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Die aktuelle Ausgabe des Zeitspiel-Magazins widmet sich dem Unterbau des europäischen Fussballs. Über den Schweizer Amateurfussball durfte ich in einem dreiseitigen Interview ausführlich Auskunft geben. Dazu gibt es unter der Rubrik “Fussballwelt” ein doppelseitiges Fan-Bild vom Stadtderby. Keep Reading
“Ist nicht der Thurgau der schlechteste Fussballkanton der Schweiz?” Diese etwas ketzerische Frage stellte mir Mämä vom ZWÖLF-Magazin bei einem Gespräch im Hafenareal.
Da musste ich gleich mal nachschauen. Nur 6 Kantone haben keinen Verein zwischen der Super League und der 1. Liga. Das wären neben dem Thurgau: Graubünden, Uri, Obwalden und die beiden Appenzell. Einwohnermässig sind Uri (36’000), Obwalden (37’000) und die beiden Appenzell (AI 16’000, AR 55’000) entschuldigt. Bleiben der Thurgau (274’000 Einwohner) und Graubünden (198’000 Einwohner).
Der Thurgau stellt immerhin drei Vereine in der 2. Liga IR (FCK, Calcio, Amriswil), Graubünden mit Chur 97 nur einen. Im Thurgau sind es also 91’000 Einwohner auf einen Verein der fünfthöchsten Liga, womit man die Rote Laterne gerade noch nach Graubünden weiterreichen kann. Andererseits, wir sind der grösste Kanton ohne 1.-Ligisten.
Gut, es gab zwei Phasen wo man es hätte schaffen können. In den 1930ern der FC Kreuzlingen (sportlicher Aufstieg in die Nationalliga, damals höchste Liga) und in den 1980ern der FC Frauenfeld (mehrere Jahre in der Nationalliga B). Etwas substantielles ist dabei weder hier noch dort entstanden. In Frauenfeld profitiert man wenigstens noch von einer Tribüne aus dieser Zeit (Foto), immerhin.
Auf der deutschen Seite des Bodensees siehts nicht besser aus. Warum findet man (auch geschichtlich), in unserer Region kaum überregional erfolgreiche Fussballvereine?
Mit der Grenzlage ist es nicht zu erklären. Im Tessin stehen sich traditionell erfolgreiche Fussballvereine auf den Füssen.
Mir sagte mal einer, der Bodensee’ler würde sich nur schwer begeistern lassen. Man ist hier eher gemütlich als visionär.
In letzter Zeit ist hier ja geradezu Aufruhr. Mein letzter Beitrag “Ringer in Rüti” liess diesen erzürnen und mir mit dem Rechtsweg drohen. Gleich zwei allseits bekannte Fussballkolumnen-Schreiber meldeten sich bei mir – mit allerlei Erfahrung zum Thema.
Ich möchte anhand eines Beispiels erklären, wir wir Fans im Norman-Smith-Stand ticken. Bei uns spielte vor Jahren mal ein ebenfalls alles andere als athletischer Spieler. Dessen Freistösse waren aber göttlich. Ich habe davor und danach nie wieder einen Spieler gesehen, welcher solche Freistösse schoss. Würde Fussball nur aus Freistössen bestehen, er wäre für jede Nationalmannschaft aufgeboten worden. Aus einer Distanz von 16 bis 25 Metern zimmerte er praktisch jeden Ball unhaltbar ins obere Eck. Es war der Wahnsinn. Der FCK verlegte seine Spielweise hauptsächlich auf das vorbereiten von Freistössen in besagter Distanz. Er war unser Held, der mit Abstand beliebteste Spieler seiner Zeit. Gerade wegen dieser Kombination von anscheinender Gemütlichkeit und absolutem Können.
Lieber D.F. aus Rüti, ich habe deinetwegen den Eintrag angepasst. Gerne hätten wir allerdings mit Dir über unseren FCK gelacht, zum Beispiel mit einem entsprechenden Kommentar von Dir in diesem Blog, sowas macht den Amateurfussball doch so wahnsinnig sympathisch! Da muss man doch nicht gleich (mit einem chancenlosen) Rechtsweg drohen.
Ein gewisses Verständnis habe ich aber für D.F. – was in einem intimen Fanzine funktioniert, wird in einem Blog mitunter problematisch. D.F. wünsche ich eine weiterhin gute Saison, mit dem ein oder anderen Freistosstor.
Anschliessend ein paar gute Gründe für eine Fusion im Kreuzlinger Fussball – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Der Betrieb einer Mannschaft in der 2. Liga Interregional kostet über 100’000 Franken – ohne Spieler- und Trainerspesen. Dieser Betrag wird derzeit von den Kreuzlinger Fussballvereinen doppelt aufgebracht. Wie gesagt, die Spieler- und Trainerspesen kommen zu diesem Betrag noch oben drauf, genauso wie die Kosten einer U-Mannschaft in der 3. Liga. Eine Fusion würde erheblich Ausgaben einsparen.
In einer ungeteilten Juniorenabteilung könnte man qualitativ bessere Teams zusammenstellen.
Die rufschädigende Stimmungsmache gegen den anderen Verein hätte ein Ende. Solange zwei Vereine existieren, wird keiner der beiden eine positive Stimmung in der Stadt erzeugen können, die Arbeit des einen wird immer vom anderen schlecht geredet. Schade, aber nur ganz schwer zu ändern. Als lachender Dritter können sich alle anderen Kreuzlinger Sportvereine fühlen, insbesondere die Handballer.
Man könnte bei Behörden und Sponsoren mit einer Stimme für den Kreuzlinger Fussball sprechen, unter anderem in der Platzfrage (wurden im Seezelg von Seiten Calcios die Interessen des Kreuzlinger Fussballs vertreten?).
Synergien bei der Administration, in der Vorstandsarbeit, beim Ehrenamt und auf vielen weiteren Ebenen.
Das jeder Partner viel in eine solche “Ehe” einbringen würde, sollte eigentlich unbestritten sein. Beim FCK eine 114-jährige Tradition, ein riesiger Sponsoren-Pool, engagierte Mitglieder (da gibt es sehr viele lieber AS Calcio!), ein florierendes Handicap-Team mit grosser Medienpräsenz, eine seit 20 Jahren erfolgreiche 1. Mannschaft welche über die Landesgrenzen hinaus einen guten Ruf bei Spielern geniesst (man muss nur mal unsere deutschen Spieler fragen), eine Reihe von Kreuzlinger Persönlichkeiten welche sich seit Jahrzehnten mit dem FCK verbunden fühlen, ein etwa 200 Zuschauer zählendes Stammpublikum inklusive eines seit 20 Jahren aktiven Fanclubs. Beim FCK wird zudem seit über 10 Jahren seriös und wirtschaftlich einwandfrei gearbeitet.
Was bei Calcio alles super läuft ist mir auch bewusst – hier kämen nicht zwei serbelnde Vereine zusammen die sich gegenseitig nichts bringen, es kämen zwei in jeweils anderen Gebieten starke Vereine zusammen, also die optimale Voraussetzung für Erfolg!
Kurz gesagt: Geld – Nachwuchs – Ruf – Ehrenamt. Diese 4 Pfeiler eines Vereins würden allesamt sehr stark profitieren!
Warum eine Fusion in Kreuzlingen nicht klappt, ist mir zum grossen Teil schon bewusst. Ich mache diesbezüglich auch niemandem einen Vorwurf.
Aber sehr schade ist es. Was wären das langfristig für Vorteile die eine solche Fusion brächte. Wir könnten hier Promotion League spielen auf lange Sicht, zumal die geografische Lage optimal für einen solchen Verein wäre, kein 1. Ligist weit und breit, Konstanz als Fussball-Brachland, was für ein Einzugsgebiet für Junioren, Sponsoren, Zuschauer und vor allem für talentierte Spieler! So eine geografisch optimale Lage für einen Spitzen-Amateurclub würde man in der Schweiz kein zweites Mal finden.
Derzeit ist man von einer Fusion weiter weg denn je.
In einem ersten Schritt sollte man die Leistungen des anderen respektieren. Wenn man dem anderen die Leistungen jedoch abspricht und nur die eigenen sieht, dann zeugt das von Überheblichkeit – und vor allem von Unkenntnis.