Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03595.jsonl.gz/2660

Saulcy, 1888
- DE: Kurzflügel-Dornschrecke
- FR: Le Tétrix à ailes courtes
- Syn.: No synonym!
Morphologie
Tetrix kraussi wird hier als eigenständige Art behandelt. Die Art zählt zu den grössten und schwersten Dornschrecken Mitteleuropas. Farbe und Zeichnung sind sehr variabel, häufig überwiegen braune, graue bis fast schwarze Farbanteile. Viele Tiere weisen auf der Oberseite des Halsschilds zwei dunkle Flecken auf, die aber auch fehlen können. Das Halsschild erreicht bei beiden Geschlechtern das Hinterleibsende. Sehr selten treten langdornige Individuen auf. Die besten Erkennungsmerkmale der beiden Arten Tetrix kraussi und Tetrix bipunctata, die sich morphologisch nur anhand der Hinterflügellänge unterscheiden, sind folgende: Von oben betrachtet ragt der Halsschildvorderrand deutlich winklig gegen den Kopf vor (Kapuze). Der breite Stirngipfel ragt stumpfwinklig über die Augen hinaus. Die Fühler sind insgesamt kurz, die längsten Glieder sind maximal 2x so lang wie breit. Der sichtbare Teil der Hinterflügel ist bei Tetrix kraussi etwa gleich lang (0,6-1,2x) wie die Vorderflügel und damit deutlich kürzer als bei allen anderen Dornschrecken. Der Hinterschenkel ist weniger als 3x so lang wie hoch und damit untersetzter als bei Tetrix undulata. Von der Seite betrachtet, ist der Mittelschenkel ca. 1,5-2x so breit wie der sichtbare Teil des Vorderflügels. Um die Hinterflügel der Tetrix-Arten zu sehen, nimmt man die Tiere am besten in die Hand und hebt mit einem Grashalm das Halsschild leicht an.
Gesang
Einige Dornschrecken kommunizieren, indem sie mit den Hinterbeinen auf den Boden schlagen. Es ist uns nicht bekannt, ob Tetrix kraussi ein solches Verhalten zeigt.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Tetrix kraussi erstreckt sich über Mitteleuropa von den Alpen bis ins nördliche Deutschland und im Osten über den Balkan bis in die Schwarzmeer-Region. In der Schweiz kommt die Art hauptsächlich im Jura, im Schaffhauser Randen und im Tessin vor. Aus dem Mittelland sind ebenfalls einige Funde bekannt. In Deutschland ist Tetrix kraussi in den wärmebegünstigten Kalklagen in Mittel- und Süddeutschland verbreitet. Das genaue Verbreitungsgebiet von Tetrix kraussi ist unklar, da die beiden nahe verwandten Taxa Tetrix kraussi und Tetrix bipunctata oft nicht separat gemeldet wurden. Um ein Verbreitungsmuster dieser beiden Arten zu erlangen, sollten wenn möglich immer die Hinterflügel angeschaut werden und die Beobachtungsdaten den jeweiligen Datenzentralen weitergeleitet werden.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere treten von März bis Dezember auf.
Tetrix kraussi scheint sich im Verhalten nicht von Tetrix bipunctata zu unterscheiden.
Lebensraum
Tetrix kraussi ist wärmeliebender als Tetrix bipunctata und zeigt sowohl in Deutschland als auch in den Nachbarländern eine Bevorzugung für Kalkgebiete. Diese Bevorzugung scheint mit dem trockenen Mikroklima zusammenzuhängen. Es sind oft sonnige Hänge mit spärlichem Bewuchs. Im Jura besiedelt Tetrix kraussi Trockenrasen mit hohem Anteil an offenen Bodenstellen und steinige Flächen. Im Schaffhauser Randen findet man Tetrix kraussi sowohl auf Waldlichtungen mit viel Falllaub und Totholz als auch entlang von Waldrändern und Hecken in Halbtrockenrasen. In Deutschland werden Kalkmagerrasen bevorzugt.
Gefährdung & Schutz
Da die beiden Taxa Tetrix bipunctata und Tetrix kraussi in der Vergangenheit oft nur als Tetrix bipunctata erfasst wurden, ist eine Aussage über die Gefährdung von Tetrix kraussi kaum möglich.
- CH: NT (Potenziell gefährdet)
- DE: 3 (Gefährdet)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: NE (Nicht beurteilt)
Ähnliche Arten
Tetrix kraussi gleicht in allen Belangen Tetrix bipunctata und ist nur durch die kürzeren Hinterflügel eindeutig von dieser zu unterscheiden. Um die Länge der Hinterflügel zu sehen, müssen die Tiere in die Hand genommen werden. Am besten hält man die Tiere mit einer Hand fest und schiebt das Halsschild mit einem Grashalm zur Seite. Die kurzen Hinterflügel unterscheidet Tetrix kraussi auch von allen anderen Tetrix-Arten. Bei Tetrix bipunctata und Tetrix undulata ist der Hinterflügel mindestens 2x (1,5-2,5x) so lang wie der sichtbare Teil des Vorderflügels, bei allen anderen Dornschrecken sind die Hinterflügel deutlich länger. Tetrix tenuicornis hat dünne, fadenförmige Fühler, die insgesamt deutlich länger sind als bei Tetrix kraussi.