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Adolf Busch in Zürich
Eine Neuerscheinung widmet sich der Rolle des deutschen Geigers und Komponisten Adolf Busch (1891–1952) im schweizerischen Musikleben der Zwischenkriegszeit. In Zürich ist er in mehr als 120 Konzerten aufgetreten und hat dort drei eigene Werke zur Uraufführung gebracht.
Dominik Sackmann — «Adolf Buschs Name wird als der des größten deutschen Geigers seiner Zeit weiterleben.» Mit diesem Satz schliesst Willi Schuhs Nekrolog des Geigers und Komponisten Adolf Busch in der Schweizerischen Musikzeitung 1952. Adolf Busch lebte von 1927 bis 1939 und von 1947 bis 1952 in der Schweiz, nachdem er seit dem Ersten Weltkrieg regelmässig in den Schweizer Musikzentren aufgetreten war. 1935 wurde er in Riehen (BS) eingebürgert, pflegte aber besonders enge Beziehungen zu Zürich, zur Tonhalle und deren Leiter Volkmar Andreae. Kein auswärtiger Künstler hat zwischen 1898 und 1968 häufiger in der Tonhalle konzertiert als Adolf Busch. Er trat als Solist in Orchesterkonzerten, als Primarius des Busch-Quartetts und als Duopartner mit dem Pianisten Rudolf Serkin auf, dabei auch mehrmals in zyklischen Aufführungen von Beethovens Streichquartetten oder Violinsonaten. Mehr als jeder andere Gast prägte Busch das Musikleben in der Schweiz zwischen den Weltkriegen. Darum liegt es nahe, seine Aktivitäten und seine persönlichen Beziehungen mit zeitgenössischen Exponenten der schweizerischen Kulturszene zu dokumentieren. Den Anfang macht ein Buch zu Buschs Beziehungen zu den Musikzentren Zürich und Winterthur.
Sein Spiel war bestimmt von möglichst genauer Befolgung des Notentextes, von einer seltenen formalen Übersicht und emotionalen Tiefe. Intuitives Musizieren ohne genau Kenntnisse des Werks und dessen Aufführungskonventionen war ihm ein Gräuel. In Zeiten der Erfolge von Espressivo-Dirigenten wie Eugen Jochum und Wilhelm Furtwängler beeindruckte Busch das Publikum immer wieder mit der spürbaren Unbedingtheit seiner Deutungen der Werke von Bach, Beethoven, Mozart, Brahms und Reger, möglichst im Geiste des Komponisten. «Ernst», «Strenge», «Tiefe» und «Vergeistigung» waren die Vokabeln mit denen die Schweizer Musikrezensenten seine Konzerte charakterisierten.
Vielen Zeitgenossen galt er als «ein grosser und reiner Mensch» (Karl Straube). Dies bestätigte sich vor allem im April 1933, als Busch beschloss, im nationalsozialistisch gewordenen Deutschland nicht mehr aufzutreten. Dieser Bruch mit seiner Heimat überschattete fortan sein Leben. Umso dankbarer war er für die Aufnahme in der Schweiz, obwohl die deutschen Musikpolitiker, bis hin zu Hitler und Göring, ihn nach 1933 weiterhin gerne bei sich hätten auftreten sehen.
Dazu trugen auch Buschs Kompositionen bei, die, durchaus in der Nachfolge von Brahms und Reger, ins Konzept der Verfechter «artgerechter Musik» gepasst hätten. Busch entzog sich aber jeglicher Vereinnahmung. Sein veröffentlichtes Œuvre umfasst Kammermusik, Violin-, Klavier- und Orgelwerke, besonders aber Orchester- und Chormusik, insgesamt 70 Werke. Besonderer Betrachtung wert sind die drei Orchesterwerke, die in Zürich bzw. Winterthur uraufgeführt worden sind: das Capriccio op. 46, Introduction und Chaconne op. 47 und das Konzert für grosses Orchester op. 43.
Das Buch ist über sein spezielles, ortsbezogenes Thema hinaus eine Einführung in Leben und Werk des Schweizer gewordenen und schliesslich in Amerika gestorbenen deutschen Geigers. Neben einer Biografie und einer Übersicht über das kompositorische Werk enthält es vor allem Originaltexte aus Korrespondenzen mit bedeutenden Persönlichkeiten in der Schweiz, u.a. Thomas Mann, Volkmar Andreae und Werner Reinhart. Zur Sprache kommen auch die Beziehungen zum Beethoven Sammler Hans-Conrad Bodmer, zum Komponisten und Agenten Walter Schulthess und zu der aus Ungarn stammenden Geigerin Stefi Geyer.
Wenn von Adolf Busch die Rede ist, so dürfen auch seine Partner nicht fehlen, etwa sein Schwiegersohn Rudolf Serkin, sein jüngerer Bruder Hermann, der ab 1930 Cellist im Busch-Quartett war, und sein älterer Bruder Fritz, der als Dirigent auch in der Schweiz bedeutende Konzerterfolge feiern konnte.
Dominik Sackmann: Einswerden von Schaffen und Nachschaffen. Adolf Busch in Zürich. Basel, LIBRUM Publishers & Editors, 2018.