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Der Titel ist nicht von mir, es handelt sich um den Titel eines Films, in dem Fredy Scheims die Figur Heiri Bünzli spielt. Diese Figur war zentral für die Verbreitung des Begriffes im 20. Jahrhundert. Doch was ist ein Bünzli? Reicht die Schweizerfahne am Thuja-Busch oder gehört mehr dazu? Wenn Sie in der Deutschschweiz aufgewachsen sind, dann kennen Sie den Begriff und wissen ihn auch richtig einzusetzen. Bünzli ist eine Geisteshaltung, meist eine recht konservative und auf Standarddeutsch würde man wohl Spiessbürger sagen. Der Begriff, wie wir ihn heute verwenden, wurde durch Heiri Bünzli populär und stammt von Gottfried Kellers sparsamer und ordentlicher Figur Züs Bünzlin in der Novelle «Die drei gerechten Kammacher». Ursprünglich ist es ein Zürcher Familienname und geht entweder auf das mittelhochdeutsche «gbin[e]z» (= Binse, grasartige Sumpfpflanze) oder «punze» (= geeichtes Weinfässchen) zurück.
The curmudgeon
Unser Team im Büro ist mehrsprachig, da liegt es nahe, dass man nach Entsprechungen in anderen Sprachen sucht – vor allem, wenn es um spezielle Ausdrücke wie Bünzli geht. Im Englischen stiessen wir auf den Begriff Curmudgeon, gemäss Merriam Webster «a person (especially an old man) who is easily annoyed or angered and who often complains». Well, nahe dran, würde ich sagen. Gibt Bonuspunkte, weil es so ein tolles Wort ist: Curmudgeon. Ah, eine Wohltat.
Le beauf
Ich sprach auch mit der französischen Ecke in unserem Büro, doch wir konnten keine so genaue Übereinstimmung finden. Klar, es gibt den «beauf», gemäss Wikipedia «un stéréotype de personne vulgaire, inculte et bornée». Man könnte den Bünzli als borniert bezeichnen, klar, aber der Bünzli ist nicht ungebildet oder vulgär. Zumindest nicht unbedingt. Er kann es natürlich sein, aber das sind nicht die Eigenschaften, die ihn hauptsächlich definieren. Wir suchten und überlegten und kamen zum Schluss, dass es den Bünzli als Konzept so nicht gibt. Den Spiessbürger machen in der französischen Welt vielleicht einfach andere Eigenschaften aus.
Lo svizzerotto
In Italien wir der Bünzli recht einfach erklärt oder umschrieben: Man redet vom «svizzerotto», vom konformistischen, kleinbürgerlichen Biedermann. Ziemlich treffend. Und dass dafür eine ganze Nation herhalten darf, ist besonders toll.
Ob wir ohne Gottfried Keller wohl einen anderen Begriff dafür hätten? Man weiss es nicht. Wahrscheinlich schon. Die Realität wäre dann aber dieselbe und die Italiener würden vermutlich trotzdem «den Schweizer» zu ihrem Spiessbürger machen. Was solls. Doch so, wie es jetzt ist, kann man sich wenigstens darüber freuen, dass man für den Spiessbürger ein so tolles Wort gefunden hat. Gottfried sei Dank.
Titelbild via Flickr Löschtental (2) – Rilaak (CC BY-SA 2.0). Das alte Bild mit einem beseelten Gartenzwerg nanus hortorum vulgaris) wurde ersetzt, da wir – gemäss der IVZSG (Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge) – die Gefühle des Zwerges verletzt haben. Das neue Bild zeigt das Lötschental. Meine Famillie stammt aus diesem Tal und das Bild passt zum Bünzli-Post, glauben Sie mir.