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Ein Baby wird zur jungen Frau, als Mutter fungiert ein Roboter. Grant Sputores erster Film ist ein starkes SF-Kammerspiel mit Horrorelementen.
Ein Roboter (Stimme: Rose Byrne) zieht eine menschliche Tochter (Clara Rugaard) auf, in einem von Licht und Leben geschützten Bunker. Der Roboter, genannt Mutter, ist sehr zufrieden mit seiner Tochter. Doch als ein anderer Mensch (Hilary Swank) auftaucht und Einlass verlangt, wird alles in Frage gestellt…
Mit «I Am Mother» legt Grant Sputore einen perfekten SF-Film vor, der viele der Fragen, die uns heute unter den Nägeln brennen, verhandelt. Ethische Fragen um Mensch und Maschine, die Frage nach der Zukunft der menschlichen Spezies an sich. Es kommen in «I Am Mother» keine Männer vor, mal abgesehen von Johnny Carson und einem Gast in zwei Folgen von der Tonight Show, die sich die Tochter anschaut.
Die Gäste bei Johnny heissen Whoopie Goldberg und Steve Martin; es ist sicher kein Zufall, dass sich die von einem Roboter aufgezogene Tochter punkto Humor weiterbilden will – die von Rose Byrne gesprochene Mother sagt denn auch an einer Stelle, sie versuche gerade, humoristisch zu sein. Aber leben wir (nach der grossen Katastrophe) in Zeiten des Humors? Die Fremde, die auftaucht, kämpft ums nackte Überleben, wurde nach eigener Aussage von einem Roboter verletzt. Oder waren es vielmehr doch andere Menschen, die die Namenlose angegriffen haben?
Namenlos sind natürlich eigentlich alle in diesem Film; Mutter und Tochter sind ja nicht wirkliche Namen, und nur ein kleines Kind meint, Mama und Papa seien die Namen der Eltern. Auch die Fremde stellt sich nicht vor, und dies, obwohl die Tochter sie an einer Stelle operiert – Zeit, um sich vorzustellen, wäre also sicherlich vorhanden.
Auch die Fremde spricht dem Roboter die Individualität ab, sie redet zuerst von «droids» , dann von «dozers» – etymologisch gesehen also von den Menschenähnlichen (android – mod. Lat. androides – griech. andros = Mann, Mensch, eides = Form), dann aber von einer Maschine, die alles plattwalzt. Dass dabei auch ein bulldozer (etymologisch: Bulle und Dosis) ursprünglich ein brutaler Mensch war, das Wort also erst später auf die Maschine übertragen wurde, tut dabei nichts zur Sache.
Oder vielleicht doch: der Mensch vermutet sich in postmenschlichen Welten, am Schluss erweist sich dies aber doch als Trugschluss. Dies mag in unserer Welt stimmen, in Sputores Film aber nicht unbedingt. Trotzdem handelt auch «I Am Mother» natürlich von unserer Welt. In einem gewissen Sinne ist der Roboter in «I Am Mother» eher wie ein Alien aus Don Siegels Film «Invasion of the Body Snatchers».
Die Aliens in Don Siegels Film aus dem Jahre 1956 stehen dabei für die Kommunisten (die als Angriff auf die menschlichen Werte an sich gesehen wurden); heute steht die KI im Film wohl wirklich für die KI selbst – wir leben in oberflächlichen Zeiten. «I Am Mother» ist natürlich trotzdem ein vielschichtiges Werk, und gerade der Vergleich mit Siegels «Invasion of the Body Snatchers» ist erhellend: während die Schoten aus dem Weltall den Menschen ersetzen bei Siegel, so sind hier wir selber die Aliens: die Fremden; auf Englisch kann dabei notabene ein alien auch einfach ein Ausländer sein.
«I Am Mother». Australien 2019. Regie: Grant Sputore. Mit Clara Rugaard, Rose Byrne, Hilary Swank u.a. Premiere im B-Movie am 7. Februar 2020. www.b-movie.ch
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