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Das Bildplakat revolutionierte um 1860 das Strassenbild und verwandelte den öffentlichen Raum in eine Galerie. Typografische Anschläge, seit Erfindung des Buchdrucks verbreitet, fristeten nun ein Schattendasein. Dies veränderte sich erneut in den 1920er-Jahren, als an Gewerbeschulen Schriftkunst zum Lehrfach wurde und sich ihre Eigengesetzlichkeit behauptete. Den Vertretern der «neuen» oder «elementaren» Typografie der 1920er- und der «funktionellen» Typografie der 1940er-Jahre war die dienende Funktion der Schrift neben formaler Eigenständigkeit ein zentrales Anliegen. Josef Müller-Brockmann galt nach 1950 als Doyen des Swiss Style, als Vertreter eines streng rationalen Grafikdesigns. Auf diesem gestalterischen Erbe bauen jüngere und jüngste Generationen auf und entfalten das formale Potential reiner Schriftplakate. Die Rhythmisierung eines Textes, seine Verdichtung und Überlagerung oder der Auftritt einzelner Lettern lösen die Schrift von ihrer inhaltlichen Bestimmung, Wortspiele überwinden nüchterne Logik. Schrift erobert den Raum oder wird zum Bild, Buchstaben, Worte, Sätze werden zerlegt und beschnitten, Handschriften ausprobiert und neue Schriften erfunden. Nicht zuletzt sind es technische Entwicklungen im Gestaltungs- und Druckprozess, die die Experimentierfreude anregen und sich heute im souveränen Umgang mit digitalen und analogen Mitteln beweisen.
Bereits seit dem Jahr 2000 werden in den Schaufenstern des zentral gelegenen Gebäudes der Schweizerischen Nationalbank in Zürich thematisch ausgewählte Plakate aus den reichen Beständen der Plakatsammlung des Museum für Gestaltung Zürich präsentiert. Die Plakate können in den Fenstern des Erdgeschosses entlang des Stadthausquais, der Börsenstrasse und der Fraumünsterstrasse besichtigt werden.