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Sehr verehrter Herr und Freund
Herr Roth1 hat mir heute einen Brief des Herrn Claparède2 geschickt, worin dieser über eine Unterhaltung mit Herrn Kinel3 berichtet. Ich habe die Aeusserungen Kinels ausgezogen und lege die Abschrift bei.4 Von Bamberger5 ist mir noch keine Antwort zu Theil geworden; ebensowenig wissen wir etwas Neues aus Rom und Pioda scheint nichts zu thun, um die Sache in Fluss zu bringen. In der Nordostbahn angelegen| heit hat der Bundesrath so eben (ich schreibe in der Sitzung) beschlossen: es habe die nachgesuchte Intervention des Bundesrathes einzutreten in dem Sinne dass ein Commissär bezeichnet werde, dem die Aufgabe obliegt namens des Bundesrathes die guten Dienste des letztern anzubieten.6 Diese «guten Dienste» sollen in der Leitung der Verhandlungen bestehen und eine «gütliche Erledigung» der zwischen den Parteien bestehenden Anstände zum Zielpunct haben. Eine bestimmte Redaction ist noch nicht beschlossen. Die Stimmung des Bundesrathes ist eine günstige. Der Commissär ist noch nicht bezeichnet; sobald | es geschehen sein wird, gebe ich Ihnen Kenntniss.
Schliesslich kommt der Bundesrath auf die Commissärfrage zurück und beschliesst einstimmig, es sei statt eines dritten7 Delegirten ein Mitglied der Behörde zu bezeichnen; der Reihe nach wird der Chef des Dep.8 u sein Stellvertreter ( Droz9 ) und endlich Herr Anderwert vorgeschlagen und der letztere designirt; er bittet sich bis morgen Bedenkzeit aus, wird aber ohne allen Zweifel annehmen.
Um die Post nicht zu versäumen breche ich ab und empfehle mich mit höflichstem Grusse
Ihr Ergebenster
E Welti
Bern den 4 April 1877.