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Auf Wunsch mehrerer User werden wir euch in Zukunft darüber aufklären, wie es um den Wahrheitsgehalt der erzählten Anekdote steht.
Überlieferung der Legende
Die Figur Päpstin Johannas wird von der heutigen Geschichtswissenschaft als Legende angesehen. Es gebe kein reales historisches Vorbild für sie.
Überliefert ist die Legende seit dem 13. Jahrhundert, erst erscheint sie als namenlose Päpstin, die im 11. Jahrhundert gelebt haben soll (zu finden in der Chronica universalis Mettensis
des Jean de Mailly und im Tractatus de diversis materiis predicabilibus
des Stephan von Bourbon).
Der Dominkanermönch Martin von Troppau verlegte die Legende in seiner Chronik der Päpste und Kaiser
ins 9. Jahrhundert und dichtete Johanna die Niederkunft während einer Prozession an. Alle späteren Erzählungen der Päpstin beziehen sich auf seinen Bericht.Entstehungshypothesen1.
Die Legende der Päpstin Johanna könnte eine Satire sein auf den echten Papst Johannes VIII. (regierte von 872–882), der angeblich weibische Eigenschaften besass. Diese kamen angeblich besonders zur Geltung, als er sich im Streit mit dem byzantinischen Patriarchen weich und allzu kompromissbereit zeigte.2.
Die Legende der Päpstin Johanna könnte ihren Ursprung in der starken Frauengestalt der Marozia
haben, der Mutter von Papst Johannes XI., der die eigentliche Macht hinter dem Papstthron nachgesagt wurde. 3.
Die Gasse, in der Johanna ihre angebliche Sturzgeburt erlitt, heisst tatsächlich vicus Papessa
, doch wurde sie nicht nach der Päpstin, sondern nach der dort residierenden Adelsfamilie Papes
benannt. Ausserdem wurde sie nicht gemieden wegen Johannas Niederkunft, sondern weil sie für Prozessionen schlicht zu eng war. Die Inschrift P.P.P.P.P.P bezog sich auf das sich dort einst befindliche Heiligtum des Mithraskultes und bedeute demzufolge nicht Papa, pater patrum, peretit papissa papellum
, sondern Petre, Pater Patrum, proprie pecunia prosuit
. Also Petrus
(geläufiger Name), Vater der Väter
(Pater Patrum ist ein Titel eines Hohepriesters), stellte die notwendigen Mittel zur Verfügung
(proprie pecunia prosuit). Die Inschrift enthüllte folglich nicht die Niederkunft einer Päpstin, sondern erinnerte bloss an die Weihung eines Mithraspriesters namens Petrus.4.
Die sella stercorata
(Kotstuhl) gab es zwar, aber sie wurde nicht fürs Ertasten der pästlichen Hoden genutzt. Möglich, dass es sich dabei um ein missverstandenes Aufstiegsritual bei der Papstkrönung handelte: Dabei musste ein neugewählter Papst der Reihe nach auf verschiedenen Stühlen Platz nehmen, angefangen beim Kotstuhl. UND JETZT SCHAUT DEN FILM!
Er heisst «Pope Joan» (2009), ist von Sönke Wortmann und basiert auf dem gleichnamigen historischen Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross.