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Detail
KOLBE, Hellmuth
* Berlin, 28.08.1926, † Zürich, 15.07.2002; Männerstimme; Klavier, Akkordeon, Kontrabass, Gitarre, Schlagzeug
Hellmuth Kolbe wuchs in Zug auf. Nach Abschluss des Gymnasiums arbeitete er eine Wintersaison lang als Pianist (unter dem Namen Hello Kamm) in Engelberg. Er war nicht nur ein guter Pianist sowohl im Klassik- wie im Jazz-Bereich, er spielte auch Akkordeon, Bass, Gitarre und Schlagzeug; nebenbei gab er noch Skistunden. 1946 spielte er in Wien mit vielen Jazzmusikern und studierte Musik und Musikwissenschaft, allerdings ohne Abschluss, da sein gewünschtes Dissertationsthema – Johann Sebastian Bach und Jazz – nicht akzeptiert wurde. Er arbeitete dann für das Radio der amerikanischen Besatzung und wurde als Tonmeister eingesetzt – der Beginn einer langen Karriere mit über 1000 Aufnahmen. Kolbe war in der ersten Hälfte der Fünfzigerjahre einer der aktivsten Jazzfachleute Oesterreichs. Er führte einige Zeit eigenes Jazzlabel (Antrocord), war Mitinitiant des 1951 gegründeten "Hot Club Austria" in Wien und war Mitgründer der Zeitschrift Jazz Podium. Er ist auf mehreren Aufnahmen zwischen 1949 und 1954 als Pianist und Bassist (u. a. auf einer unveröffentlichten Aufnahme mit Joe Zawinul) vertreten.
Ein Grossteil der Columbia-Aufnahmen in Europa von 1955 bis 1975 stammen von ihm, u. a. mit Leonard Bernstein, E. Power Biggs, Isaac Stern, Pierre Boulez, aber auch die berühmte "Ellington Uptown"-LP, LPs mit Stan Getz, Dexter Gordon und Sonny Stitt.
Daneben arbeitete er mit Karlheinz Stockhausen, konstruierte ein frühes 3-Kanal-Aufnahmesystem und forschte im Bereich der Quadrophonie.
1957 gründete er in Winterthur zusammen mit Helmut Bischof die Firma Phonag. In seinem Aufnahmestudio nahm er viele Schweizer Gruppen auf, so z. B. die legendäre Psychedelic-Rockgruppe "Brainticket", wo er viele elektronische Effekte beisteuerte. 1988 verkaufte er die Firma und begann als selbständiger Akustikexperte zu arbeiten. Er entwarf Tonstudios, Konzertsäle, u. a. auch das IMAX-Theater im Luzerner Verkehrshaus und den Saal des Casino-Theaters Zug.
[Bruno Spoerri]