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Als erster Präsident hatte Urs von 1990 bis 1992 (3 Jahre) das Präsidentenamt inne und dementsprechend den STE (damals noch VSHI, Verein Schweizer Holz-Ingenieure) in dieser Zeit gegründet und geführt. Urs (* 1962), absolvierte nach der Schulzeit die Lehre als Zimmermann und anschliessend noch jene als Möbelschreiner. Dies aus dem Grund, weil solch ein körperlich intensiver Beruf nichts für das Alter wäre. Doch ist auch die Arbeit als Schreiner körperlich anstrengend, was den Entscheid zu einem Studium noch förderte. Im Welschen, beim Bau von Chalets, erfuhr er von dieser neuen Ingenieurausbildung in Biel und absolvierte sogleich in der ersten Klasse von 1986-1990 das Studium mit dem obligatorischen Praktikum. In dieser (Anfangs) Zeit konnte das Studium und die vermittelten Fächer massgeblich durch die Studierenden mitgestaltet werden.
Direkt danach betrat er als Assistent an der SHS (Schweizerische Holzfach-schule) eine Stelle und war dabei für den Aufbau der modernen Abbundtechnik verantwortlich. Dies beinhaltete das ganze Spektrum vom Abbundprogramm, CAD bis zur Abbundanlage.
Urs unterstützte auch die Entwicklungshilfe der Schweiz, zum Beispiel mit einem Einsatz nach einem grossen Erdbeben in Armenien. Dabei trug er dazu bei eine Fensterfabrik nach dem Zerfall der Sowjetunion und eben diesem Erdbeben wieder aufzubauen.
Nach dieser Erfahrung ging es für zwei Jahre auf Weltreise mit seiner Frau Therese. Die Reise starteten sie in Mexico um Spanisch zu lernen und anschliessend mit einem Segelboot, (damals ohne technische Navigation, sondern nur der Astronavigation und tagsüber mit der terrestrische Navigation), die Karibik zu bereisen. Durch Südamerika reisend blieben sie in Bolivien länger und leisteten noch einen Einsatz für die Entwicklungshilfe in den Anden.
Nach der Rückkehr in die Schweiz startete er 1992 mit der Gründung der eigenen Firma, der heutigen Technowood. Seither führt er das Unternehmen erfolgreich zu einem führenden Hersteller von Abbundanlagen für den Holzbau. Die Anlagen sind international gefragt.
Wie kam es zur Gründung des STE?
Als Abgänger der ersten Klasse des Studiums zum Holzbauingenieurs gab es noch keinen Verein, wo wir uns anschliessen konnten und durften und wo wir mit unserer Ausbildung dazu passten. Dem Verein Pro Holz durften wir nicht, oder noch nicht, beitreten. Nach dem Studium und vor der Diplomfeier gab es noch Spannungen zwischen den Schulen und den Ingenieuren, betreffend Akzeptanz. Die Gegenwehr war enorm, ob es überhaupt möglich sei, ein Ingenieur eines Baustoffes zu sein. Glücklicherweise wurde dies wenige Tage vor der Diplomfeier – aber lange nach den letzten Prüfungen – offiziell akzeptiert und legitimiert. Im letzten Semester wurde die Gründung aufgegleist und so konnte an jener Diplomfeier der VSHI (Verband der Schweizer Holzingenieure) gegründet werden. Der Zweck dieses Vereins war anfangs der Erfahrungsaustausch und sich zu treffen, auf die Branche Einfluss zu nehmen war noch nicht relevant.
Wie ist es dazu gekommen, dass du das Präsidentenamt beim STE übernommen hast?
Das lag gewissermassen auf der Hand, da ich der Klassensprecher war und anschliessend noch bei der BFH weiterarbeitete. Durch das Klassensprecheramt habe ich dann auch die Aufgabe der Koordination der Vereinsgründung übernommen. Mit meiner Frau haben wir die Statuten aufgegleist und dazu nahmen wir jene des lokalen Turn- des Handörgeli- und noch jene des Schutzenvereins «lacht». An der BFH konnten wir unsere erste Generalversammlung abhalten und dadurch, dass ich dort arbeitete, konnten wir unsere Vereinszeitung Lignarius in der eigenen Druckerei der BFH drucken. Natürlich noch in viel geringerer Auflage und als einfaches Faltblatt. Dies war eine günstige Konstellation und ausschlaggebend, dass ich das Präsidentenamt übernahm.
Gab es einen Wandel beim STE während deiner Amtsperiode?
Wir mussten uns nach dem Studium immer erklären, was wir machen und können und weshalb wir unsere Daseinsberechtigung haben. Vor allem seitens der Zimmermeister gab es einige Anspielungen und Angriffe, da sie uns mehrheitlich als nicht notwendig empfanden, weil sie schon den Bereich des Holzbaus vollumfänglich abdecken würden. Die Prüfung zum Zimmermeister ist eine Prüfung durch einen Verband und wir waren hier eine enorme Konkurrenz mit unserer staatlichen Ausbildung. Mit der Zeit wurden wir immer mehr akzeptiert und auch geschätzt, was ein wichtiger Wandel für uns war. Ebenfalls konnten wir uns nach einiger Zeit doch dem Verein «Pro Holz» anschliessen. Wären wir von Beginn an aufgenommen worden, hätte sich wahrscheinlich keine Vereinsgründungergeben. Aus dieser Sicht war es ein Glücksfall, haben wir die Gründung vollzogen und hat sich der STE zu seiner jetzigen Position entwickelt.
Welche Meilensteine wurden während deiner Präsidentschaft im STE gelegt?
Unsere grössten Veranstaltungen war die jährliche Generalversammlung. Wie schon erwähnt wurde die erste GV in Biel an der SHS abgehalten. Für die Zweite reisten wir in die Westschweiz nach Lausanne und die dritte, welche ich abhalten durfte, war in der Ostschweiz. Ein wichtiger Punkt war, dass wir begannen für die Studierenden Ausflüge zu organisieren, an denen der Verein schmackhaft gemacht wurde. Dabei konnten Betriebe besichtigt und Kontakte geknüpft werden.
Was gab es für grosse Herausforderung im Amt zu bewältigen?
Es lief alles rund und für uns stand die Welt nach diesem Studium offen. Wir mussten uns wie gesagt zuerst oft erklären, aber nach einigen Jahren hat sich das gelegt. Es hat sich herumgesprochen, dass wir einiges können, zwar keine Balkenlage zeichnen «lacht», aber das mussten wir auch nicht, dafür können wir anderes. Beim Verein gab es während meiner Amtszeit keine grossen Herausforderungen. Die neuen Abgänger der Schule meldeten sich meist automatisch an, was zur Akquirierung neuer Mitglieder optimal war.
Hast du zu deiner Amtszeit einige lustige Anekdoten oder schöne Erinnerungen, die dir einfallen?
Ich habe viele schöne und lustige Erinnerungen an das Studium. Zum Beispiel gab es die «Dampflocki» an der Schule. Unsere Schreibmaschinenlehrerin schnaufte jeweils heftig, nachdem sie all die Treppen zum Klassenzimmer hochkam. Der Übername war somit schnell gefunden. Oder dass wir Fleisch blau einfärbten und uns Gedanken machen mussten, wie es auf uns wirke und wie man blaues Fleisch vermarkten könnte.
Gibt es auch unschöne Erinnerungen, die du mit dem Präsidium in Verbindung bringst?
Nicht auf das Präsidium bezogen, aber dass wir sehr oft angeschossen wurden von den Zimmermeistern. Diese hatten das Gefühl, diese Ausbildung braucht es nicht, unser Wissen werde von der Holzindustrie bzw. dem Holzbau nicht benötigt. Die Rechtfertigung, dass es die Holzingenieure für die Entwicklung des Holzbaus benötigt, war mühsam. Ich konnte damit aber zum Glück sehr gut umgehen und nahm das nicht zu persönlich. Aber wie schon erzählt, hat sich dies dann mit der Zeit gelegt.
Aus welchem Grund hast du das Amt als Präsidenten niedergelegt?
Da ich nach meiner Anstellung bei der BFH auf Reisen ging, konnte ich das Amt nicht weiter führen.
Hast du für die Zukunft des STE einen Wunsch, Erwartung oder auch eine Hoffnung?
Der Mitgliederbeitrag sollte nicht die einzige Hürde sein, dass Personen zum STE beitreten, sondern der Idealismus dahinter sollte greifbar sein. Der STE könnte seine Stellung auf den Social Media ausbauen und sich so zusätzlich profilieren und weiter vernetzen. Aber der persönliche Austausch darf nicht zu kurz kommen. TechnoWood konnte zum Beispiel auch in dieser Corona-Zeit eine Abbundanlage ohne persönlichem Treffen verkaufen. Ich hielt dies für nicht möglich, aber es hat sich ereignet. Dafür war das Vertrauen enorm wichtig, aber auch gute Worte, respektive Referenzen von anderen Betrieben notwendig. Es sind aus meiner Sicht drei Punkte massgebend. Präsenz, Kompetenz und Vertrauen. Zuerst muss der Kontakt entstehen und es muss zuerst einmal «funken», danach muss das Gegenüber merken, dass die Fachkompetenz vorhanden ist und erst danach entsteht das Vertrauen. Aus diesem Grund machen wir Feste (eine Aufrichte), wenn die Maschine beim Kunden eingebaut und abgenommen ist und nicht schon, wenn die Maschine verkauft ist. Wie beim Zimmermann, wo das Aufrichtefest erst nach getaner Arbeit, wenn das Vertrauen des Kunden bestätigt ist, durchgeführt wird.
Wo siehst du Schwierigkeiten und Risiken, die auf den STE zusteuern?
Eine Schwierigkeit ist, dass andere Schulen im Zuge des Holzbaubooms aufkommen werden, welche ebenfalls solche Studien anbieten werden. Diese Diplomanden werden etwas anders ausgebildet sein und sollten ebenfalls im STE Platz finden und auch entsprechend abgeholt werden. Auch sollte versucht werden, alle Bereiche abzubilden und nicht vornehmlich den Baubereich, der am stärksten vertreten ist. Die Vielfallt wird aus meiner Sicht noch zunehmen. Die Holzbauer sind schon besser abgeholt und die Schreiner haben ein grundsätzliches Problem. Die Schreinereien haben hier zunehmend eine Konkurrenz vom Holzbauer, welcher bei Fertigelementen die Arbeiten wie Fenster und Türen montieren ebenfalls zunehmend übernehmen und so die Grundlage des Schreiners zu entziehen drohen. Die Zahl der Studenten wird vermutlich abnehmen. An der Holzfachschule in Biel war damals aus meiner Sicht die grösste Konzentration betreffend Wissen zu Holz vorhanden. Diesbezüglich hat sich einiges verändert bzw. ist sich am ändern. Es liegt extrem viel Wissen im Internet, in der Cloud, auf Servern irgendwo auf unserem Planeten. Man muss wissen, wie das Wissen, das man gerade benötigt, zu finden ist. Um dies zu erlernen, muss man nicht einen Kurs an der FHS in Biel besuchen.
Wo sieht du den STE in 10 Jahren?
Im Fernsehen im 10 vor 10 «lacht». Dazu wäre Thomas Rohner eine gute Adresse, der dies bewerkstelligen könnte. Übrigens hat er mit mir das Studium absolviert und wäre meiner Ansicht nach dazu die beste Adresse. Der STE soll weiter ein junger Vorstand haben, der innovativ ist und den Verein aktiv und modern, – der Zeit entsprechend – weiter bringt. Der STE darf sich nicht zu einem alten Verein mit Grauhaarcharakter entwickeln. Da sehe ich aber keine Tendenz und bin überzeugt, dass der STE weiter jung und frisch bleiben wird.
Wenn du ein Baum oder ein Holz wärst, welches ist dies und weshalb?
Ich glaube ich wäre eine Buche. Buchen können untereinander kommunizieren. Buchen können sehr schnell auf Veränderungen der Umwelt reagieren. Die Buche ist sehr sportlich. Ich finde die Buche faszinierende Bäume.
Wenn du eine Holzbearbeitungsmaschine wärst, welche wäre das und weshalb?
Dies ist einfacher «lacht» natürlich eine Technowood, klar «lacht». Eine Maschine, welche neue Formen und Geometrien in die Holzarchitekturen bringen kann. Nicht nur eine äussere Bearbeitung, sondern eine Bearbeitung, welche die Struktur des Holzes bearbeiten kann. Damit das Holz, respektive die Fasern nach den Belastungen ausgerichtet sind und so das Holz optimal genutzt werden kann. Hier ist die Natur ein grosses Vorbild, bei einem Ast werden die Holzfasern der Belastung entsprechend ausgerichtet.
Ein Interview von Alois Räber vom Februar 2022.