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Weg-Wort vom 27. Januar 2020
Im Sommer und im Winter treffe ich eine Urlaubsfreundin. Sie hat studiert. Mathematik und Physik sind ihre Fächer. Sie unterrichtet an einem Gymnasium.
Wenn wir Urlauber uns am Tisch unterhalten, wenn wir beim Kartenspiel lachen oder die Volleyballmannschaften anfeuern, die die Jugendlichen bilden, sitzt sie schweigsam dabei. Sie lacht selten, sie wirkt traurig, sogar unglücklich. Sie hat einen anstrengenden Alltag. Ihr behinderter Mann baut geistig und körperlich ab, er nörgelt ständig. Das fordert und überfordert sie.
Wenn es Nacht wird, stelle ich mich gerne mit ihr auf die Terrasse. Sie deutet dann in den Himmel und zeigt mir das Sommerdreieck oder das Wintersechseck, sie weiss, dass blaue Sterne besonders heiss sind, sie beschreibt mir, wo das Sternbild des Schwans über den Himmel fliegt, und erzählt, dass es auch Kreuz des Nordens heisst. Von ihr weiss ich, dass der hellste Stern dieses Sternbildes Deneb heisst. Daneben sieht sie die Leier mit der Wega… Immer weiter und weiter deutet sie mit dem Finger auf die Sterne am Himmel und erklärt begeistert.
Mir schwirrt der Kopf und ich bin fasziniert. Sie weiss das nicht, aber ich stelle mich so gerne mit ihr unter den Himmel, weil ich dann das Leben in ihr spüre, ihre Energie, ihr Wissen. Der Sternenhimmel ist ihre Flucht und ihre Zuflucht, im Weltraum ist sie zuhause.
Ich brauche diese Momente, in denen sie mit sich in Kontakt ist, damit auch ich mit ihr in Kontakt kommen kann.