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Gut Ding will Weile haben25.08.2020 - 13:15 | Veronica Gmünder
Im vergangenen Jahr wurde in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba ein neues Projekt lanciert mit der Partnerorganisation Ethiopian Center for Development. Die Geschäftsführerin Haregewein Ashenafi Betemariam erzählt, wie es zur Zusammenarbeit mit dem Kinderdorf Pestalozzi kam.
Haregewein, wie bist Du auf die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi aufmerksam geworden?
Die Stiftung wurde mir vor ungefähr fünf Jahren von einem Manager des Bildungsministeriums von Äthiopien empfohlen, woraufhin ich eure Länderverantwortliche, Mehret Tesfay, kontaktierte. Damals war nicht der richtige Zeitpunkt für eine Zusammenarbeit, wir blieben all die Jahre in Kontakt und ich bin umso glücklicher, dass wir nun mit einem Projekt in Addis Abeba starten konnten.
Worum geht es im Projekt?
Wir unterstützen acht Schulen in den Bezirken Yeka und Kolfe Keranio in Addis Abeba. Die Projektidee besteht darin, den Zugang zu Bildung zu verbessern. Es gibt zwar viele öffentliche Schulen in der Hauptstadt, aber die Qualität des Unterrichtes ist nicht gut. Die acht ausgewählten Schulen haben alle die gleichen Probleme: schlecht ausgebildete Lehrpersonen, kaum Schulmaterial, fehlende Schullabore und Bibliotheken sowie mangelhafte Wasserversorgungen. Einige Schulen haben keine geschlechtergetrennten Toiletten. Ausserdem sind wenig Spielplätze und Essensräume vorhanden. Diese Probleme werden wir angehen, wovon rund 23 000 Kinder profitieren.
Eine stattliche Zahl verglichen mit unseren Projekten in der Afar-Region. Woran liegt das?
Die Bevölkerung in der Hauptstadt Äthiopiens lebt in einem städtischen Umfeld mit teuren Mieten und hohen Lebenshaltungskosten, die durch hohe Fruchtbarkeits- und Migrationsraten noch verschärft werden. Trotz der hohen Lebenshaltungskosten leben rund 4,6 Mio. Menschen in Addis Abeba. Die Bevölkerung ist dem Entwicklungsprozess der Stadt ausgesetzt, erkennt dadurch die Wichtigkeit der Bildung für Kinder, um der Armut zu entkommen. In der Hauptstadt sind Eltern nicht auf die Hilfe der Kinder angewiesen wie in den ländlichen Gebieten. Sie sind auf Baustellen oder als Hilfsarbeiter tätig und froh, wenn die Kinder tagsüber versorgt sind.
Das bedeutet, sie unterstützen ihre Kinder?
Jein. Einerseits sind die Eltern dankbar, dass ihre Kinder die Schule besuchen können. Andererseits interessiert es sie wenig, was die Kinder dort lernen. Ausserdem fehlt ihnen die Zeit, ihre Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Uns ist wichtig, diese Aspekte mit dem Projekt zu verbessern.
Wie macht Ihr das?
Wir werden den sogenannten Eltern-, Lehrer- und Kinderverband ausbauen, um zu sensibilisieren. Weiter werden leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler mit freiwilligem Nachhilfeunterricht unterstützt. Es werden Schulvereine gegründet und Ratewettbewerbe stattfinden. So lernen Kinder auf eine spielerische Art und Weise.