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Der Film beginnt wie ein typischer 80er Jahre– Horror-Slasher mit Störungen und der schlechten Bildqualität einer alten Videokassette. Schnell sieht man jedoch, wie eine Hand einen Videorekorder stoppt und eine leicht absurde Diskussion über notwendige Schnitte für eine kommerzielle Auswertung im Kino oder auf Video beginnt. Enid Baines (die irische Schauspielerin Niamh Algar, die vor allem durch die Serie Pure bekannt wurde), ist eine jener Mitarbeiter bei der englischen BFBC, die dafür sorgen soll, dass besonders gewalttätige Szenen bearbeitet werden, damit Zuschauer vor psychischen Schäden bewahren werden. Man befindet sich im England der achtziger Jahre der Margret Thatcher, in dem die immer stärker werdende Gewalt im Lande auf die Nachahmung sogenannter Video Nasties geschoben wurde, anstelle die wirklichen Ursachen wie die Politik Frau Thatchers und der immer höheren Arbeitslosigkeit in den Mittelpunkt zu rücken. Enid nimmt ihre Arbeit sehr ernst und will Menschen vor Schäden bewahren. Als ein grausamer Mordfall dem Inhalt einer ihrer freigegebenen Filme gleicht und ihr Name bekannt wird, ist sie geschockt und ihre unterdrückten psychischen Probleme gewinnen langsam Oberhand.
In Enids Kindheit verschwand ihre Schwester nach einer Mutprobe in einem Wohnwagen spurlos. Als ihre Eltern ihre Schwester nach so vielen Jahren für tot erklären lassen wollen, versinkt sie immer mehr in eine Welt zwischen Realität und (Alb)Traumwelt. Als der notorische Horror- Videoproduzent Doug Smart (Michael Smiley, bekannt durch Filme wie FreeFire, The Lobster oder Die Schwester der Königin) ihr einen seiner alten Klassiker des berüchtigten Horrorregisseurs Frederick North (Adrian Schiller) zur Begutachtung vorlegt, sieht sie bei der Vorführung eine exakte Kopie der Geschichte mit der Mutprobe mit einem düster aussehenden Mann und einem Abbild ihrer Schwester, nur in älter. Sie steigert sich in einen Wahnzustand und versucht durch den Produzenten den Regisseur und die Schauspielerin Alice Lee (Sophia La Porta) zu finden, die sie für ihre doch noch lebende Schwester hält.
Die englische Regisseurin Prano Bailey-Bond, wurde 2019 in den Branchenzeitungen Variety und Screen International als Director to Watch geführt, eine Ehre, die nur 10 Personen weltweit zu teil wird. Mit Hilfe ihres Co-Autors Anthony Fletcher mischt sie in ihrem ersten langen Spielfilm Kritik an den merkwürdigen Gepflogenheiten der Filmverstümmelung, wie sie genauso in Deutschland und anderen Ländern betrieben wurden und zum Teil noch werden, mit neugedrehten Horrorfilmsequenzen, die tatsächlich wirken, wie damals gedreht und der Geschichte einer jungen, intelligenten Frau, die mit einem durch ihre Vergangenheit ausgelösten psychischen Defekt, den sie aber bis zu einem bestimmten Punkt verdrängen konnte, lebt.
Das erste Drittel, unterstreicht seine Sozialkritik und die Tatsache der Sündenbock-Funktion der Horrorfilme durch Originalnachrichtenbilder der damaligen Zeit und der damit verbundenen Massenhysterie. Wenn bekannt wird, dass sie den Film freigegeben hat, gibt es eine grosse Demonstration vor dem BFBC-Gebäude. Leider werden diese Punkte im restlichen Film dann vernachlässigt. Ab der Nachforschung über den Regisseur und die Schauspielerin, entwickelt sich der Film dann in einen normalen Horrorfilm. Wird bei den nachgedrehten Filmausschnitten am Anfang noch auf verstärkt drastischere Szenen verzichtet, geht es im Finale erheblich blutiger zur Sache. Aber auch hier ist immer die Künstlichkeit, ja teilweise Komik, eindeutig zu sehen. Da bekommt man allerdings auch den Eindruck, als ob sich die Regisseurin dann doch nicht wirklich getraut hat, den Film so zu drehen, das es ihn für Censors in der heutigen Zeit angreifbar gemacht hätte.
Der Film ist wie ein Trip in die guten alten Achtziger, der vor allem als Hommage damaliger Horrorfilme den Genrefans wirklich Spass macht und die Fragwürdigkeit von Zensur und das Einfliessen persönlicher Ansichten und Lebensumstände auf Freigabeentscheidungen gut sichtbar macht.
Von Prano Bailey-Bond; mit Niamh Algar, Michael Smiley, Sophia La Porta, Adrian Schiller;84 Minuten.
Harald Ringel
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