Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03311.jsonl.gz/2450

Mit Freude begrüssten die Botschafterin Liliane Lebrón und Honorarkonsul Ordás die Delegation der Gemeinde Vordemwald, die aus dem Aargau zur Eröffnung des Konsulats nach Pratteln anreiste. In Vertretung der Gemeinde beehrten Gemeindeammann Max Moor und Gemeindeschreiber Stephan Niklaus das Konsulat mit ihrer Anwesenheit und einem Präsent von Büchern und Wein.
Konsul Ordás war es ein Anliegen, diese Gemeinde und ihre Behörden als Ehrengäste einzuladen, da sie der fassbare Beleg für die engen Bande zwischen der Schweiz und Paraguay sind. Mitte des XIX Jahrhunderts wanderte aus dieser Gemeinde, wie viele andere Schweizer, der Vorderwaldner Bürger Jakob Schaerer aus.
Dieser Aargauer kam 1862 im neuen Kontinent an und schloss sich einer Gruppe von Schweizer Pionieren an, welche in Uruguay die heute über 10‘000 Einwohner zählende Stadt Nueva Helvecia gründete. Nach einem längeren Aufenthalt in Argentinien liess er sich 1869 in Paraguay nieder, wo er 1881 die erste Schweizerisch-Deutsche Siedlung gründete. Ursprünglich „Nuevo Bavaria“ genannt, wurde die Stadt nach dem 1. Weltkrieg in San Bernardino umbenannt und zählt heute über 11’000 Einwohner.
Das Gemeindegebiet von San Bernardino ist mit über 100 km2beinahe so gross wie des ganzen Bezirks Zofingen. Später gründete Jakob Schaerer, der sich mittlerweile Santiago Schaerer nannte, die Ortschaft Benjamín Acebal, die heute ebenfalls über 11‘000 Einwohner zählt, und in der heute die Schweizer Stiftung Paradise Partner Paraguay PPP tätig ist. Er war jeweils „Comisario General de Inmigración y Administrador“ (Generalkommissar für Einwanderung und Verwalter) der jeweiligen Ortschaften und folgte damit der Tradition seines Vaters, Jakob Schaerer dem älteren, der in Vordemwald Gemeinderat gewesen war.
Zu weit höheren Ehren gelangte sein Sohn Eduard Schaerer, der ebenfalls das Vordemwaldner Bürgerrecht besass. Eduardo Schaerer wurde in Caazapá geboren, was auf Guaraní so viel wie „hinter dem Wald“ heisst. Auf diese Ironie der Geschichte wies Konsul Ordás in seiner Amtseinsetzungsrede hin, was nicht nur beiden anwesenden Vordemwaldnern für Erstaunen und Lachen sorgte.
Schaerer zog schon im Alter von 15 Jahren von „hinter dem Wald“ in die Hauptstadt Asunción, deren Bürgermeister er 1908 im Alter von 35 Jahren wurde. Er war Mitbegründer der Zeitung „El Diario“ und später Gründer der Zeitung „La Tribuna“. Sein politisches Gewicht war so gross, dass er 1912 zum Staatspräsidenten gewählt wurde und auch nach seiner Amtszeit ab 1916 eine führende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Paraguay war.
Die Botschaft und das Konsulat der Republik Paraguay danken dem Gemeinderat von Vordemwald für den Besuch und das Interesse und freuen sich auf eine beidseitig bereichernde Zusammenarbeit in der Zukunft.