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fg. Im Juli und August 2015 machten die europäischen Medien ihre Leser auf den Kurs der Schanghaier Aktienbörse, den Shanghai Composite, aufmerksam, der um 40 % gesunken war. Ab Dezember sank dieser Aktienindex weiter. Die täglichen Börsensitzungen mussten wiederholt abgebrochen werden, da die Kurse je um 5 oder 7 % abgesackt waren. Trotz dieser Rückgänge blieb das bisherige Niveau des Aktienindexes ungefähr dasselbe wie Ende 2014.
Diese scheinbare Stabilität wurde allerdings teuer bezahlt. Im Auftrag des Staates wurden grosse Wertschriftenkäufe am Aktienmarkt getätigt, während unter anderem den Pensionskassen verboten wurde, sich in ihren Portfolios befindende Titel – oft im freien Fall – zu verkaufen. Die Zentralbank senkte ihren Leitzins. Kurz: Es wurde in Panik gehandelt und manipuliert … wie im Westen während und nach dem grossen Börsencrash von 2007/2008.
Es sei aber darauf hingewiesen, dass eine solche Entwicklung für die reale chinesische Volkswirtschaft (Veränderung des Bruttoinlandprodukts BIP zu konstanten Preisen in %) weniger schlimm ist, als sie es gegebenenfalls für die amerikanische wäre, da der Durchschnittschinese im Gegensatz zum Amerikaner kaum Aktien besitzt. Ein Vergleich des Besitzstandes der «Eliten» würde allerdings zu einem anderen Bild führen, gibt es doch im chinesischen Politbüro mehr Milliardäre als im amerikanischen Kongress1.
Wie sieht die reale Entwicklung der Volkswirtschaften aus? Nachdem das BIP Chinas 2005 um mehr als 14 % gestiegen war und damit einen Gipfel erreicht hatte, betrug sein Wachstum im Jahre 2015 6 %. Diese scheinbar katastrophale Rate von letztem Jahr muss jedoch mit jenen der Vereinigten Staaten und Deutschland sowie mit jenem der gesamten Welt verglichen werden, die alle unter 4 % lagen.
Wenn die Korruption – wie behauptet wird – eine gewisse Rolle in der chinesischen Entwicklung spielt, darf nicht vergessen werden, dass sich China in einem grossen und langfristigen Wandlungsprozess befindet, und zwar von der Plan- zur Marktwirtschaft. Früher wurden der Export sowie die Investition und die Produktivität besonders gefördert; weil der Betrag der Investitionen sehr hoch war – was in einer Industrialisierungsphase normal ist – und es an Produktivitätsgewinnen mangelte, entstand nun seit der Weltfinanzkrise 2007/2008 eine riesige Verschuldung. Von 2007 bis Mitte 2014 kletterte diese Verschuldung von 7 bis 28 Billion US-Dollar2, das heisst auf 282 % des BIP; sie stieg also mehr als die Verschuldung Deutschlands und der Vereinigten Staaten zusammen. Gesamtwirtschaftlich muss natürlich berücksichtigt werden, dass die grossen positiven Vermögenswerte Chinas im Ausland gegenüber der Verschuldung verrechnet werden müssen. Um der explosiven Entwicklung der Verschuldung entgegenzuwirken, hat China das Hauptgewicht auf den Konsum und auf die Gesundheits- und Erziehungsdienstleistungen gelegt. Zusätzlich sollten die Steuerzahler durch höhere Einkommenssteuersätze überzeugt werden, weniger zu sparen. Ob es wirklich wirkt? Oder werden Chinesen ihr Vermögen ins Ausland transferieren?
Die wirtschaftliche Zukunft Chinas hängt von der Wahl der richtigen Strategie ab und wie sie plausibel der Bevölkerung vermittelt werden kann. Es wäre China sehr zu wünschen, dass dabei eine weitere Vergrösserung des bereits riesigen Abstands zwischen arm und reich – wie wir es ja auch im Westen erleben – vermieden werden kann. •
1 F. William Engdahl. China in Gefahr. Kopp Verlag 2014, S. 281 i.i.
2 http://www.investopedia.com/articles/forex/091115/chinas-economy-transition-sustainable-growth.asp; S. 2
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