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Ich kam zurück für Vaters Beerdigung; weil es meine Pflicht war, doch auch weil ich nun zurückkommen konnte.
Mutter war alt, schwach; das Gefängnis der Ehe hatte aufgehört und ihr eine freudlose Freiheit hinterlassen, die schlimmer war.
Ich kletterte die enge Treppe zu unserem Zimmer hinauf, um zu sehen, was sich geändert hatte: nichts. Der alte Ventilator war noch da, unser altes Röhrenradio, die Wände waren schmutziger als ich sie erinnert hatte, der Boden hatte mehr Risse. Ich öffnete die Schranktürchen: unsere Schulbücher, Grossvaters Bücher, sein Ramayanam in Sanskrit, dessen Seiten in Flocken fielen als ich Band I aufschlug. Die Schrift konnte ich noch lesen, wenn ich auch keinen ganzen Satz verstand. Ich wusste nur Ayodhia Kanda. Weder in Sanskrit noch übersetzt habe ich es je gelesen, die zerfallenden Bände enthielten für mich, was ich am Fernsehen und in strohgedeckten Kinos gesehen hatte.
Ich war heraufgekommen um… ich hatte mir vorgestellt, wie ich zurückkommen würde in unser Zimmer, das Schranktürchen öffnen und drei der dunkel rotbraunen Bände von Grossvaters Ramayanam herausnehmen würde, hatte den Geruch des vertrockneten vegetabilen Bücherleims gerochen, und dann, in meinen Tagträumen, hinter dem Ramayanam Grossvaters Ausgewählte Romantische Gedichte gefunden, die ich nun fand, unberührt, auf die Seite lehnend, auf die ich sie gelehnt hatte. Ich nahm sie heraus, öffnete sie, Rajus Bild war noch da.
Das Begräbnis fand am Tag meiner Ankunft statt, eilig, und mit jener mir verhassten Gängelung durch die Zelebranten, die einen ihre hirnlose Marionette macht für eine Reihe sinnloser Akte. Ihre letzte Kokosnüsse zerschmeissende Segnung hatte ich gehasst, als ich ging, und ich hasste das Begräbnis und meine männlichen Verwandten in ihren neuen, von Mutter bezahlten, doppelten Dhotis mit breiten Goldbordüren.
Wichtiger war Rajus Bild, und Raju selbst. Am Tag nach dem Begräbnis ging ich zu seines Vaters Laden, der nun Rajus Laden war, und da war, nein, sein Sohn, der seinen Vater, Raju, rief. Wir sassen nebeneinander, hielten uns die Hände. Seine Liebe war nicht erloschen. Wir gingen hinauf, schlossen die Türe, legten uns auf den kühlen Boden, uns zu umarmen, zu küssen auch, endlich frei. In seinen Augen war noch, was ich mit mir genommen hatte, sein süsses Vertrauen, dass er ohne Bitterkeit das Schicksal akzeptierte, das uns voneinander gerissen hatte. Er liebte mich, weil ich ihn liebte, und aus freien Stücken liebte er mich noch einmal. Ich liebte ihn, weil, als die Liebe in meinem Herzen erwachte, er ihr Bild war, seine sanften dunkeln Augen, sein schlanker Körper, die Zartheit seiner Hände, die nun wie seine gebrochene Stimme die eines Mannes geworden waren. Damals war er mein Traum gewesen, und mein Liebhaber, der Junge um dessen willen ich meines Vaters Ärger standhielt, der Junge um dessen willen ich fortgeschickt wurde, der Junge, von dem ich in Flugzeugen und auf Flugplätzen geträumt hatte, in Studentenhäusern, in Hotelbetten, in Wohngemeinschaften und Wohnungen, eigenen und fremden, allein und neben Amerikanern und Indern, Schwarzen, Chinesen, Japanern, Filipinos und Mexikanern, der Junge den ich in Ihren Armen gesucht hatte, lag nun als Mann neben mir, und meine Finger liebkosten seinen Nacken. Raju war verändert, und ich auch. Unsere Körper waren schwerer und gröber geworden, die Schönheit unserer Jugend war vorbei, doch die Knochen sozusagen unserer Liebe waren übrig geblieben, jeder von uns des andern einziges
DU