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Autor: BURKERT, Walter // Titel: Die Griechen und der Orient // Originaltitel: – // Verlag: Verlag C.H. Beck // Erschienen: Auflage: 3., durchgesehene Auflage (4. August 2009) // ISBN-10: 3406502474 // ISBN-13: 978-3406502477 // Seiten: 176 // Einband: gebundene Ausgabe // Preis: 19,90 € // Genre: Fachbuch (das sich aber auch an Laien richtet)
gelesen im Februar/März 2011
(Zu Beginn eine kleine Anmerkung: ich habe dieses Buch für meine Schreibübung rezensiert und das hier ist der erste Entwurf (es handelt sich wirklich um eine Rohfassung, wer also Rechtschreib- oder Logikfehler findet, darf mich darauf hinweisen oder sie behalten ;-D); vermutlich ist sie ziemlich schlecht – ich werde die Rezension also die Tage sowieso noch bearbeiten… für meinen Blog sollte sie aber allemal gut genug sein und am Ende werde ich kurz noch ein paar persönliche Eindrücke anfügen, die in der Rezension für die Uni nichts verloren haben!)
Rezension
Walter Burkert schließt mit seinem Buch Die Griechen und der Orient an die aktuelle Forschung an, die sich zunehmend aus interkulturellen Perspektiven heraus mit dem klassischen Griechenland beschäftigt.
Burkerts Monographie grenzt sich durch die Fokussierung auf den interkulturellen Kontext der griechischen Kultur deutlich von älteren Werken ab, welche die Errungenschaften des klassischen Griechenlands häufig isoliert betrachten oder sich auf Griechenlands politische Geschichte beschränken. Das Buch hebt sich insbesondere dadurch ab, dass nicht nur archäologischen Zeugnisse wie Tempeln oder Vasen, sondern vor allen Dingen literarischen und religiös-geistlichen Einwirkungen nachgegangen wird.
Er beginnt mit einer Einführung in der er begründet, weshalb Griechenland nicht isoliert betrachtet werden kann. Er zeigt zahlreiche Kontaktmöglichkeiten zwischen den Griechen und dem Orient auf und gibt den Hinweis, dass trotz Beeinflussung und Übernahme in Kunst, Literatur und Kultur doch stets etwas Neues entstanden ist.
An seine Einführung knüpft er mit einer Analyse der griechischen Schriftkultur an. Er hebt die Bedeutung des Schriftsystems hervor, welches die Griechen um 800 v. Chr. zunächst übernahmen, im Anschluss jedoch weiterentwickelten. Sie ergänzten die Konsonantenschrift um Vokale und reduzierten die Anzahl der Zeichen. So erschufen sie eine gut erlernbare Schrift, die schnell von den griechischen Nachbarn übernommen wurde.
Burkert verweist sowohl auf eigene Forschungsansätze als auch auf archäologische Quellen. Missverständlich ist die Passage, in der er sich den Wörtern alpu, betu und gamlu (S. 24) widmet. Er verweist lediglich durch eine Fußnote, deren Auflösung in einem Anhang knapp 100 Seiten später erfolgt, darauf, dass die Bedeutung des Wortes gamlu umstritten ist (S. 139). Bei einer ersten Lektüre kann dies leicht übersehen und die Übersetzung von gamlu mit Kamel als Tatsache verstanden werden.
Im nachfolgenden Kapitel widmet Burkert sich den Bezügen Homers zur orientalischen Literatur und weiß aufgrund der vielen belegten Entsprechungen durchaus zu überzeugen. So wird eine Beeinflussung Homers durch orientalische Texte sowohl inhaltlich als auch sprachlich deutlich. Für einen Leser, der mit den Epen Homers nicht eng vertraut ist, stellt dieses Kapitel jedoch eine Herausforderung dar, da es durch die vielen Götternamen und die wenigen Absätze nicht leicht zu erschließen ist.
Im dritten Abschnitt untersucht Burkert die Wurzeln der griechischen Philosophie und kommt auch hier zu dem überzeugenden Ergebnis, dass es Verbindungen zum Orient gegeben haben muss. Auch diesmal arbeitet er mit Quellenmaterial und belegt seine Aussagen durch orientalische Textpassagen, verwendet aber auch mehr Absätze, welche die Übersicht erleichtern. Trotz aller Parallelen zwischen Griechenland und dem Orient verweist er hier dennoch ausdrücklich darauf, dass der Stellenwert der griechischen Philosophie nicht zu unterschätzen ist.
Im vorletzten Kapitel geht er besonders auf die Beziehungen zwischen Griechenland und Ägypten ein und fokussiert die Jenseitsvorstellungen eines Mysterienkultes. Er stellt Verbindungen zwischen Osiris, Dyonisus und Orpheus her und gelangt zu dem Schluss, dass zwischen den drei Figuren ein Zusammenhang besteht, bzw. dass die griechischen Figuren eindeutig durch die ägyptische Mythologie geprägt sind. Seine Argumentation ist hierbei jedoch nicht so eindrücklich nachzuvollziehen wie in den Kapiteln über Homer und die Philosophie; hat er in den vorangegangenen Kapiteln literarische Quellen aufgearbeitet bleibt er dieses Mal hauptsächlich auf Knochenplättchen und die Beschreibung bildlicher Darstellungen beschränkt, was das Verständnis des Kapitels erschwert. Auch belässt Burkert es nicht bei ägyptischen Einflüssen, sondern weist weiter auf iranische Einflüsse hin ohne allerdings die Bezüge zwischen ägyptischer, iranischer und griechischer Mythologie zu erläutern.
Burkert schließt mit einer Analyse des Verhältnisses zwischen Persern, Iranern und Griechen, bei der er vom Priestertitel Megabyxos (Persisch) und dem Wort mágos (Iranisch) ausgeht. Gemessen an der Dichte der Belege in den vorherigen Kapiteln erscheint hier der Bezug durch nur zwei Wörter wenig überzeugend – ein Umstand, der möglicherweise auf die dürftige Quellenlage zurückzuführen ist.
Insgesamt betrachtet ist die Darstellung der Forschungsergebnisse in Form eines Fließtextes nicht immer übersichtlich und deswegen insbesondere für Laien, an die sich Burkert ebenso wie an Historiker richtet, stellenweise nicht eindeutig nachzuvollziehen. Insbesondere im letzten Kapitel wären Abbildungen der Vasenbilder, auf die Burkert sich bezieht, wünschenswert gewesen und hätten das Verständnis vereinfachen können.
Beeindruckend ist hingegen die Dichte der Informationen und Bezüge, die einen vielschichtigen Blick auf die kulturelle Entwicklung Griechenlands ermöglichen, der in vielen Darstellungen zur griechischen Antike zu kurz kommt.
Im Gegensatz zum ‘Studienbuch der Antike’ Gehrkes (?), das alleine aufgrund seines Umfangs eine “Qual” war (über 600 Seiten geballtes Fachwissen… = sehr, sehr, sehr viel Information, um so ein Buch einfach mal durchzuarbeiten) und auch im Gegensatz zur ‘Römischen Sozialgeschichte’ von Alföldy war ‘Die Griechen und der Orient’ eine angenehme Lektüre;
angenehm deshalb, weil es hier ausnahmsweise mal nicht um “Ereignisgeschichte” ging, sondern viel mehr um Kulturgeschichte und der strenge Blick auf die klassische Antike etwas revidiert wurde – Burkert zeigt hier einfach, dass die genialen Werke der Griechen eben nicht einfach so entstanden, sondern ebenfalls geniale Wurzeln hatten und das ist definitiv interessant…
Das riesige Manko an diesem Buch ist allerdings die Darstellung. Waren die ersten zwei Kapitel noch gut lesbar, gab es nachfolgend so viele Zitate, so viele verwirrende Götternamen, und und und und, dass ich am Ende der Lektüre einfach nur verwirrt war, bzw. bin! Ich fürchte, ich weiß nicht einmal mehr die Hälfte von dem, was in diesem Buch drin stand… Und ich hoffe, ich muss es für die Prüfungsvorbereitung nicht noch einmal lesen :X …
Also, die ganzen Menschen, die schon viel länger Geschichte studieren als ich und viel mehr Ahnung von der Antike haben (die ja auch nicht gerade mein Steckenpferd ist) finden Burkerts Buch sicherlich nicht ohne Grund absolut genial; mir fehlen vermutlich einfach die vielen kulturellen Bezüge zur griechischen und zur orientalischen Kultur. Ich habe zwar Homer gelesen, ich kenne mich ein bisschen mit der griechischen Mythenwelt und Kultur aus – aber das hat für mich nicht ausgereicht, um das Buch wirklich von Grund auf verstehen zu können.
Schade :(
(Übrigens war das mein letztes von 10 Büchern für meine Literaturprüfung in Geschichte – und mein zweites Fach/Sachbuch für die “Der Geschichte auf der Spur” Challenge für die Station “Antike”…)