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In die bewegte Zeit der Entstehung unseres modernen Bundesstaates vor 170 Jahren führt Xavier Kollers Film «Der Galgensteiger» und beschreibt, wie der Luzerner Jakob Rudolf Steiger, vom liberalen Revolutionär zum ranghöchsten Schweizer der neu konstitutionierten Eidgenossenschaft wurde.
Im Jahr 1845 stehen sich im schweizerischen Staatenbund liberale und konservative Kantone und protestantische und katholische Landesteile feindselig gegenüber. Der Luzerner Armenarzt Jakob Robert Steiger (Hilmar Thate) nimmt am zweiten Freischarenzug gegen die Jesuitenherrschaft in seiner Vaterstadt teil und fällt dabei seinen Erzfeinden in die Hände. Er wird zum Tod am Galgen verurteilt, doch vor der Vollstreckung des Urteils aus der Gefangenschaft befreit und im Triumphzug ins liberale Zürich gebracht, wo ihm 50'000 Menschen zujubeln. Unter ihnen befindet sich auch Gottfried Keller, der zu diesem Anlass ein Gedicht verfasst. Die folgenden drei Jahre sind geprägt von Umstürzen, Attentaten, Verschwörungen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Gewalttätige Aktionen gegen die konservativen, vor allem katholischen Stände führen zum Zusammenschluss dieser Kantone in einem Sonderbund, der Hilfe und Beistand bei den reaktionären Regimes im Ausland sucht. Als der Sonderbund sich dem Auflösungsbeschluss der Tagsatzung widersetzt, kommt es in der Schweiz zum offenen Bürgerkrieg, der mit der Niederlage des Sonderbundes und der Liquidierung des alten, lockeren Staatenbundes endet. Jakob Robert Steiger wird Präsident des neuen Nationalrates und die Schweiz gibt sich 1848 eine Verfassung. Der Dramaturg und Schriftsteller André Kaminski hat sich in seiner Drehbucharbeit nicht auf die bekannten historischen Fakten beschränkt, sondern auch viel zeitgeschichtliches Material zusammengetragen, das dem Stoff und den Figuren Lebensnähe und Plastizität verleiht. Für Xavier Koller war die aufwendige Produktion mit hochkarätiger Besetzung ein wichtiger Schritt in seiner damals noch jungen Regiekarriere.