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Stätten,
heilige (ital. luoghi santi), in der kath. Kirche im allgemeinen die durch die Anfänge des christl. Glaubens verherrlichten Örtlichkeiten. In engerm Sinne führen diesen Namen eine Anzahl in Palästina [* 2] in und um Jerusalem, [* 3] in Bethlehem, Nazareth u.s.w. belegener, zu Heiligtümern der christl. Religion eingerichteter Stellen, die nach Geschichte oder Legende mit der Geburt, Erziehung, Lehrthätigkeit, Passion, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi in Verbindung stehen.
Unter ihnen sind die Kirche über dem Heiligen Grabe (s. d.) in Jerusalem und die Marienkirche mit der Geburtsgrotte Christi in Bethlehem (s. d.) die wichtigsten. Bis zu den Kreuzzügen waren die Kirchengemeinschaften des Orients (neben den Griechisch-Orthodoxen die Armenier, die syr. Jakobiten, die Kopten [* 4] und Abessinier) die alleinigen Besitzer dieser S., durch die Kreuzzüge wurden es die röm. Katholiken oder Lateiner. Nach der Eroberung Jerusalems (1187) nahm Sultan Saladin die Schlüssel des Heiligen Grabes und der übrigen Heiligtümer in Besitz.
Nur ganz allmählich und unter geschickter Benutzung der Verhältnisse vermochten die Lateiner, namentlich die seit 1219 in Palästina ansässigen Franziskaner, die 1230 von Papst Gregor IX. zu Wächtern der S. bestellt wurden, und daneben die Griechen wieder Besitzrechte auf dieselben zu erwerben. Seit dem 16. Jahrh. trat Frankreich als Schutzmacht der röm.-kath. Kirche im Orient auf und ließ die Besitzrechte der Franziskaner wiederholt durch die Pforte bestätigen. (Vgl. Négociations de la France dans le Levant etc., hg. von E. Charrière, 4 Bde., Par. 1848–60.) Im 18. Jahrh. jedoch wußten die Griechen den größern Teil der Grabeskirche, die Marienkirche in Bethlehem und einen der drei Schlüssel zur dortigen Geburtsgrotte von dem türk. Großwesir zu erlangen und nach dem Brande der Grabeskirche 1808 wurden sie durch Besorgung des Neubaues alleinige Eigentümer des größten Teiles dieser Kirche.
Das Verlangen Rußlands nach dem Schutzrecht über alle griech. Christen im Orient und nach dem Schlüssel der Grabeskirche wurde zwar durch den Ausgang des Orientkrieges (1856) vereitelt, doch hat Rußland 1868 und 1869 die Wiederherstellung der Kuppel über dem Heiligen Grabe in Verbindung mit Frankreich übernommen und tritt seitdem als Besitzer der Grabeskirche auf. Diese ist eine Simultankirche ganz eigener Art. Der Sultan als Landesherr beansprucht den Boden unter der Kirche und die Luft über der Kirche; auch sind die Schlüssel zur Kirche in den Händen der Mohammedaner, denen es ferner obliegt, das Gebäude zu bewachen und die Ordnung darin aufrecht zu erhalten.
Die drei Haupteigentümer der Kirche sind die drei privilegierten Konfessionen [* 5] in Jerusalem: die Lateiner, die Griechen und die Armenier;
die Kopten, syr. Jakobiten und Abessinier haben geringere Rechte.
Die Marienkirche in Bethlehem gehört den Griechen, während auf die Geburtsgrotte sowohl die orient. Konfessionen als auch die Lateiner Anspruch haben. Man unterscheidet überhaupt zwischen gemeinsamem Besitz, ausschließlichem Besitz und Benutzungsrecht. Der große Wert, den ¶
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sämtliche Konfessionen auf den Mitbesitz an den heiligen S. legen, hat öfters Streitigkeiten veranlaßt. Daraus entstand die Heilige-Stätten-Frage, die in der Diplomatie wiederholt eine Rolle spielte und namentlich in den J. 1851-53 den äußern Anlaß zu den Zerwürfnissen gab, infolge deren der Orientkrieg (s. d.) ausbrach. Der Berliner Kongreß [* 7] 1878 bestimmte in betreff der heiligen S., daß der Status quo aufrecht erhalten werden solle. Da aber der jetzige Zustand von den einzelnen Konfessionen, namentlich von den Griechen und den Lateinern, im Grundsatz durchaus nicht als rechtsgültig anerkannt wird, so finden sich leicht Anlässe zu neuem Streit. -
Vgl. F. A. und O. Strauß, [* 8] Die Länder und S. der Heiligen Schrift (2. Aufl., Lpz. 1877);
F. von Bamberg, [* 9] Geschichte der orient.
Angelegenheit (Berl. 1892).