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In der Woche bis zum 15. März lag die Zahl der Todesfälle in der Schweiz insgesamt noch im normalen Bereich. Das Bundesamt für Statistik (BFS) beobachtete aber in den Tagen danach einen Anstieg der Sterberate, mehr Leute starben als im Vergleich mit dem Durchschnitt derselben Kalenderwoche in den Vorjahren. So wurden für die Woche vom 16. bis zum 22. März bis zu 1287 Todesfälle erwartet, es waren dann aber 1328.
Eine Woche später bis und mit 29. März lag die Zahl der Todesfälle in der Schweiz auch bei den unter 65-Jährigen über dem erwarteten oberen normalen Wert, bei den 65-Jährigen und älteren deutlich darüber, es starben insgesamt 39% mehr Personen als erwartet. Am 5. April war bei den jüngeren Personen dann keine Übersterblichkeit mehr festzustellen. Bei den 65-Jährigen und älteren stieg die Zahl aber nochmals deutlich an: Der obere erwartbare Wert für diesen Zeitraum betrug 1240 Todesfälle pro Woche, es waren aber 1651 (+411).
Damit war der Höhepunkt erreicht, die Todesfälle nahmen nicht mehr zu und sanken wieder.
Der Ausschlag in der Kurve war Ausdruck der gegenwärtigen Pandemie. Bisher sind in der Schweiz rund 1920 Personen an Covid-19 gestorben.
In unserer Übersicht finden Sie die wichtigsten Zahlen zur Covid-19-Pandemie.
Das BFS berechnet neu die Übersterblichkeit nach Regionen. Folgende Grafiken zeigen grosse Unterschiede:
Im Tessin wurden bereits ab dem 9. März mehr Todesfälle als gewöhnlich registriert. Den Höhepunkt erreichte die Übersterblichkeit bei den über 65-Jährigen in der Woche vom 30. März: Es starben mehr als dreimal so viele Personen, wie aufgrund der Zahlen «normaler» Todesfälle der letzten fünf Jahre zu erwarten gewesen wären. In der Genferseeregion wurden am höchsten Punkt doppelt so viele Todesfälle wie normal registriert. Da dieses Gebiet mehr Bevölkerung aufweist als das Tessin, war die Genferseeregion in absoluten Zahlen am stärksten von der Übersterblichkeit betroffen.
In den Regionen Zentralschweiz, Nordwestschweiz, Espace Mittelland, Zürich und in der Ostschweiz zeigte sich nur eine leichte Übersterblichkeit.
Die Statistik des BFS zeigt die Todesfälle in der Schweiz immer mit einer Verzögerung von gut einer Woche.
Eine Analyse der «New York Times» deckte auf, dass es in vielen Ländern eine Differenz zwischen der aktuellen Übersterblichkeit und den offiziell gemeldeten Corona-Todesfällen gibt. Das heisst, es gibt eine beträchtliche Anzahl Todesfälle durch Covid-19, die nicht erfasst wurden. In der Schweiz stimmen die BFS-Sterbefallzahlen aber ziemlich genau mit den aus den Kantonen gemeldeten Corona-Toten überein, wie folgende Grafik zeigt. Die Dunkelziffer ist hier also klein bis nicht existent.
Eine hohe Übersterblichkeit (= erhöhte Sterblichkeit gegenüber dem Durchschnitt) konnte in der Schweiz zuletzt in den Jahren 2015 und 2017 festgestellt werden. 2015 deckte sich die Periode mit dem Höhepunkt der Grippewelle. Damals ereigneten sich zwischen dem 6. Januar und dem 8. Februar 2200 Todesfälle oder 17 Prozent mehr, als aufgrund der Zahlen der Vorjahre zu erwarten gewesen wäre. Die übersterblichkeit betraf fast ausschliesslich über 65-Jährige. Gemäss dem BFS galt denn auch ein Zusammenhang mit der Grippe als gesichert, obschon bei den Todesfällen nur selten Grippe direkt als Todesursache angegeben wird. Insgesamt starben 2015 schätzungsweise rund 2500 Menschen an der Grippe. In besagtem Jahr ging sogar die Lebenserwartung vorübergehend und geringfügig zurück.
Eine Übersterblichkeit, die durch eine besonders heftige Grippeepidemie bedingt war, wurde auch ab Ende 2016 während insgesamt sieben Wochen beobachtet.
Jeder Todesfall in der Schweiz muss beim regional zuständigen Zivilstandsamt gemeldet werden. Diese Daten werden dem BFS übermittelt, sodass dieses die täglich gemeldeten Todesfallzahlen kennt. Diese «beobachteten» Zahlen werden mit den «erwarteten» Zahlen verglichen. Diese Erwartungswerte werden aus den Fallzahlen der vorangegangenen zehn Jahre berechnet, die Berechnung entspricht aber nicht einfach einem Durchschnittswert, sondern berücksichtigt die Veränderung der Bevölkerung von Jahr zu Jahr. Für jeden Erwartungswert wird eine Bandbreite berechnet, innerhalb derer Schwankungen als zufällig gewertet werden.