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Was lange befürchtet worden war, hat sich nicht ganz bewahrheitet: Die minimalste Ausdehnung des Arktischen Meereises erreichte dieses Jahr mit 4.15 Millionen Quadratkilometer seinen zweitkleinsten Wert seit 1979 mit den Messungen begonnen worden ist. Nur 2012 wurde ein noch kleinerer Wert gemessen, als das Meereis im September auf etwas über 3.3 Millionen Quadratkilometer geschrumpft war.
Doch Grund zum Jubeln ist mit der Nachricht trotzdem nicht gegeben. Dieser Minimalwert des Arktischen Meereises, der regelmässig am Ende des Nordsommers mithilfe von Satellitenaufnahmen gemessen wird, ist ein Gradmesser für den Zustand der Arktis im Zuge der globalen Erwärmung. Die 13 kleinsten Werte seit 1979 wurden alle in den vergangenen 13 Jahren gemessen, was ein klarer Hinweis darauf ist, dass die Arktis zu den am stärksten von der Erwärmung betroffenen Regionen zählt. «Der diesjährige Minimalwert zeigt, dass es keine Anzeichen für eine Erholung der Meereisbedeckung gibt,» erklärt Claire Parkinson, Klimaexpertin und leitende Wissenschaftlerin am NASA Goddard Space Flight Center. «Der langfristige Trend der Arktischen Meereisausdehnung ist definitiv rückläufig. Aber in den vergangenen Jahren war die Ausdehnung so gering, dass Wetterbedingungen die Ausdehnungen des jeweiligen Jahres entweder zu einem neuen Rekordtief gebracht hatten oder es in den Top Ten halten konnte.»
Die Saison startete schon mit einem sehr niedrigen Maximalwert, der im Verlaufe des Frühjahrs immer weiter abnahm. Im Juli folgte ein signifikanter Eisverlust, der aber ab Mitte August sich stark abgeschwächt hatte. «Das war eine interessante Saison», meint auch Walt Meier, Meereisforscher am National Snow and Ice Data Center (NSIDC) in Boulder, Colorado. «Anfang August hatten wir ein Rekordminimum für diese Jahreszeit und daher wäre auch ein neuer Jahrestiefstwert drin gewesen. Doch anders als 2012, als die niedrigste Eisausdehnung verzeichnet worden war und wo im August ein kräftiges Tiefdruckgebiet die Eisdecke zerschmettert hatte und so für den Rückgang gesorgt hatte, war in diesem Jahr kein extremes Wetterphänomen zu verzeichnen. Obwohl es ein warmer Sommer in der Arktis war, mit Temperaturen, die 4 – 5 °C über dem Durchschnitt gelegen hatten, spielten die Ereignisse wie beispielsweise die Brände in der Arktis für die Eisschmelze keine grosse Rolle. Zu dem Zeitpunkt, als die sibirischen Buschbrände Ende Juli so richtig in Fahrt gekommen waren, ging die Sonne schon wieder in der Arktis runter und der Effekt, den die Asche der Feuer durch das Abdunkeln des Meereises hatte, war nicht so gross», erklärt Meier weiter. «Auch die Hitzewelle in Europa hatte sicherlich einen dramatischen Effekt auf den Eisverlust an Land, beispielsweise in Grönland und sorgte für einen Anstieg in Ostgrönland. Doch das ist ein Gebiet, in dem Meereis entlang der Küste nach Süden transportiert wird und daher schneller schmilzt.» Insgesamt ist der Abwärtstrend des Arktischen Meereises einmal mehr bestätigt worden, ein Effekt der auch im neuen Sonderbericht des Weltklimarates Einzug gehalten hat. Dort wird das Abschmelzen des Arktischen Meereises mit den Klimaveränderungen und einer Zunahme von extremen Wettersituationen in Verbindung gebracht.
Ein Video mit dem Verlauf der Eisausdehnung 2019 findet sich auch in der Sektion Video und auf Youtube, Stichwort Polar Journal.
Quelle: NASA Goddard Space Flight Center