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Ursprung des Umweltschutzes
Unter Umwelt wird die unbelebte und belebte Aussenwelt verstanden, die einen Organismus umgibt und auf ihn einwirkt. Obwohl Umweltthemen bereits zu Beginn des 20. Jh. von Naturschutzorganisationen aufgegriffen wurden, kam der Umweltschutz als eigene Disziplin erst später auf. In den 1960er-Jahren nahmen Verschmutzungen von Gewässern, Boden oder Luft durch den Menschen dramatisch zu. Diese Umweltbelastungen wurden nicht nur als Bedrohung für die Tier- und Pflanzenwelt wahrgenommen, sondern auch als Beeinträchtigung für Lebensgrundlagen des Menschen erkannt. Rachel Carsons 1962 erschienenes Buch «Silent Spring» (deutsch: «Der stumme Frühling») über die Auswirkungen von Pestiziden rüttelte viele Menschen auf und löste Diskussionen über die vielfältigen Beeinträchtigungen der Natur durch menschliche Tätigkeiten aus. Ein weiterer Kristallisationskeim für die Umweltbewegung war die in den 1960er-Jahren einsetzende Nutzung der Atomenergie zur Elektrizitätsproduktion mit dem bis heute ungelösten Problem der Lagerung radioaktiver Abfälle.
Umweltschutz – ein neues Feld
Der Begriff Umweltschutz kam erstmals Anfang der 1970er-Jahre auf und fasst Massnahmen zusammen, welche die Zerstörung der menschlichen Lebensgrundlagen verhindern sollen. Der politische Druck durch die Umweltbewegung wurde so hoch, dass bald Gesetze zum Schutz der Umwelt erlassen wurden. In der Schweiz wurde der Verfassungsartikel zum Umweltschutz an der eidgenössischen Volksabstimmung am 6. Juni 1971 mit 92,7% Ja-Stimmen angenommen. Inzwischen hat sich der Umweltschutz zu einer Querschnittsaufgabe von Bund und Kantonen entwickelt und betrifft fast alle Aufgabenbereiche.
Das 1972 vom Club of Rome veröffentlichte Buch «Die Grenzen des Wachstums» zeigte auf, dass der Mensch bei ungebremstem Wachstum seine eigenen Lebensgrundlagen, seine «Umwelt», zerstört und auf eine Krise zusteuert. Das Buch trug auch in der Schweiz zum Durchbruch des Umweltgedankens bei. Aus der Umweltbewegung sind verschiedene Parteien und Gruppierungen hervorgegangen, wie die Grüne Partei, die Schweizerische Gesellschaft für Umweltschutz (heute: equiterre) oder die Organisation Greenpeace. Bereits etablierte Vereine, wie der Schweizerische Bund für Naturschutz (heute Pro Natura) oder der World Wide Fund for Nature (WWF), wurden durch das neue Umweltbewusstsein gestärkt. Ihre Mitgliederzahlen stiegen ab 1970 stark an.
Umweltkatastrophen als Treiber für den Umweltschutz
Umweltkatastrophen wie die radioaktive Verseuchung als Folge des Reaktorunfalls von Tschernobyl (Ukraine) oder der Chemiebrand in Schweizerhalle – beide 1986 – zeigten, dass Umweltbelastungen die Bevölkerung direkt bedrohen und eine internationale, ja globale Dimension erreichen können. Die Katastrophen wie diese waren die Treiber für die Umsetzung vieler Umweltschutzmassnahmen. Als Reaktion auf den Brand von Schweizerhalle wurde die Störfallverordnung geschaffen, um das Risikobewusstsein im Umgang mit gefährlichen Gütern oder Anlagen zu schärfen. Zur Vermeidung weiterer Katastrophen wurden später mit dem Chemikaliengesetz (ChemG) und der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) Bestimmungen zur Regelung des Umgangs mit gefährlichen Substanzen erlassen.
Die Schädigung der Wälder anfangs der 1980er-Jahre führte zu einer Verschärfung der Luftreinhalteverordnung gestützt auf das Umweltschutzgesetz. Als Folge der Entdeckung des Ozonlochs über der Antarktis, welches zur Erderwärmung beiträgt, wurde im Montrealer Protokoll von 1985 weltweit ein Verbot jener Gase beschlossen, welche die Ozonschicht der Atmosphäre zerstören. Auch die Schweiz hat dieses Abkommen ratifiziert.
Im gleichen Boot: Herausforderung Klimawandel
Das Klima auf der Welt und in der Schweiz verändert sich. Zwischen 1880 und 2012 hat die globale Durchschnittstemperatur um 0,85 Grad zugenommen. In der Nordschweiz betrug der Anstieg in der gleichen Zeitspanne sogar 1,2 bis 1,5°C. Der Mensch wird aufgrund der Emission von Treibhausgasen, des Verbrennens fossiler Brennstoffe, der Veränderung der Landnutzung oder der Abholzung von Wäldern als wichtigster Verursacher des Klimawandels betrachtet.
Mit verschiedenen Prognosemodellen lassen sich die Veränderungen der kommenden Jahrzehnte berechnen. Die Temperaturen in der Schweiz werden weiter ansteigen, vor allem die Sommer werden wärmer. Niederschläge wird es gesamthaft weniger geben, dafür werden Extremereignisse wie Trockenperioden und Starkniederschläge immer häufiger. Auch wenn die Veränderungen nur grob vorausgesagt werden können, werden verschiedene Herausforderungen auf die Schweiz zukommen. Viele Fragen bleiben offen: Wie können wir das Austrocknen unserer Bäche verhindern? Wie bereiten wir uns auf Starkniederschlagsereignisse oder auf Trockenperioden vor?
Zauberformel Nachhaltigkeit
Der aus der Forstwirtschaft stammende Begriff der Nachhaltigkeit meint ursprünglich eine Nutzung, bei der nur soviel entnommen wird wie in der gleichen Zeit nachwächst. Bezogen auf die heutigen Umweltprobleme beabsichtigt Forderung nach die Nachhaltigkeit die gleichzeitige Umsetzung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen zum Wohl heute lebender, aber auch späterer Generationen. Vorhaben sind dann nachhaltig, wenn sie auf lange Zeiträume betrachtet im Einklang mit der Umwelt erfolgen, wirtschaftlich rentabel sind und keine sozialen Probleme verursachen. Hohe Ziele, die noch viele Herausforderungen beinhalten.
DK