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Europas zyklische Aktien hatten sich seit Jahresbeginn besser entwickelt als die defensiven Titel. Doch seit die Korrektur an den globalen Märkten Ende Januar begann, zählen sie zu den Verlierern, da Sorgen über das Wirtschaftswachstum die Aufmerksamkeit der Anleger auf Versorger, Basiskonsumgüter und Energie lenkten.
Als die Erholung der europäischen Wirtschaft in einen Boom der Unternehmensgewinne mündete, übertrafen die zyklischen Titel der Region jedes Quartal seit Juni 2016 die defensiven Aktien. Aber obwohl einige Strategen, etwa von Société Générale, weiterhin auf zyklische Werte setzen, empfiehlt eine zunehmende Zahl, darunter von Natixis und HSBC Bank, zu defensiven Aktien zu wechseln.
"In Europa bevorzugen wir defensive Werte gegenüber Zyklikern, da letztere eine stärkere Outperformance aufweisen als die Fundamentaldaten rechtfertigen, und da die Produktionsdaten der Region gegenüber den Spitzenwerten nachlassen", sagt Lars Kreckel, Aktienstratege bei Legal & General Investment Management in London.
Europäische zyklische Aktien, die in der Vergangenheit den defensiven Aktien der Region hinterher hinkten, haben so stark angezogen, dass sie am 21. Februar zum ersten Mal seit mindestens 2010 - als Bloomberg begann, die Indexdaten zu verfolgen - höher schlossen als defensive Werte. Aber seither hat sich der Rückgang der zyklischen Aktien fortgesetzt und ihr Abschlag gegenüber defensiven Aktien ausgeweitet.
Negative Überraschung
Im Euroraum hat sich das Wirtschaftsvertrauen im März abgeschwächt. Das war das jüngste Signal in einer Reihe von Daten, die darauf schliessen lassen, dass sich das Wirtschaftswachstum im Währungsblock abkühlt, nachdem 2017 die schnellste Expansion seit einem Jahrzehnt zu verzeichnen war. Zugleich bleibt die Inflation hartnäckig unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank von knapp 2 Prozent.
"Ich bevorzuge defensive Sektoren wegen des Potenzials für eine weitere negative wirtschaftliche Überraschung in der Eurozone im zweiten Quartal und Erwartungen, dass die Anleiherenditen sinken werden, da die Inflation unter den Schätzungen liegen wird", sagt Max Kettner, in London ansässiger Cross-Asset-Stratege der Commerzbank.
Seit am 30. Januar eine weltweite Aktienmarktkorrektur begann, sind zyklische Aktien von Banken und Grundstoffen im Stoxx Europa 600 Index um mehr als 9 Prozent eingebrochen, während defensive Aktien von Versorgungsunternehmen 3,5 Prozent und Öl- und Gasaktien 7,1 Prozent verloren haben. Gleichzeitig wurden einige klassisch defensive Sektoren wie Telekommunikation und Gesundheitswesen im Ausverkauf überkompensiert und sind um mehr als 9 Prozent gefallen.
Auf Dividendentitel setzen
HSBC-Analyst Robert Parkes hat diese Woche europäische Telekommunikations- und Medizintechnikwerte auf Übergewichten angehoben und gleichzeitig Material-, Transport- und Autoaktien auf Untergewichten gesenkt. Dabei verwies er auf eine Rotation in längere Duration und Aktien mit höherer Dividendenrendite angesichts des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums.
Zur gleichen Zeit warnten die Natixis-Analysten Sylvain Goyon und Thomas Zlowodzki davor, zu pessimistisch im Hinblick auf die europäischen Wachstumsaussichten zu sein. Sie sagten, dass Indikatoren, die niedriger als erwartet ausgefallen sind, das hohe Niveau der erreichten Aktivität widerspiegeln und keine Rezession signalisieren. Aber die Marktkorrektur erfordere einen Wechsel hin zu defensiven Aktien, fügten sie hinzu.
"Dies ist eindeutig eine gute Nachricht für die Aktienmärkte, aber sie muss wahrscheinlich mit anderen Vektoren gespielt werden als in der Phase des schnellen Marktanstiegs, die den zyklischen Werten zugute kam", so die Natixis-Strategen. "Die Erschöpfung der Beschleunigungskapazität des Zyklus dürfte daher die Rückkehr zu defensiveren Themen fördern."
(Bloomberg)