Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03538.jsonl.gz/196

Hallo alle
Mein Sohn (9, mit ASS) besucht seit dem Sommer die HPS, davor hat er eine spezielle Tagesschule besucht, in der Kinder mit ADHS, ASS, Traumata, Hochintelligenz... waren. Diese Schule war zwar toll, aber der Schwerpunkt lag eindeutig im Schulischen, weniger im Praktischen. Mein Sohn musste die Schule wechseln, weil er in den 2 Jahren, in denen er dort war, einfach nicht lesen und schreiben gelernt hat und die LehrerInnen fachlich an ihre Grenzen kamen. Sie meinten, die HPS sei wahrscheinlich die bessere Schule für ihn. Der Wechsel verlief gut, er geht da gerne hin, sein Verhalten hat sich in der Schule gebessert. Früher wurde er oft aggressiv, in der HPS beschränkt sich das bis jetzt auf wenige Episoden, die auch nicht so gravierend waren. Von daher alles gut. Aber trotzdem beschäftigt es mich sehr, dass er einfach nicht lesen und schreiben lernt. Er kennt die einzelnen Buchstaben, aber er kann sie nicht aneinander reihen und versteht auch prinzipiell nicht wirklich das Konzept, dass diese Zeichen und Wörter irgendetwas bedeuten sollen und etwas mit seiner Umwelt zu tun haben. Dass man also zB. einen Baum nicht nur in echt oder auf einem Bild sehen und erkennen kann, sondern auch, wenn man das Wort Baum liest.
Vielleicht etwas zu seiner Vorgeschichte: er hat sehr früh gesprochen (bevor er laufen konnte). Er konnte sehr früh viele Wörter und sich gut ausdrücken. Mittlerweile ist dies aber nicht mehr so. Er hat im Vergleich zu anderen 9-jährigen einen eher kleinen Wortschatz und versteht auch vieles, was man ihm sagt, nicht wirklich. Wenn er einen Film schaut oder eine Geschichte hört, merke ich immer wieder, dass er mit dem Inhalt völlig überfordert ist. Ich führe das darauf zurück, dass er bis jetzt nicht lesen und schreiben gelernt hat und er somit auch sonst schulisch so gut wie nichts gelernt hat. Andere in seinem Alter haben ein viel grösseres Wissen als er. Seine Interessen sind durch sein ASS auch ziemlich eingeschränkt, er interessiert sich wenig für das, was um ihn herum so passiert. Ihn interessiert Musik und sonst wenig. Etwas durch Anstrengung (entweder des Kopfes oder des Körpers) zu erreichen, ist für ihn ebenfalls sehr unattraktiv. So spielt er zwar Schlagzeug, übt aber nie. Er spielt, ja, aber nur nach Gefühl und nach Lust und Laune. Noten lesen kann er nicht, das geht in dieselbe Richtung wie das Lesen und Schreiben, das ist viel zu abstrakt für ihn.
Meine Angst ist einfach, dass er es nie lernen wird. Und ich aber das Gefühl habe, dass er nicht so viel unintelligenter ist als andere. Er kann Zusammenhänge begreifen, er kann sich Dinge merken (er kennt unzählige Instrumente, kann sie am Klang erkennen, konnte sich da die Namen nach einmal hören merken). Er kann es einfach nicht bei Dingen, die ihn nicht interessieren. Und die er nicht erfassen kann, wie die geschriebene Sprache. Gleichzeitig merke ich, dass er gerne lesen und schreiben lernen würde. Er verzweifelt selber daran, dass er es nicht kann und leider hat er auch schon etwas resigniert.
Kennt jemand von euch andere als die gängigen Methoden, um lesen und schreiben zu lernen? Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Manchmal habe ich das Gefühl, dass zwischen meinem Sohn, der die HPS besuchen muss, und einem Kind, das die Regelklasse besucht, nur der Unterschied besteht, dass er bis anhin das System Schriftsprache nicht begriffen hat. Im Denken wäre er bereit für sehr vieles, aber die Form, wie bei uns Inhalt vermittelt wird, ist für ihn ein Buch mit sieben Siegeln.
Es wäre schön, wenn jemand Tipps hätte oder eigene Erfahrungen! Danke vielmals!