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"Ja, ich will. Ich will mit diesem Menschen mein restliches Leben verbringen, ihn in guten wie in schlechten Zeiten begleiten und unterstützen und ihm die Liebe geben, die er braucht, um den Alltag zu meistern."

Weshalb heiratet man und frau? Weshalb will man und frau einen Vertrag haben, der bis zum Lebensende einen Menschen an einen bindet? Tut man und frau das alles nur, um das schöne Hochzeitsfest erleben zu können? Sind es gar die Hochzeitsgeschenke, für die man diesen strengen Pakt unterschreibt? Wohl kaum.
Vor einiger Zeit, als Frauengleichberechtigung noch ein Fremdwort war, war die Heirat der Vertrag zwischen einem Mann, der jemanden brauchte, der zu Hause kocht und auf die Kinder aufpasst, und einer Frau, die sicher sein wollte, dass jemand für sie Geld und Nahrungsmittel beschafft. Heute sind die Abhängigkeiten zwischen den Ehepartnern ganz anders: Die Rollenverteilung hat sich verändert, häufig werden die verschiedenen Aufgaben eines Haushalts gemeinsam erledigt. Die standesamtliche Ehe ist zu einem Konstrukt aus vielen Gesetzesparagrafen rund um Steuern, Versicherung, Erbe, Besuchsrecht, Namensgebung, Auskunftsrecht usw. geworden. Und - ganz wichtig - sie hat eine starke symbolische Bedeutung für die Ehepartner. Verheiratet zu sein, heisst, den Willen zu haben, das Leben miteinander zu verbringen. Was hier aber wie eine Floskel erscheint, ist in der Realität gar nicht so einfach umzusetzen. Die Ehe und das damit verbundene Versprechen bildet ein Band, das die beiden Partner auch in grösseren Krisensituationen zusammenhalten kann.
Das Volk entschied
Gleichgeschlechtlichen Paaren war in der Schweiz bisher das Errichten eines solchen Bandes verwehrt. Sie hatten keine Möglichkeit, sich offiziell als Partner eintragen zu lassen und damit ihr Zusammengehörigkeitsgefühl durch dieses feste Band zu verstärken. Was schon viele andere Länder Europas eingeführt haben, wird in der Schweiz nun endlich auch Realität: Am 5. Juni 2005 hat das Schweizer Stimmvolk der Vorlage zur eingetragenen Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare (kurz: Partnerschaftsgesetz) zugestimmt. Das eindeutige Resultat von einem Ja-Stimmen-Anteil von 58 Prozent widerspiegelt eine breitgefächerte, jedoch nicht flächendeckende Toleranz gegenüber Homosexuellen. Dies ist erfreulich, zeigt aber gleichzeitig, dass noch immer mehr als 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung den homosexuellen Menschen grundlegende Rechte verweigern.
Das Partnerschaftsgesetz
Gleichgeschlechtliche Paare können nach Inkrafttreten des Partnerschaftsgesetzes (spätestens am 1. Januar 2007) eine eingetragene Partnerschaft eingehen, wenn sie dies wünschen. Tun sie es, erlangen sie ein Gesamtpaket an Rechten und Pflichten gegenüber einander, dem Staat und Dritten. Das Partnerschaftsgesetz stellt eingetragene Partnerschaften und Ehen unter anderem in den folgenden Bereichen gleich: Steuern, AHV, Besuchs- und Auskunftsrecht und gegenseitige Fürsorgepflicht. Personen, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, sind weder zur Adoption eines Kindes berechtigt noch zu fortpflanzungsmedizinischen Verfahren zugelassen.

Meinungen

Dass es überhaupt zur Volksabstimmung kommen konnte, ist der Evangelischen Volkspartei (EVP) und der ebenfalls christlich geprägten Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) zu verdanken, die gegen die Vorlage das Referendum ergriffen haben. Die teilweise absurden Argumente des Referendumskomitees vermochten das Stimmvolk jedoch nicht zu überzeugen. Es führte als Hauptargument den Schutz der konservativen Grundwerte an und sah das herkömmliche Familienmodell und die Institution Ehe durch das Partnerschaftsgesetz gefährdet.
Auch die Schweizerische Volkspartei (SVP) hat sich (als einzige Bundesratspartei) zu den Gegnern gesellt. Sie befürchtete, dass das neue Gesetz vor allem bei Jugendlichen eine falsche Signalwirkung haben könnte.
Für die Befürworter (darunter auch die sehr engagierte Sozialdemokratische Partei (SP)) spielte der Aspekt der Liebe eine grosse Rolle. "Lieben und Lieben lassen" war hier das Motto. Weitere, rationale Pro-Argumente sind:
- Mehr Steuereinnahmen für den Staat durch die Zusammenlegung der Einkommen.
- Die finanzielle Fürsorge liegt bei eingetragenen Paaren in erster Linie beim Partner/der Partnerin, der Staat wird entlastet.
- Die Ehe wird nicht angetastet, das Eherecht bleibt in seiner Form erhalten. Das Partnerschaftsgesetz unterscheidet sich deshalb auch klar von einer Ehe.
- Die Bundesverfassung verbietet eine Diskriminierung von Menschengruppen auf Grund ihrer Lebensweise. Die vorliegende Diskriminierung Homosexueller muss deshalb endlich aufgehoben werden.
Homosexuelle sagen danke!
Der Abstimmungskampf hat den Homosexuellen-organisationen die einmalige Gelegenheit geboten, sich der breiten Bevölkerung zu zeigen und für Akzeptanz gegenüber Homosexuellen zu werben. Lilian Schaufelberger, Co-Präsidentin des Vereins "JA zum Partnerschaftsgesetz", sagte dazu in ihrer Rede am CSD 2005 in Zürich: "Wir haben Lesben und Schwule in einer Art und Weise sichtbar gemacht, wie sie noch nie da gewesen ist. Und dies ist der wahre Erfolg der Abstimmungskampagne."

In Kürze: Heiraten ist mehr als nur der Abschluss eines Vertrages, mehr als nur ein Mittel um finanzielle Begünstigungen vom Staat zu erhalten. Heiraten ist ein Bedürfnis des Menschen seit Jahrhunderten und Jahrtausenden. Gleichgeschlechtlichen Paaren ist die Heirat noch immer verwehrt. Das neue Partnerschaftsgesetz gibt Schwulen und Lesben die Möglichkeit, einen eheähnlichen Stand einzugehen.

Begriff: Gleichgeschlechtliche Paare können nach Inkrafttreten des Partnerschaftsgesetzes eine eingetragene Partnerschaft eingehen, wenn sie dies wünschen. Das Partnerschaftsgesetz stellt eingetragene Partnerschaften und Ehen in den Bereichen Steuern, AHV, Besuchs- und Auskunftsrecht, gegenseitige Fürsorgepflicht u.a. gleich. Personen, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, sind weder zur Adoption noch zu fortpflanzungsmedizinischen Verfahren zugelassen.