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Die nordindische Jesuitenprovinz Darjeeling unterhält mehrere Schulen, an denen Kinder aus Teearbeiterfamilien unterrichtet werden. Die Einkünfte reichen nicht aus, um den Lehrerinnen und Lehrern einen angemessenen Lohn zu zahlen. Patenschaften für Lehrkräfte können Abhilfe schaffen.
Mit sanfter Handbewegung schiebt Sushma Kerketta ihre Schützlinge in Reih und Glied. Fächerförmig nehmen die Klassen der St. Peter's Primary School vor dem Schuleingang Aufstellung, so wie an jedem Morgen vor Unterrichtsbeginn. Die 650 Kinder sind, wie es in Indien üblich ist, in Schuluniformen gekleidet: graue Hosen, blaue Hemden, blaue und weinrote Pullover. Mit Inbrunst singen sie Lieder, die von Schülern der vierten Klasse per Mikrofon angestimmt werden. Sushma Kerketta, Lehrerin der Vorschulklasse, steht mit den Vier- bis Fünfjährigen ganz vorne an der überdachten Eingangsveranda. Lächelnd erwidert sie Blicke der ihr anvertrauten Jungen und Mädchen. Man sieht der erfahrenen Pädagogin förmlich an, wie sehr sie ihren Beruf, den Umgang mit den ABC-Schützen mag.
„Ich selber habe keine Kinder, lebe mit meinen fünf Geschwistern im Haus meiner alten Eltern“, erzählt sie später unter den schattenspendenden Bäumen auf dem ummauerten Schulgelände. Sushma Kerketta zählt, wie auch fast alle Schüler der von Jesuiten geleiteten Schule, zur Schicht der Adivasi oder Tribals („Stammesvölker“), den weitgehend besitzlosen, ausgegrenzten Ureinwohnern des Subkontinents. Und wie viele Angehörige dieser Volksgruppe, die in der Region Darjeeling leben, ist auch sie katholische Christin.
Einst von den Briten aus Zentralindien nach Norden verpflanzt, arbeiten die meisten Adivasi heute auf den Plantagen des für seinen Tee weltbekannten Anbaugebiets Darjeeling. Der Lohn der Teepflückerinnen und Tagelöhner beträgt meist nicht mehr als 90 Rupien pro Tag, das sind etwa 1.40 Franken. Von diesem Lohn müssen ganze Familien leben – und auch noch das Schulgeld der Kinder bestreiten. Die geringen staatlichen Zuschüsse für anerkannte Minderheiten wie die Adivasi fallen da kaum ins Gewicht.
Auch ihre eigenen Eltern hätten zu Niedriglöhnen tagein, tagaus in den umliegenden Teegärten arbeiten müssen, erzählt Sushma Kerketta. Sie sei sehr glücklich gewesen, seinerzeit ein Stipendium erhalten zu haben, sagt sie. Ohne diese Unterstützung wäre ihr eine gute Ausbildung wohl verwehrt geblieben. Nach dem Besuch einer von Ordensschwestern geführten Schule wechselte sie zunächst auf ein College in der benachbarten Grossstadt Siliguri. An der Universität von Westbengalen schloss sie ihr pädagogisches Studium mit einem Master ab. Ausgestattet mit einem Sechsjahresvertrag unterrichtet sie heute als Lehrerein an der St. Peter's Primarschule gleich mehrere Fächer: Hindi, Englisch und Rechnen. Was sie an ihrer Schule besonders schätze? Es ist die „freie, familiäre Atmosphäre“, wie die 44-Jährige betont. „Die Kinder, die häufig unter schwierigsten Bedingungen aufwachsen, zum Teil auch vernachlässigt sind, fühlen sich hier akzeptiert.“ Ihren Schülern wünscht sie, dass sie eines Tages besser haben als ihre Eltern. „Als Lehrer ist es unsere Aufgabe, den Kindern gute Startchancen für das spätere Leben zu vermitteln und ihre Talente zu fördern“.
Es gehört zum guten Geist der von Jesuiten geführten Primarschule, dass man sich umeinander kümmert – Lehrer, Schüler und Schulleitung. Gemeinsam teile man Freuden und auch Sorgen, betont Sushma Kerketta. Und sie lässt durchblicken: Zu
den Dingen, die vor allem den 15 angestellten Lehrern Sorgen bereiten, gehört das geringe Gehalt. Als Pädagogin verdient sie gerade einmal rund 60 Franken. Im Monat. Mehr ist für die Schulleitung nicht drin. „Wir würden gerne höhere, Leistungsgerechte Löhne zahlen, um unsere Lehrer dauerhaft zu halten. Aber wir sind abhängig von den Schulgebühren, die wir von den Eltern erheben,“ erklärt P. Mangal Kerketta SJ, Leiter der St. Peter's School. „Im Monat macht das pro Kind 120 Rupien, das sind nicht einmal 2 Franken. Doch schon diesen Betrag müssen sich viele Familien buchstäblich vom Munde absparen.“
Obwohl die staatlichen Schulen im Gegensatz zu den Privaten kostenfrei sind und auch warmes Essen anbieten, schicken viele Eltern – nicht nur Christen, auch Hindus – ihre Kinder lieber zu den Jesuiten. Denn dort findet der Unterricht regelmässig statt, und das Niveau ist deutlich höher – ein entscheidender Vorteil im harten indischen Wettbewerb um Jobs und besser bezahlte Stellen. Allerdings: An staatlichen Schulen verdienen Lehrer das Sieben- bis Achtfache – eine stetige Verlockung. Und eine grosse Herausforderung für hochmotivierte kirchliche Einrichtungen wie die St. Peter’s School, die sich konsequent für eine gute Ausbildung der Armen einsetzen und – trotz Zuschüssen der Jesuitenprovinz – stets zu kämpfen haben. Die Einnahmen reichen nicht mal aus, um das stark sanierungsbedürftige, unsicher gewordene Schulhaus rasch wieder auf Vordermann zu bringen. Ein dringend benötigter Erweiterungsbau gleich nebenan muss ganz aus Spendenmitteln, auch aus der Schweiz, finanziert werden. Aus eigener Kraft wäre eine solche Massnahme überhaupt nicht zu stemmen. „Auch wenn es manchmal weh tut: Wir können es niemandem übelnehmen, wenn er oder sie aus finanziellen Gründen unsere Schule verlässt, um woanders mehr Geld zu verdienen“, sagt Pater Kerketta. „Wir wissen ja: Mit dem Lehrergehalt, das wir zahlen, fällt es schwer, eine Familie zu ernähren.“
Um in Zukunft gerade auch die qualifizierten Kräfte halten zu können, setzen die Jesuiten von Darjeeling ihre Hoffnung auf eine Lösung, die das bestehende Dilemma nachhaltig beseitigen könnte: Lehrerpatenschaften. Mit Unterstützung zahlreicher Spender und Projektpartner, so der Wunschtraum, wäre die Schule endlich in der Lage, die Gehälter der 15 angestellten Lehrer dauerhaft anzuheben. Ziel ist es, jeder Lehrerkraft ein Monatsgehalt von zumindest 6000 Rupien im Monat zu zahlen, etwa 90 Franken. Später vielleicht sogar umgerechnet etwa 120 Franken. Das wäre zwar immer noch deutlich weniger, als an staatlichen Schulen gezahlt wird, aber gleichwohl eine entscheidende Verbesserung – und auch ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung. Sushma Kerketta und ihr ebenso engagierter Kollege Ganesh Hembrom wären für eine noch so bescheidene Gehaltsaufstockung höchst dankbar. „Wir lieben diese Schule – so wie unsere Schüler, die sehr froh sind, hier lernen zu dürfen“, sagt Hembrom. „Ich möchte gerne bleiben und den Kindern all das weitergeben, was ich selber von den Jesuiten gelernt und an positiven Werten erfahren habe.“ Der 41-jährige Pädagoge aus Leidenschaft ist schon seit 14 Jahren an der School tätig. Auch er ein Adivasi, hat sich Ganesh Hembrom aus ärmsten Verhältnissen hochgearbeitet und muss heute zusehen, wie er seine vierköpfige Familie, die in einer der nahegelegenen Teeplantagensiedlungen lebt, über Wasser hält. Da zählt jede Rupie.
Land:
Indien
Partner:
P. Wilfred Lobo SJ
Zielgruppe:
Lehrer an den von Jesuiten geleiteten Primarschulen in Gayaganga und Hatighisa, Darjeeling
Kontext:
Durch die Verbesserung der Löhne der Lehrer, können diese an der Schule gehalten werden.
Schlussendlich profitieren die Kinder von besser entlöhnten Lehrern.
So können Sie helfen:
CHF 1'080.-- beträgt eine eine Jahrespatenschaft für einen Lehrer.
Man kann auch mit einer Teilspende zu einer Jahrespatenschaft beitragen.