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Selbstorganisation als Zeittransformation
Freier Wille und freies Entscheiden sind notwendige Bedingungen für Selbstorganisation. Ist es aber auch eine hinreichende Bedingung? Selbstorganisation schafft nicht aus sich selbst heraus ein gutes und gelingendes Leben. Strukturen mit einer hohen Potenzialität an Selbstorganisation sind Zeittransformatoren und sie haben die Möglichkeit zur Synchronisierung vieler alltagsrelevanter und insbesondere zeitlicher Horizonte. Haben sie aber auch genügend Freiräume, um Synchronisationskrisen zu entschärfen oder zu verhindern und die Spannung zwischen Lebenszeit, Echtzeit und einem sich zersetzendem kollektiven Zeitrhythmus zu lösen?
Was bedeutet Selbstorganisation vor dem Hintergrund der zwei grössten Probleme, die es zu lösen gibt: dem Klimawandel und dessen Leugnung? Und was bedeutet Selbstorganisation hinsichtlich der drei bedeutendsten Maximen der moderneren Gesellschaft: a) Schneller vor langsamer, b) Mehr vor weniger und c) Geld als Zaubermittel? Wenn wir uns dann noch fragen, wie wir aus der Rette-sich-wer-kann-Gesellschaft zu einer Gesellschaft der Mitmenschen gelangen, dann ist es meiner Meinung nach nicht mehr weit zu der Forderung nach einer distributiven und regenerativen Ökonomie, nach der Würde als Muster des Handels und Tuns und nach einer „Ethik des Passanten“ als Ausdruck eines Begriffes von Selbstorganisation, der sich auf ein gutes und gedeihendes Leben aller Menschen bezieht.