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Georg Gsell, 1673 - 1740
Georg Gsell, war Homaler Peter des Grossen, der ihn 1717 ins neu gegründete St.Peterburg rief und ihm den Aufbau der dortigen Kunstakademie übertrug. In dritter Ehe war er mit Dorothea Graf verheiratet, eine Tochter der bekannten Pflanzen- und Insektenmalerin Sybilla Merian.
Otte Gsell hat 1981 eine kleine Monographie zu Georg Gsell in Band II der "St.Galler Kultur und Geschichte" veröffenticht
Hans Otto Gsell *1941 beschäftigt sich eingehend mit seinem Vorfahren Georg Gsell und wird demnächst seine Arbeit publizieren.
Die 12 Apostel
Lebenslauf
Maria Gertrud von Loen, 1671-1713 und Georg Gsell heirateten am 23.02.1697 in Wien. Maria Gertrud stammte aus Frankfurt am Main. Sie verstarb am 13.05.1713 in Amsterdam. Das Paar hatte fünf Töchter, darunter Elisabeth Gsell, geboren 1699 in St. Gallen, die 1717 in Amsterdam den Bibliografen und Übersetzer Isaac Le Long heiratete, und Katherina Gsell, 1707 in Amsterdam geboren, die später die erste Ehefrau des Mathematikers Leonhard Euler wurde. Im Jahr 1704 liess sich die Familie in Amsterdam nieder. Maria Gertud starb 1713.
Anna Houtmans heiratet Georg Gsell am 28.12.1714. Die Ehe dauerte nur bis zum 05.06.1715. Der Grund der Scheidung bleibt unbekannt.
Georg Gsell lebte mit Dorothea Maria Henriette Merian-Graff, als Gattin und Maria Sibylla Merian als Schwiegermutter im gemeinsamen Haushalt. Er hatte damit zwei aussergewühnliche, emanzipierte Frauen um sich, die sich in religiösen Erfahrungen, Reisen nach Surinam, ihren wissenschaftlichen Untersuchungen und deren küstlerischen Darstellung, ihre eigene Lebenswelt zu gestalten verstanden. Ihr Leben findet auch heute noch in Zahlreichen Publikationen Beachtung
Der Künstler Georg Gsell
Georg Gsell erhielt seine künstlerische Ausbildung 1690–97 in Wien bei Antoni Schoonjans der 1695 in Wien Hofmaler wurde, einem in der Rubensnachfolge stehenden spätbarocken Historien- und Porträtmaler aus Antwerpen. Gsell übernahm dessen flämisch-barocke Malweise. Zu Beginn des 18. Jh. finden wir Georg Gsell in Amsterdam. Holland steht am Ende des goldenen Zeitalters. Im 17. Jahrhundert erreichte die Malerei in den Niederlanden eine derartige Blüte, dass sie gelegentlich alleine mit dem Begriff des Goldenen Zeitalters verbunden wird. Aus dem Wikipedia Artikel hierzu zitieren wir:"Stilleben gewährten Einblicke in das tägliche Leben des Bürgertums mit protzigen, sinnesfreudigen Interieurs hinter äußerlich unscheinbar und klassizistisch streng daherkommenden, schmalen Bürgerhäusern. Vanitas Motive rechtfertigten die Zurschaustellung von Reichtum und Macht durch ihre warnende Botschaft".
Georg Gsell ist in dieses Milieu hinein gewachsen und hat sich darin sowohl als Kunsthändler als auch als Künstler etabliert. Er wurde Bürger von Amsterdam.
Die 9 Kinder und 2 Stiefkinder von Georg Gsell
Die fünf Töchter aus der erste Ehe: Gsell - Van Loen sind:
- Elisabeth Gsell *1698 - ? Sie heiratete 1717 Jsaak Le Long. Sie hatten 2 Söhne und 4 Töchter.
- Anna? Margaretha Gsell *1699 - ?
- Anna / Johanna Gsell *1704 - ?, Sie heiratete in erster Ehe, 1720, Daniel Ludwig Vermeulen, in 2. Ehe, 1739, Gerrit A. Chr. Keys. Sie hatte 9 Kinder aus erster, ein Kind aus zweiter Ehe.
- Catharina Elisa Gsell *1707 - 1773. Sie heiratete 1733 den Mathematiker Leonhard Euler. Sie hatten 11 Kinder.
- Elisabeth Paulina Gsell *1709 - 1728.
Aus der Ehe Gsell - Graf sind bekannt:
- Eleazar Georg Gsell *16.07.1718 - getauft 16.07.1718 St.Petersburg. Von ihm sind 2 Söhne bekannt: Iwan Gsell und Franz Gsell.
- Peter Gsell *1720 - ?
- Israel Benjamin Gsell *24.03.1722 St.Petersburg - ?.
- Salome Abigail Gsell *1723 - 1798. Sie heiratete, nach dem Tod ihrer Stiefschwester Catherina Elisa den Witwer Leonhard Euler.
Die 3 Stiefkinder aus der ersten Ehe von Dorothea Maria Graff mit Philip Hendricks sind:
- Johanna Dorothea Hendricks *1706 - ?
- Johannes Mattheus Hendricks *1710 - ?
- Maria Elisabeth Hendricks ?
Georg Gsell, Bürger von Amsterdam
Zar Peter der Grosse, der seit 1712 mit der späteren Katharina I. verheiratet war, unternahm 1716/17 eine große Reise nach Westeuropa. Nach dem Sieg über Schweden war er bemüht, Russland als gleichberechtigten Partner der europäischen Großmächte zu etablieren. Den Auftakt bildete ein Kuraufenthalt in Pyrmont, danach besuchte er die Höfe von Berlin und Kopenhagen. Über Holland ging es weiter nach Paris, wo der Zar mehrere Wochen blieb und vom jungen König Louis XV. empfangen wurde. Über den Kurort Spa, über Holland und Berlin kehrte er in die neue Hauptstadt St. Petersburg zurück. In Paris war er nicht auf viel Gegenliebe gestossen, da sein raues gesellschaftliches Gehabe nicht dem französischen Esprit entsprach. Vergleiche hierzu die Biographie von Francine-Dominique Liechtenhan: Pierre Le Grand. Le premier empereur de toutes les Russies.
Immerhin, der Zar wollte für die im Aufbau begriffenen Sammlungen und wissenschaftlichen Institute St. Petersburgs Bilder und gelehrte Werke aufkaufen. Amsterdam, wo er als junger Mann das Handwerk eines Schiffszimmermanns erlernt hatte, war ihm der geeignetzte Ort hierzu. Bei diesem Geschäft ging ihm Georg Gsell an die Hand. Er fand in ihm einen Ratgeber mit vielseitigen Begabungen und den weitreichenden Beziehungen zu Amsterdamer Maler- und Sammlerkreisen.
Im Hause Gsells lernte der Zar die damals im siebzigsten Lebensjahr stehende Künstlerin Sibylle Merian und ihre Tochter kennen. Vor allem aber sah er dort eine grosse Zahl von Aquarellen einheimischer und exotischer Tiere und Pflanzen, die den Merians als Vorlage für ihre berühmten Kupferstichwerke gedient hatten. Er erwarb das Konvolut für 3000 Gulden am 13. Januar 1717, am Tage, an dem Maria Sibylla das Zeitliche segnete. Er sicherte sich auch wissenschaftliche Sammlungen des Arztes Rutsch sowie des Apothekers Albert Seba.
Auf dem Schiffstransport der Naturaliensammlung nach St. Petersburg wurde der reine Alkohol der Tierpräparate zum Teil als Trinkalkohol zweckentfremdet. Mehrere Exponate verdarben und mussten nachbestellt werden.
Mit dem Zar nach Petersburg
Als der Zar in seine neue Hauptstadt zurückkehrte, 17.10.1717, befand sich in seinem Gefolge auch das Ehepaar Gsell samt ihrer beiden Töchtern.
Georg Gsell wurde in St.Petersburg zum Hofmaler ernannt, und 1720 zum Leiter der Kunstakademie und Vorsteher der kaiserlichen Sammlungen, in denen die Merian-Aquarelle einen Ehrenplatz einnahmen. Später wurden diese Sammlung auf verschiedene wissenschaftliche Institute verteilt, wo sie sich noch heute befinden.
Gsells eigener künstlerischer Aufgabenbereich war vielfältig: Für Zar Peter I. schmückte er in der Hauptstadt 1717–19 dessen Sommerpalast und die Parkgrotte mit Allegorien, arbeitete in der kaiserlichen Sommerresidenz Peterhof und projektierte Illuminationen für Hoffeste; für die Akademie illustrierte er wissenschaftliche Publikationen und zeichnete beispielsweise 1728 das Innere eines im Tierpark verendeten Löwen oder 1734 einen Walfisch aus der Sammlung. In den 1730er Jahren war er mit der Ausschmückung verschiedener St. Petersburger Kirchen beschäftigt (unter anderen der Deutsch-Lutherische).
Nach dem Tod Peters des Grossen (1725) erteilten Georg Gsell und seine Frau Dorothea ab 1727 an der noch vom Zaren gegründeten Akademie der Wissenschaften und Künste Zeichen- und Malunterricht. Gsell und seine Gattin wirkten in St. Petersburg auch als Vermittler und Vermittlerin der künstlerischen und naturwissenschaftlichen Leistungen von Maria Sibylla Merian. Das Künstlerpaar widmete sich deren, in der Kunstkammer bewahrtem Erbe und bildete viele angehende russische Künstler in genauer Naturwiedergabe aus. Unter seinen Schülern befand sich auch Johann Heinrich Euler, der Bruder des Akademiemitglieds Leonhard Euler.