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Schaut man in der aktuellen Burgenkarte der Schweiz auf das Dorf Thörishaus, so ist dort die Burgstelle Thörishaus nördlich des Dorfes eingezeichnet.
Diese Burgstelle ist schon seit langem bekannt. Vor Ort fällt der steile Burghügel sofort ins Auge. An strategisch exzellenter Stelle konnte diese Burg sowohl das flache
Tal der Sense mit ihren Übergängen und Furten als auch den Eingang in Wangental überwachen. Eine zweite Burg in Thörishaus ist aber bis heute nicht bekannt.
Aber, Emanuel Lüthi schreibt 1901 im Pionier: (Organ der schweizerischen permanenten Schulausstellung in Bern) im Aufsatz:
"Alamannische Grenzbefestigungen bei Neuenegg."
…"Bei Thörishaus tritt die Sense aus der engen Felsenschlucht,hier sind zwei Befestigungen am rechten Ufer, ein Felsen, der noch
jetzt die "Burg" heisst, und Thörishaus selbst, wo auf Felsen die Grundmauern noch vorhanden sind."…..
Das macht natürlich neugierig! Lässt sich diese Burgstelle heute noch finden? War dort tatsächlich eine Burg?
Einen Blick in die aktuellen Karten der Gegend bringt nichts, dort ist kein Flurname mit "Burg" bezeichnet.
Aber schauen wir den Flurnamen "Gäu" an und reisen über hundert Jahre zurück und werfen einen Blick auf die Siegfriedkarte von 1879:
Da steht der Flurname "Burg" anstelle von "Gäu"!
Es fällt auch auf, dass Anstelle eines kleinen Wegleins plötzlich einen Strasse eingezeichnet ist. Auch ist eine Furt über die Sense mit einem Strässchen
ins Freiburgische zu finden! Tatsächlich findet sich im Inventar historischer Strassen und Verkehrswegen den entsprechenden Eintrag BE444 und auch
den Hinweis auf die Furten.
https://data.geo.admin.ch/ch.astra.ivs-nat/PDF/BE04440000.pdf
Die Lage:
Koordinaten: 593'600 / 191'823
Höhe: 613 m.ü.M.
Die Burgstelle befindet sich auf einem Felsenband über dem Weiler Gäu bei Thörishaus in der Gemeinde Köniz. Die alte Strasse von Thörishaus nach Mittelhäusern
führt in zwei Schlaufen von Weiler Gäu kommend an der Burgstelle vorbei nach Mittelhäusern. Heute ist die Strasse nicht mehr durchgehend erhalten, das Stück bei
der Burgstelle aber als Hohlweg schon. Das Gelände ist im Nordwesten bis Nordosten nach der Sense und dem Weiler hin steil abfallend. Vom Süden bis Osten ist das
Gelände flach. Dort wurde die Burgstelle mit einem Graben und Wall gesichert. Der Wall ist z.T. noch sichtbar, vom Graben hingegen ist kaum mehr etwas sichtbar.
Heute ist dort Wiese und Ackerland. Gegen Norden hin ist das Gelände steil abgerutscht, es befindet sich dort ein Steinbruch oder Kiesentnahme-Stelle. Der Burghübel
ist nur noch in einem bescheidenen Umfang erhalten. Der Grossteil davon ist in der Zwischenzeit abgerutscht. Auch so war der Platz beschränkt und es muss sich um eine
kleine Anlage gehandelt haben. Wahrscheinlich nicht mehr als ein bescheidener Turm. Auffallend ist die gute, direkte Sichtverbindung zur Burg in Thörishaus-Dorf!
Ein Blick auf das LIDAR Bild zeigt mehr:
Die Ansätze von Burghügel und Graben sind nur noch schwach sichtbar. Dafür ist der Hohlweg der alten Strasse noch gut erhalten.
Auffallend sind die vielen Sandsteinbrüche im Südwesten der Burgstelle.
Fazit:
Die Burgstelle Thörishaus-Gäu gelegen an der alten Strasse nach Mittelhäusern war eine sehr kleine Anlage. Zeitlich ist sie im Mittelalter anzusiedeln. 11.-13.Jahrhundert,
gleichzeitig mit der Burg in Thörishaus-Dorf. Wahrscheinlich nicht viel mehr als ein Wachposten mit ein paar Mann Besatzung. Die Befestigung der Anlage war entsprechend auch
nicht sehr stark. Die Aufgabe der Burg war sicher die noch bis 1899 bestehende Furt "Oberes Fahr" und die Strasse nach Mittelhäusern zu überwachen und entsprechende Zölle der
Benutzer der Furt einzutreiben. Die Anlage hat einen direkten Sichtkontakt zur Burg Thörishaus-Dorf, es ist anzunehmen, dass diese zwei Anlagen zusammen gehören.
Der Felsen auf dem die Burg stand ist fast zur Gänze abgerutscht, oder wurde zur Materialentnahme abgebaut. Nicht nur ist der Burgplatz mit der Zeit verschwunden.
Seit 1899 gibt es dort keine Furt mehr. Seit 1855 gibt es eine neue Strasse nach Mittelhäusern. Die alte Strasse wird nicht mehr gebraucht. Auch der alte Flurname "Burg" ist
seit 1919 verschwunden und durch "Gäu" ersetzt worden. Trotzdem sollte diese alte Burgstelle nicht ganz in Vergessenheit geraten und entsprechend ins Burgeninventar aufgenommen werden.
Ein paar Bilder:
Ansicht von Südosten. Reste des Walls, ein Graben ist kaum mehr auszumachen.
Ansicht von Westen zum Burghügel
Links der Weiler "Gäu", gerade aus die Sense ungefähr die Stelle der ehemalige Furt "oberes Fahr"
Reste des Burghügels, gut sichtbar die grosse Rutschung, oder Steinbruch.
Im Hohlweg der alten Strasse unterhalb der Burgstelle
Einer der vielen Sandsteinbrüche südwestlich der Burgstelle, diverse Pfostenlöcher und Bearbeitungen. Stand da ein Haus, oder Schopf?
Literatur und Quellenverzeichnis:
Emanuel Lüthi, Pionier, 1901 "Alamannische Grenzbefestigungen bei Neuenegg."
Inventar Historischer Verkehrswege der Schweiz
Swisstopo
Bilder: Harald Mischler,2017