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Söldner leisteten in der Fremde Kriegsdienste, Geistliche übernahmen auswärtige Pfarreien, Käser arbeiteten in Schwaben, Mägde verdingten sich in Städten: Schon im 17. oder 18. Jahrhundert verliessen Ägererinnen und Ägerer ihr Tal, um fortan dauerhaft ausserhalb der Gemeinde lebten.
Im 19. Jahrhundert aber übertraf die Auswanderung alle bisherigen Grössen. Sehr bedeutend wurde die durch die neue Niederlassungsfreiheit erleichterte Binnenwanderung innerhalb der Schweiz. Arbeiterinnen und Arbeiter verliessen Oberägeri und zogen in die neuen Fabrikorte
und in die wachsenden Städte.
Während diese stetige Abwanderung aber kaum auffiel, erregte die wellenartig verlaufende Auswanderung vor allem nach Amerika grosse Aufmerksamkeit.
Auslöser waren Krisen
und Teuerung, Abenteuerlust und die Aussicht auf ein besseres Leben, welche die teure und beschwerliche Reise erträglich machte. Erleichtert wurde die Auswanderung durch Zuschüsse der Gemeinde und der Korporation.
In den frühen 1880er Jahren wurde auch das wirtschaftlich rückständige, arme Oberägeri von einem eigentlichen "Auswanderungsfieber" erfasst. Wieviele Menschen in dieser letzten grossen schweizerischen Emigrationswelle, die ihren Höhepunkt 1884 hatte und dann langsam abebbte, Oberägeri in Richtung Übersee verliessen, ist nicht genau bekannt.
Zwischen 1880 und 1885 verlangten etwa 125 Korporationsgenossinnen und -genossen die Auswanderungsbeiträge der Korporation. Allein 1884 beanspruchten 95 Personen oder jede zwanzigste Person mit Oberägerer Bürgerrecht die Beihilfe. Dazu kam eine unbekannte Anzahl von auswandernden Niedergelassenen.
Damit war der Wanderungsdruck abgebaut, denn schon 1885 war in Oberägeri «die Auswanderungslust total erloschen». Die Auswanderung verstärkte aber die Stagnation der Gemeinde
. Bild:
Zeitgenössische Darstellung einer Szenerie auf einem Auswandererschiff, welche die Mühsal der Überfahrt nach Amerika zeigt.