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David Schnell (CFO Swisscom) Ueli Gygi (Chef Eidg. Finanzverwaltung) und Tony Reis (CEO Swisscom) beim Swisscom-Börsengang in New York.
Die Geschichte von Swisscom geht bis in den Sonderbundskrieg zurück. Wir zeichnen zum 25. Jahrestag der Liberalisierung im Telco-Markt in 20 kurzen Episoden auf, was seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wichtiges passiert ist.
1848
Die Entstehung der Schweizerischen Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT) ist eng mit jener des Bundesstaates verbunden. Die Vorgängerin – die "schweizerische Post" – wurde bereits im Sonderbundskrieg gegründet, an dessen Ende im Jahr 1848 die Bundesverfassung in Kraft trat. Damit wurden auch die Postdienste unter staatliche Aufsicht gestellt und in "Eidgenössische Post" umgetauft. Die 17 kantonalen Postverwaltungen wurden unter dem Dach des Post- und Baudepartementes vereint.
Die Eröffnung des ersten Telegrafendienstes zwischen St. Gallen und Zürich im Jahr 1852 markiert die Geburtsstunde der Telekommunikation in der Schweiz. Foto: Swisscom.
1878
Nachdem die "Schweizerische Telegraphendirektion" Versuche mit Telefonie durchgeführt hat, unterstellt der Bundesrat das Telefonwesen dem staatlichen Monopol, dem bereits Telegrafie und Post unterstehen. Das führt zu Widerspruch, wird aber in den eidgenössischen Räten gutgeheissen. In Städten und grösseren Gemeinden werden im Laufe der Jahre Telefonnetze etabliert und miteinander verbunden. Das Telegrafennetz, das ab den 1850ern aufgebaut worden ist, wird 1920 mit der Telefonie zusammengeführt.
Telco-Report: 25 Jahre Liberalisierung
Im Oktober 1998 wurde der Telekommarkt liberalisiert. In dieser Zeit sind nicht nur neue Unternehmen entstanden (und wieder verschwunden), sondern der aus der PTT hervorgegangene Telco Swisscom hat sich zum grössten IT-Arbeitgeber der Schweiz entwickelt. Aus diesem Anlass begleiten wir das Jubiläum in einer vierteiligen Serie:
Nach ersten Schritten zur Zusammenführung von Postdiensten mit Telegrafie und Telefonie werden die Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT) gegründet. Im Jahr darauf erschüttert der New Yorker Börsencrash die Welt. Auch die Schweiz wird von der Weltwirtschaftskrise heimgesucht, der Postverkehr bricht ein. Die Leitung der PTT sieht sich zu Rationalisierungen und Stellenabbau veranlasst.
1939
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sinken die Postlieferungen stark. Die PTT bietet den Kriegsparteien die Vermittlung von Kriegsgefangenenpost an. Alles wird gelb: Die Generaldirektion der PTT will das bis heute bekannte Postgelb für alle Dienste einsetzen. Die Farbe wurde zwar schon verwendet, aber Briefkästen waren lange dunkelgrün, die Schilder der Poststellen rot-weiss bemalt. Im Jahr darauf verschwindet das Posthorn aus dem Logo, stattdessen wird "PTT" integriert.
PTT-Briefkästen waren lange grün. Erst seit 1939 sind sie gelb. Foto: Ricardo.
1964
Die vierstelligen Zahlen für das Postleitzahlensystem werden eingeführt. Damit kann die Post nicht nur zuverlässiger zugestellt werden, es bietet auch die Grundlage für die maschinelle Sortierung von Briefen und Paketen. Die erste Ziffer des PLZ-Systems steht für die Region, die zweite für die Lage, die dritte für die Bahnstrecke, auf der die Post verschickt wird. Die letzte Ziffer bezeichnet den Ort.
1974
Die erste Satellitenbodenstation nimmt im Wallis ihren Betrieb auf. Im Jahr darauf startet die PTT das Autotelefon-Projekt "mobiles Telefonnetz für Fahrzeuge", das schliesslich zum ersten Natel führte: 1978 wird das erste Natel eingeweiht, die Abkürzung steht für "Nationales Autotelefon" und ist eine nur in der Schweiz eingetragene Marke. Es folgen weitere Generationen der Infrastruktur für mobiles Telefonieren: Mobiltelefon, Handy oder Smartphone setzen sich schliesslich gegen "Natel" durch.
Telefonieren wird mobil. Foto: Swisscom.
1998
Im Zuge der Liberalisierungswelle der 1990er wird die PTT aufgelöst. Ihre Aufgaben gehen an die Schweizerische Post und an die Swisscom. Das Fernmeldegesetz erlaubt eine umfassendere Deregulierung, während die Post mit Rücksicht auf die Grundversorgung stärker reguliert bleibt. Die Post bleibt eine öffentlich-rechtliche Anstalt, die Swisscom wird ein privatwirtschaftliches Unternehmen mit dem Bund als Hauptaktionär. Das Firmenlogo enthält statt PTT nun Swisscom.
1999
Nebst Swisscom ist Diax als zweiter Mobilfunkanbieter in der Schweiz präsent. Wenig später fusionierte die Firma mit Sunrise, welche damals nur im Festnetzbereich tätig war. 2008 wird Jens Alder, der von 1999 bis 2006 Swisscom-Chef war, die Leitung des Konzerns. Als dritter Provider erhielt Orange eine Konzession, benutzte für seine Dienste allerdings bis 2003 noch das Swisscom-Netz.
Was 1998 eine Stunde telefonieren kostete. Screenshot SRF / Kassensturz vom 22.12.1998.
2000
Die Vergabe von vier UMTS-Konzessionen bringt dem Bund viel weniger Geld ein, als erhofft. Statt wie erwartet eine Milliardensumme zahlen Swisscom, Sunrise, Orange und 3G Mobile je nur rund 50 Millionen Franken. Nach dieser Auktion war die Versteigerung von Konzessionen nie mehr auch nur annähernd ein so grosses Thema.
2005
Swisscom übernimmt Bluewin, ein Mitte der 1990er lanciertes Internetportal des M.A.C. Multimedia Application Center und der Telecom PTT. Ab 1999 können sich Kunden darüber ohne monatliche Grundgebühr ins Internet einwählen. Sie bezahlen stattdessen für die Modemverbindung eine Telefongebühr. Die Marke wird mehrfach überarbeitet und für unterschiedliche Produkte benutzt – zum Beispiel für "Bluewin TV", dem Vorgänger von "Swisscom TV". Heute ist Bluewin nur noch ein E-Mail-Dienst und Newsportal von Swisscom.
2006
Der Bundesrat schlägt vor, die Swisscom komplett zu privatisieren und die Aktien des Bundes zu verkaufen. Die Dynamik in Markt und Technologie würden diesen Schritt nahelegen, heisst es in der Botschaft der Regierung. Die Beteiligung über 16 Milliarden Franken würde deshalb ein erhebliches Risiko für den Bund bedeuten. Der Nationalrat lehnt den Vorschlag gegen den Willen von FDP und SVP knapp ab, der Ständerat folgt der grossen Kammer.
Das Parlament lehnt eine Privatisierung der Swisscom ab. Screenshot: 10 vor 10 vom 10.05.2006.
2007
Swisscom übernimmt unter CEO Carsten Schloter die Kontrolle über Fastweb. Die Verschuldung der italienischen Firma eingerechnet, bezahlt der Konzern fast 7 Milliarden Franken und erhält 82% der Aktien. Mit den damals 1,15 Millionen Kunden von Fastweb hat Swisscom damit wieder ein festes Standbein im Ausland.
2008
Swisscom streicht die Marken "Mobile", "Fixnet" und "Solutions" und gibt sich ein neues Erscheinungsbild. Nur ein Jahr später beginnt der Konzern mit dem Ausbau des Glasfasernetzes. Beides hat bis heute Bestand.
2010
Die Wettbewerbskommission untersagt die Fusion von Orange und Sunrise, welche still und heimlich vorbereitet worden ist. Nach dem Weko-Urteil gibt France Télécom die Mehrheit an Orange ab. Das Unternehmen wird später in Salt umbenannt.
2011
Im Jahr 2005 kaufte Swisscom IT Services den IT-Dienstleister und Softwareentwickler Comit für 60 Millionen Franken. Es entsteht ein neuer Riese im Schweizer Finanz-IT-Business. 2011 wird Comit umfirmiert und heisst für die nächsten 3 Jahre Swisscom IT Services Finance AG. Diese wird später mit der Swisscom IT Services AG fusioniert und in Swisscom integriert.
Die Logo-Historie der Swisscom. Foto: 1000logos.net
2013
Firmenchef Carsten Schloter begeht Suizid, sein Nachfolger wird Urs Schaeppi. Im selben Jahr nimmt der Konzern die vierte Mobilfunkgeneration 4G beziehungsweise LTE in Betrieb. Damals wie heute wird die neue Mobilfunktechnologie begleitet von Verschwörungstheorien und Klagen gegen den Bau von neuen Antennen.
2017
Der Konzern übernimmt die restlichen Aktien der CT Cinetrade AG. Swisscom wird damit zum alleinigen Besitzer des Pay-TV-Senders Teleclub und gleichzeitig zum grössten Kinobetreiber der Schweiz. Seit 2020 heisst die Unterhaltungssparte "Blue". Swisscom TV, Teleclub und Kitag Kino gibt es nicht mehr.
Swisscom übernimmt Teleclub und lässt den Brand später verschwinden. Screenshot Youtube.
2019
Ein Jahr früher als geplant schaltet Swisscom die ersten 5G-Antennen der Schweiz live. Bis Ende Jahr will der Konzern 90% der Bevölkerung mit der neuen Technologie versorgen – "von Aadorf bis Zwischbergen", wie es von Swisscom heisst. Die Versteigerung der Frequenzen bringt dem Bund übrigens Einnahmen von 380 Millionen Franken – also deutlich mehr als bei der letzten.
2021
Die Fusion von UPC (Cablecom) und Sunrise ist abgeschlossen. Ein Jahr später wird "Sunrise" die Hauptmarke des Konzerns. Es ist nach 2010 der zweite Anlauf einer Grossfusion im Telekommarkt Schweiz, welche diesmal aber gelingt.
Für kurze Zeit hiess der Provider Sunrise UPC. Foto: zVg
2023
Noch vor einem definitiven Urteil im Glasfaserstreit lenkt Swisscom ein und gibt der Weko somit indirekt recht. Bis alle Schweizer Haushalte mit Glasfaser angeschlossen sind, dürfte es noch Jahre dauern – heute ist rund die Hälfte aller Gebäude erschlossen. Rund eine halbe Million Haushalte wären zwar ans Glasfasernetz angebunden, aber Swisscom darf die Anschlüsse wegen der umstrittenen Technologie nicht vermarkten. Sie müssen vom Konzern erst umgerüstet werden.
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