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Zürich, den 3. Februar 1872.
Confidentiell.
Hochverehrter Herr Geheimrath!
Mit Beziehung auf die Besetzung der Oberingenieurstelle der Gotthardbahn hat die Direction, gestützt auf vielfache Erkundigungen, Erhebungen und Verhandlungen, die Ansicht gewonnen, daß in erster Linie die Herren Thommen und Weishaupt in's Auge zu fassen seien. Die Beantwortung der weitern Frage, welcher dieser beiden Männer den Vorzug verdiene, ist eine schwierige. Sie hängt von sehr verschiedenen Factoren ab. Ein Theil derselben bedarf noch der Abklärung. Mit dieser Abklärung beschäftigt, erlaube ich mir, auch an Sie, Hochverehrter Herr Geheimrath! zu gelangen und Ihre Gefälligkeit, von der Sie mir schon so viele Beweise gegeben, neuerdings in Anspruch zu nehmen.
Es wäre für die Direction von großem Werthe, zu wissen, ob Hr. Weishaupt, falls die Wahl zum Oberingenieur der Gotthardbahn auf ihn fallen würde, dieselbe auch annähme: denn, wenn dem nicht so wäre, würde es ja völlig überflüssig sein, sich weiter den Kopf mit der Prüfung der Frage zu zerbrechen, ob Hrn. Thommen oder Hrn. Weishaupt der Vorzug zu geben sei. Ich kann nun nicht wohl direct an Hrn. Weishaupt mit einer eventuellen Anfrage gelangen: denn ich habe | das Gefühl, daß, wenn ich dieß thun und Hr. Weishaupt sich zu der Annahme der Oberingenieurstelle geneigt erklären würde, die Direction dann nicht mehr freie Wahl hätte, sondern es Hrn. Weishaupt gewissermaßen schuldig wäre, ihn dem Verwaltungsrathe vorzuschlagen. Im Hinblick auf diese Sachlage bleibt mir nichts anderes übrig als Ihnen die Bitte vorzulegen, Sie wollen die Gefälligkeit haben, nicht in offiziöser Weise, sondern wie wenn Sie es lediglich von sich aus thäten, Hrn. Weishaupt hinsichtlich seiner eventuellen Geneigtheit zu der Annahme der Oberingenieurstelle zu sondiren. Ich stelle mir vor, daß dieß Ihnen möglich sein werde, ohne Sie in besonderm Maße zu belästigen, und ich glaube es deshalb um so eher wagen zu dürfen, die Ihnen vorgetragene Bitte an Sie zu richten.
Da die baldige Besetzung der Oberingenieurstelle als ein Gebot der Nothwendigkeit erscheint, so wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Freundlichkeit hätten, meiner Bitte mit thunlichster Beförderung zu willfahren und mich unmittelbar, nachdem es geschehen, von dem Ergebnisse Ihrer Unterredung mit Hrn. Weishaupt telegraphisch zu unterrichten.
Entschuldigen Sie gütigst die Bemühung, die ich Ihnen verursache und genehmigen Sie die Versicherung freundschaftlicher Hochachtung
Ihres ergebenen1
Herrn Geheimrath Hansemann
Hochwohlgeboren
Berlin.