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Sturzprophylaxe
Definition
Unter dem Begriff Sturzprophylaxe werden verschiedene Massnahmen zusammengefasst, die Menschen mit einem erhöhten Sturzrisiko helfen sollen. Die meist älteren Personen werden zum einen darin geschult, ihre Wohnumgebung ohne Hindernisse sicher einzurichten und ihr Verhalten den Umständen entsprechend anzupassen. Ferner trainieren die Senioren mit verschiedenen Übungen Gleichgewicht, Koordination, Beweglichkeit und Kraft, um sicher gehen und stehen zu können.
Herkunft
Mit zunehmendem Alter steigt das Sturzrisiko: Die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes liegt für Menschen über 65 Jahren bei 30 bis 40 Prozent pro Jahr. Stürze ereignen sich jedoch nicht nur bei Senioren, sondern auch bei jüngeren Personen. Erstere sind aber aufgrund von Erkrankungen wie zum Beispiel Osteoporose verletzungsanfälliger und die Folgen der Sturzunfälle sind bei ihnen gravierender als bei jüngeren Personen.
Stürze bei älteren Personen führen oft zu einer verminderten Mobilität und Unabhängigkeit und damit zu einer schlechteren Lebensqualität, teilweise gar zu einem Eintritt in ein Pflegeheim. Auch Stürze ohne Verletzungsfolge können für die Betroffenen negative Folgen haben: Wenn sie aus Angst vor neuerlichen Stürzen unsicher werden, ihre körperliche Aktivität einschränken oder ihre Lebensweise ändern, nimmt ihre körperliche Leistungsfähigkeit ab und das Sturzrisiko erhöht sich.
Ein Risikofaktor für einen Sturz ist neben dem Alter auch das Geschlecht: Frauen stürzen im Alter bis zu dreimal häufiger als Männer. Weitere Risikofaktoren sind Stürze in der Vergangenheit, Defizite in Gleichgewicht, Gang, Bewegungskoordination und Reaktionsfähigkeit, das Einnehmen bestimmter Medikamente, eine verminderte Sehschärfe sowie Demenz. Verschiedene Massnahmen können helfen, Stürze zu vermeiden. Dazu gehören neben einer Optimierung des Wohnraums, bei der Sicherheitsrisiken wie beispielsweise freiliegende Kabel entfernt werden, einer Überprüfung der Sehkraft und der Medikamente auch ein Kurs in Sturzprophylaxe.
Grundlagen
Ein gutes Gleichgewicht unterstützt die Kontrolle der eigenen Bewegungen, verringert die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes und gibt Sicherheit. Gleichgewicht ist eine koordinative Fähigkeit und ist definiert als die Fähigkeit, den gesamten Körper, auch im Zuge umfangreicher Körperverlagerungen, in Balance zu halten bzw. diese bei Bedarf wiederherzustellen. Gründe für ein schlechteres Gleichgewicht im Alter sind neben der verminderten Sehkraft und der verlangsamten Reaktionsfähigkeit meistens körperliche Inaktivität und mangelnde Übung. Gleichgewicht gehört dabei zu den Fähigkeiten, die bei fehlender Bewegung am schnellsten nachlassen. Überdies verschlechtern sich bei Senioren auch Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und die sensorischen Fähigkeiten.
Die Ziele einer Sturzprophylaxe sind die Verbesserung von Gleichgewicht, Reaktion, Koordination, muskulärer Kraft, Beweglichkeit und Körperhaltung sowie die Schulung der Körperwahrnehmung. Die Kursteilnehmer sollen im Alltag sicher gehen und stehen und ihre Bewegungsfreiheit bewahren können, Stürze vermeiden sowie das Vertrauen in den eigenen Körper stärken. Das Krafttraining dient neben der Sturzprophylaxe dem Vorbeugen von Gelenkproblemen, Osteoporose und Haltungsschäden.
Verwendete Technik
In einem Kurs zur Sturzprophylaxe erhalten die Senioren Hinweise, wie sie Stürze vermeiden sowie Sturzrisiken erkennen und beseitigen können. Wichtigste Voraussetzung hierfür ist, dass Haus und Umgebung sicher eingerichtet sind. Entsprechende Massnahmen sind beispielsweise die Verbesserung der Beleuchtung oder die Sicherung loser Teppiche sowie die Verwendung von Hilfsmitteln wie eine rutschfeste Matte in der Badwanne, Haltegriffe im Badezimmer und Handläufe an den Treppen. Auch das sichere Verhalten ist ein Thema: Die Kursteilnehmer erhalten diesbezüglich verschiedene Hinweise wie beispielsweise gut sitzende Schuhe mit Profil zu tragen, wenn nötig Gehilfen zu benützen oder als Aufstiegshilfen keine Stühle, sondern Leitern zu verwenden. Ein weiteres Hilfsmittel, das empfohlen werden kann, ist der Hüftprotektor: Dabei handelt es sich um Schalen oder Polster, die in spezielle Unterwäsche eingenäht werden. Damit kann ein Sturz zwar nicht vermieden, im Falle eines Sturzes können dadurch aber Oberschenkelhalsbrüche verhindert werden.
Ein weiterer Bestandteil der Sturzprophylaxe können Gleichgewichtsübungen sein. Damit üben die Kursteilnehmer sicheres Gehen und Stehen, das Drehen des Körpers sowie das Halten des Gleichgewichts in schwierigen, unsicheren Momenten. Mögliche Übungen sind beispielsweise Treppensteigen, das Überwinden von Hindernissen oder das Bewegen im Gedränge. Zudem wird zum Beispiel auch geübt, sich auf eine Matte hinzusetzen oder hinzulegen und danach wieder aufzustehen, da eine Mehrheit der Senioren Angst vor dem Boden hat. Die Übungen werden hauptsächlich im Stehen oder im Gehen durchgeführt, wobei erstere einfacher sind. Die Kursteilnehmer sollen dabei versuchen, die Übungen möglichst ohne den Einsatz einer Haltemöglichkeit durchzuführen. Anfangs sind die Übungen einfach; schwierigere Übungen werden erst angegangen, wenn die einfachen sicher beherrscht werden. Dabei liegt der Fokus nicht darauf, möglichst viele Übungen zu absolvieren, sondern diese exakt auszuführen. Als Hilfsmittel für Gleichgewichtsübungen können Seile, Bälle oder Luftballons verwendet werden oder andere Kleingeräte, die auch im Alltag zur Verfügung stehen. Es existieren viele verschiedene Möglichkeiten, die Übungen zu steigern bzw. zu variieren: Die Standfläche kann verringert werden, es kann ein anderer Untergrund (weich, uneben) gewählt werden, Übungen im Gehen können statt vorwärts rückwärts oder seitwärts durchgeführt werden, die Arme können nach oben genommen oder die Augen geschlossen werden.
Das Krafttraining als Teil einer Sturzprophylaxe umfasst Übungen für Arme, Oberkörper und Beine. Dabei können Hilfsmittel wie das Thera-Band®, Hanteln oder Gewichtsmanschetten für die Beine eingesetzt werden oder das Krafttraining wird an entsprechenden Geräten absolviert. Bei der Kombination von Kraft- und Gleichgewichtstraining ist zu berücksichtigen, dass letzteres im ermüdungsfreien Zustand absolviert und daher immer am Anfang einer Trainingseinheit angesetzt werden soll.