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Über Chancen und Perspektiven in Singapur
Herr Prof. Dr. Herbert Binggeli, Rektor der BFH, hat gemeinsam mit einigen Kollegen am „HEM Executive Program Singapore Study Module 2014“ teilgenommen. Organisiert wurde die Reise von der HEM-Geschätsstelle und Swissnex Singapur.
Swissnex ist ein Netzwerk, welches vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI mit der Unterstützung des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten EDA geführt wird. Institutionen des Schweizer Hochschul- und Forschungsbereichs werden bei den Internationalisierungsbestrebungen unterstützt. Die Swissnex-Standorte dienen als Häuser für den Austausch von Bildung, Forschung und Innovation zwischen der Schweiz und den Partnerländern.
Prof. Dr. Binggeli, was war der Grund für diese Reise, welche Ziele haben Sie verfolgt?
Ich habe diese Studienreise als Modul in Zusammenhang mit meiner HEM-Weiterbildung (Higher Education Management) gemacht. Andere Studienreisen werden in Berlin und Frankreich/Belgien durchgeführt. Es geht darum, andere Bildungssysteme, -angebote, Ausrichtungen und Strategien kennenzulernen, sie mit unseren zu vergleichen und daraus zu lernen. Ausserdem bietet die Studienreise Gelegenheiten, neue Kooperationsmöglichkeiten zu prüfen.
Können Sie uns etwas über das Bildungssystem in Singapur berichten?
Der Staat investiert sehr viel in Bildung. Wie die Schweiz besitzt Singapur keine natürlichen Rohstoffe, deshalb bestehen seine Ressourcen hauptsächlich aus Bildung und Forschung. Das Ergebnis lässt sich sehen: Hochschulen in Singapur haben ein ausgesprochen hohes Niveau und sind weltweit angesehen.
Das Schulsystem lehnt sich an das angelsächsische System an, welches Volksschule und Sek II mit O-Levels und A-Levels abschliesst. Auf der nächsten Stufe folgen die Universitäten, die Polytechnics und oder die Institutes of Technical Edcuation, vergleichbar mit unseren Berufslehren. Aussergewöhnlich an der Primarstufe ist, dass sie mit einem „Primary School leaving exam“ endet. Diese Abschlussprüfung entscheidet über die Zukunft der Jugendlichen und ist eine grosse Herausforderung an sie selber und an die Eltern, denn alle möchten am liebsten Zugang zur Universität haben. Die Jugendlichen können ihre Präferenzen hinsichtlich ihrer zukünftigen Ausbildung angeben, der Staat entscheidet jedoch anhand des Resultats des „Primary School leaving exam“ über ihre Zukunft. Dieses System mag für uns sehr befremdlich klingen, die Leute in Singapur sind aber offensichtlich einverstanden damit.
Sie haben unter anderem das Bildungsministerium und diverse Hochschulen besucht. Wie war Ihr Eindruck?
Ich bin sehr beeindruckt vom hohen Niveau der Hochschulen. Ausserdem steht in Singapur Handeln vor Diskutieren, wie es ein Universitätspräsident ausgedrückt hat. Trotz Mentalitätsunterschied zwischen Singapur und der Schweiz könnten wir uns vielleicht ab und zu auch mehr in diese Richtung verhalten.
Ausserdem fand ich den Besuch beim Singapur Institute of Technology (SIT) spannend, da es den Schweizer Fachhochschulen durch seine Anwendungsorientierung sehr ähnlich ist.
Nehmen Sie insbesondere in Asien ein zunehmendes Interesse am schweizerischen dualen Bildungssystem und an den Fachhochschulen wahr? Wenn ja, was sind die Gründe?
In Asien ist das Interesse am Schweizer Bildungssystem definitiv hoch, insbesondere in China. Aber auch in Singapur habe ich gemerkt, dass die Entscheidungsträger unser System sehr gut kennen. Sie analysieren, was sie allenfalls übernehmen können. Ein grosses Anliegen ist es ihnen, die Berufsbildung zu verbessern und Quereinstiege und Passerellen zu ermöglichen. In diesem Punkt können sie natürlich sehr viel der Schweiz abschauen.
Was sind die Perspektiven der BFH in diesem Kontext
Ich sehe Möglichkeiten der Kooperationen mit dem Singapur Institute of Technology oder den Polytechnics. Unsere Länder haben vieles gemeinsam: keine natürlichen Rohstoffe, Ressourcen stark in den Bereichen Bildung und Forschung, ähnliche Einwohnerzahl, gewisse Parallelen im Bildungssystem. Wir werden sicherlich den Austausch pflegen um gegenseitig voneinander zu lernen.
Kann die BFH international mithalten?
Die Schweizer Fachhochschulen werden im internationalen Ranking nicht berücksichtigt. Insbesondere in Asien spielt das Ranking bei Kooperationen jedoch eine grosse Rolle. Für die Schweiz bedeutet dies, dass wir umso mehr vor Ort mit Qualität überzeugen müssen. Die BFH hat definitiv das Potential, strategische Partnerschaften aufzubauen. Bis jetzt haben wir vorwiegend viele auf individueller Basis entstandene Partnerschaften. Diese sind wertvoll; ich bin aber überzeugt, wenn uns die potentiellen Partner kennenlernen, sind sie sehr interessiert an ausgedehnteren Kooperationen.
Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis, die Sie mit nach Hause nehmen?
Ich bin sehr von der Leistungsorientierung und der strategischen Fokussierung beeindruckt. Singapur zeigt einen hohen Willen, rasch zu handeln. Beeindruckt hat mich auch der souveräne Umgang mit der Multikulturalität in diesem Stadtstaat.