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ANATOMIE : Die Menschen besitzen ein oberflächliches und einen tiefes Venensystem in welchem, im gesundem Zustand, das venöse Blut von den Füssen herzwerts fliesst. Das oberflächliche System ist netzartig unter der Haut verteilt. Das tiefe System verläuft ungefähr in der Längsachse des Beines. Das Blut aus dem oberflächlichen System fliesst durch mehrere "Kanäle" in das tiefe System:
- die Vena saphena magna(VSM) sammelt den Grossteil des Blutes des oberflächlichen Systems und mündet in die Vena femoralis (eine Vene des tiefen Systems) durch die sogenannte Crosse, welche sich in der Leistengegend befindet;
- die Vena saphena parva(VSP) sammelt besonders das Blut der Wade und mündet in das tiefe System auf Höhe der Kniehöhle.
- Die genannten grösseren Venen des oberflächlichen Systems haben mehr oder weniger Seitenäste.
- Zwischen den Venen des oberflächlichen Systems gibt es Querverbindungen, die Kommunikans genannt werden.
- Das Blut der oberflächlichen Venen kann auch direkt in das tiefe System fliessen, und zwar durch senkrechte Verbindungen, welche Perforans heissen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das ganze Blut des Beines schlussendlich in das tiefe System gelangen muss, um von da aus herzwerts zu den Zentral-Venen des Bauches zu fliessen.
PHYSIOLOGIE: Das Blut aus den Beinen muss gegen die Erdanziehung herzwerts fliessen. Dies wird durch mehrere Mechanismen erreicht. Die wichtigsten sind:
- Klappen, die wie Ventile das Blut nur in einer Richtung fliessen lassen.
-
die Muskelpumpe der Beine. Beim Gehen, Springen, Schwimmen
pumpen die Muskeln der Beine das Blut herzswerts. Beim Liegen mit
hochgelagerten Beinen ist der Rückfluss des Blutes erleichtert, da es in die
Richtung der Erdanziehung fliesst.
PATHOPHYSIOLOGIE: Aus verschiedenen Gründen (Entzündungen, geerbte Veranlagungen, Gewebsschwäche, Ueberdruck im Bauch wie z.B. bei einer Schwangerschaft usw.) werden manchmal die Klappen zerstört. Damit fliesst ein Teil des Blutes zurück. Es entsteht ein Ueberdruck der weitere darrunterliegende Klappen zerstört. Zum Beispiel: Wenn die Klappe der Einmündungsstelle der Vena saphena magna(VSM)- die Crosse - zerstört wird, fliesst ein Teil des Blutes
aus dem tiefen Venensystem zurück in das oberflächliche System. Durch den entstandenen Ueberdruck werden die darrunterliegenden Klappen der Reihe nach zerstört. Durch den Ueberdruck erweitern sich auch die Venen und bekommen einen geschlängelten Verlauf. Somit entsteht mit der Zeit ein Teufelskreis. Das Blut aus dem tiefen System fliesst wieder in das oberflächliche System zurück. Von da gelangt das Blut wieder in das tiefe System, damit es auf der Höhe der Leiste wieder durch die undichte Klappe in das oberflächliche System gelangt. Mit der Zeit staut sich das Blut in den Beinen. Die gestörte Durchblutung und der Ueberdruck bewirkt die Ihnen bekannten Beschwerden (Krämpfe, schwere Beine, geschwollene Beine etc.). Ausserdem wird die Haut der Unterschenkel dicker, dann dunkler gefärbt und schlussendlich erscheinen die offenen Stellen (Ulzera).
Aus der kurz geschilderten Physiopathologie ergibt sich die logische Schlussfolgerung, dass die Krampfadern in einem frühen Stadium behandelt werden müssen. So erspart der Patient sich die unangenehmen Komplikationen, die viel schwerer zu behandeln sind.
DEFINITION: Krampfadern (Varizen) sind krankhafte Erweiterungen der Venen, bedingt durch die Abflussstörungen. Krampfadern können überall im Körper sein. Am häufigsten treten sie an den Beinen auf.
FORMEN: Stammvaricosis: Erweiterungen der 2 grossen Venen des Unterschenkels (Vena saphena magna, Vena saphena parva).
Seitenastvaricosis : Erweiterungen der Seitenäste dieser großen Venen.
Besenreiser : Sind die feinen, dünnen, oberflächlichen Venen die durch die Haut schimmern.
THERAPIE: Man behandelt die Krampfadern (Varizen) je nach Stadium konservativ oder/und operativ.
-konservative Massnahmen: Hochlagern der Beine, Stützstrümpfe, Medikamente, Verödung, Laser (feine Besenreiser).
-operative Massnahmen: Durch
kleinere oder grössere chirurgische
Eingriffe werden die Ursachen der Krampfadern und zum Teil diese selbst
entfernt.
OPERATIONEN:
-kann man in örtlicher Betäubung, Rückenanästhesie oder
Intubationsanästhesie (Schlafen) durchführen, je nach Grösse des
geplanten Eingriffes.
-kann man ambulant oder stationär durchführen lassen. Auch da ist die
Grösse des geplanten Eingriffes bestimmend. Der Spitalaufenthalt dauert ca. 2
- 5 Tage.
Die
Grösse des Eingriffes wird von dem Stadium der Krampfadern bestimmt: Das
einfachste ist, in der Leistengegend die kranke Einmündung - die Crosse -
der Vena sphena magna zu durchtrennen.
Ein
grösserer Eingriff ist die Herauszerrung der Vena saphena magna oder parva
mittels einer Sonde. Die Seitenäste werden durch sehr kleine Hautschnitte
entfernt. Man muss dementsprechend mehrere grössere und kleinere Hautschnitte
durchführen. Die Stelle wo geschnitten werden muss zeichnet der Operateur
am Vorabend mit einem wasserfesten
Stift ein, nachdem er die Beine gründlich untersucht hat.
ANLEITUNGEN
für das VERHALTEN nach
KRAMPFADEROPERATION
DUSCHEN: Darf man ab dem 6. postoperativen Tag (Tage nach der Operation, Operationstag = Tag 0). Während des Duschens muss das operierte Bein nicht verbunden sein. Gleich nach dem Abtrocknen muss das operierte Bein, im Bett liegend, (nicht mit hängendem Bein) eingebunden werden. Dies gilt ebenfalls für das Anziehen der Stützstrümpfe.
BADEN: Darf man ab dem 21. postoperativen Tag.
FAEDENENTFERNUNG:
Erfolgt bei den kleinen Wunden (bis 4mm) am 6-7.Tag und bei den grösseren
Wunden ab dem 10. postoperativen Tag.
ELASTISCHE
BINDEN: müssen während den ersten 6 -10
postoperativen Tagen auch nachts (24 Stunden) getragen werden. Bei Lockerung
darf der Patient selbst nachverbinden.
STUETZSTRUEMPFE:
Werden ab dem 6 - 10. postoperativen Tag angezogen und
4 - 6 Wochen getragen, jedoch nur während des "Aufseins".
DAS BETT: Das Bettende soll ca. 30 cm höher als der Bettkopf sein. Dadurch fliesst das Blut aus den Beinen leichter herzwerts.
!!!!!!!! : Gehen darf man ab dem Operationstag so lange man will. Das längere
Stehen soll man vermeiden. Durch "Tretbewegungen" kann beim Stehen die Blutzirkulation günstig beeinflusst werden.(Dadurch pumpt die Muskelpumpe das Blut herzwärts).
SITZEN:
Man darf mit ausgestreckten Beinen sitzen. Vorteilhafter ist, wenn die Beine,
während des Sitzens, auf einem anderen Stuhl hochgelagert sind. Im
allgemeinen soll man immer entsprechende Massnahmen treffen die der
Blutzirkulation in den Beinen helfen.
SPORT: Ab dem 14. postoperativen Tag darf man leicht Sport betreiben. Ab dem 21. postoperativen Tag kann man voll trainieren.
"Gute" Sportarten sind: Schwimmen, Jogging, Langlauf, Velofahren
"Schlechte" Sportarten sind: Schach, Reiten, alpiner Ski (erst nach 6-8 Wochen erlaubt).
BLUTVERDUENNUNG: Wird nur während des Spitalaufenthalts gemacht. Bei Patienten mit besonderem Risiko kann diese auch nach dem Spitalaustritt fortgeführt werden.
NACHBEHANDLUNG: Wird durch den einweisenden, respektive Hausarzt durchgeführt.
Es ist erwünschenswert, dass man wenigstens 1X pro Jahr die Beine "kontrollieren" –lässt, um rechtzeitig neue Krampfadernzu entdecken und je nachdem, sie zu veröden oder durch Miniinzisionen ambulant und in Lokalanästhesie zu entfernen.
Beim Erscheinen von neuen Krampfadern(Varizen) sollten Sie sich möglichst bald beim Hausarzt melden.
Bei der Varizenoperation wurden nur die zur Operationszeit kranken, grösseren Venen entfernt. Eine ev. Verödung der kleineren Krampfadern ist manchmal notwendig. Neue Krampfadern können unter Umständen durch Dekompensation der verbliebenen oberflächlichen Venen entstehen. Diese sollten schon in einem Anfangsstadium therapiert werden.
Ø Regelmässige Kontrollen und Einhaltung der Massnahmen, die die Blutzirkulation in den Beinen begünstigt, sind die wichtigsten Faktoren die nach einer Varizenbehandlung befolgt werden müssen, damit ein dauerhaftes gutes Resultat gesichert wird.

Dr. med. O.
Minciu