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Ihre Figur verkörpert wie keine andere die Schweiz: Ihr Bild ist auf den 50-Rappen-, den 1- und den 2-Franken-Münzen eingeprägt. Ihren Namen findet man auf jeder Schweizer Briefmarke. Und Helvetia ist auch verantwortlich dafür, dass Schweizer mit einem «CH»-Aufkleber auf ihrem Auto herumfahren. «CH» steht für Confoederatio Helvetica, den lateinischen Namen der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
Eine abstrakte Idee
Doch obwohl die Schweizer Landesmutter im Alltag omnipräsent ist, weiss kaum jemand, wer Helvetia wirklich war. Was nicht verwundert, wenn man einen Blick auf ihre Geschichte wirft: Helvetia als reale Person hat nie gelebt. «Sie ist eine abstrakte Idee der Schweiz, ohne Fleisch und Blut», schreiben Jürg Willi und Margaretha Dubach, die ein Buch zum Thema veröffentlicht haben. Helvetia war also keine Person, sondern vielmehr eine Figur – ähnlich der Justitia, der allegorischen Figur für Gerechtigkeit, oder der deutschen Germania.
Wilhelm Tell ist wichtiger
Wann die Figur der Helvetia genau entstand, ist unklar. Erste Darstellungen von ihr stammen aus dem 17. Jahrhundert. Damals, vor über dreihundert Jahren, wurde sie meist zusammen mit anderen Figuren abgebildet, ihre Bedeutung war eher klein. Das ändert sich im Verlauf des 18. Jahrhunderts. Die Figur der Helvetia wird immer wichtiger, heute würde man sagen: Sie emanzipiert sich. Auf Bildern wird sie zunehmend im Zentrum und nicht mehr bloss als eine unter vielen abgebildet. Einer läuft ihr aber immer noch den Rang ab: Wilhelm Tell gilt als offizielle Repräsentationsfigur der Schweiz.
Ab 1874 auf dem Zweifränkler
Das ändert sich Anfang des 19. Jahrhunderts. 1848 wird die Schweiz in ihrer heutigen Form gegründet. Der noch junge Bundesstaat muss das Volk zu einer Nation formen und die Identifikation mit dem neuen Staat fördern. Dazu eignet sich am besten eine Person – denn mit einem Menschen identifiziert man sich leichter als mit einem abstrakten Gebilde wie einem Bundesstaat. Und hier kommt Helvetia ins Spiel, hier beginnt ihr Aufstieg zur Landesmutter: 1874 erscheint erstmals der Zweifränkler mit Helvetia-Prägung. Ein Jahr später folgen der Einfränkler und der 50-Räppler, ebenfalls im Helvetia-Design.
Das führt dazu, dass Helvetia ab Ende des 19. Jahrhunderts berühmt wird. In allen Bevölkerungsschichten ist sie populär, ihre Figur dient als Postkarten- und als Denkmalmotiv. Die Rolle als Landesmutter ist ihr damit garantiert – obwohl sie in der Geschichte deutlich später auftauchte als Wilhelm Tell, der ja angeblich schon beim Rütlischwur 1291 dabei gewesen sein soll.
Vom Käse zum Lorbeerkranz
Über all die Jahre hinweg hat sich die Darstellung der Helvetia immer wieder verändert: Mal wird sie mit blonden, dann wieder mit braunen Haaren abgebildet. Je nach Anlass mimt sie die rundliche Hausfrau oder dann wieder die schlanke Grazie.
Auch die Gegenstände, mit welchen die Repräsentationsfigur der Schweiz geschmückt wurde, wechselten. In der Anfangszeit wurde sie vor allem mit Käse oder Früchten gemalt, was Produktivität und Reichtum symbolisieren sollte. Später, ab 1800, tritt Helvetia anders in Erscheinung: In den Büchern wird sie als Walküre oder Kriegerin dargestellt, ausgestattet mit Waffen und Schmuck. Auf dem Kopf trägt sie einen Lorbeerkranz. Dieser ist ihr bis heute erhalten geblieben.
Und was ist mit Helvetia heute? Neben den Münzen, Briefmarken und den Autokennzeichen hat sie die Schweiz vor allem mit ihrem Namen geprägt. Nach ihr benannt ist etwa eine grosse Versicherungsgesellschaft, und es gibt sie mittlerweile auch tatsächlich: Im Internet finden sich aktuell zwei Personen aus der Schweiz, die Helvetia heissen.