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Strompreis - Quo vadis?
Zusammensetzung des Strompreises
Die Gestaltung von Stromtarifen ist heute stark politisch beeinflusst, nicht zuletzt, um den Energieverbrauch der Bevölkerung und der Industrie zu lenken. Dabei kommen vier Komponenten aus denen sich der Strompreis zusammensetzt zum Tragen: die Energiekosten, die Netzkosten, die Abgaben an Bund und Gemeinden, sowie die Förderabgaben für erneuerbare Energien.
Dies war jedoch nicht immer so. Bis in die 60er Jahre war der Strompreis fast ausschliesslich durch die reinen Energiekosten respektive Rohstoffpreise bestimmt – sogar Ende der 90er Jahre lag der Anteil der Energiekosten am gesamten Strompreis noch bei rund 75%. Durch die dann einsetzende Energiewende nahm dieser Anteil rapide ab und liegt heute nur noch bei rund 35%.
Mit der Ölpreiskrise von 1973/74 kam der Paradigmenwechsel
Nachdem in der Nachkriegszeit Energie als Garant für eine florierende Wirtschaft sehr günstig war, fand in den frühen 1970er Jahren – gekoppelt mit der Ölpreiskrise – ein Paradigmenwechsel in der Energiepolitik statt. In Basel veranlasste die drohende Ressourcenknappheit die damalige EWB dazu, Rabatte aufzuheben, Spezialtarife zu revidieren und die Tarifstruktur zu vereinfachen.
Mit dieser Tarifrevision ging für den Kanton Basel-Stadt eine lange Periode stabiler Energiepreise zu Ende. Gleichzeitig rückten Ressourcenschonung und Umweltschutz in den Vordergrund, was 1977 in das Energieleitbild beider Basel mündete. Das Energieleitbild enthielt entscheidende neue Aspekte der Energiepolitik, wie die Substitution von Erdöl, den bewussten Verzicht auf Atomstrom, die kantonale Förderung des Energiesparens und die regionale Zusammenarbeit der Versorgungsunternehmen. Auf dieser Basis entstanden 1978 aus den ehemaligen Konkurrenten Gas- und Wasserwerke (GWW) und Elektrizitätswerk Basel (EWB) die Industriellen Werke Basel – die heutige IWB.
Das IWB-Gesetz von 1988 schafft erste Anreize zum Energiesparen
In der Folge wurden die Stromtarife nicht ausschliesslich nach marktwirtschaftlichen Prinzipien festgelegt, sondern auch als Mittel einer nachhaltigen Energiepolitik eingesetzt. Seit dem Inkrafttreten des IWB-Gesetzes im Jahre 1988 gewährleisteten die Tarife nicht nur eine gerechte Zuordnung der Kosten, sondern sie boten dem Konsumenten auch erste Anreize zur sparsamen Verwendung der Ressourcen. Damit wich der Gedanke der Erwirtschaftung hoher Gewinne dem Ziel der nachhaltigen Versorgung.
Historisch tiefe Strompreise im Jahr 2007
Ab Mitte der 1990er Jahre profitierten Wirtschaft und Haushalte von anhaltend sinkenden Strompreisen (nominal und real), die im Jahr 2007 einen Tiefpunkt erreichten. So ist gemäss der vom BFE jährlich publizierten Schweizerischen Elektrizitätsstatistik der mittlere nominale Endverbraucherpreis für Elektrizität zwischen 1996 und 2007 um 16 % gesunken. Diese Preisentwicklung ist vor dem Hintergrund der Strommarktöffnung im EU-Raum und des zunehmenden grenzüberschreitenden Handels zu sehen, welche die Systemeffizienz wesentlich verbessert haben. Als Folge dessen und aufgrund des Überangebots an Strom in der EU und der Schweiz zwischen 1996 und 2007 deutlich gesunken.
Ein leichtes Ansteigen der Stromtarife ist seit 2007 zu beobachten. Gründe dafür liegen in steigenden Investitionen der Branche in Versorgungssicherheit und die nachhaltige Stromproduktion, so etwa in Leitungsnetze und Kraftwerke zur Produktion von erneuerbaren Energien, aber auch höhere Belastungen durch das öffentliche Gemeinwesen schlagen zu Buche. Die Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigen jedoch, dass die Strompreise seit 1970 im Verhältnis zum Landesindex der Konsumentenpreise weniger stark angestiegen sind.
Energiestrategie 2050 - ein Ausblick
Mit Blick auf das politische und wirtschaftliche Geschehen, kann davon ausgegangen werden, dass die Strompreise in der Schweiz auch künftig ansteigen werden. Massgeblich dafür verantwortlich ist die Annahme des revidierten Energiegesetzes durch das Stimmvolk am 21. Mai 2017. In Folge dieser Abstimmung ist die Energiestrategie 2050 per 01.01.2018 in Kraft getreten. Deren drei Eckpfeiler lauten: Steigerung der Energieeffizienz, Atomausstieg und Ausbau erneuerbarer Energien von derzeit rund 3000 GWh auf 11'400 GWh im Jahre 2035.