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Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat Präparaten mit Omega-3-Fettsäuren die Indikation zur Sekundärprävention eines Herzinfarkts entzogen. Es gebe nicht genügend Belege für eine Wirksamkeit, lässt die EMA verlauten.
Präparate mit insgesamt 1000 mg Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), die auch als Fischöl-Kapseln im Handel sind, werden in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten als Arzneimittel verkauft.
In Deutschland sind ebenfalls einige dieser Präparate zugelassen, die bisher zur Reduktion erhöhter Triglycerid-Werte und zur Sekundärprävention des Herzinfarkts eingesetzt werden dürfen. Von diesen zwei Indikationen streicht die EMA nun die letztere. Eine Auswertung aller verfügbarer Daten habe gezeigt, dass Omega-3-Fettsäuren zur Verhinderung von weiteren Herz- und Gefäßproblemen bei Patienten, die einen Herzinfarkt überstanden haben, nicht wirksam sind, schreibt die EMA. Sicherheitsbedenken gebe es mit diesen Präparaten jedoch keine.
Die EMA beschäftigte sich auf Initiative Schwedens mit der Evidenzlage. Ein leichter Rückgang des relativen Risikos, den die offene GISSI-Prevenzione-Studie im Jahr 1999 gefunden hatte, und der zur Zulassung der Omega-3-Fettsäure-Präparate geführt hatte, habe sich in neueren Studien nicht bestätigt.
Die Nutzen-Risiko-Abwägung falle damit negativ aus, obwohl es keine neuen Sicherheitsbedenken gebe, erklärt die EMA. Zur Reduktion erhöhter Triglyceride bleibt Zulassung jedoch weiter bestehen.
Quelle:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/indikation-wird-eingeschraenkt/
Kommentar & Ergänzung:
Woher kommt die Idee, dass Omega-3-Fettsäuren gegen Herzinfarkt schützen?
In den 1970er Jahren glaubten zwei dänische Wissenschaftler in Grönland etwas Interessantes entdeckt zu haben: Ihrem Bericht zufolge kam es auf der größten Insel der Erde deutlich seltener zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als in Industrieländern.
Den Grund für die vermeintlich bessere Gesundheit sahen die Forscher in der traditionellen Ernährung der in Grönland lebenden Inuit: Viel Fisch, Robben und Walspeck.
Diese Nahrungsmittel enthalten Omega-3-Fettsäuren in grossen Mengen. Deshalb lag die Vermutung nahe, dass genau diese speziellen Fettsäuren eine Schutzwirkung auf Herz und Kreislauf der Inuit hatten.
Aber solche Beobachtungen können leicht in die Irre führen.
Dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Grönland tatsächlich seltener auftreten, ist gar nicht gesichert. Die beiden dänischen Wissenschaftler bezogen sich in ihren damaligen Annahmen auf wenig verlässliche Gesundheitsdaten, wie inzwischen rekonstruiert worden ist.
Trotzdem werden Omega-3-Fetttsäuren immer noch von zahlreichen Fachleuten zur Vorbeugung empfohlen und Apotheken, Drogerien oder Onlineshops bieten Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungmittel an, meistens in Form von Fischöl-Kapseln. Die Produzenten bewerben die Präparate als gesundheitsfördernd für Herz und Gefäße.
Die EMA zweifelt aber zu Recht an der Wirksamkeit der Omega-3-Fettsäuren-Produkte.
Auch das Portal Medizin-transparent kommt zu einem eindeutigen Schluss und fasst die Studienlage so zusammen:
„Die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zeigte keinerlei vorbeugende Wirkung. Personen, die Omega-3-Kapseln geschluckt hatten, erlitten im Studienverlauf ähnlich häufig einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung wie jene, die Kapseln ohne Omega-3-Fettsäuren eingenommen hatten.
Auch auf die Lebensspanne hatten die Kapseln keinen Einfluss. So können Omega-3-Fettsäuren das Risiko nicht verringern, frühzeitig an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einer anderen Ursache zu sterben.
In den Studien schien es keinen Unterschied zu machen, ob die Testpersonen Omega-3-Fettsäuren aus Fischen oder eine aus Pflanzen stammende Omega-3-Fettsäure namens Alpha-Linolensäure einnahmen. Ob die pflanzliche Omega-3-Fettsäure tatsächlich ähnlich wirkungslos ist wie die tierischen, müssen zukünftige Studien jedoch erst bestätigen.“
Medizin-transparent äussert sich auch zur Frage, ob sich der Genuss von ganzem Fisch günstig auf die Herzgesundheit auswirkt. Die Fachleute halten dazu fest, dass diese Frage nur wenige der analysierten Studien untersucht haben. Die entsprechenden Daten halten sie als zu wenig aussagekräftig, um diese Frage sicher beantworten zu können.
Quelle: