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Lew Semjonowitsch Wygotski oder Vygotski (1896-1934) war ein sowjetischer Psychologe, dessen Arbeiten unser Verständnis von Sprach- und Denkentwicklung entscheidend beeinflusste.
Dynamic Assessment ist eine Art von interaktiver Abklärung, welche auf den Arbeiten von Vygotsky beruht und unter den Entwicklungen von Reuven Feuerstein weiter erarbeitet wurde. Vygotsky hat den Begriff "Zone of proximal development" (kurz ZPD) geprägt, welche das Lernpotential beschreibt. Es ergibt sich aus dem Unterschied zwischen der konkreten kognitiven Leistung (in einem Intelligenz- oder Leistungstests) und der kognitiven Leistung unter optimalen Bedingungen.
Ziel des Dynamic Assessments ist es also, die optimalen Bedingungen zu erkennen, in welchen ein Mensch sein kognitives Potential umsetzen kann. Dabei werden Testkomponenten mehrmals unter verschiedenen (äusseren und strategischen) Bedingungen durchgeführt und die Ergebnisse miteinander verglichen, so dass die individuellen Strategien, die einen Leistungsgewinn ermöglichen, zu Tage treten können.
Reuven Feuerstein (1921-2014) war Psychologe in Israel. Dort beauftragt, verschiedene geflüchtete Bevölkerungsgruppen in ein gemeinsames Bildungssystem zu integrieren, stellte er den Begriff der Intelligenz als feste Grösse eines Menschen in Frage. Vielmehr interessierte er sich für das Lernvermögen und entwickelte die Methode des Vermittelten Lernerfahrung (mediated learning experience MLE), um eben dieses zu erreichen.
it is not ‘fixed’, but rather modifiable
Feuerstein elaborierte kognitive Grundfunktionen, welche gezielt im Dialog zu einer vermittelnden Person gefördert werden können. Er nutzte Dynamic Assessment, um das Lernpotential und die Bedingungen zu erkennen, ersteres optimal zu fördern.
Das Feuersteintraining ist ein Förderprogramm für folgende kognitive Funktionen: Analytische Wahrnehmung, Visuelle Wahrnehmung, Kategorienbildung, Raumorientierung, Vergleichen, Instruktionsverständnis und Zeitorientierung.
Bedeutung
Vigotsky und Feuerstein gingen davon aus, dass Menschen ein eigenes und sogar veränderbares Potential zu lernen in sich tragen. Beide trugen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass wir heute zwischen der kognitiven Leistung und dem Potential unterscheiden.
Die kognitive Leistung hängt von den individuellen Bedingungen ab: von den individuellen Bildungschancen, der kulturellen Bildung und auch von der psychischen und physischen Kondition. Dank der Arbeiten von Vigotsky und Feuerstein interessieren wir uns für das Potential und beschäftigen uns nicht nur mit der Frage, wie und unter welchen Umständen es zu Tage treten und gefördert werden kann, sondern auch mit den Exekutiven Funktionen. Letztere bilden das "Verbindungsstück" zwischen den kognitiven Vorgängen und den leistungsausführenden Kontrollprozesse wie die Steuerung der Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis, das Zeitmanagement, die Motivation usw.