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Monatsgedanke Februar
von Martina Brendler
Geschätzte Kirchbürgerinnen und Kirchbürger
Dieses Bild erinnert mich an eine Geschichte. Sie hat den Titel «Der kaputte Krug». Es gibt sie in mehreren Varianten.
Es geht um zwei Krüge, in denen Wasser transportiert wird, und zwar immer auf der gleichen Strecke. Einer dieser Krüge ist kaputt, der andere ist heil. Der kaputte Krug erfüllt den Zweck des Wassertransportierens nicht richtig, er verliert unterwegs Wasser und kann immer nur die Hälfte der geforderten Menge abliefern. Er schämt sich deshalb. Am Ende der Geschichte stellt sich aber heraus, dass das Wasser, das der kaputte Krug verloren hat, den Boden wässerte und dass an diesen Stellen wunderschöne Wildblumen wuchsen.
Die Geschichte hat viele Botschaften. Eine davon: Lass dich nicht entmutigen, wenn du ein Ziel nicht erreichst. Vielleicht hat dein Bemühen etwas anderes Gutes hervorgebracht, das du gar nicht bemerkt hast.
Eine andere könnte sein: Es gibt einen Gott, der alles zum Guten wendet. Der aus unseren unvollkommenen Versuchen, das Richtige zu tun, etwas Lebendiges
wachsen lässt. Da, wo wir gar nicht damit rechnen. Das kennen wir aus unserem persönlichen Umfeld wahrscheinlich auch. Trotz guter Vorbereitung verläuft ein
Gespräch ganz anders als geplant. Ich schaffe es nicht, das Verhandlungsziel zu erreichen. Trotz guter Vorbereitung ist das Ergebnis einer Prüfung nicht genügend. Die Kraft hat nicht ausgereicht. Wir kennen es aber auch auf der globalen Ebene. Friedensverhandlungen scheitern, Klimakonferenzen zeigen keine messbaren Ergebnisse. Die Menschheit scheint in puncto Vernunft und Gelassenheit keine wirklichen Fortschritte zu machen. In diesen Momenten nur auf die scheinbar negative Bilanz eines Ereignisses zu schauen kann verheerende Auswirkungen haben, gerade weil es auf den ersten Blick logisch zu sein scheint. Einen kaputten Krug kann man nicht mehr brauchen, eben weil er Wasser verliert, statt es zu halten. Der muss entsorgt werden, völlig klar. Und natürlich soll er sich schämen, dass er nicht die geforderte Leistung bringt!
Die Geschichte erzählt weiter, dass der Wasserträger, der mit den beiden Krügen unterwegs ist, sehr wohl bemerkt hat, dass der eine Krug einen Riss hat. Und dass er ihn trotzdem zwei Jahre lang – was übertragen bedeutet: eine lange Zeit – geduldig immer weiter mit Wasser füllt und ihn jeden Tag dieselbe Strecke trägt. Und dass er selbst die Blumensamen ausstreut, die dann das Wasser des kaputten Kruges brauchen, um zu erblühen. Die Blumen landen dann als Tischschmuck auf einem Tisch oder werden, in einer anderen Variante, auf dem Markt verkauft. So wird aus dem kaputten Krug ein Segen.
Mich erinnert diese Geschichte natürlich auch an einen Bibelvers: «Aber du, Herr, du bist ein Gott voll Liebe und Erbarmen, du hast viel Geduld, deine Güte und
Treue sind grenzenlos.» (Psalm 86, 15) Und noch an viele andere biblische Verse und Geschichten.
Wenn wir das Gefühl haben, es geht nicht mehr weiter, dann fängt Gottes Güte und Erbarmen erst an! Das hätte dem kaputten Krug sicher auch gefallen.
Pfarrerin Martina Brendler