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Die Wohnüberbauung liegt im östlichen Teil des Broëlbergparks in einer Geländevertiefung zwischen dem alten Herrschaftshaus und einer Villa aus den 1950er-Jahren. Das winkelförmige Volumen reagiert mit unterschiedlichen Gebäudetiefen und Höhenstaffelungen differenziert auf die verschiedenen Gegebenheiten des Ortes – auf die Topografie, die umgebenden, mächtigen Baumgruppen und den Ausblick auf den See.
Die unterschiedlichen Qualitäten des Ortes spiegeln sich im Inneren in einer Vielfalt von Wohnungstypen. Die Kerne für die Erschliessungen, die Küchen und die Bäder sind durch die Statik und Installationen vorbestimmte, raumbildende Elemente. Sie strukturieren die Wohnflächen, die zusätzlich durch Leichtbauwände weiter unterteilt werden können und dadurch verschiedene Wohnvorstellungen ermöglichen – von der traditionellen Raumteilung bis zum offenen Grundriss, der lediglich durch Kerne und Schiebewände zoniert wird.
Die verglasten Loggien werden durch ihre enge Verbindung zu Küche und Wohnzimmer zu ‚zentralen‘ Räumen in den Wohnungen. Sie sind im Erdgeschoss mit Aussensitzplätzen und im Attikageschoss mit grossen Terrassen verbunden. Durch Verschiebungen im Grundriss sind alle Wohnungen mehrseitig orientiert. Die lichte Raumhöhe von 2,70 Meter, die grossen horizontalen Öffnungen mit Schiebefenstern und der durchgehende, dunkle und massive Parkettboden verleihen den Wohnungen Grosszügigkeit und Weite.
Der fugenlos gegossene, glatt geschalte Sichtbeton stärkt die volumetrische Präsenz des Gebäudes. Das Orangerot des mit Eisenoxyd eingefärbten Betons wirkt im Sommer komplementär zum satten Grün der Umgebung, während es im Winter mit dem Dunkelbraun der nackten Bäume harmoniert. Die Farbgebung wurde in enger Zusammenarbeit mit Harald F. Müller entwickelt. Die Fenster mit den dunkelbraun eloxierten Aluminiumrahmen tragen dazu bei, dass sich die Fassaden als Gitterstruktur oder als perforierte Wand lesen lassen.
Man betritt das Gebäude über eine langgezogene, sich verjüngende Eingangshalle und erreicht von dort aus die beiden Treppenaufgänge mit zugehörigen Liften. Die Aussenwand ist hier auch gegen den Innenraum eingefärbt und wird durch die aussen bündig gesetzten Fenster mit den inneren, in glänzendem Orangerot gestrichenen Metallzargen zusätzlich akzentuiert. Das Grün des Parks sowie das Orange der äusseren Wand rufen auf der gegenüberliegenden, glänzend lackierten Betonwand einen farbigen Widerschein hervor. Die Erschliessungshalle und die Treppenhäuser mit ihren Oberflächenverfeinerungen vermitteln zwischen dem farbigen Beton des Baukörpers und den weiss verputzten Räumen der Wohnungen. Abwechselnd in Wand und Decke eingelassene Leuchten ergänzen die Wirkung von Raum, Material, Farbe und Licht.
Das dem Herrenhaus Broëlberg zugehörige Areal, ein 5.7 Hektar grosses, parkartiges Grundstück im Übergang zur offenen Landschaft in der Gemeinde Kilchberg, war gemäss Zonenplan als Einfamilienhauszone ausgewiesen. Mittels eines Gestaltungsplans liess sich die geplante, flächendeckende Überbauung mit eingeschossigen Einfamilienhäusern in eine Bebauung umwandeln, die punktuell verdichtetes Wohnen vorsah. Ein Grossteil des Grundstücks kann auf diese Weise als parkähnliche Freifläche erhalten bleiben.
Sechs Orte wurden ausgewählt, an denen innerhalb klar definierter Mantellinien konzentrierte, volumetrisch unterschiedliche, dreigeschossige Gebäude mit verschiedenen Wohnkonzepten gebaut werden könnten; 1996 wurde Broëlberg I realisiert.
Die schöne Lage mit freiem Blick über den Zürichsee, in die Landschaft und auf das alte Dorf Kilchberg, aber auch die ortsüblichen Bodenpreise und die steuerlichen Vorteile der Gemeinde erforderten einen Wohnungsbau mit gehobenem Standard.
Drei Gebäudekörper werden mittels eines Sockelgeschosses, das hauptsächlich als Parkgarage genutzt wird, volumetrisch zu einem grossen Gebäudekomplex zusammengebunden. Das Dach der Einstellhalle bildet als erhöhter Hof oder Podium den Zugangsbereich zu den einzelnen Gebäuden. Zwei der Volumina beinhalten je vier Geschosswohnungen und eine grosszügige Attikawohnung; eines setzt sich aus vier Reihenhäusern zusammen. Die Wohnungen sind mehrheitlich so angelegt, dass Küchen und Essplätze zum Podium hin orientiert sind, während die Wohnzimmer mit ihren vorgelagerten Wintergärten wie auch die Schlafzimmer in Richtung Landschaft ausgerichtet sind.
Das Podium selbst, eine grosse, mit gegossenen Betonplatten, Glasbausteinelementen und Kies belegte Fläche, wird mittels pavillonartigen, sperrholzbeplankten Stahlgerüsten in einen öffentlichen Zugangsbereich sowie halbprivate Aussensitzplätze unterteilt.
Grosse Fenster, riesigen Augen gleich, thematisieren den eigentlichen Luxus der Wohnanlage – die wunderbare Sicht auf die Landschaft und über den See. Die Fenster sind ohne äussere Sprossung und Geländer ausgeführt. Ein breiter Aluminiumrahmen, ähnlich einer Edelstein-Fassung, verdeckt und integriert Rolladen, Führungsschienen und Fensterrahmen. Die freie Anordnung der geschosshohen öffnungen gibt einen Hinweis auf die verschiedenen Wohnungstypen. Die zurückversetzten, zu den Terrassen orientierten Fassaden der Attikageschosse sind gänzlich in Aluminium gehalten. Die Hauptfassaden hingegen bestehen aus Mauerwerk, Aussenisolation und einem feinen, gleichmässig eingefärbten Verputz, der gleich einer glatten Haut die Volumina umspannt.
Die äusseren Fassaden sind in einem dunklen Braunton gehalten, der die volumetrische Erscheinung verstärkt, und an die Farben von gepflügten Feldern, Baumstämmen und anonymen Landwirtschaftsgebäuden erinnert sowie nicht zuletzt auch auf den «weichen», organischen Fassadenaufbau verweist. Der Künstler Harald F. Müller hat diesen Braunton präzisiert und hat auf den zum Podium gerichteten, einander zugewandten Fassaden dem Braun einen hellen Orangeton gegenübergestellt, der einen intensiven Farbraum generiert. Der Orange- und der Braunton sind miteinander verwandt, ist doch das Braun eine dunklere Variante des Orange und das Orange eine hellere Ausführung des Braun. Beim Farbwechsel an den Gebäudekanten intensivieren sich die Farben gegenseitig, flächig eingesetzt divergieren sie jedoch stark in ihrer Wirkung. Das Braun wirkt ruhig, integrierend, natürlich, zurückhaltend, nobel – das Orange indessen schrill, künstlich, fremd und beglückend schön.
Zwischen den spiegelnden Gläsern, welche die Landschaft, die bauliche Umgebung und den Himmel reflektieren, und den matten, farbhaltigen Putzflächen mit ihren feinkörnigen Oberflächen entstehen Wechselwirkungen, die intensiv auf die unterschiedlichen Lichtstimmungen reagieren.