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Selbstorganisiertes Lernen ist kein Allerheilmittel und schon gar keine Garantie für erfolgreiches Lernen. Damit diese Lernform effektiv ist und die Schüler motiviert mitarbeiten, muss sie sorgfältig eingesetzt werden
Selbstorganisiertes Lernen muss gelernt werden
Selbstorganisiertes Lernen ist höchst anspruchsvoll. Häufig wird übersehen, wie viele Kompetenzen handlungsorientiertes, selbständiges Lernen voraussetzt (darunter je nach Methode Kommunikations-, Teamarbeits-, Selbstmanagament- und Präsentationskompetenzen). Werden diese nicht besprochen und ausreichend geübt, fehlt die notwendige Basis.
Wenn Sie wissen möchten, wie schwierig selbstorganisiertes Lernen wirklich ist: Beobachten Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen bei einer Projektarbeit im Rahmen einer Weiterbildung. Wie viele Gruppen arbeiten am Auftrag vorbei? Wie viele haben Probleme mit der Motivation? Wie viele werden nicht innerhalb der Zeit fertig?
Verlangen Sie nicht zu viel auf einmal
Wenn wir nicht erkennen, wie kompliziert und herausfordernd selbstorganisiertes Lernen ist, fordern wir zuviel auf einmal. Schüler/innen sehen sich z.B. plötzlich mit einem umfangreichen Projekt konfrontiert, welches von ihnen Fähigkeiten in den Bereichen Gruppenarbeit, Selbstmotivation, Zeiteinteilung, Planung, Präsentation und Recherche, erfordert. Dabei besteht jeder dieser Bereiche wiederum aus 5 bis 15 Einzelfertigkeiten. Das Resultat frustiert dabei Lehrpersonen und Schüler/innen.
Üben Sie jede Kompetenz einzeln und ausreichend
Vielfach wird das selbstgesteuerte Lernen nur ab und zu eingesetzt oder es wird zu oft mit verschiedenen Methoden experimentiert. Damit selbstorganisiertes Lernen gelingen kann, müssen einzelne Kompetenzen so lange geübt werden, bis sie zur Routine werden. Dabei geht es nicht einfach darum, lange und oft zu üben, sondern zu überprüfen, ob die Kompetenz der Schüler zunimmt, und auf eine Weise zu üben, die dies ermöglicht.
Um ein Beispiel zu nennen: Wir können einerseits von einem Schüler verlangen, dass er während 4 Jahren jedes Semester einen Vortrag hält, den er selbst oder in einer Gruppe vorbereitet und für den er benotet wird. Dabei können wir darauf hoffen, dass die Schüler/innen besser werden, und in den meisten Fällen feststellen, dass dies denjenigen gelingt, die zu Beginn schon gerne vortragen, während die Nervosität der ängstlicheren oder schwächeren Schüler/innen stetig zunimmt.
Wir könnten aber auch ein Teilziel setzen, welches z.B. im Erwerb einer Arbeitstechnik besteht. Bei der Präsentation bieten sich an: Wie gestalte ich eine gute Folie? Wie kann ich freier sprechen? Wie kann ich beim Vortrag meine Hände einsetzen? Diese Ziele können im Rahmen der Vortragvorbereitung schrittweise eingeübt werden mit dem Ergebnis, dass sich bei allen Schüler/innen kleinere oder grössere Fortschritte einstellen. Gerade weniger starke sowie ängstliche Schüler sind darauf angewiesen, dass sie klare Ziele verfolgen können, Feedback erhalten und solange üben dürfen, bis die Angst nachlässt und sie eigene Verbesserungen wahrnehmen können – ansonsten hüpfen sie von Misserfolg zu Misserfolg, wodurch zwar die Angst zunimmt, aber kaum etwas gelernt wird. Üben Sie mit Ihren Schüler/innen lieber wenige Methoden gut ein, als viele ein wenig.
Behalten Sie bei der Gruppenbildung die Zügel in der Hand
Es kann je nach Klasse problematisch sein, wenn die Schüler/innen selbst entscheiden können, mit wem sie in der Gruppe sein möchten. Ist dies bei Ihnen der Fall, sollte eher das Los über die Gruppenbildung entscheiden.
Zudem gilt: Je grösser die Gruppe, desto schwieriger wird die Zusammenarbeit. Meist wird in Zweiergruppen deutlich mehr gelernt und gearbeitet als in Fünfergruppen. Wenn Sie grössere Gruppen bilden möchten, ist es hilfreich, wenn Sie klare Rollen/Verantwortlichkeiten bilden, die innerhalb der Gruppe auf die einzelnen Personen verteilt werden. Dabei hilft das folgende Prinzip aus der Arbeitswelt: Für jede einzelne Teilaufgabe sollte eine (und nur eine !) Person die Verantwortung dafür tragen, dass diese erfolgreich bearbeitet wird.
Sorgen Sie für genügend Struktur
Die Begriffe selbstorganisiertes und selbstverantwortliches Lernen täuschen über eine wichtige Tatsache hinweg: Die Schüler/innen übernehmen weder die Organisation noch die Verantwortung ganz, sie teilen sich diese mit der Lehrperson. Dabei sollte langsam und behutsam eine Verantwortungsverschiebung von der Lehrperson zu den Schüler/innen stattfinden. Wird den Schülern zu schnell zu viel Verantwortung aufgetragen, kann es sein, dass sie diese nicht annehmen werden. Das heisst: Beginnen Sie, indem Sie Ihren Schüler/innen zunächst wenig Freiraum und Verantwortung übertragen, um diese schrittweise zu erhöhen, sobald Sie das Gefühl haben, dass Ihre Klasse damit umgehen kann.
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