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«Ich muss Sie darauf aufmerksam machen», sagte der junge Mann an der Kasse eines Kinos in London, «dass die erste Geschichte des Films, zu dem Sie eine Eintrittskarte erwerben möchten, ziemlich genau einer realen Tragödie entspricht, die sich kürzlich abgespielt hat. Wenn Ihnen dies zu nahe gehen sollte, sollten Sie sich den Film nicht anschauen.» Als Fiktion, meinte ich, würde ich die Sache wohl aushalten. «Und diese Frage», fragte ich noch, «müssen Sie jetzt allen potenziellen Zuschauern stellen?» Ja, bestätigte er, wegen möglicher Schadenersatzklagen.
Der Film begann dann in einem Flugzeug, in dem die Passagiere allmählich merken, dass sie alle in der Vergangenheit mit demselben eher unangenehmen Menschen zu tun gehabt haben, worauf eine Flight-Attendant herbeistürzt und mitteilt, dass ebendieser Mensch zum Flugpersonal gehöre, gerade den Piloten mittels eines Vorwands aus dem Cockpit geschickt und die Türe verriegelt habe und jetzt auf keinerlei Klopfen mehr reagiere. Sogleich geht das Flugzeug in Sinkflug über, Schnitt auf ein älteres Paar im Garten in Liegestühlen, zunehmender Motorenlärm, und dann stürzt das Flugzeug riesenhaft und frontal in den Garten und auf uns.
Die anfängliche Beklemmung verscheuchte ich durch die Beruhigung, dass es sich um vorauseilende Fiktion handle. Der 2014 gedrehte Film des argentinischen Regisseurs Damián Szifron, der in der Schweiz Anfang des Jahrs unter dem Titel «Wild Tales – Jeder dreht mal durch» gelaufen ist, reiht dann im selben absurden Gestus fünf weitere wilde Geschichten aneinander. Hier setzte sich die Kunst nicht mit realen Vorbildern auseinander und suchte nicht nach darzustellenden Gründen; sondern sie imaginierte, ohne die Verhältnisse durchsichtig machen zu wollen, und doch verriet sich in den slapstickartigen Gewalttätigkeiten auch jenseits der Hinweise auf korrupte Verhältnisse eine zugespitzte gesellschaftliche Lage.