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Zweimal hatte ich die Ehre, Franz Steinegger zu begegnen. 1988, ein Jahr nach dem Unwetter von 1987, luden wir im Bataillon den “Katastrophen-Franz”, der das Hochwasser bewältigt hatte, in Erstfeld zu einem Vortrag ein – eine Lehrstunde, wie man in Krisen handelt.
Später war ich zu einem Vortrag im Rathaus zu Altdorf eingeladen. Am Anlass hatten wir es lustig. Nachher öffnete Franz unter vier Augen die Tür zum Urner Fahnensaal. Und zeigte dort die Banner von Morgarten 1315, Sempach 1386 und Murten 1476. Das blasse Banner mit dem Uristier von 1315 behalte ich in Erinnerung – auch wenn es gilt, den Patenthistorikern entgegenzutreten, für die es kein Morgarten gibt. Dabei ist verbürgt, dass die Urner den Schwyzern gegen Herzog Leopold I. zu Hilfe eilten.
Item, all das kommt mir wieder in den Sinn – angesichts des formidablen Interviews, das der 78-jährige Franz Steinegger in der gestrigen NZZ am Sonntag gibt. Konzentrieren wir uns dabei auf die Antworten, die er als “Katastrophen-Franz” erteilt.
Zum Hochwasser “anno 1987”
“Ich hatte eine Sitzung in Montreux. Da telefonierte mir die Partnerin und sagte: Bei uns ist die Hölle los. Ich stieg ins Auto und fuhr nach Stans in den Werkhof, telefonierte der Luftwaffe nach Alpnach und sagte, ich müsse einen Helikopter haben. Als ich einflog, stand der ganze untere Kantonsteil unter Wasser. Wo meine Eltern das Haus hatten, schwamm das Auto meines Bruders im Wasser.”
“Was haben Sie aus Krisen gelernt?”
“Das A und O ist die Informationsbeschaffung. Man muss sofort wissen, was passiert ist. Danach muss man überlegen: Wo liegt der Schwerpunkt? Was muss ich tun? Das geht eine halbe Nacht. Konzentration der Kräfte. Dann muss man für jeden Schwerpunkt einen Verantwortlichen delegieren und ihm sagen: Sag, was du brauchst! Wenn er sagt, er brauche zehn Bagger, müssen meine Leute in der Zentrale zehn Bagger organisieren.”
“Sie müssen die richtigen Leute auswählen.”
“Ja klar. Wenn ich die Expo 02 anschaue …”
“… da wurden Sie als Retter geholt.”
“Ja, da gab es schon über hundert Projekte, aber niemand war wirklich verantwortlich. Da muss man jemandem sagen: Du bist verantwortlich, so viel Geld hast du, bis dann muss es fertig sein. Dann macht man Stabsbesprechungen, wo jeder sagen muss, wie weit er ist, was er noch braucht. Das ist es, eigentlich ist es einfach.”