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Von Meghana Raveendra
Als ich von der Situation der Wanderarbeiter während der Covid-Pandemie erfuhr, stellte ich mir selbst die folgenden Fragen:
War ich jemals für einen mir unbekannten Zeitraum von der Lebensmittel-Versorgung durch Fremde abhängig? Musste ich jemals darum kämpfen, um Zugang zur medizinischen Grundversorgung zu bekommen? War ich jemals gezwungen, auf der Suche nach einem Job mein Zuhause zu verlassen, um sicherzustellen, dass meine Familie wenigstens zwei Mahlzeiten am Tag hat?
Der Mai 2021 hat bereits begonnen. Es ist mehr als eine Woche her, dass uns in Indien die zweite Welle der Pandemie mit voller Wucht getroffen hat, und es wird deutlich, dass es viel schlimmer ist als im letzten Jahr zur gleichen Zeit.
Während einige von uns wieder von zu Hause aus arbeiten müssen, kämpfen Tausende darum, in ihre Heimatregionen zurückkehren zu können. Die traurige Geschichte von hundert-tausenden von Wanderarbeitern, die Tage und Wochen durch das Land reisen, um ihre Familien zu erreichen, wiederholt sich in diesem Jahr. Doch heute scheint die Situation noch schlimmer zu sein.
Die aktuelle Covid Welle hat unser bereits geschwächtes Gesundheitssystem beschädigt. Aber das gibt niemandem das Recht, einen bereits vernachlässigten Sektor unserer Bevölkerung völlig zu vernachlässigen – nämlich den informellen Beschäftigungssektor, der zu einem großen Teil aus Wanderarbeitern besteht.
Während ich über dieses Thema schrieb, erhielt ich einen Anruf von einem befreundeten kanthari – Gouri Shankar Mishra. Gouri lebt im Distrikt Kandhamal in Orissa und leitet eine Organisation namens An-anya, die sich für die Abschaffung von Kinderarbeit einsetzt. Während der ersten Welle von covid-19 im März letzten Jahres konzentrierte er sich darauf, die Stammesgemeinschaften in den Bezirken Balasore und Keonjhar mit dem Nötigsten zu versorgen. In diesen beiden Bezirken gibt es eine hohe Anzahl von Arbeitern, die als Wanderarbeiter in anderen Teilen des Landes tätig sind.
Die jungen Männer und Frauen wandern suchen vor allem in den Großstädten Hyderabad, Kalkutta, Bangalore und Chennai nach Arbeit. Sie sind dazu gezwungen, da sie selbst kein Land besitzen und so nicht in der Lage sind, Landwirtschaft zu betreiben. Obwohl beide Bezirke überwiegend von der Landwirtschaft als Haupteinkommensquelle leben, besitzen nur 35% Land. Wenn also die Wanderarbeiter in ihre Dörfer zurückkehren müssen, haben sie kein alternatives Einkommen.
Letztes Jahr motivierte Gouri die Gemeinden, ihre Hinterhöfe und alle erdenklichen Vorsprünge und Fensterbänke zu nutzen, um Gemüse anzupflanzen. Das klappte zunächst gut. Es hätte ihnen in dieser Situation helfen können, denn nun gibt es weitere Lockdowns. Irgenwann wurde es aber im letzten Jahr recht entspannt. Und da vergassen sie ihre kleinen Gärten und versuchten wieder Arbeit in den Großstädten zu finden.
Gouri meinte, es habe im letzten Jahr eine Registrierung von zurückreisenden Wanderarbeitern gegeben. In diesem Jahr aber gibt es keinen solchen Registrierungsprozess, obwohl die Anzahl der Covid-Fälle in diesem Jahr viel Hoeher liegt, und daher ist alles im Chaos zusammengebrochen. Wanderarbeiter können nur bis zur Staatsgrenze reisen. Von dort aus müssen sie zu Fuß in ihre Dörfer gehen, da sie kein anderes Transportmittel bekommen. Aber die Städte, aus denen sie heute zurückreisen, haben eine hohe Anzahl aktiver Covid-Infektionen und es gibt keine Möglichkeit zu wissen, ob einer von ihnen Covid-positiv ist, bis sie die Heimat-Bezirke erreicht haben und unter Quarantäne gestellt werden.
In Anbetracht der aktuellen Situation hat Gouri beschlossen, den rückkehrern bei ihrer Eingliederung zu helfen. Er rechnet mit mindestens 5000 Arbeitern aus seinem Bezirk, die sich zur Zeit auf dem Rückweg befinden. Dafür arbeitet Gouri eng mit den Behörden zusammen. Er sorgt nicht nur für Quarantäne Plätze und Covid-tests, aber auch für Lebensmittel und für langfristige Einkommensquellen.
Die wirtschaftliche Lage der Arbeiter und ihrer Familien ist extrem schlecht.
Sie sind derzeit arbeitslos und eventuell können sie nie mehr in die Städte zurückkehren. Zusätzlich haben eine Reihe von Unternehmen und Industrien, in denen sie zuvor gearbeitet haben, ihnen (bis dato) die zustehende Bezahlung verweigert. Ein Plan ist, mit den Gemüsegärten weiterzumachen.
Außerdem arbeitet er an der Einrichtung von Maschinen zur Herstellung von Einweggeschirr aus Pflanzenteilen, damit die Wanderarbeiter in ihren eigenen Dörfern wieder an der Herstellung von nachhaltigen Alternativen für Einwegbesteck arbeiten können.
Wenn Sie Gouris Arbeit unterstützen möchten, können Sie dies über diesen Link für ein Projekt zur Versorgung von 500 Wanderarbeitern und ihren Familien mit Rationen und medizinischen Kits tun.