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Die Honigbiene als Wild- und Waldtier ist praktisch ausgestorben. Honigbienen die man im Garten sieht, werden von Imkern gehalten. Als Nutztier dient sie der Honigproduktion und kann sich wegen stetiger Eingriffe durch den Menschen (Imker) nur noch geringfügig an die Umwelt anpassen. Die gemeinnützige Organisation FreeTheBees zeigt wichtige Aspekte und Lösungsansätze im Kampf gegen das Bienensterben auf.
Die Organisation Free the bees berichtet hier über die traditionelle Imkerei, und was diese für einen Einfluss auf die Bienen ausübt. Alternativ dazu schlägt sie extensivere Bienenhaltung und Diversifizierung der Imkermethoden vor.
Jetzt fliegt sie wieder und ist auf Wiesen, in Gärten und blühenden Hecken anzutreffen: Die westliche Honigbiene mit dem wissenschaftlichen Namen Apis mellifera. Sie scheint ein Wildtier zu sein, vermeintlich frei befliegt sie Blüte für Blüte. Wer ihr zurück in den Bienenstock folgt und ein Bienenvolk über ein Imkerjahr begleitet, erhält u.U. ein etwas anderes Bild.
Ein Imkerjahr
Das Zuhause eines Bienenvolks ist nicht mehr der alte, dicke Baum mit der natürlich entstandenen Höhle, sondern eine sauber gehobelte und zusammengezimmerte Kiste aus Brettern oder aus Styropor. Für Mikroorganismen und Symbionten, die zum Superorganismus des Bienenvolkes mit dazugehören, ist die neue Behausung nicht förderlich. Die 20 bis 30mm dünnen Bretterkisten sind klimatisch nicht vergleichbar mit der ursprünglichen Baumhöhle von oft über 100mm starken und gut feuchtigkeitsausgleichenden Wänden. Anstelle von Naturwabenbau wird die Biene gezwungen, geordnet in mobile Wabenrähmchen zu bauen. Vorgepresste Wachsmittelwände normieren die Zellgrösse für die Brut und zwingen die Bienen zum Brüten von Arbeiterinnen – Drohnen (männliche Bienen) gelten als unproduktiv, sammeln keinen Honig und zehren nur Energie. Die Fachliteratur weist jedoch auf die Wichtigkeit der Drohnen zur Erhaltung der Harmonie im Volk und der klimatischen Bedingungen im Bienenstock hin.
In einem natürlich oder naturnah gehaltenen Bienenvolk gibt es heute praktisch keinen Honig mehr zu ernten. Damit eine Honigernte überhaupt erst möglich ist, setzt der Imker dem Volk einen sogenannten Honigraum auf. Mit dem Honigraum wird aber auch der natürliche Schwarmtrieb beeinflusst, verzögert und oft unterdrückt. Ein unkontrollierter Schwarm beeinflusst den Honigertrag negativ. Jedes schwärmende Bienchen bedient sich im Honigvorrat und füllt seinen Magen mit bis zu 50mg Honig: bei 20‘000 Tieren in einem Schwarm ist das gut und gerne ein Kilogramm Honig.
Ohne Schwärme kann der Imker aber auch die Völkerverluste vom Winter (teilweise natürlich und normal) nicht decken und bildet in der Folge künstliche Ableger. Das künstliche Vermehren von Bienen bringt diverse Nachteile mit sich. So wird z.B. die Reinigungsfunktion des natürlichen Schwärmens ausgeschaltet und Krankheitserreger und Parasiten vom Muttervolk werden aufs Jungvolk übertragen.
Hauptsächlich bedingt durch die heutige Landwirtschaft hat sich auch die Vielfalt der Blütenpflanzen verändert. So sind nach dem ersten Mähen der blühenden Wiesen im Frühling insbesondere die nektarspendenden Pflanzen plötzlich äusserst rar. Es herrscht eine sogenannte Trachtlücke, das Bienenvolk stellt auf Notbetrieb und entwickelt sich ohne Zuckerfütterung nur noch schwach. Damit die Bienen nicht den im April und im Mai angesammelten Honigvorrat zurückfressen, wird der Honigraum abgebaut und geerntet und die Bienen mit Zuckerwasser über die Juni-Trachtlücke gefüttert.
Im Sommer (je nach Witterung) gibt es dann eine zweite Tracht, die von den Bienen zu sogenanntem Waldhonig verarbeitet wird. Wiederum wird ein Honigraum aufgesetzt und der Biene ermöglicht, schnell und viel Waldhonig einzulagern. Auch dieser wird abgeerntet. Damit das Bienenvolk den Winter überleben kann, braucht es mindestens 15kg Honig. Der Imker füttert als kalorischen Ersatz grosse Mengen an Zucker, welchen die Biene zu einem zähflüssigen Zuckerkonzentrat verarbeitet.
Sofort nach der zweiten Ernte wird das Volk gegen die berüchtigte Varroamilbe behandelt. Einige Imker benützen dafür synthetische Pestizide, die Rückstände in Wachs und Pollen hinterlassen. Viele behandeln „alternativ“ mit organischen Säuren. Ameisen- und Oxalsäure sind zwar natürliche Produkte, doch erzeugen sie unerwünschte Nebeneffekte bis hin zumTod von Larven und im schlimmsten Fall der Königin. Der Parasit wird weitgehend vernichtet, aber auch das Immunsystem vom Wirt (Biene) wird durch die Behandlung geschwächt.
Im Winter, wenn das Bienenvolk in einer Ruhephase verweilt, wird das Volk oft noch einmal gestört und mit Oxalsäure behandelt. Ein vermeintlich geringer Eingriff, den die Bienen „gut“ vertragen, so zumindest die weit verbreitete Meinung, sogar unter Fachleuten. Wissenschaftliche Studien zeigen leider ein anderes Bild.
Evolution ausgeschaltet
Die Natur war immer Veränderungen unterworfen und wird es immer bleiben. Die Anpassungsfähigkeit einer Spezies wird über die natürliche Selektion erreicht. Was angepasst ist, vermehrt sich weiter, was nicht angepasst ist, geht wieder ein. Hart, aber ungemein erfolgreich und äusserst nachhaltig! Die Honigbiene hat in den letzten mehr als 30 Millionen Jahren gezeigt, wie gut sie sich an Umweltveränderungen anpassen kann.
Nun, seit rund 150 Jahren verantwortet der Imker die weitere Evolution der Honigbiene. Mit jeder Fütterung, mit jeder Schwarmbeeinflussung (auch das Aufsetzen von Honigräumen), mit jeder Behandlung und mit jeder künstlichen Vermehrung über Ableger verunmöglicht man die natürliche Selektion. Die Schere zwischen Natur und Biene öffnet sich damit mit jedem Jahrzehnt ein Stück weiter. Wo das hinführen kann, darüber können wir nur Vermutungen anstellen.
Lösungsansätze
Über die Thematik der Pestizide, der sogenannten „Pflanzenschutzmittel“, wird ausführlich debattiert und verschiedene Umweltschutz-Organisationen zeigen Alternativen auf. Doch ist die Imkerei nicht nur Opfer, sondern trägt selbst einen Teil der Verantwortung fürs Bienensterben, worüber in den Medien kaum jemand diskutiert.
Als einzige Organisation in der Schweiz betrachtet FreeTheBees die Honigbiene nicht nur als Nutztier, sondern auch als Wild- und Waldtier. FreeTheBees vertritt die Honigbiene im Aktionsplan der Strategie Biodiversität Schweiz unter der Führung des Bundesamtes für Umwelt.
Neben dem Schutz und der Förderung von wild lebenden Honigbienenvölkern, die in ganz geringer Anzahl erwiesenermassen noch existieren, setzt sich FreeTheBees auch für die nachhaltige und damit extensive Produktion von Honig in der Imkerei ein. Da es heute weder „richtige“, noch „falsche“ Praktiken für die Imkerei gibt, empfiehlt FreeTheBees die Diversifizierung und Orchestrierung verschiedener Imkermethoden, wie auch der Behandlungseingriffe.
Wie in der Natur soll auch in der Imkerei die Diversität gefördert werden. Schritt für Schritt soweit zurück, bis sich ein Optimum zwischen Mensch, Biene und Pflanzenwelt einstellt. Wo die Biene in der freien Natur nicht mehr ohne Imker leben kann, ist es dringend Zeit für die Einleitung korrektiver Massnahmen. Die Honigbiene ist optimaler Bioindikator und kann dadurch unzähligen anderen Arten zur Verbesserung ihres Lebensraumes einen Dienst leisten.
FreeTheBees ist eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel ökonomische und ökologische Faktoren LANGFRISTIG in ein Gleichgewicht zu bringen. www.freethebees.ch