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Der Schweizer Philippe Jordan wird neuer Chefdirigent der Wiener Symphoniker
06.10.2011 Der 36jährige Schweizer Philippe Jordan (Bild) wird neuer Chefdirigent der Wiener Symphoniker. Er beginnt seine Tätigkeit mit der Saison 2014/2015. Zuvor wird es eine Saison lang bei den Symphonikern keinen Chefdirigenten geben.
Foto: © JF Leclercq
Die Entscheidung für Jordan kam nicht überraschend, zuletzt wurde der 36-Jährige bereits als Favorit gehandelt. Wiens Kulturstadtrat (SPÖ), Symphoniker-Präsident Rudolf Streicher und Geschäftsführer Johannes Neubert haben Jordan am Mittwochabend als neuen Chefdirigenten präsentiert.
Der Vertrag von Fabio Luisi als Chefdirigent der Wiener Symphoniker läuft mit 2012/2013 aus. Luisi weilt immer häufiger in New York, er stieg mit der neuen Saison zum leitenden Dirigenten an der Met auf. Das einjährige Interregnum in der Saison 2013/2014 ist im interantionalen Orchesterbetrieb wegen der langfristigen Planungsfristen nicht unüblich. Fabio Luisi wird in der betreffenden Saison weiterhin als Gastdirigent zur Verfügung stehen.
Vertrag für fünf Jahre
Philippe Jordans Vertrag bei den Symphonikern wird ab der Saison 2014/15 für fünf Jahre laufen, wobei der Jungmaestro seine Position als Musikdirektor der Pariser Oper weiterhin ausfüllen wird. "Ich werde natürlich weiterhin hauptsächlich in Paris an der Oper als Musikdirektor tätig sein", so Jordan. Er werde seine Gastdirigententätigkeit jedoch so weit wie möglich einschränken, um in Wien die nötige Präsenz zu gewährleisten.
Die Entscheidung des Orchesters im Frühjahr, ihn zum neuen Chefdirigenten vorzuschlagen, habe ihn jedenfalls "gerührt", zumal ihn mit den Symphonikern eine ausgezeichnete Partnerschaft verbinde: "Ich konnte eine musikalische Komplizenschaft mit dem Orchester herstellen." Und für ihn sei immer klar gewesen, dass er keine Stelle annehmen würde, wenn er sich bei einem Orchester nicht wohlfühle.
Jordan sieht sich dabei vornehmlich als Konzertdirigent des Klangkörpers. Es werde ihm schwerfallen, andernorts Oper zu machen als in Paris, erteilte der Maestro Ideen eine Absage, mit den Symphonikern im Theater an der Wien oder in Bregenz tätig zu werden. Aber "das eine oder andere Projekt" werde man natürlich gegebenenfalls eruieren.
Neun Abonnementsprogramme geplant
Für seine erste Saison plane er neun Abonnementsprogramme mit jeweils zwei bis drei Konzerten in Wien. Hinzu kommen zwei Tourneen. Aber auch in der cheflosen Zeit nach dem Abgang von Fabio Luisi und Jordans Amtsantritt 2014/15 müssen die Wiener nicht völlig auf ihren künftigen Chef verzichten. So plane er bereits vier bis fünf Programme in der Saison 2013/14, wobei man generell bei den Gastdirigenten auf eine gewisse Kontinuität achten werde. Dazu soll auch Luisi zählen, der als Gastdirigent weiterhin zur Verfügung stehen wird.
Diesem dankte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) ausdrücklich, den Ruf des Orchesters als europäisches Spitzenorchester ausgebaut zu haben. Zugleich gelte aber auch: "Ich meine, dass es an der Zeit ist - auch für die Symphoniker - dass wir hier eine personelle Erneuerung durchgeführt haben." Und da sei Jordan genau der Richtige: "Ich glaube, dass damit für die Wiener Symphoniker ganz wichtige Impulse für die Zukunft gegeben werden können. Er ist ein junger Chef, der aber zugleich die Geschichte des Orchesters, seinen Klang, seine Tradition respektiert und daraus eine künstlerisch gute Zukunft gestalten wird."
In die gleiche Kerbe schlug Symphoniker-Präsident Rudolf Streicher, der "wohl dem begehrtesten Dirigenten seiner Generation" Rosen streute: "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht." Letztlich sei diese jedoch schnell auf Jordan gefallen. So wird Jordan der fünfzehnte Musikchef der Wiener Symphoniker und tritt damit in die Fußstapfen von Grössen wie Wolfgang Sawallisch oder Georges Pretre.
Österreich-Erfahrung in Graz und Wien
Mit der Berufung von Philippe Jordan zum Chefdirigenten haben die Wiener Symphoniker ein klares Zukunftssignal gesetzt. Der 36-Jährige gilt als einer der vielversprechendsten Jungmaestri seiner Generation. Dabei kann der Schweizer auf einige Erfahrung in Österreich zurückblicken, war er doch zwischen 2001 und 2004 Chefdirigent des Grazer Opernhauses. Und auch mit den Wiener Symphoniker teilt Jordan schon eine längere Vergangenheit, feierte er sein Debüt beim Klangkörper doch am 9. Dezember 2004 im Konzerthaus. Von einer "faszinierenden Klangsinnlichkeit" sei das Orchester, schwärmte Jordan damals bereits.
Der am 18. Oktober 1974 geborene Jordan ist als Sohn des 2006 verstorbenen Armin Jordan - jahrelang Generalmusikdirektor des Orchestre de la Suisse Romande - familiär gleichsam vorbelastet. Bereits mit sechs Jahren startete Jordan Junior in die Musikausbildung am Klavier, wurde zwei Jahre später Zürcher Sängerknabe und wandte sich zur gleichen Zeit auch noch der Violine zu. Bereits mit 16 Jahren, ab 1990, studierte er am Zürcher Konservatorium, schloss sein Klavierexamen mit Auszeichnung ab.
Jüngster Kapellmeister Deutschlands
1994 wurde Jordan als Deutschlands jüngster Kapellmeister ans Stadttheater Ulm engagiert. Auf den Radarschirm der internationalen Kritiker als einer der vielversprechendsten Nachwuchsdirigenten kam Jordan dann spätestens mit seinem Engagement nach Berlin, wo er von 1998 bis 2001 Assistent von Daniel Barenboim an der Staatsoper Unter den Linden war.
Es folgte sein erstes Engagement in Österreich, als er 2001 zum Chefdirigenten des Grazer Opernhauses und des Grazer Philharmonischen Orchesters berufen wurde - eine Position, die er wegen Unstimmigkeiten bezüglich Budget und Personalplanung mit der Opernintendanz und den politisch Verantwortlichen 2004 wieder aufgab. Zeitgleich hatte er bei nahezu allen grossen Opernhäusern der Welt debütiert.
Dirigent bei Symphonie zum Jahreswechsel
2006 kehrte Jordan nach Berlin zurück, wo er bis 2010 Principal Guest Conductor an der Staatsoper Unter den Linden wurde. Zugleich arbeitete er auch als Konzertdirigent von Orchestern wie den Berliner und Wiener Philharmonikern oder dem RSO Wien. Seine jetzige Rolle als Musikdirektor der Pariser Oper trat Jordan im Alter von 34 Jahren 2009/10 an und zeichnete dort unter anderem für einen Ring-Zyklus verantwortlich.
Bevor er in der Saison 2014/15 seine Stelle am Pult der Symphoniker antritt, wird er in der Mailänder Scala noch im Oktober Richard Strauss' "Rosenkavalier" dirigieren, an der Pariser Oper demnächst Verdis "Forza del Destino".
In Wien wird der künftige Symphoniker-Chef am 30. Dezember 2011 wieder zu hören sein, wenn er für drei Tage die traditionelle 9. Symphonie von Beethoven zum Jahreswechsel mit seinem neuen Orchester dirigieren wird.
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