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Bild
Titel:
Bibelschule als Flüchtlingszentrum
Thema: Politik
Datum: --.--.1999
Masse: 18 x 21 cm
Standort: Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, D.028-12-05
Urheber/-in: Amt für Bevölkerungsschutz
Beschreibung:
Die wohl im August 1999 entstandene Fotografie zeigt das Haupthaus der als provisorisches Aufnahmezentrum dienenden ehemaligen Bibelschule Sonnenberg in Walzenhausen. Während rund eines Jahres beherbergten zwei gemietete Wohn- und Schulgebäude im Sonnenberg Flüchtlinge aus dem Kosovo. Zum Betrieb des eine Kapazität von 40 Personen aufweisenden Aufnahmezentrums wurden 600 Stellenprozente bewilligt, womit eine Betreuung rund um die Uhr gewährleistet werden konnte. Zu den Gästen auf Zeit gehörten neben etlichen jungen Männern auch einige Familien, deren Kinder im Pestalozzi-Kinderdorf die Schule besuchen konnten.
Nachdem bereits am 29. Juni 1999 ein Informationsabend für die Bevölkerung von Walzenhausen stattgefunden hatte, brachte das Gemeindeblatt „Treffpunkt“ im Oktober 1999 eine erste Reportage. Darin wurde ausgehend von einem Gespräch mit Zentrumsleiter Alex Künzler über den Alltag im Sonnenberg berichtet und insbesondere auch über die vom Kanton angebotenen Beschäftigungsprogramme sowie die strikt einzuhaltende Hausordnung informiert.
Geschichte:
In den Jahren 1998/1999 wurde die damals noch zu Serbien gehörende Provinz Kosovo von Kriegshandlungen heimgesucht. Die erste Phase war durch innerstaatliche Auseinandersetzungen zwischen der „Befreiungsarmee des Kosovo“ (UCK) und Ordnungskräften der auseinander brechenden Bundesrepublik Jugoslawien geprägt; die zweite Phase war von zwischenstaatlichen Konflikten und insbesondere von NATO-Luftangriffen geprägt. Der Kosovo-Konflikt löste eine grosse Flüchtlingsbewegung aus; allein in der Schweiz zählte man 1999 rund 50‘000 Asylsuchende.
Am 13. April 1999 setzte der ausserrhodische Regierungsrat in Erwartung von rund 500 Neuzuweisungen kosovarischer Flüchtlinge eine Arbeitsgruppe ein, die umgehend für die Bereitstellung von drei provisorischen Aufnahmezentren sorgte. Im Sommer 1999 standen Unterkünfte im Phyteia-Gebäude in Herisau, im Pestalozzidorf in Trogen sowie in der ehemaligen Bibelschule in Walzenhausen bereit. Im August 1999 hielten sich diesen drei Aufnahmezentren insgesamt 91 Asylsuchende auf, während zugleich weitere 55 Personen in den beiden ordentlichen Zentren Krombach-Herisau und Alpenblick-Lutzenberg sowie 310 Asylsuchende auf Unterkünfte in den Gemeinden und Kantonen verteilt waren. Führender Kopf bei Planung und Umsetzung war Hans Saxer, Stabschef des kantonalen Führungsstabs und Leiter des Amtes für Militär und Bevölkerungsschutz. Um die Lage in Kosovo persönlich kennen zu lernen, unternahm er im Oktober 2000 als Mitglied einer Kleingruppe eine Flugreise nach Pristina. Zur Unterstützung vor Ort wurde sodann im Frühjahr 2001 auf seine Initiative hin der von ihm präsidierte „Appenzellische Verein für Direkthilfe in Oststaaten“ gegründet. Dessen erste mit privaten und staatlichen Mitteln finanzierte Hilfsaktion war der Bau einer Solaranlage für das Spital in Giakovë, das Hans Saxer anlässlich seiner Kosovo-Reise besucht hatte.
Autor: Peter Witschi, Herisau
Literatur:
Adler, Jasna: Kosovo. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).Version vom 02.12.2008. http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D47846.php, (19.06.2014).
Saxer, Hans: Welcome to Pristina. In: Saiten – Ostschweizer Kulturmagazin, Februar 2001, S. 32-33.
StAAR, D.28-12 Projekt Aufnahme von Flüchtlingen 1999/2000.
Treffpunkt – Informationsmagazin für Walzenhausen Nr. 5/99, Oktober 1999.
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