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Ein Harnblasenkarzinom ist eine Krebserkrankung der Harnblase, die in etwa 95 % der Fälle von Zellen der die Harnblase auskleidenden Schleimhaut (Urothel) ausgeht. Deshalb lautet der medizinische Fachbegriff für diese Erkrankung Urothelkarzinom.
Blasenkrebs ist ein häufiger Tumor des höheren Lebensalters, das heisst, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei über 70 Jahren. Jedes Jahr erkranken deutschlandweit knapp 30.000 Menschen, Männer sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Frauen. Bei etwa 70 Prozent der Patienten wird der Blasenkrebs in einem frühen Stadium entdeckt, der Tumor ist noch auf die Schleimhaut begrenzt (nicht muskelinvasiver Blasenkrebs).
Bei den restlichen 30 Prozent hat sich der Krebs bereits auf die der Schleimhaut angrenzenden Muskelschicht ausgedehnt (muskelinvasiver Blasenkrebs) oder in andere Organe gestreut (metastasierter Blasenkrebs).
Der Verdacht auf Harnblasenkrebs geht in der Regel vom Hausarzt aus, der den Patienten zum Urologen überweist. Je nach Befund erfolgt die Weiterbehandlung in einem geeigneten Zentrum für Uroonkologie, einem Harnblasenkrebszentrum oder einer urologischen Klinikambulanz.
Unter Uroonkologie ist das medizinische Fachgebiet zu verstehen, das sich mit urologischen Krebserkrankungen befasst. Dazu gehören neben dem Harnblasenkrebs unter anderem auch
- Nierenkrebs,
- Prostatakrebs,
- Nebennierenkrebs,
- Nierenbecken- und Harnleiterkrebs,
- Harnröhrenkrebs,
- Hodenkrebs,
- Peniskrebs sowie
- einige Tumoren des Kindes- und Jugendalters (zum Beispiel der Wilms-Tumor und das Neuroblastom).
Die Ärzte, die in einem Zentrum für Uroonkologie bzw. für Harnblasenkrebs tätig sind, sind in der Regel
- Fachärzte für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie (spezialisiert auf die Vorbeugung, Diagnose, Behandlung und Nachsorge von urologischen Tumorerkrankungen, auch für die Indikationsstellung zur urologischen Strahlentherapie)
- Fachärzte für Viszeralchirurgie (spezialisiert auf die chirurgische Behandlung von Fehlbildungen, Verletzungen, Infektionen und Erkrankungen der inneren Organe, damit auch von Krebserkrankungen der Harnblase), sowie
- Experten für Radioonkologie (Fachärzte für Strahlentherapie).
Alle Fachärzte haben nach abgeschlossenem Medizinstudium eine je nach Facharztgebiet fünf- bis sechsjährige Weiterbildung abgeschlossen.
In der Regel entwickeln die verschiedenen Experten gemeinsam im interdisziplinären Team im Rahmen einer sogenannten Tumorkonferenz eine auf den Patienten individuell angepasste Behandlungsstrategie.
Darüber hinaus sind in einem Zentrum für Uroonkologie weitere therapeutische und soziale Berufsgruppen an der Versorgung und Unterstützung der Krebspatienten beteiligt, wie zum Beispiel Psychologen, Sozialarbeiter und Schmerztherapeuten.
Ein wichtiger Aufgabenbereich des betreuenden Arztes ist, den Patienten über die Krankheit, die therapeutischen Optionen, die Prognose und Möglichkeiten, selbst auf die Behandlung Einfluss zu nehmen, objektiv aufzuklären.
In Deutschland wird derzeit die Zertifizierung von uroonkologischen Zentren durch die Deutsche Krebsgesellschaft erprobt. Eine mögliche Zertifizierung ist die eines Harnblasenkrebszentrums. Solch eine Zertifizierung bedeutet, dass strenge Qualitätsanforderungen in der Patientenbehandlung hinsichtlich personeller, räumlicher und apparativer Ausstattung erfüllt sowie Mindestzahlen an jährlichen Therapien nachgewiesen werden müssen.
Ein Harnblasenkrebszentrum ist in der Regel Teil eines onkologischen Zentrums, kann aber auch einer Fachklinik für Urologie und Kinderurologie angegliedert sein.
Das Leistungsspektrum bzw. die Schwerpunkte von Harnblasenkrebszentren sind vielfältig. Dazu gehören zum Beispiel:
- Durchführung einer Zystektomie (Entfernung der Harnblase bei Mann und Frau)
- Durchführung einer Zystoskopie (Blasenspiegelung) bei oberflächlichem Blasenkarzinom inkl. transurethraler Blasenresektion (Entfernung von Tumorgewebe mithilfe eines Endoskops über die Harnröhre), auch TURB oder TUR-B genannt
- Anlegen einer Neoblase (aus Teilen des Dünndarms erstellter Harnblasenersatz)
- Anlegen einer Neoplase zum Beispiel mittels Mainz-Pouch-Technik, einer besonderen Operationstechnik zum Anlegen einer Ersatzblase
- Anlegen eines katheterisierbaren Stomas (künstlicher Ausgang zur Bauchdecke)
- Durchführung von minimal-invasiven urologischen OP-Verfahren
- Durchführung einer Instillationstherapie (Gabe eines Chemotherapeutikums direkt in die Harnblase nach Entfernung des Tumorgewebes)
- Psychoonkologische Betreuung von Patienten
- Unterstützung durch den Sozialdienst zum Beispiel bei sozialen, wirtschaftlichen und psychischen Notlagen, bei der Beratung in sozialrechtlichen und wirtschaftlichen Fragen und bei der Einleitung von Rehamassnahmen
Die Zertifizierung durch eine unabhängige Institution erlaubt die Vergleichbarkeit verschiedener Behandlungszentren und garantiert eine gleichbleibende Behandlungsqualität.
Blut im Urin und Beschwerden beim Wasserlassen, vergleichbar einer Blasenentzündung, können, müssen aber nicht erste Hinweise auf einen Blasenkrebs sein und sollten von einem Urologen abgeklärt werden.
Wer auch noch unter
- Müdigkeit,
- reduzierter Harnmenge,
- diffusen Schmerzen im Nierenbereich und
- häufigem Harndrang
leidet, sollte zum Arzt gehen. Menschen mit chronischen Entzündungen der Blasenschleimhaut tragen ein höheres Risiko, ebenso Personen
- mit vorangegangener Strahlentherapie im kleinen Becken,
- Raucher und
- Patienten, die Medikamente mit bestimmten Wirkstoffen (Cyclophosphamid, Chlornaphazin, Phenazetin und Aristolochiasäure) einnehmen.
Wie bei jeder ärztlichen Untersuchung stehen am Anfang der Diagnose die Patientenbefragung (Anamnese) nach Beschwerden und die körperliche Untersuchung.
Durch eine Urinuntersuchung kann festgestellt werden, ob ein Infekt der Harnblase vorliegt. Auch der Nachweis von Tumorzellen im Urin ist unter Umständen möglich. Als Früherkennungsmethode eignen sich solche Urinmarkertests allerdings nicht, da sie nicht empfindlich genug sind.
Per Ultraschalluntersuchung (Sonographie) können die Harnblase und Nieren begutachtet werden. Aber erst mit einer Blasenspiegelung (Zystoskopie) kann die Schleimhaut der Harnblase genauer betrachtet und Gewebeveränderungen erkannt werden. Bei verdächtigen Veränderungen wird im Rahmen der Blasenspiegelung eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen, anhand der die Vermutung auf Blasenkrebs entweder bestätigt oder verworfen wird.
Um zu überprüfen, ob das Tumorgewebe bereits in die angrenzende Muskelschicht hineingewachsen ist oder der Tumor Metastasen gebildet hat, können weitere bildgebende Verfahren Klarheit bringen. Neben der Sonographie gehören hierzu die Computertomographie (CT), die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Röntgenuntersuchung.
Welche Behandlung erfolgt, hängt vom Stadium des Tumors ab. Handelt es sich um einen oberflächlichen, nicht muskelinvasiven Blasenkrebs, kann der Spezialist den Tumor bereits im Rahmen der Blasenspiegelung mittels Elektroschlinge abtragen (transurethrale Blasenresektion, TURB). Die Harnblase bleibt dabei erhalten.
Diese Patienten haben eine sehr gute Prognose. Da nicht muskelinvasiver Blasenkrebs häufig wiederkehrt, können im Anschluss an die TURB zur Vorbeugung Medikamente in die Harnblase gegeben werden (Instillationstherapie). Alternativ kann die Harnblase auch komplett entfernt werden (Zystektomie).
Bei muskelinvasivem Blasenkrebs wird die Harnblase üblicherweise vollständig entfernt. In diesem Fall kann eine künstliche Harnblase (Neoblase) angelegt werden. Das Risiko für ein Rezidiv (Krankheitsrückfall) kann durch eine anschliessende Chemotherapie reduziert werden.
Wird die Harnblase trotz muskelinvasiven Blasenkrebses erhalten, wird in der Regel eine TURB mit gleichzeitiger Chemotherapie und Bestrahlung durchgeführt.
Beim metastasierten Blasenkrebs wird über eine Chemotherapie versucht, das weitere Wachstum des Tumors und der Metastasen hinauszuzögern und die Beschwerden zu verringern.
Selbst bei fortgeschrittenem Harnblasenkarzinom haben sich die Therapiemöglichkeiten in jüngster Zeit deutlich verbessert. Bei bestimmten Patientengruppen erzielen Uroonkologen auch mit einer kombinierten Immuntherapie Erfolge.