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Die "Polis" in drei Perspektiven:
Als Polis wird der "Staats"verband (Stadtstaat) im antiken Griechenland bezeichnet, der in der Regel begreifbar ist als ein städtischer Siedlungskern mit dem dazugehörigen Umland. Die typische Polis war eine "Bürger"gemeinde und definierte sich nicht primär über ihr Territorium, sondern über ihre Mitglieder und deren Eigentum.
Die "Polis" ist ein Konstrukt - das die Renaissance Aristoteles zugeschrieben hat, der damit die Organisation von Herrschaft in Sozietäten bezeichnet. Bei Plato herrscht noch die vor-nationale Vorstellung von nicht-politischen Verhältnissen, worin Pateriarchen einer weitgehend autarkten Familia vorstehen. Man hat zwar Nachbarn die man bekriegen kann oder mit denen man handeln oder gemeinsame Sache machen kann, aber das eigentliche Leben spielt sich "intern" (was noch nicht privat heisst, weil es diese Differenz noch nicht gibt) ab. Plato macht zwar Differenzierungen innerhalb des Oikos, die er vor allem auf die Polis, als grossem Oikos anwendet. Aber Aristoteles sieht die Polis als eigenständige Organisation, in welcher die privaten Oikos als Subjekte erscheinen.
In der Renaissance entwickelt sich die merkantilistische Nation - und macht eben Rückgriffe auf die Hellenen. Die merkantilistischen Herrschaftshäuser richten die Nation als öffentlichen Haushalt ein, weil sie so die Kosten besser verteilen können. Die andern Fürsten müssen nun die Steuern nich t mehr dem reativen König bezahlen, sondern der Nation. Die Zölle werden zur Finazierung von nationalen Aufgaben verwendet. Dazu wird der öffentliche Haushalt, die Polis erfunden.
Aristoteles grenzte Oikos gegenüber der griechischen Polis – deutlich ab, womit er seinem Lehrer Platon widersprach. Platon sah keinen Unterschied zwischen einer großen Oikos und einer kleinen Polis.
Polis bezeichnet die Differenz zwischen der Festung und der inneren Organisation der Festung. Im ausdifferenzierteren Sinn geht die Polis dann über die Stadtmauern hinaus und bezeichnet nur noch den Verbund, also nicht primär das Territorium, sondern die Mitglieder, die ihre Territorien gar nicht kannten, weil sie sie nur extensiv bewirtschaften und keinerlei Besitzstabilität aufbauen konnten. Die Fürsten, die Homer phantasierte, erkannten sich als Krieger, die sich gegenseitig - ohne Vorwände wie - unterwerfen könnten und dabei Rentabilitätsüberlegungen anstellten, die sie - in Homers Mär - als Polis bezeichneten.
Aristoteles bezeichnet den Organisationsprozess in der Polis als Politik. Er hat damit ein Paradigma zum Begriff Politik begründet, das bis heute gepflegt wird (und beispielsweise von N. Luhmann am Anfang des Buches Die Politik der Gesellschaft kritisiert wird: Aristoteles hatte keine Gesellschaftstheorie, Politik muss bei ihm also etwas jenseits der Gesellschaft bezeichnen.
politische Oekonomie
Seit der Entstehung der Polis in archaischer Zeit und wegen der großen Zahl an Neugründungen im Hellenismus blieb die Mittelmeerwelt über Jahrhunderte hinweg städtisch geprägt, obwohl die Mehrheit der Menschen auf dem Land lebte (denn in der Regel waren auch die meisten Landbewohner Bürger oder Abhängige einer Polis). Das römische Reich stützte sich gerade im Osten in starkem Maße auf die nun nur noch halbautonomen Poleis, die in der Spätantike vielerorts einen langsamen Niedergang erlebten. Im sechsten Jahrhundert scheiterten letzte Versuche, die Position der Städte zu stärken, und die islamische Expansion des 7. Jahrhunderts führte endgültig zum Untergang der meisten Poleis. Im Byzantinischen Reich wandelten sich die meisten Städte von der Polis in ein befestigtes, vergleichsweise oft sehr kleines Kastron.
Hintergründiger Sinn solcher Geschichten ist die politische Ökonomie, die eine Haus-Wirtschaft der Polis erfunden hat und diese Differenz dem Philosophenpaar Platon-Aristoteles in den Mund gelegt hat.