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Kapital, Krieg und Konsum. Natürliche Ressourcen und weltweite Ungleichheiten im Zeitalter der Territorialisierung
Nie zuvor in der Weltgeschichte wurden so viele natürliche Ressourcen durch eine vergleichbare hohe Anzahl verschiedener Akteure und Institutionen ausgebeutet, beschützt, verarbeitet und gehandelt wie im 19. und 20. Jahrhundert. Die Sicherung und Nutzung natürlicher Ressourcen aus dem Tier-, Pflanzen- und Mineralienreich wurde insbesondere im territorialen Zeitalter (Charles Maier) als Grundlage staatlichen Reichtums gedeutet und mobilisierte politische und ökonomische Akteure auf lokaler, nationaler und imperialer Ebene.
Das Panel bringt jüngere und etablierte Forscher/innen zusammen, um die Geschichte und politische Ökonomie verschiedener Naturressourcen in den vergangenen zwei Jahrhunderten aufzuarbeiten. Dabei betrachtet es Ungleichheiten, Machtasymmetrien und Konflikte um Rohstoffe, und analysiert am Beispiel europäischer und nicht-europäischer Staaten den Umgang mit begrenzten Ressourcen in einer sich industrialisierenden Welt, deren Rohstoffhunger explosionsartig anstieg.
Folgende Fragen stehen im Zentrum des Interesses: Inwiefern wurden globale Ungleichheiten durch die Nutzung bestimmter Ressourcen verstärkt oder vielleicht erst kreiert? In welchem Ausmaß beinhaltete die Erschließung natürlicher Ressourcen die Anwendung von Gewalt und politischer Expansion und inwiefern war die Aneignung von Ressourcen wiederum die Grundlage für die Etablierung autoritärer Regimes und die Ausübung militärischer Gewalt? Inwiefern erfolgte für die Gewinnung von Ressourcen eine Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft und inwiefern kam es zu Spannungen zwischen politischen und ökonomischen Akteuren? Und inwiefern erlaubt Ressourcengeschichte die Etablierung von Chronologien, Zyklen und (Dis-)Kontinuitäten, die anders gelagert sind als politische Zäsuren und Umbrüche?
Diese Fragen sollen exemplarisch in den folgenden Präsentationen behandelt werden:
Nadin Heé: Thunfisch im „territorialen Zeitalter“. Die politische Ökonomie eines transimperialen Ozean-Regimes
Thunfisch dient zugleich als ökonomische Ressource und symbolisches Kapital im imperialen Wettstreit oder zwischenstaatlichem geopolitischen Ringen um die Territorialisierung der Ozeane. Durch die Linse des Thunfischs hinterfragt dieser Vortrag Charles Maiers Konzeption eines „territorialen Zeitalters“ und beleuchtet transimperiale Dimensionen der Ressource, vom Wissen über Techniken des Hochseethunfischfanges bis hin zu Arbeitsmigration und Ressourcenkriegen in der Epoche des Imperialismus und im Kalten Krieg.
Moritz von Brescius: Gummi im „synthetischen Zeitalter“. Wissenschaft und die Modifikation der Natur in autoritären Regimes
Kautschuk ist in einem doppelten Sinne eng mit der Geschichte von Gewalt verbunden: bedeutete die Ausbeutung kolonialer Wildwuchs- und Plantagenbestände oftmals Zwangsarbeit, so basiert auch der moderne, motorisierte Krieg auf dem Rohstoff Gummi. Der Vortrag untersucht anhand von natürlichem/künstlichem Gummi den Versuch autoritärer Regimes, in Zeiten der Weltkriege durch Syntheseforschung die eigene Abhängigkeit von der strategischen Ressource zu überwinden.