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Anthropomorphismus
Was wie der Mensch gebildet ist, dient meist der Beseelung von Dingen und Natur sowie der Versinnbildlichung von Eigenschaften. So kann ein Gefühlszustand wie Trauer oder Verzweiflung dazu führen, dass es in Gedichten meist regnet oder gar graupelt, die Bäume sich biegen und die Himmel brechen. Diese Beseelung, die der Natur ein Mitfühlen am menschlichen Empfinden zuspricht, ist ein Erbe der Romantik und stammt aus ihrem Bedürfnis, die Wirklichkeit zu poetisieren.
Ein berühmtes, der Romantik ganz und gar unverdächtiges Beispiel für die Beseelung der Natur sind die Vögel und Fische in folgendem Haiku von Bashô:
Der Frühling scheidet:
Die Vögel weinen – selbst den Fischen
Kommen die Tränen.
Die Versinnbildlichung von Eigenschaften andererseits verfolgt einen ähnlichen, weit stärker rhetorisch gefärbten Zweck. In Fällen, da Dingen menschliche Eigenschaften zugesprochen werden – Bäume neigen ihre Köpfe, die Steine runzeln ihre Glatzen –, handelt es sich eigentlich eher um ausgesprochen aussagekräftige Metaphern, die sich gefährlich nahe an allegorisches Sprechen herantasten. Dass dies auch moderne Lyriker gerne wagen, beweist z.B. der Berliner Lyriker Ron Winkler, wenn er in einem Gedicht schreibt:
Miesmuschelschalen liegen dunkel herum,
Als seien sie Augenringe. OF