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Russell Westbrook ist ein Laker und Cunningham ein «Bad Boy» – das lief am NBA-Draft-Abend
Es war eine ereignisreiche Nacht in der NBA. Im Draft wurden die Träume von 60 jungen Basketballern erfüllt und dann gab es auch noch einen Blockbuster-Trade zu verkünden. Wir fassen die wichtigsten Geschehnisse noch einmal zusammen.
Westbrook ist ein Laker – das Gute und das Böse
Die wichtigste Nachricht des Abends hatte nur indirekt mit dem Draft zu tun: Russell Westbrook ist ein Laker. Der Rekord-Champion der NBA schickt drei Spieler sowie ihren diesjährigen Erstrunden-Pick nach Washington und bekommt im Gegenzug ihren dritten Star sowie zwei Zweitrunden-Picks. Die Los Angeles Lakers haben nun mit LeBron James, Anthony Davis und eben Westbrook eine sogenannte «Big Three», die der Franchise den 18. Titel bringen soll.
Die Verkündung des Trades während des Drafts kam etwas überraschend, da die Lakers noch kurz zuvor mit Sacramento über einen Deal für Buddy Hield verhandelten. Doch am Ende entschied sich General Manager Rob Pelinka dafür, Kyle Kuzma, Kentavious Caldwell-Pope und Montrezl Harrell lieber für einen ehemaligen MVP einzutauschen, als mit Hield einen guten Werfer zu holen.
Damit verpflichten sie zwar den Spieler mit dem grösseren Talent, doch auch einen schwierigen Charakter und ballverliebten Point Guard, der erst beweisen muss, dass er mit einem Spieler wie LeBron James harmonieren kann. Westbrook bezeichnete den Ball mal als seinen «einzigen Freund auf dem Court» und glänzte abseits des Spielgeräts vor allem durch Inaktivität. In der Defensive konnte der 32-Jährige in seiner Karriere bisher auch viel zu selten überzeugen.
Zweifelsohne ist der MVP von 2017 ein hervorragender Basketballer und gehört bei voller Gesundheit zu den athletischsten Profis in der NBA. Zudem kann er James beim Ballvortrag entlasten und seine Mitspieler in Szene setzen. Doch die Frage bleibt: Kommt Westbrook mit seiner Rolle als zweite oder gar dritte Option im Team zurecht? Kann er seine Ballkontakte etwas zurückschrauben und auch abseits des Balls aktiver werden? LeBron wird darauf zählen. Der 36-Jährige ist einer der besten Spielmacher in der NBA und hat stets das Auge für den freien Mitspieler, der nach dem Pass zu einfachen Punkten kommen kann.
Doch der Blockbuster-Trade birgt ein weiteres Problem für LA. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen nur fünf Spieler für die nächste Saison unter Vertrag – neben den drei Stars sind dies Marc Gasol und Alfonzo McKinnie. Die weiteren Kaderplätze müssen mit werdenden Free Agents wie Alex Caruso und Markieff Morris, deren Verträge bei den Lakers ausgelaufen sind, gefüllt werden. Dazu kommt die Mid-Level-Exception, die sie einem Spieler ihrer Wahl geben können. Dennis Schröder wird das Team verlassen. Die Lakers werden gut daran tun, talentierte Werfer zu verpflichten, da weder James noch Davis oder Westbrook einen konstant fallenden Dreier in ihrem Repertoire haben.
Cade Cunningham wird gleich zum Fan-Liebling
Isiah Thomas, Joe Dumars und Bill Laimbeer waren die grossen Rivalen von Michael Jordan und seinen Chicago Bulls. Die «Bad Boys» waren bekannt für ihren harten Basketball und regelmässig die Grenzen des Erlaubten auszutesten. Der Erfolg und zwei NBA-Titel gaben ihnen Recht. Der Nummer-1-Pick des diesjährigen Drafts lässt die Fans in der «Motor City» wieder von Erfolgen in den Playoffs träumen. Cade Cunningham will diese «Bad-Boy-Mentalität» gemeinsam mit dem jungen Kern um Killian Hayes zu den Pistons zurückbringen.
Der 19-Jährige, der in seiner einzigen College-Saison 20,1 Punkte pro Spiel auflegte und starke 40 Prozent seiner Dreier traf, war mehr als bereit, für die Franchise aus Michigan zu spielen. Schon im Interview nach der Bekanntgabe des ersten Picks zückte er die Sonnenbrille und sagte: «Ich werde alles für die Franchise geben.»
Cunningham wird seinen Mitspielern auch neben dem Platz weiterhelfen können. Der Guard fungierte im College bei Oklahoma State als Team-Coiffeur. Ausserdem ernährt sich der Vater einer dreijährigen Tochter vegan.
Die weiteren Top-Picks
Die Houston Rockets verstärkten sich an zweiter Stelle mit Jalen Green. Das Besondere an diesem Pick: Green ging nicht den Weg über das College, sondern spielte gemeinsam mit Jonathan Kuminga, der als siebter Neuling von Golden State gedraftet wurde, in der G-League. Die G-League Ignite sind ein Team, das extra dafür gegründet wurde, um High-School-Spielern eine weitere Möglichkeit zu geben, sich auf die NBA vorzubereiten.
Green und Kuminga sind die ersten Spieler aus diesem Programm, die in die beste Basketballliga der Welt gedraftet wurden. Der neue Guard der Rockets konnte mit 17,9 Punkten pro Spiel überzeugen. Kuminga machte mit 15,8 Punkten sowie 7,2 Rebounds von sich reden. Der Forward kam mit 13 Jahren aus Kongo in die USA und sah seine Eltern seither nicht mehr – nun waren sie dabei, als sein grosser Traum in Erfüllung ging.
Auch Evan Mobley (Cleveland Cavaliers) und Jalen Suggs (Orlando Magic) werden als grosse Talente gehandelt. Zudem wurde mit Franz Wagner ein Deutscher in den Top-10 gedraftet. Der 19-jährige Small Forward wird nächste Saison gemeinsam mit seinem Bruder Moritz für die Orlando Magic auf Korbjagd gehen. Für eine Überraschung sorgten die Toronto Raptors, die an vierter Stelle nicht wie erwartet Suggs wählten, sondern Scottie Barnes von Florida State auswählten. Sogar die Kamera-Crew war überrascht: Nach der Bekanntgabe des Picks schwenkte die Kamera zunächst auf Jalen Suggs.
Die gesamte erste Runde in der Übersicht:
Weitere Trades am Draft-Abend
Nicht nur Russell Westbrook und die drei ehemaligen Lakers-Profis werden ab Oktober in einem neuen Trikot zu sehen sein. Die NBA-Teams waren auf dem Trade-Markt sehr aktiv und tauschten nicht nur Picks untereinander. Drei weitere Deals enthielten Spieler:
Diese Stars könnten noch getradet werden
Die neue NBA-Saison startet erst im Oktober. Bis dahin haben die 30 Teams und ihre General Manager noch viel Zeit, um an den Kadern zu drehen. Anders als in anderen Jahren wird in diesem Sommer kein ganz grosser Fisch in der Free Agency zu haben sein. Deshalb werden vor allem unzufriedene Superstars, die bei ihrer aktuellen Franchise keine Titelchance sehen, umworben sein.
Das heisseste Objekt der Begierde ist Damian Lillard. Der Superstar ist mit dem Kader der Portland Trail Blazers nicht zufrieden und sagte nach dem Trainer-Wechsel von Terry Stotts zu Chauncey Billups: «Ich verstehe nicht, wie man unser Team als Meisterschafts-Team sehen kann.» Es wurde vermehrt über einen Trade-Wunsch des 31-Jährigen berichtet. Lillard hat dies bisher aber verneint. Dennoch werden die Angebote für einen der besten Shooter in der Liga zahlreich in Portland einfliegen.
Es gibt wohl kaum ein Team, das Dame nicht gerne im Kader hätte. Unter anderem die Miami Heat und die Golden State Warriors zählen zu den Kandidaten für einen Lillard-Trade. Beide Franchises wären mit dem Point Guard und ihrem aktuellen Roster zu den Top-Favoriten auf den Titel zu zählen. Auch die New York Knicks oder die Boston Celtics könnten ein Angebot machen. Zudem gelten die Philadelphia 76ers als Interessent am sechsfachen All Star.
Die Sixers wollen ihrem Center Joel Embiid einen Guard zur Seite stellen, der besser zum Spiel des Kameruners passt als Ben Simmons. Dafür wäre Lillard der perfekte Spieler – denn Dame kann werfen, vorbereiten und zum Korb ziehen. Ein perfekter Partner für den dominanten Embiid, der mit Ben Simmons nicht wirklich zurechtkommt. Der Australier ist zwar ein hervorragender Verteidiger, doch kann offensiv viel zu wenig bieten und hat in den Playoffs eine sehr schwache Leistung gezeigt.
Deshalb möchte GM Daryl Morey den grossgewachsenen Point Guard gerne loswerden, doch der geforderte Gegenwert scheint viel zu gross zu sein. Angeblich hätten sie von Golden State vier Erstrunden-Picks sowie zwei Spieler gefordert. Diese haben abgelehnt. Für einen Spieler vom Format eines Damian Lillards würde Philadelphia Simmons aber wohl sicher abgeben.
Ein weiterer Spieler in dieser Kategorie ist Bradley Beal. Der Shooting Guard der Washington Wizards war in den letzten Wochen und Monaten ebenfalls Bestandteil vieler Gerüchte und soll unter anderem bei den Warriors Thema gewesen sein. Beal wurde 2012 von Washington gedraftet, konnte aber in neun Jahren nie auch nur bis in die Conference Finals vorstossen. Auch der Versuch mit Russell Westbrook einen weiteren Superstar-Guard neben den 28-Jährigen zu stellen scheiterte.
Der «Real Deal» könnte jedem Team in der NBA weiterhelfen und auch für ihn gilt: Sollte er einen Trade-Wunsch äussern, würden die Wizards eine Menge Angebote erhalten. Doch nun berichtete NBA-Insider Shams Charania, dass Beal Washington aktuell nicht verlassen wolle. Somit wäre einer der möglichen Blockbuster-Trades vom Tisch – dennoch ist in der NBA ein heisser Sommer zu erwarten.
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