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Pro memoria
zf. Nach den massiven Luftangriffen mit bunkerbrechenden Waffen auf Afghanistan im Dezember 2001 und im März 2002 entschloss sich das Uranium Medical Research Centre (UMRC) unter Leitung von Professor Asaf Durakovic, im Mai 2002 unmittelbare Feldstudien im Kriegsgebiet im Osten des Landes durchzuführen. Durakovic hatte das UMRC 1997 mit Gleichgesinnten als unabhängige gemeinnützige Organisation mit dem Ziel gegründet, wissenschaftliche und speziell medizinische Forschungen über die Wirkungen von Uran, transuranen Elementen und Radionukliden durch Uranzerfall und Kernspaltung zu betreiben. Finanziert hat sich das UMRC durch Spenden und durch Stiftungen von Hinterbliebenen, deren Angehörige nach Kriegseinsätzen an Strahlenschäden erkrankten und verstarben.
Zuvor war Durakovic, Professor für Radiologie und Nuklearmedizin, während über 30 Jahren in England, Kanada und den USA auf dem Gebiet der Strahlenbiologie tätig. Er gilt als Experte auf allen Gebieten seines Fachbereiches. Zu seinen Erfahrungen gehören unter anderem Untersuchungen von Kernkraftunfällen in den USA, Kanada, Europa und Asien. Seine Arbeit fand auch die Anerkennung der Defense Nuclear Agency, des Forschungszentrums der US-Armee.
Seit 1988 hatte das Pentagon Oberst Durakovic als Experten beigezogen. Unter anderem diente er als Leiter der medizinischen Teams der USA beim amerikanisch-sowjetischen Joint Nuclear Verification Experiment (gemeinsames Atom-Verifizierungsexperiment, Experimente im Zusammenhang mit der Begrenzung von Atomtests) in Zentralasien.
Als Chef der Abteilung für Nuklearmedizin, welche das US-Department of Veterans Affairs am Wilmington Vet-Center in Wilmington, Delaware, unterhält, wurde er mit der Untersuchung von US-Veteranen beauftragt, die am Golf-Kriegs-Syndrom litten. Sie waren in Saudi-Arabien stationiert gewesen und hatten mit Panzern zu tun, die durch «friendly fire», das heisst durch Beschuss mit panzerbrechender DU-Munition der eigenen Truppen, zerstört worden waren. Als er bei der Hälfte von ihnen DU und bei einigen sogar Plutonium im Körper feststellte, legte man ihm nahe, in andere Richtungen zu forschen. Er liess sich nicht beirren, musste aber feststellen, dass Krankenakten und Labortests verschwanden.
1997 setzte das Pentagon ihn ab. Gemeinsam mit Gleichgesinnten setzte er die Untersuchungen auf eigene Kosten fort und gründete das UMRC. Trotz Schikanen und Drohungen setzen sie sich weiter konsequent gegen die Vertuschung der verheerenden Auswirkungen von DU-Waffen ein.
Im Mai 2002 entsandte das Uranium Medical Research Center UMRC ein Forschungsteam, um in Afghanistan ortsansässige Bewohner und landesintern vertriebene Menschen zu interviewen und zu befragen. Das UMRC-Team begann seine Arbeit, indem es zunächst einige hundert Menschen identifizierte, die an Krankheiten oder medizinischen Zustandsbildern litten, die jene klinischen Symptome widerspiegeln, welche als charakteristisch für eine radioaktive Bestrahlung gelten.
Um zu untersuchen, ob diese Symptome die Folge einer Strahlenkrankheit sind, wurden Urinproben und Proben des Erdbodens gesammelt, die in ein unabhängiges Forschungslabor in England gebracht wurden.
Das UMRC-Forschungsteam fand afghanische Zivilisten mit akuten Symptomen einer radioaktiven Vergiftung, die einhergingen mit chronischen Symptomen einer inneren Urankontamination, einschliesslich Missbildungen bei Neugeborenen. Bürger vor Ort berichteten von grossen, dichten Staub- und Rauchwolken, die von Einschlagstellen aufstiegen, einem beissenden Geruch, gefolgt von einem Brennen in den Nasenhöhlen, im Hals und den oberen Atemwegen. Menschen an allen Orten zeigten identische Symptomprofile und -verläufe. Die Opfer schilderten Symptome wie Schmerzen in der oberen Halswirbelsäule, in den oberen Schulterpartien, in der Schädelbasis, Schmerzen im unteren Rücken, an den Nieren, Gelenk- und Muskelschwäche, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Gedächtnisprobleme und Desorientierung.
Zwei weitere Forschungsgruppen wurden nach Afghanistan entsandt. Die erste traf im Juni 2002 ein und konzentrierte sich auf die Region um Jalalabad. Die zweite folgte vier Monate später und erweiterte die Studie um die Hauptstadt Kabul mit ihren annähernd 3,5 Millionen Einwohnern. Die Stadt selbst enthielt die höchste registrierte Anzahl an unbeweglichen Zielen, die während der Operation «Enduring Freedom» beschossen wurden. Für die Ziele der Studie wurde die Umgebung von drei der hauptsächlichen Trümmerfelder untersucht. Man hatte vorausgesagt, dass man in den Urin- und Bodenproben, die man während der Untersuchung genommen hatte, Spuren von abgereichertem oder angereichertem Uran finden werde. Das Team war nicht auf den Schock seiner Ergebnisse vorbereitet. In Jalalabad wie auch in Kabul zeigten sie, dass das DU das hohe Ausmass an Krankheit verursachte. Tests mit einer Anzahl Menschen aus Jalalabad zeigten Konzentrationen, die 400 % bis 2000 % über denen lagen, die in normalen Populationen vorkommen – Mengen, die nie zuvor in Untersuchungen an Zivilisten gemessen worden waren.
Auch die Menschen in Kabul, die den amerikanisch-britischen Präzisionsbombardements unmittelbar ausgesetzt waren, zeigten extreme Anzeichen einer Verseuchung, wie sie bei einer Uranbelastung typisch sind. Dazu gehören Schmerzen in den Gelenken, Rücken- und Nierenschmerzen, Muskelschwäche, Gedächtnisprobleme, Verwirrung und Desorientierung. Die von den Bombenangriffen Betroffenen berichten grippeähnliche Symptome wie eine blutende, laufende Nase und eine blutende Mundschleimhaut.
Wie viele dieser Menschen werden einen qualvollen und frühen Tod durch Krebs erleiden? Sogar das Forschungsteam selbst klagte über ähnliche Symptome während seines Aufenthaltes. Die meisten dieser Symptome dauerten Tage bis Monate an.
Im August 2002 brachte das UMRC seine vorläufige Analyse der Ergebnisse aus Nangarhar zum Abschluss. Ohne Ausnahme wurde jede Person, die eine Urinprobe abgegeben hatte, positiv auf Urankontamination getestet. Die spezifischen Ergebnisse wiesen einen erstaunlich hohen Verseuchungsgrad auf. Die Konzentrationen waren 100- bis 400mal grösser als jene der Golf-Kriegsveteranen, die 1999 getestet worden waren. Ein Forscher berichtete: «Wir nahmen sowohl Bodenproben als auch biologische Proben und fanden erhebliche Radioaktivität in den Urinproben. Die starke Konzentration überraschte uns und überstieg unsere schlimmsten Vorstellungen.»
Im Herbst 2002 kehrte das UMRC-Team nochmals nach Afghanistan zurück, um eine breiter angelegte Untersuchung durchzuführen. Diese ergab eine möglicherweise noch grössere Belastung als anfänglich angenommen. Ungefähr 30% der Interviewten in den betroffenen Gegenden zeigten Symptome der Strahlenkrankheit. Auch Neugeborene gehörten zu den Symptomträgern, und die Dorfältesten berichteten, dass über 25 % der Kinder unerklärlich krank seien.
Wie weit verbreitet und umfangreich ist die Strahlenbelastung? Ein Zitat aus dem UMRC-Forschungsbericht:
«Das UMRC-Team war schockiert über das Ausmass der Auswirkungen auf die Volksgesundheit, die mit den Bombenangriffen übereinstimmten. An jeder untersuchten Bombeneinschlagstelle waren die Menschen ohne Ausnahme krank. Ein signifikanter Anteil der Zivilbevölkerung zeigt Symptome, die bei der inneren Kontamination mit Uran auftreten.»
Anders als im Irak zeigten die UMRC-Laboruntersuchungen in Afghanistan hohe Konzentrationen nicht abgereicherten Urans – viel höher als bei den Opfern des abgereicherten Urans im Irak. Afghanistan wurde als Testfeld für eine neue Generation bunkerbrechender Bomben («bunker buster» bombs) benutzt, die hohe Konzentrationen von anderen Uranlegierungen enthalten.
«Ein signifikanter Anteil der Zivilbevölkerung»? Es scheint, dass wir auf der Jagd nach einer Handvoll Terroristen in Afghanistan eine ungeheure Anzahl unschuldiger Zivilisten, darunter unverhältnismässig viele Kinder, vergiftet haben. •
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