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Nicht nur im Vergleich zu Frankreich, Italien und Deutschland ist Uruguay eine sehr junge Weinbaunation. Auch im Gegensatz zu anderen Ländern Südamerikas hat man in Uruguay erst recht spät mit der Kultivierung von Weinreben begonnen. Die ersten Reben gelangten zu Beginn des 18. Jahrhunderts in das Land am Atlantischen Ozean, das zwischen Brasilien und Argentinien zu finden ist. Weinbau in Uruguay entstand unter dem Einfluss von europäischen Einwanderern.Mehr lesen
Nicht nur im Vergleich zu Frankreich, Italien und Deutschland ist Uruguay eine sehr junge Weinbaunation. Auch im Gegensatz zu anderen Ländern Südamerikas hat man in Uruguay erst recht spät mit der Kultivierung von Weinreben begonnen. Die ersten Reben gelangten zu Beginn des 18. Jahrhunderts in das Land am Atlantischen Ozean, das zwischen Brasilien und Argentinien zu finden ist. Weinbau in Uruguay entstand unter dem Einfluss von europäischen Einwanderern, die zumeist aus Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland nach Südamerika gelangten. 1819 kam ein gewisser Pascual Harriague im französischen Baskenland zur Welt, der 1840 in das heutige Uruguay auswanderte und in der Region Salto siedelte. 1870 liess er zahlreiche Setzlinge der Sorte Tannat aus Frankreich einschiffen. Diese setzte er auf 200 Hektar Rebfläche und begründete damit den kommerziellen Weinbau in Uruguay. Zur Erinnerung an den Wein-Pionier wird die Tannat-Rebe auch heutzutage noch oft Harriague genannt. Mit 36% Rebfläche ist sie auch die meist angebaute rote Rebsorte des ausgewiesenen Rotwein-Landes Uruguay. Wein aus Uruguay wird in zwei Kategorien unterteilt. Die untere Stufe wird als „Vino común“, kurz VC, bezeichnet. 90% aller in Uruguay gekelterten Weine gehören zu dieser Kategorie, meist sind es Roséweine, die mit deutschem Landwein vergleichbar sind. Für den Export sind diese Weine nicht vorgesehen. Dorthin gelangen wiederum nur Weine der zweiten Kategorie: „Vino de calidad preferente“, kurz VCP, ist Qualitätswein, der nur aus Edelreben hergestellt werden darf. Die Herstellung und der Ausbau der Weine werden streng vom Instituto Nacional de Vitivinicultura (INAVI) kontrolliert.
Viel Wein wird in Uruguay nicht produziert. Gerade einmal 10.000 Hektar sind mit Reben bestockt. Dennoch ist Uruguay in Südamerika der viertgrösste Weinproduzent. Nur Argentinien, Chile und Brasilien produzieren mehr Wein. Insgesamt gibt es fünf Anbaugebiete in Uruguay, diese werden der Einfachheit halber lediglich als nördliches, nordwestliches, südwestliches, südliches und mittleres Gebiet bezeichnet. Das südliche Gebiet befindet sich im Umkreis um die Hauptstadt Montevideo im Department Canelones und ist das grösste der Weinanbaugebiete. Über 60% der gesamten Weinproduktion wird hier gekeltert. 16 der 19 Departments widmen sich dem Weinbau. Dabei liegen die meisten Flächen entlang der Flüsse Uruguay und Rio de la Plata. Dank der Flüsse und des Einflusses des Atlantiks ähnelt das Klima in Uruguay sehr dem des Bordeaux oder dem Klima im Médoc. Die Jahresdurchschnittstemperatur von 18 bis 20° Celsius und über 220 Sonnentage lassen den Wein optimal reifen. Der Boden besteht zum grössten Teil aus lockeren Sand- oder Lehmböden. Der Wein aus Uruguay ist dem Bordeaux sehr ähnlich. Der klassische Weinstil wird auch durch traditionelle Ausbaumethoden geprägt. Die zumeist roten Weine gären zunächst auf der Maische und reifen dann im kleinen Holzfass (auch Barrique genannt). Nur ein kleiner Teil der Weine aus Uruguay wird exportiert. Über 90% trinken die Menschen in Uruguay selbst. Mit einem pro Kopf-Verbrauch von 32 Litern im Jahr wird in Uruguay mehr Wein konsumiert, als das zum Beispiel in Argentinien. Wein der für den Export vorgesehen ist, ist meist von sehr hoher Qualität. Dies ist die einzige Möglichkeit für das kleine Land, sich gegen die grosse Konkurrenz aus den Nachbarstaaten durchzusetzen. Uruguay hat sich auf den Export nach Brasilien, in die USA und Kanada spezialisiert. Neben einheimischen selbstständigen Winzern, die in der Regel nur wenige Hektar bewirtschaften, gibt es in Uruguay immer mehr Joint Ventures zwischen uruguayischen Winzern und grossen, internationalen Produktionsfirmen. Hier können unter anderem LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy), Château Pape Clement oder die Bright Brothers aus Australien genannt werden.
Die Mehrzahl der Weinreben Uruguays wächst im Gebiet um die Hauptstadt Montevideo. Hier allerdings machen das kühle, regnerische Klima und die Tonböden es den Weinen nicht einfach. Die robuste, dickschalige Tannat-Rebe hat sich vor allem durchgesetzt, gefolgt von Sauvignon Blanc, Cabernet Franc und Merlot. Führende Erzeuger des südamerikanischen Landes sind Juanicó und Pisano, während man bei Bouza auf raffinierte Boutiqueweine setzt. Ebenfalls sollte man die Bodega Garzón (mit ihrem italienischen Berater Alberto Antonini), Alto de la Ballena, Finca Narbona und Marichal gut im Auge behalten. Sehr lohnenswert sind ebenfalls Carrau, Castillo Viejo, Filguiera, Stagnari, Toscanini und Viñedo de los Vientos.