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Pardo d’oro
A LAND IMAGINED von YEO Siew Hua, Singapur / Frankreich / Niederlande
Dieses Wintermärchen schickt sich an, ins emotionale Innere der rechtsextremen Terror-Gruppe «Nationalsozialistischer Untergrund» NSU vorzudringen. Beate Zschäpe und ihre zwei Komplizen heissen hier Becky, Tommi und Maik. Sie bilden eine kaputte Micro-Kommune mit einer dumpf und unklar definierten Mission.
Wenn die drei nicht gerade mit spontanen Dominanz- und Unterwerfungsritualen gegen Libido-Verlust ankämpfen oder sich volllaufen lassen, ziehen sie punktuell los, um «Ausländer» umzubringen. „Locarno 18: WINTERMÄRCHEN von Jan Bonny (Wettbewerb)“ weiterlesen
Younghwan ist ein alternder Dichter, der seine Frau und seine zwei Söhne schon vor vielen Jahren verlassen hat. Nun bestellt er die Brüder in das Hotel am Fluss, in dem er ein paar Wintertage verbringt, eingeladen vom Hotelier. Youngwhan hat das unbestimmte Gefühl, seine Tage seien gezählt.
Gleichzeitig lässt sich in einem Zimmer auf dem gleichen Stock eine junge Frau von ihrer besten Freundin trösten, weil sie von ihrem Freund abserviert wurde. „Locarno 18: Gangbyun (Hotel by the River) von Hong Sangsoo“ weiterlesen
«Eigentlich sind wir demnach jetzt in Malaysia!» meint die junge Frau zu Wang. Die beiden liegen auf dem Sand am Meer in Singapur, am Rande einer riesigen Landgewinnungsbaustelle.
Wang Bi, ein chinesischer Arbeiter, der für eine dieser Baustellen Lastwagen fährt, hat ihr erklärt, dass der benötigte Sand für den Ausbau der Singapurer Landzone von überall komme. Er werde in Malaysia angekauft, in Kambodscha, in Vietnam, zum Teil wohl auf dem Schwarzmarkt. „Locarno 18: A LAND IMAGINED von Yeo Siew Hua (Wettbewerb)“ weiterlesen
Junge Liebe in einem entvölkerten Bergtal im Libanon. Die Idee ist ungewöhnlich. Statt Niedergang zu beklagen, zeigt dieser Film den Alltag einer jungen Frau und ihrer Grossmutter, mit den Tieren um ihr Haus herum und dann diesem jungen Mann, der plötzlich auftaucht.
Yara ist ein Spielfilm, das Werk eines einzigen Mannes. Abbas Fahdel zeichnet für Regie, Produktion, Kamera, Montage, Ton und Drehbuch. „Locarno 18: YARA von Abbas Fahdel (Wettbewerb)“ weiterlesen
Der Filmtitel M ist definiert. So hiess der Thriller von 1931 von Fritz Lang, in dem Peter Lorre jenen Kindsmörder und Triebtäter spielte, den schliesslich sogar die Unterwelt jagte.
Yolande Zaubermans M ist ein Dokumentarfilm, die zentrale Figur ist Menahem Lang, fünfundreissig Jahre alt. Er ist im Zentrum des orthodoxen Judentums aufgewachsen und wurde als Kind immer wieder vergewaltigt. Von seinen Lehrern, von Vertrauten. „Locarno 18: M von Yolande Zauberman (Wettbewerb)“ weiterlesen
Der Glaubenberg ist keiner. Kein Berg. Sondern ein Pass. Aber wenn der Glauben Berge versetzen könnte, dann wäre es Lena wohl gelungen.
Lena liebt ihren wenig älteren Bruder Noah. Schon immer. Schon damals, als die Kinder auf dem Glaubenberg-Pass spielten. Und jetzt, als Siebzehnjährige, liebt sie ihn rasend, unaufhaltsam, unnachgiebig. „Locarno 18: GLAUBENBERG von Thomas Imbach (Wettbewerb)“ weiterlesen
«C’est compliqué» meint Pauline, als Galina, das Ferienmädchen aus Russland, sie fragt, ob sie verliebt sei. «Non, c’est simple» widerspricht Galina. «You are in love – or you are not».
Die drei Sätze bringen jedes Melodram auf den Punkt, jede Dreiecksgeschichte, jeden umgepflügten Lebensentwurf. „Locarno 18: LE VENT TOURNE von Bettina Oberli (Piazza Grande)“ weiterlesen
Ray schenkt sich sein Glas immer voll, bis knapp unter den Rand. Auch mit zitternden Händen, auch wenn er dreimal ansetzen muss, um die Plastikflasche mit dem billigen Heimgebräu leer zu kriegen.
Früher hat er auch die Teetasse für seine Frau Liz genau so knapp unter den Rand gefüllt. Ihre zwei Süsswürfel hatten allerdings doch noch Platz. „Locarno 18: RAY AND LIZ von Richard Billingham (Wettbewerb)“ weiterlesen
Guillaume (Théodore Pellerin) und Charlotte (Noée Abita) sind Geschwister. Er ist im Internat, sie wohnt beim Vater und der Stiefmutter. Aber beide treibt die Liebe um. Und beide finden sich zuweilen in einer überraschend zynischen Umwelt.
Bei Guillaume ist es vor allem der Geschichtslehrer Pellerin, der seine Klasse mit einer ironischen, mitunter auch zynischen und ziemlich schonungslos auf einzelne Schüler zielenden Direktheit fasziniert und bisweilen auch aufmischt. „Locarno 18: GENÈSE von Philippe Lesage (Wettbewerb)“ weiterlesen