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4 Tipps für eine mitreissende Rede
Der Moment ist gekommen, das Rednerpult ist frei. Dutzende Augenpaare sind auf dich gerichtet. Wie nutzt du diese Chance optimal?
Wähle eine “Big Idea” anstatt einem “Thema”
Versetze dich in die Position des Zuhörers oder der Zuhörerin. Packt dich der folgende Einstieg? “In meiner Rede geht es um unsere Werte.” Anstelle eines einfachen Themas ist es besser, du formulierst eine “Big Idea”. Dieser Ausdruck kommt von der amerikanischen Präsentationstrainerin Nancy Duarte (Duarte, 2012). Vereinfacht gesagt hast du zwei Möglichkeiten, um deinen Redetitel packend zu formulieren:
Sage, was auf dem Spiel steht.
Das kann positiv formuliert sein, mit einem Ziel verbunden (“Nur wenn wir unsere Werte stets hinterfragen, bleiben wir die Nummer 1 als innovatives Land.”) oder negativ, mit einer Angst verbunden (“Wenn wir unsere Werte nicht stets hinterfragen, werden wir von innovativen Ländern überholt”). Welches sind die Ziele und Ängste deines Publikums? Wenn du deine Rede mit dem Key Message Canvas vorbereitest, gehst du dieser Frage nach und kannst danach spielend leicht deine Big Idea zusammenstellen.
Wähle einen einzigartigen Blickwinkel.
Was ist deine Meinung zum Thema? Menschen hören nur dann zu, wenn Sie den Eindruck haben, sie erfahren etwas Neues. Das könnte beispielsweise lauten: “Unsere alten Werte haben ausgedient. Wir bleiben nur innovativ, wenn wir uns ständig hinterfragen.”
2. Beginne nicht mit der Begrüssung
Im Jahr 2000 hat Microsoft in Kanada die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen gemessen (Time Magazine, 2015). Das kannst du in etwa vergleichen mit dem Moment, wenn du in deinem Facebook-Feed ein Video betrachtest. Wieviele Sekunden gibst du diesem Video, um interessant zu sein, bevor du weiterscrollst? 2000 betrug die Aufmerksamkeitsspanne noch 12 Sekunden. Bei einer Wiederholung der Studie 2015 betrug sie noch 8 Sekunden. Wo liegt sie wohl heute?
Mit der zunehmenden Informations-Überflutung filtern wir immer radikaler und entscheiden blitzschnell, ob ein Video, ein Text oder eine Rede für uns relevant ist. Vergib die ersten Sekunden deiner Rede also nicht mit langen Begrüssungen und deinem Ausdruck darüber, wie sehr es dich freut, an diesem schönen Tag hier sprechen zu dürfen.
Stattdessen empfehle ich dir, den Einstieg in drei Schritten zu absolvieren:
- Wecke die Neugierde mit einem beeindruckenden Fakt. Wähle auch hier etwas, das die Ängste oder Ziele deiner Zuhörer anspricht.
- Nenne deine “Big Idea” aus Punkt 1.
- Gib deinem Publikum eine kurze Verarbeitungspause, indem du sie herzlich begrüsst mit allen Facetten. Jetzt kannst du deine Stimmung zum Ausdruck bringen: Ist es nicht fantastisch, wie viele Leute sich heute hier versammelt haben, um miteinander diesen wunderschönen Nationalfeiertag zu feiern?
3. Bringe nur, was auch wirklich relevant ist.
Du schreibst oft E-Mails und andere Texte? Dann pass beim Vorbereiten deiner Rede auf, dass du nicht in diese Falle tappst. Liefere nur, was das Publikum tatsächlich interessiert, denn: es kann nicht vorspulen. Eine Leserin kann ein Kapitel überspringen, das sie nicht interessiert. Eine Zuhörerin hingegen hängt ab und findet plötzlich das Smartphone spannender.
80 Prozent der deutschen Fernsehzuschauer nutzen parallel das Smartphone (SevenOne Media, 2019) - bei Reden hast du bestimmt schon ein ähnliches Muster beobachtet. Und seit der Studie von Microsoft wissen wir, dass gerade einmal 8 Sekunden Irrelevanz reichen, um das Interesse zu verlieren.
Deshalb mein Tipp: Frage dich bei jeder Rede, welche drei "Key Questions" deine Zuhörer brennend interessieren. Was beschäftigt sie, wenn sie den Raum betreten? Beantworte diese drei Fragen mit drei passgenauen Antworten. Sie sind deine drei "Key Messages" und helfen dir, deine Präsentation in drei Kapitel zu gliedern.
Damit du clever zu drei messerscharfen Key Messages gelangst, zeichnest du dir am besten den Key Message Canvas auf ein Blatt Papier (oder noch besser: an die Wand) und füllst ihn von rechts nach links aus. Wenn du dich für die Wand-Variante entscheidest, nimmst du am besten einen Stapel Post-its zur Hand; so kannst du die Rede auch im Team vorbereiten.
4. Dirigiere mit OrEiDiWi.
Ein zweiter wichtiger Unterschied zum geschriebenen Text: Der Leser kann etwas zweimal lesen; der Zuhörer hingegen kann nicht zurückspringen, wenn er etwas nicht verstanden hat. Was tut er stattdessen? Richtig, das Smartphone liegt griffbereit. Halte dich an die folgenden vier Prinzipien aus dem Radiojournalismus, um verständlich zu sprechen (von La Roche, 2009). Mit dem Akronym OrEiDiWi kannst du sie dir einfach merken:
Orientierung: Nimm das Zepter in die Hand.
"Er sagte klar und angenehm, was erstens, zweitens, drittens käm." (Wilhelm Busch)
Vergiss nie: Du bist die einzige im Raum, die den Überblick hat. Hilf deinem Publikum, mitzukommen und sorge immer wieder für Orientierung. Zu Beginn gibst du am besten eine Inhaltsübersicht, indem du die Key Questions (die du im Canvas herausgearbeitet hast) aufzählst. Auch wenn es für dich als Sprecherin unnötig erscheinen mag, hilft es deinem Publikum, wenn du nach jedem Kapitel die Flughöhe variierst und sagst, was sie soeben gehört haben und welche Key Question als Nächstes beantwortet wird.
Einfachheit und Distanz: Verdichte nicht, sondern walle aus.
„A speech is like a fragile boat: Overload it and it sinks.“ (The British Council)
Gehe behutsam mit dem Aufnahmevermögen deiner Zuhörer um. Alles was du sagst, muss verarbeitet werden. Auch hier solltest du nicht in die "Schreib-Falle" treten: Schreibst du einen Text, kannst du problemlos Aufzählungen aneinander reihen. Bei einer Rede hingegen läufst du in Gefahr, dass deine Zuhörer gedanklich noch beim ersten Punkt sind, während du bereits enthusiastisch bei Punkt vier bist.
Am besten hältst du dich an die folgende Grundregel: Bringe eine Aussage pro Satz.
Auch Tempo und Storytelling sind wichtig: Wenn du im Canvas-Baustein "Argumente" deine unterstützenden Fakten aufzählst, verlangsame dein Sprechtempo und illustriere jeden Punkt mit einem kurzen Beispiel - am besten mit Hilfe des Storytelling Pattern von Momentum Present.
Wiederholung: Einmal ist keinmal.
"I have a dream..." (Martin Luther King)
Seinen berühmten Teilsatz wiederholte King in seiner Rede acht Mal. Er verstiess damit gegen alle Regeln, die wir im Deutschunterricht gelernt hatten: "Wiederhole keine Sätze, keine Satzbestandteile und keine Begriffe."
Für den Text mag das zwar stimmen; für die wirkungsvolle Rede hingegen sind Wiederholungen essenziell. Wiederhole deine Key Messages so oft wie möglich, wiederhole Satzfragmente und - um Himmels Willen - nenne die Dinge immer gleich. Du gewinnst keinen Preis, wenn du einmal vom "Programm", einmal von den "Partei-Richtlinien" und einmal von der "Agenda 2019" sprichst - du verlierst nur Zuhörer.
Training und Coaching
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Literatur
McSpadden, K. (14.6.2015). Science: You Now Have a Shorter Attention Span Than a Goldfish. Gefunden am 27. Juli 2019 auf https://time.com/3858309/attention-spans-goldfish/
SevenOne Media. (26.6.2019). Parallelnutzung von TV und Internet bis 2018. Gefunden am 27. Juli 2019 auf https://de.statista.com/statistik/daten/studie/269888/umfrage/umfrage-zur-parallelnutzung-von-tv-und-internet/
von La Roche, W. & Buchholz (Hrsg). 2009. Radio-Journalismus Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis im Hörfunk. Berlin: Econ.
Fabio Sandmeier
Powerful Presentations for Your Business. Hierfür entwickle ich einfache Methoden und unterstütze damit Menschen und Firmen beim Erreichen ihrer Ziele. Dabei dient mir ein BWL-Studium, eine Radio-Ausbildung, einige Jahre Projektmanagement-Erfahrung - und stapelweise Fachlektüre zum Thema, die ich für dich durchwälzt habe.Zum Key Message Canvas Zu den Seminaren, Coachings u.a. Lernangeboten