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Der Frauengipfel ist die erste UNO-Grossveranstaltung, die teilweise dem Coronavirus zum Opfer fällt. Staatschefs und Ministerinnen wurden wieder ausgeladen – aus der Schweiz hätte Innenminister Alain Berset teilnehmen sollen.
Der Anlass wurde von über einer Woche auf einen einzigen Tag gekürzt. Hunderte von Rahmenveranstaltungen wurden abgesagt. Damit wird der Jubiläumsgipfel 25 Jahre nach Peking weit weniger öffentlichkeitswirksam als erhofft. Und vor allem weit weniger als nötig wäre.
Von der ersten Frauenkonferenz 1975 bis heute
Die erste UNO-Frauenkonferenz fand 1975 in Mexiko statt. Dort wurden die drei Grundziele Gleichheit, Entwicklung und Frieden vereinbart. An der nächsten Konferenz 1980 in Kopenhagen hat man sich auf den gleichen Zugang von Frauen zu Bildung, Beschäftigung und Gesundheitsversorgung konzentriert. 1985 in Nairobi wurde gefordert, dass Frauen an allen Entscheidungsprozessen mitwirken. Erst 1995 in Peking wurden mit einer Aktionsplattform schliesslich konkrete Massnahmen der Umsetzung dieser Forderungen beschlossen.
Um die Gleichberechtigung steht es nämlich nicht gut. Das zeigt der von der UNO-Frauenorganisation «UN Women» publizierte, bisher umfassendste Bericht über 170 Länder zum Thema. Es gebe zwar Fortschritte, vor allem im Gesundheitswesen und in der Bildung, sagt Phumzile Mlambo-Ngcuka, die Direktorin von «UN Women».
Doch noch immer absolvierten viel zu viele Mädchen keine volle reguläre Schulzeit; würden viel zu viele als Teenager schwanger; hätten hunderte Millionen Frauen keine Möglichkeit zur Empfängnisverhütung; leisteten Milliarden den Grossteil der unbezahlten Arbeit, im Haushalt und in der Kinderbetreuung und kämen dafür im Erwerbsleben zu kurz.
Eigentlich müsste Frauenförderung in jedem Land ein Selbstläufer sein, weil sie derart viele Vorteile bringen würde.
Jede fünfte Frau werde ausserdem Opfer häuslicher Gewalt, Tendenz in manchen Ländern gar steigend. 75 Prozent aller Parlamentarier weltweit sind Männer. Und 73 Prozent aller Manager. «Eigentlich», sagt Mlambo-Ngcuka, «müsste Frauenförderung in jedem Land ein Selbstläufer sein, weil sie derart viele Vorteile bringen würde.» Doch patriarchalische Strukturen, rückständige Gesetze, Vorurteile und Frauenfeindlichkeit verlangsamten den Fortschritt schmerzhaft.
«Frauenverhinderer» macht vorwärts
Noch schärfer formuliert es UNO-Generalsekretär António Guterres: Die Benachteiligung von Frauen sei inakzeptabel und vor allem stupid. Als Guterres zum UNO-Generalsekretär gewählt wurde, setzte er sich durch gegen gute Frauenkandidaturen.
Als Frauenverhinderer kritisiert, machte Guterres immerhin als erster UNO-Generalsekretär ernst mit der Frauenförderung in der UNO-Verwaltung. Er hat sein Ziel, fünfzig Prozent Frauen in der UNO-Chefetage, erreicht. In der Benachteiligung der Frau sieht er die weltweit gravierendste und politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich schädlichste Ungerechtigkeit.
Wir müssen das das Zurückdrängen zurückdrängen.
Sowohl die Chefin von «UN Women» als auch der UNO-Generalsekretär beurteilen die aktuellen Rahmenbedingungen für Fortschritte negativer als sie vor 25 Jahren während des Pekinger Frauengipfels waren: Mehr Autoritarismus, weniger Rechtsstaatlichkeit, weniger Demokratie weltweit – das schade auch der Gleichberechtigung.
Deshalb hat Guterres den heutigen UNO-Gipfel mit einem Kampfruf eröffnete: «Wir müssen das Zurückdrängen zurückdrängen.» Neue, ehrgeizigere Ziele sind in New York keine gesetzt. Schon das allmähliche Erreichen jener von Peking 1995 wäre ein Erfolg.