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Auf einer Wiese werden die Pflanzen gemäht und später an die Tiere verfüttert. Auf einer Weide hingegen werden die Pflanzen direkt von den Tieren gefressen. Dies wirkt sich sowohl auf das Relief wie auch auf die Pflanzenzusammensetzung aus. Insbesondere bei der Beweidung mit schwereren Tieren entstehen Terrassen, auf welchen sich die Tiere bewegen. Diese Terrassen erzeugen zusätzliche Nischen für Lebewesen. Bei der Beweidung meiden die Tiere ausserdem stechende, giftige oder aromatische Pflanzen. Vertreter dieser drei Gruppen sind beispielsweide der Wacholder (Juniperus communis), die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) und der Oregano (Origanum vulgare). Diese Pflanzen vertragen keinen regelmässigen Schnitt und kommen daher auf Wiesen weniger vor. Aufgrund der verschiedenen Artenzusammensetzungen sollte man nicht ohne Not eine Weide als Wiese bewirtschaften oder eine Wiese neu beweiden. Damit verliert man gewisse Arten, die sich an das Nutzungsregime gewöhnt haben. Es kann Jahrzehnte und länger dauern, bis sich dank einem neuen Nutzungsregime neue Arten einfinden.
Nutztiere werden in Mitteleuropa seit der Steinzeit um 5000 v. Chr. auf Weiden gehalten. Seither haben auf unseren Weiden tausende Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause gefunden und sich stetig an die vorherrschenden Bedingungen angepasst.
Wiesen sind viel später entstanden: Erstmals in der Eisenzeit um 800 v.Chr. wurde Mähwerkzeug hergestellt, was ermöglichte, das Futter zu lagern und das Vieh auch im Winter ausgiebig zu füttern. Allerdings wurde in dieser Zeit das Gras nicht wie später mit hochqualitativen Langblattsensen geschnitten, sondern mit Hausensen kleinflächig abgehauen. Darum geht das Wort "Heu" auf "hauen" zurück.
Im Baselbiet können Weiden eine grössere Artenvielfalt erreichen als Wiesen. Da Weiden etwa 4'200 Jahre vor den Wiesen entstanden sind, bestand auf Weiden während dieser Zeit ein Vorsprung für das Entstehen von Arten. Zu der höheren Vielfalt beigetragen hat auch das selektive Verhalten der Weidetiere: Sie fressen gewisse Pflanzen lieber als andere und halten sich an gewissen Orten lieber auf. Dadurch entstehen unterschiedliche Lebensräume hinsichtlich der Frasshäufigkeit, der Bodennährstoffe und der Bodenstruktur. Ausserdem erleichtern die Tiere die Verbreitung gewisser Pflanzen durch das Fressen von Früchten, oder durch deren Anhaften am Fell.
Auf einer Wiese wachsen vor allem Gräser und spezialisierte Krautpflanzen. Das sind Pflanzen, die mit einem regelmässigen Schnitt zurechtkommen. Die Wiesenpflanzen haben zwei verschiedene Strategien, um den Schnitt zu ertragen: Gräser und die meisten Wiesenkräuter haben ihre Energiespeicher direkt am Boden oder unter der Erde, so dass sie beim Mähen nicht beschädigt werden. Dazu gehören der Wiesensalbei (Salvia pratensis) oder der Wiesen-Pippau (Crepis biennis). Einige Pflanzen hingegen haben einen derart kurzen Lebenszyklus, dass sie zwischen zwei Schnitten bereits wieder reife Samen ausbilden können. Sie sterben beim Schnitt, und nur die Samen überleben. Dazu gehört der Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus).
Eine Wiese braucht regelmässige Mahd und das Schnittgut muss abgeführt werden. Auf ganz mageren Standorten genügt ein Schnitt. Bei den meisten artenreichen Wiesen sind zwei Schnitte pro Jahr ideal, wobei als Rückzugsgebiet für Insekten und andere Kleintiere stets ein Teil der Fläche ungemäht bleiben soll. Fruchtbare und nährstoffreiche Wiesen brauchen drei oder mehr Schnitte pro Jahr.
Wird eine Wiese zu wenig oft oder gar nicht mehr gemäht, verbracht sie: Die Gräser und Kräuter werden zu hoch, fallen um und bilden einen dichten Filz am Boden. Diesen Filz können können nur noch wenige Pflanzen durchdringen. Dies können Gräser oder das Wiesen-Labkraut (Galium album) sein. Sie bilden artenarme Bestände, auf denen die meisten Wiesenarten nicht mehr leben können. Auch das Blütenangebot für Schmetterlinge nimmt stark ab.
Ab etwa drei Jahren ohne Mahd vergandet die Wiese: Dann dominieren zum Beispiel Brombeeren (Rubus sp.), Adlerfarn (Pteridium aquilinum) oder invasive gebietsfremde Arten. Diese Monokulturen bieten nur noch sehr wenigen Tieren einen Lebensraum.
Wird das Mähen noch ein paar Jahre länger unterlassen, beginnen Sträucher die Wiese zu dominieren, und später wachsen Bäume: Die ehemalige Wiese ist Wald geworden.
Die Feuchtigkeit, der Nährstoffgehalt, die Neigung, die Exposition, die Bewirtschaftung und viele weitere Faktoren variieren stark und machen jede Wiese zu einem einzigartigen Ort mit unterschiedlicher Pflanzenzusammensetzung.
Daher unterscheidet man verschiedene Pflanzengesellschaften und Wiesentypen.
Beiden Wiesentypen ist gemeinsam, dass sie im Baselbiet eine jahrhundertelange Tradition haben. Sie unterscheiden sich aber in einigen Punkten.
Fromentalwiesen sind die natürlichen Fettwiesen mit der Grasart "Fromental" (Arrhenatherum elatius, Glatthafer) als Leitart. Sie sind die farbenprächtigen Blumenwiesen, welche früher weite Teile des Wieslands geprägt haben. Auf ihnen wachsen grosse, auffällige Blumen wie die Margerite (Leucanthemum vulgare) oder die Esparsette (Onobrychis viciifolia). Fromentalwiesen ertragen eine leichte Düngung mit Mist. Der grösste Teil der Fromentalwiesen ist heute aber durch Überdüngung, zu häufige Mahd oder sonstige Intensivierung verschwunden. Kein anderer Lebensraum in der Schweiz wurde derart massiv dezimiert.
Bei Trespenwiesen ist die Grasart "Aufrechte Trespe" (Bromus erectus) die Leitart. Trespenwiesen können eine noch höhere Artenvielfalt als Fromentalwiesen erreichen, jedoch ertragen diese Arten keine Düngung. Die Blumen sind daher kleiner und weniger auffällig als auf Fromentalwiesen. Trespenwiesen sind aber als Lebensraum von vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sehr wertvoll und schützenswert. Typisch für Trespenwiesen sind zahlreiche Orchideenarten.
Vor allem die Fromentalwiese hat auch futterbaulich einen wichtigen Stellenwert. Sie liefert hochwertiges, rohfaserreiches Futter, beispielsweise für die Galtphase von Milchkühen und für die Aufzucht, im Emdschnitt aber auch für laktierende Milchkühe.
Quelle:
Eine Wiese kann mit verschiedenen Massnahmen so verändert werden, dass sie immer noch eine Wiese bleibt.
Nur auf einem Weg wird der Ertrag und die Artenvielfalt zugleich gesteigert:
Die folgenden Wege senken zwar den Ertrag, steigern dafür aber die Artenvielfalt:
Die folgenden Wege senken zwar die Artenvielfalt, steigern dafür den Ertrag:
Auf einer Wiese wird Schnittgut geerntet. Dieses wird entweder nach der Mahd zu Heu getrocknet, oder halbtrocken zu Silage verarbeitet. Dies sind erst Zwischenprodukte, sie werden im Winter an die Tiere verfüttert. Am Ende entstehen daraus Nahrungsmittel wie Fleisch und Milchprodukte, aber auch Nebenprodukte wie Wolle, Dünger und Arzneimittel. Ein perfekter Produktionsstandort wird eine Wiese, wenn auf ihr noch Hochstamm-Obstbäume wachsen: Dann gedeihen Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen und vieles mehr. Ausserdem können die Wiesenpflanzen auch direkt als Gemüse, Salat, Gewürz oder als Tee konsumiert werden. Wenn das Schnittgut nicht mehr als Futter taugt, wird es neuerdings auch zur Biogasproduktion verwendet.
Damit schliesst sich der Kreislauf des Lebens, und die Nährstoffe, die bei der Ernte entnommen worden sind, werden der Wiese wieder zurückgegeben. Gülle entsteht, wenn das Vieh die gefressenen Wiesenpflanzen nach dem Verdauen wieder ausscheidet. Das Stroh, auf dem die Tiere gelegen haben, ist mit Gülle durchsetzt und wird zu Mist. Mit dem Verteilen von Gülle und Mist auf den Feldern werden Nährstoffe ausgebracht, die das Pflanzenwachstum erneut anregen. Gewisse Lebewesen sind sogar direkt auf diese Ausscheidungen angewiesen, zum Beispiel Mistkäfer oder Fliegen. Auch unter den Wildpflanzen gibt es Nährstoffspezialisten, zum Beispiel die Brennnessel (Urtica dioica) oder die Grosse Klette (Arctium lappa): Sie sind nur auf Dung konkurrenzfähig.
Die Sache hat aber einen Haken: Wenn das Vieh Zusatzfutter von anderswo bekommt, entsteht zu viel Mist und Gülle. Das Ausbringen dieser Überproduktion bewirkt ein Verarmen der Artenvielfalt auf Wiesen und Weiden, ein Entweichen der Gülle in die Gewässer, in die Atmosphäre und in den Regen und damit ein Verarmen der Artenvielfalt der gesamten Umwelt.
Artenreiche Magerwiesen ertragen keine Düngung mit Mist und Gülle. Sie werfen aber auch nur einen kleinen Ertrag ab. Daher werden Landwirte für die Erhaltung der Magerwiesen finanziell entschädigt.
Rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz (inkl. Sömmerungsgebiete) sind Grasland. Das heisst, es ist für den Ackerbau nicht geeignet. Auf diesen Flächen können nur schlecht oder gar nicht direkt menschliche Nahrungsmittel produziert werde. Stattdessen fressen Raufutterverzehrer wie Rinder, Kühe, Ziegen und Schafe das Gras und die Kräuter und wir nutzen die Milchprodukte und das Fleisch.
Wenn diese Produkte nicht mehr genutzt werden, würde der Grossteil dieser Flächen in der Schweiz verganden und allmählich zu Wald werden. Damit würde die grosse Artenvielfalt unserer extensiven Wiesen und Weiden und auch viel landschaftliche Qualität verschwinden.
Auch das Baselbiet würde etwa 30% seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche und damit viel Artenvielfalt einbüssen. Auch weltweit sind rund zwei Drittel der Landwirtschaftsfläche nicht ackerfähiges Grasland, welches nur mit Tieren zur Produktion von Nahrungsmitteln genutzt werden kann. Auf diese zu verzichten, ist auch aus ernährungspolitischer Sicht nicht zu verantworten, wie zum Beispiel der ehemalige FIBL-Direktor Urs Niggli in seinem neuen Buch "Alle satt?" aufzeigt. Hingegen muss der Fleischkonsum von Schweinen und Geflügel sowie mit Kraftfutter gefütterten Rindern drastisch reduziert werden, da ihr Futter die Ernährung von Menschen direkt konkurrenziert.
Quelle:
Die Kriterien für Wiesenstandorte haben sich in den letzten Jahrzehnten geändert: Früher musste der wenige "gute Boden" mit Getreide und Gemüse angebaut werden, um die Bevölkerung zu ernähren. Mit "gutem Boden" sind flache und tiefgründige Standorte gemeint, da diese zugänglicher und nährstoffreicher sind. Für Wiesen wurden eher steile und steinige Standorte ausgewählt. Damit sie noch gemäht werden konnten, durften sie aber nicht zu steil sein: Solche Flächen wurden dem Wald überlassen.
Seit nun billiges Gemüse aus dem Ausland importiert werden kann, sind aber auch Wiesen auf "gutem Boden" lukrativ: Damit kann die grosse Nachfrage nach Tierprodukten und Biogas gesättigt werden. Dafür werden steile und wenig ertragsreiche Wiesen oft nicht mehr bewirtschaftet, sie verganden und verwalden.
Wenn eine Wiese nicht mehr gemäht wird, wächst Wald. Die Phase dazwischen nennt man Vergandung, und sie dauert unterschiedlich lange. Oft wachsen in dieser Zeit extrem dominante Pflanzen, die artenarme Bestände oder sogar Monokulturen bilden und das Wachstum von Sträuchern und Bäumen für lange Zeit aufhalten können. An mageren Orten ist dies der Adlerfarn (Pteridium aquilinum), an nährstoffreichen Orten sind es oft Brombeeren (Rubus sp.).
Seit dem Ende der letzten Eiszeit um 9’600 v. Chr. haben die Menschen den Wildtierbestand in Mitteleuropa durch Jagen tief gehalten. Die Wälder wuchsen in der Folge dicht zu, und es gab kaum noch Gräser. Erst ab 5’000 v. Chr. begann man einzelne Flächen zu roden, wobei jeweils die steilen, unfruchtbaren und unzugänglichen Stellen dem Wald überlassen, aber trotzdem beweidet wurden. Etwa im 14. Jahrhundert n. Chr. war das Baselbiet eine sehr vielfältige Kulturlandschaft geworden, ein buntes Mosaik aus Wald, Waldweiden, Hecken, Hainen und Offenland. Man nimmt an, dass damals und in den folgenden Jahrhunderten die grösste Artenvielfalt seit der letzten Eiszeit bestand.
In den vergangenen Jahrhunderten war die landwirtschaftliche Nutzfläche grösser als heute. Viele wenig ertragreiche und kleine Flächen wurden seither aufgegeben, da sie sich für eine maschinelle und effiziente Produktion nicht eignen. Diese Entwicklung ist beispielsweise im Tessin sehr augenfällig, aber auch bei uns sind schon in den vergangenen 200 Jahren viele ehemaligen Landwirtschaftsflächen vom Wald überwachsen worden. Gewisse Flächen wurden als Ersatzaufforstungen für Rodungen zum Beispiel für den Autobahnbau sogar aktiv aufgeforstet und dies häufig auf ökologisch wertvollen artenreichen Wiesen und Weiden.
Während der letzten 2.7 Millionen Jahre war Mitteleuropa meist eine unbewaldete Kältesteppe. Erst nach der letzten Eiszeit um 9’600 v. Chr. Jahren bildete sich Wald, der so dicht wie kaum zuvor war. Als Ursache kann angenommen werden, dass intensives Bejagen der Wildtiere den Jungwuchs der Bäume schonte. Ein Römer beschrieb Germanien im 1. Jahrhundert als "ein Land von schrecklichen Wäldern und abscheulichen Sümpfen". Die Wälder waren nicht besonders artenreich und wurden im Mittelalter durch eine vielfältige Kulturlandschaft ersetzt. Sie bestand einerseits aus Offenland und Wäldern, andererseits aus halboffenen Lebensräumen wie Hainen, Hecken und Waldweiden. Vom 14. bis zum 16. Jahrhundert bestand im Baselbiet schätzungsweise die grösste Artenvielfalt seit der letzten Eiszeit. Seither sind viele halboffene Lebensräume entweder zu Wald geworden, oder sie wurden komplett gerodet. Durch diese scharfe Abtrennung ist eine grosse Vielfalt verloren gegangen.
Gewisse Wiesen befinden sich an Lagen, die für eine Bewirtschaftung nicht optimal sind: Entweder sind sie steil, abgelegen oder sie liefern aufgrund des mageren Bodens nur wenig Ertrag. Meist gehören solche Wiesen aber zu den artenreichsten überhaupt, da sie noch nie gedüngt wurden.
Seit uns die Globalisierung billiges Tierfutter aus dem Ausland beschert, lohnt sich allerdings der Aufwand zur Bewirtschaftung solcher Wiesen nicht mehr. Zudem wird entlang von Strassen so viel Müll auf die Wiesen geworfen, dass das Schnittgut nicht mehr als Futter taugt. Nur Landwirte, die Freude an der Artenvielfalt haben und/oder finanzielle Unterstützung für ihre Arbeit erhalten, können solche Wiesen weiterhin bewirtschaften.
Tatsächlich sind Wälder wichtige CO2-Senken. Aufforstungen werden immer wieder als Mittel gegen die Klimaerwärmung propagiert. Dafür gibt es jedoch andere und bessere Mittel.
In der Schweiz nimmt der Wald seit Jahrzehnten vor allem in den Alpen und auf der Alpensüdseite auf Kosten von ökologisch wertvollen Weiden und Wiesen bereits zu. Auch im Kanton Baselland hat von 2005 bis 2017 die Waldfläche um 143 ha zugenommen. Gleichzeitig hat die Fläche der Naturwiesen um 554 ha abgenommen. Die verwaldeten Wiesen und Weiden waren oft sehr artenreich. Schon bei den Ersatzaufforstungen im Zuge des Autobahnbaus wurden grosse Flächen von ökologisch wertvollen Wiesen und Weiden zerstört. Diesen Fehler dürfen wir nicht wiederholen.
Als es noch keine Motormäher und Traktoren gab, war das Heuen für die Bauern besonders zeitaufwändig: Mit der Sägesse (deutsch: Sense) kamen sie beim Mähen nur langsam voran und mussten das Heu mit Muskelkraft transportieren. Damit die wertvolle Zeit im Juli nicht für den Heutransport verloren ging, wurde es neben der Wiese in einem Heuschürli (deutsch: Scheune) gelagert. Im Winter wurden die Tiere zum Heu in die Feldscheune oder das Heu zu den Tieren in den Stall geholt. Bei Schnee kamen dabei auch grosse Schlitten zum Einsatz.
Heute werden die Schürli oft nicht mehr gebraucht, weil das Heu bereits im Sommer mit dem Traktor in die Scheune gebracht wird. Aktuell werden verschiedene Umnutzungen diskutiert, zum Beispiel die Verwendung als Hofläden oder Museen. Die Schürli sind Zeugen der früheren Bewirtschaftung und wichtige Elemente unserer Kulturlandschaft.
Die Blumen auf der Wiese blühen den ganzen Sommer lang in vielen verschiedenen Farbtönen, und im Winter sieht man von weitem ein Mosaik aus verschiedenen Grün- und Brauntönen. Im Sommer nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar ist der ökologische Wert durch die vorhandenen Tiere: Grillen zirpen, Vögel singen und viele Insekten flattern, hüpfen und kriechen umher.
Fast alle Pflanzen wachsen mit Nährstoffen schneller und besser. Dies führt dazu, dass auf nährstoffreichen Wiesen stark wachsende Pflanzen die schwächeren verdrängen. In nährstoffarmen Wiesen können die schnell wachsenden dominanten Arten nicht mehr existieren. Dies führt zu weniger Konkurrenz für die vielen konkurrenzschwachen Arten, welche dort ihren Lebensraum finden und sich gegenseitig leben lassen.
Dazu kommt, dass seit der Entstehung von Wiesen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts "magere" Wiesen der Normalfall waren. Denn früher wurde noch kein synthetischer Dünger ausgebracht, und die Tiere auf dem Bauernhof produzierten nur wenig Gülle und Mist, da sie kein importiertes Zusatzfutter bekamen. Es erstaunt daher nicht, dass drei Viertel der Schweizer Wildpflanzenarten an magere Böden angepasst sind. Alle diese Arten werden bei Düngung von nährstoffliebenden Pflanzen verdrängt.
Ökologische Vielfalt offenbart sich auch unseren Sinnesorganen auf vielfältige Weise. Auf einer ökologisch wertvollen Wiese blühen also nicht nur Blumen. Auch Grillen zirpen, Vögel singen und viele Insekten flattern, hüpfen und kriechen umher.
Auf einer beliebigen Fläche leben acht bis zehn Mal so viele Tierarten wie Pflanzenarten (ausgenommen Moose, Flechten und Algen). Etwa 90% der Wiesentiere sind Insekten: Käfer, Wanzen, Läuse, Bienen, Hummeln, Wespen, Ameisen, Fliegen, Schmetterlinge, Heuschrecken, ...
Mit extensiver Bewirtschaftung steigt die Artenvielfalt nur langsam im Verlauf von Jahrzehnten an. Extensiv heisst, dass keine Nährstoffe (zum Beispiel Gülle oder Kunstdünger) eingebracht werden und nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht wird. Um die Artenvielfalt zusätzlich zu erhöhen, können aber Stein- und Asthaufen angelegt sowie Strauchgruppen und Bäume gepflanzt werden. Auch ein Tümpel oder ein geöffneter Bachlauf fördert die Biodiversität. Diese unterschiedlichen Strukturen schaffen Lebensraum und Rückzugsorte für sehr viele Tiere wie zum Beispiel Eidechsen, Wiesel, Vögel und Schmetterlinge. Bäume und Sträucher nützen auch den Wiesenpflanzen: Einige davon benötigen Halbschatten, wie er etwa unter Föhren existiert, andere benötigen überwinterndes Altgras, wie es im Saum einer Hecke oder unter einem Baum häufig vorkommt.
Wiesenpflanzen benötigen viel Licht, ertragen jedoch Schatten, sogar bis unter 5% des Sonnenlichts. Um möglichst effizient Licht einzufangen, haben Waldpflanzen dünne und breite Blätter mit einer hohen Dichte an Chlorophyll. Im Schutz der Bäume geniessen Waldpflanzen dafür ein mildes Klima. Wiesenpflanzen hingegen müssen mit stärkeren Temperaturschwankungen und Wind zurechtkommen. Auch müssen die Wiesenpflanzen einen regelmässigen Schnitt ertragen, was vielen Waldpflanzen nicht bekommt.
Eine typische Wiesenpflanze ist der kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor), und eine typische Waldpflanze ist das ausdauernde Bingelkraut (Mercurialis perennis). Es gibt aber viele Pflanzen, die sich weder als Wiesen- noch Waldpflanze einteilen lassen: Zum Beispiel die Akelei (Aquilegia vulgaris) verträgt nur wenig Schatten, aber auch keinen Schnitt. Daher sieht man sie nur am Waldrand.
Die schonendste Art des Mähends ist sicher die Sense, mit welcher über Jahrhunderte die Wiesen gemäht wurden. Mit ihr arbeitet man langsam. Tiere können ausweichen und es wird stets nur ein kleines Stück aufs Mal gemäht. Doch es ist unrealistisch, dass ein Landwirt heute noch grössere Flächen mit der Sense mäht. Von den Maschinen ist der Balkenmäher zu empfehlen. Er ist relativ leicht und der Balken verschont vor allem Tiere, die in der Krautschicht leben. Tödlicher für viele Tiere sind Kreiselmäher mit Aufbereiter, welche das Schnittgut zusätzlich quetschen und Mulchgeräte. Aber nicht nur das eigentliche Mähen tötet viele Tiere. Auch beim Zetten, Schwaden und überhaupt bei jedem Befahren der Fläche mit schweren Maschinen und Traktoren werden viele Tiere überfahren. Schonender als das Silieren, bei welchem viele Tiere in die Ballen mit eingepackt werden, ist Bodenheu. Dabei bleibt das Schnittgut einige Zeit liegen und die Tiere können fliehen. Noch besser gelingt dies, wenn ungemähte Rückzugstreifen für die Tiere stehengelassen werden. Auch die Tageszeit zur Schonung von Bienen oder die Mährichtung, damit Tiere auf ungemähte Flächen entweichen können, sind zu berücksichtigen. Entscheidend ist auch eine Staffelung der Schnitttermine, damit grosse Flächen nicht auf einmal gemäht werden und dadurch Schmetterlinge und andere Insekten weiterhin Nektar finden.
Aus ökologischer Sicht ist eine Wiese übernutzt, wenn sie zu oft gemäht wird. Ein Extrembeispiel dafür ist ein Golfrasen oder englischer Rasen. Dieser wird dermassen oft gemäht, dass Pflanzen kaum zum Blühen kommen. So können fast nur Gräser und Moose wachsen.
Eine weitere Form der Übernutzung ist übermässige Düngung. Dabei ist das Einbringen von Nährstoffen gemeint, die von anderswo als von der Wiese stammen, also Kunstdünger oder Mist und Gülle von Tieren, die mit importiertem Futter ernährt wurden. Die Folgen sind ein Verarmen der Artenvielfalt, ein Entweichen der Gülle in die Gewässer, in die Atmosphäre und in den Regen und dadurch ein Verarmen der Artenvielfalt unserer gesamten Umwelt.
Artenreiche Blumenwiesen (im Baselbiet vor allem Fromental- und Trespenwiesen) sind nicht lukrativ: Da sie wenig bis gar nicht gedüngt werden, liefern sie nur 15-50% des Ertrages einer Intensiv-Wiese, die gedüngt und häufiger gemäht werden kann. Der Landwirt profitiert also kaum von einer solchen Wiese.
Die Umwelt und die Gesellschaft profitieren aber stark von deren Artenvielfalt und Schönheit. Zudem entweicht dort im Gegensatz zu Intensiv-Wiesen keine Gülle in die Atmosphäre, in den Regen und in die Gewässer. Deswegen bezahlt der Bund einen Ausgleich für die Ertragseinbussen: Für das Bewirtschaften einer Blumenwiese erhält ein Landwirt zwischen 15 und 40 Franken pro Are und Jahr.
Damals waren Futterimporte aus dem Ausland noch teuer. Es lohnte sich noch, das Futter auf mageren Wiesen zu ernten. Zudem war synthetischer Dünger teurer, also war man auch dankbar für den spärlichen Ertrag von mageren Blumenwiesen. Heute werden solche Wiesen meist gedüngt, oder aufgegeben und dem Wald überlassen.
Ackerland befindet sich dort, wo der Boden flach und tiefgründig ist, also wenig Steine enthält. Pflanzen wachsen dort schneller und man kommt besser mit Maschinen voran. Wiesland ist steiler und steiniger, und war daher schon immer weniger lukrativ.
Kunstwiesen sind wie Kunstwerke in Museen ein Ergebnis gezielter menschlicher Tätigkeit. Auf Kunstwiesen wird der Pflanzenbestand durch regelmässiges Ackern, Ansäen und Düngen so verändert, dass möglichst viel nahrhaftes Futter wächst. Typischerweise sät man hier Luzerne (Medicago sativa), Rot-Klee (Trifolium pratense) oder das Englische Raygras (Lolium perenne). Kunstwiesen sind eine Fruchtfolge im Ackerbau und bringen neben energiereichem Futter durch die Knöllchenbakterien der Leguminosen auch Stickstoff in den Boden.
Eine Wiese, die in der Vergangenheit intensiv bewirtschaftet und häufig gedüngt wurde, ist aus ökologischer Sicht überdüngt. Es befinden sich zu viele Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor im Boden. Auf diesem fetten Boden sind nur Ackerpflanzen konkurrenzfähig, oder wenige Wiesenpflanzen wie zum Beispiel der Löwenzahn (Taraxacum officinale). Für das Entstehen einer artenreichen Wiese mit Margerite (Leucanthemum vulgare), Salbei (Salvia pratensis) und vielen weiteren Blumen muss die Wiese daher einige Jahrzehnte lang ungedüngt bleiben. In dieser Zeit werden die überschüssigen Nährstoffe allmählich von den Pflanzen aufgenommen und als Heu von der Fläche entfernt.