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Hi Narki & bobby,
dieser Teil meiner Überlegung führt wohl tatsächlich in die falsche Richtung. Ist offenbar und interessanterweise eine kulturunabhängige Sache.
Eure Zitate sind, wie ich finde, noch in anderer Hinsicht interessant: Es handelt sich erneut um Beschreibungsmodelle (zumindest eines Symptoms und seiner Ursache), die eine Alternative zu den konventionellen naturwissenschaftlich-analytischen Beschreibungen darstellen und gewissermaßen die diskutierten Ansichten unterstützen oder ergänzen. Anzumerken ist von meiner Seite folgendes:
1. In Narkis Zitat aus der Rubrik „seelische Störungen“ der angegebenen website fehlt der letzte Satz:
„Im Westen bezeichnet man dies als Konversions- oder dissoziative Störungen. Oder als Narkolepsie mit Kataplexie einschließlich Schlaflähmung.“
Hier wird also auch die Möglichkeit eines nicht weiter begründeten Zusammenhangs zwischen diesem Symptom und der Psyche angeführt – einer psychosomatischen Betrachtung also. Bemerkenswert erscheint mir hierzu die „Somatoforme Dissoziation“, die der im Zitat erwähnten Dissoziation (Abspaltung psychischer Funktionen von der Gesamtpersönlichkeit) zugerechnet wird:
„Die [meist chronischen] Symptome sind hier das Ergebnis einer instinktiven Überlebensreaktion des Menschen, ähnlich der von Tieren, und erzeugen Erregungs- oder Betäubungszustände.“
(http://de.wikipedia.org/wiki/Konversionsst%C3%B6rung
) [jaja, wikipedia, ich weiß…;-)]
Vermutliche Ursache ist ein Trauma, das ja auch in wissenschaftlichen Kreisen als mögliche Ursache oder zumindest als Auslöser für N. gilt.
Nebenbei bemerkt wird im Zusammenhang mit dissoziativen Störungen auch der „Totstellreflex“ beim Menschen erwähnt. Diese „Vermeidung einhergehend mit Parasympathikusaktivierung“ wäre ein dissoziatives Symptom. (http://vielfalt-info.de/mediapool/43/43 ... matik_.pdf
). In der Allgemeinen Psychologie gilt der menschliche „Totstellreflex“ als Erstarren, das bei einem Trauma auftritt. Wenn in einer Situation der existentiellen Bedrohung die primär-biologischen Überlebensmechanismen des Flucht- bzw. Angriffsverhaltens nicht mehr funktionieren würden, bliebe als letztes biologisch angelegtes Überlebensmuster nur noch der „Totstellreflex“ (Levine, P. (1997) (with A. Frederic). Waking the tiger. Healing trauma. Berkeley: North Atlantic Books.).
2. Die emische Sichtweise auf die von Narki und bobby zitierten „kulturspezifischen“ Symptome assoziiert damit
- „Verlust der Seele, Seelenwanderung, Besessenheit“
- „Verbindung des Menschen mit der Welt der Geister“.
Soweit mir bekannt, wird im Rahmen der ethnopsychologischen Interpretation ein sog. „Seelenverlust“ gerne als archaische Metapher für ein „Trauma“ gesehen. Interessanterweise heilt man „Traumata“ in etlichen archaischen Kulturen, in denen die Traumwelt und die Alltagswelt als gleichermaßen real gelten (und so etwas wie Objektivität nur ein zur subjektiven Betrachtung alternativer, aber keineswegs gültigerer oder mehr Wahrheit beanspruchender Blickwinkel auf die Wirklichkeit ist) durch, mit bzw. in Träume(n) (mit oder ohne fremder Hilfe) und eine Auseinandersetzung mit diesen. Ein Weg, der inzwischen auch in der wissenschaftlichen Bewusstseinsforschung Beachtung gefunden hat. Anzumerken ist hier noch ein bemerkenswerter Fall: Nach einer traumatischen Erfahrung legte eine Frau alle Narkolepsie-Symptome an den Tag, was zur diesbezüglichen Diagnose führte. Nach baldiger Aufarbeitung des Traumas waren die Symptome vollständig verschwunden. Der Fall wurde dann als „Pseudo-Narkolepsie“ klassifiziert.
3. Im Buddhismus wird der Bewusstseinszustand zwischen Schlafen und Träumen mit einem kurz nach dem Tod auftretenden Bewusstseinszustand, dem „Bardo des Dharmatá“, verglichen. Alle Erscheinungen wären hier nichts anderes als der eigene Geist bzw. die Vorgänge des eigenen Geistes, die auf spektakuläre Weise verstärkt würden.
„Sind sie [die Menschen] nicht zu einer essentiellen Erkenntnis der wahren Natur der Erscheinungen im Geist gelangt, so ist es kein Wunder, dass Ihnen die Klänge, Lichter und Strahlen, die im Bardo des Dharmatá manifest werden, wie die objektive Wirklichkeit von äußeren, erschreckenden Phänomenen erscheinen können, die Ihnen widerfahren.(…) Die wesentliche Erkenntnis des Bardo des Dharmatá ist also die Einsicht, dass das, was aufscheint, die Weisheitsnatur Ihres eigenen Geistes ist.“
(Sogyal Rinpoche (2006): Das Tibetanische Buch vom Leben und vom Sterben, S. 409).
Diese Anmerkungen sind zur Inspiration gedacht. Eine Unterstützung im Glauben an Nicht-Heilbarkeit wird man aber hier nicht finden können, wie ich meine
Beste Grüsse,
Tt