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Replik zur Glencore-Stellungnahme
Entgegnung Public Eye
Glencore weist unsere «Behauptungen» pauschal als «irreführend» und «falsch» zurück, liefert aber keinerlei Argumente, die unsere Hauptkritikpunkte inhaltlich entkräften würden:
- dass Glencore Erz von Kooperativen bezieht, obwohl der Konzern als Betreiber der Porco-Mine wissen muss, dass die Kooperativen dort unter prekären Sicherheitsbedingungen arbeiten und Minderjährige beschäftigen (schliesslich bestimmt er selbst mit, in welchen Sektoren die Kooperativen überhaupt tätig sein können, und übt so Kontrolle über sie aus) und dass
- Gewässer unterhalb der Mine Porco aufgrund der Minenaktivitäten in der Glencore-Mine schwer kontaminiert sind.
Entgegnung Public Eye
Die Glencore-Tochterfirma informiert Comibol, die staatliche Bergbaugesellschaft, sobald sie den Abbau in bestimmten Teilen des Konzessionsgebiets beendet hat. Comibol kann danach diese Gebiete Kooperativen zuweisen. Gemäss des 2013 mit Comibol abgeschlossenen Assoziationsvertrag für den Betrieb der Mine Porco stehen «alle operativen Aspekte» unter der «exklusiven, umfassenden und vollen Verantwortung» von Illapa. Der Konzern bestimmt also durchaus mit, wo die Kooperativen arbeiten dürfen. Zudem darf der Konzern seit 2014 keine direkten Verträge mit Kooperativen mehr abschliessen, Public Eye wurde jedoch von verschiedenen Gesprächspartnern (Kooperativen, Verband der Kooperativen Fedecomin) informiert, es gebe direkte, informelle Absprachen und Übereinkommen zwischen Illapa und den Kooperativen. Und: Operieren Minenarbeiter von Kooperativen in Gebieten, die Illapa zugewiesen sind, zeigt der Konzern diese konsequent an.
Zudem passieren die Arbeiter der Kooperativen auf dem Weg zu ihren Stollen einen Kontrollpunkt der Glencore-Tochterfirma, wo etwa überprüft wird, ob sie Helme tragen. Es findet also durchaus eine gewisse Kontrolle statt.
Wenn Glencore schreibt, der Konzern und dessen Tochtergesellschaften übten «keinen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in den Bergbau-Kooperativen aus», nimmt er sich (als Abnehmer des von den Kooperativen geförderten Erzes) einerseits unzulässigerweise aus der Verantwortung und widerspricht andererseits seiner eigenen Tochterfirma, die 2019 in einem Bericht an den Global Compact der Uno schrieb, man stehe in Bezug auf «wichtige Themen wie Sicherheitsausrüstung, Einsatz von Kinderarbeit und Umweltbelastung» regelmässig im Dialog mit den Kooperativen. Die Glencore-Tochterfirma räumt also ein, dass diese Probleme bestehen – während sie gleichzeitig einen Grossteil des von diesen geförderten Erzes einkauft.
Glencore hat uns auf Anfrage geschrieben, die Abnahmeverträge mit den Kooperativen unterlägen einer sorgfältigen Prüfung «in Bezug auf wirtschaftliche, rechtliche und betriebliche Aspekte», inklusive Sicherheitsaspekte und dem Risiko von Kinderarbeit. Offensichtlich ist diese Prüfung eine Farce. Vor Ort ist es schlicht nicht zu übersehen, dass ein Grossteil der Kooperativen-Arbeiter über keine adäquate Sicherheitsausrüstung verfügt und viele von ihnen offensichtlich nicht volljährig sind. Nähme Glencore seine Verantwortung gemäss internationalen Standards wahr, so würde der Konzern solche Probleme nicht beschönigen sondern klar benennen und transparent über alle getroffenen Massnahmen und deren Wirkung berichten. Hingegen würde eine abrupte Aufkündigung der Zusammenarbeit mit den Kooperativen Glencores menschenrechtlicher Verantwortung nicht gerecht.
Entgegnung Public Eye
Glencore bezichtigt uns, fälschlicherweise zu behaupten, «Porco» beschäftige «direkt oder indirekt» Minderjährige. Es ist unklar, worauf sich Glencore hier mit dem Begriff «Porco» bezieht – auf die Mine namens Porco, in der sowohl die Glencore-Tochterfirma Illapa S.A. (als offizielle Betreiberin) als auch die Kooperativen tätig sind, oder einzig auf die direkten Aktivivitäten der Glencore-Tochter. Was wir festgestellt haben, ist Folgendes: Bei den in der Mine Porco tätigen Kooperativen arbeiten viele Minderjährige – was der Glencore-Tochter, die in der gleichen Mine operiert, bekannt sein muss. Trotzdem kauft die Glencore-Tochter den Kooperativen einen grossen Teil des von diesen geförderten Erzes ab. Zudem bestimmt Illapa zumindest indirekt mit, wo die Kooperativen tätig sein dürfen. Public Eye geht deshalb davon aus, dass faktisch ein Kontrollverhältnis zwischen Illapa und den Kooperativen besteht.
Entgegnung Public Eye
Auch hier stellt sich die Frage, worauf sich Glencore hier mit der Formulierung «in Porco» bezieht – auf die Aktivitäten der Glencore-Tochter selbst oder jene der Kooperativen. Klar ist: Bei den Kooperativen, denen Glencore einen grossen Teil des von ihnen geförderten Erzes abkauft, verfügt ein Grossteil der Arbeiter über keine adäquate Sicherheitsausrüstung, regelmässig kommt es zu schweren, manchmal tödlichen Unfällen, Unfallopfer sind weitgehend auf sich alleine gestellt.
Entgegnung Public Eye
In den «Glencore Supplier Standards» steht, man erwarte von den Zulieferern eine «Nulltoleranz gegenüber jeglicher Form moderner Sklaverei, einschliesslich (…) Kinderarbeit» und dass sie für «eine sichere und gesunde Arbeitsumgebung einschliesslich angemessener persönlicher Schutzausrüstung» sorgten. Beides ist bei den in der Mine Porco tätigen Kooperativen offensichtlich nicht der Fall – und folglich können von den Kooperativen auch nicht «im Einklang mit den Supplier Standards» Erze eingekauft werden.
Entgegnung Public Eye
Glencore schreibt pauschal: «Die Behauptung, dass Porco Gewässer verunreinigt und die Erde austrocknet, ist falsch». Letzteres («die Erde austrocknet») wurde nie behauptet. Und für ersteres («Gewässer verunreinigt») gibt es mehrere Belege: Mehrere Dörfer unterhalb der Mine sind heute aufgrund des verunreinigten Wassers praktisch verwaist.
In einer Studie des Municio Porco wurden im Fluss «Agua Castilla» unterhalb der Mine Zink-, Eisen- und Mangan-Rückstände festgestellt, die um das Sechs- bis Fünfzigfache über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser liegen und eindeutig auf die Minenaktivitäten zurückzuführen sind. Die Behörden stellten bei der von Glencore erwähnten Prüfung der Anlagen von Illapa im vergangenen März fest, dass Zink- und Bleilager nicht ausreichend abgedeckt waren, saure Grubenwässer unzureichend zurückgehalten würden und das Wasser unterhalb des von der Firma betriebenen Rückhaltebeckens kontaminiert war. Glencore räumt selbst ein, man habe Empfehlungen zur Verbesserung der Wasserqualität aufgenommen und prüfe nötige Massnahmen bezüglich der Wasserqualität – was der pauschalen Behauptung widerspricht, dass die Mine keine Gewässer verunreinige.