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Der Glaube im täglichen LebenMann und Frau
Cem, die religiös-soziale Versammlung
Soziales
Unterricht
Politik
Mann und Frau
Bei Aleviten gelten Mann und Frau als gleichberechtigt. Wie weit die Gleichberechtigung auch realisiert wird, ist eine andere Frage. Immerhin sind im Cem Männer und Frauen mit- oder nebeneinander versammelt und wenn immer möglich, sind auch Frauen in den Vereinsvorständen vertreten.
Cem, die religiös-soziale Versammlung
Cem bedeutet Kreis, Ring und ist eine religiöse und soziale Versammlung. Ein Cem besteht aus verschiedenen Teilen und deckt wichtige Aspekte des religiösen und sozialen Lebens ab. Gericht und Versöhnung, Belehrung und Spiritualität beinhaltet diese Versammlung, die wahrscheinlich auf uralte Formen zurückgeht.
Ansprachen und Unterweisungen von Dedes und von Laien, Gebete und Segnungen folgen sich im Ablauf, der mehrere Stunden dauert.
Semah, der kultische Tanz zu den Klängen der Saz, ist ein weiterer wichtiger Faktor. Jede Person bringt nach Möglichkeit etwas Essbares mit. Das gestiftete Essen wird am Schluss der Zusammenkunft an alle Anwesenden verteilt.
Ein wichtiger Unterschied zu einem sunnitischen Gebet darf nicht ausser acht gelassen werden: die Sprache. Im Cem wird ausschliesslich Türkisch verwendet.
Beim Cem kommt die Saz zum Einsatz. Die Saz ist ein traditionelles Instrument, das an eine Laute erinnert und in der Türkei und in den umliegenden Ländern weit verbreitet ist. Die Saz ist ein Bestandteil der Kultur und wird von vielen Menschen gespielt. Alevismus ohne Saz ist schwer vorstellbar; Cem ohne Saz ist sogar praktisch undenkbar. Deshalb lernen möglichst viele Aleviten die Saz zu spielen.
Soziales
«Frieden machen»
Zu jedem Cem gehört Barischmak, «Frieden machen». Bei jedem Cem fragt der Dede dreimal, ob jemand der Anwesenden im Streit ist. Nur wenn sie sich versöhnen, können sie am Cem teilnehmen. Wer nicht zur Versöhnung bereit ist, muss die Versammlung verlassen.
«Volksgericht»
Bei grösseren Streitfällen wird ein «Volksgericht» einberufen, bei dem je sechs Frauen und Männer wirken. Die Verhandlung ist öffentlich. Als Strafe kann jemand für eine bestimmte Frist aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden.
«Geschwisterschaft»
Dass bei sozialen Nöten die Solidarität spielt, braucht kaum speziell erwähnt zu werden; dies finden wir auch bei den Sunniten. Was bei Aleviten besonders ist, ist die «Geschwisterschaft» (Musahiplik).
Zwei Ehepaare schliessen eine lebenslange Geschwisterschaft und verpflichten sich damit zur gegenseitigen Hilfe.
Unterricht
In der Diaspora gehört der Unterricht zu einem wesentlichen Bestandteil vieler alevitischer Vereine.
So werden immer Semah- und Musikkurse angeboten.
Daneben wird Sprach- und Computerunterricht erteilt.
Es gibt auch Kurse, die sich ausdrücklich an Frauen richten wie zum Beispiel Alphabetisierungs- und Deutschkurse.
Politik
Heute gilt für Aleviten in der Politik der Grundsatz der Humanität und der Gerechtigkeit. So treten viele für eine undogmatische Sozialdemokratie ein. In der Diaspora legen alevitische Vereine Wert darauf, nicht mit einer bestimmten Partei verbunden zu sein.
In Basel gibt es unterdessen mehrere alevitische Grossrätinnen und Grossräte.