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Irvin D. Yalom ist einer der bekanntesten Psychoanalytiker in den USA, und seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt. Heute lebt der 1931 geborene Sohn russisch-jüdischer Einwanderer, von dessen Büchern – u. a. Und Nietzsche weinte oder Die rote Couch – viele zu Bestsellern wurden, mit seiner Frau in Palo Alto in Kalifornien. Wie einigen seiner Kollegen gelang es Yalom, fachliches Wissen für ein breites Publikum verständlich und packend zugleich zu vermitteln; dies geschah zum einen in anschaulichen Sachtexten, zum anderen in zunehmend auch literarischen Werken, in denen er Fallbeispiele aus seiner Arbeitspraxis verarbeitete. Die Schweizer Filmautorin Sabine Gisiger legt ihrem Dokumentarfilm, der im Wesentlichen zentrale Elemente von Irvin D. Yaloms Erkenntnissen vorstellt – die Erzählstimme des Protagonisten selbst, vornehmlich als Offstimme unterlegt – zu Grunde. Yalom, ein Vertreter der existenziellen Psychotherapie, legt auf diese Weise seine Überlegungen dar, fasst seine Erfahrungen und Schlossfolgerungen zusammen und blickt auf sein Leben zurück. Seltener sind situative Momente, die visuell sichtbar werden, wie ein gemeinsam mit seiner Frau genossenes Sprudelbad, begleitet von selbstironischen Kommentaren, oder beispielsweise Unterwasseraufnahmen mit Yalom als Taucher.
Neben Landschaftsimpressionen, die, wie Stimmungsbilder, als Momente des Verweilens oder Meditation für die Zuschauer eingesetzt werden, bilden zahlreiche fotografische und historische Aufnahmen sowie Home Movies eine wichtige Gestaltungsebene des Films. Dokumentationen von Gruppentherapien (Yalom sah den «Patienten» mehr als Partner auf Augenhöhe und arbeitete früh schon mit den vielfachen Wirkungen von Gruppensitzungen) werden in Reenactment-Szenen nachgestellt, und nicht zuletzt kommen auch einige von Yaloms Familienmitglieder zu Wort. Todesangst und Sinnkrise, transgenerationelle Phänomene und die Frage nach der richtigen Nähe und Distanz zwischen Behandelndem und Behandelten, die Komplexität von Verliebtheit und Projektionen, Liebe, Ehe und langjähriger Partnerschaft sind einige der in dem Film behandelten Elemente des Yalom’schen Denkuniversums. Zuweilen wünschte man sich aber mehr kritische Distanz und mehr Vertiefung in einige der vielen Themen statt der zwar interessanten, aber etwas schnellen Aufeinanderfolge der vorgestellten Forschungs- und Erfahrungsfelder. Zudem tendiert der Musikeinsatz zur Akzentuierung von Momenten oder Übergängen, wo diese Art dramatischer Aufladung eher irritiert. Der Film, dessen Untertitel (Anleitung zum Glücklichsein) etwas allzu sehr nach Lebenshilfe-Medium klingt, eignet sich aber gut als Einführung in Yaloms faszinierendes Denken und Schaffen.