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Weil ich gerne zeichnete und ein Berufsberater meiner Mutter sagte, ich hätte Talent, wollte ich nach der Sekundarschule in die Kunstgewerbeschule. Aber ich sollte zuerst eine ordentliche Ausbildung erhalten. Als ich die ordentliche Ausbildung hatte – mit 19 Jahren machte ich das Handelsdiplom an der Kantonsschule – glaubte ich, das kaufmännische Angestelltensein sei mein Schicksal. An die Möglichkeit, Journalistin oder Schriftstellerin zu werden, getraute ich gar nicht zu denken, obwohl ich in der Schule nicht nur für das Zeichnen, sondern auch für meine Aufsätze sehr gute Noten bekommen hatte.
In meinem erlernten Beruf wurde ich immer unglücklicher, zeichnete und schrieb in der Freizeit vor mich hin, und dann passierte so etwas wie ein Wunder. Am 18. Juni 1966. Ich heiratete. Das Wunder war nicht die Hochzeit selbst, sondern die Fähigkeit meines Ehemanns - er arbeitete als Journalist - mir zu helfen, mich in der Welt des Schreibens zurechtzufinden. Er zerrte mich förmlich aus dem kaufmännischen Teich, übergab mir kleinere Bearbeitungen, später Reportagen.
1978 lernte ich die Fotografin Katharina Krauss-Vonow kennen. Mit ihr erarbeitete ich mein erstes Buch: Frauen ... wie wir alle. 49 Momentaufnahmen in Wort und Bild. Es erschien 1980 im Verlag Photographie.
So wie das ‚Klick‘ des Fotoapparates den Augenblick einfängt, versuchte ich in Zusammenarbeit mit Katharina Krauss-Vonow das Leben in Worten einzufangen. Spontane Gedanken, spontane Bilder sind auf diese Weise entstanden. Fetzenhaft wird Leben und Empfinden von 49 Frauen aus der ganzen Schweiz gestreift.
Zwei weitere Fotobücher mit derselben Fotografin folgten.
Ein fotografischer wie textlicher Einblick in den Blues eines Bergdorfes: Freude und Leid, harte Arbeit, geringer Verdienst, Abwanderung und Tod.
Ein Buch, das keine soziologische Studie sein will. Auch nichts beweisen möchte. Ein Buch, das nicht recht haben will. Männer sind auch Menschen. Männer sind etwas sonderbar. Männer sind so verletzlich. Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich, sagt Herbert Grönemeyer in seinem erfolgreichen Männerlied. So ist es. Wahrscheinlich ist es so.
Katharina und mich verband nicht nur seriöse Arbeit. Wir blödelten als junge Frauen gernund auch später machte es uns Spass, nicht alles, was so ernst war, ernst zu nehmen. Unser Mini-Foto-Roman ist ein Beispiel dafür: Die unglaubliche Karriere der arbeitslosen Karin Müller.
Diese Geschichte erschien 2001 im N.A.P Verlag, verbunden mit einer Ausstellung in BINZ 39 in Zürich.
Gewidmet allen Clochards dieser Erde.
1986 erschien im pendo-verlag mein erster Roman. Ich hatte das Glück, dass ich den Buchtitel selbst zeichnen durfte.
Clara Hut ist mein Alter Ego. Wie sie versuchte ich herauszufinden, wer ich bin. Was ich im Leben möchte. Und nicht möchte. Deshalb habe ich der Frau einen Zauberhut mit auf den Weg gegeben, damit er ihr hilft, in den 13 Episoden des Buches nicht unterzugehen.
Beim Schreiben von Clara Hut realisierte ich, dass meine Schreibstärke in der Komik, Leichtigkeit und Trivialität liegt. Meiner weiblichen Hauptfigur gestattete ich den Mut, Sehnsuchtsbilder zu kreieren und das Unmögliche zu wagen.
Das mag mit ein Grund sein, dass ich mich als Schwester von Woody Allen bezeichne. Ich habe diese Behauptung in Woody, my brother (Maroverlag) in HAPPY BIRTHDAY, MISTER MANHATTAN, Streifzüge durch die Welt des Woody Allen, bestätigt.
Mein bisher schwierigstes Buch heisst Eljascha (pendo).
Es ist die Liebes- und Fluchtgeschichte meiner Eltern in Frankreich im Zweiten Weltkrieg. Leider durfte ich diesmal den Buchtitel nicht selbst zeichnen.
Für diesen Roman erhielt ich ein Werkjahr von Pro Helvetia und den Literaturpreis von Stadt und Kanton Luzern.
In Malva Rosetta nimmt ein Bad (pendo) kam ich auch als Zeichnerin wieder zum Zug.
Es sind kleinste Geschichten von Menschen, die mit sich und dem täglichen Leben im Clinch liegen. Einzig Malva Rosetta ist kein Mensch, sondern eine Rose, die sich in den göttlichen Jasmin verliebt.
Rolltreppe nach Hawaii erschien wiederum bei pendo. Es geht um die Mittvierzigerkrise, die ein Überdenken des Lebens unumgänglich macht. Allein schafft das niemand. Stunden in der psycho-therapeutischen Praxis kosten Geld. Franca, die Heldin in diesem Roman, hat eine weit billigere Lösung gefunden. Sie fährt Rolltreppe. Auf und ab und auf und ab. Die Rolltreppe rollt ihr zu, was sie zu tun hat. Eine kostenlose Beratung.
Damit jedermann in den Genuss des Rolltreppenfahrens kommen konnte, verteilte ich Freibillette für Rolltreppenfahren.
Anfänglich zeichnete ich mit der Tusch-feder, dem Bleistift, Farbstift. Oder ich malte mit dem Pinsel Wörter auf irgend- welche Unterlagen. Papier. Karton. Segeltuch. Den Wörtern gab ich möglichst durchsichtige Farben mit auf ihre Reise.
Doch eines Tages suchte ich nach einem neuen Ausdrucksmittel und erfand mir eine Geheimschrift. Das war und ist immer noch sehr schön. Ich liebe Geheimnisse, und auf diese Art und Weise gebe ich sie weiter an Menschen, die ebenfalls Geheimnisse mögen.
1982 stellte ich im Kunstmuseum Chur eine Poesiestrasse aus.
Im gleichen Jahr in einer Gruppenausstellung der Roten Fabrik ZWAR im Helmhaus ein Poesiesegel.
In den folgenden Jahren folgten kleinere und grössere Ausstellungen. Eine davon war eine Weihnachtsausstellung im Hürlimann Areal in Zürich (2000): Surfen im Netz der Gefühle.
Die Serie Ungebetene Gäste konnte man 2003 in einer Gruppenausstellung im Toni Areal Zürich sehen und zwei Jahre später bei Visarte Zürich im Metropol.
Auf Swakili Bleu bin ich besonders stolz. Es ist ein Traumtier aus Gummimilch und Draht (15/18 cm). Ich habe ihm folgenden Text auf seinen Weg gegeben:
Ich bin Swakili bleu. Yvonne hat mich vor Jahren im Zoo gesehen, behauptet sie. Aber das stimmt nicht. Ich bin nie in einem Zoo gewesen. Ich habe mir alle Tierbücher angesehen, nichts von einem Swakili Bleu. Woher komme ich, habe ich sie immer wieder gefragt. Wer sind meine Eltern? Habe ich Geschwister? Ich habe dich im Zoo gesehen, hat sie geantwortet. Du lügst, werfe ich ihr an den Kopf. Yvonne scheint die Geduld zu verlieren, doch sie ändert ihre Taktik: Du warst so winzig, so niedlich, so blau. Ich habe dich in meiner Handtasche mit nach Hause genommen. Du hast mich geklaut, protestiere ich. Sie schaut mich an. Sehr lange. Mir wird ganz mulmig. Also gut, gibt sie zu, eines Tages würdest du es sowieso erfahren. Ich habe dich nicht geklaut, ich habe dich erfunden. Nun bin ich echt baff. Sie lächelt. Ich bin Schriftstellerin. Ich darf das. Das ist unerhört, tickt es in meinem Kopf. Unerhört. Ich werde dir eine wunderschöne Geschichte widmen, lächelt sie mich immer noch an, du wirst vom Himmel auf die Erde fallen und ... Yvonne denkt nach: Dann werden wir weiter sehen.
Aquarell, Tusch, 14/16,5 cm
Meine Bücher und Zeichnungen können nach email-Kontakt in der Roten Fabrik besichtigt und gekauft werden.
Gerne können Sie auch direkt über das Web-Bestellformular meine Bücher bestellen.
-> Meine umfassende, komplette Website mit Bildern, Textauszügen, Gedichtvertonungen usw. findet man auf http://www.yvonne-leger.ch/YL.php (Flash Format)