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Drei Männern aus der Stadt Timbuktu gelang vor ein paar Jahren ein Coup, der im Kulturgüterschutz weltweit einzigartig ist. Mehrheitlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit organisierten die drei Bibliothekare den heimlichen Abtransport zigtausender historischer Manuskripte aus Timbuktu, um sie vor der sicheren Zerstörung durch Jihadisten zu schützen.
Rettungsaktionen wie im Abenteuerroman
In den gut zehn Monaten zwischen März 2012 und Februar 2013 war der Norden Malis unter der Kontrolle eines Ablegers der Al-Qaida. Die radikalen Islamisten wollten dort einen islamischen Staat mit Regeln und Gesetzen auf dem Stand der Zeit kurz nach dem Propheten Mohammed einrichten.
Die Geschichte dieser Rettungsaktionen liest sich wie ein Abenteuerroman. Nachlesen kann man sie im Buch «Die Bücherschmuggler von Timbuktu», einem ausführlichen und detailliert recherchierten Sachbuch des britischen Autors Charlie English.
Schriften von unvorstellbarem Wert
Diese historischen Manuskripte von Timbuktu sind wichtige Zeugnisse der islamischen Kulturgeschichte. Sie decken einen enorm weiten Bereich an Inhalten ab: Da gibt es alles von einfachen Rechnungen und Verträgen bis zu aufwändig illustrierten Koranabschriften und Auslegungen. Die Texte gehen bis ins 15. Jahrhundert zurück und sind von teils unschätzbarem Wert.
Als die Jihadisten Mitte 2012 begannen, jahrhundertealte Mausoleen zu zerstören, wurde klar, dass sie vor Zeugnissen der islamischen Kulturgeschichte nicht haltmachen würden.
Abdulkadri Idrissa Maiga, Abdelkader Haidara und Ismael Diadié Haidara trafen sich deshalb in Malis Hauptstadt Bamako und berieten, was zu tun sei.
Maiga war zu der Zeit der frischgebackene Chefbibliothekar des Ahmed-Baba-Zentrums in Timbuktu, einer Nationalbibliothek. Abdelkader Haidara war für dieses Zentrum lange Zeit als Manuskriptsucher in ganz Mali unterwegs und war entscheidend daran mitbeteiligt, dass es überhaupt eine so substantielle Sammlung an Manuskripten besass.
Sein Namensvetter Ismael Diadié Haidara war der Leiter der Fondo-Kathi-Bibliothek, einer der grössten privaten Sammlungen in Timbuktu.
Rettung bei Nacht und Nebel
Drei Zivilpersonen also, nicht der malische Staat, und auch keine internationale Organisation, haben hier die die Initiative ergriffen. Die UNESCO bekam zwar Wind von ihren Aktionen, doch sie wurde von den Bibliothekaren ausdrücklich angewiesen, keine internationale Aufmerksamkeit auf das Projekt zu lenken. Denn das hätte auch die Aufmerksamkeit der Jihadisten erregt und die Manuskripte einer noch grösseren Gefahr ausgesetzt.
Die drei Bibliothekare entschlossen sich, dass zuerst die Bestände des Ahmed-Baba-Zentrums in Timbuktu in Sicherheit gebracht werden sollten. Dafür schickten sie in einem Probelauf drei Kundschafter nach Norden.
Sie sollten veruchen, an den Jihadisten vorbei ins alte Bibliotheksgebäude zu gelangen, wo noch über 20'000 Manuskripte lagerten. Falls das gelingt, sollten sie in ihrem Gepäck einige Manuskripte zurück nach Bamako schmuggeln.
Diese Aktion war ein Erfolg, doch sie war auch mit einigen Komplikationen verbunden. Die Organisatoren zogen die Konsequenz daraus: Im Anschluss stand nur noch ein Mann im Zentrum. Nur mit der Hilfe eines Hausmeisters und dessen Sohns verpackte er die gut 20'000 Manuskripte in verschliessbare Metallkisten.
Buchhinweis
Charlie English: «Die Bücherschmuggler von Timbuktu». Hoffmann und Campe, 2018.
Meist nachts wurden diese Kisten aus der Bibliothek ins Lokal eines Händlers am Stadtrand verschoben. Und von dort aus traten die Kisten, zuunterst auf Lastwagen versteckt, den Weg nach Bamako an, wo Haidara und seine Mitstreiter sie in Empfang nahmen.
Lage noch unstabil
Seitdem lagern die Manuskripte aus der Nationalbibliothek – sowie zigtausende weitere aus privaten Bibliotheken – in Bamako. Die Situation im Norden des Landes hat sich zwar seit 2013 etwas beruhigt, doch sie ist nach wie vor zu instabil, als dass ein erneuter Umzug der Manuskripte in Frage käme.