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Süssholz, Lakritze - Glycyrrhiza glabra
Glycyrrhiza glabra (syn. Glycyrrhiza officinalis, Liquiritia officinalis);
Süssholz (syn. Deutsches Süssholz, Gemeines Süssholz, Lakritze).
VORKOMMEN
Das Süssholz bevorzugt ausgesprochen trockenen Stellen, vor allem in trockenen Gebüschen, allgemein auf Sand- und Lehmböden. Die Pflanze ist auch auf Sand- und Lehmböden von Flussufem zu finden. Vorkommen vor allem im Mittelmeergebiet, Westasien, zum Teil kultiviert in europäischen Ländern.
MERKMALE
Süssholz ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis
zu 100 Zentimetern erreicht. Die wechselständigen, unpaarig gefiederten
Laubblätter besitzen drei bis fünfzehn Fiederblättchen. Die Nebenblätter
sind winzig. In achselständigen, ährigen oder traubigen Blütenständen
stehen kleine Schmetterlingsblüten und kleine Hochblätter zusammen. Im
Spätsommer erscheinen bläulich-violette und weisse Schmetterlingsblüten
in kurzen, aufrechten Ähren.
Die Pflanze ist frostempfindlich und bevorzugt volle Sonne und tiefe, humusreiche, durchlässige Erde. Die Wurzeln werden im Herbst geerntet.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Liquiritiae radix (syn. Glycyrrhizae radix, Radix Glycyrrhizae, Radix Liquiritiae); Süssholzwurzel (syn. Lakritzenwurzel, Spanisches Süssholz, Süssholz), die geschälten oder ungeschälten, getrockneten Wurzeln und Ausläufer.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Lakritze enthält Glycyrrhizin, ein Gemisch aus Ammonium- und Calciumsalzen der Glycyrrhizinsäure. Dieses Glykosid, das der Lakritze ihren Geschmack verleiht, besitzt etwa die 50-fache Süsskraft von Rohrzucker. Durch Abspaltung des Diglucuronids entsteht aus Glycyrrhizin die 18-β-Glycyrrhetinsäure, die selbst keine Süsskraft mehr besitzt. In geringer Konzentration sind zahlreiche Triterpensaponine wie das 24-Hydroxyglycyrrhizin und die Sojasaponine I und II enthalten. Neben weiteren Glykosiden wie Glabrinsäure und Oleanolsäurederivate enthält Süssholzwurzel mehr als 40 identifizierte Flavonoide. Hierzu gehören das Chalconderivat Isoliquiritigenin und das zugehörige 4-O-Glycosid Isoliquirtin und das Flavanon Liquiritigenin und sein Glycosid Liquiritin. Auch Isoflavone wie Formononetin, oder auch Sterin und höhere Alkohole sind nachgewiesen worden. Weiterhin sind Cumarine wie beispielsweise das auch in Doldenblütlern wie Liebstöckel vorkommende Umbelliferon enthalten. An flüchtigen Aromastoffen wurden neben anderen Anethol und Geraniol identifiziert. Das saure Polysaccharid Glycyrrhizan GA ist der Hauptbestandteil der weiterhin enthaltenen Polysaccharide.
PHARMAKOLOGIE
Die experimentell und klinisch belegte entzündungshemmende und krampflösende Wirkung ist noch nicht vollständig geklärt. Die nachgewiesene entzündungshemmende Wirkung der Glycyrrhizinsäure soll aber nicht durch eine Hemmung der Prostaglandinbiosynthese, sondern durch Einfluss auf die Wanderung der Leukozyten zum Entzündungsort entstehen. Daneben beeinflusst Glycyrrhizinsäure selbst den Steroidstoffwechsel, indem sie das Enzym Steroid-5β-Reduktase, möglicherweise auch die NAD+-abhängige 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase 2 hemmt. Diese Enzyme bauen Cortison und Aldosteron ab, ihre Hemmung führt daher zu einer Verlängerung der biologischen Halbwertszeit der Corticosteroide sowie bei hohem Aldosteronspiegel zu Bluthochdruck und Kaliumverlust.
ANWENDUNG
Angaben der Kommission E:
- Wirkungen: Glycyrrhizinsäure und das Aglukon der Glycyrrhizinsäure beschleunigen nach kontrollierten klinischen Studien die Abheilung von Magenulcera. Sekretolytische und expektorierende Wirkungen sind imTierversuch nachgewiesen. Am isolierten Ileumsegment des Kaninchens wurde in einer Konzentration von 1:2500 bis 1:5000 eine spasmolytische Wirkung nachgewiesen.
- Anwendungsgebiete: Katarrhe der oberen Luftwege und Ulcus ventriculi duodeni.
- Nebenwirkungen: Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung können mineralcorticoide Effekte inForm einer Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust mit Hochdruck, Ödeme und Hypokaliämie und in seltenen Fällen Myoglobinurie auftreten.
- Wechselwirkungen: Kaliumverluste durch andere Arzneimittel, z,B.Thiazid und Schleifendiuretika, können verstärkt werden. Durch Kaliumverluste nimmt die Empfindlichkeit gegen Digitalisglykoside zu.
- Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: Mittlere Tagesdosis: Süssholz ca. 5-15 g Droge entsprechend 200-600 mg Glycyrrhizin;
Succus Liquiritiae: 0,5-1g bei Katarrhen der oberen Luftwege; 1,5-3,0 g bei Ulcus ventriculi duodeni; Zubereitungen entsprechend.
- Art der Anwendung: Klein geschnittene Drogen, Drogenpulver, Trockenextrakte für Aufgüsse, Abkochungen, flüssige und feste Formen zur oralen Anwendung (Succus liquiritiae).
- Dauer der Anwendung: Ohne ärzlichen Rat nicht länger als 4-6 Wochen.
- Hinweis: Gegen die Verwendung der Droge als Geschmackskorrigenz bestehen keine Einwände.
- Zur unterstützende Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie bei Magenschleimhautentzündung.
Als Schleim lösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh.
Die Süssholzwurzel wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Süssholzwurzel wirkt aufgrund der enthaltenen Saponine, vor allem der Glycyrrhizinsäure, expektorierend (auswurffördernd), sekretolytisch (schleimverflüssigend) und sekretomotorisch (schleimlösend). Bei Süssholzextrakten wurde eine antibakterielle und antimykotische Wirkung nachgewiesen. Typische Anwendungsgebiete sind Husten, Bronchialkatarrh und andere Erkrankungen der oberen Atemwege. Bei Gastritis und Magengeschwüren findet die Süssholzwurzel ebenfalls Anwendung.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Soweit nicht anders verordnet: Mittlere Tagesdosis: Süssholz ca. 5-15 g Droge entsprechend 200-600 mg Glycyrrhizin;
Succus Liquiritiae: 0,5-1g bei Katarrhen der oberen Luftwege; 1,5-3,0 g bei Ulcus ventriculi duodeni; Zubereitungen entsprechend.
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - positive Bewertung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
- Klinische Studien: positiv
HOMÖOPATHIE
Glycyrrhiza glabra HAB34, die getrocknete Wurzel.
SÜSSHOLZ IM GARTEN
Am wohlsten fühlt sich das Süssholz an voller Sonne, wobei die Pflanze einen windgeschützten Standort bevorzugt. Die robuste, mehrjährige und nicht ganz frostharte Staude bevorzugt tiefgründige, humusreiche und durchlässige Böden, also ohne Staunässe. Dank seines natürlichen Charakters eignet sich Süssholz gut für Wildstaudenpflanzungen oder grosse Staudenbeete. Solange die Staude am richtigen Standort steht, ist sie sehr anspruchslos und pflegeleicht. Dünger braucht das Süssholz nicht, der Boden sollte immer etwas feucht gehalten werden.
SONSTIGES
In Mitteleuropa kennt man Lakritze als Heilmittel seit dem Mittelalter. In Grossbritannien wurden Lakritztaler zu therapeutischen Zwecken hergestellt. Erst 1760 setzte ein Apotheker namens George Dunhill der Lakritze Zucker zu, so dass sie von da an als Süssigkeit verzehrt wurde. In der traditionellen chinesischen Medizin ist die chinesische Lakritze (G. inflata, eine verwandte Süssholz-Art) nach wie vor ein Standardheilmittel. Sie wird dort als Tonikum für das Herz eingesetzt sowie bei Geschwüren, Erkältungen und Hautunreinheiten verwendet.
Letzte Änderung: 05.03.2017 / © W. Arnold