Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03463.jsonl.gz/1981

Maria Barbara Dominica von Gall zu Waldhof wird am 22. Dezember 1707 geboren.[1] 1732 legt sie als Maria Francisca in Gutenzell Profess ab. Zu Äbtissin des Reichsstiftes wird sie am 10. Mai 1747 von 19 stimmberechtigten Chorfrauen in Gegenwart von Fürstabt Anselm II. Schwab gewählt. Der sechs Jahre jüngere Salemer Vaterabt ist seit einem Jahr im Amt und wird in den ersten Jahren versuchen, die Frauenzisterzen völlig in die Abhängigkeit von Salem zu bringen. Nicht mehr nur die Beachtung der «Strengen Observanz» mit Askese, Stillschweigen und einhalten der Klausur ist ihm wichtig, er will nun auch Verwaltung und Hochgerichtsbarkeit an sich ziehen. Hier hat er aber das Selbstbewusstsein der Reichsäbtissinnen unterschätzt. Nachdem er wegen dem Widerstand aus den reichsunmittelbaren Frauenzisterzen 1752 die geistliche Führung niederlegt, verfügt der Ordensgeneral in Cîteaux, die drei Reichsabteien Gutenzell, Heggbach und Wald der Paternität Kaisbachs zu unterstellen. Nur Gutenzell wird bis zur Säkularisation, trotz Werbeversuchen Salems, bei Kaisbach bleiben. In der Klosterchronik wird der Kummer über die «Salmansweylischen Zudringlichkeiten» als Todesursache der Äbtissin Maria Francisca vermerkt. Erst ihre Nachfolgerin erreicht nach langen Prozessen, dass Salem auch das Hochgericht Gutenzell überlassen muss.
Unter der Regierung der Äbtissin Maria Francisca von Gall hat sich der Konvent nochmals vergrössert. Er umfasst jetzt 33 Chorfrauen und elf Laienschwestern.
Eine grosse Leistung der Äbtissin ist die Barockisierung der Klosterkirche. 1752 holt sie bei Dominik Zimmermann einen neuen Entwurf mit Kostenvoranschlag ein. Unter dem Vorwand des um einen Drittel günstigeren Kostenvoranschlages erteilt sie aber 1755 den Auftrag an Franz Xaver Feuchtmayer, dies, obwohl die Tochter Zimmermanns Priorin in Gutenzell ist. Nach einer Intervention des Kaisheimer Abtes muss aber Feuchtmayer den Plan Zimmermanns berücksichtigen. Der Klosterbaumeister Rüeff, die Stuckateure Feuchtmayer, Rauch und Finsterwalder und der Maler Dieffenbrunner schaffen in knapp zwei Jahren auf den Grundlagen Zimmermanns ein wahres Rokokojuwel.
Maria Franziska von Gall stirbt am 23. August 1759 im Alter von 52 Jahren. Ihr Epitaph (> zum Bild) befindet sich an der Südwand des Kirchenschiffes. Von ihr ist auch ein Ölporträt vorhanden, das sie mit klugem Gesichtsausdruck im Zisterzienserinnenhabit zeigt. In der Rechten hält sie ein Buch, mit der Linken berührt sie das Pektorale. Im Passionsbild von 1713 ist sie nachträglich, in fast genauer Kopie des Porträts, zusammen mit drei weiteren Äbtissinnen eingefügt worden.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Beck, Otto und Haas, Ludwig (Hrsg.): Gutenzell, Geschichte und Kunstwerke, Kunstführer, München 1988.
Dillmann, Erika: Anselm II. – Glanz und Ende einer Epoche, Tettnang 1988.
[1] In der Literatur sind keine Hinweise auf den Geburtsort zu finden. Die Familie von Gall stammt usrpünglich aus Como. Niclaus I. de Gall erwirbt 1501 das Bürgerrecht in Konstanz. 1628 spaltet sich die Familie in den hessischen Stamm «zu Netze» und einen schwäbsichen Stamm in Ravensburg, der aber um 1800 ausstirbt. Das Wappen der von Gall ist geteilt, oben in Gold ein schwarzer, rot bewehrter, schreitender Hahn und unten fünfmal schräggeteilt von Gold und Schwarz. Quelle: Kindler von Knobloch, Oberbadisches Geschlechterbuch, Band 1, Heidelberg 1894.
|Reichsäbtissin OCist Maria Franziska von Gall (1707−1759)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|22. Dezember 1707||Unbekannt||Unbekannt|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Äbtissin OCist der Reichsabtei Gutenzell||1747–1759|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|23. August 1759||Gutenzell Baden-Württemberg D||Reichsabtei Gutenzell|
|Kurzbiografie|

Maria Francisca von Gall regiert die Reichsabtei Gutenzell nur zwölf Jahre. Sie sind geprägt von Auseinandersetzungen mit Abt Anselm II. von Salem, der absolutistisch über «seine» Frauenzisterzen verfügen will. Die offensichtlich nicht leicht zu beeindruckende Reichsäbtissin von Gutenzell nimmt den Fehdehandschuh auf. Sie verklagt Salem vor dem Reichskammergericht. Die beiden Abteien Heggbach und Gutenzell gewinnen später den mehrjährigen Prozess. Salem verliert zudem die Paternität über Gutenzell. Die energische Reichsäbtissin ist auch wichtige Bauherrin. Das Ergebnis des Umbaus ihrer Klosterkirche rechtfertigt ihren Entscheid, den Auftrag nicht an Dominikus Zimmermann, dem Vater ihrer Priorin, sondern an andere hervorragende Meister des Rokoko zu erteilen.
|PDF (nur Text)||Bildlegende|