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Lamborghini Diablo SE30 - die Jubiläumsversion
1988 baute Lamborghini den Countach Anniversario, um das 25-jährige Bestehen der Automobili Lamborghini SpA zu feiern. 1993 entwarf und baute Lamborghini erneut ein besonderes Auto, um sein 30-jähriges Bestehen zu feiern, den Diablo SE30, der im September 1993 in Sant'Agata präsentiert wurde, umgeben von etwa 140 anderen Lamborghini aus aller Welt. Wir sind einen der 150 Stück gefahren.
Der Diablo SE, wobei SE für Special Edition steht, kann ohne weiteres als das sportlichste Auto bezeichnet werden, das Lamborghini seit langem gebaut hatte. Dies vor allem, weil der SE für die Teilnahme an GT-Meisterschaften auf der ganzen Welt gedacht war, indem man ihn mit dem JOTA-Upgrade-Kit ausstattete. Aus diesem Grund wurde bei der Konstruktion viel Gewicht eingespart; die Seitenscheiben wurden durch Kunststoffglas ersetzt und nur ein kleiner Teil von ihnen liess sich durch Drehen eines Knopfes in der Tür öffnen, elektrische Fensterheber gab es beim Diablo SE nicht mehr.
Die extremste Version des Lamborghini Diablo Jota, der Diablo Jota R
Im Inneren des Lamborghini Diablo SE30
Der Innenraum war ganz auf den Rennsport ausgerichtet, sah aber immer noch recht elegant aus. Die Sitze und das Armaturenbrett wurden serienmässig mit blauem Alcantara-Leder bezogen, das mit Kohlefaser, weissen Ziffernblättern und perforierten Aluminiumpedalen kombiniert wurde. Das Armaturenbrett stammte direkt aus dem VT, aber im SE gab es keine Klimaanlage, kein Radio und keinen CD-Spieler, sondern stattdessen einen roten Knopf, der ein automatisches Feuerlöschsystem unter der Motorhaube aktivierte, falls es zu heiss wurde.
Es gab auch ein System, mit dem man die Stabilisatoren vom Cockpit aus einstellen konnte. Mit der richtigen Einstellung konnte man die Geschwindigkeit in einer Kurve um 2 bis 3 km/h erhöhen. Der Kohlefasersitz hält einen fest, und dank der speziellen Polsterung bewegt man sich keinen Zentimeter darin, da der Vierpunktgurt mit dem 30-Jahre-Jubiläumslogo einen sehr gut festhält. Das Lenkrad wurde ebenfalls modifiziert, es wurde kleiner und der untere Teil wurde flach. Da die Servolenkung aufgegeben worden war, ist das kleine Lenkrad nicht leicht zu drehen, obwohl die Plakette auf diesem neuen Lenkrad genau die gleiche war wie die, die im 350 GTV verwendet wurde.
Das auffällige Äussere
Einige sichtbare, aber auch weniger sichtbare Veränderungen gab es am Äusseren definitiv. Der grösste Teil der Karosserie bestand nach wie vor aus Aluminiumpaneelen. Einige Teile, wie die seitlichen Lufteinlässe, wurden allerdings aus Kohlefaser gefertigt. Der Frontspoiler wurde neu gestaltet, jetzt etwas tiefer, mit zwei neuen, grösseren Lufteinlässen mit einem horizontalen Gitter darin. Dieser Spoiler war auch etwas breiter als der Originalspoiler, um möglichen Turbulenzen an den Vorderrädern entgegenzuwirken. Die seitlichen Lufteinlässe verfügten nun über zwei vertikale Kanäle, um den Luftstrom zu zwei grösseren Ölkühlern zu leiten.
Der SE war serienmässig mit einem Heckspoiler ausgestattet, der an beiden Seiten zur Karosserie hin abfällt, während der mittlere Teil des Spoilers verstellbar war, um bei hohen Geschwindigkeiten einen exakten Abtrieb zu gewährleisten. Die hintere Motorhaube wurde ebenfalls neu gestaltet und ähnelte jetzt der des Miura.
Um das Restyling des Exterieurs zu vollenden, erhielt der hintere Stossfänger/Spoiler ein neues Profil, in das nun die Rückfahrscheinwerfer und die Nebelscheinwerfer integriert wurden, während der Grill zwischen den Rückleuchten das Emblem des Stiers und ein Logo zum 30-jährigen Jubiläum trug.
Überraschung beim Öffnen der Motorhaube
Wenn man die Motorhaube öffnete, erlebte man eine Überraschung. Der obere Teil des Motors ist schwarz-gold gehalten und sieht sehr edel aus. Dank der Gewichtsreduzierung des Motors durch die Verwendung von Magnesium für die Ansaugkrümmer und die modifizierten Zylinderköpfe, der Neuprogrammierung der elektronischen Lamborghini Einspritzung und der Verwendung einer Auspuffanlage mit freiem Durchfluss leistete der Wagen stolze 525 PS bei 7000 U/min. Diese Leistungssteigerung, zusammen mit einer Gewichtsreduzierung von 125 kg, verhalf dem neuen Diablo SE zu atemberaubenden Leistungswerten: 0-100 km/h in nur 4,0 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 331 km/h. In Anbetracht seines Alters schier unfassbare Zahlen.
Die elektronisch einstellbare Aufhängung des VT wurde bei diesem reinen Sportwagen aufgegeben und eine "normale" Aufhängung verwendet, die sogar die Strassenlage des Diablo verbesserte. Der Diablo SE wurde serienmässig mit einer Traktionskontrolle ausgestattet, die über vier Einstellungen verfügte, von denen eine das System einfach abschalten konnte.
Bereifung und Felgen
Lamborghini bot in dieser Sonderedition nur die Version mit Hinterradantrieb an und die bereits sehr grossen Reifen am Heck wurden noch grösser. Lamborghini liess von seinem Felgenlieferanten OZ-Racing ein komplett neues Rad aus einem Stück mit dem gleichen Fünf-Loch-Design wie die ursprüngliche dreiteilige Felge entwerfen, aber diesmal waren die Felgen aus einer ultraleichten Magnesiummischung gefertigt. Die hinteren wurden zu satten 18-Zöllern, die mit Pirelli P Zero 335/30 ZR 18-Reifen bestückt waren, die vorderen Abmessungen von Felge und Reifen blieben die gleichen wie bei der VT-Version.
Der Diablo SE30 auf der Strasse
Das Fahrverhalten des Lamborghini Diablo SE30 unterscheidet sich nicht stark von jenem des Diablo VT Roadster, welchen wir ebenfalls fahren konnten. Dank seiner 525 PS hat er trotzdem über 30 PS mehr als der VT, diese merkt man jedoch nur bei der Beschleunigung. Zudem ist die Performance auf der Strasse im SE30 etwas besser gegenüber jenen des VT Roadsters, jedoch weniger extrem als im Diablo GT.
Von den 150 produzierten Diablo SE30 wurden nur 15 in Diablo SE30 Jotas verwandelt. Der von uns gefahrene SE30 war also einer von 135 produzierten Lamborghini Diablo SE30. Er erstrahlt in der klassischen Farbe Viola SE30 mit einem blauen Interieur. Im tadellosen Zustand und mit wenigen Kilometern ist auch der Diablo SE30 wahrhaft beliebt bei Sammlern. Unser Testwagen hat noch unter 9000 Kilometer auf dem Tachometer. Der Wert lässt sich nicht ganz beziffern, auch der Diablo SE30 wird aber im Raum der 500 000 Franken liegen.
Text: Dario Fontana
Fotos: Dario Fontana