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In Alaska, dem noch weitgehend unberührten 49. Bundesstaat der USA, finden sich die höchsten Berge Nordamerikas, mächtige Gletscher, Tausende von Seen und Flüssen und riesige unbewohnte Tundra-Gebiete. Aber auch gewaltige Vorräte an Öl – deshalb die Trans-Alaska-Pipeline – und viele zum Teil seltene Erze.
Im Frühjahr 1968 entdeckte die Erdölgesellschaft Atlantic Richfield Corporation 200 Kilometer nördlich des Polarkreises in der Prudhoe Bay das grösste Erdölvorkommen des nordamerikanischen Kontinents: Auf bis zu 25 Milliarden Barrel, entsprechend ca. 3.9 Milliarden m³ wurde der Fund veranschlagt. Diese Entdeckung leitete die Ölförderung und die bis heute anhaltende wirtschaftliche Entwicklung von Alaska ein.
Während die eigentliche Erdölgewinnung auch in der arktischen Region technisch zu beherrschen war stellte der Abtransport des Rohöls die Ingenieure vor erhebliche Probleme. Der bevorzugte Transport des Erdöls mit Tankern durch die Nordwest-Passage und weiter an die Ostküste der USA erwies sich nach eingehender Prüfung als nicht durchführbar. So blieb als einzige machbare Lösung nur der Landweg mit dem Bau der Trans-Alaska-Pipeline quer durch das Land. Von der Prudhoe Bay im Norden zum ganzjährig eisfreien Hafen Valdez im Süden am Prince William Sound, einer Bucht des Golfs von Alaska.
Die Trans-Alaska-Pipeline, deren Rohrdurchmesser 1.22 Meter beträgt, wurde zwischen dem 27. März 1975 und dem 31. Mai 1977 für insgesamt 8 Milliarden US-Dollar gebaut. Die 1288 Kilometer Entfernung von Prudhoe Bay nach Valdez stellten einzigartige Herausforderungen. Arktisches Klima und die rauhe Umgebung forderten ihren Tribut: Drei Gebirgsketten mit einer maximalen Höhe von bis zu 1444 Meter über Meer waren zu überwinden, 34 Ströme, Flüsse und nahezu 500 Bäche waren zu überqueren. 13 Brückenbauwerke, darunter die 700 m lange Yukon-Brücke, waren zu erstellen. Dazu noch 44 Strassenbrücken. Entlang der Pipeline herrschen dabei jahreszeitlich unterschiedliche Temperaturen von -62 bis 35 °C.
Zudem zwang der tauanfällige Permafrostboden die Ingenieure die Pipeline über die Hälfte der Strecke auf speziellen, 1.5 bis 4.5 Meter hohen, Stelzen mit Kühlrippen zur passiven Wärmeableitung zu bauen. Sonst hätte die Pipeline durch die Temperatur des in ihr fliessenden, bei der Einspeisung bis zu 44 °C warmen, Erdöls den Boden aufgetaut. Die Konstruktion wäre so instabil geworden und im Boden eingesunken. Für diese Lösung wurden 78 000 vertikale Supportelemente erstellt. Die Pipeline wurde auch im Hinblick auf mögliche Erdbeben gebaut: Um dem Stahlrohr genügend Bewegungsfreiheit zu geben und um die temperaturbedingte Dehnung der Rohre auszugleichen, wurde die Trans-Alaska-Pipeline in einer Zick-Zack-Linie verlegt und lose auf die Stelzen aufgelegt, sodass sie sich bewegen kann. Allerdings ist sie gegen Waldbrände oder vorsätzliche Angriffe nicht geschützt.
Der Rest der Pipeline wurde im Boden verlegt. In Bereichen mit Permafrostboden, in denen die Trans-Alaska-Pipeline wegen Strassen oder Lawinenhängen unterirdisch geführt wurde liegt sie in speziell erstellten, gekühlten und isolierten Kanälen. An anderen Stellen wurde sie je nach Beschaffenheit des Bodens in konventionellen Gräben oder in isolierten aber ungekühlten Kanälen verlegt.
Die Rohrverlegung der Trans-Alaska-Pipeline erfolgte in sechs Baulosen mit fünf verschiedenen Unternehmen. Deren Bau beschäftige zeitweilig weit über 20 000 Menschen mit einem Spitzenwert von 28 072 im Oktober 1975; leider starben bei Unfällen 32 Bauarbeiter. Am 20. Juni 1977 floss zum ersten Mal Erdöl durch die Pipeline. Es benötigt bei einer Fliessgeschwindigkeit von circa 6 km pro Stunde etwa neun Tage von der ersten Pumpstation an der Prudhoe Bay bis zum Ölterminal im Hafen von Valdez. Seitdem sind laut Wikipedia über 13 Milliarden Barrel (2,1 Milliarden m³) durch die Trans-Alaska-Pipeline geflossen, mit einem Spitzenwert von 2,1 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 1988. Mit dem Öl wurden an den Terminals von Valdez mehr als 16.000 Tanker beladen.
Ein solch komplexes Bauwerk bedarf naturgemäss dauernder Wartung. Täglich wird die ganze Trans-Alaska-Pipeline mehrmals durch Flugzeuge aus der Luft überprüft. Die Inspektionsbasen sind geographisch so angelegt dass eine komplette Überprüfung in nur zwei Stunden erfolgen kann. Zur Wartung werden sogenannte «Pigs», elektronische Mess- und Analysegeräte, durch die Röhre geschickt. Sie können am Anfang der Pipeline bei der Pumpstation eins und bei vier eingesetzt und am Ende wieder entnommen werden. Sie halten die Pipeline sauber und verbessern so das Fliessverhalten bzw. reduzieren den Fliesswiderstand. «Deformation-Pigs» kontrollieren die Pipeline auf Deformationen. Ein weiterer Typ sucht mit Ultraschall und magnetischen Verfahren nach Roststellen. «Curvature-Pigs» schliesslich messen die Krümmung der Pipeline und melden zu enge Kurvenradien, die durch Materialdehnung oder Erdbeben entstanden sind.
Wir sahen die Trans-Alaska-Pipeline erstmals in der Nähe von Fairbanks und folgten ihr dann mit Unterbrüchen während rund 400 Kilometern bis nach Glenallen. Bei Big Delta, am Zusammenfluss des Delta River mit dem Tanana River rasteten wir bei der «Tanana River Bridge» für eine halbe Stunde unter der Trans-Alaska-Pipeline und nahmen eine kleine Zwischenmahlzeit ein.
Hier überquert sie den Delta River. Eine kühne Konstruktion, zwischen zwei Trage-Pylonen aufgehängt, hält das dicke Stahlrohr bei «Big Delta» auf Abstand zum Wasser. Auf der Weiterfahrt passierten wir «Delta Junction»; hier beginnt der legendäre Alaska Highway nach Tok und ins Yukon Territory in Kanada. Wir blieben aber auf dem Richardson Highway Richtung Süden und hielten noch mehrfach an um Fotoaufnahmen dieser bravourösen Ingenieurs-Leistung zu machen.
Alle Aufnahmen mit Fuji X-Pro2 und den Objektiven XF 16-55 mm und XF 100-400 mm.
Quellen:
Wikipedia: Trans-Alaska Pipeline System
Für Interessierte: Alaska Pipeline, FACTS – a collection of facts compiled over the duration of the operation of the Trans Alaska Pipeline System, by Alyeska Pipeline Service company. 2016