Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03321.jsonl.gz/313

Von Cäcilia Hänni
Geschichte des Zürcher Opernhauses
Das ursprüngliche Theater stand am heutigen Standort des Obergerichts. In der Silvesternacht 1890 brach im «Actien-Theater» während der Vorstellung ein Feuer aus und das Gebäude brannte innert Kürze vollständig nieder. Das Bürgertum war nicht unglücklich über den Vorfall, liebäugelte man doch schon seit Jahren mit einem Neubau. Nach nur fünfeinhalb Monaten Planung und 13 Monaten Bauzeit stand das neue Stadttheater am Sechseläutenplatz. Gebaut wurde es nach den Plänen der Wiener Architekten Fellner und Helmer. Die Pläne waren eigentlich für Krakau vorgesehen gewesen. Die gleichen Architekten planten damals auch die Tonhalle Zürich. Das Opernhaus steht auf 164 Eichenpfählen im schlammigen Untergrund.
1982 – 1984 wurde das Gebäude saniert und erhielt zur Seeseite hin einen modernen, ziegelroten Anbau mit Ateliers, Lagerräumen, Werkstätten, Proberäumen, Restaurants und Kleintheater (Bernhardtheater). Wegen seiner Farbe wird der Bau im Volksmund oft als «Fleischkäse» bezeichnet. Die damaligen Kosten von 80 Millionen Franken veranlasste ein Teil der Jugend zu heftigen Protesten (Opernhauskravalle) und waren Auslöser der damaligen Jugendunruhen.
Der Theaterbetrieb
Das Opernhaus bietet Platz für 1’100 Gäste und ist ein Repertoire-Theater; das bedeutet, es werden rund 12 neue Stücke und über 20 Wiederaufnahmen je Jahr aufgeführt. In der Spielperiode von Mitte September bis Mitte Juni finden 250 Vorstellungen statt. Der umfangreiche Spielplan erfordert jeweils zwei verschiedene Bühneninstallationen täglich: tagsüber für Proben, abends für die eigentlichen Aufführungen. Für die Techniker ist dies mit grossem Aufwand verbunden. Im Opernhaus arbeiten rund 800 Personen, ein Drittel als Künstler im Ensemble, im Orchester, im Chor oder im Ballett. Sie kommen aus 38 Nationen und haben 148 verschiedene Berufe. Die restlichen Mitarbeitenden sind in den für den Betrieb zuständig oder arbeiten in den verschiedenen Werkstätten sowie in der Verwaltung.
Die Opernhaus Zürich AG ist noch heute eine Private Aktiengesellschaft, wird aber vom Kanton Zürich jährlich mit über 80 Millionen Franken unterstützt. Die Auslastung liegt bei rund 90 %, was im Vergleich zu anderen Kulturhäusern ein sehr hoher Wert ist.
Ein Blick hinter die Kulissen
Je nach Anzahl Musiker des Orchesters, lässt sich der Orchestergraben unterschiedlich gross gestalten. Ein grosser Orchestergraben bedeutet aber auch die Einbusse von ein bis zwei Zuschauerreihen für die jeweilige Aufführung.
Die Mehrheit der Bühnenbilder, Requisiten und Kostüme befindet sich im grossen Lagerhaus Kügeliloo in Zürich Oerlikon. Dort haben rund 80 verschiedene Produktionen Platz. Am Opernhaus selbst jeweils lediglich Bühnenbilder und Utensilien für zwei bis vier Vorstellungen gelagert werden. Jährlich sind so rund 120 Lastwagentransporte von Oerlikon zum Opernhaus nötig.
Opernhaus benötigt mehr Raum am See
Im Anschluss an die einstündige Führung erwartet uns Frau Turner (Leitung Marketing und Kommunikation) und erläutert uns exklusiv in einem kurzen Vortrag die Neubaupläne des Opernhauses.
2017 wurden erste Umbaupläne für den Bau aus den 80er-Jahren diskutiert. Bald zeigte sich, dass das Projekt aber grössere Dimensionen haben wird als ursprünglich gemeint. In das aktuelle Projekt sind die Opernhaus Zürich AG, die Baudirektion Kanton Zürich und die Fachstelle für Kultur des Kantons Zürich involviert.
Ein Bauvorhaben am grössten Platz der Schweiz und an so prominenter Lage bedarf besonders sorgfältiger Projektierung. Deshalb entschied man sich für ein partizipatives Vorgehen und im Sommer 2023 wurden mehrere Workshops mit den verschiedenen Stakeholdern durchgeführt. Nebst dem offensichtlichen Bedarf des Opernhauses nach 60 Prozent mehr Platz für Lager, Übungsräume und weitere Infrastrukturräume kamen an den Workshops viele weitere Anliegen auf.
Zum Beispiel: Der Neubau soll ein offenes Kulturgebäude mit einem Restaurant werden, in dem man auch den Künstlern begegnen könne; oder er soll eine Probebühne haben, wo Zuschauer Einblick hätten. Weiters wurde ein Kulturfoyer vorgeschlagen als Begegnungszone für die Öffentlichkeit. Auch eine Laborbühne für experimentelle Stücke wurde angeregt. Und wie könnte es anders sein an diesem Standort: eine Dachterrasse mit Blick auf den See – am liebsten gleich mit einer direkten Anbindung an den See über die Bellerive-Strasse hinweg. Dieser Wunsch dürfte jedoch kaum umsetzbar sein, für dieses Gebiet. Da die Zuständigkeiten dazu bei der Stadt und dem Kanton Zürich liegen. Die Zürcher Opernhaus AG möchte das Projekt aber auf dem ihr bereits gehörenden Land umzusetzen. Bei der Projektierung spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Aus Umweltschutzgründen soll so viel Bausubstanz als möglich des bisherigen Baus im Neubau integriert werden. Wenn alles ideal läuft sollte das Projekt 2032 umgesetzt sein.
Zur Finanzierung wird die «Stiftung Opernhaus Zürich» gegründet, so dass möglichst viele Mittel auch von privaten Gönnern einfliessen, nebst öffentlichen Geldern.
Nach den Ausführungen von Frau Turner «verdauten» die Teilnehmenden das Erlebte noch bei einem gemütlichen Umtrunk in der Café-Bar Bernadette bei angeregten Gesprächen.