Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03308.jsonl.gz/771

Während 85 Jahren hat die Obstverwertung vom Linthgebiet AG in Uznach hochwertigen Most aus Früchten aus der Region produziert. Eine Sonderausstellung im Ortsmuseum bietet einen spannenden Einblick.
von Franz Walter
Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfreute sich der Obstbau in den Landwirtschaftsbetrieben grosser Beliebtheit. Die Gründung einer Obstverwertungs-Genossenschaft drängte sich auf. Ein beeindruckendes Referat des Präsidenten der Obstbau-Kommission, Herrn Stahel aus Flawil, an der Delegiertenversammlung der Kantonalen Landwirtschaftlichen Genossenschaft in Kronbühl bei St. Gallen im Jahre 1904 brachte den Stein ins Rollen. Nach einer öffentlichen Orientierungsversammlung im Hotel Ochsen fand am 14. Oktober 1906 in der «Krone» Uznach die konstituierende Hauptversammlung statt. Im Juni 1907 wurde der Bau des Mosterei-Gebäudes an die Firma Stüssi & Aebli in Glarus vergeben.
Bereits im September des gleichen Jahres konnte der Betrieb aufgenommen werden. Die Produkte der Mosterei fanden weitherum Anerkennung und wurden in Zürich, Basel und Lausanne mit einem Diplom erster Klasse und je einer silbernen Medaille ausgezeichnet. Der Erfolg führte zu einem stetigen Ausbau der Einrichtungen und zu Kapitalerhöhungen. Gleichzeitig mit dem Abschluss der ersten 25 Betriebsjahre trat das neue Alkoholgesetz in Kraft. Es verpflichtete die Grossmostereien, ihre gesamte Produktion an Branntwein an die Eidgenössische Alkoholverwaltung abzuliefern.
Die Menge der Obsternten schwankte stark. So folgte auf die äusserst schwache Ernte im Jahre 1957 – was einen Zukauf von Mostäpfeln aus dem Thurgau und dem Ausland notwendig machte – eine Rekordernte von 870 Wagen à 10 Tonnen im Jahr danach. In der Nachkriegszeit ging der Absatz der Obstsäfte allmählich zurück. Um der Konkurrenz mit den aufkommenden Tafelgetränken aller Art zu begegnen, wurden in Uznach, wie in zirka 30 weiteren Mostereien auch, die Susy-Produkte auf reiner Fruchtsaftbasis eingeführt: Grapefruit, Orange, Citro, Himbeer und Ananas. Bei diesen Getränken handelte es sich um hochwertige, naturreine Fruchtsaftgetränke ohne chemische Zusätze, je zur Hälfte zusammengestellt aus den entsprechenden Fruchtkonzentraten und Obstsaftkonzentraten. Ausserdem beteiligte sich das Unternehmen in den Jahren 1954, 1955 und 1957 an der Überschussverwertung der Kartoffelernte in Kartoffelmehl. Trotz aller Bemühungen wurde die finanzielle Basis der Obstverwertung immer schmaler. In den 1990er-Jahren zeigte sich immer deutlicher, dass es nur noch in erntestarken Jahren möglich war, eine angemessene Rendite zu erarbeiten. Nach verschiedenen sorgfältigen Abklärungen über mehrere Jahre stimmte die Generalversammlung der Obstverwertung vom Linthgebiet AG am 2. Mai 1992 der Liquidierung des Unternehmens zu.
Einen spannenden Eindruck in die bewegte Geschichte der Moschti Uznach bietet eine Sonderausstellung im Ortsmuseum Uznach. Die Ausstellung kann jeweils am ersten Sonntag eines Monats von 10-12 Uhr besichtigt werden.