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USA bekommen Hilfe aus Freiburg
Diplomarbeit: Optisches Verfahren zum Lesen historisch wichtiger Tonträger
Die Hochschule für Technik und Architektur vergibt in diesen Tagen ihre Abschlussdiplome. Noé Lutz und Michel Yerly haben für ihre Diplomarbeit in Kalifornien geforscht und ein Verfahren entwickelt, das die US-Regierung interessiert.
Von CHRISTIAN SCHMUTZ
Sie sehen aus wie eine Wüstenlandschaft – die dreidimensionalen Hügel, welche Noé Lutz und Michel Yerly auf die Leinwand projizieren. Und wenn man hört, was es wirklich ist, da staunt der Laie: Es sind die Grossaufnahmen von Tonaufnahmen – zum Beispiel der Stimme des früheren US-Präsidenten Lyndon B. Johnson.
HTA-FR und Berkeley zusammen
Wie kam es dazu? Nachdem Yerly und Lutz in einer Semesterarbeit ein Leseverfahren für alte Schallplatten erarbeitet hatten, knüpfte Ottar Johnsen, Lehrer an der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HTA-FR), den Kontakt mit der «Lawrence Berkely National Laboratories» in Berkeley, Kalifornien. Im Gegensatz zu den zweidimensionalen Freiburger Leseverfahren wurden dort bereits dreidimensionale entwickelt. Nun galt es diese beiden Verfahren zu verbinden.
Noé Lutz und Michel Yerly folgten dem Ruf nach Berkely und arbeiteten zehn Wochen lang an einem Programm, um den Inhalt von «dictation belts» anzuhören. Diese «Diktierriemen» waren in den USA zwischen 1950 und 1970 für die Aufnahme von Protokollen und das Diktieren von Briefen gebraucht worden, indem – anders als bei gestanzten Schallplatten – eine Rille geritzt wurde.
Der «Belt» war mit einem normalen Gerät mit einer Nadel abspielbar. Dabei verformte sich aber die Unterlage und die Abspielqualität sank so sehr, dass man bereits nach vier Mal die Stimmen nicht mehr unterscheiden konnte. Die angehenden, zweisprachigen Informatik-Ingenieure Lutz und Yerly mussten also ein Verfahren entwickeln, bei dem sie die Inhalte der «Belts» lesen konnten, ohne sie auch nur zu berühren.
«Der Ton muss 100 Prozent dem entsprechen, was auf dem Band ist», erklärte Lutz. Auch müsse jedes aufgenommene Klopfen von einem Stäubchen oder einem Kratzer auf der Unterlage unterschieden werden können. Aber diese extreme Präzision brauche auch Zeit. «Das Messen einer Minute Aufnahmematerial dauert zwei Tage», erläuterte der Diplomand.
Von den National Archives finanziert
«Die Vereinigten Staaten haben einige alte Bänder, die sie gern mit einer optimalen Qualität lesen möchten», sagte Noé Lutz. Und Michel Yerly doppelte nach, dass es historisch brisante Dinge gebe, nach denen man vielleicht die Geschichtsschreibung ändern müsse. Die Forschung in Berkeley werde denn auch von den National Archives der USA finanziert. Momentan führe in Berkeley ein Student die Arbeiten weiter und nächsten Sommer könnten möglicherweise die Bänder gemessen werden. Die beiden Freiburger haben bereits ein Angebot, diese Aufgaben in Kalifornien selbst durchzuführen.
Die von Lutz und Yerly entwickelte Software ist auch auf andere alte Datenträger übertragbar. Sie könnten also auch in Europa tätig werden. Wollen sie mit dieser Idee eine Firma gründen? «Für normale Tonaufnahmen hat Professor Johnsen bereits eine sehr gute Methode. Für Messungen dieser Qualität fehlt wohl die Nachfrage», sagte Noé Lutz.
Für die beiden sei es eine ideale Visitenkarte und eine super Erfahrung. Mit viel theoretischem Hintergrund habe ein sehr praktisches Ergebnis herausgeschaut, sagte Johnsen.
Acht Arbeiten von Deutschfreiburgern
Der Dezember ist in der Hochschule für Technik und Architektur die Zeit der Abschlüsse. Kurz vor der Diplomfeier wurden die Projekte ausgestellt. Die Diplomarbeiten wurden meist zu zweit und unter grossem Zeitdruck geschrieben.
An acht Arbeiten waren Studenten deutscher Muttersprache beteiligt. Sie erforschten über Gesten gesteuerte Computer und Roboter, ein «Touch-Screen-Teleskop», einen digitalen Empfänger für Daten von Wettersatelliten, ein Turnier-Organisations-Programm, ein Computer-Sicherheits-Programm, eine nanostrukturierte Oberfläche für die Industrie sowie eine (fiktive) Ankunftsplattform auf dem Moléson. chs