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Erfahrungsbericht Februar 2023
In den letzten Monaten begleitete ich Kinder und deren Eltern, alle aus unseren Projektdörfern in Indien, für Operationen und Behandlungen. Ich bin von Stadt zu Stadt gereist und habe da Kinder und deren Eltern in den verschiedenen Krankenhäusern, für verschiedene Erkrankungen begleitet. Ich half schwere Entscheidungen zu treffen, welche teils über Tod und Leben bestimmten. Mit einem vier-jährigen Jungen und dessen Mutter wurde ich aus einem Krankenhaus rausgeworfen, da der Junge an HIV leidet und das Krankenhaus sich deshalb weigerte den Jungen zu behandeln. Die langsamen Abläufe in den Krankenhäusern machten es oft schwierig für Kinder und Eltern, welche nicht warten konnten, wieder in ihr Dorf zurück zu kehren. Auch wenn ich selbst kein Freund von langen Prozessen und Warten bin, habe ich die Familien darin begleitet, diese Situationen auszuhalten und Geduld zu haben. Schöne Momente haben wir oft in den Krankenhäusern mit den weiteren Familien auf denselben Abteilungen erlebt. Unsere Kinder waren immer in Mehrbettzimmern untergebracht mit 30 bis 40 weiteren Patienten. Da lernt man die Geschichten der anderen Kinder kennen, die Sorgen und Nöte der Eltern und das schweisst zusammen.
Oft sassen wir um ein Bett eines der kleinen Patienten, redeten und die Kinder spielten miteinander. Es fühlte sich an, als seien wir alle eine grosse Familie. Der Abschied nach den Operationen und Behandlungen war begleitet mit gemischten Gefühlen, da es um einen Abschied für immer ging und gleichzeitig die Reise nach Hause. Alle Kinder, die wir in den letzten Monaten ins Krankenhaus brachten, wurden erfolgreich behandelt. Nilabati, welche ihr aus dem letzten Newsletter kennt, ist mittlerweile in ihrem Zuhause und in einem sehr guten Zustand. Wir planen die Jugendliche im April in ein Internat zu senden, in welchem die nötige Hygiene gesichert, Betreuung vorhanden und ein gutes Krankenhaus für die notwendigen regelmässigen Nachuntersuchungen vorhanden sind. Aktuell haben wir noch ein Mädchen, namens Sampurna, in einem Rehabilitationszentrum. Sampurna ist acht-jährig und leidet an einer juvenilen Arthritis. Das ist eine sehr aggressive Form von Arthritis welche im Kindesalter auftritt. Die Erkrankung versteift die Gelenke in Kürze, wenn der Patient nicht die notwendigen Medikamente und/oder regelmässige Physiotherapie erhält. Sampurna konnte schon nicht mehr gehen und auch die weiteren Gelenke von Kopf bis Fuss waren sehr steif und blockiert. Zuerst erhielt Sampurna Medikamente, um die Entzündungen in den Gelenken auszuheilen. Dann erhielt sie eine Operation, welche ihr nach langer Physiotherapie ermöglicht, mit einer Gehhilfe wieder aufrecht zu gehen. Sampurna ist eine sehr tapfere, fröhliche Persönlichkeit und kämpft sich mit einem Lächeln durch die Prozedur. Wir hoffen, dass das Mädchen nun in ein bis zwei Monaten wieder nach Hause gehen darf.
Zurück zu unseren Dörfern in Nepal und Indien. Beschäftigen wir uns mit den Kids Cares. Unser einzigartiges Konzept hat in den verschiedenen Dörfern grossen Erfolg aufgezeigt. Wir können uns in den Kids Cares um die meisten wichtigen Alltagsbelangen der Kinder kümmern. Dies stärkt die Kinder physisch und psychisch. Die meisten Kinder im Dorf, in welchem sich nun unser Thomas Kids Care in Nepal befindet, haben noch vor acht Jahren bereits mit zehn Jahren Alkohol getrunken, waren gewalttätig und gingen nicht zur Schule. Nun kann man sich das gar nicht mehr vorstellen, wie das einst war.
Keines der Kinder ist dem Alkohol verfallen und sogar die Jugendlichen lassen die Finger von der Flasche. Die Kinder gehen alle in die Schule und haben berufliche Ziele, welche ihre Eltern durch den Alkoholkonsum nicht erreichen konnten. Von den Eltern gesprochen; auch diese haben sich in diesen Jahren zum positiven entwickelt und nur noch sehr wenige trinken täglich Alkohol, was vorher einfach dazugehört hat. Um das Thomas Kids Care auch in diesem Jahr weiterführen zu können, hat uns die Dr. Ernst-Günther Bröder Stiftung grosszügigerweise einen Betrag von 4’560 Franken auf unser Projektkonto überwiesen. Wir möchten uns an dieser Stelle bei den Stiftungsmitgliedern herzlich bedanken.
Unsere Kids Cares in Indien, das House of Hope Kids Care und Theler Kids Care, werden durch Gottis und Göttis abgedeckt, um die Versorgung der Kinder zu ermöglichen. Hier brauchen die Kinder viel Unterstützung auf gesundheitlicher Ebene. Viele von ihnen mussten, bevor wir unsere Kids Care eröffnet haben, oft Hunger leiden, einige Kinder sind vor unserer Arbeit vor Ort sogar an Hunger gestorben. Auch heute noch werden Kinder von anderen Dörfern, von ihren Eltern in unsere Projektdörfer gebracht, die kurz vor dem Hungertod stehen. Dies zu sehen, bricht einem fast das Herz. Ich möchte und kann es nicht verstehen, wie es im Jahr 2023 immer noch Kinder gibt, die an Hunger sterben müssen. Bei meinem letzten Aufenthalt vor Ort in Indien, habe ich ein weiteres Dorf besucht, in welchem die Familien in grosser Armut leben. Mein Team hat mich gebeten, dieses Dorf zu besuchen, weil sie denken, dass die Menschen unbedingt unsere Hilfe benötigen. Es war sofort ersichtlich, dass die meisten Kinder in diesem Dorf oft keine drei Mahlzeiten am Tag erhalten und ich kann mir gut vorstellen, dass es Tage gibt, an welchen die Nahrungszufuhr ganz ausbleiben muss, da die Eltern einfach das Geld dazu nicht haben. Das Dorf liegt jedoch einige Kilometer von unserem Theler Kids Care entfernt, welches gross genug wäre, um auch noch die Kinder dieses Dorfes willkommen zu heissen. Nun suchen wir nach Lösungen, wie wir die Kinder dieses Dorfes in diesem Jahr integrieren können. Eine sofortige Lösung haben wir nicht, da wir für diese Kinder eine langfristige Lösung suchen und das bedeutet, dass wir auch da finanzielle Unterstützung benötigen. Ebenso brauchen wir einen Schulbus, der diese Kinder täglich in unser Kids Care bringt. Nun heisst es abzuwarten, Ideen zu sammeln, bis wir eine sinnvolle und auch konstante Lösung finden, um die Zukunft dieser Kinder sichern zu können.
Herzliche Grüsse aus Indien
Andrea
Im Krankenbett der kleinen Sampurna ist meist Hochbetrieb (-:
Kinder im Thomas Kids Care (Nepal)