Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03450.jsonl.gz/1381

Homeschooling-Selbstportrait von Künstlern Teil 3
Aktualisiert: 21. Juni
Paul Signac Selbstportrait
Paul Signac
Georges Pierre Seurat
Kees van Dongen
Andy Warhol
Jean-Michel Basquiat
Selbstportrait von Arno Holz
Nur wenigen bin ich sympathisch,
denn ach, mein Blut rollt demokratisch,
und meine Flagge wallt und weht:
Ich bin nur ein Tendenzpoet!
Auf meine Reime bin ich wie versessen,
drum lob ich plötzlich die Tscherkessen,
und wüst durch mein Gehirn scherwenzen
verrückt gewordene Sentenzen.
Mein Blut rollt schwarz, mein Herz schlägt matt,
mein Hirn hat noch nicht ausgegoren,
denn meine gute Mutter hat
mich hundert Jahr zu früh geboren!
Arno Holz 1863-1929
Arno Hermann Oscar Alfred Holz war ein deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus und Impressionismus. Als seine Hauptwerke gelten die gemeinsam mit Johannes Schlaf verfassten beiden Arbeiten "Papa Hamlet" und "Die Familie Selicke" sowie der Gedichtband "Phantasus". Er hat die deutsche Lyrik revolutioniert und zu einer neuen Blüte verholfen in dem er sich abwendete von der Wiedergabe in Form von Reimen. Der Rhythmus sollte im Vordergrund stehen und den Inhalt transportieren, also das, was ausgedrückt werden soll, verstärken. In der hervorgehobenen Bedeutung des Rhythmus und der Weglassung von Strophe und Reim besteht der erste Schritt vom Naturalismus zum Impressionismus. Dabei liess er sich von der japanischen Lyrik und Dichtung inspirieren.
Geboren: 26. April 1863, Rastenburg, Polen
Verstorben: 26. Oktober 1929, Berlin, Deutschland
In den sozialen Medien finden sich heutzutage Millionen von Selfies, wie das Selbstportrait jetzt bezeichnet wird. jeden Tag fotografieren sich die Menschen, setzen sich in Pose und anschliessend ins Netz.
Warum fertigen Künstler Selbstportraits an?
Im Zeitalter der Selfie-Manie des Digitalzeitalters gilt es überall, das eigene Leben festzuhalten. Dieser Trend hat im Jahr 2014 25 Millionen Deutsche erfasst. "Aus dem 'Ich denke, also bin ich' ist ein 'Ich fotografiere, ich dokumentiere, also bin ich' geworden", schreibt Alain Bieber, Kurator der Ausstellung "Ego-Update".Die Frage nach der eigenen Identität ist eine Grundfrage der Menschheit, die sich immer schon in gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Ausdrucksformen materialisiert hat", so Bieber.
Heutzutage kommt in den sozialen Medien niemand mehr an Selfies vorbei – Bilder von Menschen, die für die Kamera posieren, ihre Hobbys darstellen oder sich mit Freunden amüsieren. Selfies halten allerdings im Unterschied zu früher nur flüchtige Augenblicke fest. Dagegen zeigen uns die Selbstportraits der Kunstgeschichte ein Stück Zeit.
Paris ist seit je der Ort, wo Kunst gemacht und gelebt wird. Hier trafen Malerfürsten aufeinander, fanden die grossen Weltausstellungen statt. Das Zentrum von Montmartre zog Maler und Schriftsteller förmlich an. Jeder Künstler und jede Künstlerin, die sich dort eine Zeit lang aufhielten, haben Spuren hinterlassen. Und viele von ihnen hinterliessen Gemälde, die wir heute in den Museen bewundern können. Ich möchte mich jetzt nicht allzu lange mit den Kunstrichtungen beschäftigen, sondern euch lediglich in Form einer kurzen Biografie Einblick in das Leben einiger Künstler geben, über ihre Gemeinsamkeiten und Freundschaften. Das Portrait soll im Vordergrund stehen.
Paul Signac 1863-1935
Selbstportrait
Paul Signac ist als Künstler dem Neoimpressionismus zuzuordnen. Er hielt sich gerne an den Küsten des Mittelmeeres auf und malte zunächst vorwiegend Landschaftsbilder, insbesondere Segelschiffe und Häfen im impressionistischen Stil, bis er den Maler Georges Seurat kennenlernte. Gemeinsam mit ihm und dem Sohn von Pissarro stellte er seine Bilder im Salon des Indèpendants aus. Schon zu seinen Lebzeiten war er ein erfolgreicher und anerkannter Künstler und erhielt verschiedene Auszeichnungen wie z.B. Kommandeur der Ehrenlegion.
Im November 1892 heiratete Signac seine langjährige Lebensgefährtin, Berthe Roblès. Er starb1935 und ist auf dem Friedhof Pere Lachaise in Paris beerdigt.
Berthe Roblès
Georges Pierre Seurat 1859- 1892
Selbstportrait
Georges Seurat wurde in Paris in eine wohlhabende Familie geboren und ist uns bekannt als der Begründer des Pointilismus. Seine Eltern lebten getrennt. Einmal in der Woche besuchte der Vater, der ein Sommerhaus besass, seine Familie in Paris.
Georges entwickelte schon früh ein ernsthaftes Interesse an der Kunst. Sein Onkel, ein Amateurmaler, unterstützte ihn und führte ihn in die Malerei ein. Seurat besuchte verschiedene Zeichenkurse und studierte die alten Meister im Louvre. Seine Ausbildung an der École des Beaux-Arts brach er ab nach einem Besuch einer Ausstellung der Impressionisten und wendete sich ab von der akademischen Malerei. Er begann, sich mit Physik, Geometrie und der divisionistischen Farbtheorie zu befassen, eine Kunstströmung des 19. Jahrhunderts, die im Rahmen des Post-Impressionismus als Reaktion auf den Impressionismus entstand. Sie beschreibt die Methode bei der die Farben vor dem Auftragen auf die Leinwand nicht gemischt, sondern nebeneinander platziert werden. Das menschliche Auge lässt diese Farbpunkte miteinander verschmelzen und vollendet das Gemälde im Kopf.
Er starb im Alter von 31 Jahren an Diphtherie und hinterliess sieben grosse, sowie 40 kleinere Gemälde und hunderte Zeichnungen und Skizzen.
Une baignade à Asnières. 1884 von Seurat
Kees van Dongen 1877-1968
zwei Selbstportraits
Kees van Dongen war ein führendes Mitglied des Fauvismus. Als niederländisch-französischer Maler war er zunächst beeinflusst vom Symbolismus, bevor er sich einem groben Pointilismus zuwendete. Zu Beginn seiner Laufbahn fand er seine Motive im Rotlichtmilieu von Rotterdam, wo er Skizzen von Sexarbeiterinnen und Matrosen anfertigte. In seinen späteren Arbeiten versuchte er, das Licht und die Atmosphäre der niederländischen Landschaft einzufangen.
Im September 1896 folgte er seiner Jugendliebe, Augusta Preitinger (Guus) nach Paris, wo er sie heiratete. Ihr gemeinsamer Sohn starb kurz nach der Geburt. Die Tochter Aurora kam 1905 zur Welt. Die Familie war arm, so das sich van Dongen oft heimlich davonschlich, um sich von den Damen am Montmartre Essen spendieren zu lassen. Er lernte dort Fernande Olivier kennen und portraitierte sie, was er seiner Frau aber verschwieg.
Fernande Olivier ( wurde später die erste feste Lebensgefährtin und Muse von Picasso von 1905-1912).
Kees van Dongen trat für kurze Zeit der Künstlergruppe "Die Brücke" bei. Während seine Frau und Tochter die Familie in Rotterdam besuchten brach der erste Weltkrieg aus. Sie kehrten nicht mehr zurück nach Frankreich und liessen sich 1921 scheiden.
Van Dongen begann eine Beziehung zur verheirateten Modedirektorin Lea Alvon, die bis 1927 andauerte. Unter ihrem Einfluss malte er provokante, freizügige Darstellungen von den Damen der Bourgeoisie, die bei der Gesellschaft sehr gefragt waren.
In den Jahren zwischen 1918 bis 1930 ( Goldene Zwanziger Jahre) war die Mode geprägt vom Einfluss der zeitgleichen Kunstströmungen, wie dem Kubismus, dem Fauvismus und Expressionismus. Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte mehr Freiheit und Gleichberechtigung für die Frauen. Röcke und Haare trug man nun unverschämt kurz. Die endlose Zigarettenspitze, sowie Perlenketten und Stirnbänder gab den Damen einen leicht mondänen Anstrich. Ihr oft provokantes Makeup liess keine Wünsche offen. Man wollte auffallen und schockieren. Das Nachtleben führte zu teils sexuellen Ausschweifungen. Es wurde viel Alkohol konsumiert und noch mehr geraucht. Paris war berühmt für seine Cafés und Tanzlokale.
Autos eroberten die Stadt. Künstler aus aller Welt strömten in die Metropole Paris. Alle wollten Spass haben, die Schrecken des Krieges vergessen.
Die Années folles (bedeutet auf Französisch „verrückte Jahre“) waren für Kees van Dongen äusserst erfolgreich. Er malte diese Leichtigkeit, portraitierte die Damen der High-Society in dem er sie kostümierte und herrichtete, was ihnen sehr gefiel. Mit dem Organisieren von Kostümbällen verdiente er viel Geld. Er erhielt Aufträge von den Grössen des Filmgeschäfts, wie z.B. Brigitte Bardot und der Tänzerin Josephine Baker, Star des Champs-Elysees Theater und Symbol der sexuellen Befreiung.
1941 erhielten van Dongen und weitere Kunstschaffende eine Einladung von Hitler, der sich gerne mit Künstlern umgab und auch selbst malte. Im Gegenzug wurden einige inhaftierte französische Künstler von den Nazis freigelassen.
Ab 1959 lebte Kees van Dongen in Monaco, wo er im Mai 1968 starb.
Josephine Baker
Brigitte Bardot von Kees van Dongen
Andy Warhol 1928-1987
Andy Warhol (Andrew Warhola) war der bedeutendste Vertreter der POP-ART. Er war Filmemacher und Verleger, sowie Grafiker und Illustrator für Mode-, Hochglanz- und Lifestylemagazine. Seine Eltern stammten aus Ungarn und hatten zwei weitere, ältere Söhne. Die Familie lebte im Armenviertel Soho. Erst 1934 zogen sie um in den Stadtteil South Oakland, in ein eigenes, einstöckiges Backsteinhaus.
Im Alter von acht Jahren erkrankte Andy schwer an Chorea Minor, einer sehr seltenen neurologischen Autoimmunerkrankung, die sich in Form von schnellen, unkontrollierten und drehenden Bewegungen, sowie psychiatrischen Veränderungen äussert.
Auf Grund einer Pigmentstörung hielt man ihn zuerst für einen Albino. In dieser schweren Zeit entwickelte er eine lebenslange tiefe Bindung zu seiner Mutter. Gleichzeitig entdeckte er sein künstlerisches Talent, begann Comics zu zeichnen und bastelte Papierfiguren.
Andy studierte Malerei und Design an der Carnegie Mellon University. Zunächst arbeitete er als Grafiker und Dekorateur. Daneben entwickelte er seine ersten Siebdrucke. Er zeichnete diverse Comic-und Cartoon Figuren, die er mit einem Blatt Löschpapier kopierte und auf ein neues Blatt übertrug, Sujets wie z.B. Mickey Maus, Superman oder Popeye, oder auch Portraits von Stars. Warhol machte die Vervielfältigung von Abbildungen zu seinem Markenzeichen. Seine bekanntesten Siebdrucke sind die Portraits von Mona Lisa und Marylin Monroe.
Das Bild "Shot Sage Blue Marilyn" wurde später auf einer Auktion für 150 Millionen Dollar verkauft.
1956 gelang ihm der Durchbruch. Mit seiner eigentümlichen Kunst schaffte er es ins Museum of Modern Art.
Mit der Zeit wurden seine Arbeiten immer skurriler. In der Serie "Death Disaster" bildete er Pressefotos von aufsehenerregenden Unfällen ab.
"White Disaster"
Ein riesiges und für die Sechzigerjahre typisches Werk des US-Künstlers Andy Warhol ist in New York für 85 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) versteigert worden. Im Auktionshaus Sotheby's wechselte »White Disaster« nach zwei Minuten und einem kurzen Wettbieten zwischen zwei Vertretern des Auktionshauses im Auftrag von Interessenten am Telefon den Besitzer. Der Schätzwert hatte sich auf mehr als 80 Millionen Dollar belaufen.
Er wollte die technische Manipulierbarkeit der Wirklichkeitswahrnehmung zum Thema der Kunst machen.(Wikipedia)
Die zu Ateliers umfunktionierten Fabrikhallen in New York waren Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen. Hier tobten sich Andy und weitere Kreative aus, feierten Partys mit Hollywood Stars, wie Jim Morrison, Mick Jagger und Bob Dylan. Die riesigen Hallen boten den übergrossen Arbeiten der Pop-Art Kunst reichlich Platz.
1966 gründete Andy die Rockgruppe "Velvet Underground", mit der er an Shows für Nachtclubs arbeitete.
Andy Warhol badete im Erfolg. Er zeigte sich auf jedem Event, häufig mit seiner Muse Edie Sedgwick.
Edie Sedgwick, Model, Schauspielerin und Muse von Andy Warhol
1968 überlebte Andy Warhol schwerverletzt und für sein Leben gezeichnet ein Attentat.
Valerie Solana, eine feministische Schriftstellerin scheiterte mit dem Versuch, Andy zu erschiessen. Sie stellte sich der Polizei. Die später geäusserte Begründung, er habe versucht, all ihre Werke zu stehlen, schützte sie nicht vor einer Verurteilung des versuchten Mordes, der Körperverletzung und illegalen Waffenbesitzes trotz ihrer traurigen Kindheit, geprägt von einem "zerrütteten Elternhaus, sexuellem Missbrauch durch den Vater und häufiger Unterbringung des Mädchens außerhalb der Familie". Sie wird für drei Jahre in eine Psychiatrie eingewiesen.
1988 wird sie in einem Hotel für Obdachlose tot aufgefunden, erstickt an einem Lungenemphysem im Alter von 52 Jahren. Sie muss schon mehrere Tage dort gelegen haben.
Valerie Solanas
Andy Warhol leidet sein restliches Leben unter den Folgen der Verwundung. Nach der Fertigstellung seines Werks "Abendmahl von Leonardo Da Vinci" stirbt er während einer Gallenblasenoperation im New York Hospital. Bis heute sind die Umstände des Todes nicht restlos geklärt.
Jean-Michel Basquiat 1960-1988
Jean-Michel Basquiat war ein US-amerikanischer Künstler, Maler und Zeichner. Er lebte in New York, seiner Geburtsstadt, in der er mit 27 Jahren an einer Überdosis Drogen starb. Er hinterliess 157 eigene Kunstwerke. Als erster afroamerikanischer Künstler schaffte er den Durchbruch in der Kunstwelt der Weissen. Seine Werke, die von Intensität geprägt sind, geben die Gefühlswelt der schwarzen Bevölkerung wieder. Zu seiner Zeit war er der Liebling der Popkultur.
Selbstportrait
Jean-Michel Basquiat wurde in eine Familie der aufstrebenden Mittelschicht geboren. Sein Vater stammte aus Tahiti, die Mutter kam aus Puerto Rico und war selbst Malerin. Schon mit vier Jahren lernte er Lesen und Schreiben, mit elf Jahren sprach er fliessend Englisch, Französisch und Spanisch. Nach der Scheidung seiner Eltern lebte er bei seinem Vater auf Puerto Rico. Jean Michel hatte kaum Freunde. Mit 16 Jahren lief er von zuhause weg nach einer heftigen Auseinandersetzung mit dem Vater, der ihn anschliessend auf die City As School für talentierte Jugendliche mit Problemen schickte. Er lernte das Spiel mit der Klarinette und des Synthesizers, spielte in einer Band und war Gast einer wöchentlich ausgestrahlten Underground-Punk-Rock Show. Er lebte abwechselnd bei Freunden und Freundinnen in Soho. Zu dieser Zeit lernte er Andy Warhol kennen.
1981 zog er mit seiner Lebensgefährtin Susanne Mallouk in eine eigene Wohnung. In atemberaubendem Tempo malte er grossformatige Bilder, die oft schon vor ihrer Fertigstellung einen Käufer fanden oder in Galerien reissenden Absatz fanden. Mit 21 Jahren war er der bisher jüngste Teilnehmer einer Documenta.
Andy und Jean-Michel verstanden sich gut. Manchmal tauschten sie Bilder miteinander. Sie bereicherten sich gegenseitig. Durch Basquiat fand Warhol zurück zur Malerei.
1983 fragte Bruno Bischofberger, ob sich Warhol vorstellen könne, gemeinsam mit Jean-Michel Basquiat und Francesco Clemente Bilder zu malen. Im Dezember des Jahres begannen sie ihre Zusammenarbeit zu dritt, die bis zum Frühjahr 1984 andauern und 15 Werke hervorbringen sollte.
gemeinsames Werk von Warhol und Basquiat
Die gemeinsamen Werke von Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat entstanden ebenfalls auf Initiative der Galerie Bischofsberger. Sie arbeiteten abwechselnd auf derselben Leinwand, füllten sie mit Symbolen ihrer eigenen Bildwelten und reagierten aufeinander. Es entstanden mehr als 130 Gemälde, wovon ca. 10% Basquiat zugeschrieben werden. Basquiat löschte gerne mit eigenen Symbolen die Logos von Warhol aus, schrieb Textfindungen darüber und löschte auch diese wieder, damit der Wunsch der Betrachter, sie zu lesen, herausgefordert würde.
Gemeinsame Werke der Beiden, im Kern unterschiedlichen Künstler, sind nun in einigen Museen ausgestellt.
1. The Modena Paintings Basquiat
Vom 21.Juni bis 27.August 2023 bringt die Fondation Beyeler eine Ausstellung mit Bilder Basquiats aus schweizerischen, amerikanischen und asiatischen Sammlungen.
und
2. Vom 5.April bis 28.August 2023 Sonderausstellung in der Fondation Louis Vuitton
Wer kann soll sich dies nicht entgehen lassen.
Katharina