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Sofie Cramer stammt aus der Lüneburger Heide, geboren wurde sie 1974 in Soltau. Zum Studium der Germanistik und Politik ging sie zunächst nach Bonn, später nach Hannover. Nach ihrer Zeit als Hörfunk-Redakteurin machte sie sich selbständig. Sie lebt in Hamburg, am Waldrand, arbeitet als freie Drehbuchautorin und entwickelt Film- und Fernsehstoffe. Seit ihrem Überraschungserfolg «SMS für dich» hat sie bereits mehrere Romane unter Pseudonym Sofie Cramer geschrieben.
Lilly ist schwer herzkrank und wird von ihren Eltern mit Samthandschuhen angefasst, um sie ja nicht aufzuregen. Dabei gerät ihre jüngere Schwester Laura ein wenig ins Ausseits, was sie Lilly auch schwer übel nimmt. Lilly spielt für ihr Leben gern Cello und hat sich heimlich für ein Vorspielen in Wien... Lilly ist schwer herzkrank und wird von ihren Eltern mit Samthandschuhen angefasst, um sie ja nicht aufzuregen. Dabei gerät ihre jüngere Schwester Laura ein wenig ins Ausseits, was sie Lilly auch schwer übel nimmt. Lilly spielt für ihr Leben gern Cello und hat sich heimlich für ein Vorspielen in Wien beworben, wohl wissend, dass sie, sollte sie eingeladen werden, dort eh nie anreisen würde. Ihre Freundin Natascha aus Kindertagen hat einen Freund und wird demnächst ein Studium in Freiburg beginnen, was sie sich aber nicht traut, Lilly zu erzählen. Als diese es jedoch erfährt, ist sie ziemlich erschüttert, es wird niemand mehr da sein, der ihr zuhört oder für sie da ist, von ihren Eltern mal abgesehen. Beim Surfen im Internet gelangt sie auf eine Seite, die sich "last exit" nennt. Auf ihr tummeln sich Menschen, die suizidgefährdet sind oder anderweitig vom Leben gebeutelt wurden. Sie findet dort einen User, der sich "alleszerstörer94" nennt und schreibt ihm eine kurze Nachricht. Hinter diesem Nick findet man Len, Tischlerlehrling, der es zu Hause nicht aushält und deshalb in einem Zimmerchen bei seinem Chef wohnt. Ihn treibt eine Todessehnsucht, die ihn seit 2 Jahren nicht verlässt. Vor 2 Jahren kam sein jüngerer Bruder ums Leben, wofür er sich die Schuld gibt. Er denkt ernsthaft an Selbstmord, weshalb er sich auch auf der Seite angemeldet hat. Lilly und Len kommen ins "Gespräch", sie schreiben sich kurze Nachrichten, später dann SMS, um sofort reagieren zu können. Sie verstehen sich sehr gut, verbindet doch beide die Liebe zur Musik... Die Geschichte packt den Leser von Beginn an. Zwei Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein können. Lilly, schwerkrank, will leben und noch ganz viel erleben, wird aber durch ihr krankes Herz an allem gehindert, zumal der Gesundheitszustand bedenklich ins schwanken kommt. Len, suizidgefährdet, sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben, seit sein kleiner Bruder vor 2 Jahren ums Leben kam. Mit seinen Eltern kommt er nicht mehr klar, da er davon überzeugt ist, dass diese denken, der falsche Bruder wäre gestorben. Er kann und will mit der Last nicht mehr leben. Diese beiden treffen sich in diesem "Forum für Gestörte", wie Len es für sich nennt. Sie tasten sich aneinander an, erzählen sich ihre Ängste und Nöte, wobei Lilly damit zurückhält, wie schwer krank sie ist. Sie beginnen eine rege Korrespondenz, die sie von ihren Problemen ein wenig ablenkt, aber sie trotz allem nicht verdrängt. Lilly hat Angst, große Angst, sie hat die Zeit nicht mehr, auf ein Spenderherz zu warten, sie braucht dringend ein Kunstherz. Sie merkt selbst, wie schwer ihr alles inzwischen fällt und wie oft sie eine Pause braucht, aber ihr großes Ziel verliert sie nicht aus den Augen. Ein Studium am Konversatorium in Wien, sie würde alles dafür geben, um dort studieren zu können. Aber sie weiß, dass es bei dem Traum bleiben wird. Ihre Eltern würden sie nie dorthin lassen. Doch dann kommt das lang ersehnte Schreiben aus Wien, die Einladung zum Vorspielen. Sie lässt Len an ihrem Kummer teilhaben, der prompt einen Entschluss fasst. Die beiden Protagonisten muss man einfach mögen, man kann gar nicht anders. Lilly, anfangs ängstlich, wagt unglaublich viel, um wenigstens einen Teil ihres großen Traums wahr werden zu lassen. Dabei hilft ihr Len, dem durch Lilly bewusst wird, wie kostbar und wertvoll das Leben ist, das er beenden wollte. Er erfüllt Lilly einen Traum, er wächst über sich selbst hinaus. Er trifft Entscheidungen und übernimmt Verantwortung, die fast zu viel ist für ihn. Mehr als einmal kommen ihm Bedenken, ob es richtig ist, was er macht, aber er will Lilly nicht enttäuschen. Musik verbindet Menschen miteinander, so auch in diesem Buch. Aus zwei völlig Fremden, die sich aus den unterschiedlichsten Beweggründen in einem ungewöhnlichen Portal im Internet angemeldet haben, entsteht eine Freundschaft, die ungewöhnliches vor sich hat. Der Schreibstil der Autorin ist ausgesprochen angenehm zu lesen. Die Kapitel sind unterteilt in die Übertitel Len und Lilly, so dass der Leser das Geschehen jeweils aus den beiden Perspektiven betrachten kann. Man nimmt teil an den Ängsten und Sorgen der Protagonisten und auch an ihren Gedanken. Man ängstigt sich gemeinsam mit Lilly um ihre Gesundheit und fühlt mit Len wegen seiner Vergangenheit. Lange bleibt im Ungewissen, wie sein kleiner Bruder ums Leben kam, so dass der Leser länger im Unklaren gelassen wird, ob er Schuld an dessen Tod ist oder nicht. Für mich ist dies das erste Buch der Autorin und ich denke, nicht das letzte. Ich war emotionsmäßig ziemlich angespannt beim Lesen, denn das Thema Tod lauerte immer im Hinterkopf. Ein großer Traum und ein großes Wagnis - ein Buch, das man lesen sollte. Ich empfehle es sehr gern weiter.
>>Zwischen all diesen widerstreitenden Gefühlen war auch ein winziges Fünkchen Hoffnung - auf Geborgenheit, auf Zweisamkeit, auf Neuanfang. Bedeutungslos für die Welt, aber es war eine Hoffnung, die für Lilly die Welt bedeutete.<< Lilly ist seit früher Kindheit schwer krank und führt daher ein Leben, das durch ihre fürsorglichen,... >>Zwischen all diesen widerstreitenden Gefühlen war auch ein winziges Fünkchen Hoffnung - auf Geborgenheit, auf Zweisamkeit, auf Neuanfang. Bedeutungslos für die Welt, aber es war eine Hoffnung, die für Lilly die Welt bedeutete.<< Lilly ist seit früher Kindheit schwer krank und führt daher ein Leben, das durch ihre fürsorglichen, ängstlichen Eltern sehr eingeschränkt wird. Len hat vor ein paar Jahren einen schweren Verlust erleiden müssen, für den er sich die Schuld gibt. Beide haben jeweils auf ihre eigene Weise mit dem Tod zu tun und schließlich führt das Schicksal sie durch genau diesen Umstand zusammen. Mehr möchte ich zu diesem Buch eigentlich gar nicht schreiben, denn ich würde mit all meinen Gedanken und Gefühlen, die dieses Buch in mir geweckt hat (... und das waren wirklich viele), nur die Spannung beim Lesen herausnehmen! Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, aber trotz eines ausgefeilten und stimmigen Plots hatte ich zunächst Probleme, in die Geschichte reinzukommen. Erst die zweite Hälfte des Buches hat mich richtig gefesselt. Die Geschichte wird aus wechselnder Perspektive erzählt, so dass man einen guten Einblick in die jeweiligen Gefühlswelten bekommt, obwohl ich diese auktoriale Erzählweise eigentlich nicht so unbedingt mag. Die beiden Protagonisten sind sehr liebenswert und authentisch gezeichnet. Wir können förmlich miterleben, was beide für eine Entwicklung im Laufe der Geschichte durchmachen. Auch die Nebencharaktere sind gut gelungen. Manche Gedanken von Lilly waren so realistisch, authentisch, abgeklärt, grüblerisch und traurig, dass ich nicht nur einmal beim Lesen Tränen in den Augen hatte. Das Ende... Ich war bis zum Schluss nicht sicher, wie die Geschichte ausgehen würde. Der Titel lässt sich für mich in zwei Richtungen interpretieren und grade die letzten Seiten ließen mich dann einen anderen Ausgang vermuten. Mehr will ich nicht sagen..., lest selber! Auch wenn es durch die wenigen Kleinigkeiten, die ich hier als 'Kritik' aufgeführt habe, anders erscheinen sollte, ist „Der Himmel kann warten“ ein lesenswertes Buch, das ich durchaus empfehlen kann. Fazit: Eine traurige und gleichzeitig hoffnungsvolle Geschichte, die sehr ans Herz geht und die einem noch lange im Kopf herum spukt...!