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Seit über 150 Jahren kann die Schweizer Bevölkerung über diverse politische Sachgeschäfte abstimmen. Wie kam es zu dieser einzigartigen Staatsform?
Bis heute ist in manchen Kantonen und Orten die „Landesgemeinde“ Teil der politischen Kultur. Diese Staatsform, bei der sich sämtliche Bürger versammeln, stammt aus dem Mittelalter. In den Gemeinden der Drei Bünden war sie zu dieser Zeit am weitesten entwickelt und europaweit einzigartig. Die direkte Demokratie entwickelte sich in den restlichen Teilen des Landes erst ab den 1830er Jahren. Bis dahin unterstand das Volk den verschiedenen politischen Systemen der einzelnen Kantonen. Mit diesen gab sich die Bevölkerung aber nicht mehr zufrieden. Mit Petitionen und Memorials verlangte sie mehr demokratische Rechte, was in manchen Kantonen zur Einführung des Volksvetos führte. Die Pressefreiheit, die damals bereits galt, spielte in der Entwicklung eine wichtige Rolle. Die Bundesverfassung von 1848 enthielt nur wenige Elemente der direkten Demokratie. Eines davon war die Initiative auf Totalrevision der Verfassung. 1874 folgte das fakultative Gesetzesreferendum und kurz darauf die Verfassungsinitiative. Seither gilt die schweizerische Staatsform als die weltweit am stärksten ausgebaute direkte Demokratie.
Von Simon Wyss