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Brasiliens staatliches Ölunternehmen Petrobras hat mit Öl- und Gaserkundungen in einem der abgelegensten Teile des Amazonasgebietes begonnen. Mehrere isoliert lebende Völker sind davon bedroht.
Lokale Quellen berichten, dass Petrobras 15 Bargen-Kähne mit Hochleistungsgeneratoren, Leitungen und Bohrgeräten auf dem Tapauá-Fluss im Bundeststaat Amazonas in Position gebracht hat. Die Erkundungen finden in der Nähe von insgesamt sieben indigenen Territorien statt, darunter die Gebiete der Suruwaha, Banawa, Deni und Paumari.
Obwohl Brasiliens Verfassung das Recht indigener Völker garantiert, zu Projekten, die ihr Land betreffen, konsultiert zu werden, hat Petrobras keine Konsultationen mit der indigenen Bevölkerung des Gebietes durchgeführt. Auch FUNAI, Brasiliens Indianerschutzbehörde, wurde über die Arbeiten von Petrobras nicht informiert, obwohl einige Völker in dem Gebiet sehr abgeschieden leben und erst seit kurzem Kontakt mit Außenstehenden haben.
Auf Nachfrage zu Petrobras jüngsten Erkundungen im Tapauá-Flussbecken behauptete Brasiliens Nationale Ölagentur, dass “von dieser Behörde keine Öl- und Gaserkundungen in dieser Region ausgeschrieben oder autorisiert wurden”.
In einem Brief an Brasiliens Staatsanwaltschaft betonten brasilianische Experten das anerkannte Recht indigener Völker auf Konsultationen und warnten, dass über 1.300 Personen durch das Projekt “unumkehrbare Auswirkungen erleiden müssten”. Eine Kongressabgeordnete und ein Senator haben von dem Kongress eine Stellungnahme erbeten.
Die Erkundungen könnten auch für die Hi Merimã, ein unkontaktiertes Volk, das in der Nähe lebt, verheerend sein. Unkontaktierte Völker sind wegen ihrer Abgeschiedenheit oft Krankheiten wie Grippe schutzlos ausgeliefert.
In den1970er und 80er Jahren erkundete Petrobras auch im Javari-Tal, welches die höchste Konzentration unkontaktierter Völker weltweit aufweist. Mehrere unkontaktierte Indigene sowie FUNAI und Petrobras-Mitarbeiter kamen durch die Konflikte, die die Ölerkundungen erzeugten, ums Leben.
Vergangenes Jahr bekräftigten indigene Völker im Javari-Tal ihre Ablehnung jeglicher Ölerkundungen auf ihrem Land oder in der Nähe davon. In einem Brief warnten sie, dass sie die damalige Tragödie nicht noch einmal erleben wollen, als Petrobras “[ihre] Häuser und Gärten zerstörte, [ihre] Seen und Flüsse sprengte und die Quellen verschmutzte, was zum Tod zahlreicher Indianer führte, Krankheiten in [ihre] Gemeinden und Malaria in die Region brachte und eine Ansammlung an Müll in das Gebiet spülte, die die Flora und Fauna beschädigte”.
Survival International hat Petrobras aufgefordert, die Arbeiten in der Region sofort zu stoppen.
Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Brasilien ist bereit und gewillt das Leben unschuldiger Indigener im gierigen Gedrängel um Profit zu opfern. Brasiliens Wirtschaftswachstum geht mit riesigen menschlichen Kosten für das Leben und die Lebensgrundlage seiner indigenen Völker einher. Sie können sich sicher sein, dass das Vordringen in das Gebiet unkontaktierter Völker Krankheiten, Tod und Verwüstung mit sich bringt. Dies ist Brasiliens dunkle Seite.”
PRESSEMITTEILUNG SURVIVAL INTERNATIONAL » Lesen Sie diese Meldung online