Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/99415

<h2>SubmittedText<h2><p>Ein Mittel im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit besteht darin, die Berufserfahrungen von Personen ohne anerkannte Berufsbildung zu validieren. Das Berufsbildungsgesetz bietet die nötigen gesetzlichen Grundlagen für die Verfahren der sogenannten Validierung von Bildungsleistungen. Diese Verfahren ermöglichen es, den Bildungswert dessen anzuerkennen, was eine Person beruflich und ausserberuflich geleistet hat, die nötigen ergänzenden Bildungsleistungen zu bestimmen und anschliessend das Ganze zu validieren, namentlich in Form von eidgenössischen Fähigkeitszeugnissen (EFZ). </p><p>Während die formelle Validierung erworbener Berufskenntnisse und -fähigkeiten in ihren Grundsätzen bekannt und unbestritten ist, stellen sich ihrer praktischen Umsetzung zahlreiche Hindernisse in den Weg, mit dem Resultat, dass die Möglichkeiten einer Verbesserung der Chancen der betroffenen Personen auf dem Arbeitsmarkt bei Weitem nicht ausgenutzt werden. Im Hinblick auf eine verstärkte Anwendung des Prinzips der Validierung von Bildungsleistungen, von der sowohl die betroffenen Personen wie auch unser System der Sozialversicherungen profitieren könnten, stelle ich dem Bundesrat die folgenden Fragen:</p><p>1. Warum bleibt die Validierung von Bildungsleistungen im Bereich der Berufsbildung im Wesentlichen auf einzelne Bildungsbereiche wie zum Beispiel die Informatik beschränkt, während sie doch auf weitere Bereiche ausgedehnt werden könnte?</p><p>2. Warum wird diese Validierung nicht im ganzen Land mit der gleichen Intensität angewandt?</p><p>3. Was gedenkt der Bundesrat zu tun, um Erfahrungen mit Validierungen, wie sie im Bereich der Gesundheitsberufe gemacht wurden, so rasch wie möglich auf andere Bereiche auszudehnen?</p><p>4. Kann sich der Bundesrat vorstellen, die Kantone in der Schaffung schlanker Strukturen zur Validierung verstärkt zu unterstützen?</p><p>5. Warum kann die öffentliche Hand die Kosten für ergänzende Bildungsmodule, die für das Erlangen eines EFZ über die Validierung von Bildungsleistungen im Allgemeinen nötig sind, nicht vollständig übernehmen - Kosten zwischen 5000 und 10 000 Franken, was für die betroffenen Personen, namentlich für diejenigen, die einen ersten Berufsabschluss erwerben, oftmals prohibitiv hoch ist?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Validierung von Bildungsleistungen ermöglicht es, in einem strukturierten Verfahren berufliche Handlungskompetenzen zu bescheinigen und einen formalen Abschluss zu erlangen. Sie ist im 2004 eingeführten Berufsbildungsgesetz verankert und ist eine Ergänzung zur formalen Bildung.</p><p>Der Validierung kommt für Erwachsene, die ohne formalen Abschluss eine Tätigkeit ausüben, ein hoher Stellenwert zu. Sie erlaubt es, eine erste oder eine neue Qualifikation bescheinigen zu lassen und damit die Stellung auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Auch trägt die Validierung zur Integration in die Gesellschaft bei.</p><p>1./2. Die Verbundpartner Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt haben im Projekt "Validierung von Bildungsleistungen" zwischen 2005 und 2009 die Grundlagen für die Umsetzung von Validierungsverfahren erarbeitet. Der Leitfaden für die berufliche Grundbildung regelt den Aufbau und die Umsetzung der Validierung. Zudem stellt er die Qualität und Vergleichbarkeit der kantonalen Verfahren und die Zusammenarbeit unter den Kantonen sicher. </p><p>Die Strukturen zur Umsetzung der Validierung in den Kantonen befinden sich im Aufbau. Die meisten Kantone haben die Validierung in ihren Berufsbildungsgesetzen verankert. Bereits heute hat rund die Hälfte der Kantone die entsprechenden Strukturen geschaffen.</p><p>3. Die Verbundpartner entscheiden gemeinsam, ob für einen bestimmten Abschluss einer beruflichen Grundbildung die Validierung angeboten wird. Sie tragen dabei den Bedürfnissen der Nachfragerinnen und Nachfrager Rechnung und stimmen ihr Angebot auf die vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen ab. Gemäss Artikel 4 der Berufsbildungsverordnung ist zudem der Beizug von Expertinnen und Experten der Arbeitswelt zwingend.</p><p>Wo noch keine entsprechenden Validierungsverfahren angeboten werden, besteht die Möglichkeit, die Lehrabschlussprüfung als Erwachsener nachzuholen. Mit der Dispensation von einzelnen Prüfungsteilen wird der Anspruch auf Anrechenbarkeit von Bildungsleistungen ebenfalls erfüllt.</p><p>4. Die Validierung von Bildungsleistungen ist Teil der Berufsbildung und wird über die ordentlichen Strukturen finanziert. Der Bund beteiligt sich an den Aufwendungen der Kantone über seine Pauschalzahlungen gemäss Artikel 53 BBG. Zudem hat der Bund die Möglichkeit, die Entwicklung und Einführung der Validierung von Bildungsleistungen über die Artikel 54 und 55 des Berufsbildungsgesetzes (Innovationen und besondere Leistungen im öffentlichen Interesse) zusätzlich zu unterstützen. </p><p>5. Die in Zusammenhang mit der Validierung von Bildungsleistungen anfallenden Gebühren sind Sache der Kantone. Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) hat eine Empfehlung hinsichtlich der Unentgeltlichkeit eines Erstabschlusses auf Sekundarstufe II abgegeben.</p>  Antwort des Bundesrates.