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Das Coronavirus ist in die Welt der Kinder vorgedrungen: Samichlaus und Schmutzli mussten am Sonntag online gehen. Sie haben im Waldhüsli ein TV-Studio eingerichtet und die Kinder virtuell besucht. Maurin und Mireille auf dem Küsnachterberg fanden das «mega läss».
Sie ist mehr als nur ein bisschen aufgeregt, seit Monaten sammelt die kleine Mireille ihre Nuggis, sieben Stück hat sie schon beisammen. Mireille, die bald drei Jahre alt wird, hat die Gummi-Lutschdinger zu einer hübschen Kette zusammengebunden und früh am Morgen, als es draussen noch dunkel war, in den Briefkasten gelegt.
Der Samichlaus werde sie dann holen, hat das Mami gesagt, er werde dafür etwas anderes hineinlegen, etwas gaaaanz Schönes. «Was de?», wollte Mireille wissen, aber s Mami hat nur die Augen verdreht und mit den Schultern gezuckt: «Das weiss nume de Samichlaus.» «Und villicht», mutmasst Maurin, «villicht au no de Schmutzli.»
Maurin gibt sich cool; er ist ja auch schon doppelt so alt wie seine Schwester und sein Autöli-Park ist zehnmal grösser als Mireilles Nuggi-Sammlung. Er sitzt neben seiner Schwester auf Papis Bürostuhl und starrt gebannt auf den Bildschirm. «S letscht Mol isch er no richtig zu ois hei cho», erinnert er sich. «Aber das goht jetzt leider nüm!» – «Warum?» – «Eifach», meint Maurin, das sei wie im Frühling, «do hämmer d Frau Zindel vom Chindsgi au nume no am Compi gseh!»
«Lueg do!» Mireille zeigt auf den grossen Screen. «Do sinds – de Samichlaus und de Schmutzli!»
Punkt 15.45 Uhr, wie vereinbart – und tatsächlich: Plötzlich erscheinen eine hölzige Wand, ein Fenster mit Vorhängen und im Cheminée ein knisterndes Feuer. Davor sitzen der Samichlaus und der Schmutzli, sie wollen die Kinder begrüssen, aber ihr «Hoi zäme! Hoi Maurin, hoi Mireille!» geht unter in der lautstarken Deklamation der Kinder.
Maurin und Mireille: «Sami Niggi Näggi, hinterem Ofe steck i, gimmer Öpfel, Nuss und Bire, de chumm i wieder füre!»
Samichlaus: «Das isch de schön, dass ihr mich grad miteme Sprüchli begrüessed, danke vill mol. Gsehnt ihr, was de Schmutzli gmacht hätt? Dur de Schnee isch er gange, tüüf im Wald go Holz hole, und dänn hätt er das schöni Füürli gmacht. Jetzt müemer nöd früüre im Waldhüsli.»
Maurin: «S hätt gschneit, dusse isch chalt.»
Mireille: «S hätt ganz vill Schnee.»
Samichlaus: «Wüssed ihr au, was me mit däm Schnee alles cha mache?»
Maurin: «Schneebölle!»
Schmutzli: «Und wa no?»
Mireille: «Schlittle!»
Schmutzli: «Und en Schneemaa! Händ ihr no kän Schneemaa gmacht, mit sonere Rüeblinase, für de Samichlaus?»
Maurin und Mireille schütteln den Kopf.
Schmutzli: «De müender aber pressiere; wänn d Sunne chunnt, isch er wäg, no vor dass de Samichlaus oien Schnemaa gseh hätt!»
Ein gutes Dutzend Samichläuse und Schmutzlis der St.-Nikolaus-Gesellschaft haben am vergangenen Wochenende die Kinder in der Stadt Zürich und der näheren Umgebung besucht – zumindest virtuell über eine «Zoom»-Verbindung. «Es war kein einfacher Entscheid», bedauert Karin Diefenbacher, die Präsidentin der Samichläuse. «Aber schliesslich mussten wir einsehen, dass die Pandemie keine andere Möglichkeit zulässt.»
Samichlaus-Chef Siegfried Bosshard zieht Bilanz: «Immerhin konnten wir 86 virtuelle Besuche absolvieren.» Das sind zwar zehnmal weniger als die Zahl der – coronadeutsch müsste man sagen: «Präsenz-Feiern» – in früheren Jahren. «Aber esser als gar nichts», sagt Präsidentin Diefenbacher. «Wir haben immerhin vielen Kindern eine Freude machen können.»
Sie strahlen aus einem grossen Bildschirm den Samichlaus und den Schmutzli an, die ihrerseits vor einem grünen Hintergrund sitzen. Hinter einer Trennwand studiert André Weigold zwei Laptop-Screens, er verschiebt die Regler an einem Mischpult und montiert das Cheminée-Feuer im Hintergrund und die rot und braun gewandeten Gestalten im Vordergrund zu jenem Trugbild, das die Kinder zu Hause sehen.
«Als ich hörte, dass der Samichlaus die Familien nur über Zoom besuchen wird, bot ich ihm meine Hilfe an», sagt der Geschäftsführer der Event-Firma Creatronic. «Wir haben das Know-how und das technische Equipment, das der Samichlaus braucht, um die Kinder wenigstens optisch via Zoom zu erreichen.»
Gebannt hören Maurin und Mireille dem Samichlaus zu, der gerade vom Schmutzli erzählt. Keiner könne so gute Grittibänzen backen, schwärmt er.
Samichlaus: «Und de goht er au no go Waldbeeri sueche und macht e Waldbeeri-Konfi – weisch wie gut das isch ufem Grittibänz!»
Maurin: «Ich han au scho en Grittibänz bache!»
Samichlaus: «Jo ... ganz elei?»
Maurin: «Zäme mit em Mami.» Er hält eine Zeichnung vor den Bildschirm: «Und das isch für dich!»
Samichlaus: «Ouu – so en schöne Vogel! Danke!»
Maurin: «Das isch en Kakadu!»
Schmutzli: «Weisch wa: De Kakadu chönntisch ines Couvert stecke, de schriibsch ‹Für den Samichlaus im Waldhüsli› druff und bringsches uf d Poscht!»
Und dann öffnet der Schmutzli sein dickes rotes Buch, und die Kinder werden ganz still.
Schmutzli: «Do inne stoht, wie lieb ihr sind und was ihr alles guet gmacht händ. Zum Bispil, dass de Maurin von elei d Zähnli putzt und au scho ganz elei zum Bus für in Chindsgi cha laufe.»
Der Bub lächelt verlegen.
Schmutzli: «Aber do stoht au, dass er mängmol mit em Schwöschterli striited.»
Maurin: «Aber si au!»
Samichlaus: «S wär schön, wänn ihr bis zum nöchschte Johr friedlich sind mitenand. De chan i villicht wieder richtig zu oi cho! Und jetzt chönnt er emol abe go und luege, ob öppis im Briefchaschte isch für oi.»
Sagts – und weg ist das Bild.
Maurin rennt in die Küche, öffnet den Kühlschrank, holt ein Rüebli aus dem Gemüsefach und läuft hinaus in den Garten, wo schon die Dämmerung hereinbricht. Und Mireille steht bereits unten vor dem Briefkasten. Tatsächlich – die Nuggi-Kette ist nicht mehr da. Dafür aber zwei Chlaussäckli mit Guetsli und Schökeli. Und noch etwas – ein Päckli.
Mireille trägt es auf den Stubentisch, packt eine kleine Puppe aus – und strahlt übers ganze Gesicht: «D Iisprinzessin Elsa!»
«Und ich?», schmollt Maurin – und schnappt sich Mireilles Säckli. «Was hät de Samichlaus gseit?», tadelt s Mami. «Ihr sölled doch nöd striite ...»
Nach dem Zähneputzen, im Bett, nimmt Mireille ihre Elsa in den Arm und sagt: «Ich glaub, dä isch gliich richtig do gsi – wägem Briefchaschte!»
Am nächsten Morgen steht ein grosser Schneemann im Garten. Er hat eine dicke gelbe Nase.