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Fig. 5 und 1 l sind schematische Darstellungen von Pumpen, welche in neuerer Zeit vielfach in Aufnahme gekommen sind. Fig. 5 ist die sogenannte Donkeydampfpumpe, die sich durch compen» diöse Anordnung ungemein auszeichnet. Indem sich Referent vorbehält, Details einer ähnlichen Construction zu veröffentlichen, da die vorliegende Construction einige Uebelstänbc hat, namentlich den Mangel einer Gcradführung für den Kolben, bleibt» nur darauf hinzuweisen, daß Pumpen« und Dampftylinder bei allen diesen Puuipen aus einem Stück gegossen sind, ebenso die beiden Kolben. Um den Guß möglichst leicht zu erhalten, ist der Kolben hohl gegossen, und wird oben und unten mittelst Kittboden geschlossen. Durch einfache Anordnung läßt sich die Stange, welche die Pleuelstange und den Kolben verbindet, so nach rückwärts verlängern, daß an ihr gleich das Querhaupt sitzen kann. Die Gleitschienen find dann an dem Querbalken angebracht, der die beiden «Zylinder verbindet. Ebenso ist die Anordnung, daß die Schwungiabwclle auf dem Cvlindcr liegt, und der Schieber sich horizontal hin- und herbewcgt, leicht zu umgehen, indem sich die Welle unter dem Pumpcncylindcr anbringen läßt. Dann geht die Erccntcrstange vcrtical auf und ab, wobei der Schieberspiegcl vor dem Cylinder zu liege» kommt. Dadurch wird die Construction bedeutend solider.
Ebenso ist auch Fig. l 1 nur ein Schema einer kleinen Saugcpumpe, die sich durch Einfachheit, und in Folge dessen auch durch große Billigkeit auszeichnet. Da in dem nächsten Referate genaue Details dieser vo» Douglas in Connecticut (Amerika) ausgeführten kleinen Saugepumpcn gegeben werden sollen, so verschieben wir bis dahin weitere Bemerkungen über dieselben.
In Fig. 6 ist eine Vorrichtung zum Einrammen von Rohren für Rohrbrunnen angegeben. » und b sind zwei auf dem einzurammenden Rohre zu befestigende Schellen, die, wenn daö Rohr um einige Fuß eingerammt ist, entsprechend nach oben geschoben werden können. An der Schelle » befinden sich zwei Rollen d, über welche die Rammseilc gehen, die an den Rammbär o angreifen. Der Bär fällt auf die Schelle ä nieder, und dadurch geht das Rohr mit herunter. Mit einer solchen Vorrichtung können mit Leichtigkeit Rohre bis zu 6 Zoll (155"") Durchmesser eingerammt weiden. Ucber die Rohrbrunncn selbst wird ein ausführliches Referat im nächsten Hefte folgen. Wir haben uns bisher jeder Betrachtung über dieselben deswegen enthalten, weil es erst einer längeren Erfahrung bedurfte, um über deren Brauchbarkeit urtheilen zu können. Bl.
Eisenbahnwesen.
Die Eisenbahn von San Paulo. — Diese, durch mehrfache
außergewöhnliche Bauten zur Ueberwindung von Tcrrainschwierig» leiten ausgezeichnete, brasilianische Eisenbahn singt in San Paulo an und geht bis Iundiahy, und entnehmen wir dem „Nnßinßerinß", 1870, Nr. 219, S. 156, die nachstehenden Notizen darüber. Anfangs führt die Bahn in einer Länge von 13^ engl. Meilen (21,33 Kilometer) über niedrige und sumpfige Gegend; von Santos bis zum Fuß der Serra do Mar geht ein steiler 'Abhang parallel zur Seelüfte und senkrecht zur Richtung der Eisenbahn, welcher sich rasch zu einer Höhe von wenigstens 2500 Fuß (762") über den Meeresspiegel erhebt. Es war anfangs vorgeschlagen, eine Locomotivciscnbahn über die Serra zu legen; um aber die Ersteigung abzukürzen und die Strecke für den bedungenen Preis herstellen zu tonnen, hat man sich entschlossen, geneigte Ebenen von 1:10 zu bauen, welche mit stationären Maschinen betrieben werden.
Vom Serragipsel bis Iundiahy, eine Entfernung von 68 engl. Meilen (107,4 Kilometer), geht die Eisenbahn durch eine Reihe von kurzen Anhöhen und Thälern, mit einzelnen tiefen Einschnitten und Vorsprüngen. Die größte Steigung war hier 1:40, von 1H Meilen (2,2? Kilometer) Länge, an deren höchster Stelle ein Tunnel von 650 Jards (594") unvermeidlich war. Dieser Tunnel ging anfangs durch Schichten vo» hartem und zähem Glimmerschiefer, welcher mit viel Quarz und Adern durchsetzt war. Bei der Herstellung des Einschnittes an der nördlichen TunnelMündung drohte ein großartiger Erdrutsch, welchem vorübergehend dadurch entgegengetreten wurde, daß man große Pfähle vor den rutschenden Erdlörpei eintrieb, welche mit Qucrstreben drei Fuß (0°,»i) unter den Schienen versehen waren, die man mit Bruchstein bedeckte. Dadurch wäre das Rutschen nicht verhindert gewesen, und man war gezwungen, eine solide Steinanlage zu machen, die Pfähle abzuschneiden und ordentliche Stützmauern zu bauen.
Die geneigten Ebenen sind zusammen fünf Meilen (7,3 Kilo»
XIV.
meter) lang, mit einer Steighöhe von 2557 Fuß (779") über dem Fuß der Serra. Es sind ihrer vier geneigte Ebenen, jede mit einer Steigung von 1 .9,?° und von rcsp. 6388 (1947"), 5852 (1783°), 6876 (2096") und 7017 Fuß (2139°) Länge. Am Gipfel jeder geneigten Ebene ist eine Strecke mit Gefälle von nur 1 : 75, ungefähr 250 Fuß (76") lang, auf welcher sich die Anlagen für den Betrieb befinden. Die Krümmungshalbmesser find zwischen 30 und 80 Kelten (603 und 1596") enthalte».
Die Erdarbeiten waren ziemlich umfangreich, man hatte in manchen Fällen Einschnitte und Anschüttungen von 75 Fuß (2i",»s) und 95 Fuß (28",35) in der Vahnaie gemessen, auszuführen, und wegen des steilen Qucrprofils und der unsicheren Beschaffenheit des Untergrundes war die Einschnittsböschung oberhalb der Bahn, obwol man sie niemals flacher baute, als 1^:1, oft 330 Fuß (100") lang, während die unterhalb aufgeschüttete Partie ebenfalls dem entsprechende Ausdehnung hatte. Fast sämmtliche Anschüttungen mußten durch schwere Trockenmaucrn geschützt werden. Diese Erdarbeiten waren ausgedehnten und plötzliche» Rutschungcn ausgesetzt, und eine Schüttung nach der anderen glitschte während des Baues, öfters sogar, nachdem sie bereits fertig war, bis zun» Untergrund herab. Das einzig ergiebige Mittel, um diesen Rutschungen zu begegnen, war ein ausgebreitetes Drainsystcm, welches alles Wasser oberhalb der Bahn auffangen und sammeln lonnte, um dasselbe mittelst gepflasterter und cementirter Canälc quer durch die Bahn abzuführen, dann durch Bepflastern der ganzen Oberfläche der unteren Böschungen und simmtlichcr Anschüttungen, um das Abwaschen zu verhindern; schließlich durch Drainiren aller Einschnitte oberhalb der Bahn und durch Befestigen derselben mittelst massiver Stützmauern. Diese Maßregeln hatten auch so weit Erfolg, daß während der zwei letzten nassen Jahre nicht eine einzige Rutschung an den Serrabautcn vorlam. Ein ausgedehnter Rutsch an einem der größten Einschnitte wurde während der Ausführung mittelst Wasser weggeschafft. Ein beträchtlicher Bergstrom wurde in den Einschnitt geleitet, und von so vielen Arbeitern, als man disponibel hatte, der Boden aufgehackt und in das Wasser gefördert. Die Wasserkraft hat auch auf der Steigung 1: 10 rasch den Boden weggetragen, und nur die Steine zurückgelassen, welche zur Vepstasterung der Bänke ic. geeignet waren.
Am Fuße der vierten geneigten Ebene wurde eine Kluft mit einer eisernen Brücke überspannt von 705 Fuß (214",,) Länge, und mit zehn Ocffnungcn von je 66 Fuß (2v",i), und einer von 45 Fuß (13°,?). Die tiefste Stelle des Thals lag 185 Fuß (56» unter der Schienenoberkante. Jeder Pfeiler war aus acht gußeisernen Säulen zusammengesetzt, welche auf ein solides gemauertes Fundament aufgeschraubt wurden, während der obere Theil aus vier Gitterträgern bestand. Zum Montiren brauchte man kein Gerüste. Ein Drahtseil wurde über die Kluft gespannt, und man zog die gußeisernen Säulen mittelst Flaschcnzügen an dem gespannten Seil Stück für Stück an den bestimmten Platz. Der Gefahr, daß die Pfeiler, wenn sie eine gewisse Höhe erreicht, von den zeitweilig dort herrschenden fürchterlichen Sturmwinden umgeworfen würden, begegnete man durch Anlegen von 66 Fuß (26",i2) langen Balte» in der halben Höhe der Pfeiler, welche, mit einem Geländer versehen, den Arbeitern als Laufbrücke dienten. Die Träger wurden mittelst eines Drchtrahncs auf Rädern aufgestellt, welcher die halbe Spannweite beherrschte. Für die erste Oeffnung geschah dies nach Vollendung des nächsten Pfeilers vom Stirnpfcilcr aus, worauf über diese die Bahn gelegt und der Krahn auf den ersten Pfeiler vorgeschoben wurde. Diese Construction lag in einer Curve von 30 Ketten (603") Radius und in einer Steigung von 1 :9,?5. Das Gewicht an Walzeisen der Träger und der Pfeiler betrug 562 TonS (570 metrische Tonnen), das des Gußeisens in den Pfeilern wog 480 Tons (487 Tonnen). Die Ausstellung dies« Eisenconstruction wurde im März 1867 begonnen, und am 2. November desselben Jahres fuhr der erste Zug darüber fort.
Der Betrieb der geneigten Ebenen geschieht mittelst dcS in Nordengland wiI-enä-8Mein genannten Verfahrens, und ist somit zum Theil selbstwirkcnd, indem Waggons auf jedem Ende des Drahtseils befestigt werden, von denen ein Theil bergauf, der andere thalwärts fährt und den ersten mit Heraufziehen hilft. Die Disposition der Gleise bietet manches Besondere. An der unteren Hälfte jedes Aufzugs legte man ein einfaches Gleise, und an der oberen (nach der AuSweichcstelle) legte man drei Schienenstränge nebeneinander in der Art, daß sie zwei Gleise mit gemeinschaftlicher Mittelschiene bildeten. Genau aus der Hälfte jedes Aufzugs verzweigen sich das einfache Gleise der unteren Hälfte und die drei.
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Schienenstränge der oberen Hälfte in ein Doppclglcise, welches so laug ist, daß herauf- und herabgchcndc Züge mit einem Raum von 6 Fuß (2",»2) zwischen den Fahrzeugen daraus passircn können. Die Weichen am unteren Ende sind selbstthälig. Diese Einrichtung gestattet die Anwendung von zwei Reihen Leitrollcn zum Führen des herauf« und heruntergehenden Zuges in der oberen Hälfte, während in der unteren eine einzige Reihe genügte. An den Kopfenden hatte man drei besondere Gleise angebracht, von ungefähr 250 Fuß (76") Länge, so, daß der Zug nach oben auf einem von den äußeren, der nach unten aber immer auf dem mittleren fährt. Diese Gleise haben eine Steigung von 1 .- 75, welche genügenden Fall gicbt, damit die Waggons das Seil von der Maschine herunterziehen können. Die Seile haben 4 Zoll (100°"°) Umfang und sind von Stahldraht verfertigt. Sic wurden auf 35 Tons (35,5 Tonnen) Zugfestigkeit geprüft, während die größte Anstrengung bei ihrer Arbeit, «ic Dynamomcterversuchc ergeben haben, gegen 4 bis 4z Tons (4,5 bis 4,55 Tonnen) beträgt. Ihre Dauer hat sich auf ungefähr zwei Jahre herausgestellt. Die Seile werben durch leichte schmiedeeiserne Rollen von 12 Zoll (305'°") Durchmesser mit gußeiserner Nabe geleitet, welche in den Curvcn 5 bis 7 Jards (4°,5? bis 6",«) von einander stehen, in der geraden Strecke aber von 10 zu IN Dards (9",i4) aufgestellt sind. Die Seile werden zur Maschine über horizontale 10 Fuß (3",u5) im Durchmesser hallende Rollen geleitet. Die nöthige Vetricbskraft lieferten auf jedem Ende zwei horizontale Hochdruckdampfmaschinen von 15l) Pferde» nominell, mit 26 Zoll (!!60°"") Cylinderdurchmesscr und 5 Fuß (1",52) Hub bei 22 Umdrehungen in der Minute. Der Dampfdruck im Cylinder beträgt 30 Pfd. (2,l Kilogramm pro Ouadratccntimeter). Die Vcwegungsübertragung auf das Leitscil geschieht durch Frictionskuppclung. Diese besteht aus zwei Rollen von 10' Fuß (3",u5) Durchmesser, von denen die obere mit drei Rinnen, auf der Schwungradwelle befestigt, die untere mit zwei Riemen lose läuft. Um diese Rollen wirb das Seil in Form eines 8 gewunden. Die Maschinen sind mit einer kräftigen Bremse an den Schwungrädern versehen, und ein Indieator zeigt dem Wärter an, wo sich eben der Zug befindet. Besondere Bremswaggons sind jedem auf- und abgehenden Zuge beigefügt, und das Bremsen durch specicllc Constructionen so eingerichtet, daß der Zug an jeder Stelle zum Stehen gebracht werden kann. Tclegraphische Signale und außerdem ein Drahtzug, welcher die Zugführer in Verbindung mit dem Maschinenhause setzt, sind ebenfalls angebracht. Außer dem besonderen Vrcmswagen, an welchem das Leitscil befestigt ist, besteht ein Zug aus drei beladenen Waggons. Diese wiegen 34 Tons (34",5 Tonnen) und der Bremswagcn 6 Tons (6 Tonnen), woraus eine Brutto' last von im Marimum 40 Tons (40,5 Tonnen), rcsultirt. Hiervon find 21 Tons (21,3 Tonnen) Nutzlast; für jede geneigte Ebene verbraucht man 15 Minuten Zeit, oder eine Stunde für die Ersteigung der ganzen 2550 Fuß (77?'°). Man ist also im Stande, viermal in der Stunde zu fahren, was 24 Waggons in beiden Richtungen zusammen in der Stunde ausmacht, oder 240 Waggons mit 1680 Tons (1725 Tonnen) Nutzlast im Tage von 10 Arbeitsstunden.
Die Herstellungskosten für Bauten, Stationen, Terrain, Fahr» Material, stationäre Maschinen, für die verschiedenen Anlagen und die Verwaltung betrugen 24,040 L für die engl. Meile (760,000 Thlr. für die deutsche Meile oder 10,144 Thlr. pro Kilometer), oder, mit Einschluß von 7 pCt. Zinsen aus dem Reservecapital während des Baue«, 31,570 L für die engl. Meile (1,000.000 Thlr. für die Meile oder 13320 Thlr. pro Kilometer), die Betriebskosten im ersten Halbjahr 1869 betrugen 35,« pCt. der Einnahmen.
Die Oberleitung des Baues hatte Vrunlces. Robert Sharp H Söhne haben den Bau und die Lieferung des Fahrmaterials für 1,745,000 L (11.600,000 Thlr.) übernommen. Die Vllupcriodc war auf 8 Jahre festgesetzt, doch wurde die Bahn tN Monate früher fertig, wofür die Unternehmer Prämien erhielten. I.. V.
Bergwesen.
Ueber die neuen Sprengmittel beim Bergbau. (Schluß von E. 721.) —
Auch in Nordamerika ist das Dynamit unter dem Namen , Giant powder" oder Riescnpulver ebenfalls in ausgedehnter Anwendung, und hat dort seine warmen Anhänger, aber auch manche Gegner gefunden. Nach der Acußerung von Raymond wird auf
manchen Werken Californiens, namenttlich auf dem mächtigen Muttcrgange bei der Beschaffenheit desselben und des seine verschiedenen Trumme einschließenden Gesteins mit gewöhnlichem Schicßpulver eine so große Erzförderung erzielt, daß die eigentlichen Gewinnungskosten einer Tonne Erz im Vcrhältniß zu de» hohen Kosten des Ausbaus, der Förderung u. s, w. sich sehr niedrig stellen und daher «ine Ersparniß bei den Sprengarbcitcn nicht in das Gewicht fallen würde. Aus andern Werken sind die wenig mächtigen goldführenden Gänge dagegen so fest und mit dem festen Nebengestein so verwachsen, daß die Gewinnungskosten der Erze "den Kosten des nur unbedeutenden Ausbaues gegenüber sich sehr hoch berechnen, eine Ersparniß auf dieselben bei der großen Förderung geringhaltiger Erze daher von großem Einfluß auf den Rechnungsabschluß ist und bei manchen Werken ihren Forlbctricb bedingt. Dies ist vorzugsweise von hoher Bedeutung für die Bauwürdigkeit vieler Gänge, welche zwar viel Gold, aber weit zerstreut in der Gangmassc führen und dadurch eine große Erzförderung notwendig machen, die bei einem wirksameren Sprengmaterial in dem festen, geschlossenen Gestein leichter und billiger zu beschaffen ist, als mit gewöhnlichem Pulver, so daß bei diesen Gängen der durch Dynamit zu erzielende Vortheil sofort in die Augen fällt.
Es hat sich also auch in Californicn bestätigt, daß die ein» männischcn Bohrlöcher bei kräftigem Sprengmittel vortheilhafter als zwcimännischc sind, wie dies auch schon früher einige Versuche am Harze mit Nitroglycerin ergeben hatten, und sich gezeigt, daß die bei Verwendung vou Dynamit erzielte Ersparniß an Gewinnungskosten eine ganz erhebliche ist. Da diese an anderen Orten sich noch günstiger gestaltet haben soll, so hat man sich denn auch beeilt, die einmännischc Bohrarbcit in Verbindung mit Dynamit auf manchen anderen Gruben Californiens einzuführen in der Hoffnung, daß es bei der dadurch herbeigeführten Ermäßigung der Gewinnungskosten gelingen werde, auch ärmere Erzmittel und Goldgänge, welche bis jetzt die hohen Gewinnungskosten nicht zu decken vermochten, mit Vortheil abbauen und die bereits merklich gesunkene Gold» production Californiens wieder heben zu können.
3. Das Dual in ist ein aus nitrirten Sägespänen und Nitroglycerin bestehendes gelblich bräunliches Pulver, welches nicht zusammenballt, leicht in Patronen gefüllt und beim Gebrauch wie gewöhnliches Pulver behandelt werden kann. Im Freien angezündet verbrennt das Dualin ohne Erplosion, welche hier sowol als auch in leicht verschlossenen Räumen, in Bohrlöcher» mit losem Sandodcr Wasscrbcsatz nur niit einem kräftige» Zündhütchen, in fest besetzten Bohrlöchern aber wie das Pulver durch Strohhalm oder Raketchcn bewirkt werden kann; auch bei niederer Temperatur ist es mit gcwöhülichen Zündhütchen erplodirbar. Das Dualin soll in der Kälte unverändert bleiben, dem jedoch die weiter unten folgenden Angaben von Pfeiffer widersprechen möchten. Feuchtigkeit schadet ihm nicht, soll seine Wirksamkeit sogar erhöhen, viel Wasser solche dagegen schwächen.' Seine Hauptvorzügc sind: seine größere Wirksamkeit, seine leichte und billige Zündung in Bohrlöchern mit festem Besatz, und die ungeachtet seines höheren Preises gegen Pulver damit verbundene Ersparniß an Matcrialkostcn, Arbeitslohn und Zeit. Im Vergleich mit Dynamit wird sein geringerer Preis und seine geringere Gcsundhcitsschädlichkcit zwar hervorgehoben, doch muß man es vermeiden, auch das Dualin auf den Geschmack zu prüfen, weil es gleichfalls giftig ist, und der geringere Preis dürfte leicht durch die größere Wirksamkeit des Dynamits aufgewogen werden, wen» eine größere Leistung als jene des Dualins gefordert wird. Auch soll das Dualin gegen Schlag und Stoß weniger empfindlich, als Nitroglycerin und Dynamit sein, was durch seinen geringer» Gehalt an Nitroglycerin, als im Dynamit, bedingt sein möchte.
Das Dualiu wird von seinem Erfinder C. Dittmar in Charlottenburg fabricirt, der auch nach einer Angabc im „Berggeist" vom ll. Januar 1870 Dynamit darstellt und zu billigerem Preise, als bisher gefordert wurde, liefert. Nach einer in der deutschen Industriezeitung aus dem „H.merie»n ^rtiü»n" mitgethcilten und wahrscheinlich der dem Patentgcsuchc für Nordamerika beigefügten Beschreibung entnommenen Angabe wird bei Bereitung des Dualins Ccllulose aus sägemchlartig zerkleinertem weichem Holze, der Fichte oder Pappel, durch Behandlung mit Säuren und darauf folgendem Kochen in einer Sodalösung dargestellt oder auch in Nitrocellulose übergeführt, und dann mit Nitrostärke, Nilromannit und Nitroglycerin in verschiedenen Verhältnissen, je nach der beabsichtigten Stärke, gemischt. Das Dualin wird in 6 bis 8 Zoll (150 bis 205°") langen Patronen von sehr starkem Papier versendet, wodurch nicht nur jede Berührung der giftigen Substanz durch die Bergleute vermieden, sondern auch Zeit erspart wird, indem die Fabrik die Anfertigung der Patronen durch geüblere Leute bewirkt, als dies auf der Grube geschehen kann.
Das Dualin ist durch seine mehr allmälige und stoßende, als plötzliche und zerschmetternde Wirkung für die Steinkohlengewinnung sehr geeignet, wenn dabei nur Bohrlöcher von geringerer Weite verwendet werden, damit die dein Dualin dargebotene Fläche eine größere werde.
Die in neuester Zeit mit dem Dualin in Obcrschlcsicn angestellten Sprcngucrsuchc sollen die günstigsten Resultate gegeben, und auf den' Borsig'scheu Gruben in Bistupitz, sowie auf „Königsgrube" bei der Steinkohlengewinnung dargcthan haben, daß das Dualin eine mehr allmälige und stoßende, als plötzlich zerschmetternde Wirkung zeige, und daher auch, wie in Staßfurt sich ergeben, beim Steinsalzbcrgbau mit Borthcil zu verwende» sei.
Auf dem Alfred-Schachte der Grube „Hohcnlohe" wurden von drei, vor einem in der Sohle vorgeschrämtcn Orte für Pulver vorgerichteten, etwa 30 Zoll (76«°"") tiefen Bohrlöchern das am Stoße befindliche mit 8 Zoll (205°°) oder 34 Loth Dualin besetzt und mit der Räkele wcggcthan. Der Schuß warf die Steinkohle in mächligen Stücken herab und riß bis zu dem zmrächst stehenden Bohrloch so tief ein, daß von dem Besetzen des Letzteren abgesehen werden konnte. Auf derselben Grube wurden vor dem Pfeiler drei Bohrlöcher, anstatt mil 1H Pfd. Pulver, mil 8 Loth Dualin besetzt. Sic warfen große Stücke ab und zerklüftete» die ganze Masse, so baß eine größere Förderung und ein größerer Stückfall an Stein» kohlen, als beim Pulver erzielt wurden.
Auf der „Mathildengrube" wurden bei dem Abteufen eines Gesenkes mehrere Sohlcnschüsse von 24 Zoll (630°"°) Tiefe, welche 6 Loth Dynamit erfordert habe» würden, mit 3^ Loth Tualin be» setzt, und ergaben dieselbe vorzügliche Wirkung wie jenes.
Bei den bei Siegen und Nicdcrschclden mit dein Dualin angestellten Sprengvcrsnchen sind hinsichtlich seiner Wirksamkeit, Billigkeit und Unschädlichkeit der sich erzeugenden Erplosionsgasc günstige Resultate erlangt und dem Dualin bei vorurtheilsfrcicr Prüfung seiner Zündbarkcit mit dem Halme die besten Zeugnisse ertheilt worden. Auch im Dillenburgischcn hat sich das Dualin bei dem Auffahren eines Stollns im festen Grüustcin glänzend bewährt und sich sowol auf den Eisencrzgrubcn und den Steinbrüchen im Nassanischen, als auch im Mansfeldischen billiger als Pulver gestellt, so daß im Rückblick auf die Resultate sämiutlichcr Sprcngvcrsuchc mit Tualin die Hoffnung, daß die Zeit nicht zu fern liege» möchte, wo es den Nitroglyccrinpräparalcn dnrch Wolfeilheit gelungen sein werde, sich allgemeinen Eingang zu verschaffen, eine wol begründete sein dürfte.
Nach den Versuchen in Staßfurt ist das Dualin auch beim Stcinsalzbergbau mit Vortheil zu verwenden.
Die von dem k. t. österreichischen Bcrggcschworncn R. Pfeiffer in höherem Auftrage bei Hüttclsdorf mit Dualin angestellten Versuche haben gleichfalls günstige Resultate ergeben. Zur Prüfung der Empfindlichkeit dieses Sprcngmittcls gegen Stoß und Schlag wurden zunächst 12 Pfd. Duali» in Patronen in ein Fäßchcn gefüllt und dieses von einer bedeutenden Höhe fallen gelassen, wobei das Fäßchcn zerschellte und die Patronen zerrissen, aber keine Erplosion ersolgte. Ein ähnliches Resultat erhielt man, als man drei fünfzöllige Patronen, auf einen 2t) Pfd. schweren Stein gebunden, aus'einer Höhe von 1,5 bis 18 Fuß (4",71 bis 5°,65) so niederfallen ließ, daß die Patronen selbst aufschlugen. Vier Patronen, auf einen Stein gelegt und mit gewöhnlicher Zündschnur entzündet, sowie Dualin in einen Vlechkastcn gefüllt und auf einen Scheiterhaufen geworfen, verbrannten unter ziemlich starker Rauchcntwickclung, aber ohne zn erplodiren.
Die Sprengvcrsuchc mit Dualin wurden bei Anwendung von l^zölligc» (40°°) Bohrlöchern, Bickford'schcr Zündschnur und Nobcl'schcn Zündhütchen oder auch bei elektrischer Zündung mit Knallsalz im Wiener Sandstein (zur Krcidcformation gehörig) ausgeführt. Unter fünf Bohrlöchern gaben drei von resp. 59 Zoll (!",54) Tiefe mit 6 Loth Dualin besetzt, welche sämmtlich das fünffache Gewicht Pulver erfordert haben würden, sehr günstige Resultate, zwei Bohrlöcher aber von 35 und 46 Zoll (915 und 1200°°) Tiefe mit resp. 4H und 5 Loth Dualin besetzt, hatten nur eine unvollständige Wirkung. Einzöllige Patronen von 21 Loth Dualin, so in eine Gcsteinsspaltc gestellt, daß sie gegen eine fast frei liegende 20 Zoll (525°°) starte Gcstcinstafel wirkten, rissen 4 Fuß (1°» langes und 2 Fuß (0",e«) breites Stück davon los.
Durck offenes Feuer oder durch auffallende Funken entzündet, verbrannte das Dualin ohne Erplosion untcr größcrer Nauchent« Wickelung als beim Dynamit, doch will Pfeiffer dabei keine Entbindung von salpetrigen Dämpfen, wie solche das Dynamit erzeugt, wahrgenommen haben. Dualin, aus einer Blcchplatte erhitzt, entzündete sich, brannte aber ruhig ab. Auf einen Ambos in dünnen Schichten aufgelegt, konnte das Dualin durch einen Hammcrschlag zur Erplosion gebracht werden, letztere blieb jedoch nur auf den von der Hammcrbahn getroffenen Theil beschränkt. Durch Schlage mit Holz ans das in dünnen Schichten auf dem Ambos ausgebreitete Dualin geführt, konnte dasselbe nicht zur Erplosion gebracht werden.
Aus den Resultaten der angestellten Versuche mit Dualin zieht Pfeiffer folgende Schlüsse:
Bei Nohrlochsprcngungen leistete das Dualin ungefähr das Fünffache, wie das Schwarzpulver, und fast ebensoviel, wie ein gleiches Gewicht von Dynamit. Diesem letzten Schlüsse fehlt aber die nähere Begründung, da nicht angegeben ist, wie die Wirkung des Dynamits unter den gleichen Verhältnissen festgestellt wurde.
Bei gleichem Volumen fand Pfeiffer das Duali« um 5N pCt. schwächer als Dynamit, und betrachtet es als einen Nachthcil des crstcren, daß es die Ausnutzung der Bohrlochsräume nicht in gleichem Maße wie das Dynamit gestattet, hält es aber für einen Vorzug, daß das Dualin auch in gefrorenem Zustande leicht durch künstliche Zündung zur Erplosion gebracht werden kann, wie die von ihm angestellten Versuche, bei welchem nur gefrorenes Dualin verwendet wurde, ergeben haben. Er verkennt aber auch nicht die damit vcrbundcnc größere Gefährlichkeit des Dualins, welche sich durch folgenden Unglücksfall äußerte.
Bei einem Versuche mit Dualin auf dem Schießplätze der Simmeringer Haide wollte nämlich der damit beauftragte Assistent ein Loch zur Aufnahme der Zündkapsel mit einem Hohlmeißel in eine Patrone von Duali» bohren, wobei dieselbe aber crplodirtc und ihn so stark an der Hand beschädigte, daß diese amvutirt werden mußte. Die Angabe, daß Dualin nicht gefriere, wäre hiernach unrichtig, und das Dualin hätte also hierin auch keinen Vorzug vor dem Dynamit.
Die bisher bekannt gewordenen Daten über die Ungefährlichkcit des Dnalins hält anch Pfeiffer für ungenügend, um darauf ein ganz bestimmtes Urthcil zu stützen, hält es aber doch für sehr empfindlich auch gegen andere mechanische Einwirkungen als gegen den Stoß. Ebenso spricht er sich dahin aus, daß das Dualin bei Sprcngarbeitcn in weichem Gestein, in der Kohle und überhaupt da, wo es auf Schonung des zu sprengenden Materialcs ankomme, vor dem stärkeren Dynamit den Vorzug verdiene. Bei weiteren besonderen Versuchen mit Dualin in geschlossenen Räumen bemerkte Pfeiffer keineEntwickelung von salpetrigen Dämpfen und verspürte auch leine gesundheitsschädliche Einwirkung der beim Vcrbrcnncn und Erplodircn des Dualins erzeugten Gase, weshalb er demselben auch bei Arbeiten in matten Wettern vor dem Dynamit den Vorzug einräumt.
Nach den Angaben von Trauzl besteht das Dualin annähernd aus 50 pEt. Nitroglycerin, 30 pEt. Sägespäne und 20 pCt. Kalisalpeter (in Gewichtstheilen), und ist dem Dynamit gegenüber empfindlicher gegen Fcucr, sowic namcntlich im gcfrorcncn Zustande auch gegen mechanische Einwirkungen. Er ist ferner der Ansicht, daß die Holzspäne eine geringere Aufsaugungsfähigkcit für Nitroglycerin haben und aus diesem Grund die Dualinpatroncn schon bei dem geringen Gehalt des lctztcrn von 40 bis 50 pEt. ein stärkeres Papier als Dynamit erfordern, daß aber auch, der Ansicht Pfeiffcr's entgegen, die bei der Erplosion zurückbleibenden Gase schädlicher als jene des Dynamits sein müssen, weil sie, bei dem Vorhandensein einer größeren Menge Kohlenstoff im Dualin, auch eine größere Menge Kohlcnorvd enthalten.
4. Der verbesserte Lithofracteur, ein von den Gebr. Krebs ck Co. in Dcutz fabricirtes Sprcngmittcl, ist verschieden von dem schon seit mehreren Jahre» unter demselben Namen im Handel befindlichen Präparat, Der Lithofracteur hat nach Trauzl als Aufsaugungsmittcl eine Mengung von Kieselerde und einer Sorte aus Natronsalpeter und feiner Steinkohle bereiteten Schwarzpulvcrs, und besteht annähernd aus 52 pCt. Nitroglycerin, 30 pCt. Kiesel» guhr und Sand, 12 pCt. Steinkohle, 4 pCt. Natronsalpeter und 2 pCt. Schwefel nach Gewichtstheilen berechnet. Er wird in drei verschiedenen Sorten dargestellt, von welchen Nr. 1 die stärkste ist, die beide» anderen, Nr. 2 und 3, aber schwächer und für mittel» festes, beziehentlich gebräche» Gestein bestimmt sind. Der verbesserte Lithofracteur bildet eine teigige schwarze Masse, ein Nitroglycerin« Präparat, über dessen Bereitung aber noch nichts Näheres als oben angegeben bekannt geworden, welches nach Luckow*) gegen Stoß und Druck fast unempfindlich, durch kräftige Zündhütchen aber und durch jede plötzliche Erhitzung, auch unter Wasser, zur Eiplosion zu bringen ist. Angezündet brennt der Lithofracteur nur langsam fort, ohne zu erplodircn, und ist gegen heftige Stöße so wenig empfindlich, daß die damit gefüllten, aus einer Kanone geschossenen Granaten erst dann erplodiren, wenn sie auf einen harten Gegenstand aufschlagen. Bei seiner Eiplosion findet nur geringe Rauchentwicklung Statt, und die dabei sich erzeugenden Gase sind unschädlich. Bei seiner großen Sprengkraft erfordert der Lithofracteur nur kleine Bohrlöcher und kann an passenden Orten selbst ohne solche zum Sprengen benutzt werden.
lieber die Leistung und Verwendung des Lithofracteurs führt Luckow im Wesentlichen Folgendes an. Im Allgemeinen leistet 1 Pfd. Lithofracteur Nr. 1 ebenso viel wie 6 bis 7 Pst. Pulver, ist also bei einem Preise des erster« von 15 Sgr., des lctztern von 35 Sgr. pro Pfund, billiger, als dieses. Hierzu tritt noch die Ersparuiß an Bohrlöhncn, Gczähkoste» und Zeit, welche durch engere, weniger zahlreiche und einfacher zu besetzende Bohrlöcher erzielt wird. In den meisten Fällen genügen 1^ Zoll (40°""), häufig aber auch nur 1 Zoll (26°"°) weite und 30 bis 40 Zoll (787 bis INI5°"°) tiefe Bohrlöcher mit einer ^ bis 5 ihrer Tiefe erfüllenden Ladung. Ucber eine Anzahl von Sprcngvcrsuchen in verschiedenen Gesteinen berichtet unsere Quelle nach der erwähnten Broschüre von Luckow. Es crgiebt sich daraus eine sehr bedeutende, jedoch mehr zerreißende, als sprengende Wirksamkeit. Auch bei Freiberg sind Versuche gemacht worden und sollen fortgesetzt werden, um ein Unheil über die Vorzüge von Pulver, Dynamit, Dualin oder Lithofracteur festzustellen.
Trauzl betrachtet den Lithofracteur als Dynamit mit einem Zusatz von etwa 20 pEl. eines schlecht combinirtcn, einen ungeheuren Ucberschuß a» Kohle enthaltenden Schwarzpulocrs, welcher die Eiplosionsfähigkcit des Präparates auch bei niederen Temperaturen sichern soll, spricht sich aber auch, und wol mit vollem Rechte, dahin aus, daß der Lithofracteur durch den Ucberschuß an Kohlenstoff bei der Erplosion eine große Menge von Kohlcnoiydgasen, also schädlichere Vcrbrcnnungspioductc als das Dynamit entwickele. Der Lithofracteur stehe aber auch noch in weitcrem Nachtheil gegen das Dynamit durch seine größere Empfindlichkeit gegen hohe Temperaturen, da seine Entzündungstemperatur nur 120°, jene des Dynamits aber 190' beträgt, und gegen Einwirkung der Feuchtigkeit und des Wassers, bedingt durch den sehr hygroskopischen Natronsalpeter; er habe ferner eine geringere Kraft als das Dynamit, weshalb er sich auch bisher keinen Eingang zur größeren Verwendung beim Bergbau verschafft habe.
6. Das Eolonia Pulver ist erst in neuerer Zeit von den Gebr. Wasscrfuhr <K Co. zu Cöln in den Handel gebracht und als ein sehr geeignetes Sprcngmiltcl beim Bergbau empfohlen worden. Die Bereitung dieses Pulvers ist nicht näher bekannt; es besteht aber der Hauptsache nach ebenfalls aus Nitroglycerin, von welchem etwa 30 bis 35 pCt. durch ein in seiner Zusammensetzung von dem gewöhnlichen Sprengpulver etwas verschiedenes Schicßpulvcr aufgesaugt sind, und erfordert wie alle übrigen Nitro» glycerinpräparate eine künstliche, etwas kräftige Zündung, um zur Eiplosion gebracht zu werden.
Umfassende Sprcngversuchc beim Bergbau mit dem Eoloniapulvcr liegen bis jetzt nicht vor, doch sind deren einige auf mehreren Bergwerken in den Revieren Hamm und Daadcn des Oberbergamtsbezirkcs Bonn angestellt worden. Diese Versuche haben ergeben, daß die Wirksamkeit dieses neuen Sprengmittels fünf bis sechs Mal stärker als jene des gewöhnlichen Pulvers sein, aber der Wirksamkeit des Dynamits, welche dabei als sechs bis sieben Mal stärker wie jene des Pulver angegeben wird, nachstehen soll. Es wird ferner dabei hervorgehoben, daß bei einigen Versuchen die Schüsse bisweilen ohne Erplosion ausbrannten, was seinen Grund darin habe, daß die Zündkapseln der erforderlichen Stärke entbehrten, bei Beschaffung stärkerer Zündkapseln als solche das Dynamit erheische, der Vorthcil gegen letztere, welcher in dem billigeren Preise des Eoloniapulvcrs (12 Sgr. pro Pfund) liege, aber aufgewogen werde und daher das Dynamit vorzuziehen sei. Auch
*) lieber Svrengvulvcr und Svrengpulversuiroaate zc. von C. Luckow, Chemiker. Zweiter vervollständigter Abdruck (Auszug aus ei«er großen Arbeit). Deutz, im November 1889.
bei Verwendung in nassen Arbeiten bewährte sich das Coloniapulver vortheilhafter als gewöhnliches Pulver, doch find die Versuche in zu geringem Umfange ausgeführt worde«, um über die Vortheile oder Nachlheile des Coloniapulvers ein entscheidendes Urtheil auf die dabei erlangten Resultate gründen zu können, und müssen daher umfassendere Versuche abgewartet werden. —
Die vorangeführtcn Thatsachen zusammenfassend scheinen indessen die beiden letztgedachtcn Sprengmittcl auf eine ausgedehnte Verwendung beim Bergbau nur geringe Aussicht zu haben. Günstiger gestaltet sich die Aussicht für das Dualin, doch scheint es nicht, daß dasselbe eine so ausgebreitete Verwendung beim Bergbau finden werde, als das Dynamit, mit welchem in England die comprimirte Schießbaumwolle in Concurrenz getreten ist. Trauzl spricht die Ansicht aus, daß das Schwarzpulver in nicht zu ferner Zeit einem seiner beiden Concurrcnten, der Schießbaumwolle oder dem Dvnamit, das Feld werde räumen müssen, weshalb er auch beide demselben gegenüber einer eingehenden Betrachtung unterwirft, welche ihn zu dem Ausspruche fühlt, daß „für Sprcngzwccke gegenwärtig entschieden das Dynamit der Schießbaumwolle weitaus vorzuziehen fei, und specicll der Industrielle bei voller Kenntniß der bedingenden Factorcn gegenwärtig dieses letztere Präparat dem er» stein gewiß »achstcllc» werte." Seinem Urthcile über die Vortheile des Dynamits dem Schwarzpulver gegenüber wird man unbedingt beitreten können. Er hebt vorzugsweise die nachfolgenden Vortheile des Dynamits hervor:
„1. Die Erzeugung ist eine weit einfachere, sichere, raschere und liefert ein weit gleichförmigeres Product.
2. Es bietet eine nahezu vollkommene Sicherheit vor Er» plosioncn durch offenes Feuer und glühende Körper dar, und ist vollkommen unempfindlich gegen Stöße und Schläge, wie sie beim Transport vorkommen können «.
3. Der Verlust, den man durch Zersetzung allenfalls unreinen Sprcngöls erleidet, ist weitaus geringer als jener, der ganz unvermeidlich und regelmäßig bei Schwarzpulver durch Verstaubung und Feuchtigkcitsanzichung entsteht.
4. Das Dynamit entwickelt bei gleichem Gewichte gegenüber dem Echwarzpulver, je nach den Verhältnissen, unter denen es angewendet wird, 2 bis INfachc Kraft, bei gleichem Volumen die 4 bis 16 fache Leistung.
5. Den größten Vorthcil gegenüber dem Schwarzpulver bietet das Dynamit bei allen Sprengungen in wasserhaltigem Gestein oder uutcr Wasser dar, und beträgt in solchen Fällen die Kosten» ersparniß fast immer über 50 pCt., der Zeitgewinn über 100 pCt.
6. Die Sprenggase sind wegen der bei reinem Nitroglycerin möglichen vollständigen Verbrennung weitaus unschädlicher, als bei Schwarzpulver, und erlauben daher einen weit rascheren Betrieb unter Tage, selbst an schlecht vcntilirten Orten."
Dagcgcn sind die Hauptmängel des Dynamits: „1. Leichte Trennbarkeit des Nitroglycerins von der Kieselerde durch Wasser, wodurch ein längeres Verbleiben unter Wasser ohne Benutzung wasserdichter Hüllen unthunlich ist.
2. Hartwerden bei niederer Temperatur, wodurch Schwierigkeiten bei Laborirung und Verwendung eintreten."
Ls.
Maschinenbau.
Die Maschinenfabritation. Entwurf, Kritik, Herstellung und Veranschlagung der gebräuchlichsten Maschinenelemcntc. Von H. von Reiche, Ingenieur in Breslau. Zweiten Bandes erste Hälfte. Mit 12 lithographirtcn Tafeln. 102 S. gr. 8. Leipzig, 1870. Arthur Fclir. —
Die uns vorliegende erste Hälfte des zweiten Bandes dieses trefflichen Werkes, auf dessen Tendenz wir bereits bei der Besprechung des ersten Bandes auf Seite 45 aufmerksam machten, behandelt in gleicher Weise die Maschinenthcilc, welche zur Fortpflanzung einer geradlinigen Bewegung dienen, mit kritischen Bemerkungen über verschiedene Co«structionen, Angaben über die Herstellung derselben und deren Calculation. Die hier beschriebenen Maschinentheilc sind Stopfbüchsen, Eylindcr, Kolben und Kolbenstangen, Pleuelstange», Kreuzkopf und Schlitten, endlich Krumm» zapfen, Kurbeln und Balanciers.
R. g.
Industrielle Unternehmungen.
Hebung des Dampfers „Tainaki". Hierzu Figur 4 bis 9, Tafel XXVIII). —
Im August 1868 versank im Königin «Charlotten-Sund bei Neuseeland der eiserne Dampfer „Tarnati" von 300 Tonnen, welchen später eine Gesellschaft von Unternehmern aus Wellington, versenkt wie er lag, ankaufte, und nach den Projcctcn von Scagar H Thirkell glücklich wieder flott machte. „Vnßineei-inß" 1870, Nr. 212, S. 33 bringt eine ausführliche Beschreibung der Apparate zur Hebung des Fahrzeuges und des Ganges der Operation, woraus wir nachstehend einige Hauptangaben mittheilen.
Der Dampfer lag in einer Bucht 31",5 unter dem Niveau der Fluth an dem AbHange einer Bank, welche an dieser Stelle mit 1 : 65, bann etwas flacher, später aber wieder steiler bis zu L",3o unter Fluthhöhe anstieg; zwischen der Bank und dem Ufer war dann noch ein ziemlich stacher Canal. Diese Situation bereitete bei der Operation wesentliche Schwierigkeiten. Die Hebung geschah von vier Pontons aus, deren Querschnitt in Fig. 4 auf Taf.XXVIII skizzirt ist; zwei davon hatten eine Länge von 28",°« im Deck und 2?°> im Boden, eine Breite über Deck von 4°2o, im Boden 3"« bei 2",4o Höhe, die beiden anderen waren um 3" kürzer. Sic bestanden jedes aus drei Abteilungen und waren im Boden mit Ventilen und mit den erforderlichen Pumpen versehen. Ihre Herstellungskosten bclicfen sich auf 5728 Thlr. Diese Pontons wurden durch einen Dampfer an Ort und Stelle geschleppt und je zwei zu jeder Seite des versunkenen Fahrzeuges festgelegt; die neben einander liegenden Pontons wurden dann durch übergelegte Balken verbunden, welche aus je zwei Hölzern von 450-5-225°"°, im Abstände von 125"" gelegt und durch Bolzen verbunden, bestanden. Von diesen 22 Balken gingen 44 Zugstangen von 31"" Rundeisen nach dem Schiffe herunter, die aus Längen von 3",e bestanden und durch kurze Gelenke aus doppelten Flachcisen verbunden waren. Das Obcrthcil dieser Zugstange ist mit der Hebevorrichtung in Fig. 5 bis 7 gezeichnet und besteht aus zwei Flachcisen von 100 x 15"" mit Löchern versehen, um damit die Länge der Zugstange rcguliren zu können. Dieselben sind oben mit der 60"" starken Zugschraubc verbunden, die auf eine Länge von 690"" mit Gewinde versehen ist. Die zugehörige Mutter ist an einen zwcimännigen Hebel befestigt und dreht sich auf einer starken Unterlagplattc aus hartem Holz, welche wiederum auf einer Zange gelagert ist. Um der Spindel einiges Spiel zu gestatten, ist die Unterlagplatte conisch mit einer Erweiterung nach unten durchbohrt und
oben mit einer kugeligen Höhlung versehen, in der ein gleichfalls kugeliges Stück Eisen sich drehen kann. An der untersten Zug» ftangc befand sich der in Fig. 8 und 9 dargestellte Haken, welch« in die Luken des zu hebenden Fahrzeuges eingesetzt wurde; um ein Ausschnappen beim Verkürzen der Stangen zu verhüten, diente ein Riegel, welcher mit seinem Ausschnitt in den unteren Rand der Luke faßte und mit den in einem Schlitz gehenden Schrauben fest» gestellt wurde.
Bei dem Anheben wurden erst sämmtliche Spindeln der einen Seite um die Hälfte herausgedreht, dann die der anderen vollständig und schließlich die crstcrcn noch um die zweite Hälfte ihres Gewindes. Das Verkürzen der Zugstangen, welches durch Taucher ausgeführt wurde, geschah von den Enden nach der Mitte zu an vier Stangen gleichzeitig.
Gleich am ersten Tage, nachdem man die Pontons mit Wasser gefüllt, die Stangen entsprechend nachgesteckt und bei steigend« Fluth die Pontons wieder lcergepumpt hatte, wodurch der „Tarnali" um 150"" auS dem Schlamm gerissen wurde, zeigte sich, daß die Hebung in der beabsichtigten Weise sich nicht vollständig durch» führen ließ. Man wollte nämlich gleichzeitig die Steigung der Bank benutzen, indem man das gehobene Fahrzeug gleichzeitig so» weit als möglich landeinwärts schleppte, es rutschte aber von dem steilen schlüpfrigen Grunde stets soweit wieder abwärts, bis die Zugstangen straff gespannt waren. Es blieb also Nichts weit« übrig, als dasselbe an den PontonS hängend zu erhalten und all» mälig durch einseitiges Anheben in eine horizontale Lage zu bringen. Nach scchswöchcntlichcr Arbeit war das Schiff auf die Höhe der Bank gebracht und nun wurden alle Luken sorgfältig geschlossen und man ging an das Lccrpumpcn desselben. Dabei zeigte sich in der einen Plätte ein Riß von 0",»o Länge und 25°" Weite, in einer anderen ein Loch von 75"" Durchmesser, durch welches ein Fclsstück eingedrungen war.
Im Maschinenraum war der Kessel sehr beschädigt, die Ma» schinc dagegen hatte wenig gelitten, die Schmiedeciscntheile waren in der Zeit von !3 Monaten, die der Dampfer unter Wasser ge» legen, nur stark eingerostet, Gußeisen und die Rothgußlagcr noch blank. Einer von den Eulindcrn war mit Wasser gefüllt, der an» dcrc leer. Die Deckplatten waren von Würmern vollständig durch« fressen.
Es gelang dann, den gehobenen Dampfer durch zwei andere glücklich in den Hafen von Wellington zu schleppen, wo er raparirt wurde. Die ganze Hebung hat 20,000 Thlr. gekostet.
R. Z.
Angelegenheiten des Vereines.
Beruht über die Geschäfts- und Cassenverhällnilst des Vereines deutscher Ingenieure für das Jahr 1869.
Wiederum haben die Zeitvcrhältnisse die Abhaltung der ordcnt« lichen Hauptversammlung unseres Vereines unmöglich gemacht und mit ihr den statutenmäßigen Geschäfts- und Easscnbericht. Um nun die geehrten Vereinsmitgliedcr wenigstens einigermaßen mit den statistischen und Casscnvcrhältnissen des Vereines bekannt zu machen, mögen im Folgenden einige kurze Nachrichten über den Zuwachs an Mitgliedern, deren Bcthciligung an den Specialvereinen u. s. w., sowie der Rechnungsabschluß für das Jahr 1869 mitgetheilt werden.
Die Miiglicdcrzahl des Vereines ist im Jahre 1569 von 1414 auf 1651 Mitglieder gewachsen, welche zu resp. 65,8 und 67,z pEt. dcn cngcrcn Verbänden von Spccialvereincn angehörten, nämlich l6 Vezirksuereincn und dem Zwcigucrcinc für Eiscnhüttcnwesen.
Thlr.
Die Einnahme betrug 10,081^,
wovon 1472H Thlr. durch den buchhändlcrischcn Ab
Der Rechnungsabschluß stellt sich
Tbl«, satz der Zeitschrift (worunter circa 290 complete
Eremplarc des laufenden Jahrganges) erzielt wurden.
Die Ausgabe betrug 9585,
wovon 46024 Thlr. als Herstellungskosten der Zeitschrift bei einer Auflage von 1900 Eremplarey. Mit
Rücksicht auf dcn Eassenbeftanb von 1801^,
zu Anfang des Jahres 1869, betrug also derselbe
zu Ende des IahreS 2297^.
Dabei waren an fälligen Mitgliederbeitrügen rück«
ständig 3194
und vorausgezahlt pro 1870 '159.
Es bclicf sich also das baare Vermögen ult. 1869
auf 2453^7
und hatte im Verlauf des Jahres um .... 383^ zugenommen.
im Auszuge folgendermaßen: