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Schriftsteller Michel Tournier ist am Montagabend im Alter von 91 Jahren zu Hause in Choisel bei Paris gestorben, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Familienkreise berichtete.
«Der Erlkönig»
Tournier gehörte zu den bedeutendsten Autoren Frankreichs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er hatte seinen internationalen Durchbruch mit «Erlkönig» geschafft, einem Roman über eine Reise durch Ostpreussen während des Zweiten Weltkriegs.
Das 1970 erschienene Buch brachte dem Literaten den begehrten Prix Goncourt ein. 1996 wurde die Geschichte über einen vom Nationalsozialismus faszinierten französischen Kriegsgefangenen unter dem Titel «Der Unhold» von Volker Schlöndorff verfilmt.
Deutsch-Übersetzer
In seinen Romanen und Erzählungen verwendete Tournier Mythen und Märchen, die er mit Ironie in Geschichten unserer Zeit verwandelte. Er schrieb unter anderem «Freitag oder im Schoss des Pazifik», «Die Zwillingssterne» sowie «Kaspar, Melchior und Balthasar». Nach einer Tätigkeit als Übersetzer für Deutsch arbeitete er für Radio, Fernsehen und Verlage.
Als einer der wenigen französischen Schriftsteller hat Tournier auch über den Mauerfall am 9. November 1989 geschrieben. Auf Deutsch sind von ihm unter anderem «Der Wind Paraklet. Ein autobiografischer Versuch» sowie «Der Garten des Vagabunden» erschienen.
Verbunden mit Deutschland
Tournier gehörte nach 1945 zu den ersten Franzosen, die nach Deutschland gingen. In Bad Teinach im Schwarzwald nahm er als Jura- und Philosophiestudent zunächst an einem von der französischen Militärregierung organisierten Ferienkurs für Germanisten teil, bevor er sich an der Universität Tübingen für das Philosophiestudium einschrieb. Sein Interesse an Deutschland und der deutschen Sprache ging auf seine Eltern zurück, die beide Germanisten waren.
In seinen Büchern versuchte Tournier, mit deutsch-französischen Stereotypen aufzuräumen. Seine vielen Essaybände, Kinderbücher und Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Zu seinen grössten Erfolgen in Deutschland zählt auch sein Erstlingswerk «Freitag oder im Schoss des Pazifik».
Tournier blieb zeitlebens Junggeselle und lebte die letzten Jahrzehnte in einem alten Pfarrhaus auf dem Land im Südwesten von Paris. Zuletzt wurde der Autor, der schon länger mit Altersbeschwerden kämpfte, von seinem Patensohn betreut.