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Und es gibt sie doch: Bernerinnen und Berner, die eine europäische Fussballtrophäe in die Höhe stemmen konnten. Nicole Stadelmann hielt einmal sogar den begehrtesten Pokal im Clubfussball in ihren Händen: Der Uefa Champions League Pokal. Gewonnen hat sie die Champions League zwar nicht, aber sie war an der Herstellung des Pokals beteiligt. Sie ist seit zwölf Jahren Geschäftsführerin von BijouxStadelmann und führt das Familienunternehmen in dritter Generation.
Bevor das letzte Berner Exemplar im Jahr 1994 ausgeliefert wurde, konnte man die Trophäe etwa eine Woche lang im Schaufenster bewundern. «Natürlich habe ich den Pokal damals auch einmal in die Höhe gestemmt», sagt die Fachfrau für Edelsteine und lächelt.
Wie kommt es dazu, dass eine Bijouterie aus Bern den wichtigsten Pokal des europäischen Clubfussballs hergestellt hat? Die UEFA hatte damals ihren Sitz in Bern. So kommt es, dass BijouxStadelmann einige Aufträge vom europäischen Fussballverband bekam, zum Beispiel zur Eingravierung von Siegernamen oder Ehrenpreise für Mitglieder. Im Jahr 1967 lud der damalige UEFA-Generalsekretär Hans Bangerter auch BijouxStadelmann ein, einen Entwurf für einen neuen Pokal zu präsentieren. «Es war ein Projektwettbewerb», sagt Nicole Stadelmann. Jürg Stadelmann, der Vater von Nicole Stadelmann, hat eben diesen Wettbewerb für sich entschieden.
Im Hause Stadelmann wurden vier Champions-League-Pokale in Originalgrösse und einige kleinere Replika hergestellt. Früher ging die Trophäe nach drei Siegen in den Besitz der erfolgreichen Mannschaft über. Heute braucht es dazu fünf Erfolge. Für die Schatztruhen von Real Madrid und dem AC Milan fertigte BijouxStadelmann je eine auf 80 Prozent verkleinerte Replika. Manchmal musste die Bijouterie auch Dellen oder Kratzer entfernen, welche dem begehrten Stück im Siegestaumel zugefügt wurden.
Den letzten in Bern gefertigten Pokal holte sich im Jahr 2005 der FC Liverpool. Danach wurde BijouxStadelmann von der Uefa angefragt, ein neues Exemplar zu offerieren. Der Zuschlag ging aber an ein anderes Unternehmen. «Die Henkel sind jetzt etwas anders als beim Design meines Vaters», sagt Nicole Stadelmann. Allerdings würde man diesen feinen Unterschied als Laie kaum erkennen.
Viele Leute würden gar nicht glauben, dass unsere kleine Bijouterie für diesen grossen Kelch verantwortlich ist. Das Familienunternehmen beschäftigt 16 Mitarbeiter, darunter 5 Goldschmiede und 2 Lernende. Hauptgeschäft ist der selbst gemachte Schmuck. Aber auch der Schweizerische Fussballverband oder der Weltverband der Springreiter gehören zu Stadelmanns Kunden.
Dass ihre Bijouterie demnächst wieder einen Champions-League-Pokal herstellen wird, bezweifelt Nicole Stadelmann. «Schon durch den starken Franken sind wir teurer als die ausländische Konkurrenz.» Zudem sei der Schweizer Standard in der Herstellung höher und daher auch teurer. «Aber es würde uns natürlich besonders freuen, ein weiteres Mal für die Uefa arbeiten zu können.»
Das grosse Geschäft hat die Berner Bijouterie an der Marktgasse mit dem weltbekannten Pokal nicht gemacht. «Wir mussten die Rechte am Pokal bereits 1967 an die Uefa abtreten», sagt die Geschäftsführerin. Für jede einzelne Replika brauchte es eine spezielle Genehmigung des europäischen Fussballverbands. «Einmal wollte ein Vater seinem Sohn einen ganz kleinen Champions-League-Pokal zum Geburtstag schenken», erinnert sich Nicole Stadelmann. Selbst dazu brauchte es die offizielle Genehmigung der UEFA.
Quelle: 3. Oktober 2012 06:33 von Ralph Heiniger, (Berner Zeitung)
Quelle: Teleclub