Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03181.jsonl.gz/3058

Es dürfte so um 1810/20 gewesen sein. Andreas Geissmann, Sohn des damaligen Gemeindeammanns Josef Geissmann, wurde Wirt und Soldat und erbaute den heute noch bestehenden 'Gasthof zum Kreuz'. Das Gebäude am heutigen Standort gegenüber dem damaligen Schulhaus, das 1806 errichtet wurde, war ein ideal gelegener Ort für den Betrieb einer Wirtschaft. Neben dem Wirten hatte Andreas grosse Freude am Militär und brachte es bis zum Oberst.
Xavier Geissmann, einer seiner Söhne, übernahm in der Folge den 'Gasthof zum Kreuz' und war auch Gemeindeschreiber und Posthalter in Hägglingen. Im Militär bekleidete er den Rang eines Hauptmanns. Leider musste er Konkurs anmelden.
Der Neue Besitzer war Heinrich Müller, der das Kreuz während Jahren führte und den Gasthof an Adolf und Emma Furter-Schmid verkaufte. Sie erweiterten den Betrieb und verlegten die Metzgerei, die sie vorher im Oberdorf betrieben, durch einen Anbau am Kreuz-Gebäude. Zudem wurde über dem Gewerbebetrieb im 1. Stock ein Saal eingebaut der während vieler Jahre für zahlreiche Anlässe diente und besonders über die Fastnachtszeit eine grosse Bedeutung hatte. Zusätzlich wurde während Jahren Viehhandel betrieben. Leider verstarb Adolf im Jahr 1934 im Alter von 56 Jahren. Sein Sohn Adolf Furter-Geissmann, der mit Lony Geissmann ('Zugführers') verheiratet war, übernahm in der Folge den Betrieb.
Das Kreuz war während vieler Jahre als gutes Speiserestaurant bekannt. Die Wirtschaft hatte stets einen guten Namen. Der Kreuz-Wirt durfte als Original bezeichnet werden. Er hatte immer einen guten Spruch bereit, wenn er die Kunden begrüsste.
Der Tellspielverein Hägglingen wurde in den Nachkriegsjahren im Gasthof Kreuz gegründet. Folgende Herren trafen sich, liessen sich vom Wirt überraschen und genossen den gespendeten 'Weissen'. Sechs an der Zahl waren es. Sie werden unvergesslich bleiben: Carl Moser, Gottfried Schmid, Martin Richner, Sepp Geissmann, Adolf Rüttimann und Adolf Furter.
Im Kreuz wurde vor vielen Jahren auch aktiv Politik betrieben - auch wenn nicht immer im Interesse der Bürgerschaft. Heute ist das nicht mehr der Fall.
Das Kreuz wurde nach dem Tod der Wirtsleute Furter, im Auftrag der Erbengemeinschaft von einigen Pächtern geführt. Die Metzgerei wurde aufgegeben und die Gebäulichkeiten und der Saal wurden abgebrochen. In der Folge verkaufte die Erbengemeinschaft das 'Kreuz' an die Familie Felder-Wyrsch. Während 15 Jahren wurde die Wirtschaft mit viel Herzblut von der ganzen Familie zum Wohle der Hägglinger Einwohner bewirtschaftet.
Im Jahre 2012 drohte mit der Schliessung des 'Kreuz' der Verlust der letzten und seinerzeitig noch einzigen Wirtschaft in Hägglingen. Eine Interessengruppe erwarb die Liegenschaft und setzt sich bis zum heutigen Tag für den Erhalt des traditionellen Wirthauses ein. Seit 2016 soll auch das Gasthaus zur Beherbergung von Gästen eine Renaissance erleben. Am 1. Juni 2016 wurde die Verantwortung für den Restaurant-Betrieb interimistisch Bea Haller anvertraut und seit dem 3. Mai 2017 hat nun Marino Giulio die Verantwortung dafür übernommen.