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Untersuchung des Gemäldes im Vergleich mit der Röntgenaufnahme (links im Bild)
Die Partnerschaft mit der Fondation BNP Paribas Suisse
Die Fondation BNP Paribas Suisse engagiert sie sich seit über 20 Jahren in der Restaurierung von Kunstwerken in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten mit dem Anliegen, aktiv daran mitzuwirken, dass Museumsbestände erhalten bleiben und so an zukünftige Generationen weitergegeben werden können. In der Schweiz hat sie bereits über ein Dutzend Projekte gefördert, die dem Erhalt bedeutender Werke von Max Ernst, Mattia Preti, Auguste Rodin, Bram van Velde und Paolo Veronese galten. Die Fondation Beyeler freut sich, mit der Unterstützung der Fondation BNP Paribas Suisse drei Hauptwerke der Sammlung restaurieren zu können. In einem Zeitraum von drei Jahren wird das Restauratoren-und-Kuratoren-Team sich den folgenden Werken widmen: Fernand Légers Le passage à niveau (1912), Max Ernsts The King Playing with the Queen (1944) und Henri Rousseaus Le lion, ayant faim, se jette sur l’antilope (1898/1905).
Fernand Léger, ein prominentes Mitglied der Sammlung Beyeler
Fernand Léger (1881–1955) ist mit zwölf, alle Schaffensphasen umfassenden Gemälden prominent in der Sammlung Beyeler vertreten. Schon früh gingen Werke des Künstlers durch die Hände des Galeristen Ernst Beyeler. Légers eigenständige Position unter den Hauptakteuren der klassischen Moderne fasziniert ebenso wie seine Wirkung auf amerikanische Künstler der Nachkriegszeit, darunter Roy Lichtenstein und Ellsworth Kelly, die ebenfalls in der Sammlung präsent sind. Als frühes und seltenes Landschaftsbild Légers liegt Le passage à niveau (Der Bahnübergang) von 1912 am bedeutenden Scheideweg zwischen figürlicher Darstellung und Abstraktion. Zugleich kommt dem Gemälde eine Scharnierfunktion zu, indem es auf eindrückliche Weise zwischen den Werken von Paul Cézanne und Henri Rousseau auf der einen und den kubistischen Bildern von Pablo Picasso und Georges Braque auf der anderen Seite vermittelt.
"Le passage à niveau" im kunsthistorischen Kontext
Bereits in einer kleinen Gruppe früher Landschaftsbilder, zu der Le passage à niveau gehört, begegnet uns Fernand Léger als wichtige künstlerische Position im Schaffen seiner Epoche. Mit den Impressionisten teilt er das Interesse an Natur, die nach und nach von der Zivilisation und Technik vereinnahmt wird. Aber die atmosphärische Bildsprache seiner Vorgänger hatte Léger zu diesem Zeitpunkt bereits abgelegt. Näher standen ihm die Futuristen, die den pulsierenden Rhythmus des modernen Lebens malerisch in schnelle, bewegte Stakkatos von Linien übersetzten. Unter dem Eindruck von Cézanne und der kubistischen Werke von Picasso und Braque entwickelte Léger seine abstrakte Bildsprache. Im Umfeld der Pariser Avantgarde fällt er mit einem höchst eigenständigen Bildvokabular auf, das sich auch für die Kunstgeschichte als wegweisend erweisen sollte.
Zum Projekt und den restauratorischen Massnahmen
Beispiel einer restaurierten Stelle: Zuerst wurden schlecht integrierte Retuschen entfernt, dann wurden die Abriebe farblich angepasst. Detail vorher / nachher
Zustand Der Zustand des vor hundert Jahren entstandenen Gemäldes Le passage à niveau war seit Eröffnung der Fondation Beyeler 1997 wegen seiner stark krakelierten Malschicht und brüchig erscheinenden Oberfläche als fragil eingestuft. Um allfällige Schäden zu vermeiden, wurde das Gemälde daher seitdem nie ausgeliehen.
Wissenschaftliche Untersuchungen Innerhalb des von der Fondation BNP Paribas Suisse unterstützten Restaurierungsprojekts wurde das Werk im vergangenen Jahr umfassend untersucht und restauriert. Durch eine Vielzahl an wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden konnten wichtige Informationen zu Material, Technik und Geschichte gewonnen werden. Die daraus resultierenden Erkenntnisse haben gezeigt, dass das Gemälde erfreulicherweise nicht grundsätzlich fragil ist, sondern dass die Materialwahl des Künstlers und die dem Werk im Laufe der Zeit widerfahrenen Einwirkungen zum heutigen Zustand geführt haben. Fernand Léger benutzte z. B. eine ungewöhnlich wasserempfindliche Grundierung, um die Leinwand zu präparieren. Ein sehr früher Kontakt mit Nässe hat das Werk daher stark beeinträchtigt. Ebenfalls haben vergangene, eingreifende Restaurierungen das heutige Erscheinungsbild hervorgerufen. Mithilfe von recherchierten historischen Abbildungen konnten die Veränderungen am Werk nachvollzogen werden, etwa Abschürfungen und nicht-originale Übermalungen.
Restauratorische Massnahmen Geeignete Restaurierungsmassnahmen wurden anhand aller gesammelten Erkenntnisse konzipiert. Primär wurden schlecht integrierte Retuschen einer vergangenen Restaurierung entfernt. Ausserdem wurden stecknadelgrosse, gesamthaft über die Oberfläche verteilte Abriebe farblich angepasst. Dazu wurden reversible Retuschen ausschliesslich auf die bereits vorhandenen Schadensstellen punktuell gesetzt. Diese Massnahmen hatten zum Ziel, die eher uneinheitliche und aufgebrochene Erscheinung der Malschicht zu schliessen und sie wieder derjenigen des Entstehungsjahrs 1912 anzunähern, ohne die Geschichte und das Alter des Werkes zu verbergen. Untersuchungen vergleichbarer Frühwerke von Léger waren dabei besonders hilfreich, da sie eine Annäherung an die ursprüngliche Wirkungsweise von Le passage à niveau ermöglichten. Abschliessend wurden nicht-historische Textilbänder von der Rückseite des Keilrahmens entfernt und abstehende Leinwandkanten gefestigt beziehungsweise wieder zusammengeleimt. Auch wurde das Werk mit einer schützenden Neurahmung und mit einem an der Rückseite befestigten Vibrationsschutz versehen. Die durchgeführten restauratorischen Massnahmen sind diskret und mehrheitlich in Details erkennbar. Das Werk wurde nicht nur stabilisiert, sondern auch die Bildkomposition von Légers bedeutendem Gemälde wurde für den Betrachter lesbarer und dadurch zugänglicher.
Ab Februar 2013 wird das restaurierte Gemälde in der neuen Sammlungshängung der Fondation Beyeler präsentiert.
Ernst Beyeler vor "Les deux cyclistes, la mère et l’enfant" von Fernand Léger
Historische Aufnahme
Historische Abbildung des Gemäldes (vor 1933, genaues Datum unbekannt) zeigt einen Schaden durch einen Wasserrand entlang der Unterkante (Quelle: Musee Fernand Léger, Biot / Caisse Nationale des Monuments Historiques et des Sites / Arch. Phot. Paris / S.P.A.D.E.M.)