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Nur wegen einer falsch aufgegleisten Studie über die Erholung des Espenbewuchses im Yellowstone Nationalpark, haben wir hier und heute diesen Wolf-Schlamassel. Was ist passiert?
Die Erfolgsgeschichte der Wiederansiedlung von Wölfen in Yellowstone ist bekannt. Nachdem Wölfe in den 1990er Jahren wieder in den Nationalpark eingeführt wurden, fingen sie an, Elche zu jagen, welche die Espen und andere holzige Vegetation als Nahrung nutzen und dezimieren. Forscher wollen dann herausgefunden haben, dass sich durch die Regenerierung der holzigen Vegetation, die gesamte Landschaft in ein gesünderes Ökosystem verwandelte.
Eine kürzlich durchgeführte Studie, die in den Ecology Letters im November 2021 publiziert wurde, relativiert jedoch diesen Effekt. Ein Team von Elch-, Wolfs- und Vegetationsbiologen haben herausgefunden, dass Grauwölfe (Canis lupus) gar keine massgebliche Regeneration des Espenbestandes herbeiführen, sondern die ursprüngliche Studie schlicht falsch war. Wie sich nämlich herausstellte, kamen die Ergebnisse durch folgende zwei Grundlagenfehler zustande:
- Es wurden keine zufälligen Stichproben aus den Espenbeständen im Yellowstone Nationalpark verwendet, sondern die Forscher hatten einfach die schönsten und höchsten Bäume erfasst, und ein paar, die ihnen als geschädigt vorkamen.
- Es bestand eine falsche Annahme über die Art, wie die Elche die Espen schädigen und wie man diesen Schaden erkennen soll.
Die Wahl der nicht repräsentativen Stichprobe führte dann dazu, dass die Ergebnisse um den Faktor 4 bis 7 zu gut ausfielen, und damit auch die Aussagen zu der sogenannten „trophischen Kaskade“, also der indirekten Auswirkungen von Raubtieren auf Pflanzen. In Tat und Wahrheit gibt es kaum einen Einfluss der Wölfe auf die Regenerierung der Espen, wie man nun weiss. Die ausgewählten Bäume waren in erster Linie darum schön und hochgewachsen, weil sie an einem geeigneteren Ort standen als die mutmasslich geschädigten.
„Im Yellowstone ist die Hypothese der trophischen Kaskade, bei der Wölfe Elche und wiederum Espen beeinflussen, eine der bekanntesten und am meisten diskutierten ökologischen Auswirkungen der Wiederansiedlung der Grossraubtiere“, sagt Dan MacNulty, ausserordentlicher Professor für Wildtierökologie an der Utah State University. Er ist Mitautor der aktuellen Studie. „Es wird oft als Motivation und Inspiration für die Wiederansiedlung von Grossraubtieren an anderen Orten in den USA und auf der ganzen Welt verwendet.“
Für MacNulty zeigt die aktuelle Studie, wie wichtig Zufallsstichproben sind, und dass die trophische Kaskade aus einer multidisziplinären Perspektive betrachtet werden muss – sprich: von Leuten, die auch tatsächlich etwas vom jeweils betrachteten Aspekt verstehen. „Der Teufel steckt im Detail“, sagt er. „Lassen Sie sich nicht von spektakulären Bildern in die irre führen.“