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Positive Überraschungen: Kevin Fiala spielte eine hervorragende Saison und pulverisierte meine Erwartungen, ich erwarte eine ähnlich gute Performance dieses Jahr.
Wie erwartet bzw. eher enttäuschend: Gaëtan Haas’ Leistung war im Grossen und Ganzen meinen Erwartungen entsprechend, währenddem Nico Hischier, Timo Meier, Nino Niederreiter und Denis Malgin eher enttäuschten. Bei den ersten drei rechne ich mit einer Verbesserung. Malgin wird diese Saison wohl mehrheitlich bei Lausanne spielen. Sven Bärtschis NHL-Tage dürften leider gezählt sein.
Zwei neue Schweizer Gesichter gibt es wohl bei den Blackhawks: Mit Pius Suter und Philipp Kurashev gibt es dieses Jahr zwei Schweizer welche sicher (Suter) bzw. eventuell (Kurashev) in der NHL auflaufen dürften. Insbesondere bei Suter sehe ich Potential für viel Eiszeit und Skorerpunkte.
Timo Meier: Wieder ein Schritt nach vorn nach dem leichten Regress letztes Jahr
Der 24-jährige Ostschweizer hatte eine leicht enttäuschende Saison, nachdem er im Sommer 2019 einen neuen Vertrag über vier Jahre und insgesamt $24 Millionen unterzeichnet hatte, welchen ich immer noch als attraktiv für die Sharks erachte. Nach 66 Punkten im Vorjahr fiel Meiers Produktion auf 49 Punkte letztes Jahr, allerdings auch mit acht Spielen weniger. Dies entspricht einem Schnitt von 0.7 Punkten pro Spiel, deutlich unter den von mir erwarteten 0.93 Punkten pro Spiel. Meier hatte insbesondere zu Saisonbeginn Mühe, steigerte sich aber kontinuierlich und war in der zweiten Saisonhälfte etwa in Übereinstimmung mit meinen Erwartungen. Insbesondere im Power Play blieb die von mir erwartete Leistungssteigerung aus mit ‘nur’ neun Punkten, in etwa gleich viele wie im Vorjahr. Auch seine Puckbesitzwerte verschlechterten sich auf allerdings immer noch respektable 53%.
Dieses Jahr dürfte Meier primär in der ersten Linie links neben Tomas Hertl auflaufen. Auf diesem Duo wird dieses Jahr noch mehr Verantwortung lasten angesichts der altersbedingten Regression von (ehemaligen) Leistungsträgern wie Logan Couture, Evander Kane oder insbesondere Patrick Marleau. Für Meier wird wichtig sein, dass er seine Wucht noch mehr einsetzt und mehr ‘dreckige’ Tore erzielt.
Für Meier erwarte ich leicht mehr Eiszeit als im Vorjahr, sowohl in Gleich- wie auch in Überzahl. In Kombination mit einer leicht höheren Trefferquote von 12% rechne ich mit insgesamt 44 Punkten (20 Tore und 24 Vorlagen) in 55 Spielen, oder 0.8 Punkten pro Spiel, ziemlich genau in der Mitte der letzten beiden Jahre, davon deren 13 Punkte in Überzahl. Nichtsdestotrotz glaube ich nicht an eine Playoffteilnahme der Sharks, ungeachtet der Tatsache, dass sie in der wohl schwächsten Division der Liga spielen werden.
Nico Hischier: Durchbruch?
Hischier hatte eine eher durchwachsene 2019-20er Saison. Mit 36 Punkten in 58 Spielen fiel seine Ausbeute auf 0.62 Punkte pro Spiel nach 0.68 im Vorjahr und damit mehr oder weniger auf das Level seiner Rookie-Saison. Und dies bei nahezu identischer Eiszeit von gut 18 Minuten pro Spiel. Dieser Output war deutlich unter den von mir erwarteten 0.88 Punkten pro Spiel. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass Hischier einmal mehr, nach dem Trade von Taylor Hall zu den Coyotes, nur begrenzt durch seine Sturmkollegen Unterstützung erhielt. Er wird aber wohl wieder mit Sturmpartner Kyle Palmieri zusammen in der ersten Sturmlinie auflaufen, einem immer noch unterschätzten ‘Triggerman’, der allerdings auch nicht jünger wird. In Sachen Puckbesitz war Hischiers Saison mit nur 47% auch eher enttäuschend, aber immerhin verbesserte er sich in Sachen Bullys deutlich auf 52% gewonnene Bullys von 45% im Vorjahr. Weiter hatte er auch deutlich weniger Starts in der Offensivzone, ein Zeichen des Vertrauens der Trainer in seine defensive Verlässlichkeit, aber auch ein Faktor, der den Offensivoutput tendenziell negativ beeinflusst.
Ich bin weiterhin der Meinung, dass der gerade 22 Jahre alt gewordene Hischier sein Potential noch nicht voll ausgereizt hat und sich in seiner vierten Saison weiter verbessern kann. Hischier ist ein hervorragender Spielmacher mit guten Defensivinstinkten, allerdings muss er sich insbesondere in Sachen Abschluss noch weiter verbessern, damit er zu einem echten Superstar wird. Was eine punktemässige Verbesserung erschwert: Ausser Palmieri und Jack Hughes, welcher allerdings ebenfalls Center spielt, hat Hischier nur wenig hochkarätige Mitspieler.
Für 2021 erwarte ich von Hischier in 50 Spielen 40 Punkte (16 Tore und 24 Assists), oder 0.8 pro Spiel. Ich glaube, dass er seine Trefferquote wird verbessern können, noch mehr Eiszeit (19 Minuten pro Spiel) erhält und auch im Powerplay vermehrt aufblühen wird. Sollte ihm dies gelingen und er sich darauf in den nächsten Jahren noch weiter verbessern können, dann wird man den von ihm im Herbst 2019 unterschriebenen 7 Jahre x $7.25M Vertrag hoffentlich bald auch als mehr als gerechtfertigt bezeichnen können. Auf die ersten NHL-Playoffspiele wird Hischier aber so oder so noch mindestens ein paar Jahre warten müssen bis er, Hughes und der letztjährige #7 Pick, Alexander Holtz, noch ein wenig gereift sind.
Nino Niederreiter: Ziel, solides Niveau zu halten
Nino Niederreiter hatte nach seinem Trade von den Wild zu den Hurricanes vorletzte Saison wie ein Blitz eingeschlagen und dort in 36 Spielen 30 Punkte erzielt. Leider habe auch ich diese Werte zu aggressiv extrapoliert und für letzte Saison 59 Punkte, oder 0.72, pro Spiel vorhergesagt. Mit 29 Punkten in 67 Spielen erzielte Niederreiter lediglich 0.43 pro Spiel, nicht zuletzt aufgrund einer für ihn schon fast historisch tiefen Trefferquote von 10% verglichen mit einem Durchschnitt von 12-13% in den letzten Jahren, vermehrten Defensivaufgaben und fast drei Minuten weniger Eiszeit als im Vorjahr. Wiederum hervorragend waren dagegen seine Puckbesitzwerte (57%).
Der 28-jährige Niederreiter steht vor seiner neunten vollen Saison und ist für mich weiter ein solider Top 6-Stürmer mit vielseitiger Einsetzbarkeit und grosser Verlässlichkeit in allen drei Zonen. In der anstehenden Saison dürfte ‘El Nino’ wiederum primär in der zweiten oder dritten Linie rechts vorne auflaufen. Mit Vincent Trocheck oder Jordan Staal dürfte er auf jeden Fall einen Qualitäts-Center in der Mitte haben, wobei Staals Linie wiederum in erster Priorität für Defensivaufgaben eingesetzt werden wird. Diese Unsicherheit macht eine Prognose betreffend Punkteausbeute etwas schwieriger.
Ich denke, der Bündner dürfte ähnliche Werte wie im Vorjahr erzielen. Ausgehend von etwa 15 Minuten Eiszeit pro Spiel rechne ich mit 26 Punkten und relativ betrachtet mit etwas mehr Toren (13) für den guten Shooter und unterschätzen Spielmacher. Die Canes selbst zähle ich zu den stärkeren Teams und alles andere als eine Playoffqualifikation wäre eine herbe Enttäuschung.
Kevin Fiala: Leistungsexplosion mit 54 Punkten in 64 Spielen
Nach 38 bzw. 48 Skorerpunkten in den beiden vorherigen Saisons, mehrheitlich im Dress der Predators, ‘explodierte’ Fiala letztes Jahr förmlich und erzielte 54 Punkte in nur 64 Spielen und war der wichtigste Spieler der Wild. Auf 60 Minuten hochgerechnet erzielte er 3.3 Punkte, mehr als 50% mehr als in den Jahren zuvor. Pro Spiel kam er auf eine Ausbeute von 0.84 Punkten, deutlich mehr als die von mir prognostizierten 0.64. Weiter beeindruckend: 80% seiner Punkte waren entweder Tore oder erste Assists und nur 20% zweite Assists, welche typischerweise mehr zufallsgetrieben sind. Insbesondere in der Offensivzone brillierte Fiala, währenddem sein Mittelzonenspiel weiter ausgezeichnet war und er sich in der Defensive, tendenziell seine Schwäche, weiter verbessern konnte.
In vielen Spielen legte Fiala dominante Leistungen hin und war mitverantwortlich für eine besser als erwartete Saison der Wild. Seine Puckbesitzwerte blieben weiter ausgezeichnet mit rund 57% und dies, obwohl er auch vermehrt in Defensivsituationen eingesetzt wurde. Weiter steigerte er seine Ausbeute im Powerplay deutlich, hatte relativ betrachtet deutlich weniger Scheibenverluste und zeigte auch in den (kurzen) Playoffs eine starke Leistung. Sein kurz vor der letzten Saison unterschriebener Zweijahresvertrag für $6M insgesamt hat sich bereits jetzt als Schnäppchen für die Wild erwiesen.
Für dieses Jahr erwarte ich von Fiala eine ähnlich starke Leistung mit insgesamt 53 Punkten (22 Tore und 31 Assists; 0.95 Punkte pro Spiel) und er dürfte damit seinen Status als Schlüsselspieler der Wild zementieren. Angesichts der stetigen Verbesserungen von Fiala im Verlaufe der Saison, welche er mit monströsen 26 Punkten in den letzten 19 Spielen abschloss, könnte sogar das noch zu konservativ sein. Ihm wird insbesondere in der Offensive eine Schlüsselrolle zukommen als klar produktivster Spieler der Wild, deren Stärke klar in der Defensive liegt. Und dies notabene ohne starke Unterstützung auf der Centerposition, klar die Schwäche von Minnesota ohne einen einzigen Top-50 Center. Dieses Vakuum wird mittelfristig wohl durch den mehrheitlich in der Schweiz ausgebildeten Österreicher Marco Rossi, den letztjährigen #9 Draftpick der Wild, ausgefüllt. Was wäre das Resultat einer solchen Performance von Kevin Fiala? Ein neuer, langfristiger Vertrag mit einem Salär von deutlich über $6M pro Jahr nachdem sein bestehender Vertrag diesen Sommer auslaufen wird.
Gaëtan Haas: Eingewöhnungsphase vorbei, Ziel für kommende Saison ist ein fixer Stammplatz
Gaëtan Haas hat eine durchwachsene aber insgesamt akzeptable Saison hinter sich. Er konnte sich einen Stammplatz ergattern und lief in 58 Spielen auf und erzielte dabei angesichts der limitierten Eiszeit von nur knapp 10 Minuten pro Spiel respektable 10 Punkte (je fünf Tore und Vorlagen). Damit ist er deutlich unter meiner Prognose von 23 Punkten in etwa der gleichen Anzahl Spiele geblieben. Auch sein Puckbesitzwert von 48% war solid, aber die Bullygewinnquote von nur 42% ist noch verbesserungsfähig. Er erhielt darauf bei den Oilers einen neuen Einjahresvertrag mit ähnlichen Konditionen wie im Vorjahr.
Dieses Jahr rechne ich mit einem leicht erhöhten Output von 0.25 Punkten pro Spiel, nach 0.17 letzte Saison, und insgesamt 10 Punkten (4 Tore und 6 Assists) in 40 Spielen. Haas hat einen Stammplatz nicht auf sicher. Auf den 1C und 2C Positionen sind Connor McDavid und Leon Draisaitl gesetzt. Auf 3C dürfte zumindest Anfang Saison Neuverpflichtung Kyle Turris spielen, dessen Spiel aber in den letzten Jahren regelrecht eingebrochen ist. Mehr als eine Stagnation erwarte ich da nicht. Um die vierte Centerposition wird Haas mit Jujhar Khaira kämpfen, welcher zwar defensiv, genau wie Haas, solid ist, aber seine Hauptstärke im Unterzahlspiel hat und offensiv deutlich weniger potent als Haas ist. Ich denke, Haas wird primär auf 4C eingesetzt, teilweise als dritter Center, aber er wird sicher auch Spiele aussetzen müssen.
Was geht mit Suter, Kurashev, Malgin, Bärtschi?
Pius Suter: Suter ist seinem Ziel, den Sprung in die NHL zu schaffen, einen grossen Schritt nähergekommen. Er hat letzten Herbst seinen ersten NHL-Vertrag bei den Chicago Blackhawks mit einem Salär von $925,000 unterschrieben, kann seine Bezahlung aber im Falle einer besseren Leistung gut verdoppeln. In den letzten Wochen sind die beiden besten Center der Hawks, Jonathan Toews und Kirby Dach, wohl längerfristig ausgefallen, genauso wie Flügel Alexander Nylander. Damit hat Suter hervorragende Chancen auf einen Stammplatz und er wird die Saison wohl in einer der beiden ersten Sturmlinien beginnen, möglicherweise sogar als zweiter Center. Ich werde meine Aussichten für ihn in den nächsten Wochen genauer beleuchten.
Philipp Kurashev: Nicht zuletzt ebendiese Verletzungshexe, welche bei den Hawks zugeschlagen hat, dürfte dafür sorgen, dass auch Kurashev dieses Jahr zum ersten Mal in der NHL auflaufen wird. Auch auf ihn werde ich später noch genauer eingehen.
Denis Malgin: Malgin wird seine Saison wohl in der Schweiz bei Lausanne beenden, da sich letzte Woche niemand seine Rechte gesichert hat, nachdem er von den Maple Leafs freigegeben worden war. Ich denke, er wird über kurz oder lang wieder in der NHL spielen, in Toronto gibt es aber momentan wenig Platz für ihn. Aber wenn er in der Schweiz weiter so gut spielt, wird das Interesse an Malgin sicher in Bälde wieder aufflammen.
Sven Bärtschi: Für Bärtschi rechnete ich letzte Saison mit 38 Punkten in 65 Spielen. Beide Erwartungen hat er leider weit verfehlt; er lief nur sechsmal auf und konnte gerade mal zwei Assists verbuchen. Bärtschi spielte mehrheitlich beim AHL-Team der Canucks in Utica, und dies sehr solid, er skorte mehr als einen Punkt pro Spiel. Nach mehrfachen Gehirnerschütterungen wird es für ihn allerdings nicht einfach, wieder in die NHL zurückzukommen. In Vancouver ist die Konkurrenz im Sturm gross und mehr als ein paar vereinzelte NHL-Einsätze sind wohl unrealistisch.