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Karotissinus-Hypersensitivität auch bei Personen ohne Beschwerden
Die Überempfindlichkeit des Karotissinus ist bei älteren Personen eine häufige Ursache von Bewusstlosigkeiten und Stürzen.
Der Karotissinus ist eine Art biologischer Messfühler. Er befindet sich in der Wand der Halsschlagader (Karotisarterie). Dort registriert er laufend den Blutdruck und "meldet" diesen an das Gehirn. Bei Blutdruckschwankungen kann das Gehirn entsprechend reagieren und z.B. die Herzfrequenz ändern oder die Ausschüttung blutdruckregulierender Hormone anpassen.
Der Karotissinus funktioniert praktisch wie der automatische Temperaturfühler einer Heizungsanlage. Bei der Überempfindlichkeit (Hypersensitivität) reagiert der Karotissinus überempfindlich und macht ''Falschmeldungen'' ans Gehirn: spontan durch abrupte Halsdrehungen oder durch Manipilationen am Hals (z.B. Rasieren, Kratzen) meldet er einen hohen Blutdruck, obwohl die Blutdruckwerte normal sind. Entsprechend ergreift das Gehirn (inadäquat starke) blutdrucksenkende Massnahmen, was zu einem verlangsamten Herzschlag und zu Schwindelgefühlen bis zu einer kurzfristigen Bewusstlosigkeit führen kann.
Die folgende Studie untersuchte die Karotissinus-Hypersensitivität bei älteren Patienten allgemein und bei älteren Patienten ohne Bewusstlosigkeits-Attacken, Schwindel oder Stürzen in der Krankengeschichte.
Forscher wählten 1'000 über 65-jährige Personen zur Stichprobe. 272 Teilnehmer bekamen liegend und stehend eine Karotissinus-Massage*, wobei kontinuierlich der Herzschlag- und die Blutdruckwerte gemessen wurden. Ziel der Studie war, die Anzahl von ''Karotissinus-Hypersensitivität-Fällen'' (= Kreislaufstillstand (Asystolie) von mind. 3 Sek. oder Abfall des höheren (systolischen) Blutdruckwertes von mehr als 50mmHg) herauszufinden . *Dabei wird mit zwei Fingern ein bestimmter Punkt an der Halsschlagader massiert. Anmerk. der Red.
Resultate
- Bei 39% der über 65-jährigen Teilnehmer war eine Karotissinus-Hypersensitivität nachweisbar; 16% davon zeigten Symptome.
- 24% hatten im EKG während der Massage einen Kreislaufstillstand von mind. 3 Sek.
- Bei 80 Teilnehmern, die bis dahin keine Beschwerden hatten, zeigte sich in 35% der Fälle eine Karotissinus-Hypersensitivität; 12.5% zeigten während der Massage Beschwerden.
- Ältere Personen und Männer waren häufiger von einer Karotissinus-Hypersensitivität betroffen.
Fazit der Autoren
Über 65-jährige Personen haben häufig eine Karotissinus-Hypersensitivität; auch solche, die noch nie unter Bewusstlosigkeit, Schwindel oder Stürzen litten.
Tellmed, Arch Intern Med 2006;166:515-520 - SR Kerr et al
12.02.2007 - dzu