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Die Kaiserpinguine gelten als die Ikonen der Antarktis. Ihr ungewöhnliches Brutverhalten und ihr Lebensraum auf dem antarktischen Festeis während der Brut machen diese Pinguinart einzigartig innerhalb der antarktischen Tierwelt. Doch wie alle polaren Organismen sind auch sie durch den raschen Klimawandel bedroht. Eine neue und umfangreiche Modellstudie hat untersucht, wie stark die Bedrohung für die 54 bekannten Kolonien von Kaiserpinguinen tatsächlich ist.
Das internationale Forschungsteam benutzte dazu verschiedene Modelle und Prognosen, die unterschiedliche globale Temperaturanstiege vorhersagen. Von besonderem Interesse für die Forscher war vor allem, ob für das Überleben der Kaiserpinguine das Pariser Klimaabkommen einen Unterschied bedeuten könnte. Das Abkommen sieht Massnahmen vor, die den Temperaturanstieg auf 1.5°C begrenzen sollten. Gemäss den Forschern würde dies bedeuten, dass für die Pinguine dadurch Lebensräume erhalten bleiben und rund 19 Prozent der Kolonie verschwinden würden. Bei einer Begrenzung der Temperatur auf 2°C würden aber bereits 31 Prozent der Kolonien nicht mehr existieren. Für die Population bedeutet dies einen Rückgang um 31 bzw. 44 Prozent, je nach Temperaturziel. In beiden Fällen würden aber der weitere Rückgang auf 0.07 Prozent (bei 1.5°C) oder 0.34 Prozent (bei 2°C) sinken, was einem Stopp des Rückgangs gleichkommen würde.
Stephanie Jenouvrier vom Woods Hole Ozeanographischen Institut und ihre Kollegen konnten auch zeigen, dass beim gegenwärtigen Trend, der einem «Business as usual» Szenario entspricht, die Kaiserpinguine am stärksten leiden würden. «Erwärmt sich das globale Klima weiter mit der gegenwärtig gemessenen Rate, erwarten wir einen Rückgang der Kaiserpinguine von 81 bis 86 Prozent bis ins Jahr 2100», erklärt Jenouvrier. «An dem Punkt ist es unwahrscheinlich, dass sich die Population erholen wird.» Als Gründe geben die Wissenschaftler vor allem den Verlust des Eises als Lebensraum und Brutgebiet an. Bereits der Unterschied von 1.5°C auf 2°C bedeutet eine Verdreifachung des Eisverlustes gemäss den Prognosen und verwendeten Modelle. Bei einem Anstieg um bis zu 8.5°C würde das Eis komplett verschwinden und den Pinguinen keine Ausweichmöglichkeiten übrigbleiben. «Unter dem Szenario marschieren die Pinguine praktisch ihrem Aussterben im Verlauf des nächsten Jahrhunderts entgegen», sagt Jenouvrier. Ein weiterer Grund wird der Rückgang von Nahrungsquellen durch die wärmeren Wassertemperaturen sein und der damit verbundenen Änderung der Fauna.
Die Studie zeigt, dass ein Einhalten des Pariser Abkommens die Chance bietet, dass die Kaiserpinguine Rückzugsgebiete erhalten, in den die Kolonien signifikant weniger vom Klimawandel betroffen sein werden. Beispielsweise würde die Zahl der Kaiserpinguine der Kolonie von Snow Hill Island in jedem Fall zurückgehen, doch die Begrenzung würde zumindest der Kolonie ein Überleben bieten, wie die Forscher zeigen können. Doch obwohl mittlerweile 191 Staaten das seit 2016 bestehende Abkommen ratifiziert haben, wurden kaum konkrete Massnahmen umgesetzt. Die USA haben sogar mittlerweile ihren Austritt aus dem Abkommen eingeleitet. Präsident Trump, der als Klimawandelleugner bekannt ist, bezeichnete das Abkommen als eines der schlechtesten Abkommen, die die USA jemals unterzeichnet haben. Doch mit ihrem Schritt haben die USA den Zorn der restlichen Staatengemeinschaft auf sich gezogen, statt des von Trump erhofften Dominoeffektes weiterer Austritte. Trotzdem läuft die Uhr, gemäss der Klimaforscher, langsam ab und der «Punkt ohne Wiederkehr» rückt näher. Für die Kaiserpinguine wird das Eis auf jeden Fall langsam dünn, wie Stephanie Jenouvrier meint.
Quelle: Jenouvrier et al (2019) Glob Change Biol EPub 1-15