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Wieso redet weltweit kein Ökonom über die Kosten die es verursacht, NICHTS gegen den Klimawandel zu tun? Zu allen Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels gibt es Zahlen-Jonglierereien, mehr oder weniger seriös. Aber niemand beziffert die Kosten des Nichtstun und initiiert eine Diskussion darüber. Ich bin sicher, dass diese Zahlen weit höher wären.
Dieser schätzt bei Nichthandeln die "Kosten" auf mind. 5% bis 20% des globalen Bruttoinlandsprodukts. Mit den Zahlen von 2018 wären dies:
GWP = 85.791 Trillionen US-$
5% = 4.290 Trillionen US-$
20% = 17.158 Trillionen US-$
Das entschiedene Handeln ab jetzt (d.h. ab 2006) hätte jährlich ca. 1% des GWP gekostet.
Die Rechnung wäre also eigentlich einfach (gewesen).
Doch das Problem sind - leider! - die partikularen Eigeninteressen.
Wir scheinen in einer dilemmatischen Tragödie der Allmende gefangen zu sein. Wo wir in Konkurrenz ein Nullsummenspiel spielen und deshalb so lange wie möglich Trittbrettfahren - anstatt in einem Kooperationsspiel für unser globales Gemeinwohl zu arbeiten - und so die Allmende namens Erde zugrunde richten.
Wenn man von umweltschädlichem Lebensstil redet, darf man den CO2-Ausstoss für die Schweiz nicht so tief ansetzen. Die Schweiz produziert ihre eigene (elektrische) Energie fast ausschliesslich mit Wasserkraft und Kernkraft, die wenig CO2-Emissionen haben. Deshalb kommtsie in Stastistiken so gut weg. Ginge man aber von den CO2-Emissionen aus, die für die Produktion der von den Schweiizern konsumierten Gütern verwendet wurden, dann läge sie im Spitzenbereich
Richtig. Nach Konsumprinzip (2011) gerechnet, steht die Schweiz mit 23 Tonnen CO2 pro Person und Jahr weltweit an vierter Stelle - gleich nach den USA (27,9).
Dazu schreibt der Wikipedia-Artikel:
Zum Beispiel geschehen rund 33 % der Emissionen in China für den Export und nicht für den Inlandskonsum. Eine Studie aus dem Jahr 2011 hat diese Verzerrung der Statistik durch den Handel global für den Zeitraum 1990 bis 2008 untersucht und Emissionswerte auf Basis des Konsums und nicht der Produktion berechnet. Sie kam zu dem Schluss, dass die CO2-Emissionen von entwickelten Ländern über den untersuchten Zeitraum dem Konsum nach um 7 % gestiegen sind, obwohl produktionsbezogene Erhebungen eine Senkung um 2 % ausweisen.
An Pro-Kopf-Werten ist zu erkennen, dass besonders reiche Länder mit wenig Industrie wie z. B. Singapur, Belgien, Irland, Norwegen und die Schweiz, wesentlich höhere Emissionswerte aufweisen, nämlich mitunter das Doppelte. Im internationalen Vergleich schneiden sie darum viel schlechter ab.
Mehr zur Schweiz im Artikel "'Graue' Emissionen machen die Schweizer Klimabilanz kaputt" der Schweizerischen Energie-Stiftung.
Eine Bemerkung zum Schluss:
Ob sich der amerikanische Staat, der ohnehin schon auf Pump wirtschaftet, den massiven Mitteleinsatz leisten will, muss sich weisen. Sicher ist: Auch Nichtstun wird beim Klimawandel teuer. Zeit ist Geld, Warten ist Gift – im Land der konstanten Beschleunigung müsste man das eigentlich verstehen.
Im Grunde leben wir ja alle auf "Pump". Wir nehmen Kredite auf, um in der Gegenwart zu produzieren und zu konsumieren, im Glauben, dass unsere Schulden in der Zukunft getilgt werden können. Der Output unserer gutgläubigen Lebensweise - so erkennen endlich immer mehr Menschen - gelangt über mehrere und komplexe Interdependenzen, also mit Trägheitsmoment, als massives Feedback wieder zu uns zurück. Doch kann unser künftiges "Wir" diese Bürde tragen?
Den Preis zahlen also künftige Generationen aller Lebewesen. Die Frage ist also, welcher "Pump" und welcher Preis höher ist:
Ein Weiter wie bisher und jährlichen Kosten von 5-20% des GWP.
Ich denke, die Rechnung ist einfach.
Ein Problem ist auch hier wieder der Zeithorizont - hier der Nachhaltigkeit. Denn der Erfolg ist erst langfristig bewertbar. Das heisst, man muss auf den "Return of Investment" warten können. Während mit dem Zeithorizont des (exponentiell) beschleunigten Wachstums der Erfolg kurzfristig - quartalsweise, ja in Sekundenbruchteilen - messbar sein muss und man auf den ROI nicht warten kann.
Das Warten ist also einerseits Gift, aber andererseits Heilmittel.
Natürlich ist der Barwert -- die Summe der heutigen Kosten und morgigen Erträge (bzw. Einsparungen, oder der Rettung des Planeten) -- eines Green New Deal positiv, vollkommen einverstanden. Trotzdem muss ihn heute jemand bezahlen: Private oder (wahrscheinlich, wie auch im Fall des GND von Ocasio-Cortez & Co.) Regierungen. Diese Regierungen haben nun einmal sehr wenig Spielraum wenn es darum geht, neue Schulden aufzunehmen, auch wenn das profitabel wäre. Die Trump-Regierung schafft es, in einem Boom-Jahr ein Staatsdefizit von 4% des BIPs zu schreiben; und jeden Januar, wenn der Schuldendeckel erhöht werden muss, steht Washington ein paar Wochen still. Darum, wie einige Demokraten und Ökonomen dieses Dilemma lösen wollen, geht es übrigens im dritten Teil der Serie ;-)
Um die „Kostenfrage“ etwas zu relativieren: Sicher sind Billionen USD zu investieren, um die USA zu 100% mit erneuerbarer Energie zu versorgen - aber letztlich werden die Investitionen wirtschaftlich sein.
Die Frage ist, wie viel der Staat investieren soll oder welche Investitionssicherheiten nötig sind zur Mobilisierung privater Investitionen.
Der Green New Deal ist wie auch der New Deal eine Radikale aber notwendige Vorlage.
Er bietet wirtschaftsverträgliche Lösungsansätze und hat unteranderem das Potenzial den Emissionsausstoss in den USA nachhaltig zu senken.
Die Polarisierung zwischen Republikaner und Demokraten verhindert jedoch eine Umsetzung. Vielleicht ist der Klimawandel im Land der Klimaskeptiker noch nicht spürbar genug, um politische Differenzen zu Gunsten der Allgemeinheit beiseitezulegen.
Meines Erachtens sind die Konsequenzen des Green New Deals auf die Wirtschaft marginal im Vergleich zu den Konsequenzen des Klimawandels.
Dass die Konsequenzen auf die Wirtschaft marginal sind -- dem würde ich vehement widersprechen. Nur ein paar Beispiele: Regulierungen der Kohleindustrie haben zur Deindustrialisierung ganzer US-Regionen (und auch zur Wahl Trumps) beigetragen. Die deutsche Energiewende wird extrem teuer, kommt aber kaum vom Fleck. Benzinsteuern mögen effektiv sein, treffen aber gerade die sozial Schwachen am stärksten.
Dass wir die grüne Transformation mit einer austarierten Kombination aus restriktiven (z.B. Carbon Tax) und expansiven (z.B. Investitionen in umweltfreundliche Infrastruktur) Instrumenten angehen, ist eminent wichtig, sowohl aus wirtschaftlicher als auch sozialer Sicht.
Natürlich ist das Entwickeln einer nachhaltigen Wirtschaft mit massiven Konsequenzen verbunden.
In Relation zu den massiven Auswirkungen des Klimawandels erachte ich dies jedoch als verkraftbar. Falls sich die Politik nicht schnellstmöglich zusammenrauft und lösungsorientierte Vorschläge erarbeitet, werden wir alle schon bald noch nie dagewesene Konsequenzen zu spüren bekommen.
Beispielsweise:
extreme Wetterphänomene
Flüchtlingswellen
Tiersterben
Meeresspiegelanstieg
Natürlich möchte ich die kurz und mittelfristigen wirtschaftlichen Konsequenzen nicht kleinreden. Das Umstellen der Wirtschaft und der Politik muss jedoch schnellstmöglich, so sozial und wirtschaftsverträglich wie möglich umgesetzt werden, um noch viel verheerenderes zu verhindern.