Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03179.jsonl.gz/2293

Titel
Isabella
(span. u. portug., s. v. w. Elisabeth), Königinnen von Spanien: [* 2]
1) I. von Kastilien, Tochter des Königs Johann II. von Kastilien und Leon, geb. vermählte sich 1469 mit Ferdinand V., dem Katholischen, von Aragonien und bestieg nach dem Tod ihres Bruders Heinrich IV. 1474 den kastilischen Thron. [* 3] Zwar erhob Johanna, die Tochter Heinrichs IV., die der Vater für illegitim erklärt, Anspruch auf die kastilische Krone und wurde von einem Teil des Adels und von Portugal dabei unterstützt; aber I. besiegte diese Gegner, und die Schlacht von Toro sicherte ihre Krone. I. und Ferdinand nahmen nach Vereinigung der Reiche Aragonien und Kastilien 1479 den Namen König und Königin von Spanien an, obwohl I. fortfuhr, die Regierungsgeschäfte in Kastilien allein zu verwalten; der Papst verlieh ihnen den Titel der »katholischen Könige«.
Um den Übermut der Großen zu zügeln, führte I. die heilige Hermandad ein. Die Eroberung von Granada [* 4] und die gänzliche Vertreibung der Mauren aus Spanien war großenteils ihr Werk. Ihrer Verwendung verdankte Christoph Kolumbus die Unterstützung der Krone zu seinem Unternehmen, das die Entdeckung von Amerika [* 5] zur Folge hatte. Ihr aber muß auch die Einrichtung der Inquisition besonders zugeschrieben werden, denn ihr kirchlicher Eifer kannte keine Grenzen. [* 6] I. war eine tüchtige Regentin; verbunden mit Ferdinand, einem Realpolitiker ersten Ranges, legte sie den Grund zur Großmacht Spanien. Sie hatte fünf Kinder, von denen drei Töchter sie überlebten; der Tod ihres Sohns Don Juan, Prinzen von Asturien, und ihrer ältesten Tochter, der Königin von Portugal, trübte ihre letzten Regierungsjahre. Sie starb in Medina del Campo.
Vgl.
Prescott, Geschichte
Ferdinands und
Isabellas (deutsch, Leipz. 1843, 2 Bde.);
Nervo, I. la Catholique, reine d'Espagne (Par. 1874).
2) I. II. Maria Luise, Tochter des Königs Ferdinand VII. und dessen vierter Gemahlin, Maria Christine, geb. folgte ihrem Vater, der am durch Aufhebung des sogen. Salischen Gesetzes die alte kastilische kognatische Erbfolge wiederhergestellt hatte, unter Vormundschaft ihrer Mutter auf dem Thron. Gegen die Empörung der Anhänger des von der Thronfolge ausgeschlossenen Don Karlos, der Karlisten, sicherte die Königin-Mutter Christine durch ihre Verbindung mit den liberalen Parteien ihrer Tochter den Thron; mußte sie auch selbst 1840 Spanien verlassen, so blieb unter der Regentschaft Esparteros doch I. Königin von Spanien; sie wurde durch Beschluß der Cortes für majorenn erklärt.
Die Frage ihrer Verheiratung war eine europäische Angelegenheit, weil Ludwig Philipp von Frankreich es so einzurichten wünschte, daß seine Dynastie in Spanien zur Herrschaft gelange, während England dagegen Einspruch erhob. I. vermählte sich mit ihrem Vetter Franz d'Assisi Maria Ferdinand, dem Sohn des Infanten Franz de Paula, einem kränklichen Mann, wobei zugleich die Vermählung ihrer Schwester mit dem Sohn Ludwig Philipps, dem Herzog ¶
mehr
von Montpensier, beschlossen ward: da man aus der königlichen Ehe keine Kinder erwartete, schien die französische Absicht erreicht.
Wider Erwarten aber gebar die Königin eine Anzahl von Kindern: Maria
Isabella Franziska, geb. seit 1871 Witwe des
Grafen von Girgenti;
Alfons Franz, Prinz von Asturien, geb. gest. als König Alfons XII. von Spanien;
Maria Berenguela, geb. gest.
Maria della Paz, geb. seit 1883 Gemahlin des Prinzen Ludwig Ferdinand von Bayern; [* 8]
Eulalia, geb. seit 1886 Gemahlin des Prinzen Anton von Montpensier.
Die Königin lebte, äußerst bigott und beschränkten Geistes, Werken der kirchlichen Frömmigkeit und zugleich sinnlichen Genüssen hingegeben: sie erfreute sich einer Schar wechselnder Liebhaber. In der Regierung ihres Landes war sie von ihrer Umgebung abhängig, in welcher zuletzt die Nonne Patrocinio und der Intendant Marfori den meisten Einfluß besaßen. Wiederholte Aufstände änderten wohl die Ministerien, brachten aber keine Besserung der Regierung. Endlich machte im September 1868 eine Erhebung, zu der sich die verschiedensten Parteiführer verbündet hatten, ihrer Herrschaft ein Ende, gerade als sie mit Napoleon III. eine Einmischung in die römische Frage zu gunsten des Papstes verabredet hatte; sie floh nach Frankreich. Der Krone entsagte sie zu gunsten ihres Sohns Alfons, der 1875 den Thron bestieg. Hierauf kehrte. I. nach Spanien zurück und lebt teils dort, teils in Paris. [* 9]