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Nietzsche über Wanger (Klappentext):
"Wagner hat, sein halbes Leben lang, an die Revolution geglaubt, wie nur irgendein Franzose an sie geglaubt hat...'Woher stammt alles Unheil in der Welt?' fragte sich Wagner. 'Von alten Verträgen'. antwortete er, gleich allen Revolutions-Ideologen. Auf deutsch: von Sitten, Gesetzen, Moralen, Institutionen, von alledem, worauf die alte Welt, die alte Gesellschaft ruht. 'Wie schafft man das Unheil aus der Welt? Wie schafft man die alte Gesellschaft ab?' Nur dadurch, dass man den 'Verträgen? (dem Herkommen, der Moral) den Krieg erklärt. Das tut Siegfried."
Inhalt und Handlung:
In seinem Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" verarbeitete Wagner alte Dichtungen und Sagen zu einem Gesamtkunstwerk und setzte sich damit ein Denkmal. Die Librettotexte, die Skizzen zu Bühnenbild und Kostümen, die Regieanweisungen und die ganze Musik stammen alle aus der Feder Wagners. Mit insgesamt sechzehn Stunden Auffhrungsdauer (ein Vorabend und drei Tage) nimmt dieser Zyklus einen monumentalen Platz in der Operngeschichte und in Wagners Schaffen ein. Im Siegfried (dem zweiten Tag) erzählt Wagner die Geschichte des furchtlosen Heldes Siegfried, der aus dem zerbrochenen Schwert seines Vaters Siegmund und unter Anleitung seines bösartigen Ziehvaters Mime das neue Schwert "Notung" schmiedet und sich danach in die Welt begibt, um das Fürchten zu lernen. Er kämpft unterwegs gegen einen Drachen, den er auch tötet, erfährt dabei von einer geplanten List Mimes und tötet auch diesen, ausserdem begegnet er unterwegs dem Gott Wotan, der von seiner Furchlosigkeit beeindruckt ist.
Ein Vogel flüstert Siegfried zu, dass eine schöne Frau schlafend auf ihn warte, worauf Siegfried sich aufmacht, diese Frau zu finden. Daraufhin findet und erweckt er Brünnhilde und erlebt im Angesicht der Grösse seiner Liebe zu dieser Frau zum ersten Mal in seinem Leben Furcht. Gemeinsam gelingt es den Liebenden, diese Furcht zu überwinden.
Zum Buch:
Ein Vorwort von Wilhelm Zentner leitet in die Geschichte hinein und verrät auch ein paar spannende Details zur Entstehung von Siegfried und zu Wagners Biografie. Natürlich empfiehlt es sich, die wichtigsten Eckpunkte zur Handlung der Tetralogie zu kennen, bevor man ein einzelnes Libretto liest (oder man beginnt einfach mit dem "Rheingold"). Kennt man allerdings die Geschichte und Musik des "Ringes" ein wenig, ist es ein Leichtes, der schwülstigen Sprache Wagners zu folgen. Ausserdem liest sich "Siegfried" in einem Fluss, weil die Dialoge sehr humorvoll gestaltet sind und die Regieanweisungen das Geschehen auf der Bühne bildhaft umschreiben.
Meine Empfehlung:
Es lohnt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall, sich mit dem Werk Wagners zu befassen. Sei dies nun mit den Librettotexten oder auch den Opern (hier meine Rezension zu "Lohengrin"). Ausserdem gibt es eine spannende (und sehr umfassende) Biografie über Richard Wagner, die im Piper Verlag erschienen ist.
Es ist aus der heutigen Sicht wohl sehr schwer, die Figur Richard Wagner in ihrer Gänze zu erfassen. Sein Weltbild (inklusive Antisemitismus) entsprach der damaligen Zeit, sein Frauenbild war von negativen Erfahrungen geprägt und die Tatsache, dass fast in jeder Oper fast alle Figuren am Ende einen qualvollen (Liebes-)Tod sterben geht weit in seine Kindheit zurück, dies geschah nämlich schon seinen Puppen beim Spielen immer.
Ein magisches Stück Musik (welches im Film Melancholia von Lars von Trier als Filmmusik verwendet wurde) ist übrigens das Vorspiel zu Wagners tragischer Oper Tristan und Isolde. Hört es euch gerne an.
Zusätzliche Infos:
Titel: Siegfried
Autor: Richard Wagner
Reclam Taschenbuch: 96 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Reclam
ISBN: 3-15-005643-8