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Die Kamera schweift durch einen dunklen, sakral anmutenden Raum. Ausgeleuchtet auf einem Podest, sitzt der Protagonist, als regungsloses Kunstobjekt. Die Museumsgäste betrachten seinen Rücken, auf dem ein Schengenvisum tätowiert ist. Bei einer öffentlichen Führung fragt eine junge Schülerin, ob alle Personen markiert würden, die nach Europa kämen.
«The Man Who Sold His Skin» erzählt von Sam Ali (Yahya Mahayni), der aus Syrien flüchtet, in der Hoffnung, in Belgien seine Geliebte wiederzusehen. In Beirut lernt er einen Künstler (Koen De Bouw) kennen, der ihm einen Ausweg aus seiner scheinbar aussichtslosen Situation bietet: Er würde ihn zum Kunstobjekt machen, indem er ihm den Rücken tätowiere. So könnte der geflüchtete Syrer nach Brüssel reisen – nicht als Mensch, sondern als Ware. Sam Ali willigt ein und lässt sich nach Europa «importieren». Dort wird er als neuste Schöpfung des Künstlers fotografiert, der ihm seine paternalistische, helfende Hand auf die Schulter legt, und in Museen ausgestellt.
Die tunesische Regisseurin Kaouther Ben Hania legt in ihrem Film die Absurdität des Kunstmarkts offen und kritisiert ein globales kapitalistisches System, das Objekten mehr Wert zuspricht als Menschen. «The Man Who Sold His Skin» beruht auf einem wahren Fall: Der belgische Künstler Wim Delvoye tätowierte den Rücken des Schweizers Tim Steiner, der ausgestellt und gar an einen Sammler verkauft wurde.
Doch was kritisiert werden soll, erntet letztlich doch Bewunderung. Etwa das Künstlergenie, das für Aufruhr sorgt, indem es sich die perversen Mechanismen des Kunstmarktes aneignet und der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Leider bleibt der Fokus des Films an dieser Figur haften. Die Lebensrealität geflüchteter Menschen gerät aus dem Blick, das Migrationsregime wird zum Nebenschauplatz und wird nur gelegentlich erwähnt. Der Film stilisiert seinerseits menschliches Leid als Spektakel für die westliche Konsumgesellschaft – und reproduziert so, was er entlarven will.
The Man Who Sold His Skin. Regie: Kaouther Ben Hania. Tunesien/Frankreich/Belgien 2020