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Der Artikel erörtert die Beziehungen der Schweiz zu Italien in den 1940er Jahren aus dem Blickwinkel der Schweiz als Schutzmacht Italiens. Trotz mehrerer Regimewechsel in Italien bot Bern dem südlichen Nachbarn seine Guten Dienste ohne Unterbrechung an und vertrat alle Regierungen von Mussolinis faschistischer bis zu den republikanischen Nachkriegsregierungen in rund 30 Ländern, unter anderen in den USA, in Brasilien und im britischen Kolonialreich. Anhand der Analyse einiger wichtiger Mandate wird ersichtlich, dass die Interessensvertretung für die Schweizer Regierung keine selbstlose Tätigkeit war. Im Gegenteil, es handelte sich um eine prestigeträchtige Aufgabe, welche den Schweizer Diplomaten einen besseren Zugang zu den Eliten in den Empfangsstaaten ermöglichte. Überdies verbesserten die Schutzmachtdienste die Beziehungen zu den vertretenen Regierungen: die Schweiz wurde zum unumgänglichen Ansprechpartner, eine Trumpfkarte im Kontakt mit dem häufig einschüchternd auftretenden faschistischen Regime im Süden. Die Schweiz hielt die Interessensvertretung Italiens nach dem Fall Mussolinis aufrecht und übernahm noch einige neue Mandate, dies obwohl Italien vom Sommer 1943 an die Auslagen seiner Schutzmacht nicht mehr vergütete. Da niemand in Bern das Wohlwollen, welches sich die Schweiz in Rom dank der langjährigen Dienste erarbeitet hatte, leichtfertig aufs Spiel setzen wollte, vertrat die Schweizer Diplomatie – zum Teil eher widerwillig – die italienischen Interessen in gewissen Ländern bis 1948/49.
Die guten Dienste und ihre Vorteile: die Schweiz als Schutzmacht Italiens, 1940–1949(Les bons offices et leurs retombées. La Suisse, puissance protectrice de l’Italie, 1940–1949)
Erschienen in: traverse 2007/3, S. 131