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Gradec-Canyon und Pirogoshi-Höhle
In diesem Thread
wurde die Höhle kurz angesprochen, aber nicht tiefer abgehandelt. Deshalb mache ich ein neues Thema auf.
Kürzlich war ich in Çorovodë, um mir die Canyons anzuschauen. In meiner Unbedarftheit wollte ich einen durchsteigen - aber vorbereitet hatte ich mich trotzdem ein wenig.
Von einem Taxifahrer ließ ich mich zum Friedhof von Radesh chauffieren. Da Volker Grundmanns POI-Sammlung dort etwas bergauf die "Gradec-Höhle" vermerkte, ging ich in den Ort, fand rund um den markierten POI aber nur einen Stall.
In einem kleinen Hof konnte ich mit meinen zwei Brocken Albanisch, Händen und Füßen erklären, dass ich eine Höhle suche. Auf einer ausgedruckten OSM-Karte wurde sie von den Bewohnern in der Nähe des Steinbruchs (beschrieben mit "Boom!") auf halber Strecke zwischen Radesh und Çorovodë lokalisiert und mit einem Stift markiert.
Danach ging ich bergab und folgte dem Weg, der in den westlichen Teil des Canyons führt, um mein eigentliches Vorhaben zu beginnen. Einen ersten Bunker mit Überbau und die zugehörige Stacheldrahtsperre umging ich auf einem Pfad. Dieser Bunker war wie der zweite und die neben diesem befindlichen großenteils unzugänglichen Militäranlagen unbewohnt.
– Der "Gradec Canyon" besteht aus der Schlucht, durch die der kleine Fluss Çorovodë fließt. In diese Schlucht mündet eine etwas kleinere von Norden kommende, in der gelegentlich ein Bach fließt. Dessen Lauf war bis auf ein paar kleine Gumpen völlig ausgetrocknet. –
Ich kletterte zwei Stunden südwärts durch die Neben- in die Hauptschlucht, bis ich an einer senkrechten Felswand nicht mehr weiterkam und umkehren musste. Erfahrenere Kletterer (oder gar Bergsteiger) kämen vermutlich weiter. (Ich war vermutlich nur 200m Luftlinie von der Pirogoshi-Höhle entfernt.) Während der Kletterei hatte ich drei kleinere Höhleneingänge passiert; die größte der Höhlen habe ich auf dem Rückweg betreten. Man kann in ihr stehen, aber sonst ist sie nicht weiter bemerkenswert.
Zur Bezeichnung der Höhle:
Auf dem Rückweg bat ich hier
um etwas zu trinken, weil ich nur noch ein wenig warme Plörre im Rucksack hatte. Vorausgesetzt ich verstand die Leute richtig, heißt dieses Fleckchen Pirogosh. Die Schreibweise des neu angelegten POI auf dem Navi wurde bestätigt.
Am Abend wurde mir im Restaurant Drita e Tomorrit vom englisch sprechenden Kellner unter anderem empfohlen, die Pirogoshi-Höhle zu besuchen. Ich bat ihn, den Name in mein Notizbuch zu schreiben: "Shpellë Pirogoshi" ist dort nun zu lesen.
(edit: "Shpellë" korrigiert)
Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem selben Taxifahrer gen Steinbruch, um die Höhle zu finden. Auf dem Weg bergauf hielt er einen entgegenkommenden Zweiradfahrer an, um nach der Höhle zu fragen. Am Steinbruch hielt der Fahrer am unteren Ende, aber ich fand den Weg zur Höhle nicht. Dem sichtbaren Pfad folgend kam ich zur Kante der Schlucht, von wo aus man immerhin eine sehr schöne Aussicht hat.
Der Taxifahrer hatte mittlerweile mit zwei weiteren Einheimischen gesprochen und fuhr mich die paar Meter zur oberen Zufahrt des Steinbruchs. Er selbst war leider wegen Diabetes sehr schlecht zu Fuß.
Diesmal war ich erfolgreich und fand den Pfad zur Höhle. Die GPS-Daten aus der Schlucht sind natürlich von schlechter Qualität. Wer mag, kann sie für den entsprechenden Ausschnitt bei OSM betrachten (ich empfehle den JOSM-Editor). Alternativ liegen die Daten der letzten drei Wochen hier
zur freien Verfügung.
Schusselig wie ich bin, hatte ich aber die Stirnlampe im großen Rucksack im Hotel gelassen. Deshalb ging ich nur ein paar Dutzend Meter in die Höhle hinein und habe viel Zeit damit verbracht, ein paar Fotos zu machen. Die kann man auf http://openstreetview.org/?lat=40.524&l ... 52&zoom=16
OpenStreetView betrachten.
Die Höhle enthält Stalagmiten, Stalagtiten, Fledermäuse und allerhand eingeritzte Unwichtigkeiten von Besuchern.
Der genannte Steinbruch ist noch in Betrieb. Ich hatte das Glück, an einem Sonntag nach der Höhle zu suchen. Tags zuvor, als ich in der Schlucht umherkletterte, wurde in dem Steinbruch 2-3mal mit etwa jeweils 5 Explosionen gesprengt. Bleibt zu hoffen, dass die Höhle das noch eine Weile aushält...
Übrigens steht am Hauptplatz eine große Tafel mit vier Fotografien: von Çorovodë selbst, dem Canyon, der osmanischen Brücke und dem Inneren der Höhle. Schade, dass es nicht für Flyer zur Wegbeschreibung gereicht zu haben scheint. Nach einer Touristeninformation habe ich mich aber nicht umgetan.
edit: Grammatik
edit2: Ergänzungen, Details