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Im Andenken an den 1995 verstorbenen Ökonomen Gottfried von Haberler findet jedes Jahr die nach ihm benannte Konferenz unter Leitung der European Center of Austrian Economics Foundation ECAEF statt. Vor einem Monat, am 27. Juni 2014, trafen sich zur zehnten Veranstaltung verschiedenste Persönlichkeiten um inspiriert vom Titel: Staatskunst - Staatsausgaben - Staatsaufgaben: On Statesmanship and the Limits of State Action in Vaduz zu debattieren.
Medienbeiträge zur Konferenz finden sich unten im Anhang unter: Auswahl an Berichten zur Konferenz. Um Interesse auch an einer vergangenen Konferenz zu wecken, soll nachfolgend ein wenig über Gottfried von Haberler in Erfahrung gebracht und grundsätzlich über das Thema der diesjährigen Konferenz sinniert werden.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Österreich-Ungarn geboren und aufgewachsen, wurde Gottfried von Haberler früh geprägt von der österreichischen Schule der Volkswirtschaft. Er war auch Teilnehmer des bekannten Wiener Mises-Kreises der Zwischenkriegszeit. Wichtige Werke seiner akademischen Laufbahn sind “The Theory of International Trade”2) von 1931 und “Prosperity & Depression”4) aus dem Jahre 1937.
In “Prosperity & Depression”4) analysiert der Ökonom Haberler im ersten Teil verschiedenste zeitgenössischen Theorien zum Business Cylce und beleuchtet in Teil zwei die Phasen des Konjunkturzyklus’ und folgert dann, welche Grundsätze der Theorien berücksichtigt und wie diese in einer konsolidierten Theorie Eingang finden könnten.
Mit seiner Arbeit auf dem Gebiet des internationalen Handels - in welcher er wegweisende Grundlagen erarbeitete - verbleibt Haberler den Wirtschaftswissenschaften in nachhaltiger Erinnerung. Primär, indem er Ricardo’ Theorie der komparativen Kostenvorteile mittels der Betrachtung von Opportunitätskosten entscheidend weiter führte1), aber auch durch sein bestimmtes Eintreten für den freien Handel in einer Zeit, welche protektionistische Massnahmen hochhielt. Dennoch verschwieg er auch Untersuchungen nicht, die ihm zeigten, dass der Wohlstand eines Landes sich trotz Handelshemmnissen erhöhen kann - falls ‘ideale Bedingungen’ in einem Land nicht gegeben sind.
Haberler’ Werk “The Theory of International Trade”2) führt dann geradewegs zu den eigentlichen Akteuren, den Nationalstaaten; und damit zum Leitthema der Konferenz: Staatsaufgaben, Staatsausgaben und - falls diese im finanziellen Gleichgewicht ausgeführt - dem vollbrachten Kunststück. Eine banale Interpretationsweise zur Staatskunst. Legt man aber seinen Augenmerk nicht auf die bisweilen sehr unterschiedlichen Vorstellungen zu Aufgaben und zwingend folgenden Ausgaben, dann bleibt reines Philosophieren über was Staatskunst darstellt.
Kunst etymologisch von Können beschreibt die Beherrschung einer Materie; etwas, worüber man Kenntnis, tiefgehendes Wissen besitzt und in Meisterschaft vollendet…und da der Begriff Staat nicht eindeutig definiert ist und verschiedene Lesarten zulässt, soll hier die Ableitung vom ursprünglichen lateinischen Status genügen. Staatskunst, die meisterhafte Beherrschung eines Zustandes (über ein definiertes Gebiet). Die abendländische Kultur führt bei Überlegungen zur Staatskunst unweigerlich zu Platon’ Politeia5) - Der Staat - und Politikos6) - Der Staatsmann. Auch das persische Siyasat-Nama, “The book of government; or, Rules for kings” von Niẓām al-Mulk7) beschreibt Vorstellungen über Staatskunst wie unzählige, weitere Abhandlungen, die dazu geschrieben wurden. Und so teilte an der Haberler-Konferenz auch Fürst Hans-Adam II von Liechtenstein in Staat im dritten Jahrtausend8) seine entsprechenden Vorstellungen mit.
Das verbindende Element zwischen Menschen ist in erster Linie rechtmässiger Handel und dieser basiert auf einem glaubwürdigen, monetären System, was auch bei Haberler in “The Theory of International Trade”2) ausführlich behandelt wird. Die Rechtsordnungen der jeweiligen Staaten mögen verschieden definiert sein, ausschlaggebend bleibt immer die Möglichkeit zum ordentlich ausgeführten Tausch erbrachter Leistungen. Dies ist das Fundament für friedliches Zusammenleben mit dem damit einhergehenden Verständnis, dass die mit dem Tausch erlangten Eigentumsrechte eine feste Grösse darstellen. Grenzenlos.
“Erkenne Dich selbst”, steht über jedem gutgemeinten Ratschlag, jeder Vorstellung wie die Dinge sein müssen. Staatskunst sollte dahingehend interpretiert werden, dass jeder Einzelne befähigt wird, Meisterschaft in seinem Leben, seinem Status, zu erlangen. Obwohl die herrschaftsfreie Gesellschaftsform immer noch unstatthaft anmutet, zeigen gewisse technologische und wirtschaftliche Entwicklungen bereits heute den weiteren Weg dahin auf.
Cyber-Räume weichen physische Grenzen auf und Landesgrenzen verlieren jegliche Bedeutung im gemeinsamen Schaffen der Menschen - oder wirken gar rein hinderlich. Gleichgesinnte finden sich unabhängig ihrer Nationalität in virtuellen Kommunikationsräumen, Einkäufe werden ungeachtet der geographischen Lage beim genehmsten Anbieter getätigt und bei Vorschlägen zu Problemlösungen sind Nationalitäten unwichtig, allein die Zweckmässigkeit wird geschätzt, anerkannt und gegebenenfalls dankbar angenommen.
Staatsaufgaben? Staatsaufgabe...
Referenzen
Werke
Gottfried von Haberler
Wikipedia DE/EN
1)Baldwin on Haberler Contribution to International Trade
4)Interview on Mises.org (AEN Vol. 20, No. 1, Spring 2000)
5)Platon' Politeia
6)Platon' Politikos
7)Siyasat-Nama "The book of government or rules for kings"
8)Der Staat im dritten Jahrtausend
Biography by Joseph Salerno
A Tribute by Richard Ebeling
Auswahl an Berichten zur Konferenz
Veranstalter