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Forscht die Wissenschaft nach einer Lösung für ein kniffliges Problem, sucht sie gerne bei Mutter Natur. So tat dies auch Stafford Beer, Wirtschaftswissenschaftler aus London (UK), als er nach einem Organisationsmodell für Organisationen aller Art suchte. Entstanden ist dabei das «Viable System Model» (VSM, deutsch: das lebensfähige System).
Elemente und Systeme des Viable System Model (VSM)
Ein lebensfähiges System nach Stafford Beer besteht übergeordnet aus drei Elementen:
- Umwelt
- Operationseinheit und Prozess: Zweck innerhalb der Umwelt
- Management: Steuerung, Kontrolle und Überwachung
Weiter gliedert Stafford Beer das Viable System Model (VSM) in Subsysteme oder Komponenten:
- Betrieb (Operations): Wertschöpfende Aktivitäten
- Koordination (Coordination): Organisation der wertschöpfenden Systeme (1. Subsystem)
- Optimierung, Verbesserung (Optimization): Heutige Verwendung der bestehenden Ressourcen
- Entwicklung (Development): Verwendung der Ressourcen von morgen
- Einschätzung (Valuation): Grundeinschätzung sowie Zusammenspiel des 3. und 4. Subsystems
Subsystem 1: Betrieb
Der Betrieb ist eigenständig und erfüllt den Zweck der Organisationseinheit oder eines Prozesses. Die Leitung führt die Organisationseinheit mit seiner Komplexität und Dynamik weitgehend selbstständig, wobei sie insbesondere die Umwelteinflüsse angemessen berücksichtigt.
Je grösser eine Organisationseinheit innerhalb des Subsystems 1, desto eher wird ein komplettes Viable System Model (VSM) innerhalb dessen nachgebildet (System im System).
Mehrere Organisationseinheiten und Prozesse bilden zusammen das Subsystem 1; wobei Überschneidungen und Synergien durch das Subsystem 2 koordiniert werden.
Subsystem 2: Koordination
Die zweite Komponente, die Koordination, organisiert das Zusammenspiel der Organisationseinheiten oder Prozesse innerhalb des Subsystems 1. Die Serviceleister des Subsystems 2 mindert Konflikte, fördert Synergien im Sinne der Gesamtorganisation und versucht Schwankungen zu dämpfen.
System 3: Optimierung, Verbesserung
Übergeordnete Entscheidungen trifft das Subsystem 3, welches sich im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung einsetzt und für Stabilität sorgt. Es handelt im Sinne der Gesamtorganisation, wirkt integrierend innerhalb der operativen und ist Brücke zum Top-Management.
Dem Subsystem 3 ebenfalls unterstellt ist eine interne, unabhängige Auditstelle (auch System 3*, sprich drei Stern), welches direkt die Organisationseinheiten überprüft und als sich als Informationskanal für das Optimierungs- und Verbesserungssystem versteht.
System 4: Entwicklung
Das Subsystem «Entwicklung» schaut zukunftsorientiert nach vorne. Es stellt sicher, dass die Gesamtorganisation sich jederzeit den sich verändernden Rahmenbedingungen anpasst. Dafür beschäftigt es sich mit der Umwelt als Ganzes und leitet Zukunftsszenarien ab.
Markt- und Entwicklungschancen werden erkannt und Innovationsprojekte initiiert. Kommende Gefahren werden frühzeitig erkannt und der drohende Verlust durch andere Geschäftsfelder abgelöst.
Im Idealfall beeinflusst das Subsystem 4 die Umwelt aktiv mit. Weitere denkbare Bereiche des Subsystems «Entwicklung»: Geschäftsentwicklung, Mitarbeiterentwicklung, Unternehmensplanung, Strategieplanung, Markt- und Umweltanalyse, Marketingstrategie, Forschung und Entwicklung sowie andere.
System 5: Einschätzung
Das Metasystem des lebensfähigen Systems (Viable System Model) sorgt für Rahmenbedingungen und Bewertungskriterien der Subsysteme 3 und 4. Dazu gehören insbesondere Normen, Werte und Regeln, welche die Balance zwischen heute und morgen sicherstellen.
Ebenfalls legt es den Zweck der Gesamtorganisation fest und entscheidet über die strategische Ausrichtung.
Stafford Beer meinte dazu: «Der Zweck einer Organisation ist, was sie tut; und dies erkenne ich am Subsystem 1» (sinngemäss übersetzt, nicht wörtlich).
Schlusswort
Das Viable System Model ist komplexer als andere Systeme, bedient sich jedoch an bekannten und bewährten Ansätzen aus Wissenschaft und Natur. Es lohnt sich daher, es im Falle einer Restrukturierung detaillierter zu prüfen. Was in jedem Fall bleibt ist die wichtigste Ressource zu Steuerung von Systemen: Die Information.