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Deutschland wird der Ukraine rund 50 Flugabwehrpanzer vom Typ Gepard zur Verfügung stellen – das wurde am Dienstag bekannt. Für die Weitergabe der Munition des Gepard-Panzers reichte Deutschland ein Gesuch beim Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) ein.
Denn der deutsche «Gepard» besteht aus Schweizer Technik – konkret aus einer Oerlikon 35mm-Zwillingskanone des Rheinmetall-Konzerns sowie der dazugehörigen Munition. Doch der Bund verbot die Lieferungen aufgrund der Kriegsmaterialverordnung.
Deshalb kann die Schweiz keine Munition liefern
Aktuell gilt: Wenn ein Land, wie Deutschland, Waffen oder Munition aus der Schweiz kauft, muss es eine Bewilligung der Schweiz einholen, wenn es diese weitergeben will. Denn das Schweizer Gesetz verbietet Lieferungen an Länder, die sich in einem internen oder internationalen bewaffneten Konflikt befinden.
Ab dem 1. Mai 2022 wird das verschärfte Kriegsmaterialgesetz in Kraft treten. Dann werden die Bewilligungskriterien neu im Gesetz und nicht mehr in der Verordnung festgelegt sein, wie der Sekretär der Sicherheitspolitischen Kommissionen (SiK) auf Anfrage bestätigt.
Dies bedeute, dass der Bundesrat die Bewilligungskriterien in Zukunft nicht mehr alleine ändern kann. Das Parlament müsste einer allfälligen Änderung zustimmen – diese wiederum könnte mittels Referendum bekämpft werden.
Dies löste eine Debatte rund um die Munitionslieferungen für den Gepard-Panzer aus. Aber ist die Schweizer Munition für die Zwillingskanonen des Flugabwehrpanzers «Gepard» tatsächlich so wichtig?
Mögliche Alternativen zur Schweizer 35mm-Munition
Tatsächlich gebe es mehrere Hersteller, die diese 35mm-Munition produzieren, bestätigt Frederik Besse, Chefredaktor der militärischen Fachzeitschrift «Schweizer Soldat». Doch die Frage sei, ob diese Hersteller auch die Variante mit der Gurtrille produzieren. Denn: «Der Gepard kann nur 35mm-Munition mit der Gurtrille laden.»
Insgesamt gebe es drei Typen dieser Granaten und nur ein einziger Typ passe in den Ladeautomaten. «Erst wenn diese Gurtrille vorhanden ist, kann man sie auch im Ladeautomat des Gepards einfügen. Ohne diese Gurtrille ist die Granate wertlos für den Gepard.»
Das kann der «Gepard»
«Der Gepard alleine wird den Krieg nicht entscheiden können», sagt Frederik Besse zur Bedeutung des deutschen Flugabwehrpanzers. Denn der Gepard sei ein System, das mit anderen Waffensystemen funktionieren müsse. Insofern sei er darauf ausgelegt, mechanisierte und gepanzerte Kräfte im Kampf zu begleiten und sie gegen die Luftbedrohung aus näherer Entfernung zu schützen.
Der Gepard könne Luftziele bis zu fünf Kilometer Entfernung fernhalten und vor allem effektiv Helikopter und Kampfdrohnen bekämpfen, erklärt Besse die Funktionen des Panzers.
Dritthersteller würden jedoch oftmals nicht angeben, ob die Munition eine Gurtrille enthält oder nicht. Ob diese Gurtrille auch nachträglich einbaubar wäre oder man eine neue Produktionsreihe aufbauen müsste, sei schwierig einzuschätzen. Dafür müsste man Abklärungen machen, betont Besse.
«Fakt ist jedoch: Mit Gurtrille ist die Granate teurer als ohne.» Und wer die Rechnung dafür bezahlen und wie viel Munition am Ende bestellt werde, seien noch offene Fragen.
Auch die Schweizer Armee besitzt die Geschosse
Total 36 Stück der 35mm-Fliegerabwehrkanonen hat die Schweizer Armee in ihrem Bestand, wie ein Sprecher der Armasuisse auf Anfrage von SRF bestätigt. Das sind insgesamt 18 Einheiten, die jeweils aus einem Feuerleitgerät und einer 35mm-Zwillingskanone besteht.
Die 35mm-Munition für die Flugabwehrgeschütze beschafft sich die Schweizer Armee ausschliesslich vom Hersteller Rheinmetall Air Defense (RAD), schreibt der Armasuisse-Sprecher weiter.
Deutschland orientiert sich neu
Der Deutsche Bundestag stimmte am Donnerstag zu, Panzer an die Ukraine zu liefern. Bereits am Dienstag hatte die deutsche Bundesregierung die Lieferung von Gepard-Flugabwehrpanzern der deutschen Rüstungsindustrie an die Ukraine genehmigt. Diese soll mit einer grösseren Menge an Munition ergänzt werden. Dazu laufen Gespräche mit Brasilien, das in früheren Jahren Munition aus Deutschland für das Waffensystem erhalten hatte. Auf diesem Weg könnten bis zu 300'000 Schuss für den Einsatz der bis zu 50 Gepard-Panzer beschafft werden.
Besse schätzt jedoch, dass die Munitionsbestände aus Brasilien schnell aufgebraucht sein könnten – schon nur in der Ausbildung, in der die Crews lernen, wie das Waffensystem funktioniere.
Das heisst, mit diesen Munitionsbeständen könnten nur sehr wenige Fahrzeuge in den Einsatz geschickt werden, erklärt Besse. Es werde zudem eine schwierige Frage, wie die Ukraine an so viel Munition kommen könnte. «Ich sehe momentan noch niemand, der das in dieser Menge herstellen kann, von heute auf morgen.»