Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03452.jsonl.gz/1487

Zur Wirkungsgeschichte des Bildes
Ab dem Jahr 1805 hielt Goethe vor einem Kreis Weimarer Damen jeweils am Mittwochvormittag Vorlesungen über naturwissenschaftliche Themen. Zu den Zuhörerinnen gehörten u.a. die Herzogin Luise, Schillers Witwe Charlotte und ihre Schwester Caroline von Wolzogen. Hier setzte Goethe sein Höhenbild am 1. April 1807 zum ersten Mal ein. Eine Kopie wurde an Alexander von Humboldt gesandt, mit der Bitte um Verbesserungen, der er allerdings nicht nachkam. Dann lagerte das Höhenbild in Goethes Archiv, bis der Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch darauf aufmerksam wurde und die publikumswirksame Form der Visualisierung erkannte.
Unter dem Titel "Höhen der alten und neuen Welt" wurde eine Aquatinta-Fassung 1813 in Bertuchs Allgemeinen Geographischen Ephemeriden veröffentlicht, zusammen mit einem Kommentar Goethes.

Die Publikation fand großen Anklang: Das Blatt mußte nachgedruckt werden und erschien wenig später auch in einer französischen Fassung mit dem Titel "Esquisse des principales hauteurs des deux continens" (links).

Nach der in Paris erschienenen französischen Fassung wurde Goethes Höhenbild ohne Namensnennung auch in London von W. J. Gardner nachgestochen, was erst jetzt nachgewiesen werden konnte (s. Lit. Wyder). Ost- und Westhemisphäre sind in der englischen Fassung vertauscht, und das Blatt wurde um die neu vermessenen Höhen des Himalaja ergänzt (rechts). Ein Druck dieses Höhenbilds noch ohne Himalaja befindet sich im Besitz des amerikanischen Kartensammlers David Rumsey. Das Blatt läßt sich unter der Internet-Adresse http://www.davidrumsey.com oder mit der Suchmaschine "google" unter den Stichworten "comparative view Gardner 1816" in Originalgrösse betrachten.
Zudem existiert eine direkt an Gardner anschließende Visualisierung, die der Edinburgher Kartenhersteller John Thomson 1817 in seinem New General Atlas veröffentlichte (unten). Dieses großformatige Atlaswerk sollte neue Standards in der Kartenkunst setzen. Durch die Mittlerfunktion der Bearbeitung von Gardner fand Goethes Bild-Erfindung so unbekannterweise Eingang in den repräsentativsten britischen Atlas der Epoche.

Margrit Wyder: Vom Brocken zum
Himalaja. Goethes „Höhen der alten und neuen Welt“ und ihre
Wirkungen. In: Goethe-Jahrbuch 121 (2004), S. 141-164
Gisela Nickel: „Höhen der alten und
neuen Welt bildlich verglichen“. Eine Publikation Goethes in Bertuchs Verlag.
In: Friedrich Justin Bertuch (1747-1822). Verleger, Schriftsteller und
Unternehmer im klassischen Weimar. Hrsg. von Gerhard R. Kaiser u. Siegfried
Seifert. Tübingen 2000, S. 673-688
Hanno Beck u. Wolfgang-Hagen Hein:
Humboldts Naturgemälde der Tropenländer und Goethes ideale Landschaft.
Stuttgart 1989.