Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03481.jsonl.gz/1255

Du möchtest deinen Kollegen in FIFA eine Lektion erteilen? Im Doppel-Interview geben der amtierende Weltmeister Mohamad Al-Bacha und Game-Profi Benedikt Saltzer Tipps, wie das gelingen kann. Zudem verraten die beiden, wie sie trainieren, um als Profis zu bestehen.
Al-Bacha: Das Wichtigste ist, viel zu spielen und viel Zeit in das Spiel zu investieren.
Saltzer: Ohne viel zu spielen geht es nicht. Zudem sollte man sich Gegner suchen, die ein Stück weit besser sind als man selbst. An denen kann man sich dann hochziehen.
Al-Bacha: Wenn du ein Spiel 10:0 gewinnst, wirst du daraus nichts lernen. Wenn du allerdings gegen einen besseren Spieler 0:3 verlierst, wirst du viel mehr profitieren. Lerne, was sie besser machen als du und versuche es im nächsten Spiel umzusetzen.
Saltzer: Erst dann kann man an der Feinjustierung arbeiten und wenn man sich gut fühlt, sollte man sich einfach mal bei Turnieren anmelden. Zum Beispiel beim FIWC (FIFA Interactive World Cup, Preisgeld total 1,3 Mio. $) mitmachen oder sich online in verschiedenen Ligen anmelden.
Al-Bacha: Lerne die Skill-Moves, sie können dein Spiel retten. Gerade wenn du gegen die Abwehr des Gegners nicht durchkommst, helfen oft nur die Skill-Moves. Wenn du nicht weisst, was du machen kannst, brauchst du diese Spezialbewegungen.
Saltzer: Ich denke, eine defensive Aufstellung von Beginn an hilft, denn speziell die Defensive ist äusserst wichtig. Nach vorne macht man in FIFA immer irgendwie ein Tor, egal ob Standardsituation, Konter oder Fehler vom Gegner. Wenn man in der Defensive gut steht, sollte man meistens gewinnen.
Al-Bacha: Es gibt viele Spiele, in denen es schnell hin und her geht. Versuche in solchen Situationen, nicht sofort wieder nach vorne zu spielen, wenn du denn Ball eroberst, sondern nimm etwas Tempo aus dem Spiel, damit du den Ball in den eigenen Reihen halten kannst.
Saltzer: Während des Spiels ist zudem ganz wichtig, die Formation hinten in der Abwehr «zusammenlaufen zu lassen». Das heisst, die Verteidigung beim Angriff des Gegners nicht sinnlos rausrücken lassen, weil sonst Lücken entstehen. Man sollte immer versuchen, mit seinen Sechsern oder den anderen Mittelfeldspielern nach hinten zu laufen und nicht einfach mit der Verteidigung zu attackieren.
Al-Bacha: Man sollte «enge »Formationen wählen, um die Mitte zuzumachen. Das Bestmögliche ist es allerdings, mit Formationen zu spielen, die es dir ermöglichen, über die Flügel oder durch die Mitte anzugreifen. So bleibst du flexibel. Meine Lieblingsformation ist das 4-3-2-1. Damit kann ich das Flügelspiel mit Flanken forcieren, aber auch durch die Mitte attackieren.
Saltzer: Für eine stabile Defensive eigenen sich zum Beispiel das 4-2-3-1 (defensiv stark durch die zwei Sechser) oder auch ein 4-1-4-1 (ebenfalls mit fünf Spielern im Mittelfeld).
Al-Bacha: Es gibt individuelle Anweisungen für die einzelnen Spieler, diese muss man unbedingt einstellen. Man muss seinen Spielern genau sagen, wie sie sich in bestimmten Situationen zu verhalten haben, sonst machen sie schlicht das, was der Computer tun würde.
Saltzer: Training umfasst alles. Einerseits viel spielen, andererseits aber auch Standard-Training, wie Elfmeter, Ecken oder Freistösse. Manchmal spiele ich auch einen Tages-Cup und zocke fünf, sechs Stunden lang durch.
Al-Bacha: Ich mag es, kompetitiv zu spielen. Deshalb versuche ich, immer neue Sachen zu probieren, denn wenn du immer gleich spielst, wirst du nicht besser. Wenn du ein Spiel verlierst und merkst, dass du mit dieser Formation oder Taktik unterlegen bist, dann muss du etwas neues probieren. Ich probiere jeweils verschiedene Formationen aus, aber es muss immer kompetitiv sein, sonst lernst du nicht wirklich etwas. Du musst herausgefordert werden.
Saltzer: Es gibt immer wieder Tage, an denen ich nur Gegner analysiere. Wenn ich weiss, dass ich nächste Woche gegen Spieler XY spielen muss, probiere ich irgendwie Videomaterial zu beschaffen, um seine Spielweise anzuschauen. Und anschliessend, verschiedene Aufstellungen gegen diese Spielweise zu entwickeln.
Saltzer: Weil jetzt gerade FIFA 17 rauskommt, werde ich schon drei bis vier Wochen richtig durchkellern, dann muss ich jeden Tag acht Stunden zocken. Man beginnt halt praktisch bei Null, weil es neue Bewegungsabläufe gibt und man die Positionen rausfinden muss, von denen ein Tor erzielt werden kann. Erst nach dieser Zeit, hat man wieder sein Profi-Niveau. Um dieses Niveau zu halten, brauche ich dann täglich zwei bis drei Stunden.
Al-Bacha: Ich spiele etwa zwei Stunden FIFA pro Tag; wenn das Spiel neu rauskommt, sind es etwa drei bis vier Stunden täglich. Ich versuche einfach immer zu lernen, lernen, lernen und dann die einzelnen Teile zusammenführen.
Saltzer: Ich sehe FIFA–Spielen mittlerweile mehr als Arbeit an, aber als eine, die sehr, sehr, sehr viel Spass macht. Allerdings muss man auch spielen, wenn man mal keine Lust hat oder es gerade nicht so läuft. Gerade wenn man ein Turnier bevorsteht. In den Wochen vorher muss man sich halt disziplinieren, dann muss man sich manchmal schon überwinden, um dann wirklich erfolgreich zu spielen.
Al-Bacha: Ich spiele online gegen andere Profi-Spieler, das ist das Beste für mich. Ich will nicht zu viel Zeit verschwenden und sinnlos spielen. Es ist wichtig, das Optimum aus der Zeit rauszuholen.
⚽️ fleissig spielen und üben
⚽️ sich mit besseren Gegnern messen
⚽️ Skill-Moves lernen
⚽️ Fokus auf die Defensive
⚽️ Tempo rausnehmen und Ball kontrollieren
⚽️ enge, aber flexible Formationen wählen
⚽️ defensiv stabile Formation aussuchen
⚽️ Spielern individuelle Anweisungen geben
⚽️ Standards lernen und perfektionieren
⚽️ sich immer herausfordern und versuchen, aus Niederlagen zu lernen