Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03421.jsonl.gz/2002

Es zeigte sich im Laufe des Experiments, dass die Mitarbeitenden im Homeoffice mehr Telefonanrufe bewältigten als ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen am Standort des Arbeitgebers. Die Befragung der Mitarbeitenden zu den Gründen ihrer Performance ergab, dass die Mitarbeitenden im Homeoffice
- in einer ruhigeren Umgebung arbeiteten, die Kunden so besser verstanden, weniger nachfragen mussten und die Anfragen aus diesem Grund,
- aber auch generell schneller bearbeiten konnten.
Die Wissenschafter errechneten einen Leistungsanstieg des einzelnen Mitarbeitenden von rund 13%. Hinzu kam die Reduktion der Raum- und Materialkosten im Umfang von 54%, was kostenmässig relevant ist.
Die Arbeitnehmenden im Homeoffice
- konnten mehr Arbeit pro Tag bewältigen,
- machten weniger Pausen und
- konnten früher mit der Arbeit beginnen, da sie nicht im Stau standen oder pendeln mussten (was insgesamt für den Arbeitnehmenden einen «kürzeren» Arbeitstag ergibt mit der Folge von besserer Leistungsfähigkeit),
- waren weniger krank und hatten auch sonst weniger Absenzen.
Das Experiment ergab weiter, dass
- die Arbeitszufriedenheit der Homeoffice-Mitarbeitenden signifikant stieg und
- die Fluktuationsrate um über 50% sank.
Interessanterweise wollten dennoch 50% der Homeoffice-Mitarbeitenden nach dem Experiment wieder im Betrieb selbst und nicht zu Hause arbeiten. Sie begründeten diesen Entscheid mit der zunehmenden Vereinsamung zu Hause und dem fehlenden Austausch im Team. Gleichzeitig konnte sich nur 1/3 der Nichtausgewählten vorstellen, überhaupt ins Homeoffice zu wechseln.
Weitere Erkenntnisse
Rechtsanwältin Steiger-Sackmann gab zu bedenken, dass es sich bei dieser Studie nur um eine kurze Experimentierphase gehandelt habe und deshalb die absolute Aussage «Homeoffice führt zu Produktivitätssteigerungen» relativiert werden müsse.
Weitere arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse besagen, dass sich Arbeitsleistungen unter anderem dann verbessern, wenn nur gelegentlich Homeoffice praktiziert wird. Die Arbeitszufriedenheit und Produktivität nehmen bis ca. 2,5 Tage pro Woche kontinuierlich zu, stagnieren eine Zeitlang und sinken ab 3 Tagen im Homeoffice deutlich ab.
Es gibt überdies Aufgaben, die schlichtweg nicht fürs Homeoffice geeignet sind. Es sind dies Arbeiten, die eine engere Zusammenarbeit und zwischenmenschliche Beziehungen oder Empathie erfordern.
Abklärungen haben – wenig erstaunlich – zudem ergeben, dass die Arbeitsdauer im Homeoffice deutlich höher ausfällt als eigentlich vereinbart, wenn die Arbeitszeit nicht erfasst wird. Belegt ist aber auch, dass die Teamleistung schlechter wird, je mehr Mitarbeitende von zu Hause aus arbeiteten. Homeoffice kann zu sozialer und beruflicher Isolation führen und beeinträchtigt somit, am Ende des Tages, die Arbeitsleistung. Im Gegenzug dazu zeigte sich, dass Teams dann erfolgreich sind, wenn sie auch nichtarbeitsbezogen miteinander kommunizieren und in persönlichem Kontakt stehen.
Gewisse Menschen sind für eine erfolgreiche Umsetzung des Homeoffices generell ungeeignet: Es handelt sich um Arbeitnehmende, die die nötigen organisatorischen Fähigkeiten nicht haben und die Arbeit gerne vor sich herschieben oder alles erst im letzten Moment erledigen – bei diesen sinkt Arbeitsqualität und Arbeitsmenge im Homeoffice.