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Schön und scheu kauern zwei mandeläugige, schwarzhaarige Frauen auf dem Boden, in bunten Gewändern, mit Blumen im Haar: «Nafea, wann heiratest Du», heisst der Titel des Öl-Bilds auf Deutsch, das Paul Gauguin 1892 in Tahiti gemalt hat. Seit den 1950er-Jahren hängt das Meisterwerk als Dauerleihgabe der Sammlung Staechelin im Basler Kunstmuseum. Ab diesem Wochenende ist es in der Fondation Beyeler zu sehen, als Hauptwerk der aktuellen Gauguin-Schau, Link öffnet in einem neuen Fenster.
Für 300 Millionen nach Katar?
Doch ins Basler Kunstmuseum kehrt «Nafea» nicht mehr zurück – das Bild ist bereits verkauft, wie Ruedi Staechelin der Basler Zeitung sagte. Die BaZ zitiert Gerüchte, Link öffnet in einem neuen Fenster unter New Yorker Kunstagenten, dass sich das Königshaus von Katar das Werk 300 Millionen Dollar kosten lasse – so teuer wurde noch nie ein Bild verkauft.
Gauguins «Nafea» gehört zu 18 hochkarätigen Werken der Sammlung Staechelin, die als Deposita im Kunstmuseum Basel hängen. Sie sind die noch verbleibenden der Sammlung von ungefähr 150 Bildern des Basler Industriellen Rudolf Staechelin. 1931 gründete er die Staechelin-Familienstiftung. Mit der Form der Stiftung wollte er verhindern, dass in den Wirren der Weltwirtschaftskrise Werke der Sammlung verkauft würden.
Verhandlung mit anderen Museen
Ruedi Staechelin, der Enkel von Rudolf Staechelin, wandelte die Stiftung in den 1990er-Jahren um in einen Familientrust. Seither ist er nicht mehr an die strengen Auflagen der Stiftung gebunden. Er kann die Bilder jederzeit verkaufen, ohne eine Notlage geltend zu machen. Nun hat Staechelin den Leihvertrag mit dem Kunstmuseum Basel gekündigt.
Grund sei die Schliessung des Museums bis im April 2016 für einen Erweiterungsbau, sagt Staechelin gegenüber der Agentur SDA. Ab März werden die übrigen Werke der Sammlung Staechelin in Madrid und ab Oktober in Washington präsentiert. Ob sie dann wieder ins Kunstmuseum zurückkehren, ist unwahrscheinlich. Er sei nun in Verhandlung mit anderen Museen, sagt Staechelin, der das Basler Präsidialdepartement für seinen Umgang mit den Leihgebern kritisiert.
Das Picasso-Wunder von Basel
Der Regierungspräsident Guy Morin bezeichnete den Verlust der «Nafea» als «schmerzlich, aber verkraftbar». Auch in anderen Reaktionen war nicht mehr als leises Bedauern herauszuhören. Das erstaunt. Denn schon einmal, im Jahr 1967, sollten aus der gleichen Sammlung zwei Bilder von Picasso verkauft werden.
Der Leihgeber war damals in einer finanziellen Notsituation. In einer spektakulären Aktion gingen daraufhin junge Basler wie auch gestandene Bildungsbürger auf die Strasse. Ihre Forderung: Die Stadt solle die Bilder kaufen, um sie zu retten.
Die Kunstfreunde erreichten ihr Ziel. Nach einem heftigen Abstimmungskampf sagten die Basler «Ja» zum Kauf für 6 Millionen Franken. Weitere 2,4 Millionen sammelten Private – damals eine enorme Summe für die Werke eines noch lebenden Künstlers. Und aus Begeisterung über die Abstimmung schenkte Picasso dem Kunstmuseum noch vier weitere Bilder. Das «Picasso-Wunder von Basel» ging in die Geschichte ein.
Sind die Basler zu verwöhnt?
Warum bleibt es heute, rund 50 Jahre später, so still, wenn ein Meisterwerk von Gauguin aus derselben Sammlung die Stadt verlässt? Der Kunsthistoriker Benno Schubiger, Direktor der Binding-Stiftung, vermutet: «Der Künstler Pablo Picasso war damals noch am Leben und medial omnipräsent. Seine Kunst war Teil der zeitgenössischen Kunst. Heute geht es um ein Bild, das 1892 geschaffen wurde von einem Künstler, der längst verstorben ist.»
Es fehlt also der Glamour, den die Verbindung mit einem gefeierten Avantgarde-Künstler versprach. Und vielleicht sind die Basler mittlerweile auch einfach verwöhnt, was Kunst angeht. Denn seit 1967 ist die Kunst-Landschaft stark gewachsen, wie Benno Schubiger ausführt.
Die Fondation Beyeler ist dazugekommen mit einer wichtigen Sammlung der klassischen Moderne. Ebenso die Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung im Schaulager. Die Sammlung Dreyfus, die gerade eben in einer grossen Schau im Kunstmuseum Basel gezeigt wurde. Oder die Sammlung von Esther Grether, die auch wichtige Werke der zeitgenössischen Kunst versammelt.
Zugang zu Meisterwerken ist einfach
Es bleibt also genug hochwertige Kunst in Basel. Kommt dazu, dass eine Sammlung – auch wenn sie hochkarätig ist – nicht mehr genügt, um Kunstfreunde ins Museum zu locken. Benno Schubiger: «Unsere schnelllebige visuelle Welt will Abwechslung. Und da sind natürlich Grossevents wie diese Blockbuster-Ausstellungen, die auch ihr Gutes haben, ganz zentral.»
Es ist einfacher geworden, die grossen Meisterwerke der Kunst zu sehen. Viele Sonderausstellungen touren um die Welt, und das Reisen ist für Kunstliebhaber günstiger geworden. Wohl auch deswegen gehen die Menschen von heute für ein Werk wie Gauguins «Nafea» nicht mehr auf die Strasse.