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In den inneralpinen Regionen des Wallis und Graubündens herrschte ab dem Jahreswechsel ein schlechter Schneedeckenaufbau, wobei die schwächste Schneedecke im südlichen Wallis beobachtet wurde. Zeitweise waren aber auch am Alpennordhang Schwachschichten im Altschnee vorhanden, was für diese Region eher untypisch ist und dort zu einigen Lawinenunfällen führte. Kritisch waren nicht nur die schwachen, aufbauend umgewandelten Schichten des Frühwinters an der Basis der Schneedecke, sondern auch eingeschneite Oberflächenreif-Schichten sowie schwache Schichten im Bereich von Krusten im Mittelteil der Schneedecke.
In den inneralpinen Regionen des Wallis und Graubündens und am Alpennordhang gingen Anfang und Ende März sowie im April und Mai viele Nassschneelawinen ab: Besonders an Nordhängen oberhalb von rund 2400 m waren sie Anfang Mai zahlreich und auch gross. Grössere Sachschäden wurden allerdings nicht verzeichnet.
Am Alpensüdhang war die Schneedecke weitgehend günstig aufgebaut. Die Schneehöhen waren zwar nicht so extrem wie im Winter 2013/14. Trotzdem konnte sich vom Simplongebiet über das südliche Goms bis zum zentralen Alpensüdhang eine stabile Schneedecke bilden.
Die Schneehöhen des Winters 2014/15 waren am Alpennordhang nur gerade oberhalb von rund 2200 m durchschnittlich. Dies hauptsächlich aufgrund der grossen Wärme im November und Dezember, die jeglichen Schneedeckenaufbau Anfang Winter unterhalb dieser Höhenlage verhinderte. Am Alpensüdhang war die Schneedecke oberhalb dieser Höhenlage wegen der grossen Niederschlagsmengen sogar überdurchschnittlich mächtig. Unterhalb 2000 m waren die Schneehöhen dagegen wegen des zu warmen Winters schweizweit klar unterdurchschnittlich, auch wenn in einigen Regionen kurzzeitig normale Werte erreicht wurden. Dank dem Zusammenspiel von Kälte und Niederschlag zur richtigen Zeit war die Anzahl Schneetage im Mittelland und Jura teilweise aber normal trotz des warmen Winters. Ab Mitte Januar brachten mehrere Nordwestlagen Schnee ins Mittelland und speziell auch in den Jura. Dank einer kleinen anschliessenden Kältewelle blieb diese Schneedecke auch im Mittelland mehr als 20 Tage erhalten.
Deutlich mehr Lawinenopfer als im langjährigen Mittel
Die Gesamtopferzahl liegt mit 33 Todesopfern – alle im freien Gelände - deutlich über dem langjährigen Mittelwert. Seit dem Winter 1990/91 kamen nie mehr so viele Leute im freien Gelände in Lawinen ums Leben. Für das hydrologische Jahr liegt der 20-jährige Mittelwert bei 23 Lawinentoten.
Juni, Juli und August 2015 waren von Rekordhitze geprägt und gingen hinter dem legendären Hitzesommer 2003 als zweitwärmster Sommer in die Mess-Geschichte ein. Der Wärmeüberschuss lag in den meisten Gebieten 2.0 bis 2.5 Grad, im Süden 1.6 bis 2.3 Grad über der Norm von 1981 bis 2010. Ebenfalls war der Sommer insbesondere auf der Alpennordseite einer der trockensten und sonnigsten in den über 100-jährigen Messreihen (Quelle: MeteoSchweiz).
Trotz im Vergleich zum Jahrhundert Sommer 2003 einzelner kühlerer Perioden gab es zwischen Juni und August 2015 praktisch keine Sommerschneefälle unterhalb von 3000 m. Noch vor der grossen Hitze wurde es in vielen Landesteilen zuletzt um den 20. Juni herum bis gegen 2000 m hinunter weiss. Aus dieser Zeit stammen auch die zwei einzigen Neuschneetage auf dem 2540 m hoch gelegenen Weissfluhjoch (Davos, GR). Dies bedeutet Rang 1 an dieser Station, wo im langjährigen Durchschnitt (1981-2010) in den Sommermonaten an 13 Tagen Neuschnee fällt. An der MeteoSchweiz Station Arosa (1840 m) gab es nicht überraschend keinen einzigen Neuschneetag zwischen Juni und August. Dies trat letztes Mal im 2008 auf und kommt etwa jeden sechsten Sommer vor. Nimmt man noch den September dazu, konnte man auf dem Weissfluhjoch neun Neuschneetage (Mittel 19 Tage) zählen. Dies bedeutet Rang vier, wobei letztmals 2003 weniger Neuschneetage (fünf) verzeichnet wurden. In Arosa fiel nur an zwei Tagen Neuschnee (Mittel vier Tage). Dies ist aber nicht so speziell, weil es auf dieser Höhe auch vorkommt (z.B. 2008), dass zwischen Juni und September überhaupt kein Schnee fällt.
Erhöhte Lawinengefahr war kaum ein Thema und so wurde nur ein Sommer-Lawinenbulletin (am 22. September) publiziert, so wenig wie noch nie in den letzten 10 Jahren. Im Sommer 2014 (Juni bis September) wurden sieben Lawinenbulletins publiziert, in den letzten 10 Jahren (2005/06 bis 2014/15) durchschnittlich deren 4.5. Todesopfer gab es im Sommer 2015 keine. Der langjährige Durchschnitt in den Monaten Juni bis September liegt bei zwei Todesopfern.
Folgende Grafiken zeigen die prozentuale Abweichung der mittleren monatlichen Schneehöhen des Winters 2014/15 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der Periode von 1971 bis 2000. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche Schneehöhen blau dargestellt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen des SLF und der MeteoSchweiz sowie den automatischen IMIS-Stationen (IMIS: Interkantonales Mess- und Informationssystem). Bei der Interpretation muss beachtet werden, dass nur grossräumige Muster aussagekräftig sind. Kleinräumige Muster oder Wertesprünge dürfen nicht zu stark gewichtet werden. Im Abschnitt "Ausgewählte Beobachterstationen" (vgl. unten) ist die zeitliche Entwicklung der Schneehöhe an verschiedenen Stationen dargestellt.
Nach dem niederschlagsreichen Sommer waren die Gletscher im Hochgebirge Anfang Oktober tief eingeschneit, darunter war es weitgehend aper. In der ersten Oktoberhälfte dominierten Südstaulagen das Wettergeschehen, wobei der Niederschlag nur im Hochgebirge in Form von Schnee fiel. Am 21. Oktober brachte eine markante Kaltfront aus Westen stürmischen Wind, Blitz, Donner und einen Temperatursturz. Die Schneefallgrenze sank in der Folge bis auf 1000 m und mit einem Nordstau fiel in den Glarner Alpen und im Prättigau mit 60 bis 80 cm am meisten Schnee.
Im November lag die Nullgradgrenze meist zwischen 2000 m und 3000 m und die Temperaturen erreichten Rekordwerte für November. Im Durchschnitt war es 3.3 Grad wärmer als normal. Auch die Niederschläge im Süden waren rekordverdächtig. In Lugano wurde vom 02. bis 17.11. 538 mm Regen gemessen. Mit einer Schneefallgrenze meist über 2000 m bildete sich in hohen Lagen im Oberwallis, am zentralen Alpensüdhang aber auch in den nördlich angrenzenden Gebieten vom östlichen Berner Oberland bis in die Surselva eine mächtige Schneedecke, die dort den ganzen Winter zu überdurchschnittlichen Schneehöhen beitrug. Weiter im Norden sowie im Unterwallis und in den meisten Gebieten Graubündens fiel nur wenig Niederschlag und durch die milden Temperaturen lag Ende November im dort noch kaum Schnee.
Der Dezember war ausserordentlich mild und schneearm. Betrachtet man die durchschnittlichen Schneehöhen des Monates Dezember, so war es an folgenden Stationen mit langjährigen Messreihen noch nie so schneearm im Dezember: Andermatt, Arosa, Klosters, Bosco Gurin, Samedan, Samnaun, Sta.Maria, Zernez, Zuoz. Auf der Höhe der Tallagen der grossen Skigebiete (1500 bis 1800 m) lag während der Weihnachtstage in der ganzen Schweiz kein oder nur sehr wenig Schnee, was letztmals im Winter 1989/90 vorkam. Erst eine Kaltfront Ende Dezember führte zu Schneefällen, die vor allem das Mittelland mit grösseren Schneemengen eindeckten. Dies führte aufgrund der fehlenden Frühwinterschneedecke in den Alpentälern kurzzeitig zur paradoxen Situation, dass z.B. am 31. Dezember in Zürich und St. Gallen (38, resp. 56 cm) mehr Schnee als in Davos und St. Moritz (32, resp. 13 cm) gemessen wurde. In tiefen Lagen im Mittelland wurden Ende Dezember vielerorts überdurchschnittliche Schneehöhen registriert, während in vielen Gebieten am Alpennordhange, aber auch des Wallis und Graubündens die Schneehöhen meist stark unter dem langjährigen Mittel lagen. Am besten war die Schneelage in den Alpen im Oberwallis und am zentralen Alpenhauptkamm.
Der Januar war im Süden und im Engadin niederschlsagreich, sonst waren die Niederschläge durchschnittlich. Die erste Januarhälfte war frühlingshaft mild und die Schneefallgrenze lag teilweise deutlich über 2000 m. In der zweiten Januarhälfte kehrte aber der Winter zurück und mit mehreren Kaltfronten fiel immer wieder Schnee auch im Mittelland und im Jura. Erwähnenswert war vor allem der Schneefall von Mitte Monat (vom 15. bis 18. Januar), wobei oberhalb von rund 2000 m im Süden und im Oberengadin rund 100 cm, nördlich angrenzend 50 bis 80 cm, sonst verbreitet 20 bis 50 cm Schnee fielen. Zum Monatsende gab es dann auch im Westen und Norden beträchtliche Schneemengen: Ganz im Westen fielen 80 bis 120 cm, am Alpennordhang bis 80 cm Schnee. An einigen Stationen im Westen wurden vom 26. Januar bis 2. Februar über sieben Tage ausserordentliche Neuschneesummen verzeichnet. So resultierten an der Station Saanenmöser (1390 m, BE) 155 cm, was statistisch alle 15 Jahre vorkommt. Die MeteoSchweiz-Station La Cure (1150, VD) im Jura mass 139 cm Neuschnee, was einer Wiederkehrdauer von 11 Jahren entspricht. Die Stationen Stockhorn (1640 m, BE) und Planachaux (1870 m, VS) mit je 165 cm sowie Morgins (1320 m, VS) mit 142 cm und Leysin (1300 m, VD) mit 127 cm kamen auf eine Wiederkehrdauer von sieben Jahren.
Die Schneefälle im Februar waren im Süden stark überdurchschnittlich, im Norden leicht unterdurchschnittlich. Viel Schnee fiel vor allem im Oberwallis, am zentralen Alpenhauptkamm und im nördlichen Tessin besonders aufgrund eines Starkschneefalls, der vom 14. bis 16. Februar am Alpenhauptkamm vom Simplongebiet bis ins Bedrettotal, sowie in den Maggiatälern 60 bis 120 cm Schnee brachte (vgl. Abb. 4). Am 15. Februar wurden im Simplongebiet mit bis zu 9 cm Neuschnee pro Stunde sehr hohe Niederschlagsintensitäten registriert. Die höchsten in den Alpen gemessenen Schneefallintensitäten, liegt mit etwa 10 bis 15 cm pro Stunde allerdings noch etwas höher. In der folgenden Woche (21./22. Februar) fiel dann im Chablais, am Walliser Alpenhauptkamm an der Grenze zu Italien, am zentralen Alpensüdhang und im Bergell gerade nochmals 40 bis 70 cm Schnee.
Interessant war die Schneesituation auch im Mittelland und im Jura, wo die Schneedecke aussergewöhnlich lange bestehen blieb. Einerseits war es im Februar kälter als normal und die bereits im Januar entstandene Schneedecke blieb vielerorts bestehen, anderseits fiel aus der kalten Polarluft immer wieder etwas Neuschnee.
Die Schneefälle im Unterwallis, in den meisten Gebieten des Alpennordhanges und Graubündens unterdurchschnittlich. So lagen die mittleren Schneehöhen im Februar im Süden dank der grossen Schneefälle von Anfang Winter aber auch in Teilen des Mittellandes über dem langjährigen Mittel. In Graubünden, im Wallis und in grossen Teilen des Alpennordhanges waren die mittleren Schneehöhen im Februar deutlich unterdurchschnittlich.
Der März war zwar geprägt von viel Sonne im Norden. Dank Schneefällen Anfangs Monat und vor allem einem Grossschneefall Ende Monat mit 60 bis 100 cm Neuschnee im Westen und Norden wurden aber durchschnittliche oder leicht überdurchschnittliche Schneehöhen erreicht. Zwei Südlagen mit Schwergewicht im südlichen Oberwallis und westlichen Tessin nährten die im Süden bereits überdurchschnittlichen Schneehöhen. Wie in der Abbildung 5 (oben) aber deutlich zu sehen ist, waren die Schneehöhen aufgrund der zu warmen Temperaturen in allen Regionen in tiefen Lagen sowie in den grossen Alpentälern stark unterdurchschnittlich.
Der April brachte nur in den Voralpen durchschnittliche Schneefälle. Dort fiel vor allem Anfang Monat (1. bis 3. April) und Ende Monat (25. bis 28. April) Schnee (jeweils bis 80 cm am Alpennordhang). In den anderen Regionen war es deutlich sonniger als normal und niederschlagsarm. Besonders im Süden fiel sehr wenig Niederschlag und es herrschte zeitweise Waldbrandgefahr. Trotzdem konnten sich die überdurchschnittlichen Schneehöhen in den hohen Lagen des Südens halten.
Der Mai war zum Monatsanfang geprägt von intensiven Niederschlägen in den westlichen und nördlichen Alpen. Weil die Schneefallgrenze meist hoch lag, wurde durch den Regen Schnee geschmolzen. Mit dadurch erhöhten Schmelzraten kam es dabei zu sehr hohen Abflüssen und auch Hochwassern. Die Hochwassersituation konnte sich dank sonnigem und trockenem Wetter bis Mitte Monat beruhigen.
Mitte Monat (14. und 15. Mai) fielen am Alpensüdhang im Hochgebirge nochmals 40 bis 60, lokal sogar 80 cm Schnee, vom 18. bis 22. Mai in den zentralen und östlichen Alpen nochmals ein halber Meter Schnee oberhalb von rund 2000 m, der aber rasch wieder schmolz.
Die über den ganzen Winter gemittelten Schneehöhen sind vergleichbar mit dem Muster von November bis März: Am Alpensüdhang ohne die Bündner Südtäler und in den nördlich und westlich angrenzenden Gebieten waren die Schneehöhen überdurchschnittlich (fast doppelt so gross wie normal), sonst waren sie verbreitet knapp durchschnittlich. In tieferen Lagen, insbesondere in den Alpentälern, waren die Schneehöhen deutlich unter dem langjährigen Mittelwert, was mit den zu hohen Temperaturen begründet werden kann. Interessanterweise waren aber die Schneehöhen in einigen Gebieten im Mittelland dank einem günstigen Zusammenspiel von Niederschlag und Kälteperioden durchschnittlich bis überdurchschnittlich. So verzeichnete beispielsweise St. Gallen eine winterliche Neuschneesumme von 188 cm, was mehr als einen halben Meter über dem Durchschnitt von 1981 bis 2010 liegt (Quelle: MeteoSchweiz, Klimabulletin Winter 2014/15).
Insgesamt wichen die Schneehöhen aber weniger von den langjährigen Mittelwerten ab als in anderen Jahren. Rekordwerte wurden selten erreicht. Am stärksten ausgeprägt war der Schneemangel in Lagen unter 2200 m an Weihnachten 2014. Am 25. Dezember 2014 erreichten verschiedene Stationen mit über 50-jährigen Messreihen neue Minimalrekordwerte, so zum Beispiel Zuoz, Bivio, Vals oder Andermatt. Die schneearmen Weihnachten wurden primär durch die zu hohen Temperaturen und nicht durch ein Niederschlagsdefizit bewirkt, was gut zu sehen ist an den durchschnittlichen Schneehöhen zur selben Zeit an den Stationen über 2200 m wie Weissfluhjoch Davos oder Corvatsch.
In der Folge näherten sich die Schneehöhen mehr und mehr dem Mittelwert an, wobei das Muster von Anfang Winter mit überdurchschnittlichen Schneehöhen eher im Süden und unterdurchschnittlichen Schneehöhen eher im Norden bestehen blieb. Anders als im Winter 2013/14 lagen aber die maximalen Schneehöhen nicht im Südosten (Oberengadin, Bergell) sondern im Südwesten (Simplon, Binntal, westliches Tessin).
Auf den folgenden Graphiken wird jeweils der Verlauf der täglich gemessenen Schneehöhe im Vergleich zur minimalen, mittleren und maximalen je gemessenen Schneehöhe für jeden Tag dargestellt. Die Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit 2015 wird in der Legende erwähnt. Die Beobachter messen in der Regel zwischen dem 1. November und dem 30. April. Gebiete mit ähnlichem Schneehöhenverlauf im Winter 2014/15 werden zusammengefasst und anhand repräsentativer Stationen beschrieben.
Die Schneehöhenentwicklung am Alpennordhang kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Hasliberg, 1825 m (Abbildung 7) verfolgt werden.
Der Winter begann verheissungsvoll mit einem Neuschneewert von 54 cm am 6. November. Dies blieb dann aber mit Abstand der grösste Schneefall des Winters. In der Folge aperte das Messfeld aufgrund der sehr hohen Temperaturen rasch wieder aus und erst ab dem 7. Dezember lag eine geschlossene Schneedecke, die bis zum 13. Mai Bestand hatte. Die Schneehöhen waren meist unterdurchschnittlich, wobei aber keine neuen Minima erreicht wurden. Bedeutende Neuschneewerte waren kaum zu verzeichnen, so gab es ausser dem Schneefall im November nur noch einen Schneefall mit 30 cm am 28. Dezember, wobei der Messwert interpoliert werden musste, weil an dem Tag niemand vor Ort war, um die Messung zu machen. Alle anderen Schneefälle waren weniger als 30 cm. Die Anzahl Tage mit Neuschnee war mit 64 aber eher hoch (Tabelle 1). Das Schneehöhenmaximum wurde am 5. April mit 181 cm gemessen.
Der maximale Wasserwert war mit 547 mm deutlich unter dem Durchschnitt von 751 mm (45-jährige Messreihe).
Die Schneehöhenentwicklung im Unterwallis kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Fionnay, 1500 m (Abbildung 8) verfolgt werden.
Die Schneehöhen im Unterwallis waren meist unterdurchschnittlich. Zwischen dem Einschneien und Ausapern wurden nur gerade in zwei Perioden Ende Dezember und Anfang Februar durchschnittliche Schneehöhen erreicht. Wie auch an anderen Stationen, waren die Weihnachten 2014 sehr schneearm und es wurde beinahe ein neuer, absoluter Minimalwert erreicht. Das Schneehöhenmaximum wurde am 2. Februar mit 102 cm erreicht. Am 24. April war das Messfeld ausgeapert (Tabelle 2).
An 30% der Tage wurde Neuschnee gemessen, in drei Fällen 21 bis 30 cm, in 7 Fällen 11 bis 20 cm und in 32 Fällen 10 cm oder weniger (Tabelle 2).
Der maximale Wasserwert war mit 342 mm knapp unter dem Durchschnitt von 378 mm (42-jährige Messreihe).
Die Schneehöhenentwicklung in den hohen Lagen von Nord- und Mittelbünden sowie im Unterengadin kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Weissfluhjoch, 2540 m (Abbildung 9) verfolgt werden.
Im Gegensatz zu tiefer gelegenen Stationen waren die Schneehöhen auf dem Weissfluhjoch ziemlich durchschnittlich; sie folgten sogar ziemlich exakt dem durchschnittlichen Schneehöhenverlauf (Abbildung 9, grüne Kurve). Am 22. Oktober wurde das Messfeld eingeschneit (durchschnittliches Einschneidatum ist der 18. Oktober). Das Schneehöhenmaximum wurde am 3. April mit 248 cm erreicht. Der Schneehöhenabbau im Juni erfolgte zügig und so schmolz die Schneedecke von 147 cm am 1. Juni bis Ende Monat ab und das Messfeld aperte am 2. Juli aus. Das mittlere Ausaperungsdatum ist der 9. Juli – eine Woche später.
An 47% der Tage fiel Schnee. Die grösste Neuschneemenge wurde am 23. Oktober gemessen und betrug 65 cm. Die meisten Neuschneewerte (36% der Tage) betrugen 10 cm oder weniger, 8% lagen zwischen 11 und 20 cm, 3% zwischen 21 bis 30 cm (Tabelle 3).
Der maximale Wasserwert entsprach mit 852 mm ziemlich genau dem langjährigen Durchschnitt von 848 mm (79-jährige Messreihe).
Die Schneehöhenentwicklung am Alpenhauptkamm vom Simplongebiet bis ins Bergell sowie in den Gebieten südlich davon kann anhand der langjährigen Vergleichsstation San Bernardino, 1640 m (Abbildung 10) verfolgt werden.
Der Frühwinter begann zwar im Süden sehr niederschlagsreich, führte aber nur in Lagen über 2000 m zu einer mächtigen Schneedecke. An der Vergleichsstation San Bernardino auf 1640 m schmolz der Schnee jeweils rasch wieder ab (Schneefall am 5. und 6. November sowie vom 16. bis 18. November). Eingeschneit wurde das Messfeld am 15. Dezember, wobei aber in der Folge nur sehr wenig Schnee lag und das Messfeld bis Mitte Januar beinahe nochmals ausaperte (Schneehöhe am 2. Januar: 2 cm). Am 17. Januar fielen 76 cm Schnee, was den grössten Schneefall des Winters darstellte. Ab dann wurden meist knapp durchschnittliche Schneehöhen erreicht, wobei die Ausaperung im April rasch vonstattenging und das Messfeld bereits am 15. April schneefrei war. Das Schneehöhenmaximum wurde am 22. Februar mit 117 cm erreicht.
Es wurde nur an 28% der Tage Neuschnee gemessen. Neben dem hohen Wert von 76 cm wurden in zwei Fällen Neuschneewerte von 31 bis 50 cm, in sechs Fällen 11 bis 20 cm und in 25 Fällen 10 cm oder weniger gemessen (Tabelle 4).
Der maximale Wasserwert lag mit 227 mm deutlich unter dem Durchschnitt von 326 mm (43-jährige Messreihe).
Nach einem Winterstart mit sehr wenig Schnee und günstigem Schneedeckenaufbau entwickelte sich die Schneedecke zunehmend ungünstig. Schwache, aufbauend umgewandelte Schichten im oberen Bereich der dünnen Frühwinter-Schneedecke, aber auch eingeschneite Oberflächenreifschichten und schwache Schichten im Bereich von Krusten stellten die problematischen Schwachschichten dar. Ab dem Jahreswechsel waren die regionalen Unterschiede stark ausgeprägt. Während die Schneedecke im Süden meist günstig aufgebaut war, war sie zeitweise am Alpennordhang und insbesondere im Wallis und in Graubünden schwach. Im Durchschnitt führte das zu leicht ungünstigeren Schneedeckenstabilitäten als im langjährigen Durchschnitt (Abbildung 11). In der Folge sind die wichtigsten zeitlichen und regionalen Entwicklungen beschrieben.
Bis an Weihnachten 2014 war die Schneelage verbreitet sehr dünn. Nur am Alpenhauptkamm vom Oberwallis bis ins Berninagebiet und südlich davon lagen durchschnittliche Schneehöhen – und das auch nur oberhalb von rund 2200 m. Dort wurde mit den ergiebigen Schneefällen im Frühwinter der Grundstein für einen günstigen Schneedeckenaufbau gelegt, der den ganzen Winter Bestand hatte. In den übrigen Gebieten lag erst sehr wenig Schnee; Tallagen der grossen Skigebiete waren sogar weitestgehend schneefrei. Aufgrund der hohen Temperaturen in dieser Periode war diese dünne Schneedecke zwar grundsätzlich recht gut verfestigt, insbesondere an Schattenhängen (West über Nord bis Ost) und in Lagen oberhalb von rund 2400 m wurden aber die oberflächennahen Schichten aufbauend umgewandelt und stellten in der Folge eine ernsthafte Schwachschicht dar.
Ab dem 8. Dezember führten dann verschiedene Perioden mit Wind zu Triebschneeschichten, die verbreitet auf diesen umgewandelten Altschneeschichten lagen (Abbildung 12).
Die ergiebigen Schneefälle vom Frühwinter legten die Basis für einen guten Schneedeckenaufbau in den meisten südlichen Regionen der Schweizer Alpen. Auch in der Folge fiel in denselben Gebieten immer wieder ergiebig Schnee und die Schneedecke zeigte einen günstigen Aufbau. Sie war durch verschiedene Wärmeeinbrüche mit Krusten durchsetzt. Im Gegensatz zu den übrigen Gebieten entstanden aber keine schwachen Zwischenschichten zwischen diesen Krusten. Da die Schneelage oberhalb von rund 2200 m aufgrund der verbreitet milden Temperaturen deutlich anders war als unterhalb von 2200 m lässt sich der Aufbau der Schneedecke nur begrenzt anhand des Schneeprofils in San Bernardino (1640 m) aufzeigen. Während in San Bernardino bis Mitte Januar praktisch kein Schnee lag (Abbildung 13) lag in Robiei auf 1890 m bereits ab dem Dezember ein Meter Schnee, der sehr gut verfestigt war (Abbildung 14). Dieser Schneedeckenaufbau dürfte für Lagen über 2200 m eher repräsentativ sein. Die Schneedecke war dort insgesamt gut verfestigt und mächtig.
Der günstige Schneedeckenaufbau ist auch gut in den Hangprofilen der SLF-Beobachter erkennbar. Stellvertretend für den Schneedeckenaufbau im Winter 2014/15 steht das Profil in Abbildung 15. Das Rammprofil zeigt die gute Verfestigung der Schichten und an den Kornformen ist gut ersichtlich, dass keine relevanten Schwachschichten zu erkennen sind. Mit 220 cm wurde das Profil an einem eher schneearmen Ort aufgenommen.
Im Wallis und in Graubünden und dort insbesondere in den inneralpinen Gebieten entwickelte sich im Laufe des Winters eine schwache Schneedecke mit schwachen, aufbauend umgewandelten Schichten, mit Oberflächenreif und mit markanten Krusten.
Schwache Altschneedecke
Die dünne Schneedecke, die bis zum Jahreswechsel lag, wurde vor allem im oberen Bereich aufbauend umgewandelt. Aufgrund der sehr hohen Frühwintertemperaturen war dies besonders an Nordhängen oberhalb von rund 2400 m ausgeprägt. In den übrigen Höhenlagen oder Expositionen waren die Basisschichten der Schneedecke oft gut verfestigt.
Aufbauend umgewandelte Schichten und Regenkrusten im oberen Teil der Schneedecke
Markant waren im Winter 2014/15 aufbauend umgewandelte Schichten mit sehr geringer Festigkeit, die sich unter- und oberhalb von Regenkrusten bildeten. Eine markante Regenkruste bildete sich am 18./19. Dezember, wobei die Schneefallgrenze bis über 2400 m anstieg (Abbildung 16). Niederschlag fiel dabei vor allem im Wallis, am Alpennordhang und in Nordbünden. Im Süden fiel nur sehr wenig Niederschlag und die Regenkruste war dort wenig ausgeprägt.
Eine weitere Kruste dürfte sich am 9./10. Januar gebildet haben, als vor allem am nördlichen Alpenkamm, im Wallis, im Gotthardgebiet sowie in Nord- und Mittelbünden Niederschlag mit einer Schneefallgrenze zwischen 2300 und 2800 m fiel (Abbildung 18).
Oberflächenreif
Als dritter Typ Schwachschicht, gab es im Winter 2014/15 verschiedene Oberflächenreifschichten, die teilweise lange bestehen blieben. Vor allem im Januar und Februar bildete sich immer wieder Oberflächenreif, der dann eingeschneit oder von Triebschnee überdeckt wurde. Besonders markant war eine Phase von Oberflächenreifbildung am 22./23. Januar als vor allem im Bereich der Nebelobergrenze von 2200 bis 2500 m grosser Oberflächenreif gebildet wurde (Abbildung 17).
Die für den Winter 2014/15 typischen Schwachschichten konnten in vielen Hangprofilen erkannt werden. Im Profil in Abbildung 18 sind die schwachen Schichten mit kantigen Kornformen und Becherkristallen, die Krusten und der Oberflächenreif sichtbar.
Die Entwicklung der Schneedecke der in diesem Abschnitt beschriebenen Gebieten kann auch beispielhaft am Schneeprofil auf dem Weissfluhjoch verfolgt werden (Abbildung 19).
Gut zu sehen ist die Entwicklung der Altschneedecke: Ganz am Boden war die Schneedecke bereits ab Anfang Winter gut verfestigt. Die schwach verfestigten Schichten auf rund 50 cm Schneehöhe, die sich bis zum Jahreswechsel bereits aufbauend umgewandelt hatten, blieben aber bis zum Winterende schwach. Ab Ende Februar waren sie allerdings mit rund 250 cm Schnee mit höherer Festigkeit überdeckt und Auslösungen in diesen schwachen Schichten meist nur noch mit grösseren Zusatzbelastungen möglich. Zu erkennen war auch ein eingeschneiter Oberflächenreif, insbesondere in den beiden Februarprofilen (schwarz eingekreist) sowie die Kruste vom 18./19. Dezember (rot eingekreist).
Die Schneedeckenentwicklung am Alpennordhang kann anhand der Station Hasliberg verfolgt werden (Abbildung 20).
Bis an Weihnachten lagen an der Station Hasliberg nur rund 30 cm Schnee und das Schneeprofil von Anfang Januar zeigt einen schwachen Aufbau mit verbreitet kantigen Kornformen. Die Basis der Schneedecke verfestigte sich aber bereits Mitte Januar, was eine Folge der hohen Schneetemperaturen, nahe bei Null Grad war. Kantige Formen blieben aber im Mittelteil der Schneedecke bestehen - zudem war auch am Alpennordhang eingeschneiter Oberflächenreif vorhanden - und so gab es vor allem im Januar und in der ersten Februarhälfte immer wieder Brüche in diesen Schichten (Abbildung 21) und zahlreiche Lawinenunfälle.
Oft schwierig einzuschätzen war der Schneedeckenaufbau in den Randregionen der oben beschriebenen Regionen. Generell wurde die Schneedecke in den inneralpinen Regionen Graubündens und im südlichen Wallis am schwächsten eingeschätzt, wobei im Wallis die schwächsten Profile beobachtet wurden. Am Alpensüdhang war die Schneedecke weitestgehend gut verfestigt, am Alpennordhang mittel. Schwer einzuschätzen war die Situation aber zum Beispiel im nördlichen Wallis, wo zeitweise nicht klar war, ob es bezüglich der Schneedeckensituation eher zum Norden gehörte oder eher zum südlichen Wallis. Ähnlich schwierig war es auch im westlichen Wallis oder in den Vispertälern. Die mächtige, stabile Schneedecke im Süden hatte im Winter 2014/15 ihren Schwerpunkt weiter westlich als im Winter 2013/14. So war die Schneedecke im Simplongebiet im Binntal und im westlichen Tessin am mächtigsten, während im Oberengadin schon deutlich weniger Schnee lag. Allerdings gab es im Westen einen sehr scharfen Übergang und so war bereits im Saastal deutlich weniger Schnee und folglich auch eine deutlich schwächere Schneedecke.
Eine gute Hilfe zur regionalen Abgrenzung von verschiedenen Gebieten bezüglich des Schneedeckenaufbaus waren nebst den wertvollen Informationen der Beobachter auch die von Snowpack modellierten Schneeprofile an den IMIS-Stationen (Abbildung 22).
Der Lawinenaktivitätsindex (vgl. Abbildung 23) erreichte im Winter 2014/15 die höchsten Werte am 30. Januar, 2./3. März und am 30./31. März. Die Lawinenphase am 17./18. Januar betraf den Alpensüdhang, wo die Beobachtungsdichte deutlich kleiner ist als in den übrigen Gebieten. Deshalb dürfte dieser Index in Realität deutlich höher sein. Ebenfalls dürfte der Index im April (Lawinenperiode Nr. 7: 17. bis 20. April) deutlich höher sein, weil im April die Beobachterdichte gegenüber dem Hochwinter schon stark reduziert ist.
Lawinenabgänge sind von mehreren Faktoren abhängig: Stabilität der Schneedecke, die sich mit der Zeit verändert, Neuschnee, Wind, Temperaturschwankungen, Zusatzbelastungen auf die Schneedecke z.B. durch Personen oder Sprengungen, etc. Dadurch ergibt sich, dass die Lawinenaktivität von Tag zu Tag schwankt, was in Abbildung 23 deutlich zu sehen ist. Die bemerkenswertesten Perioden des Winters 2014/15 sind in Abbildung 23 mit Nummern markiert und werden im Folgenden beschrieben.
Oktober
Vom 11. bis 13. Oktober fielen mit Südstau vom Locarnese bis nach San Bernardino etwa 250 mm Niederschlag, wobei die Schneefallgrenze bei 2700 bis 3000 m lag und somit nur in den Niederschlags-Randgebieten, wo höhere Berge stehen, Schnee fiel. Dort wurden auch erste Schneebrettlawinen des Winters beobachtet. Vom 21. bis 23. Oktober gab es dann einen markanten Wintereinbruch im Nordosten mit einer Schneefallgrenze auf 1000 m und bis zu 80 cm Neuschnee. Da aber noch kaum eine Altschneedecke lag, blieb die Lawinenaktivität – auch diejenige von Gleitschneelawinen - sehr klein.
November
Mit einer anhaltenden Südströmung war es in der ersten Novemberhälfte im Süden oft bewölkt und in hohen Lagen fiel wiederholt viel Schnee und die Aktivität von spontanen Lawinen war erhöht. Die zweite Novemberhälfte war sehr mild und der Schnee im Süden schmolz in mittleren Lagen wieder ab. Gleitschneelawinen waren zwar ziemlich zahlreich, besonders in den südlichen Regionen, blieben aber meist klein.
Dezember
Bis an Weihnachten lag im Norden kaum Schnee und mancherorts war die Schneearmut für die Weihnachtstage schon rekordverdächtig. Die Schneedecke in hohen Lagen im Süden war meist gut verfestigt und so war insgesamt die Lawinenaktivität im Dezember klein. Ab dem 10.12. führten starke Westwinde immer wieder zu heiklen Triebschneeansammlungen, die besonders in Nordhängen auf dem schwachen Altschnee lagen. Im Norden war aber die Schneelage meistens so knapp, dass einerseits die Lawinen klein waren und anderseits kaum Lawinen beobachtet wurden, weil die Skitourenaktivität sehr gering war. Einen Anstieg der Lawinenaktivität gab es erst nach Weihnachten mit den lang ersehnten Schneefällen im Westen und Norden.
Januar
(1) 28. Dezember bis 4. Januar:
Die erste bemerkenswerte Lawinenperiode des Winters 2014/15 wurde verursacht durch Schneefälle bis in tiefe Lagen im Westen und Norden (26. bis 30.12.) und dann eine Periode mit Regen bis über 2000 m (3./4. Januar). Ausser im Süden, wo die Altschneedecke meist gut verfestigt war, wurde der Neuschnee meist auf eine aufgebaute, schwache Altschneeschicht abgelagert. Besonders kritisch war die Situation an Nordhängen oberhalb von rund 2400 m. Vielerorts war die Kombination von Schneebrett und Schwachschicht für die Bruchausbreitung sehr günstig und es wurden auffällig viele Fernauslösungen – teilweise auch über weite Distanzen – sowie Sekundärauslösungen von Lawinen gemeldet (Abbildung 24). Die hohe Lawinenaktivität in dieser Periode betraf nicht nur spontane, sondern auch sehr viele Personenlawinen. Die Tourenaktivität in den Weihnachtsferien war hoch.
(2) 17./18. Januar:
Intensive Schneefälle im Süden vom 15. bis 18. Januar mit rund 100 cm Schnee führten am Alpenhauptkamm und im Süden zu einer kritischen Lawinensituation. Vom Gotthardgebiet bis ins Oberengadin waren hochgelegene Passstrassen gesperrt. In Graubünden waren die Bahnstrecken über den Albula- und Berninapass zeitweise unterbrochen. Mit einer hohen Niederschlagsintensität in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar stieg die Aktivität von spontanen Lawinen deutlich an und hielt auch tagsüber an. Am 18. Januar klarte es dann auf, was den Sicherungsdiensten ausgiebige Sprengaktionen erlaubte, die meist sehr erfolgreich waren. Häufig wurden grossflächige Lawinen ausgelöst, teils auch fernausgelöst (Abbildung 25). Im Gebiet vom Oberalppass über Mittelbünden bis ins Oberengadin wurden auch am 18. Januar grosse spontane Lawinen gemeldet und deshalb wäre aus Sicht der Lawinenwarnung im Nachhinein beurteilt für diese Region die Stufe 4 (grosse Lawinengefahr) gerechtfertigt gewesen (wie schon am 17. Januar in diesen Gebieten).
Auffallend klein war die gemeldete Lawinenaktivität im Süden, wo die grössten Neuschneemengen verzeichnet worden waren: dort war allerdings die Schneedecke am günstigsten aufgebaut, und zudem ist im Süden die Beobachterdichte gering. In Realität sind dort vermutlich auch deutlich mehr Lawinen abgegangen.
(3) 26. Januar bis 3. Februar:
Zum Monatswechsel Januar/Februar führten sehr grosse Neuschneemengen im Westen und Norden verbunden mit dem schwachen Schneedeckenaufbau zur markantesten Lawinenperiode des Winters 2014/15. Viele Lawinen gingen spontan ab und es wurden auch zahlreiche grosse Lawinen registriert (Abbildung 26). Die Spitze der Lawinenaktivität wurde am 31. Januar registriert als viele Sicherheitsdienste das gute Wetter für Sicherungsaktionen nutzten, die meist sehr erfolgreich waren.
In dieser Lawinenperiode ereigneten sich viele Lawinenunfälle, welche insgesamt 12 Menschenleben forderten. Vor allem im Wallis, aber auch am Alpennordhang herrschte in dieser Periode oft grosse Lawinengefahr (Stufe 4).
(4) 6./7. Februar:
Die mächtigen Neuschneeschichten der Lawinenperiode 3 (26. Januar. bis 3. Februar) verfestigten sich zunehmend. Mit starker Bise entstanden im Jura und in den Voralpen aber auch in höheren Lagen der Alpen mit Nordwind frische Triebschneeansammlungen. In Zermatt und Saas Fee sowie im südlichen Simplongebiet fielen zudem vom 4. bis 6. Februar weitere 30 bis 50 cm Schnee. Der Neu- und Triebschnee war dort schlecht mit dem Altschnee verbunden und sehr störanfällig. Vor allem am 6. Februar herrschte dort eine kritische Lawinensituation. Die Auslösebereitschaft von Lawinen war hoch und es gingen einige spontane Lawinen nieder, einzelne waren auch gross (Abbildung 27).
März
(5) 2./3. März:
Vom 1. bis 3. März fielen im Norden und Westen beträchtliche Niederschlagsmengen und führten zu einem markanten Anstieg der Lawinengefahr. Am 2. März wurde im westlichsten Unterwallis und am 3. März gebietsweise am Alpennordhang vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Diese Einschätzung hat sich anhand der beobachteten Lawinen bestätigt. Es wurden einige, teils auch grosse spontane Lawinen beobachtet, die weit vorstiessen (Abbildung 28). Nebst feuchten Lawinen in mittleren Lagen gab es auch solche, die in hohen Lagen trocken anbrachen und unterwegs den durchnässten Schnee mitrissen.
Am 3. März erreichte der Lawinenaktivitätsindex den grössten Wert des Winters. Der Grund für die Spitze der Lawinenaktivität liegt nicht nur in der Lawinensituation, sondern auch im ziemlich sonnigen Wetter. Denn dieses erlaubt einerseits gute Beobachtungen, anderseits wurden an diesem Tag auch sehr viele Lawinen zur Sicherung von Verkehrswegen künstlich ausgelöst.
April
(6) 30. März bis 3. April:
Eine Phase mit intensiven Niederschlägen und starkem Wind führte ab dem 29. März zu kritischen Lawinenverhältnissen im Westen und Norden. Am 29. und 30. März fiel in den Hauptniederschlagsgebieten westlich des Grimselspasses bis zu einem Meter Neuschnee. Am 1. April fielen dann nochmals bis zu 50 cm Schnee, wobei sich der Niederschlagsschwerpunkt Richtung Osten verlagerte.
Ab dem 30. März entstanden mit Neuschnee und Sturm in hohen Lagen und im Hochgebirge umfangreiche Triebschneeansammlungen. Wegen der zeitweise hohen Schneefallgrenze musste zudem mit Nass- und Gleitschneelawinen gerechnet werden. Davon betroffen waren insbesondere Nordhänge unterhalb von rund 2200 m, weil die Schneedecke dort erstmals im Winter 2014/15 durchfeuchtet wurde. Der Lawinenaktivitäts-Index erreichte hohe Werte, wobei der Grossteil der Lawinen als nasse Lawinen gemeldet wurde (Abbildung 23). Ab dem 1. April nahm dann mit einer markanten Abkühlung die Gefahr von nassen Lawinen deutlich ab. Da aber im Norden nochmals viel Schnee fiel, erreichte diese Lawinenphase eine zweite Spitze mit trockenen Lawinen. Insbesondere am 3. April wurden viele Lawinen gemeldet, was aufgrund des sonnigen Wetters mit vielen Beobachtungen und vielen künstlichen Lawinenauslösungen erklärt werden kann (Abbildung 29).
(7) 17./18. April:
Mit anfänglich Regen, dann viel Sonne und milden Temperaturen gab es viele Gleit- und Nassschneelawinen, teilweise auch grosse (Abbildung 30). Durch den verbreitet ungünstigen Schneedeckenaufbau rissen die Lawinen oft in schwachen Altschneeschichten an oder rissen diese in ihrer Sturzbahn mit. Aufgrund der bereits stark reduzierten Beobachtungen Mitte April stieg der Lawinenaktivitätsindex nicht mehr so stark an wie in den Lawinenphasen im Hochwinter. Zudem war die Lawinenaktivität am 17. und 18. April aber auch vorwiegend auf Nordhänge in den Regionen mit besonders schwachem Schneedeckenaufbau konzentriert. Dort erreichten die Lawinen allerdings teilweise eindrückliche Grössen.
Vom 1. bis 4. Mai. fiel erst Schnee und dann Regen bis 3000 m. Im Westen und Norden waren die Niederschläge sehr intensiv und es gab nochmals eine ausgeprägte Lawinenperiode mit vielen und grossen Nassschneelawinen, insbesondere aus Nordhängen. Die grössten Lawinen lösten sich im Hochgebirge als trockene Lawinen und rissen die gesamte durchfeuchtete Schneedecke mit (Abbildung 31). Diese ausgeprägte Lawinenperiode begann am 1. Mai im Westen der Schweizer Alpen und setzte sich am 04. und 05.05. nach Osten bis in die östlichen Teile der Österreichischen Alpen fort.
In der Folge nahm die Lawinenaktivität rasch ab und es herrschten günstige Frühlingsverhältnisse bei allerdings sehr milden Temperaturen. Vom 18. bis 22.05. fiel in hohen Lagen im Norden zwar nochmals ergiebig Schnee, Lawinen wurden aber kaum mehr gemeldet.
Dem SLF wurden für den Winter 2014/15 151 Lawinen mit 237 erfassten Personen gemeldet. 46 Personen wurden in Lawinen verletzt und 33 Personen haben bei 25 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. Zwei Lawinenunfälle mit vielen Todesopfern (31.01.2015, Vilan/GR: 5 Tote und 21.02.2015, Combe des Morts/VS: 4 Tote) führten allerdings zu insgesamt überdurchschnittlich vielen Lawinentoten. Die Gesamtopferzahl liegt mit 33 Todesopfern deutlich über dem langjährigen Mittelwert und ist der höchste Wert im freien Gelände seit dem Winter 1990/91. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2015 dauert, liegt der Mittelwert bei 23 Lawinentoten. 11 Personen starben bei einer prognostizierten Gefahrenstufe 2 (mässig), 21 Personen bei Stufe 3 (erheblich), bei einem Unfall war kein Lawinenbulletin mit Gefahrenstufe mehr vorhanden. Bei 22 Unfällen verunglückte jeweils 1 Person, bei einem Unfall 5 (Vilan, 31.01.2015), bei einem Unfall 4 Personen (Combe des Morts, 21.02.2015) und bei einem Unfall 2 Personen (Pointes de Tsevalire, 12.04.2015).
Die Lawinenopfer waren: Touren-Bereich: 23 Personen, Varianten-Bereich: 10 Personen. 8 Unfälle mit insgesamt 12 Todesopfern ereigneten sich im Wallis, 9 Unfälle mit insgesamt 13 Todesopfern in Graubünden, 3 Unfälle mit insgesamt 3 Todesopfern im Kanton St. Gallen und ebenfalls 3 Unfälle mit insgesamt 3 Todesopfern im Kanton Bern. Ein Unfall mit einem Todesopfer geschah im Kanton Nidwalden sowie im Kanton Uri. Auffällig viele Lawinenopfer waren am Alpennordhang (Abbildung 32).
Bei 33 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt.
Der detaillierte Bericht zu Lawinen mit Personen- und Sachschäden erscheint in der Regel nach Erfassung und Auswertung aller Daten in der Publikation „Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2014/15“.
Wie in Abbildung 33 (oben) ersichtlich ist, wurde die Gefahrenstufe 4 (gross) in der Abendeinschätzung an acht Tagen prognostiziert, in der Morgeneinschätzung noch zusätzlich am 28. Dezember, 29. Januar, 3. März und 1. April (in Abbildung 33 nicht ersichtlich).
Am 28. Dezember erreichte die Lawinengefahr erstmals im Winter 2014/15 die Stufe 4 (gross). Betroffen war das nördliche Unterwallis. In der Abendeinschätzung vom 27.12.2014 wurde die Stufe 4 noch nicht prognostiziert. Am 17. Januar wurde in den Gebieten am Alpenhauptkamm vom Gotthardgebiet bis in Oberengadin und in den südlich anschliessenden Regionen die Gefahrenstufe 4 erreicht.
Zum Monatswechsel Januar/Februar wurde die Lawinensituation nochmals kritisch. Im Morgenbulletin am 29. Januar wurde im westlichen und nördlichen Unterwallis die Lawinengefahr als gross (Stufe 4) eingeschätzt, am 30. Januar waren dann fast das ganze Wallis sowie Teile des westlichen Alpennordhanges betroffen, am 31. Januar noch das südliche Wallis. Nach einer kurzen Beruhigung am 1. Februar wurde dann am 2. Februar am Alpennordhang westlich der Reuss die Gefahrenstufe 4 erreicht.
Am 16. Februar war im südlichen Oberwallis eine kurze Situation mit grosser Lawinengefahr, am 2. März nochmals im westlichen Unterwallis. Im Morgenbulletin am 3. März wurde dann die Gefahrenstufe für den zentralen und östlichen Alpennordhang von Stufe 3 auf 4 korrigiert.
Die grossflächigste Lawinensituation mit Stufe 4 wurde am 31. März verzeichnet, als im Unterwallis und am ganzen nördlichen Alpenkamm grosse Lawinengefahr prognostiziert wurde. Die Situation blieb dann auch am 1. April (Morgenbulletin) kritisch mit grosser Lawinengefahr in den zentralen Teilen des nördlichen Alpenkammes, am 2. April zusätzlich auch noch in den östlichen Gebieten inklusive der nördlichen Gebiete Graubündens.
Im langjährigen Vergleich wurde die Stufe 4 (gross) weniger häufig (1%) verwendet als in einem durchschnittlichen Winter (vgl. Abbildung 34). Erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3) wurde in 37% der Zeit prognostiziert, was über dem langjährigen Durchschnitt von 33% liegt. Häufiger als im langjährigen Durchschnitt wurde auch geringe Lawinengefahr (Stufe 1) prognostiziert (22% anstatt 17%). Dafür wurde mässige Lawinengefahr (Stufe 2) nur in 40% prognostiziert, was deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 47% liegt. Die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) kam nie zur Anwendung.
Bis an Weihnachten war die Lawinensituation abgesehen von einigen Triebschneeproblemen in der zweiten Dezemberhälfte mehrheitlich günstig. Mit den Schneefällen am 27. Dezember stieg die Lawinengefahr dann markant an und blieb ab dann bis in die erste Märzwoche verbreitet kritisch. Im südlichen Wallis und in den inneralpinen Gebieten Graubündens herrschte zwischen dem 29. Dezember und dem 13. Februar durchgehend erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3). In den Gebieten Mountet, Arolla, Val d`Entremont-Val Ferret und Haut Val de Bagnes herrschte an über 50% der Tage des Winters 2014/15 die Gefahrenstufe 3 (erheblich). In den schneereichen Gebieten im Süden dagegen und auch in den Voralpen herrschte an weniger als 25% der Tage erhebliche Lawinengefahr. Nach einer etwas günstigeren Periode im März mit oft geringer und mässiger Gefahr für trockene Lawinen wurde es zum Monatswechsel März/April nochmals kritisch mit verbreitet erheblicher und teilweise grosser Lawinengefahr. Betroffen waren insbesondere der Westen und teilweise auch der Norden.
Ab dem 08.04. entwickelte sich dann die Gefahr von trockenen Lawinen wieder günstig und war meist gering oder mässig bis es Ende April mit Niederschlägen vor allem in höheren Lagen nochmals kritisch wurde.
Eine erste Nassschneelawinenperiode (vgl. Abbildung 33 unten) begann am 10. März und endete am 23. März, eine zweite, intensivere, dauerte vom 10.04. bis 27. April. In der zweiten Nassschneelawinenphase war die Gefahr – im Nachhinein beurteilt – zeitweise sehr nahe bei Gefahrenstufe 4.
Wenn man die Verteilung der Gefahrenstufen des Winters 2014/15 (Abbildungen 34 und 35) mit dem langjährigen Mittelwert vergleicht, sieht man auf der einen Seite, dass die Gefahrenstufe 3 (erheblich) mehr verwendet wurde als normal. Dies dürfte hauptsächlich mit dem schlechten Schneedeckenaufbau und den damit verbundenen gefährlichen Verhältnissen im Wallis und in Graubünden, zeitweise aber auch am Alpennordhang zusammenhängen. Auf der anderen Seite sieht man, dass die Gefahrenstufe 1 (gering) ebenfalls überdurchschnittlich oft verwendet wurde, was vor allem mit den über weite Gebiete verbreitet günstigen Situationen im Frühwinter (Dezember), Mitte März und Mitte April erklärt werden kann.
Im Winter 2014/15 wurden im Lawinenbulletin die Muster folgendermassen verwendet (tableau 5):
Tabelle 5: Verwendung der Gefahrenmuster im Lawinenbulletin (Muster Hauptgefahr; Auszählung über alle Warnregionen für den Zeitraum 1. Dezember 2014 bis 30. April 2015)
|Muster||Häufigkeit|
|Neuschnee||12%|
|Triebschnee||44%|
|Altschnee||25%|
|Nassschnee||12%|
|Gleitschnee||2%|
| Günstige Situation ||5%|
Die Verteilung der Muster war regional sehr unterschiedlich: für die Gefahrenstufe 3 (erheblich) wurde am Alpennordhang und am Alpensüdhang selten das Altschneemuster verwendet, dafür war Neu- und Triebschnee sehr häufig. Im Wallis und in Graubünden war das Altschneeproblem ausgeprägter und wurde in 30 bis 40% der Bulletins verwendet (vgl. Abbildung 36).
Im hydrologischen Jahr 2014/15 wurden 191 Lawinenbulletins veröffentlicht. Davon erschienen 150 als tägliche Lawinenbulletins vom 05.12.2014 bis zum 03.05.2015. Die übrigen 41 erschienen als situationsbezogene Lawinenbulletins in den Winterrandmonaten.
Zwischen dem 19.12.2014 und 08.04.2015 wurden an 111 Tagen Lawinenbulletins auch am Morgen publiziert.
Tabelle 6: Ausgabedaten der Lawinenbulletins im Winter 2014/15.
|Produkt||Ausgabedatum|
|Situationsbezogene Lawinenbulletins im Herbst 2014 (29)|| 13.10., 21.10., 23.10., 03.11., 04.11., 05.11., 07.11., 09. bis 19.11. (täglich), 21.11., 22.11., 24.11., 26. bis 30.11. (täglich), 01.12., 02.12. und 03.12. |
|Erstes tägliches Lawinenbulletin||05.12.2014|
|Erste Morgeneinschätzung||19.12.2014|
|Letzte Morgeneinschätzung||08.04.2015|
|Letztes tägliches Lawinenbulletin||03.05.2015|
|Situationsbezogene Lawinenbulletins zu Winterende und im Sommer (13)|| 04.05., 05.05., 06.05., 08.05., 10.05., 13.05., 15.05., 18.05., 19.05., 21.05., 22.05., 25.05. und 22.09. |
Nachfolgend sind die bemerkenswerten schnee- oder lawinenrelevanten Perioden zwischen Juni und September, die in Abbildung 37 nummeriert sind, kurz beschrieben:
1: Im Nordosten Schnee bis unter 2000 m
Nach einem hochsommerlich warmen Beginn, zeigte sich der Juni vom 15. Juni bis 23. Juni oft tiefdruckbestimmt. Während die Schneefallgrenze am 18.09. erst auf 2500 m sank, lag sie am 20.06. im Nordosten kurzzeitig unter 2000 m. Danach stieg sie wieder auf rund 2500 m. Im Westen und Süden war das Wetter oft deutlich freundlicher und wärmer. Vom 18.06. bis 23.06. fielen am Alpennordhang vom Berner Oberland bis Liechtenstein verbreitet 80 bis 120 mm, in den Glarner Alpen sogar mehr als 120 mm Niederschlag. Die Kriterien für ein Sommerbulletin wurden allerdings nicht erfüllt.
2: Hitzeperiode zum Start eines heissen Sommers
Vom 01.Juli bis 07. Juli erlebte die Schweiz eine der extremsten Hitzewochen seit Messbeginn (Quelle: MeteoSchweiz). Die Nullgradgrenze lag dabei über 4500 m und die Ausaperung schritt auch im Hochgebirge rasch voran. Obwohl die Temperaturen in der Folge nicht mehr gerade diese Rekordwerte erreichten blieb es heiss. Bis Anfang September lag die Nullgradgrenze immer über 3000 m, oft sogar über 4000 m (vgl. Abbildung 37).
3: Immer wieder Niederschlag, zum Schluss Schnee bis rund 2000 m
Der September startete mit wiederholten Niederschlägen, erst im Südwesten (10 bis 20 mm), dann im Süden und Osten mit Gewittern (bis 20 mm) und am 05.09. und 06.09. mit Schwergewicht im Norden und Nordosten (10 bis 20 mm). Die Schneefallgrenze sank von anfänglich 3500 m bis zuletzt auf rund 2000 m.
4: Wiederholt Schnee in hohen Lagen und im Hochgebirge
Am 10.09. kündigte sich mit Schauern und Gewittern ein Wetterwechsel an und in der Nacht auf den 11.09. sank die Schneefallgrenze bis auf 2500 m und in den östlichen Landesteilen fielen 10 bis 20 cm Schnee. Vom 12.09. bis 15.09. gab es vor allem im Süden und Westen immer wieder Niederschlag, wobei die Schneefallgrenze meist über 2500 m lag. Nur im Hochgebirge fiel der Niederschlag in Form von Schnee. Am meisten Niederschlag fiel am Alpensüdhang und ganz im Westen mit 80 bis 120 mm. Am Alpenhauptkamm vom Wallis bis ins Berninagebiet fielen auch noch 40 bis 80 mm Regen.
5: Kaltlufteinbruch mit Schnee bis auf 1500 m
Am Nachmittag des 22.09. setzten aus Westen Niederschläge ein, wobei die Schneefallgrenze anfänglich bei rund 2500 m lag. Mit dem Kaltfrontdurchgang in der Nacht auf den 23.09. sank die Schneefallgrenze auf rund 1500 m im Norden und 1700 bis 2000 m im Süden. Hinter der Kaltfront gab es Schneeschauer, die erst am 24.09. nachliessen. Insgesamt fiel oberhalb von rund 2000 m am zentralen und östlichen Alpennordhang, in Nord- und Mittelbünden und im Engadin mit 20 bis 35 cm am meisten Schnee (vgl. Abbildung 38).
Der Winter 2014/15 zeichnete sich aus durch einen ausserordentlich schneearmen Frühwinter mit entsprechend stark unterdurchschnittlichen Schneehöhen. Über den ganzen Winter betrachtet waren die Schneehöhen nur oberhalb von 2200 m knapp durchschnittlich, am Alpensüdhang überdurchschnittlich. Diese markanten Unterschiede in der Schneehöhe je nach Höhenlage kamen durch überdurchschnittlich hohe Temperaturen zu Stande, die den Schnee in mittleren und tiefen Lagen immer wieder wegschmolzen. Mit Ausnahme des Februars waren die Monate November bis März alle zu warm, der Frühwinter teilweise rekordwarm. Trotz des zu warmen Winters erlebten grosse Teile des Mittellandes und Juras dank einem günstigen Zusammenspiel von Kälte und Niederschlag eine durchschnittliche Anzahl Schneetage. Der Schneedeckenaufbau war inneralpin, zeitweise aber auch am Alpennordhang schwach, am Alpensüdhang hingegen deutlich stabiler. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt war der letzte Winter gefährlicher. Die Gefahrenstufe 3 (erheblich) wurde mehr prognostiziert als normal, die Stufe 2 (mässig) weniger. Zwei grosse Lawinenunfälle führten zu insgesamt überdurchschnittlich vielen Lawinentoten. Bis zum 15. April starben 32 Personen in Lawinen.
Mit sehr milden Temperaturen bis an Weihnachten begann der Winter eigentlich günstig bezüglich Lawinengefahr. Da aber sehr wenig Schnee lag, entwickelte sich trotzdem eine schwache Altschneeschicht und ähnlich wie im Winter 2013/14 herrschte ab dem Jahreswechsel dann auch im Winter 2014/15 in den inneralpinen Regionen des Wallis und Graubündens ein schlechter Schneedeckenaufbau, wobei die schwächste Schneedecke im südlichen Wallis beobachtet wurde. Zeitweise waren aber auch am Alpennordhang Schwachschichten im Altschnee aktiv, was für diese Region eher untypisch ist und dort zu einigen Lawinenunfällen führte. Kritisch waren nicht nur die schwachen, aufbauend umgewandelten Schichten des Frühwinters an der Basis, sondern auch eingeschneite Oberflächenreif im Mittelteil der Schneedecke.
Der Alpensüdhang verzeichnete auch im Winter 2014/15 wie schon im Winter zuvor eine weitgehend günstig aufgebaute Schneedecke. Die Schneehöhen waren zwar nicht so extrem wie im Winter 2013/14, trotzdem konnte sich vom Simplongebiet über das südliche Goms bis zum zentralen Alpensüdhang eine stabile Schneedecke bilden.
Der Winter startete am 6. November im ganzen Schweizer Alpenraum vielsprechend mit einem grossen Neuschneefall, z.B. 56 cm in Göschenen, UR. An den meisten Stationen blieb das der grösste Schneefall dieses Winters. Diese Schneemengen waren allerdings nur von kurzer Dauer, weil der massive Wärmeüberschuss anfangs Winter bis gegen 2000 m fast keinen Schneefall zuliess. Erst eine Kaltfront Ende Dezember führte zu weiteren Schneefällen, die vor allem das Mittelland mit grösseren Schneemengen eindeckten. Dies führte aufgrund der fehlenden Frühwinterschneedecke in den Alpentälern kurzzeitig zur paradoxen Situation, dass z.B. am 31. Dezember in Zürich und St. Gallen (38, resp. 56 cm) mehr Schnee als in Davos und St. Moritz (32, resp. 13 cm) gemessen werden konnte. Dieser Schnee schmolz aber mit rekordmilden Temperaturen schnell wieder weg, bevor dann ab Mitte Januar mehrere Nordwestlagen wiederum Schnee ins Mittelland und diesmal speziell auch in den Jura brachten. Dank einer kleinen anschliessenden Kältewelle blieb diese Schneedecke auch im Mittelland mehr als 20 Tage erhalten.
Gemäss MeteoSchweiz waren die Monate November bis März mit Ausnahme des Februars alle zu warm, der Frühwinter teilweise rekordwarm. Die Schneehöhen des vergangenen Winters waren auf der Alpennordseite nur gerade oberhalb rund 2200 m durchschnittlich. Dies hauptsächlich aufgrund der grossen Wärme im November und Dezember, die jeglichen Schneedeckenaufbau anfangs Winter unterhalb dieser Höhenlage verhinderte. Auf der Alpensüdseite war die Schneedecke oberhalb dieser Höhenlage wegen der grossen Niederschlagsmengen sogar überdurchschnittlich mächtig. Unterhalb 2000 m waren die Schneehöhen dagegen wegen des zu warmen Winters schweizweit klar unterdurchschnittlich, auch wenn an einigen Regionen kurzzeitig normale Werte erreicht wurden. Dank dem Zusammenspiel von Kälte und Niederschlag zur richtigen Zeit war die Anzahl Schneetage im Mittelland und Jura teilweise sogar normal trotz des warmen Winters. Auf der Höhe der Tallagen der grossen Skigebiete (1500 bis 1800 m) lag während der Weihnachtstage in der ganzen Schweiz kein oder nur sehr wenig Schnee, was letztmals im Winter 1989/90 vorkam. Betrachtet man die durchschnittlichen Schneehöhen des ganzen Dezembers, kann festgestellt werden, dass viele dieser Orte in der Zentral- und Ostschweiz noch nie einen so schneearmen Dezember erlebt haben. Auf der Alpensüdseite und im Engadin musste sogar bis Mitte Januar gewartet werden, bis endlich auch unterhalb 1800 m eine durchgehende Schneedecke vorherrschte. Dies ganz im Gegensatz zum schneereichen letzten Winter (2013/14), als zu dieser Zeit in Bosco Gurin oder Maloja bereits 150 cm Schnee lag.
Im Winter 2014/15 wurde die Lawinengefahr wie folgt eingeschätzt (Werte in Klammern: Mittelwert der letzten 17 Jahre, jeweils Dezember bis April, vgl. Abbildung 1): Gefahrenstufe 1 (gering): 20% (17%), Gefahrenstufe 2 (mässig): 39% (47%), Gefahrenstufe 3 (erheblich): 40% (33%), Gefahrenstufe 4 (gross): 1% (2%), Gefahrenstufe 5 (sehr gross): 0% (0.2%).
Die Verteilung der prognostizierten Gefahrenstufen im Winter 2014/15 unterschied sich vor allem bei den Gefahrenstufen 2 (mässig) und 3 (erheblich) vom langjährigen Mittelwert: Die Gefahrenstufe 2 (mässig) wurde weniger häufig, die Gefahrenstufe 3 (erheblich) dafür häufiger prognostiziert als im Durchschnitt der letzten 17 Jahre. Die Gefahrenstufe 4 (gross) wurde in der Abendeinschätzung an 6 Tagen prognostiziert. An zwei Tagen wurde die Gefahreneinschätzung in der Morgenausgabe des Bulletins (8:00 Uhr) noch auf die Gefahrenstufe 4 (gross) geändert. Ähnlich wie im Winter 2013/14 hielt sich auch diesen Winter in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens lange eine heikle Lawinensituation. Dort herrschte zwischen dem 29.12.14 und dem 13.02.15 durchgehend erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3). Die Tage mit geringer Lawinengefahr (Stufe 1) konzentrierten sich auf Anfang Dezember und die zweite Märzhälfte. Zum Monatswechsel März/April herrschte dann aber nochmals eine heikle Lawinensitu
Die Anzahl aller gemeldeten Lawinenunfälle bis zum 15. April war leicht höher als der Durchschnitt der letzten Jahre. Zwei Lawinenunfälle mit vielen Todesopfern (31.01.2015, Vilan, GR, 5 Tote und 21.02.2015, Combe des Morts, VS, 4 Tote) führten allerdings zu insgesamt überdurchschnittlich vielen Lawinentoten. Die Gesamtopferzahl liegt für den 15.04.2015 mit 32 Todesopfern deutlich über dem langjährigen Mittelwert. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2015 dauert, liegt der Mittelwert bei 22 Lawinentoten.
Bis am 15.04.2015 wurden dem SLF für den Winter 2014/15 148 Lawinen mit 231 erfassten Personen gemeldet. 31 Personen wurden in Lawinen verletzt und 32 Personen haben bei 24 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. 11 Personen starben bei einer prognostizierten Gefahrenstufe 2 (mässig), 21 Personen bei Stufe 3 (erheblich). Bei 21 Unfällen verunglückte jeweils 1 Person, bei einem Unfall 5 (Vilan, 31.01.2015), bei einem Unfall 4 Personen (Combe des Morts, 21.02.2015) und bei einem Unfall 2 Personen (Pointes de Tsevalire, 12.04.2015).
Die Lawinenopfer waren: Touren-Bereich: 22 Personen, Varianten-Bereich: 10 Personen. 8 Unfälle mit insgesamt 12 Todesopfern ereigneten sich im Wallis, 8 Unfälle mit insgesamt 12 Todesopfern in Graubünden, 3 Unfälle mit insgesamt 3 Todesopfern im Kanton St. Gallen und ebenfalls 3 Unfälle mit insgesamt 3 Todesopfern im Kanton Bern. Ein Unfall mit einem Todesoper geschah im Kanton Nidwalden sowie im Kanton Uri. Bei 27 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt (vgl. Abb. 2).
Die Herausgabe der täglichen Lawinenbulletins wurde am 5. Dezember 2014 gestartet. Eine Morgeneinschätzung wurde vom 19. Dezember 2014 bis zum 8. April 2015 publiziert. Der Jura wurde an 12 Tagen mit einer Einschätzung und damit mit Gefahrenstufe 3 (erheblich) bedient.
Das Lawinenbulletin mit der Prognose der Lawinengefahr und allgemeinen Informationen zur Schneesituation in den Schweizer Alpen erscheint bis auf weiteres täglich. Es kann über www.slf.ch und die SLF App „White Risk“ abgerufen werden. Zudem können RSS-Feeds und ein SMS-Service abonniert werden, welche auch in Winterrandzeiten und über den Sommer auf die Herausgabe eines Lawinenbulletins hinweisen (Service abonnieren: SMS mit Inhalt „START SLF SOMMER“ an 9234, Service stoppen: SMS mit Inhalt „STOP SLF SOMMER“ an 9234, 0.20 CHF/SMS).
Des Weiteren verweisen wir auf den Alpenwetterbericht der MeteoSchweiz www.meteoschweiz.admin.ch, Fax 0900 162 338 (2.00 CHF/Min.) oder Telefon 0900 162 138 (1.20 CHF/Min.).