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Bereits in frühen Hochkulturen, wie beispielsweise bei den Ägyptern, wurde Parfüm verwendet. Ursprünglich wurden die Duftstoffe den Toten mitgegeben oder den Göttern geopfert. Später wurden die Salben und Duftöle dann auch auf lebendige Körper angewendet. Während zuerst vor allem einheimische Düfte verwendet wurden, brachte die Ausdehnung des Handels immer exotischere Düfte mit sich.
Das Parfüm fand mittels Kreuzzügen den Weg in die abendländische Kultur. Wo vorher nur Lavendelwasser verbreitet war, wurde im 16. Jahrhundert der Ursprung der europäischen Parfümindustrie in Grasse gelegt.
Im 18. Jahrhundert wurde das Parfüm zunehmend zum Luxusprodukt der Aristokratie. Baden galt als unrein und Körpergerüche wurden mit Parfüm überdeckt. Mit der Aufklärung kamen auch die leichteren, frischeren Parfüms, und durch die Industrialisierung wurde die Massenherstellung möglich. Mit ihr kam schliesslich auch das Synthetisieren (künstliche Herstellen) der Aromen Ende des 19. Jahrhunderts.
Aromastoffe
Ein Parfüm ist aus drei verschiedenen Noten aufgebaut. Die Kopfnote liefert den ersten Dufteindruck und besteht meist aus leichtflüchtigen Substanzen. Die Herznote oder das Bouquet entfaltet sich nach einigen Minuten. Für die Basisnote werden eher schwere Aromen verwendet, denn sie haftet einige Stunden und wird am intensivsten wahrgenommen.
Die Aromastoffe werden aus Blüten, Früchten, Gewürzen, Rinden und Harzen, Wurzeln oder Blättern, aber auch aus tierischen Sekreten gewonnen. Die Aromen werden mittels unterschiedlicher Verfahren wie beispielsweise der Destillation, durch Aufkochen, Auspressen oder Extraktion gewonnen. Meist besteht ein Parfüm aus mehreren hundert Duftkomponenten.
Problematische tierische Duftstoffe
Moschus wurde bereits in der Antike als Heilmittel und Aphrodisiakum verwendet. Es ist der sexuelle Lockstoff der männlichen Moschushirsche, welche vor allem im heutigen China, Russland, Kasachstan und der Mongolei zu finden sind. Um an den Duftstoff zu gelangen, wurden die Moschushirsche getötet und die Drüsen entfernt. Für ein Kilo Duftstoff sind ca. 36 Tiere notwendig. Aufgrund der steigenden Nachfrage und der immer kleiner werdenden Zahl der Moschushirsche wich man auch auf andere Tiere und Pflanzen aus – den sogenannten “falschen Moschus“. Sekrete der Bisamratte, der Moschusente, des Moschusochsen und des Moschusbocks sowie pflanzliche Stoffe des Abelmoschus und der Gauklerblume erinnern zumindest an den Moschusduft und wurden ersatzweise eingesetzt. Obwohl Moschus künstlich hergestellt werden kann, wird der Duftstoff auch immer noch vom lebenden Tier in sogenannten Farmen gewonnen. Da die Hirsche sich aber schlecht in Gefangenschaft halten lassen, ist die Sterblichkeit in solchen Moschusfarmen sehr hoch.
Ein weiterer tierischer Aromastoff ist Amber (auch Ambra genannt). Es stammt aus dem Verdauungstrakt von Pottwalen. Die genaue Entstehung von Amber ist unklar. Frischer Amber riecht unangenehm – erst durch die lange Trocknung an der Luft und in Verbindung mit Salzwasser entfaltet er sein wohlriechendes Aroma. Amber gelangt entweder durch Erbrechen, Kotstein oder den natürlichen Tod ins Meer und schliesslich an die Küste. Mit der Ausdehnung des Walfangs konnten weitere grosse Mengen des kostbaren Stoffes erbeutet werden. Inzwischen hat sich hier die synthetische Herstellung des Aromas durchgesetzt – für teure Parfüms wird aber nach wie vor natürlicher Amber verwendet. Dabei wird der Rohstoff gemahlen und mit Alkohol vermischt. Nach einer Reifezeit von 18 Monaten wird er als Duftstoff verwendet.
Der Duftstoff Zibet stammt von der Zibetkatze in Asien oder Afrika und ähnelt dem Moschusduft. Das Sekret wird durch die Analdrüsen produziert und dient dabei zur Reviermarkierung. Die Zibetkatze wird zur Sekretgewinnung in Gefangenschaft gezüchtet und wöchentlich werden die Drüsen entleert. Nebst der Verwendung als Duftkomponente wird Zibet auch als Arzneimittel verwendet. Aufgrund der Stärke des Duftes wird es meist nur sparsam angewandt.
Die letzte der bekanntesten tierischen Duftnoten ist Bibergeil (Castoreum). Es ist fetthaltig und wird zur Fellpflege des Bibers und zur Reviermarkierung verwendet. Die Drüsensäcke wurden früher den getöteten Biber entnommen. Aufgrund der zugeschriebenen heilenden Wirkung (u.a. gegen Krämpfe, Hysterie und Nervosität) war der Biber zeitweise vom Aussterben bedroht. Heute wird das Bibergeil von trainierten Bibern in Gefangenschaft gewonnen, welche das Geil an Dosen abstreifen. Nebst der Verwendung in der Parfümproduktion wird Bibergeil auch in der Homöopathie benutzt.
Auswirkungen auf die Tierarten
All die genannten tierischen Duftstoffe wurden bereits von früheren Kulturen als Arzneistoffe oder Aphrodisiakum verwendet. Nicht umsonst gelangten genau solche tierischen Lock- und Sexualstoffe in Parfüms. Die immer grösser werdende Nachfrage führte jedoch beinahe zur Ausrottung dieser Tierarten. Noch heute steht der Moschushirsch auf der roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN). Zwischen 1990 und 2001 wurden schätzungsweise 25‘000 Tiere durch illegale Jagd getötet. Obwohl die Nachfrage der Parfümindustrie nach natürlichem Moschus sinkt, finden sich immer noch Abnehmer für den Lockstoff.
In Afrika gibt es aktuell über 200 Zibet-Farmen, welche die wilden afrikanischen Zibetkatzen einfangen und in Gefangenschaft halten, um an den wertvollen Duftstoff zu gelangen. 85 % des Stoffes wird für die Parfümindustrie nach Frankreich exportiert (gemäss Angaben des IUCN).
Obwohl die Aromen heute meist synthetisch hergestellt werden, verwenden einige Parfümeure für ihre Luxusprodukte lieber natürliche Duftstoffe. Diese sind zwar teurer, im Gegensatz zu den Ersatzstoffen lagern sich die natürlichen Stoffe aber nicht im Fettgewebe der Kunden ab und können in Wasser und Boden besser abgebaut werden. Synthetische Stoffe können zudem Allergien hervorrufen. Obschon künstlich nachbildbar, schwören gewisse Parfümeure auf die Unvergleichbarkeit der natürlichen Aromen. Trotz einer zumindest teilweisen Erholung der Population führt dies dazu, dass weiterhin ein Markt für die seltenen Duftstoffe besteht – und, weit wichtiger, viel Geld damit gemacht werden kann.
Im folgenden Beitrag der Artikelserie wird auf problematische pflanzliche Inhaltsstoffe eingegangen.