Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03225.jsonl.gz/3088

Dieses Jahr werden in der Disziplin Fahren zwei Welt- und eine Europameisterschaft ausgetragen. An allen drei Championnaten sind die Chancen für ein Schweizer Team intakt. Einfach ist der Weg an einen Titelkampf aber nicht.
Die Schweiz hat das Glück, dass sie in allen vier Kategorien (Ein-, Zwei- und Vierspänner sowie Pony) über Fahrer verfügt, die den Anschluss an die internationale Spitze geschafft haben oder dabei sind dies zu tun. Das zeigt sich vor allem bei den Einspännern, die in den letzten fünf Jahren drei Team- und eine Einzelmedaille an Weltmeisterschaften gewonnen haben. Bei den Zweispännern gab es 2009 eine Einzelmedaille und die Vierspänner mischten immer wieder vorne mit. Auch die Ponyfahrer haben sich in den letzten Jahren stetig verbessert, sie belegten am CAIO Minden diesen Sommer bei den Zweispännern in der Teamwertung einen dritten Platz.
Dieses Jahr bestreiten die Vierspänner die Europameisterschaft in Aachen, die Zweispänner die Weltmeisterschaft in Fabiansebestyen (HUN) und die Ponys reisen für ihre Titelkämpfe nach Breda in den Niederlanden. Für die Einspänner ist es ein Zwischenjahr, sie haben aber bereits mit den Vorbereitungen für die Titelkämpfe 2016 begonnen, die in Piber, Österreich geplant sind.
Alle Fahrer, die an Titelkämpfen teilnehmen wollen, müssen einen langen Weg absolvieren. Es genügt nicht, nur an der nationalen Spitze mitzumischen, um für einen Titelkampf aufgeboten zu werden.
Die Kader
Fahrer, die konstant starke Leistungen erbringen, werden von der Selektionskommission angefragt, ob sie Interesse haben, dem Kader ihrer Gespannsart beizutreten. Bei einem Ja muss der Fahrer die Kadervereinbarung, welche alle Rechte und Pflichten regelt, unterschreiben. Damit verpflichtet er sich unter anderem, Trainings und vorgegebene Turniere im In- und Ausland zu bestreiten.
Dies ist einer der Gründe, warum Fahrer auf eine internationale Karriere verzichten, denn es ist oft nicht einfach, Sport und Beruf miteinander zu vereinbaren. Vielfach geht für Trainings und Turniere der ganze Ferienanspruch eines Jahres drauf. Viele Fahrer wollen auch einfach ihren Sport in der Schweiz ausüben und nicht den grossen Aufwand betreiben, um im Ausland an den Start zu gehen.
Die Kadermitgliedschaft ist nur eine Voraussetzung für die Selektionierbarkeit für internationale Titelkämpfe. Eine weitere ist natürlich die Schweizer Staatsbürgerschaft.
Die FEI
Der internationale Verband, die FEI (Fédération Equestre Internationale), erlässt für jede Disziplin Qualifikationsrichtlinien für die Teilnahme an Meisterschaften. Beim Fahren läuft diese normalerweise vom Anfang des Jahres nach der vorangegangenen Meisterschaft bis zum nominativen Nennschluss der entsprechenden Meisterschaft, also rund 1,5 Jahre. In dieser Zeit müssen zwei Klassierungen an international ausgeschriebenen Turnieren (CAI) erreicht werden, eine davon im Jahr der Meisterschaft.
In der Dressur muss jeweils eine Punktzahl unter einem bestimmten Wert erreicht werden und Marathon und Hindernisfahren in der Wertung absolviert sein. Wenn das erreicht ist, hat der Fahrer die Voraussetzung geschafft, um überhaupt für Titelkämpfe selektionierbar zu sein.
Jeweils Ende des Vorjahres erstellt der Chef Sport die Saisonplanung für alle Gespannsarten mit den Trainings und den Auslandstarts, aufgrund des FEI-Kalenders und der Daten der jeweiligen Titelkämpfe. Dabei gilt es, die verschiedensten Punkte zu berücksichtigen. So sollten Trainings und Auslandstarts keine inländischen Turniere konkurrenzieren. Das tönt eigentlich ganz einfach, denn ein Jahr hat ja viele Wochenenden.
So ist es aber nicht, denn bei den Turnieren im Ausland müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. So muss unter anderem darauf geachtet werden, dass die richtigen Dressurprogramme für eine Qualifikation gefahren werden, und die Reisen sollten nicht zu weit sein. Ausserdem ist natürlich dafür zu sorgen, dass die Pferde in einen guten Wettkampfrhythmus kommen und genügend Erholung zwischen den Wettkämpfen haben.
Natürlich muss bei der Planung auch berücksichtigt werden, dass die Qualifikationsperiode mit dem Nennschluss der Titelkämpfe endet. Dies weiss man aber erst rund vier Monate vor dem Wettkampf, wenn die Ausschreibung publiziert wird. Das kann wiederum dafür sorgen, dass man die Planung ändern muss, wie es dieses Jahr bei den Ponys geschah. Die beiden Einspänner bestritten darum kurzfristig ein anderes Turnier, um die Qualifikation und damit die Möglichkeit, eine Mannschaft entsenden zu können, zu sichern.
Erschwerend kommt für die Schweiz dazu, dass in unserem Land meist keine internationalen Turniere stattfinden. Darum sind auch die Einspänner dieses Jahr im Ausland gestartet, um den ersten Schritt für eine Qualifikation zu machen. Der Start an einem Auslandturnier bedeutet übrigens, dass man meist fast eine ganze Woche unterwegs ist. Denn die Wettkämpfe beginnen meist am Mittwoch oder Donnerstag und dauern bis Sonntag, so dass man, je nach Distanz, erst im Laufe des Montags wieder zu Hause ist.
Die Selektion
Das letzte Wort bei einer Selektion hat die Selektionskommission (SELKO) der jeweiligen Disziplin. Bei den Fahrern sind erste Entscheidungen gefallen, so wurden bei den Ponys die beiden Einspänner von Doris Schmid und Cédric Scherrer selektioniert sowie der Vierspänner von Yannik Scherrer. Für diese beiden Gespannsarten haben keine weiteren Fahrer die Qualifikationsvoraussetzungen erfüllt. Bei den Ponyzweispännern wird erst nach dem Turnier von Piber entschieden, da drei Gespanne selektionierbar sind und man diese nochmals an einem Turnier sehen will.
Bei den Zweispännern haben Beat Schenk und Bruno Widmer die Qualifikation geschafft und wurden aufgrund ihrer Resultate selektioniert, was heisst, das die Schweiz eine Mannschaft stellen kann – allerdings ohne Streichresultate. Ob ein dritter Fahrer die Voraussetzungen erfüllt, zeigt sich am Turnier von Riesenbeck.
Bei den Vierspännern ist die Ausgangslage nicht schlecht, denn es haben insgesamt vier Fahrer die Kriterien geschafft. Werner Ulrich und Jérôme Voutaz wurden bereits selektioniert, über den dritten Platz wird aufgrund der Resultate in Riesenbeck entschieden.
Claudia A. Spitz