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SZENE 1: Es geht um die Wurst
Ein Vater geht mit seinem Bub in die Metzgerei. Der Metzger streckt dem Kleinen ein Wursträdli hin. «Wie heisst das Zauberwort?», raunt ihm der Vater zu. «Meh Wurscht! Meh Wurscht!», sagt der Bub.
SZENE 2: Beim Zahnarzt
Eine Mutter geht mit ihrem Buben zum Zahnarzt, weil er ein Loch hat. Der Zahnarzt muss bohren, das Kind kriegt eine Spritze verpasst, es schmerzt, die Prozedur ist furchtbar. Zum Schluss schaut die Mutter das Kind fragend an. Ihr Blick sollte «Alles okay bei dir?» zum Ausdruck bringen. Doch das Kind versteht es als Aufforderung zum Höflichsein und haucht mit schmerzverzerrtem Gesicht und aufgeschwollener Backe «Danke».
SZENE 3: Unter dem Tisch mitgehört
Ein Mädchen hockt unter dem Tisch, während die Erwachsenen nach dem Essen weiterplaudern. Die Mutter erzählt von einer Kollegin, die sie an ihre Grenzen bringt. Sie schildert eine für sie unmögliche Situation und stellt die rhetorische Frage: «Was soll ich da bloss dazu sagen?» Die Erwachsenen lassen die Frage im Raum stehen. Das Mädchen reagiert prompt: «Bitte? Danke? Entschuldigung?»
3 TIPPS: Kinder kopieren das Verhalten der Eltern.
Vorbild sein: Kinder lernen sich zu bedanken, wenn die Eltern ihnen das vorleben. Manchmal kann auch ein kleiner verbaler Schubs sinnvoll sein. Oder es kann helfen, das Kind vor einem Fest daran zu erinnern, dass man sich bedankt, wenn man ein Geschenk erhält. Ziel ist, dass sich ein Kind von sich aus bedanken möchte.
Kein Machtkampf: Eine Situation, in der ein Danke angebracht ist, sollte eigentlich eine schöne Situation sein. Eltern sollten nicht Druck ausüben, das Kind nicht vorführen oder beschämen, um ein Danke zu erzwingen. Kleine Kinder haben oft Mühe, mit einer ihnen nicht gut bekannten Person zu sprechen. Eltern können sich überlegen, wie sie ein fehlendes Danke souverän abfedern, ohne ihr Kind blosszustellen. Sie könnten etwa sagen: «In der Regel sagt mein Kind Danke, leider klappt es noch nicht immer.» Ein Machtkampf ist zu vermeiden, da gibt es immer einen Verlierer, der sich hilflos fühlt. Kinder wollen immer beides: kooperativ sein und ihre eigene Autonomie entwickeln. Da gilt es, eine Balance zu finden.
Über Höflichkeit reden: Bei «Danke», «Bitte», «Grüezi» geht es um Formen, die auch der Mode unterworfen sind. Höflichkeit hat heute einen höheren Stellenwert als vor 30 Jahren. Es ist sinnvoll, mit Kindern über diese gesellschaftlichen Erwartungen zu diskutieren und zu besprechen, wie sie reagieren könnten, wenn ihnen etwa ein Geschenk nicht gefällt. Wie können sie sich trotzdem ehrlich gemeint bedanken? Und dennoch höflich durchblicken lassen, dass es nicht ganz das richtige Geschenk war?