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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

4. Buch
17. Hätte man, wenn sich bei Jupiter die höchste Gewalt findet, die Victoria auch für eine Göttin halten sollen?
Aber vielleicht wendet man ein, daß Jupiter es sei, der die Göttin Victoria aussende, und daß sie, dem Winke des Götterkönigs gehorsam, zu denen stoße, die er ihr empfohlen, und sich auf deren Seite stelle. Das ist richtig; aber nicht von dem Jupiter, den man in willkürlicher Erfindung zum Götterkönig macht, sondern von dem wahren König der Welten gilt es, daß er zwar nicht die Victoria, die überhaupt nicht als Wesen existiert, wohl aber seinen Engel aussendet und Sieg gewährt, wem er will, wobei sein Ratschluß verborgen sein kann, nie aber ungerecht. Denn wenn der Sieg eine Göttin ist, warum ist nicht auch der Triumph ein Gott und mit Victoria verbunden als Gatte, Bruder oder Sohn? Unsere Gegner haben eben über die Götter Anschauungen, die sie, wenn die Dichter derlei fabelten und wir sie damit reizten, sofort als Erfindungen der Dichter bezeichnen würden, die man verlachen müsse, aber nicht auf die wirklichen Gottheiten übertragen dürfe; aber sie selbst verlachten sich nicht, als sie solch albernes Zeug in Tempeln verehrten, nicht etwa in den Dichtern lasen. Also hätten sie in allem Jupiter anrufen, zu ihm allein flehen sollen. Denn wohin er die Victoria gesandt hätte, sie hätte es, wenn sie eine Gottin ist und unter seiner Herrschaft steht, nicht wagen können, sich ihm zu widersetzen und ihren eigenen Willen gegen ihn durchzuführen.