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Projektinformationen: Besuch einer Christoffel-Blinden-Mission (CBM)-Vertreterin in Riberalta
Eine bekannte, neutrale Stelle wie die CBM bewertet unsere Schule positiv.
Warum besucht die CBM die Gehörlosenschule in Riberalta?
In Gemeinschaft 1/2000 Wer ist CBM haben wir die Christoffel-Blinden-Mission vorgestellt. Die CBM ist bereit, unsere Schule zu unterstützen. Vorher hat sie eine Mitarbeiterin nach Riberalta geschickt. Die Frau sollte abklären, ob unsere Schule gut geführt ist und Unterstützung verdient. Im Herbst 1999 war diese Mitarbeiterin bei Andreas Kolb. Sie hat das Centro Arca angeschaut und einen sehr guten Bericht darüber geschrieben. Dank diesem Bericht bekommt die Schule jetzt finanzielle Hilfe von der CBM. Für uns von der CGG natürlich eine sehr willkommene Entlastung. Die CGG-Spenden allein genügen heute nicht mehr für alles. Im Jahr rechnen wir jetzt mit Kosten von rund 20 000 US Dollar. Das ist viel für die CGG, vor allem jetzt gerade, beim hohen Dollar-Wechselkurs.
Beatriz Raymann, Inspektorin der CBM aus Equador (rechts) zu Besuch bei Andreas Kolb
Der Bericht der CBM-Mitarbeiterin war in Englisch geschrieben. Tim Allen hat ihn für uns auf Deutsch übersetzt. Wir danken Tim vielmals dafür. Der Bericht ist sehr gut und eine grosse Ermutigung für uns.
Eine bekannte, neutrale Stelle wie die CBM bewertet unsere Schule positiv. Das freut uns. Es ist eine Bestätigung, dass wir mit dem Projekt etwas Gutes machen. Und es bestätigt vor allem, dass Andreas Kolb sehr gut arbeitet. Wir drucken den Bericht voll ab.
Bericht der Christoffel Blindenmission, Büro Laro, Quito, Ecuador über die Gehörlosenschule ‹Arca Maranatha› in Riberalta, Bolivien
Berichterstatterin: Beatriz Rayman
Datum des Besuchs: 23./24. September 1999
Anwesend in der Diskussion: Andreas Kolb, Vorsteher, Sara Kolb, Ehefrau, Edith Ramirez, Vorsteherin der Schule Maranatha, Antonio Olmos Tibubay, Lehrer
Zur Orientierung:
Maranatha - Schule für hörende Kinder mit ca. 650 SchülerInnen.
Arca Maranatha - Schule für gehörlose Kinder mit derzeit 16 eingeschriebenen SchülerInnen.
Geschichtlicher Hintergrund - Jetztige Situation:
Riberalta ist eine Stadt mit 60-90 000 Einwohnern am Zusammenfluss der beiden Flüsse Madre de Dios und Beni. Gegründet im Jahre 1894, wird ihr nachgesagt, sie sei die Hauptstadt des bolivianischen Amazonasgebietes. Zwischen 1979 und 1993 existierte dort eine Gehörlosenschule unter dem Namen LOGOS. Die zwei damaligen Lehrer verliessen jedoch die Schule, um nach Holland respektive nach Cochabamba, Bolivien, zurückzukehren. Von 1993-1998 war die Gehörlosenschule geschlossen. 1998 wurde sie wieder eröffnet mit 9 SchülerInnen. Der Name wurde geändert, und sie wurde unter der Leitung von Andreas Kolb, einem Gehörlosen aus der Schweiz geführt. Er ist verheiratet mit Sara (Bolivianerin), auch gehörlos. Das Paar hat zwei Kinder: Josua (3) und Noé (7 Monate).
Die unterstützende Organisation ist die Christliche Gehörlosengemeinschaft der Schweiz - CGG CH. Den administrativen Teil der Operation erledigt die Schweizerische Missions-Gemeinschaft - SMG.
Schulklassen
Zur Zeit sind die 16 eingeschriebenen Kinder zwischen 5 und 15 Jahre alt. Es gibt vier Stufen, aber nur zwei Klassen, eine bestehend aus zwei verschiedenen Kindergartenstufen, die andere eine erste und zweite Klasse in einem. Der Unterricht findet in einem Zimmer statt.
Drei Lehrer und eine Lehrerhilfe bilden das Schulpersonal: Andreas Kolb, gleichzeitig Direktor, Frau Fanny Pérez, Frau Delmira de Nuñez, Frau Dilma Méndez Sanchez, die Lehrerhilfe.
Einige der Lehrer sind professionell ausgebildet für den Gehörlosenunterricht. Frau Fanny kommt von Cochabamba und bringt Erfahrung von der dortigen Gehörlosenschule mit.
Herr Kolb ist sozio-kultureller Animator von Beruf. Sein Wissen auf diesem Gebiet gründet auf der Tatsache, dass er selbst ein Gehörloser ist und als Gehörlosenlehrer sowie auch als Lehrerhilfe arbeitet. Bevor die Schule letztes Jahr eröffnet wurde, bereitete sich die Gruppe sechs Monate lang auf die Aufgaben vor.
Die Methode ist die manuelle Erziehungsphilosophie, wo einzig die Gebärdensprache für die Instruktion und die Kommunikation zur Anwendung kommt.
Dies steht in Übereinstimmung mit den neusten Empfehlungen der Forschungsstätten für Gehörlosenbildung, welche besagen, dass ein Kind zuerst die eigene Muttersprache, d.h. die Gebärdensprache erlernen sollte, um später die Lautsprache dazu zu lernen.
Niemand vom Personal ist derzeit bereit, mit der Entwicklung der lautsprachlichen Fähigkeiten zu beginnen wie Aussprache, von den Lippen ablesen, Sprachübungen und dergleichen, verwandt mit der lautsprachlichen Kommunikation. Die Kinder benützen auch keine Hörgeräte.
Es gibt in der Region keinen Audiologen/Akustiker. Es ist deshalb auch nicht möglich, den Hörrest respektive den Schweregrad der Gehörlosigkeit zu ermitteln.
Die Klassen werden in sehr ordentlicher Manier geführt. Herr Kolb hat ein ausgezeichnetes Talent für die Führung der Klassen und der Schule. Die Kinder sind gepflegt und ordentlich angezogen, scheinen auch glücklich und zufrieden zu sein. Die Atmosphäre in dieser kleinen Schule ist ausserordentlich friedsam.
Die Kinder sind sauber und tragen Uniformen. Schule und Umschwung sind tadellos sauber und gut organisiert, trotz der extrem armen Verhältnisse rundum.
Die gehörlosen Kinder haben sehr gut gehaltene Notizbücher, Klassenzimmer- und Hausaufgabenmaterial. Die Unterrichtsmethode mag ein wenig traditionell und konservativ sein, aber das Hauptziel ist im Moment, den Kindern die Gelegenheit zu geben, die Gebärdensprache zu erlernen.
Was die administrative Struktur betrifft, ist die Gehörlosenschule der Schule Maranatha unterstellt, einer Institution mit ca. 660 Schülern, laut Auskunft der Leiterin der Schule, Frau Edith Ramirez.
Das Prozedere für die gesetzlichen Grundlagen ist noch nicht abgeschlossen, doch die Regierung ist über die Eröffnung der Arca Maranatha in Kenntnis gesetzt, und die Schule ist in der Stadt Riberalta schon sehr bekannt geworden, wie Frau Ramirez uns berichtet.
Zurzeit erhält die Schule keine staatliche Unterstützung, im Gegensatz zu den meisten Schulen in Bolivien, wo der Hauptteil der Löhne für das Schulpersonal vom Staate getragen wird. Herr Kolb ist aber zuversichtlich und hofft, dass sich das in Zukunft noch ändern wird.
Was die Integration der Gehörlosen betrifft, ein Punkt, der in einem der Berichte über Arca Maranatha vorgebracht wurde, so glaube ich, dass es verfrüht ist, darüber zu diskutieren. Die Kinder sind jetzt seit einem Jahr in dieser Schule und in der Anfangsphase des Lernprozesses. Drei von ihnen wurden einmal zur Ausbildung nach Cochabamba gesandt, aber wieder zurückgebracht wegen fehlender Finanzen. Andere wiederum waren in anderen Schulen untergebracht oder gingen mit Hörenden zur Schule.
Eine Form der Integration findet doch statt, nämlich am Mutter- und Vatertag oder bei anderen Gelegenheiten. Es gibt auch Pläne, nächstes Jahr einen der Lehrer (hörend) der Schule Maranatha zu engagieren, Antonio Olmos Tibubay. Im Rahmen eines Ausbildungsprogrammes absolviert er via Fernstudium an einen Hochschulabschluss als Pädagoge.
Das Gehörlosenzentrum «Arca Maranata» in Riberalta, mit der neuen Wohnung von Andreas Kolb im ersten Stock.
Wir überquerten die Strasse, um Herrn Olmos beim Unterrichten kennen zu lernen und ich glaube, dass er das Arca Maranatha Team nächstes Jahr ideal ergänzen wird. Er hat mit Herrn Kolb auch schon zwei Stufen in der Gebärdensprache absolviert.
Integration
Und noch ein anderer Aspekt zum Thema Integration: Um die Weiterbildung zu fördern, gäbe es die Möglichkeit, diese Gehörlosen der Region Riberalta in die höheren Klassen mit den Hörenden zu schicken, mit der Hilfe von Gebärdendolmetschern und Hilfslehrern.
Dolmetscher müssten natürlich ausgebildet werden. Morgens könnten Gehörlose den Unterricht mit den Hörenden an der Schule Maranatha besuchen und am Nachmittag in die Arca Maranatha gehen zum Stützunterricht. Man wird sehen, ob dafür genug professionelles Personal und die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden können. Frau Ramirez zeigt Interesse für die Gehörlosenschule und scheint willig zu sein, die Schule und die Idee der Integration zu unterstützen.
Im Hof des Gehörlosen-Zentrums «Arca Maranata»: Alle Dächer sind neu!
Erwachsene Gehörlosen
Gehörlose Erwachsene treffen sich einmal wöchentlich donnerstags, und ich hatte die Gelegenheit, an einem solchen Treffen teilzunehmen. Circa 15 Leute erschienen am Treffen. Herr Kolb beginnt mit einem Gebet und verteilt dann verschiedene Spiele wie Schach und Dame usw. zu ihrer Unterhaltung. Danach erteilt einer der gehörlosen Lehrer eine Lektion über die Gebärdensprache.
Diese Anstrengungen haben zum Ziel, einen allgemeingültigen, regionalen Standard für die Gebärdensprache einzuführen. Ich bin überzeugt, dass solche Treffen von grossem Wert sind für die gehörlose Gemeinschaft. Selbstbewusstsein und Selbstachtung werden gestärkt.
Da Herr Kolb, der Leiter der Schule, selber auch gehörlos ist, wird die Wirkung noch um einiges erhöht. Herr Kolb plant zudem, jeweils am Samstagnachmittag eine Stunde in Hauswirtschaft durchzuführen, wo die Frauen über gesundes Kochen informiert werden. Sie sollen lernen, ihren Speisezettel mit Früchten und Gemüse zu ergänzen um ihre Kinder richtig zu ernähren.
Eltern
Eltern kommen einmal monatlich zur Schule. Gemäss Herrn Kolb sind die Eltern sehr zufrieden mit dem Einfluss der Schule auf ihre Kinder. Herr Kolb bringt den Kindern auch das Grundwissen über das Verhalten in der Gesellschaft bei. Sie lernen auch über Hygiene und wie man sich richtig kleidet. Er glaubt, dass es noch viele gehörlose Kinder gibt im Region. Viele Eltern schämen sich jedoch deswegen. Andere leben weit entfernt in der ‹Campo›. Die Eltern werden gebeten, einen kleinen finanziellen Beitrag zu leisten: ca. 170 Bolivianos /34 US Dollar.
Gebäude
Herr Kolb hat sein Wohnhaus fertiggestellt und ich hatte das Privileg, die erste Person zu sein, die es benutzen durfte. Die Familie hatte geplant, am Tag nach meiner Abreise einzuziehen. Das Haus ist zweistöckig mit einer Garage im Erdgeschoss, einem ‹Trockenraum› mit Klimaanlage für die Geräte, und einem Zimmer, welches später in zwei Klassenzimmer eingeteilt werden kann. Im Obergeschoss ist die Wohnung der Familie Kolb.
Budget
Herr Kolb informierte mich, dass sich am ursprünglichen detaillierten Projektvorschlag von der CGG nichts geändert habe. CBM LARO hat eine Kopie davon. Die Kosten belaufen sich auf Total 21 100 US Dollar jährlich. Zurzeit sind alle Informationen zum Budget vorsichtige Schätzungen, da die Schule immer noch im ersten Jahre ist. Ich glaube, dass im Laufe der Zeit die Aufwendungen etwas höher ausfallen werden.
Probleme
Wie immer in einem solchen Fall, stützt sich auch in diesem Projekt auf den Leiter, Herr Kolb und seine Frau Sara ab. Sie planen einen 4-monatigen Urlaub, und jemand aus der Schweiz wird kommen, um sie abzulösen.
Empfehlungen an den Partner
Herr Kolb muss für seine grossartigen Leistungen gelobt werden. Meine Verbesserungsvorschläge bezogen sich auf die Methodik, und es waren nur wenige.
So erklärte ich ihm zum Beispiel die Erfahrungsmethode für gehörlose Kinder. Es wurde ihm ferner auch vorgeschlagen, dass zukünftig eine Person eingeladen werden sollte, die die Kinder lautsprachlich unterrichtet.
Vielleicht könnte jemand auch audiologische Tests an ihnen durchführen, um den Schweregrad ihrer Gehörlosigkeit zu ermitteln. Passende Hörgeräte und Batterien müssten zur Verfügung gestellt werden. Da hier der Verdienst sehr tief ist, wäre niemand imstande, das zu bezahlen.
Empfehlungen an CBM
Ich würde definitiv empfehlen, dass CBM diese Schule unterstützt.
Sie ist unbedingt notwendig für diese gehörlosen Kinder und ihre Familien in dieser Region.
Herr Kolb hat eine ungemein positive Einstellung. Er hat eine fröhliche Natur, ist ein intelligenter, junger Mann und vollbringt eine wunderbare Leistung in diesem Teil der Welt.
Ich glaube auch, dass es für ihn von grossem Nutzen wäre, wenn er andere Gehörlosenschulen besuchen würde. Ich schlage vor, dass er für eine Woche nach Concordia Porto Alegre kommt, vielleicht sogar in Begleitung einer seiner Lehrer. Was die Kommunikation betrifft, muss noch gesagt werden, dass Herr Kolb auf Deutsch spricht und von den Lippen liest, und die deutsche und bolivianische Gebärdensprache beherrscht. Er braucht professionelle, technische und finanzielle Unterstützung.
PS: So wie die Schule heute strukturiert ist, empfehle ich, dass Personen, die in Zukunft an dieser Schule arbeiten, deutschsprachig sein müssen oder die bolivianische Gebärdensprache beherrschen müssen.
(Unterschrift)
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