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Im Mittelalter war in Basel der Verbrauch der Seide noch ein stark beschränkter. Entsprechend der damaligen herrschenden Anschauung, dass aus der Kleidung die Standeszugehörigkeit des Menschen erkennbar sei, fand die Seide kaum anders als in adeligen Kreisen Verwendung. Noch in seinen Briefen aus den 1430er Jahren stellt Enea Silvio fest, dass die vornehmsten und reichsten Bürger Basels sich schwarzer Tuchkleider bedienten. Ebenso schlicht und einheitlich fand er die Tracht der ehrbaren Frauen mit der einzigen Eitelkeit, die Fülle des Busens und die zierliche Kleinheit der Füsse zu zeigen. Und von der Menge des Volkes bemerkt der berühmte Konzilteilnehmer, dass sie in geringen, oft zerrissenen und schmutzigen leinenen Gewändern einherging.
Damals wurde Seide auch weniger als Stoff zu ganzen Kleidern benützt, sondern wie das edle Pelzwerk als Besatz, Futter, für Bänder, Spitzen, Schleierbinden und für Stickereien auf Leibröcke. Diesen kostspieligen Bedürfnissen dienten die im 15. Jahrhundert noch spärlich vertretenen Seidennäher und Seidensticker. Genannt seien 1403 ins Bürgerrecht aufgenommene Seidennäher Matthias Hertenstein von Strassburg, in der Konzilszeit der am Fischmarkt wohnhafte, wohlhabende Seidensticker Peter Jager. Im Jahre 1470 bürgerte sich der Seidensticker Hermann Lamprecht ein 1488 «Kristan sidensticker»; 1489 verdiente sich der Seidensticker Hans Steinacker das Bürgerrecht durch Teilnahme an der Heitersheimer Fehde, 1493 wird eine Seidenstickerin Katrin erwähnt. Diese Seidennäher und Sticker waren schneidernzünftig. In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde durch die Schneidernzunft der Spezialitätenbereich genau abgegrenzt. Seidenstickwerk von Livreen, Kreuzen, Leisten war den Seidennähern und Stickern vorbehalten, während die Anfertigung von «Schnidwerk», besonders von Messgewändern, Evangelierröcken, Chorkappen und Fahnen ausschliesslich Schneidersache sein sollte.
Ob neben diesen Seide verarbeitenden Kunsthandwerkern im mittelalterlichen Basel auch schon Seidenweberei stattfand, lässt sich nicht näher belegen. Die Erwähnung einer Zürcher Seidenweberein, Elli Kunz, die 1400 ihr Gewerbe nach Basel brachte, ist zu dürftig, um weitere Schlüsse zuzulassen. Es scheint bei dieser verfrühten Vorläuferin geblieben zu sein. Mehr als anderthalb Jahrhunderte dauerte es noch, bis in den 1570er Jahren durch Niederländer und Lothringer die vielseitige Kunstfertigkeit und Arbeitsweise des Seidengewerbes nach Basel verpflanzt wurde. Passementmacher, Passementierer, Passementweber nannten sich seine Vertreter, ohne dass vorerst eine scharfe Ausscheidung der Bandweberei von der eigentlichen Passementierarbeit (Weben von Borden, Fransen, Flechten von Schnüren, Quasten) platzgriff, so dass man unter dem Passementierer demgemäss auch den Bandweber, ja schlechthin jeden Seidenarbeiter verstand. Sie wurden ausnahmslos zu Safran zünftig; kluge Köpfe, fleissige, unternehmungslustige, aber auch trotzige und rücksichtslose Leute von fremder, ungewohnter Wesensart neben den altangesessenen Safranzünftlern. Gleich die beiden ersten Fremdlinge, welche die Passementweberei ausübten, Peter Serwauter und Antoine de Lescailles, nehmen trotz ihres kurzen Daseins unser volles Interesse gefangen. Peter Serwauter von Antwerpen, flüchtete mit Weib und Kind als Proskribierter der Inquisition nach Basel, wo er 1568 das Bürgerrecht und 1569 das Safranzunftrecht zu einem «kleinen gewerblin» erhielt, unter der Bedingung beides zu verlieren, falls er sich nicht innert Jahresfrist mit einem ordnungsgemässen Abscheid ausweise. Dieser Forderung tat er 1570 durch einen vom Prinzen Wilhelm von Oranien ausgestellten Brief Genüge. Mit vier Gesellen betrieb er seit 1571 die erste Passementerwerkstatt auf Basler Boden; zwei seiner Arbeiter stammten aus Tournai und Lille, wo sich seit dem Ende des Mittelalters eine blühende Seidenindustrie entwickelt hatte. Daneben aber stand Serwauter in reger Geschäftsbeziehung zu einem andern vertriebenen Niederländer, dem jüdischen Proselyten Marco Perez einem millionenreichen Grosshändler. Als Hauptstütze der Antwerpener Calvinistengemeinde und als Bankier Wilhelms von Oranien der Inquisition verdächtig, entzog er sich deren Nachstellungen durch die Flucht und wurde dank der Fürsprache des Pfalzgrafen Christoph am 8. November 1568 ausnahmsweise ohne Abschied und Mannrecht samt seinen zwei Söhnen Ludwig und Martin des Basler Bürgerrechts teilhaft mit dem Versprechen, keinem Bürger noch Gewerbe nachteilig sein zu wollen. Wenige Monate nach seiner Einbürgerung kaufte er sich als Behausung den stattlichen, im Besitze des Junkers Hans Jakob Truchsess von Wolhusen gewesenen Engelhof am Nadelberg samt dem gegenüberliegenden Garten und Sommerhaus.
Von Perez,; als dessen «Mithaft» Serwauter bezeichnet wird, finanziell unterstützt, begann dieser neben der Produktion mit dem Verschleiss von Seiden-, Zeug- und andern Kurzwaren die Basler derart zu konkurrenzieren, dass die hiesigen Händler schon 1570 klagten, sein Geschäft sei doppelt so gross als die ersten Basler Häuser. Perez selbst kultivierte den Grosshandel. Er legte dem Rat ein weitausschauendes Projekt vor, das Seidengewerbe mit Hilfe herbeizuziehender, geschulter Arbeiter aus Italien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden im Grossen zu betreiben und plante überdies die Schaffung anderer neuer Exportindustrien. «Mit der ganzen Raffiniertheit, mit allen Schikanen seiner Rasse in Reklame und Unterbieten, genau ebenso toll, wie wir vermeintlich erst heute allenthalben das Treiben jüdischer Schleuderbetriebe kennen lernen, gewann Perez rasch das Publikum und zwang die sämtlichen altangestammten Händler, Preise und Surplus auf ein Minimum zu reduzieren».
Mit seinem ganzen Geschäftsgebaren lud er den Hass der Kaufleute zum Schlüssel wie der Krämer zum Safran auf sich, die auch durch Perez’ grossgeübte Wohltätigkeit, namentlich gegen arme Refugianten, nicht milder gestimmt wurden. Im Jahre 1572 entriss der Tod Perez all seinen Plänen und zünftigen Gegnern; im Frühling 1574 starb auch sein Geschäftsfreund Serwauter.
Der zweite Ankömmling aus der Schar welscher Passamentierer war der bereits erwähnte Antoine de Lescailles von Bar-le-Duc in Lothringen. Ursprünglich Mönch, dann zum Protestantismus übergetreten, tauchte er 1573 im Basler Refugiantenkreis auf, wo er sich durch seinen religiösen Eifer Ansehen und Vertrauen gewann, so dass ihn die französische Gemeinde 1575 zu ihrem Diakon, dann zu ihrem Presbyter wählte. Erst im Jahre 1577 kam Lescailles zum Bürgerrecht und trat zu gleicher Zeit dem Safran als «Bassemendtmacher» bei. Er etablierte sich 1591 im Hause zum «Salmen» am Kornmarkt, einen Seidenladen auftat und mit 4-5 Gesellen werkte, Produktion und Verlegerei miteinander verbindend. Um geschäftlich unangefochten zu sein, kaufte er sich 1579 noch auf dem Schlüssel und zwei Jahre später zu Webern ein.
Als religiöser Grübler und heftige Kämpfernatur geriet er ein Jahrzehnt später sowohl mit seinen engern Glaubensbrüdem als mit der Obrigkeit in Zerwürfnis. Wegen seiner in Wort und Schrift geäusserten heterodoxen Ansichten wurde er vom Rat mit einer hohen Geldstrafe belegt, musste, das Bürgerrecht aufschwören und sein blühendes Geschäft im Stich lassen. Er hielt sich einige Jahre in Basels Nähe, in Hegenheim, auf und trat schliesslich reuigen Sinnes in den Sinnes in den Schoss der römischen Kirche zurück.
Um die Zeit, da Lescailles seiner irrgläubigen Ideen wegen Basel verlassen musste, lebte ein anderer französischer Passamentweber als Aufenthalter in unserer Stadt, dem sein Gläubenseifer zum Verhänhnis wurde: Martin Duvoisin aus Marney bei Langres. Erst nach zweimaliger Abweisung gelang es ihm 1593, Bürgerrecht und Zunft, erlangen. Vom bescheidenen Lohnwerker arbeitete er sich rasch zum vielbeschäftigten Meister empor. Da ereilte ihn auf einer Geschäftsreise ins Luzernerbiet im Herbst 1608 sein Schicksal. Er liess – ebenso unerschrocken als unvorsichtig – im Gespräch ketzerisch gedeutet Worte fallen. Auf Angeben zweier «bapstdienern» wurde er deshalb zu Sursee. ergriffen und dort nach verdächtig schnellem Gerichtsverfahren enthauptet und verbrannt, «hiemit uns zu guttem exempel ein marterer worden», wie das Safranzunftbuch hervorhebt.
Den weiteren Betrieben der Welschen und anderer Fremden, eines Peter Roche von Lausanne, Christian Huart aus Lothringen, Erhard Schlader von Landau, gesellte sich 1591 mit Hans Ulrich Frey der erste Passamentweber aus altbaslerischem Geschlecht bei. Er brachte es auch in der Zunft zu Ansehen; 1616 zum Sechser erkoren, bekleidete er von 1624 bis 1631 das Seckelmeisteramt und von 1631 bis zu seinem Tode 1634 die Würde eines Zunftmeisters.
Auch die nach 1591 bis zum Jahrhundertauslauf zu Safran Aufnahme findenden 15 Passamenter waren der Mehrzahl nach noch Fremde aus Lothringen, Burgund, Genf., Savoyen, darunter der aus Luxeuil gebürtige, 1596 Burgrecht und Safranzunft empfangende Niklaus Passavant, der Stammvater des jetzigen Basler Geschlechts.
In derselben Epoche, da vertriebene Locarner mit der Samtweberei, belgische und französische Flüchtlinge mit der Seidenweberei auf dem neuen Heimatboden ihre gewerbliche Kunstfertigkeit und Arbeitsweise einführten, haben im Seidengewerbe tätige Lombarden die Seidenfärberei, Florettspinnerei und Zwirnerei auf dem Platz Basel zur Geltung gebracht.
An erster Stelle sind die als Seidenbereiter, Färber, Verleger und Grosshändler tätigen Brüder Claudius und Cornelius Pellizari aus Plurs im Bergell und ihre Sippschaft zu nennen. Sie machten die 1573 von ihnen erworbene Leuenburse am Blumenrain zu ihrem Geschäftszentrum, das nach dem Gewerbe ihrer Besitzer fortan den Namen Seidenhof trug. Nicht Glaubensnot, sondern Unternehmungsgeist und genaue Kenntnis des Weltmarktes hat die vornehmen Pellizari nach Basel geführt, das ihnen von ihren Fahrten zur Frankfurter Messe sattsam bekannt sein mochte. Der Aufnahme des Brüderpaares (1573) wie der ihnen ein Jahr später nachfolgenden Oheime Stephan Pellizari und Johann de Rota entsprach die Safranzunft unter der Bedingung, dass sie keine offenen Läden halten d.h. das zünftige Passamenterhandwerk nicht durch Detailverkauf beeinträchtigen sollten. Während die Brüder Pellizari und Johann de Rota schon wenige Jahre darauf sich in Genf und Lyon einen neuen geschäftlichen Wirkungskreis schufen, wusste der allein zurückbleibende Stephan Pellizari dem Basler Geschäft nahezu eine Monopolstellung für die Seidenfärberei zu geben. Nach seinem frühen Tode – er starb 1582 an der Pest – trat 1583 der ebenfalls von Plurs gebürtige Seidenfärber Hieronymus von Vertemate (Werthemann) in der Pellizari Seidengewerbe ein. Wie die Pellizari, versprach er dem Rat bei seiner Aufnahme. ins Bürgerrecht, von aller Seide, die er nach Basel einführe, gleich den Fremden, den vollen Pfundzoll zu entrichten. Schon wenige Jahre später löste sich der Betrieb auf. Die mit Prozessen verquickte Liquidation endigte damit, dass durch stadtgerichtliches Urteil vom 23. März 1596 der Seidenhof, wie er offiziell erstmals bezeichnet wird, als «ein fahrend gut gefröhnt» wurde und an gerichtlicher Gant in die Hände des Gutfertigers Christoph d'Annone gelangte, von dem er sich auf dessen Schwiegersohn, den Seidenhändler und Färber Thomas Zenoini vererbte.
Gleich den grösseren Färbern hat sich auch der über Zürich 1576 nach Basel gekommene Locarner Joh. Franz von Castiglioni als Seidenfärber und Händler betätigt. Wirtschaftsgeschichtlich interessant ist, dass Castiglioni sich auch als Verleger von Florettseide feststellen lässt, wie auch der Seidengarnhändler und Färber Thomas Horn, von Vicenza, der im Betrieb seines Landsmannes Thomas Zenoini emporgekommen, sich 1599 selbständig machte und 1600 als «Seidstreichher» dem Safran beitrat.
Die Betriebe der welschen Einwanderer brachten im Seidengewerbe neue Wirtschaftsmethoden und Arbeitsverhältnisse. Zu den an Zahl beschränkten, im Hause des Brotherrn lebenden und gegen Zeitlohn arbeitenden Gesellen kamen jetzt zahlreiche gegen Stücklohn mit Frau und Kind für die Verleger tätige Handwerker hinzu. Sie verarbeiteten zum Teil in ihrer Behausung und mit eigenem Werkzeug, die vom Unternehmer gelieferte Rohware. Im weitern Gegensatz. zu der bei allen andern zünftigen Berufen geltenden Handwerksverfassung wurden von den welschen Neubürgern namentlich für das Seidenstreichen in unbeschränktem Masse ungelernte und jugendliche Arbeitskräfte beiderlei Geschlechts zugezogen. Mit ihrer ganzen Existenz vom Verleger abhängig, bildeten alle diese Elemente in arbeitslosen Zeiten bereits ein eigentliches Proletariat, welches das nach damaliger Auffassung nur der Bürgerschaft zukommende Almosen schädigte und wegen des Hausbettels lästig fiel.
Eine Mittelstellung zwischen Verleger und Lohnarbeiter nahmen die selbständigen Passementer ein, die vermögend genug waren, selbst erkauften Rohstoff auf eigene Rechnung zu verarbeiten und in ihrem Laden zu vertreiben.
Zu Ende des 16. Jahrhunderts drängten diese Zustände zu einer Lösung vorab die Frage der zünftigen Zugehörigkeit der Seidenfärber und Passementer. Durch seine Erkanntnis vom 11. Oktober 1598 unterstellte der Rat, dem Drängen der Webernzunft Folge gebend, die Färber in ihrem ganzen Umfang dem Zunftzwang zu Webern. Anders ging es mit den Passementern, deren Zugehörigkeit zu ihrer Zunft die Weber ebenfalls beanspruchten. Als Produzenten und Verkäufer solcher Artikel, welche vordem die Krämer auf dem Importweg beschafft hatten, nahmen von Anfang an die Passementer die Safranzunft an, die seit 1526 die «Gerechtigkeit auf dem seidengewerb» innehatte. Auf diesem Recht beharrte der Safran mit Zähigkeit und vorläufig blieben, wie die Eintrittsrödel deutlich dartun, die Passementer safranzünftig. Eine 1598/99 vorgenommene statistische Erhebung über das Basler Seidengewerbe einigte die beiden Zünfte zu gemeinsamen Forderungen in bezug auf das Verlegertum, das Maximum der Arbeitskräfte und deren Haltung und in bezug auf die Tätigkeit der Aufenthalter. Die getroffenen Vereinbarungen wurden 1604 den safranzünftigen Passementern vom Rat mit Brief und Siegel in folgendem Wortlaut bestätigt:
«Wir Römygius Fäsch, burgermeister und der rath der statt Basell thund kundt und offenbaren allermeniglichen hiemit: Das heut datho vor uns in gesessenem rath einkhommen und erschienen seindt die bescheidenem Christoffel Spädt, Lucas Heydelin, Jacob Pflügi und Hans Jacob Scherer, passamentierer, unser burgere, in nammen ihr selbs und ubriger ihrer mitgnossen, auch unserer burgern bemelts hanndtwerckhs, und haben uns in underthennigkeit fürbracht unnd zu erkennen geben: Demnach sie nun ein gute zeit daher nit ohn sonder höchstes bedauren, zu mercklichem ihrem schaden und nachtheil augenscheinlich verspeuren und sechen müessen, was grosser unleidenlicher missordnungen, so wol von etlichen burgern, die doch diese handtierung nit erlehrnet, aber nichts destoweniger gsellen und 1ehrjungen angenommen, in speyss und tranckh erhalten, als auch von den auffenthalteren, in dem sie für sich selbs mit vyl überflüssigem gesündt gedachte handtierung getrieben, mechtig übersetzt und zu nichten gemacht und wider alles verhoffen eingerissen und sich ihe weiter und mehr erzeigt, als hetten sie diesem vor augen schwebendem unheil zeitlich und erheuschender notturfft nach zufürkommen, fürnemlich aber, damit ein ieder sich selbs, auch weib und kinder desto bass ausreissen, ernöhren und erhalten könndten und möchten, semliches alles zu erforderlichem ryffem gemüth gefüehrt, erwogen und bedacht, also endtlichen Deinstags den sieben und zwentzigisten Februari abgelauffnen fünffzechenhundert neun und neuntzigisten jahrs mit vorgehabtem rhat, auch zugethaner hülff und beystandt der ersamen, weysen, unserer getrewen lieben miträthen, als fürgesetzten rhatsherrn und meistern beider ersamen zünfft zum Saffran und Wäbern alhie, nachvolgende ordnung zu ihr aller desto besserer künfftiger nachrichtung und sonderlich der übertrettern gebeurender abstraffung, derselben auch steth und vest nachzukommen, wohlbedächtlich gestelt unnd angesechen, mit ernst fleissigem underthennigem pitten, wir wollten ihnen dieselb auss oberkeitlichem gewalt gnediglich ratificiren, confirmiren und bestetigen, und lauthet angedeute ordnung von wort zu wort also:
Namlichen und erstens sollendt nun fürbas in das künfftig alle die ihenigen, seiendt burger oder hindersäss, so obangeregte handtierung nit volkommenlich, wie sichs gebeurt, erlehrnet, solche passament arbeit weder für sich selbs machen noch desswegen in ihre behausung einiches gesündt, es wehren gleich gsellen, lehrjunge oder mägt, mit nichten bestellen, einnemmen noch setzen, sondern dessen allen gentzlich müessig stehen; wafehr aber einer oder der ander, so alhie burger und bey einer ersamen zunfft zum Saffran zünfftig, imme passament ze machen, einen oder mehr dieser erlehrneten handarbeit, doch das derselb auch burger seie, verlegen und gebrauchen wollte, das es einem sollichen, wie es auch gedachter ehren zunfft, zum Saffran alte ordnung zugibt, nit gewehrt, abgestrickht noch verbotten sein; doch das ein solcher verleger einichen deren, so ihme also arbeiten theten, in seine behausung wie oblauth, nit setzen, noch selbigen speyss ertheilen, sondern die sonsten der gezimme nach mit gelt belohnen solle.
Zum andern, das alle die ihenigen, so weder burger noch hindersessen, sondern allein von uns als der oberkeit auffenthalt betten, weder für sich selbs noch andern burgern, welche das hanndtwerckh nit erlehmet, gar und gantz nit, sondern alleinig den iehnigen, so es völlig erlehrnet, sampt ihren weibern, ohne gesündt, arbeiten sollen und mögen.
Zum dritten, sithemalen biss daher etlich der passamentwebern, so gleichwol burger alhie und diesere arbeit erlehrnet, stärckhern vermögens halb, mercklich vyl stüel besetzt, dardurch dem minder vermöglichen das gsündt abgezogen worden, als ist, dieser missordnung zufürkommen, gesetzt und angesechen, das in das künfftig einicher passamentwäber, so das hanndtwerckh erlehrnet und wie vermeldt, gleichwol burger alhie wehre, nit mehr als drey lehrjungen annemmen, derselben einen yeden drey jahr lang gepeurender massen lehrnen und inzwischen er solche zahl haben, keinen mehr darüber bestellen noch annemmen, auch zu denen nit mehr als drey gesellen halten, also, das er mit den lehrjungen und gesellen sechs stüel zu besetzen hette. Fahls aber er auch arbeiten oder seiner kindern dahien ziechen wollte, das er dann ahn sein und dero statt desto weniger lehrjunge oder gsellen haben und setzen, inmaassen es bey besetzung der sechs stüelen, weithers keinem nit zugelassen sein solle, verbleiben thüege; das auch kein passamenter einiche dienstmägt oder meitlin diese arbeit zu lehrnen nit annemmen noch halten, daneben aber alles habende gesündt mit spyss und lohn dermassen versechen solle, damit von demme der burgerschafft einicker schaden oder übertrang nit zugefüegt, anderst man es ahn den meistern zukhommen werde.
Zum vierdten und letsten, das alle burger und passamentwäber, so offene läden, aber auch andere wahren und krämerey als passament, bändel, step- und neyhseyden unnd was solchem gewerb anhengig, feylhaben wurden, einich gesündt, so ihnen auff verfüehrenden gewerb arbeiten gar nit haben noch sich dessen underziechen sollen, wie dann mehr gemelter ehren zunfft zum Saffran ordnung selbiges mit mehrerm zugibt.
Nachdem nun wir burgermeister und rhat der statt Basel oblauth vorgesetzte supplicanten, unsere burgere, ihres angelegenen underthänigen pittlichen fürbringens zur genüge, wie auch diss obengesetzte ordnung in dem buchstaben der lenge nach angehördt unnd das in selbiger nichts ungleichs oder unzimlichs, sondern die erfordert notturfft und billicheit versechen und angestellt seie, verstanden unnd dann einer yeden oberkheit heilsam und nützliche ordnungen bestendig unnd würcklich zu erhalten amptswegen ohne das obligt, also in erwegung dessen und aller pillicheit haben wir mehrangeregte der passamentwäbern angesechene ordnung in allem und durch allem ratifficirt, confirmirt und bestetigt, ratifficiren, confirmieren und bestäthigen ihnen dieselb hiemit wissentlich unnd in crafft diss brieffs, dergestalten, das ein yeder, welchen solche berüeren und binden thut, derselben ohn einiges einbrechen steth und vest geleben und gehörsamlich nachkommen thüege, dann wa semliches nit beschechen, sondern einer oder mehr fräfenlich darwider handeln, dem oder denselben soll unnd würdet gebeurende straff, ihe nach gestaltsame verschuldens, unnachlesslich widerfahren.
Des zu wahren urkundt haben wir diesen brieff mit unserer statt anhangendem secret innsigel bewahrt unnd den supplicanten mitzetheilen erkannt, Montags den neunundzwentzigisten Octobris als man nach Christi Ihesu unsers einigen herrn erlösers und seeligmachers geburt zahlt einthausennt sechshundert unnd vier jahr.»
Mit ihrer vom Rat genehmigten Ordnung erreichten die Passamenter, dass nur redlich gelernte Bürger und Hintersassen selbständig arbeiten und Gesinde halten durften, während fremden Aufenthaltern nur mit ihren Weibern und nur im Lohnwerk für bürgerliche und zünftige Meister zu werken erlaubt wurde. Die safranzünftigen Verleger sollten fortan durch keine Aufenthalter Arbeit ausführen lassen, sondern alle Aufträge den zunftehrlichen Passamentwebermeistern zuweisen. Damit war nach dem Wunsche der Meister die Passamenterei zünftig umschrankt.
Kraft seines gesiegelten Briefes ging denn auch das Handwerk 1605 gegen seinen zweifellos tüchtigsten und stärksten Konkurrenten, Niklaus Passavant, vor, der seit 1604 mit Erlaubnis des Rates den Eckladen gegenüber dem Rathaus und dem Haus zum Hasen für die Baselmesse und die Fronfastenmärkte auf eigene Kosten hatte herrichten lassen. Auf Klage des Handwerks gebot ihm der Zunftvorstand am 10. März 1605, wenn er ein Krämer sein wolle, solle er sich des Passamentmachens müssigen und innerhalb vier Wochen die Stühle aus seinem Haus tun bei 10 Pfund Strafe im Weigerungsfall. Seinem Sohn Claudius, der 1604 als Passamentierer die Zunft empfangen habe, möge vergönnt sein, als Meister zu arbeiten, falls er sein Handwerk ausserhalb seines Vaters Haus selbst betreibe.
Wie hemmungs- und rücksichtslos das Handwerk Eingriffe zu ahnden sich anschickte, beweist die wenige Monate später vorgebrachte Klage des Adelberg Gleser, «dass etliche passamenter vor seiner mutter häus gekommen, die glocken abgerissen, man solle ihnen aufmachen, was geschehen, worauf sie gar ungestüm gekommen, in die stube gegangen, seine schwestern an ihrer arbeit von den stühlen gerissen und mit gewalt mit ihnen genommen, obwohl seine mutter um gottes willen gebeten, ihre ware und sie ruhig zu lassen und ihnen das recht vorgeschlagen, aber alles habe nicht verholfen » Solch unerhörter Selbsthilfe begegnete die Zunft mit Strenge, durch das Urteil: «Dieweil sie frevel begangen und übel gewalt geübt wider alles recht, soll das ganze handwerk der zunft 10 lb. verbessern ...»
In dem 1604 erteilten Handwerksbrief hatte der Rat die Zunftzugehörigkeit der Passamentierer ausser Spiel gelassen. Diese zwischen Safran und Webern immer noch strittige Frage fand nunmehr endgültig ihre zunftrechtliche Lösung. Anlass dazu gab das Zunftrecht des Passamenters Christian Pregel, der im Unklaren war, ob er sich auf der Safranzunft oder zu Webern einkaufen müsse. Er wurde 1609 von der Safranzunft unter der Begründung, er gehe mit Seide um, zum Eintritt veranlasst, was bei den Webern auf Widerspruch stiess. Der Safran liess hierauf die Webernzunft wissen, dass auch künftig alle die Handwerker, welche mit Seide umgingen, zu Safran hoch und nieder dienen sollten. Wenn solche aber daneben auch noch zu Webern Zunftrecht begehrten oder «die herren zu Webern sie dahin zu bringen vermeinten», lasse dies der Safran geschehen in der Hoffnung, die Webernzunft werde sich des Zunftgeldes wegen« mild» erfinden lassen. Der Rat, dessen Intervention die Webernzunft anrief, entschied aber 1610 anders. Nicht der zu verarbeitende Rohstoff – die Seide – sollte in erster Linie für die Zunftzugehörigkeit ausschlaggebend sein, sondern die Technik. «Hintangesetzt allen unterscheid der materie» hatten darum die Samt-, Seiden- und Passamentweber, weil sie sich gleich den übrigen Webern des «Schiffleins und Schemels» bedienten, fortan hoch und nieder zu Webern zu dienen, sofern sie ausser dem Verkauf der Eigenproduktion keine Krämerei trieben. Diejenigen aber, welche neben dem Weben offene Läden hielten, bei der Elle und dem Gewicht ausmassen und die Jahrmärkte und Messen besuchten, waren auf der Safranzunft zu dienen pflichtig.
Zwei Jahre darauf, 1612, erfuhr auch das Verhältnis der Veleger und grösseren Produzenten zu ihren Lohnwerkern eine Neuregelung. Die durch Ratsbeschluss vom 23. März 1603 aus der Stadt verwiesenen Seidenarbeiter ohne Bürgerrecht oder Einsitz hatten sich in die Umgebung, auf die Landschaft oder ins Bistum verzogen, waren aber trotz aller Verbote mit ihren Arbeitgebern in geschäftlichen Beziehungen geblieben. Mehr und mehr wurden diese vor der Eifersucht zünftigen Handwerks aufs Land ausweichenden billigeren, fleissigeren und fast rechtlosen Arbeitskräfte von den Verlegern und Fabrikanten den städtischen Lohnwerkern vorgezogen. Durch ihr zähes Ausharren haben diese ländlichen Passementer den Grund gelegt zur späteren blühenden Hausindustrie im Baselbiet.
Die Ordnung von 1612 verbot nun in ihrem 7. Artikel den ausserhalb der Stadt sitzenden Passementwebern, bei Konfiskation der Ware, in die Stadt zu kommen, um Arbeit abzuholen, erlaubte aber den städtischen Meistern auf dem Lande arbeiten zu lassen unter der Bedingung dass jeder die Arbeit selbst oder durch sein eigenes Gesinde hinausschaffen und wieder abholen lasse. Das zünftige Handwerk vermochte also nur das Hausieren um Arbeit in der Stadt zu verbieten, ohne dem leistungsfähigen Verlegertum und der durch die Fremden eingeführten Geschäftspraxis Einhalt gebieten zu können. Nichts spricht deutlicher für das Werden und Wachsen der Bandmanufaktur ausserhalb der Tore als die bereits auf Resignation gestimmte Klage der zünftigen Kleinmeister vom 4. Februar 1646. «Es geschehe grosser eingriff von den fremden, indem, dass sich viel derjenigen gesellen, welche sich etwan vor diesem dienstweis bei unserm brot enthalten und bei denen, so uns vorhin zu arbeiten geben, teils durch abheuratung dero gewessten dienstmägten, teils auf andere weise sonderbaren gunst und kundschaft vor und über uns gewonnen haben, vor das tor hinaus nach Muttenz, Münchenstein, Gundoldingen und der orten in grosser zahl haushäblich niederlassen und ohne erlaubnis e.g. vorwissen eigenwillig einsetzen, hiemit uns unsere vorhin gehabten kaufherren und alle arbeit derart abziehen, dass wir von denselben nichts zu arbeiten bekommen; daneben, dass sie nicht nur 1 lehrknaben, sondern so viel sie gelüstet, ja auch junge lehrmeitlin annehmen, also, dass wir auf gehabter nachsuchung nur an den obbemelten 3 orten bei etlich 40 stühlen befunden, anen diejenigen, denen e.g. 2 jahr lang zu Münchenstein Aufenthalt bewilliget, sich aller ordnung zuwider betragen, bald alle orth und dörffer mit arbeit durchjagt haben.»
Auf diese Beschwerden erwiderte das Verlegertum, der 7. Artikel wegen der fremden Lohnwerker sei zu einer Zeit entstanden, da Basel nur wenige Verlagsherren gezählt habe und am hiesigen Platz nichts als Florett- und Wollarbeit fabriziert worden sei. Mittlerweile hätten sich aber die zünftigen Meister auf die besser lohnende Herstellung der kostbaren, echt seidenen Hochlitzen geworfen und hätten die Aufträge auf Florettbändel und andere «ringe waren» abgelehnt. Es sei darum den Verlegem nicht zu verübeln, wenn sie ihre Arbeit auswärts vergeben, zumal auch das zünftige Handwerk mit allem Gesinde viel zu gering sei, um nur den Jahresbedarf eines einzigen Verlegers zu bewältigen.
Es spricht für die starke Position der Verleger und das zunehmende Wachstum der Bandfabrikation, wenn 1648 der Rat den hemmenden Art. 7 in der Weise modifizierte, dass den zünftigen Passementern, so lange sie genugsam zu arbeiten hatten, verboten wurde, den fremden sowohl gelernten als ungelernten Bändelmachern das freie Zutragen ihrer Ware in die Stadt zu wehren oder die abzuliefernde Ware, wie bisher geschehen, zu konfiszieren.
Zu der andauernden Unstimmigkeit mit den Verlegern trat in den 1650er Jahren die Anfeindung durch die zünftigen Meisterschaften im Reich, die den Baslern Missachtung des Handwerksbrauches in Sachen Geschenk, Gesellen- und Lehrlingswesen vorwarfen. Das Basler Handwerk, dessen 1612er Ordnung vielleicht die älteste in deutschen Landen war, lehnte es zwar ab, sich mit den im Reich gesessenen Berufsgenossen herumzustreiten, sah sich aber doch zum Einlenken genötigt, wenn es dem drohenden Verruf der Unehrlichkeit entgehen wollte. In einer Eingabe an den Rat vom Jahre 1658 erklärten seine Meister, ihre Handwerksordnung nunmehr mit den im Reich üblichen Gewohnheiten in vollen Einklang gebracht zu haben. Umso bedenklicher sei aber die Tätigkeit der in der Stadt und deren Umgegend zunehmenden Stümpler. Als solche werden aufgezählt. In St. Johannvorstadt ein Welscher mit 4 Stühlen; 2 Soldaten, einer mit 4, der andere mit 2 Stühlen, sowie 1 Taglöhner auch mit 2 Stühlen; in Münchenstein von Bürgern, unter denen 2 Weiber, 9 Personen, die 28 Stühle, und 5 Fremde, die 17 Stühle besetzen; in Muttenz 2 Bürger, die 10 Stühle gebrauchen; in Benken einer mit 4 Stühlen; in Riehen ein Schneider, der 4 Stühle und ein Welscher, der 6 Stühle gebrauche; in Kleinhüningen ein Bastard, der 5 Stühle und ein Leinweber, der 2 Stühle besetze; zu Gundoldingen 3 Welsche, die 9 Stühle besetzen, insgesamt 97 in den Händen von Stümplern befindliche Webstühle, auf denen grösstenteils «gute Seide» verarbeitet werde. Wenn diesem Treiben nicht beizeiten gewehrt werde, kämen die Meister an den Bettelstab, da sie wider Willen die mehrere Zeit müssig gehen müssten. Sie stellten erneut die Forderung: 1. Den Fremden in der Stadt und Landschaft das Handwerk niederzulegen. 2. Den auf der Landschaft Verbürgerten die Zahl der Stühle zu verringern. 3. Allen Genannten das Annehmen von Lehrlingen zu verbieten.
Eine Klage vom Jahre 1660 bewegt sich in ähnlichen Gedankengängen. Die auswärtigen Passementer würden von etlichen Kaufleuten mit Arbeit versehen, weil jene für den grössern Teil ihres Verdienstes allerhand «Landwaren» annähmen und damit sowohl in der Stadt als ausserhalb einen ungescheuten Kauf und Handel trieben. Die Auswärtigen mit viel mehr Freiheiten und weniger Beschwerden als die Bürger könnten darum ihre Ware «unglaublich wohlfeiler» als die Zünftigen hergeben, «massen sie solche ihre waren bei viel zentnern auf die märkte führen lassen, welches alles von dorf zu dorf geladen und verführt wird». Auch die Passementer des nahen Dorfes Haltingen machten den Basler Meistern das Leben sauer, hausierten diese Markgräfler doch mit «allerhand taffetband und posament» in der Stadt.
Im Jahre 1666 entschied der Rat diesen ganzen Fragenkomplex. Er gab die Fabrikation der Florettbänder und einfachen Galaunen (Galons) aller Art jedermann frei, da den damit handelnden Kaufleuten nicht auferlegt werden könne, sich zur Herstellung allein der hiesigen Meister zu bedienen. Des Weitern wurde den Fremden erlaubt, ihre Arbeit, so weit sie einfache Galaunen und Florettbänder betraf, ungehindert den Kaufleuten in die Stadt zu bringen und hinwiederum die benötigten Rohstoffe – Seide und Florett – abzuholen. Mit dieser Erkanntnis durchlöcherte die Obrigkeit das bis anhin von der zünftigen Handwerkerwelt heftig verteidigte Monopol auf den Absatz in der Stadt. Die erste Bresche war geschlagen, der Seidenindustrie den Weg zur freien Entfaltung zu ebnen. Die Einführung des 14-16gängigen Mühl- oder Kunststuhles durch den Bändelherr Emanuel Hoffmann-Mülller um 1668/69 tat ein Uebriges. Trotz erbitterter Gegnerschaft von Seite des zünftigen Handwerks setzte sich der neue Webstuhl durch und gab dem Fabrikwesen einen mächtigen Auftrieb. Der Kampf zwischen verlegendem Grossbetrieb und zünftigem Kleinbetrieb endete mit einem vollständigen Sieg des erstern. Es war eine letzte Genugtuung des seinem Verfall entgegensehenden Kleinhandwerks, dass es kraft seines alten Rechtes auf Schifflein und Schemel 1673 die Fabrikanten zwang, zu Webern hoch und nieder zu dienen. Die Seidenbandweberei bildete fortan ausschliesslich eine Gerechtsame der Webernzunft, die zur vornehmen Fabrikantenzunft gedieh. Die Seidenmanufaktur wurde für die nächsten zwei Jahrhunderte Basels wichtigster Industriezweig.
Für die zu Safran leibzünftigen Passementierer, die offene Läden hielten, galt auch weiterhin der Grundsatz, kein Gesinde fördern, wohl aber mit eigener Hand werken zu dürfen. Neben ihren Passementeriespezialitäten hielten sie auch Bänder feil. Auf Grund einer Relation der Zünfte zum Safran und zu Webern erkannte 1747 der Rat zum Schutze des Handwerks, dass künftig niemand ein «Bändellädemlein» aufrichten dürfe, er habe denn das Passementerhandwerk erlernt.
Auf Grund dieser Erkanntnis klagten 1759 die safranzünftigen Passementer gegen den Handelsmann Emanuel Iselin auf der Eisengasse. Iselin antwortete, er habe einen Galanterieladen und halte nur Lyoner Bänder zu Coiffures, da seine Kunden solche mit Bändern verlangten. Wenn ihm verboten werde, die Lyoner Bänder en detail zu führen, müsse er seinen Laden schliessen. Die Zunft wies ihn hierauf an, sich mit dem halben Zunftrecht zum Safran einzukaufen.