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Die Schweizerinnen Curlerinnen um Skip Silvana Tirinzoni waren nach dem 4. Platz am Olympia-Turnier enttäuscht. Einen guten Monat später werden sie in Prince George Weltmeisterinnen der Superlative.
Melanie Barbezat, Esther Neuenschwander, Silvana Tirinzoni und Alina Pätz wurden in der kanadischen Kleinstadt in British Columbia mit einem 7:6-Sieg im Final gegen die Südkoreanerinnen tatsächlich Weltmeisterinnen der Rekorde. Als erstes Frauenteam der 1979 begonnenen WM-Geschichte errangen sie drei Titel am Stück. Auf je zwei aufeinanderfolgende WM-Triumphe hatten es die Teams der legendären Skips Dordi Nordby (Norwegen), Sandra Schmirler (Kanada) sowie Elisabet Gustafson und Anette Norberg (beide Schweden) gebracht – allesamt zwischen 1991 und 2006.
Drittes Team mit lauter Siegen
Eine WM-Bestleistung glückte den Curlerinnen des CC Aarau auch mit der beeindruckenden Siegesserie: Sie gewannen alle 14 Partien, nämlich 12 in der Round Robin sowie den Halbfinal gegen Schweden und den Final. Nur die Kanadierinnen um Jennifer Jones als Weltmeisterinnen 2018 hatten ebenfalls eine Bilanz von 14:0 Siegen aufgestellt. Weltmeisterinnen ohne eine Niederlage wurde daneben nur das kanadische Quartett um Skip Rachel Homan 2017.
Es passte zu den fabelhaften Darbietungen im ganzen WM-Turnier, dass die Schweizerinnen im Final, dem wichtigsten Match, auf höchstem Niveau spielten. Sie liessen sich die Weltklasse-Quote von 93 Prozent an gelungenen Steinen gutschreiben. Alina Pätz auf der heiklen vierten Position kam ebenfalls auf 93 Prozent.
Die Basis für den Sieg gegen die Südkoreanerinnen, die Olympia-Zweiten 2018, legten die Schweizerinnen im 2. End mit einem Dreierhaus zur 3:0-Führung. Diesen Vorteil gaben sie in der Folge nicht mehr aus der Hand. Im 10. End brachten sie den noch fehlenden Stein zum 7:6 ins Ziel.
Entspannung beim letzten Stein
Vor diesem 10. End hatten die Schweizerinnen die Vorteile auf ihrer Seite. Es stand 6:6, und sie konnten sich auf die Kraft des von Alina Pätz abgegebenen letzten Steins der Partie verlassen. Pätz’ Aufgabe hätte noch ziemlich schwierig werden können. Aber Kim Eun-Jung, Skip der «Garlic Girls», spielte ihren letzten Stein ein bisschen zu lang. Jetzt lagen zwei gültige gelbe südkoreanische Steine dicht aneinander hinter der Mitte des Hauses. Pätz und ihre Mitspielerinnen hatten es verdient, mit einem verhältnismässig einfachen und doch spektakulären Stein den neuerlichen Titel sicherzustellen. Die Urdorferin musste nur den vorderen gegnerischen Stein treffen, dann würden sich automatisch beide gegnerischen Steine aus dem Haus verabschieden. Alina Pätz musste sich nicht lange sammeln. Sie brachte diesen mit hohem Tempo gespielten Doppel-Takeout ans Ziel, wie wenn es selbstverständlich wäre.
Die Schweizerinnen tauschten mit den Asiatinnen die Corona-Fäuste aus und nahmen die Gratulationen entgegen. Dann endlich durften sie in der Traube hüpfen und jubeln.
Die Leistungen der Schweizerinnen in der WM-Woche sind nicht hoch genug einzuschätzen, wenn man bedenkt, dass sie zuerst ihre Enttäuschung von den Olympischen Spielen hatten verarbeiten müssen. Wie in Prince George waren sie – mit 8:1 Siegen – auch in Peking die dominierende Crew in der Round Robin gewesen, bevor sie als Vierte leer ausgingen.
Die unglaubliche Konstanz
Die weltbesten Curlingteams setzen in ihren Planungen die Olympischen Spiele vor den Weltmeisterschaften an die oberste Stelle. Die Olympiamedaille haben die Aarauerinnen verpasst, aber drei WM-Titel am Stück sind nach sportlichen Gesichtspunkten deutlich mehr wert.
Nur wer über lange Zeit konstant auf höchstem Niveau spielt, kann den WM-Hattrick erzielen. An Konstanz haben es die Schweizerinnen wahrlich nicht fehlen lassen. Den Titel-Hattrick bewerkstelligten sie 2019, 2021 und 2022 – 2020 fiel das WM-Turnier in der Pandemie aus – mit insgesamt 39:5 Siegen. Nur das Männerteam des Übercurlers Niklas Edin hält mit. Die Schweden wurden ab 2018 mit 39:4 Siegen ebenfalls dreimal nacheinander Weltmeister – als einziges Team in der 63-jährigen Geschichte der Männer-WM.