Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03550.jsonl.gz/3119

Arckanum aus Schweden zählt seit vielen Jahren nicht nur zu den mysteriösesten, sondern auch
zu den gefragtesten Schwarzmetall-Kapellen überhaupt.
Die Zahl der bislang veröffentlichen Langspieler übersteigt die Zahl der existierenden Interviews, auf einer Live-Bühne begegnet man Arckanum nicht einmal annähernd.
Der recht wortkarge Shamaatae liess sich nach kurzem Hin und Her einige mehr oder weniger glasklare Antworten abringen, die ein undurchsichtiges Mosaik aus Trollen, Runen und Chaos-Gnostik formieren...
Shamaatae, tolle Sache, dass ich Dich für ein Interview habe gewinnen können!
Kein Problem - die Zeit hab ich mir gerne genommen.
Okay, dann erklär mir zu Beginn doch mal folgendes:
Bevor du Arckanum aus der Taufe gehoben hast, warst du in Death Metal-Bands wie Absorption und Disenterment aktiv.
Was hat Dich dazu veranlasst, dem Death Metal den Rücken zu kehren und Dich dieser sehr eigenen Form von Schwarzmetall zuzuwenden?
Nun, ich denke, diese Frage lässt sich mit einfachen Worten beantworten.
Nenne es ganz einfach 'Weiterentwicklung' - es ist meine Art, meinen unvorstellbaren Durst nach Loki's schwarzem Licht bestmöglich zu stillen.
Während der Anfangstage von Arckanum hattest du weitere Musiker wie beispielsweise den
guten Sartaros an deiner Seite.
Aber diese Zeiten sind vorbei und du führst Arckanum seit vielen Jahren also Solo-Projekt.
Handelte es sich bei Sartaros und Co. seinerzeit eigentlich um vollwertige Bandmitglieder oder würdest du sie eher als Gastmusiker kategorisieren?
In der Tat spielten sie in der Band keine tragende Rolle, weshalb ich sie eindeutig als
Gastmusiker kategorisieren würde.
Sie hatten eben die Funktion, mich vorrangig bei der Entwicklung meiner Lieder instrumental zu unterstützen.
Ich entschied jedoch bereits bei Gründung von Arckanum, dass die Band stets ausschliesslich meine Sache sein würde.
Musikalisch zum ersten Mal wesentlich auf der Bildfläche erschien Arckanum 1995 mit dem
heute sehr gesuchten Album "Fran Marder", welches von Necropolis Records veröffentlicht
wurde.
Wie kam der Kontakt mit dem Label zustande und warum hast du Dich für eine Zusammenarbeit entschieden?
Ich erinnere mich, dass Paul von Necropolis mir damals einen Brief geschickt hat, in dem
er mir einen Plattenvertrag für gleich mehrere Langspieler anbot.
Da ich dem gegenüber sehr aufgeschlossen war, blieben wir in telefonischem Kontakt und einigten uns schliesslich tatsächlich auf einen Vertrag über vier Alben.
Inzwischen drehen sich Deine Texte zum grossen Teil um gnostische Thematiken, wie die
anti-kosmischen thursischen Mächte der altnorwegischen Religion.
Da ich die Texte des Debuts nicht verstehe, musst du mich darüber in Kenntnis setzen, ob diese Thematiken schon zum damaligen Zeitpunkt vertreten waren, oder nicht.
Ich denke, der Dreh- und Angelpunkt von "Fran Marder" und den beiden Folgealben waren die Trolle sowie der Gott Pan - stimmt's?
Zum Teil stimme ich dir zu.
Zunächst mal muss ich erklären, dass es sich bei Trollen um ein bestimmte Art dämonischer
Riesengestalten handelt, die der nordischen Mythologie zufolge ihre Heimstätte in
Jötunheim haben.
In meiner Vorstellung existieren die Kreaturen Loki's tatsächlich, hausen in den Wäldern und haben eine tiefschwarze Aura um sich.
Ich mischte die Themen 'Trolle' und 'Pan', da sie vieles gemeinsam haben - zwar nicht den mythologischen Ursprung und Hintergrund, aber dennoch. Für mich war Pan immer etwas wie ein Symbol für Loki's Wirken und seine Essenz.
Deshalb besteht ein Zusammenhang zwischen den Trollen und dem Gott Pan.
Und dem Gnostizismus war ich schon immer sehr zugetan. Arckanum behandelt diese Thematik von Anbeginn an und auch als ich noch als Schlagzeuger bei Disenterment aktiv war, schrieb ich Liedtexte wie "Astral-Arcanum" und "Gnosticism", wozu ich von unseren 'magischen und musikalischen Machenschaften' dieser Tage inspiriert wurde.
Mir kommt es so vor, als stellte die im Jahre 2002 erschienene EP "Boka Vm Kaos" für Arckanum
den ersten Schritt in eine neue Ära dar.
Trifft diese Annahme zu und welche Rolle spielte der Labelwechsel zu Carnal Records für die Entwicklung der Band?
Carnal Records hatten nicht wirklich Einfluss auf die Entwicklung von Arckanum.
Und, ja, dieser Zeitpunkt kann wirklich als Eintritt in eine neue Ära gesehen werden, da ich mich seitdem wesentlich mehr mit Satanismus beschäftige, was sowohl mich als auch die Band Arckanum wesentlich verändert hat.
Vor kurzem hast du bekannt gegeben, dass du dir erneut eine neue Labelheimat gesucht hast.
Diesmal handelt es sich um die französischen Black Metal-Spezialisten Debemur Morti, die Dein nächstes Album "Antikosmos" auf den Markt bringen werden.
Da Debemur Morti bislang eher dem Untergrund zuzuschreiben waren, wird diese Deine Entscheidung manchen Leuten etwas merkwürdig vorkommen.
Kannst du mir etwas über die Wahl Debemur Mortis berichten?
In meinen Augen - und das habe ich in den vergangenen Jahren lernen müssen - setzen sich
kleinere Labels wesentlich mehr ein als grosse, wenn es darum geht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Grosse Labels lehnen sich schon einmal zurück und begnügen sich mit ihrem erreichten Status und Erfolg, sie stagnieren und ermöglichen den Künstlern oft nicht den benötigten Spielraum.
Debemur Morti hat den Hunger nach Erfolg inne und wird sich zu hundert Prozent für Arckanum einsetzen - genau danach habe ich für Arckanum gesucht.
Das neue Album "Antikosmos" sollte zunächst ja einen anderen Titel tragen - "Faunaz Samgang" - aber
du hast Dich vor der Veröffentlichung daran gemacht, nicht nur grosse Teile der Musik umzuschreiben,
sondern auch den Titel zu ändern.
Welches waren die primären Gründe für diese Massnahmen?
Der Hauptgrund war die Expansion meines magischen Wissens und die Intensivierung meiner Arbeiten.
Ich fürchte die Stagnation und tue mein Bestes, um sie zu vermeiden und meine Werke zu verbessern.
"Faunaz Samgang" erschien mir nicht ausgereift genug - es bedurfte einer Abänderung.
Natürlich habe ich alle wirklich guten Teile des ursprünglichen Umfanges beibehalten - ich habe eben weitere für mich gute Teile hinzugefügt.
Hast du in der Vergangenheit bereits eines Deiner Alben ähnlich intensiv nachbearbeitet?
Nein.
Wie sehr wird Arckanum von deiner eigenen Persönlichkeit beeinflusst?
Es ist wohl so, dass sich diese mit allen Eigenheiten in den Werken Arckanum's widerspiegelt, oder?
Besser hätte ich es nicht sagen können - genau so ist es!
Es ist ja nicht leicht, Zugang zu den lyrischen Inhalten Deiner Lieder zu finden.
Wie findest du selbst diesen Zugang?
Woher schöpfst du die Kreativität und den Ideenreichtum, welche du benötigst, um Deine Kompositionen zu fertigen?
Liegt die Antwort hierfür in den Schriften von u.a. Aleister Crowley und Peter Carroll, die sich bekanntermassen ja sehr intensiv mit der "Chaos-Magie" beschäftigt haben?
Nun, ja, teilweise.
Ich habe ihre Arbeiten studiert.
Der Haupteinfluss ist der anti-kosmische Satanismus und meine persönlichen magischen Erfahrungen mit den alten norwegischen Runen, Magien und Mächten.
Was hält Dich davon ab, dir einige Session-Musiker zu suchen und Live-Shows zu bestreiten?
Ich habe einfach nicht das Verlangen danach.
Mit Arckanum hast du dich bislang recht erfolgreich vom Major-Business und dem Ausverkauf
ferngehalten.
Wie denkst du darüber, dass immer mehr namhafte Bands dem Ruf des Geldes folgen und dessen Verlockungen erliegen?
Geld ist zur heutigen Zeit eine wichtige und gute Sache in dieser Welt - aber welchen Preis
müsste ich zahlen, um an das grosse Geld zu kommen?
Ich mache meine Musik, weil ich das Musizieren liebe und meinem Inneren dadurch Ausdruck verleihe.
Ich hege keine Ambitionen, Arckanum auf einen finanziell attraktiveren Level zu heben.
Bitte gib uns einen Ausblick auf die musikalische Zukunft von Arckanum.
Ich bin natürlich sehr gespannt auf die Veröffentlichung von "Antikosmos" - da sollte aber
alles glattgehen.
Ausserdem folgen zwei Split-Produktionen, die eine zusammen mit Craft, die andere mit Sartaros Grief.
Nun gut, besten Dank also für die Beantwortung meiner Fragen!
Schliessen wir das Interview mit deinen Worten.
Vielen Dank für das Interview und die damit verbundene Unterstützung!
Behaltet ein Auge auf meinen Projekten:
www.arckanum.se - www.vexior.se - www.thehearsemen.se
Mein Buch "Panparadox: Pan Towards Chaos" wird noch in diesem Jahr von Ixaxaar.com publiziert, ausserdem arbeite ich gerade an zwei weiteren Schriften ("GullveigaRbók" und "Ergia").
Hell Surtr! Hell Loki! Hell Gullveig! Hell 218!
Kommentar von Nimbatus Scientia:
Hail dark seeds energy! Hail 218!
>> Antworten ansehen
© Schwermetall.ch