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Orte des geselligen Lebens; die Zunfthäuser
So wie die Handwerke die Grundlage der Zünfte waren, so waren die Trinkstuben als Orte des geselligen Lebens die Ausgangspunkte der Zunfthäuser.
Die Gerber hatten dem Berufsstand entsprechend ein Zunfthaus am Wasser. Das Haus, das die Gerber 1410 erwarben, stand unmittelbar auf der Ufermauer an der Limmat auf der Höhe der heutigen Hirschengasse. Das aus Holz gezimmerte Haus von 1410 wurde 1703 durch einen herrschaftlichen Steinbau ersetzt. Drei Fensterachsen gegen die Limmat und über den Bögen, ein Durchgang im Erdgeschoss, drei Geschosse und darüber ein Walmdach, wie es beim fünf Jahre vorher erbauten Rathaus in Mode kam. Das Hauszeichen mit dem roten Löwen, das dem Haus den Namen gab, war in der Südfassade über dem ersten Obergeschoss eingelassen.
1805 kam das Haus über eine Gant an den «Staat», der darin Kanzleien betrieb. 1839 verkaufte der Staat das Haus an Architekt Wilhelm Waser, der es renovierte und das Café zur Gerwe einrichtete. 1858 wurde der Wunsch nach dem durchgehenden Limmatquai dringender, das ehemalige Zunfthaus abgebrochen und zurückversetzt ein Neubau erstellt. Das gemeisselte Emblem mit dem Gerberlöwen wurde in die Nordwand des Neubaus an der Hirschengasse eingemauert und 1931 durch eine Kopie ersetzt.
Die Schuhmacher kauften 1443 das Haus zum Silberschmied hinter der Stüssihofstatt, wo sie bis 1743 blieben. 1742 kauften sie am Neumarkt zwei Häuser und liessen, weil sie immer sparsam waren, die Häuser mit einem Umbau den neuen Bedürfnissen anpassen. David Morf, 1700–1773, Obmann der Maurer in der Zunft zur Zimmerleuten und späterer Erbauer der «Meisen», schuf eine bemerkenswerte neue Fassade und einen prächtigen Zunftsaal; das Hausinnere wurde umgebaut und angepasst.
Mit den beiden gestalterischen Elementen Fassade und Saal sollte die öffentliche Bedeutung der Zunft dokumentiert werden. Beide Teile erheben einen repräsentativen Anspruch. Aus diesem Grunde wurde alles architektonisch anspruchsvoll durchgestaltet und mit einem ikonographischen Programm versehen.
Über dem Dachgesims und in das Dach hineingreifend überragt ein Segmentgiebel die drei mittleren Fensterachsen. Im Segmentgiebel, der hier als neues Architekturelement in Zürich auftaucht, ist eine Rokokokartusche mit Blumengirlanden und Inschrift, die auf schönste Weise dokumentiert, dass die Zunft zur Schuhmachern Mitglied der Regierungsmacht ist und dass nur Gott (der nicht darstellbar ist) über der Zunft steht.
Zuoberst stehen die drei Buchstaben S.U.D.: «Sub Umbra Dei», in freier Übersetzung «Unter dem Schirm Gottes». Darunter «NEC TEMERE NEC TIMIDE SED PRUDENTER ET GENEROSE», in freier Übersetzung «Weder unbedacht noch zaghaft, sondern umsichtig und grosszügig.»
Zusammengefasst ergibt die Symbolsprache der Fassade mit dem dazugehörenden Text folgende Aussage: Die Zunft zur Schuhmachern vereinigt auf solidem Fundament und unter Gottes Obhut christliche und weltliche Kraft zu Fruchtbarkeit und Ökonomie.
Das Zunfthaus zur Schuhmachern wurde am 10. Oktober 1798 an den Krämer Johannes Gessner verkauft.