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Wie wird Medizin kommerzialisiert?
Zuerst werden Produkte kreiert, zum Beispiel T-Shirts, Stiefel, eine EU-Banane oder eben eine Blinddarm-Operation, eine HPV-Impfung oder eine gynäkologische Vorsorgeuntersuchung.
Damit ein Handel aufgebaut werden kann, müssen die Produkte normiert sein: in Grösse, Dauer, Länge, Farbe, Inhalt, Zeit, Aufwand etc. Im medizinischen Bereich führt dies zum Beispiel zu Fall-Pauschalen („eine Blinddarm-Operation“) oder Zeitpauschalen („eine gynäkologische Vorsorgeuntersuchung“) oder Einkaufspreisen („eine HPV-Impfung“). Über die Preise kann dann des Langen und Breiten gestritten werden, was viel Arbeitszeit und Energie absorbiert.
Sobald das Produkt („eine Blinddarm-Operation“) festgelegt ist, fallen alle individuellen Bedürfnisse schon im Voraus weg. Diese „Nebenwirkung“ der Normierung gefährdet direkt Patientinnen und Patienten. Um die Gefahr der Fehlbehandlung zu reduzieren, wurden weitere regulative Massnahmen notwendig (Name, Körperteil und geplante Operation aufrufen oder computerisierte Checkliste der Nebendiagnosen mit der geplanten medikamentösen Behandlung etc.) Auch hier werden sehr viel Energie und Arbeitszeit investiert.
Die so kreierten Produkte können nun global gehandelt werden. Die Vermarktung hat ihre eigenen Regeln: eigene Produkte müssen als sehr gut dargestellt, Konkurrenzprodukte möglichst verhindert, Gesetze möglichst auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden. Im globalen Handel gelten ökonomische Regeln wie Gewinnmaximierung, Einflussnahme auf einen möglichst exquisiten Marktzugang, Monopolisierung etc. Hier sind soziale, nachhaltige, präventive Aspekte störend, da sie Herstellung, Verkauf und Gewinne behindern können, weswegen sie möglichst umgangen und bekämpft werden. Der ökonomischen Logik folgend können auch Nebenwirkungen und Langzeitfolgen gewinnbringend behandelt werden, sobald die Gefahren eines politischen Verbotes oder einer juristischen Verurteilung gebannt sind.
Im Medizinbereich bedeutet dies: die gehandelten Produkte müssen weder gesundheitsfördernd noch sozial verträglich sein, sie müssen einzig gewinnbringend sein.