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Goldbericht: Zusammenfassung mit Illustrationen
Beim nachfolgenden Text handelt es sich um eine kurze Zusammenfassung des GfbV-Berichts «Drehscheibe Schweiz für risikobehaftetes Gold? Fallstudien aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Sudan, der Demokratischen Republik Kongo, Liberia und Peru». Für Angaben zur Methodologie, Quellen, Fussnoten und zu den Recherchen verweist die GfbV auf die deutsche Langversion des Berichts.
Die Schweiz ist ein rohstoffarmes Land. Trotzdem werden hier 70 Prozent des jährlich abgebauten Goldes verfeinert. Vier der weltweit grössten Raffinerien sind in der Schweiz ansässig. Woher kommen die Tonnen von Gold, die hierzulande verarbeitet und gehandelt werden?
Zusammen mit Rechercheuren hat die GfbV den globalisierten Goldhandel anhand der Länder Peru, Vereinigte Arabische Emirate, Sudan, Liberia und der Demokratischen Republik Kongo analysiert. Die Resultate wurden soeben im Bericht „Drehscheibe Schweiz für risikobehaftetes Gold? Fallstudien aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Sudan, der Demokratischen Republik Kongo, Liberia und Peru“ veröffentlicht.
Der Bericht zeigt auf: Es bestehen erhebliche Risiken, dass ein Teil des Schweizer Goldverarbeitungs- und -handelsplatzes mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung zusammenhängt.
Peru - Madre de Dios und Puno
Am Beispiel Peru wird ersichtlich, dass Gold aus problematischen Regionen in die Schweiz gelangt.
Peru ist der grösste Goldproduzent Südamerikas und steht weltweit an sechster Stelle. Seit über zwei Jahrzehnten breitet sich der illegale Kleinbergbau in einigen Regionen Perus aufgrund des erhöhten Goldpreises rasant aus. Die Folgen davon sind gerodete Wälder, von Quecksilber verseuchte Flüsse und Kraterlandschaften. Die Arbeitsbedingungen der Mineure sind prekär, Geldwäscherei und Menschenhandel verbreitet.
Die zwei Regionen Puno und Madre de Dios sind Hotspots dieses menschenrechtsverletzenden und umweltzerstörenden Goldabbaus – und sie weisen Verbindungen in die Schweiz auf. So exportiert etwa die Firma Minerales del Sur, die Einkaufsstellen in diesen beiden Regionen führt und deren Besitzer gar selber Goldabbaugebiete in Madre de Dios besitzt, ausschliesslich in die Schweiz. Die Exportfirma ist offiziell nur dazu berechtigt, Gold in Puno auf- und weiter zu verkaufen. Jedoch exportiert sie seit 2014 mehr Gold in die Schweiz, als dort offiziell abgebaut wird. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass es sich bei der Differenz um jenes Gold handelt, das Minerales del Sur in Madre de Dios aufkauft oder abbaut.
Ihre Tätigkeiten brachten Minerales del Sur auch schon ins Visier der peruanischen Justiz und Behörden. Nichtsdestotrotz exportiert die Firma weiterhin Gold in die Schweiz.
Vereinigte Arabische Emirate
Dubai gehört zu den grössten Goldhandels- und -verarbeitungsplätzen weltweit. Es erstaunt also auf den ersten Blick nicht, dass die Schweiz etwa im Jahr 2016 aus keinem Land mehr Gold bezog als aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Doch wie die Schweiz bauen auch die VAE selber kein Gold ab. Von wo also kommt dieses Edelmetall tatsächlich?
Unser Bericht deckt auf: unter anderem vom Sudan, der Demokratischen Republik Kongo und Liberia.
Gold aus dem Sudan
Der bewaffnete Konflikt im Sudan hat seit 2003 Hunderttausende von Opfern gefordert. Weitere Hunderttausende Menschen wurden vertrieben. Gold nährt diesen Konflikt: In Darfur findet rund die Hälfte der sudanesischen Goldproduktion statt. Der Grossteil dieser Goldminen wird von bewaffneten Gruppen kontrolliert, die damit jährlich schätzungsweise 54 Millionen Dollar verdienen. Unsere Analyse tausender sudanesischer Goldtransaktionen lässt eine eindeutige Schlussfolgerung zu: Einige dubaiische Firmen waren und sind mit grosser Wahrscheinlichkeit immer noch eine Hauptdestination von sudanesischem Gold –darunter geschmuggeltes Gold und Konfliktgold. Unser Bericht zeigt auf, dass die von Hand transportierten Goldmengen fast immer in Bargeld bezahlt wurden.
Gold aus der Demokratischen Republik Kongo
Der Abbau von Mineralien schürt auch den erbarmungslosen Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo (DRK), dem Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind oder vertrieben wurden. Ein Grossteil des Goldes aus der DRK wird zuerst in ein Nachbarland geschmuggelt und von dort aus auf kommerziellen Flügen nach Dubai gebracht. In den VAE gibt es keine Importsteuer auf Gold. Am Zoll wird einzig überprüft, woher das Gold zuletzt kam – dabei scheint es jedoch unwichtig zu sein, ob das genannte Land überhaupt Gold produziert. Nachdem dieser fahrlässige Verifizierungsprozess abgeschlossen ist, wird das Gold mit einem Beleg registriert. Es kann nun entweder am lokalen Goldmarkt weiterverkauft werden oder direkt zum bereits vereinbarten Käufer gelangen. Für den Verkauf sind lediglich eine Passkopie und der erwähnte Zollbeleg nötig.
Gold aus Liberia
Liberia ist eines der ärmsten Länder weltweit, dessen Wirtschaft sich seit dem Bürgerkrieg kaum erholt hat. Auch hier übersteigen die exportierten Goldmengen die offizielle Gesamtgoldproduktion bei Weitem. Gemäss Uno-Statistiken importieren die VAE im Jahr 2015 über drei Tonnen Gold aus Liberia, obwohl das Land in diesem Jahr offiziell nicht einmal eine Tonne produzierte. Wie beim Beispiel der Demokratischen Republik Kongo und Sudan fallen auch hier fragwürdige Vorgehensweisen und Unregelmässigkeiten auf: zum Beispiel von Hand transportiertes Gold, Bargeldtransaktionen sowie fehlende Belege, Rechnungen und Luftfrachtbriefe.
Standort Vereinigte Arabische Emirate – Die Kontrollen genügen nicht
Die ungenügenden Kontrollen machen die VAE zu einer wichtigen Destination für Konfliktgold oder geschmuggeltes Gold, von wo aus dieses in die ganze Welt weitergehandelt wird – auch in die Schweiz. Es bestehen keine Zweifel, dass die Schweiz eine der bedeutendsten Abnehmerinnen von Gold aus den VAE ist. Mit über 370 Tonnen war die Importmenge noch nie so hoch wie im Jahr 2016: Gemäss der Schweizer Aussenhandelsstatistik bezog die Schweiz in jenem Jahr von keinem Land mehr Gold.
Wie können Schweizer Abnehmer dabei sicherstellen, von wo das Gold tatsächlich kommt und unter welchen Umständen es abgebaut wurde?
Goldimporte ziehen Verantwortung mit sich
Unsere Reise durch das Dickicht des globalisierten Goldhandels macht eines klar: Die Risiken, dass Gold in der Schweiz raffiniert wird, das unter menschenrechtsverletzenden und umweltzerstörerischen Umständen abgebaut wurde, sind hoch. Um das zu ändern, müssten Schweizer Firmen entweder gänzlich auf Gold verzichten, dessen Herkunft nicht eindeutig bestimmt werden kann, oder aber vertiefte Sorgfaltsprüfungen durchführen. Geschäftsbeziehungen, die bei diesen Kontrollen als problematisch erachtet werden, müssen eingestellt werden. Die GfbV nimmt auch die Schweizer Regierung und Politik in die Pflicht. Denn die aktuelle Situation zeigt: Freiwillige Mechanismen reichen nicht aus, um Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung zu verhindern. Sorgfaltsprüfungen müssen rechtlich verbindlich, der Schweizer Goldhandel transparent werden.
No Dirty Gold – Auch nicht in der Schweiz!
Es bestehen erhebliche Risiken, dass in die Schweiz auch Gold gelangt aus Abbaugebieten, wo:
- Menschenrechte verletzt werden
- Die Umwelt zerstört oder vergiftet wird
- Korruption an der Tagesordnung ist
- Menschenhandel verbreitet ist
- Konflikte ausgelöst oder verschärft werden
Dies wird zusätzlich begünstigt, weil keinerlei Transparenz herrscht und weil die Staaten ihre Kontrollfunktion nicht wahrnehmen.
Forderungen
An die Schweizer Politik:
- Erhöhte Transparenz: Aufschlüsselung der jährlichen Schweizer Aussenhandelsstatistik nach dem Ursprungsland (und nicht nur nach dem Herkunftsland) des Goldes. Offenlegung sowohl der Lieferanten als auch der Empfängerfirmen mit entsprechenden Brutto/Netto-Mengenangaben.
- Rechtliche Verbindlichkeit: Einführung einer gesetzlich verankerten Sorgfaltspflicht mit entsprechendem Sanktionskatalog bei Nichteinhaltung.
An Schweizer Goldraffinerien und -händler:
- Geschäftsbeziehungen: Sofortige Einstellung der Geschäftsbeziehungen, die bei der Sorgfaltsprüfung als problematisch erachtet wurden oder eine Weiterführung an klare Bedingungen knüpfen, die zur Lösung der Probleme führen.