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Wenden wir uns doch meinem Lieblingsthema zu: den falschen Anreizen in den Sozialversicherungen. Davor ist auch meine Familie nicht gefeit. Ich bin geschieden und zahle für meine beiden Kinder sowie für meine Ex-Frau Unterhaltsbeiträge.
Sollte ich jetzt ins Gras beissen, erhielte meine Familie nämlich noch viel mehr. Ich spreche nicht vom Erbe, das nach Abzug der Notariatsrechnung die Kinder erhalten würden. Ich spreche nur von den Hinterlassenenrenten aus der 1. und der 2. Säule. Ich rechne vor: Meine beiden Kinder, die noch in der Ausbildung stecken, erhielten von der AHV eine Halbwaisenrente von je 928 Franken. Und die Mutter dieser beiden Kinder erhielte 1856 Franken, insgesamt also 3712 Franken aus der 1. Säule. Zusätzlich dazu gäbe es noch zwei Kinderrenten von der Pensionskasse. Insgesamt erhielte also meine Familie über 5000 Franken pro Monat, deutlich mehr, als ich heute für Unterhaltsleistungen bezahlen darf. Dabei wäre meine Ex-Frau im Vergleich zu anderen geschiedenen Frauen nicht mal sonderlich gut bedient. Andere kriegen nicht nur aus der 1. Säule, sondern auch aus der 2. Säule, also der Pensionskasse, zusätzlich noch eine Geschiedenenwitwenrente. Dies unter der Voraussetzung, dass im Scheidungsurteil noch eine Rente oder eine Kapitalabfindung für eine lebenslange Rente zugesprochen wurde. Solche Frauen können getrost ihren Job aufgeben und den Golfkurs buchen.
Es ist nicht einzusehen, weshalb geschiedene Frauen nach dem Tod des Ex-Mannes finanziell bessergestellt sein sollen als vorher. Und vor allem sollten die Politiker nicht dauernd über den schlechten Zustand unserer Sozialwerke jammern, wenn sie gleichzeitig solche Luxuslösungen tolerieren.
Apropos falsche Anreize: Wollen wir doch hoffen, liebe Frauen, ich bringe Sie jetzt nicht auf krumme Gedanken.
Erschienen in der BZ am 19. Juli 2011