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Blog: Gesucht: Schulmeister nach Isikon
Schule in Isikon
Im mittelalterlichen Europa gab es zunächst nur kirchliche Schulen in Klöstern. Die Anfänge einer «einigermassen» geordneten Volksbildung liegen in der Reformationszeit. Zwinglis Forderung an die Schule lautete: «Lesen, Schreiben, Beten». Für ihn war die Bibel das Fundament des Glaubens. Deshalb übersetzte er das Alte - und das Neue Testament ins Deutsche. Er verpflichtete die Pfarrer auch auf dem Land Schulen einzurichten.
Ende des 18. Jahrhunderts konnten im Kanton Zürich etwas mehr als die Hälfte der Erwachsenen kaum etwas lesen. Schreiben lernte nur ein Teil der Schülerschaft und rechnen konnten noch weniger.
Über das mühselige Erlernen der Buchstaben und der Fertigkeit des Lesens sowie über das Schreiben, bis zum freiwilligen Rechnen kämpfte ein Schulmeister in engen Schulräumen mit zum Teil über 150 Kindern!!!
aus: Visitationsbericht des Pfarrers, Ende 18.Jahrhunderts
Öffnete man die Tür zum Schulzimmer, so drängte sich jedem ein niederschlagender Dampf aus derselben entgegen. Dicht aneinander gepresst, in einem engen, dunklen Raum sitzt da der grösste Schatz unseres Landes, unsere Jugend. Sie atmet zum Verderben ihrer Gesundheit dicke, erhitzte, faule Dünste ein. An den Fenstern rinnt die Feuchtigkeit in grossen Tropfen hinunter. Der Ofen ist überheizt. Die Kinder sind so eng zusammen gepfercht, dass jedes, so seinen Platz verlassen oder an denselben zurückkehren will, über Stühle, Tische und Bänke steigen muss.
Es braucht keine grosse Phantasie um sich vorzustellen, wie gross der Erfolg dieser Schulbildung war, zumal die Schulmeister keine eigentliche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten hatten, gering geachtet wurden und ständig um den Lohn, durch die Eltern aufgebracht, bangen mussten.
Jeder Landschulmeister hatte lediglich eine Prüfung zu bestehen. 1832 wurden 200 Lehrer geprüft. 75 davon mussten auf Grund der schlechten Resultate abgesetzt werden.
Jakob beschreibt in seinem Buch «Siebenmal sieben aus meinem Leben» wie er als 14-Jähriger die Suche nach einem neuen Lehrer erlebte.
«Es kam die zweite Hälfte des Winters von 1815. Es gab neuen Schnee und damit bekamen wir auch einen neuen Schulmeister; denn der alte hatte im Sommer resigniert, weil man seine Verdienste um die Jugend nur mit Teufels Dank belohne. Er habe seine besten Jahre, Gesundheit, Geld und Gut dabei geopfert und doch habe niemand mit ihm zufrieden sein wollen. …
Man fragte und forschte hin und her, aber jeder der um diesen Posten angegangen wurde, erwiderte: Er würde sich schämen wie ein Hund, Schulmeister zu sein. Sie seien ja überall ein Spott der Leute. …
Endlich nach vielem Suchen, zeigte sich einer, er war ein blutarmer Mann im vorgerückten Alter, der sich in selbiger Zeit mit Hausieren in Kurzwaren abgegeben hatte. Da urteilten die Leute und sprachen: «Aber sollen wir diesen zum Schulmeister wählen? – Er kann freilich sehr gut und schön und so hoch hinauf singen wie keiner. Er kann auch geigen; aber du lieber Himmel! Er geigt ja Tänzli, ist Spielmann auf Jahrmärkten und allen Tanzböden, und was das Erschröcklichste an der Sache ist, er liebt das gottlose, verfluchte Kartenspiel - ist ein fauler Spieler. – Und was ist ein Spieler? – Ein Fresser, Säufer, Betrüger und ein fauler Hund.- Nein da sei Gott vor, einen solchen Schulmeister wollen wir nicht. …
– So redeten die Leute und hatten nicht unrecht. Der fragliche Aspirant musste trotzdem angestellt werden, weil kein anderer und auch kein besserer sich melden wollte, musste aber geloben, sein Leben lang nicht mehr zu kärtlen. Am nächsten Sonntag begann er seinen Unterricht mit der Singschule. Das Schullokal war eine Bauernstube, bewohnt von einer Familie mit acht Kindern.»