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Earl Charles Spencer, 53, ist nicht gut auf die königliche Familie zu sprechen. Was Dianas jüngerer Bruder von ihr hält, macht er in seiner öffentlichen Trauerrede am 6. September 1997 deutlich (das ganze Transkript in Originalsprache finden Sie hier). Allein im britischen Fernsehen hören über 30 Millionen Menschen zu, die begeistert sind. Später sagt Spencer in einem Interview mit der BBC, dass er 200'000 Zuschriften von Menschen erhalten hätte, die liebten, was er sagte.
Den Inhalt soll er im Vorfeld ganz bewusst nicht den Royals vorgelegt haben, heisst es, um zu verhindern, dass Passagen entfernt würden. Er selbst aber findet: «Ich glaube nicht, dass es viele pointierte Stellen gab. Jedes Wort, das ich sagte, war wahr und es war für mich wichtig, ehrlich zu sein.» Seine Absicht sei es gewesen, eine «Lobrede auf Diana» zu halten, trozdem sind in der Rede auch ein paar Seitenhiebe enthalten.
Diana - im Grunde ein unsicheres Mädchen
Diana sei jemand mit einer natürlichen Vornehmheit gewesen, «sie hat in ihrem letzten Jahr bewiesen, dass sie keinen königlichen Titel benötigt, um Magie zu versprühen», sagt Earl Charles Spencer. Sie sei ein Sinnbild von Barmherzigkeit, Pflichtbewusstsein, von Stil und Schönheit gewesen. «Überall auf der Welt wurde sie für ihre Menschlichkeit verehrt, für ihren Einsatz für jene Menschen, die unterdrückt werden.» Doch neben all dem Ansehen, Glamour, Applaus sei Diana im Innern ein ganz unsicheres Mädchen geblieben - «sie hatte ein beinahe kindliches Verlangen danach, anderen zu helfen, um sich selbst nicht mehr wertlos fühlen zu müssen, was sich wohl in ihrer Essstörung widerspiegelte».
Während all der Jahre habe sich Diana überhaupt nicht verändert. Sie sei immer seine grosse Schwester gewesen - so wie sie sich um ihn kümmerte, als er noch ein Baby war oder als sie sich für ihn an der Schule eingesetzt habe.
In der berühmten Trauerrede bekommen auch die Medien ihr Fett weg. In der letzten Zeit habe sie oft davon gesprochen, England zu verlassen - «wegen der Art und Weise wie Zeitungen mit ihr umgegangen sind». Earl Charles Spencer ging in seiner Rede sogar noch ein Schritt weiter: «Ich glaube, sie hat nie richtig verstanden, warum ihre gute Absichten immer nur spöttlisch belächelt wurden, warum die Medien es auf sie abgesehen hatten, nur um sie zu erniedrigen. Das ist mir unergründlich.» Wie es die Ironie so wolle, «ist das Mädchen, das nach der antiken Göttin der Jagd benannt wurde, am Ende die wohl gejagteste Person der modernen Zeit geworden».
Versprechen sorgt für Zwist
Diana hätte nie gewollt, dass ihre Söhne selbes durchleben müssen. «Dafür setze ich mich ein», verspricht Earl Spencer. «Wir werden es nicht zulassen, dass sie die gleiche Angst erleiden müssen, die dich regelmässig in die Verzweiflung getrieben hat.» Er erachte es als seine Pflicht als Blutsverwandter, William, 35, und Harry, 32, zu beschützen. Und ein weiteres Versprechen macht er: «Wir als Familie respektieren die Herkunft von William und Harry. Aber wir, wie du auch, erkennen auch an, wie wichtig es ist, ihnen möglichst verschiedene Aspekte des Lebens zu zeigen, um sie geistig und emotional auf das, was kommt, vorzubereiten. Ich weiss, du hättest von uns nichts anderes erwartet.»
Die Rede, die sogar in der Kirche spontanen Applaus ernet, treibt einen Keil zwischen die ohnehin nicht gute Beziehung der Spencers zur Königsfamilie. Gemäss Aussagen eines Palastinsiders in der «Daily Mail» seien die Queen, 91, und Prinz Charles, 68, wütend über die Aussagen des Earls gewesen, sich um William und Harry kümmern zu wollen. Der Kontakt wird auf ein Minimum reduziert. An der Hochzeit von Prinz William und Herzogin Catherine 2011 ist er zwar dabei, doch an den Taufen ihrer beiden Kinder Prinz George, 4, und Prinzessin Charlotte, 2, fehlt er. Der Kontakt soll nun aber wieder aufgefrischt werden - mit William als Vermittler, der um ein gutes Verhältnis vor allem wegen seiner Kinder bemüht ist.
Teil 17: Verschwörungstheorien zu Dianas Tod