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- Waffe nach Typ
- Waffen nach Land
- Highlights der Sammlung
Silbergefäss, aus gegossenen und ziselierten Teilen zusammengesetzt. Auf der Knaufscheibe die plastische Darstellung eines gestellten Keilers, der einen Jäger zu Fall gebracht hat. Auf der Vorderseite des massiven Griffes erscheint ein jugendlicher Jäger, der in sein Horn bläst, die Rückseite mit der gravierten und ligierten Initiale «C» von einer Krone überhöht für «Prinz Carl von Preussen». Das teilweise durchbrochen gearbeitete Stichblatt, sig. «HOSSAUER BERLIN 13 LOTH», zeigt ebenfalls in plastischer Ausformung einen Keiler, der von drei Hunden angegriffen wird.
Gerade Klinge (Länge 54,4 cm, Breite 2,7 cm) aus Schmiededamast mit gestecktem Rücken und Schör.
Schwarze Lederscheide, Silbergarnitur, Mundblech und Stiefel mit jagdlichem Dekor, gravierte Inschriften: Mundblech – «Eingeweiht durch den von Sr. Majestät dem Könige nach einer flotten Parforce-Jagd am St. Hubertustage 1851, einem 5jährigen Keiler gegebenen Fang auf dem Pichelswerder [Grunewald]». Stiefel – «S. M. Kaiser Alexander II, gab am St. Hubertustage 1864 nach einer flotten Parforce-Jagd im Grunewald, einem starken Keiler mit ihm den Fang».
Gesamtlänge: 69,3 cm, Gewicht (ohne Scheide): 621 g, Gewicht (mit Scheide): 854 g
Provenienz: Auktion Galerie Jürg Stuker, Bern, 7. 11. 1962, Nr. 29.
Die Waffe lieferte der 1850 zum Hoflieferanten des preussischen Königs Friedrich Wilhelm IV. und seines Bruders, des Prinzen Carl (1801 – 1883), beförderte Berliner Goldschmied Hossauer. Als Taufpate von Hossauers Tochter, Marie Caroline Wilhelmine, trat Prinz Carl schon am 1. Juli 1828 in Erscheinung. Für seinen Förderer und Gönner schuf Hossauer 1850/51 ein Hirschfänger-Prunkgefäss in Silber. Zur Montage dürfte er das Gefäss einem ortsansässigen Degenschmied übergeben haben. Bei der Veranstaltung grosser Jagdanlässe bot sich dem Adel seit jeher die Möglichkeit einer eindrücklichen Selbstdarstellung. Obschon das adelige Jagdprivileg beispielsweise in Preussen in der Revolution von 1848 in Frage gestellt wurde, vermochte es sich dennoch zu behaupten. Im Interesse der Grossgrundbesitzer erliess König Wilhelm IV. (1795 – 1861) am 7. März 1850 ein neues Jagdgesetz, das für die Ausübung des Jagdrechts den Besitz von mindestens 75 Hektaren Grund und Boden voraussetzte. Eine Inschrift auf dem Scheidenmundblech nimmt sowohl Bezug auf den preussischen König Wilhelm IV. als auch auf den erstmaligen, jagdlichen Einsatz dieses Prunkhirschfängers: «Eingeweiht durch den von Sr. Majestät dem Könige nach einer flotten Parforce-Jagd am St. Hubertustage 1851, einem 5jährigen Keiler gegebenen Fang auf dem Pichelswerder (Grunewald)». Am 3. November 1851, dem Festtag des Schutzpatrons der Jäger, St. Hubertus, hatte sich die königliche Jagdgesellschaft unweit von Berlin zu einer Parforcejagd, das heisst zu Pferde von Hunden begleitet, eingefunden. Der König versetzte bei diesem Anlass einem kapitalen Keiler den Fangstoss. Weil üblicherweise die als besonders gefährlich geltenden männlichen Wildschweine, die Keiler, mit dem Jagdspiess abgefangen wurden, galt die Verwendung eines kurzen Hirschfängers als besonders mutig und wurde daher speziell erwähnt.
Auch ein Cousin den Preussenkönigs, der russische Zar Alexander II. (1818-1881), erlegte 1864 auf die gleiche Art mit der gleichen Waffe ebenfalls am St. Hubertustag einen «starken Keiler», wie einer weiteren Inschrift auf dem Scheidenstiefel zu entnehmen ist: «S.M. Kaiser Alexander II., gab am St. Hubertustage 1864 nach einer flotten Parforce-Jagd im Grunewald, einem starken Keiler mit ihm den Fang». Wenige Tage zuvor, am 30. Oktober 1864, war den im Krieg gegen Dänemark erfolgreichen Verbündeten, Preussen und Österreich, die Herzogtümer Schleswig-Holstein und Lauenburg zugesprochen worden. Die Präsenz des Zaren in Berlin zeigt, dass die preussisch-russischen Beziehungen zu jenem Zeitpunkt ungetrübt waren. Während des unlängst niedergeschlagenen Polenaufstandes von 1863 hatte König Wilhelm IV. den Zaren nach Möglichkeit unterstützt.
Der Besitzer der Waffe lässt sich dank den ligierten Initialen «C» auf der Griffrückseite, welche von der Preussenkrone überhöht werden, ermitteln. Es handelt sich um den Bruder König Wilhelms IV., den Prinzen Friedrich Carl von Preussen (1801-1883), der die Funktion eines Generalfeldzeugmeisters und Chefs der Artillerie ausübte. Der Rang eines russischen Generalfeldmarschalls belegt die Nähe Carls zum Hause Romanov. Als begeisterter Waffensammler, dessen mehr als 1000 Objekte zählende Sammlung 1876 in einem Prachtsband publiziert wurde, dürfte Prinz Carl an diesem Hirschfänger besondere Freude gehabt haben. Als Griffwaffe erhielt der Hirschfänger seine Bezeichnung von seinem primären Verwendungszweck, Hirsche abzufangen. Wie das Beispiel zeigt, wurden mit Hirschfängern auch anderen Tieren den Fangstoss beigebracht.
Das plastische, aus zwei Gussstücken, Knauf, Griff samt Parierstange und Stichblatt, zusammengesetzte Gefäss trägt die Signatur des bekannten Berliner Goldschmieds Johann Georg Hossauer (1794-1874): «HOSSAUER BERLIN 13 LÖTH».
Bei der Taufe von Hossauers Tochter Marie Caroline Wilhelmine am 11.7.1828 tritt Prinz Carl von Preussen als Taufpate in Erscheinung. 1850 wird Hossauer zum Hofgoldschmied des preussischen Königs Wilhelm IV. und seines Bruders, des Prinzen Carl, ernannt. Für seinen Gönner, den Prinzen Carl, schuf er 1850/51 diesen Prunkhirschfänger, die einzige Waffe, welche sich bisher in seinem reichen Œuvre nachweisen lässt. Der voll- und halbplastische Dekor hat die Wildschweinjagd zum Thema. Auf dem Knauf bringt ein wütender, von einem Hund attackierter Keiler einen bärtigen Jäger zu Fall. Auf der Griffvorderseite ruft ein junger Jägersmann ebenfalls in mittelalterlich-romantischer Kleidung mit dem Horn seine Kameraden zu Hilfe. Es gilt, den zu seinen Füssen von drei grossen Hunden gestellten Keiler zu erlegen. Diese mit grosser Wahrscheinlichkeit auf zeichnerischen Vorlagen beruhenden Jagdszenen wurden vom Goldschmied effektvoll umgesetzt.
Die Klinge (Länge 54,4 cm) mit gestecktem Rücken und Schör aus geschmiedetem Damaststahl weist in der Mitte einseitig starke Korrosionsspuren auf. Auch die silberne Scheidengarnitur ist reich gearbeitet. Mundblech und Stiefel zeigen in eichenlaubumrankten Medaillons eine Gruppe von drei Jagdhunden oder einen von zwei Hunden angegriffenen Keiler. Für die Montage des Hirschfängers und die Anfertigung einer Scheide dürfte Hossauer die Hilfe eines Berliner Degenschmieds beansprucht haben. Der Prunkhirschfänger aus der Sammlung Carl Beck dokumentiert, dass dem Historismus auch im Waffenbereich eigenständige, originelle Lösungen gelangen.
Literatur: Slg. Carl Beck, Katalog 1998, S. 44/47, Nr. 8, Farbtafel