Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03582.jsonl.gz/1725

Johann Michael Haydn (1737–1806) war wie sein bekannterer Bruder Joseph Sängerknabe zu St. Stephan in Wien. Nachdem er die Chorschule verlassen hatte, wurde er bischöflicher Kapellmeister in Oradea (im heutigen Rumänien) beim Bischof Adam Patachich. Am 14. August 1763 wurde er zum Hofmusicus und Concertmeister in Salzburg ernannt. Später war er als Organist an der Dreifaltigkeitskirche tätig und zuletzt auch für die Dommusik und die Kirchenmusik im Kloster Sankt Peter zuständig. In Salzburg wirkte Michael Haydn 43 Jahre lang. In dieser Zeit schrieb er 360 sakrale und weltliche Kompositionen.
Michael Haydn war zu seiner Zeit ein hoch angesehener Komponist, Kirchenmusiker und Lehrer. Martin Vogt, einer seiner Studenten, schrieb in seiner Autobiografie:
Die Kirchenmusik im Kloster Sankt Peter war für einen Musiker wirklich ein Kunstgenuss. Ausser den Kirchenkompositionen von Michael Haydn und den Kompositionen von Domkapellmeister Michel wurden nur klassische Kirchenkompositionen aus ältern Zeiten aufgeführt, und zwar Messen, Vespern, Litaneien, denn täglich war Amt und Vesper mit Figuralmusik … (Martin Vogt, Erinnerungen eines wandernden Musikers)
Kompositionen von Michael Haydn
Michael Haydn war ein wichtiger Wegbereiter der geistlichen Musik. Bekannt sind seine geistlichen Chorwerke, darunter die Missa Hispanica, eine Messe in d-Moll, ein Lauda Sion und eine Reihe von Gradualien. Er war auch ein fruchtbarer Komponist weltlicher Musik. Unter anderem schuf er 41 Sinfonien, einige Instrumentalkonzerte und Kammermusik. Wie Mozart starb Haydn, ohne seine letzte Vertonung des Requiems vollenden zu können. Ausserdem gilt Michael Haydn als wichtiger Förderer des Männerchores. Martin Vogt berichtet auch darüber:
Bei den Augustinern, wo Michael Haydn alle Abende bei einem guten Bier zubrachte, war alle Abend Quartettgesang; von da ging es zur Schenke zu Sankt Peter, zu dem guten Offner Wein, und von da zu dem Hofwirt, der eine Wirtschaft nächst der Residenz hatte, denn der Fürst von Salzburg hatte für alle vier Jahreszeiten eine andere Residenz. Bei diesem Hofwirt nun, der ledig und vorzüglicher Freund der Musik war, war unsere Quartettgesellschaft sowohl für Gesang als Streichinstrumente alle Abende versammelt, und deswegen kamen auch die besten Bürger aus der Stadt dahin. (Martin Vogt, ebenda)
Eine Begründung, warum Michael Haydn weit weniger bekannt ist als sein berühmter Bruder Joseph, mag darin liegen, dass seine Werke zu seiner Lebzeit nicht verlegt wurden, sondern lediglich in handschriftlichen Kopien hauptsächlich von Kloster zu Kloster verbreitet wurden.
Orgelwerke von Michael Haydn
Ausser einem Konzert für Orgel, Viola und Streicher C-Dur sind keine grösseren Orgelwerke überliefert. Im Verlag Doblinger ist eine Sammlung von Präludien, Versetten und Cadenzen für Orgel erschienen.