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Zwei schlagkräftige Argumente, ein wild wuchernder Vollbart, stechender Blick, tiefes Grummeln – so einfach funktioniert Bud Spencer. Die Filme von Carlo Pedersoli, wie Spencer mit bürgerlichem Namen hiess, laufen im Fernsehen rauf und runter und seine Sprüche zählen zu den Klassikern der Leinwandgeschichte. Er war Olympia-Schwimmer, Western-Held und berühmt für seine Fäuste, nun ist Kino-Legende Bud Spencer im Alter von 86 Jahren gestorben. Das bestätigte sein Sohn Giuseppe Pedersoli: „Er hat nicht gelitten, er hatte uns alle bei sich, und sein letztes Wort war Danke“, sagte Pedersoli der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge.
Kinder wünschten sich seine Kraft, Männer träumten von seinem frechen Mundwerk und Eishockeyspieler eiferten erfolglos seinem wilden Bartwuchs nach. Die Beliebtheit des italienischen Schauspielers ist bis heute ungebrochen. Bud Spencer hatte ein ereignisreiches Leben, das viel mehr war als Kinnhaken, Kino und Klamauk. Schauspieler, Jurist, Unternehmer, Leistungsschwimmer, Musikproduzent, Erfinder – all dies hätte auf die eine oder andere Weise die Berechtigung, auf seiner Visitenkarte stehen zu können. Mit Terence Hill wird Bud Spencer wegen seiner unzähligen „Haudrauf-Filme“ in Erinnerung bleiben. Der vollbärtige Mann mit kleinen, zusammengedrückten Augen wurde durch den sogenannten „Spaghetti-Western“ weltberühmt. Mit der beidhändigen Doppelbackpfeife und dem senkrechten Schlag mit der Faust auf den Kopf lehrte er seinen Gegnern das Fürchten.
Carlo Pedersoli, der in Neapel geboren wurde, übersprang in der Schule zwei Klassen. Mit 16 studierte er Chemie, musste aber aufhören, weil die Familie nach Südamerika auswanderte. Erst nach Brasilien, dann nach Argentinien. Dort arbeitete er als Fliessbandarbeiter, Sekretär und Bibliothekar. Als er nach Rom zurückkehrte, studierte Pedersoli Jura und ging wieder nach Südamerika, diesmal nach Venezuela, um dort als Alfa-Romeo-Manager zu arbeiten. Schon in den Fünfzigerjahren war er überaus erfolgreich. Er nahm 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne an den olympischen Spielen teil. Etwas später sagte der massige Italiener dem Leistungssport „Ciao“ und konzentrierte sich auf seine Schauspielkarriere als „Bud Spencer“. Sein Schwiegervater Giuseppe Amato, der als Filmproduzent sein Geld verdiente, brachte ihn dann mit dem Showbusiness in Kontakt. Seinen Künstlernamen legte er sich zu, weil er sich den Namen als Schwimm-Champion nicht „ruinieren“ wollte. „Spencer, weil Spencer Tracy mein Lieblingsschauspieler war. Und Bud, tja, wie das Bier Bud“, erklärt der Koloss vor einigen Jahren.
Dem Publikum gefiel der Schwimmer als Schauspieler. Filme mit Titeln wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ oder „Zwei Asse trumpfen auf“ füllten die Kinos. Doch Schwimmer und Schauspieler war nur eine Seite von Bud Spencer. Der Italiener war ausserdem auch Jurist, Unternehmer, Musikproduzent, Erfinder, Rugby-Spieler, Wasserball-Nationalspieler und Frauenheld. Zumindest, bevor er 1960 Maria Amato heiratete. „Hat dir eigentlich schon mal einer mit dem Vorschlaghammer einen Scheitel gezogen?“ Diplomatie hat in „“Vier Fäuste gegen Rio“ niemand gelernt. Stattdessen fliegen in schöner Regelmässigkeit die Fäuste. Doch mit modernen Action-Helden wie Bruce Willis oder Arnold Schwarzenegger hat Bud Spencer nichts gemein. Kein Blut. Keine bombastischen Explosionen. Einfach Faust auf die Nase. Das allerdings derart perfekt inszeniert, dass es trotz 1,92 Metern Grösse und über 150 Kilo Kampfgewicht an Ballett erinnert.
Aus einer Schlägerei, natürlich stets gegen eine Vielzahl von Gegnern, formt der bärtige Koloss ein Gemälde, untermalt von „Boing“ und „Batsch“. Dazu Songs mit Ohrwurmpotential, „Flying Through The Air“ wiederholt sich ebenso zum Refrain von „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ wie „Dune Buggy“ in „Zwei wie Pech und Schwefel“. Ein Internet-Hit ist auch der legendäre Auftritt von Bud Spencer im Chor, als er in den Klassiker „Lalalalala“ ein „Bababa“ einbaut und sich den Zorn des Dirigenten zuzieht. Besonders lebensnah geriet aber vor allem der Soundtrack der Mahlzeiten: „Rülps. Alles raus was keine Miete zahlt.“ Apropos „Rülps“, da können selbst Joko und Klaas einpacken: Kaum ein Duo harmoniert auf der Leinwand so perfekt miteinander wie der dickköpfige Bud Spencer und der smarte Terence Hill. Neun Filme drehten Bud Spencer und Terence Hill gemeinsam, die Namen sind zu einem Synonym von Schalk und Draufgängertum geworden.
So sehr ein paar ordentliche Backpfeifen auch als Markenzeichen von Bud Spencer gelten – er prügelt sich selten der Prügel wegen. Mal legt er Ganoven das Handwerk, mal lehnt er sich gegen geldgeile Immobilienhaie auf, immer ist es Gut gegen Böse. Selber stets knapp bei Kasse und sich mühsam durchs Leben kämpfend zeigt er vor allem vor Wichtigtuern und Amtspersonen keinen Respekt. In seinen Filmen gehört sein gutmütiges Herz oft dem einfachen Arbeiter, eine Position, die Carlo Pedersoli nur zu gut kannte. Während andere Idole wie „Baywatch“-Bademeister David Hasselhoff heutzutage sturzbetrunken vom Fussboden Burger verzehren und ihren Ruf erfolgreich ruiniert haben, faszinierte Bud Spencer immer noch als Held. Die Grenzen seines Könnens vor der Kamera hat er in seiner Autobiographie klar erkannt: „Ich bin kein Schauspieler, ich bin ein Charakter.“ Genau das macht die Figur Bud Spencer so unerreicht. Er spiegelte allerlei Hoffnungen und Träume, vor allem aber war er authentisch und hatte sich so ein eigenes Genre geschaffen.
In den 80er Jahren habe ich, so wie alle anderen auch, jeden Film mit Bud Spencer und Terrence Hill aufgesogen. Ich hab die alle gesehen, Vier Fäuste für ein Halleluja, die Plattfuss-Filme, Sie nannten ihn Mücke, Der Grosse mit seinem ausserirdischen Kleinen, Buddy haut den Lukas, Banana Joe, Hector, Der Bomber und wie sie alle hiessen. Bud Spencer und Terrence Hill waren eine Bank, eine Maschine, die jedes Jahr wie ein Uhrwerk eine neue Comedy für uns Kids raushaute und in denen zerlegten sie zuverlässig jede Einrichtung und verkloppten Gangster und Cops. Ich hatte die Filme ewig nicht mehr gesehen, habe sie im Laufe der Jahre und wachsender cineastischer Bandbreite auch eher unter „Crap I watched as a Kid“ verbucht und bin doch die letzten zwei Jahre wieder auf den Geschmack gekommen, sobald wieder was in der Glotze lief.
Nun ist Carlo „Bud Spencer“ Pedersoli im Alter von 86 Jahren gestorben. „Er hat nicht gelitten, er hatte uns alle bei sich und sein letztes Wort war „Danke“, sagte sein Sohn Giuseppe Pedersoli der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge. „Mit unserem tiefsten Mitgefühl müssen wir mitteilen, dass Bud zu seiner nächsten Reise fliegt“, teilte seine Familie auch auf seiner Facebook-Seite mit. Ruhe in Frieden. In meiner Kindheit/Jugend hätte mir ohne deine Filme etwas gefehlt. Zu urkomisch waren deine Filme zusammen mit deinem kongenialen Filmpartner Terence Hill, die mich und meine Familie zu Tränen lachen liessen. Du lässt diese Erinnerung auf ewig wach bleiben. Ich danke dir. Mit dir geht ein Stück meiner Kindheit. Ciao grande. Sei una legenda. Grazie di cuore. Fuck this year! Ich mach heute einen Bud Spencer-Marathon…