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| Rufin von Aquileia (345–411/412) - Kommentar zum apostolischen Glaubensbekenntnis (Expositio Symboli)

32.
"Eine heilige Kirche, Nachlassung der Sünden, Auferstehung dieses Fleisches."
Es heißt nicht: in die heilige Kirche, nicht in die Nachlassung der Sünden, noch in die Auferstehung des Fleisches; denn wäre die Präposition 'in' beigefügt, so würde Dieß auf eine und dieselbe Stufe mit dem Obigen gestellt werden. Nun wird aber bei den Begriffen, durch welche der Glaube über die Gottheit bestimmt wird, gesagt, in Gott den Vater, in Jesus Christus, seinen Sohn, und in den heiligen Geist. Bei den übrigen aber, wo nicht von der Gottheit, sondern von den Geschöpfen und den Geheimnissen die Rede ist, wird die Präposition 'in' nicht beigefügt, so daß etwa gesagt würde: in eine heilige Kirche, sondern eine heilige Kirche sei zu glauben, nicht in der Weise, wie Gott geglaubt wird, sondern als die für Gott versammelte Gemeinschaft. So ist zu glauben eine Nachlassung der Sünden, nicht in eine Nachlassung der Sünden; ebenso eine Auferstehung des Fleisches, nicht in eine Auferstehung des Fleisches. Durch Setzung dieser kleinen Präposition also wird der Schöpfer unterschieden von den Geschöpfen, wird das Göttliche vom Menschlichen getrennt. Es ist nun derselbe heilige Geist, der im alten Bunde das Gesetz und die Propheten, im neuen Bunde die Evangelien und die Apostel [S. 70] inspirirte. Daher sagt auch der Apostel: Jegliche Schrift die göttlich inspirirt ist, ist nützlich zur Lehre. Es erscheint deßhalb angemessen, an dieser Stelle, ganz wie wir es aus den schriftlichen Aufzeichnungen der Väter überkommen haben, zu verzeichnen, welches die Bücher des alten und des neuen Testamentes sind, die nach der Tradition der Vorfahren als vom heiligen Geiste inspirirt geglaubt werden und als solche den christlichen Kirchen überliefert sind.