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||Kuno Raeber an den Solothurner Literaturtagen, 1989
Foto: © Yvonne Böhler

Biographische Angaben
Kuno Raeber - Geburtsname Kuno Eduard Zehnder - wurde am 20.5.1922 in Klingnau (AG) geboren. Nach der Trennung seiner Eltern
Meinrad und Josepha Zehnder-Räber zieht Kuno Raeber mit seiner Mutter und seinen vier Geschwistern beim Grossvater in Luzern
ein und die Kinder erhalten den Familiennamen Räber. Kuno Raebers Kindheit ist geprägt von Religion und Kirche. Zu Beginn
seiner Studienzeit tritt Raeber, beeinflusst durch den Studentenpfarrer Hans Urs von Balthasar, ins Noviziat des Jesuitenordens
ein, welches er jedoch nach wenigen Wochen wieder verlässt. Von schweren Zweifeln geplagt, wendet er sich von "Meister" und
Kirche ab. Dieser Verlust löst bei ihm eine schwere Krise aus. Nach einem kurzen Studienaufenthalt in Paris ist Raeber ab
1946 wieder in Basel immatrikuliert und studiert alte Geschichte und Philosophie, wo er 1950 bei Werner Kaegi mit der Arbeit
Die Geschichtsbibel Sebastian Francks promoviert. Im selben Jahr heiratet er und es erscheint sein erster Gedichtband Gesicht im Mittag. Es folgen Anstellungen als Schulleiter an der Schweizerschule in Rom sowie als Dozent am Leibniz-Kolleg in Tübingen und
am Europa-Kolleg in Hamburg. Nach der Publikation seines zweiten Gedichtbandes "Die verwandelten Schiffe" zieht Raeber mit
seiner Familie nach München, wo er als freier Schriftsteller lebt. Daneben schreibt Raeber Rezensionen, Literaturempfehlungen
und Übersetzungen für den Rundfunk. Im privaten Bereich zieht das Bewusstwerden seiner Homosexualität die Trennung von Frau
und Kindern nach sich.
In den folgenden Jahren unternimmt Raeber mehrer Reisen nach Süditalien und Griechenland. Während Raeber zwei weitere Gedichtbände
gedichte (1960) und Flussufer 1963 veröffentlichen kann, finden grössere Prosawerke vorerst kaum Anerkennung. Sein erstes Romanprojekt Die Lügner sind ehrlich (1960) wird von der Gruppe 47 verrissen und stösst auch in der Öffentlichkeit nur auf wenig Interesse. Von seinem zweiten
Roman Die Düne (1964) wurden nur zwei Kapitel in einer Zeitschrift publiziert. Hingegen wird der Reisebericht Calabria geschätzt. Und eine grosse Anzahl an Aufsätzen, Überlegungen zur Dichtung, Religion und Geschichte wird in diversen Zeitungen
publiziert und diskutiert.
1967 bis 1968 wird Raeber als "Poet in Residence" ans Oberlin College Ohio eingeladen. Die Ferien und Feiertage verbringt
er in Manhattan, New York im Gästehaus von Christiane Zimmer, der Tochter von Hugo von Hofmannsthal. Nach der Herausgabe
des Erzählbands Missverständnisse (1968) erhält der Autor viele positive Reaktionen. Noch während seines Aufenthalts in Amerika beginnt er mit dem Roman Alexius unter der Treppe oder Geständnisse vor einer Katze, der 1973 veröffentlicht wird. Wie auch in den zwei noch folgenden Romanen Das Ei (1981) und Wirbel im Abfluss bzw.Sacco di Roma (1989) verknüpfen sich darin Themen und Stoffe aus Geschichte, Religion und Mythologie zeitlos und nach eigenen Regeln. Von
Besonderheit ist ausserdem die kreisendeTextstruktur.
Nach längerem Unterbruch erscheinen die beiden Gedichtbände Reduktionen (1981) und Abgewandt Zugewandt (1985), darin 36 Gedichte erstmals in 'Luzerner Alemannisch'.
Die letzten Jahre des Autors sind durchzogen mit längeren Aufenthalten in Rom und mit Reisen u.a. nach Ägypten. Im November
1990 erkrankt Raeber schwer und stirbt am 28.01.1992 in Basel.
Für sein Werk erhielt Raeber 1969 die Ehrengabe der Bayrischen Akademie der schönen Künste, 1973 den Tukan-Preis der Stadt
München, 1979 und 1988 den Werkpreis der Stadt Luzern und 1989 einen Preis der Schweizerischen Schillerstiftung. 1991 spricht
ihm die Stadt Luzern den Kunstpreis zu.
10 bzw. 12 Jahre nach seinem Tod erscheint eine kommentierte fünfbändige Werkausgabe, hrsg. durch Christiane Wyrwa und Matthias
Klein, die 2010 mit den beiden Nachlassbänden abgeschlossen wird.
Umfang und Inhalt der Dokumente
Der Nachlass umfasst Notizbuchfassungen, Manuskripte und Typoskripte mit Vorarbeiten zu den fünf Romanen, zu den Erzählungen,
kleineren Prosatexte und publizistischen Texten - darunter persönliche Texte, Portraits, Essays und eine grosse Anzahl an
Buchrezensionen, Buchempfehlungen - der Lyrik, der Theater- und Rundfunkstücke, sowie einige Filmentwürfe.
Im Weiteren enthält der Nachlass die umfangreiche Briefsammlung des Autors, darunter ein reger Briefaustausch mit den Geschwistern
und Verwandten, mit Freunden, Verlegern und Redaktoren, mit Philosophen und Literaturwissenschaftlern und mit vielen zeitgenössischen
AutorInnen aus der Münchner Künstler- und Literaturszene. Darunter Briefe von Ingeborg Bachmann, Selma Ufer, Helmut Vakily,
Christian Enzensberger, Christiane Zimmer-von Hofmannsthal, Patrick Süskind, Werner Kaegi, Werner Vordtriede.
Unter den Lebensdokumenten befinden sich neben Ausweisen, Zeugnissen, Auszeichnungen und persönlichen Dokumenten, Tagebücher,
Vorlesungsmitschriften der Jahre 1946-1950 sowie Verlagsverträge und Fotografien.
Der Sammlungsteil enthält Rezensionen und Kritiken zu den Werken, allgemeine Artikel über den Autor und Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitte
mit abgedruckten Texten, Presseartikeln zu diversen Themen sowie Texte Dritter. (100 Schachteln)
Die Sammlung Thomas Raeber (1924 - 2009) enthält Manuskripte und Typoskripte des eigenen Werks <i>Ja und Aber<i>, von Gedichten,
Theaterstücken und Essays seines Bruders Kuno Raeber sowie vom Vater Meinrad Zehnder.
Die Korrespondenz umfasst u.a. ca. 300 Briefe und Postkarten von Kuno Raeber an Thomas Raeber und eine Sammlung mit dem Briefwechsel
der Eltern Josy und Meinrad Zehnder. Unter den Lebensdokumenten befindet sich eine umfangreiche Sammlung mit Familienfotografien
sowie mit Fotografien aus seiner Tätigkeit im Europarat; die Korrespondenz des Bruders Anton Raeber (1918 - 2009), darin enthalten
der Briefwechsel der Grosseltern Anna und Heinrich Joseph Alois Räber-Schryber;
Im Weiteren umfasst die Sammlung diverse gesammelte Zeitungsartikel zu den Werken von Kuno Raeber und über Kuno Raeber sowie
gedruckte Texte, eine Bibliothek mit Büchern von Kuno Raeber und Publikationen Dritter; z.T. mit Widmungen.
(45 Schachteln)
Die Sammlung der Schwester Hedwig Hochstrasser enthält im Wesentlichen Gedichte aus den 1940er Jahren sowie Aufsätze und Aufzeichnungen
von Kuno Raeber aus den Jahren 1937 bis 1946 (1 Schachtel)
Die Sammlung Markus Kutter (Studienkollege und langjähriger persönlicher Werkkritiker) enthält eine Anzahl Gedichte von Kuno
Raeber aus den 1950er Jahren. (1 Schachtel)
Administrative Informationen
Zugang
Konsultation nur im Lesesaal SLA. Einschränkungen vor allem aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen.
Erwerbung
Kernnachlass Kuno Raeber: erworben von Thomas Raeber (Bruder). Sammlung Thomas Raeber: Geschenk Gertrud Raeber (Ehefrau Thomas
Raeber); Sammlung Hedwig Hochstrasser-Räber; Sammlung Markus Kutter
Hinweise zur Erschliessung
Dieses Online-Inventar wurde aus HelveticArchives generiert. Es unterscheidet sich in seinem Erscheinungsbild von "normalen" Online-Inventaren hauptsächlich durch die beiden
folgende Merkmale: das Datum wird mit Punkt (statt Trennstrich) angezeigt, es gibt - strukturell bedingt - mehr „Darin“-Auflistungen
im Bemerkungsfeld. In ihrem Inhalt sind die beiden Inventarformen jedoch identisch.