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Reicht mein künftiges Einkommen, um meinen gewohnten Lebensstandard auch nach der Pensionierung aufrechtzuerhalten? Oder muss ich meine Sparanstrengungen verstärken? Solche und ähnliche Fragen stellen sich viele im Hinblick auf ihr Alter. Doch die Fragen sind leichter gestellt als beantwortet. Die mutmassliche Rente aus beruflicher Vorsorge erfährt man zwar aus seinem jährlichen Pensionskassenausweis. Und die Höhe der AHV-Rente kann man mithilfe seines Kontoauszugs und des Rentenrechners auf der AHV-Website ermitteln. Doch reicht das zum Leben? Braucht es freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse? Oder soll ich zusätzliches Alterskapital über die steuerbegünstigte Säule 3a ansparen? Oder in Wertschriften investieren? Oder muss ich meine Ansprüche im Alter zurückschrauben und lernen, mit weniger Einkommen zurechtzukommen?
Einen ersten Hinweis, ob eine Vorsorgelücke besteht und wie hoch sie ausfallen könnte, ergeben Vorsorgerechner von Banken, Versicherungen und Beratungsunternehmen. Oft muss man lediglich sein Alter und sein aktuelles Einkommen eingeben, manchmal auch noch die gleichen Angaben zu seinem Ehepartner oder zur Ehepartnerin. Entsprechend rudimentär fällt in der Regel das Resultat aus: Angezeigt wird lediglich, wie gross die Lücke zwischen erwartetem Renteneinkommen und mutmasslichen Ausgaben ausfallen wird. Oder es wird aufgezeigt, wie viel künftig angespart werden muss, um die Lücke auf einen vorgegebenen Zielwert zu reduzieren.
Berechnung nach Jahreseinkommen
Meist gehen die Rechner von einem Betrag von 80 oder 90 Prozent des bisherigen Einkommens aus (siehe Tabelle). Zusätzliches Einkommen aus privater Vorsorge, aus der Vermietung von Immobilien, aus Weiterbeschäftigung oder aus Vermögensertrag wird bei vielen Rechnern nicht abgefragt. Und ebenso fliesst das Vermögen selbst und damit auch ein allfälliger Vermögensverzehr häufig nicht in die Berechnung ein. So muss man beispielsweise bei der UBS lediglich sein Alter und sein Bruttojahreseinkommen eingeben und wählen, ob man im Alter «einfach», «komfortabel» oder «luxuriös» leben will. Und schon spuckt das Tool einen Betrag aus, den man bis zu seiner Pensionierung jeden Monat ansparen sollte, um das vorgegebene Ziel zu erreichen.
Das Ergebnis dürfte vielfach aber eine Utopie bleiben. So müsste etwa gemäss UBS-Tool ein sechzigjähriger, verheirateter Mann mit 150 000 Franken Jahreseinkommen monatlich fast 10 000 Franken ansparen, um sich nach seiner Pensionierung ein «komfortables» Leben leisten zu können. Die Rechner der Firma Logismata kommen unter den gleichen Voraussetzungen gar auf einen erforderlichen Sparbetrag von 32 000 Franken monatlich.
Logismata ist der dominierende Anbieter von Online-Berechnungstools, insbesondere auch im Vorsorgebereich. Marcel Zettler, Geschäftsleitungsmitglied von Logismata, betont aber, dass die angeschlossenen Banken und Versicherungen «frei sind, die Tools ihren eigenen Bedürfnissen anzupassen». Das tun denn auch einige Logismata-Kunden und -Kundinnen und schalten den «Vorsorge-Check» bzw. «Pensions-Check» nur teilweise frei. Je nachdem, ob sie die Rechner vor allem als Teaser für ein persönliches Beratungsgespräch nutzen möchten oder ob er auch der Selbstberatung dienen soll. Immerhin: Der Rechner erlaubt auch Verheirateten und nicht nur Ledigen die Erfassung ihrer Daten. Der Einkommensbedarf basiere «auf Erfahrungswerten» und solle «einen defensiven Charakter haben», sagt Simon Bickel, Kommunikationsleiter beim Logismata-Kunden Valiant.
SGKB und ZKB bieten am meisten
Noch etwas ausgeklügelter sind die Rechner der St. Galler (SGKB) und der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Beide unterscheiden ebenfalls zwischen Ledigen und Verheirateten. Und wie bei Helvetia, Valiant und der APPKB (Appenzeller Kantonalbank) kann man auch bei der SGKB und der ZKB nicht nur seine Vorsorgelücke im Alter, sondern auch bei Invalidität oder im Todesfall ermitteln. Darüber hinaus ermöglichen sie aber den Einbezug von 3a-Guthaben und sonstigen Vermögenswerten. Die Berechnung ist frei skalierbar, sodass auch angehende Rentnerinnen und Rentner mit bescheideneren Ansprüchen ein vernünftiges Resultat erhalten. Dies gilt insbesondere auch für Wohneigentümer, die ihre Hypothek stark reduziert oder gar abbezahlt haben und mit entsprechend -tieferen Wohnkosten rechnen müssen. Bei der SGKB kann man sogar Szenarien wie eine Frühpensionierung oder einen Anteil Kapitalbezug aus der Pensionskasse durchspielen. Einzig der erforderliche Sparbetrag zur Deckung seiner Vorsorgelücke lässt sich bei der SGKB und der ZKB nicht direkt ermitteln.
Auffällig ist, wie weit die Resultate je nach Tool und Anbieter auseinanderklaffen (siehe Tabelle oben). So ermittelt das Tool der ZKB für eine Fünfzigjährige mit einem Jahreseinkommen von 100 000 Franken und einem Bedarf von 90 Prozent ihres -bisherigen Einkommens eine Vorsorgelücke von lediglich 4800 Franken jährlich. Die Axa kommt unter den gleichen Voraussetzungen auf einen Zusatzbedarf von 37 326 Franken. Der Raiffeisen-Mobile-Rechner ermittelt gar ein Megaloch von 55 056 Franken pro Jahr und geht dabei von unverändert hohen Lebenshaltungskosten im Pensionsalter aus.
Die grossen Differenzen haben verschiedene Gründe. Zur Hauptsache sind das -unterschiedliche Annahmen a) über den künftigen Bedarf (70 bis 100 Prozent des bisherigen Einkommens), b) zur Lebenserwartung – die Spanne reicht von 82 (Zurich) bis 90 Jahre (CS Mobile) für den jüngeren Partner, c) zur Verzinsung der Guthaben (0 bis 1,5 Prozent) und d) über den Vermögensverzehr nach der Pensionierung. Zudem lassen nicht alle Tools die Einberechnung eines Vermögens Barvermögen, Wertschriften, 3a zu.
Fazit
Nur die wenigsten Vorsorgerechner erlauben wirklich eine Abschätzung der künftigen Vorsorgelücke. Als erster Hinweis dienen aber auch die übrigen. Ein vertiefendes Gespräch mit einem Vorsorgeexperten oder einer Vorsorgeexpertin kann letztlich aber keines der Tools ersetzen.
Unabhängige mit weiteren Tools
Viele Banken, Versicherungen und Beratungsunternehmen bieten nebst Vorsorge- und Pensionsrechnern weitere Gebühren- und Steuerrechner. Das umfassendste Angebot weist der Vergleichsdienst Moneyland auf. Ähnlich gut ist auch die Website des «K-Tipp» bestückt. Beide verzichten aber auf einen Vorsorgerechner, weil sie «mit den erzielbaren Ergebnissen nicht zufrieden» sind. Renten- beziehungsweise Steuerrechner findet man auch bei der Auffangeinrichtung, bei Descartes sowie bei verschiedenen Banken und Versicherungen. Credit Suisse und Raiffeisen haben eigene Apps für das Smartphone entwickelt. Der Raiffeisen-Vorsorgeradar ist eine eher minimalistische Lösung. Der CSX Finanzplan dagegen ist ein ausgeklügeltes Tool für Mobile-User, das es locker mit den besten Desktop-Applikationen aufnehmen kann. Der Rechner ist Bestandteil der CS-Banking-App und steht nur Kunden offen. Das Tool der Allianz ist – wie die CS-App – als automatisierter Chatbot ausgestaltet. Wie alle Anbieter verspricht auch die Allianz, dass sämtliche Angaben anonym bleiben. Da mutet es allerdings etwas seltsam an, dass man als Erstes und zwingend einen Namen eingeben muss.