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© Marcel Burkhardt
Publikationen
Laesser, J., S. Michler, R. Fay & R. Spaar (2020)
Artenförderungsprojekt und integriertes Populationsmonitoring Turmfalke/Schleiereule.
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Schweizerische Vogelwarte Sempach
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Zusammenfassung
Das integrierte Populationsmonitoring Turmfalke/Schleiereule wurde bereits 2002 gestartet. Daher basiert dieser Bericht auf den Daten der Jahre 2002–2018, mit Fokus auf den Jahren 2015–2018.
Seit 2012 schwankt die Zahl der kontrollierten Nistkästen in den teilnehmenden Projekten zwischen 2000 und 2500. Der Brutbestand des Turmfalken hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Gleichzeitig ist auch der Anteil der besetzten Nistkästen etwas angestiegen, wobei das Nistkastenangebot bis 2012 konstant zugenommen hat. Bei der Schleiereule schwankt der Anteil besetzter Nistkästen stark. Nach einem Populationseinbruch in Folge härterer Winter, erholten sich die Brutbestände in den Jahren 2016–2018 wieder. Dies resultiert in einer relativ hohen Besetzungrate der Nistkästen.
Bei beiden Arten lag die Gelegegrösse in der Periode 2016–2018 im normalen Rahmen, 2018 war die Kükensterblichkeit dagegen relativ hoch. Die Schleiereule verzeichnete in diesem Jahr mit 3,67 Küken pro Brut die niedrigste Nachwuchsrate seit 2008. Beim Turmfalken lag der Bruterfolg im letzten Jahrzehnt nur im Jahr 2013 tiefer als 2018.
Das durchschnittliche Schlüpfdatum des Turmfalken weist zwischen dem südwestlichen Mittelland und der Nordostschweizer Hügelzone einen Unterschied von 21 Tagen auf. Die Höhe über Meer spielt offenbar vor allem zwischen 300 und 600 m eine wichtige Rolle. Analysen mit Hilfe eines integrierten Populationsmodells zeigen, dass die Turmfalkenbestände in den Projektgebieten mehr Vögel produzieren als sie aufnehmen, das heisst sie dienen als sogenannte Quell-Populationen für angrenzende Regionen innerhalb und ausserhalb der Schweiz. Modellberechnungen ergeben, dass die gute Produktivität in Nistkästen im Vergleich zu natürlichen Neststandorten einen massgeblichen Einfluss auf das Populationswachstum hat.
Eine zweite Auswertung findet einen positiven Zusammenhang zwischen der Überlebensrate von Turmfalken im ersten Lebensjahr und der Produktivität im Jahr ihres Schlupfes. Ein berechneter Index für das Angebot an Kleinsäugern zur Brutzeit korreliert stark positiv mit der Produktivität, was den Schluss nahelegt, dass in Jahren mit hohem Kleinsäugerangebot sowohl der Bruterfolg als auch die Überlebensrate von Jungvögeln gut ist. In der dritten Publikation wurde die räumliche Synchronität der Produktivität (Anzahl flügger Jungen in erfolgreichen Bruten) beim Turmfalken untersucht. Die Produktivität ist räumlich bis zu 300 km korreliert. Das bedeutet, dass innerhalb eines Jahres Bruten über grosse Distanzen ähnlich erfolgreich sind. Da die Produktivität des Turmfalken stark von der Verfügbarkeit an Kleinsäugern abhängt, deckt dieses Muster eine räumliche Korrelation des Kleinsäugerangebots auf.
Die 2000 bis 2500 von den freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Vogelwarte instand gehaltenen und alljährlich kontrollierten Nistkästen sind für die Erhaltung der Schleiereulenbestände und für den Aufschwung beim Turmfalken von grosser Bedeutung. Beide Beutegreifer sind als Wühlmausvertilger bei den Landwirten in der Regel sehr beliebt. Die Besuche der Projektmitarbeiter auf den Höfen tragen ebenfalls zur Sensibilisierung und zum guten Ruf beider Arten bei. Das koordinierte Monitoringprogramm Turmfalke/Schleiereule schlägt so eine Brücke zwischen Naturschutz und Landwirtschaft, von der beide Seiten profitieren.