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Für eine gesunde Ernährung von Schwangeren gelten mit ein paar wenigen Ausnahmen die gleichen Grundempfehlungen wie für Nichtschwangere. Eine generalisierte Substitution von Mikronährstoffen ist ausser für Folsäure und Vitamin D in den meisten Fällen nicht notwendig.
In der Schwangerschaft hat die Ernährung nicht nur einen wesentlichen Einfluss auf die mütterliche Gewichtszunahme, den Schwangerschaftsverlauf sowie auf spätere chronische maternale Erkrankungen, sondern auch auf die fötale Organentwicklung, das fötale Grössenwachstum und langfristig auch auf die neurologische und psychomotorische Entwicklung des Kindes. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das prägravide Gewicht. Bei starkem Unter- oder Übergewicht sowie bei einer Gewichtszunahmen von mehr als 3 kg/Monat oder weniger als 1 kg/Monat ab dem 2. Trimenon sollte eine Ernährungsanamnese aufgenommen werden.
Zusätzlich Folsäure und Vitamin D
Grundsätzlich kann eine ausgewogene Ernährung den erhöhten Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen abdecken, ausser der empfohlenen Zufuhr an Folsäure und an Vitamin D in den Wintermonaten. Zur Verhütung von Neuralrohrdefekten wird allen Frauen, die schwanger werden möchten, empfohlen, zusätzlich zur Ernährung, 0.4 mg synthetische Folsäure bereits vier Wochen vor der Schwangerschaft und während den ersten 12 Schwangerschaftswochen einzunehmen. Diese Menge kann mit der normalen Ernährung nicht zugeführt werden.
Schwangeren wird neuerdings auch eine tägliche Zufuhr von 600 IE(15 μg)/Tag Vitamin D in Form von Supplementen empfohlen. Besondere Beachtung ist der Zufuhr von Folsäure, Calcium, Eisen, Vitamin B12 und D bei einseitiger und veganer Ernährung, Risikogruppen wie Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften, Raucherinnen oder Frauen mit Essstörungen zu schenken. Eine Nahrungsergänzung ist dann oft notwendig. Eine generalisierte Ergänzung ausser bei Folsäure und Vitamin D ist jedoch nicht indiziert.
Schwertfisch, Hai oder Ostseelachs meiden
Fisch und Rapsöl werden vor allem wegen ihres Gehalts an Omega-3-Fettsäuren, die bei der Entwicklung von Hirn und Augen beteiligt sind, empfohlen. Gewisse Fische enthalten jedoch erhöhte Mengen an Methylquecksilber oder Dioxinen. Aus diesem Grund ist der Verzehr von Schwertfisch, Marlin und Hai, Ostseehering und Ostseelachs zu meiden. Wildfleisch sollte wegen möglicherweise zu hohem Bleigehalt auf höchstens zwei Portionen pro Woche eingeschränkt werden. Kalbsleber soll wegen ihres hohen Vitamin-A-Gehalts gemieden werden.
Schwangere sollen auf alkohol- und chininhaltige Getränke verzichten. Chinin (z. B. in Schweppes) kann gegen Ende der Schwangerschaft vorzeitige Wehen auslösen. Ein Koffeinkonsum von >300 mg/Tag (mehr als 3 Tassen Kaffee/Tag) wird mit Wachstumsverzögerungen und Spontanaborten in Zusammenhang gebracht. Jedoch hat der Salzkonsum keine Auswirkung auf die Entstehung des Bluthochdrucks während der Schwangerschaft.
Massnahmen zur Prävention von Lebensmittelinfektionen
Weiter ist erforderlich, mögliche Lebensmittelinfektionen zu vermeiden. Der Erreger der Toxoplasmose wird hauptsächlich durch Katzenkot übertragen. Obst und Gemüse sollen vor dem Verzehr sehr gut gewaschen werden. Gutes Kochen und Braten tötet die Erreger ab. Die Vorbeugung gegen Toxoplasmose ist am besten durch Verzicht auf rohes Fleisch (Tatar, Salami, Bündnerfleisch etc.) und geeignete hygienische Massnahmen gewährleistet.
Listeriose wird v.a. durch den Verzehr von Rohmilchprodukten wie Weichkäse, seltener durch andere Lebensmittel (rohes Fleisch, Fisch, Gemüse) übertragen. Die Prophylaxe besteht ähnlich wie bei der Toxoplasmose darin, nur pasteurisierte oder uperisierte Milch und Milchprodukte zu verwenden, auf rohes Fleisch zu verzichten und geeignete hygienische Massnahmen zu berücksichtigen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass der Verzehr von entrindeten schweizerischen Hart- und Extrahartkäsesorten wie Emmentaler, Greyerzer, Sbrinz, Alpenkäse etc. für Schwangere ungefährlich ist. Verschiedene Schritte bei der Herstellung von Extrahart- und Hartkäse tragen zur mikrobiologischen Sicherheit dieser Käsesorten bei.
Ausgewogene Ernährung bedeutet zusammengefasst:
- 5 Handvoll Gemüse/Früchte pro Tag
- täglich Milchprodukte,
- täglich Vollkornprodukte
- 2-3-mal Fleisch oder Fleischalternativen wie z.B. Eier, Tofu etc. pro Woche
- 1-2-mal Fisch pro Woche (Alternative für Vegetarierinnen ist Algenöl)
- täglich Rapsöl/Olivenöl, Nüsse, Samen und Kräuter
Der gesamte Energiebedarf im 2. Trimenon steigert sich von durchschnittlich 2200 kcal bis auf 2500 kcal. D.h. zusätzlich werden im 2. und 3. Trimenon erstaunlicherweise nur 200-300 kcal mehr pro Tag benötigt. Sie sind z.B. enthalten in zwei Butterbroten oder zwei-drei Handvoll Studentenfutter.