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Fünf Goldmedaillen lagen für Simone Biles bereit. Es schien, als könnte die 24-Jährige aus Texas nach den Rücktritten von Usain Bolt und Michael Phelps, den Superstars der Spiele 2008, 2012 und 2016, den Olymp erklimmen und ihre Ausbeute von 2016 sogar übertreffen.
Am wichtigsten Anlass zeigte die Ausnahmekönnerin aber erstmals überhaupt seit ihrem kometenhaften Eintritt in die Turnwelt 2013 Schwächen. Der immense Druck war für einmal auch für die 1,42 m grosse Biles zuviel, was sich in Form einer Blockade äusserte. Nach dem abgebrochenen Teamfinal trat die Amerikanerin nur noch am Schwebebalken an und verliess Tokio «nur» mit einmal Silber und Bronze.
Auch die Tennisspieler Naomi Osaka und Novak Djokovic erfüllten die Erwartungen nicht. Osaka hatte ihren grössten Auftritt an der Eröffnungsfeier, als sie als letzte Fackelträgerin die Flamme entzündete. Auf dem Platz war sie aber noch nicht wieder die Alte, nachdem sie zuletzt der Tour wegen Depressionen ferngeblieben war.
Djokovic war in Tokio angetreten, um mit dem Olympiasieg die letzte Lücke in seinem Palmarès zu schliessen. Doch die Nummer 1 der Welt scheiterte im Halbfinal an Alexander Zverev und blieb ohne Medaille. Der Serbe erhielt im Ariake Tennis Park einen Vorgeschmack auf das, was ihn in drei Wochen am US Open erwarten wird. Dann geht es für ihn um sein grösstes Vermächtnis im Tennissport, den Gewinn des Grand Slams.
Dressel, Thompson-Herah, Warholm
Nicht alle Favoriten aber scheiterten. Im Schwimmbecken schwangen die von Caeleb Dressel angeführten USA im Zweikampf mit Australien obenaus. Dressel gewann als erst dritter Schwimmer nach Mark Spitz und Michael Phelps drei Einzelrennen und holte seine Olympiasiege 3 bis 7. Die Australierin Emma McKeon gewann sieben Medaillen, vier davon in Gold.
Drei Goldmedaillen sicherten sich die Australierin Kaylee McKeown (Schwimmen), die Südkoreanerin An San (Bogenschiessen), die neuseeländische Kanutin Lisa Carrington und Elaine Thompson-Herah aus Jamaika, die ihr Sprint-Double von Rio de Janeiro wiederholte, diesmal aber auch mit der Staffel den Olympiasieg holte. Italien etablierte sich bei den Männern nach der Ära Bolt überraschend als Sprintnation Nummer 1 und stellte mit Lamont Marcell Jacobs den ersten europäischen 100-m-Olympiasieger seit 1992.
Für die eindrücklichste Leistung im Leichtathletik-Stadion sorgte der Norweger Karsten Warholm, der über 400 m Hürden mit der Verbesserung seines eigenen Weltrekords um 76 Hundertstel in Sphären vorstiess, die zuvor für undenkbar gehalten worden waren. Sifan Hassan aus den Niederlanden gewann das Double 5000 m/10'000 m und holte über 1500 m noch Bronze.
Der Faux-pas der Spiele
Dass Olympia seine eigenen Geschichten schreibt, hatte sich schon am ersten Wochenende in Tokio gezeigt, als die Radfahrerin Anna Kiesenhofer die erste olympische Medaille für Österreich auf der Strasse gewann. Die 30-Jährige düpierte die Favoritinnen aus den Niederlanden, deren Beste Annemiek van Vleuten jubelnd über die Ziellinie fuhr - im Glauben, gewonnen zu haben. Es war der Irrtum dieser Spiele.
Wie immer gab es Premieren und Rekorde. San Marino, das fünftkleinste Land der Welt, holte dank der Trap-Schützin Alessandra Perilli erstmals überhaupt Edelmetall. Die japanische Skateboarderin Kokona Hiraki wurde 22 Tage vor ihrem 13. Geburtstag zur jüngsten Olympia-Medaillengewinnerin überhaupt. Ihre 13-jährige Landsfrau Momiji Nishiya hatte sich zuvor in einer anderen Disziplin dieser neuen Sportart zur Olympiasiegerin gekürt. Im Tischtennis ging mit der Syrerin Hend Zaza eine Zwölfjährige an den Start.
Gastgeber Japan freute sich über den 3. Rang im Medaillenspiegel hinter den USA und China und den Sieg im Baseball, dem beliebtesten Sport des Landes. Tokio erlebte zudem die Geburt eines kommenden Superstars. Der 20-jährige Kunstturner Daiki Hashimoto gewann den Mehrkampf- und Reckfinal und trat in die Fussstapfen von Kohei Uchimura, dessen letzter Olympia-Auftritt mit einem Sturz vom Reck endete. Auch ihm, dem Überturner der letzten Dekade, blieb der grosse Auftritt in Tokio verwehrt.