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Bis in die 1960er Jahre spielt Afrika kaum eine Rolle in der Schweizer Kulturaussenpolitik, die sich in ihrer Anfangsphase hauptsächlich an die westlichen Industrienationen richtet. Die Abstecher von Pro Helvetia in andere Kulturräume beschränken sich meist auf den Bereich der angewandten Kunst.
Die wenigen Veranstaltungen, die Pro Helvetia zwischen 1945 und 1960 auf dem afrikanischen Kontinent durchführt, finden alle in Südafrika statt. Dabei handelt es sich um eine Plakatausstellung, eine Architekturausstellung und eine Ausstellung von Schulwandbildern, die den Ruf der Schweiz im Bereich der Pädagogie stärken soll.
Die Entkolonialisierung der 1960er Jahre verändert nicht nur die politischen Verhältnisse in Afrika, sondern stellt die mit der kulturellen Präsenz der Schweiz im Ausland beauftragten Institutionen vor neue Herausforderungen. Bei Pro Helvetia beginnt die Neuausrichtung der Kulturgeografie unter der Präsidentschaft Willy Spühlers anfangs der 1970er Jahre und folgt im Grossen und Ganzen den Prioritäten der Schweizer Aussenpolitik. Das erste grosse Projekt im postkolonialen Afrika wird 1971 in Dakar durchgeführt, wo Pro Helvetia unter dem Titel La Suisse présente la Suisse eine allgemeine Ausstellung über die Schweiz organisiert. Diese Veranstaltung umfasst verschiedene Themen wie Architektur und Geschichte und hat zum Ziel, dem Gastland Senegal Werte näherzubringen, die für sein Nation building von Nutzen sein können. Der Schwerpunkt liegt auf der friedlichen Koexistenz verschiedener Sprachgruppen, dem Föderalismus und demokratischen Entscheidungsprozessen. Diese Errungenschaften werden damit zu Schweizer Exportprodukten.
Im künstlerischen Bereich bleibt die Schweizer Präsenz während der gleichen Zeit wesentlich bescheidener. Die wenigen Projekte konzentrieren sich erneut auf Südafrika, wo die Luzerner Festival Strings 1965 dank Finanzhilfe von Pro Helvetia mehrere Konzerte geben. 1970 erhält auch das Ensemble vocal aus Lausanne Unterstützung für eine Südafrikatournee. Dabei setzen die südafrikanischen Partner von Pro Helvetia durch, dass die Stiftung allein für die Kosten von Konzerten aufkommt, die auch der schwarzen Bevölkerung offenstehen. Im postkolonialen Afrika hingegen beschränkt sich Pro Helvetia auf einige punktuelle Initiativen und unterstützt beispielsweise 1972 eine Ausstellung afrikanischer Skizzen von Hans Erni in Niamey.
Erst anfangs der 1980er Jahre entwickeln die Verantwortlichen des Bereichs International Projekte, die auf die Bedürfnisse der afrikanischen Länder zugeschnitten sind und einen gewissen Willen zum Dialog erkennen lassen. 1982 organisiert Pro Helvetia in Marokko, Algerien und Tunesien die Ausstellung Le Maghreb vu par les peintres suisses, die dem Bild des Orients in der Schweizer Malerei gewidmet ist und damit einen Austausch mit den Gastländern ermöglicht. 1988 erhält die Theatergruppe Federlos einen Beitrag für eine Tournee in Nigeria, an der auch einheimische Schauspieler beteiligt sind. Als Fortsetzung dieser Politik eröffnet Pro Helvetia 1988 und 1998 Aussenstellen in Kairo und Kapstadt, die dem kulturellen Dialog mit Afrika endlich eine feste Basis geben. (tk)
Archivbestände
BAR E9510.6 1991/51, Bd. 856, 857
Pro Helvetia, Protokolle Gruppe I