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Ernesto Cardenal, der als Priester, Befreiungstheologe, Politiker und Dichter in Nicaragua wirkte, verstarb am 1. März 2020. In seinen Dichtungen verband er immer wieder die naturwissenschaftliche Sicht mit dem Staunen über die Schöpfung Gottes und einer den Menschen zugewandten Blickweise.
Es gab das Paradies schon vor dem Menschen. …
In das einzutreten uns wohl nicht gelingen wird.
Denn das Paradies
ist kein Ursprung, sondern ein Ziel.
Ein Erbziel, sozusagen. …
Viele Tiere jagen gemeinsam
aber sie teilen die Beute nicht.
Als der Affe sein Essen teilte
war er kein Affe mehr, sondern war menschlich.
Das einzige Tier, das aufrecht geht
Aufrecht stehen zu können, machte uns intelligent.
Das einzige Wirbeltier, das Philosoph werden konnte.
Das Paradies war keine Gabe, sondern ein Angebot
An den Menschen, nicht an das Tier.
Das Paradies war Fortschritt, der dem Tier nicht angeboten wurde.
Das einzige Tier, das lächelt.
Das einzige Tier, das weiss, dass es sterben muss.
Das einzige Tier mit Kleidung.
Um das Tierische zu verdecken?
Das Tier, das Verantwortung trägt,
weil es bestimmt ist für etwas oder für jemand.
Es weiss, dass es sterben wird. Um aufzuerstehen. Um zu sterben.
Das einzige Tier, das weint, wenn es geboren wird.
(Aus dem Gedichtband Zyklus der Sterne von Ernesto Cardenal)