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ALS STUDENTIN AN EINER UNIVERSITÄT IN MADAGASKAR
Die junge Studentin Françoise kennen wir seit vielen Jahren. Sie studiert an der Universität in Tamatave / Toamasina und zwar sehr erfolgreich. Aufgewachsen ist sie in einem kleinen Dorf an der Küste des Indischen Ozeans. Wir von der PRIORI unterstützen sie, indem wir ihre Texte bezahlen.
ALS STUDENTIN AN EINER UNIVERSITÄT IN MADAGASKAR
(10. Juni 2020) Nachdem man in Madagaskar das Abitur bestanden hat, ist es an der Zeit, sich zu entscheiden, wo man studieren möchte. Als Abiturient ist man kein Kind mehr, und einmal an einer Uni eingeschrieben zu sein, bedeutet, dass man seine Zukunft gestaltet und zwar mit dem, was man einmal tun wird. In Madagaskar gibt es sechs öffentliche Universitäten wissenschaftlicher, kultureller und beruflicher Art und jedes Jahr schreiben sich mehr als 5000 Studierende an jeder Universität ein.
Warum wenden sich junge Menschen mit einem Bachelor-Abschluss an die Universität? Als öffentliche Einrichtung zieht die Universität Studierende wegen ihrer tieferen Studiengebühren an. Sie sind viel niedriger als die von privaten Einrichtungen. Nur Studierende von reichen Eltern können sich diese leisten. Ein Studierender an der Universität von Madagaskar zu sein, ist nicht einfach, ja, es ist wahr, Universitätskurse sind nicht einfach, aber der materielle Mangel macht sie noch schwieriger, auch wenn die madagassische Regierung Anstrengungen unternimmt, die Situation zu verbessern. Bei der Einschreibung an der Universität muss ein Formular ausgefüllt werden, mit dem man sich um ein Stipendium sowie um eine Unterkunft bewerben kann, wenn man auf dem Universitätscampus wohnen möchte.
ALS STUDENTIN AN EINER UNIVERSITÄT IN MADAGASKAR
In meiner Universität gibt es jedes Jahr mindestens zwei Demonstrationen, wegen der Erhöhung der Preise für das Wohnrecht sowie wegen der verspäteten Zahlung von Stipendien oder dann Demonstrationen von denjenigen, die nicht auf der Stipendienliste stehen, und zu allem Überfluss gibt es die Streiks der Professoren wegen der Nichtzahlung ihrer Forschungsgelder, all das erlebt man, wenn man Student in Madagaskar ist.
Madagaskar könnte gute Hochschulabsolventen haben, wenn der Staat Geld in den Bereich der Hochschulbildung investieren würde, und wenn er Gelder und Material gemäss den Bedürfnissen der Professoren und ihrer Forschungsprojekte sprechen würde. So wären die akademischen Ergebnisse erfreulich. An meiner Universität „Universität von Toamasina“ ist eine Unterkunft für ein akademisches Jahr wirklich zu teuer, es ist doppelt so teuer wie an anderen Universitäten in Madagaskar. In einem 4 m2 grossen Raum sind 4 Studierende untergebracht, aber die Infrastruktur ist schlecht, es gibt keinen Unterhalt und keine Renovationen, weshalb die Studenten jedes Jahr streiken. Jungen und Mädchen werden zum Teil im gleichen Zimmer untergebracht, denn es gibt kein Reglement. Aber schliesslich liegt es an den Studierenden, zu wählen, was gut oder schlecht für sie ist.
Darüber hinaus sind die Stipendien sehr gering, man kann es kaum ein Stipendium nennen, denn das Geld, das wir erhalten, reicht nirgends hin. Und vor allem ist die Zahlung immer sehr spät, meist erst sechs Monate nach Beginn des Schuljahres. Darum ist es nicht verwunderlich, dass den Studenten das Geld ausgeht und sie nicht mehr in den Vorlesungen erscheinen. Die madagassischen Studenten stammen fast alle aus armen Familien, aber sie wollen im Leben kämpfen, um aus der Armut herauszukommen, und sie sind auf das Stipendium angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Viele Studierende brechen das Studium ab, wenn sie noch nicht einmal das zweite Jahr erreicht haben. Das Leben in der Stadt ist eben gar nicht so einfach, weil alles bezahlt werden muss.
ALS STUDENTIN AN EINER UNIVERSITÄT IN MADAGASKAR
Und noch immer, auch im Jahr 2020 ist die Ausrüstung an der Universität hier in Tamatave / Toamasina nicht ausreichend. Es gibt noch immer kein Internet-Netzwerk an meiner Universität. Wenn man also forschen will, muss man ins Cybercafé gehen, und hier ist die Recherche manchmal nicht einfach, man muss lange dort bleiben oder mehrmals zurückkommen, und wir zahlen den Zugang aus unserer Tasche. Glücklicherweise hat das Bildungsministerium das berühmte „WIFI“ mit „Hochgeschwindigkeitsnetz“ eingerichtet, aber das war nur am Anfang so, denn nach ein paar Monaten lief schon nichts mehr. Es gibt auch nicht genügend Bücher, um zu recherchieren. Wir finden in der Bibliothek keine Werke des jetzigen Jahrhunderts, sondern nur alte Ausgaben von 19-hundert-irgendwann.
Die Bildungssysteme sind jedoch recht gut, und auch die Didaktik, die die Professoren anwenden, ist wirklich interessant, weil sie die Studenten dazu drängt, zu forschen und ein vielseitiger und guter Organisator zu sein.
Kurz gesagt, um ein Studierender an der Universität von Madagaskar zu sein, muss man autonom sein und eine gute Disziplin und Lebendigkeit haben, sonst wählt man die Option „Verzicht“, denn der Erfolg hängt nur von einem selbst ab. Schwierigkeiten überwinden, stets das Ziel im Auge behalten, das ist das Wichtigste, das ich gelernt habe.
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