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Die Geschichte der E. Zunft zu Schneidern in Basel
Gründung und zünftische Entwicklung
Im Jahre 1260 erhielten die Basler Schneider auf eigenes Begehren hin ihren Zunftbrief von Bischof Berthold von Pfirt. Das Original existiert leider nicht mehr, es fiel vermutlich dem grossen Erdbeben von 1356 zum Opfer. Aus Abschriften können wir erfahren, dass die „sartoris“ (lat. Bezeichnung für Schneider) ihren Meister als erste Zunft selbst vorschlagen durften, um ihn dann vom Bischof bestätigen zu lassen. Mit dem Einsitz der Zünfte in den Stadtrat wurden zu Beginn des 14. Jh. u.a. die Schneider und Kürschner in eine „gespaltene Zunft“ vereinigt. Sie blieben zwar in ihren eigenen Angelegenheiten selbständig und besassen ihre eigenen Zunftstuben. Im Rat und bei militärischen Anlässen traten sie jedoch als vereinte Körperschaft mit gemeinsamem Zunftmeister und im Feld unter einem Banner auf.
Den Basler Zünften oblag auch die Organisation des Wachdienstes entlang der Stadtmauern. Die Schneider und Kürschner waren zuständig für den Abschnitt von der Lys bis zur Steinenschanze, einem trutzigen Bollwerk mit dem Namen „Wagdenhals“. Religiösen Charakter offenbarte die Schneidernzunft auch als Bruderschaft. So verpflichteten sich die Schneider einen Teil der Zunfteinkaufsgebühren wie auch die Strafgelder in Form von Wachsgeld für die Kerzenbeleuchtung im Basler Münster zu überweisen.
Das Berufsfeld dieser Handwerkerzunft
In der Regel waren die der Zunft zugehörenden Schneider ausschliesslich Kundenschneider. Wollten sie ihre Erzeugnisse auch auf dem Markt feilhalten, mussten sie zusätzlich das Zunftrecht zum Schlüssel oder zu Safran erwerben. Eine weitere einträgliche Einnahmequelle bedeutete für sie das alleinige Recht, klerikale Gewänder, Kappen und Fahnen herzustellen. Die Reformation liess diese Quelle wieder zum Versiegen bringen. Zur Zunft gehörten zudem die Gutternmacher, die gefütterte Steppdecken herstellten, sowie die Seidensticker und die Altgewänder, die getragene Kleider instand stellten und damit handelten.
Der Arbeitstag
Der Arbeitstag in den Werkstätten war sehr lang. Im Sommer, so schrieb die Verordnung von 1466 vor, beginnt die Arbeit eines Schneidergesellen um 5 Uhr morgens und endet nicht vor 21 Uhr. Im Winter dauert der Arbeitstag von 7 bis 22 Uhr. Der Lohn war demgegenüber so gering, dass ein Geselle damit keine Familie ernähren konnte. Verheiratete Gesellen wurden daher von den Meistern nicht geduldet.
Das Zunfthaus
An der Gebergasse direkt neben der Gartnernzunft besassen die Schneider ihr Zunftlokal. Die zweistöckige Liegenschaft mit Hinterhof wird erstmals 1364 urkundlich erwähnt. Der Zunftsaal befand sich im Obergeschoss, das Parterre wurde an Handwerker vermietet. 1874 musste das Gebäude bei der Korrektur der Gerbergasse weichen, nachdem es der Kanton erworben hatte. Heute erinnert eine an der Wand befestigte Messingtafel an den Ort, wo sich das Zunfthaus einst befand. Nach einer kurzen Gastperiode im „Mueshus“ hat sich die Schneidernzunft ein ehrwürdiges und prunkvolles Domizil im Restaurant Löwenzorn am Gemsberg geschaffen, wo sie heute in guter Nachbarschaft mit den Gerbern ihre Anlässe durchführen kann.
St. Gotman-Mähli
Die Basler Schneider haben den in Cremona heilig gesprochenen Gotman (lat. Homobonus) zu ihrem Schutzpatron erkoren. Bereits im Mittelalter pflegten sie gute Geschäftsbeziehungen mit den Barchent-Händlern dieser lombardischen Stadt. Ein Denkmal dieser Verehrung stellt das Glasgemälde aus dem Jahr 1508 mit dem Bild des jugendlichen Gotman dar, der eine Schere haltend zwei Bettlern ein Almosen gibt. Die Originalscheibe befindet sich im Historischen Museum Basel, und eine Kopie hängt in der Zunftstube. Alljährlich wird am 13. November ein Mähli zur Erinnerung an Gotmans Wirken und zur Förderung des Schneiderhandwerks gefeiert. Der Zunftvorstand, der Stiftungsrat und auserwählte Gäste ehren, zusammen mit ihren Damen, ihren Schutzpatron im Intarsiensaal des Rest. Löwenzorn.
Siehe auch: www.altbasel.ch
Zunft zu Schneidern, 4000 Basel, PC-Konto: 40 - 27198-1