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Vibrionen sind Bakterien, die in Fisch und Meeresfrüchten vorkommen. Infektionen mit Vibrionen können beim Menschen zu Durchfallerkrankungen führen. Aufgrund des Klimawandels und der damit verbundenen Erwärmung der Meere könnten sie zukünftig häufiger auftreten. Das BLV untersucht Fisch und Meeresfrüchte für eine Bestandsaufnahme.
Vibrionen als Krankheitserreger
Vibrionen sind Bakterien, die in Salzwasser leben. Sie kommen weltweit in Meeresgewässern und Flussmündungen (Brackwasser und Lagunen) vor. Nach dem Verzehr von kontaminiertem rohem Fisch oder rohen oder unzureichend gegarten Meeresfrüchten (z. B. Austern) kann es zu einer Infektion des Magen-Darm-Traktes mit Vibrionen kommen. Es treten krampfartige Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit und wässriger Durchfall auf. Meist ist der Verlauf insgesamt mild, aber in seltenen schweren Fällen kann es zu einer Sepsis (Blutvergiftung) kommen, die unter Umständen sogar tödlich enden kann.
Die meisten lebensmittelbedingten Infektionen mit Vibrionen werden durch die drei Spezies Vibrio parahaemolyticus, V. cholerae und V. vulnificus verursacht. In der Schweiz sind solche Infektionen eher selten, aber in vielen Ländern Asiens und Amerikas sind Vibrionen die Hauptursache für bakterielle Durchfallerkrankungen. Zudem können Wundinfektionen durch den Kontakt offener Wunden mit erregerhaltigem Meerwasser oder als Folge von Verletzungen bei der Verarbeitung von Meeresfrüchten und rohem Salzwasserfisch auftreten.
Mögliche Auswirkungen des Klimawandels
Das Projekt CLEFSA (Climate Change and Emerging Risks for Food Safety) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat untersucht, inwiefern der Klimawandel ein Treiber neuer Risiken für die Lebens- und Futtermittelsicherheit, die Pflanzen- und Tiergesundheit sowie die Ernährungsqualität sein könnte. Die globale Erwärmung und die damit verbundenen erhöhten Temperaturen des Meerwassers lassen die Experten befürchten, dass es weltweit, und insbesondere in gemässigten Regionen, zu einer Zunahme von Infektionen mit Vibrionen kommen könnte. Weitere Informationen zu CLEFSA: https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.2903/sp.efsa.2020.EN-1881
Besonders bei Meerwasser in Küstennähe ist eine Erwärmung zu erwarten. Während daher Fischereiprodukte aus offener See weniger betroffen sein dürften, könnten Kontaminationen bei Meeresfrüchten, die in flacherem Wasser gewonnen werden, zunehmen. Gleichzeitig scheint ein Trend zu bestehen, vermehrt Gerichte mit rohen oder leicht gegarten Fischen und Meeresfrüchten zuzubereiten und zu verzehren.
Situation in der Schweiz
Um das Risiko für die Konsumentinnen und Konsumenten besser abschätzen zu können, hat das BLV eine Literaturstudie in Auftrag gegeben. Sie wurde von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW durchgeführt. Dabei wurden wissenschaftliche Arbeiten und Berichte zur Prävalenz, das heisst zur Häufigkeit des Vorkommens von Vibrionen in Meeresfrüchten und Fischen, ausgewertet und aus den Ergebnissen Handlungsoptionen abgeleitet.
Literaturstudie der ZHAW: Stöppelmann und Fieseler 2020 - Vibrio spp Literaturstudie (admin.ch) (PDF, 2 MB, 15.10.2020)
Eine Empfehlung aus dieser Arbeit war die Durchführung einer Studie zum Vorkommen der Bakterien in Fischen und Meeresfrüchten, die in der Schweiz konsumiert werden. Der Fokus sollte dabei auf Austern und Muscheln gelegt werden, da diese oft roh oder nur leicht gegart konsumiert werden. Ein solches Monitoring wird nun in den Laboratorien des BLV realisiert, da dem BLV keine aktuellen Daten zum Vorkommen von Vibrionen in Lebensmitteln in der Schweiz vorliegen.
Studiendesign des Monitorings des BLV
In der Muschelsaison 2022/23 sollen frische Austern analysiert werden. Die Proben werden durch den Grenztierärztlichen Dienst GTD des BLV im Rahmen eines Schwerpunktprogramms an den Flughäfen Zürich und Genf erhoben. Importe via Strassentransport werden durch den Zoll an den Autobahn-Zollstellen erfasst. Frischer und tiefgekühlter Fisch, Krustentiere und andere Meeresfrüchte sollen über einen längeren Zeitraum untersucht werden, idealerweise über ein ganzes Jahr. Die Probenahme wird an diversen Verkaufsstellen erfolgen.
Die Vibrionen in Fischen und Meeresfrüchten werden mit einem mikrobiologischen Verfahren angereichert und isoliert. Der Nachweis wird anschliessend molekularbiologisch bestätigt. Ein Teil der isolierten Bakterien wird vom Eidgenössischen Institut für Metrologie METAS dann noch mit der sogenannten «next generation sequencing (NGS)»-Technologie analysiert. Damit lassen sich im Genom der Stämme vorhandene Virulenzfaktoren und andere relevante Markergene nachweisen. Die Studie wird so einen Beitrag leisten, um das Risiko für die Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz besser abschätzen zu können.
Zeitplan der Arbeiten
Zur Vorbereitung des Monitorings etablieren und validieren die Laborato-rien des BLV bis Anfang 2022 die erforderlichen Analysemethoden. Das gesamte Monitoring wird sich anschliessend über einen Zeitraum von einem Jahr erstrecken und Anfang 2023 abgeschlossen sein. Die Unter-suchung von Austern erfolgt in der Muschelsaison, mit Schwerpunkt in den Monaten November und Dezember 2022.
Das BLV wird die Ergebnisse in Form einer wissenschaftlichen Publikation sowie auf den Internetseiten des BLV veröffentlichen.
Letzte Änderung 06.08.2021