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Der Geiselchlepfer
Wie der Einscheller der Narrhalla Reichenburg, trägt der Chlepfer ein weisses Hirthemd mit Kapuze. Das Hemd ist mit dem Dorfwappen, Blumenzierde und dem Narrhalla Reichenburg Logo bestickt. Dazu trägt er schwarze Hosen und an der rechten Seite ein rotes Glarnertüchlein, welches an den angrenzenden Kanton Glarus erinnert. Schwarzes festes Schuhwerk sorgt für den nötigen Halt auf dem Asphalt.
Die Geisel wurde zu Beginn als Arbeits- oder Lärminstrument eingesetzt. So diente sie früher den Bauern zum Treiben von Tieren oder zur Aufsicht des Viehs. Bereits 1522 wurde sie vom Dichter und Maler Niklaus Manuel Deutsch als Lärminstrument erwähnt. So bezeichnete er damals einen Bauer als Klepfgeisel. Neben der Fasnachtszeit trifft man den Geiselchlepfer auch noch in der Adventszeit um den St. Nikolaustag an. Eine eindrückliche Demonstration ihres Könnens, zeigen sie jedes Jahr am Klausjagen, welches in Küssnacht am Rigi stattfindet.
Der Geiselchlepfer in Reichenburg eröffnet jedes Jahr am 6. Januar die Fasnachtszeit. Er führt zusammen mit den Einschellern den Umzug an. Mit rhythmischen Peitschenknallen kündet er zugleich die fünfte Jahreszeit an. Dazu verwendet er eine Fuhrmannsgeisel. Die Fuhrmannsgeisel setzt sich aus dem Stecken und einem Seil zusammen. Die Länge des Steckens beträgt ca. 1100mm und wird aus dem seltenen Surgel oder Zürgelholz angefertigt. Die Bäume wachsen im Mittelmeerraum und vereinzelt im Tirol. Für die Herstellung eines Steckens spaltet man die Routen bis 150mm vor Ende auf und legt diese ins Wasser ein. Durch die Feuchtigkeit drehen sich die Späne und geben dem zukünftigen Stecken die nötige Belastbarkeit. Die einzelnen Späne der Routen werden zum Schluss zusammen gedreht und mit Leder bis zum eingeschlitztem Griff überzogen, um sie haltbarer zu machen. Dachshaare zieren den Übergang vom Leder zum hölzernen Handgriff.
Die dazugehörende Schlinge einer Fuhrmannsgeisel setzt sich aus den drei Teilen: Seil, Vorseil und Zwick zusammen. Das Seil wird aus Hanf zu immer dünneren Fäden gespannt. Jeweils vier Fäden werden zusammen geflochten und sechs solcher Stränge ergeben das Seil. Ein Seil ist ca. 1500mm lang. Beim Stecken rund 28mm dick und verjüngt sich bis zum Ende auf 3mm. Nach dem Seil kommt das Vorseil und wird vom Chlepfer selber angefertigt. Dazu verwendet er eine Schnur aus sechsfachem Zwirn. Das rund 200mm Vorseil wird mit dem Seil aufwendig verstätet. Am Ende des Vorseils wird noch der Zwick angeknüpft, damit die Geisel auch knallt.
Die Schlinge wird mittels Manndli (einem Lederriemen) an der Lederschlaufe des Steckenabschluss kunstvoll zusammengeknüpft.
Mit dem Schlagen der Fuhrmannsgeisel wird die Tätigkeit Chlepfen bezeichnet. Dabei wird der Chrützlistreich angewendet. Darunter versteht man die gezielt gekonnte Bewegung in Form der Zahl acht über dem Kopf. Dadurch erfährt das Ende der Schlinge schnelle Richtungswechsel und somit hohe Geschwindigkeiten. Ein Knall ist zu hören, wenn diese Geschwindigkeit höher als die Schallgeschwindigkeit (340 m/s) ist. Der Knall ist also nichts anderes als der Überschallknall des Schlingenendes. Je grösser die Schlinge und kraftvoller die Bewegung des Geiselchlepfers, umso lauter der Knall, was eine erhebliche Kraftanstrengung erfordert.
Der Chrützlistreich setzt sich aus Innwendig, Aussenseitig, Innenstreich, Aussenstreich und dem Doppelstreich zusammen. Mit Innwendig (direkt über dem Kopf und benötigt sehr wenig Platz) und Aussenseitig (auf der Seite, braucht mehr Platz) sind die rhythmischen mehrmaligen Schläge des Knalls gemeint. Die Innen- und Aussenstreiche ergeben nur einen Knall, sind lauter und der Chlepfer benötigt dafür einen grösseren Radius an Platz.
Mit dem Doppelstreich (welcher zweimal chlepft) wird seine Vorführung beendet.
Ein geübter Chlepfer beherrscht den Chrützlistreich mit der rechten und genauso gut mit der linken Hand. Durch die verschiedenen Techniken und das Wechseln der Hand, bekommt der Chlepfer eine grössere Ausdauer.
Am 6. Januar findet in Schwyz die Meisterschaft des Chrützlistreichs statt. Dabei wird jeder Teilnehmer mit Punkten bewertet. Dabei wird auf die Haltung, Gleichmässigkeit, Knall, Geschwindigkeit und seine Art des Chlepfens unter die Lupe genommen.