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Kurze Geschichte des Röntgen
1895-1901
1901-1945
1901 Röntgen erhält den Nobelpreis.
Röntgen erhält in Stockholm aus den Händen des Schwedischen Kronprinzen den Nobelpreis für Physik. Er war der erste Preisträger der bis heute jährlich verliehenen Auszeichnung.
Erste Röntgenausstellung mit Beteiligung der Firmen Reiniger, Gebbert & Schall, Siemens & Halske, C.H.F. Müller, AEG, Hirschmann u.a.
Max Planck führt das Wirkungsquantum (h) in die Theorie der elektromagnetischen Strahlung ein.
Die Substanz Lipiodol wird erstmals erwähnt. Erste Beschreibung von Lipiodol, zunächst als Therapeutikum. Die ölige Substanz wird bis heute als Kontrastmittel für spezielle Fragestellungen (insbesondere in der Leberdiagnostik) eingesetzt.
1902 Die Schritte zur Strahlentherapie
Nicholas Senn und Pusey weisen in Chicago günstige Veränderungen des Blutbildes sowie ein Schrumpfung der leukämischen Drüsenschwellung durch Bestrahlung nach.
Der Wiener Radiologe Guido Gutknecht entwickelt ein Meßinstrument zur Bestimmung der verabreichten Strahlendosis, das Chromoradiometer.
Abdominelle Pneumographie. Dem Chirurgen Kelling gelingt in Dresden die erste Pneumographie (Verwendung von Luft als Kontrastmittel) des Retroperitoneum, mit der beispielsweise die Oberflächen der Nieren beurteilt werden können. Später erwirbt Kelling sich große Verdienste um die Laparaskopie. Kelling kommt bei den schweren Luftangriffen auf Dresden 1945 ums Leben.
W.J.Morton führt die erste Myombestrahlung durch.
1903 Erste Erkenntnisse zu Strahlenschäden
H. Ernst und Albers-Schönberg berichten über die unterschiedliche Strahlensensibilität der Gewebe. Dem Hamburger Radiologen Heinrich Albers-Schönberg gelingt der Nachweis somatischer Schäden am Hoden von Kaninchen.
Bleiglasplatten und Schutzhandgriffe am Durchleuchtungsschirm zum Schutz des Untersuchers vor Röntgenstrahlen
Heinecke begründet die Strahlenhämatologie
Cleaves fürht die erste intrauterine Applikation von Radium durch
1904 Zunahme der Strahlenerkrankungen.
Clarence M. Dally, der Assistent von Thomas A. Edison, Erfinder des Fluoroskops, verstirbt an den Folgen der Strahlenbelastung. Bei diesen Pionieren der ersten Stunde begannen die Symptome zumeist an der linken Hand (beim Rechtshänder) mit deren Hilfe die Schärfentiefe des Fluoroskops eingestellt wurde.
Es werden die ersten Anweisungen zum Strahlenschutz erstellt. William H. Rollins, Zahnarzt aus Boston, veröffentlicht ein Buch über Strahlenfolgen und „Strahlenschutz“. Heute wird er als Pionier des Strahlenschutzes angesehen, damals findet es kaum Beachtung.
Perthes verwendet zur Erhöhung der Tiefendosis Filter und die Mehrfeldbestrahlung
Hermann Rieder führt die erste Kontrastmitteldarstellung des Magen-Darm-Traktes mit einer Breimahlzeit durch.
1905 Gründung der Deutschen Röntgengesellschaft.
Das Jahr der Gründung der Deutschen Röntgengesellschaft, der erstne Arthrographie (Darstellung eines Gelenkraumes) des Knies, bei Luft als Kontrastmittel in das Gelenk injiziert wurde.
Entwicklung der retrograden Pyelographie (Darstellung des Nierenbeckenkelchsystems). Als Kontrastmittel wurde eine kolloidalen Silberlösung verwendet, die hoch nierentoxisch ist.
Bergonié und Tribondeau beschreiben das nach ihnen benannte strahlenbiologische Gesetz: Die Strahlensensibilität der Zelle ist von ihrer reproduktiven Aktivität und dem Grad ihrer Differenzierung abhängig.
1906 Erste experimentelle Bronchographie
In diesem Jahr erfolgte die erste Darstellung der Luftwege an Versuchstieren mit einem iodhaltigen Puder, welches über einen Katheter verabreicht wird.
1908 Erste Katheterangiographie
Versuche zur Angiographie des Herzen, erste kardiale Angiographie (Darstellung des Herzgefäßsystems) an Leichen nach intravenöser Injektion einer Öl-Bismuth-Suspension.
Insbesondere junge Ärzte fühlen sich zur neuen Fachrichtung Radiologie hingezogen. Befragung der Mitglieder der Amerikanischen Röntgengesellschaft: Die meisten Mitglieder sind auffallend jung (Diplom zwischen 1896-1903). Nur 20% praktizieren ausschließlich die Radiologie. 50% betreiben nur Röntgendiagnostik, 30% gleichzeitig Röntgendiagnostik und Strahlentherapie. Einführung des Kontrastmittels Barium-Sulfat für die Magendiagnostik
1912 Wabenblende und Glühkatodenröhre
Erste Wabenblende nach Gustav Bucky. Sie ist als " Streustrahlenraster" noch heute zur Reduzierung von Streustrahlen unverzichtbar. Max von Laue beschreibt die elektromagnetische Natur der Röntgenstrahlen.
W. D. Coolidge entwickelt die Glühkathodenröhre.
1913 Streustrahlenraster
G. Bucky entwickelt das bewegliche Streustrahlenraster. Erste Röntgenaufnahme von Mammakarzinomen im Präparat
1919 Erste Pneumenzephalographie
W. Dandy führt die erste Pneumonenzephalographie durch.
1921 Erse Myelographie
Myelographie mit dem öligen Kontrastmittel Lipiodol durch Jean-Athanase Sicard und Jacques Forestier
Durchführung der ersten Cholegraphie (kontrastverstärkte Darstellung der Gallenblase). Die Gallenblase wurde transhepatisch punktiert, eine silberhaltige Lösung injiziert und Luft zum Erzielen eines Doppelkontrastes hinzugefügt.
1922 Die erste Tomographie
Bocage entwickelt die Tomographie.
1923 Erstausgabe von Radiology
Erste Ausgabe des "Radiology", dem bis heute weltweit bekanntesten, radiologischen Fachblatt.
1924 Erste intravenöse Cholegraphie
Durchführung der ersten intravenösen Cholegraphie. Erste erfolgreiche Kontrastierung der Gallenblase, Gallenwege und Gefäße nach intravenöser Gabe eines Kontrastmittels.
1927 Erste zerebrale Angiographie
Erste cerebrale Angiographie (Darstellung der hirnversorgenden Blutgefäße) durch Egas Moniz, Portugal. Das Kontrastmittel wird direkt in die Arteria Carotis (Halsschlagader) eingespritzt, nachdem diese vorher operativ frei präpariert wurde. Zunächst kommen Brom- und Iodsalze als Kontrastmittel zur Anwendung, später die akut erheblich besser verträglichen Thoriumkolloide.
Erste Beschreibung der klinischen Mammographie durch Otto Kleinschmidt (Leipzig)
1928 Drehanode
Einführung der Drehanode
1929
Uroselectan, das erste intravenöse Urographikum, Arthur Binz (1868-1943) erfindet in Berlin „per Zufall“ das erste intravenöse Kontrastmittel zur Darstellung der ausscheidenden Harnwege. Die Geburtsstunde der Ausscheidungsurographie, Erstbeschreibung durch Moses Swick. Die iodhaltige Substanz (Uroselectan) sollte eigentlich zur Behandlung der Syphilis eingesetzt werden.
Forssmann gelingt der Rechtsherzkatheter. Werner Forssmann (1904-1979) führt in Berlin in einem Selbstversuch die Katheterisierung des rechten Herzens durch. Hierzu verwendet er einen Uretherkatheter und das iodhaltige Kontrastmittel Uroselectan. Für diese bahnbrechende Entwicklung wird ihm 1956 der Nobelpreis für Medizin verliehen.
Thorotrast - ein Irrweg. Erste Veröffentlichung, wonach das akut gut verträgliche Thoriumkolloid (Thorotrast) nicht ausgeschieden werden kann. Außerdem strahlt die Substanz lebenslang Alpha-Strahlung aus, was zu malignen Tumoren führt.
J.C. dos Santos führt die erste abdominale Angiographie durch.
1930 Erste Galaktographie
Erste Galaktographie (Darstellung der Milchgänge der weiblichen Brust) mit Lipiodol durch Emil Ries
A. Bouwers entwickelt die Drehanode.
1931 Erste Myelographie mit wasserlöslichem Kontrastmittel
Myelographie mit wasserlöslichem Kontrastmittel. Abrodil (Skiodan) ist das erste wasserlösliche Myelographie (Darstellung des Rückenmarks)-Kontrastmittel. Die sehr schmerzhaften und nicht ungefährlichen Entzündungsreaktionen an den Meningen (Hirnhäute) verhindern eine weite Verbreitung.
1933 Arthrographie im Doppelkontrast
Arthrographie mit Doppelkontrast. Erste Doppelkontrast-Arthrographie des Knies mit Luft und Uroselectan. Diese Technik erlaubt erstmals eine sehr genaue Darstellung der Menisken.
Erste Röntgenröhre für 400 kV (Röntgenkugel)
1936 Erste klinische Tomographie
Erste klinische Tomographie in Cleveland (Ohio, USA). Bei der Tomographie handelt es sich um eine Technik, mit der definierte Körperschichten, die von anderen Strukturen überlagert werden, dargestellt werden können.
1937 Erste PTC
Perkutane Cholangiographie (PTC), erste nicht-chirurgische, transhepatische (durch die Leber geführte) Cholangiographie mit Lipiodol.
1938 Erste Phlebographie
Erste Beschreibung der Phlebographie zur Darstellung der tiefen Beinvenen
1939 Darstellung des Gastrointestinaltraktes
Kontrastdarstellung des Dünndarms, Barium-Enteroklyse des Dünndarms. Bislang war die radiologische Darstellung des Dünndarms nach oraler Kontrastmittelgabe unbefriedigend. Der Durchbruch brachte die Verwendung einer von oral vorgeschobenen Dünndarmsonde, über die sowohl Bariumsulfat als auch Luft verabreicht wurde, um eine Doppelkontrastierung zu erreichen. In abgewandelter Form hat diese Untersuchung bis heute ihren klinischen Stellenwert behalten.
1940 Erste orale Cholegraphie
Durchführun der ersten oralen Cholegraphie (Priodax: Erstes oral zu verabreichendes Gallenblasenkontrastmittel (Cholegraphikum).
1945 Tuberkulose
Bekämpfung der Tuberkulose. Nach dem zweiten Weltkrieg beginnen in vielen Ländern umfassende Thorax-Screening Untersuchungen, um der Volkskrankheit Tuberkulose Herr zu werden. Dabei kommen vielfach mobile Untersuchungseinrichtungen zum Einsatz.
Darstellung der Koronarien
Anwendung der Hartstrahltechnik
1951-1977
1951
Neue Kriterien in der Mammographie. Raul Leborgne (Uruguay), beschreibt die Mikrokalzifikationen, welche auf einen Mammatumor hinweisen können.
1953
Entwicklung der Seldinger-Nadel. Der schwedische Radiologe Sven Ivar Seldinger entwickelt die nach ihm benannte Seldinger-Nadel. Diese erlaubt eine einfache perkutane (durch die Haut) Gefässpunktion, vorzugsweise der Arteria femoralis (Beinarterie), und begründet damit die Geburtsstunde der modernen Angiographie (Darstellung von Blutgefässen). Die Seldinger-Nadel wird bis heute bei nahezu jeder Angiographie (in Seldinger-Technik) verwendet.
Weiterentwicklung der Cholegraphie. Biligrafin: Erstes intravenöses (über eine Vene verabreichtes) Cholangiographikum. Im Vergleich zur oralen Kontrastmittelgabe kann auch eine akute Cholezystistis, wie sie beim akuten Verschluss der Gallenwege durch einen Stein auftreten kann, dargestellt werden.
Blattfilmwechsler und Rollfilmwechsler mit bis zu 8 Bildern pro Sekunde für die Angiographie
1955
Einsatz von Urokon als erstes wasserlösliches orales Kontrastmittel. Diese Entwicklung war dringend notwendig, da Bariumsulfat beim Verdacht auf Perforation des Darmes kontraindiziert ist (Gefahr schwerster peritonealer Entzündungsreaktionen). Die starke Hyperosmolarität führte allerdings zu anderen schweren Nebenwirkungen, so dass die Substanz nur sehr eingeschränkt verwendet wurde.
Einführung von Röntgenbilderverstärker-Systemen
1956
Nobelpreis für Werner Forssmann. Nobelpreis der Medizin für Werner Forssmann für seine Pionierarbeit zur Herzkathederuntersuchung.
1957
Erste Koronarangiographie. Erste Koronarangiographie (Darstellung der Herzkranzgefäße) am Menschen nach Arteriotomie der Arteria brachialis (Armarterie) und retrogradem Kathedervorschub. Um den schnellen Kontrastmittelabfluß durch die Aorta zu verhindern, wird versucht, die Aorta (Hauptschlagader) kurzzeitig mit einem aufblasbaren Ballon zu verstopfen. Einige Untersucher versuchen gar, einen kurzzeitigen Herzstillstand durch Gabe von Acetylcholin zu erreichen.
1959
Einführung des Kontrastmittels Gastrografin. Das bis heute eingesetzte orale iodhaltige Kontrastmittel Gastrografin wird erstmals verwendet. Herausragend sind seine einfache Anwendung und seine gute Verträglichkeit.
Thrombolyse. Erste klinische Thrombolyse mit Urokinase. Bei der Thrombolyse wird versucht, eine Verstopfung von Gefäßen (Thrombus) unter Einsatz von Medikamenten aufzulösen. Thromben sind häufig Ursache für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Verstopfung von Körperarterien.
1961
Erste Linksherzkathederisierung nach transfemoraler (über die Beinarterie) Punktion der Arteria femoralis durch Ricketts und Abrams. Nachdem die Arterie punktiert worden ist, wird ein Katheter über die punktierte Arterie zum Herzen vorgeschoben. Durch Verwendung spezifischer Katheder können die Koronargefäße (Herzkrankgefäße) selektiv angespritzt und unter Einsatz von Kontrastmitteln auf Röntgenbildern dargestellt werden. Diese Methode hat sich permanent weiterentwickelt und ist heute noch die vorherrschende Methode zur Darstellung der Herzkranzgefäße.
1962
Mammographie-Screening. Robert L. Egan beschreibt den ersten Einsatz der Mammographie (Darstellung der weiblichen Brust) als Screeninguntersuchung.
1968
Durchführung der ersten perkutane Angioplastie (PTA).
1972
Computertomographie (CT). Erste Vorstellung der durch G. N. Hounsfield entwickelten Computer-Tomographie (CT). Nobelpreis 1979.
Okuda in Japan entwickelt den flexiblen „Chiba“-Katheder. Mit diesem wird das Risiko von Gefäßverletzungen und Galleleckagen bei der perkutanen transhepatischen Cholangiographie (PTC) deutlich verringert.
1975
Nicht-ionisches Myelographikum. Metrizamide (Amipaque) wird als erstes klinisch verwendbares, wasserlösliches, nicht-ionisches Myelographikum entwickelt. Maßgebend an der Entwicklung beteiligt ist der Schwedische Radiologe Torsten Almén. Das Kontrastmittel findet schnell auch in der Angiographie Verbreitung.
Einführung der digitalen Subtraktionsangiographie (DSA), zunächst als intravenöse DSA, später zur besseren Darstellung der arteriellen Angiographie.