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Finanziell ist das Kunstmuseum deutlich besser aufgestellt als das Zentrum Paul Klee. Das ZPK hat nur zwei Möglichkeiten: die Einnahmen erhöhen oder die Kosten senken, zum Beispiel mit einer Fusion mit dem Kunstmuseum.
Der Finanzbericht des Zentrums Paul Klee lässt an Deutlichkeit keine Wünsche offen: «Bei einem Eigenfinanzierungsgrad von 43,7 Prozent und den erwähnten Unsicherheitsfaktoren unterliegt das ZPK hohen Risiken», steht im Geschäftsbericht 2009 geschrieben. Mit Unsicherheitsfaktoren meint das ZPK «die schwer prognostizierbaren Erträge».
Das ZPK sei unterfinanziert. «Fehlende Reserven an Eigenmitteln führen zwangsläufig auch zu Liquiditätsproblemen.» Reine Schwarzmalerei, um höhere Subventionen zu ergattern? «Nein, sondern das Offenbaren nackter Tatsachen», sagt ZPK-Direktor Juri Steiner.
Insbesondere auch ein Vergleich mit dem Berner Kunstmuseum zeigt die schwierige Situation im ZPK. Wobei natürlich einzuräumen ist, dass ein solcher Vergleich nicht eins zu eins zu bewerkstelligen ist: Das Kunstmuseum ist ein Museum mit den üblichen Rahmenveranstaltungen, das ZPK ist mehr als ein Museum, es führt auch Orchesterabende und Theateraufführungen durch. Hinzu kommt, dass die Transparenz von Geschäftsberichten bei kulturellen Institutionen mangelhaft ist. Dennoch zeigt die Gegenüberstellung der relevanten Kennziffern, dass beim ZPK Handlungsbedarf besteht.
Erfolgsrechnung: Das Kunstmuseum konnte 2009 einen Gewinn von 82 000 Franken erwirtschaften, derweil das ZKP einen Verlust von 191 000 Franken zu beklagen hat.
Rückstellung: Das Kunstmuseum vermochte 2009 Rückstellungen von 62 000 Franken zu bilden. Ohne Bildung dieser Rückstellungen wäre der Gewinn um eben diese 62 000 Franken höher ausgefallen. Das ZPK war finanziell nicht in der Lage, Rückstellungen zu bilden.
Reserven: Das Kunstmuseum hat über die Jahre Rückstellungen von 2,3 Millionen Franken geäufnet. Mit den zweckgebundenen Reserven ergibt das ein Polster von 5,8 Millionen Franken. Das ZPK hat keine Reserven.
Ausstellungsrechnung: Das Kunstmuseum führt in der Bilanz den Passivposten Ausstellungsrechnung. Dieser Betrag von 428 499 Franken dient künftigen Ausstellungen. Es ist so etwas wie ein «Defizitkässeli» künftiger Ausstellungen. Das ZPK führt keinen vergleichbaren Posten.
Subventionen: Beide Häuser erhalten von der öffentlichen Hand Beiträge von gut 6 Millionen Franken. Doch das ZPK verursacht insgesamt höhere Kosten als das Kunstmuseum. Beim ZPK betragen die Subventionen im Verhältnis zum Gesamtaufwand 55 Prozent. Beim Kunstmuseum sind es 66 Prozent.
Beiträge Dritter: Wenn das ZPK bei gleichen Subventionen höhere Kosten verursacht, müsste es wenigstens mehr Sponsorengelder erhalten als das Kunstmuseum. Doch das Gegenteil ist der Fall: Das Kunstmuseum erhält über diesen Kanal fast doppelt so viel wie das ZPK, nämlich 1,5 Millionen Franken. Dazu gehört ein namhafter Betrag der Credit Suisse.
Besucher: Das ZPK registrierte 2009 für seine Ausstellungen doppelt so viele Eintritte als das Kunstmuseum, nämlich 115 000 gegenüber 52 000. Im Jahr zuvor, 2008, kam auch das Kunstmuseum dank der Hodler-Ausstellung auf über 90 000 zahlende Eintritte. Nimmt man die Subvention pro zahlenden Besucher als Messlatte, schneidet das ZPK deutlich besser ab als das Kunstmuseum. Die öffentliche Hand zahlte dem ZPK pro zahlenden Ausstellungsbesucher 55 Franken. Im Kunstmuseum sind es 117 Franken.
Eigenfinanzierungsgrad: In diesem Punkt steht das ZPK deutlich besser da als das Kunstmuseum: Die 43,7 Prozent sind zwar wenig, doch beim Kunstmuseum beträgt dieser Schlüsselwert lediglich 32 Prozent. Das ZPK hat bei etwa gleich hohen Subventionen höhere Erträge erzielt, was zu einem höheren Eigenfinanzierungsgrad führt.
Fazit: Das Kunstmuseum ist finanziell viel besser aufgestellt, weil es über all die Jahre Reserven äufnen konnte. Dann erhält es pro Besucher erst noch deutlich mehr Subventionen als das ZPK. Und schliesslich sind auch die Beiträge Dritter beim Kunstmuseum höher als beim ZPK.
Das ZPK generiert zwar höhere Einnahmen als das Kunstmuseum, verzeichnet aber auch einen höheren Aufwand. Bei dieser Finanzlage gibt es nur zwei Möglichkeiten: die Einnahmen erhöhen oder die Kosten senken. Höhere Subventionen wird es kaum geben, also muss das ZPK zusätzliche Sponsoren akquirieren.
Auf der Kostenseite könnte man sich fragen, ob es wirklich Aufgabe des Klee-Museums sein muss, neben der Gemäldesammlung auch Konzerte und Theater zu präsentieren. Weitere Einsparungen liessen sich natürlich mit einem Zusammenschluss beider Kunstmuseen erzielen. Eine Massnahme, über welche derzeit hinter den Kulissen heftig diskutiert wird.
Erschienen in der BZ am 29. Juli 2010