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|Abt Kilian Germann (1529-1530)

Abt Kilian Germann
Kilian Germann, 1529-1530. Kilian Germann, genannt "Köuffi", wurde ca. Ende 1485 geboren. Sein Vater war äbtlicher Ammann zu Lütisburg, sein Bruder Hauptmann. Während längerer Zeit war Kilian Großkeller in St.Gallen. Am 8.4.1523 wurde er Statthalter in Rorschach, 1528 Statthalter in Wil. Am 25.3.1529 wurde er in Rapperswil, "in der Nebendstuben" des "Roten Löwen", insgeheim zum Abt erkoren. Konfirmation der Wahl durch Papst Clemens VII. am 18.6.1529. Die Wahl war am Ostersonntag 1529 in Anwesenheit der Vertreter der Schirmorte Luzern und Schwyz in Rorschach feierlich verkündet worden. Der Abt hielt sich zunächst in Wil auf. Bei Ausbruch des Ersten Kappelerkrieges flüchtete er am 7.6.1529, von Dekan Otmar Glus und seinem Kämmerer begleitet, heimlich nach Meersburg. Die Benediktion, die mit einem großen Fest verbunden war, wurde am 6.1.1530 mit päpstlicher Erlaubnis in Überlingen vollzogen. Viel zu schaffen gab dem Abt die Reformation, die sich im Gebiet des Klosters, tatkräftig gefördert vom Vierortehauptmann Jakob Frei, immer weiter ausbreitete. Zürich versuchte mit allen Mitteln, den Abt gefangen zu setzen und die Auflösung der Abtei zu erreichen. Bereits am 8.6.1529 hatte der St. Galler Rat das Kloster besetzt. Am 20.6.1530 sagte sich das Toggenburg von St.Gallen los. Die Stadt erwarb den Klosterbezirk mit den meisten Rechten um 14 000 Gulden. Abt Kilian kaufte um 500 Gulden das Schloß Wolfurt bei Bregenz, um außer Landes ausweichen zu können. Hier schlug er am 26.2.1530 seinen Wohnsitz auf. Um die klösterlichen Rechte gegen St. Gallen und Zürich zu verteidigen, besuchte er im Juli 1530 vergeblich den Augsburger Reichstag. Trotz Zürcher Haftbefehl und intensiver Fahndung konnte der Abt der Gefangennahme entgehen. Die in St. Gallen verbliebenen Konventherren mußten schließlich im Juli 1531 das Kloster räumen, wobei sie mit einer Rente abgefunden wurden. Abt Kilian zeigte persönlich Verständnis für die geistigen Belange und schickte drei Konventualen zum Studium nach Tübingen. Bei der Rückkehr von einem Besuch bei Graf Hugo von Montfort in Tettnang ertrank er am 30.8.1530 in der Hochwasser führenden Bregenzer Aach. Vadians Äbtechronik schildert den Prälaten wie folgt: "War ein schön, persönlich man, senftmutigs und früntlichs dings mit iedem man, doch nit glert (wie ietzmal der mönchen brauch ist)".
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)