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Die Olympiajolle 1936 bis 2011 in der Schweiz Die O-Jolle wird dieses Jahr 75 !
Bericht von Felix Hurter
Der Anfang:
Die Olympiajolle, die für die Olympiade 1936 in Berlin gebaut wurde, ist in Deutschland, Holland, Oesterreich, Italien und der Schweiz immer noch im Regattaeinsatz. Selbstverständlich wurde auch bei dieser Bootsklasse ausser der Bootsform fast alles technisch verbessert und ist heute auf höchstem technischen Stand. Die O- Jolle ist seit 1941 auf dem St.Moritzersee anwesend und hat bis vor ca. 5 Jahren das Regattageschehen auf dem See geprägt.
Im Krieg wurde weiter gesegelt, vor allem auf dem Zürichsee aber auch in St.Moritz. Das war noch eine Expedition, besass man doch kein Auto, Trailer waren unbekannt.
Ich zitiere aus einem alten Bericht:
Wie war es damals? An auswärtige Kontakte war zu jener Zeit kaum zu denken. Die Motorisierung stand erst vor der Türe, Die alljährlichen Transporte nach St. Moritz erfolgten mit der Bahn und waren jeweils ein Staats-unternehmen. Bereitstellen des Bahnwaggons- Aufladen-Umladen in Chur - Transport zum See, und dann nach Abschluss der Regatten dasselbe wieder zurück. Und dass zu verschiedenen Malen einige der jüngeren Teilnehmer jeweils nach der Preisverteilung mit dem Velo (= Fahrrad für deutsche Leser) über den Julier und die Lenzerheide nach Hause fuhren, dürfte heute nur noch anekdotischen Wert haben.
Mit den besseren Kontaktmöglichkeiten stiegen auch die Wünsche nach internationalen Kontakten. Erste Schritte erfolgten nach Süden, wo die Italiener Regatten auf dem Reschensee organisierten, mit der berühmten Kirchturmspitze als Wendemarke Hier trafen sich dann die Italiener, Oesterreicher und die Schweizer. Dann kam die Erweiterung nach Norden an die Kieler-Woche. Einer erste Vorhut umfasste W.Pieper, ich selber und einige wenige andere. Später, mit zunehmender Motorisierung folgte ein immer grösseres Kontingent. Dass dann gleich noch ein Abstecher nach Berlin hinzugefügt wurde versteht sich von selbst.
Unvergessen bleibt mir, dass ich als erster ausländischer Segler, der das Nachkriegsberlin besuchte, vor den Rundfunk geschleppt wurde, um die Gründe darzulegen, die einen verwohnten Segler aus der Schweiz veranlasst, das zertrümmerte Berlin zu besuchen und dort Regatten zu bestreiten, Auf jeden Fall war dies der Anfang einer Beziehung, die auch heute noch anhält. An diese Berlin-Reisen lassen sich ungezählte Anekdoten anhängen, angefangen vom legendären Trailerachsbruch in der Zone bis zum Passverlust unseres Francescos de los montes, alias Franz, dem Hüter der Finanzen des SCSt.Moritz. (1961 Oski Weber)
Es waren die Schweizer, die nach dem Krieg in Kilchberg Satzungen fuer eine Internationale O-Jollen Union erarbeiteten. Der Wunsch dazu war in Hamburg 1953 geäussert worden, in Erinnerung an die Deutsche Meisterschaft. Diese Satzungen wuerden 1957 genehmigt und damit begann eine Verjüngung der O-jolle, da jedes Jahr sorgfältig über technische Verbesserungen beraten wurde. Dabei wird streng darauf geachtet, dass die Hauptsache der Konstruktion: Gewicht, Gewichtsverteilung und Abmessungen nicht verändert werden. Das hat der O-Jolle dieses lange Leben bis heute ermöglicht.
Die Technik
Es waren die Schweizer, die für technische Neuerungen eintraten:
1954: Allererste Dacronsegel von Meyer, Hamburg bei Z 6 und OZ 37.
1955: Erneut kamen die Alphirten mit neuen Ideen, Da war doch in der Innerschweiz ein chemisches Unternehmen, das einen neuen Schaumstoff herstellte und das in der Entwicklungs-abteilung eine junge Chemikerin beschaftigte. Und diese junge Frau hatte als junges Madchen, zuhause in Berlin, eine 0-Jolle gesegelt. Was lag naher als die Anwendung des Schaumstoffes an einem Boot zu erproben und das Boot war natiirlicherweise eine 0-Jolle. So entstanden die ersten Kunststoff-0-Jollen, aber die waren natiirlich nicht regel-konform. Die 0-Jolle musste geplankt sein, mit Eichenkiel und Mahagonyplanken, mit Nieten und allem was so dazugehörte. Eindrücklich für die Qualität dieser ersten Sandwichbauten war der Versuch, Jollenrumpfe von einera 10 m hohen Vordach auf den Betonboden zu werfen. Und siehe da, die Rümpfe erlitten keinen Schaden (1961 Oski Weber)
Solches wurde aber zuerst abgelehnt, man hatte Angst vor Neuerungen, nicht zum Wohl der Klasse.
Den Rumpf aus Kunststoff zu bauen, wurde dann 1965 doch angenommen.
Mast und Baum aus Aluminium, weitgehend freigestellte Wahl der Beschläge machen aus dem scheinbaren Grossvateschiff ein Objekt dauerneden Pröbelns: man muss gar nicht ein altes Auto kaufen um technisch raffinierte Lösungen zu basteln. Und der Motor muss gut sein… schade dass ein Bremser drin sitzt.
So wurde die O-Jolle technisch nach vorne orientiert und wird heute in äusserst perfekter Weise als ein modernes sehr sauber uns schön konstruiertes Rennschiff gebaut. Ein Mercedes unter den Segeljollen.
Die technischen Vorschriften werden vom DSV veröffentlicht, dem Hüter der Konstruktion von Hellmut Stauch, der damals 1934 mit seiner Konstruktion die Ausscheidungsregatten gewann.
Die Regatten
Die Regattaszene umfasst gegen 100 Veranstaltungen in Deutschland Holland Italien Schweiz und Oesterreich.
Da die O-Jollenvereinigung auf der Basis von Revierflotten besteht, hat es in jedem Landesteil von Deutschland und Holland eine örtliche Organisation von der aus die verschiedenen Regatten organisiert werden.
Oesterreich,Schweiz, Italien und auch Tschechien sind kleiner, sie haben ihren Landesverband.
Jährlich wird in einem der Länder die Euro gesegelt, ein Grossanlass wo immer 60 bis 120 Schiffe am Start sind. Im Jahre 2010 wir sie in der Schweiz auf dem Silvaplaner See ausgetragen.
Auch alle Jahre wird eine Alpensee Meisterschaft gesegelt, auch im Turnus in den Ländern der Alpen.
Dann segeln in jedem Lande die eigenen Meisterschaften. Jedes Land führt eine Jahresrangliste.
Bei uns in der Schweiz segeln wir in St.Aubin im Juni, dann im Juli in St.Moritz die SM und den Hans Badrutt Cup (ja gesponsert vom Hotelbesitzer Hansjörg Badrutt vom Palace) Der Badrutt wie er immer genannt wurde ist wohl der älteste Cup der O-Jolle Schweiz der noch immer gesegelt wird.
Damals mussten wir noch weisse Hose und Blazer mitnehmen wegen dem Galadiner
Dann im Herbst das O-Jollenturnier, heute in Erlenbach am Zürichsee.
Lassen wir auch hier unseren Oski zu Wort kommen:
Aber aus dieser Zeit sind doch einige Namen zu nennen. Zuerst natürlich "The big boss": Willy
Dann aber noch einige der anderen Pioniere:
Erich Staub / Bobby Jonesco / Leo und Alex Rhyner / Alfons Oswald / Lex Ulrich / Charly Specker
Unter diesen ist aber besonders Erich Staub hervorzuheben, war er doch der Erfinder und Sponsor des
O-Jollenturniers, eine Veranstaltung, die noch heute einer der Höhepunkte des Regattasommers ist, wo der tierische Ernst des Regattierens gegenüber der Geselligkeit in den Hintergrund tritt.
Das damalige 0-Jollenturnier hatte aber noch eine andere Funktion, war es doch die Gelegenheit, Segler anderer Klassen an die 0-Jolle heranzufuhren» Der vorgesehene Modus erlaubte, dass bis zur doppelten Anzahl der vorhandenen Boote Segler anderer Reviere eingeladen wurden.
Die Organisation des Ur-0-Jollen-Turniers war gar nicht so einfach. Es standen einerseits eine beschränkte Anzahl von 0-Jollen zur Verfügung, die aber sehr unterschiedlicher Qualitat waren, wobei besonders die Segel gewaltige Qualitatsunterschiede aufweisen. So sassen dann die Verantwortlichen, naturlich nicht trockengelegt, zusammen, um einen Verteilplan zu organisieren, wo jeder ein gutes, ein mittleres und ein schlechtes Boot zugewiesen erhielt. Auf jeden Fall wurde streng darauf geachtet, dass kein Teilnehmer sein eigenes Boot erhielt» Und da immer mehr Teilnehmer als Boote da waren, gab es genug Gelegenheit, den Freuden einer grosszügigen Gastfreundschaft zu frönen.
Mit dem Tode des unvergessenen Erich Staub hatten wir einen neuen Sponsor für diese einmalige Veranstaltung, die Sport und Geselligkeit vereint, zu finden, Und der wurde auch gefunden in der Familie von Dolly und Paul Weber, genau gegenüber auf der andern Seeseite, Unterdessen haben wir das 36te 0-Jollenturnier auf dem Grundstuck unseres Freundes durchführen können, Allerdings hat mit zunehmender Zahl von verfügbaren Booten der Austragungsmodus geändert werden miissen, indem es keine auswartigen Einladungen mehr gibt und jeder sein eigenes Boot fährt» Aber die Zeit für den geselligen Teil ist geblieben und verdurstet ist bis heute keiner, dank unsern grosszugigen Gastgebern.
Heute segeln wir also diesen Anlass in Erlenbach. Und die Tradition bleibt erhalten: das gesellige Zusammensein hat Vorrang vor tierischem Ernst des Wettkampfes….. wenn auch ein Jolli, wenn Du ihn auf sener Kiste loslässt sehr sehr versucht zuerst ins Ziel zu kommen. Nur so kann man nämlich Regatten gewinnen.
Unsere Führer
Oski Weber: (1919-2003)
Ich erwähne ihn zuerst, da er das technische Rückgrat nicht nur der Schweizer, sondern auch der ganzen O-Jolle war. Er hat Ordnung gehalten im Dickicht der Bauvorschriften und Wünsche der Hersteller. Er hat der O-Jolle den Schwingtest gebracht. Das ist die Messung der Trägheit des Rumpfes, was schliesslich seinen Wiederstand beim Segeln in der Welle darstellt. Nun sind alle so geprüften Rümpfe bei Bewegung gleich schnell, seien sie aus Holz oder Kunststoff hergestellt, innen offen oder mit Doppelboden ausgerüstet.
Da dieser Messwert mit alten Vollholzjollen festgelegt wurde, sind alte und ganz neue Schiffe sich gleich.
Oski war schon vor 1936 bei den Ausscheidungen dabei. Dann hat er immer eine Jolle gehabt – 60 Jahre lang.
Er war Sekretär der neuen IOU 1957 und Präsident unserer Schweizer Vereinigung IOUS.
Dann vergessen wir nicht: Marga Guidon, Frau Stämpfli. Sie weiss noch heute alles über eine O-Jolle und ihre verschiedenen Besitzer, man muss ihr nur die Segelnummer sagen. Sie war viele Jahre Sekretärin bei einer Folge von verschiedenen Präsidenten.
In den 70er Jahren waren wir ganz vorne: Max Balthis Präsident der IOU International, Hans Teuscher IOUS.
Beide haben hervorragendes getan und in der Zeit sind überall in Europa neue Schiffe und neue Segler dazugestossen. Max hat eine professionelle Zeitung herausgegeben und damit das Gebot der Information an die Mitglieder aller Länder super erfüllt. Hans hat die Neuauflage von Formverleimten Schiffen gefördert und damit der Variante aus Kunststoff eine moderne Lösung des traditionellen aufgezeigt.
Roli Heuberger aus der Au. Ein unermüdlicher Präsident, der viele Veranstaltungen für uns Jollis organisiert hat und mit seinem ansteckenden Humor manches Fest schön gemacht hat. Er segelt noch heute voll und bei Starkwind ganz vorne mit. Gar nicht mehr Mister Aegeri wo er uns mit seiner „Geige“ von Voetterl um die Nase fuhr. Nein, bei der Holländischen Meisterschaft 1997 in Sneek wurde er Meister der zweiten Gruppe, locker.
Dann Ueli Pfenniger auch aus der Au. Der Präsi der alle mitriss und der ganzen Familie befahl eine O-Jolle zu segeln. Nun ruht er sich auf einer H-Jolle aus, da diese doch eine Kabine habe wenn es regnet.
Roli Heuberger übernahm nochmals das Ruder. Diesmal galt der Kampf dem Abstieg aus der SM Qualifikation. Wir mussten antreten, damit die geforderten Teilnehmer an Regatten da waren. Mit Erfolg.
Hans Baumgartner
in Zollikon am Zürichsee. Bootsaustellung in Zürich
organisiert. Mit der Änderung des nationalen Segelkennzeichens von
Z auf SUI auch die
neuen Statuten per 1995 erfolgreich in die Tat umgesetzt. Nicht zuletzt dank Ihm und Gerhard Heller an der SM am Aegerisee ein Riesenerfolg mit 46 O-Jollen am Start.
Peter Nägeli aus ST.Moritz hatte es dann schon schwerer, da neu die Ausländer am Start nicht mehr mitgezählt werden durften. So sind wir trotz grossen Startfeldern bei der Klassenmeisterschft gelandet.
Felix Hurter. 1965 schenkte mir mein Vater die Z46 BUBU aus der Werft von Boesch. Ich segle sie noch heute und da ich ein Bastler bin mache ich Masten selber, die zwar aus Alu sind aber nur grad die mindest geforderten 8 kg wiegen. (Schweizer Flugzeugalu). Es wird also noch lange keine Kohle gefahren auf der O-Jolle. Wir sind dabei (wieder) in der Schweiz Kunststoff- O-Jollen zu bauen. Und so denken wir, dass wie in Holland und Deutschland neue Schiffe kommen und neue Freunde zu uns stossen.
David Magnusen
ist aus Dänemark und wohnt bei Neuchatel. Segelt begeistert auf
der O-Jolle und Lacustre auf dem Meer. Er hat nun das Ruder der O-Jollis
übernommen und hat in seinem Club schon wieder mehrere neue Jollis angesiedelt. Sicher werden bald wieder in Grandson am Neuenburgersee Regatten gesegelt.
Dieses Jahr in St.Aubin am Neuenburgersee am 25.26. Juni 2011.
Schoot und Mastbruch Felix Hurter OZ 46