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Kern wird Chef der Grenchner Traditionsmarke Breitling. Als CEO, und in diesem Zusammenhang auch Anteilseigner von Breitling, werde Kern die globale Weiterentwicklung verantworten, teilte das Unternehmen am Freitagabend mit. Ein Schwerpunkt werde dabei auf den Bereichen Digital und Vertrieb liegen, insbesondere auch im Hinblick auf ein beschleunigtes Wachstum in wichtigen asiatischen Märkten.
Zuvor hatte die "Financial Times" mit Verweis auf eine mit der Sache betraute Quelle auf ihrer Webseite über den Sachverhalt berichtet. Das Unternehmen hatte die Nachricht gegenüber AWP nicht kommentiert.
Richemont-Abschied per sofort
Kern sei eine spannende Gelegenheit für die Tätigkeit als Unternehmer angeboten worden und er werde bei Richemont per sofort zurücktreten, teilte Richemont am Freitagmorgen mit. Johann Rupert, Chef des Genfer Luxusgüterkonzerns, bedaure den Rücktritt und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute, heisst es weiter.
Aufgrund seines Wechsels werde Kern an der kommenden Generalversammlung im September auch nicht mehr für die Wahl in den Verwaltungsrat zur Verfügung stehen.
Kern blickt auf eine erfolgreiche Zeit bei Richemont zurück. Er stiess im Jahr 2000 zur Gruppe und wurde bereits zwei Jahre später im Alter von nur 36 Jahren zum CEO der Uhrenmanufaktur IWC berufen, die er zu einer global bekannten und erfolgreichen Marke entwickelte.
Anfang November teilte Richemont mit, dass Kern im Rahmen einer Neuorganisation als Leiter des neuen Bereichs "Watchmaking, Marketing and Digital" in die Konzernzentrale nach Genf wechseln werde. In diesem Bereich wurden nebst der Uhrmacherei und dem Marketing etwa auch das Thema Onlineverkauf von Luxusuhren behandelt. Bei IWC trat Christoph Grainger-Herr im laufenden Jahr die Nachfolge Kerns an.
Kein Nachfolger gesucht
Die Verantwortlichkeiten der "Watchmaking, Marketing and Digital"-Aktivitäten würden nach Kerns Abgang direkt an die Geschäftsleitung, das Senior Executive Committee, übertragen, heisst es weiter. Ein Nachfolger für Kern werde derzeit nicht gesucht, ergänzte eine Richemont-Sprecherin auf Anfrage von AWP. Das vierköpfige Senior Executive Committee verfüge über genügend Know-how, um die "Watchmaking, Marketing and Digital"-Aktivitäten zu betreuen.
Das Committee setzt sich aus dem designierten CFO Burkhart Grund, dem Cartier-Chef Cyrille Vigneron, dem Van Cleef & Arpels-Chef Nicolas Bos sowie Jérôme Lambert zusammen. Der frühere Montblanc-CEO Lambert ist seit der Neuorganisation als "Head of Operations" für die restlichen Richemont-Marken ausserhalb der Schmuck- und Uhrenwelt sowie die regionalen Plattformen der Gruppe verantwortlich.
Aktie reagiert kaum
Für René Weber von der Bank Vontobel kommt die Meldung zum Abgang von Georges Kern nur teilweise überraschend. Am Markt habe es seit ein paar Monaten dahingehend bereits Gerüchte gegeben. Richemont verliere einen Mann mit grosser Erfahrung und starker Persönlichkeit. Im Senior Executive Committee sei Jérôme Lambert prädestiniert dafür, sich den "Watchmaking, Marketing and Digital"-Aktivitäten anzunehmen, glaubt der Vontobel-Analyst.
Patrik Schwendimann von der ZKB schreibt von einer "negativen Überraschung" für Richemont. Der Wechsel dürfe aber nicht mit einem schlecht laufenden Uhrengeschäft in Zusammenhang gebracht werden, schliesslich zeigten sich auch bei Richemont in der Uhrensparte in der jüngeren Vergangenheit Besserungstendenzen. Vielmehr habe sich Kern möglicherweise nun bei einem Konkurrenten eine aus seiner Sicht bessere Chance erhalten, sein Unternehmertum umzusetzen, mutmasste der ZKB-Experte.
(AWP)