Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03324.jsonl.gz/2487

Die exakte Geburtsstunde ist umstritten. Vieles weist auf den 26. Januar 1974 hin. Dann sollen die Schöpfer Gary Gygax und Dave Ameson, Dungeons & Dragons (D&D) mit der eigens gegründeten Firma Tactical Studies Rules erstmals zum Verkauf angeboten haben.
D&D gilt als das erste Pen&Paper-Rollenspiel. Das Spielprinzip ist relativ simpel. Eine Person übernimmt den Dungeon Master, der als Spielleiter fungiert. Die anderen Teilnehmer wählen eine Spielfigur (Magier, Krieger etc.). Das Grundregelwerk besteht aus Spielerhandbuch, Spielleiterhandbuch und einem Monsterhandbuch. Der Dungeon Master mimt den Erzähler und bestimmt den Ablauf des Spiels. Die Spieler bewaffnen sich mit ihren Charaktertafeln, Papier, Würfeln und Stiften.
Im anschliessenden Spielablauf werden die Abenteurer regelmässig vor neue Herausforderungen und Entscheidungen gestellt, die es auszuwürfeln gilt. Dabei kommt das umfangreiche Regelwerk zum Zug. Anders als bei herkömmlichen Brettspielen benutzt man in D&D eine Reihe verschiedener Würfel, darunter einen 20-seitigen.
Über die Jahre sind zahlreiche Ableger entstanden. Sogar eine «Star Wars»-Variante existiert. Besonders im deutschsprachigen Raum bekannt ist «Das Schwarze Auge».
Während alle Spiele auf den gleichen Wurzeln basieren, haben Gygax und Ameson das Regelwerk immer weiter entwickelt. Demnächst soll Version 5.0 erscheinen. Daneben gab es noch «Advance Dungeons & Dragons» (AD&D), das sich an fortgeschrittene Spieler richtete. Mit Version 3.0 wurde allerdings D&D und AD&D wieder zusammengeführt.
Fast seit Anbeginn dabei ist der 40-jährige Alex Schröder. Rund zehn Mal im Monat trifft er sich mit Freunden, um in die Abenteuerwelt des D&D-Universums einzutauchen. Die Faszination für das Pen&Paper-Spiel begann schon früh.
Als Kind wohnten Schröder und seine Familie in Portugal, wo es nur sehr wenig deutschsprachige Unterhaltung gab. Eines Tages erhielt seine Mutter von einem Bekannten eine Schachtel mit Spielen. Diese gab sie kurzerhand an den Sohn weiter, er solle sich mal einlesen und anschliessend den Rest der Familie instruieren. In der Schachtel befand sich «Das Schwarze Auge». Damit begann eine bis heute anhaltende Liebe für D&D.
Zurück in der Schweiz nahm Schröder das Spiel mit zur Schule. Ein kanadischer Mitschüler kannte seinerseits «Dungeons & Dragons» und weil das Original «natürlich viel cooler» war, spielte man fortan die englische Fassung. «Wegen Gygax’ verschnörkeltem Stil, mussten wir ständig Wörter nachschlagen. Dabei haben wir aber gleichzeitig unglaublich viele neue Wörter gelernt», erzählt Schröder. Die angeeigneten Fachausdrücke erfüllten die Jungs mit Stolz.
Die Faszination hat auch nach Jahrzehnten nicht nachgelassen. «Mit Menschen zu spielen, ist einfach am spannendsten. Man spürt sofort, wenn sich jemand langweilt oder betrügt. Das macht die Gesellschaft interessant», erklärt Schröder. «Man spricht als Charakter, daher ist jeder für die Unterhaltung mitverantwortlich. Wer immer nur sein Blatt vors Gesicht hält, ist asozial.» Anders als bei einer Online-Partie auf der Xbox müsse man keine «kleinen Motzer» ertragen. «Benimmt sich jemand daneben, kann er gehen».
«Dungeons & Dragons» wird in der Regel nicht an einem Abend durchgespielt. Schröders Spielfiguren überleben im Schnitt fast zwei Jahre lang. Das Spiel sei darauf ausgelegt, dass man nicht gleich in der ersten Runde ins Gras beisst. Ein frühzeitiges Dahinscheiden allzu wagemutiger Helden kann aber nie ausgeschlossen werden.
Wer den Zauber des Rollenspiels selbst erleben möchte, sollte die Oerli Con ins Auge fassen. Die Veranstaltung findet jährlich in Oerlikon statt. Ein Termin für dieses Jahr steht noch nicht fest. Eine weitere gute Anlaufstelle sind lokale Spielehandlungen oder die Spielerzentrale.