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Management des Cyclic Vomiting Syndrome (CVS)
Das Leben von Patienten, die unter zyklischem Erbrechen (cyclic vomiting syndrome, CVS) leiden, ist von Episoden von Übelkeit, Erbrechen und Unterleibsschmerzen geprägt, die sich mit symptomfreien Phasen abwechseln. Ein biopsychosozialer Ansatz stellt den Betroffenen Hilfe in Aussicht.
Das Syndrom des zyklischen Erbrechens (Cyclic Vomiting Syndrome; CVS) stellt sowohl für die Wissenschaft als auch für Ärzte eine Herausforderung dar. So ist nicht nur die genaue Pathophysiologie bislang ungeklärt, es gibt auch keine zugelassenen zielgerichteten Medikamente.
Zwiespältiges Cannabis
Eine Expertengruppe unter der Leitung von Dr. Rosita Frazier von der Mayo Clinic Arizona hat aktuelle Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zu dieser Erkrankung in einer Übersichtsarbeit zusammengetragen (1).
Daraus geht unter anderem hervor, dass bei der Entstehung eines CVS wahrscheinlich eine Kombination aus genetischen, umweltbedingten, autonomen und neurohormonellen Faktoren eine Rolle spielt. Zudem konnte ein enger Zusammenhang mit Migräne-Kopfschmerzen festgestellt werden. Weitere Komorbiditäten umfassen Angsterkrankungen, Depressionen und autonome Funktionsstörungen. Einige CVS-Patienten berichten paradoxerweise von einer Besserung ihrer Beschwerden durch Cannabis, obwohl das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom eine Unterform des CVS darstellt.
Wie ein CVS diagnostiziert wird
Die Diagnose eines CVS bei Erwachsenen basiert auf den Rom-IV-Kriterien. Diese besagen, dass ein CVS angenommen werden kann, wenn die Symptome mindestens zwölf Monate zuvor begonnen haben und für mindestens sechs Monate folgende Kriterien erfüllt sind:
- stereotype Erbrechensepisoden, die jeweils weniger als eine Woche dauern
- mindestens drei eigenständige Episoden im letzten Jahr und zwei Episoden in den letzten sechs Monaten mit einem Abstand von mindestens einer Woche, sowie das
- Fehlen von Übelkeit und Erbrechen zwischen den Episoden (andere, mildere Symptome können vorhanden sein)
Migräne-Kopfschmerzen in der Vorgeschichte oder in der Familie unterstützen ebenfalls die Diagnose eines CVS. Um andere Ursachen auszuschliessen, können eine Endoskopie des oberen Gastrointestinaltraktes sowie bildgebende Untersuchungen des Abdomens durchgeführt werden.
Triptane und Antiemetika für die Akuttherapie
Die Leitlinien zur Behandlung des CVS empfehlen einen biopsychosozialen Ansatz. Dies beinhaltet Lebensstilmodifikationen wie das Identifizieren und Vermeiden von Auslösern, eine gute Schlafhygiene, eine gesunde Ernährung und ein solides Stressmanagement. Unter Umständen kann auch Psychotherapie hilfreich sein. Es ist wichtig, Begleiterkrankungen so gut wie möglich zu behandeln.
Die medikamentöse Therapie richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. Dabei unterscheiden sich mässige bis schwere Verläufe von milden Verläufen durch längere Episoden (> zwei Tage), die mindestens vier Mal pro Jahr auftreten und mit einer längeren Erholungszeit zwischen den Episoden sowie Besuchen auf der Notfallstation oder mit Klinikeinweisungen einhergehen.
Unabhängig von der Schwere benötigen alle CVS-Patienten eine wirksame Akuttherapie, um die Symptome und die antizipatorische Angst bei einer beginnenden Episode zu lindern. Hierfür eignen sich am besten Triptane wie Sumatriptan oder Antiemetika wie Ondansetron, gegebenenfalls in Kombination mit Benzodiazepinen. Alternativ kann Aprepitant eingesetzt werden. Weitere Optionen für die Akuttherapie des CVS sind Phenothiazine und Antihistaminika. Darüber hinaus ist bei allen Patienten die Gabe von Coenzym Q10 zu erwägen.
Bei Patienten mit mässigem bis schwerem CVS ist auch eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll. Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin (bevorzugt) und Nortriptylin sind hierbei die erste Wahl. Vor Beginn der Behandlung und während der Titrationsphase wird ein EKG empfohlen. Alternativ können Antiepileptika wie Topiramat und Aprepitant verwendet werden.
Die Akupunktur ist ein vielversprechender Ansatz bei CVS
Aufgrund von Hinweisen auf eine sympathische und parasympathische Dysfunktion bei CVS ist die Neuromodulation ein vielversprechender nichtmedikamentöser Ansatz. Bei Kindern mit chronischen Störungen der Darm-Hirn-Achse, einschliesslich CVS, hat sich eine perkutane aurikuläre Neuromodulation über sechs Wochen als erfolgreiche Prophylaxe erwiesen.
Auch spezielle Meditationsverfahren haben sich als wirksam erwiesen. Die Akupunktur stellt einen weiteren vielversprechenden Ansatz dar, obwohl noch keine Daten zur Wirksamkeit bei CVS vorliegen. Bei Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie scheint Akupunktur am P6- oder Neiguan-Punkt jedoch die Symptome der Patienten zu lindern.