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|Alp Prà San Flurin bei Sent, Unterengadin (Beschrieb der Denkmalpflege Graubünden

Die Alp Prà San Flurin liegt am Südhang oberhalb von Sent auf 1911 M.ü.M.. Sie wurde vermutlich vor mehr als 200 Jahren errichtet und bis 1964 von der società dalps e chascharias als Voralp für Kühe genutzt. Anschliessend wurde Galtvieh gesömmert. In den 70-er Jahren wurde wenig oberhalb der Neubau Telf erbaut, bestehend aus einer Hütte und einem Melkstand mit Milchleitung ins Tal.
Da das Alpgebäude noch überwiegend in seinem Originalzustand erhalten ist, stellt es als Zeuge der kulturlandschaftlichen Nutzung für das Engadin einen sehr grossen Wert dar. Die einfache, klare Raumaufteilung entspricht einer in dieser Gegend verbreiteten Bautypologie, die sich von der Nutzung abgeleitet hat.
Unter einem Dach befinden sich drei Räume: talseits ein Hauptraum, in dem die Sennerei untergebracht ist und im hinteren Gebäudeteil zwei kleinere etwa gleich grosse Räume, die als Käse- bzw. Milchkeller dienten. In einer späteren Bauetappe (ca. 1955) wurde dem Alpgebäude im Westen ein kleiner Anbau hinzugefügt, der anfangs als Wohn- und Schlafstätte für das Alppersonal und später als Jagdhütte genutzt wurde. An dessen Standort ist der Überrest einer Mauer eines Vorgängerbaues ersichtlich. Auch auf der Ostseite sind Überreste einer Mauer vorhanden, die auf einen ehemaligen Anbau hinweisen.
Der für den Betriebsablauf auf einer Alp wichtige Aussenbereich ist mit Trockenmauern gestaltet, die teilweise noch im Originalzustand erhalten sind. Deutlich ablesbar ist ein Hofbereich zum Zusammentreiben und Melken der Tiere und dessen Anbindung an das alte Wegenetz. Der Zustand der Trockenmauern ist an einigen Bereichen sehr schlecht und erfordert, um weitere Verluste zu verhindern, eine baldige Instandstellung. Die Ruine westlich unterhalb der Alphütte ist der Überrest des Schweinestalles mit Einfriedung, was ein fester Bestandteil einer jeden Kuhalp war. Dies ermöglichte das Nebenprodukt Schotte (Molke) aus der Käseproduktion als Futter für die Schweine zu verwerten.
Das Alpgebäude besteht aus einem mit Kalk vermörtelten Bruchsteinmauerwerk, der jüngere Anbau aus einer holzverkleideten Riegelkonstruktion. Die Konstruktion des grossen Pfettendachs ist noch original. Ebenso ist auf der Innenseite noch die alte Schindeleindeckung ersichtlich, welche auf der Aussenseite mit Faserzementplatten neu eingedeckt wurde. Die Fenster sind einfachverglast und samt den graugrün gestrichenen Fensterläden gut erhalten.
Im Innern hat sich ein Grossteil der Originalsubstanz erhalten. Im Hauptraum befindet sich über der offenen Feuerstelle der alte Käsekessel mit dazugehörigem hölzernem Turner. Eine später hinzugefügte Metallhaube diente als Schutz vor Funken. Der Rauch zog über die Ritzen der Schindelbedachung ins Freie. Angrenzend steht ein Holzherd mit der Aufschrift J. Giston, Ardez. In der südwestlichen Raumecke ist ein Sitzplatz eingerichtet und gegenüber lassen sich an der Wand zum Käsekeller noch Spuren einer Bettstatt ablesen. Über zwei Stufen betritt man die beiden kleineren Kellerräume. Die Holztür zum westlich gelegenen Käsekeller ist mit der Jahreszahl 1807 versehen. Der Milchkeller weist noch eine, für die damalige Zeit typische Konstruktion zur Kühlung auf. Belichtet und belüftet wird der Raum über ein Fenster in der östlichen Raumwand sowie einer kleinen Öffnung in der Stirnwand des Raumes. Durch eine Tür in der Westwand des Hauptraumes betritt man den neueren Anbau.
Die Alp Prà San Flurin bei Sent ist eines der letzten, im ursprünglichen Zustand erhaltenen Alphütten in dieser Region. Deshalb wird beabsichtigt, in Zusammenarbeit mit der neuen Eigentümerin, der società dütil public Sent (SÜP), das Gebäude mit seiner originalen Ausstattung sowie dem wertvollen Aussenbereich zu erhalten und unter Denkmalschutz zu stellen.
Da die ursprüngliche Alpnutzung aufgegeben wurde, sind unter Berücksichtigung der vorhandenen Substanz andere temporäre Nutzungen, wie Vermietung für Anlässe denkbar.