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Der Jeep in der Schweizerarmee
Die Geschichte des Jeeps in der Schweizerarmee begann mit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Die US-Armee benötigte in Deutschland nicht mehr alle Fahrzeuge, die von Amerika nach Europa verschifft wurden. Im Jahre 1946 kaufte die Schweizerarmee aus der Aktion Surplus vom amerikanischen Office of Foreign-Liquidation 500 gebrauchte Jeeps (MB und GPW ) für je 3600 Fr. Die Einkäufer der Schweizerarmee konnten die Jeeps auslesen. Die ersten Jeeps kamen am 7.5.1946 in die Schweiz. Aber schon im Jahre 1947 beschaffte die Schweizerarmee 400 neue Jeeps (CJ 2A) zum Stückpreis von 5950 Fr. Bis ins Jahr 1972 wurde der Bestand an Neufahrzeugen erweitert. Es folgten die Modelle CJ3A, CJ3B, CJ5, die Anzahl ist jedoch nicht mehr genau nachvollziehbar. Gesichert jedoch gilt die Angabe, dass 820 Willys M38A1 (BAT-Jeep) gekauft wurden. Diese Jeeps wurden den BAT Einheiten als Corpsmaterial zugeteilt, das heisst die Fahrzeuge wurden nur von einer einzigen Einheit benutzt. Andere Jeeps gingen nach jedem Diensteinsatz in die AMP’s und konnten dann von einer anderen Einheit gefasst werden.
Eine Besonderheit der Schweizerarmee war, dass die Möglichkeit bestand einen Jeep auch zur privaten Nutzung zu gebrauchen. Wenn zum Beispiel ein junger Bauer bei der Aushebung als Motordragoner eingeteilt wurde und nachweisen konnte, dass er in der Lage war, einen Jeep zu halten und zu pflegen, so konnte er einen Jeep bestellen. Er musste sich jedoch an den Kosten beteiligen, in den 50er Jahren kostete ihn der Jeep 5000 Fr. , dies entsprach dem halben Neupreis des Jeeps.
Der Jeep wurde dem Besitzer ca. ½ Jahr vor dem Beginn der RS ausgehändigt. Er sollte sich bis zur RS mit dem Fahrzeug vertraut gemacht und ca. 5000km zurückgelegt haben. Der Motordragoner oder Motorfahrer wie er heute heisst, absolvierte mit dem Jeep die 17-wöchige RS und sieben dreiwöchige WK’s. Zwischen den Militärdiensten konnte er den Jeep privat benutzen. Die Kosten der Versicherung gingen zu Lasten der Armee, während die Motorfahrzeugsteuer zu Lasten des Wehrmannes ging. Am Ende der Dienstzeit blieb der Jeep 2 Jahre lang Pikett – Fahrzeug und schliesslich noch 4 – 5 Jahre Requisitionsfahrzeug. Der Jeep musste alle 2 Jahre auf einwandfreien Zustand und Funktionsfähigkeit geprüft werden.
In den 80er Jahren wurde dann auch dieses Programm eingestellt und die Jeeps wurden ab den frühen 90er Jahren nach und nach aus der Schweizerarmee ausgemustert. Bis zum Jahre 1997 waren bis auf wenige Exemplare alle Fahrzeuge verkauft oder in Thun versteigert worden.
Zu einem kleinen Teil kamen dann die Jeeps in der Schweiz in private Sammlerhände, um sich mit viel Fleiss und Arbeit in Militärfahrzeug – Oldtimer zu verwandeln. Die Jeeps aus der Schweizerarmee waren auch von ausländischen Sammlern, ihres guten Zustandes wegen sehr begehrt. Auch viele MB/GPW Jeeps fanden den Weg zurück nach Deutschland, wo sie ursprünglich herkamen.
Der Jeep in der zivilen Schweiz
Auch für den zivilen Gebrauch begann die Geschichte des Jeeps in der Schweiz mit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Etliche Garagen importierten aus Deutschland MB und GPW Jeeps. Diese wurden hergerichtet und an private Abnehmer, vor allem an Bauern verkauft. Viele Fahrzeuge wurden auch ausgeschlachtet und dienten als Ersatzteillager. Die Motoren waren bei den Bauern sehr beliebt und dienten als Antriebseinheit für alles Mögliche.
Im Jahre 1947 begann dann der Verkauf von zivilen neuen Jeeps (CJ2A). Die ersten CJ2A hatten noch eine Lenkradschaltung. Die Jeeps waren meist zweifarbig, genau gesagt die Räder hatten eine andere Farbe als die Karosserie. 1947 waren vier Farben erhältlich.
Der private Besitzer eines Jeeps hatte den Jeep doch nicht ganz für sich, denn alle privat importierten Jeeps waren auch Requisitionsfahrzeuge der Armee. Als Gegenleistung konnte der Käufer eines Jeeps die Zoll- und WUST- Abgaben zurückfordern. In den 70erJahren erhielt der Käufer sogar eine grössere finanzielle Entschädigung, die bis zu 5000 Fr betragen konnte.
Der Jeep im Rest der Welt
Selbstverständlich stellte der Jeep auch im Rest der Welt eine Erfolgsgeschichte sondergleichen dar. In vielen Ländern wurden verschiedene Modelle in Lizenz von Willys für militärische aber auch für die zivile Verwendung hergestellt. Die französische Firma Hotchkiss stellte Fahrzeuge vom Typ MB von 1952 bis 1966 für die französische Armee und die Gendarmerie her. Das Design blieb das selbe, die elektrischen Anlagen wurden jedoch im Laufe der Jahre verbessert, zudem gab es auch eine “wasserdichte” Version, sowie andere Verbesserungen. Ford Kanada baute M38 und M38A1 in Lizenz für die Kanadische Armee und die Niederlande stellte den M38A1 unter der Bezeichnung Nekaf her.
Im fernen Osten wurden Jeeps für den zivilen Gebrauch hergestellt, wie zum Beispiel der Mahindra in Indien und der Jeepny auf den Philippinen. In Amerika wurde die Firma Willys 1953 von Henry J Kaiser übernommen. Die Kaiser-Jeep Corporation ihrerseits wurde 1970 von der American Motors Corporation gekauft. 1987 wurde die AMC in die Chrysler Corporation einverleibt, die sich schlussendlich den Namen Jeep als Markennahme schützen liess. Ungeachtet davon wurde der Name Jeep im Volksmund zum Synonym für geländegängige Personenfahrzeuge.
Zum Schluss noch ein Kompliment von Enzo Ferrari:
Der Jeep ist Amerikas einziger echter Sportwagen!
©jeep-club-zentralschweiz