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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

4. Buch
13. Wie nun, wenn nur die vernunftbegabten Lebewesen als Teile des einen Gottes ausgegeben werden?
Will man aber nur die vernunftbegabten Lebewesen, wie die Menschen, als Teile Gottes gelten lassen, so ist mir zwar unverständlich, wie man, wenn die ganze Welt Gott ist, die Tiere von seinen Teilen ausschließen kann; aber warum sollte man da streiten? Bleiben wir also beim vernunftbegabten Lebewesen, das ist beim Menschen; welch horrender Gedanke zu glauben, daß ein Teil Gottes Schläge erhält, wenn ein Knabe gezüchtigt wird! Ganz unerträglich und eine Ausgeburt vollendeten Wahnsinns aber wäre die Vorstellung, daß Teile Gottes ausarten, ungerecht werden, gottlos werden und reif für die Verwerfung. Und endlich mit welchem Recht würde Gott denen zürnen, die ihn nicht verehren, da es Teile von ihm sind, die ihn nicht verehren? Es bleibt ihnen also nichts übrig als zu sagen, daß alle Götter ihr eigenes Leben haben, daß jeder für sich existiere, keiner ein Teil irgend eines andern sei, vielmehr müsse man alle verehren, die man zu erkennen und zu verehren vermag; denn bei allen vermag man dies nicht, weil es zu viele sind. Und da unter ihnen Jupiter als König den Vorsitz führt, so glaube ich, daß ihre Annahme dahin geht, er sei es, der die Herrschaft der Römer begründet und ausgedehnt hat. Denn wenn er es nicht getan hat, welcher Gott sonst hätte ein so gewaltiges Werk unternehmen sollen, da alle mit ihren Geschäften und ihren besonderen Werken vollauf zu tun haben und keiner in den Wirkungskreis des anderen übergreift? So konnte also nur vom Herrscher über die Götter die menschliche Herrschaft ausgebreitet und vergrößert werden.