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World Energy Outlook 2012: revidierte Prognosen
Die Experten der IEA halten im WEO fest, dass mehrere Länder den Ausbau ihrer Kernkraftwerkskapazität nach dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima-Daiichi im März 2011 zurückgestuft haben und sich dies auf die künftige weltweit installierte Kernkraftwerkskapazität auswirkt. Die IEA erwarte, dass die installierte Kernkraftwerkskapazität 2035 im Vergleich zur Schätzung in der letztjährigen Ausgabe des Outlook um 50’000 MW tiefer liege und nur 580’000 MW erreiche, sagte Fatih Birol, Chefökonom der IEA, an der Vorstellung des WEO in London. Dies sei rund 200’000 MW mehr als heute, wobei die Länder, die nicht zur OECD gehörten, etwa 94% der Zunahme ausmachten. China erfahre den grössten Zuwachs der Nuklearkapazität: von gegenwärtig rund 12’000 MW auf 128’000 MW 2035. Es folgten Südkorea, Indien und Russland.
Als Folge des Reaktorunfalls in Fukushima-Daiichi sei die Zukunft der Kernenergie «ungewisser» geworden, so die IEA. Der letztjährige Outlook habe zwar die unmittelbaren Reaktionen wie den beschleunigten Kernenergieausstieg Deutschlands und den Neubauverzicht Italiens bereits berücksichtigt. Der WEO 2012 habe nun auch die jüngeren Entwicklungen wie die neue Energiestrategie Japans, die eine verringerte Abhängigkeit von der Kernenergie anstrebe, einkalkuliert. Diese Faktoren hätten dazu beigetragen, dass die IEA ihre Schätzung der weltweiten nuklearen Stromproduktion 2035 um knapp 300 TWh oder rund 6% nach unten korrigiert habe. Entsprechend werde der Anteil am Strommix dannzumal nur 12% statt den 2011 prognostizierten 13% erreichen.
Nachhaltigkeit nicht in Sicht
Bei Berücksichtigung aller neuen Entwicklungen und Massnahmen sieht es gemäss IEA noch immer nicht so aus, als gelänge es, das globale Energiesystem auf einen nachhaltigeren Pfad zu lenken. Der WEO 2012 unterstellt drei Szenarien: Das zentrale «New Policies Scenario» geht davon aus, dass alle Staaten die jüngst angekündigten Selbstverpflichtungen beim Klimaschutz im Grossen und Ganzen einhalten. Das zweite Szenario, das «Efficient World Scenario», zeigt, wie die Hindernisse in den bestehenden politischen Rahmenbedingungen ausgeräumt werden, Energie effizienter einzusetzen, womit der Zuwachs bis 2035 sich halbieren würde. Das dritte Szenario schliesslich, das «450-Scenario», zielt auf eine Erderwärmung um höchstens 2° C ab.
Im zentralen «New Policies Scenario» steigt der globale Energieverbrauch im Zeitraum bis 2035 um mehr als ein Drittel, wobei 60% der Zunahme auf China, Indien und den Nahen Osten entfallen. In den OECD-Ländern nimmt der Energiebrauch kaum zu. Allerdings ist dort ein deutlicher Trend weg von Erdöl und Kohle hin zu Erdgas und erneuerbaren Energien zu beobachten. Die Emissionen im «New Policies Scenario» entsprächen einer langfristgien globalen Erderwärmung um 3,6° C, rechnen die IEA-Experten.