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«Seitdem ich das englische Proletariat kenne, ist die Sklaverei in meinen Augen nicht mehr das schlimmste Unglück, das dem Menschen widerfahren kann», hielt die französische Schriftstellerin 1839 fest. Während ihre Untersuchungen über die Zustände in britischen Zuchthäusern, Fabriken, Bordellen und Elendsvierteln in England totgeschwiegen wurden, stiessen sie in Frankreich auf breites Interesse. Bereits einige Jahre zuvor hatte die 1803 in Paris geborene Mestizin mit dem Bericht über eine Perureise von sich reden gemacht. Darin beschrieb sie die Lebensbedingungen der SklavInnen, Dienstboten und TagelöhnerInnen so eindrücklich, dass das Buch in Peru verboten , die Autorin symbolisch verbrannt wurde.
Aus dem frühkapitalistischen England – «dem Spiegelbild unserer eigenen Zukunft» – kehrte sie als glühende Verfechterin eines (selbst-)befreiten Proletariats zurück. Innerhalb kurzer Zeit verfasste sie «Union ouvrière», ihr wichtigstes Werk, in dem sie erstmals einen weltweiten Zusammenschluss der ArbeiterInnen forderte. Nur so bekäme die Arbeiterbewegung die notwendige Schlagkraft. Wenn zudem jedeR ArbeiterIn pro Jahr zwei Francs in eine Kasse einzahle, besässe diese Arbeiterunion genügend Geld für eigene Kranken- und Altenheime, für Bildungseinrichtungen und eigene VolksvertreterInnen.
Am Ende blieben ihr nur wenige Monate, um diese Ideen vorzustellen. Sie organisierte eine Lesereise durch Frankreich und besuchte die ArbeiterInnen in ihren Werkstätten und Wirtshäusern, wo sie zumeist ehrfürchtig empfangen wurde. Am 14. November 1844 starb sie schliesslich erschöpft, aber sicher, dass der Fortschritt nicht aufzuhalten sei.
Wie heisst die vermeintliche Nachfahrin von Montezuma II., die ihren Enkel Paul Gauguin nie kennenlernte?
Wir fragten nach der Schriftstellerin, Sozialistin und Frauenrechtlerin Flora Tristan (1803–1844). Der Titel ihres Buches über die Arbeits- und Lebensbedingungen der ArbeiterInnen in England lautet «Im Dickicht von London». In ihrem Buch «Meine Reise nach Peru – Fahrten einer Paria» schildert sie ihre Erlebnisse als allein reisende Frau und die Lage des einfachen Volkes in Südamerika nach dem Ende der spanischen Herrschaft. Bücher über die Schriftstellerin: «Aufruhr einer Paria» von Gerhard Leo (1990) und «Das Paradies ist anderswo» von Mario Vargas Llosa (2004).