Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03590.jsonl.gz/723

STRAWINSKY ? STRAVINSKY ? STRAVINSKI ?
In Europa signierte Igor mit „Strawinsky“ als korrekte phonetische Betonung, um zu verhindern, dass das „v“ vor allem im deutschsprachigen Raum als „f“ ausgesprochen wird. Als er sich dann 1939 in Amerika niederliess wählte er das „v“, das in der englischen Sprache zum „w“ wird. Er wurde damit zum Igor Stravinsky. Die UNESCO vereinheitlicht die Schreibweise slawischer Namen und aus dem polnischen „i“ und dem russischen „ij“ wird nun „i“ (Stravinski). Théodore hingegen hat die ursprüngliche Schreibweise des Namens, Strawinsky, beibehalten.
Théodore Strawinsky wird am 24. März in S. Petersburg geboren. Er ist das erste Kind des Komponisten Igor Stravinsky und seiner Gattin Catherine, geb. Nossenko. Seine Geschwister Ludmila, Soulima und Milène, kommen in den Jahren 1908 bis 1914 zur Welt.
Von 1910 an wählt die Familie Stravinsky als Winterquartier Montreux-Clarens (Schweiz). Den Sommer verbringt sie auf ihrem Landgut in Ustilug (Ukraine).
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges veranlasst die Stravinskys in der Schweiz zu bleiben. Sie wohnen in Clarens, im Haus des Dirigenten Ernest Ansermet und ab 1915 in Morges in der Villa Rogivue. Anschließend im Haus Bornand.
Charles Ferdinand Ramuz, René Auberjonois und Alexandre Cingria sind häufige Gäste der Familie und ermuntern Théodore zu zeichnen und zu malen. Er malt seine ersten Bilder, u. a. das Aquarell Erstaufführung der Histoire du Soldat.
Igor Stravinsky, der die Russische Nationalität bald verlieren sollte, bleibt nach Kriegsende mit seiner Familie in Morges.
1920. Die Stravinskys verlassen die Schweiz und lassen sich in Garches in der Villa Bel Respiro bei Coco Chanel nieder.
1921. Théodore entdeckt die Ballets Russes von Diaghilew und bekommt Ratschläge und Ermunterungen von Georges Braque, Pablo Picasso und André Derain.
Im Herbst, Einrichtung in der Villa des Rochers in Biarritz. Das Klima entpuppt sich allerdings als zu rau für die fragile Gesundlheit von Igors Frau Catherine.
1924. Niederlassung in der Villa des Roses in Nizza. Regelmässige Besuche bei Jean Cocteau in Villefranche-sur-Mer.
1927. Erste Einzelausstellung in der Galerie Aux Quatre Chemins in Paris. Ein Jahr später finden sich im Gästebuch seiner zweiten Ausstellung in der gleichen Galerie Unterschriften und Skizzen bekannter Namen :Rouault, Lifar, Sauguet, Goossens, Souvtchinsky, Ansermet, Diaghilew oder Lourié.
1929. Sommerferien in der Nähe des Lac Paladru, Dept. Isère. Dort besuchen sie Prokofiew, der in der Nähe seine Ferien verbringt.
1930-1932. Théodore besucht Kurse an der Académie André Lhote in Paris. Umzug der Familie in das Château de la Véronnière in Voreppe, Nähe Grenoble.
Théodore kommt erstmals in Kontakt mit der Theaterwelt indem er die Dekors von Loire, von Adré Obey entwirft, das im Theater Vieux Colombier in Paris aufgeführt wird. Es folgen über zehn Aufträge für Theaterdekors und Kostüme in Frankreich, Belgien und der Schweiz.
Der Künstler versucht sich auch in der Technik für Gravuren und realisiert um die fünfzig Zirkusszenen, Ballerinas, Tänzerinnen, Akte, sowie Portraits von Ramuz, Lifar und von seinem Vater.
Seine Arbeiten werden in Galerien in Paris, Lausanne und Basel, wie auch im Musée de l'Athénée in Genf ausgestellt.
Die Stravinskys, (mit Ausnahme von Théodore) werden in Frankreich eingebürgert , lassen sich in Paris nieder, zuerst an der Rue Viète 21, dann am Faubourg Saint Honoré 25.
Durch Jean Cocteau lernt Théodore Jacques Maritain in Meudon kennen und begegnet dort seiner späteren Ehefrau, Denise Guerzoni.
Théodore führt die Aufträge für die Buchillustration von Molière's Les Fourberies de Scapin aus. Weitere sechzehn Aufträge folgen, u. a. Le Cirque von Ramuz, die er in lithografischer Technik ausführt. Die Kritik lobt die Leichtigkeit der Darstellung und das respektvolle Eingehen auf die Atmosphäre des originalen Werkes.
29. Juni 1936. Heirat von Théodore Strawinsky mit Denise Guerzoni in Paris, Tochter der Schweizer Malerin Stéphanie Guerzoni, damals Schülerin von Ferdinand Hodler. Sie ist auch die Schwiegertochter des tschechischen Schriftstellers und Diplomaten Josef Palivec, zweiter Ehemann ihrer Mutter.
30. November 1938. Ableben von Ludmila, die Schwester von Théodore, an Lungentuberkulose. Sie ist die Mutter der einjährigen Tochter, die denselben Namen wie ihre Grossmutter trägt, Catherine.
Im März muss Théodore den Tod seiner Mutter Catherine beklagen und im Juni den Tod seiner Grossmutter väterlicherseits, Anna.
Igor verlässt im September Europa und zieht in die USA. 1945 erlangt er die US-Staatsbürgerschaft. 1946 und 1947 ziehen Soulima und Milène mit ihren Familien zu ihm nach.
Théodore, staatenlos nach der Russischen Revolution, tritt in die französische Armee ein. Er wird in Le Mans aufgeboten, doch bald darauf aus gesundheitlichen Gründen entlassen. René Auberjonois bietet ihm in der Nähe seines Sohnes Maurice.sein Haus in Villemur-sur-Tarn, Haute-Garonne an.
1940. Ausstellung in der Perls Galleries in New York.
Igor Stravinsky heiratet in zweiter Ehe Vera Soudeikine.
1941. Unter dem Vichy Regime verhaftet, wird Théodore einige Monate später aus dem Lager Récébédou entlassen.
1942. Théodore und Denise gelangen in die Schweiz und lassen sich in Genf nieder. Die Galerie Georges Moos organisiert mehrere Ausstellungen des Künstlers zwischen 1942 und 1947. Bis zu seinem Tod 1989 zeigt Théodore regelmässig seine Werke in der Schweiz, in Frankreich und in Italien, über fünfzig Ausstellungen zu seinen Lebzeiten.
1943. Iouri Mandelstamm, Witwer von Ludmila und Vater der 6-jährigen Catherine, stirbt im Lager Jaworzno in Polen.
Théodore realisiert die Illustrationen für Noces et autres histoires, von Ramuz.
Von 1944 bis 1963 realisiert der Maler mehrere Theaterdekors und die Kostüme, u. a. für L’Histoire du soldat und Sodome et Gomorrhe (1944), Petruschka (1945), The Rake’s Progress (1952) und Der Feuervogel (1962).
1946. Denise und Théodore nehmen die Nichte Catherine zu sich auf, die nach vielen Jahren im Sanatorium in Leysin ein Zuhause findet.
1948. Théodore bekommt einen Auftrag für fünf Kirchenfenster in Siviriez, Nähe Fribourg. Er redigiert Le Message d'Igor Strawinsky.
Während rund fünfunddreissig Jahren führt der Künstler gut vierzig monumentale Werke aus. Er arbeitet mit den Architekten Denis Honegger, Hans van der Laan, Nico van der Laan oder Jan de Jong zusammen und gehört so zu den berühmten Künstlern, die sich in der Ausschmückung von Kirchen engagieren, u.a. Léger, Lurçat, Rouault, Matisse, Braque, Chagall...
1956. Théodore und seine Tochter (adoptiert in 1952) erhalten das Schweizer Bürgerrecht.
Von 1963 an kann Holland fast als zweite Heimat des Malers bezeichnet werden. Mit Pater Hans van der Laan, Gründer der Architekturschule genannt Bossche School, arbeitet Théodore bis 1978 und malt Wandmalereien in sechs Kirchen in Holland und Belgien.
6. April 1971. Ableben von Igor Stravinsky in New York. Er gilt als einer der einflussreichsten Komponisten moderner Musik des XX. Jahrhunderts.
1973. Nach einem ersten schriftlichen Werk, das er 1948 seinem Vater widmete, publiziert Théodore im Andenken an seine Eltern Catherine and Igor Stravinsky a Family Album.
1976. Théodore Strawinsky wird die Silbermedaille Arts, Sciences, Lettres der Académie française für sein Gesamtwerk überreicht.
1977. Für "den Dienst an der Kirche durch die Kunst", wird der Maler wird von Papst Paul VI zum Kommandeur des Ordens des Heiligen Gregor des Großen ernannt.
Théodore und seine Gattin Denise arbeiten am Inventar seiner Werke.
1987. Wegen Erblindung legt der Künstler die Pinsel nieder.
16. Mai 1989. Ableben von Théodore Strawinsky, 82-jährig, in Genf. Er wird auf dem Russischen Friedhof Sainte-Geneviève-des-Bois in der Nähe von Paris beigesetzt, wo schon seine Mutter, seine Schwester und seine Grossmutter ruhen. Ab 2004 wird auch seine Ehefrau Denise dort beerdigt.
Weitere retrospektive Ausstellungen folgen.