha, der in Luxemburg eingetragen war und als Zuträger von Bernard Madoffs Investmentschema gewirkt hatte. Ein Handelsgericht in Luxemburg wies im März eine zivilrechtliche Klage von gut 100 geschädigten Luxalpha-Investoren gegen die UBS ab: Es befand, die Gläubiger müssten ihre Ansprüche bei den Madoff-Liquidatoren in New York vorbringen.
Über eine Milliarde dank UBS?
Die UBS erklärte in diesem Rahmen, dass Bernard Madoffs Anlagevehikel nicht auf der Empfehlungsliste der UBS-Vermögensverwaltung für direkte Anlagen gewesen sei. Die UBS habe mit dem Luxalpha-Fonds nur Privatkunden auf deren Wunsch hin bei der Errichtung von Fund-of-Funds-Strukturen unterstützt.
«Ohne die UBS, die als Promotor, Depositär, Manager und Verwalter dieser Feeder Funds diente, hätten Bernard L. Madoff Investment Securities LLC auf über eine Milliarde Dollar an Anlagegelder verzichten müssen, und Madoffs Betrug wäre sowohl im Ausmass wie in der Dauer verringert worden», sagte Picards Vertreter David J. Sheehan.