Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03613.jsonl.gz/224

Beginn Inhaltsbereich
Das Ortsbild des Monats Mai ist eine gekürzte Version der Aufnahme aus der ISOS-Publikation Freiburg, Band 1.1 und 1.2.
Siedlungsentwicklung
Die Gestade des Murtensees zählen zu den ältesten Siedlungsplätzen der Pfahlbaukultur. Archäologische Grabungen haben auf den Platzbünden in Muntelier eine der bisher bedeutendsten spätsteinzeitlichen Dorfanlagen der Westschweiz entdeckt.
Das erstmals im Jahre 1270 als «Es Montelliers» erwähnte Uferdorf - der Name ist abgeleitet vom gallo-romanischen Familiennamen «Montilius» - gehörte bis kurz nach der Reformation zur benachbarten Stadt Murten. 1533 erhielt es die politische Selbständigkeit - allerdings mit einem sehr beschränkten Gemeindeterritorium.
Erst 1822 sollte die Gemeinde ihre heutige Ausdehnung erhalten. Die Pfarrkirche von Murten stand bis zu ihrem Abbruch 1762 auf heutigem Gemeindegebiet von Muntelier: auf dem Friedhofhügel. Bis ins 17. Jahrhundert sprach die Bevölkerung mehrheitlich französisch, der deutsche Ortsname verrät die ältere französische Bezeichnung «Montilier».
Im Jahre 1741 fiel das Dorf einem Grossbrand zum Opfer; 35 Häuser wurden zerstört. Nur fünf Bauten, darunter der Speicher des Schlossguts (nachmaliges Schulhaus) und das Schloss selbst überdauerten die Katastrophe.
Der Wiederaufbau schritt zügig voran, zahlreiche Haustüren und -tore tragen Jahreszahlen ab 1741. Sämtliche Häuser wurden nun in Stein errichtet, selbst die in der Region sonst geläufige Mischform des Fachwerks kam nicht zur Anwendung. Die in der Regel zweigeschossige Zeilenbauweise hat ihre Wurzeln in der städtischen Nachbarschaft und in der Bautradition der Siedlungen im Bas-Vully am gegenüberliegenden Seeufer.
Die Einwohnerschaft lebte von Fischfang, Schiffahrt und Landwirtschaft, ehe 1859 die sieben Jahre zuvor in Murten gegründete Uhrenfabrik nach Muntelier umzog und in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Rotfärberei ihren Betrieb aufnahm. 1868 erbaute die Firma eigene Fabrikgebäude, die um die Jahrhundertwende zu einem stattlichen, winkelförmigen Gebäudekomplex erweitert wurden. Die Uhrenfabrik beschäftigte bis zu 600 Arbeiterinnen und Arbeiter aus der ganzen Region. Die Gemeinde Muntelier selbst zählte im Jahre 1900 576 Einwohner.
Auf der ersten Siegfriedkarte von 1874 ist die Fabrik im Zustand vor ihrer Vergrösserung verzeichnet. Die Karte zeigt im Übrigen ein Strassendorf, das dicht am Ufer des Murtensees liegt und von dem zwei kurze Quergassen abgehen. Wenige Jahre später entstand, als Folge des Absenkens des Seespiegels im Rahmen der ersten Juragewässerkorrektion (1868-88), der 50 bis 100 Meter breite Strandboden; er sollte das Siedlungswachstum des 20. Jahrhunderts aufnehmen (> II).
Im Zusammenhang mit der Krise in der Uhrenindustrie stellte die «Montilier Watch SA» 1962 den Betrieb ein. 1980 wurde die Fabrikanlage abgebrochen und an ihrer Stelle die geschlossene Wohnsiedlung Marcoup erbaut. Dank dieser Wohnanlage und weiterer Neubauten auf dem Strandboden stieg die Einwohnerzahl der Gemeinde, welche 1960 die Fünfhundertergrenze unterschritten hatte, bis 2000 auf 719 an.
Der heutige Ort
Muntelier wirkt heute als vorstädtischer Auftakt zum Murtener Ryf am See. Beide Hafensiedlungen liegen in derselben Achse an der uferparallelen Durchgangsstrasse. Die alte Strassendorfbebauung von Muntelier(> 1) besitzt nicht nur einen klaren Anfang und ein klares Ende, sondern auch einen eigenen Mittelpunkt. Dieser liegt beim herrschaftlichen Schloss, das von hohen Mauern flankiert wird und in dessen Nachbarschaft sich die zentrale Kreuzung befindet (die zweite, auf der Siegfriedkarte von 1874 verzeichnete Weggabelung ist zur Bedeutungslosigkeit abgesunken). Das Schlossgebäude selbst steht nicht von der Strasse zurückversetzt, sondern ist in die Strassenbebauung eingebunden.
Der prächtige ummauerte Schlosspark auf der gegenüberliegenden Strassenseite stiess ursprünglich direkt ans Seeufer und wurde nach der Juragewässerkorrektion durch eine Wiese mit seitlichen Pappelreihen auf dem neugewonnenen Strandboden verlängert.
Als zweiter Einzelbau ragt aus dem sonst horizontal geprägten Strassenbild der ehemalige Schlossspeicher heraus. Das aussergewöhnlich hohe und steile Walmdach wird durch die Stellung im Scheitel einer Strassenkrümmung noch ortsbildwirksamer.
Nördlich und südlich der Dorfmitte erstrecken sich die ruhigeren, beidseitig durch zweigeschossige, traufständige Häuserzeilen geschlossenen Raumabschnitte. Die gruppenweise zusammengebauten Gebäude stehen zum Teil in derselben Flucht, zum Teil leicht versetzt und beleben dadurch die Strassenachse. Einzelne giebelständige Bauten, darunter die Gemeindekanzlei mit Mansarddach, rhythmisieren durch ihre aussergewöhnliche Stellung den Strasseraum.
Der geläufige Haustyp ist ein zweigeschossiger, hell verputzter Steinbau mit Wirtschafts- und Lagerräumen im Erdgeschoss und Wohnungen im Obergeschoss. Einige Häuser wurden in den letzten Jahrzehnten tief greifend umgebaut oder neu gebaut, was als einzelner Eingriff nicht stört, in der Tendenz den Altbaucharakter aber gefährdet. Untrennbar mit dem Ortsbild von Muntelier verbunden ist der gelbe Jurakalkstein, der für die Tür- und Fenstergewände, da und dort aber auch als Eckquader Verwendung fand und dem Strassenbild einen warmen Ton verleiht. Weniger präsent sind demgegenüber die Gärten; sie liegen hinter den Häusern und dringen nur in Ausnahmefällen bis an den Strassenrand vor. Schmale asphaltierte Abstellstreifen und einseitige Trottoirs trennen in der Regel die Hausmauern von der Strasse. Wie dörflich das Ganze trotzdem wirkt, zeigt ein Vergleich mit dem benachbarten Murtener Ortsteil Ryf und dessen drei- oder viergeschossigen Häuserzeilen mit städtischerem Charakter.
Von der wichtigsten Nahumgebung der Ufersiedlung, dem Strandboden, ist ein kurzes, aber wichtiges Stück weitgehend unverbaut geblieben (> I). Parzellierte Hausgärten reichen bis an den öffentlichen Uferweg und lassen den Blick auf die Hinterseite der Häuserzeilen frei. Der übrige Teil des breiter werdenden Strandbodens ist mit Wohnhäusern vorwiegend aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überbaut (> II). Auf der Ostseite des Strassendorfes erstrecken sich fruchtbare Felder (> III), allerdings bedrängt durch neuere Bauten (> IV).
Wir empfehlen
Wir bewerten
**/ Lagequalitäten
*** Räumliche Qualitäten
*** Architekturhistorische Qualitäten
Muntelier hat hohe Lagequalitäten dank der reizvollen Situation der Siedlung am Südufer des Murtensees mit Blick auf den Mont Vully und dank dem engen räumlichen Bezug zur benachbarten Kleinstadt Murten, allerdings etwas beeinträchtigt durch die fortgeschrittene Überbauung des Strandbodens.
Besondere räumliche Qualitäten ergeben sich aus dem lebhaften, mehrfach sanft gekrümmten Strassenraum von grosser Geschlossenheit mit den traufständigen Häuserzeilen, die aus hell verputzten Mauerbauten mit Fenster- und Türgewänden aus gelbem Haustein bestehen und oftmals subtil gestaffelt und stellenweise durch Gartenmauern miteinander verbunden sind.
Hohe architekturhistorische Qualitäten hat der Ort als kompakte, einachsige Ufersiedlung dank der Ablesbarkeit des Wiederaufbaus von 1741, dank den typologisch interessanten Mehrzweckbauten vor allem des 18. Jahrhunderts sowie wegen der barocken Schlossanlage mit Park.
Ende Inhaltsbereich