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Der moderne Angriff auf die Realität – dass es eine objektive, erfahrbare Realität außerhalb von uns selbst gibt – hat das Bibelstudium zu einem subjektiven Sumpf gemacht. In Gemeinden werden in kleinen Gruppen subjektive Eindrücke zu Bibeltexten ausgetauscht, ohne dass diese Ansichten in der ursprünglichen Bedeutung verwurzelt sind. (23)
… Da wir keine objektive Realität außerhalb von uns selbst kennen können, kann es auch in unseren Büchern keine objektive Bedeutung geben. Eine Auslegung soll aus dem Text eines Autors nichts Objektives herausholen, sondern nur unsere Vorstellung wiedergeben, die wir beim Lesen haben. Unsere Vorstellung zählt aber nicht, denn andere, die unsere Texte lesen, würden auch keinen Zugang zu unserer Intention haben. Alles ist ein Spiel. Allerdings ein böses, denn all diese Gelehrten bestehen darauf, dass es einen Maßstab für ihre eigenen Liebesbriefe und Verträge gibt: nämlich ihre eigene Absicht. Bei der Bank oder dem Eheberater wird es nicht durchkommen, wenn jemand »Ja« versteht, obwohl ich »Nein« geschrieben habe.
John Piper. Dein Leben ist einmalig – vergeude es nicht. CLV: Bielefeld 2003. (24)