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26. Februar 1921.
usw.,
und Zeichnungswesen, Vorkalkulation, Arbeitsverteilung, Lieferzeit-Kontrolle, Lohnwesen, Lagerwesen, Selbstkostenrechnung aufstellen und übersichtlich für die verschiedenen Fabrikationsarten nebeneinander anordnen. Diejenigen Stufen, die als die wirtschaftlichsten in den verschiedenen Fabrikationsarten angesehen werden können, werden durch Grenzlinien angedeutet. Aus dem Verlauf dieser Grenzlinien kann man dann deutlich erkennen, wie die Organisationsformen bei den verschiedenen Fabrikationsarten voneinander abweichen.
Von besonderer Bedeutung sind die Beziehungen zwischen den einzelnen Gliedern der Organisation, da die Ausbildung des einen Gliedes von der anderer abhängt. So ist z. B. eine richtig arbeitende Selbstkostenrechnung an die Einrichtung des Auftrags- und Zeichnungswesens, der Vorkalkulation, des Lohnwesens usw. gebunden. Goerlitz.
Elektrisch geheizte Dampfkessel in Schweden.
Beim Wiederaufbau der 1918 abgebrannten Papiermühle und Sulfitzellulosefabrik Wargöns hat man, wie die ETZ vom 27. Januar 1921 berichtet, wegen der Schwierigkeiten der Kohlenbeschaffung die Dampfkesselanlage vollständig auf elektrische Dampferzeugung eingestellt und 7 Dampferzeuger für 10 at Betriebsdruck und je 2000 kW Leistung eingebaut, die Drehstrom von 10000 V und 25 Per./s unmittelbar aus der Fernleitung des Staatlichen Kraftwerkes Trollhättan beziehen. Die von der Apparataktiebolaget Stockholm hergestellten Dampferzeuger enthalten je 17 in der Mitte zusammengedrängte und in einem Rohrboden befestigte Elektroden, die zur Regelung der Dampfausbeute einzeln oder in Gruppen zu- oder abgeschaltet werden können. Von der Gestaltung der Kohlen- und Strompreise wird es abhängen, ob es wirtschaftlich bleiben wird, den Strom für den Betrieb dieser Anlage aus den das ganze Jahr verfügbaren Wasserkräften zu entnehmen, oder ob dafür nur Abfall- oder Ueberschußkräfte benutzt werden können, wozu bereits vorhandene Dampfspeicher mit Wasserfüllung, Bauart Ruths, die Möglichkeit bieten. Bei den einschlägigen Berechnungen spielen aber nicht nur die Kohlenund Strompreise, sondern auch die sonstigen Betriebskosten eine Rolle, die sich bei der elektrischen Dampferzeugung sehr niedrig stellen, da alle Vorkehrungen für das Lagern und Fördern von Kohle und Asche, alle Feuerungsanlagen und Schornsteine fortfallen und die Bedienung wesentlich einfacher ist. Außer der beschriebenen Anlage sind mehrere ähnliche, wenn auch von geringerer Leistung, ausgeführt und im Bau.
Verfeuerung von Torf auf Baggern und Dampfprähmen.
Der Ersatz von Kohle durch Torf hat, wie im Zentralblatt für Bauverwaltung vom 9. Februar 1921 berichtet wird, im Jahre 1920 das Hafenbauamt Pillau in den Stand gesetzt, die sehr dringlichen Baggerarbeiten, die auch noch während des Jahres 1919 fast vollständig geruht hatten, in größerem Umfang auszuführen, als es sonst möglich gewesen wäre. Der Torf wurde von zwei Lagern dicht am Frischen Haff bezogen und auf dem Wasserwege angefahren, was wegen der sonst zu erwartenden Beförderungsschwierigkeiten wesentlich war. Er wurde in der Form von gutem Maschinenpreßtorf geliefert, und sein Preis stellte sich so niedrig, daß trotz des großen Verbrauchs im Vergleich zur Verwendung von Kohle noch eine Geldersparnis eintrat. Im allgemeinen war zur Erzielung der gleichen Leistung etwa doppelt soviel Torf wie Steinkohle erforderlich. Bei voller Beanspruchung der Maschinen und namentlich auch auf den Dampfern mußte man mit geringem Kohlenzusatz arbeiten, um den Kesseldruck aufrecht erhalten zu können, dagegen waren Aenderungen an den Feuerungen nicht erforderlich. Einige Ergebdieses Betriebes sind nachstehend wiedergegeben.
Bergmännische Gewinnung von Erdöl.
Für die Gewinnung von Erdöl ließen der Riesenbedarf an Erdölerzeugnissen bei der unterbundenen Einfuhr sowie die hohen Preise im Kriege neue Gedanken zur Durchführung kommen. Durch Versuche hat man ermittelt, daß die Erdölgewinnung durch Bohrlochpumpen mit ungeheuren Verlusten verbunden war und geradezu einem Raubbau gleichkam. Von dem Roböl, das in den Oelgewinnungsstätten im Unterelsaß ausschließlich in Sanden des mittleren und unteren Oligozäns vorkommt, wurden ungefähr 75 vH in den Sanden zurückgehalten und nur 25 vH gewonnen. Man entschloß sich daher im Jahre 1916, das Oel mit neuzeitlichen Mitteln auf bergmännischem Wege zu gewinnen, Schächte von 4 m Dmr. abzuteufen und von diesen Schächten aus Strecken auszuführen. Aus den freigelegten Stößen sickerte das Oel mehr oder minder stark hervor. Im Unterelsaß sind hier und da stärkere Quellen auf diese Weise angefahren worden, z. B. im Dezember 1918 eine, die monatelang in 24 h etwa 40 m3 Oel lieferte. Das Oel wurde in Gruben gesammelt und in abgedeckten Tonrinnen zur Schachtpumpe oder Bohrlochpumpe geführt. Die Gewinnung bietet an sich keine besonderen Schwierigkeiten, solange es bei dem bisherigen ausschließlichen Streckenbetrieb bleibt. Wirtschaftlich steht den zweifellos höheren Gestehungskosten eine längere Lebensdauer der Anlagen bei stark gesteigerter Förderung gegenüber. Dem elsässischen Beispiel ist man in neuerer Zeit im norddeutschen Erdölgebiet unter wesentlich ungünstigeren Verhältnissen gefolgt. Ergebnisse sind jedoch noch nicht bekannt geworden. (Glückauf vom 5. Februar 1921)
Das Großkraftwerk Helmstedt.
Nach einem von der preußischen Landesversammlung angenommenen Gesetz über den Bau elektrotechnischer Anlagen zwischen Braunschweig und Hannover sollen ein mit Braunkohlen zu betreibendes Elektrizitätswerk auf der Grube bei Helmstedt von 60000 kW Leistung, eine Fernleitung nach Hannover für 110000 V, ein Transformatorenwerk Hannover und weitere von hier ausgehende Fernleitungen errichtet werden. Diese Fernleitungen führen mit 45000 V nach dem nördlichen Dörverdener Bezirk sowie mit 60000 V nach dem südlichen, im Bereich der Weserkraftwerke liegenden Versorgungsgebiet. Zu den neuen Anlagen gehören auch die Transformatorenstellen für die an die Hochspannungsleitungen anzuschließenden Gemeinden. Bau und Betrieb der neuen Anlagen liegen in den Händen einer Aktiengesellschaft, an deren Kapital der preußische Staat mit 120 Mill. M beteiligt ist. (Zentralblatt der Bauverwaltung vom 29. Januar 1921)
Vom Ausbau der italienischen Wasserkräfte.
Nach einer Zusammenstellung, die in Glasers Annalen vom 1. Dezember 1920 nach verschiedenen Quellen veröffentlicht wird, waren 1905 in Ialien rd. 464 000 PS Wasserkräfte ausgenutzt, während der italienische Ingenieur Torquato Perdoni 1907 zu dem Schlusse kommt, daß die Rohwasserkräfte des kontinentalen Italiens einen Betrag erreichen, der, auf Pferdestärken an der Turbinenwelle umgerechnet, etwa 5,5 Mill. PS bei Mittelwasser, d. h. während etwa 9 Monaten, entspricht. Bis Ende 1915 waren ungefähr 1 Mill. PS Wasserkräfte vergeben (zus. 3031 Konzessionen). Eine neue 1918 abgeschlossene Arbeit des Oberinspektors für Wasserwirtschaft des Ackerbauministeriums Eugenio Perrone berechnet die noch nicht ausgenutzten Wasserkräfte südlich des Po auf 2,2 Mill. PS, nördlich auf 275 000 PS bei niedrigstem, 770 000 PS bei mittlerem Waserstand während 9 Monaten. Ohne Sardinien, wo noch 350000 PS verfügbar sind, schätzt Perrone die gesamten noch freien Wasserkräfte auf mehr als 5 Mill. PS. Im Jahre 1916/17 wurden 54 neue Konzessionen für 208 036 PS erteilt. An Konzessionen und Anträgen wurden 1917 rund 1 Mill. PS behandelt, d. h. etwa der gleiche Betrag wie die Gesamtsumme aller bis zum 30. Juni 1916 erteilten Konzessionen.
Vereinheitlichung der Verwaltung und des Betriebes der englischen Eisenbahnen.
Während des Krieges war auch in England an Stelle des Privatbetriebes der Eisenbahnen der Staatsbetrieb getreten. Dem 1919 begründeten englischen Verkehrsministerium war dann die Aufgabe gestellt, binnen zwei Jahren Vorschläge für die zukünftige Gestaltung der Eisenbahnen zu machen. Eine amtliche Denkschrift über diese Frage ist kürzlich erschienen. Sie sieht von einer Verstaatlichung der Eisenbahnen ab, schränkt aber den freien Privatbetrieb in gewisser Beziehung ein. Zunächst sollen die Eisenbahnen von England, Schottland, Wales unter Erhaltung der besondern Netze der einzelnen Eisenbahngesellschaften zu in sich abgeschlossenen Gruppen zusammengefaßt werden, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen und den ungesunden Wettbewerb unter den einzelnen Gesellschaften möglichst zu beseitigen.
Es werden sieben Gruppen in Aussicht genommen: eine für die Londoner Ortsbahnen, eine für ganz Schottland und fünf für ganz England, von denen wieder vier ihren Ausgangspunkt in London haben. Nicht eingeschlossen in die Gruppen werden die Kleinbahnen. Die Regierung erhofft einen freiwilligen Zusammenschluß, will diesen gegebenenfalls aber durch besonderes Gesetz erzwingen. Jede Gruppe soll einer einheitlichen Direktion unterstellt werden, die sich aus Vertretern der Aktionäre und der Angestellten und Arbeiter zusammensetzt. Die Tarife sollen gesetzmäßig bestimmt werden, und eine Beteiligung des Staates an den Meareinkünften gegenüber einem bestimmten Zeitpunkt vor dem Kriege ist vorgesehen. Die so gewonnenen Mittel sollen aber für Verbesserung des Verkehrwesens in bisher zurückgebliebenen Bezirken Verwendung finden. Die Mitwirkung eines besondern Beirats bei der Festsetzung der Tarife ist vorgesehen. Auch die jetzt bestehenden Lohnämter usw. zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Angestellten und Arbeitgebern sollen gesetzlich festgelegt werden. Dem Staate liegt die Ueberwachung der Eisenbahnen ob, d. h. er hat die Interessen des Staates und die der Benutzer wahrzunehmen und für einen wirtschaftlichen Betrieb der Eisenbahnen zu sorgen. Erhöhung des Aktienkapitals, Regelung der Rücklagen unterliegen staatlicher Genehmigung; ebenso können einheitliche Vorschriften für Bau und Ausrüstung erlassen werden, soweit sie auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebes von Einfluß sind. Die gemeinschaftliche Beschaffung des Wagenparks, Benutzung gemeinsamer Werkstätten, Zusammenlegung unwirtschaftlicher Betriebe kann von Staatswegen verlangt werden. Eine staatliche Unterstützung der Eisenbahnen in irgend einer Form wird aber abgelehnt.
Die Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen vom 27. Januar 1921 bezeichnet die Denkschrift als einigermaßen flüchtig und vorläufig mehr als einen Versuchsballon, um die Stimmung der Eisenbahngesellschaften und der Allgemeinheit im Lande zu hören. Besonders sei auch die verwickelte Frage des Verhältnisses des Staates zum Betriebe von Seehäfen, die im Besitze von Eisenbahngesellschaften sind, kaum gestreift. Die bisherige Aufnahme der Vorschläge sei nicht besonders günstig.
Straßenbauten in Marokko.
In den Jahren 1913 bis 1919 ist unter dem französischen Protektorat ein Straßennetz von etwa 2000 km Länge zur Erschließung des Landes entstanden als Vorläufer des Baues von Eisenbahnen, dessen Durchführung in absehbarer Zeit nicht möglich war. Nur zu militärischen Zwecken hat Frankreich sofort nach Besitzergreifung des Landes ein Netz von Schmalspurbauten mit 0,60 m Spur ausgeführt, während der Bau von normalspurigen, dem allgemeinen Verkehr dienenden Bahnen nach dem Vertrage von 1911 mit Deutschland erst nach Inangriffnahme der internationalen Verbindung Tanger-Fez gestattet war. Der Abschluß des Abkommens über diese Bahn verzögerte sich aber stark, so daß, um dem dringendsten Verkehrsbedürfnis abzuhelfen, der Bau von Straßen zuerst durchgeführt wurde, der dann auch während des Krieges mit Energie fortgesetzt worden ist, da der Bau neuer Eisenbahnen sich jetzt erst recht verbot. Für Straßenbauten standen dagegen billige einheimische Arbeitskräfte und Baustoffe im Lande reichlich zur Verfügung. In den Annales des Ponts et Chaussées 1920 Heft 5 berichtet Joyant ausführlich über die technische Durchführung dieser Straßenbauten.
Die Linienführung war im wesentlichen nur durch die 100 bis 200 km und mehr voneinander entfernten Städte festgelegt, im übrigen hatte sie sich dem Kulturzustand und der Oberflächengestaltung anzupassen, wobei günstigste Ueberschreitungsmöglichkeit von Gebirgszügen, Flüssen und nicht zuletzt die Nähe von für Straßenbaustoffe ausnutzbaren Stein
deutscher Ingenieure.
brüchen zu berücksichtigen waren, da sich bald ergab, daß die Schwierigkeiten der Beförderung dieser Baustoffe in ganz wesentlichem Maße für die Ausführbarkeit mitbestimmend waren. Bezüglich der Befestigung des Fahrdammes hat man sich ganz an bewährte Verfahren gehalten. Eisenbetonstraßen und Teermakadam verboten sich wegen der Notwendigkeit, die Baustoffe dafür erst einzuführen. Man blieb daher bei der Befestigung mit eingewalzter Schotterdecke auf Packlage. Als Kronenbreite wählte man im allgemeinen für Hauptstraßen 10 m bei 5 m Breite der Befestigung (für zwei Wagenbreiten), während Nebenstraßen mit 6 m bei 3 m befestigter Fahrbahn genügten. Mit den seitlichen Gräben nehmen die Straßen etwa 12 m Breite ein, für die Hauptstraßen legte man aber gleich einen Geländestreifen von 30 m Breite für Straßenzwecke fest. Auf den Kunstbauten sind diese Breiten entsprechend eingeschränkt. Die Steigungen überschreiten im Flachlande 1:25 nicht, die Halbmesser sinken nicht unter 200 m. Im Gebirge sind die Steigungen bis zu 1:17 erhöht, die Halbmesser bis auf 30 m herabgesetzt, unter gleichzeitiger Ermäßigung der Neigungen in den Krümmungen.
Die Befestigung besteht im allgemeinen aus einer 12 bis 15 cm dicken festen Packlage, über die eine 8 bis 12 cm dicke Schotterdecke gewalzt wird. Eine zweite Schotterlage von 8 bis 10 cm Dicke und aus härterem Stoff wird einige Monate später nach entsprechendem Setzen des Dammes aufgewalzt. Harter Kalkstein hat sich für die Befestigung der Oberschicht auch dem Kraftwagenverkehr gegenüber besonders bewährt.
Bei den Kunstbauten hat man aus Gründen der Kosten und der Unterhaltung auf Eisen ganz verzichtet, Eisenbeton in Plattenform stellenweise für kleine Bauwerke angewandt, im übrigen herrscht der Gewölbebau vor. Schwierige Gründungen waren wegen der Unmöglichkeit, die erforderlichen Maschinen and geübten Arbeitskräfte zu erhalten, ausgeschlossen. Bei Flußübergängen ergaben sich daher zum Teil erhebliche Spannweiten der Gewölbe, die zur Verringerung des Gewichtes mehrfach in Einzelbögen mit darüber gestreckter Fahrbahn in Eisenbeton aufgelöst wurden. So sind eine Reihe kübner Bauwerke entstanden. An einigen besonders ungünstigen und abgelegenen Stellen mußten auch vorläufige Holzkonstruktionen, kleine Pontonbrücken usw. zu Hilfe genommen werden. Auch bei der Ausführung der Straßen, die zum größeren Teil in Losen von 15 bis 30 km Länge vergeben worden ist, die zum Teil aber auch in Regie erfolgte, ist mit Ausnahme der Abwalzung der Straße von mechanischer Arbeit fast vollständig abgesehen worden, mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der Beschaffung und Unterhaltung von Maschinen. Nur für den Aufsichtsdienst und zur Heranschaffung von Lebensmitteln sind in ausgedehnterer Weise und mit gutem Erfolg leichte Kraftwagen benutzt worden.
Die Herstellungskosten des Straßenkörpers einschließlich der normalen Bauwerke haben im Anfang des Krieges bei 10 m breiter Hauptstraße mit 5 m breiter Befestigung 27 bis 65 Fr/m betragen, im Mittel stellte sich 1 km auf 35000 Fr, bei Nebenstraßen auf 17500 Fr. Die Kosten der Herbeischaffung der Baustoffe von den Steinbrüchen machten dabei einen wesentlichen Anteil aus. Bei Entfernungen der Brüche von 5 km an war die Verlegung von Schmalspurgleisen erforderlich, bei Entfernungen von mehr als 10 km wurden die Transportschwierigkeiten und Kosten schon so übermäßig boch, daß in solchen Fällen der Straßenbau vor der Anlage einer Eisenbahn keine Vorteile mehr bringt. Auf die Dauer können die Straßen auf den Hauptverkehrswegen die Eisenbahn auch keinesfalls ersetzen, aber in einem wirtschaftlich unerschlossenen Lande wie Marokko können sie doch als Vorläufer der Eisenbahn gute Dienste leisten. Allerdings sprechen hier außer wirtschaftlichen auch noch politische Rücksichten mit.
Preisausschreiben für die Limfjordbrücke.
In Z. 1920 S. 193 haben wir über ein Preisausschreiben für eine Brücke über den Limfjord zwischen Aalborg und Nörresundby berichtet. Die Preise sind jetzt verteilt worden, und zwar sind zwei gleiche erste Preise den Entwürfen der Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg und der Gutehoffnungshütte zugeteilt worden, ein dritter Preis einem Entwurf der Schweizer Ingenieure Bollinger und Kihm in Luzern. Unter den weiter angekauften sechs Entwürfen befinden sich ein deutscher (Harkort), zwei dänische, zwei schwedische und ein schweizerischer. Beachtenswert ist, daß mehrere der Entwürfe besondere künstlerische Mitarbeit erwähnen. So ist an dem Entwurf der Gutehoffnungshütte Prof. Karl Wach von der Kunstakademie Düsseldorf beteiligt; einer der angekauften Entwürfe betont seine künstlerische Absicht durch das Kennwort »Ingenieurästhetik«,
26. Februar 1921.
Wassersterilisierung durch Chlorgas.1)
Mit den vollkommensten Verfahren der Wasserreinigung können die im Wasser enthaltenen Bakterien höchstens bis auf 2 vH ihrer Gesamtzahl entfernt werden Die Beseitigung dieses Restes ist nur durch Sterilisierung möglich. Für diese gibt es verschiedene physikalische und chemische Verfahren. Die ersteren, bei denen Erhitzung und ultraviolette Strahlen verwendet werden, sind zwar sehr wirksam, aber teuer und schwierig in der Anwendung. Die chemischen Verfahren sind billig, leicht zu handhaben und können sehr genau ausgeführt werden Am meisten wird hierbei Chlor benutzt, sei es als freies Gas, sei es in Verbindung mit anderen Stoffen in Gestalt von Bleichpulver oder Chlorkalk. Dieses diente zuerst im Jahre 1897 in Maidstone, wo eine Typhusepidemie ausgebrochen war, zur Entkeimung des Wassers. Das Verfahren war so wirksam, daß die Epidemie in kurzer Zeit erlosch. Chlor in gasförmigem Zustande wurde in Amerika schon früher in geringem Umfange benutzt, allgemein ist es aber erst in den letzten Jahren verwandt worden.
Die für die Wassersterilisierung erforderlichen Mengen an Chlorgas oder Bleichpulver sind außerordentlich gering. Bei abgesetztem und gefiltertem Wasser bedarf es nur eines halben Teiles Chlor auf eine Million Teile Wasser, während bei Rohwasser nur 3 Teile Chlor nötig sind, vorausgesetzt, daß das zu sterilisierende Wasser etwa 20 Minuten mit dem Chlor in Berührung bleibt.
Zu Beginn des Krieges gab es nur eine Art von Wasserreinigern, die ins Feld mitgenommen werden konnten. In diesen wurde das zu reinigende Wasser mit Aluminiumsulfat behandelt und nach Zugabe eines Alkalis durch einen mit Stoff überzogenen Zylinder gefiltert. Auf diesem bildete sich eine Schicht von Aluminiumbydroxyd, die als wirksame Filterfläche diente. Nach der Filterung wurde das Wasser zum Zwecke der Sterilisierung noch mit Chlor kalk behandelt. Der Verbrauch an diesem Stoff war aber meist größer, als zur Durchführung des Verfahrens eigentlich nötig war. Man ersann daher Vorrichtungen, die eine genaue Zumessung der Chlorkalkmengen im Felde ermöglichen sollten. Eine solche wurde von Woodhead entworfen. Ins einzelne gehende von dem Armee-Medizinalkollegium ausgearbeitete Anwendungsund Prüfvorschriften, die ihr beigegeben wurden, bildeten die Grundlage für alle Wasserreinigungsanlagen in der gesamten englischen Armee. Wie erfolgreich die angenommenen Verfahren waren, zeigte sich daran, daß während des ganzen Krieges keine Epidemie vorgekommen ist, die auf schlechtes Wasser zurückzuführen wäre.
Der erste Fortschritt in der Verbesserung des Systemes beruhte darauf, daß an Stelle des unterbrochenen Verfahrens ein Dauerbetrieb bei der Verwendung von Bleichpulver eingeführt wurde. Ferner wurden an Stelle der ersten kleineren Apparate mit etwa 560 ltr stündlicher Leistung solche besserer Art von etwa 1720 ltr Ausbringen gebaut. Die geringen im Wasser verbleibenden Chlorreste wurden in diesen durch Natrium bisulfit entfernt. Die Vorrichtung war auf einem Motorwagen von 3 t Tragfähigkeit aufgestellt und ist in großer Anzahl nach Frankreich geschickt worden. Den eigentlichen Wasserreinigungswagen wurde eine Anzahl von Behälterwagen zur Aufnahme und zum Fortschaffen des gereinigten Wassers beigegeben.
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Da das Ausbringen dieser Apparate noch nicht genügte und zudem die Zubereitung der für das Entkeimungsverfahren erforderlichen chemischen Lösungen sehr umständlich ist, suchte man nach einem Verfahren für die unmittelbare Verwendung von Chlorgas. Bei diesem Verfahren ist es ein Haupterfordernis, das Gas in ganz bestimmten Mengen dem zu reinigenden Wasser zuzuführen. Von verschiedenen für diesen Zweck_gebauten Vorrichtungen haben sich zwei von Wallace und Tiernau in New York hergestellte Apparate mit ununterbrochenem Betrieb am besten bewährt. Sie unterscheiden sich darin voneinander, daß das Gas bei dem einen Gerät unmittelbar in das Wasser geleitet wird, während bei dem andern zunächst eine Lösung von Chlorgas in Wasser hergestellt und diese alsdann mit dem zu reinigenden Wasser vermischt wird. Das erstere System ist für die englische Armee durchweg eingeführt, nur bei ganz kleinen Vorrichtungen, bei denen es zu unwirtschaftlich im Gebrauch sein würde, findet es keine Anwendung Der erste derartige Apparat wurde im August 1916 nach England gebracht und nach den Anordnungen des Kriegsamtes eingehenden Prüfungen unterworfen. Die in Brentford, Middlesex, mit Kanalwasser angestellten Versuche, von denen einige über 72 Stunden ausge
1) Nach einem Vortrag von J. Stanley Arthur in der Institution of Mechanical Engineers in London, Engineering 26. November 1920.
dehnt wurden, führten zu dem Ergebnis, daß Chlorgas das wirksamste chemische Mittel für die Wasserentkeimung ist, daß die ganze Einrichtung sehr befriedigend und genau arbeitet und leicht zu handbaben ist, und daß das so behandelte Wasser einen sehr viel geringeren Beigeschmack als das mit Bleichpulver entkeimte hat. Bei den Versuchen fand man auch, daß eine Zugabe von schwefliger Säure nach Beendigung des Sterilisationsverfahrens diesen noch wirksamer gestaltet und den leichten Beigeschmack, den das mit Chlor behandelte Wasser behält, vollständig beseitigt.
Die mit unmittelbarer Verwendung des Chlorgases arbeitenden Apparate bedürfen besonderer Vorrichtungen, um das Gas in bestimmten Mengen und stets unter demselben Druck dem Wasser zuzuführen. Das Chlor befindet sich in den zur Verwendung gelangenden Stahlflaschen in flüssigem Zustande. Der Druck, unter dem es steht, häugt von der Temperatur ab. Bei 0o C beträgt der Druck flüssigen Chlors bezw. des Chlordampfes, der sich bei der genannten Temperatur aus der Flüssigkeit bildet, rd. 3,8 at, während er bei 50o C auf 15 at steigt Läßt man einen Teil des Chlorgases aus der Flasche entweichen, so findet eine Verdampfung der Flüssigkeit statt, und da dies auf Kosten der latenten Wärme der Flüssigkeit geschieht, muß ihre Temperatur und gleichzeitig ihr Druck fallen. Damit wächst die Dichte des Chlordampfes, und so ist das Volumen des Gases, das die Flasche verläßt, kein Maß für die entnommene Gasmenge.
Der Chlorinator von Wallace und Tiernan trägt diesem Umstande Rechnung. Er besteht im wesentlichen aus dem Kompensator, der die Druckschwankungen des in der Vorratflasche befindlichen Gases ausgleicht, einer Meßeinrichtung und einem Druckminderungsapparat, der das Chlorgas mit einem gleichbleibenden Druck von etwa 1,9 at dem Diffusor zuführt, aus dem es in Gestalt vieler kleiner Bläschen in das zu reinigende Wasser austritt. Ist die zu liefernde Chlorgasmenge einmal richtig eingestellt, so arbeitet die Vorrichtung ununterbrochen weiter, bis der Inhalt der Gasflasche verbraucht ist. Soll die Gaslieferung unterbrochen werden, so bedarf es nur des Schließens des Ventils an der Gasflasche, nach dessen Wiederöffnung dieselbe Gasmenge wie vorher ausströmt. Die mit Chlor in Berührung kommenden Teile des etwas verwickelten und empfindlichen Chlorinators sind zum Teil aus Silber hergestellt oder versilbert. Feuchtigkeit muß von ihm unbedingt ferngehalten werden, da sonst eine schnelle Zerstörung des Apparates eintreten würde, auch muß der Inhalt der Gasflasche ungefähr dieselbe Temperatur wie die Flasche haben. Ist diese kälter,
so schlägt sich das Gas in ihr als Flüssigkeit nieder, wodurch der Durchfluß des Gases gestört wird.
Bei der zweiten Gattung von Chlorinatoren wird das Gas, nachdem es den Kompensator verlassen hat, zunächst einer Meß vorrichtung zugeführt, in der die in das Lösungswasser eintretenden, in einer wassergefüllten Glasröhre aufsteigenden Gasblasen gezählt und ihre Zahl entsprechend eingestellt werden kann. Nachdem die Gasblasen von dem Lösungswasser aufgenommen sind, wird dieses in das zu entkeimende Wasser eingeführt. Der Vorteil des so arbeitenden Apparates liegt darin, daß man das zur Wirkung gelangende Gas beobachten und mit geringeren Chlorgasmengen arbeiten kann als bei den Geräten die das Chlorgas unmittelbar in das zu reinigende Wasser einleiten. Diese sind zwar etwas ungenauer in der Arbeitsweise, dafür aber einfacher und bedürfen weniger Sorgfalt in der Bedienung.
Die Entkeimungsgeräte, von denen die englische Armee die mit unmittelbarer Gaszuführung und nachträglicher Anwendung von schwefliger Säure arbeitenden als »Standardtype<< angenommen hat, sind entweder tragbar und auf Motorwagen gesetzt oder in Schiffskörper eingebaut, oder sie werden als ortfeste Landanlagen aufgestellt. Die Wagen folgen der Armee in das besetzte Gebiet, wo die natürlichen Quellen zerstört oder unbrauchbar gemacht worden sind, die auf Schiffen aufgebauten Einrichtungen dienen in etwas größerem Ausmaße demselben Zweck, während die ortfesten Landanlagen im Rücken der Operationsarmee oder als Aushilfe für die Wasserversorgung von Städten aufgestellt werden.
Der Vorgang bei der Wasserreinigung ist bei allen drei Verfahren derselbe: Gerinnenlassen (Koagulation) der im Wasser schwebenden Teilchen durch eine Lösung von Aluminiumsulfat, wenn nötig unter Zusatz von Alkali; Absitzenlassen des so bebandelten Wassers; Filterung; Entkeimung durch Chlorgas; Entchlorung durch schweflige Säure. Die chemische Behandlung oder das Absitzenlassen des Rohwassers vor der Fiterung ist nur da erforderlich, wo die Masse der feinen schwehenden Teilchen sehr groß ist, oder wo eine Färbung des Wassers durch Eisenhydroxyd oder Ton vorliegt.
Bei den tragbaren, auf Wagen aufgestellten Apparaten werden zum Gerinnenlassen und zum Absitzen des Wassers Behälter aus Segeltuch benutzt, während bei den in Schiffen untergebrachten Reinigungsvorrichtungen und bei den ortfesten Landanlagen Blechbehälter vorgesehen sind. Die bei der Vorbehandlung erforderliche Aluminiumsulfatmenge wird zusammen mit Kalk oder Soda, falls das zu reinigende Wasser sehr weich ist, in diesem gut verrührt. Wenn das Wasser eine Zeitlang gestanden hat, sinken die schwebenden Teilchen zugleich mit dem durch Hydrolyse aus dem Aluminiumsulfat gebildeten Aluminiumhydroxyd zu Boden. Das geklärte Wasser wird, ohne daß der gebildete Bodensatz aufgerührt wird, den Filtern zugeführt. Dies sind zylindrische eiserne Behälter, die mit scharfem, auf einer Unterlage von Kies bestimmter Körnung aufliegendem Sande gefüllt sind, eine Vorrichtung zum Aufrühren des letzteren enthalten und so ausgebildet sind, daß das Wasser von oben oder unten eingeführt werden kann. Die Filterung findet immer von oben nach unten hin durch den Sand statt. Wichtig ist dabei, daß die Filter zuvor mit reinem Wasser von unten nach oben angefüllt werden, damit alle Luft aus dem Sande ausgetrieben wird und eine unverletzte von Luftkanälen freie Filterhaut gebildet werden kann. Ist die auf dem Sande zur Ablagerung gelangte Deckschicht im Laufe der Zeit zu dick geworden und ist der Filterdruck dementsprechend gestiegen, so wird unter gleichzeitiger Ingangsetzung des Rührwerkes der Wasserfluß umgekehrt und so eine Durchspülung und Reinigung des Filtersandes bewirkt. Bei den neueren Apparaten wird hierbei gereinigtes Wasser verwendet, während bei den älteren Rohwasser zur Spülung benutzt wurde. Bei den auf Schiffen aufgestellten Filtern und bei den ortfesten Anlagen wird nicht gespült, sondern die Oberfläche des Sandes abgeschülfert und durch selbsttätig gewaschenen Sand wieder er
setzt.
Das Filter wirkt am besten, wenn sich auf der Sandoberfläche eine Schicht von Aluminiamhydroxyd abgelagert hat. Ist das Wasser vor dem Filtern chemisch behandelt, so bildet sich diese Schicht aus den im Absitzbehälter nicht völlig niedergeschlagenen Schwebeteilchen, hat eine vorhergehende chemische Behandlung nicht stattgefunden, so wird dem Wasser vor dem Filtern eine Lösung von Aluminiumsulfat hinzugesetzt. Das letztere bildet infolge von Hydrolyse einen Aluminiumhydratniederschlag auf der Sandoberfläche. Durch eine solche Filterhaut kann die Zahl der im Wasser enthaltenen Bakterien ganz erheblich herabgesetzt werden. Sie muß stets von neuem gebildet werden, bevor das Filter nach vollzogener Reinigung und Durchspülung wieder in Betrieb genommen werden kann.
Nach der Filterung wird das Wasser mit Chlorgas behandelt. Einige Apparate sind so eingerichtet, daß sie mit Bleichpulver arbeiten können, falls die für Chlorgas dienenden Einrichtungen versagen sollten. Die für die Entkeimung erforderlichen Chlormengen werden aus Tabellen entnommen, die nebst den erforderlichen Reagenzien für chemische Untersuchungen den Truppen mitgegeben werden. Der Chlorinator von Wallace und Tiernau gibt die stündlich gelieferte Gasmenge in Pfunden an, entsprechend einem bestimmten Zusatzverhältnis von Chlor auf Millionen Teile Wasser.
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Da eine vollständige Sterilisierung des Wassers nur dann eintritt, wenn es mindestens 20 Minuten mit dem Chlorgas in Berührung bleibt, läßt man es durch große Behälter oder Reihen kleinerer Behälter fließen, die mit Einbauten versehen sind, um das Wasser zum Zurücklegen weiter Wege zu zwingen. Die schweflige Säure, die dem Wasser zugegeben wird, um die letzten Reste von Chlorgeschmack zu beseitigen die aus Chlor und schwefliger Säure sich bildenden chemischen Körper sind geschmacklos wird durch ein einfaches Regel- und Rückschlagventil, das ein Eindringen des zu behandelnden Wassers in den Chlorinator verhindert, in den Wasserstrom eingeführt. Die schwef'ige Säure wird ebenfalls in stählernen Vorratflaschen mitgeführt, die Menge, die dem Wasser zugesetzt werden muß, wird durch eine Prüfung bestimmt, die von Zeit zu Zeit zu wiederholen ist. Als Reagens Das dient Jodkali, das mit Color eine blaue Farbe erzeugt mit schwefliger Säure behandelte Wasser enthält noch etwa 1/2 Teil Chlor in 1 Million Teilen Wasser. Diese Chlormenge ist erforderlich, um das Wasser auf dem Transport von der Reinigungsanlage nach den Verbrauchstellen bei den Truppen steril zu erhalten, sie verschwindet allmählich vollständig, so daß das Wasser, wenn es genossen wird, geschmacklos ist. Das gereinigte Wasser wird entweder in Vorratbehältern aufgespeichert, aus denen es durch Rohrleitungen weiter verteilt wird, oder in Tankwagen oder Wasserkarren, oder auch unmittelbar in Blechdosen abgefüllt, in denen es bis in die Schützengräben befördert werden kann.
deutscher Ingenieure.
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Die bisher mit der Chlorgasentkeimung gewonnenen Erfahrungen sind in jeder Beziehung zufriedenstellend. Für mittlere und kleine Anlagen ist das Chlorgasveifahren jedenfalls das beste, zumal Chlorgas billig, leicht zu befördern · und aufzubewahren ist und selbst bei langer Lagerung keine Verluste entstehen. Chlorkalk zersetzt sich dagegen schon bei mäßiger Temperatur und gibt deshalb zu Störungen Veranlassung, was sich namentlich zu Beginn des Krieges auf dem Kriegsschauplatz im Osten gezeigt hat. An Stelle von Chlorkalk hat man deshalb ein Brombleichpulver eingeführt, das sich nur bei Temperaturen von mehr als 100o C zersetzt und keinen wahrnehmbaren Geschmack im Wasser zurückläßt. [498] L.
Die Ziele eines studentischen „Kulturamtes".
Mit dem Werden des Industriestaates und, daran anknüpfend, der sozialen Frage entsteht der moderne Techniker als Vertreter einer ganz neuen Berufsart. Ingenieure als Erfinder und Konstrukteure hat es, wenn man so will, schon im Altertum gegeben; Ingenieure als Leiter größerer technischer Betriebe kennt bereits die vorindustrielle Manufaktur. Ingenieure aber als wissenschaftlich gebildete Offiziere eines großen wirtschaftlichen Heereskörpers, als berufsmäßige Führer breiter Volksmassen gibt es erst seit den letzten 6 oder 7 Jahrzehnten. Als dienendes Glied des Ganzen hat heute der Techniker nicht geringere Aufgaben an den seiner Führung Anvertrauten zu erfüllen als der Geistliche, der Lehrer. Daher die gewaltige Bedeutung, die der Techniker heute im öffentlichen Leben einnimmt, daher letzten Endes die Ansprüche auf erhöhten Einfluß in der Verwaltung!
Erst mit der Erkenntnis der großen mit dieser Tatsache verknüpften Aufgaben werden die Technischen Hochschulen aus Fachschulen zu echten Schwestern der Universitäten. Maturitätsprinzip und Promotionsrecht bleiben Formalitäten, wenn die innere Einstellung des Hochschülers auf seinen Beruf neben dem Fachwissen nichts kennt von der geistigen Atmosphäre der Universitas Literarum. Im Wesen des Akademischen ist sie enthalten: in Vielseitigkeit des Wissens, Objektivität des Urteils, Erfassung der individuellen Ziele als Elemente einer geschlossenen Lebensanschauung. Nur der ganze Mensch, der nicht von Parteimeinungen beeinflußt ist, nur die geschlossene akademische Persönlichkeit kann in diesem Sinne Führer sein.
Wie kein Körper lebensfähig ist ohne den Geist, so kann äußerlich ordnende und schaffende Hochschulreform und studentische Organisation das Ziel nicht erreichen, wenn nicht von innen heraus die Studentenschaft auf ihre großen vaterländischen Aufgaben sich besinnt und den Willen erzeugt zur Erneuerung wahrhaft akademischen Geistes. Die Hochschule muß als Pflegstätte von Persönlichkeitswerten erlebt, die studentische Gemeinschaft nicht nur zur juristischen Person formuliert, sondern als lebendige Einheit im akademischen Geist empfunden werden, eine Einheit, in der nur der ganze Mensch, nicht seine Fachrichtung oder Parteifarbe gewertet wird; eine Einheit, an der mitzuschaffen Professoren und Studenten, Verbindungs- und Freiakademiker, Kommilitonen und Kommilitoninnen in gleicher Weise berufen sind.
Das Ziel zu erreichen, ist in der Tat lebendiger Wille geworden. Das neubegründete »Kulturamte an der Technischen Hochschule Berlin will ihm dienen. Nicht durch große Phrasen, sondern durch scheinbar ganz fern liegende Erziehungsarbeit und Gemeinschaftspflege vor allem in kleinen Kreisen für Diskussion, Musik, Literatur, Volks- und Heimatkunde usw., denen große Vorträge als. Richtpunkte dienen! Denn wie die Wärme unwillkürlich bei jedem mechanischen Prozeß entsteht, So entstehen Persönlichkeitswerte, Geisteskräfte unmerklich in dem Sichgeben und -nehmen verschiedenster Naturen auf dem freien neutralen Boden der Kunst und echter Kultur.
Ein Ziel gewiß, das auch unsere Universitäten gegenwärtig weit aus den Augen verloren haben, und das sie und die Handels- und Landwirtschafts- und andere Hochschulen ebenso angeht wie die Technischen! Aber letztere stellen von den berufsmäßigen Führern des Volkes die für das Wirtschaftsleben des Industriestaates wichtigsten, deren schwere Aufgabe in der Wendung der sozialen Frage liegt. Und mit Genugtuung dürfen wir feststellen, daß die Technischen Hochschulen zuerst Dresden, dann Stuttgart, Karlsruhe, Danzig, Braunschweig, wena auch mit verschiedenem Eifer und Erfolg, jetzt auch Berlin auf dem Wege zu dieser inneren Erneuerung der Studentenschaft vorangehen.
Dipl.-Ing. Herbert F. Mueller.