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Heute Freitag endete für den Tennis-Tross die Hotel-Quarantäne. Ab der kommenden Woche werden in Melbourne sechs Turniere parallel ausgetragen. Es ist Ausdruck der Gigantomanie in der Tennis-Blase.
Am Freitag endete für den Tennis-Tross in Melbourne die 14-tägige Hotel-Quarantäne. Eine Erlösung war das vor allem für jene 72 Spielerinnen und Spieler, die mit einem der drei von insgesamt 18 Charterflügen eingereist waren, auf denen das Coronavirus eingeschleppt worden war. Denn sie verbrachten die letzten zwei Wochen in ihren Hotelzimmern und hatten – im Gegensatz zur Konkurrenz – nicht die Möglichkeit, das Zimmer für jeweils fünf Stunden pro Tag zu verlassen, um trainieren zu können. Davon betroffen waren unter anderem die Schweizer Belinda Bencic und Henri Laaksonen.
Kommende Woche beginnt für sie nun der australische Tennis-Sommer. Parallel finden auf der Anlage der Australian Open zwei Männer-Turniere der 250er-Katergorie, drei Frauen-Turniere der 500er-Kategorie und der ATP-Cup statt, der im Vorjahr bei der Premiere noch in drei Städten ausgetragen worden war. Das Feld wurde von 24 auf 12 Nationen halbiert, die sich in vier Dreiergruppen messen. Eine Begegnung besteht aus zwei Einzeln und einem Doppel. Die Gruppensieger erreichen die Halbfinals.
Weil Spanien und Serbien der gleichen Gruppe zugelost worden sind, dürfte es dort zum Duell zwischen Rafael Nadal und Novak Djokovic kommen. Während sich der Spanier, der wie Djokovic, Dominic Thiem, Naomi Osaka, Serena Williams, Ash Barty und Simona Halep in Adelaide untergebracht war, wo sie von privilegierten Bedingungen profitierten, zurückhielt, setzte sich Djokovic für die von der harten Quarantäne Betroffenen ein, stellte Forderungen und tanzte auf seinem Balkon.
Was nicht bedeutet, dass Nadal Tatenlos geblieben ist. Jedenfalls sagte er in einem Interview mit dem TV-Sender «ESPN»: «Manche müssen ihre Hilfe für andere öffentlich machen, andere helfen privat und gehen nicht gleich mit jedem Anruf an die Öffentlichkeit oder betreiben damit Propaganda.» Und es war klar, dass er damit Djokovic gemeint haben muss, der mit den meisten seiner Forderungen zwar auf taube Ohren gestossen war, dessen Bemühungen aber zum Beispiel von Belinda Bencic honoriert wurden.
Nadal sagte: «Wir sind privilegierte Menschen, wir haben die Möglichkeit, unsere Jobs auszuüben.» Es gebe auf der ganzen Welt viele Menschen, die ihren Vater, oder ihre Mutter verlieren, ohne die Chance zu haben, sich zu verabschieden. Doch genau das geschehe in seiner Heimat, in Spanien. Leute, die ihm nahe stünden, seien in dieser Situation. «Es ist eine andere Situation als sonst, es ist viel trauriger für alle. Aber wir sind hier, und dürfen spielen. Die Welt leidet, also können wir uns nicht beklagen.»
Das ist eine löbliche Einstellung. Und doch bewegt sich auch Rafael Nadal in einer Blase, reiste mit einer Entourage aus sechs Personen an. Neben seinem Trainer begleiteten ihn auch der Manager, der Physiotherapeut,der Medienmanager, ein Sparringpartner und der Vater nach Australien. Man darf sich die Frage stellen, ob das wirklich nötig ist. Und muss gleichzeitig festhalten, dass es bezeichnend ist für einen Sport, der sich in den letzten Jahren der absoluten Masslosigkeit, der Gigantomanie hingegeben hat.
Nach der Quarantäne dürfen sich die Sportler wieder relativ frei bewegen. Restaurants sind geöffnet, seit über drei Wochen gab es im Bundesstaat Victoria keinen Coronafall mehr. Sogar vor Publikum wird gespielt. Geht es nach den Organisatoren, werden die Stadien bis zur Hälfte gefüllt. Für die Spieler dürfte es sich also fast wie immer anfühlen. Dazu passt, dass das Preisgeld bei den Australian Open erneut gestiegen ist, auf 71,5 Millionen australische Dollar. 2007 war es nicht einmal ein Drittel. Willkommen in der Tennis-Blase. Willkommen in der Welt des Gigantismus.
Erst am Mittwoch eingreifen wird Belinda Bencic, die bei der Grampians Tophy antritt. Das Turnier wurde speziell für jene Spielerinnen kreiert, die von der strengen Quarantäne betroffen waren, und sich deshalb nicht optimal auf die Saison hatten vorbereiten können. Unter ihnen Bianca Andreescu, die US-Open-Siegerin von 2019, Viktoria Azaranka, oder die dreifache Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber. Stan Wawrinka ist beim Murray River Open an erster Stelle gesetzt. Er misst sich unter anderem mit Nick Kyrgios, Félix Auger-Aliassime, Borna Coric und Grigor Dimitrov.