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Die Firma Climeworks aus Zürich hat eine leistungsfähige Technologie entwickelt, mit der man der Luft CO2 entziehen kann, um es für industrielle Zwecke zu recyceln.
Climeworks ist einer der Finalisten des von Richard Branson und Al Gore lancierten Klimawettbewerbs "Virgin Earth Challenge". Es hat sich zum Ziel gesetzt, Kohlendioxid im grossen Umfang zu filtern und in einen synthetischen Treibstoff umzuwandeln. Erklärungen von Jan Wurzbacher, Mitgründer und CEO dieses Spin-offs der ETHZ.
Worin besteht die Technologie, die Sie entwickelt haben?
Jan Wurzbacher: Wir haben ein sehr einfaches Luftfiltersystem entwickelt, mit dem sich das CO2einfangen lässt. Das Kohlendioxid wird entzogen, indem die Luft durch einen speziellen Zellulosefilter im Inneren des Extraktionsmoduls gelenkt wird. Sobald er seine maximale Auslastung erreicht hat, wird der Filter mit erneuerbarer Energie oder Energie aus Abfällen erwärmt, sodass man reinstes CO2 erhalten kann. Das Ziel ist letztlich die Produktion eines synthetischen Treibstoffs. Wir haben ein Projekt mit dem Automobilbauer Audi, der Benzin aus Wasser, erneuerbaren Energien und CO2 herstellt. Unsere Lösung hat zwei Vorteile: Man kann das CO2 aus der Luft, also aus einer nachhaltigen Quelle, gewinnen und es entstehen keine neuen Emissionen.
Wie weit sind Sie im Moment?
Wurzbacher: Es wurden mehrere Prototypen gebaut. In diesem Jahr haben wir das erste industriefertige Modul entwickelt. In diesem Format wird das Gerät auf den Markt kommen. Das Modul, das diesen Sommer in Betrieb genommen wurde, befindet sich in der Testphase. Anfang nächsten Jahres werden uns alle Parameter und Auswertungen zur Verfügung stehen. Die Produktion wird bei 50 Tonnen CO 2 pro Jahr liegen. Wir arbeiten an einem Entwurf für ein grosses Treibhaus mit einer jährlichen Kapazität von 1'000 Tonnen CO2.
Wie konnten Sie Audi auf sich aufmerksam machen?
Wurzbacher: Das ist eine ziemlich lange Geschichte, für die wir zwei Jahre lang Gespräche führen mussten. Die Automobilbauer sind auf der Suche nach Lösungen, um die CO2-Emissionen zu senken. Einige haben sich für Elektroautos entschieden, wohingegen Audi auf synthetische Treibstoffe setzt. Die Marke betreibt bereits eine Fabrik in Norddeutschland, die synthetisches Methan für rund 1'500 Autos herstellt. Nun sucht sie nach einer erneuerbaren Lösung für die Gewinnung von CO2. Im Moment sind wir die einzigen, die eine Lösung anbieten, bei der das CO2 im Produktionszyklus verbleibt.
Climeworks ist bei venture kick als Sieger hervorgegangen und gehört zu den 11 Finalisten von Virgin Earth Challenge. Hatte das einen positiven Einfluss auf die Entwicklung Ihrer Firma?
Wurzbacher: Ja, auf jeden Fall. Diese Wettbewerbe haben unserem Projekt zusätzliche Glaubwürdigkeit verliehen. Bei der Virgin Earth Challenge wurde unsere Bewerbung aus mehreren Tausend ausgewählt. Für potenzielle Kunden oder Investoren, an die wir herantreten, bedeutet dies, dass unser Projekt von einer Experten-Jury analysiert wurde.
2014 haben Sie erfolgreich eine zweite Finanzierungsrunde durchgeführt und CHF 3 Millionen eingeworben. Was ist Ihr Geheimnis?
Wurzbacher: Bisher lief tatsächlich alles sehr gut. Aber die Suche nach finanzieller Unterstützung ist ein kontinuierlicher Prozess, in dem es keine Unterbrechungen gibt. Unsere Strategie zielt nicht primär auf das Geld als solches ab, sondern darauf, dass sich private Investoren für uns interessieren. Wir haben nach Personen gesucht, die unsere Vision teilen und langfristig unterstützen, also für einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren. Mein Partner Christoph Gebald und ich haben viel Zeit in die Finanzierungskampagne investiert. Man muss ein Netzwerk aufbauen, Investoren treffen, Leute überzeugen. Am Anfang ist das nicht leicht. Aber wenn Sie erst einmal eine kleine Gruppe von Investoren zusammen haben, sprechen diese mit ihren Freunden und Kollegen darüber und dann geht es etwas schneller voran.
Was ist für Ihre Firmenkultur kennzeichnend?
Wurzbacher: Wir haben unsere Vision in einem kleinen Buch zusammengefasst. Die Transparenz gegenüber unseren Mitarbeitern hat für uns Priorität. Es ist sehr wichtig zu kommunizieren, auch über die finanzielle Situation. Das machen wir jede Woche in einem Meeting mit unseren Mitarbeitern. Der zweite Punkt betrifft Ausdauer und Nachhaltigkeit. Unsere Beschäftigten müssen unsere Vision teilen. Bei einem Einstellungsgespräch sind die gemeinsamen Werte fast wichtiger als die berufliche Qualifikation. Ein Team, das eine gemeinsame Vision hat, gibt dem Unternehmen viel Kraft.
Welche Schwierigkeiten sind bei der Lancierung eines Start-ups im Bereich Cleantech zu überwinden?
Wurzbacher: Ich würde es in zwei ganz einfachen Aussagen zusammenfassen: Es dauert und es kostet Geld. Wenn man mit der Entwicklung einer Software, zum Beispiel einer Smartphone-App, Geld verdienen will, muss man lediglich in einen Computer investieren. Wenn Sie im Bereich Cleantech tätig sind, benötigen Sie viel mehr finanzielle Mittel, aber auch mehr Zeit. Wir haben schon mehrere Millionen allein in die Entwicklung der Hardware investiert. Unser Unternehmen besteht bereits seit fünf Jahren und gerade sind wir dabei, die ersten Geräte in die industrielle Fertigung zu geben...
Was würden Sie jungen Unternehmerinnen und Unternehmern raten, die heute in der Schweiz eine Firma gründen wollen?
Wurzbacher: Besonders entscheidend ist das Networking, also der Aufbau eines beruflichen Netzwerks. Wer in die Cleantech-Branche einsteigen will, muss sich auf einen langen Weg gefasst machen. Und man sollte sich eine gewisse Naivität bewahren, nicht immer geradeaus gehen, nicht alles vorausplanen, sondern ausprobieren.