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Kurz vor dem Beginn des 25. UN-Klimagipfels heute in Madrid unterstreichen zwei neue Studien die Fragilität der Antarktis und ihrer Ökosysteme. Wissenschaftler vom British Antarctic Survey kritisieren zum einen die fehlende Integration von Auswirkungen des Klimawandels bei dem Management von Meeresschutzgebieten. In der zweiten Studie diskutieren sie zum anderen die Effekte von Klimawandel und den direkten menschlichen Einflüssen auf die empfindlichen Ökosysteme. Beide Studien wurden vergangene Woche im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht.
Es ist nicht viel darüber bekannt, wie gut Meeresschutzgebiete (MPAs – Marine Protected Areas) die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigen oder wie die Anpassungen an Klimaveränderungen im globalen Netzwerk der MPAs verbessert werden kann. Obwohl seine Auswirkungen geographisch nicht einheitlich sind, wird der Klimawandel die Effektivität von Schutzgebieten sehr wahrscheinlich verringern. Die Autoren der ersten Studie sind sich einig, dass der Klimawandel auch sehr wirkungsvolle Schutzmaßnahmen zunichte machen kann.
Eine der acht Empfehlungen der Wissenschaftler ist daher, in einer zentralen Datenbank aufzunehmen, ob die Anpassung an den Klimawandel bei der Gestaltung und dem Management individueller MPAs und anderer geschützter Meeresgebiete berücksichtigt wurde. Weiter empfehlen sie die Entwicklung neuer dynamischer Managementinstrumente, um eine schnellere Reaktion auf Klimawandelauswirkungen zu ermöglichen.
Laut der Ökologin Dr. Rachel Cavanagh, eine der Autorinnen, sind “die Auswirkungen des Klimawandels und des Verlusts der Artenvielfalt sind zwei der größten Herausforderungen für unsere Ozeane, doch die politischen Programme für diese Themen wurden in der Regel unabhängig voneinander entwickelt.” Weiter fordert sie, den Klimawandel aktiv als Kernanliegen in den Schutz und das Management der Meere zu integrieren.
Eine weitere Autorin, die Biogeographin Dr. Susie Grant betont, dass die Einrichtung von Schutzgebieten, die auf den Klimawandel reagieren können, besonders im Südlichen Ozean wichtig sind, wo sich das Ökosystem bereits schnell verändert. “Diese neuen Empfehlungen können dazu beitragen, die Art und Weise zu verbessern, wie MPAs genutzt werden, um sowohl den Schutz der Artenvielfalt als auch die Klimaanpassung zu verbessern”, sagt sie weiter.
Peter Convey und Lloyd Peck analysierten in der zweiten Studie vorhandene Literatur auf die doppelte Problematik von Klimawandel und den Folgen menschlicher Präsenz auf die einzigartigen antarktischen Ökosysteme, vor allem auch auf die Gefahr des Einschleppens nicht-heimischer Arten.
Besonders stellen die Wissenschaftler heraus, dass alle Parteien des Antarktis-Vertrags ihre Verpflichtungserklärung für die verantwortungsvolle Führung in der Region aufrechterhalten sollten. Der Vertrag enthält immer noch die besten Mechanismen zum Schutz und Erhalt der Umwelt.
Im Vergleich der Ökosysteme findet sich im Südlichen Ozean die zweithöchste Biodiversität, nach den Korallenriffen. Im Gegensatz dazu gehören die terrestrischen Ökosysteme der Antarktis zu denen mit der geringsten Artenvielfalt auf der Erde. Beide Ökosysteme, der den Kontinent umgebende Ozean und die Landmasse selbst, sind jedoch seit langem sehr effektiv vom Rest der Welt abgeschnitten, was viele Arten mit einzigartigen Anpassungen an ihre Umgebung hervorgebracht hat.
“Die Besucherzahlen in der Antarktis sind mit rund 50.000 Touristen und 5.000 Forschern pro Jahr noch relativ gering. Bisher wurde keine Ansiedlung von nicht-heimischen marinen Arten in der Antarktis registriert, aber die terrestrischen Ökosysteme spüren bereits die schwerwiegenden Auswirkungen eingeschleppter Arten, insbesondere auf den subantarktischen Inseln. Der Klimawandel und die zunehmende menschliche Aktivität in der Region können derart zusammenwirken, dass sich die Wahrscheinlichkeit des Ansiedelns nicht-heimischer Arten drastisch erhöht. Dies stellt eine dringliche Herausforderung dar, auf die die Führung des Antarktis-Vertrags schnell und effektiv reagieren muss, um seiner Verantwortung für einen wirksamen Schutz der einzigartigen Ökosysteme und der biologischen Vielfalt der Antarktis gerecht zu werden”, so die Einschätzung von Professor Convey.
Quelle: British Antarctic Survey, Science Advances