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Im Kanton Schwyz sollen zum Schutz der Seeforellen Gänsesäger abgeschossen werden (naturschutz.ch hat darüber bereits ausführlich berichtet, hier der Artikel). Das Hauptverbreitungsgebiet des Gänsesägers in Europa erstreckt sich von Norwegen bis nach Russland. Der Gänsesäger hat sein Brutgebiet in den letzten Jahrzehnten ausgedehnt, und der Brutbestand ist angestiegen. Der Schweizer Bestand wird auf gegenwärtig 500 Paare geschätzt. Im Winter gesellen sich zu unseren Brutvögeln Gäste aus Nordeuropa. Neue Studien der Vogelwarte Sempach über das Verhalten und die Genetik der Gänsesäger belegen, dass die Gänsesäger des Alpenraums eine eigenständige Population bilden. Angesichts solcher Erkenntnisse zeigt sich die Vogelwarte sehr besorgt über die Abschüsse, welche die alpine Population gefährden könnten. Kommt hinzu, dass der Gänsesäger von Gesetzes wegen eh geschützt ist und eigentlich gar nicht abgeschossen werden dürfte.
Forscher der Vogelwarte Sempach stellten genetische Unterschiede zwischen der Alpenpopulation und den Brutpopulationen in Nordeuropa fest. Die Unterschiede lassen sich durch das Paarungs- und Zugverhalten des Gänsesägers erklären. Die Analyse der mitochondrialen DNA verschiedener Gänsesäger aus dem Alpenraum (Tiere aus Bayern und der Schweiz) ergab für die Proben aus der Schweiz und Bayern nur je zwei (unterschiedliche) Haplotypen. Diese kleine Anzahl und die Unterschiede zwischen den Proben aus der Schweiz und aus Bayern deuten darauf hin, dass die Besiedlung des Alpenraumes von separaten kleinen Gründerpopulationen ausging.
Proben von in der Schweiz im Winter geschossenen Gänsesägern enthielten neben den für die Schweizer Brutpopulation typischen Haplotypen auch solche nordischer Vögel. Die anteilsmässige Zusammensetzung der Haplotypen deutet darauf hin, dass über die Hälfte des Winterbestands aus Individuen der alpinen Brutpopulation besteht, was wiederum mit den Ergebnissen der winterlichen Wasservogelzählungen in der Schweiz zusammenpasst. Wegen der Unterschiede in der Genetik und im Verhalten ist die alpine Population des Gänsesägers als eigenständige Population zu betrachten, für welche die Alpenländer eine besondere Verantwortung tragen. Der geplante Abschuss im Kanton Schwyz ist deshalb höchst fragwürdig.
Studie der Vogelwarte (englisch)