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Krattigen
(Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen) 720 m. Gem. und Dorf, auf einem reich bewachsenen Steilhang links über dem Thunersee malerisch und geschützt gelegen; 4 km wnw. der Station Leissigen der Linie Thun-Interlaken. Postablage, Telegraph, Telephon; Postwagen Spiez-Aeschi. 118 Häuser, 592 reform. Ew. Kirchgemeinde Aeschi. Einzige politische Gemeinde des Amtsbezirkes, die nicht zugleich auch eigene Kirchgemeinde ist. Landwirtschaft. Ueber dem Dorf eine starke, aber nicht benutzte Schwefelquelle. Im Krattiggraben Gipsbrüche. Der Hang, auf dem das Dorf steht und dessen Fuss die Bahnlinie Thun-Interlaken folgt, besteht aus Gips (in der Tiefe aus Anhydrit) und Kiesmassen und neigt nach starken Regengüssen leicht zu Rutschungen, so dass umfangreiche Verfestigungs- und Verbauungsarbeiten zum Schutz des Dorfes haben ausgeführt werden müssen.
Ueber
Krattigen finden sich zahlreiche Einsturztrichter, die durch Auflösung des Gipses durch die unterirdischen
Wasser entstanden
sind. Dem Gips von
Krattigen sind noch Flysch und Neocom, sowie grünliche Sandsteine eingelagert, die als Taveyannazsandsteine
gedeutet wurden, aber wahrscheinlicher der Trias angehören. Der Bau der Eisenbahn längs der sog.
Krattighalde, dem Hang
zwischen dem Dorf und
See, war mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden. Man hat vor kurzem den Gedanken
angeregt, hier nach Steinsalz zu bohren, da das ganze Gebiet den gleichen geologischen Charakter zeigt wie die Umgebungen
der Salzwerke zu
Bex.
Krattigen war vor Zeiten dadurch bekannt, dass seine Bewohner ein sehr hohes
Alter zu erreichen pflegten.
Gräber aus der Eisenzeit; Fund eines Bronzebeiles bei Angeren. Eine heute völlig verschwundene Burg
war der Sitz der in Bern
verburgerten Edeln von
Krattigen, nach deren Erlöschen die
Herrschaft unter die von
Krauchthal, von Schnarnachthal
und Münzen aufgeteilt wurde, um dann 1513 an Bern
zu fallen.