Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03258.jsonl.gz/1952

Am wenigsten Passversuche aller 24 EM-Teilnehmer (907), auch nach vier Spielen noch. Ein Cornerverhältnis von 10:30. 29 Abschlussversuche. Wenn man es nicht besser wüsste, wähnte man Island spätestens nach dem Achtelfinal dieser Endrunde und solcherlei Bilanzen in den Ferien. Aber: Island machte aus 14 Schüssen aufs Tor sechs Treffer, niemand so viel aus so wenig.
Die Ferien treten nun die hochbezahlten englischen Vertreter der Premier League an. Ihr “Leistungsausweis” im Vergleich mit dem EM-Debütanten: 83 Abschlussversuche, nur Belgien verzeichnete bislang mehr. 59 Prozent Ballbesitz (3.), 88 Prozent erfolgreiche Pässe (4.), 2001 Passversuche (5.), 33:9 Corner. Der Nutzen daraus? Vier Tore, ein Sieg, mal wieder ein Out in der ersten K.o.-Runde.
Andere Vergleiche zwischen England, dem Mutterland des Fussballs, und Island wirken teilweise noch absurder. Der Premier League würde es nicht einmal im Traum in den Sinn kommen, wenn sie denn dürfte, den Meisterschaftsbetrieb während eines grossen Turniers nicht einzustellen. Wie auch, wenn 102 der 552 für die EM gemeldeten Akteure in der letzten Saison ihr Geld in der finanzkräftigsten Liga der Welt verdienten?
Islands erste Liga mit einem aktuellen Schnitt von 1174 Zuschauern pro Spiel und geschätzten TV-Einnahmen von einer Million Euro pro Jahr läuft derzeit, sie ist von der EM nicht betroffen. Alle isländischen Nationalspieler stehen im Ausland unter Vertrag. Und ihr gesamter Marktwert ist gemäss dem Internet-Portal “transfermarkt” tiefer als jener von Raheem Sterling (45 Mio. Euro). Das dürfte sich mit der Neubewertung nach der EM ändern.
Ein anderes Beispiel für die beiden Extreme sind die Europacup-Erfolge. Englische Mannschaften gewannen 31 Titel, zuletzt Chelsea 2012 (Champions League) und 2013 (Europa League). Total gehen zwölf Triumphe im Meistercup/Champions League, elf in der Europa League respektive im UEFA-Cup und acht im Cupsieger-Cup auf ihr Konto. Derweil hat es noch kein einziges Mal ein isländischer Klub in die Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs geschafft. Stjarnan aus dem Reykjaviker Vorort Gardabaer überstand im Sommer 2014 gegen Bangor City, Motherwell und Lech Poznan drei Runden der Europa-League-Qualifikation; Inter Mailand hinderte den Kleinklub mit zwei deutlichen Siegen (3:0/6:0) dann an der Premiere.
(SDA)