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Die ersten beiden Beiträge dieses Monats behandeln in unterschiedlicher Weise Gedanken rund um die Künstliche Intelligenz (KI). Einmal geht es um die KI, die als Kulturtechnik im anthropologischen Kontext verstanden wird, und der zweite Beitrag behandelt den Unterschied von zwischenmenschlichen Interaktionen und Mensch-Roboter-Interaktionen. In der zweiten Hälfte des Monats November behandelt der zweiteilige Blogbeitrag den Begriff „fake news“ und die These, dass wir sowohl im wissenschaftlichen wie auch öffentlichen Kontext auf den Begriff verzichten sollten.
In „Abschied vom künstlichen Menschen: Deep learning im anthropologischen Kontext“ problematisiert Marin Aeschbach zunächst das in der öffentlichen Wahrnehmung vorherrschende Bild eines „künstlich erschaffenen Menschen“ und stellt dies der tatsächlichen Situation der aktuellen Forschung entgegen. Was genau ist eigentlich "deep learning"? Auf welche Art der Intelligenz bezieht sie sich? Wie steht es um die menschliche und künstliche Kognition und warum entsteht hier oftmals Raum für Spekulationen?
Aeschbach definiert die „lernende Maschine“ als ein Narrativ der künstlichen Intelligenz, die als eine in Kultur eingebundene Technologie verstanden werden sollte. Technik wirkt vereinfachend und erleichternd auf gewisse Arbeitsprozesse (Beispielsweise ein automatischer Webstuhl). Aeschbach argumentiert dafür, dass wenn wir KI als Instrument zur Auslagerung von kognitiven Arbeitsprozessen („Kognitive Exteriorisierung“) verstehen, wir nicht mehr über das faszinierende Bild des „künstlichen Menschen“ sprechen müssten.
Einen ganz anderen Fokus bezüglich der KI-Debatte legt Fabienne Forster in ihrem Beitrag „Emphatisch simulierte Roboter-Ärztin = emphatische Ärztin?“ (Veröffentlichung 12. 11.). Sie versteht ihren Blogbeitrag als kritischen Kommentar zu der Gleichsetzung von zwischenmenschlichen und Mensch-Maschinen-Interaktionen. Sind diese beiden Arten der Interaktion denn vergleichbar? Anhand eines Gedankenspiels mit einer Roboter-Ärztin erläutert und kritisiert Foster die funktionalistische Beschreibung zwischenmenschlicher Interaktionen. Foster plädiert dabei dafür, dass man sich in der Diskussion um die Fähigkeit von Robotern nicht von der anthropologischen Dimension der Ersetzbarkeit des Menschen leiten lassen sollte. Vielmehr solle, so Foster, zu einer kritischen Auseinandersetzung darüber übergegangen werden, wie unterschiedliche Interaktionen zu gestalten sind.
Im ersten Teil (Veröffentlichung 19.11.) des Beitrages „Warum wir auf den Begriff „fake news“ verzichten sollten“ geht Christian Wendelborn darauf ein, was Philosophen eigentlich tun, wenn sie Begriffe definieren. Einige Autoren, so Wendelborn, scheinen dabei die Annahme zu teilen, dass die Wendung „fake news“ eine allgemeine und feste Bedeutung habe, also einen kontextunabhängigen semantischen Gehalt. Wendelborn führt dabei in Teil 1 aus, warum er dafür plädiert, dass „fake news“ weder als Begriffsanalyse noch als „terminologischen Vorschlag“ taugt und wir also im öffentlichen wie wissenschaftlichen Gebrauch besser auf den Begriff verzichten sollten.
Die ausführliche Begründung, warum wir auf den Begriff „fake news“ verzichten sollten, beschreibt Wendelborn im zweiten Teil von „Warum wir auf den Begriff „fake news“ verzichten sollten“ (Veröffentlichung 26.11.). Dabei zeigt er auf, dass „fake news“ sowohl als politischer Kampfbegriff wie auch als epistemisches Schimpfwort gebraucht. Ist der Begriff also einfach zu vorbelastet, als dass er als wissenschaftlicher Begriff herhalten kann? Wendelborn schließt mit der These, dass spezifische Probleme (wie das Problem „fake news“) spezifische Beschreibungen brauchen. „Fake news“ brauchen also etwas anderes als den Begriff „fake news“ – sie brauchen eine spezifische Beschreibung.
Weiterführende Literatur
Artikel aus nicht-philosophischer Perspektive über die KI, erschienen in "Computerwoche" am 16.09.2018. "Was Sie zum Thema KI wissen müssen": https://www.computerwoche.de/a/was-sie-zum-thema-ki-wissen-muessen,3544140