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Farnsburg
(Kt. Basel Land, Bez. Sissach, Gem. Buus). 710 m. Burgruine, am N.-Hang des Farnsbergs u. 1,3 km ssö. über Buus.
Die
Farnsburg, auch etwa Varsperg genannt, hat wohl nicht vom Farnkraut den Namen bekommen. Dagegen spricht
das s, das vielmehr auf einen Personennamen der
Wurzel far, althochdeutsch faran = fahren hinweist (vergl. den
Hof Farisberg
bei
Mümliswil). Die Burg ist eine Gründung der
Grafen von
Thierstein, jenes mächtigen Ministerialengeschlechtes, das seine
Stammburg
Alt-Thierstein im
Frickthal hatte. Am Anfang des 12. Jahrhunderts baute sich ein
Graf Rudolf von
Thierstein in deren Nähe die Burg Alt-Homburg, so dass sich von da an die Familie in die beiden Zweige
Alt-Thierstein und
Alt-Homburg spaltete.
Dieser bekleidete bis gegen Ende des 12. Jahrhunderts die Reichs- oder Schirmvogtei über die Basler Kirche und starb um 1225 aus. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts vermählte sich Graf Rudolf v. Alt-Thierstein mit Bertha von Sogern oder Soyhières, einer der beiden Erbtöchter des mächtigen Grafen Udalard von Sogern oder Soyhières, und erwarb sich dadurch bedeutende Besitzungen an der Birs. Deshalb gründete sein Sohn Rudolf im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts bei Büsserach die Burg Neu-Thierstein, wo die Nachkommen in der Folge verblieben.
Gegen Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts muss es wieder zu einer Teilung gekommen sein. Rudolf von Thierstein († 1318) erhielt Thierstein und Pfeffingen, die nun 200 Jahre in dieser Familie vererbten, bis der letzte des Geschlechtes, Graf Heinrich, am die Augen schloss, worauf Pfeffingen an den Bischof von Basel und Thierstein an Solothurn fiel. Der Bruder des genannten Grafen Rudolf, Graf Sigmund von Thierstein, erlangte die östlichen Besitzungen des Hauses und setzte sich 1309 mit seinen Vettern wegen der Hörigen auseinander. Doch mag die Teilung noch keine vollständige gewesen sein, da im gleichen Jahre beide Brüder bei einem Verkauf in Ormalingen als Lehensherren erscheinen.
Um diese Zeit muss
Farnsburg entstanden sein. Das Gründungsjahr meldet keine Urkunde; doch wird 1307 von Gütern prope Varnsberg
und 1310 von
Buus unter Varnsberg gesprochen. Dass darunter die Burg und nicht der gleichnamige Berg gemeint
sei, geht wenigstens aus der letzten Stelle unzweifelhaft hervor. Beim grossen Erdbeben von 1356 stürzte das
Schloss ein,
wurde aber in der Folge von einem andern
Grafen Sigmund nur um so grösser wieder aufgebaut. Dieser war Landgraf im Sis- und
Buchsgau,
Herr zu
Farnsburg, Pfandherr zu
Olten,
Herr zu
Aarburg,
Bipp,
Wiedlisbach, Erlisburg,
Dornach und
Alt-Homburg u. hatte
Güter bei Freiburg
i. Ü. Auch als er 1383 gestorben, waltete noch 20 Jahre lang Gräfin Verena, geborene von
Nidau, umgeben von einer stattlichen Kinderzahl, auf dem
Schlosse.
Aber mit ihrem Tode 1402 brach das Geschick jäh herein. Denn ihr letzter Sohn Otto lebte nur noch bis 1418 mit
Hinterlassung einer Tochter, Claranna, die sich mit Hans Friedrich von
Falkenstein vermählt hatte. Dieser wurde nun
Erbe.
Er ist der Vater der beiden berühmten Freiherren Thomas und Hans von
Falkenstein, über die nach seinem Hinschied (1429)
Bern
u. Solothurn
die Vormundschaft übernahmen. Nachdem jene 1439 mündig geworden, beobachteten sie längere Zeit die ihnen von den beiden
Städten auferlegten Pflichten gewissenhaft, mussten aber doch 84 Tage lang eine solothurnische Besatzung in
Farnsburg bergen.
Da erfolgten 1444 der Ueberfall von
Brugg, die Zerstörung von
Gösgen und die Belagerung von
Farnsburg.
Diese wurde nach der Schlacht bei
St. Jakob wieder aufgehoben; aber der Krieg hatte deswegen kein Ende. Die Freiherren schlossen
sich mit dem übrigen Adel Oesterreich an und stritten sich Jahre lang in dem sog. St. Jakoberkrieg mit Basel
herum. Dabei töteten
oder beraubten sie manch' unschuldigen Landbewohner der baslerischen
Herrschaften
Homburg,
Waldenburg und
Liestal. Als jedoch 1449 die sogenannte Breisacher Richtung zustande gekommen, verpfändeten die beiden
Brüder
Farnsburg an
Oesterreich und zogen sich nach Heidburg bei Rottweil zurück. 1453 beschuldigte der österreichische Landvogt Wilhelm
Runs
auf
Farnsburg zwei
Wächter des geheimen Einverständnisses mit Basel
und liess sie durch das Landgericht des
Sisgaus in
Rheinfelden verurteilen und grausam hinrichten. Allein Thomas von
Falkenstein kehrte noch einmal zurück, löste
die Landgrafschaft
Sisgau und die
Herrschaft
Farnsburg wieder ein
¶
mehr
und verkaufte sie, nachdem er auch mit Solothurn unterhandelt, 1461 der Stadt Basel. Der letzte männliche Sprössling dieses Geschlechtes war des Thomas Enkel, Christoph von Falkenstein, Landvogt im Breisgau, Elsass und Sundgau, der in Ebringen bei Freiburg i. B., dem Sitze seiner neuen Herrschaft, nach dem Bauernkrieg von 1525 begraben wurde.
Am Schloss
Farnsburg nun liessen sich drei Teile unterscheiden, der obere und untere Schlosshof mit den dazu gehörenden Gebäulichkeiten
und das Zielempenhaus. Dieses befand sich hoch über dem Dorfe Buus und bildete den nördlichen Abschluss des untern Schlosshofes.
Es war ein Sesshaus der Edeln gleichen Namens, die zuerst 1255 als Vasallen der Grafen von Thierstein erscheinen.
Das Haus blieb, und die Besitzer wahrten sich das Recht der freien Ein- und Ausfahrt. Noch 1462 hatte deswegen die Stadt
Basel einen Streit mit dem Erben der Zielempen, Ludwig Zehender von Aarau, auszufechten. Das Haus hatte eine besondere Abschlussmauer,
die erst 1782 abgetragen wurde, als es sich um eine beträchtliche Reparatur handelte.
Der Eingang zum Schlosse war dem Zielempenhaus gegenüber auf der S.-Seite des Berges. Wenn man den steilen Burgweg herangekommen war, gelangte man über eine Zugbrücke in einen kleinen Vorhof und dann über eine zweite in den untern Schlosshof. Da war das Wachthaus, wo zwei Mann von Gelterkinden Tag und Nacht die Wache zu besorgen hatten, ohne einen Bissen Brot oder einen Trunk Wein beanspruchen zu dürfen. Erst am wurde der Gemeinde die Tagwache erlassen, die fortan ein Harschier (Polizeimann) übernahm. Im untern Schlosshof, der gegen O. durch eine Mauer mit zwei Türmen abgeschlossen war, befanden sich ausserdem noch die Stallungen, das Hühnerhaus, ein Schopf, wo Baumaterial, Balken, Ziegel, Backsteine und Kalk aufbewahrt wurden, und der grosse Schlossbrunnen. Er war in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts ganz unbrauchbar geworden, weil er mit Steinen, Holz, Schlamm und unsauberem Wasser gefüllt war; ebenso war auf die 60 Fuss lange Kette kein Verlass mehr. Doch damals unterblieb die Reparatur wegen der grossen Kosten. Sie erfolgte erst 1786; allein die angebrachte Seilmaschine funktionierte nicht recht. Unter diesen Umständen war man über einen zweiten, den sogen. Kalkbrunnen, froh, trotzdem er etwas entfernter war.
In dem untern Schlosshof fiel der Blick vor allem auf den gewaltigen blauen Turm, der wie alle andern einen Spitzhut trug. War man da eingetreten, so stieg man auf einer Treppe von mehr als 100 Stufen zum obern oder innern Schlosshof hinauf. Hier erhoben sich gegen S. u. W. die Hauptgebäude, die Wohn- und Arbeitszimmer des Landvogtes und Schlossschreibers, die Schlosskapelle, die Vorratsräume und Gefängnisse. Zur Sicherheit wurde 1783 ein Blitzableiter angebracht. Von den Zinnen der s. und ö. Umfassungsmauern oder aus den Scharten des blaues Turmes wurden in Zeiten grosser Gefahr die nötigen Zeichen gegeben. Ein Schuss bedeutete Warnung, zwei Feuers- u. drei Kriegsgefahr. Ausser dem wurde etwa ein weisses Tuch oder eine Rettungsscheibe verwendet.
Zum Schloss gehörten ausser zwei Schlossgärten nicht weniger als 52 Jucharten Acker- und Mattland und ausgedehnte Weiden, die obere und hintere Schlossweid, so dass 21 Stück Vieh gesömmert und gewintert werden konnten. Die Bauern von Hemmiken waren verpflichtet, die Matten zu heuen und zu emden, und diejenigen von Buus, das Holz ins Schloss zu führen. Ebenso mussten alle umliegenden Gemeinden oder das ganze Amt die Wege verbessern. Der grösste Teil der Ländereien wurde mit dem Sennhaus verpachtet, in dem zeitweise eine Stuterei oder eine Wirtschaft eingerichtet war.
Das Amt
Farnsburg, das seit 1461 zu Basel
gehörte, umfasste nicht nur die Gebiete, welche unmittelbar von Thomas von Falkenstein
erworben wurden, sondern auch andere, welche die Stadt erst nachher erkaufte, aber die einen Bestandteil der Landgrafschaft
Sisgau bildeten. Diese reichte nach einer Urkunde von 1363 im O. an den Violenbach; von hier zog sich die
Grenze nach der Ergolz bei Rotenfluh und der Schafmatt, darauf dem Jurakamm entlang bis nach Nunningen, von da nach Zwingen an
die Birs, alsdann die Birs hinab und rheinaufwärts bis Augst. In der Folge wurden nicht nur die drei baslerischen
Vogteien Homburg, Waldenburg u. Liestal, sondern auch das Gempenplateau losgelöst, und die landvögtlichen Rechte sanken zu
einem Schatten herunter, der «Malefiz, Hagens und Jagens», d. h. dem Blutbann und der Jagd- und Forstpolizei.
Immerhin wurden nun alle Territorien, wo die Freiherren von Falkenstein diese Hoheit noch ausgeübt hatten, zur Landvogtei
Farnsburg vereinigt. Es waren das folgende 28 Dörfer: Buus, Maisprach, Wintersingen, Nusshof, Hersberg;
Gelterkinden, Rickenbach, Tecknau;
Ormalingen, Hemmiken, Wenslingen;
Kilchberg, Rünenberg, Zeglingen, Diepflingen;
Oltingen, Anwil;
Rothenfluh;
Eptingen, Diegten, Tenniken;
Sissach, Zunzgen, Itingen, Böckten;
Arisdorf, Augst, Olsberg.
Ferner wurde dazu noch das solothurnische Dorf Wisen gerechnet,
über das Basel
die hohe Herrlichkeit besass. Heute bildet die ganze ehemalige Landvogtei
Farnsburg ausser
Arisdorf, Augst und Hersberg nebst 7 Dörfern im Homburgerthal den basellandschaftlichen Bezirk Sissach.
Das Amt
Farnsburg wurde mehr als 300 Jahre durch Landvögte regiert. Ihre Verwaltung steht im allgemeinen beim Volke in schlimmem
Andenken. Der bekannteste ist der letzte, Hans Franz Hagenbach (1794-1798), unter dem die Revolution
ausbrach. Schon am kamen 60 Arisdörfer, Nusshöfer und Hersberger, um ihre alten Freiheitsbücher zu holen, und spät
am Abend stellten sich auch noch Rickenbacher ein. Darauf herrschte wieder Ruhe. Aber am 18. Januar räumte man das Schloss und
brachte das Hausgerät nach Ormalingen und das Archiv nach Gelterkinden. Den Landvogt trug ein Bauer in
einem Tragkorb nach Ormalingen hinunter; darauf wurde das Schloss am 21. Januar, einem Sonntag, wohl auf Befehl der Patriotenpartei
von Basel,
verbrannt. Quellen: Verschiedene Schriften Martin Birmanns. Das Urkundenbuch von Baselland; Basler Jahrbuch, etc.
[Dr. L. Freivogel.]