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Frauenportrait von
Esther Müller
ca. 1589 – 1651
Kösem Sultans
Porträt einer starken, für den Orient historisch bedeutsamen, furchtlosen und vor allem mächtigen muslimischen Frau.
Porträt Kösem Sultans in ihrer Zeit als Haseki von einem unbekannten Künstler. | ©CC-PD
Dass sie als eine der mächtigsten Frauen in die Geschichte des Osmanischen Reiches eingehen würde, hatte das Mädchen, welches im Alter von 15 Jahren entführt und nach Istanbul als Sklavin in den Harem des Sultans gebracht wurde, wohl kaum zu hoffen gewagt.
Kurz nach ihrer Ankunft wurde die machtvolle Grossmutter vom Hofe verbannt und wenig später verstarb die Mutter des Sultans. Dieses Machtvakuum erlaubte es der intelligenten und ehrgeizigen Schönheit in der Hierarchie aufzusteigen.
Sie wurde zur Lieblingsgattin Sultan Ahmeds I und gebar ihm (je nach Quelle) 8 Kinder.
In den folgenden Jahren wuchs ihr Einfluss auf den König und sie beriet ihn auch in politischen Angelegenheiten.
Zur damaligen Zeit wurde im Osmanischen Reich nicht zwingend der erstgeborene Sohn Thronfolger, alle körperlich und geistig gesunden Söhne konnten den Thron für sich beanspruchen. Dies führte während Jahrzehnten dazu, dass der zum Sultan nominierte Sohn in der Folge seine Brüder und deren Söhne ermorden liess.
Unter Kösems Einfluss brach Sultan Ahmed I mit dieser Tradition. Er verschonte seinen Halbbruder und verabschiedete ein Gesetz, welches den Brudermord verbot. Es darf angenommen werden, dass Kösem dies zum Schutz ihrer eigenen Söhne tat.
Nach dem frühen Tod ihres Gatten verlor Kösem ihre Position und zog sich während der Regentschaft ihres Schwagers und anschliessend während der ihres Stiefsohnes in den Alten Palast zurück.
Als ihr Sohn fünf Jahre später den Thron bestieg war er noch minderjährig und Kösem wurde offiziell 9 Jahre lang Regentin. Aber auch während Murad IV aktiver Herrschaft, war sie politisch aktiv und beriet den Sultan.
Der nächste Sultan, Sultan Ibrahim, war ebenfalls ihr Sohn. Die Chronisten beschreiben ihn als unfähigen Herrscher. Er musste zu Gunsten seines Sohnes Mehmed IV abdanken. Da auch er noch minderjährig war, amtete erneut Kösem als Regentin für ihren Grosssohn.
Indes – die Geister, die ich reif (Goethe war damals noch längst nicht geboren) – Kösem wurde Opfer ihrer eigenen Machtpolitik. Indem sie erneut die Regentschaft übernahm, weckte sie den Zorn der wohl ebenfalls ehrgeizigen Schwiegertochter, die nun wahrscheinlich ihrerseits Einfluss auf ihren Sohn, den minderjährigen, amtierenden Sultan haben wollte.
Besagte Schwiegertochter schmiedete ein Komplott und Kösem Mahpeyker Sultan wurde am 2. September 1651 ermordet.
Nach ihrem Tod herrschte in Konstantinopel tiefe Trauer, denn sie war immens populär gewesen und hatte den Respekt ihrer Untertanen gewonnen, und zwar nicht nur aufgrund ihrer politischen Herrschaft, sondern auch durch ihre Grosszügigkeit und Wohltätigkeit.
Sie unterstützte Waisen und arme Mädchen, indem sie die Mitgift finanzierte und ihnen so die Heirat ermöglichte, sie gründete Institutionen, worin weniger privilegierte Kinder eine Ausbildung geniessen konnten, einige Historiker glauben, sie hätte die Sklaven nach drei Jahren in ihren Diensten befreit, sei liess ausserhalb von Konstantinopel Brunnen anlegen und finanzierte Bewässerungsanlagen in Ägypten.