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Pressure wire Fractional Flow Reserve (FFR)
Bei grenzwertigen Engstellen (=Stenose) der Herzkranzgefässe ist es schwierig, alleine auf Grund der koronarangiografischen Bilder (Abb. 1) zu entscheiden, ob der/die Patient/-in von einer Stentimplantation profitiert oder eine medikamentöse Theapie ausreicht.
Aus diesem Grund erfolgt eine „Druckdraht-Messung“ (Pressure wire oder Fractional Flow Reserve FFR), eine relativ neue Messmethode, die es erlaubt herauszufinden, ob eine grenzwertige Engstellen zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels führt.
Zur Bestimmung wird ein spezieller Draht mit einem Blutdrucksensor an der Spitze bis unterhalb der Engstelle ins betroffene Herzkranzgefäss eingeführt. Hier kann nun lokal der Blutdruck gemessen werden. Mit einem zweiten Blutdrucksensor wird der Blutdruck in der Hauptschlagader (=Aorta) ermittelt.
Grenzwertige Engstellen an den Herzkranzgefässen machen in Ruhe meist keine Beschwerden, aber sehr wohl bei körperlicher Anstrenung oder emotionalem Stress, weil der Herzmuskel dann einen höheren Sauerstoffbedarf hat und entsprechend die Blutzirkulation erhöht werden muss (das entspricht z.B. einem höheren Benzinbedarf beim schnelleren Autofahren).
Um diese körperliche „Anstrengung“ zu simulieren, erfolgt die Infusion eines Medikamentes (=Adenosin) in die Ellenbeugenvene. Möglicherweise verspürt der/die Patient/in als Nebenwirkung einen leichten Druck auf der Brust oder hat das Gefühl schwerer atmen zu können. Zeitgleich wird die Blutdruckkurve unterhalb der Engstelle und in der Hauptschlagader aufgezeichnet und die Blutdruckkurven während des „Stresstests“ beobachtet. Der Test dauert ca. 3 Minuten. Nach Beendigung bilden sich die möglicherweise aufgetretenen Beschwerden innerhalb von wenigen Sekunden vollständig zurück.
Fällt der Blutdruck (BD) während der medikamentösen Belastung unterhalb der Engstelle im Vergleich zum Blutdruck in der Aorta deutlich ab (BD Engstelle / BD Aorta = FFR ≤0.80), so handelt es sich um eine Engstelle, die eine Minderdurchblutung des Herzmuskels verursacht und sollte mit einem Stent versorgt werden. Gibt es keinen Blutdruckabfall, reicht eine medikamentöse Therapie aus.
In grossen Studien konnte gezeigt werden, dass die FFR-Messung mit hoher Verlässlichkeit vorhersagen kann, ob ein Stent unbedingt notwendig ist oder eine medikamentöse Therapie ausreicht. Dies ist von Bedeutung, da auch Stents gewisse Nebenwirkungen haben können, z.B. Komplikationen während der Implantation (0.1-5%), erneute Verengung (=Re-Stenose) im Verlauf der nächsten 1-2 Jahre (5-10%), geringe (z.B. Nasenbluten: 5-12%) und schwerwiegende (z.B. Bluttransfusion erforderlich: 1-4%) Blutungskomplikationen aufgrund der notwendigen Blutverdünnung.
Entsprechend stellt die FFR Messung eine wertvolle zusätzliche Information für den Herzspezialisten dar, um bei grenzwertigen Engstellen der Herzkranzgefässe die bestmögliche Entscheidung für den Patienten zu treffen.
Abbildung 1. A) Koronarangiografie einer grenzwertigen Engstelle (roter Pfeil) im Seitenwandgefäss (LCX), RIVA = Vorderwandgefäss
B) die FFR Messung bestätigt, dass die Engstelle mit einem Stent versorgt werden muss (FFR <0.8)