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An Pfingsten hörten alle die Apostel in ihrer je eigenen Sprache reden. Wir haben den gehörlosen Pantomimen JOMI gefragt, wie er diesen Satz versteht und wie er Pfingsten darstellen würde.
Interview: Sylvia Stam
Sie haben Szenen aus der Passion in Ihrem Repertoire. Könnten Sie sich auch vorstellen, das Pfingstgeschehen pantomimisch darzustellen?
JOMI: Ja natürlich. Jedes biblische Thema kann pantomimisch dargestellt werden. Die Pantomime hat viele Facetten und kann letztlich alles ausdrücken.
Wie könnte das aussehen?
Ich finde es spannend, die Pantomime zu nutzen, denn «jede/r hörte sie in seiner Sprache reden» ist genau das, was Pantomime kann: Jeder Mensch, egal welcher Herkunft oder Kultur, kann diese Sprache verstehen – ähnlich wie beim Pfingstereignis.
Das Pfingstereignis beginnt mit einem grossen Brausen. Können hörbehinderte Menschen ein Brausen wahrnehmen?
Ein gehörloser Mensch kann ein Brausen nicht wahrnehmen, aber ich stelle es mir so vor, als ob ein Kribbeln, wie ein Wind, durch meinen Körper fährt und mich ein wenig schüttelt.
Nachdem die Apostel vom Heiligen Geist erfüllt sind, beginnen sie in verschiedenen Sprachen zu reden, und «jede/r hörte sie in seiner Sprache reden». Wie deuten Sie diese Aussage?
Auch ich habe eine Sprache: die Gebärdensprache. Oft wünsche ich mir, dass mehr Menschen meine Sprache sprechen könnten. Ich stelle es mir sehr schön vor, wenn sich plötzlich alle verständigen könnten ohne Barriere.
Wie liesse sich das pantomimisch darstellen?
Diese emotionale Reaktion auf ein so freudiges Ereignis kann körpersprachlich umgesetzt werden in einem Lachen, einer Geste der Offenheit und des Aufeinanderzugehens.
Sie begeistern mit Ihren pantomimischen Darstellungen ein grosses Publikum. Christlich gesprochen könnte man sagen, der Heilige Geist spricht durch Ihren Körper und das Publikum versteht Sie. Was sagen Sie dazu?
Der Heilige Geist spricht in meinem biblischen Repertoire durch die Kunst der Pantomime zu den Menschen. Sie ist die Überbringerin der Botschaften.
Ist Körpersprache eine universelle Sprache, die weltweit verstanden wird? Oder gibt es auch hier kulturelle Unterschiede?
Natürlich gibt es auch hier kulturelle Unterschiede; denken Sie einmal an das Temperament der leidenschaftlichen Italiener beispielsweise. Da kann nicht jeder mithalten. Jeder hat seinen ganz eigenen Ausdruck, dennoch wird die Körpersprache weltweit verstanden.
Welchen Bezug haben Sie selbst zur Religion?
Ich bin katholisch und würde mich durchaus als religiös bezeichnen. Ich glaube an Gott: Das lässt mich zur Ruhe kommen, schenkt mir Orientierung und gibt mir oft Kraft und Hoffnung.
Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.
JOMI (Josef Michael Kreutzer, *1952) ist ein gehörloser deutscher Künstler. Er studierte an der École de Mimodrame in Paris und hat sich als Solokünstler einen Namen gemacht. Sein Repertoire umfasst auch religiöse Themen wie «Kreuzweg», «Erschaffung der Erde» und «Leben bis zuletzt». Darüber hinaus gibt er Workshops in Pantomime, Körpersprache und Kommunikation an Theatern, Universitäten und Schulen.