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Von der Römersiedlung zum Dienstleistungszentrum
Lage und Erstbesiedlung
Wenige Kilometer vom Rhein entfernt, liegt Frick im Norden des Grenzkantons Aargau, ziemlich genau in der Mitte zwischen den Städten Basel und Zürich. Frick ist die bevölkerungsreichste der 18 Gemeinden (seit 1. Januar 2010, vorher 23 Gemeinden) des Bezirks Laufenburg, der zusammen mit dem Bezirk Rheinfelden als „Fricktal“ bezeichnet wird. Das Dorf liegt in der grossen Talweitung des Flüsschens Sissle auf rund 350 Metern über Meer, umrahmt von waldreichen Tafeljurahöhen. Gute klimatische Bedingungen am Gabelungspunkt der ins Aaretal führenden Jurapässe Bözberg, Staffelegg und Benken vermochten schon zur Spätbronzezeit erste Siedler anzulocken. Eisenerzfunde in der Umgebung von Frick brachten den Ackerbauern und Viehzüchtern einen neuen Erwerbszweig. Die Sprachwissenschaft findet den Ursprung des Namens Frick deshalb im römisch-lateinischen Wort „Ferraricia“, das auf Eisengewinnung bzw. -verarbeitung in keltischer oder römischer Zeit hinweist. Die rege Bautätigkeit der letzten Jahre hat viele Römerfunde freigelegt. Sie liefern den archäologischen Beweis, dass sich an der Hauptstrasse im heutigen Oberdorf eine bedeutende römische Siedlung befand. Als sich die Römer im fünften Jahrhundert von der Rheingrenze zurückziehen mussten, vermischten sich aus dem heutigen Deutschland einwandernde Alemannen mit der keltischen Urbevölkerung. Der Frickgau wurde Teil des Frankenreiches und gehörte ab 843 zum Königreich Burgund. Im Hochmittelalter war der Talkessel von Frick wirtschaftliches und strategisches Zentrum der Grafen von Homberg-Tierstein. Nach ihrem Aussterben wurde Frick habsburgisch und mit der neuen Reichsordnung 1491 der Vorderösterreichischen Regierung unterstellt. In den folgenden Jahrhunderten genoss die aus den Dörfern Niederfrick, Gipf und Oberfrick bestehende Vogtei als „Homburger Vogtamt“ zwar ein hohes Mass an Selbstbestimmung, litt aber als Grenzland oft unter kriegerischen Auseinandersetzungen.
Frick wird schweizerisch
Die militärische Lage zwang Österreich, das Fricktal am 17. Oktober 1797 im Frieden von Campo Formio an Frankreich abzutreten. Aus dem politischen Tauschobjekt Napoleons ging 1802 der kurzlebige Kanton Fricktal hervor. Er wurde am 19. Februar 1803 mit dem Aargau verschmolzen und damit schweizerisch. Die verarmten Fricktaler wechselten ohne grosse Begeisterung ins Lager der Eidgenossen. Weil die Förderung der Randregionen kein primäres Ziel des neuen Kantons Aargau war, blieb das Fricktal bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine wirtschaftlich schwache Region.
Dennoch wird Frick 1801 in einem Reisebericht als stattlicher Ort in einem an Wein, Getreide und Baumfrüchten reichen Tal beschrieben. Die „Hauptpfarrdorfschaft des Landes“ mit ihren „artigen Gebäuden“ und „zu freundlicher Bewirtung einladenden Gasthöfen“ muss den zeitgenössischen Betrachter angenehm überrascht haben.
Das Dorf verändert sein Gesicht
Frick war ursprünglich ein Haufendorf am Fuss des Kirchhügels. Es entwickelte sich mit zunehmender Bedeutung des Verkehrs zu einem Strassendorf mit geschlossenen Häuserzeilen beidseits der Hauptstrasse, wo Bauernhäuser, Gasthöfe mit Pferdestallungen und Gewerbebauten entstanden. Die 1875 eröffnete Bözbergbahn, die Frick wegen der Steigungsverhältnisse in weitem Bogen umfährt, verlagerte die bauliche Entwicklung in Richtung Bahnhof. Später war es nochmals ein Verkehrsweg, der die Bautätigkeit beeinflusste: die Frick seit 1974 mit Basel und seit 1996 mit Zürich verbindende Autobahn A3. Damit gewann das Fricktal erneut an Attraktivität als Wohnraum und Wirtschaftsstandort.
Vom Marktflecken zur Zentrumsgemeinde
1701 erfüllte Leopold I., „von Gottes gnaden Erwöhlter Römischer Kayser“, den Frickern einen lange gehegten Wunsch, indem er ihnen das Marktrecht verlieh, um die durch Kriege und Missernten entstandene Not zu lindern. Damit konnte Frick seinen Stellenwert als bedeutender Handelsplatz festigen. Längst sind die vier Jahrmärkte zum unverzichtbaren Bestandteil des Wirtschaftslebens und zum Treffpunkt der Region geworden.
Die wirtschaftliche Notlage der wachsenden Bevölkerung konnte nicht kurzfristig verbessert werden. Deswegen sahen sich zwischen 1850 und 1860 nicht weniger als 155 Einwohner – 14 % der Bevölkerung – zur Auswanderung nach Amerika gezwungen. Andere fanden ihren Arbeitsplatz nach 1835 jenseits der Grenze, im nächstgelegenen Industrieort Säckingen, der in einem Fussmarsch von 7 Kilometern zu erreichen war. Die Stadt wurde zum „Brotkorb“ des Fricktals, bis der Erste Weltkrieg die historischen Verbindungen unterbrach.
Obwohl der Marktflecken seit jeher durch eine gute Verkehrslage begünstigt war, rückte man mit dem Bahnbau noch stärker ans pulsierende Wirtschaftsleben. Zum leistungsfähigen Gewerbe gestellten sich erste Industriebetriebe. Aus dem 1887 gegründeten Handwerksbetrieb des Webstuhlschreiners Jakob Müller entwickelte sich ein erfolgreiches, weltweit tätiges Unternehmen. Zu einem weiteren personalintensiven Grossbetrieb gedieh das Dachziegelwerk, das die reichen Tonvorkommen, die bis 1904 in Handziegeleien verwertet worden waren, industriell zu verarbeiten begann. Grössere Firmen in verwandten Branchen sind auch die Kunststeinfabrik Studer AG und die Stahlton AG. So wandelte sich das von Acker- und Rebbau dominierte Bauerndorf allmählich zu einem Wirtschaftszentrum, dessen verkehrstechnische Erschliessung mit Bahn und Bussen zunehmend verfeinert wurde. In den letzten Jahren ist der Dienstleistungssektor besonders stark gewachsen. Augenfällig sind die neueren Bauten von Grossverteilern, die sich mit zahlreichen Läden und Geschäften zum regionalen Einkaufszentrum ergänzen.
(Quelle: Auszug aus Frick Online: Gemeinde)
Kurzportrait: