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Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) ist eine charakterstarke, einsame Frau in einer kleinen Frontier-Stadt in Nebraska. Sie entschliesst sich, drei andere Frauen, welche das harte Leben im Westen um den Verstand gebracht hat, in einem Wagen 400 Meilen nach Iowa in ein Pflegeheim zu fahren – weil keiner der Männer in der Stadt dafür Manns genug ist.
«The Homesman» ist «The African Queen» als Western erzählt, mit Hilary Swank in der Rolle der Katharine Hepburn und Tommy Lee Jones als Humphrey Bogart. Der Drifter, der sich George Briggs nennt, hilft Mary Bee bloss, weil sie ihn vor dem Tod am Strang gerettet hat. Und ihm eine grosse Flasche Whisky und 300 Dollar verspricht, wenn er sie und die drei Frauen im vergitterten Wagen heil durch Prärie bringt.
Tommy Lee Jones zeigt Tommy Lee Jones
Wie schon sein Regiedebüt «The Three Burials of Melquiades Estrada» von 2005 ist der Film um Tommy Lee Jones herum konzipiert – auch wenn dieses Mal die zentrale Rolle von Hilary Swank gespielt wird: Der Titel macht klar, um wen es wirklich geht.
Die harte Reise, der Kampf gegen Kälte, Hunger, Indianer und andere Drifter bringt Mary Bee Cuddy und Briggs einander näher. Auch darum, weil Mary Bee bald erkennt, dass nur die ziemlich amoralische und egoistische Haltung des älteren Mannes tatsächlich ihr Überleben sichern kann.
Und anders als in «The African Queen», wo Humphrey Bogarts Figur von Hepburns Missionarin immer wieder in die Moralmangel genommen wird, hält sich Mary Bee zurück. Briggs weiss sehr genau, was Recht und Anstand wäre, bloss sind seine Überlebensinstinkte meistens stärker.
Die Zuschauer auf falschen Fährten
Es gibt eine ganze Reihe von Überraschungen in dem Film. Die Inszenierung und das Drehbuch, welches Jones zusammen mit Kieran Fitzgerald und Wesley Oliver auf der Basis eines Romans geschrieben hat, spielen gekonnt mit den Publikumserwartungen. Da stürmt Mary Bee wütend vom Lagerfeuer weg in Richtung Fluss und Briggs folgt ihr durchs Gebüsch. Aber statt der erwarteten Szene mit einer sich nackt im Wasser waschenden Hilary Swank sehen wir die vollständig angekleidete Frau: Singend übt sie auf ihrer ausgerollten Klaviertastatur-Imitation aus Stoff eine Hymne.
Das ungleiche Paar, das mit drei sprachlosen Verrückten unterwegs ist, von denen eine auch noch zu ziemlich mörderischen Wutanfällen neigt, bietet genügend Gelegenheiten für komische Momente. Etwa, wenn sie die drei Frauen vor der Weiterfahrt am Morgen dazu bringen müssen, ihre Notdurft zu verrichten.
Es grüssen: die Coens und Clint Eastwood
«The Homesman» ist ein eindrücklicher Film, ein verdeckt moralisierendes Abenteuerstück und natürlich nicht nur bei «The African Queen» angelehnt, sondern auch beim wunderbaren «True Grit»-Remake der Coen-Brüder. Und ein wenig auch bei den 70er-Jahre-Western bis hin zu «Two Mules for Sister Sarah» mit Clint Eastwood.
Den grossen Atem und die surreale Stimmigkeit von «The Three Burials» erreicht Tommy Lee Jones dieses Mal aber nicht. Dafür sind die Kontraste im Film zu gross, die Szenen manchmal zu sehr auf Effekt gebaut und die ganze Ausgangslage schon um etliches unwahrscheinlicher konzipiert.
Cannes: Frisch ab Leinwand
SRF-Filmkritiker Michael Sennhauser schaut sich in Cannes dutzende Filme an und schreibt über seine ersten unmittelbaren Eindrücke.
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