Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03342.jsonl.gz/2301

In meinen Seminaren betone ich gern die Bedeutung von Schlaf auf so ziemlich alle Aspekte unseres Lebens und unserer Gesundheit. Oft zeigt sich in den Gesprächen, dass viele Menschen gern mehr und länger schlafen würden, wenn sie denn nur könnten. Ein Problem ist das Einschlafen, wenn noch soooo viele Gedanken des Tages da sind. In meinen Recherchen zum Thema bin ich auf eine interessante Methode gestossen, die ich gern mit ihnen teile. Unter dem Namen «Cognitive Shuffling»– also «geistige Durchmischung» – schlägt Dr. Luc P. Beaudoin, Professor an der Simon Fraser University in Kanada, so eine Art Scrabblespiel vor, das die Gedanken weg von quälenden Sorgen des Tages auf einfache, schöne Objekte lenkt und dadurch den Mensch zur Ruhe kommen lässt. So, wie wir als Kind während der Gute-Nacht-Geschichten unserer Eltern der Phantasie ihren Lauf gelassen haben und dadurch weich in Morpheus’ Armen landeten.
Das ganz funktioniert wie folgt:
Sie liegen im Bett und ringen mal wieder um Schlaf. Anstatt ärgerlichen Gedanken nachzuhängen, denken sie ich ein einfaches, aber nicht zu kurzes Wort aus, das keine intensiven Emotionen auslöst. Zum Beispiel “Waldboden”. Es sollte eins sein, in dem dieselben Buchstaben nicht zu oft vorkommen. Dies ist nun ihr Ankerwort. Nun gehen sie jeden Buchstaben des Wortes einzeln durch und stellen sich Dinge vor, die mit diesem Buchstaben beginnen und die ihnen angenehme Assoziationen geben. Also in diesem Fall starten sie mit W:
W…
- Winterlandschaft: sie stellen sich eine verschneite Winterlandschaft vor
- Weihnachtsbaum: sie stellen sich einen geschmückten, festlichen Weihnachtsbaum mit allerlei hübschen Anhängern vor
- Wunderkerze: sie sehen vor ihrem geistigen Auge einer Wunderkerze zu, wie sie ihre Blitze verstreut und dann langsam verglüht
- …usw.
Wenn ihnen zu «W» nichts mehr einfällt, gehen sie zum nächsten Buchstaben: A…
- Ameisenhaufen: sie schauen in Gedanken der Betriebsamkeit auf einem Ameisenhaufen zu
- Australien: sie zeichnen in Gedanken die Konturen des Kontinents
- Adler: sie schauen einem Adler zu, wie er am Himmel über ihnen seine Kreise zieht
- …usw.
Gibt ihnen ein Objekt, and das sie denken, keine angenehme Assoziation, können sie die negative Emotion, die es generiert, einfach akzeptieren als Achtsamkeitsübung, oder sich ein anderes Wort mit dem Buchstaben ausdenken.
Wenn ihnen zu einem Buchstaben nichts einfällt, gehen sie zum nächsten in ihrem Ankerwort. Sind sie mit dem Ankerwort fertig und noch nicht eingeschlafen, so denken sie sich ein neues aus und wiederholen sie das Gedankenspiel.
Was passiert da? Durch die Konzentration auf andere Dinge als die Sorgen des Tages kommen sie automatisch emotional runter und «entschleunigen» die Gedanken. Wenn es ihnen gelingt, Wörter mit schönen Assoziationen zu finden, entspannen sie sich ebenfalls weiter.
Es braucht vielleicht ein wenig Übung und funktioniert – wie alles Mentale – nicht für jeden, ist aber sicherlich mal einen Versuch wert, wenn sie beim Schäfchenzählen das nächste Mal durcheinanderkommen. Wenn Phantasie für Kinder geht, warum soll uns das als Erwachsene nicht auch noch inspirieren können?