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Die Neugliederung der Gattung Orchis
Text: Ruedi Peter
Hohe morphologische Ähnlichkeit, d.h. Ähnlichkeit der sichtbaren Merkmale, tritt nicht selten bei nur wenig miteinander verwandten Sippen auf. Deshalb muss im Einzelfall entschieden werden, wie man beim Bestimmen der Verwandtschaft vorgeht. Es ist üblich, im Zweifelsfall die Priorität eher auf den morphologischen Aspekt zu legen, weil bisher nur diese Unterschiede unmittelbar zugänglich und damit in der Praxis anwendbar sind.
Heute werden auch genetische Merkmale gebraucht. Man untersucht die Struktur der Chromosomen. Dabei wird der gleiche Abschnitt auf einem Chromosom zwischen verschiedenen Arten verglichen.
Die Gattung Orchis war eine Sammelgattung für viele, heute abgetrennte Arten der Gattungen wie z.B.
Dactylorhiza
Traunsteinera
Comperia.
Sie waren alle einmal der Gattung Orchis zugeordnet. Aber diese werden heute als eigene Gattungen aufgefasst. Damit hat die Gattung Orchis ein ähnliches Schicksal wie einige Gattungen tropischer Orchideen, z. B. Epidendrum und Dendrobium. Genetische Untersuchungen (Bateman et al.) haben nun gezeigt, dass die Gattung Orchis neu geordnet werden muss. Bei diesen werden die Chromosomen untersucht und diese Resultate dann in einem sogenannten Kladogramm (Stammbaum) erfasst (siehe Abbildung Seite 37). Die Ergebnisse sind aber abhängig von den genutzten Methoden. Eine Analyse der traditionellen Gattung Orchis führt zu dem in der Abbildung wiedergegebenem Ergebnis. Die bisher in der Gattung Orchis vereinigten Arten verteilen sich auf die Gattungen Anacamptis, Neotinea und Orchis. Jeder Knotenpunkt des Kladogramms entspricht dabei einem (hypothetischen) Vorfahr. Wie das Kladogramm zeigt, ist bei der bisherigen Gattung Orchis ein Grundsatz der Gattungsdefinition verletzt, denn außerhalb der Gattung existieren Arten (nämlich alle Arten der Gattungen Gymnadenia, Nigritella, Dactylorhiza, Coeloglossum, Platanthera, Pseudorchis, Traunsteinera, Chamorchis, Serapias, Ophrys, Himantoglossum, Barlia, Steveniella und Comperia), die zwar vermutlich vom gleichen Vorfahr abstammen, aber nicht zur Gattung gehören. Wollte man dieses Problem durch die Einbeziehung aller Arten dieser Gattungen in die Gattung Orchis bereinigen, so wären zahlreiche Namensänderungen erforderlich, weil dann fast alle knollentragenden und in Europa, Nordafrika und Vorderasien vorkommenden Orchideenarten in einer einzigen Gattung vereinigt wären.
Wir werden uns in Zukunft auf neue Namen einstellen müssen. Leider werden diese nicht immer in den Büchern verwendet. In einigen findet man teilweise die alten Namen, in einigen teilweise die neuen.

Vorgeschlagene Änderungen wissenschaftlicher Namen

Nicht geänderte wissenschaftliche Namen

Nach neuesten Erkenntnissen auf genetischer Basis gliedert sich die Subtribus Orchidinae
┌─ Hundswurze (Anacamptis) 1) ┌──┤
Literatur
Bateman R. M., Pridgeon A. M., Chase M. W. (1997): Phylogenetics of subtribe Orchidinae (Orchidoideae, Orchidaceae) based on nuclear ITS sequences. 2. Infrageneric relationships and reclassification to achieve monophyly of Orchis sensu stricto - Lindleyana 12: 113-141
[Phylogenie von Orchidinae durch Studien von ITS-Sequenzen. 2. Intergenetische Verwandschaft und neuklassifierung um Monophylie von Orchis sensu stricto (im engeren Sinn) zu erreichen]
Kretzschmar, H, Eccarius W., Dietrich H. (2007): Die Orchideengattungen Anacamptis, Orchis, Neotinea, Bürgel.
Nelson E. (2001): Erich Nelson - Persönlichkeit und Lebenswerk aus heutiger wissenschaftlicher Sicht, mit Publikation seines Bildwerks der Gattung ORCHIS, Bern.
Internet
http://www.echinomedia.de/int/titel/orchideengattungen/auszug.pdf
Joe Meier, Attelwil, danke ich für das Durchlesen des Manuskripts.
Ruedi Peter
Aumattstr 71
4153 Reinach
<email-pii>
Aktualisiert 01. 10. 2009