Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03315.jsonl.gz/520

Das Schloss in 1767 Herrliberger
Die Herren von Heidegg
Das Geschlecht der Herren von Heidegg taucht 1185 mit der Nennung Heinrichs erstmals in den Schriftquellen auf. Ab 1223 wird dessen gleichnamiger Sohn erwähnt. Als unfreie Dienstleute (Ministerialen) standen die Heidegger im Dienst der jeweiligen Landesherren, zuerst der Kyburger, dann der Habsburger. Die Familie weist in der Folge bis zu ihrem Verschwinden im17. Jahrhundert über 110 Glieder auf und verschwägert sich vielfach mit dem regionalen Kleinadel. Auf der Heidegg sass sie bis ins frühe 15. Jahrhundert. Der geäufnete Grundbesitz beschränkte sich auf die nähere Umgebung.
Ungewiss ist, wann der Familie die Ausbildung einer Gerichtsherrschaft gelang. Möglicherweise gehörten Zwing und Bann über die Dörfer Gelfingen und Altwis seit dem früheren 13. Jahrhundert zur Heidegg. Es ist dies die Zeit, in der das Seetal als beste Landverbindung zwischen Gotthard, Luzern und Basel überregionale Bedeutung erlangt. Es ist auch die Zeit eines allgemeinen Bevölkerungswachstums, das entlang der Route von zahlreichen Burg- und Stadtgründungen begleitet wird. Erst im 14. und 15. Jahrhundert wird die direktere Nord-Süd-Linie via Sursee und Olten das Seetal ins Abseits drängen. (Und in neuerer Zeit wurde für Zug und Autobahn ebenfalls diese direkte Linie gewählt, das Seetal blieb verkehrstechnisch ein Nebental.)
Der jüngsthin in die Zeit kurz nach 1200 datierte Kernbau des heutigen Schlossturms dürfte andeuten, dass die Familie von Heidegg in dieser Zeit eine Burganlage errichtete oder bereits errichtet hatte. Anlass und Ziel des Burgenbaus war weniger die von hier aus kaum zu verwirklichende Kontrolle über den Durchgangsverkehr. Geeigneter war die Burg für die Verwaltung der umliegenden Güter, insbesondere des Rebgeländes. Der klimatisch und topografisch günstig gelegene Heidegger Rebberg ist zwar erst 1275 schriftlich nachgewiesen, dürfte aber älter sein. Von Bedeutung war auch die Aufsicht über den See mit seinem Fischreichtum.
Die Gerichtsherrschaft blieb lange klein, denn die Konkurrenz in der Nachbarschaft die Herren von Baldegg, Lieli, Ober-Rinach, die Deutschritter in Hitzkirch, die Chorherren in Beromünster und die Grafen von Kyburg, die rund um die Heidegg niedere und hohe Herrschaft ausübten liess keine weitere Ausdehnung zu. Um 1430 allerdings erreichten die Nachfolger der Herren von Heidegg, die Büsinger, die Verschmelzung mit der Herrschaft Lieli. Nun gehörten neben Gelfingen und Altwis auch die Dörfer Lieli, Sulz und Mosen zum Gericht Heidegg.
Im 14. Jahrhundert geriet die Heidegg in den Sog der nach Landesherrschaft strebenden Stadt Luzern. Dank dem zuvor erworbenen Luzerner Burgrecht entging Heidegg im Vorfeld des Sempacherkriegs, im Gegensatz zu den umliegenden Burgen, der Zerstörung.
Dieses Ereignis von 1386 hat viel später, im 19. Jahrhundert, eine eindrückliche Sage als wundersame Rettung gedeutet: die Muttergottes habe das flehende Beten des Burgfräuleins erhört, die Heidegg in Nebel gehüllt,worauf die brandschatzenden Eidgenossen sich in der Gegend verirrten. Zum Dank für die Verschonung der Heidegg sei die Kapelle errichtet worden. Die Kapelle ist allerdings nachweislich erst in nachreformatorischer Zeit, um 1600, erbaut worden.
Seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert lösten einflussreiche Stadtluzerner Bürgerfamilien einander im Besitz ab: die Hasfurter, Tammann, Hug, Kündig, Fleckenstein, Pfyffer. Sie alle suchten die Burg zu modernisieren, wobei der Umbau zu einer Fortifikation während der Reformation und die letzte Aufstockung zum Schlossturm durch die Pfyffer im ausgehenden 17. Jahrhundert die markantesten Neuerungen brachten. Die finanziell überforderten Pfyffer veräusserten den Sitz 1700 an Luzern, das ihn sofort sanierte und bis 1848 als Staatsdomäne verwaltete. 1798 fand die Gerichtsherrschaft ihr Ende. Nach dem Sonderbundskrieg ging das Schloss mangels potenterer Interessenten an den Gelfinger Bauern Joseph Heggli, der jedoch für die alten Gebäude wenig Verwendung fand. 1875 gelang dem luzernisch-amerikanischen Paar Pfyffer von Heidegg-Slidell der Rückkauf. Die Pfyffer versahen das Äussere der Anlage rechtzeitig zur Eröffnung der Seetalbahn 1883 mit burgenromantischem Dekor und machten 1912 das Schlossinnere wieder bewohnbar. 1950 übergaben die letzten lebenden Pfyffer von Heidegg, die Witwen Mathilde von Glutz und Marie-Louise de Chambrier, das Schloss der Bevölkerung des Kantons Luzern.
Die Umgestaltung des barocken Gartenparterres zum Rosenschaugarten, sie geschah auf Anregung des deutschen Bundeskanzlers Adenauer hin, und die Wiederbelebung des Heidegger Rebberges nach 1950 sowie eine Zeitlang die Unterbringung des Schweizerischen Jagdmuseums verhalfen der Heidegg zu überregionaler Ausstrahlung. Neben dem eigenen Wein und den Rosen tragen verschiedene Aktivitäten den Namen Heidegg immer wieder über das Tal hinaus: so 1997 eine Freilicht-Skulpturen-Ausstellung, 1998 das Schlossfest zur Wiedereröffnung, 1999 ein spectacle son et lumière zur Geschichte der Heidegg, 2000 ein Schloss-Musik-Fest. Die Gesamtrenovation von 1995-1998 setzte die Heidegg in den Stand, auch im neuen Jahrtausend mit einer ausgewogenen Verbindung von Tradition und modernen Möglichkeiten zu bestehen.
Bibliographie