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Dänische
Kunst. Nachdem das dän.
Reich zu einem Ganzen vereinigt war und das
Christentum Eingang gefunden hatte, machte
sich auch in der
Kunst eine höhere
Entwicklung geltend. Die ältern Holzkirchen mußten bald den mehr
monumentalen Steinkirchen im roman.
Stil weichen; so entstanden im 12. Jahrh. die Domkirchen zu Ribe,
Lund und Viborg, die
sich dem am Niederrhein herrschenden
Baustile anschließen. Auch in den kleinern, einschiffigen Dorfkirchen und in den Klosterkirchen
zeigen sich dieselben Stileigentümlichkeiten - jedoch mit
Details verbunden, die sich nur aus der einheimischen
Holzarchitektur oder sogar aus Einflüssen der heidn. Urzeit herleiten lassen. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrh.
hält der Ziegelbau seinen Einzug in
Dänemark;
[* 2] er zeigt sowohl die roman. als später die got. Formen.
Roman. Ziegelkirchen sind: die Klosterkirchen in
Sorö und Ringsted, die kreuzförmige
Kirche in
¶
forlaufend
Kallundborg mit fünf Türmen, die ältesten Teile der Domkirche zu Aarhus [* 4] und endlich die berühmteste Kirche Dänemarks: die Domkirche zu Roeskilde mit zahlreichen Königsgräbern. Got. Ziegelkirchen sind: die Domkirchen in Odense [* 5] und Aarhus (neuere Teile) sowie die Klosterkirche in Maribo. Interessante roman. Skulpturen finden sich in der Domkirche zu Ribe (südl. Eingang) sowie an der Frauenkirche zu Aalborg; übrigens sind nur wenige bedeutende plastische Monumente der roman. Zeit in Dänemark übrig, nämlich einige Grabdenkmäler und Altaraufsätze.
Die Malerei wurde dagegen vielfach zum Wandschmuck in den Kirchen verwendet, und zwar nicht nur in den Hauptkirchen, sondern auch in den Dorfkirchen, wo sie jetzt allmählich wieder ans Licht [* 6] treten. Die got. Altarschränke sowie die got. Grabdenkmäler (z. B. das der Königin Margarete im Dom zu Roeskilde) waren wohl meistens vom Ausland bezogene Arbeiten; so der Altarschrank für die Frauenkirche in Odense von dem Lübecker Claus Berg (Anfang des 16. Jahrh.). Auch aus dieser Zeit kommen öfters kirchliche Wandgemälde vor.
In der Zeit der Renaissance wurde Dänemark hauptsächlich von Norddeutschland und Holland beeinflußt, und wiederum trat die Ziegelarchitektur in den Vordergrund und wurde unter Friedrich II. (1559-88) und Christian IV. (1588-1648) auch von einheimischen Künstlern mit einer Freiheit betrieben, welche den dän. Bauten dieser Zeit einen selbständigen Charakter verleiht. Die Schlösser Kronborg, Frederiksborg, Rosenborg, die prächtige Börse in Kopenhagen [* 7] sind die bedeutendern Erzeugnisse dieser Richtung, die auch viele Privatbauten und einzelne Kirchen umfaßt.
Sie sind alle aus roten Ziegelsteinen und mit Sandsteinverzierungen geschmückt. Die Bildhauerkunst [* 8] fand zum Schmuck dieser Bauten vielfach Verwendung; die Königsgräber in der Domkirche zu Roeskilde zeugen von der Wirksamkeit teils ausländischer, besonders niederländischer, teils einheimischer Künstler. Auch die Malerei wurde von den Niederlanden beeinflußt, indem niederländ. Maler, wie Karel von Mander, Abr. Wuchters und der Kupferstecher Alb. Haelwegh, einberufen wurden, um die sich bald eine zahlreiche einheimische Künstlerschar sammelte, in der natürlich die niederländ. Richtung maßgebend war.
Unter Christian V. (1670-99) änderten sich aber die Verhältnisse. Die Herrschaft der damaligen franz.
Kunst machte sich auch in Dänemark geltend, und die ältere, einfache holländ. Richtung mußte dem franz. Geschmack unterliegen.
Dieser Zeit gehören Gebäude an wie das Schloß Charlottenborg in Kopenhagen und die Erlöserkirche zu
Christianshavn von Lambert von Haven, die freilich mit ihren Ziegelmauern den Gebäuden Ludwigs XIV. gegenüber ein sehr einfaches
Gepräge tragen. Im Anfang des 18. Jahrh. machen sich neben dem französischen auch ital.
Einflüsse geltend, z. B. im Schloß Frederiksborg bei Kopenhagen von Platen. Während Thomas Quellinus mehrere
Bildhauerarbeiten niederländ. Stiles in Dänemark ausführte, erhielten doch bald auch in der Skulptur die Franzosen das Übergewicht,
als l'Amoureux die barocke Reiterstatue Christians V. auf des «Königs Neumarkt» in Kopenhagen ausführte.
Auch in der Malerei verursachten die franz. Meister Jacques d'Agar und Benoit Coffre einen völligen Umschwung des Geschmacks
zu Gunsten der franz. Richtung.
Unter Christian VI. gewinnt dann seit 1730 der deutsche Rokokostil Raum, indem Schlösser wie Amalienborg von Eigtvedt, Hirschholm (Hörsholm, später abgebrochen) von Thura, das ältere Schloß Christiansborg von Hausser (1794 abgebrannt) in Kopenhagen und Charlottenlund nördlich von dieser Stadt, alle das prunkvolle Gepräge dieser Richtung zeigen. Den obengenannten eingeborenen Architekten reihten sich auch verschiedene dän. Bildhauer und Maler an, wie Hendrik Krogk, der Marattas Manier angenommen hatte, während doch die meisten größern Arbeiten fremden Künstlern übertragen wurden.
Unter diesen verdient der Kupferstecher J. M. ^[Johann Martin] Preisler aus Nürnberg
[* 9] besonders genannt zu werden. Unter Friedrich
V. (1746-66) wurde die dän.
Kunstakademie errichtet. Gleichzeitig wurden zwei Franzosen, der Baumeister
Jardin und der Bildhauer Saly berufen, von denen der erste die sog. Marmorkirche zu bauen anfing, die erst jetzt
ihrer Vollendung entgegengeht, während der zweite die Reiterstatue Friedrichs V. auf dem Platze bei Amalienborg errichtete.
Unter den Malern verdient Peder Als als Porträtist genannt zu werden.
Das Ende des 18. Jahrh. leitete die eigentliche nationale
Kunst in Dänemark ein, indem bedeutende einheimische Künstler
von jetzt an die Leitung übernahmen. Die neuerweckte antikisierende Richtung fand in der Baukunst
[* 10] einen hervorragenden Vertreter
in dem reich begabten Harsdorff, von dem leider nur wenige Werke, wie die schöne Kolonnade bei Christiansborg,
zur Ausführung kamen, während die großen Arbeiten nach dem Brande Christiansborgs 1794 und dem Bombardement von Kopenhagen 1807 seinem
weniger begabten Schüler C. F. Hansen zufielen, der das Schloß Christiansborg (abgebrannt 1884), die Frauenkirche und das
Rathaus in einem ziemlich plumpen und nüchternen Empirestil ausführte.
Durch den persönlichen Einfluß Winckelmanns auf den Bildhauer Wiedewelt scheint diese begabte aber schwache Künstlernatur
für die wiedergeborene Antike gewonnen zu sein. Dennoch scheinen weder Carstens noch Thorwaldsen von ihm persönlich beeinflußt
zu sein. Thorwaldsen hat natürlich für die bildende
Kunst seines Vaterlandes eine außerordentliche Bedeutung
gehabt und die Sammlung seiner Werke in Kopenhagen (das Thorwaldsen-Museum) hat auf das dän.
Kunstgewerbe einen unberechenbaren
Einfluß geübt.
In der Malerei beherrschte N. Abildgaard mit seinem gelehrt antikisierenden Allegorien die letzten Jahrzehnte des vorigen und das erste des 19. Jahrh.; seine gedehnten [* 3] Figuren konnten trotz einem bisweilen recht kräftigen Kolorit nicht das Interesse festhalten, und er vermochte es nicht, eine Schule zu bilden. Neben ihm wirkte der ausgezeichnete Porträtist Jens Juel und der ebenso bedeutende Kupferstecher Clemens. Indessen ging Abildgaards bedeutendster Schüler C. W. Eckersberg nach Paris [* 11] zu Louis David, ließ sich aber von ihm nicht fesseln und kehrte heim, um den Formalismus des 18. Jahrh. durch kräftigen Realismus zu ersetzen, indem er der eigentliche Schöpfer der neuern dän. Malerei wurde.
Eckersbergs vielseitige
Kunst umfaßte fast alle Zweige der Malerei, von dem histor. Bilde bis auf die Marinemalerei. Besonders
in letzterer Richtung ist seine einfache, wahrheitsliebende Auffassung und treuherzige Wiedergabe der Natur
sowie auch seine ausgezeichnete Lehrerwirksamkeit von der höchsten Bedeutung für die
Dänische Kunst unsers
¶
forlaufend
Jahrhunderts gewesen. Fast das ganze Geschlecht von Künstlern aus der Mitte des Jahrhunderts war aus seiner Schule hervorgegangen:
Marstrand, Küchler, Const. Hansen, Roed sind seine Schüler gewesen. Eine durch sorgfältige Zeichnung und nationale Begeisterung
vielfach, aber mit Farbensinn weniger begabte Richtung entwickelte sich in den fünfziger und sechziger Jahren, von
dem reichbegabten
Kunsthistoriker Hoyen geleitet, unter dem Einfluß von Eckersberg. Die Führer dieser Richtung waren der
als Genremaler und Historienmaler gleich hervorragende Marstrand und der Landschafter Skovgaard. Der frühverstorbene Tiermaler
Th. Lundby, Sonne,
[* 13] die
[* 12]
Figurenmaler Exner und Vermehren, die Marinemaler Sörensen, Anton und Wilhelm Mellbye u. a. gehörten
dieser Richtung an.
Freier und mehr echt malerisch, auch nicht in so exklusiv nationale Form gebannt, gestaltete sich die
Kunst seit den sechziger
Jahren unter Leitung des genialen Genre- und Historienmalers Carl Bloch, dem sich der Tier- und
[* 12]
Figurenmaler Bache, der Landschafter
La Cour u. a. angeschlossen haben, während sich die jüngste Generation, Kröyer,
Johannsen u. a., der Hellmalerei gewidmet hat.
Auf die Bildhauerkunst übte natürlich Thorwaldsen einen ganz durchschlagenden Einfluß, ohne eigentlich in Dänemark Schule zu bilden, indem seine Schüler allmählich sich der Natur, der vaterländischen Darstellung und der mehr genreartigen Auffassung der Jetztzeit näherten. So H. E. Freund in seinem Ragnarokfries mit Motiven aus der nordischen Mythologie und H. W. Bissen mit seinem Landsoldaten und den Porträtbüstcn seiner berühmtern Zeitgenossen, sowie auch A. Jerichau in seinem Pantherjäger und vielen andern Werken einem gesunden Realismus huldigt.
Bissens Wirksamkeit war dagegen schulbildend, teils aus seinem Atelier, teils von ihm beeinflußt sind die meisten jüngern Bildhauer Dänemarks hervorgegangen, sowie er auch im übrigen Norden [* 14] bedeutenden Einfluß geübt hat. So sind der Finländer Walter Runeberg, der Norweger Bergslien, der Schwede Molin, ferner die Dänen Peters, Stein, Saabye, Evens, Freund der Jüngere, W. Bissen der Jüngere aus seiner Schule hervorgegangen.
Die Baukunst der Gegenwart in Dänemark hat mehrere bedeutende Männer aufzuweisen. Zwar ging Theophilus
Hansen nach Wien,
[* 15] sein Bruder Christian Hansen, der Erbauer der Universität in Athen,
[* 16] blieb aber seinem Lande erhalten und hat mehrere
Renaissancebauten in Kopenhagen ausgeführt. Der deutschgeborene Architekt Hetsch wirkte besonders für das
Kunsthandwerk,
während Bindesböll das «Thorwaldsen-Museum» in Kopenhagen mit dekorativen
Anklängen an etrusk. Grabbauten aufführte.
Nebelong restaurierte die Domkirche zu Viborg und F. Meldahl das 1859 abgebrannte Schloß Frederiksborg, Dahlerup und Ove
Petersen errichteten das königl. Theater
[* 17] zu Kopenhagen, während Wilhelm Petersen, der einen der Preise für die Domfaçade
in Florenz
[* 18] gewonnen hatte, L. Fenger, der über die antike Polychromie ein vorzügliches Werk veröffentlicht
hat, Holm u. a. Kopenhagen mit Neubauten schmückten. Besonders hervorzuheben ist der rege Anteil,
den viele Architekten, Bildhauer und Maler (vor allen Hetsch, Peters, Olrik, Hilker und L. Fröhlich) an dem aufblühenden
Kunstgewerbe
genommen haben. (Abbildungen zur s.
Dänische Kunst die Tafeln: Skandinavische Kunst.)
[* 19]