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Dieser Architekt baut die verrückteste Kathedrale der Welt
David Adjaye gehört zu gefragtesten Architekten weltweit. Jetzt baut er in seinem Heimatland Ghana eine Kathedrale, die Platz für 5'000 Menschen bieten soll. Verrückt – oder doch nicht?
Es sei grossartig, etwas bauen zu dürfen, das für eine Nation von so grosser symbolischer Bedeutung sei. In Europa würden Museen oder Bürogebäude als gefragte Aufträge gelten, erzählt David Adjaye im Interview mit dem «Zeit Magazin».
Gehe es allerdings darum, eine junge Nation aufzubauen, seien Justiz, das politische Leben, Bildung, Universitäten fundamental wichtig. Und eben auch Spiritualität. «Das sind die Dinge, die die DNA eines Ortes ausmachen.»
Seit vergangenem März baut der 54-jährige Architekt in Accra, der Hauptstadt seines Heimatlandes Ghana, eine interkonfessionelle Kathedrale, die dereinst 5'000 Menschen fassen soll.
Als der Schreibende von diesem Kirchenprojekt erfährt, denkt er sofort an die gigantische Basilique Notre-Dame de la Paix in der Hauptstadt der Elfenbeinküste, die 1990 von Papst Johannes Paul II. geweiht worden ist. Gemäss Schätzungen werden von den 18'000 Plätzen, von denen 7'000 Sitz- und 11'000 Stehplätze sind, im afrikanischen Petersdom gewöhnlich nur zu etwa zwei Prozent belegt.
Monument für schwarze Kultur
Droht Ähnliches nun auch in Ghana? Wohl kaum. Denn Adjaye gilt als Visionär, der mithilfe seiner Architektur Kulturen verbindet. Nicht umsonst zählt ihn das «Time Magazine» zu den «100 einflussreichsten Menschen der Welt». Weltweit bekannt wurde er mit dem 2016 fertiggestellten National Museum of African American History in Washington. Ein Monument für die schwarze Kultur.
Ein Denkmal, das dringend nötig war: «Die Architektur ist total weiss», so Adjaye im Interview mit dem «Zeit Magazin». Westliche Bauherren seien in die Kolonien geschickt worden, um dort Gebäude zu errichten, die der Ausbeutung dienten. «Das war keine freundliche Geste – es musste Infrastruktur aufgebaut werden, um Länder zu kontrollieren und zu unterwerfen.»
Adjaye zeigt sich deshalb auch nicht verwundert darüber, dass das «T Magazin» der «New York Times» kürzlich eine Liste der «25 Räume, die beeinflussen, wie wir entwerfen», veröffentlicht hat, auf der kein einziges afrikanisches oder südamerikanisches Gebäude erwähnt ist. Die Liste bringe das Problem vielmehr auf den Punkt, weil die Menschen nur das als wertvoll ansehen, wozu sie selbst eine Beziehung haben. «Wenn Sie diese Liste Leuten im Kongo unter die Nase halten, werden Sie ausgelacht.»
Niemand braucht Kathedralen
Architekt Adjaye ist im Übrigen durchaus bewusst, dass «eigentlich niemand Kathedralen brauche». Eine Kathedrale sei ein Ausdruck des Selbstverständnisses eines Landes. Die St. Paul's Cathedral in London habe auch niemand gebraucht. «Als sie gebaut wurde, signalisierte England der Welt, dass London eine aufstrebende Stadt mit einer starken Identität war.»
Die Kathedrale in Accra habe ein ähnliches Ziel, aber «wir leben im 21. Jahrhundert, da sollte ein Gebäude zugleich auch ein Gemeinschaftsgebäude sein». Deshalb wird es im Gotteshaus – auf 70'000 Quadratmetern – nicht nur für Staatsbegräbnisse und Zeremonien geben, sondern auch ein Museum und eine Lehreinrichtung für Theologie.
Aber auch ganz normale Bürger werden dort ihre Taufen und Hochzeiten feiern können. Es sei ihm sehr wichtig, so Adjaye, «dass die Kathedrale ebenso ein soziales wie ein symbolisches, heiliges Gebäude ist».
Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.Zurück zur Startseite