Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/3853

Als Pfarrer in Bözberg AG, in Osterfingen SH und teilzeitlich als Seelsorger in der Psychiatrischen Klinik Breitenau in Schaffhausen war er für zahllose Mitmenschen Begleiter, Verkündiger, Tröster, Animator, Helfer. Geboren wurde Hellmuth Ernst Huber im Osterfinger Pfarrhaus am 20. August 1912 als jüngstes von sechs Kindern des Pfarrers Johannes Huber und der Maria geborenen Deuber.
Auch Kunstmaler, Bergführer, Fotograf oder Krankenpfleger hätte der vielseitig Begabte werden können; aber er folgte für seinen Beruf seiner innersten Berufung zum Verbi Divini Minister. Die weiteren Begabungen kamen lebenslang in seinen Hobbies zum Ausdruck. Als Pfarrer in Bözberg AG, in Osterfingen SH und teilzeitlich als Seelsorger in der Psychiatrischen Klinik Breitenau in Schaffhausen war er für zahllose Mitmenschen Begleiter, Verkündiger, Tröster, Animator, Helfer.
Geboren wurde Hellmuth Ernst Huber im Osterfinger Pfarrhaus am 20. August 1912 als jüngstes von sechs Kindern des Pfarrers Johannes Huber und der Maria, geborene Deuber. Die Eltern hatten immer ein offenes Haus, so dass zeitweise noch vier weitere Kinder bei ihnen wohnten, erzogen wurden und auch Anspruch auf elterliche Zuneigung hatten. Nach der obligatorischen Schulzeit trat Hellmuth ins Gymnasium der Evangelischen Lehranstalt Schiers ein, wo er auch die Maturitätsprüfung erlangte. Die Zeit in Schiers war für ihn keine einfache: Er vermisste seine Familie und sein Zuhause. Doch erwachte gerade in Graubünden seine Liebe zu den Bergen, die ihn später auf viele Hochgebirgstouren mit der „Jungen Kirche“ führte und sein Leben prägte.
Erzogen in einem Landpfarrhaus durfte Hellmuth Huber schon früh die Freuden und Leiden eines Pfarrers und seiner Gemeinde kennenlernen. Geprägt von diesen Erfahrungen begann er zur stillen Freude seiner Eltern im Frühjahr 1933 sein Studium an der Theologischen Fakultät Basel. Nach dem ersten Examen verbrachte er ein Semester in Berlin und lernte neben dem Studium die damaligen Bewegungen und Kämpfe der Kirche im Nazi-Deutschland kennen. Düstere und wertvolle Erfahrungen brachte er mit in die Schweiz, wo er in Basel sein Studium fortsetzte, unter anderem bei namhaften Lehrern wie Karl Barth, Wilhelm Vischer und Carl Ludwig Schmidt. Sein Lernvikariat absolvierte er in Stein am Rhein bei Pfr. Otto Wiesmann, mit dessen Sohn Peter ihn eine lebenslange Freundschaft verband.
Am 14. Nov. 1937 wurde er in Osterfingen ordiniert. Da es in jenen Jahren zu wenige offene Pfarrstellen gab, übernahm er immer wieder Predigtstellvertretungen und wurde sozusagen „Kantonsvikar“. Im Januar 1938 benutzte er die Gelegenheit zu einem nochmaligen Auslandaufenthalt: In den Bodelschwingschen Anstalten der christlichen Liebestätigkeit in Bethel bei Bielefeld trat er einen lehrreichen Dienst an als „Bruder mit der blauen Schürze“, als Krankenpfleger und Hausangestellter, eine Arbeit, die er vormittags bewältigte, während er am Nachmittag im „Kandidatenkonvikt“ strenge theologische Studien mitmachte. Nach der Rückkehr nach Schaffhausen 1939 und einer pfarramtlichen Stellvertretung in Herblingen bewarb er sich um die freie Pfarrstelle auf dem aargauischen Bözberg und trat sein Amt am 1. Juli 1939 an, knapp vor Kriegsbeginn.
Sein Wirkungsfeld waren nun die Dörfer Oberbözberg, Linn, Gallenkirch und die zerstreuten Weiler und Höfe von Unterbözberg, was eine grosse Aufgabe an körperlicher und geistiger Arbeit bedeutete, speziell in der Kriegszeit, wo er oft überlasteten Bauersleuten auch bei der Landarbeit half. In einem Samariterkurs lernte er seine Lebensgefährtin Lisa Fankhauser kennen, eine Bauerntochter aus der Nachbargemeinde Rein. Lisas froher und offener Wesenszug hat seinen nachdenklichen Charakterzug bestens ergänzt, und die beiden arbeiteten nach ihrer Hochzeit 1943 auf unzähligen frohen und ernsten Fahrten über den Bözberg zusammen.
Dass Hellmuth Huber auch im Predigtdienst Gutes leistete, beweist ein Brief des Zürcher Theologieprofessors Emil Brunner aus dem Jahr 1944, der mit einer Schar anspruchsvoller Hörer einen Gottesdienst auf dem Bözberg besucht hatte und dann schrieb: „Es war eine so gediegene, ebenso tiefgehende wie praktische und fassliche Auslegung des Wortes, Evangelium und Ermahnung in Einem, die jedes Bauernfraueli verstehen konnte.... Was für ein Geschenk, in so einfachsten Verhältnissen so vorzügliche geistliche Kost zu bekommen.“
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dem Ehepaar drei Töchter geschenkt: Ruth, Elisabeth und Esther. In seiner pfarramtlichen Arbeit hat Hellmuth Huber auch seine anderen vielseitigen Gaben angewandt: So hat er nicht nur Bilder gemalt, sondern auch die Konfirmationsurkunden selbst stilvoll illustriert und den Heidelberger Katechismus mit eigenen Bildern seinen Konfirmanden näher gebracht. Auch Schnitzereiaufträge wie z.B. ein Brunnen in Riniken AG oder eine Holztafel an der Kanzel in der Kirche Bözberg und mehrere Holzteller für Jubiläen zeugen von seiner Kunst. Fast jeden Sommer – bis 1974 insgesamt 25 mal – leitete er neben den Konfirmandenlagern mit Hingabe eines oder mehrere achttägige Hochgebirgstourenlager der „Jungen Kirche“. Seine in Schiers begonnene Bergschulung und Liebe zu den Bergen verwertete er auf diese Weise seit 1952 für die kirchliche Jugendarbeit.
Nach 18 Jahren Amtszeit in Bözberg wurde Hellmuth Huber 1958 an die frei gewordene Pfarrstelle Osterfingen SH gewählt und am 18. Mai eingesetzt. Damit kehrte er in sein Elternhaus zurück, in das Dorf seiner Kindheit, und musste ziemlich am Anfang seiner Pfarrtätigkeit hier gerade auch noch den Dorflehrer vertreten. Im Oktober übernahm er nebenamtlich auch die Seelsorge an der Psychiatrischen Klinik Breitenau in Schaffhausen, welche seinerzeit auch schon sein Vater neben dem Pfarramt Osterfingen versehen hatte. 1964 bis 1967 war er zudem Schaffhauser Kantonalpräsident des Protestantisch-kirchlichen Hilfsvereins, der vor allem die Gemeinde Engelberg unterstützte. 1970 löste eine Grippe eine Gehirnthrombose aus mit dauernder Einschränkung des Sehfeldes. Zu seiner Erholung trug unter anderem auch ein Studienurlaub bei, den er 1972 zusammen mit seiner Frau in Bethel verbrachte.
Nach seiner Pensionierung 1977 bezog das Ehepaar Huber sein Eigenheim in Siblingen SH, wo sie schnell Anschluss fanden und Zeit hatten, um den vielseitigen Interessen nachzugehen. Der Garten, die Osterfinger Wandergruppe, Vertretungen, Lichtbildervorträge an Seniorentreffen, Hausbesuche, Malen, Schnitzen, Sternengucken mit den Nachbarskindern, Interesse an Geologie und Flurnamen – alles in allem ein erfüllter Alltag im „Ruhestand“. Zu den Klettgauer Pfarrkapiteln, wo er als Pensionierter noch jahrelang interessierter und interessanter Gast blieb, wanderte der ehemalige Hochgebirgstourist wie früher stets zu Fuss, z.B. von Siblingen nach Schleitheim auf dem Fussweg über den langen Randen.
Trotz der langsamen Verschlechterung seiner geistigen Verfassung und den zunehmenden gesundheitlichen Problemen seiner geliebten Ehefrau Lisa konnte er bis zuletzt in ihrem Eigenheim in Siblingen verbleiben, unterstützt, begleitet und in der letzten Phase gepflegt durch seine Töchter. Am 14. April 2000 wurde er von seinem Schöpfer und Erlöser heimgerufen, nach einem reich erfüllten Leben.
Monika Widmer Hodel, Basel (ehemals Siblingen)