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Die Supplementierung stillender Mütter mit Jod-Tabletten soll Säuglinge mit genügend Jod versorgen. In welchem Ausmass beeinflussen Jod-Tabletten die Jod-Konzentration in der Muttermilch? Wie wirken sie sich auf die Jod-Versorgung der Säuglinge aus? Eine vom BLV durchgeführte Studie geht diesen Fragen nach.
Repräsentative, landesweite Querschnittstudien zeigen, dass der Jodstatus der Schweizer Bevölkerung tief ist. Insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter, schwangere und stillende Frauen sowie Kleinkinder sind ungenügend mit Jod versorgt. Die Jodkonzentration in der Muttermilch von stillenden Frauen ist hierzulande dreimal tiefer als in Ländern mit ausreichender Jodversorgung.
Viele Länder empfehlen während der Stillzeit eine Jodsupplementierung. Deren Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt. Die optimale Dosis ist nicht definiert, da die Datenlage zur Ableitung eines durchschnittlichen Tagesbedarfs für stillende Frauen mangelhaft ist.
Ziele der Studie
- Bestimmen des geschätzten durchschnittlichen Tagesbedarfs (EAR) von Jod während der Stillzeit
- Bewertung der Dosis-Wirkung einer postnatalen Jod-Supplementierung auf die Jodkonzentration in der Muttermilch bei stillenden Frauen
- Abschätzen der erforderlichen mütterlichen Jodzufuhr zum Sicherstellen einer ausreichenden Jodversorgung bei gestillten Säuglingen
Studiendesign
Zum Erreichen der Ziele wird eine randomisierte Dosis-Wirkung-Bilanzierungsstudie bei 24 ausschliesslich stillenden Frauen und ihren Säuglingen durchführt. Verschiedene Jod-Dosierungen (0 – 500 µg/Tag) werden mit einem Cross-Over-Design bei supplementierten (n=12) und nicht supplementierten (n=12) Frauen getestet. Für jede Dosis wird die tägliche Jodaufnahme und -ausscheidung bei den Müttern (24 Stunden-Sammelurin und Muttermilch) und deren Säuglingen (Urin in den Windeln) gemessen und die Retention berechnet. Die tägliche Jodeinnahme wird bestimmt, die erforderlich ist, um ein positives metabolisches Gleichgewicht während der Stillzeit und des Säuglings zu erreichen. Bestimmt wird ebenso die optimale Dosis der Jodzufuhr, die zur Normalisierung des Jodmangels bei Müttern und Säuglingen nötig ist.
Was haben wir vor?
Die empfohlene Jodzufuhr während der Stillzeit variiert zwischen den Ländern (z. B. 290 µg/d in den USA, 260 µg/d in Deutschland und 200 µg/d in der Schweiz und in Frankreich) und bedarf einer Harmonisierung. Die WHO empfiehlt eine Jodsupplementierung von 250 µg/d, wenn die Versorgung mit Jodsalz ungenügend ist. Diese Empfehlung gilt für viele Länder weltweit, insbesondere in Europa. Eine postnatale Jodsupplementierung von 150 µg/d wird auch in Ländern mit ausreichendem Jodstatus empfohlen, trotz schwacher Evidenz.
Die aus dieser Studie gewonnenen Ergebnisse werden direkt in nationale und internationale Empfehlungen einfliessen. Sie geben Aufschluss über die angemessene Zufuhr von Jod bei stillenden Frauen und Säuglingen sowie über die Frage der Notwendigkeit von einer Jodsupplementierung während der Stillzeit in jodarmen und jodreichen Populationen.
Die Ergebnisse werden zudem als wissenschaftliche Manuskripte in einschlägigen wissenschaftlichen Zeitschriften als Open-Access-Publikation veröffentlicht sowie an nationalen und internationalen Tagungen und Konferenzen präsentiert.
Ethik und Datenschutz
Die ethische Genehmigung wurde von der kantonalen Ethikkommission in Zürich eingeholt. Alle teilnehmenden Mütter gaben eine schriftliche Einverständniserklärung ab. Die Mutter-Kind-Paare werden für ihre Studienteilnahme entschädigt. Die Studie wird bei ClinicalTrials.gov registriert.
Die Personaldaten unterliegen dem Datenschutz und werden vertraulich behandelt. Alle Daten werden anonymisiert, d. h. getrennt von Namen und Kontaktinformation gespeichert. Sämtliche Auswertungen und Analysen werden ohne Bezug zu Namen und Anschrift vorgenommen. Die gewonnenen Informationen werden ausschliesslich in anonymisierter Form dargestellt.
Wann wird die Studie durchgeführt?
Die Studie hat im Januar 2021 begonnen. Die Ergebnisse sowie der Schlussbericht werden auf Ende 2023 erwartet.
Finanzierung
Die Studie wird vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen finanziert (Vertrag Nr. 714001461).
Wer führt die Studie durch?
Für die Durchführung der Studie wurde das Kinderspital Zürich (Eleonarenstiftung) zusammen mit dem Labor für Humanernährung der ETH Zürich beauftragt.
(27.12.2021)
Weitere Informationen
Letzte Änderung 03.01.2022