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2017 führte der Schweizer Verband erstmals ein Prospect Camp für Spieler mit maximal 25 Jahren durch mit dem Ziel, ihnen den Übertritt von den Junioren-Auswahlen ins Nationalteam zu erleichtern. Das Camp wurde auch wegen der ursprünglich im Jahr 2020 angesetzten Heim-WM, die wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt werden musste, ins Leben gerufen.
Nun befinden wir uns wieder drei Jahre vor der Heim-WM, dennoch wird erstmals seit der Premiere kein Prospect Camp durchgeführt. Wie kann das sein? Die Absage führte zu Kritik. Lars Weibel, der Direktor Sport bei Swiss Ice Hockey, wurde in einem Medium gar eine «dreiste Talent-Lüge» unterstellt, nachdem er zitiert worden war, dass von allen Prospect-Kandidaten nur drei Spieler etwa zehn Minuten Eiszeit erhalten hätten.
Wer ist ein Prospect?
Nur drei Kandidaten mit etwa zehn Minuten Eiszeit? Kann das sein? Die entscheidende Frage ist: Wer ist ein Prospect? Ist es einfach ein junger, talentierter Spieler oder ist es jemand, dem Nationaltrainer Patrick Fischer zutraut, ein Kandidat für die Heim-WM zu sein? Zu Letzteren gehören aktuell keine zehn Spieler - einer wie beispielsweise der 24-jährige Tobias Geisser, der schon an drei Weltmeisterschaften teilgenommen hat, selbstredend nicht mit eingerechnet.
«Wir haben nach der WM eine profunde Analyse vorgenommen», sagt Weibel. Dabei wurde auch diskutiert, ob es im Moment sinnvoll sei, ein Prospect Camp durchzuführen. Die Verantwortlichen fragten sich, wer dabei wäre und wie es bei den Kandidaten bezüglich Eiszeit aussieht. Und was das betrifft, ist es ein Fakt, dass aufgrund der Erhöhung der Ausländerzahl in der National League von vier auf sechs viele Hoffnungsträger weniger eingesetzt wurden.
Ein noch besseres Gefäss als Ziel
Da die Spielpraxis das A und O ist und es wenig Sinn macht, einfach irgendwelche Leute aufzubieten, zumal das Prospect Camp mit einigen Kosten verbunden ist, wurde nach besseren Lösungen gesucht. «Dabei kamen wir zum Schluss, dass es für das Schweizer Eishockey die weiseste Lösung ist, das Prospect Camp heuer abzusagen und jene Spieler, denen wir in den nächsten Jahren eine WM-Teilnahme zutrauen, noch gezielter zu fördern», sagt Weibel.
So werden diese nach Möglichkeit für zwei der vier Turniere der Euro Hockey Tour mit den Top-Gegnern Schweden, Finnland und Tschechien aufgeboten und auch in der WM-Vorbereitung berücksichtigt. Dadurch erhalten diese Spieler optimale Voraussetzungen, sich an das internationale Level zu gewöhnen und den nächsten Schritt zu machen. Derweil will Weibel für die Zukunft ein noch besseres Gefäss kreieren. Eine Überlegung ist, ein Camp für vielversprechende U18-/U20-Spieler einzuführen.
Weiterentwicklung zu sehen
«Wir machen uns sehr viele Gedanken, wie wir uns weiterentwickeln können», sagt Weibel, der das Amt 2019 übernommen hat. Das ist definitiv zu sehen. Nicht umsonst haben die Schweizer an den letzten beiden Weltmeisterschaften die Vorrunde als Gruppensieger abgeschlossen, was ein beachtlicher Leistungsausweis ist, auch wenn die Zielsetzung Halbfinals beide Male nicht erreicht wurde.
Wie auch immer wird Weibel am Freitag in einem Meeting mit den General Managern der Vereine der National League die Beweggründe für die Absage erläutern. Denn eines ist klar: Damit die Schweiz weiter mit den Topnationen, die über deutlich mehr lizenzierte Spieler verfügen, mithalten kann, müssen alle am gleichen Strang ziehen und darf es keine Animositäten geben.