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An der Strasse von Tuggen nach Uznach steht am Linthübergang noch heute der mächtige Turm von Grynau. Ursprünglich ein herrschaftlicher Hof, wurde Grynau im späten 13. Jahrhundert von den Grafen von Rapperswil zur Burg ausgebaut, auf welcher ein Rapperswiler Ammann sass. Die Anlage diente einst als Zollposten, denn die Linth floss vor der Korrektion um die Felsplatte herum, auf welcher der mittelalterliche Turm steht. Der Warenverkehr wurde durch den jetzigen Eingang des gegenüberliegenden Gasthauses, des „Neuen Schlosses“, abgewickelt. Die Fähre und auch die spätere Brücke waren deshalb gegenüber dem jetzigen Standort der Brücke leicht nach Südosten verschoben und führten direkt zum Durchgang des Gasthauses. So konnte de gesamte Warenverkehr aus der Ostschweiz in die Innerschweiz und den Gotthardraum vom Turm aus genau kontrolliert und besteuert werden. Bedeutender jedoch war der Warenverkehr auf dem Wasser von Zürich über den Walensee in das Bündnerland. Erst der Bau der Eisenbahnbrücken um 1870 brachte das Ende dieser Güterschifffahrt. Schon bei der Kanalisation der Linth (1807-1816) hatte Grynau an Bedeutung eingebüsst, doch jetzt verlor die Anlage definitiv den Zollposten. 1877 wurde die Burg dem Meistbietenden verkauft und blieb bis heute in privatem Besitz.
Der mittelalterliche Turm bildet im Grundriss ein Quadrat von 12.5 Metern Seitenlänge. Die Mauerstärke beträgt im Erdgeschoss 2.2 Meter und verjüngt sich nach oben bis auf 80 cm. Das Mauerwerk besteht aus rohen, unbearbeiteten Blöcken und aus Findlingen. Der mächtige Turm ragt noch gut 17 Meter in die Höhe. Die Überreste eines grossen, offenen Kamins beweisen, dass der Bau bewohnbar war. Im dritten und obersten Stockwerk lagen in der Südecke die Wohnräume. Zahlreiche Fenster boten genügend Licht. Teilweise stammen sie noch aus der Erbauungszeit des Turms, während die rechteckigen Lichtöffnungen des obersten Geschosses im 15. oder 16. Jahrhundert entstanden, als der Turm um dieses Stockwerk aufgestockt wurde. Um dieses Geschoss führte früher eine hölzerne Laube, wie sie auf einer alten Darstellung, einem Fresko in der Linthportkapelle, dargestellt ist. An der Ostseite des Turms ist eine altes, undatiertes Gemälde erhalten, das zwei kämpfende Ritter, der Überlieferung nach die sagenhaften Ahnherren der Schwyzer, Suit und Scheyo, darstellt. 1906 brannte der Turm vollständig aus. Nach der Wiederherstellung wurde er mit einem neuen Dach ausgerüstet. Die Räume des Erdgeschosses werden nun vom Wirt des „Neuen Schlosses“ als Lagerräume und Magazin benutzt.
Die genaue Erbauungszeit des Turms von Grynau ist unbekannt. Obwohl die Anlage lange Zeit als römischer Wachtturm bezeichnet worden ist, liessen sich keine römischen Funde nachweisen. Dem Mauerwerk nach handelt es sich eindeutig um ein mittelalterliches Bauwerk. Um 1300 war der Besitz an das Haus Habsburg übergegangen. 1343 erwarb Graf Friedrich von Toggenburg die Burg Grynau. Im Kaufpreis war neben der Burg mit all den dazugehörigen Rechten, Wiesen und Hölzern auch der Hof und Kirchensatz Wangen und der Hof Tuggen, ein Lehen des Klosters von Pfäfers, enthalten. Eine weitere Einnahme für den Besitzer bildete der Fährbetrieb, über dessen Gebühren wir leider nur wenig wissen. Immerhin ist bekannt, dass der Abt zu Pfäfers als Grundherr des Hofes Tuggen und seine Gefolgsleute gebührenfrei überzusetzen waren. Der mächtige Turm von Grynau verblieb fast hundert Jahre im Besitz der Toggenburger. Nach dem Tod des letzten Toggenburgers im Jahr 1436 bemächtigten sich die Schwyzer kurzerhand der Anlage und setzten einen eigenen Beamten auf die Burg, der die Zölle einzog. Schon im Vorfeld der Auseinandersetzungen um den Alten Zürichkrieg hatten die Schwyzer ein dreissigjähriges Landrecht mit den Leuten des Toggenburgs, des Gasters und den Bewohnern von Uznach geschlossen. 1437 bereits sollte sich dieser geschickte politische Schachzug bezahlt machen. Die Erben des Grafen von Toggenburg vermachten nämlich den Schwyzern die Feste Grynau. Lange erfreuten sich die Schwyzer am Gebietszuwachs der Ländereien Grynau mit den Höfen Tuggen und Wangen nicht, denn die Stadt Zürich erhob, gestützt auf frühere Verträge mit dem verstorbenen Toggenburger, Ansprüche auf dieses Gebiet. Die Streitigkeiten zwischen Schwyz und der Limmatstadt sollten in den Auseinandersetzungen des Alten Zürichkrieges gipfeln. Im Frieden von Einsiedeln wurde Grynau 1450 den Schwyzern zugesprochen, welche einen Verwalter auf die Burg setzten. In der Mitte des 17. Jahrhunderts liess der damalige Vogt Johann Balthasar Kyd gegenüber dem alten Turm einen bequemen Wohntrakt errichten. Die Bedeutung dieses wichtigen Platzes lässt allerdings vermuten, dass hier als Brückenkopf schon früher ein Gebäude stand. Der Bauherr bezog auch eine wohl bereits bestehende Kapelle mit in den Neubau ein. Heute noch prangt über dem Eingang zur Kapelle eine Kopie des Allianzwappens mit den Abzeichen seiner beiden Gemahlinnen.
Zur Zeit der Helvetik musste 1799 General Masséna bei Grynau vor den Österreichern zurückweichen. Zweimal wurde die Brücke zerstört. Während längerer Zeit standen sich die Franzosen und Österreicher kampfbereit beidseits der Linth gegenüber. Erst am 25. September 1799 konnten die Österreicher durch eine List überrumpelt werden: des Schwimmens kundige Männer wurden mit Waffen ausgerüstet, schwammen flussaufwärts zum schlafenden feindlichen Lager und richteten ein Blutbad unter den Österreichern an.
Mit dem Sieg der Franzosen wurde Grynau vorübergehend zu französischem Besitz. Nach der Helvetik übernahm Schwyz das Schloss Grynau. Die vereinigten Korporationen der Ober- und Unterallmeind über das öffentliche Gut widersetzten sich 1836 diesem Vorhaben. Während des Sonderbundskrieges 1848 hatten rund sechzig Soldaten des Sonderbundes den Auftrag, das Schloss zu bewachen. 1848 wurde der Grynauer Zolle aufgehoben und der damit verbundene Streit um die eidgenössische Zollentschädigung 1877 vom Eidgenössischen Bundesgericht beigelegt. Die Korporationen veräusserten die Grynau an den damaligen Vogt Kälin. Die Kapelle zu den Vierzehn Nothelfern gelangte wenig später in den Besitz der Gemeinde Tuggen, während der Turm von Grynau noch heute Privatbesitz ist.
Bibliographie