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Zum Glück hatten die Renegades bereits 1986 die erste Junioren-Mannschaft der Schweiz gegründet, denn während es dem Renegades-First Team in den 90ern nicht recht
laufen wollte, räumten die Junioren ab. Lies hier, wie die Junioren fünf Meistertitel eroberten und die Senioren sich aufrappelten.
Text: Michael Perricone
Für die Saison 1993 holten die Renegades erstmals Coaches aus den USA. Das Vorbild der eigenen Junioren vor
Augen, wollte man auch mit der ersten Mannschaft wieder zur Spitze vorstossen, schliesslich feierte man das zehnjährige Jubiläum. Aber der Wille genügte nicht - die Renegades erlebten eine
schwarze Saison, gewannen kein einziges Spiel und entliessen nach einem Eklat während eines Spieles die beiden US-Coaches Knall auf Fall. Als Letztplatzierter mussten die Zürcher im
Relegationsspiel gegen den B-Meister antreten und verloren gegen die Bienna Jets. Ausgerechnet zu ihrem 10. Geburtstag mussten die Renegades zum ersten Mal aus sportlichen Gründen
absteigen. Doch die Zürcher hatten Glück im Unglück und profitierten von der kurzzeitigen Baisse, welche die Schweizer Footballszene durchlief: Die A- und
B-Ligen wurden zusammengelegt, die Renegades konnten nicht mehr absteigen.
Wenigstens konnte sich der Verein freuen über den immensen Erfolg der Junioren: Die ganze Saison hindurch dominierten die Junioren auf beeindruckende Weise: Kein einziges Liga-Spiel ging verloren!
Logisch, dass 1993 nach 1992 auch der zweite Junioren-Titel nach Zürich ging.
1994 sollte mit einem neuen Coachingstaff alles anders werden: Die erste Mannschaft und die Junioren
trainierten in der Pre-Season gemeinsam an ihrer Technik und Kondition. Alte Fehler sollten ausgemerzt werden. Und die Bemühungen und Konsistenz wurden belohnt: Im zweiten Spiel errang das First
Team erstmals nach über einem Jahr wieder einen Liga-Sieg. Als Gruppendritter qualifizierten sich die Renegades nach langer Abstinenz endlich wieder für die Playoffs, wo dann der Viertelfinal
gegen die die St. Gallen Raiders verloren ging. Der 5. Schlussrang in der Meisterschaft war für die Renegades jedoch ein Erfolg.
Nach dem zweiten Titelgewinn der Junioren mussten 1994 viele Spieler altersbedingt das Team verlassen. Die Juniorenmannschaft schrumpfte, doch neue Spieler ermöglichten ein Kader von 25 Mann. Es war klar, dass dieses so junge und unerfahrene Team es schwer haben würde, an die Erfolge der letzten Jahre anzuknüpfen. Deshalb legte das Coachingstaff das Schwergewicht der Saison auf Teamgeist, gute Grundtechnik und das Sammeln von Erfahrungen. Der 6. Schlussrang war keine Enttäuschung für die Junioren, sondern Resultat einer grundlegenden Erneuerung.
1995 wurde für die Renegades auch nicht das lang ersehnte Jahr. Zwar erreichte man unter einem wiederum neuen Coaching die Playoffs, doch wieder war im Viertelfinal Schluss und man beendete die Saison auf dem 6. Rang. Vielen Spielern war das nicht genug, die Aufbauphase zu lange und etliche verliessen mangels Motivation das Team. Durch den Abgang erfahrener Spieler entstanden grosse Lücken, doch viele der 35 Spieler standen als ehemalige Junioren erst vor ihrer zweiten A-Liga-Saison. Auch bei den Renegades-Junioren fehlte der Wille, die Aufbauarbeit mit positivem Blick in die Zukunft durchzustehen und so erreichte man nur den 5. Rang, deutlich unter dem gesteckten Ziel.
1996 dann setzten die Renegades wieder sportliche Akzente, blieben stabil und setzten sich im Mittelfeld der
A-Liga fest. Doch wieder änderte der Verband den Spielmodus, weswegen sich die Zürcher plötzlich in einem Relegationsspiel um den Ligaerhalt wiederfanden. Enormer Kampfeswille führte sie aber zu
einem Sieg gegen die Bienna Jets, jenem Team, dass die Renegades 1993 in die B-Liga schickte.
Anders verlief das Jahr bei den Junioren: Hier zahlte sich die Aufbauarbeit trotz dem Verlust etlicher Spieler im Vorjahr aus. Man stand nach 1993 erstmals wieder im Final! Dass dieser gegen die Seaside Merlins verloren ging, vermieste zwar den krönenden Saisonabschluss, aber wenigstens mit einem Team gehörte der Verein wieder zur Schweizer Spitze.
Auch 1997 gelang dem First Team der Renegades der entscheidende Schritt nach ganz vorne nicht: Zwar starteten
die Spieler mit grossem Optimismus in die Saison, befeuert durch die Verpflichtung eines High-School-Coaches. Doch der guten Ausgangslage konnte nicht entsprochen werden. Mitten in der Saison
verabschiedete sich der Coach, Enttäuschung machte sich breit. Ehemalige Renegades übernahmen voller Elan vorübergehend das Coaching, doch am Ende schaute nur der 5. Schlussrang heraus.
Anders wiederum die Junioren: Bei 9 von 9 Spielen gingen die Renegades als Sieger vom Patz und schlossen die Saison mit einem Punkteverhältnis von 279:64 - belohnt wurde der Verein mit dem dritten Junioren-Titel (nach 1992 und 1993). Die Renegades stellten nun auch einen Großteil des Nationalen Junioren-Kaders.
Nicht viel anders als die NFL kennt auch die Schweizer Football-Szene einen Wechsel von dominanten Teams: Einige Teams gaben nach vielen Jahren ganz auf oder fusionierten, wie die Basilisk Meanmachine. Nicht so die Renegades. Seit Ende der 80er Jahre der älteste Club der Schweiz, konnte das First Team in den 90er Jahren zwar nicht an die Erfolge der Gründerzeit anknüpfen - aber der Club gab eben auch nie auf und „Stand seinen Mann“, auch dank der Pionierarbeit mit dem eigenen Nachwuchs, den Junioren.
Man kann die 90er-Jahre in der Vereinsgeschichte gut und gerne als das Jahrzehnt der Junioren bezeichnen, denn 1998 folgte nach einem wiederum dominanten Jahr nicht nur der vierte Junioren-Schweizermeister-Titel (gegen die Berner Grizzlies), sondern die Juniorenarbeit sorgte auch für das Überleben des First Team: Dieses blutete in den weniger erfolgreichen 90er Jahren regelrecht aus und 1998 verliessen auch die letzten langjährigen Spieler das First Team, das nur dank nachrückenden Junioren überhaupt noch antreten konnte. Und wie: Mit dem 4. Schlussrang erreichte ein äusserst junges Team die beste A-Liga-Platzierung seit 1991.
1999 schloss das First Team wiederum im Mittelfeld der A-Liga, Platz fünf war es diesmal.
Damit gelang während einem ganzen Jahrzehnt nicht mehr, was in den Anfangsjahren der Liga 1986-1988 eine Selbstverständlichkeit war: Dass die Renegades an der Spitze der Liga
mitspielen.
Diesen Part übernahmen in den 90ern die Junioren: Auch 1999 war die Finalteilnahme zum vierten Mal in Folge eine Selbstverständlichkeit, dies nach einer wiederum dominanten Saison. Aber ähnlich wie beim First Team in den 80ern stellte sich auch bei den Junioren eine satte Genügsamkeit ein (die Spiele gewann man mühelos - zu mühelos). Die Junioren verstolperten das Halbfinalspiel gegen die Berner Grizzlies und vergaben in der Verlängerung das Triumvirat, den dritten Meistertitel in Folge.
Das Jahr 2000 brachte die Renegades auch in der A-Liga endlich wieder dahin zurück, wo sie gestartet hatten: An die Spitze. Wichtig dabei war Konstanz. Die vielen Wechsel im Coachingstaff gehörten vorerst der Vergangenheit an, fast das ganze Staff machte 2000 weiter, das Team war nach vielen Abgängen Ende der 90er Jahre rundum erneuert und die Konstanz im Coaching brachte auch ein immer ausgefeilteres Spielsystem statt ein einem stetig wechselnden mit sich. Dazu konnte sich das Kader auch dank Zugängen aus anderen Teams verstärken. Und last but not least: Die Motivation im Team war zurück, die Trainings wurden wieder regelmässig und gut besucht, sodass das Coachingstaff auch wirklich ein Spielsystem implementieren und Routine trainieren konnte.
In der erfolgreichen Season 2000 gelang dann ein Sieg gegen die in den letzten Jahren dominanten Seaside
Vipers und damit war das Zeichen gesetzt: The Renegades were back! Das Selbstvertrauen auch. Die Zürcher erkämpften sich erstmals seit 12 Jahren (1988) einen Finalplatz. Zwar ging der Final
verloren (Seaside Vipers), aber die Sorgen der 90er Jahren waren fürs erste überwunden.
Dasselbe galt auch für die Junioren: Nachdem man 1999 „nur“ den zweiten Rang erreichte, errang der
Nachwuchs nun den fünften Meisterschaftstitel - und dies mit einem beeindruckenden Punkteverhältnis von 417:27.
So also startete der Verein mit seinem bisher insgesamt erfolgreichsten Jahr ins neue Jahrzehnt.
Das Zeichen also war gesetzt - die Renegades waren auch mit dem First Team zurück an der Spitze. Und wie! 2001
holten die Zürcher nach 1987 und 1988 den dritten Schweizer-Meistertitel der nach Zürich, dahin, wo er hingehört. Allerdings marschierte das Team nicht einfach durch durch die neue 12er-Liga (A
und B wurden zusammen gelegt): Das Viertefinal gegen die Berner Grizzlies ging zwar noch klar an die Renegades, aber im Halbfinal waren die Bienna Jets ein harziger Gegner. Im Final konnte das
Fusionsteam aus Basel (Meanmachine und Gladiators) dann geschlagen werden.
Etwas eingetrübt wurde das Jubeljahr durch das ungewohnt mittelmässige Abschneiden der Junioren. Mangel in der Organisation führten sogar dazu, dass die Junioren die Playoffs verpassten und nur auf Rang fünf abschlossen.
Eine Auswahl von Renegades-Junioren formierte sich 2001 übrigens zu einem Schweizer All-Stars-Team und nahm an der Ambassador-Bowl statt. Es spielten Teams aus ganz Europa gegen US-Mannschaften. Zwar verloren die Europäer alle Partien, die Swiss All-Stars jedoch konnten das am wenigsten schlechte Punkteverhältnis erringen.
2001 begann der Verein auch, sein erstes Flag-Football-Team aufzubauen - die Tomahawks, in Anlehnung an unsere Club-Signet. Ziel war es, künftig an der Flag-Football-Meisterschaft in der Schweiz teilzunehmen und ansprechen wollte man Jungs und Mädchen im Alter von 10 bis 16 Jahren. Nicht nur ein wichtiger Schritt zur Verankerung des Vereins als grosser Sport-Club, sondern auch ein Schritt hin zu einer konsequenten Nachwuchsförderung.
2002 wurde für das First Team zur „Perfect Season“: Durch den Erfolg angelockt, fanden einige ehemalige
Spieler zurück ins Kader. Zum zweiten Mal reisten die Renegades in ein Vorbereitungs-Camp, diesmal nach Kempten/D. Es folgte eine Glanzsaison für die Zürcher mit einem durchschnittlichen
Punktescoring von 42:4 und keiner einzigen Niederlage, jedes zweite Spiel mussten die Gegner punktelos vom Feld ziehen. Den lange Jahre ebenbürtigen Gegner Bienna Jets deklassierten die Renegades
in den Playoffs mit 55:0 und die vormals dominierenden Seaside Vipers wurden im Finale mit 50:12 vom Platz gefegt. In diesem sagenumwobenen Jahr fasste der Verein dann auch den Entschluss, eine
zweite Mannschaft aufzubauen, die als Trittbrett zwischen Junioren und First Team dienen sollte.
Das Jubeljahr des First Team war für die Junioren ein Erneuerungsjahr: ein ziemlicher Aderlass schwächte die bisher erfolgreichste Junioren-Abteilung im Schweizer Football. Hier war ein Neuaufbau unausweichlich und der 3. Schlussrang unter diesen Vorzeichen ein Erfolg.