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Alidair Macintyre, schottischer Moralphilosophe, hat in seinem Werk „Der Verlust der Tugend“ (Campus-Verlag: New York 1987; engl. „After Virtue“) eine steile These aufgestellt:
Die Hypothese, die ich aufstellen möchte, lautet, dass in der Welt, in der wir heute leben, die Sprache der Moral … verwahrlost ist … Wenn das zutrifft besitzen wir heute noch Bruchstücke eines Begriffsschemas, Teile ohne Bezug zu jenem Kontext, der ihnen ihre Bedeutung verliehen hat. Wir besitzen in Wahrheit nur Scheinbilder der Moral, und wir gebrauchen weiterhin viele ihrer Schlüsselbegriffe. Aber wir haben zu einem grossen Teil, wenn nicht sogar völlig, unser Verständnis, theoretisch wie praktisch, oder unsere Moral verloren. (15)
… Man beachte, dass dieser Geschichte, einer Geschichte des Niedergangs und Verfalls, Wertmassstäbe zugrunde liegen. Es ist keine wertneutrale Chronik. (ebd.)
… Das erstaunlichste an moralischen Äusserungen heute ist, dass sie oft nur dazu benutzt werden, Meinungsunterschiede auszudrücken; und das erstaunlichste an den Debatten, bei denen diese unterschiedlichen Auffassungen zum Ausdruck kommen, ist, dass sie endlos sind. Ich meine damit nicht nur, dass diese Debatten dauern und dauern – das tun sie auch -, sondern dass sie offenbar zu keinem Endergebnis kommen können. In unserer Kultur scheint es keinen vernünftigen Weg zu geben, eine moralische Übereinstimmung zu erzielen. (19)
P. S. Im Buch plädiert er für die Wiedereinführung der Tugendethik.
Hier geht es zur öffentlichen Vorlesung “On having survived the academic moral philosophy of the twentieth century” anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Dublin.