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Seit langem schon erwartete man von Kenwood wieder einmal einen Spitzenempfänger.
Nach dem R - 600, R - 1000 und schließlich dem R - 2000
stellte Kenwood den neuen R - 5000 vor, der in seiner
Leistung deutlich über dem R - 2000 liegt und somit auf
die Käufer eines R - 71 oder NRD - 525 zielt, Wir beziehen
uns im Bericht auf diese beiden Empfänger, direkt
vergleichen werden wir den R - 5000 aber vor allen Dingen
mit dem R - 71, weil uns dieser privat zur Verfügung stand.
Den R - 5000 stellte uns die deutsche Niederlassung von
Kenwood zur Verfügung und zwar das Grundgerät ohne
besondere Optionen. Wir möchten mit diesem Bericht dazu
beitragen, eine praxisnahe und objektive Bewertung des
Empfängers zu geben.
Beschreibung: Der R - 5000
ist ein Stationsempfänger, wenngleich er durch seine
Abmessungen 28 x 11 x 30 cm und sein Gewicht von 5,6 kg
kompakter und leichter ist als seine Konkurrenten.
Insgesamt macht er einen stabilen und gut verarbeiteten
Eindruck. Lediglich die Front wirkt durch das dünne
Plastik etwas unsolide und nicht gerade
vertrauenerweckend. Es ist fraglich, ob die Beschriftung
auf den Kunststofftasten bei intensiver Benutzung
erhalten bleibt und sich nicht ablöst. Das Innere des
Gerätes ist in konventioneller Weise aufgebaut; es sind
keine Steckplatinen vorhanden, der Aufbau ist übersichtlich
und servicefreundlich. Spätestens beim Einbau von Zusätzen
wird man dies zu schätzen wissen. Damit kommen wir zur
Schaltungstechnik. Der R - 5000 ist in den Betriebsarten AM,
SSB und RTTY als Doppelsuper mit einer ersten
Zwischenfrequenz von 58 MHz und einer zweiten ZF von 8,8
MHz ausgelegt. Bei FM (UKW) kommt eine dritte von 455 kHz
hinzu. Der Frequenzbereich erstreckt sich von 150 kHz bis
26,1 MHz. Der als Option erhältliche VHF-Konverter
erfasst das 2-m-Amateurfunkband von 144 bis 146 MHz.
Im Eingangsteil des R - 5000 gelangt das HF-Signal über
ein in drei Stufen von jeweils 10 dB schaltbares Dämpfungsglied
und ein Tiefpaßfilter mit einer Grenzfrequenz von 30 MHz
auf Bandpaßfilter für die Frequenzen über 1,6 MHz.
Unterhalb 1,8 MHz sind Tiefpaßfilter zur
Bereichsbegrenzung eingesetzt. Durch eine nach den
neuesten Erkenntnissen der HF-Aufbereitung konzipierten
Schaltungstechnik wird ein gutes Grossignalverhalten gewährleistet.
In die erste ZF sind zwei relativ breite Filter
geschaltet, die der Weitabselektion dienen. Erst auf der
zweiten ZF erfolgt die schmalbandige Selektion. Dieses
Konzept ist bei einem Empfänger für alle Betriebsarten
in dieser Preisklasse leider unumgänglich, da für FM
eine grössere ZF-Bandbreite von mindestens 15 kHz
erforderlich ist. Die bessere Lösung mit parallel
liegenden, aber getrennten ZF-Zügen für SSB. CW und AM
sowie für FM ist aus Preisgründen wohl derzeit noch
nicht zu verwirklichen. Erwähnenswert ist jedoch die
besondere Schaltung der eingesetzten Filter. Diese sind
hintereinander, nicht parallel geschaltet. Dadurch wird
eine gute Dämpfung beispielsweise von Nachbarkanalstörungen
erreicht, da sich die Weitabselektion bei dieser Form von
Kaskadenschaltungen wesentlich verbessert. Zur weiteren
Selektionsverbesserung bietet Kenwood für die zweite ZF
noch vier nachrüstbare "Kristallgitterfilter"
an. Wer sich auf AM und SSB-Empfang beschränkt, kann ein
1,8 kHz-Filter nachrüsten. Weiterhin gibt es für CW und
RTTY 500 und 270 Hz-Filter als Zusatz. Da jedoch nur zwei
Einbauplätze vorgesehen sind, darf man sich von diesen
vier Filtern nur zwei einbauen, es sei denn, man würde
die Filter von Aussen umschaltbar machen. Dies kann aber
nur in einer Fachwerkstatt erfolgen. Ebenfalls in der
zweiten ZF ist der Störaustaster angeordnet. Er ist
zweistufig zum einen für normale Störungen wie etwa Zündfunken
und zum anderen für Störungen durch das Überhorizontradar
schaltbar. Das Notchfilter liegt im NF-Zug, nicht wie
beim R - 71 im ZF-Zug. Somit ist es sowohl in AM als auch in
FM wirksam, läßt sich aber etwas schwerer auf den Störer
einstellen. Das Ausnotchen ist hier nicht mit einem Rückgang
der S-Meter-Anzeige verbunden, somit muß man bei der
Anwesenheit mehrerer Störer sehr genau und feinfühlig
einstellen. Die Rauschsperre ist für alle Betriebsarten
wirksam. Noch einige technische Möglichkeiten des R 5000
in Stichworten: Digitale Frequenzanzeige mit 10 Hz
Genauigkeit, Empfangsmöglichkeiten in den Betriebsarten
AM, FM, USB, LSB, CW und RTTY und AMTOR mit externem
Decoder. 100 Speicherplätze für Frequenz und
Betriebsart. Uhr für zwei Zeitzonen. Timer mit Start-
und Stop-Funktion für einen angeschlossenen Recorder.
Schaltungsmöglichkeit zwischen zwei Antennen. Anschlüsse
für hoch- und niederohmige Antennen. Zwei digitale VFOs.
Up-down-Taste mit 1 MHz Schrittweite zum schnellen
Aufsuchen bestimmter Bandsegmente. Direkte
Frequenzeingabe über Tastatur (jedoch keine Normtastatur).
Zudem sind acht der zehn Tipptasten mit Doppelfunktionen
für Modulations- und Antennenwahlschalter belegt. Daher
benötigt der R - 5000 bei der Direkteingabe der Frequenz
etwas mehr Tipparbeit als die Vergleichsmodelle.
Interface-Unit IF 232C - IC 10 für Computersteuerung. Es
gibt momentan aber noch keine Auskünfte über Soft- und
erforderliche Hardware. Betrieb an 13,8 Volt mit
Zusatzoption DGK 2 möglich. Die Spannungseinstellung
erfolgt an der Rückseite des Gerätes, was bei häufigem
Standortwechsel den Betrieb sehr erleichtert. Beim R - 71
muß der Trafoanschluß umgelötet werden. Zahlreiche
Suchlaufeigenschaften, z.B. nur über bestimmte
Frequenzbereiche oder die im Speicher vorprogrammierten
Frequenzen, ebenfalls betriebsartenabhängiger Suchlauf.
Anschluß für Zusatzlautsprecher.
Bedienung:Zur
Erleichterung und der Übersichtlichkeit wegen möchten
wir das, was wir als Vorzüge und Nachteile empfunden
haben, tabellarisch auflisten.
Vorzüge:
- Die Anordnung der Bedienungselemente ist gut
durchdacht. Nichts ist überflüssig.
- Für sehbehinderte Hörer ist es vorteilhaft, daß
sich der Empfänger bei Tastendruck mit einem Piep- oder
Morseton meldet, so zum Beispiel bei einem Wechsel auf
USB mit einem U, bei einem Wechsel auf LSB mit einem L
etc.
- Das Service-Manual ist sehr übersichtlich, wenn
auch englischsprachig.
- 100 Speicherplätze
- Beim Betriebsartenwechsel findet kein
Frequenzversatz wie etwa beim R 71 statt.
- Die Leichtgängigkeit des Abstimmknopfes ist durch
ein Rändelrädchen einstellbar, das hinter dem Knopf
sitzt. Diese Art von Einstellung ist wesentlich besser,
als wenn man mit einem Schraubenzieher Einstellungen
unter dem Gerät vornehmen muß.
- Der Filterwahlschalter ist als Drehknopf ausgelegt.
- In der Stellung "Auto" wird das zur
Betriebsart am besten passende Filter geschaltet. Dies
wurde nicht getestet, da nur zwei Filter eingebaut waren.
- Der Notchfilter ist auch in AM wirksam.
- Eine Sprachausgabe für Blinde und Sehbehinderte Hörer
ist als Option lieferbar. Leider war sie beim Testgerät
nicht eingebaut.
Nachteile:
- Der IF-Shift (Paßbandtuning) ist für die
Betriebsart AM nicht einsetzbar.
- Das Tastenfeld verlangt Neuorientierung. Hier vor
allen Dingen die Eingabetasten, die Doppelfunktionen
haben. Bevor man eine Frequenz eingibt, muß man zunächst
immer die "Enter"-Ta ste drücken. Zweitens ist
beim R - 5000 die Eingabetastatur nicht wie bei anderen Geräten
normgerecht, sondern ist in Fünferreihen (zwei Reihen zu
je fünf Tasten) angeordnet. Das verlangt Umdenken. Auch
bei der Eingabe muß man aufpassen und mindestens fünf
Zahlen eintippen. Das heißt, wenn man unter 10 MHz ist,
muß man vor der eigentlichen Frequenz eine Null eingeben
und unter 1000 kHz muss man dann zwei Nullen vorsetzen,
bei spielsweise 990 kHz = 00990. Kurzeingaben sind möglich,
so gibt man etwa 6000 kHz mit 06 plus "Enter"
ein und hat dann den ORF auf 6000 kHz.
- Die AGC ist nicht abschaltbar.
- Die Tasten sind etwas zu klein und liegen zu dicht
beieinander. Sehbehinderten dürfte dies Schwierigkeiten
bereiten
- Man sollte beim Einbau in eine Schrankwand
vorsichtig sein, da sich das Gerät stark erwärmen kann.
Nach Auskunft unseres technischen Klubdienstes ist es möglich,
die AGC abschaltbar und das Paßbandtuning auch für AM
nutzbar zu machen.
Empfangsverhalten:
Der R - 5000 wurde in Bonn und Remscheid an verschiedenen
Antennen geprüft (u.a. ara 30 und diverse Langdrähte).
Hier nun die Ergebnisse:
Sensitivität: Grundsätzlich ist zu sagen, daß man mit
den Empfängern höherer Preisklasse alle Stationen
empfangen kann:
Der R - 5000 ist nicht so empfindlich wie der R 71, dem ist
aber durch eine bessere Antenne abzuhelfen.
Trennschärfe: Schon mit
den eingebauten Filtern war eine gute Trennschärfe zu
verzeichnen. Interferenzen von Nachbarkanälen konnten
ausgeblendet werden.
Großsignalverhalten: Ich stellte in Remscheid em gutes
Großsignalverhalten fest, während Martin in Bonn durch
Botschaftsfunk und andere kommerzielle Funkdienste sehr
starke Außerbandstörungen hatte. Was mir auffiel, war,
daß ich schon viele Signale empfangen konnte, obwohl ich
mit dem Antennenstecker noch weit vom Gerät weg war.
Beim ICOM sind Signale erst zu empfangen, wenn ich die
Antenne mit der entsprechenden Buchse verbinde. Dies
deutet auf eine schlechte Abschirmung des R - 5000 hin.
Eigenpfeifstellen gab es kaum. Angenehm fiel auch die
hohe Frequenzstabilität durch den eingebauten Thermostat
auf. So war bei ECSS - Empfang unabhängig vom gewählten
Seitenband Schwebungsnull sofort gefunden. Unangenehm ist,
daß für Mittelwelle ein Dämpfungsglied eingebaut ist,
was das Gerät für MW-DX ungeeignet macht. Der SSB-Empfang
ist klar, deutlich und sauber. Das konnte besonders bei
schwachen Signalen im 15- und 10-Meter-Band beobachtet
werden. Beim R - 5000 ist der Squelch ohne Relaisklicken
ausgelegt, das ist ein Fortschritt gegenüber dem R 71.
Der Klang des Lautsprechers ist für diese Art
Kurzwellenempfänger sehr gut und verständlich. Das S-Meter
ist gut abzulesen, zeigt jedoch unterhalb von S 7 etwas
zu wenig an. Der Störbegrenzer arbeitet
zufriedenstellend.
Zieht man nun ein Fazit, so kommt man zu folgendem Ergebnis: Der R - 5000 kostet mit
Zusatzfiltern und Zusatzlautsprechern etwa DM 2500.-, der
Icom IC-R 71 kostet modifiziert ungefähr DM 2950.- und
der NRD - 525 (den es im Augenblick nur in der Grundversion
gibt) 3400 .- DM. Wenn man nun in Betracht zieht, daß
der R - 5000 ein bischen unempfindlicher ist als seine
Konkurrenten und vielleicht auch im Großsignalverhalten
etwas schlechter (was durch eine gut abgestimmte
Antennenanlage wieder wettgemacht werden kann), so muß
man sagen, daß das Preis- Leistungsverhältnis bei
diesem Gerät stimmt. Sieht man von den kleinen Negativa
ab, die auch teilweise nachträglich behoben werden können, zeigt sich, daß Kenwood ein Gerät anbietet, welches
sich einen guten Platz bei den Dxern erobern wird. Es
kommt eben immer darauf an, was man von seinem Empfänger
erwartet. Den idealen Empfänger wird es nie geben.
Letztendlich liegt die Entscheidung bei den Kunden. Diese
Erfahrungsberichte können versuchen, einige markante
Eigenschaften der Empfänger herauszustellen. Vollständig
können sie nie sein.
© kurier 17 / 1987