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Coopzeitung: Frau Seki, hatten Sie grosse, böse Brüder, dass Sie Boxerin wurden?
Aniya Seki: Nein, ich bin ein Einzelkind. Aber meine Mutter hat im Tagesheim gearbeitet, wo ich gross geworden bin. So hatte ich viele Geschwister. Zum Kampfsport riet mir die Kindergärtnerin. Ich war sehr zurückgezogen, und sie hoffte, dass ich durch das Judo sicherer werde und mich mehr öffne. Später wechselte ich zum Karate, und 2006 hab ich mit Boxen angefangen.
Haben Sie als Kind mangelnde Schlagfertigkeit mit dem Mund durch die Fäuste ausgeglichen?
Nein, ich war eigentlich sehr frech. Trotzdem bin ich eher ruhig und zurückhaltend. Das liegt wohl daran, dass ich halb Japanerin bin. Sie boxen noch nicht lange dafür, dass Sie nun um einen Weltmeistertitel kämpfen. Der Spruch, zur rechten Zeit mit den richtigen Leuten am rechten Ort zu sein, trifft da voll zu. Ich habe ohne grosse Gedanken ein Boxtraining besucht. Mein Trainer hat mich intensiv gefordert. Nach einem Monat hatte ich meinen ersten Kampf, fünf Monate später gewann ich die Schweizer Meisterschaft. 2008 rieten mir die Trainer, zu den Profis zu wechseln.
Wie viele Gegnerinnen haben Sie in der Schweiz?
In der Schweiz bin ich in meiner Gewichtsklasse die Nummer eins, da es nur eine gibt. Ich kämpfe aber mit japanischer Lizenz, und da bin ich Vierte von elf.
Das heisst, um Schweizer Meisterin zu werden, mussten Sie bloss die Handschuhe anziehen?
Nein, den Titel gibt es nur im Amateurboxen. Da hatte ich schon Gegnerinnen, vier. Eine Boxerin stellt man sich burschikoser vor als Sie. Mir gefällt dieser Kontrast. Ich ziehe gerne schöne, figurbetonte Kleider an. Ich will eine schöne, attraktive Frau sein, die aber im Ring hart boxt und erbarmungslos zuschlägt.
Wie reagieren Männer, wenn Sie fein rausgeputzt im Ausgang sagen, dass Sie Profiboxerin sind?
Gar nicht, es kommen keine Typen.
Wo gehen Sie denn in den Ausgang?
Gar nicht. Ich trainiere hart und mag abends oder am Wochenende nicht Party machen.
Wo sollen Männer Sie denn treffen?
Im Boxclub oder im Wald, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe.
Ihr Freund müsste also Boxer oder Hündeler sein.
Nein, kein Hündeler. Er muss auch nicht unbedingt Boxer sein. In den fünf Jahren im Boxclub hat mich jedenfalls noch keiner darauf angesprochen, ob ich einen Kaffee trinken komme. Die sehen mich als Kumpel.
Mit der letzten WM wurde Frauenfussball plötzlich populär. Hoffen Sie auf einen ähnlichen Effekt beim Frauenboxen?
Ich hab mich auch erstmals dafür interessiert und riesig gefreut über den Sieg von Japan! Aber beim Boxen gibt es schon grosse Unterschiede von Frauen zu Männern. Rein von der Kraft her können wir uns nie messen. Da das Publikum leider am liebsten Blut und Brutalität sieht, ist das Männerboxen vielleicht attraktiver. Bei uns geht es mehr um Geschicklichkeit und Schnelligkeit. Es ist technischeres Boxen und nicht nur dreinbrätschen. Eine Mischung aus feminin und erbarmungslos hart.