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Der eisige März, der weite Teile Europas fest im Griff hat, ist ebenso eine Folge des Klimawandels wie andere, stetig zunehmende Wetterextreme
Klimawissenschaftler haben die gewaltigen Schneestürme und eisigen Temperaturen, die noch immer in weiten Teilen Europas und Nordamerikas herrschen, mit dem dramatischen Schwund an arktischem Eis in Verbindung gebracht. Sowohl die Ausdehnung wie auch das Volumen des Meereises, das sich in jedem Jahr im Arktischen Ozean bildet und wieder schmilzt, sind im vergangenen Herbst auf ein historisches Tief gefallen und Satellitenaufnahmen, die das National Snow and Ice Data Centre (NSIDC) in Boulder, Colorado am Montag vor zwei Wochen veröffentlicht hat, zeigen, dass die Ausdehnung des Eises auch gegenwärtig nahe am Minimum dessen liegt, was für diese Jahreszeit üblich ist.
«Das Meereis verschwindet rapide. Im Vergleich zu vor 30 Jahren ist es um 80 Prozent zurückgegangen – ein dramatischer Verlust. Das ist ein Symptom der Erderwärmung und trägt seinerseits zu der verstärkten Erwärmung der Arktis bei», sagt Jennifer Francis vom Rutgers Institute of Coastal and Marine Science.
«Die Eisschmelze beeinflusst den Jetstream und führt zu den extremen Wettern.»
Francis und eine wachsende Zahl anderer Wissenschaftler sind überzeugt, dass der Verlust des arktischen Eises zu der Erwärmung von Meer und Atmosphäre beiträgt und so die Position des Jetstreams verändert – jenes sich in grosser Höhe bewegenden Luftstroms, der Sturmsysteme steuert und das Wetter in der nördlichen Hemisphäre massgeblich bestimmt.
«Die Eisschmelze beeinflusst den Jetstream und führt zu den extremen Wettern, die wir in mittleren Breiten erleben. Sie ermöglicht der kalten arktischen Luft, viel weiter nach Süden zu gelangen. Es ist möglich, dass sich das Wetter nur sehr langsam ändert, weil der südliche Ausläufer des Jetstream grösser wird und gegenwärtig fast eine Rekordposition erreicht hat.»
Vergangenes Jahr vor kaltem Winter gewarnt
Francis hat den Temperaturanstieg in der Arktis mit den extremen Wettern des vergangenen Jahres in Zusammenhang gestellt und warnte im September, dass die Rekordschmelze des Meereises von 2012 zu einem kalten Winter in Grossbritannien und Nordeuropa führen könnte.
Unterstützung für diese These erhielt sie von Wladimir Petoukhow, Professor für Erdsystemanalyse am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Seine Forschungen legen nahe, dass die diesjährige Eisschmelze die Richtung des Jetstreams verändern könnte: «Die Eismenge befand sich letztes Jahr auf einem Rekordtief und ist jetzt in manchen Teilen der Arktis wie der Labrador- und Grönlandsee äusserst gering. Dies könnte die Ursache für die Entwicklung von Hochdruckgebieten sein.»
Der starke Schneefall und die eisigen Temperaturen, die den März 2013 in der nördlichen Hemisphäre gekennzeichnet haben, stehen in starkem Kontrast zu der Tatsache, dass viele Länder den wärmsten Frühling aller Zeiten erleben. Die These, dass Windmuster sich ändern, weil das schmelzende Eis der Arktis grosse Bereiche des Ozeans, die normalerweise zugefroren sind, der Atmosphäre aussetzt, erkärt nach Ansicht der Wissenschaftler sowohl die extreme Kälte als auch die extreme Wärme.
«Wenn aufgrund der Eisschmelze mehr Sonnenenergie in den Arktischen Ozean gelangt, gibt es Grund zu der Annahme, dass sich in Europa mehr extreme Wetter ereignen.»
Ein jüngst veröffentlichtes Paper der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) der US-Regierung kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die erhöhte Erwärmung der Arktis das Wetter in der nördlichen Hemisphäre beeinflusst hat. «Wenn aufgrund der Eisschmelze mehr Sonnenenergie in den Arktischen Ozean gelangt, gibt es Grund zu der Annahme, dass sich in Nordamerika und Europa mehr extreme Wetter wie extremer Schneefall, Hitzewellen und Überschwemmungen ereignen», sagen die Wissenschaftler.
Auch der scheidende Chefberater der britischen Regierung in Umweltfragen, Sir John Beddington, warnte vor dem Hintergrund eines möglichen Zusammenhangs zwischen der arktischen Eisschmelze und extremen Wettern vor «mehr Dürren, Überschwemmungen und Stürmen» und sprach von einer «grossen Dringlichkeit» bei der Bekämpfung des Klimawandels. «Diese Art von Veränderungen betreffen uns sehr kurzfristig. Die nördliche Hemisphäre hat im vergangenen Jahr sowohl Hitze-Niederschlagsrekorde als auch Dürren und Überschwemmungen erlebt.»
(Copyright: Guardian News & Media Ltd 2012; Übersetzung: Holger Hutt, freitag.de.)