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Um 1900 breitete sich in ganz Europa ein neuer Kunst- und Architekturstil aus, der sich sowohl gegen den wenig innovativen Historismus als auch die kalte Industriemoderne positionierte. Ob als Jugendstil, Art nouveau oder Arts & Crafts – überall war man auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten in der Moderne. Die geschwungenen Linien und Ornamente orientierten sich meist an Vorbildern in der Natur wie Pflanzen und Tiere, aber auch geometrische Formen und Wellenbewegungen waren häufig verwendete Motive.
In Katalonien wurde diese Bewegung Modernisme genannt. Als einer der Hauptvertreter ist Antoni Gaudí (1852-1926) zu nennen. Seine Gebäude gehören heute vor allem in Barcelona zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten. Die ornamentalen Verzierungen erinnern an die Wiener Secession oder die Darmstädter Künstlerkolonie. Wenn man die Sagrada Família betritt, könnte man sich auch in einen nie gebauten Tempel von Fidus versetzt fühlen. Die organische Architektur erinnert aber auch an das Goetheanum in Dornach. Noch deutlicher werden die Verbindungen bei den Möbeln und kunstgewerblichen Produkten: Das kleine Museu del Modernisme Català unweit der Passeig de Gràcia bietet einen schönen Einblick in diese Arbeiten.
Antoni Gaudí trank keinen Alkohol und war strikter Vegetarier. Vor allem in späteren Jahren pflegte er eine Lebensweise, die den Idealen der Lebensreformbewegung entsprach. Es gibt sogar Hinweise, dass sich Gaudí mit den Schriften des deutschen Naturheilers Sebastian Kneipp (1821-1897) beschäftigte.