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DMZ - Gesellschaft / Leben
Werden Futtermittel dort angebaut, wo auch Nahrungsmittel gedeihen würden, steht der Mensch in Konkurrenz zur Milchkuh. Eine Konkurrenzsituation besteht aber auch, wenn Nahrungsmittel direkt als Futtermittel genutzt werden. Forschende von Agroscope und der Berner Fachhochschule HAFL haben zwei Messgrössen erarbeitet und getestet, um diese sogenannte Feed-Food-Competition in der Milchproduktion zu bestimmen. Damit lassen sich Verminderungsvorschläge aufzeigen: Kraftfuttereinsatz anpassen, Nebenprodukte der Nahrungsmittel-Verarbeitung verfüttern, weniger ackerfähige Flächen für den Anbau von Futtermitteln nutzen und die Effizienz des Betriebs steigern.
Kühe und andere Wiederkäuer können für den Menschen nicht nutzbare Nährstoffe in wertvolle Nahrungsmittel umwandeln, etwa Gras einer Alpweide zu Milch. In diesem Fall besteht keine Konkurrenz zwischen tierischer und menschlicher Ernährung.
Nahrungsmittelkonkurrenz tritt auf, wenn bei Tieren Futtermittel zum Einsatz kommen, die auch für die menschliche Ernährung geeignet wären. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Weizen an Kühe verfüttert wird.
Flächenkonkurrenz entsteht, wenn die Futtermittel von Flächen stammen, auf denen auch Nahrungsmittel angebaut werden könnten. Beispiel: Futtergetreide statt Kartoffeln auf Ackerland anbauen.
Konkurrenz aus zwei Blickwinkeln beleuchten
Die Weltbevölkerung wächst stetig und beansprucht zu ihrer Ernährung immer mehr natürliche Ressourcen. Vor diesem Hintergrund gilt es, die Feed-Food-Competition möglichst zu vermeiden. Um solche Situationen erkennen und bewerten zu können, sind objektive Messgrössen, sogenannte Indikatoren, nötig.
Forschende von Agroscope und HAFL (siehe Kasten) entwickelten zwei Methoden weiter, um die Feed-Food-Competition zu ermitteln:
- Der Indikator «Nahrungsmittelkonkurrenz» zeigt auf, welchen Beitrag die Milchproduktion zur Ernährung des Menschen im Vergleich zu den eingesetzten Futtermitteln, welche auch Nahrungsmittel für den Menschen sein könnten, leistet.
- Der Indikator «Flächenkonkurrenz» weist darauf hin, welchen Beitrag zur Nahrungsmittelversorgung ein direkter Anbau von Ackerkulturen für die menschliche Ernährung auf den genutzten Flächen im Vergleich zur Milchproduktion leisten könnte.
Die Forschenden ermittelten bei beiden Indikatoren die Beiträge sowohl zur Energie- als auch zur Proteinversorgung des Menschen. Dabei berücksichtigten sie die unterschiedliche Proteinqualität tierischer und pflanzlicher Nahrungsmittel aus Sicht der menschlichen Ernährung. Neben der Milch wird auch das Fleisch der Kälber und Kühe einberechnet.
Erfolgreich getestet auf Praxisbetrieben
Anhand der Indikatoren konnten die Forschenden feststellen, dass, die Nahrungsmittelkonkurrenz auf den untersuchten Betrieben (siehe Kasten) deutlich geringer als die Flächenkonkurrenz war. Alle Betriebe erzeugten mehr Energie und Protein in Form von Milch und Fleisch für die Humanernährung als in den eingesetzten Futtermitteln für den Menschen nutzbar gewesen wäre.
Und wie lässt sich die Nahrungsmittelkonkurrenz vermindern? Die Forschenden schlagen einen geringeren Kraftfuttereinsatz oder die Verfütterung von Nebenprodukten der Nahrungsmittel-Verarbeitung vor. Zu letzterem zählen beispielsweise Rapsextraktionsschrot, Futterkartoffeln oder Biertreber.
Bezüglich Flächenkonkurrenz hingegen sieht es weniger gut aus: Die meisten Betriebe könnten mehr Energie und Protein für die Humanernährung erzeugen, wenn auf ackerfähigen Flächen direkt Nahrungsmittel angebaut würden. Die geringste Flächenkonkurrenz weisen Bergbetriebe auf, die wenig oder keine ackerfähige Fläche bewirtschaften.
Der Standort spielt bei der Futterproduktion also eine entscheidende Rolle: Ackerfähige Flächen sind möglichst zu meiden. Auch lässt sich die Flächenkonkurrenz durch eine bessere Effizienz des Systems vermindern; dazu tragen eine gesteigerte Futterverwertung und eine längere Nutzungsdauer der Kühe bei.
Beitrag zur Ernährungssicherheit
Mittels der Indikatoren lassen sich die Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz bestimmen. Damit helfen sie mit, die Feed-Food-Competition zu verringern und die Ernährungssicherheit zu erhöhen. Den Landwirtschaftsbetrieben stehen damit zwei neue Messgrössen zur Verfügung, mit welchen sie diesen wichtigen Aspekt der Nachhaltigkeit bewerten und verbessern können.
Hintergrundinformation zur Studie
Das Forschungsprojekt «Flächen- und Nahrungsmittelkonkurrenz in der Milchproduktion» stand unter der Leitung von Agroscope und der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL). Finanzielle Unterstützung kam von Emmi, den Schweizer Milchproduzenten (SMP), den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), dem WWF Schweiz und von der Stiftung Sur-La-Croix. Aufgrund wissenschaftlicher Literatur wurden die Methoden weiterentwickelt, angepasst und auf 25 Schweizer Milchbetrieben geprüft. Diese Betriebe spiegeln eine gewisse Bandbreite der Milchproduktion wider: Tal-, Hügel- oder Bergzone, unterschiedliche hohe Milchleistung, unterschiedliche Futterrationen, mit oder ohne Ackerbau, Bio- und Nicht-Biobetriebe. Die Stichprobe ist aber nicht repräsentativ für die ganze Schweiz.