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Obwohl der Anteil an Bühnenkonstruktionen für Theater, Ballett oder Oper in der Arbeit von Michael Simon beherrschend erscheint, sind sie doch eher so geartet, daß sie den Bedingungen des Theaters widersprechen.
Antipodisch zum weit verbreiteten, realistischen Symbolismus des Theaters, schließen sie Abstraktion und Konkretion kurz undaktivieren selbständige Gefüge aus Elementen verschiedener Bedeutungsebenen, die etwaso losgelöst in Erscheinung treten wie dreidimensionale Modelle in einem CAD-Pro-gramm. Auch die seltener, oft aus zufälligen Anlässen realisierten Installationen bildeneinen Raum, der außer Gegenständen auch eine Bewegung in sich enthält.
Allerdings fällt die Distanz weg. Der Betrachter wird unweigerlich selbst zu einem Teil des Spiels. Eine Installation von Michael Simon zieht den Blick zunächst auf solche Aspekte wie Linien (den Raum durchkreuzende Diagonalen, Kreisbögen), Perspektiven (Fluchten). Größen-verhältnisse (die Relationen zum menschlichen Körper). Ihre Elemente sind sowohl abstrakte, den Raum strukturierende Konstruktionen als auch anspielungshafte, überdimensionierte Modelle oder reale Objekte, die, losgelöst von ihren üblichen Funktio-nen, zu den Requisiten eines formalen und ironischen Spannungsfeldes werden.
Der Raum wird durch sie sozusagen als interaktive Handlungsebene entfaltet, ohne einerzusätzlichen, linearen Dramaturgie zu bedürfen - die Handlung ergibt sich aus denMöglichkeiten von individuellen Bewegungsmustern, Positionswechseln und eventuell sogardirekten Eingriffen im Rahmen des räumlichen Bezugssystems. Ein wesentliches Merkmal von Michael Simons Installationen ist, daß der Raum nicht fest ist, sondern im Umbau (wenn er sich nicht gerade bewegt. dann ist er zumindest kurzdavor oder danach).
Er wird, anders ausgedrückt, inszeniert als ein hypothetischer Raum, der ohne zeitliche Stabilität ist, aber die imaginativen und die realen Momente, die in der Wirklichkeit enthalten sind, deutlich macht. Newton's Kitchen entspricht als Inszenierung dieser Verbindung von Funktionalität und Imagination. Die Installation schafft in doppelter Hinsicht einen Eingang: einen praktischbenutzbaren Durchgangs- und „Foyer“-Raum (in der zentralen Rotunde mit einer Barausgestattet) in den dahinterliegenden Theaterraum; und einen Eingang in eine räumliche Wahrnehmungsstruktur, die zwischen subjektiven und objektiven Momenten oszilliert. Dieser führt nun in ein Spiel, das auf die vorgegebenen räumlichen Verhältnisse reagiertDer Betrachter bewegt sich in einer überdimensionalen geometrischen Formation, in dieLinien, Lichtmuster und wissenschaftliche Texte „hineinprojiziert“ sind und gleichzeitigeine imaginäre Uberlagerung des öffentlichen Raums mit deﬁnierten Privatbereichenstattﬁndet.
Text: Andreas Kahlfels