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Ursprünglich wurde die M&S Aufnahmetechnik vom Techniker Holger Lauridsen entwickelt. Der Grundgedanke dieser Mikrofonie war es, ein monokompatibles Stereosignal für Radiozwecke (Dänisches Staatsradio) zu erhalten. Die M&S Technik lässt sich auch auf konventionelle Stereospuren anwenden. Um Mitten- und Seitensignale getrennt bearbeiten zu können, müssen die L+R Stereospuren zuerst umgewandelt werden. Die Umwandlung erfolgt mit Hilfe eines M&S Encoders. Nach erfolgter M&S Bearbeitung folgt ein M&S Decoder, welcher die Mitten und Seitensignale wieder zurück in konventionelle L+R Stereospuren wandelt.
Das Mittensignal - Mischt man von einer konventionellen Stereoaufnahme den linken und rechten Kanal zusammen so erhält man das Mittensignal. Signalanteile, welche auf beiden Kanälen identisch sind, addieren sich. Gegenphasige Anteile löschen sich aus. Andere Signalanteile wiederum befinden sich irgendwo dazwischen. Das heisst, sie löschen sich nur teilweise aus oder umgekehrt gesehen, sie addieren sich nicht gleich stark wie identische Signale. Im gewonnen Mittensignal sind also fast alle Stereoanteile vorhanden, allerdings in einer neuen Anordnung ihrer Intensität und zum Teil durch Phasenauslöschungen moduliert.
Das Seitensignal wird durch Zusammenmischen beider L+R Kanäle gewonnen. Hierzu muss jedoch zuvor ein Kanal in der Phase um 180° gedreht werden. Vorzugsweise ist das der rechte Kanal, da die meisten M&S Decoder den rechten Kanal für die M&S Rückwandlung zu Stereo in der Phase drehen. Mit den Signalanteilen geschieht ähnliches wie bei der Gewinnung der Mittensignale. Signalanteile, welche ursprünglich identisch waren löschen sich aus. Ursprünglich gegenphasige Signalanteile addieren sich und solche dazwischen löschen sich teilweise aus.
Das Mittensignal wird zu gleichen Teilen auf die linke und rechte Spur geführt. Das Seitensignal wird auf einem Kanal gleichphasig und auf dem Anderen gegenphasig zu gleichen Teilen hinzugegeben. Fertig. Wichtig ist, dass dieselbe Seite in der Phase um 180° gedreht wird wie bei der Wandlung von Stereo zu M&S.
M&S Encoder - Als Ausgangslage dient eine Stereoaufnahme auf einem Stereokanal. Ein stereo Pre Fader Send (-3.5dBfs) führt auf stereo Buss1, ein zweiter auf stereo Buss2. Buss1 führt zum Aux-Track1. Im Aux-Track1 sorgt ein Trim Plug-In dafür, dass links und rechts zusammengemischt werden. Dies ist das Mittensignal. Buss2 führt zum Aux-Track2. Im Aux-Track2 mischt ein weiteres Trim Plug-In links und rechts zusammen. Diesmal mit einer 180° Phasendrehung auf der rechten Seite vor dem Zusammenmischen. Dies ist das Seitensignal. Alle Plug-Ins, welche nach den Trims zugeschaltet werden, bearbeiten die Mitten- bez. die Seitensignale getrennt. Die Lautstärkekontrolle auf dem Aux-Track1 justiert die Stereobreite. Da in Digital Performer jeder Parameter automatisierbar ist, gestaltet sich eine dynamische M&S Bearbeitung sehr einfach.
M&S Decoder - Der Panorama Regler von Aux-Track1 leitet das Ausgangssignal zur linken Seite. Der Panorama Regler von Aux-Track2 leitet das Ausgangssignal zur rechten Seite. Die Ausgänge beider Aux-Tracks werden auf stereo Buss3 geleitet. Buss3 führt zu Aux-Track3, in dessen Insert ein M&S Decoder Plug-In für die Rückwandlung von M&S zu stereo sorgt. Mit der Solo Funktion kann jeweils zwischen Original und M&S Bearbeitung verglichen werden.
Erläuterung - Die Pre Fader sends sind auf -3.5dBfs gestellt. Diese Reduktion ist notwendig, weil durch das Zusammenmischen von L+R auf mono eine Lautstärkezunahme von 3.5dBfs erfolgt. Die Sends sind auf Pre Fader gestellt, damit beim Abschalten des Originalsignals die M&S Schaltung funktioniert.
Schaltung testen - Originalsignal phasengederht mit dem M&S Signal (ohne Plug-Ins) zusammenmischen. Die Signale müssen sich 100% auslöschen.
Grundsätzlich sollte mit jeder DAW eine M&S Schaltung möglich sein, die über ein freies Routing verfügt. Allerdings muss eine fortgeschrittene Latenzeitkompensierung gewährleistet sein. Eine Kompensierung der DAW durch Zurückstellen der Audiospuren oder Busse reicht nicht. Beachten Sie: die Signale werden von einer Quelle aufgeteilt und mit verschiedenen Plug-Ins bearbeitet, welche unter Umständen auf den Mittensignalen andere Latenzen verursachen als auf den Seitensignalen. Eine ungenügende Latenzzeitkompensierung einer DAW hat schlechte Resultate zur Folge.