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«Ein liebendes, treues Tier» von Josephine Rowe
1991, Neujahrstag. Evelyn wickelt mit ihren Töchtern Lametta und Lichterketten auf. Schafft eine Kiste mit Weihnachtsschmuck in die Garage raus. Normalerweise wimmelt es dort nur so von Rotrückenspinnen. Igitt. Aber Onkel Tetch hat sauber gemacht.
Seit Evelyns Mann Jack fortgegangen ist, kommt Onkel Tetch immer mal wieder vorbei. Schaut zum Rechten, hilft, wo man ihn braucht. Evelyn denkt an die Küstenjahre zurück, oben im Norden. Damals war sie jung, schön, schlank wie ein Windhund. Das war, bevor sie ihren Mann kennenlernte und mit ihm in den Süden durchbrannte. Jetzt ist sie vierzig und er ist fortgegangen. Wird Evelyn nochmals nach ihm suchen, wie sie es jahrelang getan hat? Ein teuflisch gutes Debüt aus Tasmanien!
«Virginia» von Nell Zink
Virginia in den 1960er-Jahren. Peggy, 17, geht auf das Stillwater-Frauencollege. Dort trifft sie auf den schwulen Dichter und Englischprofessor Lee Fleming. Die beiden verlieben sich. Peggy wird schwanger, fliegt von der Schule. Aber Lee ist ein Gentleman. Er heiratet Peggy und sie kriegen Kinder.
Zehn Jahre fristet die junge Frau ein Schattendasein. Als ihr Göttergatte sie betrügt, hat Peggy genug. Sie verlässt Lee. Entführt ihre kleine Tochter und taucht mit ihr im Süden Virginias unter. Wie sie das tut, ist das reinste Abenteuer. Ein bissig starkes Debüt aus den USA!
«Gringo Champ» von Aura Xilonen
Liborio, 20, aus Mexiko, hat nichts zu verlieren. Er stürzt sich kopfüber in den Rio Bravo und schwimmt rüber auf die andere Uferseite. In einer amerikanischen Stadt schlägt er sich irgendwie durch. Gerät in Strassenfights. Teilt aus, steckt ein und verliebt sich. In eine Chica namens Aireen: «Ich sah sie und war schon unter ihren Rädern, vernichtet. Das Herz glitt mir aus den Poren. Der Atem blieb mir weg, und so tanzte ich atemlos unter den Wellen, die mir durch den Körper zuckten.»
Liborio kämpft sich hoch. Vom illegalen Helfer in einer Buchhandlung zum Boxchampion. Einer mit Grips im Kopf. Der boxt, liest und schreibt. Ein moderner Don Quijote, der die Kraft der Bücher entdeckt und gegen Windmühlen kämpft. Ein schlagkräftiges Debüt aus Mexiko!
«Nacht in Caracas» von Karina Sainz Borgo
Adelaida Falcón sitzt erschöpft in ihrer Wohnung. Sie ist todmüde. Vor zwei Wochen ist ihre Mutter gestorben. Ihre engste Verbündete in einem Land, in dem die Leute wie Fliegen sterben. Adelaida hört Schüsse. Sie schaut aus dem Wohnzimmerfenster. Unten auf dem Platz kämpfen Demonstranten gegen Regierungsstreitkräfte. Vermummte, Tote, Tränengas. Seit Tagen geht es so.
Doch auf schlimm kommt schlimmer. Es klopft an der Wohnungstür. Das Letzte, woran sich Adelaida erinnern kann, ist der Schlag eines Pistolenkolbens auf den Kopf. Dann wird es Nacht in Caracas. Ein dunkles Debüt von besonderer Schönheit aus Venezuela!
Welche Bücher haben euch im Lesejahr 2019 begeistert? Diskutiert mit auf Instagram oder auf Facebook Die BuchKönig bloggt, Link öffnet in einem neuen Fenster.
Die Bücherliste
- Josephine Rowe: «Ein liebendes, treues Tier» ( liebeskind, 2019)
- Nell Zink: «Virginia» (Rowohlt, 2019)
- Aura Xilonen: «Gringo Champ» (Hanser, 2019)
- Karina Sainz Borgo: «Nacht in Caracas» (S. Fischer, 2019)
Und hier könnt ihr gleich den Radiobeitrag zu meinem Lieblingsbuch 2019 nachhören:
Annette König
SRF Literatur Redaktorin & Bloggerin
Die Germanistin teilt in ihrem Blog «Die BuchKönig» ihre Lese-Leidenschaft mit allen, die Bücher lieben. Nebenwirkungen wie Herzklopfen, Melancholie, Heiterkeit, Verzauberung, Unbehagen und Anzeichen schwerer (Sprach)Verliebtheit sind nicht ausgeschlossen.