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Wer hat angefangen?
«Wer hat angefangen?» ist oft die zentrale Frage, um damit auch den Schuldigen zu finden und eine Wiedergutmachung zu besprechen. Doch oft ist nicht klar, wer angefangen hat. Klärungsversuche sind oft zermürbend und verletzend, weil ein Anfang nie ohne Auslöser gesehen werden kann. Ein Konflikt hat in der Regel keinen klaren Anfang. Jede Konfliktpartei hat den Eindruck, reagieren zu müssen, weil der oder die andere angefangen hat (vgl. dazu Schulz von Thun, 1981; Keller-Schneider, 2018, S. 291f.).
In Konflikte involvierte Schülerinnen und Schüler (auch Erwachsene) fühlen sich in der Regel durch das Verhalten des anderen provoziert. Das Verhalten der andern ist so, wie sie dieses wahrnehmen. Dass dieses anders gemeint sein könnte, erfordert einen Perspektivenwechsel, was oft (nicht nur Schülerinnen und Schülern) schwer fällt.
Um Konflikte zu verstehen und zu lösen ist es wichtig, den Schülerinnen und Schülern bewusst zu machen, dass das eigene Verhalten vom Gegenüber wahrgenommen und gedeutet wird und nicht immer so verstanden wird, wie es ursprünglich gemeint war. Diese Erkenntnis ist der erste Schritt, um einen Ausweg zu finden.
Das bedeutet aber, dass auch Sie als Lehrperson keinen Schuldigen suchen, sondern erkennen, dass der Streit aus einer Verkettung unterschiedlicher Deutungen entstanden ist und damit unterschiedlich verstanden werden kann. Die subjektiven Wahrheiten der Betroffenen muss von Ihnen anerkannt und nachvollzogen werden.
Interaktionskreislauf verstehen
Das folgende Modell (Abb. 7) zeigt auf, wie ein Interaktionskreislauf analysiert werden kann. Damit soll erkannt werden, dass durch die Interpunktion des Verlaufs durch die Beteiligten der Anfang an je einem anderen Punkt angesetzt wird.
Grundgedanke zum Modell: Das Verhalten von A wird dadurch ausgelöst, wie A das Verhalten von B interpretiert. Das Verhalten von B wiederum wird durch seine Interpretation des Verhaltens von A ausgelöst. Damit sind beide regierend, keiner hat angefangen. Beide sehen den Anfang beim andern.
A und B können Schülerinnen und Schüler, aber auch Erwachsene sein.
Versetzen Sie sich in die Perspektiven der beiden Konfliktparteien hinein.
- Wie könnte der Konflikt aus der einen Sicht erlebt worden sein?
- Wie aus der anderen?
- Wodurch könnte sich das eine Kind provoziert fühlen?
- Wodurch das andere?
Abb. 7. Interaktionskreislauf (Keller-Schneider, 2018, S. 292, nach Schulz von Thun, 1981).
Interaktionskreislauf durchbrechen
Wie im Interaktionskreislauf deutlich wird, hat jede Schülerin und jeder Schüler «nur» darauf reagiert, was es vom anderen wahrgenommen hat. Um Interaktionskreisläufe zu verstehen und damit Konflikte zu lösen, sind folgende Schritte von Bedeutung.
Mehr dazu: Konfliktpotentiale vermeiden
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