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Roman von Tom Bullough (buch)
Die Erzählung beginnt im Jahr 1867. Der kleine Kostja Ziolkowski erkrankt an Scharlach. Obschon er mit dem Leben davonkommt, verliert er fast vollständig sein Gehör und um fortan nicht komplett auf das Lippenlesen angewiesen zu sein, konstruiert er ein Hörrohr. Einer von vielen kleinen Apparaten, die der Heranwachsende baut - wohlgemerkt einer der einfacheren. Er versucht sich auch an Dampfmaschinen und Geodäsie im kleinen Stil.
Letztendlich geht Konstantin zum Studium nach Moskau. Dort befreundet er sich mit dem exzentrischen Bibliothekar Nikolaj Fedorow, der ihm einen Lehrplan zusammenstellt und ihn mit der entsprechenden Literatur versorgt. Er schiebt ihm Jules Vernes Roman Von der Erde zum Mond unter und weckt Kostjas Interesse an der Raumfahrt.
Auch als er drei Jahre später in seinen Heimatort zurückkehrt, um als Lehrer zu arbeiten, bleibt sein Thema die Himmelsmechanik und die Frage, wie es möglich sein kann, Menschen in den Weltraum zu schicken. Dass es möglich ist, steht für Kostja außer Frage.
Bullough beleuchtet Abschnitte aus dem Leben des brillanten Physikers, er erzählt es nicht in seiner Gänze. Wir lernen einen Jungen kennen, der zu einem jungen Mann und zu einem Familienvater wird, dessen erklärtes Ziel dennoch immer das eine bleibt: Raumfahrt möglich zu denken. Obgleich Ziolkowski bereits in den 1920er Jahren gestorben ist, findet das letzte Kapitel 1965 statt.
Die Sprache des walisischen Autoren ist dicht und in seinen Beschreibungen des russischen Winters und der Straßen Moskaus wunderschön und bildhaft. "Die Mechanik des Himmels" ist ein schönes Buch. Die zeitlichen Sprünge zwischen den einzelnen Lebensabschnitten Ziolkowskis habe ich in keiner Weise als störend empfunden, sie verlangen vom Leser aber durchaus Konzentration. Dies ist kein Buch exklusiv für Naturwissenschaftler, im Mittelpunkt steht der Mensch Ziolkowski. Wer "Die Vermessung der Welt" beendet hat, sollte vielleicht direkt mit "Die Mechanik des Himmels" weitermachen.
Konstantin Ziolkowski erkrankte in jungen Jahren an Scharlach und war fortan fast taub. Er las in ein Physikbuch über ein Hörrohr und bastelte sich ein Solches. Aus der Provinz nach Moskau gegangen um zu studieren, lernte er einen Bibliothekar kennen, der ihn mit allen möglichen Büchern über Physik, Astronomie und Technik versorgte, so dass sein Wissen ständig wuchs.
Er war der Erste der die Idee der Raumfahrt in machbare Bahnen lenkte und die russische Raumfahrt basiert auf seine Schriften.
Interessante Romanbiografie, eindrücklich, poetisch und sprachlich geschliffen erzählt. Ein Genuss nicht nur für Technikfans!
Rezension von Claudia Mira Juric aus Bremen
Kostja Ziolkowski ein unerschrockener intelligenter Sprößling einer verarmten polnischen
Adelsfamilie wächst zusammen mit seinen 4 Geschwistern im kargen russischen Hinterland auf.
Trotz ihrer Armut und der schweren körperlichen Arbeit, der sein Vater für ihren Lebensunterhalt nachgehen
muss, geniesst er eine gute Ausbildung.
Aus seiner Leidenschaft für die Astronomie macht er trotz aller Widrigkeiten in seinem Leben seinen Beruf.
Und der ist auch Berufung.
ist der Held dieses wunderbaren Romans, ein Wissenschaftler, der im Westen durchaus unbekannt ist. Wer diese Wissenslücke schließen will, kann das mit diesem Buch auf unterhaltsame Weise erledigen. Tom Bullough beschreibt Konstantins Leben, vor allem seine Kindheit und Jugend, so liebevoll, fast zärtlich,es ist eine Freude! Leser von Daniel Kehlmann werden auch "Die Mechanik des Himmels" lieben.
Obwohl Tom Bullogh keine sonderlich spannende Geschichte erzählt und obwohl Stil und Tempo seines Buches durchaus gemächlich zu nennen sind, legt er mit der Geschichte des Konstantin Ziolkowski ein schönes, anregendes und besonders im Blick auf die Gestaltung seiner Figuren liebevolles Buch vor.
Vom Dezember 1867 an lässt er den Leser teilnehmen am Lebensweg Kontantins. Getrübt durch eine schwere Scharlacherkrankung, die eine hohe Schwerhörigkeit zurücklässt, folgt Konstantin fast zwangsläufig im Buch seiner inneren Stimme und seiner großen Begabung im Blick auf die Physik, auf die Vorstellungskraft und mathematische Betrachtung von Maschinen, für die der Himmel keine Grenze darstellen soll.
In den kalten Weiten des östlichen Russland nimmt dieser Weg zunächst seinen Anfang und Verlauf und im Stil Bulloghs wird deutlich, dass es diesem weniger um eine bruchfrei erzählte Geschichte geht. Immer wieder lässt er Momentaufnahmen erstehen, die er teilweise auch durchaus plötzlich wieder abbrechen lässt, wenn das für ihn Wesentliche erzählt ist. Mithilfe seiner vielfachen, sprachlichen Möglichkeiten und der spürbaren Liebe zu seiner Hauptfigur webt Bullogh auf diese Weise eine dichte, real anmutende Atmosphäre eines zurückhaltenden, aber von tiefen, innerem Mut beseelten Jungen und jungen Mannes, der im Schnee dem Wolf trotzt, der auch einem Meister der Mechanik durchaus höflich widerspricht, wenn ihm dessen Pläne und Zeichnungen falsch erscheinen.
Konstantin, der zum Lernen, zum Studium nach Moskau geschickt wird, durchaus unter Opfern der Familie, der sein Empfehlungsschreiben verliert und statt an einer Hochschule dann in Eigenregie sich in der Bibliothek fast selbst ausbildet, gemeinsam mit anderen, unter der Obhut des Bibliothekleiters (eine weitere der wichtigen, intensive gestalteten Figuren des Romans). Ein Weg, der mit Härten und Hunger verbunden ist, der ihn zu einem derer werden lassen wird, welche die bemannte Raumfahrt Russlands maßgeblich vorarbeiteten. Und das zu einer Zeit, in der nirgends solche Ideen öffentlich verfolgt wurden.
Eine Zeit im übrigen, dies ist eine weitere Qualität des Romans, die Bullogh atmosphärisch dicht zu beschreiben versteht. Die zweite Hälfte des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Russland unter der Zarenherrschaft, die Armut und Einfachheit des Lebens, die Entbehrungen, die es kostet, die eigene Familie durch zu bekommen, die Verluste (eine hohe Kindersterblichkeit begleitete die Menschen damals gerade in den unwirtlichen Gegenden Russlands), das alltägliche Leben, all dies lässt Bullogh fast anstrengungslos vor den Augen des Lesers entstehen. Wie nebenbei schildert er die Osterfeierlichkeiten in der kleinen Stadt, zeigt das alltägliche Leben, das Wohnen, den Kampf um Nahrung, die früh gealterten Gesichter der Menschen und die nicht nur räumliche Enge in den Familien auf. Mit Konstantin skizziert er, zeitlos, jene Kraft, die es einem Menschen ermöglicht, sich von all diesem im Inneren nicht beirren zu lassen, den eigenen Traum zu träumen.
Die Mechanik des Himmels ist ein atmosphärisch dichtes, schön geschriebenes und seinen Figuren sehr verbundenes Lebensbild und Zeitportrait des zaristischen Russlands mit allen seinen scharfen, sozialen Gegensätzen. Gemächlich und ruhig mit hohem sprachlichem Vermögen erzählt und mit menschlicher Tiefe ausgestattet ein sehr empfehlenswertes Buch für den, der diese gründliche Ruhe im Stil zu schätzen weiß.
Wie kommt man aus den abgelegenen Weiten des russischen Grenzlands ins Weltall und das im ausgehenden 19. Jahrhundert? Diese Frage stellt sich Kostja Ziolkowski, die Hauptfigur des neuen Romans von Tom Bullough. Die Erzählung folgt seinem Lebensweg von der Kindheit, in der er nach einer Scharlacherkrankung fast komplett sein Gehör verliert, über seine Jugend und den Umzug ins ferne Moskau, wo er in seinem Denken inspiriert wird und erste, tragische Erfahrungen mit der Liebe macht, bis hin zu seiner Arbeit als Lehrer und der Weiterentwicklung seiner Theorien zum ersten Flug eines Menschens ins All. Die Hauptfigur und die mit ihr verbundenen Geschehnisse sind dem realen Leben des gleichnamigen russischen Pioniers der Weltraumforschung nachempfunden.
Das besondere am Erzählstil Tom Bulloughs ist die Balance zwischen ausführlichen Schilderungen und gezielt eingesetzter Reduzierung: Denn so wie die Hauptfigur sehr geistig orientiert ist und seinen Emotionen nur eingeschränkt Platz einräumt, so blendet auch der Erzähler in jenen, oftmals tragischen, Situationen aus und gibt so den LeserInnen die Möglichkeit, sich in Kostja hinein zu versetzen und seine Gefühle mitzuspüren. Im Gegensatz dazu stehen die umfangreichen Schilderungen der verschiedenen Landschaften und Städte, in denen der schwerhörige Weltraumforscher lebt. So schafft der Autor eine dichte Atmosphäre und vermittelt zugleich die Faszination am Universum und seiner Mechanik, die Kostja Ziolkowski unablässig und gegen jegliche Widerstände antreibt.
Dieser Roman wendet sich gleichermaßen an technisch und historisch Interessierte als auch an all jene, denen intensiv geführte Erzählungen mit facettenreichen Charakteren am Herzen liegen. Darüber hinaus gibt Tom Bullough einen spannenden und vielschichtigen Einblick in die Vorstellungen zum All und seiner möglichen Eroberung durch den Menschen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und weckt so selbst bei technikfernen Menschen die Begeisterung für diesen Themenbereich.
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