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Drogenkonsum in Europa stark angestiegen
Ergebnisse einer europäischen Mehrstädte-Studie zeigen einen Anstieg illegaler Drogen bzw. ihrer Metaboliten im Abwasser. Berlin lag beim Kokainkonsum weit vor anderen deutschen Städten.
Abwasseranalysen insgesamt sehr aussagekräftig
Herkömmliche epidemiologische Methoden zur Erfassung von Drogenmissbrauch stützten sich auf Fragebögen und wiesen daher die klassischen Fehlerquellen auf, wodurch das Risiko einer Unterschätzung des Phänomens besteht. Abwasseranalysen bieten die Möglichkeit einer Echtzeit-Überwachung von Trends des illegalen Drogenkonsums auf Bevölkerungsebene. Eine wichtige Ausnahme ist der spezifische Metabolit von Heroin, 6-Monoacetylmorphin, der sich im Abwasser als instabil erwiesen hat. Die einzige Alternative wäre, Morphin zu verwenden, doch dieses ist kein spezifischer Biomarker und kann auch im Kontext eines therapeutischen Gebrauchs ausgeschieden werden.
Im Rahmen des bisher größten europäischen Projekts dieser Art untersuchte die EMCDDA Abwässer in 104 europäischen Städten und Gemeinden, um die Drogenkonsum-Muster ihrer 45 Millionen Einwohner zu erfassen. Die im März 2023 veröffentlichten Ergebnisse liefern eine wertvolle Momentaufnahme der Drogenströme in den beteiligten Städten und zeigen deutliche geografische Unterschiede auf: Speed war vor allem im Norden populär, Meth im Osten und Koks im Westen.2,3
Kokainangebot und -nachfrage weltweit auf Rekordniveau
Laut eines Berichtes des Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen erreichte die Kokainproduktion nach der Coronakrise ein alarmierendes Allzeit-Hoch. Von 2020 auf 2021 stieg der Kokaanbau um 35 Prozent.4 Auch die Zahl der von den Behörden abgefangenen Kokainlieferungen hat weltweit stark zugenommen, wobei die Beschlagnahmungen im Jahr 2021 einen Rekordwert von fast 2.000 Tonnen erreichten. Kokain ist die am zweithäufigsten konsumierte illegale Droge in Europa, was die Abwasseranalyse erneut bestätigt. Auf Platz 1 steht in Europa nach wie vor Cannabis, mit geschätzten 22,6 Millionen Konsumenten im letzten Jahr.
Die aktuelle Analyse der EMCDDA zeigt, dass Berlin in Deutschland beim Kokainkonsum vorn liegt. Seit 2018 stieg dieser um 58 Prozent. Kokain wird über seinen Metaboliten Benzoylecgonin (BE) nachgewiesen. Die im Abwasser festgestellten BE-Belastungen deuten darauf hin, dass der Kokainkonsum in west- und südeuropäischen Städten nach wie vor am höchsten ist, insbesondere in Städten in Belgien, den Niederlanden, Portugal und Spanien. In den meisten osteuropäischen Städten wurden niedrige Werte festgestellt, wenngleich die jüngsten Daten einige Anzeichen für einen Anstieg zeigen.2,3
Zum ersten Mal wurde auch Ketamin analysiert, allerdings nur für einige Städte. Die in der Partyszene missbrauchte Substanz scheint vor allem in Spanien (Spitzenreiter war Barcelona), Dänemark, Italien und Portugal verbreitet zu sein, insgesamt waren die Rückstände aber niedrig.2,3
Weitere problematische Entwicklung: Crystal Meth
Ein besonders starker Anstieg war vielerorts bei Methamphetamin ("Crystal Meth") zu verzeichnen, das von Drogenexperten als eine der gefährlichsten Drogen eingestuft wird.5 In Berlin hat der Konsum seit 2018 noch mehr zugenommen als der von Kokain, nämlich um 70 Prozent.3 Methamphetamin ist hochkonzentriert und wirkt daher viel stärker und macht schneller abhängig als Amphetamine wie Speed und Ecstasy und kann Körper und Psyche erschreckend schnell zugrunde richten.5
Analog zu früheren Messungen wird Crystal in Tschechien am stärksten konsumiert, da es hier eine Tradition der Selbstherstellung gibt, die bis in die Zeit vor der Revolution zurückreicht. Etwa zwanzig Jahre lang wurden hier Drogen selbst produziert. In allen drei gemessenen tschechischen Städten sind die Werte im Vergleich zum Vorjahr nochmals gestiegen, gefolgt von Chemnitz, Dresden und Erfurt, vermutlich aufgrund der geografischen Nähe.3 Bei Amphetamin ("Speed") lagen dagegen nordische Länder, wie Schweden, vorn.2,3
Amphetamin- und Metamphetaminkonsum waren 2022 gleichmäßiger über die Wochentage verteilt als in anderen Jahren. Dies könnte einen regelmäßigeren Konsum dieser Drogen in einer Kohorte von Hochrisikokonsumenten widerspiegeln, schließt die Analyse.2
- Negro, F. & Baggio, U. Wastewater analysis and drug consumption: useful assessment tool. Clin Ter 173, 526–527 (2022).
- Wastewater analysis and drugs — a European multi-city study | www.emcdda.europa.eu. https://www.emcdda.europa.eu/publications/html/pods/waste-water-analysis_en.
- Drogenanalyse in 104 Städten: Koks in Europa auf dem Vormarsch – Crystal Meth ebenfalls. Tagesspiegel https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/drogenanalyse-in-104-staedten-koks-in-europa-auf-dem-vormarsch-crystal-meth-ebenfalls/.
- Cocaine trafficking diversifying through new hubs and groups, with global supply at record levels, says new report from the United Nations Office on Drugs and Crime. United Nations : Office on Drugs and Crime //www.unodc.org/unodc/en/frontpage/2023/March/cocaine-trafficking-diversifying-through-new-hubs-and-groups--with-global-supply-at-record-levels--says-new-report-from-the-united-nations-office-on-drugs-and-crime.html.
- Partydroge: Crystal macht extrem schnell süchtig. Der Tagesspiegel Online.
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