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Sie lieben gute Geschichten? Dann lassen Sie uns abtauchen in die spannende Vergangenheit der Narenta-Region. Denn hier, wo sich seit der Antike die Grenze zwischen West und Ost, Christentum und Islam, Okzident und Orient befindet, sind einige der interessantesten Geschichten der Welt entstanden. Starten wir mit dem hundertjährigen Krieg zwischen Kroatien und dem Osmanischen Reich.
Wir schreiben das Jahr 1527: Eines der mächtigsten Weltreiche der Geschichte ist auf dem Vormarsch Richtung Westen. Der Anführer dieser Übermacht, die bishin keine Niederlage kennt, ist Süleyman der Prächtige. Er möchte ins Herz Europas vordringen und Wien erobern.
Nachdem das Königreich Bosnien 1463 gefallen ist (und die Herzegowina 1483), ist der nächste Schauplatz Kroatien. Auf dem Krbava Feld findet am 9. September 1493 die erste Schlacht des Hundertjährigen Krieges gegen die Osmanen statt. In der Schlacht bei Sisak wird Kroatien am 22. Juli 1593 schliesslich als Sieger aus diesem Krieg hervorgehen.
Nachdem die kroatische Armee in unzähligen Schlachten grossen Widerstand gegen die Osmanen geleistet hat, verleiht Papst Leo X ihr im Jahr 1519 den Titel Antemurale Christianitatis (Bollwerk der Christenheit).
Nach der verheerenden Niederlage bei Mohacs im August 1526 gibt es für den kroatischen Adel genau zwei Möglichkeiten: Untertanen des Sultans zu werden oder unter der Habsburgischen Krone weiterzuleben. Der kroatische Adel entscheidet sich am 1. Januar 1527 am Cetingrad Sabor für die zweite Variante und ernennt Ferdinand I zum kroatischen König. Dieser Entscheid sollt sich später als wegweisend zeigen.
Zu dieser Zeit ist der Ausdruck (reliquiae reliquiarum olim inclyti regni Croatiae) weit verbreitet. Er bedeutete in etwa, dass Kroatien nur noch auf die «Reste der Reste» des einstig ruhmvollen Königreichs geschrumpft ist. Die Charta von Cetingrad zählt zu den bedeutendsten Dokumenten in der Geschichte Kroatiens, weil aus ihr ein besonderer Status des damaligen kroatischen Staates hervorgeht.
Die Militärgrenze, ein gesellschaftliches Phänomen in Europa
Nach der gescheiterten ersten Belagerung von Wien im Jahre 1529 – in der sich nota bene auch der kroatische Feldherr Nikola Subic Zrinski auszeichnet – machen es sich die Habsburger zur Aufgabe, ihre Grenze und das Christentum zu verteidigen. Sie errichten in Kroatien (bis dorthin, wo die Osmanen vorgedrungen sind) und entlang der Save eine Militärgrenze, welche die nächsten vier Jahrhunderte das Verteidigungssystem gegen das Osmanische Reich darstellen wird.
Da das Gebiet der Militärgrenze durch die unzähligen Schlachten und Kriege entvölkert ist, muss es neu besiedelt werden. Man stimuliert die Bevölkerung, indem man ihr Land gibt und sie zu freien Bauern erklärt. Dafür müssen sie Militärdienst leisten und sind ab diesem Zeitpunkt Wehrbauern. Das Angebot lockt viele christliche Flüchtlinge aus dem Osmanischen Gebiet an. Die Rechte und Pflichten der zugewanderten Bevölkerung werden in der Statuta Valachorum im Jahre 1630 festgelegt.
Wie verlief dieser Prozess? Wann wurde was an Infrastruktur und Verteidigungsanlagen gebaut? Wie wurde die Militärgrenze, die «Krajina», finanziert und regiert? Dies sind die Grundfragen, mit denen wir uns bei unseren Reisen beschäftigen wollen.
Noch viel mehr interessiert uns aber, was aus diesen Gebieten, die in etwa an der Grenze zwischen dem heutigen Bosnien und Herzegowina und Kroatien liegen, geworden ist, nachdem die «Türkengefahr» vorbei war. Wie haben sich dort im 19. Jahrhundert moderne nationale Identitäten herausgebildet? Und weshalb haben schliesslich genau dort in den frühen 1990er Jahren die schlimmen ethnischen Konflikte eingesetzt, die in den die ganze Region destabilisierenden Jugoslawien-Krieg münden sollten? Weiter wollen wir uns die Frage stellen, welche Rolle die Krajina-Gebiete in den heutigen kroatischen und serbischen Narrativen spielen und welche Folgen diese Narrative für die jeweiligen Gesellschaften haben. Gemeinsam wollen wir die Gebiete Abseits der grossen Tourismusströme erforschen und Land und Leute kennenlernen.
Kroatische Heldengeschichte
Einer der grössten kroatischen Helden ist Nikola Subic Zrinski, der 1566 eines heroischen Todes stirbt. Mit seiner Truppe von nur circa 2500 Verteidigern kann er in der Belagerung von Szigetvar den Osmanischen Truppen, die von Süleyman dem Prächtigen persönlich angeführt werden, schwere Verluste zufügen (25’000 bis 30’000 Mann) und so einen erneuten Angriff auf Wien vereiteln.
Nach der zweiten Belagerung von Wien im Jahr 1683 ändern sich in Südosteuropa die Machtverhältnisse zwischen den beiden grossen Imperien, die die Region dominieren, den Habsburgern und dem Osmanischen Reich. Ab dem späten 17. Jahrhundert werden die militärisch geschwächten Osmanen kontinuierlich nach Südosten gedrängt – womit sich das Problem «des Balkans» und seiner Zukunft eröffnet. Nach dem Frieden von Karlowitz 1699 kann das Königreich Slawonien und Kroatien unter König Leopold seine Gebiete wieder zurückgewinnen.
Österreich-Ungaren annektiert 1878 Bosnien und die Herzegowina. Diese Gebiete bleiben für 219 Jahre unverändert, bis sie sich nach Beendigung des 1. Weltkrieges im Jahre 1918 in das neu gegründete Königreich Jugoslawien einfügen.
Erstaunlich ist, dass die einstige Militärgrenze praktisch der heutigen EU-Aussengrenze von Kroatien entspricht. Kroatien hat mit 1377 km Landesgrenze und 950 km Seegrenze über den grössten Abschnitt der EU-Aussengrenze zu wachen. Und da es nicht so aussieht, als würde sich diese Aussengrenze in den nächsten zehn Jahren verändern, werden die Kroaten, wie sie es schon seit Jahrhunderten tun, ihre Dienste als Grenzwächter Europas weiter wahrnehmen.