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Seite an Seite stehen sie da, eins sieht aus wie das andere. Für die einen sind sie das perfekte Zuhause, andere können sich niemals vorstellen, in einem Reiheneinfamilienhaus zu wohnen. Doch wer heute in einer Stadt wie Zürich ein Reihenhaus sein Eigen nennt, der kann sich durchaus glücklich schätzen. Und mit klugen Umbaumassnahmen lässt sich aus einem Reihenhaus, sei es auch noch so klein, ein ganz individuelles Zuhause machen, wie diese sechs Beispiele zeigen.
Das Arbeiterhaus. Umbau: Nikolla Architekten
Nikolla Architekten haben ein Reihenendhaus, das Teil einer Arbeitersiedlung in Winterthur ist, umfassend saniert und umgebaut. Bauherrin des Stadtrains, der 1928 bis 1943 entstand und aufgrund seiner Strassennamen wie Aprikosen- oder Quittenweg auch als Birchermüesli-Quartier bekannt ist, war die Heimstättengenossenschaft HGW. Mit Adolf Kellermüller beauftragte sie einen Architekten, der bereits viel Erfahrung in der Planung und im Bau von Wohnsiedlungen gesammelt hatte und der das Projekt gemeinsam mit seinem Büropartner Hans Hoffmann ausführte. Kellermüller entschied sich für den Bau von Kreuzreihenhäusern, bei denen die Häuser Rücken an Rücken und somit sehr kompakt und dicht gebaut werden. Zu jeder Wohneinheit mit einer Grundfläche von 53 Quadratmetern gehört ein Vorgarten. Die Bauherrschaft dieses Hauses hatte das Glück, ein Reihenendhaus erwerben zu können. Das Haus, das zuvor im Besitz einer alten Dame gewesen war, befand sich allerdings in einem allgemein schlechten Zustand. Das Wohngeschoss war eng und dunkel, und im Obergeschoss, in dem sich die Schlafzimmer befinden, gab es kein Badezimmer. Beim Umbau wurde massiv in das Haus eingegriffen. Bis auf die Tragstruktur wurde innen beinahe alles ausgeräumt; einige Innenwände blieben bestehen und wurden ergänzt. Die neue massive Treppenanlage, die an der Stelle der alten Holztreppe erstellt wurde, ist der eigentliche Kern des neuen Entwurfs und schafft in allen Geschossen optimale Verbindungen und Durchblicke. Die Küche erhielt ein neues Fenster gegen Süden, sodass das Erdgeschoss neu nicht mehr nur nach Westen orientiert ist. Nikolla Architekten ist es gelungen, mit ihrem Umbau den ursprünglichen Charakter des Hauses wieder hervorzuholen und zeitgemäss zu interpretieren.
Neu gedacht. Umbau: Bauwerkstadt
Nach zwölf Jahren in ihrem Reihenhaus in Zürich war für Katja und Flavio Perotto-Kronenberg die Zeit gekommen, ihr Zuhause umfassend nach ihren Bedürfnissen umzubauen. Das Haus gehört zu einer Siedlung, die bis 1928 in Zürich erstellt worden ist. Damals noch am Stadtrand gelegen, befinden sich die Häuser in der Nähe des Schaffhauserplatzes heute mitten in der Stadt. Und doch konnte sich die Siedlung ihren kleinstädtischen Charakter mit einem hohen Grünanteil bewahren. Nur noch wenige der 98 Wohneinheiten sind in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Neue Fassadenfarben, Balkone und Dachgauben zeugen von der veränderten Lebensweise der Bewohner. Nachdem in einer ersten Etappe 2010 die Fassade und der Zugang neu gestaltet wurden, nahm sich die Bauherrschaft einige Jahre später dem Innenraum an. Dabei machten Katja und Flavio Perotto-Kronenberg, der als Architekt für den Umbau seines Hauses verantwortlich zeichnet, die untere der zwei Erschliessungen des Hanghauses zum Haupteingang. Die zweite Erschliessung im Erdgeschoss wird heute nur noch als Zugang zum hinteren Garten genutzt. Die grösste Veränderung im Grundriss erfuhr das Erdgeschoss, das in der Nutzung der Räume gespiegelt wurde. Wo früher das Wohnzimmer war, ist heute die Küche – und umgekehrt. Zudem sollte die Kleinteiligkeit des Grundrisses aufgehoben werden, wobei dem Architekten das richtige Mass an Trennung und Verbindung wichtig war. Die Wand zwischen den beiden Räumen ist nur so weit wie nötig geöffnet; die Öffnung ist gross genug für die Belichtung und klein genug, um die beiden Räume voneinander zu trennen. Vom grössten Raum im ersten Obergeschoss wurde eine Nasszelle abgetrennt, die dank geschickter Einteilung genügend Platz für eine grosse Dusche, einen Waschtisch, ein WC sowie Stauraum bietet. Die anderen beiden Zimmer blieben in der Grösse erhalten. Die gerade Treppe ins Dachgeschoss wurde analog zu den beiden anderen Treppen im Haus durch eine gewendelte Treppe ersetzt. Zwei überdimensionierte Dachgauben, die einander diagonal gegenübergesetzt sind, sorgen für reichlich Tageslicht im Dachraum. Das Haus wirkt heute logisch und harmonisch und passt perfekt zu seinen Bewohnern – die lange Kennenlernphase hat sich also durchaus bezahlt gemacht.
Das Bernoullihaus. Umbau: Rafael Schmid Architekten
Spaziergänger und Jogger, die sich entlang dem linken Limmatufer stadtauswärts bewegen, kennen die idyllische Siedlung, und manch einer beneidet die Bewohner der Bernoullihäuser. Der Architekt Rafael Schmid konnte unlängst eines der Häuser erwerben und umbauen. Es gehört zu insgesamt 98 Arbeiterhäusern, die der Schweizer Architekt Hans Bernoulli von 1924 bis 1929 an den westlichen Stadtrand von Zürich baute und die heute unter Denkmalschutz stehen. Zu einer Gruppe von 54 Reihenhäusern zählend, die erst in einer zweiten Bauphase erstellt wurde, verfügt es – im Unterschied zu den ersten Häusern – über zwei Vollgeschosse. Ein Umstand, den Familie Schmid durchaus zu schätzen weiss, denn die Platzverhältnisse sind an heutigen Bedürfnissen gemessen doch eher bescheiden. Diese waren auch der Grund für den grössten Eingriff. Der Keller, der nur gebeugten Hauptes begehbar war, konnte mit einem Komplettaushub um rund 80 Zentimeter in der Höhe erweitert werden. So finden neu Waschmaschine und Tumbler, Werk- und Bastelzimmer sowie viel Stauraum hier Platz. Die übrigen Geschosse zeigen deutliche Spuren früherer Umbauten. Neben den notwendigen Eingriffen, wie dem Ersatz sämtlicher Leitungen und einiger Fenster, der Dämmung des Daches sowie der statischen Ertüchtigung des geöffneten Erdgeschosses, war es Rafael Schmid deshalb ein Anliegen, die wenigen noch vorhandenen originalen Elemente herauszuschälen und sichtbar kontrastierend von allem Neuen abzusetzen. Nach dem Umbau präsentiert sich das Haus als helles und freundliches Zuhause, das dank eines gelungenen Farb- und Materialkonzepts wesentlich grosszügiger erscheint, als man von aussen vermuten würde. Die Raumeinteilung und -abfolge verlangte keine zu grossen Veränderungen. Der ursprünglich kleinteilige Grundriss im Erdgeschoss war bereits aufgelöst und konnte einem offenen Raumgefüge mit Wohnen, Essen und Kochen angepasst werden. Im Obergeschoss entfernte Rafael Schmid eine Wand, die das grösste Zimmer vom Treppenaufgang isolierte, sodass man nun aus dem Untergeschoss direkt in ein grosszügiges Spielzimmer tritt. Von hier gelangt man in ein Kinderzimmer, in das Bad sowie über eine Treppe hoch ins ausgebaute Dachgeschoss. Mit seinen einfachen und doch individuellen Zügen passt das Haus heute wieder wunderbar zur Einmaligkeit der Reihenhaussiedlung.
Einfaches einfach belassen. Umbau: Wülser Bechtel Architekten
Bis 1929 liess die Baugenossenschaft Allmend oberhalb des Kleindorfs in Zollikon eine neue Wohnsiedlung erstellen, um der Nachfrage nach erschwinglichen Eigenheimen gerecht zu werden. Insgesamt 31 Kleinhäuser baute der Architekt Hermann Fietz auf das dreiecksförmige Areal, davon waren 27 Doppel- und Reihenhäuser und zwei frei stehende Gebäude. Bis heute hat sich das Quartier stark verändert, es wurde um- und angebaut und einige Häuser sogar abgerissen. Eines der wenigen Reihenhäuser, die lediglich geringfügigen baulichen Veränderungen ausgesetzt waren, wurde jüngst von den Zürcher Wülser Bechtel Architekten umgebaut. Von aussen ist das Haus auch bei diesem Eingriff praktisch unverändert geblieben. Im Inneren hingegen wird man direkt durch das helle und offene Erdgeschoss auf die Veränderung aufmerksam. Wo früher ein geschlossener Eingangsbereich Einblicke in das Wohnzimmer verweigerte und dieses räumlich von der Küche getrennt war, kann man heute ungehindert durch den geöffneten Wohnraum und weiter durch ein grosszügiges Fenster in den Garten blicken. Im Zentrum des Erdgeschosses steht ein umschreitbarer Betonkörper: Zum Wohnraum hin ist er als Cheminée ausgebildet, auf der Rückseite stellt er nützlichen Stauraum zur Verfügung. Die Skulptur zoniert die offenen Bereiche, ihre Balkenausläufer dienen als optische Trennung der sonst fliessenden Übergänge zwischen neuer Küche und Wohnzimmer sowie Eingangsbereich und Treppenaufgang. Im Obergeschoss blieb die Kammerstruktur erhalten. Das Dachgeschoss wurde um ein Badezimmer ergänzt. Wülser Bechtel integrierten es in eine von zwei neuen, je 85 cm tiefen Raumschichten an den Kurzseiten des Dachgeschosses. Die gegenüberliegende Schicht nimmt den Treppenaufgang und eine Garderobe auf. Die grosse, aber subtile Stärke des Umbaus liegt einerseits im Umgang mit Bestand und neuen Elementen und andererseits in der Wahl der Materialien und Farben. Wülser Bechtel Architekten würdigen mit ihrem Umbau die attraktive Schlichtheit des Reihenhauses und verhelfen ihm mit wenigen tiefgreifenden Neuerungen zu einem gestärkten Selbstbewusstsein.
Sanfte Geste. Umbau: Umbra Architektur
Die Siedlung Wylergut, die zwischen 1943 und 1947 von den beiden Berner Architektengemeinschaften Trachsel, Abbühl und Steffen und Päder, Jenny und Jos erstellt worden war, wirkt allein wegen ihrer Lage eher wie ein eigenständiges Dorf denn wie ein Stadtteil von Bern. Die vom Heimatstil beeinflusste Architektur wurde seit dem Bau kaum verfremdet und ist auch heute noch deutlich ablesbar. Bleibt zu hoffen, dass dies so bleibt, trotz kürzlich erfolgter Entlassung der Siedlung aus dem Denkmalschutz. Wie man ein solches Haus ins Heute überführt und dem einzelnen Gebäude, aber auch dem Gesamtbild der Siedlung Sorge tragen kann, zeigt das gelungene Vorgehen beim Umbau eines der Reiheneinfamilienhäuser durch Umbra Architektur. Bereits anhand des wohl grössten, von aussen sichtbaren Eingriffs – ein kompletter Neuaufbau inklusive Dämmung des Daches – ist die Sorgfalt, mit der das Projekt angegangen wurde, ablesbar. Details, wie etwa der Erhalt der feinen Dachränder oder die zwei schmalen Dachöffnungen, die anstelle eines zu grossen Fensters stehen, das in einer früheren Umbauphase eingesetzt worden war, nehmen massgeblich Rücksicht auf das Gesamterscheinungsbild der Siedlung. Das Hauptaugenmerk lag auf dem Rückbau gewisser Elemente, die man beim Generationenwechsel in den 1970er-Jahren eingefügt hatte. Dazu gehörte eine Einliegerwohnung im Obergeschoss. Die Stockwerke sollten wieder als Gesamtwohneinheiten für die jetzigen Familienmitglieder nutzbar gemacht werden. Dieses Zusammenführen ging einher mit dezenten Grundrissoptimierungen wie der Auflösung der Zimmerstruktur im Erdgeschoss. Man wollte jedoch vermeiden, durch eine komplette Öffnung unausgewogene Raumverhältnisse zu erhalten. So beliess man die zentrale Wand, die den Wohn- und Essbereich trennt, ohne die beiden Zonen ganz voneinander abzuschotten. Auch die Küche ist nun ein offener Raum, der von Ausblicken in den Garten sowie den Vorgarten profitiert. Nur der Eingangs- und Erschliessungsbereich bleibt als geschlossene Einheit vom Wohnbereich getrennt. Im Obergeschoss wurde die bestehende Dreizimmerstruktur mit Badzelle aufgelöst. Die Treppe führt nun in einen offenen Spiel- und Arbeitsbereich für die Kinder, von wo man in die beiden Schlafzimmer gelangt. Im Zuge der Dacherneuerung konnte der Estrich zu einer weiteren Schlafmöglichkeit umgenutzt werden. Mit wenigen sanften, aber gezielten Eingriffen in den Grundriss erreichten die Architekten eine Grosszügigkeit, die im gesamten Haus spürbar ist.
Die Kunst der Interpretation. Umbau: Diethelm & Spillmann
Durch geschicktes Auslegen der baurechtlichen Regeln und mit viel Überzeugungsarbeit konnten die Architekten Diethelm & Spillmann ein Konzept für eine ganze Siedlung entwickeln, um den kleinen Reihenhäusern zu mehr Raum zu verhelfen. Wer eines der 20 Häuser besitzt, die am Frauentalweg in Zürich in zwei teils versetzten Reihen stehen, hat kaum Grund zur Klage. Nur geräumig sind sie nicht. Im Obergeschoss gibt es zwar drei Zimmer; das dritte ist jedoch so klein, dass es sich als Eltern- oder Teenagerzimmer kaum eignet. Das Dachgeschoss könnte ausgebaut werden, doch unter dem First erreicht es nicht einmal 1,80 Meter Höhe. Zwar hätte man das Dach um 90 Zentimeter anheben dürfen. Da aber nicht sämtliche Eigentümer Erweiterungswünsche hegten, wäre mit dem Aufheben der durchlaufenden Trauf- und Firstlinien ein Charakteristikum der Siedlung geopfert worden. Baurechtlich wäre es auch möglich gewesen, pro Hausseite eine Lukarne über maximal ein Drittel der Breite vorzusehen. Angesichts der schmalen Häuser und der durch die notwendige Dämmung beträchtlichen Wandstärken hätten sie allerdings kaum einen räumlichen Nutzen gebracht. Diethelm & Spillmann Architekten war es wichtig, den Charakter der Siedlung zu bewahren. Sie ist typisch für ihre Entstehungszeit Ende der 1940er-Jahre, aber nicht als Denkmal geschützt. Als Frühwerk des Architekten Otto Glaus ist sie dennoch von gewisser Bedeutung. Statt sich auf das einzelne Haus zu konzentrieren, betrachteten die Architekten die gesamte Siedlung im Zusammenhang. Ihre Lösung: Pro Haus wird nur eine Lukarne vorgesehen, dafür über zwei Drittel der Breite. Platziert man die Lukarnen gegenseitig, wird über die gesamte Häuserreihe die zulässige Grösse von einem Drittel der Fassade eingehalten. Während 15 Jahren stehen allen Eigentümern die Ausführungspläne zur Verfügung, und erst, wenn sie davon Gebrauch machen, müssen sie ihren Anteil an den Planungskosten begleichen, die von einigen Initianten vorfinanziert wurden. Während dieser Zeit bleibt auch die Baueingabe gültig. Definiert sind nicht nur Lage und Grösse der Lukarnen, sondern auch weitere Merkmale, wie die äussere Verkleidung aus Kupfer, die Rollläden aus Holz, die dreiteiligen Fenster und die Farbpalette für die Fensterzargen. Die Ausbaumöglichkeiten hingegen sind vielfältig. Manche Bauherrschaften entschieden sich, auf einen Estrich zu verzichten und das gesamte Dachgeschoss zu einem Raum auszubauen. Bei der Lage und Art der Treppe sind die Varianten zahlreich und bei der Materialisierung quasi unendlich. Diethelm & Spillmann ist ein wahres Kunststück gelungen: In den eigentlich zu niedrigen Dachgeschossen ist Wohnraum von hoher Qualität entstanden, und die Siedlung hat ihren Charakter bewahrt.