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15. Juni – 31. Dezember 2006
1993 wurde anlässlich eines in St. Petersburg abgehaltenen wissenschaftlichen Kongresses unter der Schirmherrschaft der Europäischen Gemeinschaft zwischen der Eremitage in St. Petersburg und dem Musée cantonal d’archéologie de Neuchâtel, aus dem 2001 das Laténium hervorging, eine Partnerschaft geschlossen. Das Heilige Russland akzeptierte so, sich für ein paar Monate von einigen seiner grössten archäologischen Schätze zu trennen.
Die Ausstellung Schätze aus den Steppen wurde um eine turkmenische Jurte – ein rundes Zelt, das auf die drei Jahrtausend alte nomadische Siedlungsweise zurückgeht – aufgebaut. Darum herum reihten sich verschiedene thematische Stationen. Die erste Station bestand aus einem Lagerplatz von paläolithischen Jägern aus Mal’ta, einem 80 km von Irkutsk entfernten Ort in Ostsibirien. Um 20’000 v. Chr. standen auf einer Flussterrasse der Belaja Hütten, deren Strukturen zum Teil erhalten bleiben: Steinkreise, die den Wohnbereich umgrenzten, Feuerstellen, Abfallbereiche. Neben Steinwerkzeugen wurden in Mal’ta auch Elfenbeinfigürchen gefunden: Vögel im Flug und Frauenfigürchen, auf denen manchmal die Darstellung von Haare und Bekleidung angedeutet wurde. Die Kunst der «paläolithischen Venusfiguren» erstreckt sich vom Atlantik bis zum Ural, wie eine Vorankündigung des zukünftigen Europa.
Der Besucher verliess dann die Lössregion – gelber Steppenstaub, der vom Wind in mehreren Metern Mächtigkeit am Rand des quartären Eisschildes abgelagert wurde – um in die Region der Wälder, Sümpfe und Moore geführt zu werden, wo zahlreiche Holzbauten gefunden wurden, die unweigerlich an die Pfahlbaudörfer des Schweizer Neolithikums erinnern. In Russland sind zwischen dem 6. und 3. Jahrtausend v. Chr. sowohl Alltagsgegenstände als auch besondere Objekte häufig mit geschnitzten oder eingravierten Tierdarstellungen versehen, die auch Anhänger zieren.
Diese lebendige und überraschende Kunst wird durch zehntausende Tiergravuren vervollständigt, die auf den von den Gletschern polierten Felsen entlang der Täler der Lena, des Jenissei, des Tom-Flusses (Südsibirien) entdeckt wurden ; man findet sie auch in Usbekistan, Kasachstan, sowie an den Ufern des Baikal- und Onega-Sees. Selbst wenn der Übergang von einer Beute machenden Lebensweise– Jagd, Fischfang, Sammeln– zu einer zunehmend von Viehzucht und Ackerbau geprägten Lebensweise festgestellt werden kann, so ist die Datierung solcher Fundensembles oft nicht gesichert, da das Schamanentum in diesen Regionen bis heute lebendig geblieben ist.
Wehen wir hier das Auftreten von Sonnenkulten in der Bronzezeit hervor: Der grosse Kurgan von Maikop in Georgien im Nordkaukasus datiert an den Beginn der Kupfermetallurgie um 2500 v. Chr. Diese 11 Meter hohe Grabstätte wurde 1897 ausgegraben und enthielt mehrere Leichname sowie Grabbeigaben, die einen wahrhaftigen Schatz darstellen. Das Latinum bot die Gelegenheit, Verzierungen aus Gold in Löwen- und Stierform, ein mit Tiergravuren verziertes Gefäss aus Silber, sowie einen Stier aus massivem Gold zu bestaunen, dessen Anmut und Kraft an die schönsten Werke der mesopotamischen Kunst heranreichen.
Auf diesen Grundlagen entfaltete sich die skythische Kunst. In ihr lassen sich Themen und Stile erkennen, die aus dem Mittleren Orient und sogar aus China stammen. An den Ufern des Schwarzen Meers entwickelten sich Kontakte mit den griechischen Kolonien: Herodot, «der Vater der Geschichte», liefert dazu einen genauen und pittoresken Zeugenbericht. Zwischen dem 5. und 3. Jh v. Chr. quollen buchstäblich Raubkatzenfigürchen, Greifvögelköpfe, Hirsche und Saiga-Antilopen aus den Gräbern hervor: sie schmücken Goldplatten oder stellen Zierstücke dar. Diese bereicherten in Anschluss die Sammlungen, die den Kunstgeschmack des jungen Zaren Peter des Grossen bilden sollten.