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Aksum – geheimnisvoller Pilgerort in Äthiopien
„Der Brunnen der Fürsten“ – das bedeutet der Name Aksum. Er steht für einen der ehrwürdigsten und heiligsten Orte in Äthiopien. Wer die Stadt und das antike Ruinenfeld im Norden des Landes unweit der Grenze zu Eritrea besucht, taucht in die Geschichte der Bibel und des Christentums ein.
Aksum ist uralt. Bereits in ägyptischen Hieroglyphen wird der Ort erwähnt und in Verbindung mit Weihrauch, Myrrhe und Elfenbein gebracht. Der antike Geograf Claudius Ptolemäus berichtet ebenfalls von Aksum als Königsresidenz und Mittelpunkt des Aksumitischen Reiches. Nach dem äthiopischen Nationalepos „Kebra Nagast“ hat hier die legendäre Königin von Saba gelebt. Die bis heute in Aksum aufbewahrte mittelalterliche Handschrift stellt die Legende der Verbindung der Königin von Saba mit dem biblischen König Salomon dar. Der daraus entstandene Sohn Menelik gilt als Urvater des äthiopischen Kaiserhauses, dessen letzter Spross Kaiser Haile Selassie war.
Aufbewahrungsort der Bundeslade
Der grösste Schatz Aksums ist die Bundeslade. Dabei handelt es sich nach der biblischen Überlieferung um das Behältnis, in dem die Tafeln mit den Zehn Geboten, die Moses einst am Berg Sinai von Gott selbst erhalten hatte, aufbewahrt wurden. Der ursprüngliche Ort der Bundeslade war der Tempel in Jerusalem. Glaubt man der Darstellung des Kebra Nagast, wurde die Bundeslade im Zuge der Heimreise Meneliks aus dem Tempel entwendet und nach Äthiopien gebracht, wo sie sich bis heute befindet.
Ihr Ort ist die Kirche der Heiligen Maria von Zion in Aksum. Es ist die älteste und wichtigste Kirche der äthiopisch-orthodoxen Christen. Bereits im 4. Jahrhundert soll an der Stelle ein erster Kirchenbau errichtet worden sein. Mindestens zweimal in seiner Geschichte wurde er zerstört und wiederaufgebaut. Die heutige „alte“ Kirche Maryam Sion wurde im 17. Jahrhundert im Gondar-Stil gestaltet. Der Gondar-Stil ist eine spezielle äthiopische Architektur, die traditionelle, orientalische und portugiesische Elemente verbindet.
Prozessionen und Pilgerströme
Neben dem alten Sakralbau liess Kaiser Haile Selassie 1950 eine riesige moderne Kuppelkirche mit einem Glockenturm errichten. Die Bundeslade selbst befindet sich in einer eigenen Kapelle und wird von einem Mönch bewacht, der als einziger Mensch befugt ist, sie unverhüllt zu sehen. Ob es sich tatsächlich um die Bundeslade handelt, entzieht sich damit wissenschaftlicher Überprüfung. Wie bei jeder Reliquie handelt es sich bei der Frage der Authentizität aber auch mehr um eine Sache des Glaubens. Die spirituelle Kraft der Bundeslade ist jedenfalls unbestritten. Aksum ist und bleibt historisches und religiöses Zentrum Äthiopiens. Die Prozessionen und Pilgerströme an diesen heiligen Ort zeugen auch heute noch von der Glaubenskraft der äthiopischen Christen.
Die Stelen von Aksum
Neben diesem kostbaren Heiligtum hat Aksum aber noch mehr zu bieten. Aksum ist eine der interessantesten archäologischen Stätten Äthiopiens. Das zweite Wahrzeichen des Ortes bilden seine berühmten Stelen aus massivem Granit. Es handelt sich wohl um antike Denkmäler, die an Grabstätten errichtet wurden. Manche erinnern in der Gestaltung an Häuser oder Wohntürme. Dies hat zur Interpretation als Haus des jeweiligen Toten geführt.
Stelenfelder gibt es mehrere im Umkreis der Stadt. Manche Stelen sind zerbrochen – zum Teil wohl schon bei ihrer Errichtung –, andere stehen auch noch nach vielen Jahrhunderten. Etliche Grabkammern wurden in ihrem Bereich ebenso gefunden wie Reste grosser Gebäude.
Die Stele König Ezanas von Aksum ist eine der schönsten. König Ezana war der erste aksumitische Herrscher, der zum Christentum übertrat. Seither ist Aksum eine der ersten christlichen Hauptstädte der Welt. Der kleinen Provinzhauptstadt von heute sieht man diese Bedeutung nicht an. Trotzdem blieb der Ort bis in die Zeit Haile Selassies Krönungsstadt der äthiopischen Kaiser. Ein Besuch in Aksum führt daher mitten in die faszinierende und lange zurückreichende Vergangenheit des Landes am Horn von Afrika.
Oberstes Bild: Neue Kathedrale der Heiligen Maria von Zion in Aksun (© Anton_Ivanov / Shutterstock.com)