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Migräne
(frz. migraine, verstümmelt aus dem grch. hemikrania, d. h. halbseitiges Kopfweh), eine besondere Art von Kopfschmerz, welche gewöhnlich nur eine Seite des Kopfes einnimmt, heftiger auftritt als der gewöhnliche Kopfschmerz und in hartnäckiger Weise durch Jahre oder selbst das ganze Leben hindurch periodisch, meist ohne eine veranlassende Ursache, wiederkehrt. Sie ist der Hauptsache nach eine Neuralgie der sympathischen Halsnerven, welche bald mit einseitiger Erschlaffung, bald mit krampfhafter Verengerung der Kopfgefäße verbunden ist.
In dem erstern Falle (Hemicrania sympathico-paralytica) ist das Gesicht [* 2] auf der befallenen Seite gerötet, fühlt sich heiß an und die Pupille ist verengert, während im letztern Falle (Hemicrania sympatico-tonica) Stirn und Ohr [* 3] der befallenen Seite blaß sind, die Haut [* 4] sich kühl anfühlt und die Pupille erweitert ist. Der Schmerz selbst ist nach Stärke [* 5] und Sitz verschieden; anfangs dumpf und drückend, wird er bald bohrend und spannend und steigert sich binnen kurzem zur Unerträglichkeit.
Die Anfälle kommen in sehr verschiedenen Zwischenräumen, von einer Woche bis zu mehrern Monaten, beginnen meist mit übler Laune, Ohrensausen, Gähnen und Übelkeit, oft auch mit einer Fieberanwandlung, dauern 8-12 Stunden und endigen, nachdem häufig lästiges Würgen und stärkeres Erbrechen eingetreten, mit einem ruhigen Schlaf, aus dem der Kranke am nächsten Morgen völlig gesund erwacht. Das Übel befällt besonders Erwachsene und zwar vorwiegend mehr Frauen als Männer, aber es kann schon bei Kindern von 7 bis 8 Jahren auftreten; es verschwindet meist im Alter, bei Frauen gewöhnlich während der klimakterischen Jahre.
Blutarme, bleichsüchtige, hysterische
Personen sind der
Migräne am meisten ausgesetzt, besonders nach Gemütsbewegungen; in vielen
Fällen ist die
Anlage zur
Migräne ererbt. Beider Behandlung sorge man für Linderung der
Schmerzen und suche
vor allem die
Ursache der
Migräne festzustellen. Am besten ist es, den
Kranken in einem dunkeln, kühlen Zimmer unter Entfernung
aller
Sinnes- und Seelenreize
(Geräusche,
Gerüche, Besuche,
Geschäfte u. s. w.) ganz ruhig im
Bett
[* 6] liegen
und
so den
Anfall austoben zu lassen.
Manche empfehlen im Anfall starken schwarzen Kaffee oder Thee, das Coffein (besonders das citronsaure), die Guarana, das Morphium, das Chinin, das salicylsaure Natron, das Antipyrin und Phenacetin, das Nitroglycerin, das Tief- und Langeinatmen; bisweilen nützen Ableitungen: Senffußbäder, Klystiere, Brausepulver u. s. w. Die Radikalkur kann sehr verschiedene Wege einzuschlagen haben, z. B. Stärkung (durch Stahlmittel, Chinin, Kaltwasserkuren, See- oder Gebirgsaufenthalt), auflösende Kuren (Karlsbader, Marienbader oder Kissinger Wasser) oder Bethätigung der Haut (Dampfbäder, Schwitzen in nassen Decken u. s. w.). Auch leistet mitunter die Anwendung des galvanischen Stroms gute Dienste. [* 7]