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1. Überblick
Hodenkrebs ist zwar insgesamt eher selten, jedoch treten bösartige Hodentumoren gehäuft bei jungen Männern zwischen 20 und 40 Jahren auf. Dadurch ist Hodenkrebs bei Männern in diesem Alter die am häufigsten neu auftretende bösartige Tumorerkrankung.
Der Hodenkrebs entwickelt sich meistens aus den Keimzellen des Hodens, aus denen auch die Samenzellen (Spermien) hervorgehen. Die genauen Hodenkrebs-Ursachen sind noch ungeklärt. Zu den Risikofaktoren gehören eine erbliche Veranlagung und der Hodenhochstand (Maldescensus testis). Je nachdem, aus welchem Keimzelltyp der Hodentumor hervorgeht, handelt es sich um ein Seminom oder ein Nichtseminom. Diese Unterscheidung ist für die Therapie von Hodenkrebs wichtig.
Das wichtigste Anzeichen für Hodenkrebs ist eine schmerzlose, überwiegend einseitige Schwellung oder Verhärtung am Hoden, die langsam an Grösse zunimmt. Weitere mögliche Hodenkrebs-Symptome sind (je nach Tumortyp und Stadium):
- Schweregefühl im Hoden
- einseitiges Ziehen im Hoden oder in der Leiste
- Ansammlung wässriger Flüssigkeit um den Hoden (Hydrozele)
- Veränderungen am Hoden, die auf eine Entzündung hindeuten, aber durch Antibiotika nicht verschwinden
- Unfruchtbarkeit
- Abnahme des sexuellen Verlangens (Libido)
- ein- oder beidseitige Vergrösserung der männlichen Brust (sog. Gynäkomastie)
- ein- oder beidseitige Schmerzen in den Brustdrüsen
- bei Tochtergeschwulsten (Metastasen): Rückenschmerzen oder Atemnot
Zur Hodenkrebs-Behandlung stehen eine Operation, eine Chemotherapie und eine Strahlentherapie zur Verfügung. Die Wahl des Therapieverfahrens hängt in erster Linie von der Art und dem Stadium des Tumors ab.
Wenn es gelingt, einen Hodenkrebs rechtzeitig zu erkennen, besteht eine nahezu 100-prozentige Chance auf Heilung. Auch in späteren Stadien hat Hodenkrebs noch gute Heilungschancen; allerdings sind dann massivere Behandlungsmassnahmen nötig, die entsprechend mehr Nebenwirkungen haben. Darum ist es wichtig, seine Hoden regelmässig selbst zu untersuchen. Wenn sich dabei Veränderungen, die eventuell auf Hodenkrebs hindeuten, ertasten lassen oder andere mögliche Hodenkrebs-Anzeichen auftreten, ist ein Arztbesuch ratsam.
2. Definition
Hodenkrebs ist eine Krebserkrankung, die sich meistens (zu 90 Prozent) aus den Keimzellen des Hodens entwickelt. Aus diesen Zellen gehen auch die Samenzellen (Spermien) hervor. Man nennt bösartige Hodentumoren daher auch Keimzelltumoren.
Im Hoden kommen verschiedene Keimzelltypen vor. Je nachdem, in welchem Zelltyp der Hodenkrebs seinen Ursprung hat, handelt es sich per Definition um ein Seminom oder ein Nichtseminom: Seminome und Nichtseminome bilden bei Hodenkrebs die etwa gleich häufigen Hauptgruppen. Diese Unterscheidung ist wichtig im Hinblick auf die Hodenkrebs-Behandlung. Das Nichtseminom unterteilen Ärzte je nach Gewebe in weitere Unterformen. Ein Hodentumor kann auch als Mischform auftreten, die man dann wie ein Nichtseminom behandelt. Weitere, wesentlich seltenere Hodentumoren sind:
- Tumoren, die vom Stützgewebe des Hodens ausgehen,
- Lymphome des Hodens,
- Tochtergeschwulste (Metastasen) von anderen Tumoren u.v.m.
Anatomie des Hodens
Der Hoden ist ein männliches Geschlechtsorgan, dessen Anatomie paarig angelegt ist. Meistens ist nur einer der beiden Hoden von Hodenkrebs betroffen. Da beide Hoden Samenzellen (Spermien) sowie das männliche Sexualhormon Testosteron bilden, wirkt sich die Entfernung eines Hodens nicht unbedingt auf die Sexualität oder Zeugungsfähigkeit aus.
Beide Hoden haben in etwa die Grösse einer Walnuss und befinden sich im Hodensack. Der linke Hoden ist meist etwas grösser als der rechte. Zur Anatomie der Hoden gehört ein fein verzweigtes Netz von Kanälchen, über das die Spermien in den Nebenhoden gelangen. Der Nebenhoden bildet einen etwa fünf Zentimeter langen, vielfach gewundenen Gang, der den Hoden jeweils kappenartig aufsitzt. Hier sind die Spermien gespeichert und durchlaufen die letzten Reifungsphasen. Der Nebenhoden geht in die Samenleiter über und mündet über die Prostata in die Harnröhre. Bei einem Samenerguss (Ejakulation) ist den Spermien noch das Prostatasekret und das Sekret der Samenbläschen beigemischt, die der Prostata hinten seitlich anliegen.
Häufigkeit
Etwa 95 Prozent der Hodentumoren sind bösartig (maligne). Der Hodenkrebs ist aber ein recht seltener Tumor. Er macht nur etwa ein bis zwei Prozent aller Krebserkrankungen des Manns aus. Etwa 410 Männer in der Schweiz erkranken jährlich neu an Hodenkrebs. In den letzten Jahren hat die Zahl der Hodenkrebs-Fälle allerdings zugenommen. Dabei spielt auch die verbesserte und frühere Diagnose eine wichtige Rolle.
Die Hodenkrebs-Häufigkeit unterscheidet sich aber je nach Altersgruppe stark: Bösartige Hodentumoren treten überwiegend bei jungen Männern zwischen 20 und 40 Jahren auf, wodurch Hodenkrebs bei Männern in diesem Alter der häufigste bösartige Tumor ist. Dabei sind Seminome häufiger zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr zu beobachten, während Nichtseminome eher ein paar Jahre früher auftreten. Die Häufigkeit von Hodenkrebs schwankt ausserdem je nach Volkszugehörigkeit – afroamerikanische Männer sind seltener betroffen als Europäer.
3. Ursachen
Worin Hodenkrebs seine genauen Ursachen hat, ist noch ungeklärt. Es sind jedoch einige Risikofaktoren bekannt, die bei der Entstehung bösartiger Hodentumoren eine wesentliche Bedeutung haben:
- Hodenhochstand (Maldescensus testis)
- erbliche Faktoren
Ein erhöhtes Hodenkrebs-Risiko hat seine Ursachen in erster Linie im Hodenhochstand: Normalerweise wandern die Hoden ab dem zweiten Embryonalmonat aus der Bauchhöhle in den Hodensack. Diese Hodenwanderung ist im Allgemeinen mit dem ersten Lebensjahr abgeschlossen. Ist der Prozess gestört und verbleibt ein Hoden in einer Fehllage (Bauch, Leistengegend), spricht man von einem Hodenhochstand. Männer mit Hodenhochstand haben ein 1- bis zu 30-fach erhöhtes Risiko, einen Hodenkrebs zu entwickeln. Korrigiert man den Hodenhochstand frühzeitig in einer Operation, sinkt dieses Risiko – gegenüber der Normalbevölkerung ist es jedoch weiterhin erhöht.
Bei Männern, die bereits auf einer Seite Hodenkrebs hatten, ist das Risiko höher, auch auf der Gegenseite einen Hodenkrebs zu entwickeln. Diese Tatsache sowie die Tatsache, dass Hodenkrebs in manchen Familien gehäuft auftritt, weist darauf hin, dass unter den Ursachen für Hodenkrebs erbliche Faktoren eine Rolle spielen.
4. Symptome
Bei Hodenkrebs bestehen die wichtigsten Symptome meistens darin, dass sich am Hoden eine schmerzlose, überwiegend einseitige Schwellung oder Verhärtung bildet, die langsam grösser wird. Meistens sind es die betroffenen Männer selbst oder deren Partner(innen), die den Hodenkrebs als derben Knoten im Hodensack als Erste ertasten.
Weitere mögliche Hodenkrebs-Anzeichen sind ein Schweregefühl im Hoden oder Schmerzen, die sich zum Beispiel als einseitiges Ziehen im Hoden oder in der Leiste bemerkbar machen, oder eine Ansammlung wässriger Flüssigkeit um den Hoden (sog. Hydrozele). Zudem können durch den Hodentumor Veränderungen am Hoden entstehen, die zunächst auf eine Entzündung schliessen lassen, wobei die Symptome aber durch eine Antibiotika-Behandlung nicht verschwinden. Ein hormonaktiver Hodenkrebs kann durch die Hormonproduktion zusätzlich folgende Symptome auslösen:
- Unfruchtbarkeit
- Abnahme des sexuellen Verlangens (Libido)
- ein- oder beidseitige Vergrösserung der männlichen Brust (sog. Gynäkomastie)
- ein- oder beidseitige Schmerzen in den Brustdrüsen
Bei fortgeschrittenem Hodenkrebs können durch die Tochtergeschwulste (Metastasen) weitere Symptome entstehen: Dann kann es bei Hodenkrebs je nach Absiedlungsort zum Beispiel zu Rückenschmerzen oder Atemnot kommen.
5. Diagnose
Bei Hodenkrebs erfolgt die erste Diagnose durch eine körperliche Untersuchung, eine Ultraschalluntersuchung der Hoden (Hodensonographie) und eine Blutuntersuchung. Der erste Verdacht auf Hodenkrebs ergibt sich meist anhand der Symptome (wie Schwellung, Schweregefühl oder Schmerzen im Hoden) und bei entsprechenden Risikofaktoren (wie Hodenhochstand, Tumor in der Familie usw.).
Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt den Hoden ab und durchleuchtet den Hodensack mit einer Lichtquelle (sog. Diaphanoskopie), um Knoten oder Verhärtungen aufzuspüren. Im Ultraschall kann der Arzt solche Knoten bildlich darstellen. Die Blutuntersuchung liefert Hinweise auf den Allgemeinzustand und die Funktion einzelner Organe. Darüber hinaus finden sich bei Hodenkrebs oft Tumormarker im Blut: Dies sind Eiweisse, die eine Aussage über das Vorliegen, den Verlauf und die Prognose einer Krebserkrankung ermöglichen.
Wenn sich der Verdacht auf Hodenkrebs durch die Ergebnisse dieser ersten Untersuchungen verstärkt, besteht der nächste Schritt darin, den Hoden in einer Operation freizulegen: Dann ist meistens mit blossem Auge zu erkennen, ob ein bösartiger Hodentumor vorliegt oder nicht. Allerdings ist es in manchen Fällen für die endgültige Hodenkrebs-Diagnose nötig, eine Gewebeprobe aus dem Hoden zu entnehmen und unter dem Mikroskop zu untersuchen (sog. Biopsie).
Wenn die Hodenkrebs-Diagnose feststeht, ist zu prüfen, ob und wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat: Tochtergeschwulste (Metastasen) entstehen bei Hodenkrebs häufiger auf dem Lymph- als auf dem Blutweg. Dabei sind meist die Lymphknoten entlang der großen Gefässe, der Hauptschlagader (Aorta) und der unteren Hohlvene (Vena cava) in Höhe des elften Brustwirbelkörpers bis zur Unterkante des vierten Lendenwirbelkörpers betroffen. Auf dem Blutweg können Metastasen in Lunge, Knochen und Gehirn gelangen.
Um festzustellen, ob Lymphknoten befallen sind oder ob der Hodenkrebs Metastasen in anderen Organen gebildet hat, kommen zur abschliessenden Diagnose bildgebende Untersuchungen zum Einsatz: Neben der Ultraschalluntersuchung stehen hierbei die Röntgenuntersuchung der Lunge, die Computertomographie (CT) von Lunge und Bauchhöhle oder bei Kontrastmittelallergie die Magnetresonanztomographie (MRT) zur Auswahl.
Stadieneinteilung
Je nach Ausbreitung der Krebserkrankung werden verschiedene Stadien unterschieden, die für die Wahl der Therapieverfahren sowie für die Prognose der Erkrankung von Bedeutung sind. Maligne (bösartige) Hodentumoren kann man in folgende Stadien unterteilen:
|Stadium||Befund|
|I||Tumor auf den Hoden beschränkt|
|II||Lymphknotenmetastasen im Retroperitoneum, also entlang der grossen Gefässe (Hauptschlagader und untere Hohlvene)|
|II A||Einzelne, < 2 cm grosse Lymphknotenmetastasen|
|II B||2-5 cm grosse Lymphknotenmetastasen|
|II C||> 5 cm grosse Lymphknotenmetastasen|
|III||

Lymphknotenmetastasen oberhalb des Zwerchfells, also im Brustkorb, oder Fernmetastasen, z.B. in der Lunge
Daneben gelten für viele Krebsarten und auch für den Hodenkrebs noch andere Einteilungen. Eine weitere Stadieneinteilung ist zum Beispiel die sogenannte TNM-Klassifikation:
- T steht für die Ausbreitung des Tumors im Hoden,
- N für die Beurteilung der Lymphknoten (lat.: nodi),
- M für Organmetastasen.
Klassifiziert der Arzt den Hodenkrebs bei der Diagnose beispielsweise als «T1 N0 M0», dann bedeutet dies: Der Hodentumor ist klein und auf Hoden und Nebenhoden begrenzt, ohne dabei schon Blutgefässe, Lymphgefässe (T1) und Lymphknoten (N0) oder andere Organe (M0) befallen zu haben.
6. Therapie
Für die Hodenkrebs-Therapie stehen verschiedene Massnahmen zur Verfügung: Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie und die sogenannte Überwachungsstrategie. Welche Therapieverfahren gegen Ihren Hodentumor zum Einsatz kommen, hängt in erster Linie vom Tumorstadium ab. Die Hodenkrebs-Behandlung beginnt jedoch praktisch immer damit, den betroffenen Hoden operativ zu entfernen (sog. Orchiektomie):
Diese Operation erfolgt über einen Zugang von der Leiste. Der Operateur entfernt den vom Hodenkrebs betroffenen Hoden vollständig mitsamt Nebenhoden und Samenstrang. Außerdem entnimmt er aus dem Hoden der Gegenseite eine Gewebeprobe, um einen beidseitigen Befall auszuschlissen. Anhand des entnommenen Gewebes ist es möglich, den Zelltyp zu bestimmen, von dem der Hodenkrebs ausgegangen ist: Je nach Ursprung des Tumors unterscheidet man bei Hodenkrebs Seminome und Nichtseminome. Welchen Tumortyp Sie haben, ist für Ihre weitere Behandlung und für die Prognose von entscheidender Bedeutung.
Bevor im Anschluss an die Hodenkrebs-Operation eine zusätzliche Behandlung (sog. adjuvante Therapie) beginnt, muss ausserdem feststehen, ob und wie weit sich der Hodenkrebs ausgebreitet hat (d.h. ob und wo sich Lymphknoten- und Fernmetastasen gebildet haben).
Nach der Operation können Sie sich Silikon-Hodenprothesen in den Hodensack einfügen lassen, sodass Ihre Genitalregion im unbekleideten Zustand oder in einer Badehose völlig unverändert aussieht. Auswirkungen auf die Sexualität oder Zeugungsfähigkeit sind durch die Entfernung eines einzelnen Hodens nicht zu erwarten: Der andere Hoden funktioniert auch nach der operativen Hodenkrebs-Behandlung und bildet beispielsweise weiterhin das Geschlechtshormon Testosteron in ausreichender Menge. Allerdings ist in etwa der Hälfte aller Fälle die Samenbildung auch bei dem gesunden Hoden nach einer einseitigen Orchiektomie eingeschränkt.
Seminom-Therapie
Wenn Sie einen Hodenkrebs vom Typ «Seminom» haben, kann die zusätzliche (adjuvante) Therapie nach der Entfernung des befallenen Hodens (Orchiektomie) in einer Strahlentherapie, einer Chemotherapie oder einer sogenannten Überwachungsstrategie bestehen. Die genaue Seminom-Therapie hängt von dem Erkrankungsstadium ab.
Überwachungsstrategie: Hat sich der Hodenkrebs mit hoher Wahrscheinlichkeit (noch) nicht über den Hoden hinaus ausgebreitet, besteht die Möglichkeit, mit der weiteren Hodenkrebs-Behandlung abzuwarten, wobei Sie sich regelmässig und kurzfristig Kontrollen unterziehen: Zweck dieser Überwachungsstrategie ist es, einen Hodenkrebs-Rückfall (Rezidiv) oder Tochtergeschwulste (Metastasen) rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Heilungschancen sind hierbei gegenüber der adjuvanten Seminom-Therapie nicht verschlechtert. Allerdings ist die psychische Belastung angesichts einer Rezidivrate von fast 20 Prozent nicht unerheblich.
Strahlentherapie: Zur adjuvanten Seminom-Therapie bietet sich im frühen Stadium von Hodenkrebs, wenn das Seminom auf den Hoden beschränkt ist (= Stadium I), eine Strahlenbehandlung an: Hierbei bestrahlt man die Lymphabflusswege entlang der grossen Gefässe zwischen dem 11. Brustwirbelkörper und dem 4. Lendenwirbelkörper sowie entlang der Beckengefässe auf der betroffenen Seite. Das Ziel besteht darin, alle eventuell oder tatsächlich vorhandenen Hodenkrebs-Metastasen im Bauchraum zu vernichten beziehungsweise den Hodentumor an der Ausbreitung zu hindern. Die erforderliche Gesamtdosis der Strahlen ist verhältnismäßig niedrig und mit wenig unerwünschten Wirkungen verbunden. Allerdings können nach Jahren bis Jahrzehnten bösartige Zweittumoren auftreten.
Chemotherapie: Wenn der Hodenkrebs auf den Hoden beschränkt ist, steht zur adjuvanten Seminom-Therapie alternativ eine platinhaltige Chemotherapie zur Auswahl, die sonst als Polychemotherapie (d.h. als Kombination mehrerer Tumormedikamente) für die höheren Stadien (ab Stadium IIC, d.h. ab Lymphknotenmetastasen > 5 cm) vorgesehen ist. In den fortgeschrittenen Stadien (IIA und B, d.h. bei max. 5 cm grossen Lymphknotenmetastasen) kommt die adjuvante Strahlentherapie der Lymphabflusswege, ab Stadium IIC die Polychemo zum Einsatz. Letztere richtet sich nach bestimmten Schemata (z.B. PEB-Schema mit Platin bzw. Cisplatin, Etoposid und Bleomycin).
Therapie bei Nicht-Seminom
Wenn Ihr Hodenkrebs vom Typ «Nichtseminom» ist, kann als weitere Behandlung nach der Entfernung des befallenen Hodens (Orchiektomie) je nach Erkrankungsstadium – wie beim Seminom – eine Chemotherapie oder eine Überwachungsstrategie erfolgen. Die Therapie beim Nichtseminom unterscheidet sich von der Seminom-Therapie vor allem hinsichtlich der Bedeutung der Strahlenbehandlung: Nichtseminome sind nicht beziehungsweise kaum strahlenempfindlich, daher spielt die Bestrahlung hierbei nur eine untergeordnete Rolle.
Bei einem Nichtseminom im Stadium I (d.h. bei einem auf den Hoden begrenzten Hodenkrebs) besteht ein etwa 30-prozentiges Risiko, dass sich im hinteren Bauchraum kleinste Lymphknotenmetastasen bilden. Um dies zu verhindern, kann man die entsprechenden Lymphknoten in einer Operation entfernen. Diese sogenannte retroperitoneale Lymphadenektomie kann auch dann zur Therapie beim Nichtseminom im höheren Stadium sinnvoll sein, wenn schon Lymphknotenmetastasen im hinteren Bauchraum vorhanden sind (solange diese nicht grösser als 2 cm sind). Der Eingriff erfolgt in einer speziellen Operationstechnik, um die im Operationsgebiet liegenden und für den Samenerguss wichtigen Nervenfasern möglichst nicht zu verletzen, denn: Eine solche Verletzung könnte dazu führen, dass dauerhaft kein normaler Samenerguss mehr möglich ist.
Alternativ kann man beim Nichtseminom im Stadium I nach der Hodenentfernung unter engmaschiger Kontrolle mit der weiteren Hodenkrebs-Behandlung abwarten – vorausgesetzt, dass noch keine Tumorzellen in die Hodengefässe eingedrungen sind. Des Weiteren bietet sich als vorbeugende Therapie beim Nichtseminom eine Chemotherapie an.
Sobald sich der Hodenkrebs auf Blutgefässe, Lymphknoten und/oder andere Organe ausgebreitet hat, ist die Chemotherapie unbedingt zu empfehlen: Durch sie gelingt es in der Regel, Lymphknoten- und Organmetastasen zu vernichten. Bei ausgeprägtem Krebsbefall (d.h. bei > 5 cm grossen Lymphknotenmetastasen oder bei Organmetastasen) kommt die Chemotherapie als erste Behandlungsmassnahme zum Einsatz; danach folgt mitunter eine Operation, um Tumorreste zu entfernen. Je intensiver die Chemotherapie ist, umso grösser sind auch die Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit, Abnahme an weissen Blutkörperchen oder Nierenschäden.
7. Verlauf
Ein behandelter Hodenkrebs nimmt ist in der Regel einen günstigen Verlauf – vor allem dann, wenn es gelungen ist, den Hodenkrebs rechtzeitig zu erkennen: Hodenkrebs gehört zu den Krebserkrankungen mit einer guten bis sehr guten Prognose. Im Frühstadium, wenn die Krebserkrankung noch auf den Hoden begrenzt ist, gelingt fast immer (zu 98 Prozent) eine vollständige Heilung. Und selbst wenn sich schon Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet haben, hat der Hodenkrebs gute Heilungschancen: Die Mehrzahl der betroffenen Männer (bis zu 70 Prozent) wird wieder gesund und kann normal weiterleben. Allerdings macht ein fortgeschrittener Hodenkrebs eine massivere Behandlung notwendig, was entsprechend mehr Nebenwirkungen zur Folge hat.
Zu den möglichen Folgen einer Hodenkrebs-Behandlung gehören eine beeinträchtigte Samenproduktion und ein gestörter Samenausstoss (Ejakulation), was zu einer Unfruchtbarkeit führt. In der Regel beeinflussen aber weder die Chemotherapie und Strahlentherapie noch eine operative Lymphknotenentfernung die Sexualität und Potenz der Betroffenen. Dies gilt selbst für den seltenen Fall, dass sich im weiteren Verlauf von Hodenkrebs auch auf der Gegenseite ein Hodentumor bildet:
In der Gewebeprobe, die man routinemässig bei der Entfernung eines von Hodenkrebs betroffenen Hodens aus dem anderen Hoden entnimmt, findet sich in etwa fünf Prozent der Fälle eine Hodenkrebs-Vorstufe (sog. Testikuläre Intraepitheliale Neoplasie, TIN). In diesen Fällen erfolgt eine Bestrahlung des verbliebenen Hodens, in deren Verlauf allerdings die Keimzellen verschwinden – es bilden sich also keine Samenzellen mehr und der Mann ist unfruchtbar. Da die für die Bildung des Geschlechtshormons Testosteron verantwortlichen Zellen widerstandsfähiger sind, ist eine Hormonersatztherapie in der Regel nicht notwendig. Auch das Sexualleben ist nicht beeinträchtigt.
8. Vorbeugen
Einem Hodenkrebs können Sie nicht sicher vorbeugen. Die Heilungschancen sind jedoch gut – und zwar umso besser, je früher man den Krebs entdeckt und behandelt. Daher ist jedem Mann die Selbstuntersuchung zur frühen Hodenkrebs-Erkennung zu empfehlen. Das bedeutet: Untersuchen Sie regelmässig (z.B. alle 4 Wochen) Ihre Hoden, um Veränderungen, die möglicherweise Hodenkrebs-Anzeichen sind, früh genug zu erkennen. Nehmen Sie dazu eine entspannte Stellung ein, halten Sie den Hodensack mit beiden Handflächen und tasten Sie mit Daumen und Finger den Hoden im Hodensack nach eventuellen Knoten ab. Achten Sie auch auf die Grösse und das Gewicht der Hoden. Die regelmässige Selbstuntersuchung ist vor allem für Männer wichtig, deren Hodenkrebs-Risiko erhöht ist (z.B. weil sie einen Hodenhochstand) haben.
Eine Hodenkrebs-Behandlung kann unter Umständen unfruchtbar machen. Ob dies so ist, zeigt eine Spermauntersuchung (sog. Spermiogramm). Wenn man bei Ihnen Hodenkrebs feststellt, können Sie dem Risiko einer behandlungsbedingten Unfruchtbarkeit vorbeugen, indem Sie rechtzeitig vor der Therapie Samen in einer Samenbank einlagern lassen: Die im tiefgefrorenen Zustand eingelagerten Samenzellen kann man bei späterem Kinderwunsch wieder auftauen und zur künstlichen Befruchtung verwenden. Weil sich durch die Hodenkrebs-Behandlung das Risiko für Fehlgeburten erhöhen kann, ist es während der Behandlung sowie ein weiteres Jahr danach ausserdem ratsam, beim Geschlechtsverkehr zu verhüten. Bei fortbestehendem Kinderwunsch sind frühestens ein Jahr, nachdem die Behandlung abgeschlossen wurde, erneute Untersuchungen der Spermien sinnvoll.