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Falls durch grossen Zubau von neuen Anlagen in der Nordsee zusätzliche - in Deutschland durch das Einspeisegesetz stark subventionierte - Strommengen produziert werden, dürfen diese sicher nicht als Ersatz für den bereits CO2-freien Schweizer Atomstrom Verwendung finden, sondern für den Ersatz von zum Teil alten kohlebefeuerten Anlagen in nordeuropäischen Ländern.
In der politischen Diskussion wird vorgebracht, die Schweizer Kernkraftwerke könnten durch Windstromimporte ersetzt werden. Es geht dabei um den Ersatz von rund 25 Milliarden Kilowattstunden oder ca. 40% der zur Stromversorgung des Landes benötigten Energie. Die Schweizerische Vereinigung für Atomenergie (SVA) wehrt sich gegen solche Projekte, die der Öffentlichkeit Möglichkeiten vorgaukeln, die in der Realität keine Chance haben werden. Es existieren verschiedene Probleme, die einen solchen Ersatz sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich machen.
Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit
Windenergie fällt unregelmässig an. Sie ist im Unterschied zu der regelmässig "im Band" anfallenden Kernenergie schlecht voraussehbar, nicht planbar.
Soll die Inlandversorgung substanziell (das heisst in der Grössenordnung von 40%) auf Windenergie abgestützt werden, so verlangt dies die Bereitstellung entsprechend hoher, schnell abrufbarer Reserven. Hierzulande kommen als Reserven praktisch nur Speicherkraftwerke in Betracht. Es versteht sich von selbst, dass diese Kraftwerke nur mehr begrenzt für andere feste Zwecke eingesetzt werden könnten. Dies würde sich wert- und ertragsmindernd auswirken für die in diesen Anlagen erzeugte Energie.
Das Problem der Anlagenstandorte beispielsweise in Deutschland ist damit noch nicht gelöst: Nachdem Windanlagen dort in den letzten Jahren starke Zuwachsraten aufwiesen und auch im laufenden Jahr nochmals ein Zuwachs von 2900 MW erwartet wird, zeichnet sich für die Zeit danach ein abnehmendes Wachstum ab, weil geeignete Küsten- und Landstandorte rar werden und in Deutschland der Widerstand gegen solche Anlagen zunimmt.
Starke Erhöhung der Energiekosten
Beim Ersatz von inländischer Kernenergie durch Windstromimporte handelt es sich um eine teure Lösung. Die Kosten setzen sich wie folgt zusammen: Stromgestehungskosten Wind von etwa 4 bis 7 Rappen pro Kilowattstunde (Rp./kWh; im Jahr 2020); Kosten für Netzverstärkung, Transport über 500 bis 1000 km und für Netzverluste; Bereitstellung von Reserveenergie aus im Inland begrenzt nutzbaren Anlagen; Entschädigung ausländischer Staaten für deren Förderpolitik (Subventionen, in Deutschland z.B. 9-13 Rp./kWh).
Die Summe dieser Kostenanteile und die Ertragsminderung der im Inland bereit zu haltenden Reserveanlagen stellen im Vergleich zu den Gestehungskosten des Kernenergiestroms eine Verteuerung um ein Mehrfaches dar.
Energiepolitik von Drittländern als Hindernis
Die als Ursprungsländer für den Windstromimport in Frage kommenden nordeuropäischen Länder pflegen seit Jahren eine kostenintensive Förder- und Subventionspolitik (vgl. oben, Beispiel Deutschland). Sie verfolgen mit dem gezielten Einsatz von Windenergie das "Kyoto-Ziel", die inländischen CO2-Emissionen drastisch zu senken. Unter diesen Umständen erweist es sich aus energiepolitischen Gründen als fraglich, ob Windstromimporte in der Grössenordnung von 40% der schweizerischen Stromnachfrage überhaupt realisierbar wären. Es ist auch nicht anzunehmen, dass im Ausland die zusätzlichen Stromleitungen, die für die von der Schweiz angestrebten Windstromimporte erforderlich sind, ohne weiteres gebaut werden könnten. Umwelt- und Landschaftsschutz sind nicht nur hierzulande ernst zu nehmende Aspekte.
Quelle
H.R.