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Umwelt
Humangeographie auf US-amerikanisch
Die Humangeographie in den USA gilt als kritischer denn ihre deutsche Variante. Beispielsweise David Harvey und Neil Smith prägten dort Teile dieses Wissenschaftszweiges. Der Inhalt dieses US-amerikanischen Lehrbuchs bestätigt den Eindruck einer etwas kritischeren Wissenschaft. Ein gewisser Unterschied lässt sich schon bei den Fotos der AutorInnen des Originals gegenüber der deutschen Herausgeberschaft feststellen: Während Knox und Marston sich unter freiem Himmel in eher legerer Kleidung ablichten ließen, sind die HerausgeberInnen der deutschsprachigen Ausgabe, Gebhardt, Wastl-Walter und Meusburger, mit Anzug und Krawatte in Innenräumen zu sehen.
Das Lehrbuch soll eine Ergänzung zu bereits erschienen sein, da es den Stoff der Humangeographie im Spannungsfeld von Globalisierung und Regionalisierung bzw. Fragmentierung darstelle. Ein großes Kapitel beschäftigt sich gleich zu Beginn mit dem globalen Wandel. Dabei fällt auf, dass dieser gegenüber deutschen Lehrbüchern durchaus kritisch beleuchtet wird und die AutorInnen auch nicht davor zurückschrecken, von (Neo-)Imperialismus und Neokolonialismus zu schreiben. Bei der Analyse der gegenwärtigen Phase der Globalisierung stehen vor allem die USA im Fokus. Das ist einseitig, aber wahrscheinlich mit der Perspektive der US-AutorInnen erklärlich. Während jedoch bei vielen anderen Themen mit der Übersetzung ein Bezug zu Deutschland oder Europa hergestellt und dies sich auch in entsprechenden Karten und Diagrammen niederschlägt, wird die Kritik nicht übertragen. Ganz so, als wären BRD und EU an Kriegen zur Sicherung von Rohstoffwegen und der Herstellung von ökonomischen Abhängigkeitsverhältnissen ärmerer Länder unbeteiligt.
Im Kapitel Landwirtschaft und Nahrungsmittelsektor drehen sich auch zwei Seiten um den Zusammenhang des globalen Ernährungssystems und genetisch veränderter Organismen. Die vertretenen Positionen sind scheinbar neutral, tatsächlich aber schlecht recherchiert: Im Bereich der Agrogentechnik geht es gar nicht, wie beschrieben, um eine Erhöhung der Erträge oder die Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit, sondern um Profite für westliche Konzerne. Dementsprechend wurden Konzepte wie die Terminatortechnologie und "Confinement" umgesetzt, die die Verwendung der Ernte als Saatgut verhindern. Die damit und über Patente entstehende Abhängigkeit der LandwirtInnen von Saatgut-/Chemiekonzernen wird überhaupt nicht erwähnt. Stattdessen heißt es, dass die Agrogentechnik weder "rundweg zu verteufeln noch ausschließlich segensreich" (S. 563) sei. Unter den momentanen gesellschaftspolitischen Umständen, in denen die übergeordneten Ziele Macht und Profit sind, ist allerdings auch die Gentechnik danach ausgerichtet und nützt Konzernen und Eliten statt Hungernden.
Trotz Schwächen dieser Art lässt sich jedoch feststellen, dass dieses umfangreiche Lehrbuch im Vergleich zu manchen "originär deutschen" Publikationen insgesamt einen kritischeren und besseren Zugang zu den breit gefächerten Themen der Humangeographie bietet. Viele bunte Karten, Photos und Darstellungen machen es anschaulich und sorgen neben den ausführlichen Erklärungen im Text für eine gute Verständlichkeit.