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Was davon zu halten ist.
Der Qualifikationsmodus für einen Grossanlass wie EM, WM, OS kann nie „perfekt“ sein. Der neuste Wurf der IAAF ist aber ein kleiner Witz geworden.
Ein Ansatz ist begrüssenwert, es wird ein duales System eingerichtet. Damit gelingt es, Eintagsfliegen herauszufiltern. Athleten also die irgendwann, irgendwo einen Lucky-Shot raushauen – ob das dann immer mit rechten Dingen zugegangen ist, man weiss es manchmal schlicht nicht. Es hängt zu viel daran, an Olympischen Spielen starten zu können, als dass man nicht einmal ein Messband sabotiert.Gut, also wir haben ein duales System, also zwei Wege sich zu qualifizieren. Einen brutalen Selektionswert, im Stabhoch 5.80m und 4.70m. Der soll gewährleisten, dass die Allerbesten dabei sein können, auch wenn sie infolge von Verletzungen oder Ähnlichem nicht das ganze Jahr vor dem Grossanlass in Topform sind.
Damit ist es aber mit der Herrlichkeit des Qualifikationssystems schon dahin. Denn der zweite Weg ist missglückt. Man kann sich nämlich über die Weltrangliste qualifizieren. Dazu müsste man dann unter die Top32 in seiner Disziplin kommen (natürlich muss diese Liste um die Athleten gekürzt werden, welche pro Land über die zulässige Zahl von 3 Startern hinausgehen; die, welche sich über den Selektionswert qualifizieren bleiben in der Liste drin, oder man nimmt sie raus, kürzt aber die Zahl 32 um die Zahl der über den Selektionswert qualifizierten Athleten).
Wie funktioniert diese Weltrangliste? Es zählen die 5 besten Resultate zwischen Mai 2019 und Ende Juni 2020. Die 5 besten Resultate werden ermittelt aus der Leistung, welche wie beim Zehnkampf in Punkte umgewandelt wird, plus Rangpunkte (Leistungspunkte + Rangpunkte = Weltranglistenpunkte). Und die Rangpunkte sind unterschiedlich hoch, je nach Meetingkategorie.
Ich beginne meine Kritik jetzt gleich mit einem krassen fiktiven Beispiel: Ein Meeting der dritthöchsten Kategorie im fiktiven Land „Flachland“ findet am 2. letzten Tag der Qualifikationsperiode statt. Ich nehme die dritthöchste Kategorie, weil in den höchsten Kategorien wird man vermutlich eher ein Auge auf Manipulationen haben. Ist wie beim Fussball. Betrügen musst du in den unteren Liegen (siehe Fussballwetten). Dritthöchste Kategorie ist immer noch höher als Landesmeisterschaften! Also der Meetingdirektor hat der IAAF ordentlich Geld überwiesen, damit er in diese Meetingkategorie kommt. Schritt 1 der Manipulation. Athletin Müller aus Flachland ist auf Rang 33 der Weltrangliste. Der Meetingdirektor in Flachland gewährt ihr zunächst einmal einen Startplatz, obwohl man als Nr. 33 der Welt eigentlich keinen Startplatz bekommen würde in dieser Meetingkategorie. Schritt 2 der Manipulation. Im Wettkampf stellt Athletin Julia, ebenfalls aus Flachland und bereits sicher qualifiziert über den Selektionswert, fest, dass Athletin Müller am heutigen Meeting noch etwa einen Platz besser klassiert sein müsste, um die entsprechenden Rangpunkte zu erhlaten, was ihr sicher helfen würde, dass sie sich in der Weltrangliste auf Platz 30 vorschieben könnte. Deshalb gibt Athletin Julia, eigentlich viel besser als Athletin Müller, den Wettkampf nach Überspringen der Anfangshöhe unter dem Vorwand einer Muskelverhärtung auf. Schritt 3 der Manipulation. Athletin Müller wird daraufhin an diesem Meeting Dritte und holt sich die entscheidenden Punkte für die Olympiaqualifikation. Schritt 4 der Manipulation war bereits ebenfalls schon vor dem Meeting erfolgt, wie Schritt 1 und 2: Die Konkurrentinnen auf Rang 32 und 31 der Weltrangliste wurdem vom Meetingdirektor, trotz eindringlicher Bitte, abgewiesen. Das Startfeld sei voll.
So genau läuft das natürlich kaum ab, aber wer weiss.
Fakt ist, wer das Geld hat, den hochkarätigen Meetings unterhalb der Diamond League Klasse nachzureisen, und wer das Vitamin B (oder Schmiergeld) hat, an diesen Meetings erstens ins Startfeld zu kommen und zweitens möglicherweise sich noch gute Gegnerinnen durch Absprache mit dem Meetingdirektor vom Leib zu halten, der wird sich im Getümmel um die Startplätze für die Olympischen Spiele einen grossen Vorteil verschaffen können. Und es soll mir jetzt niemand damit kommen, ich übertreibe. Es wird gedopt, um an die Olympischen Spiele zu kommen, da ist blosses Bargeld nun wirklich die einfachere und gesündere Variante des „Betrugs.“
Athleten z.B. aus den US Colleges werden massiv geringere Erfolgsaussichten haben nach diesem neuen System. Ihre College-Meetings sind in der Regel nicht in einer hohen Kategorie eingestuft und die Konkurrenz ist brutal hart.
Und wer bestimmt überhaupt über die Meetingkategorie? Vermutlich, nein sicher, wird da viel Geld an die IAAF fliessen, damit Meetings sich einen höheren Status erkaufen können, damit dann die Athleten des Landes, wo das Meeting stattfindet, bessere Chancen auf Olympia haben. Als australischer Leichtathletikverband würde ich da gross investieren. Welcher Athlet aus den USA oder Europa fliegt schon nach Australien für ein einziges Meeting. Die Australier hingegen könnten ohne Konkurrenz gut klassierte Meetings unter Ausschluss der Öffentlichkeit abhalten.
So, das einmal meine Meinung bis heute. Schauen wir mal, wie sich das angeht.
Hätte ich einen bessern Vorschlag. Nun, kurz nachgedacht, ja man könnte die Eintagsfliegen auch wie folgt aus dem Feld schaffen: Man muss im Schnitt der drei besten Meetings von der reinen Leistung her über einem Qualifikationswert sein. Also z.B. die besten drei Stabhochresultate, im Durchschnitt über 5.60 und 4.55. Wird die Zielvorgabe von je 32 Athleten im Stabhoch damit nicht erfüllt, wird aufgefüllt indem wiederum auf den Schnitt der drei besten Resultate geschaut wird. So werden auch weniger Athleten auf demselben Platz rangiert sein in dieser Durschnitts-Bestenliste.
Es ist keine Hexerei sich so was auszudenken, aber dabei verdient natürlich die IAAF nichts und darin liegt wohl der Kern der Problematik. Wenn es schwieriger wird mit Schwarzgeld reich zu werden (siehe der abgesetzte Präsident der IAAF), dann versuchen es die Nachfolger halt mit legaleren, aber ebenfalls nicht dem eigentlichen Sport dienlichen Instrumenten.