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Hinter einer Front am Vormittag folgte zunehmend labilere Polarluft. Nebst Schauern und ein paar Blitzen hatte auch der Westföhn lokal einen kurzen Auftritt.
Wetter
Hinter einer Front am Vormittag folgte zunehmend labilere Polarluft. Nebst Schauern und ein paar Blitzen hatte auch der Westföhn lokal einen kurzen Auftritt.
Das markante Tief über England zog heute Sonntag via Benelux nach Deutschland. Dabei steuerte es am Vormittag ein Frontensystem, welches schon fast vollständig okkludiert war, ostwärts zu den Alpen. Die damit verbundenen Niederschläge erfassten bis am Mittag mit Ausnahme der Alpensüdseite und Graubündens fast die gesamte Schweiz. Mit der Verlagerung des Tiefs kam die Schweiz zunächst an dessen Südflanke in den Bereich einer starken Westströmung. Heute Abend und in der Nacht auf Montag, wenn das Tief weiter Richtung Balkan zieht, gelangt die Schweiz und der Alpenraum auf die Rückseite des Tiefs und die Winde drehen in allen Höhen auf Nordwest. Am Alpennordhang setzt Stau ein.
Mit der Annäherung des erwähnten Tiefs legte der Westwind im Laufe des Vormittags sukzessive zu. Er war zunächst vor allem in den höheren Lagen spürbar, setzte sich aber mit dem Durchgang der okkludierten Front mit ihren Schauern auch in die Niederungen durch. Unterstützend wirkten der vorübergehende kurze Druckanstieg sowie die Zunahme der Labilität. Im Flachland der Alpennordseite wurden Böenspitzen von 40 bis 60 km/h gemessen, an höheren und exponierten Standorten 70 bis 100 km/h oder mehr.
Nachdem die Front über Thun hinweggezogen war, stellte sich dort eine kurze, vorübergehende Phase mit Westföhn ein. Dabei sank die Westströmung, welche aufgrund des Reliefs entlang des Gantrischs geführt wurde, ins Aaretal hinunter. Dies bewirkte in Thun eine Zunahme der Temperatur auf 12 Grad sowie eine Abnahme der Luftfeuchtigkeit auf 42%. Im Vergleich dazu lagen die Temperaturen zur gleichen Zeit im Mittelland bei 9 Grad und die Feuchtigkeit um 80%. In der Abbildung unten sind die Rückwärtstrajektorien dargestellt. Sie zeigen den Verlauf der Strömung den Voralpen entlang bis nach Thun. Im Querschnitt rechts ist gut ersichtlich, wie die Luft aus einer Höhe von ca. 1500 Metern kurz vor Thun steil hinunterstürzte, was zu ihrer Erwärmung und Abtrocknung führte.
Mit dem Frontdurchgang am Vormittag zogen verbreitet Regenschauer über die Alpennordseite und das Wallis. Dahinter folgten in der zweiten Tageshälfte weitere Schauerstaffeln. Mit der Annäherung der Höhenkaltluft nahm auch die Labilität zu. Am Genfersee und in Schaffhausen entluden sich um die Mittagszeit die ersten paar Blitze, weitere Gewitterzellen folgten am Nachmittag auf der Alpennordseite. Lokal wurden auch Graupel und kleine Hagelkörner beobachtet. Eine Schauer- und Gewitterlinie zog gegen Abend ostwärts über die Alpennordseite und verursachte Sturmböen von 60 bis fast 80 km/h.
In der okkludierenden Front war noch ein Keil wärmerer Luft eingeschlossen, so dass die Schneefallgrenze nicht allzu tief war. Sie bewegte sich tagsüber zwischen 1200 und 1500 Metern. Erst am Abend und vor allem in der Nacht auf Montag wird sie mit einsetzender Zufuhr von kälterer Polarluft bis in tiefe Lagen sinken. Gleichzeitig dreht der Wind von West auf Nordwest und später auf Nord, so dass sich die Schneefälle am Alpennordhang verstärken.