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Giubiasco ist mit dem Zug schnell erreichbar: Fünf Minuten dauert die Fahrt ab Bellinzona, zwanzig Minuten ab Locarno. Und zehn Minuten ab Lugano, wenn ab 2021 der CeneriBasistunnel und das neue regionale Bahnnetz TILO in Betrieb ist. Die grosse Brache der ehemaligen Linoleumfabrik neben dem Bahnhof soll in Wohnraum umgenutzt werden. Dafür sind verschiedene Projektstudien im Gange; vorerst schlummert es noch und bietet Raum für Zwischennutzungen.
Zentrum des öffentlichen Lebens bilden aber nicht der Bahnhof, sondern das Borghetto und die Piazza Grande, zehn Gehminuten weiter entfernt. Diese steht der gleichnamigen Piazza in Locarno in nichts nach – abgesehen davon, dass hier im Gegensatz zu Locarno kein Filmfestival stattfindet. Die Piazza Grande von Giubiasco ist sicherlich der grösste öffentliche Platz im Tessin. Allein die Rasenfläche in der Mitte ist mehr als eine Hektare gross. Dabei ist Giubiasco mit knapp 9’000 Einwohnerinnen und Einwohnern kein grosser Ort und gehört seit der Fusion von 2017 zur Gemeinde Bellinzona. Wie kommt es, dass dort ein so weitläufiger öffentlicher Raum zu finden ist?
Ein aussergewöhnlicher Platz
Die Piazza Grande ist kein Platz im klassischen Sinn, der von Architekten oder Stadtplanern entworfen wurde. Anfänglich war der Platz eine freie Fläche, begrenzt durch Verkehrswege, die über Jahrhunderte entstanden sind und die verschiedenen Weiler des heutigen Giubiasco miteinander verbanden. Mit der Zeit entwickelte sich dieser Raum zu einem wichtigen Viehhandelsplatz. Seit dem 19. Jahrhundert wird die Piazza Grande durch die Kantonsstrasse zweigeteilt. Sie verbindet Bellinzona mit Locarno beziehungsweise Lugano und dient als Zubringerin zur Autobahn. Der kleine Spickel nördlich des grossen Kreisels (Kartemitte) ist dicht bebaut und dank Restaurants, Geschäften, Dienstleistungen und einem grossen Brunnen eher belebt. Der südliche Teil des Platzes dagegen ist eher ruhig und hauptsächlich von Wohnhäusern gesäumt. Bis vor Kurzem diente ein grosser Teil der Fläche als Parkplatz und war entsprechend wenig attraktiv.
Mobilität als Ausgangspunkt
Dann setzte im letzten Jahrhundert eine schrittweise Veränderung ein. Die Gemeinde Giubiasco liess den Richtplan Mobilität erstellen, um Alternativen zum Auto vorzuschlagen. Mit notabene fast 25’000 Fahrzeugen, die täglich den Kreisel der Piazza Grande passieren, ist der Ort besonders stark von Lärm- und Luftbelastung betroffen. Der Richtplan Mobilität deckt das gesamte Gemeindegebiet ab und will den Langsamverkehr fördern. Die Massnahmen wirken sich besonders auf den öffentlichen Raum aus: Verkehrsberuhigung, Geschwindigkeitsbeschränkung, Co-Working-Spaces, die Einrichtung von Radwegen und die Reduktion der Parkflächen. So wurden verschiedene öffentliche Räume im Zentrum zu gemütlichen Ecken umgestaltet, die zugleich dem Langsamverkehr mehr Raum zugestehen.
Die Realisierung erfolgte in Etappen über fast ein Vierteljahrhundert hinweg. Bereits 1995 erhielt der Fussverkehr durch die Umgestaltung der historischen Gotthardstrasse Via Rompeda mehr Raum. Dafür wurde die Gemeinde 1998 zum ersten Mal mit dem Innovationspreis «Sicher zu Fuss» ausgezeichnet. Bestärkt durch diesen Preis lud Giubiasco 1999 zu einem Wettbewerb für die Neugestaltung des Herzstücks der Gemeinde ein – der Piazza Grande. Gewinnerin war die Arbeitsgemeinschaft Brugnoli – Lucchini David Mariotta und Lorenzo Custer. Daraufhin lancierten die Ladenbesitzerinnen und -besitzer mit Unterstützung eines Teils der Bevölkerung ein Referendum. Sie befürchteten, Kundschaft zu verlieren mit der geplanten Einschränkung des direkten Strassenzugangs zu ihren Geschäften.
Etappenweise realisiert
Die erste Etappe dieser umfangreichen Neugestaltung des öffentlichen Raums wurde 2003 bis 2004 im nördlichen Teil der Piazza realisiert, wo sich die meisten Geschäfte und Dienstleistungen befinden. Der Verkehrsknoten zwischen der Kantonsstrasse und den Gemeindestrassen wurde mit einem neuen Kreisel komplett umgestaltet und aufgewertet. Seither plätschert auch ein Brunnen, und der Blick auf die Kirche ist frei. Für diese beispielhafte Gestaltung zugunsten des Fussverkehrs verlieh der Verband Fussverkehr Schweiz Giubiasco 2004 den «Flâneur d’Or».
Danach wurde von 2005 bis 2006 die Einkaufsstrasse des benachbarten Borghetto erfolgreich in eine Begegnungszone umgewandelt. Der Gemeinde war es wichtig, die Gewerbetreibenden mit Informationsabenden von Anfang an in diese zweite Etappe einzubeziehen. So entstand als Kompromisslösung die Begegnungszone (Tempo 20), in der – anders als in der reinen Fussgängerzone – die Koexistenz von Fuss- und Strassenverkehr erlaubt ist. Die Kompromisslösung überzeugte die Gewerbetreibenden schliesslich von der Neugestaltung und der Begegnungszone im Borghetto. Sie finanzierten den Bau eines Brunnens auf der Seite der Piazza Grande. Um die Bevölkerung zu animieren, sich öfter zu Fuss und mit dem Velo fortzubewegen, wurden Pläne verteilt, auf denen die Wegzeiten zwischen den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vermerkt waren. In Restaurants zierten entsprechend bedruckte Sets die Tische. In mehreren Wohnquartieren setzte die Gemeinde zudem verkehrsberuhigende Massnahmen um: Sie reduzierte die Flächen des motorisierten Verkehrs zugunsten des Langsamverkehrs und richtete Tempo-30-Zonen ein.
Ein aufgewerteter öffentlicher Raum
Nach einer vor allem finanziell bedingten mehrjährigen Pause nahm die Gemeinde Giubiasco die Arbeiten in den 2010er-Jahren wieder auf. Sie beauftragte den Architekten der ersten beiden Etappen, auch den höher gelegenen südlichen Teil der Piazza Grande, die Cima Piazza, neu zugestalten. Diese dritte und letzte Etappe, die in den letzten fünf Jahren realisiert wurde, markiert das Ende der Neugestaltung. Die südliche Spitze erhielt ein Rundum-Lifting. Die Parkflächen wurden massiv reduziert, um mehr Platz für den Langsamverkehr und für Restaurant-Terrassen zu schaffen. Zudem errichtete die Gemeinde einen Brunnen. Entlang der Ostseite des Platzes wurde ein Radweg eingerichtet, welcher die Quartiere im Süden der Piazza mit dem Borghetto und schliesslich mit dem Zentrum von Bellinzona verbindet.
Auf der Cima Piazza herrscht heute ein spezielles Ambiente, das etwas Friedliches und zugleich sehr Städtisches ausstrahlt. Das Quartier wird immer noch hauptsächlich zum Wohnen genutzt und ist relativ ruhig geblieben. Die kleinen, niedrigen Häuser zeugen von seiner ländlichen Vergangenheit. Zeitgleich hat sich der bauliche Bestand gewandelt und der Ort bietet heute ein attraktives, heiteres Bild. Die Passantinnen und Passanten sind nun nicht mehr auf die engen Trottoirs hinter den parkierten Autos verbannt, sondern eignen sich den gesamten neu gestalteten öffentlichen Raum an. Der Kontrast zwischen dem Quartier, das vor wenigen Jahren noch in einem desolaten Zustand war, und den heutigen sanierten Flächen – vom Strassenbelag bis zu den Häuserfassaden – ist frappant. Es herrscht eine gemütliche und gepflegte Atmosphäre, in der man sich wie zu Hause fühlt. Das bezeugt auch die einheimische Bevölkerung, die diesen Teil des Platzes liebevoll «Salotto» nennt – Wohnzimmer.
Private Investitionen
Für Andrea Bersani, den früheren Gemeindepräsidenten von Giubiasco und heutigen Vizegemeindepräsidenten von Bellinzona, haben sich die Arbeiten der öffentlichen Hand positiv auf die benachbarten privaten Liegenschaften ausgewirkt. Während der Neugestaltung wurden am südlichen Rand der Piazza verschiedene Gebäude renoviert, die sanierungsbedürftig oder am Verfallen waren. Dank dieser Veränderungen sind mehrere neue Wohnungen entstanden. Die Gemeinde verlieh dieser dynamischen Innenentwicklung zusätzlichen Schwung, indem sie die maximal zulässige Gebäudehöhe für diesen Sektor im Baureglement anhob.
Die Neugestaltung des öffentlichen Raums diente als Hebel, um private Investitionen auszulösen, die ansonsten vielleicht auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden wären. Die neuen Wohnungen stossen auf grosses Interesse. Laut Andrea Bersani besteht der Wunsch, im Zentrum zu wohnen und von den urbanen Qualitäten zu profitieren – ohne durch den Lärm von Bars oder Veranstaltungen gestört zu werden, wie er im Zentrum von Bellinzona vorkommen kann. Giubiasco und die Piazza Grande bieten eine ruhigere Atmosphäre, die für diese Personen ideal ist. Der Ort ist attraktiv. Dank der verbesserten Velowege und Busverbindungen lässt sich die Altstadt von Bellinzona sehr rasch erreichen. Es ist aber zu befürchten, dass dieses wiedererwachte Interesse am Wohnen in Giubiasco langfristig die Immobilienpreise nach oben treiben und gar eine gewisse Gentrifizierung des Viertels nach sich ziehen könnte.
Ein Palazzo wird zum Hotel
Der Palazzo Scalabrini ist ein markantes Gebäude am oberen Ende der Piazza Grande. In diesen historischen Mauern waren zuvor günstige Wohnungen untergebracht. Seit seinem Totalumbau beherbergt das Gebäude nun mit dem Hotel La Tureta das erste Viersterne-Haus in der Region (siehe Interview mit Bettina Doninelli, unten). Neben einem Restaurant im Erdgeschoss, das sich zum Platz hin öffnet, verfügt es über mehrere Seminarräume. Die Umnutzung leistet einen Beitrag zur höheren Nutzungsdichte dieses Sektors der Piazza Grande, in dem früher vorwiegend Wohnungen untergebracht waren.
Kommunales Aktionsprogramm
Die Arbeiten zur Umgestaltung der öffentlichen Räume im Zentrum von Giubiasco sind nun abgeschlossen. Jetzt liegt der Ball bei der erweiterten Gemeinde Bellinzona, die aus der Fusion von 13 Gemeinden, darunter Giubiasco, hervorgegangen ist. Die neue Stadt muss nun die Leitlinien für die künftige Siedlungsentwicklung festlegen. Gegenwärtig erarbeitet sie das kommunale Aktionsprogramm (PAC), das der Kanton Tessin von allen seinen Gemeinden verlangt. Dank dem PAC sollen die Behörden in einer Gesamtstrategie die Massnahmen definieren, mit denen sich die Innenentwicklung und eine qualitätsvolle Siedlungserneuerung realisieren lassen. Im vergangenen Oktober haben die Gemeindebehörden der Bevölkerung den Entwurf des PAC vorgestellt.
Langjähriges Engagement
In der Tessiner Gesellschaft hat das Auto heute noch einen sehr hohen Stellenwert, selbst in einem Ort wie Giubiasco, der mit der Bahn extrem gut erschlossen ist. Die Behörden der früheren Gemeinde Giubiasco brauchten deshalb einigen Mut, eine erhebliche Zahl von Parkplätzen aufzuheben, um dem Langsamverkehr mehr Platz zu geben und gleichzeitig den öffentlichen Raum aufzuwerten.
Durch diese vorbildliche Realisierung konnte ein hochwertiger urbaner öffentlicher Raum geschaffen werden, wo zuvor nur ein fragmentierter Restraum zwischen den Autos wahrzunehmen war. Ihr Erfolg zeigt sich unter anderem darin, dass sich die Einheimischen diesen neuen Raum weitgehend angeeignet haben. Heute wird Giubiasco, das früher für viele Touristinnen und Touristen ein weisser Fleck auf der Karte war, von diesen aufgesucht – nicht zuletzt dank dem Hotel, das parallel zur Neugestaltung der Piazza im Palazzo Scalabrini eingerichtet wurde. Dass dieses langjährige Projekt im heutigen Umfang realisiert werden konnte, ist sicherlich der bereits in den 1990erJahren entwickelten Mobilitätsstrategie und der Beharrlichkeit der beiden Gemeindepräsidenten zu verdanken: Mauro Dell’Ambroggio während der ersten Etappen und Andrea Bersani bis zur Fertigstellung der Umgestaltung.
Im Interview mit Bettina Doninelli
Weshalb haben Sie in den Umbau dieses historischen Palazzo, des Herrschaftshauses, auf der Piazza Grande investiert?
Mein Mann ist Architekt und suchte ein Haus für sein Büro. In Bellinzona war das nicht einfach. Dann bot sich die Gelegenheit, dieses Gebäude zu kaufen. Giubiasco ist heute ein Quartier von Bellinzona, das mit der Piazza Grande ein sehr belebtes Zentrum besitzt. Es ist über die Autobahn leicht erreichbar und gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen. Für ein im ganzen Kanton tätiges Büro ist dies ein strategischer Standort. Das Haus war früher ein Herrschaftssitz, der 1644 erbaut und später vergrössert wurde. In den letzten Jahrzehnten vor dem Umbau ist das Gebäude zunehmend heruntergekommen.
Und weshalb wollten Sie darin ein Hotel eröffnen?
Das Architekturbüro belegte nicht das gesamte Haus. Es stellte sich daher die Frage, wie der restliche Raum genutzt werden sollte. Anstatt Wohnungen einzurichten, hatte ich die Idee, im Haus ein Hotel mit Restaurant zu eröffnen. Ich habe immer in der Hotellerie gearbeitet und festgestellt, dass in der Region Bellinzona Hotels mit einem gewissen Charakter fehlen. Alles begann mit dieser etwas verrückten Idee. Nur wenige glaubten, dass ein solches Hotel hier realisiert werden könnte. In den Köpfen der einheimischen Bevölkerung war der Tourismus Bellinzona vorbehalten. Aber wir waren von dieser Chance überzeugt – und die Gemeinde hat unser Vorhaben positiv aufgenommen. Mein Mann und ich haben unsere beruflichen Erfahrungen und viele Jahre Arbeit, sprich unsere Begeisterung für unsere jeweiligen Berufe, in dieses Projekt investiert.
Welches waren die grössten Einschränkungen bei diesem Umbau?
Das Haus stand damals nicht unter Denkmalschutz. Es gab daher keine besonderen Einschränkungen. Wir haben das Projekt den Besonderheiten des Gebäudes angepasst. Im Verlauf der Arbeiten haben wir nach und nach wertvolle Elemente entdeckt, zum Beispiel die Steinwände in den Kellern, Wandmalereien oder die Kassettendecke in der Sala Nobile. Wir haben unser Projekt jeweils schrittweise angepasst, um diese Elemente in Wert zu setzen. Sie tragen heute zur Attraktivität des Hotels bei. Genau wie der kleine Turm, dem das Hotel seinen Namen verdankt: La Tureta. Wir bedauerten, dass wir vom Heimatschutz nicht mehr Unterstützung erhielten. Glücklicherweise konnten wir uns auf einen privaten Experten stützen, den wir engagiert hatten und der uns während der gesamten Arbeiten sehr professionell beraten hat. Er erfasste die Raumecken in Stratigrafien. So konnten bis zu sieben Malschichten aufgedeckt werden. Einige der alten Malereien konnten wir freilegen, andere sind immer noch verdeckt. Diese Entscheide waren nicht immer einfach, vor allem weil wir für sämtliche Arbeiten selbst aufkommen mussten. Für einen gut funktionierenden Hotelbetrieb brauchte es einen modernen Anbau. Da er hinten dem Haus in unauffälliger Lage realisiert wurde, konnte der historische Teil bewahrt werden.
Welche Gäste möchten Sie mit Ihrem Hotel und Restaurant ansprechen?
Bevor unser Hotel existierte, kamen keine Touristinnen und Touristen nach Giubiasco. Heute haben wir eine vielfältige Kundschaft: Geschäftsleute, die Sitzungen und Seminare abhalten, Touristinnen und Touristen, die auf der Durchreise eine Nacht hier verbringen. Oft besuchen sie bei dieser Gelegenheit auch die Schlösser. Es gibt auch Gäste, die Boutique-Hotels suchen. Sie entscheiden sich für unser Hotel, weil sie die Fotos sehen. Dann haben wir Gäste, die das Tessin besuchen und einige Tage bei uns bleiben, bevor sie in eine andere Region des Kantons weiterreisen. In den vier Jahren seit der Eröffnung konnten wir in diesen verschiedenen Segmenten einige Stammgäste gewinnen.
Profitiert auch die Bevölkerung in Giubiasco von diesem neuen Angebot?
Natürlich. Auch Leute aus der Umgebung kommen zu uns zum Essen, vor allem am Mittag, oder um etwas zu trinken. Es ist nicht immer einfach, den Standard eines Vier-Sterne-Hotels mit jenem einer Quartierbeiz unter einem Dach zu haben. Es darf nicht zu förmlich sein, weil sich die Einheimischen sonst ausgeschlossen fühlen könnten. Das wollen wir unbedingt vermeiden.
Was hat die jüngste Neugestaltung des öffentlichen Raums Ihrem Betrieb gebracht?
Wir haben die Piazza Grande von Anfang an, bereits in der Phase des Businessplans, als Mehrwert für unser Projekt betrachtet. Einige Arbeiten haben sich verzögert und wurden erst nach der Eröffnung des Hotels und Restaurants durchgeführt. Das brachte einige Unannehmlichkeiten mit sich, aber jetzt ist alles gelöst. Auf der Piazza Grande herrscht nun eine sehr schöne Atmosphäre, von der auch unser Betrieb profitiert. Wir konnten auch eine Aussenterrasse einrichten, welche unsere Gäste sehr schätzen und rege nutzen. Für uns ist das Restaurant ebenso wichtig wie der Hotelteil. Die beiden Geschäftsbereiche stützen sich gegenseitig. Die Piazza Grande ist immer noch typisch tessinerisch. Es wird Italienisch gesprochen, und es finden zahlreiche lokale Veranstaltungen statt. Das gefällt unseren Gästen sehr. Einige Gäste entdecken unser Hotel zufällig, wenn sie auf der Fahrt in die Ferien spontan hier Halt machen, weil sich unser Haus kurz nach der Autobahnausfahrt befindet. Oft sind sie überrascht von diesem typischen Charakter, den sie nicht erwartet haben. Und teilen uns das auch mit.
Wie sehen Sie heute die Zukunft?
Seit dem Ende des Lockdowns läuft das Geschäft wieder sehr gut. Seit Mitte Juni hat sich die Zahl der Übernachtungen im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr erhöht. Was in Zukunft geschehen wird, ist schwierig zu beurteilen. Das hängt von Faktoren ab, auf die wir keinen Einfluss haben. Wir hoffen, dass wir dank der guten Auslastung in den letzten Monaten neue Stammgäste gewinnen und uns einem noch grösseren Kreis potenzieller Kundinnen und Kunden bekannt machen konnten. Aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen haben sich die Gewohnheiten im Tourismus verändert. Das hat einen bestehenden Trend verstärkt. Wir glauben, dass er sich in den kommenden Jahren fortsetzen wird.
Hat die Gemeinde Sie bei diesem Abenteuer unterstützt?
Die Gemeinde war unserem Vorhaben gegenüber immer sehr aufgeschlossen. Wir haben nie eine besondere Unterstützung erwartet. Eine grössere Unterstützung als die Aufwertung des urbanen Umfelds kann eine Gemeinde einem Betrieb wie dem unserem nicht bieten. Das Projekt zur Neugestaltung der
Piazza Grande existierte bereits vor dem Start unseres Hotels und war für uns eine zusätzliche Motivation. Seine Realisierung war eine wichtige Stütze. Besonders schätzen wir, dass die Gemeinde trotz der Umgestaltung des Platzes einige Parkplätze in der Nähe unseres Hotels belassen hat. Für uns ist das sehr wichtig, weil ein Teil unserer Gäste mit dem Auto unterwegs ist. In der Fussgängerzone von Bellinzona ist das nicht mehr möglich.
Was ist Ihrer Meinung nach der Erfolgsfaktor Ihres Projekts?
Entscheidend sind die historischen und architektonischen Besonderheiten des Hauses, die Art und Weise seiner Restaurierung und der Komfort, den wir bieten können. Hinzu kommen die Professionalität und Freundlichkeit des Personals, welches gemäss der Betriebsphilosophie neben der Umgebungsqualität eine wichtige Rolle spielt.
Und für die Neugestaltung der Piazza Grande?
Ich glaube, dass die Eröffnung dieses Hotels an der Piazza Grande ein wichtiger Erfolgsfaktor für diese städtische Erneuerung war. Ohne unser Hotel und Restaurant wäre der Platz sicherlich nicht so belebt. Damit ein öffentlicher Raum lebendig und von der Bevölkerung geschätzt wird, sind die Veranstaltungen im Erdgeschoss wichtig. Die Piazza und unser Hotel werten sich gegenseitig auf.
Interview: Fabio Giacomazzi und Alain Beuret, EspaceSuisse