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Unglaublich viele für deutschsprachige Leser ungewohnte Namen begegnen einem in diesem Roman. Eine der Hauptpersonen kristallisiert sich aber schnell raus: Matthew Canfield, ein junger Buchprüfer, der für die US-Regierung arbeitet, und scheinbar zumindest intellektuell einige Fähigkeiten eines Geheimagenten zu haben scheint.
Scarlatti ist der Name eines italienischen Einwanderers, der es vom sprichwörtlichen Tellerwäscher zum Multimillionenmann schaffte. Er baute ein Imperium auf, das nach seinem Tod durch seine Frau weiter geführt und irgendwann von den drei Söhnen hätte übernommen werden sollen. Einer der Söhne stirbt jedoch im Ersten Weltkrieg, ein zweiter entwickelte schon als Jugendlicher seltsame Marotten, die der Familie ein Dorn im Auge waren und sind.
Eben dieser Sohn, Ullster, knüpft während des Krieges Kontakt zu einem dubiosen deutschen Geschäftsmann, bringt Jahre später auf hinterlistige Weise ein Grossteil des Scarlatti-Vermögens an sich und taucht unter.
Canfields Vorgesetzte wittern, dass da etwas im Busch ist und setzen ihn auf Ullsters Fährte. Unterwegs knüpft er teils gewollt, teils auch ungewollt Kontakt zu Ullsters Mutter, die mehr dem Vermögen als dem Sohn nachjagt, und wird von ihr für eine grosszügige Gage eingestellt.
Es stellt sich heraus, das der faule, machtsüchtige aber nicht dumme Ullster Stewart Scarlatti untergetaucht ist und unter falschem Namen mit Verbündeten am zukünftigen Nazi-Regime arbeitet.
Mit vielen kleineren und grösseren Nebenschauplätzen, die manchmal der Geschichte dienlich sind, manchmal auch einfach nur den Roman umfangreicher machen, strickt Ludlum in seinem Erstlingswerk von anfangs 1970er Jahre seine Geschichte.
Nach vielen Jack Reacher-Romanen und Baldacci-Geschichten musste ich mich natürlich erst an die andere Zeitepoche gewöhnen. Denn Robert Ludlum hat das Scarlatti-Erbe nicht nur anfangs 70er Jahre geschrieben, sondern die Geschichte noch weiter zurück angesiedelt. So sind einige Erzählungen bis ganz ans Ende des 19. Jahrhunderts zu setzen. Der Grossteil der Geschichte spielt in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg bis kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges. Und ein paar Dutzend Seiten spielen sich sogar erst nach dem Zweiten Weltkrieg ab.
Robert Ludlum zählt zu den besten Thriller-Autoren überhaupt, und auch sein Erstling ist alles andere als langweilig. Und doch umgibt das Scarlatti-Erbe eine Art von Schwerfälligkeit, bei der ich manchmal nicht sicher war, ob es am für mich gerade wenig gewohnten Schreibstil liegt oder an den zahlreichen Fäden, die oft wirklich nicht so richtig stimmig zusammen laufen. Etwas schwer tat ich mich auch mit den vielen, für deutschsprachige Leser auch noch unübliche Namen. Dass nicht selten Dinge geschehen, die ich mir nun wirklich nicht vorstellen kann, hilft natürlich auch nicht. Zum Beispiel der Umstand, dass man offenbar die Genfer Polizei schmieren kann und die einem ein Fahrzeug mit Zürcher Polizeikennzeichen zur Verfügung stellen, dank dem man ohne Kontrolle überall hin fahren kann.
Ein Teil der Geschichte spielt übrigens – für mich als Schweizer natürlich erfreulich – in Helvetien. Dass der Autor bei den geographischen Fakten mitunter massiv geschummelt hat, nehme ich ihm jetzt mal nicht übel, obwohl man das sicher besser hätte machen können. Kreuzlingen ist nun mal nicht 30 Kilometer von Bern entfernt, sondern fast 200.
Ach ja, von wegen Schweizer Geographie: Sogar mein Wohnort kommt in der Geschichte kurz vor, wenngleich nur namentlich. Dafür, dass wir in den 1970ern gerade mal 7’500 Einwohner hatten, ist das doch eine witzige Sache.
Meine Wertung: [3.5]