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EINLEITUNG
Die Ausgangslage ist eine 100-jährige Fabrik im Vorstadtgebiet der Stadt Baden, deren Bausubstanz teilweise in einem schlechten Zustand ist.
Mit einer Machbarkeitsstudie sollen Potentiale der Liegenschaft untersucht, und die Vor- und Nachteile eines Umbau- bzw. Neubauprojektes unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit einander gegenübergestellt werden.
STANDORT
Als Vorstadt wird einer von vier Gebietsteilen innerhalb des Quartiers Innenstadt Süd bezeichnet. Er ist durch einen massiven Felsgrat - den Schlossberg - vom nördlichen Teil der Stadt und dem Hauptbahnhof getrennt. Dennoch befindet er sich an zentraler Lage in fünf Minuten Gehdistanz zur Altstadt.
Die Mellingerstrasse und die Bruggerstrasse sind die verkehrsreichsten Strassen, die durch Baden führen. Sie kreuzen sich beim sogenannten Schulhausplatz im Vorstadtgebiet und geben ihm seine städtische Prägung. Wichtige Gebäude befinden sich ebenfalls an der Mellingerstrasse: die Stadtbibliothek, die Kantonspolizei, das Bezirksgericht, sowie zwei der höchsten Gebäude der Innenstadt - ein Hotelhochhaus und ein Bürokomplex.
Neben Büros, vereinzelten Läden und Restaurants, einem Hotel und einem Kino lebt das Vorstadtgebiet vorallem durch die Präsenz der Schüler, die hier aus dem Bus steigen und sich an die verschiedenen Schulen begeben. Die Bezirks-, die Sekundar- und die Realschule, sowie die Kaufmännische Berufsschule und die Musikschule befinden sich in unmittelbarer Nähe.
Übergeordnete raumplanerische Studien über diesen Stadtteil sind keine vorhanden. Im Fokus der Entwicklungsplanung der Stadt Baden liegt bisher das Quartier Innenstadt Nord.
Es steht zur Diskussion, die Nationalbahnlinie, die durch das Vorstadtgebiet führt, für den Personalverkehr in näherer Zukunft wieder zu aktivieren (Quelle: Entwicklungsplanung Stadt Baden, Herr Gorko). Durch diese gezielte Massnahme würde das Quartier als Wohn- und Arbeitsstandort an Attraktivität gewinnen, was die städtebauliche Entwicklung an diesem Ort entscheidend mitbestimmen könnte.
FABRIKAREAL
Bestand
Die lange, quer zum Hang stehende zweigeschossige Gewerbehalle versteckt sich in der zweiten Bautiefe zwischen den Mellinger- und Oberstadtstrasse, in einem vom Verkehrslärm abgeschotteten, ruhigen Wohnquartier. Die markante Frontfassade mit den in Stein gefassten Fenstern, der Lunette und dem Eingangsportal wird von einem flachen Mansardgiebeldach abgeschlossen.
Das zwischen 1907 und 1920 mehrfach vom Badener Architekten Otto Bölsterli erweiterte Gebäude ist ein Zeuge der Industrietradition von Baden, die auch ausserhalb der grossen Areale stattfand. Gerade an seiner 1920 erstellten Frontfassade erinnert der Gewerbebau an ungleich grössere und strengere Vorbilder des Fabrikbaus in Deutschland.
Die Hauptfassade macht das hundertjährige Gebäude zu einem einprägsamen Gebäude der Umgebung. Dem grossen zentralen Eingangstor folgt eine nach oben geöffnete Produktionshalle. Sie gibt den Blick frei über das Galeriegeschoss bis zum Dach, dasdurch eine raffinierte, massive Holzkonstruktion getragen wird.
UMNUTZUNGSPROJEKT
Absicht
Die Absicht des Umnutzungsprojektes besteht darin, das inventarisierte Industrieobjekt zu bewahren und als Zeitzeuge des industriellen Aufschwungs in der Schweiz Ende des 19. Jahrhunderts anzuerkennen. Mit wenig baulichen Eingriffen soll das Gebäude instandgestellt und mit neuen Nutzungen wiederbelebt werden. Die ursprüngliche Produktionshalle im Erdgeschoss und die Lagerhalle im Obergeschoss sollen freigelegt und der imposanten hölzernen Tragstruktur wieder zu neuer, unmittelbarer Ausstrahlung verholfen werden.
Der Umnutzung liegt die Haltung zugrunde, dass die Bedeutung eines Gebäudes im urbanen Kontext unabhängig von dessen Funktion liegt. Sie ist ein wichtiges Instrument, um die "Permanenz der Stadt" (Aldo Rossi) zu ermöglichen.
Nutzung
Das Nutzungskonzept wurde dem Raumangebot entsprechend ausgelegt. Im Hallenteil der Anlage stehen grossflächige, hohe Räume zur Verfügung, während im nordseitigen Kopfbau kleinteiligere Arbeitsräume angeboten werden können.
Das räumliche Potential der Galeriehalle kann mit einer Restaurantnutzung, kombiniert mit einem Bar-, Launchbereich (optional mit Zugang auf Dachterrasse) ausgeschöpft werden. Es bietet Platz für rund 90 Innensitzplätze. Die Anlieferung zur Küche erfolgt auf der Rückseite der Anlage, gut zugänglich über die Parzelle Nr. 804 von der Zürcherstrasse her. Nach Bedarf kann zu einem späteren Zeitpunkt die Dachterrasse südlich der Halle als Aussenraum für das Restaurant umgebaut werden.
Die Halle im Erdgeschoss bietet Raum für Ausstellungen, die temporär stattfinden können, kombiniert mit einem Barlokal auf der Südostseite mit Aussensitzplatz und drei Ladenlokalen auf der Hallenwestseite. Die östlich angesetzte, zweigeschossige Werkstatt wird mit Glaswänden schalltechnisch von der Haupthalle getrennt. Die Atmosphäre einer grossräumigen Produktionsstätte soll beibehalten und die verschiedenartigen Nutzungen zueinander in räumlichen Bezug gebracht werden.
In den Obergeschossen des Kopfbaus werden sechs Büro-/Atelierräume vermietet, sowie ein Betriebsleiterbüro im Erdgeschoss.
Aussenhülle
Der aufwändigste bauliche Eingriff wird an den Dächern der Haupt- und Nebenhalle vorgenommen. Die bestehenden undichten Dachaufbauten müssen komplett ersetzt und neu gedämmt werden, um ein annähernd komfortables Klima im Innenraum zu gewährleisten. Die Oblichter werden ebenfalls mit Isolierverglasungen versehen und erhalten ein neues Rahmenprofil nach altem Vorbild. Neu werden sie zusätzlich mit einem aussenliegenden Sonnenschutz ausgestattet.
Die originalen Fabrik- und Bürofenster an den Fassaden werden so gut es geht beibehalten und je nach Bedarf instandgestellt. Auf einen aussenliegenden Sonnenschutz an den Fassadenfenstern wird vorerst verzichtet.
Der Pflanzenwuchs an der Westfassade muss zur Schonung der Bausubstanz entfernt werden. Der Fassadenputz bleibt an der Stelle zu sanieren und allenfalls neu zu streichen. An den Aussenwänden werden ansonsten keine zusätzlichen Massnahmen getroffen. Die Fassade soll in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild weitgehend erhalten bleiben.
Innenausbau
Die Innenwände werden nur dort angepasst, wo es neue Nutzeransprüche und fluchtwegbedingte Auflagen erfordern. Dies betrifft vorallem die Ausstattung der Anlage mit zusätzlichen Nasszellen, sowie Anpassungen im Bereich der Gastronomieküche und der Ladenflächen im Erdgeschoss.
Spuren der industriellen Vorgeschichte der Fabrikhalle sollen bewusst erhalten und mit einer entsprechenden Innenausstattung in Kontrast gesetzt und dadurch mehr noch akzentuiert werden. Daraus erwächst eine feierliche Atmosphäre, die auf sinnlichen Gegensätzen in der Haptik der Materialien beruht.
Die Oberflächen der Holzböden im Erd- und Obergeschoss der Fabrikhalle werden erhalten, angeschliffen und neu behandelt.
Alte Spannteppiche in den Büroräumen im Kopfbau werden demontiert und durch einen Parkett ersetzt. Am Boden in den Nassräumen und in der Gastronomieküche wird ein Epoxidmörtelbelag eingebracht.
Ein Speiselift verbindet die Produktionsküche mit dem Gästebereich im Obergeschoss. Ein Personenlift ist vorerst nicht vorgesehen. Für dessen späteres Nachrüsten wurde der südöstliche Gebäudeteil mit Anschluss an das Treppenhaus als optimalen Einbaustandort befunden.
Der Ausbau der Gastronomieküche mit den dazugehörigen Geräten, Kühlräumen und lüftungstechnischen Anlagen bleibt in den Händen des Betreibers und wird durch diesen finanziert.