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<h2>SubmittedText<h2><p>In seiner Antwort auf meine Interpellation 20.3863 schreibt der Bundesrat, dass die Verwertung tierischer Ausscheidungen durch dungverzehrende Insekten ein wichtiges Element im landwirtschaftlichen Nährstoffkreislauf darstelle. Der Bundesrat schreibt zudem, dass es nicht möglich sei, den Wert dieser Insekten zu beziffern, dass aber der Produktionswert der bodenbewirtschaftenden Landwirtschaft weitestgehend auf das Funktionieren des Bodenökosystems angewiesen sei.</p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wenn "der Produktionswert der bodenbewirtschaftenden Landwirtschaft weitestgehend auf das Funktionieren des Bodenökosystems angewiesen" ist - wie hoch ist der Produktionswert der jährlichen landwirtschaftlichen Nutzung?</p><p>2. Kann der Bundesrat erläutern, was die Formulierung "lässt sich nicht beziffern" bedeutet und welche Schlussfolgerungen sich darauf für die Agrarpolitik ziehen lassen?</p><p>3. Welche landwirtschaftlichen Methoden fördern die Diversität der Gemeinschaften dungverzehrender Insekten und anderer Organismen, welche die Bodenfruchtbarkeit gewährleisten?</p><p>4. Ist der Bundesrat bereit, künftig solche Methoden zu fördern? </p><p>5. Hat der Bundesrat - angesichts der Bedeutung, die Gemeinschaften dungverzehrender Insekten und andere Organismen für die Bodenfruchtbarkeit haben -, Organismen, die zur Bodenfauna gehören, in die Überwachung der Biodiversität in der Schweiz aufgenommen (z.B. BDM-CH / ALL-EMA)? Falls nicht: Weshalb nicht?</p><p>6. Was gedenkt der Bundesrat in dieser Sache zu unternehmen, und hat er einen Zeitplan?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Zu den Frage 1 und 2: Für das Jahr 2018 wird der Wert der Produktion von landwirtschaftlichen Gütern auf 9.4 Mia CHF geschätzt (Landwirtschaftliche Gesamtrechnung des Bundesamts für Statistik). Bodenorganismen sind essentiell für die Nährstoffumsetzung vom Boden zur Pflanze und somit für die bodengebundene landwirtschaftliche Produktion. Die Leistung von koprophagen Organismen innerhalb des Nährstoffkreislaufs lässt sich nicht getrennt von den funktionalen Leistungen andere Organismen im Boden betrachten. Auch gibt es keine monetäre Abschätzung der erbrachten Leistungen der gesamten Bodenfauna für die Schweiz. Internationale Studien legen nahe, dass solche Bepreisungen für Bodenfunktionen auf Grund divergierender Ansprüche an die Ressource Boden kaum durchführbar sind. Da Bodenorganismen eine zentrale Rolle in der landwirtschaftlichen Produktion einnehmen, spielt Bodenschutz eine wichtige Rolle in der Agrarpolitik und ist im Landwirtschaftsgesetz (LwG; SR 910.1) als Bestandteil des ökologischen Leistungsnachweises (Art. 70a LwG) verankert.</p><p>Zu den Fragen 3 und 4: Positiv auf die Entwicklung von koprophagen Organismen wirkt sich der Eintrag von organischen Düngern wie Hofdünger, Kompost oder Gärgut aus. Auch eine reduzierte Bodenbearbeitung führt im Vergleich zu Pflugverfahren zu einer wesentlich höheren Biomasse der koprophagen Organismen und der Mikroorganismen. Der bodenschonenden Bewirtschaftung wird in der aktuellen Agrarpolitik durch Ressourceneffizienzbeiträge ein hoher Stellenwert zugeschrieben. 2019 wurden Beiträge in der Höhe von 16 Mio CHF für bodenschonende Anbauverfahren ausbezahlt. Wie bereits in der Antwort auf die Interpellation 20.3863 Klopfenstein Broggini "Diese Insekten, die im Verborgenen wirken" erwähnt, schlägt der Bundesrat mit der Agrarpolitik 22+ vor, durch neue Produktionssystembeiträge weitere Anreize basierend auf den Prinzipien der konservierenden Landwirtschaft zu schaffen, welche sich positiv auf die Gemeinschaften der Bodenorganismen auswirken.</p><p>Zu den Fragen 5 und 6: Die Nationale Bodenbeobachtung NABO betreibt seit 2012 ein Monitoring der Bodenbiologie. Dieses liefert Informationen über Aktivität, Menge und Qualität der Bodenorganismen. Zur umfassenden Interpretation der bodenbiologischen Messungen werden sowohl chemische und physikalische Begleitparameter wie auch Informationen über das Klima und die Bewirtschaftung erfasst. Gemeinsam mit dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz BDM hat die NABO zwischen 2011 und 2015 an insgesamt 1200 gleichmässig über die gesamte Schweiz verteilten Standorten Bodenproben aus 0-20 cm Tiefe entnommen. Erstmals steht damit ein schweizweit konsistenter und alle wichtigen Landnutzungen umfassender Datensatz von Oberbodenproben für eine umfassende Auswertung zur Verfügung. Neben den bereits durchgeführten Analysen der Bodenkennwerte laufen zurzeit die Interpretation der DNS-Sequenzierung und die Analyse der Spurenelemente. Koprophage Gemeinschaften oder andere Bodenorganismen werden im BDM oder ALL-EMA jedoch nicht spezifisch überwacht. Der Bundesrat anerkennt zwar die Bedeutung dieser Organismen, ist aber auch bemüht, Monitoringprogramme möglichst kosteneffizient zu gestalten, weshalb nicht alle Organismen überwacht werden können.</p>  Antwort des Bundesrates.