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Geschichte des Departements
Alles beginnt mit dem Gregorianischen Choral.
Peter Wagner habilitierte 1893 – vier Jahre nach der Gründung der Universität Freiburg – mit einer Arbeit über den Gregorianischen Gesang an derselben Institution. Im Anschluss daran begann er dort Musikgeschichte und Kirchenmusik zu unterrichten. Seine Ernennung zum außerordentlichen Professor im Jahr 1897 und zum ordentlichen Professor im Jahr 1902 führte zur Schaffung des ersten Lehrstuhls für Musikwissenschaft in der Schweiz und damit eines der ersten Lehrstühle in Europa. Im Jahr 1901 gründete er die Gregorianische Akademie innerhalb der Universität. Parallel dazu wurden einundzwanzig Studien in der Reihe Publications de l'Académie Gregorienne – Veröffentlichungen der Gregorianischen Akademie herausgegeben. Der Musikwissenschaftler war außerdem 1920-1921 Rektor der Universität und sechs Jahre später erster Präsident der Internationalen Gesellschaft für Musikwissenschaft. Sein Magnum Opus ist die Einführung in die gregorianischen Melodien: ein Handbuch der Choralwissenschaft und begründete die wissenschaftlichen Studien über den Gregorianischen Gesang. Darüber hinaus saß er in der von Papst Pius X. eingesetzten Kommission zur Reform des liturgischen Gesangs und stand im Mittelpunkt der Kontroverse um die Editio vaticana.
Erweiterungen
Karl Gustav Fellerer war wie Wagner deutscher Abstammung, wurde 1932 sein Nachfolger und konzentrierte sich ebenfalls auf die Kirchenmusik. Als produktiver Forscher beschäftigte er sich darüber hinaus mit Musiktheorie, Musik in verschiedenen Regionen (darunter Freiburg) und Aufführungspraxis. Er hat sich mit Komponisten wie Händel, Mozart, Grieg und Puccini befasst. Auf der öffentlichen Bühne sprach sich Fellerer für die ästhetische Agenda der Nationalsozialisten aus. An der Universität leitete der Musikwissenschaftler auch die Aktivitäten des Collegium musicum. In der Tradition des akademischen Revivals aus dem frühen 20. Jahrhundert erarbeitete dieses Ensemble aus Studenten und Amateuren, Instrumentalisten und Choristen alte Werke, die sie in Konzerten aufführten. Fellerer verließ Freiburg 1939 um an die Universität Köln zu wechseln.
Der Schweizer Franz Brenn ersetzte ihn ab 1940. Seine Doktorarbeit, die er an der Universität Wien schrieb, befasste sich mit den Messen von Johann Joseph Fux. Sein Unterricht legte einen besonderen Schwerpunkt auf zeitgenössische Musik und Musikpsychologie. Brenn verstarb frühzeitig im Jahr 1963. Die heutigen Räumlichkeiten der Abteilung wurden während dieser Zeit (1941) eingeweiht.
An der Schnittstelle zwischen Geschichte und musikalischer Praxis
Mit der Berufung des Italieners Luigi Ferdinando Tagliavini im Jahr 1965, der sowohl Musikwissenschaftler als auch hochkarätiger Organist und Cembalist war, änderten sich die Freiburger Fachgebiete ein wenig. Dank seiner Doppelfunktion konzentrierte sich Tagliavini in seiner Forschung und Lehre auf die Bereiche des Fachs, die an der Schnittstelle zwischen Geschichte und musikalischer Interpretation liegen, wie etwa die Aufführungspraxis und die historische Organologie. Er arbeitete insbesondere rund um die Orgel im Hinblick auf die Restaurierung alter Instrumente. Er war außerdem Mitbegründer der Zeitschrift L'Organo im Jahr 1960 und Sammler von Tasteninstrumenten. Als Autor von drei Bänden der Neuen Mozart-Ausgabe und Co-Autor eines Bandes von Frescobaldis Opere complete war er auch im Bereich der kritischen Musikedition tätig. In der Tat gehört Tagliavini zur Generation der Förderer dessen, was heute als historisch informierte Aufführungspraxis bezeichnet wird.
Neue Ausrichtungen
Mit der Ernennung von Luca Zoppelli, Italiener wie Tagliavini, zum Leiter der Abteilung im Jahr 2000 begann ein Wandel. Luca Zoppelli ist ein Spezialist für Musikästhetik und -dramaturgie. Seine Arbeiten befassen sich unter anderem mit dem Madrigal, der Kantate und der Barockoper. Was das 19. Jahrhundert betrifft, widmet er sich Wagner, Verdi, Donizetti und Bellini, bei deren kritischer Ausgabe er Mitherausgeber ist. Sein Buch L'opera come racconto. Modi narrativi nel teatro musicale europeo dell'Ottocento ist ein Standardwerk für Studien zur musikalischen Narratologie. Zoppelli hat auch dazu beigetragen die Musikwissenschaft für die Interdisziplinarität zu öffnen. Er war Herausgeber von Schweizer Jahrbuch für Musikwissenschaft und leitete mehrere vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Projekte zur Barockmusik, die aus verschiedenen Perspektiven untersucht wurde, und zur Musikgeschichte in der Schweiz. Er ging 2021 in den Ruhestand.
Mit dem Ziel, die Geschichte der westlichen Musik vom Mittelalter bis zur Gegenwart abzudecken, wurde 2014 eine zweite Professorenstelle geschaffen, die zunächst von der deutschen Inga Mai Grotte (2014-2015) besetzt wurde, einer Spezialistin für verschiedene Bereiche und insbesondere für Barockmusik. Darüber hinaus wurde der Unterricht der Abteilung dahingehend umgelenkt, dass interdisziplinäre Aspekte einbezogen wurden, insbesondere die Beziehungen zwischen Musik und bildender Kunst.
Photo von Hugo P. Herdeg, fonds public, Archives de l’Université de Fribourg, fonds Chancellerie.