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Aus dem Vortrag von Corsin Feuerstein (jüngster Bruder von Jon, Mic und Reto)
EInige Dokumentationen
1886: Lehre bei Flury in Pontresina
1898: Fotowerkstatt in Scuol eingerichtet
1904: Bau eines Wohn- und Geschäftshauses in Scuol
1906: Meisterprüfung in München und Wien
1909: (bis 1914) Gründung des Nationalparks
1913: Bau der Bahnlinie Bever - Scuol
1913: Brand der Villa Lorelei (Hohenfels)
1919: Kauf der Pension Feuerstein
1921: Dorfbrand in Sent
1925: Dorfbrand in Susch
1922: (bis 1930) Entwicklung Postautoverkehr
1936: Kauf Albergo S-charl
Johann Feuersteins Vater kam bei einem tragischen Jagdunfall ums Leben, als dieser noch klein war. Die Familie wurde auseinandergerissen und Johann kam zu Verwandten in Pflege. Obschon Waise erhielt er die Gelegenheit, eine Fotografenlehre zu absolvieren, die er bei Flury in Pontresina durchlief.
1892 heiratete er Colomba Feuerstein.
1898 eröffnete er in Scuol ein einfaches Fotogeschäft, das offensichtlich blühte. 1904 bezog er ein neues Wohn- und Geschäftshaus, 1908 legte er an der Lehr- und Versuchsanstalt für Fotografie, Lichtdruck und Gravüre in München die Meisterprüfung ab. 1912 liess er sein Geschäft mit Sitz in Scuol ins Handelsregister des Kantons Graubünden eintragen. Ein Jahr später wurde der Atelierbau beim Brand eines benachbarten Hotels arg in Mitleidenschaft gezogen. Das Glasdach schmolz und das Archiv wurde durch das Löschwasser vollständig zerstört.
Das Leben der Familie und die Karriere von Johann Feuerstein sind eng mit der Region und der Schaffung des Nationalparks verbunden. Im kleinen Dorf S-charl am Eingang zum Nationalpark erwarb die Famlie 1936 ein Gästehaus, das zum gesellschaftlichen und geistigen Treffpunkt für Freunde und Verwalter des Parks wurde.
Bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise lief das Geschäft sehr gut. Zum Stammgeschäft in Scuol kam eine Filiale in Vulpera dazu.
Johann Feuerstein hatte einen ausgeprägten und dominanten, aber dennoch empathischen Charakter. Einerseits besass er ein patriarchalisches Auftreten und war äusserst sparsam. Menschen in seinem Umkreis, die in Notlagen geraten waren, half er anderseits mit grosszügigen Bürgschaften aus. Sein Sohn Domenic, der ebenfalls Fotograf wurde, zog es zunächst vor, im Tessin und später in Zuoz eigene Geschäfte zu führen, bevor er um 1932 ins väterliche Atelier einstieg.
Johann Feuerstein war ein begeisterter Jäger und Fischer, und galt darüberhinaus als ausgezeicheter Schütze.
Er starb 1946 an den Folgen eines Hirnschlags.
Ein wichtiger Teil des Schaffens von Johann Feuerstein bestand in der Herstellung von Porträts für die einheimische Bevölkerung sowie den vorerst nur im Sommer florierenden Tourismus im Badeort Scuol.
Ein weiterer Teil entstand in Form von Landschafts- und Naturaufnahmen im Zusammenhang mit dem 1909 entstandenen Nationalpark. Johann Feuerstein wurde zum ersten Chronisten des Parks, der 1914 an die Eidgenossenschaft überging. Als Krönung dieser Arbeit erschien 1927 ein Bildband mit «50 künstlerischen Aufnahmen» mit Textbeiträgen des Schriftstellers Heinrich Federer (1866-1928).
Darüberhinaus war Johann Feuerstein im ganzen Kanton für Landschaftsaufnahmen und Ortsbilder unterwegs, die er in Form von Ansichtskarten produzierte. Bis 1913 dokumentierte er den Bau der Rhätischen Bahn (RhB), der 1896 in Angriff genommen und 1913 mit der Strecke Bever-Scuol zu Ende geführt wurde. Später machte der Fotograf Aufnahmen von Lawinenniedergängen auf die Bahnstrecken.
Nebst der Arbeit für Verkehrsvereine und in einzelnen Fällen auch für industrielle Kundschaft wie Maggi und Bally liess sich Feuerstein auch für spezielle Touren gewinnen. So begleitete er 1926 eine Segelexpedition in der östlichen Adria. Die Fotos davon erschienen in der «Schweizer Illustrierten Zeitung» und im «Sport».
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