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Dutzende Indios haben am Donnerstag (16.) im Plenum des brasilianischen Abgeordnetenhauses getanzt und protestiert. Stattgefunden hat dort eine festliche Plenarsitzung als Hommage an die indigenen Völker. Anlass dazu ist der Tag der Indios am Sonntag (19.). Über tausend Ureinwohner Brasiliens haben sich allerdings schon seit einer Woche vor dem Kongress versammelt, um ihre in der Konstitution zugesicherten Rechte einzufordern und gegen die PEC 215 zu demonstrieren. Mit dieser soll die Konstitution geändert und die Ausweisung von Indio-Territorien dem Kongress übertragen werden.
Derzeit sind es die Experten der Behörde für indigene Belange (Funai) die nach eingehender Prüfung entsprechende Territorien vorschlagen, die dann vom Justizministerium ausgewiesen werden. Wird die PEC 215 (Vorschlag zur Gesetzesänderung) durchgesetzt, entscheiden Abgeordnetenhaus und Senat über die Ausweisung. Dort ist allerdings die Lobby der Großgrundbesitzer und des Agrogeschäftes stark vertreten. Befürchtet wird deshalb, dass es mit der Gesetzesänderung keine Ausweisung von Indio-Territorien mehr geben und sich dies auch auf bereits im Prozess befindliche Verfahren auswirken wird.
Von den Indios wurden die Abgeordneten bei dem Festakt aufgefordert, die indigenen Völker und deren Rechte zu respektieren und die PEC 215 ein für alle Mal abzuweisen. Indio-Sprecher Neguinho Truká setzte sich zudem für eine inklusive Erziehungspolitik ein, mit der die Kultur und Eigenheiten der verschiedenen Ethnien respektiert werden.
Die aktuelle Zahl der in Brasilien lebenden Indios wird vom Statistikamt IBGE auf knapp 818.000 Menschen geschätzt. Sie gehören 305 verschiedenen Ethnien an. Mit 502.000 lebt die große Mehrheit von ihnen abseits der Städte und Siedlungen. Etwa 69 Gruppen haben bisher keinen Kontakt mit der sogenannten zivilisierten Gesellschaft. Enorm ist die Sprachvielfalt der indigenen Völker. Es wird geschätzt, dass in Brasilien noch 274 verschiedene Sprachen der Indiovölker existieren. Bisher wurde den über 800.000 Ureinwohnern Brasiliens 107 Millionen Hektar Land zugesprochen, während die etwa 46.000 größten Landeigentümer und Fazendeiros 144 Millionen Hektar vereinen.