Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03625.jsonl.gz/390

Vulkane,
[* 2] feuerspeiende Berge, Berge oder Hügel, die dadurch entstanden sind, daß Gesteinsmassen, die sich infolge ihrer hohen Temperatur in flüssigem Zustande befanden und in diesem Zustande durch einen Kanal [* 3] aus dem Menschen unerreichbaren Tiefen empor bewegt wurden, um das obere Ende eben dieses Kanals sich anhäuften. Die Verbindung der Erdoberfläche mit dem Erdinnern kann durch einen solchen vulkanischen Schlot nur einmal stattgefunden haben oder von Zeit zu Zeit wiederhergestellt werden; dann hat der Vulkan eine Eruption, einen Ausbruch.
Zustände der Ruhe wechseln mit solchen
Ausbrüchen; sind seit Menschengedenken
Eruptionen nicht vorgekommen, so bezeichnet
man den
Vulkan wohl als einen erloschenen; doch giebt es genug
Beispiele, daß
Eruptionen von neuem nach
einer Pause von vielen Jahrhunderten eingetreten sind. Nach lange anhaltender Ruhe kann der
Vulkan seine äußern
Kennzeichen
fast ganz verlieren; bei thätigern
Vulkane zeigen sich jedoch auch im Zustande der Ruhe in meist noch Ausströmungen
von Wasserdampf und von
Gasen aus Vertiefungen auf dem Gipfel oder den Flanken, welche als Krater
[* 4] (s. d.)
bezeichnet werden.
Man spricht dann von dem Solfatarenzustand der
Vulkane nach den Erscheinungen in der
Solfatara (s. d.) bei Neapel.
[* 5]
Ohne daß gewaltsame
Erscheinungen eintreten, kann auch ein
Vulkan stärkere Dampfmassen ausstoßen, während im Krater glutflüssige Gesteinsmassen
vorhanden sind, von denen oft in regelmäßigen Zwischenräumen durch Dampfexplosionen Fetzen emporgeschleudert
werden. In einem solchen Zustande befindet sich der gewaltige Krater Kilauea auf
Hawaii und der
Vulkan der Liparischen
Insel
Stromboli; so spricht man von einem Strombolizustand der
Vulkane.
Bei einem Ausbruch steigern sich alle erwähnten Erscheinungen im gewaltigsten Maße. Unter anfangs leisern, bald immer stärkern Erschütterungen des Berges und seiner nächsten Umgebung, unter immer zunehmendem Getöse werden die aus dem Krater aufsteigenden Dampfmassen immer größer, sie steigen oft mehrere Tausend Meter empor, bis die Dampfsäule sich plötzlich dunkel färbt und sich an ihrem obern Ende in der Form der Pinie schirmartig ausbreitet. Das glutflüssige Gestein ist im Schlote emporgedrungen bis in den Krater, es wird durch Dampfexplosionen zerstäubt zu feinster Asche, zu gröberm Sande und Lapilli (s. d.), es werden größere Partien emporgeschleudert und alle diese schnell erstarrenden Massen färben die Dampfsäule dunkel.
Die größern Schlackenstücke fallen in den Krater zurück oder auf seine nächste Umgebung nieder; die feinern Massen aber werden vom Dampfe mit emporgerissen, bis sie von dem Dache der Pinie aus hinabzufallen beginnen. In der Nacht steht an Stelle der dunkeln Säule eine Feuersäule über dem Ausbruchspunkte: es ist der Widerschein der Glut im Krater. Mit dem Fallen [* 6] der Asche, die in weitem Umkreis um den Vulkan die Sonne [* 7] zu verfinstern vermag, beginnen sich auch noch Gewitterwolken um den Berg zu sammeln; die Blitze zucken unaufhörlich, gewaltig rollt der Donner, zitternd brüllt der Berg mit Brausen, Knallen und Zischen, klirrend und prasselnd fallen die Schlacken und Bomben auf den Abhang des Berges nieder, es erhebt sich ein Sturm, Gewitterregen strömt hernieder, die Fluten vermischen sich mit der bereits gefallenen Asche, Schlammströme bildend, die, mit unwiderstehlicher Gewalt alles mit sich fortreißend, den Berg hinabstürzen - da tritt unter dem Aufruhr aller Elemente die Lava (s. d.) über den Rand des Kraters, eine Scharte in ihn einreißend, oder aus einer Spalte, nach der der ganze Gipfel des Berges zerbarst, hervor, um sich in einem Strom, erst pfeilgeschwind, bald sich verbreiternd, immer langsamer hinab zu ergießen, bis an den Fuß des Berges. Die Lava hat alle ihr entgegentretenden Hindernisse besiegt, sie hat sich den Weg frei gemacht, sie fließt ruhig ab, die Gewalt der Explosionserscheinungen nimmt ab, der Aschenregen hört auf, das Getöse verstummt, der Vulkan geht dem Zustand der Ruhe entgegen, oder es wiederholen sich alle Erscheinungen vielleicht in noch verstärktem Maße, bis dann nach Wochen oder Monaten oder Jahren gleichsam die Kraft [* 8] des Berges erschöpft ist.
Die lockern vulkanischen Auswürflinge (s. d.) bedecken den Berg bei einem Ausbruch wie mit einem Mantel, ein oder mehrere Lavaströme legen sich darüber und es wächst so der Vulkan, in seinem Innern einen geschichteten Bau zeigend: es bildet sich ein geschichteter oder ein Stratovulkan. Im Laufe der Zeit wird der Bau verwickelter; Eruptionsschlünde öffnen sich auch auf den Flanken, wie ¶