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Fruchtbare, gefährliche Landstriche
Gefäss:
Viele der stark besiedelten Gebiete liegen in Hochrisikozonen für Erdbeben. Dies zeigt eine neue Weltkarte, die Geographen der Universität Sheffield entwickelt haben. Allerdings haben sie dafür keine Fakten, sondern Zeugenberichte der letzten rund 4000 Jahre ausgewertet.
Quelle:
Views of the World/Hennig
Die Karte zeigt die Dichte und Stärke von seismischer Aktivität seit 2150 v.Chr. bis heute – in einer Projektion auf eine Karte, die die Bevölkerungsverteilung der Welt zeigt.
Erhoben wurden alle grösseren Ereignisse, die sich durch Todesopfer, finanzielle Schäden, durch eine Magnitude von mindestens 7,5, durch einen Tsunami oder durch eine historisch überlieferte subjektive Wahrnehmung kennzeichnen. Auf Grund dieser Wahrnehmungen wurden Stärke und Häufigkeit der Beben errechnet und auf eine entsprechende Karte übertragen. Damit zeigt diese nicht nur, wo das höchste Erdbebenrisiko herrscht, sondern auch wo die meisten Menschen diesen Gefahren ausgesetzt sind. Dabei kamen die Wissenschaftler zum Schluss, dass viele der extrem dicht besiedelten Gebiete zu den Hochrisiko-Zonen für Erdbeben gehören. Das gilt besonders für Regionen am Pazifik wie etwa Japan, Taiwan, Philippinen, Indonesien, Kalifornien, Mittelamerika und die Andenregion. „Viele hochaktive Erdbebenregionen sind wie Magnete für den Menschen. Oft sind sie küstennah oder besitzen Vulkane, die mittelfristig für sehr fruchtbare Böden sorgen. In Regionen, die von der Natur auf andere Weise benachteiligt werden - etwa Wüsten und Gebirge - wohnt hingegen kaum jemand“, erklärt Benjamin Hennig, Forscher im „Worldmapper“-Projekt und Autor des Kartografie-Blogs „Views of the World“.
Lissabon, Messina und Basel
Auch in Europa ist Erdbebenrisiko ein Thema. An der Grenze zwischen der europäischen und der afrikanischen Platte gab es bereits verheerende Beben, allen voran jenes von Lissabon 1755 und von Messina 1908. Auch der Mittelrheingraben kann eine Erdbebengeschichte vorweisen, wenngleich diese von geringerer Natur ist. Allgemein bekannt ist hier etwa das Erdbeben von Basel im Jahre 1356, von dem man annimmt, dass es wahrscheinlich eine Stärke von 6,7 auf der Richterskala hatte. Auch wenn viele Menschen Europa sich für einen Ernstfall gut vorbereitet glauben, zeigt das Beispiel Japan, dass Naturrisiken trotz guter Vorbereitung nie vollständig kalkulierbar sind.
Japan, Pazifikküste der Hauptinsel Honshu. (Bild: Views of the World/Hennig
Aus aktuellem Anlass widmen die Forscher eine besondere Karte Japan. Sie zeigt die Einwohnerverteilung des Inselstaates, die ihn besonders verletzlich für Naturkatastrophen macht. „Am dichtesten besiedelt sind die Regionen an den Küsten und Niederungen. 80 Millionen. Einwohner, über 60 Prozent der Gesamtbevölkerung des Inselstaates, leben auf der Pazifikküste der Hauptinsel Honshu. Zusätzlich zur Erdbebengefahr droht hier immer auch jene des Tsunamis, der die Wirkung der Beben noch verstärkt", sagt Benjamin Hennig. Auch die Tiefe des Ozeanbodens wurde in der Karte berücksichtigt, weil er über die Ausprägung von Tsunamis entscheidet. (mai/mgt)