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Vollständige Version anzeigen : Frage zu Umkehrschub bei Absturz NG B767-300ER
petra
25. April 2003, 08:40
Ich lese z.Zt. gerade die technischen Hintergründe des Lauda Air Absturzes 1991 über Thailand. In dem Buch ist alles genau erklärt: Die EICAS-Anzeige im Cockpit, die Triebwerksinfos -auch über Veränderungen- liefert. Die Piloten der B767-300ER sahen plötzlich "L REV ISLN VAL" auf dem Bildschirm, die den Umkehrschub des linken Triebwerkes ankündigte. Anfangs verhinderte das Sicherungssystem das Ausfahren des Umkehrschubes im Flug ("REV ISLN VAL"); die Piloten schenkten der Anzeige deshalb keine Beachtung mehr. Nach fünfzehn Minuten jedoch wurde der Umkehrschub trotz der eingebauten Sicherung ausgefahren. Was mich jetzt interessieren würde: Warum ist es überhaupt möglich, den Umkehrschub im Flug zu aktivieren? Wenn das überhaupt nicht möglich wäre, bräuchte man auch kein Sicherheitssystem, das versagen könnte!?
:confused:
Alladin
25. April 2003, 09:00
Hi Petra,
ich kann Dir zwar keine Antwort geben, aber mich würde interessieren um welches Buch es sich hier handelt.
Danke!
DNovet
25. April 2003, 17:45
Salü Petra!
Nun, darf ich vielleicht eine Frage zurückstellen:
Definier bitte "man kann die Reverser im Flug ausfahren"...
Bei modernen Fliegern ist dies mit elektronik gelöst, dass der Reverser nicht aktivierbar ist. Geht man nun jedoch hin, und legt eine externe Spannungsquelle an das Bauteil in der Nacelle, welche die Betätigung des Reverse steuert, so wird der Reverser trotzdem fahren.
In diesem Sinne muss unterschieden werden, ob die Reverser (oder auch sonst irgend ein anderes System) unter normalen Bedingungen betätigt werden kann und ob es unter abnormalen Bedingungen betätigt werden kann.
Man kann es ein wenig mit der Sache mit dem Fly-by-wire beim Airbus vergleichen. Klar gibt es eine Möglichkeit, dass kein Strom mehr auf dem Flieger ist. Aber dann gibt es eben dann noch die Redundanzen und die damit verbundene Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert.
Oder eine andere Art von Beispiel: Was nützen dir tausende von Sicherungen, die dir jedes einzelne Lämpchen im Flieger vom Stromnetz abhängen, wenn sich dann das Stromnetz aufgrund eines Defektes selbst kurzschliesst?
Wir haben in den Fliegern eine Menge Sicherheit eingebaut, aber wenn ein Überwachunskreis selbst defekt ist, dann kann er auch Defekte anderer Komponenten nicht mehr erkennen und dann können schlimmere Dinge passieren.
Einfach nur fragen "Warum kann man Reverser im Flug ausfahren" gilt nicht, denn das kann man nicht, wenn man den Flieger richtig bedient. Fairer wäre zu fragen, wieso wurden die Reverser doch und erst nach 10 min gefahren, obwohl dies eigentlich nicht hätte passieren dürfen?
In diesem Sinne: Nix für ungut...
@Alladin:
Sorry, dass ich Dir jetzt erst den Buchtitel nenne...Echt unmöglich von mir.:001:
Jan-Arwed Richter und Christian Wolff
Jet-Airliner-Unfälle seit 1952
Headset Karlsruhe Germany
Döhler und Reinwarth
Hallo Petra
Interessante Lektüre in diesem Zusammenhang ist auch "Runter kommen sie immer - Die verschwiegenen Risiken im Luftverkehr" von Tim van Beveren, erschienen im Campus-Verlag. Der Lauda-Absturz wird da ebenfalls behandelt.
Gruss, Flo
Peter Guth
5. May 2003, 20:27
... die realen Hintergründe sind erheblich komplizierter, diffuser, was den zitierten Absturz betrifft, angefangen von Reparaturarbeiten an Steuerventilen bei einem Maintenance Betrieb in Ungarn, der angeblich keine Zulassung dafür hatte, bis hin angeblicher Verwendung von Second Hand Parts....
Gruß PG
Flyermans
7. May 2003, 22:39
Ich Staune das ein FGM so eine larifari Antwort gibt!
Nach dem Lauda Air Vorfall wurden an den Reversern Modifikationen durchgeführt. Es wurde ein zweites Sicherungssystem eingebaut. Der Syncklock. Dieser soll expliziet verhindern, das der Reverser im Fluge auffährt.
Peter Guth
8. May 2003, 18:34
tja, Ronald,
tolle Wurst, Dein Hinweis. Man könnte sich ja mal "auf ein Bier" treffen, um aus dem Nähkästchen zu plaudern. Nämlich über die Themen, die man hier bewußt nicht postet. Ich würde dann ein paar AUA Kollegen mitbringen....
Servus
PG
Original geschrieben von Peter Guth
Nämlich über die Themen, die man hier bewußt nicht postet.
Immer schön zu wissen, dass es Themen gibt, welche man "hier bewusst nicht postet", insbesondere im Zusammenhang mit Unfällen. So werden interessanten Diskussionen die Grundlagen entzogen und Spekulationen gefördert...
Flyermans
9. May 2003, 22:39
Hallo Peter! und auch alle Anderen,
Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich habe nur das gesagt, was ohnehin bekannt ist. Zum Unfall habe ich mich nicht geäusert.
Mir passt es nicht, hier dann so Angegriffen zu werden, als würde ich Geheimnisse preisgeben. Im Gegenteil, ich sage den Leuten, die Sicherheit wurde erhöht. Eine Wiederholung soll in jedem Fall verhindert werden.
@Peter
Wir können uns gerne per Mail über den Unfall unterhalten und was ich Denke.
Peter Guth
10. May 2003, 10:13
hallo,
jetzt bitte nicht denken, "man" wolle eine diesbezügliche Diskussion abwürgen. Uns sind wohl hier durchweg die Untersuchungsergebnisse und die daraus resultierenden technischen Änderungen bekannt.
Andererseits war es - zumindest für mich - sehr interessant, in Gesprächen mit damaligen Kollegen auch Internas zu hören, bei denen man sich nur wundern konnte. Nämlich insich äußerst schlüssige, aber eben nur erzählte Details. Und deshalb nicht geeignet, sie durch weitersagen irgendwie "offizieller" zu machen.
Dazu gehörten dann auch "Berichte" über nicht "koscheres" Maintenance bei LTB´s in Ungarn, Teilverwendung von "dubiosen" Gebrauchtteilen und vieles mehr. Deshalb ja mein Verweis auf "mitbringen der AUA Jungs", die nun ebenfalls im Ruhestand sind. Einer von denen (zuletzt rated A310/A340) war übrigens ein enger Freund des damals tödlich verunglückten FO.
Aber, ich denke nun mehr auch, es erscheint sinnvoller, sich auf die offiziellen Berichte zu beziehen. Und diese sind ja nachlesbar.
Gruß PG
Walter Fischer
14. May 2003, 18:57
Wenn eine Fehlermeldung über
s e c h z i g m a l
gelöscht wird, ohne der Sache endgültig auf den Grund zu gehen und das Flugzeug am Boden zu bleiben hat,
ja dann erübrigen sich eigentlich alle nachfolgenden In- und Outsider- Diskussionen.
Wie ich meine:001: :001: :001:
Gruss Walti
Peter Guth
16. May 2003, 16:29
... siehste, lieber Walter,
Du bist wieder einmal auf der richtigen Spur. Und diese Hintergründe, die in der Tat damit erfolgten Reparaturversuche und Methoden sind es, die ich ansprach und intern mit unserem lieben "Flyermans" auch disktuiert habe...
Gruß PG
Flyermans
16. May 2003, 18:00
Tja Peter!
Ich behaupte halt nie etwas, was ich nicht beweisen kann.
Dir gegenüber habe ich meine Bedenken und offenen Fragen geäusert.
Mir persönlich kommt das Gefühl, das das Schweigen hier im Forum fortgesetzt wird. Dazu zählt für mich ein DNovet, der so larifari geantwortet hat und sich nicht mehr äuserte.
DNovet
17. May 2003, 06:27
Und da meldet sich der larifari wieder mal!
Wieso hätte ich mich nochmals melden sollen? Habe meine Aussage gemacht und von meiner Seite ists somit gut. Oder wurde ich etwas gefragt oder habe ich jetzt was verpasst?
Ich fühle mich da ein wenig angegriffen und versteh nicht warum!
Viele Grüsse von Dani, der sich überlegt, seinen Nick in "Larifari-Mech" zu ändern...
DanielSchweizer
20. May 2003, 20:29
Naja Dani, solange du meinen, ähh sorry UNSER ALLER Flieger nicht larifari-mässig reparierst resp. wartest, ist ja alles in Ordnung. :D
Nein, im ernst: Auch ich sehe nicht ganz, was da Flyermans genau mit seiner Aussage meint. Dani hat doch die Frage ganz allgemein und informativ beantwortet...
Ausserdem besitze ich eine ganze Reihe von diversen Büchern, die u.a. auch diesen Unfall behandeln. Und es ist wohl kein Geheimnis, dass im Vorfeld dieses Unglücks nicht so alles abgelaufen ist, wie es sein sollte.
Gruss
Dani
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