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Ich möchte diesen ersten Blogpost einem ernsthaften Thema widmen. Der Frage nämlich, ob New York im Meer versinkt. Was eher nach dem Drehbuch der neusten Apokalypse aus Hollywood klingt, ist hier am Hudson in den letzten Wochen tatsächlich zu einem Gesprächsthema geworden, das in intellektuell-akademischen Zirkeln mit einer Mischung aus genüsslichem Schaudern und wirklicher Besorgnis erörtert wird.
Seit der Sturm «Sandy» der Metropole Rekordfluten beschert und New York für mehrere Tage völlig ausser Gefecht gesetzt hat, fragt man sich, welche Lehren die Stadt aus dem Hurrikan zu ziehen hat. Denn der Klimawandel, der in New York (nicht wie anderswo in Amerika) als Fakt betrachtet wird, dürfte dafür sorgen, dass solche Fluten häufiger vorkommen.
Gründe dafür sind die erwartete Zunahme von Hurrikanen und der steigende Meeresspiegel. Dieser soll in New York in den nächsten 90 Jahren um gut 1,5 Meter steigen. Wie der Professor und Klimaexperte Klaus Jacob kürzlich an einer Veranstaltung an der New York University erklärte, wird es künftig nicht mehr einen Jahrhundertsturm, sondern ein alle 3 bis 10 Jahre vorkommendes Unwetter brauchen, um in New York ähnlich gravierende Fluten zu bescheren wie «Sandy».
Was also ist zu tun? Soll man sich mit häufigeren Überflutungen abfinden? Soll man bis zu 7 Milliarden teure Flutsperren in der Hudson-Mündung errichten und der Natur trotzen? Wie aber sind die von «Sandy» besonders betroffenen Rockaways auf Long Island zu schützen?
Klaus Jacob plädiert nicht nur für Abwehr, sondern auch für den geordneten Rückzug von den besonders exponierten Gebieten der Stadt. Ein Blick auf die Karte mit den Evakuations-Zonen zeigt, dass sich diese relativ genau mit den früheren Sumpfgebieten decken, die nun scheinbar vom Wasser zurückerobert werden.
Laut Jacob sollte sich die Stadt überlegen, Friedhöfe in höher gelegenen Gebieten in Brooklyn und Queens in Wohnzonen umzuwandeln und die Toten inskünftig in den Gefahrengebieten in Wassernähe zu begraben. Der Rückzug aus den Gefahrengebieten ist allerdings leichter gefordert als umgesetzt. Namentlich im Süden Manhattans handelt es sich um Gebiete mit exorbitant hohen Grundstückpreisen.
Vielleicht sollten sich vorausschauende Immobilieninvestoren dennoch einmal in der Nähe von Friedhöfen nach geeigneten Objekten umsehen. Denn allzu leichtfertig sollte man Jacobs Ideen nicht als Hirngespinste abtun. 2011 hatte er in einem Bericht die Überflutungen der Strassen- und U-Bahn-Tunnel präzise vorausgesagt – weshalb er vom «New York Magazine» bereits als «Kassandra der Überflutung von New Yorks Subway-System» betitelt worden ist.