Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03123.jsonl.gz/2237

Die Schlangen haben ihr eignes Reich und Recht; beleidigt man eine, so pfeift sie, und gleich kommt ihr ein ganzes Rudel zu Hilfe; ihre Königin hütet Schätze und ist meistens ein verwünschtes Fräulein. Wenn sie badet, legt sie vorher ihr Königskrönlein im Grase ab; kann man dies erwischen, so gedeiht einem alles. Die übrigen Schlangen schütten, ehe sie ins Wasser gehen, ihr Gift auf einem Ufersteine aus; nimmt man diesen der Weile weg, so müßen sie sterben.
So sah es der Schloßbauer auf Castelen. Er heuete mit seinen Knechten bei Veltheim auf der am Thalbache gelegenen Wiese, welcher von der Ruine herabkommt. Die Leute bemerkten, wie da eine Schlange eben ihr Gift auf einem Steine ablegte und dann ins Wasser kroch um zu baden. Heimlich schlich sich ein Knecht zu, nahm den Stein mit dem Gifte und goß es in die mitgebrachte Trinkflasche. Nicht lange gieng's, so hatte die Schlange ausgebadet und suchte nun am Ufer nach dem Gifte. Da sie es nicht mehr fand, sprang sie mehrmals hoch auf, plätscherte im Wasser umher und wurde kurz darauf todt mit hinabgeführt.
Band 2, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau, 1856, Seite 6
Kanton: Aargau
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.