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Viele geben nicht zu, dass sie gelegentlich «Eins rauchen». Aus gutem Grund, denn einerseits ist dies immer noch verboten, andererseits reagiert nach wie vor ein grosser Teil der Bevölkerung mit Abwehr auf das Kiffen. Und doch ist es immer wieder eine Frage: Wie viele Menschen kiffen denn in unserem Land?
Wenn man Umfragen macht und die Leute fragt, ob sie kiffen, bekommt man nur teilweise die Wahrheit zu hören. Es gibt solche, die ohne weiteres Auskunft geben über ihren THC-Konsum. Andere hingegen erzählen nicht einmal nahen Freunden von ihrer Vorliebe. Trotzdem gibt es verschiedene Studien, die versuchen herauszufinden, wie viele Kiffende es eigentlich gibt. Das erste Problem dabei ist natürlich: Wer ist ein Kiffer oder eine Kifferin? Muss man dafür täglich mindestens 22 Joints rauchen, oder reicht für dieses Etikett auch ein Joint alle 2,5 Wochen? Oder ein Hasch-Guetzli pro Jahr? Die meisten Studien behelfen sich mit folgenden Fragestellungen.
Entweder wird gefragt, ob man in seinem Leben schon je einmal gekifft hat (also Haschisch oder Gras konsumierte). Diese sogenannte Lebenszeitprävalenz sagt natürlich nichts aus über den aktuellen Konsum. Eine solche Frage ergibt als Antwort, ob jemand irgendwann einmal Erfahrungen mit THC gemacht hat, oder noch nie damit in Kontakt kam.
Oder es wird gefragt, ob man in einer bestimmten Zeitspanne (zum Beispiel heute, diese Woche, diesen Monat, in den letzten zwölf Monaten) konsumiert hat. Damit erfährt man etwas über den Konsum in letzter Zeit.
Und schliesslich kann man die Leute auch fragen, wie häufig sie Cannabis konsumieren: Nie? Jährlich? Monatlich? Wöchentlich? Täglich? Mehrmals täglich? So fragt man nach dem konkreten, aktuellen Konsummuster einer Person.
Das Bundesamt für Statistik (BfS) führt seit 1992 alle fünf Jahre eine Umfrage durch, bei der verschiedene Fragen zur Gesundheit gestellt werden. Dies ist eine sehr umfassende Studie; befragt wurden 31’000 Haushaltungen. 19’700 Personen willigten ein, über ihre Situation Auskünfte zu geben. Dabei wird auch nach dem Konsum von psychoaktiven Stoffen, seien diese legal oder illegal, gefragt. Jetzt liegt die dritte Studie (nach 1992 und 1997) für das Jahr 2002 vor. Die Studie fragte bezüglich Cannabis-Konsum: «Konsumierten Sie im Jahr 2002 Haschisch oder Marijuana?». Darauf antworteten 4,7 Prozent der Befragten mit Ja. Das ergibt hochgerechnet auf die ganze Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 64 Jahren 225’000 Personen. Bei den Männern lag der Anteil bei 6,6 Prozent, bei den Frauen bei 2,9%. Dies entspricht recht gut dem Erfahrungswert, dass auf zwei Männer, die kiffen, eine kiffende Frau kommt. Dabei können wir in den letzten zehn Jahren eine Verdopplung der Raten sowohl bei den Männern wie bei den Frauen feststellen.
Die Prozentuale Häufigkeit des Cannabiskonsums nach Geschlecht (in der Gesundheitsstudie des Bundesamtes für Statistik) sieht dann folgendermassen aus:
Auf der linken Seite sehen wir die Grafik der Gesundheitsbefragung des BfS. Auf der rechten Seite haben wir die Ergebnisse einer Studie des Link-Instituts im Auftrag der Coop-Zeitung abgebildet. Wenn wir die beiden Studien vergleichen, fällt Folgendes auf. Dem BfS haben 4,7 Prozent angegeben, dass sie im Jahr 2002 gekifft haben. Bei der Coop-Umfrage gaben dagegen 7 Prozent an, «auch heute noch Haschisch oder Cannabis zu rauchen». Der Unterschied ist gewaltig; rund 50 Prozent mehr . . .
In den einzelnen Altersgruppen sind die Unterschiede ebenso gross – auch wenn man diese nicht direkt vergleichen kann, weil das BfS fünf Altersgruppen angibt und die Coop-Umfrage nur deren drei. Man erkennt trotzdem, dass bei dieser Umfrage in allen Altersklassen mehr Leute angegeben haben, dass sie kiffen. Wenn man die 7 Prozent von der Coop-Umfrage hochrechnet, kommt man auf rund 350’000 Personen, die in unserem Land kiffen. Gegenüber den 225’000 Personen bei der BfS-Umfrage. Wo liegt jetzt die Wahrheit? Nun, letztlich kennt diese niemand. Ein grosser Teil der Kiffenden gibt sicher keine ehrliche Antwort, wenn nach dem Cannabis-Konsum gefragt wird. Immerhin ist dieses Verhalten strafbar – es dürfte also eine grosse Dunkelziffer geben. So bleibt einem nichts anderes übrig als zu schätzen – und kommt dann auf etwa 500’000 Kiffende in der Schweiz, die mindestens alle paar Wochen mal an einem Joint ziehen. THC-LiebhaberInnen, die täglich am Joint ziehen, gibt es allerdings sehr viel weniger.