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Wissenschaftlicher Name: Astragalus membranaceus
Familie der: Schmetterlingsblütler/Faboideae
Astragalus, auch Tragant genannt, ist eine adaptogene Pflanze und wird seit Jahrhunderten in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Adaptogene erhöhen die Anpassungsfähigkeit bei Stress und begrenzen die hierdurch möglichen Schäden. Astragalus unterstützt die Funktion des Immunsystems, indem er es bei Bedarf beruhigt oder aktiviert.
Die Wurzel der Pflanze hat eine lange Geschichte in der medizinischen Verwendung als Tonikum (Stärkungsmittel), um Stoffwechsel, Ausdauer, Kraft und Vitalität zu stimulieren. Die Wurzeln werden getrocknet und in Scheiben geschnitten, danach werden sie für längere Zeit in Wasser gekocht, um einen starken Extrakt zu erhalten. Astragalus ist als Nahrungsergänzungsmittel in verschiedenen Formen erhältlich, wie Kapseln, Tabletten, Tinkturen, als Salbe für die lokale Anwendung und in injizierbarer Form für den Einsatz im klinischen Bereich.
Als Adaptogen unterstützt Astragalus die Widerstandskraft in Stresssituationen. Es fördert die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und bringt den Körper wieder ins Gleichgewicht. Darüber hinaus wirkt es antibakteriell und antiviral und unterstützt die Funktion von Gedächtnis, Herz, Leber, Nieren und Verdauung. Die wichtigsten Wirkstoffe sind: Saponine (u. a. verschiedene Astragaloside), Polysaccharide (u. a. Astragaloglucane) und Flavonoide (u. a. Isoflavone).
Die Inhaltsstoffe des Astragalus, die für seine gesundheitsfördernde Wirkung verantwortlich gemacht werden, sind Polysaccharide, Saponine und Flavonoide. Insgesamt enthält Astragalus mehr als 100 bioaktive Verbindungen, darunter, neben den oben genannten, auch Aminosäuren, Glucuronsäure, Cholin und Spurenelemente [1,2].
Polysaccharide
Polysaccharide sind Biomakromoleküle, die aus zehn oder mehr Monosacchariden bestehen, deren Struktur und Zuckerzusammensetzung variieren. Die Polysaccharide gehören zu den funktionellen Bestandteilen in Astragalus. Ihre wichtigste Funktion ist die Immunregulation. Die Wirkungen von Astragalus auf das Immunsystem wurden oft in In-vitro- und Tierversuchen untersucht. Die Ergebnisse dieser Studien zeigen, dass Astragalus sowohl die humorale als auch die zelluläre Immunantwort stimuliert und somit einen Schutz vor Krankheitserregern wie Viren und Bakterien bietet. Die Polysaccharide erhöhen die Menge der T-Zellen und deren Aktivität und regulieren die Expression von Zytokinen. Sie erhöhen auch die Aktivität von natürlichen Killerzellen (NK) und aktivieren Makrophagen über die Toll-like-Rezeptoren (TLRs). Darüber hinaus könnten Polysaccharide über ihre Wirkung auf das Immunsystem antiproliferative Effekte auf Tumorzellen haben. Außerdem haben die Polysaccharide u. a. eine antioxidative, antidiabetische, leberschützende, entzündungshemmende und neuroprotektive Wirkung [3].
Saponine
Saponine sind organische Verbindungen, die neben vielen anderen Funktionen auch eine wichtige immunregulierende Rolle haben. Astragalosid IV, das häufigste Saponin in Astragalus, unterstützt zum Beispiel auch die Herz- und Leberfunktion. Die Herzfunktion wird durch die calciumregulierende Wirkung unterstützt, was die Apoptose (Zelltod) hemmt und Herzmuskelschäden verhindern kann. Astragalosid IV hat auch eine hepatoprotektive Wirkung. Es wirkt doppelt in der Leber. Die immunregulierende Wirkung schützt vor immuninduzierten Leberschäden und die antivirale Wirkung bietet u. a. Schutz vor dem Hepatitis-B-Virus [4].
Einige Saponine haben ähnliche Strukturen wie Steroidhormone. Astragalus-Extrakte stimulieren Östrogenrezeptoren und haben daher eine phytoöstrogene Wirkung. Die Wirkung wird jedoch nicht allein den Saponinen zugeschrieben; auch andere Phytonährstoffe, die in einem Astragalus-Extrakt enthalten sind, können eine östrogene Wirkung haben [5].
Flavonoide
Flavonoide sind Pigmente, die von Natur aus in Pflanzen vorkommen. Sie sind für die Farbe in Pflanzen, Gemüse und Obst verantwortlich. Flavonoide sind eine Kategorie von Phytonährstoffen, die zu den Polyphenolen gehören.Die meisten Flavonoide wirken als Antioxidans und fangen freie Radikale, um diese unschädlich zu machen und helfen so effektiv dabei, Zellschäden zu verhindern [6–8]. Neben ihren antioxidativen Eigenschaften haben Flavonoide auch andere biologische Eigenschaften, wie z. B. ihre Wirkung als Phytoöstrogene [5].
Die Pflanze Astragalus ist in gemäßigten und trockenen Klimazonen weit verbreitet. Für die Herstellung von Extrakten wird die Wurzel (Radix) verwendet.
Die Inhaltsstoffe von Astragalus werden auf unterschiedliche Weise absorbiert. So werden die Aminosäuren und Spurenelemente in Astragalus gut aufgenommen. Eine Fallstudie hat gezeigt, dass auch die Astragalus-Flavonoide gut vom gastrointestinalen System aufgenommen werden [9]. Saponine werden im Allgemeinen nur schlecht vom Körper aufgenommen. Das Darmmikrobiom scheint eine Rolle bei der Bildung von (biologisch aktiven) Metaboliten und der Förderung der Resorption zu spielen [10].
Nahrungsergänzungsmittel mit Astragalus können hinsichtlich der Wirkstoffe standardisiert werden. Eine gängige Standardisierung basiert auf der Menge der Polysaccharide. Je nach Anbieter enthält ein Extrakt zwischen 40 und 70 % Polysaccharide.
Astragalus kann nicht als Standardbedarf oder -mangel bezeichnet werden.
Astragalus ist eine der 50 essentiellen Pflanzen in der traditionellen chinesischen Medizin. Die häufigste Anwendung ist bei allgemeiner Schwäche, chronischen Krankheiten und zur Steigerung der allgemeinen Vitalität. Spezifischere Anwendungen sind die Unterstützung der Abwehrkräfte und der Schutz der Zellen vor oxidativen Schäden. Darüber hinaus reguliert Astragalus den Blutzuckerhaushalt, unterstützt die Funktion von Herz und Gefäßen und fördert die Fruchtbarkeit [4,11,12].
Glykämisches Gleichgewicht
Studien haben gezeigt, dass Astragalus eine positive Rolle bei der Behandlung von Diabetes spielt [13,14]. Astragalus-Polysaccharide haben eine blutzuckersenkende Wirkung und reduzieren die Insulinresistenz. Außerdem haben die Polysaccharide einen positiven Einfluss auf die Lipidwerte im Blut [12]. Die enthaltenen Isoflavonoide (Formononetin und Calycosin) können das Blutzucker-Gleichgewicht wiederherstellen, indem sie Peroxisom-Proliferator-aktivierte Rezeptoren (PPAR) stimulieren. Neben der Wiederherstellung des glykämischen Gleichgewichts wird auch die Dyslipidämie über die Aktivierung von PPARa- und PPAR?-Rezeptoren [15] korrigiert.
Hepatoprotektive Wirkung
Untersuchungen an Hepatitis-Patienten haben gezeigt, dass Astragalus eine positive Wirkung auf die Leber hat. Die schützende Wirkung auf die Leber kann unter anderem auf die immunregulierenden und antiviralen Effekte von Astragalus zurückgeführt werden [4]. Darüber hinaus schützen die Flavanoide vor Lipidoxidation und regulieren die Kollagenproduktion. Dies spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung und Vorbeugung von Leberfibrosen [15].
Unterstützung der Immunabwehr
Astragalus hat eine immunregulierende Funktion. Die Pflanze stimuliert das Immunsystem, indem es die Produktion von Zytokinen unterstützt [11]. In-vivo-Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wirkung von Astragalus auf das Immunsystem von der Menge der Polysaccharide im Extrakt abhängt [16]. Der Astragalus-Extrakt stimulierte auch die Produktion von Antikörpern bei der spezifischen Immunantwort [16]. Einige weitere Studien haben gezeigt, dass andere Komponenten in Astragalus, wie z. B. Saponine, ebenfalls eine immunregulierende Wirkung haben [17].
Allergien
Eine klinische Doppelblindstudie mit 48 Probanden hat gezeigt, dass Astragalus die Symptome der allergischen Rhinitis (Heuschnupfen), wie Niesen, Juckreiz und laufende Nase, reduzieren kann. Nach einem Zeitraum von 3-6 Wochen, in dem entweder ein Placebo oder Astragalus (160 mg Extrakt aus der Wurzel mit 40 % Polysacchariden) verabreicht wurden, zeigten Patienten mit mäßigen bis schweren Heuschnupfensymptomen eine signifikante Verbesserung der Symptome [18].
Antiviral
Aufgrund des positiven Einflusses von Astragalus auf die Produktion von Interferonen scheint Astragalus eine antivirale Wirkung zu haben [19]. Interferone sind für die körpereigene Abwehr von Viren unerlässlich. Darüber hinaus stimuliert Astragalus die Produktion anderer Zytokine und regt sowohl die zelluläre als auch die humorale Immunantwort an [20]. Studien haben gezeigt, dass Astragalus antivirale Eigenschaften gegen das Hepatitis-B-Virus, Herpesviren und das Coxsackie-Virus hat [17,20,21].
Astragalus könnte aufgrund seiner antiviralen und immunregulatorischen Eigenschaften eine Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 und der durch dieses Virus verursachten Krankheit COVID-19 spielen [22,23].
Herzfunktion
Astragalus reguliert die Natrium- und Wasserretention im Körper und hat einen positiven Effekt auf die Nieren- und Herzfunktion [11]. Als Antioxidans hat Astragalus eine schützende Wirkung gegen Lipidoxidation [24]. Zusätzlich wird die Herzfunktion durch die calciumregulierende Funktion von Astragalosid IV unterstützt, das die Apoptose hemmt und Herzmuskelschäden verhindert [4].
Fruchtbarkeit
In-vitro-Studien haben gezeigt, dass die antioxidative Kapazität von Astragalus die Mobilität der Spermien erhöhen kann[25,26]. Außerdem enthält Astragalus wichtige Spurenelemente, die die Spermienbeweglichkeit anregen können [26]. Die antioxidative Kapazität der Astragalus-Polysaccharide kann in vitro auch die Befruchtung des Embryos stimulieren [27].
Theoretisch betrachtet kann Astragalus aufgrund seiner immunstimulierenden Wirkung Autoimmunerkrankungen verschlimmern. Daher ist bei der Anwendung von Astragalus bei Erkrankungen mit einem überaktiven Immunsystem Vorsicht geboten.
Extrakte werden hinsichtlich des Anteils an Polysacchariden standardisiert, üblich ist eine Standardisierung zwischen 40 und 70 % Polysacchariden. Die Dosierung kann bei therapeutischen Maßnahmen bis zu einigen Gramm Astragalus pro Tag betragen.
Über die Verwendung von Astragalus während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Untersuchungen am Menschen vor, aber Tierstudien zeigen, dass ein Bestandteil von Astragalus, das Astragalosid IV, für den Fötus toxisch sein kann [28].
Nebenwirkungen bei der Anwendung von Astragalus sind selten. Mögliche Nebenwirkungen sind: Hautausschlag, Juckreiz, Erkältung oder allgemeine Magenbeschwerden. Sehr hohe Dosen (> 28 Gramm pro Tag) können zu einer Immunsuppression führen [28].
Es gibt mögliche Wechselwirkungen mit Immunsuppressiva wie Azathioprin, Cyclophosphamin, Basiliximab, Ciclosporin, Prednison und anderen Kortikosteroiden. Astragalus kann die Wirksamkeit durch Stimulierung des Immunsystems verringern. Astragalus kann möglicherweise die Ausscheidung von Lithium verringern und damit den Lithiumspiegel im Blut erhöhen [28,29].
Pflanzen enthalten phytochemische Komplexe, die komplementäre/synergistische Aufgaben übernehmen können. Eine Mischung von Phytochemikalien kann eine größere Bioaktivität haben als eine einzelne isolierte Verbindung, weil eine Mischung von bioaktiven Verbindungen die Fähigkeit hat, mehrere Ziele zu beeinflussen. Traditionell wird Astragalus daher oft als Teil eines Komplexes verwendet. Krankheiten mit einer multifaktoriellen Ätiologie, mit einem variablen Ansprechen auf Behandlungen oder Krankheiten mit einem hohen Resistenzrisiko können mit einem Komplex effektiver behandelt werden [30].
Astragalus hat einen immunmodulatorischen Effekt, indem die Pflanze die Aktivität von T-Zellen, NK-Zellen und Makrophagen erhöht. Astragalus kann zusammen mit anderen Pflanzenextrakten verwendet werden, um die immunregulierende Wirkung zu erhöhen. Eleutherococcus senticosus und Lentinula edodes (Shiitake) haben eine ähnliche Wirkung auf Immunzellen und modulieren ebenfalls die Immunantwort [3,31,32]. Astragalus, Eleutherococcus und Lentinula können ergänzend eingesetzt werden.
Andere Komplexe haben sich ebenfalls als wirksam erwiesen. Zum Beispiel wurde gezeigt, dass die Verwendung von Astragalus-Extrakt in Kombination mit Extrakten aus Echinacea purpurea und Glycyrrhiza glabra einen additiven Effekt auf die Aktivierung von CD4+ und CD8+ T-Zellen hat [33].
Astragalus und Lentinula haben auch wirksame Übereinstimmungen bei der Senkung von Blutzucker-, Cholesterin- und Triglyceridwerten. Darüber hinaus haben beide einen positiven Einfluss auf die Leberfunktion [4,12,32]. Auch Eleutherokokkus hat einen positiven Effekt auf die Glukoseregulierung bei Diabetikern [34].
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