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Eine Reformation von Kirche und Gesellschaft im 21. Jahrhundert beginnt mit der Verwandlung Einzelner.
RÖMER, KAPITEL 12, VERS 2
«Verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr zu prüfen vermögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.»
Anlässlich des Reformationssonntags habe ich mich gefragt: Kommt das Wort «reformiert» in der Bibel vor? Die Antwort lautet: Ja, aber selten. Ich habe es in der lateinischen Übersetzung Vulgata in genau zwei Sätzen gefunden, beide Male beim Apostel Paulus. Das Wort «verwandeln» oder lateinisch «reformare» steht einerseits im Philipperbrief, Kapitel 3, Vers 21, und andererseits im zitierten Vers aus dem Römerbrief.
Die deutschsprachigen Übersetzungen sind sich nicht einig, ob sie das Verwandeln als etwas Aktives (wie in der Zürcher Übersetzung oben: verwandelt euch) oder als etwas Passives anschauen wollen (in der Einheitsübersetzung: lasst euch umwandeln). Es scheint, als würde beim Übersetzen die Überzeugung eine Rolle spielen, ob wir Menschen uns aus eigener Kraft oder durch Gottes Wirken zum Guten verwandeln.
Der griechische Urtext und auch die lateinische Übersetzung legen die passive Form nahe. Die Wandlung eines Menschen zum Guten hin ist demzufolge auf ein Handeln Gottes zurückzuführen. Der Kontext legt hingegen eine aktive Form nahe, schliesslich fordert der Apostel Paulus die Christen in Rom zur Verwandlung auf, und eine Aufforderung macht nur dann Sinn, wenn die Aufgeforderten zum Geforderten auch etwas beitragen können. Es braucht wohl beides, ein Handeln Gottes und ein Mitwirken des Menschen.
Die Reformation bezieht sich in der Bibel nicht auf die Gemeinde, sondern auf einzelne Menschen. Bei diesen soll eine Wandlung geschehen, zu welcher der Mensch und Gott gleichermassen beitragen. Ein Mensch, bei dem das geschieht, beginnt sich zu fragen, was der Wille Gottes ist. Das ist vor 500 Jahren geschehen, als sich Martin Luther, Huldrych Zwingli und viele andere von der Bibel zu solchem Fragen inspirieren liessen und damit eine Reformation der Kirche auslösten. Und das geschieht bei uns, wenn wir heute nach dem Willen Gottes fragen.
Vor Ihnen liegen die Schaffhauser Nachrichten. Vielleicht mögen Sie darin bewusst Gutes, Wohlgefälliges und Vollkommenes suchen, lassen Ihren Sinn dadurch erneuern und werden durch Gottes Wirken verwandelt? Möglicherweise geschieht dann gerade durch Sie eine neue Reformation!
Andreas Werder aus Opfertshofen, Pfarrer in Dorf ZH
Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
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