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Nach Ende des Zweiten Weltkrieges setzt der Kalte Krieg ein; 1950 führt der Krieg zwischen Nord- und Südkorea zur Intervention der USA. In dieser Zeit wird die innenpolitische Stimmung in den USA von Senator McCarthy und der Suche nach angeblichen Kommunisten aufgeheizt – die Studios beugen sich dem Druck und die schwarze Liste ist geboren. Ein herausragender Oscar-Triumph aus diesem Jahr handelt von den Intrigen und der Unmenschlichkeit hinter den Kulissen des Theatergeschäfts: Joseph L. Mankiewicz hinterfragt im hochkarätig besetzten All About Eve das Showbusiness und seine Stars mit bissiger Ironie. John Ford dagegen bringt in einer Mischung aus klassischem Western und hintergründigem Familiendrama Rio Grandeauf die Leinwand, den letzten Teil seiner Kavallerie-Trilogie, die als grosse Auseinandersetzung mit der Entstehung der USA in den Jahren nach dem traumatisierenden Bürgerkrieg gilt. Währenddessen überträgt Jean Cocteau im poetischen Orphée den Orpheus-Mythos ins Nachkriegs-Frankreich und kreiert mit einfachen filmischen Mitteln eine mysteriöse Welt aus Halbschatten, in der sich Spiegel als Tür zum Jenseits öffnen und das Irreale in den Realismus der alltäglichen Bilder drängt.
Winchester ’73 (Anthony Mann, USA)
The Sound of Fury (Cyril Endfield, USA)
The Breaking Point (Michael Curtiz, USA)
Sunset Boulevard (Billy Wilder, USA)
Rashomon (Akira Kurosawa, J)
Schwarzwaldmädel (Hans Deppe, BRD)
No Way Out (Joseph L. Mankiewicz, USA)
Night and the City (Jules Dassin, USA)
Los olvidados (Luis Buñuel, Mexiko)
La ronde (Max Ophüls, F)
In a Lonely Place (Nicholas Ray, USA)
Harvey (Henry Koster, USA)
Cinderella (Clyde Geronimi, USA)
Gun Crazy (Joseph H. Lewis, USA)
Gone to Earth (Michael Powell, Emeric Pressburger, GB/USA)
Rick Moodys autobiografisch gefärbter Roman The Ice Storm erschien 1994 und schildert die emotionalen und sexuellen Wirren zwischen benachbarten Familien im reichsten Ort der USA, New Canaan, Connecticut, anno 1973. Das Buch ist aus den wechselnden Perspektiven der acht Hauptfiguren geschrieben, die den Ereignissen sehr unterschiedlich gegenüberstehen. Als jemand, der 1977 einige Zeit in New Canaan zugebracht hatte, war ich von dem Roman ganz besonders fasziniert. Eine Verfilmung konnte ich mir nicht vorstellen, da die Vorlage derart von den wechselnden Subjektivitäten geprägt war. Ang Lee, Spezialist für Dramen um dysfunktionale Familien, hat es 1997 dennoch gewagt und sein Film, den er in Cannes präsentierte, zeigt ganz andere Stärken und Schwächen als der Roman.
Rick Moody’s autobiographical novel The Ice Storm, published in 1994, describes emotional and sexual turmoil between neighbouring families in the wealthiest town in the U.S., New Canaan, Connecticut, in 1973, and is written from the changing points of view of the eight protagonists, who regard the unfolding events in very different ways. As someone who had spent time in New Canaan in 1977, I found the novel particularly compelling. I couldn’t imagine a film adaptation, because the original was so determined by the alternating subjectivities. Ang Lee, a specialist for dramas about dysfunctional families, went ahead anyway and filmed Moody’s book in 1997. The resulting movie, which he presented in Cannes, has completely different strengths and weaknesses than the novel.
Nachdem er in Cannes zu Beginn des Gruppengesprächs über Bowling for Columbine 2002 die Nationalitäten der Teilnehmenden abgefragt hatte, drehte Michael Moore gleich den Spieß um und wollte wissen, wieso in der Schweiz, wo fast jeder Mann ein Sturmgewehr zu Hause hat, so wenige Morde geschehen. Man kann sich über Moores Methoden streiten (seine Bloßstellung des greisen Charlton Heston im Film etwa verärgerte viele Leute), aber in Sachen Verquickung von politischer Propaganda mit Unterhaltung gibt es wenige Filmschaffende, die ihm das Wasser reichen können. Und bei Bowling for Columbine stimmte die Balance zwischen Witz und Wahrheitstreue noch besser als in späteren Filmen. Das deutsche Transkript des Gesprächs finden Sie hier.
Michael Moore on Bowling for Columbine
Having begun the round table on Bowling for Columbine (2002) in Cannes by asking the journalists about their nationalities, Michael Moore immediately turned the tables and wanted to know why so few murders occur in Switzerland, where almost every man has an assault rifle at home. One may argue about Moore’s methods (his ambush interview with the aged Charlton Heston in this film, for example, raised a lot of hackles), but when it comes to combining political propaganda with entertainment, there are few filmmakers who can hold a candle to him. And in Bowling for Columbine, the balance between wit and veracity was more even-handed than it was in later films.
Das war 2000 in Cannes der große Überraschungs-Hit des Festivals. «Sense and Sensibility with martial arts» hatte Ang Lee versprochen und dies auch eingehalten. In Cannes fanden Gruppengespräche mit Ang Lee und den Darstellerinnen Michelle Yeoh und Zhang Ziyi statt; in Zürich gab es beim Kinostart dann noch Gelegenheit zu einem Einzelgespräch mit Ang Lee. Zusammen genommen vermitteln diese Gespräche nicht nur viel Hintergrund zu diesem großartigen Film; Ang Lee stellt Crouching Tiger, Hidden Dragon auch in Beziehung zu seinem übrigen Werk, Michelle Yeoh zieht Vergleiche zu anderen wuxia-Filmen und zu James Bond, während Zhang Ziyi erklärt, wie sich die Regisseure Ang Lee und Zhang Yimou – dessen Filme The Road Home (1999) und House of Flying Daggers (2004) mit Zhang Ziyi wir noch in diesem Jahr zu zeigen hoffen – unterscheiden.
This was the big surprise hit of the 2000 Cannes Film Festival. Ang Lee had promised “Sense and Sensibility with martial arts” and came through with flying colours (and fighters). In Cannes, there were round tables with Ang Lee and the actresses Michelle Yeoh and Zhang Ziyi; in Zurich, I was subsequently granted a one-to-one conversation with Ang Lee before the film’s theatrical release. Taken together, these conversations not only provide a lot of background to this great film; in addition, Ang Lee relates Crouching Tiger, Hidden Dragon to his previous work, Michelle Yeoh draws comparisons to other wuxia films and to James Bond, while Zhang Ziyi explains the differences between the directors Ang Lee and Zhang Yimou, whose films The Road Home (1999) and House of Flying Daggers (2004) starring Zhang Ziyi we hope to screen later this year.
Unsere Kolleginnen und Kollegen beim Xenix haben im letzten Dezember unter dem Titel «Was that really it?» dem britisch-irischen Mimen Daniel Day-Lewis eine Retrospektive gewidmet. DDL hat ja im Juni 2017, mit knapp 60 Jahren, der Schauspielerei abgeschworen. Das passt zu vielen anderen, teils wahren Legenden, die sich um ihn ranken. Nicht nur hat er als Erster drei Oscars für den besten Hauptdarsteller gewonnen, mithin mehr als sein Idol Robert De Niro; seine obsessive Vorbereitung auf Rollen und seine Verschmelzung mit seinen Filmfiguren geht über die «Method»-Exzesse von Brando, Pacino oder De Niro noch hinaus.
Der Part des tschechischen Arztes und Frauenhelden Tomas in Philip Kaufmans Adaption von Milan Kunderas Roman «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins» war 1988 nach dem schwulen Ex-Neonazi in Stephen Frears’ My Beautiful Laundrette und dem geckenhaften Cecil Vyse in James Ivorys A Room with a View (beide 1985) erst die dritte große Filmrolle, die DDL verkörpert hatte. Deshalb war es damals noch möglich, mit ihm ein 50-minütiges Einzelgespräch zu führen und mit einem nahbaren, lässigen, humorvollen, blitzgescheiten und politisch denkenden jungen Kerl namens Dan nicht nur über die Schattenseiten der Kundera-Verfilmung zu diskutieren, sondern auch über Thatcher, Gott und die Welt.
Der wohl letzte Filmkritiker, dessen Name einem breiten, internationalen Publikum geläufig war, Roger Ebert, ist 2013 nach einem langen, qualvollen Kampf mit Krebs gestorben. 2001 war dieser ebenso nette wie brillante Kollege noch in Topform. Am Sundance Film Festival, das er bereits besucht hatte, als es noch nicht so hieß und bevor Robert Redford ins Spiel kam, gab er spontan seine Einschätzung zur Verfassung dieses wichtigsten US-Independentfilm-Festivals ab und zur Entwicklung des Kinos überhaupt, zu einem Zeitpunkt, als Digitalisierung noch mehr Gerücht als Realität war. Ach ja, und vielleicht hören Sie hier zum ersten Mal von Maxivision.
Roger Ebert, probably the last film critic whose name was familiar to a wider, international audience, died in 2013 after a long, agonizing battle with cancer. In 2001, this kind and brilliant colleague was still in top form. At the Sundance Film Festival, which he had already attended when it was not yet called that and before Robert Redford came into play, he spontaneously gave his assessment of the state of this most important US independent film festival and the development of cinema in general, at a time when digitalisation was more rumour than reality. Oh yes, and this may be the first time you will have heard of Maxivision.
Es war abzusehen: Schon letztes Jahr, als er durch die Schweiz reiste, um seinen autobiografischen Dokumentarfilm La séparation des tracesanlässlich des Kinostarts vorzustellen, wurde klar, dass Francis Reusser todkrank war. Er raffte sich zwar noch zu Gesprächen auf, bei denen er mit erstaunlicher Energie als “raconteur” seines eigenen Lebens aus dem Vollen schöpfte, auch bei seinem Auftritt im Filmpodium am 24. Februar 2019, aber seine Kräfte ließen nach und mussten vorsichtig eingeteilt werden. So war er zwar noch in der Lage, letzten Sommer telefonisch zu seinem Film Le grand soirausführlich und mit viel Selbstironie Auskunft zu geben, als ich diesen Locarno-Gewinner deutsch untertitelte; als es aber darum ging, ob er im Januar 2020 nochmals nach Zürich kommen könnte, um unsere kleine Hommage zu präsentieren, winkte er traurig ab. Nun ist er am 10. April im Alter von 77 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Schweiz einen ihrer profiliertesten Filmemacher, dem gerade in der Deutschschweiz leider nicht die gebührende Beachtung geschenkt wurde.
Michel Bodmer, stellvertretender Leiter des Filmpodiums Zürich, schreibt: Im Januar/Februar 2020 zeigten die Kolleginnen und Kollegen vom Cameo Winterthur vier Filme von Todd Solondz, «Enfant terrible des US-amerikanischen Kinos». Einer, der dabei fehlte, war Storytelling (2001), sein besonders beklemmendes Diptychon über Sex, Rassismus, Promi-Kult und Ausbeutung und die Geschichten, die wir (über) uns erzählen. Beim Gruppengespräch darüber in Cannes erwies sich Solondz als sehr witziger und selbstironischer Filmautor, dessen Vorstellungen von einer Komödie allerdings nicht unbedingt massentauglich sind.
Michel Bodmer, deputy director of Filmpodium, writes: In January/February 2020, our colleagues at Cameo Winterthur screened four films by Todd Solondz, “the enfant terrible of US cinema”. One title that was missing was Storytelling (2001), his particularly upsetting diptych about sex, racism, the cult of celebrity, exploitation and the stories we tell (about) ourselves. At the round table in Cannes, Solondz proved to be a very funny and self-ironic filmmaker, whose idea of what constitutes a comedy is not exactly mainstream.
1940 ist der Zweite Weltkrieg in vollem Gange: Deutschland erobert mit seinen Blitzkriegen unerwartet schnell halb Europa, erleidet in der Luftschlacht um England eine Niederlage, verbündet sich mit Japan und Italien und bereitet den Genozid an den Juden vor. Propagandaminister Joseph Goebbels erklärt am Anfang des Jahres, das Medium Film sei wichtig für die Moralsteigerung im Krieg, aber auch die Gegner Nazi-Deutschlands entdecken den Film als Mittel zur ideologischen Bekämpfung der Faschisten: In den USA kommt Charles Chaplins The Great Dictator auf die Leinwand, der als erster grosser Hollywoodfilm deutlich Stellung gegen die Nazis bezieht und eine der brillantesten Filmsatiren der Kinogeschichte bleibt.
Am Broadway in New York feiert derweil Walt Disneys Musikfilm Fantasia Premiere –die Geschichten werden ohne Dialoge, einzig durch Bilder und Musik erzählt, weshalb der Film als frühe Form des Musikvideos gilt; in England produziert Alexander Korda The Thief of Bagdad, der dank der üppig ausgestatteten Dekors, der leuchtenden Technicolor-Farben und der oscargekrönten Spezialeffekte als einer der erstaunlichsten Märchenfilme in die Filmgeschichte eingeht. Im gleichen Jahr macht die überraschend leichtfüssige schweizerische Liebeskomödie Die missbrauchten Liebesbriefe von Leopold Lindtberg Furore: Der gebürtige Wiener, der als Jude von den Nationalsozialisten verfolgt wurde, wird dafür in Venedig mit der «Coppa Mussolini» ausgezeichnet.
Nachdem zwei Gespräche mit Hal Hartley letzte Woche den Anfang gemacht haben, geht es weiter mit einem Interview mit David Lynch anlässlich der Premiere von Mulholland Drive in Cannes (2001).
Michel Bodmer, stellvertretender Leiter des Filmpodiums Zürich, schreibt: «Ich hatte bereits dreimal das kuriose Vergnügen, den «Jimmy Stewart from Mars» zu interviewen, wie Mel Brooks einst David Lynch treffend genannt hat. Bei Mulholland Drive (2001) war es im Rahmen eines Gruppengesprächs in Cannes, bei dem er auf seine bodenständig-freundliche Art Antworten gab, die meist so schwer greifbar waren wie die Ideen, die Lynch «wie Fische» durch den Kopf schwimmen.»
Michel Bodmer, deputy director of Filmpodium, writes: «I have already had the curious pleasure of interviewing “Jimmy Stewart from Mars” (as Mel Brooks once aptly dubbed David Lynch) three times. For Mulholland Drive (2001), it was at a round table in Cannes, where the answers he gave in his friendly down-to-earth manner tended to be as slippery and elusive as the ideas that swim “like fish” through Lynch’s mind.»