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Der bekannte Aarauer Künstler Felix Hoffmann (1911—1975) schuf 1961 für die Kirche Bözen das zentrale Chorfenster mit einer Darstellung der Auferstehung. Das Fenster hat die Masse 350 x 102 cm. Die beiden seitlichen Fenster im Chor bestehen aus Weissglas; dadurch wird das farbige Mittelfenster zusätzlich erhöht.
Im Zentrum des Bildes stehen das grosse, kreuzförmig gestaltete Grab auf kräftigrotem Grund und die Christusfigur, die mit erhobenen Armen dem Licht entgegenstrebt.
Darstellungen der Auferstehung hat der Künstler auch für Fenster in anderen Kirchen gestaltet, so im zentralen Chorfenster der Stadtkirche Aarau, dann auf dem Kirchberg, in Suhr und in Windisch. Er selber nannte die Auferstehung in seinem späteren Bericht über die Entstehung des Chorfensters der Kirche Windisch (1967) «das zentrale Thema, das in die Achse der Kirche gehöre».
Auch formal hat dieses Fenster Ähnlichkeiten mit der Auferstehung in Windisch, die sechs Jahre später entstehen sollte. In Bözen fällt allerdings die viel stärkere Farbigkeit auf, dies vor allem im mittleren Bildteil: der unterste Teil des Grabes/Kreuzes, die im Vergleich zur überragenden Figur des Auferstandenen sehr kleinen trauernden Frauen (rechts) und stilisierte Bäume (links) befinden sich in einem intensivroten Bildgrund.
Die Komposition – unterstützt von der entsprechenden Farbgebung – entwickelt sich, von unten nach oben gesehen, stufenweise vom Dunkel in Blau- und Grüntönen über ein rotes Mittelfeld hinter dem überdimensionierte grauen Kreuz und Violett ins Helle, Gelb-Transzendente des oberen Bildteils: Oberkörper, Kopf und zum Himmel erhobene Arme und Hände des Auferstandenen vollenden sich in einer Ovalform (in einer Art liegender Mandorla), die gelbe und orangefarbene Gläser mitenthält.
Der auferstandene Christus in einer liegenden Ovalform
Bewegend ist auf der rechten Seite neben dem Sockel des Kreuzes/offenen Grabes eine Szene mit den drei trauernden Frauen: fein gestaltete Gesichter und Trauergesten, die ausgetauscht werden und die drei Frauen in ihrer Trauer verbinden; einfachste, auf das Wesentliche reduzierte Formen in Schwarz und transluziden Violettschattierungen – Trauer und Transzendenzfarben vor rotem Hintergrund – auch hier finden sich Analogien zum späteren Fenster in Windisch: Dort stehen die drei Frauen auf der linken Seite des Kreuzes und sind farblich anders gehalten.
Die drei trauernden Frauen neben dem Kreuz
Felix Hoffmann hat schon als Mittelschüler mit naturwissenschaftlicher Akribie zoologische und botanische Studien betrieben. Fauna und Flora galt eine seiner besonderen Vorlieben. Auch in diesem Fenster finden sich – wie etwa im Chorfenster von Windisch – sorgsam stilisierte Bäume, die sich über zwei Panneauhöhen erstrecken und die mit feinsten Schwarzlotzeichnungen versehen sind.
Die dargestellten Bäume sind aufs Einfachste, sozusagen auf ihre archaische Grundform reduziert und dennoch ins Feinste durchkomponiert. Es lassen sich hier sehr schön die einzelnen farbigen Gläser und die Aufträge mit Schwarzlot erkennen.
Stilisierte Bäume auf allen Seiten des Grabes/Kreuzes
Im untersten Bildfeld findet sich auch ein Wal in feinsten Blau-. Violett und Grüntönen. Der Wal – auch Attribut des Propheten Jona (Felix Hoffmann hat ihn im Prophetenfenster der Stadtkirche Aarau dargestellt) – verweist auf die Auferstehung, denn Jona wurde nach drei Tagen und Nächten im Walbauch an Land gespien und ist damit gleichermassen vom Tod (symbolisch: von der Unbewusstheit) auferstanden. In einem gebogenen Halbrund ist der grosse Fisch ins Wasser integriert; Felix Hoffmann hat den Wal wie das umgebende Meer farblich gleich gestaltet, sodass der Wal erst auf den zweiten Blick erkennbar wird.
Der riesige Wal im untersten Bildteil, farblich verschmolzen mit dem ihn umgebenden Meer.
Hochinteressant ist die Figur, die wie in einer violetten Muschel direkt über dem Wal sitzt, das eine Bein lässig ins Wasser gehalten, wie am Rand eines Swimming pools. Ist es der Prophet Jona, der, noch sehr mitgenommen von den Strapazen im Bauch des Wals, am Rande des Meeres sitzt, betend, mit geschlossenen Augen? Dabei erscheint er entfernt ähnlich wie der Prophet Elija im Königsfenster der Stadtkirche Aarau, der in violettem Gewand ebenfalls wie in einer schützenden Muschel sitzt. Ist es der eben auferstandene Christus? Sind es vielleicht sogar beide? Dafür sprechen würde, dass diese Figur formal sowohl mit dem Meer/dem Wal als auch mit der Kreuzigungs- und Auferstehungsszene verbunden ist: Das ins Meer gehaltene Bein unten und der Kopf und die erhobene, betenden Hände bereits im Rot der darüber liegenden Szene.
Die rätselhafte Figur Jona/Jesus zwischen Meer (unten) und Kreuzigung/Grab (oben) – mit beidem auch formal verbunden
Felix Hoffmanns Signatur findet sich im zuunterst rechts und lautet:
«FELIX
HOFFMANN
1961»
Links unten finden sich auch die Angaben zum Glaskunstatelier, mit dem Felix Hoffmann das Fenster gestaltete:
«GLASMALEREI PAUL WÜTHRICH BERN»
Im weiteren ist in dieser Kirche eine historische Scheibe von 1668 zu sehen. Sie stammt vom Berner Glasmaler Matthias Zwirn (1630–81) und zeigt eine Berner Standesscheibe mit dem Wappen von Niklaus Dachselhofer. Bis 1875 hatte sie das zentrale Chorfenster geschmückt, wurde anlässlich der Renovation von 1875 entfernt und im Estrich des Pfarrhaues deponierte. Auf Umwegen kam sie in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts zurück in die Kirche Bözen. Nachdem das zentale Chorfenster von Felix Hoffmann ganz neu gestaltet worden war, bekam die Berner Wappenscheibe einen neuen Platz im südlichen Langhausfenster.
Berner Standesscheibe mit dem Wappen von Niklaus Dachselhofer (1668), 82,5 x 50 cm.
Text © Barbara Tobler
Fotos © Hans Fischer