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Als sich Giacomo Puccini zur britischen Premiere der Tosca im Jahr 1900 in London aufhielt, sah er das Stück Madame Butterfly von David Belasco nach einer Geschichte von John Luther Long. Puccini war auf der Suche nach einem neuen Libretto und beschloss, die Rechte an diesem Stück zu erwerben. Der Autor war einverstanden, doch die offiziellen Verhandlungen zogen sich über ein Jahr hin. Danach machten sich die Librettisten Giuseppe Giacosa und Luigi Illica an die Arbeit. Sie liessen sich hauptsächlich von der Novelle von John Luther Long inspirieren, der sie im Wesentlichen das dramatische Material für die künftige Oper entnahmen.
1903 wurde der Autonarr Puccini bei einem Autounfall verletzt und war gezwungen, die Arbeit an der Madama Butterfly vorübergehend zu unterbrechen. Nach einer schwierigen Genesung behielt er eine leichte Behinderung zurück. Die erste Aufführung fand schliesslich am 17. Februar 1904 an der Mailänder Scala statt. Puccini erwartete eine positive Aufnahme, doch die Aufführung geriet zur Katastrophe. Das Fiasko war vermutlich von Sonzogno orchestriert, dem rivalisierenden Musikverlag der Casa Ricordi, oder von den Freunden Pietro Mascagnis (des Komponisten der Cavalleria rusticana). Die Oper wurde aus dem Programm genommen. Puccini war von dieser Niederlage erschüttert, blieb jedoch von der Qualität seines Werks überzeugt und wartete auf eine neue Chance. Er überarbeitete die Oper, organisierte sie in drei „besser ausgewogenen“ Akten und strich ein paar Melodien. Die neue Fassung, die am 28. Mai 1904 in Brescia uraufgeführt wurde, war ein triumphaler Erfolg und leitete eine phänomenale internationale Karriere ein.
Nagasaki, 1904: Ein junger amerikanischer Marineoffizier, Benjamin Franklin Pinkerton, der vorübergehend in Japan stationiert ist, heiratet die 15-jährige Cho-Cho-San, eine junge Geisha namens Madame Butterfly. Während die junge Japanerin die Ehe sehr ernst nimmt, ist sie für ihn nicht viel mehr als eine hübsche exotische Episode. Pinkerton reist in die USA zurück und lässt nicht mehr von sich hören. Cho-Cho-San, die bald seinen Sohn zur Welt bringt, erwartet drei Jahre lang hoffnungsvoll die Rückkehr ihres Ehemannes. Dieser kommt schliesslich zurück, aber in Begleitung seiner amerikanischen Ehefrau. Als Cho-Cho-San die Situation begreift, vertraut sie den beiden ihr Kind an und nimmt sich mit dem Säbel ihres Vaters das Leben. Auf dessen Schneide sind die Worte „Ehrenvoll sterbe, wer nicht in Ehren leben kann!“ eingraviert.
Die Oper Madama Butterfly wird zum ersten Mal in Avenches aufgeführt.