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Text und Bilder von Chrigel Küpfer
Der 32. Trofeo Valerio Albrizio fand dieses Jahr ausnahmsweise erst Ende Mai und damit einen Monat später als üblich statt. Ob es Zufall war oder ob es Ende April im Tessin zuverlässiger schifft als Ende Mai wissen wir nicht, aber auf jeden Fall ist es lange her, seit an diesem Wettbewerb drei Tage durchgehend bei besten Verhältnissen geflogen wurde. Laveno ist ein pittoreskes Fluggebiet und die Bahnfahrt zum Startplatz, dem 960 Meter hohen Sasso del Ferro, ist die spektakulärste weltweit, denn nirgendwo sonst wird man buchstäblich mit dem Delta unter dem Arm in der offenen Gondel transportiert. Die Flugaufgaben verlaufen entlang der Krete des Monte Nudo Richtung Nordosten an den thermisch eher unbeständigen Monte Sette Termini, von welchem der lange Gleitflug über die Schweizer Grenze an den Fuss des Monte Lema angesetzt wird. Am Lema geht es dann meistens zum ersten Mal an die Basis und an dieser ziemlich zügig der Krete entlang bis zum Monte Tamaro. Wegen der CTR Lugano geht es meist diese Strecke rauf und runter, mit kurzen Abstechern nach Norden zum Ufer des Langensees und nach Süden ins Flache an den Rand der CTR.
Am Freitag wurden ursprünglich 108 Kilometer ausgeschrieben, mit vorgesehenem Start um 14 Uhr. Als erster startete einer von zwei anwesenden Starrflüglern, das heisst er versuchte es aber crashte in die Büsche unterhalb der Startrampe. Das Fenster musste für eine Stunde geschlossen werden, damit eine Motorsägencrew den Rigid aus dem Gestrüpp entfernen konnte. Die Aufgabe wurde auf 95 Kilometer verkürzt und erst um 15 Uhr gestartet. Durch die Startverschiebung wurde es auch auf verkürzter Strecke ein langer Tag. Gägu flog die vierte Boje im Flachen bei Laveno zu frech an und stand nach 70 Kilometern am Boden. Doppel-Weltmeister Alex Ploner gewann vor (Einfach-) Weltmeister Christian Ciech und Vierfach-Weltmeister Manfred Ruhmer. Ubaldo und Chrigu verloren in der schwächer werdenden Abendthermik Zeit, sie kamen als Achter und Dreizehnter mit grossem zeitlichem Rückstand und mässiger Wertung ins Goal. Der 40 Kilometer Task der Sport-Class wurde von keinem der zehn Piloten bewältigt. JD (Jean-Daniel Kugler) war mit seinem 7. Platz ziemlich unzufrieden, obwohl er nur vier Kilometer hinter dem Tagessieger landete.
Der zweite Task sah 97 Kilometer vor, als Erster machte sich der übrig gebliebene Rigid auf der Rampe bereit. Wie sein Kollege am Vortag touchierte auch er das Geländer, blieb aber mit Glück und per Zufall in der Luft, so dass der Task wie geplant um 14 Uhr in Angriff genommen werden konnte. Nach schnellem Race flog wiederum Ploner vor Ciech und Ruhmer über die Ziellinie. Allerdings schob sich Marco Laurenzi in der Rangliste vor Manfred, weil der sich früh vertan hatte, zwischenzeitlich weit zurücklag und deshalb Leading Points verlor. Mit Chrigu als Sechstem, Gägu als Elftem und Ubaldo als Achtzehntem waren alle Schweizer der Class 1 im Goal. JD gewann den 47 Kilometer Task der Sport-Class mit acht Minuten Vorsprung und war entschieden vergnügter als am Vortag.
Der Start zum letzten 94 Kilometer Task erfolgte ohne Zwischenfälle, da der immer noch übrig gebliebene Rigid vorsichtshalber zur Sport Class an den Startplatz Monte Nudo verbannt wurde. Nach einem schnellen Race an den Monte Gradiccioli (zwischen Lema und Tamaro) hielt der Tasksetter zum Schluss einen trickigen Zickzack in Goalnähe bereit. Zweitletzter Turnpoint war der höchste vorgelagerte Hügel (mit 1140 Metern fast zwei Hundert Meter höher als der Startplatz) mit dem Minimalradius von 400 Meter. Wer einem Einheimischen hinterherflog entdeckte die abstrakte Hundekurve aussenrum ins Luv dieses Hügels, soarte auf und nahm den Turnpoint mit ausreichend Höhe und Rückenwind locker mit. Wer es analytisch versuchte, an der Krete etwas zurück- und den Turnpoint auf dem kürzesten Weg anflog, hatte dagegen im Lee keine Chance. Wenn sieben von dreissig Piloten knapp über den Bäumen im Lee alles versuchen um den Radius zu erreichen und um weniger als 500 Metern scheitern, dann ist die Frage sicher erlaubt, ob das selektives Tasksetting oder eher gefährliche Unvernunft war. Leider war Chrigu einer von den Sieben. Trotz fehlenden zehn Kilometern Strecke hatte er nur geringfügig weniger Leading Points als der Tageszweite Ciech eingefahren und darum am vorletzten Turnpoint eine Top Platzierung vergeben. Es gewann Ploner vor Ciech und Laurenzi, Ubaldo kam als Zehnter mit bereits über einer halben Stunde Rückstand ins Ziel, Gägu wurde Dreizehnter. Im Gesamtklassement gewann Ploner klar vor Ciech und Ruhmer. Ubaldo wurde als einziger Schweizer ohne Tolggen im Reinheft Elfter, Chrigu knapp dahinter Zwölfter und Gägu Vierzehnter. JD kam als Dritter der Sport-Class Piloten nach 45 Kilometern ins Goal, verlor aber mehr als zwanzig Minuten auf den Tages- und Gesamtsieger Pawel Wierzbowski aus Österreich. Damit komplettierte er hinter dem Italiener Luca Belli als Gesamtdritter das Podest. Gratulation!
Mit der kurzen Anfahrt (177 Kilometer ab Interlaken, ca. 3 ½ Stunden Fahrzeit inklusive Autoverlad Kandersteg-Goppenstein und Fähre Intra-Laveno), der wunderschönen Aussicht auf den Langensee (Lago Maggiore) und die verschneiten Alpen im Hintergrund, sowie wesentlich weniger Touristen und viel günstigeren Preisen als das nahegelegene Tessin, ist Laveno immer eine Reise wert. Mit über zehn Stunden Airtime und fast 300 Kilometern Strecke war es 2019 auch fliegerisch ein absolutes Highlight.
Resultate: https://airtribune.com/xxxii-valerio-albrizio-trophy/results
07 June 2019, Benedikt Braun
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