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Nach Erhalt Ihres chiffrierten Kabels vom 11. November betreffend Friedensvermittlung2, welches am 12. Vormittags unverstümmelt hier eingetroffen ist, habe ich mich gleichen Tages, um 4 Uhr, zu dem, eben von seiner Reise zurückgekehrten Staats-Sekretär begeben. Ich teilte ihm mit, dass ich wichtige Nachrichten, wenn möglich, dem Präsidenten persönlich vorzutragen wünsche. Als Herr Bryan aber vernahm, dass es sich um Friedensprojekte handle, wurde er ausserordentlich interessiert und wünschte, da er über dieses Thema schon so oft mit Herrn Wilson verhandelt habe, dass er der Überbringer meines Auftrages an den Präsidenten sein dürfe.
Nachdem ich Herrn Bryan in erster Linie den Wunsch strengster Geheimhaltung ausgesprochen, gab ich ihm mündlich von den drei ersten Sätzen Ihrer Instruktionen Kenntnis. Seinem Ansinnen gemäss überliess ich ihm dieselben nachher schriftlich (Beilage l)3. Auch ersuchte ich ihn um Beantwortung der beiden Schluss-Sätze Ihres Kabels.
Heute vormittag, den 14. November, hat mir der Staats-Sekretär die hier in Abschrift beigefaltete Antwort (Beilage 2)4 überreicht, aus welcher mein heutiges chiffriertes Kabel an Sie, lautend, wie folgt, hervorging:
«Präsident Wilson anerkennt aufrichtig Interesse der Schweiz. Regierung an Friedensförderung, hält es aber nicht für weise jetzt schon zu versuchen die Bedingungen zu vereinbaren unter welchen später, wenn die Zeit dafür gekommen, ein erneutes Vermittlungsanerbieten zu machen wäre. Verweise politischen Bericht 16. Wilson habe Frauendeputation nicht gesagt, er werde auf Wunsch neutraler Staaten handeln. Von Sozialdemokraten-Petition weiss man hier nichts.»
Der Staatssekretär führte bei diesem Anlasse mündlich weiter aus, dass der Präsident, wie er das nach seinen beiden erfolglosen früheren Bemühungen bereits öffentlich geäussert habe, vorderhand keine neuen Schritte zu tun gedenke. (Gemeint sind damit seine erste direkte Anfrage, im August, bei den kriegführenden Parteien und sein zweiter Versuch, im September, basierend auf einer Äusserung des Botschafters Bernstorff, welcher in der Antwort aus Berlin endete, dass, da Deutschland den Krieg nicht begonnen habe, FriedensvorSchläge auch nicht von Deutschland, sondern von den Alliierten zu kommen hätten). Nach Herrn Wilsons Meinung sei es unmöglich, sich jetzt schon über die Modalitäten gemeinsamen Vorgehens der neutralen Mächte zu beraten, ohne dass diese Pläne verfrüht an die Öffentlichkeit dringen und, vielleicht aus diesem Grunde, scheitern würden. (Für die Vereinigten Staaten mag er recht haben).
Derjenige Teil Ihres Kabels, davon handelnd, welche Staaten eventuell zu begrüssen wären, ist unter diesen Umständen gar nicht berührt worden.
Bezüglich der angeblich einer Deputation amerikanischer Frauen gegenüber gemachten Äusserungen, dass der Präsident geneigt sei, auf Wunsch anderer neutraler Staaten Friedensverhandlungen an die Hand zu nehmen, sagte mir Herr Bryan, dass Herr Wilson diese Erklärung nicht gemacht habe. Es sei stets des Präsidenten Ziel gewesen, ehe er sich an jemand anders wende, vorerst in Erfahrung zu bringen, ob die Parteien überhaupt gewillt wären, eine Vermittlung anzunehmen (wörtlich: «The President has tried to ascertain if the belligerent states would accept mediation before proposing it»).
Was den Schluss-Satz Ihres Kabels anbetrifft, so habe ich allerdings aus Telegrammen hiesiger Zeitungen ersehen, dass man am 1. November mit einer Petition an den Schweizerischen Bundespräsidenten gelangt ist5. (Ich sandte Ihnen den bezüglichen Zeitungsausschnitt mit einer der letzten Posten). Herrn Bryan jedoch war die Sache neu und als man resultatlos auf der diplomatischen Abteilung des Staatsdepartementes nachgefragt und auch der Privatsekretär des Präsidenten nichts von einer derartigen Petition wusste, wurde mir mitgeteilt, dass eine solche hier nicht eingelaufen sei.
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