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Kennzeichnend für die gutartige Prostatahyperplasie ist die Unterschiedlichkeit der Symptome, so dass die Therapieentscheidung von den individuellen Beschwerden des Patienten abhängig gemacht werden sollte. Grundsätzlich kann bei den meisten Patienten zunächst eine konservative Therapie durchgeführt werden. Ab dem Stadium II ist eine medikamentöse Therapie der gutartigen Prostatahyperplasie jedoch häufig nicht mehr ausreichend, die Beschwerden des Patienten befriedigend zu lindern.
Pflanzliche Präpaprate (Phytotherapie):
Es existiert eine Vielzahl von pflanzlichen Wirkstoffen (Sägepalmenfrüchte, Brennnesselwurzeln, Kürbissamen, Roggenpollenextrakt), welche bei der Behandlung der gutartigen Prostatahyperplasie Anwendung finden. Auch wenn einerseits die Wirkungsweise dieser Stoffe bisher nicht abschliessend geklärt werden konnte und andererseits keine adäquate wissenschaftliche Studie zum Erfolg dieser Präparate vorliegt, kann hiermit eine Verbesserung des Beschwerdebildes durch die Gabe dieser Substanzen im Frühstadium bei einigen Patienten erzielt werden.
Alphablocker (z.B. Tamsulosin=Tamsulosin®, Silodosin=Urorec®, Alfuzosin=Alfuzosin ®, Doxazosin=Cardura®, Terazosin=Hytrin®):
Selektive α-Blocker sind die am häufigsten eingesetzten Medikamente in der Behandlung der gutartigen Prostatahyperplasie. Es handelt sich hierbei um Substanzen, die die Muskelzellen am Blasenhals und in der Prostata entspannen, somit den Auslasswiderstand der Blase erniedrigen und das Wasserlassen erleichtern. Eine Verkleinerung der Prostata wird dabei jedoch nicht erzielt. Ein großer Vorteil dieser Präparate ist der relativ schnelle Wirkeintritt nach wenigen Tagen, so dass schon nach kurzer Zeit beurteilt werden kann, ob eine adäquate Verbesserung der Symptome eintritt oder ob andere Therapievarianten notwendig sind. Den Harnstrahl sowie den Harnabflusswiderstand durch die Prostata verbessern sie nur wenig. Auf die anderen Kriterien für das Fortschreiten des BPS, Prostatawachstum und Komplikationsrisiko, haben sie keinen Einfluss. Sie kommen also vor allem bei mäßigen bis starken Beschwerden und wenig vergrößerter Prostata bis ca. 30 ml infrage.
Die unerwünschten Wirkungen der Alpha-1-Blocker sind ebenfalls dosisabhängig, unterscheiden sich jedoch etwas voneinander. Als typisch gelten weiterhin Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwindel, Kopfschmerz, Durchfall, Schwellung der Nasenschleimhaut, Erkältungszeichen, Blutdruckabfall, abnormaler Samenerguss (v.a. bei Silodosin, Tamsulosin und Terazosin) und Erschwernisse bei einer Staroperation. In der Regel verschwinden die Nebenwirkungen nach Absetzen des Medikaments wieder. Eine verzögerte Freisetzung des Wirkstoffs (in Retard-Präparaten) verbessert die Verträglichkeit etwas.
5-Alpha-Reduktasehemmer (z.B. Finasterid=Proscar®, Dutasterid=Avodart®):
Diese Präparate erzielen ihre Wirkung auf die gutartige Prostatahyperplasie über eine Verkleinerung der Prostata, im Durchschnitt um ca. 30 %. Die Wirkung erfolgt durch eine Hemmung des Einflusses von männlichen Hormonen (Testosteron) auf die Prostata. 5-alpha-Reduktase-Hemmer dienen also beiden Behandlungszielen, sowohl der Linderung von Symptomen als auch der Hemmung des weiteren Fortschreitens der gutartigen Prostatahyperplasie. Sie eignen sich somit zur Langzeittherapie von Männern mit mäßigen bis starken Beschwerden und einer Prostatagrösse ab 50-80 ml. Allerdings besteht bei diesen Präparaten ein verzögerter Wirkeintritt, so dass der Therapieerfolg in der Regel erst nach 6-12 Monaten beurteilt werden kann.
Die unerwünschten Wirkungen der 5-Alpha-Reduktasehemmer sind bei beiden Wirkstoffen ähnlich, zum Beispiel Störungen der Ejakulation (Abnahme der Menge und Qualität des Spermas), Libidoverlust, erektile Dysfunktion („Impotenz“), Schwellung der Brustdrüse sowie Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Hautausschlag).
Kombinationspräparate aus Alpha-1-Blocker und 5-alpha-Reduktase-Hemmer (z.B. Duodart):
Hierbei kombiniert man die rasche Linderung der Beschwerden durch den Alpha-1-Blocker mit dem positiven Effekt des 5-alpha-Reduktase-Hemmers auf das Risiko für ein Fortschreiten und Komplikationen der gutartigen Prostatahyperplasie. Durch die Kombination sind die Beschwerden wirkungsvoller zu reduzieren als durch die Einzelpräparate. Nachteil ist jedoch, dass Nebenwirkungen ebenso häufiger auftreten als bei einer Monotherapie, sodass Kombinationspräparate insbesondere zur Behandlung von moderaten bis schweren Symptomen bei Patienten mit deutlicher Prostatahyperplasie ab 50-80 ml eingesetzt werden sollten.