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Sulla,
Beiname eines Zweiges des röm. Patriciergeschlechts der Cornelier, der in den frühern Jahrhunderten der röm. Republik mit dem Beinamen Rufinus vorkommt. Der einzige wirklich bedeutende Vertreter dieser altpatricischen, aber herabgekommenen und verarmten Familie ist der Diktator Lucius Cornelius S. Felix. S. wurde 137 v.Chr. geboren und erhielt schon in seiner ersten öffentlichen Stellung, als Quästor des Gajus Marius im Kriege gegen Jugurtha, 106 v.Chr., Gelegenheit, seine militär. und diplomat.
Talente zu erweisen: er zeigte sich nicht nur als trefflicher Reiterführer, sondern erlangte auch durch seine kühne und gewandte Unterhandlung die Auslieferung Jugurthas vom König Bocchus von Mauretanien. In den J. 104–101 nahm S. zuerst als Legat des Marius in Gallien, dann in Oberitalien [* 2] unter Lutatius Catulus Anteil am Kriege gegen die Cimbern und Teutonen. 93 war er Prätor in Rom, [* 3] 92 wurde er als Proprätor mit der Verwaltung Ciliciens betraut. Dann nahm S. am Bundesgenossenkriege teil; 88 wurde er Konsul und erhielt den Auftrag, in Asien [* 4] den Krieg gegen Mithridates zu führen. Er galt schon damals als Haupt der Aristokratie.
Der Tribun Sulpicius Rufus suchte der Aristokratie entgegenzuwirken. S. verbot kraft seines Amtes alle weitern ordentlichen Volksversammlungen; aber Sulpicius erzwang durch Straßenunruhen die Aufhebung des Verbots. Daraufhin begab sich S. zu seinem Heere nach Campanien und zog, als Sulpicius außer seinen frühern Gesetzesvorschlägen auch noch den Antrag, den Krieg in Asien S. abzunehmen und dem Marius zu übergeben, beim Volke durchgebracht hatte, mit den ihm ganz ergebenen Legionen nach Rom, erklärte den Sulpicius samt dem Marius und dessen Sohn nebst neun andern in die Acht und ließ mit seinem Kollegen vom Senat die Gesetze des Sulpicius für ungültig erklären.
Darauf ging er Anfang 87 nach Asien ab; doch kaum hatte er Italien [* 5] verlassen, so kehrte Marius zurück. Nun wurde S. geächtet und nach Marius' Tode (86) ein anderer Gegenfeldherr für den Krieg in Asien ernannt. Durch dies alles ließ sich indes S. in seinen Kriegsoperationen gegen Mithridates (s. d.) nicht stören. Er kehrte erst nach des Mithridates Besiegung 83 nach Italien zurück, wo inzwischen Cinna und nach dessen Tode Papirius Carbo und der jüngere Marius als Häupter der Demokratie geherrscht hatten, unterstützt durch die noch vom Bundesgenossenkriege her in Waffen [* 6] stehenden Samniter und Lucaner.
Bis Ende 82 war Marius in Latium, Carbo in Etrurien und Umbrien besiegt, Rom durch den blutigen Kampf am Collinischen Thor vor einem Überfall der Samniter gerettet und S. mit der Diktatur bekleidet. Damals nahm er den Beinamen des «Glücklichen» (Felix) an. Durch Proskriptionen räumte er mit den Gegnern auf, während die Verfassung und Verwaltung des Staates durch eine Reihe einzelner Gesetze (leges Corneliae) im Sinne einer aristokratischen Restauration umgestaltet wurde.
Die politisch wichtigsten Punkte dieser Reform waren die Beschränkung des Volkstribunats und die Steigerung der Macht des Senats. Die Ansiedelung seiner Veteranen in ganz Italien und die Errichtung einer Art Leibwache von 10000 freigelassenen Sklaven in Rom, den sog. Corneliern, sollten der neuen Gewalt zur Stütze dienen. Nachdem S. 80 mit seinem Schwiegervater Metellus Pius neben seiner Diktatur das Konsulat bekleidet hatte, überraschte er 79 viele Parteien durch Niederlegung der Diktatur und zog sich auf seine prächtige Villa nach Puteoli zurück. Hier vollendete er seine Memoiren, die Plutarch bei der noch erhaltenen Biographie S.s benutzte. Er starb aber schon 78 wahrscheinlich an einem Blutsturz. –
Vgl. Zachariä, L. Cornelius S. als Ordner des röm. Freistaates (Heidelb. 1834);
Drumann, Geschichte Roms, Bd. 2 (Königsb. 1835);
H. Fritsche, Die
Sullanische Gesetzgebung
(Essen
[* 7] 1882);
Cantalupi, La guerra civile
Sullana in
Italia
(Rom 1892).