Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03455.jsonl.gz/355

Weinfehler
Schmeckt nach Pferdeschweiss, nassem Leder
Erst in jüngerer Zeit wurde dieser Wein-Fehler eindeutig identifiziert.
Verursacher dieses üblen Geruchs und Geschmacks sind Mikroorganismen, die durch flüchtige Phenole (Stoffwechsel-Produkte) des Hefeartenstammes Brettanomyces bruxellensis hervorgerufen werden. Der Wein hat einen süsslich-scharfen Geruch, der an Pferdestall erinnert und schmeckt nach Essig, Speck, Erdöl oder Teer. Unter Fachleuten wird im Rahmen einer Wein-Ansprache von animalisch, erdig oder schweissig gesprochen.
Oft ist dieser Fehler bei Rotweinen feststellbar, die einem Barriqueausbau mit neuen Fässern und/oder einer Kohlensäure-Maischung (Macération carbonique) unterzogen wurden.
Nicht immer wird dieser Geruch und Geschmack als Wein-Fehler betrachtet. Brettanomyces bilden neben flüchtigen Phenolen auch Ethylphenole, welche in geringen Mengen für positive Aromen sorgen und sich durch einen rauchigen Geruch nach Gewürznelken äussern. Er ist für viele australische und südafrikanische Weine aus der Rebsorte Syrah typisch. Auch im Bordaux wird dies sogar als gebietstypisches Charakteristikum des Bodens bzw. der Ausbauart angesehen.
Wenn die charakteristischen Leitsubstanzen 4-Ethylguaiacol und 4-Ethylphenol 0,425 mg/l übersteigen oder wenn der effektive Gehalt an Ethylguaiacol über einem Wert von 0,07 mg/l liegt, äussern sich stechende, negative Aromanoten. Eine weitere entdeckte Leitsubstanz ist 4-Etyhylcatechol. Für sie ist noch kein Schwellenwert festgelegt worden.
Vereinzelte Weinkenner lehnen diese Fehltöne grundsätzlich ab. Sie gehen davon aus, dass diese durch mangelnde Hygiene entstanden sind.