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| Theodoret von Cyrus († 466) - Mönchsgeschichte (Historia Religiosa)

18. Eusebius
Den genannten Heiligen füge ich auch den großen Eusebius an, der vor nicht langer Zeit sein Leben beschloß. Er hat sehr viele Jahre gelebt und eine nach dieser Zeit bemessene Arbeit geleistet. Und der Arbeit entsprach auch die Tugend, die er erworben, und vielfältig war der Lohn, den er dafür geerntet. Denn der Kampfrichter überbietet an Großmut der Gegenleistung der Kämpfe Mühen.
Zunächst hatte er sich in fremde Zucht begeben und ließ sich dahin führen, wohin die Erzieher ihn wiesen. Denn es waren göttliche Männer und Kämpfer und Streiter um die Tugend. Nachdem er einige Zeit bei ihnen sich aufgehalten und trefflich die Wissenschaft des aszetischen Lebens erlernt hatte, erwählte er das Einsiedlerleben und bezog einen Bergrücken in der Nähe eines großen Dorfes, Asicha mit Namen. Dort wohnte er innerhalb einer Umfriedung, deren Steine nicht einmal durch Lehm zusammengefügt waren, sein Leben lang mühselig unter freiem Himmel. Er hüllte sich in ein Gewand aus Fellen und nährte sich von Erbsen und Bohnen, die er in Wasser aufweichte. Manchmal aß er auch getrocknete Feigen in der Absicht, damit dem geschwächten Körper etwas aufzuhelfen. Zu einem hohen Alter gelangt, so daß er die meisten Zähne verloren hatte, änderte er weder seine Nahrung noch seine Wohnung. Im Winter erstarrt, im Sommer verbrannt, ertrug er starkmütig die widrigen Zustände des Klimas. Runzelig war sein Gesicht, wie ausgedörrt alle Glieder seines Körpers. So sehr war durch die vielen Mühen der Leib abgezehrt, daß der Gürtel nicht mehr auf den Hüften blieb, sondern herunterfiel. Denn nichts hätte ihn halten können. Gesäß wie [S. 127] Hüftknochen waren geschwunden und gestatteten den leichten Herabfall. Doch er erfand ein Mittel, ihn zu befestigen, er nähte den Gürtel an die Kleider an.
Sehr lästig war ihm der Verkehr mit der Menge. Denn er wollte seine Gedanken nicht vom Göttlichen wegwenden, in dessen Schauung er immer versenkt war. Aber dennoch verstattete er bei seiner großen Menschenliebe wenigen Freunden, daß sie nach Absperrung der Türe bei ihm einträten. Wenn er sie über die göttlichen Dinge belehrt hatte, hieß er sie wieder weggehen und die Türe mit Lehm verschließen. Da er es aber für besser erachtete, auch den Verkehr mit den Wenigen einzustellen, verrammelte er den Zugang ganz und gar, indem er einen gewaltigen Stein an die Türe legte. Durch ein enges Loch unterhielt er sich noch mit wenigen Vertrauten, aber so, daß er selber nicht gesehen wurde. So hatte er es ausgedacht. Durch dieses Loch nahm er auch die dürftige Nahrung in Empfang. Während er aber wieder allen die Unterredung verweigerte, würdigte er mich allein seiner süßen und von Gott geliebten Stimme, und wenn ich weggehen wollte, hielt er mich lange zurück und sprach mit mir über göttliche Dinge.
Fortgesetzt kamen viele Leute und baten um das Geschenk seines Segens. Diese Störung wurde ihm sehr lästig. Darum überstieg er, ungeachtet seines Alters und seiner Schwäche, die Mauer, die auch sehr Rüstigen große Schwierigkeit bereitet hätte, und begab sich in das nahe Kloster und bezog in einer Mauerecke abermals eine kleine Umfriedung, den Kampf in den gewohnten Mühen fortsetzend. Der Vorsteher dieser Herde, ein Mann, aller Tugend voll, erzählte, daß er mit fünfzehn Feigen die sieben Wochen der heiligen Fastenzeit verbracht habe. Und diesen Kampf kämpfte er mehr als neunzig Jahre, zu unsagbarer Schwäche erschöpft. Aber über die Schwäche siegte der Eifer, und die Liebe zu Gott machte ihm alles leicht und bequem.
Von solch edlem Schweiße überronnen, erreichte er das Ziel seines Laufes, den Kampfrichter schauend und nach der Krone verlangend. Ich aber wünsche, seiner Fürsprache teilhaftig zu werden, wie ich mich ihrer zu seinen Lebzeiten erfreute. Denn ich glaube, [S. 128] daß er lebt und mit noch reinerer Zuversicht Gott bitten kann.