Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03508.jsonl.gz/1000

Aufgezeichnet von Katharina Siegrist:
Wer bin ich?
Ich bin Gloria Schmidt.
Ich bin aus Österreich.
Jetzt wohne ich in der Schweiz.
Was mag ich?
Ich mag Sprachen. Zum Beispiel:
- Deutsch
- Englisch
- Französisch
Ich finde Leichte Sprache spannend.
Was arbeite ich?
Ich arbeite im Büro für Leichte Sprache von Pro Infirmis.
Das Büro für Leichte Sprache schreibt einfache Texte.
Zum Beispiel für:
- Menschen mit Lern-Problemen
- Menschen mit Beeinträchtigungen
- Menschen, die andere Sprachen sprechen
Texte in Leichter Sprache können alle besser verstehen.
Alles klar? Hoffentlich! Denn das war in Leichter Sprache verfasst. Der Text sollte darum für möglichst jede und jeden verständlich gewesen sein.
Seit fünf Jahren sind wir vom Büro für Leichte Sprache für verschiedene Auftraggeber tätig. Das ist dringend nötig. In der Schweiz haben 36 Prozent der Erwachsenen Schwierigkeiten, einen komplexeren Text zu verstehen. Und 16 Prozent verstehen ihn gar nicht. Das können Personen mit einer kognitiven Beeinträchtigung sein – etwa mit einer Lernschwäche, einer Hirnverletzung oder mit Demenz. Auch Personen mit Migrationshintergrund und einer anderen Muttersprache als Deutsch.
Direkte Ansprache
Für Leichte Sprache gibt es einige Tricks. Als Regel gilt etwa: nur eine Information pro Zeile. Längere Wörter kann man mit Bindestrichen unterteilen. Wichtiges lässt sich fett oder unterstrichen besonders betonen. Von einer Passivformulierung und Synonymen lässt man besser die Finger. Sie führen nur zu unnötiger Verwirrung. Eine direkte Anrede mit «Sie» oder «Du» ist zudem besser als ein allgemeines «man».
Es gibt keinen Sachverhalt, der sich nicht mit Leichter Sprache ausdrücken liesse – zumindest inhaltlich. Schwierigkeiten gibt es etwa beim Gendern, wenn man männliche und weibliche Form möglichst gleichermassen verwenden will. Hier wird häufig ein Stern (*) verwendet. Sonderzeichen sollte man bei Leichter Sprache aber möglichst vermeiden.
Es ist ungerecht
Für mich sind Empathie und Gerechtigkeit zwei grundlegende Werte, die sehr eng mit Leichter Sprache zusammenhängen. Ohne verständliche Texte können Betroffene nicht mitbestimmen, keine oder wenige Entscheidungen selbst treffen und damit auch kein selbstbestimmtes Leben führen. Wenn ich eine Zeitung in Standardsprache lese oder komplizierte Verträge unterschreibe, denke ich oft, wie ungerecht es ist, dass es nicht die Möglichkeit gibt, zu fragen: «Haben Sie das auch in einfacher Sprache?»
Nachholbedarf sehe ich vor allem im Gesundheitssektor. Wer versteht schon Ärztinnen und Ärzte, die mit Fachausdrücken um sich werfen ? Dabei geht es um sehr wichtige Informationen. Auch der Bund hat die Corona-Schutzmassnahmen in Leichte Sprache übersetzt. Denn nur wer sie versteht, kann sich und andere schützen.
Wenn es weitere Einschränkungen gibt und eine Impfung ansteht, muss man das allen verständlich näherbringen. Niemand soll mit Verunsicherung und Ängsten alleingelassen werden. Auch Unternehmen nutzen unser Angebot. Zum Beispiel wenn sie ein neues Zeiterfassungssystem einführen, beugt man damit Fehlern vor und verhindert Missverständnisse.
Auch privat lese ich gern verständliche, gut aufgebaute Texte. Das können Nachrichten und Geschichten sein – solange sie klar formuliert sind und zum Weiterlesen einladen. Auch bei Leichter Sprache gibt es immer Neues zu entdecken. Das macht die Arbeit so spannend. Jeder Text, jedes Sprachziel und jedes Zielpublikum ist anders. Man lernt nie aus.
Kann man Sprachen im Schlaf lernen?
Köpfhörer aufsetzen, im Schlaf Vokabeln trainieren – und schon spricht man fliessend französisch? Ärztin Claudia Twerenbold erklärt, ob das tatsächlich möglich ist.
Quelle: Beobachter Bewegtbild