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Fast so abenteuerlich wie die Expedition, die Jakob Lauper 1863 in seiner Schrift «Umständlicher Bericht über die Expedition und den Tod des Herrn Whitcombe» beschreibt, verlief auch das Schicksal seines Berichts selbst. Erstmals ist dieser nun im Original und im Wortlaut zugänglich.
In der Schweizer Garde
Herausgegeben hat die Schrift das Kulturzentrum der päpstlichen Schweizergarde in Naters. Vor seinem Neuseeland-Abenteuer war Lauper nämlich 1835 kurz auch in der päpstlichen Garde in Rom. Das Gardemuseum in Naters widmete 2008 seinem prominenten Gardemitglied eine Ausstellungsvitrine mit Erinnerungsstücken. Dazu gehörte auch eine Kopie von Laupers Expeditionsbericht.
Die jetzige Publikation entstand in Zusammenarbeit mit der neuseeländischen Historikerin Hilary Low, Werner Bellwald, Kurator des Gardemuseums sowie Hans Kalbermatten, einem Spezialisten für Handschriften. Hilary Low hatte die Originalhandschrift, die heute in der neuseeländischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird, für ihre Doktorarbeit transkribiert. Damian Zingg, Autor des historischen Romans «Zagi», hat für die Schrift «Hunger und Gold» die Einleitung geschrieben und neue Forschungsergebnisse zu Jakob Lauper zusammengefasst.
Bis nach Christchurch
In Goldgräberstimmung war Jakob Lauper aus Giffers 1859/60 Richtung Australien aufgebrochen und liess sich schliesslich in Neuseeland nieder. Kurz vor seiner Abreise hatte er noch bei einer Freilichtaufführung von Schillers Wilhelm Tell in Rechthalten die Rolle des Stauffachers gespielt.
In Neuseeland angekommen, erhielt er 1863 das Angebot, den englischen Ingenieur Henry Whitcombe zu begleiten. Dieser hatte den Auftrag, auf der südlichen Halbinsel einen Weg von der Ostküste (Canterbury) über den vergletscherten Bergzug nach der Westküste zu erkunden. Von dort waren Goldvorkommen gemeldet worden. Henry Whitcombe kam bei dieser Expedition in einem hochgehenden Fluss ums Leben. Jakob Lauper kam mit dem nackten Leben davon. Über diese Expedition verfasste Lauper zuhanden der englischen Regierung einen Bericht.
Deutsch und Kurrentschrift
Dass das Original von Jakob Laupers Bericht auf Englisch geschrieben war, beruhte offensichtlich auf einem Irrtum. Es ist das Verdienst der Historikerin Hilary Low, einer Neuseeländerin, die Englisch und Deutsch studiert hat, dass seit wenigen Jahren Klarheit über das Schicksal von Jakob Lauper und seinen Expeditionsbericht herrscht.
Verschiedentlich war von Wissenschaftlern auf Grundlage des englischen Berichts versucht worden, die Expedition von Whitcombe/Lauper zu rekonstruieren. Zuletzt 1963 von John Dobree Pascoe. Doch immer wieder stiess man auf Hindernisse. Hilary Low hat diese in ihrer Dissertation aus dem Weg geräumt.
Jakob Lauper hatte seinen Bericht 1863 nämlich auf Deutsch und in Kurrentschrift verfasst. Als dieser fertiggestellt war, wurde er von Robert Holmes, einem Iren, der einen Teil seiner Schulen in Deutschland besucht hatte, ins Englische übersetzt. Auf welche Schwierigkeiten jemand gestossen sein muss, der des Deutschen kaum mächtig war, lässt sich erahnen, wenn man Hilary Lows Beurteilung von Laupers Sprache liest: «Der Gesamteindruck ist ein sonderbarer und farbiger deutscher Text mit einem unverwechselbaren neuseeländischen Einschlag, welcher auch seine Schweizer oder deutschen Leser verschiedentlich vor Rätsel gestellt hätte.» Wenn man das Original genauer analysieren würde, stiesse man wohl gar auf senslerdeutsche Wendungen.
Lückenhafte Übersetzung
Die englische Übersetzung kam entsprechend heraus. Hilary Low hält dazu fest: «Aus Gründen, die nicht ganz klar sind, hat Holmes eine bedeutende Zahl von Laupers Wörtern, Sätzen und gar ganzen Abschnitten weggelassen. Sie hält fest, dass Holmes Übersetzung Laupers Text überhaupt nicht gerecht wird und zu den Fehlinterpretationen seines Expeditions-Tagebuches als Bericht über eine Erkundung in die südlichen neuseeländischen Voralpen führten.
Im Rahmen ihrer Doktorarbeit hat Hilary Low das Original von Jakob Laupers Expeditionsbericht transkribiert. Anschliessend hat sie den deutschen Text neu ins Englische übersetzt. Durch diese Neuübersetzung konnten die Schwierigkeiten, die bislang eine Rekonstruktion der Expedition verhinderten, aus dem Weg geräumt werden. Ein Missverständnis geht zulasten von Jakob Lauper, der sich in einer Ortsangabe getäuscht hatte. Doch die übrigen Missverständnisse entstanden aufgrund der mangelhaften Übersetzung durch Holmes. Zu seinem 200. Geburtstag ist nun Jakob Laupers Bericht, der gar Eingang in Jules Vernes Science-Fiction-Roman «Die Kinder des Kapitän Grant» Eingang gefunden hat, in seine alte Heimat zurückgekehrt.
«Hunger und Gold. Das Leben des Neuseelandpioniers und früheren Schweizergardisten Jakob Lauper (1815–1891) und sein Expeditionsbericht aus den Alpen Neuseelands von 1863 im Originalwortlaut.» Zentrum Garde, Naters 2015. (Veröffentlichungen des Kulturzentrums der päpstlichen Schweizergarde, 4). 135 S. Im Buchhandel erhältlich.
Jakob Lauper: Viel bestaunter Rückkehrer
E inige Jahre nach der Expedition mit Henry Whitcombe zog es Jakob «Zaaggi» Lauper wieder nach Giffers, in die Heimat zurück. Offensichtlich hatte er die Absicht, seine Familie nach Neuseeland zu holen. Doch diese weigerte sich. Nach dem Tode seiner Frau und der Heirat seiner beiden Söhne brach er deshalb um 1879 allein wieder nach Neuseeland auf, und seine Spur verlor sich. Aus dem vor einigen Jahren entdeckten Todesschein geht hervor, dass Jakob Lauper am 20. Mai 1891 in Napier, auf der Nordinsel, an einer Herz- und Lungenkrankheit gestorben ist. Bis kurz vor dem Tod arbeitete er ziemlich verarmt als Leuchtturmwächter. Der 76-Jährige wurde auf dem Friedhof von Napier, auf dem Teil, der für Mitglieder nicht anglikanischer Konfession bestimmt war, beerdigt.
Offensichtlich hatte Jakob Lauper bei seiner Rückkehr nach Giffers auch englischsprachige Zeitungen mitgebracht, die von seinem Abenteuer mit Whitcombe berichteten. Unter dem Titel «Reisen und Erlebnisse des Hrn. Jakob Lauper von Giffers (Kt. Freiburg), in Neu-Seeland (Australien)» hat die Freiburger Zeitung in ihrem Feuilleton (21. Januar bis 15. März 1871) Auszüge aus dem Bericht von Jakob Lauper an die englische Regierung veröffentlicht. In der Einleitung schreibt der Redaktor: «Wenn riesenartige Unternehmen, wenn grossartige Reisen für den Leser stets ein ganz besonderes Interesse boten, so sind wir überzeugt, dass nachstehende Schilderung, die wir nach dem eigenen Bericht Hr. Laupers an die englische Regierung in deutscher Übersetzung wieder geben (der Urtext ist englisch) für unsere Landsleute und für jeden Leser der ‚Freiburger Zeitung’ nicht ohne Werth ist.»
Die Veröffentlichung des Berichts muss tatsächlich auf einiges Interesse gestossen sein. Hat sich doch der damalige Besitzer der «Freiburger Zeitung», der Drucker Philipp Häsler, noch im gleichen Jahr entschieden, das Feuilleton als Separatdruck herauszugeben.
In einem Kapitel erwähnt
German Kolly hat später Jakob Lauper im Rahmen seiner Geschichte der Pfarrei Giffers ein Kapitel gewidmet (vergleiche Beiträge zur Heimatkunde, 6, 1932, Seite 51ff). Jean-Joseph Burdel, ein Goldgrä- ber und Neuseelandfahrer wie Lauper, veröffentlichte den Bericht in der Révue de la Suisse catholique. In einer Fussnote hielt er ebenfalls fest, dass er den Text aus dem Englischen übersetzt habe. ja