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Die HOFMATT : Im Rückspiegel der Zeit
– den Baumeister Arnold Schneider-Schaub, der 1925 ein Baugesuch stellte für ein Gebäude, umfassend „Wohnhaus mit Laden, Autogarage und Vereinssaal.“ Gerne wüsste man, weshalb er auf dem Areal „Hofmatt“ ein für die damalige Zeit erstaunlich grossräumiges Projekt realisieren wollte. Rechnete er mit einer baldigen markanten Entwicklung der Gemeinde, die im Jahre 1920 gerade mal 3634 Einwohner gezählt hatte und deren Bauboom erst 40 Jahre später einsetzen sollte? Oder reizte es ihn insgeheim, dem traditionsreichen Gasthof „Rössli“ im Münchensteiner Dorfzentrum - in dem viele grosse Feste gefeiert wurden, in welchem Maskenbälle stattfanden und auf dessen Bühne Theater gespielt wurde - auf der Westseite der Birs sozusagen ein Konkurrenzobjekt entgegenzusetzen?
Wir wissen es nicht. Anhand von Akten im Staatsarchiv Basel-Landschaft in Liestal lässt sich jedoch nachvollziehen, dass sich der Hofmatt-Bauherr Schneider zunächst mit zahlreichen Einsprachen gegen sein Baugesuch zu beschäftigen hatte. Von verschiedenen Seiten wurde ins Feld geführt, in der geplanten Hofmatt werde man – obwohl im Baugesuch von einer Wirtschaft nicht die Rede sei - mit Sicherheit bald auch Alkohol ausschenken und ebenso über die Gasse verkaufen, was dem Volkswohl überhaupt nicht zuträglich sei. Ein Vereinssaal, so ein weiteres Argument, entspreche ebenfalls durchaus nicht einem Bedürfnis, würden doch ohnehin schon „zu viel Lustbarkeiten“ angeboten. Einleuchtend war die sachliche Argumentation von Carl Geigy-Burckhardt (1860-1943), Herr auf dem Münchensteiner Landsitz „Bruckgut“. In einem handschriftlich verfassten Brief schrieb Carl Geigy: “Es scheint übrigens auch wirtschaftlich unmöglich, den geplanten, so grossartig angelegten Vereinssaal ohne parallelen Wirtschaftsbetrieb finanziell betriebsfähig zu erhalten.“
Nach einem regen Schriftwechsel von Anwälten und Gegenanwälten stimmte die Kantonale Baudirektion Arnold Schneiders Baugesuch dann doch zu – die Gründe, weshalb trotz aller Bedenken doch auch ein Restaurationsbetrieb geführt werden durfte, lassen sich den Akten nicht deutlich entnehmen. Das Haus wurde also erbaut, 1928 übernahm das Ehepaar Karl und Therese Wasmer-Gläntzlin die Hofmatt von der Brauerei Warteck. Fritz Greub-Baltisberger, der erste Hofmatt-Wirt, hatte sich schon einen Monat nach seinem Einstand wieder zurückgezogen.
Nach dem Tod ihres Mannes Karl führte Witwe Therese Wasmer, unterstützt von ihrer Tochter, die Hofmatt mit grosser Tatkraft und mit viel Geschick bis 1946 und somit auch durch die Kriegsjahre mit ihren Lebensmittelrationierungen. Die Frau Wirtin Wasmer war eine ebenso tüchtige wie verständnisvolle und lebenserfahrene Frau – und für viele Menschen eine Art „Beichtmutter“ , der man sich anvertrauen und auf deren klugen Rat man sich verlassen konnte.In den Jahren 1946-2011 wechselten sich auf der Hofmatt 11 Besitzer ab. So verweilte nach den Wasmers ein Paul Sarasin-Rapp gerade mal ein Jahr lang im Haus an der Baselstrasse 88, Ernst Huber-Stein jedoch war während 21 Jahren zusammen mit seiner Frau Hofmatt-Gastgeber.
Bevor das Gebäude von der Bürgergemeinde Münchenstein erworben wurde, war von 1991-2011 das Ehepaar Daniel und Edith Fiechter-Bäbler auf der Hofmatt. Während dieser Zeit wurden Hotelzimmer eingerichtet und verschiedene Renovationen vorgenommen. Leider fiel die gartenseitige „Glashalle“ mitsamt ihren kunstvollen, bleiverglasten Art Deco-Glasfenstern im Zuge von Erneuerungsarbeiten aus Kostengründen der Zerstörung anheim – und damit ging eine Raumeinheit verloren, die einen ganz eigenen Charme ausgestrahlt hatte und sehr gerne für kleinere Gesellschaften genutzt worden war.
Als die Bürgergemeindeversammlung dem Kauf der HOFMATT zustimmte, mögen Erinnerungen an viele vergnügliche Vereinsabende, an die Maskenbälle der Münchensteiner Fasnacht, an Laientheater oder Filmvorführungen das eine oder andere ältere Mitglied der Bürgerschaft bewogen haben, mit Handerheben zum Erwerb der Hofmatt sein Einverständnis zu geben. Obwohl zu erwarten war, dass insbesondere die Renovation des Saales „ins Geld gehen“ würde, stand der Gedanke im Vordergrund, die Hofmatt als einen markanten Treffpunkt der Gemeinde zu erhalten. Nachdem die Zusammenarbeit mit einem ersten Pächter sich als nicht tragfähig erwiesen hatte, kam der Betrieb mit den Jungmanagern Pablo und Robin Sütterlin und ihrer Crew wieder auf Kurs.
Der Hofmatt-Saal mit seinem ganz eigenen Charme hatte einst vielen festlichen Anlässen Raum gegeben – und während der Kriegsjahre hatte er übrigens als Kantonnement den einquartierten Soldaten als Stroh-Nachtlager gedient. Nun darf der Hofmatt-Saal für festliche Anlässe, für Vorträge wie auch künstlerische und kulturelle Darbietungen aller Art erneut seine Zweckmässigkeit und seine spezielle Atmosphäre unter Beweis stellen.