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Hochgeachteter Herr.
Schreiben Sie es der Vaterlandsliebe eines von der Repräsentation in den Bundesbehörden ausgeschlossenen Standes zu, wenn ich es wage, Ihnen einen sehr vorläufigen Gedanken mitzutheilen, und entschuldigen Sie es mit meinem großen Vertrauen gegen Sie, wenn ich Ihrer Prüfung vorlege, was doch nur dem Eingeweihten zu beurtheilen möglich ist.
Ich würde vorschlagen: Die Bundesversammlung, in Erwägung 1., daß sie vollkommen berechtigt ist, die an der Schulderhebung zu Neuenburg Betheiligten strafrechtlich richten zu lassen, 2. daß die Bundesverfassung, indem sie den republicanisch umgestalteten Kanton Neuenburg in sich aufnahm, dieses nicht thun konnte, ohne über frühere Rechte des Königs von Preussen hinwegzusehen, für welche über Ersatz oder Genugthuung sich zu vereinbaren, bisher leider nicht möglich geworden ist. 3. Daß die Amnestirung der wegen jener Schulderhebung strafrechtlich Verfolgten, sowie die Niederschlagung eines Processes, in welchem, wie weit Preussische Beamtete complicirt seien, vermittelt werden müßte, als ein bedeutender Beitrag der erwähnten Genugthuung zu betrachten ist, wie denn auch die drei Mächte in dieser Meinung die Freilassung der Gefangenen dringend bevorwortet haben. 4. Daß die Schweiz für Erhaltung des Europäischen Friedens auch ihrerseits mitzuwirken hat, beschließt:
1. Die wegen der Schulderhebung – – strafrechtlich Verfolgten sind sofort frei zu lassen und unter Eidgenössischem Schutz sicher über die Grenze zu geleiten. 2. Der Bundesrath, welchem seine feste Fürsorge für die Interessen des Vaterlands verdankt wird, obwohl seine Intentionen nicht im vollen Maaße schon erreichbar erfunden worden sind, ist beauftragt, über eine definitive Vereinbarung betreffend Ersatz für die frühern Rechte des Königs von Preussen zu unterhandeln. | Ob so etwas möglich ist, wissen Sie besser als ich, und haben bessres ohne Zweifel schon vorbereitet. Es scheint aber, so kämen wir aus der schwierigen Krisis für einmal heraus und hätten den Standpunkt festgehalten, daß nicht von Herstellung sondern nur von Sicherung weggefallener Rechte der Krone Preussen die Rede sei.
Kampf auf Leben und Tod käme erst, wenn man uns Neuenburg entreissen und den Bund umstoßen wollte. Jetzt wäre er verfrüht.
Verzeihen Sie, daß ich Sie mit diesen Zeilen behellige. Gott segne Ihr Wirken
Zürich 29 Dec 1856
Ihr vertrauensvoll ergebener
Dr. Alex. Schweizer