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Bei Erkrankungen sowie bei normalen Prozessen im Körper wird ein Wachstumsfaktor namens VEGF (vascular endothelial growth factor) aus der Netzhaut freigesetzt, um die Bildung neuer Blutgefässe anzuregen. Der Begriff VEGF steht für „vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor“. Im Krankheitsfall verursacht dieser Faktor ein Überwuchern neuer, aber oft minderwertiger Blutgefässe in der Netzhaut und den umgebenden Strukturen. Dies führt zu einem Überwuchern neuer Blutgefässe in der Netzhaut und zum Austreten von Flüssigkeit.
Auch Netzhautschwellungen und -blutungen können auftreten, insbesondere im Bereich der Makula. Anzeichen für diese Veränderung sind verzerrtes oder verschwommenes Sehen und Sehausfälle. Diese Krankheiten waren lange Zeit unheilbar oder konnten nur durch ausgedehnte Sklerosierung der Netzhaut behandelt werden. Vor etwa 15 Jahren wurde der erste VEGF-Hemmer entdeckt, der eine neue Ära in der Behandlung dieser Netzhauterkrankungen einleitete.
Was sind VEGF-Hemmer?
VEGF-Inhibitoren müssen in das Auge injiziert werden, um die Bildung neuer Blutgefässe lokal zu blockieren und bereits gebildete erkrankte Blutgefässe zu verengen. Intravitreale Injektionen werden für Medikamente verwendet, die direkt in das Auge eingebracht werden müssen, damit der Wirkstoff sich entfalten kann. Solche Injektionen sind heute sehr verbreitet. Dank dieser neuen Behandlungen können mittlerweile viele Krankheiten verbessert werden. Typischerweise müssen intravitreale Injektionen in regelmässigen Abständen von ein bis drei Monaten und über längere Zeiträume von mindestens zwei Jahren verabreicht werden. Häufige Anwendungen sind die feuchte altersbedingte Makuladegeneration, Diabetes und Schwellung der Makula (Makulaödem) nach einem Blutgerinnsel im Auge (Netzhautvenenverschluss).
Welche Wirkstoffe kommen zur Verwendung?
In der Schweiz werden derzeit die VEGF-Inhibitoren Lucentis (Ranibizumab) und Eylea (Aflibercept) eingesetzt. Bei entsprechender Indikation übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das entsprechende Medikament, in besonderen Fällen muss der behandelnde Arzt einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Die Einführung von VEGF-Hemmern bei der Behandlung von feuchter AMD hat zu einer verbesserten Sehkraft geführt, was zu einer besseren Lebensqualität für die betroffenen Personen beiträgt.
Wie werden diese Medikamente ins Auge verabreicht?
Der VEGF-Hemmer wird in den Glaskörper injiziert, damit er in möglichst hoher Konzentration im Auge wirkt. Die Augen sind vor der Injektion taub, sodass der Eingriff nicht schmerzhaft ist. Um Infektionen zu vermeiden, wird die Operation in einer sterilen Umgebung durchgeführt, normalerweise in einem Operationssaal. Die Augen werden desinfiziert und abgedeckt. Der VEGF-Inhibitor wird dann mit einer Spritze in den Glaskörper injiziert. Der Eingriff wird in der Regel ambulant durchgeführt, danach kann der Patient entlassen werden. Diese Medikamente wirken nur über einen bestimmten Zeitraum, sodass häufig wiederholte Injektionen erforderlich sind.
Die Therapie muss mehrmals in regelmässigen Abständen durchgeführt werden. Sie beginnt mit einer Reihe von drei Injektionen im Abstand von vier Wochen. Kurzfristige Nachuntersuchungen werden einige Tage nach der Injektion durchgeführt, um eventuelle Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Vier Wochen nach der Therapie, als nach der letzten Injektion führt der behandelnde Augenarzt eine grössere Untersuchung durch, um das Ansprechen auf die Behandlung zu überprüfen und um das weitere Vorgehen zu planen. Wichtig ist, Nachsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und sich an die Anweisungen des Augenarztes zu halten.
Intravitreale Injektionen erfolgen ambulant nach einer Anästhesie und sind nahezu schmerzfrei. Am Tag der Injektion tritt jedoch in der Regel eine leichte Augenreizung mit Tränenfluss und Juckreiz auf, die innerhalb von 24 Stunden verschwindet. Das Infektionsrisiko ist sehr gering, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Das wichtigste Warnzeichen einer Infektion ist ein schneller und deutlicher Sehverlust in den Tagen nach der Behandlung. In diesem Fall ist unverzüglich ein Augenarzt aufzusuchen, damit zeitnah die notwendigen Massnahmen ergriffen werden können und irreversible Augenschäden so weit wie möglich begrenzt werden.
Welche Nebenwirkungen und Komplikationen gibt es?
Sehstörungen wie verschwommenes Sehen oder kleine Bläschen im Gesichtsfeld sind häufige Nebenwirkungen, die unmittelbar nach der Injektion auftreten, aber meist innerhalb weniger Tage von selbst wieder abklingen. Manchmal trifft die Nadel beim Einstechen auf ein oberflächliches Blutgefäss, was zu Blutergüssen an der Bindehaut führen kann. Auch können intravitreale Injektionen einen erhöhten Augeninnendruck verursachen. Selten beschädigt die Spritze andere Strukturen im Auge. Wenn die Netzhaut verletzt wird, kann dies zu einer teilweisen oder vollständigen Netzhautablösung führen. Wie bei jeder Injektion können auch hier Krankheitserreger und damit Entzündungen eingeschleppt werden. Eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation ist hier die Endophthalmitis, eine Infektion im Inneren des Auges.
Insgesamt ist das Risiko einer intravitrealen Injektion von VEGF-Hemmern sehr gering. Endophthalmitis trat bei sehr wenigen Patienten nach IVOM-Behandlung auf. Eine Entzündungsreaktion auf eine Augeninfektion kann mit einer dauerhaften Sehbehinderung einhergehen. Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass eine unbehandelte feuchte AMD unweigerlich zu einer deutlichen Verschlechterung des Sehvermögens führt. Nach einer Nutzen-Risiko-Analyse überwog der Nutzen der intravitrealen VEGF-Hemmer deutlich. Wenn eine der oben genannten Nebenwirkungen auftritt, sollte umgehend ein Augenarzt benachrichtigt werden.
Worauf muss man nach der Injektion achten?
Es ist wichtig, sich bestimmter Komplikationen nach Injektionen bewusst zu sein. Wenn Symptome wie das Sehen von schwarzen Flecken oder Schatten, Flackern, verzerrte Linien oder Sehverlust bemerkt werden, muss sofort ein Augenarzt aufgesucht werden. Ausserdem ist es wichtig, die Augen in der frühen Zeit nach der Injektion zu pflegen und zu schützen. Dazu gehört das Tragen einer Sonnenbrille, da auch die Blendempfindlichkeit zunehmen kann. Das Autofahren sollte am Tag der Injektion vermieden werden, da das Sehvermögen noch beeinträchtigt sein kann. Bei leichten Schmerzen oder Fremdkörpergefühl können Feuchtigkeitstropfen Linderung verschaffen.
Prognose
Die Prognose hängt von der Grunderkrankung und deren Progression ab. Wenn beispielsweise die feuchte AMD nicht behandelt wird, kann sich die Krankheit verschlimmern, wenn das Sehvermögen weiter abnimmt. Das Krankheitsbild ähnelt diabetischen Netzhautveränderungen. Eine unzureichende Behandlung kann zu einer langfristigen Erblindung führen. Intravitreale Injektionen verbessern nicht immer sofort die Sehleistung. Um zumindest ein stabiles Sehvermögen zu erhalten, sind in der Regel regelmässige Injektionen über einen längeren Zeitraum erforderlich. Der Augenarzt wird mit seinen Patienten das beste Intervall zwischen den Injektionen besprechen. Nach der Behandlung mit einem VEGF-Hemmer sind weiterhin regelmässige Seh- und Netzhautuntersuchungen erforderlich, damit neue Ausfälle frühzeitig erkannt und erneut behandelt werden können.
Zusammenfassung
VEGF-Hemmer haben grosse Fortschritte bei der Behandlung von Netzhauterkrankungen, insbesondere der Makuladegeneration, gemacht. Bei diesen Erkrankungen der Netzhaut und des Glaskörpers des Auges wurde versucht, durch die Gabe von Medikamenten das Sehvermögen der Patienten zu verbessern oder zumindest einer Verschlechterung vorzubeugen. Wenn jedoch jemand versuchen würde, den Zustand des Auges durch die Einnahme von Arzneimitteln positiv zu beeinflussen, müsste das Medikament in so hohen Dosen verabreicht werden, dass die Nebenwirkungen auf den gesamten Organismus erheblich wären. Aus diesem Grund wurde überlegt, wie hohe Konzentrationen in den Augen erreicht und gleichzeitig der Rest des Körpers entlastet werden können. Die Lösung war die Injektion einer sehr kleinen Menge des Arzneimittels in das Auge.
Trotz der geringen Stoffmenge werden dort sehr hohe Wirkstoffkonzentrationen erreicht, während der restliche Organismus nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Bei intravitrealen Injektionen wird eine präzise Injektion von Arzneimitteln in den Glaskörper des Auges ermöglicht. Dort wirken sie besser als Medikamente zum Einnehmen oder Augentropfen. Die Injektion ist nicht schmerzhaft, da das Auge mit Augentropfen lokal betäubt wird. Die Injektionen werden mit VEGF-Inhibitoren (Lucentis, Avastin, Eylea) oder Kortison verabreicht.
Diese intravitreale Injektionen verbessern Netzhautschwellungen bei feuchter AMD, Gefässverschlüssen, diabetischem Makulaödem (DME) und Makulaödeme anderer Ursachen. Nebenwirkungen durch das Medikament sind selten. Neben seltenen schwerwiegenden Komplikationen gibt es leichte Risiken wie Bindehautentzündungen, Bindehautblutungen, Glaskörpertrübungen, Augenschmerzen, erhöhter Augeninnendruck und Tränenfluss sowie trockene Augen oder geschwollene Augenlider. Diese treten in der Regel nur vorübergehend auf.