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Maradona good, Pelé better, George Best. Bei keinem anderen Fussballstar verlief die Kluft zwischen Erfolg auf dem Platz und Scheitern im Leben derart extrem wie bei George Best. Am 22. Mai wäre der Star von Manchester United 70 geworden.
Beckham? Ach was. Der erste Popstar des Fussballs stammte aus Nordirland, war nie an einer Weltmeisterschaft zu sehen und beendete seine Karriere früh, um danach im Leben auf ganzer Linie zu scheitern. George Best hiess er, und der Beste ist er für viele britische Fussballfans bis heute geblieben.
Best stammte aus einer anderen Zeit des Fussballs, als es weder ausgeklügelte Taktik noch massgeschneiderte Ernährungsprogramme gab.
Im heutigen Fussball würde einer wie Best untergehen, aber sein Jahrzehnt waren die Sechzigerjahre: Fussballer konnten noch ungeniert rauchen und bechern, gleichzeitig aber brachten die Popkultur und die Massenmedien bereits eine Form von Starstatus hervor, die zuvor unbekannt war.
Der fünfte Beatle
In die Wiege gelegt wurden ihm die Voraussetzung nicht. Der Sohn eines Hafenarbeiters war ein Leichtgewicht, was im physisch geprägten Fussball ein Nachteil war. So blieb ihm nur seine Technik – und die war überragend.
«So wie ich auf dem Platz jeden übertreffen wollte, wollte ich auch jeden übertreffen, wenn wir in der Stadt unterwegs waren.»
Best war ein Wunderkind, das mit 17 Jahren sein Debüt bei Manchester United gab. Zwei Wochen später schoss er sein erstes Tor, zweimal wurde er britischer Meister, am Ende seiner zehn Jahre bei «ManU» hatte er in 446 Spielen 178 Tore geschossen. 1968 war sein Annus Mirabilis: Gewinn des Europapokals der Landesmeister, der Vorläufer der Champions League, die Ehrung zum Europäischen Fussballer des Jahres, Torschützenkönig der englischen Liga.
Ausgerechnet 1968. Best war mehr als einer der grossen Künstler auf dem Rasen. Während seiner Glanzjahre groovten die Sixties so frei wie Bests Flankeläufe und Schlangenfahrten durch den gegnerischen Strafraum. Besonders als Dribbler hochbegabt, verschmolz sich seine technische Raffinesse mit der Aura des Freigeistes mit langen Haaren. «Fünfter Beatle» wurde er genannt, mit seinem Salär kaufte er sich Nachtklubs und Modeboutiquen, in beide schaute er gerne selbst rein.
Grösser als das Spiel
Best sah gut aus, und er genoss es: Nach 1968 sah man ihn öfters mit verschiedenen Missen tief in der Nacht als morgens auf dem Trainingsplatz. «Wäre ich hässlich gewesen, hättet ihr nie etwas von Pelé gehört», lautet einer seiner vielen kernigen Sätze, die von ihm überliefert sind. Da könnte was dran sein. Denn wäre Best Fussballer geblieben, hätte er das Spiel noch über Jahre bestimmen können. Stattdessen trat er mit nur 26 Jahren vom Spitzensport zurück, hoch verschuldet und bereits dem Alkohol verfallen. Was folgte, waren 30 Jahre Niedergang. Best verfiel als Alkoholiker vor den Augen der Öffentlichkeit, lange bevor es Handykameras gab.
Best, der gefallene Held, war in seinen besten Jahren grösser, wichtiger als das Spiel. 1970 drehte der deutsche Regisseur Hellmuth Costard einen abendfüllenden Film über Best, der als Meditation in fussballerischer Eleganz gedacht war: Während eines gesamten Spiels fokussierte Costard einzig auf den Spieler mit der Nummer 11, seine Dribblings, seine Pässe, sein Traben und sein minutenlanges Herumstehen. Die Tore, die Spielzüge – all das verlor an Bedeutung, wenn Best auf der Höhe war. «Fussball wie nie zuvor» hiess der Film. Natürlich.
Wie sehr sein Untergang zum Mythos beigetragen hat, darüber wird bis heute gestritten. Verehrt wurde er in der Popkultur weit über sein Karrierenende hinaus, wovon etwa das Debütalbum der Band The Wedding Present zeugte, das seinen Namen trug.
Eingegangen in die Alltagskultur sind jedoch in erster Linie manche seiner sarkastischen, zum Nihilismus neigenden Bilanzsätze über ein Leben, auf dessen kurzen Glanz ein langer Schatten folgte. «Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst», ist der bekannteste, den Rest kann man in seiner Autobiografie nachlesen, die drei Jahre vor seinem Tod erschien.
Im Sterben kein Vorbild
«Blessed» nannte der mit fussballerischen Anlagen im Überfluss Gesegnete das Buch nicht ohne Wehmut, denn neben all den saftigen Anekdoten fand sich darin auch der bittere Blick: «Ich wurde mit grossem Talent geboren, und manchmal hat ein solches Talent auch einen zerstörerischen Charakter. Genauso wie ich auf dem Platz jeden übertreffen wollte, wollte ich auch jeden übertreffen, wenn wir in der Stadt unterwegs waren.»
Die Einsicht blieb ohne Wirkung. Im November 2005 starb er an Nierenversagen, nachdem mehrere Organe durch den Suff bereits ruiniert waren, an seine Beerdigung in Belfast kamen 100’000 Menschen. «Don’t die like me» waren seine letzten öffentlichen Worte, die er fünf Tage vor seinem Tod einer Boulevardzeitung steckte.