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Text | Philippe Leblond
Fotos | Guido Cantini
Riva ist dank seiner stilvollen Luxusmotorboote mit Mahagonibeplankung zum Inbegriff maritimer Eleganz geworden. Aber kann die neue Rivamare der alten Riva das Wasser reichen? Anders ausgedrückt: Ist Riva noch immer Riva?
Rivamare, die jüngste Produktion aus der berühmten Riva-Werft, wird am prestigeträchtigen Cannes Yachting Festival der Öffentlichkeit präsentiert. Die Frage, die sich viele stellen: Wird die Rivamare dem Kultstatus der Marke gerecht? Wird sie wie schon ihre Vorfahren aus lackiertem Mahagoni Aufsehen erregen und die Geschichte des Motorbootsports nachhaltig prägen? Vieles spricht dagegen. Doch woran liegt das? Ganz sicher nicht an der Persönlichkeit des Modells. Die Gründe sind vielmehr in der Entwicklung des Motorbootsports und der Verdichtung der Konkurrenz in den letzten zwanzig Jahren zu suchen.
Carlo Riva fuhr mit seiner Aquarama bis in die Türkei
Corsaro, Ariston, Tritone, Florida und natürlich Aquarama: Auf diesen mittlerweile legendären Namen baut das Ansehen der Riva-Boote auf. Riva steht für eine aussergewöhnliche Dynastie aus hölzernen Motorbooten, echte „Stradivari“ der Meere, die ihr glamouröses Renommee dem Jetset der Nachkriegszeit verdanken. Wer in den erlauchten Kreisen von Saint-Tropez, Cannes, Monaco, Portofino, Rapallo und Capri etwas auf sich hielt, besass ein Riva-Boot. Die italienische Marke wurde zwar bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet, als Motorboot- Virtuosin machte sie sich aber erst in den 1950er- und 1960er-Jahren einen Namen. Kirk Douglas hatte eine Riva, Brigitte Bardot ebenso und auch Anita Ekberg und Fürst Rainier gehörten zu den glücklichen Besitzern. In den dreissig Jahren danach wurden Liebhaber schöner Jachten darin bestärkt, dass die in Sarnico ansässige Werft der Konkurrenz deutlich überlegen war. Kritik wurde ernst genommen, aber mit spektakulären Aktionen widerlegt. So wehrte sich Carlo Riva, der letzte Geschäftsführer aus der Riva-Familie (er verkaufte das Unternehmen 1969 an den amerikanischen Whittaker-Konzern) vehement dagegen, dass die Riva kein sonderlich stabiles Binnenseeboot sei: „Ich bin mit der Lipicar (Anm. d. Red.: Taufname von Carlo Rivas privater Aquarama) von Ancona an der italienischen Ostküste bis nach Marmaris in der Türkei gefahren. Danach bin ich dreimal nach Griechenland gereist. Die Aquarama ist ein hochseetaugliches, äusserst robustes Boot“, betont er auch heute noch mit Nachdruck. Der 1. Platz der Aquarama in ihrer Kategorie (2. in der Gesamtwertung) am beinharten Offshore-Rennen London/Monte-Carlo von 1972 untermauert seine Aussage eindrücklich. Manch ein anderes Boot hätte die brutalen Bedingungen nicht durchgestanden.
Ein schweres Erbe also, das die Nachfolgemodelle der 1996 letztmals produzierten Magahoni- Klassiker antreten müssen. Wobei Rivamare nicht bei null anfängt, denn die erste Riva aus glasfaserverstärktem Kunststoff ging schon 1969 vom Stapel. Parallel zu den Modellen aus lackiertem Holz feierte Riva mit den Bertram, Saint-Tropez und Black Corsair bereits einige Achtungserfolge. Ende der 1980er-Jahre baute sie sogar die Flybridge-Jacht Corsaro 20 M. In den Neunzigern konnte sich die italienische Werft mehr schlecht als recht über Wasser halten und wurde im Mai 2000 schliesslich von der
Ferretti-Gruppe übernommen, die ihr zu neuem Schwung verhalf. In Zusammenarbeit mit Officina Italia Design entwickelte Riva eine neue Reihe aus höchst stilvollen Daycruisern, Schnellbooten und Jachten. Sie hob sich bewusst vom augenwischerischen Protz bestimmter Produktionen ab und flocht den Namen Riva kreativ in die neuen Modellnamen Aquariva, Rivarame, Rivale, Sunriva, Sportriva usw. ein. Mauro Micheli, der Designer der Riva, hatte stets ein klares Ziel vor Augen: „Unsere Devise lautet ‚weniger ist mehr‘. Damit wollen wir einen unnachahmlichen Stil erreichen, bei dem die Tradition trotz Innovation gewahrt wird.“
Rivamare, Luxus-Sportboot vom Feinsten
Allein schon die schnittige Silhouette der 11,8 Meter langen Rivamare vermittelt einen Eindruck von der klassischen Sportlichkeit dieses eleganten Open-Sportboots. Es verzichtet bewusst auf Modeeffekte und mehr oder weniger gelungene Neuinterpretationen alter Elemente. Wie immer bei Riva überzeugt auch dieses neuste Modell durch handwerklich meisterhafte Verarbeitung. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Aussage von Giorgio Barilani, dem früheren Bootskonstrukteur bei Riva. Wir standen in der Lackiererei und betrachteten die Möbel des künftigen Cabin-Cruisers, als er sagte: „Sehen Sie, bei Riva lackieren wir sogar die Unter- und die Rückseite der Schubladen. Wahrscheinlich wird dieses Detail niemand bemerken, aber man kann nie wissen.“ Mit diesen Worten hat Barilani eigentlich die ganze Philosophie der italienischen Werft zusammengefasst. Dass die Rivamare mit dem gleichen Perfektionsdrang hergestellt wird wie ihre ruhmreichen Vorgänger, darüber besteht kein Zweifel. Das zeigen allein schon die Fotos von ihrer Einrichtung, darunter das Mobiliar aus lackiertem Mahagoni und das hochwertige Leder. Mit ihrer grossen Doppelkoje, der gut ausgestatteten Pantry, der komfortablen Nasszelle und den zwei 435-PS-Volvo-Motoren mit DPH-Antrieb ist die Rivamare perfekt geeignet für Küstentörns und dürfte das Herz manch eines Motorbootliebhabers höher schlagen lassen.
Ein Blick auf den Occasions-Markt kann die Frage, ob die Rivamare ein weiteres Kapitel der Riva-Legende schreiben wird, zumindest teilweise beantworten. Die Riva-Boote aus lackiertem Mahagoni werden gleich hoch oder sogar höher gehandelt als ein potenziell neues Boot, hätte die Werft in Sarnico die Produktion nicht mittlerweile aufgegeben. Fazit: Der Riva-Mythos scheint durch die Herstellung der glasfaserverstärkten Kunststoffboote nicht in Mitleidenschaft gezogen. Riva-Boote sind noch immer Kult. Wir hatten eigentlich auch nichts anderes erwartet.