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Es gibt zahlreiche Forschungsbefunde zu Paarbeziehungen oder Familiensystemen, jedoch nur wenige Studien widmeten sich den platonischen Freundschaften. Diese stellen jedoch eine sehr bedeutungsvolle Ressource dar und die Qualität von Freundschaften sind wichtige Prädiktoren für die Lebenszufriedenheit.
Eine neuere Studie von Jeffery Hall untersuchte die Frage, wieviele Stunden es braucht, um eine neue Freundschaft zu etablieren. Er untersuchte 112 College Studenten alle drei Wochen während ihren ersten neun Wochen an der Universität. Gleichzeitig liess er 355 amerikanische Erwachsene einen Fragebogen ausfüllen, welche vor einem halben Jahr in eine neue Stadt gezogen sind und befragte sie danach, wieviel Zeit sie mit neuen Bekanntschaften verbracht haben und wie eng die Freundschaft jeweils wurde.
Mit diesen Daten konnte Hall abschätzen, wieviele Stunden es für unterschiedliche Freundschaftsgrade brauchte:
- Es dauerte bei den Studenten 43 Stunden und bei der Erwachsenen-Gruppe 94 Stunden, um Bekanntschaften in lockere Freundschaften umzuwandeln.
- Studenten brauchten 57 Stunden, um aus lockeren Freundschaften enge Freunde zu machen. Die Erwachsen-Gruppe brauchte durchschnittlich 164 Stunden.
- Um aus Freunden gute Freunde oder beste Freunde zu machen, brauchten Studenten 119 Stunden. Die Erwachsenen-Gruppe brauchte zusätzliche 100 Stunden dafür.
Wie wissen wir also, ob jemand eine nette Bekanntschaft bleibt oder zum besten Freund wird? Hall fragte nach den gemeinsam unternommenen Aktivitäten, die Befunde waren jedoch nicht einheitlich. Eine andere Studie von Parkinson et al. konnte jedoch Freundschaften vorhersagen, indem die neuronale Reaktion auf Filmausschnitte verglichen wurde. Freunde scheinen dieser Studie zufolge nicht nur Geheimnisse und emotionale Nähe zu teilen, sondern weisen auch ähnliche neuronale Reaktionen in Bezug auf die Welt auf. Es wird weiterhin diskutiert, ob dies eher eine Konsequenz der gemeinsam verbrachten Zeit ist (Freunde beeinflussen sich in Bezug auf Gedanken, Einstellungen, Stimmungen) oder ob wir uns zu Menschen stärker hingezogen fühlen, deren Hirnaktivität unserer gleicht.
Auf jeden Fall konkludiert Hall, dass wir nicht einfach „neue Freunde haben können“, sondern dass es vor allem viel gemeinsame Zeit braucht, um Freunde zu werden. Die Statistiken zeigen jedoch, dass ein durchschnittlicher Amerikaner nur 41 Minuten täglich mit der Pflege von Kontakten verbringt, während die Zeit vor dem Fernseher oder Handy sich auf 120 und mehr Minuten beläuft.
Soziale Kontakte scheinen also ein gutes Investment zu sein: denn gute Beziehungen wollen nicht nur aufgebaut, sondern auch gepflegt werden.
Literatur:
Hall, Jeffrey A. (2018). How many hours does it take to make a friend? Journal of Social and Personal Relationships. https://doi.org/10.1177/0265407518761225
Parkinson, C., Kleinbaum, Adam M., Wheatley, Th. (2018). Similar neural responses predict friendship. Nature Communications. Volume 9, 332.
Lic. phil. Andrea Bender