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Die meisten Frauen verkaufen sich viel zu billig. Oft geben sie sich trotz Studienabschluss oder anderweitig guter Ausbildung mit einer untergeordneten Position zufrieden, während männliche Kollegen mit vergleichbaren Voraussetzungen schon längst eine Leitungsfunktion bekleiden. Berufstätige Mütter sind hierfür besonders anfällig. Wir sind froh, dass wir überhaupt eine Stelle haben, die wir einigermassen mit den Kindern in Einklang bringen können und nicht unglücklich, keine Managementposition innezuhaben, weil wir denken, dass wir sonst noch mehr gefordert sind. Dabei ist es doch oft so, dass wir ohnehin die ganze Arbeit machen, die unser Vorgesetzter dann präsentiert und dabei gross herauskommt. Besondere Lorbeeren holt er sich, wenn er ganz allgemein noch seine Mitarbeiter erwähnt und deren Arbeit verdankt. Dass tatsächlich Sie die ganze Präsentation erarbeitet und erstellt haben, würde er in dieser Klarheit natürlich nie sagen.
Ich möchte das an dieser Stelle nicht werten, es ist einfach eine Tatsache, wie es in Unternehmen läuft. Wenn Sie weiterkommen wollen, müssen Sie da bis zu einem gewissen Grad mitmachen. Kommunizieren Sie, was Ihre Stärken sind, und zwar in einer Art und Weise, dass es auch ankommt. Wenn Sie zum Beispiel ein Projekt abgeschlossen haben, dann sagen Sie, wie schwierig es war und dass Sie trotz dieser Schwierigkeiten Lösungen gefunden haben. Sprechen Sie dabei in Ich-Form, wenn Sie mit gleich- oder höherrangigen Kollegen sprechen: Ich habe das initiiert… aufgrund meiner Anregung wurde… ich bin zum Schluss gekommen… Wenn Sie das nicht tun, wie sollen andere denn wissen, was Sie wirklich drauf haben. Die fleissigen Bienen werden selten belohnt und es ist leider illusorisch zu glauben, Ihre Vorgesetzten würden schon erkennen, was Sie können und Sie entsprechend fördern. Lernen Sie von Ihren männlichen Kollegen, wenn es darum geht, positive Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und sich gut zu verkaufen. Ein Beispiel: Im Moment, wo ich dieses Buch schreibe, denke ich an einen ganz bestimmten Verleger, den ich flüchtig kenne und dem ich mein Manuskript vorlegen werde. Bei dieser Ausgangslage würde ein Mann bereits sagen, er ist mit einem Verleger im Gespräch, der sich für das Buch interessiert. Sehen Sie den Unterschied?!
Oder ein anderes Beispiel: Wenn in einer Sitzung eine Frau einen anderen Standpunkt vertritt, dann leitet sie dies etwa mit den Worten ein: „Ich denke, man kann das auch anders sehen. Man könnte doch…“ Damit werden Sie nicht ernst genommen, denn ein Mann sagt klar: „Das ist falsch. Man muss…“ Zack, damit hat er den Pflock eingeschlagen.
Wenn es darum geht, eine neue Aufgabe zu übernehmen und Sie sich fragen, ob Sie das tatsächlich können, dann denken Sie immer daran, andere kochen auch nur mit Wasser. Auch ein anderer muss sich einarbeiten. Wenn Sie wollen, können Sie das. Und wenn Ihnen tatsächlich ein ganz konkretes Fachwissen fehlt, dann eignen Sie sich dieses an, kaufen Sie ein Buch oder besuchen Sie einen berufsbegleitenden Kurs. Aber ich sage Ihnen, verglichen mit Männern fehlt es Frauen höchst selten an Fachwissen, es fehlt an Selbstvertrauen und einem gesunden Selbstbewusstsein. Ich habe in meinen Coachings immer wieder Frauen, die gute Positionen innehaben und dennoch das Gefühl haben, andere (zwangsläufig Männer) könnten es viel besser oder sie trauen sich nicht zu, eine höhere Position zu übernehmen.
Im Laufe eines Coachings arbeiten wir dann nicht an der Vertiefung spezifischen Fachwissens, sondern wir bauen ganz gezielt das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein auf. Es ist unglaublich und auch immer wieder so schön mit zu verfolgen, welch positiven Effekt dies auf die Befindlichkeit der gecoachten Person sowie Ihre Wirkung auf Ihr Umfeld hat.
Wenn es um Ihren Lohn geht, sei es im Rahmen der jährlichen Lohnrunde, einer Beförderung oder einer neuen Stelle, dann informieren Sie sich vorgängig, was männliche Kollegen mit vergleichbarer Erfahrung und Position verdienen. Irgendwie kann man das immer herausfinden. Wenn nicht, dann suchen Sie nach Vergleichen innerhalb der Branche. Je mehr Informationen Sie haben, umso sicherer werden Sie sich fühlen. Legen Sie anschliessend für sich persönlich fest, welchen Lohn Sie für angemessen erachten und Ihrem Arbeitgeber mitteilen werden, wenn er Sie danach fragt, und wie weit Sie sich gegebenenfalls „drücken“ lassen. Etwas Verhandlungsspielraum müssen Sie immer einkalkulieren, wenn Sie ihn nicht brauchen, umso besser. Gleichzeitig sollten Sie für sich den klaren Entscheid treffen, dass Sie die Stelle nicht annehmen bzw. kündigen werden, wenn ein gewisses Limit unterschritten wird. In Ihrem Kopf und in Ihrem Herzen müssen Sie bereit sein, diesen Schritt zu machen. Sie müssen auch zutiefst davon überzeugt sein, dass der Lohn, den Sie für sich in Anspruch nehmen, gerechtfertigt ist. Diese persönliche Überzeugung ist wichtig. Denn wenn nicht einmal Sie davon überzeugt sind, dass Sie einen bestimmten Lohn verdienen, wie wollen Sie dann Ihren Arbeitgeber davon überzeugen. Wenn Sie sich auf diese Art und Weise auf ein Gespräch vorbereiten, werden Sie ganz anders rüberkommen, selbstsicher und unabhängig – und viel mehr erreichen als wenn Sie quasi als Bittsteller darauf warten, was man Ihnen offeriert.
Diese Art von mentaler Vorbereitung können Sie auch für beliebige andere Themen oder Situationen in Ihrem Leben anwenden.
Wenn Sie im Unternehmen, für das Sie tätig sind, an einer Karriere interessiert sind, dann lassen Sie das Ihre Vorgesetzten wissen. Ich erlebe immer wieder, wie absolut fähige Frauen in einer Sachbearbeiterfunktion hängen bleiben, während die männlichen Kollegen links und rechts davonziehen. Der Grund ist oft, dass Frauen dieses Phänomen nicht selten als normal erachten und entsprechend akzeptieren.
Wenn Sie in einem Betrieb weiterkommen wollen, dann achten Sie nebst den im Kapitel „Ist eine berufliche Karriere als Mutter überhaupt möglich“ erwähnten Tipps am Arbeitsplatz darauf, grundsätzlich nicht von Ihren Kindern oder den Problemen, die Sie allenfalls wegen der geeigneten Organisation haben, zu sprechen – auch nicht in der Kaffeepause oder beim Mittagessen. Dies gilt besonders Ihren Vorgesetzten gegenüber. Man sollte gar nicht merken, dass Sie Kinder haben. Erscheint Ihnen das zu hart oder unnatürlich? Dann überlegen Sie einmal: Würden Sie eine Mutter im Betrieb fördern, die ständig von Ihren Kindern erzählt und von den Problemen, die sie mit der Betreuung hat? Da gewinnen Sie doch den Eindruck, dass diese Frau gedanklich völlig absorbiert ist und die Gefahr besteht, dass sie jederzeit ausfallen kann. Klar ist dies eine generelle Regel und Ausnahmen sind immer möglich. Aber seien Sie einfach vorsichtig.
Das alles heisst nun nicht, dass Sie zu einer Emanze mutieren müssen. Stellen Sie Ihre Forderungen, setzen Sie sich durch und lassen Sie andere wissen, was Sie können, aber tun Sie es charmant und nutzen Sie dabei Ihre typisch weiblichen Fähigkeiten wie emotionale Intelligenz und Intuition.
Best Mama in Kürze
- Verkaufen Sie sich nicht zu billig. Bringen Sie in Erfahrung, was männliche Kollegen in vergleichbarer Situation verdienen und positionieren Sie sich entsprechend.
- Akzeptieren Sie nicht, dass männliche Kollegen mit vergleichbarer Ausbildung und Erfahrung punkto Karriere links und rechts an Ihnen vorbeiziehen.
- Lassen Sie Ihren Arbeitgeber wissen, dass Sie an einer Karriere interessiert sind.
- Trauen Sie sich eine höhere Position zu. Denken Sie daran, andere kochen auch nur mit Wasser.
- Bleiben Sie charmant und nutzen Sie Ihre emotionale Intelligenz und Intuition.