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Vor 100 Jahren gab es in Müllheim viele Rebberge. Um 1900 verschwanden aber einzelne und um 1928 verschwanden die Rebberge in Müllheim praktisch vollständig. Auf den Karten der Schweizer Landestopographie ist das gut dokumentiert.
Der Grund war die Reblaus. Sie wurde 1860 von Amerika eingeschleppt und erreichte 1928 Müllheim mit verherrenden Folgen für den lokalen Rebbau.
Heute hat es wieder kleinere Rebberge (Beim Weingarten und beim „Oberen Berg“), die leider auf der Karte der Landestopographie nicht eingezeichnet sind.
Dass es einen Kindergarten gibt, war lange nicht selbstverständlich. In Müllheim wurde 1939 der erste Kindergarten an der Adlerstrasse gegründet. Hier sind einige alte Fotos und die Statuten von damals. Die Kindergärtnerin hiess Fräulein Osterwalder.
In diesem Haus an der Adlerstrasse war der Kindergarten
Das aktuelle Gemeindewappen von Müllheim stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 20. Jh. Es ist das rote Mühlrad unter einem roten Balken. Uns interessiert die Frage wie dieses Wappen entstanden ist, ob es allenfalls doch ältere Belege gibt. Hier tragen wir unsere Ergebnisse und Vermutungen zusammen.
Das Symbol des Mühlrades ist sehr passend gewählt, da Müllheim als Mühle von Wigoltingen gegründet wurde.
Frage: Warum ist das Mühlrad rot? Hat es einen Zusammenhang mit dem roten Löwen auf dem Wappen der Ritter von Müllheim?
Antwort: Rot ist die Farbe der Abtei Reichenau, unter deren Gerichtsherrschaft Müllheim über lange Zeit stand.
Frage: Interessant ist auch, dass es in der Umgebung ähnliche Wappen gibt (Mammern, Frauenfeld). Was bedeutet der rote Löwe?
Antwort: Mit Sicherheit führte das Geschlecht der Herren von Kyburg, welche die Schirmherrschaft über Müllheim ausübten Löwen im Wappen.
Frage: Woher stammt das neue Wappen mit dem halben Mühlrad?
Antwort: In einem Wappenbuch aus dem Staatsarchiv wird erwähnt, dass für die Landesausstellung von 1939 ein schon bestehendes Wappen übernommen wurde, also ist das Wappen sicher älter. Im alten Gemeindesaal an der Kreuzlingerstrasse 45 hat es an der Decke ein Gipsrelief mit dem halben Mühlrad und einer Jahreszahl, vermutlich 1842. Auf einer Postkarte von 1899 ist das halbe Mühlerad auch zu sehen, allerdings um 90° gedreht.
Auf dem Lindenhügel in Müllheim stand bis am 2. August 2017 eine schöne, markante , ca 150-200 Jahre alte Linde. Leider fiel sie in der Nacht vom 1. auf den 2. August 2017 dem Sturm zum Opfer.
Verschiedene Müllheimer haben einen Grossvater oder Urgrossvater der die markante Linde auf dem Lindenhügel gepflanzt haben soll. Das könnte daraufhin deuten, dass es sich bei der Pflanzung um ein Gemeinschaftsprojekt gehandelt hat. Bis jetzt ist nicht geklärt, wer die Linde wann und warum gepflanzt hat. Aber es gibt zwei hauptsächliche Vermutungen:
1. Eine Verfassungslinde von 1848
Möglicherweise wurde die Linde 1848 nach dem Ende des Sonderbundkrieges und der Gründung des Bundesstates mit der Bundesverfassung als Verfassungslinde gepflanzt.
Sicher ist, dass müllheimer Männer am Sonderbundskrieg teilnahmen. In den Protokollen der Gemeinde ist festgehalten, dass alle eingerückten Männer eine Entschädigung bekommen.
Gibt es in der Region auch an anderen Orten solche Verfassungslinden?
2. Eine Friedenslinde von 1871
Im Winter 1870/71 waren in Müllheim Soldaten der Bourbakiarmee interniert. Wurde die Linde am Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1871 von den Müllheimer dort gepflanzt? Müllheim war ansonsten vom Krieg nicht betroffen. Dass zum Ende des Krieges, zur Verabschiedung und zur Erinnerung gemeinsam eine Linde gepflanzt wurde, könnte möglich sein. Auf dem Friedhof in Müllheim gibt es eine Gedenkstätte an diese Internierung: https://geschichtevonmuellheim.ch/17-vier-gedenkstaetten/
Im privaten Garten vom Haus Rosenthal (Kreuzlingerstrasse 24) steht eine ähnlich Linde in vermutlich gleichem Alter. Möglicherweise ist das eine „Schwesterlinde“.
Der Name „Lindenhügel“
Übrigens heisst der „Lindenhügel“ erst seit der Mitte des letzten Jahrhunderts so. Auf älteren Karten heisst er Lemperg. „Lempärg“ bedeutet „der Hügel beim Lehen, der zum Lehen gehörige Hügel.“ Noch früher war es einfach der „Untere Berg“ im Gegensatz zum heutigen Dübinger, der war der „Obere Berg“. Im Thurgauer Urkundenbuch wird der Berg in einer Quelle aus dem 1385 als „Lintperc“ geschrieben. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass es dort auch schon früher Linden hatte.
Weitere Linden in Müllheim
In Müllheim gibt es weitere alte Linden:
Vor dem Schulhaus Säge, Kreuzlingerstrasse 47. Vielleicht wurde sie zum Ende des 1. Weltkrieges gepflanzt. Auf Postkarten von 1912 ist sie noch nicht zu sehen, dafür um 1931.
Vor der Evangelischen Kirche eine Blutbuche. Wann wurde die gepflanzt? Vermutlich ca. 1935 bei einer Neubepflanzung der Grünfläche. Auf dieser Postkarte von 1905 ist sie glaub nicht zu sehen.
Kirche von Müllheim auf einer Postkarte mit Stempel 1905
Auf dem Friedhof eine Blutbuche, vermutlich ungefähr gleich alt wie die bei der Kirche.
Neben dem Il Castello (Restaurant Löwen). Eventuell zum Ende des 2. Weltkrieges. (Foto?)
Bis Anfangs 20. Jh wurde unser Dorf „Mühlheim“ geschrieben. Auf der Karte von 1637 wird es sogar „Mülen“ geschrieben. In der Urkunde vom 12. März 1274 steht „Mulhain“. Es war ein „Hain“ ->Heim mit „Muhl“ ->Mühle. Wie, wann und warum sich die Schreibweise in „Müllheim“ verändert hat, wissen wir (noch) nicht.
Der Name «Heim mit Mühle» deutet an, dass «der Ort mit einer Mühle» zunächst wohl nur ein einzelner Hof, bestimmt aber mit einer zugehörigen Mühle war. Wahrscheinlich ist, dass diese Mühle für die Siedlung des Wigwalt, also für Wigoltingen, erbaut wurde.
Sicher ist, dass auf allen Sulzberger – Karten (ab dem Jahr 1830) und auf allen Dufour – Karten (um 1860) unser Dorf mit dem Mühlen -„h“ geschrieben wurde. Erst auf der Siegfriedkarte von 1880 ist das Doppel -„l“ verwendet worden. Hier geht es zu einer Übersicht von alten Karten.
Warum der Name damals so abgeändert wurde, entzieht sich unseren Nachforschungen. In den alten Urkunden wurde der Name aber auch schon verschieden geschrieben.
J. Wälli vermutete in einem Artikel im Thurtal -Anzeiger 1934: “ In neuerer Zeit ist die Form Müllheim durchgängig in Gebrauch gekommen, wohl weil man damit das Mühlheim an der Thur von den vielen andern Orten gleichen Namens unterscheiden wollte.“
1902 wurde die Kirche nach Osten verlängert. Ein 4. Fenster kam deshalb hinzu und an diesem „Anbau“ mit der Empore gab es einen neuen Eingang, mit der Rosette darüber.
Um 1834 gab es auch noch keine Uhr mit Ziffernblatt.
Bei der Renovation wurde auch Parterre-Eingang in den Turm gebaut.
Hahn, Kreuz und goldene Kugel waren aber bereits auf dem Turm. Der Turm wurde verputzt.
Die unteren zwei Bildern stammen von Postkarten. Die linke Karte ist von 1899 abgestempelt und die rechte von 1905. Die Bilder dokumentieren den Umbau von 1902, bei dem die Kirche verlängert wurde.
„Kurze“ Kirche, auf eine Postkarte mit Stempel 1899
Kirche von Müllheim auf einer Postkarte mit Stempel 1905
Im vergangenen Jahrhundert hat sich das Innere der müllheimer Kirche mehrmals wesentlich verändert. In der Festschrift „700 Jahre Kirche St. Verena“ gibt es eine Darstellung der Kirche um 1761. Wir wissen aber nicht aufgrund welcher Quellen die Skizze erstellt wurde. Man sieht darin die Treppe zum erhöhten Turmeingang (die Türe im Chor wurde erst 1902 ausgebrochen). Die Kanzel befindet sich im Chor.
Das älteste Bild des Inneren, das wir bis jetzt gefunden haben, stammt von einer Postkarte mit dem Stempel aus dem Jahr 1905.
Es war eine helle Kirche mit dem katholischen Altar vorne in der Mitte und der Kanzel an der Nordwand. Das Chorgestühl ist vorhanden, welches wie die Bänke der Kirche aus dunklem Holz gefertigt ist. Vorne Rechts an der Wand neben dem Chor ist an die Wand gemalt der Vers: „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren“.
Bei der Renovation 1928 ist der Chor dunkelrot ausgemalt worden und die Decke des Kirchenschiffs wurde auch bemahlt. Der Vers vorne rechts an der Wand wurde geändert in: „Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit.“
Im Chor hielten zwei Heiligenstatuen Einzug.
Folgende Bilder wurden vor der Innenrenovation von 1978 gemacht:
Nachdem die katholischen Müllheimer auf dem Storenberg eine eigene Kirche gebaut hatten, wurde die Kirche 1978 erneuert. Das Resultat war ein schlichter, heller und freundlicher Kirchenraum:
Unser Friedhof war früher neben der Kirche, auf der Seite der Strasse. Auf dem Bild von R. Labhart sind dort einheitliche, schlichte Grabkreuze zu sehen.
1868 wurde der Friedhof auf den Storenberg verlegt, damals noch unterteilt in einen evangelischen und katholischen Teil. Der Friedhof und der Friedhofsweg wurden damals als religiöses und ästhetisches Gesamtes konzipiert, im Zusammenhang mit dem damaligen Ritual der Beerdigung und dem Gottesdienst. Aus dieser Zeit stammt auch die Friedhofsalle. Auf dem alten Friedhof vor der Kirche und auf dem neuen Friedhof im Storenberg hat es zwei ungefähr gleich alte Blutbuchen.
Aus dieser Zeit haben wir noch keine Bilder oder Beschreibungen des Friedhofes. Wir nehmen aber an, dass sich an der grundsätzlichen Gestaltung nicht viel verändert hat. In den Protokollen der Friedhofskommission könnte sich dazu noch etwas finden.
Auf diesem Bild anfangs 20. Jh. sieht man die Blutbuche noch etwas kleiner als heute:
Poststempel von 1940
Undatierte Postkarte
Das aktuelle Aufbahrungshäuschen auf dem Friedhof stammt aus der 2. Hälfte des 20. Jh. Vorher hatte es bis ca 1970 im Osten anderes kleines Gebäude. Eventuell gab es früher auch eine Kapelle auf dem Friedhof.
Ca. 2004 übergaben die Kirchgemeinden den Friedhof mit dem ganzen Land an die Politische Gemeinde. Seitdem verwaltet diese den Friedhof und ist zuständig für alle Angelegenheiten.