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Die NZZ veröffentlichte einen Artikel über Diagnose und Krankheitsbilder (NZZ vom 12.12.12, Seite 22):
Die Diagnose steht am Anfang jeder medizinischen Behandlung. Sie definiert, was als Krankheit gilt und ob und wie therapiert werden soll. … Aber was ist eigentlich eine Diagnose? Eine Diagnose ist ein Konstrukt. Sie ist nichts anderes als die Klassifizierung von festgestellten Merkmalen nach vorgegebenen Kriterien. Der Befund stellt eine normativ festgelegte Abweichung vom Normalzustand fest. … Diagnosen werden vom soziokulturellen Umfeld geprägt. Dahinter kann eine interessengeleitete Definitionsmacht stehen, die nicht mit dem Wohlbefinden des betroffenen Menschen verknüpft sein muss.
Als Beispiel nennt der Artikel die Diskussion über das DSM-V, die US-amerikanische Klassifikation für mentale Störungen:
Darin neu erfasste Krankheitsbilder wie das abgeschwächte Psychose-Syndrom oder die Stimmungs-Regulierungs-Störung sind kaum von Schwankungen im Normalbereich zu unterscheiden, gelten aber als Krankheit. Solche Diagnosen erzeugen häufig falschen Alarm und können zur Stigmatisierung der Betroffenen führen. … Die steigende Zahl an Krankheitsbildern nährt den Verdacht, dass heute auf Basis eines veränderten Gesundheitsverständnisses oder gar aufgrund von Spezialinteressen auch Krankheiten erfunden und herbeigeredet werden.