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Mit dem Musical «Wicked» kommt eines der erfolgreichsten Musicals des
21. Jahrhunderts in die Schweiz. Die Ursprungsgeschichte des Musicals ist hierzulande lange nicht so bekannt wie in Amerika.
«Der Zauberer von Oz» aus dem Jahre 1939 gilt bis heute als einer der bekanntesten Streifen der amerikanischen Filmgeschichte. Vor allem Judy Garlands Darbietung von «Somewhere over the Rainbow» ist weltberühmt. Trotzdem ist die Geschichte im deutschsprachigen Raum weniger bekannt. Was hier die Märchen der Gebrüder Grimm sind, ist im englischsprachigen Raum «Der Zauberer von Oz».
Die Nacherzählung der Geschichte sorgt bei vielen für einen Aha-Effekt: Dorothy muss, um nach Hause zu finden, den Zauberer von Oz treffen und bekommt von ihm den Auftrag, die böse Hexe des Westens umzubringen. Die Geschichte des Musicals «Wicked» beginnt hingegen lange vor dem Erscheinen von Dorothy: Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen der bösen Hexe des Westens Elphaba und der guten Hexe Glinda. Beide gingen zur selben Schule: Elphaba mit der grünen Hautfarbe und unbeliebt, Glinda blond und der Schulliebling. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten werden sie die besten Freunde, bis sich Elphaba gegen den Zauberer von Oz wendet.
Am Broadway spielte «Wicked» über eine Milliarde Dollar ein
Das Musical «Wicked» basiert auf dem gleichnamigen Buch von Gregory Maguire aus dem Jahre 1995. Dass sich die Geschichte perfekt für ein Musical eignet, wusste Musicalautor und dreifacher Oscar-Preisträger («Pocahontas», «Prince of Egypt», «Die drei Musketiere») Stephen Schwartz schnell: Als er sich für die Bühnenrechte beim Buchautor stark machte, erfuhr er vom Deal mit Universal, die einen Film von «Wicked» planten. Schwartz musste also zwei Partien von der Idee des Musicals überzeugen.
Der Film wurde verschoben, «Wicked» kam schliesslich in Zusammenarbeit mit Universal Stage Production auf die Bühne.Erst in San Francisco, dann am Broadway. Der Erfolg des Musicals war trotzdem alles andere als sicher. Die Times schrieb bei der Premiere: «Lieber schaue ich mir 20-mal den Zauberer von Oz als nur einmal diese Ersatz-Show an.»
«Ich habe die Premiere gesehen und die Kritiken waren sehr durchmischt. Es gab keine Anzeichen dafür, dass «Wicked» einst so ein Kassenschlager werden würde», erzählte der britische Executive Producer von «Wicked», Michael McCabe, 2016 dem Forbes-Magazin. «Gleichzeitig war Facebook im Kommen. Auf den sozialen Medien erhielten wir am meisten Zuspruch. Sehr schnell baute der Erfolg von «Wicked» seine eigene Dynamik auf.»
Mittlerweile zählt «Wicked» zu den zehn am längsten aufgeführten Musicals am New Yorker Broadway. Allein die aktuelle Produktion spielte über eine Milliarde Dollar ein. Die Produktion im Londoner West End konnte im letzten Jahr das zehnjährige Jubiläum feiern. Eine Verfilmung der Geschichte ist aktuell für 2019 angekündigt.
«Defying Gravity», Höhepunkt des Musicals, ist auch ein Coming-Out-Song.
Doch was ist das Erfolgsrezept hinter «Wicked»? Obwohl man glauben könnte, dass es ein Kindermusical sei, spricht es genauso Erwachsene und Teenager an. Vor allem die Geschichte der missverstandenen bösen Hexe, die sich gegen das Regime wendet und völlig auf sich allein gestellt ist und das so hinnimmt, inspiriert viele. Die Geschichte der zwei starken Hexen wird oftmals auch als feministische Geschichte wahrgenommen. Der musikalische Höhepunkt «Defying Gravity», in dem Elphaba sich zur Unabhängigkeit vom Regime bekennt, gilt aufgrund seines Textes bei Homo-, Bi- und Transsexuellen als Coming-Out-Song. So war er 2007 Titelsong der «Pride» in Los Angeles.
«Wicked» setzt zudem als relativ junges Musical auf ein Orchester und setzt damit einen Gegentrend zu Bands ohne Streicher, die mittlerweile oft für Musicals eingesetzt werden. Und nicht zuletzt lassen einen die aufwendigen Kostüme und das eindrückliche Bühnenbild in die Welt von Oz eintauchen. Für beide Punkte hat das Musical einen Tony Award, die höchste Auszeichnung für Broadway-Musicals, gewonnen.
Sicher ist: Auch 14 Jahre nach der Uraufführung begeistert «Wicked» auf der ganzen Welt. Das Stück wurde in insgesamt sechs Sprachen übersetzt, unter anderem ins Portugiesische, Koreanische, Deutsche und auch ins Holländische. Wenn die internationale Tourproduktion in Zürich halt macht, wird das Musical in der englischen Originalversion zu sehen sein. Und auch das Publikum hierzulande zum Staunen bringen, wenn Elphaba am Ende des ersten Aktes in die Höhe schiesst und «Defying Gravity» zum Besten gibt.