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9. April 2008 um 23:57 Uhr, 2 Kommentare
Larve
Mal wieder ein kurzgeschichtliches kurzgeschichtkurzes Kurzgeschichtlein, welches ich jetzt und in diesem Moment aus den Fingern zieh und zu welchem mich Miri inspiriert hat.
Larve
„Verdammt, ich muss los“, sagte er im Stress. Sein Zug fuhr in einer Stunde und er war noch immer auf der Arbeit. Los, los, los!, er musste es schaffen, das war SEIN Wochenende. Vier Tage weg vom Fenster, weg von der Arbeit. Vier Tage Freiheit. Und alles konnte an diesem Projekt scheitern, diesem kleinen Projekt, welches sich zu solcher Qual erweiterte. Er nahm einen Schluck aus seiner Wasserflasche und der Computer machte den so lange erhofften Ton. Klick. Das Projekt war fertig. Er hatte keine Zeit, es zu testen, er speicherte es, schaltete den Computer aus und rannte aus dem Büro.
Die Flasche wartete. Sie wartete auf ihren Besitzer. Den einen, der gerade eben im Sturm das Büro verliess ohne sie zu schliessen. Eine Kette fast unwahrscheinlicher Zufälle nahm ihren Lauf und es sollten vier Tage vergehen, welche das Wasser der Flasche verändern würden. Die Tage würden das Wasser in einer Art verändern, welche das Leben eines jeden davon Trinkenden um Einhundertachtzig Grad verändern würde.
Ein Korn sass an der Decke. Auch es wartete auf einen Zeitpunkt. Den Zeitpunkt um loszulassen. Den Zeitpunkt des Starts einer Reise, deren Ziel weder das Korn noch irgendjemand anderes Wissen konnte. Die Türe öffnete sich und wurde mit einem Ruck geschlossen. Das Sandkorn begann zu fallen.
„Samstag, Samstag, putzen, putzen“, sagte die Putzfrau erschöpft und wütend, als sie das Büro betrat. Der Kessel, welcher gerade mit Wasser gefüllt wurde, wusste nicht, warum sie das sagte, doch er war Zeuge des Streits gewesen. Des immer wiederkehrenden Streits. Auch er wartete lange auf einen Auftritt. Jahre in denen in ihm etwas wuchs, etwas unsichtbares, etwas seltsames.
Ein erfrischtes Gefühl hatte das Blatt der Pflanze, als vor einigen Momenten ein Sonnenstrahl seine Oberfläche streichelte. Doch jäh wurde die frische unterbrochen, als ein Korn auf die Oberseite des Blattes fiel. Es rollte in der Mittelrille und blieb kurz vor dem Ende stehen. Dies sollte jedoch noch nicht die Endstation sein. Das Korn wartete weiter und nach einigen Augenblicken konnte sich auch das Blatt wieder auf die Sonne konzentrieren.
Auch die Flechte hatte gewartet. Durch einen Windstoss ins Metall gelangt, sich damit vereint und darin gewachsen. Die Flechte wuchs unsichtbar und wartete auf den Augenblick um seine Sporen zu verteilen. Der Moment kam eines Morgens, als das Metallgefäss mehr und mehr nass wurde und sich mit Wasser füllte. Die Sporen sprossen aus der Flechte und konnten nun ihrerseits auf den Beginn einer Reise warten.
„Wasser, Seife, putzen, putzen“, grummelte die Putzfrau als sie das Ach-so-starke Putzmittel zum Wasser des Kessels fügte. Denkend, dass Keime darin ausgelöscht werden, ging sie ihrer Arbeit nach und begann zu Putzen. Dass das Putzmittel jedoch griff die Sporen nicht an, es umschloss sie mit einer Schutzschicht und in den Sporen begann etwas zu wachsen. Lebensformen. Kleinste Lebensformen, welche jedoch gleich nach dem Schlüpfen im Putzmittelwasser starben. Nach kurzer Zeit waren nur noch Sporen übrig, deren Lebensformen sich nicht entwickelten und deshalb nicht schlüpften.
Sie schrubbte und schrubbte. Sie wusch und putzte, wie es ihre Berufsgattung von ihr verlangte. Ein weiteres mal merkte sie nicht, welch‘ wundersame Mär sich gleich vor ihren Augen abspielte, als eine kleine Seifenblase vor ihren Augen schwebte.
Eine Spore war unterwegs. Sie hatte ihre Freunde verlassen und liess sich in einer Seifenblase umher tragen. Kein Ziel, keine Richtung hatte sie. Und trotzdem war ihr Weg vorherbestimmt. Sie schwebte durch einen Sonnenstrahl. Er erweckte die schwache Lebensform in der Spore. Sie begann sich zu bewegen und wuchs. Die Blase wurde immer schwerer und fiel schlussendlich auf ein Blatt. Die Lebensform schlüpfte nass aus der Spore und rollte als Larve das Blatt hernieder.
Das Korn wartete, es wusste nicht worauf es wartete. Es wusste nicht, dass es auf die Larve wartete, welche geradewegs das Blatt hinunter auf das Korn zurollte. Sie trafen sich in einem Zusammenstoss, wie er unspektakulärer nicht hätte sein können und fielen zusammen vom Blatt. Sie fielen tief und direkt in die offene Wasserflasche, in welcher sie auf den Boden sanken.
Genährt von Korn und Wasser, bestrahlt vom Licht und geschützt vor Menschenwesen, lebte und gedeihte die Larve in der Wasserflasche. Umherschwimmend und wachsend hatte sie nach 3 Tagen ihr Ziel erreicht und verpuppte sich. Auf einen Wirten wartend, welcher sie erwecken würde und mit welchem sie sich verbinden konnte.
Sein Wochenende war vorbei, weniger entspannend als gehofft und natürlich viel zu Kurz. Er setzte sich an den Computer. Das Projekt war nicht fertig. Noch immer nicht. Es war voller Fehler. Deprimiert und unbedacht wie er nun gerade war, nahm er einen Schluck aus der Flasche. Und noch einen, noch einen und noch einen. Und erst beim letzten Schluck kurz vor Feierabend sah er die Spuren der Larve. Die dunklen Punkte und schimmligen Schleier am Flaschenboden. „Oh mein Gott! Was ist denn DAS???“, schrie er schockiert. Er zeigte es seiner Arbeitskollegin, welche natürlich gleich Witze darüber zu machen begann. „Du hast Larven getrunken!“, sagte sie lachend, „Morgen kommst du als Die Fliege zur Arbeit!“
Diese Umgebung war es, welche sie brauchte, die Larve. Die Magensäure hatte den Kokon zerbrochen und das neue Wesen freigegeben. Das Wesen hatte nur noch ein einziges Ziel. Es musste seine Erbinformationen abgeben. Es schwamm durch die Magensäure an die Magenwand und kletterte nach oben, immer weiter nach oben. Es erreichte die Speiseröhre und kletterte auch dort hinauf bis zu dem perfekten, richtigen Punkt.
Er kam Zuhause an, mit einem flauen Gefühl im Magen. Was, wenn er wirklich Sporen, Schimmel oder gar wirklich eine Larve verschluckt hätte? Er hatte eine einzige Idee. Er betrat die Küche, öffnete den Kühlschrank und griff nach einer Flasche. Es war eine alte Flasche. Sie musste mindestens zwei Jahre alt sein. Und noch immer lag sie in seinem Kühlschrank fast unangetastet. Doch in diesem Moment war es von Nöten. Er öffnete den Deckel und nahm einen grossen Schluck.
Es war ein Wesen mit Erbinformationen, welche jeden Menschen in einen Superhelden verwandeln würden. DNA, durch welche das Gehirn wächst, die Muskeln fast unendlich gestärkt werden und die Haut metallartig alles abprallt und unzerstörbar wird. Das Wesen machte sich daran, seine Erbanlagen in den Körper seines Wirtes freizugeben als es etwas hörte. Ein entferntes grollen verunsicherte das Wesen und es wartete ab. Auf einmal kam aus dem Dunkel der Speiseröhre eine Wasserartige Welle. Sie sauste über das Wesen. Als die Welle vorbei war, blieb das Wesen kurz starr an der Stelle, wo es vorher war. Dann löste es sich langsam von der Speiseröhre und fiel tief in den Magen hinein. Ein grosser Schluck Vodka hatte es getötet.
Ende
Huiiii das war mal wieder was, das raus musste 🙂 Wie fandet ihr’s?
greeez pf