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Fluß namens Ach entspringt. dieser fließt durch ein Tal und vereinigt sich bei Blaubeuren (Burro) mit der Blau, in der er bis Ulm kommt und dort in die Donau fließt. Ich glaube aber, daß dieser Namen Ach diesem Fluß von dem Namen der Nymphe zugekommen sei, die Vergils Gedichte als Aha 1) besingen, und dieser war vielleicht ein altes Heiligtum an der Stelle geweiht gewesen. Auch hat dieser Fluß bessere Fische, süßere Kräuter und gesunderes Wasser als die Blau. Daher gründeten die Alten, wie gesagt, nach ihrer Sitte an dieser Stelle zuerst einen Tempel. Hierauf als die Verehrung der Nymphen nachließ, bauten wilde Räuber daselbst eine blutige Behausung darüber. Aber als der christliche Glaube eingeführt war, (pag. 187) gründeten Edle aus der Gegend daselbst eine Kirche, die sie mit apostolischer Zustimmung frei und unmittelbar machten, so daß sie unter keinem Bischof oder Priester stand, wie der Stiftungsbrief des Klosters besagt, den ich gesehen habe.
Dann übertrugen die Edlen diese Kirche und alle ihre Rechte auf den Herrn Abt in St. Georgen, der an der Stelle ein kleines und geringes Nonnenkloster errichtete, das bis auf unsere Zeit gestanden ist. Dieses aber brach Frau Helene zum größten Teil von Grund aus ab und baute das stattliche, das noch heute steht; bei dessen Gründung fand man im Innersten der Erde große Fundamente von alten Bauten und eine Masse menschlicher Gebeine und andere derartige Spuren von hohem Alter.
Oberhalb Urspringen auf der anderen Seite des Berges bricht eine starke Quelle hervor, die zu einem Fluß anwachsend durch andere Täler in die Donau eilt. Dieser Fluß aber heißt Schmiecha (Schmiech), von dem wir das folgende Merkwürdige vor Augen sehen. Während er nämlich aus seiner Quelle ziemlich ungestüm hervorbricht, eilt er durch ein Tal in die Fluren und wird dann auf den Wiesen selbst verschlungen und verschwindet vollständig, wie wenn er sich im Schooß der Erde heimlich verbergen würde; denn er dringt nicht durch sichtbare Spalten der Erde ein, sondern fließt jetzt gleichsam ohne daß man ihn sieht und ist nach einer Weile ganz verschwunden.
Darum glaube ich, daß dem Bach dieser Name Schmiecha gegeben worden sei, weil «schmiechen» in unserer Volkssprache so viel bedeutet als «bergen», und weil dieser Fluß eine ziemliche Strecke weit sich verbirgt, wie in den Schooß geschmiecht, deshalb wird er Schmiech genannt, und von ihm hat auch das Dorf nahe bei seinem Ursprung. seinen Namen erhalten. Während er also in die Erde versunken gewesen und eine weite Strecke in den Eingeweiden und Adern der Erde fortgeflossen ist, durchbricht er endlich, wie wenn er seine Einschließung nicht mehr ertragen könnte, bei dem Dorf Almadingen die Felsen und spaltet das Gestein, springt ungestüm wieder hervor, treibt die Räder von Mühlen, nimmt im Weitergehen seinen Namen wieder an, rinnt gleichsam froh über seine Befreiung eilends gegen den Ort Echingen hinab, und nachdem er diesen betreten und bewässert hat, fließt er durch die Gefilde und mündet zwischen dem Dorf Naßgastat und Berg in die Donau.
Kap. 10.
Von den Orten zwischen Urspringen und Blaubeuren und von der Klause Weiler.
Wenn man von Urspringen an dem Fluß Ach hinabgeht, trifft man sogleich auf einen Ort namens Schelklingen mit einer festen Burg oben auf dem Felsen gleichen Namens. Wo-
1) Veesenm.: «Aha», wo in Vergils Gedichten? Aganippe Aoniae Verg. ecl. 10, 12? ¶
her aber dieser Ort und die Burg diesen Namen erhalten haben, kann nur aus dem Klang des Namens entnommen werden. Es ist nämlich dieser Name Schelklingen aus zwei deutschen Worten zusammengesetzt, nämlich aus Schalk und Klingen; hievon bedeutet das erste einen Nichtsnutz, das zweite einen Hain: hieraus kann man vermuten, daß hier ehemals ein Hain gewesen ist, der wegen der darin versteckten Nichtsnutzigen unsicher war, und gegen diese wurde, wie wir glauben, hier auf dem Berg eine Burg errichtet und nachher, als die Baume gefällt waren, an der Stelle des Hains ein Dorf gebaut und Felder angepflanzt, und der schlimme Name blieb sowohl der Burg als dem Ort. Oder ist der Name zusammengesetzt aus Schal und Klingen, weil es ein ergötzlicher Hain war, in dem die Adeligen dem Vergnügen nachgingen.
Denn Schal bedeutet Ergötzlichkeit und Klingen Hain, weshalb vielleicht die Adeligen auf dem Felsen diese Burg errichteten, um hier Kurzweil zu genießen. Einige glauben, der Name sei zusammengesetzt aus Schel und Klingen; denn sie versichern, dieser Hain habe einst den Herren von Schellenberg gehört. Andere sagen, er habe den Herren von Klingenberg gehört. Das erste jedoch scheint richtiger zu sein. Auch hießen die ersten Besitzer der Burg Grafen von Schelklingen, und als diese endlich austarben, ging die ganze Herrschaft durch Erbrecht an die Erzherzoge von Österreich über, und jetzt besitzt sie als Pfand der Edle Burkhard von Stadion.
Wenn man von dem Ort weiter durch das Tal des Flusses Ach hinabgeht, kommt man an einen gewaltig hohen Felsen, den seine besondere Erhebung über den Erdboden, seine schreckliche Höhlung und seine Bewohnung durch wilde Räuber ansehnlich und bewundernswert machen (pag. 189). Denn dieser Fels erhebt sich wie eine große runde Säule vom Erdboden, wie wenn er durch menschliche Kunst und Tätigkeit gemacht worden wäre, und es befindet sich auch am Fuß oder an den Wurzeln des Felsen eine offene Mündung, durch die der Zutritt zu der schrecklichen Höhle in den Bauch des Berges möglich ist, und es ist eine große natürliche Aushöhlung in die Breite, Höhe und Länge.
Und beim Eintritt kann man nichts anderes vermuten, als daß diese Höhle vom Schöpfer der Welt als Wohnstätte irgend eines gewaltigen Ungeheuers geschaffen worden sei. Diese Höhle hat ein Licht an ihrem Ende tief hinten, weil eine Art natürliche Spaltung des Berges und des Felsen in der Höhe ein rundes Loch hervorgerufen hat, durch welches das Himmelslicht hereinfällt und die schreckliche Höhle menschlicher und bewunderungswerter wird. An ihrem Anfang aber fällt Licht durch ihre Mündung herein.
Zur Seite der Mündung der Höhle liegt außen ein großer runder Stein in der Größe der Mündung, mit dem die ungeheuren Bewohner der Höhle ihre Mündung schlossen. Diesen Stein könnten viele Männer nicht von der Stelle rücken. Durch diesen Steht habe ich den unzweifelhaften Beweis bekommen, daß diese Höhle die Wohnung irgend eines ungeheuren Cyklopen der gewaltigen Riesen, oder daß dort der Versammlungsort von Nymphen oder Musen gewesen sei, an dem sie mit nächtlichen Liedern ihre Freudenfeste feierten. Denn dieser Fels samt der Höhle wird Singrensstein 1) genannt, vielleicht daher, daß ein Cyklop oder Gigant den Namen Singrenus hatte, also Stein des Singrenus, oder wurde er nach der Pflanze Ingrien 2)
1) Jetzt Syrgenstein auf dem linken Ufer der Ach mit einer Höhle gegenüber dem Hohlenfelsen; letzterer befindet sich auf dem rechten Ufer.
2) Veesenm.: Immergrün oder Sinngrün? ¶