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Die Studie des Philosophen Robert Rose Transforming Criticisms of Anthroposophy and Waldorf Education – Evolution, Race and the Quest for Global Ethics, die 2013 als E-book veröffentlicht wurde, ist jetzt im Berliner Wissenschaftsverlag in einer deutschen Übersetzung von Lorenzo Ravagli erschienen.
Anlass der Studie war eine Medienkampagne gegen Waldorfschulen in England gewesen, die Rudolf Steiners Weltanschauung und den Waldorfschulen unterstellte, rassistische Inhalte zu transportieren. Da sich die meisten der Kritiker auf Behauptungen des amerikanischen Historikers Peter Staudenmaier beriefen, war für Rose klar, dass diese Kritiken „mit den Ideen Staudenmaiers stehen oder fallen.“ Große Teile seines Buches befassen sich daher ausführlich mit Staudenmaiers Thesen.
Rose versucht in seiner Studie, anhand von wissenschaftlichen Rassismusdefinitionen den Vorwurf zu widerlegen, im Werk Rudolf Steiner sei ein immanenter oder konstitutiver Rassismus enthalten. Staudenmaier ist im deutschsprachigen Raum nur wenigen Fachleuten bekannt. Er lehrt als Historiker an einer katholischen Privat-Universität, der Marquette University, einer wichtigen jesuitischen Institution, und engagiert sich außerdem als eine Art wissenschaftlicher Ratgeber in der amerikanischen Anti-Waldorf-Bewegung (waldorfcritics).
Um seine These von der ideologischen Nähe der Anthroposophie zum Nationalsozialismus zu belegen, zieht Staudenmaier auch abgelegene Quellen heran. So stimmt er dem Psychiater Wolfgang Treher zu, der 1966 in einer Privatveröffentlichung nicht nur Parallelen von Steiners und Hitlers Geisteszustand feststellte, sondern auch eine Verwandtschaft in deren Ansichten über eine kleine Minderheit, die sich weiterentwickele, während die große Masse dem Niedergang entgegengehe.
Treher hatte vermutet: „Konzentrationslager, Sklavenarbeit und die Ermordung von Juden stellen eine Praxis dar, deren Schlüssel vielleicht in den ‚Theorien’ Rudolf Steiners gefunden werden kann.“ (S.112).
Demgegenüber weist Rose nach, dass Steiner eine globale Ethik vertrat, die auch das Selbstverständnis der Waldorfschulen bestimmt und deren weltweite Expansion erklärt.
Maßstäbe gesetzt
Kaum war das Roses Buch erschienen, waren die Kritiker bemüht, es lächerlich zu machen. Rose geht auch auf diese neuerlichen Angriffe bis 2014 in der deutschen Ausgabe ein. Das Buch ist keineswegs nur auf englische und amerikanische Verhältnisse zugeschnitten. Es reflektiert auch entsprechende Auseinandersetzungen in den Niederlanden und Deutschland.
Sein Hauptverdienst aber besteht in einer gründlichen philosophischen Behandlung der Rassenfrage, die für jede künftige Auseinandersetzung mit Waldorfkritikern Maßstäbe setzt. Es ist gerade für dieses Thema nicht unwesentlich, dass Rose im Fach Wissenschaftstheorie promoviert hat. Der Autor war an der Universität Plymouth und an der Canterbury Christ Church University Kent tätig.
Die englische Fassung wurde bereits
von Richard House rezensiert. Es erübrigt sich daher, auf Einzelheiten einzugehen. Gleichwohl sei daran erinnert, was House über den geistigen Hintergrund des Kampfes um Steiner sagte. Er sprach von einem „Krieg der Paradigmen“, der die Kultur der Spätmoderne gegenwärtig kennzeichne.
Zwei Kräfte stünden sich gegenüber: Eine seelenlose, atheistische, technokratische Moderne und andererseits eine neues transmodernes Paradigma einer spirituellen Kosmologie. In ähnlicher Weise hat Rahel Uhlenhoff im Kontext der Erwiderung von Helmut Zanders Thesen (Sammelband
Anthroposophie in Geschichte und Gegenwart
, Berlin 2011) von einem „Kampf der Wissenschaftskulturen“ gesprochen.
Es gilt nach wie vor, was Bo Dahlin in seiner Rezension über Roses Buch sagte: Es „wird die Steinerkritiker sicher nicht zum Schweigen bringen, aber es wird schließlich andere Menschen dazu veranlassen, zweimal nachzudenken, ehe sie den Kritikern Glauben schenken, und das ist schon viel wert.“ (RoSE. Research on Steiner Education. Vol. 5, Nr. 1, 156-159, July 2014.
www.rosejourn.com)
Empfehlenswert
Gerade Waldorfschulen, die mit Rassismusvorwürfen konfrontiert werden, ist mit der deutschen Ausgabe von Roses Buch (neben Uwe Werners Studie „Rudolf Steiner zu Individuum und Rasse“) ein weiteres Werk mit wissenschaftlichem Niveau an die Hand gegeben, das sie Eltern, die durch die Vorwürfe verunsichert worden sind, empfehlen können. Man darf gespannt sein, wie Roses Studie im deutschsprachigen Raum, wo die Rassismusvorwürfe seit über 20 Jahren diskutiert werden, zur Kenntnis genommen wird.
END/nna/vog
Literaturhinweis:
Robert Rose:
Evolution, Rasse und die Suche nach einer globalen Ethik. Eine Antwort auf die Kritiker der Anthroposophie und Waldorfpädagogik
. Aus dem Englischen von Lorenzo Ravagli. Berliner Wissenschaftsverlag. Berlin 2016. 252 Seiten. EUR 29.00.
Bericht-Nr.: 160824-01DE Datum: 24. August 2016
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