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Hochgeachteter Herr Präsident!
Gestern sind mir nun auch von Bern einige Mittheilungen über die Schneebruchverhältniße zugegangen; sie sind jedoch nicht so vollständig, als ich es gewünscht hätte. Die Rechnungen über die Kosten des Schneebruches am Gott hardt wurden erst in den letzten Jahren mit Aus scheidung des Kostenbetrages auf die einzelnen Sektionen (Airolo–Hospiz, Hospiz–Andermatt, Ander matt–Göschenen & Göschenen–Amsteg) angefertigt.
Laut Mittheilung von Hrn. Bundesrath Knüsel könnte nur mit tagelanger Mühe eine solche Ausscheidung bei den frühern Rechnungen bewerkstelligt werden; wenn man jedoch es wünsche, werde er die Arbeit durch einen Angestellten des Departements machen laßen. –
Ich habe dieß noch nicht verlangt, indem ich befürchte, daß dadurch die Zusammenstellung zu sehr verzögert würde & weil ich in einem mir zugegangenen Berichte| des Hrn. Ingenieur Merian vom Jahre 1857 eine Angabe des durchschnittlichen Betreffnißes auf die einzelnen Streken für die Jahre 1852-1855 gefunden habe. Ich besitze nun die Ausscheidung für 14 Jahre, während denen sich annähernd immer das gleiche Ver hältniß herausstellt. Es macht auf mich der Eindruk, daß dieß genügen dürfte; sollten Sie indeßen wünschen, daß die Berechnungen auch noch für die fehlenden Jahr gänge 1850/52 & 1855/60 angefertigt werden, so wollen Sie mir gefälligst davon Kenntniß geben. –
In dem beigezogenen Berichte des Hrn. Ing. Merian, der s. Z. vom eidgenößischen Handels- & Zolldepartement zum Studium der Schneebruchangelegenheit auf mehrere Päße gesandt worden ist, kommen auch einige Angaben über die Kosten des Schneebruches auf den Bündtner päßen vor. Ich gewärtige übrigens noch die Mittheilung eines Berichtes, den s. Z. die Regierung v. Graubündten selbst über die fragliche Materie der Bundesbehörde eingereicht hat.
Bis Morgen oder Uebermorgen hoffe ich sodann Ihnen meine Zusammenstellung übermitteln zu können.|
1 Ich würde es für wünschenswerth betrachten, daß inzwischen in Zürich noch über zwei Punkte genauere Angaben gesammelt würden. Hr. Dr. Müller in Altorf hat seine 30jährigen Thermometerbeobachtungen der meteorologischen Gesellschaft in Zürich übermacht & daher Hrn. Landammann Müller über die Temperatur in Altorf nur annähernde Angaben machen können. Es scheint mir, es wäre v. einigem Werth, wenn die durchschnittliche Temperatur pr. Monat aus jenen vieljährigen Beobachtungen berechnet würden.
2 Sodann sollte meines Erachtens das Ergebniß der meteorologish/> schen Beobachtungen v. Andermatt & Dorf Splügen in Zahlen neben einander gestellt werden, da diese in den Höhen wenig von einander abweichenden Punkte nach den meteorologischen Beobachtungen v. 1863/64 nahezu dieselbe Temperatur aufweisen.
Ich habe leider übersehen, von den Hrn. Koller übersandten Tabellen die bezügliche Notiz zurükzubehalten. Man könnte allfällig noch vergleichen, ob das Mittel der drei Tagesbeobachtungen oder einer der drei Stunden das günstigere Ergebniß heraus stelle; übrigens halte ich die berechnete mittlere Tages temperatur für das Richtigere. –
Indem ich mir erlaube, Ihren in Anlage einen Brief von Hrn. Ingenieurs Koller zur Kenntnißnahme & allfälligen|
Mittheilung an Hrn. Bekh zu übermachen, füge ich noch bei, daß ich Hrn. Koller die Materialien über die klimatischen Verhältniße den 13. d. mit einem ein läßlichen Schreiben übersandt habe & denselben u. a. auch ersuchte, sich gelegentlich über die Verhältniße der neuen Unternehmer der teßinischen Bahnen zu erkundigen. Auf die Anfrage eines Jacini's, über die neuen Eisenbahn projekte v. Württemberg & Bayern wißen Sie wahrscheinlich nähern Bescheid.
Mit dem erneuten Ausdruke ausgezeichnetster Hochachtung verbleibe
Ihr freundschaftlich ergebener
J. Zingg.
Luzern den 17 Jan. 1865.