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Die jüdischen Festtage werden grundsätzlich unterschieden in die drei Walllfahrtsfeste, die Hohen Feiertage sowie die späteren, durch historische Ereignisse begründeten Feste und die Festtage der Moderne.
Die drei Wallfahrtsfeste, zu denen in Zeiten des Tempels die Juden aus dem ganzen Land (später auch der Diaspora) nach Jerusalem pilgerten, sind jeweils in Israel einen Tag weniger lang als in der Diaspora.
- Pessach (7 bzw. 8 Tage im März/April) zeichnet sich dadurch aus, dass an ihm der Genuss und Besitz alles auf Getreide basierenden Gesäuerten (Brot, Teigwaren, Bier, Whisky, Wodka etc.) verboten ist. Pessach beginnt mit dem feierlichen Sederabend, der Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten.
- Schawuot (Wochenfest, 1 Tag bzw. 2 Tage im Mai/Juni), ursprünglich v.a. das Fest der Erstlingsfrüchte, die im Tempel den Priestern gebracht wurden, wird in Verbindung auch als Tag der Offenbarung Gottes am Sinai gefeiert.
- Sukkot (Laubhüttenfest) mit Schmini Azeret und Simchat Thora (Schluss- und Thorafreudenfest, insgesamt 8 bzw. 9 Tage im September/Oktober) soll besonders an die während der biblischen Wüstenwanderung bewohnten Hütten erinnern. Kennzeichnend für dieses Fest sind zum einen die mit rein pflanzlichem Material bedeckten Hütten, in denen sieben Tage lang gegessen, in wärmeren Gegenden auch geschlafen wird, zum anderen der aus vier Pflanzenarten bestehende Feststrauss. Schmini Azeret und Simchat Thora, die in Israel auf einen Tag zusammenfallen und in der Diaspora auf zwei Tage verteilt sind, gelten genau genommen als separater Feiertag. Im Zentrum steht dabei zum einen das Gebet um einen regenreichen Winter für das Land Israel, zum andern die Feier des abgeschlossenen Jahreszyklus in der synagogalen Lektüre der Fünf Bücher Moses.
Biblischen Ursprungs sind auch die Hohen Feiertage, die Anfang und Abschluss der Zehn Busstage markieren. Sie fallen auf den Jahresanfang im September.
Rosch Haschana (Jahresanfang) werden die ersten beiden Tage des Jahres genannt. An ihnen wird das Widderhorn (Schofar) geblasen, das als eigenes Gebot in den Fünf Büchern Mose figuriert. Rosch Haschana enthält wie die ganzen Busstage aber auch den Aspekt der Reue für begangene Sünden bzw. der Rückkehr zu Gott (Teschuwa).
Am Ende der Zehn Busstage steht der Jom Kippur (Versöhnungstag). An ihm wird der Prozess der Rückkehr zu Gott zu Ende geführt. Am Jom Kippur wird der ganze Tag dem Gebet gewidmet und weder getrunken noch gegessen sowie der Sexualverkehr unterlassen. Auch das Waschen wird an diesem Tag auf die minimalen Hygienebereiche reduziert. Observante Juden tragen an diesem Tag auch keine Lederschuhe.
Das ausgelassenste jüdische Fest, an dem viele sich auch verkleiden, ist Purim, das im Februar/März gefeiert wird. Grundlage dieses Festes sind die Ereignisse des biblischen Esther-Buchs, wo von der Vereitelung einer geplanten Mordaktion gegen alle Juden des persischen Reiches durch die jüdische Königin Esther berichtet wird. Das Esther-Buch wird am Purim in der Synagoge auch vorgelesen. Der Tag wird überdies durch Gaben an Arme und gegenseitiges Beschenken mit Esswaren gefeiert.
Ein Fest, dessen historische Grundlage ausserhalb der Hebräischen Bibel, nämlich u.a. in den Makkabäerbüchern liegt, ist Chanukka (Lichterfest, im November/Dezember), das an den Makkabäeraufstand gegen den griechischstämmigen Seleukidenkönig Antiochus IV. im Jahre 166 v.u.Z. erinnert. Dieser hatte den Jerusalemer Tempel entweiht und die Ausübung der jüdischen Religion untersagt. In Erinnerung an den Sieg der jüdischen Widerstandskämpfer gegen die Seleukiden, nach gewissen Quellen auch aufgrund eines Ölwunders, das den geringen Rest reinen Öls im Tempel für acht Tage (bis zur Herstellung neuen reinen Öls) brennen liess, werden an diesem Fest acht Tage lang jeweils entsprechend der Anzahl erreichter Festtage eine bis acht Kerzen entzündet.
Zwei neue Festtage sind der Jom Haatzmaut (Unabhängigkeitstag) im April/Mai aufgrund der Ausrufung des Staates Israel 1948 und der Jom Jeruschalajim (Jerusalemtag) im Mai/Juni, der an die Rettung des Staates aus grosser Gefahr und die Eroberung Ostjerusalems und des Tempelbergs im Sechstagekrieg 1967 erinnert.
Neben den Festtagen werden auch fünf Fasttage begangen. Vier von ihnen hängen mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels zusammen. Von ihnen ist der Tischa Be’Aw (9. Aw) im Juli/August der strengste. Die Zerstörung des ersten wie auch des zweiten Tempels fand nach der Überlieferung an diesem Tage statt. Ein weiterer Fasttag wird am Tag vor Purim begangen, in Erinnerung an das Fasten der Königin Esther angesichts der für die Juden drohenden Gefahr im Estherbuch.
Alfred Bodenheimer, Enable JavaScript to view protected content.
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