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Entstehung der Schule in Niedergesteln
Stiftung zur Finanzierung der Schule
Im Jahre 1824 hatte man in Niedergesteln noch keine Schule. Prior Christian Roten, sammelte Geld und Güter und erstellte eine Stiftungsurkunde. Nachfolgend kann der Text, mit einigem Schmunzeln, nachgelesen werden:
„Für die Pfarrei oder Priorat Niedergesteln, in welcher die Jugend lesen und schreiben lehrt durch Prior Christian Roten.
Da bisher in dieser Pfarrei keine Schule errichtet war und daher nur wenige Eltern lesen konnten und auch in der christlichen Lehre schwach unterrichtet sind (wie wollen sie da die Kinder unterrichten?) und die Pfarrei weit verzweigt ist, so dass die Kinder kaum, wenigstens im Winter, zur Christenlehre geschickt werden können, entstand notwendigerweise eine grosse Unwissenheit im Glauben. Gegen dieses Übel erachte ich kein geeigneteres Mittel als die Errichtung einer Schule. So würden die Eltern mit der Zeit fähig zu lehren und die Kinder zum Lernen gebracht. Darum mache ich einen Vorschlag für folgende Stiftung:
- Ein gewisser Schliechter Josef, gesegneten Andenkens, vergabte ein bestimmtes Haus für heilige Messen. Es wurde für 429 Pfund verkauft. Von dieser Summe verordnet der Pfarrer de Preu 212 Pfund für ein Schulfonds, doch wünschte er, dass dieses Geld in sicheren Grundstücken angelegt werde, sobald sich Gelegenheit biete.
- Zu diesem Zwecke schenkte Ignatz Zumoberhaus 30 Pfund.
- Johann, Sohn des Meier Imboden schenkte 35 Pfund.
- Aus dem Legat von Herrn Pinceri, Christian Heinen wurden 60 Pfund zugesetzt, so beträgt das Kapital 340 Pfund.
- Einen Garten in der grossen Matte beim Tirli und der Strasse gegen den Rotten. Diesen Garten vergabte Marie Theler für hl. Messen; aus bischöflicher Erlaubnis wird er der Schule zugeschrieben.
- Ich Unterzeichneter schenkte eine wilde Matte in den unteren Stadelachern von 512 Klaftern, welche ich von Kaspar Schmid kaufte. (Diese Wiese wurde für 12 Pfund verkauft)
- Gebe ich eine Wiese in der grossen Matte, die ich für 77 Pfund kaufte.
- Ich füge bei einen Garten unterhalb des Gesch im Wert von ca. 60 Pfund mit der ausdrücklichen Bindung, dass der Garten und die Wiese stets der Schule gehören und nicht veräussert werden dürfen, und unter der Verpflichtung eines Jahrzeits am Feste der 7 Freuden unserer lieben Frau. Die hl. Messe für mich das Officium mit Gräberbesuch wie an den Quatermbertagen ist für die Wohltäter der Schule.
Der H.H. Prior soll verpflichtet sein, den Kleinen 4 oder wenigstens 3 Monate Schule zu halten zu einer passenden Zeit des Jahres. Den Rest des Jahres soll er der erwachsenen Jugend abwechselnd den Knaben und Töchter an Sonn- und Feiertagen Schule halten und immer eine kurze katechetische Belehrung einflechten.
Der jeweilige Prior wird für die Manutention des Kapitals Sorge tragen und die eingegangenen Summen wieder ausleihen mit gesetzlicher Sicherung. Geht vom Kapital dennoch etwas verloren, so ist er nicht zum Ersatz verpflichtet. Die Erfahrung wird jedem Prior belehren, dass Preise und Prämien notwendig sind zur Aneiferung.
Die Dürftigkeit der Stiftung erlaubt nicht, eine eigene Verpflichtung dafür festzusetzen. Dies übermittle ich zur Prüfung des hochwürdigen Bischofs zur Bewilligung und Unterschrift.
Christian Roten, zur Zeit Prior, Administrator.
1824 Stellungnahme des Bischofs
Es folgt die Approbation des Bischofs Augustin Sulpiz Zenruffinen vom 10. März 1824. Mit dem Spruch, wir wollen das Wort uns merken: „Jene, die andere in der Gerechtigkeit unterweisen und unterwiesen haben, werden glänzen wie Sterne in Ewigkeit“, beschliessen wir die Urkunde.
1828 Weitere Gelder
1828 die Reben auf der Festi und im Klausy samt der Matte in den untern Wanden gehören zur Schule und sind von Christian Eyschler für 118 ½ Pfund an gute Werke und vom Bischof an die Schule gegeben worden. Peter Alexander Schröter, Prior.
1828 Item ist ein Kapital hinzugekommen von Herrn Kastlan Oberhauser 56 Pfund.
Anno 1828 am 15. Januar betrug das Kapital 408 Pfund und die ganze Summe war anerkannt.
1887/88 Bau des 1. Schulhauses
Zum Bau dieses Hauses ist das Holz vom Mittoleggi genommen worden. Man hat die Stämme durch den vordern Mittelgraben in die Talstrasse heruntergelassen und sie auf dem vierrädrigen Wagen mit dem Vorspann von 2 starken Pferden nach Steg herausgeführt. Da das Feld zwischen Steg und Niedergesteln damals mit Wasser bedeckt war, flözte man die Stämme an ihren Bestimmungsort. Beim Heben der Stämme wurde Johann Imboden, der alte Chrachner genannt, von einem seitwärts fallenden Stamm erdrückt, so dass er als Leiche vom Platz getragen werden musste.
1888 Eröffnung der Schule
Ein Jahr nach dem Bau des Schulhauses konnte mit dem Unterricht begonnen werden. In diesem Schulhaus amtete Pfarrer Jos. Indermitte während 25 Jahren als Schulinspektor. Er erinnert sich noch daran, dass ein Knabe aus der 3. Klasse das wusste, was bei allen anderen Jahrgängen bis zur 8. Klasse noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen war.
Damals wurden die Klassen streng nach Mädchen und Knaben getrennt. Im unteren Stock befand sich die Mädchen- und im oberen Stock die Knabenklasse.
Die neue Schule
1971 Zwischenlösung
Ab dem Schuljahr 1972/73 reichte das alte Schulhaus mit seinen zwei Klassenzimmern der wachsenden Schülerzahl nicht mehr. Da der beschlossene Neubau noch nicht fertig erstellt war, musste man während zwei Schuljahren eine Klasse in der Burgerstube unterrichten.
1974 neues Schulhaus
Im Wannenmoos konnte ein komfortables und grosszügiges Schulhaus erstellt werden. Der Boden wurde von der Burgerschaft zur Verfügung gestellt.
Nachdem die privaten Dorfläden ihre Türen schlossen, richtete die Gemeinde im Erdgeschoss des Schulhauses einen Dorfladen ein.