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Mögliche Quelle des vermuteten »akustischen Anschlags«: Flügel in der Residenz des US-Botschafters in Havanna (14.3.2016)
Foto: Alexandre Meneghini/REUTERS
US-Außenamtssprecherin Heather Nauert bestätigte am Mittwoch (Ortszeit), dass die USA bereits am 23. Mai zwei kubanische Diplomaten ausgewiesen haben. Ihr Ministerium begründete die Maßnahme mit »mysteriösen Erkrankungen« von US-Botschaftsmitarbeitern in Havanna. Einzelheiten der Vorgänge oder Symptome wollte die Sprecherin auch auf mehrfache Nachfrage von Journalisten nicht nennen, da die Ursachen noch untersucht würden. Auch den Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und der Diplomatenausweisung konnte Nauert nicht erklären. Das State Department vermied es, die kubanische Regierung zu beschuldigen. Der Nachrichtensender CNN verbreitete kurz darauf, die US-Diplomaten seien möglicherweise Opfer eines »akustischen Anschlags« geworden. Einige deutschsprachige Medien übernahmen die CNN-Spekulation ungeprüft. Das kubanische Außenministerium (Minrex) protestierte gegen die Ausweisung seiner Diplomaten, sagte jedoch Unterstützung bei der Aufklärung des Falles zu.
Das Minrex hatte bereits am Mittwoch in einer Stellungnahme erklärt, dass es am 17. Februar von der US-Botschaft und dem State Department über die Erkrankungen informiert worden sei und die Regierung sofort »eine umfangreiche Untersuchung mit höchster Priorität« eingeleitet habe. Laut Minrex richteten die kubanischen Behörden eine ressortübergreifende Expertenkommission ein und verstärkten den Schutz der Botschaft und deren Personals. Außerdem sei den US-Behörden eine umfangreiche Zusammenarbeit bei der Untersuchung angeboten worden. US-Außenamtssprecherin Heather Nauert bestätigte, dass die kubanische Regierung an der Aufklärung der Vorgänge beteiligt ist. Laut Washington Post hat in den USA mittlerweile das FBI die Ermittlungen übernommen.
Die Hintergründe der diplomatischen Krise zwischen Washington und Havanna blieben auch nach den Erklärungen der jeweiligen Außenministerien mysteriös. Es bleibt unklar, warum beide Seiten die bereits Monate zurückliegenden ungeklärten Erkrankungen der US-Bürger und die Ausweisung kubanischer Diplomaten als Revanche so lange verschwiegen hatten. Ende 2016 hatten einige Mitarbeiter der US-Botschaft in Havanna über die ersten »körperlichen Symptome« geklagt. Bei mindestens zwei der Erkrankten verschlimmerten sich die Gesundheitsprobleme derartig, dass sie zur Behandlung in die USA zurückkehren mussten. Ohne Angabe von Quellen berichteten US-Medien, dass die Symptome der Betroffenen denen einer Gehirnerschütterung glichen, sich auf das Gehör auswirkten und die Gefahr bestünde, dieses für immer zu verlieren. Nauert wies derartige Spekulationen jedoch zurück: »Wir haben keine gesicherten Antworten über die genaueren Ursachen.« Ihre Behörde würde die Situation jedoch »sehr ernst« nehmen.
Die Geschichte wurde erst in dieser Woche durch eine Meldung in den CBS-Radionachrichten bekannt. Nauert äußerte sich nur auf Nachfrage von Journalisten und betont zurückhaltend dazu. Nur der US-Senator aus Florida Marco Rubio wusste jedoch auch ohne Untersuchung bereits, wo die Schuldigen sitzen. »Die kubanische Regierung belästigt das in Havanna arbeitende US-Personal schon seit Jahrzehnten«, erklärte der Contrapolitiker in Miami gegenüber der dort erscheinenden Tageszeitung Nuevo Herald. Wichtige kubanische Medien wie die Zeitungen Granma, Juventud Rebelde und das Onlineportal Cubadebate berichteten am Donnerstag teilweise auf ihren Titelseiten und veröffentlichten die Minrex-Erklärung im Wortlaut. »Kuba wird niemals zulassen, dass von kubanischem Territorium Aktionen gegen akkreditierte Diplomaten und ihre Familien ausgehen«, schrieb die Parteizeitung Granma im Vorspann dazu.
Volker Hermsdorf