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Wir werfen ein Blick zurück in das Italien der 50er-Jahre und sehen eine Weinbaukultur, die ausschließlich auf Ertragsmaximierung ausgerichtet ist. Der junge Winzer Franco Ziliani allerdings hatte visionäre Ideen und fand in Guido Berlucchi einen Gleichgesinnten, der die Qualität der Weine verbessern wollte.
Im imposanten Weinkeller aus dem 17. Jahrhundert, zehn Meter tief unter der Erde reifte die Idee, aus den in Fülle vorhandenen Burgundersorten einen Schaumwein nach der klassischen Methode der Flaschengärung zu machen. Berlucchi, der in Borgonato über weitläufige Ländereien und einen historischen Palazzo herrschte, war von der Idee auf Anhieb begeistert und ermunterte Ziliani in seinen Bemühungen weiterzumachen.
Es dauerte schließlich bis zum Jahr 1961 bis die ersten 3000 Flaschen des »Pinot di Franciacorta« gefüllt wurden. Im Jahr 1962 wurden die ersten Flaschen entkorkt und das Ergebnis war überwältigend – der Franciacorta war geboren. Das Beispiel machte Schule, das Klima und die Böden erwiesen sich als bestens für Burgundersorten geeignet, und nach und nach entwickelte sich die Franciacorta von einem verwechselbaren italienischen Weinbaugebiet zu etwas Einzigartigem. Der Franciacorta etablierte sich als eigenständiger Schaumwein internationalen Formats und wurde Jahr für Jahr besser.
Die Geschichte der Franciacorta reicht aber noch viel weiter zurück. Der Name der Region hat nichts mit Frankreich zu tun, sondern erinnert vielmehr an selbstbewusste Bauern, die sich bereits im 11. Jahrhundert das Recht zum freien Handel erkämpft haben. Diese Freihöfe wurden als »Corti Franche« bezeichnet, woraus sich der Name Franzacurta ableitete, im Jahr 1277 erstmals urkundlich erwähnt. Schon im Jahr 1570 beschrieb der Arzt Girolamo Conforti perlende Weine der Gegend um Brescia: »bissig, spritzig, schäumend« sind die schriftlich festgehaltenen Attribute, mit denen der Mediziner die ersten Schaumweine beschrieb. Es handelte sich dabei aber wohl nicht um eine kontrollierte Zweitvergärung, wie sie seit 1961 praktiziert wird, sondern um eine Laune der wilden Hefen.
Gründung des Konsortiums
Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Franciacorta war die Anerkennung als Gebiet mit Herkunftsbezeichnung (DOC) im Jahr 1967. Einen wesentlicheren Qualitätsschub brachte allerdings die Gründung des Konsortiums für den Schutz der Franciacorta mit 29 assoziierten Winzern. Die Organisation hat Produktionsregeln für die Wahrung bester Qualität erarbeitet und wacht über deren Einhaltung. Das Konsortium liegt in Erbusco im Herzen der Franciacorta und zählt mittlerweile über 200 Mitglieder.
Im Jahr 1995 wurde dem Franciacorta als erstem, ausschließlich mit Zweitgärung in der Flasche hergestelltem Wein die Bezeichnung »Denominazione di Origine Controllata e Garantita« (DOCG) zuerkannt, die begehrte kontrollierte und garantierte Ursprungsbezeichnung. Präsident des Konsortiums ist der ehemalige Küchenchef und Sommelier Silvano Brescianini (siehe Interview), der gleichzeitig das richtungsweisende Weingut Barone Pizzini führt. Es ist der erste Betrieb, der zur Gänze auf biologische Bewirtschaftung umgestellt hat, und zwar im Jahr 2002. Mittlerweile werden bereits über 60 Prozent der Rebfläche biologisch bewirtschaftet.
Die dem Franciacorta zugrunde liegenden Rebsorten Chardonnay, Weißburgunder und Pinot Noir sind zwar keineswegs autochthon, es handelt sich aber wohl um sehr eigenständige Klone. Wirklich autochthon ist die vom Konsortium neu zugelassene, historische Rebsorte Herbamat, die maximal zehn Prozent einer Cuvée ausmachen darf. Die spätreifende Sorte wurde auserkoren, um den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzutreten.
Die Franciacorta ist ein nicht nur wegen des Schaumweins eine überaus reizvolle Destination, es ist auch die einzigartige Lage südlich des Iseosees mit den mächtigen Zweitausendern im Norden. Die Region ist ein Paradies für Genuss-Reisende, denn die hohe Dichte an großartigen Restaurants und Trattorien stellt mit den zahlreichen Franciacorta-Weingütern eine überaus attraktive Liaison dar.
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