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Das Fährental bei Leuggern war vormals ein einziger Bauernhof, dessen Landbesitz von Mandach und Hettenschwil bis Leuggern und da weg der Strasse nach bis Böttstein reichte. Ein reicher Bauer hinterliess dieses grosse Gut seinen beiden Söhnen. Da aber diese sich nicht mochten, so teilten sie; der eine übernahm den Oberhof, den man jetzt Schlatt heisst, und der andere den Unterhof, der seitdem, dass die Aare dort ihren Lauf geändert und Ackerland angeschwemmt hat, wo sonst die Schiffer (Fehren) wohnten und die Leute über den Strom zu setzen hatten, den Namen Fährental bekommen hat. Aber auch dies hob den Zwist der Brüder nicht. Der Ältere, dessen neidisches Herz es nicht ertrug, dass seine Äcker an des Bruders Land stiessen, betraf ihn einstens an der Gutsgrenze beim Hardwalde, erschlug ihn und verscharrte ihn im Gehölze, da wo jetzt das Hinterbänkli liegt. Die Gegend war damals noch gering bevölkert, so erfuhr denn niemand das Schicksal des armen Bruders, und der ältere war nun Alleinbesitzer. Er verheiratete sich und lebte bis in seine alten Tage, wie es schien, ziemlich glücklich. Da pflügt er einmal mit seinem Knechte in der Nähe jenes Platzes, und beide sitzen eben am Pfluge, um zu ruhen und ihr Morgenbrod zu verzehren, als der Haushund aus dem Walde gesprungen kommt, einen Totenschädel geschleppt bringt und den dem Bauern in die Schoss fallen lässt. Dieser stiess den Schädel von sich, doch augenblicklich war nun seine Hand ganz mit Blut überspritzt. Erschrocken und zitternd an allen Gliedern wusste er sich nicht mehr zu fassen, er gestand dem Knechte seine Untat, zeigte ihm den Ort, wo der Bruder verscharrt lag, und bat, dass er die Leiche ausgraben und in der Stille nach Leuggern auf den Kirchhof schaffen möchte. Der Knecht gelobte ihm Stillschweigen und beerdigte dann die Reste des Leichnams versprochenermassen nach christlicher Weise.
So lange nun der Übeltäter schon gestorben ist, so hat er doch noch keine Ruhe. Man zeigt in Fährental ein altes baufälliges Haus, das sein Wohnsitz gewesen ist, und das er als schwarze Gestalt noch immer umwandeln muss. Bei mondhellen Nächten geht er dann mit einer Hacke hinaus auf die berüchtigte Wiese — sie ist kennbar an ihrem breiten Graben und liegt an der Strasse nach Leuggern zu. Hier gräbt er stöhnend ein Loch auf, fällt hinein und dann deckt die Erde sich über ihn her.
E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch