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Obwohl er wesentlich grösser ist als ein Murmeltier, sieht man den Biber selten, weil er im Wasser lebt, das Tageslicht scheut und sich so dem Anblick entzieht. Dagegen geizt er nicht mit «Symptomen», wie Maurice Blanchet sagt, dem wir die Wiedereinbürgerung des Bibers in der Schweiz verdanken. Im Winter, wenn der Biber am wenigsten ausgeht und von den Vorräten an Ästen lebt, die er in der guten Jahreszeit unter Wasser anlegte, sind seine Spuren besonders gut zu sehen.
Es handelt sich um einen Auferstandenen: wie der Steinbock wurde auch der Biber Opfer verschiedenartigster Legenden und Fabeln, die bewirkten, dass er bis zum äussersten verfolgt wurde. Glücklicherweise hat er überlebt und konnte man nachweisen, dass er keine dreistöckigen Bauten erstellt, seinen Schwanz nicht als Maurerkelle verwendet und die alten Biber nicht in Lastkähne für den Holztransport verwandelt. Heute staunt man so über sein wahres Leben, dass man die krausen Vorstellungen unserer Ahnen kaum fassen kann. Für sie war er ein Fischfresser (vielleicht wollte man damit sein Vorkommen in Fastenmenüs rechtfertigen), und sein Duftfett aus der Schwanzdrüse, mit dem er sein Revier markiert, sollte eine Wundersalbe gegen Rheumatismus sein. In der Schweiz wurde er letztmals 1820 erwähnt und mit hemmungsloser Jagd – seines Felles und Fleisches wegen — im Europa des 19. Jahrhunderts beinahe ausgerottet.
Zwischen dem 19. Oktober 1973 und dem 7. März 1974 setzte die Kantonale Jagdverwaltung des Wallis in den Schluchten des Trient bei Finhaut und im Naturschutzreservat von Pouta-Fontana bei Grône acht Biber, vier Männchen, drei trächtige Weibchen und ein Jungtier unbestimmten Geschlechtes, aus. Das Schicksal der drei von Finhaut ist unbekannt. Dagegen haben sich diejenigen von Pouta-Fontana dermassen entwickelt, dass die Artgenossen die Gesamtheit der mageren, in der Rhoneebene verfügbaren Biotope kolonisiert haben. Als Liebhaber stiller, von Auenwäldern umgebener Gewässer und träger Flüsse bewohnen Biber vor allem die Auenwälder von Pfyn und die Mündung der Rhone in den Genfersee.
Diese Orte beherbergen im ganzen gesehen kaum mehr als 5 bis 10 Paare. Um der Wohnungsnot zu begegnen, musste sich der Biber den dürftigen Biotopen der Rhoneufer anpassen, etwa dort, wo er trotz Verbauungen noch über Sandbänke an Land gehen kann. Er benutzt auch einige Kanäle, in denen sich noch Weiden spiegeln… Diese armselige Umwelt, geradlinig, ohne Seitenarme, erleichtert zwar die Beobachtung, gibt aber auch Anlass zu Störungen, die oft junge, aus der Familie ausgestossene Biber treffen. Das alles gibt zur Vermutung Anlass, dass die in zweitklassigen Biotopen niedergelassenen Tiere Einzelgänger sein könnten, die auf einen Platz in den selteneren, besseren Biotopen warten, um sich dort zu paaren und fortzupflanzen.
Um im Wallis zu überleben, musste der Biber Anpassungsfähigkeit entwickeln: In Pfyn bewohnt er eine Erdhöhle, in Pouta-Fontana eine Hütte. In Sitten begnügte er sich mit Brettern und Blachen, um das Dach seines eingestürzten Erdloches zu flicken, und musste sogar die öffentliche Beleuchtung ertragen. Aber die Jagdverwaltung hat dem Heldentum des Stadtbibers ein Ende gesetzt, weil er es gewagt hatte, einen alten Apfelbaum zu benagen, der natürlich plötzlich der Fruchtbarste war. Der Biber zeigt keine Vorliebe für Obstbäume. Sofern man ein Stück Ufervegetation stehenlässt, zieht es der Biber vor, an den Wurzeln des Schilfs, am Mark der Rohrkolben, an jungen Weiden oder anderen geknickten Laubbäumen oder auch am weichen Blattwerk neuer Triebe zu knabbern, statt auch nur 20 m zurückzulegen, um gefallene Äpfel zu fressen. Er fällt vorwiegend Laubbäume wie Weiden, Erlen, Pappeln, die Wurzelschösslinge treiben und eine eigentliche Wiese aus zarten Trieben bilden, typisch für Gewässer, in welchen Biber leben. Wenn Sie niederknien, um ein Foto zu machen, hüten Sie sich vor Stämmen, die angekerbt oder bleistiftförmig zugespitzt sind… Im Winter ernährt sich der Biber von Rinde und Ästen, die er als Vorrat so tief unter Wasser angelegt hat, dass sie nicht von einer möglichen Eisdecke erfasst werden.
Der Biber braucht Fortpflanzungsplätze: weite, sumpfige Biotope, von denen eine Familie leben kann. Er braucht auch ein Netz von Verschiebungswegen und vorübergehende Aufenthaltsorte, um benachbarte Populationen zu verbinden und noch nicht geschlechtsreife Jungtiere zu empfangen, die von ihren Eltern ausgestossen wurden. Sind diese Bedingungen erfüllt, werden sie unsere Baumgärten in Ruhe lassen.Das erstmalige Auftreten von Bibern verursachte jeweils Sorgen bei den Ortskundigen: Wird er nicht die schönsten Bäume fällen, das Wäldchen vernichten? Tatsächlich, in unserem Land mit den in Beton gefassten Wasserläufen, den der Mähmaschine angepassten Kanalufern werden Sümpfe nicht mehr überschwemmt, sondern vom Wald zurückerobert. Röhricht und Seggenried überleben nur dank mechanischer Schaufeln, Mähmaschinen und Wasserschiebern. In zahlreichen Fällen erledigt der Biber die Unterhaltsarbeiten gratis und bereichert die Stätte durch neue Strukturen und Arten, sodass der sich ausdehnende Sumpf an Wildheit gewinnt. Zudem ist der Biber sehr zurückhaltend; er zerstört seine eigenen Ressourcen nicht.
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