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Die Verbreitung von „Im Westen nichts Neues“ konnten aber auch die Nazis nicht stoppen. Das Buch erreichte eine nicht mehr zählbare Millionenauflage. Keinem anderen deutschen Roman gelang es, solche Verkaufszahlen zu erringen.
Die erschütternde Geschichte, welche die Gräuel des Ersten Weltkrieges beschreibt, wurde bereits 1930 von Lewis Milestone verfilmt. Innert kurzer Zeit wurde der bis dato völlig unbekannte Remarque zu einem der meistdiskutierten und umstrittensten Schriftsteller Deutschlands.
Dies hing auch damit zusammen, dass „Im Westen nichts Neues“ 1931 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Der Deutsche Offizier-Bund protestierte gegen diese Nominierung mit der Begründung, dass der Roman die deutsche Armee und deren Soldaten verunglimpfe.
1933 verbrannten die Nazis das Werk. Sie warfen Remarque „literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges“ vor. 1938 entzogen sie ihm offiziell die deutsche Staatsbürgerschaft.
Villa am Lago Maggiore
Remarque lebte zu diesem Zeitpunkt schon lange im Tessin. Dort hatte er mit dem Vermögen, das ihm der Bestseller eingebracht hatte, die Casa Monte Tabor in Porto Ronco am Ufer des Lago Maggiore erworben. Diese Villa avancierte zum heimlichen Zufluchtsort vieler wichtiger Vertreter der deutschen Literatur.
Während des Zweiten Weltkrieges lebte Remarque jedoch nicht im Tessin, sondern in den USA. Zunächst in Los Angeles, dann in New York genoss er das Leben in vollen Zügen: Er hatte unter anderem Affären mit Marlene Dietrich, Greta Garbo und Sandra Rambeau. 1951 begegnete er schliesslich der Frau seines Lebens: Paulette Goddard, die frühere Ehefrau Charlie Chaplins. Mit ihr lebte er bis zu seinem Tod in seiner Tessiner Wahlheimat.
In den Bars und Restaurants am Lago Maggiore war Remarque ein gern und oft gesehener Gast. Häufig traf man ihn im „Grand Hotel Brissago“ und vor allem im „Ristorante Verbano“ in Ascona. „Wenn Remarque auftauchte, waren es nur noch wenige Schritte zu einem Volks-, Tanz- und Taumelfest“, schrieb Jakob Flach. Und Wolfgang Oppenheimer hielt fest: „Man muss ein Nachtmensch sein, um Remarque kennenzulernen.“
„Ich flüchte vor mir selbst“
Remarque war Alkoholiker, Kettenraucher - und oft depressiv. 1931 schrieb er in einem Brief an Emil Ludwig: „Ich lebe seit zwei Jahren in schweren Depressionen und Verzweiflungsanfällen, ich flüchte vor den Menschen, vor mir selbst und vor dem Leben – ich möchte etwas Geschlossenes, Klares, Positives werden, aber es ist schwer und manchmal glaube ich, es sei zu spät.“
Im Tessin, so sein Nachbar Emil Ludwig, sei Remarque jedoch stets glücklich gewesen. In Hollywood hingegen habe er sich immer mehr in seine Einsamkeit vergraben, auch wenn diese „ständig von Frauen und Cocktails belebt“ war.
In der Region Ascona pflegte er Freundschaften zu Galeristen, Buchhändlern und Künstlern wie etwa dem Architekten Carlo Weidemeyer. Auch mit seinen „Tessiner“ Berufskollegen Hermann Hesse und Erich Kästner stand er in Kontakt.
In Ronco begraben
Remarque ist in Ronco sopra Ascona begraben. Der dortige Terrassenfriedhof gilt wegen seiner Aussicht auf den Lago Maggiore als einer der schönsten Friedhöfe der Schweiz. Dort findet man auf einer einfachen, ungeschliffenen Granitplatte die Inschrift: Erich Maria Remarque, 1898-1970. Direkt daneben befindet sich das Grab von Paulette Goddard.
Ferner sind Bestrebungen im Gange, die Villa Monte Tabor in eine Gedenkstätte umzuwandeln.
Buchtipps:
Wilhelm von Sternburg: Als wäre alles das letzte Mal. Erich Maria Remarque. Eine Biographie, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1998/2000.
Julie Gilbert: Erich Maria Remarque und Paulette Goddard. Biographie einer Liebe, List Verlag, München 1997.
Thomas F. Schneider: Erich Maria Remarque. Ein Chronist des 20. Jahrhunderts. Eine Biographie in Bildern und Dokumenten, Rasch Verlag, Osnabrück 1991.