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Gerade mal 24 Jahre alt war Orson Welles, als er ein faszinierendes Angebot erhielt: Die Produktionsfirma RKO Pictures gab ihm Carte blanche für einen Film, also absolute künstlerische Freiheit.
Welles war kurz vorher mit einer gefakten Radio-Reportage über eine Invasion durch Marsianer berühmt geworden. Nun durfte er seinen ersten Spielfilm drehen, und zwar so, wie es ihm beliebte. Das Resultat ist einer der bis heute besten Filme aller Zeiten: «Citizen Kane» (1941).
David Finchers Film erzählt von der Entstehung dieses Traum-Drehbuchs, geschrieben von Herman J. Mankiewicz (1897–1953). «Mank» gibt dabei einen Einblick in das Leben des alkoholkranken Autors, gleichzeitig ist es ein Rückblick auf die Ära der goldenen Studiojahre.
Mankiewicz (Gary Oldman), kurz Mank genannt, war ein brillanter Journalist, Theaterkritiker und Autor, der unter anderem für das grosse Filmstudio MGM Drehbücher überarbeitete, etwa «Der Zauberer von Oz».
Als er 1939 von Welles den Auftrag erhält, das Skript zu «Citizen Kane» zu verfassen, liegt er gerade mit einem Beinbruch flach. Welles quartiert ihn in eine abgelegene Farm in der kalifornischen Mojave-Wüste ein, stellt ihm eine Betreuerin zur Seite und gibt ihm 60 Tage Zeit für das Skript.
Die Betreuerin soll ihn auch vom Alkohol fernhalten, dem Mank nur allzu gern zusprach. Schon bald hat er die Idee für eine Geschichte über einen Medienmogul, der in einem Schloss eine Scheinwelt für seine Geliebte aufgebaut hat, aber im tiefsten Inneren sehr einsam ist.
Als Vorbild dient ihm der Unternehmer William Randolph Hearst, der in Kalifornien fast alle Zeitungen kontrolliert. Als Freund von
Hearsts Geliebter Marion (Amanda Seyfried) ist Mank häufig Gast an den Partys von Hearst. Er geniesst Narrenfreiheit und darf als Demokrat auch gegen die Republikaner schnöden. Denn Hearst ist angetan von Manks Esprit und Courage.
Doch Mank ist klar, dass er sich mit dem Drehbuch und den unübersehbaren Parallelen bei Hearst unmöglich macht. Zugleich zofft er mit Welles, wer den Skriptcredit erhält.
Jahrelang hatte David Fincher (58) keinen Film mehr gedreht. «Gone Girl» (2014) war der letzte. Für «Mank» holte er ein altes Drehbuch seines 2003 verstorbenen Vaters Jack aus der Schublade.
«Mank» ist eine schwarz-weisse, visuell elegante Hommage an die goldene Zeit der Studios. Filme wurden damals bestimmt von Leuten wie MGM-Boss Louis B. Mayer, der das Studio wie eine Familie führte und jedem Mitarbeiter die Hühnersuppe seiner Mutter aufdrängte.
Fincher taucht ein in diese glitzernde Scheinwelt Hollywoods und in das Leiden eines Drehbuchautors, der das Ganze zynisch kommentiert. Das wirkt sehr aktuell, auch wenn Fincher oft etwas zu viel Insiderwissen voraussetzt.
Er filmt in Zeitsprüngen wie bei seinem Vorbild «Citizen Kane», dem er auch sonst mit vielen Zitaten und alten Stilmitteln huldigt, etwa der Rückprojektion bei Autofahrten.
So ist David Fincher ein Meisterwerk über ein Meisterwerk gelungen. Eine Ode an die Filmmagie.
Netflix | Drama | USA 2020
Mit Gary Oldman, Amanda Seyfried, Lily Collins, Charles Dance, Arliss Howard Regie: David Fincher
Elegant inszenierter Rückblick in die Studioära der 30er
ab 4. Dezember