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Zuerst als Olympionike, später als Zuschauer im Stadion: Der Australier Graham Crouch hat während fast 50 Jahren alle Veränderungen der Olympischen Spiele hautnah miterlebt.
Heute Nacht findet im «Estádio Olímpico» in Rio de Janeiro der Männer-Final über 1500 Meter statt. Mit dabei ist Ryan Gregson, erster australischer Finalteilnehmer über die Distanz seit 40 Jahren. Damals in Montreal lief ein gewisser Graham Crouch auf den 8. Platz. Bereits vier Jahre zuvor war er als Athlet an den Olympischen Spielen in München, danach nahm er als Zuschauer an fast allen weiteren Spielen teil. Heute erzählt er, wie sich Olympia aus seiner Sicht verändert hat.
Bis in die 1970er-Jahre waren nur Athleten an den Olympischen Spielen zugelassen, die mit der Ausübung ihres Sports kein Geld verdienten. Die Idee war schon damals umstritten. Sie bevorzugte wohlhabende Sportler, die privilegiert genug waren, sich ohne Broterwerb vollzeitig dem Sport zu widmen. Vollends ausgehöhlt wurde die Regelung von kommunistischen Staaten, die mit «Amateuren» antraten, welche als Staatsangestellte faktisch Vollzeit-Sportler waren. Als Reaktion schaffte das IOC den Amateurstatus schrittweise ab.
Graham Crouch ist ein Leichtathletik-Purist, für den die Spiele erst mit den Leichtathletik-Wettkämpfen starten. Auch in Rio reiste er entsprechend erst in der zweiten Wettkampfwoche an. Nach seinem Olympia-Debüt dauerte es 40 Jahre, bis sich Graham Crouch in London 2012 erstmals eine Disziplin ausserhalb des Leichtathletikstadions ansah. Trotzdem sind seine Bedenken nicht unbegründet: In Rio de Janeiro nehmen 11'458 Athleten in 306 Wettbewerben teil. Dem gegenüber standen 1976 in Montreal bloss 6048 Athleten, die sich in 198 Wettbewerben massen.
In Rio de Janeiro sind rund 85'000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Das sind doppelt so viele wie in London 2012. Um die Sicherheitskosten decken zu können, musste die Stadt Rio de Janeiro kurz vor Beginn der Spiele noch einmal einen Kredit über knapp 900 Millionen Dollar vom gleichnamigen Bundesstaat aufnehmen.
Bei den Olympischen Spielen in Montreal beliefen sich die Sponsoring-Einnahmen des IOC auf sieben Millionen Dollar. In Rio de Janeiro sind es zwei Milliarden Dollar. 285 Mal so viel wie vor 40 Jahren.
Allen Veränderungen zum Trotz, gewisse Dinge blieben bestehen. Graham Crouch schwärmt vom Olympischen Dorf, wo seit jeher alle Weltklasseathleten vereint seien. Von den unzähligen sportlichen Höchstleistungen in kürzester Zeit. Von Menschen aus allen Ecken der Welt, die sich für zwei Wochen friedlich treffen. Zweifelsohne, Graham Crouch ist ein Olympia-Enthusiast. Aber egal wie man zu den Spielen steht, in einem Punkt kann man ihm schwer widersprechen: