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Nicht alle Fragen, die eine neue Technologie betreffen und die nicht-naturwissenschaftlicher Art sind, gehören in die Kategorie „Ethik“. In der Ethik werden die moralischen Aspekte einer Technologie diskutiert. Thematisiert werden moralische Werte, Normen und Prinzipien.
Es gibt eine grosse Vielfalt an Werten, zum Beispiel Fairness, Erfolgsstreben, Achtsamkeit, Beharrlichkeit, Diskretion oder Selbstverwirklichung sind Werte. Nicht jedem und jeder sind die gleichen Werte wichtig, das ist schon bei ganz alltäglichen Themen feststellbar (man denke an Ordnung oder Pünktlichkeit).
Unter Normen versteht man die am Ende eines moralischen Prozesses getroffenen Handlungsanweisungen, als die „Man-soll-Empfehlung“ zu einer bestimmten Thematik. Viele Normen des heutigen Zusammenlebens sind über lange Zeiträume gewachsen und werden den neuen Mitgliedern der Gesellschaft weitervermittelt (z.B. wie man sich in der Öffentlichkeit verhält).
Unter Prinzipien versteht man quasi die übergeordneten, besonders hohen Werte. Zentrale Prinzipien dieser Art sind Gerechtigkeit, Autonomie, Wohltätigkeit, Verantwortung, Respekt, Menschenrechte, Würde etc. Bei aufgrund naturwissenschaftlicher Entwicklungen neu auftretenden ethischen Fragen spielen sie eine grosse Rolle. Bei jedem dieser und anderer Prinzipien lässt sich folgende Frage stellen: Was heisst es, dieses Prinzip im Zusammenhang der Synthetischen Biologie zu wahren und zu fördern? Wer (oder was) muss berücksichtigt werden? Welche Entwicklungen dieser Technologie unterstützen oder gefährden möglicherweise diese Prinzipien?
Die Antworten auf solche Fragen lassen sich nicht in Experimenten finden, und meist sind sie nicht eindeutig, sondern kontrovers. Verschieden Personen legen ihrer Argumentation unterschiedliche Gewichtungen zugrunde. Für den einen ist beispielsweise die Gerechtigkeit das wichtigste Prinzip, für den anderen die Wohltätigkeit, wieder anderen geht es vor allem um den Umweltschutz.
Auch die Ethikerinnen und Ethiker, welche sich professionell mit den Werten, Normen und Prinzipien beschäftigen, kommen auf unterschiedliche Schlussfolgerungen. Entscheidend ist hingegen der Weg, der zum Urteil führt. In der Ethik geht es nicht einzig darum, Antworten zu finden. Der Weg ist ein Teil des Ziels. Ethikerinnen und Ethiker helfen dabei sicherzustellen, dass alle moralisch relevanten Aspekte auf den Tisch kommen, die betroffenen Werte alle benannt werden und transparent gemacht wird, aufgrund welcher Gewichtungen und Weltanschauungen ein Argument stark gewichtet wird oder kaum der Rede wert scheint. Das heisst, das Aufzeigen moralischer Aspekte, das Aufstellen unterschiedlicher Argumente und der Vergleich dieser Argumente – oder zusammengefasst: die ethische Auseinandersetzung mit dem Thema – ist ein wichtiger Aspekt der Ethik. Dieser Weg führt oft zu einer Sensibilisierung im Bezug auf diese Technologie und führt zu einem gegenseitigen Verständnis der involvierten Parteien. Wer sich darauf einlässt, den eigenen Werten und Weltbildern nachzugehen und auch zuzuhören, aufgrund welcher Prinzipien, Erfahrungen und Gefühlen andere ihre Werturteile – beispielsweise darüber, ob die Synthetische Biologie als sinnvoll erachtet wird – fällen, hat sich auf den ethischen Entscheidungsprozess eingelassen. Damit hilft man mit, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen über wünschenswerte Entwicklungen in den Naturwissenschaften.