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Herrliberger 18e
Ein Rebellennest, eine dynastische Festung, eine zentrale Verwaltungsstelle, ein Sitz der Vögte, ein Ziel von Spaziergängen, dies sind die Bezeichnungen der bekanntsten Burg des Kantons von Zürich, jenes von Kyburg.
Die historischen Quellen des 11. Jahrhunderts erwähnen bereits ein Schloss, genannt "Chuigeburch", was dem dialektischen Begriff von "Chüeburg" entspricht "Kuh-Schloss". Die zwei noch sichtbaren Gräben, die das Schloss und die Agglomeration vom hinteren Gelände trennten, datieren vermutlich aus diesem Zeitalter. Eine Holzburg hat sich hier wahrscheinlich bereits im 11. Jahrhundert befunden. Sie diente vermutlich dem Grafen Werner von (Ober-)Winterthur als Zuflucht, als er mit dem schwäbischen Herzog Ernest in den Krieg gegen den Kaiser gezogen ist. Die Revolte endete mit der Zerstörung des Schlosses in 1027. Die Chronik der Sankt Gallischen Abtei erwähnt eine erneute Zerstörung des Schlosses von Kyburg in 1079.
Später wurden die ersten rudimentären Steinkonstruktionen an dieser Stelle errichtet. Die ältesten Elemente der Umfriedungsmauer könnten aus diesem Zeitalter stammen. Aber mit der Zeit entsprachen weder diese Konstruktion, noch sein Name von "Chüeburg" der wachsenden Bedeutung der Schlossherren. Gegen das Ende 12. Jahrhunderts nahmen die Grafen immer öfter den Familiennamen von "Chiburg" an, ein Derivat von "Chüb"; das bedeutete Streit.
Die Konstruktionsphase, die der heutigen Festung den Charakter gab, begann gegen 1200. Diese erste Etappe wurde mit der Errichtung des Wohntraktes in der südlichen Ecke, das sogennante „Ritterhaus“, beendet, Ursprünglich konnte man nur in den Wachtturm eintreten, indem man durch eine hohe Tür in der Wölbung trat, die in der östlichen Mauer elf Metern über den Bodens stand. Ställe befanden sich früher im Erdgeschoss; diese Stelle wurde 1683 in einen Festsaal umgewandelt. Der Rest des Gebäudes, das in einem geradem Winkel am Wachtturm veredelt wurde, diente den Vögten als Wohnung. Von hier führt ein Rundweg zum Wohntrakt. Mit seinem Aussehen und seiner Inneneinrichtung hat der Wohntrakt viel von seinem mittelalterlichen Charakter bewahrt.
Die im 16. Jahrhundert durchgeführten Renovierungen prägten vor allem die innere Einrichtung des Schlosses. In 1786 wurden die vier mittelalterlichen Winkeltürmchen abgerissen und eine Uhr in der Mitte des Daches eingesetzt. Die südländische Fassade wird mit dem Kaiseradler und mit dem doppelten Wappen von Zürich geschmückt, die den Status von Zürich, als freie Kaiserstadt, symbolisieren.
Durch einen Rundweg erreicht man die den hinteren oder grauen Turm. Hier befand sich der Saal der Qualen, auch das "Kaiserzimmer" genannt.
Der Raum zwischen der Kapelle und dem Eingang des Schlosses ist seit jeher durch die Mehrheit besetzt worden und lehnt sich an die Umfriedungsmauer. In der allgemein leichten Bauweise musste sie unaufhörlich repariert und an die Ansprüche der jeweiligen Zeit angepasst werden. Die kleinere Mauerwerke - Backstube, Bäder und Waschplatz - hinterliessen ihre Spuren: kleine Nischen im Südteil der Umfriedungsmauer. Der Hof war gross genug, um nicht nur einen Brunnen von 25 Metern Tiefe zu erlauben, sondern auch einen Kleingarten und später sogar einen Springbrunnen.
Dass die Festung von Kyburg viel von ihrer Originalsubstanz bewahrt hat, liegt vor allem an der Wirtschaftssorge des Rates von Zürich. Sicherlich versuchten die Züricher während etwa drei Jahrhunderten, dieses Werk in gutem Zustand zu erhalten, Beweise dafür sind die zahlreichen Konten, die es betreffenden. Aber sie unternahmen niemals Renovierungsarbeiten, die den Rahmen der gewöhnlichen Wartungs- und Anpassungsarbeiten überschritten hätten. Und da die Dauer der Funktionen der Pächter auf sechs Jahre begrenzt war, wurde von keinem dieser Beamten versucht, hohe Summen in ehrgeizige Renovierungsprojekte zu investieren. Es ist wahr, dass entgegen anderen Vogteien, die von Kyburg vom Anfang an gut geplant und stabil gebaut wurde. Vergessen sollten wir nicht, dass sie seinen Ursprung einer reichen dynastischen Familie schuldete, deren Ländereien und Rechte sich vom Rhein auf die französische Schweiz ausdehnten.
Man ist sich nicht völlig im klaren über die Ursprünge dieser Familie. Es scheint, dass die Grafen von Winterthur sich nach der Katastrophe von 1027 schnell wieder gefasst haben und nicht gezögert haben, wichtige Teile ihres alten Eigentums wiederzugewinnen. Aber gegen Mitte des 11. Jahrhunderts starben die männlichen Nachkommen dieser Linie nacheinander. Um das Jahr 1070 herum, brachte Adelaide von Winterthur-Kyburg, die einzige Erbin, ein wichtiges Kulturgut in Ehe mit dem Grafen Hartmann von Dillingen mit. Trotz der Niederlage, die Hartmann in 1079 erfährt, gelingt es ihm, seine Position im Territorium der aktuellen Ost- und nördlichen Schweiz zu konsolidieren und dabei wurde er einer der reichsten Herren. Er besass auch Rechte der Souveränität in Thurgau.
Jahrhundert lang erlebten die Kyburger einen bemerkenswerten Aufschwung. Hartmann III heiratete Richenza von Lenzburg- Baden. Und da das gräfliche Haus Lenzburg 1173 bereits verschwunden war, erbten die Kyburger die Ländereien in der Region von Baden und auf dem Land von Gaster von Richenzas Vater. Ausserdem erhielten sie die Pachtrechte auf das Kloster von Beromünster. Somit gelang es den Grafen von Kyburg, diese Herrschaft noch weiter in den Westen auszudehnen. Sie machten einen entscheidenden Schritt in diese Richtung in 1218, als die Herzöge von Zaehringen starben. Berthold IV von Zaehringen gab dem Grafen Ulrich III von Kyburg seine Tochter Anne in die Ehe, und hatte damit gewiss beabsichtigt, seinen Einfluss in der Ostschweiz zu erweitern. Sein Tod bewirkte das Gegenteil: Ulrich erhielt den grössten Teil des Zaehringer Erbes im Süden des Rheins, insbesondere Burgund, das in dieser Zeit die Städte von Freiburg, Berthoud und Thun umfasste. Was seine Hoffnung betrifft, ebenfalls in Besitz der Kaiserlichen Vogtei von Zürich zu gelangen, so verwirklichte er das nicht. Mit Bern und Soleure wurden fast alle diese begehrten Vogteien unter der direkten Souveränität des Kaisers gesetzt und wurden zur "freien Kaiserstadt". Dank dem Zaehringer Erbe wurden die Kyburger eine der einflussreichsten dynastischen Familien zwischen dem Rhein und den Alpen.
Als Ulrich von Kyburg in 1227 starb, gelangte das kyburgerische Erbe in den Händen von Hartmann IV zurück, da sein Neffe Hartmann V noch nicht alt genug war. Die zahlreichen durch Kyburg unternommenen Stadtgründungen - sie gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück - zeigen deutlich, wie sehr diese Herrschaften ihre Macht stärken wollten (Diessenhofen, Winterthur, Frauenfeld, Zug et Baden, danach Aarau, Mellingen, Lenzburg und Sursee).
Die Rolle, die die Städte in der Politik Kyburgs spielten, geht aus anderen Tatsachen hervor. Werner Meyer betont, dass die Grafen den Schlössern eine besondere Bedeutung zuwiesen, die auf irgendeiner Weise an einer Stadt gebunden waren, so zum Beispiel jene von Freiburg, Thun, Burgdorf, Aarau, Baden, Zug Winterthur (Heiligenberg Turm), Frauenfeld und Diessenhofen. Diese Schlösser wurden alle durch kyburger Ministeriellen besetzt.
Hartmann IV war sich den vielen Gefahren sicher bewusst, die seinem Imperium drohten. In 1230 begann er schon damit, seiner viel jüngeren Frau Hab und Gut zu hinterlassen. Er wollte damit sicherstellen, dass diese nach seinem Tod gepflegt wurden. Inzwischen kühlten sich die Beziehungen mit den Hohenstaufen offensichtlich ab. Hartmann stellte zweifellos fest, dass der Kaiser das Haupthindernis gegen seine Bemühungen, sein Territorium zu vergrössern, darstellte. Als er in 1244 seine Güter an die entfernte Kirche von Strassburg verschenkte, tat er dies nicht aus religiösen, sondern aus politischen Gründen. Somit verhinderte er, dass seine Güter vom Kaiser beschlagnahmt wurden.
Mit seinem Neffen Hartmann V strengte er sich natürlich an, alles als Lehen wiederzuerhalten, ein Lehen, dass nur den direkten Erben vermacht werden konnte. Ausserdem reservierte sich Hartmann das Verfügungsrecht fast all solcher Güter. Es ist daher schwer zu sagen, ob die Gründung der Klöster von Töss, Heiligenberg, Paradies, Fraubrunnen, Maigrauge und Sankt-Katharinental religiöse oder politische Akte waren.
Die Teilung des Erbes zwischen Hartmann IV Senior und seinem Neffen Hartmann V Junior fand in 1250 statt. Letztere erhielt das kyburgerische Gebiet im Westen der Reuss mit Berthoud als Zentrum befindet. Trotzdem hatte er bei den Angelegenheiten des kyburgischen Ostterritorium die Hände auch im Spiel. Es ist gut möglich, dass sein Onkel, der keine eigenen Kinder hatte, ihn als der Erbe dieses Erbterritoriums betrachtet hatte.
Nach 1250 erschien jedoch ein anderer möglicher Erbe, Rudolph von Habsburg. Gemäss dem Lehensvertrag von Strassburg war er als Sohn einer Schwester von Hartmann IV, Heilwig, nicht erbberechtigt. Doch es scheint, als hätte er gute Beziehungen zu Hartmann Junior. Als dieser 1263 plötzlich starb, bildete Rudolph dessen Tochter weiterhin aus. Seine Bemühungen waren fruchtbar, und gemäss dem Sanktgaller Chronist, konnte er sich bei Hartmann Senior, den Onkel, einschmeicheln, dem er schon beim Aufstand von Winterthur kräftig unterstützt hatte. Hartmann hinterliess ihm einen grossen Teil seiner Güter, ausser den wichtigen Rechten und Territorien, die er bereits seiner Frau Margerite hinterlassen hatte. Der Tod von Hartmann Senior bedeutete das das Ende der männlichen kyburgischen Nachkommen. Rudolph von Habsburg ignorierte die savoyischen Forderungen, und zögerte nicht, das grösste Teil des kyburgischen Gebietes, seinem Geschlecht zu versichern. Er verlobte Anne, die Erbin von Hartmann Junior, an seinem Vetter aus dem Habsburg-Laufenburg Geschlecht, zahlte dessen Schulden und entschädigte sich indem, er einen wichtigen Teil der kyburger Hinterlassenschaft beanspruchte. Der Rest - die Ländereien im Oberaargau und in Uechtland bildeten die Basis des Hauses von Neu-Kyburg.
Nachdem Rudolph zum König von Deutschland gewählt worden war, verlor das Schloss von Kyburg seine Bedeutung und diente nur mehr als Verwaltungsitz der habsburgerischen Länderein zwischen dem Rhein und dem Glattal. Selbst als die Juwele des Imperiums in Kyburg zwischen 1273 und 1325 deponiert wurden, gab das dem Schloss seinen Glanz nicht mehr zurück. Unter den österreichischen Vögten, die sich in Kyburg aufhielten, finden wir Vertreter der Familien von Landenberg, Frauenfeld und Goldenberg. Später wurde die Grafschaft an reiche Edelleute abgetreten, und als König Sigismond den österreichischen Herzog dazu aufforderte, gelangten alle österreichischen Pfänder ans Reich zurück. Zürich profitierte von dieser Gelegenheit und erhielt die Herrschaft Kyburg nach königlicher Erlaubnis in 1424. Der österreichische Herzog scheint diesen Verlust nicht hinnehmen zu wollen und forderte Österreich in 1442 auf, ihm die Grafschaft als Entschädigung für die Hilfe, die er während des alten Krieges von Zürich geleistet hatte, zurückzuerstatten. In 1452 sammelte der Herzog, der erneut am Silbermarkt von Zürich war, zum zweiten Mal die wichtige Pfand-Summe. Kaiser Maximilian verzichtete 1499 auf das Pfändungsrecht und das Schloss und die Herrschaft gelangten in die Hände von Zürich bis 1798. 1815 wurde Kyburg Distriktsitz, was den schnellen Verfall des seit so langem unbewohntem Gebäudes etwas bremsen konnte. Später wurde er an Privatpersonen verkauft.
Der Kanton von Zürich erwarb es 1917, hat es gründlich restauriert und machte es der Öffentlichkeit zugänglich.
Bibliographie