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Im Vorfeld der Nationalratswahlen 1971 konnten sich alle grossen Parteien mit mehrminütigen Spots oder Kurzfilmen zur besten Sendezeit am Schweizer Fernsehen präsentieren. Die SPS arbeitete mit Max Frisch zusammen. Die Filmidee: Der bekannte Autor stellt Exponentinnen und Exponenten der Partei kritische Fragen, zu denen sie möglichst pointiert und überzeugend Stellung nehmen. Verantwortlich war der Filmer Hans Heinrich Egger, der anlässlich einer Probe vor der Filmaufnahme das ausführliche Gespräch Frischs dokumentiert hat. Während fast drei Stunden übten die SP-Grössen mögliche Argumentationsstrategien und Antworten auf Frischs Fragen ein. Auf Seiten der Partei nahmen teil: Arthur Schmid, Arnold Isler, Liliane Uchtenhagen, Richard Müller, Walter Renschler, Elisabeth Michel-Alder, Pieder Simeon, Karl Gmünder, Jean Riesen, Rolf Schenk. Die Aufnahme ist online zu finden unter der Signatur Sozarch_F_1004.
Die SP-Strategen versuchten das Publikum mit Stellungnahmen zu den vier Themenkreisen Umweltschutz, Mitbestimmung, Bildung und soziale Sicherheit für sich zu gewinnen. Diese Themen sollten die politische Agenda der nächsten Jahre bestimmen: Zur Frage der Mitbestimmung plante die SPS eine Initiative (die allerdings 1976 deutlich Schiffbruch erlitt), im Bereich der Sozialversicherungen galt es mit eigenen Ideen den Initiativen der politischen Konkurrenz (z.B. Volkspensions-Initiative der PdA) Paroli zu bieten. Die Belastung der Umwelt durch das ungehemmte Wirtschaftswachstum während der Jahrzehnte dauernden Hochkonjunktur wurde in diesen Jahren mehr und mehr als Problem wahrgenommen – ein Jahr nach den Nationalratswahlen veröffentlichte der Club of Rome seinen aufsehenerregenden Bericht „Die Grenzen des Wachstums“. Insgesamt positionierte sich die SPS als „Partei der andern Wahl“, die sich ebenso deutlich von den bürgerlichen Parteien abgrenzte wie auch von den linken Konkurrenten PdA und POCH.
Die Aufnahme des Gesprächs ist ein weiteres Mosaiksteinchen zu einem hervorragend dokumentierten Ereignis. Hans Heinrich Egger hat als akribischer Dokumentalist wahrscheinlich sämtliches Material, das mit dem Projekt zusammenhängt, aufbewahrt. In seinem Nachlass (Ar 172) sind vorhanden: ein schriftliches Wortprotokoll des Gesprächs, Drehbuchversionen für den Wahlfilm, die Korrespondenz mit den Beteiligten, Vorstudien über die zu besprechenden Themen, alle Belege der an der Filmproduktion Beteiligten, eine fotografische Dokumentation zu den Probeaufnahmen (Sozarch_F_5105) und filmische Testaufnahmen (Sozarch_F_9020-003). – Nicht verschwiegen sei, dass der ausgestrahlte Film leider spurlos verschwunden zu sein scheint: Trotz intensiver Suche war er weder beim Schweizer Fernsehen noch bei der Cinémathèque Suisse noch bei der SPS zu finden. Sachdienliche Hinweise werden deshalb gerne entgegengenommen.