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Shoddy
und Mungo (Kunstwolle), ein Material, welches durch Auflösung von Wolllumpen in die ursprüngliche Wollfaser gewonnen und jetzt vielfach als Ersatz für Naturwolle zu wollenen Geweben verwendet wird. Obgleich durch dieses neue Rohmaterial die Herstellung sehr billiger Fabrikate möglich geworden ist, so steht der Preis doch in keinem Verhältnis zu der sehr geringen Qualität, welche sich daraus erklärt, daß die zur Verarbeitung gewonnenen Fasern sehr kurz und spröde sind. Zur Fabrikation der Kunstwolle werden Wolllumpen nach der Gespinstfaser, der Gewebeart, der Appretur und nach der Farbe und Feinheit gesondert, von Nähten, Knöpfen, Haken, ¶
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Schnüren etc. befreit und unter dem Namen
Shoddy oder Mungo in den Handel gebracht, indem man zu Mungokunstwollen alle tuchartigen
Stoffe von kürzern Wollfasern, zu
Shoddykunstwollen vorzugsweise ungewalkte Kammwollstoffe und Trikotagen sowie ungeschorne
Stoffe, wie Lama und Fries, verwendet. Lumpen, die Pflanzenfasern enthalten, liefern das sogen. Extrakt, werden karbonisiert, d. h.
mit Schwefel- oder Salzsäure erwärmt, dann mit Alkalien behandelt und gespült.
Dadurch ist die Pflanzenfaser leicht zerreiblich geworden und kann von den wenig angegriffenen Wollfasern durch einfache mechanische Prozesse getrennt werden. Die reinen Wolllumpen kommen sofort in einen mechanischen Entfaserungsapparat, dessen Hauptteil ein Reißwolf ist. Dieser besteht aus einer Trommel von ca. 1 m Durchmesser, welche mit einer großen Zahl spitzer Zähne [* 3] versehen ist, rotiert mit 700-800 Umdrehungen in der Minute und zerreißt die Lumpen in ihre einzelnen Fasern.
Die erhaltenen Fasern haben eine Länge von 5-20 mm, die größte Menge derselben ist aber nur 8-10 mm lang. Die kürzesten
Fasern sind kaum noch zur Spinnerei tauglich und fallen wie Staub aus den Geweben heraus. Je nach der Länge der Fasern wird die
Kunstwolle mit mehr oder weniger Naturwolle im Schlagwolf und im Droussetwolf versetzt. Im übrigen wird die Mungowolle dann
wie gewöhnliche Streichwolle gesponnen. Gut verwendbar ist Mungogarn, mit Baumwolle
[* 4] oder feinen Woll-, resp.
Seidenfäden drilliert. Die
Shoddywolle enthält oft so viele genügend lange Fasern, um ohne Zusatz von Naturwolle versponnen
werden zu können.
Vgl. Grothe, Die Mungo- und
Shoddyfabrikation (»Polytechnisches Zentralblatt« 1869);
Derselbe, Die Streichgarnspinnerei und Kunstwollindustrie (Berl. 1876).