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Sprache ist nicht Mathematik. Leider. Oder eher: Gott sei Dank! Wie seltsam unser wichtigstes Ausdrucksmittel manchmal ist, zeigen diese willkürlich ausgewählten Beispiele.
Es ist keine Besonderheit, dass gleichlautende Wörter verschiedene Bedeutungen haben können – der Fachbegriff dafür ist Homonym. Homonyme ermöglichen es, Sätze zu bilden, in denen dasselbe Wort mehrmals vorkommt. Ein bekanntes Beispiel ist im Deutschen:
Im Englischen gibt es einen solchen Satz, in dem dasselbe Wort sogar achtmal vorkommt – und daneben kein anderes:
«Buffalo» hat drei Bedeutungsbereiche:
Der Satz bedeutet demnach etwa: Bisons aus Buffalo, gemobbt von Bisons aus Buffalo, mobben Bisons aus Buffalo. Hier schön dargestellt als Comic:
Der Begriff ist nicht gerade ein Kompliment. Man verwendet ihn scherzhaft für Alkoholiker oder allgemein Schnapstrinker, und er ist ein Synonym von «Schluckspecht». Die Schnapsdrossel stammt jedoch im Gegensatz zu Letzterem nicht aus dem Reich der Vögel, wie man glauben könnte. «Drossel» steht hier nämlich für «Kehle» – die alte Bedeutung hat sich noch im Verb «erdrosseln» gehalten.
Wie schön sind doch die slawischen Sprachen! Und wie unverständlich. Von der Aussprache gar nicht zu reden! Oder gibt es jemanden – tschechische Muttersprachler nicht eingerechnet –, der diesen Zungenbrecher aussprechen kann?
15 Buchstaben – und kein einziger Vokal dabei! Aber es geht noch
besser schlimmer:
Diese vollständig vokallose Geschichte hier in einer bedeutend umfangreicheren deutschen Übersetzung:
Vorsicht: Die Frage am Schluss ist – zumindest falls korrekt ausgesprochen – in tschechischen Ohren sehr vulgär und beleidigend.
Kondom, Präservativ, Pariser, Gummi, Verhüterli – es gibt eine ganze Reihe von Bezeichnungen für das Verhütungsmittel. Auch Franzosen und Engländer kennen mehrere Ausdrücke dafür. Interessant ist allerdings, dass einer der französischen Begriffe «capote anglaise» lautet – während die Engländer diskret von «French letter» sprechen. Der Nachbar ist eben immer verruchter.
Ob «Pariser» im deutschen Sprachraum auch so ein Fall ist oder ob es sich um eine Verballhornung von Präser(vativ) handelt, entzieht sich meiner Kenntnis.
Japan. Land der aufgehenden Sonne. Und der seltsamen Dinge. Die japanische Sprache kennt den Ausdruck «Bakku shan» (バックシャン), der sinngemäss etwa bedeutet: «Frau, die von hinten besser aussieht als von vorn». Möglicherweise handelt es sich um ein Kompositum von Lehnwörtern aus dem Englischen («back») und Deutschen («schön»).
Auf Persisch soll es möglich sein, aus 19 Verben und sonst nichts einen grammatisch korrekten Satz zu bilden. Behauptet zumindest untenstehender Tweet:
Sinngemäss übersetzt bedeutet der Satz:
Aber Deutsch muss sich nicht verstecken! Die Sprache Goethes verfügt über eine ausgeprägte Fähigkeit, Komposita zu bilden. In diesem hübschen kleinen – und nicht mehr ganz neuen – Video sehen wir, wie das geht:
Besser nicht. Sonst solltest du diesen Beitrag überspringen. Die Hippopotomonstrosesquippedaliophobie soll nämlich die Angst vor langen Wörtern sein. Der Scherzkeks, der sich diesen 36 Buchstaben langen Begriff ausgedacht hat, hat auf perfide Art dafür gesorgt, dass Hippopotomonstrosesquippedaliophobiker ihre eigene Phobie nicht ohne Angstzustände benennen können. Der eigentliche Fachbegriff ist freilich auch nicht gerade das, was man unter kurz und prägnant versteht: Sesquipedalophobie ist der wissenschaftlich korrekte Fachausdruck für die Angst vor langen Wörtern.
Die deutsche Sprache hat da so einiges im Köcher, das Sesquipedalophobiker an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen kann. Ein Wort wie
zum Beispiel. Der Duden führt das 85 Buchstaben umfassende Wortungetüm als kreative Augenblicksbildung, die nur einmal im Dudenkorpus vorkomme. Bei den regulären Wörtern, die mindestens viermal im Korpus erscheinen, ist die
mit 67 Buchstaben das längste.
Bekannter, aber mit 63 Buchstaben ein wenig kürzer ist das
Das Wort hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag und bezeichnet ein seit 2013 aufgehobenes Gesetz im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. 1999 wäre es fast zum Wort des Jahres gewählt worden.
Lange Wörter sind allerdings etwas umständlich; es ist daher kein Wunder, dass in einem durchschnittlichen deutschen Text fast genau die Hälfte aller Wörter einsilbig ist. Die mittlere Länge deutscher Wörter liegt zwischen 1,7 und 1,83 Silben pro Wort. Das ist mehr als Englisch (1,4) oder Französisch (1,6), aber weniger als Italienisch (2,0) oder Russisch (2,2).
Viel länger als die deutschen Wortungetüme ist aber der chemische Name des grössten bekannten menschlichen Proteins Titin. Es besteht aus mehr als 30'000 Aminosäuren – und der Begriff aus 189'819 Buchstaben. Da könnte es durchaus Anspruch auf den Titel des längsten Wortes der Welt erheben. Doch es steht in keinem Wörterbuch, und damit steht dieser Anspruch auf wackligen Füssen. Sonst müsste man nämlich auch ins Unendliche erweiterbare Zahlen berücksichtigen.
Stell dir vor, du hast ein Glas über den Durst getrunken und willst jetzt dem Taxifahrer sagen, wo du wohnst. Und stell dir vor, du wohnst in Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrnd-robwllllantysiliogogogoch.
Die Ortschaft mit dem unaussprechlichen Namen ist genau aus diesem Grund berühmt und liegt in Wales. Ursprünglich hiess der Ort nicht so – wen wundert das wirklich? –, sondern begnügte sich mit der Bezeichnung Llanfair Pwllgwyngyll. Der neue, lange Name war eigentlich nur ein Marketing-Gag. Ein erfolgreicher, wie man sieht.
Der walisische Zungenbrecher ist 58 Buchstaben lang. Damit hat er keine Chance gegen eine Ortsbezeichnung auf Neuseeland, die mit 85 Buchstaben daherkommt:
Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu.
Es handelt sich um den Maori-Namen eines eher unscheinbaren Hügels auf der Nordinsel. Die einzige Attraktion dort dürfte die Ortsbezeichnung sein. Das ist bei Bangkok eher weniger der Fall – die thailändische Hauptstadt hat weit mehr zu bieten als nur ihren zeremoniellen Namen. Aber der hat's in sich:
In thailändischer Schrift und ohne Leerzeichen ist der Bandwurm-Name 139 Zeichen lang. Er bedeutet zu Deutsch:
Auf der spanischen Kanareninsel La Gomera gibt es eine Sprache, deren Lautarsenal ausschliesslich aus Pfeiflauten besteht. Das Silbo Gomero ist aber nicht eine eigene Sprache im engeren Sinn, sondern basiert – zumindest heute – auf der spanischen Sprache. Es gibt noch weitere Pfeifsprachen auf der Welt, doch sie alle sind wie das Silbo Gomero an ihre gesprochene Ausgangssprache gekoppelt.
Auch Hühner haben anscheinend verschiedene Sprachen. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass deutsche Hähne «Kikeriki» krähen, während niederländische «Kukeleku» und französische «Cocorico» machen? Das Federvieh in Grossbritannien und den USA begrüsst den Tag wieder ganz anders, nämlich mit «Cock-a-doodle-doo». In China dagegen kräht es «Goh-geh-goh-goh» und in der Türkei «Ü-ürü-üüü». Da ist es kein Wunder, dass katalanische Gockel – «Co-co-ro-co» – anders klingen als ihre spanischen Artgenossen, die «Quiquiriquí» krähen.
Der Hahnenschrei dient als beliebtes Beispiel, um die Onomatopoetika verschiedener Sprachen zu illustrieren. Das schöne Fremdwort Onomatopoesie umschreibt die sprachliche Nachahmung von aussersprachlichen Lauten und Geräuschen. Obwohl der Hahnenschrei in Wahrheit überall gleich klingt, wird er je nach Sprachraum anders wiedergegeben.
Vor einigen Monaten entzückte ein Video zahllose Zuschauer, in dem zwei Kleinkinder zu sehen sind, die angeregt miteinander plaudern – in einer rudimentären Sprache, die niemand versteht:
Was die Zwillinge hier plappern, ist womöglich der Anfang einer Geheimsprache, die nur sie verstehen und sprechen. Es gibt einen Fachausdruck dafür: Kryptophasie. Berühmt sind die eineiigen Zwillingsschwestern Grace und Virginia Kelly, die in den 70er-Jahren im kalifornischen San Diego aufwuchsen. Die beiden nannten einander «Poto» und «Cabengo», sie waren oft sich selber überlassen und sprachen im Alter von sechs Jahren noch kein Wort Englisch – dafür beherrschten sie eine eigene Sprache, die sonst niemand verstand.
In der deutschen Sprache gibt es nur fünf (!) Wörter, die auf «nf» enden. Hier sind sie: