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Wenn Schadenfreude ansteckt - Wettbewerbsdynamik mildern
Zwar beschäftigt sich die Philosophie bereits seit Aristoteles mit der Schadenfreude. Sie wurde aber in der modernen Organisationsforschung kaum untersucht.
Gemäss einer internationalen Forschungsgruppe um die Psychologin Jamie Gloor von der Universität Zürich könne Schadenfreude schnell ganze Teams anstecken und einen Teufelskreis der Missgunst in Gang setzen: «Ist Schadenfreude unter Mitarbeitenden plötzlich verbreitet, wird auch asoziales Verhalten normal», schreibt Jamie Gloor. Der Nährboden dafür sei eine kompetitive Arbeitsumgebung. Moderne Organisationen förderten nämlich nebst positiven sozialen Erfahrungen wie Kameradschaft und Unterstützung auch Wettbewerbsdenken, Neid und Spannungen. Diese negativen Dynamiken erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass gewisse Beteiligte von asozialem Verhalten profitieren – ganz nach der Logik «dein Leid ist mein Gewinn». Oft richte sich Schadenfreude gegen Mitarbeitende, die leistungsmässig herausragen und beneidet werden.
Die Forschenden sprechen von «gerechtfertigter» Schadenfreude, wenn das Opfer sein Leid in den Augen der Beobachtenden verdient hat − etwa, weil es sich vorgängig selbst falsch verhalten hat. In Abgrenzung dazu fühlt man «ambivalente» Schadenfreude, wenn das Vergnügen am Leid anderer durch Schuld- und Schamgefühle getrübt wird. Insbesondere die als gerechtfertigt empfundene Schadenfreude könne ansteckend wirken und dazu führen, dass die Person, auf welche die Schadenfreude abzielt, unfair behandelt wird − etwa, indem ihr Hilfe verweigert oder sie aktiv ausgeschlossen werde.
Die Forschungsgruppe gibt eine Reihe Empfehlungen ab, um die Wettbewerbsdynamik in Organisationen und damit die Schadenfreude abzumildern. Sie raten Führungspersonen, teamorientierte statt individuelle Anreize zu fördern und faire Richtlinien und Abläufe zu implementieren, um potenziellem Neid gegenüber Leistungstragenden entgegenzuwirken. Zudem sollten sie ein besonderes Augenmerk auf die Meinungsführenden innerhalb sozialer Gruppen richten, um die Ausbreitung der Schadenfreude einzudämmen.