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Das sogenannte astronomische Taschenbesteck stammt aus dem 16. Jh. Es wurde 1583 von Johannes Krabbe gefertigt und gehört damit zu den ältesten Objekten in unserer Sammlung.
Sonnenuhr oder astronomisches (Taschen)besteck?
Das Objekt gehört zur Sammlung Sternwarte, die von Rudolf Wolf (1816-1893) angelegt wurde. Zwar schreibt er in seinem 1873 angelegten Inventar etwas über das Objekt, allerdings ist die Schrift kaum zu entziffern. So ist leider unklar, auf welchem Weg, ob als Geschenk oder Ankauf, das Objekt in Rudolf Wolfs Sammlung gelangt ist. Deutlich zu erkennen ist jedoch, dass Wolf dieses Objekt, zusammen mit mehreren anderen als Sonnenuhr bezeichnet.
Die Sonnenuhr stellt allerdings nur eine unter vielen Funktionen dieses Objektes dar. Neben der Sonnenuhr auf der Bodenplatte und einer Äquatorialsonnenuhr (Ziffernblatt liegt parallel zur Äquatorebene) im Deckel verfügt es auch über einen drehbaren Kalender sowie eine Planisphäre zum Erkennen der Sterne. Damit war das astronomische Taschenbesteck vielseitig verwendbar. Die beiden Deckel sind entweder reich verziert oder zeigen eine weibliche Personifikation der Astronomie. Die Astronomie zählte seit der Antike zu den sieben freien Künsten und es war üblich, sie in personifizierter Form darzustellen.
Unsere Recherchen führten uns zu ähnlichen Objekten in anderen Sammlungen, die als Büchsen-Sonnenuhr oder als astronomisches Besteck bezeichnet werden. Der Begriff des «Taschenbestecks» lässt darauf vermuten, dass es sich um ein Instrument handelte, das leicht transportiert und mitgeführt werden konnte. Die edle Ausführung in vergoldeter Bronze lässt jedoch vermuten, dass es in erster Linie repräsentativen Zwecken diente.
Hersteller Johannes Krabbe
Trotz der ansonsten eher spärlichen Informationen über das Objekt, kennen wir den Hersteller: Johannes Krabbe. Krabbes Geburtsdatum ist nicht bekannt, aber es wird angenommen, dass er 1553 geboren wurde. Krabbe war Goldschmid und vor allem für seine Astrolabien bekannt. Das erste fertigte er im Alter von 26 Jahren an. Neben seiner Tätigkeit als Goldschmied und Instrumentenbauer war er auch Landvermesser und Kartograph. Im Rahmen seiner vielseitigen Tätigkeiten führte er auch zahlreiche handwerkliche und wissenschaftliche Präzisionsarbeiten aus, insbesondere auf dem Gebiet der Astronomie und Astrologie. Dazu gehört auch das hier gezeigte astronomische Taschenbesteck. Die Inschrift “Faciebat Johannes Krabbius Mündensis, Anno 1583” ist typisch für Krabbe: Stolz auf seinen Herkunftsort (Hannoversch-)Münden, hat er diesen auf allen von ihm hergestellten Instrumenten vermerkt.
1585 wurde Johannes Krabbe an den Hof in Wolfenbüttel berufen. Dort blieb er bis zu seinem Tod am 14.11.1616 tätig. Am Wolfenbütteler Hof war er in der Landvermessung und Kartographie tätig, wurde aber durch seine enge Verbindung zum Herzog auch dessen Leib- und Kammerdiener. Sein Interesse an der Astronomie und Astrologie wuchs stets an. Krabbe stand in dieser Zeit auch in Kontakt mit bedeutenden Wissenschaftlern wie Johannes Keppler oder dem bekannten Schweizer Instrumentenbauer und Mathematiker Jost Bürgi.1
3D – Digitalisierung
Objektauswahl
Das astronomische Taschenbesteck ist eines der ältesten Objekte in unserer Sammlung. Darüber hinaus ist uns kein vergleichbares Objekt desselben Herstellers bekannt und das Objekt ist von grossem astronomie- und wissenschaftsgeschichtlichen Interesse. Die 3D-Digitalisierung ermöglicht es, das Modell ortsunabhängig sehr genau zu studieren, ohne das Objekt in die Hand nehmen zu müssen. Somit übernimmt die 3D-Digitalisierung neben der Zugänglichkeit auch die Funktion der (digitalen) Konservierung.
Photogrammetrie und Modellierung
Die glänzende Oberfläche stellte eine Herausforderung für die Aufnahmen dar. Dennoch ist es möglich, die Details des Objekts im Digitalisat sehr genau zu studieren. Für die Aufnahmen im aufgeklappten Zustand musste eine speziell angefertigte Halterung verwendet werden.