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Depression ist ein häufig nicht erkanntes Syndrom in der ärztlichen Grundversorgung. Die unbehandelte Depression bedeutet andauerndes schweres Leid für die Betroffenen und ihre Angehörigen, führt zu hohen gesellschaftlichen und Gesundheits-Folgekosten, und ist aufgrund ihrer hohen Suizid-Rate eine potential tödliche Erkrankung.
In der Regel kommt der Patient mit körpernahen Zeichen einer depressiven Störung in die ärztliche Sprechstunde. Geklagt wird oft über Interessenverlust und den Verlust der Freude an angenehmen Aktivitäten. Der Patient zeigt eine eingeschränkte Fähigkeit auf Ereignisse oder Aktivitäten emotional zu reagieren, ist vielleicht auch psychomotorisch gehemmt oder agitiert, klagt weiter z.B. über Früherwachen, Schlafstörungen, Appetitver-
lust, Gewichtsverlust, einem deutlichen Libidoverlust, Antriebsverlust. Häufig wird ein morgendliches Tief und ein abendliches Hoch der Stimmung angegeben; beides ist symptomatisch bei depressiven Störungen.
Körperliche Erkrankungen müssen differentialdiagnostisch ausgeschlossen sein, um eine Depression mit hinreichender Sicherheit zu erkennen. Geeignet für ein erstes Screening sind zwei gezielte Fragen:
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Haben Sie sich in den vergangenen Monaten oft belastet gefühlt durch gedrückte Stimmung, Depressivität oder Hoffnungslosigkeit?
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Haben Sie sich in den vergangenen Monaten oft belastet gefühlt durch mangelndes Interesse oder fehlende Freude, Dinge zu tun, die normalerweise Spass machen?
Keine Frage mit “ja” = 90% keine Depression. Wenn eine oder beide Fragen mit “ja” beantwortet werden (>50% Wahrscheinlichkeit einer Depression).
Die Hauptsymptome der Depression sind eine negative Veränderung der Stimmungslage, Interessenverlust und Freudlosigkeit, Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit. Die Depression kann bis zum völligen Verlust der Beziehung zur Welt und Umwelt führen, und mit einem Gefühl der Gefühllosigkeit einhergehen, welches ebenfalls als sehr belastend erlebt wird. Trauer ist von der Depression abzugrenzen; sie ist ein intensives Gefühl des Beziehungsverlustes. Die schwere depressive Störung kann auch mit Wahn und Halluzinationen einhergehen. Das zeitliche Kriterium für die Stellung der Diagnose ist eine Krankheitsdauer über mindestens 2 Wochen.
Die Symptome der Depression nach ICD-10 treffen vor allem für Frauen und für einen Teil depressiv erkrankter Männer zu. Die Mehrzahl der Männer sind “anders” depressiv. Die “male depression” zeigt sich v.a. im veränderten Verhalten wie Aggression, sozialer Rückzug und Sucht. Männern fällt es viel schwerer, bei einer Depression Hilfe anzunehmen. In ihrem Rollenverständnis sehen sie sich als stark und durchsetzungsfähig, sind eher handlungsorientiert als introspektiv und reflexiv. Der Zugang zu den eigenen Gefühlen, deren Reflektion und das Gespräch darüber fallen ihnen schwerer. Depressiv sein gilt als „unmännlich”. Die Besonderheiten der männerspezifischen Depression müssen in der diagnostischen Abklärung berücksichtigt werden.
Depressionen sind in der Regel ausgelöst durch belastende Ereignisse (nicht ausreichende Anpassungsmöglichkeit des Individuums), mit dem Gefühl von Hilflosigkeit. Körperliche Erkrankungen wie chronische Schmerzstörungen, Tumor-Erkrankungen, Schilddrüsen-Unterfunktion, hirnorganische Erkrankungen und andere somatische Krankheiten können Depressionen oder depressionsartige Störungen verursachen. Auch verschiedene Medikamente können als Nebenwirkung eine Depression auslösen. Beim Verdacht auf eine depressiven Ersterkrankung sollten verschiedene medizinische Untersuchungen gemacht werden, um körperliche Ursachen auszuschliessen.
Die Behandlung der Depression umfasst medikamentöse und psychotherapeutische Ansätze. Sinnvollerweise wird diese Behandlung ergänzt durch Tagesstrukturierung, Sport- und Bewegungstherapie, Stressmanagement und Lichttherapie. Antidepressiva werden unter Berücksichtigung ihres Nebenwirkungsprofils verordnet. Auf eine längere (> 6 Wochen) Behandlung mit Benzodiazepinen (Beruhigungsmitteln) sollte möglichst
verzichtet werden. Diese Medikamente können zwar den Leidensdruck lindern, haben aber ein Abhängigkeitspotential und können eine Depression verstärken. Eine gute Krankheitsaufklärung wie auch eine vertrauensvolle therapeutischen Beziehung sind wesentlich für den Therapieerfolg. Die Therapie liegt sehr gut in den Händen von hier erfahrenen Hausärzten und von psychosomatisch ausgebildeten Ärzten. Schwerere, komplexere Fälle sind i.d.R. den psychiatrischen Fachärzten zu überlassen.
Für die Behandlung einer Depression stehen heute zahlreiche spezifische Medikamente zur Verfügung. Für die Compliance ist eine gute Aufklärung notwendig, da viele Patienten die Behandlung mit Psychopharmaka ablehnen, und oftmals ungerechtfertigter Weise Suchtentwicklung und Persönlichkeitsveränderungen fürchten. Antidepressiva benötigen 7-21 Tage, bis die antidepressive Wirkung einsetzt. Eine medikamentöse antidepressive Behandlung wird bei einer erstmaligen Erkrankung über 1/2 Jahr Beschwerdefreiheit, bei Rückfällen über 2-5 Jahre Beschwerdefreiheit, bis hin zu einer ggf. lebenslang notwendigen Erhaltungstherapie, durchgeführt. Aufgrund der verzögert einsetzenden Wirkung überwiegen bei den Antidepressiva anfänglich die Nebenwirkungen.
In der Behandlung von depressiven Störungen haben sich folgende Psychotherapie- Verfahren als wirksam erwiesen: Kognitive Verhaltenstherapie, Kognitive Therapie nach Beck, Interpersonelle Psychotherapie, Tiefenpsychologisch orientierte Kurztherapie und die Supportive Gesprächspsychotherapie, zu der auch die “kleine Psychotherapie des Hausarztes” gehört. Zur Rückfallprophylaxe wurde neu die “Mindfullness based cognitive therapy (MBCT)” entwickelt. Bei Paaren mit niedriger Partnerschaftsqualität wird eine Paartherapie als besonders wirksam empfohlen.
Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen die antidepressive Wirksamkeit von Sport. Sport erhöht die Konzentration von Serotonin und seinen Vorläufern sowie anderen Monoaminen, b-Endorphinen und Nervenwachstumsfaktoren wie “brain derived neurotrophic factor” (BDNF), erhöht die Stressresistenz, stärkt das Selbstwirksamkeitserleben, und erhöht das Selbstvertrauen in Körperfunktionen. Empfohlen wird ein tägliches Training mit mittlerer Anstrengung über 30 min. (Ausdauertraining, Krafttraining). Eine niedrigere Intensität hat wahrscheinlich nur Placebo-Qualität.
Bei einer saisonal abhängigen Depression (SAD) ist die tägliche Exposition mit Tageslicht über 1-2 Stunden die wirksamste und kostengünstigste Behandlung. Alternativ werden spezielle Lichttherapie-Lampen eingesetzt.