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In der Volksrepublik China gibt es sichtbare und unsichtbare rote Linien für Journalisten, die die Kommunistische Partei festlegt. An der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche in Hamburg berichteten drei Chinesen über die Veränderung des Journalismus in ihrem Land. Für den Klein Report berichtet Roger Blum.
Drei Chinesen legten Zeugnis ab über die Entwicklungen im chinesischen Journalismus: Zhan Jiang, Professor für Journalismus an der Beijing Foreign Studies University, Yu Chen, als investigativer Journalist der erste, der über den Handel mit Aids-verseuchten Blutkonserven in China berichtete, sowie Felix Lee, China-Korrespondent der «taz».
Zhan Jiang legte dar, dass sich der Medienbereich Chinas langsam und unmerklich verändere, vor allem dank der Social Media. Die Kommunistische Partei kontrolliere nicht mehr alles, sondern nur noch die wichtigen Themen. Da China sehr gross sei, liege es auch im Interesse der politischen Führung, wenn Korruption im lokalen oder regionalen Bereich aufgedeckt werde. Zensuriert werde hingegen alles, was Korruption auf höchster Ebene betreffe, ebenso alles, was mit dem Militär, den Religionen und den ethnischen Minderheiten zu tun habe.
Yu Chen wies darauf hin, dass das Internet und soziale Medien es der Kommunistischen Partei schwerer machten, alles zu kontrollieren. Sie habe eigene Blogger eingesetzt, sogenannte «Netzkommentatoren», die die Position der Behörden vertreten. Es gebe sichtbare und unsichtbare rote Linien der Partei. Mit den sichtbaren könne man leicht umgehen, bei den unsichtbaren sei es schwieriger, da brauche es Gespür und Erfahrung, und oft gehe etwas schief. Wenn heikle Themen auftauchen, greife die Zensurbehörde sofort ein und schalte das Netz ab.
Das Ansehen der Journalisten in China habe sich verschlechtert, so Chen. Vor allem die Journalisten der Marktmedien, nicht die der Staatsmedien, würden seit 2008 permanent angeschwärzt. Jiang fügte an, dass die Mehrheit der Journalisten in China korrupt sei.
Felix Lee legte dar, dass die chinesischen investigativen Journalisten für ihn die wichtigste Quelle seien. Er werde sicherlich abgehört, aber er fühle sich sicher, da er nichts Verbotenes tue. Es liege in seiner Verantwortung, seine Quellen nicht preiszugeben. Reise er in eine Region Chinas, dann checke er möglichst spät im Hotel ein und treffe seine Gesprächspartner vorher. Denn sobald er eingecheckt sei, erfahren die Behörden, dass er da sei, und die Provinzfunktionäre schickten dann öfter Schlägertrupps los.
So etwas passiere in Peking nicht, weil man dort wisse, dass man so Korrespondenten für auswärtige Medien besser nicht behandle, erzählte Lee. Am Anfang seiner Korrespondententätigkeit habe es Teegespräche bei den Behörden gegeben. Diese seien freundlich verlaufen, hatten aber schlicht zum Ziel, ihm zu bedeuten, dass man ihn im Visier habe, sagte Lee.
Jiang berichtete, dass es in China verboten sei, über den Pulitzer-Preis zu berichten, seit ihn die «New York Times» für die Enthüllung des sagenhaften Vermögens des vorherigen chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao bekommen habe. Erst kürzlich, Anfang Juni 2013, sei der Korrespondent der «New York Times» verhaftet worden, und dieses Jahr seien etliche weitere Korrespondenten festgenommen worden. Es sei für Chinesen generell heikel, fand Jiang, sich mit Journalisten zu treffen, die für ausländische Medien arbeiten.