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Der Alpensteinbock
Alpensteinbock
(Capra ibex ibex)
Im Volksmund werden mit dem Begriff «Steinbock», sowohl die männlichen Tiere «Steinböcke» und die weiblichen Tiere «Steingeissen» bezeichnet. Jäger verwenden oft den geschlechtsneutralen Ausdruck «Steinwild».
Der Steinbock war in der Schweiz und in den Alpenländern zu Beginn des 19. Jahrhunderts mehrheitlich ausgerottet. Einzig in Italien im heutigen Nationalpark «Gran Paradiso» im Aosta Tal, damals königliches Jagdrevier von Vittorio Emanuele der II. (der erste König Italiens) gab es noch einige Tiere.
Wilderer beschafften in Auftrag von Mitgliedern und Jägern der Wildparkgesellschaft des Jagdvereins St.Gallen im Jahr 1906 «Steinkitze» aus diesem Nationalpark. Im Wildpark Peter und Paul in St.Gallen, wurden diese grossgezogen. Ebenso wurden geschmuggelte Kitze im Tierpark Interlaken grossgezogen. In den Jahren 1906 bis 1917 wurde mit 41 solchen Kitzen an beiden Orten Steinwild zu «züchten» begonnen. Dies mit dem Ziele es im Alpenraum wieder anzusiedeln.
Das erste Steinwild wurde 1911 im eidgenössischen Jagdbanngebiet «Graue Hörner» am Pizol erfolgreich wieder angesiedelt.
In der isolierten Steinwildkolonie «Säntis» rund um den Säntis leben in den drei Kantonen AI, AR und SG rund 177 (2020) Stück Steinwild, isoliert von anderen Vorkommen dieser Tierart.
Das Steinwild lebt in steilen felsigen Gebirgszügen, in welchen sie aber auch Nahrung finden, auf einer Höhe zwischen 1600 und 3000 m. Im Winter bevorzugt das Steinwild 40-45° steile Südhänge, wo es sich in der Sonne aufwärmen kann, und wenig Energie benötigt, um an offene Grasstellen zu gelangen. So sieht man Steinwild auch an Fischmäulern, wo es dann oftmals auch Lawinenopfer wird. Andere Lebewesen in der kargen Natur wie Greifvögel oder der Fuchs profitieren so von diesen Steinwildkadavern.
Die Böcke und Geissen lassen sich aufgrund ihrer Hörner unterscheiden. Jene der Böcke sind grösser, diese werden bis zu 100 cm lang und haben an der Vorderkante Wülste, welche als Schmuckknoten-Schmuckringe bezeichnet werden. Die Hörner der Geissen werden etwa 30 cm lang sind dünner, rundlich und haben keine Schmuckknoten-Schmuckringe. An den Hörnern lässt sich das Alter der Tiere bestimmen. Die Hörner haben zwischen November und März einen Wachstumsunterbruch, in dieser Zeit zeichnet sich eine Einschnürung der Hornschläuche ab. Diese sogenannten Jahrringe lassen so bei beiden Geschlechtern eine zuverlässige Altersbestimmung zu.
In den Sommermonaten wird durch Kämpfe bei den Böcken die Rangordnung festgelegt.
Das Steinwild ist ein Tag aktives Tier. Es ist ein Raufutterfresser und ernährt sich vorwiegend mit Gras, auch mit Kräutern, Flechten und Nadeln. Dies kann je nach Gebiet und Steinwilddichte zu Verbissschäden an Nadelbäumen führen.
Ich wünsche allen Alpinistinnen und Alpinisten viele eindrückliche Anblicke vom stolzen und imposanten Steinbock in unserer schönen Bergwelt, verbunden mit dem Zusatzwissen aus diesem Beschrieb über das Steinwild.
Felix Eberhard
Bild: Robert Diener