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Die typischen Gefahrenmuster im Laufe des Winters
Der zweite Schneefall
Folgt nach dem ersten Schneefall im Spätherbst oder frühen Winter eine längere Schönwetterphase, so wird die Schneedecke in schattigen Hängen aufbauend umgewandelt. Das heisst, dass sich Schneekristalle in zusammenhangslosen, zuckerartigen Schnee verwandeln, der sich bei Neuschneefall schlecht mit dem neuem Schnee verbindet. Gefahrenstellen befinden sich dann typischerweise in Schattenhängen über rund 2000 Metern. In den übrigen Expositionen besteht dieses Problem weniger: Dort führen warme Temperaturen oder Sonneneinstrahlung dazu, dass keine genügend grossen, zusammenhängenden Schneeflecken mehr bestehen, oder der erste Schnee sich so verfestigt, dass Neuschnee gut darauf haften bleibt. Das Gefahrenmuster des «zweiten Schneefalls» verschwindet, sobald die bodennahe Schwachschicht mit genügend Schnee überlagert wird. Entscheidend für die Beurteilung werden dann höher in der Schneedecke liegende Schwachschichten, da das Gewicht eines Skifahrers nur bis in eine Tiefe von 40 cm, bei einem Sturz bis maximal 100 cm, auf die Schneedecke einwirkt.
Gleitschneelawinen
Gleitschneelawinen sind Lawinen, die direkt auf dem Boden abgleiten. Oft geht einem Gleitschneelawinenabgang ein gletscherähnliches, sehr langsames Fliessen und Verformen der Schneedecke voraus. Dabei entstehen am oberen Rand des abgleitenden Bereichs grosse Risse, die bis zum Boden reichen, sogenannte Fischmäuler. Am unteren Ende des fliessenden Bereichs wird der Schnee komprimiert, so dass wellenförmige Formen entstehen. Gleitschneelawinen sind typisch im Frühling, neuerdings gibt es sie aber vermehrt auch im Hochwinter. Die warmen Gleitschneerutsche im Frühling bilden sich, wenn die ganze Schneedecke durchfeuchtet ist. Die kalten Gleitschneelawinen im Hochwinter entstehen in Wintern, in denen der Boden beim Einschneien noch warm ist und schnell mit einer relativ grossen Schneemenge überdeckt wird. Die Gefahr kalter Gleitschneelawinen kann mehrere Wochen anhalten und ist weitgehend unabhängig von der aktuellen Lufttemperatur. Es kann also sehr kalt sein und trotzdem können kalte Gleitschneelawinen spontan abgehen. Von Tourenfahrer*innen können diese nicht ausgelöst werden, bedrohen unter Umständen aber – wie Gletscherabbrüche – grosse Bereiche einer Route. Typische Gefahrenzonen sind steilere Grashänge oder Hänge mit Felsplatten als Untergrund. Fischmäuler können die Gefahr anzeigen, rund die Hälfte der kalten Gleitschneelawinen gehen jedoch ohne Fischmaul-Bildung ab. Mit einer geschickten Spuranlage (Gefahrenzonen meiden) und nur kurzem Aufenthalt in der Gefahrenzone (z.B. rasche Traversierung) minimieren wir die Gefahr.
Neuschneelawinen
Rund ein Drittel der Lawinenunfälle passieren im Neuschnee, sprich während des Schneefalls oder in den drei Tagen nach dem Ende der Schneefallperiode. Die Gefahr nimmt in der Regel mit der Höhe zu, weil kälterer Neuschnee und vom Wind verwehter Neuschnee sich mit dem Untergrund schlechter verbinden. Fällt der Neuschnee auf eine vorhandene Schneedecke, hilft zur Beurteilung der Lawinengefahr die Regel der «kritischen Neuschneemenge». Kurz besagt diese, dass bei ungünstigen Bedingungen (viel Wind, grosser Kälte und ungünstiger Altschneeoberfläche wie etwa Reif) schon 10 bis 20 cm Neuschnee genügen, um eine kritische Situation entstehen zu lassen. Fällt der Neuschnee ohne Wind und ist es vor und während dem Schneefall eher warm und die Altschneeoberfläche günstig (stark strukturiert, voller Skispuren) oder der Boden aper, so kann bis zu 50 cm Neuschnee fallen, ohne dass es heikel würde. Die Gefahr bei Neuschnee klingt normalerweise innerhalb von ein bis drei Tagen wieder ab. Länger heikel bleibt es indes in kalten Schattenhängen.
Wenn der Wind Lawinen baut – das Triebschneeproblem
Dieses entsteht, indem lockerer Schnee vom Wind verfrachtet wird und in Windschattenhängen Triebschneeansammlungen entstehen. Meist passiert die Verfrachtung während oder kurz nach dem Neuschneefall, aber auch älterer Schnee kann verfrachtet werden, wenn die Schneeoberfläche locker ist und auf einmal Wind aufkommt. Triebschneeansammlungen sind meist locker, können aber besonders bei Verfrachtung von älterem Schnee auch hart sein. Gefährlich sind vor allem frische Triebschneeansammlungen, da sie sehr auslösefreudig sind, dies auch schon in wenig steilen Hängen knapp über 30 Grad. Das Gute aber ist, dass man Triebschneeansammlungen oft leicht erkennt und sie sich umgehen lassen. Entstehen die Ablagerungen auf einer guten Altschneedecke, klingt die Gefahr nach ein bis drei Tagen ab.
Die Altschneeproblematik
Die Altschneeproblematik entsteht bei einem ungünstigen Schneedeckenaufbau, wie er oft inneralpin zu finden ist. Dabei wird das Lawinenrisiko massiv erhöht. Rund drei Tage nachdem Neuschnee gefallen ist oder Triebschneeansammlungen entstanden sind, sprechen wir von Altschnee. War der Schneedeckenaufbau vor dem Schneefall stabil und die alte Schneeoberfläche nicht gerade von Oberflächenreif bedeckt, wird sich der Neuschnee spätestens nach drei Tagen gut mit dem Altschnee verbinden, wodurch eine günstige Situation für Skitouren entsteht. Ist dies nicht der Fall, bleibt die Gefahr bestehen.
Die Nassschneeproblematik
Insbesondere im Frühling tritt dieses Muster gehäuft auf. Regen, fehlende Abstrahlung und natürlich hohe Temperaturen und viel Sonne weichen den Schnee auf. Ist genügend Wärme im Hang, gehen Nassschneelawinen meist spontan ab. Ist die ganze Schneedecke durchnässt, gleiten die Lawinen auf dem Boden ab und können sehr gross werden. Wichtig ist es, die Tour frühzeitig zu beenden.
Unsere aktuellen Lawinenkurse
In diesen Kursen bist du in einer Kleingruppe mit dem Bergführer oder der Bergführerin draussen auf Skitouren unterwegs. Abends gibt es jeweils Theorieblöcke mit Hintergrundinformation, um das Gelernte einzuordnen.