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Ich verstehe es nicht ganz, aber ich bin seltsam erregt. Weil ich heute wohl zum ersten Mal mit einem richtigen Weltstar telefoniert habe. Woher ich das weiss? Also: Interviewtermin angesetzt – um eine halbe Stunde verschoben – Zeit von dreissig Minuten auf siebeneinhalb gekürzt, mögliche Themen vom Management definiert. Es muss ein Weltstar gewesen sein.
Allerdings war Joey DeMaio ganz nett und hat versucht, meine doofen Fragen zu beantworten, besonders humorvoll und entspannt kam er mir allerdings nicht vor. Mal sehen, was die sieben Minuten so hergeben.
Metalinside (Danny): Hi Joey. Schön, dass wir miteinander sprechen können. Das ist mein erstes Interview mit dir, deshalb weiss ich nicht, ob ich nervös sein soll. Ich habe gehört, dass Interviews mit dir unangenehm sein können. Ist das so?
Joey DeMaio: Das habe ich noch nie gehört, das höre ich zum ersten Mal. Insofern kann ich dazu auch nichts sagen.
MI: (Versuch einer Warm-up-Frage) Gut, wenn du ein Interview mit JDM führen müsstest, was würdest du ihn als Erstes fragen?
JDM: Was ich ihn als erstes fragen würde? Keine Ahnung. Du bist der Interviewer, du musst mir die Fragen stellen. (ging schon einmal in die Hosen…)
MI: Also würdest du eher kein Interview mit dir selber führen wollen?
JDM: Nicht wirklich, nein, nicht wirklich. (also sind die doch eher schwierig, ich sag es ja ;-).
MI: (nächster Versuch zur Auflockerung) MANOWAR gelten als „die am besten aussehenden Metaljungs“. Wer ist deiner Meinung nach das am besten aussehende Metalgirl? (der erste Teil der Frage war IRONISCH gemeint…)
JDM: Wir schauen uns jeden Tag nach einer um. Auf jeden Fall geben wir allen Girls eine Chance. Du kannst das erst beurteilen, wenn sie sich ausziehen, du musst schon alles sehen. (Das sagt er mit einem Lachen, meint es wohl auch ironisch…). Und ohne ein Nümmerchen zu schieben, findest du es auch nicht heraus.
MI: Eine letzte Frage zum Aufwärmen. Auf “The Triumph Of Steel” gibt es in “Metal Warriors” folgende Textzeile: „Heavy Metal or no metal at all – wimps and posers leave the hall“. Was antwortest du, wenn jemand sagt, dass MANOWAR selber die grössten Poser sind?
JDM: Ich sage; Fick dich, friss Scheisse und stirb! Wenn einer das sagt, hat er kein Hirn. (Uups, das kam nicht als witzig gemeinte Frage an…, manchmal geht der Versuch der Auflockerung auch daneben.)
MI: Okay, dann zur Sache, etwas zur nahen Zukunft. Nächstes Jahr feiert ihr als Band euren fünfunddreissigsten Geburtstag. Was bedeutet es dir, so lange im Musikgeschäft zu sein?
JDM: Also, zuerst einmal ist das das Ergebnis harter Arbeit. Ohne harte Arbeit wären wir nicht mehr hier. Und dann ist das vor allem das Verdienst unserer Fans. Ohne solche Fanbase hast du keine Chance. Das braucht es einfach. Und es ist gut zu erleben, dass du von so vielen Menschen geschätzt wirst, dass deine Arbeit respektiert wird.
MI: Dann lass uns über euer letztes Album reden. Ihr habt letzthin ein Re-Release eures erfolgreichsten Albums “Kings Of Metal” veröffentlicht und es „Kings Of Metal 2014“ genannt…
JDM: Sorry, wenn ich dich korrigieren muss, es ist kein Re-Release sondern eine Neuaufnahme. Wir haben verschiedene Versionen der Songs gemacht. Hast du das Album gehört? (Aber hallo?! Ich habe eine Review geschrieben und 6 von 10 Punkten vergeben, weil mir das Ergebnis nicht gefallen hat. Und überhaupt, ich bereite mich auf Interviews vor.)
MI: Ja, das habe ich. Ihr habt verschiedene Versionen gemacht, teilweise akustisch, teilweise instrumental oder mit Orchester ergänzt. Was war eure Motivation zu diesem Album?
JDM: Die Songs verändern sich von der Aufnahme bis zum Live-Spielen und über die Jahre. Sie repräsentieren verschiedene Gefühle, verschiedene Stimmungen. Das geschieht durch das Publikum und ihre Rückmeldung, ihre Reaktion auf die Tracks.
So, ich habe noch Zeit für eine Frage und hoffe, die ist zu unserem Konzert in der St. Jakobshalle Basel im kommenden Jahr.
Das wird nämlich ein fantastisches Konzert, grossartig, fantastisch, und ich meine wirklich gross! Es wird gewaltig, die grösste Lichtshow, die lauteste PA. Sag unseren Fans, dass sie kommen müssen. (Werbespot beendet und die Erwartungen schön hochgeschraubt.
MI: Ich denke mal, dass die Fans sowieso kommen werden.
JDM: Und jedermann weiss, wie sehr wir die Schweiz lieben…
MI: Das ist eine gute Überleitung. Ihr habt ja nicht nur in der Schweiz sondern in ganz Europa eine treue Fanbase. Wie wichtig ist Europa für euch?
JDM: Europa ist sehr wichtig für uns. Erstens ist es ein toller Platz zum Verweilen, dann wurde dort der Heavy Metal geboren und ihr hat all die grossen, klassischen Komponisten da drüben. Nun zur letzten Frage, ich muss nämlich gehen, bin heute im Studio. (Das sind doch mal News, also wird es demnächst ein neues Album geben?!?)
MI: Also, dann gebe ich dir mal einige Stichworte, auf die du bitte möglichst spontan antwortest:
– Malcolm Young: Eine Legende!
– Leder, Lederklamotten: Meine Lieblingskleidung!
– METALLICA: Viel Kohle! (Hier hat er lange nachgedacht, Anstand und Freundlichkeit haben wohl gesiegt…)
MI: So, jetzt habe ich wirklich nur eine kleine, letzte Frage. Gibt es nächstes Jahr eine Jubiläumstour? Werden wir MANOWAR auch auf Sommerfestivals sehen können?
JDM: Danny, das weiss ich im Moment noch nicht. Sobald wir etwas klar wissen, lassen wir es dich wissen, okay?
MI: Okay, dann danke ich für das Interview und wünsche dir einen guten Tag im Studio.
JDM: Danke Mann. Danny, wir werden uns in Basel sehen und bald wieder miteinander quatschen. Danke dir!
War das gerade eine Einladung zum nächsten Interview? War dann wohl doch nicht soo schlecht, was ich gefragt habe. Schade nur, dass ich verschiedenste Fragen – etwa drei Viertel – nicht stellen konnte. Beispielsweise, ob Re-Releases oder Re-Recordings nur kaschieren sollen, dass Bands keine neuen Ideen mehr haben. Oder, ob es neben MANOWAR noch andere Bands gibt, die das Label True Metal tragen dürfen. Was es mit dem LEGACY-Openair wirklich auf sich hatte und ob MANOWAR tatsächlich mitverantwortlich am Untergang dieses Openairs waren. Oder meine Lieblingsfrage, welches die berühmteste Person sei, deren Nummer er auf dem Handy hat und ob er sie mir rüberschiebt. Naja, was solls, man kann nicht immer Glück haben.
Es halten es nicht alle Musiker mit Chrigel Glanzmann von ELUVEITIE, der mir in meinem allerersten Interview gesagt hat, dass es keine dummen oder langweiligen Frage gebe, dass Interviewen zum Job gehört und dass man auf Fragen auch höflich nicht antworten kann. Aber wahrscheinlich ist der gute Chrigel noch zu wenig Weltstar…