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Paul Allen besuchte zusammen mit Bill Gates die Lakeside School, eine renommierte Privatschule. Die beiden hatten bereits in den 60er-Jahren Zugang zu einem Computer, den sie intensiv nutzten.
1971 schliesst Paul Allen die High School ab mit der maximalen Punktezahl von 1600 im SAT, einem standardisierten Test für Studienbewerber in den USA. Nach zwei Jahren bricht er das Studium an der staatlichen Washington University ab und nimmt eine Stelle beim Konzern Honeywell an.
Bastelcomputer wird zum Schlüsselmoment
1975 veröffentlicht das Magazin «Popular Electronics» einen Artikel über einen neuartigen Computer, den Altair 8800. Es handelte sich um einen der ersten erschwinglichen Heimcomputer. Bastler konnten für 395 Dollar einen Bausatz erstehen und den Rechner selbst zusammenbauen.
Paul Allen begriff: Das ist der Start in ein neues Zeitalter! Er überzeugte seinen Freund Bill Gates, das Studium in Harvard sausen zu lassen, um mit ihm zusammen eine Firma zu gründen. Den Namen hatte sich Paul Allen bereits ausgedacht. «Micro-Soft» sollte das Unternehmen heissen, das künftig Software verkaufen sollte für die neuen Microcomputer, wie die Heimcomputer damals noch hiessen.
Das Jahrhundert-Geschäft
Nachdem die beiden Schulfreunde zuerst Software für den neuen Bastler-Computer Altair verkauften, landeten sie 1980 den grossen Coup. IBM hatte die PC-Revolution der siebziger Jahre verschlafen und sah sich gezwungen, in kürzester Zeit einen eigenen PC aus dem Boden zu stampfen. Das Betriebssystem für die neue Maschine entwickelte IBM nicht selber, sondern schloss einen Vertrag mit Microsoft.
Paul Allen und Bill Gates bestanden darauf, dass Microsoft die Lizenz am Betriebssystem MS-DOS behalten konnten. Und so kassierte das junge Unternehmen während Jahren jedes Mal Gebühren für ihr Betriebssystem, wenn irgendwo auf der Welt ein PC über den Ladentisch ging. Wobei «ihr» eigentlich in Anführungszeichen stehe müsste: MS-DOS wurde ursprünglich nicht von Microsoft entwickelt, sondern vom Programmierer Tim Paterson. Allen und Gates kauften ihm alle Rechte ab – für 50'000 Dollar.
Nicht immer traute Zweisamkeit
Kurz nach dem Jahrhundert-Deal wurde bei Paul Allen Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Der Dreissigjährige gab seinen Job als Vizepräsident bei Microsoft und als Chef der Produkte-Entwicklung ab, blieb jedoch bis im November 2000 im Verwaltungsrat von Microsoft.
Das Verhältnis zwischen den beiden Schulfreunden war nicht immer ungetrübt. So soll Bill Gates nach dem ersten grossen Deal darauf bestanden haben, dass ihm der grössere Anteil am Konzern zusteht, weil er mit seinen Programmierkenntnissen wesentlich zum Erfolg beigetragen habe. Die beiden einigten sich darauf, dass Bill Gates 64 Prozent der Aktien haben sollte.
Noch vor dem Börsengang wollte Gates das Aktienpaket seines Freundes Allen kaufen – zu einem Preis von 5 Dollar pro Aktie. Paul Allen liess sich nicht auf den Deal ein, weil er 10 Dollar wollte. Ein guter Entscheid: Der Unternehmer zählte mit einem Vermögen von zuletzt 20 Milliarden Dollar zu den reichsten Menschen der Welt.
Philanthrop und Sport-Enthusiast
Paul Allen gründete nach seinem Abgang bei Microsoft verschiedene Gesellschaften. Er produzierte Dokumentarfilme, Link öffnet in einem neuen Fenster und unterstützte ganz unterschiedliche Forschungsprojekte wie etwa im Bereich Hirnforschung und Umweltschutz. Der Sportfan kaufte zwei Teams, die Basektball-Mannschaft «Portland Trail Blazers» und das American-Football-Team «Seattle Seahawks».
2009 wurde beim Microsoft Mitgründer erneut Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Paul Allen starb am 15. Oktober 2018.
(Sendebezug: SRF 4 News, 1:00 Uhr)