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Ich bin in Mombasa in Kenia aufgewachsen und habe in Nairobi studiert. Nach meinem Abschluss hatte ich keine Ahnung, was ich machen sollte. Ich fand keine Arbeit in meinem Gebiet, also suchte ich irgendetwas anderes, weil ich einen Job brauchte. Ich fand eine Anstellung als Verkäuferin im Arzneimittelverkauf, aber ich merkte schnell, dass es nicht das war, was ich machen wollte. Und obwohl es mir ein stabiles Einkommen gab, kündigte ich. Einige Wochen später traf ich eher zufällig Leute, die zum Thema Eisenmangel forschten. Ich konnte ihnen bei ihrer Laborarbeit helfen und entwickelte so ein Interesse für das Thema Ernährung von Kindern. Nach meinem Masterstudium bekam ich ein einjähriges Stipendium an der ETH Zürich und dann führte eines zum anderen. Letzte Woche konnte ich am Labor für menschliche Ernährung an der ETH Zürich meine Doktorarbeit verteidigen.
Meine Arbeit hatte zum Ziel, dass Kinder in Kenia und Malawi mehr Eisen aufnehmen. Eisen ist wichtig für die kognitive Entwicklung, wenn Kinder zu wenig haben, kann es zu dauerhaften Schäden kommen. Zu wenig Eisen verringert auch die Wirksamkeit von Impfungen. Eisen findet man vor allem in grünem Gemüse und in Fleisch, aber in Gegenden mit knappen Ressourcen essen Kinder vor allem stärkehaltige Lebensmittel. Wir testeten verschiedene Möglichkeiten: Eisen als Pulver über Getreidebrei gestreut, oder als Zusatz in den Frühstücksflocken. Details sind sehr wichtig; wann, wie häufig, wie viel zusätzliches Eisen, das hat alles einen grossen Einfluss darauf, ob das Eisen gut aufgenommen wird.
In Kenia trainierten wir ein lokales Team und auch in Malawi hatten wir eine Gruppe, mit der wir zusammenarbeiteten. Ich mag es, im Feld zu arbeiten, mit Menschen von dort. In manchen Studien begleiteten wir die Kinder mehrere Monate lang. Ich konnte ab dem ersten Tag Veränderungen sehen. Es war sehr inspirierend, wie sich die Gesundheit eines Kindes Tag für Tag verbessert, wenn man auf eine gute Art interveniert. Und es war schön zu sehen, wie auch die Mütter aufmerksamer wurden, wie sie auf die Ernährung und das Wohlergehen ihrer Kinder achteten. Natürlich gab es auch mal Schwierigkeiten. In einigen Studien gaben wir den Kindern das Essen morgens um sieben, also mussten wir um sechs im Spital sein. Manchmal regnete es sehr stark, wir warteten auf die Kinder, würden sie überhaupt auftauchen? Wir schickten manchmal sogar einen Fahrer zu ihnen nach Hause und manchmal blieben wir im Schlamm stecken.
Mein Weg war nicht immer reibungslos, ich war mir immer wieder mal unsicher. Du musst widerstandsfähig sein, aber das kommt erst mit der Zeit. Am Anfang weisst du noch gar nicht, wie widerstandsfähig du wirklich sein kannst. Wenn ich zurückdenke, kommen mir drei wichtige Dinge in den Sinn: Erstens, mutig zu erkennen, wenn du nicht zufrieden bist, mit was du tust. Zweitens, unerschrocken einen Schritt ins Ungewisse zu wagen. Und drittens, leidenschaftlich zu sein, wenn du etwas gefunden hat, das dir entspricht. Meine Familie und Freunde haben mich immer unterstützt, und falls sie ihre Zweifel hatten, haben sie es mir wenigstens nicht gesagt. Es werden nie alle verstehen, was du tust. Du musst selber herausfinden, was du wirklich möchtest. Mir ist es sehr wichtig einen positiven Einfluss zu haben, egal, wie klein er ist. Etwas zu tun und zu sehen, wie es einer anderen Person hilft, das macht mich glücklich.
Ich habe im Moment noch keine konkreten Pläne. Ich ruhe mich aus, suche nach Stellenangeboten. Time will tell.
Vom 8.-13. März organisieren Studentïnnen von fünf Zürcher Hochschulen die Nachhaltigkeitswoche – ein kostenloses Programm mit Events, Workshops und Diskussionen. Stories for Future erzählte eine Woche lang Geschichten von Menschen aus diesem Umfeld.