Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03278.jsonl.gz/687

Der wahre Ursprung
Pomade wurde erstmals im 18. Jahrhundert benutzt und war in europäischen Adelskreisen ein beliebtes Pflegeprodukt. Die ölige Masse erhielt ihren Namen damals in Ableitung vom französischen "pomme" für "Apfel". Bei der Herstellung des Produktes wurden nicht nur Öl und Bienenwachs verwendet, sondern auch pürierte Äpfel, die dem Gemisch eine angenehmere Duftnote verleihen sollten.
Siegeszug in Amerika
Den wirklichen Durchbruch erreichte die Pomade allerdings erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nämlich in den 20er Jahren. Hier wurde das Stylingprodukt vor allem von Afroamerikanern genutzt, da es die krausen und dicken Haare bändigen konnte. Abseits davon erlangte die Pomade Berühmtheit durch den Schauspieler Rudolph Valentino, der sich in zahlreichen Stummfilmen in die Herzen von vielen Frauen und Mädchen spielte. Der gebürtige Italiener Rudolph Valentino war bekannt für seine stets streng zurückpomadierten, glänzenden Haare. Rudolph Valentinos schmalziges Erscheinungsbild war für viele ein Frontalangriff auf das traditionelle amerikanische Männerbild: "Vaselino" nannte man ihn wegen seiner pomadierten Haare. Und als "Vaselinos" wurden auch jene Männer beschimpft, die es wagten, seinen aalglatten Look zu kopieren. Man beschuldigte ihn, dass er mit seinen Filmen zur Verweiblichung amerikanischer Männer beitrage. Trotzdem erlebte die Pomaden in den folgenden Jahrzenten ein Siegeszug in Amerika.
Pomade goes Hollywood
Seit den 30er Jahren war die Pomade dann nicht mehr aus den Badezimmern von Männern wegzudenken. Den grössten Push erhielt die Pomade zudem in den 50er Jahren, als Stars wie Elvis Presley im Rampenlicht standen und die Weltbevölkerung entzückten. Wenn man heutzutage von einer Geltolle spricht, dann denken die meisten Menschen zuallererst an Elvis. Die Schmalzlocken hatten anschliessend einen festen Platz im Showbusiness. 1971 wurde gar ein ganzes Musical in Anlehnung an die Slangbezeichnung für Pomade "Grease", also "Schmierfett" genannt. Und 1978 wurde John Travolta in der Verfilmung des Musicals als Schmalzlocken tragender Halbstarker Danny Zuko zum Hollywood-Star.
Pomade is back
In den 80er Jahren verschwand verschwand die Pomade immer mehr im Schatten überdimensionaler Haarskulpturen, die von Haarspray und Gel in Form gehalten wurden. Während der Neunziger verschwand die Pomade dann nahezu vollständig im Schminkschränkchen Hollywoods. Man trug die Haare wieder trocken. Heute erleben Pomadenfrisuren ein Comeback. Ob auf den Köpfen der Hauptdarsteller in der vielfach preisgekrönten Fernsehserie "Mad Men", ob auf dem Haupt von Prinz Daniel von Schweden oder über der hohen Stirn des Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg: Das Haar so manches Prominenten kriegt sein Fett weg wie schon seit Jahren nicht mehr.