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Frage:
Im Juni 2009, wurde meine Schilddrüse vollständig entfernt. Dies zufolge von mehreren Versuchen, meine Schilddrüsenwerte einzustellen, was sich jedoch beim Morbus Basedow ziemlich schwierig zeigte. Kaum hatten die Werte einen Normbereich erlangt und wurden die Medikamente "ausgeschlichen", hatte ich einen Rückfall in die Überfunktion.
Seit bald zwei Jahren versuche ich nun, die Hormone nach der Schilddrüsenentfernung einzustellen. Lange Zeit fühlte ich mich sehr schlecht, die Werte waren zu tief, ich war antriebslos, leicht depressiv - kurz, ich spürte viele der unangenehmen Symptome einer Unterfunktion. Ich hatte Mühe, meinen Alltag zu bewältigen. Seit letztem Herbst nehme ich neu ein T3-Präparat (Thybon) ein und es geht mir viel besser.
Mein Wohlfühlwert wurde erreicht, als ich 175 µg Euthyrox und 20 µg Thybon einnahm. Die Werte T4 und T3 lagen da im oberen Normbereich. Jedoch war der TSH Wert fast nicht messbar (s. Anhang).
Mein behandelnder Arzt entschied somit, die Hormonmenge wieder zu reduzieren, erst auf 150 µg Euthyrox und 20 µg Thybon, dann alternierend auf 125 und 150 µg Euthyrox sowie 20 µg Thybon und jetzt schlussendlich auf 125 µg Euthyrox und 20 µg Thybon. Nur, an meinem TSH-Wert hat dies fast nichts verändert und ich spüre, dass ich wieder weit von meinem "Wohlfühlwert" entfernt bin. Im Internet und in Fachbüchern lese ich immer wieder, dass es bei Morbus Basedow - Patienten akzeptabel sei, wenn T4 und T3 im Normbereich liegen und der TSH-Wert nicht messbar ist. Was denken Sie davon? Kann ich wieder auf meine "Wohlfühldosis" zurück?
weiblich, 29-jährig, BMI 26 kg/m2
Antwort:
Vor zwei Jahren mussten Sie die Schilddrüse entfernen lassen wegen einer Überfunktion im Rahmen einer Basedow-Krankheit, die medikamentös nicht gut kontrollierbar war. Ohne Schilddrüse müssen die von ihr produzierten Hormone dem Körper in Tablettenform zugeführt werden. Dies ist bei Ihnen der Fall mit Euthyrox (T4) und Thybon (T3).
Bei der Überwachung der Schilddrüsenhormontherapie ist vor allem der TSH-Wert entscheidend, nicht T4 und T3. Das TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon oder Thyreotropin) wird von der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) gebildet und stimuliert die Schilddrüse zur Hormonproduktion. Ist keine Schilddrüse mehr vorhanden, wird als Gegenreaktion zu den fehlenden Schilddrüsenhormonen sehr viel TSH gebildet. Werden die Schilddrüsenhormone von aussen zugeführt, wird diese TSH-Produktion automatisch wieder gedrosselt; je mehr Hormone zugeführt werden, desto tiefer wird dann das TSH, bis eben so tief, dass es im Blut kaum oder überhaupt nicht mehr messbar ist. Wenn der Wert unterhalb des Normalwertes im Blut liegt, ist dies ein Zeichen dafür, dass zu viel Schilddrüsenhormon im Körper ist, auch wenn die gemessenen Werte (T4, T3) noch im generellen Normbereich liegen. TSH ist bei weitem der sensibelste Parameter zur Überwachung der Schilddrüsenfunktion bzw. der Hormontherapie. Das Gehirn weiss genau, wie viel Schilddrüsenhormon für den Körper gut ist. Die vom Labor angegebenen Normbereiche für T4 und T3 haben einen grossen Streubereich.
Wir steuern deshalb die Therapie immer anhand des TSH-Wertes, wie es auch Ihr Arzt gemacht hat. Es ist falsch, dass ein nicht messbares TSH akzeptabel ist. Man weiss genau, dass Menschen mit vollständig unterdrücktem TSH und somit zu viel Schilddrüsenhormon ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und Herzrhythmusstörungen haben. Es ist nicht empfehlenswert, ein tiefes TSH zu haben, dies schadet der Gesundheit.
Ihr Arzt hat also Recht, wenn er Ihnen empfiehlt, die Schilddrüsenhormone zu reduzieren. Wir raten Ihnen eingehend, sich an seine Anweisungen zu halten.
Wir sehen es manchmal, dass Personen, die lange ein supprimiertes (nicht messbares) TSH wegen einer Basedow-Krankheit hatten, sich nach der Schilddrüsenentfernung unwohl fühlen, weil Sie sich an zu hohe Schilddrüsenhormonkonzentrationen gewöhnt haben. Es ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass zu viel Schilddrüsenhormon schadet und das TSH nie unmessbar tief sein sollte. Als Hormonersatz genügt eine Therapie mit einem Medikament, das T4 enthält. T3 wird im Körper automatisch in der nötigen Menge aus T4 gebildet. Thybon (T3) wird nur vor einer Radiojodtherapie (Bestrahlung der Schilddrüse) verabreicht. Es sollte sonst nicht langfristig eingenommen werden und wird weltweit von Hormonspezialisten nicht zur Hormonersatztherapie nach Schilddrüsenentfernung empfohlen.
Abschliessend rate ich Ihnen, nur so viel Euthyrox einzunehmen, dass das TSH um 2 mU/l beträgt, und das Thybon (in Absprache mit Ihrem Hormonspezialisten) abzusetzen. Ihr Körper wird sich daran gewöhnen und negative Langzeitfolgen (Osteoporose, Herzrhythmusstörungen) können vermieden werden.