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Bislang war kaum bekannt, inwiefern der Einsatz eines Schleppschlauchverteilers den Ertrag und die Entwicklung einer Wiese beeinflusst . Aus diesem Grund führten das LIG Grangeneuve und die HAFL einen Versuch durch und verglichen die Ergebnisse mit Resultaten aus anderen Untersuchungen.
Ammoniakemissionen
Die Messung der Ammoniakemissionen (NH3), die in Grangeneuve durchgeführt wurde, bestätigt, dass im Vergleich zu den herkömmlichen Breitverteilern die Verluste mit Schleppschlauch- und Schleppschuhverteilern um 50% reduziert werden können. Beim Einsatz eines Gülleinjektors betrug die Reduktion gar bis zu 75%. Die Verlustminderung ist bei Hofdüngergaben während des Sommers ausgeprägter als in der kalten Jahreszeit, da die hohen Temperaturen die Verflüchtigung von Ammoniak begünstigen. Die Förderung der emissionsarmen Ausbringtechniken haben ein grosses Potential, um die Emissionen und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Umwelt, bei denen die Landwirtschaft bis jetzt die Hauptverursacherin war, zu senken.
Ertrag von Wiesen
Zwischen den verschiedenen Gülleapplikationsverfahren (Grafik 3) konnten keine relevanten Auswirkungen auf den TS-Ertrag der Flächen festgestellt werden. Dass die Unterschiede ausblieben, kann mit der vergleichsweise geringen Menge an eingespartem Stickstoff erklärt werden. Pro Applikation beträgt die Einsparung maximal 2 bis 5 kg N/ha, das heisst zwischen 10% und 15% der ausgebrachten Menge an verfügbarem Stickstoff. Im Vergleich zu der enormen Stickstoffmenge, die der Wurzelhorizont einer Wiese enthält (5 bis 8 t/ha, davon werden 2% bis 3% pro Jahr mineralisiert), ist die eingesparte Stickstoffmenge gering. Daher ist es nicht erstaunlich, dass keine Auswirkungen auf den Ertrag festgestellt werden konnten.
In Grafik 2 werden die Ergebnisse mit jenen aus 15 internationalen Versuchen verglichen. Im Vergleich zu den Breitverteilern wurde mit dem einfachen Schleppschlauchverfahren durchschnittlich ein um 1% höherer Ertrag erzielt (grüne Rauten). Mit dem Schleppschuh wurde mit einem Plus von 3% ebenfalls ein leicht besseres Ergebnis erzielt (blaue Quadrate). Die Versuchsergebnisse von Grangeneuve bewegen sich in einem ähnlichen Bereich.
Mit der Injektionstechnik wurde generell keine Ertragsverbesserung erzielt, die Abweichungen sind hingegen beträchtlich (rote Dreiecke). Keinesfalls zu unterschätzen ist die Wirkung der Scheiben auf Boden und Vegetation, wenn sie zu tief in den Boden eindringen. Einige Betriebsleiter «schlitzen» weniger tief, wodurch sich die Ergebnisse jenen mit der Schleppschuhtechnik annähern.
Mineralische und organische Dünger
- Höhere Ammoniakverluste bei der Gülleausbringung (10 bis 50%) als bei Mineraldünger (5%);
- Bodenverdichtungen aufgrund des Gewichtes der Maschinen;
- Die tatsächliche Verfügbarkeit an Stickstoff entspricht nicht der erwarteten Menge;
- Je nach C/N-Verhältnis kommt es zur Immobilisierung des Stickstoffs in organischem Bodenmaterial;
- Veränderung des Boden-pH durch Gülle mit Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Phosphor;
- Störung der Wurzelentwicklung durch Sekundärstoffe der Gülle;
- Verätzungen der Pflanzen durch die Gülle.
Botanische Zusammensetzung
Im Versuch am LIG (Grafik 3) führte eine PK-Anwendung rasch zu einem erhöhten Auftreten von Wiesenklee, während bei der NPK- und NNPKDüngung die Gräser dominierten. Trotz der unterschiedlichen botanischen Zusammensetzung wurden vergleichbare Erträge erzielt. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die spezielle Rolle der Düngung von Wiesen: Der Dünger wirkt nicht nur direkt auf den Ertrag, sondern auch indirekt über eine Veränderung der Gras- bzw. Leguminosenanteile. Die Gülle zeigte ähnliche Auswirkungen auf die Pflanzenzusammensetzung wie eine PK-Düngung. Trotz gleicher Zusammensetzung lag der TS-Ertrag bei einer Düngung mit Gülle um rund 4% tiefer. Daher müssen noch andere Faktoren eine Rolle spielen.
N-min des Bodens
Der N-min-Wert dient als Angabe des verfügbaren Stickstoffgehalts im Boden. Im aktuellen Versuch über eine Messdauer von drei Jahren zeigt sich ein signifikanter Einfluss der Jahreszeit: Der Wert beträgt 5 bis 8 kg N-min/ha Ende Winter und 20 bis 42 kg bei Saisonende. Die unterschiedlichen Ausbringtechniken hatten keine feststellbaren Auswirkungen auf die N-min-Werte.
Sauberkeit des Futters
Die im Versuch von Grangeneuve verwendete Gülle war relativ dünnflüssig, während des Versuchs wurden keine Verschmutzungen des Futters festgestellt. Insbesondere Gülle mit einem hohen Strohanteil kann zu Verschmutzungen beim Futter und dadurch zu Problemen bei der Konservierung führen. Damit das Futter sauber bleibt, müssen folgende Punkte berücksichtigt werden:
- Güllegaben von über 30 m 3 /ha erhöhen dasVerschmutzungsrisiko.
- Richtig eingestellte Schleppschläuche, die die Gülle bodennahausbringen, bergen weniger Risiken, als Verteiler bei denen dieSchläuche über der Vegetation baumeln.
- Die Abstände zwischen einzelnen Schläuchen variiert sehr starknach Anbieter. Bei Schleppschuhen ist der Abstand häufig geringerals bei den Schleppschläuchen. Eine Gabe von 25 m 3 pro Hektarekann so bis zu 100 m 3 pro Reihe entsprechen.
- Bei einer dickflüssigen Gülle mit einem TS-Gehalt von über 5%fliesst die Gülle schlecht ab und bleibt an den Pflanzenhaften.
- Das Ausbringen unmittelbar vor oder während leichtem Regen istdie wirksamste Methode, um Gülle zu verdünnen und von den Pflanzenabzuwaschen und gleichzeitig die NH3-Verluste zu senken.
- Die Höhe des nachwachsenden Grasbestandes ist auch wichtig:Eine Gülledüngung nach der Ernte auf die Stoppeln, bevor dieBlätter am Wachsen sind, führt zur geringsten Verschmutzung.
Fazit
Die Resultate bestätigen, dass durch den Einsatz emissionsarmer Gülleausbringtechniken die Ammoniakverluste deutlich gesenkt werden können. Aus pflanzenbaulicher Perspektive konnten keine ertragsrelevanten Effekte des eingesparten Stick-stoffs beobachtet werden. Im Vergleich zum grossen Stickstoffpool in einem Graslandboden fällt die eingesparte N-Menge wohl zu gering aus. Die Technik allein genügt aber nicht: Auch der Einsatz des besten Schlepp-schlauchverteilers führt bei Hitze und ausgetrockneten Böden zu Verlusten und Verschmutzung. Um eine maximale Ausnutzung des Stickstoffs zu erreichen, sind die meteorologischen Bedingungen während des Ausbringens auch bei emissionsarmen Ausbringtechniken zu beachten. Mit der Gülledüngung werden in der Regel geringere Erträge erzielt als mit Mineraldünger. Auch wenn diese Differenzen durch die Ammoniakverluste zu erklären sind, gibt es wohl weitere wesentliche Faktoren, die noch nicht vollständig kontrolliert werden können.
Versuch Grangeneuve 2012 – 2014
Versuch auf Kunstwiese. Drei Ausbringtechniken für Rindergülle mit TS-Gehalt von 2.3% (Prallverteiler, Schlepp-schlauch- und Schleppschuhverteiler) und drei Mineraldüngerverfahren (normgemässe PK-Düngung, NPK zu 30 kg N/ha/Schnitt und NNPK zu 60 kg N/ha/Schnitt). Applikation Ende Winter und nach den drei ersten Schnitten.