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Das oberste Gericht Grossbritanniens hat mit seinem Urteil zur Zwangspause des Parlaments der Brexit-Strategie von Premierminister Boris Johnson einen massiven Schlag versetzt. Als Kopf dieser Strategie gilt der umstrittene Chefberater des Premierministers, Dominic Cummings. Nun stellt sich die Frage, wie die nächsten Schachzüge des Brexit-Hardliners aussehen könnten.
Beobachter erkannten bereits in einer Reihe jüngster Entscheidungen des britischen Premierministers die Handschrift Cummings. Sie schrieben ihm die von Johnson verfügte knapp fünfwöchige Parlamentspause zu, mit der die Regierung nach Ansicht der Opposition das Unterhaus vor dem Brexit am 31. Oktober ausschalten wollte. Auch die Neubesetzung des Kabinetts mit EU-Gegnern nach Johnsons Amtsantritt wurde dem 47-jährigen Cummings zugeschrieben.
Mit seinem harten Politikstil machte sich der Absolvent der Elite-Universität Oxford viele Feinde, auch in den Reihen der Konservativen.
Schon seit Jahren gehen die Meinungen über Cummings, den Architekten der Brexit-Kampagne im Jahr 2016, in der Londoner Politszene auseinander. Ex-Premierminister David Cameron bezeichnete ihn als "Karriere-Psychopathen".
Kenner militärischer Strategien
Wiederholt wurde der unorthodoxe Politikberater mit Steve Bannon verglichen, dem ehemaligen ultrarechten Chefstrategen von US-Präsident Donald Trump. Wie dieser ist Cummings ein Kenner militärischer Theorien und Strategien. Und wie bei Bannon wurde die Berufung Cummings in den innersten Zirkel der Macht durch Johnson im Juli als äusserst riskant bewertet.
"Dominic Cummings ist der Zerstörer des Zerstörers - ein zielstrebiger Stratege und ideologischer Bilderstürmer", sagt Tim Bale, Politik-Professor an der Londoner Queen Mary University. Bale ist Verfasser eines Buchs über die Tories aus dem Jahr 2011, in dem Cummings bereits eine gewisse Rolle zufällt.
In der Austrittskampagne, die zum Sieg der Brexit-Anhänger bei der Volksabstimmung im Juni 2016 führte, setzte Cummings auf die Breitenwirkung der Online-Netzwerke. Wenn Johnson das Aushängeschild der Kampagne war, dann war Cummings das Hirn hinter den Kulissen. Dies wurde auch in dem TV-Thriller "Brexit: The Uncivil War" Anfang des Jahres deutlich, in dem Cummings von dem Schauspieler Benedict Cumberbatch verkörpert wurde.
Seine politischen Ansichten verbreitet der 47-Jährige bevorzugt auf seinem Blog im Internet. Dort erklärte er etwa die innenpolitische Krise im Zusammenhang mit dem Brexit zu einem seltenen historischen Ereignis, das er nutzen will: "Solche Krisen sind auch die Wellen, auf denen man surfen kann, um normalerweise unveränderliche Dinge zu verändern."
Bismarck-Bewunderer
Geboren wurde Cummings im nordenglischen Durham. Sein Vater arbeitete als Projektmanager einer Ölplattform, seine Mutter war Sonderpädagogin. Vor der Aufnahme in Oxford besuchte er eine örtliche Privatschule.
Russland hatte es dem jungen Cummings angetan. Er stürzte sich in die Lektüre des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski und besuchte das Land mehrmals nach seinem Studienabschluss. In den 90er Jahren beteiligte er sich am Aufbau einer neuen Fluggesellschaft in Russland. Das Projekt scheiterte.
2002 wurde Cummings Strategiechef der Tories. Das Amt gab er jedoch nach nur acht Monaten wieder auf. Der damalige Parteichef Iain Duncan Smith sei "inkompetent", sagte er.
Cummings wurde Sonderberater des konservativen Bildungsministers Michael Gove, später ein führender Anhänger des britischen EU-Austritts. Er machte sich einen Namen, indem er eine "Wir-gegen-die"-Mentalität des Ministeriums gegenüber dem Rest der Regierung forcierte.
Mit seiner Ernennung zu Johnsons Chefberater erhielt Cummings Gelegenheit, seinen historischen Vorbildern zumindest ein Stück weit nachzueifern. Neben dem ersten deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck bewundert Cummings auch den Kampfpiloten und Militärstrategen John Boyd. Dessen Strategie: Verwirre den Gegner, indem du das Erwartete unterlässt.