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Ozon - Reizgas bei Sommerhitze
Ozon ist ein natürlicher Bestandteil der Erdatmosphäre. Es schützt die Erde vor den schädlichen UV-Strahlen. Doch auch in den unteren Luftschichten der Atmosphäre bildet sich unter starker Sonneneinstrahlung Ozon: Sauerstoff reagiert mit Schmutzpartikeln in der Luft. Diese stammen in erster Linie aus Auto- und Industrieabgasen. Die höchsten Ozonwerte treten aber wider Erwarten nicht in den Städten auf, sondern in den umliegenden ländlichen Regionen. Denn das ebenfalls in den Autoabgasen enthaltende Stickstoffmonoxid reagiert direkt mit Ozon zu Stickstoffdioxid und Sauerstoff: Der Ozongehalt sinkt. Das entstandene Stickstoffdioxid und weitere Ozonvorläuferstoffe aus den Abgasen gelangen mit dem Wind aus den Städten heraus. Erst Kilometer weit von der eigentlichen Quelle entfernt bildet sich das schädliche Ozon. In den Mittag- und Nachmittagstunden ist die Ozonkonzentration am höchsten.
Ozon ist ein sehr aggressives, giftiges Reizgas. Durch tiefes und häufiges Einatmen, etwa beim Sport, kann das Ozon in entlegene Lungenabschnitte gelangen, das Gewebe schädigen und sogar entzündliche Prozesse auslösen. Noch Stunden nach der Ozonbelastung kann die Lungenfunktion vermindert sein.
Die schädliche Wirkung von Ozon auf die Atemwege des Menschen ist erstens abhängig von der Ozondosis, also von der Konzentration des Ozons in der Luft, zweitens von der Dauer des Aufenthalts im Freien, und drittens vom Grad der körperlichen Anstrengung.
Folgende Symptome treten bei Ozonbelastung auf:
- Ab 70 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft: Augenbrennen (Reizung der Bindehaut)
- Ab 100 Mikrogramm: Kopfschmerzen
- Ab 160 Mikrogramm: Husten und Kurzatmigkeit
- Ab 200 Mikrogramm: Vermehrte Anfälle bei Asthma-Patienten
- Ab 300 Mikrogramm: Beeinträchtigung der Lungenfunktion, Brustschmerzen und Störungen des zentralen Nervensystems.
Die meisten Menschen merken nicht allzu viel davon. Nur etwa 10-15% der Bevölkerung reagieren besonders empfindlich auf erhöhte Ozonwerte. Darunter gibt es zwei Risikogruppen:
- Personen, deren Atemwege besonders empfindlich sind, wie Allergiker und Asthmatiker. Dazu gehören aber auch ältere Menschen und – ganz besonders wichtig – Kinder, und zwar je jünger desto mehr! Auch Schwangere haben in den letzten Monaten der Schwangerschaft ein verringertes Atemvolumen, gehören also mit zur ersten Risikogruppe und sollten deshalb ebenfalls vorsichtig sein.
- Personen, die häufig längere, anstrengende körperliche Tätigkeiten im Freien ausüben. Dazu gehören zum Beispiel im Freien spielende Kinder und Sporttreibende oder auch bestimmte Berufsgruppen wie Landwirte und Bauarbeiter. An Tagen mit hoher Ozonkonzentration (ab 180 Mikrogramm pro Kubikmeter) wird deshalb empfohlen, sich nur morgens und abends im Freien aufzuhalten und auf ungewohnte körperliche Anstrengungen im Freien und vor allem auf Ausdauerleistungen zu verzichten.
Und so sollten Sie sich an besonders heissen Tagen verhalten:
- Informieren Sie sich über die Ozonwerte in Ihrer Region. Die aktuellen Messdaten für Ihr Wohngebiet finden Sie unter www.ozon-info.ch und auf der Website des Bundesamts für Umwelt (BAFU) www.bafu.admin.ch.
- Wenn der Ozonwert über 180 Mikrogramm pro Kubikmeter steigt, sollten Sie körperliche Aktivitäten, sei es die alltägliche Spazierrunde oder der Einkauf, in die Morgenstunden legen. Zu dieser Zeit ist die Ozonbelastung in der Regel noch gering.
- Bei sehr hohen Ozonwerten halten Sie sich am besten in geschlossenen Räumen auf. Dies gilt insbesondere für den Zeitraum von 14 bis 17 Uhr – hier erreicht die Ozonbelastung meist ihren Höchstwert.
- Wenn Sie unter einer Atemwegserkrankung leiden, sollten Sie weitere Luftschadstoffe wie Zigarettenrauch an heissen Tagen meiden, um die Lunge nicht zusätzlich zu reizen.
- Lüften Sie am besten morgens, wenn die Luft noch wenig Ozon enthält, und schliessen Sie danach alle Fenster.
Die Grenzwerte für die Ozonkonzentration in der Luft sind gesetzlich geregelt, in der Schweiz ist dies ein Stundenmittelwert von 120 Mikrogramm/Kubikmeter. Die Luftreinhalteverordnung (LVU) toleriert jährlich nur eine einzige Überschreitung dieses Wertes. Unter diesen Bedingungen ist selbst für empfindliche Personen keine Gefahr vorhanden. Ab einem Wert von 180 über drei Stunden besteht Informationspflicht, ab 360 Ozon-Alarm. Im Jahre 2002 ist in der Schweiz nur einmal ein Wert von 240 über drei Stunden gemessen worden - in Lugano.
Eins ist für Schwangere zumindest beruhigend: In vielen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte eine teratogene (fruchtschädigende) Wirkung von Ozon bisher nicht nachgewiesen werden – lediglich die Gesundheit der Schwangeren selbst kann beeinträchtigt werden.
Letzte Aktualisierung : 17-06-19, BH