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Gospel: das ist mehr als Musik – das ist Klang gewordene Inbrunst. Gospel ist Soul, Rhythm’n’Blues, Rock’n’Roll, the backbone of American music – und einer der Väter dessen, was wir heute ganz profan Jazz nennen.
Am Anfang allerdings hatte Gospel mit Musik nichts zu tun. Ein gospel ist ein Evangelium, ein Zeugnis vom Leben Christi. Das Wort ist uralt: Es stammt aus den ersten Jahrhunderten nach Christus, als die ins heutige England vorstossende christliche Kirche das griechische Wort euangelion, wörtlich «frohe Botschaft», in die einheimische Sprache übersetzte: God («gut») und spel («Nachricht»).
Es wird kaum geschadet haben, dass das alte «gut» mit «Gott» zusammenfiel, und so kam es, dass der Komponist und Sänger Philip P. Bliss seine Kirchenlieder im Jahr 1874 unter dem Titel Gospel Songs erscheinen liess. Dass wir unter Gospel heute vor allem den Kirchengesang afroamerikanischer Gemeinden verstehen, hat mit den so genannten negro spirituals zu tun, von denen er abstammt, und damit, dass die Schwarzen ihren Ruf-und-Antwort-Gesang im Gottesdienst hemmungslos von ganzen Bluesbands begleiten liessen.
Auch heute noch ist Gospel untrennbar verbunden mit dem Neuen Testament: «Wissen Sie, Gospel ist nicht der Sound, er ist die Botschaft», sagt Edwin Hawkins, Komponist des Welthits «Oh Happy Day»: «Wenn es um Jesus Christus geht, dann ist es Gospel.»