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- Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung unterstützt die WHO 2016/17 mit 630 Millionen Dollar. Das sind über 14 Prozent des gesamten Budgets.
- Kritiker monieren, die Gates-Stiftung tue zu wenig für den Aufbau funktionierender Gesundheitssysteme in armen Ländern.
- Die Abhängigkeit von Fremdmitteln führt dazu, dass die WHO zu wenig tut gegen soziale Ursachen von Krankheiten.
Grosse Abhängigkeit
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) finanzierte sich bis 1993 überwiegend von Pflichtbeiträgen der 194 Mitgliedstaaten – bemessen nach Bevölkerung und wirtschaftlicher Leistung.
Dann setzten die USA durch, dass die Pflichtbeiträge eingefroren wurden. Deren Anteil am WHO-Budget sank auf heute noch 20 Prozent. 80 Prozent finanzieren zweckgebundene Spenden wohlhabender Regierungen, Pharma-Unternehmen und Stiftungen.
Grösster Geldgeber nach den USA ist die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung mit einem Kapital von 43 Milliarden Dollar. Sie stiftet der WHO 2016/17 630 Millionen Dollar – über 14 Prozent des Budgets von 4,4 Milliarden Dollar.
Kampf gegen Kindersterblichkeit
«In unserer Zusammenarbeit mit der WHO konzentrieren wir uns darauf, Kindersterblichkeit weltweit zu reduzieren», erklärt Chris Elias, Präsident des Programms für globale Entwicklung der Stiftung. «Wir unterstützen Kampagnen gegen Durchfall- und Lungenerkrankungen; wir fördern die Suche nach Malaria-Impfstoffen.»
Ein Schwerpunkt: Polio. Eine Krankheit, an der bis vor wenigen Jahrzehnten auch Kinder hierzulande litten. 2016 habe es weltweit nur noch 37 Polio-Fälle gegeben, berichtet Elias – in Pakistan, Afghanistan und Nigeria. «Wir haben unsere Anstrengungen dort noch einmal verstärkt, die Krankheit endgültig auszurotten.»
Geld für technische Massnahmen
Thomas Gebauer, Geschäftsführer der deutschen Gesundheitsorganisation medico international, respektiert die grossen Verdienste der Gates-Stiftung. Sie habe Millionen Menschen das Leben gerettet.
Die Stiftung investiere ihr Geld jedoch vor allem in technische Massnahmen gegen Infektionskrankheiten, erklärt Gebauer. Impfkampagnen und die Verteilung von Medikamenten oder Moskitonetzen zeigten schnell messbare Erfolge. Das motiviere andere Geber, ihr Engagement mit dem der Stiftung zu verbinden.
Andere wichtige Aufgaben würden aber vernachlässigt – der Aufbau funktionierender Gesundheitssysteme in armen Ländern zum Beispiel.
«Diese Tendenz stimmt», bestätigt Gaudenz Silberschmidt, Direktor im Generaldirektorat der WHO. Man versuche aber, die Gates-Stiftung zur Finanzierung auch von Gesundheitssystemen zu motivieren.
Soziale Ursachen von Krankheit
Dennoch hat die WHO keine Wahl, als zweckgebundene Spenden zweckgerecht auszugeben. Auf der Strecke bleibe auch der Kampf gegen soziale Ursachen von Krankheit, beklagt Thomas Gebauer.
«Gesundheit wird nur zu einem geringen Teil durch ärztliches Handeln beeinflusst. Sie wird geschützt durch Faktoren wie gute Ernährung, Hygiene und ein ordentliches Einkommen.»
Tatsächlich stellte eine WHO-Kommission in den 1980er-Jahren fest, dass die wichtigste Todesursache weltweit nicht irgendeine Krankheit ist, sondern soziale Ungleichheit.
Heute verhungern weniger Menschen als früher. Zugleich wächst die Ungleichheit. Immer mehr Menschen vegetieren in bedrückender Armut dahin – zum Beispiel in Tansanias Hauptstadt Daressalam.
Armut als Nährboden für Tuberkulose
Dort lebt die Familie Maneno in einer fensterlosen Kammer. Mutter Rama, Tochter Ashazi und zwei Enkel teilen sich ein Bett. Die 30-jährige Ashazi ist zum Skelett abgemagert; sie kann kaum mehr trinken.
«Tuberkulose im Endstadium» sagt der Arzt Blasdus Njako. Den Erreger der Krankheit trage fast jeder dritte Mensch in sich. Zum Ausbruch komme die Krankheit aber nur bei einem geschwächten Immunsystem – infolge von HIV/Aids oder von chronischer Armut. «Weil in Daressalam hunderttausende Menschen auf engstem Raum leben, breitet sich die Tuberkulose weiter aus.»
Weltweit sterben seit langem rund zwei Millionen Menschen pro Jahr an Tuberkulose. Deutlich sinken dürfte diese Zahl erst, wenn der Krankheit der Nährboden entzogen wird – verbreitete Armut und soziale Ungleichheit.