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Geburtsmonat prägt die innere Uhr
Die Jahreszeit, in der Babys geboren werden, kann einen deutlichen und bis ins Erwachsenenalter nachhaltigen Effekt auf die sogenannte „innere Uhr“ haben. Doch auch für die Wahrscheinlichkeit einer psychiatrischen Erkrankung könnte der Geburtsmonat möglicherweise eine Bedeutung haben. Das fanden Wissenschaftler der Vanderbilt University in Nashville in Experimenten an neugeborenen Mäusen heraus und publizierten ihre Studie im Fachjournal Nature Neuroscience. Verantwortlich machen sie die unterschiedliche Lichteinwirkung der ersten Lebensmonate.
Für die Studie verwendeten die Autoren drei Gruppen von sechs bis acht Wochen alten Maus-Säuglingen, die im Labor bei bestimmten Lichtverhältnissen zur Welt kamen, und ließen sie zusammen mit ihren Müttern bis 28 Tage nach der Entwöhnung unter kontrollierten Lichtverhältnissen aufwachsen. Die erste Gruppe erlebte abwechselnd 16 Stunden Licht und acht Stunden Dunkelheit und war somit die „Sommerkohorte“. Dementsprechend wuchs die „Winterkohorte“ unter umgekehrten Bedingungen auf, also 16 Stunden Dunkelheit und nur acht Stunden Licht. Der dritten Gruppe ließen die Forscher schließlich gleichmäßig Licht und Dunkelheit zukommen, dass heißt jeweils zwölf Stunden. Die Mauslinien waren dabei von besonderer Bedeutung, denn sie trugen in ihrem Genom ein spezielles Gen, das natürlich fluoreszierende Proteine produziert. Diese leuchten immer dann grün auf, wenn die Neurone der biologischen Uhr aktiv sind. Dadurch konnten die Forscher nach ihrem Experiment direkt die Aktivitäten der suprachiasmatischen Kerne messen, die im Wesentlichen für die innere Uhr zuständig seien. Nachdem die Mäuse das Erwachsenenalter erreicht hatten, setzte man sie in ständige Dunkelheit und beobachtete sowohl an ihrem Verhalten als auch durch Gehirnuntersuchungen, inwiefern sie unterschiedlich reagierten.
Tatsächlich waren die Aktivitätsmuster der im Winter Geborenen im Dunkeln zeitlich nach hinten verschoben, was sich auch in Genmarkern für die innere Uhr wiederspiegelte. Ihre Umstellungsprobleme auf veränderte Tageslängen - etwa bei stets längeren Dunkelzeiten - waren zudem grösser als bei Sommermäusen.
Studienleiter Douglas McMahon stellt Vergleiche zum Menschen her. "Erwiesen ist, dass die biologische Uhr unsere Stimmung prägt. Falls ein ähnlicher Mechanismus wie bei den Mäusen vorliegt, hätte das nicht nur Folgen für psychische Störungen, sondern auch auf die Persönlichkeit allgemein", so der Forscher. Wissenschaftliche Studien wiesen schon länger darauf hin, dass Menschen, die in Wintermonaten geboren sind, eher zu affektiven Störungen wie Depression oder bipolaren Störungen neigten.
Quelle: Christopher M Ciarleglio et al.: Nature Neuroscience (2010) DOI: doi:10.1038/nn.2699
Stand: 1/11, BH