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Während der letzten Monate führte Ethos zahlreiche Gespräche mit den Verwaltungsräten von Nestlé und LafargeHolcim, mit dem Ziel, sie dazu zu bewegen, ihren Bericht zur Klimastrategie freiwillig den Aktionären zur Abstimmung vorzulegen. Nachdem die Ethos Stiftung und sieben Pensionskassen einen Aktionärsantrag für die Generalversammlung von Nestlé eingereicht hatten, kündigte der Verwaltungsrat von Nestlé am Dienstag, 16. März, an, seine Klimastrategie am 15. April 2021 der Generalversammlung zur konsultativen Abstimmung vorzulegen. Nach dieser begrüssenswerten Entscheidung zog die Ethos Stiftung den Aktionärsantrag zurück. Mit LafargeHolcim laufen die Gespräche noch und das Unternehmen wird seinen Entscheid in den kommenden Wochen bekanntgeben.
Nestlé kündigte am Dienstag an, seine Strategie zur Erreichung seines Ziels «Netto-Null-Emissionen bis 2050» den Aktionären an der kommenden Generalversammlung vom 15. April 2021 zur Abstimmung vorzulegen. Dieses sogenannte «Say on Climate» zielt darauf ab, den Aktionären die Möglichkeit zu geben, sich zur Klimastrategie eines Unternehmens zu äussern. Solche konsultativen Abstimmungen gibt es heute bereits für den Vergütungsbericht der Führungsgremien («Say On Pay»).
Ethos begrüsst diesen Entscheid von Nestlé, welcher auf den zahlreichen Gesprächen zwischen Ethos und dem Verwaltungsrat beruht. Zudem hatten die Ethos Stiftung und sieben Pensionskassen mittels Aktionärsantrag die Durchführung einer solchen konsultativen Abstimmung gefordert. Ethos beurteilt diesen ersten Schritt des Verwaltungsrats in Richtung «Say on Climate» als positiv, erwartet jedoch, dass Nestlé diese Praxis dauerhaft verankert und der Generalversammlung jedes Jahr einen spezifischen Bericht bezüglich der Fortschritte unterbreitet, welche das Unternehmen zur Erreichung der Klimaneutralität gemacht hat.
Die Ethos Stiftung hat eine gleichlautende Forderung an den Verwaltungsrat von LafargeHolcim gerichtet. Das Unternehmen scheint für diese Idee offen zu sein und wird seine Entscheidung demnächst bekanntgeben.
Wozu eine solche Abstimmung?
Die Durchführung einer «Say on Climate»-Abstimmung wird von den institutionellen Anlegern erwartet. Diese sind der Meinung, dass dieses Vorgehen ihnen die Möglichkeit bietet, sich zu den Bemühungen der Unternehmen, ihre CO2-Emissionen zu verringern, und zur Art und Weise, wie sie mit ihren Klimarisiken umgehen, zu äussern.
«Der Klimawandel stellt ein bedeutendes Risiko für Unternehmen und ihre Aktionäre dar», sagt Vincent Kaufmann, Direktor der Ethos Stiftung. «Die Aktionäre erwarten von einem Verwaltungsrat nicht nur, dass er sich ambitionierte Ziele zur Reduktion der CO2-Emissionen setzt, sondern auch und vor allem, dass er eine klare und effiziente Strategie zur Erreichung dieser Ziele festlegt.»
Immer mehr Unternehmen geben öffentlich bekannt, ihre Klimastrategie mit den Zielen des Pariser Abkommens in Einklang bringen zu wollen. Im Dezember 2020 machte Nestlé einen weiteren Schritt und stellte als erstes Schweizer Unternehmen einen detaillierten Aktionsplan mit Fristen vor, der dem Unternehmen erlauben soll, seine CO2-Emissionen bis 2030 zu halbieren und bis 2050 klimaneutral zu werden. LafargeHolcim kündigte seinerseits im September 2020 seine Absicht an, seine Emissionen bis 2030 um mindestens 20% zu reduzieren und bis 2050 klimaneutral zu werden.
«Solche Ankündigungen sind zwar zu begrüssen», meint Vincent Kaufmann weiter, «aber es ist wichtig, dass sie auch wirklich durch konkrete und wirksame Massnahmen umgesetzt werden. Das Ziel von «Say on Climate» ist es eben genau, den Aktionären zu ermöglichen, die Wirksamkeit der Klimastrategie zu beurteilen, gegebenenfalls aber auch den Druck auf den Verwaltungsrat zu verstärken, wenn die getroffenen Massnahmen als nicht genügend ambitioniert angesehen werden.»
Warum Nestlé und LafargeHolcim?
Eine solche Abstimmung macht zuallererst bei Unternehmen Sinn, welche viel CO2 ausstossen. In der Schweiz sind Nestlé und LafargeHolcim für CO2-Emissionen in der Höhe von 110 bzw. 130 Millionen Tonnen pro Jahr verantwortlich, einschliesslich ihrer indirekten Emissionen im Zusammenhang mit der Verwendung ihrer Produkte und mit ihren Lieferketten (Scope 3). Dies entspricht mehr als der Hälfte der Emissionen sämtlicher Unternehmen im SPI der Schweizer Börse. Im Vergleich dazu betrugen die Emissionen in der Schweiz im Jahr 2019 46 Millionen Tonnen.
LafargeHolcim und Nestlé sind auch die beiden einzigen Schweizer Unternehmen im Universum der Initiative «Climate Action 100+». Diese Initiative umfasst 540 internationale Anleger, darunter Ethos und die Mitglieder des Ethos Engagement Pool International, und hat zum Ziel, die weltweit grössten CO2-Emittenten dazu zu bewegen, konkrete Massnahmen gegen den Klimawandel einzuleiten. Ethos ist im Rahmen von «Climate Action 100+» für den Dialog mit Nestlé und LafargeHolcim verantwortlich und sandte in dieser Funktion im Dezember 2020 ein Schreiben an die beiden Verwaltungsräte, um sie aufzufordern, ihren Bericht zur Klimastrategie freiwillig den Aktionären zur Abstimmung vorzulegen.
Eine breite Bewegung
Nestlé und LafargeHolcim sind nicht die einzigen Unternehmen, die mit Aktionärsanträgen zum Klimawandel anvisiert werden. Die internationalen Investoren von «Climate Action 100+» ersuchten zahlreiche Unternehmen im Universum der Initiative, auf freiwilliger Basis konsultative Abstimmungen an den Generalversammlungen dieses Jahres abzuhalten. Manche der Unternehmen reagierten in den letzten Wochen positiv und werden ihre Berichte zur Klimastrategie ihren Generalversammlungen zur konsultativen Abstimmung bereits 2021 (Glencore, Moody’s, Unilever) oder ab 2022 (Shell, Rio Tinto) vorlegen. Bei anderen, zum Beispiel Alphabet Inc., wurden Aktionärsanträge eingereicht, die nun den Aktionären zur Abstimmung unterbreitet werden.