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Nelson wurde als Antônio Gonçalves am 01. Juni 1919 im kleinen Städtchen Santana do Livramento im Bundesstaat Rio Grande do Sul geboren. Seine Eltern, Immigranten aus Portugal, waren über Rio de Janeiro nach Brasilien eingewandert und hatten sich schliesslich in Rio Grande do Sul niedergelassen. „Tonico“, so nannten sie ihn als Kind, war gerade mal sechs Tage alt, als sie nach Sâo Paulo umzogen und sich im Stadtteil „Brás“ etablierten.
Weil er von schwerer Arbeit nicht viel hielt, spielte „Senhor Manuel“, Tonicos Vater, Geige auf den offenen Märkten der Stadt, wo er sich als blind ausgab, um mitleidigen Besuchern ein bisschen Wechselgeld aus der Tasche zu ziehen, während sein Sohn, damals sechs Jahre alt, neben ihm auf einer Kiste stand und zu dem Gefiedel sang. Weil er stotterte, gaben ihm die bösen Zungen der Nachbarn gleich den Spitznamen „Metralha“, denn er spuckte die Worte aus wie eine „Metralhadora“ (ein Maschinengewehr). In dieser schweren Zeit versuchte sich der Junge als Zeitungsausträger, Schuhputzer, Mechaniker, Polierer von Autos und Pantoffelverkäufer.
Und mit dem Spitznamen „Metralha“ zieht er um nach Taubaté (im Bundesstaat São Paulo, um Boxer zu werden. Als er den Gürtel „Campiâo Paulista im Halbmittelgewicht“ erringt ist er 17 – dafür hat er 24 Gegner K.O. geschlagen und nur zweimal nach Punkten verloren. Anschliessend studiert er Belcanto mit dem Maestro Bellardi, der ihm unter anderem auch erklärte, dass er keineswegs ein Stotterer, sondern lediglich ein so genannter „Taquilárico“ sei (aus dem Griechischen „takimos“ – kurze, beschleunigte Atmung). Und es war der Maestro, der ihm riet, ein „Cantor popular“ (Volkssänger) zu werden.
Da „Antônio“ kein besonders interessant klingender Name war, schlugen sein Freunde vor, sich „Nelson“ zu nennen – viel melodiöser, so meinten sie. Dann machte er einen Test und wurde abgelehnt: denn als es darauf ankam, seine Stimme ertönen zu lassen, versagte ihm diese den Dienst – und Nelson blieb stumm. Eine Woche später, ein neuer Versuch, diesmal wurde es ein Erfolg, er sang denselben Song, der ihm die Woche davor so kläglich in die Hose gegangen war: „Chora Cavaquinho“ von Dunga. Unter Vertrag bei der PRA-5, heiratet er Dona Elvira Molla, mit der er zwei Söhne bekommt. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs verlieren Unmengen von Angestellten ihren Arbeitsplatz beim Radiosender PRA-5 – auch Nelson, und es gelingt ihm als Kellner ein paar Scheine zu verdienen.
Er entschliesst sich, sein Glück in Rio de Janeiro zu versuchen, wo er immer wieder in diversen Programmen abgelehnt wird – auch durch Ary Barroso, der ihm rät, zu seinem Job als Kellner in São Paulo zurückzukehren. Am Boden zerstört tut er genau das – geht zurück nach São Paulo, wo man ihn einlädt, einen Walzer von Orlando Monella und Oswaldo França aufzunehmen: „Se Edu pudesse um Dia“. Mit einer Beweis-Kopie dieser Aufnahme geht er dann wieder nach Rio und spielt seine Arbeit beim Plattenproduzenten RCA Victor vor. Er bekommt einen Vertrag.
Von diesem Moment an bis zur Explosion vergingen nur wenige Minuten – was ein bisschen länger dauerte war, mit seiner Stimme auch Geld zu verdienen, aber auch das gelang ihm endlich im Jahr 1943, als er im Casino des Copacabana Palace Hotel als Unterhaltungssänger eingestellt wurde. Das war nach seinem aufsehenerregenden Erfolg von „Renúncia“, von Roberto Martins und Mário Rossi.
Nun jagte ein Erfolg den anderen. Von seiner ersten Ehefrau geschieden, heiratete er im Jahr 1952 die schöne Lourdinha Bittencourt, die zweite Ersatzbesetzung der berühmten Dalva de Oliveira vom „Trio de Ouro“. In diesem selben Jahr lernt er seinen fortan wichtigsten Partner kennen: Adelino Moreira. 1958 bis 1966 verfällt er dem Drogenkonsum und leitet seinen dramatischen Abstieg ein: jeden Tag schnüffelte er Kokain. 1959 verlässt ihn Lourdinha – kurz darauf nimmt man ihn wegen Drogenbesitz fest.
1965 heiratet er Dona Maria Luiza da Silva Ramos, damals seine Sekretärin, und mit ihrer Hilfe gelingt ihm der Ausstieg aus den Drogen und die Wiederaufnahme seiner Karriere. Obwohl er seit 1968 keine Platten mehr aufgenommen hat, gibt ihm die RCA 1971 die Chance eines Comebacks. Von diesem Moment an riss sich Nelson zusammen und erstand wie Phönix aus der Asche – sein Publikum zollte ihm wieder den Respekt, den seine grossartige Stimme verdiente.
In den 80er Jahren machte er grossartige Aufnahmen mit der neuen Generation der MPB (Música Popular Brasileira) und in den 90ern mit diversen grossen Namen des brasilianischen Rock. Er starb am 18. April 1998 als einer der verehrtesten Gesangsinterpreten Brasiliens.
Grabinschrift von Nelson
„Dieses Land hat kein Gedächtnis.
Oder weiss vielleicht jemand wann Chico Álves gestorben ist?
Deshalb möchte ich gern verbrannt werden:
Damit keiner an meinen Grabstein pinkelt“.
Diskographie Nelson Gonçalves
- AINDA É CEDO (1997
- CANTE COMIGO (1994)
- ISTO É BRASIL (1993)
- O BOÊMIO & O PIANISTA – NELSON GONÇALVES E ARTHUR MOREIRA LIMA (1992)
- SERENATA (1991)
- NELSON GONÇALVES AO VIVO – 50 ANOS DE BOEMIA (1990)
- AUTO RETRATO (1989)
- E POR FALAR EM PAIXÃO (1988)
- NÓS (1987)
- ELE & ELAS VOL. 2 (1986)
- EU & ELES (1985)
- ELE & ELAS (1984)