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Er war ein Meister der Minimalmimik, dem Blicke genügten oder beredtes Schweigen. Kein Schauspieler war so radikal selbstbestimmt wie der französische Star Alain Delon in seinen Rollen, ob als Gangster, Bulle oder Börsenmakler; ob Strizzi oder im eleganten Zwirn.
Er war schnell und perfid, wie in einer seiner ersten grossen Rollen als Tom Ripley in «Plein soleil» (1960) nach Patricia Highsmith. Ein Tunichtgut, der einen Freund tötet, dessen Identität übernimmt und seinem späteren Ruf als «eiskalter Engel» erstmals gerecht wurde. Als Gastarbeiter Rocco in «Rocco e i suoi fratelli» (1960) versuchte er in Mailand Fuss zu fassen, als Killer in «Le samouraï» (1967), seinem Meisterwerk, ritualisierte er mit einer Verfolgsjagd in der Pariser U-Bahn den Dante’schen Höllensturz.
Er weiss, dass er sein Leben verwirkt hat, und inszeniert ihn als undurchdringlichen Held der Einsamkeit. Das waren die Hoch-Zeiten des französischen Films, die längst perdu sind.
Neben Jean-Paul Belmondo war Delon der letzte wirkliche Star des europäischen Kinos.
Es entspricht geradezu seinem Rollenprofil, dass er – nach mehreren Schlaganfällen, einer Hirnblutung und dem Tod seiner Frau Nathalie – um Sterbehilfe bittet. «Le samouraï» ist ein Bushido-Zitat vorangestellt: «Es gibt keine grössere Einsamkeit als die eines Samurai, es sei denn die eines Tigers im Dschungel.»
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