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Kolontumoren und Funktionsstörungen
Peter Bauerfeind
Colon irritabile
Der 5-HT3-Rezeptorantagonist Alosetron steht in den USA nach initialem Rückzug vom Markt zur Behandlung des Reizdarmsyndroms zur Verfügung. Die Resultate einer randomisierten Doppelblindstudie zeigen, dass Alosetron im Vergleich zu Plazebo von einem um 23 Prozent grösseren Anteil der Patienten mit einem durch Diarrhö dominierten Colon irritabile als zufriedenstellend oder sogar als sehr zufriedenstellend beurteilt wurde [1]. Im Einklang mit diesen Daten stehen die Ergebnisse einer Metaanalyse von 6 grossen plazebokontrollierten Doppelblindstudien, wonach bei einem vornehmlich durch Diarrhö geprägten Colon irritabile durch die Behandlung mit Alosetron eine signifikant stärkere Besserung der Schmerzen und der Gesamtsymptome erzielt wird als mit Plazebo [2]. Die Wirksamkeit von Muskelrelaxantien bei der Behandlung des Colon irritabile war bereits früher in einer Metaanalyse von 23 randomisierten Studien gezeigt worden, welche bezüglich der Linderung der Symptome einen therapeutischen Vorteil von 12 bis 18 Prozent gegenüber Plazebo ergeben hatten [3]. Neu konnte nun auch in einer einzelnen Doppelblindstudie für die Behandlung mit Otiloniumbromid eine gegenüber Plazebo signifikant grössere Ansprechrate verzeichnet werden, wobei der therapeutische Nutzen dieses Präparates bezüglich der Schmerzlinderung besonders ausgeprägt war [4].
Bei Patienten mit einem Colon irritabile und Konstipation zeigte sich eine Mischung aus 15 tibetanischen Kräutern im Vergleich zu Plazebo als sehr wirksam und bewirkte auch eine Besserung der Bauchschmerzen und der Flatulenz [5]. Demgegenüber erwies sich die Einnahme von Kleie im Rahmen einer doppelblinden Crossover-Studie bei Patienten mit einem Colon irritabile und mittelschweren bis schweren Blähungen als eher kontraproduktiv und führte zu einer signifikanten Verstärkung der Schmerzen und zu einer deutlichen Zunahme der Blähungen, wogegen bei den gesunden Kontrollpersonen die Einnahme von Kleie weder Schmerzen noch Blähungen verursachte [6].
Zur Behandlung der funktionellen Dyspepsie stellt die Hypnose, welche in einer klinischen Studie im Vergleich zur unterstützenden Therapie oder zur medikamentösen Behandlung eine deutliche Verbesserung der Symptomatik und der Lebensqualität bewirkte, eine sinnvolle Therapieoption dar [7]. Die Laparoskopie mit anschliessender Adhäsiolyse, deren Wirksamkeit erstmals in einer kontrollierten randomisierten Studie untersucht wurde, führte bei Patienten mit chronischen Bauchschmerzen zu einem ähnlichen Rückgang der Bauchschmerzen wie die alleinige diagnostische Laparoskopie. Wegen dieser Wirkungslosigkeit und insbesondere wegen des doch beträchtlichen Nebenwirkungsrisikos ist von einer laparoskopischen Adhäsiolyse zur Behandlung von chronischen Bauchschmerzen abzuraten [8].
Kolorektales Karzinom
Die Kontroverse, ob die langfristige Anwendung von Aspirin das Risiko für ein kolorektales Karzinom zu vermindern vermag, bleibt auch mit den Ergebnissen von zwei neuen Studien bestehen. So führte in einer randomisierten Doppelblindstudie die tägliche Behandlung mit Aspirin bei Patienten mit einem kolorektalen Karzinom zu einer signifikanten Reduktion der Inzidenz von Adenomen, wogegen in einer zweiten Studie bei Patienten mit einem Adenom in der Anamnese durch die Anwendung von Aspirin die Häufigkeit von Rezidiven nicht verringert wurde [9, 10]. Da vermutlich der therapeutische Nutzen bezüglich der Verhinderung eines Todesfalles infolge eines kolorektalen Karzinoms und das Risiko für Blutungen ähnlich hoch sind, ist die Anwendung von Aspirin nur zur Verhütung von kolorektalen Karzinomen nicht gerechtfertigt [11]. Eine ähnlich kontroverse Diskussion besteht seit Jahren zur Frage, ob eine faserreiche Kost das Risiko für ein kolorektales Karzinom zu senken vermag. Im Gegensatz zu den negativen Ergebnissen von früheren kontrollierten Studien hat die faserreiche Kost in einer US-amerikanischen Studie zu einer Reduktion des Risikos für ein kolorektales Adenom geführt, und in einer grossen europäischen Studie wurde unter der Einnahme von grossen Fasermengen eine Verringerung der Inzidenz von Kolonkarzinomen festgestellt [12, 13].
Gemäss einer randomisierten Multizenterstudie mit nahezu 90'000 Teilnehmerinnen und einer Nachbeobachtungsdauer von über 10 Jahren wird bei prämenopausalen Frauen das Risiko für ein kolorektales Karzinom durch Übergewicht verdoppelt, wogegen bei postmenopausalen Frauen die Wahrscheinlichkeit für ein kolorektales Karzinom durch Übergewicht nicht erhöht wird [14]. Ausserdem war in einer grossen dänischen Kohorten-Studie mit nahezu 30'000 Teilnehmern das Risiko für ein Rektumkarzinom bei Personen mit einem hohen Alkoholkonsum gegenüber abstinenten Personen deutlich erhöht, wobei diese Risikozunahme bei Bier- und Schnapskonsum wesentlich ausgeprägter war als bei Weinkonsum [15].
Die laparoskopische Kolektomie scheint nach den Ergebnissen einer ersten randomisierten Studie bei der Behandlung des Kolonkarzinoms der offenen Chirurgie zumindest ebenbürtig zu sein. Nicht ganz unumstritten sind die geringere Inzidenz von Rezidiven und das längere krebsfreie Überleben, welche von den Autoren postuliert wurden [16].
PD Dr. med. Peter Bauerfeind
Literatur