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so nennen ihn die Einheimischen. Als sechstgrösster Fluss der Welt und zweitgrösster Afrikas ist er 4374 km lang und führt gewaltige Wassermassen, die sich mit bräunlicher Farbe 20 km in den Atlantik ergiessen. Zudem ist er der tiefste Fluss der Erde, an einigen Stellen bis zu 220 Meter. Er fliesst durch trockene Steppen, dichten Regenwald und vorbei an Grossstädten. Der Strom nährt ein riesiges, tropisches Urwald-Gebiet mit unglaublichem Artenreichtum. Anrainer des Stroms sind die Demokratische Republik Kongo, die Republik Kongo und Angola.
Die Geschichte dieser Region ist so überwältigend wie der Kongo-Fluss selbst, wenn auch unvorstellbar gewalttätig. Zwei Namen belegen die Spitzenplätze: der Afrika Forscher, Henry Morton Stanley, von der englischen Krone zum Sir erhoben, und der belgische König Leopold II.
Dass die Auswüchse dieser Region, die bis heute andauern, immer auch mit Reichtum verknüpft sind, wird klar, wenn wir die Geologie etwas genauer anschauen.
So wird die Demokratisch Republik Kongo als das rohstoffreichste Land der Welt bezeichnet. Bis in die 1960er Jahre waren die Förderung und der Export von Bodenschätzen wie Gold, Diamanten, Kupfer und Öl das wichtigste finanzielle Standbein der kongolesischen Wirtschaft. Teile der Bevölkerung lebten damals trotz schlechter Arbeitsbedingungen unter einigermassen akzeptablen Umständen. Das grösste Bergbau-Unternehmen Gécamines sorgte für die Versorgung der Arbeiter. So baute die Firma ganze Städte mit Schulen, Krankenhäusern, Strassen und Stromversorgung. Als der Diktator Mobutu Sese Seko, 1965 bis 1997, die Bergbauunternehmen verstaatlichte, hörte er auf weiter in die Minen zu investieren und steckte die Gewinne selbst ein. Bis heute führen die Rohstoffe zu grossen Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen, Rebellenführern, Staat, Militär, westlichen Unternehmen und den angrenzenden Staaten. Wirtschaftliche Interessen werden zu Triebfedern oder Auslösern für bewaffnete Konflikte. Ertragreiche Gebiete werden erbittert umkämpft. Wer das Gebiet hat, hat die Macht über die Rohstoffe – und damit den Gewinn.
Coltan, Gold, Diamanten, Kobalt, Kupfer, Germanium, Uran
sind einige der wichtigsten Rohstoffe des Landes.
Eine Alternative zu Tantal gibt es nicht. Weil es doppelt so dicht, haltbar und biegsam wie Stahl ist und erst bei 3000 Grad schmilzt, wird es dem Stahl zugegeben, etwa beim Bau von Kernkraftwerken oder Raketen. Der grössere Markt aber sind kleine, leistungsfähige Kondensatoren für Elektrogeräte. Zwar sind nur etwa 0,04 Prozent des Handy-Gewichts Tantal-Kondensatoren und trotzdem ist das Metall wichtiger Bestandteil. Etwa 2000 Tonnen Coltan werden weltweit jedes Jahr gefördert und mehr als die Hälfte des Erzes kommt aus Afrika. Weitere Minen liegen in Australien, Asien und Brasilien. Aus 2000 Tonnen entstehen mehrere Milliarden Kondensatoren für die IT-Industrie.