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Erhöhte Bautätigkeit im Tessin schon vor Gotthard-Eröffnung
Der Gotthard-Basistunnels hat bereits vor seiner Eröffnung im Dezember 2016 die Bautätigkeit in Locarno und Bellinzona verstärkt. Ausserdem nahm der Güterverkehr in den Jahren vor der Eröffnung vergleichsweise weniger stark zu, während der Personenverkehr gar abgenommen hat. Dies sind die Ergebnisse einer ersten Studie zu den Auswirkungen der neuen Nord-Süd-Verbindung vor der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels.
Seit Dezember 2016 ist mit dem Gotthard-Basistunnel der längste Eisenbahntunnel der Welt in Betrieb. Dieser bildet zusammen mit dem Basistunnel durch den Monte Ceneri, der voraussichtlich Ende 2020 in Betrieb geht, sowie dem Ausbau eines Bahnkorridors für Sattelauflieger mit vier Metern Eckhöhe die neue Gotthard-Eisenbahnachse.
Der Bund sowie die Kantone Tessin und Uri untersuchen in der Langzeitbeobachtung «Monitoring Gotthard Achse» (MGA) die Auswirkungen dieser neuen Nord-Süd-Verbindung. Die erste Studie, welche die fünfzehn Jahre vor der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels untersucht, liegt nun in Form eines Schlussberichts und einer Broschüre vor.
Laut Studie nahm die Bautätigkeit in Bellinzona und Locarno vor 2015 stärker zu als die Bevölkerung, was eine Folge der in Aussicht stehenden Eröffnungen der beiden Basistunnel gewesen sein könnte. Die künftig verbesserte Erreichbarkeit von Städten und Gemeinden hat sich (nocch) nicht auf die Immobilien- und Grundstückpreise ausgewirkt, die unabhängig von der Lage anstiegen.
Zu den sichtbaren Auswirkungen zählen etwa die Renovationen von Bahnhöfen im Tessin sowie gestalterische Massnahmen in der Landschaft wie beispielsweise im Urner Reussdelta, wo mit dem Ausbruchmaterial des Gotthard-Basistunnels Inseln geschaffen wurden.
Im Hinblick auf die neue Bahninfrastruktur haben ausserdem die Kantone Tessin und Uri ihre Richtpläne angepasst: Die Città Ticino ist ein stark auf die neue Eisenbahnachse ausgerichtetes Raumentwicklungskonzept im Tessin. Der Bahnhof Altdorf wird zum Kantonsbahnhof ausgebaut, der künftig den Talboden Uri besser erschliesst, Uri noch näher ans Tessin rücken lässt und als Entwicklungsschwerpunkt für zusätzliche Wertschöpfung sorgen soll
Weniger Reisende durch den Gotthard
Die angehobene Gewichtslimite für den Schwerverkehr, die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA), der liberalisierte Markt für den Schienengüterverkehr sowie flankierende Massnahmen der Verlagerungspolitik (finanzielle Förderung des kombinierten Verkehrs, intensivierte Schwerverkehrskontrollen etc.) erhöhten die Attraktivität der Schiene im alpenquerenden Güterverkehr.
Allerdings blieben die Zuwachsraten im Güterverkehr im beobachteten Zeitraum auf der Gotthard-Achse unter dem schweizerischen Durchschnitt. Dies lässt sich in erster Linie auf den Ausbau der Lötschberg-Simplon-Achse zurückführen.
In den fünfzehn Jahren vor der Eröffnung des Basistunnels sank die Anzahl Reisender am Gotthard um fast zwei Millionen (– 11 Prozent). Weil dieser Verlust auf der Gotthardachse auf der Strasse stärker als auf der Schiene war, verbesserte sich der Modalsplit zugunsten der Bahn (2015: 18 Prozent Schiene, 82 Prozent Strasse).
Hingegen wuchs die Auslastung der Tessiner S-Bahn Ticino-Lombardia (Tilo), die seit 2004 verschiedene regionale Netze integriert, je nach Strecke zwischen dreissig und siebzig Prozent. Der Ceneri-Basistunnel wird als Kernstück von Tilo die Reisezeiten zwischen den Tessiner Agglomerationen ab Ende 2020 stark reduzieren.
Die insgesamt erfreulichen Entwicklungen vor der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels halten der Bund und die Kantone Tessin und Uri für eine gute Grundlage, den Transport von Gütern und Menschen im Alpenraum nach Eröffnung der beiden Basistunnel noch nachhaltiger zu gestalten. (mgt/aes)