Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03638.jsonl.gz/162

20. Jahrhundert
Historiker zeichneten die mittelalterlichen Walserwanderungen nach, die Menschen aus dem Wallis in alle Himmelsrichtungen verschlugen; sie suchten nach deren Ursachen und beschäftigten sich mit der Ansiedlungspolitik. Die Sprachwissenschaft konnte nachweisen, dass es auch 750 Jahre nach den Walserwanderungen noch Sprachmerkmale gibt, welche die Nachkommen der Ausgewanderten, mit den Wallisern verbinden. Die Erforschung des Walserdeutschen ist eng verknüpft mit den Namen Manfred Szadrowsky, Rudolf Hotzenhöcherle, Paul Zinsli und Fritz Gysling.
20. Jahrhundert
Ab 1970 rückte die Walserfrage auch ins Blickfeld der italienischen Forschung. Grosse Verdienste hat sich der Mailänder Historiker Enrico Rizzi u. a. mit seinen Recherchen in italienischen Archiven erworben, deren Resultate er in verschiedenen Publikationen veröffentlichte. Rizzi konnte nachzuweisen, dass die Walserkolonisation im 13. Jahrhundert zunächst fast immer nur über die Auswanderung einzelner Personen oder Familien ablief, die massgeblich von den italienischen Feudalherren in Piemont und im Wallis sowie von den mit Ländereien begüterten Klöstern initiiert und gefördert wurde, wobei als besonderer Anreiz das bereits erwähnte «Walserrechts» lockte.
2002 veröffentlichte Johannes Führer die äusserst interessante Dissertation «Die Südwalser im 20. Jahrhundert: Transformation, Assimilation und Affirmation der Walser im Aostatal, im Piemont, im Tessin und im Wallis», die ? kurz gesagt ? den Schwund des Walserdeutschen und der Walseridentität behandelt., und 2003 legte Max Waibel unter dem Titel «Unterwegs zu den Walsern in der Schweiz, in Italien, Frankreich, Liechtenstein Vorarlberg und dem Tirol» eine kurz gefasste Gesamtdarstellung mit dem Charakter eines Reiseführers vor.
Das Thema Walser ist - abgesehen von einigen sprachlichen Aspekten - weitgehend ausgeschöpft. Während in den italienischen Walsersiedlungen der Sprachwechsel vom Deutschen zum Italienischen weitgehend vollzogen ist, ist nördlich des Alpenkamms ein Sprachwandel im Gang, dem nachzugehen sich bestimmt lohnt.