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Alessandra Keller und Noëlle Buri gewinnen in Snowshoe erstmals einen Cross-Country-Weltcup, ebenso David Valero Serrano bei den Männern. Camille Balanche holt ihren dritten Sieg im sechsten Weltcup-Rennen. Bei den Männern holt sich Amaury Pierron den vierten Saisonsieg. Christopher Blevins und Gwendalyn Gibson holen ihre ersten Weltcup-Siege im Short Track.
Es sind schwierige und garstige Bedingungen beim Frauenrennen in Snowshoe. Schweizermeisterin Alessandra Keller kann sich in der Spitzengruppe festsetzen und geht immer wieder in Führung. Die Spitzengruppe immer kleiner und besteht bei Rennhälfte neben Keller aus der Schwedin Jenny Rissveds und der Niederländerin Anne Terpstra.
Mit dem einsetzenden Regen wird die Strecke immer anspruchsvoller zu fahren. Die rutschigen Abfahrten nutzt Rissveds jeweils, um eine kleine Lücke aufzureissen, die Keller dank grosser Willensleistung in den Anstiegen wieder schliesst. Das Duo geht in die letzte Runde. Wenig später rutscht Rissveds aus, stürzt und kommt nicht mehr gleich in die Gänge. Keller hingegen forciert das Tempo und kann ihren Vorsprung ausbauen. Sie gewinnt mit über 30 Sekunden Vorsprung ihren ersten Cross-Country-Weltcupsieg. Jenny Rissveds wird Zweite, Anne Terpstra Dritte. Jolanda Neff schnappt sich nach einem starken Rennen den letzten Podiumsplatz.
«Es war ein verrückter Renntag. Vor dem Start wurde die Rundenzahl noch erhöht. Mitte Rennen setzte Regen ein, veränderte die Strecke und machte sie extrem anspruchsvoll zu fahren, was mir liegt. Mein Ziel war es konstant und fehlerfrei zu fahren. Nun habe ich meinen ersten Weltcup in der Elite Kategorie gewonnen. Ich bin überglücklich und kann es kaum glauben», erklärt die strahlende Keller im Ziel.
Trotz Sturz-Malheur zeigt sich Jenny Rissveds zufrieden: «Ich war einen kurzen Moment unkonzentriert, weil ich dachte, Alessandra wäre schon an meinem Hinterrad. Da rutschte ich weg und stürzte. Ganz abgesehen davon war Alessandra auch sehr stark und kämpfte für diesen Sieg, wo sie nur konnte. Ich freue mich sehr für sie.»
Ein Spanier schnellster im amerikanischen Schlamm
Ohne Nino Schurter und Mathias Flückiger dabei, startet das Rennen der Männer entgegen den Verhältnissen schnell. Doch bald bildet sich eine Spitzengruppe, die das Rennen unter sich ausmachen scheint. Daraus greift Christopher Blevins früh an und setzt sich leicht ab. Doch er wird wieder gestellt. Ein platter Reifen wirft den Amerikaner zurück. Danach setzen sich Luca Braidot und Titouan Carod (FRA) ab.
Das Rennen bleibt schnell, und so bleiben die beiden Ausreisser nicht allein. Blevins holt wieder auf und kurz vor Ende der vorletzten Runde gesellen sich auch Luca Schwarzbauer (GER), David Valero Serrano (ESP) und auch der Schweizer Filippo Colombo zur Spitzengruppe. Colombos Anwesenheit an der Spitze wärt aber nicht lange. Der Schweizer rutscht kurz nach der Zieldurchfahrt aus einer Kurve.
Jetzt greift Blevins an, doch sein Vorsprung wird wieder zunichte gemacht. Die Karten neu gemischt, macht sich kurz vor dem Ziel der Spanier auf und nun haben seine Mitstreiter die Körner verschossen. Valero Serrano zieht die lange Attacke durch und gewinnt nach vielen Jahren im Zirkus, seinen allerersten Weltcup. «Ich bin überglücklich, es ist unglaublich, und erst noch bei diesen schwierigen Konditionen», sagt Valero Serrano und fügt an: «Jetzt freue ich mich umso mehr auf den Weltcup in Kanada. Die Strecke in Mont Saint Anne mag ich sehr.»
Zweiter wird Titouan Carod, der ebenfalls sein bestes Resultat feiert, Braidot ersprintet sich gegen Blevins Rang drei. Und auch Colombo vermag wieder aufzuholen und belegt Rang fünf. Mit Rang sieben feiert Lars Forster ein kleines Comeback in den Top-10, Platz elf geht an Thomas Litscher und Marcel Guerrini knackt noch die Top-15.
Buri gewinnt erstmals
Im Rennen der U23-Frauen setzen sich Luisa Daubermann (GER) und Noëlle Buri (SUI) in der ersten grossen Runde ab und setzen das Rennen gemeinsam fort. Buri, welcher der Sprung unter die Top-3 bisher vergönnt war, setzt sich in der letzten Runde von Daubermann ab und gewinnt ihr erstes Weltcup-Rennen.
Bei den U23-Männern scheint nach Martin Vidaurre-Kossmanns Siegesserie endlich Spannung ins Rennen zu kommen. Bis in die letzte Runde versuchen Björn Riley (USA), Mathis Azzaro (FRA), Luca Martin (FRA) und Carter Woods (CAN) am Stuhl des Weltcup-Führenden zu sägen. Das Ausscheidungsfahren in der letzten Runde überstehen Vidaurre-Kossmann und Björn Riley, Azzaro fällt kurz vor dem Ziel aus der Entscheidung, die nun im Sprint ausgetragen wird. Dieses Mal ist es knapp, der Sieg geht aber erneut an Martin Vidaurre-Kossmann.
Balanche holt das Doppel
Die Bedingungen in Snowshoe sind alles andere als einfach. Der Regen weichte die Strecke massiv auf. Am Renntag trocknet das gute Wetter die Strecke jedoch teilweise wieder ab oder macht sie schmierig. Die Fahrten durch die technisch anspruchsvollen Abschnitte im Wald gleichen einer Kugel im Flipperkasten.
So kommt es, dass keine Fahrerin fehlerfrei die Strecke meistert. Monika Hrastnik (SLO) ist die erste Frau, die mit zehn Sekunden Vorsprung eine ernstzunehmende Marke setzt. Doch zur Überraschung hält sie nicht lange. Nina Hoffmann (GER) unterbietet Hrastniks Zeit abermals um gut zehn Sekunden. Die nachfolgenden Eleonora Farina (ITA) und Valentina Höll (AUT) vermögen Hoffmanns 4:34.692 nicht unterbieten.
Die Augen auf Weltmeisterin Myriam Nicole gerichtet, leuchten ihre Zwischenzeiten grün. Die Französin baut ihren Vorsprung aus, fährt fast fehlerfrei, stürzt dann aber im Wald und lässt rund zehn Sekunden liegen. Danach schafft sie das Kunststück und holt wieder auf. Trotz ein paar weiteren Strauchlern holt sie die Bestzeit.
Die Qualifikationsschnellste Camille Balanche brettert als letzte Fahrerin über die Strecke und liegt bald vorne. Doch auch sie macht einige Fahrfehler, kommt aber nie ganz zu stehen. Mit einer Zeit von 4:28.585 gewinnt sie ihr drittes Weltcup-Rennen in der laufenden Saison. «Man sieht vor der Zieleinfahrt die Zeit auf der Anzeige, als ich mich umdrehte war sie auf grün. Das war eine grosse Erlösung nach diesem Rennen. Die Strecke war so richtig schwierig, auch wenn ich diese Konditionen sehr mag. Nun gebe ich alles, um die Gesamtwertung zu gewinnen, doch es ist erst nach dem letzten Rennen fertig und da spielt Myriam Nicole bis zuletzt eine gefährliche Rolle», gibt Balanche zu Protokoll.
«Ach dieses Snowshoe, es nervt mich, dass es schon wieder nicht reichte. Ich bin am Morgen etwa fünf Mal gestürzt und dann im Rennlauf wieder, und jeder weitere Fahrfehler danach nahm den Schwung. Für das bin ich sehr zufrieden mit Platz zwei aber der Sturz kratzt mich gewaltig», resümiert Nicole zähneknirschend.
Kerr schafft fast die Sensation
Die schmierigen Verhältnisse scheinen beim Männerrennen langsam zu schwinden. Doch auch hier sind «Flipperkastenfahrten» noch immer an der Tagesordnung. Es ist dann einer der grossen Schlammspezialisten, der mit einer überzeugenden Fahrt in Führung geht. Der Brite Danny Hart wurde vor wenigen Tagen zum zweiten Mal Vater und schiesst in Gedanken an seine Frau und Neugeborenes durch die äusserst anspruchsvolle Strecke von Snowshoe.
Harts Zeit von 3:38.314 Minuten scheint eine Ansage, denn die nachfolgenden Fahrer sind langsamer. Dann geht Weltmeister Greg Minnaar auf die Strecke. Der Südafrikaner scheint nicht den besten Tag erwischt zu haben, denn er liegt bei der ersten Zwischenzeit auf Position zehn. Doch Minnaar wird zunehmend schneller und verdrängt Danny Hart von der Spitzenposition. Aber auch diese Bestzeit ist nicht in Stein gemeisselt, denn sie wird abermals unterboten, erst vom Österreicher Andreas Kolb, dann schiebt sich auch der Ire Ronan Dunne zwischen Minnaar und Kolb.
Dass die Strecke doch noch nicht so trocken ist, wie sie scheint, zeigt sich bei Loris Vergier und Loic Bruni, die beide aus der Entscheidung stürzen, Bruni das Rennen gar aufgeben muss. Auch Bernard Kerrs Fahrt ist wild – wild und sehr schnell. Der Brite fährt erstmals ganz vorne mit und bringt seine Fahrt mit der Bestzeit ins Trockene. Es ist nur noch Amaury Pierron, der ihm die Suppe versalzen kann. Der Weltcup-Führende liegt bei den ersten Zwischenzeiten hinten, rutscht gar auf Position fünf ab. Doch dann holt der Franzose mirakulös auf und schnappt Kerr den ersten Sieg vor der Nase weg. Damit ist Pierron der vierte Fahrer, der in einer Saison vier Weltcup-Rennen gewinnt.
«Vor der Abreise war ich nicht mal sicher, ob ich nach dem Sturz in Andorra überhaupt fahren kann, mir tat noch alles weh. Hier warf ich nun alles in die Waagschale und es ging auf, das ist so cool! Ich kann meinem Umfeld nicht genug für ihren Einsatz danken», sagt Pierron. Bernard Kerr ist hingegen fast sprachlos und meint: «Ich bin so glücklich. Es hat mich 15 Jahre im Weltcup gebraucht, um endlich hier auf dem Podest zu stehen.»
Amerikanischer Doppelsieg im Short Track
Das Short-Track-Rennen am Freitagabend bringt Überraschungen. Bei den Männern holt Weltmeister Christopher Blevins seinen ersten Sieg im Regenbogentrikot. Bei den Frauen rückt sich Gwendalyn Gibson ins Rampenlicht.
Trotz klebriger Strecke gehen vorne immer wieder Attacken. Die Schweizerin Alessandra Keller in der Spitzengruppe vertreten, pariert sie. So kann sich bis zur Schlussrunde keine der Fahrerinnen entscheidend absetzen. Keller versucht am Fusse des letzten steilen Anstieges einen Angriff zu fahren, um bis zum Zielstrich um den Sieg mitreden zu können.
Das hohe Tempo über die 20 Minuten haben aber ihre Spuren hinterlassen, denn nun wird ihre Attacke pariert. Es ist die Amerikanerin Gwendalyn Gibson, die nach einigen guten Resultaten nun plötzlich den Sieg vor Anne Terpstra (NED) und Jenny Rissveds (SWE) einheimst. Für Keller resultiert der vierte Schlussrang was ihr die Führung im Short-Track-Gesamtklassement einbringt.
«Mit dem Rennen bin ich nicht vollumfänglich zufrieden, aber ich habe alles gegeben. Dass ich dank diesem Resultat zwei Rennen vor Schluss erstmals das Leadertrikot überstreifen darf, macht mich aber extrem stolz. Ich werde am Sonntag mit sehr viel Selbstvertrauen an den Start gehen», zieht Keller Bilanz.
Im Rennen der Männer macht zuerst der Rumäne Vlad Dascalu Druck und zieht das Feld in die Länge. Krankheitsbedingt nicht mit am Start sind Mathias Flückiger und Vital Albin. In Runde vier zeigt sich nun Short-Track-Weltmeister Christopher Blevins vorne. Dann zeigt sich ein seltenes Bild: Nino Schurter, der sonst kaum stürzt, geht an dritter Position über den Lenker und schlägt hart auf. Er scheidet aus und muss zur Kontrolle ins Spital, wo aber keine schwereren Verletzungen diagnostiziert werden.
Weiter sind es Dascalu und der Däne Sebastian Fini, die das Rennen bestimmen, die weiteren Favoriten Luca Braidot, Blevins, Avancini, Hatherly aber auch Thomas Litscher fahren ebenfalls um den Sieg. Nun aber tun sich die ersten vorentscheiden Lücken auf, abermals kurz vor Ende der zweitletzten Runde. Jetzt fährt ein Quartett raus, wo Vlad Dascalu sein Glück versucht – vorerst erfolgreich.
Allmählich wird die Lücke wieder kleiner und jetzt stellt Blevins dem Rumänen nach, während Braidot abfällt. Es kommt zum Sprint und den dominiert der Local Hero Blevins. Filippo Colombo holt sich als bester Schweizer Platz acht und die erste Startreihe für Sonntag. Mit den Plätzen 13 und 14 sichern sich auch Thomas Litscher und Marcel Guerrini eine gute Startposition im Cross-Country-Rennen.