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- Kategorie: Arktis / Forschung & Umwelt
- Februar 08, 2008
Ein russischer Astronom prophezeit eine baldige Kaltzeit. Er begründet seine Theorie mit der Sonnenaktivität. Klimaforscher halten diese für unwahrscheinlich.
Kaum hatten neu entstandene Sonnenflecken im Dezember 2008 den Beginn eines neuen Solarzyklus signalisiert, begann eine neuerliche Debatte über die Rolle der Sonne im irdischen Klimageschehen. In der Diskussion meldete sich nun der russische Astronom Khabibullo Abdusamatow vom Pulkovo-Observatorium in St. Petersburg zu Wort. In der Mitte des Jahrhunderts, so prophezeit er, sei eine neue «kleine Eiszeit» zu erwarten. Dies war eine Periode relativ kühlen Klimas, die von Anfang des 15. bis in das 19. Jahrhundert hinein anhielt. Damals herrschten in Europa und Nordamerika bitter kalte Winter und regenreiche, kühle Sommer.
Die durch Treibhausgase verursachte globale Erwärmung, argumentiert Abdusamatow, habe in der Zeit von 1998 bis 2005 ihren Höhepunkt erreicht, danach erwärmte sich die Welt nicht mehr. Das Jahr 2007 sei in etwa ebenso warm gewesen wie 2006, und die Temperaturen beider Jahre hätten ungefähr dem Durchschnittswert der vorangegangenen Jahre seit 1998 entsprochen. Der Grund dafür sei, dass die Sonne in dieser Zeit das Minimum ihres elfjährigen Aktivitätszyklus durchlaufen habe. In dieser Phase verringerte sich die eingestrahlte Sonnenenergie.
Angeblicher Stillstand der Erderärmung
Dies beweise, so Abdusamatow, dass nicht die Treibhausgase, sondern die Sonne die treibende Klimakraft ist. Denn obwohl die Konzentration des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der vergangenen Dekade um vier Prozent zunahm, sei die globale Erwärmung praktisch zum Stillstand gekommen. «Hätte die globale Durchschnittstemperatur direkt auf diesen Anstieg reagiert», sagt der russische Klimaskeptiker, «hätte sie um mindestens 0,1 Grad ansteigen müssen. Das ist aber nicht geschehen». Ebenso wenig sei 2007 das heisseste Jahr in diesem Jahrzehnt gewesen, wie viele Klimaforscher geweissagt hatten.
Dem setzt Abdusamatow eine eigenen Klimaprognose entgegen: In diesem Jahr sinke die Temperatur leicht, und in den folgenden Jahrzehnten nehme die fallende Tendenz zu, selbst wenn die CO2-Emissionen weiter steigen. Ursache sei die Sonnenaktivität. Zwar steigt diese im Moment wieder an. Doch neben dem elfjährigen gibt es einen weiteren Sonnenzyklus von 200 Jahren Dauer. Dieser erreicht laut Abdusamatow im Jahr 2041 ein Minimum. Dann sinke auch die von unserem Mutterstern zur Erde gestrahlte Energie auf einen Minimalwert. Als Folge davon würde eine neuerliche Kälteperiode beginnen, vergleichbar mit dem Maunder-Minimum in der Kleinen Eiszeit (benannt nach dem britischen Astronomen Edward Maunder), das von 1645 bis 1715 anhielt. In dieser Phase erschienen auf der Sonne nur 50 Flecken, gegenüber den für einen solchen Zeitraum normalen 40 000 bis 50 000 Flecken.
Wachsende Eiskappen an den Polen
Allerdings werde die neue Kaltzeit erst ab 2055 mit voller Wucht einsetzen und 45 bis 65 Jahre anhalten. Die Verzögerung wird durch die «thermische Trägheit» der Ozeane bewirkt. Die in ihrem Wasser gespeicherte Wärme hält die Abkühlung unseres Planeten noch einige Jahre auf. «Dann aber müssen wir mit wachsenden Eiskappen an den Polen rechnen, anstatt mit einem steigenden Meeresspiegel», erklärt Abdusamatow. Die Kälteperiode werde über 80 Prozent der Weltbevölkerung in ökonomischer oder sozialer Hinsicht beeinträchtigen.
Damit setzten sich Abdusamatow und sein belgischer Kollege Dirk Callebaut, der ebenfalls eine neuerliche Kaltphase erwartet, in Gegensatz zur überwiegenden Mehrheit der Klimaforscher. «Wir haben keinen Anhaltspunkt dafür, dass es so kommen wird, und selbst wenn, genügt es nicht, die globale Erwärmung zu kompensieren», urteilt der Klimatologe Mojib Latif vom Geomar-Forschungszentrum der Universität Kiel. «In der Kleinen Eiszeit war es gegenüber heute um 0,6 bis 0,7 Grad kühler. Wir rechnen bis Ende des Jahrhunderts aber mit bis zu fünf Grad Temperaturzunahme. Das ist eine ganze Grössenordnung mehr. Deshalb könnte eine verringerte Sonneneinstrahlung die erwartete Erwärmung allenfalls verzögern». Überdies belegen mehrere Studien von Sonnenforschern, dass die Schwankungen der Sonneneinstrahlung zu schwach sind, um das Klima signifikant zu beeinflussen. So beträgt der Unterschied zwischen Maximum und Minimum eines elfjährigen Zyklus etwa 0,1 Prozent der Strahlungsintensität. Dies genügt nicht, um die Erderwärmung im 20. Jahrhundert zu erklären. Die Strahlungswirkung der vom Menschen emittierten Treibhausgase ist inzwischen um ein Mehrfaches stärker. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau etwa stellten fest, dass die mittlere Sonnenfleckenzahl seit 1940 ausserordentlich hoch ist. Daraufhin verglichen sie den Verlauf von Sonnenaktivität und Erdtemperatur für die vergangenen 150 Jahre. Wie sich zeigte, verliefen beide Kurven in den ersten 120 Jahren im Einklang. Dann aber entkoppelten sie sich: Während die Erdtemperatur rasant anstieg, erhöhte sich die Sonnenleuchtkraft kaum. Würde der Solarzyklus das Klima tatsächlich dominieren, hätte sich die Erde jedoch auch in den letzten 30 Jahren im Takt mit der Sonne wieder abkühlen müssen.
Eine weitere Untersuchung von Astrophysikern aus Deutschland, der Schweiz und den USA, kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Forscher hatten die Veränderungen der Sonnenleuchtkraft unter die Lupe genommen. Wiederum zeigte sich, dass sie in der gemessenen Periode seit 1978 gerade 0,1 Prozent betrug. Zudem ergaben Berechnungen mit Computermodellen, dass die Sonne zumindest seit dem 17. Jahrhundert keine grosse Rolle bei Klimaveränderungen gespielt haben dürfte.
Angeblich wird es ein Grad kälter
Dies bedeutet, dass die Kleine Eiszeit eben nicht durch die Aktivität unseres Tagesgestirns, sondern durch andere Faktoren ausgelöst wurde. «Tatsächlich ist das eine unserer Schlussfolgerungen», erklärt Henk Spruit vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching, ein Mitautor der Studie. «Ausserdem scheint die Kleine Eiszeit nach heutigem Wissen ein ziemlich lokales Ereignis in der Nordatlantikregion und in Europa gewesen zu sein. Dies ist nicht vergleichbar mit der heutigen globalen Erwärmung» Auch im Maunder-Minimum sei die Sonne ungefähr so hell gewesen wie bei den normalen Fleckenminima, bei denen sich ihre Leuchtkraft gegenüber dem Durchschnittswert um etwa 0,04 Prozent verringert.
Selbst Khabibullo Abdusamatow konzediert, dass die von ihm prognostizierte Kaltzeit nicht ganz so schlimm ausfallen werde wie das Maunder-Minimum, in dem die Temperaturen in der Spitze um bis zu 1,2 Grad absanken. «Die globale Durchschnittstemperatur», sagt er, «wird sich um maximal ein Grad Celsius abkühlen. Die kältesten Jahre in der Mitte des 21. Jahrhunderts werden damit wärmer sein als am Ende des 17. Jahrhunderts»
Ouelle: Fokus / Michael Odenwald