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Der christliche Friedensdienst - cfd hat sich in einer umfassenden Studie mit dem Konzept des Empowerment (dt. Ermächtigung) von Frauen beschäftigt. Samuel Durrer befragte Patricia Barandun, Projektleiterin Gender und Friedensförderung im cfd, über die Ziele und Inhalte der Studie.
Patricia, welche Ziele wolltet ihr mit der Studie erreichen?
Am Anfang stand die Frage, ob unsere Projekte die Stellung der Frauen stärken. Helfen unsere Projekte mit, den Handlungsspielraum der beteiligten Frauen zu erweitern, erleichtern sie ihren Zugang zu Ressourcen tragen sie zur Aufarbeitung von gesellschaftlichen Konfliktsituationen bei?
Innerhalb des cfd war die Studie auch Ausdruck einer fach- und abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit. Wir wollten ein Projekt schaffen, an dem Leute, die in Auslandsprojekten, in Migrationsprojekten oder in der Friedensarbeit tätig sind, zusammenarbeiten können.
Ein weiteres Ziel war die Weitergabe der Resultate an migrations- und friedenspolitische PartnerInnen. Dieser Prozess ist zur Zeit im Gang; wir haben dazu auch verschiedene Veranstaltungen organisiert.
Welche Probleme standen im Vordergrund der Studie?
Wir gehen davon aus, dass Frauen vielfältige Beschränkungen in ihrem Leben erfahren: Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, mangelnde Ausbildung, fehlende oder diskriminierende Gesetzgebung und fehlender Zugang zu materiellen und immateriellen Ressourcen. Diese Begrenzungen drängen Frauen an den Rand, bis hin zur Marginalisierung und zum kompletten Ausschluss aus der Gesellschaft. Unser Ziel in der Projektarbeit ist es, mittels «Empowerment» zur Überwindung von Ausgrenzungsmechanismen beizutragen.
Auf dieser Grundlage entwickelten wir Schlüsselfragen für die Studie: «Sind individuelle und kollektive Empowerment-Massnahmen wirksam, um Diskriminierungen im Leben von Frauen sichtbar zu machen? Tragen sie dazu bei, dass Frauen mehr individuellen und gesamtgesellschaftlichen Einfluss erlangen?»
Auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene haben wir uns gefragt, ob Frauengruppen durch die Tatsache, dass sie sich als Gruppe organisieren, eine Vergrösserung ihrer politischen und sozialen Handlungsspielräume erreichen.
Wie seid ihr für die Studie vorgegangen?
Wir fragten unsere Partnerorganisationen in unseren Projektländern, was sie unter «Empowerment» verstehen und welche Empowerment-Strategien in ihren Projekten eingesetzt werden. Diese regionalen Berichte wurden jeweils durch Forscherinnen aus den betreffenden Ländern erstellt.
Uns interessierte vor allem die Wirkung von «Empowerment» in den drei Themenbereichen Gewalt, Sicherheit und Ressourcen. Diese drei Themenfelder sind aus unserem feministischen Friedensansatz abgeleitet. In unserem Verständnis braucht es für Frieden die Abwesenheit von Gewalt, Sicherheit für alle und den offenen Zugang zu Ressourcen.
Uns interessierte einerseits, was sich durch die Projekte individuell für die Frauen verändert. Andererseits fragten wir, was sich auf Grund von kollektiver Organisation von Frauengruppen im gesellschaftspolitischen Umfeld verändert. Wir haben in der Studie festgestellt, dass die individuelle und die kollektive Ebene nicht von einander getrennt werden können. Die beiden Prozesse beeinflussen sich gegenseitig. Es braucht individuelle Bewusstseinsbildungsprozesse und die Erweiterung der individuellen Ressourcenbasis, um kollektiv aktiv zu werden. Genauso beeinflusst eine Veränderung, die auf kollektiver Ebene erreicht wurde, die Möglichkeit, sein eigenes Leben unabhängig und selbstbestimmt zu gestalten. Die Empowerment-Prozesse auf verschiedenen Ebenen müssen gleichzeitig stattfinden.
Man muss also auf verschiedenen Ebenen tätig sein - genauso auf der familiären Ebene wie auf der politischen, die einen Einfluss auf die Gesetzgebung hat. Projektpakete müssen so geschnürt werden, dass die verschiednen Ebenen, einbezogen werden. Wir als cfd können nicht immer ein solches Idealpaket schnüren; wir achten aber darauf, uns mit denjenigen Akteuren zu vernetzten, die auf einer anderen Ebene im gleichen Problemfeld aktiv sind.
Kann man diese Ebenen überhaupt alle einbeziehen?
Natürlich sind wir nicht in jedem Gebiet auf all diesen Ebenen tätig. Doch es ist wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass es gleichzeitig individuelle und gesellschaftliche Veränderungen braucht.
Die gesellschaftlichen Veränderungen dürfen sich aber nicht nur auf Gesetze beschränken, sondern sollen auch Werthaltungen einschliessen. So gab es zum Beispiel in Marokko eine Reform des Familienrechtes, die Frauen besser stellt. Weil sich aber in der Gesellschaft die Werthaltung nicht veränderte, ist es gerade in ländlichen Gebieten schwierig, das Gesetz umzusetzen.
Was passiert nun mit der Studie?
Wir wollen einige Schlüssel-Erkenntnisse herausarbeiten, die wir verschiedenen Organisationen (zum Beispiel der DEZA, aber auch interessierten NGOs im migrations- und friedenspolitischen Bereich) vorstellen möchten.
Im cfd hat die Studie auch interne Diskussionen ausgelöst: Wir haben gemerkt, dass «Empowerment» in den Aussenprojekten nur dann funktioniert, wenn auch die eigenen Strukturen unserer Organisation selber mit einbezogen werden. Organisationen, so denken wir, die über keine demokratische Struktur verfügen, können auch kein glaubwürdiges «Empowerment» betreiben. Der cfd hat in der Folge seine eigenen Führungsstrukturen untersucht. Das Resulat war zufriedenstellend.
Patricia, vielen Dank für dieses anregende Gespräch.