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Wie der Tod ist auch die Angst ein Tabu. Wer zum Tod nicht stehen kann, wird nie die Angst erwähnen können. Wer die Angst nicht erwähnen kann, wird sie immer erleiden müssen. Wer die Angst erleiden muss, wird sich nie von ihr befreien können. Wer sich nicht von ihr befreien kann, wird nie leben, immer sterben.
Erwähne ich die Angst, gestehe ich ihr eine Existenz zu, mit der ich nicht einverstanden sein kann. Erwähne ich die Angst, gestehe ich eine Existenz ein, mit der ich nicht einverstanden sein will. Erwähne ich die Angst, gestehe ich mir eine Existenz zu, zu der ich trotz Einspruchs bereit sein muss. Erwähne ich die Angst, gestehe ich Existenzen zu, an denen ich trotz Einsicht noch keinen Anteil haben kann.
Angst hat mit Einspruch und mit Einsicht zu tun. Angst, denke ich, ist Einspruch und Einsicht.
Mut aber, auch Gleichmut, seltener Demut, entwindet der Angst ihren Schrecken. Ohne Einspruch und ohne Einsicht lässt es sich handeln.
Helden sind daher immer lächerlich. Ihre Tat ist keine Überwindung. Ihre Tat ist immer Verstümmelung.
Penthesileas Tod gründet im Unverständnis: horror pulchritudinis, in der Einsicht: horror homini, und im Einspruch: horror vitae. Achills Tod gründet in der Hybris. Penthesileas Tod lehnt jegliche Sinnstiftung ab, Achills Tod fügt sich ein in die konflikthafte Sinnhaftigkeit jeglichen geschichtlichen Geschehens.
Beider Tod ist letztlich lächerlich, zugegeben. Vielleicht ist sogar jeder Tod lächerlich.
Wer die Angst erwähnt, wiederhole ich, setzt sich ihr aus. Wer die Angst erwähnt, leistet Trauerarbeit. Er nimmt Abschied vom Erwiesenen, Gewohnten, Vernünftigen. Er gibt der Frage Raum, die unser Leben von jeglicher Finalität befreit. Er findet in diesem Raum die Schönheit residieren, den lebendigen Tod und das tödliche Leben. Ist er kein Held, was ihm zu wünschen wäre, wird er der Dualität, der Linearität und der Realität abtrünnig.
Seine Einsicht begabt ihn zu Potenzen, deren Existenzen niemand nährt. Sein Einspruch ermöglicht ihm Sinn, deren Existenz niemand nutzt. Sein Handeln ist weder eines, das leidensfähig, noch eines, das leidlos ist. Die Lächerlichkeit seines Beginnens, das immer eines bleiben wird und muss, schützt ihn vor Hybris und vor Verstümmelung. Er wird zur Frucht des unfruchtbaren Feigenbaums.
Das Fragen nach der Schuld jedoch überlassen wir den Theologen.