Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03465.jsonl.gz/543

Es gibt kein anderes Duell, seit das Tennis professionell aufgestellt ist, das bei den Männern öfter gespielt wurde als Nadal gegen Djokovic. Am Freitag stehen sich die beiden zum 58. Mal gegenüber.
Roger Federer peilt in seinen letzten Monaten vor dem Rücktritt noch einen grossen Erfolg an. Es ist zwar nicht unmöglich, dass es noch mehr werden als einer. Aber an der Summe seiner grossen Triumphe wird der bald 40-Jährige aller Voraussicht nach nicht mehr allzu viel verändern können. Ganz anders seine beiden Erzrivalen: Nadal und Djokovic sind fast sechs Jahre jünger, und sie sichern sich immer noch den grössten Teil der grossen Titel. Seit Federer beim Australian Open 2018 sein letztes Grand Slam gewann, holten Nadal und Djokovic je vier weitere Major-Trophäen.
Aber auch für die beiden «Jungen» der Big 3 drängt die Zeit, um in der Tennis-Geschichte möglichst gut positioniert in den Ruhestand zu gehen. Nadal spielt die Bedeutung seines Erbes eher herunter, während Djokovic klar und deutlich sagt, dass er auf der Jagd ist nach den wichtigsten Rekorden. Die Bestmarke für die Anzahl Wochen an der Weltranglistenspitze hat er Federer in diesem Jahr abgenommen, jene für die Anzahl Grand-Slam-Titel hat er als Ziel ausgegeben. Je weniger in Aussicht sind, desto bedeutender werden die direkten Duelle, wie jenes am Freitag in Paris.
Die Ausgangslage
Nadal gab im Viertelfinal gegen Diego Schwartzman seinen ersten Satz seit dem Final 2019 (gegen Dominic Thiem) ab. Doch was in Erinnerung bleibt, ist nicht die kurze Schwächephase des Mallorquiners am Mittwoch, sondern die Reaktion darauf. Mit 25:4 Punkten deklassierte er im letzten Satz den Weltranglisten-Zehnten aus Buenos Aires. Auch Djokovic hatte Schwächephasen im Verlauf des Turniers. Gegen den jungen Italiener Lorenzo Musetti lag er im Achtelfinal mit 0:2 Sätzen zurück, ehe er nach einer Toiletten-Pause wie verwandelt zurückkehrte. Im Viertelfinal gegen Matteo Berretini musste er über vier Sätze gehen, weil er im Tiebreak des dritten Satzes leichte Fehler machte.
Die bisherigen Duelle
Mit 29:28 führt Djokovic in den Duellen gegen Nadal. Das erste fand vor fast genau 15 Jahren in Roland Garros statt und ging an den Spanier. Dieser hat klare Vorteile in den Direktbegegnungen, wenn sie auf Sand (18:7) und speziell, wenn sie in Roland Garros (7:1) stattfinden. Den einzigen Sieg gegen Nadal auf dem Pariser Sand sicherte sich Djokovic 2015 im Viertelfinal. Einige Tage später verlor er den Final gegen Stan Wawrinka. Beim Titelgewinn des Serben in Paris 2016 musste Nadal im Verlauf des Turniers verletzt aufgeben.
Die Erfolge in Roland Garros
Nur gerade drei Titel hat Nadal der Konkurrenz überlassen, seit er 2005 zum ersten Mal in Roland Garros antrat, nämlich Federer (2009), Wawrinka (2015) und Djokovic (2016). Im letzten Jahr holte er seinen 13. French-Open-Titel ohne Satzverlust. Kein anderer Spieler hat ein Grand-Slam-Turnier jemals so dominiert. Zum Vergleich: Federer triumphierte in Wimbledon achtmal, Djokovic in Melbourne neunmal. 105:2 Siege lautet Nadals Bilanz beim French Open. Djokovic war neben Robin Söderling (2009) der einzige Spieler, der den Spanier in Paris schlagen konnte.
Das steht (auch) auf dem Spiel
Das Rennen um die Anzahl Grand-Slam-Titel zwischen Federer, Nadal und Djokovic ist so offen wie noch nie. Nadal und Federer liegen mit 20 Titel gleichauf, Djokovic folgt mit 18 (und der zurückgetretene Pete Sampras liegt bei 14). Zum ersten Mal könnte also Nadal die alleinige Führung in dieser Wertung übernehmen. Djokovic könnte bis an einen Titel herankommen und vor allem ein Zeichen setzen im Reich des Spaniers. Voraussetzung dafür ist aber, dass dann auch der Final gewonnen wird.
Das sagen Nadal und Djokovic
Nadal: «Es ist ein Halbfinal, kein Final. Das ist ein grosser Unterschied. Es bleibt für den Sieger noch ein Weg zu gehen. Ich muss mein bestes Tennis spielen. Es ist immer eine grosse Herausforderung, gegen Djokovic zu spielen. Er ist einer der Besten der Geschichte.»
Djokovic: «Es ist kein Match wie jeder andere. Es gibt keine grössere Herausforderung, als gegen Nadal auf diesem Court auf Sand zu spielen. Jedes Mal, wenn wir gegeneinander antreten, gibt es zusätzlichen Druck und grosse Erwartungen. Die Qualität meines Tennis in den letzten drei, vier Wochen auf Sand geben mir ein gutes Gefühl. Ich glaube daran, dass ich gewinnen kann.»