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(3058 m) und mit dem Jamthalgletscher durch die Ochsenscharte (3000 m).
Die Samnaungruppe zieht sich vom Fimberpass über den Bürkelkopf (3036 m), den Gribellakopf (2897 m), den Hexenkopf (3038 m), den Furglerspitz (3007 m) etc. nach NO. bis Landeck, gehört aber nur in ihrem sw. Teil der Schweiz an. Imposanter als dieser Haupt- und Grenzkamm ist ein kürzerer Seitenzweig, der das Samnaunthal im S. begrenzt und dem die gewaltigen Felsstöcke des Stammerspitz (3258 m), Muttler (3298 m) und Piz Mondin (3147 m) angehören. Der Muttler insbesondere ist einer der hervorragendsten Aussichtspunkte des Unter Engadin.
Die dem Paznaun zugekehrte Abdachung und zum Teil auch die Kammhöhe der Hauptkette besteht aus krystallinen Schiefern, der grösste Teil der s. Abdachung und das Muttlergebirge, wie auch die benachbarte Gruppe des Piz Minschun bis zum Val Tasna hauptsächlich aus Bündnerschiefer, über dessen Alter die Ansichten noch immer weit auseinander gehen, der aber von den Schiefern der Viamala und des Schyn kaum verschieden ist. Damit verbunden sind mesozoische Sedimente von ostalpiner Ausbildung (Dolomit, Rauchwacke, Gips, Sandsteine der Trias, auch Tithon), dann ophiolithische Eruptiva (Serpentin in grossen Stöcken, Diorit, Spilit, Variolit, Gabbro und Diabas) und einzelne kleine Schollen von Granit und Gneis. Die Bündnerschiefer sind stark gefaltet und fallen unter die übrigen Gesteine ein, die sich decken-, lappen- und schollenförmig darüber ausbreiten oder auch senkrecht daneben stehen. Das Ganze scheint ein Ueberschiebungs-, Aufbruch- und Klippengebiet zu sein ähnlich demjenigen des Rätikon und Plessurgebirges.
Der Rätikon ist in seinem Hauptkamm ein prächtiges Kalk- und Dolomitgebirge, dessen über grüne Vorberge hochaufragende, weissschimmernde Wände namentlich in der Abendbeleuchtung einen unvergleichlichen Anblick gewähren und lebhaft an die Dolomiten von S.-Tirol erinnern. Wenige Glieder der n. Kalkalpen zeigen auf so kleinem Raum eine solche Mannigfaltigkeit des Reliefs und eine so ausgeprägte Originalität der Gipfelbildung wie der Rätikon. Besonders fallen die imposanten Gestalten des Falknis (2566 m), der Scesaplana (2969 m), der Drusenfluh (2829 m), der Sulzfluh (2820 m) und der Rätschenfluh (2707 m) auf, die gleich riesigen Bastionen mit fast senkrechten Wänden abfallen und oft plateauartige, firngekrönte Scheitelflächen tragen.
Die Scesaplana gehört infolge ihrer Höhe und vorgeschobenen Lage zu den ersten Aussichtspunkten Graubündens. Aber auch Falknis, Sulzfluh und Madrishorn werden viel besucht. Von den meist rauhen und hohen Jochübergängen werden von Touristen am häufigsten benutzt das Cavelljoch (2238 m), das Schweizerthor (2151 m), das Drusenthor (2350 m), der Grubenpass (2235 m) und das St. Antönierjoch (2375 m). Der Formenreichtum des Rätikon beruht auf dem Zusammentreffen verschiedener geologischer Bildungen.
Die meist sanft gestalteten grünen Vorberge bestehen aus weichen Tonschiefern (oligocänem Flysch), deren Schichten stark gefaltet und nach NW. übergekippt sind, die hohen Felswände vom Falknis bis zur Scesaplana aus Kreide-, Jura- und Triasgesteinen in ostalpiner Ausbildung, die weissen Mauern von den Kirchlispitzen bis zur Rätschenfluh aus Tithon (oberstem Jura) und der zackige Grat des Osträtikon vom Plasseggenpass bis zum Madrishorn (2830 m) aus Gneis und krystallinen Schiefern, wobei immer die ältern Gesteinsgruppen auf die jüngern, also die mesozoischen Kalke auf die tertiären Schiefer, die altkrystallinen Schiefer auf das Mesozoikum (Tithon) geschoben sind. In der Falknisgruppe scheinen sogar vier bis sechs liegende Falten übereinander geschoben zu sein, wobei aber diese Falten durch Verwitterung und Abtragung grossenteils zerstört und zerstückelt und darum nur noch in Form einzelner Schollen und Klippen übrig geblieben sind.
Der Rätikon stellt nach dieser Auffassung hier im O. ein ähnliches Schollen- und Klippengebirge dar wie die Stockhornkette und die Voralpen des Chablais im W. Beide Schollengebiete sind verbunden durch die Klippenregion der Giswilerstöcke, des Stanser- und Buochserhorns, der Mythen und der Iberger Klippen. Ueber die Casanna bei Klosters hängt die Schollen- und Klippenregion des Rätikon zusammen mit derjenigen des Plessurgebirges, mit welchem sie auch das Vorkommen von ophiolithischen Aufbruchgesteinen gemeinsam hat. So findet sich Spilit n. vom Grauspitz in der Falknisgruppe, Serpentin und Spilit am Schwarzhorn n. von der Sulzfluh. Zum Klippencharakter passen endlich mehrere kleine Gneisschollen inmitten der Sedimente wie am Geissspitz n. von der Drusenfluh und am Grubenpass ö. von der Sulzfluh.
5. Die Plessurgruppe
umschliesst das Flussgebiet der Plessur und wird begrenzt vom Landwasser- und untern Albulathal, vom Domleschg, Churer Rheinthal (Reichenau-Landquart), Prätigau und Wolfgangpass (Klosters-Davos). Infolge ihrer mässigen Höhen und teilweise sanften Formen hat sie einen voralpinen Charakter, wie er auch dem Rätikon und den nö. Ausläufern der Adulagruppe vom Heinzenberg bis zum Piz Mundaun zukommt. Das Plessurgebirge ist orographisch und geologisch reich gegliedert.
Als Stammstück erscheint die langgestreckte Strelakette längs dem Landwasserthal mit den aussichtsreichen Höhen der Casanna (2561 m), der Weissfluh (2848 m) und des Schiahorns (2713 m) im NO., der Thiejerfluh (2785 m) und Amselfluh (2772 m) etwa in der Mitte, dem Valbellahorn (2769 m) und Sandhubel (2768 m) weiter sw. Daran schliessen sich einerseits die Hochwangkette zwischen Schanfigg und Prätigau, andererseits das Arosergebirge zwischen dem Schanfigg und dem Thal von Parpan mit den vielbesuchten Gipfeln des Aroser Rothorns (2985 m), des Lenzerhorns (2911 m), des Parpaner Rot-, Weiss- und Schwarzhorns (2870, 2828 und 2690 m) etc. Von der Hauptmasse abgetrennt ist die Kette des Stätzerhorns (2576 m) w. vom Parpanerthal, das sich von seiner ungefähren Mitte nach N. und S. senkt. Durch dasselbe führt eine Poststrasse (1551 m) von Chur nach dem Albulathal. Die übrigen Pässe der Plessurgruppe sind blosse Fuss- und Saumpfade, von welchen der Strelapass (2377 m) von Davos nach Langwies und die Maienfelder Furka (2445 m) von Davos nach Arosa die wichtigsten sind.
Geologisch zerfällt das Plessurgebirge in zwei sehr verschiedene Teile. Die Hochwang- und Stätzerhornkette bestehen aus Bündnerschiefer von wohl meist oligocänem Alter (Flysch) wie die s. Vorberge des Rätikon. Die Strelakette und die Arosergruppe dagegen sind vorherrschend Kalkgebirge, an dem sich Perm-, Trias- und Juragesteine (Verrucano, Rötidolomit, Buntsandstein, Muschelkalk, Arlbergkalk, Raiblerschichten, Hauptdolomit, Kössenerschichten, Lias, Malm, Tithon) von ostalpiner Fazies beteiligen.
Dabei sind ältere Schichten von S. und SO. nach N. und NW. auf jüngere, insbesondere mesozoische Kalke auf tertiären Flysch geschoben, welch letzterer am N.- und W.-Fuss der Arosergruppe unter jene Kalke einfällt. Der Rand des Kalkgebirges gegen das Flyschgebirge ist infolge ungleichmässiger Abtragung ein sehr unregelmässiger, verzahnter. In den Thälern dringt der Flysch buchtenförmig weit in und unter das Kalkgebirge, während auf den weniger abgetragenen Höhen die Kalkbildungen halbinselförmig und auch in Form abgetrennter Schollen und Klippen auf den Flysch hinüber greifen.
Dazu kommen noch ältere Gesteine (Granit, Gneis, krystalline Schiefer) mitten zwischen den Sedimenten, besonders im Gebiet des Aroser Rothorns, ferner ophiolithische Aufbruchgesteine (Serpentin, Diorit, Spilit, Variolit) in stock- und schollenförmigen Massen längs der Grenzzone zwischen dem Kalk- und Flyschgebiet von Klosters über die Totalp nach Langwies, Arosa und in die Churer- und Urdenalp. Das Ganze erscheint also teils als ein Ueberschiebungs- und Klippen-, teils als ein Aufbruchgebiet, ähnlich demjenigen des Rätikon, mit welchem zusammen es das grosse no.-bündnerische Flyschgebiet im NO., O. und SO. umschliesst. Es setzt sich samt dem Bündnerschiefer auch nach S. und SW. fort, einerseits bis ins Oberhalbstein, wo die Aufbruchgesteine (besonders Serpentin, Grünschiefer und Gabbro) grosse Verbreitung haben, andererseits bis in die nö. Ausläufer der Adulagruppe, wo die Splügner Kalkberge die letzte dem Bündnerschiefer aufsitzende Scholle oder Ueberschiebungsklippe bilden und Serpentine bis ins Safienthal und Lugnez vorkommen.
6. Die Berninagruppe
s. vom Ober Engadin und Bergell und w. vom Berninapass bis zur Thalebene von ¶
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Chiavenna ist nicht die ausgedehnteste, wohl aber die höchste und schönste Gebirgsgruppe Graubündens. In Bezug auf Schönheit der Gipfelformen, wie auf Grösse und Glanz der Gletscher kann sie sich mit den grossartigsten Alpengruppen messen, obwohl sie an Höhe von den Berner und Walliser Alpen noch beträchtlich übertroffen wird. Ihre Gletscher nehmen eine Fläche von etwa 200 km2 ein, wovon auf den Abschnitt zwischen Bernina- und Murettopass rund 120 km2 kommen.
Die grössten dieser Gletscher sind der Morteratsch-, Roseg-, Fex- und Fedozgletscher auf der Engadinerseite (die zwei erstern mit je etwa 24 km2 Fläche), der Cambrena- und Palügletscher gegen den Berninapass und das oberste Puschlav, der Scerscen-, Fellaria- und Veronagletscher auf der italienischen Seite, dann w. vom Murettopass in der Albigna-Disgraziagruppe der Forno-, Albigna- und Bondascagletscher. Die längsten sind der Morteratschgletscher mit 9½ km, der Fornogletscher mit 8 km und der Roseggletscher mit 7 km. Von blendender Pracht ist besonders die stolze Gipfelreihe im Hintergrund des Morteratschgletschers: der königliche Piz Bernina (4052 m), der bescheiden zurücktretende Piz Zupô (3999 m), die im Eispanzer erstrahlenden Gipfelkämme der Bellavista (3921 m) und des Piz Palü (3912 m), der stockförmige Piz Cambrena (3607 m) und der vom Piz Bernina n. vorspringende Piz Morteratsch (3754 m). Der letztere bildet mit dem Piz Bernina, Monte di Scerscen (3967 m) und Piz Roseg (3943 m) auch den herrlichen zirkusförmigen Abschluss des Vadret da Tschierva, eines Seitenarmes des Roseggletschers.
Weiter nach W. reihen sich an die Gümels (3523 m), La Sella (3566 m), der Piz Glüschaint (3598 m), La Mongia (3419 m) und Il Chapütschin (3393 m) um den Roseggletscher, dann der Piz Tremorgia (3452 m) und der Piz Fora (3370 m) über dem Fexgletscher. In den fiederförmigen Auszweigungen ragen am meisten hervor der Piz della Margna (3163 m) am Silsersee, der Piz Corvatsch (3458 m) über dem Silvaplanersee, beides Aussichtspunkte ersten Ranges, dann der Piz Surlej (3187 m) und Piz Rosatsch (2995 m) über dem St. Moritzersee, endlich der breite Piz Tschierva (3570 m) neben dem Piz Morteratsch.
Gegen das Puschlav springen vor der Pizzo di Verona (3162 m) und weiter s. der im Veltlin als Aussichtspunkt berühmte Pizzo Scalino (3323 m) als Haupt einer besondern kleinen Gruppe jenseits des Passo Confinale (2620 m), der das Puschlav mit dem Malencothal verbindet. Unter den touristisch wichtigen Pässen sind noch zu nennen die Fuorcla Surlej (2760 m) zwischen Piz Corvatsch und Piz Surlej, die von Silvaplana nach dem Val Roseg führt, dann der Diavolezza Pass (2977 m) im Kamm des Munt Pers, der oft zu einer Rundtour von den Berninahäusern (8 km hinter Pontresina), resp. vom Berninapass zum Morteratschgletscher (Bovalhütte) und hinaus ins Pontresinerthal benutzt wird.
Bilden die Gipfel im Zentralstock der Bernina mehr breite, stockförmige, fast ganz in Eis gehüllte Massen, so gefallen sie sich in der Albigna-Disgraziagruppe w. vom Murettopass (2557 m) mehr in den Formen ausserordentlich kühn und schlank emporschiessender Türme und Nadeln, an deren Fuss die Gletscher meist, wenn auch nicht überall, scheu zurückbleiben oder nur mit schmalen Eiszungen in die zerrissenen Flanken hinauf reichen. Die Cima da Rossa (3371 m), der Monte Sissone (3334 m), die Pizzi Torrone (3333, 3270 und 3300 m), die Cima di Castello (3400 m) und die Cima di Cantone (3360 m) umstehen in grandiosem Zirkus den Hintergrund des Fornogletschers, die Pizzi di Sciora (3235 m), die Cima della Bondasca (3293 m), die Pizzi Gemelli, Cengalo und Badile (3259, 3374 und 3311 m) ebenso denjenigen des prächtigen Val della Bondasca, während der Pizzo Bacone (3249 m) und der Pizzo Cacciabella (2973 m) weiter gegen das Bergell vorgeschoben sind und der Monte della Disgrazia (3678 m) als ein gewaltiger Riese weit aus dem S. über alle seine Vordermänner herüber schaut.
Begreiflicherweise übt die Berninagruppe einen starken Reiz auf die Touristen aus, umso mehr als infolge der Höhenlage des Ober Engadin (1800 m) und der mässigen relativen Gipfelhöhen (im Maximum 2000-2200 m) hier Hochtouren ersten Ranges mit geringerer Mühe ausgeführt werden können als z. B. im Berner Oberland und Wallis. Eine Reihe hochgelegener Klubhütten tief im ¶