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Von Mathias Binswanger
Kaum ein anderes Glück wird in den aus Hollywood für die ganze Welt produzierten Filmen und Fernsehserien so sehr propagiert, wie das Familienglück. Natürlich nicht das Familienglück von Eltern und Kindern aus Moskau oder Bagdad, sondern dasjenige der Amerikanischen Vorzeigefamilie. Diese wohnt in einem grosszügig ausgestatteten Einfamilienhaus in einem Vorort von New York, Chikago oder LA. Dad ist beruflich erfolgreich und macht täglich sehr verantwortungsvolle und wichtige Arbeit. Deshalb ist er nicht viel zu Hause aber er versichert seiner Frau und den Kindern mit penetranter Häufigkeit, dass er sie liebt. Mum verbringt hingegen den größten Teil des Tages im Auto, um die Kinder von einer Aktivität zur andern zu chauffieren. Sie ist hauptberuflich Chauffeuse, hat dafür aber ein sehr chickes Auto mit viel mehr PS als sie braucht.
Auch die Filmstars selbst propagieren das glückliche Familienleben à la Hollywood. Ständig heiraten sie sich gegenseitig, um sich dann nach wenigen Jahren wieder scheiden zu lassen und neu zu gruppieren. Die Zeit reicht jedoch meist, um auch noch ein oder zwei Kinder zu zeugen. Tom Cruise und Mimi Rogers, Tom Cruise und Nicole Kidman, Tom Cruise und Penelope Cruz, Tom Cruise und Katie Holmes, Tom Cruise und ... (Fortsetzung folgt bestimmt). Das wäre ja noch in Ordnung, wenn uns die Medien nicht mit gnadenloser Penetranz zeigen würden, wie großartig diese Stars während der Zeit ihres Zusammenseins die Herausforderung meistern, ausser durch Karriere und mit blendendem Aussehen auch noch als phantastische Eltern zu brillieren. Kaum je erwähnen sie, dass ihnen das nur gelingt, weil sie von einer Heerschar von Helfern in Form von Kindermädchen, Köchinnen, Hausmädchen, Bodyguards, Friseuren, Psychiatern und Gärtnern unterstützt werden, um ihr „à la carte“ - Familienleben zu demonstrieren. Es ist nicht besonders schwer, zehn Minuten vor der Kamera mit seinen Kindern zu spielen, und sie dann an das Kindermädchen zurück zu reichen, das sich um die weniger attraktiven Bereiche der Kinderpflege kümmern muss. Und so werden diese Stars auch nie müde, ihre Kinder als ihr größtes Glück zu beschreiben, das ihr Leben nachhaltig verändert hat. Ja, dieses Glück scheint so gross zu sein, dass gewisse Stars gar nicht genug vom Kindern bekommen können und sich immer wieder eines dazu adoptieren müssen.
Nicht wenige Menschen scheinen diesen verlogenen Inszenierungen von Familienglück aber mittlerweile auch in Europa zu glauben, und die Stars werden sowohl durch ihre Filmfamilien als auch durch ihre wirklichen Familien zum globalen Massstab. Normale Familienväter und -mütter erwarten dann von sich selbst, dass sie es ihnen nachtun können, ganz ohne Kindermädchen und andere Helfer im Hintergrund. Die von den Stars vorgegaukelte permanente Kombination von beruflichem Erfolg, verantwortungsbewusster Elternschaft, aufregender Partnerschaft und blendendem Aussehen ist aber ein Phantom. Das beweisen uns die Stars mit ihren vielen Scheidungen gleich selbst.