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Wien, um 1890
Gebrüder Thonet, Frankenberg / Eder
Kupfer (Kübel); Holz, gebogen, verschraubt
H. 87 cm, B. 59,5 cm, T. 48,5 cm
Inv. 2002.357.
Im Verkaufskatalog der Möbelfirma Thonet von 1895 ist der Stuhl als "Nachtstuhl No. 56 mit Kübel" bezeichnet. Eine Schutzmarke mit der Aufschrift "Thonet" an der Unterseite der Sitzfläche identifiziert den Nachtstuhl als Objekt der bekannten Firma. Diese spezialisierte sich im 19. Jahrhundert auf die Herstellung von Bugholzmöbeln. Den Hauptsitz hatte das Unternehmen in Wien. Die von den "Gebrüdern Thonet" produzierten und aus massiver Buche gebogenen Möbel zeichnen sich durch Festigkeit, Leichtigkeit und Beständigkeit aus. Nebst den bekannten, aus wenigen Teilen zusammengesetzten Bugholzstühlen und -sesseln fertigte "Thonet" u.a. auch Tische, Betten, Kronleuchter, Puppen- und Kindermöbel an.
Toilettenstühle gehörten noch im ausgehenden 19. Jahrhundert zum Inventar vieler Haushaltungen. Im Wohnbereich gab es nur in wenigen Fällen einen Raum mit fest eingebauter Toilette. Der Weg zum "stillen Örtchen" war - vor allem nachts - oft ein (zu) langer und kalter. Der Nachtstuhl diente als mobile Toilette in Haus und Wohnung. Um diesen nicht als solchen sofort erkennbar werden zu lassen, waren viele Nachtstühle "getarnt" - zum Beispiel als Hocker in Form eines Bücherstapels. Unser Thonet-Nachtstuhl ist ein schlichtes Modell mit einer nach hinten aufklappbaren Sitzfläche, unter der sich ein Nachttopf verbirgt.
Das Objekt, das als Schenkung in den Besitz des HMB kam, bereichert den bereits vorhandenen Bestand an Thonet-Möbeln und erweitert ihn um ein spezielles Modell.