Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03093.jsonl.gz/2556

Was ist Aikido?
Aikido ist eine junge Budokunst, die erst in diesem Jahrhundert entwickelt wurde. Der Begründer Morihei Ueshiba (1883-1969), sagt dazu:
«Da das japanische Wort Ai sowohl für Harmonie als auch für Liebe steht, beschloss ich, meine unvergleichliche Budokunst Aikido zu nennen, obwohl das Wort Aiki ein sehr altes ist. Dieses Wort wurde von den Kriegern in der Vergangenheit benutzt, jedoch in einer Bedeutung, die sich grundlegend von der Bedeutung unterscheidet, die ich dem Wort gebe.
Aiki ist keine Technik, um den Feind zu bekämpfen oder zu besiegen, es ist der Weg, die Welt zu versöhnen und aus den Menschen eine Familie zu machen. Das Geheimnis des Aikido ist es, sich mit den Bewegungen des Universums in Einklang zu bringen und mit ihm zu harmonisieren. Derjenige, der das Geheimnis des Aikido erfasst hat, trägt das Universum in sich, und muss sagen: „Ich bin das Universum.“»
Im Sport gibt es das Element Zeit, in den Kampfkünsten gibt es nur den Augenblick.
Es gibt keine Wartezeiten…, Sieg oder Nicht-Sieg, Leben oder Nicht-Leben. Das entscheidet sich in einem Augenblick. In ihm entscheiden sich Leben und Tod ganz und gar.
(Zen Meister Taisen Deshimaru Roshi, 1912-1982)
Wie wird Aikido geübt?
Die Grundtechniken erscheinen in ihrer Ausführung harmonisch, fast tänzerisch. Ihre volle Wirkung entfalten sie aber erst nach mehrjährigem ernsthaftem Training. Ein wesentliches Grundprinzip im Aikido ist das Ausweichen und das Aus-dem-Gleichgewicht-bringen. Der Angreifer wird in eine Spiralbewegung geführt, bis er die Kontrolle über seine Angriffsbewegung verliert und aufgeben muss.
Dabei erfolgt die Abwehr in einer Weise, die es dem Angreifer erlaubt, durch entsprechende Falltechniken unversehrt zu bleiben. Die Aikidotechniken werden anhand stilisierter Angriffsformen geübt. Es soll dabei nicht gelernt werden, auf einen spezifischen Angriff zu reagieren, sondern sich einer Angriffssituation anzupassen. Denn kein Angriff gleicht letztlich dem anderen.
Als Ziel bleibt, eine geistige Haltung zu entwickeln, die es ermöglicht, in jeder Situation, am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt dem Angriff so zu begegnen, dass er ins Leere läuft.
Aikido lässt sich nur schwer mit Worten beschreiben. Um seinen Sinn und Geist zu erfassen, bedarf es – wie bei jeder andern Kunstform – steter Übung und Vervollkommnung.
Die beste Art, sich seinem Gegner zu stellen, liegt darin, ihn von der Nutzlosigkeit seines Tun zu überzeugen.
(Paulo Coelho)
Wer kann Aikido ausüben?
Aikido bewegt sich zwischen den drei Polen: Körper, Technik und Geist.
Körperlich erfordert Aikido eine angemessene Bewegungsfähigkeit und eine gute körperliche Verfassung. Besondere Muskelkraft oder Top-Fitness ist nicht Voraussetzung. Dem Alter ist nach oben keine Grenze gesetzt.
Obwohl der Geist des Aikido eher fernöstlicher Philosophie und Religion entstammt, kennt Aikido keine religiösen Dogmen oder Pflichten. Es kennt nur das Vertrauen in den Menschen und in dessen Entwicklungspotential. Aikido wendet sich nicht an einen bestimmten Typus von Menschen, sondern ist für jede Person zugänglich, die seinen Körper und Geist schulen will.
Wenn wir bemerken, dass sich der Gegner nähert, sollten wir zu ihm hintreten und ihn höflich anreden. Lässt er von seiner aggressiven Haltung nicht ab, sollten wir nur in einen Kampf einwilligen, wenn er uns etwas einbringt. In diesem Fall sollten wir die Kraft des Gegners nutzen und die eigene Energie nicht vergeuden.
(Paulo Coelho)